Einleitung
Ilah, Rabb, Din und Ibadat – diese vier Begriffe besitzen in der Terminologie des Korans grundlegende Bedeutung. Die umfassende Botschaft des Korans lautet, dass allein Allah der einzige Rabb und Ilah ist; außer Ihm gibt es keinen Ilah und keinen Rabb. Niemand ist an Seiner Uluhiyya und Rububiyya beteiligt. Nehmt daher Ihn allein als euren Ilah und Rabb an und weist die Uluhiyya und Rububiyya aller anderen außer Ihm zurück. Verrichtet Ibadat für Ihn und verrichtet für niemand anderen außer Ihm Ibadat. Widmet den Din ausschließlich Ihm und weist alle anderen Dins zurück.
——————-Sure an-Nisa: 25——————– Jedem Gesandten, den Wir vor dir entsandt haben, haben Wir offenbart: „Es gibt keinen Ilah außer Mir. So verrichtet nur für Mich Ibadat.“ – an-Nisa 25
———————Sure at-Tauba: 31——————— Ihnen wurde nichts anderes befohlen, als für diesen Ilah Ibadat zu verrichten. Es gibt keinen Ilah außer Ihm. Er ist frei von dem, was sie Ihm beigesellen. – at-Tauba 31
——————–Sure al-Anbiya: 92—————– Wahrlich, diese eure Gemeinschaft (das heißt: die aller Propheten) ist eine einzige Gemeinschaft, und Ich bin euer Rabb. So verrichtet Ibadat für Mich. – al-Anbiya 92
———————Sure al-An’am: 164 ————– Sprich: „Sollte ich etwa einen anderen Rabb als Allah suchen, obwohl Er doch der Rabb aller Dinge ist?“ – al-An’am 164
——————–Sure al-Kahf: 110 —————- Wer also auf die Begegnung mit seinem Rabb hofft, der soll gute Werke tun und bei der Ibadat für seinen Rabb niemanden beigesellen. – al-Kahf 110
——————-Sure an-Nahl: 36 ——————- Wir haben in jede Gemeinschaft einen Gesandten entsandt mit der Weisung: „Verrichtet Ibadat für Allah und haltet euch von der Ibadat des Taghut fern.“ – an-Nahl 36
—————— Sure Āl ʿImrān: 83 —————— Suchen sie etwa einen anderen Dīn als den Dīn Allahs? Dabei ist Ihm alles, was in den Himmeln und auf der Erde ist, freiwillig oder unfreiwillig ergeben. Zu Ihm müssen sie zurückkehren. – Āl ʿImrān: 83
———————- Sure az-Zumar: 11 ————— Sprich: Mir wurde befohlen, Allahs ʿIbāda zu verrichten und Ihm allein meinen Dīn zu widmen. – az-Zumar: 11
——————– Sure Āl ʿImrān: 51 —————– Wahrlich, Allah ist mein Rabb und euer Rabb. So dient Ihm allein. Dies ist der gerade Weg. – Āl ʿImrān: 51
Diese wenigen Verse wurden beispielshalber angeführt. Jeder, der den Koran studiert, wird schon auf den ersten Blick erkennen, dass sich die gesamte Darlegung des Korans um diese vier Fachbegriffe dreht. Der zentrale Gedanke (Central idea) des erhabenen Buches, des Korans, ist folgender:
Allah ist der Rabb und der Ilāh.
Niemand außer Allah besitzt das Recht auf Rubūbiyya und Ulūhiyya.
Daher darf nur Ihm allein ʿIbāda erwiesen werden.
Der Dīn soll ausschließlich Ihm allein gewidmet sein.
Die Bedeutung der vier grundlegenden Begriffe
Es ist offensichtlich, dass ein richtiges und umfassendes Verständnis der Bedeutung der vier grundlegenden Begriffe unerlässlich ist, um die Lehren des Korans zu begreifen. Wenn jemand nicht weiß, was das Wort Ilāh bedeutet, worin die Definition der ʿIbāda besteht und was mit Dīn gemeint ist, wird der gesamte Koran für ihn bedeutungslos bleiben. Er wird den Tauhid nicht kennen und den Schirk nicht verstehen; er wird die ʿIbāda nicht ausschließlich Allah widmen und den Dīn nicht allein für Allah bestimmen können. Wenn die Bedeutung dieser Begriffe im Denken eines Menschen ebenso unklar und unvollständig ist, wird ihm die gesamte Lehre des Korans unklar bleiben. Trotz seines Glaubens an den Koran werden sowohl seine Glaubensüberzeugungen als auch seine Praxis, sein Glaube und seine Taten unvollständig bleiben. Mit seinen Lippen wird er sagen: „Lā ilāha illallāh“ – es gibt keinen Ilāh außer Allah –, und dennoch wird er viele zu Ilāhen machen. Obwohl er mit seinen Lippen erklärt: „Es gibt keinen anderen Rabb außer Allah“, wird sich praktisch so mancher als sein Rabb aufspielen. In bester Absicht wird er sagen: „Ich verehre niemanden außer Allah“, und dennoch wird er mit der Verehrung vieler anderer Angebeteter beschäftigt sein. Mit größtem Nachdruck wird er sagen: „Ich bin im Dīn Allahs.“ Wenn man ihm sagt: „Du folgst einem anderen Dīn“, wird er zum Kampf bereit sein, und dennoch werden ihm die Ketten vieler Dīne um den Hals hängen. Das Wort „Ilāh“ oder „Rabb“ wird zwar niemals für jemanden außer Allah über seine Lippen kommen; doch im Sinne, für den diese Wörter geprägt wurden, wird er viele Ilāhe und Rabbs haben. Der Unglückliche wird nicht einmal wissen, dass er in Wirklichkeit neben Allah viele Rabbs und Ilāhe angenommen hat. Wenn man zu ihm sagt: „Du verehrst einen anderen und begehst im Dīn Schirk“, wird er herbeieilen, um denjenigen mit Steinen zu bewerfen. Doch hinsichtlich der Bedeutung von ʿIbāda und Dīn verehrt er tatsächlich andere und folgt einem anderen Dīn. Er wird nicht einmal wissen: Was ich tue, ist in Wirklichkeit nichts anderes als die Verehrung anderer. Über einen Menschen, der in einen solchen Zustand geraten ist, kann man nichts anderes sagen, als dass er dem Dīn anderer als Allah folgt.
Die Hauptursache der falschen Vorstellungen
Als der Koran in Arabien verkündet wurde, wusste jeder, was Ilāh bedeutet und wen man Rabb nennt. Denn diese beiden Wörter waren in ihrer Umgangssprache schon seit Langem gebräuchlich. Sie wussten, was diese Wörter bedeuteten und worin ihre Bedeutung lag. Als ihnen daher gesagt wurde, dass Allah allein der Rabb und der Ilāh sei und dass niemand auch nur den geringsten Anteil an Ulūhiyya und Rubūbiyya habe, verstanden sie dies ganz genau. Sie verstanden deutlich, was anderen untersagt wurde und was allein für Allah bestimmt war. Diejenigen, die Widerstand leisteten, widersetzten sich bewusst und wissentlich, weil sie wussten, wo die Leugnung der Ulūhiyya und Rubūbiyya anderer als Allah sie treffen würde. Sie nahmen den Glauben bewusst an, weil sie wussten, was sie aufgrund dieser Lehre aufgeben und was sie annehmen mussten. Ebenso waren die Wörter ʿIbāda und Dīn seit Langem in ihrer Sprache gebräuchlich. Sie wussten, was ein ʿabd ist und welcher Zustand mit ʿubūdiyya bezeichnet wird. Sie wussten, welche Art von Verhalten mit ʿIbāda gemeint ist und worin die Bedeutung des Dīn besteht. Als ihnen daher gesagt wurde: „Lasst die Verehrung aller anderen auf und verehrt Allah“ und „Löst euch von allen Dīnen und tretet in den Dīn Allahs ein“, missverstanden sie die koranische Botschaft nicht. Sobald sie diese Lehre hörten, verstanden sie, welche Art von Veränderung sie in ihrer Lebensordnung verlangte.
Doch die grundlegende Bedeutung, die diese Wörter zur Zeit der Offenbarung des Korans hatten, veränderte sich im Laufe der folgenden Jahrhunderte allmählich. Schließlich verlor jedes einzelne Wort seine gesamte umfassende Bedeutung und wurde auf eine äußerst begrenzte, ja sogar unklare Bedeutung festgelegt. Ein Grund dafür war der Mangel an echtem Interesse an der arabischen Sprache; ein zweiter Grund war, dass bei den Menschen, die später in der islamischen Gesellschaft aufkamen, die Bedeutung von Ilāh, Rabb, Dīn und ʿIbāda nicht mehr vorhanden war, die zur Zeit der Herabsendung des Korans in der nichtmuslimischen Gesellschaft verbreitet gewesen war. Deshalb wurden in den später entstandenen Wörterbüchern und Tafsīr-Werken die meisten koranischen Begriffe nicht mit ihren lexikalischen Bedeutungen erklärt, sondern mit Bedeutungen, die die Muslime späterer Zeiten verstanden. Zum Beispiel:
Das Wort Ilāh wurde beinahe mit „Idol“ und „Gottheit“ gleichgesetzt. Rabb wurde zum Synonym für Ernährer, Erhalter oder Fürsorger gemacht; ʿIbāda wurde mit Götzenverehrung und Anbetung gleichgesetzt; und Dīn wurde zu einem Synonym für Religion, Konfession und „Religion“ (Religion). Taghut wurde mit Idol oder Satan übersetzt.
Das Ergebnis war, dass es den Menschen schwerfiel, den grundlegenden Zweck des Korans überhaupt zu verstehen. Der Koran sagt: „Macht niemanden außer Allah zum Ilāh.“ Die Menschen meinen: Wir haben die Idole und Gottheiten aufgegeben; somit haben wir den Zweck des Korans erfüllt. Doch sie halten an all den anderen Dingen fest, auf die die Bedeutung von Ilāh ebenfalls zutrifft. Sie bemerken nicht einmal, dass sie andere als Allah zu Ilāhen machen. Der Koran sagt: „Erkennt niemanden außer Allah als Rabb an.“ Die Menschen sagen: Wir erkennen niemanden außer Allah als Fürsorger an; daher ist unser Tauhid vollständig. Doch unter den weiteren Bedeutungen, in denen das Wort Rabb verwendet wird, erkennen die meisten Menschen tatsächlich die Rubūbiyya anderer anstelle Allahs an. Der Koran sagt: „Gebt die ʿIbāda des Taghut auf und verehrt allein Allah.“ Die Menschen sagen: Wir verehren keine Idole, wir verfluchen Satan und werfen uns nur vor Allah nieder; somit haben wir auch diese Forderung des Korans erfüllt. Doch außer den steinernen Idolen halten sie an anderen Taghuts fest und widmen anderen als Allah jede Art von ʿIbāda, die nicht in der Form der Götzenverehrung besteht. Mit dem Dīn verhält es sich ebenso. Den Dīn für Allah lauter zu machen, wird lediglich so verstanden, dass ein Mensch die „islamische Religion“ annimmt und weder Hindu noch Jude oder Christ bleibt. Deshalb meint jeder Angehörige der „islamischen Religion“: Ich habe meinen Dīn für Allah lauter gemacht. Betrachtet man jedoch die umfassendere Bedeutung von Dīn, so gibt es mehr Menschen, deren Dīn nicht allein Allah gewidmet ist.
Die Folgen falscher Vorstellungen
Es ist wahr, dass allein dadurch, dass die Bedeutung dieser vier grundlegenden Fachbegriffe verhüllt worden ist, mehr als drei Viertel der Lehren des Korans, ja sogar sein wahrer Geist, dem Blick verborgen bleiben. Dies ist einer der Hauptgründe für die Mängel, die trotz der Annahme des Islams in der Glaubensüberzeugung, den religiösen Handlungen, dem Glauben und den Taten der Menschen festzustellen sind. Daher ist es unbedingt erforderlich, die grundlegenden Lehren des Edlen Korans und ihre ausführliche Erläuterung darzulegen.
In zahlreichen früheren Artikeln habe ich versucht, die Bedeutung dieser Wörter darzulegen. Doch einerseits reicht das, was ich bisher erörtert habe, nicht aus, um alle falschen Vorstellungen zu beseitigen, und andererseits kann es die Menschen nicht vollständig zufriedenstellen. Denn ohne den Verweis auf Wörterbücher und Koranverse betrachten die Menschen all meine Erläuterungen als bloße persönliche Ansichten. Für diejenigen, die nicht mit mir übereinstimmen, kann meine Auffassung zumindest kein Grund zur Zufriedenheit sein. In diesem Buch werde ich versuchen, die vollständige Bedeutung dieser vier Fachbegriffe äußerst klar darzulegen. Ich werde in diesem Buch nichts sagen, wofür sich weder in den Wörterbüchern noch im Koran ein Beleg findet.
Ilāh
Lexikalische Untersuchung
Die Grundbuchstaben des Wortes sind Alif, Lām und Hā. Die Wörter, die aus diesen Grundbuchstaben in den Wörterbüchern hervorgehen, werden im Folgenden erläutert:
Er ist erschöpft und völlig ermattet.
Ich fand Frieden und Zufriedenheit, indem ich bei ihm Zuflucht suchte oder eine Verbindung zu ihm herstellte.
Jemand geriet durch ein Unglück oder Leid in Angst und Schrecken; daraufhin gewährte ihm eine andere Person Schutz.
—————————— Aus starkem Interesse wandte der Mann seine Aufmerksamkeit der anderen Person zu.
———————– Das mutterlose Kameljunge fand seine Mutter und suchte sogleich Schutz an ihrer Seite.
—————————– Bedeckt oder verborgen sein, erhaben sein, sich über etwas erheben.
————- Er hat Ibadat verrichtet.
————– Warum und in welchem Zusammenhang die Bedeutung von Ibadat (Anbetung) und Ilah, also Ma’bud, entstanden ist, lässt sich erkennen, wenn man die grundlegenden Bedeutungen dieser Wurzeln betrachtet.
Erstens: Erst das Bedürfnis weckt im Herzen des Menschen den ursprünglichen Antrieb zur Ibadat. Bevor in seinem Inneren die Vorstellung entsteht, dass jemand seine Bedürfnisse erfüllen und ihm in Not Schutz gewähren kann, kann er sich nicht einmal vorstellen, jemanden anzubeten.
Zweitens: Der Mensch kann niemanden als jemanden betrachten, der seine Bedürfnisse erfüllt, wenn er ihn nicht für höherstehend als sich selbst hält. Es genügt nicht, seine Überlegenheit lediglich hinsichtlich Rang und Stellung anzuerkennen; vielmehr muss man seine Überlegenheit auch hinsichtlich Kraft und Fähigkeit anerkennen.
Drittens: Es trifft auch zu, dass im Herzen des Menschen kein Antrieb zur Anbetung jener Dinge entsteht, durch die seine Bedürfnisse gewöhnlich innerhalb einer Kette von Ursache und Wirkung erfüllt werden, wenn alle Vorgänge ihrer Bedürfnisbefriedigung vor seinen Augen oder innerhalb des Bereichs seines Wissens liegen. Wenn ich beispielsweise Geld brauche, um Ausgaben zu bestreiten, wende ich mich an eine Person und bitte sie um eine Anstellung oder um Arbeit. Diese Person nimmt mein Gesuch an, gibt mir eine Arbeit und zahlt mir im Gegenzug dafür eine Vergütung. Da sich all diese Vorgänge innerhalb der Reichweite meiner fünf Sinne und meines Wissens ereignet haben, weiß ich, wie sie mein Bedürfnis erfüllt hat. Daher entsteht in meinem Herzen auch keine Vorstellung davon, dass sie anbetungswürdig sei. Erst wenn die Persönlichkeit, die Kraft und Fähigkeit eines Menschen oder der Vorgang, durch den er Bedürfnisse erfüllt und Einfluss ausübt, geheimnisumwittert sind, kann in meinem Herzen die Vorstellung entstehen, diesen Menschen anzubeten. Deshalb wurde für den Ma’bud ein Wort gewählt, das neben der Bedeutung von Überlegenheit auch die Bedeutungen von Verborgenheit und Unruhe beziehungsweise Bewegtheit einschließt.
Viertens: Die Menschen halten es für unerlässlich, sich mit großem Interesse demjenigen zuzuwenden, von dem sie glauben, dass er in Zeiten der Bedürftigkeit ihre Not beseitigen, ihnen in Zeiten der Gefahr Schutz gewähren und ihnen in Zeiten der Unruhe Frieden schenken kann.
Aus der vorangegangenen Erörterung geht hervor, dass dem Gebrauch des Wortes Ilah für den Ma’bud folgende Vorstellungen zugrunde liegen: Bedürfnisse erfüllen, Schutz gewähren, Frieden und Ruhe schenken, überlegene Macht besitzen, Einfluss und Ansehen besitzen, all jene Befugnisse und Macht besitzen, aufgrund derer man hoffen kann, dass der Ma’bud Bedürfnisse erfüllt und Schutz gewährt, eine geheimnisumwobene Persönlichkeit sein oder dem gewöhnlichen Blick verborgen bleiben sowie das Interesse der Menschen auf sich ziehen.
Die Vorstellungen des Zeitalters der Dschāhiliyya über den Ilah
Nach dieser Erörterung der lexikalischen Bedeutung werden wir betrachten, welche Vorstellungen die Araber und die alten Völker von der Uluhiyya hatten, die der Koran zurückweisen will.
—————————– Sie haben neben Allah weitere Ilahs angenommen, damit diese ihnen Stärke verleihen können (oder damit sie, unter deren Schutz kommend, sicher sein können). Sure: Maryam 81
Erstens: ———————————— Sie haben neben Allah weitere Ilahs angenommen, in der Hoffnung, dass ihnen geholfen werde (das heißt, dass jene Ilahs ihnen helfen würden). Sure: Yā-Sīn 84
Aus diesen beiden Versen geht hervor, dass die Menschen des Zeitalters der Dschāhiliyya von demjenigen, den sie Ilah nannten, die Vorstellung hatten, er sei ihr Anführer und Lenker, beschütze sie in Zeiten von Not und Gefahr und bewahre sie durch seine Hilfe vor Angst und Unheil.
Zweitens: —————————– Als dann die Zeit des Urteils deines Herrn kam, konnten die Ilahs, die sie außer Allah anriefen, in keiner anderen Angelegenheit etwas bewirken als ihre Vernichtung. – Sure Hūd 101
——————————————– Derjenige, den sie anstelle Allahs anrufen, ist nicht der Schöpfer irgendeines Dinges; vielmehr ist er selbst ein erschaffenes Wesen. Er ist nicht lebendig, sondern tot. Er weiß auch nicht, wann sie mit neuem Leben auferweckt werden. Euer Ilah ist doch ein einziger Ilah. _ An-Nahl: 20–22
———————— Und rufe neben Allah keinen anderen Ilah an. Es gibt keinen Ilah außer Ihm.¹ – Sure Al-Qasas: 88
(1) (Hier ist zu beachten, dass das Wort Ilah im Quran in zwei Bedeutungen verwendet wird. Erstens: ein Maʿbud (Anbetungsobjekt), der tatsächlich angebetet wird, gleichgültig, ob dieser Maʿbud wahr oder falsch ist. Zweitens: ein Maʿbud, der grundsätzlich der Anbetung würdig ist. In diesem Vers wird das Wort Ilah an den beiden Stellen in diesen zwei unterschiedlichen Bedeutungen verwendet.)
———————— Diejenigen, die neben Allah andere Teilhaber anrufen, folgen nichts anderem als bloßen Vorstellungen. Sie folgen lediglich Vermutungen und Vorstellungen und laufen hinter ihnen her. – Yunus: 66
Diese Verse werfen Licht auf mehrere Punkte. Erstens: Die Menschen des Zeitalters der Dschāhilīya riefen denjenigen, den sie Ilah nannten, an, um Schwierigkeiten zu beseitigen und Bedürfnisse zu erfüllen. Mit anderen Worten: Sie richteten Duʿā an ihn.
Zweitens: Ihre Ilahs waren nicht nur Dschinn, Engel oder Götter, sondern auch Verstorbene. Aus diesem Vers des Quran geht dies eindeutig hervor:
——————- Sie sind tot, nicht lebendig. Sie wissen auch nicht, wann sie auferweckt werden.
Drittens: Von den Ilahs, von denen sie annahmen, dass sie ihre Duʿās hörten, glaubten sie auch, dass sie fähig seien, ihnen zu Hilfe zu kommen.
Die Bedeutung des Bittgebets und die Art und Weise der Hilfe, die man von denjenigen erwartet, muss hier ebenfalls beachtet werden. Wenn ich Durst bekomme und den Diener rufe, damit er Wasser bringt, oder wenn ich krank werde und einen Arzt zur Behandlung rufe, kann man das nicht als Bittgebet bezeichnen. Es bedeutet auch nicht, dass man den Diener oder den Arzt zu einem Ilah macht. Denn all dies unterliegt der Kausalität und geht nicht über sie hinaus. Wenn ich jedoch in durstigem oder krankem Zustand nicht den Diener oder den Arzt rufe, sondern einen Wali, einen frommen Gottesmann oder eine Gottheit, dann bedeutet das, ihn zu einem Ilah zu machen und ihn um Hilfe anzurufen. Denn wenn ein Wali oder frommer Gottesmann, der tausend Meilen von mir entfernt in einem Grab liegt, angerufen wird, bedeutet das, dass ich ihn für einen Hörer und Sehenden halte. Ich hege die Vorstellung von ihm, dass er Herrschaft über die Welt der Ursachen und Wirkungen besitzt und dadurch Wasser zu mir bringen und für die Heilung meiner Krankheit sorgen kann. Ebenso bedeutet das Anrufen einer Gottheit unter solchen Umständen, dass sie über Wasser sowie über Gesundheit und Krankheit verfügt. Sie kann die Ursachen auf übernatürliche Weise in Gang setzen, um meinen Mangel zu beheben. Daher beruht die Vorstellung, auf deren Grundlage man einen Ilah anruft, notwendigerweise auf einer übernatürlichen Macht (Übernatürliche Autorität) und auf der Vorstellung, dass dieser über eine übernatürliche Macht verfügt.
Drittens: Wir haben die Bewohner jener Siedlungen vernichtet, deren Spuren ihr in eurer Umgebung seht. Damit sie umkehren konnten, zeigten Wir ihnen wiederholt und nacheinander Unsere Zeichen. Warum halfen ihnen jene nicht, die sie unter Ausschluss Allahs durch die Suche nach Nähe zu ihren Ilahs gemacht hatten? Weit davon entfernt, ihnen zu helfen, verschwanden sie vielmehr und ließen sie im Stich. Das war die wahre Gestalt ihres lügnerischen, selbst erdichteten Verhaltens. – Sure al-Ahqaf: 27–28
Warum sollte ich nicht denjenigen anbeten, der mich erschaffen hat und zu dem ihr alle zurückgebracht werden müsst? Sollte ich etwa an seiner Stelle jene zu Ilahs nehmen, die so beschaffen sind, dass ihre Fürsprache mir nichts nützt, wenn der Erbarmer mir Schaden zufügen will, und dass sie mich nicht befreien können? – Sure Ya-Sin: 22–23
Außer Allah haben sie andere zu Partnern und wirkenden Helfern gemacht und sagen: „Wir beten sie nur deshalb an, damit sie uns Allah näherbringen.“ Über das, worüber sie uneins sind, wird Allah am Tag der Auferstehung unter ihnen entscheiden. – az-Zumar: 3
Außer Allah beten sie auch Mächte an, die ihnen weder nutzen noch schaden können. Sie sagen: „Diese werden bei Allah für uns Fürsprache einlegen.“ – Yunus: 18
In diesen Versen werden noch einige weitere Punkte beleuchtet. Aus diesen Versen geht hervor, dass die Menschen des Zeitalters der Unwissenheit hinsichtlich ihrer Ilahs nicht glaubten, die gesamte Göttlichkeit sei unter ihnen aufgeteilt worden und es gebe über ihnen keine übergeordnete Autorität. Sie hatten eindeutig die Vorstellung einer übergeordneten Autorität. Deshalb gab es in ihrer Sprache das Wort Allah. Ihr grundlegender Glaube hinsichtlich der anderen Ilahs war, dass diese in der Göttlichkeit der übergeordneten Autorität einen gewissen Anteil und Einfluss besäßen. Man müsse auf sie hören; durch sie könne man seine Angelegenheiten erledigen; durch ihre Fürsprache könne man Nutzen erlangen und vor Unheil bewahrt werden. Aufgrund dieser Vorstellungen hielten sie auch diese neben Allah für Ilahs. Daher bedeutete es nach ihrer Terminologie, jemanden für einen Fürsprecher bei Allah zu halten, ihn um Hilfe zu bitten, ihm Ehre und Achtung zu erweisen und ihm Opfergaben darzubringen, dass man ihn zu einem Ilah machte.¹
Anmerkung: (1) Hier muss man wissen, dass es zwei Arten der Fürsprache gibt. Erstens: eine Fürsprache, die auf irgendeiner Form von Macht oder Einfluss beruht. Auf welche Weise auch immer – letztlich wird die Angelegenheit durchgesetzt, und erst dann wird man freigelassen. Zweitens: eine Fürsprache, die lediglich einem Gesuch oder einer Bitte gleicht und hinter der keine Macht wirksam ist, durch die etwas gewaltsam durchgesetzt werden könnte. Nach der ersten Bedeutung ist es ein und dasselbe, jemanden für einen Fürsprecher zu halten, ihn zu einem Ilah zu machen und ihn an Allahs Göttlichkeit zu beteiligen. Der Koran weist eine solche Fürsprache zurück. Nach der zweiten Bedeutung können Propheten und Gesandte, Engel, fromme und rechtschaffene Menschen, Gläubige und alle Diener für andere Diener Fürsprache einlegen. Allah besitzt das uneingeschränkte Recht zu entscheiden, ob die Fürsprache jemandes angenommen wird oder nicht. Der Koran erkennt diese Art der Fürsprache an.)
