Hinweise zur Veröffentlichung

Im 20. Jahrhundert war Sayyid Abul A’la Maududi (R.) auf dem indischen Subkontinent ein renommierter islamischer Denker und Philosoph. Seine auf der islamischen Philosophie beruhenden Schriften und seine Tafsir-Werke werden in verschiedene Sprachen der ganzen Welt übersetzt und erfreuen sich seit jeher großer Anerkennung und Wertschätzung. Das Interesse an seinem persönlichen Leben und seinem von Wirken erfüllten Leben ist beträchtlich gewachsen. Die fünfte Auflage des biografischen Werkes über Maulana Maududi ist inzwischen abgeschlossen. Da nun die sechste Auflage veröffentlicht werden soll, bringen wir dem erhabenen Herrn der Welten unseren unermesslichen Dank dar. Zugleich bitten wir um die Vergebung für die Seele des verehrten Autors dieses Buches, des hochgeschätzten Abbas Al Khan, der nicht mehr unter uns weilt.

Auch der Herausgeber der früheren Auflagen, Professor Yusuf Ali, ist aus dieser Welt geschieden. Wir beten darum, dass Allah all seine guten Taten annimmt und ihn zu den Bewohnern des Paradieses macht.

Wir hoffen, dass auch diese Auflage, wie die vorherigen, bei den Lesern Anerkennung finden wird. Möge der erhabene Herr der Welten uns die Fähigkeit verleihen, bei der Verbreitung Seiner Religion umfassende Opfer zu bringen. Amin.

Dhaka

16. April 2005

Hochachtungsvoll

Md. Tasnim Alam

Vorwort zur vierten Auflage

Die dritte Auflage des biografischen Werkes über Maulana Maududi (R.) war bereits vor mehr als einem Jahr abgeschlossen. Da nun die vierte Auflage veröffentlicht werden soll, bringen wir Allah Ta’ala unseren unendlichen Dank dar. Es ist ganz natürlich, dass in der dritten Auflage trotz aller Sorgfalt einige Fehler und Mängel verblieben sind. Wir hoffen, dass die wohlwollenden Leser diese nachsichtig betrachten werden. Da die zentrale Publikationsabteilung der Jamaat-e-Islami Bangladesh die Verantwortung für die Veröffentlichung dieses Buches übernommen hat, spreche ich auch ihr meinen Dank aus.

Ich hoffe, dass dieses Buch bei der Leserschaft ebenso geschätzt werden wird wie zuvor. Möge Allah, der Erhabene, diesen bescheidenen Dienst von mir annehmen. Amin.

Der ergebenste Verfasser

Juli 1996

Vorwort zur zweiten Auflage

Vor etwa fünfzehn Jahren erschien die erste Auflage dieses Buches, die einen kurzen Einblick in das Leben und Wirken von Maulana Sayyid Abul A’la Maududi (r.) gab. In bengalischer Sprache war dies das erste Buch dieser Art. Da der verstorbene Maulana zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch lebte, kann es nicht als seine vollständige Biografie bezeichnet werden. Wie dem auch sei, war es bereits vor der Entstehung Bangladeschs vergriffen, und aus verschiedenen Orten gingen Forderungen und Bitten um eine Neuauflage ein. Danach verließ der Maulana vor Kurzem diese Welt und begab sich in die Nähe seines eigenen Herrn.

Meine eigene Unfähigkeit und Unzulänglichkeit haben mich diesmal immer wieder entmutigt, erneut zur Feder zu greifen, um das Leben und Wirken des Maulana zu schildern. Der Maulana nimmt im Kreis der Gelehrten der muslimischen Welt einen so hohen Rang ein, und sein Vermächtnis für die muslimische Umma und ihre künftigen Generationen ist so gewaltig und umfassend, dass es meine Kräfte übersteigt, ein vollständiges Bild davon zu zeichnen. Für die muslimische Umma und ihre Nachkommen hat er nichts von dem ungetan oder ungesagt gelassen, was zu tun oder zu sagen war. Seine Schriften und sein Denken, insbesondere sein revolutionärer Tafsir Tafhim-ul-Quran und Sirat-e Sarwar-e Alam, werden der muslimischen Umma noch über mehrere Jahrhunderte hinweg als Wegweiser dienen. Für die verschiedenen Bereiche des Lebens und der Gesellschaft hat er umfassende Rahnumai (Führung) hinterlassen. Daher erinnert sich die islamische Welt einmütig an ihn und wird sich auch künftig an ihn als Führer der islamischen Welt, Erneuerer des Jahrhunderts und Schöpfer der Geschichte erinnern.

Da die Da’wah, die Botschaft und die Ideale von Maulana Sayyid Abul A’la Maududi (r.) international und weltweit ausgerichtet waren und dem Wohl der gesamten Menschheit dienten, war auch seine Persönlichkeit keineswegs auf ein bestimmtes geografisches Land beschränkt, sondern international geprägt. Daher stand er weit über jeder Regionalität, Vetternwirtschaft und Einseitigkeit. Deshalb ist Sayyid Maududi für die Muslime auf der ganzen Welt ein überaus geliebter Name und Gegenstand allgemeiner Zuneigung und Verehrung. Dieses Buch ist nicht bloß die Lebensbeschreibung eines Menschen, sondern ein Leben, eine Geschichte und eine vollständige islamische Bewegung.

Die Heimat der Vorfahren des Maulana war Delhi. Er wurde im Dekkan, in Hyderabad, geboren und aufgezogen. Um die großen Ideale des Islam zu verwirklichen, verließ er seine Heimat für immer und wählte Pathankot im östlichen Punjab als Ort seines Wirkens. Nach der Teilung Indiens wanderte er nach Lahore aus. Die Verbundenheit mit irgendeinem regionalen Land konnte ihn nicht vom idealen Weg abbringen. Obwohl er die letzten dreiunddreißig Jahre seines Lebens in Lahore verbrachte, wurde er weder zu einem Lahorer noch zu einem Punjabi. Er gehörte der ganzen Welt. Er gehörte der gesamten Menschheit.

Er verkündete stets die Wahrheit. Gegen Lüge, Ungerechtigkeit, Korruption und Unterdrückung erhob er seine Stimme. Seine wahrheitsgemäßen Worte machten ihn bisweilen bei seinen Angehörigen, seinen Freunden und vielen angesehenen Persönlichkeiten der Nation unbeliebt.

Seine Muttersprache war Urdu, der er sein ganzes Leben lang gedient hat. Er verlieh dieser Sprache eine neue Gestalt und schmückte sie mit neuen Stilmitteln. Doch er begegnete allen Sprachen mit Achtung und maß der Muttersprache besondere Bedeutung bei. Obwohl Urdu seine Muttersprache war, sprach er sich ausdrücklich dafür aus, dass Bengali die Staatssprache Pakistans werden sollte.

Während der Zeit des ungeteilten Pakistan kritisierte er scharf die Ungerechtigkeit und die diskriminierende Behandlung, die die westpakistanischen Machthaber Ostpakistan gegenüber an den Tag legten, und unterbreitete Lösungsvorschläge.

Er äußerte sich auf der Grundlage der Gerechtigkeit klar und ausführlich über das Verhalten zugewanderter Muslime in Ostpakistan sowie über die Sprachfrage, die Beschäftigungsfrage und die Frage der Landesverteidigung. Er verglich Ostpakistan mit einem Teil seines Körpers. Er sagte: “Pakistan ist für mich wie Körper und Seele. So wie ich zwischen meinen beiden Händen keinen Unterschied machen kann, kann ich auch zwischen den beiden Teilen Pakistans keinen Unterschied machen. Welcher meiner beiden Hände auch krank sein mag – das ist eine Krankheit des ganzen Körpers. Es ist meine Pflicht, ihre Ursache zu erforschen und für die richtige Behandlung zu sorgen. Dies nicht zu tun, bedeutet, sich selbst zum Feind zu werden.”

Während seiner Reisen durch den Nahen Osten kritisierte er vor der dortigen Bevölkerung und den Gelehrten furchtlos den arabischen Nationalismus. Andererseits kritisierte er auch die Tätigkeit der Mitarbeiter der pakistanischen Botschaften im Ausland.

Eine weitere liebenswerte Eigenschaft seines Charakters war, dass er sich niemals für unfehlbar hielt. Daher stellte er sich bei den Arbeitertagungen der Jamaat und bei den Ratssitzungen (Majlis-e Schura) stets zur Kritik. Denjenigen, die jederzeit bereit waren, ihr Leben für ihn zu geben, gewährte er umfassende Gelegenheit, etwaige Fehler und Mängel, die ihnen an ihm aufgefallen waren, rückhaltlos auszusprechen. Auf diese Weise zerschlug er einen seit Langem tief verwurzelten Aberglauben: „Khata-e buzurgan gereftan khatast“ – selbst die Fehler der Großen zu benennen, gilt als Fehler.

Tag und Nacht war er so sehr dem Dienst am Din hingegeben, dass ihm keine Zeit blieb, sich um Haushalt, Kinder und seine eigene Gesundheit zu kümmern. Dem Dienst an der Millat und an der gesamten Menschheit hatte er sich selbst vollständig geweiht.

Daher kann ohne jedes Zögern gesagt werden, dass die Persönlichkeit von Sayyid und Murshid Maududi nicht auf ein bestimmtes Land begrenzt war. Er war weder Hindustani noch Pakistaner, weder Araber noch Aǧami. Vielmehr gehörte er der muslimischen Welt und der gesamten Menschheit.

Darum sagte ich, dass ich beim Versuch, über die Persönlichkeit des verehrten Gelehrten der muslimischen Ummah, Sayyid Maududi, zu schreiben, immer wieder meine eigene Unzulänglichkeit empfunden habe. Dennoch bemühe ich mich unter dem Druck der von allen Seiten zunehmenden Forderungen und Bitten um die Veröffentlichung einer erweiterten Ausgabe. Da mir jedoch die dafür erforderliche Zeit und ruhige Umgebung fehlten, kann ich ohne Zögern sagen, dass ich dieser Aufgabe nicht gerecht werden konnte. Über die verschiedenen Aspekte der Gedankenwelt des Mawlana könnten umfangreiche Werke verfasst werden, und zweifellos besteht dafür auch ein Bedarf. Ich bin überzeugt, dass sich angesichts der Forderungen unserer Zeit auch die Gelehrten dieser Aufgabe gewiss annehmen werden – und viele haben dies bereits getan.

Ich appelliere an die bengalischsprachige Leserschaft, sich mit einer unvoreingenommenen und klaren Sichtweise um ein wahres Verständnis des Mawlana zu bemühen. Ich bin fest davon überzeugt, dass seine Literatur so kraftvoll, flüssig und zu Herzen gehend ist, dass sie Herz und Geist eines aufmerksamen Lesers unweigerlich bewegt. Ich bitte die Leser außerdem, auch die anderen Schriften des Mawlana einmal mit offenem Herzen zu lesen. Durch die Lektüre seiner Schriften wird sein wahres Wesen Herz und Geist des Lesers deutlich vor Augen treten.

Mein sehnlichster Wunsch war es, dieses Buch hinsichtlich des Drucks so hochwertig wie irgend möglich zu gestalten. Doch wegen der Arbeitsüberlastung und der häufigen Reisen nach Dhaka und ins Ausland war es mir nicht möglich, mich dem Druck vollständig zu widmen. Daher ist es nur natürlich, dass Druckfehler und Unstimmigkeiten verblieben sind. Ich hoffe, dass der wohlwollende Leser sie nachsichtig beurteilen wird.

Dass dieses Buch trotz vielfältiger Schwierigkeiten veröffentlicht werden konnte, dafür spreche ich Allah Taʿala unzähligen Dank aus.

Das letzte Wort ist dies: Wenn dieses Buch in der Leserschaft auch nur ein wenig Anerkennung findet, werde ich meine Mühe als lohnend betrachten. Die eigentliche Belohnung erhoffe ich freilich erst im Jenseits. Dieses Buch erscheint zu Beginn des fünfzehnten Jahrhunderts der Hidschra. Daher richte ich an den Schöpfer der Welt die Bitte, dass dieses kleine Werk in den Wellen der weltweiten islamischen Wiedererweckung einen gewissen Beitrag leisten möge – Amin.

Der ergebenste Verfasser

Dhaka

Muharram – 1400 n. H.

Dezember 1979

Widmung

Dieses Buch ist demjenigen gewidmet, dessen Lebensbild es schildert, sowie meiner verstorbenen Mutter, meinem verstorbenen Vater und meinem verstorbenen Onkel. Darüber hinaus ist es jenen gewidmet, die auf Allahs Erde mit ihrem Blut, das sie auf Allahs Weg vergossen haben, rote Spuren hinterließen.

Der Verfasser

Das Siegeslied des Lebens in der Kammer des Galgens

Am 8. Mai 1953 verurteilte ein pakistanisches Militärgericht Maulana Maududi zum Tode. Nachdem er dieses Urteil gehört hatte, sprach der furchtlose, gelassene Mujahid diese historischen Worte:

„Denken Sie daran, dass ich kein Verbrechen begangen habe. Ich werde sie unter keinen Umständen um Gnade bitten. Ebenso soll niemand in meinem Namen um mein Leben bitten – weder meine Mutter noch mein Bruder noch meine Frau, meine Kinder oder sonstigen Angehörigen. Dies ist auch meine Bitte an die Mitglieder der Jamaat. Denn über Leben und Tod wird im Himmel entschieden, nicht auf der Erde.“

Die Verwandten, Freunde und wohlgesinnten Unterstützer dieses revolutionären Gefährten, dessen Aufstieg zum Galgen unausweichlich war, wandten sich mit einer Bitte an ihn: „Die Entscheidung, nicht um Gnade zu bitten, ist schließlich Ihre eigene. Daraus folgt keineswegs, dass die Jamaat diese Entscheidung übernehmen muss. Was die Jamaat im größeren Interesse und angesichts der äußeren Umstände beschließt, müssen Sie akzeptieren.“

„Auch aus Sicht der Jamaat halte ich meine Entscheidung für richtig. Es ist meine Pflicht, diese klare und unumstößliche Entscheidung auch den Führern der Jamaat mitzuteilen.“

„Wenn ich mich hinsetze,

wer wird dann stehen?“

Im Oktober 1963 fand in Lahore eine Konferenz der Jamaat-e-Islami von ganz Pakistan statt. Damit die Konferenz nicht stattfinden konnte, verweigerte die Regierung die Genehmigung. Später erklärte sie im gesamten Land die Benutzung von Mikrofonen für verboten. Trotzdem begann die Konferenz ohne Mikrofone vor zehn- bis zwölftausend Menschen. Alle fünfzehn bis zwanzig Handbreit stand ein Tisch, auf dem jemand stand und gleichzeitig mit der Rede von der Bühne die gedruckte Rede laut vorlas.

Etwa zehn Minuten nach Beginn der Versammlung drangen plötzlich einige Schläger in das Versammlungszelt ein. Sie waren vom Alkohol beinahe rasend geworden. Sie begannen, die Ordnung der Versammlung zu stören. Plötzlich fing das Zelt Feuer; außerhalb des Zeltes waren Geschrei und Pistolenschüsse zu hören. Mehrmals wurde auch auf den Maulana geschossen. Doch jeder einzelne Schuss ging vorbei. Zu dieser Zeit hörte man von allen Seiten sagen: „Maulana, setzen Sie sich hin, Maulana, setzen Sie sich hin.“ Der Maulana, der gerade eine Rede hielt, sagte ruhig und im Stehen: „Wenn ich mich hinsetze, wer wird dann stehen?“ … Auf diese Weise beendete er seine Eröffnungsrede.

Die Mitarbeiter der Jamaat hielten durch unendliche Geduld und Weisheit die gesamte Situation vollständig unter Kontrolle und bewahrten die vollkommene Ordnung.

Während dieser Rede wurde der Jamaat-Mitarbeiter Allah Bakhsh durch die Schüsse angeheuerter Verbrecher zum Märtyrer.

Die Abstammung des Maulana Maududi (r)

Maulana Sayyid Abul Ala Maududi wurde in eine äußerst vornehme Familie hineingeboren, die seit dreizehn bis vierzehn Jahrhunderten die islamische Verkündigung, die religiöse Bildung und Erziehung sowie die Arbeit der geistlichen Führung in der Welt fortgeführt hat. Im dritten Jahrhundert der Hidschra ließ sich ein Zweig der Nachkommen von Hazrat Ali und Fatima an einem Ort in der Nähe der afghanischen Stadt Herat nieder; dieser Ort erlangte später unter dem Namen „Chisht“ weltweite Berühmtheit. Hazrat Shah Sufi Abdal Chishti (r), der berühmte Heilige und Gottesfreund aus eben dieser Familie, war ein Nachkomme von Hazrat Imam Hasan (r.a.). Durch Hazrat Abdan Chishti wurde der berühmte Chishtiyya-Orden begründet. Er verstarb im Jahr 355 nach der Hidschra. Sein Enkel und Nachfolger (Gaddi-Nashin), Hazrat Nasiruddin Abu Yusuf Chishti (r), stammte aus dem zweiten Zweig der Nachkommen von Hazrat Ali und Fatima. Seine aufsteigende Genealogie (Nasabnama) führte über Hazrat Imam Ali Naqi (r) zu Hazrat Khwaja Qutbuddin Maudud Chishti (r), dem ältesten Sohn von Hazrat Imam Husain Shahid (r.a.), der der erste Pir der Pirs des indischen Chishtiyya-Ordens war. Die Familie Maududi erhielt ihren Namen nach ihm. Khwaja Qutbuddin verstarb im Jahr 572 nach der Hidschra.

Die Verbindung der Familie Maududi zu dem berühmten Sufi und Derwisch von Pak-Indien, Hazrat Khwaja Muinuddin Chishti (r), ist folgende:

Absteigende Reihe der Pirs

1) Hazrat Qutbuddin Chishti (r)

2) Hazrat Jami Sharif Zindani (r)

3) Hazrat Usman Haruni (r)

4) Hazrat Khwaja Muinuddin Chishti Sinjari (r)

Das heißt, Hazrat Qutbuddin Maudud Chishti (r) war der Pir des Urgroßvaters von Khwaja Muinuddin Chishti (r).

Derjenige unter den Vorfahren der Familie Maududi, der als Erster Indien betrat, hieß Hazrat Abul Ala Chishti (r.). Er kam gegen Ende des neunten Jahrhunderts der Hidschra während der Herrschaft des Delhi-Kaisers Sikandar Lodi nach Indien und ließ sich in einer kleinen Stadt namens Baras am Rand von Karnataka nieder. Er war ein berühmter großer Wali. Im Jahre 935 der Hidschra ging er ins Paradies ein.

Während der Regierungszeit von Kaiser Shah Alam kam die genannte Familie nach Delhi und ließ sich dort dauerhaft nieder. Von jener Zeit an lebten bis zur fünften Generation der genannten Abstammung alle in Delhi. Der gegenwärtige Maulana Sayyid Abul Ala Maududi (r.) ist das sechste Glied dieser Abstammung.

Durch seine mütterliche Abstammung fließt in Maulana Maududi (r.) das Blut türkischer Helden. Sein Urgroßvater Mirza Qurban Ali Beg Khan Salik war ein türkischer Dichter und Literat. Doch der Militärdienst war der Beruf seiner Vorfahren. Einer ihrer Vorfahren namens Mirza Tolak Beg kam während der Herrschaft des Kaisers Aurangzeb Alamgir nach Indien und trat in die Armee ein. Bis zur Regierungszeit des Kaisers Shah Alam bekleideten Angehörige dieser Familie irgendein königliches Amt. Nachdem das Mogulreich zerfallen war, zerstreuten auch sie sich in verschiedene Richtungen. Der Vater des verstorbenen Qurban Ali Beg Khan Salik, der verstorbene Nawab Alam Beg Khan, und sein Onkel, der verstorbene Nawab Niyaz Bahadur Khan, kamen gegen Ende der Regierungszeit des damaligen Nizam-Nawab von Hyderabad, Mir Nizam Ali Khan, nach Hyderabad. Nawab Niyaz Bahadur heiratete die Tochter des Nawab Mustaqil Jang Izzat-ud-Daula Ashur Beg Khan. Ashur Beg Khan war der Onkel von Niyaz Bahadur Khan. Die Titel, mit denen die Mogulkaiser sie auszeichneten, verliehen ihnen auch die Nizams von Hyderabad in entsprechender Weise. Nach Mustaqil Jang trat Nawab Niyaz Bahadur Khan als Jamadar und Jagirdar seine Nachfolge an.

Nawab Alam Beg Khan heiratete in die Familie von Abdur Rahim Khan, dem Festungskommandanten von Golconda, ein. Aus dieser Ehe wurde Qurban Ali Beg Khan Salik geboren. Im Jahre 1822 wurde Nawab Niyaz Bahadur Khan bei den Unruhen in Chanchal Garh im Dekkan zum Märtyrer. Danach ging Nawab Alam Beg mit seinem kleinen Sohn nach Delhi. Etwa vierzig Jahre später begab sich Mirza Qurban Ali Beg nach Hyderabad, und Salare Jang Azam ernannte ihn zum obersten Bildungsberater. Dort verfasste er mit Unterstützung des Nawab Imad-ul-Mulk Bilgrami ein unschätzbar wertvolles Werk mit dem Titel „Makhzan-ul-Fawaid“. Zweifellos ist dieses Werk, wenn auch nicht das allererste, so doch eines der berühmtesten alten Werke von Hyderabad. Im Jahre 1855 verstarb Mirza Qurban Ali Beg Khan Salik.

Die Abstammungslinie von Maulana Maududi (r.)

Absteigend

Imam der Gottesfürchtigen, unser Herr Sayyiduna Hazrat Ali ibn Abi Talib (r.)

Hazrat Imam Husain, der Märtyrer (r.)

Hazrat Imam Zain al-Abidin (r.)

Hazrat Imam Muhammad al-Baqir (r.)

Hazrat Imam Muhammad Ja’far as-Sadiq (r.)

Hazrat Imam Musa al-Kazim (r.)

Hazrat Imam Muhammad at-Taqi (r.)

Hazrat Imam Muhammad an-Naqi (r.)

Sayyid us-Sadat Abdullah Ali Akbar (r.)

Sayyid us-Sadat Husain (r.)

Sayyid us-Saʿadat Muhammad (r.)

Muhammad Shamiyan Chishti (r.)

Khwaja Nasiruddin Qutbuddin Yusuf Chishti (r.)

Khwaja der Khwajagan, Qutbuddin Maudud Chishti (r.)

Khwaja Abu Ahmad Maududi Chishti (r.)

Khwaja Ruknuddin Maududi Chishti (r.)

Khwaja Nizamuddin Maududi Chishti (r.)

Khwaja Qutbuddin Muhammad Maududi Chishti (r.)

Khawaja Ali Abu Ahmad Sani Maududi Tschischti (r.)

Khawaja Ahmad Abu Yusuf Sani Maududi Tschischti (r.)

Khawaja Muhammad Zahid Maududi Tschischti (r.)

Khawaja Qutbuddin Maudud Sani Tschischti (r.)

Khawaja Nizamuddin Ali Maududi Tschischti (r.)

Khawaja Muhammad Muhyuddin Schah Chazgi Maududi Tschischti (r.)

Schah Abul Ala Maududi Tschischti (r.)

Schah Abdul Ali Maududi (r.)

Schah Abdulghani Maududi (r.)

Khwaja Abdus Samad Maududi (r.)

Khwaja Abdus Shakur (alias Khoshhal Muhammad) Maududi (r.)

Khwaja Abdullah (alias Gul Muhammad) Maududi (r.)

Khwaja Abdul Bari (alias Mir Bhikhari) Maududi (r.)

Khwaja Abdul Wali (alias Mir Fazl Ilahi) Maududi (r.)

Schah Abdul Aziz (alias Mir Karam Ila) Maududi (r.)

Schah Waris Ali Maududi (r.)

Sayyid Hasan Maududi (r)

Sayyid Ahmad Hasan Maududi (r)

Sayyid Abul A’la Maududi (r)

Sayyid Ahmad Hasan Maududi

Der Vater von Maulana Maududi (r), Sayyid Ahmad Hasan Maududi (r), wurde 1855 in der Stadt Delhi geboren, zwei Jahre vor dem Sepoy-Aufstand von 1857. Er gehörte zu den Schülern der frühen Zeit der Bildungseinrichtung von Aligarh. Es ist allgemein bekannt, dass die Bildungseinrichtung von Aligarh damals nicht die Unterstützung und Sympathie der frommen Muslime gewinnen konnte. Denn sie hegten äußerste Geringschätzung und Abneigung gegenüber der englischen Bildung, das heißt gegenüber der westlichen Kultur und Zivilisation. Sir Sayyid Ahmad, der Gründer der Universität Aligarh, war ihr hingegen zutiefst zugetan. Er suchte unter seinen Verwandten verständige und begabte Jungen aus und ließ sie in Aligarh aufnehmen. Sayyid Ahmad Hasan Maududi ließ er gewissermaßen gegen dessen Willen in Aligarh einschreiben.

Leicht lässt sich ermessen, wie sehr die Familie Maududi der englischen und westlichen Bildung ablehnend und abgeneigt gegenüberstand. Denn sie nahm nicht nur hinsichtlich islamischer Bildung und Erziehung eine herausragende Stellung ein, sondern gehörte auch zu den führenden Piran-e Tariqat, den geistlichen Lehrmeistern. Doch da Sayyid Ahmad den Pirzada Ahmad Hasan unter Berufung auf die Verwandtschaft nach Aligarh mitnahm, schwieg Pir Sayyid Hasan Maududi (r) mit zutiefst betrübtem Herzen.

Einmal ging ein Freund von Pir Sayyid Hasan Maududi (r) aus einem bestimmten Anlass nach Aligarh. Dort sah er, wie der Junge Ahmad Hasan in englischer Kleidung zusammen mit den anderen Schülern Cricket spielte. Das Verhalten des Sohnes eines berühmten Pir der Piran-e Tariqat erschütterte ihn zutiefst. Nach seiner Rückkehr nach Delhi sagte er: „Holt Ahmad Hasan unverzüglich aus Aligarh nach Hause, sonst brecht den Kontakt zu ihm ab. Er ist völlig auf Abwege geraten.“

Ahmad Hasans Schülerzeit in Aligarh war beendet. Denn sein Vater Sayyid Hasan holte seinen Sohn unverzüglich mit einem Transferzeugnis vom Aligarh College nach Hause zurück. Der damalige Direktor stellte folgendes Empfehlungsschreiben aus:

Hiermit wird bescheinigt, dass Ahmad Hasan während eines Teils des vergangenen Jahres die dritte Schulklasse dieses Colleges besuchte und damals ein Stipendium von 5 Rupien monatlich erhielt.

Sein Verhalten war zufriedenstellend, und der Maulwi, bei dem er seine zweite Sprache lernte, erklärt, dass er sowohl im Arabischen als auch im Persischen recht gute Kenntnisse besaß.

Gezeichnet: S. D. T. Siddons

Datum: 17. Februar 1877

Direktor

Muhammadan Anglo-Oriental College, Aligarh

Später legte Ahmad Hasan Maududi in Allahabad jedoch die Prüfung für die Anwaltschaft ab. Danach wurde er eingeladen, als Hauslehrer bei der königlichen Familie des Fürstenstaates Deoghar zu arbeiten. Als er in Deoghar eintraf, erfuhr er, dass auch einer seiner Lehrer für diese Stelle eingeladen worden war. Er teilte dem Raja Sahib höflich mit, dass er nicht gewillt sei, mit seinem eigenen Lehrer um eine Anstellung zu konkurrieren. Er wäre daher zufrieden, wenn stattdessen sein Lehrer angestellt würde. Daraufhin befragte der Raja Sahib den Lehrer Ahmad Hasan Maududis über den anderen Bewerber, seinen Konkurrenten. Dieser sagte: „Er ist doch mein eigener Schüler und in meinen Augen nur ein Junge. Wie viel Befähigung zur Lehrtätigkeit kann er schon besitzen?“

Als der Raja Sahib diese gegensätzlichen Charakterzüge der beiden Bewerber bemerkte, sagte er: „Im Schüler sehe ich größere Befähigung als im Lehrer.“ Schließlich wurde Ahmad Hasan Maududi als Hauslehrer angestellt.

Rechtsanwalt Ahmad Hasan Maududi

Nachdem Syed Ahmad Hasan Maududi einige Zeit in Deogarh als Hauslehrer gearbeitet hatte, praktizierte er als Rechtsanwalt in Meerut, Ghaziabad, Bulandshahr und anderen Orten. Im Jahr 1896 reiste er zur Führung eines Rechtsstreits in die Stadt Aurangabad im Hyderabad-Staat. Herr Mahiuddin Khan war dort der Mir oder oberste Richter. Er war ein entfernter Verwandter, nämlich ein Onkel von Ahmad Hasan Maududi. Bei der Führung des Rechtsstreits bewies Ahmad Hasan beträchtliche Gelehrsamkeit. Auf Anraten des Provinz-Mirs begann er in Aurangabad dauerhaft als Rechtsanwalt zu praktizieren, und schon bald verbreitete sich sein guter Ruf als Jurist.

Bis dahin hatten westliche Denkweisen und Lebensgewohnheiten einen starken Einfluss auf den Rechtsanwalt Maududi ausgeübt. Der erbliche religiöse Funke, der in seinem Inneren vorhanden war, lag im Dunkel verborgen. Doch durch die Gesellschaft und den Umgang mit Herrn Mahiuddin Khan begannen sich die westlichen Denkweisen in ihm allmählich in eine vollkommen islamische Denkweise zu verwandeln. Mahiuddin Khan war nicht nur ein oberster Richter, sondern auch ein hochrangiger Wali und frommer Gottesfreund. Im Jahr 1900 leistete Ahmad Hasan unter seiner Leitung die Baiʿa und widmete sich Dhikr und Adhkar, Muraqaba und Mushahada sowie Ibadat und Gottesdienst. So vergingen volle vier Jahre.

Im christlichen Jahr 1904, als Syed Abul Ala Maududi (r.) ein Jahr alt war, dachte der Rechtsanwalt Maududi, dass sein Beruf als Rechtsanwalt zu einem gewaltigen Hindernis für seine geistige Erkenntnissuche geworden sei. Daher gab er die Rechtsanwaltstätigkeit auf und ergriff die Gelegenheit, sich unbeteiligt der Meditation in Gottesliebe zu widmen. Er verschenkte großzügig das gesamte aus seiner Anwaltstätigkeit erworbene Geld, seine Kleidung, die Haushaltsmöbel und die gesamte Ausstattung, reiste mittellos mit seiner Familie nach Delhi und fand in einem äußerst alten Armenviertel namens „Arab Sarai“ nahe dem Schrein des Hazrat Khwaja Nizamuddin Auliya Mahbub-e-Ilahi (r.) Unterkunft. Den Umgang mit Frau, Kindern und Angehörigen gab er gewissermaßen auf und widmete sich Tag und Nacht als Klausner der Meditation über Allah. So vergingen drei volle Jahre.

Inzwischen erfuhr der oberste Richter von Aurangabad, Herr Mahiuddin Khan, von der Notlage des Rechtsanwalts Maududi und ließ ihn zu sich nach Aurangabad rufen. Ahmad Hasan Maududi kehrte auf den Ruf seines väterlichen Onkels und geistlichen Meisters nach Aurangabad zurück. Mahiuddin Khan ermahnte ihn mit den Worten, dass es auf dem Weg zur Gotteserkenntnis nicht unerlässlich sei, den Kontakt mit der Welt aufzugeben. Vielmehr sei Weltentsagung im Islam verpönt. Für den Lebensunterhalt und die Versorgung der Familie müsse man unbedingt Geld verdienen. Man müsse jedoch darauf achten, dass jeder Pfennig auf erlaubte Weise, also halal, erworben werde. Auf Anweisung seines geistlichen Meisters ging Syed Ahmad Hasan Maududi wieder mit seiner Familie nach Aurangabad und nahm seine Anwaltstätigkeit auf. Von nun an begann jedoch ein neues Kapitel in seiner beruflichen Tätigkeit als Rechtsanwalt.

Von nun an musste er, bevor er einen Rechtsstreit annahm, durch zahlreiche Nachfragen dessen Wahrhaftigkeit prüfen. Infolgedessen musste er Armut auf sich nehmen. Doch während einerseits seine islamische Denkweise und seine tiefe Gottesliebe zunahmen, wuchsen andererseits auch seine Abneigung und sein Ekel gegenüber weltlicher Genuss- und Besitzgier. Seine Denkweise, seine Lebensführung und all seine Handlungen erfuhren eine solche Veränderung, dass es kaum zu glauben war, dass einst der berauschende Strom westlicher Denkweisen durch sein Inneres geflossen war.

Jedenfalls praktizierte er bis 1915 in Aurangabad als Rechtsanwalt. Danach ging er nach Hyderabad. Wegen einer Verschlechterung seines Gesundheitszustands musste er jedoch nach Bhopal gehen. Leider erlitt er dort einen Schlaganfall und verstarb vier Jahre später, im Jahr 1920, nachdem er das Paradies erlangt hatte.

Es sei erwähnt, dass Ahmad Hasan Maududi beim Lehrer und Hadith-Gelehrten Maulana Habibur Rahman von der Islamia-Madrasa in Aurangabad eine vollständige Ausbildung in Sahih Muslim Kamil und Nasai Kamil erhielt, dafür ein Sanad-Zertifikat erlangte und die Erlaubnis zum Unterrichten von Hadith erhielt.

Die Geburt und Ausbildung Maududis

Am 3. Radschab des Jahres 1321 nach der Hidschra (im Jahr 1903 n. Chr.) wurde im Haus des angesehenen Rechtsanwalts der Stadt Aurangabad, Sayyid Ahmad Hasan Maududi, ein außergewöhnliches Kind geboren. Der Vater dankte Allah Taala über alle Maßen und gab seinem neugeborenen Sohn voller Freude den Namen Sayyid Abul Ala Maududi. Drei Jahre vor der Geburt des Kindes hatte ein ehrwürdiger Wali seinem Vater gesagt: „Sieh, durch Allahs Gnade wirst du einen Sohn bekommen. Du sollst ihn Abul Ala Maududi nennen. Denn unter diesem Namen kam einst ein berühmter vollkommener Pir als euer Vorfahre als Erster nach Indien.“

Diese prophetische Mitteilung war im Herzen des Vaters lebendig geblieben. Tatsächlich wurde ihm drei Jahre später durch die Herrlichkeit Allahs ein Sohn geschenkt, und sein Herz und Gemüt schmolzen vor überwältigender Freude und Dankbarkeit gegenüber Allah dahin.

Wie bereits erwähnt, hatte sich im Vater schon vor der Geburt Sayyid Abul Ala Maududis eine revolutionäre Veränderung vollzogen, und nur ein Jahr nach der Geburt seines Sohnes war er, vom Gottesliebe ergriffen, zum Entsagen von der Welt bewegt worden. Zwar nahm er später wieder die Rolle eines Familienvaters an, doch kehrte er nicht zu seinem früher aufgegebenen häuslichen Leben zurück, sondern schuf einen von vollkommener islamischer und sittlicher Atmosphäre erfüllten Haushalt. Das hatte zur Folge, dass das Kind Maududi, als sich sein geistiges Auge öffnete und es lernte, das Licht und die Luft der Welt zu genießen, rings um sich nur das leise Murmeln einer himmlisch süßen, islamisch-sittlichen Atmosphäre vernahm. Die Lebensführung sowohl des Vaters als auch der Mutter war vollständig islamisch geprägt. So wurde schon seit seiner Kindheit im jungen Herzen Maududis ein vollständiges Bild der islamischen Geistesrichtung eingeprägt.

Maududis Bildung in der Kindheit

Der innigste Wunsch des Vaters war, seinen Sohn zu einem Gelehrten der Religion zu machen. Dementsprechend wurde seine Erziehung und Ausbildung gestaltet. Neben der Grundbildung wurde er durch das Arabische, Persische und Urdu in Koran, Hadith, Fiqh und anderen Fächern unterrichtet. Vom englischen Unterricht und vom Einfluss westlicher Denkweisen hielt man ihn sorgfältig fern. In seiner Kindheit wurde er in keine Schule eingeschult. Seine kindliche Ausbildung erfolgte unter der Obhut eines hochqualifizierten und charakterfesten Hauslehrers. In seiner Freizeit nahm der Vater ihn mit in gebildete Kreise. Kein Wort der tiefgründigen philosophischen Gespräche drang in den Geist des jungen Maududi ein. Dennoch hinterließen sie in seinem Gemüt einen sittlichen Eindruck. Nachts erzählte der Vater seinem Sohn in Form von Geschichten die Lebensläufe der Propheten (Friede sei mit ihnen), der Gefährten (Allahs Wohlgefallen sei auf ihnen) und der frommen Gelehrten sowie die islamische Geschichte. Durch eine fesselnde und verständliche Ausdrucksweise prägte er dem Herzen seines kleinen Sohnes die islamischen Glaubensüberzeugungen, Lehren und Denkweisen ein.

Der Vater achtete streng darauf, dass sein Sohn im gewöhnlichen Umgang und bei Gesprächen mit anderen Menschen Sittlichkeit und Höflichkeit bewahrte. Auch seiner Muttersprache Urdu widmete er besondere Aufmerksamkeit. Obwohl er volle zwanzig Jahre im Dekkan verbracht hatte, bewahrte er die Reinheit und Anmut der Sprache. Niemals drangen ein anderes Synonym oder eine fremde Ausdrucksweise in seine Rede ein. Stets sprach er ein reines, klares Urdu. Damit auch die Sprache seines Sohnes rein blieb, ließ er ihn niemals mit der Außenwelt in Berührung kommen. Wenn er aus irgendeinem Grund in den Worten seines Sohnes ein Wort aus einer anderen Sprache hörte, korrigierte er es unverzüglich.

Seit seiner frühesten Kindheit bemühte sich der Vater besonders darum, seinen vornehmen Charakter zu formen. Er wachte streng darüber, dass sein Charakter nicht durch den Umgang mit schlechten und unsittlichen Menschen verdorben wurde.

Einmal schlug der junge Maududi den kleinen Sohn der Hausangestellten. Sobald der Vater davon hörte, ließ er den Sohn der Hausangestellten holen und befahl ihm, seinen eigenen Sohn Maududi genau ebenso zu schlagen. Diese Lektion blieb im zarten Herzen des jungen Maududi so tief verankert, dass er später im Leben niemals die Hand gegen einen Untergebenen erhob, selbst wenn dieser ein Vergehen begangen hatte, und auch kein hartes Wort zu ihm sprach.

Bis zu seinem neunten Lebensjahr wurde der junge Maududi zu Hause unterrichtet. In dieser Zeit schloss er verschiedene grundlegende Bücher über arabische Grammatik, Literatur und Fiqh ab. Danach wurde er auf Anraten seines Lehrers, des verstorbenen Maulvi Nadimullah Husaini, in die Abschlussklasse der Rushdiyya-Stufe (8. Klasse) der Fauqania-(höheren) Madrasa in Aurangabad aufgenommen. Sechs Monate nach seiner Aufnahme legte er die Rushdiyya-Prüfung ab, bestand sie jedoch nicht. Abgesehen von Mathematik bestand er allerdings alle anderen Fächer gut. Der Grund für sein Nichtbestehen in Mathematik war, dass er erst sechs Monate zuvor überhaupt mit dem Mathematikunterricht begonnen hatte. Der Leiter der Madrasa, Mulla Daud Sahib, nahm ihn daraufhin in die höhere Maulvi-Klasse auf.

Nun erhielt er die Gelegenheit, in verschiedenen Fächern immer neue Kenntnisse zu erwerben. Obwohl die Unterrichtssprache Urdu war, entwickelte er ein tiefes Interesse an Fächern wie Chemie, Gesundheitswissenschaften, Mathematik, Geschichte und Geografie. Außerdem erweiterten sich sein Blickwinkel und seine Denkweise durch den Umgang und Kontakt mit verschiedenen Lehrern. Die Lebhaftigkeit und Unbekümmertheit, die sich in ihm angesammelt hatten, weil er bislang von der Außenwelt und der Gesellschaft außerhalb abgeschnitten gewesen war, wurden durch den Umgang mit seinen Mitschülern beseitigt.

Es sei erwähnt, dass damals nach den Plänen von Allama Shibli Nu’mani, Nawab Nizam-ul-Mulk Bilgrami und Maulana Hamiduddin Farahi in Hyderabad und Aurangabad ein neuartiges Bildungssystem eingerichtet wurde. Unterrichtssprache war Urdu. Geschichte, Koran und Hadith, Fiqh, Mantiq (Logik) und andere Fächer wurden unterrichtet. Die entsprechende Prüfung auf der Ebene der Immatrikulation wurde Maulvi genannt, die Zwischenstufe Maulvi Alim und das College auf Degree-Ebene Darul Uloom.

Im Jahr 1914 legte der junge Maududi die Maulvi-Prüfung ab und erreichte unter den erfolgreichen Schülern den sechsten Platz, da er in Mathematik schwach war. Zu dieser Zeit verschlechterte sich der Gesundheitszustand seines Vaters völlig. 1916 ging er von Aurangabad nach Hyderabad und ließ dort seinen Sohn Maududi zur höheren Ausbildung im Darul Uloom einschreiben. Damals war der verstorbene Maulana Hamiduddin der Leiter des Darul Uloom. Nachdem er seinen Sohn in Hyderabad zurückgelassen hatte, ging er nach Bhopal, um sich wegen seiner Krankheit behandeln zu lassen und seine Gesundheit zu verbessern.

Der junge Maududi setzte seine Studien im Darul Uloom von Hyderabad fort. Doch noch bevor sechs Monate vergangen waren, kam aus Bhopal die traurige Nachricht, dass sein Vater auf dem Sterbebett lag. Sobald der junge Maududi die Nachricht erhielt, reiste er mit seiner Mutter nach Bhopal und widmete sich der Pflege seines todkranken Vaters. Von dieser Zeit an musste der junge Maududi beginnen, nach einer Möglichkeit zu suchen, seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Denn schon in so jungen Jahren hatte er so viel Einsicht gewonnen, dass man in der Welt nur dann in Selbstachtung leben könne, wenn man selbstständig sei und um einen ehrbaren Lebensunterhalt kämpfen müsse. Sein Vater kämpfte unterdessen mehrere Jahre lang ununterbrochen gegen Armut und Krankheit, bevor er 1920 für immer aus der Welt des Wirkens schied.

Fest gefestigter moralischer Charakter und unerschütterliche Willenskraft

Durch die enge Begleitung und Erziehung seines Vaters hatte der junge Maududi gelernt, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. Durch seine grundlegende Ausbildung und Tarbiyya war in ihm das Fundament eines solchen moralischen Charakters gelegt worden, dass eine andersartige Umgebung ihn in keiner Weise beeinflussen konnte. Das hatte zur Folge, dass er bereits im Alter von nur fünfzehn Jahren völlig selbstständig auf eigenen Füßen stehen konnte. Damals hielten ihn gerade die Eigenschaften seines festen moralischen Charakters unbeirrbar auf dem Weg der Wahrheit. In eben jener Lebensphase, in der der Überschwang und die Kraft der erwachenden Jugend den Menschen vom Weg abbringen, zerbarsten die Wogen und Wasserwellen der jugendlichen Lebensflut an Maududis Füßen und zersplitterten. Doch sie konnten ihn nicht erschüttern und ihn nicht mitten im Meer forttreiben.

Der Beginn von Maududis tätigem Leben

Der barmherzige Allah, der Erhabene, hatte dem jungen Maududi eine außergewöhnliche Begabung verliehen. Daher wurde er schon in jungen Jahren ein Meister der literarischen Tätigkeit. Im Alter von gerade siebzehn Jahren musste er in einer äußerst schwierigen Lage den beschwerlichen Weg des Broterwerbs wählen. Eine Tätigkeit als Schreiber in irgendeinem Büro oder ein Dienstverhältnis unter jemandem widersprach seinem Wesen. Daher betrachtete er seine schriftstellerische Fähigkeit als seine einzige Stütze.

Im Jahr 1918 trat Maududis älterer Bruder Sayyid Abul Khair Maududi in den Bereich des Journalismus ein. Er übernahm persönlich die Redaktion der von Bijnor aus herausgegebenen Zeitung „Madina“. Auch Sayyid Abul Ala Maududi begann gemeinsam mit seinem älteren Bruder, „Madina“ zu leiten. Doch nach zwei Monaten ging der jüngere Maududi von dort nach Delhi. Zu jener Zeit erhob sich in Indien ein heftiger Sturm der Unabhängigkeitsbewegung. Die Freiheit von Geist und Denken, das Erbe seiner Abstammung und der Einfluss seiner Umgebung in der Kindheit führten dazu, dass Abul Ala Maududi der britischen Herrschaft und Zivilisation von Natur aus abgeneigt war. Daher unterstützte er jede Bewegung für die Unabhängigkeit. Darüber hinaus besaß er einen starken kämpferischen Antrieb des Islam. Aus diesen Gründen arbeitete er als Aktivist der damaligen „Anjuman-e Aiyanat-e Nazarbandan-e Islam“. Als 1919 die Kalifat- und die Satyagraha-Bewegung begannen, nahm er auch daran teil.

Die Kalifatbewegung und Maulana Maududi

Die Kalifatbewegung war nicht nur ein bedeutendes Kapitel im Leben von Maulana Maududi, sondern auch ein wegweisendes Ereignis in der nationalen Geschichte der Muslime. Auch wenn es nur in aller Kürze geschieht, ist eine Erörterung dieses Themas notwendig, damit das Leben des Maulana vor diesem Hintergrund richtig verstanden werden kann.

Im Ersten Weltkrieg der vergangenen Zeit kämpfte die Türkei, der „kranke Mann Europas“ (The sick man of Europe), aufseiten Deutschlands gegen die Engländer. Bis dahin galt das Osmanische Reich in der Türkei als Bewahrer des Kalifats. Um dem englischen Gegner einen schweren Schlag zu versetzen und die muslimische Einheit zu zerschlagen, entsandten die Engländer Lawrence von Arabien als Propagandisten des arabischen Nationalismus in die arabischen Länder. Der damalige Scharif von Mekka, Hussein Haschimi, wurde von dieser Propaganda so stark beeinflusst, dass er 1915 angeblich für die nationale Unabhängigkeit der Araber die Waffen gegen die Muslime erhob und der Türkei in den Rücken fiel. Im Ersten Weltkrieg errangen die Engländer beziehungsweise die Alliierten (Allied Forces) den Sieg. Gleich zu Beginn des Krieges hatten sie das Osmanische Reich durch ein geheimes Abkommen unter sich aufgeteilt. Nach Kriegsende wurde das Osmanische Reich 1919 zerschlagen. Sein europäischer Teil ging verloren. Infolge der Giftwirkung des arabischen Nationalismus lösten sich die arabischen Länder zwar vom Osmanischen Reich, doch wurden sie zwischen England, Frankreich und Griechenland aufgeteilt. Das Osmanische Reich blieb auf das alte Anatolien (Istanbul) beschränkt. Im Mai 1919 blieb in der osmanischen Hauptstadt nur noch die nominelle Existenz eines Sultans bestehen. Auch hier war seine Unabhängigkeit bedroht. Die muslimischen Führer Britisch-Indiens hatten in den Muslimen den Glauben geweckt, dass der Kalif der Muslime und die Institution des Kalifats ein wesentlicher Bestandteil ihres wahren Glaubens seien. Angesichts des Niedergangs und der Zerschlagung des Osmanischen Reiches kam daher bei den indischen Muslimen der Verdacht auf, dass die Engländer womöglich das Zentrum des Kalifats selbst zerstören würden – jenes Zentrum, das die Muslime als ihr religiöses und geistiges Zentrum betrachteten.

Daraufhin trafen die muslimischen Führer in Indien selbst mit dem Vizekönig zusammen und legten ihm ihre Haltung dar. Eine von Führern wie Maulana Muhammad Ali Jauhar und Maulana Sayyid Sulaiman Nadwi geleitete Delegation traf in London mit den britischen Behörden zusammen und trug ihnen ihre Anliegen vor. Als Antwort wurde ihnen gesagt, dass ihnen außer den Gebieten des eigentlichen türkischen Kernlandes keine weiteren Gebiete überlassen werden könnten.

Das Verhalten der Briten erzürnte die Muslime Indiens zutiefst, und zur Bewahrung der Existenz des Kalifats begann in Indien eine gewaltige Kalifatbewegung. Ein Kalifatskomitee wurde gebildet, und der Indische Nationalkongress, die Jamiat Ulema-e-Hind und das Kalifatskomitee führten diese Bewegung gemeinsam. Am 10. August wurde im ganzen Land der Kalifatstag begangen, und von dieser Zeit an fanden an verschiedenen Orten auch Streiks statt. Kurz gesagt, in ganz Indien begann eine gewaltige Explosion gegen die Engländer. Innerhalb eines Monats stellten sich fast dreißigtausend Muslime zur Inhaftierung. In Städten und Häfen, auf Märkten und Basaren, in Dörfern und entlegenen Gegenden nahm die Kalifatbewegung eine gewaltige Gestalt an. Doch diese so große Bewegung und die anti-britischen Proteste und Ausbrüche endeten allesamt im Scheitern.

Der Grund dafür war, dass Kemal Atatürk die dschihadistische Begeisterung der türkischen Muslime nutzte und mit außerordentlichem Heldenmut und großer Umsicht den Krieg führte, zahlreiche Gebiete von den Engländern zurückeroberte, die Türken vereinte und ihre verlorene Würde und ihren Ruhm wiederherstellen konnte. Nachdem er auf diese Weise die Macht erlangt hatte, setzte Kemal Atatürk im November 1922 den Sultan Muhammad Haschim des osmanischen Kalifats ab und verbannte im März 1924 den letzten Sultan, Abdülmecid, aus dem Land, wodurch er das Kalifat abschaffte.

Dr. Moinuddin bemerkt in seinem Werk „History and freedom movement“, Teil VIII, Band 1:

Dieser Schritt Kemal Atatürks versetzte den indischen Muslimen, die mit der Kalifatsbewegung verbunden waren, einen schweren Schlag. Am stärksten getroffen wurde Maulana Muhammad Ali, der die Seele der Kalifatsbewegung war. Scharif Hussein, der als Marionette in den Händen der Engländer agierte und durch dessen Verrat das Osmanische Reich in Trümmer gelegt worden war, erklärte sich selbst zum Anwärter auf das Kalifat. Doch zum einen war er in der muslimischen Welt zum Gegenstand des Hasses geworden, und auch die englische Regierung wies seinen Anspruch zurück. Zum anderen vermochte er den Angriff des revolutionären Wahhabi-Führers Ibn Saud nicht abzuwehren. Gegen Ende des Jahres nahm Ibn Saud Mekka und Taif ein, und der größte Teil des Hedschas gelangte unter seine Herrschaft.

Diejenigen, die an der Kalifatsbewegung beteiligt waren, sympathisierten mit Ibn Saud. Als er jedoch zur Ausrottung des Gräberkults alle Arten von auf Gräbern errichteten Denkmälern zertrümmern ließ, traten die Anhänger der Badauni-, Barelwi- und anderer Richtungen aus dem Kalifatskomitee aus. Dennoch sandte das indische Kalifatskomitee am 4. Januar ein Telegramm, in dem es Ibn Saud als Kalif al-Muslimin beglückwünschte. Doch bereits vier Tage später antwortete er, dass er König des Hedschas und kein Kalif sei.

– (History of freedom movement – Dr. Moyeenuddin)

Währenddessen errichtete Kemal Atatürk auf den Trümmern des osmanischen Kalifats den Palast einer neuen Din-i-Ilahi.

Der „Vater des Urdu“, Maulvi Abdul Haq, sagt:

Kemal Pascha ging so weit, nachahmenswerte westliche Lebensweisen wie Essen und Trinken, Kleidung, Benehmen, Tanz und Musik, Alkoholkonsum sowie zahlreiche andere islamfeindliche Kulturerscheinungen zu den nationalen Symbolen der Türkei zu erklären. Er schaffte sogar den Religionsunterricht an den islamischen Bildungseinrichtungen ab. Er ersetzte die alte Schrift der türkischen Sprache durch das lateinische Alphabet. Eine türkische Delegation kam nach Delhi. Sie war wiederholt stolz darauf, sich als europäische Nation zu bezeichnen. Die Muslime Delhis luden sie dazu ein, das Freitagsgebet in der Freitagsmoschee von Delhi zu verrichten. Doch diese Einladung lehnten sie ab. Auch die Einladung der Muslimischen Universität Aligarh wurde zurückgewiesen. Die Banaras Hindu University hingegen besuchten sie mit Freude, obwohl dafür zuvor kein Programm vorgesehen war.

Sir Sayyid Ahmad – Maulvi Abdul Haq (S. 34)

Obwohl die Khilafat-Bewegung mit einem Scheitern endete, hinterließ sie in der Geschichte Indiens einen gewaltigen Einfluss und entfachte für die indische Unabhängigkeitsbewegung eine unbezwingbare Inspiration. Ihr Einfluss auf Maulana Maududi bestand darin, dass diese Bewegung ihm den Antrieb, den Mut und die Kraft gab, auf öffentlichen Versammlungen zu sprechen, und ihm durch das geschriebene Wort die Möglichkeit eröffnete, die Hoffnungen und Bestrebungen der muslimischen Gemeinschaft sowie ihren künftigen Handlungsweg darzulegen. Während der Khilafat-Bewegung war Maulana in Jabalpur mit der Herausgabe der Zeitschrift „Taj“ beschäftigt. Er war damals erst siebzehn Jahre alt. In seiner Autobiografie sagt er:

„Damals gab es hier niemanden, der bei einer öffentlichen Versammlung im Namen der Muslime etwas sagen konnte. So war ich gezwungen, diese Aufgabe selbst zu übernehmen. Das brachte mir zwei große Vorteile. Der erste bestand darin, dass in mir ein enormes Selbstvertrauen entstand, das zuvor nicht vorhanden gewesen war. Früher hatte ich nicht den Mut, irgendeine verantwortungsvolle Aufgabe zu übernehmen. Als ich jedoch in Jabalpur ohne die Hilfe anderer, ganz allein und in vollständiger eigener Verantwortung, mit journalistischer Arbeit und öffentlichem Dienst begann, erkannte ich, dass in mir gewisse Kräfte verborgen lagen, die sich im Bedarfsfall spontan offenbarten. Seitdem habe ich niemals gezögert, Verantwortung zu übernehmen.

Der zweite Vorteil bestand darin, dass ich in meinem Leben völlig selbstständig wurde. Zuvor hatte ich stets mit irgendeinem Verwandten oder Freund zusammengelebt, und die Schwäche, mich auf andere zu verlassen, war – wenn auch in geringem Maße – in mir vorhanden. In Jabalpur jedoch konnte ich selbstständig arbeiten.“

Wenn man die Leitartikel Maulanas liest, die damals in der Zeitschrift „Taj“ in Jabalpur erschienen, muss man anerkennen, dass er in so jungen Jahren bereits ein so großer Kenner der Sachverhalte geworden war, dass er auch die sprachliche Fähigkeit besaß, unter den Menschen Begeisterung und unbezwingbaren Antrieb zu wecken. Jedes seiner Worte war äußerst logisch, für die gebildete Gesellschaft annehmbar und von außerordentlicher Weitsicht. In seinen früheren und späteren Aussagen herrschten vollkommene Ausgewogenheit und Harmonie. Wegen des äußersten Unrechts, das Großbritannien der Türkei damals zufügte, schrieb er einen langen Leitartikel, in dem er Großbritannien scharf kritisierte. Daraufhin wurde die Veröffentlichung der „Taj“ eingestellt.

Auch die Hidschra-Bewegung und Maulana Maududi

Angesichts der unnachgiebigen Haltung Großbritanniens erklärten die Gelehrten Indiens im Rahmen der Khilafat-Bewegung, Indien sei „Dar al-Harb“ und die Hidschra von hier sei eine religiöse Pflicht der Muslime. Nachdem Maulana Abul Kalam Azad 1920 aus dem Gefängnis von Ranchi freigelassen worden war, begann er die Hidschra-Bewegung.

Zu jener Zeit sagte der afghanische König Amir Amanullah Khan auf einer öffentlichen Versammlung, dass indische Muslime durch die Hidschra nach Afghanistan auswandern könnten. Auf Maulana Azads Worte hin wurden die Muslime mit geschlossenen Augen begierig darauf, die Hidschra anzutreten. Ein Hidschra-Komitee wurde gebildet, und in Delhi wurde ordnungsgemäß ein Büro dafür eingerichtet. Tausende gottesfürchtige muslimische Familien verkauften ihr unbewegliches und bewegliches Eigentum zu Spottpreisen und begaben sich zum Büro des Hidschra-Komitees. Allein im August wanderten achtzehntausend Menschen aus und überschritten die afghanische Grenze. Fast fünfhunderttausend Muslime verloren im Namen der Hidschra ihren äußerst wertvollen Besitz.

Die beiden Maududi-Brüder (Abul A’la Maududi und sein älterer Bruder Abul Chair Maududi) begaben sich im Hinblick auf die Hidschra zum Büro des Hidschra-Komitees in Delhi. Ein befreundeter Bekannter des Maulana, Herr Tojammel Hossain, war dessen Sekretär. Mit ihm führte der Maulana ein langes Gespräch. Dabei erfuhr der Maulana, dass der Hidschra kein wohlüberlegter und ordnungsgemäßer Plan beziehungsweise kein Konzept zugrunde lag. Hunderttausende Menschen gingen nach Afghanistan, obwohl mit der afghanischen Regierung in dieser Angelegenheit keinerlei Gespräche geführt worden waren. Mufti Kifayatullah, Maulana Ahmad Said und andere führende Persönlichkeiten der Jamiat Ulama-e-Hind waren an der Hidschra sehr interessiert. Maulana Maududi (der junge Maududi) traf sich mit ihnen und erklärte, dass die Hidschra ohne einen ordnungsgemäßen Plan unrealistisch und schädlich sein würde. Sie räumten den Fehler ein und baten den jungen Maududi, hierzu einen Plan vorzulegen.

Maulana Maududi schlug vor, zunächst mit der afghanischen Regierung zu sprechen und herauszufinden, ob sie beabsichtige, die aus Indien Ausgewanderten anzusiedeln, und, falls ja, wie das Verfahren und das Programm dafür aussehen sollten. Danach traf man sich mit dem afghanischen Botschafter in Delhi und erfuhr, dass die Regierung dadurch bereits in Verlegenheit geraten war. Zwar zögerte die Regierung, diejenigen, die Indien verlassen hatten, wieder fortzuschicken, doch war es ihre Leistungsfähigkeit überstiegen, für deren Lebensunterhalt aufzukommen. Danach fand der Hidschra-Plan einen vorzeitigen Tod.

Ohne jeden ordnungsgemäßen Plan und lediglich von religiöser Gefühlsbetontheit geleitet, erließen die damaligen Ulama eine Fatwa zur Hidschra und machten dadurch mehrere hunderttausend Muslime mittellos und obdachlos. Dank der Weitsicht und des rechtzeitigen Eingreifens von Maulana Maududi wurden weitere mehrere hunderttausend Muslime vor dem Unheil bewahrt.

Dieses außergewöhnliche Talent, der scharfe Verstand und die Weitsicht des jungen Maududi versetzten Maulana Muhammad Ali und die Führer der Jamiat in Erstaunen und zogen sie zugleich an. Daher baten sie den jungen Maududi wiederholt, die redaktionelle Verantwortung für ihre jeweiligen Zeitungen zu übernehmen.

Maududi auf dem Gebiet des Journalismus

Ein angesehener Mann aus den Zentralprovinzen namens Tajuddin war die Seele der oben erwähnten „Anjuman“. Er gab in Jabalpur eine Wochenzeitung namens „Taj“ heraus, und auf sein ausdrückliches Drängen hin übernahmen die beiden Maududi-Brüder die Redaktion dieser Zeitung. Damals war die Herausgabe einer Zeitung äußerst schwierig. Daher musste die Veröffentlichung des „Taj“ nach einiger Zeit eingestellt werden. Danach zogen die beiden Maududi-Brüder von Jabalpur nach Delhi. Zu dieser Zeit war Maulana Maududi so sehr vom Journalismus fasziniert, dass er gezwungen war, Englisch zu lernen. Daraufhin begann er, bei einem gewissen Muhammad Fazel Englisch zu lernen. Statt zunächst englische Anfängerbücher zu lesen, begann er sofort mit Büchern auf dem damaligen Niveau der Immatrikulationsprüfung. Dank seiner außergewöhnlichen geistigen Fähigkeiten erwarb er innerhalb von nur sechs Monaten so gute Englischkenntnisse, dass er beim Lesen jeder englischen Zeitung oder jedes englischen Buches deren wesentlichen Inhalt ungefähr verstehen konnte. Zwei Jahre lang studierte er die englische Sprache. Ohne die Hilfe eines Lehrers studierte er verschiedene Werke allein mithilfe eines Wörterbuchs und erwarb dabei umfangreiche Kenntnisse.

Herr Tajuddin gab den „Taj“ erneut in Jabalpur heraus und übertrug dem Maulana dessen Redaktion. Durch die Bemühungen des Maulana entwickelte sich der „Taj“ von einer Wochenzeitung zu einer angesehenen Tageszeitung. Von dieser Zeit an geriet er zunehmend in die Politik. In Jabalpur gab es damals niemanden, der die Muslime hätte führen können. Daher musste der Maulana auf verschiedenen Volksversammlungen sprechen und unter den Muslimen neuen Lebensmut entfachen.

Während seines Aufenthalts in Jabalpur entwickelten sich im Maulana Tugenden wie Selbstständigkeit, Pflichtbewusstsein und Verantwortungsgefühl. Zu dieser Zeit konnte er, ganz auf sich selbst gestellt, äußerst wichtige Aufgaben bewältigen. Doch auch in Jabalpur konnte er nicht lange bleiben. Wegen eines Leitartikels im „Taj“ entbrannte der Zorn der imperialistischen britischen Regierung. Die Regierung erhob Klage gegen den Herausgeber, Drucker und Verleger des „Taj“. Da Herr Tajuddin jedoch in der Erklärung selbst durchgehend als Herausgeber, Drucker und Verleger der betreffenden Zeitung eingetragen war, wurde der Maulana von der Klage freigestellt. Dennoch nagte sein Gewissen deswegen an ihm. Er gelobte, von nun an keine verantwortungsvolle Tätigkeit mehr unter der Leitung eines anderen auszuüben. Er fasste den festen Entschluss, alle großen Verantwortungen selbst zu tragen und seine Arbeit eigenständig zu verrichten.

Gegen Ende des Jahres 1920 ging er nach Delhi. Anfang 1921 lernte er Maulana Mufti Kifayatullah und Maulana Ahmad Saeed, den Vorsitzenden der Jamiat Ulama-e-Hind, kennen. Im Auftrag der Jamiat gaben sie eine Zeitschrift unter dem Namen „Muslim“ heraus und ernannten ihn, beeindruckt von Maulana Maududis Talent, zu ihrem Redakteur. Bis 1923 erschien die Zeitschrift ordnungsgemäß, und der Maulana blieb bis zuletzt ihr Redakteur.

Von 1916 bis 1921 musste der Maulana fünf bis sechs Jahre lang eine gewaltige Feuertaufe durchstehen. Wegen der unheilbaren Krankheit seines Vaters, des erbarmungslosen Zwangs, seinen Lebensunterhalt zu verdienen, und seiner Hilflosigkeit hatte der Maulana keine Gelegenheit, sich angemessenes Wissen anzueignen. Ab 1921 widmete er sich in Delhi mit voller Hingabe der Herausgabe von Zeitungen und in seiner Freizeit dem Wissenserwerb. Bei angesehenen, auf verschiedenen Gebieten bewanderten Ulama studierte er arabische Literatur, Hadith, Tafsir, Fiqh, Mantiq (Logik), Philosophie und anderes und erlangte eine tiefgehende Gelehrsamkeit.

Maulana Abdus Sattar Niyazi war einer der bedeutendsten Religionsgelehrten Indiens jener Zeit. Sein tiefes Wissen und seine Gelehrsamkeit im Koran, Hadith und in der arabischen Sprache waren weithin bekannt, und in seinem Verhalten und Charakter war er ein vollkommener Derwisch. Sayyid Maududi lernte täglich eine Stunde vor dem Fajr-Gebet bei ihm arabische Grammatik (Nahw und Sarf), Ma’qulat, Ma’ani und Balagha.

Danach erwarb Sayyid Maududi am 12. Januar 1926 im Alter von zweiundzwanzig Jahren bei Maulana Muhammad Sharifullah Khan, einem Lehrer am Darul Uloom Fatehpuri in Delhi, ein Abschlusszeugnis in „Ulum-e Aqliya wa Adabiya wa Balaghat“ sowie in „Ulum-e Asliya wa Furu’iya“.

Im folgenden Jahr (1927) erwarb Sayyid Abul A’la bei Maulana Ashfaqu r-Rahman Kandhalwi, einem Lehrer an jenem Darul Uloom, ein Abschlusszeugnis in Hadith, Fiqh und arabischer Literatur.

Darüber hinaus erwarb Sayyid Abul A’la Maududi im Jahr 1928 bei Maulana Ashfaqu r-Rahman Kandhalwi ein Abschlusszeugnis über den Abschluss des Studiums der Jami’ at-Tirmidhi und der Muwatta von Imam Malik.

Erwähnenswert ist außerdem, dass Maulana Maududi bei Maulana Sharifullah Khan auch Tafsir al-Baydawi, Hidaya, Ilm al-Ma’ani und Balagha studierte.

So vollendete Maulana Maududi während seines sieben- bis achtjährigen Aufenthalts in Delhi neben seiner journalistischen Tätigkeit dank seiner außergewöhnlichen Geisteskraft und Weisheit die in seinem Bildungsweg unvollendet gebliebene Ausbildung und erlangte eine tiefgehende Gelehrsamkeit in arabischer Sprache, Hadith, Tafsir, Fiqh und anderen Disziplinen.

Nachdem „Muslim“ im Jahr 1923 eingestellt worden war, machte sich Maulana Maududi nach Hyderabad auf. Unterwegs brach er jedoch seine Reise in Bhopal ab und widmete sich dort anderthalb Jahre lang mit großer Konzentration seinen Studien. 1924 ging er erneut nach Delhi. Zu jener Zeit lernte er den verstorbenen Maulana Muhammad Ali Jauhar, eine herausragende Persönlichkeit Britisch-Indiens, kennen. Maulana Muhammad Ali leitete damals die Zeitschrift „Hamdard“. Er bat den jungen, aufstrebenden Journalisten Maulana Maududi, die Leitung dieser Zeitschrift zu übernehmen. Genau zu dieser Zeit lud Maulana Ahmad Said Maulana Maududi im Auftrag der Jamiat Ulama-e-Hind ein, die Zeitschrift „Al Jamiat“ herauszugeben. Trotz seiner tiefen Verehrung für Maulana Muhammad Ali hinderte Maududis unabhängiger Geist ihn daran, sich der Abhängigkeit von einem anderen zu unterwerfen. Daher hielt er es für angemessener, die Redaktion von „Al Jamiat“ in völliger Unabhängigkeit zu übernehmen. Von 1924 bis 1928 leitete er die zweimal wöchentlich erscheinende „Al Jamiat“ vollkommen erfolgreich. In dieser Zeit verfasste er auch wertvolle Werke zu verschiedenen Themen. Besonders erwähnenswert sind seine ersten Veröffentlichungen „Al Jihad fi al-Islam“ und „Dawlat-e Asfiya wa Hukumat-e Britaniya“.

„Al Jihad fi al-Islam“

Die Abfassung von Maulana Maududis Werk „Al Jihad fi al-Islam“ hat einen gewissen historischen Hintergrund.

Ende 1926 wurde Swami Shraddhananda, der Initiator und Anführer der Shuddhi-Bewegung, von einem muslimischen Attentäter getötet. Infolgedessen geriet das hinduistische Indien in äußerste Aufregung. Von hinduistischer Seite begann eine umfassende Kampagne gegen die Muslime und den Islam. Sie verbreiteten, dass der Islam seine Anhänger zum Töten von Menschen anstifte. Selbst Herr Gandhi erklärte in einer Stellungnahme, der Islam sei in der Vergangenheit nur mit dem Schwert verbreitet worden, und auch heute geschehe dies noch. Ihre Propaganda gegen den Islam erfüllte die indische Öffentlichkeit, und an verschiedenen Orten im Ausland kam es zu Unruhen und Ausschreitungen zwischen Hindus und Muslimen. Als Maulana Muhammad Ali Jauhar sich bemühte, all diese haltlosen und aufwiegelnden Anschuldigungen zu stoppen, äußerte er zutiefst betrübt: „Ach, wenn es heute in Indien doch irgendeinen im Diesseits lebenden, für Allah kämpfenden Diener gäbe, der diesen gemeinen Propagandakampagnen eine vernichtende Antwort erteilen könnte, wie gut wäre das!“

Der junge Mudschahid Maulana Maududi war bei jener Versammlung in der Jami-Moschee anwesend. Wie bereits erwähnt, war er zu jener Zeit Herausgeber der Zeitschrift „Al Jamiat“. Die Inspiration zum Dschihad durchströmte seinen Geist, sein Denken und jede Faser seines Körpers. Er fasste den festen Entschluss, dem hinduistischen Indien und anderen Feinden des Islam eine Antwort zu erteilen. Daher begann er bereits Anfang 1927, über seine Zeitschrift fortlaufend Artikel unter dem Titel „Al Jihad fi al-Islam“ zu veröffentlichen. Später erschien daraus ein umfangreiches Buch.

Dr. Iqbal äußerte sich zu diesem Werk folgendermaßen:

„Dieses Werk über die islamischen Rechtsbestimmungen zu Dschihad, Krieg und Waffenstillstand ist neuartig und ausgezeichnet. Ich bitte jeden gebildeten und urteilsfähigen Menschen, dieses Werk zu lesen.“

Das von Maulana eigenhändig verfasste Werk übte auch auf seinen eigenen Charakter einen beträchtlichen Einfluss aus. Dazu bemerkte er Folgendes:

„Von diesem Werk habe ich selbst am meisten profitiert. Als ich das Werk verfasste, war in meinem Herzen die Leidenschaft und Zuneigung zum nationalen Ehrgefühl stärker als zum religiösen Ehrgefühl. Doch während der Abfassung des Werkes und der damit verbundenen Nachforschungen erhielt ich die Gelegenheit, die grundlegende Sichtweise des Islam sowie seine Gebote und Verbote aufmerksam und gründlich zu studieren. Das hatte zur Folge, dass in meinem Herzen nicht nur eine vollständige Kenntnis der Bestimmungen der Scharia und eine völlige Überzeugung von ihrer Wahrheit entstanden, sondern auch ein unbezähmbarer Antrieb erwachte, Allahs Herrschaftsordnung und Verfassung wiederherzustellen. Darüber hinaus lernte ich auch die Vorgehensweise für den Kampf in dieser Sache kennen. Danach fasste ich den Entschluss, die damals übliche Methode des Journalismus aufzugeben. Deshalb brach ich meine Verbindung zur Zeitschrift ‚Al-Jamiyat‘ ab. Damals fasste ich den Entschluss, dass ich künftig, sollte ich jemals wieder in die Welt des Journalismus eintreten, dies nur unter der Bedingung tun würde, ihn ausschließlich als Waffe zur Verbreitung von ‚Din-e-Haqq‘ zu benutzen. Danach verbrachte ich fünf lange Jahre ausschließlich mit Studium und geistiger Bildung.“

Vor dem Jahr 1928 hatte Maulana Maududi begonnen, Deutsch zu lernen. Doch nachdem sein Lehrer nach einigen Monaten von Delhi an einen anderen Ort fortgezogen war, blieb seine Hoffnung unerfüllt.

Zu dieser Zeit kam es zwischen der Leitung der Zeitschrift ‚Al-Jamiyat‘ und Maulana zu grundlegenden Meinungsverschiedenheiten über die Jamiat Ulama-e-Hind. Die Jamiat Ulama war zu einer blinden Unterstützerin des Indischen Nationalkongresses geworden. Zu einer Zeit, in der namhafte Führer des Landes wie Maulana Muhammad Ali den Kongress wegen seiner Starrsinnigkeit, seiner doppelzüngigen Politik und seiner islamfeindlichen Haltung verlassen hatten, war es für das Ansehen der Jamiat Ulama äußerst unangemessen, als Handlanger eben dieses Kongresses aufzutreten. Aus diesem Grund legte er 1928 die Verantwortung für die Redaktion der genannten Zeitschrift endgültig nieder.

 

Maulanas unabhängiges Leben

Nachdem Maulana Sayyid Abul Ala Maududi den Journalismus aufgegeben hatte, beschloss er, sich der Zusammenstellung und Abfassung von Büchern zu widmen. Da jedoch die wertvollen Bücher, die für das Sammeln von Informationen zu den Themen, über die er schreiben wollte, erforderlich waren, in Delhi nur schwer erhältlich waren, musste er erneut nach Hyderabad gehen. Dort blieb er bis August 1928. In dieser Zeit verfasste er Tarikh-e as-Saljuk (die Geschichte der Seldschuken) und übersetzte aus Ibn Khalduns Geschichte den Abschnitt „Die fatimidischen Kalifen in Ägypten“. Im August erkrankte er und reiste nach Delhi.

Es dauerte mehrere Monate, bis er vollständig genesen war. Danach hielt er sich einige Monate in Bhopal auf und sammelte die notwendigen Informationen für die Abfassung seines seit Langem sehnlich erwarteten Werkes „Die Geschichte des Dekkans“. Im Juli 1931 ging er erneut nach Hyderabad und widmete sich der Abfassung des oben genannten Werkes.

In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass sein älterer Bruder, Sayyid Abul Khair Maududi, sich bereits zuvor in Hyderabad aufgehalten hatte. Er war Mitglied der „Usmaniya Darwurrama“. Maulana Maududi lebte während einiger Jahre in Hyderabad mit seinem Bruder zusammen.

Im Jahr 1932 übersetzte Maulana Maududi im Auftrag der Daruttarjama der Osmania-Universität (Department of Translation) das arabische Werk „Al-Asfar al-Arba’a“ von Allama Sadruddin Shirazi. Das Buch ist ein äußerst schwieriges philosophisches Werk in arabischer Sprache.

Der vollständige Titel dieses arabischen Werkes lautete „Al-Hikmat-ul-Mutaʿāliya fī Asfār-il-ʿAqliyya“. Unter den Kennern der arabischen Sprache war es jedoch lediglich unter dem Namen „Asfār-ul-Arbaʿa“ bekannt. Hochgelehrte Kenner des Arabischen bemerkten, dass das Werk so komplex und schwierig sei, dass es zu jener Zeit in ganz Indien nicht mehr als fünf oder zehn Menschen gegeben habe, die es einwandfrei lesen konnten – von einer Übersetzung ganz zu schweigen.

Wie dem auch sei, für eine gelungene und zufriedenstellende Übersetzung des Werkes wurde dem Maulana von der Übersetzungsabteilung ein beträchtliches Honorar gezahlt.

Diese beträchtliche Einnahme aus der Übersetzung trug zur Entfaltung der Begabung des Maulana bei. Nachdem er das Geld erhalten hatte, kaufte der Maulana davon sämtliche Bände der „ENCYCLOPAEDIA BRITANNICA“. Darüber hinaus bestimmte er einen beträchtlichen Teil dieses Geldes für sein später veröffentlichtes Werk „Targumān-ul-Qurʾān“ und erwarb mit dem verbleibenden Teil Hadithe, Tafsīr-, Fiqh- und andere wertvolle Werke.

Das kämpferische Leben des Maulana

Mit dem Jahr 1932 begann ein neues Kapitel im Leben des Maulana Maududi. Kein vernünftiger und bei gesundem Gewissen urteilsfähiger Mensch kann leugnen, dass der Maulana sein ganzes Leben dem Ziel gewidmet hat, der verwirrten und vom Weg abgekommenen Menschheit in der modernen, dem Untergang geweihten Welt einen wissenschaftlich fundierten, einfachen und rechten Weg zu weisen. Um die Wahrheit zu sagen: Sein lebenslanges Wirken hat im von Sünde und Leid verwüsteten Herzen der Welt den verheißungsvollen Anfang einer kraftvollen islamischen Bewegung und einer moralischen sowie geistigen Revolution in der menschlichen Gesellschaft eingeleitet.

Im Jahr 1932 gab der Maulana in Hyderabad im Dakkhan eine Monatszeitschrift unter dem Namen „Targumān-ul-Qurʾān“ heraus. Von da an begann er, getrennt zu leben. In einem zweistöckigen Haus nahe dem Muʿazzam-Shāhī-Markt veröffentlichte er diese Zeitschrift mit einem einzigen Angestellten. Damals war er noch unverheiratet.

Eine Zeitschrift herauszugeben ist keineswegs eine einfache Angelegenheit. Dafür ist finanzielle Stabilität erforderlich. Doch um die Wahrheit zu sagen: Er verfügte über keinerlei finanzielle Mittel. Er besaß weder Vermögen noch ein väterliches Haus oder Grundstück, und er hatte auch kein regelmäßiges monatliches Einkommen. Darüber führte er viele Gespräche mit seinem älteren Bruder. Als dieser von seinem Vorhaben hörte, unter solcher finanzieller Not eine Monatszeitschrift herauszugeben, geriet er in Unruhe. Schließlich verschaffte er dem Maulana an der Universität von Usmaniya eine Professur in einer höheren Gehaltsstufe und forderte ihn auf, von dem Wagnis und Risiko der Zeitschriftenherausgabe Abstand zu nehmen. Sechs Stunden lang versuchte der ältere Bruder, seinen jüngeren Bruder in dieser Angelegenheit umzustimmen. Dennoch bat der Maulana seinen älteren Bruder mit ruhiger und ernster Stimme:

„Noch mehr Zeit darf nicht verloren werden. Ich bin fest davon überzeugt, dass meine Inspiration nicht vergeblich sein wird, wenn meine Worte aufrichtig sind.“

Er sagte ferner: „Die Lage ist äußerst ernst geworden. Ich sehe, dass die Flut nicht mehr lange auf sich warten lässt. Diese Flut wird weitaus gefährlicher und zerstörerischer sein als die Flut der englischen Herrschaft von 1857. Ich betrachte es als meine Pflicht, die Muslime vor dieser Gefahr zu warnen. Ich werde nach Kräften versuchen, ihnen auf die eine oder andere Weise zu dienen.“

Angesichts der unwiderlegbaren Argumente und der unerschütterlichen Entschlossenheit seines jüngeren Bruders ließ der ältere Bruder von seinem Vorhaben ab. Maulana Maududi widerstand der Versuchung einer gut bezahlten, attraktiven Stelle an der Osmania-Universität und widmete sich durch eine Zeitschrift dem Dienst an der Nation. Mit seinem Schreiben leitete er eine revolutionäre Bewegung ein.

Es ist jedoch unbestreitbar, dass es für die wissenschaftlich fundierte Führung einer auf einem Ideal beruhenden Bewegung vor allem drei Dinge unbedingt braucht.

Erstens muss man vollständige Kenntnis und feste Überzeugung in Bezug auf den Gegenstand der Bewegung erwerben und sich eine wissenschaftlich fundierte Vorgehensweise für ihre Leitung aneignen.

Zweitens muss man einerseits den eigenen Charakter auf der Grundlage des zu verkündenden Ideals formen und es andererseits in der menschlichen Gesellschaft verbreiten.

Drittens muss man eine Jamaat oder Partei aus einigen charakterlich vollkommenen Menschen bilden, die diesem Ideal verpflichtet sind, und sich zur Verwirklichung dieses Ideals in einen Kampf auf Leben und Tod begeben.

Dies ist der einzige wissenschaftlich fundierte und ordnungsgemäße Weg, eine Bewegung zum Erfolg zu führen. Auch im Leben Maulana Maududis erkennen wir diese Dreiteilung.

Erstens verging die lange Zeit von seiner Kindheit bis vor 1932 damit, dass er sich Kenntnisse über den Islam, die islamische Bewegung, den Koran und die Hadithe, Fiqh, Dschihad, Krieg und Friedensverträge sowie über die inneren, außenpolitischen und internationalen Richtlinien eines islamischen Staates und weitere Themen aneignete. Außerdem machte er sich mit den Kenntnissen und Wissenschaften der modernen Welt vertraut.

Danach begann 1932 die zweite Phase seines Lebens. In dieser Zeit vermittelte er der menschlichen Gesellschaft durch die von ihm herausgegebene Monatszeitschrift „Tarjuman-ul-Qur’an“ die islamischen Ideale.

In der dritten Phase, also 1941, wurde aus einer Gruppe idealistischer und charakterfester Menschen eine islamische Gemeinschaft beziehungsweise Partei gebildet. Diese Partei führt bis 1971 in ganz Indien und Pakistan und seit 1971 im verbliebenen Pakistan und in Bangladesch entsprechend einem besonderen Arbeitsprogramm ununterbrochen eine islamische Bewegung. Diese Partei wird „Jamaat-e-Islami“ genannt. Nach der Verhängung des Kriegsrechts in Pakistan am 7. Oktober 1958 wurde auch sie wie die anderen Parteien verboten. Ab 1962 nahm die Jamaat ihre Arbeit wieder auf.

Wie dem auch sei, die 1932 gegründete und herausgegebene Monatszeitschrift „Tarjuman-ul-Qur’an“ erscheint bis heute regelmäßig und in hervorragender Weise. Niemandem ist unbekannt, welch erhabenen Aufruf er durch diese Zeitschrift an Land und Nation gerichtet und welch einige wahre Soldaten des Islam, standhaft und unbeweglich wie Berge, er durch die 1941 gegründete Jamaat-e-Islami herangebildet hat.

Das Streben des Maulana nach der Wahrheit und sein revolutionäres Denken kündigten geradezu eine Revolution an, und diese Revolution war umfassend islamischer, gesellschaftlicher, wirtschaftlicher, politischer, geistiger und spiritueller Art. Er hatte vollkommen erkannt, dass der von ihm eingeschlagene Weg dornig, voller Gefahren und einsam war. Dennoch hatte ihn der Ruf der Wahrheit geradezu besessen gemacht. Einerseits unterdrückte die religionslose kapitalistische Zivilisation des Westens die menschliche Gesellschaft, während andererseits als Gegenreaktion die trügerische Fata Morgana des Kommunismus beziehungsweise Sozialismus dem Menschen seine grundlegenden Rechte raubte und ihn in einem Viehstall einschloss. Das muslimische Volk, das der islamischen Lehren entbehrte, wurde von einer Flut geistiger Verwirrung fortgerissen. Genau an diesem kritischen Wendepunkt entzündete Maulana Maududi die Fackel des edlen Korans und der Sunna des Gesandten und rief die Menschen auf den Weg der Wahrheit. Ihm war vollkommen klar, dass dieser Weg nicht mit Blumen bestreut, sondern äußerst beschwerlich und voller Gefahren war. Dennoch eilte er furchtlosen Herzens gerade auf diesem Weg voran. Zunächst verspotteten ihn seine Freunde als Verrückten. Verwandte und Angehörige traten seufzend und entmutigt zurück. Die Weggefährten blieben unterwegs stehen. Doch seine Reise kam nicht zum Stillstand. Sein Schritt wurde nicht langsamer, sein Herz und sein Geist wurden nicht mutlos.

Dschihad auf Allahs Weg

Der Maulana begann den Dschihad auf Allahs Weg mit seinem ersten veröffentlichten Werk „Al-Dschihad fi-l-Islam“. Dies war der Beginn des Dschihad durch das geschriebene Wort. Dies war Dschihad durch das geschriebene Wort.

Eine Erörterung des Inhalts dieses Buches ist hier nicht möglich. Obwohl es in seiner frühen Lebenszeit verfasst wurde, lässt sich bereits aus dem Vorwort deutlich erkennen, welch tiefe Gelehrsamkeit er hinsichtlich seines bedeutenden Inhalts besaß. Seine Gottesfurcht, seine Liebe zu Gott sowie seine unbezwingbare Inspiration zur Verbreitung des Sieges, des Ruhmes und der Vorherrschaft des Islam treten auf jeder Seite dieses Buches deutlich hervor. Das Vorwort, das er für die erste Ausgabe des Buches verfasste, zitiere ich zur Kenntnis der Leser:

„Unter den vielen falschen und haltlosen Anschuldigungen, die Europa in der Neuzeit aus politischen Interessen gegen den Islam erhoben hat, ist die schwerwiegendste die Behauptung, der Islam sei eine blutrünstige Religion und weihe seine Anhänger in einen Blutkult ein. Wenn diesen Anschuldigungen irgendeine Wahrheit zugrunde gelegen hätte, wären sie ganz natürlich gerade zu jener Zeit erhoben worden, als die Welt angesichts der weltweiten Eroberungen der Muslime erbebte. Tatsächlich hätte damals der Verdacht entstehen können, dass jene Eroberungszüge das Ergebnis einer blutigen religiösen Lehre seien. Doch erstaunlicherweise wurde diese Anschuldigung erst lange nach dem Untergang der Sonne des islamischen Ruhmes erhoben. In dem selbst erdichteten Bildnis dieser Anschuldigung wurde zu einer Zeit Leben eingehaucht, als das Schwert des Islam stumpf geworden war. Im Gegensatz dazu war gerade zu jener Zeit das nackte Schwert Europas mit dem frischen Blut unschuldiger Menschenkinder befleckt. Wie eine riesige Schlange kleine Lebewesen beißt und verschlingt, so verschlang Europa damals eines schwachen Volkes nach dem anderen. Wenn damals auch nur bei einem Menschen auf der Welt ein Funken gesunden Verstandes aufgekommen wäre, hätte sich gewiss die Frage erhoben: Haben diejenigen, die selbst auf der Erde Flüsse aus dem frischen Blut der Schwachen strömen lassen und andere Völker ausrauben, überhaupt das Recht, den Islam anzuklagen? Vielmehr waren sie selbst dieser Schuld schuldig. Lag nicht hinter ihrer gesamten Geschichtsschreibung und ihren gelehrten Debatten die böswillige Absicht, die gewaltige Flut des Hasses und Zorns, die auf sie zuzufließen drohte, in Richtung des Islam abzulenken? Doch es ist eine natürliche Schwäche des Menschen, dass er, wenn er auf dem Schlachtfeld eine Niederlage erleidet, auch auf dem Gebiet der Lehre besiegt wird. Wer durch den Hieb des Schwertes besiegt wird, kann auch den Hieb der Feder desjenigen nicht ertragen, der ihn besiegt hat. Deshalb gewinnen zu jeder Zeit auf der Welt jene Gedanken und Ideologien Einfluss, die unter dem Schutz des Schwertes hervortreten. Tatsächlich gelang es Europa in dieser Angelegenheit, der Welt Sand in die Augen zu streuen. Infolgedessen nahmen Völker mit einer Sklavenmentalität die über den islamischen Dschihad verbreitete irrige Sichtweise ohne Prüfung und ohne eigenes Nachdenken als eine ebenso unumstößliche Wahrheit wie die himmlische Offenbarung an.“

Im vergangenen Jahrhundert und auch in der Gegenwart sind die oben erwähnten Vorwürfe von muslimischer Seite wiederholt beantwortet worden. Über dieses Thema ist so ausführlich diskutiert worden, dass es inzwischen als eine Art überflüssig und erledigt betrachtet wird. Doch die Mängel, die ich in diesen Antworten festgestellt habe, bestehen darin, dass die Verteidiger des Islam offenbar von ihren Gegnern überwältigt sind, im Angeklagtenstand stehen und bereit sind, sich wie ein Schuldiger zu rechtfertigen. Einige angesehene Männer gingen sogar so weit, die islamische Lehre und Politik zu verändern und zu korrigieren, um ihre Sache zu stärken. Darüber hinaus versuchten sie, aus Angst und Schrecken vor den Gegnern diejenigen Dinge aus der Geschichte des Islam zu entfernen, die sie nach eigenem Ermessen für schwerwiegend hielten, damit sie dem Blick der Widersacher entgehen konnten. Bei jenen hingegen, bei denen diese Mängel nicht zu finden sind, bleiben die Antworten ebenfalls unvollständig, weil sie die islamische Lehre über den Dschihad und die islamische Kriegsführung nicht vollständig darlegen. Sie scheinen bemüht zu sein, diese Dinge zu vertuschen, wodurch weiterhin Raum für Zweifel in dieser Frage bleibt.

Um die Verwirrung zu beseitigen, ist es notwendig, die islamischen Lehren und Rechtsbestimmungen über den Dschihad und die Kriegsführung auf Allahs Weg zum Zweck der Erhöhung von Allahs Religion und Botschaft im Licht des Korans, der Sunna und der Rechtswissenschaft zu analysieren. Keine dieser Rechtsbestimmungen darf auch nur im Geringsten verändert oder erweitert werden. Es darf kein Versuch unternommen werden, die grundlegenden Ziele und Lehren des Islam zu verändern. In dieser Frage, dass die eigenen Überzeugungen entsprechend der Sichtweise anderer neu verkündet werden müssten, besteht zwischen mir und ihnen ein grundlegender Meinungsunterschied. Es gibt auf der Welt kein einziges Problem, in dem alle Menschen mit derselben Sichtweise übereinstimmen würden. Jede Gruppe hat ihre eigene Sichtweise und hält gerade diese für unfehlbar. Wie sehr wir auch im Interesse der Sichtweise anderer unseren eigenen grundlegenden Glauben geschönt darstellen mögen – es ist niemals möglich, dass Menschen verschiedener Ideologien ihm zustimmen. Daher ist der bessere Weg, dass wir das wahre Bild unseres Glaubens und unserer Ideologie, unserer Probleme, unserer Lehren und unserer Politik offen darlegen und der Welt auf bestmögliche Weise unsere Sichtweise vermitteln. Danach sollten wir es ihrem eigenen Wissen und Gewissen überlassen. Wenn jemand sie annimmt, ist das sehr gut. Wenn er sie nicht annimmt, kümmert uns das ebenfalls nicht. Dies ist der einzig richtige Weg, die Wahrheit zu verkünden und für sie zu werben. Die ehrwürdigen Propheten und die großen, entschlossenen Wahrheitsmenschen haben diesen Weg beschritten.

Seit vielen Tagen verspürte ich die Notwendigkeit dazu. Doch trotz dieses Empfindens konnte ich in dieser Angelegenheit keinen Schritt unternehmen. Der einzige Grund dafür war Zeitmangel. Denn allgemein bekannt ist, dass einem Journalisten in seinem Leben nur selten Zeit und Muße vergönnt sind. Gegen Ende des Dezembermonats 1926 ereignete sich jedoch ein Vorfall, der mich trotz vieler Schwierigkeiten zwang, wirksame Schritte zu unternehmen. Es geschah, dass Swami Shraddhanand, der Führer der Shuddhi-Bewegung, getötet wurde. Diese Gelegenheit nutzten törichte und engstirnige Menschen, um Verwirrung über den islamischen Dschihad zu verbreiten. Denn unglücklicherweise wurde ein Muslim dieses Mordes beschuldigt, und in den Zeitungen wurde verbreitet, der Betreffende habe Swami Shraddhanand gerade deshalb getötet, weil er ihn als seinen religiösen Feind betrachtet habe. Darüber hinaus wurde behauptet, er habe geglaubt, für diese Tat das Paradies zu erlangen. Das eigentliche Geheimnis kennt nur der Kenner des Verborgenen. Doch der Öffentlichkeit wurde ein solches Bild des Geschehens vermittelt. Aus diesem Grund entstand unter den Feinden des Islam allgemein große Aufregung. Trotz der Erklärungen der Gelehrten, der Veröffentlichung islamischer Schriften und der einstimmigen Stellungnahmen der geistigen Größen der Gesellschaft beschränkten sie den Vorfall nicht auf seine natürliche Bedeutung, sondern machten die gesamte muslimische Nation und die islamische Lehre für diesen Mord verantwortlich. Gegen den heiligen Koran verbreiteten sie ebenfalls die Verleumdung, er mache die Muslime zu solchen religiösen Fanatikern, dass sie es für ihre zwingende Pflicht hielten, jeden Ungläubigen zu töten, und dadurch hofften, Bewohner des Paradieses zu werden. Einige freimütige Menschen gingen sogar so weit zu behaupten, dass kein Frieden herrschen werde, solange die Lehren des Korans Geltung hätten. Daher müsse die Menschheit sich um ihre Abschaffung bemühen. Diese irrigen Ansichten wurden in einem solchen Ausmaß verbreitet, dass selbst Menschen mit gesundem Verstand ratlos wurden. Sogar Gandhi, der klügste und umsichtigste Mann der Hindu-Gemeinschaft, ließ sich von dieser Propaganda beeinflussen und bemerkte:

„Der Islam ist in einer Umgebung entstanden, in der alle Entscheidungen mit dem Schwert getroffen wurden, und noch immer werden sie auf diese Weise getroffen.“

Obwohl diese Propaganda weder aus einer Suche nach der Wahrheit noch aus einer philosophischen Erörterung hervorgegangen war, sondern ihre Urheber lediglich papageienhaft genau das wiederholten, was ihre Lehrmeister ihnen seit jeher beigebracht hatten, verlieh ein außergewöhnliches Ereignis diesen abergläubischen Vorstellungen dennoch eine Färbung, durch die Unwissende leicht getäuscht werden konnten. Tatsächlich haben derartige Irrvorstellungen der Verbreitung des Islam stets Hindernisse in den Weg gelegt. Gerade unter solchen Umständen ist es notwendig, die wahren Lehren des Islam heller erstrahlen zu lassen, damit nach dem Ende der Wolken die Sonne mit ihren strahlenden Lichtbündeln aufgehen kann. Deshalb begann ich, die wenige freie Zeit, die mir nach der Herausgabe der Zeitung blieb, dem Verfassen von Aufsätzen zu diesem Thema zu widmen. Gleichzeitig wurden sie auch durch die Zeitung „Al Jamiat“ veröffentlicht.

Zunächst hatte ich beabsichtigt, zu diesem Thema nur einen kurzen Aufsatz zu schreiben. Doch nachdem die Erörterung begonnen hatte, erwies sich die Zeitungsspalte als völlig unzureichend, da es im weiteren Verlauf notwendig wurde, verschiedene Seiten des Gegenstands zu beleuchten. Daher stellte ich nach der Veröffentlichung von dreiundzwanzig oder vierundzwanzig Ausgaben gezwungenermaßen die Veröffentlichung in der Zeitung ein. Nun veröffentliche ich das Thema in vollständiger Form als dieses Buch. Obwohl in diesem Buch verschiedene Seiten unterschiedlicher Themen erörtert werden, war ich wegen Zeitmangels gezwungen, vieles unvollendet zu lassen. Themen, zu denen jeweils ein eigenes Kapitel hätte verfasst werden müssen, habe ich kurz in ein oder zwei Zeilen abgehandelt. Bei der Abfassung dieses Buches habe ich besonders darauf geachtet, nirgendwo eigene oder persönliche Bemerkungen irgendeines anderen einzufügen. Vielmehr habe ich sämtliche grundlegenden und noch so kleinen Einzelheiten ausschließlich im Licht des heiligen Korans dargelegt. Wo ich eine ausführliche Erläuterung für erforderlich hielt, habe ich die Hadith-Sammlungen, zuverlässige Werke der Rechtswissenschaft und zuverlässige authentische Tafsir-Werke herangezogen. Jeder Leser soll daraus erkennen können, dass in diesem Buch kein neuer Gegenstand geschaffen wurde, um mit der gegenwärtigen Welt Schritt zu halten. Vielmehr beruht alles, was darin gesagt wird, vollständig auf den Worten Allahs, Seines geliebten Gesandten und der edlen Propheten.

An diejenigen Nichtmuslime, die nicht aus bloßer Feindseligkeit blindem Hass gegenüber dem Islam anhängen, richte ich die Bitte, durch dieses Buch die wahre islamische Lehre über den Krieg kennenzulernen. Danach mögen sie vorbringen, was sie dagegen einzuwenden haben. Sollte danach in jemandem noch irgendein Zweifel bestehen, werde ich versuchen, ihn auszuräumen.

Delhi

15. Juni 1972. Abul A’la.

Gegenstand und Inhalt dieses Werkes

In den ersten fünf Kapiteln dieses umfangreichen Werkes werden die Würde des islamischen Dschihad, der Verteidigungskrieg, die Verbreitung des Islam und das Schwert sowie die islamischen Rechtsbestimmungen über Krieg und Frieden ausführlich erörtert. Das sechste Kapitel behandelt die Kriegslehren der hinduistischen, buddhistischen, jüdischen und christlichen Religion. Im siebten Kapitel werden Krieg und Frieden unter der gegenwärtigen Zivilisation zum Gegenstand der Erörterung gemacht.

Es kann ohne jedes Zögern gesagt werden, dass kein Verfasser in irgendeiner Sprache der Welt ein derart informationsreiches, schlüssiges und fundiertes Werk über dieses Thema geschrieben hat. Diese Ehre und dieser Ruhm wurden Maulana Sayyid Abul A’la Maududi von Allah, dem Erhabenen, verliehen.

Tarjuman al-Qur’an

Wie oben erwähnt, hat Maulana Maududi selbst am meisten von seinem Werk „Al-Dschihad fi al-Islam“ profitiert. Davon inspiriert, begann er nach fünf bis sechs Jahren intensiven Studiums und Wissenserwerbs im Jahr 1932 in Hyderabad im Dekkan mit der Herausgabe der Monatszeitschrift „Tarjuman al-Qur’an“ und nahm einen unermüdlichen Kampf auf. In den Seiten von Tarjuman al-Qur’an findet sich überall das Zeichen des revolutionären Aufrufs, mit dem er trotz persönlicher finanzieller Not ein schlummerndes Volk erwecken und es auf den Weg der Wahrheit führen wollte.

Die Herausgabe von Tarjuman al-Qur’an

Am 31. Juli 1931 kehrte Maulana Maududi von Delhi nach Hyderabad zurück. In der Stadt Hyderabad hatte ein rechtschaffener Muslim namens Abu Muhammad Musleh Sahib seit einiger Zeit eine Monatszeitschrift unter dem Namen „Tarjuman al-Qur’an“ herausgegeben. Ihr Ziel war es, die heilige Botschaft des Korans in jedes Haus zu bringen. Beeindruckt von Maulana Maududis Weisheit, seinem Talent, seiner anerkennenswerten Fähigkeit auf dem Gebiet des Journalismus und vor allem von seinem außergewöhnlichen islamischen Wissen, übertrug er ihm die Redaktion von Tarjuman al-Qur’an. In der Überzeugung, dass er die Zeitschrift vollständig für die islamische Da’wa und die islamische Bewegung nutzen könne, übernahm der Maulana diese Verantwortung. Von da an wurden auf der Rückseite der Zeitschrift (Back Page) jeden Monat die folgenden Worte abgedruckt:

„In ganz Indien gibt es nur eine einzige Zeitschrift dieser Art. Ihr einziges Ziel ist es, das Wort Allahs zu erhöhen und zum Dschihad fi sabilillah aufzurufen. Die in der Welt verbreiteten Denkrichtungen, Ideologien sowie die Grundsätze der Zivilisation und Kultur aus der Perspektive des Koran zu prüfen und zu kritisieren, Philosophie, Wissenschaft, Politik, Wirtschaft, Kultur und das soziale Leben – kurz gesagt, jedes einzelne Gebiet im Licht der vom Koran und der Sunna dargelegten Grundsätze zu erklären und zu analysieren – das ist das Hauptziel und der Gegenstand dieser Zeitschrift. Diese Zeitschrift ruft die Umma der Muslime zu einem neuen Leben auf. Der Kern ihres Aufrufs lautet: ‚Macht euer Denken und euer Herz muslimisch. Kehrt den Bräuchen und Methoden der Dschahiliya den Rücken und beschreitet den Sirat al-mustaqim des Islam. Zieht mit dem Koran in der Hand hinaus und lebt auf Erden als Sieger.‘“

Es sei erwähnt, dass Maulana die Redaktion des im Besitz von Abu Muhammad Musleh Sahib befindlichen Tardschuman al-Qur’an leitete und bereits zu Beginn des Jahres 1932 dessen Eigentum erwarb, um sich unabhängig in den Dienst von Din und Millat zu stellen.

In seiner Redaktion schrieb er 1932 auf der dritten Seite der ersten Ausgabe des Tardschuman al-Qur’an: „Der Islam muss in seinem wahren Licht dargestellt werden, in dem Licht, in dem der Koran Hakim ihn dargestellt hat.“

Auf der fünften Seite schrieb er: „Man muss allen Menschen, Muslimen wie Nichtmuslimen, helfen, den Koran zu verstehen – und jene Zweifel und Bedenken beseitigen –, die im Herzen derjenigen entstehen, die den Koran studieren.“

Auf Seite 150 der Zeitschrift stellte vermutlich er als Erster die islamische Vorstellung vom Leben in folgender Weise dar:

„Aus der Sicht des Islam ist die Welt weder etwas so Verwerfliches und Verachtenswertes, dass man sie meiden müsste, noch etwas, von dem der Mensch sich völlig fesseln ließe und in dessen Genuss er sich ganz auflösen würde. Sie ist weder vollkommenes Wohl noch vollkommenes Übel und Unruhe. Es ist weder richtig, sich von ihr fernzuhalten, noch, völlig in ihr zu versinken. Sie ist weder gänzlich unrein und schmutzig noch vollkommen rein und lauter. Das Verhältnis des Menschen zu dieser Welt sollte ferner weder dem Verhältnis eines Königs zu seinem Reich gleichen. Es sollte auch nicht dem eines Gefangenen zu seinem Gefängnis gleichen, der sein Haupt beugt. Der Mensch ist nicht so siegreich und mächtig, dass jedes Ding sich vor ihm verneigen würde. Er ist nicht so hilflos, dass sein Wille überhaupt keine Wirkung hätte, und nicht so mächtig, dass sein Wille und sein Wunsch alles bestimmten. Er ist weder der uneingeschränkte Herrscher über die Schöpfung noch der hilflose Sklave zahlloser Herren. Die eigentliche Wahrheit liegt in einem mittleren Zustand zwischen diesen beiden Extremen.“

Als seine Zeitschrift in ihr zweites Jahr eintrat, bemerkte er in einem Leitartikel:

„Der Tardschuman al-Qur’an vollendet unter meiner Redaktion sein erstes Jahr und tritt in sein zweites Jahr ein. Ich betrachte es als meine besondere Pflicht, Allah dem Erhabenen dafür zu danken, dass Er mir in diesem einen Jahr die Kraft gegeben hat, Seiner Religion und Seinem kostbaren Buch, dem heiligen Koran, zu dienen, und dass Er mich trotz äußerst schwieriger und entmutigender Umstände bei dieser Aufgabe standhaft und unerschütterlich erhalten hat. Im Vergleich zu Seiner Gnade und Seinen Gaben ist meine Dankbarkeit freilich äußerst gering. Angesichts der Umstände, unter denen ich die Verantwortung für die Redaktion dieser Zeitschrift übernahm, und angesichts all der Gefahren, denen ich später begegnen musste, wäre ich gewiss verzweifelt, wenn ich nicht allein auf Allah vertraut, sondern mich auf weltliche Mittel und meine eigene Kraft und Fähigkeit gestützt hätte. Doch Gott sei Dank hatte ich nicht das geringste Vertrauen in irgendetwas Weltliches, sondern vertraute ausschließlich auf die Gnade Allahs. Allahs Versprechen ist buchstäblich wahr: Wer auf Seinem Weg geduldig und aufrichtig strebt und sich bemüht, dessen Erfolg ist gewiss, und Kummer und Leid können ihn nicht berühren.“ (Tardschuman al-Qur’an, Muharram 1353 n. H.)

Obwohl Maulana Maududi mit gewaltigen Schwierigkeiten und finanzieller Not konfrontiert war, bat er niemanden um Hilfe und unterwarf sich niemandem. Dies zeugt von seiner tiefen Beziehung zu seinem Herrn. Die religiöse Abteilung des Fürstenstaates Hyderabad Nizam kaufte jedes Jahr mehrere hundert Exemplare des Tarjuman-ul-Qur’an. Einmal wurde dies eingestellt. Nawab Zul Qadr Jang Bahadur war der Beamte dieser Abteilung. Er äußerte den Wunsch, dass der Maulana persönlich zu ihm kommen und ihn durch Bitten und Schmeicheleien dazu bewegen solle; dann werde er dafür sorgen, dass seine Zeitschrift wieder in größerer Zahl gekauft werde. Als der Maulana diese Nachricht hörte, sagte er: „Selbst wenn ich bis zum Tag der Auferstehung leben sollte, werde ich nicht zu ihm gehen. Denn dies ist nicht meine persönliche Angelegenheit, sondern eine Angelegenheit des Din.“

Infolgedessen musste der Maulana naturgemäß einen gewaltigen finanziellen Verlust hinnehmen.

Als die Zeitschrift in ihr drittes Jahr eintrat, schrieb der Maulana den folgenden Leitartikel:

„Mit diesem Monat beginnt das dritte Jahr des ‚Tarjuman-ul-Qur’an‘. Das erste Jahr verging in Not und Mangel. Im zweiten Jahr zeigte sich durch Allahs Gnade eine gewisse Erleichterung. Im dritten Jahr zeichnen sich erneut Schwierigkeiten und Not ab. Wie dem auch sei, in Glück und Leid müssen wir uns allein auf Allah verlassen. Denn Er allein ist vertrauenswürdig und der einzige Hort des Vertrauens. Er hat mit Bestimmtheit gesagt, dass nach dem Leid gewiss Erleichterung kommen wird und dass dies unausweichlich ist. Daher sind wir fest davon überzeugt, dass Seine Gnadengaben in Gestalt von Glück vor uns treten werden, wenn wir auch in Schwierigkeiten unbeirrt dem Dienst am Din treu bleiben, Allah allein als unseren Helfer und Erfüller unserer Wünsche betrachten und auf Ihn vertrauen. Wir wissen, dass alle Schwierigkeiten, Demütigungen sowie Leid und Armut nur zu unserer Prüfung über uns kommen.“

In jenem Leitartikel sagt er außerdem:

„Der gegenwärtige Zustand der muslimischen Nation gleicht einem unfruchtbaren Stück Land, auf dem Unkraut in großer Menge wächst. Bäume edler Art können dort jedoch nicht gedeihen. Vor unseren Augen sind viele Samen des Guten und des Wohlergehens unter der Erde zugrunde gegangen. An anderer Stelle keimten Samen zwar, gingen aber wieder ein, weil sie keine Wurzeln schlagen konnten. … Doch meiner Ansicht nach kann es nicht die Aufgabe eines muslimischen Mannes sein, angesichts der Unfruchtbarkeit des Bodens, des ungünstigen Wetters und des Wassermangels entmutigt sitzen zu bleiben. Seit Anbeginn besteht das Gesetz der Natur darin, dass man unfruchtbares Land pflügen und gegen seine Härte ankämpfen muss. Man muss diese Erde mit dem eigenen Schweiß und, wenn nötig, sogar mit Blutstropfen tränken und säen, ohne sich um das Ergebnis zu sorgen. Wenn das unfruchtbare Land durch seine Bemühungen grün und fruchtbar wird, ist damit alles gesagt. Wenn er jedoch sein ganzes Leben damit verbringt, vergeblich auf diesem unbebauten Land zu arbeiten, und schließlich eines Tages stirbt, ist dies in Wirklichkeit dennoch keine Niederlage für ihn. Ist es etwa kein großer Erfolg, dass er bis zum letzten Augenblick seines Lebens an der Aufgabe festhielt, die er als verpflichtend (Fard) betrachtete, und dass kein Misserfolg ihn von seiner Pflicht abbringen konnte? (Tarjuman-ul-Qur’an, Muharram 1354 n. H.)“

Die Liebe zu Allah, die tiefe und innige Beziehung zu Ihm, das Sich-Verlassen auf Ihn und das völlige Aufgehen in Ihm – all dies ist der Reisevorrat jener Wanderer, die auf Allahs Weg gehen wollen. Auch im Charakter Maulana Maududis finden wir all dies ausgeprägt. Der oben erwähnte Leitartikel und sein unmittelbares Wirken beweisen dies daher zweifellos.

Als der Tarjuman-ul-Qur’an in sein viertes Jahr eintrat, bemerkte er in seiner Leitartikelspalte:

„Ist es etwa keine geringe Gunst Gottes, dass Er einen unbedeutenden Menschen wie mich für einen großen Dienst an der Religion eingesetzt hat? Wäre jemand aufgrund von Wissen, Gottesfurcht, Aufrichtigkeit sowie vollständiger äußerer und innerer Erkenntnis für diese Aufgabe ausgewählt worden, so wäre ich niemals für würdig befunden worden, diese Arbeit zu verrichten. Darüber hinaus besteht Seine noch größere Gunst darin, dass all meine Fehler und Abweichungen übersehen worden sind. Ich war unwissend; Er hat mir Wissen gegeben. Ich war vom Weg abgekommen; Er hat mir den rechten Weg gezeigt. Ich war hilflos und mutlos. Er hat mir Geduld, Mut und Standhaftigkeit in meinem eigenen Entschluss verliehen. Ich war ohne Hilfe und Mittel – Er hat mir aus unsichtbaren Schätzen Schritt für Schritt Unterstützung gewährt und jede Schwierigkeit so leicht gemacht, dass dies meine Vorstellung übersteigt. Ich dürste nach Wissen – außer Ihm gibt es niemanden, der diesen Durst stillen kann. In meinem Wissen und Verstand gibt es unzählige Mängel und Irrtümer. Wenn es jemanden gibt, der sie beseitigen kann, dann ist Er der Einzige. Mein Herz ist unruhig, meine Seele ungeduldig und rastlos, mein Geist ist nicht in Frieden. Nur Er kann diese Krankheit in mir heilen. Ich bin in einem Meer von Sünden versunken. In meinem Handeln gibt es unzählige Fehler und Mängel. Natürliche Schwäche hält mich Schritt für Schritt davon ab, Gottes Wohlgefallen zu erlangen. Außer Gott gibt es niemanden, der diese Fehler von mir nehmen kann. Ich bitte Ihn um gesundes Denkvermögen und eine klare Sichtweise. Ich bitte um die Kraft, nur um Allahs willen zu lieben und zu hassen.“

(Tarjuman-ul-Quran, Muharram, 1355 n. H.)

In den obenstehenden Worten ist der innerste Ausdruck eines Gottesliebenden und aufrichtig ergebenen Gottsuchers deutlich zum Vorschein gekommen. In Gedanken an seine eigenen Sünden neigt er demütig den Kopf. Wegen seiner Unwürdigkeit ist er beschämt und niedergeschlagen. Der leidenschaftliche Wunsch, auf dem Sirat al-Mustaqim zu wandeln, der quälende Durst nach Wissen, sich vor dem Herrn gering und demütig zu fühlen und sich im Staub zu wälzen, das sehnsüchtige Verlangen, die Liebe des Herrn zu erlangen – all dies kennzeichnet den wahnsinnig liebenden, wahrhaft gläubigen Mann.

Aus der obigen Darstellung wird deutlich, unter welch widrigen Umständen er mit ruhigem und gefasstem Herzen die muslimische Gemeinschaft zur Wahrheit aufrief. Sechs bis sieben Jahre lang versuchte er auf diese Weise ununterbrochen, unter den Muslimen Britisch-Indiens ein Bewusstsein zu wecken. Auf einem beschwerlichen Weg kämpfte er allein und unablässig weiter. In seiner Brust trug er unermesslichen Mut, in seiner Hand eine unbezwingbare Feder und in Gott vollkommenes Vertrauen. Dennoch kamen aufgrund der natürlichen menschlichen Schwäche bisweilen tiefer Kummer und Schmerz zum Ausdruck. In seiner Zeitschrift schrieb er dazu:

–„Die größtmögliche Weiterentwicklung dieser Zeitschrift ist mein innigster Herzenswunsch. Doch mit der Art und Weise, in der sie veröffentlicht wird, bin ich nicht zufrieden. Ich möchte, dass sie sich in eine revolutionäre Kraft verwandelt. Sie soll das menschliche Denken aus der Dunkelheit der Unwissenheit in den Lichtglanz des Islam führen, und eben auf der Grundlage der reinen islamischen Grundsätze soll dieses Denken geläutert, erhellt und entfaltet werden. Der Islam, den man zu einem bloßen erinnerungswürdigen, leblosen Gegenstand der Vergangenheit gemacht hat, soll durch diese Zeitschrift der Gesellschaft als eine dynamische Kraft und als Urheber einer aktiven Bewegung und Revolution für eine Lebensordnung vor Augen geführt werden. Durch hochstehende Kritik und Protest soll sie eine Wurzel nach der anderen der Islamfeindschaft aus der Welt reißen und durch gründliche Erforschung der Tatsachen jedes Problem des Lebens auf der Grundlage der grundlegenden Prinzipien des Islam lösen – das ist meine Hoffnung. Seit sechs Jahren hege ich diese Hoffnung im Herzen und setze meine ganze Kraft ein, um dieses Ziel zu verwirklichen. Doch leider bin ich auf diesem Weg völlig allein, ohne Mittel und ohne Hilfe. Meine Kräfte und Fähigkeiten sind begrenzt. Daher kann ich nicht tun, was ich zu tun wünsche. Ich suche überall nach Helfern und Mitarbeitern. Nirgends finde ich sie. In dieser dicht bevölkerten Stadt fühle ich mich einsam, unbekannt und fremd. Die Geliebte, deren Liebe mich den Verstand verlieren lässt, ist nicht zu finden. Wenn ich denen nahekomme, denen ich seit Jahren meine Gesinnung darlege, scheint es mir, als seien sie von mir weit entfernt. Ihre Wünsche unterscheiden sich von meinen Wünschen. Das Ziel ihres Lebens unterscheidet sich von meinem Ziel. Mein Inneres ist ihrem Inneren fremd. Deshalb dringt mein flehentlicher Ruf nicht an ihr Ohr. Es ist, als lebte ich in einer völlig anderen Welt.“

Wie dem auch sei, durch Hoffnung und Enttäuschung, durch Schläge und Gegenschläge hindurch schritt „Tarjuman-ul-Quran“ weiter voran: Mit seinem zweischneidigen Schwert beseitigte es den aufgetürmten Unrat und die Verzweiflung aus der Gedankenwelt der Muslime und erhellte mit seiner Fackel der Rechtleitung alle Himmelsrichtungen.

