Wessen Recht nach Allah das größte ist
Die wichtigste Pflicht des Menschen besteht darin, an Allah zu glauben und Ihm aufrichtig zu gehorchen und zu dienen. Unmittelbar danach beginnt die Erfüllung der familiären Pflichten. Die Wahrnehmung all dieser Verantwortlichkeiten sowie das Nachdenken über die Verbesserung und Neuordnung des Familienlebens sind einerseits gesellschaftlich notwendig und andererseits auch eine religiöse Pflicht.
Nach dem Familienleben beginnt der Bereich des verwandtschaftlichen Lebens. In diesem Leben nehmen die Eltern den höchsten Rang ein und haben das größte Recht. Die hohe Stellung der Eltern und die Bedeutung ihrer Rechte lassen sich bereits aus der Ausdrucksweise des Heiligen Qurans erahnen. An vielen Stellen des Heiligen Qurans werden neben den Rechten Allahs auch die Rechte der Eltern erwähnt, und zusammen mit der Dankbarkeit gegenüber Allah wird der Dankbarkeit gegenüber den Eltern besondere Bedeutung beigemessen.
وقضى رَبُّكَ أَلا تَعْبُدُوا إِلَّا إِيَّاهُ وَبِالْوَالِدَيْنِ إِحْسَانًا ، إِمَّا يَبْلُغَنَّ عِنْدَكَ الْكِبَرَ أَحَدُهُمَا أَوْ كِلَهُمَا فَلَا تَقُل لَّهُمَا أفٍّ وَلَا تَنْهَرْهُمَا وَقُل لَّهُمَا قَوْلاً كَرِيمًا وَاخْفِضْ لَهُمَا جَنَاحَ الذُّلِّ مِنَ الرَّحْمَةِ وَقُلْ رَبِّ ارْحَمْهُمَا كَمَا ربيني صغيرا بنی اسرائیل : ٢٣-٢٤
„Und dein Herr hat bestimmt, dass ihr niemandem außer Ihm dienen sollt und dass ihr den Eltern Güte erweisen sollt. Wenn einer von ihnen oder beide bei dir das hohe Alter erreichen, dann sage nicht zu ihnen: ‚Pfui!‘, und fahre sie nicht an, sondern sprich zu ihnen ehrerbietige Worte. Und senke für sie aus Barmherzigkeit den Flügel der Demut und sage: ‚Mein Herr, erbarme Dich ihrer, wie sie mich aufgezogen haben, als ich klein war.‘“ – Sure Banī Isrāʾīl: 23–24
Wenn man diese beiden Verse des Edlen Qurans wiederholt liest und darüber nachdenkt, werden einige Dinge deutlich:
Erstens: Nach Allah haben die Eltern gegenüber dem Gläubigen das größte Recht. Im Edlen Quran wird nach der Einzigkeit des Herrn als erste Anweisung gesagt, dass man die Eltern gut behandeln soll. Danach wird diese Aufforderung im Quran durch gleichartige Aussagen immer wieder erwähnt.
Zweitens: Wenn die Eltern alt werden, entwickeln sie zwangsläufig eine gewisse Rauheit und Reizbarkeit in ihrem Wesen, und aufgrund ihres Alters beginnen von ihnen auch manche unerwünschten Äußerungen auszugehen. Die Muslime sollten in diesem Alter auf die raue Stimmung der Eltern Rücksicht nehmen, jedes ihrer Worte bereitwillig ertragen, bei keinem ihrer Worte aus Verärgerung auch nur „Pfui!“ als Antwort sagen und kein Wort in tadelndem Ton erwidern. Die Kinder müssen sich an ihre eigene Kindheit erinnern. Damals quälten sie ihre Eltern, ohne es zu verstehen, mit allerlei unnötigen Fragen und sinnlosen Worten. Doch Mutter und Vater hörten ihnen mit einem Lächeln zu, freuten sich, antworteten mit liebevoller Stimme und wurden niemals ungehalten.
Drittens: Auf die Ehre und Würde der Eltern muss mit größter Aufmerksamkeit geachtet werden. Beim Gespräch muss man ihre Würde berücksichtigen. Wenn im letzten Lebensabschnitt die Kräfte nachlassen, sagen die alten Eltern ganz natürlicherweise verschiedene Dinge, um ihre Ehre und ihr Ansehen zu wahren und ihre eigene Bedeutung zum Ausdruck zu bringen. Sie bestehen ohne Grund immer wieder auf ihrer Meinung. Sie werden wiederholt zornig. Auf verschiedene Weise bringen sie ihre Unzufriedenheit zum Ausdruck. In dieser Lage muss man die Anweisungen des Heiligen Qurans zu Herzen nehmen. Man muss solche Worte mit einem Lächeln ertragen und darf niemals aus Verärgerung etwas äußern, das ihrer Ehre und Würde widerspricht.
Viertens: Im Verhalten gegenüber ihnen muss man demütig und sanftmütig sein. Neben dem Gehorsam ist es notwendig, vor ihnen den Kopf zu senken. Man muss all ihre Anweisungen aufmerksam anhören, sie befolgen und dabei Zufriedenheit empfinden. Wenn die Eltern im Alter auf jede Art von Hilfe ihrer Kinder angewiesen sind, ist es unerlässlich, ihnen als gehorsamer Diener zu dienen. Doch aus keinem Wort und keiner Handlung dürfen Hochmut oder das Herausstellen eigener Wohltaten hervorgehen. Vielmehr sollte man sich geehrt fühlen, ihnen mit kindlicher Achtung zu begegnen, und Allah dafür danken, dass Er einem die Möglichkeit zu diesem Dienst gegeben hat.
Fünftens: Wenn man die Eltern in einem hilflosen und schwachen Alter erlebt, sollte man sich an jene Zeit der eigenen Kindheit erinnern, in der ein Kind äußerst schwach, hilflos und abhängig ist. Damals ertragen die Eltern mit großer Zuneigung, Liebe und Aufmerksamkeit zahllose Mühen und Sorgen, um das Kind aufzuziehen. Sie freuen sich über die Freude des Kindes und werden beim Anblick seines Leidens unruhig. Indem man sich an die Lage der eigenen Kindheit erinnert, sollte man in einem Gefühl der Liebe und Barmherzigkeit immer wieder unbeschwert die Hände zum Bittgebet erheben und sagen: O Herr! So wie sie uns in unserer Kindheit mit Zuneigung und Liebe von ganzem Herzen aufgezogen haben, so erbarme auch Du Dich ihrer und erleichtere ihre Schwierigkeiten.
Was in diesen beiden Versen des ehrwürdigen Korans äußerst knapp und zugleich schön dargelegt wurde, findet sich in der Sunna beziehungsweise den Hadithen des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, ausführlich erläutert.
Die Bedeutung der Eltern
عن أبي أمامة رضي اللهُ عَنْهُ أَنَّ رَجُلاً قَالَ يَا رَسُولَ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ مَا
حق الوالدين على ولدهما ؟ قَالَ هما جنتك وبارك ابن ماجه، مشكوة„Überliefert von Hadhrat Abu Umamah, möge Allah mit ihm zufrieden sein: Ein Mann fragte den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm: ‚O Gesandter Allahs, welche Rechte haben die Eltern gegenüber ihrem Kind?‘ Er erwiderte: ‚Die Eltern sind euer Paradies und eure Hölle.‘“
Die Bedeutung dieser Aussage des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, ist, dass niemand ohne sie auskommen kann. Abgesehen von ihrer Bedeutung im gesellschaftlichen Leben ist ihre Bedeutung auch im Hinblick auf die Erlösung und den Erfolg im Jenseits von unschätzbarem Wert. Indem ein Kind gut zu ihnen ist, ihnen gehorcht und sie zufriedenstellt, kann es sich im Paradies sein eigenes Haus errichten. Andererseits kann es durch die Missachtung ihrer Rechte und den dadurch hervorgerufenen Unmut zum Brennstoff der Hölle werden.
عنْ عَبْدِ اللهِ بْنِ عَمْرٍ رَضِيَ اللهُ عَنْهُ – وَقَالَ قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ، رِضا اللهِ فِي رِضَا الْوَالِدِ وَسُخْطُ اللَّهِ فِي سُخْطِ الْوَالِدِ„Überliefert von Hadhrat Abdallah ibn Amr, möge Allah mit ihm zufrieden sein. Er sagte: Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sprach: ‚Allahs Wohlgefallen liegt im Wohlgefallen des Vaters, und Allahs Missfallen liegt im Missfallen des Vaters.‘“
Wer die Rechte der Eltern missachtet, kann nicht Allahs Wohlgefallen erlangen. Nur diejenigen, die ihre Eltern zufriedenstellen können, können Allah zufriedenstellen. Diejenigen, die ihren Zorn erregen, können Allahs Zorn nicht entkommen, und wer sie unzufrieden macht, macht auch Allah unzufrieden.
عن معاوية بن جامعة أن جَاهِمَة جَاءَ إِلى النَّبِيِّ صَلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ . فَقَالَ يَا رَسُول الله – أردت أَنْ أَغْزُو، وَقَدْ جِئْتُ اسْتَشِيرُكَ ؟ فَقَالَ هَلْ لَّكَ من أم قال نعم، قَالَ فَالْزَمَهَا فَإِنَّ الْجَنَّةَ عند رجلها – ابن ماجه، نسائ„Hadhrat Muawiya, der Sohn von Hadhrat Jahima, möge Allah mit ihnen zufrieden sein, überlieferte, dass Hadhrat Jahima, möge Allah mit ihm zufrieden sein, zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, kam und sagte: ‚O Gesandter Allahs, ich möchte am Dschihad teilnehmen und bin gekommen, um dich um Rat zu fragen. Was weist du mir diesbezüglich an?‘ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, fragte ihn: ‚Ist deine Mutter noch am Leben?‘ Jahima, möge Allah mit ihm zufrieden sein, antwortete: ‚Ja. Gott sei Dank, sie lebt noch.‘ Der ehrwürdige Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagte: ‚Geh zurück und widme dich ihrer Betreuung. Denn unter ihren Füßen liegt das Paradies.‘“
Die Aussage „Unter ihren Füßen liegt das Paradies“ wurde in umfassender Bedeutung überliefert. Das bedeutet, dass man ihr vollkommene Achtung erweisen und sich in seinem Verhalten ihr gegenüber äußerst demütig zeigen muss. Man muss ihre Betreuung von ganzem Herzen verrichten und gerade diese Betreuung als Mittel zur eigenen Erlösung betrachten.
Im vorangegangenen Hadith wurde die Bedeutung des Gehorsams gegenüber dem Vater hervorgehoben, während in diesem Hadith die Bedeutung des Gehorsams gegenüber der Mutter und ihrer Betreuung dargelegt wird. In dem bei Tirmidhi überlieferten Hadith werden sowohl die Mutter als auch der Vater erwähnt. Hadhrat Jahima, möge Allah mit ihm zufrieden sein, sagte selbst: „Ich begab mich zum ehrwürdigen Propheten, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, und sagte: ‚O Gesandter Allahs, ich möchte am Dschihad teilnehmen. Ich möchte deine Meinung hierzu erfahren.‘ Er sagte: ‚Sind deine Mutter und dein Vater noch am Leben?‘ Ich antwortete: ‚Ja, Gott sei Dank, beide leben noch.‘ Er sagte: ‚Geh und widme dich ihrer Betreuung. Denn unter ihren Füßen liegt das Paradies.‘
عن أبي هريرة عن النبي صلى الله عَلَيْهِ وَسَلَّمَ قَالَ رَغمَ أَنْفُهُ ثُمَّ رَعْمَ أَنْفُهُ ثُمَّ رَغمَ أَنْفُهُ، قَبْلَ مَنْ يَا رَسُولَ اللهِ ؟ قَالَ مَنْ أَدْرَكَ وَالدَيْهِ عِنْدَ الْكَبَرِ أَوْ أَحَدَهُمَا ثُمَّ لَمْ يَدْخُلِ الْجَنَّةَ .
„Von Hadhrat Abu Huraira, möge Allah mit ihm zufrieden sein, wird überliefert, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: Möge derjenige erniedrigt werden, nochmals erniedrigt werden und erneut erniedrigt werden. Die Leute fragten: ‚O Gesandter Allahs, wer?‘ Er sagte: ‚Derjenige, der einen oder beide seiner Eltern im hohen Alter erlebt und dann nicht ins Paradies eintritt, indem er ihnen dient.‘
Der weltliche Lohn für den Dienst an den Eltern
Der größte Lohn für den Dienst an den Eltern und den Gehorsam ihnen gegenüber besteht darin, dass man dadurch Allahs Wohlgefallen erlangt und das Paradies zuteilwird. Das ist der Lohn des Jenseits. Doch Allah, der Erhabene, belohnt auch in dieser Welt diejenigen, die ihren Eltern aufrichtig dienen und ihre Rechte beachten. Tatsächlich erzählte der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, seinen Gefährten einmal selbst die eindrucksvolle Geschichte von drei Männern. Er sagte: Einst waren drei Männer unterwegs. Unterwegs wurden sie von heftigem Regen überrascht. Sie betraten eine Höhle und setzten sich dort zum Schutz nieder. Allah ist groß! Ein großer Felsbrocken stürzte vom Berg herab, fiel vor den Eingang der Höhle und verschloss ihn vollständig. Die drei Freunde gerieten in große Angst. Und das war verständlich. Es lag außerhalb ihrer Möglichkeiten, den Felsbrocken zu bewegen. Es war auch kein Mensch dort, den sie um Hilfe hätten rufen können. Verzweifelt saßen sie da und dachten, sie seien lebendig begraben worden und diese Höhle sei ihr Grab. Einer von ihnen sagte: ‚Wir dürfen nicht an Allahs Barmherzigkeit verzweifeln. Lasst uns alle Allah anflehen, indem jeder von uns die beste Tat seines Lebens anführt. Hoffentlich wird Allah uns durch Seine Barmherzigkeit aus diesem Unglück befreien.‘
Einer der Reisenden begann zu sagen: ‚O Allah! Meine Eltern waren alt, und ich hatte kleine Kinder. Tagsüber hütete ich Ziegen und kehrte nach Hause zurück; nachdem ich die Milch gemolken hatte, gab ich sie zuerst meinen Eltern zu trinken. Danach gab ich meinen Kindern davon. Eines Tages entfernte ich mich zufällig sehr weit und kam mit großer Verspätung zurück. Als ich nachts nach Hause kam, waren meine Eltern bereits eingeschlafen. Wie jeden Tag molk ich die Ziegen, füllte die Milch in einen Becher und stellte mich damit am Kopfende meiner Eltern auf. Ich wartete darauf, dass sie aufwachen und ich ihnen die Milch reichen konnte. Es wurde ziemlich spät in der Nacht. Meine Kinder begannen vor Hunger zu klagen. Immer wieder kamen sie zu meinen Füßen, warfen sich dort nieder und verlangten Milch. Doch ich konnte es nicht ertragen, ihnen vor meinen Eltern Milch zu geben. Es konnte nicht sein, dass meine Eltern hungrig dalagen, während meine Kinder satt und bequem waren. Kurz gesagt, stand ich die ganze Nacht mit dem Becher in der Hand dort. Meine Eltern schliefen weiter, und die Kinder weinten vor Hunger und warfen sich nieder. So verging die ganze Nacht. O Allah! Wenn ich meine Eltern so behandelt habe, nur um Dein Wohlgefallen zu erlangen, dann entferne durch Deine Barmherzigkeit diesen Felsbrocken vom Eingang der Höhle.‘
Kaum hatte er dies gesagt, da bewegte sich der Felsbrocken ein Stück vom Höhleneingang weg, sodass der Himmel deutlich zu sehen war. Danach flehten auch die beiden anderen Reisenden Allah unter Berufung auf ihre jeweiligen guten Taten an, und Allah öffnete durch Seine Barmherzigkeit den Eingang der Höhle.
Gutes Verhalten gegenüber den Eltern
عَنْ عَبْدِ اللهِ بْنِ مَسْعُودٍ رَضِيَ اللهُ عَنْهُ قَالَ سَأَلْتُ رَسُولَ اللَّهِ صَلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ أَيُّ الْعَمَلِ أَحَبُّ إِلى اللهِ ؟ قَالَ : الصَّلُوةُ عَلَى وَقْتِهَا -قُلْتُ ثُمَّ أَي ؟ قَالَ : بِرُّ الْوَالِدَيْنِ قُلْتُ، ثُمَّ أَيُّ ؟ قَالَ الْجِهَادُ فِي سَبِيلِ اللَّهِ ای
بخاری، مسلم
„Hadhrat Abdullah ibn Masud, möge Allah mit ihm zufrieden sein, sagte: Ich fragte den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm: ‚Welche gute Tat ist Allah am liebsten?‘ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: ‚Das Gebet zu seiner vorgeschriebenen Zeit zu verrichten.‘ Ich fragte erneut: ‚Welche Tat danach ist am liebsten?‘ Er sagte: ‚Gutes Verhalten gegenüber den Eltern.‘ Ich fragte: ‚Und danach?‘ Er antwortete: ‚Der Dschihad auf Allahs Weg.‘ – Buchari und Muslim
Kein Muslim ist über die Bedeutung und den Vorzug des Gebets unwissend. Wenn der geliebte Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, neben einer so wichtigen gottesdienstlichen Handlung wie dem Gebet zu einer guten Tat ermahnt hat, welche Bedeutung muss diese Tat dann in der Religion haben? Zwischen Eltern und Kindern besteht ohnehin eine Beziehung. Dass zwischen ihnen eine Beziehung guten Verhaltens und der Liebe besteht, ist aufgrund der Blutsverwandtschaft völlig natürlich. Jeder Gläubige liebt seine Eltern und dient ihnen nach Kräften mit ganzem Herzen. Doch die Bedeutung der Ermahnung des geliebten Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, besteht darin, dass diese Beziehung nicht nur eine familiäre und diesseitige Beziehung ist. Vielmehr ist sie auch eine religiöse Angelegenheit. Die Forderung von Allahs Religion und des Gehorsams gegenüber Allah besteht darin, sich gegenüber den Eltern gut und vorbildlich zu verhalten. Die Anweisung Allahs und des Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, lautet, ihnen gehorsam zu sein und ihnen zu dienen. Man soll ihnen Respekt erweisen und sich auf verschiedene Weise bemühen, sie zufriedenzustellen. Wenn ein Muslim seinen Eltern nicht gehorsam ist, ist er auch Allah und dem Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nicht gehorsam. Er ist nicht nur aufgrund seiner familiären und diesseitigen Schuld ein Schuldiger, sondern auch vor Allah. Vor Allah wird er darüber Rechenschaft ablegen müssen.
قَالَ عَبْدُ الله بن عمرو بن العاص رض : أَقْبَلَ رَجُلٌ إِلَى رَسُولِ اللهِ صلى الله عَلَيْهِ وَسَلَّمَ فَقَالَ أَبَايِعُكَ عَلى الهِجْرَةِ وَالْجِهَادِ ابْتَغِي الْآخِرَ مِنْ الله، قَالَ فَهَلْ مِنْ والديك أحد حي ؟ قَالَ نَعَمْ، بَلْ كِلَاهُمَا حَيٍّ، قَالَ فتبتغي الأجر من اللهِ ؟ قَالَ نَعَمْ، قَالَ فَارْجِعُ إِلَى وَالِدَيْكَ فَأَحْسِنُ
صحبتهما – مسلم
„Hadhrat Abdullah, der Sohn von Hadhrat Amr ibn al-As, möge Allah mit ihm zufrieden sein, sagte: Ein Mann kam zum geliebten Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und sagte: ‚Ich leiste dir den Treueid zur Auswanderung und zum Dschihad und erhoffe dafür den Lohn von Allah.‘ Der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, fragte: ‚Ist einer deiner Eltern noch am Leben?‘ Er antwortete: ‚Ja. Vielmehr sind beide, Allah sei Dank, noch am Leben.‘ Er sagte: ‚Erhoffst du tatsächlich den Lohn deiner Auswanderung und deines Dschihad von Allah?‘ Er antwortete: ‚Ja, ich erhoffe den Lohn von Allah.‘ Der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: ‚Dann kehre zu deinen Eltern zurück und behandle sie gut.‘ – Muslim
Wer kann die Bedeutung leugnen, die der Auswanderung und dem Dschihad in der Religion beigemessen wird? Wenn die Eltern dennoch aufgrund ihres hohen Alters, ihrer Schwäche oder einer anderen Einschränkung auf die Hilfe und den Dienst ihres Kindes angewiesen sind, soll das Kind ihnen dienen, ihnen Erleichterung verschaffen und den Lohn dafür von Allah erhoffen. Darin liegt Allahs Wohlgefallen. In einer solchen hilflosen Lage wird es im Islam als eine noch vorzüglichere Tat bezeichnet, bei den Eltern zu bleiben und ihnen zu dienen, als vorzügliche Taten wie die Auswanderung und der Dschihad.
Hazrat Abdullah ibn Amr, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, überliefert: Ein Mann kam zum geliebten Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, um ihm den Treueeid zur Auswanderung zu leisten, nachdem er seine Eltern zum Weinen gebracht hatte. Da sagte der Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm: „Geh zurück zu deinen Eltern und bereite ihnen ebenso Freude, wie du sie zum Weinen gebracht hast.“ – Abu Dawud
Er sagte außerdem: Ein Mann kam zum Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, um am Dschihad teilzunehmen. Der geliebte Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, fragte ihn: „Sind deine Eltern noch am Leben?“ Er antwortete: „Ja, Gott sei Dank, sie leben.“ Er sagte: „Geh und kümmere dich weiterhin um sie. Das ist der Dschihad.“ – Muslim, Abu Dawud
Ehrerbietung gegenüber den Eltern
عن أبي سعيد رض أنَّ رَجُلًا مِنْ أَهْلِ الْيَمَنِ هَاجَرَ إِلَى رَسُولِ اللَّهِ صَلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ فَقَالَ : هَلْ لكَ أحدٌ بِالْيَمَنِ ؟ قَالَ، أَبُولَى، قَالَ أَدْنَالَكَ ؟ قَالَ لا، قَالَ، ارجع اليهما ، فَاسْتَاذِنَهُمَا، فَإِنْ أَدْنَالَكَ فَجَاهِدُ وَإِلَّا فَبِرَهُما – ابوداودHazrat Abu Sa’id, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, überliefert: Ein Mann aus dem Jemen kam zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, fragte ihn: „Hast du im Jemen jemanden?“ Er antwortete: „Ja, meine Eltern.“ Er fragte: „Haben sie dir die Erlaubnis gegeben?“ Er antwortete: „Nein.“ Da sagte er: „Dann kehre zurück und bitte beide um Erlaubnis. Wenn sie dir die Erlaubnis geben, dann nimm am Dschihad teil; andernfalls bleibe bei ihnen und behandle sie weiterhin gut.“
Ein Mann war meilenweit zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gekommen. Er kam zudem mit der aufrichtigen Absicht, beim Gesandten Allahs zu bleiben und sich darum zu bemühen, die Würde des Dīn zu mehren. Doch er schickte ihn allein deshalb zurück, weil er nicht mit der Erlaubnis seiner Eltern gekommen war, und ohne die Erlaubnis der Eltern gestattete er ihm nicht, an einer so wichtigen Pflicht wie dem Dschihad teilzunehmen. Wenn man über diesen Hadith nachdenkt, wird einem bewusst, welche Wertschätzung und Ehrerbietung der Dīn gegenüber den Eltern lehrt.
Der Rat von Hazrat Abu Huraira, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm
Einmal sah Hazrat Abu Huraira, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, zwei Männer und fragte einen von ihnen: „Wer ist dieser Mann für dich?“ Er antwortete: „Hazrat, er ist mein verehrter Vater.“ Da sagte er: „Pass auf: Sprich ihn niemals mit seinem Namen an. Gehe niemals vor ihm und versuche bei einer Versammlung niemals, vor ihm Platz zu nehmen.“ – Al-Adab al-Mufrad
Der Lohn für ein Gespräch in sanftem Ton
Hazrat Tailah bin Miyath, möge Allah an ihm Wohlgefallen haben, berichtet bei der Schilderung eines eigenen Erlebnisses: Einmal zog ich mit dem Heer in den Krieg. Dort geriet ich in einige sündhafte Angelegenheiten. In meinen Augen waren es sogar große Sünden. Ich war äußerst beunruhigt und erwähnte die Sache bei passender Gelegenheit gegenüber Hazrat Abdullah ibn Umar, möge Allah an ihm Wohlgefallen haben. Er sagte: „Erzähl, was ist geschehen?“ Ich berichtete ihm alles genau. Nachdem er mir zugehört hatte, sagte er: „Das ist keine große Sünde; die großen Sünden sind nur neun: Allah Partner beizugesellen, jemanden zu Unrecht zu töten, dem Dschihad den Rücken zu kehren, eine ehrbare Frau zu verleumden, Zinsen zu nehmen, das Vermögen eines Waisen zu verzehren, in der Moschee kufrische Gespräche zu führen, sich über die Religion lustig zu machen und die Eltern durch Ungehorsam oder Widersetzlichkeit zum Weinen zu bringen.“ Danach fragte er mich: „Nun, Bruder, möchtest du dich vom Dschahannam fernhalten und ins Paradies eintreten?“ Ich antwortete: „Hazrat, warum sollte ich das nicht wollen? Bei Allah, genau das will ich.“ Hazrat fragte mich: „Sag mir, leben deine Eltern noch?“ Ich sagte: „Ja, meine Mutter lebt noch.“ Darauf sagte er: „Bei Allah! Wenn du mit deiner Mutter sanft und respektvoll sprichst und auf ihre Bedürfnisse achtest, wirst du gewiss ins Paradies eintreten. Hüte dich also vor den großen Sünden.“
Die Vergeltung gegenüber den Eltern
عن أبي هريرة عن النبي صلى الله عليه وسلَّمَ قَالَ لا يُجْزِى وَلَدٌ وَالدَه إلا أن يجده مملوكا فيشتريه فيعتقه – مسلم، ترمذی، ابو ادود وغیره„Von Hazrat Abu Huraira, möge Allah an ihm Wohlgefallen haben, wird überliefert, dass der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagte: Die Zuneigung, Liebe, Erziehung und Mühen der Eltern kann ein Kind nur dadurch vergelten, dass es, wenn es seinen Vater als Sklaven im Besitz eines anderen oder seine Mutter als Sklavin vorfindet, sie kauft und freilässt.“
Die Vergeltung für die Mutter
„Hazrat Abu Huraira, möge Allah an ihm Wohlgefallen haben, berichtet: Einmal sah Hazrat Abdullah ibn Umar, möge Allah an ihm Wohlgefallen haben, einen Jemeniten, der seine Mutter auf dem Rücken trug und mit ihr die Kaaba umrundete. Der Mann vollzog den Tawaf um die Kaaba und rezitierte dabei mit großer Ergriffenheit dieses Gedicht.“
Ich bin das Reitkamel, das sich nach ihrem Wink bewegt,
wenn ihr Reittier aus Furcht davonläuft, laufe ich nicht davon.
Als er Hazrat Abdullah, möge Allah an ihm Wohlgefallen haben, sah, fragte er: „Sagen Sie, ich habe doch die Schuld meiner Mutter beglichen.“ Hazrat Abdullah, möge Allah an ihm Wohlgefallen haben, sagte: „Die Schuld deiner Mutter? Das hat nicht einmal den Ausgleich für ein einziges ‚Ach!‘ von ihr geleistet.“
Das Verhalten von Hazrat Abu Huraira, möge Allah an ihm Wohlgefallen haben, gegenüber seiner Mutter
Einmal ernannte Marwan, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, Hadhrat Abu Huraira, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, für einige Tage zu seinem Stellvertreter. Zu jener Zeit hielt er sich in Dhul-Hulaifa auf. Seine Mutter wohnte in einiger Entfernung in einem anderen Haus. Wann immer er hinausgehen wollte, kam er zunächst zur Tür seiner Mutter, blieb dort stehen und sagte: „Meine liebe Mutter, as-salamu alaikum wa rahmatullahi wa barakatuhu.“ Von drinnen antwortete die Mutter: „Mein lieber Sohn, wa alaikumus salam wa rahmatullahi wa barakatuhu.“ Darauf sagte Hadhrat Abu Huraira, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm: „Meine Mutter, möge Allah, der Erhabene, sich deiner erbarmen, so wie du mich in meiner Kindheit mit Zuneigung und Liebe aufgezogen hast.“ Sie antwortete: „Mein lieber Sohn, möge Allah dir ebenfalls eine solche Barmherzigkeit zukommen lassen, wie du in meinem hohen Alter so gut zu mir gewesen bist und mir Behaglichkeit bereitet hast.“ Wenn er anschließend von draußen zurückkam und das Haus betrat, grüßte er seine Mutter in gleicher Weise und sagte dieselben Worte.
Die höchste Form des Gehorsams gegenüber den Eltern
عَنِ ابْنِ عَبَّاسٍ رَض قَالَ قَالَ رَسُولُ اللهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ مَنْ أَصْبَحَ مطيعا الله في والديه أصبح له بابان مفتوحانِ مِنَ الْجَنَّةِ وَإِنْ كَانَ وَاحِدًا فَوَاحِداً وَمَنْ أمسى عاصيا لله في والديه أَصْبَحَ لَهُ بَابَانَ مَفْتُوحَانِ مِنْ النَّارِ وَإِنْ كَانَ وَاحِدًا فَوَاحِداً قَالَ رَجُلٌ وَإِنْ ظَلَمَاهُ قَالَ وَإِنْ ظَلَمَاهُ وَإِنْ ظلْماهُ وَإِنْ ظَلْماهُ – مشكوة„Hadhrat Abdullah ibn Abbas, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, überlieferte, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: Wer den Morgen damit beginnt, Allah in Bezug auf seine Eltern gehorsam zu sein, dem stehen zwei Tore des Paradieses offen. Wenn es nur ein Elternteil ist, dann eines. Und wer den Abend damit verbringt, Allah in Bezug auf seine Eltern ungehorsam zu sein, dem stehen zwei Tore der Hölle offen. Wenn es nur ein Elternteil ist, dann eines. Ein Mann fragte: ‚Auch wenn sie ihm Unrecht tun?‘ Er sagte: ‚Auch wenn sie ihm Unrecht tun. Auch wenn sie ihm Unrecht tun. Auch wenn sie ihm Unrecht tun.‘“ – Mischkat
Der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, verwendete diese Art der Darstellung, um zum guten Umgang mit den Eltern anzuspornen. Dadurch wird einem Gläubigen deutlich, dass Gehorsam nur Allah gelten soll. Der Gehorsam gegenüber irgendjemand anderem als Allah ist nicht erlaubt. Der Gehorsam gegenüber den Eltern und der gute Umgang mit ihnen erfolgen ebenfalls deshalb, weil Allah die Rechte der Eltern dargelegt und befohlen hat, sie einzuhalten und ihnen zu dienen. Ein Gläubiger wird seinen Eltern keinesfalls in einer Angelegenheit gehorchen, durch die Allahs Ungehorsam begangen wird.
Guter Umgang trotz des Übermaßes der Eltern bedeutet: Wenn Eltern wegen ihrer strengen Art Forderungen stellen, deren Erfüllung für das Kind schwierig ist, oder von den Kindern immer mehr Arbeit verlangen, ohne ihre Belastungsgrenze zu berücksichtigen, oder über ihre Möglichkeiten hinausgehende finanzielle Forderungen stellen, dann sollen die Kinder dennoch ihre Gefühle beherrschen und ihren Dienst sowie ihren guten Umgang mit ihnen mit Nachdruck fortsetzen.
Obwohl der Gehorsam in dieser Lage für das Kind nicht wajib ist – denn Allah bürdet niemandem mehr auf, als er vermag –, ist dies doch die höchste Form des Gehorsams gegenüber den Eltern. Das Kind soll sich im Dienst an seinen Eltern über seine eigenen Möglichkeiten hinaus aufopfern und um ihre Zufriedenheit und ihr Wohlbefinden zu gewährleisten alles hingeben.
Wenn sie jedoch etwas fordern, wodurch die Rechte eines anderen geschmälert werden, dessen schädliche Folgen einen anderen treffen oder ein Gebot Allahs verletzt würde, darf ihnen keinesfalls gehorcht werden. Wenn sie zum Beispiel jemanden daran hindern, sein finanzielles Recht zu erhalten, oder aus bloßer persönlicher Feindschaft beziehungsweise aus Trotz die Tochter ohne Grund dazu zwingen wollen, sich von einem Ehemann zu trennen, der die schariatischen Rechte seiner Ehefrau nicht vernachlässigt, oder sie am Dienst und Gehorsam gegenüber einem solchen Ehemann hindern, dann ist der Gehorsam gegenüber solchen Eltern keinesfalls wajib. Denn die finanziellen Rechte anderer zu erfüllen ist fard, und dies zu unterlassen ist eine schwere Sünde. Allah vergibt eine solche Sünde nur, wenn der Anspruchsberechtigte verzeiht.
Auch bei der Frage des Dienstes und Gehorsams gegenüber dem Ehemann oder der Aufrechterhaltung der Beziehung zu ihm muss man eines vor Augen haben: Die Ehe, die gegenseitige Liebe zwischen Mann und Frau und ihr gutes Verhältnis sind in den Augen Allahs äußerst lobenswerte Dinge. Der Islam fordert nachdrücklich, diese Beziehung um jeden Preis aufrechtzuerhalten.
Zweifellos ist der Gehorsam gegenüber den Eltern fard, doch dieser Gehorsam steht unter dem Gehorsam gegenüber Allah. Er ist kein unabhängiger Gehorsam. Den Eltern zu gehorchen, indem man sich von den Leitlinien, Geboten, Forderungen und dem Nutzen der Religion abwendet, ist kein Gehorsam gegenüber Allah, sondern Ungehorsam gegenüber Allah. Ein Gläubiger kann für einen solchen Gehorsam keinen Lohn erhoffen; vielmehr wird ihm Strafe zuteil.
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Wenn man einem Elternteil gehorcht, bleibt ein Tor des Paradieses geöffnet. Dies bedeutet nicht, dass für ein solches Kind nur ein Tor offensteht, wenn ein Elternteil verstorben ist und es nun keine Möglichkeit mehr gibt, ihm zu gehorchen und zu dienen. Vielmehr bedeutet es: Wenn jemand einem Elternteil gehorcht und das andere verärgert, steht wegen des Gehorsams gegenüber dem einen ein Tor des Paradieses offen, während wegen des Ungehorsams gegenüber dem anderen ein Tor der Hölle offensteht. Wenn eines der beiden Elternteile aus dieser Welt scheidet und ihm zu Lebzeiten gehorcht worden ist, bleibt das als Gegenleistung geöffnete Tor weiterhin offen; es wird nicht geschlossen.
Der Hadith warnt davor, dass es nicht richtig ist, einem Elternteil zu gehorchen und das andere durch sein Handeln unzufriedenzustellen. Wegen des Gehorsams gegenüber dem einen hält Allah das Tor des Paradieses offen. Wegen des Ungehorsams gegenüber dem anderen wird jedoch sogar das Tor der Hölle offengehalten. Ein Gläubiger kann nicht zufrieden sein, nachdem er einem Elternteil gehorcht hat, und sich hinsichtlich des Dienstes und Gehorsams gegenüber dem anderen sicher fühlen. Vielmehr möchte er durch den Dienst und Gehorsam gegenüber beiden die Zufriedenheit Allahs erlangen.
Die Verweigerung des Gehorsams gegenüber den Eltern
Trotz der Betonung der Bedeutung der Rechte von Mutter und Vater im gesellschaftlichen Leben sowie der Aufforderung, ihnen zu gehorchen und ihnen Dankbarkeit zu zeigen, kann es manchmal zu einer Lage kommen, in der Sie sich weigern dürfen, ihnen zu gehorchen. Sie können dann, ohne ihre Worte zu befolgen, den Forderungen der Scharia nachkommen. Im Islam besitzt allein Allah das Recht, dass Ihm gehorcht wird. Anderen als Allah dürfen Sie nur dann gehorchen, wenn Allah erlaubt hat, ihnen zu gehorchen, und Sie dürfen ihnen nur in Angelegenheiten gehorchen, die erlaubt und rechtmäßig sind. Wenn Sie jemandem unter Missachtung Allahs gehorchen, werden Sie sündig, und dieser Gehorsam wird zu Ungehorsam gegenüber Allah. Den Eltern im Gehorsam gegenüber Allah zu gehorchen, ist ebenso ein Mittel, Allahs Wohlgefallen zu erlangen, wie ihnen im Ungehorsam gegenüber Allah zu gehorchen ein Grund für Allahs Missfallen ist.
Im Zusammenhang mit den Rechten von Mutter und Vater gibt es einen bekannten Hadith von Hadrat Abdullah ibn Umar, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm. Dieser Hadith steht mit einer äußerst heiklen und wichtigen Angelegenheit des gesellschaftlichen Lebens in Verbindung, und häufig geraten Menschen aufgrund des äußeren Wortlauts dieses Hadiths in falsche Vorstellungen. Es ist notwendig, den eigentlichen Willen des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, richtig zu verstehen und sich nicht aufgrund falscher Vorstellungen zu einer Handlung verleiten zu lassen, die zum Grund für Ungehorsam gegenüber Allah und dem Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, wird. Der Hadith lautet:
عن ابن عمر رض قال كان تحتى إمرأة أحبُّهَا وَكَانَ عُمَرُ يَكْرَهُهَا فَقَالَ لِي طلقها فَأَبَيْتُ فَأَتَى عُمَرُ رَسُولَ اللهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ فَذَكَرَ ذَالِكَ لَهُ فَقَالَ لِي رَسُولُ الله صلى الله عَلَيْهِ وَسَلَّمَ طَلَّقَها – ابو داود، ترمذی
نسائی، ابن ماجه
„Hadrat Abdullah ibn Umar, möge Allah mit ihm zufrieden sein, überlieferte: Ich hatte eine Ehefrau, die ich sehr liebte, doch Hadrat Umar, möge Allah mit ihm zufrieden sein, mochte sie nicht. Daher sagte er zu mir: ‚Scheid dich von ihr.‘ Ich weigerte mich. Daraufhin ging Hadrat Umar zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und berichtete ihm die ganze Angelegenheit. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte zu mir: ‚Abdullah, scheide dich von ihr.‘“ – Abu Dawud, at-Tirmidhi, an-Nasa’i, Ibn Majah
Dieser Hadith fordert Sie mit Nachdruck dazu auf, Ihren Eltern uneingeschränkt zu gehorchen und nicht einmal den Gedanken an Ungehorsam in Ihrem Herzen Raum zu geben. Daraus folgt jedoch nicht, dass der Gehorsam gegenüber den Eltern bedingungs- und ausnahmslos zu verstehen ist. Aufgrund des äußerlichen Wortlauts dieses Hadiths gelangen manche Menschen zu der irrigen Vorstellung, die Eltern hätten auch das Recht, ihrem Sohn jederzeit die Scheidung von seiner Ehefrau zu befehlen, wann immer sie dies wünschen. Selbst wenn seine Ehefrau rechtschaffen und gehorsam ist, würden sie ihm die Scheidung befehlen. Und wann immer sie wollten, könnten sie ihrer Tochter befehlen, die Beziehung zu ihrem Ehemann abzubrechen – selbst wenn dieser ein rechtschaffener Mann wäre. Auch wenn kein islamrechtlicher Grund für die Auflösung der Ehe vorliegt, müsse dies allein auf Anweisung der Eltern geschehen.
Das ist eine äußerst schwerwiegende Fehlvorstellung. Sie steht in keinerlei Einklang mit dem wahren Wesen der Scharia und hat keinen Bezug zu ihren grundlegenden Lehren. Um einen Hadith zu verstehen und den richtigen Willen des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu erkennen, muss man ihn im Licht der grundlegenden Lehren von Koran und Sunna sowie des Gesamtwesens der Religion verstehen und verinnerlichen. Dies muss mit der offenbaren Auslegung von Koran und Sunna übereinstimmen und mit den grundlegenden Lehren der Religion im Einklang stehen.
Bei diesem Vorfall handelt es sich um Hadrat Umar, möge Allahs Segen und Frieden auf ihm sein, den zweiten Kalifen. Er hatte den Geist der Religion vollständig in sich aufgenommen. Sein Auge hatte die lebendige Religion in ihrer praktischen Gestalt gesehen. Er war mit dem Wesen der Religion vollkommen vertraut. Er wusste auch, dass eine gute Beziehung zwischen Ehemann und Ehefrau wichtiger ist als freiwillige Gottesdienste und dass der Islam nachdrücklich dazu auffordert, diese Beziehung um jeden Preis zu bewahren. Nur dann erlaubt er die Auflösung dieser heiligen Beziehung, wenn durch ihre Fortsetzung tatsächlich die Gefahr entsteht, dass ein größeres religiöses und gesellschaftliches Unheil offen zutage tritt. Er wusste ebenfalls sehr wohl, dass über die Auflösung dieser Beziehung nur jener Satan frohlockt, auf dem Allahs ewiger Fluch liegt. Er hasste seine Schwiegertochter und wollte nicht, dass sie mit seinem Sohn zusammenblieb. Denken Sie darüber nach. Warum sollte ein in der Religion so kundiger Mann wie Hadrat Umar, möge Allah mit ihm zufrieden sein, seine eigene Schwiegertochter nicht mögen? Kann man sich etwa vorstellen, dass er eine persönliche Feindschaft gegen seine Schwiegertochter hegte und sie aus irgendeinem weltlichen Motiv der Obhut ihres Ehemannes berauben wollte? Oder dass er wegen eines Ungehorsams seiner Schwiegertochter darauf beharrte, sich erst zufriedenzugeben, wenn sein Sohn sich von ihr scheiden ließ? Könnte eine Frau, die mit der Gottesfurcht eines Gefährten vertraut ist, so etwas über den zweiten Kalifen, Hadrat Umar al-Faruq, möge Allah mit ihm zufrieden sein, denken? Über jenen Hadrat Umar, möge Allah mit ihm zufrieden sein, der für die Religion alles geopfert hatte?
Es ist klarer als das Sonnenlicht des Tages, dass er gewiss ein größeres religiöses Ziel vor Augen hatte und nur aufgrund eines moralischen und gesellschaftlichen Nutzens auf seinen Sohn eindrang, sich scheiden zu lassen. Es geschah keineswegs aus dem Grund: „Ich bin dein Vater. Aufgrund meiner Stellung als Vater kann ich dich auch ohne Grund dazu bringen, dich scheiden zu lassen, und unabhängig davon, ob du schuldig bist oder nicht, musst du mir gehorsam bleiben.“
Andererseits war Hadrat Abdullah, möge Allah mit ihm zufrieden sein, selbst ein rechtschaffener junger Mann. Auch er war mit der Religion vollkommen vertraut. Mit Herz und Seele hielt er sich an die Sunna des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Seine Gedanken und Überzeugungen waren durch die Erziehung des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, geprägt worden. Er war über die Rechte der Eltern und die Bedeutung des Gehorsams ihnen gegenüber vollständig informiert. Niemand konnte von ihm annehmen, dass er seinen Eltern ungehorsam sein könnte. Als Hadrat Umar, möge Allah mit ihm zufrieden sein, von ihm die Scheidung verlangte, sagte Hadrat Umar in seiner Antwort nicht: „Du hast den Gehorsam verweigert und bist deinem Vater ungehorsam geworden.“ Vielmehr trug er die Angelegenheit dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, vor. Von dieser Stätte aus waren zu verschiedenen Zeiten in unterschiedlicher Form Anweisungen ergangen, dass man seine Ehefrauen gut behandeln und die ihnen gegebenen Versprechen lebenslang erfüllen solle, selbst wenn dies von einem gewisse Mühen und Opfer erfordere. Nachdem der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, über die Angelegenheit nachgedacht hatte, stimmte er der Auffassung Hadrat Umars, möge Allah mit ihm zufrieden sein, zu und befahl Hadrat Abdullah, möge Allah mit ihm zufrieden sein, sich von seiner Frau zu scheiden.
Wenn Sie über diesen Hadith im Licht des Wesens der Religion und des Qur’an und der Sunna nachdenken, werden Sie zu dem Schluss gelangen, dass dies seine eigentliche Bedeutung ist. Auch das Wesen der Religion verlangt dies, und die Lehren des Qur’an und der Sunna sagen dasselbe. Kann man den Eltern allein aufgrund des äußerlichen Wortlauts dieses Hadiths das Recht zugestehen, ihrem Sohn die Scheidung anzuordnen, unabhängig davon, ob ein rechtmäßiger Nutzen vorliegt oder nicht? Oder kann man eine Tochter auf ihre Anweisung zwingen, sich von ihrem Ehemann durch Khulʿ zu trennen?
Wenn der Gehorsam gegenüber den Eltern von solchen Einschränkungen und Hindernissen frei wäre, würden aufgrund der täglichen Spannungen zwischen Schwiegermüttern und Schwiegertöchtern jeden Tag Tausende von Familien zerbrechen, und Tausende unschuldiger Frauen und Männer würden den Frieden ihres Lebens verlieren. Allahs Scharia ist nicht dazu da, dass sie zur Befriedigung persönlicher Interessen sowie zur Verwirklichung von Feindschaft, Zorn und Eigennutz missbraucht wird. Die Eltern könnten sich ihrer jederzeit bedienen, um eine unschuldige Frau der Liebe und des Schutzes ihres Ehemanns zu berauben und einen unschuldigen jungen Mann dazu zu zwingen, auf die Zuneigung und Liebe einer rechtschaffenen Ehefrau zu verzichten.
Eine solche Forderung nach Gehorsam von den Kindern – und dazu noch gegen jede Vernunft – wäre äußerst herzlos und hart. Die Gerechtigkeit verlangt, dass die Religion von den Kindern einen solchen Gehorsam nicht fordern kann. Mulla ʿAli al-Qari, möge Allah ihm barmherzig sein, erklärte dies bei seiner Erörterung dieses Themas anhand eines klaren Beispiels: Wenn die Eltern ihrem Sohn befehlen, seine Frau zu scheiden, ist es für den Sohn nicht verpflichtend, diesem Befehl Folge zu leisten. Der berühmte Hadith-Gelehrte und Faqih ʿIzz ad-Din asch-Schafiʿi, möge Allah ihm barmherzig sein, sagte, dass der Gehorsam gegenüber den Eltern in allen Angelegenheiten für die Kinder nicht verpflichtend ist. Das heißt: Es ist für den Sohn nicht verpflichtend, alles auszuführen, was die Eltern anordnen oder untersagen. Wer könnte die Bedeutung leugnen, die der Gehorsam gegenüber den Eltern und die Dankbarkeit ihnen gegenüber in der Religion besitzen? Das bedeutet jedoch keineswegs, dass ihr Gehorsam in jeder erlaubten oder unerlaubten Angelegenheit verpflichtend wäre. Die Fragen der Scheidung und des Khulʿ sind äußerst heikel und haben weitreichende Folgen. Ihre Auswirkungen treffen nicht nur den Mann, der die Scheidung ausspricht, und die Frau, die Khulʿ verlangt, sondern durch ihre quälenden Folgen werden auch viele unschuldige Menschen betroffen. Sie müssen ihr ganzes Leben unter den Folgen leiden.
Diese gesamte Erörterung gilt nur für den Fall, dass die Eltern ohne einen schariagemäßen Nutzen oder einen vernünftigen Grund zur Scheidung oder zum Khulʿ zwingen. Wenn Sie erkennen, dass die Anweisung der Eltern nicht aus persönlicher Feindschaft, Starrsinn oder weltlichen Gründen erteilt wurde, sondern aus einem religiösen oder gesellschaftlichen Grund, dürfen Sie diese Anweisung keinesfalls missachten. Dann wird es für Sie zur Pflicht, ihr von ganzem Herzen und mit ganzer Hingabe Folge zu leisten. Es ist für Sie niemals erlaubt, Ihre persönlichen Wünsche und Abneigungen ihrem Gehorsam vorzuziehen und Ihre eigene Liebe als Entschuldigung vorzubringen. Zu den wichtigen Rechten der Eltern und zu den Forderungen ihres Gehorsams gehört, dass Sie Ihre eigene Liebe, Ihre Wünsche und Abneigungen sowie Ihre persönlichen Vorlieben und Abneigungen opfern und Ihr eigenes Glück in ihrer Zufriedenheit finden.
Der Rat von Abu ad-Darda, möge Allah mit ihm zufrieden sein
Ein weiterer Hadith bestätigt diese Auffassung. „Ein Mann kam zu Abu ad-Darda, möge Allah mit ihm zufrieden sein, und sagte: Mein Vater hatte mich mit großem Nachdruck verheiratet. Nun aber befiehlt er mir, meine Frau zu scheiden. Abu ad-Darda, möge Allah mit ihm zufrieden sein, sagte: Bruder, ich sage dir weder, dass du deinen Eltern ungehorsam sein sollst, noch sage ich dir, dass du deine Frau scheiden lassen sollst. Wenn du möchtest, kann ich dir jedoch etwas mitteilen, das ich vom Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gehört habe. Ich hörte den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagen: ‚Der Vater ist das vorzüglichste Tor zum Paradies.‘ Wenn ihr wollt, dann bewahrt es für euch; und wenn ihr wollt, dann missachtet es.“ – Ibn Hibban
Dieser Aspekt des Hadiths verdient unsere Aufmerksamkeit. Der Fragesteller kam und sagte ausdrücklich: Mein Vater hat mir befohlen, mich scheiden zu lassen. Doch Abu ad-Darda, möge Allah mit ihm zufrieden sein, sagte in seiner Antwort nicht ausdrücklich: Dann lass dich scheiden, weil der Gehorsam ihm gegenüber verpflichtend ist. Vielmehr sagte er: Ich sage dir weder, dass du deinen Eltern ungehorsam sein sollst, noch sage ich dir, dass du deine Frau scheiden lassen sollst. Wäre der Gehorsam in dieser Angelegenheit uneingeschränkt verpflichtend gewesen, hätte Abu ad-Darda, möge Allah mit ihm zufrieden sein, klar gesagt: Lass dich scheiden und gehorche deinen Eltern. Abu ad-Darda, möge Allah mit ihm zufrieden sein, gab ihm mit großer Weisheit und Umsicht das Wort des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, wieder und regte den Fragesteller dazu an, selbst über diese Angelegenheit nachzudenken. Zugleich sollte er darauf achten, dass seinen Eltern kein Unrecht geschieht. Denn ihr Gehorsam ist ein Mittel zum Paradies.
Was nach dem Tod der Eltern zu tun ist
عن أبي أسيد قَالَ كُنَّا عِندَ النَّبِيِّ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ فَقَالَ رَجُلٌ يا رسول الله هل بقى من برابوى شيء بعد موتهما أبرهُمَا قَالَ نَعم . خصال أربع الدعاء لَهُمَا، وَالاسْتِغْفَارُ لَهُمَا وَأَنْفَاذُ عَهْدِهِمَا وَأَكْرِمْ صديقهما وصلة الرحم التي لارحم لك الا من قبلهما.
„Abu Usaid, möge Allah mit ihm zufrieden sein, berichtet: Wir waren beim Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Da fragte ein Mann: O Gesandter Allahs, gibt es nach dem Tod der Eltern noch eine Möglichkeit, ihnen weiterhin Gutes zu tun? Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: Ja. Es gibt vier Möglichkeiten: (1) für sie zu beten und Allah um Vergebung für sie zu bitten, (2) ihre Versprechen und rechtmäßigen Vermächtnisse zu erfüllen, (3) die Freunde des Vaters und die Freundinnen der Mutter zu ehren und gastfreundlich zu behandeln und (4) die Verwandtschaftsbeziehungen zu denjenigen aufrechtzuerhalten und gut zu pflegen, die durch die Eltern eure Verwandten sind.“ – Al-Adab al-Mufrad
Die Eltern ertragen Mühen für die Erziehung und Ausbildung ihrer Kinder und wachen Tag und Nacht über sie. Die Wahrheit ist: Selbst wenn Sie ihnen Ihr ganzes Leben lang wie ein Diener oder eine Dienerin dienen würden, könnten Sie das ihnen zustehende Recht auf Fürsorge dennoch nicht erfüllen. Deshalb behandelt ein Gläubiger seine Eltern sein ganzes Leben lang gut. Wenn die Eltern jedoch diese Welt verlassen haben, denkt er weiterhin: Ach, ich habe überhaupt nichts für sie tun können. Deshalb sucht er auch nach ihrem Tod nach einer Möglichkeit, ihre Seelen zu erfreuen. Ein Mann fragte den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nach den innersten Gefühlen eines solchen Gläubigen. Er antwortete, dass man den Eltern auch nach ihrem Tod weiterhin Gutes tun kann, und erläuterte die Möglichkeiten dafür.
Erstens: Duʿā und Istighfār: Nach dem Gebet und zu anderen Zeiten sollt ihr unter Tränen zu Allah beten: „O Allah! Vergib meinen Eltern. Bedecke ihre Sünden und gewähre ihnen, was Du Deinen rechtschaffenen Dienern und Dienerinnen gewährst. O Allah! Als wir auf ihre Hilfe, Zuneigung und Fürsorge angewiesen waren, opferten sie alles für uns. Sie verzichteten für uns auf den Genuss des Tages und die Ruhe der Nacht. O Herr! Nun sind sie bei Dir angekommen. In unserer Kindheit waren wir in unserer Hilflosigkeit auf sie angewiesen. Jetzt sind sie noch mehr als damals auf Deine Barmherzigkeit und Dein Wohlwollen angewiesen. O Herr! Gewähre ihnen den Schutz unter dem Schatten Deiner Barmherzigkeit und nimm sie in Deinem Paradies, dem Haus Deines Wohlgefallens, auf.“
Hazrat Abu Huraira, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, überlieferte, dass der Verstorbene, wenn sein Rang nach dem Tod erhöht wird, verwundert fragt: „Wie ist das geschehen?“ Dann wird ihm von Allah gesagt: „Deine Kinder haben weiterhin für dich Duʿā gemacht und um Vergebung gebeten, und Allah hat dies angenommen.“ Hazrat Abu Huraira, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, überlieferte ebenfalls, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, gesagt hat: „Wenn ein Mensch stirbt, endet die Möglichkeit, durch seine Taten weiteren Lohn zu erwerben. Nur drei Dinge bringen ihm auch nach seinem Tod weiterhin Nutzen: Erstens eine fortdauernde Sadaqa. Zweitens ein umfassendes Wissen, von dem die Menschen profitieren. Und drittens ein rechtschaffenes Kind, das für ihn um Vergebung bittet.“
Hazrat Ibn Sirin, Allahs Barmherzigkeit sei auf ihm, war ein berühmter frommer Tābiʿī. Bei der Überlieferung einer Geschichte sagte er: Eines Nachts waren wir bei Hazrat Abu Huraira, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, zu Gast. Er hob zum Duʿā die Hände und sagte demütig: „O Herr! Vergib Abu Huraira, und o Herr! Vergib die Mutter Abu Hurairas, und o Herr! Vergib all jene, die für die Vergebung Abu Hurairas und seiner Mutter beten.“ Hazrat Ibn Sirin, Allahs Barmherzigkeit sei auf ihm, sagte: Wir beteten weiterhin um Vergebung für Abu Huraira, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, und seine Mutter, damit wir in das Duʿā von Abu Huraira, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, eingeschlossen würden.
Zweitens: Die Erfüllung der Versprechen und letztwilligen Verfügungen der Eltern: Zu Lebzeiten können die Eltern vielen Menschen Versprechen gegeben und in verschiedenen Angelegenheiten Zusagen gemacht haben. Zum Zeitpunkt ihres Todes können sie letztwillige Verfügungen getroffen haben.
Nach dem Tod der Eltern bleibt dem Kind eine Möglichkeit, ihnen weiterhin gutes und rechtschaffenes Verhalten entgegenzubringen: ihre Versprechen und letztwilligen Verfügungen zu erfüllen. Auf diese Weise muss man sich weiter darum bemühen, ihre Seelen erfreut zu machen. Allerdings dürfen nur ihre erlaubten und rechtmäßigen letztwilligen Verfügungen erfüllt werden. Wenn auch ihre unerlaubten Verfügungen erfüllt werden, ist dies kein rechtschaffenes, sondern ein schlechtes Verhalten ihnen gegenüber.
Wenn die Eltern jemandem finanzielle Unterstützung versprochen oder jemandem etwas schenken wollten, aber zu Lebzeiten keine Gelegenheit dazu hatten, oder wenn sie ein Gelübde abgelegt hatten, jedoch vor dessen Erfüllung aus dieser Welt schieden, oder wenn sie Schulden hatten oder keine Gelegenheit hatten, eine letztwillige Verfügung zu treffen, obwohl ihr Kind weiß, dass sie dies bei Gelegenheit gewiss getan hätten, oder wenn sie überhaupt keine letztwillige Verfügung hinterlassen haben: Wenn ihr in ihrem Namen Sadaqa gebt, ist all dies rechtschaffenes Verhalten ihnen gegenüber. Auf diese Weise könnt ihr auch nach ihrem Tod euer ganzes Leben lang gut zu ihnen handeln und Allahs Wohlgefallen erlangen.
Hazrat Abdullah ibn Abbas, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, überlieferte: Ein Mann fragte den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm: „O Gesandter Allahs! Meine Mutter ist verstorben, ohne eine letztwillige Verfügung zu hinterlassen. Wird es ihr nützen, wenn ich in ihrem Namen Sadaqa gebe?“ Der geliebte Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagte: „Ja, ja. Warum sollte es nicht?“
Hazrat Abdullah, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, überlieferte ebenfalls: Hazrat Asʿad ibn Ubada, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, sagte zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm: „O Gesandter Allahs! Meine Mutter hatte ein Gelübde abgelegt, doch sie verstarb, bevor sie es erfüllen konnte. Kann ich dieses Gelübde in ihrem Namen erfüllen?“ Der ehrwürdige Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagte: „Warum nicht? Erfülle das Gelübde in ihrem Namen.“
Drittens: Der Umgang mit den Freundinnen der Mutter und den Freunden des Vaters: Die dritte Art, sich nach dem Tod der Eltern ihnen gegenüber zu verhalten, besteht darin, gut und rechtschaffen mit den Freundinnen der Mutter und den Freunden des Vaters umzugehen. Im gesellschaftlichen Leben muss man sie ebenso wie die frommen und älteren Menschen respektieren. Ihre Ansichten sind zu achten. Bei Beratungen über verschiedene Fragen soll man sie einbeziehen und ihnen stets mit Respekt begegnen. Eines Tages sagte der edle Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm: „Der beste Umgang besteht darin, die Freunde des Vaters gut zu behandeln.“
Das Verhalten der ehrenwerten Gefährten, Allahs Wohlgefallen sei auf ihnen
Eines Tages wurde Hazrat Abu Darda, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, krank, und seine Krankheit verschlimmerte sich immer weiter. Schließlich bestand keine Hoffnung mehr, dass er am Leben bleiben würde. Zu dieser Zeit reiste Hazrat Yusuf ibn Abdullah, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, aus weiter Ferne an, um ihn zu pflegen. Als Hazrat Abu Darda, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, ihn sah, fragte er ihn verwundert: „Wie bist du hierhergekommen?“ Yusuf ibn Abdullah, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, antwortete: „Hazrat, ich bin allein gekommen, um Euch zu dienen, denn zwischen meinem verehrten Vater und Euch bestand eine enge Beziehung.
