Zwei Worte

Das vorliegende Buch ist lediglich eine Zusammenstellung meiner drei Vorträge. Zuvor waren die drei Vorträge über die Mittel zur Erlangung der Nähe zu Allah, die Mittel zur Läuterung der Seele sowie Dhikr und Duʿā in Form von drei getrennten Broschüren veröffentlicht worden. Da der Inhalt dieser drei Broschüren einander weitgehend ähnelt und sie sich gegenseitig ergänzen, hat der Verlag Al-Hera sie gemeinsam in gesammelter Form veröffentlicht. Dem Verlag Adhunik wurde gestattet, das Buch aus praktischen Gründen und in überarbeiteter Form zu veröffentlichen, und er gibt es nun heraus. Wenn dieses Buch für Menschen, die nach Seelenläuterung und der Nähe zu Allah streben, nützlich und hilfreich ist, wird sich meine Mühe gelohnt haben.

Motiur Rahman Nizami
11.2.97

Einleitende Worte

Der Mensch ist kein Wesen, das ausschließlich aus Körper besteht. Neben einer schönen körperlichen Gestalt hat der erhabene Allah Seiner besten Schöpfung auch eine schöne Seele gegeben. Daher können der Fortschritt und die Entwicklung des Menschen, sein Erfolg und sein Scheitern nicht darauf beschränkt bleiben, lediglich die Forderungen oder Bedürfnisse des Körpers zu erfüllen. Bei der Betrachtung der Menschheitsgeschichte zeigt sich, dass die Menschen bisweilen, indem sie sich stärker der materialistischen oder physikalistischen Zivilisation zuwandten, die Bedürfnisse der Seele missachtet haben. Doch die Folgen davon waren niemals gut. Auch die Analyse der Ursachen für den Untergang der Zivilisationen verschiedener Völker vergangener Zeiten bestätigt diese Wahrheit. In der modernen Welt ist die physikalistische Zivilisation im Begriff, als eine die Menschheit zerstörende Zivilisation bezeichnet zu werden. Dass die Hippies aus dem Schauplatz dieser Zivilisation in Richtung Osten strömen, ist im Grunde nichts anderes als ein stiller Aufstand gegen die physikalistische Zivilisation.

Da das geistige Bedürfnis des Menschen ebenso fortwährend und angeboren ist wie sein körperliches Bedürfnis, war es zu keiner Zeit und bei keinem Volk möglich, das Bedürfnis der Seele kollektiv zu leugnen. Vielmehr haben zu allen Zeiten und in allen Epochen stets einige Menschen aus ihrer Mitte auf die eine oder andere Weise Anstrengungen zur geistigen Entwicklung, zur spirituellen Vervollkommnung und zur Läuterung der Seele unternommen. Gegenwärtig ist vor dem Hintergrund des Scheiterns der physikalistischen Zivilisation unter den Menschen spontan eine Neigung und Tendenz zu Moral und Spiritualität festzustellen. Im Kern dieser Neigung und Tendenz wirkt jedoch die äußerste Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit eines Gemüts, das durch die Schläge der harten Wirklichkeit des Lebens zermürbt ist. Auch diejenigen, die sich in der Vergangenheit um Spiritualität und geistige Entwicklung bemüht haben (außerhalb des Islam), wandten sich vor dem Hintergrund einer ähnlichen Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit diesem Weg zu. Daher leugnete oder missachtete ihre Neigung die Bedürfnisse des Körpers. Folglich konnte ihre Pflege des Spiritualismus, abgesehen von der Hervorbringung einiger weniger weltabgewandter Heiliger und Asketen, keinen wohltätigen Beitrag für die breitere Menschheit leisten. Tatsächlich besteht der Mensch ebenso wenig ausschließlich aus Körper wie ausschließlich aus Seele. Daher ist eine einseitige Tätigkeit zur Erfüllung der Bedürfnisse des Körpers unter Missachtung der Seele für die Menschheit und das Menschsein ebenso schädlich, wie es äußerst schädlich für die Menschheit ist, bei der Erfüllung der Bedürfnisse der Seele und ihrer Vervollkommnung die Bedürfnisse des Körpers zu missachten und Verfahren anzuwenden, die den Körper bestrafen.