Maulana Maududi in Dar-ul-Islam

Mitte April 1938 wanderte Maulana Sayyid Abul Ala Maududi von Hyderabad im Süden nach Pathankot im Distrikt Gurdaspur im östlichen Punjab aus. Auf Anraten des verstorbenen Allama Iqbal wurde etwa vier Meilen von der Stadt Pathankot entfernt ein islamisches Forschungsinstitut namens „Dar-ul-Islam“ gegründet. Von 1938 bis zur Teilung Indiens war Dar-ul-Islam nicht nur ein Zentrum islamischer Forschung; von hier gingen auch etliche wahrhaftige Soldaten des Islam und Männer des Dschihad hervor.

Es ist bemerkenswert, dass der Philosoph Iqbal, der Visionär Pakistans, den von Maulana Maududi herausgegebenen Tarjuman-ul-Qur’an regelmäßig las. Er war von den revolutionären Gedanken und Aufsätzen des Maulana so sehr beeinflusst, dass man ihn bisweilen sagen hörte: „Nur dieser Maududi kann den irregeleiteten indischen Muslimen den Weg zu einem richtigen Pfad weisen.“ Denn der Philosoph Iqbal hatte im Maulana deutliche Anzeichen eines großen Menschen der Zukunft erkannt. Nachdem der Dichter Iqbal Maulanas vielseitige Begabungen, seine Tatkraft, seinen Ehrgeiz und seinen makellosen Charakter kennengelernt hatte, ließ er ihn nach Lahore kommen. Dies war die erste Begegnung und Bekanntschaft des Maulana mit dem Dichter Iqbal. Im Mittelpunkt des Gesprächs stand die Bitte des klugen Dichters, der Maulana möge Punjab zu seinem Wirkungsort machen. Nach dem Treffen kehrte der Maulana erneut nach Hyderabad zurück.

Unter denen, die über den richtigen zukünftigen Weg der islamischen Umma nachdachten und Pläne schmiedeten, war auch Chowdhury Niaz Ali Khan Sahib. Er legte dem Dichter Iqbal den Entwurf seines Plans und seines Arbeitsprogramms vor. Doch der Dichter erklärte, dass er aus gesundheitlichen Gründen nichts in dieser Angelegenheit unternehmen könne, und sagte: „Bringen Sie Maulana Maududi, auf welche Weise auch immer, nach Dar-ul-Islam.“

Hier ist eine interessante Begebenheit erwähnenswert. Einmal hatte ich Gelegenheit, die Stadt Patoki in Punjab zu besuchen. Dort wurde ich im Haus eines angesehenen alten Hakim, Nemat Ali, gastfreundlich aufgenommen. Die Begebenheit, die er mir erzählte, war folgende:

Ein gottesliebender Chowdhury Niaz Ali Khan bat seine Freunde und Bekannten um Rat, wofür er sein großes Vermögen für einen nützlichen Zweck des Din einsetzen könne. Einer seiner Freunde riet ihm, in dieser Angelegenheit zu Allama Iqbal zu gehen und mit ihm zu beraten. Daraufhin suchte Chowdhury Niaz Ali Khan Allama Iqbal auf und brachte ihm seinen Herzenswunsch vor. Nachdem Allama Iqbal all seine Worte aufmerksam angehört hatte, stand er auf und ging ins Innere des Hauses. Chowdhury Sahib wartete lange auf die Rückkehr des Allama; schließlich stand er enttäuscht auf und ging fort. Da der Allama kein einziges Wort zu ihm gesagt hatte, war er zutiefst betrübt.

Als sein Freund dies hörte, sagte er: „Gehen Sie noch einmal zu dem Allama. Er ist äußerst philosophisch und nachdenklich. Vielleicht ist er, in ein Meer von Gedanken versunken, über Ihre Worte hinweggegangen. Diesmal wird er Ihnen vielleicht den richtigen Rat geben.“ Chowdhury Niaz Ali brachte Allama Iqbal erneut seinen Wunsch vor und sagte mit demütiger Stimme:

„Ehrwürdiger Herr, Sie gingen an jenem Tag ins Innere, ohne ein Wort zu mir zu sagen. Daher glaube ich, dass mein Plan Ihnen nicht gefallen hat.“

Der Allama sagte: „Wie bitte, ich hätte nichts gesagt? Ich habe durchaus etwas gesagt. Du hast es nur nicht verstanden.“

Darauf zeigte er den von Maulana Maududi herausgegebenen Tarjuman-ul-Qur’an und sagte:

„Hast du an jenem Tag nicht bemerkt, dass ich, dir diese Zeitschrift zeigend, hineinging? Das bedeutet, dass du für die Verwirklichung deines Vorhabens den Herausgeber dieser Zeitschrift, Abul A’la Maududi, brauchst. Wenn es dir gelingt, ihn herzubringen, wird all deine Arbeit getan sein.“

Chowdhury Niaz sagte: „Huzur, ich kenne ihn überhaupt nicht.“

Der Allama sagte: „Gut, in Ordnung. Er kommt an jenem Tag nach Delhi. Triff ihn mit einem Brief von uns.“

Zur vorgesehenen Zeit fuhr Chowdhury Niaz Ali Khan nach Delhi und übergab Maulana Maududi den Brief des Allama.

Maulana Maududi war beim Lesen des Briefes von Allama Iqbal zutiefst bestürzt. Der Allama forderte ihn auf, Hyderabad zu verlassen und in den Punjab zu kommen. Einige Zeit später traf Maulana Maududi den Allama und führte ein ausführliches Gespräch mit ihm über diese Angelegenheit.

Daraufhin verließ Maulana Hyderabad und kam in „Dar-ul-Islam“ an. Doch wer hätte wissen können, dass derjenige, auf dessen Ruf und Bitte hin Maulana seine Heimat sowie Verwandte und Freunde verlassen und in einem ländlichen Ort im Ausland seinen Wohnsitz gewählt hatte, gleich nach diesem Ruf ins Jenseits eingehen würde? Als Maulana in „Dar-ul-Islam“ eintraf und gerade damit beschäftigt war, sein Gepäck und seine Ausrüstung zu ordnen, erhielt er einen Brief von Herrn Syed Nazir Niazi aus Lahore. Der wesentliche Inhalt des Briefes lautete wie folgt:

„Der Zustand des Doktors ist äußerst kritisch. Er ist sehr darauf bedacht, Sie noch einmal zu sehen. Wenn möglich, kommen Sie bitte bald.“

Maulana Maududi selbst berichtet darüber: „Als ich den Brief erhielt, war ich zutiefst bestürzt. Ich war gerade erst an dem neuen Ort angekommen. Meine Habseligkeiten lagen noch aufgestapelt herum. Ich dachte, ich würde sie erst ein wenig ordnen und ein paar Tage später aufbrechen. Doch wer hätte wissen können, dass der Todesengel bereits direkt auf der Lauer lag? Gerade als ich mich auf die Reise nach Lahore vorbereitete, traf plötzlich die Nachricht vom Tod des Allama ein.“

Kaum hatte er den Fuß in das unbekannte, fremde Land gesetzt, da versetzte der Tod seines Gönners und Förderers Maulanas Lebensboot vielleicht einen gewaltigen Stoß und ließ es für einen Augenblick taumeln; doch der erfahrene Steuermann hielt stillen, unbeirrten Herzens mit aller Kraft das Ruder fest.

Die Vollendung seines Wirkens in Dar-ul-Islam

Die stille, ungestörte Umgebung von Dar-ul-Islam begünstigte das Aufblühen und die vollständige Entfaltung islamischen Denkens und Forschens. Durch zehn Jahre ununterbrochener schriftstellerischer Arbeit entstand einerseits ein Schatz islamischer Literatur, hervorgegangen aus der Erforschung von Koran und Hadith, und die Herzen und Gedanken, das Verhalten und Wirken einiger Diener Allahs wurden von Gottes Farbe geprägt; andererseits nahm gerade im Forschungszentrum von Dar-ul-Islam das grundlegende Element für die Entstehung Pakistans, die Lehre von der Zwei-Nationen-Theorie, Gestalt an. Zu den Werken Maulanas, die von hier aus veröffentlicht wurden, gehören unter anderem Khutbat (die Essenz von Iman, Islam, Gebet, Fasten, Hadsch, Zakat und anderem), Der politische Standpunkt des Islam, Der Koran in vier grundlegenden Begriffen, Tajdid wa Ihya-e Din und Der Weg zur islamischen Revolution. Hier begann auch Maulanas ergreifende und revolutionäre Koranexegese Tafhim-ul-Quran. Darüber hinaus wurde das einzigartige Werk islamischer Denkkultur und nationalen Empfindens, Musliman Aur Maujuda Siyasi Kashmakash, Band 3, in einem gesegneten Ramadan-Monat in Dar-ul-Islam vollendet. Kurz gesagt: Als die muslimische Nation sich in der Dunkelheit einer finsteren Nacht verirrt hatte, erhellte die leuchtende Fackel von Dar-ul-Islam ihren Weg.

Es wäre keine Übertreibung zu sagen, dass Dar-ul-Islam eine „Ordnance Factory“ war, aus der zwei solide und mächtige Kriegswaffen hervorgingen, mit denen die hundert Millionen Muslime des indischen Subkontinents den Kongress und all seine politischen und kulturellen Verschwörungen in Stücke rissen. Diese beiden Waffen waren Masayel-e Qawmiyyat und Musliman Aur Maujuda Siyasi Kashmakash.

Maulanas Hidschra

Das Wort Hidschra bezeichnet, im Interesse des Islam und mit dem Ziel, Allahs Wohlgefallen zu erlangen, die Aufgabe der eigenen Heimat, der Verwandten, Freunde, Felder und Geschäfte, um sich irgendwo anders auf Allahs Erde einen Wohnort zu suchen, an dem man den Islam vollständig befolgen kann oder von dem aus sich bessere Möglichkeiten zum Dienst an der Religion ergeben. Niemand kann bestreiten, dass dies äußerst schwer und schmerzlich ist. Den Ort, an dem man geboren wurde, in dessen Licht und Luft man aufgewachsen ist, dessen Bäume, Flüsse, Naturlandschaften, Angehörige, Freunde sowie vielfältige Güter und Gebrauchsgegenstände ein Netz der Verbundenheit knüpfen und einen festhalten, zu verlassen, diese Bande zu zerreißen und anderswohin zu gehen, ist wahrlich keine Kleinigkeit. Auch dem edlen Propheten (s.a.w.) fiel es schwer, solche Beziehungen abzubrechen. Doch um Allahs willen musste er es tun.

Maulana Maududi wurde in Aurangabad geboren, einer modernen Stadt in Hyderabad. Später wählte er die Stadt Hyderabad zu seinem Wirkungsfeld. Doch einem großen Ziel folgend, wanderte er auf den Ruf Allama Iqbals hin in das abgelegene Dorf Jamalpur im Punjab, das dem Bezirk Pathankot unterstand. Dort gab es keinerlei Elektrizitätsversorgung. Der nächstgelegene Bahnhof, Sarna, lag mehrere Meilen entfernt. Nachts musste man bei Licht einer Kerosinlampe arbeiten. Es gab weder moderne Wohnhäuser noch moderne Badezimmer oder Toiletten. Zum Baden und zur Zubereitung von Speisen musste man Wasser aus dem Brunnen schöpfen. Man musste Holz spalten und sich unter dichten Rauchschwaden mühsam ans Kochen machen.

Maulana heiratete in eine äußerst angesehene Familie der Stadt Delhi. Wie schwer es für seine Frau gewesen sein muss, in einem so abgelegenen Dorf zu leben, lässt sich leicht ermessen. Obwohl das Leben an einem solchen Ort ihren Neigungen und ihrer Gesundheit nicht zuträglich war, mussten sie es sich schweren Herzens auferlegen und hinnehmen. War das etwa ein geringes Opfer und eine geringe Aufopferung? Doch er tat dies ausschließlich zum Dienst an der Religion und mit dem Ziel, Allahs Wohlgefallen zu erlangen. Auf diesem Weg scheute er kein Opfer und keine Aufopferung. Die goldene Ernte dieser Aufopferung genießen heute zahllose Menschen auf der ganzen Welt – sie finden vom irrigen Weg des Lebens auf den richtigen Weg.

Die Heirat des Maulana

Ein Jahr vor seiner Auswanderung nach „Darul Islam“ heiratete Maulana Maududi am 5. März 1937 in eine angesehene Sayyid-Familie ein.

Der indische Kaiser Shah Jahan betete besonders gern hinter einem Imam aus dem Sayyid-Geschlecht. Daher ernannte er für die Freitagsmoschee von Delhi einen hochgebildeten Gelehrten aus dem Sayyid-Geschlecht, den er aus Buchara kommen ließ, zum Imam. Noch heute bekleidet ein aus diesem Geschlecht hervorgegangener Gelehrter das Amt des Imams der Freitagsmoschee von Delhi. In diese Familie heiratete Maulana Sayyid Abul Ala Maududi ein.

Maulanas unsterblicher Beitrag zur Pakistan-Bewegung

Als die muslimische Nation durch die gesamtindische Nationalitätenbewegung des Hindu-Kongresses, also durch die Bewegung zur Errichtung eines Ram-Rajya in einem ungeteilten Indien, verwirrt und orientierungslos geworden war, entzündete Maulana Maududi vor ihr die Fackel der Wahrheit, wies ihr den Weg und rief sie eindringlich dazu auf, sich im Band der islamischen Bruderschaft zu vereinen. Wie bereits erwähnt, stellte er im Buch „Al-Dschihad fil-Islam“ den Islam als eine wahrhaft idealistische revolutionäre Bewegung dar und beschrieb die Pflichten, Ziele und Bestrebungen der muslimischen Nation. Wegen der blinden Kongressbegeisterung der Jamiat Ulama-e-Hind brach er den Kontakt zur Zeitschrift „Al-Jamiat“ ab. Später, nachdem die historischen Vierzehn Punkte von Mr. Muhammad Ali Jinnah (der damals noch nicht Quaid-e-Azam war) auf der Runden Tischkonferenz in England angenommen worden waren, baute die Muslim-Liga gegen den hindu-nationalistischen Kongress eine Bewegung zur Selbstverteidigung auf. Auch dies war in Wirklichkeit keine wohlgeordnete idealistische Bewegung.

Es versteht sich von selbst, dass der Kongress seit vielen Jahren darauf hingearbeitet hatte, durch die Vereinigung aller Völker eine geografische und regionale Nation zu schaffen. Als die Muslime dessen Gefährlichkeit erkannten, schlugen sie zu ihrer Selbstverteidigung einen anderen Irrweg ein: an die Stelle einer von der hinduistischen Zivilisation und Kultur beeinflussten Einheitsnation sollte eine muslimische Nationalität treten. In Wirklichkeit sind beide Arten von Nationalismus verhängnisvoll. Deshalb analysierte Maulana Maududi im ersten Band seines Werkes „Siyasi Kashmakash“ zunächst wissenschaftlich die grundlegenden Ziele, Ideale und die politische Rolle des Islam. Anschließend untersuchte er im zweiten Band desselben Werkes die Mängel und die verhängnisvollen Folgen des vom Kongress angestrebten Nationalismus. Danach analysierte er auch die verhängnisvollen Folgen des muslimischen Nationalismus, zu dem sich die indischen Muslime unter der Führung der Muslim-Liga hinzuwenden begannen. Der Islam ist in Wahrheit nicht gekommen, um irgendeinen Nationalismus zu schaffen oder einen Nationalstaat zu errichten. Vielmehr will er der Welt ein gesundes Ideal, eine Lebens- und Gesellschaftsauffassung vorlegen und einen ideologischen, das heißt einen idealen Staat, errichten. In diesem Werk („Siyasi Kashmakash“, Band 2) wird nicht die Bildung eines muslimischen Staates, sondern ausdrücklich die Bildung eines islamischen Staates gefordert.

In seinen nach 1935 verfassten Werken „Tanqihat“, „Siyasi Kashmakash“, „Parda“, „Tajdid wa Ihya-e-Din“ und anderen warnte der Maulana vor dem politischen Wirbelsturm, in den die indischen Muslime geraten und dadurch orientierungslos geworden waren, und legte eine Lösung vor.

Die verderbliche Bewegung des Kongresses konnte der Maulana niemals unterstützen. Vielmehr war er der Ansicht, dass die Muslime alle Beziehungen zum Kongress abbrechen und als eine eigenständige idealistische Partei oder Nation leben müssten. Die Muslime hatten die wahren Lehren des Islam und seine ideale Moral vergessen und wandten sich der europäischen Zivilisation und Kultur zu. Er sprach ihnen gegenüber eindringliche Warnungen aus und zeigte ihnen durch sein Werk „Tanqihat“ mit aller Deutlichkeit die giftigen Folgen des Giftbaums der europäischen Zivilisation. Das Hauptziel all seiner Schriften sowie all seiner Anstrengungen und seines Wirkens bestand darin, dass die Muslime als eine ideale Nation auf der Welt aufrecht und selbstbewusst dastehen und im gesamten Leben der Menschheit allein die Herrschaft Allahs vollständig verwirklicht werden müsse. Tatsächlich nahm die Pakistan-Bewegung später genau diese Gestalt an.

Maulana Madanis Einheitsnationalismus

Der Kongress blieb jedoch stets seinem eigenen Ziel treu: in ganz Indien eine einheitliche Nation zu schaffen und auf dieser Grundlage die Unabhängigkeit des Landes zu erlangen. Um die indischen Muslime durch den Nachweis eines geografischen und regionalen Nationalismus irrezuführen und zu täuschen, spannte der Hindu-Kongress einen herausragenden Gelehrten für seine Zwecke ein. Der verstorbene Hazrat Maulana Husain Ahmad Madani, Leiter der Hadithwissenschaft am bedeutendsten islamischen Bildungszentrum Indiens, Deoband, versuchte einst in der Lahore Jama Masjid unter Berufung auf Koran und Hadith nachzuweisen, dass alle Menschen Indiens – Hindus und Muslime, Buddhisten, Christen und Jains gleichermaßen – eine geografische Nation bildeten. Seine Rede wurde auch in Form einer Broschüre veröffentlicht. Zu dieser Zeit gewann die Bewegung der Muslimliga zunehmend an Stärke, und sie war gerade dadurch so weit vorangeschritten, dass sie die Muslime als eigenständige Nation vertrat. Als jedoch die Muslimliga und allgemein das muslimische Indien aus dem Mund des Leiters der Hadithwissenschaft an einem berühmten Bildungszentrum Begründungen und Beweise für einen Einheitsnationalismus von Muslimen und Nichtmuslimen hörten, waren sie bestürzt, zutiefst verwundert und von aufgewühlter Enttäuschung erfasst. Zu dieser Zeit lag der philosophische Dichter und Visionär Pakistans, Iqbal, krank darnieder. Als er auf seinem Krankenlager von Maulana Madanis Äußerung erfuhr, war er zutiefst erschüttert und aufgewühlt. Langsam richtete er sich mit zitterndem Körper auf seinem Lager auf und kritisierte als geborener Dichter mitten in seinen Krankheitsschmerzen in Versform scharf die Äußerung von Maulana Madani:

Noch immer hat Ajam das Geheimnis der Religion nicht erkannt, sonst …

dass Husain Ahmad aus Deoband – welch eine Verwunderung ist das!

Vom Minbar verkündet er, dass die Nation aus dem Vaterland hervorgeht.

Wie ahnungslos ist er über die Stellung Muhammads des Arabers!

Verbinde dich mit Mustafa, denn die ganze Religion ist er.

Wenn du ihn nicht erreichst, bist du ganz und gar Abu Lahab.

Das heißt –

Jene Bewohner von Ajam verstanden nicht

die Verwirrung über das Wesen der Dīn,

Deshalb sagt in Deoband Husain

Ahmad solch seltsame Worte.

„Aus dem Heimatland entsteht die Millat“

– dieses Wort singt er wieder,

ach, sie verstanden nicht den Rang des Propheten

Denn er ist die Ehre der Araber.

Bring es zum Propheten.

Sich selbst – die Forderung dieser Religion.

Wenn du es nicht erreichen kannst

Alles wird zu »Bu-Lahabī«.

Es versteht sich von selbst, dass einige Verse von Dr. Iqbal zwar die Auffassung des verstorbenen Herrn Madani scharf geißelten, doch reichten sie nicht aus, um die Ein-Nationalität als falsch zu beweisen. Infolgedessen gerieten die indischen Muslime und die Muslim-Liga, als sie ihre Bewegung von Nebel verhüllt sahen, in Ratlosigkeit. Genau in diesem kritischen Augenblick begann Maulana Maududi, seine kraftvolle Feder zu führen, und verfasste ein revolutionäres, unschätzbares Werk mit dem Titel „Masʾala-ye Qaumiyat“.

Hier halte ich es für notwendig, kurz auf die Äußerung des verstorbenen Maulana Madani einzugehen. In seiner Rede versucht er zu beweisen, dass Nationen in der heutigen Zeit auf der Grundlage geografischer Zugehörigkeit gebildet werden. Um seine Aussage zu beweisen, sagt er zunächst:

„Ich halte es nun für notwendig, die Fehler und Mängel dessen aufzuzeigen, was im Zusammenhang mit der Ablehnung der Ein-Nationalitätslehre und dem Nachweis, dass sie den Grundsätzen der Gerechtigkeit widerspricht, veröffentlicht worden ist und weiterhin veröffentlicht wird. Seit 1885 bemüht sich der Kongress in beträchtlichem Maße darum, bei den Bewohnern Indiens auf der Grundlage des Patriotismus die nationale Einheit zu fordern. Die ihm entgegengesetzten Kräfte setzen alles daran, zu beweisen, dass die Ablehnung dieser Einheit vielmehr unzulässig und haram sei. Tatsächlich gibt es für den britischen Imperialismus nichts Gefährlicheres als dies. Diese Dinge sind nicht erst heute, sondern bereits 1886 oder sogar schon vorher veröffentlicht worden.“

Er sagt ferner:

„Selbst wenn die Einheitsnation ein so verfluchtes und niederträchtiges Ding sein sollte, so ist es heute doch die Pflicht der Muslime, gerade diese Waffe zum Zweck der Ausrottung der britischen Herrschaft einzusetzen, da die Europäer mit eben dieser Waffe die islamische Monarchie und das Osmanische Kalifat entwurzelt haben.“ (Islam und Nationalismus, S. 43).

Zu Beginn des revolutionären Buches, das Maulana Saiyid Abul Ala Maududi als Antwort auf die Äußerungen des verstorbenen Maulana Saiyid Abul Ala Maududi verfasste („Islam und Nationalismus“ ist die bengalische Übersetzung des von Maulana Maududi verfassten Urdu-Buches „Die Frage des Nationalismus“), sagt er:

„Der Direktor des Dar-ul-Ulum Deoband, Maulana Husain Ahmad Madani, hat eine Schrift mit dem Titel ‚Die Lehre von der Einheitsnation und der Islam‘ verfasst. Von einer solchen Schrift, die von einem weithin bekannten Gelehrten und dem Leiter der bedeutendsten religiösen Bildungseinrichtung Britisch-Indiens verfasst wurde, durfte man natürlich eine einfache Analyse der ‚komplizierten Lehre vom Nationalismus‘ und einen vollständigen Ausdruck der wahren islamischen Sichtweise erwarten. Doch nach der Lektüre mussten wir eine schonungslose Enttäuschung erfahren, und wir sind zu der Ansicht gelangt, dass dieses Buch der Stellung des Verfassers abträglich ist. In der gegenwärtigen Zeit sind unzählige islamfeindliche Ideologien im Begriff, die Grundlagen des Islam heftig anzugreifen; der Islam ist heute sogar in seinem eigenen Haus hilflos. Die Muslime selbst prüfen die Ereignisse und Probleme der Welt nicht aus der reinen Perspektive des Islam. Es versteht sich von selbst, dass sie dazu lediglich aus Unwissenheit nicht in der Lage sind. Darüber hinaus ist die Frage des ‚Nationalismus‘ so kompliziert, dass Leben und Tod jeder einzelnen Nation davon abhängen, sie klar zu begreifen. Wenn eine Nation mit den Grundlagen ihrer eigenen Nationalität Prinzipien vermischt, die ihnen völlig entgegengesetzt sind, kann sie als ‚Nation‘ auf dieser Welt nicht bestehen. Beim Schreiben über dieses komplizierte Thema hätte eine Persönlichkeit wie Maulana Husain Ahmad sich ihrer eigenen Verantwortung voll bewusst sein müssen. Denn ihr ist das anvertraute Gut des Propheten anvertraut. Wenn sich jemals Unrat und Abfall auf der wahren Lehre und den grundlegenden Prinzipien des Islam anhäufen, ist es die Pflicht von Menschen wie ihnen, diesen zu beseitigen.“

„Sie hätten vollständig erkennen müssen, dass ihre Verantwortung in dieser gegenwärtigen finsteren Zeit viel größer und schwerwiegender ist als die der gewöhnlichen Muslime. Wenn gewöhnliche Muslime in der Irre versunken sind, werden auch dafür in erster Linie die Angehörigen dieser Klasse verantwortlich gemacht werden. Deshalb muss ich erneut sagen, dass sich in der Schrift Maulana Madanis kein Beweis für sein Verantwortungsbewusstsein und Verantwortungsgefühl findet.“ (Islam und Nationalismus, S. 41).

Um die „Lehre von der Einheitsnation“ aller Bewohner Indiens als rechtmäßig zu erweisen, führt Maulana Madani noch ein weiteres Argument an:

„Wir bilden täglich zur Wahrung gemeinsamer Interessen Volksverbände oder Vereine und beteiligen uns daran nicht nur, sondern bemühen uns auch mit aller Kraft darum, ihre Mitgliedschaft zu erlangen. … Es gibt Stadtgebiete, ausgewiesene Gebiete, Gemeindevorstände, Bezirksvorstände, Gesetzgebende Versammlungen, Bildungsvereine und Hunderte von Vereinen dieser Art, die für bestimmte Zwecke nach festgelegten Regeln und Grundsätzen gegründet worden sind. Niemand erklärt die Beteiligung an diesen Vereinen und das vollständige oder teilweise Bemühen darum für verboten. Doch merkwürdigerweise wird die Beteiligung an einem solchen Verein, wenn er zur Arbeit für die Unabhängigkeit des Landes und gegen die britische Herrschaft gegründet wurde, zu etwas Verbotenem, zu einem Widerspruch zur Gerechtigkeit, zu einem Verstoß gegen die Lehren des Islam und zu etwas, das der Vernunft und dem Verstand widerspricht.“ (Islam und Nationalismus, S. 52).

Darauf erwidert Maulana Maududi:

„In Wahrheit nennt man dies, auf der Grundlage eines Irrtums zu einer falschen Schlussfolgerung zu gelangen. Maulana Madani betrachtet eine sündhafte Handlung als verpflichtend und versucht, aus blinder Liebe zu ihr eine ähnliche weitere Sünde als zulässig zu erweisen. Dabei liegt in beiden Fällen derselbe Grund für das Verbot vor. Ich möchte mit aller Deutlichkeit sagen: Für die Ulama-e-Hind ist es zu einem regelrechten Puppenspiel geworden, die Teilnahme an Rat und Versammlung an einem Tag für haram und am nächsten Tag für halal zu erklären. Denn es gehört nicht zu ihrem Grundsatz, etwas aufgrund der tatsächlichen Sachlage für haram zu erklären. Ein einziges Wort Gandhis genügt, um ihre Befugnis zur Erteilung von Fatwas zu aktivieren. Ich jedoch spreche auf der Grundlage der ewigen und unveränderlichen Prinzipien und Ideale des Islam: Die umfassenden Institutionen, die den Menschen das uneingeschränkte Recht verleihen, über Angelegenheiten, in denen Allah und Sein Gesandter (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ein klares Urteil gefällt haben, erneut zu entscheiden, zu unterstützen, ist für Muslime zweifellos ein ewiges Verbrechen. Wenn jedoch in solchen umfassenden Institutionen mit uneingeschränkten Rechten und Befugnissen die Zahl der Nichtmuslime überwiegt und alle Entscheidungen auf Grundlage der Mehrheit getroffen werden, gilt dies als ein doppeltes Verbrechen. Daher ist es die erste Pflicht der Muslime, den Tätigkeitsbereich dieser umfassenden Institutionen von den festgelegten Grenzen der Scharia Allahs zu trennen; für sie besteht gerade darin der wahre Kampf um die Freiheit. Wenn die genannten Grenzen der Machtausübung beider Seiten voneinander getrennt sind, wird es für Muslime zulässig sein, mit einer Gruppe zusammenzuarbeiten, die zum gemeinsamen Nutzen der muslimischen und nichtmuslimischen Nation gebildet wurde. Ob dies zur Abwehr eines feindlichen Angriffs oder zur Durchführung wirtschaftlicher oder handwerklicher Tätigkeiten geschieht, macht keinen Unterschied. Solange jedoch die Tätigkeits- und Befugnisbereiche beider Nationen miteinander verbunden bleiben, ist es für Muslime nicht nur ausgeschlossen, sich zu vereinen und zusammenzuarbeiten; vielmehr ist es für sie völlig unzulässig, unter einer solchen verbundenen Regierungsordnung zu leben. In dieser Angelegenheit werden ausnahmslos alle Muslime als schuldig betrachtet, solange sie nicht gemeinsam mit vereinten Kräften diese Regierungsordnung zerschlagen. Diejenigen aber, die diese Regierungsordnung bereitwillig annehmen und sich für ihre Einführung einsetzen, werden noch schuldiger sein. Doch wer auch immer er sei und aus Koran und Hadith Argumente zugunsten der Einführung dieser Regierungsordnung vorbringt, dessen Verbrechen wird das größte von allen sein.“

(Islam und Nationalismus – Seite 53)

Als Maulana Maududi die schädlichen Folgen des Kongress-Konzepts der Einheitsnation betrachtete, sagte er:

„Zu diesem Zweck wurde der Wardha-Plan ausgearbeitet. Auch der Vidya-Mandir-Plan hatte genau dies zum Ziel. Dieser Zweck war in beiden Plänen ausdrücklich niedergeschrieben. Doch Maulana Madani hat weder diese Pläne noch ihre Lehrpläne überhaupt gesehen. Pandit Nehru hat mehrere Jahre lang eben diese Lehre des Nationalismus verbreitet. Doch keine seiner Reden oder Schriften ist Maulana Madani zu Ohren gekommen. Jeder Verantwortliche des Kongresses verkündet und schreibt genau dies und verbreitet es mithilfe der Staatsmacht, die er durch die neue Verfassung erlangt hat, nachdrücklich. Maulana Madani ist jedoch nicht in der Lage, irgendetwas davon zu hören, zu sehen oder wahrzunehmen. Dabei werden all diese Dinge von jeder einzelnen der umfassenden Institutionen durchgeführt, auf die er hingewiesen hat.“ (Islam und Nationalismus – Seiten 59–60).

Maulana Maududi sagte weiter:

„Wenn Maulana Madani daher zur Äußerung seiner Haltung etwa den Ausdruck ‚gegenseitige Freundschaft‘ und ähnliche Worte verwendet und dies nicht als Politik und Handlungsweise des Kongresses dargestellt, sondern seinerseits lediglich als einen Vorschlag und eine Empfehlung vorgelegt hätte, wäre es besser gewesen. Wenn er dieser Nation wenigstens jetzt noch einen so kleinen Gefallen erweist, wäre dies eine große Güte. Andernfalls besteht bei seinen Schriften die größte Gefahr, dass sie ein gewaltiges Unheil verursachen. Was immer tyrannische Könige und Herrscher sowie sündige Staatsführer getan haben, haben die Gelehrten mithilfe von Belegen aus Koran und Hadith als wahr erwiesen und die Religion als Werkzeug der Unterdrückung und Ausbeutung benutzt.“

Nach der Veröffentlichung der genannten Schrift Maulana Madanis wurde es äußerst dringend, den „Nationalismus“ aus einer rein wissenschaftlichen Perspektive zu analysieren und in dieser Frage den grundlegenden Unterschied zwischen der islamischen und der nichtislamischen Lehre deutlich herauszuarbeiten. Dadurch würden alle diesbezüglichen Irrtümer aus den Köpfen der Menschen verschwinden, und sie wären in der Lage, einen der beiden Wege bewusst und nach eingehender Prüfung anzunehmen. Dies wäre eigentlich die Aufgabe der Gelehrten gewesen. Doch wenn gerade die führende Persönlichkeit der Gelehrtenschaft das Banner des Einheitsnationalismus erhebt und kein Gelehrter bereit ist, seine eigentliche Pflicht zu erfüllen, dann müssen einfache Menschen wie wir uns dafür einsetzen.“ (Islam und Nationalismus – Seite 61).

Bei der Darlegung der Grundlagen des islamischen Nationalismus sagt er in diesem Buch:

„Die begrenzten, starren, sinnlich wahrnehmbaren und abergläubischen Grundlagen, auf denen die Paläste der verschiedenen Nationalitäten der Welt errichtet wurden, haben Allah und Sein Gesandter (Friede und Segen seien auf ihm) in Stücke zerschlagen. Auf der Grundlage unwissenschaftlicher Gegensätze und Diskriminierungen hinsichtlich Rasse, Stamm, Heimat, Wirtschaft und Politik zerstören die Menschen aus Dummheit und äußerster Unwissenheit die Menschlichkeit; aus Sicht der Menschlichkeit jedoch haben sie allen Menschen denselben Rang, dieselbe Würde und gleiche Rechte verliehen.“

„In der islamischen Nationalität wird zwar zwischen den Menschen unterschieden, jedoch nicht aufgrund irgendeines materiellen, weltlichen oder äußerlichen Merkmals. Die Unterscheidung erfolgt unter geistigen, moralischen und menschlichen Gesichtspunkten. Der Menschheit wird eine natürliche, wahre Ordnung vorgelegt, deren Name Islam ist. Die gesamte Menschheit wird zur Dienstbarkeit und zum Gehorsam gegenüber Allah, zur Reinheit und Lauterkeit des Herzens und der Gesinnung, zur Unbeflecktheit des Handelns, zur Aufrichtigkeit und zur Befolgung der Religion eingeladen. Danach wird erklärt, dass diejenigen, die diese Einladung annehmen, als eine Nation gelten werden. Diejenigen hingegen, die sie ablehnen, werden einer völlig anderen Nation angehören. Mit anderen Worten: Die eine Nation der Menschen ist die Nation des Īmān und des Islam, und die Gesamtheit ihrer Mitglieder bildet eine Umma. Die andere ist die Nation des Kufr und der Irreleitung. Ihre Anhänger gelten trotz ihrer gegenseitigen Meinungsverschiedenheiten und Unterschiede als eine Gruppe und als Angehörige derselben Gemeinschaft.“

„Zwischen diesen beiden Nationen gibt es hinsichtlich Abstammung und Stamm keinen Unterschied. Der Unterschied liegt im Glauben und im Handeln. Daher können sogar zwei Kinder derselben Eltern aufgrund des genannten Unterschieds zwischen Islam und Kufr zu zwei verschiedenen Nationen gehören, während zwei einander nicht verwandte und unbekannte Personen, weil sie den Islam angenommen haben, derselben Nation angehören können.“

„Auch die Verschiedenheit der Heimat kann nicht der Grund für den Unterschied zwischen diesen beiden Nationen sein. Hier wird auf der Grundlage von Wahrheit und Falschheit unterschieden. Für Wahrheit und Falschheit gibt es weder ein ‚Vaterland‘ noch eine ‚Heimat‘. Zwei Menschen aus derselben Stadt, demselben Viertel und sogar demselben Haus können aufgrund des Unterschieds zwischen Islam und Kufr verschiedenen Nationalitäten angehören. Ein Schwarzer kann durch den Islam zum Bruder eines Marokkaners werden.“

„Auch der Unterschied der Hautfarbe ist hier kein Grund für einen nationalen Unterschied. Die äußere Hautfarbe ist im Islam unbedeutend. Hier besitzt allein die Farbe Allahs Bedeutung. Sie ist die beste Farbe.“

„Auch die Verschiedenheit der Sprache ist kein Grund für den Unterschied zwischen Islam und Kufr. Im Islam hat die Sprache des Mundes keinerlei Wert. Wertvoll ist die Sprache des Verstandes und des Herzens – die wortlose Rede.“

Das Zentrum dieses Kreises der islamischen Nationalität ist das Glaubensbekenntnis: La ilaha illallahu Muhammadur Rasulullah. Freundschaft und Feindschaft beruhen auf diesem Glaubensbekenntnis. Dieses Bekenntnis vereint die Menschen, seine Ablehnung bewirkt eine endgültige Trennung zwischen ihnen. Wen dieses Glaubensbekenntnis trennt, den kann keine Verbindung und keine Verwandtschaft – weder Blut, Boden, Sprache, Hautfarbe, Nahrung noch Regierungssystem und dergleichen – wieder mit anderen verbinden. Ebenso kann nichts diejenigen trennen, die dieses Glaubensbekenntnis miteinander verbindet.

Der Maulana sagt weiter:

„Es sei darauf hingewiesen, dass die Beziehungen zwischen der muslimischen Nation und den nichtmuslimischen Nationen zwei Seiten haben. Die erste besteht darin, dass Muslime und Nichtmuslime insofern gleich sind, als sie Menschen sind. Die zweite besteht darin, dass wir durch den Unterschied zwischen Islam und Kufr völlig von ihnen getrennt worden sind. Aufgrund der ersten Beziehung werden die Muslime ihnen gegenüber Mitgefühl, Barmherzigkeit, Großzügigkeit und Höflichkeit zeigen. Denn als Menschen können sie eine solche Behandlung erwarten. Wenn sie nicht zu den Feinden des Islam gehören, kann man mit ihnen sogar Freundschaft, Frieden und Zusammenarbeit bei gemeinsamen Zielen (Common Cause) pflegen. Doch keinerlei materielle oder weltliche Beziehung kann sie und uns so miteinander verbinden, dass wir zu ‚einer Nation‘ werden.“

Wie dem auch sei, Maulana Maududis oben genanntes Buch löste in der damaligen Gesellschaft eine große Bewegung aus, und die Verwirrung, die durch Maulana Madanis Reden und Schriften entstanden war, wurde vollständig beseitigt. Die Führer und Aktivisten der Pakistan-Bewegung verwendeten es als eine scharfe Waffe. Tatsächlich legte dieses Buch die wissenschaftliche Grundlage für die Zwei-Nationen-Theorie und wurde damit zur Hauptursache für die Entstehung Pakistans. Das Buch entkräftete die gefährlichen Pläne des Kongresses zur Errichtung eines Ram Rajya sowie die Argumente für den von Maulana Husain Ahmad Madani unterstützten regionalen Nationalismus und bewies, dass dieser unwissenschaftlich, unlogisch, nichtislamisch und substanzlos war. Darüber hinaus machte Maulana Maududi durch dieses Buch die Berechtigung der Forderung der Muslime nach einer eigenständigen Nation und einem eigenen Staat deutlich und überzeugend.

Dies ist der eigentliche Grund für Maulana Madanis blinde Feindseligkeit gegenüber Maulana Maududi. Auf dieser Feindseligkeit beruhend ließ Maulana Madani später aus dem Maschinengewehr seiner lebenslangen Fatwa-Kampagne haltlose, unbegründete und gehässige Anschuldigungen gegen Maulana Maududi hervorbrechen und beschoss ihn mit wutentbrannten Fatwas. Noch bedauerlicher ist, dass viele Schüler und Anhänger des verstorbenen Maulana Madani, die als ‚Ulama des Din‘ bekannt waren, ihrem Lehrer folgten und ebenfalls in blinden Widerstand gegen Maulana Maududi verfielen. Es ist unbestreitbar, dass Maulana Madani und seine Schüler und Anhänger der Entstehung Pakistans äußerst große Hindernisse in den Weg legten. Selbst nach der Verkündung Pakistans gingen diese ehrwürdigen Ulama während des ‚Sylhet-Referendums‘ von Tür zu Tür bei den Muslimen Sylhets, um Stimmen gegen Pakistan zu sammeln. Nachdem Pakistan entstanden war, gaben sich diese ehrwürdigen Ulama plötzlich als die größten Wohltäter Pakistans aus und beschuldigten Maulana Maududi, gegen die Pakistan-Bewegung gewesen zu sein. Was könnte in der Geschichte des ‚Islam‘ und der ‚Ulama des Din‘ ein größerer Schandfleck und eine größere Verdrehung der Wahrheit sein?

Kein gewissenhafter, gebildeter, gerechter und geistig gesunder Mensch kann den gewaltigen Beitrag leugnen, den Maulana Sayyid Abu’l A‘la Maududi hinter der Entstehung Pakistans geleistet hat. Diese Tatsache wird für die künftigen Generationen in goldenen Buchstaben auf den Seiten der Geschichte geschrieben stehen.

Einige interessenblinde und opportunistische politische Parteien unseres Landes sowie einige ihrer blinden Anhänger, ja sogar manche Ulama, erheben gegen Maulana Maududi den Vorwurf, er sei einst als Anhänger des Kongresses und der Jamiat Ulama-e-Hind ein entschiedener Gegner Pakistans gewesen. Für verständige Menschen dürfte es nicht schwer zu erkennen sein, dass diese ihre Propaganda aus Islamfeindlichkeit hervorgegangen ist und eine böse Verschwörung darstellt, um die vollständige Wiederbelebung des Islam zu verhindern. Wir bitten die unvoreingenommenen Leserinnen und Leser sowie die angesehenen Persönlichkeiten unseres Landes, sich darum zu bemühen, Maulana Maududis gesamte frühere Tätigkeit kennenzulernen und zu verstehen. Maulana Maududi ist nichts anderes als ein Mensch. Es ist selbstverständlich, dass auch er menschliche Fehler und Mängel hat. Doch daraus folgt keineswegs, dass es die Tat eines guten Menschen wäre, gegen jemanden, der seine gesamte Lebenszeit, sein Vermögen und seine Arbeit Allahs Weg geweiht und sich unermüdlich für die Wiedererrichtung des Din des Islam eingesetzt hat, verleumderische und hasserfüllte falsche Anschuldigungen zu erheben. Was könnte größere Unterdrückung und Ungerechtigkeit ihm gegenüber sein? Solche Menschen sollten jedoch bedenken, dass die Wahrheit eines Tages gewiss im Glanz ihres himmlischen Lichtes erstrahlen wird; und an jenem Tag werden alle Ballons der Lüge in Nichts zerfallen.

Maulana Maududi und die Muslimliga

Obwohl die Pakistan-Bewegung unter der Führung der Allindischen Muslimliga betrieben wurde, trat Maulana Maududi der Muslimliga nicht bei. Warum er dies nicht tat, wird aus der folgenden Erörterung hervorgehen. Dennoch ist unbestreitbar, dass Maulana Maududi zu den Denkern gehört, deren Gedankengut die Pakistan-Bewegung hervorgebracht hat. Darüber hinaus leistete er dieser Bewegung aktive Unterstützung. Dies ist nicht nur unsere Auffassung; auch aus anderen Kreisen und insbesondere aus Kreisen der Muslimliga wurde dies anerkannt. Zum Beweis werden im Folgenden einige Zitate angeführt:

Maulana Zafar Ahmad Ansari, M.A., LL.B., war in der Zeit vor der Teilung die rechte Hand des verstorbenen Quaid-e-Azam und des verstorbenen Liaquat Ali Khan. Er war gemeinsamer Sekretär der Allindischen Muslimliga sowie Sekretär ihres Exekutivkomitees (Committee of Action) und des Zentralen Parlamentarischen Ausschusses. Er sagt:

„Zu diesem Thema verfasste Maulana Abul A’la Maududi eine Artikelserie unter dem Titel ‚Das Problem der Nationalität‘ (Mas’alaye Qaumiyyat). Aufgrund ihrer unwiderlegbaren Argumente und Beweise sowie ihrer kraftvollen Ausdrucksweise wurde die Artikelserie von den Muslimen außerordentlich geschätzt. Innerhalb kurzer Zeit wurde sie unter den Muslimen zu einem viel diskutierten Thema. Infolge dieser bedeutenden Debatte wurde die Vorstellung und der Glaube an eine gemeinsame Nationalität zerschmettert, und das Bewusstsein einer eigenständigen Nationalität verbreitete sich unter den Muslimen mit Blitzesschnelle. Dies war keine bloß ideologische Debatte über den Nationalismus; vielmehr hatte sie den Traumpalast des Kongresses und der Jamiat Ulema-e-Hind zum Einsturz gebracht. Die gefährlichste Strategie der Hindus bestand darin, das Bewusstsein einer eigenständigen Nationalität irgendwie aus den Herzen der Muslime zu tilgen und dadurch die Grundlage ihrer nationalen Existenz auszuhöhlen. Die Muslimliga selbst bemühte sich in dieser Debatte darum, den religiösen Aspekt stärker herauszuarbeiten, damit die breite Bevölkerung das Spiel des Kongresses durchschauen und dazu bewegt werden konnte, die Forderungen ihres Glaubens und ihrer Iman zu erfüllen.“

(‚Die Pakistan-Bewegung und die Ulema‘, Monatszeitschrift Cheragh-e Rah, Pakistan-Sonderausgabe, S. 232).

Maulana Ansari Sahib fährt fort:

„Tatsächlich wurden bereits vor der Annahme der Pakistan-Resolution aus verschiedenen Kreisen Forderungen nach einer ‚göttlichen Regierung‘, einem ‚muslimischen Hindustan‘, einem ‚rabbanischen Kalifat‘ und Ähnlichem erhoben. Allama Iqbal hatte die Vorstellung eines muslimischen Hindustan entwickelt. Die Schriften von Maulana Maududi hatten die Forderung nach einer ‚göttlichen Regierung‘ erhoben. Maulana Azad Subhani hatte die Vorstellung eines ‚rabbanischen Kalifats‘ entwickelt. Dass solche Forderungen aus verschiedenen Richtungen erhoben wurden, bewies, dass die Muslime das Bedürfnis nach der Errichtung eines Staates auf der Grundlage ihrer eigenen Denkweise zutiefst empfanden und dass ihr unterbewusster Entschluss angesichts der Umstände wieder vollständig erwachte.“

(‚Die Pakistan-Bewegung und die Ulema‘, Monatszeitschrift Cheragh-e Rah, Pakistan-Sonderausgabe, S. 233).

Allama Iqbal war von den Artikeln und anderen Schriften Maulana Maududis zutiefst beeinflusst. Mian Muhammad Shafi Sahib, Herausgeber der in Lahore erscheinenden Wochenzeitung Iqdam, berichtet, dass Allama Iqbal sich jene Artikel aus dem Tarjuman-ul-Quran von jemand anderem vorlesen ließ. Er war davon so begeistert und beeindruckt, dass er Maulana aufforderte, Hyderabad im Dekkan zu verlassen und nach Punjab zu kommen. Aufgrund dieses Aufrufs kam Maulana Maududi 1938 nach Punjab.

Mian Muhammad Shafi Sahib bemerkte in seinem am 9. Juni 1963 in der Wochenzeitung Iqdam veröffentlichten Artikel mit dem Titel ‚Lahores Tagebuch‘:

„Maulana Sayyid Abul A’la Maududi war in Wirklichkeit ein Feind der nationalistischen Muslime. Ich sage dies in voller Verantwortung: Ich hörte Allama Iqbal sagen: ‚Maududi wird diese kongressfreundlichen Muslime schon eines Besseren belehren.‘ Allama Iqbal kritisierte Azad (Maulana Abul Kalam Azad) und Madani (Maulana Husain Ahmad Madani) in unmissverständlichen Worten. Dennoch war er daran gewöhnt, sich bestimmte Abschnitte aus Maulana Maududis Tarjuman-ul-Quran von jemand anderem vorlesen zu lassen. Und in dieser Angelegenheit erkläre ich mit voller, hundertprozentiger Verantwortung, dass Allama Iqbal Maulana Maududi in einem Brief darum bat, Punjab anstelle von Hyderabad im Dekkan zu seinem Wirkungsort zu machen; diesen Brief ließ er von mir selbst schreiben.“

Syed Sharifuddin Pirzada, Berater der während der Militärherrschaft in Pakistan gebildeten Verfassungskommission und Vorsitzender der Kommission für Gesellschaftsrecht, schreibt in seinem Werk „Evolution of Pakistan“:

„Durch eine 1938–39 im ‚Tarjumān-ul-Qurʾān‘ veröffentlichte Artikelserie enthüllte Maulana Maududi die wahren Absichten des Kongresses und warnte die Muslime. Darüber hinaus untersuchte er die Geschichte der Muslime auf dem indischen Subkontinent. Er nahm der Säkularität des Kongresses ihre Maske ab und bewies, dass die Demokratie angesichts der besonderen Verhältnisse Indiens für dieses Land ungeeignet ist. Denn hier haben die Muslime eine Stimme und die Hindus vier Stimmen. Er verurteilte den nationalen Imperialismus der Hindus und vertrat die Ansicht, dass weder gemeinsame Wahlen noch der Gewinn einiger zusätzlicher Sitze in den Versammlungen oder die Festlegung einer bestimmten Quote bei den Arbeitsplätzen eine Lösung für das politische Problem der muslimischen Nation darstellen. In dieser Angelegenheit legte er außerdem drei Alternativvorschläge vor.“ (Evolultion of Pakistan, S. 191)

Der dritte dieser drei Vorschläge war der Vorschlag zur Teilung Indiens. Pirzada zieht in seinem Werk abschließend folgendes Fazit:

„All jene Vorschläge und Ratschläge, die von Sir Abdullah Harun, Dr. Latif, Sir Sikandar Hayat Khan, einem gewissen Punjabi, Dr. Qadri, Maulana Maududi, Chaudhry Khaliquzzaman und anderen Personen vorgelegt wurden, wiesen in gewisser Hinsicht allesamt den Weg zur Schaffung Pakistans.“ Ebenda.

Um unsere Aussage zu beweisen, wären die oben angeführten Zitate nicht nötig gewesen. Wir halten sie jedoch nur für jene für notwendig, die mit den damaligen Verhältnissen nicht vertraut waren. Daraus wird deutlich, welch bedeutenden Dienst für die Nation die beiden von Maulana Maududi verfassten Werke „Musalmān aur Maujūda Siyāsī Kashmakash“ und „Masʾala-ye Qaumiyyat“ im Unabhängigkeitskampf Pakistans und Indiens, insbesondere auf dem Weg zur Erlangung Pakistans, geleistet haben.

Die drei Vorschläge des Maulana, auf die Sharifuddin Pirzada in seinem Werk Bezug nimmt, waren Vorschläge für drei alternative Verfassungsordnungen, die in den Oktober-, November- und Dezemberausgaben des „Tarjumān-ul-Qurʾān“ aus dem Jahr 1938 veröffentlicht wurden.

Zusammengefasst werden sie im Folgenden dargestellt:

Der erste Vorschlag

(a) Die Staatsordnung wird auf den Grundsätzen einer internationalen Föderation (International Federation) beruhen. Mit anderen Worten: Es wird nicht der Staat einer einzigen Nation sein, sondern ein Staat verbündeter Nationen (A state of federated nations).

(b) Jede an dieser Föderation beteiligte Nation wird das Recht auf kulturelle Autonomie (Cultural autonomy) besitzen.

(c) Für gemeinsame nationale und innere Angelegenheiten wird die Vorgehensweise auf der Grundlage gleichberechtigter Partnerschaft (Equal partnership) festgelegt.

Anschließend analysierte der Maulana auch die grundlegenden Prinzipien der kulturellen Autonomie.

Der zweite Vorschlag

Falls der Vorschlag einer internationalen Föderation nicht angenommen wird, besteht der zweite alternative Vorschlag darin, für die verschiedenen Nationen jeweils getrennte Gebiete festzulegen, in denen sie ihre demokratischen Staaten errichten können. Für den Bevölkerungsaustausch wird eine Frist von fünfundzwanzig oder, je nach Umständen, zehn Jahren festgesetzt. Jeder Staat wird weitgehende Autonomierechte besitzen, während die zentrale Föderation nur sehr begrenzte Befugnisse haben wird.

Der dritte Vorschlag

Falls auch der oben genannte Vorschlag nicht angenommen wird, besteht der dritte alternative Vorschlag darin, unsere Nationalstaaten unabhängig voneinander zu errichten und für sie jeweils eigene Föderationen zu bilden.

Der dritte und letzte Vorschlag war im Grunde ebenfalls Maulanas Vorschlag zur Teilung Indiens. Die Muslim-Liga nahm ihn fünfzehn Monate später, am 23. März 1940, an; er wurde als die historische Lahore-Resolution beziehungsweise Pakistan-Resolution bekannt.

Nun stellt sich die Frage: Warum führte Maulana Maududi trotz alledem nicht gemeinsam mit der Muslim-Liga die Bewegung an? Der einzige Grund dafür war die Vorgehensweise der Muslim-Liga. Bei mehreren Gelegenheiten analysierte Maulana diese und sagte:

— Wenn unser Ziel die Errichtung eines islamischen Staates ist, müssen wir unsere Nation auch in moralischer Hinsicht darauf vorbereiten, dieses Ziel zu erreichen. Zu diesem Zweck müssen wir in allen Bereichen tätig werden, unter anderem in Bildung und Erziehung, Denken, Moral, Kultur und Zivilisation sowie Politik. Andernfalls wird es äußerst schwierig sein, dieses Ziel zu verwirklichen.

— Bei der Auswahl der Führung in dieser Bewegung insgesamt und in allen ihren Bereichen muss mit äußerster Vorsicht vorgegangen werden. Wenn man Sozialisten, Atheisten, Religionslose, Jagirdars, Zamindars und alle anderen an einem Ort zusammenführt, entsteht zwar eine Menschenmenge, doch kann sie die Nation niemals auf den richtigen Weg führen. Diese Leute werden vielmehr versuchen, die Nation zur gegenseitigen Vernichtung und zur Durchsetzung ihrer eigenen Interessen zu benutzen. Dadurch wird das Ziel aus den Augen verloren. (Es versteht sich von selbst, dass sich Maulanas damalige Befürchtungen bewahrheitet haben. Die Geschichte Pakistans aus den vergangenen drei Jahrzehnten hat dies immer wieder bewiesen — der Verfasser.)

— Das grundlegende Merkmal der Muslime besteht darin, dass sie eine idealistische Gruppe sind, die zur Wahrheit aufruft. Dieses Merkmal darf unter keinen Umständen beeinträchtigt werden.

Bedauerlicherweise hielt es die Führung der Muslim-Liga nicht für nötig, diesen Aussagen irgendeine Bedeutung beizumessen.

In seiner Antwort auf ein Schreiben des Exekutivkomitees der Allindischen Muslim-Liga (Committee of Action) sagte Maulana:

„Denken Sie bitte niemals, dass ich mich wegen irgendeiner Meinungsverschiedenheit nicht an dieser Arbeit beteilige. Tatsächlich besteht meine Unfähigkeit darin, dass ich nicht verstehe, wie ich mich beteiligen soll, wenn ich mich beteilige. Halbherzige oder unvollständige Methoden liegen mir nicht. Für mich halte ich es daher für angemessen, anstatt mich aktiv an dieser Angelegenheit zu beteiligen, wie ein Student zu beobachten, welche Wege die Planer für diese teilweise Reform- und Aufbauarbeit festlegen und welchen Nutzen diejenigen, die sie ausführen, daraus ziehen, indem sie sie in die Tat umsetzen.“ (Tarjumān al-Qurʾān, Juli–Oktober 1944)

Dies war die Meinungsverschiedenheit des Maulana hinsichtlich der Vorgehensweise der Muslimliga. Über diese Auffassung mag man unterschiedlicher Meinung sein. Doch der künftige Geschichtsschreiber wird wohl die Tatsache nicht außer Acht lassen können, dass die Hindernisse, die sich nach der Teilung Indiens auf dem Weg zur Errichtung einer islamischen Gesellschaftsordnung in Pakistan gezeigt haben und weiterhin zeigen, dass Pakistan auch siebenunddreißig Jahre nach Erlangung der Unabhängigkeit in der Wirklichkeit nicht zu einem islamischen Staat geworden ist, sondern nur auf dem Papier besteht, und dass diejenigen, die sich bemühen, es in einen wahrhaft islamischen Staat zu verwandeln, Gefängnis, Hinrichtung sowie vielfältige Grausamkeiten und Verfolgungen erdulden müssen – all dies bereits in den Aufsätzen des Maulana aus der Zeit vor der Teilung deutlich vorausgesagt worden war.

Dennoch darf man nicht vergessen, dass der Maulana, auch wenn er sich nicht unmittelbar an der Pakistan-Bewegung beteiligte, durch seine Schriften eine klare Analyse der islamischen Lebensordnung vorlegte und dadurch die Pakistan-Bewegung stets unterstützte. Während der Pakistan-Bewegung begannen einige Muslime zu bemerken: Kann man es hinnehmen, Indien zu zerstückeln? Der Maulana erwiderte darauf:

„Als Muslim ist für mich die Frage überhaupt nicht von Bedeutung, ob Indien ungeteilt bleibt oder in zehn Teile geteilt wird. Die ganze Welt ist ein Land. Die Menschen haben sie in tausend Teile geteilt. Wenn die Aufteilung der Welt in so viele Teile, wie sie bisher erfolgt ist, gerecht gewesen ist, welchen Schaden könnte es dann schon anrichten, wenn sie künftig in noch einige weitere Teile aufgeteilt wird? Wenn dieses Götzenbild in Stücke zerfällt, so empfinden diejenigen seelischen Schmerz, die es für eine Gottheit halten. Wenn ich hier auch nur einen Quadratmeilen großen Ort fände, an dem außer Gott niemand über die Menschen Herrschaft und Autorität ausüben dürfte, dann würde ich dieses kleine Stück Land für wertvoller halten als ganz Indien.“

(Siyāsī Kashmakash, Band III, S. 76–77).

Als die Forderung nach Pakistan mit der Forderung der Israeliten verglichen wurde, protestierte der Maulana scharf dagegen und erklärte:

„Meiner Ansicht nach lässt sich die Forderung nach Pakistan keineswegs mit der Forderung der Juden nach einer nationalen Heimstätte vergleichen. Palästina ist in Wirklichkeit keine Heimstätte der Juden. Die Juden befanden sich nicht in der Lage, ein Land als nationale Heimstätte zu besitzen und sich für dessen kulturelle Entwicklung einzusetzen. Vielmehr besteht ihre tatsächliche Position darin, dass ein bestimmtes Land überhaupt nicht ihre nationale Heimstätte ist, sie aber fordern, dass man sie aus verschiedenen Teilen der Welt dort zusammenführt, ihnen die Möglichkeit gibt, dort zu leben, und dieses Land gewaltsam zu ihrer nationalen Heimstätte macht. Demgegenüber beruht die Forderung nach Pakistan darauf, dass die Gebiete, in denen die Muslime die Mehrheit bilden, bereits ihre nationale Heimstätte sind. Die Forderung der Muslime lautet, sie vor der politischen Beeinträchtigung ihrer nationalen Heimstätte zu schützen, die daraus entsteht, dass sie im gegenwärtigen demokratischen System mit den übrigen Gebieten Indiens zusammenleben müssen, und anstelle eines einzigen unabhängigen Staates in einem ungeteilten Indien zwei unabhängige Staaten mit den Namen ‚Hindu-Indien‘ und ‚Muslimisches Indien‘ zu schaffen. Mit anderen Worten: Die Muslime fordern nicht, dass für sie eine nationale Heimstätte geschaffen wird. Vielmehr vertreten sie die Auffassung, dass ihnen das Recht gewährt werden soll, in ihrer bereits bestehenden nationalen Heimstätte als eigenständigem Gebiet einen unabhängigen Staat zu errichten.“

(Tarjuman-ul-Quran, Juli–Oktober 1944).

Von Seiten der Muslimliga wurde lautstark verkündet, dass Pakistan ein vollständig islamischer Staat werden würde. Einige Kreise innerhalb der Liga erkannten, dass für die Bewegung, die zur Errichtung einer islamischen Gesellschaftsordnung entstanden war, ein Entwurf mit den grundlegenden Prinzipien ausgearbeitet werden müsse. Zu diesem Zweck wurde im Namen der Provinz-Muslimliga der Vereinigten Provinzen ein Gelehrtenkomitee gebildet. Unter den Mitgliedern sind insbesondere Maulana Sayyid Sulaiman Nadwi, Maulana Sayyid Abul Ala Maududi, Maulana Abdul Majid Daryabadi, Maulana Azad Subhani, Nawab Muhammad Ismail (Nawab von Chhatari), Nawab Shamsul Hasan und Chaudhary Khaliquzzaman hervorzuheben.

Vorsitzender des genannten Komitees war Nawab Muhammad Ismail Khan von Chhatari. In der ersten Januarwoche 1941 schrieb der Nawab von Chhatari an Maulana und bat ihn, an der Sitzung des Komitees der Nadwatul Ulama in Lucknow teilzunehmen. Der Brief, den Maulana vor seiner Teilnahme an der Sitzung an Sayyid Abul Hasan Ali Nadwi von der Nadwa richtete, ist am Ende des beschreibenden Werkes mit dem Titel „Mein Lieblingsbuch“ aufgenommen.

Herr Kamruddin Khan, Lektor am Central Institute of Islamic Research, berichtet, dass er 1941 auf Veranlassung Maulana Maududis einmal den Quaid-e-Azam traf. Über dieses Treffen gibt er folgenden Bericht:

„Durch den Raja von Mahmudabad wurde unser Treffen im Gulrana Bhavan in Delhi arrangiert. Der Quaid-e-Azam hörte mir fünfundvierzig Minuten lang äußerst geduldig zu. Dann sagte er, dass er die Dienste, die Maulana Maududi geleistet habe, sehr schätze. Doch für die Muslime des Subkontinents sei die Erlangung eines unabhängigen Staates dringlicher als sein heiliges Leben und sein Lebenswerk. Die Jamaat arbeite für ein großes Ziel, während die Liga sich an die unmittelbare Lösung dieses Problems mache. Denn solange es nicht gelöst sei, könne die Arbeit der Jamaat nicht vollendet werden.

– die Wochenzeitschrift Thinker (ein Artikel vom 27. Dezember 1963).

Aus der vorstehenden Erörterung geht eindeutig hervor, dass Maulana Maududi nicht nur die Pakistanbewegung unterstützte, sondern ihr umfassend half, ihre Dynamik verstärkte und die gegen die Bewegung gerichteten Äußerungen und Kritiken mit unwiderlegbaren, schlüssigen Argumenten beantwortete. Er trat jedoch der Muslimliga nicht bei und konnte ihr auch nicht beitreten. Eine Partei, die sich aus Menschen unterschiedlichster Prägung und Ideologie, ja sogar aus Menschen mit dem Islam entgegengesetzten Ideologien zusammendrängt, kann sich niemals einem großen Ideal zuwenden. Diese Einsicht besaß Maulana. Der beste Beweis dafür ist, dass sich die zahlreichen Voraussagen, die er hierzu lange vor der Teilung Indiens gemacht hatte, nach der Gründung Pakistans Buchstabe für Buchstabe verwirklicht zeigten und noch heute verwirklichen. Ich hoffe, dass dadurch der Irrtum derjenigen ausgeräumt wird, die eine ungünstige Meinung über Maulana vertreten.

Maulana Maududi – nach der historischen Lahore-Resolution

Unter der Führung der Muslimliga nahm die indische muslimische Bevölkerung schließlich auf einer historischen Sitzung der Liga, die am 23. März 1940 in Lahore stattfand, die Pakistan-Resolution an. Die Muslime sollten als eigenständige Nation anerkannt werden, und für sie sollte auf dem indischen Subkontinent eine eigene Heimat geschaffen werden, in der sie ihrem Din, ihrer Kultur und Zivilisation sowie ihren Traditionen entsprechend einen vollwertigen Staat errichten konnten. Dies war der Kern der Pakistanbewegung. Obwohl diese Pakistanbewegung im Namen des Islam weitergeführt wurde, hatte Maulana Maududi klar erkannt, dass sie für die Errichtung des Islam keineswegs günstig oder geeignet war. Denn die Muslimliga hatte, statt auf ihr verkündetes Ziel zuzusteuern, begonnen, in eine andere Richtung und auf einem anderen Weg voranzuschreiten. Dafür kann es zwei Gründe geben. Erstens fehlte es ihr vielleicht an völliger Aufrichtigkeit hinsichtlich ihres Ziels; oder zweitens kannte sie keine vernünftige und wissenschaftlich fundierte Methode, um das Ziel zu erreichen.

Sechs Monate nach der Annahme der Pakistan-Resolution hielt Maulana Maududi am 11. September bei einer von der Anjuman-i Islami Tarikh-o-Tamaddun veranstalteten Versammlung in der Strachey Hall der Aligarh-Universität eine lange Rede. Das Thema seiner Rede lautete: „Wie wird ein islamischer Staat errichtet?“ (Islami Hukumat Kis Tarah Qaim Hoti Hai?). Diese Rede wurde in Urdu, Englisch, Bengali und anderen Sprachen als Broschüre veröffentlicht. Das Buch „Der Weg zur islamischen Revolution“ ist ihre bengalische Übersetzung.

In seiner Rede sagte Maulana:

„Der Islamische Staat ist ein Staat, der ausschließlich auf einem Ideal beruht. Er ist vollständig frei von engstirnischem Nationalismus und dessen unmittelbaren oder mittelbaren Einflüssen. Tatsächlich verleiht bereits dieses erste Merkmal der islamischen Regierung ihr eine völlige Eigenständigkeit gegenüber allen anderen Staaten der Welt. In der englischen Sprache wird ein Staat dieser Art als IDEOLOGICAL STATE bezeichnet. Die Welt konnte mit einem solchen idealbasierten Staat nicht mehr als einmal Bekanntschaft machen. In den Herzen und Köpfen jener, die zwar in einer muslimischen Gesellschaft geboren wurden, ihre gesellschaftlichen Vorstellungen und Ansichten jedoch aus der europäischen Geschichte, der europäischen Politik und den Sozialwissenschaften übernommen haben, kann dieses Idealdenken keinen Platz finden.“ (Der Weg der Islamischen Revolution – S. 48).

Maulana sagte ferner:

„Die gesamte Struktur des Islamischen Staates ist auf dem Fundament der Herrschaft Allahs, des Erhabenen, errichtet. Dies ist in der Tat das zweite Merkmal der islamischen Regierung. Das gesamte Universum ist allein das Reich Allahs, des Erhabenen; Er allein ist sein Herr, sein Herrscher und sein Gesetzgeber. Dies ist die grundlegende Auffassung der islamischen Staatsordnung. Kein Einzelner, keine Familie, keine Klasse und keine Nation, ja nicht einmal die gesamte Menschheit, besitzt irgendeinen Anspruch auf Herrschaft. Das Recht, staatliche Gesetze zu erlassen sowie Befehle und Anweisungen zu geben, steht allein Allah, dem Erhabenen, zu – keinem anderen. Der Mensch soll auf dieser Welt als Allahs, des Erhabenen, Kalif oder Stellvertreter handeln. Dies ist der einzig richtige und geordnete Weg zur Führung eines Staates auf der Erde.“ (Der Weg der Islamischen Revolution).

Über die besonderen Eigenschaften, die zur Führung eines Islamischen Staates erforderlich sind, sagte Maulana:

„Für die Führung eines Islamischen Staates müssen eine besondere Gesinnung, eine besondere Wesensart und eine besondere Art des Handelns festgelegt werden. Er kann mit keinem anderen Staatssystem verglichen werden. Seine Armee, seine Polizei, seine Gerichte, seine Wirtschaft, seine Gesetze und seine Politik, seine Friedens- und Kriegspolitik sowie alle damit verbundenen Tätigkeiten und dergleichen unterscheiden sich vollständig von denen eines religionslosen Staates. Ein Richter oder Oberster Richter eines Gerichts in einem religionslosen, weltlichen Staat ist nicht einmal würdig, in der islamischen Regierung Schreiber oder Diener zu sein. Der Generalinspekteur der Polizei dort könnte in der islamischen Regierung nicht einmal auf die Stelle eines gewöhnlichen Polizisten berufen werden. Der Feldmarschall von dort könnte hier nicht einmal in die gewöhnliche Armee eintreten. Der Außenminister von dort wäre im Islamischen Staat nicht nur für kein Amt geeignet, sondern verdiente wegen der Verbrechen der Lügenpropaganda, des Betrugs und des Verrats sogar die Strafe der Verbannung.“ (Der Weg der Islamischen Revolution – S. 11).

In seiner Rede erklärte Maulana unmissverständlich, dass zur Errichtung und Führung eines Islamischen Staates als eines auf einem Ideal beruhenden Staates zunächst eine Anzahl charakterfester Menschen geschaffen werden müsse, die ganz vom islamischen Ideal erfüllt und mit islamischen Tugenden ausgestattet seien, ebenso wie ein entsprechendes Umfeld. Andernfalls sei ein solcher idealbasierter Staat nicht möglich. Als Beispiel sagte er:

„Die Führer Rousseau, Voltaire, Montesquieu und andere hatten in Frankreich über lange Zeit ein besonderes moralisches und geistiges Umfeld für ein bestimmtes Ideal geschaffen; infolgedessen wurde dort eine Revolution gemäß ihren Zielen möglich. Die Russische Revolution konnte nur durch die Gedankenwelt Marx’, die Führung Lenins und Trotzkis sowie die revolutionären Aktivitäten Tausender kommunistischer Aktivisten entstehen, die gründlich in der Ideologie des Kommunismus geschult waren – auf keine andere Weise. Der deutsche Nationalsozialismus konnte nur in jenem besonderen moralischen, psychologischen und kulturellen Umfeld Wurzeln schlagen und sich behaupten, das durch die Forschungen, Gedanken, Theorien und die kühne Führung Hitlers sowie durch die von Hegel, Fichte, Goethe, Nietzsche und unzähligen weiteren Denkern dieser Art hervorgebracht worden war. Genauso wird auch die Islamische Revolution erst dann entstehen und der Islamische Staat erst dann errichtet werden, wenn auf der Grundlage der Ideale und Lehren des Korans sowie des Charakters und Wirkens des Propheten Mustafa (s.a.w.) eine Volksbewegung erwacht. Dann wird es möglich sein, die gesamte geistige, moralische, psychologische und kulturelle Grundlage des gesellschaftlichen Lebens durch einen machtvollen Kampf von Grund auf zu verändern. Durch die nationalistische Bewegung kann keine Islamische Revolution entstehen. Denn hinter ihr stehen ein falsches Bildungssystem, und ihre Grundlage beruht auf einer opportunistischen Gesinnung sowie auf der zügellosen Neigung, sich im Strom der Zeit und der Herdenbewegung ziellos treiben zu lassen. Tatsächlich glaube ich auf dem Gebiet der Staats- und Gesellschaftsphilosophie, ebenso wie der ehemalige französische Minister Monsieur Reynaud, überhaupt nicht an ein solches ungewöhnliches Ereignis. Dies ist meine aufrichtige Überzeugung. Wie die Tat sein wird, so wird auch ihr Ergebnis sein – eine Ausnahme davon ist nicht möglich.“ (Der Weg der Islamischen Revolution, S. 18–19.)

Maulana kritisiert die Art der Bewegung und die Vorgehensweise, die für Pakistan beziehungsweise eine islamische Herrschaft verfolgt wurden, und sagt:

„Eine Gruppe von Muslimen ist der Ansicht, dass alle Sorgen ein Ende finden würden, wenn es nur irgendwie gelänge, die muslimische Nation zu organisieren. Sobald man eine Nation von Menschen, die den Namen Muslim tragen, auf einer bestimmten Plattform versammelt und unter einer zentralen Führung organisiert und leitet, werde sich ganz von selbst ein islamischer Staat errichten lassen. In Wirklichkeit ist dies jedoch nichts anderes als unrealistisches Wunschdenken. Darüber hinaus handelt es sich zweifellos lediglich um eine blind nationalistische Sichtweise und eine nationalistische Vorgehensweise. Jede Nation, die ihre Herrschaft in der Welt errichten will, muss diese Methode anwenden, ganz gleich, welcher Religion sie angehört oder welchem Land sie zuzurechnen ist. Das wichtigste Kennzeichen eines von der Liebe zu seiner Nation völlig hingerissenen Führers besteht darin, dass er je nach Zeit und Gelegenheit sprechen, verschiedene Schachzüge ausführen und Anweisungen geben sowie eine Gruppe mit großer Geschicklichkeit führen kann. Es ist unbestreitbar, dass eine Nation unter der Führung eines solchen Führers beträchtliche Fortschritte machen kann. Ebenso wäre es möglich, wenn die Muslime lediglich die Bezeichnung für eine Ansammlung von Menschen wären, die eine erblich oder historisch überlieferte Tradition verbindet. Dass jedoch durch eine solche Führung und Vorgehensweise überhaupt keine islamische Revolution entstehen und durch sie auch kein islamischer Staat errichtet werden kann, muss nicht noch einmal gesagt werden.“ (Der Weg der islamischen Revolution, S. 20–21.)

Im ungeteilten Indien war die Pakistan-Bewegung zwar mit voller Kraft im Gange, doch wurde keinerlei Versuch unternommen, die irregeleitete und charakterlose Gesellschaft zu reformieren, und auch kein entsprechendes Programm angenommen. Das islamische Bewusstsein und der moralische Zustand innerhalb der Gesellschaft waren äußerst chaotisch. Man versuchte, einen islamischen Staat zu errichten, während man zugleich den Unrat und die charakterlichen Mängel des Zeitalters der Unwissenheit mit sich führte. Maulana protestierte scharf gegen all dies und sagte:

„Wenn man aus einer Nation, deren moralischer Zustand so niedrig und verfallen ist, durch das Zusammenbringen einer Menge von Menschen verschiedenster Meinungen und Wesensarten ein Heer bildet, sie mithilfe politischer Schulung und Ausbildung fuchsgleich listig macht oder ihnen durch eine Ausbildung in der Kriegskunst die Wildheit eines Tigers einflößt, mag es vielleicht leicht sein, die Herrschaft über die Welt des Dschungels zu erlangen. Doch ist es keineswegs möglich, mithilfe einer solchen Nation für die Religion des erhabenen Allah, den Islam, zu werben oder eine islamische Herrschaft zu errichten. Denn unter solchen Umständen wird niemand auf der Welt ihre moralische Überlegenheit anerkennen, in niemandem werden die gefühlsstarke geistige Haltung und die Inspiration des Islam erwachen, und aus all diesen Gründen wird es ihnen niemals vergönnt sein, den bezaubernden Anblick zu erleben, wie die Menschen der Welt in Scharen in den Bereich des Islam eintreten.“ (Der Weg der islamischen Revolution, S. 22.)

Maulana Maududi wies durch eine wissenschaftliche Analyse auf den Fehler hin, den die Muslim League bei der Führung ihrer Bewegung beging, und sagte:

„Ich verstehe nicht, wie es möglich sein soll, einen einmal errichteten religionslosen Nationalstaat in einer unbestimmten Zukunft zu verändern und nach dem islamischen Ideal neu zu gestalten. Wenn unter den Wählern des Landes gemäß den demokratischen Regeln nicht die islamische Lehre, der islamische Charakter und die islamische Sichtweise sowie die islamischen Werte lebendig sind, wenn sie nicht schon zuvor daran gewöhnt sind, ein islamisches Leben zu führen, dann kann niemals ein ‚wahrer Muslim‘ durch ihre Stimmen gewählt und Mitglied des Parlaments oder der gesetzgebenden Versammlung werden. Infolgedessen wird die Staatsgewalt in die Hände von Menschen geraten, die zwar im Melderegister als ‚Muslime‘ gelten, bei denen sich jedoch hinsichtlich ihrer Lehre und Denkweise, ihres Ideals und ihrer Vorgehensweise nicht die geringste Spur des Islam finden lässt. Dadurch, dass die Staatsmacht solchen Menschen anvertraut wird, werden wir selbst nach der Erlangung völliger Freiheit und eines freien Staates gezwungen sein, genau in dem Zustand zu leben, in dem wir vor der Erlangung der Unabhängigkeit unter der Herrschaft eines nichtmuslimischen Staates lebten. Vielmehr kann eine noch schlechtere und gefährlichere Lage entstehen. Denn ein Nationalstaat, auf dem das Etikett ‚islamische Herrschaft‘ angebracht ist, wird bei der Blockierung des Weges zur islamischen Revolution noch kühner und furchtloser vorgehen als ein nichtmuslimischer Staat. Ja, während ein nichtmuslimischer Staat für bestimmte Verbrechen Gefängnisstrafen verhängen würde, wird der ‚muslimische Nationalstaat‘ in denselben Fällen die Todesstrafe und Verbannung verhängen. Und trotzdem werden die Lenker des muslimischen Nationalstaates zu ihren Lebzeiten als ‚Ghazis‘ und ‚tapfere Mudschaheddin‘ und nach ihrem Tod als ‚verherrlichte Männer‘ bezeichnet werden. Daher ist es völlig falsch anzunehmen, der muslimische Nationalstaat könne bei der Errichtung eines islamischen Staates behilflich sein.“ (Der Weg der islamischen Revolution, S. 28.)

Es versteht sich von selbst, dass sich die oben angeführten Worte des klugen und weitsichtigen Maulana innerhalb weniger Jahre nach der Entstehung des Staates Pakistan buchstäblich bewahrheitet haben und dies bis heute tun.

Maulana bemerkt in dem genannten Buch außerdem:

„Doch nun stellt sich die Frage: Wenn wir tatsächlich einen islamischen Staat errichten wollen, welchen Weg müssen wir dann einschlagen? Viele Menschen in unserer Gesellschaft haben wiederum alles von den Führern abhängig gemacht und sitzen untätig mit verschränkten Armen da. Ihr Vertrauen beruht darauf, dass die Führer schon eine islamische Regierung errichten werden. Deshalb müssten sie selbst nichts zu tun. Doch auch diese Vorstellung ist ebenso irrig wie die anfängliche Vorgehensweise bei der Bewegung zur nationalen Organisation der Muslime und zur Errichtung eines Staates.“ (Der Weg der islamischen Revolution, S. 28–29)

Es ist äußerst bedauerlich, dass die Muslimliga selbst nach der Analyse des vollständigen Bildes eines islamischen Staates, der wissenschaftlichen Methode zu seiner Errichtung, seiner Grundzüge und Merkmale sowie der verheerenden Folgen eines falschen Weges in Maulanas Vortrag in der Strachey Hall der Aligarh Muslim University rücksichtslos an ihrer herkömmlichen Vorgehensweise festhielt. Aufgrund seiner Weitsicht hatte Maulana klar erkannt, dass aus der Massenbewegung wohl oder sicherlich ein neuer Staat hervorgehen würde. Doch statt ein islamischer Staat zu werden, würde er auf einen derart falschen Weg geführt werden, dass man schon im Voraus Maßnahmen ergreifen musste, um ihn vor dessen verheerenden Folgen zu bewahren. Denn das Bild der Zukunft hatte sich bereits damals in Maulanas Geist deutlich abgezeichnet. Er war freilich kein Hellseher. Doch aufgrund der aus der vergangenen Geschichte gewonnenen Erkenntnisse sowie der wissenschaftlichen Beziehungen zwischen Ursache und Wirkung konnte er dies verstehen. In seinem oben erwähnten Vortrag sagte er:

„Wenn ein Baum von dem Zeitpunkt an, da er die Erde durchbricht, bis zu seiner Entwicklung zu einem ausgewachsenen Baum ein Orangenbaum ist, kann er plötzlich, wenn die Zeit des Fruchttragens gekommen ist, keine Mangos hervorbringen.“

Daher konnte er auch eine klare Aussage über die Zukunft der Pakistanbewegung machen.

Die Schaffung eines Umfelds für die islamische Bewegung

Um das Bild, das Maulana Sayyid Abul Aʿla Maududi in seinem Herzen von der Errichtung einer islamischen Lebensordnung entworfen hatte, in die Wirklichkeit umzusetzen, musste er jahrelang unermüdlich ein Netz aus Gedanken und Inspirationen ausbreiten, das für die Schaffung des erforderlichen Umfelds und Hintergrunds notwendig war. Um die außerordentliche Anstrengung und Hingabe, die er dabei mit unendlicher Geduld unter Durchdringung der Dunkelheit der Verzweiflung aufbringen musste, richtig zu erfassen, lege ich den Lesern die Hauptthemen der fortlaufenden Erörterungen in Tarjuman-ul-Quran vor. Daraus werden sie erkennen können, welch überaus schwierige Aufgabe es war, in einer muslimischen Nation, die hinsichtlich ihrer Glaubensüberzeugungen, ihres Denkens und ihres Handelns entstellt und in Verfall geraten war, eine wahrhaft islamische Bewegung ins Leben zu rufen – eine Aufgabe, die Maulana Maududi übernommen hatte. Nicht jeder kann nach eigenem Wunsch und zu jeder beliebigen Zeit eine islamische Bewegung aufbauen. Dafür sind tiefes Wissen und Gelehrsamkeit in Bezug auf den Islam, insbesondere den Koran und die Sunna, eine einzigartige schriftstellerische Begabung, dieses Wissen in einer einfachen, klaren und zu Herzen gehenden Sprache auszudrücken, sowie Weisheit und Geschick erforderlich, um die irregeleitete menschliche Gesellschaft auf den Weg der Wahrheit und des Lichts zu führen. Darüber hinaus bedarf es einer feinfühligen Gesinnung, unendlicher Geduld und Toleranz, der Fähigkeit, zeitüberdauernde Wahrheiten zu verfassen, und einer unvergleichlichen organisatorischen Begabung. All dies hatte Allah, der Erhabene, ihm in vollkommener Weise verliehen.

Die Gründung der Jamaat-e-Islami

Um den „Dīn al-Haqq“ zu errichten, begann Maulana Abul Aʿla Maududi durch seine monatlich erscheinende Zeitschrift „Tarjuman-ul-Quran“ eine Bewegung. Um eine Bewegung ordnungsgemäß zu leiten und sie in die Wirklichkeit umzusetzen, bedarf es einer Jamaat oder einer Partei. Ohne vereinte, umfassende Anstrengungen und einen gemeinsamen Kampf ist es überhaupt nicht möglich, eine Bewegung zu führen. Zu diesem Zweck gründete Maulana 1941 eine Organisation unter dem Namen „Jamaat-e-Islami“. Es bedarf einer ausführlichen Erörterung, weshalb während der Pakistanbewegung die Gründung einer weiteren Organisation unter dem Namen „Jamaat-e-Islami“ notwendig war und welcher politischen, religiösen, moralischen und kulturellen Lage die damaligen indischen Muslime gegenüberstanden. Ebenso müssen wir klar verstehen, ob die Muslimliga alle Arten von Bedürfnissen der Muslime erfüllen konnte und, falls nicht, welche alternative Lösung möglich gewesen wäre.

Seit dem letzten Teil des neunzehnten Jahrhunderts war die britische Regierung zu der Einsicht gelangt, dass den Indern das Recht eingeräumt werden müsse, an der Verwaltung des Landes teilzunehmen, und zwar durch demokratische Institutionen. Diese Demokratie sollte wiederum der in England praktizierten Demokratie entsprechen. Die britische Regierung war der Ansicht, dass die Inder ebenso wie die Engländer ungeachtet von Nationalität und Religion eine einzige Nation bildeten. Die Mehrheitspartei unter ihnen sollte die Regierungsgeschäfte führen, während die Minderheitspartei in der Opposition bleiben und versuchen sollte, eine Mehrheit zu erlangen. Dahinter standen wiederum ihre zivilisatorische und politische Philosophie. Diese besagte, dass die Religion auf das persönliche Leben des Menschen beschränkt bleiben und der Staat säkular sein müsse. Von den konstitutionellen Veränderungen, die auf der Grundlage dieser Sichtweise und politischen Philosophie eingeleitet würden, konnten ausschließlich diejenigen profitieren, die in Indien die Mehrheit bildeten. Daher war die britische Regierung nicht nur bereit, dieses System zu akzeptieren, sondern begann auch, sich nachdrücklich dafür einzusetzen. Die gesamte Bewegung des Indischen Nationalkongresses zielte von Anfang an darauf ab, gemäß dieser Sichtweise die Bildung einer verantwortlichen Regierung anzustreben. Für die Muslime jedoch war die Vorstellung eines solchen nationalen, demokratischen und säkularen Staates dem Gift gleich, weshalb sie sich mit diesem gewaltigen Problem konfrontiert sahen.

Zunächst dachten sie, es sei besser, wenn das Recht auf Selbstverwaltung nicht in die Hände der Bewohner des Landes gelangte, sondern in den Händen der britischen Herrscher verbliebe. Später akzeptierten sie jedoch das Grundprinzip der Errichtung eines demokratischen Staates auf der Grundlage einer einheitlichen Nation. Zugleich bemühten sie sich darum, dass ihnen gesetzliche Schutzvorkehrungen gewährt würden, damit sie ihre eigene Identität bewahren konnten. Danach begannen sie während der Khilafat-Bewegung plötzlich, den Slogan der hindu-muslimischen Einheit zu propagieren, setzten ihr Vertrauen in die Mehrheitsgemeinschaft und waren zur Unterwerfung bereit. Anschließend erhoben sie erneut die Forderung nach gesetzlichen Schutzvorkehrungen. Doch in dieser Frage begannen die Meinungsverschiedenheiten unter ihnen allmählich zuzunehmen. Die eine Gruppe vertrat die Ansicht, man solle zunächst gemeinsam mit der Mehrheit die Unabhängigkeit erringen und danach die Forderung nach Schutzvorkehrungen erheben. Die zweite Gruppe sagte, zunächst müsse für sie als Minderheit ein Schutz gewährleistet werden; danach könne man einen gemeinsamen Unabhängigkeitskampf führen. Doch niemand in beiden Gruppen begriff, dass innerhalb einer demokratischen Ordnung, die nach dem Prinzip einer einheitlichen Nation errichtet wird, keine nationale Eigenständigkeit unversehrt bleiben kann und dass sich in einem religionslosen Staat auch keine religiöse Kultur und Zivilisation entfalten kann.

In dieser Lage wurde 1935 das Government of India Act verabschiedet, und in den indischen Provinzen wurden auf der Grundlage vollständiger Autonomie neue Regierungen eingesetzt. Dadurch wurde in der Praxis deutlich, dass die Mehrheitsgemeinschaft dieses Landes auf den Grundsätzen einer Demokratie der Einheitsnation und des Säkularismus, also der Religionslosigkeit, die Regierungsgeschäfte führen würde.

Der weitsichtige Maulana Maududi dachte, man müsse den Muslimen klar vor Augen führen, welcher schrecklichen Lage sie infolge eines solchen Systems künftig gegenüberstehen würden. Denn für ihn war es sonnenklar, dass unter einem solchen System keinerlei gesetzliche Schutzvorkehrung die Muslime und ihre Kultur und Zivilisation davor bewahren konnte, in der Kultur und Zivilisation der Mehrheit aufzugehen. Angesichts dieser Gefahr schrieb Maulana Maududi von 1937 bis 1939 drei Jahre lang fortlaufend in Tarjuman al-Qur’an Aufsätze mit den Titeln „Musliman aur Maujuda Siyasi Kashmakash“ und „Mas’ala-e Qawmiyyat“, die später als Bücher veröffentlicht wurden. Durch diese Aufsätze versuchte er, den Muslimen verständlich zu machen, dass es ihrem Selbstmord gleichkäme, wenn sie die Errichtung eines demokratischen, religionslosen Staates nach dem Prinzip einer einheitlichen Nation akzeptierten.

Danach erwachte unter den Muslimen ein gewisses Maß an Vernunft. Nun verstanden sie klar, dass unter einer demokratischen Herrschaft, die auf der Grundlage einer einheitlichen Nation errichtet würde, keinerlei gesetzliche Schutzvorkehrung ihnen irgendeinen Nutzen bringen konnte. Doch was sollte nun geschehen? Eine Gruppe sagte, man solle die Teilung Indiens fordern und die muslimischen Mehrheitsgebiete von Indien abtrennen. Viele waren zunächst nicht bereit, diesem Vorschlag zuzustimmen. Auch Herr Muhammad Ali Jinnah war anfangs nicht dafür. Denn sie waren der Ansicht, dass dadurch das Problem nur eines Teils der Nation gelöst würde, während der andere, größere Teil, der verstreut in verschiedenen Gebieten Indiens als schwache Minderheit lebte, der Gnade des hinduistischen Indien überlassen würde.

Genau zu dieser Zeit veröffentlichte Maulana Maududi den dritten Band von „Siyasi Kashmakash“. In diesem Werk sagte Maulana Maududi, der einzige Grund für das Problem, dem die indischen Muslime gegenüberstanden, sei, dass sie sich als eine Nation betrachteten und glaubten, ihre Stärke beruhe in einer Demokratie auf ihrer Zahl. Deshalb seien sie in ein doppeltes Problem geraten. Wenn Indien ungeteilt bliebe, würden sie zugrunde gehen. Käme es dagegen zur Teilung, müsste man die Hälfte der Nation der Gnade der indischen Hindus überlassen. Maulana sagte jedoch, die indischen Muslime seien in Wirklichkeit nicht lediglich eine Nation, sondern eine ideologisch ausgerichtete Gemeinschaft oder Millat. Sie seien keine erblich bestimmten Nationen wie die Deutschen, Franzosen oder Engländer. Sie besäßen eine eigenständige Weltanschauung, ein Ideal und ein erhabenes Ziel im Leben. Aufgrund dieses Ideals hätten sie in der Vergangenheit Land um Land erobert. Auch die gegenwärtigen zig Millionen Muslime Indiens seien durch eben dieses Ideal gewonnen worden. Wenn die Muslime daher nicht für nationale Rechte und nationale Interessen, sondern für ihr eigenes Ideal und ihre eigene Weltanschauung kämpften, so bedeute dies, dass niemand sie in Indien vernichten könnte; vielmehr könne man hoffen, dass eines Tages die islamische Flagge über ganz Indien wehen würde. Denn keine Nation und keine Gruppe in Indien besitze ein solches lebendiges Ideal, wie es den islamischen Muslimen gegeben worden sei.

Maulana legte den indischen Muslimen die oben dargelegte Lehre vor. Doch die meisten Menschen schenkten ihr keinerlei Beachtung. Auf der Lahore-Tagung der Muslim League wurde 1940 die Pakistan-Resolution angenommen, und als nationales Ziel wurde eine nachdrückliche Bewegung dafür in Gang gesetzt.

Danach beunruhigten verständlicherweise zwei Fragen die nachdenklichen Menschen. Die erste war: Wenn die Muslime nach der Pakistan-Bewegung – Gott bewahre – enttäuscht werden sollten, wie könnte man dann den Islam, die islamische Kultur und die Eigenständigkeit der Muslime vor den Folgen einer solchen nationalen Niederlage bewahren? Die zweite war: Wie könnte man nach der Entstehung Pakistans das Licht des Islam unter den zig Millionen Muslimen Indiens lebendig erhalten? Und wie könnte man angesichts derjenigen, unter deren Führung die Pakistan-Bewegung betrieben wurde, verhindern, dass Pakistan zu einer zweiten Türkei würde?

Diese beiden Fragen hatten den Maulana zutiefst beunruhigt. Daher gründete er nach reiflicher Überlegung und eingehender Forschung im Jahr 1941 eine Organisation namens Jamaat-e-Islami. Sein Ziel war, durch diese Organisation im pak-indischen Subkontinent einige wahre Streiter für den Islam heranzubilden, die den Kampf zur Erhöhung der Botschaft des Islam in diesem Land fortführen würden. Falls die Pakistan-Bewegung scheitern sollte, würden sie die Muslime vor den schrecklichen Folgen einer nationalen Niederlage bewahren – und Pakistan nach seiner Entstehung dabei helfen, den richtigen Weg einzuschlagen.

Die Organisation der Jamaat-e-Islami

„Die Zukunft der Menschheit hängt nun vom Islam ab. Alle von Menschen geschaffenen Ideologien sind gescheitert. Keine von ihnen hat auch nur die geringste Aussicht mehr, Erfolg zu haben. Die Menschen besitzen auch nicht mehr den nötigen Mut, eine neue Ideologie zu schaffen und dafür ihr Leben aufs Spiel zu setzen, um sie zu erproben. Unter diesen Umständen ist der Islam die einzige Ideologie und der einzige Weg, von dem die Menschen Wohlergehen und Fortschritt erhoffen können. Er wird die umfassende Lebensordnung der Menschheit sein, durch deren Befolgung die Menschen der Vernichtung entrinnen können.“

In der April-Ausgabe von Tarjuman-ul-Qur’an aus dem vergangenen Jahr 1941 verfasste Maulana Maududi einen Artikel mit dem Titel „Die Notwendigkeit einer rechtschaffenen Jamaat“. Darin schilderte er ausführlich das Scheitern des Schirks, des Asketentums und der modernen materialistischen Lebensordnung des Westens, äußerte die oben genannten Gedanken und sagte, dass die Rettung der Menschheit nun ausschließlich im Islam liege. Das bedeutet jedoch nicht, dass man einfach die Verkündigung des Islam fortsetzen und dadurch die ganze Welt erobern werde. Der eigentliche Punkt ist, dass es zur Beseitigung jeder Zivilisation einer Kraft, einer Organisation bedarf. Ebenso bedarf es für eine neue Zivilisation einer neuen Denkweise und einer neuen Organisation. Um daher die Welt von den Gefahren eines künftigen dunklen Zeitalters zu befreien und sie in den Genuss des Beitrags des Islam kommen zu lassen, genügt es nicht, dass eine richtige Ideologie bereits vorhanden ist. Vielmehr bedarf es neben der richtigen Ideologie auch einer rechtschaffenen Jamaat oder Organisation.

Nachdem er gesagt hatte, dass jedes Mitglied dieser Jamaat oder Organisation hinsichtlich seines Glaubens und seiner Taten auf höchster Stufe stehen müsse, sagte er: Alle Beziehungen zur gegenwärtigen Zivilisation und Kultur sowie zu ihren Anhängern müssen abgebrochen werden. Alle mit dieser Zivilisation und Gesellschaftsordnung verbundenen Arten von Vorteilen, Annehmlichkeiten, Genuss und Hoffnungen auf Aufstieg und Fortschritt müssen aufgegeben werden. Danach müssen alle materiellen Verluste, Leiden, Mühsale, Gefahren und Heimsuchungen, die bei der Beseitigung einer irrigen Gesellschaftsordnung und der Errichtung einer richtigen Ordnung an ihrer Stelle unvermeidlich sind, ertragen werden. Für diese Revolution bedarf es umfassender Anstrengungen, und Leben, Besitz und wertvolle Zeit müssen geopfert werden. Jede Art geistiger und körperlicher Arbeit muss auf sich genommen werden. Man muss bereit sein für Gefängnis, Hinrichtung, Folter, Bestrafung und dergleichen. Besitz und Vermögen können beschlagnahmt werden, und Ehefrau, Kinder und Angehörige können dem Untergang preisgegeben werden. All dies muss man mit einem Lächeln auf sich nehmen. Wenn nötig, muss man auf diesem Weg sogar sein eigenes Leben opfern. Ohne einen derart beschwerlichen Weg zu beschreiten, ist weder in der Vergangenheit eine Revolution in der Welt entstanden, noch kann sie heute entstehen.

Im Hinblick auf charakterlich hochstehende Menschen, die in der Schule der Feuerprobe ausgebildet worden waren, sagte der Maulana:

„Uns wird gesagt: Wo sollte man in dieser Zeit noch Menschen dieser Art finden? In einem heiligen und großartigen Zeitalter wurden solche Menschen zwar hervorgebracht. Doch der Schöpfer hat die Erschaffung solcher Menschen für immer eingestellt.“

In Wirklichkeit handelt es sich dabei um eine irrige Vorstellung, um einen Aberglauben. Dieser Aberglaube ist gerade in den Herzen jener entstanden, die selbst der Verzweiflung zum Opfer gefallen sind. Menschen mit jeder Art von Fähigkeit findet man in der Welt zu jeder Zeit. Wenn die Menschen, indem sie Hitler, Marx und Gandhi Glauben schenkten, so viel leisten konnten, kann dann dadurch, dass man an Gott glaubt, nichts erreicht werden? Wenn die Verbundenheit mit der Heimat so groß sein kann, dass ein Mensch für sie Leben und Besitz opfert, gibt es dann nicht wenigstens eine solche Verbundenheit mit dem Wohlgefallen und der Nähe Gottes?

In dem unter dem Titel „Die Organisation der Jamaat-e-Islami“ veröffentlichten Aufsatz beschreibt Maulana in der Zeitschrift Tarjuman-ul-Qur’an die Gründe für die Gründung der Jamaat und sagt:

„Ich und mehrere Gleichgesinnte haben in den vergangenen drei Jahren versucht, eine der großen gegenwärtigen muslimischen Parteien – oder zumindest irgendeine von ihnen – dazu zu bewegen, ihre Organisationsweise und ihr Programm so zu verändern, dass dieses Bedürfnis des Islam erfüllt würde und die Gründung einer neuen Partei nicht notwendig wäre. Bedauerlicherweise blieb unser Versuch jedoch erfolglos. Danach blieb uns nichts anderes übrig, als diejenigen zusammenzuführen, die mit den Aktivitäten der gegenwärtigen Parteien nicht zufrieden waren und bereit waren, auf der Grundlage wahrer islamischer Prinzipien zu arbeiten. Daher wurde im August 1941 mit ihnen eine Konferenz einberufen, und auf der Grundlage gegenseitiger Beratung wurde die Jamaat-e-Islami gegründet.“

Jamaat-e-Islami

Ich möchte den Lesern darlegen, wie und unter welchen Umständen die Jamaat-e-Islami gegründet wurde.

Maulana Maududi erläuterte im dritten Band seines Werkes „Musalman aur Maujuda Siyasi Kashmakash“ die islamische Bewegung, beschrieb die Notwendigkeit, für sie eine Partei zu gründen, und legte auch einen Entwurf für die Organisationsweise dieser Partei vor. Danach richtete Maulana Maududi in der Safar-Ausgabe des Jahres 1360 nach der Hidschra der Zeitschrift Tarjuman-ul-Qur’an einen Aufruf an die muslimische Bevölkerung: Wer diese Ideologie und Sichtweise annehme und entsprechend handeln wolle, solle mit dem Büro von Tarjuman Kontakt aufnehmen. Schon nach wenigen Tagen trafen Nachrichten ein, dass eine beträchtliche Zahl von Menschen daran interessiert sei, eine islamische Partei zu gründen und tätig zu werden. Daher wurden alle Beteiligten aufgefordert, sich am 25. August 1941, dem 1. Scha’ban 1360 nach der Hidschra, in Lahore zu versammeln.

Insgesamt nahmen 75 Personen aus verschiedenen Teilen des Landes an der Versammlung teil. Am ersten Tag stellten verschiedene Menschen dem Maulana Fragen zu unterschiedlichen Themen. Maulana gab auf alle zufriedenstellende Antworten.

Am zweiten Tag begann die Versammlung um acht Uhr morgens. Zunächst beleuchtete Maulana in seiner Ansprache ausführlich die Geschichte der damaligen islamischen Bewegung. Er stellte die Dīn als eine Bewegung dar und sagte: „Wir dürfen nicht zulassen, dass die Religiosität in unserem Leben lediglich eine private Angelegenheit bleibt, die untätig und erstarrt ist. Vielmehr müssen wir dafür kämpfen, die Dīn in unserem gesamten Leben zu errichten und die reaktionären Kräfte mit ihren Wurzeln auszurotten. Die Gründung von Dar-ul-Islam im Jahr 1938 war ihr erster Schritt. Damals hatte ich nur vier Mitarbeiter. Dieser bescheidene Anfang war äußerst unbedeutend. Doch auch deshalb verloren wir nicht die Hoffnung. Vielmehr wurde dank der Gnade Gottes die Einladung zur islamischen Bewegung sowie die Arbeit fortgesetzt, eine Sichtweise und ein Bewusstsein für diese Bewegung zu schaffen. Durch Allahs Gnade kamen nach und nach weitere Mitarbeiter hinzu. In verschiedenen Teilen des Landes wurden kleine Zweigstellen dieser Art von Menschen gegründet. Zugleich gingen die Veröffentlichung islamischer Literatur und die grundlegende Arbeit der Da’wa und Tabligh weiter. Schließlich wurde nach der Prüfung und Auswertung der Auswirkungen der Bewegung deutlich, dass nun die Voraussetzungen dafür geschaffen waren, die Jamaat-e-Islami zu gründen und die islamische Bewegung organisiert weiterzuführen. Aus diesem Grund wurde diese Versammlung einberufen.“

Nach dieser Analyse des Hintergrunds sagte Maulana: „Zunächst müssen wir genau wissen, worin der grundlegende Unterschied der islamischen Bewegung zu all den Bewegungen besteht, die unter den Muslimen in der Vergangenheit bestanden und gegenwärtig bestehen.“

„Erstens werden diese Bewegungen vielleicht auf der Grundlage eines bestimmten Teilbereichs des Islams oder eines weltlichen Ziels geführt. Unsere Bewegung jedoch wird den vollständigen Islam zum Inhalt haben.“

„Zweitens ist ihre parteiliche Organisation nach dem Muster der übrigen Parteien der Welt gestaltet. Wir hingegen übernehmen genau jenes Organisationssystem, das ursprünglich in der von Rasulullah (sallallahu alaihi wa sallam) gegründeten Gemeinschaft bestand.“

„Drittens werden in diese Gruppen Menschen unter der Annahme aufgenommen, dass jemand, der in der muslimischen Nation geboren wurde, gewiss ein wahrer Muslim sein müsse. Dies hat dazu geführt, dass in diese Gruppe – von einfachen Mitgliedern und Mitarbeitern bis hin zu den Führern – viele Menschen eingedrungen sind, die ihrem Charakter nach keineswegs vertrauenswürdig und auch nicht zur Übernahme großer Verantwortung geeignet sind. Wir nehmen jedoch niemanden unter der Annahme in unsere Gruppe auf, dass er ‚ein Muslim sein wird‘. Vielmehr nehmen wir ihn erst dann in die Gruppe auf, wenn er die Bedeutung, das Wesen und die Forderungen der Kalima Tayyiba kennt und versteht und sich dazu verpflichtet, an sie zu glauben. Nach dem Beitritt besteht die zwingende Voraussetzung dafür, Mitglied der Gruppe zu bleiben, darin, dass er die Mindestanforderungen erfüllt, die der Glaube in allen Angelegenheiten stellt. Auf diese Weise werden sich, so Gott will, aus der muslimischen Nation ausschließlich rechtschaffene Menschen herauskristallisieren und dieser Gruppe anschließen.“

Nachdem Mawlana Maududi auf diese Weise den Grund für die Gründung einer islamischen Gruppe, ihre Organisationsweise und ihre vergleichbaren Unterschiede zu den übrigen Gruppen analysiert hatte, verlas er den Entwurf der Satzung der Jamaat-e-Islami. Eine gedruckte Ausgabe davon war allerdings bereits am Vortag an alle verteilt worden. Nach ausführlicher Beratung wurde die Satzung mit geringfügigen Änderungen einstimmig angenommen.

Daraufhin erhob sich Mawlana Maududi, sprach das Glaubensbekenntnis und erklärte, an alle Versammelten gewandt: „Seid allesamt Zeugen, dass ich meinen Glauben erneut bekenne und der Jamaat-e-Islami beitrete.“

Danach sprach einer nach dem anderen das Glaubensbekenntnis und erklärte seinen Beitritt zur Jamaat. Während sie das Glaubensbekenntnis sprachen, weinte jeder von ihnen schluchzend. Einerseits die Furcht vor Allah und andererseits die von der Empfindung, eine gewaltige Verantwortung zu übernehmen, ausgelöste Ergriffenheit erschütterten ihre Herzen.

Als Erste schlossen sich fünfundsiebzig Menschen der Jamaat-e-Islami an, und mit ihnen wurde die Jamaat-e-Islami gegründet. Mawlana Maududi wurde einstimmig zum Amir der Jamaat gewählt.

(a) Nach der Wahl des Amirs hob Mawlana Manzur Nu’mani die Hände zum Bittgebet. Herr Nu’mani betete: O Gott! Einige deiner unbedeutenden Diener haben sich vorgenommen, deine Botschaft in der ganzen Welt zu verkünden. Sie beabsichtigen, die Gesellschaft zu verändern und den Islam vom Kontakt mit dem Falschen zu reinigen. Wir sind deine unbedeutenden, wertlosen und schwachen Diener. In der Hoffnung, allein dein Wohlgefallen zu erlangen, sind wir mit einem solch großen und erhabenen Ziel aufgestanden. Gewähre uns die Fähigkeit, dieses Ziel und diesen Zweck unser ganzes Leben lang zu einem untrennbaren Bestandteil unseres Lebens zu machen. Damit wir den Islam wieder in seine wahre Gestalt zurückführen können.

Das von Tränen erstickte Bittgebet Maulana No’manis ließ in den Augen aller eine Tränenflut aufsteigen. In den Herzen weckte es neuen Eifer und Begeisterung sowie den unbezwingbaren Entschluss, auf dem Weg Allahs zu gehen.

Der teilnehmende Hakim Maulana Muhammad Abdullah sagte: „Dieses Bittgebet und die außergewöhnliche Ergriffenheit, die unter den Teilnehmern des Bittgebets entstand, beeindruckten mich so sehr, dass ich dies in meinem Leben niemals vergessen werde. Noch beeindruckender war jedoch ein Ereignis, das mir für immer im Gedächtnis bleiben wird: Nach dem Essen der Gäste entfernte Maulana Sayyid Abul A’la Mawdudi eigenhändig die überall auf der Tischtuch-Unterlage verstreuten Knochen und sonstigen Essensreste und säuberte den Essplatz.“

Die Ansprache, die Maulana Mawdudi nach seiner Wahl zum Amir hielt, lautete wie folgt:

„Ich bin unter Ihnen weder der Wissendste noch der Gottesfürchtigste. Auch in anderer Hinsicht besitze ich Ihnen gegenüber keinen Vorrang. Doch nachdem Sie mir Ihr Vertrauen geschenkt und mir die Verantwortung für diese gewaltige Aufgabe übertragen haben, bitte ich Allah darum – und auch Sie sollen darum bitten –, dass Er mir die Kraft gibt, diese Verantwortung zu erfüllen, und dass Er Ihr Vertrauen in mich bewahrt. Ich werde mich nach Kräften bemühen, diese Aufgabe mit vollkommener Gottesfurcht und Verantwortungsbewusstsein zu erfüllen. Ich werde meine Verantwortung nicht freiwillig in irgendeiner Weise vernachlässigen. Im Einklang mit Wissen und Erkenntnis werde ich es nicht versäumen, dem Buch Allahs, der Sunna des Gesandten und den Spuren der rechtgeleiteten Kalifen zu folgen. Sollte ich dennoch Fehler oder Abweichungen begehen und jemand von Ihnen den Eindruck gewinnen, dass ich vom richtigen Weg abgewichen bin, so soll er nicht annehmen, dass dies absichtlich geschehen sei. Vielmehr soll er mir gegenüber eine gute Meinung bewahren und versuchen, mich zu korrigieren. Solange ich auf dem richtigen Weg bleibe, werden Sie mich unterstützen, meinen Worten folgen, aufrichtigen Rat geben, jede mögliche Hilfe und Unterstützung leisten und sich von Vorgehensweisen fernhalten, die die Disziplin der Jamaat verletzen. Ich bin mir der Größe dieser Bewegung und meiner eigenen Fehler und Verfehlungen vollkommen bewusst. Ich weiß, dass dies eine Bewegung ist, deren Führung einst die großen Propheten und Gesandten Allahs innehatten und die nach dem Ende des Zeitalters der Prophetie von außergewöhnlichen Menschen geleitet wurde, die zu den vortrefflichsten Personen der menschlichen Gesellschaft gehörten. Von mir selbst hege ich nicht einmal einen Augenblick lang die irrige Vorstellung, dass ich dieser großen Bewegung würdig vorstehen könnte. Vielmehr halte ich es für ein Unglück, dass Ihnen für diese gewaltige Aufgabe niemand begegnet ist, der geeigneter wäre als ich. … Ich werde niemals zulassen, dass ich selbst zu einem Hindernis auf Allahs Weg werde. Ich werde niemandem Gelegenheit geben zu sagen: ‚Bringt einen ungeeigneten Mann her.‘ Das Amt, das Sie mir übertragen haben, wird dann stets für ihn frei bleiben. Allerdings bin ich nicht bereit zu sagen, dass auch ich nicht voranschreiten werde, wenn kein anderer hervortritt, um diese Aufgabe fortzuführen.“

„Diese Bewegung ist das Ziel meines Lebens. Für sie lebe und sterbe ich. Ob jemand diesen Weg beschreitet oder nicht, ich muss ihn beschreiten. Wenn niemand diesen Weg gemeinsam mit mir geht, werde ich ihn allein gehen. Sollte sich die ganze Welt gegen mich vereinigen und Widerstand leisten, muss ich gegen sie kämpfen und werde keinen Schritt zurückweichen.“

Die Majlis-e-Shura

Nach der historischen Gründungskonferenz der Jamaat-e-Islami gab der Amir der Jamaat die Namen der Mitglieder seiner Majlis-e-Shura bekannt. Am folgenden Tag fand die Sitzung der Shura statt, und der Amir der Jamaat, Maulana Mawdudi, verkündete das folgende Arbeitsprogramm:

Diejenigen, die sich dieser Jamaat angeschlossen haben, sollen sich selbst läutern und ihre Lebensweise nach dem Islam reinigen. Denjenigen hingegen, die außerhalb dieser Jamaat stehen – seien sie Nichtmuslime oder Muslime, die sich von ihren religiösen Pflichten und den religiösen Zielen entfernt haben –, soll grundsätzlich die Einladung ausgesprochen werden, die Herrschaft jedes anderen außer Allah zu verleugnen und die Herrschaft des Herrn der Welten anzuerkennen. Danach sind den Umständen entsprechend Schritte zu unternehmen. Dabei muss man sich vor Augen halten, dass es keineswegs eine leichte Aufgabe ist, ein fest etabliertes Gesellschaftssystem, das auf dem Gehorsam gegenüber anderen als Allah beruht, auszurotten und eine auf dem Gehorsam gegenüber Allah beruhende Lebensordnung zu errichten. Dabei sind Verluste an Leib und Leben, Besitz und allem anderen unvermeidlich. Deshalb sollen sich bei dieser Aufgabe nur diejenigen vorwärtsbewegen, die bereit sind, auf alle Arten von Annehmlichkeiten, Genuss und Luxus zu verzichten und jede Art von Verlust frohen Mutes hinzunehmen.

Im Manifest der Jamaat-e Islami wird Folgendes erklärt:

„Die Gruppierungen, die man gewöhnlich im engeren Sinne als politische, religiöse oder reformerische Parteien bezeichnet, sind nicht die Art von Gruppierung, die die Jamaat-e Islami darstellt. In Wirklichkeit handelt es sich um eine ideologisch fundierte Bewegung. Diese Bewegung glaubt an eine umfassende und universelle Lebensanschauung für das menschliche Leben. Sie möchte diese Lebensanschauung in den menschlichen Denkweisen und Überzeugungen, im Charakter und Verhalten, in Bildung und Erziehung, in Literatur und Kunst, in Kultur und Zivilisation, in Religion und gesellschaftlichem Leben, im wirtschaftlichen und politischen Bereich sowie in der Staatsführung wirksam verwirklichen. Nach Auffassung dieser Jamaat wird der Mensch zum alleinigen Grund für allen Unfrieden und jedes Unrecht auf der Erde, sobald er den Gehorsam gegenüber Allah aufgibt, die Rechenschaft vor Allah im Jenseits vergisst und sich weigert, dem von den edlen Propheten (Friede sei mit ihnen) gewiesenen Weg zu folgen.“

Kurz gesagt, ruft die Jamaat-e Islami die gesamte Menschheit im Wesentlichen zu drei Dingen auf. Diese sind:

 

Der Aufruf der Jamaat-e Islami

an die menschliche Gesellschaft im Allgemeinen und insbesondere an die Muslime:

— Erkenne in allen Lebensbereichen die Dienerschaft gegenüber Allah und den Gehorsam gegenüber den Propheten an.

— Gib jede rassistische Gesinnung und Heuchelei auf und geselle Allah niemanden als Teilhaber bei.

— Entfernt die Allah abgewandten Menschen aus Führung und Autorität und übertragt die gesamte Macht den wahrhaft Gläubigen und rechtschaffenen Menschen, damit das Leben genau auf Allahs Weg gelenkt wird.

Wenn ihr diesen Aufruf für wahr haltet, schließt euch uns an. Die Belohnung dafür werdet ihr selbst bei Gott erhalten. Wer diesem Werk Hindernisse in den Weg legt, soll sich darauf vorbereiten, vor Gott Rechenschaft abzulegen.