Hazrat Abdullah ibn Umar, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, befand sich einmal auf einer Reise. Dabei begegnete er einem Beduinen aus Makka. Der Beduine musterte Hazrat Ibn Umar, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, aufmerksam und fragte: „Bist du der Sohn von Hazrat Umar?“ Hazrat Ibn Umar antwortete: „Ja, ich bin sein Sohn.“ Daraufhin nahm er seinen Turban vom Kopf, gab ihn dem Mann und ließ ihn ehrenvoll auf seinem eigenen Esel Platz nehmen. Hazrat Ibn Dinar sagte: „Wir alle beobachteten dies voller Verwunderung und sagten später: ,Hazrat, er ist doch nur ein Beduine oder Dorfbewohner. Zwei Dirham hätten genügt, um ihn zufriedenzustellen.‘“ Hazrat Abdullah, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, sagte: „Bruder, sein Vater war ein Freund von Hazrat Umar, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, hat gesagt: ,Ehrt die Freunde eurer Väter und lasst diese Beziehung nicht abreißen; sonst wird Allah, der Erhabene, euer Licht auslöschen.‘“
Hadhrat Abu Burda, möge Allah mit ihm zufrieden sein, sagte: Als ich nach Medina kam, besuchte mich Hadhrat Abdullah ibn Umar, möge Allah mit ihm zufrieden sein, und sagte: „Abu Burda, weißt du, warum ich zu dir gekommen bin?“ Abu Burda, möge Allah mit ihm zufrieden sein, antwortete: „Hadhrat, das weiß ich nicht.“ Hadhrat Abdullah, möge Allah mit ihm zufrieden sein, sagte: „Ich hörte Allahs Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagen: Wer seinem im Grab befindlichen Vater Gutes erweisen möchte, soll nach dem Tod seines Vaters dessen Freunden Gutes erweisen.“ Danach sagte er: „Bruder, zwischen meinem Vater, Hadhrat Umar, möge Allah mit ihm zufrieden sein, und deinem Vater bestand ein brüderliches und freundschaftliches Verhältnis. Aus Achtung vor dieser Freundschaft möchte ich sein Recht erfüllen.“ – Ibn Hibban
Viertens: Gutes Verhalten gegenüber den Verwandten der Eltern: Die vierte Art des Verhaltens nach dem Tod der Eltern besteht darin, sich gegenüber den Verwandten der Eltern gut zu verhalten. Dazu gehören mütterlicherseits Verwandte wie Tanten mütterlicherseits, Onkel mütterlicherseits, Großmütter und Großväter mütterlicherseits sowie väterlicherseits Verwandte wie Onkel väterlicherseits, Tanten väterlicherseits, Großväter und Großmütter väterlicherseits. Sich von all diesen Verwandten unabhängig zu zeigen und ihnen gegenüber Gleichgültigkeit an den Tag zu legen, bedeutet in Wirklichkeit, sich von den Eltern unabhängig zu zeigen. Ein gläubiger Mann oder eine gläubige Frau darf sich gegenüber den Eltern nicht gleichgültig verhalten. Allahs Gesandter, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Verhaltet euch niemals gleichgültig gegenüber euren Vätern und Großvätern. Sich gegenüber den Eltern gleichgültig zu verhalten, kommt Undankbarkeit gegenüber Allah gleich.“
Der Lohn für das Bittgebet für die Eltern
عن أنس قَالَ قَالَ رَسُولُ اللهِ صلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ إِنَّ الْعَبْدَ لَيَمُوتُ وَالِدَاهُ أَوْ أَحَدُهُمَا وَإِنَّهُ لَهُمَا لَعَاقَ فَلَا يَزَالُ يَدْعُولَهُمَا وَيَسْتَغْفِرْ لَهُمَا حَتَّى يكتبَهُ اللهُ بَارًا.
„Von Hadhrat Anas, möge Allah mit ihm zufrieden sein, wird überliefert, dass Allahs Gesandter, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: Wenn jemand sein ganzes Leben lang ungehorsam gegenüber seinen Eltern war und dann seine Eltern oder einer von ihnen stirbt, soll er fortwährend für seine Eltern beten und um Vergebung bitten. Daraufhin wird Allah ihn durch Seine Barmherzigkeit unter die rechtschaffenen Menschen einreihen.“
Es ist notwendig, ein Leben lang den Eltern gehorsam zu sein, sich ihnen gegenüber gut zu verhalten und sich weiterhin darum zu bemühen, sie zufriedenzustellen. Wenn sie trotz aller Bemühungen nicht zufrieden sind und die Welt in diesem Zustand der Unzufriedenheit verlassen, bleibt dennoch das Tor zu Allahs Barmherzigkeit offen, und Wiedergutmachung ist möglich. Aufgrund des fortwährenden Bittens für sie und des Bittens um Vergebung darf man hoffen, dass Allah, der Erhabene, die Fehler vergeben und dich unter Seine besten Diener einreihen wird. Kein gläubiger Diener Allahs sollte an Allahs Barmherzigkeit verzweifeln. Sobald im Herzen eines Dieners der Impuls zur Reue entsteht, nimmt Allah sich ihrer an, nimmt sie an und schafft alle Voraussetzungen dafür, dass dieser Impuls gestärkt wird und sich auf sein Leben auswirkt. Aus diesem Hadith darf jedoch keinesfalls das falsche Verständnis abgeleitet werden, man könne den Eltern zu Lebzeiten ungehorsam sein und nach ihrem Tod durch Bittgebete und Istighfar Allahs Barmherzigkeit erlangen. Richtig ist vielmehr, ihnen zu Lebzeiten zu dienen, sie zufriedenzustellen und dadurch Allahs Wohlgefallen zu erlangen.
Ein liebevoller Blick auf die Eltern
عَنِ ابْنِ عَبَّاسٍ رَض أَنَّ رَسُولَ اللهِ صلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ قَالَ مَا مِنْ وَلَدٍ
بار ينظر إلى والديه نظرة رحمة إلا كتب اللهُ لَهُ بِكُلِّ نَظَرَةٍ حَجَّة مبرورة قَالُوا إِنْ نَظَرَ كُلِّ يَوْمٍ مِائَةَ مَرَّةٍ قَالَ نَعَمُ وَاللَّهُ أَكْبَرُ وَأَطيبُ – مسلم
„Hadhrat Ibn Abbas, möge Allah mit ihm zufrieden sein, überlieferte, dass Allahs Gesandter, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: Für jeden Blick, den ein rechtschaffener Sohn seinen Eltern voller Liebe zuwirft, gewährt Allah ihm den Lohn eines angenommenen Haddsch. Die Menschen fragten: ‚O Gesandter Allahs, auch wenn jemand sie an einem Tag hundertmal voller Barmherzigkeit und Liebe ansieht?‘ Er sagte: ‚Ja, auch wenn er sie hundertmal ansieht. Allah ist größer und reiner, als ihr es euch vorstellen könnt.‘“
Die Bedeutung ist, dass Allahs Barmherzigkeit und Seine Großzügigkeit so unermesslich sind, dass Er noch mehr als dies gewähren kann. Wenn ein Kind seine Eltern den ganzen Tag hundertmal mit einem Blick voller Barmherzigkeit und Liebe ansieht, kann Allah ihm sogar den Lohn von hundert Haddsch gewähren. Allah ist größer und würdevoller, als alles, was der Mensch über Ihn denken kann. Der Mensch denkt ausgehend von seinen eigenen Fähigkeiten. Daher erscheint ihm der Erhalt eines solch großen Lohnes unmöglich, und er verfällt einer falschen Vorstellung. Es ist jedoch nicht richtig, eine solche falsche Vorstellung über Allah zu hegen. Er ist frei von jeder falschen Vorstellung. Dieses barmherzige Wesen kann so viel geben, dass die Vorstellungskraft des Menschen nicht einmal bis dorthin reicht.
Finanzielle Unterstützung der Eltern
يسْأَلُونَكَ مَاذَا يُنفِقُونَ ط قُلْ مَا أَنفَقْتُمْ مِنْ خَيْرٍ فَللوالدين„Die Leute fragen dich: ‚Was sollen wir ausgeben?‘ Sag: ‚Was immer ihr an Gutem ausgebt, die ersten Anspruchsberechtigten darauf sind die Eltern.‘“ – Sure al-Baqara: 215
So wie im Koran und in der Sunna die Bedeutung der Versorgung, des Gehorsams und des guten Umgangs mit den Eltern betont wird, wird ebenso nachdrücklich darauf hingewiesen, dass es nicht richtig ist, Reichtum anzusparen, ohne für die Eltern aufzukommen. Vielmehr muss man zuerst für sie aufkommen. Wenn sie bedürftig sind, dürfen sie es sogar mit Nachdruck einfordern. Wenn jemand zwar bei der Versorgung und dem Gehorsam gegenüber seinen Eltern nicht nachlässig sein möchte, aber dennoch kein Geld für sie ausgeben will, ist auch das nicht richtig. So wie die Kinder Rechte gegenüber ihren Eltern haben, haben die Eltern ebenso Rechte am Vermögen ihrer Kinder.
Das Recht des Vaters auf das Vermögen seines Sohnes
Einmal kam ein Mann zum geliebten Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und beklagte sich über seinen Vater. Er sagte, sein Vater nehme, wann immer er wolle, von seinem Vermögen. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ließ den Vater des Mannes rufen. Ein schwacher alter Mann erschien, auf einen Stock gestützt. Als der Prophet begann, ihn nach allem zu fragen, sagte er: „O Gesandter Allahs! Es gab eine Zeit, da war dieser Schwache noch hilfloser und ich war kräftig. Ich war wohlhabend, er dagegen mittellos. Ich habe ihn niemals daran gehindert, von meinem Vermögen zu nehmen. Heute bin ich schwach, während er kräftig und stark ist. Ich bin mittellos, er ist wohlhabend. Nun gibt er mir nichts von seinem Vermögen.“ Als der Gesandte der Barmherzigkeit der Welten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, dies hörte, begann er zu weinen und sagte: „Du und dein Vermögen gehören deinem Vater. Du und dein Vermögen gehören deinem Vater.“
Die Sorge um die Schulden der Eltern
Hazrat Abdullah ibn az-Zubair, möge Allah mit ihm zufrieden sein, war ein äußerst beschäftigter Mensch. Dennoch vernachlässigte er weder die Versorgung seiner Eltern noch deren Rechte. So wie er sich zu ihren Lebzeiten um sie gekümmert hatte, achtete er auch nach ihrem Tod vollständig auf ihre Rechte. Hazrat az-Zubair, möge Allah mit ihm zufrieden sein, war ein äußerst wohlhabender Mann. Wenn gewöhnlich ein wohlhabender Mensch stirbt, beginnen seine Erben unmittelbar nach seinem Tod, sich um ihre eigenen Anteile zu sorgen. Doch er war nicht im Geringsten um seinen eigenen Anteil besorgt, anders als die gewöhnlichen Menschen dieser Welt. Dabei belief sich sein Erbanteil auf viele Millionen. Seine einzige Sorge war vielmehr, ob sein Vater vielleicht jemandem gegenüber verschuldet geblieben war. Tatsächlich beglich er als Erstes die Schulden seines Vaters aus dem hinterlassenen Vermögen. Nach der Tilgung der Schulden begannen die anderen Erben, auf die Verteilung des Erbes zu drängen und ihre Ansprüche zu erheben. Doch Hazrat Abdullah verhinderte die Verteilung des Erbes. Er sagte, er werde vier Jahre lang während der Hadsch-Saison ununterbrochen öffentlich nach den Schulden seines Vaters fragen. Wenn es einen Gläubiger gebe, solle dieser seine Forderung geltend machen. Es könne durchaus noch einen Gläubiger geben. Erst nachdem er vier Jahre lang auf diese Weise ausgerufen hatte, werde er das Erbe verteilen.
Auf diese Weise brachte er die anderen dazu, einer Verzögerung der Erbverteilung um vier Jahre zuzustimmen, und ließ während der Hadsch-Saison durch öffentliche Aufrufe Tausende von Menschen für seinen Vater Bittgebete sprechen und um Vergebung bitten.
Der Segen des Dienstes an den Eltern
عن أنس بن مَالِكٍ رَضِيَ اللهُ عَنْهُ قَالَ : قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ مَنْ سَرَّهُ أَن يُعدَّ لَهُ فِي عُمُرِهِ وَيُزَادُ لَهُ فِي رِزْقِهِ فَلْيَبَرُ وَالدَيْهِ وليصل رحمه – احمد، الترهيب والترغيب„Hadhrat Anas bin Malik, möge Allah mit ihm zufrieden sein, überlieferte: Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: Wenn jemand wünscht, dass sein Leben verlängert und sein Lebensunterhalt erweitert wird, so soll er seine Eltern gut behandeln und die Bande der Verwandtschaft aufrechterhalten.“
Diese Welt ist ein Ort des Wirkens. Hier hat der Mensch die Möglichkeit, reichlich zu erwerben, um das Leben im Jenseits erfolgreich zu machen. Ein langes Leben und Wohlstand als Gegenleistung für den Dienst an den Eltern sind eine gewaltige Gnade Allahs. Dem Menschen wurde in dieser Welt die Gelegenheit gegeben, weitere gute Werke zu tun, seine guten Taten zu vermehren und durch den Dienst an den Eltern Allahs Barmherzigkeit würdig zu werden.
عَنْ مُعَانِبْنِ أَنَسٍ رَض أَنَّ رَسُولَ اللهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ قَالَ مَنْ بَرُ وَلِدَيْهِ طُوبَى لَهُ زَادَ اللَّهُ فِي عُمره – ( الترغيب والترهيب ج (۲„Es wird von Muʿadh bin Anas, möge Allah mit ihm zufrieden sein, überliefert, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: Frohe Botschaft demjenigen, der seine Eltern gut behandelt; Allah, der Erhabene, wird sein Leben verlängern.“
Ein langes Leben ist für einen Gläubigen insofern eine frohe Botschaft, als er dadurch die Gelegenheit erhält, weiter daran zu arbeiten, noch mehr lautere Wünsche zu verwirklichen und das Leben im Jenseits erfolgreich zu machen.
Das Recht der Mutter ist größer als das des Vaters
An der Erziehung und Versorgung der Kinder haben beide Elternteile Anteil. Beide opfern ihren eigenen Komfort und ihre Annehmlichkeiten für die Erziehung ihrer Kinder. Der Vater gibt das durch den Schweiß seines Körpers verdiente Geld für sein Kind aus, und die Mutter zieht es auf, indem sie ihm gleichsam das Blut ihres Herzens zu trinken gibt. Durch die gemeinsame Liebe, Mühe und Zuneigung beider Eltern wird das Kind großgezogen. Deshalb wurde im Qur’an und in der Sunna zu einem guten Umgang mit beiden aufgerufen und beiden der Dienst und Gehorsam gegenüber den Eltern auferlegt.
Doch es ist auch eine ganz klare Tatsache, dass die Mutter bei der Erziehung des Kindes die größten Mühen auf sich nimmt. Die Mutter zieht das Kind auf, indem sie ihre eigene Existenz für es aufgibt. Für den Dienst und das Opfer, mit denen sie ihm voller Zärtlichkeit und Liebe gleichsam das Blut ihres Herzens zu trinken gibt und fortwährend den Komfort des Tages und den Schlaf der Nacht für ihr Kind opfert, gibt es kein vergleichbares Beispiel. Deshalb wird im Heiligen Qur’an, während die Bedeutung eines guten Umgangs mit beiden Eltern betont wird, das Leid der Mutter besonders eindringlich dargestellt. Zugleich wird auf diese Bedeutung hingewiesen: Die ihr Leben opfernde Mutter hat im Vergleich zum Vater größeren Anspruch auf Dienst, Gehorsam und guten Umgang. Genau diese Bedeutung hat der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, offen dargelegt:
ووصينا الْإِنْسَانَ بِوَالِدَيْهِ إِحْسَانًا ، حَمَلَتْهُ أُمَّهُ كُرْهًا وَوَضَعَتْهُ كُرْهًا . وحمله وفصله ثلثون شهراً – – الاحقاف : ١٥„Und Wir haben dem Menschen aufgetragen, seine Eltern gut zu behandeln. Seine Mutter trug ihn unter Mühen und brachte ihn unter Mühen zur Welt; und die Zeit seiner Schwangerschaft und des Stillens beträgt dreißig Monate.“ – Sure al-Ahqaf: 15
An einer weiteren Stelle wird im Heiligen Koran, verbunden mit der Aufforderung, den Eltern Dankbarkeit zu erweisen, das beispiellose Opfer und die Mühen der Mutter erwähnt und das Kind besonders dazu angehalten, der Mutter dankbar zu sein.
ووصينا الإنسان بوالديه ، حملته أمه وهنا عَلَى وَهُن وَفَضْلُهُ فِي عَامَيْنِ أَنِ
اشكر لي ولوالديك – – لقمن : ١٤„Und Wir haben dem Menschen seine Eltern anbefohlen. Seine Mutter trug ihn, Mühe über Mühe erleidend, in ihrem Leib und entwöhnte ihn nach zwei Jahren. Sei Mir und deinen Eltern dankbar.“ – Sure Luqman: 14
Aus dieser Darstellungsweise des Heiligen Korans wird deutlich, dass die Mutter einen größeren Anspruch auf Fürsorge, Liebe, Gehorsam, gutes Verhalten und Dankbarkeit hat. Denn sie erträgt bei der Geburt und der Erziehung außergewöhnliche Mühen. Zweifellos hat auch der Vater Anteil an der Aufzucht. Doch die Arbeit und Opfer des Vaters lassen sich in keiner Weise mit den Opfern der Mutter vergleichen.
Lehrreiches Gespräch
Einmal kam ein Mann zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und beklagte sich: „O Gesandter Allahs! Meine Mutter ist ein mürrischer Mensch.“ Der geliebte Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Als sie dich neun Monate lang ununterbrochen in ihrem Leib trug – war sie da etwa mürrisch?“
Der Mann sagte: „Ehrwürdiger! Ich sage die Wahrheit: Sie ist mürrisch.“
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Als sie deinetwegen Nacht für Nacht wach blieb und dich mit ihrer Milch stillte – war sie da etwa mürrisch?“
Der Mann sagte: „Ich habe all diese Taten meiner Mutter bereits vergolten.“
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, fragte: „Hast du sie wirklich vergolten?“
Er sagte: „Ich habe meine Mutter auf meinen Schultern getragen und sie zur Hadsch gebracht.“ Der geliebte Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, antwortete mit einem entscheidenden Wort: „Kannst du jene Mühe vergelten, die sie bei deiner Geburt ertragen hat?“
عن أبي هريرة رض قال جاء رجل إلى رسولِ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ فقال يا رسول الله مَنْ أَحَقُّ النَّاسِ بِحُسْنِ صَحَابَتِي، قَالَ أُمُّكَ قَالَ ثُمَّ مَنْ ؟
قَالَ أُمُّكَ ! قَالَ : ثُمَّ مَنْ قَالَ : أُمِّكَ – قَالَ ثُمَّ مَنْ قَالَ أَبُوكَ„Hadhrat Abu Huraira, möge Allah mit ihm zufrieden sein, berichtete: Ein Mann kam zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und fragte: ‚O Gesandter Allahs! Wer hat den größten Anspruch auf mein gutes Verhalten?‘ Er sagte: ‚Deine Mutter.‘ Er fragte: ‚Wer danach?‘ Er sagte: ‚Deine Mutter.‘ Er fragte: ‚Wer danach?‘ Der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: ‚Deine Mutter.‘ Er sagte: ‚Wer danach?‘ Er sagte: ‚Dein Vater.‘“
Dieser Hadith macht eindeutig deutlich, dass die Mutter hinsichtlich des Anspruchs auf gutes Verhalten, Fürsorge und Gehorsam einen höheren Rang als der Vater besitzt. Der Gefährte stellte wiederholt dieselbe Frage, und der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gab immer wieder dieselbe Antwort: Eure Mutter ist am meisten dazu berechtigt, gutes Verhalten von euch zu erfahren. Beim vierten Mal sagte er, dass euer Vater Anspruch auf euer gutes Verhalten habe. Hadhrat Ibn Battal sagte etwas sehr Treffendes: Der Anspruch der Mutter auf Fürsorge und gutes Verhalten ist dreimal größer als der des Vaters. Denn im Hinblick auf das Kind vollbringt die Mutter drei Dinge, die ein Vater kaum zu erdenken vermag. Während der Schwangerschaft trägt die Mutter das Kind in ihrem Leib. Danach erträgt sie die Mühen der Geburt und stillt es mit ihrer eigenen Milch. Auch im Heiligen Koran wird auf diese drei wichtigen Dienste und Mühen der Mutter hingewiesen. Bei Erziehung und Aufzucht sind Mutter und Vater danach gleichermaßen beteiligt. Deshalb wird mit Nachdruck und als Wegweisung gesagt, dass man beiden mit Anstand, Ehrerbietung, Fürsorge, Gehorsam und Demut begegnen muss. Die Dschumhur-Ulama, also die Mehrheit der Gelehrten, ist sich darin einig, dass der Anspruch der Mutter größer ist als der des Vaters. Das bedeutet jedoch nicht, dass man jederzeit nur der Mutter dienen und gehorchen und den Vater völlig missachten solle. In Fragen des Anstands und der guten Umgangsformen hat der Vater den größeren Anspruch, und den Kontakt zum Vater abzubrechen ist keinesfalls richtig. Es wird dazu angehalten, beiden gegenüber gutes Verhalten zu zeigen. Im praktischen Leben muss man allerdings daran denken, dass die schwächere Natur der Mutter einen größeren Anspruch auf besondere Güte begründet. Diese Güte besteht darin, der Mutter möglichst viel Bequemlichkeit und Erholung zu verschaffen. Beim Gehorsam gegenüber der Mutter darf man niemals nachlässig sein. Ihr von Liebe erfülltes Herz darf niemals verletzt werden. So wie die Mutter in der Kindheit des Kindes auf alle seine Gefühle achtet, darf auch zu keiner Zeit auf ihre Gefühle herabgesehen werden.
Auf die liebevollen Gefühle der Mutter achten
Zur Zeit des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, ließ sich ein Sahabi wegen einer Angelegenheit von seiner Frau scheiden und wollte ihm das kleine Kind wegnehmen. Die Lage der Mutter wurde äußerst schwierig. Einerseits litt sie unter der Trennung von ihrem Ehemann, andererseits drohte man ihr, ihr geliebtes Kind, das ihre Sorgen vertrieb, wegzunehmen. Schwer bekümmert und verzweifelt begab sie sich zum Gesandten der Barmherzigkeit für die Welten, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, und schilderte ihm ihre ganze leidvolle Geschichte in zutiefst bewegenden Worten. Sie sagte: „O Gesandter Allahs! Mein Mann hat sich von mir scheiden lassen. Dadurch wurde ich seiner Obhut beraubt. O Gesandter Allahs! Nun will er mir auch dieses kleine Kind wegnehmen. O Gesandter Allahs, o Barmherzigkeit für die Welten! Dies ist mein geliebtes Kind. Mein Schoß ist seine Ruhestätte, meine Brust sein Trinkschlauch und mein Schoß sein Zuhause. Er ist die Quelle meiner Freude. Er holt mir Wasser aus dem Brunnen. O Gesandter Allahs! Wie soll ich diesen Schmerz ertragen?“
Der geliebte Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagte: „Zieht das Los.“ Der Vater trat vor und sagte: „O Gesandter Allahs! Dies ist doch mein Kind. Wer könnte größere Ansprüche auf mein Kind haben als ich?“ Der edle Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, wandte sich an den kleinen Jungen und sagte: „Dieser ist dein Vater und diese ist deine Mutter. Mein Sohn, nimm die Hand dessen, den du möchtest.“ Der Junge nahm die Hand seiner Mutter.
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagte zur Mutter des Jungen: „Geh. Solange du nicht wieder heiratest, kann ihn dir niemand wegnehmen.“
Auf den Gehorsam gegenüber der Mutter achten
Während der Regierungszeit von Hazrat Uthman, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, stieg der Preis für Dattelpalmen. Eines Tages sahen die Menschen, dass Hazrat Usama ibn Zayd, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, eine Dattelpalme fällte und ihr Palmenherz herausholte. Alle waren erstaunt und fragten: „Hazrat! In dieser teuren Zeit zerstörst du auf diese Weise eine Dattelpalme. Heutzutage sind Dattelpalmen doch äußerst wertvoll.“ Er sagte: „Meine Brüder, was soll ich euch sagen? Meine Mutter hat mich angewiesen, das Palmenherz einer Dattelpalme zu holen. Kann man den Befehl der Mutter jemals missachten?“
Der Mutter gegenüber Adab zeigen
Hazrat Muhammad ibn Sirin, Allah erbarme sich seiner, war ein berühmter Tabi’i. Er wurde als Imam auf den Gebieten des Fiqh und der Hadithe angesehen. Seine Mutter stammte aus dem Hidschaz. Er achtete sehr auf den Adab und die Ehre seiner Mutter sowie auf ihre Wünsche. Wenn er Kleidung für seine Mutter kaufte, achtete er auf Weichheit und Schönheit. Für das Eid-Fest färbte er die Kleidung seiner Mutter eigenhändig. Er erwies seiner Mutter so viel Verehrung und Achtung, dass er niemals vor ihr mit erhobener Stimme sprach. Er sprach mit seiner Mutter so, als würde er ihr ein Geheimnis anvertrauen.
Der Mutter dienen
Hazrat Uways al-Qarani, Allah erbarme sich seiner, war ein äußerst berühmter und frommer Gottesfreund. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, hatte ihm den Rang des besten Tabi’i verliehen. Er sagte zu Hazrat Umar, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm: „Der beste unter den Tabi’in ist ein Mann aus dem Stamm von Qaran. Sein Name ist Uways. Er hat eine betagte Mutter. Wenn er bei etwas schwört, hält er seinen Eid. Wenn du ihn um ein Bittgebet um Vergebung bitten lassen kannst, dann tu es unbedingt.“
Hazrat Uways, Allah erbarme sich seiner, lebte zur Zeit des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm. Doch er konnte ihn nicht treffen. Was könnte für einen Gläubigen ein größerer Wunsch sein, als seine Augen durch den Anblick des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, zu erhellen? Doch weil er eine betagte Mutter hatte und sie nicht allein lassen wollte, konnte Hazrat Uways, Allah erbarme sich seiner, sich nicht in den Dienst des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, begeben. Tag und Nacht widmete er sich ihrem Dienst. Er hatte den großen Wunsch, den Hadsch zu vollziehen. Doch solange seine Mutter lebte, konnte er sie nicht allein lassen, um den Hadsch zu vollziehen. Erst nach ihrem Tod erfüllte er sich diesen Wunsch.
Der Umgang mit der Mutter
Ein Mann kam zu Hadhrat Ibn Abbas, möge Allah mit ihm zufrieden sein, und sagte: „O Hadhrat! Ich hatte einer Frau einen Heiratsantrag machen lassen. Doch die Braut wies den Antrag zurück. Als ein anderer Mann ihr einen Heiratsantrag machte, nahm sie ihn an. Ich empfand dies als eine Demütigung und tötete die Frau in einem Anfall von Wut. Hadhrat, sagt mir: Gibt es für mich noch einen Weg zur Reue?“ Hadhrat Abdullah, möge Allah mit ihm zufrieden sein, fragte ihn: „Sag, lebt deine Mutter noch?“ Er antwortete: „O Hadhrat, meine Mutter ist bereits verstorben.“ Er sagte: „Geh, bereue aufrichtig und tue etwas, wodurch du Allahs Nähe und Wohlgefallen erlangen kannst.“
Hadhrat Zayd ibn Aslam kam zu Hadhrat Abdullah und fragte: „Warum habt Ihr diesen Mann gefragt, ob seine Mutter noch lebt?“ Hadhrat Abdullah sagte: „Für das Erlangen von Allahs Nähe und Wohlgefallen kenne ich keine größere gute Tat als einen guten Umgang mit der Mutter.“
Ein ähnlicher Vorfall ereignete sich bereits zur Zeit des Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Ein Mann kam zum geliebten Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und sagte: „O Gesandter Allahs! Ich habe eine große Sünde begangen. O Gesandter Allahs! Gibt es für mich noch einen Weg zur Reue?“ Der Gesandte der Barmherzigkeit für die Welten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Lebt deine Mutter noch?“ Der Mann antwortete: „O geehrter Herr, meine Mutter lebt nicht mehr.“ Darauf sagte er: „Nun gut, lebt deine Tante mütterlicherseits noch?“ Er antwortete: „Ja, sie lebt.“ Er sagte: „Behandle deine Tante mütterlicherseits gut.“
Aus diesen Begebenheiten lässt sich die Vorrangigkeit der Mutter und die religiöse Bedeutung ihres Dienstes erahnen. Selbst wenn ein Mensch eine große Sünde begeht, hat der edle Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, den guten Umgang mit der Mutter als Weg zur Erlösung von ihrer Strafe und zum Erlangen von Allahs Wohlgefallen bezeichnet. Und es ist eine vollkommene Barmherzigkeit Allahs, dass ein Mensch, wenn seine Mutter bereits verstorben ist, durch guten Umgang mit der Schwester seiner Mutter sein Jenseits bereiten kann.
Der Umgang mit der Amme
عن أبي الطفيل رض قال : رأيت النبي صلى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ يُقْسِمُ لَحْمًا بالجعرانة إِذا أَقْبَلَتْ امْرَأَةٌ حَتَّى بنت إلى النَّبِيِّ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ فبسط لها رداءه فجلست عَلَيْهِ فَقُلْتُ من هي ؟ قَالُوا : هِيَ أُمُّهُ الَّتِي أرضعته (ابو داود)
„Von Hadhrat Abu Tufayl, möge Allah mit ihm zufrieden sein, wird überliefert, dass er sagte: Ich sah den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, am Ort Jiʿrana Fleisch verteilen. In diesem Augenblick kam eine Frau und trat ganz nah zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Er breitete für sie seinen Umhang aus, und die Frau setzte sich darauf. Ich fragte die Leute: ‚Wer ist diese Frau?‘ Sie sagten: ‚Sie ist die Mutter des Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Sie hatte ihn gestillt.‘
Eine Frau, deren Milch ein Kind trinkt, ohne seine leibliche Mutter zu sein, wird Amme genannt. Allein durch das Stillen kann eine Frau nicht zur leiblichen Mutter werden. In manchen Angelegenheiten erlangt sie jedoch denselben Rang wie die leibliche Mutter. Hinsichtlich Ehe und Verhüllung hat der Islam der Amme denselben Rang zuerkannt, den er der leiblichen Mutter zuerkannt hat. Auch aus diesem Vorfall mit dem geliebten Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, wird deutlich, dass man mit der Amme wie mit der leiblichen Mutter umgehen muss. Man muss ihr dienen und ihr jede Art von Achtung erweisen.
Der Umgang mit nichtmuslimischen Eltern
In dieser Welt dauert der unablässige Kampf zwischen Wahrheit und Falschheit sowie zwischen Recht und Unrecht fort. Es ist durchaus möglich, wenn auch selten, dass die Eltern eines Muslims dem Islam fernstehen. Wie soll man sich in diesem Fall ihnen gegenüber verhalten? Dies ist eine wichtige Frage des gesellschaftlichen Lebens.
In Fragen der Religion und des Glaubens wird im Heiligen Koran unmissverständlich gesagt, dass man den Eltern keinesfalls gehorchen darf, wenn sie zu Schirk und Sünde auffordern. Allahs Recht steht über dem Recht der Eltern, und auch die Eltern müssen Allahs Recht erfüllen und Ihm gehorchen. Denn es ist nicht nur unerlaubt, den Eltern zu gehorchen, indem man seinem Schöpfer und Herrn ungehorsam ist; schon der Gedanke daran ist nicht erlaubt.
وَإِنْ جَاهَدَكَ عَلَى أَنْ تُشْرِكَ بِي مَا لَيْسَ لَكَ بِهِ عِلْمٌ فَلَا تُطِعْهُمَا ، – لقمن : ١٥„Wenn sie dich jedoch dazu drängen, Mir etwas beizugesellen, worüber du kein Wissen hast, dann gehorche ihnen keinesfalls.“ – Sure Luqman: 15
Nicht nur in Angelegenheiten des Schirks, sondern in allen Fällen, in denen Ungehorsam gegenüber Allah notwendig würde, endet ihre Gehorsamspflicht. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, hat eindeutig erklärt, dass niemandem gehorcht werden darf, wenn dies Ungehorsam gegenüber Allah bedeutet.
Die ungläubige Mutter von Hazrat Saʿd
Hazrat Saʿd ibn Waqkās, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, war ein berühmter Gefährte. Im Alter von neunzehn Jahren war er erst vor Kurzem mit der Annahme des Islams gesegnet worden. Seine Mutter erfuhr davon. Kaum hatte sie die Nachricht erhalten, schwor sie: Entweder du gibst den Islam auf, oder ich werde hungernd mein Leben beenden. Hazrat Saʿd, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, war seiner Mutter äußerst gehorsam. Immer wieder sagte seine Mutter zu ihm: „Sieh! In eurer Religion wird dem Gehorsam gegenüber den Eltern doch besondere Bedeutung beigemessen. Ich bin deine Mutter. Indem du den Worten deiner Mutter nicht gehorchst, handelst du selbst gegen deine Religion. Ich befehle dir, den Islam aufzugeben.“ Hazrat Saʿd berichtete selbst, dass er drei Tage lang weder etwas gegessen noch getrunken habe. Von Hunger und Durst völlig entkräftet, wurde er sehr schwach. Mein Bruder zwang ihn, den Mund zu öffnen, und gab ihm zu essen. In diesem Zustand offenbarte Allah, der Erhabene, folgenden Vers: „Wenn eure Eltern euch dazu zwingen, Allah etwas beizugesellen, dann gehorcht ihnen nicht.“
In Fragen der Religion und des Glaubens ist die Angelegenheit eindeutig. Man muss ihren Gehorsam entschieden verweigern und darf sich keineswegs von ihrer Härte und ihrem Druck beeinflussen lassen. In weltlichen Angelegenheiten muss man ihnen jedoch dienen und sie freundlich behandeln. Durch einen sanften Umgang muss man sich fortwährend bemühen, sie zum Glauben zu führen.
وصاحبهما في الدنيا معروفا ، واتبع سبيل مَنْ آنَابَ إِلَى – لقمن : ١٥„Und verkehre mit ihnen im Diesseits in angemessener Weise und folge dem Weg derer, die reumütig zu Mir zurückkehren.“ – Sure Luqmān: 15
Der Islam hat dem Dienst an den Eltern und dem Gehorsam ihnen gegenüber höchste Bedeutung beigemessen. Dies gilt sogar dann, wenn die Eltern in den Schmutz von Unglauben und Schirk versunken sind und nicht nur selbst darin versunken bleiben, sondern auch ihre Kinder dazu zwingen wollen. Dennoch darf das Kind ihre Stellung in weltlichen Angelegenheiten keinesfalls missachten. Schließlich sind sie seine Eltern und die Ursache dafür, dass es geboren wurde. Deshalb ist es trotz allem verpflichtend, ihnen jede Art von Dienst zu erweisen und sie freundlich zu behandeln. Falls nötig, muss man ihnen auch finanzielle Unterstützung geben, und von weltlicher Seite darf man ihnen keinen Anlass zu Beschwerden geben. In Fragen der Religion und des Glaubens hingegen muss man ausschließlich denjenigen folgen, die zu Allah zurückkehren, auf dem Weg des Islams sind und Allah wahrhaft gehorsame, rechtschaffene Diener sind.
Die Anweisung des Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, bezüglich einer polytheistischen Mutter
عَنْ أَسْمَاءَ بِنْتِ أَبِي بَكْرٍ رَض قَالَتْ : قَدِمَتْ عَلَى أُمِّي وَهِيَ مُشْرِكَةً فِي عَهْدِ رسول الله صلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ فَاسْتَفْتَيْتُ رَسُولَ اللَّهِ صَلَّى اللهُ عَلَيْهِ
وسلم قلت : قدمت على أمي ، وهي راغبةٌ أَفَاصِلُ أُمِّي ؟ قَالَ : نَعَمُ
صلى أمك – بخاریHazrat Asmā, Allahs Wohlgefallen sei auf ihr, die Tochter von Hazrat Abū Bakr, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, sagte: „Während der gesegneten Zeit des Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, kam meine Mutter als Polytheistin zu mir. Ich wandte mich an den geliebten Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und sagte: ‚Meine Mutter ist gekommen, obwohl sie dem Islam abgeneigt ist. Darf ich die verwandtschaftliche Beziehung zu ihr pflegen?‘ Er sagte: ‚Ja. Du darfst die verwandtschaftliche Beziehung zu deiner eigenen Mutter pflegen.‘“ – Überliefert bei al-Buchārī
Aus diesem Hadith wird klar ersichtlich, dass man auch zu den مشرikischen Eltern die verwandtschaftliche Beziehung ebenso aufrechterhalten muss wie zu muslimischen Eltern. In weltlichen Angelegenheiten muss man unbedingt auf ihre Ehre und ihre Khidma achten und ihnen auf jede Weise Bequemlichkeit und Erleichterung verschaffen. Als Gläubiger muss man jedoch unbedingt bedenken, dass die größte gute Absicht und das schönste Verhalten gegenüber den Eltern darin besteht, sich durch den eigenen Charakter, das eigene Verhalten, die Gespräche und die Khidma unablässig darum zu bemühen, sie dem Islam näherzubringen. Für ihre Rechtleitung soll man mit offenem Herzen unter Tränen zu Allah beten. Auch die Mutter von Hazrat Abu Huraira, möge Allah mit ihm zufrieden sein, war anfangs des Islams beraubt. Dennoch versäumte er nichts in seiner Ehrerbietung und Khidma ihr gegenüber. Er behandelte sie stets auf schöne Weise und lud sie weiterhin zum Islam ein. Stets betete er zu Allah, Er möge sie rechtleiten. Dieses Ereignis macht unmissverständlich klar, wie man mit den eigenen Eltern umgehen, ihnen Respekt erweisen, sie gut behandeln und ihr Wohlergehen fördern soll, falls die eigenen Eltern – Allah bewahre – ungläubig sind.
Die Folgen eines guten Umgangs mit einer Mutter, die den Islam ablehnt
Nachdem Hazrat Abu Huraira, möge Allah mit ihm zufrieden sein, Muslim geworden war, blieb seine Mutter lange Zeit in Schirk versunken. Er lud sie unablässig dazu ein, die Folgen des Schirks zu bedenken und den Islam anzunehmen. Da sich ihr Herz bis dahin jedoch noch nicht für die Rechtleitung geöffnet hatte, setzte sie ihre Ablehnung fort. Trotzdem ließ Hazrat Abu Huraira, möge Allah mit ihm zufrieden sein, in seiner Ehrerbietung, Khidma und seinem Gehorsam ihr gegenüber nichts zu wünschen übrig. Eines Tages, als er ihr die Daʿwa zur Religion darbrachte, verhielt sich seine Mutter in unangemessener Weise gegenüber dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Dadurch wurde das Herz von Hazrat Abu Huraira, möge Allah mit ihm zufrieden sein, von Schmerz erfüllt. Weinend begab er sich zum geliebten Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und sagte: „O Gesandter Allahs! Ich erkläre meiner Mutter stets die Angelegenheiten der Religion, doch sie weist sie immer wieder zurück. Aber heute ist es wirklich zu weit gegangen. Als ich ihr heute die Daʿwa zur Religion des Tauhid darbrachte, wurde sie zornig, benahm sich respektlos gegenüber Euch und beschimpfte Euch sogar. O Gesandter Allahs! Ich konnte das nicht ertragen. Mein Herz wurde von Schmerz erfüllt, und Tränen liefen mir aus den Augen. O Gesandter Allahs, bitte darum, dass Allah das Herz meiner Mutter für den Islam öffnet.“ Der Gesandte Allahs, die Barmherzigkeit für die Welten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, hob sogleich die Hände zum Bittgebet und sagte: „O Allah! Leite die Mutter von Abu Huraira recht.“
Als ich den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, beten sah, begannen all meine Sorgen zu schwinden, und ich kehrte voller Freude von dort zurück. Als ich zu Hause ankam, sah ich, dass die Tür des Hauses geschlossen war und ich das Geräusch von herabfließendem Wasser hörte. Als meine Mutter meine Schritte hörte, sagte sie von drinnen: „Mein Sohn, warte draußen eine Weile.“ Ich wartete eine Zeit lang draußen. Als ich das Geräusch des Wassers hörte, wusste ich, dass meine Mutter badete. Mein Herz war damals außer sich vor Freude. Meine Mutter beendete schnell ihr Bad, zog sich an und öffnete die Tür. Sie hatte es so eilig gehabt, dass sie sogar vergessen hatte, ein Tuch über den Kopf zu legen. Kaum hatte sie die Tür geöffnet, sagte sie: „Mein Sohn Abu Huraira, Allah hat dein Anliegen erhört. Sei Zeuge: Ich spreche jetzt das Glaubensbekenntnis.“ „Ich bezeuge, dass es keinen Gott außer Allah gibt, und ich bezeuge, dass Muhammad Sein Diener und Sein Gesandter ist.“ Ich war so glücklich, dass mir vor Freude Tränen aus den Augen liefen. Mit Freudentränen in den Augen begab ich mich sogleich zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und sagte: „O Gesandter Allahs! Ich bin gekommen, um Euch eine frohe Nachricht zu überbringen. Allah hat das Bittgebet Seines geliebten Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, erhört, und meine Mutter hat den Schatz des Iman erlangt.“ Als er dies hörte, freute auch er sich sehr. Er pries Allah und gab mir einige Ratschläge.
Danach trug ich dem geliebten Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, noch eine weitere Bitte vor. Ich sagte: „O Gesandter Allahs! Bitte darum, dass Allah mich und meine Mutter bei allen Gläubigen beliebt macht und dass alle Gläubigen mir und meiner Mutter lieb werden.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sprach auch dieses Bittgebet: „O Herrscher der Welten! Gib die Liebe zu Abu Huraira und seiner Mutter in die Herzen aller Gläubigen und erschaffe in den Herzen der beiden die Liebe zu allen Muslimen.“ Nach diesem erhörten Bittgebet des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, liebte mich jeder Muslim, der mich sah oder von mir hörte.
Ungehorsam gegenüber den Eltern
Nach dem Schirk ist der Ungehorsam gegenüber den Eltern die größte Sünde. Es ist ein derart abscheuliches Verbrechen, dass man schon bei dem Gedanken daran erschauert. Dankbarkeit und das Erweisen von Ihsan sind grundlegende Eigenschaften, durch die der Mensch zu einem wahrhaft menschlichen Wesen wird. Wer sich dieser grundlegenden Eigenschaften beraubt, ist ohne Menschlichkeit. Ein solcher Mensch kann nicht zu den von Allah geliebten Menschen gehören. Er ist weder fähig, Allahs Rechte zu erfüllen, noch die Rechte der Menschen zu erfüllen. Nach Allahs Ihsan ist der größte Ihsan derjenige der Eltern. Durch sie schenkt Allah dem Menschen das Leben. Im Schatten ihrer Zuneigung und Liebe sorgt Er für seine Erziehung. Sie ziehen ihre Kinder auf, indem sie ihre eigene Existenz vergessen, und opfern ihren eigenen Komfort und ihre eigenen Annehmlichkeiten aus Sorge um das Wohlergehen ihrer Kinder. Zweifellos besteht die vorzüglichste Forderung von Adel, Ihsan und dem Ausdruck von Dankbarkeit darin, ihnen aus tiefstem Herzen Dankbarkeit zu erweisen, ihren Ihsan anzuerkennen, ihnen das ganze Leben lang dankbar zu bleiben und sich selbst vergessend stets gut zu ihnen zu sein. Wenn jemand Allah dankbar ist, Allahs Ihsan empfindet und Allah gehorsam sein möchte, kann er niemals seinen Eltern ungehorsam sein. Von Ungehorsam ganz zu schweigen – er kann seinen Eltern gegenüber nicht einmal gleichgültig sein.
Abscheuliche Sünde
عنْ أَبِي بُكْرَةَ رَضِيَ اللهُ عَنْهُ قَالَ : قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وسلم : أَلا أُنَبِّئُكُمْ بِأَكْبَرِ الْكَبَائِرِ ثَلَاثًا قُلْنَا بَلَى يَا رَسُولُ اللَّهِ : قَالَ : الإشراك بِاللهِ وَعُقُوقَ الْوَالِدَيْنِ، وَكَانَ مُتَّكِنَّا فَجَلَسَ فَقَالَ : أَلَا وَقَوْلُ الزورِ ، وَشَهَادَةُ الرُّورِ ، فَمَا زَالَ يُكَبِّرُهَا حَتَّى قُلْنَا لَيْتَهُ سَكَتَ (بخاری
مسلم، ترمذی)
“Hadrat Abu Bakra (möge Allah mit ihm zufrieden sein) überlieferte: Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Soll ich euch nicht vor den drei größten und abscheulichsten Sünden warnen? Wir alle sagten: Doch, gewiss, o Gesandter Allahs! Er sagte: Allah etwas beizugesellen und den Eltern ungehorsam zu sein. Dann richtete er sich aus seiner angelehnten Haltung auf und sagte: Hört gut zu: das Lügen und das falsche Zeugnis. Und er wiederholte diese Worte immer wieder, bis wir sagten: Ach, wenn er doch schweigen würde.”
In diesem Hadith wird im Zusammenhang mit dem Ungehorsam gegenüber den Eltern das Wort „ʿUqūq“ verwendet. Es ist ein Wort von äußerst umfassender Bedeutung. Als ʿUqūq wird bezeichnet, sich den Anweisungen des edlen Korans zu widersetzen, in denen zu Güte gegenüber den Eltern ermahnt und Nachdruck darauf gelegt wird. Dazu gehören die Gleichgültigkeit gegenüber den Eltern, ein harter Umgang mit ihnen, die Nichtbeachtung ihrer Anweisungen, ihnen Leid zuzufügen und ihnen ungehorsam zu sein – all dies ist im Kerngehalt von „ʿUqūq“ eingeschlossen.
Zweitens ist auch die Darstellungsweise des geliebten Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) bedenkenswert. Eine solche Ausdrucksweise ist äußerst natürlich und wirkungsvoll, wenn es darum geht, die Bedeutung eines Themas hervorzuheben und es zu Herzen gehen zu lassen. Wenn die Bereitschaft zum Gehorsam vorhanden ist, ruft sie im Herzen des Zuhörers einen solchen Abscheu vor dieser abscheulichen Art von Sünde hervor, dass sich schon beim Nachdenken darüber Ekel regt und der Körper allein bei der Vorstellung davon erzittert.
Im Hadith stellte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) den edlen Gefährten zunächst eine Frage. Diese Frage hatte nicht den Zweck, dass die Gefährten (möge Allah mit ihnen zufrieden sein) eine Antwort geben sollten. Vielmehr wollte er sagen, dass er gekommen war, um den Weg zur Rettung zu zeigen. Deshalb musste er dies unbedingt verkünden. Er sagte: Soll ich euch nicht vor den drei abscheulichsten Sünden warnen? Er stellte also nicht nur einmal eine Frage und nannte dann sofort die eigentliche Aussage. Vielmehr lenkte er dreimal die Aufmerksamkeit der Gefährten (möge Allah mit ihnen zufrieden sein) auf sich und sagte: Soll ich euch nicht vor den drei größten Sünden warnen?
Diese Darstellungsweise weist deutlich darauf hin, dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) diese Sünden als solche betrachtete, die den Menschen zugrunde richten, und dass er wollte, dass der Zuhörer ihre Bedeutung mit den Ohren seines Herzens begreift. Nachdem er dreimal ununterbrochen gewarnt hatte und die Gefährten (möge Allah mit ihnen zufrieden sein) gespannt auf das Zuhören geworden waren, sagte er: Allah jemanden beizugesellen und den Eltern ungehorsam zu sein. Daraufhin beunruhigte die Sorge über diese abscheulichen Sünden auch den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Er hatte angelehnt gesessen. Von Gefühl und Sorge ergriffen, richtete er sich auf und rief: O ihr Menschen, hört gut mit euren Ohren zu: das Lügen und das falsche Zeugnis. Danach wurde er noch besorgter und wiederholte diese Worte immer wieder. Als die Gefährten (möge Allah mit ihnen zufrieden sein) diesen Zustand sahen, wurden sie von Sorge erfüllt und hofften: Ach, wenn der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) doch schweigen würde!
Der dritte wichtige Punkt ist, dass der geliebte Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) die Umma vor drei großen Sünden gewarnt hat. Unter diesen Sünden wird nach dem Schirk der Ungehorsam gegenüber den Eltern erwähnt. Auch im edlen Koran findet sich diese Reihenfolge. „Sprich: Kommt her, ich will euch vortragen, was euer Herr euch verboten hat: Ihr sollt Allah nichts beigesellen und sollt zu den Eltern gütig sein.“ Die Leugnung des Rechts Allahs ist Schirk, und die Vernachlässigung des Rechts der Eltern ist Ungehorsam. Bedenkt: Das größte Recht ist das des Schöpfers Allah. Die Leugnung der Einheit Allahs und Ihm jemanden beizugesellen ist die größte Sünde. Es ist eine so abscheuliche Sünde, dass es dafür keine Vergebung gibt. Im edlen Koran heißt es: „In Wahrheit wird Allah die Sünde des Schirk nicht vergeben.“ Nach dem Recht Allahs ist das Recht der Eltern das größte, und nach der Undankbarkeit und dem Ungehorsam gegenüber Allah ist die größte Sünde die Undankbarkeit und der Ungehorsam gegenüber den Eltern. Denn Allah hat nach Seinem eigenen Recht gerade ihr Recht erwähnt und zusammen mit dem Dank an Ihn den Dank gegenüber den Eltern angeordnet. Das heißt: Du sollst Mir und deinen eigenen Eltern dankbar sein. Vielleicht wird diese Reihenfolge in einigen Überlieferungen nicht erwähnt und deshalb dort nicht entsprechend wiedergegeben. Im edlen Koran und auch in den Hadithen wird sie jedoch an jeder Stelle in dieser Reihenfolge genannt.
Der Brief des Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) an die Bewohner des Jemen
Der Gesandte Allahs, Muhammad (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), sandte durch Hadrat ʿAmr ibn Hazm (möge Allah mit ihm zufrieden sein) einen denkwürdigen Brief an die Bewohner des Jemen. Darin warnte er sie ebenfalls und sagte: „Wisst: Die größten Sünden bei Allah am Tag der Auferstehung sind: (1) Allah jemanden beizugesellen, (2) einen gläubigen Menschen zu Unrecht zu töten, (3) vor dem Dschihad auf Allahs Weg zu fliehen, (4) den Eltern ungehorsam zu sein, (5) keuschen, ehrbaren Frauen Unzucht vorzuwerfen, (6) Zauberei zu erlernen, (7) Zinsen zu nehmen und (8) das Vermögen einer Waise zu verzehren.“
Das Vermächtnis des Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm)
Hadrat Muʿadh ibn Dschabal (möge Allah mit ihm zufrieden sein) war ein hochgeehrter Gefährte. Hadrat ʿUmar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) pflegte zu sagen: Wenn es Muʿadh nicht gäbe, wäre ich unweigerlich zugrunde gegangen. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) erteilte ihm viele Vermächtnisse. Einmal sagte er: Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) gab mir folgendes Vermächtnis: „Geselle Allah niemals jemanden bei, selbst wenn du getötet und im Feuer verbrannt wirst; und sei niemals ungehorsam gegenüber deinen Eltern, selbst wenn sie dir befehlen, dich von deinem Besitz und deiner Familie fernzuhalten.“
Eltern zum Weinen bringen
Hazrat Abdullah ibn Umar, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, war ein Gefährte von außerordentlich hohem Rang. Er war ein hervorragender Gelehrter, ein frommer Diener und ein Asket. In jeder Hinsicht hielt er sich äußerst gewissenhaft an die Sunna. Sechzig Jahre lang erteilte er Rechtsgutachten. Er sagte: Die Eltern zum Weinen zu bringen bedeutet, ihnen ungehorsam zu sein, und dies ist eine äußerst schwere Sünde.
Die Eltern beschimpfen
عَنْ عَبْدِ اللَّهِ بْنِ عَمْرِ بنِ الْعَاصِ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُمَا أَنَّ رَسُولَ اللَّهِ صَلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ قَالَ : مِنَ
الكَبَائِرِ شَتُمُ الرَّجُلِ وَالدَيْهِ قَالُوا : يَا رَسُولَ
الله ! وَهَلْ يَسْتمُ الرَّجُلُ وَالدَيْهِ ؟ قَالَ نَعَمْ يَسُبُّ أَبَا الرَّجُلِ فَيَسُبُّ أَبَاهُ يسب أمه فيسب أمه – بخاری، مسلم، ترمذی وغيره„Hazrat Abdullah ibn Amr, Allahs Wohlgefallen sei auf ihnen beiden, berichtete: Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: ‚Das Beschimpfen der eigenen Eltern gehört zu den großen Sünden.‘ Die Menschen fragten erstaunt: ‚O Gesandter Allahs! Beschimpft jemand tatsächlich seine eigenen Eltern?‘ Er, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: ‚Ja. Ein Mensch beschimpft den Vater eines anderen, woraufhin dieser dessen Vater beschimpft. Er beleidigt die Mutter eines anderen, woraufhin dieser seine Mutter beschimpft.‘“
Aus diesem Hadith lernen wir, dass man unbedingt auf die Ehre und Würde der Eltern achten muss. Es müssen Vorkehrungen getroffen werden, damit sie keinerlei Leid ertragen müssen. Darüber hinaus darf man auch gegenüber den Eltern anderer keine Äußerung machen, die diese Person dazu bringt, sich zu erregen und anschließend Ihre Eltern zu beschimpfen.
Verfluchen
„Hazrat Abu Tufail sagte: Hazrat Ali, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, wurde gefragt: ‚Hat der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Ihnen etwas gesagt, was er keinem anderen gesagt hat?‘ Er antwortete: ‚Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, hat mir nichts gesagt, was er nicht auch anderen gesagt hätte. Ja, in der Scheide meines Schwertes befindet sich jedoch eine schriftliche Botschaft.‘ Daraufhin holte er diese Botschaft aus der Schwertscheide. Darin stand: ‚Allahs Fluch oder Verfluchung trifft denjenigen, der im Namen eines anderen als Allah ein Tier schlachtet. Allahs Fluch trifft denjenigen, der die Grenzen eines Grundstücks verändert. Allahs Fluch trifft denjenigen, der seine eigenen Eltern verflucht, und Allahs Fluch trifft denjenigen, der in der Religion eine Neuerung einführt.‘“ Die Eltern zu verfluchen und zu beschimpfen ist eine der abscheulichsten schlechten Handlungen, die man sich vorstellen kann; dennoch ereignen sich in dieser Welt, dem Schauplatz menschlichen Handelns, verschiedene derartige Vorfälle. Aufgrund von Zorn, Rachsucht, Unwissenheit und Torheit tun Menschen bisweilen Dinge, die man sich unter normalen Umständen nur schwer vorstellen kann.
Auch Eltern sind schließlich Menschen. Auch sie sind nicht frei von menschlichen Schwächen. Auch in ihnen gibt es Hass, Liebe, Zorn, Rachsucht und andere Schwächen. Aufgrund menschlicher Schwäche können auch sie gelegentlich etwas sagen oder sich so verhalten, wie man es von ihnen nicht erwartet hätte. Man darf sich dadurch nicht provozieren lassen. Man darf gegenüber ihren Rechten nicht die Augen verschließen. Eltern sind zwei Persönlichkeiten, die ihr gesamtes Leben dafür hingeben, ihre Kinder aufzuziehen und ihnen ein angenehmes Leben zu ermöglichen. Ganz gleich, wie sie sich verhalten mögen: Es ist nicht angemessen, schlecht über sie zu sprechen. Man darf sie nicht beschimpfen und auch nicht all ihre Wohltaten vergessen.
Zweifellos können auch Eltern ihre Kinder bisweilen durch Nachlässigkeit bei der Erfüllung ihrer Pflichten gegenüber ihnen und durch ihr eigenes unerwünschtes Verhalten auf den Weg des Ungehorsams und der Auflehnung drängen. Dies geschieht insbesondere, wenn der Vater erneut heiratet und die Kinder mit einer Stiefmutter zusammenleben müssen. Daraus entstehen verschiedene traurige Situationen. Die Stiefmutter versucht gewöhnlich auf unterschiedliche Weise, den Vater gegen die Kinder aufzubringen, und ihr sehnlicher Wunsch wird es, dass der Vater seine Haltung gegenüber den Kindern ändert. Gewöhnlich beginnt auch der Vater, um seine neue Ehefrau ein wenig zufriedenzustellen und wegen ihres wiederholten Drängens, seine eigenen Kinder wie Stiefkinder zu behandeln. Heiratet die Mutter ebenfalls ein zweites Mal und geraten die Kinder unter den Einfluss eines Stiefvaters, kann dieser gewöhnlich in keiner Weise dulden, dass die früheren Kinder gut behandelt werden. Selbst wenn es nicht so weit geht, möchte er zumindest, dass er seine eigenen Kinder mehr liebt als die Kinder aus der früheren Ehe. Auch die Mutter verhält sich bisweilen schlecht, teils um ihren Ehemann zufriedenzustellen und teils, weil sie seinem Willen geopfert wird. Dies ist jedoch von einer Persönlichkeit wie einer Mutter keinesfalls zu erwarten. Aus der Perspektive der Gerechtigkeit müssen die Eltern unter solchen Umständen, wenn auch nur in geringem Maße, als schuldig angesehen werden. In einer solchen Situation tragen Familie und Gesellschaft Verantwortung. Ihre Pflicht ist es, solche Eltern zu zügeln, sie an ihre Verantwortung und ihre Pflichten zu erinnern und sie durch sozialen Druck dazu zu bringen, ihre Kinder wie Kinder zu behandeln. Aufgrund der familiären Bindung müssen die Kinder jedoch unter allen Umständen Geduld bewahren. Sie müssen aufmerksam auf die Ehre und Würde ihrer Eltern achten und dürfen keine Worte über ihre Lippen bringen, die der Ehre ihrer Mutter widersprechen. Unter allen Umständen besteht die Pflicht der Kinder darin, soweit wie möglich Dankbarkeit, Gehorsam und gutes Verhalten zu zeigen. Ein Dichter hat sehr schön gesagt:
„Befolge jede Anweisung, die dein Vater dir gibt; sei gewiss, dass derjenige, der seinem Vater gehorcht, niemals erniedrigt wird.“
Die Strafe für Ungehorsam wird bereits in dieser Welt verhängt
عن أَبِي بَكْرَةَ رَض عَنِ النَّبِيِّ صَلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ قَالَ : كُلُّ الذُّنُوبِ يُؤَخِّرُ اللَّهُ مِنْهَا مَا شَاءَ إِلَى يَوْمِ الْقِيَامَةِ إِلَّا عُقُوقُ الْوَالِدَيْنِ فَإِنَّ اللَّهَ يعجلة بصاحبه في الحيوة قَبْلَ الْمَمَاتِ – رواه الحاكم„Hadhrat Abu Bakra, möge Allah mit ihm zufrieden sein, berichtete, dass der geliebte Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sprach: ‚Allah lässt die Strafe für die Sünden, deren Strafe Er will, bis zum Tag der Auferstehung aufschieben. Die Strafe für den Ungehorsam gegenüber den Eltern jedoch lässt Er dem Betreffenden noch zu Lebzeiten, vor seinem Tod, unverzüglich zukommen.‘“ – Überliefert von al-Hakim
Die Bedeutung ist, dass Allah, der Erhabene, die Bestrafung anderer Sünden bis zum Tag der Auferstehung aufschiebt und der Betreffende in dieser Welt vor ihrer Strafe bewahrt bleibt. Der Ungehorsam gegenüber den Eltern jedoch ist eine solche Sünde, dass man ihre Strafe bereits in dieser Welt erleiden muss; und die Strafe im Jenseits steht ohnehin noch bevor.