Und Allah sagt: „Nehmt nicht zwei Ilahs an. Ilah ist nur einer. So fürchtet allein Mich.“ – Sure an-Nahl: 51
——————————————————————————— (Ibrahim sagte): Ich fürchte keineswegs diejenigen, die ihr Allah beigesellt. Wenn mein Herr jedoch etwas will, dann kann es gewiss geschehen. – Al-An’am 80
———————————————————————- (Die Leute von Hud sagten zu ihm): Wir werden sagen: Einer unserer Götter hat dich verflucht. Sure Hud: 54
Aus diesen Versen geht hervor, dass die Menschen der Dschahiliyya ihre Götter fürchteten und befürchteten, dass Krankheiten und Leid, Mangel und Not, Verluste an Leib und Besitz sowie andere Arten von Unglück über sie hereinbrechen würden, wenn sie sie irgendwie erzürnten oder ihrer Gunst beraubt würden.
Fünftens: ——————————————————————————– Sie haben ihre Gelehrten und Priester anstelle Allahs zu ihren Herren genommen. Auch den Messias, den Sohn Maryams, haben sie zum Herrn genommen. Dabei war ihnen doch befohlen worden, nur dem einen Gott zu dienen; es gibt keinen Gott außer Ihm. Sure At-Tauba: 31
———————————————————————————- Was denkst du über denjenigen, der seine eigenen Neigungen zu seinem Gott genommen hat? Kannst du für ihn die Verantwortung übernehmen? Al-Furqan: 43
——————————————————————————– Auf diese Weise haben ihre erdichteten Teilhaber (das heißt: Teilhaber an der Göttlichkeit) für viele Götzendiener die Tötung ihrer eigenen Kinder als etwas höchst Schönes erscheinen lassen. – Al-An’am: 137
—————————————————————————- Haben sie etwa Teilhaber (das heißt: Teilhaber an der Göttlichkeit), die für sie eine Scharia festgelegt haben, die Allah nicht erlaubt hat? Asch-Schura: 21
In all diesen Versen findet sich noch eine weitere Bedeutung von „Gott“. Diese Bedeutung unterscheidet sich völlig von den vorherigen Bedeutungen. Hier fehlt die Vorstellung von irgendeinem übernatürlichen Wesen. Dasjenige, was zum Gott genommen wurde, ist entweder eine Person oder die Neigung einer Person. In dem Sinne, dass man zu ihm Bittgebete richtete, ihn für denjenigen hielt, der über Nutzen und Schaden verfügt, und in der Hoffnung auf ihn flehte, wurde er hier nicht zum Gott genommen. Vielmehr wurde er in dem Sinne zum Gott genommen, dass seine Anweisung als Gesetz anerkannt, seine Gebote und Verbote befolgt und das von ihm Erlaubte als erlaubt und das von ihm Verbotene als verboten anerkannt wurde. Man ging davon aus, dass er das Recht habe, Anweisungen zu geben oder Verbote auszusprechen, und dass es keine Autorität über ihm gebe, deren Zustimmung eingeholt werden müsste oder an die man sich wenden könnte.
Im ersten Vers wird erwähnt, dass die Gelehrten und Priester (in der Sprache des Korans: Ahbar und Ruhban) zu Ilahs gemacht wurden. Eine klare Erklärung dazu finden wir im Hadith. Als Hadhrat Adi ibn Hatim (möge Allah mit ihm zufrieden sein) den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) nach diesem Vers fragte, sagte er: Ihr betrachtetet das, was eure Gelehrten und Rabbiner-Priester für halal erklärten, als halal, und ihr anerkanntet das, was sie für haram erklärten, als haram. Ihr kümmertet euch überhaupt nicht darum, was Allahs Gebot in dieser Angelegenheit war.
Die Bedeutung des zweiten Verses ist äußerst klar. Wer seinen Neigungen folgt und ihren Anweisungen den höchsten Stellenwert einräumt, hat in Wirklichkeit seine eigenen Neigungen zu seinem Ilah gemacht. Dies lässt sich aus dem betreffenden Vers leicht erkennen.
In den beiden folgenden Versen wird allerdings anstelle von Ilah das Wort Scharik verwendet. In der Übersetzung des Verses haben wir deutlich gemacht, dass Scharik bedeutet, jemanden zu einem Teilhaber an der Uluhiyya zu machen. Diese beiden Verse fällen eindeutig das Urteil, dass diejenigen, die irgendeine Sitte oder irgendeine Regelung ohne einen Beweis aus Allahs Anweisung als gültiges Gesetz betrachten, den Gesetzgeber zu einem Teilhaber Allahs an der Uluhiyya machen.
Ilah versus Macht
Zwischen allen Bedeutungen von Ilah, die oben erörtert wurden, besteht ein logischer Zusammenhang. Wer jemanden in übernatürlichem Sinne als Helfer, Beistand, Beseitiger von Not, Erfüller von Bedürfnissen, Erhörer von Bittgebeten oder als jemanden betrachtet, der Gutes oder Schlechtes bewirkt, denkt so, weil diese Person seiner Ansicht nach irgendeine Art von Macht über die Lenkung des Weltalls besitzt. Ebenso verhält es sich, wenn jemand eine Person fürchtet und meint, dass deren Unzufriedenheit ihm Schaden zufüge und deren Zufriedenheit ihm Nutzen bringe. Auch dieser Glaube und dieses Handeln beruhen auf nichts anderem als auf der Vorstellung, die er von einer bestimmten Kraft dieser Person hat. Wenn andererseits jemand trotz seines Bekenntnisses zum erhabenen Allah, dem Rabb al-Alamin, in seiner Not sich an einen anderen wendet, liegt auch diesem Handeln allein die Vorstellung zugrunde, dass er in der Göttlichkeit Gottes einen anderen in irgendeiner Weise als Teilhaber betrachtet. Ebenso erkennt auch derjenige, der die Anweisung jemandes als Gesetz und dessen Gebote und Verbote als unbedingt zu befolgen betrachtet, ihn als Inhaber der höchsten Macht an. Somit ist der eigentliche Geist der Uluhiyya die Macht. Ob seine Herrschaft bei der Verwaltung des Weltalls übernatürlicher Art ist oder ob der Mensch im materiellen Leben seinen Anweisungen untersteht und diese an ihrem jeweiligen Ort unbedingt zu befolgen sind – in welcher Bedeutung auch immer man diese Macht anerkennt: Darin besteht die eigentliche Bedeutung.
Das Argument des Korans
Auf Grundlage dieser Vorstellung von Macht setzt der Koran seine ganze Kraft dafür ein, alles außer Allah zurückzuweisen und ausschließlich Allahs Uluhiyya zu begründen. Das Argument des Korans lautet: Im Himmel und auf der Erde ist allein das eine Wesen Inhaber aller Macht und Verfügungsgewalt. Er allein hält die Schöpfung, die Gewährung von Gnaden, das Erteilen von Anweisungen sowie alle Kraft und Fähigkeit in Seiner Hand. Alles gehorcht Ihm willentlich oder widerwillig. Außer Ihm besitzt niemand irgendeine Macht; niemand hat das Recht, Anweisungen zu erteilen, niemand kennt das Geheimnis der Schöpfung, der Ordnung und der Lenkung, und niemand ist auch nur im Geringsten an Seiner Herrschaft und Macht beteiligt. Daher gibt es in Wirklichkeit außer Ihm keinen anderen Ilah. Wenn es tatsächlich keinen anderen Ilah gibt, dann sind die Handlungen, die ihr in der Annahme anderer als Ilahs vollzieht, grundsätzlich falsch und ungerecht. Ob es sich dabei um Bittgebete und Gebete, darum, jemanden zum Fürsprecher zu machen, oder um das Befolgen von Anweisungen und Gehorsam handelt – welche Handlung es auch sein mag: Alle Beziehungen, die ihr zu anderen unterhaltet, sollten ausschließlich Allah vorbehalten sein. Denn Er allein ist der Inhaber der Macht.
Hören Sie nun in den Worten des Korans selbst, wie der Koran in dieser Angelegenheit argumentiert:
————————————————————————————- Und Er ist es, der im Himmel eine Gottheit und auf der Erde eine Gottheit ist; und Er ist der Allweise und der Allwissende – überaus weise und allwissend (das heißt: Er besitzt alles an Wissen und Weisheit, was für die Herrschaft über Himmel und Erde erforderlich ist) – Sure az-Zuhruf: 84
—————————————————————————— Können denn derjenige, der erschafft, und derjenige, der nicht erschafft, gleich sein? —— Begreift ihr denn nicht einmal diese einfache Aussage? —– Diejenigen, die sie anstelle Allahs anrufen, können überhaupt nichts erschaffen; vielmehr sind sie selbst erschaffen. —– Euer Ilah ist wahrlich ein einziger Ilah. – an-Nahl: 17–22
—————————————————————— O Menschheit, gedenkt der Gunst, die Allah euch erwiesen hat. Gibt es außer Allah einen Schöpfer, der euch aus Himmel und Erde versorgt? Es gibt keinen Ilah außer Ihm. Wohin also lasst ihr euch abbringen? – Sure Fatir: 3
———————————————————— Sprich: Habt ihr bedacht, dass Allah euch euer Gehör und euer Augenlicht nimmt und eure Herzen versiegelt (das heißt: euch Wissen und Verstand nimmt)? Welcher Ilah außer Allah könnte euch dies zurückgeben? al-An’am: 46
—————————————————————– Er ist Allah; es gibt keinen anderen Ilah außer Ihm. Ihm allein gebührt das Lob im Diesseits und im Jenseits. Er allein gibt die Anordnung, und Er besitzt die höchste Macht. Zu Ihm werdet ihr zurückgebracht werden. Sprich: Habt ihr je bedacht, dass Allah die Nacht für euch bis zum Tag der Auferstehung andauern ließe? Welcher Ilah könnte euch dann Licht bringen? Wollt ihr denn nicht hören? Sprich: Habt ihr nicht bedacht, dass Allah den Tag dauerhaft über euch kommen ließe? Welcher Ilah könnte euch dann eine Nacht bringen, in der ihr Ruhe findet? Wollt ihr denn nicht sehen! – al-Qasas: 70–72
———————————————————————— Sprich: Ruft diejenigen an, die ihr anstelle Allahs für etwas haltet. Sie besitzen im Himmel und auf der Erde nicht einmal das Gewicht eines Staubkorns; sie haben keinen Anteil an der Verwaltung von Himmel und Erde, und unter ihnen ist auch keiner Allahs Helfer. Die Fürsprache irgendeines anderen bei Allah nützt nichts, außer derjenigen, für die Allah selbst die Erlaubnis zur Fürsprache gibt. (Sure Saba: 22–23)
———————————– Er hat die Himmel und die Erde in Wahrheit erschaffen. Er lässt die Nacht auf den Tag und den Tag auf die Nacht folgen. Er hat den Mond und die Sonne dienstbar gemacht. Alle bewegen sich auf eine festgesetzte Frist zu. …. Er hat eure Erschaffung aus einem einzigen Menschen begonnen (das heißt: den Anfang des menschlichen Lebens geschaffen). Danach hat Er aus ihm seine Gattin gemacht. Und für euch hat Er von den Tieren acht Paare geschaffen. Er erschafft euch im Schoß eurer Mütter, wobei ihr innerhalb von drei Schleiern (drei Schleier bedeutet: Bauch, Gebärmutter und Uterus) nacheinander mehrere Entwicklungsstadien durchlauft. Dieser Allah ist euer Herr. Ihm allein gehört die Herrschaft. Es gibt keinen Ilah außer Ihm. Wohin also lasst ihr euch abbringen? (Sure az-Zumar: 5–6)
————————————– Wer hat die Himmel und die Erde für euch erschaffen? Danach hat Er Wasser vom Himmel für euch herabgesandt und damit schöne Gärten hervorgebracht, deren Sträucher und Ranken zu erschaffen nicht in eurer Macht stand. Gibt es bei diesen Dingen etwa einen anderen Teilhaber neben Allah? Doch sie wenden sich von der Wahrheit ab. Wer hat diese Erde bewohnbar gemacht, in ihr feste Berge verankert und zwischen den beiden Meeren eine Schranke errichtet? Gibt es bei diesen Dingen etwa einen anderen Ilah als Teilhaber neben Allah? Doch die meisten Götzendiener besitzen kein Wissen und keinen Verstand. Wer erhört den Bittenden, wenn er in Bedrängnis ist, und nimmt seine Not hinweg? Wer ist es, der euch zu Nachfolgern auf der Erde macht (das heißt: euch das Recht zur Nutzung und zum Gebrauch gibt)? Gibt es auch bei diesen Dingen etwa einen anderen Ilah als Teilhaber neben Allah? Ihr denkt nur sehr wenig nach. Wer führt euch in den Finsternissen des Landes und des Meeres den Weg? Danach sendet Er Winde als Verkünder froher Botschaft vor Seiner Barmherzigkeit (das heißt: vor dem Regen). Gibt es auch bei diesen Dingen etwa einen anderen Ilah als Teilhaber neben Allah? Erhaben ist Allah über das, was sie Ihm beigesellen. Wer ist es, der die Schöpfung beginnt und sie dann wiederholt? Wer versorgt euch aus Himmel und Erde? Gibt es neben Allah noch einen anderen Ilah, der an diesen Dingen beteiligt ist? Sprich: Wenn ihr in Bezug auf die Beigesellung von Teilhabern wahrhaftig seid, dann bringt einen Beweis.¹ Sure an-Naml: 60–64
(1) (Das heißt: Wenn du anerkennst, dass all diese Dinge Allah gehören und Er dabei keinen Teilhaber hat, in welcher Hinsicht der Uluhiyya machst du dann andere zu Seinen Teilhabern? Wie können jene, die keinerlei Macht besitzen und im Himmel und auf der Erde keinerlei eigenständige Wirksamkeit haben, sich als Ilah ausgeben?) ——————————— Ihm gehört die Herrschaft über die Himmel und die Erde. Er hat sich keinen Sohn genommen, und an Seiner Herrschaft hat Er keinen Teilhaber. Er hat alle Dinge erschaffen und für sie das rechte Maß bestimmt. Die Menschen haben sich an Seiner Stelle solche Ilah genommen, die nichts erschaffen können, sondern selbst erschaffen sind und weder über Nutzen noch Schaden für sich selbst verfügen; auch über Leben, Tod und Auferstehung besitzen sie keinerlei Macht. – Al-Furqan 23
——————————— Er ist es, der die Himmel und die Erde aus dem Nichtsein ins Dasein gebracht hat. Wie könnte Er einen Sohn haben, wo Er doch keine Ehefrau hat? Er ist es, der alle Dinge erschaffen hat; Er weiß über alle Dinge Bescheid. Er ist Allah, euer Herr. Es gibt keinen anderen Ilah außer Ihm. Er ist der Schöpfer aller Dinge. So dient nur Ihm. Er genügt als Bewahrer und Hüter aller Dinge. Sure al-An’am 101–102
—————————————— Es gibt Menschen, die neben Allah andere als Teilhaber und Helfer in der Göttlichkeit einsetzen und sie ebenso lieben wie Allah. Die Gläubigen aber lieben Allah am meisten. Wenn diese Ungerechten die Wahrheit, die sie beim Herabkommen der Strafe erkennen werden, schon heute erkennen würden: dass alle Macht und jede Art von Stärke in Allahs Hand liegen! Sure al-Baqara 165
——————————— Sprich: Habt ihr jemals über den Zustand jener angeblichen Gottheiten nachgedacht, die ihr außer Allah anruft, damit sie eure Bedürfnisse erfüllen? Zeigt mir, welchen Anteil sie an der Erschaffung der Erde oder an der Erschaffung des Himmels haben! … Wer ist wohl irrgeleiteter als diejenigen, die an Allahs Stelle solche anrufen, die bis zum Tag der Auferstehung nicht auf ihren Ruf antworten können?1 (1) Anmerkung: Das heißt, sie können auf ihre Bitte hin keinerlei Maßnahme ergreifen. ————————————- Wenn es im Himmel und auf der Erde außer Allah weitere Ilah gäbe, würde die Ordnung der Welt ins Chaos gestürzt. So ist Allah, der Herrscher über den Thron (das heißt: die Herrschaft über die Welt), erhaben und frei von dem, was sie über Ihn sagen. Er ist für keines Seiner Werke rechenschaftspflichtig; alle anderen sind Ihm gegenüber rechenschaftspflichtig.
——————————— Allah hat sich keinen Sohn genommen, und neben Ihm gibt es keinen anderen Ilah. Wäre es so, dann hätte sich jeder Ilah mit seiner eigenen Schöpfung abgesondert, und einer wäre gegen den anderen vorgegangen. (Sure al-Mu’minun 91)
——————————— Sprich: Wenn es neben Allah weitere Ilah gäbe, wie die Menschen behaupten, dann würden sie gewiss danach trachten, die Herrschaft des Herrn des Thrones an sich zu reißen. Er ist rein und erhaben über das, was sie sagen. – Bani Isra’il 42–43
In all diesen Versen ist von Anfang bis Ende derselbe zentrale Gedanke erkennbar. Und zwar: Uluhiyya und Macht sind untrennbar miteinander verbunden und eng ineinander verwoben. Ihrem Wesen und ihrer Bedeutung nach sind beide ein und dasselbe. Wer keine Macht besitzt, kann kein Ilah sein – und sollte es auch nicht sein. Nur wer Macht besitzt, kann ein Ilah sein; nur er sollte ein Ilah sein. Denn welche Bedürfnisse auch immer wir an einen Ilah richten, anders gesagt: Welche Bedürfnisse uns auch dazu veranlassen, jemanden als Ilah anzuerkennen – keines dieser Bedürfnisse kann ohne Macht erfüllt werden. Daher ist es sinnlos und gegenstandslos, einen Machtlosen als Ilah zu betrachten. Und sich an ihn zu wenden, ist vergeblich.
Wie der Quran dieses zentrale Konzept dargestellt hat, lässt sich anhand der folgenden Ausführungen und seiner Folgen gut begreifen.
Erstens: Bedürftigkeit zu beseitigen, Schwierigkeiten zu beheben, Schutz zu gewähren, Hilfe und Unterstützung zu leisten, zu betreuen und zu bewahren sowie auf Bitten zu antworten – all dies betrachtet ihr als gewöhnliche Tätigkeiten. In Wirklichkeit sind dies keineswegs gewöhnliche Tätigkeiten; vielmehr stehen sie in Verbindung mit den Schöpfungs- und Ordnungskräften des gesamten Universums. Wenn ihr darüber nachdenkt, wie selbst eure geringsten Bedürfnisse erfüllt werden, werdet ihr erkennen, dass dies ohne das umfassende Zusammenwirken unzähliger Ursachen und Wirkungen in der gewaltigen Werkstatt von Himmel und Erde unmöglich wäre. Denkt nur an ein Glas Wasser zum Trinken oder an ein einziges Körnchen Nahrung. Allah allein weiß, wie viele Aufgaben Sonne, Erde, Luft und Meer erfüllen müssen, damit diese geringfügigen Dinge euch zur Verfügung stehen. Daher ist für das Erhören eurer Bittgebete und die Beseitigung eurer Nöte und Klagen keine gewöhnliche Macht erforderlich, sondern eine Macht, die zur Erschaffung von Himmel und Erde, zum Umlauf der Gestirne, zum Wehen der Winde und zum Herabfallen des Regens erforderlich ist – kurz gesagt: die Macht, die zur Leitung und Ordnung des gesamten Universums notwendig ist.
Zweitens: Diese Macht ist unteilbar. Es ist unmöglich, dass die Macht zur Schöpfung in der Hand des einen liegt, während ein anderer über die Versorgung mit Lebensunterhalt verfügt; dass die Sonne dem einen und die Erde einem anderen untersteht; dass der eine die Macht zur Schöpfung und ein anderer die Macht über Gesundheit und Krankheit besitzt und Leben und Tod in der Verfügungsgewalt eines Dritten liegen. Wäre es so, könnte die Ordnung des Universums keinesfalls funktionieren. Daher ist es unerlässlich, dass alle Macht und Verfügungsgewalt in den Händen eines einzigen zentralen Herrschers liegen. Dass es so ist, verlangt auch die Ordnung des Universums. Und tatsächlich ist es so.
Drittens: Da alle Macht in der Hand eines einzigen Herrschers liegt und niemand auch nur den geringsten Anteil an dieser Macht besitzt, ist auch die Uluhiyya ausschließlich diesem Herrscher vorbehalten; niemand ist darin sein Teilhaber. Niemand besitzt die Macht, auf eure Hilferufe zu antworten und eure Bittgebete anzunehmen. Daher gibt es, unabhängig davon, welche Bedeutung ihr mit dem Begriff Ilah verbindet, keine andere Gottheit. Auch in dem Sinne, dass jemand durch die Nähe zum Lenker und Leiter des Universums einen Teil seiner Macht ausüben und seine Fürsprache angenommen werden könnte, gibt es keine andere Gottheit. Niemand hat das Recht, auch nur im geringsten in Seine Herrschaftsordnung einzugreifen. Niemand kann sich in Seine Angelegenheiten einmischen. Ob Fürsprache angenommen wird oder nicht, liegt vollständig in Seiner Verfügungsgewalt. Niemand besitzt eine Macht, aufgrund derer er die Annahme seiner Fürsprache erzwingen könnte.
Viertens: Der Anspruch auf die höchste und alleinige Macht bringt mit sich, dass alle Kategorien von Souveränität, Führung und Herrschaft in der Existenz des alleinigen Inhabers der umfassenden Macht vereinigt sind. Kein Teil der Souveränität wird auf jemand anderen übertragen. Da Er der Schöpfer ist und niemand an Seiner Schöpfung teilhat, da Er der Versorger ist und niemand an der Gewährung des Lebensunterhalts beteiligt ist, da Er allein das Universum lenkt und niemand Ihm bei seiner Verwaltung und Leitung zur Seite steht, ist Er folglich auch der alleinige Befehlsgeber, Gesetzgeber und Urheber der Rechtsordnung. Auch auf dieser Ebene der Macht gibt es keinen Grund für einen Teilhaber. So wie es falsch und unwahr ist, innerhalb Seines Reiches jemand anderen als Antwortenden auf Hilferufe, Beseitiger von Nöten oder Schutzherrn anzusehen, so ist es ebenso falsch und unwahr, einen eigenständigen Befehlsgeber, einen unabhängigen despotischen Herrscher oder einen unabhängigen Gesetzgeber anzuerkennen. Schöpfung und Versorgung, die Gewährung von Leben und Tod, die Unterwerfung von Mond und Sonne, der Wechsel von Nacht und Tag, die Festsetzung des Maßes, das Erteilen von Befehlen sowie die alleinige Herrschaft und Gesetzgebung – all dies sind verschiedene Aspekte der alleinigen Macht und Souveränität. Diese Macht und Souveränität sind unteilbar. Wenn jemand ohne die Zustimmung von Allahs Anweisung einen anderen für gehorsamswürdig hält, begeht er ebenso Schirk wie derjenige, der jemanden außerhalb Allahs anruft. Wenn jemand im politischen Sinne beansprucht, König der Könige (——), Inhaber der höchsten Macht und uneingeschränkter Herrscher (—) zu sein, gleicht dieser Anspruch unmittelbar dem Anspruch Allahs; ebenso wie der Anspruch eines Menschen im übernatürlichen Sinne, er allein sei dein Schutzherr, der deine Angelegenheiten ordnet, dein Helfer und Bewahrer. Deshalb wird überall dort, wo Allah hinsichtlich des Maßes der geschaffenen Dinge und der Leitung der Ordnung des Universums als ohne Teilhaber bezeichnet wird, auch gesagt, dass nur Ihm (–) das Recht zum Erteilen von Befehlen zukommt, das rechtmäßige Recht ausschließlich Ihm gehört und (–) niemand an Seiner Herrschaft und Souveränität beteiligt ist. Daraus geht eindeutig hervor, dass auch die Bedeutung von Königtum und Herrschaft zum Bedeutungsgehalt der Uluhiyya (–) gehört. Auch unter diesem Gesichtspunkt ist es für die Einheit der Gottheit unerlässlich, keinen anderen als Teilhaber Allahs anzuerkennen. Im folgenden Vers wird dies noch deutlicher zum Ausdruck gebracht:
Sprich: O Allah, Besitzer der Herrschaft. Du verleihst die Herrschaft, wem Du willst, und Du entziehst die Herrschaft, wem Du willst. Du ehrst, wen Du willst, und Du erniedrigst, wen Du willst. – Al-i ʿImrān 26
So ist Allah, der wahre König, überaus erhaben. Es gibt keine Gottheit außer Ihm, dem Besitzer des gewaltigen Thrones. – Al-Muʾminūn 116
Sprich: Ich suche Zuflucht beim Herrn der Menschen, dem König der Menschen, der Gottheit der Menschen. – An-Nās 1–3
In Sure al-Muʾmin, Vers 16, wird dies noch deutlicher gesagt:
An dem Tag, an dem alle Menschen ohne jede Hülle dastehen werden, wird kein Geheimnis von ihnen vor Allah verborgen bleiben. Wem gehört heute die Herrschaft? Allah allein, dem Einzigen, dem Allmächtigen.
Das heißt: An dem Tag, an dem die Schleier aller Menschen entfernt werden und kein Geheimnis von irgendjemandem vor Allah verborgen bleiben wird, wird ausgerufen und gefragt werden: Wem gehört heute die Herrschaft? Dem einen und einzigen Allah, dessen Macht über alle überlegen ist – eine andere Antwort wird es an jenem Tag nicht geben. Imam Ahmad überlieferte von ʿAbdullah ibn ʿUmar, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, in einer Ansprache sagte: Allah, der Erhabene, wird den Himmel und die Erde in Seiner Faust zusammenfassen und ausrufen: Ich bin der König, Ich bin der Mächtige, Ich bin der Besitzer gewaltiger Macht. Wo sind jene, die auf der Erde Könige zu sein vorgaben? Wo sind die einflussreichen, mächtigen und hochmütigen Herrscher?