Kurz gesagt: Die Jamaat-e-Islami ist mit derselben Mission angetreten, mit der die Propheten Allahs in die Welt gekommen waren und die durch den letzten Propheten, Hazrat Muhammad Mustafa (Friede und Segen Allahs seien auf ihm), ihre vollständige Entfaltung erfahren hatte. Das heißt: In jedem Bereich des menschlichen Lebens – in Bildung und Erziehung, Kunst und Wissenschaft, Zivilisation und Kultur, im sozialen, wirtschaftlichen und politischen Leben, in der Staatsführung und auf dem Schlachtfeld, in Handel und Geschäftsleben sowie in Büros und Gerichten, beim Abschluss internationaler Bündnisse und bei der Pflege internationaler Beziehungen – muss ausschließlich Gott gehorcht werden. Dies ist das Ziel der Jamaat-e-Islami. Dies wird „Iqamat-e-Din“ genannt, also die vollständige Errichtung der Religion Allahs, des Islam.

Im Jahr 1943 wurde das Zentralbüro der Jamaat-e-Islami von Lahore nach „Dar-ul-Islam“ in Pathankot im östlichen Punjab verlegt. 1945 fand hier die erste gesamtindische Konferenz der Jamaat-e-Islami statt.

Gesamtindische Konferenz der Jamaat-e-Islami

Im Oktober 1942 wurde das Zentralbüro der Jamaat-e-Islami von Lahore nach „Dar-ul-Islam“ in Pathankot im östlichen Punjab verlegt. 1945 fand hier die erste gesamtindische Konferenz der Jamaat-e-Islami statt.

Hier wird ein kurzer Auszug aus der Ansprache wiedergegeben, die Maulana Maududi auf dieser Konferenz vor den Mitarbeitern hielt.

Es sei darauf hingewiesen, dass einige religiöse Geschäftemacher mit eingefahrenen Eigeninteressen (Vested interests) seit der Gründung der Jamaat lautstark Kritik an der Jamaat und dem Maulana zu üben begannen. Dafür gibt es einen Grund, und dieser ist auch ganz natürlich.

Die Jamaat-e-Islami ist eine ideologische Bewegung, keine bloße Organisation für islamischen Tabligh. Tatsächlich besteht ein gewaltiger Unterschied zwischen einer Bewegung (Tahriq) und Tabligh.

Tabligh bedeutet, den Menschen einige gute Worte und Taten nahezubringen, zu guten Taten zu ermahnen und allgemein dazu aufzurufen, sich von schlechten Taten fernzuhalten. Wenn man jemanden zu guten Taten ermahnt und ihm nahelegt, sich von schlechten Taten fernzuhalten, sollte er nicht zornig oder unzufrieden werden. Vielmehr werden diejenigen, die solche guten Ratschläge erteilen, gewöhnlich respektiert, selbst wenn ihre Ratschläge nicht befolgt werden. Eine Bewegung hingegen bedeutet, schlechte Taten, Missstände, Unmoral und dergleichen aus dem Inneren der Gesellschaft mit der Wurzel auszurotten und gute Taten zu etablieren. Wenn man vor einer Versammlung von zehn- oder zwanzigtausend Menschen mit erhobener Stimme sagt: „Tut gute Taten und haltet euch von schlechten Taten fern“, kann dies vielleicht teilweise erfolgreich sein. Doch dadurch wird keine reaktionäre Kraft herausgefordert. Wenn man jedoch sagt: „Lasst uns uns vereinen, alles Gute in der Gesellschaft verwirklichen und alles Schlechte mit der Wurzel ausrotten“, dann wird dies als Bewegung bezeichnet, und man wird gewiss sehen, dass eine reaktionäre Kraft entschlossen ist, sich dieser Bewegung entgegenzustellen. Diese Bewegung war die Aufgabe der Propheten, und der Befehl, den Allah im Heiligen Koran zu „Amr bil-ma’ruf wa nahi anil-munkar“ – dem Gebieten des Guten und dem Verwehren des Schlechten – gegeben hat, kann erst durch eine Bewegung seine wirkliche Verwirklichung finden.

Da die Jamaat-e-Islami eine Bewegung war, wurde die reaktionäre Kraft ihr gegenüber von Anfang an feindselig. Die Rede, die der Maulana auf der ersten gesamtindischen Konferenz der Jamaat-e-Islami angesichts der Kritik und des Widerstands der Reaktionäre vor den Aktivisten hielt, ist von außerordentlicher Bedeutung. Seine Rede machte einerseits den Zweck und das Ziel der Jamaat deutlich und wies andererseits auf die Hindernisse, Gefahren, Widrigkeiten, Leiden, Mühsal, Verfolgung und Unterdrückung hin, die auf dem Weg der Bewegung ganz natürlich auftreten würden, und machte die Aktivisten wachsam und vorsichtig. Einerseits entfachte er unter den Aktivisten unerschütterliche Begeisterung für diese große Bewegung, andererseits wies er sie zu Nachsicht gegenüber den gegnerischen Reaktionären an.

Das Ziel der Jamaat ist die Errichtung der Herrschaft Allahs und das Erlangen Seines Wohlgefallens

Der Maulana sagte in seiner Rede: „Über das Ergebnis dieser Bewegung zur Errichtung des Din können wir überhaupt nichts sagen. Das Ergebnis liegt in Allahs Hand. Wenn das Ergebnis unserer Bemühungen darin besteht, dass wir eine rechtschaffene Gesellschaftsordnung errichten konnten, dann wäre dies eine große Gabe Allahs. Viele sagen spöttisch, all unsere Bemühungen zielten angeblich nur auf den Erwerb von Macht; Allahs Wohlgefallen zu erlangen, sei nicht unser Ziel. Diese Vorstellung ist völlig falsch. All unsere Bemühungen dienen der Errichtung von Allahs Din, eines rechtschaffenen und von Gott gegebenen Lebenssystems. An dieser Bemühung zur Errichtung von Allahs Din ist nichts auszusetzen. Und es gibt auch keinen Grund, sich dafür zu schämen. Wenn wir von der Hukumat-e-Ilahiya sprechen, meinen wir damit eine solche Ordnung. Ich verstehe nicht, was daran umstritten sein soll, wenn eine solche Ordnung unser gewünschtes und ersehntes Ziel ist. Ist dies etwa etwas anderes als das Streben nach Allahs Wohlgefallen? Was könnte Allah mehr zufriedenstellen, als dass auf Allahs Erde Allahs Herrschaft gilt? Wer könnte stärker nach Allahs Wohlgefallen streben als jene, die ihr Leben diesem Ziel weihen, ohne irgendetwas zu fürchten, damit auf Allahs Erde niemand außer Allah Autorität ausüben kann? Wenn eine solche Bemühung Weltlichkeit ist, besteht Frömmigkeit dann etwa darin, die ganze Nacht wach zu bleiben und ‚Allahu Allahu‘ zu rezitieren und tagsüber zu versuchen, auf Allahs Erde die Herrschaft Satans zu errichten? Diejenigen, die solche Dinge sagen, haben in ihrem Herzen und Verstand eine äußerst verdorbene Vorstellung vom Din.“

An einer Stelle seiner Rede sagte der Maulana:

„Ihr wisst, dass Allah nicht von uns verlangen wird, einen Staat wie den Staat von Abu Bakr und Umar, möge Allah mit ihnen zufrieden sein, zu errichten. Niemand ist dazu in der Lage, und Allah hat dies auch nicht angeordnet. Von uns wird jedoch verlangt, dass wir alle Anstrengungen zur Errichtung des Din unternehmen und für diese Bemühung alle Mittel unseres Lebens einsetzen, das heißt sowohl unser eigenes Leben als auch unser Vermögen und darüber hinaus alles, was uns lieb ist. Mit Din meinen wir nicht irgendeinen bestimmten Teil davon, wie wichtig er auch sein mag. Mit Din meinen wir vielmehr den Din in seiner Gesamtheit und Vollständigkeit. Seine grundlegenden und nebensächlichen Angelegenheiten, seinen Akida und Glauben sowie seine Handlungen – all dies meinen wir mit Din. Wir werden uns für den Din mit Aufrichtigkeit, Begeisterung und Tatkraft einsetzen. Für Allah ist dies das einzige Kriterium für unseren Iman und unseren Nifaq (Heuchelei). Wo die innere Antriebskraft zur Errichtung des Din fehlt, hat der Iman keinen Platz. Ein Herz, in dem keine Anteilnahme am Din ist, kann niemals das Haus Allahs sein. So viele Tasbih-Gebete man auch verrichten und so viele Wazifa sowie Zikr und Adhkar man auch rezitieren mag – all dies kann der Liebe zur Errichtung des Din nicht gleichkommen. Dies ist die Seele aller Frömmigkeit, und danach wird Allah zuerst in unseren Herzen suchen. Ferner muss diese Bemühung zur Errichtung des Din unbedingt gemeinschaftlich und nicht individuell erfolgen. Wir müssen versuchen, im Herzen das Feuer der Liebe und Zuneigung zur Errichtung des Din zu entfachen. Die Frage nach dem Ergebnis ist gegenstandslos. Es kann sogar sein, dass man uns mit einer Säge in zwei Hälften teilt.“

Als der Maulana über den Widerstand gegen die Bewegung sprach, sagte er:

„Die Forderung dieses Weges besteht darin, dass sich in uns die Bereitschaft entwickelt, Widerstand willkommen zu heißen. Ob es der Weg der Wahrheit oder der Weg des Falschen ist – Allahs Gesetz in dieser Angelegenheit lautet, dass jeder, der einen Weg einschlägt, auf diesem Weg einer Feuerprobe unterzogen werden muss. Gerade der Weg der Wahrheit zeichnet sich dadurch aus, dass er von Anfang bis zum Ende voller Feuerproben ist. So freut sich ein begabter Mathematikschüler, wenn er eine schwierige Aufgabe bekommt, weil dadurch seine Begabung geprüft wird; ebenso freut sich ein standhafter Mu’min, wenn er einer Prüfung gegenübersteht. Denn dadurch erhält er die Möglichkeit, seine Gehorsamkeit zu beweisen. Eine flackernde Lampe erlischt schon durch einen leichten Windstoß. Ein lodernder Herd hingegen brennt im Wind noch stärker. Entwickelt in euch die Fähigkeit, dass ein lodernder Herd nicht durch feuchtes Brennmaterial erlischt, sondern es zu seinem Brennstoff macht; ebenso sollt auch ihr euch durch Widerstand nicht unterdrücken lassen, sondern daraus Nahrung und Kraft schöpfen. Solange sich diese Fähigkeit nicht in uns entwickelt hat, ist nicht zu erwarten, dass wir Allahs Din einen guten Dienst erweisen können.“

Darauf drängte der Maulana die Mitarbeiter an einer Stelle seiner Ansprache, die Literatur der Dschamaat, den Heiligen Koran und die Sira des Propheten eingehend zu studieren, und ermahnte sie zur Läuterung ihrer Seele und zur Charakterbildung. Er riet ihnen, sich von unnützen und sinnlosen Tätigkeiten, von Bahs und Munazara (Debatten) und dergleichen fernzuhalten.

Darauf sagte er: „Wenn jemand meinen persönlichen Charakter und mein Verhalten scharf kritisiert, sollt ihr nicht versuchen, ihm entgegenzutreten. Denn auch ich werde das nicht tun. Verschwendet eure Zeit und Kraft nicht mit solchen Dingen. … Wenn ihr bei einem gegenseitigen Gespräch bemerkt, dass der Gegner erregt wird, dann beendet das Gespräch. Denn erregte Diskussionen haben viele schädliche Folgen.“

Er sagte ferner: „Die islamische Bewegung hat ein besonderes Wesen und einen besonderen Charakter. Sie verfügt über eine eigene Arbeitsweise, die keinerlei Ähnlichkeit mit der Arbeitsweise irgendeiner anderen Bewegung hat. Diejenigen, die bisher verschiedenen Bewegungen angehörten und an deren Methoden gewöhnt sind, müssen vieles an sich ändern, wenn sie dieser Dschamaat beitreten. Versammlungen, Kundgebungen, Festons, Banner und Fahnen, Slogans, Uniformen, Protestkundgebungen, die Annahme von Resolutionen, zügellose Reden, aufwiegelnde Schriften und all derartige Dinge sind für jene Bewegungen deren Lebenselixier, für die Bewegung der Dschamaat jedoch tödliches Gift. Die hiesige Arbeitsweise muss man aus dem Heiligen Koran, der Sira Muhammads (Friede und Segen seien auf ihm) und dem Lebenswandel der edlen Gefährten ableiten und sich zu eigen machen.“

Zum Schluss sagte der Maulana: „Das eigentliche Lebenselixier dieser Bewegung ist eine feste Beziehung zu Allah. Wenn eure Beziehung zu Ihm schwach ist, werdet ihr nicht fähig sein, die göttliche Herrschaft zu errichten und sie erfolgreich zu führen. Deshalb sollt ihr neben den verpflichtenden Gottesdiensten auch die freiwilligen Gottesdienste regelmäßig verrichten. Freiwillige Gebete, freiwilliges Fasten, Almosen und dergleichen sind Dinge, die im Menschen Aufrichtigkeit hervorbringen. All dies sollt ihr möglichst im Verborgenen tun, damit keine ‚Riya‘ (Zurschaustellung) entsteht. Verrichtet das Gebet mit Verständnis. Nicht so, als würdet ihr etwas Auswendig gelerntes aufsagen, sondern so, dass ihr bewusst vor dem Herrn ein Anliegen vortragt. …

…… Haltet euch von allen Formen des Zikr und der Bittgebete, der Riyadat (Askese), der Murakaba-Muschahada, des Tasbih und der Rezitationen fern, die nicht durch authentische Hadithe belegt sind.“

Ein Interview

Auf die Frage, die man dem Maulana in einem Gespräch darüber stellte, wie die Dschamaat-e Islami gegründet wurde und unter welchen Umständen sie ihren Anfang nahm, folgt im Weiteren seine Antwort. Denn die Leser werden gewiss Freude daran haben, die Entstehungsgeschichte des von einem Künstler geschaffenen Werkes aus dessen eigenem Mund zu hören.

Hören wir aus seinem eigenen Mund, wann in ihm der Gedanke an ein umfassendes Bemühen für die islamische Bewegung entstand, noch bevor die Dschamaat-e Islami organisiert wurde:“

„Über ihre richtige Gestalt habe ich im Jahr 1938 oder 1939 nachgedacht. Zuvor hatte ich allerdings den Wunsch, eine Forschungsakademie und ein Ausbildungszentrum (Tarbiyatgah) zu errichten, damit einige Menschen herangebildet werden könnten. Denn es handelt sich um eine solche Aufgabe, dass sie nicht vorankommen kann, wenn man nicht selbst Menschen heranbildet. Erst einige Zeit später kam mir der Gedanke, einige Menschen in eine Bewegung einzubeziehen und auf organisierte Weise gemeinsam Anstrengungen zu unternehmen.“

Doch warum erwachte diese Vorstellung überhaupt in meinem Herzen, und welche Umstände waren damals entstanden, die dieses Empfinden in mir hervorriefen?

Von 1924 bis ungefähr 1937 war die Lage äußerst entmutigend. Die Muslime waren mit einer gewaltigen Krise konfrontiert. Einerseits war die Khilafatbewegung gescheitert, und danach begannen die hindu-muslimischen kommunalen Unruhen. Die Muslime waren gespalten und derart auseinandergerissen, dass sie überhaupt keinen vertrauenswürdigen Führer oder Leiter mehr hatten. Vor ihnen lag kein Lebensziel, und untereinander lagen sie im Streit. Andererseits wurden gerade durch diese Gelegenheit die Entschlüsse und Ziele der Hindus deutlich sichtbar. Ihre Interessen wurden von Gandhi selbst vertreten. Die Muslime setzten ihr Vertrauen in ihn. Doch er war ihnen in keiner Weise von Nutzen. Statt ihnen zu helfen, schadete er ihnen vielmehr. Wenn man seinen Zustand betrachtete, schien es, als sei sein Äußeres das eine und sein Inneres etwas anderes. Denn bei den hindu-muslimischen Unruhen lud er die gesamte Schuld auf die Muslime ab und stellte sich selbst dann auf die Seite der Hindus, wenn diese über die Grenzen gingen. So begannen die Muslime, das wenige Vertrauen, das sie in ihn gesetzt hatten, zu verlieren. In dieser Zeit war auch Maulana Muhammad Ali Jauhar entmutigt. Hakim Ajmal Khan war ebenfalls entmutigt.

Ein oder zwei Jahre vergingen damals auf eine Weise, die für mich äußerst schmerzlich war. Ich war zu jener Zeit noch ein ganz junger Mann. Ich konnte damals nicht einmal daran denken, eine Bewegung leiten zu können. Denn die Lage war eindeutig. Alle Führer, denen wir unser Vertrauen geschenkt hatten, waren gescheitert. Sie hatten auch keine Botschaft, mit der sie die Nation hätten beruhigen können. Selbst nach reiflicher Überlegung konnte ich nicht entscheiden, was getan werden sollte.

In dieser Zeit begann sich eine Vielzahl neuer Zivilisationen und Denkströmungen auszubreiten. Nach dem Scheitern der Khilafatbewegung dauerten die hindu-muslimischen Unruhen vier oder fünf Jahre an. Danach begannen Atheismus und Sittenlosigkeit unter den Muslimen Wurzeln zu schlagen. Man begann, den Islam zu entstellen. Nach und nach nahm dies das Ausmaß eines Sturms an. [Eine von Fateh Niyazpuri herausgegebene Zeitschrift, durch die eine Bewegung ins Leben gerufen wurde, die Hadith-Wissenschaft als unglaubwürdig hinzustellen.] „Nigar“ entstand ebenfalls in dieser Zeit. Sogar aus den religiösen Madrasas unseres Landes kamen zahlreiche Menschen hervor, die vom Islam enttäuscht waren und sich von ihm entfernten. Schließlich war die Lage so weit gekommen, dass die Menschen sich schämten, das Gebet zu verrichten. Besonders wenn jemand während einer Zugfahrt oder in einem Garten betete, kam er sich vor, als mache er sich lächerlich.

Während ich darüber nachdachte, gelangte ich zu dem Schluss, dass etwas getan werden müsse, um dieser Lage entgegenzutreten. Es war eine solche Situation, dass ich unmittelbar erkannte: Ohne organisierte Anstrengungen sind der Schutz und die Erhöhung des Islams nicht möglich.“

Frage: Haben Sie also zunächst einen Plan zur Läuterung des Denkens entwickelt?

Antwort: Ja, damals dachte ich, dass man zunächst auf dem Gebiet des Denkens etwas beginnen und auf diese Weise einige Menschen für diese Aufgabe heranbilden sollte. Schließlich würde man gemeinsame Anstrengungen unternehmen können.

Nachdem ich auf dem Gebiet des Denkens den Kampf geführt hatte, erkannte ich, dass mir nun nichts anderes übrig blieb, als voranzuschreiten und tätig zu werden. Zugleich hatte ich jedoch gewisse Bedenken: Was würde geschehen, wenn niemand auf meinen Aufruf reagierte? Wäre ich dann in der Lage, diese Bewegung weiterzuführen? Dennoch kam ich nach reiflicher Überlegung zu dem Entschluss, dass sich alles durch unmittelbare Erfahrung erweisen würde. Wenn es außer mir niemanden gab, der voranschreiten und tätig werden konnte, dann musste ich es selbst tun.

Frage: Wie baten Sie andere um ihre Unterstützung für diese Arbeit, und wie ermutigten Sie sie dazu?

Antwort: In dieser Angelegenheit hing alles von den Artikeln und den Aufrufen in Tarjuman-ul-Quran ab. Mit allen, die ich traf, führte ich Gespräche und Erörterungen. Briefe schrieb ich nur sehr wenige. Den größten Teil der Arbeit leistete ich durch die in Tarjuman-ul-Quran veröffentlichten Artikel und durch persönliche Begegnungen. Ich habe diese Arbeit nicht überstürzt. So schlug ich nicht den Weg ein, große Versammlungen und Konferenzen abzuhalten und dort einige Menschen zusammenzubringen. Ich bin ein Befürworter kleiner Anfänge. Stets bemühte ich mich, mit den wenigen geeigneten und vertrauenswürdigen Menschen, die sich finden ließen, die Arbeit zu beginnen.

Frage: Wie viele Menschen hatten Sie bei der Gründung der Jamaat gewonnen?

Antwort: Als die Jamaat zum ersten Mal gegründet wurde, folgten etwa 150 Menschen meinem Aufruf, und 75 traten der Jamaat unmittelbar bei. Das war die ursprüngliche Zahl. [Tatsächlich sandten 150 Menschen als Antwort auf den in Tarjuman-ul-Quran veröffentlichten Aufruf zur Gründung der Jamaat ihre Namen und Adressen an das Tarjuman-Büro. Allen wurde geschrieben, sie sollten am 25. August 1941 im Tarjuman-ul-Quran-Büro in Lahore erscheinen. Auf diesen Aufruf hin erschienen 75 Menschen, und mit ihnen wurde die Jamaat gegründet – der Verfasser.]

Frage: Was empfanden Sie persönlich angesichts dieses Beginns der Jamaat?

Antwort: Ich konnte deutlich erkennen, dass kein besserer Anfang hätte erhofft werden können. Ich habe niemals gedacht, ich würde einen Aufruf erlassen und Tausende von Menschen würden darauf reagieren und erscheinen.

Der Maulana am historischen 14. August

Der 14. August 1947 war für die Muslime Pakistans und Indiens ein denkwürdiger Tag. An diesem Tag ging der Sonnenstrahl der Freiheit für die Muslime aus den Fesseln des britischen und hinduistischen Imperialismus auf. Der Distrikt Gurdaspur im Punjab war vollständig muslimische Mehrheitsregion. Nach dem einmütig anerkannten Grundprinzip der Teilung Indiens stand der Distrikt Gurdaspur Pakistan rechtmäßig zu. Daher war dieser Tag für die Muslime dieses Distrikts ein Eid-Tag. Doch in der grausamen Ironie des Schicksals verwandelte sich diese Freude der Muslime in Trauer. Der Radcliffe-Schiedsspruch riss mehrere muslimisch geprägte Distrikte wie Gurdaspur aus Ost- und Westpakistan heraus und schlug sie Indien zu; damit lieferte er ein Beispiel für äußerste Parteilichkeit, Ungerechtigkeit und schamlose Bevorzugung der Hindus.

An diesem Tag hielt sich Maulana Maududi in Dar-ul-Islam nahe Pathankot im Distrikt Gurdaspur auf. Die Bevölkerung der Stadt Pathankot bestand überwiegend aus Sikhs und Hindus. Auch die Siedlung Dar-ul-Islam war von Hindus und Sikhs umgeben. Sobald der Maulana über das Radio hörte, dass Gurdaspur gewaltsam Indien zugeschlagen worden war, bemerkte er in tiefer Trauer, Kaschmir sei den Muslimen aus der Hand genommen worden. Er sagte außerdem, wenn sich bei ihm hundert bewaffnete Soldaten befunden hätten, wäre er statt nach Pakistan nach Kaschmir gegangen, um sich am Kampf für dessen Befreiung zu beteiligen.

Nach der Teilung Indiens brach im gesamten Punjab das Flammenmeer der kommunalen Unruhen aus. Die Frage der Sicherheit von Dar-ul-Islam, das von Hindus und Sikhs umgeben war, wurde für die Bewohner dieses kleinen Ortes zu einem großen Problem. In dieser Zeit handelte Maulana Maududi wie ein äußerst umsichtiger Heerführer. Auf seine Anweisung wurden einerseits in Dar-ul-Islam einige Gräben ausgehoben, und alle hielten sich mit nur zwei Gewehren und Stöcken bereit, um sich im Falle eines Angriffs durch Hindus und Sikhs verteidigen zu können. Andererseits begannen die Verantwortlichen der Jamaat, die Sikh-Führer zu ersuchen, von Unruhen abzusehen.

Einmal verbreitete sich das Gerücht, mehrere hundert Sikhs und Hindus bereiteten sich mit Waffen auf einen Angriff auf Dar-ul-Islam vor. Im Vertrauen auf Allah schickte der Maulana den Sekretär der Jamaat, Mian Tofail Muhammad, mit zwei Begleitern zu den Sikh-Führern Jagir Singh und Chunilal Singh. Durch eine vollständig von bewaffneten Sikhs bewohnte Siedlung gelangten die drei unbewaffneten Muslime zum Haus der Sikh-Führer. Als diese sie sahen, waren sie äußerst erstaunt. Die Anführer der Jamaat sagten furchtlos: „Wir haben gehört, dass Sie Dar-ul-Islam angreifen wollen. Wenn das stimmt, was ist der Grund dafür?“ Der untadelige Charakter des Maulana und der Bewohner von Dar-ul-Islam hatte bereits zuvor Eindruck auf sie gemacht. Nun waren sie von deren Furchtlosigkeit beeindruckt und geleiteten sie, nachdem sie ihnen Sicherheit zugesichert hatten, bis zu einem sicheren Ort.

Auf Anweisung des Maulana wurden gefährdete Muslime aus weit entfernten Gegenden in Dar-ul-Islam aufgenommen. Später wurden sie mithilfe von Konvois, die aus Pakistan kamen, nach Pakistan umgesiedelt. Nachdem alle Menschen sicher nach Pakistan geschickt worden waren, verließ der Maulana als Letzter Dar-ul-Islam und kam nach Lahore.

Nach der Übersiedlung nach Lahore wurde die Frage einer Unterkunft für den Maulana und seine Mitarbeiter zu einem großen Problem. Nachdem die Regierung ihnen ein Haus zugewiesen hatte, wurde es innerhalb von vierundzwanzig Stunden wieder zurückgefordert. Der Maulana verbot seinen Leuten, ein Haus durch Zuweisung anzunehmen. Danach schlugen sie im Islam-Park ihre Zelte auf und fanden dort Unterkunft. Später zogen sie in ein Miethaus in Ichhra.

Mit diesen entwurzelten Führern der Jamaat begann der Maulana zwei Unternehmungen: die Reinigung der Stadt und den Dienst an den Muhajirs. Zu jener Zeit hatten sich an vielen Stellen der Stadt übelriechende Müllhaufen angesammelt, die eine Seuchengefahr ankündigten. Die Mitarbeiter der Jamaat machten sich daran, den Müll an den Toren Muchi Darwaza und Bhati Darwaza zu beseitigen.

Für den Dienst an den Muhajirs wurde ein Team an der Grenze eingesetzt, während zwei weitere Teams sich der Versorgung der in den Lagern Walton und Bawli untergebrachten Muhajirs widmeten.

Kurz gesagt: Maulana Maududi wanderte gemeinsam mit vielen seiner Gefährten nach Lahore aus und begann seine Tätigkeit in Pakistan nicht dadurch, dass er bei der Regierung oder der Bevölkerung Zuflucht suchte, sondern indem er den anderen ankommenden Muhajir diente.

Nach der Teilung Indiens

Nach der Teilung Indiens wurde das Zentralbüro der Jamaat-e-Islami nach Lahore verlegt. Die Jamaat-e-Islami teilte sich in zwei eigenständige Jamaaten, die als „Pakistanische Jamaat-e-Islami“ und „Indische Jamaat-e-Islami“ bezeichnet wurden. Maulana Maududi wurde nun zum Amir der Pakistanischen Jamaat-e-Islami gewählt.

Von Oktober 1947 bis Januar des folgenden Jahres widmete sich die Pakistanische Jamaat-e-Islami im Muhajir-Lager von Lahore der Hilfeleistung.

Besonders bemerkenswert ist, dass die Vorhersagen, die Maulana Maududi sechs Jahre zuvor in der Strachey Hall in Aligarh über die künftige Gestalt des Staates Pakistan gemacht hatte, sich seit der Entstehung dieses Staates buchstäblich Punkt für Punkt zu bestätigen schienen. Die Bildung, die moralische Haltung sowie die Aqida und Glaubensüberzeugungen derjenigen, die die Verantwortung für die Erziehung und Pflege dieses jungen Staates übernommen hatten, waren der Errichtung eines islamischen Staates keineswegs förderlich. Diejenigen, die nach der Erlangung Pakistans die Sitze der britischen weißen Herren einnahmen, wurden ebenfalls zu schwarzen Herren der pakistanischen Bevölkerung und stellten sich als gewaltiges Hindernis auf dem Weg zur Verwirklichung jenes großen Ziels entgegen, um dessentwillen Pakistan entstanden war – jenes Ziels, für das Millionen muslimische Männer und Frauen ihr Leben, ihren Besitz und ihre Ehre geopfert hatten. Die großen Opfer der Millionen Menschen, die allein zur Errichtung der Religion Allahs, vom Geist des Dschihad beseelt, den Kelch des Martyriums bis zur Neige getrunken hatten, wurden vergessen, und die Herrscher des neuen Staates folgten weiterhin den Fußspuren der britischen Herren. Darüber hinaus ließ sich weder in ihren Gedanken noch in ihren Worten und Gesten auch nur der geringste Wunsch erkennen, diesen jungen Staat in eine islamische Form zu gießen. Daher forderte Maulana Maududi fünf Monate nach der Erlangung Pakistans, im Januar 1948, in seinem ersten Vortrag am Lahore Law College, dass das Regierungssystem Pakistans islamisch sein müsse. Erneut legte der Maulana im Februar desselben Jahres an diesem College anlässlich eines Vortrags über das „Islamische Recht“ vier Forderungen vor. Im März hielt er bei der historischen Volksversammlung im Jahangir Park in Karatschi einen Vortrag, in dem er seine vier Forderungen erläuterte. Diese vier Forderungen lauteten:

(1) Der alleinige souveräne Eigentümer des Staates Pakistan ist Allah, der Erhabene, und in diesem Staat soll ausschließlich Sein Wille verwirklicht werden.

(2) Alle bislang geltenden Gesetze, die dem Islam widersprechen, müssen aufgehoben werden.

(3) Die islamische Scharia allein soll die Quelle sämtlicher Gesetze und Rechtsvorschriften Pakistans sein.

(4) Pakistan kann innerhalb der von der Scharia festgelegten Grenzen nach eigenem Ermessen handeln.

Die Jamaat-e-Islami war die erste, die eine Volksbewegung ins Leben rief, damit diese vier Forderungen vom Staat Pakistan und der Nationalversammlung angenommen würden. Innerhalb von drei Monaten nahm diese Bewegung ein derart heftiges und umfassendes Ausmaß an, dass die Machthaber in Bedrängnis gerieten. Obwohl sie sich den vier Forderungen der islamischen Bevölkerung nicht beugen wollten, hatten sie doch nicht den Mut, sie zurückzuweisen. Der Grund dafür war folgender:

— Dies war eine vollkommen islamkonforme Forderung, und seit zehn Jahren hatten sie sich im Namen eben dieses Islams auf den Schultern der Bevölkerung getragen. Daher wagten sie es nun nicht, eine islamische Forderung zurückzuweisen.

— Die Forderungen waren in jeder Hinsicht gerecht und vernünftig.

— Hinter den Forderungen stand eine gut organisierte und starke Bewegung.

— Die Bevölkerung hatte sich so schnell dieser Bewegung angeschlossen, dass ein Widerstand gegen sie einem Widerstand gegen das Volk gleichgekommen wäre. Trotzdem begannen die islamfeindlichen Machthaber schließlich, sich durch die Hintertür zurückzuziehen. Um die islamische Bewegung zu vereiteln, wandten sie die folgenden üblen Machenschaften an. Sie begannen eine Verleumdungskampagne mit der Behauptung:

(1) Maulana Maududi ist nicht bereit, den Krieg in Kaschmir als Dschihad anzuerkennen.

(2) Die Jamaat-e-Islami hat die Sicherheitsvorkehrungen des Staates geschwächt, indem sie davon abriet, in die Streitkräfte einzutreten.

(3) Die Jamaat-e-Islami will die staatliche Autorität nicht anerkennen.

Da sich sämtliche Propagandamedien des Landes in staatlicher Hand befinden, kann die Regierung die Wahrheit als Lüge und die Lüge als Wahrheit ausposaunen und jede Kritik sowie jeden Protest dagegen unterbinden. Auch in dieser Angelegenheit geschah genau dies. Tatsächlich erklärte der damalige pakistanische Außenminister Sir Zafrulla Khan am 3. Februar 1948 auf der Sitzung des Völkerbundes, seine Regierung habe verboten, den Kaschmir-Krieg als Dschihad anzuerkennen. Als Maulana Maududi aufgefordert wurde, den Kaschmir-Krieg zum Dschihad zu erklären, sagte er: „Die Verantwortung dafür, gegen ein Land den Dschihad auszurufen, liegt bei einem Staat; dies ist nicht die Aufgabe eines Einzelnen.

Wenn der Staat ausdrücklich verbietet, den Kaschmir-Krieg zum Dschihad zu erklären, wie kann dann irgendein Einzelner oder irgendeine Gruppe unter seiner Herrschaft diesen Krieg zum Dschihad erklären? Dennoch leisteten Maulana Maududi persönlich und die Jamaat-e-Islami als Organisation im Kaschmir-Krieg jede mögliche aktive Unterstützung.

Auch die übrigen Anschuldigungen gegen den Maulana und die Jamaat waren ebenso haltlos und von bösen Absichten geleitet. Bis heute konnte niemand irgendeinen Beweis dafür vorlegen. Das nennt man den sprichwörtlichen „Diebstahl eines ganzen Teichs“ durch die staatliche Propagandamaschinerie.

Maulana Maududis erste Inhaftierung

Anstatt die islamischen Forderungen direkt zurückzuweisen, griffen die Machthaber zur Lüge und bemühten sich eifrig, sie zu verleumden. Mithilfe der staatlichen Propagandamaschinerie begannen sie, diese haltlose Geschichte groß herauszubringen. Unter falschen und böswilligen Vorwänden wurde Maulana Maududi am 4. Oktober 1948 nach dem Maghrib-Gebet zusammen mit einigen bedeutenden Führern der Jamaat, darunter Mia Tofail Muhammad und Maulana Amin Ahsan Islahi, nach dem berüchtigten imperialistischen Sicherheitsgesetz verhaftet und im Gefängnis von Multan festgehalten. Einen Monat später wurde seine Haftzeit um weitere sechs Monate verlängert.

Am 11. Oktober wurde Maulana Abdul Jabbar Ghazi zum Amir der Jamaat gewählt und setzte die Bewegung mit voller Kraft fort. Allmählich wurde die gesamte bösartige staatliche Propaganda in den Augen der Öffentlichkeit durchschaut, während die islamische Bewegung immer stärker wurde. Auch die Bevölkerung begann, sich mit größerem Mitgefühl und größerer Unterstützung der Bewegung anzuschließen. Mit der Unterstützung der Bevölkerung führten die Jamiat Ulema-e-Islam, die die Muslimliga unterstützte, und die Aktivisten der Jamaat diese Bewegung mit solcher Wucht, dass am 12. März 1949 von der pakistanischen Nationalversammlung die historische „Grundsatzresolution“ angenommen wurde.

Nach der Annahme der „Grundsatzresolution“ war vermutet worden, dass der Grund für die Spannungen zwischen der Jamaat-e-Islami und der Regierung durch die Annahme dieser Resolution beseitigt werden würde. Tatsächlich gratulierte der Majlis-e-Shura der Jamaat der Regierung in einer Sitzung am 13. März zur Grundsatzresolution. Viele hegten ebenfalls diese Hoffnung. Erstaunlich ist jedoch, dass seine Haftzeit ab dem 4. April 1949 erneut um sechs Monate verlängert wurde. Trotzdem bekundete der zentrale Majlis-e-Shura der Jamaat in seinen Sitzungen am 6., 7. und 8. April den Willen zu uneingeschränkter Zusammenarbeit mit der Regierung, damit die Ausarbeitung der Verfassung auf der Grundlage der Grundsatzresolution voranschreiten konnte. Doch das Feuer des Zorns der Regierung war noch immer nicht erloschen. Sie fassten den Entschluss, an Maulana Maududi vollständige Vergeltung dafür zu üben, dass sie die „Grundsatzresolution“ unter dem Druck der Bevölkerung widerwillig hatte annehmen müssen. Am 4. Oktober 1949 verlängerte die Regierung zum dritten Mal die Haft des Maulana um weitere sechs Monate. Der Grund dafür, dass Maulana Maududi ohne Gerichtsverfahren und ohne jeden Grund über lange Zeit hinter dem Eisernen Vorhang festgehalten wurde, war allein, dass der Führer der islamischen Bewegung auf diese Weise bezwungen und seine Partei sowie die Jamaat vernichtet werden sollten.

Die Rolle der islamfeindlichen Herrscher nach der Annahme der Zielresolution

Von Oktober 1949 bis Mai 1950, also während dieser acht Monate, sahen sich die Mitarbeiter der Jamaat-i Islami einer schweren Zeit gegenüber. Gemäß der „Zielresolution“ hatten sie im gesamten Pakistan die Ausarbeitung einer islamischen Verfassung gefordert und gehofft, dass die Regierung nun Maulana Maududi freilassen würde. Dennoch begannen sie die Bewegung. Zwei damalige Schriften Maulana Maududis, nämlich „Die Ausarbeitung einer islamischen Verfassung“ und „Die Grundprinzipien der islamischen Verfassung“, sind besonders erwähnenswert. Doch die Herrscher begannen, nach Vorwänden zu suchen, um die islamische Verfassung zu verhindern. Sie erklärten auf verschiedene Weise:

— Kaschmir ist bedroht – daher ist die Ausarbeitung einer Verfassung nicht möglich.

— Pakistan ist gegenwärtig bedroht – daher ist jetzt die Zeit des Dschihad, nicht die Zeit für die Ausarbeitung einer Verfassung.

— Nur weil die Herrschaft der „Mullahs“ besteht, ist sie noch keine islamische Herrschaft. Vielmehr wird jede Herrschaft von Muslimen als islamische Herrschaft bezeichnet.

— Die „Zielresolution“ wurde nicht nach den Prinzipien des alten, überholten Islam ausgearbeitet, sondern nach dem modernen Islam des Westens.

— Für einen fortschrittlichen Staat der modernen Zeit ist es nicht sinnvoll, eine Verfassung nach islamischen Grundsätzen auszuarbeiten.

— Wenn ein Staat im Namen religiöser Engstirnigkeit gegründet wird, wird die moderne Welt ihn verspotten.

Die Mitarbeiter der Jamaat-e-Islami erteilten den oben genannten Verleumdungskampagnen der islamfeindlichen Kräfte weiterhin auf gut organisierte und regelgeleitete Weise mit unwiderlegbaren Argumenten und Beweisen eine vernichtende Antwort, und in ganz Pakistan begann sich eine starke öffentliche Meinung zugunsten einer islamischen Staatsverfassung herauszubilden.

Die Freilassung des Maulana

Für die Machthaber war es nicht länger möglich, den Wegbereiter der islamischen Bewegung und den revolutionären islamischen Führer der Gegenwart ohne jeden Grund innerhalb der Gefängnismauern festzuhalten. Am 28. Mai 1950 ließ die Regierung den Maulana aufgrund einer gesetzlichen Verpflichtung frei. Nach neunzehn Monaten und fünfundzwanzig Tagen kehrte Maulana Sayyid Abul Aʿla Maududi aus dem Verborgenen hinter dem eisernen Vorhang in die freie Atmosphäre der Welt zurück. Nach seiner Freilassung setzte die Jamaat-e-Islami ihn erneut in das Amt des Amir ein.

Nach der Freilassung des Maulana versuchte die Regierung von Juni bis September vier Monate lang, durch verschiedene irreführende Auslegungen der „Grundsatzresolution“ den Weg zu einer islamischen Staatsverfassung zu versperren. Doch die Mitarbeiter der Jamaat unter der Führung des Maulana machten all ihre Bemühungen durch unwiderlegbare Argumente und Beweise zunichte und legten der Öffentlichkeit das eigentliche Ziel der „Grundsatzresolution“ dar. Die Regierung sah sich gezwungen, im September den Bericht des Ausschusses für die Grundprinzipien der Verfassung der Verfassunggebenden Versammlung vorzulegen. Durch diesen Bericht trat das Wesen der westlich gesinnten Herrscherklasse offen zutage. Denn alles, was dem Islam widersprach, war darin aufgenommen worden, und es bestand keinerlei Übereinstimmung mit der Grundsatzresolution. Daraufhin erhob sich auf einer am 14. Oktober am Mochi-Tor in Lahore abgehaltenen gewaltigen Volksversammlung eine scharfe Verurteilung und ein heftiger Protest Maulana Maududis gegen diesen Bericht, und die Regierung sah sich gezwungen, den Bericht und die Empfehlungen des Ausschusses für die Grundprinzipien der Verfassung zurückzuziehen. Danach saß die Regierung mit eingezogenen Händen und Füßen schweigend da. Einige westlich gesinnte Gefolgsleute der Regierung forderten allerdings höhnisch die Ulema auf, einen Entwurf für eine islamische Staatsverfassung vorzulegen.

Die gemeinsame Forderung der Ulema

Daraufhin nahmen einundzwanzig namhafte Gelehrte aus verschiedenen Teilen Pakistans diese Herausforderung an und versammelten sich am 21. Januar 1951 in der Metropole Karachi. Auf ihrer Konferenz wurden einstimmig 22 Grundprinzipien ausgearbeitet, der Regierung vorgelegt und unter der Bevölkerung verbreitet. Dies wurde in Pakistan tatsächlich als ein starkes Instrument für die islamische Staatsverfassung angesehen. Die von den Ulema vorgelegten 22 Grundprinzipien veröffentlichte die Jamaat-e-Islami in großer Auflage und verbreitete sie im ganzen Land. Dadurch scheiterten die islamfeindlichen Bestrebungen der Regierung.

Von da an begann die Bewegung für eine islamische Staatsverfassung mit voller Kraft. Als sich die Ausarbeitung der Verfassung jedoch auch dadurch weiter verzögerte, startete die Jamaat-e-Islami eine Unterschriftensammlung auf gedruckten Blättern mit neun Forderungen. Diese neun Forderungen lauteten:

Die islamische Scharia wird die eigentliche Quelle der Staatsverfassung des Landes sein.

— Es darf kein Gesetz erlassen werden, das der Scharia widerspricht.

— Alle Gesetze und Vorschriften, die der Scharia widersprechen, müssen aufgehoben werden.

— Es wird die Pflicht der Regierung sein, das Gute zu gebieten und das Schlechte zu verbieten.

— Bürgerliche Rechte dürfen nicht ohne ein Gerichtsverfahren entzogen werden.

— Jeder Bürger wird das Recht haben, vor den Gerichten des Landes gegen die Exekutive und staatliche Behörden Recht zu suchen.

— Die Exekutive darf sich nicht in die Justiz einmischen.

— Die Regierung muss die volle Verantwortung für die fünf grundlegenden Bedürfnisse des Menschen übernehmen, nämlich Nahrung, Kleidung, Unterkunft, Bildung und medizinische Versorgung.

— Die Qadiani-Gemeinschaft muss zur nichtmuslimischen Minderheit erklärt werden.

— Die Qadiani-Gemeinschaft muss als nichtmuslimische Minderheit erklärt werden.

Neben der Unterschriftenkampagne zu den genannten neun Forderungen wurde landesweit auch eine Kampagne durchgeführt, bei der Einzelpersonen sowie Vereine und Versammlungen durch Briefe und Telegramme die unverzügliche Ausarbeitung einer islamischen Verfassung forderten. Diese Kampagne dauerte bis zum Ende des Jahres 1952 an.

In diesem Jahr ereignete sich in Pakistan ein äußerst tragisches Ereignis. Der Premierminister Pakistans, Herr Liaquat Ali Khan, wurde am 16. Oktober 1951 in Rawalpindi durch die Kugeln eines Attentäters getötet. Als Folge dieses brutalen Mordes, der durch das Aufgehen eines unheilvollen Gestirns am politischen Himmel Pakistans verursacht worden war, wurde die Geschichte Pakistans mit einem dunklen Fleck besudelt. Jedenfalls wurde nach dem verstorbenen Liaquat Ali Khan Khawaja Nazimuddin Premierminister Pakistans.

Noch in diesem Jahr fand am 21. November in Karatschi auf Initiative der Jamaat-e-Islami eine historische Volksversammlung zu den oben genannten neun Forderungen statt. Auf dieser Versammlung erklärte der Amir der Jamaat-e-Islami, Maulana Sayyid Abul A’la Maududi, mit fester Stimme, dass das islamische Volk den Entwurf den Verfassungsgebern direkt ins Gesicht schleudern werde, falls der diesjährige Verfassungsentwurf ebenso unislamisch sei wie der vorherige. Danach waren die Machthaber angesichts des langen Demonstrationszuges, der an jenem Tag mit verschiedenen Plakaten für die Ausarbeitung einer islamischen Verfassung aufbrach, völlig verblüfft. Dies löste in der Stadt Karatschi eine solche Reaktion aus, dass die Regierung sich zur Nachgiebigkeit gezwungen sah und am Jahresende, im Dezember, zum zweiten Mal einen Verfassungsentwurf vorlegte.

Um diesmal die verfassungsrechtlichen Empfehlungen zu prüfen, fand im Januar 1953 in Karatschi eine Konferenz von 31 angesehenen Gelehrten statt. Am 18. Januar legten die Gelehrten ihre äußerst fundierten Vorschläge zum Entwurf der genannten Verfassung vor.

Noch in diesem Monat wurde ebenfalls in Karatschi eine Allparteienkonvention einberufen, um die Qadiani zu einer Minderheit erklären zu lassen. Auch Maulana Maududi nahm an dieser Konvention teil. Auf der Konvention betonte er, dass das Qadiani-Problem nicht gesondert behandelt, sondern in die verfassungsrechtliche Bewegung einbezogen werden solle.

Direct Action durch die Allparteienkonvention

 

Am 27. Februar 1953 fand in Karatschi eine Sitzung des Exekutivrates der Allparteienkonvention statt. Dabei wurde beschlossen, die Regierung durch „Direct Action“ oder einen direkten Kampf in der Qadiani-Frage unter Druck zu setzen. Der Vertreter der Jamaat-e-Islami widersetzte sich auf dieser Sitzung entschieden der Direct Action beziehungsweise dem direkten Kampf und erklärte den Austritt der Jamaat-e-Islami aus der Konvention. Bereits am folgenden Tag wurden die Führer der „Direct Action“ verhaftet, und in der Stadt Karatschi scheiterte der direkte Kampf. In Punjab nahm er jedoch ein erschreckendes Ausmaß an.

Die Unruhen in Punjab, die in der Amtssprache als „Punjab Disturbances“ bezeichnet wurden, sollen durch eine Provokation der Regierung von Westpunjab ausgelöst worden sein. Die Hauptursache der Unruhen bestand darin, dass einige berechtigte Forderungen der Bevölkerung zurückgewiesen worden waren. An der Allparteienkonvention waren sämtliche politischen und religiösen Parteien Pakistans beteiligt, nämlich die Muslim-Liga, Jamaat-e-Islami, die Majlis-e-Ahrar, Jamiat-ul-Ulama-i Pakistan, Jamiat Ahl-e-Hadith, die Anjuman-i Tahaffuz-i Huquq-i Shia und weitere. Die gemeinsame Forderung dieser Parteien lautete, die Qadianis als Minderheitengemeinschaft anzuerkennen. Auch einige weitere kleinere Forderungen dieser Art waren Forderungen der pakistanischen Bevölkerung, denn die genannten Organisationen vertraten Muslime aller Bevölkerungsschichten Pakistans. Da die Regierung sich weigerte, diese Forderungen anzunehmen, wurde beschlossen, eine „Direct action“ oder einen direkten Kampf zu beginnen.

Wie oben erwähnt, wurde dieser direkte Kampf außerhalb Punjabs nirgends wirksam. Wahrscheinlich wäre es auch in Punjab nicht dazu gekommen. Man nimmt jedoch an, dass die Regierung von Punjab hier einen schweren Fehler beging. In Punjab war ein Daultana-Kabinett im Amt. Der direkte Kampf der Muslim-Liga-Organisation gegen das Muslim-Liga-Kabinett schien das geistige Gleichgewicht des Daultana-Kabinetts zu zerstören. So begann es, beim Anblick eines schwarzen Schattens aus Angst vor einem Gespenst zusammenzuschrecken. Die Unruhen dauerten vom 4. bis zum 6. März. Vom ersten Tag an begann die Polizei, die Bevölkerung brutal mit Schlagstöcken anzugreifen und auf sie zu schießen. Am Nachmittag des 4. März erschien ein verkleideter Polizist auf einer öffentlichen Versammlung und teilte mit, die Polizei habe an einem bestimmten Ort die Menge mit Schlagstöcken angegriffen und den Koran, der um den Hals eines Mannes gebunden gewesen sei, mit Füßen getreten, in Stücke gerissen und verstreut. Anschließend zeigte er der Menge einige zerrissene Seiten des Korans. Dadurch geriet die Menge in äußerste Wut. Die einfachen Menschen, Arbeiter und Tagelöhner, Studenten und Lehrer und sogar die Angestellten der staatlichen Behörden brachten ihren heftigen Protest gegen die Regierung zum Ausdruck. Auf diese Weise wurde die Bevölkerung massiv gegen die Regierung aufgebracht.

Ein weiteres Ereignis lieferte diesem lodernden Feuer zusätzliches Brennholz. Noch am selben Tag wurde aus einem Jeep ununterbrochen auf die Bevölkerung geschossen. Bei den Nachforschungen stellte sich heraus, dass mehrere Qadianis in dem Jeep saßen.

Auf diese Weise entbrannte gegen die Regierung ein gewaltiger Flächenbrand. Doch die Unruhen konnten nicht lange andauern. Am 6. März wurde in Lahore das Kriegsrecht verhängt, und innerhalb weniger Stunden kamen die Unruhen vollständig zum Erliegen.

Auf den Sitzungen des zentralen Majlis-e-Shura der Jamaat-e-Islami, die am 4. und 5. März unter dem Vorsitz von Maulana Maududi stattfanden, wurde der „direkte Kampf“ scharf verurteilt. Nachdem seine verhängnisvollen Folgen analysiert worden waren, wurde die Bevölkerung aufgefordert, sich davon fernzuhalten. Zu dieser Zeit erschien eine Broschüre von Maulana Maududi mit dem Titel „Das Qadiani-Problem“. In diesem Buch analysierte er die grundlegenden Unterschiede zwischen Muslimen und Qadianis und legte eine friedliche und angemessene Lösung des Problems vor.

Das Todesurteil gegen Maulana Maududi

Am 28. März ließ die Kriegsrechtsbehörde plötzlich Maulana Maududi und weitere führende Mitglieder der Jamaat verhaften. Es wurde kein Grund für die Verhaftung genannt.

Maulana Maududi sowie seine Mitarbeiter Malik Nasrullah Khan Aziz und Herr Naqi Ali wurden vor einem Militärgericht angeklagt, durch die Broschüre „Das Qadiani-Problem“ Hass unter der Bevölkerung verbreitet und zum Aufstand gegen die Regierung angestiftet zu haben. Aufgrund eben dieser Anklage verhängte das Militärgericht am 8. Mai gegen Maulana Maududi das Todesurteil durch Erhängen.

Hier ist bemerkenswert, dass die Behörden nicht den Mut hatten, das Buch zu beschlagnahmen, dessen Abfassung dem Verfasser das Todesurteil eingebracht hatte. Während des Verfahrens vor dem Militärgericht wurde diese Schrift allein in der Stadt Lahore zu Hunderten verkauft. Nirgendwo in der Schrift fand sich etwas, das in den Augen des Gesetzes anstößig hätte sein können. Im Gegenteil: In dem Buch „Das Qadiani-Problem“ wurde die direkte Aktion verurteilt. Doch die Sklaven der westlichen Zivilisation und die Feinde des Islam und des islamischen Rechts setzten alles daran, durch List, Gewalt und Intrigen den unsterblichen tapferen Kämpfer der islamischen Bewegung von der Erde zu beseitigen. Nach der Verkündung des Todesurteils wurde sowohl in Pakistan als auch in der übrigen Welt die übereilte und kurzsichtige Haltung der Regierung scharf verurteilt und die Aufhebung des Todesurteils gefordert. In allen muslimischen Ländern der Welt kam es zu solchen Protesten, dass der oberste Beamte des Kriegsrechts das Todesurteil aufhob und Maulana zu vierzehn Jahren Zwangsarbeit verurteilte.

Das gegen Maulana Maududi verhängte Todesurteil, seine außergewöhnliche Persönlichkeit, seine Beliebtheit in der gesamten muslimischen Welt und das erhabene, großartige Beispiel der Hingabe von Wissen um Allahs willen werden als unvergängliches Vermächtnis in der Geschichte des Islam fortbestehen. Das gegen ihn verhängte Todesurteil und anschließend die lebenslange Freiheitsstrafe haben die Jamaat-e-Islami nicht entmutigt, sondern ihre Mitarbeiter vielmehr zu hundertfacher dschihadischer Inspiration angespornt und den Fortschritt der Organisation vielfach gesteigert. Die Lehre der Geschichte lautet, dass die islamische Bewegung seit jeher, in allen Zeiten und Epochen, durch die Schläge der ihr feindlichen Kräfte vorangeschritten ist. Alle, die versucht haben, sich ihrer unaufhaltsamen, unbeugsamen Kraft entgegenzustellen, sind in ihrer gewaltigen Strömung fortgerissen worden; ihre Namen und Spuren sind von der Erde getilgt.

In diesem Zusammenhang kann nicht unerwähnt bleiben, dass einige Gegner des Islam und der islamischen Staatsordnung Maulana Maududi fälschlich vorwerfen, er sei hauptsächlich für die Qadiani-Unruhen in Punjab verantwortlich, und unter seiner Anstiftung seien dort Tausende Menschen getötet worden. In der oben erörterten fortlaufenden Tätigkeit der Bewegung für eine islamische Staatsordnung findet sich nicht das geringste Maß an Unwahrheit oder Übertreibung. Das können wir mit Stolz sagen. Aus der vorstehenden Darstellung ergibt sich keineswegs, dass Maulana Maududi für die Unruhen in Punjab verantwortlich war. Eigennützige Leute haben sie als „Qadiani-Unruhen“ bezeichnet; zunächst ist jedoch festzuhalten, dass es überhaupt keine „Qadiani-Unruhen“ waren und dabei auch nicht Tausende Menschen getötet wurden. Die Allparteienkonvention forderte von der Regierung, die Qadianis zu einer nichtmuslimischen Minderheit zu erklären. Als die Regierung sich weigerte, dieser Forderung nachzukommen, griff die genannte Konvention gegen die Regierung zur direkten Aktion (Direct Action). Tatsächlich handelte es sich um einen Kampf zwischen Regierung und Bevölkerung. Um ihn niederzuschlagen, wurde das Kriegsrecht verhängt; durch Schüsse der Streitkräfte wurden 11 Menschen getötet und 49 verletzt. (Siehe Munir-Bericht, S. 1.)

Maulana Maududi und die Jamaat-e-Islami nahmen an diesem Kampf nicht nur nicht teil, sondern lehnten vielmehr auch die „direkte Aktion“ der Allparteienkonvention ab und appellierten an die Bevölkerung, sich davon fernzuhalten. Jeder vernünftige und unparteiische Mensch wird freimütig anerkennen, dass der gegen ihn erhobene Vorwurf vollständig von Feindseligkeit getragen, haltlos und unbegründet ist.

Nirgends im Munir-Bericht wird Maulana für diese Unruhen verantwortlich gemacht. Als hauptsächlich verantwortlich werden vielmehr die Führer der inzwischen aufgelösten Ahrar-Partei bezeichnet; auch andere Parteien werden direkt und indirekt verantwortlich gemacht. Das Erstaunliche ist, dass bestimmte opportunistische und prinzipienlose politische Parteien des Landes unter Einbeziehung der Führer der Ahrar-Partei eigene Parteien gründeten und, um ihre eigenen Missetaten zu vertuschen, Maulana Maududi für die Unruhen in Punjab verantwortlich machten.

Noch erstaunlicher ist, dass die Unruhen in Punjab, die in der offiziellen Sprache als „Punjab Disturbance“ bezeichnet wurden, im Jahr 1953 stattfanden. Es handelte sich um einen Kampf zwischen Regierung und Volk. Die Jamaat-e-Islami und damit auch Maulana Maududi hatten mit diesen Unruhen nicht die geringste Verbindung.

Andererseits hatte auch das Buch keinerlei Verbindung zu den Unruhen in Punjab, wegen dessen Abfassung Maulana zum Tode verurteilt wurde – zu dem Buch „Das Qadiani-Problem“. Die übereilten und blinden Feinde des Islam begingen auf diese Weise einen schweren Fehler. Das Buch, wegen dessen der Autor zum Tode verurteilt wurde, wurde nicht beschlagnahmt, ist nie beschlagnahmt worden und ist noch immer auf dem Markt erhältlich. Es enthält nicht eine einzige Zeile, für die der Verfasser auch nur die geringste Strafe verdienen könnte. Dennoch musste einer der größten Verkünder des Islam, ob schuldig oder unschuldig, über Nacht beseitigt werden. Also musste man wenigstens einen Grund vorweisen. Schon der Titel „Das Qadiani-Problem“ ließ die Feinde des Islam glauben, es handle sich um ein gefährliches Buch. Wahrscheinlich hatten sie, ohne das Buch gelesen zu haben, die Vorstellung entwickelt, darin werde zur Vernichtung der Qadianis angestiftet. Sie hatten auch keine Zeit, das Buch zu lesen. Nicht einmal der Gedanke kam ihnen, das Buch, für das ein Todesurteil verhängt wurde, zu beschlagnahmen.

Einige Personen, die damals die höchsten Machtpositionen in der pakistanischen Regierung innehatten, wollten, indem sie ihre geistige Krankheit verbargen, die islamische Bewegung ausrotten. Es gelang ihnen nicht; ihre verborgene Gesinnung wurde offenbar. Die islamische Bewegung ist nicht gestorben, und auch Maulana Maududi ist nicht gestorben. Doch die Gegner erlitten einen schmählichen Untergang. Ihr schmählicher Untergang ist für uns kein Grund zur Freude. Doch dies ist das unerbittliche Urteil der Geschichte.

Es ist zutiefst bedauerlich, dass manche Menschen den Maulana noch fünfundzwanzig Jahre nach den Unruhen in Punjab als Mörder Hunderter Qadianis beschimpfen. Zweifellos leiden sie an einer noch schwerwiegenderen geistigen Krankheit als die damaligen pakistanischen Machthaber. Sie tun einem leid. Daher bete ich dafür, dass diese geistige Krankheit geheilt werde.

Es ist eine grausame Verhöhnung von Recht und Gerechtigkeit, dass gegen keinen von denen, die unmittelbar für die Unruhen in Punjab verantwortlich waren, ein Todesurteil verhängt wurde. Maulana Maududi hatte nur ein einziges „Vergehen“: Er hatte in Pakistan die Forderung nach einer islamischen Staatsordnung erhoben. Es versteht sich von selbst, dass es der innigste Wunsch der Eigennützigen war, ihn über Nacht von der Erde zu beseitigen und die islamische Bewegung zu vereiteln. Doch wie Allah der Erhabene Seine geliebten Diener und ihre Gemeinschaft siegreich macht, war den Gegnern des Islam offenbar nicht bekannt.

************************************************

„Allah ist mit ihnen zufrieden, und sie sind mit Allah zufrieden (in Not und Bedrängnis, unter Unrecht und Unterdrückung). Sie gehören zur Partei Allahs. Darum seid auf der Hut und bedenkt: Wahrlich, die Partei Allahs wird siegreich sein.“ Al-Mudschadala (22)

 

Maulana Maududi in der Hinrichtungskammer

Als der gläubige Mann, den Allah – der König von Diesseits und Jenseits – vor Seinem Angesicht mit gesenktem Haupt im Gebet versunken sah, wurde ihm der Todesbefehl mitgeteilt. Im Angesicht des Todesurteils zeigte sich in den Augen und auf dem Gesicht dieses von Allah geliebten Dieners kein Zeichen von Furcht und keine Sorge. Mit unverändert heiterem Gesicht nahm er den Befehl zur Hinrichtung lächelnd und dankbar an.

Ich möchte den Lesern den Bericht eines Augenzeugen vorlegen. Herr Syed Naqi Ali, Herausgeber und Drucker der Broschüre „Das Qadiani-Problem“, sagt:

„Am 8. Mai verrichteten wir auf dem alten Tennisplatz des Zivilgebäudes das Maghrib-Gebet. Der Maulana war der Imam. Unter den Betenden waren wir, abgesehen vom Nummernaufseher und dem Koch des Gefängnisses, zu fünft: Mian Tofail Muhammad, Maulana Amin Ahsan Islahi, Malik Nasrullah Khan Aziz, Chaudhry Muhammad Akbar und ich. Als wir in der zweiten Rakʿa waren, ging plötzlich die Tür auf, und dann hörten wir die Schritte einiger Personen. Es waren einige Flüstertöne und Geräusche des Zurückgehens zu hören.“

Kaum hatte er den Friedensgruß nach dem Sunnat-Gebet beendet, war wieder ein Klopfen zu hören. Einige Soldaten und Gefängnisbedienstete kamen herein. Einer fragte: „Wer ist Maulana Sayyid Abul A’la Maududi?“

Der Maulana sagte mit ruhiger Stimme: „Hier bin ich. Sprechen Sie.“

Der Regierungsbeamte sagte: „Wegen der Veröffentlichung zweier Erklärungen in der Zeitung Tasnim wurden Sie zu sieben Jahren Gefängnis mit Zwangsarbeit und Malik Nasrullah Khan Aziz zu drei Jahren verurteilt.“ Beide erwiderten: „Ach so, in Ordnung“, und schwiegen.

Der Beamte fuhr fort: „Für die Abfassung des Buches ‚Das Qadiani-Problem‘ wurde Maulana Sayyid Abul A’la Maududi zum Tod und sein Drucker Sayyid Naqi Ali zu neun Jahren Gefängnis mit Zwangsarbeit verurteilt.“

Wir beide sagten: „Ach so, danke“, und schwiegen.

Das Todesurteil gegen den Maulana kam völlig unerwartet. Dennoch war auf keinem Gesicht Besorgnis zu erkennen. Aber unsere Herzen waren voller Gedanken und Überlegungen. Wir alle blickten zum Maulana. Wir sahen seine ruhige und friedvolle Gestalt. In seinem Blick lag eine gewaltige Tiefe, wie die unermessliche Tiefe eines tiefen Meeres.

Der Beamte gab dem Maulana ein Stück Papier und sagte:

„Maulana, wenn Sie wünschen, können Sie innerhalb einer Woche um Begnadigung ersuchen.“

Der Maulana nahm das Blatt schweigend und mit einem leichten Lächeln entgegen. Beim Weggehen sagte der Beamte:

– Maulana, machen Sie sich bereit; Sie müssen gleich gehen.

– Wohin?

– In die Hinrichtungskammer.

– Ich bin bereit.

Danach gingen wir schweigend in Richtung des Zimmers im Ziviltrakt. Während wir gingen, hörten wir den Beamten sagen:

„Malik Nasrullah Khan Aziz und Sayyid Naqi Ali, auch ihr müsst gehen. Aber ach, schon gut. Euch bringe ich morgen früh hin.“

Malik Sahib und ich taten, als hätten wir es nicht gehört. Denn die Nachricht vom Todesurteil gegen den Maulana hatte uns so sehr in Trauer gestürzt, dass wir unsere Aufmerksamkeit auf nichts anderes richten konnten.

Wie viel Demütigung und wie viel Verfolgung und Unterdrückung müssen die Wanderer auf dem Weg der Wahrheit auf der Weltbühne erdulden! Uns allen war das Glück zuteilgeworden, als unbedeutende Diener des Dīn al-Haqq den kämpfenden Männern auf dem Weg der Wahrheit ebenbürtig zu sein. Unser Verbrechen? Das Verbrechen, ein Buch über das Qadiani-Problem veröffentlicht zu haben? Das wird nur gesagt, um die Welt zu täuschen. In Wirklichkeit besteht unser Verbrechen darin, dass wir in Pakistan die vereinte Kraft von Volk und Regierung für den Islam einsetzen wollen. Die Errichtung von Allahs Religion haben wir zum Ziel unseres Lebens gemacht. Das allein war unser Verbrechen.

Ja, nun zu dem, was ich erzählen wollte. Maulana wurde tatsächlich zum Galgen geführt. Ein solcher Gelehrter, der nicht nur in Pakistan und Indien, sondern in der gesamten arabischen Welt hohes Ansehen genoss, sollte nun zum Galgen geführt werden? Ich fragte mich: War das wirklich wahr?

Sollte der heldenhafte Mujahid der islamischen Bewegung heute am Galgen aufgehängt werden? Waren die törichten Führer der Nation, die aufgrund ihrer Dummheit den Triumph des Islam in Pakistan nicht sehen wollten, nun im Begriff, diesen Schritt zu unternehmen?

Sollte die islamische Bewegung tatsächlich schon in ihrer Kindheit dieser großen Persönlichkeit beraubt werden?

Die langsamen, ernsten und deutlichen Worte des Maulana hallten in meinen Ohren wider: „Denken Sie daran, dass ich kein Verbrechen begangen habe. Ich werde sie unter keinen Umständen um mein Leben bitten. Niemand soll in meinem Namen um mein Leben bitten – weder meine Mutter noch mein Bruder noch meine Frau, meine Kinder oder meine Angehörigen. Dies ist auch meine Bitte an die Mitglieder der Jamaat.“

Mian Tofail Muhammad Sahib öffnete den Holdall des Maulana und breitete ihn aus. Gemeinsam begannen wir, die Sachen hineinzulegen. Den Lederkoffer packten der Maulana und ich. Denn all dies musste zu Maulanas Haus zurückgeschickt werden.

Unterdessen wurde ein kleines Bettzeug vorbereitet, das mit dem Maulana zum Galgen geschickt werden sollte. Eine in ein Tuch eingewickelte Mahlzeit, der Koran Majīd sowie ein Lota und ein Glas wurden ebenfalls dazugelegt.

Mir fehlten die Worte. Mein Herz zitterte. Arme und Beine wurden steif. Die Vorstellung von Maulanas Todesurteil breitete sich wie Elektrizität in jedem Molekül und Atom meines Körpers aus. Tofail Sahibs Zustand war genauso. Malik Nasrullah Khan Aziz ging mit ernstem, nachdenklichem Gesicht auf und ab, und aus seinem Mund drang leise ein Bittgebet. Der Zustand von Chowdhury Muhammad Akbar Sahib, dem Ältesten von uns allen, war eigenartig. Er stand nur da, stumm und reglos. Islami Sahib ging bald auf und ab, bald blieb er plötzlich stehen. Seine unterdrückten Gefühle und Regungen traten auf seinem Gesicht deutlich hervor, das sich blutrot färbte.

Während ich die Bettwäsche zusammenband, fasste ich mir ein Herz und sagte einmal:

– Maulana, die Entscheidung, nicht um Begnadigung zu bitten, ist doch Ihre eigene. Es gibt keinen Grund, warum die Jamaat diese Entscheidung annehmen müsste. Was die Leute der Jamaat unter Berücksichtigung der Lage außerhalb des Gefängnisses beschließen, müssen Sie unbedingt akzeptieren.

Der Maulana sagte mit seiner ihm eigenen Stimme:

Auch aus der Sicht der Jamaat halte ich meine Entscheidung für richtig. Es ist eure Pflicht, den Führern der Jamaat meine Entscheidung mitzuteilen.

Inzwischen kam ein Gefängnisbediensteter herein. Wir waren vollkommen ruhig, so ruhig und gelassen wie das Meer vor dem Sturm.

Aber der Maulana? Dieser tapfere Kämpfer der islamischen Bewegung und des Weges der Wahrheit, dem die Würde des Märtyrertums zugesprochen werden sollte – dieser Maulana war vollkommen ruhig, gefasst und unerschütterlich.

Der Maulana umarmte uns alle von ganzem Herzen. Es war eine so innige Umarmung, dass sie uns für immer in Erinnerung bleiben wird.

Einen Teil der Sachen nahmen wir, den anderen der Gefängniswärter. Wir verließen die Kammer, gingen bis zur Tür des Diwani-Raums und verabschiedeten den Maulana. Nun brach der Sturm, der sich in unserer Brust zusammengeballt hatte, hervor. Mian Tofail Sahib und ich begannen schluchzend zu weinen, und nachdem ich zurückgekehrt war, fiel ich auf dem Gebetsteppich in die Niederwerfung.

Islahi Sahib, Malik Sahib und Chaudhury Sahib hatten sich bereits niedergeworfen und waren in der Niederwerfung.

Wir alle begannen unter Tränen im Angesicht Allahs zu beten. Die Heftigkeit des Weinens war unaufhaltsam, die Flut der Tränen wild und grenzenlos.

Ich weiß nicht, wie lange wir so verharrten. Plötzlich lenkte das harte Auftreten des Nummerdars unsere Aufmerksamkeit auf ihn. Wir sahen, dass er die Kleidung, die Lebensmittel, das Geschirr, die Schuhe und anderes von Maulana zurückgebracht hatte. Auch den Qur’an hatte er zurückgebracht, denn in der Hinrichtungszelle gab es keinen Platz, den Qur’an aufzubewahren.

Maulana Islahi Sahib nahm die Kleidung des Maulana aus meiner Hand und begann, sie immer wieder zu küssen; er genoss ihre süße Berührung an seinen Augen und auf seiner Brust. Denn diese Kleidung hatte einem Mujahid auf Allahs Weg gehört, der in der Hinrichtungszelle eingeschlossen war und auf den Genuss des Nektars des Martyriums wartete.

Mia Tofail Sahib nahm diese Kleidung aus Maulana Islahis Händen und begann, sie an sein Gesicht, seine Augen und seine Brust zu drücken. Die Kleidung wurde durch die Tränen von uns allen völlig durchnässt.

Weshalb galt ihm unsere von ganzem Herzen kommende Liebe?

– War er etwa mit uns verwandt?

– Hatten wir etwa eine verwandtschaftliche Verbindung zu ihm?

– Beruht diese Liebe und Zuneigung darauf, dass wir derselben Kaste und demselben Stamm angehören?

– Geschah dies etwa deshalb, weil wir Bewohner desselben Landes waren?

– Nein, nein, nur aus dem Grund, dass er sein Leben auf Allahs Weg hinzugeben im Begriff ist. Nur die Verbundenheit durch den Islam hat unsere Liebe so geschichtsträchtig und selbstlos gemacht.

Die grenzenlose Gottesliebe des Maulana und sein sehnsüchtiger Wunsch, sein Leben auf Allahs Weg zu opfern, versetzten die Welt in Staunen. Sie erfüllten auch die Gefängnisbediensteten mit staunender Bewunderung und hinterließen in der Geschichte des Islam ein überaus leuchtendes Beispiel.

In der Hinrichtungskammer gab man dem Maulana eine Pyjamahose ohne Kordel im Bund zum Anziehen. Der Maulana fragte den Nummerndar –

„Bruder, du hast vergessen, die Kordel mitzugeben.“

Der Nummerndar sagte –

„Maulana, einem zum Tode Verurteilten gibt man keine Kordel. Denn was, wenn er sich damit das Leben nimmt?“

Der Maulana sagte mit einem sanften Lächeln:

„Ach, könnte jemand, der im Begriff ist, mit vollem Herzen den Kelch des Märtyrertums zu trinken, so töricht sein, Selbstmord zu begehen und in die Hölle zu kommen?“

Im Hinrichtungsraum verspürte der Maulana keinerlei Unruhe. Er machte sich keinerlei Gedanken über den Verlust seines Lebens. Auf seinem Gesicht und in seinen Augen war kein Zeichen von Trauer zu erkennen. Statt im Koran zu lesen, las er die Lebensgeschichte von Sayyid Ahmad Shahid (رحمه الله) und schlief in ganz natürlicher, vollkommen glücklicher Ruhe ein. Unter normalen Umständen zeigte sich kein Unterschied zwischen seinem Schlaf zu Hause und dem Schlaf im Hinrichtungsraum.

Eine weitere unschätzbare Aussage des Maulana aus jener Zeit war folgende: Als seine Verwandten, Freunde und unzähligen Verehrer und Anhänger durch das Todesurteil unruhig und verzweifelt wurden, tröstete er sie und sagte:

„Die Entscheidung über Leben und Tod wird im Himmel getroffen, nicht auf der Erde.“

Was für eine feste Überzeugung! Was für eine unerschütterliche Willenskraft!

Hören wir den Zustand des Maulana im Hinrichtungsraum aus seinem eigenen Mund. Als man den Maulana danach fragte, sagte er:

Als man mir im Innenhof des Zivilgerichts das Todesurteil durch Erhängen verkündete und mir zugleich das Recht eingeräumt wurde, innerhalb einer Woche um Begnadigung zu bitten, kamen mir drei Gedanken in den Sinn.

Erstens widerspricht es meiner Selbstachtung, einen Unterdrücker um Gnade zu bitten.

Zweitens: Wofür sollte ich um Vergebung bitten? Etwa dafür, dass ich ins Paradies geschickt werde? Es ist eine Tatsache, dass man, wenn man sein ganzes Leben dem Dienst an der Religion gewidmet hat und auf andere Weise stirbt, nicht dieselbe Gewissheit auf den Eintritt ins Paradies hat wie durch den Märtyrertod. Soll ich also etwa sagen: Befreie mich vom Paradies?

Drittens: Wenn ein Mann wie ich heute um sein Leben fleht, wird aus den Herzen der einfachen Menschen dieses Landes jedes Gefühl für Würde getilgt werden.

Daher erklärte ich meinen Freunden mit allem Nachdruck, dass weder jemand aus meiner Familie noch jemand aus der Jamaat in meinem Namen um Vergebung bitten dürfe. Andernfalls würde ich ihnen niemals vergeben.

Als man mich in die Hinrichtungskammer brachte, wurde ich aller notwendigen Dinge beraubt. Alles wurde mir weggenommen. Sogar meine eigene Kleidung nahm man mir ab und gab mir Gefängniskleidung. Man gab mir eine Hose ohne Kordel. Zuerst dachte ich beim Anblick, man habe wohl versehentlich keine Kordel mitgegeben. Doch auf Nachfrage erfuhr ich, dass grundsätzlich keine Kordel ausgegeben wird, weil ein Gefangener sich in seiner Verzweiflung damit erhängen könnte. Gezwungenermaßen musste ich die beiden vorderen Enden der Hose zusammennehmen und sie so anziehen. Doch dadurch konnte sie die Awra nicht bedecken, und das Gebet wurde für mich äußerst schwierig. Zunächst wollte ich den Koran bei mir behalten, doch als ich sah, dass es außer dem Boden zum Schlafen keinen Platz gab, an dem ich ihn hätte aufbewahren können, gab ich ihn zurück. Was sich in mein Herz eingeprägt hatte, blieb bei mir.

Wie dem auch sei: Nachdem alle gegangen waren, kam ein Warder und beschimpfte die Regierung und die Minister nach Herzenslust. Danach kamen der zweite, der dritte und der vierte. Jeder von ihnen verfluchte die Regierung, bevor er wieder ging.

Nachts setzte in der Hinrichtungskammer ein solches Geschrei und Wehklagen ein, dass ich vor zwei Uhr nicht einschlafen konnte. Einer rief den Namen irgendeines Pirs oder ehrwürdigen Gottesfreundes. Ein anderer rezitierte Gedichte, und wieder ein anderer murmelte unaufhörlich: „Maula, rette uns, Maula, rette uns.“

Als man den Maulana fragte, was er über die Vollstreckung des Todesurteils gedacht habe, sagte er:

Ich war der Ansicht, dass die Regierung ihn angesichts ihrer Haltung gewiss hinrichten würde, wenn es seitens der Bevölkerung nicht zu einem gewaltigen Protest käme. Wenn man ihr die Gelegenheit zu diesem Schritt ließe, wäre das äußerst verhängnisvoll. Danach würde die religiöse Arbeit in diesem Land für lange Zeit zum Erliegen kommen. Wenn die Bevölkerung jedoch bewusst handelt und die Regierung einmal zum Rückzug gezwungen wird, dann wird sie sich, so Gott will, zwangsläufig weiter zurückziehen müssen, und es wird nicht möglich sein, den Weg der islamischen Bewegung zu versperren. Diese Zeit ist für das ganze Land eine gewaltige Feuerprobe.

Am zweiten Tag kamen Scheich Sultan Ahmad und Safdar Sahib mit den Jungen zu Besuch. Wieder baten sie mich, um Vergebung zu bitten. Ich wies sie streng zurecht und sagte ihnen, sie dürften unter keinen Umständen um Vergebung bitten.

Danach kam Mian Mahmud Ali Qasuri. Auch er wollte seine eigenen Dienste anbieten, um um Vergebung zu bitten. Ich sagte ihm, dass ich diesen Gedanken überhaupt nicht begreifen könne.

Der Maulana wurde gefragt, ob es im Hinrichtungsraum besondere Leiden gegeben habe. Darauf antwortete der Maulana:

Zum einen war die Kleidung, die man dort tragen musste, unpassend und unzureichend, und es herrschten Schreie und Lärm. Die zweite Schwierigkeit bestand darin, dass die Bauweise des Hinrichtungsraums den Gefangenen zu jeder Jahreszeit Beschwerden bereitete. Ein enger Raum ohne Licht und Luft. Es gab keine Möglichkeit, sich vor Sonne, Regen, Kälte und Hitze zu schützen. Außerdem wurde im Hinrichtungsraum Essen der C-Klasse ausgegeben – etwas, das völlig ungenießbar war.

Am dritten Tag, gegen zwei Uhr nachmittags, kam jemand herbeigerannt und sagte: „Maulana, ich gratuliere Ihnen; Ihr Todesurteil ist aufgehoben worden.“ Danach kamen Scharen von Menschen, um diese Nachricht zu überbringen. Wenig später wurden Maulana Niazi und ich von dort herausgebracht und ins Krankenhaus gebracht.

Reaktionen im In- und Ausland auf das Todesurteil

Wie oben erwähnt, verurteilte das Militärgericht von Lahore den Maulana Sayyid Abul A’la Mawdudi zunächst zum Tode und wandelte dieses Urteil später in vierzehn Jahre Haft mit Zwangsarbeit um. Der gewaltige Protest, der nicht nur in Pakistan, sondern in der gesamten muslimischen Welt gegen dieses Urteil entstand, findet in den Seiten der Geschichte kein Beispiel. Streiks, Demonstrationen, Versammlungen und Kundgebungen aus Protest gegen eine solche Behandlung beschränkten sich nicht nur auf die großen Städte und Hauptstädte; vielmehr schlugen die Flammen des Protests auch in den kleinen Städten und ländlichen Gebieten im Inneren des Landes hoch auf. Von allen Orten, von abgelegenen Dörfern bis zu den großen Städten, wurden durch unzählige Telegramme, Briefe und Resolutionen heftige Proteste und laute Verurteilungen kundgetan. Dieser weltweite Protest war keineswegs aus vorübergehender Erregung oder bloßer Gefühlswallung heraus gezeigt worden. Er war in Wahrheit der spontane Ausdruck der dauerhaften Verehrung der muslimischen Welt für den Maulana. Er flammte nicht wie eine Wasserblase auf und verschwand plötzlich wieder. Dieser Protest und diese Verurteilung dauerten ununterbrochen fünf Monate an. Auch diejenigen, die in der Zeit der Khilafat- und Kongressbewegung in der Vergangenheit verschiedene Arten von Protesten und Widerstand erlebt hatten, bekannten freimütig, dass man einen solchen Protest, eine solche aufrichtige Anteilnahme, Trauer und ein solches klagendes Flehen zuvor niemals erlebt habe.

Es ist bemerkenswert, dass dieser Protest weder aus bloßer Höflichkeit noch zur Schaustellung veranstaltet wurde. Jeder Augenblick der stillen Nacht und der geschäftigen Tage bezeugte, dass nicht nur die Männer, sondern auch die verschleierten Frauen tief betrübt, vom Schmerz erfüllt und erschüttert waren. In den tiefen Nachtstunden wurden ihre Gebetsteppiche für das Tahadschud-Gebet von ihren Tränen benetzt. Die muslimische Welt betrachtete die Todesstrafe und anschließend die lebenslange Haft für diesen unbesiegbaren Heldenkämpfer der islamischen Bewegung als eine gewaltige Tragödie. Deshalb erhoben die führenden Persönlichkeiten Arabiens, Ägyptens, des Irak, Syriens, Marokkos, Algeriens, Indonesiens und anderer muslimischer Länder scharfen Protest dagegen. In den Leitartikeln der Zeitungen dieser Länder wurde das Verhalten der pakistanischen Regierung verurteilt und die sofortige Freilassung des Maulana gefordert.

Auch die Redakteure der folgenden Zeitungen in Pakistan erhoben durch ein Memorandum Protest:

Karatschi: die Tageszeitungen Jang, Andscham, Millat, Times of Karachi, Imros, Al-Muntadschar, Iqbal, Asr-e-Dschadid, Musalman, Naya Ruschnai, Schabnam, Watan, Nayi Sindh, Al-Wahid und Maqasid; die Wochenzeitung Dschahan-e-Nau, die zweiwöchentlich erscheinende Nimkdan, die Monatszeitschriften Farān, Rijāz, Mushīr und Tschiragh-e-Rah, die zweiwöchentlich erscheinende Students Voice, die Monatszeitschrift Kalīm und andere.

Dhaka: die Tageszeitungen Pasban, Azad, Angara, Sitara, Morning News, die englischsprachige Wochenzeitung Al-Qaida, The Mail, die Wochenzeitung Dainik und Nizam-e-Islam.

Lahore: die Tageszeitungen Pakistan Times, Imros, Afaq, Nawa-e-Waqt, Ihsan, die Wochenzeitung Kandeel, die Tageszeitungen Hilal-e-Pakistan, Safina, Civil and Military Gazette und Asar, die Monatszeitschriften Khadim-ul-Haramain, Arif, Al-Dschamia, Islamic Life, Muslim und Adabi Dunia sowie die Wochenzeitungen Iqdam und Karwan,

Bahawalpur: Insaf, Kainat, Ilham, Al-Imam, Azam, Rahbar, Parwaz, Difa, Rafiq, Naya Daur, Karwan, Tabligh und Nawa-e-Bahawalpur.

Quetta: Mizan, Pasban, Nara-e-Haq, Maqasid, Hilal, Churschid, Tarjuman Rahbar-e-Niswan, Bachtschuka Schahin, Times, Muallim, Duschman, Pukar, Nawa-e-Belutschistan, Niswan-e-Dunia, Nawa-e-Watan, Paigham-e-Dschadid, Sadaqat und Karwan-e-Tamir-e-Belutschistan.

Darüber hinaus erhoben auch ausländische Zeitungen scharfen Protest gegen diese Maßnahme –

Assidschil – Bagdad, Ichwat-i Islamiyya – Bagdad, ad-Da’wa – Kairo, Member-e Scharq – Kairo.

Die Studenten aus muslimischen Ländern, die in England studierten, sowie die in England lebenden Muslime legten beim pakistanischen Premierminister, Herrn Muhammad Ali (Bogra), Protest ein, warnten die pakistanische Regierung wegen des gegen den Maulana verhängten Todesurteils und forderten seine unverzügliche Freilassung.

Der Großmufti von Palästina, al-Haddsch Muhammad Amin al-Husseini, der Murshid der Muslimbruderschaft, Scheich Hasan al-Hudschaini, der Rechtsbeistand der al-Azhar-Universität, Muhammad Abd al-Latif Daraz, und der Vorsitzende der Dschamʿiyyat Schabban al-Muslimin, Muhammad Salih Hereb, erklärten in einem gemeinsamen Telegramm an den Generalgouverneur und den Premierminister Pakistans Folgendes:

„Alle Muslime, die Pakistan Liebe und guten Willen entgegenbringen, sind über das Todesurteil gegen Maulana Sayyid Abul Ala Maududi zutiefst erschüttert. Ich hoffe, dass die pakistanische Regierung mit Weisheit handeln und das Todesurteil gegen unseren angesehenen Maududi aufheben wird.“

Der Großmudschtahid der schiitischen Gemeinschaft Irans, Seine Eminenz Imam Muhammad al-Chalisi, und der bedeutendste Führer der Ahl as-Sunna wa-l-Dschamaʿa im Irak, Allama Amjad az-Zahabi, sandten an die folgenden Staatsmänner ein gemeinsames Telegramm und ersuchten sie, Druck auf die pakistanische Regierung auszuüben, damit Maulana Maududi freigelassen werde:

Emir Faisal II. – Bagdad, Sultan Ibn Saud – Saudi-Arabien, Allama Ayatollah Kaschani – Iran, Dr. Mossadegh, ehemaliger Premierminister – Iran, der Premierminister des Irak, der ägyptische Premierminister General Naguib, der Scheich al-Azhar Hasan al-Hudschaini und der Großmufti von Palästina. Auch an den Generalgouverneur und den Premierminister Pakistans sandten sie ein ähnliches Telegramm.

Der Großkämpfer Indonesiens, Allama Isa Ansari, erklärte im Namen von sechzig islamischen Parteien Indonesiens:

„Maulana Maududi ist ein Vermächtnis der gesamten Welt. Wenn Pakistan ihn nicht braucht, so braucht ihn doch die islamische Welt. Wir Muslime Indonesiens unterstützen ihn uneingeschränkt und sind der Ansicht, dass die islamische Welt heute seine Gedanken und Auffassungen braucht.“

Unter den führenden Persönlichkeiten Pakistans, die protestierten und die Freilassung des Maulana forderten, sind insbesondere der ehemalige Premierminister Pakistans, Khwaja Nazimuddin, sowie Herr M. Ghazdar, Herr Hussain Imam, Maulana Jafar Ahmad Usmani, Pir Ghulam Muhiddin Sirhindi, Maulana Akram Khan, Maulana Din Muhammad Khan, Maulana Abdul Hamid Khan Bhashani und Maulana Raghib Ahsan hervorzuheben.

Kurz gesagt: Die islamfeindlichen Kräfte, die den Maulana über Nacht beseitigen und die islamische Bewegung zum Scheitern bringen wollten, waren zwar angesichts des zornigen Blicks der empörten muslimischen Welt gezwungen, sich zu beugen; doch da sie ihren seit Langem aufgestauten Hass gegen den Maulana nicht bezwingen konnten, versuchten sie, sich durch die Verhängung einer vierzehnjährigen Zwangsarbeitsstrafe gegen ihn zu trösten.

Die Freilassung des Maulana

Nicht nur aus Pakistan, sondern aus der gesamten muslimischen Welt wurde mit Nachdruck die bedingungslose Freilassung des Maulana gefordert; die Einzelheiten dazu wurden bereits dargestellt. Schließlich setzte die Regierung die vierzehnjährige Haftstrafe auf dreieinhalb Jahre herab. Infolge eines juristischen Durcheinanders in Pakistan wurde der Maulana jedoch nach zwei Jahren und neun Monaten freigelassen. Der Grund für dieses juristische Durcheinander war folgender: Gegen Ende des Jahres 1958 hatte der damalige Premierminister Pakistans, Muhammad Ali aus Bogra, selig, angekündigt, er werde der Nation noch in jenem Jahr, am 25. Dezember, dem Geburtstag des Quaid-e-Azam, eine islamische Verfassung schenken.

Generalgouverneur Ghulam Muhammad litt zutiefst darunter, dass er Maulana Maududi nicht am Galgen hängen sah. Die Erklärung des Premierministers über eine islamische Verfassung streute zudem Salz in seine blutende Wunde. Daher geriet er in heftigen Zorn und löste die pakistanische Verfassungsgebende Versammlung auf.

Infolgedessen entstand im Land eine verfassungsrechtliche Blockade. Durch die Auflösung der Verfassungsgebenden Versammlung wurden sämtliche Gesetze und Rechtsvorschriften ungültig.

Unterdessen wurde beim Obergericht ein Antrag auf Haftprüfung (Habious Corpus) eingereicht, um die Gründe für die Inhaftierung des Maulana darzulegen. Doch noch bevor die Anhörung vor Gericht begann, verkündete die Regierung die bedingungslose Freilassung des Maulana.

Maulanas Reise nach Ostpakistan

Nach der Befreiung des Maulana vom Galgen und aus der lebenslangen Haft dankte die muslimische Welt Gott. Da die Menschen in Ostpakistan den Maulana noch nie gesehen hatten, begannen sie, sich nach einer Begegnung mit ihm zu sehnen. Zudem war eine Reise des Maulana nach Ostpakistan dringend erforderlich geworden.

Zu dieser Zeit trat in Ostpakistan erneut eine neue Verfassungskrise auf. Nachdem der Generalgouverneur die Verfassunggebende Versammlung aufgelöst hatte, wurde aus militärischen und zivilen Personen ein talentiertes Kabinett gebildet. Der verstorbene Märtyrer Suhrawardy wurde zu dessen Justizminister ernannt. Danach wurde durch die Einberufung einer Konvention und mithilfe einer Verordnung eine Verschwörung geschmiedet, dem Volk eine nichtislamische und undemokratische Verfassung aufzuzwingen. Nachdem das Bundesgericht jedoch in seinem Urteil die Bildung der Konvention als verfassungswidrig erklärt hatte, waren der Generalgouverneur und das talentierte Kabinett gezwungen, im Mai 1955 Wahlen zur Verfassunggebenden Versammlung abzuhalten. Nach diesen Wahlen wurde Chaudhry Muhammad Ali zum Premierminister gewählt. Sein aufrichtiges Bestreben war es, im Land eine islamische Verfassung auszuarbeiten. Doch der verstorbene Märtyrer Suhrawardy, der Parteiführer der Awami-Liga in der Verfassunggebenden Versammlung, und die Führer des Kongresses stellten sich der Ausarbeitung einer islamischen Verfassung als äußerst großes Hindernis entgegen. Suhrawardy hatte sich nachdrücklich dafür eingesetzt, dass Herr Khawaja Nazimuddin abgesetzt und schließlich die Verfassunggebende Versammlung aufgelöst wurde, um den Weg zu einer islamischen Verfassung in diesem Land zu versperren. Später, während seiner Amtszeit als Justizminister des talentierten Kabinetts, zerschlug sich auch Suhrawardys Hoffnung, durch eine Konvention eine demokratiefeindliche und religionslose Verfassung dem Volk aufzuzwingen. Daher bildete er mit den Mitgliedern des Hindu-Kongresses eine starke antiislamische Front, damit die neugewählte Verfassunggebende Versammlung keine islamische Verfassung ausarbeiten konnte. Deshalb war es notwendig geworden, die Volksbewegung zu verstärken, um diese Machenschaften zu vereiteln und ein der islamischen Verfassung günstiges Umfeld zu schaffen.

Nach seiner Befreiung aus dem Gefängnis reiste Maulana Maududi am 24. Januar 1956 zum ersten Mal nach Ostpakistan. Er hielt sich dort anderthalb Monate auf und besuchte nahezu jede Distrikthauptstadt sowie bedeutende Subdistriktstädte. Bei dieser Gelegenheit hielt er vor mehreren Hunderttausend Menschen Reden, verkündete die Botschaft des Islam, erklärte die Notwendigkeit einer islamischen Verfassung, beantwortete Hunderte von Fragen und empfing Hunderte von Menschen zu persönlichen Gesprächen. Auf diese Weise stärkte er auch im östlichen Teil Pakistans die Forderung nach einer islamischen Verfassung. Darüber hinaus gewann er unmittelbare Kenntnis von sämtlichen inneren Problemen sowie den Nöten und Beschwerden dieser Provinz.

Gegen Ende seiner Reise erörterte Maulana Maududi am 4. März anlässlich einer Mitarbeiterversammlung der Jamaat-e-Islami in der Halle des Distriktvorstands von Dhaka ausführlich vor allem sämtliche Probleme und Nöte Ostpakistans sowie den geeigneten Weg zu ihrer Lösung. Die bengalische Übersetzung dieser Rede wurde unter dem Titel „Die Probleme Ostpakistans und ihre Lösung“ in Form einer Broschüre veröffentlicht.

Maulana Maududi erörterte ausführlich einige der komplizierten Probleme der Menschen in Ostpakistan und legte auch deren Lösungen dar. Er ermittelte die wahren Ursachen ihrer schwerwiegenden Beschwerden und beleuchtete sie.

Über den falschen Weg, den die Muhadschir in Ostpakistan eingeschlagen hatten, bemerkte er:

„Ein großer Teil derjenigen, die als Staatsbedienstete hierhergekommen sind, hat keine besonders anerkennenswerte Rolle übernommen. Sie haben auf den Stühlen der Engländer sitzend sich selbst für Engländer gehalten. Bei der Herrschaft über ein anderes Volk haben auch sie die von den Engländern befolgte Politik übernommen. Sie haben nicht bedacht, dass sie die Verantwortung für die Herrschaft über beziehungsweise den Dienst an ihrem eigenen Land und ihrem eigenen Volk übernommen haben. Wenn es ihr Ziel war, die Engländer nachzuahmen, so wäre es ihre Pflicht gewesen, der in England geltenden Politik zu folgen. Tatsächlich ist dies der Hauptgrund dafür, dass die Bevölkerung Ostpakistans aus all den Umständen zu der Auffassung zu gelangen begonnen hat, man habe sie in eine Kolonie verwandelt.“

(Die Probleme Ostpakistans und ihre Lösung, S. 5)

Die Warnung des Maulana an die Zugezogenen

Über die zugezogenen Geschäftsleute äußerte er sich wie folgt:

„Wir sind den zugezogenen Geschäftsleuten und Fabrikbesitzern dankbar, dass sie hierhergekommen sind und Industrie und Handel übernommen haben. Sie hätten dieses Land jedoch als ihr eigenes Land und dieses Volk als ihr eigenes Volk betrachten und versuchen sollen, ihren unterentwickelten Brüdern zu helfen und sie voranzubringen, sie beim Fortschritt im Bereich von Industrie und Handel zu unterstützen, die hier erwirtschafteten Einnahmen hier auszugeben, um ihre Not zu lindern, geeignete Einrichtungen zu ihrem Wohl und Fortschritt zu schaffen und ihnen in Zeiten der Gefahr und Not angemessene Hilfe zu leisten. Es ist äußerst bedauerlich, dass viele von ihnen sich dieser Pflicht nicht bewusst waren.“ (Siehe die genannte Broschüre, S. 7–8.)

 

Das Sprachproblem

Die klare Stellungnahme, die der Maulana zur bengalischen Sprachbewegung und zum Sprachproblem in Ostpakistan äußerte, wird im Folgenden wiedergegeben:

„Das Sprachproblem ist die allererste wichtige Angelegenheit. Tatsächlich gab es in Ostpakistan niemals eine feindselige Haltung gegenüber der Urdu-Sprache. Im Gegenteil, unter den Gebildeten hier war ein besonderes Interesse an ihrer Notwendigkeit festzustellen. Die einfachen Leute hier erwiesen den Urdu-Sprechern großen Respekt. Bis heute genießt die Urdu-Sprache nach der arabischen Sprache auch eine gewisse religiöse Stellung. Wenn man sie jedoch als einzige National- und Staatssprache angenommen hätte, wäre dies für die Menschen hier zu einer besonderen Schwierigkeit geworden. Denn selbst die Gebildeten hier beherrschen die Urdu-Sprache nicht. Daher befürchteten sie, in jeder Hinsicht hinter den gebildeten Urdu-Sprechern zurückzubleiben. Vor diesem Hintergrund hatten die Bengalischsprachigen gefordert, neben Urdu auch Bengali zur Amtssprache zu machen. Hätte man diese Forderung gleich am ersten Tag angenommen, nachdem man die Schärfe der Lage vollständig erkannt hatte, wäre dies ein Zeichen von Klugheit gewesen. In der Praxis wurde jedoch genau das Gegenteil getan. Einerseits wurde versucht, sie mithilfe einer Unterdrückungspolitik niederzuhalten, andererseits wurde aus Westpakistan wiederholt gegen sie Stellung bezogen. Aus diesem Grund nahm die Forderung nach Bengali nicht die Form eines lösbaren Problems, sondern die einer Ideologie und einer emotionalen Bewegung an; und dies ist ihre natürliche Folge. Denn wenn man auf eine Forderung mit ‚Es wird nicht gegeben‘ antwortet, wird als Gegenantwort zwangsläufig der Ruf ‚Wir werden es uns erkämpfen‘ ertönen. Genau das ist auch in dieser Angelegenheit geschehen.“

Das Problem der Staatsdienste

Auch in Bezug auf die Staatsdienste brachte Maulana Maududi in seiner in der Dhaka-D. B.-Halle gehaltenen Ansprache die innere Stimme Ostpakistans zum Ausdruck.

Er sagte:

„Das zweite Problem ist das Problem der staatlichen Beschäftigung. Es besteht kein Zweifel daran, dass die Muslime während der britischen Herrschaft im Bereich der Beschäftigung äußerst rückständig waren. In den höheren Ämtern lag ihr verhältnismäßiger Anteil praktisch bei null. Natürlich war es auch nicht leicht, den von den Briten und Hindus über zweihundert Jahre hinweg verursachten Missstand plötzlich zu beheben. Doch nach der Gründung Pakistans hegten die Muslime der östlichen Region zu Recht die Hoffnung, dass ihnen Möglichkeiten zum Aufstieg gewährt würden. Leider wurde diese Hoffnung nicht erfüllt. Die Verbitterung, die dies unter den Jugendlichen Ostpakistans hervorgerufen hat, ist vollkommen berechtigt. Es ist äußerst bedauerlich, dass die Beschäftigten überall dort, wo sie Einfluss haben, versuchen, ihre eigenen Verwandten in den Staatsdienst aufzunehmen. Zumindest hätten einflussreiche Personen von hohem Rang sich von dieser Ungerechtigkeit fernhalten müssen. Ihre Pflicht wäre es gewesen, sich darum zu bemühen, ihre vernachlässigten und unterentwickelten muslimischen Brüder in Bengalen zu fördern, damit auch sie die Möglichkeit erhielten, sich gleichberechtigt am Dienst für das Land zu beteiligen. Leider wurde diese Angelegenheit jedoch aufs Äußerste vernachlässigt. Aufgrund dieser Vernachlässigung ist in Ostpakistan sogar eine allgemeine Beschwerde entstanden.“ (Siehe die oben genannte Broschüre, S. 14–15.)

Das Problem der Landesverteidigung

 

Das schmerzlichste Problem Ostpakistans ist das Sicherheitsproblem. Dazu sagt der Maulana:

„Eine noch wichtigere Frage ist die Beschäftigung im Militär. Die Politik der Zentralregierung in dieser Hinsicht ist tatsächlich anstößig. Bis heute ist hier noch die aus der britischen Zeit stammende Vorstellung verbreitet, dass nur ‚kriegerische Völker‘ für den Militärdienst geeignet seien. Das Ergebnis ist, dass der Militärdienst für die Bewohner einer bestimmten Region zu einem Monopol geworden ist. Nicht nur bei der finanziellen Unterstützung aus dem Militärhaushalt, sondern auch bei den anderen notwendigen Bereichen der militärischen Ausbildung wird den Ostpakistanern kein nennenswerter Anteil gewährt.

Ich weiß nicht, ob die Bewohner von Ceylon, Burma, Syrien, Indonesien und den Philippinen und anderer Länder in den Augen unserer Machthaber als kriegerische Völker gelten. Falls nicht, müsste man ihnen entweder die Fähigkeit zur Verteidigung ihrer Länder absprechen oder von anderswo Militärangehörige herbeirufen und die Armeen aufstellen. Wenn die Bewohner dieser Länder jedoch in der Lage sind, ihre eigenen Länder selbst zu verteidigen, inwiefern sind dann die Menschen Ostpakistans ihnen unterlegen, dass man sie für den Militärdienst als ungeeignet erklären sollte? Die Bedeutung dieser Angelegenheit endet hier nicht. Vielmehr ist sie eine Frage von Leben und Tod für Pakistan. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung dieses Landes lebt in einem so kleinen Gebiet, dessen drei Seiten innerhalb des Einflussbereichs Hindustans liegen. Eine Grenze von etwa vierzehnhundert Meilen muss verteidigt werden. Es scheint nicht möglich zu sein, diesem Gebiet während eines Krieges irgendeine Hilfe aus Westpakistan zu leisten. Wenn die Bewohner hier nicht in der Lage sind, ihr eigenes Land selbst zu verteidigen, und nicht in jeder Hinsicht zu diesem Zweck befähigt und ausgebildet werden, wird ihnen niemals ein Gefühl der Sicherheit zuteilwerden. Sie werden sie niemals durch die Versicherung beruhigen können, dass Westpakistan im Kriegsfall den östlichen Teil schützen werde. Denn das würde bedeuten, dass zunächst der Osten einmal vom Feind überfallen wird und Sie ihn anschließend aus dem Westen dazu drängen werden, den Feind zu vertreiben. Das ist nichts anderes als eine irrige Sichtweise. Und genau dies ist der Hauptgrund für die Unzufriedenheit der Menschen Ostpakistans.“

(Siehe die oben genannte Broschüre, S. 15–16.)

Nachdem die Militärherrschaft beendet war und die politischen Parteien ihre Tätigkeit rechtmäßig wieder aufgenommen hatten, fand in der Stadt Rangpur eine dreitägige Konferenz der Jamaat-e-Islami statt. Bei der anlässlich dieser Konferenz am 18. November 1962 veranstalteten öffentlichen Versammlung sagte der Maulana:

„Ich habe vor der Militärherrschaft oft gesagt und sage es heute erneut: Ostpakistan muss in jeder Hinsicht auf die Landesverteidigung vorbereitet werden.“

Die obige Rede des Maulana beweist eindeutig, dass er jeden Zentimeter des pakistanischen Staatsgebiets und jeden seiner Bewohner als sein Eigen betrachtete. Provinzialismus oder eine auf der Sprache beruhende Engstirnigkeit konnten sein Herz niemals berühren. Neben einem vollkommenen islamischen Brüderlichkeitsgefühl war ein großzügiger Humanismus ein charakteristisches Merkmal des Maulana. Den verschiedenen regionalen Problemen Pakistans brachte er gleichermaßen Anteilnahme entgegen. Deshalb konnte er keines von ihnen jemals ignorieren.

In seiner damaligen Rede in der Dhaka DB Hall brachte der Maulana dies auf eindrucksvolle Weise zum Ausdruck. Er sagte:

„Pakistan ist für mich wie mein Leib und meine Seele. So wie ich zwischen meinen beiden Händen keinen Unterschied machen kann, kann ich ebenso keinen Unterschied zwischen den beiden Teilen Pakistans machen. Wenn eine meiner beiden Hände krank ist, so ist das eine Krankheit meines gesamten Körpers. Es ist meine Pflicht, ihre Ursache zu erforschen und für die richtige Behandlung zu sorgen. Dies nicht zu tun, würde bedeuten, sich selbst zum Feind zu werden.“

 

Nach der Annahme der islamischen Verfassung

Dank der aufrichtigen Bemühungen und der unermüdlichen Arbeit des pakistanischen Premierministers Chaudhry Muhammad Ali wurde in Pakistan eine islamische Verfassung ausgearbeitet und angenommen. Am 29. Februar 1956 verabschiedete die Verfassunggebende Versammlung die islamische Verfassung. Am 2. März unterzeichnete der Generalgouverneur sie, und am 23. März trat sie in Kraft. Es versteht sich von selbst, dass der verstorbene Herr Suhrawardy bei der Annahme dieser Verfassung gemeinsam mit den Mitgliedern seiner Awami-Liga-Partei und den Kongressmitgliedern die Verfassunggebende Versammlung boykottierte. Obwohl die islamische Verfassung angenommen worden war, erhob sich aus den islamfeindlichen Kreisen des Landes eine reaktionäre Bewegung gegen die folgenden Punkte.

(1) die Bezeichnung des Staates als Islamische Republik,

(2) die muslimische Religionszugehörigkeit des Staatsoberhaupts

(3) keine Gesetze zu erlassen, die dem Koran und der Sunna widersprechen,

(4) Alkohol, Glücksspiel, Unzucht und dergleichen zu unterbinden.

Nachdem für Pakistan eine islamische Verfassung angenommen worden war (obwohl sie aus der Sicht des Islam und der Demokratie keineswegs vollkommen fehlerfrei war), richtete sich der gesamte Zorn mancher Leute gegen Maulana Maududi. Danach begannen die Anschuldigungen und die Kritik gegen den Maulana. Die haltloseste und bedauerlichste Anschuldigung gegen ihn lautete, dass er das Amt des Amir der Jamaat-e-Islami seit ihrer Gründung ohne Wahl innehabe.

Um zu beweisen, dass er niemals nach Führung gestrebt hatte, trat der Maulana bereitwillig vom Amt des Amir zurück. Darüber hinaus erklärte er, dass nach seinem Rücktritt aufgrund seines langjährigen Gefängnisaufenthalts Herr Chaudhry Ghulam Muhammad vorübergehend zum Amir gewählt worden sei und die Vorbereitungen für die Wahl des Amir gemäß der Satzung fortgesetzt würden.

Zu diesem Zweck fand im Februar 1957 an einem Ort namens Machhigot im Fürstenstaat Bahawalpur eine einwöchige Mitgliederversammlung der Jamaat-e-Islami statt. Auch der bescheidene Verfasser hatte das Glück, an dieser Versammlung teilzunehmen. Mehr als achthundert Mitglieder der Jamaat aus verschiedenen Teilen Pakistans nahmen an ihr teil. Die Versammlung wurde in einer vollkommen friedlichen, disziplinierten und unvergleichlich reinen Atmosphäre abgeschlossen. Auf dieser Versammlung wurde erneut die Wahl des Amir der Jamaat-e-Islami durchgeführt. Es zeigte sich, dass mit Ausnahme von lediglich vier der mehr als achthundert Wahlberechtigten alle Maulana Maududi in geheimer Abstimmung ihre Stimme für das Amt des Amir gegeben hatten. Daher konnte der Maulana die ihm von allen spontan anvertraute Verantwortung nicht ablehnen. Er übernahm erneut die Verantwortung des Amiramtes.

Auf dieser Versammlung hielt der Maulana über die künftige Arbeitsweise der Jamaat-e-Islami eine äußerst logische und erkenntnisreiche, sechs Stunden dauernde Ansprache. Diese Ansprache ist zu einem unschätzbaren Schatz der Jamaat-e-Islami geworden. Sie wurde unter dem Titel „Das künftige Programm der islamischen Bewegung“ in Buchform veröffentlicht.

Unterdessen zogen sich am politischen Himmel Pakistans dunkle Wolken zusammen. An die Stelle Ghulam Muhammads trat Iskander Mirza zunächst als Generalgouverneur und später als Präsident Pakistans. In der Verfassung wurde darauf gedrängt, die allgemeinen Wahlen in ganz Pakistan zu beschleunigen, doch das Wahlverfahren wurde nicht festgelegt. Angesichts des entschiedenen Widerstands der Awami-Liga und des Kongresses war es schon äußerst schwierig gewesen, irgendeine islamische Verfassung zu verabschieden. Daher gab es keinerlei Möglichkeit, darüber zu beraten, ob ein gemeinsames oder ein getrenntes Wahlverfahren eingeführt werden sollte. Nun bot sich den islamfeindlichen Kreisen eine goldene Gelegenheit, die islamische Verfassung zu vereiteln. Sie waren fest davon überzeugt, dass islamisch gesinnte Menschen bei den Wahlen nur sehr geringe Aussichten auf einen Sieg hätten, wenn ein gemeinsames Wahlverfahren für Muslime und Nichtmuslime eingeführt würde. Folglich ließen sich die islamische Verfassung oder die islamischen Bestimmungen der Verfassung leicht ändern.

Hinsichtlich des Wahlverfahrens war lediglich beschlossen worden, dass die Nationalversammlung auf Empfehlung der beiden Provinzversammlungen eine endgültige Entscheidung in dieser Angelegenheit treffen sollte. Die Versammlung Westpakistans empfahl ein getrenntes Wahlverfahren. Für Februar 1958 wurde eine Sitzung der Nationalversammlung in Dhaka angekündigt. Es wurde ebenfalls angekündigt, dass auf dieser Sitzung die endgültige Entscheidung über das Wahlverfahren getroffen werden sollte.

Maulana zum zweiten Mal in Ostpakistan

Es ist unbestreitbar, dass in einem Land, in dem Muslime und Nichtmuslime zusammenleben, die islamische Gesellschaftsordnung und die islamischen Werte auf getrennten Wahlen beruhen. Die Muslime sollen gesondert ihre nationalen Führer wählen, und ebenso sollen die Nichtmuslime ihre nationalen Führer wählen. Da die Muslime allein, unabhängig von den Nichtmuslimen, eine eigenständige Nation bilden, hat gerade diese Nationaltheorie Pakistan hervorgebracht. So wie gemeinsame Wahlen für alle Nationen, ohne Unterschied zwischen Muslimen und Nichtmuslimen, das Ideal Pakistans erschüttern, werden dadurch auch die nationalen Hoffnungen und Bestrebungen der Muslime ausgelöscht.

In Ostpakistan war eine von der Awami League gebildete Regierung im Amt. Die Haltung der Awami League gegenüber dem Islam war niemandem unbekannt. Daher begannen Jamaat-e-Islami, die Nizam-e-Islam-Partei und die Muslim League gemeinsam dafür zu werben, in Ostpakistan die öffentliche Meinung zugunsten getrennter Wahlen zu gewinnen. Zu diesem Zweck wurde auf dem Paltan-Maidan in Dhaka eine öffentliche Versammlung organisiert. Doch eine von der Regierung eingesetzte bewaffnete Schlägertruppe griff den Versammlungsort an und schlug zahlreiche führende Persönlichkeiten brutal nieder. Die Provinzregierung, die sich als Bannerträgerin der Demokratie ausgab, jubelte über diesen gegen Demokratie und Menschlichkeit gerichteten Frevel im Siegesrausch.

Zu dieser Zeit kam Maulana Maududi 1958 zum zweiten Mal nach Ostpakistan. Für jede Distrikthauptstadt und jede bedeutende Unterdistriktstadt wurde ein Reiseplan für den Maulana ausgearbeitet. Am 21. Februar warteten Tausende Menschen voller Ungeduld auf seine Ankunft am Bahnhof von Rangpur, um ihn herzlich willkommen zu heißen. Doch in der Geschichte der Demokratie ereignete sich ein höchst außergewöhnlicher und beispielloser Vorgang. Noch im Zug des Maulana auf dem Weg nach Rangpur wurde ihm im Namen der Provinzregierung eine schriftliche Anweisung übergeben. Darin wurde verkündet, dass der Maulana wegen der Gefahr einer Störung des Friedens in der Stadt Rangpur nicht aus dem Zug aussteigen dürfe. Auch die öffentliche Versammlung wurde verboten. Die Awami-League-Regierung Ostpakistans stellte damit in der Geschichte der Demokratie einen neuen Rekord auf.

Die Menschenmenge am Bahnhof von Rangpur brach in Protest aus. Es schien, als würde eine gewaltige Katastrophe hereinbrechen. Als der Zug am Bahnhof hielt, stellte sich der Maulana in die Zugtür, nahm den ehrerbietigen Empfang der Menschen entgegen und sagte mit äußerst ruhiger und freundlicher Stimme: „Ich bin stets dafür eingetreten, die Gesetze zu befolgen. Ich bitte euch, die Aufrechterhaltung von Recht und Ordnung im Land zu gewährleisten. Wenn Allah es will, werde ich euch eines Tages wieder in eurer Stadt zu Diensten sein.“ [Am 18. November 1962 hielt Maulana Maududi vor einer Menschenmenge in der Stadt Rangpur eine wertvolle Ansprache und erfüllte damit die lang gehegte Hoffnung der Bewohner Rangpurs.]

Das Bild, das sich an jenem Tag auf dem Bahnsteig des Bahnhofs von Rangpur bot, schwebt dem Verfasser noch heute vor Augen. Nach dieser äußerst kurzen Ansprache des Maulana lösten sich der ganze Zorn und die Erregung der über die Regierung empörten Menschen gleich Seifenblasen auf. Ein heftiger Drang zum Weinen stieg in die Kehle, ließ beide Augen tränenfeucht werden und verabschiedete sich in Gestalt eines leisen, trockenen Lächelns. Es schien, als sei irgendwo ein Plan für ein Blutbad entworfen worden. Und weil er zerbrochen war, stieß in einer unsichtbaren Welt jemand Satan ein Messer in die Brust. Der Zug mit dem Maulana setzte seine Fahrt fort. Die Menschen kehrten mit gebrochenem Herzen in die Stadt zurück.

Danach hielt der Maulana in den Städten Saidpur, Thakurgaon, Dinajpur, Bogra, Rajshahi und Pabna öffentliche Ansprachen.

Auf diese Weise hielt der Maulana in jeder Distrikthauptstadt des Landes und in vielen Unterdistriktstädten öffentliche Ansprachen und kehrte anschließend nach Dhaka zurück. Doch die Nationalversammlung ignorierte die vereinte Forderung des Volkes nach getrennten Wahlen und drückte der Nation in den späten Nachtstunden, während alles schlief, das System gemeinsamer Wahlen auf.

Ende März fand in Dhaka eine dreitägige Konferenz der Jamaat-e Islami statt. Maulana Maududi nahm an dieser Konferenz teil. Am letzten Tag der Konferenz versammelte sich ein eine Meile langer gemeinsamer Umzug von Mitarbeitern der Jamaat-e Islami und der Bevölkerung, der durch die verschiedenen Hauptstraßen der Stadt gezogen war, auf dem Paltan-Maidan. Gegen die undemokratischen Maßnahmen der Provinz- und Zentralregierung, die den Hoffnungen und Bestrebungen der muslimischen Bevölkerung zuwiderliefen, wurde protestiert. Anschließend hielt Maulana auf der öffentlichen Versammlung auf dem Paltan-Maidan eine Ansprache. Erfreulicherweise wagten die Unruhestifter es nicht, die Ordnung der Versammlung zu stören.