Die guten Taten eines Ungehorsamen bleiben ohne Wirkung
Es wird von Hadhrat Thawban, möge Allah mit ihm zufrieden sein, überliefert, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Es gibt drei Sünden, neben denen keine gute Tat Nutzen bringt: erstens Schirk, zweitens Ungehorsam gegenüber den Eltern und drittens die Flucht aus dem Dschihad.“
Ein anderer Gefährte, Amr ibn Murra, möge Allah mit ihm zufrieden sein, sagte: Ein Mann kam zum geliebten Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und begann zu sagen: „Ich bezeuge, dass Allah Einer ist, dass es keinen Anbetungswürdigen außer Ihm gibt und dass du Allahs Gesandter bist. Ich verrichte die fünf täglichen Gebete, entrichte die Zakat auf mein Vermögen und faste im Ramadan.“ Nachdem der Mann dies gesagt hatte, sprach der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm: „Wer dies sagt und damit zum Ende gelangt, wird am Tag der Auferstehung mit den Propheten, den Wahrhaftigen und den Märtyrern sein.“ (Dabei hob er zwei Finger seiner Hand.) „Vorausgesetzt, dass er seinen Eltern nicht ungehorsam ist.“
Ungehorsam gegenüber der Mutter
وَعَنْ أَبِي عِيسَى الْمُغِيرَةِ بْنِ شُعْبَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ عَنِ النَّبِيِّ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ قَالَ : إِنَّ اللهَ تَعَالَى حَرَّمَ عَلَيْكُمْ عُقُوقَ الْأُمَّهَاتِ، وَمَنْعًا وَهُتِ، وَدَاد البنات وكره لكم قيل وقال، وكثرة السؤال، وإضاعَةَ الْمَال – متفق عليه„Hadhrat Abu Isa al-Mughira ibn Schu’ba, möge Allah mit ihm zufrieden sein, berichtete, dass der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: ‚Wisset: Allah hat euch den Ungehorsam gegenüber den Müttern, Geiz, Habgier und das Lebendigbegraben von Töchtern verboten. Und Er missbilligt für euch unnützes Gerede, allzu viele Fragen und die Verschwendung von Vermögen.‘“ – Überliefert von al-Buchari und Muslim
Dieser Hadith ist von außerordentlich umfassender Bedeutung. Mit wenigen Worten hat der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, auf einen gewaltigen Bereich der Rechtleitung hingewiesen. Jeder gläubige Mann und jede gläubige Frau muss sich zum Zweck der eigenen Erziehung und Läuterung an eine solche umfassende Rechtleitung erinnern und sie stets im Bewusstsein behalten. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, hat in diesen wenigen Worten sechs besondere Anweisungen gegeben. Drei Dinge hat Allah für uns verboten, und in die anderen drei zu verfallen, ist bei Allah ebenfalls missbilligt. Kein gläubiger Mensch kann auch nur daran denken, die drei Dinge zu begehen, die Allah, der Erhabene, ausdrücklich verboten hat. Was die anderen drei Dinge betrifft, die Allah missbilligt, so darf man auch sie nicht auf die leichte Schulter nehmen.
Die drei Dinge, die Allah verboten hat, sind: Ungehorsam gegenüber der Mutter, Geiz und Habgier sowie das Lebendigbegraben von Töchtern.
Erstens: In diesem Hadith wird durch die besondere Betonung, sich ausschließlich vom Ungehorsam gegenüber der Mutter fernzuhalten, auf folgende Bedeutung hingewiesen: Im Vergleich zum Vater ist der Mensch stärker mit dem Dienst an der Mutter beschäftigt, und im Umgang mit der Mutter werden mehr Vorkehrungen getroffen als im Umgang mit dem Vater. Ebenso ist es notwendig, besonders darauf zu achten und sensibel dafür zu sein, keinen Ungehorsam gegenüber der Mutter zu begehen. Die Gefühle der Mutter sind empfindlicher Art. Sie sind äußerst verletzlich. Schon durch eine geringfügige Äußerung kann ihr Herz verletzt werden. Es kann sogar geschehen, dass man aus Unachtsamkeit etwas geringschätzt, obwohl dadurch die Mutter innerlich verletzt wird. Ihr Herz wird verwundet. Die Bedeutung der Weisung des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ist, die Gefühle und Empfindungen, die Gewohnheiten und die Gemütsart sowie die Vorlieben und Abneigungen der Mutter vollständig zu berücksichtigen und darauf zu achten, dass nicht einmal der Gedanke aufkommt, der Mutter Leid zuzufügen, ihr ungehorsam zu sein oder ihr Herz in Stücke zu brechen. Die Mutter ist jene Persönlichkeit, deren Dienst als Gegenleistung den immerwährenden Frühlingsgarten des Paradieses hat und deren Zufriedenheit als Lohn das Haus der Zufriedenheit Allahs ist. Wer das Haus der Zufriedenheit Allahs, das Paradies, begehrt, muss sich dem Dienst an der Mutter und ihrem Gehorsam völlig hingeben.
Zweitens: In dem Hadith werden zwei Wörter verwendet: erstens „Manʿān“ und zweitens „Hāti“. Das Wort „Manʿān“ bedeutet, dass jemand zögert, das Vermögen und die Rechte, die anderen Menschen ihm gegenüber zustehen, zu geben, und ihre Erfüllung auf verschiedene Weise behindert. Er ist nicht bereit, jemandem finanzielle oder moralische Hilfe zu leisten. Das Wort „Hāti“ bedeutet: Nimm. Das heißt, stets bereit zu sein, von anderen zu nehmen. Es geht nicht nur darum, von anderen ausschließlich die eigenen Rechte einzufordern, sondern vielmehr darum, ohne darauf zu achten, ob etwas rechtmäßig oder unrechtmäßig ist, unablässig seinen Sack zu füllen. Eine solche Einstellung von Geiz und Gier kann niemals mit der Wesensart eines gläubigen Mannes oder einer gläubigen Frau vereinbar sein. Der Maßstab für Geben und Nehmen ist bei ihnen derselbe. Die Rechte, die sie von anderen einfordern, und den Umgang, den sie erwarten, gewähren sie auch anderen und erfüllen deren Rechte mit größter innerer Weite. Vielmehr zeigen sie in dieser Hinsicht so viel Großzügigkeit und Weitherzigkeit, dass sie selbst dann, wenn jemand seine ihnen zustehenden Rechte nur unvollständig erfüllt oder sie schlecht behandelt, ihm gegenüber Güte und schönes Verhalten zeigen.
Drittens: Das lebendige Begraben von Töchtern. Im vorislamischen Arabien gab es den grausamen Brauch, Töchter lebendig zu begraben. Es gab noch zwei weitere Methoden der Kindestötung. Viele Polytheisten töteten ihre eigenen Kinder aus Furcht vor den Götzen und um diese zufriedenzustellen. Viele Unwissende und Dummköpfe töteten ihre geliebten Kinder, weil sie einer eingebildeten Vorstellung von Armut und Mangel erlagen. Im Hadith werden die Töchter jedoch besonders erwähnt, weil dieser Brauch äußerst grausam war. Schon der Gedanke an eine solche Ungerechtigkeit und Härte lässt einem die Haare zu Berge stehen. Mit dem Kommen des Islam änderte sich diese ungerechte Denkweise. Die Töchter wurden von dieser Erniedrigung und Ungerechtigkeit befreit, und in den Häusern begann man, ihnen mit Zuneigung und Liebe zu begegnen.
Obwohl unsere Gesellschaft heute dank des Islam vom Fluch des lebendigen Begrabens von Töchtern frei ist, wird in vielen Familien den Mädchen wegen des Mangels an religiöser Verbundenheit und aus Unwissenheit gegenüber der islamischen Lehre nicht dieselbe Liebe entgegengebracht wie den Jungen. Wenn ein Mädchen geboren wird, zeigt man nicht dieselbe Freude wie bei der Geburt eines Jungen. Manche Unwissende enthalten ihren Töchtern sogar die Zuneigung und Liebe vor, die sie ihren Söhnen entgegenbringen. Besonders nach ihrer Heirat behandelt man sie, als seien sie Fremde geworden. Selbst den Anteil, den der Islam ihnen bestimmt hat, sind diese Ungerechten nicht bereit, ihnen zu geben. Diese verdorbene Denkweise hat keinerlei Verbindung zum Islam.
Danach nannte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, jene drei Dinge, die Allah für uns nicht gutheißt: Erstens: unnötiges Reden. Zweitens: zu viele Fragen stellen. Drittens: Vermögen verschwenden.
Unnötiges Reden bedeutet, keinerlei Verantwortung für die eigene Zunge zu empfinden: alles zu sagen, was einem in den Sinn kommt, und anderen alles weiterzuerzählen, was man hört. Ohne ein Wort abzuwägen und ohne darüber nachzudenken, ob es der Wirklichkeit entspricht, redet man unaufhörlich weiter: „Diese Frau hat dies gesagt“, „jene Dame denkt so“, „jene Frau war dieser Meinung“ – und dergleichen leeres Gerede. Ein bekanntes Sprichwort lautet: „Wer viel redet, macht viele Fehler.“ Der geliebte Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Wer an Allah und den Jüngsten Tag glaubt, soll Gutes sagen oder schweigen.“ – Muslim
Überflüssige Fragen zu stellen. Es gibt Menschen, die sich gegenseitig mit Frage auf Frage belästigen, sobald sie irgendwo zusammenkommen. Besonders gibt es eine bestimmte Art von Frauen, die, sobald sie sich an einem Ort versammeln, unzählige Fragen über die Familie stellen: „Schwester, was war denn die Sache mit deiner Schwägerin? Worüber hattest du Streit mit deiner Schwiegermutter? Was ist mit deinem Schwager geschehen? Dein Mann liebt die Kinder doch, oder? Schickst du auch etwas zu den Nachbarn? Woher ist der Heiratsantrag für deine Tochter gekommen?“ Sie werden geradezu ungeduldig, alles über die inneren Angelegenheiten der Familie, äußere Ereignisse, Tätigkeiten und überhaupt jede Angelegenheit zu erfahren. Nichts darf vor ihnen verborgen bleiben. Auf ihre unerwünschten Fragen muss man entweder eine falsche Auskunft geben oder man zieht sich oft durch das Ausweichen einer Äußerung ihren Unmut zu. Vieles kann man anderen nicht erzählen, besonders Familienangelegenheiten. Doch diese besondere Gruppe von Frauen bemüht sich auf jede erdenkliche Weise, Informationen herauszubekommen. Wenn man nichts sagt, behaupten sie: „Sie scheint ja sehr eingebildet zu sein.“ Sagt man jedoch etwas, erzählen sie es sofort wortreich anderen weiter. Überall verbreiten sie ihre eigene Meinung. Ebenso bemühen sie sich verzweifelt, den Zustand anderer zu schildern. In Wahrheit sind solche Frauen gegenüber dem Wert des Lebens achtlos und begehen aus Dummheit gesellschaftliche Vergehen, durch die der Frieden der Gesellschaft, die Einheit der Abstammung und der Familienfrieden unnötig zerstört werden. Dadurch, dass sie grundlos Aussagen von einer Seite zur anderen tragen, entstehen in der Gesellschaft verschiedene Missverständnisse und zahlreiche Schwierigkeiten.
Ebenso schaffen manche Menschen auch in religiösen Angelegenheiten unnötige Komplikationen. Neue Fragen zu stellen ist ihre Beschäftigung. Auf diese Weise zeigen sie die Fruchtbarkeit ihres Verstandes. Gewöhnlich bleiben sie auf dem Gebiet der Taten zurück. Um jedoch ihr Wissen und ihre Fähigkeiten zur Schau zu stellen, geben sie sich als Allwissende aus und sind große Meister darin, äußerst feine Fragen zu stellen und aus einer Aussage dreizehn weitere zu machen. Die Aufgabe gläubiger Männer und gläubiger Frauen ist es, den Wert ihres eigenen Lebens zu erkennen, ihr Leben für gute Werke aufzuwenden, jeden Augenblick darüber nachzudenken, womit Allah zufrieden ist, und sich zu bemühen, überflüssige Fragen zu vermeiden. Der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Zur Schönheit des Islam eines Menschen gehört, dass er das aufgibt, was ihn nichts angeht.“ – Tirmidhi
Vermögen zu verschwenden bedeutet, keine angemessenen Maßnahmen zu seiner Bewahrung zu ergreifen, es nicht für die Bedürfnisse der Religion auszugeben und es aus Verlangen nach Zurschaustellung und Ruhm, für unnötige Bräuche sowie schamlose und religionswidrige Tätigkeiten aufzuwenden. Vermögen ist ein anvertrautes Gut von Allah. Es sollte entsprechend dem Willen Allahs ausgegeben werden. Die Einrichtungsgegenstände des Hauses, Geschirr und Haushaltsgegenstände, Bettzeug, Möbel, Uhren, Stifte, Bücher, Papier – kurz gesagt, alle Dinge – sind Gaben Allahs und zugleich anvertraute Güter. Alle Dinge müssen sorgfältig benutzt und bewahrt werden. Man darf sie nicht achtlos verschwenden. Allah missbilligt es ebenfalls, wenn man Seine Gaben und anvertrauten Güter nicht wertschätzt und sie verschwendet.
Der Fluch der Mutter
Die Zufriedenheit der Mutter und das Bittgebet ihres liebevollen Herzens sind das größte Glück in Religion und Welt. Umgekehrt ist die schrecklichste Erniedrigung in Religion und Welt der Fluch, den die von Kummer erfüllte Mutter ihrem Kind gegenüber ausspricht.
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Drei Arten von Bittgebeten werden zweifellos erhört.
Erstens: das Bittgebet des Unterdrückten.
Zweitens: das Bittgebet des Reisenden.
Und drittens: das Bittgebet der Eltern für ihr Kind.“
In der frühen Zeit lebte ein frommer Mann namens Dscharidsch. Hazrat Dscharidsch, Allahs Barmherzigkeit sei auf ihm, war ein rechtschaffener und eifriger Diener Allahs. Er verbrachte seine Zeit stets fern von der Stadt in seiner eigenen Chanqah mit Gottesdienst. Ein Hirte, der den ganzen Tag Ziegen hütete, verbrachte die Nächte in seiner Chanqah.
Eines Tages kam die Mutter von Hazrat Dscharidsch, Allahs Barmherzigkeit sei auf ihm, um ihn zu besuchen. Hazrat Dscharidsch, Allahs Barmherzigkeit sei auf ihm, verrichtete gerade das Gebet. Seine Mutter rief ihn: „Dscharidsch!“ Er hielt es für besser, schweigend weiterzubeten. Am zweiten Tag geschah dasselbe. Seine Mutter kam und begann, ihn zu rufen. Er dachte wieder auf dieselbe Weise, betete schweigend weiter und antwortete nicht auf den Ruf seiner Mutter. Am dritten Tag kam seine Mutter erneut zu ihrem Sohn und rief nach ihm. Er dachte: Wie kann man während des Gebets antworten? Daher blieb er still. Als die Mutter dies sah, wurde sie sehr traurig und sprach im Zorn einen Fluch aus. Sie flehte Allah an und sagte: „O Allah! Lass Dscharidsch nicht sterben, bevor er in die Hände schlechter Frauen gerät.“
Mit diesen Worten ging die Mutter enttäuscht von dort fort. Einige Zeit später unterhielten sich eines Tages Menschen aus den Kindern Israels über die frommen Taten und den Gottesdienst von Hazrat Dscharidsch. Da rief eine außergewöhnlich schöne Frau: „Wenn ihr wollt, kann ich ihn in Sünde stürzen.“ Danach begab sich die Frau zu Hazrat Dscharidschs Chanqah und begann, ihn zu einer sündhaften Tat einzuladen. Allah, der Erhabene, ließ Hazrat Dscharidsch Seine Barmherzigkeit zuteilwerden, und er entkam völlig dem Komplott dieser lasterhaften Frau. Als sie an ihm verzweifelte, ging die Frau zu dem Hirten, der sich in Hazrat Dscharidschs Chanqah aufhielt. Der Hirte fiel ihrem Komplott zum Opfer und ließ sich auf die schändliche Tat ein. Als die Frau daraufhin ein Kind bekam, verbreitete sie, es sei Dscharidschs Sohn. Als diese Nachricht den König erreichte, befahl er, die Chanqah niederzureißen und Dscharidsch zu ihm zu bringen.
Die Leute kamen zu Hazrat Dscharidschs Chanqah, rissen sie nieder und schlugen ihn erbarmungslos. Danach banden sie ihm die Hände auf den Rücken und brachten ihn zum König. Als er mit auf dem Rücken gefesselten Händen fortgeführt wurde, begannen einige lasterhafte Frauen am Weg, ihn in diesem Zustand zu sehen und zu lachen. Als Hazrat Dscharidsch ihr Lachen sah, lächelte auch er leicht.
Der König sagte zu Hazrat Dscharidsch: „Was sagt diese Frau?“ Er erwiderte: „Sagt mir, was sie sagt.“ Der König sagte: „Sie behauptet, das Kind sei Dscharidschs.“ Dscharidsch, Allahs Barmherzigkeit sei auf ihm, sagte: „Man soll das Kind herbeibringen.“ Als das Kind gebracht worden war, sagte er: „Gebt ihm die Gelegenheit, das Gebet zu verrichten.“ Er betete. Als er das Gebet beendet hatte, stieß er mit seinem Finger gegen den Bauch des Kindes und sagte: „Sag, wer ist dein Vater?“ Auf Allahs Geheiß öffnete sich die Zunge des Kindes, und es sagte: „Der und der Hirte ist mein Vater.“ Daraufhin begannen die Leute, Hazrat Dscharidschs Hände und Füße zu küssen, und baten ihn um Vergebung. Auch der König war tief beeindruckt und sagte zu Hazrat Dscharidsch: „Soll ich deine Chanqah aus Gold errichten lassen?“ Er sagte: „Nein. Errichtet sie vielmehr genauso, wie sie aus Lehm war.“
Der König sagte: „Nun, Hazrat, darf ich dich etwas fragen? Als einige lasterhafte Frauen dich auf dem Weg spöttisch anlachten, warum hast du da gelächelt?“ Er sagte: „Das ist ein Geheimnis, das nur ich kenne. Alles, was geschehen ist, war die Folge des Fluches meiner Mutter. Der Fluch meiner Mutter hat mich getroffen.“ Dann schilderte er ausführlich die ganze Geschichte des Fluches seiner Mutter.
Die lehrreiche Strafe für den Ungehorsam gegenüber der Mutter
Zur Zeit des Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ereignete sich ein erschütternder Vorfall. Wenn man diesen Vorfall hört, scheint es, als würde einem das Herz aus dem Mund treten. Einige Gefährten, Allahs Wohlgefallen sei auf ihnen, befanden sich im Dienst des Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Da kam ein Mann und sagte: „O Gesandter Allahs! Ein junger Mann liegt im Sterben. Die Leute fordern ihn auf, das Glaubensbekenntnis zu sprechen, doch sein Mund lässt sich überhaupt nicht öffnen.“ Der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, fragte: „Verrichtete dieser Mann das Gebet?“ Er sagte: „Ja, er pflegte zu beten.“ Daraufhin erhob sich der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und ging mit ihm. Auch wir folgten ihnen. Der geliebte Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, erreichte den jungen Mann. Dieser befand sich bereits im Zustand unmittelbar vor dem Tod. Er forderte ihn auf, das Glaubensbekenntnis zu sprechen. Der junge Mann sagte: „O Gesandter Allahs! Ich kann es nicht sprechen.“ Er fragte: „Warum? Was ist geschehen?“ Es stellte sich heraus, dass er seiner Mutter gegenüber ungehorsam war. Er fragte die Leute: „Lebt seine Mutter noch?“ Alle sagten: „Ja, sie lebt.“ Der geliebte Prophet befahl, seine Mutter zu holen. Als seine alte Mutter kam, sagte er zu ihr: „Geehrte Frau, ist dies dein Sohn?“ Sie sagte: „Ja, er ist mein Sohn.“ Er sagte: „Geehrte Frau, sag mir: Wenn ein schreckliches Feuer entzündet würde und man dir sagte, dass er gerettet werde, wenn du Fürsprache für ihn einlegst, andernfalls aber hineingeworfen werde – würdest du unter diesen Umständen Fürsprache einlegen?“ Die alte Frau sagte: „Ja, dann würde ich gewiss Fürsprache einlegen.“ Da sagte der Prophet der Barmherzigkeit, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm: „Dann sollst du Allah und mich zu Zeugen nehmen und sagen, dass du ihm wieder wohlgesinnt bist.“ Die alte Frau sagte: „O Allah! Ich nehme Dich und Deinen Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu Zeugen dafür, dass ich meinem geliebten Sohn wieder verziehen habe.“
Darauf wandte der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, seinen Blick dem jungen Mann zu und sagte: „Sprich: ‚La ilaha illallahu wahdahu la scharika lahu wa aschhadu anna Muhammadan abduhu wa rasuluhu.‘“ Durch den Segen der Zufriedenheit seiner Mutter öffnete sich der Mund des jungen Mannes, und er sprach sofort das Glaubensbekenntnis. Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, dies sah, pries er Allah und sagte: „Allah sei Dank, dass Er durch mich diesen jungen Mann vor der schrecklichen Strafe der Dschahannam errettet hat.“ – at-Tabarani, Ahmad
Auf einen Blick: Die Früchte des guten Umgangs mit den Eltern
Erstens: Zu den größten Gaben Allahs gehören die Eltern. Nach Allah haben die Eltern den größten Anteil an der Geburt und Erziehung des Menschen. Wenn du ihre Wohltaten anerkennst, erkennst du damit Allahs Wohltaten an. Und wenn du ihnen dankbar bist, bist du Allah dankbar.
Zweitens: Halte deine Eltern zufrieden, dann wird Allah mit dir zufrieden sein. Wenn sie wegen irgendeiner Nachlässigkeit oder deines Ungehorsams unzufrieden mit dir werden, wird Allah mit dir unzufrieden sein. In der Zufriedenheit der Eltern liegt Allahs Zufriedenheit, und im Missfallen der Eltern liegt Allahs Missfallen.
Drittens: Gutes Verhalten gegenüber den Eltern und ihnen Khidmat zu leisten, ist dem Dschihad gleichwertig, ja zuweilen sogar eine noch größere Tat. Wenn Sie ihnen ergeben Khidmat leisten, werden auch Sie wie die Mujahidin zu denjenigen gezählt, die sich für die Etablierung der Religion einsetzen. In den Augen Allahs besitzen auch Sie einen Rang, der demjenigen der Teilnehmer am Dschihad auf dem Schlachtfeld gleichkommt.
Viertens: Die Zufriedenheit der Eltern ist der Schlüssel zum Paradies. Wenn man stets danach strebt, die Eltern zufriedenzustellen, wird man Allahs Zufriedenheit erlangen.
Fünftens: Wem Allah, der Erhabene, die Möglichkeit gibt, seinen Eltern Khidmat zu leisten, dem hat Er in Wirklichkeit die Möglichkeit gegeben, den Weg zum Paradies zu beschreiten. Wer diese Möglichkeit nutzt, dem wird Allah das Paradies gewähren. Wer diese Möglichkeit jedoch nicht ergreift, wird zugrunde gehen.
Sechstens: Der Tawaf um Allahs Haus sowie die Verrichtung von Hadsch und Umra sind wichtige gottesdienstliche Handlungen. Wenn jemand seinen Eltern Khidmat leistet, wird Allah ihm einen Lohn gewähren, der dem eines Menschen entspricht, der Hadsch und Umra verrichtet hat.
Siebtens: Wenn Sie Ihre Eltern mit Adab und Ehrerbietung behandeln, wird auch Ihr Kind Sie ehren. Wenn Sie Ihren Eltern Gutes tun, wird Allah, der Erhabene, auch Ihre Kinder genau dies lehren.
Achtens: Durch die Khidmat der Eltern werden alle Schwierigkeiten und Sorgen beseitigt.
Neuntens: Halten Sie sich niemals von der Gehorsamkeit gegenüber Ihren Eltern sowie von Adab und Ehrerbietung ihnen gegenüber fern. Dadurch werden Segen im Leben und ein größerer Spielraum für den Lebensunterhalt und den Erwerb des Lebensunterhalts entstehen.
Die Rechte der Kinder
Die Würde der Kinder
Erziehung und Pflege
Gutes Verhalten
Einen guten Namen geben
Zuneigung und Liebe
Bildung und Ausbildung
Heirat
Der Wunsch nach Kindern
Wer wünscht sich keine Kinder? Es gibt kein Haus, in dem kein Wunsch nach Kindern besteht. Tatsächlich kommt durch die Anwesenheit von Kindern Segen in das Haus, und die Kinder mehren seine Schönheit. Ein Haus, in dem das fröhliche Stimmengewirr unschuldiger Kinder fehlt, ist ohne Glanz und Schönheit. Besonders ein Haus, in dem kein kindliches Lachen und Plaudern zu hören ist, erscheint den Frauen beängstigend. Frauen verbringen jeden Augenblick ihres Lebens in der Hoffnung auf ein Kind. In ihrer Vorstellungswelt warten sie darauf, wann sie ihren Schoß erhellen und ein Kind willkommen heißen werden. Sie sehnen sich danach, dass das Kind sie eines Tages „Mama, Mama“ ruft. Sie ist darauf bedacht, die Freude und das Glück der verschiedenen Lebensabschnitte des Kindes zu erleben. Für diese Freude zählt sie die Tage und empfindet dank ihrer seelischen Freude innere Gesundheit. Manchmal entdeckt sie in sich eine würdevolle Persönlichkeit, wenn sie in ihrer Vorstellungswelt über die schöne oder außergewöhnlich erfolgreiche Zukunft ihres geliebten Kindes und über einen fröhlichen, glücklichen Frühling nachdenkt. Danach neigt sie in einem Gefühl der Dankbarkeit ihr Haupt vor Allah. Sie denkt darüber nach, welch große Gunst Allah einem schwachen Wesen wie ihr erwiesen und wie wertvoll und notwendig Er ihre Existenz für die menschliche Gesellschaft gemacht hat. Allah hat die Natur der Frauen in gewisser Weise so geschaffen, dass sie ihr ganzes Leben als dem Kind gehörend betrachtet und tiefen Frieden und große Freude empfindet, wenn sie ihr Leben für das Kind opfert. Lange Zeit zählt sie Tag für Tag die Zeit, während sie ihren eigenen Herzensanteil an ihrem Körper und ihrer Seele teilhaben lässt. Wenn Allah, der Erhabene, durch Seine Gunst ihren Schoß mit einem Kind erfüllt, blickt sie liebevoll auf das Neugeborene. Zu diesem Zeitpunkt wischt sie aus ihrer Gedankenwelt all die Bilder von Leid und Schmerz fort, die sie bis zur Geburt des Kindes ertragen hat. Danach beginnt die zweite Phase. Diese Phase ist die des Opfers für die Pflege und Erziehung des Kindes. Die Wirklichkeit ist, dass Allah, der Erhabene, ihr die große Aufgabe dieses Dienstes anvertraut hat. Deshalb hat Allah, der Erhabene, ihnen großzügig außergewöhnliche Gefühle, beispiellosen Mut und beispiellose Geduld beim Ertragen von Leid und Schmerz sowie höchste moralische Fähigkeiten für die Erziehung der Kinder verliehen. Frauen ertragen all diese Mühen nicht nur aus Zwang, sondern empfinden entsprechend der natürlichen Bestimmung Freude und Ehre darin, Leid und Schmerz auf sich zu nehmen. Sie besitzen den beispiellosen Mut, bei der Geburt eines Kindes immer wieder dem Tod entgegenzugehen. Für die Pflege und Betreuung des Kindes opfern sie ihre eigenen Wünsche, Freuden, Schönheit und Jugend und empfinden dadurch tiefen Frieden und große Freude.
Die Besonderheit muslimischer Frauen
Wenn die Denkweise der Frauen islamisch ist, betrachten sie jede Stufe des Ertragens von Leid und Schmerz als einen Einsatz im Dschihad auf Allahs Weg. Vor allem betrachten sie sich als mit der Anbetung beschäftigt. Der Islam schafft im Herzen jeder Frau die Überzeugung, dass diese körperliche und natürliche Aufgabe der Frauen, ihre Belohnung und ihr Nutzen nicht nur auf diese Welt beschränkt sind und dass jede ihrer Taten des Ertragens von Leid und Schmerz, des Opfers und der Hingabe in Allahs Augen der Anbetung und dem Dschihad gleichkommt. Jede Frau, die diese Mühen erträgt und sich für ihre Kinder opfert, ist tatsächlich im Dschihad tätig und mit der Anbetung Allahs beschäftigt. Dieser Dschihad und diese Anbetung haben auch weltliche Vorteile. Doch die muslimischen Frauen richten ihren Blick ebenso auf die ewigen Gaben. Diese Gaben werden ihnen im jenseitigen Leben zuteil. Die Besonderheit der muslimischen Frau besteht darin, dass sie durch das Ertragen verschiedener Mühen für ihre Kinder und durch das Opfern ihrer eigenen Wünsche, Gefühle, Schönheit und Jugend nicht nur weltlichen Nutzen erlangt – dieser weltliche Gewinn tritt manchmal ein und manchmal nicht –, sondern im ewigen Leben des Jenseits Allahs Zufriedenheit und das Paradies erlangen wird. Und zwar ein Paradies, in dem jeder ihrer Wünsche erfüllt wird. Für die Erfüllung jedes Gefühls wird ihr das Notwendige bereitgestellt, und ihr wird eine Schönheit und Jugend verliehen, die niemals vergehen. Diese Schönheit und Jugend wird frei von der Furcht des Alters sein.
Ein herausragender Aspekt der islamischen Weltanschauung ist, dass eine muslimische Frau, selbst wenn sie nach gewissenhafter Erfüllung ihrer Pflichten unglücklicherweise des weltlichen Wohlergehens beraubt wird, nicht verzweifelt und auch bei der Erfüllung ihrer Pflichten kein Zögern zeigt. Sie fährt mit heiterem Herzen, in Frieden und mit aufrichtiger Hingabe fort, ihre Pflichten zu erfüllen. Selbst wenn sie nach dem Ertragen aller Arten von Leid und nach allen Opfern für ihre Kinder von ihnen kein Glück erfährt und die Kinder ihre Hoffnungen, Wünsche und Träume in Stücke schlagen, wird sie nicht zum Opfer der Verzweiflung und schämt sich ihrer Arbeit nicht. Auch in dieser Hinsicht hegt sie für die Zukunft keine falschen Gedanken. Denn sie weiß, dass der eigentliche und wahre Erfolg der gläubigen Frau der Erfolg im Jenseits ist. Dieser Gedanke tröstet sie stets: Allah wird ihr im Jenseits ihre Taten vergelten. Diese Vergeltung wird so groß sein, dass es keinerlei Anlass zur Reue geben wird. Es wird auch keine Furcht bestehen, dass ihr die dortige Belohnung genommen werden könnte. Deshalb bleibt sie ihr ganzes Leben lang tätig und betrachtet alle diese Handlungen als Anbetung und Dschihad auf Allahs Weg.
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte:
المرأةُ إِذَا حَمِلَتْ كَانَ لَهَا أَجْرُ الصَّائِمِ الْقَائِمِ الْمُخْبِتِ الْمُجَاهِدِ فِي سبيل الله وَإِذا ضربها الطلق فَلا تَدرِى الْخَلَائِقُ مَا لَهَا مِنَ الْأَجْرِ وَإِذَا وضعت كَانَ لَها بِكُلِّ مَضَةٍ أو رضعة أجرُ نَفْسٍ تُحْيِيهَا وَإِذَا أَفْطَمَت ضَرَبَ الْمَلِكِ عَلَى مَنْكَبِهَا وَقَالَ اسْتَائِفِي الْحَمَلَ – كنز العمال„Wenn eine Frau schwanger ist, erhält sie während der gesamten Schwangerschaft eine Belohnung und einen Lohn wie eine fastende, nachts im Gebet wachende, gehorsame und auf Allahs Weg kämpfende Dienerin. Für die Schmerzen bei der Geburt erhält sie eine Belohnung und einen Lohn, deren Ausmaß kein Geschöpf ermessen kann. Niemand kann sich vorstellen, wie groß diese Belohnung und dieser Lohn sind. Wenn das Kind nach den Wehen geboren wird und sie es mit ihrer eigenen Milch stillt und aufzieht, erhält sie für jeden Tropfen Milch jene Belohnung und jenen Lohn, die man für das Beleben eines Menschen erhält. Und wenn das Kind entwöhnt wird, legt der Engel Allahs ihr in Ehrerbietung und Liebe die Hand auf die Schulter und sagt zu ihr: ‚Dienerin Allahs, mache dich nun für eine zweite Schwangerschaft bereit.‘“
Die Hoffnungen und Wünsche der Mutter
Eine Frau, die ihr eigenes Leben wiederholt Gefahren aussetzt, ihren Körper und ihre Lebenskraft erschöpft, Kinder zur Welt bringt und sie aufzieht, erwartet von diesen Kindern ganz natürlich einiges. Sie hegt den aufrichtigen Wunsch, dass die Zukunft ihrer Kinder großartig und glücklich sein möge, dass sie dankbar und dienstbereit seien, entsprechend den Gedanken und Idealen der Mutter eine gute Zukunft aufbauen, die Religion und Kultur ihrer Eltern bewahren und beispiellos gehorsam sein mögen. Wenn sie sieht, dass die Kinder ihre Träume und Wünsche verwirklichen, nach ihren Vorstellungen erzogen werden und Allah sie zu den höchsten Stufen der Vortrefflichkeit erhoben hat, kennt ihre Freude und ihr Stolz keine Grenzen.
Allgemeine Klagen über die Kinder
Doch wenn gerade jene Kinder, in deren Dienst die schwache Mutter Tag und Nacht beschäftigt ist, ihre körperlichen Kräfte und ihre Lebensenergie aufzehrt und stets mit erhobenen Händen für sie betet, die Träume, Wünsche und Hoffnungen ihrer Mutter zunichtemachen und ungehorsam und rebellisch werden – wie wird es dann dieser Mutter ergehen? Ihr seelischer und innerer Schmerz und ihre Qual lassen sich nicht in Worte fassen.
In der heutigen Zeit hört man in beinahe jeder Familie – außer in einigen vom Glück begünstigten – dasselbe Wehklagen und Jammern. Alle sagen dasselbe: Der Zustand der Kinder ist unbeschreiblich. Ob Söhne oder Töchter – sie sind sich der Rechte ihrer Eltern nicht bewusst. Respekt und Achtung gegenüber den Eltern zu zeigen und ihnen Gehorsam zu erweisen, liegt ihnen überhaupt nicht. Es scheint, als seien der Umgang mit den Eltern, ihre Zufriedenheit, ihr Dienst, die Erweisung von Respekt und die Rücksicht auf ihre Gefühle und Empfindungen für sie bedeutungslose Dinge. Eine allgemeine Klage lautet, dass die Kinder undankbar und rebellisch werden. Ganz gleich, in welcher Versammlung man sitzt oder welches Haus man besucht – man hört überall dasselbe und sieht die Eltern über dieselbe Angelegenheit weinen. Danach beginnen einige ältere Frauen, die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, und sagen: „Ach, meine Tochter, konnten die Kinder zu unserer Zeit vor ihren Eltern mit erhobener Stimme sprechen?“ Dann beginnt eine lange Erzählung über das schlechte Umfeld, die verderbte Zeit, die Verbreitung falscher und schlechter Denkweisen, obszöne Literatur, eine von Moral entblößte Erziehung und Ähnliches. Jede Frau empfindet eine gewisse Erleichterung und denkt: Was könnte unter diesen Umständen anderes geschehen? Was könnten die Eltern sonst noch tun? Diese Situation ist äußerst traurig.
Ein Grund zur Sorge für die Eltern
Zweifellos liegt nicht alles in der Macht der Eltern. Doch sie sind durchaus in der Lage, über ihre eigene Rolle nachzudenken. Im Licht der Religion Allahs müssen sie ihre Handlungen überprüfen und sich fragen, ob sie bei der Erfüllung der Verantwortung, die Allah der Mutter hinsichtlich der Erziehung, Ausbildung und Betreuung der Kinder auferlegt hat, irgendeinen Mangel aufweisen. Gibt es in Ihren Hoffnungen und Erwartungen hinsichtlich des künftigen Lebens Ihrer Kinder keine Unstimmigkeit? Versäumen Sie es nicht etwa, ihnen die Rechte zu gewähren, die Allah ihnen verliehen hat? Die Kinder können Ihre Hoffnungen und Erwartungen erst dann erfüllen, wenn auch Sie ihre Rechte nicht vernachlässigen. Sie können das Kind als jemanden sehen, der mit edlem Charakter geschmückt, glücklich, dienstbereit, gehorsam und von schönem Umgang ist, und diese Erwartung kann sich erfüllen, wenn Sie jene Verantwortungen erkennen und sie mit Leib, Seele und Vermögen erfüllen. Der Ungehorsam und die Rebellion eines Kindes sind zweifellos traurig. Doch es ist ebenfalls eine Frage, über die man nachdenken muss: Ist dieser Zustand vielleicht die Folge der Nachlässigkeit der Eltern und ihres mangelnden Verantwortungsbewusstseins? Wie soll ein Kind über Ihre Rechte nachdenken, dem Sie überhaupt kein Bewusstsein für diese Rechte vermittelt haben? Wie soll ein Kind an den Dienst und den Respekt gegenüber den Eltern denken, dem niemals gesagt wurde, dass der Dienst an den Eltern und ihre Achtung für ein Kind verpflichtend sind? Wenn Sie nicht auf ihre Gefühle und Empfindungen achten, von wem sollen sie dann lernen, auf Ihre Gefühle und Empfindungen zu achten? Wenn Sie sie nicht lieben und ihnen durch Ihr Verhalten zu verstehen gegeben haben, dass Sie ihren Tod lieber hätten als die Mühen ihrer Erziehung und Betreuung – wie sollen sie dann daran denken, Sie zu lieben und Ihnen zu dienen? Wenn Sie nur Ihre eigenen Bedürfnisse nach Bequemlichkeit und Wohlleben beachten und ihre Bedürfnisse vergessen, woher soll dann bei ihnen ein Bewusstsein für Ihre Bedürfnisse entstehen? Wenn Sie bei der Reform der Gesellschaft und beim Aufbau von Zivilisation und Kultur Träger eines besonderen Ideals sind, wie können Sie von ihnen verlangen, Träger dieses Ideals zu werden, ohne dessen Wert in ihren Herzen zu verankern? Erwarten Sie von Ihren Kindern nur das, wofür Sie sie vorbereitet haben, und erwarten Sie von ihnen nur ein Verhalten, wie Sie es ihnen gegenüber selbst gezeigt haben.
„Hazrat Nuʿmān, möge Allah mit ihm zufrieden sein, berichtet: Mein Vater, Hazrat Bashīr, möge Allah mit ihm zufrieden sein, brachte mich zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und sagte: ‚O Gesandter Allahs, sei Zeuge, dass ich Nuʿmān dies und jenes Geschenk gegeben habe.‘ Darauf fragte ihn der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm: ‚Hast du all deinen Kindern ein solches Geschenk gegeben?‘ Er antwortete: ‚Nein, ich habe es nicht allen gegeben.‘ Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: ‚Dann nimm jemand anderen zum Zeugen.‘ Danach sagte er: ‚Möchtest du nicht, dass alle deine Kinder dir gegenüber in gleicher Weise rechtschaffen handeln?‘ Bashīr, möge Allah mit ihm zufrieden sein, antwortete: ‚Doch, gewiss.‘ Er sagte: ‚Dann tu dies nicht.‘“ – Al-Adab al-Mufrad
Dieser Teil des Hadith verdient besondere Beachtung: „Möchtest du nicht, dass alle deine Kinder dir gegenüber in gleicher Weise rechtschaffen handeln?“ Das bedeutet, dass das Kind durch Ihr Verhalten lernt, wie es sich gegenüber den Eltern verhalten muss.
Bei der Bildung des Charakters und des Verhaltens eines Kindes wirken neben den Eltern auch andere Faktoren mit. Erziehung, Umfeld, Freunde, Verwandte und das staatliche System tragen jeweils in ihrem eigenen Bereich Verantwortung für Aufbau und Zerstörung. Hier wird jedoch nur über die Eltern gesprochen. Welche Verantwortungen tragen sie gegenüber den Kindern, und welche Rechte haben die Kinder ihnen gegenüber? Dies wird nun erörtert.
Eine klare Vorstellung von den Rechten der Kinder
Jede Mutter wünscht sich, dass ihr Kind ihr inneren Frieden und Augenfreude schenkt, dass es für sie in dieser Welt und im Jenseits eine Quelle von Ehre und Wohlstand ist und dass es ihrer Familie und Gesellschaft Nutzen bringt. Dieser Wunsch verdient zweifellos Anerkennung. Doch kein Wunsch erfüllt sich allein durch Gebete. Ihre Gebete sind rein, und auch Ihre Wünsche sind rein; dennoch kann kein Ziel allein durch Gebete und Wünsche erreicht werden. Wenn man nicht entsprechend seinen Gebeten und Wünschen auf richtige Weise sein Bestes tut, wird daraus niemals Erfolg entstehen. Wer wünscht sich nicht eine gute und fortschrittliche Zukunft für sein Kind? Welche Mutter wünscht sich, dass ihr Kind einen irregeleiteten Weg beschreitet? Wessen Herz wird nicht durch die schlechten Taten und die Irreführung eines Kindes verletzt? Wenn ein Kind beschämt und erfolglos ist, aus wessen Augen würden dann keine Tränen wie Blut fließen? Und welche Mutter würde beim Anblick der erfolgreichen Zukunft ihres Kindes nicht vor Freude überglücklich werden? Doch allein durch gute Gefühle und Empfindungen kann ein Ziel nicht erreicht werden. Für eine strahlende Zukunft der Kinder ist es notwendig, ihnen ein klares Verständnis ihrer Rechte zu vermitteln und sich mit ganzer Kraft darum zu bemühen, dass ihre Rechte erfüllt werden. Erst nachdem Sie Ihre eigene Verantwortung schön und ordnungsgemäß erfüllt haben, können Sie Ihre Kinder lehren, ihre Rechte einzufordern. Wenn Sie selbst kein klares Verständnis ihrer Rechte haben, wie wollen Sie diese Rechte dann erfüllen?
Sie müssen sich auch deshalb für die Erfüllung der Rechte Ihrer Kinder einsetzen, weil dies Ihre religiöse Verantwortung ist. Allah hat ihre Rechte festgelegt, und eines Tages wird Er Sie diesbezüglich zur Rechenschaft ziehen.
Der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte:
والمرأة راعية على بيت زوجها وولده فَكُلُّكُمْ رَاعٍ وَكُلُّكُمْ مَسْئُولٌ عَنْ
رعيته – متفق عليه„Und die Frau ist die Hüterin des Hauses ihres Ehemannes und seiner Kinder. Ihr alle seid Hüter, jeder entsprechend seiner Stellung, und jeder von euch wird über diejenigen, die seiner Obhut anvertraut sind, befragt werden.“ – Überliefert von al-Buchārī und Muslim
Zweifellos ist auch der Vater der Beschützer seiner Kinder und für ihre Rechte verantwortlich. Doch Tatsache ist, dass die Verantwortung der Mutter etwas größer ist. Der Vater hält sich wegen seines Einsatzes für den Lebensunterhalt die meiste Zeit außerhalb des Hauses auf. Zu Hause ist stets die Mutter bei den Kindern, und auch das Kind hängt stärker an der Mutter. Da die Mutter sich naturgemäß mehr um die Kinder kümmert, verbringt sie mehr Zeit mit ihnen, und die Kinder werden auch in gewissem Maße stärker von der Mutter geprägt.
Die Rechte der Kinder
Es entspricht ebenfalls der Wirklichkeit, dass Allah, der Erhabene, den Frauen im Rahmen Seiner Weisheit im Vergleich zu den Männern etwas mehr von den hochstehenden moralischen Eigenschaften und Tugenden verliehen hat, die erforderlich sind, um die Pflichten gegenüber den Kindern schön und ordnungsgemäß zu erfüllen und ihre Rechte zu wahren. Die grundlegenden Eigenschaften der Geduld, der Aufopferung und Hingabe, des Mitgefühls, der Sanftmut und der Liebe wurden den Frauen in größerem Maße als den Männern gegeben. Gerade deshalb benötigen sie diese Eigenschaften in größerem Maße, um die Pflichten zu erfüllen, die Allah, der Erhabene, ihnen auferlegt hat.
Die sieben Rechte der Kinder
Erstens: die Wertschätzung und der Wert des Kindes
Zweitens: die Fürsorge und Erziehung
Drittens: ein schönes Verhalten
Viertens: einen guten Namen geben
Fünftens: Zuneigung und Liebe
Sechstens: Bildung und Ausbildung sowie
siebtens: die Eheschließung.
Im Folgenden werden wir diese sieben Rechte ausführlich behandeln. Zusammen mit einem von Herzen kommenden Bittgebet für das Kind können nur ein tiefes Verständnis dieser Rechte und eine vollständige Vorkehrung für ihre Erfüllung dazu führen, dass Ihr Kind Ihre Augen erfreut.
Die Wertschätzung und der Wert des Kindes
Das erste und wichtigste Recht des Kindes besteht darin, dass Sie ihm gegenüber ein Gefühl für seine Würde und seinen Wert haben. Sie sollten sich nicht darüber ärgern und seine Existenz als ein Unglück des Lebens betrachten. Vielmehr sollten Sie das Kind für sich als eine Barmherzigkeit und Belohnung Allahs betrachten. Wenn es Ihnen nicht gelingt, den Wert seiner Existenz anzuerkennen, werden Sie seine anderen Rechte niemals erfüllen können; entweder werden Sie ihm auch keine Gelegenheit geben, seine anderen Rechte zu erhalten, oder selbst wenn sich eine solche Gelegenheit ergibt, werden Sie nicht in der Lage sein, diese Rechte zu erfüllen.
Um richtig mit dem Kind umzugehen, ist es äußerst notwendig, seine angemessene Würde und seinen Wert zu kennen. Das Kind ist eine großartige Gunst Allahs. Das Kind ist der Schmuck des Hauses, ein Zeichen des Guten und des Segens sowie gleichbedeutend mit Wohlergehen in dieser Welt und im Jenseits. Das Kind steigert Ihr Ansehen und Ihre Würde in dieser Welt und gilt als Stütze oder Helfer in Ihrem Leben. Es erfüllt Ihre Hoffnungen und Wünsche. Es wird zum Mittel, Ihre geliebten Vorstellungen oder Ideale zu bewahren und zu verbreiten. Es führt die von Ihnen begründeten Regeln und Bräuche fort und hält später als Ihr Erbe Ihre Verdienste lebendig.
Auch aus religiöser Sicht ist das Kind eine beispiellose Belohnung Allahs. In religiösen Angelegenheiten ist es Ihr bester Helfer und Erbe. Bei der Rechenschaft über religiöse Aufgaben ist es der Trost Ihrer Augen und der Frieden Ihres Herzens. Es ist der Bewahrer und Erbe Ihrer religiösen Bräuche und Ideale. Deshalb bittet der Prophet Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Allah im Bittgebet:
رب هَبْ لِي مِنْ لَّدُنْكَ ذُرِّيَّةً طَيِّبَةً .
„O mein Allah! Gewähre mir von Dir ein frommes Kind.“
Dieses Bittgebet hatte einen bestimmten Zweck: Das Kind sollte nach ihm ein religiöser Erbe werden und die Mission des Vaters erfüllen.
فَهَبْ لِي مِن لَّدُنكَ وَلِيًّا – يَرِثُنِي وَيَرِثُ مِنْ آلِ يَعْقُوب –
„(O mein Herr,) schenke mir von Dir einen Erben. Dieser Erbe soll mein Erbe sein und auch das Erbe der Familie Jakobs antreten.“
Das bedeutet: Er sollte der Erbe des Lichts der Religion werden, das sich aus der Familie Jakobs, Friede sei mit ihm, verbreitet hatte, und niemals zulassen, dass dieses Licht erlischt. Wahrlich, ein rechtschaffenes Kind ist sowohl in dieser Welt ein gewaltiges Mittel zu Ansehen und Ehre als auch im Jenseits ein Mittel zu unerschöpflichem Lohn und großer Belohnung.
Ein besonderer Palast im Paradies
Wenn zu Ihren Lebzeiten ein Kind stirbt und Sie den Schmerz über seinen Tod mit Geduld und Standhaftigkeit ertragen, wird dieses Kind für Sie ein Vorrat für das Jenseits, ein Mittel zum Paradies und ein gewaltiges Mittel zu Ansehen und Ehre sein. Als Belohnung für diese Geduld wird Allah Ihnen das Paradies schenken und dort für Sie einen besonderen Palast errichten. Dieser Palast wird „Palast der Dankbarkeit“ genannt werden. Hadhrat Abu Musa al-Aschʿari, möge Allah mit ihm zufrieden sein, überlieferte, dass der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte:
إِذا مَاتَ وَلَدُ الْعَبْدِ قَالَ اللهُ تَعَالَى لِمَلَائِكَتِهِ قَبَضْتُمْ وَلَدَ عَبدِي فَيَقُولُونَ نعم فَيَقُولُ قَبَضْتُم ثمرة فؤاده فيقولون نعم فَيَقُولُ فَمَاذَا قَالَ عَبْدِى فيقولون حمدك واسترجع فَيَقُولُ الله تعالى ابْنُوا لِعَبْدِي بَيْتًا فِي الْجَنَّةِ وسموه بيت الحمد – جامع ترمذى
„Wenn das Kind eines Dieners stirbt, fragt Allah, der Erhabene, Seine Engel: ‚Habt ihr das Kind Meines Dieners zu euch genommen?‘ Sie antworten: ‚Ja.‘ Er fragt: ‚Habt ihr die Frucht seines Herzens zu euch genommen?‘ Sie antworten: ‚Ja.‘ Darauf fragt Allah: ‚Was hat Mein Diener gesagt?‘ Sie antworten: ‚(O Herr,) Dein Diener hat Dich gepriesen und in diesem Unglück „Innā lillāhi wa innā ilaihi rādschiʿūn“ gesagt.‘ Da befiehlt Allah, der Erhabene, den Engeln, für Seinen Diener im Paradies einen Palast zu errichten und ihn „Palast der Dankbarkeit“ zu nennen.“
„Hadhrat Umm Habiba, möge Allah mit ihr zufrieden sein, überlieferte: Ich saß bei Hadhrat Aischa, möge Allah mit ihr zufrieden sein, als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu uns kam. Er, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: Wenn einem muslimischen Ehepaar drei minderjährige Kinder sterben, werden diese Kinder am Tag der Auferstehung am Tor des Paradieses stehen. Wenn ihnen befohlen wird, ins Paradies einzutreten, werden diese unschuldigen Kinder antworten: ‚Wir können nicht ins Paradies eintreten, solange unsere Eltern nicht ins Paradies eingetreten sind.‘ Dann wird Allah befehlen: ‚Geht! Tretet allesamt, ihr und eure Eltern, ins Paradies ein.‘“ – at-Tabarani
Das Kind als fortdauernde Almosengabe
Wenn Sie zu Lebzeiten Ihres Kindes aus dieser Welt scheiden, wird Ihr Kind für Sie als eine solche Sadaqa gelten, deren Lohn bis zum Fortbestehen dieser Welt in Ihrem Tatenbuch niedergeschrieben wird. Mit dem Tod endet die Möglichkeit des Menschen, Taten zu vollbringen. Wenn er jedoch ein frommes Kind hinterlässt, wird dies eine solche gute Tat sein, deren Lohn weiterhin niedergeschrieben wird. Hadhrat Abu Huraira, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, überlieferte, dass der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte:
إِذَا مَاتَ الْإِنسان انقطع عمله إلا من ثلاث صدقة جارية أو علم ينتفع به أو ولد صالح يدعوله – صحيح مسلم„Wenn ein Mensch verstirbt, endet die Möglichkeit, Taten zu vollbringen. Davon ausgenommen sind drei Dinge, deren Lohn er auch nach seinem Tod weiterhin erhält: eine Sadaqa, deren Nutzen danach fortbesteht; Wissen, das er hinterlässt und von dem die Menschen weiterhin profitieren; oder ein frommes Kind, das nach seinem Tod für ihn Bittgebete spricht.“
„Hadhrat Abu Huraira, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, sagte: Wenn der Rang eines Verstorbenen erhöht wird, fragt er verwundert: ‚Wie ist das geschehen?‘ Ihm wird von Allah mitgeteilt: ‚Dein Kind bittet für dich um Vergebung, und Allah hat dieses Bittgebet angenommen.‘“
„Hadhrat Ibn Sirin, Allah erbarme sich seiner, sagte: Eines Nachts saßen wir bei Abu Huraira, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm. Da hob er zum Bittgebet seine Hände und sagte demütig: ‚O mein Herr, vergib Abu Huraira. O Herr, vergib der Mutter Abu Hurairas, und o Herr, vergib auch all jenen Menschen, die für Abu Huraira und seine Mutter um Vergebung bitten.‘ Deshalb bitten wir weiterhin für Hadhrat Abu Huraira, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, und seine Mutter um Vergebung, damit wir in das Bittgebet von Abu Huraira, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, eingeschlossen sind.“
Die Tötung von Kindern ist die abscheulichste Sünde
Obwohl die muslimische Gesellschaft heute durch bedauerlichen Rückschritt und einen lehrreichen Niedergang schwer verwundet ist, den Mut verloren hat, in der Welt voranzuschreiten und Fortschritt zu erreichen, und die Lehre vom Erlangen eines hohen Ranges im Jenseits vergessen hat, besitzen muslimische Frauen dank ihrer Verbundenheit mit dem Tawhid und den grundlegenden Lehren der Religion dennoch das besondere Vorrecht, dass sie manche Sünden nicht einmal in Betracht ziehen können – Sünden, in die andere Frauen verstrickt sind oder in die sie sehr leicht verstrickt werden können.
Eine muslimische Frau kann sich nicht einmal vorstellen, ihr unschuldiges Kind eigenhändig zu töten. Um diese schwerwiegende Sünde auszurotten, hat der Islam einerseits im Herzen der Eltern ein tiefes Bewusstsein für die Würde des menschlichen Lebens sowie Wertschätzung und Achtung gegenüber dem Kind geschaffen. Andererseits hat er die Tötung von Kindern als eine derart schwere Sünde bezeichnet, dass sie als ebenso abscheuliche Sünde wie Schirk beschrieben wurde. Im Heiligen Koran heißt es:
قُلْ تَعَالَوْا أَتْلُ مَا حَرَّمَ رَبُّكُمْ عَلَيْكُمْ أَلَّا تُشْرِكُوا بِهِ شَيْئًا وَبِالْوَالِدَيْنِ إِحْسَانًا وَلَا تَقْتُلُوا أَوْلَادَكُمْ مِّنْ إِمْلَاقٍ – – الانعام : ١٥١„O Gesandter, sage ihnen: ‚Kommt her, ich will euch verlesen, was euer Herr euch verboten hat: dass ihr Ihm nichts beigesellt, dass ihr den Eltern Güte erweist und dass ihr eure Kinder nicht aus Angst vor Armut tötet.‘“ – Sure al-Anʿam: 152
Der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, legte so großen Wert darauf, die Gesellschaft von diesem schrecklichen Unrecht zu reinigen, dass das Versprechen, keine Kinder zu töten, zu den wichtigen Angelegenheiten gehörte, in denen er bei der Bayʿat von al-ʿAqaba als Erstes von den Ansar ein Gelübde entgegennahm. Auch von den Frauen, die im Beisein des Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, erschienen, nahm er das Versprechen ab, keine Kinder zu töten. Zu den Verpflichtungen, die von den Frauen übernommen wurden, die nach dem Friedensvertrag von Hudaybiyya den Islam annahmen, gehörte ebenfalls das Versprechen, keine Kinder zu töten. Bei den allgemeinen Festversammlungen begab er sich in den Bereich der Frauen und nahm ihnen neben den Versprechen in anderen Angelegenheiten auch dieses Versprechen ab.
„Hadhrat Ubaydah, möge Allah mit ihm zufrieden sein, Sohn des Samit, überlieferte: Einmal waren wir beim geliebten Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zugegen. Er sagte zu uns: Leistet mir den Treueid darauf, dass ihr niemanden Allah beigesellt, nicht stehlt, euch von schlechten Taten fernhaltet und eure eigenen Kinder nicht tötet. Wer dieses Versprechen erfüllt, dessen Lohn liegt bei Allah. Wer jedoch eine dieser schlechten Taten begeht und dafür nach dem Gesetz bestraft wird, für den wird dies eine Sühne für seine Sünde sein. Wessen Sünde aber in dieser Welt vor niemandem offenbar wird, über den hat Allah die Entscheidung: Er kann ihm vergeben, wenn Er will, und Er kann ihn bestrafen, wenn Er will.“
Die Gründe für das Töten von Kindern
In der vorislamischen Zeit war das Töten von Kindern in vielen Ländern verbreitet. In Rom war es besonders häufig. Kinder wurden öffentlich getötet, ohne dass dies irgendeiner Untersuchung oder rechtlichen Beurteilung unterzogen wurde. Unter den Rajputen in Indien war diese schreckliche Sitte verbreitet, und die Geschichten von der Unbarmherzigkeit und Grausamkeit der Araber sind geradezu legendär geworden.