Dieser Hadith ist die vortrefflichste Erklärung des hier behandelten Verses. ʿAbdullah ibn ʿUmar, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, sagte: Als der Gesandte, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, diese Worte während seiner Ansprache aussprach, bebte sein Körper derart, dass wir befürchteten, er könnte von der Kanzel fallen!
Rabb
Lexikalische Untersuchung
Das Wort ist aus der Wurzel —— abgeleitet. Seine ursprüngliche und grundlegende Bedeutung ist: erziehen und versorgen. Daraus entwickelten sich anschließend die Bedeutungen Nutzung, Betreuung, Veränderung des Zustands, Vollendung und Vervollkommnung. Auf dieser Grundlage entstanden die Bedeutungen Vorrang, Führung und Autorität, Herrschaft und Oberhoheit. Einige Beispiele für seinen Gebrauch in den Wörterbüchern sind folgende:
Erstens: erziehen, eine schrittweise Entwicklung und Verbesserung bewirken sowie vergrößern. Beispielsweise wird der Pflegesohn Rabīb (–) und die Pflegetochter Rabība (–) genannt. Auch ein Kind, das im Haus der Stiefmutter aufgezogen wird, wird Rabībī (–) genannt. Ebenso wird die Amme, die das Kind aufzieht, Rabība (–) genannt. Die Stiefmutter wird Rābba (–) genannt, weil sie das Kind aufzieht, obwohl sie nicht seine Mutter ist. Aus diesem Grund wird der Stiefvater — (Rabbūnā) genannt. Eine Arznei, die geschützt aufbewahrt wird, nennt man Murabbab oder Murabbā (—). ———- bedeutet hinzufügen, vermehren und zur Vollendung führen. Zum Beispiel bedeutet —: Er hat die Gunst vermehrt oder das äußerste Maß der Gunst erreicht.
Zweitens: verengen, sammeln und zusammenbringen. So sagt man: —-, das heißt, jemand bringt die Menschen zusammen oder alle Menschen versammeln sich bei ihm. Der Ort, an dem man zusammenkommt, wird (–) Marabb genannt; das Sich-Verengen und Gesammeltwerden wird Tarabbub (–) genannt.
Drittens: beaufsichtigen, den Zustand verbessern und verändern, sich um etwas kümmern und Bürge sein. Zum Beispiel bedeutet ——–, dass jemand sich um seinen Besitz gekümmert und ihn beaufsichtigt hat. Safwan sagte zu Abu Sufyan:
Mir ist es lieber, dass ein Mann aus Quraisch mich unter seinen Schutz nimmt, als dass mich jemand aus Hawazin aufzieht.
Ein Gedicht von Alqama ibn Ubaida:
————————– Diejenigen, die früher meine Schutzherren waren, habe ich verloren; nun ist die Verantwortung für meine Erziehung in deine Hände gelangt.
Der Dichter al-Farazdaq sagt:
————————– In diesem Gedicht bedeutet ———-: eine Haut, deren Haare nicht entfernt und die nicht durch Gerben gereinigt wurde. ———————- bedeutet: Jemand übt bei einer anderen Person seinen Beruf aus oder erlernt bei ihr ein Handwerk.
Viertens: Vorrang, Autorität, Anführerschaft, Befehlsgewalt und Unterwerfung, wie etwa: —————- Das bedeutet, dass jemand sein Volk sich untertan gemacht hat. ——- Ich habe über das Volk befohlen und mich zum Herrscher gemacht. Labid ibn Rabi’a sagt:
——————- Hier bedeutet —- den Anführer von Kinda, dessen Befehl in diesem Stamm galt. In diesem Sinne lautet auch ein Gedicht von an-Nabigha adh-Dhubyani:
Fünftens: Besitzer sein. So heißt es beispielsweise im ehrwürdigen Hadith, dass der Prophet (s) einen Mann fragte: ——- Bist du Besitzer von Schafen oder von Kamelen? In diesem Sinne wird der Besitzer eines Hauses —- (Rabbud-dar), der Besitzer einer Kamelstute —- (Rabb un-naqa) und der Besitzer eines Vermögens ——– (Rabb adh-dhāʾiya) genannt. Das Wort Rabb wird auch im Sinne von Herr gebraucht und als Gegensatz zu Abd (–) beziehungsweise Sklave verwendet. Aus Unwissenheit wurde das Wort Rabb auf die Bedeutung von Versorger und Erhalter beschränkt. Zur Definition von Rububīya wurde gesagt: ————— Die Bedeutung besteht nicht vollständig darin, eine Sache stufenweise zur Vollkommenheit zu bringen. Betrachtet man seine umfassende Bedeutung, so wird deutlich, dass das Wort folgende Bedeutungen zum Ausdruck bringt:
Erstens: Erhalter, Versorger mit den notwendigen Dingen, Geber von Erziehung und fortschreitender Entwicklung.
Zweitens: Verantwortlicher, Aufseher, Verantwortlicher für die Betreuung sowie für die Verbesserung und Veränderung des Zustands.
Drittens: Jener, der eine zentrale Rolle spielt und um den sich verschiedene Menschen versammeln.
Viertens: Führer und Oberhaupt, dem Gehorsam geleistet wird; eine mächtige Autoritätsperson, deren Anweisungen befolgt werden, deren Herrschaft anerkannt wird und die das Recht hat, einzugreifen und Gewalt anzuwenden.
Fünftens: Besitzer und Herr.
Die Verwendung des Wortes Rabb im Koran
Im edlen Koran wird das Wort Rabb in all diesen Bedeutungen verwendet. An manchen Stellen ist nur eine oder sind zwei dieser Bedeutungen gemeint; an anderen Stellen sogar mehr, und bisweilen werden alle fünf Bedeutungen zugleich ausgedrückt. Anhand verschiedener Beispiele aus den Koranversen werden wir diesen Sachverhalt erläutern.
Im ersten Sinn: Er sagte: „Allah bewahre! Derjenige, der mich gut versorgt hat, ist doch mein Rabb.“ – Yusuf 23
(1) Niemand soll etwa annehmen, dass der ehrwürdige Yusuf (a.s.) den Aziz von Ägypten seinen Rabb genannt habe. Einige Kommentatoren haben einen solchen Zweifel gehegt. Tatsächlich wird mit „er“ auf Allah hingewiesen, dessen Schutz er gesucht hatte. Es wurde gesagt: Wenn derjenige, auf den mit „Allah“ hingewiesen wird, zuvor in unmittelbarer Nähe erwähnt worden ist, warum sollte man dann nach dem nicht ausdrücklich genannten „Muscharun ilaihi“ suchen?
Im zweiten Sinn: wobei die Vorstellung des ersten Sinnes mehr oder weniger ebenfalls enthalten ist:
Der Rabb der Welten, der mich erschaffen hat, mich rechtleitet, mir Nahrung und Trank gibt und mich heilt, wenn ich krank bin – außer Ihm sind all diese eure Rabb meine Feinde. – asch-Schuʿara 77–80
Welche Gunst auch immer ihr erlangt habt, sie kommt von Allah. Wenn euch dann ein Unglück trifft, wendet ihr euch bestürzt an Ihn. Doch wenn Er euer Unglück beseitigt, gibt es unter euch manche, die beginnen, neben ihrem Rabb auch andere an der Gewährung der Gunst und der Befreiung vom Unheil zu beteiligen. – an-Nahl 54
Sprich: „Sollte ich etwa einen anderen Rabb als Allah suchen, obwohl Er doch der Rabb aller Dinge ist?“ – al-Anʿam 164
Er ist der Rabb des Ostens und des Westens. Es gibt keinen Ilah außer Ihm; so nimm Ihn zum Wakil (zum Garanten und Verantwortlichen für alle deine Angelegenheiten). – al-Muzzammil 9
Er ist doch euer Rabb; zu Ihm werdet ihr immer wieder zurückkehren.
—————————————— Danach wird eure Rückkehr zu eurem Rabb sein. – az-Zumar-7
————————- Sag: Er wird unsere beiden Gruppen versammeln. – Saba-26
———————————– ———————- Unter den auf der Erde umherziehenden Lebewesen und den Vögeln, die auf zwei Flügeln fliegen, gibt es nichts, was nicht Gemeinschaften gleich euch wären. Wir haben in Unserem Buch nichts ausgelassen. Schließlich werden sie alle zu ihrem eigenen Rabb getrieben werden. – al-Anʿam-38
———————————————– Sobald in die Trompete geblasen wird, werden sie aus ihren jeweiligen Aufenthaltsorten zu ihrem eigenen Rabb aufbrechen. – Ya-Sin-51
Im dritten und vierten Sinn:
————————- Sie haben anstelle Allahs ihre Derwische, Gelehrten, Geistlichen und Priester zu ihren Rabb gemacht. (at-Tauba-31)
—————- Und keiner von uns soll außer Allah jemanden zu seinem eigenen Rabb machen.
In beiden Versen bedeutet Arbab (der Plural von Rabb) jene Personen, Völker und verschiedenen Gruppen von Völkern, die allgemein als ihre Wegweiser und Führer anerkannt wurden und die man tatsächlich als berechtigt zu Geboten und Verboten betrachtete.
—————————————————- (Joseph sagte:) Gewiss, einer von euch wird seinem Rabb Wein zu trinken geben. Derjenige von den beiden, von dem Joseph glaubte, dass er freikommen würde, sagte zu ihm: „Erwähne mich bei deinem Rabb.“ Doch Satan ließ ihn dies vergessen, sodass er es versäumte, Joseph bei seinem Rabb zu erwähnen. (Joseph 41–42)
———————- Als der Bote zu Joseph kam, sagte Joseph zu ihm: „Kehre zu deinem Rabb zurück und frage ihn, wie es den Frauen ergangen ist, die sich selbst in die Hände geschnitten hatten. Mein Rabb weiß gewiss über ihre Machenschaften Bescheid.“ – Joseph 50
In diesen Versen bezeichnete Hazrat Joseph (Friede sei mit ihm) im Gespräch mit den Ägyptern den Pharao, den Herrscher Ägyptens, wiederholt als ihren Rabb. Denn sie erkannten damals seine zentrale Herrschaft und Souveränität an und betrachteten ihn als denjenigen, der über Gebote und Verbote verfügt.
Im fünften Sinne: ——————————————————— So sollen sie dem Herrn dieses Hauses dienen, der für ihre Versorgung gesorgt und sie vor Furcht und Schrecken in Sicherheit gebracht hat. Quraisch 3–4
————– Dein Rabb, der Besitzer von Ehre und Macht, ist frei und erhaben über all die Mängel, die sie Ihm zuschreiben.
————————- Allah, der Besitzer des Thrones, ist frei und erhaben über all die Mängel, die sie Ihm zuschreiben. Al-Anbiya 22
———– Frage: Wer ist der Rabb der sieben Himmel und des gewaltigen Thrones?
——————— Er ist der Besitzer der Himmel und der Erde und all dessen, was sich in den Himmeln und auf der Erde befindet. Er ist auch der Besitzer all dessen, worüber die Sonne aufgeht.
———— Und Er allein ist der Besitzer und Rabb von Schiʿrā (dem Namen eines bestimmten Sterns).
Die irrigen Vorstellungen der irregeleiteten Völker über die Rububiya
Durch diese Zeugnisse und Beweise ist die Bedeutung des Wortes Rabb völlig zweifelsfrei bestimmt worden. Nun sollten wir betrachten, welche irrigen Vorstellungen die irregeleiteten Völker über die Rububiya hatten, zu deren Widerlegung der Koran herabgesandt wurde, und wozu der Koran aufruft. Es ist in dieser Hinsicht angemessener, die vom Koran erwähnten irregeleiteten Völker jeweils gesondert zu behandeln, damit die Angelegenheit vollständig klar hervortritt.
Das Volk von Nūḥ (a.s.)
Das erste Volk, das der Koran erwähnt hat, ist das Volk von Nūḥ (a.s.). Aus der Darstellung des Korans geht klar hervor, dass sie nicht an der Existenz Allahs zweifelten und Seine Existenz nicht leugneten. Als Antwort auf den Aufruf von Nūḥ (a.s.) überliefert der Koran selbst ihre folgende Aussage:
————————————————– Dieser Mann ist doch nichts anderes als ein Mensch wie ihr; in Wirklichkeit will er sich über euch erheben. Andernfalls hätte Allah, wenn Er einen Gesandten hätte senden wollen, Engel gesandt.
Sie leugneten auch nicht, dass Allah der Khāliq – der Schöpfer – ist und dass Er im ersten und zweiten Sinn der Rabb ist. Als Nūḥ (a.s.) zu ihnen sagte:
——————————– Er allein ist euer Rabb. Zu Ihm müsst ihr zurückkehren.
——————————————– Bittet euren Herrn um Vergebung; gewiss, Er ist überaus vergebend.
———————————————————————————– Seht ihr denn nicht, wie Allah die sieben Himmel in Schichten erschaffen und darin den Mond als Licht und die Sonne als Lampe gemacht hat und euch aus der Erde hervorgebracht hat? – Nuh 15–16
Damals sagte keiner von ihnen: Allah ist nicht unser Herr, oder: Er hat die Himmel, die Erde und uns nicht erschaffen, oder: Er lenkt nicht diese gesamte Ordnung der Himmel und der Erde.
Sie leugneten auch nicht, dass Allah ihr Ilah sei. Deshalb trug Nuh (a.s.) ihnen seine Botschaft mit diesen Worten vor:
———— „Ihr habt keinen anderen Ilah außer Ihm“;
Andernfalls, wenn sie Allah nicht als Ilah anerkannt hätten, hätte die Botschaft gelautet:
——————- „Erkennt Allah als Ilah an.“
Nun stellt sich die Frage: Worin bestand also der Streit zwischen ihnen und Nuh (a.s.) – worum ging es? Bei der Suche nach den entsprechenden Koranversen wird deutlich, dass es zwei Streitpunkte gab:
Erstens: Die Lehre von Hazrat Nuh (a. s.) war, dass nur Derjenige, den ihr als Rabb al-ʿAlamīn, als euren und den Schöpfer der gesamten Welt, anerkennt und von dem ihr glaubt, dass Er all eure Bedürfnisse erfüllt, euer Ilah ist – niemand sonst. Es gibt keinen Ilah außer Ihm. Es gibt kein Wesen, das eure Nöte und Beschwerden erfüllen, Krisen und Probleme beseitigen, eure Duʿā hören und euch zu Hilfe kommen kann. So beugt ihr nur vor Ihm eure Häupter – erkennt nur Ihn als dessen würdig an, dem Gehorsam entgegengebracht wird:
————– O Leute meines Volkes! Dient Allah; keinen anderen Ilah habt ihr außer Ihm. ……….. Doch ich bin ein Gesandter vom Rabb al-ʿAlamīn. Ich übermittle euch die Botschaft eures Herrn. – al-Aʿrāf 59–60
Andererseits beharrten sie darauf, dass auch andere einen größeren oder geringeren Anteil an Allahs Verwaltung hätten. Mit ihnen seien auch unsere vielfältigen Bedürfnisse verbunden. Daher würden wir neben Allah auch andere als Ilah anerkennen:
————————– Ihre Anführer und Würdenträger sagten: Ihr Leute! Lasst euren Ilah auf keinen Fall im Stich – gebt Wadd, Suwāʿ, Yaghūth, Yaʿūq und Nasr nicht auf. – Nūḥ 23
Zweitens: Allah erkannten sie nur in dem Sinne als ihren Rabb an, dass Er ihr Schöpfer – Khāliq –, der Besitzer von Himmel und Erde sowie der oberste Verwalter, Lenker und Leiter des Weltalls ist. Aber sie erkannten nicht an, dass auch in Fragen der Moral, der Gesellschaft, der Zivilisation, der Politik und allen Angelegenheiten des Lebens ausschließlich Ihm das Recht auf Souveränität und höchste Macht zusteht; dass Er allein der Wegweiser und Gesetzgeber ist und ausschließlich Ihm das Recht zusteht, Gebote und Verbote zu erlassen, dass Er allein der Wegweiser und Gesetzgeber und derjenige ist, der über Gebote und Verbote verfügt; auch der Gehorsam sollte ausschließlich Ihm gelten. In diesen Angelegenheiten hatten sie ihre Anführer und religiösen Führer zu Rabb gemacht. Demgegenüber lautete die Forderung von Hazrat Nuh (a. s.): Die Rubūbiyyah ist unteilbar; teilt und zerstückelt sie nicht. Erkennt ausschließlich Allah in jeder Hinsicht als Rabb an. Befolgt die Gesetze und Bestimmungen, die ich euch als Sein Stellvertreter übermittle:
————————————————- Ich bin für euch Allahs treuer Gesandter. So fürchtet Allah und gehorcht mir. – asch-Schuʿarāʾ 107–108
Das Volk von ʿĀd
Nach dem Volk Nūḥs erörtert der Koran die Geschichte des Volkes von ʿĀd. Auch dieses Volk leugnete Allahs Existenz nicht. In dem Sinne, in dem das Volk Nūḥs Allah als Rabb anerkannte, erkannte auch dieses Volk Allah an. Allerdings bildeten zwei Fragen die Grundlage des Konflikts; sie wurden oben im Zusammenhang mit dem Volk Nūḥs erwähnt. Die folgende klare Erklärung des Korans liefert hierfür einen eindeutigen Beweis:
—————————————– Und zu ihnen entsandten Wir ihren Bruder Hūd. Er sagte: „O mein Volk! Betet Allah an. Ihr habt keine andere Gottheit außer Ihm. ………… Sie sagten: ‚Bist du etwa gekommen, damit wir allein Allah anbeten und die Gottheiten verlassen, deren Anbetung seit der Zeit unserer Vorväter üblich ist?‘ – al-Aʿrāf 65–70
—————————– Sie sagten: „Wenn unser Herr es gewollt hätte, hätte Er Engel entsandt.“
———————————- Das waren die ʿĀd, die sich weigerten, die Gebote ihres Herrn anzuerkennen, und die Gefolgschaft Seines Gesandten nicht annahmen, sondern den hochmütigen Feinden der Wahrheit folgten. – Hūd 59
Das Volk der Thamūd
Hören Sie nun vom Volk der Thamūd. Nach den ʿĀd waren sie das hochmütigste Volk. Die Irreleitung von Nūḥ und dem Volk der ʿĀd wurde bereits erörtert. Im Wesentlichen war auch ihre Irreleitung derselben Art. Sie erkannten nicht an, dass Allah allein die einzige Gottheit ist, dass nur Er der Anbetung würdig ist und dass die Rubūbiyya in jeder Hinsicht ausschließlich Allah zusteht. Sie bestanden darauf, neben Allah auch andere als Erhörer von Anrufungen, Befreier aus Notlagen und Erfüller von Bedürfnissen anzuerkennen. In ihrem moralischen und gesellschaftlichen Leben waren sie entschlossen, außer Allah auch den Oberhäuptern, einflussreichen Männern sowie Führern und Machthabern zu gehorchen und von ihnen ihre Lebensordnung zu übernehmen. Letztlich wurde dies zum Grund dafür, dass sie zu einem verderbenstiftenden, Unheil unter den Völkern verbreitenden Volk wurden und schließlich der Strafe verfielen. Aus den folgenden Versen geht dies eindeutig hervor:
————- (O Muḥammad!) Wenn diese sich von deinem Gehorsam abwenden, dann sage ihnen: „Ich warne euch vor einer schrecklichen Strafe, ähnlich der Strafe, die ʿĀd und Thamūd getroffen hat.“ Als zu jenen Völkern von vorn und von hinten Gesandte kamen und sagten: „Betet niemanden außer Allah an“, sagten sie: „Wenn unser Herr es gewollt hätte, hätte Er Engel gesandt. Daher glauben wir nicht an das, womit ihr gekommen seid, und erkennen es nicht an.“
————————————- Und zu den Thamūd entsandten Wir ihren Bruder Ṣāliḥ. Er sagte: „O meine Volksbrüder! Betet Allah an; ihr habt keine andere Gottheit außer Ihm.“ Sie sagten: „O Ṣāliḥ! Zuvor hatten wir große Hoffnungen in dich gesetzt. Willst du uns nun von der Anbetung jener abhalten, deren Anbetung seit der Zeit unserer Vorväter üblich ist?“ – (Sūrat Hūd 61–62)
———————————————- Als ihr Bruder Ṣāliḥ zu ihnen sagte: „Habt ihr denn keine Sorge, euch selbst zu schützen? Seht, ich bin für euch ein vertrauenswürdiger Gesandter Allahs. Hütet euch daher vor Allahs Missfallen und gehorcht mir. ……… Folgt nicht denjenigen Maßlosen, die auf der Erde Unheil stiften und keinerlei Gutes bewirken.“
Das Volk Ibrahims (a.s.) und Nimrod
Nun kommen wir zum Volk von Hadrat Ibrahim (a.s.). Die Angelegenheit dieses Volkes ist besonders wichtig. Denn in der Allgemeinheit ist die irrige Vorstellung verbreitet, sein König Nimrod habe Allah geleugnet und behauptet, selbst ein Gott zu sein. Tatsächlich erkannte er jedoch die Existenz Allahs an und glaubte, dass Er der Schöpfer und Lenker des Weltalls sei. Nur in der dritten, vierten und fünften Bedeutung beanspruchte er für sich selbst, Rabb zu sein. Ebenso weit verbreitet ist die irrige Auffassung, dieses Volk sei über Allah völlig unwissend gewesen und habe Ihn keineswegs als Rabb und Ilah anerkannt. Doch unterschied es sich in dieser Hinsicht keineswegs von Nuh, den Ād und Thamūd. Sie erkannten die Existenz Allahs an. Sie wussten auch, dass Er der Rabb, der Schöpfer von Himmel und Erde und der Lenker des gesamten Universums ist; auch Seinen Gottesdienst leugneten sie nicht. Ihre Irreleitung bestand allerdings darin, dass sie im ersten und zweiten Sinn der Rubūbīya auch die Gestirne als Teilhaber betrachteten und sie deshalb neben Allah als Maʿbūd annahmen. Im dritten, vierten und fünften Sinn der Rubūbīya hatten sie ihre eigenen Könige zu Rabb gemacht. Angesichts der klaren und unmissverständlichen Aussagen des Korans in dieser Angelegenheit muss man sich wundern, wie die Menschen den eigentlichen Sachverhalt nicht verstehen konnten. Betrachten wir zunächst das Ereignis, durch das Hadrat Ibrahim (a.s.) zur Erkenntnis gelangte. Darin wird das Bild seiner Suche nach der Wahrheit in seinem vorprophetischen Leben gezeichnet:
——————————————–
Als die Nacht sich über ihn senkte und ihre Dunkelheit verbreitete, erblickte er einen Stern und rief aus: „Das ist mein Rabb!“ Als dieser jedoch unterging, sagte er: „Ich liebe die Untergehenden nicht.“ Als er daraufhin sah, dass der Mond hell erstrahlte, sagte er: „Das ist mein Rabb!“ Doch als auch dieser unterging, sagte er: „Wenn mein Rabb mich nicht rechtleitet, werde ich gewiss zu den irregegangenen Menschen gehören.“ Als er dann die Sonne strahlend sah, sagte er: „Das ist mein Rabb – diese ist ja die größte!“ Doch als auch sie unterging, rief er laut: „O mein Volk! Ich habe nichts mit dem gemeinsam, was ihr an Schirk begeht. Ich wende mein Angesicht von allen Seiten ab und richte mich in völliger Hingabe zu jenem erhabenen Wesen, das Himmel und Erde erschaffen hat. Ich gehöre nicht zu den Muschrikūn.“ – al-Anʿām 77–80
Aus den markierten Textstellen wird deutlich, dass in der Gesellschaft, in der Hadrat Ibrahim (a.s.) die Augen öffnete, die Vorstellung, dass das erhabene Wesen, das Himmel und Erde erschaffen hat, Rabb ist, nicht mit der Vorstellung von der Rubūbīya jener Gestirne gleichgesetzt wurde. Wie hätte es auch anders sein können? Diejenigen Muslime, die an Hadrat Nuh (a.s.) geglaubt hatten, gehörten derselben Abstammung an. Unter ihren nah verwandten Nachbarvölkern, den Völkern von Ād und Thamūd, wurde die Erneuerung der Religion des Islam durch eine ununterbrochene Folge von Propheten – Allahs Segen sei auf ihnen – ebenfalls fortgeführt.
——————————–
Die Vorstellung also, dass Allah der Schöpfer von Himmel und Erde und der Rabb ist, hatte Hadrat Ibrahim (a.s.) aus seiner eigenen Gesellschaft übernommen. Die Fragen, die sich in seinem Herzen entwickelten, betrafen jedoch Folgendes: Wie wirklichkeitsgemäß war die in seinem Volk verbreitete Vorstellung, dass Mond, Sonne und Gestirne neben Allah an der Ordnung der Erhaltung und Versorgung beteiligt seien und dass sie deshalb auch im Gottesdienst neben Allah als Teilhaber verehrt würden?¹ Vor seiner Berufung zum Propheten suchte er nach dieser Wahrheit. Die Ordnung von Aufgang und Untergang half ihm, zu der realen Erkenntnis zu gelangen, dass es außer dem Schöpfer von Himmel und Erde keinen anderen Rabb gibt. Als er deshalb den Mond untergehen sah, sagte er: „Wenn mein Rabb, das heißt Allah, mich nicht rechtleitet, befürchte ich, dass auch ich die wirkliche Wahrheit nicht erreichen werde. Auch ich könnte mich durch das täuschen lassen, was die Millionen Menschen in meiner Umgebung sehen und wodurch sie irregeführt werden.“
Danach wurde Hadrat Ibrahim (a.s.) zum Propheten berufen und begann, zum Weg Allahs aufzurufen. Wenn wir die Sprache betrachten, in der er damals seine Dawa vortrug, wird unsere obige Aussage noch deutlicher. Er sagte:
1. Hier sei noch eine Sache erwähnt, die nicht unangebracht ist. Aus den durch archäologische Ausgrabungen gewonnenen Erkenntnissen über das Land „Ur“ von Hazrat Ibrahim (a.s.) geht hervor, dass dort der Mondgott verehrt wurde. In ihrer Sprache wurde er Nannar genannt (–), während in den umliegenden Gebieten, deren Zentrum Larsa war (–), der Sonnengott verehrt wurde. In ihrer Sprache wurde er Shamash genannt (—-). Der Begründer der dortigen Herrscherdynastie war Arnamu (—). Als sein Name nach Arabien gelangte, wurde daraus Nimrod. Nach seinem Namen wurde dort auch der Titel „Nimrod“ geprägt, so wie der Nachfolger von Nizam al-Mulk „Nizam“ genannt wird.