 

Maulanas Auslandsreise

Um an der in Damaskus abgehaltenen zweiten Sitzung des Mu’tamar-e Alam-e Islami teilzunehmen, reiste Maulana Sayyid Abul A’la Maududi im Juni 1956 in den Nahen Osten. An der ersten Sitzung hatte Maulana nicht teilnehmen können, weil er damals eine lebenslange Haftstrafe verbüßte. Auf dieser Sitzung des Mu’tamar lobten die aus der muslimischen Welt angereisten Delegierten Maulanas Dienste für den Islam uneingeschränkt. Maulana führte den Vorsitz bei einer Sitzung des Mu’tamar. Einstimmig wurde er zum Vorsitzenden des Komitees „Tabligh wa Da’wah-e Islami“ dieser Organisation gewählt.

Nach Abschluss der Sitzung des Mu’tamar-e Alam-e Islami bereiste Maulana verschiedene Länder des Nahen Ostens. Diesmal vollzog er die Hadsch und lernte zahlreiche gelehrte und nachdenkliche Persönlichkeiten der muslimischen Welt persönlich kennen.

Als Maulana auf dem Weg nach Damaskus in Beirut eintraf, bereiteten ihm die Mitarbeiter und führenden Mitglieder der Organisation „Ibadur Rahman“, der islamischen Bewegung im Libanon, sowie angesehene Persönlichkeiten der Stadt am Flughafen einen überwältigenden Empfang. Die Pfadfinder von Ibadur Rahman erwiesen Maulana die Ehrenwache. Von ihnen erfuhr man, dass Maulanas Schriften unter ihnen weit verbreitet waren und jeder von ihnen über Maulana Maududi und die Jamaat-e Islami gut informiert war.

Beim Überschreiten der syrischen Grenze wurden das Gepäck Maulanas und seiner Begleiter ohne Durchsuchung freigegeben. Ein Beamter des Kontrollpostens sagte, die syrische Regierung habe sie angewiesen, Maulana im Namen der syrischen Regierung und des syrischen Volkes herzlich willkommen zu heißen. Zehn bis zwölf Meilen von Damaskus entfernt warteten die angesehenen Persönlichkeiten der Stadt bereits seit geraumer Zeit mit einer großen Kolonne von Kraftfahrzeugen auf Maulanas Ankunft, um ihn zu empfangen. Unter dem Geleit eines gewaltigen Umzugs und mit königlichen Ehren zog Maulana in die Stadt Damaskus ein. Beim späteren bürgerlichen Empfang am Nachmittag nahmen neben den angesehenen Persönlichkeiten der Stadt auch der Justizminister der syrischen Regierung, der Präsident des Parlaments und der Innenminister teil.

Bei dieser Gelegenheit wurde bekannt, dass Maulanas Schriften in großer Zahl den Sudan erreicht hatten und auch andere Teile der arabischen Welt erreichten. Herr Makkiyun Nasiri, der Vorsitzende der islamischen Partei Marokkos, erhielt außerdem in Tanger die Genehmigung, Maulanas Schriften zu veröffentlichen. Er sagte, er plane, Maulanas Schriften in arabischer Sprache zu veröffentlichen und in Marokko, Tunesien und Algerien umfassend zu verbreiten.

 

Beseitigung falscher Vorstellungen über Pakistan

Auf dieser Reise erhielt Maulana Maududi die Gelegenheit, dem Land einen großen Dienst zu erweisen. Bis dahin hatten die arabischen Länder ein ungünstiges Bild von Pakistan. Sie waren durch die indische Propaganda irregeführt worden. Durch seine Reise beseitigte Maulana dieses falsche Bild. Er kritisierte auch den arabischen Nationalismus und wies dessen Irrtümer nach. Er erklärte ihnen, dass die Grundlage der Beziehungen zwischen Pakistan und den arabischen Ländern ausschließlich der Islam sei. Weiter sagte er, dass, so wie Israel der Feind der Araber sei, Indien ein noch größerer Feind Pakistans sei. Denn Indien besetzt unrechtmäßig einen großen Teil Kaschmirs. Maulana erklärte, dass Indien den Staat Israel anerkannt habe, Pakistan hingegen nicht. Er fragte: Wenn die arabischen Länder unter diesen Umständen statt mit Pakistan mit Indien Freundschaft schließen, was können sie dann von Pakistan erwarten? Während seiner Reise durch den Nahen Osten betrieb Maulana überall in Gesprächen mit den Arabern eine solche Aufklärungsarbeit über Pakistan. Die Araber beklagten, dass Pakistan in den arabischen Ländern nicht wirklich vertreten worden sei.

Auch bei seiner Rückkehr aus Damaskus verabschiedete die syrische Regierung Maulana mit höchster Ehrerbietung. Der Verkehrssekretär begleitete ihn bis zum Bahnhof und verabschiedete sich dort endgültig von ihm. Bis zur syrischen Grenze wurde für Maulana ein staatliches Fahrzeug bereitgestellt.

Der jordanische König Schah Hussein lud Maulana ein, und hier musste Maulana vor einer Volksversammlung sprechen. Bei dieser Versammlung musste Maulana verschiedene Fragen beantworten, unter anderem zum islamischen Lebenssystem, zur Jamaat-e Islami, ihrer Literatur und deren Übersetzung ins Arabische. Maulana erläuterte Pakistans Außenpolitik, und die Zuhörer äußerten ihre Zufriedenheit mit seinen Antworten. Maulana sagte, dass die arabischen Länder, obwohl sie zwanzigmal größer als Israel seien, es nicht für verwerflich hielten, Russland um Hilfe zu bitten, um sich vor dessen Angriffen zu schützen. Wenn Pakistan, um sich vor den Angriffen Indiens, das viermal stärker als es sei, zu schützen, Amerika um Hilfe bitte, warum sollte das dann verwerflich sein? Dabei ist Pakistan stets ein Unterstützer der Araber gewesen.

Eine Sonderdelegation aus Aleppo kam, um Maulana zu empfangen. Danach reiste er gemeinsam mit dem marokkanischen Führer Makkiun Naseri und dem algerischen Führer Muhammad al-Ghaibi nach Aleppo. Auch auf diesem Weg wurde Maulana überall herzlich empfangen. Bevor sie jede Stadt und jeden Hafen erreichten, begrüßten die Bürger Maulana zehn bis zwölf Meilen außerhalb der Stadt mit Autokolonnen.

In Homs und Hama empfing die Jugendgruppe der Ichwan Maulana nach alter arabischer Sitte mit Gedichtvorträgen und Beifall. Über ihre spontane Freude und Herzlichkeit war Maulana zutiefst erfreut und bewegt.

Viele junge Männer aus den syrischen Streitkräften trafen Maulana. Sie berichteten, dass sie viele seiner Bücher gelesen hätten und dass es vonseiten der Regierung keinerlei Verbot oder Einschränkung gebe, Maulanas Bücher zu lesen. Als Maulana dies erfuhr, war er innerlich sehr traurig, denn in seinem eigenen Land war seine Literatur für die Angehörigen der Streitkräfte verboten. Dort galt es als schweres Verbrechen, irgendeines seiner Bücher zu besitzen.

In Saudi-Arabien kamen alle, die Maulanas Bücher gelesen hatten, zu einem Treffen mit ihm, und zwischen ihnen fand ein Austausch von Gedanken zu verschiedenen Themen statt.

Die Emigranten aus Russisch-Turkestan trafen Maulana und schilderten ihm die Geschichte der schwersten Verfolgung, der sie durch die russische Regierung ausgesetzt waren. Einer ihrer Gelehrten übersetzte einige Werke Maulanas ins Türkische.

Viele Muslime aus dem besetzten Kaschmir schilderten Maulana ihr Leid und ihre Not und beteten im Haram asch-Scharif unter Tränen zu Allah.

Viele Muslime aus der Türkei erlangten nach eingehender Suche eine Begegnung mit Maulana. Sie erfuhren, dass Maulana Maududi in diesem Jahr zur Haddsch kommen werde. Nachdem sie in Mekka vergeblich nach Maulana gesucht hatten, trafen sie ihn schließlich in Medina. Als sie den Wunsch äußerten, seine Schriften ins Türkische zu übersetzen, erteilte Maulana ihnen bereitwillig seine Erlaubnis.

 

Militärherrschaft in Pakistan

In Pakistan war eine islamische Verfassung angenommen und in Kraft gesetzt worden, und gemäß der neuen Verfassung sollten im Februar 1959 im ganzen Land allgemeine Wahlen zu den nationalen und provinziellen Versammlungen stattfinden. Doch wegen der islamischen Verfassung fanden die islamfeindlichen Kreise, angefangen beim Staatsoberhaupt bis hinunter zur Provinzebene, keinen Schlaf. Um die islamische Verfassung zu Fall zu bringen, begann Staatsoberhaupt Iskander Mirza im Zentrum ein Spiel aus Auflösung und Neubildung von Kabinetten. Die machtlose Partei begann, sich allerlei Kniffe und Taktiken auszudenken, um die kommenden Wahlen zu gewinnen. Unter dem Vorwand, Störungen des Friedens bei den Wahlen zu verhindern, begann die regierende Partei, aus den eigenen Reihen Tausende von Sonderpolizisten zu rekrutieren. Wie in der Vergangenheit wurde erneut geplant, die Staatsbeamten dafür einzusetzen, die Wahlklippe zu überwinden. Unter dem Namen der bevorstehenden Wahlen wurde im ganzen Land ein Reich des Terrors errichtet.

Maulana Maududi nahm diese Lage zutiefst wahr. Um seine Haltung dazu darzulegen, wurde am 6. Oktober am Mochi-Tor in Lahore eine öffentliche Versammlung veranstaltet. In seiner Rede analysierte Maulana die Lage des Landes, warnte die Nation und erklärte, dass sich die Bürokratie hier aufgrund des Machthungers und der Kurzsichtigkeit der pakistanischen herrschenden Klasse beträchtlich emporgeschwungen habe. Wenn die regierende Partei und die Bevölkerung ihre Fehler nicht noch immer korrigierten, werde in diesem Land das Grab der Demokratie errichtet, und darauf werde sich der Palast der Bürokratie erheben.

Es versteht sich von selbst, dass Maulanas Worte buchstäblich wahr waren. Die pakistanische Bürokratie wartete auf eine Gelegenheit. Die Kabinette des Zentrums und der Provinzen waren gleichsam zu tanzenden Puppen des Staatsoberhaupts geworden. Die Gewalttätigkeiten in Ostpakistan hatten den Sitzungssaal erreicht. Für die machtgierige Bürokratie war dies die goldene Gelegenheit.

In derselben Nacht, in deren letzten Stunden Maulana Maududi auf der Versammlung am Mochi-Tor seine Warnung an die Nation ausgesprochen hatte, wurde im Land die Militärherrschaft verhängt. In dieser nächtlichen Finsternis setzte Iskander Mirza seinem jahrelangen Spiel die Krone auf. Er zerschlug die seit jeher ersehnte und unter großen Mühen errichtete Verfassung und legte dem Land den gewaltigen Mühlstein der Militärherrschaft, also der Bürokratie, auf. Alle politischen Parteien des Landes und ihre Aktivitäten wurden verboten.

 

Maulana zum zweiten Mal im Nahen Osten

Seit Maulanas Reisen nach Saudi-Arabien und in den Nahen Osten sind einige Jahre vergangen. Durch diese Reisen haben sich seine Beziehungen zur islamischen Bevölkerung und zu den Führungspersönlichkeiten jener Länder vertieft. Ihr Wunsch ist, Maulana jedes Jahr unter ihnen sehen zu können.

In Pakistan herrscht Militärregierung. Jegliche politische Tätigkeit ist eingestellt worden. Auch die Jamaat-e-Islami ist nicht aktiv. Diese Zeit war für Maulanas Auslandsreise äußerst geeignet.

Im Oktober 1959 christlicher Zeit reiste Maulana zum zweiten Mal in den Nahen Osten. Seine diesmalige Reise diente ausschließlich der Erweiterung seiner Kenntnisse, dem Besuch historischer Stätten und insbesondere dazu, praktische Erfahrungen über „Ard al-Qur’an“, also die im Koran erwähnten Orte, zu gewinnen. Für seinen weltberühmten Tafsir „Tafhim al-Qur’an“ hielt Maulana es für notwendig, Ard al-Qur’an mit eigenen Augen zu sehen.

Auch auf dieser Reise wurde Maulana überall mit besonderer brüderlicher Verbundenheit behandelt. Die arabischen Regierungen ermöglichten Maulanas Reise mit großer Bereitschaft und gewährten ihm besondere Erleichterungen. Die aufrichtige Gastfreundschaft, die Saudi-Arabien und Jordanien Maulana erwiesen, wird niemals vergessen werden. Während der Reise verurteilte Maulana, wann immer sich Gelegenheit bot, den arabischen Nationalismus scharf und bemühte sich, diese irrige Ideologie zu korrigieren. In seinen Gesprächen legte Maulana den Arabern Pakistans wahre Position und die tatsächlichen Verhältnisse dar. In unmissverständlichen Worten sagte Maulana zu ihnen:

„Die Beziehung zwischen euch und uns besteht allein im Islam. Wenn ihr für den Islam einsteht, werden sich die Hunderte Millionen Muslime der Welt hinter euch stellen. Wenn ihr jedoch anstelle des Islam Kufr und Dschahiliya annehmt, werden euch nicht nur die anderen Muslime der Welt, sondern auch die arabischen Muslime verlassen.“

Maulana sagte weiter:

„Meiner Ansicht nach haben die Strömungen des Nationalismus, des Atheismus und der Sündhaftigkeit, die in den arabischen Ländern zu beobachten sind, eine gemeinsame Quelle. Diese drei sind eng miteinander verbunden. Diejenigen, die den arabischen Nationalismus hochhalten, tragen auch die Banner des Atheismus und der Auflehnung gegen Gott.“

Maulanas zweite Reise in den Nahen Osten war in vieler Hinsicht hoffnungsvoll. Im Vergleich zur ersten Reise waren Maulanas Bücher diesmal in den arabischen Ländern bekannter und angesehener. Auch die Regierungen dieser Länder begegneten Maulana mit größerer Aufrichtigkeit, Gastfreundschaft und Brüderlichkeit als zuvor. An verschiedenen Orten erläuterte Maulana bei öffentlichen Versammlungen, in Hochschulen und vor angesehenen Kreisen durch seine Vorträge klar seine Botschaft und seine Mission und gab zufriedenstellende Antworten auf verschiedene Fragen. Dadurch gewann die gebildete Gesellschaft einen engen Einblick in Maulanas Persönlichkeit und Wirken. Es war festzustellen, dass Maulanas kraftvolle Schriften einige Gemüter und Denkweisen gegen den arabischen Nationalismus beeinflussten. Kurz gesagt, Maulanas zweite Reise in den Nahen Osten war vollständig erfolgreich.

Um die revolutionäre Koranexegese Tafhīm al-Qurʾān, die für künftige Generationen verfasst wurde, maßgeblich, zuverlässig und ansprechend zu machen, verbrachte der Maulana auf dieser Reise mehr als drei Monate. Unter den historischen Stätten, die er besuchte, sind die folgenden besonders hervorzuheben.

Dirʿiyya – das Zentrum der Bewegung von Muhammad ibn Abd al-Wahhab an-Najdi. ʿAqraba – wo der falsche Anspruchsteller auf das Prophetentum, Musailima, von Khalid ibn al-Walid besiegt wurde. Das Wohnhaus von Hadhrat Ayyub al-Ansari, Saqifa Bani Saida, Muʾta, Jarmuk, Schumaisi, der Ort des Vertrags von Hudaybiyya, der Geburtsort des heiligen Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), Dar al-Arqam, die Schlucht von Abu Talib, Dschabal an-Nur, die Höhle, Kuh-e Sattar, die Ruinen von Taif, die al-Khaif-Moschee, der Berg der Barmherzigkeit bei Uhud, wo der heilige Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) fünfzig Bogenschützen zur Bewachung eingesetzt hatte, Chaibar, die Überreste von Mada’in Salih, Tabuk, al-ʿAqaba – wo die Gefährten des Sabbats Fische zu fangen pflegten –, das Tal von Musa (Friede sei mit ihm), der Berg von Musa (Friede sei mit ihm), der Wirkungsort von Hadhrat Harun und weitere Stätten. Das Ergebnis dieser Forschungs- und Bildungsreise des Maulana war, dass in Tafhīm al-Qurʾān ansprechende Fotografien dieser Orte und Ruinen aufgenommen wurden. Außerdem wurden die neuesten Informationen zu den im Wortlaut des Heiligen Korans erwähnten Sachverhalten gesammelt.

Der Beitrag des Maulana zur Universität von Medina

Kurz nach Abschluss seiner zweiten Reise in den Nahen Osten musste der Maulana im Dezember 1960 erneut nach Saudi-Arabien reisen. Diesmal war er auf Einladung von Schah Saud dorthin gekommen. Schah Saud hegte schon seit Langem den Wunsch, in Medina Scharif eine islamische Universität zu errichten. Zur Ausarbeitung eines ersten Entwurfs für diese geplante Universität berief er eine Zusammenkunft einiger Fachleute ein. An dieser Zusammenkunft nahm Maulana Maududi als „königlicher Gast“ teil.

Maulana Maududi hatte den Entwurf für die Islamische Universität bereits im Voraus ausgearbeitet und mitgebracht. Jedem Mitglied, das an der Zusammenkunft teilnahm, legte er ein Exemplar des vollständigen Entwurfs vor. Nach eingehender Beratung wurde der Plan des Maulana, abgesehen von geringfügigen Änderungen, einstimmig angenommen; auf dieser Grundlage wurde die Islamische Universität von Medina errichtet. Schah Saud bat den Maulana, nach Medina zu reisen, den Standort und die Gebäude der Universität zu besichtigen und die notwendigen Ratschläge zu erteilen. Daraufhin reiste der Maulana nach Medina Scharif.

Schah Saud ernannte den Maulana aus Dankbarkeit zum ständigen Mitglied des Verwaltungsrats der Islamischen Universität von Medina. Außerdem versprach Schah Saud den pakistanischen Studenten verschiedene Möglichkeiten und Vergünstigungen. Bereits zu diesem Zeitpunkt studierten zahlreiche pakistanische Studenten an dieser Universität.

Auf dieser Reise lernte der Maulana viele Menschen kennen. Die Professoren und Studenten der Universität von Riad führten mit dem Maulana Gespräche über verschiedene Themen. Bei verschiedenen Veranstaltungen hielt der Maulana Ansprachen.

Bei dieser Gelegenheit wurde hier ein Programm für die islamische Missionsarbeit in Afrika ausgearbeitet. Auf Einladung des Maulana durch die Anjuman Himayat-e-Islam in Nairobi wurde ein umfassendes Programm erstellt. Auch die Muslime Kenias erwarteten die Ankunft des Maulana mit großer Ungeduld. Doch leider war dem Maulana aus verschiedenen Gründen eine Reise nach Afrika nicht möglich.

 

Nach der Militärherrschaft

Wie bereits erwähnt, wurde am 8. Oktober 1958 in Pakistan die Militärherrschaft verhängt. Zu jener Zeit wurden alle politischen Parteien Pakistans für illegal erklärt. Infolgedessen kamen sämtliche politischen Aktivitäten im Land zum Erliegen. Selbstverständlich wurden damals ebenso wie die Aktivitäten der anderen Parteien auch die Aktivitäten der Jamaat-e-Islami eingestellt. Dadurch konnte Maulana Maududi die unerwartete Muße, die ihm zuteilgeworden war, voll nutzen. Seine mehrere Monate dauernde Reise durch den Nahen Osten war von besonderer Bedeutung. Seit Langem hatte er den Wunsch im Herzen getragen, die in den Koranüberlieferungen genannten historisch bedeutenden Orte zu bereisen. Nun erfüllte sich dieser lang gehegte Wunsch. Darüber hinaus erhielt er auf Wunsch von Schah Saud auch die Muße, einen umfassenden Entwurf für die Islamische Universität Medina auszuarbeiten. Indem er das „Land des Korans“ mit eigenen Augen besichtigte und seine praktischen Erfahrungen damit schriftlich festhielt, beseitigte er einen großen Mangel in der Tafsir-Literatur; und zweifellos wird die auf der Grundlage seiner Planung gegründete Islamische Universität Medina ein großartiges Zeugnis in der islamischen Welt bleiben.

Wie dem auch sei, 1962 endete die Militärherrschaft, und noch im Juli desselben Jahres wurde in der Nationalversammlung Pakistans das Parteiengesetz verabschiedet. Aufgrund dieses Gesetzes wurden die politischen Aktivitäten wieder aufgenommen. Die früheren politischen Parteien begannen wieder aufzuleben. Die organisatorische Arbeit der Jamaat-e-Islami nahm als erste Partei wieder in alter Weise und mit voller Tatkraft ihren Lauf.

 

Gesamtpakistanische Konferenz der Jamaat-e-Islami

Der Schura-Rat (Central Council) der Jamaat-e-Islami kündigte an, dass im Oktober 1963 in Lahore eine Konferenz der Jamaat-e-Islami von ganz Pakistan stattfinden werde. Angesichts der starken Organisation und der wachsenden Popularität der Jamaat-e-Islami unter der entschlossenen Führung Maulana Maududis geriet die herrschende Partei in Verlegenheit. Zunächst verweigerte die Regierung Westpakistans die Genehmigung für jeden Veranstaltungsort, damit diese Konferenz nicht stattfinden konnte. Später wurde zwar schließlich ein äußerst ungeeigneter Ort genehmigt, doch die Erlaubnis zur Benutzung von Mikrofonen wurde nicht erteilt. Stattdessen wurde die Verwendung von Mikrofonen in ganz Westpakistan verboten. Als die Konferenz dennoch ohne Mikrofone mit zehn- bis zwölftausend Menschen begann, wurde durch eine angeheuerte Schlägertruppe Unruhe gestiftet, und ein unschuldiger Aktivist der Jamaat wurde am helllichten Tag vor den Augen der Polizei erschossen. Trotz all dieser Machenschaften wurde die Konferenz mit größter Geduld und Toleranz zu Ende geführt.

Ich möchte den Lesern einen kurzen Bericht über diese Konferenz vorlegen, damit sie die tatsächlichen Vorgänge vollständig verstehen können. Die Regierung ließ keine List unversucht, um diese Konferenz zu vereiteln. Da diese gesamtpakistanische Konferenz nach beinahe zehn Jahren stattfinden sollte, wurde mit der Teilnahme von zehn- bis zwölftausend Aktivisten gerechnet. Den dafür erforderlichen geräumigen Platz verweigerte die Regierung vollständig und genehmigte stattdessen nur einen engen Ort zwischen Bhati-Tor und Taksali-Tor. Die für die aus entfernten Gegenden anreisenden Teilnehmer reservierten Eisenbahnwaggons wurden kurz vor ihrer Abfahrt gestrichen. Danach wurde die Genehmigung zur Benutzung von Mikrofonen verweigert. Ohne Mikrofone die Ordnung bei einer Konferenz mit Tausenden von Menschen aufrechtzuerhalten, war nahezu unmöglich. Das demokratische Recht auf die Benutzung von Mikrofonen konnte ebenfalls nicht aufgegeben werden. Daher wurde in dieser Angelegenheit beim Obergericht ein Writ-Antrag eingereicht. In der Annahme, das Urteil des Obergerichts werde zugunsten der Jamaat ausfallen, wurde noch vor seiner Verkündung durch eine Verordnung die Benutzung von Mikrofonen in ganz Westpakistan verboten. Allerdings konnten die Bezirksbehörden unter besonderen Umständen nach eigenem Ermessen eine Genehmigung zur Benutzung von Mikrofonen erteilen. Von dieser Möglichkeit wurde Gebrauch gemacht und bei den Bezirksbehörden von Lahore die Erlaubnis zur Benutzung von Mikrofonen beantragt. Die Bezirksbehörden verweigerten die Genehmigung mit der Begründung, die Bewohner des Stadtviertels, in dem die Konferenz der Jamaat stattfand, würden solche Konferenzen nicht mögen. Sie hätten gefordert, dass keine Genehmigung zur Benutzung von Mikrofonen erteilt werde; andernfalls bestehe die Gefahr einer Störung des Friedens.

Als die Jamaat den Bewohnern des Viertels dies mitteilte, waren sie fassungslos und erklärten, dies sei eine völlig haltlose Behauptung. Darüber hinaus protestierten die Bewohner des Viertels entschieden und erklärten, dass von ihrer Seite keinerlei Einwand gegen die Benutzung von Mikrofonen erhoben worden sei. Zu den Bewohnern des Viertels, die diese Protesterklärung unterzeichneten, gehörten zehn Anwälte und ein Professor.

Trotz alledem wurde keine Genehmigung für die Benutzung von Mikrofonen erteilt. Die Konferenz sollte am 25. Oktober beginnen. Sechshundert verschiedene Pavillons und Zelte, einhundert Badehäuser, dreihundert Toiletten, Telefone, elektrische Beleuchtung und anderes waren bereits eingerichtet worden. Schon zwei Tage zuvor begannen die Menschen einzutreffen. In einer Dringlichkeitssitzung des zentralen Schura-Rats (Central Council) am 25. Oktober wurde beschlossen, dass die Konferenz ohne Mikrofone stattfinden sollte.

Am Abend gingen wir zum Lager. Wir sahen, dass der einst von stinkendem Abfall erfüllte Ort nun in einer unvergleichlichen himmlischen Schönheit erstrahlte. Durch die gegenseitigen Begegnungen der aus nah und fern angereisten verletzten Freunde, durch Umarmungen, Gespräche, gegenseitiges Bekanntmachen und Ähnliches wurde es tief in der Nacht.

Am nächsten Tag sollte Maulana Maududi um neun Uhr auf der Konferenz die Eröffnungsrede halten. Fünfzehn- bis zwanzigtausend Menschen waren versammelt. Der Maulana hatte seine Rede drucken lassen. Seine Anweisung lautete, dass einige Aktivisten genau zu dem Zeitpunkt, an dem er von der Bühne aus mit seiner Eröffnungsrede begann, unter den Zuhörern in Abständen von fünfzehn bis zwanzig Ellen auf Tischen stehen und die gedruckte Rede laut vorlesen sollten. So würde es möglich sein, allen gleichzeitig und ohne Mikrofon die Rede zu Gehör zu bringen. Wie ein Uhrwerk begann die Arbeit auf diese Weise.

Etwa zehn Minuten nach Beginn der Veranstaltung drangen plötzlich einige Schläger in den Versammlungsraum ein. Im Rausch des Alkohols waren sie beinahe außer sich. Sie begannen, die Ordnung der Versammlung zu stören; plötzlich brach im Festzelt Feuer aus, und außerhalb des Zeltes waren Geschrei und das Knallen von Pistolen zu hören. Mehrmals wurde auch auf den Maulana gezielt geschossen. Doch jede einzelne Kugel verfehlte ihr Ziel. Zu dieser Zeit war von allen Seiten zu hören: „Maulana, setzen Sie sich! Maulana, setzen Sie sich!“

Doch der Maulana blieb wie zuvor stehen und sagte mit ruhiger Stimme: „Wenn ich mich setze, wer wird dann stehen?“

Das war wahrlich die angemessene Antwort eines Leiters der islamischen Bewegung. Wenn der Führende im äußersten Augenblick der Gefahr sich setzt, den Rücken kehrt und den Mut verliert, wie sollte man dann daran zweifeln, dass diese Bewegung vorzeitig sterben würde? Daher erfüllte er in diesem Augenblick der Gefahr die Rolle eines würdigen Führers der islamischen Bewegung: Furchtlos blieb er unbeirrbar und stand fest. Wie groß war seine Hingabe an das Ideal, welch große Bereitschaft, sein Leben um der Zufriedenheit Gottes willen hinzugeben! Wie vollkommen war seine Ergebung in den Willen Allahs!

Die Jamaat-Aktivisten konnten innerhalb von zehn bis fünfzehn Minuten mit unendlicher Geduld und Klugheit die gesamte Lage vollständig unter Kontrolle bringen und wieder vollkommene Ordnung herstellen. Die Polizei jedoch stand da und sah dem Schauspiel zu. Wie dem auch sei, der Maulana begann seine Eröffnungsrede erneut und beendete sie. Zu keiner weiteren Unordnung kam es.

Doch wir konnten nicht begreifen, dass außerhalb des Versammlungsraums innerhalb von fünfzehn oder zwanzig Minuten eine große Katastrophe alles verwüstet hatte. Die gut ausgebildeten, äußerst fähigen und geduldigen Jamaat-Aktivisten, die mit der Aufrechterhaltung der Ordnung betraut waren, ließen uns davon nichts erfahren.

Nach der Eröffnungsrede gingen wir aus dem Versammlungsraum und dem Lager hinaus. Es schien, als sei ein Sturm über ein Gebiet von hundert bis hundertfünfzig Meilen hinweggefegt. Zahlreiche für die Konferenz errichtete Geschäfte, Essens- und Teestände, die Lager der mit der Bewachung betrauten Jamaat-Aktivisten aus Lahore und anderes lagen völlig verwüstet und zerfetzt, vom Staub bedeckt und geplündert da. Eine Stunde später erfuhren wir, dass der Jamaat-Aktivist Allah Bakhsh durch die Pistolenkugel eines Schlägers den Märtyrertod erlitten hatte. Die Frau und die Töchter des Märtyrers befanden sich im Frauenlager. Auch das Frauenlager war von den Schlägern angegriffen worden. Doch wir waren vor Staunen wie betäubt: All dies war geschehen, und dennoch gab es weder Geschrei noch hektisches Hin- und Herlaufen, weder ein Aufschreien vor Weinen noch Angst und Aufregung. Eine derart von Geduld erfüllte, unvergleichliche Atmosphäre hätte ich mir niemals vorstellen können. Wo es Mord gibt, aber kein Wehklagen; wo ein Feuer wütet, aber keine Klage ertönt.

Ich halte es für notwendig, die Eröffnungsrede des Maulana zum Nutzen der Leser vorzulegen.

Die Eröffnungsansprache Maulana Maududis auf der Konferenz der Jamaat-e-Islami in Lahore

(Während dieser Ansprache wurde der Jamaat-Aktivist Allah Bakhsh durch die Schüsse gedungener Schurken zum Märtyrer.)

Freunde!

Heute haben wir zum ersten Mal seit 1957 die Gelegenheit erhalten, uns auf einer gesamtpakistanischen Konferenz zu versammeln. Vor zweiundzwanzig Jahren wurde im Herzen dieser Stadt mit nur 75 Mitgliedern der Grundstein der Jamaat-e-Islami gelegt. Heute versammeln wir uns erneut im Herzen dieser Stadt. Es ist eine unermessliche Gnade Allahs des Erhabenen, dass Er trotz all unserer Fehler und Mängel die Aufrichtigkeit angenommen hat, mit der wir diesen bescheidenen Dienst am Din begonnen hatten. Er hat diese Arbeit mit einem solchen Segen erfüllt, dass heute in jedem Gebiet Pakistans Tausende von Mitgliedern, Unterstützern, der Jamaat wohlgesinnten und von ihr beeinflussten Menschen anzutreffen sind; auch außerhalb des Landes hat sie in verschiedenen Teilen der Welt Wirkung entfaltet. Aus eigener Kraft waren wir nicht in der Lage, dieses Ergebnis zu erzielen. All dies ist eine Gabe Gottes und das wunderbare Ergebnis der Hilfe und Unterstützung, die von Seinem heiligen Wesen kommt. Dafür bringen wir Ihm mit vollkommener Aufrichtigkeit unseren Dank dar.

Freunde!

In der Geschichte der Jamaat-e-Islami Pakistans lässt sich kein einziger Tag finden, an dem sie nicht dem Zorn der Herrscher dieses Landes ausgesetzt gewesen wäre und ihnen nicht wie ein Dorn im Auge gelegen hätte. Alle, die in den vergangenen sechzehn Jahren hier an der Macht waren, empfanden die Existenz dieser Jamaat als störend und unerträglich. Sie führten direkt und indirekt eine Lügenkampagne gegen uns. Gegen uns wurden ständig neue Verleumdungen verbreitet. Unsere Zeitungen und Zeitschriften wurden verboten. Unsere finanziellen Mittel und unser Eigentum wurden beschlagnahmt. Unserer Arbeit wurden allerlei Hindernisse in den Weg gelegt. Wir mussten Haftstrafen verbüßen. Danach wurde während der Militärherrschaft unsere Organisation aufgelöst und all jene konstruktiven Arbeiten zunichtegemacht, die wir über Jahre hinweg durch die unermüdliche Arbeit unserer Mitarbeiter und Unterstützer und mit den Früchten ihrer mühsam erworbenen Mittel aufgebaut hatten. Dabei waren wir niemals Konkurrenten um die Macht. Wir haben nie erwartet, die Macht anstelle anderer selbst in die Hand zu bekommen. Unsere Forderung war stets und ist es auch heute, dass in diesem Land, da es im Namen des Islam errungen wurde, vollständig eine islamische Lebensordnung eingeführt werden sollte. Wir haben wiederholt mit vollkommener Aufrichtigkeit nur dies gesagt: Wer diese Aufgabe ehrlich erfüllt, den werden wir von ganzem Herzen unterstützen; ganz zu schweigen davon, mit ihm an der Macht teilzuhaben, würden wir nicht einmal irgendeine Gegenleistung von ihm verlangen. Doch alle, die hier an die Macht gelangten, versuchten einerseits, dieses Land unter dem Slogan des Islam noch weiter vom Islam zu entfernen, und setzten andererseits die verwerflichsten Mittel ein, um uns niederzuhalten und auszulöschen, weil sie uns als Hindernis auf dem Weg zu ihrer Herrschaft betrachteten.

Ich erwähne diese Geschichte nicht als Beschwerde. Die günstige Aufmerksamkeit, die uns von den Machthabern zuteilgeworden ist, ist keine neue Gnade. Mein einziges Ziel ist, in uns dieses Bewusstsein zu wecken. Seit sechzehn Jahren sind wir ähnlichen und noch härteren Gnaden ausgesetzt gewesen, und obwohl wir angesichts all dessen weitergearbeitet haben, ist unsere Bewegung durch Gottes Gnade so weit vorangekommen. Deshalb sollten Sie nicht schon bei der bloßen Nachricht niedergeschlagen sein, dass man versucht hat, unsere Konferenz zu vereiteln, indem man uns des Mikrofons beraubte. Keine noch härtere Maßnahme konnte uns bisher schaden. Im Gegenteil, sie erwies sich für uns als vorteilhaft. Welchen Schaden kann uns also dieser armselige Versuch schon zufügen? Wenn Schaden entsteht, dann wird er aus unserer Unwissenheit entstehen, nicht durch irgendeinen Angriff anderer. Wenn Allah es jedoch will, ist das etwas anderes.

Freunde!

Wer für Allahs Din arbeiten muss, muss unbedingt über zwei Eigenschaften verfügen. Die eine ist Sabr und die zweite Hikma oder gesunder Urteilssinn. Sabr verlangt, dass ihr nicht erregt euer Gleichgewicht verliert, wenn euch auf eurem Weg ein Hindernis in den Weg gelegt wird. Vielmehr müsst ihr angesichts jedes Hindernisses an eurem Entschluss festhalten, euren Geist und Verstand vor der Hitze der Erregung bewahren und den Weg eines gesunden, vernünftigen Urteils einschlagen.

Gesunder Urteilssinn bedeutet, dass ihr euch nicht daran gewöhnt, mit geschlossenen Augen nur auf einem bestimmten Weg voranzugehen. Vielmehr müsst ihr die Fähigkeit besitzen, sobald ein Weg versperrt ist, zehn andere Wege zu finden. Wer diese Hikma nicht besitzt, setzt sich schon hin, sobald er einen Weg versperrt sieht. Und wenn er darüber hinaus auch keinen Sabr besitzt, schlägt er sich im Zusammenstoß mit diesem Hindernis den Kopf ein oder gibt diesen Weg auf. Doch wer von Allah sowohl Hikma als auch Sabr erhalten hat, gleicht einem fließenden Strom. Nichts kann sein Ziel beeinträchtigen. Ein gewaltiger Felsblock steht ratlos da, und der Fluss strömt auf der anderen Seite weiter seinem Ziel entgegen.

Vor Versammlungen und Konferenzen zu sprechen und Tausende von Menschen zu erreichen, ist nicht der einzige Weg, unsere Botschaft zu übermitteln und die Da’wa auszuweiten. Zweifellos ist auch dies eine Methode für diese Arbeit. Doch wenn sie uns versperrt wird, macht das nichts. Bildet Gruppen von jeweils drei oder vier Personen und breitet euch über die ganze Stadt Lahore aus. Geht von Haus zu Haus, von Geschäft zu Geschäft und von Moschee zu Moschee. Trefft jeden Einzelnen persönlich. Erklärt jedem, was die Jamaat-e-Islami ist, wie ihre Ordnung und Organisation aussehen, welches ihr Ziel und welches ihre Arbeitsweise ist, welche Dinge sie reformieren und welche guten Werke sie verwirklichen will. Macht diejenigen, die mehr verstehen möchten, mit der Literatur der Jamaat bekannt. Nach deren Studium können sie sich selbst ein Urteil bilden. Verschwendet keine Zeit an diejenigen, die kein Interesse zeigen. Setzt eure Zeit vielmehr für die Interessierten ein. Und geht mit denen, die sich auf eine Debatte einlassen wollen, keinen Streit ein, sondern schreitet weiter voran. Eure Methode-

********************************************

Ruft auf dem Weg eures Herrn mit Weisheit und guter Ermahnung. (Sure an-Nahl, Vers 125)

Eure Da’wa sollte diesem göttlichen Gebot entsprechend erfolgen. Eure Sprache sei freundlich. Euer Charakter sei rein. Euer Verhalten sei höflich. Beantwortet das Böse mit Gutem. Dass ihr wirklich das Gute an die Stelle des Bösen setzen wollt, müsst ihr nicht nur mit Worten, sondern durch eure Taten und eure Ausdrucksweise beweisen. Dann glaubt daran: Allahs Barmherzigkeit wird euch beistehen, und die Engel Allahs werden euch als Helfer dienen und weit mehr vollbringen, als ihr selbst leisten könnt.

In diesen Tagen der Konferenz werden viele Augen euch aus unterschiedlichen Blickwinkeln beobachten. Warum habt ihr das Destillat eurer Jamaat hierhergebracht und zur Schau gestellt? Ihr werdet an unzähligen Prüfsteinen geprüft werden. Wenn ihr euch nun als echt oder als verfälscht erweisen wollt, wird das von eurem Verhalten abhängen. Die Zeit ist ein äußerst unerbittlicher Prüfer. Durch keine künstliche Methode und keinen äußeren Prunk werdet ihr an ihrem Prüfstein als unverfälscht gelten können. Selbst wenn ihr tatsächlich unverfälscht seid, wird sie euch erst nach reiflicher Überlegung und langem Zögern als echt anerkennen. Doch glaubt: Wenn ihr euch durch eure Taten als unverfälscht erweist, wird die gegnerische Kraft, wie groß sie auch sein mag, bei ihrem Versuch, euch als verfälscht hinzustellen, sich selbst statt euch Schaden zufügen. Wenn ihr die falschen Angriffe seht, werdet ihr nicht im Geringsten erschrecken. Ihr Kommen ist wie ein Sturm, doch im nächsten Augenblick lösen sie sich wie eine Seifenblase auf. Und sobald sie vollständig verschwunden sind, tritt der verborgene Unrat in ihrem Inneren den Menschen derart vor Augen, dass die ganze Welt sie dafür beschämt und verurteilt. Deshalb solltet ihr nicht darüber nachdenken, wie ihr die Lüge bekämpfen könnt. Ihr solltet über eure eigene Wahrhaftigkeit nachdenken. Wenn ihr wahrhaftig seid, müsst ihr die Lüge nicht bekämpfen. Allah wird sie bekämpfen und die heutige Lüge ebenso lehrreich fortbestehen lassen, wie Er zuvor die Lügen jedes Zeitalters lehrreich gemacht hat.

Abschließend möchte ich sagen: Jeder, der diese Jamaat und diese Bewegung als eine schreckliche Gefahr für sich selbst betrachtet, setzt seine gesamte Kraft gegen mich ein. Für diejenigen, die mich lieben, ist dies natürlich unangenehm. Sie werden dieser Situation immer wieder begegnen. Ich befürchte, dass Sie statt Ihre Daʿwa auszuweiten, Ihre Zeit und Kraft für meine Verteidigung aufwenden könnten. Ich möchte all meine engen Brüder versichern, dass ich dank Allahs Gnade keiner Verteidigung bedarf. Ich bin nicht plötzlich aus dem Nichts hier aufgetaucht. Seit Jahren arbeite ich auf dem Boden dieses Landes. Millionen Menschen kennen meine Arbeit unmittelbar. Meine Schriften sind nicht nur in diesem Land, sondern in weiten Teilen der Welt verbreitet, und zu den Gnaden meines Herrn mir gegenüber gehört, dass Er mich frei von Makeln gehalten hat. Es ist keine leichte Sache, meinen Ruf zu zerstören. Es ist nicht so einfach, dass irgendeiner daherkommt, zehn oder zwanzig falsche Anschuldigungen erhebt und mir mit einem einzigen Pinselstrich das Gesicht schwärzt. Ganz besonders gilt das für jene Menschen, die weder eine Vergangenheit noch eine Zukunft haben und die durch den Lauf der Ereignisse nur für wenige Tage nach oben gelangt sind. Mit diesem Spiel werden sie mir, so Allah will, keinen Schaden zufügen können. Daher bin ich selbst unbesorgt, und auch Sie sollen unbesorgt bleiben. Rufen Sie weiterhin Allahs Diener auf, dem Weg Allahs zu folgen, statt sich mit meiner Verteidigung zu beschäftigen. Ich vertraue auf meinen Herrn. Wenn ich Ihm mit aufrichtigem Herzen im Dienst an Seinem Din gedient habe, dann wird Er selbst mich verteidigen.

Es ist der unendlichen Barmherzigkeit und unergründlichen Erhabenheit Allahs, des Erhabenen, zu verdanken, dass die Konferenz trotz aller angewandten Machenschaften nicht vereitelt werden konnte und weder dem Maulana noch der Jamaat irgendein Schaden zugefügt werden konnte. Im Gegenteil: Jamaat-e-Islami gewann die Sympathie der Menschen im ganzen Land. Nachdem die kleinen Gruppen von jeweils drei oder vier Personen auf Anweisung des Maulana über die Stadt verteilt worden waren, erlangten sie nicht nur das Wohlwollen der Bevölkerung; etwa zehntausend Menschen unterschrieben die Beitrittserklärungen der Jamaat und schlossen sich ihr an.

Nach dem großen Tumult des ersten Tages verliefen die beiden verbleibenden Tage gut. Wir alle verließen das Zelt der Konferenz. Danach versammelten wir, die Mitglieder der Zentralen Schura, uns im Wohnhaus des Maulana im 5-E Jaildar Park und begannen, die verschiedenen Angelegenheiten der Konferenz zu prüfen und zu besprechen. Im Verlauf der Diskussion schlugen wir alle vor, zum Schutz des Maulana zwei bewaffnete Wachen an seinem Wohnort einzusetzen, da die Regierung Ayub Khan entschlossen sei, das Leben des Maulana zu vernichten und die Jamaat mit der Wurzel auszurotten.

Mit einem leichten Lächeln wies der Maulana den Vorschlag zurück und sagte: „Sehen Sie, ich führe eine islamische Bewegung, in der die Gefahr für das Leben jeden Augenblick unvermeidlich ist. Einerseits soll ich Ihnen raten, Ihr Leben zu riskieren, und andererseits für meine eigene Sicherheit Wachen einsetzen – was könnte lächerlicher sein? Das wäre auch meiner Würde unangemessen.“

Nach kurzem Schweigen fuhr er fort: Wenn Allah nicht will, dass jemand stirbt, kann ihn die ganze Welt trotz aller Bemühungen nicht töten. Und wenn Er es will, kann sogar ein Vater durch die Kugel seines Sohnes sein Leben verlieren.

Der Maulana äußerte einige Worte vor sich hin. Als während der Schüsse auf der Konferenz jemand ihn aufforderte, Platz zu nehmen, hatte er gesagt: „Wenn ich mich angesichts der Gefahr hinsetze, wer wird dann stehen bleiben?“ Diese furchtlosen Worte des Maulana ermutigten und inspirierten die Mitarbeiter hundertfach. Wahrlich, die Worte eines vorbildlichen Führers. Seine jetzigen Worte waren noch bedeutungsvoller. Doch diese Äußerung war keine Prophezeiung. Denn der Mensch besitzt weder die Fähigkeit noch das Recht, Prophezeiungen zu machen. Die Worte des Maulana bezogen sich auf das mögliche Ergebnis einer Analyse der Entwicklung und Dynamik der gegenwärtigen Gesellschaftsordnung. Doch erstaunlicherweise bewahrheiteten sich seine Worte innerhalb von drei oder vier Monaten. Auf Anweisung Ayub Khans wollte der damalige Gouverneur von Westpakistan aus Kalabagh angeheuerte Schläger herbeibringen und die Konferenz der Jamaat in einen blutigen Schauplatz verwandeln. Drei oder vier Monate später verlor er in seinem eigenen Haus durch die Pistolenkugel seines eigenen Sohnes sein Leben.

Jamaat-e-Islami wird für illegal erklärt

 

Wie bereits erwähnt, hatten die zentralen und provinziellen Minister schon vor der Konferenz durch eine aufhetzerische Erklärung nach der anderen gegen Jamaat-e-Islami und Maulana Maududi die Atmosphäre angeheizt. Als sie anschließend den triumphalen Erfolg der Konferenz sahen, wurden sie verzweifelt entschlossen, diese Jamaat unbedingt zu vernichten. Dementsprechend wurde Jamaat-e-Islami am 6. Januar 1964 im gesamten Land für illegal erklärt, und sechzig führende Mitglieder der Jamaat, darunter Maulana Maududi, wurden verhaftet und ins Gefängnis gebracht.

Pakistans stärkste gesetzestreue und friedliebende Partei wurde aus dem politischen Feld verdrängt, und ihre Führer wurden in die dunklen Zellen der Gefängnisse verbannt. Die Führer aller politischen Parteien des Landes (mit Ausnahme der Regierungspartei) erhoben scharfen Protest. Aus nahezu allen muslimischen Ländern ertönten Proteste und Verurteilungen. Doch die Regierung blieb, nachdem sie Jamaat-e Islami zerschlagen hatte, still und atmete erleichtert auf.

Besonders erwähnenswert ist, dass die von Maulana Maududi 1932 herausgegebene revolutionäre Monatszeitschrift Tarjuman-ul-Quran bis heute regelmäßig erschienen war. In den vergangenen einunddreißig Jahren hatte weder die Regierung des ungeteilten Indiens noch die Regierung Pakistans nach der Teilung den Mut gehabt, diese Zeitschrift einzustellen. Doch die sogenannte populäre und demokratische pakistanische Regierung nach der Militärherrschaft verbot ihre Veröffentlichung ab Januar 1964 für sechs Monate – aus einem belanglosen Anlass.

Es ist allgemein anerkannt, dass Maulanas Korankommentar Tafhim-ul-Quran einen unschätzbaren Beitrag zur Literatur der Korankommentare darstellt. Tafhim-ul-Quran ist das Lebenswerk Maulanas. Doch als Jamaat-e Islami für ungesetzlich erklärt und er ins Gefängnis geschickt wurde, wurde ihm nicht einmal erlaubt, im Gefängnis einen Kommentar zum Heiligen Quran zu verfassen. Erst nachdem die islamliebende Bevölkerung heftig protestiert hatte, erteilte die Regierung schließlich die Erlaubnis.

Der Prozess gegen Jamaat

 

Einige Zeit später wurden bei den Obergerichten von West- und Ostpakistan Klageschriften gegen die staatliche Anordnung eingereicht, Jamaat-e Islami für ungesetzlich zu erklären. Das Obergericht von Westpakistan entschied zugunsten der Regierung, während das Obergericht von Ostpakistan zugunsten von Jamaat-e Islami urteilte. Daraufhin wurde im Namen von Maulana Maududi beim Obersten Gericht Berufung gegen das Urteil des Obergerichts von Westpakistan eingelegt. Da der Sieg der Wahrheit gewiss und unausweichlich war, verkündete das hochgeehrte Oberste Gericht am 25. September ein klares Urteil zugunsten von Jamaat-e Islami und setzte damit einen historischen Präzedenzfall für eine faire und gerechte Rechtsprechung.

Die klaren und furchtlosen Antworten, die Maulana Maududi vor dem Tribunal und dem Obergericht von Westpakistan auf die Anschuldigungen gab, aufgrund derer die Regierung Jamaat-e Islami für ungesetzlich erklärte und ihre Führer inhaftierte, werden im Folgenden zur Kenntnisnahme aller eingefügt.

Eine besondere Anschuldigung unter den Vorwürfen lautet, Maulana Maududi habe eine Fatwa erlassen, wonach der Dschihad in Kaschmir haram sei. Diese Anschuldigung wurde immer wieder verbreitet. Die Kaschmirfrage ist für Pakistan eine Frage von Leben und Tod. Die Absicht der Ankläger besteht darin, die Bevölkerung gegen ihn aufzuwiegeln, indem sie den Eindruck erwecken, Maulana Maududi sei gegen eine Lösung der Kaschmirfrage. Auch die Äußerungen führender kaschmirischer Persönlichkeiten hierzu wurden am Ende aufgenommen, damit die geistige Krankheit der Ankläger für die Leser und die Öffentlichkeit deutlich zutage tritt.

Maulana Maududis Antwort

An den Innenstaatssekretär der Regierung von Westpakistan –

Sehr geehrter Herr,

Zunächst werde ich kurz meine rechtlichen Einwände gegen die Gründe darlegen, die Sie in Ihrem Schreiben vom 13.1.64 für meine Verhaftung und Inhaftierung angeführt haben. Danach werde ich diese im Allgemeinen kommentieren und schließlich jeden einzelnen Grund gesondert darlegen.

Rechtliche Einwände gegen die Inhaftierung

Meine rechtlichen Einwände gegen die Gründe für meine Verhaftung und Inhaftierung lauten wie folgt:

1. Ich wurde am 6. Januar 1964 verhaftet, und die Gründe für meine Verhaftung und Inhaftierung wurden mir am Abend des 13. Januar mitgeteilt. Doch keiner dieser Gründe war im Pressenotiz nicht erwähnt worden. Diese Pressenotiz wurde am 6. Januar von der Regierung herausgegeben und am 7. Januar in sämtlichen Zeitungen des Landes veröffentlicht. Daraus folgt, dass die Gründe für die Inhaftierung am 6. Januar ausgearbeitet worden waren. Dennoch wurden sie mir erst nach einer Verzögerung von acht Tagen zugestellt. Dies steht offensichtlich im Widerspruch zu Absatz (6) von Abschnitt 3 jenes Gesetzes, aufgrund dessen ich verhaftet wurde; dort heißt es, dass einer inhaftierten Person so bald wie möglich die Gründe für ihre Verhaftung und Inhaftierung mitzuteilen sind. Kann für dieses Vorgehen irgendein vernünftiger Grund angeführt werden – etwa, dass es nicht möglich gewesen sei, eine Zusammenfassung der am 6. Januar veröffentlichten Pressenotiz innerhalb von weniger als acht Tagen anzufertigen?

2. Bereits am zweiten Tag, nachdem ich Ihr Schreiben erhalten hatte, beantragte ich bei Ihnen, mir zu gestatten, die erforderlichen Bücher und Unterlagen von außerhalb zu beschaffen, um auf die Gründe für meine Inhaftierung antworten zu können. Doch Sie verzögerten die Erteilung dieser Genehmigung noch weiter, und ich konnte die erforderlichen Bücher und Unterlagen erst am 4. Februar erhalten. Auf diese Weise ließen Sie einen ganzen Monat verstreichen, sodass ich nicht einmal von der rein formalen Möglichkeit Gebrauch machen konnte, die einem Inhaftierten durch die Verordnung über die öffentliche Sicherheit zur Darlegung seiner Stellungnahme eingeräumt wird. Für diese Verzögerung gibt es keinen vernünftigen Grund, der in der Schwerfälligkeit der Arbeitsweise Ihres Amtes liegen könnte. Warum sollte die Person die Strafe für diese Schwerfälligkeit tragen, deren Freiheit Sie ihr entzogen haben?

3. In meinem Antrag vom 14. Januar hatte ich Sie ferner gebeten, mir zu gestatten, mich mit meinen Rechtsanwälten zu beraten, um auf die Gründe für meine Inhaftierung antworten zu können. Am 1. Februar stellte ich diesen Antrag erneut. Einige Tage später erhielt ich durch den Bezirkssuperintendenten von Ihrer Seite die Antwort, dass ich mich mit den Rechtsanwälten beraten dürfe. Bei diesem Treffen werde jedoch eine Person des C.I.D. anwesend sein. Zweifellos war dies eine ungerechte Bedingung. Unter dieser Bedingung wäre eine rechtliche Beratung für mich völlig nutzlos gewesen. Zweifellos war dies eine ungerechte Bedingung. Eine rechtliche Beratung unter dieser Bedingung war für mich völlig nutzlos. Dass während des Gesprächs einer Person mit ihrem eigenen Rechtsanwalt, mit dem sie sich rechtlich beraten will, um die gegen sie erhobene Anschuldigung zu widerlegen, der Beauftragte der anderen Partei, gegen die sich ihre Anschuldigung richtet, dazwischensitzt, ist mit gewöhnlichem gesundem Menschenverstand und Wissen keineswegs vereinbar.

Nehmen wir an, der Inhaftierte und sein Anwalt kommen zu dem Schluss, dass gegen diese Inhaftierung ein Antrag auf Darlegung des Haftgrundes (Habious Corpus) zulässig ist. Die Anwesenheit von Mitarbeitern des C.I.D. bei dieser Besprechung bedeutet, dass Sie bereits Kenntnis von ihrem Inhalt erlangen, bevor der Habeas-Corpus-Antrag das Gericht erreicht, und die erforderlichen Maßnahmen ergreifen werden, um ihn scheitern zu lassen. Ist das nicht offenkundiger Justizmord? [Ich bin dankbar dafür, dass sie diese meine Beschwerde am 26. Februar ausgeräumt haben.]

4. Von den in Ihrem Schreiben aufgeführten Gründen für meine Verhaftung und Inhaftierung sind, mit Ausnahme des siebten Grundes, alle übrigen unklar, undurchsichtig und bloße Anschuldigungen. Daraus lässt sich nicht erkennen, worauf diese Vorwürfe beruhen. Die Gründe für eine Inhaftierung auf diese Weise darzulegen oder gar nicht darzulegen, läuft auf dasselbe hinaus.

5. Im fünften der von Ihnen genannten Haftgründe heißt es, dass die Jamaat-e-Islami vor ihrer Einstufung als rechtswidrig nach dem geänderten Strafgesetz von 1908 an bestimmten Aktivitäten beteiligt gewesen sei und dass du als ihr Amir an all diesen Aktivitäten teilgenommen habest. Deshalb seist du inhaftiert worden.

Diese Inhaftierung erfolgte genau an dem Tag und zu der Zeit, an dem und zu der die Jamaat-e-Islami mithilfe des geänderten Strafgesetzes von 1908 für rechtswidrig erklärt wurde. Das bedeutet eindeutig, dass diese Inhaftierung eine Bestrafung für meine früheren Handlungen ist, sofern man dies der Argumentation halber für einen Augenblick zugesteht. Das Gesetz jedoch, aufgrund dessen ich verhaftet und inhaftiert wurde, verleiht Ihnen die Befugnis zur vorbeugenden Inhaftierung (Preventive Detention), nicht zur Strafinhaftierung (Punitive Detention). Auf diese Weise haben Sie tatsächlich die Grenzen des Gesetzes überschritten. Wenn die Regierung befürchtete, dass ich auch nach der Erklärung der Jamaat-e-Islami zur rechtswidrigen Organisation weiterhin jene Handlungen begehen würde, aufgrund deren sie für rechtswidrig erklärt worden war, dann standen dafür die Unterabsätze 1, 2 und 3 des § 17 des geänderten Strafgesetzes von 1908 zur Verfügung. Warum war es notwendig, hierfür die Verordnung über die öffentliche Sicherheit anzuwenden? Beweist dies nicht, dass die Regierung äußerst ungeduldig war, mich zu verhaften? Statt auch nur kurz abzuwarten, um festzustellen, ob ich diese Handlungen nach dem Verbot der Jamaat-e-Islami tatsächlich begehen würde oder nicht, bestrafte mich die Regierung durch die Verordnung über die öffentliche Sicherheit für meine früheren Handlungen.

6. Die Verordnung, aufgrund deren Sie mich wegen des fünften und des siebten Haftgrundes verhaftet und inhaftiert haben, überschreitet ihren Geltungsbereich. Selbst wenn man der Argumentation halber annimmt, dass ich all die Handlungen begangen habe, die Sie mir darin vorwerfen, waren Sie dennoch nicht berechtigt, deswegen aufgrund der Verordnung über die öffentliche Sicherheit Maßnahmen gegen mich zu ergreifen.

7. Der siebte Grund fällt in den Geltungsbereich der Verordnung über Presse und Veröffentlichungen. Aufgrund dieser Verordnung haben Sie meine Zeitschrift Tarjuman-ul-Quran bereits zuvor für sechs Monate eingestellt. Nun bin auch ich völlig zu Unrecht und unter Überschreitung der gesetzlichen Grenzen durch die Verordnung über die öffentliche Sicherheit dafür bestraft worden, diesen Artikel veröffentlicht zu haben.

Einige allgemeine Erörterungen zu den Gründen der Inhaftierung

 

Nachdem ich diese rechtlichen Einwände vorgebracht habe, möchte ich nun die Gründe prüfen. Bevor ich sie einen nach dem anderen prüfe, möchte ich mit vollem Verantwortungsbewusstsein klar und entschieden erklären, dass die in Ihrem Schreiben für meine Verhaftung und Inhaftierung angeführten Gründe nicht die wahren Gründe sind. Vielmehr liegen die wahren Gründe ganz woanders, und es handelt sich um Gründe, deren Offenlegung der Regierung selbst Unbehagen bereitet.

Der erste Grund ist, dass ich während einer öffentlichen Versammlung in Rawalpindi im Jahr 1963 gefordert hatte, dass die bedeutenden Staaten Swat, Dir und andere in gleicher Weise wie Kalat, Kharan, Makran, Bahawalpur und die übrigen Grenzstaaten, die mit Westpakistan verbunden worden waren, mit Westpakistan verbunden werden sollten. Den Bewohnern dieser Gebiete sollten ebenfalls alle jene Möglichkeiten, Vergünstigungen und Rechte gewährt werden, die die übrigen Bürger Pakistans genossen. Unsere Forderung war auf einer vollkommen rechtmäßigen Grundlage begründet: Als alle bedeutenden Staaten des ehemaligen Britisch-Indien Pakistan beziehungsweise Indien angeschlossen wurden, warum sollte dann auch dieses letzte Zeichen der Ära der Sklaverei nicht beseitigt werden? Weil ich einen derart klaren und stichhaltigen Grund vorgebracht hatte, fühlten sich einige hochrangige Regierungsvertreter unbehaglich und gerieten in heftigen Zorn.

Zweitens erlitt die Regierungspartei aufgrund der Bemühungen der Jamaat-e-Islami in zwei Nachwahlen in Rawalpindi und Hyderabad eine Niederlage. Dies entfachte den Zorn der Machthaber aufs Neue. Diese beiden Wahlen fanden im September beziehungsweise Oktober 1963 statt.

Drittens betrachteten die Machthaber die gut organisierte Bewegung der Jamaat-e-Islami als ein großes Hindernis für den Weg ihrer eigenen Convention Muslim League und hielten es für notwendig, vor den kommenden Wahlen die am besten organisierte Partei der Opposition zu zerschlagen und ihre Führer vom politischen Feld zu entfernen. Denn angesichts der Ergebnisse der Nachwahlen hatten sie erkannt, dass sich die Jamaat-e-Islami bei den kommenden Wahlen als stärkster Konkurrent der Regierungspartei erweisen würde.

Aus diesen Gründen schildere ich nun chronologisch nach Datum die aufeinanderfolgenden Maßnahmen, die gegen mich und die Jamaat-e-Islami ergriffen wurden.

Am 21. September 1963 drohte mir ein zuständiger Beamter des Zentralen Innenministeriums telefonisch: Sie sollten in der Zeitung Ihren Fehler in Bezug auf das eingestehen, was Sie in einer gegenüber der Convention League abgegebenen Erklärung gesagt haben; andernfalls werde die Regierung strenge Maßnahmen gegen Sie ergreifen (siehe „Nawa-i-Waqt“, 22. September 1963). Ich schickte diese Angelegenheit der Drohung unverzüglich zur Veröffentlichung an verschiedene Zeitungen des Landes, und sie wurde veröffentlicht. Denn daraus war zu schließen, dass gegen mich und die Jamaat-e-Islami strenge Maßnahmen ergriffen werden würden.

Am 16. Oktober wurde die Genehmigung für die Benutzung von Lautsprechern bei der gesamtpakistanischen Konferenz der Jamaat-e-Islami verweigert. Dabei hatten in Lahore vom 14. September bis zum 13. Oktober nacheinander sieben oder acht ähnliche öffentliche Versammlungen stattgefunden, und bei jeder einzelnen war trotz des geltenden Abschnitts 144 die Benutzung von Lautsprechern genehmigt worden. Unter diesen Umständen war die Verweigerung der Lautsprechergenehmigung für eine Konferenz, zu der etwa siebentausend Delegierte aus allen Teilen Pakistans anreisten und an der sich auch in Lahore Tausende von Menschen beteiligen wollten, ein eindeutiger Beweis dafür, dass im Denken der Machthaber gegenüber der Jamaat-e-Islami ein besonderer Widerstandswille wirksam war.

Am 17. Oktober wurde beim Obersten Gericht Westpakistans ein Antrag eingereicht, um gegen das oben erwähnte Unrecht des Bezirksmagistrats von Lahore vorzugehen. Die Entscheidung sollte am 22. Oktober verkündet werden. Doch noch bevor der Oberste Gerichtshof sein Urteil verkünden konnte, erließ der Gouverneur von Westpakistan durch eine Sonderverordnung ein Verbot der Benutzung von Lautsprechern in der gesamten Provinz. Damit wurde eindeutig bewiesen, dass der Gouverneur die Befugnis zur Gesetzgebung durch Verordnung besaß und dass diese Befugnis eigens dazu genutzt wurde, die Konferenz der Jamaat-e-Islami zum Scheitern zu bringen.

Am 25. Oktober begann die Konferenz der Jamaat-e-Islami. Genau einen Tag zuvor veröffentlichte der Innenminister der Zentralregierung eine äußerst harte und aufrührerische Erklärung gegen mich und die Jamaat-e-Islami, und am Morgen des Konferenztages wurden in den Zeitungen auch Erklärungen einiger Minister der Provinzregierung veröffentlicht. Warum brach gerade zu diesem Zeitpunkt plötzlich ein solcher Sturm des Zorns los? Gab es dafür einen anderen Grund als den, dass die Regierung die Demonstration der Stärke und Organisation der Jamaat-e-Islami an einem zentralen Ort wie Lahore nicht dulden konnte?

Am Vormittag des 25. Oktober wurde bei der Versammlung der Jamaat-e Islami ein Überfall durch Schläger angezettelt. Die Vorgehensweise der Polizei dabei wurde von etwa dreißig- bis vierzigtausend Einwohnern Lahores mit eigenen Augen beobachtet. Durch die Zeitungen wurde das ganze Land darüber informiert. Auch in verschiedenen Ländern außerhalb Pakistans gelangten Berichte über dieses beschämende Ereignis hin. Bei hellem Tageslicht wurden den Augen der Menschen Schläger zugeführt. Sie setzten das Lager in Brand, durchschnitten die Seile des Festzelts und plünderten die Bücherstände. Auch in das Frauenlager warfen sie Ziegelsteine und Sodawasserflaschen. Sie nahmen die Exemplare des Heiligen Korans von einem Bücherstand und schleuderten sie wie Ziegelsteine und Steine auf die Versammlung. Schließlich erschossen sie sogar einen unschuldigen Menschen mit einer Pistole.

All dies geschah in Gegenwart der Polizei, und die Polizisten standen dabei und lachten. Jede einzelne dieser Handlungen hätte ein Einschreiten der Polizei erfordert. Doch kein einziger Schläger wurde festgenommen. Auch den Mörder nahm die Polizei nicht selbst fest. Vielmehr ergriffen ihn Mitarbeiter der Jamaat, übergaben ihn gewaltsam der Polizei und setzten diese wiederholt unter Druck, woraufhin sie den Mörder festnahm. Ob die Regierungsbehörden dies nun offen eingestehen oder nicht – ihr Gewissen weiß sehr wohl, wer all dies veranlasst hat und zu welchem Zweck. Außerdem ist keiner der Machthaber, die für die Aufrechterhaltung von Recht und Ordnung in Lahore verantwortlich waren, über dieses geheime Rätsel im Unklaren: Wer hat durch die Hüter des Gesetzes das Gesetz entwürdigen lassen?

Der eigentliche Zweck dieser niederträchtigen Verschwörung bestand darin, die Mitarbeiter der Jamaat-e Islami auf irgendeine Weise in einen Zusammenstoß mit den Schlägern zu verwickeln, auf sie schießen zu können und dadurch die Möglichkeit zu erhalten, die gesamte Jamaat als aufrührerisch zu brandmarken und für illegal zu erklären. Doch die Geduld und Selbstbeherrschung der Mitarbeiter der Jamaat vereitelten diese Verschwörung.

Danach verging gerade einmal eine Woche. Um die Jamaat unbedingt in eine Falle zu locken, wurde erneut eine Verschwörung gegen sie geschmiedet. Am 6. November 1963 sollten die Wahlen zur Universitätsvertretung der Punjab-Universität stattfinden. Nur zwei Tage zuvor wurde Barakallah Khan, der Kandidat für das Amt des Vorsitzenden der Vertretung, von der Universität verwiesen. Die unvermeidliche Folge dieser Maßnahme war – und genau das trat tatsächlich ein –, dass sich unter den Studenten eine weitverbreitete Unzufriedenheit ausbreitete. Deshalb zogen alle Kandidaten für sämtliche Ämter der Vertretung, insgesamt etwa 65, gleichzeitig ihre Kandidaturen zurück. Unverzüglich bildeten sie ein Aktionskomitee. Am 4. November veranstalteten die Studenten von der Universität aus einen Demonstrationszug. Sie führten einen Lautsprecher mit sich. (Wenn dieser Demonstrationszug und die Verwendung eines Lautsprechers tatsächlich rechtswidrig waren, warum hinderten die für Frieden und Ordnung Verantwortlichen sie dann nicht bereits auf dem Universitätsgelände daran? Stattdessen ließen sie den Demonstrationszug so weit vorankommen, dass die Menge beträchtlich anwuchs und auch andere Personen mit eigenen Absichten sich ihr anschlossen.) Dann wurden sie plötzlich in der Nähe des Charing Cross mit Schlagstöcken auseinandergetrieben, und viele ihrer Führer wurden ebenfalls festgenommen. Der offenkundige Zweck dieser Maßnahmen bestand darin, sie noch stärker zu erregen, sie zu einem Zusammenstoß mit den Kräften von Recht und Ordnung zu bringen und anschließend der Jamaat-e Islami die gesamte Schuld dafür anzulasten. Die Art und Weise, wie vom ersten Tag an zu diesen Ereignissen Ermittlungen geführt und bis zum Schluss fortgesetzt wurden, machte völlig deutlich, dass der eigentliche Zweck darin bestand, die Jamaat-e Islami in eine Falle zu locken. Auch in den Erklärungen, die damals in den Zeitungen und im Rundfunk veröffentlicht wurden – vom Präsidenten des Landes bis zu den Ministern –, war derselbe Zweck erkennbar. Dadurch wurde offen sichtbar, wie ungeduldig die Regierungsbehörden darauf waren, die Jamaat-e Islami in diesen Aufruhr der Studenten hineinzuziehen. Trotz aller Bemühungen scheiterte diese Verschwörung jedoch, und es wurde kein Beweis dafür gefunden, die Jamaat für diesen Aufruhr verantwortlich zu machen.

Wie lange konnte die Regierung denn noch darauf warten, dass die Jamaat-e Islami ein Verbrechen begeht und anschließend festgenommen wird? Und wie sollte es andererseits möglich sein, dass man eine Jamaat, die sich dem Aufstieg der Konventionsliga in den Weg gestellt hatte, nicht festnehmen konnte, solange sie kein Verbrechen beging?

Das geänderte Strafrecht und die Petition of Public Order wurden doch gerade deshalb im Pulvermagazin des Gesetzes aufbewahrt, damit man auf sie zurückgreifen konnte, sobald die Notwendigkeit entstand, Menschen festzunehmen, die kein Verbrechen begangen hatten. Daher wurden am 6. Januar ich und meine Jamaat mithilfe dieser beiden Waffen zum Opfer gemacht, und gegen mich wurden jene Anschuldigungen erhoben, die in der offiziellen Pressemitteilung vom 6. Januar sowie in den von Ihnen übermittelten Gründen für meine Festnahme und Inhaftierung aufgeführt waren.

Der Grund, aus dem ich behaupte, dass diese Anschuldigungen nicht der eigentliche Anlass für jene Maßnahme der Regierung waren, ist folgender: Die Regierung begann ihren Feldzug gegen mich und die Jamaat-e Islami in der dritten Woche des Jahres 1963, und in diesem Zusammenhang wurden Anschuldigungen erhoben, von denen zwei – nämlich der Aufruhr der Studenten in Lahore und der Artikel in der Tarjuman-ul-Quran – Ereignisse betrafen, die nach Beginn dieses Feldzugs stattfanden. Die übrigen Anschuldigungen dagegen bezogen sich auf Angelegenheiten und Ereignisse, die mehrere Jahre zurücklagen.

Nun werde ich die von Ihnen für meine Festnahme und Inhaftierung angeführten Gründe einzeln erörtern und ihren wahren Charakter offenlegen.

Machtergreifung durch Gewaltanwendung

 

Ihre erste Anschuldigung lautet, dass es das Ziel der Jamaat-e Islami gewesen sei, durch Gewaltanwendung die politische Herrschaft und Macht zu ergreifen; doch Sie haben nicht erklärt, auf welche Weise Sie dieses Ziel der Jamaat kennengelernt haben. Es kann nur zwei Wege geben, die Ziele der Jamaat zu erkennen: Erstens ihre Taten. Zweitens ihre Satzung, ihre Beschlüsse und die Erklärungen ihrer verantwortlichen Persönlichkeiten. Über die Taten der Jamaat lässt sich sagen, dass der Innenminister der pakistanischen Regierung, Herr Habibullah Khan, auf seiner Pressekonferenz am 23. Oktober 1963 vor der ganzen Welt eingeräumt hat: „Die Jamaat hat bis heute kein Gesetz gebrochen.“ Den Bericht über diese Pressekonferenz finden Sie in der Ausgabe vom 24. Oktober 1963 der „Pakistan Times“ und der „Dawn“. Im Folgenden wird nun der zweite Weg ausführlich dargelegt:

1. Im September 1948 verkündete die Majlis-e-Shura der Jamaat-e Islami durch einen Beschluss die folgende Richtlinie:

„Ihr (das heißt der Jamaat-e Islami) Bestreben besteht darin, die Lebensordnung des Landes (das heißt Pakistans) vollständig nach dem Islam zu gestalten. Um dieses Ziel zu erreichen, hält diese Jamaat keine Methoden und Mittel für zulässig, die der Wahrheit und Aufrichtigkeit widersprechen oder aus denen Unordnung und Unfrieden entstehen. Für Reform und Revolution vertraut sie auf demokratische Methoden. Das heißt: Durch Aufklärung und Propaganda sollen Geist, Verstand und Charakter reformiert und für die Veränderungen, die wir anstreben, die öffentliche Meinung gebildet werden. Keine Handlung der Jamaat findet im Geheimen statt; vielmehr geschieht alles öffentlich. Sie will die Gesetze, auf denen die gegenwärtige Staatsordnung des Landes beruht, nicht brechen, sondern sie gemäß den islamischen Prinzipien ändern. Es ist nicht ihr Ziel, die Personen, die die Staatsordnung des Landes leiten, zu entfernen oder selbst ihre Plätze einzunehmen. Vielmehr will sie diese reformieren; und wenn sie die Reform nicht annehmen, will sie sie auf demokratischem Wege ersetzen und an ihre Stelle solche Personen setzen, die nach dem Urteil der reformierten öffentlichen Meinung als redlich gelten.“ (Tarjuman-ul-Quran, September 1948, S. 329–330)

2. In Artikel 10 der Satzung, die die Jamaat 1953 veröffentlichte, und erneut in Artikel 5 der 1953 veröffentlichten überarbeiteten Satzung wurde ausdrücklich festgelegt:

„Um ihre Ziele und Zwecke zu erreichen, wird die Jamaat niemals solche Mittel und Methoden anwenden, die der Wahrheit und Aufrichtigkeit widersprechen oder eine Verwüstung in der Welt verursachen. Die Jamaat wird zur Verwirklichung der in ihren Zielen genannten Reform und Revolution auf demokratischem und gesetzmäßigem Wege arbeiten. Das heißt, durch Aufklärung, Propaganda und die Verbreitung von Gedanken sollen Geist, Verstand und Charakter reformiert und für die Veränderungen, die das Ziel der Jamaat sind, die öffentliche Meinung gebildet werden. Die Jamaat wird nicht versuchen, ihr Ziel durch Nachahmung geheimer Methoden zu erreichen, sondern sich offen in der Öffentlichkeit darum bemühen. (Hier sei erwähnt, dass jedes Mitglied der Jamaat-e Islami beim Eintritt in die Jamaat förmlich einen Eid darauf leistet, diese Satzung einzuhalten.)

3. In meiner Ansprache als Vorsitzender auf der gesamtpakistanischen Konferenz der Jamaat-e Islami am 10. November 1951 sagte ich im Zusammenhang mit meiner Stellungnahme zum Märtyrertod des verstorbenen Herrn Liaquat Ali Khan:

„Es kann für ein Land kein größeres Unglück geben, als der öffentlichen Meinung die letzte Entscheidungsgewalt über die Beurteilung von Dingen – die Vernunft, das Gewissen und die Argumentation – zu entreißen und sie dem Schwert eines Richters zu übergeben. Eine Nation, die nicht ihr eigener Feind ist und deren Gewissen nicht bankrottgegangen ist, kann nicht so töricht sein, die Entscheidung über ihre verschiedenen Angelegenheiten statt dem Gewissen und der Vernunft einem blinden und bestechlichen Richter des Schwertes anzuvertrauen. Wenn wir nicht sagen wollen, dass unsere Zukunft dunkel ist, müssen wir mit aller Kraft verhindern, dass sich die Lage unseres Landes in diese schreckliche Richtung entwickelt. Wir und insbesondere unsere verantwortlichen Persönlichkeiten sollten alles daransetzen, einen Zustand zu schaffen und aufrechtzuerhalten, in dem politische Veränderungen jeder Art, für die sich eine öffentliche Meinung gebildet hat, auf friedlichem Wege möglich sind.“ (Unsere inneren und äußeren Probleme, S. 14, Herausgeber: Maktaba Jamaat-e Islami)

4. Im Februar 1957 wurde auf der gesamtpakistanischen Konferenz der Jamaat-e Islami eine Resolution verabschiedet. Darin wurde klar erklärt:

„Da die Jamaat-e Islami gemäß ihrer Satzung verpflichtet ist, für die Verwirklichung ihres Plans zur Reform und Revolution auf gesetzlichem Wege zu arbeiten, und es in Pakistan tatsächlich nur einen Weg gibt, diese Reform und Revolution herbeizuführen, nämlich den Weg der Wahlen, kann sich die Jamaat-e Islami selbstverständlich auch den Wahlen des Landes nicht fernhalten. Sie kann daran direkt oder indirekt oder, falls erforderlich, auf beide Arten teilnehmen.“ (Das künftige Arbeitsprogramm der Islamischen Bewegung, S. 14)

5. Im Jahr 1958 veröffentlichte die Jamaat-e Islami ihr Wahlprogramm. Darin wurde ihr folgendes Ziel beschrieben:

„Eine wahrhaftige Demokratie zu errichten, in der sie in der Lage sein werden, die von ihnen bevorzugten Personen an die Macht zu bringen und diejenigen, die sie nicht bevorzugen, von den Sitzen der Herrschaft zu entfernen.“ (Wahlprogramm, S. 14)

6. Während der Hadsch im vergangenen Jahr erhielt ich in Mekka Muazzama die Gelegenheit, zu jungen Menschen zu sprechen, die aus den arabischen Ländern gekommen waren. In dieser Ansprache riet ich ihnen, von dem Versuch abzusehen, in ihren eigenen Ländern eine bewaffnete Revolution herbeizuführen, und über eine Reform auf friedlichem, gesetzmäßigem und demokratischem Wege nachzudenken. Meine Ansprache wurde in allen arabischen Ländern veröffentlicht. Auch eine Urdu-Übersetzung erschien in der Zeitschrift Tarjuman-ul-Quran. Ihr Schlussteil lautet:

„Mein letzter Rat lautet, dass sie keine geheime Bewegung führen und nicht versuchen sollten, durch den Einsatz von Waffen eine Revolution herbeizuführen. ….. Eine richtige und wahrhaftige Revolution wird stets durch eine Massenbewegung herbeigeführt. Arbeiten Sie offen und umfassend an der Daʿwa, arbeiten Sie in großem Umfang an der Reinigung von Herz, Verstand und Denken. Verändern Sie die Denkweise der Menschen. Erringen Sie mit den Waffen der Moral den Sieg über die Herzen. Stellen Sie sich den Gefahren und Hindernissen, die bei einem solchen Bemühen auftreten werden, mit aufrichtigem Mut entgegen. Die Revolution, die auf diese Weise allmählich herbeigeführt wird, wird so dauerhaft und stark sein, dass der imaginäre Sturm der gegenläufigen Kräfte sie nicht auslöschen kann. Selbst wenn durch überstürzte künstliche Methoden eine Revolution herbeigeführt wird, kann sie auf dem Weg, auf dem sie gekommen ist, auch wieder ausgelöscht werden.“ (Tarjuman-ul-Quran, Juni 1963)

7. Am 10. November 1963 wiederholte ich diesen Gedanken auch in einer Erklärung, die ich den pakistanischen Zeitungen gab. Diese Erklärung wurde in Nawa-i-Waqt, Mashriq und anderen Zeitungen veröffentlicht. Ihre ursprünglichen Worte lauten:

„Ich bin grundsätzlich ein entschiedener Gegner der Gesetzesübertretung, illegaler Methoden und des geheimen Vorgehens. Meine Ansicht ist, dass die Achtung vor dem Gesetz nicht aus Angst vor jemandem oder aufgrund eines vorübergehenden Erfordernisses, sondern für die Existenz einer zivilisierten Gesellschaft unerlässlich ist. Wenn eine Bewegung diese Achtung einmal zerstört, wird es danach für sie selbst äußerst schwierig, ja sogar unmöglich, die Menschen wieder zum Gehorsam gegenüber dem Gesetz zu bringen. Ebenso liegen in geheimen Organisationen solche Mängel, dass die auf diese Weise tätigen Personen schließlich selbst zu einer größeren Gefahr für die Gesellschaft werden als jene Menschen, die sie mithilfe dieser Methode beseitigen wollen. Aus diesen Gründen bin ich überzeugt, dass Gesetzesübertretung und geheime Organisationen äußerst fehlerhaft sind. Alles, was ich getan habe, habe ich stets offen und innerhalb der Grenzen von Gesetz und Ordnung getan. Selbst diejenigen Gesetze, die ich entschieden ablehne, habe ich auf demokratischem und gesetzmäßigem Wege zu ändern versucht, sie jedoch niemals gebrochen.“

Dies sind die maßgeblichen Erklärungen von mir und der Jamaat-e Islami von 1948 bis heute. Nun sollte man erfahren, welche Beweise die Regierung besitzt, aufgrund derer sie gegen mich und die Jamaat-e Islami den Vorwurf erhoben hat, wir befürworteten die gewaltsame Machtergreifung. Besitzt sie irgendeinen Text oder eine Rede von mir oder einem Verantwortlichen der Jamaat-e Islami, aus denen sich eine solche Bedeutung ergibt? Oder kann sie irgendein Beispiel dafür vorlegen, dass die Jamaat-e Islami in den vergangenen 17 Jahren irgendeine gesetzwidrige Maßnahme ergriffen hat? Wenn sie über einen solchen Beweis verfügt, warum legt sie ihn dann nicht öffentlich vor?

In ihrer Pressemitteilung vom 6. Januar hat die Regierung die gesamte Grundlage dieses Vorwurfs lediglich auf ein Zitat aus dem Munir-Bericht gestützt. Darin wird dieser Vorwurf gegen die Jamaat-e Islami erhoben. Doch man sollte sich daran erinnern, dass der Munir-Bericht kein Urteil eines Gerichts ist, sondern lediglich der Bericht eines Untersuchungsausschusses. In diesem Bericht wurden unter Verletzung der Grenzen der Terms of Reference in ungeordneter Weise sachfremde Erörterungen angestellt. Verschiedene Personen und Gruppen wurden völlig grundlos angegriffen, und es wurde eine derart eigentümliche, spöttische Sprache verwendet, wie sie niemals einem unparteiischen Untersuchungsgericht angemessen sein könnte. Vor diesem Gericht (oder Untersuchungsausschuss) wurde die Frage, was die Ideologie der Jamaat-e Islami ist, welche ihre Ziele und Absichten sind und welche Mittel sie zu deren Verwirklichung einzusetzen beabsichtigt, niemals einer gründlichen Prüfung unterzogen. Mir oder irgendeinem Vertreter der Jamaat-e Islami wurde hierzu keine einzige Frage gestellt. Ebenso wurde dieser Vorwurf nicht vor uns erhoben, damit wir uns dazu hätten verteidigen können. Und auch an der Stelle des Berichts, an der dieser Vorwurf erhoben wird, wurde kein Beweis vorgelegt, aus dem ersichtlich wäre, worauf der Ausschuss diesen Vorwurf gegen uns stützte.

Die Frage ist also: Kann es ausreichen, dass in irgendeinem Bericht, selbst wenn es sich um den Untersuchungsbericht eines Gerichts handelt, ohne Zeugenaussagen und Beweise ein solches Urteil gegen eine Jamaat gefällt wird, um dieser Jamaat das Recht auf ihre Existenz und ihren Führern das Recht auf Freiheit zu nehmen? Und wo liegt die Rechtmäßigkeit, nach inzwischen zehn vergangenen Jahren auf diese Weise jene Aussage des Munir-Berichts auszunutzen? Der Munir-Bericht wurde 1954 veröffentlicht, und aufgrund jener Bemerkung werden wir 1964 unseres eigenen Rechts auf Freiheit und des Existenzrechts der Jamaat beraubt. Ist darin auch nur die geringste Spur von Vernunft zu erkennen?

Ablehnung der Gründung Pakistans

 

Im Zusammenhang mit den Gründen für die Verhaftungen und Inhaftierungen wurde als zweiter Vorwurf erhoben: „Die Jamaat-e Islami war gegen die Gründung Pakistans und hat nach der Gründung Pakistans fortwährend öffentlich eine feindselige Haltung gegenüber Pakistan und seiner Regierung zum Ausdruck gebracht.“

Dieser Vorwurf besteht aus zwei Teilen. Der erste Teil lautet, dass die Jamaat gegen die Gründung Pakistans gewesen sei, und der zweite, dass sie seit der Gründung Pakistans fortwährend eine feindselige Haltung gegenüber Pakistan und seiner Regierung zum Ausdruck gebracht habe. Wahrscheinlich wurde der zweite Teil hinzugefügt, weil der erste Teil selbst den Anklägern so abwegig erschien, dass sie es für völlig unerträglich hielten, allein auf dieser Grundlage irgendeine Maßnahme zu ergreifen. Es wird ohne Zweifel jedem Menschen auf den ersten Blick lächerlich erscheinen, eine Jamaat, die sechzehn volle Jahre lang (mit Ausnahme der Zeit der Militärherrschaft) hier tätig gewesen ist, sechzehn Jahre nach der Gründung Pakistans aufgrund des Vorwurfs, sie sei gegen die Gründung Pakistans gewesen, für illegal zu erklären und ihre Führer zu verhaften. Um dies plausibel erscheinen zu lassen, wurde hinzugefügt, dass diese Jamaat auch nach der Gründung Pakistans sechzehn Jahre lang nicht nur gegenüber der Regierung, sondern auch gegenüber Pakistan offen Feindschaft bekundet habe. Doch selbst nach dieser Ergänzung bleibt die Aussage genauso lächerlich, wie sie es ursprünglich war.

Die Frage ist: Wenn die Jamaat-e Islami seit 1947, als sie in Pakistan ihre Tätigkeit aufnahm, bis zum 5. Januar 1962 ununterbrochen Feindschaft bekundet hat, und zwar nicht heimlich, sondern offen, wie wurde dies dann plötzlich am 6. Januar 1964 bemerkt? Warum wurde diese offene Feindschaft während dieses langen Zeitraums ignoriert? Welcher besondere Grund ist jetzt vielmehr entstanden, dass man es für notwendig hielt, sofort und mit derart harten Maßnahmen gegen sie vorzugehen? Warum wurde nicht klar gesagt, dass es zur Erweiterung der Convention League notwendig geworden sei, eine gut organisierte Partei der Oppositionsgruppe vom politischen Feld zu verdrängen? Vor den Wahlen war dieses Erfordernis natürlich noch weit dringlicher geworden.

Im Folgenden werde ich die einzelnen Teile dieses Vorwurfs gesondert erörtern. Meine Antwort auf den ersten Teil des Vorwurfs lautet:

1. Selbst wenn man für einen Augenblick zugestehen würde, dass die Jamaat-e Islami gegen die Gründung Pakistans war, frage ich: War sie dann noch stärker dagegen als der Kongress? Jeder weiß, dass der eigentliche Kampf um Pakistan bis zum 15. August 1947 gerade mit dem Kongress geführt wurde. Trotzdem gründete der Kongressflügel, der sich nach der Gründung Pakistans in diesem Land befand, unmittelbar danach den Pakistanischen Kongress. Seine Vertreter waren in unserem ersten und zweiten Gesetzgebenden Rat vertreten. Bis Oktober 1958 war er als muslimfeindliche Partei etabliert. Dennoch wurde niemals die Frage aufgeworfen: Weil ihr gegen die Gründung Pakistans wart, könnt ihr nun in Pakistan nicht als politische Partei tätig sein. Nach der Aufhebung der Militärherrschaft gibt es keinen rechtlichen Grund dafür, dass der Pakistanische Kongress nicht wiederbelebt worden ist; vielmehr verhält es sich damit genauso wie mit der Awami-Liga, der Nationalen Awami-Partei und anderen Parteien, die sich selbst nicht wiederbelebt haben. Wenn der Pakistanische Kongress sich heute wieder konstituieren will, steht ihm rechtlich kein Hindernis im Wege.

2. Es widerspricht jedoch völlig der Wahrheit, dass die Jamaat-e Islami gegen die Gründung Pakistans gewesen sei. Die Jamaat-e Islami wurde im August 1941 gegründet. Kann irgendjemand für die vollen sechs Jahre von damals bis August 1947 nachweisen, dass die Jamaat-e Islami eine Versammlung abgehalten hatte, um die Gründung Pakistans zu verhindern? Dass sie einen Beschluss gefasst hatte? Dass sie eine Demonstration veranstaltet hatte? Dass sie bei Wahlen einen Kandidaten gegen die Muslimliga aufgestellt hatte? Oder einen Gegenkandidaten der Muslimliga unterstützt hatte? Oder das Volk aufgefordert hatte, nicht für die Kandidaten der Muslimliga zu stimmen? Oder dass sie auf irgendeine andere Weise etwas unternommen oder versucht hatte, den Fortschritt auf dem Weg zur Gründung Pakistans aufzuhalten? Wenn irgendjemand einen solchen Beweis besitzt, sollte er ihn selbstverständlich vorlegen. Wenn sich jedoch in den Aufzeichnungen der Jamaat-e Islami nichts Derartiges findet, dann möge man bitte mitteilen: Inwiefern war die Jamaat-e Islami gegen die Gründung Pakistans? Wann war sie dagegen? Wie war sie dagegen? Höchstens kann man sagen, dass die Jamaat am Kampf um die Gründung Pakistans nicht gemeinsam mit der Muslimliga teilgenommen hat. Kann bloße Nichtteilnahme als Opposition bezeichnet werden?

3. Der Grund dafür, dass die Jamaat-e Islami sich nicht an den Bemühungen um die Gründung Pakistans beteiligte, war nicht, dass sie keinen unabhängigen Staat für die Muslime errichten wollte. Vielmehr gab es dafür drei Gründe. Diese drei Gründe sind in den Schriften der Jamaat-e Islami mehrfach klar dargelegt worden. Der erste Grund war, dass es unter den Muslimen eine solche Jamaat geben musste, die der Nation hätte helfen können, falls die Muslimliga im Kampf um die Gründung Pakistans – Gott bewahre – gescheitert wäre; deshalb war es notwendig, diese Reservekraft vom Kampf fernzuhalten. Der zweite Grund war, dass auch nach der Gründung Pakistans mehrere zehn Millionen Muslime in jenem Teil Britisch-Indiens würden bleiben müssen, der durch den Pakistanplan unter die Herrschaft der Hindus gelangen sollte. Nach der Teilung des Landes hätte die Muslimliga für die Unterstützung dieser Muslime selbstverständlich nichts tun können. Zu diesem Zweck musste von Anfang an eine andere gut organisierte Partei vorbereitet und auch vom Kampf um Pakistan ferngehalten werden, damit sie diese Aufgabe in Hindu-Indien erfüllen konnte. Der dritte Grund war, dass die Partei, die für Pakistan arbeitete – die Muslimliga –, ihre ganze Aufmerksamkeit ausschließlich auf die politische Organisation und den politischen Kampf richtete. Sie unternahm keine Anstrengungen, die Partei und ihre Kräfte in moralischer und religiöser Hinsicht zu stärken und zu festigen. Angesichts dieser Lage war deutlich zu erkennen, dass eine Partei, die auf diese Weise kämpfte und dadurch das Land errang, ganz zu schweigen davon, es in einen islamischen Staat zu verwandeln, nicht einmal in der Lage sein würde, es als Nationalstaat auf ein solides Fundament zu stellen. Dort würde ein gewaltiges moralisches und ideologisches Chaos entstehen. Unter diesen Umständen war es notwendig, unter den Muslimen eine solche gut organisierte Partei aufzubauen, die nach der Gründung Pakistans daran arbeiten konnte, diesen Staat vor dem moralischen Untergang zu bewahren und ihn auf dem Weg des Islam zu führen. Die Frage ist: War es eine Sünde, diesen weitsichtigen Plan umzusetzen? Für diese Sünde wollen ausgerechnet heute jene Leute die Jamaat-e Islami bestrafen, die selbst keinen nennenswerten Anteil an den Bemühungen um die Gründung Pakistans hatten. Der verstorbene Quaid-e-Azam verhängte diese Strafe nicht, der verstorbene Liaquat Ali Khan verhängte sie nicht, und Khawaja Nazimuddin verhängte sie nicht. Während der Amtszeit all dieser Männer hat die Jamaat-e Islami ordnungsgemäß gearbeitet.

4. Die Schriften von mir, die heute als Beweis für meinen Widerstand gegen die Gründung Pakistans vorgelegt werden, wurden 1939 und 1940 verfasst. Erstens ist es falsch, sie der Jamaat-e Islami anzulasten, denn die Jamaat wurde erst im August 1941 gegründet. Zweitens stammen sie aus einer Zeit, in der unter den Muslimen gerade erst die Diskussion darüber begonnen hatte, wie ihre komplizierten Probleme in Britisch-Indien gelöst werden könnten. Drittens lässt sich die wahre Absicht dieser Schriften daran erkennen, dass diejenigen, die einzelne Zitate aus dem Gesamtwerk herausgelöst haben, die Qadiani und die Leugner der Hadithe (Munkirīn-e Hadith) angeführt und ihnen eine entgegengesetzte Bedeutung gegeben haben. Vielmehr kann ihre eigentliche Bedeutung erst verstanden werden, wenn man alle einschlägigen Aufsätze vollständig liest. Ich schrieb diese Aufsätze, um den Muslimen verständlich zu machen, dass für die Errichtung eines islamischen Staates – nicht eines Nationalstaates – keine parteipolitische Organisation geeignet sein kann, der moralische und religiöse Lebenskraft fehlt. Die Erörterungen, die ich zur Verdeutlichung dieses Ziels in meinen Aufsätzen angestellt habe, wurden von Tausenden gebildeter Menschen in diesem Land gelesen. Sie haben daraus nicht jene Bedeutung entnommen, die nun aus einigen Sätzen meiner Schriften herausgelöst und ohne ihren Zusammenhang vorgelegt wird.

5. Aus dem Werk eines Autors eine Bedeutung herauszulesen, die seiner eigenen eindeutigen Aussage widerspricht, ist in Wahrheit offenkundiger Verrat. Wie kann irgendjemand über mich sagen, dass ich gegen die Teilung des Landes und die Gründung Pakistans gewesen sei, wenn ich doch selbst drei Bücher zur Unterstützung der Zwei-Nationen-Theorie geschrieben habe (siehe meine Bücher „Muslimān aur Maujūda Siyāsī Kashmakash“, Bände 1 und 3, sowie „Masʾala-e Qawmiyyat“), wenn ich selbst 1938 einen Plan zur Teilung des Landes vorgelegt habe (siehe mein Buch „Muslimān aur Maujūda Siyāsī Kashmakash“, Band 2, S. 208–214), wenn ich 1944 öffentlich erklärt habe, dass die Forderung nach Pakistan eine berechtigte Forderung sei (siehe mein Buch „Rasāʾil-o-Masāʾil“, Band 1, 2. Auflage, S. 359–362), und wenn ich bei dem Referendum in der Grenzprovinz die Abstimmung für Pakistan unterstützt habe (siehe mein Buch „Rasāʾil-o-Masāʾil“, Band 1, S. 362–363)?

Kommen wir nun zum zweiten Teil der Anschuldigung, nämlich: „Seit der Gründung Pakistans hat die Jamaat-e Islami ununterbrochen offene Feindseligkeit gegenüber Pakistan und seiner Regierung bekundet.“ Derjenige, der diesen Teil der Anschuldigung formuliert hat, ist in seinem Denken so verwirrt, dass er den Unterschied zwischen Pakistan und seiner Regierung nicht wahrnehmen konnte; außerdem weiß er nicht, dass es hier seit der Gründung Pakistans bis heute nicht nur eine Regierung, sondern nacheinander mehrere wechselnde Regierungen gegeben hat.

Über die Regierungen Pakistans lässt sich so viel sagen, dass die Jamaat-e Islami selbstverständlich stets ihre Meinungsverschiedenheiten mit ihnen zum Ausdruck gebracht hat; als Oppositionspartei ist dies ihr gesetzmäßiges Recht. Die Jamaat-e Islami hielt an dem Grundsatz fest, dass wir uns, solange wir bei Wahlen keine Mehrheit erlangen und nicht selbst die Fähigkeit erwerben, eine Regierung zu bilden und sie nach unseren eigenen Grundsätzen zu führen, nicht am Regierungsapparat beteiligen sollten. Auf dieser Grundlage war die Jamaat-e Islami seit sechzehneinhalb Jahren als Oppositionspartei tätig. Die Frage lautet: Wenn eine Partei auf der Grundlage eines vernünftigen und allgemein anerkannten demokratischen Prinzips in der Opposition steht und ihre Meinungsverschiedenheiten mit den wechselnden Regierungen des Landes zum Ausdruck bringt, wann und wie wurde dies zu einem Verbrechen, sodass es rechtmäßig wurde, sie für illegal zu erklären und ihre führenden Vertreter festzunehmen?

Der Vorwurf, Pakistan gegenüber feindlich gesinnt zu sein, ist ein derart niederträchtiger und verabscheuungswürdiger Vorwurf, dass keine Regierung ihn ihren eigenen Landsleuten gegenüber erheben sollte, solange sie nicht über starke und eindeutige Beweise dafür verfügt. Man möge mir mitteilen, welche Beweise die Regierung zur Stützung dieses schweren Vorwurfs besitzt. Auf welche Zeugenaussagen und Beweise haben sie diese Anschuldigung gestützt? Und wenn sie Beweise für diesen äußerst schwerwiegenden Vorwurf besitzen, warum haben sie dann, anstatt öffentlich vor Gericht ein Verfahren gegen die Jamaat-e Islami einzuleiten, auf jene Gesetze zurückgegriffen, durch die jeder beliebige Mensch ohne jeden Beweis nach Belieben beschuldigt und ebenso nach Belieben bestraft werden kann?

Obwohl es Sache des Anklägers ist, Beweise vorzulegen, um eine Person oder eine Gruppe als schuldig hinzustellen, und die Person oder Gruppe, gegen die der Vorwurf erhoben wurde, nicht verpflichtet ist, ihre Unschuld zu beweisen, möchte ich dennoch zeigen, dass die Regierung uns durch völlig haltlose Anschuldigungen aus dem Weg räumen will. Zu diesem Zweck werde ich anhand der eigenen Beschlüsse der Jamaat-e Islami darlegen, welche Haltung sie gegenüber Pakistan einnahm. In der Resolution, die der Majlis-e Shura der Jamaat-e Islami im September 1948 zu ihrer Politik verabschiedete, heißt es:

„Da der Tod des Quaid-e-Azam der inneren Kraft des Landes einen schweren Schlag versetzt hat und auch von außen Gefahren aufzuziehen begonnen haben, möchte der Majlis-e Shura unmissverständlich erklären, dass die Jamaat-e Islami, fest auf reformorientierten Zielen und einer reformorientierten Sichtweise gegründet, sich mit ganzer Kraft um die Wahrung der Einheit und Unabhängigkeit Pakistans bemühen und in dieser Angelegenheit auf jede mögliche Weise mit den anderen Parteien des Landes und der Regierung zusammenarbeiten wird.“

„Nach Ansicht der Jamaat-e Islami hätte zum Wohl und zur Entwicklung Pakistans sowie zu seiner Stabilität bereits im Voraus so bald wie möglich auf gesetzlichem Wege erklärt werden müssen, dass es in einen islamischen Staat umgewandelt werden soll. Doch jetzt, da die Unterstützung durch die Persönlichkeit des Quaid-e-Azam nicht mehr vorhanden ist, hat sich diese Notwendigkeit noch dringlicher gezeigt. Nach dieser Erklärung werden verfassungsmäßige und gesetzliche Veränderungen schrittweise und zum jeweils geeigneten Zeitpunkt erfolgen. Doch mit dieser Erklärung wird unser Staatswesen grundsätzlich in ein islamisches Staatswesen umgewandelt werden. Wenn die Herzen und das Gewissen des muslimischen Volkes, der eigentlichen Kraft des Landes, dadurch Beruhigung empfinden, werden die Ziele des Staates und der Weg seines Fortschritts festgelegt sein. Und die Gesetze, die für die moralische Stabilität Pakistans, die Einheit seiner zu Unordnung neigenden Teile, die Lösung wichtiger zivilisatorischer und wirtschaftlicher Probleme sowie die Stärkung seines Landesverteidigungssystems unbedingt erforderlich sind, werden sich auf diesem Weg zur gemeinsamen Arbeit zusammenfinden können. Darüber hinaus wird dadurch auch der ideologische Konflikt beendet werden, der hinsichtlich der künftigen Staatsordnung des Landes entsteht und geistige Unordnung verursacht.“

Auf dieser Versammlung wurde im Namen des Majlis-e Shura folgende Botschaft an den damaligen Generalgouverneur, Herrn Khawaja Nazimuddin, gesandt: „Nach dem Tod des Quaid-e-Azam hat Allah der Erhabene Ihnen dadurch, dass Sie seine Nachfolge antreten, die Last einer gewaltigen Verantwortung auferlegt. Wir beten darum, dass derjenige, der Ihnen diese Last auferlegt hat, Ihnen auch die Kraft geben möge, sie zu tragen und dieser Pflicht gerecht zu werden. In der Rede, die Sie nach Ihrer Ernennung zum Generalgouverneur gehalten haben, ist ein religiöser Geist zu erkennen, und die Zeichen guter Absichten sind sichtbar. Wir ehren dies von Herzen. Wir hoffen, dass Sie sich bemühen werden, Pakistan sowohl innerlich als auch äußerlich in einen wahrhaft islamischen Staat umzuwandeln. Seien Sie versichert: Bei jedem richtigen Schritt, den Sie zu diesem Zweck unternehmen, wird die Jamaat-e Islami Sie uneingeschränkt unterstützen.“

(Tarjuman-ul-Quran, September 1948, Seiten 326 und 327).

Auf derselben Versammlung lautete die erste der für die Mitarbeiter der Jamaat-e Islami ausgearbeiteten Anweisungen:

„Bereitet euch selbst vollständig zur Verteidigung des Landes vor und macht auch den anderen Muslimen die Notwendigkeit dieser Vorbereitung verständlich. Wir wollen dieses Land für den Islam bewahren. Daher ist es unsere religiöse Pflicht, mit dieser Motivation allen anderen Tätigkeiten gegenüber diesem Anliegen die größte Aufmerksamkeit zu widmen.“ (Tarjumān al-Qurʾān, September 1948, S. 336)

Am 12. März 1949 verabschiedete die pakistanische Gesetzgebende Versammlung die Grundsatzresolution, und bereits am folgenden Tag veröffentlichte die Schura der Jamaat-e-Islami die folgende Erklärung:

„Nach Ansicht der Schura hat die Gesetzgebende Versammlung mit der Verabschiedung dieser Resolution die Mindestanforderungen erfüllt, die rechtlich notwendig sind, um ein Land in einen Islamischen Staat zu verwandeln.“

Am 18. April 1949 legte die Schura bei der Erörterung der Auswirkungen und Folgen der Grundsatzresolution erneut ihre folgende Haltung gegenüber Pakistan dar:

„Nun ist es für jeden gläubigen Menschen zur Pflicht geworden, alle Fähigkeiten von Herz und Verstand sowie sämtliche Mittel und Ressourcen dafür einzusetzen, diesen Staat zu schützen und zu stärken, ihn voranzubringen und ihn sowohl in körperlicher als auch in geistiger Hinsicht in einen Islamischen Staat zu verwandeln. Auf jede mögliche Weise und in jeder möglichen Form sollte man ihm mit ganzem Herzen und ganzer Seele dienen. Unsere Beziehung zum Staat ist nun von positiver Loyalität geprägt. Die Haltung der Nichtkooperation ist beendet. Nun werden wir uns nicht nur von außen, sondern auch von innen – das heißt durch den Eintritt in das Parlament und die Regierungsverwaltung – mit aller Kraft um Reformen und Fortschritt bemühen.“

(Die Position der Jamaat-e-Islami im Lichte ihrer eigenen Beschlüsse, S. 6–7)

Auf der kürzlich in Lahore abgehaltenen gesamtpakistanischen Konferenz der Jamaat-e-Islami wurde am 26. Oktober 1964 eine Resolution verabschiedet. Ihr Wortlaut ist folgender:

„In diesem kritischen Augenblick warnt die Jamaat-e-Islami Indien und die anderen beteiligten Kräfte, die falsche Vorstellungen von Pakistan haben, mit Nachdruck davor, dass die zehn Crore Pakistaner trotz aller Meinungsverschiedenheiten unter uns in inneren Angelegenheiten zur Verteidigung der Sicherheit und Unabhängigkeit ihrer Heimat in jeder Hinsicht vereint zusammenstehen werden; sollte eine solche Lage entstehen, wird, so Gott will, kein einziger Pakistaner zurückbleiben.“

„Nicht nur aus dem Grund, dass wir unser Land lieben, sondern auch im Hinblick auf unseren Glauben und unsere religiösen Forderungen misst die Jamaat der Frage der Verteidigung Pakistans die allergrößte Bedeutung bei. Dieses Land wurde im Namen des Islam errungen; daher ist ganz Pakistan für uns einer Moschee gleich, und jeder Zentimeter seines Bodens ist für uns ein großes anvertrautes Gut. Trotz aller Meinungsverschiedenheiten geben wir der Regierung die uneingeschränkte Zusicherung, dass wir sie bei jeder Maßnahme, die sie zur Verteidigung unseres Landes ergreift, von ganzem Herzen unterstützen werden. Patriotismus ist nicht das ausschließliche Eigentum einer bestimmten Person oder Gruppe. Jeder Pakistaner ist gleichermaßen an der Sicherheit seines Landes beteiligt. Denn ihr Leben, ihr Besitz, ihre Ehre und all ihre geschätzten Werte hängen vollständig von der Sicherheit und dem Wohlergehen dieses Landes ab. Daher sind wir fest davon überzeugt, dass jeder Pakistaner, sofern er nicht geistig verwirrt oder sein eigener Feind ist, zur Verteidigung seiner Heimat voranschreiten wird.“ (Roedad, Gesamtpakistanische Ijtema der Jamaat-e Islami, S. 56)

Dies sind von der Jamaat-e Islami ordnungsgemäß angenommene und veröffentlichte Resolutionen. Die Regierung kann nicht behaupten, davon nichts gewusst zu haben. Trotzdem wurde mit verschlossenen Augen der Vorwurf erhoben, die Jamaat-e Islami habe ständig eine feindselige Haltung gegenüber Pakistan zum Ausdruck gebracht. Grundlage dieses Vorwurfs war eine Broschüre mit dem Titel „Mazi Qarib Ka Jaiza“, die in der Pressemitteilung der Regierung vom 6. Januar erwähnt wurde. Dazu ist Folgendes zu sagen: Nachdem Pakistan gegründet worden war und ich die Zeitschrift Tarjuman-ul-Quran wieder in Lahore herausgab, schrieb ich in ihren ersten drei Ausgaben, im Juni, Juli und August 1948, nacheinander drei Leitartikel. Darin wurde die Lage, die während der Teilung des Landes entstanden war, ausführlich kommentiert. Die Ansichten und Handlungen der drei Parteien – der britischen Regierung, des Indischen Nationalkongresses und der Muslimliga – wurden mit der Unparteilichkeit eines Historikers beurteilt; dabei wurde dargelegt, welche Fehler jede von ihnen bei der Regelung und Durchführung der Teilung begangen hatte und wie deren Folgen zutage traten. Im dritten Artikel wurde anschließend erörtert, welchen wichtigen Problemen die muslimische Nation nach der Teilung gegenüberstand und ob die Muslimliga diese Probleme erfolgreich lösen konnte. Die ersten beiden Artikel wurden vermutlich 1949, ohne mein Wissen, von Angehörigen der Jamaat-e Islami in Karatschi in Form einer Broschüre unter dem Titel „Mazi Qarib Ka Jaiza“ in Karatschi veröffentlicht. Wie dem auch sei, diese Artikel erschienen zu Lebzeiten des verstorbenen Quaid-e-Azam, als er Generalgouverneur war. Der verstorbene Liaquat Ali Khan war damals Premierminister Pakistans. Niemand betrachtete sie damals als gegen Pakistan verfasst. Vielmehr wurde die darin geübte Kritik an der Arbeit der Muslimliga als berechtigtes Recht des Führers einer Oppositionspartei angesehen. Aus diesem Grund wurden gegen sie nicht jene Maßnahmen ergriffen, die die gegenwärtige Regierung sechzehn Jahre später ergriffen hat. Ich sage: Wenn heute ein unparteiischer Richter diese Artikel lesen würde – nicht ein oder zwei aus ihrem Zusammenhang gerissene Sätze, sondern die Artikel als Ganzes –, könnte er niemals zu dem Schluss gelangen, dass sie von jemandem verfasst worden seien, der nicht gewünscht habe, dass Pakistan gegründet werde, und der es nach seiner Gründung wieder abschaffen wolle. Diese Bedeutung kann den Artikeln nur jemand geben, der entschlossen ist, Maududi und seine Jamaat um jeden Preis in eine Falle zu locken und zu diesem Zweck alle möglichen Intrigen zu ersinnen.“

Unruhe unter den Staatsbediensteten

 

Die dritte der von Ihnen angeführten Anschuldigungen unter den Gründen für meine Verhaftung und Inhaftierung lautet: „Die Jamaat-e Islami war in staatliche Abteilungen und Arbeiterorganisationen eingedrungen, um die Grundlage der Loyalität der Staatsbediensteten zu erschüttern, Unruhe zu stiften und die Herrschaft an sich zu reißen.“

Auch diese Anschuldigung besteht aus zwei Teilen. Der eine Teil betrifft die Staatsbediensteten, der andere die Arbeiterorganisationen. Ich werde auf diese beiden Anschuldigungen einzeln antworten.

In allem, was über die Staatsbediensteten gesagt worden ist, wurde bewusst versucht, einer einfachen Angelegenheit ein erschreckendes Ausmaß zu geben. Die eigentliche Tatsache ist, dass die Jamaat-e Islami in diesem Land jahrelang in großem Umfang tätig gewesen war. Ihre Bücher wurden zu Tausenden und zu Hunderttausenden gedruckt. An verschiedenen Orten wurden sie öffentlich verkauft. An Hunderten von Orten waren ihre Bibliotheken eingerichtet. Jeder hatte die freie Möglichkeit, dorthin zu kommen, die Bücher zu lesen und sie für eine bestimmte Zeit auszuleihen. Im ganzen Land fanden ihre Versammlungen statt. Menschen aller Art kamen dorthin und hörten die Ansprachen. An Hunderten von Orten wurden Dars über den Quran und die Hadithe abgehalten. Auch daran nahmen Menschen aller Art teil. Auf diese Weise war diese Bewegung im ganzen Land öffentlich aktiv. Wie konnten sich da Staatsbedienstete, die selbst Einwohner dieses Landes waren und in jenen Ortschaften gemeinsam mit der einfachen Bevölkerung lebten, davon unwissend und fernhalten? Die Jamaat selbst war nicht aufgrund eines eigenen Plans oder durch besondere Anstrengungen in die Reihen der Staatsbediensteten eingedrungen. Die Staatsbediensteten hatten ihre Bücher selbst gelesen, waren selbst zu ihren Versammlungen gekommen und hatten an den Dars teilgenommen. Wer unter ihnen durch die Botschaft der Jamaat in seinem Denken und Fühlen angesprochen worden war, hatte aus eigenem Antrieb den Einfluss der Jamaat angenommen. Wir konnten den Weg, auf dem ihre Bücher zu ihnen gelangten, nicht versperren. Wir hatten keine Möglichkeit, ihnen die Augen zu verbinden, damit sie die Bücher nicht lesen konnten. Wir konnten ihnen nicht verbieten, an unseren Versammlungen und an den Zusammenkünften zum Dars über den Quran und die Hadithe teilzunehmen. Wenn die Regierung dies nun tun will, soll sie es tun. Wenn es überhaupt möglich ist, kann sie die Staatsbediensteten aus jenen Städten und Ortschaften entfernen und in irgendeiner abgesonderten Festung einschließen, damit kein Hauch der Bewegungen, die in diesem Land stattfinden, sie erreicht.

Aus allem, was ich oben gesagt habe, wird eindeutig klar, dass die Jamaat-e-Islami nicht in die staatlichen Behörden und unter die Staatsbediensteten eingedrungen ist. Vielmehr sind ihre Gedanken auf natürliche und spontane Weise unter den Staatsbediensteten vorgedrungen, und die Regierung selbst hat ihre eigenen Bediensteten immer wieder durch Rundschreiben an die staatlichen Behörden sowie durch die Einholung von Verpflichtungserklärungen von jedem einzelnen Staatsbediensteten zu sich hingezogen. Nun sollte die Regierung zu der Behauptung, dass durch dieses Eindringen die Grundlage der Loyalität jener Bediensteten erschüttert worden sei, erklären, was in den Schriften der Jamaat-e-Islami und in ihrer Verkündigung enthalten ist, das die Loyalität der Staatsbediensteten verdrängen könnte. In Wahrheit gilt: Ob es jemand anerkennt oder nicht – überall dort, wo der Einfluss der Verkündigung der Jamaat-e-Islami unter den Staatsbediensteten angekommen ist, sind sie verantwortungsbewusster, pflichtbewusster, gottesfürchtiger und loyaler geworden. Wenn es unter den Staatsbediensteten eine Gruppe gibt, die sich am meisten von Korruption, Bestechlichkeit und Pflichtvernachlässigung fernhält, dann ist es jene Gruppe, die die Schriften der Jamaat-e-Islami und ihren Einfluss angenommen hat. Für die Regierung hat diese Tatsache jedoch keinerlei Bedeutung. Ihr einziger Gedanke ist, dass Bedienstete und Beamte für die Convention League unbedingt wie Freiwillige arbeiten sollen, aber mit keiner anderen Oppositionspartei und insbesondere nicht mit der Jamaat-e-Islami auch nur in Berührung kommen dürfen. Meine Haltung gegenüber Staatsbediensteten habe ich in den Ausgaben von Tarjuman-ul-Qur’an vom August 1955 auf den Seiten 366–368 sowie vom Februar 1956 auf den Seiten 420–422 klar dargelegt. Beide Zeitschriften lege ich dem Ausschuss vor.

Was den zweiten Teil der Anschuldigung betrifft, in dem von Arbeiterorganisationen die Rede ist, fordere ich von der Regierung, ein Beispiel vorzulegen, das beweist, dass die Jamaat-e-Islami jemals mithilfe von Arbeitern Unruhen verursacht, einen Streik durchgeführt oder irgendeine Art von Streit in einer Fabrik ausgelöst hat. Ich fordere nicht viele Beispiele, sondern nur ein einziges. Man möge es bitte nennen. Die tatsächliche Sachlage ist folgende: Nachdem die Jamaat-e-Islami nach der Gründung Pakistans feststellte, dass kommunistische Aktivisten und ihre „Mitläufer“, die roten Herren, unter den Arbeitern eindrangen und im Hinblick auf die kommunistische Revolution begonnen hatten, den Klassenkampf zwischen Arbeitgebern und Arbeitern zu entfachen, legte sie zunächst eine Politik für die werktätigen Menschen fest und begann dann, entsprechend dieser Politik zu handeln.