Im Allgemeinen gab es drei Gründe für das Töten von Kindern. Einige Unwissende oder Dummköpfe hielten es sogar für eine religiöse Handlung und opferten ihre Kinder den Göttern, um diese zufriedenzustellen. Sie legten ein Gelübde ab: Wenn diese oder jene meiner Angelegenheiten gelingt, werde ich mein Kind opfern. Diese ungerechte und brutale Tat wurde nicht nur von Männern begangen; auch Frauen beteiligten sich unbarmherzig daran. Einmal kam eine Frau zu Hadhrat Abdullah ibn Abbas, möge Allah mit ihm zufrieden sein, und sagte: „Ich hatte gelobt, mein eigenes Kind zu opfern.“ Er erwiderte: „Tu dies niemals. Entrichte stattdessen die Sühne für dein Gelübde.“ – Muwatta von Imam Malik
Diese Sitte der Unwissenheit und Grausamkeit gehört nicht nur der Vergangenheit an; vielmehr irren auch heute noch einige Menschen auf dem indischen Subkontinent in der Dunkelheit der Unwissenheit umher. Vor einiger Zeit wurde an einem Ort namens Owaran ein unschuldiges neunjähriges Mädchen im Namen einer Göttin getötet. Auch im Heiligen Koran wird das Bild ihrer Unwissenheit und ihres Unrechts gezeichnet und gesagt, dass sie sich in offenem Verlust befinden.
وَكَذلِكَ زَيَّنَ لِكَثِيرٍ مِّنَ الْمُشْرِكِينَ قَتْلَ أَوْلَادِهِمْ شُرَكَاؤُهُمْ لِيُرْدُوهُمْ
وليلْبِسُوا عَلَيْهِم بَيْنَهُمْ ، وَلَوْ شَاءَ اللهُ مَا فَعَلُوهُ فَذَرْهُمْ وَمَا يَفْتَرُونَ„Ebenso haben ihre Teilhaber vielen der Götzendiener das Töten ihrer eigenen Kinder als etwas sehr Anziehendes erscheinen lassen, damit sie sie ins Verderben stürzen und ihre Religion für sie verwirrend machen. Und wenn Allah gewollt hätte, hätten sie dies nicht getan. So lass sie mit dem, was sie erdichten.“ – Sure al-Anʿam: 137
قد خَسِرَ الَّذِينَ قَتَلُوا أَوْلادَهُم سَفَها بغير علم – الانعام : ١٤٠„Wahrlich, verloren sind diejenigen, die ihre Kinder aus Dummheit und Unwissenheit getötet haben.“ – Sure al-Anʿam: 140
Manche wenig verständigen Menschen töteten ihr geliebtes Kind aus Angst, es könne an ihrem Lebensunterhalt teilhaben und sie dadurch in Armut und Sorge stürzen. Diese Unwissenden wurden von diesem Unrecht abgehalten und man sagte ihnen: Erzeugt ihr etwa euren eigenen Lebensunterhalt selbst? Der Allah, der euch versorgt, wird auch sie versorgen. Wenn Allah beschließt, ein Lebewesen in die Welt zu schicken, sendet Er dessen Mittel zum Lebensunterhalt zugleich mit ihm. Die Schlüssel zu den Schatzkammern der Versorgung liegen allein in Allahs Hand.
ولا تَقْتُلُوا أَوْلَادَكُمْ خَشْيَةَ إِمْلَاقٍ ، نَحْنُ نَرْزُقُهُمْ وَإِيَّاكُمْ ، إِنَّ قَتَلَهُمْ كَانَ خِطْأُ كبيران (بنی اسراء يل : (۳۱„Tötet eure Kinder nicht aus Furcht vor Armut. Wir versorgen sie und euch. Wahrlich, sie zu töten ist eine große Sünde.“ – Sure Bani Isra’il: 31
Der edle Prophet bezeichnete dieses Verbrechen als die größte Sünde:
عن عبد اللهِ قَالَ سَأَلْتُ النَّبِيُّ صَلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ أَيُّ الذَّنْبِ أَعْظَمُ عِندَ اللهِ قَالَ أَنْ تَجْعَلَ الله ندا وَهُوَ خَلَقَكَ قُلْتُ إِنْ ذَالِكَ لَعَظِيمٌ قُلْتُ ثُمَّ أَيُّ قَالَ أَنْ تَقْتُلَ وَلَدَكَ تَخَافُ أَنْ يُطْعَمَ مَعَكَ قُلْتُ ثُمَّ أَي قَالَ أَنْ تُزَانِي حَلِيلَةً جارك – صحيح بخاري كتاب التفسير„Hadhrat Abdullah ibn Masʿud (möge Allah mit ihm zufrieden sein) berichtet: Ich fragte den Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm): ‚Welche Sünde ist bei Allah die größte?‘ Er sagte: ‚Dass ihr Allah einen Teilhaber beigesellt, obwohl Er euch erschaffen hat.‘ Ich sagte: ‚Das ist tatsächlich eine große Sünde.‘ Dann fragte ich: ‚Welche kommt danach?‘ Er sagte: ‚Dass ihr aus Angst, jemand könnte an eurem Lebensunterhalt teilhaben, euer eigenes Kind tötet.‘ Ich fragte: ‚Und welche kommt danach?‘ Er sagte: ‚Dass du mit der Ehefrau deines Nachbarn Unzucht begehst.‘“
Die dritte Methode der Kindestötung war äußerst schrecklich und traurig. Schon der Gedanke an diese Methode lässt das Herz erzittern. Einige hartherzige und grausame Menschen begruben ihre geliebten, unschuldigen Töchter eigenhändig bei lebendigem Leibe. Der schreckliche Anblick und die herzzerreißenden Klagerufe der unschuldigen, reinen Mädchen übten auf sie nicht den geringsten Einfluss aus. Für sie war die Existenz einer Tochter ein Symbol der Schande und Unehre. Dass eine Frau die Ehefrau eines anderen werden und ihn Vater nennen würde, erschien ihnen als unvorstellbare Schande. Ebenso war es für sie äußerst beschämend, dass jemand ihr Schwiegersohn werden und sie Schwiegervater nennen würde. Sobald sie erfuhren, dass in ihrem Haus ein Mädchen geboren worden war, gerieten sie in große Sorge und Unruhe. Sie versuchten, unverzüglich mehrere Schaufeln Erde auf dieses Symbol der Schande zu werfen. Sie verabscheuten es zutiefst, der Schwiegervater und der Vater des Ehemanns einer Tochter zu sein. Der Heilige Koran schildert ihre verwerfliche Denkweise folgendermaßen:
وإذا بشر أحدهم بالأنثى ظل وجهه مسوداً وَهُوَ كَظِيمٌ يَتَوَارَى مِنَ الْقَوْمِ مِنْ سُوءِ مَا بُشِرَبِهِ ، أَيُمْسِكُهُ عَلَى هُونٍ أَمْ يَدُسُهُ فِي التَّرَابِ„Wenn einem von ihnen die frohe Nachricht von der Geburt eines Mädchens überbracht wird, wird sein Gesicht finster, und er ist voller Zorn. Er verbirgt sich vor den Leuten wegen dieser schlechten Nachricht und überlegt: Soll er es trotz der Schande behalten oder es in der Erde vergraben?“ – Sure an-Nahl: 58–59
Einige Stämme und Personen Arabiens waren für diese Grausamkeit und Hartherzigkeit berüchtigt. Diese Übeltäter hielten es für eine äußerst ehrenvolle Tat, hilflose und unschuldige Mädchen bei lebendigem Leibe zu begraben. Diese Unbarmherzigen waren sogar stolz auf ihre Grausamkeit. Ein Mann erschien beim edlen Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), rühmte seine Leistung und sagte, er habe eigenhändig acht Töchter lebendig begraben.
Die herzzerreißende Geschichte eines unschuldigen Mädchens
Im Stamm der Banū Tamīm war der grausame Brauch, Mädchen lebendig zu begraben, besonders verbreitet. Als der Stammeshäuptling Qais ibn Asim den Islam annahm, erzählte er von dem herzzerreißenden Ereignis, wie er seine unschuldige Tochter eigenhändig lebendig begraben hatte, und sagte:
„O Gesandter Allahs! Ich war auf einer Reise. Währenddessen wurde mir eine Tochter geboren. Wäre ich zu Hause gewesen und hätte ihre Stimme gehört, hätte ich sie in die Erde eingegraben und für immer zum Schweigen gebracht. Ihre Mutter zog sie einige Zeit notdürftig auf. Doch mit den Tagen wurde die mütterliche Liebe zu ihr immer stärker. Als die Mutter an den Gedanken dachte, dass der Vater sie lebendig begraben könnte, erschrak sie. Aus Furcht vor mir schickte sie ihre geliebte Tochter schließlich zu ihrer Tante. Sie hoffte, dass der Vater, wenn das Mädchen dort aufgezogen würde und heranwüchse, vielleicht ebenfalls Mitleid mit ihr empfinden würde. Als ich von meiner Reise nach Hause zurückkehrte, erfuhr ich, dass in meinem Haus ein totes Kind geboren worden sei. Damit war die Angelegenheit für mich beendet. Das Mädchen wuchs bei seiner Tante auf und wurde allmählich ziemlich groß. Eines Tages ging ich aus einem bestimmten Anlass hinaus. Die Mutter dachte: ‚Heute ist der Vater des Mädchens nicht zu Hause. Was könnte schon dagegen sprechen, die Tochter nach Hause zu holen?‘ Also brachte sie das Mädchen nach Hause. Unglücklicherweise kam auch ich wenige Tage später heim. Als ich eintraf, sah ich ein außergewöhnlich schönes kleines Mädchen, das im Haus umherlief und spielte. Auch in meinem Herzen wallte eine mir unbekannte Liebe auf. Meine Frau erkannte an meinem Blick, dass die schlummernde Vaterliebe erwacht war und die Wirkung des Blutes sichtbar wurde. Ich fragte meine Frau: ‚Meine Glückliche, wessen Kind ist das? Was für ein wunderschönes Mädchen!‘
Daraufhin erzählte mir meine Frau die ganze Geschichte. Ohne zu zögern nahm ich das Mädchen in die Arme. Die Mutter sagte zu ihr: ‚Das ist dein Vater.‘ Das Mädchen fiel mir um den Hals. Es war überglücklich, die Zuneigung seines Vaters zu erfahren. Es legte sein Gesicht an meines und rief immer wieder: ‚Papa, Papa!‘ Wenn es mit den Worten ‚Papa, Papa!‘ zu mir gelaufen kam, nahm ich es in die Arme und empfand einen wunderbaren Frieden. So vergingen die Tage, und das Mädchen wuchs sorglos in Zuneigung und Liebe auf.
Doch wenn ich es ansah, dachte ich manchmal: ‚Seinetwegen werde ich einmal Schwiegervater sein müssen. Ich werde auch diese Erniedrigung ertragen müssen, dass meine Tochter die Ehefrau eines anderen wird. Wie soll ich mich dann in der Öffentlichkeit zeigen? Meine Ehre und mein Ansehen werden im Staub versinken.‘ Schließlich erhob sich mein Ehrgefühl gegen mich. Die Fessel meiner Geduld riss, und ich beschloss, dieses entehrende Wesen endgültig zu begraben. Ich sagte zu meiner Frau: ‚Mach die Tochter fertig. Ich werde sie zu einem Festmahl mitnehmen.‘ Meine Frau badete sie, zog ihr saubere Kleidung an und machte sie schön zurecht. Auch das kleine Mädchen war übervoll vor Freude, weil es mit seinem Vater einen Ausflug machen durfte. Ich brach mit ihr zu einem abgelegenen Wald auf. Das Mädchen ging fröhlich tanzend an meiner Seite, während in meinem steinernen Herzen nur der Gedanke herrschte, wie schnell ich dieses Bündel der Schande in der Erde begraben könnte. Es wusste von alledem nichts. Das unschuldige Mädchen hielt bald meine Hand, lief bald vor mir her und redete, vor Freude außer sich, unaufhörlich auf dem Weg. Schließlich blieb ich an einem Ort stehen und begann dort, ein Loch zu graben. Das kleine Mädchen wurde ganz verwirrt und fragte, warum sein Vater in einem abgelegenen Wald ein Loch grabe: ‚Papa, warum gräbst du ein Loch?‘ Es wusste nicht, dass der grausame Vater gerade für sie ein Grab aushob, um sie für immer zum Schweigen zu bringen. Als beim Graben Erde auf meine Füße und meine Kleidung fiel, strich das unschuldige Mädchen sie mit seinen kleinen, zarten Händen ab und sagte in kindlicher Sprache: ‚Papa, deine Kleidung wird schmutzig.‘
Als ich das tiefe Loch fertig gegraben hatte, hob ich das reine, unschuldige und fröhliche Mädchen hoch, warf es in die Grube und begann hastig, Erde auf es zu schütten. Das Mädchen sah mich voller Schmerz an und schrie: ‚Vater, mein Vater, was machst du? Papa, was machst du? Papa, ich habe doch nichts getan. Papa, warum begräbst du mich in der Erde?‘ Doch ich setzte mein Werk fort, als wäre ich stumm, blind und taub. O Gesandter Allahs! In meinem grausamen und steinernen Herzen regte sich weder Mitleid noch Erbarmen. Nachdem ich meine Tochter lebendig begraben hatte, kehrte ich erleichtert nach Hause zurück.“
Als der Gesandte Allahs, die Barmherzigkeit für die Welten – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm –, diese schmerzerfüllte Geschichte von der Misshandlung und Hilflosigkeit des unschuldigen Mädchens hörte, wurde sein Herz von Schmerz erfüllt. Tränen tropften aus seinen heiligen Augen. Weinend sagte er: „Das ist die Tat eines äußerst harten Herzens. Wie sollte Allah demjenigen Barmherzigkeit erweisen, der anderen keine Barmherzigkeit erweisen kann?“
Lehrreiche Geschichte
Vor dem geliebten Propheten – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – erzählte ein Mann eine Geschichte aus seiner Zeit der Unwissenheit und schilderte sie so eindringlich, dass der edle Prophet – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – zutiefst von Schmerz ergriffen wurde.
„O Gesandter Allahs! Wir waren unwissend und wussten von nichts. Wir beteten steinerne Götzen an und stießen unsere geliebten Kinder eigenhändig in den Tod. O Gesandter Allahs, ich hatte eine Tochter, die ich sehr liebte. Wann immer ich sie rief, lief sie sofort zu mir. Eines Tages rief ich sie. Voller Freude eilte sie zu mir. Ich ging mit ihr los. Ich lief vorneweg, und sie lief hinter mir her. Nicht weit von meinem Haus entfernt befand sich ein tiefer Brunnen. Ich erreichte den Brunnen und blieb stehen. Auch das Mädchen kam zu mir. Daraufhin, o Gesandter Allahs, packte ich das Mädchen an der Hand, hob es hoch und warf es in den Brunnen. Das unschuldige Mädchen begann im Brunnen zu schreien und rief mich mit äußerst schmerzerfüllter Stimme immer wieder: ‚Papa, Papa!‘ O Gesandter Allahs! Das waren ihre letzten Worte im Leben.“
Als der Gesandte Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – diese herzzerreißende Geschichte hörte, wurde sein Herz von Schmerz erfüllt und Tränen liefen aus seinen Augen. Ein Gefährte beschimpfte den Mann und sagte: „Du hast den Gesandten Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – unnötig verletzt, indem du ihm diese traurige Geschichte erzählt hast.“ Als der Gesandte Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – dies hörte, sagte er: „Nein, sagt ihm nichts. Sagt ihm nichts. Er ist gekommen, um von der Wiedergutmachung für das Unglück zu hören, das ihm widerfahren ist.“ Dann wandte er sich an den Mann und sagte: „Erzähle deine Geschichte noch einmal.“ Der Gefährte erzählte die traurige Geschichte ein zweites Mal. Beim Zuhören geriet der Gesandte Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – in einen außergewöhnlichen Zustand. Während er weinte, wurde sein gesegneter Bart von Tränen durchnässt. Dann sagte er zu ihm: „Durch den Segen eures Islam-Annehmens sind euch alle Sünden der Zeit der Unwissenheit vergeben worden. Geht nun und tut Gutes.“ – Musnad ad-Dārimī
Wie viele unschuldige und hilflose Mädchen diesem Unrecht zum Opfer fielen und wie lange Mädchen von ihren eigenen Eltern lebendig begraben wurden, weiß allein Allah. Zwar gab es auch in jener Zeit gewiss einige barmherzige und Allah liebende Menschen. Sie versuchten, die Mädchen vor diesem Unrecht und dieser Barbarei zu retten. Doch ihre persönlichen Bemühungen konnten diesen schrecklichen Brauch nicht beenden.
Der lobenswerte Versuch, Mädchen vor dem Lebendigbegraben zu retten
Farazdaq war ein berühmter arabischer Dichter. Auf eine Sache war er besonders stolz: Sein Großvater Hadhrat Saʿsaʿ hatte unzählige Mädchen davor bewahrt, lebendig begraben zu werden. Hadhrat Saʿsaʿ selbst erzählte seine Geschichte und sagte:
„Einmal machte ich mich auf die Suche nach meinen beiden verschwundenen Kamelen. In der Ferne bemerkte ich ein Feuer. Mal schlugen die Flammen hoch empor, mal erloschen sie. Ich dachte: Ich sollte hingehen und sehen, was geschehen ist. Vielleicht hat ein Mensch, der in Not geraten ist, dieses Feuer entzündet. Ich machte mich auf den Weg und beschloss: Wenn es jemandem schlecht geht und ich ihm nützlich sein kann, werde ich gewiss versuchen, seine Not zu lindern. Ich trieb meine Kamele jedoch schnell an und erreichte schon bald das Viertel der Banu Anmar. Dort sah ich einen langhaarigen alten Mann vor seinem Haus sitzen und klagen, während viele Frauen eine andere Frau umringten. Diese Frau litt unter Wehen. Nachdem ich sie begrüßt und für sie gebetet hatte, erkundigte ich mich nach der Lage. Sie teilten mir mit, dass die Frau seit drei Tagen unter Wehen litt. Während ich mit dem alten Mann darüber sprach, riefen die Frauen plötzlich: Das Kind ist geboren! Der Alte schrie auf: Wenn es ein Junge ist, ist es gut. Ist es aber ein Mädchen, will ich ihre Stimme nicht hören. Ich werde sie sofort töten. Ich sagte mit äußerst freundlichen Worten: Scheich, tut das nicht. Es ist doch Ihre Tochter. Was die Versorgung betrifft: Ihr Versorger ist Allah. Der Alte brüllte erneut: Nein, ich werde sie nicht am Leben lassen. Ich werde sie unbedingt töten. Als ich ihn demütig weiter bat, änderte sich etwas in ihm und er sagte: Wenn du wirklich so barmherzig bist, dann bezahle ihren Preis, nimm sie mit und ziehe sie auf. Ohne zu zögern sagte ich: Ich bin bereit, sie zu kaufen. Ich kaufte das neugeborene Mädchen, kehrte voller Freude zurück und versprach Allah, dieses Kind mit Zuneigung und Liebe aufzuziehen. Ich versprach Allah außerdem: Wann immer ein hartherziger Mensch ein unschuldiges Mädchen töten will, werde ich es niemals zulassen. Ich werde das Mädchen gegen Bezahlung zu mir nehmen und es mit größter Zuneigung und Liebe aufziehen. Danach setzte sich diese Reihe fort. Schließlich entsandte Allah der Erhabene Hadhrat Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Bis zu jener Zeit hatte ich 94 kleine Mädchen aus den Händen tyrannischer Eltern gerettet. Danach beendete der Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, diesen Fluch für immer.“
Der Islam reinigt die Gesellschaft von allen grausamen Bräuchen der Kindstötung und erwähnt als Kennzeichen der von Allah geliebten Diener, dass sie Allah darum bitten, ihre Kinder zu einer Quelle der Freude und des Trostes für ihre Augen zu machen:
والَّذِينَ يَقُولُونَ رَبَّنَا هَبْ لَنَا مِنْ أَزْوَاجِنَا وَذُرِّيَّتِنَا قُرَّةَ أَعْيُن – الفرقان : ٧٤„Und (der Diener Allahs) sagt: ‚Unser Herr, schenke uns an unseren Ehefrauen und unseren Nachkommen eine Freude für unsere Augen.‘“ – Sure al-Furqan: 74
Die Geburt einer Tochter
Ob in Ihrem Haus eine Tochter oder ein Sohn geboren wird – Sie bringen Freude zum Ausdruck. Es ist ganz natürlich, dass Sie sich darüber freuen. Sie möchten nicht nur selbst Ihre Freude zeigen, sondern auch, dass Freunde und Verwandte an Ihrer Freude teilhaben. Und so geschieht es gewöhnlich. Solange das Licht, das der Islam Ihnen gezeigt hat, und das Vorbild des Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, vor Ihnen stehen, können Sie nicht einmal daran denken, zwischen Sohn und Tochter zu unterscheiden: sich über die Geburt eines Sohnes zu freuen, aber nicht über die Geburt einer Tochter. Die Existenz einer Tochter als entehrend zu betrachten und dem Sohn den Vorrang vor der Tochter zu geben, ist das Ergebnis islamfeindlichen Denkens. Von solchen Vorstellungen muss die islamische Gesellschaft unbedingt frei bleiben. Tatsächlich ist die islamische Gesellschaft von diesen Vorstellungen bereits befreit.
Dennoch findet man manche Familien, in denen bei der Geburt eines Sohnes und einer Tochter nicht dieselbe Atmosphäre herrscht. Über die Geburt eines Sohnes wird mit derselben Aufrichtigkeit Freude gezeigt, wie dies bei einer Tochter nicht geschieht. Die frohe Nachricht von der Geburt eines Sohnes wird Verwandten und Freunden mit einer solchen Gefühlsregung und Begeisterung mitgeteilt, wie die Nachricht von der Geburt einer Tochter nicht mitgeteilt wird – anders als bei der Geburt eines Sohnes. Die Glückwünsche zur Geburt einer Tochter klingen oft eher wie eine Aufforderung, Geduld zu bewahren.
Sagen Sie selbst, was sollen all diese Sätze bedeuten: „Meine Hüfte ist ja gebrochen. Ich bin völlig niedergeschlagen. Der Wunsch meines Herzens ist unerfüllt geblieben. Auch sie nehme ich auf den Arm. Aber mit einem Sohn ist es etwas anderes. Mein Kopf ist gesenkt. Diejenigen, die eine Tochter bekommen haben, können den Kopf überhaupt nicht mehr heben. Nun gut, Bruder, wer kann sich Allahs Willen widersetzen? Möge Allah ihr Schicksal gut machen. Allah hat uns auf die Probe gestellt. Er allein wird uns Mut geben. Ich liebe auch meine Tochter, aber mir ist doch sehr unwohl zumute. Wenn es ein Sohn gewesen wäre, wäre meine Freude ganz anders gewesen. Ich habe Ihnen keine Nachricht gegeben. Denn was sollte ich schon berichten? Es ist eben so gekommen, wie es immer kommt. Was soll ich dazu schreiben?“ Allah möge vergeben. Sagen Sie selbst: Was könnten all diese Sätze mit der islamischen Lehre zu tun haben? Doch manche muslimischen Familien wiederholen solche Worte bewusst und unbewusst. Männer wie Frauen wiederholen sie.
Die Frage der Kinder unterliegt unmittelbar Allahs Verfügung. Niemand hat darauf durch seinen Willen oder seine Wünsche irgendeinen Einfluss. Und Allah weiß am besten, für wen eine Tochter gut ist und für wen ein Sohn. Sie dürfen durchaus darum bitten und sich wünschen, eine Tochter und keinen Sohn oder einen Sohn und keine Tochter zu bekommen. Doch es ist nicht notwendig, dass Ihr Wunsch erfüllt und Ihr Gebet erhört wird. Der alleinige Herr über diese Entscheidung ist Allah, der Erhabene. Niemand besitzt die Macht, Seine Entscheidung zu ändern oder Ihn zu beeinflussen. Niemand ist an Seiner Allmacht und Seiner Verfügung beteiligt.
يخلق ما يشاء ، يهب لمن يشاء انانا ويهب لمن يشاء الذكور أو يزوجهم ذكرانا وإناثًا ، ويجعل من يشاءُ عَقِيمًا ، إِنَّهُ عَلِيمٌ قدير – شوری : ٥٠٤٩„Er erschafft, was Er will. Er schenkt, wem Er will, Töchter, und Er schenkt, wem Er will, Söhne. Wem Er will, schenkt Er Söhne und Töchter zugleich, und wen Er will, macht Er unfruchtbar. Wahrlich, Er ist allwissend und allmächtig.“
Tatsächlich ist der Mensch in Bezug auf Kinder völlig hilflos. Wenn er nur einmal darüber nachdenkt, wird er erkennen, dass in der gesamten Schöpfung allein der Befehl Allahs gilt und niemand an Seiner Göttlichkeit Anteil hat. In der Frage der Kinder nützen weder die Würde noch die Wundertaten irgendeines Menschen etwas. Auch Amulette, Zauberformeln und medizinische Behandlung helfen nicht. Ganz zu schweigen davon, anderen ein Kind zu schenken oder anstelle einer Tochter einen Sohn zur Welt bringen zu lassen – selbst viele Menschen mit geistigen Fähigkeiten können in ihrem eigenen Haus kein Kind nach ihrem eigenen Wunsch bekommen. Und wenn jemand kinderlos bleibt, ist es ihm aus eigener Kraft nicht möglich, ein Kind zu erhalten.
Durch keinerlei Wissen kann man im Voraus erfahren, ob eine Tochter oder ein Sohn für einen selbst segensreicher sein wird. Man erlebt sogar, dass es in einem Haus nur Töchter gibt und dieses Haus von Segen und Frieden erfüllt ist. In einem anderen Haus gibt es nur Söhne, doch jeder von ihnen ist für die Eltern ein Grund zur Sorge. Man erlebt auch, dass eine Mutter, nachdem mehrere Söhne geboren wurden, Tag und Nacht um eine Tochter bittet. Sobald Allah ihr jedoch eine Tochter schenkt, heißt es, sie habe das Leben der Eltern ruiniert, und die Mutter sieht sich zu dem Stoßgebet gezwungen: „Ach, wäre ich doch bei der Geburt gestorben – wie viel besser wäre das gewesen!“ Wiederum gibt es Eltern, die das Verhalten ihres Sohnes überhaupt nicht ertragen können, während ihnen ihre Tochter so lieb ist, dass sie ständig ihre Vorzüge preisen. Die Wahrheit ist: Allah allein kennt das Verborgene, und nur Er weiß, worin das Glück und das Wohlergehen des Menschen liegen.
Töchter sind ein Grund für Glück
Die Frau Imrans betete zu Allah: „O Herr! Ich gelobe Dir das Kind, das ich gebären werde. Nimm mein Gelübde an.“ Als sie jedoch eine Tochter gebar, wurde sie sehr besorgt und sagte: „O Herr! Es ist ein Mädchen. O Allah, wie soll dieses Mädchen das Ziel erfüllen? Ein Sohn ist nicht wie eine Tochter. Ein Sohn ist frei von den natürlichen Schwächen und den gesellschaftlichen Einschränkungen.“ Doch Allah wusste sehr wohl, wofür die Frau Imrans ihr Kind gelobt hatte. Sie war zutiefst besorgt, weil sie es für ein Mädchen hielt. Sie dachte darüber nach, wie das Ziel erfüllt werden sollte, für das sie ihr Kind geloben wollte. Wusste sie etwa, dass gerade diese Tochter für sie ein Grund zum Glück sein und bis zum Tag der Auferstehung ihren Namen erstrahlen lassen würde? Durch sie würde der Name der Frau Imrans im letzten himmlischen Buch bewahrt werden, und bis zum Tag der Auferstehung würden Millionen und Abermillionen Menschen ihren Namen erwähnen. Durch sie würde sie außerdem die Großmutter eines herausragenden Propheten werden, auf den Allah das Buch Injil herabsenden würde.
Allah, der Erhabene, ließ das Gelübde der Frau Imrans tatsächlich nicht scheitern. Vielmehr nahm Allah diese Tochter auf eine so vortreffliche Weise an, dass ihrer bis zum Tag der Auferstehung gedacht werden wird. Ihr Name ist in den Schriften bewahrt. Das Lesen davon ist verdienstvoll, das Anhören ist verdienstvoll, und auch das Vortragen ist verdienstvoll. Im Heiligen Koran wird diese Geschichte folgendermaßen erzählt:
متقبلها ربها بقبول حسن وأنبتها نباتا حسنَا ، وَكَفَلَهَا زَكَرِيَّا ، كُلَّمَا دَخَلَ عليها زكريا المحراب ، وجد عندها رزقا ، قال يمريمُ أَنِّي لَكَ هَذَا ، قَالَتْ
هُوَ مِنْ عِندِ اللهِ ، إِنَّ اللهَ يَرْزُقُ مَنْ يَشَاء بغير حساب ال عمران : ۲۷„Schließlich nahm ihr Herr sie gnädig an, ließ sie auf vortreffliche Weise heranwachsen und stellte Zakariya unter ihren Schutz. Wann immer Zakariya bei ihr in den Gebetsraum eintrat, fand er bei ihr Nahrung. Er fragte: ‚O Maryam, woher hast du dies?‘ Sie antwortete: ‚Es ist von Allah.‘ Wahrlich, Allah versorgt, wen Er will, ohne Maß.“
Ein Kind ist eine Gabe Allahs. Eine Tochter ist ebenso Seine Gabe wie ein Sohn. Die Aufgabe eines mit einer Gabe Beschenkten besteht darin, den Wert dieser Gabe anzuerkennen und dem Geber Dankbarkeit zu erweisen. Es ziemt sich für einen Gläubigen keineswegs, Allahs Gabe nicht zu würdigen und undankbar zu sein. Allah weiß am besten, wem Er welche Gunst gewähren soll, und Er trifft unter Seinem Wissen und Seiner Macht weise Entscheidungen. Es ist die Pflicht eines Gläubigen, mit Seiner Entscheidung zufrieden zu sein und sie für das eigene Wohlergehen zu halten.
Der Glaube jedes gläubigen Mannes und jeder gläubigen Frau in Bezug auf den geliebten Propheten, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, besteht darin, dass niemand erschaffen wurde und auch nicht erschaffen werden kann, der besser oder vorzüglicher ist als er. Er, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, war der Vater von vier Töchtern. Über Hazrat Khadija, Allahs Wohlgefallen sei auf ihr, sagte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm: Es gibt im Himmel und auf der Erde keine Frau, die besser ist als sie. Durch sie schenkte Allah, der Erhabene, dem geliebten Propheten, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, diese vier Töchter, und Hazrat Khadija, Allahs Wohlgefallen sei auf ihr, war die Mutter dieser vier Töchter. Der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, wies die Umma an:
لا تَكْرِهُو الْبَنَاتِ فَإِنِّي أَبُو الْبَنَاتِ„Hasset die Töchter nicht, denn ich selbst bin der Vater von Töchtern.“
Außerdem sagte er, dass Töchter voller Zuneigung seien und Segen, Güte und Wohlergehen brächten. In Kanz al-Ummal überliefert Hazrat Ibn Shurayh:
سبعة رَسُولَ اللهِ صلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ يَقُولُ إِذَا وُلِدَ لِلرَّجُلُ ابْنَةُ بَعَثَ اللهُ عَزَّ وَجَلَّ مَلَئِكَةٌ يَقُولُونَ السَّلامُ عَلَيْكُمْ يَا أَهْلَ الْبَيْتِ يَكْتَنفُونَهَا
بأجنحتهم ويمسحون بأيديهم على رأسها ويَقُولُونَ ضَعِيفَةٌ خَرَجَتْ مِنْ ضعيفة القيم عليها معان إلى يوم القيمة – المعجم الصغير اللطبراني„Ich hörte den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagen: Wenn im Haus eines Mannes eine Tochter geboren wird, sendet Allah, der Mächtige und Erhabene, Engel dorthin. Sie kommen und sagen: ‚Friede sei mit euch, ihr Bewohner dieses Hauses!‘ Sie nehmen die neugeborene Tochter unter den Schatten ihrer Flügel auf, legen ihre Hände auf ihren Kopf und sagen: ‚Dies ist ein schwacher Körper, geboren aus einem schwachen Leben. Wer die Verantwortung für die Erziehung dieses schwachen Lebens übernimmt, dessen Beistand wird bis zum Tag der Auferstehung mit ihm sein.‘“ – Al-Muʿdscham as-Saghir von at-Tabarani
Ein Mann saß bei Hadhrat Abdullah ibn Umar, möge Allah mit ihm zufrieden sein. Der Mann hatte mehrere Töchter. Er sagte: „Ach, wie gut wäre es doch, wenn diese Mädchen sterben würden.“ Als Abdullah ibn Umar, möge Allah mit ihm zufrieden sein, dies hörte, geriet er in Zorn und sagte zu ihm: „Versorgst du sie etwa mit ihrem Lebensunterhalt?“
Für das Stirnrunzeln und die Freudlosigkeit bei der Geburt einer Tochter kann es grundsätzlich zwei Gründe geben. Erstens kann man schon die Existenz einer Tochter als beschämend ansehen, und zweitens kann man wegen der Ausgaben für sie in Angst geraten.
Bei einer Untersuchung des ersten Grundes zeigt sich, dass dies äußerst beschämend ist. Denn wie könnte es für eine Frau, die ihr Leben im Licht des Islam führen und das edle Leben des Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu ihrem Vorbild nehmen möchte, beschämend sein, wenn der geliebte Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, selbst Vater von Töchtern war und die Existenz einer Tochter als Schutzschild vor der Hölle und als Mittel zum Paradies bezeichnet hat?
Bei einer Betrachtung des zweiten Grundes zeigt sich, dass solche Vorstellungen aus der Zeit der Unwissenheit nicht einmal für einen Augenblick in den Sinn eines Muslims kommen können. Wie kann jemand, der an Allah als den Versorger und Geber des Lebensunterhalts glaubt, annehmen, er selbst sei der Versorger seiner Tochter? Die Überzeugung dessen, der an Allahs Eigenschaften glaubt, besteht darin, dass der alleinige Versorger und Erfüller der Bedürfnisse Allah ist und dass Allah jedes Geschöpf mit Lebensunterhalt versorgt. Jeder bringt seinen eigenen Anteil an Versorgung mit sich. Welches Recht hat ein Mensch, zu denken, er versorge jemand anderen mit dessen Lebensunterhalt, wo doch Allah ihn selbst mit Versorgung beschenkt und er für die Erfüllung seiner eigenen Bedürfnisse auf Allah angewiesen ist?
Niemand kann sagen, was für wen bestimmt ist. Es ist möglich, dass die schwache Tochter, die geboren wird, mit außerordentlicher Stärke und großem Glück zur Welt gekommen ist. Es liegt ebenfalls nicht außerhalb der Macht Allahs, dass das schwache Mädchen, das in Ihrem Haus geboren wird, nicht nur seinen eigenen Lebensunterhalt mitbringt, sondern Ihnen durch sein eigenes Glück sogar zu einem besseren Schicksal verhelfen kann.
Allah hat Ihnen eine große Wohltat erwiesen, indem Er Sie zum Vormund einer schwachen Tochter gemacht hat. Es ist eine solche Wohltat, dass Sie, wenn Sie darüber nachdenken, von Dankbarkeit überwältigt werden. Das Paradies, das Allah mit einem Weg voller schwerer Mühen und Gefahren umgeben hat, dessen Weg ist für Sie dadurch erleichtert worden, dass Sie Vater oder Mutter einer Tochter sind.
Die Erziehung und Betreuung der Kinder
Das zweite wichtige Recht der Kinder ist ihre Erziehung und Betreuung. So wie das Kind für seine Existenz auf seine Eltern angewiesen ist, ist es auch für sein Wachstum, seine Erziehung und seine Beaufsichtigung auf sie angewiesen. Die Kindheit ist eine Zeit äußerster Hilflosigkeit. Wenn das Kind in dieser Zeit nicht die Fürsorge und Erziehung seiner Eltern erhält, kann es sich nicht angemessen entwickeln. Deshalb hat der Islam, nachdem er den Wert und die Bedeutung des Kindes erläutert hat, als sein zweites Recht die gute Erziehung und Betreuung genannt.
Allahs Wohltat gegenüber den Eltern
Die Erziehung und Betreuung eines Kindes ist eine äußerst schwierige Aufgabe. Sie erfordert grenzenlose Geduld, Aufopferung und Hingabe sowie aufrichtige Zuneigung und Liebe. Allah hat in den Herzen der Eltern eine unermessliche Liebe zu ihren Kindern erschaffen und sie durch den starken Wunsch, sie aufzuziehen, dazu befähigt, diese schwierige Verantwortung zu erfüllen. Während der Kindererziehung ertragen die Eltern vielfältige Mühen und empfinden dennoch niemals Abneigung; vielmehr verspüren sie selbst inmitten dieser Sorgen und Schwierigkeiten inneren Frieden. Wenn sie nach all den Mühen und dem Ertragen verschiedener Belastungen einmal liebevoll auf das Kind blicken, ergießt sich eine Welle von Stolz und Freude über sie. In den Herzen der Eltern entsteht eine solche geistige Freude und ein solches Glück, dass keine Empfindung der hundert Mühen und Schwierigkeiten der Erziehung zurückbleibt. Mit dieser außergewöhnlichen aufrichtigen Zuneigung zum Kind hat Allah den Eltern eine überaus große Wohltat erwiesen. Wenn es diese Gefühle und diese Begeisterung nicht gäbe, wäre die Erfüllung der Pflicht zur Kindererziehung für die Eltern wohl eine gewaltige Prüfung, und nur sehr wenige Menschen wären in der Lage, diese von Mühen und Schwierigkeiten begleitete Aufgabe zu erfüllen.
Denken Sie an jene schwache und erschöpfte Mutter, die über mehrere Monate hinweg ihren eigenen Körper und ihre Lebenskraft aufzehrt, um einem Kind die Kraft zur Existenz zu geben, und anschließend unter Einsatz ihres eigenen Lebens ein Neugeborenes zur Welt bringt. Denken Sie an dieses Neugeborene: ein hilfloses Stück Fleisch. Es besitzt nicht einmal die Fähigkeit zu sprechen. Und jene kranke Mutter nimmt, ohne Rücksicht auf ihr eigenes Leben, die Mühen seiner Erziehung durch Opferbereitschaft und Selbstüberwindung mit einem Lächeln auf sich.
Das unaufhörliche Weinen des Kindes bereitet ihr nicht die geringste Unruhe. Es uriniert und entleert sich immer wieder, nicht nur ins Bett, sondern oft auch auf ihren Körper und ihre Kleidung. Doch auch das nimmt sie ihm nicht übel. Wenn das Kind darüber hinaus Schmerzen hat, trägt die schwache Mutter es auf dem Arm und verbringt die ganze Nacht schlaflos. Dabei empfindet sie nicht die geringste Mühe. Im Gegenteil: Wenn sie das Kind leiden sieht, wird sie so unruhig, dass sie, wenn es möglich wäre, sein Leid selbst auf sich nehmen würde und begierig danach wäre, dem Kind Erleichterung zu verschaffen.
So ist es auch beim Vater. Der Vater zögert keineswegs, seinen im Schweiße seines Angesichts erworbenen Verdienst für dieses zarte Kind auszugeben. Ob aus Freude über seine Geburt oder aus Freude über seine Aqiqa – stets gibt er sein Vermögen mit Freude aus. In sengender Hitze erträgt er die Belastung, setzt sich den heißen Wüstenwinden aus, arbeitet unter einer die Balken berstenden Sonne mit großer Anstrengung und läuft in klirrender Kälte zu jeder Zeit hin und her. Was immer er unter größten Mühen verdient, verdient er für seine Kinder. Danach gibt er es für seine Kinder aus, ohne inneren Schmerz zu empfinden; vielmehr verspürt er gewaltigen geistigen Frieden. Wie wäre all dies möglich, wenn in den Herzen der Eltern nicht diese grenzenlose Zuneigung und Liebe zu dem Kind und dieser starke Wunsch nach seiner Erziehung vorhanden wären?
Die Erziehung und Betreuung der Kinder als natürliche Neigung
Die Liebe zum Kind und der Wunsch, es aufzuziehen, sind eine angeborene Neigung. Allah hat diese Neigung im Herzen jedes Elternteils erschaffen. Dabei macht es keinen Unterschied, ob die Eltern Muslime sind oder nicht und ob sie an eine Religion oder an Allah glauben oder nicht. Aus der überaus wichtigen Notwendigkeit, den Fortbestand der Menschheit zu sichern und diese Welt zu bevölkern, hat Allah der Erhabene in jedem Menschen den Trieb und den Wunsch zur Kindererziehung erschaffen. Deshalb hat Allah jedem Elternteil ohne Unterschied diese natürliche Empfindung gegeben. Es liegt in der Natur des Menschen, dass in ihm der Wunsch erwacht, dass sein Kind später seinen Platz einnimmt, seinen Namen lebendig erhält, Erbe seiner Mittel und seines Besitzes wird und auch Erbe seiner Geschichte, Kultur, Sitten und Bräuche wird. Das Kind ist ein Teil des eigenen Körpers und der eigenen Seele. Daher sollte sein Leben den Eltern von Natur aus lieb und wertvoll sein. Auch Menschen, die eine klare Vorstellung von der Kindererziehung und den damit verbundenen Gefühlen haben, betrachten die Erziehung eines Kindes unter dem Einfluss angeborener Zuneigung und Liebe als eine vorzügliche Pflicht und eine gute Tat. Für eine Frau genügt als Bindung, um um des Kindes willen jede Art von Mühe zu ertragen und sich fortwährend aufzuopfern, dass sie die Mutter des Kindes ist. Ob sie an den Islam glaubt, einer anderen Religion als dem Islam anhängt oder überhaupt keiner Religion folgt, macht dabei keinen Unterschied.
Der Unterschied der muslimischen Mutter in der Frage der Kindererziehung
Allah, der Erhabene, hat allen Müttern das Gefühl der Zuneigung zu ihren Kindern und den Impuls zu ihrer Erziehung gegeben. Sowohl muslimische Mütter als auch Mütter, die den Islam nicht kennen, ziehen ihre Kinder entsprechend ihrem natürlichen Instinkt auf. Doch hinsichtlich ihrer Vorstellungen, der Gründe für ihren Einsatz, ihrer Vorgehensweise sowie der Auswirkungen und Folgen ihrer Bemühungen besteht ein großer Unterschied zwischen ihnen.
Die Gedanken einer Mutter, die des Islam beraubt ist, über die Erziehung ihres Kindes – oder alles, was sie darüber denken kann – bleiben auf diese Welt beschränkt. Ihr Blick reicht nicht über die Grenze des Todes hinaus bis in die ewige Welt. Sie zieht ihr Kind auf, weil es ihr eigenes ist. In ihrem Herzen empfindet sie eine grenzenlose Zuneigung zu ihrem Kind. Sie betrachtet die Kindererziehung als eine gute Tat in dieser Welt und tut dies aufgrund dieses natürlichen Gefühls.
Sie denkt, dass durch ihr Kind ihre Nachkommenschaft fortbestehen wird oder dass das Kind, wenn es erwachsen ist, ihr Ruhe und Bequemlichkeit verschaffen und ihr eine Hilfe sein wird. Unter dem Einfluss dieser Vorstellungen erzieht sie ihr Kind so, dass es aus weltlicher Sicht ein erfolgreiches Leben führen kann.
Auch die muslimische Mutter zieht ihr Kind aufgrund ihrer grenzenlosen Zuneigung zu ihm auf. Sie ist ebenfalls der Ansicht, dass das Kind ein Mittel zur Erhaltung ihrer Nachkommenschaft ist. Es ist ihr Helfer im Leben und ihr Zufluchtsort im Alter. Der Unterschied besteht jedoch darin, dass sie die Erziehung des Kindes als eine religiöse Pflicht sowie als ein Mittel zur Erlangung der Erlösung im Jenseits und des Wohlgefallens Allahs betrachtet. Außerdem unterstellt die muslimische Mutter beziehungsweise der muslimische Vater sich bei der Erziehung des Kindes den islamischen Geboten und Bestimmungen. Muslimische Eltern erziehen ihr Kind nicht lediglich mit dem Ziel, dass es sein Leben in dieser Welt in Wohlstand und Bequemlichkeit verbringt. Vielmehr formen sie unter ihrer Obhut solche Glaubenskämpfer, deren Blick weit in die Zukunft reicht, die in dieser Welt leben und sterben, um ihr Leben gemäß Allahs Willen zu führen und im Jenseits Allahs Wohlgefallen zu erlangen.
Für die muslimische Mutter ist die Erziehung des Kindes nicht nur eine Angelegenheit dieser vergänglichen Welt; vielmehr werden sich ihre guten oder schlechten Auswirkungen auch in jenem Leben zeigen, das man das Leben im Jenseits nennt. An dieses jenseitige Leben glaubt sie. Sie denkt: Wenn sie ihr Kind in islamischen Vorstellungen ausbildet und es gemäß den islamischen Anweisungen erzieht, wird sein jenseitiges Leben schön sein. Allah wird mit ihm zufrieden sein, ihm das Paradies schenken und es mit Belohnungen überschütten. Wenn sie bei der Erfüllung dieser Pflicht Schwäche zeigt oder ihre Kinder nicht gemäß Allahs Anweisung erzieht, wird sie im Jenseits beschämt sein und ihr Jenseits wird zugrunde gehen. Allah wird über sie erzürnt sein und sie bestrafen.
Auch wenn die muslimische Mutter durch die mütterliche Zuneigung dazu verpflichtet ist, zieht sie ihr Kind auf und erhofft dafür bereits in dieser Welt eine gute Vergeltung. Zugleich wird sie auch an jenem Tag ihre Vergeltung und Belohnung erwarten, an dem sie der Belohnung noch dringender bedürfen wird als in dieser Welt. Diese Belohnung wird ewig sein.
Eine Mutter, die des Segens des Islam beraubt ist, kann niemals ein Gefühl der Liebe zu ihrem Kind empfinden wie eine muslimische Mutter. Wenn sich zum natürlichen Gefühl auch das Gefühl des Glaubens gesellt, entsteht eine Tiefe der Zuneigung und Aufrichtigkeit, die im Herzen einer nichtmuslimischen Mutter nicht entstehen kann. Außerdem können die Freude und die Kraft, die im Herzen einer muslimischen Mutter aufgrund ihrer grundlegenden, besonderen Vorstellungen entstehen, im Herzen einer nichtmuslimischen Mutter nicht entstehen.
Der größte Nutzen einer solchen Denk- und Handlungsweise besteht darin, dass die Mutter trotz aller Anstrengungen und Opfer nicht beschämt ist, selbst wenn das Kind ihre Wünsche nicht erfüllen kann. Sie verzweifelt auch nicht, und ihre Tätigkeit lässt nicht nach. Vielmehr bleibt sie stets von dem Vertrauen gestärkt, dass Allah ihr die Vergeltung und Belohnung gewähren wird, auf die sie bei Ihm hofft, selbst wenn das Kind ihre Wünsche in dieser Welt nicht erfüllen sollte. Denn Allah lässt niemals die Belohnung für die Taten Seiner Diener verloren gehen. Er ist überaus mächtig. Er vergilt die guten Taten Seiner Diener vollständig und beraubt einen Diener niemals seiner Belohnung.
إِنَّ هَذَا كَانَ لَكُمْ جَزَاء وَكَانَ سَعيكم مشكورا الدهر : ٢٢„Dies ist für euch die Vergeltung für eure Bemühungen, und eure Bemühungen werden angenommen und bleiben nicht unbelohnt.“ – Sure al-Dahr: 22
Zu Allahs Allmacht gehört, dass Er bei den guten Taten Seiner Diener Seine Gunst noch vermehrt und ihnen die Vergeltung und Belohnung vervielfacht schenkt. Selbst wenn sich in den Taten des Dieners einige Mängel und Fehler finden, vermindert Er deswegen nicht die Belohnung, sondern vergibt die Mängel und Fehler und vermehrt die Belohnung durch Seine Gunst.
ومن يُقْتَرِفْ حَسَنَةً نَزِدْلَهُ فِيهَا حُسْنًا ، إِنَّ اللهَ غَفُورٌ شَكُور – الشورى : ۲۳„Wer eine gute Tat vollbringt, dem werden Wir ihre Güte noch vermehren. Wahrlich, Allah ist sehr vergebend und erkennt die guten Taten reichlich an.“ – Sure asch-Schura: 23
Die Bedeutung der Kindererziehung – zwei Pflichten
Die Verantwortung für die Erziehung der Kinder liegt gleichermaßen bei den Eltern, und beide erfüllen diese Pflicht gemeinsam. Kindererziehung bedeutet, zwei Arten von Pflichten zu erfüllen.
Erstens: die Betreuung und Versorgung des Kindes.
Zweitens: die finanziellen Aufwendungen für die Erziehung des Kindes zu tragen.
Die erste Pflicht bedeutet, auf das Wachstum der Kinder zu achten, sie zu schützen und zu beaufsichtigen. Für ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden zu sorgen. Diese Betreuung muss geleistet werden, bis sie in der Lage sind, selbst zu essen und zu trinken. Die Mutter soll das Kind stillen und beaufsichtigen. Auch nach dem Abstillen muss bis zum Erreichen der Volljährigkeit für seine Beaufsichtigung gesorgt und auf seine körperlichen und moralischen Bedürfnisse geachtet werden. So soll es durch eine gute Erziehung fähig werden, menschliches Verantwortungsbewusstsein zu erlangen und selbst Verantwortung für seine Erziehung zu tragen.
Die zweite Pflicht bedeutet, sämtliche Ausgaben für das Kind von seiner Geburt bis zum Erreichen der Geschlechtsreife zu tragen. Alle Kosten für seine Ernährung, Kleidung und Unterkunft sowie für seine Betreuung, die Sorge um seine körperliche Gesundheit und seine gesamte Bildung und Ausbildung müssen übernommen werden.
Aufteilung der Pflichten
Die erste Pflicht, also die Betreuung und Versorgung des Kindes, obliegt zwar beiden Eltern, doch fällt naturgemäß der größere Teil davon der Mutter zu. Auch der Islam hat dieses Recht der Mutter übertragen. Es gehört ebenfalls zu ihrer Pflicht, ihr Kind unter normalen Umständen zwei Jahre lang zu stillen.
Die zweite Pflicht, nämlich für den Lebensunterhalt aufzukommen, obliegt allein dem Vater. Allah hat die Mutter von dieser Pflicht entbunden, damit sie stets bei den Kindern bleiben und ihren Anteil an der Verantwortung mit voller Hingabe auf schöne und angemessene Weise erfüllen kann.
Die Fürsorge der Mutter für die Kinder ist die wahre Auszeichnung
Das eigentliche Wirkungsfeld der Mutter ist ihr Zuhause, und ihre wahre Auszeichnung besteht darin, sich schön und hingebungsvoll um das Kind zu kümmern und es aufzuziehen. Genau diese Fürsorge hat der Islam ihr als Aufgabe anvertraut. Dies ist das eigentliche Feld ihres Erfolgs und ihre wahre Auszeichnung. In dieser Hinsicht wird sie am Tag der Auferstehung zur Rechenschaft gezogen werden. Der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte:
والمرأة راعية في بيت زوجها ومسئولة عن رعيتها – بخاری، مسلم„Die Frau ist die Hüterin des Hauses ihres Ehemannes und für ihre Schutzbefohlenen verantwortlich. Über die Menschen und Dinge, zu deren Hüterin sie gemacht wurde, wird sie befragt werden.“ – Buchari und Muslim
Wann immer und wo immer die Frau aus ihrem eigentlichen Wirkungsfeld herausgerissen und auf das äußere Feld gezogen wurde und man ihr unter dem Vorwand eines ungewöhnlichen Fortschritts zusätzlich zu ihren natürlichen Pflichten die Last äußerer Pflichten auferlegte, wurde das Familienleben zerstört. Auch im äußeren Leben entstand ein der Auferstehung gleichkommendes Chaos, und das Leben der Kinder wurde verwahrlost und verdorben. Dabei hatte Allah ihnen diese Aufgabe nicht auferlegt. In ihrem traumhaften Streben nach Fortschritt hat die Frau eine doppelte Verantwortung übernommen.
In den Ländern, in denen dieses Experiment noch nicht beendet ist, mühen sich die Frauen bis zur Erschöpfung ab, um ihre inneren Wünsche zu erfüllen, und die Gesellschaft rennt wie blind auf diesem Weg dahin. Doch diejenigen, die dieses schreckliche Zivilisationsexperiment abgeschlossen haben, leiden unter seinen bitteren Früchten. Beschämt über ihre Taten denken sie darüber nach, umzukehren. Der große Denker des modernen Westens, Arnold Toynbee, schrieb:
„Jene Epochen der Menschheitsgeschichte sind dem Niedergang anheimgefallen, in denen die Frau ihre Schritte über die vier Wände des Hauses hinausführte.“
Dr. Judd schrieb: „Wenn die Frauen damit zufrieden wären, sich in ihrem eigenen Zuhause um dessen Betreuung sowie um die Erziehung ihrer Kinder zu kümmern, dann habe ich volles Vertrauen, dass diese Welt zu einem Abbild des Paradieses würde.“
Der größte Wegweiser, Hadhrat Muhammad Mustafa, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, hatte seine Gemeinschaft schon lange zuvor davor gewarnt, dass für sie jene Zeit eine sehr schlechte Zeit sein werde, in der sie sich unter die Herrschaft der Frauen begeben und die Leitung ihrer gemeinschaftlichen Angelegenheiten in deren Hände gelegt werde. Außerdem sagte er:
إِذَا كَانَ أَمَرَ أَنكُم شراركُمْ وَأَغْنِيَاءكُم بِخَلاتُكُمْ وَأَمركم إلى نساءكم
فَبَطْنُ الأَرْضِ خَيرٌ لكم من ظهرها – مشكوة باب تغير الناس„Wenn eure Herrscher und Verantwortlichen schlechte Menschen sind, eure Reichen geizig sind und eure Angelegenheiten den Frauen anvertraut werden, dann ist der Schoß der Erde besser für euch als ihre Oberfläche.“ – Mischkat
Der geliebte Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte zur weiblichen Gemeinschaft: Wenn ihr eure natürlichen Pflichten schön und ordentlich erfüllt, werdet ihr mit mir im Paradies sein. Das bedeutet, dass eure natürlichen Pflichten und eure Pflichten im Haushalt in den Augen Allahs äußerst wichtige und wertvolle Aufgaben sind. Keinesfalls darf man diese Pflichten gering achten. Erfolgreich sind nur jene Frauen, die ihre eigentliche Aufgabe gewissenhaft erfüllen. Jene Frauen hingegen können niemals erfolgreich sein, die die Last äußerer Pflichten auf ihre Schultern nehmen und in jedem Bereich neben den Männern stehen wollen. Der geliebte Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte:
أيما امرأة قعدت على بيت أولادها فهي مَعِي فِي الْجَنَّةِ – كنز العمال„Jede Frau, die zu Hause bleibt, um sich um ihre Kinder zu kümmern, wird mit mir im Paradies sein.“ – Kanz al-ʿUmmāl
Was könnte für Frauen ein größeres Glück und ein größerer Erfolg sein, als dass sie im Paradies mit dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zusammen sein werden? Jede Frau kann dieses Glück erlangen, wenn sie sich um ihre Kinder kümmert, die Hausarbeit verrichtet und ihre eigentliche Aufgabe erfüllt.
Tatsächlich hat Allah den Körperbau der Frau, ihre besonderen reinen Gefühle und Empfindungen, ihre besonderen moralischen Eigenschaften und ihr besonderes Temperament genau für diese Aufgabe geeignet geschaffen. Sie von dieser natürlichen Aufgabe zu entfernen und ihr eine andere Arbeit aufzuerlegen, ist nichts anderes als Unrecht.
Die ehrenvollste Aufgabe der Frauen
Es ist nichts anderes als eine falsche Vorstellung, die Hausarbeit für etwas Schlechtes zu halten, die Kindererziehung als entwürdigend zu betrachten und die Teilnahme an gemeinschaftlichen Aufgaben außerhalb des Hauses als Fortschritt anzusehen. Der Islam hat Ihnen innerhalb bestimmter Grenzen durchaus das Recht zur Teilnahme an gemeinschaftlichen Aufgaben gewährt. Dieses Recht bedeutet jedoch nicht, dass Sie Ihre natürliche Verantwortung als entwürdigend betrachten und deren Vernachlässigung zugunsten äußerer Aufgaben als Fortschritt ansehen. Die wahre Entwicklung der menschlichen Zivilisation und Kultur besteht darin, dass eine fortschrittliche menschliche Gesellschaft aufgebaut werden muss. Um eine solche Gesellschaft aufzubauen, ist es unerlässlich, die Verantwortung für die Kindererziehung wahrzunehmen und Menschen mit vorzüglichem Charakter und reinem Wesen heranzubilden. Denn eine reine Gesellschaft kann nur durch gute Menschen entstehen. Diese Aufgabe kann niemand außer den Frauen erfüllen. Gute Menschen werden in einem guten Schoß erzogen. Deshalb hat der Islam diese Ihre Aufgabe als die ehrenvollste Aufgabe bezeichnet. Ihre Aufgabe gilt aus islamischer Sicht als Dschihad, und der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, hat den Dschihad als den Gipfel der Religion bezeichnet. Der geliebte Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte zu Hadhrat Muʿadh, möge Allah mit ihm zufrieden sein:
ألا أدلك برأس الأمر وعموده وذروة سنامه ؟ قُلْتُ بَلَى يَا رَسُولَ الله ! قَالَ رَأس الأمر الإسلام وعموده الصلوة وذروة سنامه الجهاد – ترمذى„Soll ich euch nicht über den Kopf der Angelegenheit, ihre Säule und ihren Gipfel informieren?“ Ich sagte: „Ja, o Gesandter Allahs!“ Er sagte: „Der Kopf der Angelegenheit ist die Ergebung, ihre Säule ist das Gebet und ihr Gipfel ist der Dschihad.“
Wenn Sie im Lichte dieser Lehre mit der Betreuung des Hauses und der Erziehung der Kinder beschäftigt sind, befinden Sie sich auf dem Feld des Dschihad, und in den Augen Allahs ist Ihr Rang dem eines Mudschahed gleich. Von Hadhrat Aischa, möge Allah mit ihr zufrieden sein, wird überliefert, dass der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte:
عَلَيْكُنَّ بِالْبَيْتِ فَإِنَّهُ جِهَادُكُن – مسند احمد ج ۲„Die Betreuung des Hauses ist eure Verantwortung. Und dies ist eure Aufgabe des Dschihad.“
Keine zweite Ehe um der Kinder willen
Wenn der Ehemann einer Frau stirbt, ist es für sie nicht nur erlaubt, sondern sogar empfehlenswert, erneut zu heiraten. Wenn eine Frau jedoch um ihrer eigenen Kinder willen nicht wieder heiratet und ihre Schönheit und Jugend für die Waisenkinder ihres verstorbenen Ehemannes opfert, wird ihre Tat so lobenswert und Allah so wohlgefällig sein, dass sie am Tag der Auferstehung beim Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sein wird.