Wie könnte ich letztlich diejenigen fürchten, die ihr Allah beigesellt? Dabei fürchtet ihr euch nicht davor, sie Allah beizugesellen, obwohl Allah euch keinerlei Beweis für ihre Teilhabe an der Uluhiyya und Rububiyya herabgesandt hat.
Von denen, zu denen ihr außer Allah betet, wende ich mich ab. – Maryam 48
Er sagte: Euer Rabb ist allein der Rabb der Himmel und der Erde, Der all dies erschaffen hat. … Er sagte: Wollt ihr also anstelle Allahs diese Rabb verehren, die keinerlei Macht über euren Nutzen oder Schaden besitzen? – al-Anbiya 56–66
Als Ibrahim zu seinem Vater und seinem Volk sagte: Was verehrt ihr da? Wollt ihr anstelle Allahs die von euch selbst gemachten Götter verehren? Was ist dann eure Auffassung vom Rabb al-ʿAlamin? – as-Saffat 85–87
Ibrahim und die mit ihm gläubigen Muslime erklärten den Angehörigen seines Volkes unmissverständlich: Ich habe nichts mit euch und mit denen zu schaffen, die ihr außer Allah verehrt. Ich weise eure Regeln und Grundsätze zurück. Solange ihr nicht an den einen Allah glaubt, ist zwischen euch und uns für immer das Fundament von Feindschaft und Hass gelegt. – al-Mumtahana 4
Aus diesen Aussagen von Hazrat Ibrahim (a.s.) wird eindeutig ersichtlich, dass er nicht jene Menschen ansprach, die über Allah völlig unwissend waren, Ihn nicht als Rabb al-ʿAlamin und Maʿbud anerkannten oder in deren Herzen sich überhaupt keine bestimmte Vorstellung festgesetzt hatte. Vielmehr sprach er jene Menschen an, die Allah in der Rububiyya (im ersten und zweiten Sinn) und in der Uluhiyya andere beigesellten. Deshalb findet sich im gesamten Koran nicht einmal eine Aussage von Hazrat Ibrahim (a.s.), in der er versucht hätte, sein Volk von der Existenz Allahs und davon zu überzeugen, Ihn als Ilah und Rabb anzuerkennen. Vielmehr rief er überall dazu auf, dass Allah allein Rabb und Ilah ist.
Betrachten wir nun den Fall Nimrods. Das Gespräch, das zwischen ihm und Hazrat Ibrahim (a.s.) stattfand, hat der Koran folgendermaßen erwähnt:
————————————— Hast du denjenigen gesehen, der mit Ibrahim über seinen Rabb stritt? Er tat dies, weil Allah ihm die Herrschaft über einen Staat verliehen hatte. Als Ibrahim sagte: „Derjenige, in dessen Hand Leben und Tod liegen, steht unter meiner Verfügungsgewalt“, sagte Ibrahim: „Die Wahrheit ist: Allah lässt die Sonne im Osten aufgehen; nun wollen wir sehen, ob du sie auch im Westen aufgehen lassen kannst!“ Als der Ungläubige dies hörte, blieb er bestürzt und sprachlos. – Al-Baqara 258
Aus diesem Gespräch wird deutlich, dass es keinen Streit darüber gab, ob Allah existiert oder nicht; vielmehr ging es darum, wen Ibrahim als Rabb anerkannte. Erstens stand Namrud in Beziehung zu einem Volk, das die Existenz Allahs anerkannte. Zweitens kann niemand, sofern er nicht völlig den Verstand verloren hat, eine derart offensichtlich törichte Behauptung aufstellen, er selbst sei der Schöpfer von Himmel und Erde und derjenige, der den Lauf und Wandel von Mond und Sonne lenke: „Ich bin Allah, der Rabb von Himmel und Erde.“ Dies war im Grunde nicht seine Behauptung. Vielmehr behauptete er: „Ich bin der Rabb jenes Reiches, dessen Angehöriger Ibrahim ist.“ Auch in der ersten und zweiten Bedeutung von Rububiyyat beanspruchte er nicht, sein eigener Rabb zu sein; denn in diesem Sinne erkannte er Allah selbst als den Rabb von Mond, Sonne, Planeten und Sternen an. In der dritten, vierten und fünften Bedeutung jedoch beanspruchte er, der Rabb seines eigenen Reiches zu sein. Das heißt, er behauptete: „Ich bin der Eigentümer dieses Reiches; alle Bewohner des Reiches sind meine Diener und Sklaven. Meine zentrale Macht ist die Grundlage ihrer Vereinigung, und meine Befehle und Erlasse sind für sie Gesetz und Ordnung.“ Die Grundlage seines Anspruchs auf Rububiyyat war der Hochmut der Königsherrschaft. Der Satz „weil Allah ihm die Herrschaft über das Reich verliehen hatte“ weist deutlich darauf hin. Als er erfuhr, dass in seinem Reich ein junger Mann namens Ibrahim aufgetreten war, der die übernatürliche Rububiyyat von Mond, Sonne und Planeten nicht anerkannte und auch die politische und kulturelle Rububiyyat des Weltherrschers nicht anerkannte, rief er Hadrat Ibrahim (a.s.) verwundert und erschüttert zu sich und fragte ihn: „Wen erkennst du dann als Rabb an?“ Hadrat Ibrahim (a.s.) antwortete zunächst: „Mein Rabb ist derjenige, in dessen Hand die Verfügungsgewalt über Leben und Tod liegt.“ Doch als er diese Antwort hörte, drang er nicht in die Tiefe der Angelegenheit ein. Er versuchte, seine eigene Rububiyyat zu begründen, indem er sagte: „Die Verfügungsgewalt über Leben und Tod liegt doch auch bei mir; ich kann töten, wen ich will, und demjenigen Leben schenken, dem ich will.“ Darauf sagte Ibrahim (a.s.) zu ihm: „Ich erkenne nur Allah als Rabb an; in jeder Bedeutung von Rububiyyat ist allein Allah mein Rabb. Wo sollte im Verwaltungssystem des Weltalls noch Raum für die Rububiyyat eines anderen sein? Auf Aufgang und Untergang der Sonne haben sie nicht den geringsten Einfluss und keinerlei Macht.“ Namrud war äußerst gerissen. Als er dieses Argument hörte, wurde ihm die Wahrheit offenbar: Im Reich Allahs war sein Anspruch auf Rububiyyat tatsächlich nichts als Unsinn. Deshalb war er bestürzt und völlig ratlos. Doch Hochmut sowie die Verblendung durch persönliche und dynastische Interessen bewegten ihn nicht dazu, den Sitz seiner despotischen Herrschaft und Macht aufzugeben und Allah und Seinem Gesandten zu gehorchen. Aus diesem Grund sagt Allah, der Erhabene, nach der Erwähnung dieses Gesprächs:
————- Doch Allah weist das ungerechte Volk nicht recht. Das heißt: Nachdem die Wahrheit offenbar geworden war, war er nicht bereit, den Weg einzuschlagen, den er hätte einschlagen müssen. Vielmehr hielt er es durch seine hochmütige Machtausübung für besser, der Welt und seiner eigenen Seele Unrecht zuzufügen. Daher schenkte Allah ihm auch nicht das Licht der Rechtleitung. Denn es entspricht nicht Allahs Vorgehensweise, jemandem die Rechtleitung gewaltsam aufzuzwingen, der nicht danach verlangt.
Das Volk Lots
Nach dem Volk Hadrat Ibrahims (a.s.) tritt vor uns ein Volk, zu dessen Reform und Verbesserung Hadrat Lot (a.s.), der Neffe Hadrat Ibrahims (a.s.), beauftragt worden war. Auch über dieses Volk erfahren wir aus dem Koran, dass es die Existenz Allahs nicht leugnete. Es leugnete auch nicht, dass Allah der Schöpfer und in der ersten und zweiten Bedeutung der Rabb ist. Allerdings weigerte es sich, Ihn in der dritten, vierten und fünften Bedeutung als Rabb anzuerkennen und die Führung des Gesandten als Seines treuen Stellvertreters anzunehmen. Seine Hauptsünde bestand darin, dass es nach seinen eigenen Wünschen handeln wollte, wie es ihm beliebte. Deshalb wurde es von der Strafe getroffen. Die folgende eindeutige Aussage des Korans ist dafür ein Beweis:
———————————– Als ihr Bruder Lot zu ihnen sagte: „Wollt ihr nicht Taqwa annehmen? Seht, ich bin für euch ein treuer Gesandter. Hütet euch daher vor Allahs Zorn und gehorcht mir. Für diese Aufgabe verlange ich von euch keinen Lohn. Mein Lohn obliegt allein Allah, dem Rabb der Welten. Sucht ihr unter allen Menschen nur die Männer auf und lasst die Frauen, die euer Rabb für euch erschaffen hat, beiseite? Ihr seid wahrlich ein Volk, das jedes Maß überschreitet!“ – Asch-Schu’ara 161–166
Es ist offensichtlich, dass diese Anrede an ein Volk gerichtet sein kann, das die Existenz Allahs und die Tatsache, dass Er der Schöpfer und Erhalter ist, nicht leugnete. Deshalb sehen wir, dass sie in ihrer Antwort auch nicht sagten: „Was ist Allah überhaupt? Wer ist dieser Schöpfer? Oder woher nimmt Er sich das Recht, unser Rabb zu sein?“ Vielmehr sagten sie:
————————- „Lot! Wenn du nicht von deiner Aussage ablässt, wirst du aus dem Land vertrieben werden.“ – Asch-Schu’ara 167
Anderswo wird dieses Ereignis folgendermaßen geschildert:
——————————————— „Und Wir entsandten Lot! Als er zu seinem Volk sagte: ‚Ihr begeht eine Schandtat, die vor euch niemand auf der Welt begangen hat. Vollzieht ihr tatsächlich sexuelle Handlungen mit Männern? Begeht ihr Straßenraub und verübt ihr in öffentlichen Versammlungen vor den Augen der anderen Schandtaten?‘ Die Antwort seines Volkes bestand in nichts anderem als: ‚Bring uns, wenn du die Wahrheit sprichst, Allahs Strafe!‘ – al-Ankabut 28–29. Kann dies etwa die Antwort eines Volkes sein, das Allah leugnet? Somit ist klar, dass die Leugnung von Uluhiyya und Rububiyya nicht ihr eigentliches Problem war. Ihr grundlegendes „Verbrechen“ bestand vielmehr darin, dass sie Allah zwar im übernatürlichen Sinne als Ilah und Rabb anerkannten, aber nicht bereit waren, in Ethik, Zivilisation und gesellschaftlichem Leben Allahs Gehorsam gemäß der Rechtleitung des Gesandten zu folgen.
Das Volk Schuʿaibs
Betrachten wir nun die Bewohner von Midian und al-Aika. Zu ihnen wurde der geehrte Schuʿaib (Friede sei mit ihm) entsandt. Über sie wissen wir, dass sie Nachkommen des geehrten Ibrahim (Friede sei mit ihm) waren. Daher stellt sich die Frage, ob sie an Allahs Existenz glaubten und Ihn als Ilah und Rabb anerkannten, überhaupt nicht. Tatsächlich waren sie ein Volk, dessen Ursprung im Islam lag, das sich später durch die Verfälschung von Glaubensüberzeugungen und Taten veränderte; vielmehr lässt sich dem Koran weitgehend entnehmen, dass sie sogar behaupteten, Gläubige zu sein. Deshalb sehen wir, dass der geehrte Schuʿaib (Friede sei mit ihm) wiederholt zu ihnen sagte: ‚Wenn ihr Gläubige seid, solltet ihr dies tun.‘ Aus allen Reden des geehrten Schuʿaib (Friede sei mit ihm) und ihren Antworten wird deutlich, dass sie ein Volk waren, das an Allah glaubte und Ihn auch als Maʿbud und Parwardegar anerkannte. Dennoch waren sie in zwei Arten von Irreleitung versunken. Erstens: Im übernatürlichen Sinne hielten sie neben Allah auch andere für Ilahs und Rabbs; daher war ihre Ibadah nicht ausschließlich Allah gewidmet. Zweitens: Ihrer Auffassung nach hatte Allahs Rububiyya keinen Bezug zur ethischen Lebensführung des Menschen, zur Gesellschaftsordnung, zu Wirtschaft, Politik und Kultur. Deshalb sagten sie, dass sie im zivilisatorischen Leben frei seien und ihre Angelegenheiten nach Belieben regeln würden.
Die folgenden Koranverse bestätigen die Richtigkeit dieser Aussage:
——————– Und zu den Bewohnern von Midian entsandten Wir ihren Bruder Schuʿaib. Er sagte: ‚O mein Volk! Dient Allah; ihr habt keinen anderen Ilah außer Ihm. Zu euch ist von eurem Rabb eine klare Rechtleitung gekommen. Haltet daher Maß und Gewicht vollständig ein und gebt den Menschen ihre Waren nicht verkürzt. Stiftet kein Unheil auf der Erde, nachdem dort Ordnung geschaffen worden ist. Darin liegt Gutes für euch, wenn ihr gläubig seid … Wenn eine kleine Gruppe von euch an die Rechtleitung glaubt, mit der ich entsandt wurde, während die anderen nicht glauben, dann wartet, bis Allah zwischen uns richtet; Er ist der beste Richter.‘ – al-Aʿraf 85–87 ——————————————————-
O mein Volk! Haltet Maß und Gewicht gerecht ein, messt und wiegt richtig und gebt den Menschen ihre Waren nicht verkürzt. Verbreitet kein Unheil auf der Erde. Was durch Allahs Gunst in euren Geschäften übrig bleibt, ist besser für euch, wenn ihr gläubig seid. Ich bin kein Wächter über euch. Sie antworteten: ‚O Schuʿaib! Sollen wir etwa die Anbetung jener Maʿbuds aufgeben, die unsere Väter und Vorväter verehrt haben? Oder befiehlt dir dein Gebet, dass wir aufgeben, unser Vermögen nach unserem eigenen Willen zu nutzen? Du allein bist offenbar der geduldige und rechtschaffene Mensch, der noch übrig geblieben ist!‘ – Sure Hud 85–86
Was ihre eigentliche Irreleitung hinsichtlich Rububiyya und Uluhiyya war, machen die zuletzt angeführten Zeilen deutlich.
Der Pharao und sein Volk
Nun wollen wir über den Pharao und sein Volk sprechen. In dieser Hinsicht finden sich noch größere Missverständnisse als im Fall Nimrods und seines Volkes. Die allgemeine Vorstellung ist, dass der Pharao nicht nur die Existenz Allahs leugnete, sondern auch selbst behauptete, ein Gott zu sein. Das heißt, sein Verstand war derart verdorben, dass er öffentlich vor der Welt erklärte: „Ich bin der Schöpfer von Himmel und Erde.“ Und sein Volk sei derart verrückt geworden, dass es dieser Behauptung Glauben schenkte. Aus den Aussagen des Korans und der Geschichte lässt sich jedoch die wahre Sachlage erkennen. Sie besteht darin, dass seine Irreleitung in Bezug auf Uluhiyya und Rububiyya sich nicht von der Irreleitung Nimrods unterschied; ebenso unterschied sich die Irreleitung seines Volkes nicht von der des Volkes Nimrods. Der einzige Unterschied bestand darin, dass aus politischen Gründen gegenüber den Kindern Israels ein nationalistisch-götzendienerischer Starrsinn und parteiische Widerspenstigkeit entstanden waren. Daher weigerte man sich aus bloßer Feindseligkeit, Allah als Rabb und Ilah anzuerkennen. In ihrem Inneren war jedoch ihre Anerkennung Allahs verborgen, wie es heute die meisten Materialisten tun.
Die eigentliche Sachlage ist, dass Hadhrat Yusuf, nachdem er in Ägypten Macht erlangt hatte, seine ganze Kraft für die Verbreitung der islamischen Lehre einsetzte. Er hinterließ im Land Ägypten einen derart tiefen Eindruck, den niemand vollständig beseitigen konnte. Damals hatten vielleicht nicht alle Bewohner Ägyptens die wahre Religion angenommen; dennoch ist es unmöglich, dass irgendein Ägypter Allah nicht kannte oder nicht anerkannte, dass Er der Schöpfer von Himmel und Erde ist. Darüber hinaus muss seine Lehre jeden Ägypter zumindest so weit beeinflusst haben, dass er Allah im übernatürlichen Sinne als „Ilah al-ilah“ und „Rabb al-arbab“ anerkannte. Kein Ägypter war der Uluhiyya Allahs gegenüber ablehnend. Jene unter ihnen jedoch, die am Unglauben festhielten, gesellten Allah in Uluhiyya und Rububiyya andere als Teilhaber bei. Diese Wirkung blieb bis zum Auftreten Hadhrat Musas bestehen.¹ Ein klarer Beweis dafür findet sich in der Rede, die ein koptischer Würdenträger am Hof des Pharao hielt. Als der Pharao seine Absicht äußerte, Hadhrat Musa zu töten, rief dieser Höfling – der heimlich den Islam angenommen hatte – voller Unruhe aus:
—————————————-
¹ Wenn man sich auf die historischen Berichte der Tora stützt, kann man annehmen, dass etwa ein Fünftel der Gesamtbevölkerung Ägyptens den Islam angenommen hatte. Auf Grundlage der in der Tora enthaltenen Volkszählung der Kinder Israels lässt sich sagen, dass die Zahl derjenigen, die Ägypten gemeinsam mit Hadhrat Musa verließen, etwa zwei Millionen betrug. Die Bevölkerung Ägyptens zählte damals jedoch nicht mehr als zehn Millionen. In der Tora werden sie alle als Kinder Israels bezeichnet. Doch es scheint nach keiner Berechnung möglich, dass die Nachkommen der zwölf Söhne Hadhrat Yaqubs innerhalb von fünfundzwanzig Jahren auf zwei Millionen anwuchsen. Daher ist anzunehmen, dass ein großer Teil der ägyptischen Bevölkerung den Islam annahm und sich den Kindern Israels anschloss. Beim Auszug aus dem Land schlossen sich auch diese ägyptischen Muslime den Israeliten an. Dies lässt sich aus der missionarischen Tätigkeit schließen, die Hadhrat Yusuf und seine Stellvertreter in Ägypten ausgeübt hatten.
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„Tötet ihr etwa einen Menschen, weil er sagt: ,Allah ist mein Rabb‘? Dabei ist er mit klaren Beweisen zu euch gekommen. Wenn er ein Lügner ist, wird euch gewiss ein Teil dessen treffen, womit er euch droht. Wisset wahrlich: Allah weist einen maßlosen Lügner nicht den Weg des Guten. O mein Volk! Heute liegt die Herrschaft im Staat in euren Händen, und heute seid ihr auf der Erde die Überlegenen und Siegreichen. Doch wer wird uns morgen vor Allahs Strafe schützen, wenn sie über uns hereinbricht? O mein Volk! Ich fürchte, dass euch dasselbe Schicksal ereilen könnte wie jene Völker, über die einst der Zorn hereinbrach. … Zuvor war Yusuf mit klaren Beweisen zu euch gekommen, doch ihr bliebt in Zweifel über das, was er euch vorlegte. Als er dann verschieden war, sagtet ihr: ,Allah wird nach ihm keinen Gesandten mehr senden.‘ … O mein Volk! Ich rufe euch zur Rettung auf – was für eine merkwürdige Sache! Ihr ruft mich dazu auf, Allah gegenüber ungläubig zu sein und Ihm jene als Teilhaber beizugesellen, für deren Teilhaberschaft ich keinen wissenschaftlich begründeten Beweis besitze. Ich aber rufe euch zu Dem, Der allmächtig und sehr vergebend ist.“ – (Al-Mu’min 28–42)
Auch nach dem Verstreichen mehrerer Jahrhunderte war der Einfluss der großen Persönlichkeit des Propheten Yusuf (a. s.) noch immer vorhanden – dies lässt sich aus dieser langen Rede erkennen. Das von der Lehre dieses großen Propheten beeinflusste Volk befand sich nicht in einem solchen Zustand der Unwissenheit, dass es nichts von Allahs Existenz gewusst oder nicht gewusst hätte, dass Allah allein Ilah und Rabb ist und dass Seine Wirkung und Herrschaft über die Naturkräfte besteht. Auch dass Sein Zorn etwas war, vor dem man sich fürchten musste, war ihnen nicht unbekannt. Aus dem Schlussteil der Rede wird ebenfalls deutlich, dass dieses Volk keineswegs Allahs Uluhiyya und Rububiyya leugnete. Vielmehr bestand der Grund für seine Irreleitung darin, dass es – wie von der Irreleitung anderer Völker berichtet wird – Allah in Uluhiyya und Rububiyya andere als Teilhaber beigesellte. Anlass zu Zweifeln gibt Folgendes: Als der Prophet Musa (a. s.) sagte: ————————– „Gewiss, ich bin der Gesandte des Rabb der Welten“, fragte Fir’aun daraufhin: ——– „Was ist denn der Rabb der Welten?“ Zu seinem Wesir Haman sagte er: „Baue mir einen hohen Palast, damit ich den Gott des Musa sehen kann.“ Den Propheten Musa (a. s.) bedrohte er mit den Worten: „Wenn du außer mir einen anderen zum Ilah nimmst, werde ich dich gewiss gefangen setzen.“ Im ganzen Land ließ er verkünden: „Ich bin euer höchster Rabb.“ Zu seinen Höflingen sagte er: „Ich kenne für euch keinen anderen Ilah außer mir selbst.“ Angesichts solcher Aussagen kam man zu dem Schluss, dass Fir’aun möglicherweise Allahs Existenz überhaupt leugnete, keinerlei Vorstellung vom Rabb der Welten hatte und nur sich selbst für den einzigen Ma’bud hielt. Doch in Wirklichkeit waren all diese Äußerungen auf nationalistische Widerspenstigkeit zurückzuführen. Zur Zeit des Propheten Yusuf (a. s.) hatte sich unter dem Einfluss seiner überragenden Persönlichkeit die islamische Lehre im Land Ägypten verbreitet. Darüber hinaus waren die Kinder Israels infolge seiner in der Staatsführung begründeten Autorität in Ägypten sehr einflussreich geworden. Diese Macht der Kinder Israels blieb drei bis vier Jahrhunderte lang in Ägypten bestehen. Danach begann sich dort eine nationalistische Gesinnung gegen die Kinder Israels zu entwickeln. Schließlich wurde ihre Macht beseitigt, und eine nationalistische ägyptische Dynastie gelangte auf den Herrscherthron. Diese neue Herrschergruppe begnügte sich nicht damit, die Kinder Israels zu unterdrücken und auszurotten; vielmehr bemühte sie sich, jede einzelne Spur aus der Herrschaftszeit des Propheten Yusuf (a. s.) zu beseitigen und die Tradition ihrer alten, unwissenden Religion wiederherzustellen. Als unter diesen Umständen der Prophet Musa (a. s.) erschien, befürchteten sie: „Hoffentlich entgleitet uns die Herrschaft nicht wieder!“ Wegen dieser Feindseligkeit und Widerspenstigkeit fragte Fir’aun den Propheten Musa (a. s.) immer wieder eingehend: „Wer ist denn der Rabb der Welten? Wer außer mir kann ein Ilah sein?“ In Wirklichkeit war er über den Rabb der Welten nicht unwissend. Aus dem im Koran überlieferten Gespräch zwischen ihm und seinen Höflingen sowie aus den Reden und Erklärungen des Propheten Musa (a. s.) geht diese Wahrheit ganz eindeutig hervor. Um den Leuten am Hof den Eindruck zu vermitteln, Musa (a. s.) sei kein Gesandter Allahs, sagte er eines Tages:
————————————————————- „Warum wurden ihm dann keine goldenen Armreifen verliehen oder warum kamen keine Engel in geschlossener Schar mit ihm?“ – az-Zuchruf 53
Kann jemand, in dessen Herzen keinerlei Vorstellung von Allah und den Engeln vorhanden ist, so etwas sagen? Bei einer anderen Gelegenheit kam es zwischen Fir’aun und dem Propheten Musa (a. s.) zu folgendem Gespräch:
——————————————————————– Da sagte Fir’aun zu ihm: „Musa! Ich glaube, du bist verzaubert worden; dein Verstand und deine Urteilskraft sind dir abhandengekommen!“ Musa antwortete: „Du weißt sehr wohl, dass niemand außer dem Rabb der Himmel und der Erde diese lehrreichen Zeichen herabgesandt hat. Ich glaube, Fir’aun, dass dein Verderben nahe bevorsteht.“ – Bani Isra’il 101–102
An anderer Stelle beschreibt Allah, der Erhabene, den Zustand der Herzen der Leute aus Fir’auns Gefolge mit den Worten:
——————————————————– „Als dann Unsere Zeichen vor ihnen äußerlich klar hervortraten, sagten sie: ‚Das ist offensichtlich Zauberei!‘ Ihre Herzen erkannten sie innerlich durchaus an; doch aus bloßer Frevelhaftigkeit, Hochmut und Ungehorsam weigerten sie sich, sie anzuerkennen.“ – an-Naml 13–14
Der Koran schildert auf folgende Weise die Szene einer weiteren Versammlung: —————————————————- „Musa sagte zu ihnen: ‚Wehe euch! Erfindet keine Lüge über Allah. Sonst wird Er euch durch eine harte Strafe vernichten. Wer eine Lüge über Allah erfindet, ist gewiss gescheitert.‘ Als sie dies hörten, gerieten sie untereinander in Streit und Auseinandersetzungen! Sie berieten sich heimlich. Einige von ihnen sagten: ‚Diese beiden – Musa und Harun – sind Zauberer! Sie wollen euch durch ihre Zauberei aus eurem Land vertreiben und eure vorbildliche Lebensordnung vollständig beseitigen.‘“ – Ta-Ha 61–63
Offensichtlich kam es unter ihnen zu Wortstreit und Auseinandersetzungen, nachdem sie vor Allahs Strafe gewarnt und auf die Folgen einer Verleumdung aufmerksam gemacht worden waren – und zwar deshalb, weil in ihren Herzen noch in gewissem Maß die Furcht vor Allah und der Einfluss Seiner Erhabenheit vorhanden waren. Als jedoch ihre nationalistische Herrscherklasse unter Androhung einer politischen Revolution erklärte, die Folge der Anerkennung der Botschaft von Musa und Harun (a. s.) werde sein, dass Ägypten wieder in die Hände Israels falle, verhärteten sich ihre Herzen erneut. Alle fassten den Entschluss, sich dem Gesandten entgegenzustellen.