Die in dieser Angelegenheit festgelegte Politik lautete wie folgt:

1. Die Vorstellung muss beseitigt werden, Arbeiter und Fabrikbesitzer – oder, anders gesagt, diejenigen, die Arbeit leisten, und diejenigen, die von der Arbeit profitieren – seien zwei getrennte, miteinander kämpfende und verfeindete Klassen. Es muss der Gedanke gestärkt werden, dass diese beiden Klassen Teile derselben Gesellschaft sind und dass zwischen ihnen anstelle von Konflikt eine auf islamischen Grundsätzen der Gerechtigkeit beruhende Zusammenarbeit hergestellt werden sollte, damit sie als Teile dieser Gesellschaft zu ihrer Entwicklung beitragen können.

2. Die zwischen Arbeitern und Arbeitgebern entstehenden Streitigkeiten dürfen nicht in Streiks, Aussperrungen und Tumulte ausarten; vielmehr sind diese Streitigkeiten durch die Gerichte gemäß den im Land geltenden Gesetzen zur Beilegung solcher Konflikte zu lösen.

3. Die zusätzlichen Gesetzesänderungen, die zur Herstellung von Gerechtigkeit in industriellen Angelegenheiten erforderlich sind, müssen durch die gesetzgebenden Körperschaften des Landes vorgenommen werden.

Diese Politik ist ausführlich in meinem Buch Rasā’il-o-Masā’il, Band 1, 2. Auflage, auf den Seiten 425–426 sowie in „Was ist das Programm der Jamaat-e-Islami?“ auf den Seiten 37–38 dargelegt. Entsprechend dieser Politik ließ das von der Jamaat-e-Islami gebildete Labour-Welfare-Komitee bis 1958 zahlreiche Arbeitskonflikte durch die Gerichte beilegen und führte an vielen Orten zum Abbruch von Streiks und Aussperrungen, wodurch die Arbeitskonflikte auf den gesetzlichen Weg gelenkt wurden. Aufgrund dieser Bemühungen wurden Streitigkeiten über 9 Millionen Taka durch die Gerichte beigelegt; als nach Einführung des Kriegsrechts die Jamaat ihre eigene Tätigkeit einstellen musste, waren Verfahren über 70 Millionen Taka anhängig. Ich habe bereits gesagt, dass sich während dieser gesamten Zeit kein einziger Vorfall ereignet hat, durch den die Jamaat-e-Islami irgendwo einen Streik, einen Konflikt oder einen Aufruhr verursacht hätte. Wenn die Regierung einen solchen Vorfall vorlegen kann, muss sie ihn selbstverständlich vorlegen. Wenn sie dazu jedoch nicht in der Lage ist, möchte ich sie auffordern, davon abzusehen, friedliebende und gesetzestreue Bürger des Landes für politische Zwecke in eine Falle zu locken und falsche Anschuldigungen gegen sie zu erheben.

Islamische Jamiat-e-Talaba

 

Der vierte Vorwurf in Ihrer Erklärung lautet: „Der Amir der Jamaat-e-Islami versuchte mit aktiver Unterstützung und Mitwirkung sowie mithilfe der Jamiat-e-Talaba, an Bildungseinrichtungen rechtswidrige Streiks durchzuführen und an öffentlichen Orten Unruhe und Ausschreitungen zu verursachen.“ In diesem Vorwurf wird die Jamiat-e-Talaba unter den Studenten auch als Gegenstück (Counterpart) der Jamaat-e-Islami bezeichnet.

Dieser Vorwurf kann erst dann gegen mich und die Jamaat-e-Islami erhoben werden, wenn zwei Dinge nachgewiesen worden sind. Erstens: Die Jamiat-e-Talaba hat irgendwann an einer Einrichtung einen rechtswidrigen Streik organisiert oder innerhalb einer Bildungseinrichtung Unruhe beziehungsweise Ausschreitungen verursacht. Zweitens: Bei dieser Handlung gab es einen Hinweis von mir oder der Jamaat-e-Islami. Ich fordere mit Nachdruck, dass die Regierung keines von beiden wird beweisen können. Deshalb hat sie auf die Verordnung über die öffentliche Sicherheit und das 1908 geänderte Strafrecht zurückgegriffen, damit sie sich nicht der Mühe unterziehen muss, vor irgendeinem Gericht Zeugen und Beweise vorzulegen, und damit durch eine unparteiische gerichtliche Untersuchung nicht die Wahrheit ans Licht kommt.

Obwohl als Antwort auf diesen Vorwurf das genügen würde, was ich oben dargelegt habe, liegt mir doch die amtliche Pressemitteilung vor, die am vergangenen 6. Januar anlässlich der Illegalisierung der Jamaat und der Verhaftung ihrer Führer herausgegeben wurde. In dieser Pressemitteilung wurde ein äußerst erschreckendes Bild der Jamiat-e-Talaba gezeichnet, und mit größtem Aufwand wurde zu beweisen versucht, dass in Wirklichkeit die Jamaat-e-Islami durch die Jamiat-e-Talaba unter den Studenten Unruhen verursache. Deshalb kann ich mich nicht mit einer kurzen Antwort auf den genannten Vorwurf begnügen. Vielmehr möchte ich durch eine ausführliche Antwort auf die in der Pressemitteilung erhobenen Vorwürfe den wahren Sachverhalt klarstellen.

Die Jamiat-e-Talaba wurde gegen Ende des Jahres 1947 gegründet. Sie ist eine Gruppe von Studenten an Hochschulen und Universitäten, die neben dem Studium der Naturwissenschaften, Philosophie, Volkswirtschaft, Rechtswissenschaft, Ingenieurwissenschaften, Medizin und anderer moderner Fächer an den Bildungseinrichtungen unseres Landes eine islamische Gesinnung und Sichtweise besitzen, moralischen Werten folgen und sich an ihren jeweiligen Bildungseinrichtungen darum bemühen, Atheismus, Gottlosigkeit und moralische Anarchie zu bekämpfen sowie unter den Studenten islamisches Denken zu wecken. Unter diesen jungen Menschen finden Sie zahlreiche Studenten, die neben einer hochrangigen modernen westlichen Bildung auch Tahadschud verrichten. Seit sechzehn Jahren haben sie gewaltige Arbeit geleistet, um den Glauben und die moralische Entartung der Jugend zu schützen und sie vor der Flut ihres atheistischen Denkens und lasterhaften Handelns zu bewahren. Soweit ich weiß, sage ich mit voller Überzeugung, dass sie bis heute keine gesetzeswidrige Handlung begangen haben. Im Gegenteil: Sie haben sich strikt an den Grundsatz gehalten, ihre Aktivitäten auf den Rahmen der Gesetze zu beschränken. Wegen dieser Eigenschaften der Studenten interessiere ich mich für sie. Denn ich möchte in diesem Land junge Menschen sehen, die neben einer immer höheren Bildung auch überzeugte Muslime bleiben. Und auch die Studenten interessieren sich gerade deshalb für mich, weil sie von mir erwarten, dass ich ihnen Lösungen für die Probleme des modernen Lebens im Licht des Islam geben kann. Meine Beziehung zu ihnen ist niemandem verborgen, und es gibt keinen Grund, sie zu verbergen.

Obwohl die amtliche Pressemitteilung die Beziehung zwischen der Jamaat-e-Islami und der Jamiat-e-Talaba durch künstliche Verknüpfungen als besonders eng und nah darzustellen versucht—eine maßlose Übertreibung, deren großer Teil der Wahrheit widerspricht—, frage ich dennoch: Selbst wenn all dies wahr wäre, worin bestünde dann das Vergehen? Die jungen Menschen, die an unseren Hochschulen und Universitäten studieren, sind nicht minderjährig. Sie leben nicht in irgendeinem Wald fernab von Städten und Siedlungen. Sie lesen Bücher aller Art. Sie lesen Zeitungen, besuchen Versammlungen und Konferenzen und hören Reden. Sie sind gebildete und mündige junge Menschen. Wie kann also ein vernünftiger Mensch erwarten, dass diese Jugendlichen von den Bewegungen, die im Land geführt werden, und von den Gedanken und Ideologien, die verbreitet werden, völlig unberührt bleiben und keinerlei Einfluss davon erfahren? Tatsächlich gibt es unter den Studenten ebenso viele verschiedene ideologische und politische Gruppen wie außerhalb der Bildungseinrichtungen Menschen verschiedener Meinungen und Wege. Unter den Studenten gibt es nicht nur ein Gegenstück der Jamaat-e-Islami; vielmehr finden sich unter ihnen auch Gegenstücke der Awami-Liga, der National Awami Party, der Muslim-Liga, der Nezam-e-Islam-Partei und der im Untergrund tätigen Kommunistischen Partei—von allen. Und jetzt entstehen, ja sind bereits entstanden, auch Gegenstücke der Convention League. Wenn diese Gegenstücke rechtmäßig sind, wie kann dann die Existenz eines Gegenstücks der Jamaat-e-Islami den Rang einer Sünde erreichen?

Welche Art von Beziehung auch immer zwischen der Jamaat-e-Islami und der Jamiat-e-Talaba bestehen mag, sie kann nicht als Grundlage dafür dienen, sie für haram zu erklären oder irgendeine rechtliche Maßnahme zu ergreifen, solange die beiden zuvor genannten Punkte nicht bewiesen sind—nämlich erstens, dass die Jamiat-e-Talaba eine Handlung begangen hat, die gesetzlich strafbar ist, und zweitens, dass diese Handlung auf eine Weisung der Jamaat-e-Islami hin erfolgte.

In der amtlichen Pressemitteilung wurden mit großem Aufwand zwei Beispiele dafür angeführt. Erstens habe die Jamiat-e-Talaba im Februar 1962 während einer Rede von Herrn Zulfikar Ali Bhutto an der Punjab-Universität Unruhen verursacht, und die Jamaat-e-Islami habe die Anweisung zu diesen Unruhen erteilt. Doch die Verfasser und Herausgeber dieser Pressemitteilung erinnern sich offenbar nicht daran, dass im Februar 1962 im Land Kriegsrecht herrschte. Sowohl die Jamiat-e-Talaba als auch die Jamaat-e-Islami waren illegal. Daher stellte sich überhaupt nicht die Frage, dass die eine Gruppe Unruhen verursachte und eine andere Gruppe dazu Anweisungen erteilte. Selbst wenn man dennoch annimmt, dass dies tatsächlich so war: Wie lässt sich dann erklären, dass nicht aufgrund des Kriegsrechts dagegen vorgegangen wurde? Zwei verbotene Gruppen arbeiten öffentlich. Die eine verursacht Unruhen, und die andere erteilt Anweisungen dazu. Und trotzdem blieb das Kriegsrecht still? Will die Regierung damit die Unfähigkeit der Kriegsrechtsbehörden beweisen? Um die Wahrheit zu sagen: Dass die Regierung dieses Ereignis zwei Jahre später heute zur Grundlage von Maßnahmen gegen mich und die Jamaat-e-Islami macht, beweist eindeutig, dass sie nach allen möglichen Vorwänden gesucht und sie gefunden hat, um gegen mich und die Jamaat-e-Islami vorzugehen. Wenn die Regierung dennoch behauptet, dies sei kein erfundener Vorwand, sondern vollkommen wahr, sollte sie vor einem öffentlichen Gericht durch Vorlage von Beweisen nachweisen, dass erstens die Jamiat-e-Talaba bei der Versammlung von Herrn Bhutto die Unruhen verursacht und zweitens die Jamaat-e-Islami die entsprechende Anweisung erteilt hat. Ein zweifelhafter und unvollständiger Bericht der Geheimdienstabteilung—der oftmals bewusst erstellt wird, um jemanden in eine Falle zu locken—kann niemals als Zeugnis und Beweis anerkannt werden.

Das zweite Beispiel, das die Regierung angeführt hat, ist folgendes: Die Unruhen, die Studenten kürzlich in Lahore und an anderen Orten verursacht hatten, seien unmittelbar auf die Aufwiegelung durch Anhänger der Jamaat-e-Islami zurückzuführen gewesen. Die Regierung behauptet, sie verfüge darüber über stichhaltige Beweise. Ich frage: Wenn die Regierung tatsächlich über solche Beweise verfügt, warum werden sie dann geheim gehalten? Warum werden sie nicht vor Gericht vorgelegt, um unsere Schuld nachzuweisen? In Wirklichkeit trägt die Regierung die volle Verantwortung für diese Ereignisse. Die Regierung selbst hat bewusst Spannungen erzeugt und die Studenten aufgewiegelt. Sie selbst hat durch ungewöhnlich brutale Unterdrückung und Misshandlungen die Angelegenheit verschärft. Danach hat sie selbst versucht, all diese Schuld gewaltsam der Jamaat-e-Islami anzulasten. Dabei hatte die Jamaat, wie ich von Anfang an erklärt habe, nicht die geringste Verbindung zu diesen Unruhen. Die Angelegenheit begann damit, dass Barakallah Khan, ein Kandidat für das Amt des Präsidenten der Universitätsvertretung, dessen Unterlagen ordnungsgemäß angenommen worden waren, nur zwei Tage vor der Universitätswahl plötzlich von der Universität verwiesen wurde, damit er automatisch aus dem Wahlkampf ausschied. (Hier sei festgehalten, dass Barakallah Khan keinerlei Verbindung zur Jamaat-e-Islami oder zur Jamiat-e-Talaba hatte. Zwar war er einst Mitglied der Jamiat gewesen, doch die Jamiat hatte ihn aus ihrer Mitgliedschaft ausgeschlossen.) Dies war eine derart ungerechte Maßnahme und Unterdrückung, dass sie naturgemäß Unzufriedenheit unter den Studenten hervorrief und sämtliche Wahlkandidaten – fast 65 an der Zahl, darunter auch der Gegenkandidat von Barakallah Khan – die Wahl boykottierten. Danach bildeten diese Kandidaten selbst ein Aktionskomitee. Nicht ein einziges Mitglied dieses Komitees hatte auch nur die geringste Verbindung zur Jamiat-e-Talaba oder zur Jamaat-e-Islami. Dieses Aktionskomitee beschloss, gegen den Ausschluss Barakallah Khans zu protestieren. Es erarbeitete auch das konkrete Programm für den Protest, und auf seinen Beschluss hin zog am 4. November 1963 ein Demonstrationszug von der Universität aus. Die Polizei selbst ließ den Demonstrationszug mit seinen Lautsprechern bis zum Charing Cross ziehen. Danach ging sie plötzlich, ohne jede Warnung oder Vorankündigung, mit Schlagstöcken gegen die Demonstranten vor und setzte Tränengas ein. Dadurch wurden die Studenten noch stärker erregt. Sie kehrten zurück und reichten beim Vizekanzler ein Gesuch ein, in dem sie Maßnahmen gegen diese Misshandlungen verlangten. Doch der Herr Vizekanzler sah sich offenbar selbst als hilflos an. Statt die Studenten zu beruhigen, lehnte er es sogar ab, nach draußen zu kommen und ihnen gegenüberzutreten. Dies war für die Studenten ganz selbstverständlich ein weiterer Grund zur Erregung, und eine Gruppe von ihnen drang in das Büro des Vizekanzlers ein und begann dort Unruhen zu verursachen. Die Studenten, die dort die Unruhen begannen, waren im Wesentlichen gewöhnliche Studenten. Die Regierung verfügt selbstverständlich über keinerlei Beweis für die Anwesenheit auch nur eines Studenten, der mit der Jamiat-e-Talaba verbunden war. Am 5. November beschlossen die Studenten entsprechend dem Programm dieses Aktionskomitees, sich auf dem Gehsteig außerhalb der Universität zu einer Sitzdemonstration niederzulassen. Ihnen wurden lediglich zwei Minuten gegeben, um sich zu zerstreuen. Doch kein vernünftiger Mensch kann sich vorstellen, wie diese große Zahl von Studenten sich innerhalb von zwei Minuten hätte zerstreuen sollen oder können. Sobald die zwei Minuten abgelaufen waren, führte die Polizei einen heftigen Schlagstockeinsatz gegen die Studenten durch, drang in das Universitätsgelände ein und begann mit äußerster Brutalität vorzugehen.

Meine Herren, dies ist der tatsächliche Hergang, aus dem hervorgeht, dass die Behörden zunächst selbst die Spannungen erzeugt haben und anschließend ebenfalls dafür verantwortlich waren, dass sich die Angelegenheit weiter zuspitzte. Ganz abgesehen davon, die Jamaat-e-Islami in diese gesamte Angelegenheit hineinzuziehen, lässt sich nicht einmal beweisen, dass die Jamiat-e-Talaba in irgendeiner Weise dafür verantwortlich war. Wenn die Regierung von der Wahrheit ihrer Behauptung überzeugt ist und über stichhaltige Beweise dafür verfügt, dass Anhänger der Jamaat-e-Islami öffentlich zur Aufwiegelung aufgerufen haben, dann sollte sie den Mut haben, damit hervorzutreten. Sie sollte mitteilen, welche Personen der Jamaat Spannungen verursacht haben und welchen Anteil sie bei diesen Unruhen durch Worte und Taten tatsächlich hatten.

Unzufriedenheit innerhalb der Streitkräfte schüren

Ihre fünfte Anschuldigung lautet: „Die Jamaat versucht durch anstößige Reden ihrer Führer, Unzufriedenheit innerhalb der bewaffneten Streitkräfte zu schüren.“ (Besonders beachtenswert ist, dass unter den Gründen für die Verhaftung und Inhaftierung die Worte „The Jamaat Attemption“ stehen.) Dies ist eine völlig unklare Anschuldigung. Daraus geht nicht hervor, wer diese anstößige Rede gehalten haben soll und was er darin gesagt hat. Doch selbst wenn man um der Argumentation willen annimmt, dass einige Führer solche Reden gehalten hätten: Warum wurde dann kein Verfahren gegen sie eingeleitet? Wo liegt die rechtliche Grundlage dafür, die gesamte Jamaat für die Reden einzelner Personen haftbar zu machen? Die Jamaat hat niemals beschlossen, innerhalb der bewaffneten Streitkräfte Unzufriedenheit zu schüren. Auch ich selbst habe als Amir der Jamaat keinerlei solche Anweisung erteilt. Falls einige Führer in einer Rede etwas gesagt haben sollten, waren sie selbst für ihre Reden verantwortlich.“

Doch erstaunlicherweise wurde in der Pressemitteilung der Regierung vom 6. Januar lediglich Mian Tofail Muhammad vorgeworfen, am 7. September in Mianwali eine solche Rede gehalten zu haben, während Sie als Grund für die Verhaftung und Inhaftierung vorgebracht haben, die Führer der Jamaat hätten solche Reden gehalten. Wie erklären Sie diesen eindeutigen Widerspruch zwischen zwei offiziellen Erklärungen? Wird dadurch nicht deutlich, dass all diese Anschuldigungen ohne Untersuchung erhoben werden? Und wurde bei der Erhebung einer solchen Anschuldigung etwa vergessen, dass erst wenige Tage zuvor aus dem eigenen Mund der hochgeehrten Regierung eine anderslautende Erklärung ergangen war?

Eine nichtislamische Führung

Die vorstehenden Anschuldigungen waren gegen die Jamaat-e-Islami und dadurch gegen mich erhoben worden. In dieser sechsten Anschuldigung haben Sie mich unmittelbar beschuldigt: „Ich habe in Reden, die ich bei verschiedenen öffentlichen Versammlungen gehalten habe, die Führung der Nation als nichtislamisch und satanisch bezeichnet.“ Darauf lautet meine Antwort: Was das Wort „satanisch“ betrifft, möchte ich sagen, dass ich dieses Wort niemals verwendet habe und auch nicht daran gewöhnt bin, im Ausdruck eines Widerspruchs mit jemandem solche Worte zu gebrauchen. Über diejenigen, in deren Händen die Herrschaft über Pakistan liegt, habe ich allerdings öffentlich gesagt und sage es auch heute noch, dass sie nicht nach dem Islam handeln; daher ist ihre Führung nichtislamisch. Als Führer einer Oppositionspartei ist es mein gesetzliches und demokratisches Recht, die persönliche Führung der Machthaber und ihre Handlungen zu kritisieren. Ich bin keineswegs bereit, auf dieses Recht zu verzichten. Man möge mir sagen, nach welchem Gesetz dieser Ausdruck einer Meinung als Verbrechen bezeichnet werden kann.

 

Ein Artikel in Tarjuman-ul-Quran

Ihre letzte Anklage lautet, dass ich in der Ausgabe meiner Monatszeitschrift Tarjuman-ul-Quran vom 1. Oktober 1963 einen Artikel gegen den Iran und seine Herrscherfamilie veröffentlicht habe. Sie behaupten ferner, meine Absicht hinter der Veröffentlichung dieses Artikels sei gewesen, die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Pakistan und seinem traditionsgemäßen Freund Iran an der Wurzel zu treffen. Dazu möchte ich Folgendes vortragen:

1. Der Artikel, auf den Sie sich berufen haben, ist eine Zusammenfassung mehrerer Artikel, die von führenden Ulema des Irak und des Iran veröffentlicht wurden. Einer davon ist ein Schreiben über die ausführliche Lage der zeitgenössischen iranischen Gelehrten. Dieses Schreiben wurde im Namen eines führenden schiitischen Gelehrten, As-Sayyid Abul-Qasim al-Khoei, verfasst. Es wurde in der An-Nu’man-Druckerei in Nadschaf al-Aschraf gedruckt. Sein Titel lautete: „Risalatun min Ulama-i Iran.“

Der Verfasser der zweiten Schrift war As-Sayyid al-Khoei selbst. Darin erörterte er den wachsenden Einfluss der Juden im Iran und warnte die iranische Regierung, diesbezüglich Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen. Der Titel dieser Schrift lautete: „Tasrihatun Nazirātul lil-Ummil Khoi.“

Die dritte Schrift ist eine weitere Quelle des erwähnten Artikels. Ihr Titel lautete: „Kifāhul Ulamā-il-A’lām.“ Sie wurde in der S̱aqāfat-i Islāmiyya in Kerbela veröffentlicht. Diese Schrift enthält eine ausführliche Darstellung der Ereignisse im Iran, einschließlich ihrer nachprüfbaren Daten.

2. Nachdem der erwähnte Artikel veröffentlicht worden war, erhielt ich von der iranischen Botschaft eine Antwort darauf und veröffentlichte auch diese in der Dezemberausgabe meiner Zeitschrift von 1963. (Ein Exemplar dieser Ausgabe wurde dem Ausschuss zur Prüfung vorgelegt, und ich lenke Ihre besondere Aufmerksamkeit auf den redaktionellen Kommentar zu jenem Artikel.) Wenn nun eine Zeitschrift oder Zeitung die Erklärungen beider Seiten veröffentlicht, welche Anklage kann dann gegen die allgemein anerkannten Grundsätze des Journalismus erhoben werden?

3. Ich kann mindestens 50 Artikel nennen, die von verschiedenen pakistanischen Pressestellen gegen die Türkei, Ägypten, Jordanien, Saudi-Arabien, den Irak, Kuwait und andere Länder veröffentlicht wurden und ebenso kritisch oder noch weitaus kritischer waren. In diesen Artikeln wurden sogar Bemerkungen über das Privatleben der Herrscher der genannten Länder gemacht. Im Gefängnis bin ich nicht in der Lage, die alten Ausgaben jener Zeitschriften und Zeitungen zusammenzutragen. Wenn man mir die Gelegenheit gäbe, könnte ich sie jedoch sammeln und Ihnen zur Prüfung vorlegen. Die Frage lautet nun: Ist etwa nur Iran ein Freund Pakistans? Oder haben auch die oben genannten Länder unsere Freundschaft anerkannt? Und wenn sie als Freunde Pakistans betrachtet wurden, warum wurden dann keine Maßnahmen gegen jene Zeitschriften und Zeitungen ergriffen, die sie kritisiert haben? Und welche Begründung gibt es für die Maßnahmen gegen Tarjuman-ul-Quran?

Ich habe erfahren, dass nach dem Verbot der Veröffentlichung von Tarjuman-ul-Quran auch die Wochenzeitung „Al-Mimbar“ aus Lyallpur verboten wurde. Die Zeitung hatte gegen die Vereinigten Arabischen Staaten geschrieben. Dies geschah, um zu zeigen, dass zuvor keine rein diskriminierende Maßnahme ergriffen worden sei. Doch „Al-Mimbar“ war nicht die einzige Zeitung, die derartige Texte veröffentlichte. Ich habe bereits gesagt, dass ich bereit bin, mindestens 50 solcher Beispiele vorzulegen. Wird also dadurch, dass man nur gegen eine weitere Zeitung Maßnahmen ergreift, tatsächlich das Gleichgewicht gewahrt?

4. Die Veröffentlichung des genannten Artikels wurde bereits zuvor eingestellt. Dient es nun der Verwirklichung der Forderungen der Gerechtigkeit oder dem Zweck der Vergeltung, dass ich wegen desselben Vergehens verhaftet und in Haft gehalten werde?

5. Für die Veröffentlichung des genannten Artikels im Tarjuman-ul-Quran bin allein ich verantwortlich. Ich bin sowohl der Eigentümer als auch der Herausgeber dieser Zeitschrift. Ich gebe sie seit 1932 heraus, also seit neun Jahren vor der Gründung der Jamaat. Die Jamaat hat keinerlei Anteil an ihrem Eigentum, ihrer Herausgabe, ihrer Verwaltung, ihren Gewinnen oder ihren Verlusten. Ich habe sie entsprechend meinen persönlichen Verhältnissen und Fähigkeiten geführt. Nun hat die Regierung wegen der Veröffentlichung eines Artikels in einer solchen Zeitschrift die Jamaat-e-Islami verantwortlich gemacht, sie für illegal erklärt und mehr als hundert ihrer führenden Mitglieder ins Gefängnis geworfen. Beweist dies nicht, dass die Regierung alle Maßstäbe der Gerechtigkeit und der Scham beiseitegeworfen hat? Und dass sie sich vorgenommen hat, den Führern der Jamaat gewaltsam all jene Vergehen anzulasten, die sie gar nicht begangen haben?

6. Wie konnten Sie wissen, dass es hinter der Veröffentlichung des genannten Artikels meine Absicht war, die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Pakistan und Iran an der Wurzel zu treffen? In der ganzen Welt gilt es als allgemein anerkannter Grundsatz, dass eine Regierung, wenn sie gegenüber der Bevölkerung ihres Landes eine Politik der Unterdrückung verfolgt und die Bevölkerung sich hilflos fühlt, unter dem Druck der internationalen öffentlichen Meinung in die Lage versetzt werden kann, die Notwendigkeit einer Änderung ihrer bisherigen Politik und der Herstellung von Gerechtigkeit zu erkennen. Die Bewohner Irans sind unsere muslimischen Brüder, und ganz natürlich empfinden wir ihnen gegenüber tiefe Liebe und Anteilnahme. Als ich durch die Schriften namhafter Gelehrter Irans und des Irak erfuhr, dass der Bevölkerung Unrecht widerfuhr, veröffentlichte ich Zusammenfassungen dieser Schriften mit dem Ziel, unsere moralische Kraft zur Herstellung von Gerechtigkeit auf die iranische Regierung auszuüben. Zu demselben Zweck veröffentlichten auch einflussreiche führende Persönlichkeiten des Irak, des Nachbarstaates Irans, jene Broschüren – darauf habe ich bereits hingewiesen. Tatsächlich hat die Absicht, die mir zur Last gelegt wurde, nicht einmal den geringsten Platz in meinem Herzen eingenommen. Nicht einmal der leiseste Schatten des Gedankens, die Beziehungen zwischen Pakistan und Iran an der Wurzel zu treffen, ist je in meine Gedankenwelt eingedrungen. Doch um mich dem Opferblock auszuliefern, missdeutete die Regierung zunächst aufs Äußerste einen allgemein anerkannten internationalen Grundsatz und erhob dann eine schändliche Anschuldigung gegen die gesamte Jamaat (wie aus der Pressemitteilung vom 6. Januar 1964 überaus deutlich hervorgeht). Bevor die Jamaat an den Galgen gehängt wurde, wurde sie auf diese Weise verleumdet. Ist aber dieses sonderbare Verhalten der Regierung – ihr Eifer, uns jede Verschwörung anzulasten und uns jede beliebige Mütze aufzusetzen – nicht Beweis genug?

Alle sieben Anschuldigungen, die Sie in der vorangegangenen Erörterung gegen mich erhoben haben, habe ich als falsch erwiesen. Es tut mir leid, dass ich in dieser Erörterung so viele bittere Worte sagen musste, die der Regierung missfallen. Doch ich wurde dazu gezwungen. Denn wie könnte ich falsche und frei erfundene Anschuldigungen eingestehen? Deshalb habe ich ausdrücklich erklärt, dass die Gründe, die für meine Verhaftung und Inhaftierung angeführt wurden, nicht die wahren Gründe sind. Hinter dieser Maßnahme der Regierung stehen andere Gründe. Die Regierung schämt sich, sie zu nennen. Deshalb wurden erfundene Anschuldigungen erhoben, um die wahren Gründe zu verbergen.

Bezirksgefängnis Lahore

24. Februar 1964.

Ihr ergebener

Abul A’la Maududi

7.3.64

Unterschrift: G. A. Ali,

Gefängnisdirektor,

Bezirksgefängnis Lahore.

Zusätzliche Antwort auf die dritte Anschuldigung

Herr Richter S. A. Mahmud,

Vorsitzender, Revisionsausschuss für politische Gefangene, Lahore

Sehr geehrter Herr,

Zusätzlich zu der Antwort, die ich am 24. Februar 1964 auf die Anklage Nr. 3 der Regierung gegeben habe, möchte ich die folgenden Antworten beifügen.

Da ich in Gefangenschaft bin und mein Privatbüro versiegelt worden ist, konnte ich einen wichtigen Teil der Unterlagen, die zur Widerlegung der gegen mich erhobenen Anschuldigungen erforderlich sind, nicht beschaffen. Dennoch gelang es mir unter großen Schwierigkeiten, eine Broschüre zu erlangen. Ihr Titel lautet „Protokoll der Schura-Versammlung der Jamaat-e-Islami Pakistan“. Diese Schura tagte vom 15. bis zum 19. April 1951. Sie wurde im April 1951 von der Organisationsabteilung der Jamaat-e-Islami veröffentlicht. In dieser Broschüre wird die Arbeitsweise der Jamaat-e-Islami unter den Arbeitern beschrieben (siehe Seiten 53–60). Diese Darstellung der Politik der Jamaat-e-Islami widerlegt vollständig die gegen sie erhobene Anschuldigung, sie dringe in die Organisationen der Arbeiter ein und „stachle sie zur Herbeiführung von Unruhen an“.

Im April 1951 beschloss die Schura-Versammlung zum ersten Mal, dass die Jamaat sich für die Probleme der Arbeiter interessieren solle, und beauftragte mich als Amir der Jamaat damit, hierfür eine Arbeitsweise festzulegen. Aufgrund der mir übertragenen Befugnis erließ ich die folgende Anweisung:

„Wenn eine Arbeitergruppe den Wunsch geäußert hat, dass wir die Arbeiter organisieren und führen, sollte ihr zunächst unmissverständlich mitgeteilt werden, dass wir sie nur unter der Bedingung organisieren und die Bewegung zur Durchsetzung ihrer Forderungen leiten können, dass –

(a) die Forderungen rechtmäßig und berechtigt sind und ihre Beschwerden der Wahrheit entsprechen und gerechtfertigt sind. Wir können ihre ungerechten und rechtswidrigen Forderungen sowie ihre unrechtmäßigen Beschwerden niemals unterstützen.

(b) sie bereit sein müssen, ihre Bewegung zur Durchsetzung ihrer Forderungen an friedliche, gerechte und würdige Vorgehensweisen zu binden. Wir billigen keinerlei Proteste, Unruhen oder Rowdytum.

(c) Sie dürfen ihre Tätigkeiten nicht auf die Verwirklichung ihrer eigenen Interessen beschränken, sondern müssen zugleich bereit sein, ihren eigenen moralischen und religiösen Zustand zu verbessern.“

In derselben Anweisung schrieb ich bei der Erörterung der Arbeitsweise und der Methode zur Organisierung solcher Arbeitereinheiten: Zuerst sollte unter den Arbeitern ein moralisch-religiöses Bewusstsein geweckt werden. Danach sollten die folgenden Vorstellungen nach und nach in ihrem Denken verankert werden:

1. Alle Mittel und Ressourcen sowie der gesamte Reichtum dieses Landes, gleich in welcher Form sie vorliegen (Land, Industrie, Eigentum usw.) und unter wessen Herrschaft sie auch stehen mögen, sind in Wirklichkeit ein nationales Vermögen und ein Treugut; die Bewahrung, Vermehrung und Entwicklung dieses Vermögens der Nation ist die moralische und nationale Pflicht jedes Bürgers des Landes.

2. Feinde sind all jene Menschen – nicht nur ihre eigenen Feinde, sondern Feinde des Landes und der Nation –, die bereit sind, auf direktem oder indirektem Wege durch Zerstörung und Anarchie dem nationalen Vermögen Schaden zuzufügen und es zu vernichten.

3. Als Muslime sind wir Gottes Untertanen, Anhänger des ehrwürdigen Muhammad (Friede und Segen seien auf ihm) und dem Gesetz des Korans verpflichtet. Wie dringend unser Bedarf und wie gerecht unsere Forderung auch sein mögen – unter keinen Umständen ist es für uns als Muslime zulässig, die von Gott und Seinem Gesandten (Friede und Segen seien auf ihm) gesetzten Grenzen zu überschreiten. Solange wir Muslime sind, können wir nicht wie ein ungezügeltes Pferd dahinstürmen.

4. Als Muslime können wir zur Lösung unserer Probleme keine andere Philosophie oder Ideologie als den Islam annehmen. Es besteht auch keinerlei Notwendigkeit dazu. Denn der Islam besitzt die Fähigkeit und Kraft, all unsere Probleme auf die bestmögliche Weise zu lösen. (In diesem Zusammenhang sollten Angestellte und Arbeiter allgemeine Kenntnisse über die grundlegenden Lehren des Islam sowie eingehende Kenntnisse über die Lösung des Arbeiterproblems erwerben. Auf diese Weise können sie sich ihrer Rechte und Pflichten bewusst werden und sich ein zutreffendes Bild von den Vergünstigungen machen, die der Islam ihnen gewährt, noch bevor sie danach fragen.)

5. Die verschiedenen Teile und Gruppen der Gesellschaft sind wie die verschiedenen Organe des menschlichen Körpers. So arbeiten alle Organe des menschlichen Körpers miteinander zusammen; und wenn sie miteinander in Streit und Krieg gerieten, könnte ebenso kein Mensch am Leben bleiben. Genauso kann eine Gesellschaft nicht bestehen, wenn ihre verschiedenen Teile von Hass, Feindseligkeit, Feindschaft, Konkurrenz, Klassenkampf, parteilichen Auseinandersetzungen und einer Haltung des Widerstands gegeneinander beherrscht werden. Eine gesunde Gesellschaft kann nur auf der Grundlage von Liebe, gegenseitiger Hilfe und Zusammenarbeit sowie Gerechtigkeit errichtet werden.

6. Es ist eine völlig irrige, unmenschliche, aus Grausamkeit hervorgegangene und ungerechte Einstellung, wenn jemand lediglich sein eigenes Recht und die Pflicht des anderen hervorhebt, dabei aber seine eigene Pflicht und das Recht des anderen vollständig außer Acht lässt. In Wirklichkeit muss jeder vor Gott über seine Pflicht und über die Rechte anderer Rechenschaft ablegen.

Vor dreizehn Jahren, als die Jamaat begann, unter den Arbeitern tätig zu werden, wurden die oben angeführten Zitate über die Tätigkeit der Jamaat unter den Arbeitern einer damals veröffentlichten Broschüre entnommen. Von Anfang an hatten wir eine klare Vorgehensweise angenommen. Die Regierung kann nicht behaupten, sie sei über diesen Bericht und die Arbeiterpolitik der Jamaat nicht informiert gewesen. Ist es nicht bedauerlich, dass die Regierung trotz dieser klaren Erklärung der Jamaat blindlings den politischen Widerstand und die Rachsucht der regierenden Partei befriedigt und uns mit falschen, unvernünftigen, haltlosen und sonstigen Vorwürfen belastet hat, wir wollten durch die Schaffung von Unzufriedenheit unter den Arbeitern die Macht ergreifen!

Bezirksgefängnis, Lahore

3. März ’64

Ihr ergebener

Abul A’la Maududi

Unterschrift:

G. A. Marie,

7.3.64

Leiter

Bezirksgefängnis, Lahore.

Die Antwort, die Maulana Maududi dem Außenminister der Regierung Westpakistans und Vorsitzenden des Ausschusses zur Überprüfung politischer Gefangener, Richter S. A. Mahmud, gab, war derart logisch, gesetzeskonform und sachkundig, dass sich die Anschuldigungen des Beschwerdeführers nicht nur als haltlos und böswillig erwiesen, sondern auch die wahre Krankheit des von feindseligem Hass erfüllten Geistes der Gegenseite deutlich zutage trat. Interessierte Kreise, namentlich die regierende Convention League, haben im Namen der pakistanischen Regierung durch die Erhebung derart lächerlicher Anschuldigungen eine etablierte Regierung vor dem Volk, der gebildeten Öffentlichkeit, den Juristen und der Außenwelt der Lächerlichkeit preisgegeben.

Kaschmirische Führer zu den Anschuldigungen

Der ehemalige Präsident von Azad Jammu und Kaschmir, Herr Sardar Muhammad Ibrahim Khan, erklärte in einer Stellungnahme:

„Die gegen Maulana Maududi im Zusammenhang mit dem Dschihad in Kaschmir erhobenen Anschuldigungen sind völlig haltlos. Als Maulana Maududi 1994 aufgrund dieser Anschuldigungen ins Gefängnis geschickt wurde, war ich der Präsident dieses Staates. Ich untersuchte diese Anschuldigungen und stellte fest, dass kein Fünkchen Wahrheit in ihnen lag. An Maulana Maududis Patriotismus, seiner Loyalität gegenüber dem Staat und seiner uneingeschränkten Unterstützung der Unabhängigkeitsbewegung Kaschmirs kann keinerlei Zweifel bestehen.“ (APP – Tageszeitung Kohistan, Rawalpindi, 8. November 1963). Der ehemalige Präsident von Azad Jammu und Kaschmir, Herr Syed Ali Ahmad Shah, sagte:

„Es ist nicht richtig, den Dschihad in Kaschmir zum Gegenstand einer Kontroverse zu machen, und ebenso wenig ist es richtig, immer wieder zu erklären, Maulana Maududi sei gegen den Dschihad in Kaschmir. Dadurch wird das Ziel Kaschmirs beeinträchtigt. Bis heute sind sich alle Parteien des Landes in der Kaschmir-Frage einig. Maulana Maududi hat sich stets für das Selbstbestimmungsrecht und eine Volksabstimmung für die Bevölkerung des Staates Jammu und Kaschmir eingesetzt und wird dies, so Gott will, auch in Zukunft tun. Ich weiß auch mit Sicherheit, dass Maulana Maududi ein entschiedener Gegner der Teilung Kaschmirs ist. Jeder muslimische Staat der Welt vertritt in der Kaschmir-Frage diese Ansicht. Als 1948 in Kaschmir der Dschihad geführt wurde, verteilten Maulana Maududi und die Jamaat-e Islami mit meiner Genehmigung Bargeld und Versorgungsgüter unter der Armee von Azad Kaschmir. Maulana Maududi war niemals gegen das Selbstbestimmungsrecht und eine Volksabstimmung für die Kaschmiris und ist es auch heute nicht. Ich bin fest davon überzeugt, dass Maulana Maududi Pakistan und die anderen muslimischen Staaten ganz gewiss zum Dschihad raten und eine Fatwa erlassen wird, wenn die Vereinten Nationen oder Indien jetzt oder in Zukunft die Resolution des Sicherheitsrates verletzt oder aufhebt.“ (Anjam, Peschawar, 1. Dezember 1963)

 

Erklärung des kaschmirischen Führers Chaudhry Ghulam Abbas:

„Rawalpindi, 2. Februar 1964. Heute fand hier in der Halle der Öffentlichen Bibliothek unter dem Vorsitz von Herrn Raja Muhammad Haider Khan, des Präsidenten der All Jammu and Kashmir Muslim Conference, eine Sitzung statt. An dieser Sitzung nahmen zweihundert Ratsmitglieder aus Azad Kaschmir teil. Quaid-e-Millat Chaudhry Ghulam Abbas sagte in seiner auf der Sitzung gehaltenen Ansprache: ‚Im Namen der Ratsmitglieder der Muslim Conference haben wir eine Mitteilung erhalten, wonach die Ratssitzung eine Resolution annehmen soll, in der die gegen die Jamaat-e-Islami verhängten Beschränkungen und die Verhaftung ihrer Führer verurteilt werden. Ich halte es für notwendig, vor allen Mitgliedern des Generalrats unmissverständlich klarzustellen, dass wir mit der Innenpolitik Pakistans keinerlei Verbindung haben. Doch in Angelegenheiten, die mit dem Kaschmirproblem zusammenhängen, müssen wir unsere Meinung zum Ausdruck bringen.‘“

„Es ist eine allgemein anerkannte Tatsache, dass alle Personen, die mit der Jamaat-e-Islami verbunden sind, Patrioten sind – ja, die patriotischsten überhaupt. Tatsächlich gab es im ganzen Land nur diese eine Partei, die auf gesetzmäßigem Wege organisierte Anstrengungen für eine islamische Demokratie im Land unternahm. Was Mawlana Maududi allein in Bezug auf das Kaschmirproblem und die Erlangung des Rechts der Kaschmiris auf Selbstbestimmung getan hat, konnten wir alle zusammen – selbst mit den gesamten Bemühungen unserer Regierung – nicht leisten. Durch die aus islamischen Staaten gebildete ‚Rabita al-Alam al-Islami‘ hat Mawlana Maududi das Kaschmirproblem vor das Forum der Völker der Welt gebracht und die Unterstützung für unser Recht auf Selbstbestimmung erlangt, die Pakistan anstrebt. Darüber hinaus war Mawlana Maududi Mitglied des Kaschmirkomitees. Auch in dieser Hinsicht hat er allein mehr für uns getan als wir. In einer Erklärung, in der er im Namen seiner Jamaat Unterstützung und Beistand zusicherte, sagte er (diese Erklärung wurde am 1. Januar 1964 in den Zeitungen veröffentlicht): ‚Die Regierung muss in Bezug auf das Kaschmirproblem eine konkrete Maßnahme ergreifen.‘ Doch die pakistanische Regierung ergriff völlig unerwartet eine solche konkrete Maßnahme, dass sie Mawlana Maududi und die Führer der Jamaat-e-Islami verhaftete und dadurch seine Stimme zum Schweigen brachte, wodurch den Bewohnern Kaschmirs ein unwiederbringlicher Schaden zugefügt wurde.“

„Darüber hinaus ist niemandem unbekannt, dass die Jamaat-e-Islami im besetzten Kaschmir gegenwärtig unter allen politischen Parteien die einzige starke Organisation ist. Ihre Zweigstellen erstrecken sich von Dorf zu Dorf. Deshalb wird die Verhängung von Beschränkungen gegen eine friedliebende und demokratische Partei wie die Jamaat-e-Islami in einem islamischen und demokratischen Land wie Pakistan zweifellos Hass gegen Pakistan in den Herzen der kaschmirischen Bevölkerung hervorrufen.“

„Gegenwärtig hat sich die friedliche und ruhige Atmosphäre Kaschmirs in ein heißes Pulvermagazin verwandelt, und wenn Pakistan Kaschmir tatsächlich gewinnen will, wird sich niemals eine günstigere Gelegenheit als diese bieten. Zu diesem Zeitpunkt wäre die hingebungsvolle und geschlossene Unterstützung und Mitwirkung der gesamten pakistanischen Nation erforderlich gewesen. Die pakistanische Regierung hatte diese auch gewonnen. Doch zu unserem Bedauern hat sich die Regierung gerade in diesem Augenblick durch die Verhängung von Beschränkungen gegen Mawlana Maududi und die Jamaat-e-Islami selbst dieser Unterstützung und Mitwirkung beraubt. Daraus wird ersichtlich, dass die Regierung in dieser Angelegenheit überhaupt keine wirksame Maßnahme ergreifen will.“

„Wenn die pakistanische Regierung dem Kaschmirproblem aufrichtig gegenübersteht, dann lautet unsere Forderung, dass Mawlana Maududi und die Führer der Jamaat-e-Islami bedingungslos freigelassen und die Beschränkungen gegen die Jamaat-e-Islami aufgehoben werden.“

Der gesamte Rat bekundete einstimmig seine Unterstützung für die oben angeführte Ansprache des Quaid-e-Millat, und an die pakistanische Regierung sowie an Präsident Feldmarschall Muhammad Ayub Khan wurde die Forderung gerichtet, Mawlana Maududi und die Führer der Jamaat freizulassen und die Beschränkungen gegen die Jamaat-e-Islami aufzuheben. (Wöchentliches Pak-Kaschmir, Rawalpindi, 6. Februar 1964).

 

Die Freilassung des Mawlana und der Jamaat-Führer

Es ist erwähnenswert, dass unmittelbar nach dem Verbot der Jamaat-e-Islami am 6. Januar 1964 Maulana Sayyid Abul A’la Maududi (Amir der Jamaat-e-Islami Pakistan) sowie 13 führende Jamaat-Mitglieder in Westpakistan verhaftet wurden. Die Führer Ostpakistans erlangten innerhalb von sechs bis sieben Monaten ihre Freiheit. Doch selbst nach dem eindeutigen Urteil des Obersten Gerichtshofs vom 25. September 1964 wurden die Führer Westpakistans, darunter Maulana Maududi, weiterhin ungerechtfertigt und rechtswidrig im Gefängnis festgehalten. Gegen diese ungerechtfertigte Haftanordnung wurde jedoch beim Obersten Gericht Westpakistans eine Habeas-Corpus-Klage eingereicht.

Am 9. Oktober 1964 erklärte das Oberste Gericht Westpakistans in seinem Urteil: „Die Inhaftierung der Führer ist völlig ungerecht und rechtswidrig.“ Das ehrenwerte Oberste Gericht wies die Regierung an, die Führer unverzüglich freizulassen.

Auf Anweisung des Obersten Gerichts erhielten Maulana Maududi und die übrigen Führer der Jamaat-e-Islami nach mehr als neunmonatiger unschuldiger Haft die Möglichkeit, in die freie Atmosphäre der Außenwelt zurückzukehren. Die Bevölkerung Lahores wartete am Gefängnistor darauf, den Maulana herzlich willkommen zu heißen. Schließlich wurde das Gefängnistor nach drei Uhr nachts geöffnet; der Maulana trat heraus, und mit ihm wurde ein gewaltiger Festzug veranstaltet. Der Siegesruf der Wahrheit erklang erneut, und der Ballon der Lüge löste sich im unermesslichen Himmel auf.

 

Die Rolle Maulana Maududis und der Jamaat-e-Islami im vergangenen Pakistan-Indien-Krieg

Am 6. September 1965 griff das imperialistische Indien Pakistan ohne Kriegserklärung zu Land und aus der Luft an. Mit Panzern, gepanzerten Fahrzeugen und schweren Waffen überschritten die indischen Truppen östlich von Lahore die Wagah-Grenze und rückten auf Lahore vor. Seit dem späten Vorabend war das Donnergrollen der indischen Geschütze und das Krachen der Schüsse zu hören. Doch bis neun Uhr am folgenden Vormittag erfuhren die Bewohner Lahores nichts von den tatsächlichen Ereignissen.

Am 5. September trafen sich in Rawalpindi der kaschmirische Führer Chaudhry Ghulam Abbas, Maulana Maududi, Muhammad Ali, Nawabzada Nasrullah Khan, Sardar Shaukat Hayat Khan und weitere führende Persönlichkeiten. Als am folgenden Morgen, dem 6. September, die Nachricht vom Krieg eintraf, reiste Maulana Maududi um acht Uhr nach Lahore ab.

Kurz vor Mittag teilte der Sekretär der Informationsabteilung der westpakistanischen Regierung, Herr Sayyid Munir Husain, dem Maulana telefonisch in dessen Wohnsitz mit, dass der Präsident Pakistans die Führer der Oppositionsparteien für sieben Uhr abends zu einem Treffen in seiner Wohnung in Rawalpindi eingeladen habe. Maulana Maududi hatte Lahore noch nicht erreicht. Der Informationssekretär bat darum, ihm sofort nach Maulana Maududis Ankunft in Lahore Bescheid zu geben; dann werde er für dessen Fahrt nach Pindi ein Regierungsfahrzeug schicken.

Wie dem auch sei, der Maulana erklärte bei seinem Treffen mit dem Präsidenten, dass er und seine Jamaat in jenem Augenblick der äußersten nationalen Krise jederzeit zu jedem Dienst und jedem Opfer bereit seien.

Es versteht sich von selbst, dass die unterdrückten muslimischen Massen, als die von imperialistischen Indien an den kaschmirischen Muslimen verübte Unterdrückung und Misshandlung ihren Höhepunkt erreichten, gegen Ende August zum Zweck ihrer Selbstverteidigung den Dschihad erklärten. Maulana Maududi hatte bereits zuvor das pakistanische Volk eindringlich dazu aufgerufen, den kaschmirischen Mudschaheddin jede erdenkliche Hilfe zu leisten, und alle Mitarbeiter der Jamaat-e-Islami angewiesen, sich in dieser Angelegenheit einzusetzen. Danach begannen die Mitarbeiter der Jamaat-e-Islami unter dem Namen „Dschihad-e-Kaschmir-Fonds“ in Ost- und Westpakistan eine Geldsammelaktion. Es wurden nicht nur Geldmittel, sondern auch verschiedene notwendige Sachgüter gesammelt. Auch die Bevölkerung spendete mit vollen Händen und begann, ein beispielloses Maß an Opferbereitschaft und Hingabe zu zeigen.

Maulana Maududi beließ es nicht dabei. Er schrieb etwa hundert Gelehrten, Denkern, Führern und Zeitungsredakteuren aus der gesamten muslimischen Welt Briefe, in denen er um jede erdenkliche Hilfe für den Kaschmir-Dschihad bat. Dieses Gesuch wurde in zahlreichen Zeitungen und Zeitschriften der islamischen Welt veröffentlicht. Infolgedessen entstand überall große Bewegung, und entsprechend dem Aufruf des Maulana wurde unverzüglich mit der Arbeit begonnen.

Als Indien am 6. September 1965 unmittelbar pakistanisches Gebiet angriff, richtete der Maulana folgenden Appell an das pakistanische Volk:

„Nachdem die indischen Truppen heute die Wagah-Grenze überschritten und die Kühnheit besessen haben, auf Lahore vorzurücken, ist der Krieg nicht mehr nur auf Jammu und Kaschmir beschränkt, sondern zwischen beiden Ländern ist tatsächlich ein Krieg ausgebrochen. Und dieser wurde begonnen, ohne ihn überhaupt zu erklären. Nun ist es die Pflicht jedes pakistanischen Bürgers, sich das Leichentuch um den Kopf zu binden, bereit zu sein zu töten und zu sterben und mit seinem Leben und Besitz jeden einzelnen Zoll dieses heiligen Landes zu verteidigen. Es besteht natürlich kein Zweifel daran, dass unsere Soldaten durch Gottes Gnade äußerst tapfer sind und wir volles Vertrauen in ihre Tapferkeit haben. Wenn jedoch irgendein Teil des Landes angegriffen wird, ist es nach den Anweisungen Allahs und Seines Gesandten (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) nicht nur die Pflicht der Armee, diesen Angriff abzuwehren, sondern die Pflicht jedes einzelnen Muslims. Daher rufe ich alle Muslime Pakistans auf, sich vollständig zu einen, für die Sicherheit dieses Landes einzustehen und sich zu jedem Opfer bereitzumachen. Danach hielt Maulana Maududi über Radio Pakistan fünf Reden, um die Nation mit dschihadischer Inspiration anzuspornen. Die Reden wurden in Form einer Broschüre gedruckt und von der pakistanischen Regierung unter der Bevölkerung und den Soldaten verteilt. Es wäre nicht übertrieben zu sagen, dass die dschihadischen Reden des Maulana in der Armee, unter den Bewohnern der Grenzgebiete und allgemein in der gesamten Nation eine beispiellose, unbezwingbare Kraft für den Dschihad auf Allahs Weg entfachten. Anfang Dezember, nach dem Waffenstillstand, besuchten wir die Kriegsfronten. Im historischen Frontabschnitt Chawinda – den ausländische Experten als „Graveyard of Indian Tanks“, den Friedhof der indischen Panzer, bezeichnet haben – fanden wir damals in den Baracken unserer Soldaten noch immer die Broschüren mit den dschihadischen Reden des Maulana vor.“

Maulana Maududis Reise nach Azad Kaschmir

Maulana Maududi hielt aus Muzaffarabad über Radio Azad Kaschmir eine auf unwiderlegbaren Argumenten und fundierten Informationen beruhende Rede über das Kaschmirproblem. Danach besuchte er gemeinsam mit dem Generalsekretär der Jamaat-e-Islami und einigen Verantwortlichen des Zentralbüros der Jamaat verschiedene Kriegsgebiete in Azad Kaschmir und appellierte an alle, ihre Beziehung zu Gott zu festigen und ihren Kampfgeist zu stärken. Der Besuch des Maulana in Azad Kaschmir gab der Bevölkerung, den Mudschaheddin und der Regierung von Azad Kaschmir großen Ansporn und neue Begeisterung.

Auf Ersuchen der Regierung von Azad Kaschmir übernahm die Jamaat-e-Islami anschließend die vollständige Verantwortung für die Versorgung und medizinische Behandlung der Tausenden von Flüchtlingen, die aus dem besetzten Kaschmir und aus Indien eingetroffen waren, sowie der im Krieg verwundeten Soldaten. Zu diesem Zweck richtete sie in den Distrikten Poonch und Mirpur acht medizinische Zentren ein und trug sämtliche Kosten dafür. Die hierfür erforderlichen medizinischen Beamten und sonstigen Mitarbeiter wurden von der Jamaat beschafft. Diese Hilfsarbeit wurde von November 1965 bis Juni 1966 ununterbrochen fortgeführt.

Nachfolgend wird eine Abschrift des Schreibens wiedergegeben, das die Regierung von Azad Kaschmir aus Dankbarkeit für die Hilfsarbeit der Jamaat-e-Islami an Herrn Syed Siddiqul Hasan Gilani, den Leiter der Hilfsabteilung der Jamaat, richtete:

 

Kopie des Schreibens

Nr. INF/519/66

PRÄSIDENTENRESIDENZ

MUZAFFARABAD

DATIERT VOM 5. APRIL 1966

SAYED SIDDIQUL HASAN GILANI, ESQ

ORGANISATOR DER MEDIZINISCHEN EINHEITEN.

JAMA’AT-I-ISLAMI PAKISTAN

ICHHRA, LAHORE

Bitte nehmen Sie Bezug auf Ihr Schreiben Nr. … vom 25.2.66 betreffend die Auflösung der medizinischen Einheiten, die die Jamaat-i-Islami im vergangenen November 1965 in Azad Kaschmir eingerichtet hat.

Ich bin vom Präsidenten der Regierung des Staates Jammu und Kaschmir (Azad) beauftragt, in seinem Namen seinen Dank für die unschätzbare Unterstützung und Zusammenarbeit zu übermitteln, die die Jamaat-i-Islami in allen Angelegenheiten und insbesondere auf dem Gebiet der Medizin geleistet hat. Zweifellos war die Unterstützung der Jamaat-i-Islami für die Opfer der Barbarei der indischen Streitkräfte und der Jana-Sangh-Leute jenseits der Waffenstillstandslinie eine große Erleichterung.

Ich bin ferner beauftragt, Sie höflich zu bitten, den Ärzten und den anderen Mitgliedern der medizinischen Einheiten, die unter äußerst schwierigen Bedingungen in Azad Kaschmir tätig waren und die Flüchtlinge unter beträchtlichen persönlichen Opfern versorgten, unseren Dank zu übermitteln.

  1. M.., Hashmi

Regierungssekretär

Regierung von Jammu und Kaschmir (Azad).

Auch eine kurze Darstellung dieser Hilfsarbeit lege ich den Lesern vor.

In den vergangenen acht Monaten wurden in den oben erwähnten acht medizinischen Einheiten insgesamt 202.836 (zweihundertzweitausendachthundertsechsunddreißig) Menschen behandelt. Es sei darauf hingewiesen, dass die Jamaat-e-Islami für die Hilfsmaßnahmen insgesamt 295.168,68 Taka gesammelt hat. Davon wurden 125.000 Taka in bar dem Präsidenten von Azad Kashmir übergeben. 75.511,00 Taka wurden für die medizinischen Einheiten bereitgestellt, 3.637,89 Taka den Studenten gegeben, 2.100,00 Taka von Lahore für die Kriegsflüchtlinge bereitgestellt, 19.044,85 Taka als Reserve bei der Habib Bank hinterlegt, 5.985,00 Taka als Zulagen für die Angestellten ausgegeben, 28.551,23 Taka für den Kauf notwendiger Dinge wie Decken, Bettzeug und Haushaltsgegenstände, 8.734,26 Taka für Fahrzeuge, Transport, Verpackung und dergleichen, 1.811,48 Taka als Zulagen für die Freiwilligen, 2.638,80 Taka für das Waschen von Kleidung sowie die Reparatur und den Kauf von Schuhen. Nach Abzug all dieser und sonstiger verschiedener Ausgaben verblieben 1.188,44 Taka, die dem Hilfsfonds der Jamaat gutgeschrieben wurden.

Neben der medizinischen Tätigkeit wurden für mehr als hunderttausend Muhajir ausreichende Mengen aller Arten von täglich benötigten Gütern gesammelt und nach Azad Kashmir geschickt. Es gab keinen notwendigen Gegenstand, der den Menschen nicht zur Verfügung gestellt wurde. Sogar mehrere hundert galvanisierte Blechkisten, gefüllt mit wertvollen Hochzeitsgeschenken für die Bräute und Bräutigame unter den Muhajir, wurden bereitgestellt, damit bei den Hochzeiten der Heimatlosen wenigstens ein wenig freudiges Lächeln aufkommen konnte.

Nachdem der Bedarf von Azad Kashmir gedeckt war, wurden 16 mit Gütern beladene Lastwagen an das Jamaat-Büro in Rawalpindi zurückgeschickt; später wurden diese Güter unter den vom Krieg betroffenen Menschen im Sialkot-Sektor verteilt. Nach dem eindringlichen Aufruf Maulana Maududis an die muslimische Bevölkerung sammelten die Jamaat-Mitarbeiter Hilfsgüter im Wert von nicht weniger als drei bis dreieinhalb Millionen Taka.

Darüber hinaus sammelten die Jamaat-Mitarbeiter in bar 558.645,38 Taka (fünfhundertachtundfünfzigtausendsechshundertfünfundvierzig Taka und achtunddreißig Paisa) für den „Jihad-Kashmir-Fonds“, den „Pakistan-Verteidigungsfonds“ und zur Unterstützung der Obdachlosen. Viele Jamaat-Mitarbeiter leisteten auf den Schlachtfeldern ihren Dienst. An manchen Kriegsfronten sorgten sie für die Verpflegung der Soldaten und hielten nachts zur Bewachung der Eisenbahnlinien Wache. Ein Bezirksamीर der Jamaat-e-Islami wiederholte, vom Jihad angespornt, das Beispiel des ersten Kalifen des Islam, Hazrat Siddiq Akbar (möge Allah mit ihm zufrieden sein). Er spendete freigebig für den Jihad seinen gesamten Hausrat bis hin zu seinem letzten Pfennig. [Doch es ist eine große Wahrheit, dass eine islamfeindliche Gesellschaft niemanden dulden kann, der Allah als seinen einzigen Herrn anerkennt und auf Seinem Weg sein Leben und Vermögen opfert. Auch in diesem Fall wiederholte sich die Geschichte. Die Bezirksbehörden begannen, diesen mujahidischen Mann einen politischen Fall nach dem anderen anzulasten und seine Inhaftierung anzuordnen. Es sei erwähnt, dass er während der Regierung Bhuttos ein unverblümter Sprecher der Oppositionspartei war. Daher wurde er zum Opfer der Verschwörung der Regierung Bhuttos und erlangte durch die Kugeln eines Attentäters den Märtyrertod. Er war Dr. Nazir Ahmad, der 1970 zum MNA gewählt worden war.]

Aufruf zur Einheit während des Krieges

Maulana Maududi brachte als Erster die Führer aller Oppositionsparteien zusammen und bildete ein gemeinsames Kriegskomitee; sämtliche Arbeiten des Komitees wurden im Zentralbüro der Jamaat durchgeführt. Dieses Komitee teilte der Regierung mit, dass es in allen Angelegenheiten des Krieges bedingungslose Unterstützung leisten werde.

 

Pakistans Dienst in der Außenwelt

Nachdem Pakistan von Indien direkt angegriffen worden war, sandte Maulana Maududi einen offenen Brief an die muslimischen Völker der ganzen Welt zur Veröffentlichung in verschiedenen Zeitungen der muslimischen Länder. Er wurde von fast allen Zeitungen rechtzeitig veröffentlicht. Eine Abschrift des Briefes lautet wie folgt:

„Das imperialistische Indien hat die Maske des Friedens und der Neutralität abgelegt und Pakistan von allen Seiten mit zahlreichen, mit modernen Waffen ausgerüsteten Soldaten angegriffen. Der Grund für diesen barbarischen Angriff kann kein anderer sein als der, dass die unterdrückten Muslime Kaschmirs den Dschihad ausgerufen hatten, um sich vor der bestialischen Unterdrückung durch Indien zu schützen, und Pakistan den Kaschmiris lediglich aus islamischem Brüderlichkeitsgefühl heraus geholfen hatte. Die kaschmirischen und pakistanischen Mudschahedin eroberten innerhalb einer Woche zahlreiche Orte im von ihnen kontrollierten Kaschmir. Als Indien dies sah, verlor es plötzlich völlig die Orientierung, griff Pakistan zu Land, zu Wasser und aus der Luft an und begann gleichzeitig, die indischen und kaschmirischen Muslime unbeschreiblichen Grausamkeiten auszusetzen. Unsere Streitkräfte verfügen über die Waffen des ‚Īmān billāh‘ und des ‚Tawakkul ʿalā Allāh‘. Deshalb haben die pakistanischen Soldaten in allen bisherigen Gefechten ein außergewöhnliches Beispiel an Tapferkeit gegeben. Im Namen der zehn Millionen Muslime Pakistans und der muslimischen Staaten appelliere ich zur Abwehr der indischen Aggression an sie, sich, vom islamischen Brüderlichkeitsgefühl beseelt, zu erheben und ihren pakistanischen und kaschmirischen Brüdern finanzielle und moralische Unterstützung zu gewähren.“

Es versteht sich von selbst, dass die beispiellose Resonanz, die dies in der gesamten muslimischen Welt hervorrief, in goldenen Lettern in die Geschichte eingehen wird. Die Resonanz, die der Weltmuslimische Kongress in Mekka, die Ichwan al-Muslimun, die muslimischen Länder des Nahen Ostens und Afrikas sowie die verschiedenen dortigen Institutionen zeigten, ist niemandem unbekannt. Der berühmte religiöse Führer Irans, Allama Muhammad as-Sadiq ar-Ruhani, teilte Maulana Maududi in seiner Antwort mit, dass die Gelehrten, Scheiche und gewöhnlichen Muslime Irans infolge des von Indien gegen Pakistan geführten Angriffs unruhig und aufgewühlt seien.

Bemerkenswert ist hier, dass Maulana Maududis internationaler Pass bereits vor dem Verbot der Jamaat-e Islami durch die Regierung ohne Angabe eines Grundes eingezogen worden war. In Mekka befindet sich das Zentralbüro des Weltmuslimischen Kongresses (Rabita al-Alam al-Islami). Maulana Maududi war Mitglied seines Zentralen Exekutivkomitees. Außerdem war er auf Lebenszeit Mitglied des Leitungsgremiums der in Medina gegründeten Islamischen Universität. Während der Hadsch fanden wichtige Dringlichkeitssitzungen beider Einrichtungen statt, an denen auch Schah Faisal teilnahm. Nachdem die Regierung den Pass des Maulana eingezogen hatte, konnte er mehrere Jahre lang nicht nach Mekka reisen. Nach dem pakistanisch-indischen Krieg wurde ihm sein Pass zurückgegeben, und während der darauffolgenden Hadsch reiste er nach Mekka. Er verfasste eine wertvolle, informationsreiche Broschüre über die Kaschmirfrage in englischer und arabischer Sprache und nahm etwa fünfzigtausend Exemplare mit. Diese wurden unter den gebildeten Pilgern verteilt, die aus verschiedenen Ländern der Welt angereist waren. Die Broschüren waren derart mit wichtigen Informationen und historischen Ereignissen angefüllt und behandelten die Ursachen der Kaschmirfrage, ihren historischen Hintergrund sowie die politische, wirtschaftliche, religiöse und kulturelle Geschichte der kaschmirischen Muslime in einer derart präzisen und bewegenden Sprache, dass bis heute keine staatliche Stelle eine vergleichbar hochrangige Broschüre, Geschichte oder Erklärung der Öffentlichkeit vorlegen konnte. In dieser Broschüre bewies der Maulana unmissverständlich, dass die Kaschmirfrage nicht nur Pakistan, sondern die gesamte muslimische Welt betrifft. Sollte Pakistans Widerstandsmauer vor Indiens imperialistischer Eroberungspolitik zusammenbrechen, wird sein Vormarsch bis in den fernsten westlichen Rand der muslimischen Welt andauern. Darüber hinaus würden die wahren Beziehungen Indiens zu Pakistan den Muslimen in aller Welt klar vor Augen treten.

Darüber hinaus lobte Maulana Maududi während der vergangenen Hadsch auf einer vom Weltmuslimischen Kongress veranstalteten Versammlung von sieben- bis achthundert ausgewählten führenden Persönlichkeiten aus verschiedenen Ländern überschwänglich die Tapferkeit der pakistanischen Armee im pakistanisch-indischen Krieg. Er hielt eine ausführliche Rede über die unerschütterliche Moral und die außergewöhnlichen Opfer der pakistanischen Bevölkerung, das barbarische und bestialische Verhalten der indischen Armee, die hinterhältigen Absichten Indiens und anderes mehr. Mit klaren Worten und schlagkräftigen Argumenten machte der Maulana den Zuhörern verständlich, dass Indiens gieriger Blick auf die Ölressourcen der muslimischen Länder unverkennbar sei. Deshalb wolle es den hinduistischen indischen Imperialismus über den muslimischen Ländern Afrikas und Asiens errichten. Anschließend verabschiedete der Weltmuslimische Kongress eine Resolution, in der die Freilassung Scheich Abdullahs gefordert wurde.

Kurz gesagt: Vom Beginn des Krieges bis zur Waffenruhe und der Zeit nach dem Taschkenter Abkommen waren die Dienste des Maulana für Pakistan beispiellos. Doch so wie die Fledermaus die lebensspendenden Sonnenstrahlen überhaupt nicht ertragen kann und den ganzen Tag mit dem Kopf nach unten auf die Sonne einschlägt, so waren auch manche Menschen in Pakistan von grundlosem Hass gegen den Maulana erfüllt und eifrig bemüht, im In- und Ausland haltlose Geschichten über ihn zu verbreiten. Auch nach dem Krieg wurden aus gewissen Kreisen mehrere tausend Flugblätter mit unbegründeten Anschuldigungen und gehässigen Ausfällen gegen den Maulana nach Mekka geschickt. Angesichts der dortigen Verhältnisse wagte man jedoch nicht, sie zu verteilen.

Als die indischen Truppen an einer Front des pakistanisch-indischen Krieges schwere Niederlagen erlitten hatten und mit dem Rückzug begannen, setzten der Sicherheitsrat und die großen ihm unterstehenden Mächte Pakistan unter Druck, einer Waffenruhe zuzustimmen. In diesem Augenblick legte Maulana Maududi die Haltung der Jamaat-e Islami hierzu mit klaren Worten dar und erklärte, dass eine Zustimmung Pakistans zu einer Waffenruhe, solange nicht gemäß der vom Sicherheitsrat verabschiedeten und auch von Indien akzeptierten Resolution eine sichere Durchführung einer Volksabstimmung in Kaschmir gewährleistet sei, einem Selbstmord gleichkäme. Auch danach erteilte der Maulana der pakistanischen Regierung fortwährend seinen gerechten, vernünftigen und aufrichtigen Rat. Doch alles verhallte wie ein Ruf in der Wüste. Das Taschkenter Abkommen ließ alles im Scheitern enden. Die nationalen Hoffnungen und Erwartungen Pakistans wurden zerschlagen, und die unterdrückten kaschmirischen Muslime wurden hungrigen und grausamen Menschenfressern ausgeliefert.

Die fünf Jahre vom pakistanisch-indischen Krieg bis 1970, vor der Auslandsreise des Maulana zu medizinischer Behandlung

In den fünf Jahren nach dem pakistanisch-indischen Krieg spielte Maulana Maududi eine führende Rolle im Kampf für die Errichtung der Demokratie in Pakistan. Der Maulana äußerte, die bedingungslose Erklärung der Waffenruhe und anschließend das im Januar geschlossene Taschkenter Abkommen hätten Pakistans Ansehen beschädigt. Aus Protest gegen das Taschkenter Abkommen wurde am 13. Februar 1966 in Lahore eine Allparteien-Nationalkonferenz einberufen, auf der Maulana Maududi und die Führer der Oppositionsparteien die Regierung und das Taschkenter Abkommen scharf kritisierten. Die Regierung unterband jedoch die Veröffentlichung der Reden und Beschlüsse dieser Konferenz. Als Reaktion darauf begann im ganzen Land eine Volksbewegung unter dem Namen Pakistan Democratic Movement.

Die Verhaftung des Maulana

Da Maulana Maududi die treibende Kraft der demokratischen Bewegung war, war er den herrschenden Kreisen ein Dorn im Auge geworden. Die Regierung suchte nach allerlei Vorwänden, ihn zu verhaften und auf unbestimmte Zeit aus dem Feld der Bewegung zu entfernen, und schließlich fanden sie tatsächlich einen solchen Vorwand.

Am Abend des 10. Januar 1967 wurde über Radio und Fernsehen unter Berufung auf das staatliche Ru’yat-e-Hilal-Komitee bekannt gegeben, dass die Mondsichel zum Eid al-Fitr gesichtet worden sei und am folgenden Tag, dem 11. Januar, im ganzen Land Eid al-Fitr begangen werde. Doch weder in Pindi, Lahore, Karatschi und Delhi noch irgendwo in Ostpakistan war die Mondsichel gesichtet worden. Daher widersprachen die ehrwürdigen Ulema dem Ru’yat-e-Hilal-Komitee. Sie beschlossen, Eid statt am 11. Januar am 12. Januar zu begehen, und diese Entscheidung wurde durch die Zeitungen im ganzen Land verbreitet. Auch die muslimische Bevölkerung war nicht bereit, Eid am 11. Januar zu begehen, ohne die Mondsichel gesehen zu haben, denn nirgendwo war am Abend des 10. Januar eine Nachricht über ihre Sichtung eingegangen. So beging zwar im ganzen Land eine äußerst geringe Zahl von Menschen den 11. Januar nur, um die Regierung zufriedenzustellen, doch die gesamte Nation beging am Freitag, dem 12. Januar, das heilige Eid al-Fitr.

Dies verletzte das Ansehen Ayub Khans. Daraufhin erschienen in den Zeitungen eine Stellungnahme nach der anderen von Ministern und Schmeichlern zur Unterstützung der Regierungsentscheidung und mit Schmähungen gegen die Gelehrten, insbesondere gegen Maulana Maududi. Damit blieb niemandem die böse Absicht der Regierung verborgen. Daher wurden am 19. Januar vier angesehene Gelehrte aus Lahore, darunter Maulana Maududi, verhaftet und in verschiedene Gefängnisse gebracht. Maulana Maududi wurde in das Bannu-Gefängnis verlegt, mehrere hundert Meilen von Lahore entfernt, und seine Aufenthaltsumstände wurden der Bevölkerung mehrere Tage lang vollständig verheimlicht.

Einen Monat nach den Verhaftungen prahlte Ayub Khan auf einer Konferenz der Gouverneure damit, dass einige Gelehrte verhaftet worden seien, weil sie die Religion zu einer Marionette in ihren Händen machen wollten.

Doch die tatsächliche Sachlage war genau umgekehrt. Ayub Khan wollte selbst nicht der Religion unterstehen, sondern die Religion, das heißt den Islam, seiner Herrschaft unterwerfen. Maulana Maududi und die der Wahrheit verpflichteten Gelehrten hingegen waren keineswegs bereit, auch nur die geringste Einmischung irgendjemandes in den Islam zu dulden.

Als Chaudhry Rahmat Ilahi im Namen der Jamaat-e-Islami beim Obersten Gericht Klage gegen diese ungerechte Haftanordnung einreichte, wurde der 13. März als Termin für die Anhörung festgesetzt. Während der Anhörung war die Regierung gezwungen, Maulana am 16. März freizulassen. Anschließend wurde er aus dem Bannu-Gefängnis in Ehren zu seinem Wohnsitz in Lahore gebracht.

Die Auslandsreise des Maulana zu medizinischen Zwecken

Infolge der Bildung von Blasensteinen litt der Maulana lange Zeit an dieser schmerzhaften Krankheit. Dadurch war seine Gesundheit vorzeitig völlig zusammengebrochen. Für die Arbeit an der Religion hatte er Körper und Geist gleichsam zu Stein gemacht. Daher arbeitete er trotz der schweren Krankheit Tag und Nacht. Die Beschwerden und Schmerzen der Krankheit brachte er nie über seine Lippen zum Ausdruck. Ebenso war auf seinem Gesicht niemals ein Schatten des Schmerzes zu sehen.

Zum ersten Mal wurde seine Harnblase am 16. Oktober 1946 operiert, als er sich in Darul Islam, Pathankot, aufhielt. Seine Krankheit war dadurch entstanden, dass er stundenlang ununterbrochen und nachts unter Verzicht auf erholsamen Schlaf regungslos sitzend seiner Schreib- und Studierarbeit nachging. Durch die Einnahme unani- und allopathischer Medikamente gingen die Steine mit dem Urin ab, bildeten sich jedoch erneut. Hakim Muhammad Scharif Amritsari behandelte ihn weiterhin, doch die Krankheit wurde nicht geheilt. Daher stimmte der Maulana auf Bitten aller einer Operation zu.

Der Lahorer Zafar Iqbal war ein Freund des Maulana, und dessen Bruder Dr. Riaz Qadir war ein bekannter Chirurg. Es wurde beschlossen, dass Dr. Riaz Qadir den Maulana im Oktober im Krankenhaus von Amritsar operieren sollte. Zur Vorbereitung auf die Operation besorgte er einige Medikamente und riet dem Maulana zu vollständiger Ruhe. Dementsprechend reiste der Maulana am 25. September nach Shimla und blieb im Haus von Sufi Abd ar-Rahim Sahib. Danach kam er am 13. Oktober nach Amritsar, und am 16. Oktober operierte Dr. Riaz Qadir ihn. In seiner Harnblase wurden fünf Steine gefunden. Die Operation war erfolgreich, und am 13. November verließ der Maulana das Krankenhaus und erreichte gegen Abend Darul Islam. Sechs Tage später, am 19. November, reiste der Maulana zur Erholung nach Sialkot und kehrte Ende Dezember nach Darul Islam zurück.

Nach zweiundzwanzig Jahren muss er auf ärztlichen Rat erneut zur Operation der Harnblase nach London reisen. Ganz selbstverständlich sind die unzähligen Verehrer und Anhänger des Maulana beunruhigt und in Gedanken an die Trennung von ihm von Schmerz erfüllt. Die Gefühle und der überschwängliche Ausdruck ihrer trauernden Herzen angesichts der Trennung zeigen sich in Worten und Tränen in der Residenz des Maulana in 5/A Jaildar Park sowie bei den verschiedenen in Lahore zu seinem Abschied veranstalteten Anlässen.

 

Von August bis Dezember 1968

Der Nachmittag des 22. August.

Auf dem Flughafen von Lahore haben sich die von Schmerz erfüllten Gefühle und Emotionen tausender Menschen gesammelt. Unter der Menge herrscht vollkommene Ordnung. Kein Lärm, kein Geschrei. Nur der innige Wunsch, ihn schweigend, in Tränen aufgelöst, zu verabschieden. Der Strom der Menschen zum Flughafen reißt nicht ab. Diese Menschenmenge ist zusammengekommen, um den Maulana vor seiner Abreise nach London noch einmal zu sehen.

Am Nachmittag brennt die Sonne auf dem Flughafen sengend heiß. Die Menschen, die den Maulana verabschieden wollen, warten in Reihen und vollkommener Ordnung. In ihren Händen halten sie verschiedene Transparente: „Was ist das Fundament Pakistans? Der Islam. Was wird Pakistan erhalten? Der Islam. Was ist die Quelle Pakistans? La ilaha illallah.“

Die hochverehrte Persönlichkeit, die zur Wahrheit und zum Schönen aufruft und deren Ankunft dieses Menschenmeer erwartet, ist am Flughafen eingetroffen. Unzählige Augen sind unverwandt auf ihn gerichtet. Jedes Wort, das über seine Lippen kommt, prägt die wartende Menge tief in ihre Herzen ein, und diese kostbare Botschaft aus der Stunde seines Abschieds werden sie Millionen von Männern und Frauen überbringen, denen die Möglichkeit und das Glück versagt waren, an dieser Abschiedsfeier teilzunehmen. Mit von Tränen erstickter Stimme wandte sich Maulana an die Menge und sagte: „Meine Ermahnung an euch alle lautet: Arbeitet mit vollkommener Aufrichtigkeit und Entschlossenheit weiter dafür, Allahs Din auf dem Boden Pakistans zu errichten. Ich werde für euch beten, und auch ihr sollt für mich beten, damit Allah der Erhabene uns zu aufrichtigen Dienern Seines Din mache. Möge Er uns die Fähigkeit schenken, alles, was wir tun können, mit größerer Sachkenntnis und Hingabe zu tun.“

Die Menge rief mit bewegter Stimme: „Amin.“

Der fünfundzwanzigste August.

Heute bietet der Flughafen Karachi dasselbe Bild wie der Flughafen Lahore vor zwei Tagen. Maulana steigt die Flugzeugtreppe hinauf. Die gesamte, vom Schatten des Schmerzes bedeckte Atmosphäre des Flughafens hat eine stille, ernste und heilige Gestalt angenommen. Die Gebete der zum Abschied erschienenen Menschen erklingen in Luft und Himmel des Flughafens. Am oberen Ende der Treppe blieb Maulana stehen, hob die Hand und sagte der Menge: „Khuda Hafiz.“

Das Boeing-Flugzeug der PIA fliegt, getragen von seinen beiden Flügeln, durch den blauen Himmel seinem Ziel entgegen, über wie viele Länder, Flüsse und Meere hinweg. Unter den Passagieren stillt einer seine Lust am Trinken, ein anderer unterhält sich mit seinem Sitznachbarn, wieder ein anderer vertieft sich zur Zerstreuung in die Lektüre unterhaltsamer Literatur. Doch wann hätte Maulana für all das Zeit? Er ist mit den notwendigen Korrekturen an der englischen Übersetzung seiner Schriften beschäftigt. Von Zeit zu Zeit sinkt das Flugzeug aus dem Himmel über Teheran, Beirut und Istanbul auf die Erde herab. An jedem Ort wird die Luft des Flughafens von den Rufen „Allahu Akbar“ derer erfüllt, die Maulana sehen möchten. Unter ihnen befinden sich angesehene Bürger der Städte, ehrenwerte Ulama, führende Persönlichkeiten verschiedener Einrichtungen, Universitätsprofessoren und Studenten. Maulanas Persönlichkeit ist nicht auf ein einziges Land beschränkt, sondern von weltweiter Bedeutung. Er gehört nicht nur Pakistan, sondern der ganzen Welt. Er genießt die Verehrung der muslimischen Welt, und diese sucht bei ihm nach wahrer Führung auf dem Weg des Islam.

Für die herbeigeströmte Menge ist Maulana persönlich ein Unbekannter. Doch ihre aufrichtige Verehrung für Maulana und ihr ungehemmter Gefühlsausbruch bezeugen, dass beide einander seit langer Zeit, seit Epochen, seit Jahrhunderten aufs Innigste vertraut sind. Warum ist die Beziehung zwischen demjenigen, der zur Wahrheit aufruft, und jenen, die die Wahrheit annehmen, so tief und fest, und wo wäre Zeit oder gar Bedarf, all die weiteren Fragen dieser Art zu beantworten? Die Antwort liegt in dem herzergreifenden Anblick, den die beiden Augen schauen, und in dem, was das Herz empfindet.

Der größte Flughafen Europas widerhallt von den Rufen „Allahu Akbar“. Dazu erklingen „Pakistan Zindabad“ und „Islami Nizam Zindabad“. Nach britischer Standardzeit ist es halb sechs am Nachmittag. Maulana ist aus dem Flugzeug ausgestiegen. Menschen aus Newton, Birmingham, Manchester, Rochester, Bradford und weiteren zwanzig bis zweiundzwanzig Städten begrüßen Maulana spontan. Unter ihnen sind Araber, Türken, Menschen aus Asien und Afrika, zahlreiche Pakistaner sowie Neubekehrte aus verschiedenen Teilen Europas. Verschiedene auf Englisch, Arabisch, Urdu, Japanisch, Malaiisch und Türkisch beschriftete Banner und Spruchbänder ziehen die Aufmerksamkeit der Zuschauer auf sich. Von den drei Stockwerken des Londoner Flughafens und seinen Galerien verfolgen Tausende europäische Zuschauer mit unverwandtem Blick dieses beispiellose Schauspiel. Was in Lahore, Karachi und an den verschiedenen Flughäfen unterwegs gesagt wurde, wird nun auch am Londoner Flughafen gesagt. Dieser beispiellose und unerhörte Empfang ist kein Bekenntnis zu einer einzelnen Persönlichkeit, sondern das Bekenntnis zur uneingeschränkten Unterstützung einer Weltanschauung und einer Lebensordnung. Zugleich ist er der Ausdruck dafür, dass eine Millat und eine Nation einen Menschen an ihr Herz schließt, der sein ganzes Leben dem Islam gewidmet und unmittelbares Zeugnis für die „Schahadat-e-Haq“ abgelegt hat. Es ist eine machtvolle Erklärung, die Wahrheit anzunehmen und die Lüge zurückzuweisen.

Es sei daran erinnert, dass diese verehrte Persönlichkeit niemand anderes ist als jener Mann, der vor achtundvierzig Jahren, im Alter von gerade siebzehn Jahren, die Feder in die Hand nahm. Damals erkannte die Welt, dass der Gegenstand seiner Feder der Islam war und dass sein ganzes lebenslanges Denken, Streben und Wirken dem Islam galt. Jeder Tag und jede Nacht, jede Stunde und jeder Augenblick seiner Vergangenheit bezeugte, dass die Aufgabe, der er diese Zeit widmete, der Din al-Haqq war – das heißt, die Errichtung des Din al-Haqq. Einst sah man ihn sogar bereit, für diesen Din al-Haqq den Tod auf sich zu nehmen. Millionen Menschen haben jeden Augenblick seines Lebens beobachtet. Ihnen ist nicht verborgen geblieben, dass er der gesamten Nation diese Wahrheit vor Augen geführt hat: Das einzige Ziel im Leben der Muslime besteht darin, den Islam als vollständige Lebensordnung zum Sieg zu führen und hochzuhalten. Durch sein Leben hat er bewiesen, dass, wenn man für den Islam wirken will, Charakter und Verhalten denen eines wahrhaftigen Muslims entsprechen müssen. Wenn zum Islam aufgerufen wird, muss in jedem Augenblick die Furcht vor Allah im Herzen sein. Wenn man den Koran und die Sunna erwähnt, muss die gesamte Bildung und Unterweisung aus dem Koran und der Sunna selbst hervorgehen. Wenn man das Banner der Wahrheit hochhalten will, muss man dies so tun, dass die Wahrheit für die Lüge zu einer gewaltigen Bedrohung wird.

 

Die Tage in London

Der Maulana ist zur Behandlung nach London gekommen – für eine Operation an seiner Harnblase. Einerseits laufen alle Vorbereitungen für diese Operation. Andererseits verspüren Muslime aus verschiedenen Teilen der Welt sowie die in England lebenden Muslime und ihre Organisationen, dass Maulana Sayyid Abul A’la Maududi mitten unter ihnen weilt. Europäer aus nah und fern sowie englische Konvertiten zum Islam treffen den Maulana und erhalten zufriedenstellende Antworten auf ihre verschiedenen Fragen. FOSIS, der internationale Verband muslimischer Studenten, veranstaltet zu Ehren des Maulana ein Abendessen und ermöglicht so vielen Menschen, ihn gemeinsam zu treffen. Der Maulana beantwortet die verschiedenen Fragen der Besucher. Auch die BBC und andere Nachrichtenagenturen führen Interviews mit dem Maulana.

 

Auf der Konferenz der UK Islamic Mission

In London begann am 31. August eine dreitägige internationale Konferenz der UK Islamic Mission. Am zweiten Tag dieser Konferenz nahm der Maulana daran teil. Vertreter aus allen Ländern der muslimischen Welt nahmen an dieser Konferenz teil. In seiner Ansprache sagte der Maulana:

„Ihr seid in diesem Land Botschafter des Islam. Ob ihr es wollt oder nicht: Die Nichtmuslime hier betrachten euch als Vertreter des Islam. Daher kommt ganz selbstverständlich eine große Verantwortung auf euch und alle hier lebenden Muslime zu: Alles, was ihr hier tut, und jedes Bild eures Verhaltens, das ihr erkennen lasst, werden sie dem Islam zuschreiben. Für die Meinung, die sie aufgrund eures Auftretens und eures Charakters entwickeln, werdet ihr selbst verantwortlich sein. Denkt gründlich darüber nach – welch große Verantwortung dies ist, für die wir am Tag des Jüngsten Gerichts Rechenschaft ablegen müssen.“

In der vollkommen lebendigen und zugleich stillen Atmosphäre trifft jedes einzelne Wort dieser Ansprache das Innerste der Herzen der Zuhörer. Jedes Herz empfindet diesen Schmerz. Dieser eindringliche Aufruf des Maulana richtet sich an jedes Gewissen. Und hierin liegt die grundlegende Anziehungskraft seiner lebenslangen islamischen Daʿwa. Im Zusammenhang mit seiner Ansprache am dritten Tag der Konferenz sagte der Maulana:

„Ich bin fest davon überzeugt, dass die Ausbreitung des Islam überall dort möglich ist, wo Menschen auf der Erde leben. Wenn ihr durch euer eigenes Verhalten den Beweis für die Wahrheit des Islam erbringt, dann wird sich der Islam, so Allah will, auch unter den nichtmuslimischen Bevölkerungen hier ausbreiten. Um die Wahrheit zu sagen: Ihr seid glücklich zu schätzen, dass Allah, der Erhabene, euch die Gelegenheit gegeben hat, die englische Nation zu erobern.“

Am 6. September hielt der Maulana im Islamic Cultural Centre die Freitagspredigt (Khutba). Am folgenden Tag nahm die Zahl der Besucher, die den Maulana an seinem Wohnsitz sehen wollten, stark zu. Denn am 8. September musste der Maulana für die Operation ins Krankenhaus gehen. Unter den Besuchern am siebten Tag befanden sich Studenten aus dem Sudan, angesehene Persönlichkeiten aus Nigeria und weitere bedeutende Personen aus anderen Ländern. Am Vorabend der für den 9. September angesetzten Operation in der London Clinic begab sich der Maulana in die Klinik. Ihn begleiteten Professor Khurshid Ahmad und der Sohn des Maulana, Dr. Ahmad Faruq Maududi.

Am folgenden Tag, dem 9. September, begann die Operation um 14:20 Uhr britischer Standardzeit, und ein 24 Gramm schwerer Stein wurde aus der Harnblase entfernt. Um 16 Uhr wurde der bewusstlose Maulana aus dem Operationssaal herausgebracht. Um 17:30 Uhr erlangte der Maulana das Bewusstsein wieder. Die Nacht verlief ruhig. Am folgenden Tag setzte er sich um zwölf Uhr mittags langsam im Bett auf und erwiderte den Gruß der Besucher, die zu ihm gekommen waren.

Am 24. September kehrte der Maulana aus der Klinik von Dr. Alexander Bednuk in seine Unterkunft zurück. In London war er bei Herrn Rashid Ahmad Siddiqi zu Gast. Zu jener Zeit trafen im Haus von Herrn Siddiqi ununterbrochen Telegramme, Telefonanrufe und Briefe aus aller Welt ein, in denen man sich nach dem Zustand des Maulana erkundigte, und häuften sich dort an. Außerdem kamen ständig angesehene Persönlichkeiten aus verschiedenen Ländern zu Besuch.

Am 21. Oktober musste der Maulana erneut in die Klinik. Diesmal musste ihm durch eine Operation eine Harnblase entfernt werden. Diese Operation war ziemlich gefährlich. Am folgenden Tag wurde die funktionslose Harnblase in einer zweistündigen Operation entfernt. Am nächsten Tag erlangte der Maulana das Bewusstsein wieder.

Dr. Bednuk und die anderen Ärzte des medizinischen Ausschusses äußerten angesichts der schnellen Genesung des Maulana zugleich Erstaunen und Zufriedenheit. Niemals zuvor hatten sie erlebt, dass ein Patient dieser Art innerhalb so kurzer Zeit wieder zu seinem normalen Zustand zurückkehrte. Dies muss man als eine besondere Barmherzigkeit Allahs, des Erhabenen, bezeichnen.

Nach vollständiger Genesung verließ der Maulana am 12. November die Klinik. Als er daraufhin den Wunsch äußerte, möglichst bald nach Pakistan zurückzukehren, rieten ihm die Ärzte, nicht sofort das Risiko einer langen Reise auf sich zu nehmen, sondern noch einige Zeit in London zu bleiben. In einem am 18. November an Hakim Nuruddin in Sadiqabad (Pakistan) gerichteten Brief teilte der Maulana mit:

Durch Allahs Gnade geht es meinem Körper jetzt allmählich besser. Zum ersten Mal seit siebenundzwanzig Jahren bin ich heute Morgen nach dem Aufwachen wieder erholt aufgestanden. Jahrelang war mein körperlicher Zustand so, dass ich beim Aufwachen am Morgen das Gefühl hatte, mein ganzer Körper sei von Müdigkeit erfüllt. Am 15. Dezember wurde im London Hilton, einem hohen und prächtigen Hotel in London, zu Ehren des Maulana im Namen der in England lebenden Muslime ein Empfang veranstaltet. Die Botschafter muslimischer Länder, namhafte Orientalisten, Universitätsprofessoren, Fachleute verschiedener Abteilungen, weitere angesehene Persönlichkeiten sowie führende Vertreter verschiedener Organisationen nahmen an dieser Veranstaltung teil.

Nach der Rezitation aus dem Heiligen Koran verlas Dr. Salah Shahin aus Ägypten eine Glückwunschbotschaft. Mehr als zwei Dutzend Fernseh- und Filmkameras wurden aktiv. Der gesamte Saal erstrahlte im wiederholten Aufleuchten der Blitzlichter. Bei dieser historischen Versammlung angesehener und gelehrter Persönlichkeiten, Gelehrter und Fachleute sowie politischer Führer aus verschiedenen Ländern, unter Muslimen und Nichtmuslimen gleichermaßen, forderte der Maulana die Menschen im Westen auf, sich von jeder Art von Feindseligkeit und Vorurteilen zu befreien und sich mit einem offenen und wahrheitssuchenden Geist Wissen über den Islam anzueignen. Er sagte: „Die Suche nach der Wahrheit ist ein gleichermaßen gemeinsames und allgemeines Verlangen der gesamten Menschheit. Es kann keinen Grund geben, der Ihre Gesellschaft daran hindert, vom Islam Orientierung zu erlangen. Nutzen Sie jede Gelegenheit, die sich Ihnen in dieser Hinsicht bietet. Wenn Sie die Wahrheit des Islam erkennen, wird dies zu Ihrem eigenen Wohl sein.“

An die Muslime, die an verschiedenen Orten des Westens leben, sagte der Maulana:

„Machen Sie sich mit den westlichen Wissenschaften und der Technologie umfassend vertraut und genießen Sie deren Vorteile in vollen Zügen. Leben Sie jedoch gemäß den Anweisungen des Islam. Nur auf diese Weise werden Sie den Bewohnern des Westens ein Beispiel für eine ausgewogene, menschenfreundliche und gerechte Gesellschaft geben können. Denken Sie stets daran, dass Ihre Zukunft allein vom Islam abhängt. Nur die islamische Lebensweise kann Ihnen die Gewissheit geben, in dieser Welt Bestand zu haben. Andernfalls wird gewiss nur geschehen, dass in einigen Jahren die englische Gesellschaft hier um einige neue Engländer bereichert sein wird. Doch dadurch werden weder Ihre Ehre und Ihr Ansehen wachsen, noch wird darin auch nur die geringste Spur Ihrer Verbundenheit mit dem Islam liegen.“

Nun muss Maulana innerhalb von ein oder zwei Tagen in seine Heimat zurückkehren.

Der 26. Dezember 1968.

Heute hat sich erneut eine Menschenmenge am Londoner Flughafen versammelt, um Maulana zu verabschieden. Freunde und Bekannte, Bewunderer und Anhänger Maulanas, Mitarbeiter der islamischen Bewegung, angesehene Persönlichkeiten sowie Würdenträger aus dem Nahen Osten, die aus verschiedenen Städten angereist sind, haben sich in warme Winterkleidung gehüllt am Flughafen eingefunden. Mit tränenüberströmter Stimme verabschieden sie sich von Maulana und erweisen ihm die letzte Ehre. Die Boeing 708 breitet mit Maulana an Bord ihre beiden Flügel aus und verschwindet am verschneiten Himmel aus den Augen. Damit fällt zugleich der Vorhang über ein glänzendes Kapitel in der Geschichte Englands.

Die Boeing 708, die Maulana befördert, zieht am Himmel ihre Kreise, um auf dem Istanbuler Flughafen zu landen. Der Herausgeber der in Ankara erscheinenden Monatszeitschrift „Hilal“, die beiden Herausgeber der Tageszeitungen „Bogan“ und „Itihad“ sowie zahlreiche angesehene Persönlichkeiten aus der Türkei warten voller Ungeduld darauf, Maulana willkommen zu heißen. Nach der Landung des Flugzeugs treffen die Besucher, die Maulana sehen möchten, mit ihm zusammen, während der Flughafen unter den Rufen „Allahu Akbar“ erbebt.

Der Enkel jenes Mannes, der während der Herrschaft Sultan Abdülhamids II. Scheich al-Islam der Türkei gewesen war, ist gekommen, um Maulana willkommen zu heißen. Nicht einmal sein hohes Alter konnte ihn davon abhalten, zum Flughafen zu kommen. Mit bewegter Stimme sagt er zu Maulana: „Maulana! Wenn Sie unter uns wären, wäre die islamische Bewegung dieses Landes fünfzig Jahre weiter. Wir sind der Führung durch eine Persönlichkeit wie Sie beraubt. Doch es ist unser Glück, dass wir durch Ihre Schriften mit Ihren Gedanken vertraut werden können.“

Auf dem Weg nach Pakistan versammeln sich auch an den Flughäfen von Kuwait und Dhahran gewaltige Scharen von Menschen, die Maulana sehen möchten! Auch sie bringen Maulana ihre aufrichtige und von Herzen kommende Verehrung und Hochachtung entgegen. Maulana landet am 27. Dezember auf dem Flughafen von Karachi und am 29. Dezember auf dem Flughafen von Lahore. An beiden Flughäfen versammeln sich Tausende von Menschen. Von Lahore aus wird Maulana in einer Kolonne von Autos und Motorrollern zu seinem Wohnsitz geleitet.

Maulanas Wohnsitz, 5/A Zaildar Park, wird nach einigen Monaten wieder zu einem lebhaften Treffpunkt. Es ist, als wären mit dem erneuten Einzug des Frühlings die Blütenknospen des Blumengartens aus ihrem Schleier hervorgekommen, um ihren berauschenden Duft zu verbreiten. Wissensdurstige Menschen aus dem In- und Ausland beginnen sich hier wieder zu versammeln.

Dies ist der historische 5/A Jaildar Park in Ichhra, Lahore, von wo aus sich die Funken der islamischen Bewegung in alle Welt verbreiteten. [Wenn Sie mehr über die seit 1967 jeden Nachmittag im 5/A Jaildar Park stattfindende Zusammenkunft mit dem Maulana erfahren möchten, zu der sich Besucher des Maulana aus verschiedenen Teilen der Welt versammelten und Antworten auf ihre vielfältigen Fragen erhielten, lesen Sie „Bikaler Asar“ – der Verfasser.]

Das Runde-Tisch-Treffen

Als die politische Lage des Landes infolge der Volksbewegung gegen die diktatorische Herrschaft Ayub Khans eine äußerst bedrohliche Gestalt annahm, veranstaltete Ayub Khan am 26. Februar 1969 ein Rundes-Tisch-Treffen, um Gespräche mit den Führern der Oppositionsparteien zu führen. Dort versammelten sich die Vorsitzenden der wichtigsten politischen Parteien, darunter Maulana Maududi; das zweite Treffen fand am 10. März statt. Nach zahlreichen Gesprächen brachte Ayub Khan jedoch seine unnachgiebige Haltung zum Ausdruck, sodass das Runde-Tisch-Treffen scheiterte.

Danach nahm die Volksbewegung immer heftigere Formen an, und die öffentliche Ordnung verschlechterte sich zunehmend. Angesichts der Volksbewegung und der Proteste war Ayub Khan gezwungen, die Macht zu übertragen. Am 23. März übergab er die Macht an General Yahya Khan und zog sich aus der politischen Bühne zurück.

Yahya Khan verhängte im Land das Kriegsrecht. Zwar erklärte er die politischen Parteien nicht für verboten, schränkte jedoch ihre Aktivitäten ein. Im Dezember des folgenden Jahres, also 1970, fanden die Wahlen zu den National- und Provinzversammlungen statt. Erwähnenswert ist, dass der Maulana im Januar 1970 zum letzten Mal Dhaka besuchte. Er erkannte, dass die Einheit und territoriale Unversehrtheit Pakistans (Solidarität und Integrität) gefährdet waren.

In dieser Zeit nahm die Entwicklung der Politik eine andere Richtung. Infolgedessen traten zwei Parteien – die Awami-Liga und die Pakistanische Volkspartei – auf regionaler Grundlage zu den Wahlen an und gingen als Sieger hervor. Das heißt, die Awami-Liga errang in Ostpakistan und die PPP in Westpakistan mit überwältigender Mehrheit den Wahlsieg.

Unmittelbar nach den Wahlen äußerte Maulana Maududi, dass nun keine übernatürliche Tat mehr in der Lage sei, das Land geeint zu halten. Mit anderen Worten: Es sei eine unausweichliche Tatsache, dass Ost- und Westpakistan voneinander getrennt werden würden. Scheich Mujibur Rahman und seine Partei, die Awami-Liga, errangen die Mehrheit in der Nationalversammlung, und nach demokratischen Grundsätzen hätte er Ministerpräsident des Landes werden sollen. In Dhaka wurde eine Sitzung der Nationalversammlung einberufen. Doch der PPP-Führer Zulfikar Ali Bhutto schüchterte die Abgeordneten aus Westpakistan ein und hielt sie davon ab, an der Sitzung der Versammlung teilzunehmen. Dadurch wuchsen Misstrauen, Unzufriedenheit und die Distanz zwischen Ost- und Westpakistan derart an, dass Ostpakistan nach viel Blutvergießen am 16. Dezember 1971 als unabhängiges Bangladesch entstand.

Maulana Maududi litt ohnehin schon seit langer Zeit an Krankheiten; nachdem sich Ostpakistan abgespalten hatte und unabhängig geworden war, erlitt er einen so schweren Schlag, dass sowohl sein Körper als auch sein Geist völlig zusammenbrachen.

Einerseits war es ein Anlass zu größter Freude und zu großem Glück, dass 1972 als Ergebnis der unermüdlichen Arbeit und Mühen im Leben des Maulana das Tafhim-ul-Quran vollendet wurde, andererseits trat er wegen seiner angegriffenen Gesundheit von seinem Amt als Amir der Jamaat-e-Islami zurück. Mian Tofail Muhammad wurde zum Amir der Jamaat-e-Islami Pakistan gewählt.

Im April und im Juli 1978 traf ich den Maulana zweimal. Damals sah ich ihn in einem Zustand, bei dem es äußerst schwerfiel, die Tränen zurückzuhalten. Es schien, als hätte man ihn wie ein verschnürtes Bündel auf einen Stuhl gesetzt. Doch selbst in diesem Zustand sprach er mit den Menschen, arbeitete an seinen Schriften und Studien und erteilte in verschiedenen Angelegenheiten wertvolle Ratschläge.

Auf eine Frage antwortete der Maulana:

„Allah sei Dank, dass Er mir keine Krankheit gegeben hat, die mich daran hindert, für Seine Religion zu arbeiten. Meine Krankheit bereitet nur meiner eigenen Person Schmerzen, und ich denke, dass dadurch meine Sünden vergeben werden. Nehmen wir zum Beispiel, dass ich jetzt im Sitzen meine Schreib- und Studienarbeit verrichte. Dabei empfinde ich weder Schmerzen noch Ermüdung. Wenn ich jedoch aufstehe oder zu gehen beginne, spüre ich nach und nach Schmerzen. Ich kann nicht länger als anderthalb Minuten stehen.“

Trotz dieses Zustands zeichnete Radio Pakistan 1975 ein mehr als zweistündiges Interview mit dem Maulana auf. Dieses Interview wurde ein Jahr nach seinem Tod niedergeschrieben und in Tarjuman-ul-Quran veröffentlicht. Es erschien in Buchform auf Bengali unter dem Titel „Ein historisches Interview“; der Verfasser des vorliegenden Buches übersetzte es ins Bengali.

Zu den Fragen, die in diesem Interview aufgeworfen wurden, gehörten die Pakistan-Bewegung und ihr Hintergrund, die religiöse und politische Lage der Muslime auf dem indischen Subkontinent vor der Teilung, die Einführung der parlamentarischen Herrschaft in Indien, die Verschwörung, aus Muslimen und Nichtmuslimen unterschiedslos im Mahlwerk einer Einheitsnationalität eine merkwürdige Mischung einer einzigen geografischen Nationalität herzustellen und darauf eine moderne demokratische Herrschaftsstruktur zu errichten, die Befürchtung politischer, wirtschaftlicher und kultureller Folgen für die Muslime, sodann der Antrieb zur Bildung einer eigenen und gesonderten Nationalität der Muslime, ihre Forderung nach einer eigenen Heimat, also nach der Gründung Pakistans, sowie ihre Forderung nach der Errichtung einer Gesellschaftsordnung auf der Grundlage ihrer eigenen Lebensanschauung und ihres Akida-Glaubens und die Begründung dafür, neben vielen weiteren Themen. Der Maulana beantwortete die verschiedenen Fragen hierzu. Aufgrund der wertvollen historischen Informationen, die er in seinen Antworten vermittelte, kann ohne jeden Zweifel gesagt werden, dass kein unparteiischer Historiker, der sich daranmacht, die richtige Geschichte der Pakistan-Bewegung und ihres Hintergrunds zu schreiben, die Persönlichkeit Allama Maududis und seinen unschätzbaren Beitrag wird außer Acht lassen können.

Darüber hinaus sagte Allama Maududi in diesem Interview vieles und erinnerte an vieles, was allein denjenigen, die sich für die Bewegung der Religion einsetzen, von großem Nutzen sein wird. Daher bin ich der Ansicht, dass es für die Mitarbeiter der Islamischen Bewegung und insbesondere für unsere Jugend von besonderer Bedeutung ist, dieses historische Interview zu lesen.

 

Das Hinscheiden des Maulana

Die harte körperliche und geistige Arbeit, die der Maulana sein ganzes Leben lang verrichtete, ließ seine Gesundheit vorzeitig zusammenbrechen. Viele Jahre litt er an einer Erkrankung der Harnblase. Infolgedessen wurden die Schmerzen in seinen Knien und seiner Hüfte, genau genommen, dauerhaft. 1968 wurde er in London an der Harnblase operiert. Doch die Krankheit wurde nicht geheilt. So musste er sein ganzes Leben lang unter den Qualen seiner Krankheit leiden. Dennoch setzte er all seine Arbeiten fort. In den Augen und im Gesicht dieses von Allah geliebten Dieners waren niemals irgendwelche äußeren Anzeichen oder Ausdrucksformen von Krankheit und Schmerzen zu erkennen.

Im Jahr 1972 wurde die Niederschrift seiner revolutionären Auslegung „Tafhim-ul-Quran“ abgeschlossen. Schon lange zuvor hatte er gesagt: „Meine Lebenszeit neigt sich dem Ende zu; betet, dass ich den Tafhim noch vollenden kann.“

Auch nach der Vollendung des Tafhim ließ Allah ihn am Leben. Sein großer Wunsch im Leben war es, eine Biografie des Propheten der Welt zu verfassen. Er nahm die Feder zur Hand. Innerhalb von sieben Jahren vollendete er die Darstellung des mekkanischen Lebens des Propheten. Sie erschien in zwei Bänden. Er gab der Biografie den Titel „Sīrat-e Sarwar-e Ālam“. Auch die notwendigen Notizen über das medinensische Leben hatte er fertiggestellt. Doch noch bevor er dazu die Feder ansetzen konnte, rief der Herr über Diesseits und Jenseits ihn zu Sich.

Am 22. September verschied der größte Denker der modernen Welt, Sayyid Maududi, in einem Krankenhaus der amerikanischen Stadt Buffalo. Totengebete wurden für ihn in Buffalo, London, Karatschi und Lahore verrichtet. Daran nahmen Gelehrte der muslimischen Welt, Millionen von Anhängern, die breite Bevölkerung und die Jugend teil. Im Folgenden wird der Ablauf seiner Totengebetszeremonie geschildert.

 

Im Lichte der Erfahrungen mit dem Totengebet des Maulana

Maulana Sayyid Abul A’la Maududi verschied am 22. September 1979 in einem Krankenhaus der Stadt Buffalo in den Vereinigten Staaten. Am 26. September wurde nach dem Totengebet in Lahore seine Beisetzung vollzogen. Ich hatte das Glück, an seinem Totengebet teilzunehmen. Liebe Leserinnen und Leser, ich möchte Ihnen hierzu einige meiner persönlichen Erfahrungen schildern.

Am Nachmittag des 23. September kehrte ich aus der Provinz nach Dhaka zurück und erhielt die traurige Nachricht, dass Maulana Maududi verstorben war. Unwillkürlich kamen mir die Worte „Innā lillāhi …“ über die Lippen. Doch mir war, als stürzte der Himmel auf meinen Kopf. Ich selbst musste zum Totengebet gehen, und zwar so schnell wie möglich. Am folgenden Tag erledigte ich alle Formalitäten bezüglich Visum, Flugplatz und Sitzplatz sowie alle anderen Umstände und traf am 25. September mit einem Flugzeug der PIA in Karatschi ein. Auch meine Lage war ähnlich. Noch am selben Tag traf um halb elf Uhr vormittags der Leichnam des verstorbenen Maulana aus London in Karatschi ein und wurde nach dem Totengebet nach Lahore weitergebracht.

Ich verbrachte die Nacht im Haus eines Freundes. Um halb zehn Uhr nachts wurde im pakistanischen Fernsehen neben dem Totengebet des Maulana auch ein Beitrag über sein Leben ausgestrahlt. Die heftigen Tränen machten es schwer, fernzusehen. Ich hatte große Hoffnung, dem Maulana ein letztes Mal ins Angesicht schauen zu können. Doch dieser Wunsch blieb unerfüllt. Für den nächtlichen Flug nach Lahore war kein Sitzplatz mehr erhältlich. Einen bekam ich erst für den nächsten Morgen. Um halb elf Uhr vormittags sollte in Lahore das Totengebet stattfinden. Wenn das Flugzeug Verspätung hatte, würde mir auch das Totengebet versagt bleiben. Von dieser Sorge erfüllt, verbrachte ich die Nacht.

Am nächsten Morgen um sieben Uhr brachen wir nach Lahore auf. Plötzlich war ein Gefährte von mir aus Dhaka herbeigeeilt. Als ich am Flughafen von Dhaka gerade ins Flugzeug steigen wollte, ertönte hinter mir eine erschöpfte Stimme: „Khan Sahib, Gott sei Dank, ich bin schließlich doch noch angekommen.“ Ich drehte mich um und sah Dr. Azizul Haq Chowdhury. Sein ausgemergeltes Gesicht und sein zerzaustes Äußeres ließen ihn wie einen verstörten Liebenden erscheinen. Und ein Liebender war er tatsächlich. Nachdem wir ins Flugzeug gestiegen waren und ich mich ein wenig ausgeruht hatte, kam er zu mir und sagte, er habe nicht das Glück gehabt, den Maulana zu dessen Lebzeiten zu sehen. Deshalb hege er den sehnlichen Wunsch, ihn nach seinem Tod wenigstens einmal zu sehen.

Ich sagte: „Sprechen Sie. Möge Allah unsere Hoffnung erfüllen.“

Auch auf dem Weg von Karatschi nach Lahore schlossen sich uns einige Freunde an. Unter ihnen war Herr Ariful Haq, der Herausgeber der in London erscheinenden Zeitschrift „Impact“. Um neun Uhr landeten wir am Flughafen von Lahore. In meinem Leben war ich unzählige Male an diesem Flughafen gestartet und gelandet. Doch heute sah ich ihn in einem völlig anderen Zustand. Der Ort, an dem sich sonst ständig Menschen drängten, war geradezu menschenleer. Vor dem Flughafen herrschte eine Atmosphäre der Trauer – ein sichtbarer Ausdruck eines herzzerreißenden Trennungsschmerzes. Ich war sicher gewesen, dass jemand zum Flughafen kommen würde, um uns abzuholen. Doch ich sah nirgendwo jemanden. Vielleicht hatten die Freunde aus Karatschi in ihrer überwältigenden Trauer vergessen, Bescheid zu geben, oder es war ein anderer Grund eingetreten.

Der Freund von Herrn Faruqi war mit einem Wagen gekommen, um ihn abzuholen. Unser aller Ziel war dasselbe. Daher ließen sie uns beide in ihren Wagen steigen. Ich sagte: „Dann fahren Sie direkt nach Ichhra, damit wir vielleicht noch die letzte Gelegenheit zur Besichtigung erhalten.“

Der neue Fiat raste sausend dahin; mit erhobenem Heck schoss er so atemlos voran wie ein Kalb, das man auf einem einsamen Feld zurückgelassen hat und das zu seiner Mutter läuft. Innerhalb von etwa fünfzehn Minuten hatten wir über Mujang Chungi die Firozpur Road erreicht. Ein Stück weiter südlich mussten wir an der Kreuzung von Ichhra abbiegen und links in die Jaildar-Park-Straße einfahren. Nummer 5/A, Jaildar Park, war die Residenz des Maulana. Kaum hatte unser Wagen die Kreuzung von Ichhra erreicht, wies uns ein trauernder Passant darauf hin: „Sehen Sie dort im Süden – der Trauerzug mit dem Totengebet zieht gerade vorbei.“

Vor uns erblickten wir ein Menschenmeer. Die breite Firozpur Road war dicht mit Menschen gefüllt. Dazwischen befanden sich Privatwagen, Busse, Pick-ups, gemietete Lastwagen, Autorikschas, Motorroller, Fahrräder und ein trauernder Massenumzug. Laut erschallten die Kalima asch-Schahada und „Allahu Akbar“.

In etwa einer halben Meile Entfernung vor uns schien sich der „Mayyit“ zu befinden. Wie sollte der Wagen durch diese Menge vorankommen? Bisweilen bewegte er sich langsam, im Tempo einer Schildkröte. Notgedrungen fuhren wir ein Stück weiter, bogen von der Firozpur Road nach links ab und gelangten auf einem anderen Weg rasch zum Gaddafi-Stadion. Hier sollte das Totengebet für den größten islamischen Denker des zwanzigsten Jahrhunderts, das Haupt der Gelehrten der Religion, den führenden Kopf der weltweiten islamischen Renaissancebewegung, den weltweit verehrten al-Ustadh, al-Murschid al-ʿAmm, Allama Abul A’la Maududi, verrichtet werden.

Das Gaddafi-Stadion ist das größte Stadion Pakistans. Noch bevor der Mayyit eintraf, war bereits die Hälfte des gewaltigen Stadions gefüllt. Durch die acht Tore des Stadions strömten gewaltige Scharen weinender Menschen ins Innere. Tausende kräftige junge Männer von Colleges und Universitäten, die aus dem ganzen Land angereist und der islamischen Bewegung mit Leib und Leben ergeben waren, waren mit der Aufrechterhaltung der Ordnung betraut. Es gab keine Möglichkeit, die strenge Absperrung zu überwinden und nach vorn zu gelangen. Hilflos blickte ich mich nach allen Seiten um. Mein Taschentuch war von meinen Tränen völlig durchnässt. Wo waren meine Gefährten geblieben?