قَالَ رَسُولُ اللهِ صلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ أَنَا وَامْرَأَةُ سَفَعَاءُ الخَدِّينِ كَهَاتَيْنِ يوم القيمة وأوما يزيد بن زريع إلى الوسطى والسبابة امرأة أمت من زوجها ذات منصب وجمال حبست نفسها علَى يَتَامَاهَا حَتَّى بَانُوا أَوْ مَاتُوا –
„Der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: Am Tag der Auferstehung werden ich und die Frau mit den von Sorgen versengten Wangen wie diese beiden Finger zusammen sein.“ (Yazid ibn Zuraiʿ deutete auf seinen Mittel- und Zeigefinger.) Gemeint ist eine Frau, deren Ehemann gestorben ist. Sie ist eine angesehene Frau aus vornehmer Abstammung und von großer Schönheit. Doch um ihre eigenen Waisenkinder gut zu erziehen, verzichtet sie auf eine zweite Ehe, bis die Kinder ihre Obhut verlassen haben oder aus dieser Welt geschieden sind.“
Mit „einer Frau, die ihres Ehemannes beraubt ist“, können zwei Arten von Frauen gemeint sein. Erstens eine Frau, deren Ehemann gestorben ist. Zweitens eine Frau, von deren Ehemann die Scheidung ausgesprochen wurde. Sprachlich bezeichnet man mit „ayyima“ eine Person, der die eheliche Bindung fehlt. Sowohl ein Mann als auch eine Frau können ohne eheliche Bindung sein. Hier lobte der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die Tat eines Mannes oder einer Frau ohne Ehepartner. Das heißt, die Frau heiratet wegen der Waisenkinder kein zweites Mal. Deshalb wird hier ihrem Wesen nach ausdrücklich die Witwe erwähnt. Wenn jedoch eine Frau von ihrem Ehemann geschieden wird und ihr aus irgendeinem Grund auch Kinder anvertraut werden, und sie dann der Kinder wegen nicht wieder heiratet, ist zu hoffen, dass auch sie diesen Lohn erhält.
Kindererziehung und die weiblichen Gefährtinnen
Die weiblichen Gefährtinnen, die an den Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, glaubten und in seiner Rechtleitung aufgingen, liebten jede Anweisung und jede Lehre des geliebten Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, mit Leib und Seele und erfüllten ihre Pflicht, danach zu handeln, ausschließlich um Allahs Wohlgefallen zu erlangen. Auch diese hochgesinnten weiblichen Gefährtinnen, Allahs Wohlgefallen sei auf ihnen, erfüllten die Pflicht der Kindererziehung. Um ihrer Kinder willen opferten sie allen Komfort, ihre Hoffnungen und Wünsche sowie ihre Schönheit und Jugend. Tatsächlich hatten sie die Lehren des Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, richtig verinnerlicht.
Eine Mutter, die ihre Erziehungspflicht erfüllt
„Möge Allah meiner Mutter eine gute Vergeltung gewähren. Sie hat die Verantwortung für meine Erziehung und Vormundschaft übernommen.“ Diese Worte sagte Anas, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, der besondere Diener des geliebten Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, über seine Mutter.
Anas’ Mutter Umm Sulaym war unter ihrer Kunya besonders bekannt. Ihr eigentlicher Name war Ramila oder Sahla, und ihr Beiname war Rumaisa. Ihr Vater hieß Malhan. Sie gehörte zum Stamm der Nadschdschār von al-Anṣār. Sie heiratete einen jungen Mann aus ihrem eigenen Stamm, Mālik ibn Naḍr. Aus dieser Ehe wurde Anas, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, geboren. Als Anas, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, noch ein Kind war, nahm Umm Sulaym den Islam an.
Umm Sulaym hing mit ganzem Herzen und ganzer Seele an ihrem kleinen Sohn. Wenn sie ihm das Glaubensbekenntnis beibrachte, wurde Mālik ibn Naḍr sehr zornig. Schließlich verließ er aus Verärgerung das Land und ging nach Syrien. Dort nutzte einer seiner Feinde eine Gelegenheit und tötete ihn, sodass Umm Sulaym bereits in ihrer Jugend Witwe wurde. Danach begannen die Heiratsanträge einzutreffen. Sie wies jedoch jeden Antrag mit den Worten zurück: „Ich werde nicht heiraten, bis mein Sohn die Fähigkeit erlangt hat, in Versammlungen aufzutreten, daran teilzunehmen und sich zu unterhalten. Wenn Anas dann meiner Heirat zustimmt, werde ich heiraten.“
Umm Sulaym war eine junge Frau, und Anas war noch ein Kind. Umm Sulaym war in Sorge. Doch für sie war es unerträglich, dass das kindliche Gemüt durch die schlechte Behandlung eines Stiefvaters verletzt werden könnte.
Als Anas, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, später ein junger Mann geworden war, machte Abū Ṭalḥa einen Heiratsantrag. Wie hätte sie ihn jedoch annehmen können? Abū Ṭalḥa war noch kein Muslim. Deshalb wies sie seinen Antrag zurück. Diese Zurückweisung war jedoch von großer Weisheit, damit sich Abū Ṭalḥas Augen öffneten. Umm Sulaym sagte:
يا أبا طلحة الست تعلم أن الهك الذي تعيد نبت مِنَ الْأَرْضِ قَالَ بَلَى قَالَت
أفلا تستحيي تعبد شجرة – اصابه ج دوم و مسند احمد„O Abū Ṭalḥa! Weißt du nicht, dass das, was du zu deinem Gott gemacht hast und anbetest, aus der Erde hervorkommt?“ Er sagte: „Ja.“ Darauf fuhr Umm Sulaym fort: „Schämst du dich dann nicht, einen Baum anzubeten?“ – al-Iṣāba und Musnad Aḥmad
Als Abū Ṭalḥa dies hörte, geriet er ins Nachdenken. Zu jener Zeit ging er fort. Doch die Befleckung in seinem Herzen begann zu weichen. Einige Tage später kam er zu Umm Sulaym und wurde durch die Annahme des Islam geehrt.
Als Umm Sulaym sah, dass Allah der Erhabene Abū Ṭalḥa mit dem Reichtum des Islam beschenkt hatte, sagte sie, ohne auf seine Bedürftigkeit und Armut zu achten: „O Abū Ṭalḥa, ich nehme deinen Heiratsantrag an. Meine Brautgabe ist dein Islam.“ Diese Heirat Umm Sulayms kam gerade wegen der Fürsorge für jenes gute Kind zustande, um dessen vorzüglicher Erziehung willen sie bis dahin die Heirat abgelehnt hatte. Anas, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, pflegte zu sagen: „Auch die Brautgabe meiner Mutter war etwas Außergewöhnliches.“
Welchen Rang diese fromme Ehefrau bei Allah innehatte, lässt sich aus der folgenden Aussage des geliebten Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, erahnen:
دخلت الجنَّةَ فَسَمِعتُ خَشَفَةً فَقُلْتُ مَا هذَا فَقِيلَ الرميصاء بنت ملحان –
صحيح مسلم ج دوم وطبقات ابن سعد ج هشتم„Ich betrat das Paradies und hörte ein Geräusch. Ich fragte: ‚Was ist dieses Geräusch?‘ Man sagte: ‚Das ist die Stimme von Rumaisa, der Tochter Malhans.‘“ – Muslim und die Ṭabaqāt Ibn Saʿds
Beispiellose Opfer für die Erziehung von Kindern
Wer war den weiblichen Gefährten lieber als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm? Als jedoch der geliebte Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Umm Hani, der Tochter seines Onkels Abu Talib, einen Heiratsantrag machte, bat sie um Entschuldigung, denn die Lehre, die der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, den weiblichen Gefährten über die Bedeutung der Kindererziehung vermittelt hatte, hatten sie sehr gut verinnerlicht. Denken Sie über die Worte nach, die Umm Hani dem geliebten Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte, als sie um Entschuldigung bat. Dann wird deutlich werden, welch große Bedeutung die Kindererziehung für die weiblichen Gefährten hatte. Umm Hani sagte:
„O Gesandter Allahs! Du bist mir lieber als meine beiden Augen. Doch die Rechte des Ehemannes sind sehr groß. Ich fürchte bei einer Heirat, dass ich, wenn ich die Rechte des Dienstes an meinem Ehemann erfülle, nicht in der Lage sein werde, die Rechte dieser Juwelen meines Herzens – meiner Kinder – zu erfüllen. Und wenn ich mich dem Dienst an den Kindern widme, werde ich die Rechte meines Ehemannes nicht erfüllen können.“ – Ṭabaqāt Ibn Saʿd: Der Bericht über Umm Hani
Dies war jene glückliche Umm Hani, in deren Haus der edle Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, am Tag der Eroberung Mekkas badete und das Duha-Gebet verrichtete. Aus Rücksicht auf die verwandtschaftliche Bindung hatte Umm Hani zwei Götzendienern in ihrem Haus Schutz gewährt; auch der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gewährte ihnen Schutz. – Musnad Ahmad
Muttermilch aus islamischer Sicht
Bei der Erziehung eines Kindes stillt die Mutter es aus natürlicher Veranlagung. Das ist eine allgemein bekannte Regel beziehungsweise Sitte! Es ist das Recht des geliebten Kindes gegenüber seiner Mutter. Zugleich ist es eine Forderung der Mutterschaft. Ein Kind mit der Muttermilch zu ernähren, ist in der Gesellschaft eine allgemein bekannte Regel und etwas ganz Gewöhnliches. Andererseits betrachtet jede Mutter das Stillen ihres eigenen Kindes als eine natürliche und ihrer Veranlagung entsprechende Pflicht. Ein Kind im eigenen Leib zu tragen, es zur Welt zu bringen und es zu seiner Entwicklung mit der eigenen Milch zu ernähren, ist der natürliche Trieb jeder Mutter.
Im Heiligen Koran heißt es:
والوالدت يرضعن أولادهن حولين كاملين لِمَنْ أَرَادَ أَن يَتِمَّ الرَّضَاعَةَ .
„Und die Mütter sollen ihre Kinder volle zwei Jahre stillen – für denjenigen, der die Stillzeit vollständig abschließen möchte.“ Sure al-Baqara: 233
Dieser Vers weist in Wirklichkeit jene Mütter zum Stillen an, deren Ehemänner sich von ihnen scheiden ließen oder die sich wegen einer Khulʿ-Scheidung von ihren Ehemännern getrennt haben. Das Kind besitzt ein natürliches Recht auf die Muttermilch, und ein Kind ist nicht nur ein Teil des Herzens des Vaters, sondern auch der Mutter. Deshalb soll die Mutter ihren Zorn auf den Vater des Kindes nicht am Kind auslassen und dessen Rechte nicht verletzen. Wenn der Heilige Koran den von ihren Ehemännern getrennten Frauen befiehlt, das Stillen des Kindes nicht zu verweigern, ist klar, dass das Stillen ein Recht und eine religiös vorgeschriebene Pflicht der Mutter ist. Wie könnte es außerdem sein, dass der getrennt von ihrem Ehemann lebenden Frau das Stillen befohlen wird, der mit ihrem Ehemann zusammenlebenden Frau jedoch nicht? Weil sie in beiden Fällen die Mutter des Kindes ist, gilt in beiden Situationen dieselbe Anweisung. Aus der Sorge heraus, dass das Kind durch die Trennung der Eltern seines Rechts auf das Stillen beraubt werden könnte, wurde diese Weisung im Heiligen Koran gegeben. Der Grund dafür, dass der Heilige Koran den mit ihren Ehemännern zusammenlebenden Müttern gegenüber keine gesonderte Anweisung erteilt, ist, dass das Stillen des eigenen Kindes eine allgemeine Regel ist und jede Mutter ihr Kind entsprechend ihrer natürlichen Empfindung stillt und dabei inneren Frieden und geistige Freude empfindet. Daher ist diese Anweisung auch aus diesem Vers des Heiligen Korans eindeutig zu erkennen. Der Koran hat diese Angelegenheit also nicht als eine dauerhaft gesetzlich bindende Vorschrift dargestellt. Vielmehr wurde sie als eine von der Natur gegebene Pflicht und als allgemeine Regel beschrieben, und es wurde die Sitte eingeführt, dass jede Mutter, so wie sie die Last des Kindes trägt und die Mühen der Geburt auf sich nimmt, ihr Kind bis zu zwei Jahren mit dem Blut ihres eigenen Herzens nährt.
حملته أنه كرها ووضعته كرها ، وحمله وفصله ثلثون شهراً – –
„Seine Mutter trug ihn unter Mühsal und brachte ihn unter Mühsal zur Welt, und von der Schwangerschaft bis zum Abstillen vergingen dreißig Monate.“ – Sure al-Ahqāf: 15
In diesem Vers werden drei große Wohltaten der Mutter anerkannt.
Erstens: Die Mutter trug ihn unter Mühsal in ihrem Leib.
Zweitens: Sie brachte ihn unter Mühsal zur Welt.
Drittens: Die Mutter ernährte ihn mit ihrer eigenen Milch.
Die Forderung dieser drei beispiellosen Wohltaten besteht darin, dass die Mutter im Vergleich zum Vater dreimal mehr Rechte besitzt. Was im Heiligen Koran angedeutet wurde, erläuterte der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, als dessen Ausleger folgendermaßen:
„Ein Gefährte fragte: ‚O Gesandter Allahs! Wer hat am meisten Anspruch darauf, dass ich ihm gutes Verhalten entgegenbringe?‘ Er sagte: ‚Deine Mutter.‘ Er fragte: ‚Wer danach?‘ Er sagte: ‚Deine Mutter.‘ Der Gefährte fragte: ‚Und danach?‘ Er sagte: ‚Deine Mutter.‘ Er fragte erneut: ‚Und danach?‘ Er sagte: ‚Dein Vater.‘“ Bukhari und Muslim
Aus dieser Überlieferung von Koran und Sunna erfahren wir, dass die Mutter gegenüber jedem Kind dreimal mehr Rechte besitzt. Denn auch die Mutter erfüllt ihrem Kind gegenüber von Natur aus drei Aufgaben. Sie trägt es neun Monate lang in ihrem Leib und erduldet dabei Schwäche über Schwäche. Danach bringt sie es unter Einsatz ihres Lebens zur Welt, und anschließend nährt sie es zwei Jahre lang mit dem Blut ihres eigenen Herzens. Dies ist der natürliche Trieb und die vertraute Aufgabe jeder Mutter. Durch diese Aufgabe macht der Heilige Koran mit großer Weisheit die Zuneigung zum Kind und die Wohltaten der Mutter deutlich und sagt, dass die Mutter im Vergleich zum Vater dreimal mehr Rechte besitzt.
Der Islam ist eine natürliche Religion. Deshalb stürzt der Islam niemanden ohne Grund in Bedrängnis. Im Allgemeinen sollte die Mutter ihr Kind zwei Jahre lang stillen. Wenn es jedoch aus irgendeinem Grund notwendig wird, das Kind vor Ablauf der zwei Jahre abzustillen, macht der Islam das Stillen bis zu zwei Jahren nicht verpflichtend. Wenn eine Frau krank oder schwach ist und zu befürchten steht, dass sich ihre Gesundheit weiter verschlechtert, besteht den Umständen entsprechend auch die Möglichkeit, das Kind nicht zu stillen. Doch ein Kind ohne tatsächliche Schwierigkeit oder Notwendigkeit lediglich aus Gründen der Mode nicht zu stillen, gilt als Eingriff in das Recht des Kindes und als Tat eines verhärteten Herzens.
Frauen, die unter dem Glanz der modernen Zivilisation beeinflusst ihr Kind nicht stillen oder es aus Angst um ihre Schönheit, Jugend und Anmut der eigenen Milch berauben, weil das Stillen ihre Schönheit zerstören und ihre Jugend vernichten könnte, sind zwar Mütter, aber der mütterlichen Zärtlichkeit, der mütterlichen Gefühle und des mütterlichen Herzens beraubt. Denn keine Milch kann für ein Kind die Muttermilch ersetzen. Gegen Frauen, die von solchen Vorstellungen geleitet werden, sprach der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, eine eindringliche Warnung aus. Frauen, die ihr eigenes Kind aufgrund solcher missbilligten Handlungen am Stillen hindern, warnte der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, vor äußerst schwerwiegenden Folgen. Als der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, vom Geschehen in der Nacht der Himmelsreise berichtete, sagte er:
ثم انطلق بي فَإِذَا بِنِسَاء تَنهش تديَهُنَّ الْحَيَّاتُ قُلْتُ مَا بَالُ هَؤُلَاءِ قَبْلَ هُؤُلاء
يمنعن أولادهن البانهن – ترغيب وترهيب„Dann wurde ich weitergeführt. Unterdessen sah ich einige Frauen, deren Brüste von Schlangen gebissen wurden. Ich fragte: ‚Wer sind diese Frauen?‘ Es wurde gesagt: ‚Es sind jene Frauen, die ihre eigenen Kinder nicht mit ihrer eigenen Milch stillten.‘“ – Targhīb wa Tarhīb
Die rechtliche und ethische Bedeutung der Muttermilch
Muttermilch ist für das Kind eine natürliche Nahrung. Diese Nahrung schenkt ihm vollkommene Gesundheit und Stärke. Doch sie ist nicht nur körperliche Nahrung, sondern auch geistige und moralische Nahrung. Muttermilch hat einen tiefen Einfluss auf das Herz, die Gefühle, den Charakter und die Taten des Kindes. Wenn eine Mutter ihr Kind stillt, versorgt sie es nicht nur mit nahrhafter Nahrung, sondern lässt mit jedem Tropfen Milch auch ihre eigenen reinen Gedanken, edlen Gefühle, hohen Hoffnungen und wünschenswerten Charaktereigenschaften in seinen Körper und seine Seele übergehen. Von Natur aus nimmt das Kind all dies zusammen mit der Muttermilch in sich auf. Unter moralischem Gesichtspunkt ist Muttermilch von außerordentlicher Bedeutung. Ohnehin wirkt sich jede Nahrung notwendigerweise auf den Charakter und die Taten des Menschen aus. Da Milch jedoch die erste Nahrung des Menschen ist, ist ihre Bedeutung noch größer.
Wenn ein Kind aus irgendeinem Grund nicht die Milch seiner eigenen Mutter erhält und von einer fremden Frau gestillt werden muss, sollte darauf geachtet werden, dass die Frau, die es stillt, gesund ist. Auch im Hinblick auf Reinheit und Sittsamkeit sollte sie zufriedenstellend sein. Hinsichtlich ihrer Gefühle und Gedanken sollte sie ebenfalls vorbildlich sein. In Charakter und Taten sollte sie vertrauenswürdig und in ihren Gewohnheiten und Eigenschaften gut sein, damit das Kind von ihr einen schönen Charakter erlangen kann.
Der wichtigste Grund für die außergewöhnliche Beziehung und tiefe Liebe, die zwischen einer Mutter und ihrem Kind entsteht, ist die Milch. Mütter, die ihre Kinder nicht stillen, empfinden für sie nicht jene Zuneigung, die gerade durch das Stillen entsteht. Wenn sie über Distanz und eine kühle Beziehung zu ihren Kindern klagen, sind sie selbst dafür verantwortlich. Denn wenn sie in den ersten zwei Lebensjahren des Kindes keine Zuneigung, Liebe und geistige Verbundenheit dadurch lebendig werden ließen, dass sie es an ihre warme Brust legten, musste das Ergebnis ganz natürlich so ausfallen.
In der islamischen Scharia wurde die Bedeutung der Milch nicht nur anerkannt, sondern ihr eine solche Bedeutung beigemessen, dass auf ihrer Grundlage die Regeln von Erlaubtem und Verbotenem festgelegt wurden.
Auf Arabisch wird das Stillen „Radāʿa“ genannt. Der Islam betrachtet diese Milchverwandtschaft als nahezu ebenso ehrwürdig wie die Blutsverwandtschaft. Wenn ein Kind aus irgendeinem Grund von einer fremden Frau gestillt wird, entsteht zwischen ihm und dieser Frau eine Milchverwandtschaft. Die Frau, die das Kind stillt, wird zu seiner Milchmutter. Die Stellung der Milchmutter ist nahezu dieselbe wie die der leiblichen Mutter. Durch das Stillen wird jedoch nicht nur die Frau zur Milchmutter; vielmehr wird ihr Ehemann zum Milchvater des Kindes und ihre Kinder werden zu dessen Milchgeschwistern. In der Scharia hat die Milchverwandtschaft nahezu denselben Rang wie die Blutsverwandtschaft. Tatsächlich wird die gegenseitige Heirat zwischen solchen Verwandten ebenso verboten, wie sie zwischen Verwandten durch Blutsverwandtschaft verboten ist. Im Heiligen Koran heißt es:
وأُمَّهَاتُكُمُ الَّتِي أَرضَعْنَكُم وَأَخَوَاتُكُم من الرضاعة – النساء : ٢٣„Und eure Mütter, die euch gestillt haben, und eure Milchschwestern.“
Das bedeutet: Jene Verwandten, die aufgrund der Beziehung zu den leiblichen Eltern verboten sind, werden auch aufgrund der Beziehung zu den Milch eltern verboten. Als Erläuterung dazu erklärte der edle Gesandte die entsprechende Regel und sagte:
إِنَّ اللَّهَ حَرَّمَ مِنَ الرَّضَاعَةِ مَا حَرَّمَ مِنَ النَّسب – صحيح مسلم„Allah der Erhabene hat durch das Stillen jene Verwandten verboten, die Er aufgrund der Abstammung verboten hat.“ – Muslim
Der Scharia wurde dem Stillen eine derartige Bedeutung beigemessen, dass eine Ehe, wenn ein Mann und eine Frau einander unbekannt heiraten, aber zwischen ihnen eine Milchverwandtschaft besteht, bereits durch die Aussage einer einzigen Frau aufgelöst wird. Sobald die Milchverwandtschaft bekannt wird, ist es diesen beiden Personen nicht einmal für einen Augenblick erlaubt, als Ehepaar zusammenzuleben.
Hadrat ʿUqba ibn al-Harith heiratete eine Frau. Nach der Eheschließung kam eine Frau und sagte: „Ich habe euch beide gestillt.“ Hadrat ʿUqba erkundigte sich bei den Verwandten der Ehefrau nach diesem Vorfall, doch sie erklärten, nichts davon zu wissen. Schließlich begab sich Hadrat ʿUqba zum geliebten Propheten und schilderte ihm den gesamten Vorfall. Nachdem der edle Prophet die Angelegenheit angehört hatte, sagte er: „Wie könnt ihr nun noch zusammenleben?“ Hadrat ʿUqba ließ sich von dieser Frau scheiden, und sie heiratete einen anderen Mann. – Sahih al-Bukhari
Der unermessliche Wert des Stillens
Angesichts der außerordentlichen Bedeutung und des gewaltigen moralischen und geistigen Nutzens, den das Stillen des eigenen Kindes mit sich bringt, ermutigte der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die Frauen zugleich mit einer eindringlichen Warnung vor jenen, die ihre Kinder nicht stillen. Er wandte sich an die muslimischen Frauen und sagte: „Wenn ihr eure Herzensstücke stillt, werdet ihr dafür nicht nur in dieser Welt eine Belohnung erhalten; vielmehr wird euch auch im Jenseits unermesslicher Lohn und große Belohnung zuteilwerden.“ Der geliebte Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte:
وإِن لها من أول رضعة ترضعه أجر حياة نسمة – كنز العمال„Eine muslimische Frau, die ihrem Kind den ersten Schluck Milch gibt, erhält den gleichen Lohn wie jemand, der einem Menschen das Leben schenkt.“ – Kanz al-ʿUmmāl
Außerdem beschrieb der geliebte Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die stillende Frau als einen Mudschāhid, der ununterbrochen auf Allahs Weg Wache hält. Sollte diese Frau während dieser Zeit sterben, erhält sie den Lohn des Märtyrertums.
Die Muttermilch aus medizinischer und psychologischer Sicht
Auch aus medizinischer und psychologischer Sicht ist Muttermilch von außerordentlichem Nutzen. Medizinische und psychologische Fachleute haben ausführlich darüber geschrieben. Hier geben wir einige Auszüge aus einem Forschungsartikel einer Organisation für Gesundheits- und medizinische Forschung wieder. Aus diesem Zitat lässt sich erkennen, was Mediziner und Psychologen zu diesem Thema gedacht haben und welchen Nutzen es für Sie und Ihre Nachkommen hat, wenn Sie das Recht wahrnehmen, zu dessen Einforderung der Islam Sie ermutigt hat.
„Viele Forderungen der modernen Zivilisation entfernen uns von zahlreichen Naturgesetzen. Viele schwangere Frauen überlegen, ob sie ihr Kind mit ihrer eigenen Milch oder mit Kuhmilch ernähren sollen. Zu ihrer Information muss gesagt werden, dass Kuhmilch niemals ein Ersatz für Muttermilch sein kann. Wenn Sie Ihr Kind von allen Arten von Allergien, Bauchschmerzen und Verdauungsstörungen bewahren möchten, stillen Sie es. Nachdem die Mutter ihr Kind nach der Geburt stillt, kehrt ihr Körper rasch wieder in einen gesunden Zustand zurück.
Außerdem wird die Schwäche eines vorzeitig geborenen Kindes gerade durch Muttermilch behoben.“
Die Geschichte einer Mutter
Das Kind einer Frau wurde sechs Wochen vor dem errechneten Termin geboren. Eine Krankenschwester band ihr fest einen Verband um den Körper. Die Frau fragte die Krankenschwester: „Warum haben Sie diesen Verband angelegt?“
Die Krankenschwester sagte: „Der Verband wurde angelegt, damit Ihre Milch nicht kommt.“
„Aber ich möchte mein Kind stillen.“ – „Sie können ihm Ihre Milch nicht geben“, sagte die Krankenschwester. „Da Ihr Kind vor dem errechneten Termin geboren wurde, ist es schwach. Sie müssen mehrere Wochen von ihm getrennt bleiben.“
„Doktor!“ Die Frau sagte, von der Krankenschwester enttäuscht: „Können Sie mir helfen? Ich möchte mein Kind stillen.“
Der Arzt sagte in scharfem Ton: „Sie wissen doch, dass Ihr Kind einige Zeit zu früh geboren wurde.“
„Gerade deshalb möchte ich es mit meiner eigenen Milch ernähren. Ich möchte, dass sein schwacher Körper sofort Kraft erhält und es am Leben bleibt.“
„Diese Frage stellt sich überhaupt nicht.“
„Wenn Sie ihm Ihre Milch geben möchten, müssen wir Ihre Milch mit einem Hilfsmittel abpumpen. Sind Sie dazu bereit?“
Aus Liebe war die Mutter dazu bereit. Ihre Milch wurde mit einem elektrischen Gerät abgepumpt. Manchmal wurden bis zu elf Unzen Milch gewonnen. Auch andere Kinder im Krankenhaus tranken diese Milch. Als die Mutter aus dem Krankenhaus entlassen wurde, blieb das Kind dort, weil es weniger als sechs Pfund wog. Zu Hause pumpte die Mutter ihre eigene Milch ab und schickte sie für das Kind ins Krankenhaus. Inzwischen war es fünf Wochen alt geworden, und sie brachte es nach Hause.
In unseren modebewussten Kreisen wird man nur sehr wenige Frauen finden, die wie die erwähnte Frau darauf bestehen, ihr Kind mit der eigenen Milch zu ernähren. Diese Frau hatte den Zustand ihrer Freundinnen mit eigenen Augen gesehen. Sie wusste, dass Kinder, die mit der Flasche ernährt werden, ständig unter Bauchschmerzen leiden. Obwohl ihr Kind vor dem errechneten Termin geboren worden war, erreichte es sehr schnell einen normalen Zustand, und die anfangs festgestellte Schwäche verschwand unverzüglich.
Muttermilch und Gesundheit
In Ländern, in denen Mütter im Zuge moderner Zivilisationsvorstellungen abgeneigt sind, ihre Kinder mit eigener Milch zu stillen, sinkt das gesundheitliche Niveau, und die Kinder werden des Charakters ihrer Eltern beraubt.
In den ersten Tagen ist die Muttermilch mit einer Substanz vermischt, die Kolostrum genannt wird. Dieses Kolostrum verleiht dem Kind eine starke Lebenskraft. Die Menge an Vitamin A, die darin enthalten ist, kann es später nicht mehr erhalten. Sie nimmt allmählich ab. Aus diesem Grund muss die Mutter ihr Kind in der ersten Zeit unbedingt stillen. Das Kind erhält dieses Vitamin nicht im Mutterleib. Daher muss es dieses Vitamin zu Beginn seines Lebens unbedingt bekommen. Kolostrum schützt Neugeborene auch vor dem Angriff äußerer Keime.
Neugeborene sind von Husten und Lungenentzündung bedroht. Wenn sie Kolostrum erhalten, verringert sich die Wahrscheinlichkeit, dass sie an diesen Krankheiten erkranken. Die meisten Kinder, die innerhalb eines Monats nach ihrer Geburt sterben, sterben aufgrund eines Kolostrummangels.
Moderne Forschung
Forscher sind sich darin einig, dass das Stillen mit Muttermilch die beste Möglichkeit ist, Neugeborene vor allen Arten von Beschwerden zu schützen. Diese Nahrung ersetzt für sie die Notwendigkeit von Arzneimitteln. Die meisten Krankheiten, an denen Kinder in der ersten Lebenszeit leiden, werden durch die Nahrung verursacht.
Bei näherer Betrachtung zeigt sich, dass die Situation bei Tieren völlig anders ist als beim Menschen. Kuhmilch ist für ihr Kalb äußerst geeignet, denn es muss sehr schnell auf eigenen Beinen stehen. Im Verhältnis zu seiner geistigen Entwicklung benötigt es etwas mehr körperliche Kraft. Ein menschliches Kind muss unmittelbar nach seiner Geburt weder gehen noch sich fortbewegen. Es muss geistige Fähigkeiten entwickeln. Muttermilch wirkt als ideales Mittel zur Entwicklung dieser Fähigkeiten.
Muttermilch enthält vier Prozent Fett. Die Milch von Robben hingegen enthält vierzig Prozent Fett. Der Grund ist offensichtlich: Im Körper der Robbe wird schon bald eine Fettschicht benötigt. Mithilfe dieses Fettes kann sie der Kälte des Eises und des eisbedeckten Wassers widerstehen und überleben. Hasenmilch enthält dagegen etwas mehr Eiweiß, zehnmal mehr als Menschenmilch. Deshalb wachsen junge Hasen sehr schnell. Bereits nach sechs Tagen hat sich ihr Gewicht gegenüber dem Tag ihrer Geburt verdoppelt. Beim Menschenkind dauert es sechs Monate, bis sich sein Gewicht verdoppelt. Das ist das Gesetz der Natur.
Nachteile der Fütterung mit anderer Milch als Muttermilch
Nach modernen Vorstellungen tritt Bluthochdruck nicht erst im höheren Alter auf, sondern beginnt bereits in der Kindheit. Seine wichtigste Ursache ist der erhöhte Natriumgehalt der Kuhmilch. Einer der Gründe für die Zunahme von Herzerkrankungen bei modebewussten Völkern ist der Genuss anderer Milch anstelle von Muttermilch. Einer Umfrage zufolge hat sich in Amerika die Zahl der Mütter, die ihre Kinder stillen, halbiert. In einer britischen Stadt ist diese Zahl von 77 Prozent auf 36 Prozent gesunken, und in Frankreich stieg innerhalb von fünf Jahren die Zahl der Kinder, die nicht gestillt worden waren, von 31 Prozent auf 51 Prozent. Tatsache ist, dass die Natur die Milch jedes Säugetiers ausschließlich für dessen Nachwuchs geeignet gemacht hat.
Innigkeit
Ein Kind, das an der Brust der eigenen Mutter gestillt wird, empfängt neben der Milch auch ein Gefühl der Geborgenheit bei seiner Mutter. Dieses Gefühl bleibt sein ganzes Leben lang wach und macht es psychologisch zu einem guten Menschen. Diese Beziehung durch das Stillen schafft ein unauflösliches Band zwischen Mutter und Kind. Dieses Band und diese Beziehung der Zuneigung und Liebe können nicht auf dem Markt gekauft werden.
Psychiater sagen, einer der Hauptgründe für die zunehmende Zahl psychischer Erkrankungen besteht darin, dass die Menschen heutzutage der mütterlichen Liebe beraubt sind. Die moderne Zivilisation errichtet eine künstliche Mauer zwischen Mutter und Kind. Eine leblose Flasche aus Glas oder Plastik und die darin enthaltene Tiermilch können die weichen Arme der Mutter und ihre allseitig erfüllende Milch nicht ersetzen. Darüber hinaus ist die Ruhe, die die Mutter beim Stillen empfindet, durch nichts zu übertreffen.
Die Kosten für die Kindererziehung tragen
Der zweite Bereich der Versorgung eines Kindes besteht in der Übernahme der Kosten. Der Islam hat die Verantwortung für diese Kosten ausschließlich dem Vater auferlegt. Denn Allah, der Erhabene, hat dem Mann die Verantwortung übertragen, für den Lebensunterhalt zu sorgen und die notwendigen Dinge des Lebens bereitzustellen. Dafür hat Allah ihm auch körperliche, geistige und moralische Kräfte verliehen. Körperliche Gesundheit, Fähigkeit zu harter Arbeit, Mut, Entschlossenheit, Überlegungsvermögen sowie körperliche und moralische Stärke sind den Männern in größerem Maß gegeben als den Frauen. Denn für besondere Verantwortungen benötigte er diese Kräfte und Fähigkeiten in höherem Maß. Allah, der Erhabene, hat die Frauen von der Verantwortung befreit, für den Lebensunterhalt umherzueilen, und ihnen die Verantwortung für das Haus übertragen. Dafür wurden den Frauen die entsprechenden Eigenschaften verliehen. Zusammengefasst wurden Mann und Frau mit unterschiedlichen Fähigkeiten ausgestattet und mit der Verantwortung betraut, ihre jeweiligen Aufgabenbereiche ordnungsgemäß zu erfüllen.
Die Bedeutung der Übernahme der Kosten
Die Verantwortung für die Übernahme der Kosten bedeutet, dass der Vater alle Arten von Ausgaben für das Kind von seiner Geburt bis zum Erreichen der Geschlechtsreife trägt: die Kosten der Geburt, für Nahrung und Getränke, Kleidung und Kopfbedeckung, Pflege und Betreuung, Gesundheit und Erholung, die Vergütung, falls das Stillen durch eine andere Frau erforderlich ist, sowie die Vergütung der Mutter, wenn sie nach ihrer Scheidung vom Vater das Kind stillt. Zusammengefasst ist es die schariatische Pflicht des Vaters, alle Ausgaben für die Versorgung und das Heranwachsen des Kindes zu tragen. Wenn der Vater wohlhabend ist, ist es außerdem seine Pflicht, Sadaqa und Fitra für das Kind zu entrichten; eine Aqiqa zu geben, ist mustahabb.
Die finanzielle Verantwortung und die Gefühle des Vaters
Der Vater erfüllt dieses Recht des Kindes mit außerordentlicher Großzügigkeit. Wenn er das durch Schweiß und Mühe erworbene Vermögen ohne Zögern ausgibt und dann sieht, dass sein Kind fröhlich und glücklich ist, verschwinden all seine Mühen. Die Sehnsucht seiner väterlichen Zuneigung wird gestillt, und er wird von Freude erfüllt. Allah, der Erhabene, hat dem Vater und dem Kind eine gewaltige Gunst erwiesen, indem Er im Herzen des Vaters eine grenzenlose, väterliche Liebe und Zuneigung geschaffen hat. Ohne diese natürliche Liebe und Barmherzigkeit wäre es sehr schwierig gewesen, die Kosten für das Kind lediglich aus Pflichtgefühl zu tragen, und nur wenige Menschen wären in der Lage gewesen, diese Verantwortung zu erfüllen. Dadurch wäre die Versorgung der Kinder in der menschlichen Gesellschaft zu einem großen Problem geworden, und die Kinder wären gewöhnlich ihrer Versorgung beraubt worden. Auch dem Kind hat Allah eine gewaltige Gunst erwiesen, indem Er in den Herzen von Mutter und Vater Zuneigung und liebevolle Fürsorge geschaffen und ihnen die wunderbare Verantwortung für seine Versorgung übertragen hat.
Die finanzielle Verantwortung und die religiöse Pflicht
Ein muslimischer Vater trägt die Kosten für sein Kind aus natürlicher Liebe. Zugleich ist er jedoch davon überzeugt, dass die Übernahme der Kosten für die Versorgung des Kindes auch eine religiöse Pflicht ist. Allah hat ihm die Verantwortung für die Vormundschaft über das Kind anvertraut. Indem er die Kosten für sein Kind trägt, erfüllt er einerseits seine väterlichen Gefühle; andererseits bringt er Allah gegenüber sein Verlangen zum Ausdruck, im Jenseits für diese gute Tat unermessliche Belohnung zu erhalten. Wenn sich dieses starke Bewusstsein mit der natürlichen Liebe zum Kind verbindet, wird die Übernahme der Kosten für seine Versorgung zu einem Mittel des jenseitigen Erfolgs. Wenn die Bedeutung der finanziellen Aufwendungen für die Versorgung des Kindes von diesem schönen Ziel erfüllt ist, wird die Erfüllung dieser Verantwortung sehr leicht. Ein muslimischer Vater erfüllt diese Pflicht, weil er sie im Streben nach jenseitiger Erlösung und Allahs Wohlgefallen als Fard betrachtet. Er nimmt die härteste Arbeit und große Opfer auf sich, und er freut sich, dass das von Allah ihm anvertraute Gut nicht verlorengegangen ist. Wenn er Geld für die Versorgung seines Kindes ausgibt, betrachtet er dies als eine Ausgabe auf Allahs Weg nach Allahs Anweisung. Hadrat Abu Masʿud al-Badri, möge Allah mit ihm zufrieden sein, überlieferte, dass der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sprach:
إذا أنفق الرَّجُلُ عَلَى أَهْلِهِ نَفَقَةً يَحْسِبُهَا فَهِي لَهُ صَدَقَةٌ – متفق عليه، رياض
الصالحين ص ١٥٢„Wenn jemand für seine Familie Ausgaben macht und dabei Allahs Wohlgefallen und die Belohnung im Jenseits beabsichtigt, wird diese Ausgabe für ihn als Sadaqa angerechnet.“ – Überliefert von al-Buchari und Muslim
Eine Handlung mit Ihtisāb zu verrichten bedeutet, sie ausschließlich um Allahs Wohlgefallen und um des jenseitigen Lohns willen zu tun und nicht aus irgendeinem anderen Grund.
Das beste Vorbild
Als im Hause des geliebten Propheten, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sein jüngster Sohn, Hadhrat Ibrāhīm, geboren wurde, überbrachte ihm sein Sklave Abū Rāfiʿ diese frohe Nachricht. Aus Freude ließ er sogleich einen Sklaven frei. Am siebten Tag vollzog er die Aqīqa und ließ dem Kind die Haare schneiden. Das Gewicht der Haare gab er in Silber auf Allahs Weg als Spende. Viele Frauen der Ansār boten sich an, das Kind zu stillen. Unter ihnen wählte er Khawla bint Zayd al-Ansāriyya für diesen Dienst aus und übergab ihr Ibrāhīm. Als Gegenleistung für diesen Dienst wurden ihr einige Dattelpalmen gegeben.
Aqīqa
Die Aqīqa für ein Kind zu vollziehen, ist Sunna. Der geliebte Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, vollzog die Aqīqa für seine eigenen Kinder und ermutigte auch andere dazu. Es muss jedoch unbedingt beachtet werden, dass die Aqīqa eine rein mustahabb Sadaqa ist. Sie ist keineswegs eine verpflichtende Fard-Pflicht. Wenn jemand keine Aqīqa vollzieht, trifft ihn dafür keine Sünde. Wenn der Vater wohlhabend ist, ist es besser, die Aqīqa zu vollziehen. Die Aqīqa ist eine Sadaqa für das Leben des Kindes. Durch die Aqīqa werden Unglück und Leiden abgewendet und das Kind vor Gefahren und Heimsuchungen geschützt. Der edle Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagte:
رَأْسَهُ . بح عنه يوم سابعه ويُسمّى فِيهِ وَيُخلق كل غلام رهين بحقيقته تذبح عنه يوم .
جامع ترمذی„Jedes Kind ist durch seine Aqīqa verpfändet. Am siebten Tag soll für es ein Tier geschlachtet werden; an diesem Tag soll ihm auch ein Name gegeben und sein Kopfhaar geschnitten werden.“ – Tirmidhī
Als Aqīqa wird in Wirklichkeit das Tier bezeichnet, das am siebten Tag nach der Geburt eines Neugeborenen als Sadaqa geschlachtet wird. Wenn möglich, sollen für einen Sohn zwei Ziegenböcke oder Ziegen und für eine Tochter ein Tier geschlachtet werden. Es ist jedoch nicht verpflichtend, für die Aqīqa eines Sohnes zwei Ziegen zu schlachten. Es kann auch eine weibliche oder eine männliche Ziege geschlachtet werden. Tatsächlich ist dies eine Sadaqa für das Leben des Kindes, und das Leben des Kindes bleibt dadurch verpfändet. Deshalb ist die Aqīqa eine gute Tat. Voraussetzung ist jedoch, dass die finanzielle Lage wohlhabend sein muss.
عن على بن أبي طَالِبٍ قَالَ عَى رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ عَنِ الحسن بشَاةٍ وقال يا فاطمة : اخْلِقى رأسه وتصدقي بِزَنَةِ شَعْرِه فِضة فوزناه فكان وزنه برهما أو بعض درهم – جامع ترمذی„Von ʿAlī ibn Abī Tālib, möge Allah mit ihm zufrieden sein, wird überliefert, dass er sagte: Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, schlachtete für die Aqīqa von al-Hasan, möge Allah mit ihm zufrieden sein, eine Ziege und sagte: ‚Fātima! Schneide ihm die Haare und spende so viel Silber, wie seine Haare wiegen.‘ Wir wogen seine Haare, und ihr Gewicht betrug einen Dirham oder etwas weniger.“ – Tirmidhī
Aus diesem Hadith wurde bekannt, dass es zulässig ist, für einen Jungen eine Ziege zu schlachten. Wenn Allah jemandem Vermögen gegeben hat und er zwei Tiere schlachten möchte, kann er dies gerne tun. Doch man muss sich daran erinnern, dass es nicht verpflichtend ist, für einen Jungen zwei Tiere zu schlachten. Eines genügt ebenfalls.
Die Aqiqa sollte am siebten Tag nach der Geburt vollzogen werden. Wenn dies aus irgendeinem Grund am siebten Tag nicht möglich ist, kann sie auch am vierzehnten oder einundzwanzigsten Tag und auch danach vollzogen werden.
Die Aqiqa ist ein Fest der Sunna. Dieses Fest muss mit der Absicht, der Sunna zu folgen, in äußerst schlichter Weise begangen werden. Es ist besonders darauf zu achten, dass die Form dieser Sunna nicht durch Zurschaustellung, Stolz und Hochmut sowie durch Bräuche und Gewohnheiten verunreinigt wird. Wer bei diesem Fest der Sunna verschiedene Arten von Verschwendung betreibt und Musik und Gesang veranstaltet, betrügt sich selbst und versucht, auch seinen Herrn zu betrügen. Die Sunna unter dem Namen der Sunna abzuschaffen, ist ein äußerst verabscheuungswürdiges Verbrechen. Bei einer solchen Aqiqa ist die Hoffnung auf den Erwerb von Lohn wahrlich sehr fern. Vielmehr wird durch diese Tat das Herz des Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, verletzt, und Allah wird zornig.
Beschneidung
Die Beschneidung ist die Sunna aller Propheten, Allahs Friede sei mit ihnen, und eine islamische Sitte. Von Abu Huraira, Allahs Wohlgefallen sei mit ihm, wird überliefert, dass der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte:
الفطرة خمس الختان والاستحداد، ونتف الابط، وقص الشارب وتعليم الأظفار – الادب المفرد ص ۱۸۸„Fünf Dinge gehören zur schönen natürlichen Veranlagung: die Beschneidung, das Entfernen der Schamhaare, das Auszupfen der Achselhaare, das Kürzen des Schnurrbarts und das Schneiden der Nägel.“
Al-Fitra bedeutet eine schöne natürliche Veranlagung oder Wesensart. Das heißt, diese fünf Dinge sind Zeichen der Reinheit. Diese fünf Dinge gelten seit alters her als Sunna der Propheten. Alle Propheten haben sie praktiziert, und in der Gesetzgebung aller Propheten wurden sie übereinstimmend befolgt.
Wenn das Kind nicht sehr schwach ist, sollte es bereits am siebten Tag nach der Geburt beschnitten werden. Dies bringt zwei Vorteile mit sich. Erstens ist die Haut des Kindes zu dieser Zeit weich und dünn und heilt schnell. Zweitens wird dadurch der Hinweis im Hadith des edlen Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, auf die Beschneidung am siebten Tag befolgt. Salman ibn Amir, Allahs Wohlgefallen sei mit ihm, sagte: Ich hörte den Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagen:
معَ الغُلَامِ عَقِيقَةُ فَأَهْرٍ قُوا عَنْهُ دما وأميطُوا عنه الأذى – بخاري„Mit der Geburt eines Kindes ist die Aqiqa verbunden. So vergießt für es Blut und entfernt von ihm Schmutz und dergleichen.“ – Buchari
Das Entfernen von Schmutz und dergleichen bedeutet, die Haare schneiden zu lassen, das Kind zu baden und Ähnliches. Nach Ansicht einiger Gelehrter ist auch die Beschneidung in diesem Gebot enthalten, denn auch durch die Beschneidung werden Schmutz entfernt und Reinheit erlangt.
Deshalb sollte die Beschneidung am siebten Tag vorgenommen werden. Wenn dies aus irgendeinem Grund nicht geschieht, sollte sie innerhalb von vierzig Tagen vorgenommen werden. Andernfalls muss sie zu irgendeinem späteren Zeitpunkt durchgeführt werden. Daran ist nichts auszusetzen. Allerdings müssen zwei Dinge beachtet werden.
Erstens darf sie nicht allzu lange aufgeschoben werden. Es ist gut, die Beschneidung innerhalb von sieben Jahren vornehmen zu lassen, denn danach wird die Haut dicker und die Schmerzen werden größer. Zweitens muss diese Sunna ohne große Prachtentfaltung und äußerst schlicht befolgt werden. Wenn die Umstände es erlauben, kann man aus Freude darüber, diese Sunna erfüllt zu haben, Freunde einladen und bewirten. Doch es entspricht nicht dem Wesen des Islam, sie in ein dauerhaftes Fest zu verwandeln und Ausgaben für die Zurschaustellung als notwendig zu erachten. Sich ohne Grund etwas zur Pflicht zu machen, danach daran zugrunde zu gehen und sich selbst Schwierigkeiten zu bereiten, kommt dem Ungehorsam gegenüber der Scharia gleich.
Ein Mann lud Uthman ibn Abil-As, Allahs Wohlgefallen sei mit ihm, zu sich nach Hause ein, damit er an einem Beschneidungsfest teilnehme. Doch er nahm daran nicht teil. Als man ihn nach dem Grund fragte, warum er nicht dorthin gegangen war, sagte er: „Zur Zeit des Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nahmen wir an keinem Beschneidungsfest teil, und wir wurden auch zu keinem eingeladen.“
Es ist besser, diese Sunna äußerst schlicht zu befolgen, damit sie nicht grundlos zu einer Belastung für die Menschen wird. Wenn der Vater des Kindes wohlhabend ist und aus dem Gedanken heraus, dass Allah ihm die Möglichkeit gegeben hat, diese Sunna zu befolgen, einige Menschen bewirten oder Süßigkeiten verteilen möchte, ist dagegen nichts einzuwenden. Doch es muss besonders darauf geachtet werden, dass daraus keine feste Tradition wird.
Die Vergütung für das Stillen durch eine Amme
Der Vater ist verpflichtet, der stillenden Frau eine Vergütung zu zahlen. Wenn der Vater die Mutter des Kindes geschieden hat oder sie eine Khula erwirkt hat, ist es besser, das Kind von seiner Mutter stillen zu lassen, und die Mutter sollte das Kind nicht ihrer eigenen Milch berauben. In diesem Fall ist der Vater des Kindes verpflichtet, für den Unterhalt der Mutter aufzukommen und für ihre Nahrung und Kleidung zu sorgen. Wenn die Mutter nicht vorhanden ist oder das Kind aus irgendeinem Grund von einer anderen Frau gestillt werden muss, ist es ebenfalls die religiöse Pflicht des Vaters, ihr eine Vergütung zu zahlen. Wenn der Vater stirbt, obliegt die Zahlung der Vergütung für das Stillen dem Großvater des Kindes oder jedem anderen Vormund des Kindes. Im Heiligen Qur’an heißt es:
والوالدت يرضعن أولادهن حولين كاملين لمَنْ أَرَادَ أَنْ يُتِمَّ الرَّضَاعَةَ . وعلى المولودله رزقهن وكسوتهن بالمعروف ، لا تُكَلِّفُ نَفْس إلا وسعها : لا تضار والدة بولدها ولا مولود له بولده وعلى الوارث مثلُ ذَلِكَ ، فَإِنْ أراد فصالاً عن تراض منهما وتشاور فَلا جُنَاحَ عَلَيْهِمَا ، وَإِنْ أَرَدتُّمْ أَن تسترضعوا أولادكم فلا جناح عليكم إِذا سلمتم ما أتيتُم بالمعروف . واتَّقُوا الله واعلموا أن الله بما تعملون بصير البقرة : ٢٣٣„Und die Mütter sollen ihre Kinder volle zwei Jahre stillen – für denjenigen, der die Stillzeit vollständig beenden möchte. Und dem Vater des Kindes obliegt es, ihnen in angemessener Weise Nahrung und Kleidung zu geben. Niemandem wird mehr auferlegt, als er zu leisten vermag. Einer Mutter soll wegen ihres Kindes kein Schaden zugefügt werden, und ebenso dem Vater nicht wegen seines Kindes. Und dem Erben obliegt dasselbe. Wenn beide in gegenseitigem Einvernehmen und nach Beratung eine Entwöhnung wünschen, so ist das für sie keine Sünde. Und wenn ihr eure Kinder von einer anderen Frau stillen lassen wollt, so ist das für euch keine Sünde, sofern ihr das, was ihr vereinbart habt, in angemessener Weise entrichtet. Und fürchtet Allah und wisst, dass Allah alles sieht, was ihr tut.“ – Sure al-Baqara: 233
Aus diesem Vers ergeben sich sieben grundlegende Anweisungen zum Stillen:
Erstens: Die Mütter sollen ihre Kinder gewöhnlich zwei Jahre lang stillen.
Zweitens: Auch jene Mütter, die aus irgendeinem Grund vom Vater getrennt wurden, sollen ihr Kind die vollständige Stillzeit hindurch stillen. Wenn der Vater des Kindes jedoch möchte, dass die vollständige Stillzeit eingehalten wird, muss dies geschehen.
Drittens: Während der Stillzeit muss der Vater des Kindes die Kosten für Nahrung und Kleidung der Mutter des Kindes tragen.
Viertens: Wenn der Vater des Kindes nicht vorhanden ist, obliegt die Zahlung der Vergütung für das Stillen dem Großvater oder demjenigen, der der Vormund des Kindes ist.
Fünftens: Niemandem darf eine Last auferlegt werden, die seine Fähigkeit übersteigt. Einerseits darf die Mutter nicht bedrängt werden, sodass sie aus mütterlicher Liebe gezwungen ist zu stillen und ihr deshalb nur eine geringe Vergütung gezahlt wird. Andererseits darf der Vater nicht dadurch bedrängt werden, dass von ihm eine überhöhte Vergütung verlangt wird.
Sechstens: Wenn die Eltern des Kindes aufgrund gegenseitiger Zustimmung und Beratung das Kind bereits vor Ablauf von zwei Jahren entwöhnen möchten, ist das unproblematisch.
Siebtens: Wenn die Mutter das Kind aus irgendeinem Grund nicht mit ihrer eigenen Milch stillen möchte, ist es erlaubt, es von einer anderen Frau stillen zu lassen. Die Vergütung muss jedoch festgelegt und in angemessener Weise entrichtet werden.
Diese sieben grundlegenden Anweisungen wurden nicht nur zum Rezitieren offenbart, sondern damit nach ihnen gehandelt wird. Richtig danach handeln können nur diejenigen, die zwei grundlegende Eigenschaften in sich entwickeln: Gottesfurcht und das Wissen sowie die Überzeugung, dass Allah alles sieht. Die Taqwa, also die Gottesfurcht, bedeutet, Allahs Missfallen zu meiden und den Wunsch nach Seinem Wohlgefallen zu hegen. Das heißt, aus Furcht vor Allah keine Handlung zu begehen, die Seinen Zorn hervorruft, und aus Liebe zu Allah jede Handlung aufrichtig zu tun, die Sein Wohlgefallen erlangt. Die Gewissheit und das Vertrauen darauf, dass Allah alles sieht, sind eine gewaltige Glaubenskraft. Diese Kraft bewahrt den Menschen einerseits vor Unachtsamkeit, Rücksichtslosigkeit und dem Beschreiten falscher Wege. Andererseits hält sie ihn dauerhaft dazu an, Allahs Lohn und Belohnung zu erlangen.
Die Anweisung des Qur’an zur Übernahme des Unterhalts der Kinder
Im Heiligen Qur’an wird die Anweisung zur Übernahme der Kosten für die Versorgung der Kinder zwar nicht ausdrücklich erwähnt. Im Qur’an heißt es nicht: „Tragt den Unterhalt eurer Kinder.“ Oder: „Die Übernahme des Unterhalts der Kinder ist verpflichtend.“ Das bedeutet jedoch keineswegs, dass der Qur’an keine Anweisung zur Übernahme des Unterhalts der Kinder enthält und dass diese Forderung nur im Hadith erwähnt wird.
Der Qur’an ist in Wahrheit eine äußerst erhabene Rede und Offenbarung. Bei der Darlegung von Geboten, Bestimmungen und Gesetzen wurde darin eine äußerst weise Ausdrucksweise gewählt. Dabei wurden die menschliche Natur, die Gefühle und die psychologischen Aspekte vollständig berücksichtigt.
Die Übernahme der Kosten für die Erziehung und Versorgung der Kinder ist in der menschlichen Gesellschaft eine so schöne, natürliche, angeborene und geliebte Angelegenheit, dass der Heilige Qur’an es nicht für nötig erachtet hat, sie unter einer ausdrücklichen Überschrift als Gebot zu formulieren. Zugleich hat er mit großer Weisheit klargestellt, dass der Vater für die Kosten der Versorgung und Erziehung des Kindes verantwortlich ist.
Im oben erwähnten Vers heißt es, dass der Vater, ganz gleich, welche Frau er sein Kind stillen lässt, verpflichtet ist, ihr Nahrung, Kleidung oder eine Vergütung für das Stillen zu geben. Wenn der Vater nicht vorhanden ist, wird diese Verantwortung demjenigen übertragen, der der Vormund des Kindes ist. Der Qur’an hat dir die Verantwortung für den Unterhalt einer dir fremden Frau deshalb auferlegt, weil sie dein Kind gestillt hat. Wenn eine fremde Frau dein Kind stillt, wird es zu deiner Pflicht, angemessen für ihren Unterhalt aufzukommen. Und zwar deshalb, weil sie dein Kind gestillt hat. Wenn dir schon die Verantwortung für den Unterhalt einer fremden Frau auferlegt wird, damit sie dein Kind stillt, wie sollte es dann möglich sein, dass du nicht für den Unterhalt deines Kindes verantwortlich bist? Was auch immer du der stillenden Frau gibst, gibst du ihr doch als Gegenleistung für Nahrung und Betreuung deines Kindes. Indem der Qur’an die Pflicht zur Zahlung dieser Vergütung gerade dem Vater auferlegt, hat er diese Bedeutung klar herausgestellt: Der alleinige Verantwortliche für die Kosten der Versorgung und Erziehung des Kindes ist der Vater. Und der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, hat dieselbe Bedeutung mit seinen eigenen Worten erläutert.
Die Übernahme des Unterhalts der Kinder im Licht des Hadith
Im ehrwürdigen Hadith wird die Frage der Übernahme der Kosten für die Versorgung und Erziehung der Kinder aus verschiedenen Blickwinkeln behandelt. Indem ein Muslim all diese Gesichtspunkte berücksichtigt, kann er seine Kinder entsprechend den Forderungen der Religion erziehen und dadurch seinen Erfolg sichern.
Die vorrangigen Ausgaben sind für die Kinder bestimmt
An dem Vermögen, das Allah der Erhabene dir geschenkt hat, haben deine Kinder den allerersten Anspruch. Für die Kinder Ausgaben zu machen, ist nicht bloß eine weltliche oder materielle Angelegenheit, sondern auch eine unmittelbare Forderung des Din. Die Anweisung des Din lautet, zuerst die Bedürfnisse der Kinder zu erfüllen. Ihre Bedürfnisse zu erfüllen, ist keine Weltlichkeit, sondern Frömmigkeit.
Es ist nicht lobenswert, Almosen und Wohltätigkeit zu geben, während man den Kindern ihre Rechte vorenthält, ihnen ihre Ansprüche raubt oder sie der Barmherzigkeit anderer überlässt. Wirklich lobenswert ist vielmehr eine Wohltätigkeit, nach der man weiterhin wohlhabend bleibt und die Kinder keinerlei Not erleiden. Eine Sadaqa oder Wohltätigkeit, nach deren Verrichtung man andere um Hilfe bitten muss, um die Bedürfnisse der Kinder zu erfüllen, war dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nicht lieb. Im Licht des Din ist es ebenfalls keine gute Tat, wenn deine Kinder den verschiedenen Menschen ins Gesicht sehen müssen, während du dein Geld für andere gute Zwecke ausgibst. Ebenso zeugt es von Unwissenheit über den Din, wenn die eigenen Kinder hungrig und nackt bleiben, ihnen die Nahrung nur abgemessen gegeben wird, während man für die Verbreitung seines Namens und Ruhms oder für den persönlichen Komfort großzügig Geld ausgibt. Die ersten Anspruchsberechtigten an deinem Vermögen sind deine geliebten Kinder – auch wenn sie die Kinder deiner geschiedenen Frau sind. Kurz gesagt: Sie sind deine Kinder. Sie hilflos oder in Armut zurückzulassen, während man selbst ein bequemes Leben führt oder anderen ein bequemes Leben ermöglicht, kommt einer Verletzung ihrer Rechte gleich. Deine Großzügigkeit gegenüber anderen muss in dieser Hinsicht korrigiert werden. Die Rechtleitung des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, für dich lautet, dass du zuerst die Bedürfnisse deiner Kinder erfüllst:
قَالَ رَسُولُ اللهِ صلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ خَيْرُ الصَّدَقَةِ مَا كَانَ عَنْ ظَهْرٍ غَنِيٌّ وابدأ بمن تعول – بخاري، مشكوة باب فضل الصدقة عن أبي هريرة
وحكيم بن حزام ص ۱۷۰„Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: Die beste Sadaqa ist diejenige, nach der Wohlstand verbleibt, und gib zuerst für diejenigen aus, deren Unterhalt euch anvertraut ist.“ – Bukhari
In diesem Hadith haben muslimische Eltern eine ausgewogene und natürliche Regel erhalten. Jeder Mensch hegt von Natur aus den Wunsch, dass sein Vermögen seinen Kindern zugutekommt und sie ein bequemes Leben führen. Dies ist der wichtigste Grund für den Erwerb von Vermögen und zugleich der erste und bevorzugte Ausgabenbereich. Der Islam legt besonderen Wert auf Almosen und Wohltätigkeit. Vielmehr wird dies als eine Forderung des Iman bezeichnet, während Geiz und mangelnde Großzügigkeit als Zeichen der Heuchelei beschrieben werden. Zugleich wurde jedoch angewiesen, zuerst die Bedürfnisse derjenigen zu erfüllen, die euch anvertraut sind. Im Islam ist es nicht lobenswert, Almosen zu geben und dabei die Bedürfnisse der Kinder zu vernachlässigen. Die beste Sadaqa ist daher diejenige, nach der die Kinder keine Not erleiden.