Nachdem diese Wahrheit feststeht, können wir leicht und mit Bestimmtheit sagen, worin der grundlegende Streit zwischen Hadrat Musa (a.s.) und dem Pharao bestand und welcher Art die eigentliche Irreleitung des Pharaos und seines Volkes war. In welchem Sinne beanspruchte der Pharao Uluhiyya und Rububiyya? Lesen Sie zu diesem Zweck die folgenden Verse des Qurans aufmerksam, einen nach dem anderen:
Erstens: Jene unter den Höflingen des Pharaos, die auf die vollständige Ausrottung der Botschaft Hadrat Musas (a.s.) drängten, wandten sich bei dieser Gelegenheit an den Pharao und sagten:
———————————- Willst du Musa und sein Volk gewähren lassen, damit sie dich und deine Götter verlassen und im Land Unheil stiften? – Al-A’raf 127
Andererseits wandte sich jener unter diesen Höflingen, der an Hadrat Musa (a.s.) geglaubt hatte, an sie und sagte:
———————————————– Ruft ihr mich etwa dazu auf, Allah gegenüber Kufr zu begehen und Ihm jemanden beizugesellen, für dessen Beigesellung ich keinen wissenschaftlichen Beweis habe? – Al-Mu’min 42
Wenn wir die beiden hier behandelten Verse mit unserem Wissen über die damaligen Ägypter vergleichen, das wir aus historischen und archäologischen Zeugnissen gewonnen haben, können wir klar erkennen, dass der Pharao selbst und die Menschen seines Volkes im Sinne der ersten und zweiten Bedeutung der Rububiyya bestimmte Götter an Allahs Göttlichkeit beteiligten und sie anbeteten. Es ist klar: Wenn der Pharao im übernatürlichen Sinne Anspruch auf Göttlichkeit erhoben hätte, das heißt, wenn sein Anspruch gewesen wäre, dass seine Herrschaft sich auch auf die Kausalitätskette erstrecke und dass es außer ihm keinen anderen Rabb-Ilah des Himmels und der Erde gebe, dann hätte er selbst keinen anderen Ilah angebetet.¹
Zweitens: Die folgenden Worte des Pharaos werden im Quran erwähnt:
———————————————– 1. Ausgehend von der bloßen Annahme, der Pharao selbst habe den Anspruch erhoben, „Ilah der Welten“ zu sein, haben einige Kommentatoren im oben angeführten Vers aus der Sure Al-A’raf anstelle von ——— die Lesart —————- angenommen. Und sie haben —- die Bedeutung „Anbetung“ gegeben. Nach dieser Lesart würde die Übersetzung des Verses lauten: „dich und deine Anbetung verlassen“. Erstens jedoch ist diese Lesart selten und widerspricht der bekannten und verbreiteten Lesart. Zweitens ist die Annahme, auf deren Grundlage diese Lesart gewählt wurde, völlig unbegründet und haltlos. Drittens kann – außer „Anbetung“ auch die Bedeutung von „Anbetungsobjekt“ oder „Göttin“ haben. Im vorislamischen Arabien wurde dieses Wort für die Sonne verwendet. Es ist bekannt, dass die Sonne gewöhnlich der größte Götze der Ägypter war. In der ägyptischen Sprache wurde die Sonne Ra (-) genannt. Und die Bedeutung von Pharao war: weibliches Kind des Ra, Inkarnation des Ra – mit anderen Worten: Inkarnation der Sonne. Was der Pharao also beanspruchte, war dies: Ich bin lediglich die leibliche Verkörperung des Sonnengottes.
Ihr Würdenträger! Ich weiß von keinem anderen Ilah für euch außer mir selbst. – al-Qasas 38
————————— Musa! Wenn du außer mir jemand anderen als Ilah annimmst, werde ich dich gewiss zu den Gefangenen zählen. – ash-Shu’ara 29
Der Sinn dieser Aussagen ist nicht, dass Fir’aun alle Ilahs außer sich selbst leugnete; vielmehr bestand sein eigentliches Ziel darin, die Da’wa von Musa (Friede sei mit ihm) zurückzuweisen. Denn Musa (Friede sei mit ihm) rief zu einem Ilah auf, der nicht nur im übernatürlichen Sinne Mabud ist, sondern auch im politischen und zivilisatorischen Sinne der Besitzer der Gebote und Verbote sowie der Inhaber der höchsten Macht. Deshalb sagte er zu seinem Volk: „Ihr habt keinen Ilah außer mir.“ Und er drohte Musa (Friede sei mit ihm) und sagte, dass jeder, der in diesem Sinne jemand anderen außer ihm als Ilah annähme, ins Gefängnis geworfen werde.
Aus den Versen des Qur’an ist außerdem bekannt, und historische sowie archäologische Zeugnisse bestätigen dies, dass die Fir’aun-Dynastie Ägyptens nicht nur die absolute Souveränität beanspruchte, sondern durch die Herstellung einer Beziehung zu den Göttern auch eine Art Heiligkeit für sich beanspruchte, damit sie sich in den Herzen und Köpfen der Untertanen fest verankern konnte. In dieser Hinsicht ist die Fir’aun-Dynastie Ägyptens keineswegs ein seltenes Beispiel; vielmehr haben die königlichen Dynastien in den meisten Ländern der Welt neben der politischen Souveränität auch mehr oder weniger versucht, im übernatürlichen Sinne an Uluhiyyat und Rububiyyat teilzuhaben. Sie machten es ihren Untertanen ebenfalls zur Pflicht, vor ihnen irgendeine Form der Versklavung und Unterwerfung zu praktizieren. In Wirklichkeit ist dies jedoch nur eine nebensächliche Angelegenheit. Das eigentliche Ziel war, die politische Souveränität zu festigen. Der Anspruch auf übernatürliche Uluhiyyat wurde als eines der Mittel dazu eingesetzt. Deshalb ist in Ägypten und auch in anderen Ländern, die von den Vorstellungen der Jahiliyyah beherrscht wurden, mit dem politischen Niedergang stets auch die Uluhiyyat der königlichen Dynastie erloschen. Wem der Thron der Macht zufiel, auf den ging auch die Uluhiyyat über.
Drittens: Die eigentliche Forderung Fir’auns war nicht eine übernatürliche Gottheit, sondern seine Hauptforderung war eine politische Gottheit. Im dritten, vierten und fünften Sinne der Rububiyyat sagte er: Ich bin der größte Rabb des Landes Ägypten und seiner Bewohner (Overlord); ich bin der Eigentümer dieses Landes und all seiner Bestandteile und Ressourcen. Das Recht auf die absolute Souveränität über dieses Land gehört ausschließlich mir; meine gesamte Persönlichkeit ist das Fundament der gesellschaftlichen Ordnung sowie der Zivilisation und Kultur dieses Landes. Hier darf niemand außer mir Gesetze und Vorschriften erlassen.
In den Worten des Qur’an gründete sich sein Anspruch auf Folgendem:
——————– Und Fir’aun rief unter seinem Volk aus: O mein Volk! Bin ich nicht der Eigentümer des Landes Ägypten? Gehört mir nicht die Herrschaft über Ägypten? Seht ihr denn nicht, dass diese Flüsse und Kanäle nach meiner Anweisung fließen? – az-Zukhruf 51
Auch Namruds Anspruch auf Rububiyyat gründete sich auf dieser Grundlage.
(———————) Auf dieser Grundlage gab sich auch der zeitgenössische Herrscher von Hadhrat Yusuf gegenüber seinem Volk als dessen Rabb aus.
Viertens: Die Botschaft von Hadhrat Musa – derentwegen er mit dem Pharao und dem Geschlecht des Pharaos im Streit lag – bestand im Wesentlichen darin, dass außer Allah, dem Rabb der Welten, niemand in irgendeiner Hinsicht ein Ilah ist. Auch im übernatürlichen Sinne ist Er der einzige Ilah, ebenso im sozialen und politischen Sinne. Ihm allein gebühren Anbetung, Gottesdienst und Gehorsam; nur Seinen Gesetzen und Bestimmungen muss man folgen. Er allein hat mich mit klaren Zeichen zu Seinem Stellvertreter eingesetzt; durch mich wird Er die Vorschriften und Bestimmungen für Gebote und Verbote verkünden. Daher sollten die Zügel der Macht über Seine Diener nicht in deiner Hand liegen, sondern in meiner. Aus diesem Grund sagten der Pharao und seine politischen Verbündeten immer wieder: Diese beiden Brüder wollen uns aus dem Land vertreiben und selbst den Platz an der Macht einnehmen. Sie setzen alles daran, die religiöse und kulturelle Ordnung unseres Landes zu beseitigen und ihre eigene Religion und Kultur zu etablieren.
———————– Und Wir entsandten Musa mit Unseren Zeichen und klaren Beweisen der Offenbarung zum Pharao und zu den Anführern seines Volkes. Doch sie folgten dem Befehl des Pharaos, obwohl der Befehl des Pharaos nicht rechtens war. -Hud-96-97
——————– Und schon zuvor hatten Wir das Volk des Pharaos einer Prüfung unterzogen. Zu ihnen war ein edler Gesandter gekommen. Er sagte: Überlasst mir die Diener Allahs. Ich bin für euch ein treuer Gesandter. Erhebt euch nicht hochmütig gegen Allah. Ich lege euch klare Beweise der Offenbarung vor. -Ad-Dukhan-17-19
——- (O ihr Mekkaner,) Wir haben zu euch einen Gesandten entsandt, der über euch Zeuge ist, ebenso wie Wir einen Gesandten zum Pharao entsandt hatten. Als der Pharao dem Gesandten den Gehorsam verweigerte, ergriffen Wir ihn mit einem harten Zugriff. -Al-Muzzammil-15-16
———————- Der Pharao sagte: Musa! (Wenn du weder eine Gottheit noch das Königshaus anerkennst,) wer ist dann dein Rabb? Musa antwortete: Mein Rabb ist Derjenige, Der jedem Ding seine besondere Gestalt gegeben und ihm danach den Weg zur Erfüllung seiner Aufgabe gewiesen hat. -Ta-Ha-49-50
————————— Der Pharao sagte: Und was ist nun wieder dieser Rabb der Welten? Musa antwortete: Der Rabb der Himmel und der Erde und all dessen, was sich zwischen ihnen befindet – wenn ihr nur glaubt. Der Pharao sagte zu den Menschen um ihn herum: Habt ihr gehört? Musa sagte: Euer Rabb und der Rabb eurer Vorväter. Der Pharao sagte: Dieser euer Gesandter, der zu euch entsandt wurde, ist wahrlich verrückt. Musa sagte: Der Rabb des Ostens und des Westens, des Morgenlandes und des Abendlandes, und all dessen, was dazwischen liegt – wenn ihr nur ein wenig Verstand hättet. Da rief der Pharao aus: Wenn du außer mir noch jemanden zu einem Ilah machst, werde ich dich den Gefangenen anschließen. -Asch-Schu’ara-23-29
— Der Pharao sagte: Musa! Bist du etwa gekommen, um uns durch deine Zauberei aus unserem Land zu vertreiben? -Ta-Ha-57
]——————— Und der Pharao sagte: „Lasst mich, ich will Musa töten. Er soll seinen Herrn um Hilfe anrufen und sehen, ob Er ihm hilft. Ich befürchte, dass er eure Din (Lebensweise) verändern oder im Land Unheil stiften wird.“ – al-Mu’min 26
—————————— Sie sagten: „Diese beiden sind gewiss Zauberer. Sie wollen euch durch ihre Macht aus eurem Land vertreiben. Sie wollen eure ideale Lebensordnung auslöschen.“ Taha 63
Betrachtet man diese Verse der Reihe nach, wird deutlich, dass auch im Land des Nils jene Verirrung hinsichtlich der Rububiyyah vorherrschte, die sich seit jeher unter verschiedenen Völkern der Welt ausgebreitet hatte. In dieselbe Richtung, zu der alle Propheten und Gesandten seit jeher aufgerufen hatten, riefen auch Musa und Harun (a. s.) auf.
Juden und Christen
Nach dem Volk des Pharao treten vor uns die Kinder Israels und alle anderen Völker, die das Judentum und das Christentum angenommen hatten. Es kann wohl kaum angenommen werden, dass sie die Existenz Allahs nicht anerkannten oder Ihn nicht als Rabb und Ilah anerkannten. Denn der Koran selbst hat bestätigt, dass sie zu den Leuten der Schrift gehörten. Es stellt sich also die Frage: Welche Unstimmigkeiten, Fehler und Abweichungen gab es in ihrem Glauben, ihren Überzeugungen und ihrem Handeln hinsichtlich der Rububiyyah, aufgrund derer der Koran sie als irregeleitet bezeichnete? Die kurze Antwort darauf finden wir im Koran selbst:
—————————– Sprich: „O Leute der Schrift! Übertreibt nicht zu Unrecht in eurer Din. Folgt nicht den nichtigen Vorstellungen jener Völker, die vor euch irregegangen sind. Sie haben viele in die Irre geführt und sind selbst vom geraden Weg abgewichen.“ – al-Ma’idah 77
Daraus wird ersichtlich, dass die Verirrung der jüdischen und christlichen Völker im Grunde derselben Art war wie jene Verirrung, in der ihre früheren Völker von Anfang an versunken waren. Daraus wird außerdem ersichtlich, dass diese Verirrung unter ihnen durch den Weg des „Ghulu fi d-Din“ – der ungerechtfertigten und unrechtmäßigen Übertreibung in der Din – Eingang fand. Sehen wir nun, wie der Koran die Erläuterung dieser kurzen Darstellung vorträgt:
—————————————– Die Juden sagen: „Uzair ist Allahs Sohn“, und die Nasara sagen: „Der Messias ist Allahs Sohn.“ – at-Tauba 30
———————————— Die Christen, die sagen, dass der Messias, der Sohn Maryams, Allah sei, haben Kufr begangen. Dabei sagte der Messias: „O ihr Kinder Israels! Dient Allah, der mein Rabb und auch euer Rabb ist.“ – Al-Māʾida 72
——————————- Diejenigen, die sagen, Allah sei der Dritte von dreien, haben Kufr begangen. Dabei gibt es keinen Ilah außer dem einen Ilah. – Al-Māʾida 73
————————————————– Und wenn Allah fragen wird: „O ʿĪsā, Sohn Maryams! Hast du zu den Menschen gesagt: ‚Nehmt mich und meine Mutter anstelle Allahs zu Ilahen?‘“, wird er zur Antwort vortragen: „(Subḥānallāh!) Es steht mir nicht zu, etwas zu sagen, wozu ich kein Recht hatte. Wie könnte ich so etwas sagen?“ – (Al-Māʾida 116)
——————————————————- Es steht keinem Menschen zu, dass Allah ihm das Buch, die Weisheit und das Prophetentum gibt und er dann zu den Menschen sagt: „Werdet anstelle Allahs meine Diener“, sondern er wird vielmehr sagen: „Werdet Rabbānī (Allah ergeben), so wie ihr das Buch Allahs lest und lehrt.“ Es ist nicht die Aufgabe eines Propheten, zu sagen: „Nehmt die Engel und die Propheten zu Herren.“ Sollte er euch etwa, nachdem ihr Muslime geworden seid, den Kufr lehren? – Āl ʿImrān 79–80
Im Licht dieser Verse bestand die erste Irreleitung der Leute der Schrift darin, dass sie jene bedeutenden Persönlichkeiten – Propheten, Gesandte, fromme Männer, Engel und andere –, die nach der Religion eine hohe Stellung innehatten, über ihre wahre Rangstufe hinaus erhoben und ihnen den Rang der Göttlichkeit verliehen; sie machten sie zu Teilhabern und Partnern in Allahs Wirken. Sie verehrten und beteten sie an. Sie schrieben ihnen einen Anteil an der Kenntnis zu und bildeten sich ein, dass auch sie die Fähigkeit zur Vergebung, zur Hilfe, zur Unterstützung und zum Schutz besäßen. Ihre zweite Irreleitung bestand dann darin:
———————————————- Sie nahmen ihre Gelehrten und Scheichs – ihre Priester und Geistlichen – anstelle Allahs zu Herren. – Sure At-Tauba 31
Das heißt: Ihre Stellung im religiösen Geschäft bestand ursprünglich lediglich darin, die Bestimmungen der Scharia Allahs zu verkünden und die Charakterbildung gemäß Allahs Willen zu fördern. Allmählich wurde ihnen jedoch eine solche Stellung eingeräumt, dass sie nach eigenem Ermessen beliebig etwas für harām oder halāl erklärten, ohne die Billigung der Religion und des Buches nach Belieben Anweisungen erteilten, verboten, was sie wollten, und jede von ihnen gewünschte Methode durchsetzen konnten. So gerieten sie in zwei gewaltige grundlegende Abweichungen. Wie Noach, Ibrāhīm, ʿĀd, Thamūd, die Leute von Madyan und andere Völker in jene Abweichung geraten waren, machten auch sie – wie die früheren Völker – im übernatürlichen Sinne die Engel und bedeutenden Persönlichkeiten zu Teilhabern Allahs an der Rubūbiyya. Ebenso begannen auch sie, ohne Allahs Billigung zu beachten, von den Menschen die Bestimmungen für ihre Zivilisation, Kultur, Bräuche, Sitten, Moral und Politik zu übernehmen. Schließlich kam es sogar so weit:
—————————————————————- Hast du jene gesehen, die einen Teil von Allahs Buch erhalten hatten? Ihr Zustand war so, dass sie Jibt und Tāghūt anerkannten. – An-Nisāʾ 51
—————————– Sprich: Soll ich euch sagen, wessen Ausgang bei Allah schlimmer ist als der der Frevler? Es sind diejenigen, die Allah verflucht hat, auf die Allahs Zorn herabgekommen ist, von denen Er viele auf Seinen Befehl hin in Affen und Schweine verwandelt hat und die dem Taghut gedient und ihn verehrt haben. Diese gehören zur schlimmsten Stufe. Und sie sind weit vom geraden Weg abgeirrt. – (Al-Ma’ida 60)
Das Wort „Jibt“ ist äußerst umfassend und bezeichnet alle Arten von auf Einbildung beruhenden Gedanken und Vorstellungen. Zauberei, Amulette, Wahrsagerei, Vorhersagen der Zukunft, Vorstellungen von Glück und Unglück sowie übernatürliche Vorgänge – kurz gesagt: alle Arten von ausgedachten Vorstellungen und Einbildungen – gehören in diese Kategorie. „Taghut“ bezeichnet hingegen jene Personen, Gruppen oder Organisationen und Einrichtungen, die sich Allah gegenüber hochmütig und ungehorsam verhalten, die Grenzen des Dienens überschritten und sich als Herren und Götter aufgespielt haben. Juden und Christen waren in die beiden zuvor genannten Arten des Irrwegs versunken. Die erste Art des Irrwegs hatte dazu geführt, dass alle möglichen Vorstellungen und Einbildungen ihre Herzen und Gedanken beherrschten. Die zweite Art des Irrwegs führte sie über den Dienst an ihren Gelehrten und Scheichen, den Alims und Sufis, Priestern, Geistlichen, Sufi-Meistern und religiösen Führern hinaus bis zum Dienst und Gehorsam gegenüber jenen Unterdrückern und Übeltätern, die offen Allah gegenüber aufsässig waren.
Die polytheistische Gesellschaft Arabiens
Nun wollen wir erörtern, welcher Art der Irrweg der Polytheisten Arabiens in dieser Hinsicht war. Zu ihnen war der Gesandte (s) entsandt worden, und an sie richtete der Koran sich zuerst. Waren sie über Allah unwissend und leugneten sie Seine Existenz? War der Gesandte etwa entsandt worden, um sie dazu zu bringen, Allahs Existenz anzuerkennen? Erkannten sie Allah nicht als Rabb und Ilah an? War der Koran etwa offenbart worden, damit sie die Uluhiyya und Rububiyya des erhabenen Allah anerkannten? Leugneten sie Allahs Ibadat und Dienst? Oder glaubten sie etwa, dass in Wirklichkeit Lat, Manat, Hubal, Uzza und die übrigen angebeteten Götter die Schöpfer, Eigentümer, Versorger und Lenker des gesamten Universums seien? Oder erkannten sie diese ihre Götter als Quelle der Gesetzgebung und als Ursprung der Rechtleitung in moralischen und gesellschaftlichen Fragen an?
Aus dem Koran erhalten wir auf jede dieser Fragen eine verneinende Antwort. Der Koran sagt uns, dass die Polytheisten Arabiens nicht nur an Allahs Existenz glaubten, sondern Ihn auch als Schöpfer und Eigentümer des gesamten Universums und ihrer eigenen Götter sowie als den großen Herrn (Grand Lord) anerkannten; sie erkannten Ihn als Rabb und Ilah an. In Krisen, Schwierigkeiten, Not und Unglück wandten sie sich in letzter Instanz an Ihn. Auch Allahs Ibadat und Dienst leugneten sie nicht. Sie glaubten hinsichtlich ihrer eigenen Götter nicht, dass diese die Schöpfer und Versorger ihrer selbst und des gesamten Universums seien; ebenso wenig glaubten sie, dass diese Götter ihnen in den moralischen und gesellschaftlichen Fragen des Lebens Rechtleitung gäben. Die folgenden Verse belegen dies: ————————————– O Prophet! Frage sie: Wem gehört die Erde und was auf ihr ist? Sagt es, wenn ihr wisst. Sie werden sagen: Allah. Sprich: Wollt ihr also nicht ermahnt werden? Frage: Wer ist der Rabb der sieben Himmel und des gewaltigen Thrones? Sie werden sagen: Allah. Sprich: Wollt ihr also nicht gottesfürchtig sein? Sprich: In wessen Hand liegt die Herrschaft über alle Dinge? Und wer ist es, der Schutz gewährt, während niemand gegen Ihn Schutz gewähren kann? Sagt es, wenn ihr wisst. Sie werden sagen: Diese Eigenschaften gehören allein Allah. Sprich: Wie könnt ihr euch dann täuschen lassen? Die Wahrheit ist: Wir haben ihnen die Wahrheit vorgetragen, doch sie sind gewiss Lügner. Al-Mu’minun 84–90
Er ist es – Allah –, der euch zu Lande und zu Wasser reisen lässt. Wenn ihr sogar auf Schiffe steigt und bei günstigem Wind fröhlich dahinfahrt, dann aber plötzlich ein widriger Wind heftig zu wehen beginnt und von allen Seiten Wellen auf sie zukommen, sodass sie glauben, der Sturm habe sie eingeschlossen, rufen alle Allah allein an. Sie widmen Ihm ihren Din und beten: „Wenn Du uns aus dieser Not rettest, werden wir gewiss dankbare Diener von Dir sein.“ Doch wenn Er sie aus der Not rettet, lehnen sie sich gegen die Wahrheit auf und begehen auf der Erde zu Unrecht Aufruhr. – Yunus 22–23
————————————— Wenn euch auf dem Meer ein Unglück widerfährt, verschwinden alle diejenigen, die ihr außer Allah angerufen habt. Wenn Er euch jedoch rettet und euch ans Land bringt, wendet ihr euch von Ihm ab. Wahrlich, der Mensch ist äußerst undankbar, ein zutiefst undankbarer Diener. Bani Isra’il 67
So hat der Koran die Vorstellung, die sie von ihren eigenen Göttern hatten, in ihren eigenen Worten wiedergegeben:
————————————————————— Und diejenigen, die an Seiner Stelle andere zu Freunden und zu Bevollmächtigten nehmen, sagen: „Wir verehren sie nur, damit sie uns Allah näherbringen.“ – As-Sumar 3
———————- Und sie sagen: „Diese sind unsere Fürsprecher bei Allah.“
Von ihren eigenen Göttern (Gottheiten) dachten sie nicht einmal, dass sie in den Fragen des Lebens den Weg weisen könnten. In Sure Yunus, Vers 35, weist Allah Seinen Propheten an:
——————————– Fragt sie: Gibt es unter den von euch erdachten Teilhabern etwa jemanden, der zur Wahrheit den Weg weist?