Ein Fotograf einer Zeitung nahm mich aus einiger Entfernung auf. Er rief: „Kommen Sie, Maulana! Für ausländische Gäste wie Sie ist die erste Reihe vorgesehen.“ Daraufhin durchbrach ich die strenge Absperrung der Freiwilligen und nahm in der vordersten Reihe Platz. Auch Dr. Chowdhury kam hinzu. Wenig später traf der Mayyit auf dem Platz ein und wurde vor uns niedergelegt. Bei ihm waren die Söhne des verstorbenen Maulana, Mian Tufail Muhammad, Professor Khurschid, Maulana Hamidi, Chowdhury জিলani und viele andere. Als ich sie umarmte, brach ich in Tränen aus. Trotz aller Bemühungen konnte ich mich nicht beherrschen. Es war mir, als sei mein Herz in Stücke gerissen worden.

Viele weitere Menschen begannen, in die vorderste Reihe zu gelangen, und die Reihe dehnte sich zu beiden Seiten aus. Ich musste von meinem ursprünglichen Platz ein Stück nach rechts rücken.

Unter den ausländischen Gästen in der vordersten Reihe waren besonders hervorzuheben: der saudische Botschafter Riyad al-Khatib, der jordanische Botschafter, der Sondergesandte Ayatollah Chomeinis und der Innenstaatssekretär der iranischen Regierung, der Vizekanzler der Universität Katar, Dr. Yusuf Abdullah al-Qaradawi, der stellvertretende Generalsekretär des Weltmuslimischen Jugendrats, Dr. Muhammad Tutunji, die bekannten syrischen Gelehrten und Denker Scheich Said Hawa und Scheich Adnan Saduddin, der Direktor der islamischen Abteilung des Awqaf-Ministeriums von Kuwait, Scheich Abdullah al-Aqil, der bekannte kuwaitische Jurist und Herausgeber der weit verbreiteten Zeitschrift „Al-Mujtama“, Scheich Mubarak al-Mukawa, der enge Freund des verstorbenen Maulana, Scheich Abdul Aziz al-Ali al-Motawa, der bekannte ägyptische Ikhwan-Führer Dr. Kamal, sowie Scheich Saiful Islam, Rechtsanwalt und Sohn des Märtyrers Hasan al-Banna, neben weiteren bedeutenden Persönlichkeiten. In der vordersten Reihe befanden sich außerdem der Amir der Jamaat-e Islami Hind, Maulana Yusuf, der Präsident Pakistans, General Zia-ul-Haq, der Gouverneur des Punjab, Generalleutnant Sarwar Khan, der Pir von Deval Sharif sowie einige hochrangige Angehörige der Streitkräfte.

Die Führer aller politischen Parteien Pakistans mit Ausnahme der PPP, zahlreiche angesehene Ulama sowie prominente staatliche und private Angestellte nahmen spontan am Janaza-Gebet teil. Unter ihnen waren besonders Mufti Mahmud, Nawabzada Nasrullah Khan, der ehemalige Präsident von Azad Kaschmir, Sardar Abdul Qayyum Khan, Sardar Shaukat Hayat Khan, Chowdhury Zahur Elahi, Khwaja Khairuddin und Allama Ihsan Ilahi Zahir. Fast zweihundert aus Indien angereiste Gelehrte und Aktivisten der islamischen Bewegung nahmen ebenfalls am Janaza-Gebet teil.

Der „Sarg“ für das Janaza-Gebet war mit der Fahne der Jamaat-e Islami, auf der die Kalima Tayyiba geschrieben stand, sowie mit der Nationalflagge Pakistans bedeckt. Präsident Zia-ul-Haq trug über seiner Militäruniform ein schwarzes Trauerabzeichen am Arm. Er ordnete an, dass jeder Staatsbedienstete, der dies wünsche, am Janaza-Gebet des Maulana teilnehmen dürfe. Unmittelbar vor dem Janaza-Gebet bot sich im Stadion ein herzzerreißender, geradezu explosiver Anblick. Im Stadion befanden sich etwa eine Million Menschen, während draußen Tausende, die nicht hineingelangen konnten, sich an die Brust schlugen und klagten. Aus Hunderttausenden Kehlen erklangen die Kalima des Glaubensbekenntnisses und die Trauerklage: „Ya Sayyidi, Murshidi, Maududi – Maududi.“ Das Wehklagen und die Trauerklagen von Millionen Stimmen hallten rings um das Stadion wider, zerrissen den Himmel und stiegen zum Reinen Thron empor. Die Menschen versuchten wie Besessene vorzudringen, um den Mayyit ein letztes Mal zu sehen, den letzten Blick auf den irdischen Körper des Maulana zu werfen und den Mayyit mit ihren Händen wenigstens einmal zu berühren. Eine Schar junger Freiwilliger war mit letzter Kraft darum bemüht, die Ordnung aufrechtzuerhalten.

Es war angekündigt worden, dass der Imam der Kaaba, Scheich Muhammad bin Abdullah bin Subayyil, das Janaza-Gebet leiten würde. Doch unmittelbar vor seiner Abreise aus Makka al-Mukarrama musste er seine Reise aus unabwendbaren Gründen verschieben. Daraufhin wurde die Leitung des Gebets Dr. Yusuf Abdullah al-Qaradawi, dem Vizekanzler der Universität Katar, übertragen. Er hatte an der Kairoer Al-Azhar-Universität in Islamwissenschaften und Religionswissenschaften promoviert. Er war ein bedeutender Religionsgelehrter und hegte tiefste Hochachtung vor dem Maulana. Vor Beginn des Gebets wandte er sich an die Menge und sagte: „Sayyid Maududi wird wegen seiner universellen Daʿwa und seines Denkens unsterblich bleiben. Er hat mehr als hundert wertvolle Werke hinterlassen. Außerdem hat er unzählige geistige Nachkommen hinterlassen. Ich bin nicht Tausende von Meilen gereist, um Ihnen Worte des Trostes zu bringen. Vielmehr bin ich gekommen, um zu sagen, dass Millionen Menschen auf der ganzen Welt von seinem Denken ergriffen worden sind und ihre Arbeit aufgenommen haben. Wir werden die Bewegung des Maulana mit entschlossenen Schritten voranführen. Für Pakistan ist es allein zum Wohl, wenn hier ein wahrhaft islamischer Staat errichtet wird. Ihr, die ihr Liebe und Hochachtung für den Maulana empfindet, setzt euren Kampf dafür fort.“

Nach Dr. Qaradawis Ansprache erscholl aus Millionen Kehlen: „Sayyidi, Murshidi – Maududi, Maududi.“ Aus den Tausenden von Kehlen, die außerhalb des Stadions warteten, erscholl ebenfalls: „Sayyidi, Murshidi – Maududi, Maududi.“ Dieser Ruf hallte im Himmel und in der Luft wider, in den Bäumen ringsum, an den Gebäuden und in jedem Winkel und jeder Nische.

Nach dem Janaza-Gebet brachen die Dämme des Menschenmeeres. Aller Augen waren auf den Mayyit gerichtet. Es wurde unmöglich, die Ordnung aufrechtzuerhalten. Mit größter Mühe wurde der Mayyit vor dem Druck der Menge geschützt, aus dem Stadion hinausgetragen und auf einen Lastwagen gehoben. Unter dem ungeheuren Druck der Menschen von allen Seiten blieb uns der Atem weg. Dr. Chowdhury und ich gingen eng aneinandergepresst nach draußen. Dr. Chowdhury war kräftig wie ein Ringkämpfer. Daher hatte ich ein wenig Hoffnung, dass wir sicher herauskommen würden. Nachdem wir auf die Straße außerhalb des Stadions gelangt waren, brachen plötzlich zwei oder drei junge Männer vor uns bewusstlos zusammen. Mein ringkämpferischer Gefährte konnte sich nicht länger auf den Beinen halten und fiel hin. Ich fiel ebenfalls. Ich fiel jedoch nicht allein. Ein halbes Dutzend Menschen lag auf mir. Ich weiß nicht, wie ich am Leben blieb. Aber sicherlich sprach ich die Kalima. Nach wenigen Augenblicken packten mich zwei oder drei Männer, hoben mich hoch und brachten mich hinaus. Wo mein Gefährte geblieben war, wusste ich nicht. Meine Kleidung war staubbedeckt und schmutzig. An mehreren Stellen hatte ich Verletzungen davongetragen.

Dies ist keineswegs der einzige Fall, dass kräftige junge Männer bewusstlos wurden – es gab viele. Und warum sollte es auch anders sein? Nachdem die Nachricht von der Janaza des Maulana in den Zeitungen veröffentlicht worden war, strömten Menschen aus den fernsten und entlegensten Gegenden des Landes wie von Sinnen nach Lahore. Mit dem Zug, dem Bus, dem Flugzeug, dem Motorroller oder dem Fahrrad – jeder kam, wie er konnte. Manche legten fünfzehn oder zwanzig Meilen zu Fuß zurück. Sie missachteten Trauer und Kummer, Hunger und Durst, Erschöpfung und die sengende Hitze der Sonne.

Der wichtigste Grund ist, dass die Literatur des Maulana, seine universelle islamische Daʿwa und seine internationale Persönlichkeit Millionen junger Menschen zum Islam hingezogen haben. Er hat sie aus der tiefen Finsternis der Jahiliya zum strahlenden Licht des Tawhid geführt. In ihrem Denken, ihren Vorstellungen und ihrer inneren Haltung hat er eine gewaltige Revolution ausgelöst. Dies ist der einzige Grund für ihre große Anziehung zu, ihre Verehrung für und ihre tiefe Liebe zum Maulana. Der Tod des Maulana hat sie wahnsinnig und orientierungslos gemacht. Eine so gewaltige und derartige Trauer haben sie in ihrem Leben zum ersten Mal erlebt. Sie alle sind die geistigen Nachkommen des Maulana. Daher sind viele junge Menschen ohne Ausnahme unter dem Schlag dieser Trauer zusammengebrochen und haben das Bewusstsein verloren.

Wie dem auch sei, nach großen Mühen fand ich den Wagen von Hashem Faruqi, der eine halbe Meile entfernt abgestellt war. Im Wagen war niemand. Mein Körper zitterte. Aus meinen beiden Augen strömten Tränen wie Gebirgsbäche. Nach etwa zehn Minuten kam Dr. Chowdhury. Mit tränenerstickter Stimme sagte er: „Es ist ein Unglück geschehen.“

Ich sagte: „Sie sind doch am Leben. Was soll denn nun dieses Unglück sein?“

Er sagte: „Wenn ich gestorben wäre, hätte mich das nicht bekümmert. Meine geliebte Kamera ist zerbrochen und völlig zerstört. Ich hatte zwanzig oder zweiundzwanzig sehr schöne Aufnahmen gemacht. Das war alles, worauf ich mich bei meiner Rückkehr nach Hause stützen konnte – und nun ist es fort.“ Herr Azizul Haq Chowdhury verstarb am 7. April 2003 in seiner eigenen Wohnung in Dhaka.

Wenig später trafen Hashem Faruqi und sein Freund ein. Der Lastwagen mit der Mayyit war bereits abgefahren. Er fuhr jedoch äußerst langsam. Im Lastwagen befanden sich die Söhne des Maulana – Umar Faruq, Ahmad Faruq, Muhammad Faruq und Husain Faruq. Ebenfalls dabei waren Mian Tufail Muhammad und Professor Khurshid Ahmad. Unter den ausländischen Gästen waren Dr. Qarzi, Dr. Tutunji und Scheich Mubarak al-Mukawa.

Der Lastwagen mit der Mayyit würde durch die enge Gasse des Jaildar-Parks zum Wohnhaus des Maulana fahren, wo die Beisetzung vollzogen werden sollte. Wie sollten Millionen Menschen dorthin gelangen? Deshalb wurde nur angesehenen Personen der Zutritt zu der Gasse ermöglicht. Ausländische Gäste, die Führer der Jamaat und vier oder fünf Journalisten, darunter Herr Altaf Hasan Quraishi, erhielten die Erlaubnis, bis zum Wohnhaus des Maulana vorzudringen.

Vor dem privaten Zimmer des Maulana war die Mayyit auf einer erhöhten Stelle aufgebahrt worden. Auf den Balkonen und Dächern der Häuser zu beiden Seiten hatten Tausende trauernder Frauen und Männer ihren tränenfeuchten Blick auf die Mayyit gerichtet. Es dauerte nicht mehr lange, bis die ewige Ruhestätte des Maulana fertiggestellt sein würde. Obwohl der Platz eng war, drängten sich dort mehrere Tausend Menschen.

Da bot sich plötzlich ein wunderbarer und zugleich herzzerreißender Anblick. Aus dem Haus kamen zwei kleine Kinder heraus und näherten sich dem Leichnam. Eines sagte zum anderen: „Geh nicht dorthin, Großvater schläft.“

Das andere sagte: „Warum sind hier so viele Menschen? Der Schlaf unseres Großvaters wird sonst gestört. Wenn jeden Tag so viele Menschen hierherkommen, wie soll Großvater dann arbeiten?“

Wer die süßen Worte der unschuldigen Kinder hörte, konnte nicht anders, als zu weinen. Wie viel Mitgefühl und wie viele Sorgen hatten die kleinen Kinder um ihren geliebten Großvater! Doch der Großvater hatte sie verlassen und war weit, sehr weit fortgegangen – kurz darauf wurde Sayyid und Murshid Maududi in seiner ewigen Ruhestätte beigesetzt. Damit fiel der Vorhang über ein leuchtendes Kapitel der Menschheitsgeschichte. Vielleicht erklang, unseren Ohren verborgen, der Ruf:

*******************************************

„O du beruhigte Seele! Kehre zu deinem Herrn zurück, zufrieden mit deinem Ausgang und wohlgelitten bei deinem Herrn. So reihe dich unter Meine rechtschaffenen Diener ein und tritt in Mein Paradies ein.“ (Al-Fadschr: 27–30)

Die letzten Worte hörte ich jedoch am folgenden Tag tatsächlich mit eigenen Ohren. Gegen neun Uhr morgens ging ich vom Gästehaus zum 5/A Jaildar Park. Niemals hätte ich gedacht, dass ich an diesen Ort kommen und den Maulana nicht sehen würde – sondern seine ewige Ruhestätte. Meine Brust verkrampfte sich vor unaussprechlichem Schmerz. Ich sah etwa zwanzig bis fünfundzwanzig Menschen, die das Grab des Maulana umringten. Unter ihnen war der Pir Sahib von Deval Sharif. Alle hatten zum Bittgebet die Hände erhoben. Als Erstes hörte ich aus dem Mund des Pir Sahib diese Worte:

****************************************

Er hatte die Hände weiterhin zum Bittgebet erhoben und fuhr fort: „Sayyid Maududi hat sein ganzes Leben lang die Wahrheit gesprochen, zur Wahrheit aufgerufen und bis zuletzt an der Wahrheit festgehalten. Der Mensch ist wie ein Tonbandgerät. Das Tonbandgerät, das ihr seht, ist vom Menschen gemacht. Der Mensch ist ein von Allah geschaffenes Tonbandgerät. Ein von Menschen gemachtes Tonband lacht, weint, singt und spricht. Doch Sayyid Maududi ist ein von Allah geschaffenes Tonband, das auf der Welt die Wahrheit gesprochen hat, im Grab weiterläuft und auch im Jenseits sprechen wird.“ —–

Der Pir Sahib fuhr fort, all dies zu sagen, während den Zuhörern unaufhörlich Tränen aus den Augen strömten.

Als der Pir Sahib sein Bittgebet beendet hatte und sich umwandte, entbot ich ihm den Salam und vollzog die Musafaha mit ihm. Seine Worte gefielen mir außerordentlich gut. Sie waren der Ausdruck seiner aufrichtigen Empfindungen.

Meine lieben Leserinnen und Leser! Kehren wir vorerst für eine Weile ein wenig zurück. Ich halte es für notwendig, einige Einzelheiten über die Ausreise des Maulana von Lahore zur medizinischen Behandlung ins Ausland und von dort über seine Reise ins Jenseits festzuhalten.

Der Maulana hatte keineswegs den Wunsch, zur Behandlung ins Ausland zu reisen. Vielleicht hatte er klar erkannt, dass die Behandlung keinen Nutzen bringen würde. Denn seine Zeit war gekommen. Doch es ereignete sich ein Vorfall, der seine Auslandsreise beschleunigte. König Khalid von Saudi-Arabien schickte seinen persönlichen Arzt, Dr. Maruf Dawalibi, um den Maulana zu untersuchen. Dieser unterhielt sich bis zu zwei Stunden lang mit dem Maulana. Während des Gesprächs ließ der Maulana niemanden spüren, dass seine Nerven bereits erschlafft waren. Doch kaum hatte Dr. Dawalibi das Zimmer des Maulana verlassen, fiel der Maulana bewusstlos zu Boden. Dieser Vorfall versetzte alle in Sorge und Unruhe. Dr. Ahmad Faruk war nun äußerst darauf bedacht, den Maulana zur Behandlung nach Amerika zu bringen. Doch weder Begum Mawdudi noch alle übrigen Hausbewohner gemeinsam konnten den Maulana dazu bewegen, einzuwilligen. Der Maulana hatte seinen Pass heimlich versteckt. Alle gerieten in größte Sorge. Schließlich gelangte der Buchhalter des Maulana, Herr Bashir Ahmad Butt, durch eine List in den Besitz des Passes. Daraufhin reiste der Maulana am 26. Mai von Lahore über Islamabad nach London, um von dort aus nach Amerika weiterzureisen. Bis London begleitete ihn Air Marshal Asghar Khan. Begum Mawdudi reiste gemeinsam mit dem Maulana und blieb bis zuletzt an seiner Seite.

In der Stadt Buffalo, viereinhalbhundert Meilen von New York entfernt, wurde der Maulana zur Operation in das Miller Fillmore Hospital aufgenommen.

Der zweite Sohn des Maulana, Ahmad Faruk Mawdudi, ist ein bekannter Arzt (Gehirnspezialist) und hält sich ebenfalls hier auf. Am 4. September wurde der Maulana im Krankenhaus operiert. Die Operation musste wegen einer Verletzung an einer Arterie durchgeführt werden.

Der Arzt sagt, dass ein Patient unter solchen Umständen unerträgliche Schmerzen empfindet. Doch beim Maulana war dies nicht der Fall. Am Vortag hatte der Maulana nicht sprechen können. Nach der Operation war sein Zustand zufriedenstellend. An jenem Tag besuchte ihn um vier Uhr nachmittags ein Freund des Maulana, Dr. Amirullah Husaini. Auf die Frage, wie es ihm gehe, antwortete der Maulana, dass es ihm gut gehe. Als der Doktor ihn bat, ein Bittgebet zu sprechen, sprach der Maulana das folgende Bittgebet aus dem Koran:

*********************************

Lass mich als Muslim sterben und nimm mich in die Reihen der Rechtschaffenen auf. – Sure Yusuf (101)

Am folgenden Tag, dem 5. September, erlitt er einen Herzanfall. Ab dem 7. setzte sich sein Gesundheitszustand wieder zunehmend besser. Am 19. kam es erneut zu einer plötzlichen Verschlechterung, und die Schmerzen im Herzen nahmen stark zu. In der Nacht zum 21. September saß Begum Maududi bis spät in der Nacht am Bett ihres Mannes, rezitierte die Sure Ya-Sin und andere Gebete und übergab ihn Allah Ta’ala.

Am folgenden Tag verbrachte der Maulana die meiste Zeit bewusstlos. Doch während des Gebets bewegte sich im Zustand der Bewusstlosigkeit der Zeigefinger seiner rechten Hand auf und ab – was alle bemerkten. Am 22. September 1979 um Viertel vor neun Uhr morgens vereinigte sich der Maulana im Alter von 76 Jahren mit seinem wahren Ma’bud – Inna lillahi ….

Nach den geltenden Gesetzen der Vereinigten Staaten darf ein Leichnam nicht vor Ablauf von 48 Stunden aus dem Krankenhaus entfernt werden. Zunächst stellt die Gesundheitsbehörde eine Sterbeurkunde aus. Danach wird der Sarg angefertigt. Sämtliche Maßnahmen zur Aufbewahrung des Leichnams werden getroffen. Erst dann darf der Leichnam entfernt werden. Dies dauert mindestens 48 Stunden. Auch wenn ein Leichnam aus den Vereinigten Staaten ins Ausland gebracht werden soll, ist dafür die Genehmigung der Regierung erforderlich. Doch Allah Ta’alas besondere Barmherzigkeit muss es gewesen sein, dass all diese Arbeiten innerhalb kürzester Zeit auf erstaunliche Weise erledigt wurden.

Um vier Uhr nachmittags wurde der Leichnam aus dem Krankenhaus in die Wohnung von Dr. Faruk Maududi in der Willing Road am Stadtrand von Buffalo überführt. Danach strömten an der Willing Road immer mehr Muslime, Neubekehrte und Trauernde aus verschiedenen Ländern der Welt zusammen, die durch die Schriften des Maulana beeinflusst worden waren und aus verschiedenen Orten Kanadas und der Vereinigten Staaten kamen. Am 22. September wurde in Buffalo dreimal das Totengebet verrichtet. Das erste Gebet leitete Maulana Sharif Bokhari, das zweite der Qari Sahib aus Toronto (Kanada), und das dritte Dr. Israr Ahmad, der Prediger der Jinnah-Moschee in Bagh, Lahore, und Vorsitzende der Anjuman Khuddam-ul-Quran. Sie trafen mit dem Flugzeug aus Chicago ein. Bis zum Abend dieses Tages kamen ununterbrochen Menschen aus Toronto, New York, Chicago, Detroit, Michigan, Indiana und anderen Städten. Der Generalkonsul des Iran nahm, sobald er die Nachricht erhalten hatte, in Buffalo an diesem ersten Totengebet teil. Als der Leichnam zur Willing Road gebracht wurde, waren Dr. Ahmad Faruk, Begum Maududi, der Schwiegersohn des Maulana, Sayyid Masud, und der Bruder von Begum Maududi anwesend. In seiner kurzen Ansprache sagte Dr. Ahmad Faruk: „Wir alle müssen den Kampf für die Mission fortsetzen, der Maulana Maududi, der Verstorbene, sein ganzes Leben gewidmet hat. Für uns ist es ein Grund zur Freude, dass der Maulana vor Allah Ta’ala erschienen ist, der ihm wahrhaftig Ehre erweist. Indem wir seinen Fußspuren folgen, werden wir, so Allah will, die Einladung zum Islam nicht nur in Pakistan, sondern in der ganzen Welt verbreiten.“

Dr. Ahmad sagte zum Generalkonsul des Iran: „Der Maulana hatte gesagt, dass er, sofern es seine Gesundheit erlaubte, gewiss einen Zwischenstopp im Iran eingelegt hätte. Der Maulana hatte auch gesagt: Die Islamische Revolution im Iran ist der Herzschlag meines Herzens.“

 

Ein denkwürdiges Interview in Buffalo

Am 22. Juli empfing der Maulana eine Delegation von fünfunddreißig Personen, die aus abgelegenen Gebieten Nordamerikas angereist war. Dieses Gespräch fand in der Wohnung von Dr. Ahmad Faruk statt. Der Maulana beantwortete ihre verschiedenen Fragen und bot Lösungen für viele Probleme an. Zu dieser Zeit schien sein körperlicher Zustand äußerlich gut zu sein. Auch seine Stimmung war recht heiter. Im Verlauf des Gesprächs machte er, wie es seiner Art entsprach, einige Scherze.

Zu dieser Zeit brachte jemand aus New York für den Maulana Betelblätter mit. Danach kam man auf die Betelblätter zu sprechen. Ein gewisser Anwar Beg sagte: „Maulana, ich denke, dass Allah der Erhabene im Paradies gewiss Betelblätter aufbewahrt haben wird.“

Darauf erwiderte der Maulana scherzhaft: „Bruder, vielleicht weißt du nicht, dass Betelblätter in Wirklichkeit Blätter des Paradieses sind und von dort auf die Erde gelangt sind.“

Ich habe bereits erwähnt, dass es eine äußerst schwierige Angelegenheit ist, einen Leichnam aus einem Krankenhaus in den Vereinigten Staaten zu überführen und ihn anschließend in ein anderes Land zu bringen. Bei der reibungslosen Durchführung all dieser Vorkehrungen leisteten die aus verschiedenen Städten Nordamerikas angereisten Anhänger und Verehrer des Maulana beträchtliche Hilfe. Aus New York gingen wiederholt telefonische Bitten ein, den Janaza-Gebet dort zu ermöglichen. Auch aus verschiedenen Orten wurde telefonisch besorgt nach dem Stand der Vorbereitungen gefragt. Im Haus von Dr. Ahmad klingelte das Telefon unaufhörlich.

Andererseits sagte Allama Ayatollah Ruhollah Chomeini, sobald er vom Tod des Maulana gehört hatte: „Die islamische Umma hat einen bedeutenden Gelehrten und islamischen Denker verloren.“ Anschließend teilte er Begum Maududi umgehend in Buffalo mit, dass ein iranisches Flugzeug bereitstehe, um dem Maulana den großen Dienst zu erweisen, seinen Leichnam zu befördern. König Khalid war angesichts der Todesnachricht tief erschüttert und sagte: „Der Tod von al-Ustadh Maulana Sayyid Abul A’la Maududi ist für die muslimische Welt ein herzzerreißendes Ereignis.“ Auch er ließ mitteilen, dass ein Flugzeug der Saudi Arabian Airlines bereitstehe, um das Glück zu haben, den Leichnam des Maulana zu befördern. Ebenso war Pakistans Präsident, General Zia-ul-Haq, angesichts der Todesnachricht des Maulana von tiefem Schmerz überwältigt und bot den Dienst der PIA zur Beförderung des Leichnams des Maulana an.

Begum Maududi sprach diesen Regierungen und insbesondere Allama Chomeini, König Khalid und General Zia-ul-Haq ihren tiefen Dank aus und sagte: „Derjenige, der in seinem ganzen Leben nicht ein einziges Mal in irgendeiner Angelegenheit irgendjemanden um etwas gebeten hat – nach seinem Tod einen solchen Dienst anzunehmen, wäre ihm gegenüber eine Respektlosigkeit. Ich erkenne die Dankbarkeit aller an und sage, dass wir diese Aufgabe nach unseren eigenen Möglichkeiten erfüllen werden.“

Alle Vorkehrungen wurden getroffen, damit der Leichnam am 23. September um vier Uhr nachmittags mit einem Charterflug von Buffalo nach New York gebracht und von New York aus mit dem Nachtflugzeug von Pan Am nach London geschickt werden konnte.

In einer von Trauer erfüllten Atmosphäre wurde der Leichnam des verehrten Murshid-e A’am unter unaufhörlichen Tränen zum letzten Abschied geleitet. Zuvor wurde um halb drei Uhr nachmittags zum vierten Mal in Buffalo das Janaza-Gebet verrichtet. Danach erhob sich das Charterflugzeug, ließ Buffalo in einem Meer von Tränen zurück und flog mit ausgebreiteten Flügeln nach New York. Von New York aus erhob sich das Pan-Am-Flugzeug mit dem Leichnam an Bord, durchbrach die Dunkelheit der Nacht und flog über den Luftraum des Atlantischen Ozeans nach London.

In London und Pakistan waren alle der Ansicht, dass man nicht vor Ablauf von achtundvierzig Stunden mit dem Eintreffen des Leichnams rechnen könne. Doch unerwartet wurde die Nachricht nach London übermittelt, sobald das Flugzeug von New York abgeflogen war.

Ein gewisser Chowdhury Muhammad Yasin war ein enger Freund des Maulana und seiner Familie. Auch er war an sämtlichen Vorkehrungen für die Behandlung des Maulana beteiligt. Er betrieb in London ein Geschäft. Nachdem er den Maulana in die Vereinigten Staaten begleitet hatte, kehrte er nach London zurück und blieb stets mit Dr. Ahmad Faruk in Verbindung. Er sagte: „Plötzlich erfuhren wir in London in der Nacht des 23., dass der Leichnam des Maulana von New York aufgebrochen war. Damals blieb keine Zeit mehr, die Nachricht in einer Zeitung zu veröffentlichen. Sie wurde lediglich telefonisch überall bekanntgegeben.“

Das Flugzeug aus New York landete am folgenden Tag, dem 24. September, um halb neun Uhr morgens auf dem Londoner Flughafen. „Allahu Akbar!“ In der Geschichte des Londoner Flughafens hatte es zuvor niemals eine derart große Menschenansammlung gegeben. Noch bevor das Flugzeug eintraf, war der Flughafen voller Menschen. Unaufhörlich strömten tränenüberströmte Menschen zum Flughafen.

Zusammen mit dem Leichnam stiegen Begum Maududi, Dr. Ahmad Faruk und Syed Masud aus dem Flugzeug. Aus den Stimmen der weinenden Tausenden von Menschen am Flughafen erklangen unaufhörlich das Glaubensbekenntnis und die Rufe „Allahu Akbar“. Der Leichnam wurde aus dem Flugzeug gebracht und in der Shalimar-Lounge der P.I.A. aufgebahrt; im Terminal 47 wurde das Totengebet vorbereitet. Beim ersten Mal leitete Herr Khurram Jah Murad das Totengebet, beim zweiten Mal Professor Khursheed Ahmad. Danach trafen mehrere mit Menschen besetzte Busse aus Birmingham ein. Diesmal leitete der stellvertretende Vorsitzende der UK Islamic Mission das Gebet. Dennoch kamen weiterhin unaufhörlich Menschen. Der Abflug des PIA-Flugzeugs verzögerte sich erheblich. Daher wurde das Totengebet noch zweimal verrichtet. Zahlreiche Journalisten aus dem In- und Ausland waren am Flughafen anwesend. Sie erklärten, einen derart von Trauer überwältigten Menschenstrom weder je gesehen noch sich je vorgestellt zu haben.

Um dem Maulana die letzte Ehre zu erweisen, erschienen am Flughafen der Sonderberater des pakistanischen Präsidenten, Herr Muazzam Ali, der Generalsekretär des Islamischen Rates von Europa, Herr Salim Azam, sowie diplomatische Vertreter zahlreicher Länder.

Am späten Abend startete das PIA-Flugzeug mit dem Leichnam und landete am folgenden Tag (35/9/79) um zehn Uhr morgens nach Zwischenstopps in Amsterdam, Damaskus und Dubai auf dem Flughafen von Karachi.

Der fünfundzwanzigste Tag war ein denkwürdiges Ereignis in der Geschichte Karachis.

Seit neun Uhr morgens begannen sich Menschen am Flughafen von Karachi zu versammeln. An diesem Tag fanden die Wahlen zur Stadtverwaltung von Karachi statt. Die meisten Fahrzeuge waren für die Wahl eingesetzt. Dennoch strömten die Menschen unter großen Mühen zum Flughafen.

Um halb zehn betrat der Amir der Jamaat-e-Islami Pakistan, Mian Tufail Muhammad, gemeinsam mit den führenden Vertretern der Karachi Jamaat sowie zehn oder zwölf Journalisten und Fotografen die VIP-Lounge. Ihre Gesichter waren blass und von Trauer gezeichnet. Die freiwilligen Helfer von Piyasi standen in Reihen zur Wahrung der Ordnung bereit. Draußen auf der Veranda weinten mehrere Frauen in Burkas. Tausende Menschen warteten auf das Flugzeug. Es wurde bekanntgegeben, dass sich die Ankunft des Flugzeugs etwas verzögern werde – nicht um zehn, sondern um halb elf. Über Lautsprecher wurde angekündigt, dass fünfzehn Minuten nach der Ankunft des Flugzeugs im Flughafenstadion, eine Meile entfernt, das Totengebet verrichtet werde. Die Menschen begannen, dorthin zu laufen.

Mian Sahib sitzt stumm unter den trauernden Menschen in der VIP-Lounge. Wenig später betritt Sardar Sherbaz Mazari die Lounge und bekundet gemeinsam mit Mian Sahib, Jan Muhammad Abbasi und den anderen unter Umarmungen seine Trauer.

In diesem Augenblick grüßt ein hochrangiger Regierungsbeamter Mian Sahib und sagt: „Ich komme aus Russland. Ich war dorthin gereist, um an einer internationalen Konferenz teilzunehmen. Sobald bei der Konferenz die Nachricht vom Tod des Maulana eintraf, erhoben die Menschen spontan die Hände zum Gebet.“

Er fügt hinzu: „Der Tod des Maulana ist nicht nur ein Verlust für seine Familie und die Jamaat-e-Islami, sondern ein unersetzlicher Verlust für die gesamte muslimische Welt.“

Mit erstickter Stimme spricht er diese Worte.

Pünktlich um zehn Uhr setzte das Flugzeug auf der Start- und Landebahn auf und blieb vor der VIP-Lounge stehen. Hunderte Menschen brachen in Tränen aus. Einige verloren vor überwältigender Trauer das Bewusstsein.

Als Erster stieg Dr. Ahmad Faruq aus dem Flugzeug. Danach Begum Maududi. Hinter ihr folgten Professor Khurshid, Sayyid Masud und Chowdhury Muhammad Yasin von „Dawn Travels London“. Diese fünf kamen gemeinsam mit dem Leichnam.

Unter großen Mühen wurde der Leichnam durch die Menge auf den Lastwagen gehoben. Auf dem Lastwagen befanden sich Mian Sahib, Dr. Ahmad, Professor Khurshid und andere führende Persönlichkeiten. Durch ein Menschenmeer setzte sich der Lastwagen in Richtung des Flughafenstadions in Bewegung. Um fünf nach elf leitete Mian Tufail Muhammad Sahib das Totengebet.

Nach dem Gebet wurde der Leichnam wieder auf den Lastwagen gehoben. Diesmal befand sich unter den anderen auch General Abbasi, der Gouverneur von Sindh, auf dem Lastwagen. Bis dahin hatten die Menschen sich mit unendlicher Geduld beherrscht. Doch nun brach der Damm ihrer Geduld. Unzählige Menschen waren aus der ganzen Stadt zum Flughafen gekommen. Wer würde beim letzten Abschied nicht das Gesicht seines geliebten Führers ein letztes Mal sehen wollen? Alle rannten wie Besessene hinter dem Lastwagen her. Jeder sehnte sich danach, den Leichnam einmal zu berühren und das strahlende Gesicht noch einmal aus tiefstem Herzen zu betrachten. Dies war der Augenblick des letzten Abschieds. Derjenige, der ihre schlummernden Seelen erweckt und ihr Gewissen eindringlich angerufen hatte, war heute selbst verstummt und in Schlaf versunken. Nachdem er sein Werk vollendet hatte, war er in die Nähe seines Herrn gegangen. Immer wieder erscholl: „Allahu Akbar“, und dazu: „Sayyidi, Murshidi – Abschied, Abschied.“

Der Anblick, wie der Leichnam ins Flugzeug gebracht wurde, war noch herzzerreißender. Viele umarmten einander und weinten schluchzend. Einige verloren das Bewusstsein. Nachdem der Leichnam um ein Uhr ins Flugzeug gebracht worden war, wurden die Türen des Flugzeugs geschlossen. Um halb zwei erhob sich das Flugzeug mit ausgebreiteten Flügeln in den Himmel und flog in Richtung Lahore. Das dröhnende Geräusch des Flugzeugs traf die Herzen aller Trauernden. Hätten auch sie je zwei Flügel gehabt, wären sie wie ein Vogelschwarm mit dem Flugzeug mitgeflogen. So lagen auf ihren Lippen neben Verzweiflung, Seufzern und Tränen innige Gebete für ihren geliebten Murshid.

Der Leichnam in Lahore

Flughafen Lahore. Die sengende Sonne des Monats Aschwin neigt sich am westlichen Himmel dem Horizont zu. Wer hätte ahnen können, dass der Mard-e-Mumin, der am vergangenen 26. Mai an diesem Flughafen von der von Kummer bedrückten islamischen Menge Abschied genommen und sich mit den Worten „Khuda Hafiz“ nach Amerika aufgemacht hatte, damals seinen letzten Abschied nahm? Er konnte nicht mehr nach Lahore zurückkehren. Allah Taʿala hat über einige Seiner geliebten Diener gesagt: „Radīyallāhu ʿanhum wa-raḍū ʿanhu“ – und er war einer von ihnen; zufrieden ging er in die Nähe seines Herrn ein. Nur sein bewusstloser, aus Erde geschaffener Körper ist heute nach Lahore zurückgekehrt. Menschenströme eilen zum Flughafen Lahore, um seinen Leichnam herzlich zu empfangen. Das Flugzeug mit dem Leichnam sollte um drei Uhr landen.

Inzwischen hatten sich mehr als hunderttausend Menschen am Flughafen versammelt. Diejenigen, die nicht bis zum Flughafen gelangen konnten, waren gekommen, um dem Leichnam des Maulana vom Flughafen aus ihre Ehrerbietung zu erweisen.

Unter den am Flughafen Eingetroffenen waren neben den Führern der Jamaat besonders hervorzuheben: der Vorsitzende des Rates für islamische Ideale, Richter Afzal Chima; eine Delegation von mehr als hundert Personen unter der Leitung von Maulana Yusuf, dem Emir der Jamaat-e Islami Hind; eine aus Jordanien unter der Leitung von Dr. Latif eingetroffene Delegation; die Botschafter der muslimischen Länder; Vertreter von Jammu und Kaschmir; Vertreter der Islamic Students Movement of India sowie die Führer der afghanischen Mudschahedin.

Unter den Führern der politischen Parteien befanden sich Chaudhry Zahur Elahi, Malik Qasim, Khawaja Khairuddin, Sahebzadi Mahmuda Begum, Sardar Shaukat Hayat und viele andere. Auch die Frauen aus der Familie des Maulana trafen in einem schwarzen Wagen ein. Regungslos wie steinerne Statuen – Sinnbilder der Trauer. In ihren Augenwinkeln hatten sich Tränen gesammelt.

Als das erwartete Flugzeug genau um drei Uhr über dem Flughafen zu kreisen begann, wurde die ungeduldige Menge von heftiger Trauer überwältigt. Mit tränenerstickten Stimmen erklangen in der Luft die Kalima des Glaubenszeugnisses und die Rufe des Takbīr.

Um drei Uhr fünf Minuten landete das Flugzeug und kam vor der VIP-Lounge zum Stehen. Direkt neben den Fenstern des Flugzeugs hielt ein PIA-Lastwagen. Um den Leichnam herauszuholen, stiegen Husain Faruq Maududi, Chaudhry Zahur Elahi, Qazi Husain Ahmad und der Piyasī-Mitarbeiter Maulvi Rafiq Ahmad in das Flugzeug.

Nachdem der Leichnam auf den Lastwagen gehoben worden war, setzte sich dieser langsam und gemächlich in Richtung des Wohnhauses des Maulana in Bewegung. Zusammen mit dem Lastwagen zog eine Prozession von Millionen Menschen. Aus jeder Stadt und jedem Ort, von Khyber bis Quetta und von Azad Kaschmir bis Multan, waren Menschen gekommen – Junge und Alte ohne Unterschied. Von beiden Seiten der Straße und von den Dächern der Gebäude vergossen unzählige Männer und Frauen beim Anblick dieses Trauerzuges Tränen und erwiesen dem Leichnam ihre Ehre, indem sie Blumen auf ihn herabregnen ließen. Neben dem Lastwagen bewegte sich eine kilometerlange Reihe von Privatwagen, Sonderbussen, Kombiwagen, Motorrollern, Autorikschas, Fahrrädern und anderen Fahrzeugen, und mit ihnen gingen Millionen trauernder Menschen zu Fuß. Nirgends herrschten Unordnung, Geschrei oder Tumult. Unter vollständiger Wahrung der Disziplin, in der sie so lange geschult worden waren, zog die Menschenmenge weiter. Von einem Wagen hinter ihnen wurden über einen Lautsprecher das Glaubensbekenntnis und Takbir-Rufe angestimmt. Um halb vier setzte sich diese Karawane vom Flughafen aus in Bewegung. Über die Shahrah-e-Quaid-e-Azam, den Charing Cross, die Shahrah-e-Fatima Jinnah und Mujang Chungi erreichte sie über die Firozpur Road schließlich um sechs Uhr die Ichhra-Kreuzung. Danach gelangte der Lastwagen mit dem Leichnam nur unter großen Mühen zum Wohnhaus des Maulana. Von den Minbaren der Moscheen ringsum ertönte der Maghrib-Adhan. In keiner der umliegenden Moscheen war auch nur ein winziger Platz frei, auf dem Menschen hätten stehen können. Unterdessen verloren viele, von Kindern bis zu Greisen, angesichts der übermächtigen Trauer das Bewusstsein.

Nach dem Maghrib-Gebet wurde bekannt gegeben, dass bis neun Uhr nachts nur Frauen die letzte Besichtigung des Leichnams vornehmen dürften. Danach sollte von zehn Uhr nachts bis acht Uhr am folgenden Morgen nur Männern Gelegenheit zur Besichtigung gegeben werden. Der Leichnam war vor dem privaten Zimmer des Maulana an einer erhöhten Stelle aufgebahrt worden. Die Menschen sollten durch ein Tor eintreten, einen kurzen Blick auf den Leichnam werfen und durch ein anderes Tor wieder hinausgehen. Seit sechs Uhr abends zog die Reihe der Frauen durch das Tor des 5/A-Jaildar-Parks, und bis neun Uhr nachts riss dieser Strom nicht ab.

Die Studentinnen der Punjab-Universität kamen in drei voll besetzten Bussen. Aus aller Munde drang das Weinen der Trauer. Es war, als höre man in Luft und Himmel den Widerhall des Weinens: Die Engel Allahs weinen, und die gesamte Schöpfung weint.

Um halb acht Uhr abends kam der Präsident Pakistans, General Zia-ul-Haq, zur letzten Besichtigung. Für einige Zeit wurden die Frauen angehalten, damit er den Leichnam besichtigen konnte. Mian Tufail Muhammad betrat gemeinsam mit General Zia-ul-Haq das Wohnhaus des Maulana. Den pakistanischen Präsidenten begleiteten der Gouverneur des Punjab, General Sarwar Khan, der Chefsekretär sowie weitere militärische und zivile Beamte. Bei ihnen war auch der Vorsitzende der Islami Jamiat, Herr Liaquat Baloch. Nachdem General Zia-ul-Haq den Maulana besichtigt hatte, stand er einige Zeit schweigend da; zugleich strömten ihm starke Tränen über beide Wangen.

Mit erstickter Stimme sagte General Zia-ul-Haq: „Das ist ein geradezu lichtstrahlendes Antlitz.“ Dann tröstete er die Kinder des Maulana und sagte: „Der Tod des Maulana ist ein unersetzlicher Verlust. Dieser Verlust betrifft nicht nur seine Familie und nicht nur Pakistan, sondern die gesamte muslimische Welt. Der große Dienst, den er geleistet hat, wird der muslimischen Gemeinschaft noch über mehrere Jahrhunderte hinweg den Weg weisen. Ich hoffe, dass seine Kinder sich bemühen werden, die Fackel der Rechtleitung, die der Maulana entzündet hinterlassen hat, leuchtend zu bewahren.“ Etwa zehn Minuten später verabschiedete er sich.

Von halb zehn Uhr nachts bis neun Uhr am folgenden Morgen nahmen Tausende von Menschen, in Reihen wartend, wenn auch nur für einen kurzen Augenblick, die letzte Besichtigung des Maulana vor.

Kurz vor neun Uhr vormittags wurde der Zutritt der Menschen beendet, und für das Totengebet wurde der Leichnam wieder auf den Lastwagen gehoben. Genau zu dieser Zeit landete ich auf dem Flughafen von Lahore. Die folgenden schmerzlichen Szenen habe ich bereits geschildert.

Am 27. September wurde auf Initiative der Anjuman-e-Ittehad-e-Talaba der Punjab-Universität im Faisal-Auditorium auf dem Universitätsgelände eine Trauerversammlung veranstaltet. Den Vorsitz führte Mian Tufail Muhammad. Zahlreiche Gelehrte und Intellektuelle aus dem In- und Ausland hielten dort Reden und bekundeten dem Maulana ihre tiefe Ehrerbietung.

Der Vizekanzler der Universität Katar sagte: „Das Totengebet für Sayyid Maududi war ein Referendum. Das pakistanische Volk hat seine Entscheidung zugunsten des Islam bekundet.“

Der stellvertretende Generalsekretär des Weltmuslimischen Jugendparlaments, Dr. Muhammad Ahmad Tutundschi, sagte: „Die Gedanken des Maulana werden Herz und Verstand bis zum Tag der Auferstehung erhellen.“ Scheich Abdullah al-Aqil, Direktor der Abteilung für Islamische Angelegenheiten im Awqaf-Ministerium von Kuwait, sagte: „Maulana Maududi hat die Verschwörung zunichtegemacht, den Islam innerhalb der vier Wände von Moscheen und Madrasas einzuschließen.“ Der offizielle Vertreter Saudi-Arabiens, Dr. Taha Dschabir, sagte: „Sayyid Maududi hat in diesem Jahrhundert die Religion Allahs zu neuem Leben erweckt.“ Der kuwaitische Gelehrte Abd al-Aziz Ali al-Ali al-Mutawa sagte: „Sayyid Maududi hat eine Dschamaat gegründet, die im Kampf für die Errichtung der Vorherrschaft des Islam in der ganzen Welt aktiv ist.“ Maulana Yusuf, Emir der Jamaat-e-Islami Hind, sagte: „Ich bezeuge bei Allah, dass Maulana Maududi seine Verantwortung vollständig erfüllt hat.“ Ich hatte gesagt: „Die Schriften und Gedanken des Maulana haben unter Hunderten Millionen Menschen eine geistige Revolution ausgelöst.“ Der syrische Gelehrte Scheich Said Hawwa sagte: „Maulana Maududi hat den Duft Pakistans über die ganze Welt verbreitet.“ Liaquat Balutsch, Vorsitzender der Islamischen Union, sagte: „Die Schriften und Gedanken des Maulana haben Hunderte Millionen Jugendliche in diesem Land und in der muslimischen Welt zu Menschen gemacht, die ihr Leben dem Islam widmen.“ Wenn es heute möglich gewesen wäre, den Maulana um den Preis ihres Lebens zurückzubringen, wären Hunderttausende Jugendliche bereit gewesen, ihr Leben dafür zu opfern.

Scheich Saiful Islam, ein ägyptischer Rechtsanwalt und Sohn des Märtyrers Scheich Hasan al-Banna, des Gründers der Muslimbruderschaft, sagte: „Nach dem Märtyrertod Scheich Hasan al-Bannas glaubten die Mitglieder der Bruderschaft, dass niemand da sei, der sie führen könne. Doch schon kurze Zeit später erkannten sie, dass nun Al-Ustadh Sayyid Abu l-A’la Maududi ihr Murshid-i-Am, ihr Lehrer und ihr Wegweiser war.“

In seiner Ansprache sagte Mian Sahib: „Wir werden all unsere Kräfte dafür einsetzen, die Gedanken des Maulana zur Geltung zu bringen.“

Danach fanden an der Universität des Punjab sowie an verschiedenen Orten in Lahore noch mehrere Trauerversammlungen anlässlich des Todes des Maulana statt. Zu fast allen war ich eingeladen und nahm daran teil.

Zweiundzwanzig Jahre lang habe ich versucht, den Maulana kennenzulernen – ich habe ihn kennengelernt und beobachtet. Mit meinem ganzen Herzen habe ich versucht, ihn kennenzulernen und zu sehen. Heute empfinde ich ganz deutlich, dass der Tod den Maulana, den ich zu seinen Lebzeiten als so groß und bedeutend gesehen hatte, hunderttausendfach größer und bedeutender gemacht hat. Die Stellung der Ehre und Verehrung, die er im In- und Ausland innehatte, hat der Tod um ein Vielfaches erhöht.

Auf meiner diesjährigen Reise durch Pakistan bin ich von Karatschi nach Lahore, von Lahore nach Rawalpindi und von Rawalpindi nach Peschawar gereist. Überall – in Himmel und Luft, in Blättern und Zweigen, im murmelnden Klang der Flüsse und in den dahinziehenden Wellen des Indus, Ravi, Dschhelam und Attock, in Bergen und Gebirgen – hörte ich die Trauerklage. Überall sah ich ein lebendiges Bild der Trauer. Ich hörte aus den Stimmen von Millionen Menschen, von Kindern, Alten und Frauen, wie bei den Trauerklagen im Muharram: „Sayyidi, Murshidi, Maududi, Abschied, Abschied.“ Von Buffalo nach New York und London, von London nach Karatschi und von Karatschi nach Lahore ist sein lebloser Erdenkörper über unzählige Flüsse und Meere, Berge und Gebirge, Täler und Hochebenen, Städte, Siedlungen und Wüsten geflogen, hat die ganze Welt in einem Tränenmeer versinken lassen und ist gekommen, um auf seiner ewigen Ruhestätte niedergelegt zu werden. Deshalb weint heute bei seinem Tod die muslimische Welt und singt seine Trauerklage.

Heute habe ich mit meinem ganzen Leben erkannt, dass der Unterschied zwischen dem lebenden Maududi und dem Maududi, der diese staubige Welt verlassen hat, gewaltig ist – wie der zwischen Himmel und Erde. Maududi ist heute unbesiegbar durch den Tod. Seine weltumspannende islamische Daʿwa, sein unschätzbarer literarischer Schatz und sein klares Denken werden ihn für immer unsterblich machen. Diejenigen, die ihn zu Lebzeiten mit schiefem Blick betrachtet haben, überschlagen sich heute in seinem Lob. Heute hat Altaf Gauhar aus der Ayub-Zeit über die BBC verschiedene Aspekte des Lebens des Maulana beleuchtet und ihm seine tiefe Verehrung aus dem Herzen erwiesen. Mufti Mahmud, der Vorsitzende der PNA, sagte, Maulana Abu l-A’la Maududi sei eine „Bescheinigung für den Koran und die Sunna“ gewesen.

Beim Hinscheiden des Maulana ist die gesamte muslimische Welt von Trauer überwältigt. In Stadt um Stadt und in Moschee um Moschee werden Totengebete in Abwesenheit und Trauerversammlungen abgehalten. Verschiedene Gelehrte, Wissende und angesehene Persönlichkeiten, Lehrer und Schüler bringen dem Maulana in Zeitungen und Zeitschriften ihre Verehrung dar und bringen die Gefühle ihrer tränenüberströmten und von Trauer erfüllten Herzen zum Ausdruck. Zu denjenigen, die ihre Reaktionen bekundeten, zählen besonders Major a. D. Mustafa Shaheen, Dr. Muhammad Qutb, der bekannte Chirurg Dr. Ali al-Hajj aus Khartum, der Hauptstadt des Sudan, der ehemalige Minister der Islamic Foundation in Nairobi, Yusuf Hashem ar-Rifa’i, der französische Sprachwissenschaftler Professor Hamidullah, der in Hongkong lebende Nazir Hasan, einer der bedeutendsten Gelehrten der arabischen Welt, Dr. Mustafa az-Zarqa, der Oberste Richter der Vereinigten Arabischen Emirate, Scheich Abdul Aziz al-Mubarak, der iranische Allama Ayatollah Ehia Nuri, Dr. Ibrahim Agah aus der Türkei, Dr. Ismail Raji al-Faruqi aus Amerika, der indische Maulana Abul Hasan Ali Nadwi, Sayyid Mas’ud Ali Rizvi aus Dschidda, Muhammad Amin aus Riad, Husain Khan aus Japan, der indische Maulana Sa’id Ahmad Akbarabadi, Abdul Mudschoib aus Medina, Maulana Sadruddin Rifa’i Mudschaddidi, der Rechtsanwalt A. K. Brohi, der Rechtsredakteur Muzaffar Beg und Sarwat Saulat aus der arabischen Welt. Die Zahl derart trauernder angesehener Persönlichkeiten ist so groß, dass eigens ein gesondertes Buch verfasst werden müsste, um ihre Würdigungen zu veröffentlichen.

[Zweiter Teil]

 

Der Antrieb des Maulana zur schriftstellerischen Tätigkeit

Dass der Maulana ein Essayist, Literat und Denker von höchstem Rang ist, ist in der Welt der Literatur wohlbekannt. Unbestreitbar ist auch, dass er der Urdu-Sprache eine neue Gestalt und Lebenskraft verliehen hat. Die Art seiner Schreibweise, sein Satzbau und seine Ausdrucksweise sind ganz und gar sein eigenes. Die Inspiration zu außergewöhnlichem Schreiben scheint ihm angeboren gewesen zu sein, und sie trat bereits in seiner frühesten Kindheit zutage.

Seine eigene Aussage hierzu wird den Lesern im Folgenden zur Kenntnis gebracht:

„Als ich neun Jahre alt war, erwachte in mir ganz natürlich der Antrieb, Essays zu schreiben. Zu jener Zeit kam ein Freund von mir namens Janab Ashfaq Ahmad Zahidi nach Aurangabad und wohnte einige Tage bei uns. Er hatte eine starke Neigung zum Schreiben von Essays und zum Lesen von Büchern. Er weckte in uns beiden Brüdern den Antrieb zum Schreiben von Essays und regte uns neben den Schulbüchern auch zum Lesen allgemeiner Zeitschriften und Zeitungen an. Einmal sagte er, um unsere Fähigkeiten zu prüfen: ‚Nehmt an, ihr hättet euch in ein Mädchen verliebt. Nun schreibt eurer eingebildeten Geliebten einen Liebesbrief, in dem die Gefühlsüberschwänglichkeit der Liebe und der Schmerz der Trennung zum Ausdruck kommen.‘“

Auf diesem Gebiet waren wir völlig unerfahren. Besonders war ich in einem Alter, in dem in meinem Herzen keinerlei Vorstellung davon entstanden war, was Liebe, eine Geliebte oder Trennung überhaupt seien. Doch zu jener Zeit hatte ich Gulistan und Bustan gelesen. Daraus hatte ich ein wenig Wissen gewonnen: ‚Liebe ist eine besondere Krankheit, die entsteht, wenn man ein schönes, anmutiges Gesicht erblickt; infolge dieser Krankheit beginnt im Herzen ein Feuer zu brennen. Es erlischt nur, wenn man jenes Gesicht erblickt. Solange man es nicht sieht, brennt dieses Feuer im Herzen weiter. Und dieser Zustand des Herzens heißt Trennung.‘ Wie dem auch sei, wir machten von diesem Wissen nach unseren Möglichkeiten reichlich Gebrauch, schilderten diesen Zustand und verfassten einen langen Brief. Keiner von uns beiden Brüdern und auch Bruder Ashfaq kann sich daran erinnern, was wir damals geschrieben hatten. Doch eines ist mir ganz sicher im Gedächtnis geblieben: Bruder Ashfaq war, nachdem er die beiden Briefe gelesen hatte, völlig verblüfft, und besonders meiner gefiel ihm besser. Obwohl der Brief meines älteren Bruders der Länge nach umfangreicher war.

Nach dem Bestehen der Maulvi-Prüfung übersetzte ich in einer freien Stunde auf Bitten meines älteren Bruders ein arabisches Buch von Qasim Amin Bey, „Al-Mir’at al-Jadid“, ins Urdu. Ich weiß nicht, wo sich die Manuskripte dieser Übersetzung heute befinden. Doch ich erinnere mich sehr gut daran, dass mein verstorbener Vater von der Flüssigkeit der Übersetzung, der Einfachheit ihrer Sprache und ihrem wohlklingenden Satzbau äußerst angetan war und auch mein älterer Bruder sie ausgiebig lobte.

Dies war mein erster Versuch. Nachdem ich 1917 nach Bhopal gezogen war, verfestigte sich neben dem allgemeinen Studium meine Neigung zum Verfassen von Aufsätzen so sehr, dass ich das Gefühl bekam, sie werde vor meinem Tod kein Ende nehmen. Die ersten drei oder vier Jahre befand ich mich in einem Zustand des Nachahmens. Wenn mir die Schreibweise jemandes gefiel, versuchte ich, ihn nachzuahmen. Doch je mehr ich studierte, desto stärker erkannte ich, dass die Schönheit eines Aufsatzes nicht durch die Nachahmung der Methode eines anderen zur Entfaltung kommt, sondern durch eine eigene Ausdrucksweise. Seit 1921 folge ich einer eigenen, beständigen Stil- und Methodenform, in der ich niemanden nachahme.

Ich vertrete die Auffassung, dass mit jedem Gedanken und jeder Vorstellung auch eine bestimmte Sprache entsteht. Die richtigste und passendste Sprache für den Ausdruck eines jeden Gedankens und jeder Vorstellung ist daher jene, die sich ganz von selbst zusammen mit diesem Gedanken und dieser Vorstellung herausbildet. Deshalb sollte man nur über den Aufsatz selbst nachdenken. Nun bleibt noch die Frage der Sprache. Man braucht sich nicht damit abzumühen, sie auszuwählen. Sie wird ganz von selbst mit dem Aufsatz kommen.

Das ist der Grund, weshalb sich, wenn ich etwas schreiben muss, all meine Anstrengungen ausschließlich darauf richten, die Gedanken zu ordnen und Material sowie Argumente und Beweise zu sammeln. Sobald der Inhalt einmal in meinem Geist zusammengetragen ist, brauche ich nicht viel Zeit, um ihn zu Papier zu bringen. Bei der Auswahl der Wörter für das Schreiben bin ich so sicher, dass ich fast bei allen Themen, außer bei besonders wichtigen, nach dem ersten Schreiben keine zweite Durchsicht für nötig halte.“

 

Die revolutionäre Literatur des Maulana

Seit einem halben Jahrhundert hat die kraftvolle und revolutionäre Literatur des Maulana Sayyid Abul A’la Maududi in den Herzen und Köpfen unzähliger Millionen Menschen eine Revolution ausgelöst. Sie hat in den Herzen zahlloser Männer und Frauen eine innige Liebe zu Gott und Seinem Gesandten geweckt und dadurch die Richtung ihres Lebens verändert. Seine Literatur und sein Gedankengut haben aus den Reihen von Abermillionen Menschen viele ausgewählt und für einen unermüdlichen Kampf gegen das Falsche eingesetzt. Die jahrhundertelange Erstarrung, die sich in der Gedankenwelt der Muslime festgesetzt hatte, hat die Literatur des Maulana beseitigt und ein weitreichendes, klares und reines Denken hervorgebracht. Es lässt sich nicht ermessen, wie viele Menschen der Einfluss seiner Literatur von weltlicher Habgier und weltlicher Furcht befreit und zu Trägern eines makellosen und gefestigten Charakters gemacht hat.

 

Die Merkmale seiner Literatur

Das erste Merkmal der Literatur Maududis besteht darin, dass er den Islam nicht als eine erstarrte, alte, konventionelle oder durch die Abstammung überlieferte Religion darstellt, sondern als eine revolutionäre Lebensanschauung und Bewegung. Seine stärksten Argumente dafür hat er als innere Beweise aus dem islamischen Denken selbst vorgetragen. Von den ermutigenden und anspornenden Versen des Heiligen Korans, dem dreiundzwanzigjährigen kämpferischen Leben des Heiligen Propheten, dem unaufhörlichen Streben und Ringen der edlen Gefährten sowie der glanzvollen Epoche des rechtgeleiteten Kalifats wird diese revolutionäre Lehre der Religion bezeugt. Der Maulana versuchte nicht, durch die Kraft seiner Ausdrucksweise ein Netz aus Worten zu knüpfen, um etwas zu beweisen; vielmehr hat er jene Lehren und Tatsachen, die aufgrund des jahrhundertelangen, nicht praktizierten und erstarrten Denkens den Menschen verborgen geblieben waren, freigelegt, gereinigt und der islamischen Umma klar vor Augen geführt.

Das zweite Merkmal seiner Literatur und seines Gedankenguts besteht darin, dass er jeden Aspekt und jeden Bereich des Islam deutlich herausgearbeitet und jeden davon zeitgemäß dargestellt hat. Alle Arten von Vorwürfen, die das moderne wissenschaftliche Zeitalter gegen die Religion erhebt, hat er mit Argumenten und Beweisen widerlegt. Er hat ein Bild vom vollständigen Gebäude der islamischen Gesellschaftsordnung entworfen. Die islamischen Grundsätze in jedem Aspekt und jedem Bereich des Lebens – im sozialen, politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Bereich, in Recht und Bildung, Landwirtschaft und Industrie sowie im moralischen und geistigen Bereich –, kurz gesagt in allen Lebensbereichen, hat er detailliert mit Argumenten und Beweisen dargestellt. Er hat erklärt, worin die modernen Forderungen des Islam bestehen und was die moderne Welt vom Islam fordert. Er hat den Kommunismus als Irrlehre entlarvt. Auch den Kapitalismus hat er als eine zerstörerische Lehre erwiesen. Faschismus, Sozialismus, Liberalismus und sämtliche anderen Ismen betrachtet er als für die Menschheit verhängnisvolle Lehren.

Er betrachtet diese nicht, wie ein engstirniger Mullah, als „harmlos“. Vielmehr hat er ihre Mängel und Abweichungen analysiert und sie unmissverständlich aufgezeigt.

Das dritte Merkmal besteht darin, dass Maulana Maududi nachgewiesen hat, dass der Islam keine bloße Religion von Gottesdiensten und Festen ist, die „keine Beziehung zur Politik“ hätte; vielmehr gibt es keinen einzigen Lebensbereich, der vom Islam unabhängig bleiben kann. Der Islam ist eine vollständige Lebensordnung, und die Politik ist ein Teil dieses Lebens. Solange dieser politische Lebensbereich nicht dem Islam untergeordnet wird, ist sein Anspruch nicht erfüllt.

 

Kurze Vorstellung einiger Werke des Maulana

 

Tafhim-ul-Qur’an

„In unserer Sprache sind bereits so viele Werke über die Übersetzung und Tafsir des Edlen Qur’an verfasst worden, dass es nicht als sinnvoller Einsatz von Zeit und Mühe erscheint, allein zum Zweck des Segens und der Gunst irgendeiner Person noch eine weitere Übersetzung oder einen weiteren Tafsir zu schreiben und zu veröffentlichen. … Seit langer Zeit hatte ich empfunden, dass der zunehmende Durst in unseren gebildeten Kreisen danach, die innere Bedeutung des Qur’an und seine wahre Zielsetzung zu erfassen, trotz der lobenswerten Bemühungen der Übersetzer und Tafsir-Gelehrten keineswegs gestillt werden konnte. Ich dachte mir: Warum sollte nicht auch ich irgendeinen Versuch unternehmen, diesen Durst zu stillen?“

Diese Worte äußerte der Maulana im Vorwort zu seinem Tafhim-ul-Qur’an. Bei der Übersetzung des Qur’an vermied er daher die herkömmliche Praxis der wörtlichen Übersetzung und übertrug die arabischen Fachbegriffe in eine einfache, flüssige und klare Urdu-Sprache. Dies ist eine einzigartige und meisterhafte Leistung der Schreibkunst. Er sagt:

Erstens hat man beim Lesen einer wörtlichen Übersetzung den Eindruck, dass weder der Zusammenhang des ursprünglichen Wortlauts noch die Süße der Sprache und die Wirkung der Rede überhaupt zu spüren sind. In jeder Zeile der Übersetzung des Qur’an findet sich eine leblose Aussage, die nach ihrer Lektüre im Herzen des Lesers keinerlei Anregung hervorruft; sein Körper erschauert nicht, Tränen treten ihm nicht in die Augen, und in seinem Herzen entsteht kein revolutionärer Gedankengang. Er kann nicht im Geringsten empfinden, dass etwas seinen Verstand, seine Vernunft und sein Gewissen beeinflusst und tief in sein Inneres eindringt. Dabei ist die Wirkung der Literatur des Qur’an keineswegs geringer als die Wirkung seiner heiligen Lehren und erhabenen Inhalte. Gerade deshalb sind selbst steinerne Herzen beim Hören der heiligen Worte des Qur’an dahingeschmolzen, und ganz Arabien erbebte unter dem Donnerschlag dieser Botschaft. Selbst seine Gegner erkannten seine Wirkungsmacht und fürchteten, dass diese Botschaft eine solche magische Kraft besitze, dass jeder, der sie hörte, völlig von ihr überwältigt würde. Wenn der Sprache des Qur’an auch nur ein solches Maß an Kraft gefehlt hätte und der Qur’an in einer Sprache offenbart worden wäre, wie wir sie in seinen Übersetzungen vorfinden, dann hätte dieser Qur’an keineswegs eine unbezähmbare Lebenskraft im gesamten arabischen Volk erwecken und seine Herzen und Gemüter gewinnen können. (Tafhim-ul-Qur’an, Vorwort).

Beim Lesen des Qur’an entstehen im Leser immer wieder Verwunderung und Fragen: Warum unterscheidet sich der Qur’an so sehr von unseren gewöhnlichen Büchern? Was ist überhaupt sein Gegenstand? Warum weist er keine systematische Anordnung und keinen fortlaufenden Zusammenhang auf? Wie wurde er nach seiner Offenbarung zusammengestellt und bewahrt? All diese Zweifel und Bedenken hat der Maulana im Vorwort zum Tafhim-ul-Qur’an widerlegt. Gleich zu Beginn hat er auf all diese Fragen zufriedenstellende Antworten gegeben. Sein Vorwort kann in Wirklichkeit als grundlegendes Prinzip zum Verständnis des Heiligen Qur’an bezeichnet werden; es wurde auch gesondert in Form einer Broschüre veröffentlicht.

Der Maulana begann im Jahr 1943 über seine Monatszeitschrift Tarjuman al-Qur’an fortlaufend mit der Abfassung von Tafhim al-Qur’an und vollendete sie innerhalb von dreißig Jahren. Man kann sagen, dass er den größten Teil seines Lebens der Abfassung dieses unschätzbaren Werkes widmete. Für die künftigen Generationen ist dies sein größter Beitrag.

Einst bemerkte er in seiner Nachmittagsrunde (einer Zusammenkunft vom Asr- bis zum Maghrib-Gebet):

„Ich habe die Zeit meiner Tage und Nächte in drei Teile aufgeteilt. Ein Teil ist den täglichen Aufgaben des Landes und der Organisation gewidmet, ein Teil den gegenwärtigen Generationen und ein Teil den künftigen Generationen. Die Abfassung von Tafhim al-Qur’an betrachte ich als ein mir obliegendes Recht der künftigen Generationen. Dieses Recht kann ich nicht um der gegenwärtigen Generationen willen zunichtemachen.“

Um dieses Buch für die künftigen Generationen noch nützlicher, zuverlässiger und informationsreicher zu machen, setzte er all seine Kräfte ein. Er bereiste den Nahen Osten und Ard al-Qur’an (die in dem Qur’an erwähnten historischen Orte) mit eigenen Augen und fügte seinem Werk Fotografien dieser historischen Stätten hinzu.

Bei der Erläuterung des göttlichen Wortes im Tafhim al-Qur’an brachte der Maulana keine eigenmächtigen Behauptungen vor. Er folgte den Ansichten der muslimischen Gelehrten der Vergangenheit beziehungsweise der Salaf as-Salihin, den sahih Hadithen und der Sira des Propheten. Unter den Tafsir-Werken, die er beim Verfassen seines Tafsir insbesondere zu Rate zog, sind besonders hervorzuheben: al-Kaschschaf an haqa’iq at-tanzil von Allama Dscharullah az-Zamachschari, Tafsir al-Qur’an al-Azim von Allama Ibn Kathir, Ahkam al-Qur’an von Abu Bakr al-Dschassas und Ahkam al-Qur’an von Ibn al-Arabi al-Maliki.

Wenn der Maulana bei der Auslegung des Qur’an auf Fragen der Fiqh stieß, erörterte er die grundlegenden Werke der vier Imame der Fiqh: der hanafitischen, malikitischen, schafiitischen und hanbalitischen Rechtsschule. Denn es war seine ständige Gewohnheit, zur Ermittlung dessen, was in einer Sache wahr oder falsch ist, stets die grundlegenden Quellenwerke zu studieren. Auf seinem Tisch lagen verschiedene Tafsir- und Hadith-Werke, grundlegende Werke der Fiqh, Bücher über die Sira, die Geschichte des Islam und anderes verstreut. Bevor er etwas für Tafhim al-Qur’an niederschrieb, notierte er die benötigten Informationen aus diesen Werken auf gesonderten Blättern. Die gründliche Prüfung und Erforschung einzelner Themen nahm bisweilen Tage um Tage und Wochen um Wochen seiner Zeit in Anspruch.

Ein besonderes Merkmal von Tafhim al-Qur’an besteht darin, dass der Maulana in seinen Anmerkungen verschiedene Themen mit Blick auf die Denkweise des modernen Menschen erläutert hat. Ohne komplizierte Theorien der arabischen Lexikografie, Grammatik und Logik einzuführen, legte er in einfacher und klarer Sprache Lösungen für die Probleme des modernen Zeitalters vor. Er beleuchtete auf ansprechende Weise all jene Zweifel, Bedenken und Fragen, die beim Lesen des Qur’an im Geist des Lesers aufkommen können.

Ein weiteres bemerkenswertes Merkmal von Tafhim al-Qur’an besteht darin, dass am Anfang jeder Sure eine Einführung, ein Vorwort oder eine Präambel eingefügt wurde. Gleich zu Beginn werden das zentrale Thema der Sure, ihr historischer Hintergrund, der Anlass ihrer Offenbarung sowie eine vollständige Darstellung des sozialen, politischen und kulturellen Umfelds und der Bedingungen gegeben, unter denen die Sure offenbart wurde. Dadurch erschließen sich dem Leser schon im Voraus sowohl der Inhalt der Sure als auch ihre innere Bedeutung. Dies ist eine neuartige Methode zum Verständnis des Qur’an, die der Maulana dem Leser vorgelegt hat.

Ein weiterer bemerkenswerter Aspekt des Tafhim-ul-Qur’an besteht darin, dass der Maulana durch dieses Werk eine anerkennenswerte Arbeit über die gesegnete Sira des Propheten Mustafa (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) geleistet hat. Indem er die wahre Persönlichkeit des Propheten Mustafa (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), des Trägers und Überbringers des heiligen Qur’an, darstellte, erfüllte er die Herzen der Leser mit tiefer Liebe und Zuneigung zu ihm. Durch die Aufteilung des mekkanischen und medinensischen Lebens des heiligen Propheten in gesonderte Abschnitte machte er die verschiedenen Aspekte der Sira des Propheten deutlich. Schritt für Schritt legte er unwiderlegbare Beweise für das Prophetentum vor und schuf dadurch im Leser eine feste Überzeugung von der Sendung. Danach kann der Leser deutlich erkennen, dass Offenbarung, Propheten und Gesandte, das Buch und die Sunna untrennbar miteinander verbunden sind. Obwohl die Anmerkungen zum Tafhim-ul-Qur’an eine vollständige Behandlung der Sira enthalten, hegte der Maulana den Wunsch, darüber ein gesondertes Buch zu verfassen. Durch die unendliche Gnade Allahs hat er auch diese gewaltige Aufgabe vollendet. Dieses Buch, Sira Sarwar-e Alam, ist in mehreren Bänden erschienen.

Unter den revolutionären Schriften des Maulana nehmen sein Tafhim-ul-Qur’an und Al-Dschihad fil-Islam, der Grundstein seines literarischen Schaffens, den höchsten Rang ein. Dass dies für die künftige Menschheit sein größter Beitrag und der Grundstein seines literarischen Schaffens ist, kann ohne jedes Zögern gesagt werden.

Über den Tafhim-ul-Qur’an und die Werke des Maulana haben im In- und Ausland verstreut Forschungsarbeiten begonnen. Wenn jedoch aus dem Tafhim ein dauerhafter Nutzen für künftige Generationen gezogen werden soll, muss auf staatlicher Ebene eine Forschungsakademie oder ein Forschungszentrum hohen Niveaus eingerichtet werden. Ich hoffe, dass Allah auch den Weg für diese Aufgabe ebnen wird.

 

Die vier grundlegenden Begriffe des Qur’an

Dieses Buch öffnet dem Leser die Türen seines Herzens, damit er den Qur’an richtig begreifen kann. Deshalb ist seine Bedeutung von unschätzbarem Wert. Die vier Begriffe, die der Maulana in diesem Buch umfassend beleuchtet hat, sind Ilah, Rabb, Ibadat und Din. Wenn die Vorstellung des Lesers von diesen vier Begriffen nicht klar ist, wird es ihm keineswegs möglich sein, den Qur’an zu verstehen. Wenn der Leser meint, Ilah bedeute eine anzubetende Gottheit, Din eine Religion, Rabb einen Erhalter und Ibadat Lobpreis, Verehrung und religiöse Zeremonien, dann kann er den eigentlichen Sinn des Qur’an auf keinen Fall erfassen. Aus diesem Grund hielt der Maulana eine richtige Erläuterung dieser vier Begriffe für unerlässlich und verfasste dieses Buch.

Gewiss wurden diese vier Begriffe im Tafhim-ul-Qur’an nicht etwa im Zusammenhang erläutert. Doch nachdem man ihre Bedeutung erkannt hatte, entstand das Bedürfnis, darüber ein eigenständiges Buch zu verfassen.

 

Das Wesen der islamischen Kultur

In der heutigen Zeit herrschen unter den Muslimen hinsichtlich der islamischen Kultur geistige Verwirrung und Anarchie. Alles, was ein Muslim tut oder was von Muslimen über Generationen hinweg getan wurde, wird als islamische oder muslimische Kultur bezeichnet. Was immer ein Muslim tut, soll islamisch sein und die Zustimmung des Islam verdienen. Der Versuch, unter dem Namen der Unterhaltung die schönen Künste und Musikveranstaltungen in die islamische Kultur einzubeziehen, ist eine Folge des Einflusses der westlichen Zivilisation. Nun stellt sich die Frage, ob der Islam der Welt kulturelle Werte vorlegt und ob es im kulturellen Bereich grundlegende Prinzipien des Islam gibt, was unter Kultur zu verstehen ist, auf welcher Grundlage die islamische Zivilisation und Kultur errichtet sind, welche kulturellen Vorstellungen der Glaube an Tauhid, Risalat und das Jenseits anerkennt und Ähnliches. All diese Fragen werden in dem oben genannten Buch ausführlich erörtert; ihre richtige Lösung und die entsprechenden Prinzipien werden darin dargelegt. Für Menschen mit gutem Geschmack, die sich der Kultur widmen, wird dieses Buch zweifellos als Wegweiser dienen.

 

Al-Dschihad fi l-Islam

 

Dies wurde bereits am Anfang des Buches erörtert.

Die islamische Renaissancebewegung

Der Islam ist eine lebendige Lebensanschauung, die der Schöpfer der Welt für die Menschheit mit dem Ziel herabgesandt hat, dass der Mensch sein gesamtes Leben nach dieser Lebensanschauung gestaltet. Die vollständige Verwirklichung dieser Lebensanschauung erfolgte zu Lebzeiten des letzten Propheten Muhammad Mustafa (s.a.w.). Auch in der Zeit der rechtgeleiteten Kalifen blieb sie unversehrt, makellos und unverfälscht. Doch später begann durch die Umwandlung des Kalifats in eine Monarchie allmählich die Dschahiliya in den Islam einzudringen. Danach wurde es für die einfachen Menschen zu einem schwierigen Problem, zu unterscheiden, was von all dem Islam und was Dschahiliya war. Um den Islam vom Schmutz der Dschahiliya zu befreien und ihn in seiner unverfälschten und wahren Gestalt zu erlangen, bedarf es eines Erneuerers, der in der islamischen Terminologie als „Mudschaddid“ bezeichnet wird. Wann immer die muslimische Gemeinschaft das Bedürfnis verspürte, den Islam von Verunreinigungen zu befreien, erschien in der Geschichte des Islam ein Mudschaddid.

In diesem Buch analysiert der Maulana im Zusammenhang mit dem ideologischen Konflikt zwischen Islam und Dschahiliya vier Anschauungen über das Leben und weist nach, dass allein der Islam die für die Menschheit annehmbare Lehre ist. Anschließend erläutert er die Definition des Mudschaddid, den grundlegenden Unterschied zwischen einem Mudschaddid und einem Propheten sowie Imam Mahdi und anderes. Danach behandelt er einige der großen Mudschaddids der muslimischen Gemeinschaft und deren Wirken.

 

Der Konflikt zwischen dem Islam und der westlichen Zivilisation

Nach der Ausbreitung der politischen Vorherrschaft der Engländer auf dem indischen Subkontinent verloren die Muslime nicht nur ihre Herrschaft, vielmehr zerstörte die moderne Zivilisation sogar ihr Selbstvertrauen, ihre innere Ausgeglichenheit, ihren Iman und ihren Aqida-Glauben. Danach begannen die Muslime, alles zu bereuen und aufzugeben, worüber die westliche Zivilisation angesichts der Muslime voller Abscheu die Stirn gerunzelt hatte. Das betraf ihre Kleidung, ihre Umgangsformen, ihre Sprache oder auch ihren Iman und ihre Aqida. Mit anderen Worten: Alles, was aus westlicher Sicht unerwünscht war, begannen sie nach und nach aufzugeben. Schließlich ging ein Teil der Muslime so weit, dass er jedes aus Europa importierte Ding für ebenso glaubwürdig wie die Offenbarung hielt, während die wahre „Offenbarung“ ihnen zweifelhaft wurde. Fasziniert und angezogen von den neuen wissenschaftlichen Entdeckungen begannen sie, ihnen allerlei aus der Luft gegriffene Erklärungen zu geben. Eine Nation, die von einer solchen geistigen Knechtschaft befallen ist, gräbt sich anschließend eigenhändig ihr eigenes Grab. Obwohl der Maulana inmitten dieser Nation geboren wurde, kritisierte er diese geistige Knechtschaft aufs Schärfste und versuchte durch seine scharfe Feder, die Muslime vor diesem Weg des Selbstmords zu bewahren.

In seinem oben genannten Werk beleuchtet der Maulana die geistige Knechtschaft und ihre Ursachen, den Niedergang der islamischen Zivilisation, die Krankheiten der modernen Zivilisation, die leeren Phrasen der Fortschrittsanhänger und anderes und erörtert auf ansprechende Weise die Heilmittel gegen die Krankheiten der modernen Zivilisation. Durch dieses Buch weckt er in einer ihrer selbst vergessenen Nation das Selbstbewusstsein.

 

Einführung in den Islam

Für den Erwerb grundlegender Kenntnisse über den Islam ist dieses Buch äußerst wichtig und ertragreich. Durch dieses Buch kann der Leser die wahre Bedeutung und das Wesen des Islam erfassen. In seiner einfachen, schlichten und zu Herzen gehenden Sprache erörtert der Maulana in diesem Buch eingehend den Islam, den Iman, das Prophetentum, den Din und die Scharia sowie die Vorschriften der Scharia.

 

Die grundlegenden Lehren des Islam

(Die Khutbat- oder Haqiqat-Reihe)

In diesem Buch werden die wesentlichen Inhalte von Iman, Islam, Gebet und Fasten, Zakat, Haddsch und Dschihad ausführlich dargelegt. Die Sprache ist ebenso einfach wie für die Allgemeinheit verständlich. Das Buch ist eine Zusammenstellung der aufeinanderfolgenden Ansprachen, die er in den Freitags-Khutbas zu diesen Themen hielt.

 

Die islamische Lebensordnung

Dieses Buch beleuchtet die politischen, wirtschaftlichen, sozialen, spirituellen und ethischen Ordnungen und Regelungen des Islam. Unmittelbar nach der Gründung Pakistans hielt der Maulana zu diesen Themen eine Reihe von Rundfunkansprachen, die gesammelt und in Buchform veröffentlicht wurden. Das Buch bezeugt, dass der Islam eine vollständige Lebensordnung für die Menschheit ist.

 

Purdah und Islam

Dieses Werk ist einer der bedeutendsten literarischen Beiträge des Maulana. Darin hat der bedeutende islamische Denker der Welt, Maulana Sayyid Abul A’la Maududi, zu einem umstrittenen Thema der modernen Zeit mit Nachdruck Stellung genommen. Gleich zu Beginn des Werkes sagt er bei der Erörterung der grundlegenden Probleme der menschlichen Gesellschaft:

„Die menschliche Zivilisation steht vor zwei besonders grundlegenden und komplexen Problemen. Der Fortschritt und das umfassende Wohlergehen der Menschheit hängen von einer angemessenen Lösung dieser beiden Probleme ab. Daher sind die denkenden und gebildeten Kreise der Welt über deren Lösung beunruhigt und besorgt.

Das erste Problem besteht darin, wie die Beziehung zwischen Mann und Frau im gesellschaftlichen Leben gestaltet werden kann. Tatsächlich ist dies der Grundstein der Zivilisation. Wenn darin auch nur die geringste Möglichkeit einer Verzerrung besteht, wird der darauf errichtete Palast der Zivilisation zwangsläufig ebenfalls verzerrt sein.

Das zweite Problem betrifft die individuellen und kollektiven Beziehungen der Menschheit. Wenn bei der Herstellung des Gleichgewichts zwischen diesen beiden auch nur die geringste Unstimmigkeit bestehen bleibt, wird die Menschheit deren Bitterkeit über lange Zeit hinweg zu ertragen haben.“ Anschließend zeichnet der Maulana ein äußerst schmerzliches Bild der gesellschaftlichen Systeme des antiken Griechenlands, Roms und der christlichen Länder Europas. Bei der Darstellung der Freiheitsvorstellungen des achtzehnten Jahrhunderts führt er als unausweichliche Folgen historische Beispiele für sexuelle Anarchie (Sexual Anarchy), ansteckende Sexualkrankheiten, Ausschweifung und Obszönität an. Auf der Grundlage historischer Fakten wird nachgewiesen, wie die westliche Gesellschaft, unfähig, Mann und Frau ihren richtigen Platz in der Gesellschaft zuzuweisen, rasch auf einen nationalen Selbstmord zusteuert. Nach einer philosophischen, natürlichen, wissenschaftlichen und psychologischen Analyse der Beziehung zwischen Mann und Frau in der Gesellschaft wird für deren sachgerechte und dauerhafte Lösung das islamische Gesellschaftssystem ausführlich dargestellt. Das Werk hat in der Welt des Denkens eine gewaltige Erschütterung ausgelöst.

Neben den oben genannten Werken sind auch seine Schriften „Die Unabhängigkeitsbewegung Indiens und die Muslime“, „Der islamische Staat“, „Ismamic Law and Constitution“, „Islam und Geburtenkontrolle“, „Kalifat und Monarchie“ und andere von außerordentlicher Bedeutung. Darüber hinaus sind mehr als fünfzig weitere Bücher und Schriften des Maulana über die ganze Welt verbreitet; inzwischen ist der größte Teil seiner Werke in etwa vierzig Sprachen der Welt übersetzt worden.

 

Der Einfluss des Maulana und seiner Schriften in anderen Ländern

 

Indien

Unter den Ländern außerhalb Pakistans, in denen die Botschaft und die Mission Maulana Maududis Einfluss gewonnen haben, ist Indien besonders hervorzuheben. Der Maulana begann seine Arbeit im ungeteilten Indien, und nach der Teilung wirken die von seinen Gedanken und Programmen beeinflussten Menschen durch die indische Organisation Jamaat-e-Islami weiter. Gegenwärtig arbeiten sie auf der Grundlage des folgenden vier Punkte umfassenden Programms:

* Beseitigung der kommunalen Konflikte.

* Reformierung der muslimischen Gesellschaft nach islamischen Grundsätzen sowie eine umfassende Verbreitung und Förderung religiösen Wissens unter ihren Mitgliedern.

* Die gebildete, begabte Schicht zu beeinflussen, ihre Talente zu entfalten und sie für konstruktive Aufgaben einzusetzen. Insbesondere soll der mächtige Strom von Atheismus, Kommunalismus, Sozialismus und Kommunismus durch wissenschaftliche Argumente und Beweise eingedämmt werden.

* Die Fähigkeit zu erwerben, Aufsätze zu verfassen und Vorträge in Hindi und anderen Regionalsprachen zu halten, damit in diesen Sprachen die erhabene Botschaft des Islam verbreitet werden kann.

Ihre Arbeit nimmt einen breiten Umfang an und ist äußerst vielversprechend.

 

Ceylon

Die gebildeten Muslime Ceylons, insbesondere Akademiker und Studierende, sind durch die Schriften Maulana Maududis und die islamische Bewegung beeinflusst und wirken über die Organisation MUSLIM BROTHERHOOD MOVEMENT. Durch wöchentliche Zusammenkünfte und zwei Zeitschriften verbreiten sie ihre Ideale. Auch die hiesige Geschäftswelt zeigt in dieser Hinsicht besonderes Interesse. Sie übersetzen mehrere Werke des Maulana ins Singhalesische. Diese Organisation wirkt derzeit unter dem Namen Dschama’at-i Islami von Ceylon.

 

Amerika

Seit einigen Jahren werden die Schriften des Maulana in Amerika mit großer Wertschätzung gelesen. Die Organisation der Muslime von Philadelphia namens „Muslim League“ lässt sich regelmäßig Schriften des Maulana zusenden. Auch aus anderen Orten werden Bestellungen nach den Schriften des Maulana aufgegeben.

Besonders bemerkenswert ist, dass an der McGill-Universität in Kanada eine systematische Forschung über die Gedanken und die Sichtweise Maulana Maududis betrieben wird. Diese Arbeit führt Dr. Professor Charles J. Adams durch. Von der Rockefeller Foundation wurde ihm für diese Arbeit ein Stipendium von sechstausend Dollar gewährt.

Diese Arbeit wird im Rahmen des Instituts für Islamische Studien der Universität durchgeführt. Unter der Leitung dieses Instituts wird über Maulana Maududis politische Sichtweise sowie über die Organisation und das Programm der Jamaat-e Islami geforscht.

Professor Adams hielt sich zwei Jahre in Pakistan auf und traf sich mit dem Maulana und seinen Mitarbeitern. Er erlernte sogar gründlich die Urdu-Sprache.

Für seine Forschung wurden sämtliche Schriften des Maulana sowie alle Akten von Tarjuman-ul-Qur’an gesammelt.

Vor einiger Zeit sandte Dr. Adams der Karatschi erscheinenden Zeitschrift „Voice of Islam“ den folgenden Brief.

„Im vergangenen Jahr wurde ich von einer amerikanischen Institution gebeten, einen Aufsatz zu verfassen. Die Institution ist daran interessiert, Beziehungen zwischen den verschiedenen Religionen herzustellen. Jedenfalls behandelte ich in meinem Aufsatz Maulana Maududi ausführlich. Bei der Versammlung, auf der ich meinen Aufsatz vortrug, war ein Vertreter der Rockefeller Foundation anwesend. Nach dem Vortrag traf er mich und bat mich, über die politischen Gedanken Maulana Maududis zu forschen. Nun werde ich ein Jahr lang ein Buch über Maulana Maududi schreiben. Darin werde ich seine Gedanken über die Errichtung eines islamischen Staates eingehend behandeln.“

Die Tageszeitung der McGill-Universität, „McGill Daily“, machte folgende Bemerkung:

„Von den drei oder vier denkenden Persönlichkeiten der modernen Welt, die versucht haben, einen modernen Staat im Lichte der herkömmlichen islamischen Sichtweise zu errichten, ist Maulana Maududi einer. In dieser Hinsicht ist das Leben des Maulana von außerordentlicher Bedeutung.

Unter dem Einfluss der Schriften des Maulana gründete ein hochgebildeter junger Neubekehrter nach dem Vorbild der pakistanischen Jamaat-e-Islami im Jahr 1971 eine islamische Partei namens The Islamic Party of Narth America. Die Arbeit dieser Partei ist äußerst vielversprechend. Die Partei hat zwei Räte: erstens den Central Cuidance Council (zentrale Majlis-e-Schura) und zweitens den General Council (allgemeiner Rat). Im Namen der Partei werden regelmäßig zwei Zeitschriften herausgegeben: die monatlich erscheinende Al-Islam (auf Englisch) als Sprachrohr des Islam und die vierzehntägig erscheinende New Trend.

Der Gründer und derzeitige Vorsitzende dieser Partei, Yusuf Muzaffaruddin Hamid, sagt: „Um die Lebenskraft der islamischen Revolution zu verstehen, ist es unbedingt notwendig, gemeinsam Maulana Maududis Tafhim-ul-Quran und Sayyid Qutb Shahids Fi Zilalil Quran zu studieren.

Es versteht sich von selbst, dass die Schriften des Maulana Yusuf Muzaffaruddin auf den äußerst beschwerlichen Weg der islamischen Bewegung geführt haben. Er sagt:

„Wir haben unsere Jamaat nach wissenschaftlichen Methoden organisiert. Die Partei hat verschiedene Abteilungen, nämlich Bildung, Politik, Auswärtige Angelegenheiten, literarische Veröffentlichungen und so weiter. In jeder Abteilung sind gebildete Verantwortliche und hingebungsvoll tätige Mitarbeiter selbstlos mit der Erfüllung ihrer Aufgaben betraut. Der Ausbildung der Mitarbeiter und der Bildung der künftigen Generationen messen wir ebenfalls besondere Bedeutung bei. Für die Bildung von Jungen und Mädchen wurde eine besondere Organisation gegründet. Wir haben auch dafür gesorgt, dass neben dem üblichen Lehrplan eine korrekte Kenntnis der Religion des Islam vermittelt wird. Wir arbeiten in zweiundzwanzig Bundesstaaten Amerikas.“

Erwähnenswert ist, dass Yusuf Muzaffaruddin im Jahr 1969 nach Pakistan kam und als Gast des Maulana eine Woche in dessen Gesellschaft verbrachte. Mehrere Tage lang führte er ausführliche Gespräche mit dem Maulana, der seine verschiedenen Fragen zufriedenstellend beantwortete. Die Schriften des Maulana, die Satzung, Arbeitsweise und Organisation der Jamaat-e-Islami beeindruckten ihn so sehr, dass er den Wunsch äußerte, Mitglied der Jamaat zu werden. Da die Mitgliedschaft ausländischen Staatsangehörigen jedoch untersagt war, kehrte er in sein Land zurück und gründete 1971 die erwähnte islamische Partei.

 

England

Aus mehreren Orten Englands gehen Bestellungen für die Schriften des Maulana ein. Unter muslimischen Studenten besteht dafür eine sehr große Nachfrage. Sie stellen dem Maulana verschiedene schwierige religiöse Fragen. Die Schwierigkeiten, mit denen sie während ihres Aufenthalts in London konfrontiert sind, schildern sie ihm und bitten ihn um deren Lösung.

Nachdem sie die Bücher des Maulana gelesen hatten und dadurch von den islamischen Idealen inspiriert und angespornt worden waren, gründeten einige in London lebende Muslime kürzlich eine Organisation zur Verbreitung des Islam mit dem Namen „UK Islamic Mission“, um in diesem Land islamische Daʿwa zu betreiben. Die in London lebenden Muslime hegten den sehnlichen Wunsch, den Maulana einmal in ihrer Mitte zu sehen. Obwohl sie ihn zu diesem Zweck nach London einluden, erfüllte sich ihre Hoffnung nicht. Aufgrund verschiedener Schwierigkeiten war es dem Maulana nicht möglich, Zeit für diese Reise aufzubringen.

In den siebziger Jahren gründeten bengalischsprachige Muslime in London, inspiriert von den Gedanken des Maulana, eine Organisation namens „Daʿwatul Islam“ und widmen sich der Verbreitung der islamischen Daʿwa. In verschiedenen Städten wurden ebenfalls Zweigstellen von Daʿwatul Islam gegründet.

Auch die Einrichtung islamischer Bildung für die Kinder der bengalischsprachigen Bevölkerung durch die Gründung von Grundschulen in verschiedenen Städten ist eine anerkennenswerte Arbeit dieser Organisation.

In der Stadt Leicester wurde ein islamisches Forschungszentrum namens „Islamic Foundation“ gegründet, das sich auf die Literatur und die Gedanken des Maulana konzentriert. Islamische Denker und Forschungswissenschaftler aus verschiedenen Ländern setzen ihre Arbeit über die Islamic Foundation mit vollem Einsatz fort.

 

Deutschland

Auch in Deutschland ist der Einfluss der Botschaft und der Mission Maulana Maududis deutlich zu spüren. Herr Eric Abdur Rahman Rusler, der stellvertretende Vorsitzende der islamischen Gemeinschaft in Hamburg, nahm Kontakt zum Maulana auf und bat ihn, ihm seine Bücher zuzusenden.

Er teilte dem Maulana mit, dass die Menschen dort gegenwärtig unter vier Arten von Leiden litten, nämlich unter seelischer Unruhe, völliger Verzweiflung, Angst und äußerster Verwirrung im Bereich des Denkens.

Der Maulana sandte ihm all seine ins Englische übersetzten Bücher. Durch die Bemühungen von Herrn Abdur Rahman findet in Deutschland inzwischen eine rege islamische Daʿwa-Arbeit statt.

Auch vom in Genf gegründeten Islamischen Zentrum aus wird die islamische Daʿwa-Arbeit betrieben, und auch dort wurden Bücher des Maulana übersetzt. Einige zum Islam konvertierte deutsche Gelehrte haben ebenfalls mit der Übersetzung der Werke des Maulana begonnen.

 

Mauritius

Ein Mitarbeiter des Maulana betreibt in Mauritius die Daʿwa-Arbeit. Dort arbeitet er als Lehrer an einer Schule, ist außerdem Prediger in einer Moschee, hält Dars über den Koran und die Hadithe und redigiert eine Zeitschrift. Die Fortschritte seiner Arbeit sind vielversprechend.

 

Civil Korea

Die jungen Leute hier studieren mit großem Interesse die Werke des Maulana.

Darüber hinaus sind die Werke des Maulana an Orten wie Birma, Laos, Westindien, Britisch-Guayana, Südamerika, Pretoria, Südafrika, Kano, Nigeria, Marokko und Johannesburg in Urdu, Arabisch und Englisch weit verbreitet.

Die Islamische Gesellschaft von Pretoria erhielt die Genehmigung, die Werke des Maulana ins Englische zu übersetzen.

Die Regierung von Mauritius hat einige Bücher des Maulana als Lehrbücher für die ihr unterstehenden Schulen bestimmt.

Es wurde bereits erwähnt, dass die Schriften des Maulana in den arabischen Ländern große Wertschätzung erfahren haben. Dort hat man geplant, die Schriften des Maulana ins Arabische, Englische und in andere europäische Sprachen zu übersetzen.

 

Japan

Unter den nichtmuslimischen Völkern Asiens bekundet das japanische Volk ein dringendes Verlangen danach, im wohltuenden Schatten des Islam Zuflucht zu finden. Den Imperialismus und die Vorherrschaft Amerikas betrachten sie mit Abscheu. Für das Christentum empfinden sie nicht das geringste Interesse. Der Zauber der Shintō-Religion ist von ihnen gewichen. In materieller Hinsicht geht es ihnen sehr gut. Doch in geistiger Hinsicht werden sie zunehmend unruhig und bedrängt. Bis heute haben fünfundzwanzigtausend Japaner den Islam angenommen.

Es versteht sich von selbst, dass all dies auf den Einfluss der Schriften des Maulana zurückzuführen ist. In den vergangenen sechziger Jahren reiste ein begabter Mitarbeiter der pakistanischen Jamaat-e-Islami nach Japan, um die islamische Daʿwa auszuweiten. Durch seine Bemühungen wurde in Tokio ein Islamisches Zentrum gegründet. Die Arbeit der Daʿwa sowie die Übersetzung der Schriften des Maulana ins Japanische wurden aufgenommen. Die islamische Erweckung, die heute im japanischen Volk zu beobachten ist, ist das Ergebnis der tief berührenden Schriften des Maulana und der Bemühungen des Islamischen Zentrums. Auch die Übersetzung von Maulanas Tafhīm al-Qurʾān ins Japanische ist im Gange. Ein Pakistaner namens Hussain Khan ist der Direktor dieses Zentrums.

Sudan

Im Sudan dauert seit drei Jahrzehnten ein ununterbrochener Kampf zwischen Islam und Kufr, zwischen Wahrheit und Falschheit an. Die islamische Bewegung dort hat sich trotz verschiedener Rückschläge und Gegenstöße sowie Höhen und Tiefen bis heute als eine bedeutende Kraft behauptet.

Im Jahr 1950 stürzten sich die Studenten der Universität von Khartum im Sudan als Erste in die kommunistische Bewegung, und die meisten Dozenten schlossen sich ihr ebenfalls an. Doch die Ikhwan al-Muslimun und die Schriften des Maulana weckten unter den Studenten ein neues Bewusstsein und bildeten eine starke Front gegen den Kommunismus. 1956 erlangte der Sudan seine Unabhängigkeit, und als sich die islamische Bewegung im ganzen Land ausbreitete, erhob das Volk lautstark die Forderung nach einer islamischen Verfassung. Kurz bevor 1967 die islamische Verfassung verabschiedet werden sollte, kam es infolge einer ausländischen Verschwörung zu einer Militärrevolution im Land, und der Einfluss Russlands begann sich überall auszubreiten. Die Führer und Aktivisten der islamischen Bewegung wurden verfolgt und unterdrückt.

Doch trotz alledem konnte der Einfluss der islamischen Bewegung nicht aus den Herzen und Köpfen des Volkes getilgt werden. Dr. Hasan Turabi, einer der führenden Köpfe der Bewegung, wurde nach langjähriger Haft freigelassen, und die islamische Bewegung wird zunehmend stärker. [Im Sudan ist nun eine islamische Regierung errichtet worden. Dort hat man allmählich damit begonnen, die Gesetze der Scharia einzuführen. Die Jugend ist bereit, ihr Leben für den Islam zu geben. – Der Verfasser]

Maulana Maududi ist der Initiator einer internationalen Mission. Sein Programm reicht von der Reform und Verbesserung des Einzelnen bis zum Staat und vom Staat bis zur Reform, Befreiung und zum Wohl der gesamten Menschheit. Daher ist seine erhabene Botschaft international und weltweit.

Im Vergleich zu den verschiedenen Systemen, die in der modernen Welt in der menschlichen Gesellschaft praktiziert werden, hat Maulana Maududi den Islam als ein umfassendes Lebenssystem dargestellt. Er hat zudem bewiesen, dass der Islam jedem anderen System überlegen ist. Seine Gedanken üben auch in zahlreichen nichtmuslimischen Ländern der Welt großen Einfluss aus. Deshalb hat man dort mit der Übersetzung seiner Werke begonnen. Nachdenkliche Menschen haben darüber ebenfalls tiefgehende Forschungen aufgenommen.

Zweitens hat er ein vollständiges Bild einer islamischen Verfassung entworfen, um das staatliche System auf den Grundlagen des Islam aufzubauen. Sein unschätzbares Werk „Ismamic Law and Constitution“ ist von angesehenen Kreisen im In- und Ausland hoch gelobt worden. Für eine vollständige islamische Verfassung führte er in Pakistan acht Jahre lang eine Volksbewegung und beleuchtete zahlreiche komplizierte und detaillierte Fragen. Er gab befriedigende Antworten auf viele Vorwürfe sowie unbegründete Zweifel, Ängste und Befürchtungen. Daher wird eine islamische Verfassung im Bewusstsein der Bevölkerung eine Ordnung bedeuten, die auf dem Koran und der Sunna beruht. Das Echo der Bewegung für eine islamische Verfassung hören wir auch in anderen muslimischen Ländern, wo man sich um ihre Errichtung bemüht. Unter den muslimischen Gelehrten der Gegenwart, die als Experten für das islamische Recht und seine Bestimmungen gelten, nimmt Maulana Sayyid Abul A’la Maududi den höchsten Rang ein.

Seine Persönlichkeit ist heute international. Insbesondere ist er einer der bedeutendsten Denker der islamischen Welt. Der oben gegebene kurze Bericht über seine Reise in den Nahen Osten macht deutlich, dass er das Licht der Hoffnung für die islamische Welt trägt und dass sein modernes Denken einen gewaltigen Schatz der muslimischen Welt darstellt.

 

Maulana Maududi und der Tasawwuf

In unserem Land gibt es noch immer einige Menschen, die Maulana Maududi kritisieren und bekämpfen mit der Begründung, er sei gegen den Tasawwuf.

Einige von ihnen hegen grundlosen Hass gegen den Maulana und wollen ihn mit der Waffe dieser Kritik zu Fall bringen, während andere dies aus schierer Unwissenheit sagen.

Maulana Maududi hat sein ganzes Leben dem Kampf für die Iqamat-e-Din gewidmet. Es gibt kein Ende der Verfolgung und Unterdrückung, die er auf diesem Weg erdulden musste. Dennoch hat er sich auch nicht einen Augenblick vor dem Bösen gebeugt. Unter denjenigen, die den Maulana als Gegner des Tasawwuf bekämpfen, war niemals eine kämpferische Haltung für die Iqamat-e-Din zu erkennen. Vielmehr haben sie, während sie den äußeren Prunk von Pir-Muridi entfalteten, gerade mit den Kräften des Bösen gemeinsame Sache gemacht. Viele von ihnen geben sich einerseits als geistige Lehrer in „Tasawwuf, Ma’rifat“ oder „Ilm-e-Batin“ aus, arbeiten andererseits jedoch als Unterstützer und Aktivisten einer politischen Partei, deren gesamtes Streben und Handeln sich gegen den Islam richtet. Sie halten dies nicht für verwerflich, weil Politik und Islam ihrer Ansicht nach zwei verschiedene Dinge sind. Daraus wird deutlich, dass ihre grundlegende Sichtweise des Islam irrig ist. Ein Muslim muss sich in allen Bereichen seines Lebens und zu jeder Zeit ausschließlich nach den Geboten Allahs richten. Es ist für ihn undenkbar, anzunehmen, dass er innerhalb der vier Wände der Moschee den Geboten eines Gottes folgt, während er sich in der Politik, im Geschäftsleben und in den Künsten nach den Geboten eines anderen Gottes richtet.

Der Scheich der Scheiche, Hazrat Abd al-Qadir al-Dschilani (r.h.), sagte: Tasawwuf ist aus dem Wort Musafat ******************* abgeleitet. Es bedeutet, Herz und Verstand von allen islamfeindlichen Ideologien, Gesinnungen und Denkweisen zu befreien. Sich von der Liebe und Zuneigung, der Furcht und Angst, der Knechtschaft und dem Gehorsam gegenüber allem außer Allah zu reinigen. Zu den Zielen des Tasawwuf gehört auch, sich vor der Anbetung der eigenen Triebe, Hass und Feindschaft, weltlicher Gier und Begierde, übler Nachrede, Klatsch, Hochmut und Eitelkeit und dergleichen zu bewahren. Die großen Kritiker sollten darüber nachdenken, in welchem Maß sie sich über all dies erheben konnten.

Maulana Maududi äußerte sich über den Tasawwuf mit folgenden klaren Worten: Tasawwuf ist nicht die Bezeichnung für nur eine einzige Sache. Vielmehr wurden verschiedene Dinge oder Themen mit diesem Namen bezeichnet. Der Tasawwuf, den wir anerkennen, ist eine Sache; der Tasawwuf, den wir nicht anerkennen, ist eine zweite Sache. Und der Tasawwuf, den wir reformieren und korrigieren wollen, ist wiederum eine dritte Sache.

Eine Art des Tasawwuf war unter den Sufis der frühen islamischen Zeit verbreitet, etwa unter Fudail ibn Iyad, Ibrahim ibn Adham, Ma’ruf al-Karchi (r.h.) und anderen. Er besaß weder eine eigene Philosophie noch eine eigene Methode des Handelns. Ihr Denken und Handeln entsprang dem Koran und der Sunna, und sein Zweck und Ziel waren eben jene, die dem Islam eigen sind: Aufrichtigkeit und Hingabe an Allah.

******************************************

Ihnen wurde nur befohlen, Allah zu dienen und sich, von allen anderen Wegen abgewandt, dem Glauben aufrichtig zu widmen. (al-Bayyina 5)

Wir erkennen die Wahrhaftigkeit dieses Tasawwuf an. Mehr noch: Wir wollen ihn wiederbeleben und verbreiten.

Die zweite Art des Tasawwuf ist jene, in die sich die griechische Spiritualität, die von Lust und Begierde freie Lehre Platons sowie zarathustrische und vedantische Philosophie vermischt haben. In sie wurden die Methoden christlicher Priester und hinduistischer Asketen aufgenommen. In sie sind polytheistische Vorstellungen und Praktiken eingedrungen. Scharia, Tariqa und Ma’rifa wurden voneinander getrennt. Statt den Menschen dafür auszubilden, seine Aufgabe als Allahs Statthalter auf der Erde zu erfüllen, wird er für eine völlig andere Aufgabe ausgebildet. Wir wollen diese Art des Tasawwuf widerlegen. Unserer Ansicht nach ist die Ausrottung dieses Tasawwuf zur Errichtung der Religion Gottes ebenso notwendig wie die Ausrottung der modernen Dschahiliyya.

Neben diesen beiden Arten des Tasawwuf gibt es noch eine weitere Art, in der sich, wie sich nachweisen lässt, die Merkmale der ersten und der zweiten Art vermischt haben. Verschiedene große Gelehrte der Religion, die gelehrt waren und aufrichtige Absichten hatten, haben die Methoden dieses Tasawwuf aufgezeichnet. Doch sie waren weder von den Besonderheiten ihrer eigenen Zeit noch vom Einfluss vergangener Epochen frei. Sie bemühten sich nach Kräften, den richtigen Tasawwuf des Islam zu verstehen und seine praktische Methode von der Verunreinigung durch den dschahilischen Tasawwuf zu reinigen. Dennoch war ihre Sichtweise in gewissem Maß vom Gedankengut des dschahilischen Tasawwuf und ihre praktische Methode in gewissem Maß von äußeren Methoden beeinflusst. Hinsichtlich dieser Dinge waren sie der Auffassung, dass sie den Lehren des Korans und der Sunna nicht widersprächen. Oder zumindest konnten sie durch Auslegung und Erläuterung als nichtwidersprüchlich angesehen werden. Darüber hinaus unterscheiden sich Zweck und Ergebnis dieses Tasawwuf mehr oder weniger von Zweck und gewünschtem Ergebnis des Islam. Es gehört nicht eindeutig zu seinem Zweck, jeden Menschen zur Erfüllung seiner sittlichen Verantwortung auszubilden, und der Koran ****************

Es gehört auch nicht zu ihrem Zweck, das zu lehren, worauf die Worte „damit ihr Zeugen für die Menschen seid“ (al-Baqara 143) hinweisen. Ja, diese Form des Tasawwuf konnte nicht einmal ein Ergebnis hervorbringen, durch das Menschen hätten entstehen können, die ein vollständiges Verständnis des Din im Herzen verankert hätten, vom Gedanken an die Iqamat-e-Din ungeduldig geworden wären und sich für diese Aufgabe geeignet hätten. Wir akzeptieren diese dritte Form des Tasawwuf nicht vollständig, wollen sie aber auch nicht vollständig verwerfen. Vielmehr richten wir an ihre Anhänger und Befürworter die Bitte, unter Wahrung ihres Glaubens und ihrer Achtung vor den großen Persönlichkeiten diesen Tasawwuf im Licht des Korans und der Sunna kritisch zu betrachten und sich um seine Reform zu bemühen. Wenn darüber hinaus jemand einen Aspekt dieses Tasawwuf kritisiert, weil er ihn im Widerspruch zum Koran und zur Sunna sieht, dann sollte man, unabhängig davon, ob man seine Ansicht annimmt oder nicht, ihm zumindest nicht ungerechtfertigt das Recht auf Kritik absprechen und ihn dafür tadeln.

 

War Maulana ein Gegner des Tasawwuf?

Dazu hat der berühmte Literat und Journalist Abed Nizami einiges gesagt. Er berichtet:

Das war vor fünfzig Jahren. Maulana Sayyid Abul A’la Maududi hielt damals jeden Sonntag von neun Uhr an in einer Moschee hinter dem Lahore Hotel (Fateh-Muhammad-Straße) einen Dars des Korans. Viele Menschen versammelten sich dort. Ich war damals fünfzehn oder sechzehn Jahre alt. Mein familiäres Umfeld war vollkommen vom Tasawwuf geprägt. Ich hörte, Maulana Maududi sei ein Gegner des Tasawwuf und der Sufis. Es war daher kaum zu erwarten, dass ich für einen solchen Mann irgendeine Anziehung oder Zuneigung empfand.

Eines Tages besuchte ich, aus irgendeinem Grund, seinen Dars. Auf einem Stück Papier hatte ich zu Hause folgende Frage aufgeschrieben und mitgebracht: Bitte sagen Sie, warum Sie den Tasawwuf ablehnen.

Das Stück Papier ging durch mehrere Hände und gelangte schließlich in die Hände des Maulana. Der Maulana antwortete: Tatsächlich ist es eine ungeheure Verleumdung gegen mich, dass ich ein Gegner des Tasawwuf sei. In meinen verschiedenen Aufsätzen habe ich wiederholt gesagt, dass Tasawwuf für mich Selbstläuterung bedeutet und die Seele beziehungsweise Lebenskraft des Din ist. Im heiligen Koran wird dies Tazkiya und Hikma genannt. Im Hadith wird es Ihsan genannt. Wie kann ein Muslim sich nun gegen etwas stellen, das durch den Koran und den Hadith belegt ist? Einen Tasawwuf allerdings, der keinerlei Beziehung zur islamischen Scharia hat, unterstütze ich keineswegs. Auch die Sufis des Islam haben sich gegen einen solchen Tasawwuf gewandt. In Wahrheit bedeutet Tasawwuf, dem Uswa-e-Hasana des Gesandten mit aufrichtiger Absicht und vollkommener Liebe zu folgen.

Durch diese klare Antwort des Maulana erkannte ich, dass seine einfache und verständliche Erklärung des Tasawwuf einen tiefen Eindruck auf mein Herz gemacht hatte.

Von da an besuchte ich weiterhin seinen Dars. Auch an den Zusammenkünften, die nach dem Asr-Gebet im Hof neben seinem Haus im 5/A Zaildar Park stattfanden, nahm ich teil. Eines Tages sagte ich zum Maulana: Maulana, ich habe geträumt, dass Sie mir das Buch „Zabt-e Wiladat“ (Geburtenkontrolle) geben und mich auffordern, es zu lesen.

Maulana sagte: „Haben Sie das Buch gelesen?“

Ich sagte: „Ja, das habe ich.“

Maulana sagte: „Dann werden Sie nach der Heirat danach handeln.“

Im siebenundsechzigsten Jahr wurde ich nach Rawalpindi versetzt. Eines Abends ging ich mit einem sechs oder sieben Monate alten, kranken Kind zur Hamdard-Apotheke an der Murree Road. Noch bevor ich die Straße überquert und die Apotheke erreicht hatte, sah ich Maulana nach dem Maghrib-Gebet am Chandni Chowk herauskommen. Ich ging auf ihn zu und grüßte ihn. Er sagte: „Was ist los, was führt Sie hierher?“ Ich sagte: „Maulana, ich bin hierher versetzt worden. Das Kind ist schwer krank, deshalb bin ich gekommen, um Medizin zu holen.“

Maulana streichelte das Kind. Dann rezitierte er mit großer Zuneigung etwas und blies über das Kind.

Scherzhaft sagte ich: „Maulana, betreiben Sie etwa auch Heilung durch Beschwörung und Anblasen?“

Maulana sagte: „Ja, gewiss tue ich das. Sufi-Herren wie Sie verbreiten schließlich grundlos, ich sei ein ‚Wahhabi‘.“

Wie dem auch sei, von dort kehrte ich direkt nach Hause zurück. Meine Frau fragte: „Wo ist die Medizin?“ Ich erzählte ihr die ganze Geschichte. Nun würde das Kind, so Gott will, auch ohne Medizin wieder gesund werden – und tatsächlich geschah es so.

Von da an wurde meine Beziehung zum Maulana immer enger.

Ein Vorfall aus den siebziger Jahren: In 5-A Jaildar Park fand am Nachmittag eine Versammlung statt. Der Maulana beantwortete gerade die Frage eines Mannes. Da trat ein junger Mann mit einem scharfen Messer in der Hand vor, legte es auf den Tisch vor dem Maulana und begann, ihn mit tränenerstickter Stimme um Verzeihung zu bitten. Es stellte sich heraus, dass der junge Mann nach Lyallpur (dem heutigen Faisalabad) gekommen war, um den Maulana zu töten, nachdem er von einem Mullah eine furchtbar aufwiegelnde Rede gegen den Maulana gehört hatte. Doch als er das von Licht erfüllte Gesicht des Maulana sah und seinem bezaubernden Gespräch zuhörte, war er so sehr eingenommen, dass er stattdessen begann, eben jenen Mullah zu beschimpfen.

Alle Anwesenden waren fassungslos und vor Staunen sprachlos. Der Maulana verzieh ihm gerne. Der junge Mann verließ die Versammlung reumütig und innerlich verwandelt.