Die Vernachlässigung des Unterhalts der Kinder ist eine schwere Sünde
قَالَ رَسُولُ اللهِ صَلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ كَفَى بِالْمَرْءِ إِنَّمَا أَنْ يُضِيعَ مَنْ يقوت – رياض الصالحين، ابوداود عن عبد الله بن عمر وبن العاص„Der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: Für die Sündhaftigkeit eines Menschen genügt es, dass er diejenigen schädigt, deren Nahrung und Versorgung er sicherstellt.“
Die Vernachlässigung des Unterhalts der Menschen, für deren Versorgung jemand verantwortlich gemacht wurde, und ihnen Schaden zuzufügen, ist eine so schwere Sünde, dass sie allein ausreicht, ihn als ungehorsam gegenüber Allah und als Sünder zu bezeichnen. Diese Nachlässigkeit kann verschiedene Formen annehmen:
Für Ruhm und zur Schaustellung gibt er sehr viel aus. Doch gegenüber den Rechten seiner Kinder ist er nachlässig.
Er selbst lebt äußerst bequem, während seine Kinder vor Hunger und Durst leiden.
Aufgrund seines fehlenden richtigen Verständnisses des Din gibt er sein Vermögen für andere gute Zwecke aus und vernachlässigt die Erfüllung der Bedürfnisse seiner Kinder.
Das Kind befindet sich zwischen Leben und Tod. Doch in diesem Augenblick bewegt er gefühllos seine Hände und Füße und ist keineswegs bereit, etwas zu unternehmen.
Den Unterhalt der Kinder zu bestreiten, ist die Pflicht jedes Vaters. Dieses Pflichtbewusstsein nicht zu besitzen und bei der Erfüllung dieser Pflicht nachlässig zu sein, ist eine schwere Sünde.
Die Ausgaben, für die es den größten Lohn gibt
عن أبي هُرَيْرَةَ رَضِيَ اللهُ عَنْهُ قَالَ : قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وسلم دينار أنفقته في سبيل الله ودينار أنفَقْتُهُ فِي رقبة ودينار تصدقت بِهِ على مسكين ودينار أنفقته على أهلك أعظمها أَجْرًا الَّذِي أَنفَقْتَهُ عَلَى أَهْلِكَ
– صحيح مسلم„Hazrat Abu Huraira, möge Allah mit ihm zufrieden sein, berichtete: Der edle Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagte: Eine Goldmünze, die du auf Allahs Weg ausgibst, eine Goldmünze, die du für die Befreiung eines Sklaven aus seiner Knechtschaft ausgibst, eine Goldmünze, die du einem Bedürftigen als Sadaqa gibst, und eine Goldmünze, die du für deine Familie ausgibst – unter diesen ist diejenige Goldmünze am lohnendsten, die du für deine Familie ausgibst.“
Diese Überlieferung lässt sich durch den Hadith von Hazrat Sauban, möge Allah mit ihm zufrieden sein, weiter erläutern. Er sagte: Der edle Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagte: „Die beste Goldmünze ist diejenige, die ein Mensch für seine Kinder und Nachkommen ausgibt, danach diejenige, die er für ein Reittier auf Allahs Weg ausgibt, und danach diejenige, die er für die Gefährten auf Allahs Weg ausgibt.“ Abu Qilaba, ein Überlieferer in der Überlieferungskette, sagte: Er begann mit den Ausgaben für die Kinder und sagte: Wer kann größeren Lohn und größere Belohnung erhalten als derjenige, der für seine kleinen Kinder ausgibt, damit Allah sie davor bewahrt, andere um etwas zu bitten, und sie in Wohlstand erhält? – Dschami at-Tirmidhi
Der Vater, dessen Gesicht wie der Vollmond erstrahlen wird
عن أبي هريرة قَالَ : قَالَ رَسُولُ الله صلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ مَنْ طَلَبَ الدنيا خلالاً اسْتِعْفَافًا عَنِ المسئلة وسعيا عَلَى أَهْلِهِ وَتَعَطَّفًا عَلَى جَارِهِ لقى الله تعالى يوم القيمة ووجهه مثل القمَرَ لَيْلَةَ الْبَدْرِ وَمَنْ طَلَبَ الدُّنْيَا حلالاً مكاثراً مُفَاخِرًا مُرَائِيًا لقى الله تَعَالَى وَهُوَ عَلَيْهِ غَضْبَانُ – بهقى في شعب الايمان„Es wird von Hazrat Abu Huraira, möge Allah mit ihm zufrieden sein, überliefert, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagte: Wer auf erlaubte Weise nach den Gütern dieser Welt strebt, um sich davor zu bewahren, andere um etwas zu bitten, für den Lebensunterhalt seiner Familie zu sorgen und seinem Nachbarn mit Güte zu begegnen, wird am Tag der Auferstehung Allah in einem Zustand begegnen, in dem sein Gesicht wie der Vollmond erstrahlt. Wer jedoch auf erlaubte Weise nach den Gütern dieser Welt strebt, um mehr Reichtum als andere zu besitzen und seine Überlegenheit über andere zur Schau zu stellen, wird Allah in einem Zustand begegnen, in dem Allah über ihn erzürnt ist.“
Der Lohn der Mutter, die für ihre Kinder ausgibt
Der Islam hat den Vater als allein Verantwortlichen für die Kosten der Kindererziehung bestimmt und die Mutter von der Mühe des Gelderwerbs befreit, damit sie ihre eigenen Pflichten mit voller Hingabe und Aufrichtigkeit erfüllen kann. Das bedeutet jedoch nicht, dass eine Mutter, die für ihre Kinder ausgibt, vom Lohn und von der Belohnung ausgeschlossen bleibt. Wenn ihr Ehemann verstorben oder unfähig und hilflos geworden ist und die Mutter für den Unterhalt ihrer Kinder aufkommt, wird sie gewiss den Lohn und die Belohnung für ihr gutes Verhalten erhalten.
عن أم سلمةَ قَالَتْ قُلْتُ يَا رَسُولَ الله هَلْ لِي فِي بَنِي أَبِي سَلَّمَةَ أَجْرٌ أَنْ أنفق عليهم ولست بتاركتهم هكذا وهكذا إِنَّمَا هُمْ بَنِي ؟ فَقَالَ نَعَمْ لَكَ أَجْرُ ما أنفقت عليهم – متفق عليه رياض الصالحين ص ١٥٢„Es wird von Hazrat Umm Salama, möge Allah mit ihr zufrieden sein, überliefert: Ich fragte den Propheten, Allahs Segen und Friede seien auf ihm: Werde ich dafür belohnt, dass ich für die Söhne von Abu Salama, möge Allah mit ihm zufrieden sein, ausgebe? Ich kann sie doch nicht einfach so zurücklassen, dass sie wie Bedürftige hierhin und dorthin umherziehen. Sie sind doch auch meine Söhne. Er sagte: Ja, du wirst gewiss für das belohnt werden, was du für sie ausgibst.“ – Überliefert bei al-Buchari und Muslim
Die erste Ehe von Umm al-Mu’minin Hazrat Umm Salama, möge Allah mit ihr zufrieden sein, mit Hazrat Abu Salama, möge Allah mit ihm zufrieden sein, hatte zwei Söhne und zwei Töchter hervorgebracht. Nach ihnen fragte sie den edlen Propheten, Allahs Segen und Friede seien auf ihm. Aus diesem Hadith lassen sich zwei Hinweise gewinnen. Erstens: Auch wenn die Mutter nicht verpflichtet ist, für ihre Kinder auszugeben, wird sie gewiss für alles, was sie für sie ausgibt, Lohn und Belohnung erhalten.
Aus diesem Hadith lässt sich auch erkennen, wie die Denkweise einer gläubigen Mutter sein sollte. Hazrat Umm Salama, möge Allah mit ihr zufrieden sein, empfand eine natürliche Liebe zu ihren Kindern. Deshalb fühlte sie sich verpflichtet, für sie zu sorgen. Sie selbst sagte: „Ich kann sie nicht so zurücklassen, dass sie wie Bedürftige hierhin und dorthin umherziehen.“
Gleichzeitig dachte sie darüber nach, dass sie für diese gute Tat auch im Jenseits Lohn erhalten sollte. Denn das Jenseits bildet die Grundlage jeder Handlung eines Gläubigen. Er kann nichts tun, ohne den Erfolg im Jenseits zu berücksichtigen.
Die Erziehung von Töchtern
Neben dieser allgemeinen Anleitung zur Erziehung von Kindern legt der Islam besonderen Nachdruck auf die Erziehung von Töchtern und ermutigt ausdrücklich dazu, indem er auf den gewaltigen Lohn und die große Belohnung dieser Aufgabe hinweist.
Tatsächlich ist eine Tochter ein schwaches Geschöpf. Selbst nachdem die Eltern sie jahrelang erzogen und für ihren Lebensunterhalt aufgekommen sind, können sie kaum erwarten, von ihr irgendeine Gegenleistung zu erhalten. Auch können sie nicht darauf hoffen, von ihr Dienste zu bekommen. Denn sobald eine Tochter alt genug ist, Dienste zu leisten, muss sie bereits der Fürsorge eines anderen anvertraut werden, damit sie ihm dient. Wenn die Lehren des Islam unter solchen Umständen nicht vor Augen stehen, wird ein Mensch nicht in der Lage sein, das Recht der Tochter auf Erziehung zu erfüllen und ihr die Liebe, Zuneigung und Achtung zu geben, die ihr zustehen. Deshalb müssen diese Anweisungen immer wieder in Erinnerung gerufen werden. Besonders die Lehre des Islam über die Erziehung von Töchtern muss ernsthaft verstanden werden.
Das Glück, eine Tochter zu erziehen
Es wird von Anas, möge Allah mit ihm zufrieden sein, überliefert, dass der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte:
من عَالَ جَارِيَتَيْنِ حَتَّى تَبْلُغَا جَاءَ يَوْمَ الْقِيمَةِ أَنَا وَهُوَ كَهَاتَينِ وَضَمَّ أَصَابِعِهِ
رياض الصالحين، صحيح مسلم„Wer zwei Töchter versorgt, bis sie beide die Reife erreichen, wird am Tag der Auferstehung kommen, wobei er und ich wie diese beiden Finger sein werden.“ Dabei führte er, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, seine Finger zusammen. – Riyāḍ aṣ-Ṣāliḥīn, Ṣaḥīḥ Muslim
Welches größere Glück könnte es für eine gläubige Mutter und einen gläubigen Vater geben, als dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ihnen am Tag der Auferstehung als Freund begegnet? In diesem Hadith verwendete der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, das Wort „tablugha“. Dieses Wort hat eine sehr weitreichende Bedeutung. Eine seiner Bedeutungen ist, dass diese beiden Mädchen junge Frauen geworden sind. Es kann auch bedeuten, dass sie ihren Aufenthaltsort oder ihr Ziel erreicht haben. Das heißt, dass sie in ihr eigenes Zuhause und unter die Fürsorge ihres Ehemannes gelangt sind.
Die Mutter, der das Paradies zugesprochen ist
عَنْ عَائِشَةَ رضى اللهُ عَنْهَا قَالَتْ جَاءَ تَنِي مِسْكِينَةٌ تَحْمِلُ ابْنَتَيْنِ لَهَا فاطعمتها ثلاث تمرات فأعطت كل واحدة منهما تمرة ورفعت إلى فيها تمرة لتأكلها فاستطعمتها ابنتاها فَشَقَتِ الثمرة الَّتِي كَانَتْ تُرِيدُ أَنْ تَأْكُلَهَا بَيْنَهُمَا فَأَعْجَبَنِي شَأْنُهَا فَذَكَرْتُ الَّذِي صَنَعَت لِرَسُولِ الله صَلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ فَقَالَ : إِنَّ اللَّهَ قَدْ أَوْجَبَ لَهَا بِهَا الْجَنَّةَ أَوْ اعْتَقَهَا بِهَا مِنَ النَّارِ –
رياض الصالحين، صحيح مسلم„ʿĀʾischa, möge Allah mit ihr zufrieden sein, überliefert: Eine arme Frau kam mit ihren beiden Töchtern zu mir. Ich gab ihr drei Datteln. Sie gab jeder ihrer beiden Töchter eine Dattel und teilte die übrige Dattel in zwei Hälften, die sie den beiden Töchtern gab. Diese Tat gefiel mir sehr. Ich berichtete dem edlen Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, von ihrer Tat. Der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: ‚Allah hat ihr durch die Erziehung dieser beiden Töchter das Paradies verpflichtend gemacht und sie dadurch vor dem Feuer der Hölle gerettet.‘“
Die Tochter – das Paradies der Eltern
Wenn Allah Sie zur Mutter oder zum Vater einer Tochter gemacht hat, dann sind Sie äußerst glücklich zu schätzen. Allah, der Erhabene, hat Ihnen das Paradies Ihrer Obhut anvertraut. Nun liegt es an Ihnen, dieses Paradies zu bewahren oder zu zerstören. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, hat mit voller Gewissheit die frohe Botschaft verkündet, dass Ihnen das Paradies verpflichtend geworden ist, wenn Sie das Recht auf die Erziehung Ihrer Tochter erfüllt haben.
Hadhrat Dschābir ibn ʿAbdullāh, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, sagte: Der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte:
منْ كَانَ لَهُ ثَلاث بنات يرويهن ويكفيهن ويرحمهن فقد وجب له الجنة البتة
فقَالَ رَجُلٌ مِنْ بَعْضِ الْقَوْمِ وَثِنْتَيْنِ يَا رَسُولَ اللهِ : قَالَ وَثِنْتَيْنِ –
الادب المفرد ص ١٥„Wer drei Töchter hat, sie in seiner Obhut behält, ihren Bedarf deckt und ihnen Barmherzigkeit erweist, für den ist das Paradies gewiss verpflichtend geworden. Ein Mann aus einer Gruppe fragte: ‚O Gesandter Allahs, gilt dies auch bei zwei Töchtern?‘ Er antwortete: ‚Auch bei zwei Töchtern.‘ Auch dafür wird man diesen Lohn erhalten.“ – Al-Adab al-Mufrad
Im Mischkāt asch-Scharīf finden sich weitere Hadithe mit dieser Bedeutung. Ihr Überlieferer ist ʿAbdullāh ibn ʿAbbās, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm. Er sagte: Wenn die Menschen nach nur einer Tochter gefragt hätten, hätte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, auch diesbezüglich diese frohe Botschaft verkündet.
Die Kosten für eine hilfsbedürftige Tochter tragen
إن النبي صلى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ قَالَ أَلا أدلُّكُمْ عَلَى أَفْضَلِ الصَّدَقَةِ ابْنَتُكَ
مردودة إِلَيْكَ لَيْسَ لَهَا كَاسب غيرك –
ابن ماجه، جمع الفوائد باب بر الاولاد„Der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: Soll ich euch nicht von der besten Sadaqa berichten? Es ist eure Tochter, die zu euch zurückgeschickt wurde und außer euch niemanden hat, der für ihren Lebensunterhalt aufkommt.“
Damit ist tatsächlich ein Mädchen gemeint, das nach seiner Heirat wieder zu seinen Eltern zurückgeschickt wird. Dies kann auch am Tod ihres Ehemannes liegen. Nach dem Tod ihres Ehemannes gibt es im Haus der Schwiegereltern niemanden, der für ihren Lebensunterhalt aufkommt, oder ihr Ehemann hat sich aus irgendeinem Grund von ihr scheiden lassen, woraufhin sie zu ihren Eltern zurückgekehrt ist. Mit diesem Hadith kann aber auch ein Mädchen gemeint sein, das noch nicht verheiratet wurde oder nicht heiratsfähig ist.
Eine vom Glauben erhellte Revolution
Dank dieser revolutionären Lehren des Islam wurde die glaubensstärkende Revolution, die innerhalb weniger kurzer Jahre auf arabischem Boden einsetzte, als ein goldenes Kapitel der Geschichte betrachtet. Das wahre Bild des Segens dieser erstaunlichen Revolution konnten nur jene Glücklichen bezeugen, die in jener Zeit lebten. Nur diejenigen wissen, was eine Revolution bedeutet, deren Augen und deren geistige Welt sowohl das traurige Bild vor der Revolution als auch den glaubensstärkenden Anblick nach der Revolution gesehen hatten. Wenn jedoch auch heute noch irgendein Glanz jenes goldenen Kapitels der Geschichte vor Augen tritt, leuchten die Augen auf und der Glaube wird neu belebt.
Vor der Zeit des Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, galt es in der arabischen Welt als größte Ehre, wenn ein Vater gegenüber seiner Tochter ein hartes Herz zeigte und grausam war. Er zog den Tod dem Leben seiner unschuldigen und schwachen Tochter vor. Ein Dichter jener Zeit sagt:
تهوى حياتي وأهوى موتها شفقا – والْمَوْتُ أكرم نزال على الحرم –
„Sie sehnt sich nach meinem Leben, und aus Mitgefühl wünsche ich ihren Tod. Denn für Frauen ist der Tod der ehrenvollste Gast.“
Ein anderer Dichter sagt:
إِنَّ النِّسَاءَ شَيَاطِينُ خُلِقْنَ لَنَا – فَوُذْ بِاللَّهِ مِنْ شَرِّ الشَّيَاطِينِ .
„Wahrlich, Frauen sind Satane, die für uns erschaffen wurden. Möge Allah uns vor dem Übel dieser Satane bewahren.“
Anlässlich des Todes der Tochter des Oberhaupts von Bahra ließ Abu Bakr al-Chwarizmi eine Trauerrede verfassen:
„Wenn du die Verhüllung der Verstorbenen erwähnt oder dich an ihre Schönheit erinnert hättest, wäre ein Glückwunsch für dich passender gewesen als eine Trauerrede. Denn es ist besser, dass Dinge, die nicht gezeigt werden dürfen, verborgen bleiben, und die Bestattung kleiner Mädchen ist eine äußerst ehrenvolle Tat. Wir durchleben eine Zeit, in der ein Mann, wenn seine Frau zu seinen Lebzeiten stirbt, gleichsam zum Besitzer aller Gnaden wird. Und wenn er seine eigene Tochter eigenhändig in einer Grube begräbt, hat er die vollständige Rache an seinem Schwiegersohn genommen.“
Qais ibn Asim, der Anführer der Banu Tamim, erklärte selbst vor dem Gesandten der Barmherzigkeit, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, dass er eigenhändig zehn seiner unschuldigen Töchter lebendig begraben habe. Ein anderer Mann schilderte dem Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sein schmerzvolles Erlebnis auf eine solche Weise, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zutiefst erschüttert war und so sehr weinte, dass sein gesegneter Bart von Tränen durchnässt wurde.
Als diese arabische Gesellschaft den Islam annahm und dessen Lehren verinnerlichte, veränderte sich ihr Gesicht innerhalb weniger Jahre vollständig. Die Mädchen, deren Existenz ihnen einst eine Schande gewesen war, wurden für sie zu einer Quelle der Erlösung. Jene, die Töchter aus den Armen ihrer Mütter rissen und lebendig begruben, begannen nun miteinander zu streiten, um die Töchter der Armen aufzuziehen.
Eine erstaunliche Begebenheit
Als der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nach der Umra seine Rückkehr aus Mekka vorbereitete, kam ein verwaistes Mädchen herbeigelaufen und rief: „Onkel, Onkel!“ Das Mädchen war die Tochter Hamzas und hatte sich in Mekka aufgehalten. Ali, möge Allah mit ihm zufrieden sein, trat vor, hob das Mädchen auf seine Arme und sagte, während er es Fatima, möge Allah mit ihr zufrieden sein, in den Schoß setzte: „Das ist die Tochter deines Onkels.“ Daraufhin begannen Ali, Ja’far, möge Allah mit ihm zufrieden sein, und Zaid, möge Allah mit ihm zufrieden sein, miteinander um die Aufnahme des Mädchens zu streiten.
Ja’far at-Tayyār, möge Allah mit ihm zufrieden sein, sagte: „O Gesandter Allahs! Dieses kleine Mädchen sollte mir zugesprochen werden, denn sie ist die Tochter meines Onkels, und ich bin am ehesten zu ihrer Betreuung berechtigt, da ihre Tante mütterlicherseits in meinem Haus lebt.“ Zaid, möge Allah mit ihm zufrieden sein, sagte: „O Gesandter Allahs! Überlasst mir dieses kleine Mädchen. Ihr Vater war mein Glaubensbruder.“
Ali, möge Allah mit ihm zufrieden sein, hatte sie von Anfang an auf dem Arm getragen. Er sagte: „O geehrter Herr! Sie ist meine Schwester und zuerst auf meinen Arm gekommen. Daher steht sie mir zu.“ Dieser Eifer um die Betreuung des Mädchens war wahrlich ein erstaunlicher und herzerfreuender Anblick. Der geliebte Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, erwog die Worte aller drei sorgfältig und übergab das kleine Mädchen ihrer Tante mütterlicherseits mit den Worten, dass die Tante mütterlicherseits der Mutter gleichkomme. – Buchari
Gutes Verhalten
Das dritte Recht der Kinder besteht darin, gut mit ihnen umzugehen: ihnen Güte zu erweisen, ihnen mit liebevoller Zuwendung zu begegnen, auf ihr Wohlbefinden zu achten, ihre Gefühle und Empfindungen zu berücksichtigen, sich zu bemühen, sie glücklich zu machen, und sich nicht so zu verhalten, dass ihre Gefühle verletzt werden, sie den Mut verlieren, verzweifeln oder ihr Ehrgefühl und ihre Selbstachtung verletzt werden.
Ihr geliebtes Kind, das Ihnen anvertraut ist, blickt mit dem Wunsch nach Zuneigung zu Ihnen auf. Das ist eine Gunst Allahs für Sie. Danken Sie Allah für diese Gunst und entwürdigen Sie sie nicht. Erweisen Sie Ihren Kindern Achtung und behandeln Sie sie so, wie es ihnen zusteht.
Ein Kind ist ein anvertrautes Gut Allahs. Bewahren und schützen Sie dieses anvertraute Gut und zerstören Sie es nicht durch Ihre eigene Unwissenheit und schlechtes Verhalten. Behandeln Sie Ihre Kinder so, dass sie zu würdigen Menschen heranwachsen, der Welt zum Segen gereichen und für Sie zu einem Mittel für Ansehen, guten Ruf und die Rettung im Jenseits werden.
Die schrecklichen Folgen schlechten Umgangs
Wenn Ihr Umgang mit Ihren Kindern nicht gut ist, kann das nichts anderes sein als ein Unrecht gegenüber Ihnen selbst, den Kindern und der Gesellschaft.
Bei jeder Gelegenheit zornig zu werden, zu schreien, Angst einzujagen, zu beschimpfen, Worte wie „Dummkopf“ und Ähnliches zu gebrauchen, angesichts ihrer Unvernunft ungeduldig und unzufrieden zu werden, sie zu beleidigen, ihnen gegenüber Härte zu zeigen und ihnen ohne Grund keine Gelegenheit zum Spielen und Lachen zu geben – all das ist schlechter Umgang mit Kindern. Die Folgen dieses schlechten Umgangs sind äußerst schlecht und sehr erschreckend. Diese schrecklichen Folgen sind für die Kinder, die Eltern und die Gesellschaft äußerst schädlich. In ihrem frühen Alter, wenn Kinder noch unverständig, schwach und hilflos sind, haben sie Anspruch auf Ihre Liebe und Barmherzigkeit. Dann wünschen sie sich Ihre Zuneigung, Ihr Mitgefühl, Ihre Hilfe und Ihre Führung. Wenn sie jedoch unter Ihrer Obhut diese drei Gaben nicht erhalten, sondern nur Zorn und Härte erfahren, werden sie sich von Natur aus von Ihnen abwenden. Sie werden versuchen, sich von Ihnen fernzuhalten und aus dem Haus zu fliehen, und sich ohne Zögern dorthin begeben, wo sie die Ausstrahlung dieser drei Gaben sehen.
Kinder können nicht zwischen echter und geheuchelter Liebe unterscheiden. Menschen mit schlechtem Charakter in der Gesellschaft erhalten dadurch die Gelegenheit, solche Kinder in die Irre zu führen und sie in den Netzen ihrer Intrigen zu fangen. Diese unwissenden Kinder werden allmählich zu einer Bedrohung für die Gesellschaft und beginnen, schwere Verbrechen zu begehen.
Selbst wenn solche Kinder glücklicherweise der üblen Beute schlechter Menschen entkommen, bleiben sie doch eine dauerhafte Quelle der Sorge für ihre Eltern. Sie haben keine wirkliche Beziehung zu ihren Eltern. Aufgrund des schlechten und lieblosen Verhaltens der Eltern entsteht in den Herzen der Kinder nicht jene heilige Empfindung für die Eltern, die im Herzen eines glücklichen Kindes entsteht.
Die Eltern weinen ihr ganzes Leben lang über ihren Ungehorsam und ihre Unfähigkeit. Tatsächlich üben der schlechte Umgang und das schlechte Verhalten der Eltern den tiefsten Einfluss darauf aus, dass die Kinder zu Rebellen werden. Dennoch schieben die Eltern dafür allein den Kindern die ganze Schuld zu. Doch man sollte wissen, dass in dieser Lage die Schuld der Eltern keineswegs geringer ist als die der Kinder.
Eine lehrreiche Begebenheit
Ich fragte einen verständigen jungen Mann: „Von einem Menschen wie Ihnen würde man eigentlich eine andere Beziehung zu den Eltern erwarten. Was ist der Grund dafür, dass sie nicht besteht?“ Der junge Mann seufzte und erzählte seine Geschichte. Seine Schilderung seiner Kindheit war etwa folgendermaßen:
„Möge Allah meinem Vater Frieden schenken. Er war ein äußerst harter Mensch, wie ein Henker. In meiner Kindheit zitterte ich ständig vor seinem Zorn und seiner Wut. Wenn ich nachts zu Bett ging, hatte ich kaum den Wunsch, am Morgen wieder aufzuwachen. Und wenn ich morgens aufwachte, scheute ich mich sehr, meinem Vater gegenüberzutreten, und hoffte insgeheim: Ach, wenn dieser Tag doch in Frieden vergehen würde! Wenn doch ein Tag verginge, ohne Beschimpfungen und Schläge. Wenn ich einmal den größten Teil des Tages mit Bestrafungen verbracht hatte, war ich sehr glücklich und sagte: Heute ist ein äußerst gesegneter Tag. Ich bin heute davongekommen. Doch sobald der Abend nahte, zerfiel meine Freude zu Staub.
Mein Vater verreiste auch. Wenn ich erfuhr, dass er bald zurückkehren würde, wurde ich sehr traurig. Ja, manchmal wartete ich sogar freudig darauf, weil er zum Essen und Trinken gewiss etwas mitbringen würde.
Angesichts der Härte meines Vaters und seines steinernen Herzens dachte ich, jeder Vater müsse so sein. Wenn ich jemanden sah, der gesünder und kräftiger war als mein Vater, und außerdem wusste, dass er sehr mutig und jähzornig war, kannte mein Kummer keine Grenzen. Ich dachte: Wie mag es dann wohl seinen Kindern ergehen? Sie haben doch jede Hoffnung auf das Leben verloren. Sie müssen ständig Beschimpfungen, Drohungen und Schläge ertragen. Manchmal weinte ich tatsächlich. Wenn ich den Vater eines anderen für sehr schwach, krank oder unfähig und zugleich für äußerst sanftmütig und von bescheidener Art hielt, beneidete ich seine Kinder um ihr Glück und dachte: Ach, wenn doch auch mein Vater so schwach, bescheiden und sanftmütig wäre – wie schön wäre das.“
Nachdem der junge Mann dies gesagt hatte, blieb er lange still. Ich begann darüber nachzudenken, welch große Verantwortung es doch ist, Vater zu sein. Wenn Eltern ihre Kinder in einem guten Zustand sehen wollen, müssen sie über ihr eigenes Verhalten nachdenken. Denn ein Kind lernt aus den Ermahnungen der Eltern nicht so viel wie aus deren Taten und ihrem Verhalten.
Die dritte schlimme Folge des schlechten oder unangemessenen Verhaltens der Eltern betrifft die Moral. Die Kinder solcher Eltern stehen moralisch auf einer äußerst niedrigen Stufe. Wenn ein Mensch in der Welt etwas Großes erreichen will, muss er moralisch hoch entwickelt sein. Kinder jedoch, die von ihren Eltern schlecht behandelt werden, bleiben stets moralischer Eigenschaften beraubt. Ihnen fehlen Selbstvertrauen, Mut, Würde, Ehrgefühl, eigener Antrieb, gutes Benehmen, gute Laune, freundliche Rede und ähnliche moralische Eigenschaften. Stattdessen werden sie Opfer schlechter Eigenschaften wie Rauheit, Kurzsichtigkeit, Gefühllosigkeit, Geiz, Niedertracht sowie Stolz und Hochmut. Meist halten sie ihre eigene Existenz für wertlos und sich selbst für untauglich. Um diese Mängel auszugleichen oder zu verbergen, prahlen sie auf verschiedene Weise.
Wenn Sie wirklich das Wohl Ihrer Kinder wollen, erfüllen Sie ihre Rechte und behandeln Sie sie so, wie Sie von ihnen behandelt werden möchten. Erst dann werden Sie den Segen der Gabe, die Kinder darstellen, sehen und spüren können, und aus der tiefsten Seele Ihrer Kinder wird dieses Bittgebet für Sie hervorgehen:“
رب ارحمهما كما ربيني صغيراً – بني اسرئيل : ٢٤„O unser Herr, erbarme Dich unserer Eltern, so wie sie uns in unserer Kindheit mit Güte und Zuneigung aufgezogen haben.“ – Sure Banī Isrāʾīl: 24
Die Betonung des guten Umgangs im Heiligen Koran
Im Koran wird nachdrücklich zu einem sanften und verzeihenden Umgang mit den Kindern aufgefordert. Es ist verwerflich, Kinder wegen ihrer Fehler zu bestrafen, sich an ihnen zu rächen oder ihnen gegenüber Härte zu zeigen, um seinen Zorn an ihnen auszulassen. Allah, der Erhabene, vergibt denjenigen ihre Fehler und erweist ihnen Barmherzigkeit, die nachsichtig mit ihren Angehörigen umgehen.
وَإِنْ تَعْفُوا وَتَصْفَحُوا وَتَغْفِرُوا فَإِنَّ اللَّهَ غَفُورٌ رَّحِيمٌ التغابن : ١٤„Und wenn ihr verzeiht, Nachsicht übt und vergebt, dann ist Allah wahrlich Allverzeihend und Barmherzig.“
Auch nach der Annahme des Islam waren manche Menschen des Segens der Hidschra beraubt. Es geschah, dass ihre Angehörigen sie daran hinderten, als sie sich zur Hidschra nach Medina vorbereiteten. Sie sagten: „Dass ihr Muslime geworden seid, haben wir hingenommen. Aber dass ihr euch von uns trennt, können wir nicht hinnehmen.“ Die Ehefrauen und Kinder übten durch die Gefühle der Liebe Druck auf ihre Herzen aus, und so sahen sie von der Hidschra ab. Als sie später Medina erreichten und sahen, dass diejenigen, die damals ausgewandert und zum Dienst beim edlen Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gelangt waren, ihnen im Wissen über die Religion voraus waren, wurden sie traurig. Sie dachten, der Grund für diesen großen Verlust seien ihre Frauen und Kinder. Daher entbrannte in ihnen das Feuer des Zorns gegen ihre Frauen und Kinder. Sie beabsichtigten, an ihnen Vergeltung zu üben und sie zu bestrafen. Zu diesem Zeitpunkt leitete der Koran sie an: Wegen der Unwissenheit ihrer Angehörigen seid ihr gewiss des Vorzugs der Hidschra beraubt worden. Aber ihr selbst habt ihnen gegenüber den Forderungen der Religion den Vorrang gegeben. Seid daher künftig vor ihnen auf der Hut. Zugleich sollt ihr jedoch bedenken, dass Allah es niemals gutheißen wird, wenn ihr gegenüber euren Angehörigen Härte zeigt und Vergeltung übt. Gutes Verhalten ihnen gegenüber gehört zu den Forderungen der Religion. Allah selbst ist überaus vergebend und liebt diejenigen, die vergeben. Er selbst ist barmherzig und liebt die Barmherzigen.
Wenn ihr Allahs Vergebung und Barmherzigkeit ersehnt, dann begegnet euren Kindern mit Zuneigung und Güte. Vergebt ihnen. Seid nachsichtig mit ihren Fehlern und Verfehlungen und verzeiht ihnen.
Der Rat von Ahnaf ibn Qays
Ahnaf war ein berühmter Stammesführer Arabiens. Wegen seines Ansehens, seiner Weisheit, Geduld und Ausdauer war er in Arabien sehr bekannt. Hadrat Muawiya, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, erwies ihm große Achtung und sagte: „Wenn dieser Mann verdorben wird, dann wisse, dass einhunderttausend Araber verdorben worden sind.“
Einmal ließ Hadrat Muawiya, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, ihn zu sich rufen. Als er eintraf, fragte er ihn: „Abu Bahar, wie lautet Ihr Urteil über den Umgang mit Kindern?“
Ahnaf ibn Qays sagte: „Das Kind ist die Frucht unserer Herzenssehnsucht und die Kraft unserer Lenden. Für es sind wir wie die Erde, die äußerst weich und völlig frei von Schaden ist. Unsere Existenz ist für es wie der Himmel, der über ihm Schatten spendet. Mit seiner Hilfe wagen wir es, große Werke zu vollbringen. Wenn dein Kind dich also um etwas bittet, erfülle seine Bitte frohen Herzens. Wenn es Sorgen hat, nimm ihm seine Sorgen. Du wirst sehen, dass es dich liebt und deine väterlichen Bemühungen schätzt. Werde niemals zu einer unerträglichen Last für es. Sonst wird es deiner überdrüssig werden, deinen Tod wünschen und es verabscheuen, zu dir zu kommen.“
Die Bedeutung guten Verhaltens in den Hadithen
Auch in den Hadithen wird der gute Umgang mit Kindern äußerst ausführlich behandelt. Der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, hat darin auch die weltlichen Vorteile erwähnt und ausführlich auf den Lohn und die Belohnung im Jenseits hingewiesen. Darüber hinaus hat er in diesem Zusammenhang mit großer Weisheit auf die Stellen aufmerksam gemacht, an denen die menschliche Gesellschaft im Denken oder im praktischen Handeln Fehler begeht. So kann das Recht auf guten Umgang erfüllt werden und niemandem gegenüber irgendeine Form von Übertreibung geschehen.
Gleichheit im Umgang
عَنِ النُّعْمَانِ بْنِ بَشِيرٍ قَالَ أَعْطَانِي أَبِي عَطِيَّةً فَقَالَتْ عُمْرَةُ بِنْتُ رَوَاحَةَ لا أرضى حتى تُشَهِدَ رَسُولَ اللهِ صلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ فَأَتَى رَسُولَ الله صلى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ فَقَالَ إِنِّي أَعْطَيتُ ابْنِي مِنْ عمرة عطية فأمرتني أن أشهدك يا رسول الله : قَالَ أَعطيت سائِرُ ولِدَكَ مِثْلَ هَذَا قَالَ لَا، قَالَ فَاتَّقُوا اللهَ وَاعْدِلُوا بَيْنَ أَوْلادِكُمْ قَالَ فَرَجَعَ ورَدَّ عَطِيَّتَهُ وَفِي رِوَايَةٍ قَالَ اني لا أشهد على جور – بخاری، مسلم، مشكوة باب العطايا„Überliefert von Nuʿmān ibn Baschīr, Allahs Wohlgefallen sei mit ihm: Er sagte: Mein Vater schenkte mir ein Geschenk. Darauf sagte ʿAmra bint Rawāha: Ich werde erst zufrieden sein, wenn du den Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, in dieser Angelegenheit zum Zeugen nimmst. Da kam mein Vater zum Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, und sagte: Ich habe meinem Sohn von ʿAmra ein Geschenk gemacht, und ʿAmra hat verlangt, dass du dafür als Zeuge auftrittst. Darauf sagte der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden: Hast du all deinen Kindern ein solches Geschenk gemacht? Er sagte: Nein, ich habe es nicht allen gegeben. Da sagte der Prophet, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden: Fürchtet Allah und seid gerecht gegenüber euren Kindern. Darauf kehrte er zurück und nahm sein Geschenk wieder zurück. In einer anderen Überlieferung heißt es, dass er, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, sagte: Ich bezeuge keine Ungerechtigkeit. In einer weiteren Überlieferung heißt es, dass der edle Prophet, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, zu Baschīr, Allahs Wohlgefallen sei mit ihm, sagte:“
اليك في البر سواء ؟„Wünschst du, dass all deine Kinder dir gegenüber gleich handeln?“ Baschīr, Allahs Wohlgefallen sei mit ihm, antwortete: „Aber natürlich.“ Der Prophet, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, sagte: „Dann tue nicht so.“ – Überliefert von al-Buchārī und Muslim.
Es liegt außerhalb der menschlichen Möglichkeiten, allen eigenen Kindern dieselbe Liebe entgegenzubringen. Aus natürlichen Gründen fühlt man sich manchmal zu einem Kind stärker hingezogen. In der Liebe völlige Gleichheit zu zeigen, ist keinem Menschen möglich, und dies wurde auch von keinem Menschen verlangt. Worauf der Hadith Nachdruck legt, ist das Verhalten. Weil alle eure Kinder eure Kinder sind, sind sie gleich. Und alle haben euch gegenüber gleiche Rechte. Deshalb sollt ihr euch allen gegenüber in gleicher Weise gut verhalten und in dieser Hinsicht keines dem anderen vorziehen. Ein Kind dem anderen vorzuziehen, ist auch deshalb nicht richtig, weil dadurch das Recht des einen verletzt wird und sich andererseits negativ auf die Moral der Kinder auswirkt. In demjenigen, dem eine besondere Behandlung zuteilwird, entsteht ein Gefühl der Überheblichkeit, und er beginnt, die anderen Geschwister für geringer als sich selbst zu halten. Bei den Kindern, die schlecht behandelt werden, entstehen Minderwertigkeitsgefühle, und psychisch beginnen sie, sich selbst als minderwertig zu betrachten. Dadurch werden ihre moralische und körperliche Entwicklung behindert. Zugleich werden auch die Gefühle der Liebe, Zuneigung, Aufopferung und Hingabe beeinträchtigt. All diese Eigenschaften sind von Natur aus in jedem Menschen gegenüber seinen eigenen Geschwistern vorhanden. Auf diese Weise wird das Gefühl von Achtung und Ehre, das die Kinder gegenüber ihren Eltern empfinden, verletzt.
Manchmal kommt es auch vor, dass eine gleichmäßige Behandlung der Kinder der ersten Ehefrau oder des ersten Ehemannes und der Kinder der gegenwärtigen Ehefrau nicht möglich erscheint. Die Kinder der neuen Ehefrau oder des neuen Ehemannes werden gegenüber den Kindern derjenigen Ehefrau oder desjenigen Ehemannes, von dem man getrennt ist, stärker bevorzugt, und den Rechten der Kinder des ersten Lebenspartners wird keine Bedeutung beigemessen. Wenn euer Herz für jene Kinder nicht unvoreingenommen ist, euch ihr Verhalten nicht gefällt und euer Herz sich ihnen gegenüber nicht hingezogen fühlt, dann seid ihr dazu gezwungen. Dennoch verlangt der Islam von euch unbedingt, dass ihr trotz alledem alle gleich behandelt. Wenn ihr für eines der Kinder alle Mittel für ein bequemes und angenehmes Leben beschafft und die anderen davon ausschließt, seid ihr nach dem Maßstab der Scharia schuldig.
Ihr könnt euer eigenes Herz täuschen, indem ihr eure Handlungen erklärt. Ihr könnt den Menschen Staub in die Augen streuen, aber eure Schuld vor Allahs Blick nicht verbergen. Auch Ihn könnt ihr nicht täuschen. Der edle Prophet, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, bezeichnete eine solche Handlung als Unrecht und billigte es nicht, Zeugnis für ein Unrecht abzulegen. Der gehorsame Gefährte nahm sein gegebenes Geschenk sofort zurück. Auch von Baschīr, Allahs Wohlgefallen sei mit ihm, wurde eine solche Verfehlung begangen. Er wollte dem Sohn von ʿAmra bint Rawāha ein Geschenk machen, während er die Kinder seiner anderen Ehefrau davon ausschloss. Als er jedoch die richtige Angelegenheit erfahren hatte, berichtigte er unverzüglich seine Handlung und gab die besondere Behandlung auf.
Unterschiedliche Behandlung von Söhnen und Töchtern
عن ابن عباس رض قَالَ : قَالَ رَسُولُ اللهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ مَنْ كَانَتْ لهُ أنثَى فَلَم يندها ولم يهنها ولم يوثر ولدَهُ عَلَيْهَا يعني الذِّكُورَ أَدْخَلَهُ الله الجنة – ابو داود„Von Ḥazrat Ibn ʿAbbās, möge Allah mit ihm zufrieden sein, wird überliefert, dass er sagte: Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: Wenn jemand eine Tochter hat, sie nicht – wie in der Zeit der Unwissenheit – lebendig begräbt, sie nicht als minderwertig betrachtet und seine Söhne ihr nicht vorzieht, dann wird Allah, der Erhabene, einen solchen Menschen ins Paradies eintreten lassen.“
Die Tat, für die der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, den Eltern in diesem Hadith die frohe Botschaft vom Paradies verkündet hat, umfasst drei Punkte:
Erstens: die Tochter nicht lebendig zu begraben und ihr das Recht auf Leben zu gewähren.
Zweitens: die Tochter nicht zu beschämen und zu erniedrigen.
Drittens: den Sohn der Tochter nicht vorzuziehen.
Was den ersten Punkt betrifft, nämlich der Tochter das Recht auf Leben zu gewähren, ist die muslimische Gesellschaft dazu verpflichtet. Nachdem sie durch das Licht des Islam erleuchtet wurde, kann kein Muslim auch nur daran denken, eine Tochter lebendig zu begraben oder sie auf irgendeine Weise ihres Rechts auf Leben zu berauben. Allerdings mangelt es in den Gedanken und Taten mancher muslimischer Familien noch daran, die Tochter als minderwertig zu betrachten und den Sohn der Tochter vorzuziehen. Die Korrektur dieser Gedanken und Taten ist dringend notwendig, und die Warnungen sowie die Ermutigung des edlen Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, dienen genau diesem Ziel.
In vielen Familien wird dem Sohn im Haus und in der Familie eine Stellung und Bedeutung beigemessen, die der Tochter nicht zuteilwird. Die gute Behandlung, die dem Sohn, der Schwiegertochter und deren Kindern entgegengebracht wird, erfahren die Tochter, der Schwiegersohn und deren Kinder nicht. Tatsächlich beruht die unterschiedliche Behandlung von Söhnen und Töchtern auf der Vorstellung, dass die Tochter für andere aufgezogen wird, während der Sohn für die eigene Familie aufgezogen wird. Von der Tochter könne man keinerlei Nutzen oder Gegenleistung erwarten, während man vom Sohn alles erwarten könne. Die Tochter sei der Schmuck und das Mittel zum Gedeihen des Hauses anderer, der Sohn hingegen der Schmuck und das Mittel zum Gedeihen des eigenen Hauses.
Die unausweichliche Folge einer solchen Denkweise ist, dass den Töchtern die Aufrichtigkeit und Zuneigung vorenthalten werden, die bei der Erziehung eines Sohnes wirksam sind. Bei der Erziehung der Tochter und im Umgang mit ihr ist zwar das Bewusstsein wirksam, eine religiöse Pflicht zu erfüllen, doch fehlen jene Hoffnung, Erwartung und überschäumende Freude. Bei der Erziehung des Sohnes hingegen findet sich all dies.
Im eigenen Haus und auch in der Gesellschaft wird die Tochter als minderwertig angesehen. Im Haushalt wird der Sohn gegenüber der Tochter bevorzugt, und auch in der Gesellschaft genießen Söhne höheres Ansehen. Eltern geben ihren Töchtern nicht die Kleidung, den Schmuck und die Geschenke, die sie ihren Schwiegertöchtern geben. Was sie der Schwiegertochter geben, geben sie aus aufrichtiger Zuneigung. Denn sie ist schließlich der Schmuck ihres Hauses; was sie der Tochter geben, geben sie hingegen nur zur Erfüllung einer Pflicht oder zur Steigerung ihres eigenen Ansehens in der Gesellschaft. Wenn sie der Schwiegertochter etwas geben, erinnern sie sich später niemals daran. Wenn sie dagegen der Tochter etwas geben, erinnern sie sich daran und sprechen ständig darüber, ja, sie machen ihr sogar Vorwürfe deswegen. In solchen Familien erhalten die Töchter nicht die Fürsorge und liebevolle Zuneigung, die die Kinder des Sohnes erhalten. Die Kinder des Sohnes werden als Kinder des eigenen Hauses betrachtet, die Kinder der Tochter dagegen als Kinder eines anderen Hauses. Auch gegenüber der Verwandtschaft, der Gesellschaft und angesehenen Persönlichkeiten werden die Kinder des Sohnes als Angehörige und Kinder des eigenen Hauses präsentiert. Von der Gesellschaft wird erwartet, dass sie sie entsprechend behandelt. Mit den Kindern der Tochter wird jedoch selbst nicht entsprechend umgegangen, und man erwartet auch von der Gesellschaft keine Behandlung, die ihnen denselben Rang einräumt. Andererseits behandelt auch die Gesellschaft die Kinder der Töchter solcher Menschen nicht so, wie sie die Kinder ihrer Söhne behandelt. Der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, warnte in diesem Hadith die muslimischen Eltern und sagte, dass diese Vorgehensweise nicht wünschenswert sei. Der Weg, Allahs Wohlgefallen zu erlangen und das Paradies zu gewinnen, besteht darin, dass muslimische Eltern ihren Söhnen und Töchtern die gleiche Bedeutung beimessen und beide gleich behandeln. Auch der Tochter sollen sie zu Hause und in der Gesellschaft dieselbe Würde und Ehre geben, die dem Sohn gegeben wird. In keiner Angelegenheit darf der Sohn gegenüber der Tochter bevorzugt werden; stets muss den Forderungen der Religion Vorrang vor den persönlichen Vorlieben und den gesellschaftlichen Bräuchen gegeben werden.
Die Tochter als Schutz vor dem Feuer der Hölle
عن عائشة رضى اللهُ عَنْهَا قَالَتْ : دَخَلَتْ عَلَى امْرَأَةٌ وَمَعَهَا ابْنَتَانِ لَهَا تَسأَلُ فَلَمْ تَجِدُ عِندى شيئًا غير تمرة واحدة فأعْطَيْتُهَا إِيَّاهَا فَقَسَمْتُهَا بَيْنَ ابنتيها ولم تَأْكُلُ مِنْهَا ثُمَّ قَامَتْ فَخَرَجَتْ فَدَخَلَ النَّبِيِّ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ
وسلم علينا فأخبرته فقال : من ابتلي من هذهِ الْبَنَاتِ بِشَيْ فَأَحْسَنَ إِلَيْهِنَّ كُن لَه ستراً من النار – متفق عليه، رياض الصالحين ص ١٤٤„Aischa, möge Allah mit ihr zufrieden sein, berichtet: Eine Frau kam mit ihren beiden Töchtern zu mir, um zu betteln. Zu jener Zeit hatte ich nichts bei mir, außer einer einzigen Dattel. Ich gab ihr die Dattel. Sie teilte sie in zwei Hälften und gab ihren beiden Töchtern je eine Hälfte; selbst kostete sie nichts davon. Danach stand sie auf und ging fort. Als der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, anschließend ins Haus kam, erzählte ich ihm von diesem Vorfall. Er sagte: ‚Wem diese Töchter anvertraut und wer ihnen gegenüber gütig ist, dem werden sie ein Schutz vor dem Feuer der Hölle sein.‘“ – Buchari und Muslim
Auch wenn man in dieser Welt zu Recht keinen materiellen Gewinn von einer Tochter erwartet, welche größere Ermutigung zu einem guten Umgang mit der Tochter könnte es für Eltern, die auf die Wahrhaftigkeit des Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und auf das Jenseits vertrauen, geben als diese: Gerade diese schwachen Töchter werden am Tag der Auferstehung für sie zum Schutz vor dem lodernden Feuer der Hölle werden.
„Ein Mann kam zum geliebten Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Er trug ein Kind auf dem Arm und begann, es liebevoll zu streicheln. Als der Prophet dies sah, fragte er: ‚Erbarmst du dich seiner?‘ Er antwortete: ‚Natürlich.‘ Da sagte er: ‚Allah erbarmt sich deiner noch mehr, als du dich dieses Kindes erbarmst, denn Er ist der Barmherzigste der Barmherzigen.‘“ – Al-Adab al-Mufrad
Der Umgang des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, mit seinen Kindern
Es gibt nicht einmal ein noch so kleines Ereignis im Leben des Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, das seine Ehefrauen, seine Kinder und seine ehrwürdigen Gefährten nicht bewahrt hätten. All dies ist in den Büchern über seine Lebensgeschichte und in den Hadith-Werken überliefert. Sogar die unbedeutendsten Ereignisse aus seinem engsten Familienleben und seinem ganz persönlichen Alltag haben die Menschen im Gedächtnis behalten, einander berichtet und in den Hadith- und Sira-Werken überliefert.
Doch man muss staunen, wenn man bedenkt, dass sich im gesamten heiligen Leben des geliebten Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, kein einziger Vorfall finden lässt, bei dem er eines seiner Kinder geschlagen, verletzende oder schroffe Worte gesprochen oder sich in irgendeiner Weise streng verhalten hätte. Es gibt unzählige Berichte über Liebe, Zuneigung, Güte, Sanftmut, Barmherzigkeit und gutes Verhalten; erstaunlicherweise gibt es jedoch keinen einzigen Bericht über einen harten Umgang mit einem seiner Kinder. Menschen empfinden gegenüber ihren Kindern ja eine außergewöhnliche Liebe und ertragen vieles von ihnen, was ihrem eigenen Wesen widerspricht. Doch hier lag die Sache noch anders. Ein Diener blieb zehn volle Jahre bei ihm. Kein einziges Mal sagte er zu ihm: „Ach, was soll das?“ Anas, möge Allah mit ihm zufrieden sein, berichtet: „Ungefähr zehn Jahre diente ich in Medina dem Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und damals war ich noch ein Junge. Deshalb entsprach nicht alles, was ich tat, dem Willen des Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm (und das ist auch nicht zu erwarten; welche Einsicht kann ein zehn- oder zwölfjähriger Junge schon besitzen!). Doch während dieser gesamten zehn Jahre sagte er nicht ein einziges Mal auch nur ‚Ach‘ zu mir, und er sagte niemals: ‚Warum hast du das getan?‘ oder: ‚Warum hast du das nicht getan?‘“
Aischa, möge Allah mit ihr zufrieden sein, zeichnete das Bild vom schönen Verhalten und Umgang des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, folgendermaßen: „Er schlug niemals eigenhändig einen Sklaven, eine Sklavin, eine Frau oder ein Tier. Und wann immer er nach Hause kam, kam er äußerst fröhlich, lächelnd und mit einem freundlichen Lächeln.“
Guter Umgang mit der Tochter
Der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte über seine Tochter: „Fatima, möge Allah mit ihr zufrieden sein, ist ein Teil von mir. Wer sie erzürnt, erzürnt mich.“ – Buchari
Nach ihrer Heirat begrüßte der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Hadhrat Fatima, möge Allah mit ihr zufrieden sein, jedes Mal, wenn sie zu einem Besuch beim Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, kam, indem er von seinem Platz aufstand. Er küsste ihre Stirn und ließ Hadhrat Fatima, möge Allah mit ihr zufrieden sein, an seinem eigenen Platz sitzen. – Abu Dawud
Wenn er Hadhrat Fatima, möge Allah mit ihr zufrieden sein, einmal traurig sah, wurde auch er selbst traurig. Einmal betrat der geliebte Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in großer Sorge das Haus von Hadhrat Fatima, möge Allah mit ihr zufrieden sein. Nach einiger Zeit kam er in ausgesprochen fröhlicher Stimmung wieder heraus. Die Gefährten fragten: „O Gesandter Allahs! Als du das Haus deiner Tochter betreten hast, warst du voller Sorge, und als du es verlassen hast, kamst du fröhlich heraus. Was ist geschehen?“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Ich habe ihre gegenseitige Verstimmung beseitigt. Beide sind mir äußerst lieb.“
In Medina wohnte der ehrwürdige Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, im Haus von Abu Ayyub al-Ansari, möge Allah mit ihm zufrieden sein. Das Haus von Hadhrat Fatima, möge Allah mit ihr zufrieden sein, lag weit von seinem Haus, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, entfernt. Einmal besuchte der ehrwürdige Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, das Haus seiner Tochter. Im Laufe des Gesprächs sagte er: „Meine Tochter, du bist weit von mir entfernt. Ich möchte dich in ein Haus in meiner Nähe bringen.“
Hadhrat Fatima, möge Allah mit ihr zufrieden sein, sagte: „Vater, Harith ibn Nuʿman besitzt mehrere Häuser. Wenn du ihn bittest, wird er dir gewiss eines davon geben. Vater, bitte ihn darum!“ Der geliebte Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Meine Tochter, ich schäme mich, ihn darum zu bitten.“
Irgendwie erfuhr Harith ibn Nuʿman davon. Er begab sich selbst zum Dienst des Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und sagte: „O Gesandter Allahs! Ich habe gehört, dass du deine Tochter, Hadhrat Fatima, möge Allah mit ihr zufrieden sein, in ein Haus in deiner Nähe bringen möchtest. O Gesandter Allahs! Mögen meine Eltern für dich geopfert sein! Ich stelle dir all meine Häuser zur Verfügung. Bring sie mit Freude in das Haus, das du möchtest. Bei Allah, alles, was du von mir nimmst, ist mir lieber, als dich in meiner Nähe zu wissen, während es sich noch in meinem Besitz befindet.“
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Du hast recht gesprochen. Möge Allah dich segnen und Seine Barmherzigkeit auf dich herabsenden.“ Daraufhin brachte er seine geliebte Tochter, Hadhrat Fatima, möge Allah mit ihr zufrieden sein, in eines der Häuser von Harith ibn Nuʿman und holte sie so zu sich in seine Nähe. Wenn der geliebte Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, auf eine Reise ging, besuchte er zuletzt das Haus von Fatima, möge Allah mit ihr zufrieden sein, verabschiedete sich von ihr und brach dann zur Reise auf. Ebenso besuchte er nach seiner Rückkehr von einer Reise, sobald er in der Moschee das freiwillige Gebet beendet hatte, als Erstes Hadhrat Fatima, möge Allah mit ihr zufrieden sein.
Auch seine Enkel liebte er zutiefst. Wann immer er Hadhrat Fatima, möge Allah mit ihr zufrieden sein, besuchte, sagte er: „Fatima, bring mir meine Kinder.“ Fatima, möge Allah mit ihr zufrieden sein, brachte ihre Söhne zu ihm. Er roch an ihnen und drückte sie an seine Brust.
Eine Tochter des ehrwürdigen Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, hieß Hadhrat Zaynab, möge Allah mit ihr zufrieden sein. Sie war die älteste von allen. Sie war mit ihrem Cousin mütterlicherseits, Abu al-As, verheiratet. Hadhrat Khadidscha, möge Allah mit ihr zufrieden sein, hatte ihr zur Hochzeit eine wertvolle Kette aus jemenitischem Achat geschenkt. Als der geliebte Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nach Medina auswanderte, lebte Hadhrat Zaynab, möge Allah mit ihr zufrieden sein, im Haus ihrer Schwiegereltern. Ihr Ehemann hatte den Glauben noch nicht angenommen. Vielmehr hatte er mit den Ungläubigen am Krieg von Badr teilgenommen und war gefangen genommen worden. Für seine Freilassung ließ er nach Hause schicken, man solle Lösegeld senden. Tatsächlich hatte Hadhrat Zaynab, möge Allah mit ihr zufrieden sein, jene Kette geschickt, die ihre Mutter ihr zur Hochzeit geschenkt hatte. Als der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, diese Kette seiner Tochter sah, wurde er tief bewegt. Tränen liefen ihm aus den Augen. Daraufhin sagte er zu den Gefährten: „Wenn ihr einverstanden seid, könnt ihr diese Kette Zaynab, möge Allah mit ihr zufrieden sein, zurückgeben und auch ihren Ehemann freilassen.“ Die Gefährten nahmen diese Bitte des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, von Herzen an. Abu al-As wurde freigelassen, und auch die Kette seiner Frau wurde ihm ausgehändigt. Es wurde jedoch zur Bedingung gemacht, dass er nach Mekka gehen und Hadhrat Zaynab, möge Allah mit ihr zufrieden sein, zum Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, schicken sollte.
So kam Hadhrat Zaynab, möge Allah mit ihr zufrieden sein, zu ihrem Vater.
Einige Zeit später kam auch Abu al-As nach Medina und nahm den Islam an. Nach Abu al-As’ Annahme des Islam lebte Hadhrat Zaynab, möge Allah mit ihr zufrieden sein, noch ein Jahr und drei Monate und schied im achten Jahr der Hidschra aus dieser vergänglichen Welt. Der ehrwürdige Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, legte sie eigenhändig mit seinen reinen Händen ins Grab. Beim Hinablegen ins Grab war er zutiefst bekümmert und voller Sorge. Danach betete er zu Allah: „O Herr! Sie war sehr schwach. O Herr, erleichtere ihre Schwierigkeiten und erweitere ihr Grab.“ – Usud al-Ghaba
Einen guten Namen geben
Auch im Namen kommt die Persönlichkeit eines Menschen zum Ausdruck, und psychologisch gesehen hat ein Name einen weitreichenden Einfluss. Jeder möchte die rundlichen, hübschen Kinder liebkosen. Doch wenn man nach ihrem Namen fragt und sie irgendeinen bedeutungslosen und hässlichen Namen nennen, wird man ganz natürlich niedergeschlagen. In diesem Augenblick wünscht man sich: Ach, wenn doch auch ihr Name so schön wäre wie sie selbst. Tatsächlich üben schöne Namen einen großen Einfluss auf Gefühle und Empfindungen aus. Wenn daher eine Frau mit einem hässlichen und schlechten Namen angesprochen wird, zeigt sich auch eine zornige Reaktion. Durch die Anrede mit einem schlechten Namen kommen ihre schlechten Gefühle zum Ausdruck. Wird eine Frau hingegen mit einem schönen Namen gerufen, antwortet sie mit großer Dankbarkeit und liebevollen Gefühlen. Wenn sie ihren guten Namen hört, fühlt sie sich geehrt.