Nachdem sie diese Frage gehört haben, breitet sich Schweigen über sie aus. Keiner von ihnen gab zur Antwort: „Lat, Manat, Uzza oder andere Götter und Gottheiten weisen uns den richtigen Weg im Denken und Handeln; im irdischen Leben lehren sie uns Frieden, innere Ruhe und die Grundsätze der Gerechtigkeit, und aus ihrer Wissensüberlieferung gewinnen wir Erkenntnis über die grundlegenden Wahrheiten des Universums.“ Als Allah schließlich ihr Schweigen sah, sagte Er zu Seinem Propheten:
————————————— Sag: „Allah weist gewiss zur Wahrheit. Sag nun: Wer ist eher berechtigt, dass man ihm folgt: derjenige, der zur Wahrheit weist, oder derjenige, der selbst keinen Weg finden kann, wenn man ihm nicht den Weg weist? Was ist mit euch? Wie fällt ihr euer Urteil?“ Yunus 35
Nach diesen deutlichen Aussagen bleibt nun nur eine Frage offen. Die Frage lautet: Worin bestand dann ihre eigentliche Irreleitung in Bezug auf die Rububiyyat, zu deren Korrektur Allah Seinen Propheten gesandt und ein Buch herabgesandt hat? Wenn wir zur Klärung dieser Frage den Blick auf den Qur’an richten, finden wir sowohl in ihrem Glauben als auch in ihren Taten zwei grundlegende Formen der Irreleitung, die seit jeher auch bei allen irregeleiteten Völkern anzutreffen waren. Einerseits schrieben sie neben Allah auch anderen Rabb und Ilah im übernatürlichen Sinne Teilhaberschaft zu und meinten, dass neben Demjenigen, der in der Kette von Ursache und Wirkung die Herrschaft ausübt, auch Engel, fromme und angesehene Persönlichkeiten sowie Gestirne und andere über eine gewisse Herrschaft innerhalb Seiner Macht und Verfügung verfügten. Deshalb wandten sie sich bei den Formen und Regeln des Bittgebets, des Erflehens von Hilfe und der Anbetung sowie bei ihren religiösen Bräuchen und Riten nicht ausschließlich Allah zu, sondern auch jenen künstlich erschaffenen Göttern.
Andererseits waren sie hinsichtlich der zivilisatorisch-politischen Rububiyyat völlig ohne Vorstellung. Dass es auch in diesem Sinne einen Rabb geben könnte, fand nicht einmal den geringsten Platz in ihrem Denken. In diesem Sinne machten sie ihre religiösen Führer und Machthaber, ihre Häuptlinge und einflussreichen Männer sowie die angesehenen (großen) Persönlichkeiten ihrer Sippen zu Rabb und nahmen von ihnen ihre Lebensordnung an. Über ihre erste Irreleitung bezeugt der Qur’an:
————————– Unter den Menschen gibt es auch jemanden, der am äußersten Rand der Gottesverehrung steht und Ihn anbetet. Wenn ihm Gutes zuteilwird, ist er damit zufrieden und beruhigt. Wenn ihn jedoch irgendein Unglück trifft, wendet er sich ab. Ein solcher Mensch hat sowohl diese Welt als auch das Jenseits zugrunde gerichtet. Und dies ist der offenkundige Verlust. Er ruft statt Allah jemanden an, der weder imstande ist, ihm Schaden zuzufügen, noch ihm Gutes zu erweisen. Dies ist die größte Irreleitung und ein gewaltiges Abweichen vom rechten Weg. Er ruft zur Hilfe jemanden an, dessen Anruf ihm viel eher Schaden als Nutzen bringt. Was für ein schlechter Beschützer und was für ein schlechter Gefährte! – al-Hadsch 11–13
———————– Sie beten statt Allah jemanden an, der weder Schaden zufügen noch Gutes erweisen kann. Und sie sagen: „Sie sind unsere Fürsprecher bei Allah.“ Sprich: „Wollt ihr Allah etwas mitteilen, das Er in den Himmeln und auf der Erde nicht weiß?“ Erhaben und frei ist Allah von dem, was sie Ihm beigesellen. – Yunus 18
——————————— O Prophet! Sag ihnen: „Glaubt ihr tatsächlich nicht an Ihn, der die Erde in zwei Tagen erschaffen hat, und setzt Ihm andere als Gleiche und Rivalen zur Seite?“ – Ha-Mim as-Sajda 9
———————————
1. Das heißt: Ihr seid einer solch irrigen Vorstellung verfallen, dass jene Götzen bei Mir eine solche Macht besitzen, dass jede Fürsprache, die sie bei Mir einlegen, von Mir zwangsläufig angenommen werden muss. Deshalb stoßt ihr an ihren Heiligtümern mit der Stirn auf den Boden und bringt ihnen Gaben dar. Gibt es in den Himmeln und auf der Erde irgendein Wesen, das in Meinem Angesicht so mächtig oder Mir so lieb wäre, dass Ich gezwungen wäre, seine Fürsprache anzunehmen? Mir ist kein solches Wesen bekannt. Wollt ihr Mir etwa über solche Fürsprecher berichten, von denen Ich nichts weiß? Es ist offensichtlich: Dass etwas in Allahs Wissen nicht vorhanden ist, bedeutet in Wahrheit, dass es überhaupt nicht existiert.
Sprich: „Betet ihr statt Allah etwa jemanden an, der keinerlei Macht über euer Gutes besitzt und keinerlei Macht hat, euch Schaden zuzufügen, obwohl doch Allah allein der Allhörende und Allwissende ist?“ – al-Ma’ida 76
—————————- Wenn den Menschen ein Unglück trifft, ruft er in völliger Hingabe seinen Herrn allein an. Wenn Er ihn jedoch mit einer Gunst beschenkt, vergisst er das Unglück, in dem er sich zuvor befand und wegen dessen er Ihn angerufen hatte; und er beginnt, Allah Gleiche zur Seite zu setzen1, um ihn von Allahs Weg abirren zu lassen. – az-Zumar 8
—————————– Jede Gunst, die ihr erhalten habt, habt ihr durch Allahs Gabe und Gnadenbeweis erhalten. Wenn euch danach ein Unglück trifft, bringt eure Klage allein vor Allah. Wenn Er euch jedoch von diesem Unglück befreit, beginnen einige von euch, bei dieser Befreiung andere zu Allah hinzuzugesellen, um die Gunst durch Vergessen der Gunst mit Undank zu vergelten. Nun gut! Genießt es! Bald werdet ihr die Folgen davon erfahren. Ihr bestimmt einen Anteil der Versorgung, die Wir euch gegeben haben, für jene, die ihr nicht kennt.2 Allahs
1. Sie machen Allah seinesgleichen; das bedeutet, dass sie sagen: Durch den Segen irgendeines frommen Alten ist dieses Unglück vorübergegangen, durch die Gunst und Gnade irgendeines Hazrat haben wir diese Wohltat erlangt.
2. Das heißt, sie bringen denjenigen, von denen sie ohne irgendein Wissen oder Beweis glauben, dass sie Unglück abwenden und Schwierigkeiten beseitigen, aus Dankbarkeit Gelübde und Opfergaben dar. Das Erstaunliche daran ist, dass sie all dies von dem Lebensunterhalt tun, den Wir ihnen gegeben haben.
Bei Allah, über die abwegigen und absurden Vorstellungen, die ihr euch macht, werdet ihr gewiss gründlich befragt werden. – an-Nahl 55–56
Damit bleibt ihre zweite Irreleitung. Das Zeugnis des Korans darüber lautet: ——————- Und ebenso haben ihre erdichteten Teilhaber vielen Götzendienern die Tötung ihrer eigenen Kinder schön erscheinen lassen, damit sie sie ins Verderben stürzen und ihre Religion für sie zweifelhaft machen.
Es ist klar, dass Schurakā (Teilhaber) hier nicht Götzen und Gottheiten bedeutet. Vielmehr sind damit jene Führer und Autoritätspersonen gemeint, die den Arabern die Tötung von Kindern als eine nützliche, ehrenvolle und schöne Handlung präsentierten. Sie waren es, die eine derart abscheuliche Sitte in die Religion von Hazrat Ibrahim und Hazrat Ismail (a. s.) eingeführt hatten. Ebenso ist klar, dass die Araber sie aufgrund einer Kausalitätskette für maßgebend hielten, sie verehrten oder zu ihnen beteten. In diesen Bedeutungen wurden sie nicht Allahs Teilhaber genannt. Sie wurden vielmehr in Rububiyya und Uluhiyya als Teilhaber bezeichnet, weil die Araber ihnen das Recht zugestanden hatten, gesellschaftliche, moralische und religiöse Angelegenheiten nach Belieben festzulegen.
——————————— Oder haben sie sich Teilhaber genommen, die für euch in religiösen Angelegenheiten solche Gesetze und Vorschriften erlassen haben, für die Allah keine Erlaubnis und keinen Befehl gegeben hat? – asch-Schura 21
Die Erklärung des Wortes Din wird später gegeben werden. Auch die vollständige Tragweite dieses Verses wird dort vollkommen klar werden. Doch zumindest lässt sich hier eindeutig erkennen: Dass die arabischen Führer und Autoritätspersonen ohne Allahs Erlaubnis solche Bräuche und Regeln festlegten, deren Art und Wesen dem Din entsprachen, und dass die Araber deren ausschließliche Befolgung anerkannten – genau das bedeutete, sie in der Rububiyya und Uluhiyya Allahs zu Teilhabern zu machen. Darin bestand die Anerkennung ihrer Teilhaberschaft durch die Araber.
Der Aufruf des Korans
Aus der zuvor erwähnten Analyse der Vorstellungen und Einbildungen der irregeleiteten Völker wird völlig klar, dass kein einziges der Völker, die der Koran von der frühesten Zeit bis zur Offenbarung des Korans als tyrannisch, von irrigen Denkweisen beherrscht und irregeleitet bezeichnet, die Existenz Allahs leugnete. Ihre eigentliche gemeinsame Irreleitung bestand vielmehr darin, dass sie die fünf Bedeutungen der Rububiyya – die wir eingangs anhand des Wörterbuchs und der Beweise des Korans dargelegt haben – in zwei Bereiche aufteilten.
Die Bedeutung von Rabb, dass Er auf übernatürliche Weise für die Versorgung, Erhaltung, Befriedigung der Bedürfnisse und Fürsorge der erschaffenen Wesen ausreicht, war in ihren Augen eine andersartige Bedeutung. Obwohl sie Allah dieser Bedeutung gemäß als den höchsten Rabb anerkannten, machten sie zugleich Engel, Gottheiten, Dschinn, unsichtbare Kräfte, Himmelskörper, Propheten, Heilige sowie Pīrī und Priester zu Teilhabern an der Rububiyya.
Ihre Vorstellung von Rabb als demjenigen, der das Recht auf Gebot und Verbot besitzt, der höchste Macht innehat, Quelle der Rechtleitung und Führung ist, Grundlage der Gesetzgebung, das Oberhaupt des Staates und Mittelpunkt der gesellschaftlichen Ordnung, war völlig anderer Art. In dieser Hinsicht hielten sie entweder Menschen anstelle Allahs für Rabb, oder sie erkannten Allah zwar ihrer Lehre nach als Rabb an, beugten aber in der Praxis ihr Haupt in Gehorsam vor der moralischen, zivilisatorischen und politischen Rububiyya des Menschen.
Um diese Irreleitung zu beseitigen, traten von Anfang an Propheten und Gesandte auf. Aus diesem Grund kam schließlich auch der ehrwürdige Muhammad (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Die Botschaft all dieser Gesandten lautete: In all diesen Bedeutungen gibt es nur einen Rabb. Und Er ist Allah, der Erhabene, der Rabb der Welten. Die Rububiyya ist unteilbar. In keiner Hinsicht kann jemand einen Anteil an der Rububiyya besitzen. Die Ordnung des Weltalls untersteht einem vollkommenen, zentralen Gesetz. Einzig Allah ist sein Schöpfer. Derselbe Allah übt die Herrschaft über es aus. Einzig Allah besitzt alle Macht und Verfügungsgewalt im Weltall. Niemand hat Anteil an der Erschaffung des Weltalls; ebenso wenig gibt es neben Ihm einen Teilhaber an seiner Leitung und Verwaltung. Auch in der Herrschaft gibt es niemanden, der einen Anteil mit Ihm teilt. Als Träger der zentralen Macht ist Er allein euer übernatürlicher Rabb. Er allein ist auch euer moralischer, zivilisatorischer und politischer Rabb. Er allein ist euer Maʿbūd, derjenige, der eurer Verbeugung und Niederwerfung würdig ist. Er allein ist das letzte Ziel eurer Bittgebete und Gebete. Er allein ist die Stütze eurer Hoffnung und eures Vertrauens. Er allein erfüllt eure Bedürfnisse und beseitigt eure Nöte. Ebenso ist Er allein der König, Mālik al-Mulk, der König der Könige. Er allein ist der Gesetzgeber und besitzt das Recht auf Gebot und Verbot. Diese beiden Aspekte der Rububiyya, die ihr infolge der Dschāhiliyya voneinander getrennt habt, sind in Wahrheit beide notwendige Bestandteile und besondere Eigenschaften Allahs. Keiner von ihnen kann vom anderen getrennt werden, und es ist in keiner dieser beiden Formen zulässig, irgendein Geschöpf Allah beizugesellen.
Hört nun in den Worten des Korans selbst, in welcher Sprache der Koran diese Botschaft verkündet hat:
—————————————- In Wahrheit ist euer Rabb Allah, der Erhabene. Er erschuf die Himmel und die Erde in sechs Tagen und bestieg danach den Thron. Er hüllt den Tag in das Gewand der Nacht, während die Nacht dem Tag rasch folgt. Sonne, Mond und Sterne stehen allesamt unter Seinem Befehl. Wahrlich, die Schöpfung ist Sein und die Herrschaft gehört einzig Ihm. Allah ist der Rabb der Welten, voller Segen. – al-Aʿrāf 54
———————– Frage sie: Wer versorgt euch mit Lebensunterhalt aus den Himmeln und der Erde? In wessen Verfügungsgewalt liegen das Hörvermögen des Ohres und das Sehvermögen des Auges? Wer ist es, der aus dem Toten das Lebendige und aus dem Lebendigen das Tote hervorbringt? Wer lenkt diese Werkstatt des Weltalls? Sie werden gewiss sagen: Allah. Sprich: Wollt ihr dennoch nicht gottesfürchtig sein? Da all dies Ihm gehört, ist Er somit euer wahrer Rabb. Was kann nach der Offenlegung der Wahrheit außer der Irreleitung noch übrig bleiben? Wohin also wendet ihr euch ab und entfernt euch, nachdem ihr über diesen Anstoß gestolpert seid, von der Wahrheit?
——————————– Er erschuf die Himmel und die Erde in Wahrheit. Er wickelt die Nacht über den Tag und den Tag über die Nacht. Er hat Sonne und Mond einer solchen Ordnung und Gesetzmäßigkeit unterworfen, dass sie alle bis zu einer bestimmten Frist ununterbrochen ihren Lauf nehmen. ………………. Dieser Allah ist euer Rabb. Ihm gehört die Herrschaft. Es gibt keinen anderen Ilāh für euch außer Ihm. Wohin also wendet ihr euch ab und entfernt euch, nachdem ihr gestolpert seid? – az-Zumar 5–6
——————————————— Er ist Allah, der für euch die Nacht gemacht hat, damit ihr in ihr Ruhe findet. Und Er hat den Tag hell gemacht. ….. Dieser Allah ist euer Herr, der Schöpfer aller Dinge. Es gibt keine anbetungswürdige Gottheit außer Ihm. Doch wohin wendet ihr euch ab, nachdem ihr euch habt täuschen lassen? ….. Allah ist es, der die Erde für euch zu einer Wohnstätte gemacht und den Himmel als Dach über euch ausgebreitet hat und euch für eure Nahrung reine und gute Dinge bereitstellt. Dieser Allah ist euer Herr, der Herr der Welten, voller Segen. Er ist der Lebendige. Es gibt keine anbetungswürdige Gottheit außer Ihm. So ruft Ihn allein an und widmet Ihm die Religion aufrichtig. – Al-Mu’min 61–65
——————————————- Allah hat euch aus Erde erschaffen. …. Er lässt die Nacht in den Tag eindringen und den Tag in die Nacht. Er hat Sonne und Mond einer Ordnung unterworfen, sodass jeder bis zu seiner festgesetzten Frist weiterläuft. Dieser Allah ist euer Herr. Ihm gehört die Herrschaft. Jene, die ihr außer Ihm anruft, verfügen nicht einmal über die Macht über ein Teilchen. Wenn ihr sie anruft, hören sie euren Ruf nicht; und selbst wenn sie ihn hören würden, wären sie nicht in der Lage, eure Bitte zu beantworten. Und dass ihr sie Allah beigesellt – am Tag der Auferstehung werden sie selbst dies leugnen. – Fatir 11–14
————————————- Alle, ob Bewohner des Himmels oder der Erde, sind Seine Diener und folgen Seinem Befehl. …. Allah führt euch ein Gleichnis aus eurer eigenen Mitte an: Kann etwa einer eurer Diener an dem Besitz der Dinge, die Wir euch gegeben haben, mit euch beteiligt sein? Seid ihr und eure Diener im Genuss und Gebrauch dieser Dinge etwa gleich? Fürchtet ihr sie etwa ebenso, wie ihr die Menschen euresgleichen fürchtet? Sie folgen ohne Wissen und Beweis ihren haltlosen Vermutungen. … So richte dich mit ganzem Herzen auf die wahre Religion aus. Halte fest an der Schöpfungsnatur Allahs, nach der Er alle Menschen erschaffen hat. Es gibt keine Veränderung in Allahs Schöpfung. Das ist der rechte und wahre Weg, doch die meisten Menschen wissen es nicht. – Ar-Rum 26–30
—————————————— Sie haben Allah nicht die Größe und Erhabenheit zugeschrieben, die Ihm gebührt. Am Tag der Auferstehung werden sie sehen, dass die ganze Erde in Seiner Hand liegt und die Himmel in Seiner Rechten zusammengerollt sind. Gepriesen sei Er! Er ist weit erhaben über das, was sie Ihm beigesellen. – Az-Zumar 67
————————————- So gebührt aller Lob Allah, dem Herrn der Himmel, der Erde und der Welten. Ihm allein gehören Größe und Erhabenheit in den Himmeln und auf der Erde. Er ist allmächtig über alles, vollkommen weise und allwissend. – Al-Dschathiya 36–37
——————————————- Er ist der Besitzer und Herr der Himmel und der Erde, der Besitzer all dessen, was sich in den Himmeln und auf der Erde befindet. So diene Ihm allein und halte an Ihm fest. Kennst du etwa einen anderen, der Ihm gleich wäre? Sure Maryam 65
————————————— Die Geheimnisse der Himmel und der Erde sind Allah bekannt. Alle Angelegenheiten werden Ihm vorgelegt. So diene Ihm allein und vertraue auf Ihn. – Sure Hud 123
———————————————– Er ist der Herr des Ostens und des Westens, des Morgenlands und des Abendlands. Es gibt keine anbetungswürdige Gottheit außer Ihm. So nimm Ihn allein zu deinem Sachwalter. – Al-Muzzammil 9
————————————— Wahrlich, diese eure Umma ist eine einzige Umma. Und Ich bin euer Rabb. So dient nur Mir. Die Menschen haben die Aufgabe der Rububiyya und die Angelegenheiten des Lebens unter sich selbst aufgeteilt. Doch wie dem auch sei: Sie alle müssen zu Mir zurückkehren. – Sure an-Nisa 93–96
—————————————- Folgt dem Buch, das von eurem Rabb herabgesandt wurde. Und folgt, es beiseitelassend, niemand anderem als Sachwalter. – al-A’raf 3
———————————- Sprich: O Leute der Schrift! Kommt zu einem Wort, das zwischen uns und euch gleich ist: Wir werden niemandem außer Allah dienen, Ihm nichts beigesellen und niemanden außer Allah zu unserem Rabb nehmen. – Al-Imran 64
————————— Sprich: Ich suche Zuflucht bei dem Rabb der Menschen, dem König der Menschen und dem Gott der Menschen. – an-Nas 1–3
——————————- Wer also die Begegnung mit seinem Rabb erhofft, soll rechtschaffen handeln und dem Dienst an seinem Rabb niemanden beigesellen. – al-Kahf 110
Wenn man diese Verse der Reihe nach studiert, wird deutlich, dass der Koran Rububiyya als vollkommenes Synonym für Souveränität darstellt. Und die Vorstellung vom Rabb, die er uns vermittelt, ist die, dass Er der alleinige Herrscher über das gesamte Weltall, der unumschränkte Regent sowie der alleinige Eigentümer und Richter ist.
In diesem Sinne ist Er unser und der gesamten Welt Erhalter, Erzieher und Erfüller unserer Bedürfnisse und Anliegen.
In diesem Sinne ist Er unser Aufseher, Beschützer, Lenker unserer Angelegenheiten und Förderer.
Dementsprechend ist seine Treue ein natürliches Fundament, auf dem der Bau unseres gesellschaftlichen Lebens wohlgeordnet und schön errichtet werden kann. Die Verbindung mit seiner zentralen Persönlichkeit kann zwischen allen voneinander getrennten Einzelpersonen und Gruppen eine Beziehung als eine Umma herstellen.
Dementsprechend ist Er würdig, dass wir und die gesamte Schöpfung Ihm dienen, Ihm gehorchen und Ihn verehren.
Dementsprechend ist Er der Besitzer, der Herr und der alleinige Gebieter über uns und alle Dinge.
Die Araber und alle unwissenden und törichten Menschen der Welt waren zu allen Zeiten in dem Irrtum befangen und sind es bis heute, dass sie diese umfassende Vorstellung von Rububiyya in fünf verschiedene Arten von Rububiyya aufteilen. Aufgrund ihrer eigenen Vorstellungen und Einbildungen haben sie entschieden, dass verschiedene Arten von Rububiyya mit verschiedenen Personen verbunden sein können und tatsächlich verbunden sind. Der Koran hat jedoch durch seine überzeugenden Argumente und Beweise dargelegt, dass keine Handlung der Rububiyya, auf welcher Ebene auch immer, irgendeinem anderen Wesen außer Dem anvertraut werden kann, in dessen Hand die souveräne Macht liegt – in der vollkommen zentralisierten Ordnung des Weltalls gibt es dafür nicht den geringsten Raum. Die Zentralität dieser Ordnung selbst bezeugt, dass alle Arten der Rububiyya allein Allah bestimmt und vorbehalten sind, Der dieser Ordnung Existenz verliehen hat. Wer daher innerhalb dieser Ordnung irgendeinen Teil der Rububiyya in irgendeiner Hinsicht mit jemand anderem außer Allah verbunden glaubt oder ihn tatsächlich mit jemand anderem verbindet, gerät in Wirklichkeit in Konflikt und Streit mit der Realität, wendet sich von der Wahrheit ab, rebelliert gegen die Wahrheit und stürzt sich dadurch, dass er gegen die Realität handelt, selbst ins Verderben.
ʿIbāda
Die lexikalische Bedeutung
In der arabischen Sprache ist die eigentliche Bedeutung von ——————— ——– und——, das heißt, gezwungen und gehorsam zu sein, sich jemandem so zu unterwerfen, dass man ihm gegenüber keinerlei Widerstand, Ungehorsam oder Undankbarkeit zeigt. Er kann seine Dienste nach seinem Willen und nach Belieben in Anspruch nehmen und ihn einsetzen. Deshalb nennen die Araber ein Kamel, das seinem Reiter vollkommen gehorsam ist, —–; einen Weg, der durch den häufigen Verkehr vieler Menschen eben geworden ist, nennt man ——–. Danach entstehen aus dieser Grundwurzel die Bedeutungen Sklaverei, Gehorsam, Anbetung, Dienst, Gefangenschaft oder Behinderung. Die Zusammenfassung der Erklärung dieses Wortes im größten arabischen Wörterbuch, Lisān al-ʿArab, lautet:
Erstens: ———————- Eine Person, die jemandem gehört und nicht frei ist, wird ʿAbd genannt. Dies ist das Gegenteil von „Hurr“ oder einem freien Menschen. ——— Er hat den Mann zu einem Sklaven gemacht und ihn wie einen Sklaven behandelt. ——— und ——— werden im Hadith ebenfalls in diesem Sinne angeführt:
Am Tag der Auferstehung werde ich gegen drei Personen Klage erheben und als Kläger auftreten. Einer von ihnen ist derjenige, der einen freien Menschen versklavt oder sich, nachdem er einen Sklaven freigelassen hat, ihm gegenüber weiterhin wie gegenüber einem Sklaven verhält.
Moses (Friede sei mit ihm) sagte zum Pharao: Der Vorwurf, mit dem du mir deine Wohltat vorhältst, bedeutet, dass du die Kinder Israels zu Sklaven gemacht hast.
Zweitens: Als Anbetung bezeichnet man einen Gehorsam, der mit vollkommener Demut geleistet wird. Wer den Taghut angebetet hat, ist ihm also gehorsam und unterwürfig geworden.
Wir allein beten dich an, das heißt, wir gehorchen dir mit vollkommenem Gehorsam.
Betet euren Herrn an, das heißt: Gehorcht Ihm.
Das bedeutet: Als der Pharao sagte, das Volk von Moses und Aaron seien unsere Anbeter und Sklaven, meinte er damit, dass sie meinem Befehl gehorchen. Ibn al-Anbari sagt: Das bedeutet, dass er seinem Herrn gehorsam ist und seinen Anweisungen folgt.
Drittens: Er hat ihn angebetet, das heißt, ihn verehrt. Ta’arrud bedeutet, jemandes Anbeter zu sein. Der Dichter sagt:
Ich sehe, dass das Geld des Geizhalses übrig bleibt.
Viertens: Die Aussage „und …“ bedeutet, dass er mit ihm verbunden blieb und sich nicht von ihm trennte; er folgte ihm und verließ ihn nicht mehr.
Fünftens: Wenn jemand es unterlässt, zu einer anderen Person zu kommen, sagt man: „Was hat dich davon abgehalten und dir verboten, zu mir zu kommen?“
Aus dieser Erklärung wird deutlich, dass die grundlegende Bedeutung der Wurzel „ʿAbd“ darin besteht, die Herrschaft und Vorrangstellung jemandes anzuerkennen, ihr gegenüber Freiheit und Eigenmächtigkeit aufzugeben, Hochmut und Ungehorsam abzulegen und sich ihm gehorsam zu unterwerfen. Das ist auch der Kern von Sklaverei und Dienstbarkeit. Daher entsteht im Bewusstsein eines Arabers beim ersten Hören dieses Wortes die Vorstellung von Sklaverei und Dienstbarkeit. Da die eigentliche Aufgabe eines Sklaven im Gehorsam und in der Befolgung der Befehle seines Herrn besteht, unterwirft er sich ihm tatsächlich nicht nur im Gehorsam, sondern erkennt auch dessen Treue, Überlegenheit und Herrschaft an; deshalb übertreibt er in dessen Achtung und Würde. Auf verschiedene Weise bringt er seine Anerkennung der ihm erwiesenen Wohltaten zum Ausdruck und vollzieht so die rituellen Formen der Dienstbarkeit. Dies wird Anbetung genannt. Diese Vorstellung tritt in die Bedeutung von „ʿAbdiyya“ ein, wenn der Sklave vor seinem Herrn nicht nur den Kopf neigt, sondern auch sein Herz und seinen Geist demütig beugt. Es bleiben noch zwei Vorstellungen. Im Grunde sind diese beiden Vorstellungen – als mit „ʿAbdiyya“ beziehungsweise Dienstbarkeit verbundene Vorstellungen – keine grundlegenden Bedeutungen.