Einmal fragte jemand: „Maulana, wenn Sie am Tag der Auferstehung vor dem Herrn stehen, welche verdienstvolle Tat werden Sie Ihm dort vorweisen?“

Der Maulana sagte mit bebender Stimme: „Eine verdienstvolle Tat? Nein, nein, an jenem Tag werde ich voller Hoffnung auf Seine besondere Barmherzigkeit sein. Wenn Er in Seiner grenzenlosen Barmherzigkeit irgendeine meiner Taten annimmt, wird das Seine besondere Gnade sein.“

Eines Tages sagte ein junger Mann bei dieser Nachmittagsversammlung, sichtlich erregt: „Maulana! Manche Menschen verbreiten solche Verleumdungen über Sie, dass einem der ganze Körper erschauert. Einige Mullahs verleumden sogar Ihre Familienangehörigen von den Minbars und Mihrabs der Moscheen aus. Warum erheben Sie gegen diese Leute vor Gericht keine Klage wegen Rufschädigung?“

Der Maulana antwortete: „Seien Sie unbesorgt. Ich habe gegen sie bereits bei einem so hohen Gericht Klage eingereicht, dass sie auf keinen Fall davonkommen werden. Der Tag ist nicht mehr fern, an dem ihre Gebete und ihr Fasten mir zugutekommen werden.“

Geistige Reform und Läuterung

Maulana Maududi macht im Tarjumān al-Qurʾān folgende Bemerkung über die geistige Reform:

„… Bedenken Sie wohl, dass der äußeren Reform keinesfalls Vorrang vor der geistigen Reform und Läuterung eingeräumt werden darf. Bemühen Sie sich zuerst und vor allem, sich am Prüfstein des Qurʾān zu einem wahrhaftigen Muslim zu machen. Danach sollen Sie die äußeren Veränderungen nur in dem Maß vornehmen, in dem auch die inneren Veränderungen fortschreiten. Wenn Sie hingegen lediglich die äußere Seite nach bestimmten Regeln und Methoden gestalten, wie sie in den Hadith- und Fiqh-Werken als äußeres Erscheinungsbild eines gottesfürchtigen Menschen dargestellt wird, ohne dass echte Taqwā entstanden ist, dann wird Ihr Beispiel dem einer Kupfermünze gleichen, auf die der Stempel einer Goldmünze geprägt wurde. Den Stempel einer Goldmünze anzubringen, ist keine schwierige Aufgabe. Sie können dies nach Belieben ohne Weiteres auf irgendeinem billigen Metall tun. Doch eine echte Münze herzustellen, ist schwierig. Dieser Stoff lässt sich erst durch jahrelange Arbeit mit chemischen Verfahren gewinnen. Leider wird in unserem Land seit einiger Zeit der äußeren Seite außergewöhnliche Bedeutung beigemessen. Das Ergebnis ist, dass Kupfer-, Eisen-, Blei- und Münzen aus allen möglichen minderwertigen Metallen mit dem Stempel einer Goldmünze in Umlauf gekommen sind. Der Markt der praktischen Welt ist im Geldgeschäft so wachsam, dass die Täuschung durch diese falschen Münzen nicht lange andauern wird. Eine Zeit lang waren falsche Goldmünzen im Umlauf, doch heute sind sie auf dem Markt keinen Heller mehr wert. Daher verlangt die Art der Frömmigkeit, die unter uns entstehen muss, dass wir uns nicht darum bemühen, den Stempel einer Goldmünze zu tragen, sondern selbst zu einer echten Goldmünze zu werden.“

Unterwerfen Sie, statt in der äußeren Welt gegen die Gottesleugner zu kämpfen, den Rebellen, der in Ihnen lebt und Sie ständig dazu drängt, gegen Gottes Gesetz und Seinen Willen zu handeln. Wenn dieser Rebell in Ihnen genährt wird und einen solchen Einfluss auf Sie gewinnt, dass er seine Forderungen gegen Allahs Wohlgefallen durchsetzen kann, dann wird es sinnlos, den äußeren Feinden den Krieg zu erklären. Das ist genau so, als stünde im Haus eine Flasche Wein, während draußen Krieg gegen die Trinker geführt wird. Dieser Widerspruch ist für unsere Bewegung äußerst verhängnisvoll. Beugen Sie sich zuerst selbst vor Gott. Fordern Sie danach von anderen Gehorsam.“

 

Die Beziehung zu Allah

Unter den Ratschlägen, die Maulana Maududi seinen Mitarbeitern erteilte, gab er über die Herstellung einer Beziehung zu Allah folgende Anweisung:

Aus der Darstellung des Heiligen Wortes über die Bedeutung der Herstellung einer Beziehung zu Allah geht hervor, dass das gesamte Leben des Menschen, sein Tod, seine Gottesdienste, seine Anbetung, sein Opfer und alles Weitere ausschließlich Allah vorbehalten bleiben sollen.

******************************************

„Mit völliger Hingabe sollst du deine Lebensordnung beziehungsweise deine Religion ausschließlich Allah widmen und allein Ihm gehorchen.“ – (Al-Anʿām 162)

******************************************

Der ehrwürdige Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) hat dies wiederholt so ausführlich erklärt, dass weder seine Bedeutung noch seine Tragweite oder irgendetwas anderes daran unklar geblieben ist.

Der ehrwürdige Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) hat dies wiederholt so ausführlich erklärt, dass weder seine Bedeutung noch seine Tragweite oder irgendetwas anderes daran unklar geblieben ist.

Bei der Betrachtung der Aussprüche des ehrwürdigen Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zeigt sich, dass die Bedeutung der Herstellung einer Beziehung zu Allah ************************************* darin besteht, Allah bei allen Handlungen, im Verborgenen wie in der Öffentlichkeit, zu fürchten – (Hadith). Darüber hinaus bedeutet es, mehr auf Allahs gewaltige Macht zu vertrauen als auf die eigenen Mittel und Möglichkeiten.

******************************************

und um Allah zufriedenzustellen, den Unwillen der Menschen auf sich zu ziehen

******************************************

(Hadith)

Der völlig entgegengesetzte Zustand besteht darin, Allahs Missfallen zu erlangen, um die Zufriedenheit der Menschen zu gewinnen.

Wenn diese Verbindung und Beziehung später allmählich zunimmt und einen solchen Zustand erreicht, dass Freundschaft, Feindschaft, Geschäfte und alles Übrige mit jemandem ausschließlich um Allahs willen geschehen und keinerlei Einfluss der eigenen Wünsche, Neigungen, Interessen oder Abneigungen auch nur im Geringsten bestehen bleibt, dann muss man verstehen, dass die Beziehung zu Allah vollkommen geworden ist.

******************************************

Wer ausschließlich um Allahs willen liebte, ausschließlich um Allahs willen Feindschaft hegte, jemandem ausschließlich um Allahs willen etwas gab und ausschließlich um Allahs willen aufhörte, jemandem etwas zu geben, der hat seinen Glauben vervollkommnet. (Abu Dawud)

 

Die Methode zur Bestimmung der Beziehung zu Allah

Maulana Maududi hat in seinen Ermahnungen ebenfalls ganz klar dargelegt, wie man die Beziehung zu Allah messen kann. Er sagt:

Wie sollen wir also erkennen, ob unsere Verbindung und Beziehung zu Allah zunimmt oder abnimmt? Zur Beantwortung dieser Frage möchte ich euch sagen, dass man dafür weder durch einen Traum empfangene „frohe Kunde“ noch Kashf-Karamat benötigt. Es besteht keinerlei Notwendigkeit, in einem dunklen Raum zu liegen und auf „Erleuchtung“ zu warten. Allah selbst hat im Herzen jedes gläubigen Menschen die erforderlichen Mittel zur Messung dieser Verbindung und Beziehung angelegt. Ihr könnt sie im wachen Zustand, am Tage und wann immer ihr wollt, messen und prüfen. Betrachtet euer eigenes Leben, eure Bemühungen und eure gesamte Gedankenwelt, eure Ansichten und eure geistige Ausrichtung. Nachdem ihr eure eigene Abrechnung in Ordnung gebracht habt, vergleicht sie mit dem Bund, den ihr mit Allah geschlossen habt, und prüft, in welchem Maß ihr ihn erfüllt habt. Gegenüber den anvertrauten Gütern Allahs habt ihr nur das Recht eines Treuhänders. Daher müsst ihr unbedingt prüfen, ob ihr an ihnen nicht irgendeinen Verrat begangen habt. Wie viel von eurer Zeit, eurer Arbeit, euren Fähigkeiten, eurer Eignung, eurem Vermögen und dergleichen wird gemäß Allahs Geboten eingesetzt? Und wie viel davon wird auf anderen Wegen verwendet? Wie sehr werdet ihr verärgert und zornig, wenn eure Interessen oder eure Haltung verletzt werden? Betrachtet diesen Zustand und seht, wie groß euer Zorn, euer innerer Schmerz sowie eure Unruhe und euer Unfrieden sind, wenn gegen Allah rebelliert wird. Außerdem könnt ihr eurem eigenen Herzen und eurem Gewissen noch viele weitere Fragen stellen. Auf Grundlage der Antworten, die sich aus diesen Fragen ergeben, könnt ihr täglich erkennen, ob zwischen euch und Allah eine Beziehung und Verbindung besteht. Wenn ja, wie stark ist sie, und nimmt sie zu oder wird sie allmählich schwächer? Haltet euch davon zurück, übernatürliche Mittel wie Basharat, Kashf-Karamat, Anwar oder Tajalliyat zu erstreben. Tatsächlich gibt es kein größeres Kashf als das Erfassen der wahren Wirklichkeit des Tawhid, während man sich in der täuschenden Vielfalt dieser materiellen Welt befindet. Gegenüber den Verlockungen und Drohungen Satans und seiner Gefolgsleute gibt es keine größere Karamat, als fest auf dem geraden Weg der Wahrheit zu bleiben. In der dichten, von Kufr, Fisq und Irreführung verdunkelten Lage die Wahrheit zu erkennen und irgendein „Nur“ zu sehen, um ihr zu folgen, ist nicht besonders erwähnenswert. Für die gläubigen Mu’min ist der beste Weg, die frohe Kunde zu erlangen, Allah als den eigenen Herrn und Erhalter anzunehmen, fest an dieser Überzeugung festzuhalten und Seine Gebote zu befolgen.

******************************************

Gewiss, auf diejenigen, die gesagt haben: „Allah ist unser Herr“, und danach standhaft bei diesem Bekenntnis geblieben sind, kommen die Engel herab und sprechen: „Fürchtet euch nicht und seid nicht traurig, sondern vernehmt die frohe Botschaft vom Paradies, das euch versprochen wurde.“ (Ha-Mim as-Sadschda 30)

Wenn das, was oben gesagt wurde, nicht der wahre Tasawwuf ist, was sollte Tasawwuf dann sonst sein? Maulana Maududi begnügte sich nicht damit, seinen Mitarbeitern all diese Ratschläge zu geben. Jeden einzelnen seiner unschätzbaren Ratschläge setzte er in seinem eigenen Leben um.

Maulana Maududis unschätzbare Ratschläge zur geistlichen Läuterung und Verbesserung sind in dem Werk „Hidayat“ niedergeschrieben.

Maulana Maududis Botschaft

Meine Botschaft an die Muslime lautet, dass sie die Verantwortung, die ihnen aufgrund ihres Muslimseins auferlegt wurde, begreifen und erfüllen sollen. Mit der bloßen Aussage: „Wir sind Muslime; wir haben Allah und Seine Religion angenommen“, werdet ihr nicht davonkommen. Vielmehr bringt die Tatsache, dass ihr Allah als euren Herrn und Seine Religion als eure Religion angenommen habt, zugleich bestimmte Pflichten mit sich. Ihr müsst euch ihrer bewusst sein und darüber nachdenken, wie ihr sie erfüllen könnt. Wenn ihr sie nicht erfüllt, werdet ihr den schrecklichen Folgen weder in dieser Welt noch im Jenseits entkommen. Worin bestehen diese Pflichten? Sie bestehen nicht nur darin, dass ihr an Allah, Seine Engel, Seine Bücher, Seine Propheten und das Jenseits glaubt. Sie bestehen auch nicht nur darin, dass ihr das Gebet verrichtet, fastet, die Hadsch vollzieht und die Zakat entrichtet. Sie bestehen ebenso wenig nur darin, dass ihr in Angelegenheiten wie Eheschließung, Scheidung und Erbschaft die von der islamischen Religion festgelegten Regeln befolgt. Vielmehr liegt zusätzlich eine gewaltige und äußerst wichtige Verantwortung auf euch. Ihr müsst vor der gesamten Welt als Zeugen für jene Wahrheit auftreten, an die ihr glaubt. Der einzige Zweck, den der Heilige Quran für die Schaffung einer dauerhaften Gemeinschaft unter dem Namen der Muslime nennt, besteht darin, dass ihr der Menschheit das Zeugnis für die Wahrheit vollständig überbringt.

******************************************

„Und Wir haben euch zu einer gemäßigten Gemeinschaft gemacht, damit ihr vor den Menschen Zeugnis für Allahs Religion ablegt und der Gesandte vor euch Zeugnis für Allahs Religion ablegt.“ (Al-Baqara 143)

Dies ist der eigentliche Zweck eures dauerhaften Bestehens als Ummah. Wenn ihr ihn nicht erfüllt, wird euer ganzes Leben vergeblich gewesen sein. Das ist die von Allah für euch bestimmte Pflicht. Denn Sein Befehl—

******************************************

O ihr Gläubigen, werdet zu solchen, die um Allahs willen feststehen und Zeugnis für die Wahrheit ablegen.“ (An-Nisa 4:135)

Dies ist nicht bloß ein allgemeines Gebot Allahs, vielmehr wird seine Befolgung nachdrücklich eingefordert.

******************************************

„Wer könnte ein größerer Frevler sein als jener, der ein Zeugnis von Allah besitzt und es verheimlicht?“ (Al-Baqara 2:140)

Ferner hat Allah euch auch mitgeteilt, welche Folgen es haben kann, wenn diese Pflicht nicht erfüllt wird. Vor euch waren die Juden vor den Richterstuhl dieses Zeugnisses gestellt worden. Doch sie verheimlichten einen Teil der Wahrheit und legten für einen anderen Teil gegen die Wahrheit Zeugnis ab. Kurz gesagt: Statt Zeugen der Wahrheit zu sein, wurden sie zu Zeugen der Falschheit. Das Ergebnis war, dass Allah sie erniedrigte und verfluchte.

******************************************

„Sie wurden durch Erniedrigung und Armut niedergedrückt und fielen dem Feuer des Zorns Allahs zum Opfer.“ (Al-Baqara 2:61)

Die Verantwortung für das Ablegen des Zeugnisses, die euch auferlegt wurde, bedeutet, dass ihr vor der Welt Zeugnis für die Wahrheit ablegen müsst, die zu euch gelangt ist und euch offenbart wurde, und für die Wahrheit des Weges, der zum Wohl und zur Erlösung der Menschen gewiesen wurde. Ein solches Zeugnis soll bewirken, dass ihre Zivilisation klar hervortritt und vor den Menschen der Welt die Richtigkeit des Din vollständig bewiesen wird. Dieses Zeugnis kann nur zwei Formen annehmen: eine grundlegende und eine praktische. Der Weg des grundlegenden Zeugnisses besteht darin, dass wir mithilfe von Reden und Schriften jene Wahrheit klar herausarbeiten, die durch die Propheten (Friede sei mit ihnen) zu uns gelangt ist. Wir werden alle Mittel nutzen, die dazu geeignet sind, die Menschen zu überzeugen und diese Wahrheit in ihren Herzen zu verankern. Für Tablig, Da’wa und die Verkündigung werden wir alle möglichen Mittel einsetzen. Mit allem, was die Wissenschaften an Mitteln und Möglichkeiten hervorgebracht haben, werden wir der Welt die von Allah bestimmte Lehre des Din in strahlendem Licht vor Augen führen. Wir werden eingehend analysieren, was dieser Din zur Führung der Menschen in den verschiedenen Bereichen dargelegt hat: im Denken und Glauben, in Moral, Zivilisation und Gesellschaftsordnung, beim Erwerb des Lebensunterhalts und im Geschäftsverkehr, in Recht und Justiz, in Politik und Staatsführung sowie in den unterschiedlichen Bereichen der internationalen Beziehungen. Wir werden seine Wahrheit durch Argumente und Beweise erweisen und durch eine sachliche Kritik an allem, was ihm widerspricht, darlegen, wie viel Unheil darin liegt. Dieses mündliche Zeugnis kann niemals erfolgreich sein, solange nicht die gesamte Umma gemeinschaftlich von der Sorge um die Führung der Menschheit ergriffen ist, so wie die Propheten persönlich davon erfüllt waren. Damit es erfolgreich ist, müssen wir diese Aufgabe zum zentralen Gegenstand unseres gesamten Strebens und unseres nationalen Ringens machen. Wir müssen die ganze Kraft unseres Geistes und Verstandes sowie sämtliche Mittel und Möglichkeiten dieser Aufgabe widmen. All unser Handeln muss auf dieses Ziel ausgerichtet sein, und sobald in unserer Mitte irgendetwas sichtbar wird, das gegen die Wahrheit Zeugnis ablegt, werden wir es keinesfalls dulden.

Nun bleibt das praktische Zeugnis. Das bedeutet, dass wir die Ideale, die wir als wahr anerkannt haben, im wirklichen Leben verwirklichen müssen. Die Welt soll nicht nur große Worte über deren Wahrheit aus unserem Mund hören. Vielmehr soll sie mit eigenen Augen ihre Schönheit und ihren Segen in unserem wirklichen Leben sehen. Sie soll in unserem Verhalten die Süße erfahren können, die der Iman im Charakter und Verhalten des Menschen hervorbringt. Sie soll selbst sehen können, welche rechtschaffenen Menschen unter der Leitung des Din entstehen können, wie eine reine und lautere Zivilisation entstehen kann, wie sich Wissenschaften und Literatur auf geordnete Weise entfalten können, wie gerechte, von Mitgefühl getragene und allseits anerkannte wirtschaftliche Zusammenarbeit sichtbar werden kann und wie jeder Bereich des persönlichen und gemeinschaftlichen Lebens verbessert, wohlgeordnet und zum Guten gestaltet wird. Dieses Zeugnis kann nur dann erfolgreich sein, wenn wir persönlich und auf nationaler Ebene zu lebendigen Zeugen der Wahrheit unseres Din werden. Der Charakter jedes Einzelnen von uns soll sein Zeugnis belegen, unsere Häuser sollen von seinem Duft erfüllt sein, und unsere Geschäfte und Fabriken sollen durch sein Licht erstrahlen. Unsere Institutionen und Bildungseinrichtungen sollen in seinem Glanz leuchten. Literatur und Journalismus sollen ein Zeugnis für seine Schönheit tragen. Unsere nationale Politik und unser gesamtes Streben sollen glänzende Beispiele für seine Wahrheit sein. Kurz gesagt: Wohin und mit wem auch immer wir in Berührung kommen, ob mit einem Einzelnen oder einer Nation, unser persönlicher und nationaler Charakter soll eindeutig bezeugen, dass die Ideale, die wir als wahr verkünden, tatsächlich wahr sind und dass durch sie allein das menschliche Leben in jeder Hinsicht schöner, vortrefflicher und höher entwickelt wird. Darüber hinaus möchte ich sagen, dass dieses Zeugnis nur dann seine Vollendung erreichen kann, wenn ein Staat auf der Grundlage dieser Ideale errichtet wird. Danach wird dieser Staat den vollständigen Din verwirklichen und durch Gerechtigkeit sein Reformprogramm durchführen. Durch seine gute Verwaltung, durch Frieden und Sicherheit, durch das Wohl und den Fortschritt der Bevölkerung, durch die Lauterkeit seiner Herrscher, durch eine großmütige Innenpolitik, durch eine gerechte Außenpolitik, durch ehrenvolle Kriege und verlässliche Friedensverträge wird er der Welt beweisen, dass der Din, der diesen Staat hervorgebracht hat, in Wahrheit ein Sinnbild des menschlichen Wohls ist und dass das Wohl der Menschheit darin liegt, ihn zu befolgen. Wenn dieses Zeugnis mit dem grundlegenden Zeugnis zusammentrifft und die der muslimischen Nation auferlegte Verantwortung erfüllt ist, dann wird damit der Beweis gegenüber der Menschheit vollendet sein. Die gesamte muslimische Nation wird dann eine solche Befähigung erlangt haben, dass sie am Gericht des Jenseits nach dem Propheten Karim (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) aufstehen und bezeugen kann: Die Botschaft, die der Prophet (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) uns überbracht hat, haben auch wir anderen überbracht. Wenn sie danach dennoch nicht den rechten Weg eingeschlagen haben, sind sie selbst dafür verantwortlich.

Meine Botschaft ist daher genau jene, die Allah durch den Mund Seines Propheten (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) übermittelt hat:

******************************************

„Kommt, lasst uns ein Wort annehmen, das uns und euch gemeinsam ist: dass wir niemandem außer Allah dienen und gehorchen, Ihm nichts beigesellen und keiner von uns einen anderen anstelle Allahs zum Herrn nimmt. (Al-i-Imran 64)“

Wir alle sind Diener des einen Gottes, Anhänger desselben Gesandten, Gläubige an dasselbe Buch, und dieselbe Qibla ist unser Zentrum und der eigentliche Ort unserer Rückkehr. Lasst uns darin übereinstimmen, dass wir auf dieser Welt niemandem außer Allah dienen, kein anderes Gesetz außer Seinem Gesetz anerkennen und nicht zulassen werden, dass auf dieser Welt irgendeine andere Anweisung als Seine Anweisung befolgt wird.

 

Maulana Maududis Gedanken zum Bildungssystem

In unserer Geschichte trat Sir Sayyid Ahmad angesichts der Erfordernisse seiner Zeit mit einem Bildungsplan hervor. Danach zeigten sich sowohl die guten als auch die schlechten Folgen der zeitweiligen Ziele, die dieser Plan hatte. Doch nach der Teilung Indiens im Jahr 1947 trat Pakistan als unabhängiger Staat in Erscheinung. Damit waren sämtliche Erfordernisse dieses Plans für eine unabhängige Nation und einen unabhängigen Staat hinfällig geworden. Für eine unabhängige Nation ist er daher keineswegs mehr geeignet.

Kurz vor der Erlangung der Unabhängigkeit des indischen Subkontinents war erstmals aus islamischer Sicht ein kraftvoller Ruf nach einer umfassenden Bildungsrevolution zu vernehmen. Es war der Ruf Maulana Sayyid Abul Ala Maududis. Doch es blieb nicht bei einem bloßen Ruf; vielmehr hinterließ Maulana Maududi uns durch seine zahlreichen Aufsätze und Reden fortlaufend umfangreiches Material zu einem ganzheitlichen Bildungsplan, einem praktischen Programm zu seiner Umsetzung, Lehrplänen und anderen damit zusammenhängenden Themen.

Maulana hat so viel über ein wahrhaft islamisches Bildungssystem geschrieben, dass hier kein Raum ist, all diese Erörterungen darzulegen. Hier wird jedoch sein zentraler Standpunkt kurz wiedergegeben. Er sagt:

„Es ist nun unerlässlich geworden, dass beide der bislang bei uns bestehenden gegensätzlichen Bildungssysteme abgeschafft werden müssen. Das heißt, sowohl die unter der Herrschaft der Engländer bestehende traditionelle religiöse Bildung als auch das moderne Bildungssystem müssen beseitigt werden. An die Stelle dieser beiden Bildungssysteme muss ein neues Bildungssystem treten, das einerseits von allen Fehlern und Mängeln der Vergangenheit frei ist und andererseits all jene Erfordernisse erfüllen kann, die für uns in der gegenwärtigen Zeit als muslimische Nation, als unabhängige Nation und als entwicklungsorientierte Nation unerlässlich sind.“

Als Maulana zu dieser Bildungsrevolution aufrief, schilderte er in mehreren seiner Aufsätze deutlich den Aufbau und die grundlegenden Prinzipien des von ihm angestrebten islamischen Bildungssystems. Bevor Maulana jedoch die islamische Bildungspolitik erläuterte, legte er zutreffende und klare Vorstellungen vom Menschen, von der Lebensanschauung des Menschen, von der Weltordnung und von anderem dar; auf eben diesen klaren und zutreffenden Vorstellungen kann das Fundament eines islamischen Bildungssystems errichtet werden. Anschließend erläuterte er im Zusammenhang mit der Darstellung der Bildungsphilosophie die wahre Definition des Wissens und seine wahre Quelle.

Bei der Darlegung des Bildungsziels maß er der Charakterbildung die allergrößte Bedeutung bei. Er sagt, das Ziel der Bildung sei die Selbstläuterung. Wenn der Charakter des Menschen nicht edel ist, kann in der Gesellschaft kein richtiges Gleichgewicht hergestellt werden. Da der Mensch Gottes Stellvertreter ist, besteht der beste Weg, dieser bedeutenden Stellung gerecht zu werden, darin, in seinem Charakter und seinem Verhalten jene Eigenschaften zu entwickeln, deren wahrer Besitzer allein sein Herr und Schöpfer, Allah, der Herr der Welten, ist. Sein Charakter muss unbedingt Eigenschaften wie Zuneigung und Mitgefühl, Güte und Freigebigkeit, Rechtschaffenheit und Moral sowie Gerechtigkeit aufweisen.

In seinem Werk »Taʿlimat« (Das Bildungssystem: eine islamische Perspektive) sagt Maulana: „In unserem Bildungssystem müssen wir der moralischen Ausbildung größere Bedeutung beimessen als der geistigen Ausbildung.

Auch die Entfaltung brachliegender Fähigkeiten und Talente bezeichnet er als eines der Ziele der Bildung. Weiter sagt er, das grundlegende Ziel der Bildung bestehe darin, eine echte Erkenntnis Gottes zu erlangen. Danach sollten sich seine Fähigkeiten und Talente so entfalten, dass er als eine der Gesellschaft dienende und ihr nützliche Ressource angesehen werden kann.

Maulana sagt, durch Bildung findet eine Zivilisation und Kultur ihren äußeren Ausdruck. Das Ziel der Bildung besteht nicht nur darin, die Kultur lebendig zu erhalten, sondern auch darin, sie an die künftigen Generationen weiterzugeben.

Er sagt: Das Ziel unseres Bildungssystems sollte darin bestehen, die Entwicklung des Lebens auf der Grundlage der Weltanschauung und des Ziels voranzutreiben, unter deren Maßgabe es geführt wird. Lebendige Völker errichten gerade zu diesem Zweck ihr eigenes zukünftiges Bildungssystem.

 

Ausbildung von Führungspersönlichkeiten

Der Maulana sagt, das Ziel der Bildung bestehe darin, Menschen hervorzubringen, die in der modernen Zeit die Fähigkeit erwerben können, die Führung der Welt gemäß den Grundsätzen des Dīn al-Ḥaqq auf richtige Weise zu übernehmen. Mit anderen Worten: Ein wichtiges Ziel der Bildung ist es, hervorragende Bürger hervorzubringen, damit sie fähig werden, die Führung in der Welt zu übernehmen. Völker, deren Ziel es ist, die Führung der Welt zu übernehmen, gestalten ihr Bildungssystem so, dass dieses Ziel verwirklicht wird.

Über die Bildungspolitik Maulana Maududis haben verschiedene Kreise mit Forschungen begonnen. Professor Muhammad Husain von der Einrichtung „Bildung und Forschung“ der Punjab-Universität verfasste einen umfangreichen Aufsatz mit dem Titel „Maulanas Gedanken zur Bildung“, der von der Forschungs- und Publikationsgesellschaft Lahore in Buchform veröffentlicht wurde. Dieser gehaltvolle Aufsatz wurde von Bildungsexperten und bildungsfreundlichen Gelehrten hoch gelobt.

 

Der Maulana über das Bildungssystem Pakistans

Auch mehrere Jahre, nachdem Pakistan als ein auf einer Ideologie gegründeter unabhängiger Staat ins Dasein getreten war, blieb sein Bildungssystem genau so, wie es während der Zeit der Knechtschaft unter der Herrschaft der Engländer gewesen war. Anstelle des von ausländischen und volksfremden Herrschern geschaffenen Bildungssystems gab es keinerlei ernsthaften Versuch, ein auf Pakistans Idealen beruhendes Bildungssystem zu schaffen. Obwohl das gesamte Volk zutiefst empfunden hatte, dass von allem, was zur Verwirklichung seiner Hoffnungen und Bestrebungen unternommen werden musste, dem eigenen nationalen Bildungssystem die größte Bedeutung beizumessen war. Doch die Herrschenden klammerten sich an die von den fortgegangenen Herren hinterlassenen Erinnerungen. Die Struktur des Bildungssystems blieb genau so, wie sie gewesen war; vielmehr wurde sie bei dem Versuch, sie teilweise zu reformieren, noch maroder und in völligen Widerspruch zum nationalen Ideal gebracht.

Auf der am 25. Dezember 1952 in Lahore abgehaltenen Jahresversammlung der Allpakistanischen Islamischen Vereinigung der Studierenden hielt Maulana Maududi eine äußerst wichtige und gehaltvolle Rede über das Bildungssystem. Er erörterte mit schlüssigen Argumenten die Mängel und Fehler des bestehenden Bildungssystems, dessen Schrecken und seine giftigen Folgen, und legte in groben Zügen den Aufbau eines für Pakistan geeigneten Bildungssystems dar. Seine historische Rede wurde als Broschüre veröffentlicht. Im Folgenden zitiere ich daraus einen Abschnitt:

Ein gottloses Bildungssystem

In den Fächern, die nach dem modernen Bildungssystem unterrichtet werden, gibt es keine Spur des Islam. Und das kann auch gar nicht anders sein. In dem Maße, in dem sich diese Fächer in Europa entwickelt haben, standen gottesleugnerische Menschen an ihrer Spitze. Die damals in Europa nur dem Namen nach vorhandenen religiösen Menschen waren schon lange zuvor aus dem Bereich des Denkens und der geistigen Bemühung verdrängt worden. Deshalb übernahmen solche Menschen in allen Bereichen wie Philosophie, Geschichte und Soziologie die Führung. Auch wenn sie keine Atheisten waren, empfanden sie in ihrem praktischen Leben keinerlei Bedürfnis, die Anerkennung des Gehorsams gegenüber Gott abzulegen. Die Lehrfächer und Bücher, die die Engländer importiert und in diesem Land eingeführt hatten, werden bei uns bis heute unterrichtet. Diejenigen, die nach diesem modernen Bildungssystem lernen, sind naturgemäß mit ihrem Verstand unbewusst immer weiter von der Religion des Islam, der islamischen Sichtweise und den islamischen Sitten und Gebräuchen entfernt worden. Auf ihren Willen, ihr Interesse oder ihre Bemühungen haben sie dabei überhaupt keinen Einfluss. Wie sollte daher bei einem Menschen der Glaube an Gott entstehen, wenn in all den Fächern, die er vom ersten Tag seines Bildungslebens bis zu dessen letztem Augenblick studiert hat, und in all dem Wissen, das er auf der Welt erworben hat, von Anfang bis Ende nirgends eine religiöse oder göttliche Sichtweise vorhanden ist? Wenn in keinem seiner Lehrbücher Gott auch nur erwähnt wird, wird er Geschichte lesen, in der jedoch der Mensch selbst und niemand sonst als derjenige gilt, der über das Schicksal des menschlichen Lebens entscheidet; in der Philosophie, die er studieren wird, ist der Schöpfer des Weltalls überhaupt nicht erforderlich, um das Geheimnis des Wesens des Glaubens zu enthüllen; er wird Naturwissenschaften studieren, in denen es nirgendwo auf der Welt einen Hinweis auf die Existenz eines kunstvollen Schöpfers und des höchsten Lenkers und Verwalters gibt. Welche Fächer er auch studieren mag – Recht, Staatswissenschaft, Wirtschaft und andere –, nirgends wird erwähnt, ob der Schöpfer der Menschheit ihr für ihr Leben einen Weg vorgeschrieben hat. Vielmehr lautet das Grundprinzip aller Wissenschaften, dass der Mensch selbst das Recht besitzt, seine Lebensordnung festzulegen, während niemand sonst ein solches Recht oder eine solche Macht hat.

Einem Menschen, der eine solche Bildung erhalten hat, muss man nicht eigens sagen: „Leugne Gott.“ Wo sollte ein Hindernis darin liegen, dass er sich Gott gegenüber, ohne sich dessen bewusst zu sein, völlig unbekümmert und gleichgültig verhält?

 

Eine bildungslose Bildung

Dieses moderne Bildungssystem steht nicht nur in keinerlei Beziehung zu Religion und Islam, sondern es ist das bittere Schicksal, dass es in unserer Jugend nicht einmal ein grundlegendes moralisches Empfinden weckt. Dabei weiß jeder, dass es für eine moralisch verdorbene und charakterlose Nation nicht nur ausgeschlossen ist, Fortschritte zu machen, sondern dass es für sie völlig unmöglich ist, auf dieser Welt als Nation fortzubestehen. Deshalb findet man unter denen, die nach einer modernen Methode ausgebildet wurden und in das Berufsleben eingetreten sind, sämtliche Fehler und schlechten Gewohnheiten der westlichen Völker. Doch nicht die geringste Spur der Tugenden der westlichen Völker ist unter ihnen zu erkennen. Unter den sogenannten modern Gebildeten gibt es weder Verantwortungsbewusstsein, Leidensfähigkeit, Mut, Selbstbeherrschung und Charakterfestigkeit noch Gehorsam oder Treue gegenüber irgendjemandem außer dem eigenen Ich. Sie sind wie Schmarotzer, wie leere Schlingpflanzen. Ihr Verhalten lässt nicht erkennen, dass sie überhaupt so etwas wie einen nationalen Charakter oder nationale Besonderheiten besitzen. Selbst nachdem sie ehrenvolle hohe Ämter übernommen haben, schrecken sie nicht davor zurück, völlig ungerührt äußerst niederträchtigen Verrat und Verbrechen zu begehen. Unter ihnen gibt es nicht nur den einen oder anderen Bestechlichen, Vetternwirtschaftler, ungerechte Gefälligkeiten Fordernden, Schwarzmarkthändler, Schmuggler, Unterdrücker von Recht und Gerechtigkeit, Berauber der rechtmäßigen Rechte der Allgemeinheit, Zerstörer des Schicksals der ganzen Nation um eines geringfügigen persönlichen Vorteils willen oder Drückeberger – solche Menschen gibt es zu Tausenden, und sie bewegen sich überall in der Gesellschaft frei. Nach dem Abzug der Engländer wurde ihnen die Verantwortung für die Staatsführung anvertraut. Daher spürt jeder, welches Elend über das Land bereits innerhalb weniger Jahre durch diese charakterlosen Menschen gekommen ist. Wenn man heute den Charakter und das Verhalten unserer Jugendlichen, die nach diesem sogenannten modernen Bildungssystem Wissen erwerben, unmittelbar beobachten will, braucht man zu irgendeiner Zeit nur in Studentenwohnheime, Vergnügungsstätten oder anlässlich nationaler Veranstaltungen auf Märkte und Basare zu gehen.

 

Hinzufügung von Dīniyāt zum früheren Bildungssystem

Es scheint, als seien auch diejenigen, die gegenwärtig über unser Wohl und Wehe bestimmen, unser Bildungssystem in ihren Händen halten und gelegentlich frohe Nachrichten über die Einführung eines islamischen Bildungssystems verkünden, im Begriff, den Fehler zu wiederholen. Das im englischen Zeitalter eingeführte Bildungssystem soll unverändert fortbestehen, und es soll genügen, darin lediglich den Anteil an Dīniyāt ein wenig zu erhöhen. Tatsächlich enthält der Bildungsplan, der ihnen vorschwebt, kaum mehr als das. Deshalb sage ich noch immer dasselbe, was ich schon vor einigen Jahren gesagt habe. Denn meiner Ansicht nach gibt es keinen verhängnisvolleren Fehler, als ein Bildungssystem durch die Verbindung zweier einander widersprechender und entgegengesetzter Dinge zu entwerfen. Und dabei handelt es sich um zwei miteinander kämpfende Strömungen, von denen jede die andere für völlig falsch erklärt. Durch die Verwendung eines solchen Gemischs kann nichts anderes als geistige Verwirrung entstehen.

Nehmen wir an, Sie würden fünfzig Prozent dieser Mischung aus religiösen Fächern bestehen lassen [wobei Dīniyāt gegenwärtig in den Bildungseinrichtungen nicht nur bei Weitem keine fünfzig Prozent ausmacht, sondern mancherorts gleich null ist und andernorts, wenn überhaupt vorhanden, nur spärlich vorkommt. Außerdem gibt es koedukative Bildung, den freien Umgang zwischen Schülern und Schülerinnen sowie Tanz, Gesang und Literatur]. Die übrigen fünfzig Prozent ließen Sie weiterhin auf den Grundlagen des im englischen Zeitalter eingeführten Bildungssystems beruhen. Dadurch muss sich die geistige Umwelt jedes einzelnen Schülers zwangsläufig in ein Schlachtfeld verwandeln.

Wenn die gesamte Umwelt weiterhin wie früher vom Geist der Fremdherrschaft erfüllt ist, wie es im englischen Zeitalter der Fall war, und auch unser Staat nach den früheren Grundsätzen geführt wird, wie es unter der englischen Herrschaft geschah, dann werden als natürliche Folge drei Gruppen von Menschen in unserem Land hervorgebracht werden.

Eine Gruppe von Menschen wird auch nach dem Studium der Diniyat als gottfeindlich gelten, weil ihr Lehrplan zahlreiche Inhalte umfasst, die dem Din widersprechen. Darüber hinaus wird die gesamte Atmosphäre der Bildungseinrichtung diese Gottfeindlichkeit weiterhin fördern. Zudem wird sich auch das staatliche Umfeld als ihnen wohlgesinnt erweisen.

Eine zweite Gruppe von Menschen wird Islam unter dem Einfluss der Diniyat als ihre Lebensordnung betrachten.

Eine dritte Gruppe von Menschen wird einen Weg zwischen Kufr und Islam verfolgen, der weder vollständiger Kufr noch vollständiger Islam ist.

Dies ist die natürliche Folge der Darbietung der oben erwähnten Mischung. Wenn ihr sie in die Praxis umsetzt, werdet ihr sehen, dass im Land drei einander widersprechende Gruppen entstanden sind, die nicht in der Lage sein werden, bei der Erfüllung der Aufgabe, eine Zivilisation und eine Lebensordnung zu entwickeln und fortzuentwickeln, mit Hingabe zusammenzuarbeiten.

Die Frage lautet: Wird das Bildungssystem eines Landes etwa zu dem Zweck geschaffen, dort eine geistige und moralische Müllhalde entstehen zu lassen?

 

Die Festlegung des Bildungsziels

Viele meinen, der Zweck der Bildung bestehe im Erwerb bloßen Wissens. Sie sagen, die Menschen sollten völlig unparteiisch unterrichtet werden, damit sie durch eine „objektive Betrachtung“ (Objective Study) der Probleme des persönlichen und gesellschaftlichen Lebens, der zwischenmenschlichen Beziehungen und sämtlicher Geheimnisse ihre eigenen Ansichten frei bestimmen können. Dazu möchte ich jedoch sagen, dass eine solche objektive Betrachtung nur einer Kamera möglich ist; der Mensch kann dies nicht. Hinter den beiden Augen des Menschen befindet sich ein Gehirn. Unter allen Umständen besitzt er eine eigene Sichtweise. Er verfügt auch über eine bestimmte Vorstellung davon, wie Probleme beurteilt und analysiert werden. Alles, was der Mensch sieht und hört und welches Wissen er erwirbt, nimmt er entsprechend seiner eigenen Sichtweise auf. Auf der Grundlage dieser Denkweise wird seine Lebensordnung errichtet. Dies nennen wir Kultur. Wenn wir nun eine eigene Kultur besitzen, wenn wir einem Volk angehören, das eine eigene Weltanschauung, eigene Überzeugungen, eine eigene Lebensphilosophie, eigene Ziele und eine eigene Art der Lebensführung hat, dann müssen wir zwangsläufig einen solchen Weg einschlagen und für die Bildung und Erziehung unserer künftigen Generationen solche Vorkehrungen treffen, dass sie in der Lage sind, unsere Tahdhib-Tamaddun zu bewahren. Nicht nur das: Sie müssen auch in der Lage sein, sie auf ihrem ursprünglichen Fundament weiterzuentwickeln und zu ihrer Entfaltung zu führen. Jedes Volk der Welt errichtet zu diesem Zweck ein eigenständiges Bildungssystem. Ich kenne kein einziges Volk, das sein Bildungssystem allein auf der Grundlage einer „objektiven Betrachtung der Sachverhalte“ (Objective Study) geschaffen hätte. Ebenso kenne ich kein Volk, das das Bildungssystem eines anderen Volkes unverändert übernommen hätte oder daran gegangen wäre, seine künftigen Generationen nach einem fremden Ideal zu formen, ohne seine eigene geistige Prägung damit zu verbinden. Wenn wir eine solche Torheit aus Schwäche und Hilflosigkeit früher auch einmal begangen haben, so gibt es keinen Sinn darin, sie noch immer wie bisher fortzusetzen.

 

Die Beseitigung des Unterschieds zwischen Din und weltlichen Angelegenheiten

Noch einen weiteren Grundsatz sollten wir als Leitprinzip unseres Bildungswesens annehmen: die Grundlage, auf der für unsere gesamte Umma ein einziges Bildungssystem geschaffen werden muss, besteht darin, dass wir den gegenwärtigen Unterschied zwischen Din und Welt abschaffen. Denn die Vorstellung, Din und Welt voneinander zu trennen, wird nur von der christlichen Lehre vertreten; auch Buddhisten, Hindus sowie Yogis und Asketen vertreten sie. Die islamische Auffassung ist in dieser Frage jedoch völlig entgegengesetzt. Im Bereich von Bildung, Staat und Zivilisation kann es keinen schwerwiegenderen Irrtum geben als die Anerkennung eines Unterschieds zwischen Religion und Politik, mit anderen Worten zwischen Din und Welt. Wir erkennen keineswegs an, dass es für uns zwei getrennte Bildungssysteme geben soll, ein religiöses und ein weltliches. Vielmehr erkennen wir an, dass unser gesamtes Bildungssystem zugleich als religiös gelten und ebenso in der Lage sein muss, unsere weltlichen Bedürfnisse zu erfüllen.

Es ist insofern weltlich, als wir die Welt kennenlernen und ihre Angelegenheiten sachkundig führen können. Andererseits ist es insofern religiös, als wir die Welt aus islamischer Sicht verstehen und in dieser Hinsicht alle Pflichten gemäß den Anweisungen des Din erfüllen können. Der Islam ist keine Religion, die Ihnen erlaubt, alle Angelegenheiten nach eigenem Gutdünken zu regeln, und bei der es genügt, dem lediglich einige Glaubensüberzeugungen oder Aqida sowie gottesdienstliche Handlungen als Zusatz beizufügen. Der Islam kann sich niemals damit zufriedengeben, nur einen Zusatz zum menschlichen Leben darzustellen; das hat er nie getan, und auch heute ist er damit nicht einverstanden. Er will vielmehr Ihr gesamtes Leben führen. Er ist bereit, eine aktive Rolle als Programm für das ganze Leben zu übernehmen. Er spricht nicht nur von einer jenseitigen Welt, die von der Welt hier unten losgelöst wäre. Vielmehr behandelt er alle Angelegenheiten dieser Welt umfassend und in ihrer ganzen Breite. Der Islam erklärt Ihnen, worin das eigentliche Geheimnis dieser Welt besteht, zu welchem Zweck Sie hierher gesandt wurden, worin das Ziel Ihres Lebens liegt, welchen wahren Platz Sie in diesem Universum einnehmen und welchen Rang Sie besitzen; er erklärt Ihnen auch, wie und nach welchen Grundsätzen Sie im irdischen Leben auf dieser Welt handeln müssen. Er sagt ferner, dass diese Welt in Wahrheit einem Acker für das jenseitige Leben gleicht. Was immer Sie im Jenseits erlangen werden, hängt vollständig davon ab, welche Art von Samen Sie auf diesem Acker ausgesät haben. Auch wie dieser Acker bestellt und bebaut werden muss, erklärt er Ihnen in klaren Worten. Er legt Ihnen deutlich dar, wie Ihre Handlungsweise während des gesamten irdischen Lebens beschaffen sein sollte, damit Sie deren Früchte im Jenseits erlangen können. Wie könnte eine solche Religion anerkennen, dass Sie ein weltliches Bildungssystem und ein anderes religiöses haben? Oder dass es genügt, einem weltlichen Bildungssystem einen religiösen Zusatz anzufügen? Sie will vielmehr, dass Ihr gesamtes Bildungssystem ausschließlich nach dem Ideal des Din gestaltet wird.

 

Der wertvolle Rat des Maulana zur Landesverteidigung

Der Maulana hat als weitblickender Politiker Pakistan zur Landesverteidigung so wertvolle Ratschläge gegeben, dass sie nicht nur für Pakistan, sondern für jedes muslimische Land und jeden muslimischen Staat von größter Bedeutung sind. Der Maulana sagt:

„Sie wissen, dass ganz Pakistan Grenzgebiet ist, das heißt, dass die Grenzen ausländischer Staaten an die Grenzen Pakistans stoßen. Es gibt keine einzige größere Stadt, die nicht an der Grenze liegt. Deshalb ist es notwendig, dass jeder Bürger seine Verantwortung erkennt und stets bereit ist, jeder Gefahr entgegenzutreten. Unter diesen Umständen ist der äußerst wichtige Punkt die moralische Widerstandskraft der Nation (Morale). Das heißt: Wenn einer Nation die moralische Widerstandskraft fehlt, werden auch die Mittel der Kriegsführung bedeutungslos. Wie zahlreich die Waffen auch sein mögen, sie können den Mangel an moralischer Kraft oder Widerstandskraft nicht ausgleichen. Im Gegenteil: Aus Mangel an moralischer Kraft können all diese Waffen in die Hände des Feindes fallen. Wir beschränken die moralische Kraft nicht auf Begeisterung, Tatendrang, Tapferkeit und die Motivation zur Landesverteidigung. Vielmehr muss diese moralische Kraft im gesamten Leben erworben werden. Denn um Hilfe von Allah zu erhalten, muss man sein ganzes Leben Seinem Willen unterordnen. Wenn ein Mensch oder eine Nation einerseits in Ungehorsam gegenüber Allah verharrt und andererseits Seine Hilfe erbittet, ist das widersinnig. Eine Nation, die Allah überhaupt nicht anerkennt, kann trotz ihres Ungehorsams Ihm gegenüber eine Zeit lang bestehen. Denn für sie gibt es vonseiten Allahs Taʿālā eine besondere Frist des Aufschubs. Doch wenn eine Nation, die als Ruferin zur Gottesverehrung, als Trägerin und Überbringerin des von Allah herabgesandten großen Buches und als Vertreterin des Din der Wahrheit bekannt ist, eine spöttische Haltung gegenüber den Geboten Allahs einnimmt, kann keine Macht der Welt sie von der Strafe Allahs befreien. Eine solche Haltung ruft statt Allahs Barmherzigkeit Fluch und Strafe herbei.“

Um die moralische Widerstandskraft unversehrt zu bewahren, erweisen sich motivierende Reden sowie große Worte und Erklärungen als bedeutungslos. Auch wenn durch solche Worte vorübergehend Widerstandskraft erzeugt wird, ist sie nicht von Dauer. Statt durch Worte müssen wir unsere moralische Widerstandskraft durch tatsächliches Handeln stärken.

„Unserer gesamten Bevölkerung muss die Anweisung gegeben werden, dass jeder während eines feindlichen Angriffs, wo immer er sich befindet, dort standhaft bleiben muss. Keinesfalls darf versucht werden zu fliehen. Man muss ihnen klarmachen, dass sie dem Tod nicht entkommen können. Wenn die festgesetzte Stunde des Todes gekommen ist, kann man sich selbst innerhalb einer uneinnehmbaren Festung nicht vor dem Tod schützen. Selbst wenn während eines Bombardements auf dem Schlachtfeld die Stunde des Todes noch nicht gekommen ist, wird der Tod keinesfalls eintreten. Der Glaube und die Aqida der Muslime bestehen gerade darin, dass es keinesfalls möglich ist, dem Tod zu entgehen. Daher ist es unter solchen Umständen in jeder Hinsicht unerwünscht, zur eigenen Rettung zu fliehen und zu versuchen, die Kinder und Nachkommen zu retten. Man sollte den Menschen sagen: Wo gibt es für uns überhaupt einen sicheren Ort, an den wir fliehen und dort überleben könnten? Die eigentliche Tatsache ist, dass diese Feiglinge, wohin auch immer sie gehen, die moralische Widerstandskraft der dortigen Bevölkerung ebenfalls brechen werden. Der Feind hat genügend Raum, um sich selbst zu schützen. Er kann sich über weite Strecken zurückziehen. Für uns aber gibt es nirgends auch nur den geringsten Platz, an den wir fliehen und sicher bleiben könnten. Deshalb sollten wir, wo immer wir uns befinden, unbeirrbar und standhaft bleiben und auf jede Situation vorbereitet sein.“

„Ein weiterer Punkt, der im Zusammenhang mit der Landesverteidigung besonders beachtet werden muss, ist folgender: Unterdrückung, Ungerechtigkeit und die Verletzung der Rechte anderer innerhalb des Landes müssen für immer beendet werden. Obwohl solche Dinge in der Gesellschaft unter keinen Umständen fortbestehen dürfen, wird unsere Festung der Selbstverteidigung Risse bekommen, wenn insbesondere während eines Krieges derartige Handlungen begangen werden, und dies wird dem Feind helfen, in das Landesinnere einzudringen.“

„Es ist eine allgemein bekannte Tatsache, dass jemand, wenn in seinem Herzen der Impuls zur Verteidigung des Landes erwacht, dazu nur dann veranlasst sein kann, wenn er empfindet, dass er in einem Land lebt, in dem all seine Rechte und seine persönliche Würde geschützt sind und die Verwirklichung seiner Hoffnungen und Wünsche möglich ist. Wenn seine bitteren Lebenserfahrungen jedoch darin bestehen, dass in diesem Land weder seine Ehre und Würde noch seine persönlichen Rechte geschützt sind, kann es keinen Grund geben, aus dem in ihm ein Antrieb entstehen könnte, für die Sicherheit dieses Landes einzutreten. Wo die Allgemeinheit der Gerechtigkeit beraubt wird, Menschen durch wirtschaftliche Ungerechtigkeit gezwungen sind, hungrig zu bleiben, und die Ehre und Würde der Machtlosen von den Machthabern mit Füßen getreten werden, kann im Volk im Falle eines ausländischen Angriffs kein Impuls zur Verteidigung des Landes entstehen. Denn nichts von dem, was ihnen teurer ist als ihr eigenes Leben und dessen Schutz sie für besonders notwendig halten, ist dort gesichert. In der Geschichte hat sich immer wieder ereignet, dass die Allgemeinheit unter solchen Umständen während des Angriffs äußerer Feinde Gleichgültigkeit an den Tag legte; oftmals haben die unterdrückten Menschen sogar aus dem Wunsch nach Vergeltung einen ausländischen Angriff begrüßt, damit sie mit eigenen Augen die Vernichtung jener sehen konnten, die ihnen all ihre Rechte geraubt hatten. Aus diesen Beispielen der Geschichte sollten wir lernen. Danach sollten wir die Rechte des jeweils anderen schützen. In unserem Land sollte vollkommene Gerechtigkeit herrschen. Unterdrückung und Ungerechtigkeit schwächen das Sicherheitssystem des Landes. Wer aus persönlichem Eigeninteresse das Selbstwertgefühl des Volkes verletzt, ebnet in Wirklichkeit dem Feind den Weg für sein Kommen.“

„Wir betrachten dieses Land nicht als unser Eigentum, sondern vielmehr als das ‚Haus‘ des Islam. Nach mehreren Jahrhunderten ist uns diese Gelegenheit zuteilgeworden, die ‚wahre Religion‘ in ihrer wirklichen Gestalt zu verwirklichen und vor der Welt Zeugnis von ihrer Wahrheit abzulegen. Dies ist für uns eine gewaltige Gabe, und wir sind bereit, sie um jeden Preis zu bewahren. Wir möchten im Herzen jedes Muslims die Bereitschaft wecken, diese Gabe zu achten. Wir wollen in Herz und Verstand eines jeden die Vorstellung fest verankern, dass er bei ihrer Bewahrung vor keinem Opfer zurückschrecken darf. Bedenken Sie: Für den Schutz des eigenen Hauses, des eigenen Vermögens und der eigenen Ehre das Leben zu opfern, ist weit weniger vorzüglich, als sein Leben für Gott und Seine Religion hinzugeben. Ein Leben, das von diesem Antrieb erfüllt ist und hingegeben wird – der Märtyrertod (Schahada) –, ist zweifellos eine Lebenshingabe von höchstem Rang.“

 

Wirtschaftssystem

 

Gleichberechtigung bei wirtschaftlichen Tätigkeiten

Aus islamischer Sicht hat Allah die Erde und alles, was sich in ihr befindet, für die Menschen erschaffen. Daher ist es ein angeborenes Recht des Menschen, seinen Lebensunterhalt aus dieser Erde zu erwerben. Alle Menschen sind gleichermaßen an diesem Recht beteiligt. Niemandem darf dieses Recht vorenthalten werden. Ebenso darf niemand in dieser Hinsicht einen Vorrang vor einem anderen genießen. Nach den Grundsätzen der islamischen Scharia darf weder einer Person, einer Abstammung noch einer Klasse die Vorschrift auferlegt werden, dass sie bestimmte Mittel zum Lebensunterhalt nicht nutzen dürfe oder dass ihr der Weg zu einem bestimmten Beruf versperrt werde. Ebenso ist es gemäß der Scharia nicht zulässig, Unterschiede zu schaffen, aufgrund deren die Mittel zum Lebensunterhalt oder die Quellen von Reichtum bestimmten Klassen, Abstammungen oder Familien als Monopol vorbehalten bleiben. Jeder besitzt auf der von Gott erschaffenen Erde das gleiche Recht, sich mit den von Ihm erschaffenen Mitteln und Ressourcen seine rechtmäßigen Ansprüche zu sichern, und dieser Weg steht allen gleichermaßen offen.

(Grundprinzipien der islamischen Wirtschaft)

 

Wirtschaftliche Probleme und der Islam

Der Islam betrachtet es als verwerflich, mehr Vermögen anzuhäufen, als man benötigt. Seine Forderung lautet: Was immer du an Vermögen besitzt, gib es zur Deckung deiner Bedürfnisse aus oder schenke es anderen, damit sie es für ihre Bedürfnisse verwenden können. Auf diese Weise wird das gesamte Vermögen in der Gesellschaft verteilt und bleibt im Umlauf. Wenn man dies jedoch nicht tut und darauf besteht, Vermögen anzuhäufen, müssen zweieinhalb Prozent dieses angesammelten Vermögens entnommen und jenen Menschen gegeben werden, die nicht in der Lage sind, ihren Lebensunterhalt zu erwerben, oder die trotz ihrer Bemühungen, ihren Lebensunterhalt zu verdienen, ihre Bedürfnisse nicht decken können. Dies ist das ‚Zakāt-System‘. Der Vorschlag des Islam zur Verwaltung der Zakāt lautet, dass sie in die öffentliche Schatzkammer (Public Exchequer) eingezahlt werden soll, aus der die Bedürfnisse aller Bedürftigen gedeckt werden. Dies ist in Wirklichkeit die beste Form der finanziellen Sicherheit (Social Insurance) für die Gesellschaft, und dieses System beseitigt von Grund auf die Missstände, die aufgrund des Fehlens einer angemessenen Organisation zur Verteilung sozialer Unterstützung entstehen.

Im Koran und in den Hadithen sind die ausführlichen Vorschriften hierzu dargelegt. Der Maulana hat in seinem Werk „Die Wahrheit der Zakat“ eine begründete und anschauliche Erörterung all dessen gegeben.

Der Maulana sagt:

„Das Bait-ul-Mal steht Ihnen jederzeit als Helfer zur Verfügung, sodass Sie keinen Grund zur Sorge haben müssen. Wenn Sie bedürftig sind, wenden Sie sich an das Bait-ul-Mal und nehmen Sie Ihr zustehendes Recht in Anspruch. Danach besteht keine Notwendigkeit mehr für Bankwechsel oder Versicherungspolicen. Verlassen Sie diese Welt beruhigten Herzens und ohne Sorge um Ihre Kinder und Angehörigen. Der Wohlstandsfonds der Gesellschaft ist nach Ihrem Tod für deren Unterhalt verantwortlich. Im Alter und bei jeder Art von Not und Unglück ist das Bait-ul-Mal jederzeit Ihr Helfer, an den Sie sich um Unterstützung wenden können. Der Kapitalist kann Sie nicht dazu zwingen, unter seinen Bedingungen zu arbeiten. Solange das Bait-ul-Mal besteht, besteht keine Gefahr, dass Sie hilflos, hungrig und unbekleidet leben müssen. [Wirtschaftliche Probleme und ihre Lösung (Urdu), S. 40, 43]“

Nach einer eingehenden Analyse der Wirtschaft verfasste der Maulana zwei wertvolle Werke mit den Titeln „Zins“ und „Islam und moderne Wirtschaftslehren“. Diese beiden Werke sind maßgebliche und wertvolle Bücher über die Wirtschaft.

Nachdem er in seinem Werk „Zins“ die zinsbasierte Wirtschaft und die zinsfreie islamische Wirtschaft ausführlich erörtert hat, weist er nach, dass allein die islamische Wirtschaftsordnung für die Menschheit eine segensreiche Wirtschaftsordnung ist.

In seinem zweiten Werk hat er Kapitalismus, Kommunismus und den Islam vergleichend erörtert und die Inhaltsleere der ersten beiden Systeme nachgewiesen. Er hat die Mängel und Verfehlungen des grundherrlich-feudalen Systems, der europäischen Renaissance, des Liberalismus im Mittelalter, der Industriellen Revolution und des modernen Liberalismus aufgezeigt. Anschließend legte er auch eine islamische Lösung der modernen wirtschaftlichen Probleme vor.

 

Maulana Mawdudi aus der Sicht anderer

Über Maulana Sayyid Abul A’la Mawdudi liegen zahlreiche Äußerungen gelehrter und herausragender Persönlichkeiten vor, ebenso Eindrücke ihm nahestehender Menschen, die vieles Lehrreiche und Nachahmenswerte enthalten. Einige davon werden im Folgenden wiedergegeben:

 

Begum Maududi

Herr Maududi ist ein ganz gewöhnlicher Mensch. Doch angesichts der von Allah, dem Erhabenen, verliehenen Größe des Korans und des prophetischen Charakters kann ohne jeden Zweifel gesagt werden, dass all sein Handeln mit dem Koran übereinstimmt.

„Ich war irregeleitet. Herr Maududi erschien vor mir als Führer auf dem Sirāt al-Mustaqīm, dem geraden Weg. Er war schweigsam, doch sein Verhalten ermutigte mich in jedem Augenblick, den richtigen Weg einzuschlagen. Wenn er den Mund aufgemacht, mich bei jedem meiner Vorhaben gehindert und mir in jeder Angelegenheit Anweisungen gegeben hätte, wäre an meine Besserung gar nicht zu denken gewesen; vielleicht hätte ich nicht einmal mit ihm zusammenleben können. Doch das tat er niemals. Dies war seine wissenschaftlich fundierte Methode der Verkündung des Islam, die er aus dem Heiligen Koran gelernt hatte.“

„Er war weitsichtig, geduldig und liebevoll. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass er mich in den vergangenen fünfzehn oder zwanzig Jahren in Bezug auf ‚Amr bil Maʿrūf‘ und ‚Nahī ʿan al-Munkar‘ jemals streng angewiesen hätte. Gerade die Lieblichkeit seines Charakters bewirkt, dass man ihm schon nach einiger Zeit in seiner Gesellschaft wohlgefällig wird.“

„Herr Maududi legt größeren Wert auf die geistige als auf die äußerliche Besserung. Einmal kam er irgendwoher und legte sich völlig erschöpft nieder. Da wollte ein Besucher ihn sprechen. Ich sagte, er sei eingeschlafen. Darauf sagte Herr Maududi nur: ‚Du hast eine Lüge gesagt?‘“

„Einmal saßen wir alle gemeinsam beim Essen. Ich sagte zu meinem ältesten Sohn: ‚Junge, verrichte das Gebet! Sonst werden die Leute sagen, der Sohn von Herrn Maududi verrichtet das Gebet nicht.‘“

„Er sagte: ‚Hör zu, Junge: Wenn du das Gebet verrichtest, dann verrichte es allein für Allah und nicht für deinen Vater.‘“

„Er war seinen Kindern gegenüber so liebevoll, dass ich niemanden gesehen habe, der ihnen gegenüber ebenso war. Wann immer er nach Hause kam, rief er jeden Einzelnen beim Namen. In Dar-ul-Islam hatten wir einen Tanga. Er ging selbst mit mir und den Jungen vor dem Abend hinaus. Er schickte sie niemals mit jemand anderem irgendwohin, aus Angst, dass einer von ihnen plötzlich aus dem Tanga fallen könnte. Einmal schickte er die Jungen aus irgendeinem Grund mit dem Kutscher nach Pathankot. Danach ging er am Fluss spazieren. Noch vor dem Maghrib kehrte er vom Fluss zurück und erfuhr, dass die Jungen noch nicht zurückgekommen waren. Da ging er nicht ins Haus, sondern saß draußen stundenlang. Erst als die Jungen zurückkehrten, ging er mit ihnen hinein.“

„Im Alter von siebzehn Jahren verlor Maududi Sahib seinen Vater. Durch Allahs Gnade lebt seine Mutter noch.“ [Nach der vorstehenden Äußerung von Begum Maududi ging die Mutter von Maulana Maududi im Jahr 1957 ins Paradies ein.]

„Er kümmert sich so hingebungsvoll um seine Mutter, dass ein solcher Sohn wirklich selten ist. Wenn ihm etwas, was seine Mutter tut, nicht gefällt, bleibt er still. Er zeigt keinerlei Verdruss. Selbst wenn sie ihn beschimpft, blickt er ihr nicht ins Gesicht. Jeden Augenblick ist er bereit, ihr zu dienen.“

„Meine Vorfahren kamen während der Herrschaft des Kaisers Shah Jahan von Buchara nach Delhi. Seit jener Zeit lebten wir über Generationen hinweg in Delhi und gewöhnten uns an ein städtisches Leben. Nachdem Maulana Maududi von Hyderabad nach Dar-ul-Islam gekommen war, begann ein neues Kapitel in meinem Leben.“

„Die Siedlung Dar-ul-Islam begann mit nur drei Familien, einschließlich unserer. Es waren einfache dörfliche Häuser. Dort gab es weder elektrisches Licht noch Wasserleitungen noch andere Annehmlichkeiten und Hilfsmittel des täglichen Lebens. Dies war die erste Stufe der Geduld in meinem Leben.“

„Einmal hatten wir zu Hause kein Brennholz. Maulana frühstückte und ging ins Büro. Da saß ich und überlegte, was ich tun sollte. In diesem Moment kam Maulana in den inneren Teil des Hauses und sagte: ‚Was ist los, dass du so still dasitzt?‘“

Ich sagte: ‚Es gibt kein Brennholz, und die Köchin sitzt untätig da.‘ Er sagte: ‚Bist du schon wegen so wenig ungeduldig geworden?‘ Damit nahm er eine Axt und ging aus dem Haus. Vor dem Haus lagen einige Holzstücke. Er begann, sie eigenhändig zu spalten. Kaum hatte er ein- oder zweimal mit der Axt zugeschlagen, eilten von allen Seiten Menschen herbei, und in kurzer Zeit war ein ganzer Haufen Brennholz zusammengetragen.“

„Eines Tages lieferte der Wasserträger aus irgendeinem Grund kein Wasser. An diesem Tag war es außerdem furchtbar heiß. Ich saß nur da und hielt mir die Hände an den Kopf. Als Maulana davon erfuhr, ging er mit zwei Eimern zum Brunnen und begann eigenhändig Wasser zu schöpfen und die Eimer zu füllen. Als die Leute das sahen, füllten sie sofort die Häuser mit Wasser.“ [Begum Maududi Mahmuda Khatun verstarb am 4. April 2003.]

 

Mahirul Qadiri

Der berühmte Dichter und Schriftsteller Pakistans und Indiens sowie Herausgeber der Monatszeitschrift „Faran“, Herr Mahirul Qadini, sagt:

„Ich hege große Achtung vor dem Maulana. Ich bin überzeugt, dass die Dienste, die er durch seine Schriften und Reden für den Din leistet, in der heutigen Zeit ihresgleichen suchen. Selbst in den arabischen Ländern gibt es nichts Vergleichbares.“

Über den Maulana äußerte er:

„Er ist der größte Denker der islamischen Welt. Er hat unter den Muslimen den Beginn einer wahrhaft islamischen Forschung eingeleitet und eine Veränderung in der Denkweise der Menschen bewirkt – ein Kommentator des Korans und der Sunna, ein Helfer der Wahrheit, die Verkörperung der Wahrhaftigkeit, der Gestalter der undeutlichen Bilder der islamischen Überlieferung, ein aufrichtiger Diener von Allahs Din, dessen Worten und Taten man uneingeschränkt vertrauen kann, dessen gesamte Jugend dem Dienst am Din gewidmet war und der durch sein Denken, Forschen, Mühen und Streben vorzeitig gealtert ist; ein so großer gelehrter Alim, dessen Worte und Schriften seit einem Vierteljahrhundert zur Wahrheit aufrufen; einer, der gleichzeitig zu Koran und Hadith, Fiqh, Ilm al-Kalam, Philosophie, Geschichte, Wirtschaft, Staatsordnung, Politik und zahlreichen anderen Themen wissenschaftlich fundiert Stellung nehmen kann; der Kaiser der Logik und ein Meer des Wissens, der nicht nur mit den Denkströmungen des Orients, sondern auch mit denen des Westens vertraut ist, sondern sie geprüft und beurteilt hat; ein Aufrufer zur Verbindung mit Allah und zum Gehorsam gegenüber dem Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), dessen Bewegung weder von den vier Mauern des Gefängnisses von Multan noch von der dunklen Hinrichtungskammer des Lahore-Forts zum Verstummen gebracht werden konnte, dessen Stimme durch die Fatwas des Kufr nicht erstickt werden konnte; einer, der jedes Wort und jede Tat am Prüfstein von Koran und Sunna überprüft und beurteilt und alles, was an diesem Prüfstein zutage tritt, furchtlos offen ausspricht, selbst wenn es sich um einen noch so großen Gelehrten handelt; dessen Lebensaufgabe die Errichtung des Dins, dessen Programm der Aufruf zur Wahrheit und dessen Ziel Allahs Wohlgefallen ist; einer, der bei der Verkündung der Wahrheit den Zorn der ganzen Welt nicht fürchtet und auch keine Angst davor hat, seinen eigenen guten Ruf zu verlieren; der alle möglichen Verleumdungen durch Unwissende und Toren geduldig unbeachtet gelassen hat; dessen Feder die Urdu-Literatur bereichert und geläutert hat und zu einem unschätzbaren Beitrag zur Urdu-Sprache geworden ist; ein Erneuerer einer neuartigen Ausdrucksweise in seinen Reden, bei denen es scheint, als würden aus einem düsteren Himmel Sturmwinde und Blitze hervorbrechen; bei dessen Namen der Qadianismus erzittert und die Hadith-Leugner zu ersticken beginnen; ein Förderer der Sunna und ein Ausrotter von Schirk und Bid’a; einer, der trotz seines gewaltigen Wissens und seines außerordentlichen Ruhmes mit einfachen Menschen ohne jede Förmlichkeit, in schlichter Art und mit süßen, freundlichen Worten so umgehen kann, als gäbe es keinerlei Unterschied zwischen ihm und ihnen; der nicht nur ein Alim, Denker, Redner und Schriftsteller ist, sondern auch ein solcher Mard-e-Mujahid, dass selbst die Verkündung des Todesurteils keinerlei Reaktion bei ihm hervorruft – einer, der nicht von der Geschichte geschaffen wurde, sondern Geschichte schafft.“

Baschir al-Ibrahimī

Der führende Politiker Algeriens und Vorsitzende der dortigen Dschamʿiyyat ʿUlamāʾ al-Muslimīn, Allama Muhammad al-Baschir al-Ibrahimī, sagt:

„Nur sehr wenige Menschen wie ihn (Sayyid Abul A’la Maududi) habe ich kennengelernt. Insbesondere habe ich nur sehr wenige Menschen von einer solchen Persönlichkeit und solchen Fähigkeiten gesehen, die in der Gemeinschaft der Gelehrten eine herausragende Stellung einnehmen. Zu seinen besonderen Vorzügen gehört, dass er unbeirrbar an der Wahrheit festhält, auf dem Weg der Wahrheit geduldig ist und – weit davon entfernt, der herrschenden Klasse zu schmeicheln – sogar dagegen ist, ihre Unterstützung zu erlangen.“

„Von all jenen, die ich in Pakistan und Hindustan gesehen habe und über die ich Kenntnis erlangt habe, besitzt er das umfassendste Wissen über die Sachverhalte der islamischen Scharia und der islamischen Geschichte. Seine Bildung ist außerordentlich weitreichend und tiefgehend. Er verfügt über feines Urteilsvermögen, einen überragenden Verstand, klares Denkvermögen und tiefes Wissen.“

„Maulana Maududi hat sich umfassende Kenntnisse über die moderne Wissenschaft und Zivilisation angeeignet. Er prüft jeden am Maßstab der Gerechtigkeit.“

„Im vergangenen Monat kam es in Pakistan zu erheblichen Spannungen und auch zu einigen blutigen Auseinandersetzungen. Da die Zeitungen der arabischen Länder darüber keine ausführlichen Nachrichten veröffentlicht haben, konnte ich die Ursachen und das tiefere Geheimnis dieser Ereignisse nicht verstehen. Meine klare Überzeugung ist jedoch, dass die Forderung nach einer islamischen Staatsordnung der eigentliche Grund für all dies war. Wahrscheinlich hat die Regierung angesichts des wachsenden Einflusses Maulana Maududis und seiner Mitarbeiter im Land die meisten von ihnen verhaften lassen. Anschließend wurde in Lahore das Kriegsrecht verhängt und die gesamte Verantwortung den Streitkräften übertragen. Ein Militärgericht verurteilte den Maulana zum Tode. Später erfuhr ich, dass das Todesurteil aufgehoben und stattdessen eine vierzehnjährige Zwangsarbeitsstrafe angeordnet worden war. Die Muslime Pakistans gerieten über diese Entscheidung der Tyrannenherrschaft in Empörung, und gegen die Regierung erhob sich ein gewaltiger Sturm von Protesten und Demonstrationen. Es besteht kein Zweifel, dass das Todesurteil gerade infolge der landesweiten Proteste aufgehoben wurde.“

Auch vonseiten gut organisierter islamischer Institutionen und Anjumans in Ägypten, Syrien, Irak, Kuwait und anderen Ländern wurden Proteste erhoben und heftige Unzufriedenheit gegenüber der pakistanischen Regierung zum Ausdruck gebracht. Als ich in Kuwait war, erfuhr ich von der Wahrheit dieser Nachrichten. Da ich mit diesen Institutionen verbunden bin und zwischen der Jamiat ul-Ulama und ihnen gegenseitiger Respekt besteht, war auch ich empört und zutiefst betroffen. Denn die Persönlichkeit Maulana Maududis ist nicht auf eine bestimmte Region beschränkt. Vielmehr ist seine Persönlichkeit für die gesamte muslimische Welt vorbildlich. Zu den Rechten, die er uns gegenüber besitzt, gehört auch dieses: Als die Regierung ihn anstelle der Todesstrafe zu Zwangsarbeit verurteilte, war es unsere Pflicht, uns für seine Freilassung einzusetzen …“

„Für den Dschihad, den Maulana Maududi auf dem Weg Allahs begonnen hat, ist es bereits eine ausreichende Belohnung in dieser Welt, dass sich die Muslime der Welt zu seiner Unterstützung und Hilfe zusammengeschlossen haben. Eine noch größere und dauerhaftere Belohnung ist für ihn bei Allah aufbewahrt.“

 

Dr. Muhammad Ataur Rahman Nadwi

„Das ist ganz der Stil Ibn Taymiyyas.“

Vor fünfzehn Jahren hörte ich diese wenigen Worte aus dem Mund eines heiligen Menschen. Die Szene, in der ich diese Worte in einer so ergreifenden Weise hörte, steht noch immer unverändert und lebendig vor meinen Augen. Es scheint mir, als sähe ich noch immer jenes Antlitz vor mir und als klängen jene ergreifenden Worte noch heute in meinen Ohren nach.

Ich halte es für das Beste, alles offen zu erzählen.

Von 1930 bis 1934 studierte ich an der Alia-Madrasa in Kalkutta. 1935 wurde ich an der Darul-Ulum Nadwatul Ulama in Lucknow aufgenommen. Zu jener Zeit hatte ich Gelegenheit, den „Tarjuman al-Qur’an“ kennenzulernen. Meine innere Verfassung war bald derart, dass die Lektüre des „Tarjuman al-Qur’an“ zu einem natürlichen Bedürfnis für mich geworden war.

Während der Sommerferien, als ich nach Hause fuhr (Dorf Paharpur Bazar, Postamt Bara Haria, Saran), nahm ich den „Tarjuman al-Qur’an“ mit. Danach sprach ich voller Begeisterung gegenüber meinem verehrten Vater über den Inhalt dieser Zeitschrift. Er bekundete Interesse, sie sich anzusehen.

Mein Vater, Janab Maulana Mufti Muhammad Jamil Ansari (Allah erbarme sich seiner), war ein aufrichtiger Gelehrter der Religion. Sein ganzes Leben verbrachte er in der Lehre. Er war nicht nur Professor, sondern auch ein Mufti. Von 1917 bis 1941 war er Professor an der Alia-Madrasa in Kalkutta und Mufti ihres Dar al-Ifta.

Alle Ausgaben des „Tarjuman al-Qur’an“, die sich in meinem Besitz befanden, legte ich meinem Vater vor. Nachdem er sie gesehen hatte, war sein erster Kommentar: „Mein Sohn, all dies findet sich im Qur’an und in der Sunna. Jetzt bedarf es nur noch der Umsetzung. Gewöhnliche englisch gebildete Leute schreiben über diese Dinge in ihren Zeitschriften und Zeitungen, halten sich aber selbst nicht daran.“

Als ich in den Ferien des Jahres 1936 nach Hause kam, brachte ich meinem Vater die neu erschienene Ausgabe des „Tarjuman al-Qur’an“. Er las sie sehr aufmerksam und rief mit begeisterter Stimme aus: „Ich hatte eine völlig falsche Vorstellung. Dieser Mann (Maududi) ist nicht nur englisch gebildet, sondern auch ein großer Gelehrter der arabischen Sprache. Übrigens, wie alt ist er?“

Ich sagte: „Sehr wahrscheinlich ist er dreißig oder zweiunddreißig.“

Er sagte erstaunt: „In einem so jungen Alter so viel Gelehrsamkeit und Fähigkeit? Beim Lesen seiner Zeitschrift muss man staunen.“

Ich teilte Maulana Maududi Sahib alles mit. Zu jener Zeit war er nach Pathankot gekommen. Zusammen mit seiner Antwort schickte der Maulana mir verschiedene Werke, darunter „Siyasi Kashmakash“ und „Diniyat“. Mein ehrwürdiger verstorbener Vater las diese Werke wiederholt und sagte: „Ich hatte eine falsche Vorstellung von diesem Mann. Möge Allah mir vergeben. Er trägt ganz und gar die Prägung von Allama Ibn Taymiyya. Erstaunlich ist, dass dieser Mann gerade in einer Zeit aufgetreten ist, in der wahrhaft begabte Menschen selten sind, besonders hier in Hindustan. Wenn er beginnt, seine Ideale in die Tat umzusetzen, wird man ihm erbitterten Widerstand entgegensetzen. Denn so verfährt man auf der Welt mit aufrichtigen Menschen, die an der Wahrheit festhalten. Es ist sogar möglich, dass er zum Märtyrer gemacht wird.“

Von dieser Zeit an begann „Tarjuman-ul-Quran“ regelmäßig an die Adresse der Ansari-Kutubkhana im Paharpur-Basar zu kommen. Wenn mein Vater in den Ferien aus Kalkutta nach Hause kam, las er es in seiner freien Zeit aufmerksam. Als Maulana Maududi schließlich in den Leitartikeln von „Tarjuman-ul-Quran“ auf die Notwendigkeit hinzudeuten begann, eine idealistische Gruppe zu bilden, sagte mein verehrter alter Vater:

„Wenn diese Gruppe gegründet wird, werde ich ihr erstes Mitglied sein.“

Doch leider verstarb mein Vater nur zehn Tage vor der Gründung dieser Gruppe (Jamaat-e Islami), am 16. August 1941, und ging ins Paradies ein. Allah möge sich seiner erbarmen.

Zu dieser Zeit verkündete Allama Sayyid Sulaiman Nadwi bei einer großen öffentlichen Versammlung die herausragende Persönlichkeit Maulana Maududis.

Ende Dezember 1940 fand die „Nadwi-Konferenz“ der ehemaligen Schüler des Dar-ul-Ulum statt. Ich hatte 1939 am Dar-ul-Ulum von Nadwa mein Abschlusszeugnis erhalten. Daher war auch ich nach Lucknow gereist, um an der „Nadwi-Konferenz“ teilzunehmen. Was mich zur Teilnahme an dieser Konferenz besonders ermutigt hatte, war die Tatsache, dass Maulana Maududi zu genau dieser Zeit ebenfalls nach Lucknow kommen sollte. Auch die anderen ehemaligen Schüler von Nadwa waren wie ich sehr daran interessiert, mit dem Maulana zu sprechen. Nach der Konferenz kam Maulana Maududi in das Gästehaus von Nadwa. Alle Lehrer und ehemaligen Schüler begannen, sich mit ihm zu unterhalten und Gedanken auszutauschen. Die Leitung von Nadwa bat Maulana Maududi, vor den angesehenen Persönlichkeiten und den Studenten eine Ansprache zu halten. Die Versammlung in Lucknow war von der Universität Lucknow und den Studentenorganisationen von Nadwa gebildet worden. Maulana Maududi hielt in seiner besonderen Art einen Vortrag über „ein neues Bildungssystem“. Maulana Abdul Majid Daryabadi führte den Vorsitz, und Allama Sayyid Sulaiman Nadwi stellte den Maulana vor. Die Worte und die Art und Weise, in der Herr Sayyid den Maulana vorgestellt hatte, klingen mir noch heute in den Ohren. Er sagte:

Ich stehe vor Ihnen, um Ihnen einen jungen Mann vorzustellen, der zugleich ein Meer des Wissens ist. Heute kennt die gesamte gebildete Welt Maulana Maududi. Er ist in der heutigen Zeit ein Sprecher des Islam und ein herausragender Gelehrter des Din. Allah, der Erhabene, hat diesem heiligen Mann die Aufgabe anvertraut, der gewaltigen Flut von Religionsfeindlichkeit und Atheismus, die von Europa bis nach Indien vorgedrungen ist, Widerstand entgegenzusetzen. Er hat umfassende Kenntnisse der alten und modernen Denkströmungen Europas erworben. Darüber hinaus besitzt er so tiefgehende Kenntnisse des Quran und der Sunna, dass er auf dieser Grundlage befriedigende Lösungen für alle Probleme der heutigen Zeit anbieten kann. Deshalb haben sich selbst bedeutende Atheisten und Gottesleugner angesichts seiner unumstößlichen Argumente und Beweisführungen geschlagen gegeben. Ohne jedes Zögern und in klaren Worten kann gesagt werden, dass die Muslime Indiens und der islamischen Welt in Angelegenheiten des Din von Maulana Maududi sehr viel erwarten dürfen.

 

Agha Suresh Kashmiri

Maulana Maududi ist der einzige Mensch, der dem geistigen Genie Pakistans den Weg zur Straße des Wissens gezeigt hat.

In einer Zeit, in der unsere islamische Weltanschauung unter den Fesseln einer zweihundertjährigen Fremdherrschaft aufgegeben worden war, hat allein er den Islam als eine umfassende Lebensphilosophie dargelegt.

Seine Bewegung ist eine Kraft, die der modernen europäischen Denkweise Widerstand zu leisten vermag.

Seine Gedankenwelt ist von einer solchen Lebenskraft des Islam erfüllt, dass die junge Generation der heutigen Zeit sie von ganzem Herzen anzunehmen bereit sein kann.

Das sich ständig wandelnde Regierungssystem des Landes kann durch die Kraft des Gesetzes die grobe körperliche Revolution des Landes für eine gewisse Zeit unterdrücken. Doch besitzt es weder die Kraft noch Waffen und andere Mittel, um eine geistige Revolution zu unterdrücken. Unsere Gesellschaft hat wissentlich oder unwissentlich oder aus bestimmten besonderen Gründen eine geistige Revolution gegen den Islam entfacht. Wenn jemand imstande ist, ihren Lauf aufzuhalten, dann sind dazu allein Maulana Maududi und seine auf Idealen gegründete Partei in der Lage.

 

Maulana Abdul Majid Daryabadi

Den Lesern den Herausgeber von Tarjuman-ul-Quran vorzustellen, ist unnötig. Von seiner weiten Sichtweise und seinen gewaltigen Diensten für die Religion ist auf den Seiten von Tarjuman-ul-Quran wiederholt die Rede gewesen. Um der Unruhe und dem Unheil unserer Zeit entgegenzuwirken, hat Allah Ta’ala seine Brust in besonderer Weise geweitet und geöffnet. Jede Zeile, die er geschrieben hat, ist für die modern gebildeten Menschen wie Nektar. In dieser Hinsicht nimmt der Maulana unter den Gelehrten einen äußerst hohen Rang ein. Er ist in Wahrheit ein denkender Mann der Umma.

 

Maulana Manazir Ahsan Gilani

Ich habe seit jeher Vertrauen in die gesunde Veranlagung, die klare Denkkraft und den tiefen Einblick von Maulana Sayyid Abul A’la Maududi Sahib. Sein Verhalten und seine Umgangsformen sind von Gott verliehen. Sein Blick auf die Probleme ist fein, tiefgründig und allumfassend. Seine Analyse ist so gründlich, dass in keiner Frage Raum für Zweifel bleibt. Seine Arbeitsweise ist bezaubernd, seine Erklärungen und Analysen sind zu Herzen gehend. Darüber hinaus habe ich wiederholt Zeugnis von seinem edlen Wesen abgelegt. Ich selbst, dieser unbedeutende Abdul Bari, habe den Maulana in Begleitung von Maulana Abdul Bari gebeten, an der Universität Osmaniya eine Lehrtätigkeit aufzunehmen. Obwohl seine finanzielle Lage äußerst beklagenswert war, wies er unsere Bitte zufriedenem Herzen zurück. Wer eine so gewaltige und reiche Seele besitzt, so geistig rege und nachdenklich ist und als Verfasser mit von Gott verliehenen Fähigkeiten und Eigenschaften ausgestattet ist — es wäre vermessen gewesen, über ihn noch viel mehr zu sagen. Doch möchte ich wenigstens dies sagen: Allah Ta’ala hat Maulana Maududi eine außergewöhnliche Gnade zuteilwerden lassen. Ich sehe sein Herz im Licht des Glaubens erstrahlen. Sein Herz ist mit tiefer Ehrfurcht und tiefem Vertrauen in den Propheten Muhammad Mustafa (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) erfüllt worden. Darüber hinaus ist er mit vielerlei Vorzügen ausgestattet worden. Wenn er sich mit all diesen Kräften der Literatur, des Geistes und des Glaubens erhebt, den Ruf auf Allahs Weg zu seinem Lebensziel macht und diese Arbeit einige Zeit in Urdu, Englisch, Hindi und anderen Sprachen fortgeführt wird, mag es sein, dass die Menschen dies nicht sogleich annehmen; doch werden zumindest in ihren Herzen die Funken jener Fragen entzündet werden, auf die der Islam natürliche Antworten gibt.

 

Maulana Abul Hasan Ali Nadwi

Seine Schreibweise, seine unwiderlegbaren Argumente, seine grundlegende und fundamentale Erörterungsmethode und vor allem sein ausgewogenes Denken waren unserer Veranlagung und Mentalität äußerst angemessen. Es schien, als sei seine von Gott verliehene schriftstellerische Begabung gerade das Sprachrohr unseres stummen Talents und unseres Geschmacks. Unvergesslich bleibt jener Tag, an dem wir, einige Freunde, im Gästehaus neben der Moschee des Dar-ul-Ulum von Nadwa saßen und den Leitartikel der Tarjuman-ul-Quran-Ausgabe des Monats Muharram 1356 nach der Hidschra lasen, in dem der Untergang der Welt vorausgesagt worden war. Es war ein so anregender Artikel des Maulana, dass sein Widerhall noch lange zu hören war. Wir alle priesen im Innersten die Klugheit des Maulana, seine Einsicht, seinen Hinweis auf die Krisen und seine außergewöhnliche schriftstellerische Begabung. Die danach veröffentlichten Artikel des Maulana lasen wir mit Freude.

 

Maulana Muhammad Manzur Noʿmānī

Was mir an der Arbeit von Maulana Maududi und der Jamaat-e-Islami am wichtigsten erschien, ist Folgendes: Tausende junge Menschen waren durch die westliche Bildung und das atheistische Umfeld der Bildungseinrichtungen am Islam irregeworden und hatten ihn entweder vollständig aufgegeben oder standen kurz davor. Die Schriften Maulana Maududis und die Aktivitäten der Jamaat-e-Islami haben sie jedoch nicht nur zum Islam zurückgeführt, sondern in ihrem praktischen Leben wurde eine solche islamische Revolution verwirklicht, dass sie für viele seit Generationen fromme Menschen eine lehrreiche Erfahrung darstellte.

 

Professor Alfred Smith

Maulana Maududi hat einen gewaltigen Einfluss auf das islamische Denken der Gegenwart ausgeübt, und seine Partei ist eine der sichtbaren Kräfte Pakistans. Die Literatur, die diese Bewegung hervorgebracht hat, ist äußerst umfangreich und vielfältig. Der größte Teil dieser Literatur ist in Urdu verfasst. Dennoch nimmt die Zahl ihrer arabischen und englischen Übersetzungen von Tag zu Tag zu. Maududi Sahib zeichnet sich deutlich dadurch aus, dass er seine Gedankenwelt allmählich und mit großer Folgerichtigkeit als eine richtige und anziehende Lebensordnung dargelegt hat. Maududi Sahib erscheint als ein Denker, der den Islam in der modernen Zeit auf organisierte und prinzipienbasierte Weise betrachtet. Er hat die moderne Neigung, den Islam in die Form einer Regierungs- und Ordnungsstruktur zu gießen, ausgewogen gestaltet. Er war der Erste, der das islamische Recht als ein klares und wirksames System der modernen Zeit darstellte. Er hat den Islam als eine Lebensordnung präsentiert, die bereits vor vielen Jahrhunderten die Lösungen für alle menschlichen Probleme aller künftigen Zeitalter in sich gesammelt hatte. Für ihn ist der Islam keine Religion, die jeden Morgen ein neues Durcheinander schaffen würde, indem sie den Menschen eine neue göttliche Erkenntnis zur Lösung ihrer Probleme vermitteln müsste. Das Denksystem, das er nach und nach gefestigt hat, hat seinen Ursprung in der Frühzeit des Islam; aus ihr wurden die grundlegenden Fundamente dieses Systems und seines Gebäudes entnommen. Zugleich hat er in ausreichendem Maße auch moderne Sichtweisen und Denkströmungen berücksichtigt.

Tatsache ist, dass er während der geistigen und politischen Wirren Pakistans die Intellektuellen und einen großen Teil der Bevölkerung beeinflusst hat. Inmitten des heftigen Sturms des moralischen Niedergangs hat er für sein selbst gesetztes Ziel eine beispiellose Hingabe und Selbstaufopferung bewiesen.

Ich halte Maulana Maududi Sahib für einen großen und bedeutenden Menschen. Nur wenige solcher Menschen werden geboren. Doch heute ist er so groß geworden, dass ich ihn früher nicht für so bedeutend gehalten habe. Ich hätte mir niemals vorstellen können, dass Allah für ihn ein solches Glück bestimmt hatte, dass er eines Tages auf dem Weg des Dīn zum Tode verurteilt werden würde. Allah hat ihn aus Tausenden auserwählt und ihm eine so hohe Stellung verliehen.’

 

Raja Jaganfar Ali Khan

Von 1939 bis 1949 studierte ich am Islamia College in Lahore. In dieser Zeit kam Maulana Sayyid Abul Ala Maududi jeden Sonntag in die Habibia Hall, um Vorträge über Islamkunde zu halten. Freitag war der wöchentliche Ruhetag des Colleges. Sonntags jedoch fanden Sportveranstaltungen und andere gesellschaftliche Veranstaltungen statt. Auch der Vortrag des Maulana fand an diesem Tag statt. Alle Angehörigen des Colleges nahmen an seiner Vorlesung teil.

Es war eine Zeit, in der der Bart auf dem milchig-rosigen Gesicht des Maulana noch schwarz war. Er trug eine schwarze Kappe, eine dunkelbraune Sherwani und einen weißen Pyjama; vor seinen Augen saß eine blaue Brille. Der Maulana war damals in seinen jungen Jahren. Doch bemerkte ich in seinem Wesen niemals Rauheit oder Erregtheit. Seine Art zu sprechen war äußerst höflich, und was er sagte, war sehr vernünftig.

Die Jungen, die an seiner Klasse teilnahmen, brachten Papier und Bleistift mit. Nach Ende des Vortrags wurden auf Papierfetzen Fragen gestellt. Der Maulana beantwortete sie auf ansprechende Weise.

Zu dieser Zeit waren die Studenten besonders stark von der Khaksar-Bewegung beeinflusst. Bis vor 1940 war ich, wenn man so will, selbst ein Aktivist der Khaksar-Bewegung. Da mir die Antworten des Maulana auf Fragen über diese Bewegung und ihren Führer nicht zusagten, konnte ich mich nicht zu ihm hingezogen fühlen. Auch verspürte ich nicht das Bedürfnis, seine Schriften zu lesen. Damals erregten die Khaksar-Bewegung und ihr Sprachrohr „Al-Islah“ im ganzen Land großes Aufsehen. Diese Bewegung hatte unsere Herzen und Gedanken beeinflusst.

Auf der am 23. März 1940 in Lahore abgehaltenen gesamtpakistanischen Versammlung der Muslimliga fühlte ich mich von der Persönlichkeit des verstorbenen Quaid-e-Azam Muhammad Ali Jinnah angezogen. Seine entschlossene Rolle, die Festigkeit seines Charakters, seine Aufrichtigkeit und seine vollkommene Hingabe bei seinem Handeln zogen mich von der Khaksar-Bewegung zur Muslimliga.

In der dritten Phase meines Lebens begann ich, mich für „progressive“ Literatur zu begeistern. In dieser Zeit las ich die Bücher von Marx, Lenin und Stalin. Danach fühlte ich mich zu den Anhängern dieser Ideologie hingezogen. Trotzdem blieb ich mit einer religiösen Familie verbunden. Doch das gesellschaftliche Umfeld zog mich zum Kommunismus hin. Zu Hause kam es zwischen meinem verstorbenen Vater und mir häufig zu Debatten und Auseinandersetzungen. Ich war in den Fesseln einer solchen Jahiliya gefangen, dass mein verstorbener Vater – Allah vergebe mir – aufhörte, mit mir zu sprechen.

Pakistan war damals noch nicht entstanden. An diesem Tag gab mir mein verstorbener Vater das englische Buch Towards Understanding Islam von Maulana Maududi. Ich las das Buch. Dann las ich es noch einmal. Die Wirkung des Buches auf mich war, dass die Dunkelheit der Irreführung, die sich über meinen Geist und mein Denken gelegt hatte, verschwand. Die unwiderlegbaren Argumente und die Darstellungsweise des Maulana waren äußerst eindringlich, sodass ich begann, auch seine anderen Schriften zu lesen.

Nach der Gründung Pakistans pflegte der Maulana sich am Nachmittag in dem kleinen, üppig grünen, grasbewachsenen Garten vor seinem Haus in Israr niederzulassen. Dort ging ich hin und setzte mich zu ihm. Damals versammelten sich noch nicht so viele Menschen. Ich stellte dem Maulana allerlei unsinnige und unpassende Fragen. Der Maulana nahm mir das überhaupt nicht übel. Jede Frage beantwortete er in ruhiger, gelassener und freundlicher Sprache. Selbst bei unpassenden Fragen war auf seinem Gesicht niemals ein Zeichen von Verärgerung oder Zorn zu sehen. Die Fragen, die beim Lesen von „Tulu-e-Islam“ in mir aufkamen, trug ich dem Maulana freimütig vor. Mit der geschärften Waffe der Vernunft widerlegte der Maulana die irrigen Fragen. Seine Art zu antworten war so überzeugend, dass der Fragesteller gar nicht anders konnte, als davon beeindruckt zu sein.

Wenn jemand wie ich den Kommunismus allein aufgrund von Argumenten aufgeben und sich dem Islam zuwenden konnte, dann muss es gewiss noch viele andere gegeben haben, die unter dem Einfluss der Schriften des Maulana den rechten Weg angenommen oder sich zumindest von ihrer angeborenen Ideologie abgewandt haben. Das ist eine besondere Eigenschaft des Maulana. Persönlich habe ich hinsichtlich seiner tiefgründigen Gelehrsamkeit niemanden gesehen, der ihm gleichkommt. Daher werde ich ihn ohne jeden Zweifel als den Mujaddid dieses Zeitalters bezeichnen.

Wenn mich jemand fragt, wer für mich eine berühmte Persönlichkeit ist, dann werde ich antworten: nur drei – Allama Iqbal, Quaid-e-Azam und Maulana Maududi.

 

A. K. Brohi

Das wertvollste Gut eines Menschen sind sein Charakter und seine Wirkung. Wenn es möglich ist, den Charakter und die Wirkung eines Menschen zu verändern und in ihm eine bedeutende Veränderung herbeizuführen, dann ist derjenige, der dies vollbringt, der Architekt oder Schöpfer des Lebens dieses Menschen. Aus dieser Perspektive ist Maulana Maududi meiner Ansicht nach gegenwärtig die herausragendste Persönlichkeit Pakistans.

Ich erkenne die Wahrheit dieser Aussage an: Wenn gefragt wird, wer derjenige ist, der den Charakter und die Wirkung der Bewohner Pakistans am stärksten beeinflusst hat, dann wird meine Antwort Maulana Maududi lauten. Ich bin fest davon überzeugt, dass ich auch morgen noch dasselbe sagen werde, was ich heute sage. Und wenn Allah, der Erhabene, im Jenseits mein Zeugnis annehmen will, dann werde ich an jenem Tag dasselbe Zeugnis ablegen, das ich heute ablege.

 

Sharifuddin Pirzada

Unter denjenigen, die von Pakistan träumten, gehörte Maulana Maududi zu den führenden Persönlichkeiten. Die Pläne und Vorschläge, die er und andere in dieser Angelegenheit vorlegten, dienten im Kampf um Pakistan als Orientierung. Die drei alternativen Vorschläge, die Maulana Maududi für einen eigenen muslimischen Staat unterbreitete, wurden in den Oktober- und Dezemberausgaben des Tarjuman-ul-Quran von 1938 veröffentlicht. Ich erinnere mich sehr gut daran, dass die Studenten der Aligarh-Universität während der Leitung der Pakistan-Bewegung neben anderer Literatur regelmäßig die Ausgaben des Tarjuman-ul-Quran bei sich trugen und Seite um Seite daraus vorlasen, um die Argumente der Verfechter der Ein-Nationen-Theorie zu widerlegen.

 

Maulana Amir Usmani, Deoband

Maulana Maududi ist der einzige Mensch, dessen von Gott verliehenes Talent, schriftstellerische Kraft, klares Verständnis der Religion, unvergleichliche Hingabe und Aufrichtigkeit nicht nur in Pakistan, sondern in der gesamten muslimischen Welt einen derart gewaltigen Bestand an Schrifttum geschaffen haben, dass man zu dessen Anerkennung sagen muss: Im Vergleich zu diesem Bestand an Schrifttum sind die sieben Königreiche unbedeutend. Meiner Ansicht nach gleicht jede einzelne Seite seiner Schriften einem Juwel.

 

Maulana Abdul Quddus Bihari

Ich appelliere im Namen Allahs und des Gesandten an meine muslimischen Brüder, an die Gelehrten, die Gesellschaft, die Intellektuellen und die angesehenen Männer der Nation, keine einzige Minute zu verlieren, sondern den Kampf zur Rettung eines solchen unvergleichlichen islamischen Denkers, einzigartigen Schriftstellers und nationalen Vermögens unverzüglich und mit allen möglichen verfassungsmäßigen Mitteln unvermindert fortzusetzen.

 

Das Zeugnis von Maulana Abdul Quddus Bihari

Über die Zeitungen wird wiederholt der Vorwurf erhoben, Allama Maududi und die Jamaat-e Islami hätten sich der Gründung Pakistans widersetzt. Ich bin seit geraumer Zeit krank. Außerdem sind meine Mittel und Möglichkeiten begrenzt. Dennoch hatte ich gehofft, dass die rechtgeleiteten Gelehrten dem Volk die Wahrheit darlegen würden. Doch ich sehe, dass aus irgendeinem Grund auch die Stimme der Wahrheit verstummt ist. Deshalb komme ich dieser Pflicht nach. Als Gründer der Jamiat Ulama-e Islam und ehemaliger Anhänger der Muslim League halte ich es für die unabdingbare Pflicht der Jamiat Ulama-e Islam und jedes Anhängers der Muslim League, über diese Angelegenheit zu sprechen. Ja, ich betrachte mich sogar als dafür verantwortlich, diese Wahrheit vor Allah und dem Gesandten (s.a.w.) zu vertreten und mich dafür zu verantworten; daher sage ich in unmissverständlichen Worten, dass Allama Maududi sich niemals der Gründung Pakistans widersetzt hat. Vielmehr verhält es sich in Wahrheit so: Als Maulana Husain Ahmad Madani, der Verstorbene, und die Jamiat Ulama-e Hind bei ihrer Unterstützung des Kongresses erklärten, eine Nation werde auf der Grundlage des Heimatlandes gebildet, sagte Allama Maududi, eine Nation werde auf der Grundlage der Religion gebildet, nicht auf der Grundlage des Landes oder des Heimatlandes. Er verfasste ein kraftvolles Schrifttum zum Beweis der islamischen Nationalität. Hazrat Allama Shabbir Ahmad Usmani gründete in Kalkutta als Antwort auf die kongressnahe Jamiat und zu deren Bekämpfung die Jamiat Ulama-e Islam. Allama Shabbir Ahmad Usmani bezeichnete Allama Maududi als das Schwert des Islam und protestierte scharf gegen dessen erste Verhaftung. Tatsächlich bildeten Allama Shabbir Ahmad Usmani und die Jamaat-e Islami die öffentliche Meinung zugunsten des Referendums, wodurch die Nordwestliche Grenzprovinz und Sylhet Pakistan eingegliedert wurden. Es sei darauf hingewiesen, dass Allama Maududi sich niemals der Gründung Pakistans und eines islamischen Staates widersetzt hat. Die falsche Vorstellung entstand vielmehr dadurch, dass Hazrat Allama Maududi gegenüber einigen Führern der Muslim League den Verdacht äußerte, sie würden der Umsetzung des islamischen Rechts Hindernisse in den Weg legen. Dafür gibt es noch immer Belege: Selbst in den vergangenen fünfundzwanzig Jahren konnte das islamische Recht nicht eingeführt werden. Ihm kann nicht deshalb vorgeworfen werden, er habe sich einem islamischen Staat widersetzt, weil er gegenüber den Führern Misstrauen hegte. Dann bleibt noch der Vorwurf seines Widerstands gegen den Quaid-e-Azam. Allama Maududi hat sich ihm niemals widersetzt. Allerdings forderte er wiederholt die Einführung des islamischen Rechts. Er verfasste wertvolle Schriften und zahlreiche Bücher über den Islam. Die Nation ist ihm dafür dankbar.

 

Maulana Zafar Ahmad Ansari

Maulana Zafar Ahmad Ansari, Generalsekretär der All-India Muslim League des ungeteilten Indien, sagte:

Meine erste Begegnung mit Maulana Maududi fand 1938 in Allahabad statt. Damals war die Jamaat-e Islami noch nicht gegründet worden. Maulana wohnte im Haus von Dr. Nazir Ali Zaidi. Wenn er nach Allahabad kam, pflegte er stets dort abzusteigen. Unsere zweite Begegnung fand 1941 ebenfalls in Allahabad statt, bei einer Zusammenkunft im Haus von Hakim Khalid Sahib in Hardara. Hier hielt er auch einen Vortrag im Islamia College. Ich fühlte mich von Maulanas umfassender Gelehrsamkeit angezogen.

Nach einiger Zeit musste ich nach Delhi umziehen. Wenn Maulana nach Delhi kam, traf ich ihn selbstverständlich. Er wohnte gewöhnlich im Haus seiner Schwiegereltern. Einmal wohnte er auch im Haus von Chaudhry Muhammad Ali. Er kam auch zu mir nach Hause, und wir unterhielten uns stundenlang. Noch vor der Gründung Pakistans schmückten die Bände von Tarjuman-ul-Quran bereits die Bibliothek von Quaid-e-Azam.

Nach der Gründung Pakistans kam Maulana mehrmals zu mir nach Hause. Es stimmt nicht, dass Maulana den Vorschlägen oder Ratschlägen anderer niemals Beachtung schenkte. Nach meiner persönlichen Erfahrung nahm er grundsätzliche Argumente an. Ich habe den schlechten Ruf, dass Maulana nach Begegnungen mit mir bisweilen die Entscheidungen der Jamaat änderte. Maulana hörte jedem einzelnen Punkt aufmerksam zu. Wenn man ein Argument vorbrachte, nahm er es sofort an.

Maulanas Persönlichkeit war außerordentlich groß. Kritik mit unendlicher Geduld und einem Lächeln entgegenzunehmen, war eine seiner herausragenden Eigenschaften. Es ist sonnenklar, dass er dem Weg, den er für die Verbreitung und Erhöhung des Islams als richtig erachtete, unerschütterlich und unbeirrt treu blieb.

 

Dr. Ibrahim Agha

Der Professor der Universität Ankara in der Türkei, Dr. Ibrahim, sagt:

Sayyid Abul A’la Maududi war ein herausragender Gelehrter. Er war ein so großer Gelehrter, dass seine Worte in der ganzen Welt verstanden und seine Ansichten angenommen werden. Auch in der Türkei zählt Maulana Maududi zu den allgemein anerkannten Autoren. Einige seiner Werke wurden ins Türkische übersetzt.

Ich hatte keine Gelegenheit, Maulana Maududi persönlich zu begegnen. Doch in seinen Werken begegne ich ihm. Die Lebendigkeit, die er durch seine dynamische Persönlichkeit geschaffen hat, übt einen gewaltigen Einfluss auf die gegenwärtige Zeit aus und wird künftig einen noch größeren Einfluss ausüben.

 

Yasin Umar

Yasin Umar, Mitglied des Nationalrats des Sudan, sagt:

Sayyid Abul A’la Maududi begann die Bewegung zur islamischen Erneuerung. In der Neuzeit war er der Erste, der die westlichen Ideologien und Denkweisen herausforderte. Auf dem Prüfstein der Vernunft machte er unmissverständlich deutlich, dass die westlichen Ideologien und Denkweisen herausgefordert werden müssen. Auf dem Prüfstein der Vernunft machte er unmissverständlich deutlich, dass das westliche Denken der Menschheit schadet. Er trat der westlichen Zivilisation entgegen und setzte auch andere dafür ein, ihr entgegenzutreten. Diese gewaltige Aufgabe begann er auf dem Gebiet des Denkens. In einer neuen Darstellungsweise entwarf er ein solches Bild der islamischen Lehre und Weltanschauung, dass jene Muslime, die sich aus Unfähigkeit, dem westlichen Denken entgegenzutreten, vom Islam abgewandt hatten, ihre Denkweise änderten, und auch jene, die sich in Zweifel und Unentschlossenheit befanden, zum Islam zurückkehrten. Die Schriften Maududis schufen in ihnen eine feste Überzeugung und fassten unter den Muslimen einen donnerharten Entschluss für den Islam. ….. Sayyid Abul A’la Maududi machte die muslimische Jugend nicht nur in Pakistan und Asien, sondern auch in Afrika und auf der ganzen Welt mit ihrer wahren Identität vertraut. Er vereinte die muslimische Jugend der Welt um den Islam und machte den Islam zum Ziel ihres Lebens.

Bevor ich sage, welch hohen Rang Sayyid Maududi in der Geschichte einnimmt, möchte ich aus meiner persönlichen Erfahrung berichten, dass ich vor der Lektüre seiner Schriften ein Anhänger des Kommunismus war. Ich empfand Freude daran, mich als Kommunist und Sozialist zu bezeichnen. Allein die Schriften Sayyid Maududis führten mich aus der Gefolgschaft des Kommunismus in das Licht des Islam.

Ich würde Sayyid Maududi einen großen Menschen nennen. Doch ich empfinde, dass dieses Wort nicht ausreicht, um seine Größe zu beschreiben. Sayyid Maududi ist ein Mann, der die Richtung der Geschichte verändert hat; heute ist er ein Schöpfer der Geschichte. Seine scharfe Feder hat die westliche Zivilisation, ihr Denken und ihre Kultur besiegt. Tatsächlich hat sich heute eine solche Revolution vollzogen, dass die muslimische Jugend begonnen hat, sich nicht mehr als „östlich und westlich“, sondern als „islamisch“ zu bezeichnen. Das muss als eine gewaltige Veränderung bezeichnet werden, und im Laufe der Zeit wird sich ihre Wirkung über die ganze Welt ausbreiten.

 

Dr. Sirajul Haq (Bangladesch)

Maulana Sayyid Abul A’la Maududis tiefes Wissen und seine Gelehrsamkeit nehmen einen überaus hohen Rang ein. Einen so hohen, dass man ihre wahre Größe nicht allein mit dieser Aussage ermessen kann. Die Wirkung der von ihm geleisteten Arbeit auf dem Gebiet von Wissen und Forschung wird über mehrere Generationen und Jahrhunderte hinweg fortbestehen. …. Maulana Maududi ist der einzige Mensch, der, sobald er zu einem Thema die Feder ansetzt, nichts mehr zu sagen übrig lässt. Wenn er nach Dhaka kam, traf ich ihn, und auch wenn ich hierher kam, kam es zu einem Treffen. Einmal begegnete ich ihm in dieser Stadt Rawalpindi unter Umständen, die ich niemals vergessen kann. Einmal wurde er in den I DO NOT AGREE CLUB in Pindi eingeladen. Auch ich war eingeladen worden. Durch seine Ansprache zog Maulana alle in seinen Bann und beeinflusste sie. Seine logisch begründete Erörterung enthielt die Entdeckung eines solchen neuen Lichts, dass niemand vor ihr bestehen konnte.

Sayyid Maududi hat bereits zu seinen Lebzeiten die Geschichte seiner Epoche beeinflusst. Auch auf alles, was künftig geschehen wird, wird sein Einfluss fortbestehen. Mehr noch: Im Laufe der Zeit wird sein Einfluss immer stärker werden. Danach wird die Zahl derer, die seinen Fußspuren folgen, weiter zunehmen, und er wird als immer verehrungswürdiger gelten. Er ist jedermanns „Liebling“ und wird jedermanns „Liebling“ bleiben. [Der I DO NOT AGREE CLUB war ein besonderer Club für einflussreiche CSP-Mitglieder und hochrangige Regierungsbeamte. – Der Verfasser.]

Mawdudis Briefe

Maulana Sayyid Abul Ala Maududi war ein revolutionärer islamischer Führer des 20. Jahrhunderts. Sein ganzes Leben lang war er auf dem Weg der Bewegung unzähligen Hindernissen, Spott und Kritik sowie Verfolgung und Unterdrückung ausgesetzt. Zu verschiedenen Zeiten und unter verschiedenen Umständen musste er unterschiedlichen Menschen in Briefen seine Gedanken mitteilen. Durch seine Briefe treten die Persönlichkeit des Verfassers, sein wahrer Charakter, seine Ideale und seine geistige Haltung hervor. Hier werden einige seiner zu verschiedenen Zeiten verfassten Briefe zusammengestellt, in denen sich seine Lebensanschauung, die Ideale und Ziele seines Lebens, wahrhaft islamisches Denken, die Vorzüge und das Vorgehen der islamischen Bewegung sowie seine Haltung der Nachsicht gegenüber den Feinden der islamischen Gesellschaftsordnung zeigen. Ich hoffe, dass diese Briefe auch im Leben der Leser als Leuchtfeuer dienen werden.

 

[1]

An Herrn Abdus Sattar Sahib

Pathankot, Punjab.

7. Juni 1941

Mein verehrter Herr—

Friede sei mit Ihnen und Allahs Barmherzigkeit.

Ich war nach Srinagar gereist. Nach meiner Rückkehr erhielt ich Ihren Brief. Ich bin ein Nachkomme von Hazrat Qutbuddin Maudud Chishti (r. a.). Deshalb schreibe ich meinen Namen als Maududi. Dies ist keine Propaganda, um mich selbst bekannt zu machen, und es ist auch nicht meine Absicht, daraus irgendeinen Vorteil zu ziehen. Allah der Erhabene hat die Menschheit zur gegenseitigen شناختnis und zur Wahrung ihrer Verschiedenheit in verschiedene Stämme und Abstammungslinien geteilt. Daher gebe ich die Abstammung bekannt, in die ich hineingeboren wurde.

„Maududi“ ist weder der Name einer Lehre noch einer religiösen Gemeinschaft; dafür mag man mich tadeln.

Sie haben nicht erwähnt, welche meiner Äußerungen bei Ihnen den Eindruck erweckt haben, dass ich den Frommen und Gelehrten des Glaubens gegenüber eine schlechte Meinung hege. Ebenso haben Sie nicht erläutert, welche Haltung man gegenüber den Frommen und Gelehrten des Glaubens einnehmen muss. Wenn Sie diese beiden Punkte freundlicherweise etwas beleuchten, kann ich meine Auffassung darlegen. Ihrem Brief konnte ich nicht entnehmen, welches Vergehens ich für schuldig erklärt worden bin. Vielmehr habe ich den Verdacht, dass Sie meinen Aufsatz überhaupt nicht mit ruhigem und unvoreingenommenem Gemüt gelesen haben. Es ist zu einer allgemeinen Regel geworden, dass jemand, der in einem Aufsatz etwas findet, das seinem Geschmack widerspricht, den gesamten Aufsatz mit Abneigung und Misstrauen zu betrachten beginnt. Danach findet er keine Zeit mehr, in Ruhe darüber nachzudenken, was der Verfasser eigentlich sagt.

Wahrscheinlich ist Ihnen nicht bekannt, dass ich in eine Familie hineingeboren wurde, in der die Tradition der Baiʿa und der Initiation seit tausend Jahren fortbesteht. Ich hatte Gelegenheit, all ihre guten und schlechten Seiten unmittelbar zu studieren. Ich betrachtete dies nicht mit der feindseligen Haltung eines Außenstehenden; vielmehr war meine Einstellung dazu ganz natürlich äußerst wohlwollend. Wenn ich danach zu dem Schluss komme, dass diese Institution ebenso wie andere Einrichtungen des Islam entstellt worden ist und einiger wesentlicher Änderungen bedarf, so ist dies nicht die Ansicht eines äußeren Feindes, sondern die Ansicht eines Freundes aus dem eigenen Haus, die allein um der Wahrheit willen ausgesprochen wurde. Wäre der Dienst an der Wahrheit nicht mein Ziel, so hätte ich mich ganz einfach auf den erblichen Sitz meiner Familie setzen können; ich hätte eine Versammlung von Pīr und Murīden veranstaltet und zusehen können, wie sich zahlreiche Würdenträger, die Hände und Füße küssen und Nazr und Niyāz darbringen, um mich scharen.

Khaksar

Abul A’la.

[2]

An Herrn Hakim Muhammad Sharif Sahib aus Hafizabad.

Neues Zentralgefängnis

Multan.

17. März 1949

Mein Hochverehrter,

Assalamu alaikum wa rahmatullah.

…… Machen Sie sich keine Sorgen um meine Gesundheit. Die Wahrheit ist, dass es meiner Gesundheit jetzt so gut geht, wie es mir seit vielen Jahren nicht mehr vergönnt war. Mein Körpergewicht hat zugenommen, mein Appetit ist größer geworden, und ich schlafe so gut, wie ich in den vergangenen fünfzehn Jahren nicht geschlafen habe. Körperliche und geistige Anstrengungen kann ich in weit größerem Umfang als früher leisten, und ich empfinde nur sehr wenig Ermüdung. Der Grund dafür ist, dass es heute auf der ganzen Welt niemanden gibt, der glücklicher ist als ich. Um meine Kinder und Verwandten mache ich mir keinerlei Sorgen, denn ich habe sie Gott anvertraut. Um die Nation mache ich mir keinerlei Sorgen, denn die gegenwärtige Regierung hat die Verantwortung, die Gott mir in dieser Angelegenheit auferlegt hatte, auf ihre eigenen Schultern genommen. Auch um die Jamaat und die islamische Da’wa mache ich mir keine Sorgen, denn mit meiner Verhaftung bin ich sogleich von der Verantwortung entbunden worden. Zugleich habe ich volles Vertrauen, dass die Jamaat durch meine Inhaftierung nicht geschädigt, sondern vielmehr Nutzen daraus ziehen wird. Überlegen Sie nun selbst, wer glücklicher sein könnte als ich.

Khaksar

Abul A’la

[3]

An Herrn Hakim Muhammad Sharif Sahib aus Hafizabad.

Neues Zentralgefängnis Sultan

22. April 1949

Mein hochverehrter Herr,

As-salamu alaikum wa rahmatullah.