Dass die Leute ihr Kind mit einem guten Namen ansprechen, ist der natürliche Wunsch der Eltern. Wenn ein Kind mit einem guten Namen gerufen wird, freut es sich einerseits. Andererseits entsteht auch im Herzen desjenigen, der es ruft, eine gute Vorstellung von ihm. Dies kann jedoch nur geschehen, wenn Sie Ihrem Kind einen guten Namen geben. Das Recht Ihres geliebten Kindes Ihnen gegenüber besteht darin, dass Sie ihm einen schönen und reinen Namen geben.
Der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, wies seine Umma an, gute und reine Namen zu vergeben. Wann immer die Sahaba und die weiblichen Sahaba den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, baten, ihrem Kind einen Namen zu geben, schlug er äußerst reine und bedeutungsvolle Namen vor. Wenn jemand nach seinem Namen gefragt wurde und einen bedeutungslosen und missliebigen Namen nannte, missbilligte der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, dies und ließ ihn keine eigene Angelegenheit erledigen. Wenn dagegen ein schöner und reiner Name ausgesprochen wurde, gefiel ihm das. Er sprach ein Bittgebet für die betreffende Person und ließ sie ihre Angelegenheit erledigen. Wenn der geliebte Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, aus einem eigenen Anlass hinausging, hörte er gern Ausdrücke wie „Wa Nadschih“ oder „Ya Raschid“. Wenn er jemanden mit einer Aufgabe an einen Ort entsandte, fragte er nach dessen Namen. Wenn ihm der genannte Name gefiel, freute er sich sehr, und die Zeichen dieser Freude leuchteten auf seinem Gesicht auf. Missfiel ihm der Name, zeigte sich dessen Wirkung auf seinem Gesicht. Wenn er einen Ort betrat, fragte er nach dessen Namen. Gefiel ihm der Name des Ortes, freute er sich sehr. Meistens kam es auch vor, dass er missliebige Namen änderte. Einen schlechten Namen konnte er für keinerlei Sache dulden. Die Menschen nannten einen Ort Hudzrah, also unfruchtbar oder öde. Er behielt für diesen Ort den Namen Chudzrah bei, also immergrün und fruchtbar. Eine Festung wurde „Festung der Irreleitung“ genannt. Er gab ihr den Namen „Festung der Rechtleitung“. Ebenso änderte er die Namen vieler Männer und Frauen. Wer auf seinem alten Namen bestand, anstatt den von ihm geänderten Namen zu verwenden, spürte die schlechte Wirkung seines alten Namens auch auf seine eigene Persönlichkeit, und dessen schlechte Wirkung blieb bei seinen Nachkommen bestehen.
Beliebte Namen für Kinder
Mit einem beliebten Namen für Ihr Kind sind solche Namen gemeint, bei deren Wahl auf bestimmte Dinge geachtet und versucht wurde, sich von bestimmten Dingen fernzuhalten.
Erstens: Namen, die durch die Verbindung des Wortes „Abd“ oder „Amatuhu“ mit einem der Wesen- oder Eigenschaftsnamen Allahs gebildet werden, wie Abdullah, Abdurrahman, Abd al-Ghaffar, Amatullah, Amatur-Rahman und andere. Oder es handelt sich um einen Namen, durch den Allah gepriesen wird.
Zweitens: die Benennung nach einem Propheten, wie Yaqub, Yusuf, Idris, Ahmad, Ibrahim, Ismail und andere.
Drittens: die Benennung nach einem Mudschahid, einem Gottesfreund oder einem Diener der Religion, wie Umar Faruq, Khalid, Abd al-Qadir, Hadschera, Maryam, Umm Salama, Sumayya und andere.
Viertens: Der Name soll ein Spiegelbild Ihrer religiösen Gefühle sowie Ihrer schönen Hoffnungen und Wünsche sein. Angesichts des gegenwärtigen beklagenswerten Zustands der Umma können Sie Ihr Kind beispielsweise Umar oder Salah ad-Din nennen und den Wunsch hegen, dass Ihr Kind, wenn es groß geworden ist, das sinkende Schiff der Umma ans Ufer bringt und die Religion wiederbelebt.
Fünftens: einen Namen im Hinblick auf einen religiösen Erfolg vorschlagen. Wenn Sie beispielsweise den Heiligen Koran rezitieren, stoßen Sie auf folgenden Vers:
يوم يأْتِ لا تكلم نفس الا باذنه ، فمنهم شقى وسعيد–
„Wenn jener Tag kommt, an dem du nicht die Macht haben wirst, mit jemandem zu sprechen. Ja, die Menschen werden nur mit Allahs Erlaubnis sprechen können. An jenem Tag werden einige Menschen unglückselig und einige Menschen glückselig sein.“
Das heißt, am Tag der Auferstehung wird die gesamte Menschheit in zwei Gruppen geteilt werden. Die eine Gruppe wird aus Unglücklichen bestehen und die andere aus Glückseligen. Beim Lesen dieses Verses entsteht unwillkürlich in Ihrem Herzen das Bittgebet: „O Herr, nimm mich und meine Kinder in die Gruppe der Glückseligen auf.“ Und nachdem Ihr Kind geboren wurde, gaben Sie ihm den Namen Saʿīd.
Tatsächlich schlagen Sie entsprechend Ihren Wünschen, Gefühlen, Hoffnungen und Bestrebungen bewusst oder unbewusst einen Namen vor. Auf der Grundlage dieser Hoffnungen und Bestrebungen wächst das Kind auf und verwirklicht gewöhnlich seiner natürlichen Veranlagung entsprechend Ihren Traum. Es wird dazu ermutigt, diese Dinge bei der Namensgebung zu berücksichtigen. Andererseits gibt es einige Dinge, bei denen man sich bei der Namensgebung in Acht nehmen muss.
Erstens: Gedanken und Gefühle, die der islamischen Glaubenslehre und ihren Idealen widersprechen, insbesondere Namen, die die Vorstellungen des Tauhīd verletzen, wie etwa Nabi Bakhsh und ʿAbdur-Rasūl.
Zweitens: Wörter, durch die Stolz, Hochmut oder die eigene Reinheit und Großartigkeit zum Ausdruck gebracht werden.
Drittens: Namen, die nichtislamische Hoffnungen und Bestrebungen widerspiegeln und bei denen keine Hoffnung auf Allahs Barmherzigkeit besteht.
Anleitung und Weisheit bei der Wahl eines guten Namens
قَالَ رَسُولُ اللهِ صَلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ إِنَّكُمْ تَدْعُونَ يَوْمَ الْقِيَامَةِ بِأَسْمَائِكُمْ ، وَأَسْمَاءِ آبَاءِ كُمْ فَأَحْسِنُوا أَسْمَائِكُم – ابو داود عن أبي الدردا„Der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: Am Tag der Auferstehung werdet ihr mit eurem eigenen Namen und dem Namen eures Vaters gerufen werden. Gebt euch daher gute Namen.“
Namen, die Allah wohlgefällig sind
عن أبي وهب رض عَنِ النَّبِيِّ صَلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ قَالَ : تُسَمُوا بِأَسْمَاءِ الأنبياء وأحبُّ الْأَسْمَاءِ إِلى اللهِ عَزَّ وَجَلَّ عبدُ اللَّهِ وَعَبْدُ الرَّحْمَنِ وَأَصْدَقَهَا حارث وهمام وأقبحها حرب ومرة – الادب المفرد وجمع الفوائد ج ۲ ص ٤٠٦ بحو اله ابوا داود ونسائي„Hadhrat Abū Wahab überlieferte vom edlen Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, dass er sagte: Gebt euren Kindern die Namen der Propheten. Die Allah, dem Allmächtigen und Majestätischen, wohlgefälligsten Namen sind ʿAbdullāh und ʿAbdur-Raḥmān. Beliebte Namen sind Ḥārith und Hammām, und die äußerst missliebigen Namen sind Ḥarb und Murra.“
Das Wort „Allah“ ist der Eigenname Allahs. „Rahman“ ist kein Eigenname Allahs im Islam. Vor dem Islam wurde dieses Wort allerdings bei einigen Völkern als Eigenname Allahs verwendet. Deshalb besitzt es im Vergleich zu anderen Seinen Eigenschaften beziehungsweise Attributen ebenfalls eine besondere Bedeutung. Die Erwähnung lediglich dieser beiden Namen im Hadith bedeutet nicht, dass nur diese beiden Namen vergeben werden dürfen und nur sie Allah wohlgefällig sind. Vielmehr wurden sie beispielhaft genannt. Wenn man das Wort „Abd“ mit einem der Attribute Allahs verbindet und daraus einen Namen bildet, ist dieser Allah wohlgefällig. Möglicherweise erwähnte der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nur diese beiden Namen auch deshalb, weil im Heiligen Koran diese beiden Namen in Verbindung mit „Abd“ erwähnt werden.
Harith wird derjenige genannt, der sich mit Landwirtschaft und dem Erwerb von Einkommen beschäftigt. Wenn er auf erlaubte Weise nach weltlichem Besitz strebt, ist das bereits gut; wenn er sich jedoch um den Erwerb des Jenseits bemüht, was könnte dann besser sein als er? Hammam nennt man einen Menschen mit festem Willen, der nach Abschluss einer Tätigkeit eine andere in Angriff nimmt. Harb bedeutet Krieg. Es versteht sich von selbst, dass Krieg keine wünschenswerte Sache ist. Murrah bezeichnet etwas Bitteres, und bittere Dinge sind gewiss für alle unerwünscht.
Ein guter Anfang mit einem guten Namen
Hadrat Yahya ibn Sa’id, möge Allah mit ihm zufrieden sein, berichtet: Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, fragte die Menschen, wer eine Kamelstute melken würde:
مَنْ يُحْلبُ هَذِهِ ؟ فَقَامَ رَجُلٌ فَقَالَ لَهُ صَلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ مَا اسْمُكَ ؟ قَالَ : مُرَّة، فَقَالَ لَهُ : اجْلِسُ ثُمَّ قَالَ : مَنْ يُحْلَبُ هَذِهِ ؟ فَقَامَ رَجُلٌ ، فَقَالَ له صلى الله عَلَيْهِ وَسَلَّمَ مَا اسْمُكَ ؟ قَالَ حَرْبٌ ، فَقَالَ لَهُ اجْلِسُ ثُمَّ قَالَ من يحلب هذه ؟ فَقَامَ رَجُلٌ ، فَقَالَ لَهُ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ مَا اسْمُكَ ؟ قَالَ : يَعِيشُ فَقَالَ لَهُ أحلب – جمع الفوائد بحوا الله مؤطا امام مالك رح
„Wer wird diese Kamelstute melken?“ Ein Mann stand auf. Er fragte ihn: „Wie heißt du?“ Er antwortete: „Mein Name ist Murrah.“ Da sagte er: „Setz dich.“ Danach fragte er: „Wer wird diese Kamelstute melken?“ Ein Mann stand auf. Er fragte ihn: „Wie heißt du?“ Er antwortete: „Mein Name ist Harb.“ Da sagte er: „Setz dich.“ Dann fragte er: „Wer wird diese Kamelstute melken?“ Ein Mann stand auf. Er fragte ihn: „Wie heißt du?“ Er antwortete: „Mein Name ist Ya’ish.“ Da sagte er: „Gut, du kannst sie melken.“ – Jam’ al-Fawa’id, mit Verweis auf das Muwatta von Imam Malik
Die Bedeutungen der ersten beiden Namen sind unerwünscht, während die Bedeutung des letzten Namens erwünscht ist. Das Wort Ya’ish bedeutet „lebendig bleiben“.
Ebenso überliefert Imam Buchari einen Hadith.
„Der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, fragte die Menschen: ‚Wer wird unser Kamel vorantreiben?‘ Oder er sagte: ‚Wer wird es bis zum Ziel bringen?‘ Ein Mann sagte: ‚Ich.‘ Er fragte ihn: ‚Wie heißt du?‘ Er antwortete: ‚Mein Name ist dieser.‘ Da sagte er: ‚Setz dich.‘ Danach stand ein zweiter Mann zu diesem Zweck auf. Er fragte ihn: ‚Wie heißt du?‘ Auch dieser sagte: ‚Mein Name ist dieser.‘ Da sagte er: ‚Setz dich.‘ Danach stand ein dritter Mann auf. Auch ihn fragte er: ‚Wie heißt du?‘ Er antwortete: ‚Sein Name ist Nadschiyah.‘ Darauf sagte er: ‚Du bist für diese Aufgabe geeignet. Treibe es voran.‘“
Ein Scherz von Hadrat Umar, möge Allah mit ihm zufrieden sein
Hadrat Umar, möge Allah mit ihm zufrieden sein, fragte einen Mann: „Wie heißt du?“ Er antwortete: „Glut.“ Er fragte: „Wie heißt dein Vater?“ Er antwortete: „Feuerflamme.“ Er fragte: „Zu welchem Stamm gehörst du?“ Er antwortete: „Zum Stamm der Verbrennung.“ Er fragte: „Wo ist dein Haus?“ Er antwortete: „Auf dem heißen Feuerhügel.“ Er fragte: „Auf welchem Feuerhügel?“ Er antwortete: „Auf dem brennenden Hügel.“ Als Hadrat Umar, möge Allah mit ihm zufrieden sein, dies hörte, sagte er: „Geh schnell und benachrichtige die Bewohner deines Hauses. Sie sind alle verbrannt.“ Genau so geschah es, wie Hadrat Umar, möge Allah mit ihm zufrieden sein, gesagt hatte. – Jam’ al-Fawa’id
Die Achtung vor dem Namen
Hazrat Abu Rafiʿ, möge Allah mit ihm zufrieden sein, berichtet, dass der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte:
إذا سميتم محمدًا فَلَا تَضْرِبُوهُ وَلَا تَحْرِمُوهُ .
„Wenn ihr jemanden Muhammad nennt, dann schlagt ihn nicht und verweigert ihm nichts.“ – Jamiʿ al-Fawāʾid
Hazrat Anas, möge Allah mit ihm zufrieden sein, berichtet, dass der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte:تسمونهم محمدًا ثُمَّ تَلْعَنُونَهم .
„Ihr gebt euren Kindern den Namen Muhammad und verflucht und beschimpft sie dann.“
Das bedeutet, dass ihr Kinder aus Ehrerbietung vor diesem Namen nicht schlecht behandeln sollt. Schlechtes Verhalten gegenüber Kindern ist ohnehin verwerflich. Wenn das Kind jedoch Muhammad heißt, muss man noch stärker darauf achten. Denn auch die Ehrung dieses Namens ist verpflichtend.
Einige vom Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, vorgeschlagene Namen
Erstens: Hazrat Yusuf, der Sohn von Hazrat Abdullah ibn Salam, berichtet, dass der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, mir den Namen Yusuf gab. Er nahm mich auf seinen Schoß und strich mir über den Kopf.
Zweitens: Hazrat Abu Musa, möge Allah mit ihm zufrieden sein, berichtet: Als mein erstes Kind geboren wurde, brachte ich es zum edlen Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Er gab ihm den Namen Ibrahim. Er kaute eine Dattel und gab sie ihm in den Mund und übergab es mir mit einem Bittgebet um Gutes und Segen zurück.
Drittens: Auch Hazrat Ali, möge Allah mit ihm zufrieden sein, hatte seine drei Söhne Harb genannt. Der geliebte Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, änderte ihre Namen in Hasan, Husain und Muhsin.
Namensänderung
Der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, war äußerst aufmerksam, was Namen betraf. Wenn ihm der Name eines Menschen in irgendeiner Hinsicht schlecht erschien, änderte er ihn und schlug einen guten Namen vor. Wenn ein Name eine Bedeutung enthielt, die den Vorstellungen des Tauhid widersprach, oder bedeutungslos war, oder der Name einer unerwünschten und schlechten Sache war, oder eine unerwünschte Bedeutung hatte, oder durch ihn eine persönliche Verbindung zu einer Sünde bestand, oder er Hochmut und Selbstgefälligkeit zum Ausdruck brachte, oder irgendeinen anderen schlechten Aspekt aufwies, änderte er den Namen und schlug stattdessen einen guten und reinen Namen vor.
Hadhrat Aischa, Allahs Wohlgefallen sei auf ihr, überlieferte, dass der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, schlechte Namen änderte. – Dschamiʿ at-Tirmidhi
Erstens: Hani ibn Zaid erschien mit einer Delegation beim geliebten Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Dabei hörte er, dass seine Kunya Abu al-Hakam lautete. Der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, rief ihn und sagte: „Al-Hakam ist Allah, und das Recht zu richten steht Ihm zu. Wie konntest du die Kunya Al-Hakam annehmen?“ Ibn Zaid sagte: „Darum geht es nicht. (Ich möchte keinen Anteil an diesem Recht Allahs beanspruchen.) Der eigentliche Grund ist, dass die Angehörigen meines Volkes zu mir kommen, wenn sie sich in einer Angelegenheit uneinig sind. Ich fälle zwischen ihnen ein gerechtes Urteil, und beide Parteien akzeptieren diese Entscheidung mit Freude.“ Der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Wie schön ist die Sache, die du beschrieben hast.“ Danach fragte er: „Hast du keine Kinder?“ Ibn Zaid sagte, er habe drei Söhne. Ihre Namen seien Schuraih, Abdullah und Muslim. Er fragte: „Wer von ihnen ist der Älteste?“ Ibn Zaid sagte: „Schuraih ist der Älteste von allen.“ Er sagte: „Dann lautet deine Kunya Abu Schuraih“, und sprach ein Bittgebet für ihn und seine Söhne. Außerdem erfuhr der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, dass ein Mann aus dieser Delegation Abd al-Hadschar hieß. Er fragte ihn: „Wie heißt du?“ Er antwortete: „Abd al-Hadschar.“ Er sagte: „Nein, dein Name soll Abdullah sein.“
Schuraih berichtet: Als Hani ibn Zaid in seine Heimat zurückkehren wollte, kam er zum edlen Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und fragte: „O Gesandter Allahs, teile mir mit, welche Tat mir gewiss das Paradies einbringt.“ Er sagte: „Kümmere dich um zwei Dinge: Sprich gut mit den Menschen und teile reichlich Nahrung aus.“ – Al-Adab al-Mufrad
Zweitens: Hadhrat Abd ar-Rahman berichtet: Ich erschien beim Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Er fragte mich: „Wie heißt du?“ Ich sagte: „Mein Name ist Abd al-Uzza.“ Er sagte: „Nein, dein Name ist Abd ar-Rahman.“ In einer anderen Überlieferung heißt es: Ich sagte: „Mein Name ist Aziz.“ Darauf sagte er: „Al-Aziz ist Allah.“ – Al-Adab al-Mufrad
Drittens: Hadhrat Ibn Umar, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, überlieferte, dass der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, den Namen Asiya änderte und sagte: „Dein Name ist Dschamila.“ – Al-Adab al-Mufrad
In einer Überlieferung von Sahih Muslim heißt es, dass die Tochter von Hadhrat Umar, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, Asiya hieß und dass der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ihren Namen änderte und sie Dschamila nannte.
Viertens: Hadhrat Muhammad ibn Amr, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, überlieferte: Eines Tages ging er zu Zainab, der Tochter Abu Salamas [sie war die Tochter der Ehefrau des Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Umm Salama, aus deren erster Ehe mit Abu Salama]. Zu dieser Zeit fragte Zainab nach dem Namen der Schwester meiner Begleiterin. Ich sagte ihr, sie heiße Barra. Sie sagte: „Ändere ihren Namen, denn als der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Zainab bint Dschahsch heiratete, hieß sie Barra. Der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, änderte ihren Namen und nannte sie Zainab.“ Damals rief ihre Mutter sie immer wieder „Barra, Barra“. Da sagte der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm: „Rühmt nicht eure eigene Reinheit. Allah weiß am besten, wer von euch rechtschaffen und wer schlecht ist“, und sagte: „Nennt sie Zainab.“ Meine Mutter Umm Salama sagte: „Gut, dann soll sie Zainab heißen.“
Fünftens: Hadhrat Ra’ita bint Muslim berichtet: Mein Vater Muslim sagte zu mir: „Ich war in der Schlacht von Hunain mit dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Er fragte mich: ‚Wie heißt du?‘ Ich sagte: ‚Mein Name ist Ghuraab (Rabe).‘ Er sagte: ‚Nein, dein Name ist Muslim.‘“ Hadhrat Aischa, Allahs Wohlgefallen sei auf ihr, überlieferte: Ein Mann erwähnte in der Versammlung des Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, dass er Schihab genannt werde. Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, dies hörte, sagte er: „Nein, vielmehr bist du Hischam.“
Sechs: Vor dem Islam hieß der Sohn von ʿAbd ar-Rahmān ibn Saʿīd al-Machzūmī „al-Aṣram“. Danach änderte der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, den Namen und ließ ihn „Saʿīd“ heißen. Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, fragte Saʿīd: „Wer von uns beiden ist größer – ich oder du?“ Hadhrat Saʿīd, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, antwortete: „Sie sind älter als ich, und ich bin Ihnen dem Alter nach voraus.
Als er allmählich erblindete, kam Hadhrat ʿUmar, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, zu ihm, um sich um ihn zu kümmern, und sagte zu ihm: „Du musst unbedingt am Freitagsgebet und am Gebet in der Gemeinschaft teilnehmen.“ Er sagte: „Wer wird mich dorthin bringen?“ Hadhrat ʿUmar, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, schickte ihm einen Sklaven, damit dieser ihn führte und ihm diente.
Sieben: Der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Nennt euer Kind nicht Hubāb. Denn Hubāb ist der Name des Satans. Ein Kind darf nicht Hubāb heißen. Vielmehr soll das Kind ʿAbd ar-Rahmān heißen.
Die Schlange wird Hubāb genannt, und die Welt wird Umm Hubāb genannt. Deshalb verbot er, den Namen Hubāb zu vergeben.
Die schlechten Auswirkungen schlechter Namen
Der berühmte medinensische Tābiʿī und Hadith-Gelehrte Hadhrat Saʿīd ibn al-Musayyib berichtete die Geschichte seines Großvaters Hūrun und sagte: Einmal erschien dieser beim Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Da fragte er ihn: „Wie heißt du?“ Er antwortete: „Ich heiße Hayn.“ Er sagte: „Nein, dein Name ist nicht Hayn, sondern dein Name ist Sahla.“ Hayn sagte: „Ich werde den Namen, den mir mein Vater gegeben hat, nicht ändern und keinen anderen Namen annehmen.“ Saʿīd ibn al-Musayyib sagte: „Deshalb hält das Leid in unserer Familie von jener Zeit an bis heute ununterbrochen an.“
Der bei Allah schlechteste Name
عن أبي هريرةَ قَالَ قَالَ رَسُولُ اللهِ صلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ أَخْنَى الْأَسْمَاءِ عند الله رجلٌ تُسمى ملك الأملاك – الادب المفرد„Hadhrat Abū Huraira, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, berichtete, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: Der äußerst schlechte und zornerregende Name bei Allah ist es, einen Menschen Malik al-Amlāk zu nennen.“
Das Wort Malik al-Amlāk bedeutet „König der Könige“. Auf Persisch bedeutet es Schahanschah. Seiner Bedeutung nach ist dies ein äußerst schlechter Name, denn darin liegt ein Hinweis auf Schirk. Macht und Königsherrschaft gehören einzig Allah. Niemand ist an diesem Recht als Teilhaber beteiligt. Auch in Sahīh Muslim findet sich dieser Ausdruck. Seine Bedeutung ist, dass Königsherrschaft und Macht allein Allah zustehen.
Jemanden mit seinem bevorzugten Namen ansprechen
Wenn Sie jemanden beim Namen rufen, können Sie ihn auch mit seinem bevorzugten Namen ansprechen. Rufen Sie andere daher stets mit dem Namen, den sie bevorzugen. Dadurch wird der Angesprochene eine Steigerung seiner eigenen Ehre empfinden. Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, liebte es sehr, dass jeder mit dem Namen und der Kunya angesprochen wurde, die er am meisten bevorzugte.
Der bevorzugte Name von Ali, Allahs Wohlgefallen sei mit ihm
Eines Tages begab sich der edle Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zum Haus seines Schwiegersohns Ali, Allahs Wohlgefallen sei mit ihm. Fatima, Allahs Wohlgefallen sei mit ihr, war allein zu Hause. Ali, Allahs Wohlgefallen sei mit ihm, war nicht da. Er fragte seine Tochter: „Wo ist der Sohn deines Onkels?“ Sie antwortete: „Zwischen ihm und mir ist es zu einem Streit gekommen. Er ist mir böse geworden und wütend irgendwohin gegangen. Nach dem Mittagessen hat er sich hier auch nicht ausgeruht.“ Der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte zu jemandem: „Geh und sieh nach, wo Ali ist.“ Der Mann sagte: „Er liegt an die Wand der Moschee gelehnt.“ Der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ging hinter ihm her. Er sah, dass Ali ausgestreckt dalag. Sein Umhang lag nicht richtig, und an seinem Körper haftete Erde. Der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, wischte ihm die Erde vom Rücken und sagte: „Abu Turab, setz dich auf.“
Eine Koseform des Namens verwenden
Der geliebte Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, verwendete manchmal aus Zuneigung statt des vollständigen Namens auch eine Kurzform. So sagte er beispielsweise Aisch statt Aischa und Uthm statt Uthman. Auch Sie tun dies von Natur aus manchmal, um Zuneigung und Liebe auszudrücken. Daran ist nichts Falsches. Denn dies geschieht nicht, um den Namen zu entstellen, sondern um die Gefühle der Liebe auszudrücken. Abu Salama, Allahs Wohlgefallen sei mit ihm, überlieferte:
أن عَائِشَةَ رَضِيَ اللهُ عَنْهَا قَالَتْ : قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وسلَّم يَا عَائِشَ : هَذَا جِبْرِيلُ يُقْرِئُ عَلَيْكَ السَّلام قَالَتْ : وَعَلَيْهِ السَّلام ورحمة الله قَالَتْ وَهُوَ يُرَى مَالَا أَرَى –
„Aischa, Allahs Wohlgefallen sei mit ihr, sagte: Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: ‚O Aisch! Dies ist Gabriel, der dich grüßt.‘ Darauf sagte Aischa: ‚Auch auf ihm seien Frieden und Allahs Barmherzigkeit.‘ Und sie sagte: ‚Der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sah Dinge, die ich nicht sah.‘ Al-Adab al-Mufrad
Wenn Sie sich einmal nicht an den Namen einer Person erinnern und sie rufen müssen, sprechen Sie sie dennoch nicht mit einem hässlichen oder schlechten Namen an. Verwenden Sie ein gutes Wort und rufen Sie sie zu sich. Wenn der geliebte Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sich gelegentlich nicht an den Namen einer Person erinnerte, sprach er sie mit den Worten an: „O Sohn des Abdullah!“
Zuneigung und Liebe gegenüber dem Kind
Zuneigung und Liebe gegenüber den Kindern zu zeigen, ist ebenfalls eines ihrer Rechte. Den Kindern Zuneigung und Liebe zu zeigen, ist eine natürliche Angelegenheit. Allah, der Erhabene, hat diese natürliche Veranlagung im Herzen jedes Elternteils erschaffen. Indem Allah in den Herzen der Eltern das grenzenlose Gefühl der Liebe zu ihren Kindern erschuf, erwies Er auch den Eltern eine außergewöhnliche Wohltat. Zugleich ist dies eine Wohltat gegenüber den Kindern. Es ist eine Wohltat gegenüber den Kindern, weil ihre Erziehung und Versorgung ohne sie überhaupt nicht möglich wäre; vielmehr wäre sie größtenteils unmöglich gewesen. Das menschliche Kind ist im Vergleich zu den Jungen aller anderen Lebewesen am hilflosesten, schwächsten und am meisten auf Hilfe angewiesen. Wenn sich im Herzen der Eltern kein grenzenloses Gefühl der Zuneigung und Liebe zu ihm befände, würde seine Erziehung und Versorgung überhaupt nicht stattfinden. Durch die beispiellose Zuneigung und Liebe der Eltern sowie ihre außergewöhnlichen Opfer wächst es heran und wird zu einem fähigen Menschen.
Andererseits ist dies eine Wohltat gegenüber den Eltern, weil Allah, der Erhabene, ihnen die große Verantwortung für die Erziehung ihrer Kinder auferlegt hat. Dieses Recht hätten die Eltern niemals erfüllen können, wenn in ihnen nicht ein starkes Gefühl der Liebe zu ihren Kindern erschaffen worden wäre.
Die Liebe zu den Kindern ist ein Zeichen der Barmherzigkeit und Weisheit Allahs und ein offenkundiger Beweis dafür, dass Er der Herr und Erzieher ist. Ohne jede Unterscheidung hat Allah dieses Gefühl im Herzen jedes Menschen erschaffen. Nicht nur den Menschen, sondern auch den Tieren hat Allah dieses Gefühl gegeben, und sie empfinden von Natur aus Liebe zu ihren Nachkommen.
Der Unterschied in der Liebe einer muslimischen Mutter
Die Liebe zu den Kindern ist ein natürliches Gefühl. Deshalb liebt jedes Elternteil sein eigenes Kind, unabhängig von Religion und Weltanschauung. Selbst wenn ein Elternteil nicht religiös ist und nicht an den Schöpfer glaubt, liebt es sein Kind dennoch. In dieser Hinsicht weisen muslimische Eltern jedoch eine besondere Eigenschaft auf. Diese Eigenschaft können Eltern, die des Islams beraubt sind, niemals erlangen. Auch eine nichtmuslimische Mutter erfüllt durch ihre Liebe zu ihrem Kind ihr natürliches Gefühl. Ebenso erfüllt auch eine muslimische Mutter dieses Gefühl. Die besondere Eigenschaft der muslimischen Mutter besteht jedoch darin, dass sie ihr Kind in dem Bewusstsein liebt, dass dies ein Recht des Kindes, eine Forderung der Religion und die Sunna des edlen Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sowie seiner edlen Gefährten ist. Ihre Zuneigung zum Kind dient nicht nur der Erfüllung eines natürlichen Gefühls; vielmehr betrachtet sie sie als Mittel, Allah und den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zufriedenzustellen, im Jenseits Belohnung zu erlangen und die Erlösung im zukünftigen Leben zu erreichen. Aufgrund dieses intensiven Bewusstseins wird im Herzen der muslimischen Mutter ein starkes Gefühl und eine außergewöhnliche Kraft wirksam. Eine von diesem Bewusstsein getragene Liebe unterscheidet sich völlig von bloß natürlicher Liebe. Die Liebe einer Mutter, deren Liebe vom religiösen Bewusstsein beseelt ist, kann keine blinde Liebe sein. Sie liebt ihr Kind gemäß der Leitung der Religion und ergreift niemals aus bloßer Gefühlsregung eine Methode, die zu ihrem eigenen Untergang und dem ihres Kindes führen würde.
Die Kinder als Mittel zur Prüfung
Die Liebe zu den Kindern zu zeigen, ist ein Recht der Kinder; zugleich ist sie auch ein Mittel zur Prüfung der Eltern. Allah hat den Menschen das natürliche Gefühl der Liebe zu den Kindern gegeben und dieses Gefühl auch gefördert. Zugleich wurde eine Warnung ausgesprochen: Seid hinsichtlich der Kinder auf der Hut. Denn manchmal werden gerade diese Kinder zu Feinden des Menschen. Indem der Mensch im Netz einer unangemessenen Liebe zu ihnen gefangen bleibt, verliert er sein Gleichgewicht und entfernt sich weit von der Religion. Um ihretwillen nimmt er anderen ihre Rechte. Er verliert den Unterschied zwischen Erlaubtem und Verbotenem aus den Augen. Er wird nachlässig gegenüber der Anbetung Allahs und dem Gehorsam Ihm gegenüber. Er vergisst die Forderungen des Glaubens und des Islams. Er lässt von großen guten Taten ab, gerät auf den falschen Weg und richtet sein Jenseits zugrunde. Deshalb hat Allah, der Erhabene, gesagt: Seid hinsichtlich der Kinder auf der Hut. Manche Kinder werden in dieser Hinsicht zu Feinden des Menschen.
يأَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوا إِنَّ مِنْ أَزْوَاجِكُمْ وَأَوْلَادِكُمْ عَدُوا لَّكُمْ فَاحْذَرُوهُمْ :
„O ihr Gläubigen, manche eurer Ehefrauen und eurer Kinder sind eure Feinde. Darum hütet euch vor ihnen.“ – Sure at-Taghabun: 14
Vorsicht gegenüber den Kindern zu üben, bedeutet, dass der Mensch sich nicht so sehr in seiner Liebe zu ihnen verfangen darf, dass er gegenüber den Forderungen der Religion und des Glaubens nachlässig wird. Wenn die Liebe zu den Kindern daran hindert, auf dem Weg der Religion voranzuschreiten und um der Religion willen Opfer zu bringen, dann ist sie Feindschaft; deshalb muss der Mensch sich hüten. Niemals darf die Liebe zu ihnen die Liebe zur Religion überwältigen. Und ihretwegen darf der Mensch nicht auf dem Gebiet der Religion zurückbleiben. Vor der Hidschra hatten einige Menschen in Mekka den Glauben angenommen. Obwohl sie den Islam angenommen hatten, konnten sie nicht gemeinsam mit den auswandernden Muslimen nach Medina auswandern. Obwohl sie Gläubige waren, wurden sie nur deshalb des Segens der Hidschra beraubt, weil sie in einer unangemessenen Liebe zu ihren Ehefrauen und Kindern gefangen waren und diese sie daran hinderten, nach Medina zu gehen. Diese Muslime wurden deshalb eines Segens wie der Hidschra beraubt, weil sie hinsichtlich ihrer Liebe zu den Kindern nicht vorsichtig gewesen waren und so sehr in dieser Liebe aufgingen, dass sie dem Ruf der Religion nicht folgen konnten. Der Heilige Koran bezeichnet die Kinder in diesem Sinne auch als Fitna und Prüfung. Auf der einen Seite steht das natürliche Gefühl der Liebe zu ihnen, auf der anderen Seite die Forderungen von Religion und Glauben. Es wurde dazu aufgefordert, ihnen Liebe zu zeigen und ihre Rechte zu erfüllen. Zugleich wurde jedoch auch diese Warnung ausgesprochen: Die Kinder sind ein Mittel zur Prüfung. Deshalb lasst euch nicht so sehr von der Liebe zu ihnen in Anspruch nehmen, dass ihr die Forderungen von Religion und Glauben vergessen könntet:
إِنَّمَا أَمْوَالُكُمْ وَأَولادكم فنتة ، التغابن : ١٥
„Die Wahrheit ist, dass euer Besitz und eure Kinder für euch eine Prüfung sind.“ – Sure at-Taghabun: 15
An anderer Stelle heißt es:يأَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوا لا تُلْهِكُمْ أَمْوَالُكُمْ وَلَا أَوْلَادُكُمْ عَنْ ذِكْرِ اللَّهِ ، وَمَنْ يَفْعَلُ
ذالِكَ فَأُولَئِكَ هُمُ الْخَسِرُونَ المنافقون : ٩„O ihr Gläubigen! Lasst euch euer Besitz und eure Kinder nicht vom Gedenken an Allah ablenken. Und diejenigen, die dies tun, sind die großen Verlierer.“ – Sure al-Munāfiqūn: 9
Die Bedeutung dieses Verses ist, dass die Heuchler in der Liebe zu Besitz und Kindern gefangen waren. Sie waren von materiellen Wünschen gebannt und hatten im Tausch gegen diese Welt das Jenseits vergessen. Und genau darin liegt der größte Verlust: dass der Mensch wegen der vergänglichen Welt der unermesslichen Gaben des ewigen Lebens beraubt wird. Deshalb sollten die Muslime in dieser Hinsicht vorsichtig sein.
Einmal hielt der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in der Prophetenmoschee eine Predigt. In diesem Augenblick kamen Hasan, möge Allah mit ihm zufrieden sein, und Husain, möge Allah mit ihm zufrieden sein, in roten Gewändern in die Moschee. Sie waren noch sehr klein. Nur mühsam kamen sie stolpernd auf ihren Füßen voran. Der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, konnte dies nicht ertragen. Er stieg von der Kanzel herab, nahm seine beiden Enkel auf den Arm und setzte sie neben sich. Dann sagte er: Allah hat wahrlich gesagt:
إِنَّمَا أَمْوَالُكُمْ وَأَوْلَادُكُمْ فِتْنَةٌ – التغابن : ١٥„In Wahrheit sind euer Besitz und eure Kinder nur eine Prüfung für euch.“ – Sure at-Taghābun: 15
Khawla bint Hakim, möge Allah mit ihr zufrieden sein, war eine äußerst fromme Frau. Sie berichtete: Eines Tages trat der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nach draußen. Er trug eines seiner Enkelkinder auf dem Arm und sagte zu ihm: „Ihr macht die Menschen geizig, ihr macht die Menschen feige, und ihr stürzt die Menschen in Unwissenheit und Torheit.“ – Jāmiʿ at-Tirmidhī
Die Wahrheit ist, dass durch Kinder und Nachkommen verschiedene Arten von Schwäche im Menschen entstehen. Ihretwegen schwindet seine Tapferkeit, und er wird feige. In vielen Fällen lässt er sich von seinem weiteren Voranschreiten abschrecken. Möge Allah davor bewahren – wenn das Ende schlecht ausfällt, was wird dann aus den Kindern? Er gibt unter großer Vorsicht Geld aus und berücksichtigt ihre Bedürfnisse; ihretwegen lässt er sich jedoch bisweilen von seinen Gefühlen mitreißen und begeht törichte und unverständige Handlungen.
Der Islam betrachtet das Gefühl der Liebe zu den Kindern nicht als etwas Geringes und verbietet es auch nicht. Vielmehr bezeichnet er es als etwas Liebenswertes und zielgerichtet Sinnvolles und ermutigt dazu. Der Islam legt in dieser Angelegenheit jedoch unbedingt Nachdruck darauf, dass der Muslim seine Kinder im Licht des Dīn lieben soll. Er muss die Weisungen des Dīn in dieser Hinsicht unbedingt beachten und darf keinesfalls eine Haltung einnehmen, die Allah missbilligt.
عَنْ أَنَسٍ قَالَ دَخَلْنَا مَعَ رَسُولِ الله صلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ عَلَى أَبي سيف القَيْنِ وَكَانَ ظَرًا لإبراهيم فَأَخَذَ رَسُولُ اللهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ فَقَبْلَهُ وشمه ثُمَّ دَخَلْنَا عَلَيْه بعد ذالك وإبراهيم يجودُ بِنَفْسِهِ فَجَعَلْتُ عَيْنَا رَسُول الله صَلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ تَنْرَفَانِ فَقَالَ لَهُ عَبْدُ الرَّحْمَنِ بْنِ عَوْفِ وَأَنْتَ يا رَسُولَ اللهِ فَقَالَ يَا ابْنَ عَوْفِ إِنَّهَا رَحْمَةٌ ثُمَّ اتَّبَعَهَا بِأُخْرِى فَقَالَ إِنَّ الْعَيْنَ تدمع والقلب يَحْزُنُ وَلَا نَقُولُ إِلا ما يرضى رَبُّنَا وَإِنَّا بِفِرَاقِكَ يَا إِبْرَاهِيمُ لمحزونون – بخاری، مسلم„Anas, möge Allah mit ihm zufrieden sein, berichtete: Wir gingen mit dem edlen Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zum Haus von Abū Saif, dem Schmied. Abū Saif war der Ehemann der Amme des Sohnes des Propheten, Ibrāhīm, möge Allah mit ihm zufrieden sein. Der geliebte Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nahm seinen Sohn auf den Arm, liebkoste ihn und roch an ihm (das heißt, er legte seine Nase und seinen Mund auf besondere Weise an dessen Gesicht, als ob er an ihm riechen würde). Als wir danach wieder zu ihm kamen, rang Ibrāhīm mit dem Tod, und aus den beiden Augen des Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, tropften Tränen. Als ʿAbd ar-Rahmān ibn ʿAuf, möge Allah mit ihm zufrieden sein, dies sah, sagte er zum geliebten Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm: ‚O Gesandter Allahs! Auch du weinst?‘ Er sagte: ‚Ibn ʿAuf! Diese Tränen sind ein Zeichen der Barmherzigkeit.‘ Und seine Tränen liefen weiter. Er sagte: ‚Das Auge weint Tränen, und im Herzen ist Trauer. Wir sagen mit unserer Zunge nur das, was unser Herr wohlgefällig findet. O Ibrāhīm, wir sind über deine Trennung wahrlich traurig.‘“
Ein rauer Umgang mit den Kindern
Manche Menschen halten es für unvereinbar mit Frömmigkeit, mit den Kindern zu lachen und zu spielen, sich mit ihnen zu beschäftigen, sie auf dem Arm zu füttern, sie zu küssen und zu liebkosen. Ihrer Ansicht nach verlangt Frömmigkeit und Ernsthaftigkeit, dass man darauf verzichten müsse, mit den Kindern fröhlich und heiter zu sprechen. Man müsse von den Kindern getrennt und fernbleiben. Statt mit ihnen Umgang zu pflegen, müsse man ihnen gegenüber Beziehungslosigkeit zeigen und eher Härte und Rauheit als Liebe zum Ausdruck bringen.
Der Islam unterstützt solche Vorstellungen keineswegs. Dies ist die Folge religiöser Vorstellungen und eines Mangels an richtigem Verständnis der Religion. Im Gegenteil geht aus der Führung und dem Verhalten des edlen Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, klar hervor, dass es eine lobenswerte Handlung ist, den Kindern Zuneigung und Liebe zu zeigen. Das Herz dessen, der seine eigenen Kinder nicht liebt, ist gewiss frei von Barmherzigkeit und Mitgefühl. Kinder sind eine Quelle der Herzensfreude. Ihnen Zuneigung und Liebe zu zeigen, wird ein Mittel zum Erfolg im Jenseits sein. Und der Entzug davon bedeutet, dass man Allahs Barmherzigkeit entzogen ist.
Das Küssen des Kindes ist ein Grund für Allahs Barmherzigkeit
عَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ قَالَ قَبْلَ رَسُولُ اللهِ صلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ الْحَسَنَ بْنَ عَلِي رضي الله عَنْهُ وَعِندَهُ الأقرع بن حابس التَّمِعِي جَالِسٌ فَقَالَ الْأَقْرَعُ إِنْ لي عشرَةً مِّنَ الْوَلَدِ مَا قَبلْتُ مِنْهُمْ أَحَدًا فَنَظَرَ إِلَيْهِ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ ثُمَّ قَالَ مَنْ لا يرحم لا يرحم .
„Von Abu Huraira, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, wird berichtet, dass der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, seinen Enkel Hasan ibn Ali, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, küsste und liebevoll behandelte. Zu jener Zeit saß auch al-Aqraʿ ibn Habis dort. Er sagte: ‚Ich habe zehn Kinder, aber ich habe noch nie auch nur eines von ihnen liebevoll behandelt.‘ Der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sah ihn an und sagte: ‚Wer kein Erbarmen zeigt, dem wird auch kein Erbarmen erwiesen.‘
Das Küssen und liebevolle Behandeln der eigenen Kinder ist also ein Zeichen von Barmherzigkeit und Güte. Nur diejenigen küssen und liebevoll behandeln ihre Kinder, in deren Herzen Allah Barmherzigkeit gelegt hat. Und Allah erbarmt sich nur derjenigen, die anderen Barmherzigkeit erweisen. Wer anderen kein Erbarmen zeigt, wird selbst des Erbarmens beraubt.
عنْ أَسَامَةَ بْنِ زَيْدٍ قَالَ أَرْسَلَتِ ابْنَةُ النَّبِيُّ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ إِلَيْهِ إِنْ ابنا لي قبض فَاتِنَا فَارْسل يُقْرِئُ السَّلام وَيَقُولُ إِنَّ لِلَّهِ مَا أَخَذَ وَلَهُ مَا أعطى وكُلَّ عِندَه بَأجَلٍ مُسَمًّى فَلْتَصْبِرُ وَلتَحْتَسِبْ فَأَرْسَلَتْ إِلَيْهِ تُقْسِمُ عَلَيْهِ ليَأْتِيَنَّهَا فَقَامَ وَمَعه سعد بن عبادة ومعاذ بن جبل وأبي بن كعب وزيد بن ثَابِتٍ وَرِجَالٌ فَرُفِعَ إِلَى رَسُولِ اللهِ صلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ الصَّبِيُّ وَنَفْسَهُ تتقعقع ففاضت عيناهُ فَقَالَ سَعد يا رَسُولَ اللَّهِ مَا هُذَا ؟ فَقَالَ هَذِهِ رَحْمَةٌ جَعَلَهَا اللهُ فِي قُلُوبِ عِبَادِهِ فَإِنَّمَا يَرْحَمُ اللَّهُ مِنْ عِبَادِهِ الرَّحَمَاء – بخاری مسلم
„Usama ibn Zaid, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, berichtet: Die Tochter des geliebten Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Zaynab, Allahs Wohlgefallen sei auf ihr, sandte einen Boten, um ihn zu holen, und ließ ihm ausrichten: ‚Mein Kind liegt im Sterben. Bitte komm zu uns und bleibe noch eine Weile bei uns.‘ Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ließ dem Boten ausrichten: ‚Überbringe meinen Friedensgruß und sage: Allah gehört, was Er genommen hat, und Ihm gehört auch, was Er gegeben hat. Alles hat bei Ihm eine bestimmte Frist. So bewahre Geduld und erhoffe dafür Lohn und Belohnung.‘ – Überliefert bei al-Buchari und Muslim
Zaynab, Allahs Wohlgefallen sei auf ihr, ließ ihn erneut rufen und beschwor ihn: „Du musst unbedingt kommen.“ Daraufhin erhob er sich, um zu seiner Tochter zu gehen. Bei ihm waren Saʿd ibn ʿUbada, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, Muʿadh ibn Jabal, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, Ubayy ibn Kaʿb, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, Zayd ibn Thabit, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, sowie einige weitere Männer. Als er das Haus von Zaynab, Allahs Wohlgefallen sei auf ihr, erreichte, wurde ihm das Kind auf den Schoß gelegt. In diesem Augenblick rang es mit dem Tod. Als er dies sah, liefen ihm Tränen aus den Augen. Saʿd, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, fragte: „O Gesandter Allahs, was ist das? Auch du weinst.“ Er sagte: „Dies ist Barmherzigkeit, die Allah in die Herzen Seiner Diener gelegt hat, damit sie einander Barmherzigkeit erweisen.“
Keine Zuneigung gegenüber dem Kind zu zeigen, ist nichts anderes als Herzlosigkeit
عنْ عَائِشَةَ رَض قَالَتْ جَاءَ أَعْرَابِيُّ إِلَى النَّبِيِّ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ فَقَالَ اتقبلون الصبيانَ فَمَا نُقَبِلُهُمْ فَقَالَ النَّبِيِّ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ أَوَ أَمْلِكُ لَكَ أَنْ نَزَعَ اللهُ مِنْ قَلْبِكَ الرحمة – بخاری، مسلم
„ʿAischa, Allahs Wohlgefallen sei auf ihr, sagte: Ein Beduine kam zum edlen Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und sagte: ‚Küsst ihr die Kinder und behandelt sie liebevoll? Wir küssen die Kinder nicht.‘ Als der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, dies hörte, sagte er: ‚Was kann ich dafür, wenn Allah die Barmherzigkeit aus euren Herzen entfernt hat?‘ – Überliefert bei al-Buchari und Muslim
Kinder nicht zu küssen und ihnen keine Zuneigung zu zeigen, ist keineswegs gut. Vielmehr ist es ein Zeichen von Herzlosigkeit. Kinder nicht liebevoll zu behandeln bedeutet, dass Allah die Quelle der Barmherzigkeit aus dem Herzen entfernt hat. Wenn die Quelle der Barmherzigkeit noch vorhanden ist, wird ein Mensch sein eigenes Kind gewiss liebevoll behandeln.
Das Tragen des Kindes auf dem Arm
عَنْ عَدِي بْنِ ثَابِت قَالَ سَمِعْتُ الْبَرَاء يَقُولُ رَأَيْتُ النَّبِيُّ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وسَلَّمَ وَالْحَسَنُ صَلوتُ اللهِ عَلَيْهِ عَلَى عَاتِقِهِ وَهُوَ يَقُولُ اللَّهُمَّ إِنِّي أَحِبُّهُ فاحبه„Hazrat Adī ibn Thābit, möge Allah mit ihm zufrieden sein, sagte: Ich hörte Hazrat al-Barāʾ, möge Allah mit ihm zufrieden sein, sagen: ‚Ich sah den Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, wie Hazrat Hasan, möge Allah mit ihm zufrieden sein, auf ihm ritt, und er sagte: O Allah, ich liebe ihn, so liebe auch Du ihn.‘“
Einmal ritt entweder Hazrat Hasan, möge Allah mit ihm zufrieden sein, oder Hazrat Husain, möge Allah mit ihm zufrieden sein, auf seinem Nacken. Ein Mann sah dies und sagte: „Oh, er hat ein schönes Reittier bekommen!“ Als der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, dies hörte, sagte er: „Und der Reiter ist ebenfalls ein vortrefflicher Reiter.“ – Sīrat an-Nabī, zweiter Band
Hazrat Usāma ibn Zaid, möge Allah mit ihm zufrieden sein, sagte: Der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nahm mich auf den Arm, setzte mich auf einen Oberschenkel und Hazrat Hasan, möge Allah mit ihm zufrieden sein, auf den anderen, drückte uns beide an seine Brust und sagte: „O Allah, erbarme Dich dieser beiden. Ich erweise ihnen Barmherzigkeit.“ – al-Buchārī
Er liebte Hazrat Hasan und Hazrat Husain, möge Allah mit ihnen zufrieden sein, sehr. Er sagte: „Diese beiden sind die Juwelen an meiner Kehle.“ Wenn er zum Haus seiner Tochter ging, sagte er: „Bringt mir meine Kinder.“ Wenn sie gebracht wurden, nahm er sie auf den Arm, küsste sie und drückte sie an seine Brust. – Sīrat an-Nabī, zweiter Band
Hazrat Husain, möge Allah mit ihm zufrieden sein, nahm er häufig auf den Arm und liebkoste ihn, indem er sein Gesicht an dessen Gesicht legte. Er sagte: „O Allah, ich liebe ihn, und ich liebe auch denjenigen, der ihn liebt.“ – Sīrat an-Nabī, zweiter Band
Die Liebe des Gesandten zu seinen Kindern
Hazrat Anas, möge Allah mit ihm zufrieden sein, war der besondere Diener des geliebten Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Tag und Nacht war er mit seinem Dienst beschäftigt. Er sagte: Er habe den edlen Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, niemanden so sehr lieben sehen wie seine Verwandten. – Sīrat an-Nabī, zweiter Band
Es war die feste Gewohnheit des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, dass er, wann immer er verreiste, als Letztes das Haus seiner geliebten Tochter Hazrat Fatima, Allahs Wohlgefallen sei auf ihr, aufsuchte. Nach seiner Rückkehr verrichtete er zunächst zwei Gebetseinheiten in der Moschee und begab sich anschließend zum Haus von Hazrat Fatima, Allahs Wohlgefallen sei auf ihr.
Einmal kam es wegen einer Angelegenheit zu einer Verstimmung zwischen Hazrat Fatima, Allahs Wohlgefallen sei auf ihr, und Hazrat Ali, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm. Als der geliebte Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, davon erfuhr, ging er zu ihnen nach Hause und versöhnte die beiden. Als er danach wieder herauskam, war er sehr fröhlich. Die Leute fragten: „O Gesandter Allahs! Als du das Haus betreten hast, warst du sehr besorgt. Doch als du wieder herauskamst, warst du überaus glücklich.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Ja, ich habe diese beiden miteinander versöhnt. Ich liebe sie sehr.“ – Sīrat an-Nabī, zweiter Band
Einmal äußerte Hazrat Ali, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, den Wunsch, eine zweite Ehe einzugehen. Als der geliebte Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, davon erfuhr, war er sehr betrübt. Er ging unverzüglich zur Moschee und hielt eine Predigt. Darin erwähnte er seine Missbilligung und sagte: „Fatima ist meine geliebte Tochter und ein Stück meines Herzens. Wer ihr Leid zufügt, fügt mir Leid zu.“ – al-Buchari
Der Ehemann von Hazrat Zainab, Allahs Wohlgefallen sei auf ihr, Abul As, wurde nach seiner Gefangennahme in der Schlacht von Badr hergebracht. Es wurde beschlossen, diese Gefangenen gegen Lösegeld freizulassen. Abul As besaß nicht die Mittel, das Lösegeld zu bezahlen. Daher ließ er zu seinem eigenen Haus die Nachricht schicken, man solle ihm Geld für sein Lösegeld senden. Seine hingebungsvolle Ehefrau schickte daraufhin unverzüglich die Halskette, die ihr ihre Mutter Hazrat Chadidscha, Allahs Wohlgefallen sei auf ihr, geschenkt hatte. Abul As bot diese Halskette als Lösegeld an. Als die Halskette vor den geliebten Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gebracht wurde, geriet er in große Unruhe. Tränen liefen ihm aus den Augen. Er wandte sich an die Gefährten und sagte: „Wenn ihr einverstanden seid, könnte man diese Halskette Zainab zurückgeben?“ Die Gefährten sagten: „Gewiss, gib sie zurück.“ Daraufhin gab er die Halskette Hazrat Zainab, Allahs Wohlgefallen sei auf ihr, zurück.
Der jüngste Sohn des geliebten Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Hazrat Ibrahim, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, wuchs bei einem Schmied namens Abu Yusuf in einem Vorort von Medina auf. Der Prophet ging oft zu Fuß dorthin. Abu Yusuf war Schmied, weshalb das Haus voller Rauch war. Der Prophet setzte sich mitten in diesen Rauch, nahm das Kind auf den Schoß und liebkoste es. Danach kehrte er nach Medina zurück. – Sīrat an-Nabī, zweiter Band
Einmal war der geliebte Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, unterwegs. Hazrat Husain, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, spielte auf der Straße. Der Prophet breitete beide Arme voller liebevoller Zuneigung aus, damit Hazrat Husain, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, zu ihm kam. Hazrat Husain kam lachend auf ihn zu und wich dann schelmisch wieder zurück. Schließlich fing er ihn, legte eine Hand unter sein Kinn und die andere auf seinen Kopf und drückte ihn an seine Brust. Dann sagte er: „Husain gehört zu mir, und ich gehöre zu Husain.“ – Sīrat an-Nabī, zweiter Band, mit Überlieferung von al-Buchari
Hazrat Zainab, Allahs Wohlgefallen sei auf ihr, hatte eine geliebte kleine Tochter. Ihr Name war Umama. Der geliebte Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, liebte Umama sehr. Sie war fast immer beim Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, wenn er betete. Wenn er zum Gebet aufstand, kletterte sie auf seine Schulter. Während der Verbeugung setzte er sie hinunter. Wenn er sich wieder aufrichtete, kletterte sie erneut auf ihn.
Einmal schickte jemand dem Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, einige Dinge als Geschenk. Darunter befand sich auch eine goldene Halskette. Zu jener Zeit spielte sie dort. Der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Diese Halskette werde ich derjenigen geben, die mir in diesem Haus am liebsten ist.“ Die Frauen des Hauses dachten, er werde sie Hazrat Aischa, Allahs Wohlgefallen sei auf ihr, geben. Doch er rief Umama zu sich und legte ihr die Halskette eigenhändig mit seiner heiligen Hand um den Hals. – Sīrat an-Nabī, zweiter Band
Die mütterliche Zuneigung und die Entscheidung des Propheten, Allahs Segen und Friede seien auf ihm
Zur Zeit des Propheten, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, ließ sich ein Mann von seiner Frau scheiden und wollte das kleine Kind bei sich behalten. Der Zustand der Mutter war unbeschreiblich. Einerseits litt sie unter der Trennung von ihrem Ehemann, andererseits unter dem Schmerz, dass man ihr ihr kleines Kind wegnehmen wollte. In dieser leidvollen Lage erschien die Frau mit ihrer Klage beim Propheten der Barmherzigkeit für die Welten, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, und trug dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, ihren Fall in äußerst bewegenden Worten vor:
„O Gesandter Allahs! Mein Ehemann hat sich von mir scheiden lassen und mich von sich getrennt. Nun will er mir auch noch dieses geliebte Kind entreißen. O Gesandter Allahs! Es ist ein Stück meines Herzens. Mein Leib war seine Ruhestätte. Meine Brust ist für ihn wie ein Wasserschlauch, und mein Schoß ist für ihn wie ein Zuhause. O Gesandter Allahs! Wie soll ich diesen Schmerz ertragen?“
Nachdem er die Klage der Frau gehört hatte, sagte der Prophet der Barmherzigkeit für die Welten, Allahs Segen und Friede seien auf ihm: „Solange du nicht erneut heiratest, kann dir niemand dein Kind wegnehmen.“ – Abu Dawud: Kitab at-Talaq
Der Wunsch von Hazrat Yaqub, Friede sei mit ihm
Hazrat Anas, Allah sei mit ihm zufrieden, berichtet: Einmal erzählte der edle Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, eine Begebenheit. Er sagte: Einst fragte jemand Hazrat Yaqub, Friede sei mit ihm: „O Ehrwürdiger! Aus welchem Grund wird deine Sehkraft schwächer, und warum krümmt sich dein Rücken?“ Hazrat Yaqub, Friede sei mit ihm, antwortete: „Meine Sehkraft ist durch die Sorge um Yusuf, Friede sei mit ihm, schwach geworden, und mein Rücken hat sich durch die Sorge um seinen Bruder Binyamin gekrümmt.“ Da kam sogleich Hazrat Jibril, Friede sei mit ihm, zu Hazrat Yaqub, Friede sei mit ihm, und sagte: „Bringst du etwa eine Klage gegen Allah vor?“ Hazrat Yaqub, Friede sei mit ihm, sagte: „Nein, vielmehr trage ich Allah meine Not und mein Leid vor.“ Hazrat Jibril, Friede sei mit ihm, sagte: „Allah weiß sehr wohl von dem Leid, das du geschildert hast.“ Danach ging Jibril, Friede sei mit ihm, fort. Hazrat Yaqub, Friede sei mit ihm, betrat sein Zimmer und begann zu sagen: „O mein Herr! Erbarmst du dich nicht eines alten Mannes? Du hast mir mein Augenlicht genommen und auch meinen Rücken gekrümmt. O mein Herr! Gib mir meine beiden Blumen zurück, damit ich sie nur riechen kann. Danach verfahre mit mir, wie Du willst.“ Da kam Hazrat Jibril, Friede sei mit ihm, erneut und sagte: „O Yaqub! Allah, der Erhabene, lässt dich grüßen und sagt: Yaqub, freue dich! Selbst wenn deine beiden Söhne gestorben wären, hätte Ich sie dir zuliebe wieder zum Leben erweckt, damit du sie sehen und deine Augen an ihnen erfreuen kannst.“ – Targhib wa Tarhib: dritter Band
Die Klage einer Mutter beim Gesandten
Eine Frau kam zum Dienst des Propheten, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, und begann zu klagen: „O Gesandter Allahs! Ich habe einen Sohn. Bei vielen Arbeiten hilft er mir. Da ich eine Frau bin, kann ich nicht draußen arbeiten. Er holt mir Wasser aus dem Brunnen und erledigt auch andere Arbeiten außerhalb des Hauses. O Gesandter Allahs! Mein von mir getrennt lebender Ehemann will mir nun auch dieses Kind wegnehmen.“
Nachdem der geliebte Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, die Klage der Frau gehört hatte, entschied er: „Gut, dann lost. Wer bei der Auslosung gezogen wird, nimmt den kleinen Sohn mit sich.“ Der Vater des Sohnes sagte: „O Gesandter Allahs! Er ist mein Sohn. Wie kann jemand anderes Anspruch darauf erheben, ihn mitzunehmen? Und wie kann jemand anderes ihn mitnehmen, solange ich da bin?“
Nachdem der edle Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, die Worte beider Eltern angehört hatte, wandte er sich an den Sohn und sagte: „Mein Junge! Dieser ist dein Vater und diese ist deine Mutter. Geh mit demjenigen fort, dessen Hand du ergreifst. Diese Freiheit hast du.“ Der Sohn erhob sich von seinem Platz, ging zu seiner Mutter und ergriff ihre Hand.