Die Verwendung des Wortes „ʿIbāda“ im Koran
Wenn wir uns nach dieser lexikalischen Untersuchung wieder dem Koran zuwenden, erfahren wir, dass dieses Wort im Heiligen Buch vollständig in den ersten drei Bedeutungen verwendet wird. Manchmal sind die erste und die zweite Bedeutung zugleich gemeint, manchmal nur die zweite, an anderer Stelle die dritte, und manchmal sind alle drei Bedeutungen gleichzeitig gemeint.
Im Sinne von ʿIbāda, Dienstbarkeit und Gehorsam
Hier ist ein Beispiel für die erste und die zweite Bedeutung:
Daraufhin entsandten Wir Mose und seinen Bruder Aaron mit Unseren Zeichen und dem eindeutigen Beweis der Offenbarung zu Pharao und seinen Vornehmen. Doch sie traten hochmütig auf, denn sie waren ein mächtiges Volk. Sie sagten: „Sollen wir etwa zwei Menschen glauben, die unseresgleichen sind? Sie gehören zu einem Volk, dessen Angehörige uns dienen und gehorchen.“ – Al-Mu’minun 45–47
——————- (Pharao machte Musa Vorwürfe und sagte: Wir haben dich in deiner Kindheit bei uns aufgenommen und aufgezogen. Musa erwiderte darauf:) Der Vorwurf der Gunst, den du mir machst, besteht doch darin, dass du die Kinder Israels zu deinen „Abd“ gemacht hast. – Asch-Schuʿara 22
In beiden Versen bedeutet Ibadat Knechtschaft, Sklaverei, Gehorsam und Befolgung von Befehlen. Pharao sagte: Das Volk von Musa und Harun ist uns ergeben. Das heißt: unsere Sklaven und Befolger unserer Befehle. Und der edle Musa sagte: Du hast doch die Kinder Israels zu deinen „Abd“ gemacht. Das heißt: Du hast sie zu Sklaven gemacht und lässt sie nach deinem eigenen Willen Dienste für dich verrichten.
————– O ihr, die ihr glaubt! Wenn ihr nur Mir dient, dann esst von den reinen Dingen, die Ich euch gewähre, und dankt Allah. – Al-Baqara 172
In der vorislamischen Zeit hielten sich die Araber, indem sie den Anweisungen ihrer religiösen Führer und den Vorstellungen und Einbildungen ihrer Vorväter folgten, in Bezug auf Nahrung und Getränke an allerlei Gebote und Verbote. Als sie den Islam annahmen, sagte Allah: „Wenn ihr nur Mir dient, dann beseitigt diese Gebote, Verbote und Verpflichtungen, erklärt das, was Ich erlaubt habe, für erlaubt und esst davon ohne Bedenken.“ Die klare und eindeutige Bedeutung davon ist: Nicht euren Gelehrten und religiösen Führern, sondern – wenn ihr Meine Diener seid und tatsächlich ihre Befolgung und den Gehorsam gegenüber ihren Befehlen aufgegeben und Meinen Gehorsam angenommen habt – müsst ihr in Fragen des Erlaubten und Verbotenen, des Zulässigen und Unzulässigen, statt ihrer erdachten Vorschriften Meine Vorschriften befolgen. Daher wird auch hier das Wort Ibadat im Sinne von Knechtschaft und Gehorsam verwendet.
——————- Sprich: Soll ich euch mitteilen, wer bei Allah ein noch schlimmeres Ende haben wird? Es sind diejenigen, die Allah verflucht und denen Er Seinen Zorn auferlegt hat, von denen Er viele zu Affen und Schweinen gemacht hat und die dem Taghut gedient haben. – Al-Ma’ida 60
————————- Und wahrlich, Wir haben in jedes Volk einen Gesandten geschickt, damit er lehrt: Dient Allah und meidet den Dienst am Taghut. – An-Nahl 36
———————– Für diejenigen, die den Dienst am Taghut aufgegeben haben und zu Allahs Dienst zurückgekehrt sind, gibt es frohe Botschaft. – Az-Zumar 17
In allen drei Versen bedeutet der Dienst am Taghut die Knechtschaft und den Gehorsam gegenüber dem Taghut; darauf haben wir bereits hingewiesen. Jede Staatsmacht, die sich gegen Allah auflehnt und auf Allahs Erde ihre eigenen Befehle durchsetzt und durch Gewalt, das Wecken von Gier und Begierden oder irreführende Lehren Allahs Diener dazu bringt, ihren Anweisungen zu folgen, wird in der Terminologie des Korans Taghut genannt. Sich vor einer solchen Macht oder Führung zu beugen, ihre Knechtschaft anzunehmen und ihre Befehle als verbindlich zu akzeptieren, bedeutet, dem Taghut zu dienen.
ʿIbāda im Sinne des Gehorsams
Betrachtet nun die folgenden Verse aufmerksam. In diesen Versen wird ʿIbāda ausschließlich in der zweiten Bedeutung verwendet.
O Kinder Adams! Habe Ich euch nicht eindringlich geboten, Satan nicht zu dienen? Denn er ist wahrlich euer offenkundiger Feind.
Es versteht sich von selbst, dass niemand auf der Welt Satan anbetet. Vielmehr werden von allen Seiten Flüche und Verwünschungen über ihn ausgesprochen. Die Anklage, die Allah am Tag der Auferstehung gegen die Kinder Adams erheben wird, lautet daher, dass sie nach den Worten Satans handelten und seinen Vorschriften gehorchten. Sie eilten auf jedem Weg dahin, auf den er sie hingewiesen hatte.
(Wenn die Auferstehung eintritt, wird Allah sagen:) »Versammelt alle Ungerechten, ihre Gefährten und jene Götzen, denen sie außer Allah zu dienen pflegten, und weist ihnen den Weg zur Hölle. …« Danach werden sie einander gegenseitig Vorwürfe machen. Die Diener werden sagen: »Ihr wart es doch, die zu uns kamen und uns den Weg des Guten wiesen!« Ihre Götzen werden antworten: »In Wahrheit wart ihr selbst nicht bereit zu glauben. Wir haben euch zu nichts gezwungen; vielmehr wart ihr selbst Frevler.« (As-Sāffāt 22–30)
Wenn man die in diesem Vers erwähnte Befragung und Antwort zwischen den Dienern und den angebeteten Herren aufmerksam betrachtet, wird klar, dass mit den angebeteten Herren hier nicht die Götzen und Götter gemeint sind, die man verehrte. Gemeint sind vielmehr jene Personen, die sich unter dem Deckmantel des Wohlergehens als göttliche Autoritäten ausgaben und die Menschen irreführten und vom rechten Weg abbrachten; jene, die im Gewand der Frömmigkeit auftraten, die Diener Allahs mit Gebetsketten, Umhängen und Kutten täuschten und sie zu ihren ergebenen Anhängern machten; oder jene, die unter dem Anspruch, Reformer und Wohltäter zu sein, Zerstörung, Unheil und Verderben verbreiteten. Die blinde Nachahmung solcher Menschen und die widerspruchslose Befolgung ihrer Anweisungen werden hier als ihre ʿIbāda bezeichnet.
Sie hatten ihre Gelehrten und Scheichs anstelle Allahs zu ihren Herren genommen, ebenso den Messias, den Sohn Marias. Dabei war ihnen doch nur befohlen worden, niemandem außer dem einen Gott zu dienen. (At-Tauba 31)
Die Gelehrten und Scheichs sowie die Priester und Geistlichen zu Herren zu machen und ihnen zu dienen bedeutet hier, ihre Anweisungen als verbindlich anzunehmen. Auch der Gesandte Allahs selbst hat diese Bedeutung in vielen authentischen Überlieferungen ausdrücklich erklärt. Er wurde gefragt: »Wir haben die Gelehrten und Scheichs sowie die Priester und Geistlichen doch niemals angebetet.« Darauf sagte er: »Habt ihr denn nicht das, was sie für verboten erklärt hatten, ebenfalls für verboten erklärt?«
Im Sinne von Anbetung
Betrachten wir nun die Verse, in denen die dritte Bedeutung vorkommt. In diesem Zusammenhang ist zu beachten, dass die Anbetung im Sinne der Verehrung, wie im Koran, zwei Dinge umfasst:
Erstens: sich vor jemandem verbeugen und niederwerfen, mit gefalteten Händen dastehen, den Tawāf vollziehen, eine Schwelle küssen, Gelübde und Opfergaben darbringen sowie jene Zeremonien des Opferns vollziehen, die gewöhnlich zur Anbetung verrichtet werden – ob man dabei den Betreffenden als eigenständige Gottheit (Maʿbūd) betrachtet oder nicht, spielt keine Rolle.
Zweitens: jemanden in der Welt der Ursachen und Wirkungen für mächtig zu halten, zu ihm in den eigenen Anliegen zu beten, ihn bei eigenem Leid und eigenen Schwierigkeiten um Hilfe zu rufen und bei ihm Zuflucht zu suchen, um vor Schaden, Verlust, Not und Gefahren bewahrt zu werden.
Aus der Sicht des Korans gehören beide Arten von Handlungen gleichermaßen zur Anbetung. Zum Beispiel:
—————— Sprich: Nachdem ich von meinem Herrn eine klare Weisung erhalten habe, ist mir verboten worden, diejenigen anzubeten, die ihr anstelle Allahs anbetet. – Al-Muʾmin-66
——————– (Ibrāhīm sagte:) Ich sage mich von euch allen und von jenen los, die ihr außer Allah anruft, und ich rufe meinen Herrn an. .. von ihnen und von jenen, die sie außer Allah anzubeten pflegten. Als er sich von ihnen allen lossagte, schenkten Wir ihm einen Sohn wie Isḥāq. – Maryam-48–49
—————— Wer kann weiter abgeirrt sein als jemand, der außer Allah jemanden anruft, der ihm bis zum Tag der Auferstehung nicht antworten kann, und der nicht einmal weiß, dass er angerufen wird? Am Tag der Versammlung werden diese selbst die Feinde derjenigen sein, die sie anriefen. An jenem Tag werden sie ihre Anbetung verleugnen.¹ – Al-Aḥqāf-4–4
In drei Versen hat der Koran selbst klargestellt, dass „Ibāda“ hier bedeutet, um ein Bittgebet zu ersuchen und um Hilfe zu rufen.
„Vielmehr verehrten sie die Dschinn, und die meisten von ihnen glaubten an sie.“ – Saba 41
Die Bedeutung der Verehrung der Dschinn und des Glaubens an sie wird hier durch den sechsten Vers der Sure al-Dschinn erläutert:
„Manche Menschen suchten bei manchen Dschinn Zuflucht.“ – al-Dschinn 2
Daraus wird ersichtlich, dass die Verehrung der Dschinn bedeutet, bei ihnen Zuflucht zu suchen und sie um Schutz vor Gefahren und Schaden zu bitten; und dass der Glaube an sie bedeutet, zu glauben, sie könnten Zuflucht gewähren und Sicherheit gewährleisten.
———————– An dem Tag, an dem Allah sie alle versammeln und auch jene Gottheiten vorführen wird, die sie anstelle Allahs verehrten, wird Er sie fragen: „Habt ihr diese Meine Diener irregeführt, oder waren sie selbst vom geraden Weg abgekommen?“ Sie werden antworten: „Gepriesen seist Du! Wie hätte es uns jemals zugestanden, anstelle unseres Herrn jemand anderen zum Gefährten zu nehmen!“ – al-Furqān 17–18
Aus der Ausdrucksweise wird hier eindeutig ersichtlich, dass mit „Gottheiten“ Gefährten und Teilhaber gemeint sind und dass ihre Verehrung darin bestand, sie über die Eigenschaften der Dienerschaft zu erheben und ihnen göttliche Eigenschaften zuzuschreiben; ihnen unsichtbare Hilfe, die Beseitigung von Schwierigkeiten und Versorgung zuzuschreiben – und dies bis an die Grenze der Vergötterung.
„Und an dem Tag, an dem Allah sie alle versammeln und anschließend die Engel fragen wird: ‚Seid ihr es, die diese dort verehrten?‘ Sie werden antworten: ‚Gepriesen seist Du! Welche Verbindung haben wir zu ihnen? Unsere Verbindung besteht vielmehr zu Dir.‘“ – Saba 40–41
Hier bedeutet die Ibadat der Engel¹ ihre Anbetung. Diese Anbetung erfolgte, indem man ihren Rang und ihre Gestalt darstellte und imaginäre Abbilder von ihnen anfertigte. Zweck dieser Anbetung war es, sie zufriedenzustellen, ihre gnädige Aufmerksamkeit auf die eigene Lage zu lenken und ihre Hilfe in weltlichen Angelegenheiten zu erlangen.
———— Und sie beten außer Allah etwas an, das ihnen weder Nutzen noch Schaden bringen kann, und sagen: „Diese sind unsere Fürsprecher bei Allah.“ – Yunus 18
—– Und diejenigen, die außer Allah andere zu Schutzherren genommen haben, sagen: „Wir beten sie nur deshalb an, damit sie uns Allah näherbringen.“ – az-Zumar 3
Auch hier bedeutet Ibadat Anbetung. Der Zweck, zu dem diese Anbetung vollzogen wurde, ist ebenfalls erklärt worden.
Ibadat – Dienst, Gehorsam und Anbetung
Aus den obigen Beispielen ist deutlich geworden, dass das Wort Ibadat im Koran an manchen Stellen im Sinne von Knechtschaft und Gehorsam, an anderen Stellen nur im Sinne von Gehorsam und wieder an anderen Stellen ausschließlich im Sinne von Anbetung verwendet wird. Bevor wir ein Beispiel dafür anführen, wo dieses Wort gleichzeitig in allen drei Bedeutungen verwendet wird, muss noch ein weiterer einleitender Punkt in Erinnerung gerufen werden.
In allen bisher angeführten Beispielen wird die Anbetung anderer außer Allah erwähnt. Wo Ibadat Knechtschaft und Gehorsam bedeutet, dort
1. Andere polytheistische Völker machten diese Engel zu Göttern (Gods). Die Araber hingegen nannten sie Allahs Töchter.
Der Maʿbūd ist entweder Satan oder jene aufsässigen Menschen, die sich selbst zu Taghūt gemacht und Allahs Diener dazu gebracht haben, ihnen statt Allahs Ergebenheit und Gehorsam zu leisten, oder jene Anführer und Machthaber, die das Volk statt nach dem Buch Allahs nach ihren selbst erdachten Ansichten und Wegen geführt haben. Wo jedoch ʿIbāda die Bedeutung von Verehrung hat, sind die Maʿbūds Propheten, Gottesfreunde, Rechtschaffene und fromme Männer; entgegen ihrer Lehre und Rechtleitung wurden sie zu Maʿbūds gemacht. Oder Engel und Dschinn wurden aufgrund bloßer Irrvorstellungen als Teilhaber an einer übernatürlichen Rubūbiyya betrachtet. Oder Abbilder und Statuen eingebildeter Kräfte wurden durch bloße satanische Einflüsterung zum Mittelpunkt der Verehrung gemacht. Dort sind die Maʿbūds Propheten, Gottesfreunde, Rechtschaffene und fromme Männer; entgegen ihrer Lehre und Rechtleitung wurden sie zu Maʿbūds gemacht. Oder Engel und Dschinn wurden aufgrund bloßer Irrvorstellungen als Teilhaber an einer übernatürlichen Rubūbiyya betrachtet. Oder Abbilder und Statuen eingebildeter Kräfte wurden durch bloße satanische Einflüsterung zum Mittelpunkt der Verehrung gemacht. Der Qurʾān erklärt all diese Arten von Maʿbūds für nichtig und ihre ʿIbāda für irrig, ganz gleich, ob ihnen Dienstbarkeit, Gehorsam oder Verehrung erwiesen wird. Der Qurʾān sagt: Diese eure Maʿbūds, die ihr verehrt, sind Allahs Diener und Sklaven. Sie haben keinerlei Recht darauf, eure ʿIbāda zu empfangen. Durch ihre Verehrung wird euch außer Misserfolg sowie Erniedrigung und Schande nichts zuteil; ihr werdet daraus keinen Nutzen ziehen. In Wahrheit ist Allah ihr Herr und der Herrscher über die gesamte Welt. Alle Macht und Verfügungsgewalt liegen in Seiner Hand. Daher ist niemand außer Allah würdig, ʿIbāda zu empfangen.
——————— Diejenigen, die ihr statt Allah anruft, sind nur Diener wie ihr. Ruft sie an und lasst sie euch antworten, wenn euer Glaube über sie wahr ist.1 …… Diejenigen, die ihr außer Allah anruft, sind nicht einmal fähig, euch zu helfen. – Al-Aʿrāf 194–17
1. Zu antworten bedeutet nicht, auf einen Ruf zu reagieren, sondern eine entsprechende Gegenmaßnahme zu ergreifen. Darauf haben wir bereits hingewiesen.
————– Sie sagen: „Der Allerbarmer hat sich einen Sohn genommen!“ Doch Erhaben ist Er darüber, einen Sohn zu haben. Diejenigen, die sie Seine Söhne nennen, sind in Wirklichkeit Seine Diener, denen Er Würde verliehen hat. Sie sind nicht einmal in der Lage, vorzutreten und bei Allah ein Anliegen vorzubringen; vielmehr handeln sie nur nach Seinem Befehl. Allah weiß, was vor ihnen offenliegt, und Er weiß auch, was ihnen verborgen und unbekannt ist. Sie können bei Allah für niemanden Fürsprache einlegen, außer für denjenigen, dessen Fürsprache Allah selbst annehmen will. Und ihr eigener Zustand ist, dass sie aus Furcht vor Allah ständig erschrocken sind.1 – Al-Anbiyāʾ 26–18
————————– Sie haben die Engel, die in Wirklichkeit Diener des Allerbarmers sind, zu Göttinnen gemacht. – Az-Zukhruf 19
———————————– Sie haben sich eine verwandtschaftliche Beziehung zwischen den Dschinn und Allah vorgestellt. Dabei wissen die Dschinn selbst, dass sie eines Tages vor Allah erscheinen müssen, um Rechenschaft abzulegen. – As-Sāffāt 158
——————————– Der Messias hat es niemals als eine Schande angesehen, Allahs Diener zu sein; ebenso wenig haben es die Ihm am nächsten stehenden Engel als eine Schande angesehen. Und wer sich dafür schämt und hochmütig ist, Ihm zu dienen und sich Ihm zu unterwerfen – wohin wird er fliehen können? –, solche Menschen allesamt wird Allah vor Seine Gegenwart bringen.
—————————— Sonne und Mond sind zum Umlauf verpflichtet. Die Sterne und die Bäume beugen ihr Haupt in Unterwerfung vor Allah. – Ar-Raḥmān 5–6
———————————— Die sieben Himmel und die Erde und alle Dinge, die sich darin befinden, preisen Allah. Es gibt nichts, was Ihn nicht unter Lobpreisung preist; doch ihr versteht ihren Lobpreis nicht. – Banī Isrāʾīl-44
————————— Es gibt kein Lebewesen, das nicht in der Gewalt von Allahs Macht liegt. – Hūd-56
——————————— Es gibt niemanden unter den Bewohnern der Himmel und der Erde, der nicht als Diener vor dem Allerbarmer erscheinen wird. Er hat sie alle erfasst. Und am Tag der Auferstehung werden sie einzeln vor Ihm erscheinen. – Maryam-93–95
——————— Sprich: O Allah, Besitzer der Herrschaft! Du verleihst die Herrschaft, wem Du willst, und Du entziehst die Herrschaft, wem Du willst. Du ehrst, wen Du willst, und Du erniedrigst, wen Du willst. Das Gute liegt in Deiner Hand. Gewiss, Du hast Macht über alle Dinge. – Āl ʿImrān-26
Nachdem all jene, die in irgendeiner Form angebetet wurden, als Diener Allahs und als unfähig erwiesen worden sind, fordert der Koran von allen Dschinn und Menschen: In jeder Bedeutung darf die Anbetung nur Allah gelten. Dienerschaft, Gehorsam und Anbetung – alles soll nur Ihm gelten. Für irgendjemanden außer Allah darf nicht einmal die geringste Spur irgendeiner Form von Anbetung bestehen.
————– Wir haben in jede Gemeinschaft einen Gesandten entsandt mit dieser Botschaft: Dient Allah und haltet euch vom Taghut fern. – an-Naḥl-36
———————————- Frohe Botschaft für diejenigen, die sich von der Anbetung des Taghut ferngehalten und sich Allah zugewandt haben. – az-Zumar-17
———————- O Kinder Adams! Habe Ich euch nicht aufgetragen, Satan nicht anzubeten? Er ist gewiss euer offenkundiger Feind. Und dient allein Mir. Das ist der gerade Weg. – Yā-Sīn-60–61
————————————– Sie hatten anstelle Allahs die Gelehrten und Scheiche sowie die Priester und Geistlichen zu Herren genommen. … Dabei war ihnen doch befohlen worden, niemanden außer dem Ilah anzubeten. – At-Tauba 31
—————————————– O ihr Gläubigen! Wenn ihr tatsächlich Meine Anbetung angenommen habt, dann esst bedenkenlos von den reinen Dingen, die Ich euch gegeben habe, und dankt Allah. – Al-Baqara 172
In diesen Versen findet sich der Beweis dafür, dass die Anbetung im Sinne von Dienerschaft und Knechtschaft sowie Gehorsam und Ergebung Allah vorbehalten werden soll.
——————————– Sag: Mir ist verboten worden, jene anzubeten, die ihr anstelle eures Allahs anruft. Dafür sind mir vonseiten meines Herrn klare Zeichen übermittelt worden. Und mir ist befohlen worden, mich vor dem Rabb der Welten zu unterwerfen. – Al-Mu’min 66
———————————————— Euer Rabb hat gesagt: Ruft Mich an, Ich werde auf euren Ruf antworten. Diejenigen, die zu stolz sind, Mich anzubeten, werden gewiss in die Hölle geworfen. – Al-Mu’min 60
——————————– Er ist doch Allah, euer Rabb; Ihm gehört die Herrschaft. Diejenigen, die ihr anstelle Seiner anruft, verfügen nicht einmal über das geringste Gewicht eines Stäubchens. Wenn ihr sie anruft, hören sie euren Ruf nicht; selbst wenn sie ihn hören, können sie nicht antworten. Am Tag der Auferstehung werden sie euren Schirk verleugnen.
—————————- Sag: Betet ihr anstelle Allahs etwa solche Dinge an, die euch weder schaden noch nützen können? Er allein ist der Allhörende, der Allwissende.
Die Anbetung, deren Bedeutung Verehrung ist, soll in diesen Versen Allah vorbehalten werden; dazu wird Anleitung gegeben. Auch dafür, dass Anbetung als Unterstützung des Bittgebets verwendet wird, gibt es einen klaren Hinweis. In den vorhergehenden und nachfolgenden Versen werden jene Angebeteten erwähnt, die in einer übernatürlichen Rububiyya zu Allahs Teilhabern gemacht wurden.
Nun ist es für jeden einsichtigen Menschen nicht schwer zu erkennen, dass an allen Stellen des Korans, an denen die Anbetung Allahs erwähnt wird, sie auf eine der verschiedenen Bedeutungen der Anbetung festgelegt ist – selbst wenn sich in der Umgebung kein entsprechender Beleg findet, umfasst die Bedeutung der Anbetung an solchen Stellen alle drei: Knechtschaft, Gehorsam und Verehrung. Beachten Sie beispielsweise die folgenden Verse.
——————————- Ich bin Allah. Es gibt keine andere Gottheit außer Mir. So bete nur Mich an. – Taha 14
———————– Das ist Allah, euer Herr! Es gibt keine andere Gottheit außer Ihm. Er ist der Schöpfer aller Dinge. So betet nur Ihn an; und Er weiß über alle Dinge genau Bescheid. – Al-An’am 102
———————————————————— Sprich: O ihr Menschen! Wenn euch noch immer unbekannt ist, was meine Religion ist, dann wisst: Ich bete nicht jene an, die ihr außer Allah anbetet; vielmehr bete ich Allah an, der euch das Leben nimmt. Mir wurde befohlen, zu den Gläubigen zu gehören. – Yunus 104
———————————— Jene, die ihr außer Allah anbetet, besitzen außer einigen Namen, die ihr und eure Vorväter ihnen gegeben habt, keinerlei Wirklichkeit. Allah hat keinen Beweis dafür herabgesandt, dass sie Gottheiten seien. Die Herrschaft ist allein Allah vorbehalten. Sein Befehl lautet, dass ihr niemanden außer Ihm anbetet. Das ist der gerade Weg. – Yusuf 40
———- Allah allein besitzt das Wissen über all das Verborgene der Himmel und der Erde, das den Dienern unbekannt ist. Alle Angelegenheiten werden Ihm vorgetragen. So bete nur Ihn an und vertraue allein auf Ihn. – Hud 123
——————————————————————————————– Allah, dein Herr, ist der Besitzer all dessen, was vor uns liegt, all dessen, was uns verborgen und unbekannt ist, und all dessen, was sich zwischen beiden befindet. Und dein Herr vergisst nicht. Er ist der Besitzer der Himmel und der Erde und der Besitzer all dessen, was sich zwischen ihnen befindet. So bete Ihn allein an und bleibe in seiner Anbetung standhaft. – Maryam 64–65
————————– Wer also auf die Begegnung mit seinem Herrn hofft, der soll rechtschaffene Werke tun und bei der Anbetung seines Herrn niemanden zum Teilhaber nehmen. – Al-Kahf 110
In diesen Versen und in anderen ähnlichen Versen gibt es keinen Grund, die Anbetung ausschließlich auf Verehrung, Gottesdienst oder Gehorsam zu beschränken. In solchen Versen legt der Koran im Grunde eine umfassende Einladung dar. Die eindeutige Einladung des Korans lautet, dass Knechtschaft, Gehorsam und Verehrung – was auch immer davon geschieht – ausschließlich Allah gelten sollen. Daher bedeutet es im Grunde, die Einladung des Korans einzuschränken, wenn man die Anbetung an diesen Stellen auf irgendeine begrenzte Bedeutung beschränkt. Die unausweichliche Folge davon wird sein, dass diejenigen, die mit einem begrenzten Verständnis der Einladung des Korans den Glauben annehmen, ihm nur unvollständig und unzureichend folgen werden.