Dass Sie Ihr Bedauern darüber zum Ausdruck gebracht haben, dass die Dauer meines Gefängnisaufenthalts verlängert wurde, ist ein Zeichen Ihrer aufrichtigen Liebe zu mir. Grundsätzlich sollten Sie jedoch eines bedenken: Gott behandelt denjenigen nicht schlecht, der ein gutes Verhältnis zu Gott und Seiner Schöpfung pflegt und auf Gottes Weg zum Wohl Seiner Schöpfung wirkt. Was äußerlich als etwas erscheint, das für ihn nachteilig ist, habe ich durch Gottes Gnade als Gewinn erfahren. Das ist nicht bloß eine gute Vorstellung, sondern eine große Wahrheit. Auf dem Weg der Reform und Verbesserung, für die ich arbeite, war kein steinerner Berg das Hindernis. Vielmehr waren es himmelhohe Berge von Unrat und Abfällen. Aus Gottes Wohlgefallen heraus hatte ich begonnen, den Unrat und die Abfälle zu beseitigen. Die Spritzer von Unrat und Abfällen, die bei dieser Arbeit auf mich fielen, ertrug ich geduldig. Doch mein Gott wollte nicht, dass ich für Ihn die Arbeit eines Straßenkehrers verrichte. Deshalb hat Er mich an einen abgelegenen, friedlichen Ort gebracht. Nun wird der Unrat auf diejenigen geworfen, deren Unrat er ist. … Diese Arbeit ist noch immer unvollendet. Wenn sie vollendet sein wird, werden Sie mich wieder unter sich finden.

Ihr ergebener Khaksar

Abul Ala

 

[4]

Für Sayyid Abul Khair Maududi Sahib.

Neues Zentralgefängnis, Multan

23. November 1949

Bruder Sahib

Friede sei mit euch und Allahs Barmherzigkeit.

Aufgrund meiner lebenslangen Studien kann ich sagen, dass jene Kräfte, die innerhalb von Festungen Zuflucht suchen, in dieser Welt niemals fortbestehen können. Denn dem offenen Wettbewerb auszuweichen und sich in einer Festung zu verstecken, ist ein Zeichen von Feigheit, und Allah, der Erhabene, hat diese Erde nicht geschaffen, damit Feiglinge über sie herrschen. Meine Studien zeigen außerdem, dass die hölzernen Gefäße solcher moralischen Feiglinge, deren Machenschaften auf Lüge, Betrug und Täuschung beruhen, die das Licht der Wahrheit für gefährlich halten und deren Herrschaft zur Sicherung ihrer Macht Sicherheitsgesetze benötigt, nicht lange auf dem Aufstieg bleiben können. Dies widerspricht dem Gewissen und den Naturgesetzen, und die historische Erfahrung von tausend Jahren bezeugt, dass diejenigen, die auf all dies bauen, nicht lange Bestand haben können, wie stark sie auch für kurze Zeit sein mögen.

Der Demütige

Abul A’la

 

[5]

Im Namen von Herrn Saiyid Abul Khair Maududi.

Neues Zentralgefängnis, Multan

16. Mai 1949

Bruder Sahib

Friede sei mit euch und Allahs Barmherzigkeit.

Wenn Sie künftig kommen, bringen Sie jedes Mal Ihre beiden älteren Söhne mit. Wenn Haji Mian [der Spitzname des Sohnes meines älteren Bruders ist „Haji Mian“] mitkommen möchte, bringen Sie auch ihn mit. In dem Gedanken, dass die hiesige Umgebung einen schlechten Einfluss auf sie haben könnte, hatte ich ihnen zunächst verboten, mitzukommen. Doch nach reiflicher Überlegung bin ich zu dem Schluss gelangt, dass man ihnen alle Orte zeigen sollte. Es ist durchaus möglich, dass die künftige Generation noch irregeleiteter sein wird als die gegenwärtige und die Menschen jener Zeit im Kampf gegen sie einen härteren Kampf führen müssen als wir. Ich möchte meine Söhne nicht für ein Leben im Luxus erziehen. Vielmehr möchte ich sie dazu erziehen, dem Guten zu dienen und gegen das Böse zu kämpfen.

Khaksar

Abul A’la

[6]

Im Namen von Ahmad Faruq Maududi.

Neues Zentralgefängnis, Multan

23. Dezember 1949

Mein lieber Sohn,

Wa alaikumus-salam.

Ich weiß nicht, wann du den Brief erhalten wirst, den ich dir heute schreibe. Darüber bin selbstverständlich auch ich nicht beunruhigt, und ihr solltet nicht beunruhigt sein. Ob ihr den Brief erhaltet oder nicht und ob ihr von meinem Wohlergehen erfahren könnt oder nicht – seid unter allen Umständen zufrieden in dem Wissen, dass Allah alles zum Guten tut. Satan will ja, dass wir in dieser Lage völlig in Panik geraten und die Geduld verlieren. Doch indem wir auf Gott vertrauen, sollten wir diese List Satans überwinden.

Ich kann überhaupt nicht erkennen, ob ihr gut oder schlecht zurechtkommt. Selbst wenn ich etwas über eure gute oder schlechte Lage erfahren sollte, könnte ich nichts unternehmen. Deshalb habe ich euch Gott anvertraut und Geduld bewahrt. Ich denke, dass ihr auch jetzt genauso leben werdet, wie ihr nach meinem Tod hättet leben müssen. Es ist eine Fügung Gottes, dass ihr bereits zu meinen Lebzeiten mit dem konfrontiert worden seid, womit andere erst nach dem Tod ihres Vormunds konfrontiert werden. Lasst euch durch diese Erfahrung nicht entmutigen, sondern nutzt diese Gelegenheit; inschallah wird sie sich für euch als segensreich erweisen.

– Abul A‘la Maududi

 

[7]

An Herrn Chowdhury Ghulam Muhammad aus Karachi.

Neues Zentralgefängnis, Multan

6. April 1950

As-salāmu alaikum wa rahmatullāh.

Der Geist der revolutionären Bewegungen unserer Zeit unterscheidet sich vom Geist des Islam. Die revolutionären Bewegungen ergreifen heute zunächst Vergeltungsmaßnahmen gegen diejenigen, die ihnen Hindernisse in den Weg legen. Zweitens bedienen sie sich äußerst niederträchtiger Mittel, um an die Stelle einer Gesellschaftsordnung eine andere zu setzen. Sie nehmen keinerlei Rücksicht darauf, dass infolge dieser Revolution und Umwälzung Millionen von Menschen zugrunde gehen könnten. Wenn der Islam dagegen die Macht erlangt, verfolgt er gewöhnlich das Prinzip der Vergebung statt der Vergeltung. Bei der Beseitigung der Fehler und Mängel der bisherigen Gesellschaftsordnung und der Umsetzung seines eigenen Reform- und Verbesserungsprogramms besteht sein allgemeines Prinzip darin, Reformen und Verbesserungen schrittweise und nach Möglichkeit auf einfache Weise durchzuführen und das menschliche Leben so weit wie möglich vor einer jähen Revolution zu bewahren.

Menschen, die den Geist des Islam nicht kennen, ahmen aus übermäßigem Eifer für Reform und Verbesserung die in der Welt verbreitete revolutionäre Methode nach und versehen sie bei diesem Nachahmen mit dem Etikett des Islam. Die Analyse ihrer irrigen Vorgehensweise ist der Zweck der Darlegung islamischer Prinzipien.

-Abul A‘la Maududi

[8

Antworten auf die in Rasā’il wa Masā’il gestellten Briefe

Der Sturm der Opposition

…. Mir ist die gegen mich begonnene Propaganda nicht unbekannt. Dies ist keine neue Erfahrung für mich. Wiederholt wurde versucht, derartige falsche Verleumdungen gegen mich zu verbreiten, und jedes Mal habe ich Geduld bewahrt. Nach meiner bisherigen Erfahrung lässt Allah, der Erhabene, die Lüge nicht Verbreitung finden.

Es war stets meine Regel, dass ich auf die Worte jener, die ich als unbekümmert gegenüber Aufrichtigkeit, Treue und Gottesfurcht erlebte, keine Antwort gab und auch künftig nicht geben möchte. Ich glaube, dass es meine Kräfte übersteigt, an ihnen Vergeltung zu üben. Nur Allah kann ihnen Vergeltung zukommen lassen. Ich bin zudem der Auffassung, dass es nicht meine Aufgabe ist, ihre Lügen zu widerlegen. Inschallah wird ihre Anmaßung noch in dieser Welt entlarvt werden.

 

Ziel und Vorgehensweise

Verstehen Sie gut, zu welchem Zweck die Jamaat-e Islami gegründet wurde. Diese Jamaat wurde nicht gegründet, um angesichts eines vorübergehenden Problems eines Landes oder Volkes mit einem vorübergehenden Verfahren dessen Lösung herbeizuführen. Sie wurde auch nicht auf der Grundlage des Prinzips gegründet, jeweils diejenige Politik zu übernehmen, die zur Lösung der bestehenden Probleme gerade als geeignet erscheint. Vor dieser Jamaat steht vielmehr nur ein einziges universales und ewiges Problem, das alle Probleme jedes Landes und jedes Volkes umfasst. Dieses Problem besteht darin, worin der weltliche Aufstieg und die jenseitige Erlösung des Menschen liegen. Dafür kennt diese Jamaat nur eine einzige Lösung: Die gesamte Menschheit soll sich wahrhaftig der Dienerschaft Allahs unterwerfen. Danach soll sie den Grundsätzen folgen, die im Buch Allahs und in der Sunna des Gesandten enthalten sind. Außer für dieses Problem und seine Lösung empfinden wir für nichts anderes in der Welt irgendeine Anziehung.

 

Die Notwendigkeit, eine Gemeinschaft zu bilden

… Aus den Hadithen ist erwiesen, dass es ohne eine Jamaat oder eine Gemeinschaft kein wahrhaft islamisches Leben gibt. Damit das Leben tatsächlich islamisch ist, ist vor allem erforderlich, dass man mit dem Ziel des Islam, nämlich der Iqamat ad-Din, verbunden ist. Dies verlangt, dass man sich mit allen Kräften für dieses Ziel einsetzt; ohne vereinte Kräfte ist ein solcher Einsatz nicht möglich. Daher wäre es ein schwerwiegender Fehler, ein Leben ohne Jamaat als islamisch zu bezeichnen. Zweitens gilt: Auch wenn jemand sich nicht unserer Jamaat anschließt, soll er sich doch einer Jamaat anschließen, deren Ziel dieses ist und deren gemeinschaftliche Organisation und Methode, einen umfassenden Einsatz zu führen, den islamischen Lehren entsprechen. In diesem Fall werden wir nicht zögern, ihn als jemanden anzuerkennen, der dem rechten Weg folgt. Doch wenn jemand nur jene Methoden zur Bildung des persönlichen Charakters befolgt, die in der Scharia vorgeschrieben sind, und sich für den Einsatz zur Iqamat ad-Din keiner Jamaat anschließt – das halten wir nicht für richtig. Ein solches Leben betrachten wir als ein Leben in halber Dschahiliyya. Nach unserem Wissen und Verständnis besteht die geringste Forderung des Islam darin, dass jemand, wenn er in seiner Umgebung keine Jamaat vorfindet, die sich nach islamischer Methode mit allen Kräften um die Verwirklichung des islamischen Ziels bemüht, versuchen soll, eine solche Gemeinschaft zu bilden. Zugleich muss er darauf vorbereitet sein, dass er sich, sobald eine solche Jamaat gefunden wird, unter Aufgabe seines gesamten Ichs mit der Haltung einer Jamaat ihr anschließt.

 

Tabligh und Revolution

Soweit ich Ihrem Brief entnehmen konnte, besteht sein Kern darin, dass in der gegenwärtigen Zeit lediglich mündlicher Tabligh, Vorträge, das Verfassen von Aufsätzen und die Verbreitung durch Zeitungen und Zeitschriften betrieben werden sollen. Darüber hinaus sei es nicht nötig, zu eigenen Taten aufzurufen. Wenn dann die Gedanken und Herzen aller Muslime von unserer Geisteshaltung beeinflusst seien, werde eines Tages plötzlich eine Revolution stattfinden.

Die Vorstellung ist recht bemerkenswert. Doch was lässt sich dagegen tun, dass Tabligh und Revolution ihrem Wesen nach nicht dasselbe sind? Ein einflussreicher und wirksamer Tabligh ist nur dann möglich, wenn die Gruppe, die Tabligh betreibt, nach ihren eigenen Grundsätzen handelt und diejenigen organisiert, die danach handeln. Bloße Predigten und Ermahnungen gibt es doch schon seit langer Zeit. Was haben sie bewirkt?

(Rasā’il wa Masā’il)

Einige wertvolle Worte

[1]

Ich habe stets versucht, die Religion aus dem Koran und der Sunna zu verstehen, anstatt sie von irgendjemandem aus Vergangenheit oder Gegenwart verstehen zu wollen. Wenn ich daher wissen möchte, was Gottes Religion von mir und jedem Gläubigen verlangt, versuche ich nicht herauszufinden, was dieser oder jener fromme Mann sagt und tut. Vielmehr versuche ich nur zu sehen, was der Koran sagt und was sein Gesandter (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) getan hat.

– Abul A‘la Maududi

[2]

Wir wollen in Wirklichkeit eine Gemeinschaft aufbauen, deren Mitglieder einerseits in religiöser Frömmigkeit und Gottesfurcht weiter fortgeschritten sind als die sogenannten Frommen und Gottesfürchtigen, andererseits aber für die Führung der weltlichen Angelegenheiten qualifizierter und befähigter sind als die gewöhnlichen Weltmenschen. Eine solche Gemeinschaft rechtschaffener Menschen sollte gebildet werden, deren Mitglieder gottesfürchtig, aufrichtig und vertrauenswürdig sind. Sie sollten mit Charaktereigenschaften und Tugenden ausgestattet sein, die Gott wohlgefällig sind. Zugleich sollten sie die Angelegenheiten dieser Welt besser verstehen als die Weltmenschen.

– Abul A‘la Maududi

[3]

Sobald für mich und meine befreundeten Kollegen klar wird, dass wir auch nur um Haaresbreite vom Koran und der Sunna abgewichen sind, werdet ihr, so Allah will, sehen, dass wir keinen Augenblick zögern werden, zur Wahrheit zurückzukehren. Wenn ihr jedoch anstelle des Buches Gottes und der Sunna des Gesandten eine bestimmte Person zum Maßstab für Wahrheit und Falschheit macht, dann vertraut euch selbst und eure Zukunft eben dieser Person an. Dazu habt ihr jedes Recht. Danach werdet ihr Gott gegenüber folgendermaßen antworten: „O Gott, wir hatten unsere Religion anstelle deines Buches und der Sunna deines Gesandten dem einen und dem anderen Menschen überlassen.“ Wenn euch diese Antwort vor Gott retten kann, dann fahrt nur frohen Herzens damit fort.

– Abul A‘la Maududi

[4]

Wenn wir diese Arbeit mit der Haltung eines Geschäftemachers verrichten, dann soll tausendfacher Fluch auf uns und auf unserem ganzen Unternehmen liegen. Wenn sie jedoch aufrichtig dem Dienst an Gottes Religion dient, dann sollte jeder von uns froh darüber sein, dass er diese Arbeit nicht allein verrichtet, sondern auch andere daran beteiligt sind. Unsere Aufgabe besteht darin, ihn nicht als Rivalen zu betrachten. Wir sollten immer wieder zu ihm gehen, damit Allah sein Herz wendet.

– Abul A‘la Maududi

[5]

Die Etablierung der Religion ist eine unerschütterliche und unabdingbare Pflicht

Es ist die unerlässliche Pflicht jedes Wahrheitssuchenden, in sich einen starken Antrieb zur Iqamat ad-Din zu entfachen. Danach soll er sich bemühen, dass dieses Feuer in seinem Herzen aufflammt. Welche Folgen dieses Bemühen und dieses Handeln haben werden, steht hier nicht zur Diskussion. Es kann sogar sein, dass man uns mit einer Säge zerschneidet, uns über den Boden schleift, uns auf glühende Kohlen wirft und unsere toten Körper zur Nahrung von Krähen und Geiern werden. Trotz alledem wird uns vielleicht nicht das Glück zuteil, die gegenwärtige nichtigen Ordnung in eine wahrhaft schöne Ordnung umzuwandeln. Doch dieses Scheitern ist kein Scheitern. Keine Furcht vor dem Scheitern und keine Ungewissheit wird uns von jener Pflicht entbinden, die Allah, der Erhabene, uns zur Iqamat ad-Din auferlegt hat. Dies ist eine unerschütterliche, unerlässliche Pflicht, die wir um jeden Preis und unter allen Umständen erfüllen müssen. Wenn alle Khanqahs euch zu versichern versuchen, dass irgendwelche Wazifa und asketischen Übungen euch von dieser Pflicht entbinden könnten, dann sage ich euch mit Gewissheit: Das ist nichts als eine satanische Täuschung. Solange ihr noch einen Kopf auf euren Schultern tragt und jeder noch so kleine Fleck auf Allahs Erde vor der Knechtschaft eines anderen als Allah gebeugt ist, ist euch der Schlaf des Friedens verboten.

– Abul Ala Maududi

(Tätigkeitsbericht der Jamaat-e-Islami, Band 3)

[6]

Die göttliche Herrschaft und Allahs Wohlgefallen

Über dieses Bemühen um die Iqamat ad-Din kann ich nicht sagen, welches Ergebnis es haben wird. Das Ende kennt allein Allah, der Erhabene. Wenn das Ergebnis dieses Bemühens darin besteht, dass wir eine rechtschaffene Gesellschaftsordnung errichten konnten, dann wird dies eine Gabe Allahs sein. Einige Leute sagen spöttisch, all unsere Bemühungen dienten dem Erwerb von Macht und das eigentliche Ziel der Religion, nämlich Allahs Wohlgefallen zu erlangen, sei bei uns nicht vorhanden. Diese Vorstellung ist völlig falsch. All unser Bemühen gilt einer rechtschaffenen und göttlichen Ordnung. An diesem Bemühen ist nichts Verwerfliches, und es gibt auch keinen Grund, sich dafür zu schämen. Wenn wir von der göttlichen Herrschaft sprechen, meinen wir eben die oben erwähnte Ordnung. Ich verstehe nicht, worüber es so viel zu streiten gibt, wenn dies unser Wunsch ist. Und wie sollte dies dem Streben nach Allahs Wohlgefallen zuwiderlaufen? Auf Allahs Erde soll allein Allahs Gesetz gelten – wie könnte man Allahs Wohlgefallen noch stärker erlangen? Wer könnte Allahs Wohlgefallen stärker erstreben als diejenigen, die für diese Sache ihr Leben und ihren Besitz opfern und ungeachtet des Ergebnisses unter keinen Umständen zulassen wollen, dass auf Allahs Erde jemand anderes als Allah Herrschaft ausübt? Wenn ein solches kämpferisches Bemühen Weltlichkeit ist, nennt man es dann Frömmigkeit, nachts im Wachzustand „Allah“ zu gedenken und tagsüber zu versuchen, den Thron Satans zu errichten? Diejenigen, die solche Dinge sagen, haben in ihrem Herzen und Verstand eine äußerst niedrige Auffassung von der Religion.

– Abul Ala Maududi

(Tätigkeitsbericht der Jamaat-e-Islami, Band 3)

[7]

Der Anspruch des Weges der Wahrheit

Der eigentliche Anspruch dieses Weges besteht darin, dass in uns die Neigung entsteht, Widerstand willkommen zu heißen. Ob auf dem Weg der Wahrheit oder auf dem Weg des Irrtums – dies ist Allahs Gesetz: Welchen Weg ein Mensch auch einschlägt, auf eben diesem Weg wird er seiner Feuerprobe unterzogen. Der Weg der Wahrheit zeichnet sich gerade dadurch aus, dass er vom Anfang bis zum Ende von dieser Feuerprobe erfüllt ist. Wie etwa ein begabter Schüler im Mathematikunterricht über eine schwierige Aufgabe froh ist, weil er dadurch die Gelegenheit erhält, seine geistigen Fähigkeiten zu prüfen, so freut sich ein entschlossener Mu’min, wenn er einer neuen Prüfung gegenübersteht, weil sich ihm die Gelegenheit eröffnet hat, seine Ergebenheit zu beweisen. Eine schwache Lampe erlischt durch einen Windstoß, doch ein lodernder Ofen wird durch einen Windstoß noch stärker angefacht. Entwickelt in eurem Inneren eine solche Fähigkeit, dass ihr, ebenso wie ein lodernder Ofen durch feuchtes Brennmaterial nicht erlischt, sondern es vielmehr als Nahrung aufnimmt, euch dem Widerstand nicht beugt, sondern daraus Nahrung und Kraft gewinnt. Solange diese Fähigkeit nicht in uns entstanden ist, kann man nicht hoffen, dass durch uns ein guter Dienst für den Din geleistet werden kann.

– Abul A‘la Maududi

(Protokoll der Jamaat-e-Islami, Band 3)

[8]

Wenn ich hinnehme, wie der Din entstellt wird, und zu dem werde, als den mich manche Menschen sehen wollen, dann würde ich mich eines solchen Verbrechens schuldig machen, dass ich mich vor Allah einer schweren Rechenschaft stellen müsste. An jenem Tag wird niemand kommen, um mir zu helfen. Daher halte ich es für besser, zum Gegenstand ihres Spottes und ihrer Verhöhnung zu werden, als mich im Jenseits in Gefahr zu bringen.

– Abul A‘la Maududi

[9]

Gott ist Zeuge, ich hege gegen keine Person oder Gruppe Feindschaft. Ich bin nur ein Freund der Wahrheit und ein Feind der Lüge. Für die Wahrheit dessen, was ich für wahr halte, habe ich auch Beweise vorgelegt. Ebenso habe ich Beweise für das dargelegt, was ich für falsch halte. Wenn jemand, der nicht mit mir übereinstimmt, mir mit Argumenten meinen Fehler aufzeigt, kann ich meine Meinung ändern. Noch immer gibt es manche Menschen, die allein deshalb zornig werden, weil etwas gegen sie oder ihren geliebten Anführer gesagt wurde. Dabei ist für sie nicht maßgeblich, ob das Gesagte wahr oder falsch ist. Das Zornesfeuer solcher Menschen kümmert mich nicht im Geringsten. Ich werde ihre Beschimpfungen nicht beantworten und nicht von meinem Weg abweichen.

– Abul A‘la Maududi

[10]

Meine Offenheit wird gewiss jenen großen Herren bitter erscheinen, die daran gewöhnt sind, die Wahrheit anhand der Menschen zu beurteilen, statt die Menschen anhand der Wahrheit. Als Antwort darauf habe ich mich darauf vorbereitet, noch weitere Beschimpfungen hinzunehmen.

– Abul A‘la Maududi

[11]

Es bereitet mir großen Kummer, dass der moralische Verfall der Muslime inzwischen einen solchen Höhepunkt erreicht hat, dass diejenigen, die Gottes Gesetz brechen, stolz umhergehen. Dagegen sind heute gerade diejenigen gedemütigt und entehrt, die dem Gesetz des Herrn der Welten folgen und andere dazu auffordern, es ebenfalls zu befolgen.

– Abul A‘la Maududi

[12]

Durch Gottes Gnade habe ich keine Handlung aus einer Gefühlsregung heraus vorgenommen. In meinen Reden habe ich jedes einzelne Wort wohlüberlegt ausgesprochen, in dem Bewusstsein, dass ich dafür vor Gott Rechenschaft ablegen muss, nicht vor irgendeinem Menschen. Ich bin gewiss, dass ich kein einziges Wort gegen die Wahrheit gesagt habe. Alles, was ich gesagt habe, war für den Dienst am Din unbedingt notwendig. Ich befürchtete, dass ich mich vor Gott nicht dafür, dies gesagt zu haben, sondern dafür verantworten müsste, es nicht gesagt zu haben.

– Abul A‘la Maududi

[13]

Ich gehöre nicht zu denen, die falsche Propaganda, persönliche Streitigkeiten und Beschimpfungen zu ihrem Beruf gemacht haben. Das Verhalten derer, die die Turbane der Würdenträger des Volkes tragen und politische Meinungsverschiedenheiten in persönliche Feindschaft verwandeln, habe ich stets mit Verachtung betrachtet. Diejenigen, die mich kennen, kennen auch diese Wahrheit.

– Abul A‘la Maududi

[14]

Kino

Frage:Manchmal gehe ich zur Unterhaltung ins Kino. Ich lasse mich nicht von sexueller Anziehung beeinflussen. Was sagen Sie dazu?

Antwort:Nur jene Augen können die Szenen im Kino ertragen, die noch keine vollständigen Muslime geworden sind. Versuchen Sie, Ihre beiden Augen zu Muslimen zu machen. Dann werden Sie sehen, dass das Kino Ihnen keine Unterhaltung mehr bieten wird. Es wird so schmerzhaft sein, dass Sie das Gefühl haben werden, als würde jemand Nadeln in Ihre Augen stechen.

– Abul A‘la Maududi

Ein Interview

Frage:Würden Sie einige außergewöhnlich wichtige Ereignisse aus Ihrem Leben nennen?

Antwort:Ich habe nicht die Gewohnheit, ein Tagebuch zu führen, und habe mich auch nie hingesetzt, um über solche Dinge nachzudenken. Gelegentlich ergibt sich eine Äußerung. Im Verlauf eines Gesprächs erwähne ich dann irgendein Ereignis. Aber ich habe nie eine Liste all dieser Dinge erstellt und auch nie darüber nachgedacht. Manchmal kommt plötzlich etwas Außergewöhnliches zur Sprache. Ansonsten freue ich mich gewöhnlich über nichts übermäßig und werde auch nicht niedergeschlagen.

Frage:Haben Sie jemals eine Situation erlebt, in der Sie große Schwierigkeiten mit dem Essen und Trinken hatten?

Antwort:Nein, das ist nicht vorgekommen. Dafür sei Gott Dank. Nur einmal geschah es, dass ich dachte, heute müsse ich wohl hungrig bleiben. Doch noch bevor ich fasten musste, hatte Allah, der Erhabene, für irgendetwas gesorgt. Gott sei Dank ist dieser Zustand bis heute nicht eingetreten. Der Grund dafür ist, dass ich lange allein gelebt und oft selbst gekocht habe. Manchmal war ich bei der Arbeit so beschäftigt, dass ich keine Zeit zum Kochen hatte. Wenn es Zeit zum Essen war, holte ich Bananen und aß sie.

Frage:Wann haben Sie längere Zeit im Sitzen gearbeitet, und wie viele Stunden?

Antwort:Ich kann jederzeit arbeiten. Wenn ich jedoch sehe, dass ich tagsüber keine freie Zeit habe, arbeite ich nachts. Es gab eine Zeit, in der ich vom Nachtgebet Ischa bis zum Morgengebet Fadschr gearbeitet habe. Auch während dieser Zeit kamen Menschen zu Besuch, und es wurde gesprochen.

Frage:Wie achteten Sie bei der Arbeit für diese Bewegung und unter diesen Umständen auf Ihre Gesundheit?

Antwort:Auch gegenüber meiner Gesundheit war ich eine Zeit lang rücksichtslos. Eine Zeit lang arbeitete ich sogar mit dem Gedanken, dass ich all meine Kräfte einsetzen müsse, ganz gleich, wie das Ergebnis ausfallen würde. In dieser Zeit arbeitete ich verzweifelt. Ich kümmerte mich überhaupt nicht darum, welche Belastung auf Körper und Gesundheit zukommen würde. Von 1939 bis 1942 arbeitete ich auf diese Weise weiter. Ich arbeitete allein. Es gab niemanden, der mir helfen konnte. Ich hatte das Gefühl, dass ich, unabhängig davon, ob diese Arbeit weiterging oder nicht, so viel wie möglich erledigen sollte. Natürlich gab es keine Gewissheit, dass ich Mitarbeiter finden und die Arbeit, die ich verrichtete, erfolgreich sein würde.

Frage:Hat es Ihnen Freude bereitet, Mitarbeiter zu finden und zu sehen, wie die Arbeit der Bewegung zunahm?

Antwort: Ja, natürlich, das ist doch ganz selbstverständlich.

Frage:Wie war Ihre Reaktion, als Sie zum ersten Mal ins Gefängnis geschickt wurden?

Antwort:Ich hatte von Anfang an damit gerechnet, dass diese Situation ganz gewiss eintreten würde, und sie lag keineswegs außerhalb meiner Vorstellung. Vielmehr hatte ich genau dies erwartet. Ich war darüber auch nicht traurig.

Frage:Wie war Ihre Gemütsverfassung, als Sie zum ersten Mal ins Gefängnis kamen und nach zwanzig Monaten Haft wieder freigelassen wurden?

Antwort:Damals empfand ich weder besondere Freude noch besonderes Leid. Ich saß im Gefängnis und arbeitete in vollkommener Ruhe. Alle sechs Monate verlängerte die Regierung die Dauer meiner Haft. Es kam nie vor, dass ich die Tage zählte und schließlich der Tag meiner Freilassung gekommen wäre. Ich war fest davon überzeugt, dass sie mich unter keinen Umständen freilassen würden. Von Anfang an war ich darauf eingestellt, dass meine Haft nach sechs Monaten erneut verlängert werden würde. Ich wusste, was für Menschen damals die Macht innehatten. Deshalb konnte ich nicht einmal hoffen, dass die Haft nach sechs Monaten nicht verlängert würde. Ich rechnete jedes Mal mit einer Verlängerung und begann danach wieder unbesorgt zu arbeiten. Wegen meiner Freilassung machte ich mir keinerlei Sorgen.

Frage:Hatten Sie damit gerechnet, zum Tode verurteilt zu werden? Wie war Ihre Gemütsverfassung, als Sie die Nachricht von Ihrem Todesurteil erhielten?

Antwort:Die eigentliche Sache ist nichts, worüber man mit großem Aufheben sprechen sollte. Was ich heute als Antwort auf diese Frage sage, könnte morgen ins Gegenteil verkehrt werden. Kurz gesagt, ich hatte schon seit Langem darauf gewartet, dass ich, falls der Tod käme, auch einmal das nächste Kapitel sehen würde. Deshalb empfand ich große Freude bei dem Gedanken, dass ich erstens die Gelegenheit erhalten würde, das Tor des Todes zu überschreiten und die jenseitige Welt zu sehen. Zweitens wäre ich demjenigen dankbar, der mich zum Märtyrer machen und dadurch meine Erlösung im Jenseits sicherstellen würde. Vielmehr empfand ich eine gewisse Freude. Natürlich dachte ich auch: Woher sollten sie überhaupt den Mut nehmen, mich zu hängen? Sie wollen mich doch loswerden, denn meine Existenz war für sie unerträglich geworden. Daher war es möglich, dass sie diese Gelegenheit diesmal nutzen würden. Auch ich wünschte, dass es so käme. Deshalb war ich gewiss und unbetrübt.

Frage:Hat es in Ihrem Leben ein besonderes Ereignis gegeben, das Ihrem Leben eine andere Richtung gegeben hat?

Antwort:Ich bin nicht der Mensch, dessen Lebensweg durch ein einzelnes besonderes Ereignis verändert wird. Ich forsche mit ruhigem und gefasstem Geist und schreite allmählich in eine bestimmte Richtung voran. Nur ein einziges besonderes Ereignis hat mich zutiefst erschüttert.

Nachdem ich neun Jahre in Hyderabad verbracht hatte und 1937 nach Delhi kam, stellte ich fest, dass sich die Muslime in dieser Zeit sehr schnell vom Islam entfernten. Was ich in Delhi erlebte, war in Hyderabad nicht der Fall gewesen. Mädchen aus angesehenen muslimischen Familien begannen, sich offen auf den Märkten zu bewegen – etwas, das ich mir bei ihnen niemals in diesem Ausmaß hätte vorstellen können. Das erschütterte mich zutiefst. Angesichts der Zustände in Delhi konnte ich nachts nicht schlafen und fragte mich: Was ist nur geschehen? Eine solche Veränderung in neun Jahren? Es war die Zeit, in der eine Kongressregierung gebildet worden war, sodass überall nur die Vorherrschaft der Hindus ins Auge fiel. Diese Lage war äußerst schmerzlich. Als ich 1937 von Delhi aus mit dem Zug nach Hyderabad aufbrach, reiste ein hinduistischer Führer mit mir. Einige Muslime begannen, sich mit ihm zu unterhalten. Aus ihren Gesprächen gewann ich den Eindruck, als seien die Kongressführer die Herren dieses Landes und die Muslime ihre Untertanen – als seien diese Bettler und jene die Geber. Ich hörte ihren Gesprächen schweigend zu. Ein vollständiges Bild davon, wie die zukünftige Lage der Muslime aussehen würde, erschien vor meinen Augen. Nach diesem Ereignis verfasste ich „Siyāsī Kashmakash – Erster Band“. Die zutreffende Vorstellung von den Zuständen, die ich von Hyderabad aus durch Zeitungsberichte nicht hatte gewinnen können, konnte ich durch dieses unmittelbare Erlebnis und meine Reisen in alle Richtungen richtig erfassen. Dies gab mir den Anstoß zu organisierten Bemühungen um den Kampf.

(Chiragh-e Rah – Ausgabe der Islamischen Bewegung)

Einige historische Aussagen

* Dies ist das Land der Umma Muhammads (s.a.w.) – nicht das Land der Umma von Marx und Mao Zedong. Wenn wir für Allahs Din kämpfen müssen, werden wir nicht davor zurückschrecken, an zehn Fronten zu kämpfen. Wir werden gleichzeitig gegen die Alleinherrschaft und gegen die Gottlosigkeit kämpfen. Solange wir leben und solange unsere Köpfe auf unseren Schultern sitzen, wird niemand den Mut haben, hier irgendein anderes System als den Islam zu errichten.

* Brüder, meine Haltung ist euch ja bekannt. Was mein Vergehen ist, wissen sie sehr genau. Es ist besser, das Leben am Galgen zu lassen, als sie um Vergebung zu bitten.

* Wenn ich mich hinsetze, wer wird dann stehen bleiben?

* Die Zeit ist ein äußerst schonungsloser Prüfer. Durch irgendeine künstliche oder erfundene Methode werden Sie bei ihrer Prüfung nicht als echt anerkannt werden. Seien Sie jedoch gewiss: Wenn Sie sich durch Ihre Taten als echt erweisen können, dann werden die gegnerischen Kräfte, ganz gleich, wie sehr sie auch versuchen mögen, Sie als unecht zu beweisen, so Allah will, gewiss scheitern. Lassen Sie sich vom Übergewicht der Lüge nicht einschüchtern. Sie nimmt manchmal wie ein Sturm zu und löst sich dann wieder wie eine Blase im Nichts auf. Sie sollten sich nicht damit beschäftigen, wie Sie der Lüge begegnen, sondern sich um Ihre eigene Aufrichtigkeit sorgen.

* Der Islam und die westliche Zivilisation sind heute wie zwei Boote, die genau in entgegengesetzte Richtungen fahren. Wenn jemand in eines dieser beiden Boote steigt, muss er das zweite unbedingt verlassen. Wenn jemand jedoch gleichzeitig in beide steigt, wird er entzwei gerissen.

* Nun ist die Zeit gekommen, endgültig zu entscheiden, ob wir Muslime bleiben oder nicht. Wenn wir Muslime bleiben wollen, müssen wir den Entschluss fassen, unsere eigene Umgebung und die ganze Welt zu Dar al-Islam zu machen. Wenn uns auch nur ein solches Maß an Mut und Entschlossenheit fehlt, müssen wir den Anspruch aufgeben, Muslime zu sein. Die Frage, ob eine „Islamische Revolution“ möglich ist, kommt erst danach. Die erste Frage lautet, ob ihr den Entschluss und den Wunsch habt, Muslime zu bleiben. Nehmen wir an, die Islamische Revolution sei unmöglich. Nehmen wir an, dass jeder, der angesichts der faschistischen Aktivitäten und der umfassenden Vorherrschaft der Kufr-Kräfte in dieser Zeit mit dem Ziel aufsteht, Dar al-Islam zu errichten, gewiss als verrückt bezeichnet werden wird und man sagen wird, er wolle mit dem Feuer spielen. Glaubt auch dies: Wir haben in dieser Zeit, genau genommen, das Feld beinahe verloren. Es wird wie eine Handlung eines Verrückten erscheinen, sich zu erheben, um dieser Lage entgegenzutreten. Wisst auch dies genau: Das Ergebnis wird so sein, wie es unsere schwachen, gläubigen Führer meinen. Das heißt, jedes Atom und Teilchen von Himmel und Erde wird zu eurem Feind werden. Wisst ferner schon im Voraus, dass sich die Lager der Feinde des Islam zusammenschließen und sich gegen euch stellen werden. Die Muslime hingegen werden sich nicht vereinen und euch zu Hilfe kommen. Vielmehr werden sie euch wegen dieses eures „Wahnsinns“ verspotten. Fragt euch in voller Kenntnis all dessen ehrlich, ob das Gefühl in euch, Muslime zu bleiben, das Stadium jenes „Wahnsinns“ erreicht hat. Wir brauchen ausschließlich diejenigen, in denen dieser „Wahnsinn“ vorhanden ist, und nur sie können die Bewegung für Dar al-Islam weiterführen.

* Über das Recht oder die Wahrheit muss man sich ganz klar bewusst sein, dass es selbst Wahrheit ist. Es ist der Name eines ewigen Wertmaßstabs, der vollkommen richtig und unfehlbar ist. Selbst wenn die ganze Welt es verwirft, bleibt es Wahrheit. Denn seine Wahrhaftigkeit hängt nicht von der Bedingung ab, dass die Welt es anerkennt. Die Anerkennung oder Ablehnung durch die Welt ist kein Prüfstein zur Unterscheidung von Wahrheit und Unwahrheit. Wenn die Welt die Wahrheit nicht anerkennt, wird die Wahrheit dadurch nicht erfolglos. Vielmehr scheitert jene Welt, die sie nicht anerkennt und stattdessen die Unwahrheit annimmt. Not und Unglück treffen nicht die Wahrheit, sondern die Anhänger der Wahrheit. Doch über diejenigen, die nach reiflicher Überlegung und innerer Gewissheit den Entschluss fassen, dass sie unter allen Umständen an der Wahrheit festhalten und ihr Leben und Vermögen dafür opfern müssen, ihre Botschaft zu erhöhen, kommen zwar Prüfungen, aber sie werden niemals erfolglos sein. Im Hadith heißt es, dass es einige Propheten gegeben hat, die ihr ganzes Leben damit verbrachten, zur Wahrheit aufzurufen. Doch nicht ein einziger Mensch glaubte an sie. Sollen wir sie deshalb als gescheitert bezeichnen? Nein, gescheitert ist vielmehr jene Nation, die das Recht oder die Wahrheit zurückweist und die Führung der Anhänger des Falschen annimmt.

Es besteht kein Zweifel daran, dass in der Welt nur das Bestand hat, was die Allgemeinheit anerkennt. Und was sie nicht anerkennt, kann sich nicht durchsetzen. Doch die Anerkennung oder Ablehnung durch die Menschen kann kein Maßstab für Wahrheit und Unwahrheit sein. Wenn die meisten Menschen im Dunkeln umhertasten und stolpern wollen, dann sollen sie ruhig weiter im Dunkeln umhertasten und stolpern. Unsere Aufgabe besteht darin, im Dunkeln eine Lampe anzuzünden, und dieser Aufgabe werden wir unser ganzes Leben lang nachgehen. Wir suchen Zuflucht bei Gott davor, vom rechten Weg abzuweichen oder andere vom Weg abzubringen. Es ist eine unermessliche Gnade Allahs, dass Er uns die Fähigkeit verliehen hat, im Dunkeln eine Lampe anzuzünden. Für diese Gnade werden wir Ihm dadurch danken, dass wir sterben, während wir weiterhin Lampen entzünden.

* Nicht nur die Moschee ist das Haus Gottes. Außerhalb dieses Hauses gibt es vielmehr noch eine zweite Moschee, die sehr viel größer ist und deren Name Welt lautet. So wie der Mensch in jener kleinen Moschee jede seiner Handlungen und jeden seiner Schritte ausschließlich nach den Anweisungen Allahs, des Erhabenen, ausführt, so wird auch die Ausführung sämtlicher Tätigkeiten außerhalb jener Moschee gemäß den Anweisungen Allahs zur Anbetung, und eben das nennt man „Din“.

* Meine Lebenserfahrung sagt mir, dass in der Welt jene Kräfte niemals Bestand haben konnten, die versucht haben, im Inneren einer Festung Zuflucht zu suchen. Denn sich aus Furcht vor der Auseinandersetzung auf offenem Feld in einer Festung zu verstecken, ist ein eindeutiges Zeichen von Feigheit. Allah, der Erhabene, hat diese Erde nicht dafür geschaffen, dass Feiglinge ihre Herrschaft errichten.

Meine Lieblingsschrift

„Ich habe viele Bücher aus dem Zeitalter der Dschāhilīya gelesen. Ich habe die Regale voller Bücher über alte und moderne Philosophie, Wissenschaft, Geschichte, Wirtschaft, Politik und andere Themen gründlich durchgearbeitet. Doch als ich den Koran mit offenen Augen las, hatte ich wirklich das Gefühl, dass alles, was ich bis dahin gelesen hatte, äußerst unbedeutend war. Nun war ich im Besitz der Quelle des Wissens. Kant, Hegel, Nietzsche, Marx und die anderen großen Denker der Welt erschienen mir als wahre Kinder. Ich empfinde Mitleid mit ihnen, weil sie ihr ganzes Leben damit verbracht und umfangreiche Bücher darüber verfasst haben, um bestimmte Probleme zu lösen, es ihnen aber nicht gelungen ist, Lösungen für sie vorzulegen. Demgegenüber werden in diesem großartigen Buch (dem Koran) für all diese Probleme in wenigen Worten treffende Lösungen dargelegt. Wenn diese armen Menschen nicht unwissend über dieses großartige Buch gewesen wären, hätten sie ihr Leben nicht auf diese Weise im Scheitern verbracht. Dies ist mein einziges wahrhaftiges Lieblingsbuch. Es hat mich völlig verändert. Es hat mich vom Tier zum Menschen gemacht. Es hat mich aus der Dunkelheit heraus- und ins Licht geführt. Es hat mir eine solche Lampe in die Hand gegeben, dass die Wahrheit mir, wohin ich im Leben auch blicke, so deutlich erscheint, dass keinerlei Unklarheit in ihr bleibt. Einen Schlüssel, mit dem sich jede Art von Schloss öffnen lässt, nennt man auf Englisch Master Key. Der Koran ist für mich der Master Key. Welches Schloss eines Lebensproblems ich auch damit öffne, es springt sofort auf. Ich habe keine Worte, um dem Gott zu danken, der dieses großartige Buch geschenkt hat.“

Die oben angeführten wertvollen Worte standen in dem Brief, den Maulana Sayyid Abul A’la Maududi am 31. März 1940 als Antwort auf einen Brief von Maulana Sayyid Abul Hasan Ali Nadwi, dem damaligen Herausgeber der Zeitschrift „An-Nadwa“, verfasste.

Die Muslimliga der Vereinigten Provinzen hatte ein Komitee zur Ausarbeitung des Entwurfs einer islamischen Verfassung gebildet, in das auch Maulana Maududi aufgenommen worden war. Im Namen des Nawab von Chhatarī wurde der Maulana eingeladen, an der in „Nadwatul Ulama“ stattfindenden Sitzung dieses Komitees teilzunehmen. Auch den Brief, den er vor seiner Teilnahme an der Sitzung an Sayyid Abul Hasan Ali Nadwi schrieb, lege ich den Lesern hiermit vor.

Mubarak Park, Poonch Road, Lahore

24. Dezember 1940

Verehrter und geehrter Herr

As-salāmu alaikum.

Ich habe Ihren Brief erhalten. Heute erhielt ich auch einen Brief vom Nawab Sahib von Chhatari. Darin hat er mich eingeladen, an der Sitzung des Ausschusses zur Ausarbeitung eines islamischen Regierungssystems teilzunehmen. Die Sitzung findet bei Ihnen in Lucknow statt. Für die Nawabs und ihren Ausschuss hege ich allerdings kein besonderes Interesse oder keinen besonderen Enthusiasmus. Wenn es lediglich darum ginge, an der Sitzung ihres Ausschusses teilzunehmen, würde ich versuchen, dies zu vermeiden. Doch durch die Teilnahme an dieser Sitzung hat sich eine Gelegenheit ergeben, mit der Nadwa und mit Ihnen in unmittelbare Verbindung zu treten. Deshalb habe ich beschlossen, nach Lucknow zu reisen. Inschallah werde ich am 3. Januar in Lucknow eintreffen. Die Regelung meiner Verpflegung und Unterkunft überlasse ich Ihrer Verantwortung. Ich möchte an einem Ort wohnen, an den Menschen jeder Art kommen und sich frei und offen unterhalten können. Als ich nach Aligarh ging, hatte ich es vorgezogen, in der „Old Boys Lodge“ zu wohnen. Der Vorteil davon war, dass Menschen aller Parteien und Richtungen mich ohne Zögern besuchten. In Lucknow wünsche ich mir einen ähnlichen Ort. Radikale Kommunisten und Atheisten verkehren mit mir ebenso wie die gläubigen Rechtschaffenen. Wenn man mit ihnen sprechen will, ist ein Ort besser geeignet, an dem sich keine Menschen aufhalten, in deren Gegenwart sie zögern würden, vorzutreten.

Khaksar

Abul A‘la

Der Beitrag von Maulana Maududi

Das Leben des Allama Sayyid Abul A’la Maududi (r.) – seine Ideale und Denkweise, seine Lehren und sein Vorgehen, sein Verhalten und sein Wesen – war vollkommen islamisch und so klar, rein und makellos wie ein Spiegel. Alle, die ihn mit unvoreingenommenem und klarem Herzen aus der Nähe oder aus der Ferne gesehen haben, waren von seiner himmelragenden Menschlichkeit und Größe, seiner Schlichtheit und seinem herzlichen, freundlichen Umgang tief beeindruckt.

Schriftsteller, Dichter, Politiker, Juristen, Wissenschaftler oder Philosophen, die mit ihm über beliebige Themen ungezwungen diskutierten, mussten sich seiner Gelehrsamkeit beugen. Jene, die ihn aus der Ferne für einen „engstirnigen Kat-Mullah“ gehalten hatten, sahen ihn im Gespräch als einen weiten, großzügigen Ozean und erkannten in ihm nicht den Drang, andere fortzustoßen, sondern das innige Verlangen, sie an sich zu ziehen. Der bescheidene, demütige und selbstlose Umgang eines so großen Gelehrten und bedeutenden Mannes war für viele ein gewaltiges Wunder.

Obwohl der Maulana weder ein Diplom einer Darul Ulum noch einer Universität besaß, war er ein Meer des Wissens. Obwohl er also kein Universitätsstudent gewesen war, lehrte er an einem renommierten College mit großem Können und unter allgemeiner Anerkennung unentgeltlich. Nach der Lektüre seiner verschiedenen Werke und Gesprächen mit ihm kann man ohne jeden Zweifel sagen, dass ihm von Koran, Hadith und Fiqh bis hin zu den modernen Wissenschaften nichts unbekannt war. Die Geschichte der verschiedenen Völker der Welt sowie die Geschichte ihres religiösen, politischen, sozialen und moralischen Aufstiegs und Niedergangs lagen ihm in allen Einzelheiten vor Augen. Darüber hinaus fehlten Dramen und Romane in fremden Sprachen wie Englisch und Deutsch nicht auf seiner Leseliste, da er sich eingehend mit der Psychologie der Träger, Verfechter und Verehrer der westlichen Zivilisation vertraut machen wollte. Daher war er zweifellos eine Enzyklopädie des Wissens.

Möge Allah der Erhabene seine unzähligen Barmherzigkeiten über Sayyid Abul A’la Maududi (r.), den epochengestaltenden Gelehrten des Dīn, Denker und Mujtahid des zwanzigsten Jahrhunderts, herabsenden. Sein ganzes Leben lang widmete er jeden Augenblick dem Ziel, den Dīn al-Haqq hochzuhalten, und setzte all seine körperlichen und geistigen Kräfte unter Missachtung von Körper und Gesundheit für dieses große Werk ein. Allah, der Erhabene, erwies ihm auch die Ehre, zu seinen Lebzeiten zu erleben, dass der Pulsschlag seines Herzens zum Pulsschlag der gesamten islamischen Welt geworden war.

Sein ganzes Leben war in drei Kapitel gegliedert: Hidschra, Dschihad und Schahada. Er widmete sich mit solcher Hingabe dem Weg Allahs, dass er alle Grausamkeiten und Verfolgungen der Partei des Falschen, Gefängnisstrafen und sogar den Galgen mit einem Lächeln auf den Lippen hinnahm. Daher war er ein lebender Märtyrer, ein Mujahid-Mann.

Er hat für die muslimische Welt einige unvergleichliche Beiträge hinterlassen, wie sie niemand sonst leisten konnte. Einige davon möchte ich beispielhaft erwähnen.

Erstens: In der Niedergangszeit der Muslime kamen so viele mit Fitna durchsetzte Irrlehren auf, dass die Muslime sich vom wahren Islam entfernten. Eine davon war die Trennung von Dīn und weltlichem Leben. Deshalb konnte man selbst aus dem Mund eines Muslims, ja sogar eines Gelehrten, höhnische Worte hören: „Staatsführung? Parlament? Das sind doch alles weltliche Angelegenheiten. Verrichte das Gebet, faste, vollziehe, wenn möglich, die Hadsch, entrichte die Zakat, rezitiere den Heiligen Koran, sprich Tasbih und Tahليل – das ist doch der Islam.“ In jener Niedergangszeit erklang erstmals aus dem Mund des Maulana Maududi der Slogan: „Der Islam ist eine vollständige Lebensordnung.“ Er lehrte die vergessene Lektion wieder, und heute ertönt und widerhallt dieser Slogan in der gesamten muslimischen Welt: Die grundlegende Lehre des Islam besteht darin, dass es keinen Bereich und keine Seite des Lebens gibt, die außerhalb des Geltungsbereichs des Islam liegen.

Zweitens.Wenn man eine Liste aller Fitna erstellt, die gegen den Islam hervorgerufen wurden, wird man feststellen, dass es keine einzige Fitna gab, der er nicht erfolgreich entgegentreten konnte. Durch den betörenden Glanz und die blendende Pracht der materialistischen westlichen Zivilisation und Kultur bewegte sich die muslimische Jugend rasch auf die Auflehnung gegen Allah zu.

Maulanas erste Aufgabe bestand darin, die muslimische Jugend und die künftigen Generationen vor dem Zauber der westlichen Zivilisation zu bewahren. In seinem Werk „Tanqihat“ analysierte er die westliche Zivilisation bis ins Kleinste und wies ihre innere Leere nach. Wie umfassend und geradezu zauberkräftig die Gedankenführung in seinen beiden Werken „Tanqihat“ und „Tafhimat“ ist, verdient besondere Beachtung. Die Waffe seiner Feder operierte jene tödlichen Krankheiten, an denen die materialistische Zivilisation Europas litt. Mit seinen forschungsbasierten und wissenschaftlich geprägten Überlegungen versetzte er den Ideologien, auf denen Materialismus, Atheismus und Sozialismus beruhten, einen tödlichen Schlag. Dieser Schlag brachte die Europäer in Verlegenheit und weckte in der muslimischen Jugend höchsten Eifer, Tatkraft und Begeisterung. Maulanas Schriften stillten den Durst der Jugend. Sie stürzte sich wie besessen auf Moral und Islam. Allah der Erhabene ließ durch die heilige Hand Maulanas einen Damm gegen die Flut von Religionslosigkeit und Atheismus errichten, die aus Europa auf diesen Subkontinent gelangt war. Niemand sonst hat diese Aufgabe erfüllt.

Drittens.Maulana Maududis größter Beitrag besteht darin, dass er unter den Muslimen den Antrieb geschaffen hat, den Koran zu verstehen. Wir hatten den Koran vergessen, der die zuverlässigste und bewahrte Quelle der Rechtleitung Allahs des Erhabenen ist. Einige Gelehrte beschränken sich, statt aus dem Koran Anleitung für jeden Lebensbereich zu gewinnen, sogar auf Amulette und Beschwörungen. Die Orientalisten wiederum führten so heftige Angriffe gegen den Koran, dass die moderne gebildete Gesellschaft verunsichert wurde und manche sogar die Bedeutung einzelner Stellen des Korans völlig veränderten. Es kam auch vor, dass manche Korankommentatoren bei ihren Auslegungen derartige Streitfragen aufwarfen, die weder mit dem Leben noch mit dem Koran irgendeinen Zusammenhang hatten.

Viele Übersetzungen sind derart kompliziert und vom Zusammenhang der vorausgehenden und nachfolgenden Aussagen so losgelöst, dass die ursprüngliche Aussage Allahs des Erhabenen nicht verstanden werden kann.

Auf diesem Gebiet leistet Maulana Maududi so hervorragende Arbeit, dass dem Leser spontan ein Gebet für ihn über die Lippen kommt. Das Interesse der Jugend am Heiligen Koran nimmt zu, und sie beginnt, beim Studium des Wortes Allahs einen himmlischen Geschmack zu empfinden. Die Sprache seiner Übersetzung ist für die Allgemeinheit so verständlich, dass eine noch einfachere Darstellungsweise kaum möglich ist.

Neben der Kraft und Wirkung seiner Sprache ist in seinem Korankommentar „Tafhim al-Quran“ besonders dafür Sorge getragen, dass dem Leser die islamische Lebensordnung in harmonischer Weise vor Augen steht. Wenn man beim Studium des Korans nicht die Struktur jener Lebensordnung entdeckt, um derentwillen dieses Buch herabgesandt und der Prophet Allahs gesandt wurde, wird dessen Zweck nicht erfüllt. Sayyid Abul Ala Maududi (Allah erbarme sich seiner) hat ein vollständiges Bild dieser Ordnung und einen vollkommenen Palast zusammengetragen; zugleich tritt auch das gesamte Leben jenes Wohltäters der Menschheit, des verehrten Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), deutlich hervor, der den Bau dieses Palastes nach dem vorgesehenen Entwurf innerhalb von dreiundzwanzig Jahren vollendete.

Viertens.Ein weiterer wertvoller Beitrag ist „Sirat-e Sarwar-e Alam“ (Die Biografie des Propheten). Der Prophet Muhammad (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) war das lebendige Abbild des Korans und stand an der Spitze menschlicher Charaktergröße und Tugenden. Eine vollkommene Prophetenbiografie zu verfassen, die genau mit dem über dreiundzwanzig Jahre hinweg fortlaufend herabgesandten Koran übereinstimmt, ist heutzutage selten. So wie es unmöglich ist, den Koran unter Auslassung der Prophetenbiografie zu verstehen, ist es ebenso unmöglich, ohne die Hilfe des Korans die wahre Persönlichkeit des Propheten zu erkennen. In „Sirat-e Sarwar-e Alam“ werden beide Aspekte auf schöne Weise beleuchtet. In diesem Sira-Werk finden sich überzeugende Argumente und Beweise dafür, dass der Prophet Muhammad zweifellos der Prophet der gesamten Welt und der einzige Wegweiser und wohlwollende Führer der Menschheit aller Zeiten und Epochen ist. Der Verfasser selbst war von der Liebe zum Propheten geradezu besessen, und in jeder Zeile des Werkes zeigt sich ein Aufleuchten dieser Prophetenliebe. Diese Liebe zum Propheten gab ihm den Antrieb, sein eigenes Leben nach dem Vorbild des Propheten zu gestalten. Maulana Maududis Beiträge sind so zahlreich, dass darüber ein eigenes Buch verfasst werden könnte. Ohne darauf einzugehen, möchte ich nun einige Merkmale seines Charakters erwähnen.

Fünftens.Viele werfen Maulana vor, er sei gegen den Tasawwuf und verurteile die Pirs und Scheichs. Tatsächlich ist Tasawwuf jedoch kein Begriff, der im Koran, im Hadith oder im Sprachgebrauch der ehrwürdigen Gefährten und der Tabi’in verwendet wurde. Wenn mit Tasawwuf allerdings die Tazkiya des Korans und der Ihsan des Hadith gemeint sind, dann war Maulana Maududi gewiss nicht nur ein Befürworter des Tasawwuf, sondern vielmehr ein Sufi von höchstem Rang, ein vollendeter Sufi. Sein gesamtes Leben ist dafür der authentische Beweis. Wer in seinem Herzen Furcht, Ehrfurcht und Liebe ausschließlich für Allah trägt, einzig auf Allah vertraut, seine Bindung allein zu Allah hat, dessen Herz vom Gedenken Allahs erfüllt ist und in dem es keinen Platz für irgendjemanden außer Allah gibt – wer könnte ein größerer Sufi sein als er? Maulana Maududi verkörperte all dies. Nicht seine Ankläger.

Sechstens.Maulana betrachtete sich stets als einen unbedeutenden Diener, der sich aus Furcht vor Allah demütig verneigt. Er mochte es überhaupt nicht, wenn jemand ihn lobte. Die Führer säkularer Parteien wünschen, dass ihre Anhänger sie überschwänglich loben, mit „Lang lebe“-Rufen Himmel und Erde erfüllen und sie mit Blumengirlanden oder verschiedenen Geschenken ehren. Das verschafft ihnen große Selbstzufriedenheit. Maulanas Wesen war jedoch genau das Gegenteil. Maulanas Todesstrafe wurde in eine Zwangsarbeitsstrafe umgewandelt. Nach 25 Monaten wurde er jedoch freigelassen. Danach übernahm er erneut die Verantwortung für die Redaktion von „Tarjuman al-Quran“. In seinem Leitartikel dankte er jenen Bewunderern, die sich über seine unerwartete Freilassung gefreut hatten. An einer Stelle dieses Artikels schreibt er: „Zugleich kann ich nicht umhin, darum zu bitten, dass bei der Äußerung der Freude meiner Freunde sowie beim Ausdruck ihrer Gefühle der Liebe und Verehrung solche Formen und Methoden angewandt wurden, bei denen das Maß nicht gewahrt blieb. Es fällt mir schwer, ihnen dies zu untersagen. Denn die Zurschaustellung von Spiritualität und Demut liegt mir nicht, und ich kann sie nur schwer hinnehmen. Ich bin nämlich der Ansicht, dass solche Dinge Unruhe und Versuchungen hervorrufen können. Wie viel besser wäre es gewesen, wenn meine Freunde bei der Äußerung ihrer Gefühle für mich gemeint hätten, es genüge, unter dem Maß der Ausgewogenheit zu bleiben.“ („Tarjuman al-Quran“, Band 4, Ausgabe 4)

Ich möchte von einer persönlichen Erfahrung berichten. 1958 kam der Maulana zu einem Besuch in das damalige Ostpakistan. Im Verlauf dieser Reise wollte er von Dinajpur nach Bogra fahren. Ich war bei ihm. Die Bahnstrecke von Dinajpur nach Bogra führte über Parbatipur, Joypurhat und Santahar. Ich sagte: „Maulana, Sie werden doch über Joypurhat, wo mein Haus liegt, nach Bogra fahren. Viele Menschen aus Joypurhat und Santahar werden kommen, um Sie zu begrüßen.“

Bei meinen Worten bemerkte ich einen Anflug von Niedergeschlagenheit auf dem Gesicht des Maulana. Er sagte unmissverständlich: „Bruder, ich mag es überhaupt nicht, wenn die Leute mich sehen und Sprechchöre zu meinen Ehren rufen oder mir Blumengirlanden um den Hals legen. Ich möchte diesem Ärgernis entgehen. Ich werde keinesfalls über Santahar und Bahura fahren. Nehmen wir einen anderen Weg.“

Der Maulana war unter keinen Umständen bereit, diesen Weg zu nehmen. So mussten wir notgedrungen über Rangpur, Kaunia und Gaibandha nach Bogra fahren.

Viele Menschen kamen nach Joypurhat und Santahar, kehrten jedoch, weil sie den Maulana nicht antrafen, mit von Trauer erfülltem Herzen zurück. Auch am Bahnhof von Bahura waren Menschen gekommen, um den Maulana abzuholen; als sie ihn nicht vorfanden, wurden sie von Sorge erfüllt. Ohne dass jemand davon wusste, stiegen wir in Bogra aus und erreichten unser Ziel.

Sieben.Der Maulana war ein „Zindah Shahid“, ein lebender Märtyrer. Deshalb fürchtete er nicht einmal den Tod. Dafür gab es zahlreiche eindrucksvolle Beweise. Während der Maulana auf der im Jahr 1963 in Lahore abgehaltenen gesam pakistanischen Konferenz der Jamaat-e-Islami eine Ansprache hielt, schoss ein angeheuerter Schurke aus einer Entfernung von zehn bis zwölf Ellen dreimal hintereinander mit einer Pistole auf ihn. Der Maulana fürchtete den Tod nicht. Der Tod kam offenbar ebenfalls nicht in seine Nähe, als hätte er selbst Angst vor dem Maulana. Durch Allahs unermessliche Allmacht wurden zum Schutz Seines geliebten Dieners alle drei Pistolenkugeln vom Ziel abgelenkt. Von allen Seiten riefen die Menschen: „Maulana, setzen Sie sich hin, setzen Sie sich hin!“

Der Maulana antwortete mit furchtloser und ruhiger Stimme: „Wenn ich mich hinsetze, wer wird dann stehen bleiben?“

Damit deutete der Maulana an, dass er, ohne den Tod zu fürchten, auf dem Sirat al-Mustaqim, dem geraden Weg, standhaft bleiben würde.

Ich bezeichne dies nicht als eine Karamat des Maulana, sondern als ein Wunder Allahs des Erhabenen, das in den Herzen aller und auch im Herzen des am Ort des Geschehens anwesenden Verfassers Staunen hervorrief.

Wenn er die komplizierten Lehren und Informationen des Korans und der Hadithe in einer einfachen, klaren und von Gott verliehenen, das Herz berührenden Ausdrucksweise darlegte, erschien er als der herausragendste Gelehrte der modernen muslimischen Welt, als zuverlässiger Sprecher des Islam und als jemand, der das Gepräge islamischer Wissens- und Forschungsarbeit trug. Daher nannte ihn die muslimische Welt al-Ustadh al-Murshid, und die Rabita al-Alam al-Islami verlieh ihm den Titel al-Imam Maududi.

In der heutigen Zeit hat die muslimische Nation in der Geschichte eine äußerst krisenhafte, von schwersten Krisen heimgesuchte Lage geschaffen. Fast überall läuft ein umfassender Versuch, sämtliche der islamischen Lehre widersprechenden Glaubensvorstellungen, Überzeugungen und Handlungen sowie alle ihr widersprechenden Ismen und Ideologien im gesellschaftlichen Leben der Muslime einzuführen; dahinter stehen gewisse staatliche Mächte. Sozialismus-Kommunismus, Kapitalismus, die qadianitische und die partezische Bewegung, sprachbasierter Nationalismus, arabischer Nationalismus und ähnliche Ismen und Ideologien drohten die eigentliche Lebenskraft des Islam zu verschlingen. Mit seiner kraftvollen Feder hat Maulana diesen Ideologien das Rückgrat gebrochen. Auch die verderblichen Folgen des arabischen Nationalismus hat Maulana in unmissverständlicher Sprache dargelegt. Im Nahen Osten sind dagegen ebenfalls Unzufriedenheit und Proteste aufgekeimt.

Wenn er eines Tages in der Bar Library vor einer Versammlung von Juristen sprach, erschien er wie ein allwissender Rechtsgelehrter. Einer international angesehenen Persönlichkeit wie A. K. Brohi kam es vor, als sei er in seiner Gegenwart ein Student des Rechts. Den Entwurf eines vollkommenen islamischen Staates und dessen Gesetze und Rechtsbestimmungen hat er meisterhaft ausgearbeitet. Jede moderne Frage zu diesem Thema beantwortete er mit Sachkenntnis und beseitigte alle Zweifel und Bedenken.

Sein politisches Talent und seine Weitsicht waren außergewöhnlich. Daher kam es vor, dass das Bild der fernen Zukunft, das er aus seiner politischen Klugheit und Weitsicht heraus entwarf, tatsächlich Wirklichkeit wurde.

Sein gewaltiger Beitrag zur muslimischen Umma bestand darin, dass er die muslimische Nation vor der gewaltigen Flut westlicher Ideologien und Denkweisen bewahrte, indem er mit seiner kraftvollen Feder deren Inhaltsleere und Zerstörerisches nachwies. Denn im Zeitalter des Niedergangs der Muslime hatten die gottlosen Ideologien und Denkweisen des Westens sowie die westliche Kultur und Lebensweise die Herzen und den Verstand der Muslime so sehr gefangen genommen, dass sie zu geistigen Sklaven ihrer westlichen politischen Herren geworden waren. Darüber hinaus stellte er der Welt den Islam unmissverständlich als die einzige dynamische, lebendige und für die Menschheit segensreiche, vollständige Lebensordnung vor. Hunderte Millionen gebildeter junger Menschen und Intellektueller auf der Welt begreifen den Islam als vollständige Lebensordnung und bilden ihren Geist, Verstand und Charakter nach seinem Licht. Das Echo des Islam, das heute in der ganzen Welt zu hören ist, ist die Frucht von Maulanas Schrifttum und seiner universalen islamischen Daʿwa.

Maulana war ein praxisorientierter Gelehrter. Sein Aufruf zum allumfassenden Wohl, zur Entwicklung und zum Fortschritt der Menschheit war universal. Sein Programm in dieser Hinsicht war äußerst klar, natürlich und menschlich. Durch Analysen der Biologie, der Sexualwissenschaft, der Medizin, der Natur- und der Sozialwissenschaften und anderer Fachgebiete machte er den Denkenden deutlich, wie eine gesunde, schöne, ausgewogene und beglückende Beziehung zwischen Mann und Frau aussehen kann und welche Methoden ihr zugrunde liegen. Kurz gesagt, Maulana Maududi war ein außergewöhnlicher Gelehrter und leistete einen besonderen Beitrag zur muslimischen Welt und zur menschlichen Zivilisation.

Er besaß einen einzigartigen Charakter. Niemals sah man ihn jemandem gegenüber zornig werden oder irgendeine grobe Sprache gebrauchen. Gegenüber Familienangehörigen, Söhnen und Töchtern, Dienstboten, Mitarbeitern oder Freunden wurde er bei schlechtem Verhalten niemals zornentbrannt und äußerte nicht einmal ein einziges verletzendes Wort. Dies war die strenge Erziehung seines liebevollen Vaters in seiner Kindheit, an die er sich sein ganzes Leben lang hielt. Zur Korrektur von Fehlern übte er jedoch durch Humor Kritik.

Selbst im Augenblick höchster Gefahr zeigte sich auf seinem Gesicht kein Anzeichen einer Reaktion. Inmitten gewöhnlicher Not und Entbehrung, im Polizeikordon, in der engen Zelle eines Gefängnisses oder beim Vernehmen des Todesurteils wich sein natürliches, süßes, mildes Lächeln nicht von seinen Lippen. Es schien, als kümmerte ihn all das nicht im Geringsten.

Die politischen Parteien und sogenannten Buzurgān-e Qawm, von deren Seite unaufhörlich Beschimpfungen gegen ihn ausgestoßen, haltlose Anschuldigungen erhoben und Fatwas erlassen wurden, bedachte er mit keinem schlechten Wort. Vielmehr vergab er ihnen für immer. Sein Herz war rein, lauter und großzügig, erhaben über jede Art von Schmutz und Befleckung. Dennoch hörten ihre Verleumdungen und Beschimpfungen nicht auf. Als man ihn wiederholt darauf aufmerksam machte, sagte er:

„Ich verstehe, dass sie damit beschäftigt sind, die Waagschale meiner guten Taten schwerer zu machen. Dafür bin ich ihnen dankbar.“

Wie sein Gemüt waren auch seine Kleidung und sein äußeres Erscheinungsbild sauber, modern, geschmackvoll und Träger der islamischen Zivilisation und Kultur. Haus und Hof waren blitzblank, ohne die geringste Spur von Unsauberkeit, und von einer makellos sittsamen Atmosphäre geprägt. Seine Bücher, Papiere sowie Schreibutensilien waren an ihrem Platz schön und wohlgeordnet aufbewahrt, als wären sie von der Hand eines vollendeten Künstlers arrangiert. Seine Speisen und Getränke waren einfach und schlicht, entsprachen jedoch dem Geschmack der vornehmen Gesellschaft Delhis.

Niemand wollte von ihm weggehen, dessen stets lächelndes, lichtvolles Gesicht von liebenswürdiger Gesprächigkeit geprägt war. Das war eine gewaltige Anziehungskraft seiner Persönlichkeit und eine liebenswerte Besonderheit seines Charakters.

Wenn man hinter ihm das Gebet verrichtete, konnte man eine himmlisch süße Freude erfahren. Wenn er mit gedämpfter, wohlklingender Stimme langsam und deutlich die Qurʾān-Rezitation im Gebet vortrug, schien einerseits Honig in die Ohren zu strömen; andererseits erfüllte eine vollkommene Sammlung im Gebet das Herz mit einem außergewöhnlichen Gefühl der Nähe zu Allah, dem Erhabenen.

Zu den herausragenden Eigenschaften des Charakters des Maulana gehörte, dass seine Ideale und seine Denkweise sein ganzes Leben lang praktische Gestalt annahmen. Er formte nicht nur sich selbst nach diesen Idealen; vielmehr veränderte sich auch das Leben zahlloser verlorener Menschenkinder verschiedener Sprachgemeinschaften auf der ganzen Welt grundlegend.

Auch in seinem persönlichen Leben war der Maulana äußerst diszipliniert. Für seine Mahlzeiten, sein Studium, seine Begegnungen mit Menschen und seine Schlafenszeit waren feste Zeiten bestimmt. Abweichungen davon ließ er nur schwer zu. Lediglich auf Reisen kam es hier und da zu solchen Abweichungen.

Der Maulana sagte, dass er seinen Körper in der Vergangenheit schrecklich misshandelt habe. Für Essen und Schlaf blieb keine Zeit. Viele Jahre lang hatte er vom Nachtgebet ʿIschāʾ bis zum Morgengebet Fadschr gelernt und geschrieben. Dadurch brach seine Gesundheit völlig zusammen. Er sagte, dass er später gezwungen gewesen sei, Essen und Schlaf zu kontrollieren und einer festen Ordnung zu unterwerfen.

Einmal waren an einem Ort in Ostpakistan zum Nachmittagstee zahlreiche Speisen vorbereitet worden. Der Maulana sagte, dass er morgens zum Tee Toast, Spiegeleier und etwas Obst esse. Nachmittags trinke er nur eine Tasse Tee.

Der Maulana pflegte nach dem Asr-Gebet hinaus in den kleinen Garten vor dem Haus zu gehen und sich dort niederzusetzen. Besucher aus dem In- und Ausland versammelten sich dort, stellten ihm verschiedenartige Fragen, und der Maulana beantwortete sie. Zu dieser nachmittäglichen Runde kamen Menschen aus den arabischen Ländern, aus Japan und Norwegen, aus Malaysia und Indonesien, aus der Türkei sowie aus Europa und Amerika. Es war gleichsam ein internationales Bienenhaus. Wissensdurstige Menschen strömten auf der Suche nach Wissen herbei. Der Maulana beantwortete die Fragen aller und stillte so ihren Wissensdurst.

Der Maulana scherzte gern in Gesprächen. Einmal kam er in die Stadt Saidpur im Distrikt Rangpur. Am Nachmittag unterhielten sich die Geschäftsleute und angesehenen Bürger der Stadt mit dem Maulana. Im Verlauf des Gesprächs fragte der Maulana einen Herrn, was er beruflich mache.

Der Herr: Ich handle mit Leder.

Der Maulana: Mit welcher Art von Leder – etwa Hühnerleder?

Der Herr wurde ein wenig verlegen und antwortete hastig: Nein, Huzur, mit Rinder- und Ziegenleder.

Der Maulana: Ach, tatsächlich? Überall, wohin ich seit Dhaka gekommen bin, habe ich nur Huhn und Huhn gegessen. Nirgendwo bin ich mit Hammelfleisch in Berührung gekommen. Deshalb dachte ich, dass es in diesem Land wohl auch einen Handel mit Hühnerleder gibt.

Dem klugen Gastgeber war nun klar, dass er dem Maulana Hammelfleisch vorsetzen musste.

Mitte 1963 reiste der Maulana einmal nach Rawalpindi. Wir gingen zum Flughafen Chaklala, um ihn zu begrüßen.

Nach dem überwältigenden Empfang nahm der Maulana, bevor er ins Auto stieg, ein Paan aus der Dose und steckte es sich in den Mund. Der Maulana wusste, dass ich Paan-Konsument war. Deshalb gab er auch mir eines. Als ich nach Zarda griff, sagte er scherzhaft

– Oho, du hast das Paan ja bereits halal gemacht, mein Junge.

Ich sagte: „Maulana! Paan ist doch jederzeit halal.“

Der Maulana: „Wann ist Paan ohne Zarda halal?“

Der Maulana hat diese Welt verlassen. Er hat sein Werk vollendet, und die Lebensaufgabe, der er sich gewidmet hatte, ist erfüllt. Seine Hingabe, seine weltumspannende Daʿwa und die Früchte seines Wissens, die er hinterlassen hat, werden ihn für immer unsterblich machen. Er hat einen unschätzbaren literarischen Schatz sowie unzählige geistige Nachkommen hinterlassen, die über die ganze Welt verstreut sind. Das von ihm hinterlassene Werk wird über Generationen hinweg, über Jahrhunderte hinweg, fortbestehen.

Anlage 1

Allama Iqbal forderte Maulana Maududi auf, nach Punjab auszuwandern. Einige der Briefe, die Sayyid Nazir Niyazi in dieser Angelegenheit in seinem Auftrag mit dem Maulana wechselte, werden im Folgenden wiedergegeben:

(Abschrift des von Maulana an Sayyed Nazir Niyazi gerichteten schriftlichen Briefes)

Tarjuman-ul-Qur’an

Hyderabad, Dekkan

17. Dschumada al-Ula 1356 n. H., 26. Juli 1937.

Mein hochverehrter und geehrter Herr, as-salamu alaikum.

Ich habe Ihren freundlichen Brief erhalten. Ich bin Ihnen dankbar, dass Sie Ihre Einstellung in klaren Worten zum Ausdruck gebracht haben. Auch ich möchte offen über einige Dinge sprechen. Für mein Leben habe ich mir ein Ziel und einige Grundsätze gesetzt. Durch Gottes Gnade besitze ich so viel Entschlossenheit, dass ich, wie groß die Schwierigkeiten auch sein mögen, keinesfalls davon abweichen möchte, mein Ziel aufzugeben oder meine Grundsätze zu ändern. Alle Schwierigkeiten, denen ich jetzt gegenüberstehe, sind ausschließlich die Folge der Verpflichtungen, die ich mir selbst auferlegt habe. Andernfalls könnte dieser Sturm der Gefahren vorüberziehen. Zu den Verpflichtungen, die ich mir auferlegt habe, gehört, dass ich für mich selbst von niemandem finanzielle Unterstützung erbitten werde. Eine zweite ist, dass ich nicht einmal daran denken werde, für irgendeinen nationalen oder religiösen Dienst eine Vergütung anzunehmen. Eine dritte besteht darin, mich nicht von der Aussicht auf einen solchen Gewinn abhängig zu machen, der mich daran hindern würde, im Interesse von Din und Millat nach meinem eigenen Ermessen frei zu handeln. (Es gibt noch einige weitere Verpflichtungen, die jedoch mit dem hier behandelten Thema nicht zusammenhängen.) Nun können Sie selbst verstehen, wie schwer es mir fällt, das von Ihnen Gesagte anzunehmen. Für mich selbst bitte ich nicht um hundert Rupien, ja nicht einmal um die Unterstützung eines einzigen Paisa. Für meine persönlichen Ausgaben habe ich ein Geschäft begonnen. Das kann ich auch in Lahore betreiben. Das Imamat in der Schahi-Moschee ist für mich eine unerwartete Gunst. Welche größere Gelegenheit zu wirken könnte es geben? Doch das Imamat gegen eine Vergütung zu übernehmen, ist für mich, auch wenn es nicht unzulässig wäre, gewiss stark makruh. Vierhundert Jahre lang bestand unter den Muslimen Einmütigkeit darüber, dass es nicht zulässig sei, für das Leiten des Gebets und das Lehren des Korans eine Vergütung anzunehmen. Später hat der Verfall der Verhältnisse dies zulässig gemacht. Seitdem sind beide Ämter verächtlich und leblos geworden. Diese Wahrheit ist mir vollkommen bewusst. Deshalb kann ich nicht einmal daran denken, das Imamat gegen eine Vergütung zu übernehmen. Wenn mir dieser Dienst jedoch ohne Vergütung anvertraut wird, bin ich bereit, ihn von ganzem Herzen anzunehmen.

Nun bleibt noch die Frage, mich von der Politik fernzuhalten. Dazu bin ich keineswegs bereit. Ich habe mich nicht aufgrund einer augenblicklichen Gefühlsregung der politischen Tätigkeit zugewandt. Vielmehr bin ich nach reiflicher Überlegung zu dem Entschluss gelangt, dass ich jetzt aus meiner abgeschiedenen Ecke hervortreten und etwas unternehmen muss. Die Muslime befinden sich gegenwärtig in einer äußerst schwierigen Lage. Von denen, von denen keine richtige Führung zu erwarten war, wollen wir absehen. Doch diejenigen, von denen man jede Art von Hoffnung gehegt hatte, geben heute ebenfalls eine falsche Führung. Die Ausbreitung der Kongressbewegung hat in den Reihen der Muslime Spaltungen hervorgerufen. Täglich treffen Nachrichten über Übertritte ein. Jawaharlals Partei breitet ihren Einfluss unter der Bevölkerung rasch aus. Die Wahlen in Jhansi haben deutlich gezeigt, wie stark die muslimische öffentliche Meinung beeinflusst worden ist. Wie gering die Marge zwischen Kongress und Nichtkongress inzwischen ist! Aus den Erklärungen der muslimischen Führer und den Artikeln in muslimischen Zeitungen und Zeitschriften lässt sich ermessen, wie wenige Menschen es gibt, die die tatsächliche Lage des muslimischen Indiens verstehen und denen der richtige Weg völlig klar vor Augen steht. Überlegen Sie unter solchen Umständen selbst: Wie kann es vertretbar sein, dass einer der wenigen verbliebenen Menschen sich auch noch die Verpflichtung eines Amtes auferlegt, und dazu eines Amtes mit einhundertfünfzig bis zweihundert Rupien Gehalt? Wenn ich das für vertretbar hielte, welchen Grund hätte ich dann, nach Lahore zu gehen? An der Osmanischen Universität steht mir eine Stelle mit vierhundert Rupien offen. Warum sollte ich sie nicht annehmen? Der einzige Grund, aus dem ich nach Lahore gehen möchte, ist, dass meiner Ansicht nach die Entscheidung des muslimischen Indiens, die nun unmittelbar bevorsteht, von der Stärke der drei Provinzen des Nordens abhängt. Ich möchte dorthin gehen und mich in jenem Dar-ul-Islam niederlassen, um zu sehen, welche Möglichkeiten es dort gibt, die Kraft des Islam zu mehren und sie für die Arbeit nutzbar zu machen. Von hier aus kann ich das nicht beurteilen. Sobald ich dort angekommen bin, werde ich nach Möglichkeiten suchen. Jede Möglichkeit, die sich mir bietet, werde ich nutzen. Für einen solchen Nutzen möchte ich meinen Geist, mein Denken sowie meine Hände und Füße völlig frei und unabhängig halten. Um keinen Preis kann ich eine Verpflichtung eingehen, die mich daran hindert, irgendeine Gelegenheit zum Dienst an Din und Millat zu nutzen.

Ich hoffe, Sie haben meinen Standpunkt gut verstanden. Die Schwierigkeiten, die ich in meinem vorherigen Brief erwähnt hatte, bestehen darin, dass die monatlichen Kosten von Tarjuman-ul-Qur’an ungefähr dreihundert Rupien betragen. Unter der Bevölkerung gibt es derzeit nicht genügend Abonnenten, deren Beiträge die Kosten der Zeitschrift decken könnten. Die Regierung von Nizam kauft jeweils 275 Exemplare. Nur dadurch kann die Zeitschrift weiterbestehen. Wenn ich nach Lahore gehe, werde ich sehr wahrscheinlich neben meinen persönlichen Ausgaben auch die finanzielle Verlustlast der Zeitschrift tragen müssen. Für mich würde es nahezu unmöglich werden, damit fertigzuwerden. Die Lösung dieses Problems könnte darin bestehen, dass Sie im Punjab mithilfe Ihrer beziehungsweise Ihrer gemeinsamen Mittel versuchen, Tarjuman-ul-Qur’an zu verbreiten und seine Auflage zu erhöhen. Wenn ich hoffen kann, dass die Zahl der Abonnenten fünfhundert erreicht, werde ich hinsichtlich der Zeitschrift beruhigt sein. Ich möchte der Zeitschrift nichts entnehmen, aber ich besitze auch nicht die geringste Möglichkeit, ihr etwas zu geben.

Für mich ist es ein Glück, gemeinsam mit Allama Iqbal am Aufbau einer neuen islamischen Gesellschaftsordnung mitzuwirken. Ich bin zu jedem möglichen Dienst bereit. Doch in dieser Angelegenheit benötige ich keinerlei finanzielle Vergütung.

Ihr ergebener Diener

Abul Ala.

(Zweiter Brief)

Tarjuman-ul-Qur’an, Hyderabad

13. August 1936

Mein verehrter und hochgeschätzter Herr, as-salamu alaikum.

Ihren Brief vom 2. August habe ich erhalten. Ihrem Brief entsprechend werde ich mit fester Entschlossenheit und im Vertrauen auf Gott die Hidschra vollziehen. Ich habe beschlossen, Lahore zu meinem endgültigen Wohnsitz zu machen. Es gibt einige Schwierigkeiten, deren Lösung einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Ich werde beträchtliche Mittel benötigen, um von hier mein gesamtes Hab und Gut zu verlagern und einige meiner finanziellen Schulden zu begleichen. Die Schulden von Tarjuman-ul-Qur’an belaufen sich auf mehr als eintausend Rupien. Diese müssen beglichen werden. Für den Transport des Hausrats sowie dafür, meine Geschäfte hier abzuwickeln und in Lahore neu zu beginnen, werde ich ebenfalls etwa eintausend Rupien benötigen. Zu diesem Zweck möchte ich ein Stück Land und einige Immobilien verkaufen. Ich hoffe, dass diese Arbeiten innerhalb von drei bis vier Monaten erledigt sein werden. In der Zwischenzeit werde ich einmal nach Lahore reisen, um zu sehen, welche Vorkehrungen ich treffen muss, wenn ich in Lahore leben will. Ich beabsichtige, bis zum Ende des kommenden Monats Radschab aufzubrechen. Nach einem Aufenthalt von vier oder fünf Tagen in Delhi werde ich Ende Radschab oder zu Beginn Schaʿbans Lahore erreichen. Bei dieser Gelegenheit wird, so Gott will, auch geklärt werden, was ich über die Qadianis schreiben sollte. Bis jetzt habe ich mich tatsächlich nicht eingehend mit diesem Thema befasst. Alles, was ich darüber erfahren konnte, stammt ausschließlich aus den Schriften von Bani Sahib. Für das Verfassen einer wissenschaftlichen Abhandlung ist das jedoch nicht ausreichend. Ich werde mich mit denjenigen in Lahore beraten, die über umfassende Kenntnisse des Qadianismus verfügen, und dabei Material für meine Schrift sammeln.

Anmerkung: Eine Kopie des Briefes von Herrn Nazir Niyazi konnte nicht beschafft werden.

Khaksar

Abul A’la.

Anhang 2

Schreiben von Herrn Nazir Niyazi, dem Privatsekretär von Allama Iqbal, an Maulana Maududi:

25 Macleod Road, Lahore

18. April 1938

Mein Verehrter, as-salāmu ʿalaikum,

Ich hoffe, dass es Ihnen durch Allahs Gnade gut geht. Vor einigen Tagen erfuhr ich von Herrn Sayyid Muhammad Shah, dass Sie in Jamalpur angekommen sind und bald auch nach Lahore kommen werden. Seitdem erwarte ich Sie unablässig. Dr. Sahib sagt, wenn Sie tatsächlich beabsichtigen, nach Lahore zu kommen, dann kommen Sie bitte so bald wie möglich, damit wir uns treffen können.

Meine Nachricht ist, dass der Zustand von Doktor Sahib Qibla äußerst bedenklich ist. Es gibt nicht die geringste Gewissheit, nicht einmal für einen Augenblick. Doch Sie müssen diese Nachricht unbedingt für sich behalten und niemandem davon erzählen.

Daher wäre es gut, wenn Sie so schnell wie möglich kommen könnten. Beten Sie für die Gesundheit von Dr. Sahib.

Ihr aufrichtiger

Niyazi

Die Antwort von Maulana Maududi

Tarjuman-ul-Quran

Dar-ul-Islam, Pathankot

23. April 1938

Mein Verehrter, as-salāmu ʿalaikum

Ich bereitete mich gemäß meinem Versprechen auf die Reise vor, als ich plötzlich die Nachricht vom Tod des Allama erhielt. Mein Herz brach völlig. Mein größter Kummer war, dass ich eine so große goldene Gelegenheit verpasst hatte. Hätte ich es gewusst, wäre ich sofort gekommen und hätte alles andere liegen gelassen. Ich betrachte es als mein größtes Unglück, dass ich des letzten Treffens mit ihm beraubt wurde – mit einem Mann, wie seinesgleichen ich wohl nirgendwo mehr sehen werde.

Der Tod Maulana Muhammad Alis ist für die Muslime der zweitgrößte Verlust, und meiner Meinung nach ist er noch größer als der erste Verlust. Ich weiß nicht, was Allah beabsichtigt. Dem äußeren Anschein nach denken wir jedenfalls, dass dem muslimischen Volk auf diese Weise seine Undankbarkeit und Unfähigkeit zur Strafe gereicht wird: Sein bester Mann wird gerade zu einer Zeit hinweggenommen, da er am dringendsten gebraucht wurde. Wenn man nun nach ganz Hindustan blickt, ist niemand von seiner Art in Sicht, an den man sich um Hilfe wenden könnte. Überall hat sich Dunkelheit ausgebreitet. Eine Lampe hatte noch flackernd gebrannt – auch sie wurde fortgenommen.

Was mich nach Punjab gezogen hatte, war Iqbals Persönlichkeit. Ich war in der Hoffnung hierhergekommen, von ihm Führung zu erhalten. Unter seiner Leitung wollte ich für den Islam und die Muslime tun, was mir möglich war. Nun empfinde ich, dass ich in diesem sturmgepeitschten Meer völlig allein zurückgeblieben bin. Die Zerrüttung meines Gemüts hat ihren Höhepunkt erreicht. Ich tröste mich nur mit dem Gedanken: „Was macht es schon, dass Iqbal gestorben ist? Allah ist doch da. Alle sind sterblich. Ewig lebendig ist nur jener Ḥayyun wa Qayyūm. Wenn Er von dir eine Aufgabe übernehmen lassen will, wird Er dir zu deiner Unterstützung andere Mittel und Wege bereitstellen.“

Mein lieber Bruder! Sie waren bis zuletzt beim Allama. Falls er für mich noch etwas gesagt haben sollte, dann teilen Sie es mir bitte unbedingt mit.

Ihr ergebener

Abul Ala

Nachtrag: Ich dachte darüber nach, den Hinterbliebenen mein Beileid zu übermitteln. Später kam mir der Gedanke, dass wir alle seine Hinterbliebenen (Survivors) sind. Und wir alle haben das Recht, in dieser Trauer Trost zu finden.

Lebenslauf von Maulana Maududi (r.h.)

190325. September. Geboren in der Stadt Aurangabad im Dekkan-Hyderabad.
1903–1913Grundschulbildung zu Hause.
1914Im Alter von elf Jahren bestand er die Maulvi-Prüfung.
1916Aufnahme am Darul Uloom in Hyderabad zum Erwerb einer höheren Bildung.
1917Aufenthalt in Bhopal und Pflege des kranken Vaters.
1918Im Alter von fünfzehn Jahren Eintritt in den Journalismus. Übernahme der Redaktion der von Bijnor aus herausgegebenen Zeitschrift „Madina“. Beitritt zur Khilafat-Bewegung.
1919Aktives Mitglied der Organisation „Anjuman-e I’anat-e Nazarbandan-e Islam“.
1920Tod des Vaters. Übernahme der Redaktion der Tageszeitung „Taj“ in Jabalpur.
1921Übersiedlung nach Delhi, Erwerb von Kenntnissen in Hadith, Tafsir, Fiqh und anderen islamischen Disziplinen sowie Erlernen der englischen Sprache.
1922Übernahme der Redaktion von „Muslim“, dem Sprachrohr der Jamiat Ulama-e-Hind.
1923Nach der Einstellung von „Muslim“ Übersiedlung nach Bhopal und Hingabe an den Erwerb tiefgehender Kenntnisse.
1924Zu Beginn des Jahres Übersiedlung nach Delhi. Seitens Maulana Muhammad Ali und Maulana Ahmad Saeed von der Jamiat Ulama-e-Hind erging jeweils die Aufforderung, die redaktionelle Leitung der Zeitschriften „Hamdard“ beziehungsweise „Al Jamiat“ zu übernehmen.
1925Übernahme der redaktionellen Leitung der Zeitschrift „Al Jamiat“.
1927Im Alter von vierundzwanzig Jahren Verfassung des allseits gerühmten Werkes „Al-Dschihad fi l-Islam“.
1928Aufgrund einer Meinungsverschiedenheit mit der Führung der Jamiat in der Frage der Unterstützung des Indischen Nationalkongresses Rücktritt von der Zeitschrift „Al Jamiat“.
1930Rückkehr nach Hyderabad. Abfassung des Werkes Diniyat (Einführung in den Islam).
1931Das ganze Jahr der Abfassung von Büchern gewidmet.
1932Herausgabe der Monatsschrift „Tarjuman-ul-Quran“ aus Hyderabad.
1933Abfassung des Werkes „Die islamische Zivilisation und ihre Grundlagen und Prinzipien“.

Abfassung der Werke „Die Essenz der islamischen Kultur“ und „Die Wahrheit der Vorherbestimmung“.

1933–1938Verfassen der Werke „Der Konflikt zwischen dem Islam und der westlichen Zivilisation“ sowie „Tafhimat“, Band 1 und Band 2.
1934–1935Verfassen von Werken und Beginn der öffentlichen Verkündigung der islamischen Botschaft.
1935Verfassen des Werkes „Die Rechte von Ehemann und Ehefrau und Geburtenkontrolle aus islamischer Sicht“.
1936Beginn des Briefwechsels mit Allama Iqbal. Auf Ersuchen der Muslim-Universität Aligarh wurde ein umfassender Bildungsentwurf ausgearbeitet.
1936–37Verfassung der Werke „Einführung in den Islam“, „Zins und Purdah“.
1937–39Begegnung mit Allama Iqbal in Lahore. Allama Iqbals Aufforderung an den Maulana, von Hyderabad nach Punjab überzusiedeln. Veröffentlichung von Artikeln unter dem Titel „Musliman aur Maujuda Siyasi Kashmakash“.
1937–30Veröffentlichung der Zeitschrift „Tarjuman-ul-Quran“.
193816. März. Übersiedlung von Hyderabad nach Punjab. Gründung von „Dar-ul-Islam“ in Pathankot. Veröffentlichung revolutionärer und aufrüttelnder Artikel unter dem Titel „Islam und Nationalismus“ („Mas’alaye Qaumiyyat“). Veröffentlichung des Buches „Khutrat-e-Haqiqat-Serie).
1939Veröffentlichung von „Tadschdid wa Ihya-e-Din“, „Islami Ibadat par Tahqiqi Nazar“ und anderen grundlegenden Werken.

Abfassung der Werke „Die politische Theorie des Islam“ und „Das Wesen der islamischen Anbetung“.

1940Die Muslim-Liga bildete zur Ausarbeitung eines Entwurfs für eine islamische Staatsordnung ein Komitee und ernannte den Maulana zu dessen Mitglied. An der Universität Aligarh hielt er einen erkenntnisreichen Vortrag zum Thema „Wie wird eine islamische Regierung errichtet?“, der in Buchform veröffentlicht wurde; auf Englisch und Bengalisch erschien er unter den Titeln „The Process of Islamic Revolution“ beziehungsweise „Der Weg der islamischen Revolution“. Veröffentlichung der Werke „Die Bewegung der islamischen Renaissance“, „Der Weg der islamischen Revolution“ und „Ek Ahm Istifta“.
194126. August. Gründung der „Jamaat-e-Islami“ mit 75 Personen und Wahl des Maulana zu ihrem Amir.
Abfassung der Werke „Die vier grundlegenden Begriffe des Korans“, „Islam und Dschahiliyya“, „Das neue Bildungssystem“, „Die islamische Lösung der wirtschaftlichen Probleme“ und „Die Notwendigkeit einer wahrhaftigen Partei“.
194215. Juni. Das Zentralbüro der Jamaat wurde von Lahore nach Dar-ul-Islam, Pathankot, verlegt.
1942–47Veröffentlichung der Werke »Rasail wa Masa’il« und »Shantipath«.
1943Beginn des weltberühmten Tafsīr »Tafhīm al-Qurʾān«. Abfassung des Werkes »Die Bestrafung des Abtrünnigen in der einzigen Religion und im islamischen Recht«.
1944Abfassung der Werke »Die moralische Perspektive des Islam« und »Das Wesen des Schirk«.
1944–46Unermüdliche Bemühungen zur Organisation und Festigung der islamischen Bewegung sowie zur Ausweitung ihres Einflusses. Veröffentlichung verschiedener Bücher und Zeitschriften.
1945Die Wirklichkeit des Tawhid
Sozialismus und Islam.
1946Veröffentlichung der Bücher Zeugnis der Wahrheit sowie Islamische Daʿwa und Handlungsweise.
194730. August. Infolge der überall ausgebrochenen kommunalen Unruhen und nachdem Pathankot von Hindus umzingelt worden war, waren die wenigen muslimischen Bewohner Pathankots gezwungen, nach Lahore auszuwandern; auch das Zentralbüro der Jamaat-e Islami wurde nach Lahore verlegt. Die Jamaat ergriff konkrete Maßnahmen zur Wiederansiedlung der mittellosen und entwurzelten Muhajirun. Die erste Rundfunkansprache des Maulana über „Qurbani“ wurde von Radio Pakistan ausgestrahlt.
1947Veröffentlichung der Werke „Die Daʿwa der Jamaat-e-Islami, Aufbau und Umgestaltung“ sowie „Das Wesen der Taqwa“.
1948Fünf Monate nach der Gründung Pakistans begann der Kampf für die Errichtung einer islamischen Gesellschaftsordnung in Pakistan. Am 6. Januar wurde bei einer Ansprache am Law College in Lahore die Forderung nach der Errichtung einer Staatsordnung auf der Grundlage des islamischen Rechts vorgetragen. Am 6. März wurden bei einer öffentlichen Versammlung im Jahangir-Park in Karatschi vier Forderungen für eine islamische Herrschaftsordnung vorgelegt.

(April bis September) Im ganzen Land wurde eine Kampagne mit Versammlungen und Zusammenkünften zur Forderung einer islamischen Herrschaft sowie zur Bildung der öffentlichen Meinung durchgeführt. Vonseiten der Regierung wurde dem Maulana fälschlicherweise vorgeworfen, er habe den Dschihad in Kaschmir für haram erklärt.

Am 12. Oktober wurde der Maulana zusammen mit mehreren Mitarbeitern verhaftet und ins Gefängnis gebracht.

Veröffentlichung der Werke „Die Lebensordnung des Islam“, „Das islamische Recht“, „Die Rechte der Nichtmuslime im islamischen Staat“, „Die islamischen Erfordernisse der Freiheit und die Forderungen des islamischen Systems“.

194912. März. Als Ergebnis der Bewegung der Jamaat verabschiedete die Regierung die Zielresolution. Am zweiten Tag bekundete die Schura-Versammlung darüber ihre Zufriedenheit. Vom 6. bis zum 8. Mai fand in Lahore die erste gesamtpakistanische dreitägige Konferenz der Jamaat-e-Islami statt.
1949–50Ausarbeitung der Werke „Zins – Band 2“, „Bestimmungen über den Landbesitz“, „Nationales Eigentum“ und „Die pakistanische Frau am Scheideweg“.
1950Am 28. Mai wurde der Maulana aus der Haft entlassen.

Er hielt im ganzen Land Reden auf öffentlichen Versammlungen. Da der von der Regierung vorgeschlagene Verfassungsentwurf nicht mit dem Islam vereinbar war, erhob er energischen Protest dagegen und forderte seine Zurückweisung.

1951In Karatschi fand eine historische Allparteien-Ulama-Konferenz statt. Einstimmig wurden 22 verfassungsrechtliche Empfehlungen angenommen. Im November dieses Jahres fand in Karatschi die zweite gesamtnationale Konferenz der Jamaat-e-Islami in Pakistan statt.
1952Der verfassunggebenden Versammlung wurden acht Forderungen vorgelegt. Im ganzen Land wurde eine Bewegung für eine islamische Verfassung geführt. Der Maulana nahm an der Allparteien-Konferenz in Karatschi teil, um die Forderung zu unterstützen, die Qadianis als religiöse Minderheit anzuerkennen.
1953Februar – Im Namen der Allparteien-Konferenz wurde eine „Direct Action“ angekündigt. Der Vertreter des Maulana widersetzte sich der „Direct Action“ und boykottierte die Konferenz. Der Maulana verfasste eine Broschüre mit dem Titel „Das Qadiani-Problem“.
Am 28. März wurde der Maulana unter dem Kriegsrecht verhaftet; im Mai wurde vor einem Militärgericht Anklage gegen ihn erhoben. Am 11. Mai verkündete das Militärgericht sein Todesurteil. Aufgrund heftiger Proteste und Demonstrationen in aller Welt wurde das Todesurteil aufgehoben und in lebenslange Haft umgewandelt. Später wurde die Strafe auf dreieinhalb Jahre verkürzt.
1955Aus rein rechtlichen Gründen wurde der Maulana am 29. Mai April freigelassen. Im November fand in Karatschi die dritte gesamtpakistanische Konferenz der Jamaat statt.
1956Landesweite Bewegung für eine islamische Verfassung. Eine erfolgreiche zweimonatige Reise des Maulana durch Ostpakistan. Die Probleme Ostpakistans wurden beleuchtet.
1957In Machhigota fand die gesamtpakistanische Mitgliederversammlung der Jamaat statt. Der Maulana hielt eine historische Ansprache.
1958Am 7. Oktober verkündete der Maulana während einer Ansprache auf einer öffentlichen Versammlung am Mochi-Tor in Lahore eine Warnung an die Regierung. Am folgenden Tag wurde im ganzen Land das Kriegsrecht verhängt.
1959Reise in den Nahen Osten und Vollzug der Hadsch, um für Tafhīm al-Qurʾān die im Koran erwähnten Orte (Arḍ al-Qurʾān) mit eigenen Augen zu sehen. Während der Reise hielt er überall Ansprachen und betonte besonders die Einheit der muslimischen Welt.
1960Dezember. Auf Einladung von Schah Saud erneute Reise nach Saudi-Arabien und Vorlage eines Entwurfs für die Universität von Medina.
1961Eine kraftvolle Bewegung gegen die von Ayub Khan erlassene Familienrechtsverordnung. Nachdem er auf Einladung der Muslime Afrikas eine Reise dorthin in die Wege geleitet hatte, wurde sie von der Regierung auf ungerechte Weise verhindert. Kampf gegen diejenigen, die die Hadithe leugnen.
1962Teilnahme an der in Mekka al-Mukarrama abgehaltenen Weltislamischen Konferenz. Gründung der Rabita al-Alam al-Islami. Maulana wurde zum lebenslangen Mitglied des Gründungskomitees gewählt.
1963Während Maulanas Eröffnungsansprache auf der gesamtpakistanischen Konferenz der Jamaat-e-Islami in Lahore wurde auf ihn geschossen. Ein Mitglied der Jamaat erlitt den Märtyrertod. Alle staatlichen Versuche, die Konferenz zu verhindern, scheiterten.
19644. Januar. Die Jamaat-e-Islami wurde für illegal erklärt. Maulana wurde zusammen mit den Mitgliedern der Zentralen Majlis-e-Shura verhaftet.
19. Januar. Sämtliche Unterlagen der Jamaat-e-Islami wurden beschlagnahmt. Die staatliche Propaganda gegen die Jamaat-e-Islami wurde verschärft. Am 25. September erklärte der Oberste Gerichtshof in seinem Urteil die Maßnahmen der Regierung für rechtswidrig.
1965Kurz vor Maulanas Teilnahme an der Sitzung der Islamischen Universität Medina wurde Maulanas Pass beschlagnahmt. Am 6. September griff Indien Pakistan an. Maulana hielt im Radio Pakistan nacheinander sechs Ansprachen über den „Jihad“. Im Namen der Jamaat-e-Islami wurden unter den Flüchtlingen Hilfsgüter im Wert von Millionen Rupien verteilt.
1966Kritik am Taschkent-Abkommen auf der überparteilichen Nationalkonferenz in Lahore. Reise nach Ostpakistan. Bei einer Sitzung der Rabita al-Alam al-Islami wurde eine vom Maulana verfasste, zahlreiche Argumente und Fakten über Kaschmir enthaltende Broschüre in arabischer und englischer Sprache verteilt.
1967Der Maulana und vier weitere bekannte Gelehrte wurden wegen der Sichtung der Eid-Mondsichel verhaftet.
1968Reise zur Behandlung nach London. Ansprache des Maulana bei einem von den in England lebenden Muslimen im Hilton Hotel London veranstalteten Empfang.
1969Teilnahme an der von Ayub Khan zur Lösung der politischen Probleme einberufenen Rundtischkonferenz. Teilnahme an der Gründungskonferenz der Islamischen Universität von Marokko.
1970Auf Anordnung des Maulana wurde in ganz Pakistan der „Schawkat-e-Islam-Tag“ begangen.
1972Abschluss von „Tafhim-ul-Quran“ und Veröffentlichung des sechsten Bandes. Aufgrund anhaltender Krankheit Rücktritt vom Amt des Ameer der Jamaat-e-Islami.
197921. Mai. Reise nach Amerika zur medizinischen Behandlung.
4. September: Operation an der Harnblase.
22. September. Nach pakistanischer Zeit verstarb er um Viertel vor sechs am Abend. (Wahrlich, wir gehören Allah, und zu Ihm kehren wir zurück.)

Thematische Bibliografie der Schriften von Maulana Maududi

Titel der ins Bengalische übersetzten BücherSeitenTitel der ursprünglichen Urdu-BücherErscheinungsjahr
A. Koran   
1. Übersetzung des Heiligen Korans1248Übersetzung des Edlen Korans1973 n. Chr.
2. Tafhim al-Qur’an, Bände 1–194165Tafhim al-Qur’an, 6 Bände1943–1972
3. Inhaltsverzeichnis von Tafhim al-Qur’an540Koranische Themen
4. Die vier grundlegenden Begriffe des Korans119Die vier grundlegenden Begriffe des Korans1941 n. Chr.
5. Der wesentliche Inhalt des Korans48Vorwort zu Tafhīm-ul-Qurʾān
b. Hadith / schwierig
6. Der rechtliche Status der Sunna des Gesandten336Der rechtliche Status der Sunna1963 n. Chr.
7. Die Erhabenheit und Würde des Korans133Die Vorzüge des Korans (im Lichte der Hadithe)1977 n. Chr.
c. Islamische Lebensanschauung
8. Islamische Identität112Risala-e Diniyat1963 n. Chr.
9. Tauhid, Risalat, Akhirat44Tauhid, Risalat und das Leben nach dem Tod
10. Die islamische Lebensordnung55Die islamische Lebensordnung1948 n. Chr.
11. Die einzige Religion45Die wahre Religion1943 n. Chr.
12. Der Weg des Friedens27Der Weg des Friedens1942 n. Chr.
13. Das Wesen der islamischen Kultur279Islamische Kultur und ihre Grundsätze und Prinzipien1933 n. Chr.
14. Ausgewählte Schriften, Bände 1–31344Tafhimat, Bände 1–31933–1938 n. Chr.
15. Al-Dschihad592Al-Dschihadu fi l-Islam1928 n. Chr.
16. Islam und Dschahiliya48Islam aur Jahiliyyat1941 n. Chr.
17. Der Konflikt zwischen dem Islam und der westlichen Zivilisation228Tanqihat1933–38
18. Grundzüge der islamischen Lebensordnung384Die islamische Lebensordnung und ihre grundlegenden Vorstellungen
19. Die philosophische Grundlage des islamischen Aufrufs32Der Islam und die westliche säkulare Demokratie
20. Der ethische Gesichtspunkt des Islam32Islams ethischer Standpunkt1944 n. Chr.
21. Islam und Nationalismus119Die Frage des Nationalismus1939 n. Chr.
22. Islam und Sozialismus1945 n. Chr.
23. Islam und soziale Gerechtigkeit24Islam und soziale Gerechtigkeit
24. Islam als Quelle der Kraft67Islam als Quelle der Kraft
25. Die Lehren des Opferfestes48Der Beweis des Opferns durch Koranverse
26. Das Wesen des Glaubens48Das Wesen des Glaubens1938 n. Chr.
27. Das Wesen des Islam44Das Wesen des Islam1938 n. Chr.
28. Das Wesen von Gebet und Fasten65Das Wesen von Fasten und Gebet1938 n. Chr.
29. Das Wesen des Haddsch48Das Wesen der Hadsch1938 n. Chr.
30. Das Wesen der Zakat58Das Wesen der Zakat1938 n. Chr.
31. Das Wesen des Dschihad28Das Wesen des Dschihad1933 n. Chr.
32. Das Wesen des Qadar102Die Frage von Jabr und Qadar1933 n. Chr.
33. Das Wesen der TaqwaDas Wesen der Taqwa1947 n. Chr.
34. Das Bildungssystem: islamische Perspektive133Ta’limat1941 n. Chr.
35. Die Realität des SchirkDie Realität des Schirk1944 n. Chr.
36. Die Wirklichkeit des TauhīdDie Wirklichkeit des Tauhīd1945 n. Chr.
d. Recht, Politik und staatliche Ordnung
37. Islamisches Recht63Islamisches Gesetz1948 n. Chr.
38. Der islamische Staat700Der islamische Staat1948 n. Chr.
39. Kalifat und Monarchie294Kalifat und Monarchie
40. Die politische Lehre des Islam63Die politische Ideologie des Islam1939 n. Chr.
41. Die Unabhängigkeitsbewegung des Subkontinents
und die Muslime, Band 1–2877Die indische Unabhängigkeitsbewegung und die Muslime, Band 1–21938 n. Chr.
42. Ausarbeitung der islamischen Verfassung86Ausarbeitung der islamischen Verfassung
43. Die Grundprinzipien der islamischen Verfassung86Die Grundlagen der islamischen Verfassung
44. Grundlegende Menschenrechte32Die grundlegenden Gebote für den Menschen
45. Die Rechte der Nichtmuslime im islamischen Staat50Die Rechte der Dhimmis im islamischen Staat1948 n. Chr.
46. Die politische Geschichte des Dekkan286Die politische Geschichte des Dekkan
47. Die politischen Lehren des Korans57Die politischen Lehren des Korans
48. Nationale Einheit und stabile Demokratie21Nationale Einheit
49. Die Bestrafung des Abtrünnigen im islamischen Recht68Die Strafe für Apostasie1943 n. Chr.
e. Islamische Bewegung und Organisation
50. Islamischer Aufruf und Aktionsprogramm47Der islamische Aufruf und seine Methode1946 n. Chr.
51. Der Aufruf der Jamaat-e-IslamiDer Aufruf der Jamaat-e-Islami1947 n. Chr.
52. Die islamische Renaissancebewegung122Erneuerung und Wiederbelebung der Religion1940 n. Chr.
53. Der Jamaat-e-IslamiDas Ziel der Jamaat-e-Islami
Zweck – Geschichte und Aktionsprogramm80Geschichte und Aktionsprogramm1951 n. Chr.
54. Dschihad auf dem Weg Allahs32Dschihadun fi Sabilillah
55. Die moralische Grundlage der islamischen Bewegung62Die moralischen Grundlagen der islamischen Bewegung
56. Die islamische Bewegung: Bedingungen für den Erfolg64Bedingungen für den Erfolg der islamischen Bewegung
57. Das Aktionsprogramm der Muslime für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft78Das Aktionsprogramm der Muslime für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft
58. Der Weg zur islamischen Revolution56Wie wird eine islamische Regierung errichtet?1940 n. Chr.
39. Das künftige Arbeitsprogramm der islamischen Bewegung138Das künftige Arbeitsprogramm der islamischen Bewegung1947 n. Chr.
60. Bewegung, Organisation und Aktivist224Bewegung und Aktivist
61. Der Rufer zu Allah, der Ruf zu Allah42Der Rufer zu Allah, der Ruf zu Allah
62. Zerstörung und Aufbau32Aufbau und Zerstörung1947 n. Chr.
63. Die Notwendigkeit einer wahrhaftigen Partei23Die Notwendigkeit einer rechtschaffenen Jamaat1941 n. Chr.
64. Das Martyrium von Husain (r.a.)16Das Martyrium von Imam Husain (r. a.)
65. Die Bewegung für die Einheit der muslimischen Welt43Die Einheit der islamischen Völker
66. Das Zeugnis der Wahrheit40Das Zeugnis der Wahrheit1946 n. Chr.
67. Der Islam in der heutigen Welt42Der Islam in der Gegenwart
68. Die neunundzwanzig Jahre der Jamaat-e-Islami54Neunundzwanzig Jahre der Jamaat-e-Islami
F. Wirtschaft und Bankwesen
69. Islamische Wirtschaft328Islam und Wirtschaft
70. Die islamische Lösung wirtschaftlicher Probleme38Das wirtschaftliche Problem des Menschen und seine islamische Lösung1941 n. Chr.
71. Die wirtschaftlichen Richtlinien des Korans38Die wirtschaftlichen Lehren des Korans
72. Der Islam und moderne Wirtschaftstheorien126Islam und moderne Wirtschaftstheorien
73. Die Grundprinzipien der islamischen Wirtschaftsordnung31Die Grundsätze der islamischen Wirtschaftsordnung
74. Zins und modernes Bankwesen302Zins1936 n. Chr.
75. Die Bestimmungen über den Landbesitz96Die Frage des Landbesitzes
76. Nationales EigentumNationales Eigentum1950 n. Chr.
f. Eheliches Leben und die Frau
77. Der Schleier und der Islam280Der Schleier1937 n. Chr.
78. Die Rechte von Ehemann und Ehefrau151Rechte der Ehegatten1935 n. Chr.
79. Geburtenkontrolle aus islamischer Sicht131Islam und Geburtenkontrolle1936 n. Chr.
80. Die Forderungen des Islam an die muslimische Frau24Was der Islam von muslimischen Frauen verlangt
j. Läuterung der Seele
81. Rechtleitung55Rechtleitung
82. Die grundlegenden Lehren des Islam274Predigten1938 n. Chr.
83. Das Wesen der islamischen Gottesdienste88Eine eingehende Betrachtung der islamischen Gottesdienste1939
84. Die islamische Methode zur Läuterung des Selbst48Tazkiyat an-Nafs
J. Sīrat
85. Sīrat-e Sarwar-e Alam, Bände 1–51216Sīrat-e Sarwar-e Alam, Bände 1–2
86. Das Ende des Prophetentums75Das Ende des Prophetentums
87. Die koranische Darstellung des Propheten40Wie der Koran denjenigen darstellt, der ihn gebracht hat
88. Der ideale Mensch32Die eigentliche Großtat des Herrn der Welten
89. Die Würde der edlen Gefährten40Die Stellung der Gefährten
ঞ. Allgemeines
90. Rasā’il wa Masā’il, Bände 1–5Rasā’il wa Masā’il, Bände 1–51942–1947
91. Maulana Maududi im Gespräch mit der Jugend450Tasrīḥāt
92. Antworten auf die Fragen des Zeitalters, Bände 1–2448Istifsalat, Bd. 1–2
93. Die Nachmittagsversammlung, Bd. 1–2250Asri Madschalis, Bd. 1–2
94. Briefe, Bd. 1–2455Makatib Maulana Maududi (r.), Bd. 1–2
95. Rundfunkansprachen87Veröffentlichte Reden
96. Khutbatul HaramKhutbatul Haram
97. Briefwechsel zwischen Maulana Maududi und Maryam JameelaBriefe zwischen Maulana Maududi und Maryam Jameela
98. Das Qadiani-ProblemDie Qadiani-Frage1953 n. Chr.

Einige Bücher in bengalischer Sprache über Maulana Maududi

 BuchtitelName des Autors
1.Maulana Maududi aus der Sicht bedeutender Persönlichkeiten der WeltHerausgegeben von Abbas Ali Khan
2.Maulana MaududiAbbas Ali Khan
3.Der islamische Gelehrte Maulana MaududiAbbas Ali Khan
4.Der Beitrag Maulana Maududis zur Wiederbelebung des IslamsProfessor Ghulam Azam
5.Die Geschichte der Jamaat-e-IslamiAbbas Ali Khan
6.Protokolle der Jamaat-e-Islami – Band 1
7.Protokolle der Jamaat-e-Islami – Band 2
8.Das Licht der WahrheitMaulana Baschiruzzaman
9.Maulana Maududi im Land des KoransMuhammad Asim
10.Die vielfältigen Beiträge von Maulana MaududiAbbas Ali Khan
11.Im Hintergrund der Opposition gegen die Jamaat-e-IslamiAbul Kalam Muhammad Yusuf
12.Die Rolle der Ulema in der UnabhängigkeitsbewegungZulfikar Ahmad Kismati
13.Mawdudi für KinderScheich Ansar Ali
14.Erwiderung auf die Vorwürfe gegen Maulana MawdudiMaulana Abdul Hakim
15.Theoretische Untersuchung der Vorwürfe gegen Maulana MawdudiMufti Muhammad Yusuf
16. Antwort auf die Vorwürfe bezüglich des Werkes „Kalifat und Monarchie“Richter Malik Ghulam Ali
17.Wie ich Maulana Maududi erlebt habeProfessor Ghulam Azam