Die Erziehung und Ausbildung des Kindes
Auch das körperliche Wachstum und die Versorgung sind ein wichtiges Recht des Kindes. Wenn Sie jedoch trotz der Erfüllung dieses Rechts seine Bildung, Erziehung, guten Umgangsformen und Zivilisiertheit vernachlässigen, begehen Sie großes Unrecht. Ohne Bildung und Erziehung kann Ihr Kind kein wirkliches Kind sein. Die heiligen Wünsche, derentwegen Sie sich ein Kind wünschen, und die guten Hoffnungen, zu deren Verwirklichung Sie Tag und Nacht Zeit für seine Pflege aufwenden, können erst erfüllt werden, wenn Sie das Recht des Kindes auf religiöse Bildung und moralische Erziehung erfüllen.
Ein Kind zu einem rechtschaffenen und glücklichen Menschen heranzubilden, ist einerseits Ihre religiöse Pflicht. Ebenso gehört es zu den Rechten der Kinder, ihnen Liebe zu zeigen. Tatsächlich besteht das wichtigste aller Kinderrechte darin, dass Sie ihre Erziehung mit größter Weisheit, Überlegung, Geduld, Pflichtbewusstsein, Großzügigkeit, gutem Geschmack, Ermutigung, Begeisterung und Hingabe sicherstellen. Erst wenn Sie dieses Recht des Kindes erfüllen, dürfen Sie hoffen, dass Ihr Kind für Sie ein Grund des Friedens, für die Gesellschaft ein Mittel der Barmherzigkeit, für die Umma eine Quelle des Stolzes und für die Religion ein wertvoller Besitz werden kann. Wenn Sie selbst nach dem erheblichen Einsatz von Lebenskraft und Vermögen für die Versorgung Ihrer Kinder ihre Erziehung vernachlässigen, begehen Sie ein schwerwiegendes soziales Verbrechen. Die Folgen dieses Verbrechens sind äußerst verhängnisvoll.
Der besondere Anteil der Mutter an Bildung und Erziehung
Zweifellos liegt die Verantwortung für die Bildung und Erziehung des Kindes nicht allein bei Ihnen. Beide Eltern tragen Verantwortung. Die Erziehung durch den Vater ist ebenso besonders notwendig wie die Erziehung durch die Mutter. Vielmehr hat der Islam die finanziellen Aufwendungen in dieser Angelegenheit vollständig dem Vater auferlegt. Die Mutter wurde von dieser Verantwortung entbunden. Dennoch steht fest, dass die Tätigkeit der Mutter bei der Versorgung und Erziehung des Kindes von besonderer Bedeutung ist. Sie leistet dabei den größten Teil der Anstrengungen. So wie die hingebungsvolle Fürsorge der Mutter für die körperliche Pflege und Versorgung des Kindes notwendig ist, hat sie auch an seiner Bildung und Ausbildung einen besonderen Anteil. Durch die Erziehung der Mutter wird das Kind zu einem Menschen, der geeignet ist, die Ehre des Landes und der Nation zu mehren. Zugleich finden auch die Eltern Glück und Wohlergehen.
Der Vater ist die meiste Zeit mit dem Erwerb des Lebensunterhalts und der Deckung der Bedürfnisse des Lebens beschäftigt. Deshalb verbringt er den größten Teil seiner Zeit ohne engen Kontakt zu den Kindern. Obwohl er es möchte, hat er nicht die Gelegenheit, ihren Unterricht und ihre Erziehung angemessen zu betreuen. Von Natur aus erhält die Mutter in dieser Hinsicht weit mehr Möglichkeiten. Gewöhnlich ist sie ständig bei den Kindern. Ihr ganzes Leben und jeder Aspekt ihrer Persönlichkeit liegen vor ihren Augen. Weil sie immer bei ihnen ist, haben die Kinder keine Angst vor ihrer Mutter. Aufgrund ihrer außergewöhnlich sanften Art, ihrer Geduld und ihrer beispiellosen mütterlichen Liebe sind die Kinder furchtlos und gehorsam gegenüber ihrer Mutter. Ohne Angst und frei äußern sie ihr gegenüber alle Arten von Forderungen, Protesten und Unfug. Auf diese Weise kommen all ihre Fähigkeiten sowie ihre guten und schlechten Kräfte zum Vorschein. Dadurch wird die Aufgabe ihrer Korrektur und Erziehung leicht möglich. Dennoch hat Allah, der Erhabene, der Mutter im Vergleich zum Vater mehr von der Geduld, Opferbereitschaft, Großzügigkeit, Zuneigung, Liebe und den moralischen Eigenschaften gegeben, die für Erziehung und Korrektur erforderlich sind. Der Vater wird sehr schnell ungeduldig und zornig. Die Mutter hingegen bewahrt bis zuletzt Geduld, Barmherzigkeit, Zuneigung und gutes Benehmen und ist erfolgreicher darin, die inneren Empfindungen der Kinder zu wecken. Wenn der Vater über die Fehler des Kindes zornig wird, erklärt er sich unzufrieden und sagt den Abbruch der Beziehung an. Die Mutter dagegen nimmt das Kind an ihre Brust und bemüht sich bis zum letzten Augenblick mit ganzem Herzen und voller Hingabe darum, es zu bessern und ihm Würde zu verleihen.
Die Veränderung des Schicksals durch die Erziehung einer großartigen Mutter
Eine Karawane von Kaufleuten zog in Richtung Bagdad. Bei ihnen befand sich auch ein junger Mann. Seine Mutter hatte ihn mit einigen Anweisungen mit der Karawane geschickt, damit er sicher und wohlbehalten sein Ziel erreichte, Wissen über den Dīn erwarb und den Dienern Allahs Allahs Gebote verkündete und ihnen das Licht zeigte.
Die Karawane zog ganz unbeschwert weiter. Unterwegs griff eine Räuberbande die Karawane an. Die Teilnehmer der Karawane unternahmen viele Anstrengungen, um ihre Habseligkeiten zu schützen. Doch ihre Bemühungen bewirkten bei den Räubern nichts. Auch auf ihre vielfältigen Bitten um Gnade hörten die Räuber nicht. Sie raubten jedem Mitglied der Karawane alles, was es besaß. Nachdem die Räuber ihre Arbeit beendet hatten, fragte einer von ihnen den besorgten jungen Mann:
Räuber: „Junge, hast du etwas bei dir?“
Junger Mann: „Ja. Ich habe vierzig Dinar bei mir.“
Räuber: „Du hast vierzig Dinar bei dir?“ (Der Räuber konnte es nicht glauben. Woher sollte dieser arme, völlig mittellose Junge vierzig Dinar haben? Und wenn er sie tatsächlich besaß, warum sagte er es uns? Der Räuber dachte lange nach und brachte diesen ungewöhnlichen jungen Mann zu ihrem Anführer.)
Räuber: „Anführer, seht euch diesen Jungen an. Er sagt, er habe vierzig Ashrafi bei sich.“
Anführer: „Junger Herr, hast du wirklich Dinar bei dir?“
Junger Mann: „Ja. Ich habe vierzig Dinar bei mir.“
Anführer: „Gut, wo hast du deine Dinar aufbewahrt?“ Der Anführer betrachtete den armen Jungen mit erstaunter Miene.
Junger Mann: „Ja, ich habe einen Beutel um meine Taille gebunden. Die Dinar befinden sich darin.“
Der Anführer nahm den Beutel von der Taille des jungen Mannes, öffnete ihn und zählte nach; tatsächlich befanden sich darin vierzig Dinar. Der Anführer starrte den jungen Mann einige Zeit fassungslos an. Dann sagte er: „Junger Herr, wohin gehst du?“
Junger Mann: „Ich gehe nach Bagdad, um Wissen über den Dīn zu erwerben.“
Anführer: „Kennst du dort jemanden?“
Junger Mann: „Nein. Es ist eine fremde Stadt. Meine Mutter hat mir vierzig Dinar gegeben, damit ich unbesorgt Wissen über den Dīn erwerben kann. Wer wird in dieser fremden Stadt auf meine Bedürfnisse achten? Und warum sollte ich von anderen abhängig sein?“ Der Anführer hörte dem jungen Mann mit größtem Interesse und Erstaunen zu.
Seine Unruhe nahm zu, und er fragte sich, warum der junge Mann die Dinar nicht verborgen hatte. Wenn er nichts gesagt hätte, wäre keinem seiner Gefährten auch nur der Gedanke gekommen, dass dieser besorgte und arme junge Mann noch etwas besitzen könnte. Warum hatte der junge Mann nicht bedacht, dass er an einen fremden Ort ging? Seine Zukunft und seine Ausbildung hingen von diesem Geld ab. Warum hatte er dieses Geld letztlich nicht verborgen? Die Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit des jungen Mannes rief in seinem Herzen viele Fragen hervor. Er fragte: „Junger Herr, warum hast du dieses Geld nicht verborgen? Wenn du nichts gesagt und es abgestritten hättest, hätten wir nicht einmal vermutet, dass du noch Geld bei dir haben könntest.“
Der junge Mann: Als ich das Haus verließ, ermahnte mich meine Mutter: „Mein Sohn, was auch immer geschieht, lüge niemals.“ Wie könnte ich den Befehl meiner Mutter übertreten?
Im Inneren des Anführers erwachte sein Gewissen. Er begann zu denken: Dieser junge Mann ist trotz des unausweichlichen Untergangs seiner Zukunft nicht bereit, den Befehl seiner Mutter zu missachten – und ich trete seit langer Zeit die Gebote meines Herrn mit Füßen. Er umarmte den jungen Mann, gab ihm seine Dinare zurück, erstattete den Teilnehmern der Karawane ihr Eigentum und begann, sich vor Allah niederzuwerfen und zu weinen. Er bereute wahrhaftig, und Allahs Barmherzigkeit umgab ihn. Dieser Räuber wurde in seiner Zeit zu einem großen Freund Allahs und zu einem Menschen, der das von den Dienern Allahs geraubte Gut unter den Dienern Allahs nach den Grundsätzen der Religion verteilte. Die Erziehung durch die große Mutter verlieh nicht nur dem jungen Mann eine hohe Stellung, sondern veränderte auch das Schicksal der Räuber. Dieser begabte junge Mann ist niemand anderes als Abdul Kadir Dschilani, der in der gesamten islamischen Welt unter dem Namen Abdul Kadir Dschilani, möge Allah ihm barmherzig sein, berühmt ist und dessen Name allein schon das Herz in Ehrfurcht beugt.
Die glänzende Zukunft des Kindes
Jeder wünscht sich eine glänzende Zukunft für sein Kind. Das ist ein angeborenes Verlangen. Allah hat in diese Hoffnung und diesen Wunsch gewaltige Kraft und Anziehungskraft gelegt. Besonders die Eltern sind in dieser Hinsicht sehr besorgt, gefühlvoll und eifrig. Trotz der vielfältigen Beschäftigungen der Welt werden die Eltern diese Sorge niemals los; vielmehr richten sich die meisten ihrer Gedanken und Bemühungen auf das Ziel, dass die Zukunft ihres Kindes prächtig sein möge. Und wahrscheinlich gibt es nur sehr wenige Eltern, die sich nicht um die Zukunft ihres Kindes sorgen.
Der Wunsch nach einer glänzenden Zukunft des Kindes ist ein sehr lobenswerter Wunsch. Aus der Sicht von Wissen und Vernunft, aus gesellschaftlicher Sicht und aus der Sicht der Religion gilt er als ein sehr erhabenes Verlangen. Vielmehr ermutigt der Islam sogar dazu. Er fordert die gläubigen Eltern nachdrücklich auf, die Zukunft ihres Kindes schön und glänzend zu gestalten. Doch die Frage ist, was bedeutet eine glänzende Zukunft des Kindes aus islamischer Sicht?
Die glänzende Zukunft aus islamischer Sicht
Was ist aus islamischer Sicht die glänzende Zukunft eines Kindes? Um die richtige Antwort auf diese Frage zu erhalten, müssen wir über eine damit zusammenhängende Frage nachdenken. Die Frage lautet: Warum wünschen sich muslimische Eltern Kinder? Worin unterscheidet sich ihr Wunsch von dem anderer Eltern? Um diese Bedeutung zu verstehen, müssen wir die Verse des Heiligen Korans über den Propheten Zakariya, Friede sei mit ihm, verstehen:
قَالَ رَبِّ إِنِّي وَهَنَ الْعَظمُ مِنّى وَاشْتَعَلَ الرَّأْسُ شَيْبًا وَلَمْ أَكُنُ بِدُعَائِكَ رَبِّ شقيا واني خفت المولى من ورائي وكانت امرأتِي عَاقِرًا فَهَبْ لِي مِنْ لدنك وليا يرثني ويَرِثُ مِنْ آل يعقوب ، وَاجْعَلْهُ رَبِّ رَضِيا مريم : ٦٤„Der Prophet Zakariya, Friede sei mit ihm, sagte: O mein Herr! Meine Knochen sind bis ins Mark zerfallen, und mein Kopf ist vom Alter ganz weiß geworden. O Allah! Niemals bin ich durch mein Bittgebet zu Dir enttäuscht worden. Ich fürchte nach meinem Tod das schlechte Verhalten meiner Verwandten und Freunde. Und meine Frau ist unfruchtbar. So schenke mir aus Deiner besonderen Gnade einen Erben, der auch mein Erbe sein wird und das Erbe des Hauses Yaqubs erhalten wird. Und o mein Herr, mache ihn zu einem Menschen, der Dir wohlgefällt.“ – Sure Maryam: 4–6
Der Prophet Zakariya, Friede sei mit ihm, und seine Frau Al-Yashba waren beide am Ende ihres Lebensalters angelangt, und ihre Kräfte hatten sie verlassen. In diesem Zustand war der Prophet Zakariya, Friede sei mit ihm, bekümmert bei dem Gedanken, wer nach ihm das Banner seiner Mission tragen und die Verantwortung für den Schutz und die Verbreitung der Religion Allahs übernehmen würde. Er sah, dass die jungen Männer aus der Familie der Propheten abtrünnig und verantwortungslos waren. Es gab nicht einen Einzigen, der der Erbe des Propheten Zakariya, Friede sei mit ihm, hätte werden können. Als er diesen Zustand sah, pflegte er mit gesenktem Haupt zu Allah zu beten.
„O Herrscher! Schenke mir einen Erben, der die Verantwortung für mein Erbe und das Erbe des Hauses Yaqub, Friede sei mit ihm, übernehmen kann. O mein Herr, mache ihn zu einem Diener, der Dir wohlgefällt.“ Der Prophet Zakariya, Friede sei mit ihm, wünschte sich kein Kind, um seine Abstammung fortzuführen. Er wünschte sich auch kein Kind, damit es sein Vermögen und seine Geschäfte verwalte. Vielmehr wünschte er sich ein Kind, das danach die Verantwortung für die Religion übernehmen, ihr wahrer Erbe und ein von Allah bevorzugter Diener werden sollte.
Allah, der Erhabene, erhörte dieses aus der tiefsten Tiefe des Herzens eines gläubigen Vaters aufgestiegene Bittgebet und schenkte ihm einen rechtschaffenen Sohn, für dessen glänzende Zukunft bereits das Buch Allahs selbst Zeugnis ablegt:
وَآتَيْنَهُ الْحُكْمَ صَبِيًّا ، وَحَنَانًا مِّنْ لَّدُنَّا وَزَكُوةً ، وَكَانَ تَقِيًّا وَبَرَا بِوَالِدَيْهِ ولم يكن جباراً عصيان مريم : ١٢-١٤„Wir haben ihm bereits von Kindheit an Weisheit verliehen und ihm von Uns aus einfühlsames Herz und Reinheit gegeben. Er war gottesfürchtig und wahrte die Rechte seiner Eltern. Er war weder hochmütig noch gewalttätig und auch nicht ungehorsam.“
Indem der Heilige Qur’an ein Bild einer erfolgreichen Zukunft zeichnet, hebt er hier einige besondere Eigenschaften des Charakters von Hadhrat Yahya, Friede sei mit ihm, hervor: Weisheit, ein weiches Herz, Reinheit, ein Leben in Gottesfurcht, die Wahrung der Rechte der Eltern sowie ein von Auflehnung und Ungehorsam freies Leben. Weisheit bedeutet die Fähigkeit, richtige Entscheidungen zu treffen. Die Fähigkeit, in Angelegenheiten der Religion und der Welt gründlich nachzudenken und zu einer richtigen Entscheidung zu gelangen, ist eine sehr geschätzte und gute Eigenschaft.
Ein weiches Herz ist nicht nur eine einzelne Tugend, sondern vielmehr die Grundlage vieler moralischer Tugenden. Reinheit bedeutet, dass seine Seele von Sünde, Schamlosigkeit, Irrwegen sowie Unrecht und Unterdrückung frei war. Die Reinheit der Seele ist ein hoher moralischer Rang. Ein Leben in Taqwa, Gottesfurcht und Frömmigkeit ist ein erfolgreiches Leben. Nur ein gottesfürchtiger Mensch kann vor Allah Anspruch auf Ehre und Würde erheben. Die Wahrung der Rechte der Eltern ist ein Vermögen, das den Menschen darauf vorbereitet, in seinem gesellschaftlichen Leben die Rechte erfolgreich zu erfüllen. Nur ein Kind, das gehorsam ist, seinen Eltern dient und ihre Rechte wahrt, kann das Licht ihrer Augen und den Frieden ihrer Herzen sein. Es ist weder aufrührerisch noch ungehorsam.
Betrachten und prüfen Sie im Licht dieser Darstellung des Heiligen Qur’an, was Sie sich wünschen. Was ist Ihr Verlangen? Was erhoffen und erbitten Sie von Ihrem Rabb? Wie stellen Sie sich die glänzende Zukunft Ihres Kindes vor? Wie viel stimmt dieses Bild mit dem Bild des Qur’an überein? Und was unternehmen Sie dafür? Eine glänzende Zukunft bedeutet nicht nur, dass Ihr Kind wohlhabend wird, hohe Abschlüsse erwirbt und bedeutende Ämter bekleidet. Dass es alle Annehmlichkeiten besitzt, Ansehen, Macht und Einfluss in der Welt erlangt, palastartige Gebäude und hochwertige Fahrzeuge hat. Wenn Sie sich all dies für Ihr Kind wünschen oder ihm dabei helfen, es zu erreichen, verbietet der Islam das nicht. Der Islam möchte Sie jedoch dahingehend schulen, dass Ihr Blick nicht auf diese Dinge allein beschränkt bleibt und Sie nicht gerade diese Dinge als den Gewinn einer glänzenden Zukunft betrachten.
Es ist nicht tadelnswert, wenn Sie hoffen, dass Ihr Kind eine hohe Bildung erhält, ein hohes Amt bekleidet, Ansehen und Wohlstand genießt und materiell erfolgreich ist. Auch Ihre Bemühungen dafür sind nicht tadelnswert. Tadelnswert ist vielmehr, diese Welt oder den materiellen Erfolg zum Ziel Ihres Lebens zu machen und gegenüber der Religion und dem Charakter Ihres Kindes achtlos zu werden. Eine muslimische Mutter darf niemals die Wahrheit aus ihrem Bewusstsein verlieren, dass das wahre Leben das Leben im Jenseits ist und dass dieses Leben niemals erlangt werden kann, wenn man dem Iman gegenüber achtlos ist. Die großartige Zukunft Ihres Kindes besteht darin, dass es mit religiöser Bildung ausgestattet wird, in den Angelegenheiten der Religion tiefes Verständnis erlangt, einen reinen Charakter besitzt und die islamische Zivilisation repräsentiert. Es soll bei der Erfüllung gesellschaftlicher Pflichten führend sein. Sein Leben soll ein Beispiel für Reinheit, Gottesfurcht und Frömmigkeit sein. Es soll seinen Eltern gehorsam sein und ihnen dienen. Auch wenn es hohe Ämter im materiellen Leben bekleidet, soll es ein wahrer Vertreter und aufrichtiger Diener der wahren Religion sein.
Der Stellenwert der religiösen Bildung und Erziehung des Kindes
Damit das Leben des Kindes unter diesem Gesichtspunkt erfolgreich wird, müssen Sie der Bildung und Erziehung Ihres Kindes außerordentliche Aufmerksamkeit widmen. Dies ist sowohl im Hinblick auf äußerste Weisheit, aufrichtige Bemühung, Geduld und Standhaftigkeit als auch in den Augen der Gesellschaft ehrenvoll. Dadurch werden Sie sowohl in dieser Welt Ansehen, Würde und guten Ruf erlangen als auch im Jenseits zu denjenigen gehören, denen Ansehen und Würde zuteilwerden. Nach Ansicht des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, besteht das beste Geschenk für ein Kind darin, es mit guter Bildung und Erziehung auszustatten. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte:
مَا تَحِلَّ وَالِدٌ وَلَدَهُ مِنْ نَحْلٍ أَفْضَلَ مِنْ أَدب حسن– „Das Beste, was ein Vater seinem Kind schenken kann, ist eine gute Bildung und Erziehung.“
Eine gute Bildung und Erziehung des Kindes ist Sadaqa Dschariya. Ihre Zeit und Ihre Möglichkeiten zu handeln werden enden. Doch in Ihrem Tatenbuch werden Belohnung und Verdienst weiter zunehmen. Der geliebte Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte:
إِذا مَاتَ الإِنسان انقطع عمله إلا من ثلاث صدقة جارية أو علم ينتفع به، أو ولد صالح يدعوله– „Wenn der Mensch stirbt, endet sein Wirken, außer in drei Fällen: erstens, wenn er eine fortdauernde Almosengabe hinterlassen hat; zweitens, wenn er Wissen hinterlassen hat, von dem die Menschen weiterhin Nutzen ziehen; und drittens, wenn er ein rechtschaffenes Kind hinterlassen hat, das für ihn Bittgebete spricht.“
Einmal sagte der edle Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, dass den Eltern eines Qur’an-Gelehrten am Tag der Auferstehung Kopfbedeckungen aufgesetzt werden. Er sagte:
من قرء الْقُرْآنَ وَعَمِلَ بِهِ اليس والده تاجًا يَوْمَ الْقِيمَةِ ضَوْءَهُ أَحْسَنُ مِنْ ضوء الشمس في بيوت الدنيا فما ظَنَّكُم بِالَّذِي عَمِلَ بِهذا – ابو داود، حاكم„Wer das Wissen über den Koran erlangt und danach handelt, dessen Eltern wird am Tag der Auferstehung eine Kappe aufgesetzt. Ihr Licht wird besser sein als das Licht der Sonne, mit dem sie die Häuser dieser Welt erhellt. Was meint ihr dann wohl über denjenigen, der danach gehandelt hat?“ – Abu Dawud, al-Hakim
In einer Überlieferung von Hazrat Buraida (möge Allah mit ihm zufrieden sein) wird anstelle der Kappe ein Gewand des Paradieses erwähnt. Der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Wer den Koran liest, ihn lernt und danach handelt, dessen Eltern wird am Tag der Auferstehung eine leuchtende Kappe aufgesetzt.
Ihr Licht wird dem Licht der Sonne gleichen, und seinen Eltern werden zwei so kostbare Gewänder angelegt, dass ihr Wert nicht einmal dem der ganzen Welt gleichkommt. Da werden die Eltern erstaunt fragen, wofür ihnen diese Gewänder angelegt werden. Ihnen wird gesagt werden: ‚Dies geschieht als Gegenleistung für das Erlernen des Korans durch euren Sohn.‘“ In diesen Überlieferungen schilderte der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) den unermesslichen Lohn und die Belohnung für die Erziehung der Kinder und ermutigte die Umma, diese Verantwortung wahrzunehmen. Ziel dieser Ermutigung ist, dass kein Haus der Umma die Bildung und Erziehung der Kinder vernachlässigt. Zugleich wies er darauf hin, dass diejenigen Eltern, die diese Verantwortung vernachlässigen, am Tag der Auferstehung streng zur Rechenschaft gezogen werden.
Die Würde des Kindes beachten
عَنِ ابْنِ عَبَّاسٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُمَا عَنِ النَّبِيِّ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ : أَكْرِمُوا أولادكم وأحسنوا أدبهم – ترغيب وترهيب بحو الله ابن ماجه„Von Hazrat Abdullah ibn Abbas (möge Allah mit ihm zufrieden sein) wird überliefert, dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: ‚Begegnet euren Kindern mit Achtung und erzieht und bildet sie gut aus.‘“ – Targhib wa Tarhib
In diesem Hadith legte der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) neben der nachdrücklichen Aufforderung zu guter Bildung und Erziehung auch Wert darauf, den Kindern mit Güte und Achtung zu begegnen. Ja, zuerst wurde dazu aufgefordert, den Kindern mit Würde und Respekt zu begegnen. Danach wurde dazu aufgefordert, sie gut zu bilden und zu erziehen. Für die Eltern ist dies von großer Bedeutung. Der Umgang mit den Kindern in Güte und Achtung ist so wichtig, dass der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zuerst darauf aufmerksam machte. Danach sprach er von guter Bildung und Erziehung. Den Kindern mit Güte und Achtung zu begegnen bedeutet, ihre Würde und ihr Ansehen äußerst sorgfältig zu achten. Man darf ihnen gegenüber weder ein Verhalten zeigen noch Worte gebrauchen, durch die ihr Ehrgefühl verletzt wird und sie sich selbst als minderwertig betrachten. Gewöhnlich wird gerade während der ersten Bildungs- und Erziehungsphase eine solche Vernachlässigung gezeigt, und auf die Würde und das Ehrgefühl des Kindes wird nicht geachtet. Tatsächlich ist die Kindheit die beste Zeit, in der man in den klaren Geist und das reine Herz des Kindes die Vorstellungen einprägen kann, die man ihm vermitteln möchte. Dieses Bild oder diese Vorstellung beeinflusst sein ganzes Leben lang seinen Charakter und seine Taten. Für die Entwicklung des Kindes kommt der grundlegenden Bildung und Erziehung in der frühen Phase eine wesentliche Bedeutung zu.
Bedenken Sie selbst: Wenn sich infolge der falschen Erziehungsmethoden der Eltern oder des Lehrers im Geist eines Kindes die Vorstellung festsetzt, dass es schwach, nutzlos und minderwertig sei, dass es nicht würdig sei, freundlich angesprochen zu werden, dass man ihm nicht mit Achtung begegnen könne und dass man ihm nicht vertrauensvoll eine Aufgabe übertragen könne – dann sagen Sie selbst: Wie können in ihm Eigenschaften wie hohe Ziele, Ehrgefühl, Mut und Selbstvertrauen entstehen? Und wie kann ein solches Kind für Dīn und Millat große Leistungen vollbringen?
Die Eltern müssen ihre eigenen Worte und Taten aufmerksam überwachen und auch hinsichtlich derjenigen, denen sie die Erziehung ihrer Kinder anvertrauen, Gewissheit haben. Das Ehrgefühl und der Sinn für Würde des Kindes sind eine grundlegende Kraft. Wird diese Kraft verletzt, entstehen im Kind die charakterlichen Mängel von Mutlosigkeit, Ängstlichkeit, Minderwertigkeit und mangelndem Selbstvertrauen; von solchen Kindern kann man in Zukunft keine großen Leistungen erwarten.
Prüfen und beurteilen Sie im Licht dieses Ausspruchs des edlen Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) Ihr eigenes Zuhause und ebenso die Bildungs- und Erziehungseinrichtungen. Die grundlegende Voraussetzung für gute Bildung und Erziehung ist, dass Eltern und Lehrer den Kindern mit Güte und Achtung begegnen und kein Wort äußern dürfen, durch das die Würde des Kindes verletzt und sein Ehrgefühl verwundet wird.
Rechenschaftspflicht hinsichtlich der Bildung und Erziehung der Kinder
Der geliebte Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, hat die Aufmerksamkeit auch darauf gelenkt, wie wichtig die Erziehung der Kinder ist. Er sagte: Allah, der Erhabene, wird am Tag der Auferstehung fragen, ob du für die Bildung und Erziehung deiner Kinder gesorgt hast. Die religiöse und moralische Erziehung der Familienmitglieder gehört zu den wichtigsten religiösen Pflichten. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte:
لا يسترعى اللهُ تَبَارَكَ وَتَعَالَى عَبْدًا رَعِيَّةً قَلَّتْ أَوْ كَثْرَتْ إِلَّا سَأَوْلَهُ اللَّهُ تبارك وتعالى عنها يَوْمَ القِيمة أقام فيها أمرَ اللَّهِ تَبَارَكَ وَتَعَالَى أَمْ أَضَاعَهُ حتَّى يَسْأَلُهُ عَنْ أَهْلِ بَيْتِهِ خَاصَّةً„Allah, der Erhabene und Majestätische, setzt keinen Diener als Verantwortlichen über eine Gemeinschaft ein, sei sie groß oder klein, ohne ihn am Tag der Auferstehung danach zu fragen, ob er in ihr Allahs Gebote, der Erhabene und Majestätische, durchgesetzt oder sie vernachlässigt hat. Er wird ihn sogar eigens nach den Angehörigen seines Hauses fragen.“
Der Zeitpunkt, mit Bildung und Erziehung zu beginnen
Der berühmte Chicagoer Pädagoge Francis Willinder Parker hielt einmal einen Vortrag über die Bildung von Kindern. Nach dem Vortrag fragte ihn eine Frau:
„Wann soll ich mit der Bildung meines Kindes beginnen?“
Willinder Parker sagte: „Wann wird Ihr Kind geboren?“
„Geboren werden?“, sagte die Frau erstaunt, „mein Herr, es ist bereits fünf Jahre alt.“
„Dann ist es bereits zu spät. Sie stehen hier und unterhalten sich, während dort fünf kostbare Jahre vergangen sind.“
Das ist keine Geschichte, sondern eine Tatsache. Mit der Geburt des Kindes sollte man sich Gedanken über seine Bildung und Erziehung machen. Die ersten Jahre sind für Bildung und Erziehung äußerst wichtig. Doch gewöhnlich lässt man diese frühen Jahre sorglos verstreichen. Der Sinn darin, dem Kind unmittelbar nach der Geburt den Gebetsruf und die Iqāma ins Ohr zu sprechen, besteht darin, dass von Anfang an Allahs Erhabenheit und Größe in sein Ohr dringen. Allāma Qāwām, Allah erweise ihm Barmherzigkeit, schrieb in seinem Buch „Tuhfat al-Wadūd“:
„Das bedeutet, dass das Ohr des Menschen als Erstes die Stimme von Allahs Erhabenheit und Größe hören soll. Die Bezeugung, durch die er nach seiner Volljährigkeit in den Islam eintritt, sollte ihm bereits am Tag seiner Geburt eingegeben werden, so wie ihm beim Tod das Glaubensbekenntnis der Einheit Allahs eingegeben wird. Der zweite Nutzen des Gebetsrufs und der Iqāma besteht darin, dass der Satan sich versteckt hält und den Menschen von Geburt an einer Prüfung aussetzen will. Sobald er zu dieser Zeit den Gebetsruf hört, flieht er, und noch vor der Einladung des Satans wird das Kind zum Islam und zur Anbetung Allahs eingeladen.
Obwohl das Kind in den ersten Tagen seines Lebens noch nicht sprechen kann, kann es doch wahrnehmen und wird durch Worte beeinflusst. Es lernt vieles aus dem Verhalten seiner Mutter. Deshalb darf man auch in dieser Zeit vor dem Kind keine schlechten Worte gebrauchen und kein unhöfliches Verhalten zeigen. Man soll es durch gute Worte und gute Laute zu einem guten Menschen erziehen. In seiner Nähe sollte der heilige Koran rezitiert werden.
Sobald das Kind zu sprechen beginnt, muss man ihm das Glaubensbekenntnis beibringen und ihm von Anfang an die Lehre von der Einheit Allahs sowie eine richtige Vorstellung von Allahs Eigenschaften vermitteln. In einem Hadith heißt es, dass der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, jedes Kind aus seiner Nachkommenschaft, sobald es sprechen lernte, diesen Vers aus der Sure al-Furqān lehrte:
الَّذِي لَهُ مُلْكُ السَّمَوتِ وَالْأَرْضِ وَلَمْ يَتَّخِذُ وَلَدًا وَلَمْ يَكُن لَّهُ شَرِيكَ في الْمُلْكِ وَخَلَقَ كُلَّ شَيْءٍ فَقَدَّرَهُ تقديرا – الفرقان : ٢„Ihm gehört die Herrschaft über die Himmel und die Erde. Er hat sich kein Kind genommen, und an Seiner Herrschaft ist niemand mit Ihm beteiligt. Er hat alles erschaffen und ihm dann sein bestimmtes Maß festgesetzt.“ – Sure al-Furqān: 2
In einem anderen Hadith heißt es: Wenn das Kind zu sprechen beginnt, soll man ihm das Glaubensbekenntnis beibringen:إِذَا أَفْصَحَ أَوْلَادُكُمْ فَعَلِمُوهُمْ لَا إِلَهَ إِلَّا الله – ابن سنى„Wenn eure Kinder zu sprechen beginnen, dann lehrt sie das Glaubensbekenntnis: Es gibt keinen Gott außer Allah.“
Die Bedeutung des Hadiths ist nicht, dass man ihnen nur „Es gibt keinen Gott außer Allah“ beibringen soll. Damit wird vielmehr auf das Glaubensbekenntnis der Einheit Allahs hingewiesen. Die eigentliche Bedeutung ist: Lehrt sie das vollständige Glaubensbekenntnis: „Es gibt keinen Gott außer Allah; Muhammad ist der Gesandte Allahs.“
Das Lehren des Korans, der Bittgebete und des Gebets
Sobald das Kind etwas mehr Verstand entwickelt und bewusst geworden ist, muss man es mit den Angelegenheiten des Gebets vertraut machen. Was die Koranrezitation im Gebet betrifft, sollte man es schon von klein auf unterrichten und besonders darauf achten, dass die Rezitation korrekt und fehlerfrei ist. Denn wenn ein Kind in jungen Jahren eine fehlerhafte Rezitation erlernt, bleibt seine Rezitation sein ganzes Leben lang fehlerhaft. In diesem Alter muss man auch dafür sorgen, dass es den Heiligen Koran liest. Es soll einige Teile des Heiligen Korans auswendig lernen oder den Koran auswendig lernen, und man soll ihm die Bedeutung und den Sinn einiger Teile in einfacher Weise erklären. Dadurch wird von Anfang an in ihm die Vorstellung vom Heiligen Koran geprägt, dass dieses Buch gründlich verstanden und gelesen werden muss.
Außerdem muss man ihnen die zu verschiedenen Zeiten gelesenen Sunna-Bittgebete beibringen. Gewiss sind Sie bei den häuslichen Arbeiten Tag und Nacht beschäftigt. Doch Ihre Verantwortung ist keineswegs weniger wichtig als die Verantwortung anderer. Machen Sie die Erziehung und Ausbildung der Kinder zu einer schönen Lebensaufgabe und erfüllen Sie diese Verantwortung von Herzen. Unter Berücksichtigung des Alters und der geistigen Fähigkeiten der Kinder müssen Sie ihnen unbedingt einige Bittgebete beibringen, etwa das Bittgebet vor dem Einschlafen und nach dem Aufwachen, die Bittgebete beim Essen und Trinken, beim Anziehen neuer Kleidung und beim Essen neuer Früchte, das Bittgebet beim Niesen und seine Erwiderung sowie das Bittgebet beim Anblick des Neumonds und Ähnliches. Diese Bittgebete sind äußerst wirksam für die Entwicklung des Verstandes und die Schaffung einer Zuneigung zur Religion. Kinder tragen sich reimende Wörter und Gedichte mit großer Begeisterung vor und lernen sie sehr schnell auswendig. Unterstützen Sie sie dabei und wählen Sie zur Befriedigung dieses Interesses schöne und geeignete Gedichtabschnitte für sie aus, zum Beispiel:
مَا فِي قَلْبِي غَيْرَ اللَّهِ لَآإِلَهَ إِلَّا اللهُ
حسبي ربي جَلَّ اللَّهُ نور محمد صَلَّى اللهُWenn es Ihnen nicht gelingt, dieses Interesse der Kinder zu befriedigen, werden sie unerwünschte Gedichte auswendig lernen und sie immer wieder aufsagen. Und Sie wissen, wie wichtig die Bewahrung der Sprache für die Wahrung der Moral ist.
Vermittlung islamischer Umgangsformen
Auch für das Erlernen von Anstand, Zivilisiertheit und den Umgangsformen des Lebens ist dies das richtige Alter. Es ist eine außerordentliche Dummheit, Kinder mit der Begründung zu vernachlässigen, sie verstünden noch nichts. Die Umgangsformen, die Sie ihnen in der Kindheit beibringen, und die Gewohnheiten, die Sie ihnen anerziehen, werden ihr ganzes Leben beeinflussen. Gute oder schlechte Gewohnheiten, die sich in der Kindheit herausbilden, lassen sich nur sehr schwer wieder beseitigen. In diesem Alter ist es äußerst notwendig, den Kindern große Aufmerksamkeit zu schenken. Die Verantwortung der Mutter ist sehr groß. Eine geringe Vernachlässigung in der frühen Lebenszeit kann für immer Anlass zu Scham und Sorgen sein.
Lehren Sie die Kinder nach einem Plan, mit Weisheit, Ausdauer und Geduld, die guten Umgangsformen. Bringen Sie ihnen die Umgangsformen beim Essen und Trinken, beim Aufstehen und Sitzen, beim Schlafen und Aufwachen bei. Sprechen Sie über den gebührenden Respekt gegenüber dem Lernen und dem Lehrer sowie über die Umgangsformen in Moschee und Koranschule. Lehren Sie sie die Umgangsformen der Reinheit, der Gesundheit und der Sauberkeit, des Gehens und des Umgangs mit Freunden und Gefährten sowie die Regeln für den schönen und ordentlichen Gebrauch der Dinge im Haus und der eigenen Sachen; und betreuen Sie sie fortwährend, damit sie ein zivilisiertes und reines Leben führen. Es genügt nicht, nur einmal auf etwas Gutes aufmerksam zu machen. Die Erziehung verlangt vielmehr, dass Sie es in dieser Sache ständig beobachten und trotz wiederholter Fehler nicht ungehalten werden. Korrigieren Sie sie mit Geduld, Beharrlichkeit und von Herzen weiter und betrachten Sie auch den geringsten Fehler nicht als unbedeutend. Hadhrat Abu Huraira, möge Allah mit ihm zufrieden sein, berichtete: Einmal hob Hadhrat Hasan ibn Ali, möge Allah mit ihm zufrieden sein, eine Dattel aus den Almosen auf und steckte sie in den Mund. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Pfui, spucke sie aus und wirf sie weg! Weißt du nicht, dass es uns nicht erlaubt ist, Almosen zu essen?“
Hadhrat Umar ibn Abi Salama, möge Allah mit ihm zufrieden sein, war der Sohn von Hadhrat Umm Sulaym, möge Allah mit ihr zufrieden sein, der Ehefrau des geliebten Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zog ihn auf. Er erzählte seine eigene Geschichte:
كُنتُ غُلامًا فِي حِجْرٍ رَسُولِ اللهِ صلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ وَكَانَتْ يَدِى تَطِيشُ في الصحفَةِ فَقَالَ لِي رَسُولُ اللهِ صلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ يَا غُلَامُ : سَمَ اللَّهَ
تعالى وكل بيمينك وكل مما يليكَ فَمَا زَالَتْ تِلْكَ طُعْمَتِي بَعْد – متفق عليه„Ich war damals noch klein. Ich saß auf dem Schoß des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Beim Essen wanderte meine Hand am Rand des Tellers umher. Da sagte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu mir: ‚Mein Sohn, sprich Bismillah, iss mit deiner rechten Hand und iss von dem, was vor dir liegt.‘ Von da an wurde dies zu meiner Gewohnheit.“
Für das Erzählen heiliger Geschichten sorgen
In der Kindheit interessieren sich Kinder sehr dafür, Geschichten zu hören. Sie hören Geschichten mit großer Freude und werden auch von ihnen beeinflusst. Vielmehr beeinflussen manche Gestalten aus den Geschichten sie so sehr, dass sie selbst versuchen, so zu werden wie diese. Nutzen Sie diese psychologische Eigenschaft der Kinder und erzählen Sie ihnen genau solche Geschichten, wie Sie sie zu dem formen möchten, was Sie sich wünschen. Erzählen Sie nicht nur Geschichten, um ihr Interesse zu befriedigen. Betrachten Sie vielmehr Geschichten als ein hervorragendes Mittel der Erziehung und sorgen Sie entsprechend dafür. Erzählen Sie ihnen die heiligen Geschichten der Propheten. Erzählen Sie ihnen von den tatkräftigen Begebenheiten der geehrten Gefährten. Erzählen Sie ihnen von den Heldentaten der islamischen Kämpfer. Erwähnen Sie die Leistungen auf den Schlachtfeldern. Wecken Sie auf diese Weise in ihnen Begeisterung für den Islam.
Geschichten von Dschinn und Feen, Erzählungen von Gespenstern und Geistern, Geschichten über Zauberei und Hexerei sowie Geschichten von Ungeheuern und Dämonen sind für Kinder äußerst schädlich. Unter ihrem schlechten Einfluss werden Herz und Verstand der Kinder in schädlicher Weise von einer unbekannten Angst erfüllt. Trotz einer höheren Bildung leiden sie unter verschiedenen Zweifeln.
Das Interesse, Geschichten zu hören, ist ein angeborenes Interesse der Kinder. Es ist weder richtig, sie daran zu hindern, noch ist es richtig, sie in dieser Angelegenheit völlig sich selbst zu überlassen. Unterstützen Sie sie in dieser Sache mit größter Klugheit und Weisheit und befriedigen Sie dieses Bedürfnis und Interesse auf eine Weise, durch die es Ihnen gelingt, sie bestmöglich zu erziehen.
Die Aufforderung zum Gebet
Das Gebet ist eine so wichtige gottesdienstliche Handlung, dass es den Menschen mit dem Din verbunden hält. Es bewahrt den Din und weckt zugleich die Neigung zum Din. Außerdem bereitet es den Menschen darauf vor, ein gottesfürchtiges Leben zu führen. Von Anfang an muss man die Kinder daran gewöhnen, regelmäßig zu beten. Unangebrachte Zuneigung und Nachsicht, die über das notwendige Maß hinausgeht, sind in dieser Angelegenheit äußerst schädlich.
Lassen Sie die Kinder nicht zu Bett gehen, ohne das Nachtgebet verrichtet zu haben. Sind sie bereits eingeschlafen, wecken Sie sie und lassen Sie sie beten. Wecken Sie sie zum Morgengebet zu Beginn seiner Zeit und gewöhnen Sie sie daran, morgens aufzustehen. Allahs Anweisung lautet:
وأمر أهلك بالصلوةِ وَاصْطَبِرْ عَلَيْها – – طه : ۱۳۲
„Fordere deine Familie zum Gebet auf und sei selbst darin standhaft.“ – Sure Taha: 132
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte:مروا أولادَكُمْ بِالصَّلوةِ وَهُمْ أَبْنَاء سَبْع وَاضْرِبُوهُمْ عَلَيْهَا وَهُمْ أَبْنَاءُ عَشْرٍ وَفَرِّقُوا بَيْنَهُمْ فِي الْمَضَاجِعِ.
„Wenn das Kind sieben Jahre alt ist, fordert es zum Gebet auf. Wenn es zehn Jahre alt wird, geht in Bezug auf das Gebet streng mit ihm um und trennt von diesem Alter an ihre Betten voneinander.“
Die Bedeutung all dieser Anweisungen ist, dass Sie selbst das Gebet gewissenhaft verrichten und die häusliche Umgebung so gestalten, dass auch die Kinder mit Interesse beten. Ihr Verhalten muss beweisen, dass Sie Nachlässigkeit gegenüber dem Gebet unter keinen Umständen dulden werden.
Die Heirat des Kindes
Sobald das Kind in die Jugend eintritt, wird es von neuen Gedanken, Wünschen und Sorgen erfüllt. Wenn das Kind dieses Lebensalter erreicht, werden die Eltern von neuen Gefühlen ergriffen. Wenn sie über die Zukunft nachdenken, rauben ihnen Angst, Furcht und Zweifel ihre Ruhe. Manchmal kennen ihre Freude und ihr Glück keine Grenzen, wenn sie an schöne Hoffnungen und Wünsche für die Zukunft denken. Manchmal zieht sich ihr Herz wegen grundloser Sorgen und eingebildeter Schwierigkeiten zusammen. Manchmal erregt das Verantwortungsgefühl sie und macht sie ungeduldig, diese Verantwortung für das Kind so schnell wie möglich loszuwerden. Bisweilen geraten ihre Herzen vor Freude darüber, eine schöne und wohlerzogene Schwiegertochter ins Haus zu holen, außer sich. Manchmal wenden sie sich unter Tränen im Bittgebet an Allah, um für ihre Tochter einen glücklichen und charakterlich tugendhaften Lebenspartner zu erlangen.
Die Verheiratung des Kindes ist einerseits eine gesellschaftliche Pflicht. Ebenso ist sie ein aufrichtiger Wunsch der Eltern, und auch der Islam ermutigt dazu und weist den Weg in dieser Angelegenheit.
Die Rechtleitung des Islam
Der Islam ist eine natürliche Religion. Diese Religion erfüllt die Bedürfnisse der menschlichen Natur. Sobald für das Kind, wenn es erwachsen wird, eine passende Verbindung gefunden wird, möchten Sie es verheiraten. Der Islam misst diesem Wunsch Bedeutung bei. Auch der Islam weist an, die Heirat des Kindes nicht zu verzögern, sobald es erwachsen ist. Um eine passende Verbindung zu finden, ist selbstverständlich Zeit erforderlich. Doch angesichts der islamischen Anweisung ist es keinesfalls richtig, auch nach dem Finden einer passenden Verbindung unnötig zu zögern oder Ausflüchte zu suchen. Oft führt dieses unnötige Zögern und Hinauszögern zu schlechten Folgen. Kurz gesagt: Die Eltern können die Verantwortung für diese schlechten Folgen nicht von sich weisen.
Die schlimmen Folgen einer verspäteten Heirat
Ob Sohn oder Tochter – sobald das Kind erwachsen ist, gehört es zu den wichtigsten Pflichten der Eltern, über die Herstellung einer passenden Verbindung nachzudenken. Sobald eine solche Verbindung gefunden wird, sollte man es unverzüglich in die Ehe führen. Eine unnötige Verzögerung in der Angelegenheit der Heirat zieht oftmals sehr beschämende Folgen nach sich. Der Betroffene ist dann nicht mehr in der Lage, der Gesellschaft offen ins Gesicht zu sehen. Diese Schande wird zu einer beschämenden Belastung im Leben der Eltern. Doch auch die Verantwortung dafür fällt auf die Eltern zurück, denn sie zeigen Nachlässigkeit bei der Verheiratung ihres Kindes oder verzögern sie ohne einen schariatischen und vernünftigen Grund. Wenn die Gefühle und Leidenschaften der Jugend keinen angemessenen Ort finden, besteht die große Gefahr, dass junge Menschen auf Abwege geraten. Deshalb können Sie sich nicht dadurch von Schuld freisprechen, dass Sie auf das schlechte Umfeld verweisen, oder vergeblich versuchen, Ihre eigene Schuld durch Beschimpfungen der Jugendlichen zu verharmlosen. Die richtige Behandlung dieser Krankheit besteht darin, dass Sie Ihre Verantwortung und Pflicht erkennen und die Weisung, die Allahs Gesandter (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) in dieser Angelegenheit gegeben hat, mit größter Ernsthaftigkeit und Aufmerksamkeit befolgen. Die Folgen einer verspäteten Heirat bestehen nicht nur in den daraus entstehenden schlechten Umständen; vielmehr werden Sie nach islamischer Auffassung als sündig betrachtet. Allahs Gesandter (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) sagte:
من ولد لَهُ وَلَدٌ فَلْيُحْسِنَ اسْمُهُ وَالبُهُ فَإِذَا بَلَغَ فَلْيُزَوجَهُ وَإِنْ بَلَغَ وَلَمْ
يُزَوجَهُ فَأَصَابَ إِثْمًا فَإِنَّمَا اثْعَهُ عَلَى أَبِيهِ – بيهقى„Wem Allah ein Kind schenkt, der soll ihm einen guten Namen geben, es gut erziehen und es verheiraten, sobald es die Volljährigkeit erreicht. Wenn er sein Kind nach Erreichen der Volljährigkeit nicht verheiratet und es daraufhin eine Sünde begeht, so wird dessen Strafe dem Vater auferlegt.“ – Baihaqi
An einer anderen Stelle sagte der edle Prophet (Allahs Segen und Friede seien auf ihm): Im Taurat steht geschrieben: „Wenn die Tochter eines Mannes zwölf Jahre alt geworden ist und er sie nicht verheiratet, und sie daraufhin eine schlechte Tat begeht, wird die Strafe für diese schlechte Tat dem Vater auferlegt.“
Die Suche nach einer geeigneten Verbindung
In der Regel kommt es zu einer Verzögerung der Heirat, weil kein geeigneter Bräutigam oder keine geeignete Braut gefunden wird. Es ist ganz natürlich, für den Sohn oder die Tochter nach einem geeigneten Ehepartner zu suchen und sich darum zu bemühen. Vielmehr ist dieses Nachdenken und Bemühen für Sie sogar verpflichtend. Auch die islamische Lehre verlangt von Ihnen, dass Sie sich nach Kräften um eine passende Verbindung bemühen.
Der Islam verlangt von Ihnen keineswegs, jeden noch so schlechten Bräutigam oder jede noch so schlechte Braut, die Sie finden, blind zu akzeptieren. Er verlangt auch nicht, dass Sie in dieser Angelegenheit keinerlei Anstrengung oder Nachforschung unternehmen. Die Ehe ist eine äußerst wichtige Angelegenheit. Sie betrifft das ganze Leben. Ihre Auswirkungen beschränken sich nicht auf die Höhen und Tiefen des irdischen Lebens, sondern können auch das Leben im Jenseits beeinflussen. Es handelt sich um eine äußerst ernste Angelegenheit. Bei der Wahl des Lebenspartners ist sorgfältiges Nachdenken unbedingt erforderlich.
Die eigentliche Frage ist nur, ob Ihr Bemühen und Ihre Überlegungen im Licht des Islam erfolgen. Sie müssen den Maßstab übernehmen, den der Islam für die Wahl eines Lebenspartners festgelegt hat. Halten Sie bei der Wahl des Lebenspartners für Ihr eigenes Kind diese grundlegenden Gesichtspunkte vor Augen. Denken Sie darüber nach, ob Sie die Wahl des Bräutigams oder der Braut verzögern, indem Sie Dingen den Vorrang geben, denen die Religion keine Bedeutung beimisst.
Die Maßstäbe für die Wahl des Lebenspartners
Bei der Wahl eines Lebenspartners werden gewöhnlich fünf Dinge berücksichtigt.
Erstens: Vermögen
Zweitens: vornehme Abstammung
Drittens: gutes Aussehen und Schönheit
Viertens: Dīn und Akhlaq
Und fünftens: Bildung.
Zweifellos kann man sagen, dass diese fünf Dinge jeweils ihre eigene Bedeutung haben. Wer könnte in unserer Zeit die Bedeutung des Vermögens leugnen? Auch vornehme Abstammung ist in vielen Fällen kein Gesichtspunkt, den man außer Acht lassen sollte.
Bei der Wahl einer Lebensgefährtin verdienen Schönheit und gutes Aussehen ebenfalls grundlegende Beachtung. Besonders bei der Auswahl einer Braut ist dieser Gesichtspunkt oft ausschlaggebend. Es lässt sich auch nicht leugnen, dass Allah dem Menschen Geschmack und Schönheit gegeben hat und dass Schönheit etwas ist, das man gernhat.
Die Bedeutung und Notwendigkeit von Bildung ist eine anerkannte Tatsache. In der heutigen Zeit werden bei der Herstellung einer Verbindung Bildung und akademische Abschlüsse besonders berücksichtigt. Es trifft auch zu, dass höhere Bildung die Begeisterung und den Ansporn steigert und einen Menschen mit Zivilisiertheit schmückt. Höhere Bildung gilt als Mittel zur Steigerung von Ansehen und Würde. Sie wird zum Grund für ein sorgenfreies Leben und gesellschaftliches Ansehen.
Was nun Dīn und Akhlaq betrifft, so ist es offensichtlich, dass diese für einen Muslim immer von Bedeutung und Wert sein werden. Es kann nicht sein, dass muslimische Eltern bei einer vorgeschlagenen Person alles andere prüfen, aber Dīn und Akhlaq außer Acht lassen oder ihnen keinerlei Bedeutung beimessen.
Wenn Ihr Wunsch und Ihr Bemühen darin bestehen, Ihrer Tochter oder Ihrem Sohn einen Lebenspartner zu geben, der mit diesen fünf Eigenschaften ausgestattet ist, dann ist dieser Wunsch gut. Ihre Hoffnung ist berechtigt und Ihr Bemühen richtig. Welche Eltern wünschen sich nicht, dass ihr geliebtes Kind einen Lebenspartner erhält, der mit diesen Eigenschaften ausgestattet ist?
Der Islam unterschätzt diesen Wunsch und dieses Bewusstsein niemals. Der Islam achtet diese Gefühle.
Wenn Sie ein Ehepaar finden, das mit allen Eigenschaften ausgestattet ist, so ist dies eine besondere Gunst Allahs. Gewöhnlich ist es bei jeder Verbindung sehr schwierig, alle Eigenschaften zugleich vorzufinden. Bei manchen Menschen findet man einige gute Eigenschaften, aber auch einige schlechte. Ihre Prüfung in dieser Angelegenheit besteht in Wahrheit darin, bei der Auswahl die islamische Sichtweise vor Augen zu halten und demjenigen Vorrang zu geben, welcher Eigenschaft der Islam Vorrang gegeben hat.
Die Anweisung des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm
Die Anweisung des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, lautet: Bei der Auswahl eines Bräutigams oder einer Braut müssen Sie an erster Stelle Religion und Charakter berücksichtigen. Wenn Sie neben Religion und Charakter eine der vier anderen Eigenschaften vorfinden, müssen Sie Allah dafür danken. Danach dürfen Sie die Eheschließung nicht mehr unnötig hinauszögern. Ja, eine Verwandtschaft oder Verbindung kann für Sie nicht annehmbar sein, wenn sie zwar alle anderen Vorzüge besitzt, aber Religion und Charakter fehlen. Für muslimische Eltern sind Religion und Charakter das Erste, worauf sie achten. Wer diese beiden Eigenschaften nicht besitzt, kann selbst dann, wenn er in allen anderen Dingen vorbildlich ist, nicht der Lebenspartner Ihres geliebten Kindes werden. Sie können nicht daran denken, ihn zu Ihrer Schwiegertochter oder Ihrem Schwiegersohn zu machen. Andere Mängel können durch Religion und Charakter ausgeglichen werden; anders gesagt: Wegen Religion und Charakter kann man andere Schwächen ertragen, aber selbst um großer Vorzüge willen kann man den Mangel an Religion und Charakter nicht hinnehmen. Der Schaden, der durch das Fehlen von Religion und Charakter entsteht, kann durch keine andere Eigenschaft ausgeglichen werden. Die Anweisung des Gesandten Allahs lautet:
„Bei der Heirat werden bei Frauen gewöhnlich vier Dinge berücksichtigt. Diese vier Dinge sind: Vermögen, vornehme Abstammung, Schönheit und Jugend sowie Religion und Charakter. Heiratet eine religiöse Frau. Darin liegt euer Wohl.“
Dieser Hadith weist genau darauf hin, dass Sie für Ihren Sohn eine Braut wählen sollen, die religiös ist und mit islamischem Charakter geschmückt ist. Durch eine solche Ehefrau kann Ihr Haus zu einer Festung des Islam werden. Von einer solchen Ehefrau darf man hoffen, dass aus ihrem Schoß Kinder hervorgehen, die in Religion und Glauben gefestigt und dem Islam mit Leib und Seele ergeben sind.
Auch bei der Auswahl eines Schwiegersohns und einer Schwiegertochter gibt es eine Anweisung des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Auch in dieser Anweisung wird Religion und Charakter grundlegende Bedeutung beigemessen.
Abu Huraira, möge Allah mit ihm zufrieden sein, überlieferte, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Wenn zu euch ein Mann um die Hand eurer Tochter anhält und ihr mit seiner Religion und seinem Charakter zufrieden seid, dann verheiratet euer geliebtes Kind mit ihm. Wenn ihr dies nicht tut, wird auf der Erde großes Unheil entstehen.“
Dieser Hadith weist Sie eindeutig an: Wenn bei Ihnen der Heiratsantrag eines Mannes eingeht, mit dessen Religion und Charakter Sie zufrieden sind, und Sie zuverlässige Informationen darüber haben, dass der Bewerber gottesfürchtig und religiös ist, seine Gebete und sein Fasten gewissenhaft einhält und mit islamischer Moral geschmückt ist, dann ist eine unnötige Verzögerung keineswegs richtig. Vertrauen Sie auf Allah, verheiraten Sie Ihr Kind mit ihm und hoffen Sie auf Gutes. Denn für die Ehe eines Muslims sind Religion und Glaube das Allerwichtigste. In einer Gesellschaft, in der Religion und Glaube missachtet und andere Dinge für wichtig erachtet werden oder in der Vermögen sowie Schönheit und Jugend der Religion und dem Charakter vorgezogen werden, entsteht ein Sturm aus Zwietracht und Verderben; und keine Macht der Welt wird eine solche Gesellschaft vor dem Untergang bewahren können.
– Ende –