Dīn
Lexikalische Bedeutung
Das Wort „Dīn“ wird in der arabischen Sprache in verschiedenen Bedeutungen verwendet.
Erstens: Macht und Fähigkeit, Herrschaft und Autorität, andere zum Gehorsam zu zwingen, über sie souveräne Macht auszuüben und sie zu Sklaven und Befehlsempfängern zu machen. So sagt man: ———— das heißt, er hat die Menschen zum Gehorsam gezwungen ——— das heißt, ich habe sie besiegt, und sie wurden gehorsam. ———- das heißt, ich habe diese Gruppe unterworfen und zu Sklaven gemacht. ——– diese Person erlangte Würde und Macht, ————– ich zwang ihn zu einer Handlung, mit der er nicht einverstanden war, ———– diese Person wurde zu jener Handlung gewaltsam gezwungen, ———– ich herrschte über ihn und übte Befehlsgewalt aus —— ich übertrug dieser Person die Herrschaft und Autorität über die Menschen. In diesem Sinne sprach ein Dichter seine Mutter an und sagte:
—————————– Du warst zur Beschützerin und Betreuerin deiner eigenen Kinder gemacht worden, bis du sie schließlich feiner als Mehl gemacht hattest.
In einem ehrwürdigen Hadith heißt es:
———————— Das heißt: Klug ist derjenige, der sein Ego bezwingt und solche Taten vollbringt, die für sein Jenseits von Nutzen sind. In diesem Sinne wird derjenige — (Daiyān) genannt, der über ein Land, ein Volk oder eine Gruppe siegt und Herrschaft über sie ausübt. Āschā al-Harmazī sagte, den Propheten (Friede sei mit ihm) anredend: ———– (O Anführer der Menschen, Oberhaupt der Araber). In diesem Sinne bedeutet — (Madīnūn) Sklave und – (Madīnatun) Sklavin. Und —- bedeutet Sklaventochter. Der Dichter Akhtar sagt: ————
Und der Koran sagt:
——————- Das heißt: Wenn ihr nicht der Herrschaft, dem Gehorsam und der Unterwerfung unter jemanden untersteht, warum rettet ihr dann den Sterbenden nicht aus den Händen des Todes?
Zweitens: Sklaverei und Gehorsam, Dienst, sich jemandem zu unterwerfen, unter jemandes Anweisungen zu stehen, unter dem Einfluss und der Macht jemandes zermalmt zu werden und in der Konfrontation mit ihm Demütigung hinzunehmen. Man sagt: ———- Das heißt: Ich habe sie besiegt, und sie sind gehorsam geworden. ——- Das heißt: Ich habe einer bestimmten Person gedient. Im Hadith wird überliefert, dass der Gesandte Allahs (s) sagte:
——————- Ich möchte die Quraisch durch einen einzigen Satz zum Gehorsam bringen; wenn sie ihn anerkennen, wird ganz Arabien sich vor ihnen verneigen. In diesem Sinne wird ein gehorsames Volk als „Qaumun dayyinun“ bezeichnet. Und in eben diesem Sinne wird das Wort Dīn im „Hadith über die Chawaridsch“ verwendet:1
1. Die Bedeutung dieses Hadith ist nicht, dass die Chawaridsch den Dīn, das heißt die Millat, verlassen werden. Denn als Hadhrat Ali (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) über sie gefragt wurde: „Sind sie Ungläubige?“ – sagte er: ——– Das heißt, sie sind ja gerade vor dem Kufr geflohen. Darauf wurde er erneut gefragt: ——– „Sind sie dann etwa Heuchler?“ Er sagte: Ein Heuchler gedenkt Allahs nur wenig, während ihr Zustand so ist, dass sie Tag und Nacht Allahs gedenken und Seinen Dhikr verrichten. Daraus geht also hervor, dass Dīn in diesem Hadith den Gehorsam gegenüber dem Imam bedeutet. Ibn al-Athīr hat in seinem Werk „an-Nihāya“ dessen Bedeutung folgendermaßen erläutert:
—————
Drittens: Scharia, Gesetze und Vorschriften, Weg und Methode, Religion, Millat, Bräuche und Gewohnheiten. So sagt man: ———- Diese meine Lebensweise besteht seit jeher. ———- Das heißt: Ganz gleich, welcher guten oder schlechten Methode ein Mensch folgt – in beiden Fällen wird die Methode, der er folgt, als Dīn bezeichnet. Im ehrwürdigen Hadith heißt es: ————- Quraisch und diejenigen, die der Auffassung und dem Weg der Quraisch folgten. In einem weiteren Hadith heißt es: ———- Vor der Berufung zum Prophetentum folgte der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) dem Dīn seines Volkes. Das heißt, in Angelegenheiten wie Heirat und Scheidung, Erbschaft sowie anderen sozialen und kulturellen Belangen befolgte er jene Bräuche und Regeln, die bei seinem Volk üblich waren.
Viertens: Folgen der Taten, Gegenleistung, Vergeltung, Entschädigung, Entscheidung, Abrechnung. In der arabischen Sprache gibt es ein Sprichwort: ——— – das bedeutet: Wie die Tat, so die Folge. Du wirst entsprechend deinen Taten deren Folgen erfahren. Im Koran wird folgende Aussage der Ungläubigen erwähnt: ———– – Werden wir nach dem Tod zur Rechenschaft gezogen? Werden wir eine Vergeltung erhalten? Im Hadith von Abdullah ibn Umar heißt es:
——————– Beschimpft die Herrscher nicht. Wenn ihr unbedingt etwas sagen müsst, dann sagt: O Allah! Behandle sie so, wie sie uns behandeln. In diesem Sinne wird das Wort ——- (Daiyyan) auch für einen Qadi, einen Richter und einen Gerichtsrichter verwendet. Als ein ehrwürdiger Gelehrter über Hazrat Ali (r.a.) befragt wurde, sagte er: ——- Nach dem Propheten (s.a.w.) war er der größte Qadi der Umma.
Die Verwendung des Wortes Dīn im Koran
Erstens: Einfluss, Macht und Herrschaft seitens eines Machthabers.
Zweitens: Gehorsam, Gottesdienst, Knechtschaft und Unterwerfung seitens dessen, der sich vor dem Machthaber verneigt.
Drittens: Regeln und Grundsätze, ein Weg und eine Lebensweise, denen man folgt.
Viertens: Abrechnung, Entscheidung, Vergeltung und Gegenleistung.
Die Araber verwendeten dieses Wort auf verschiedene Weise, bald in der einen, bald in einer anderen Bedeutung. Da ihre Vorstellungen von diesen vier Dingen jedoch nicht völlig klar und auch keineswegs weit entwickelt waren, blieb die Verwendung des Wortes unklar. Daher konnte es kein terminologischer Ausdruck für ein geordnetes Denksystem werden. Der Koran hielt dieses Wort für seine Zwecke geeignet und verwendete es in einer ganz klaren und präzisen Bedeutung. In der Sprache des Korans steht das Wort Dīn für eine vollständige Ordnung. Diese Ordnung besteht aus vier Teilen:
Erstens: Souveränität, höchste und allumfassende Macht.
Zweitens: Unterwerfung und Gehorsam gegenüber der Souveränität.
Drittens: die unter dem Einfluss dieser Souveränität herausgebildete Denk- und Handlungsweise.
Viertens: die von der übergeordneten Autorität in diesem System gewährte Vergeltung – als Belohnung für Gehorsam oder als Strafe für Auflehnung und Widerstand.
Der Koran verwendet das Wort manchmal im ersten Sinn, manchmal im zweiten Sinn, manchmal im dritten und wieder manchmal im vierten Sinn. Mitunter bezeichnet er mit „ad-Dīn“ das gesamte System, einschließlich aller vier Teilbereiche. Um dies klar zu verstehen, betrachten Sie die folgenden Verse des Korans:
Der Dīn im ersten und zweiten Sinn
————————- Er ist Allah, der die Erde für euch zu einer Wohnstätte gemacht und den Himmel zu einem Dach gemacht hat, der euch gestaltet und eure Gestalt wie schön gemacht hat! Er versorgt euch mit Lebensunterhalt aus reinen Dingen. Dieser Allah ist euer Herr, der Herr der Welten, der Besitzer großer Erhabenheit und des Segens. Er ist der Lebendige. Es gibt keinen Ilah außer Ihm. So ruft Ihn allein an, indem ihr den Dīn ausschließlich Ihm widmet. Alles Lob gebührt Allah, dem Herrn der Welten. – al-Mu’min 64–65
———————— Sag: Mir ist befohlen worden, Allah anzubeten, indem ich den Dīn ausschließlich Ihm widme. Mir ist befohlen worden, mich als Erster in Gehorsam zu unterwerfen. …….Sag: Ich werde Ihn anbeten, indem ich meinen Dīn Allah vorbehaltlos widme. Euch steht es frei, außer Ihm anzubeten, wen ihr wollt. … Für diejenigen aber, die sich von der Anbetung des Taghut fernhalten und sich Allah zuwenden, gibt es frohe Botschaft. – az-Zumar 11–17
————————- Wir haben dir wahrheitsgemäß das Buch hinabgesandt. So bete Allah an, indem du den Dīn Ihm vorbehaltlos widmest, und bete ausschließlich Ihn an. Der Dīn ist ausschließlich Allah gewidmet und für Ihn bestimmt. – az-Zumar 2–3
Alles, was in den Himmeln und auf der Erde ist, gehört Allah. Die Dīn ist ausschließlich Ihm geweiht. Wollt ihr dennoch jemand anderen außer Allah fürchten und Taqwā gegenüber ihm empfinden? (Das heißt: Gibt es außer Allah jemanden, aufgrund dessen Anweisung ihr euch von Ungehorsam fernhaltet und dessen Missfallen ihr fürchtet? – An-Nahl 52
Suchen sie etwa eine andere Dīn als die Allahs? Dabei gehorcht alles in den Himmeln und auf der Erde Allahs Befehl, ob freiwillig oder unfreiwillig. Und zu Ihm werden sie alle zurückgebracht werden. – Āl ʿImrān 83
Ihnen wurde nichts anderes befohlen, als die Dīn ausschließlich Allah zu widmen. – Al-Bayyina 5
In diesen Versen wird das Wort Dīn im Sinne höchster Herrschaft und der Annahme Seiner Dienerschaft und seines Gehorsams verwendet. Die Dīn für Allah zu läutern bedeutet, dass der Mensch außer Allah keine andere Souveränität, Herrschaftsgewalt oder Oberhoheit anerkennt und seine eigene Dienerschaft und seinen Gehorsam Ihm gegenüber so ausschließlich gestaltet, dass er den unmittelbaren Gehorsam gegenüber irgendjemand anderem keineswegs mit dem Gehorsam gegenüber Allah gleichstellt. 1
Die Dīn in einer dritten Bedeutung
Sprich: O ihr Menschen! Wenn ihr Zweifel an meiner Dīn habt (das heißt, wenn ihr nicht klar wisst, worin meine Dīn besteht), dann hört zu: Denen, außer Allah, denen ihr dient und gehorcht, diene und gehorche ich nicht. 1 Das heißt: Wem auch immer man außer Allah gehorcht, man gehorcht ihm nur unter dem Gehorsam gegenüber Allah und innerhalb der von Ihm festgelegten Grenzen. Der Gehorsam des Sohnes gegenüber dem Vater, der Ehefrau gegenüber dem Ehemann, des Sklaven oder Dieners gegenüber seinem Herrn und jede andere Form des Gehorsams dieser Art ist, wenn sie auf Allahs Anweisung beruht und innerhalb der von Ihm festgelegten Grenzen bleibt, genau ein Gehorsam gegenüber Allah. Wenn sie sich jedoch von Allahs Geboten, Verboten und Grenzen löst, mit anderen Worten, wenn sie ein unabhängiger Gehorsam ist, dann ist sie kein zulässiger Gehorsam, sondern offener Aufruhr gegen Allahs Befehl – ein unmittelbarer Widerspruch zu Seiner Anweisung. Wenn ein staatliches Regierungssystem auf Allahs Gesetz gegründet ist und Seine Anweisungen durchsetzt, dann ist ihm zu gehorchen verpflichtend. Ist dies nicht der Fall, so ist sein Gehorsam ein Vergehen, eine Art Sünde.
Ich diene ihnen nicht und gehorche ihnen nicht; vielmehr diene ich Allah, Der eure Seelen nimmt! Ich bin angewiesen und dazu beauftragt, zu denen zu gehören, die an diesen Allah glauben. Mir wurde befohlen: Halte dich ausschließlich an diese Dīn und gehöre keineswegs zu den Götzendienern.
Herrschaft und Regierungsgewalt gehören niemandem außer Allah. Sein allein ist der Befehl; dient niemandem außer Ihm. Dies ist die wahre und rechte Dīn.
———————- Alles, was sich in den Himmeln und auf der Erde befindet, gehört Ihm. Alle sind Seinem Befehl unterworfen………… Er führt euch aus euren eigenen Angelegenheiten ein Beispiel vor, damit ihr versteht. Sprich: Dieser Sklave, der euch untersteht – ist etwa einer von denen, die Wir euch gegeben haben, in diesen Dingen euer Teilhaber? Macht ihr sie zu gleichberechtigten Teilhabern an eurem Besitz? Begegnet ihr ihnen mit derselben Achtung wie Menschen euresgleichen? In Wahrheit folgen diese Ungerechten ohne Wissen und Verstand lediglich ihren eigenen Launen. Richte dich daher ganz auf diese Religion aus und halte dich an die natürliche Veranlagung, nach der Allah die Menschen erschaffen hat. Es darf keine Veränderung an Allahs Schöpfung geben.¹ Das ist die wahrhaft richtige Religion. Doch die meisten Menschen befinden sich in Unwissenheit.
¹ Das heißt: In der natürlichen Veranlagung, nach der Allah den Menschen erschaffen hat, liegt, dass niemand außer Allah an der Erschaffung des Menschen, an seiner Versorgung und an seiner Herrschaft über ihn beteiligt ist. Niemand außer Allah ist der Gott des Menschen; niemand außer Ihm ist sein Eigentümer und Herr und derjenige, der wahrhaftige Gehorsam verdient. Daher entspricht es der natürlichen Ordnung, dass der Mensch allein Allahs Diener ist und nicht der Diener irgendeines anderen.
————- Schlagt den Unzüchtigen und die Unzüchtige, beide, mit je hundert Peitschenhieben. Und lasst euch in Angelegenheiten der Religion nicht von Mitleid mit ihnen ergreifen. – an-Nur 2
————————— Seit dem Tag, an dem Allah die Himmel und die Erde erschaffen hat, gilt nach Seiner Ordnung, dass die Zahl der Monate zwölf beträgt. Vier davon sind heilig und ehrwürdig. Das ist die wahrhaft richtige Religion. – at-Tauba 36
———————- Und auf diese Weise eröffneten Wir Yusuf einen Weg. Nach dem Gesetz des Königs durfte er seinen Bruder nicht festnehmen. – Yusuf 76
————————————— Und auf diese Weise haben ihre erfundenen Teilhaber¹ für viele Götzendiener die Tötung ihrer Kinder zu einer wohlgefälligen Tat gemacht, damit sie sie ins Verderben stürzen können. Und sie machen ihnen ihre Religion zu einem Gegenstand des Zweifels.² – al-An’am 137
———————————— Oder haben sie sich etwa Teilhaber genommen, die für sie Gesetze von derselben Art wie die Religion erlassen, obwohl Allah dies nicht erlaubt hat? – asch-Schura 21
¹ Mit „Teilhaber“ ist ein Teilhaber Allahs an Herrschaft, Vorherrschaft und Gesetzgebung gemeint.
2. Den Dīn zum Gegenstand des Zweifels zu machen bedeutet, dass die falschen Gesetzgeber die Sünde so anziehend darstellen, dass die Araber in Zweifel geraten, ob diese Tat vielleicht ein Teil jenes Dīn sei, den sie ursprünglich von den Propheten Ibrāhīm und Isrā’īl (a.s.) übernommen hatten.
—————– Euch euer Dīn und mir mein Dīn. – al-Kāfirūn 6
In diesen Versen bedeutet Dīn: Gesetz und Vorschrift, Regeln und Bestimmungen, Scharia, Weg und Lebensweise sowie jene Denk- und Handlungsweise, nach der ein Mensch sein Leben führt. Wenn das System, dem man sich gemäß der Legitimation einer bestimmten Macht unterordnet, von Allah stammt, dann befindet sich der Mensch in Allahs Dīn; stammt es jedoch von einem König oder Herrscher, dann befindet sich der Mensch im Dīn des Königs oder Herrschers. Stammt es von Gelehrten oder Priestern, dann befindet sich der Mensch in deren Dīn. Stammt es jedoch von einer Abstammungsgemeinschaft, einem Stamm, einer Gesellschaft oder einer ganzen Nation, dann befindet sich der Mensch in deren Dīn. Kurz gesagt: Derjenige, dessen System ein Mensch befolgt, indem er dessen Legitimation als endgültige Legitimation und dessen Urteil als endgültige Entscheidung betrachtet, dessen Dīn folgt er.
Der Dīn in einer vierten Bedeutung
——– Die Nachricht, über die ihr unterrichtet werdet (das heißt: das Leben nach dem Tod), ist gewiss wahr, und das Dīn wird sicherlich eintreten.
——————— Hast du denjenigen gesehen, der den Dīn verleugnet? Das ist derjenige, der die Waise grob wegstößt und nicht dazu anspornt, die Bedürftigen zu speisen. – al-Māʿūn 1–3
—————————- Weißt du, was der Yawm ad-Dīn ist? Ja, weißt du, was der Yawm ad-Dīn ist? Der Yawm ad-Dīn ist der Tag, an dem kein Mensch die Macht haben wird, einem anderen von Nutzen zu sein. An jenem Tag wird alle Macht beim Rabb liegen. – al-Infiṭār 17–19
In diesen Versen wird das Wort Dīn im Sinne von Abrechnung, Urteil und Vergeltung für die Taten verwendet.
Dīn – ein umfassender Terminus
Bis hierher hat der Koran dieses Wort ungefähr in den Bedeutungen verwendet, in denen es im Sprachgebrauch der Araber gebraucht wurde. Danach haben wir gesehen, dass der Koran dieses Wort als umfassenden Terminus verwendet. Der Koran versteht darunter. Der Koran versteht darunter eine Lebensordnung, in der der Mensch die höchste Macht eines anderen anerkennt, seine Gefolgschaft und Herrschaft akzeptiert und sein Leben unter dessen Vorschriften und Gesetzen führt. Für die Befolgung seiner Anweisungen erhofft er sich Ansehen, Aufstieg und Belohnung, während er wegen seines Ungehorsams und seiner Widersetzlichkeit Demütigung, Erniedrigung und Strafe fürchtet. Wahrscheinlich gibt es in keiner Sprache der Welt ein so umfassendes Wort, das seine vollständige Bedeutung zum Ausdruck bringen könnte. Das moderne Wort Staat kommt ihm einigermaßen nahe. Doch um die vollständige Bedeutung des Wortes „Dīn“ zum Ausdruck zu bringen, bedarf es noch einer erheblichen Erweiterung.
In den folgenden Versen wird „Dīn“ als terminologischer Ausdruck verwendet.
————————— Diejenigen unter den Leuten der Schrift, die nicht an Allah glauben (1) (das heißt, Ihn nicht als den alleinigen Inhaber der höchsten Macht anerkennen), nicht an den Jüngsten Tag glauben (das heißt, den Tag der Abrechnung und Vergeltung nicht anerkennen) (2), nicht als verboten anerkennen, was Allah und Sein Gesandter verboten haben, (3) und den Dīn der Wahrheit nicht als ihren Dīn annehmen, (4): Kämpft gegen sie, bis sie eigenhändig die Dschizya entrichten und in Unterwerfung leben. – At-Tauba 29
In diesem Vers ist „Dīn der Wahrheit“ ein terminologischer Ausdruck. Allah, der Erhabene, der diesen Terminus verwendet, hat ihn selbst in den ersten drei Satzteilen erklärt. Wir haben durch Nummern kenntlich gemacht, dass in diesen Satzteilen alle vier Bedeutungen des Wortes Dīn genannt werden. Ihre Gesamtheit wird als „Dīn der Wahrheit“ bezeichnet.
——————————— Pharao sagte: Lasst mich, ich werde Moses töten. Er soll nun seinen Herrn anrufen. Ich befürchte, dass er euren Dīn verändern und im Land Unordnung stiften könnte. – Al-Muʾmin 26
Wenn man die ausführliche Darstellung der Geschichte von Moses und Pharao im Koran vor Augen hat, bleibt in dieser Hinsicht kein Zweifel daran, dass „Dīn“ hier nicht bloß im Sinne von Religion verwendet wird. Vielmehr wird es im Sinne der Staats- und Zivilisationsordnung verwendet. Die Aussage des Pharao war: Wenn Moses mit seiner Mission Erfolg hat, wird sich der Staat verändern. Die Lebensordnung, die auf der Herrschaft der damaligen Pharaonen und den geltenden Gesetzen und Bräuchen beruht, wird von Grund auf beseitigt werden. An ihre Stelle wird entweder eine andere Ordnung auf völlig anderer Grundlage errichtet werden, oder es wird überhaupt keine Ordnung errichtet; vielmehr wird sich im ganzen Land Unordnung ausbreiten.
—————————— Wahrlich, bei Allah ist der Islam der Dīn. – Āl ʿImrān 19
—————————- Und wer eine andere Religion als den Islam sucht, von dem wird diese niemals angenommen werden. – Al-Imran-85
——————————– Er ist Allah, Der Seinen Gesandten mit der Rechtleitung und der wahren Religion entsandt hat, damit Er sie über alle Religionen siegen lässt, auch wenn dies den Polytheisten zuwider ist. – At-Tauba-33
—————- Kämpft gegen sie, bis die Fitna beseitigt ist und die Religion gänzlich Allah gehört. – Al-Anfal-39
————————————- Wenn Allahs Hilfe kommt und der Sieg errungen ist und du siehst, wie die Menschen scharenweise in Allahs Religion eintreten, dann lobe und preise deinen Herrn und bitte Ihn um Vergebung. Wahrlich, Er ist überaus vergebungsbereit. – An-Nasr
In diesen Versen bedeutet Dīn eine vollkommene Lebensordnung. Alle Bereiche des Denkens, des Glaubens, der Moral und des Handelns gehören dazu.
In den ersten beiden Versen wird gesagt, dass für die Menschen bei Allah nur jene richtige Lebensordnung gilt, die ausschließlich auf Allahs Gehorsam und Dienst (Islam) gegründet ist. Jede andere Lebensordnung, deren Grundlage im Gehorsam gegenüber einer erdachten Macht liegt, ist beim Herrn des Weltalls keineswegs annehmbar. Das kann sie ihrem Wesen nach auch nicht sein. Denn der Mensch ist von Ihm erschaffen, Ihm unterworfen und von Ihm erzogen; in Seinem Reich lebt er wie ein Untertan. Er kann unmöglich anerkennen, dass der Mensch sein Leben im Dienst und Gehorsam gegenüber einer anderen Macht führt und den Anweisungen eines anderen folgt, anstatt Ihm zu dienen und zu gehorchen.
Im dritten Vers wird gesagt, dass Allah Seinen Gesandten mit der wahren und richtigen Lebensordnung, das heißt mit dem Islam, entsandt hat und dass das höchste Ziel seiner Mission darin besteht, diese Lebensordnung über alle anderen Lebensordnungen siegen zu lassen.
Im vierten Vers werden die Anhänger der Dīn des Islam angewiesen: Führt den Kampf gegen die Welt fort; gebt keine Ruhe, bis die Fitna, das heißt die Existenz einer Allah trotzenden Ordnung, aus der Welt beseitigt und ausgelöscht ist und alle Ordnungen des Gehorsams und des Dienstes Allah gewidmet sind.
Im fünften Vers wird Rasulullah (s.) angesprochen. Diese Anrede erfolgte, nachdem nach dreiundzwanzig Jahren ununterbrochener Anstrengungen die Revolution in Arabien vollendet worden war. Der Islam war in seiner umfassenden Vollgestalt praktisch als vollständige Ordnung für alle Bereiche etabliert: Denken und Glauben, Grundsätze, Bildung, Gesellschaft, Zivilisation, Wirtschaft und Politik. Von den entlegensten Gegenden Arabiens suchten die Menschen scharenweise Zuflucht unter dem Schutz dieser Ordnung. Als somit die Aufgabe, zu der Muhammad (s.) beauftragt worden war, vollendet war, wurde ihm gesagt: Werde nicht stolz, indem du dieses Werk als deine eigene Leistung betrachtest; die einzige fehlerlose und vollkommene Wesenheit ist dein Herr, niemand sonst. Bring daher angesichts der Vollendung dieses großen Werkes Sein Lob und Seine Verherrlichung zum Ausdruck und richte an Ihn folgende Bitte: O Herr und Erhalter! Vergib mir all die Fehler und Unzulänglichkeiten, die mir während dieser langen dreiundzwanzigjährigen Dienstzeit unterlaufen sind!
Ende