Die in solchen Fällen angewandten, frei erfundenen Verfahren und Methoden zur Bestrafung des Körpers und zur Etablierung des Vorrangs der Seele können von den Millionen von Menschen nur von einer Handvoll Einzelner vollzogen werden. Durch bestimmte derartige Yogaübungen vollbringen diese wenigen Menschen durch die Stärkung ihrer Willenskraft einige scheinbar unmögliche Taten, versetzen die einfachen Menschen in staunendes Erschrecken und beeinflussen sie. Schließlich halten die so beeinflussten Menschen denjenigen, der solche unmöglichen Taten vollbringt, für etwas Übermenschliches, wenden sich ihm zu und betrachten ihn als eine himmlische Zuflucht zur Erfüllung ihrer Nöte und Beschwerden. Schließlich beginnt die Verehrung und Ehrerbietung dieser Anhänger durch Nazr-Niyaz, Bhog-Shirni und dergleichen praktisch zum Ausdruck zu kommen. In der Folge kehrt die spirituelle Übung wieder zur Verehrung des Körpers zurück. Der Anfang und das Ende aller Versuche und Übungen zur geistigen Entwicklung außerhalb des von Allah gegebenen und von den Propheten und Gesandten (a.) gewiesenen Weges waren in allen Epochen und zu allen Zeiten genau dies. Wenn der Mensch, der sich in der modernen Welt aus Verzweiflung wieder der Spiritualität zuwendet, nicht in den Strom des durch Offenbarung erlangten Wissens geleitet werden kann, wird sein Bemühen auf diesem Gebiet erneut völlig scheitern.

Es ist traurig und bedauerlich, dass der von Allah gegebene und vom letzten Propheten Muhammad (s.a.w.) gewiesene Weg, auf dem die Menschen der Welt die Bedürfnisse von Körper und Seele gleichzeitig erfüllen können, der für Menschen aller Schichten und Klassen der Welt leicht zu beschreiten und mit der menschlichen Natur vereinbar ist, heute durch von Menschen erdachte Verfahren und Methoden verdeckt und daher selbst den Muslimen unbekannt ist. Auch die im muslimischen Gemeinwesen vorhandenen Übungen und Praktiken der Spiritualität können aus demselben Grund keinen nennenswerten Beitrag zum Wohlergehen der größeren Menschheit und der menschlichen Gemeinschaft leisten. Dadurch, dass zu der einfachen, schlichten und natürlichen Methode, die der Islam zur geistigen und moralischen Vervollkommnung unter Wahrung des Gleichgewichts zwischen Körper und Seele eingeführt hatte, von Menschen erdachte Verfahren und Methoden hinzugefügt wurden, ist insgesamt stark behindert worden, dass der Islam jene Menschen hervorbringen kann, die für die Entfaltung von Menschlichkeit und menschlichem Wesen sowie für die Etablierung des Rechts und die Verhinderung des Unrechts geeignet sind.

Die Ausübung und Pflege dieser Spiritualität in der muslimischen Gesellschaft ist unter dem Namen Ilm at-Tasawwuf bekannt. Im Grunde wird diese Tätigkeit im Koran als „Tazkiya an-Nafs“ bezeichnet. Im Hadith wird sie „Ihsan“ genannt. Imam Schah Walīullāh ad-Dihlawī (r.a.) bezeichnete sie als den Weg zur Hervorbringung der „Akhlaq al-Ihsan“. Im Licht der verschiedenen Verfahren und Methoden, die von der Zeit des Gesandten Allahs (s.a.s.) bis heute im Bereich der Spiritualität in der muslimischen Gesellschaft angewandt wurden, können wir den „Ilm at-Tasawwuf“ nach heutiger Terminologie in drei Bereiche einteilen.

Erstens: der unverfälschte islamische Tasawwuf,
Zweitens: der halb-islamische Tasawwuf,
Drittens: der nicht-islamische Tasawwuf.

Mit unverfälschtem islamischem Tasawwuf ist gemeint, dass man nach dem Weg von Hadhrat Muhammad (s.a.s.) auf einfache und schlichte Weise, das heißt ohne besondere Übungen oder Methoden, durch die grundlegenden gottesdienstlichen Handlungen des Islam und gemäß der vom Gesandten (s.a.s.) gelehrten Methode im Rahmen der gewöhnlichen Tätigkeiten Allahs gedenkt und Ihn preist, das Gebet verrichtet, den Koran rezitiert, Bittgebete spricht, zwischen Erlaubtem und Verbotenem unterscheidet und durch all dies die Tazkiya der Nafs vollzieht – eben jene Praxis, durch die die edlen Gefährten (r.a.) die „Akhlaq al-Ihsan“ erlangten. Die rechtgeleiteten Kalifen, die edlen Gefährten, die Tabi’un, die Tabi at-Tabi’in und überhaupt alle Imame des Idschtihad waren Anhänger dieses unverfälschten Tasawwuf. Dies ist der richtige Tasawwuf beziehungsweise der fehlerfreie Weg der Läuterung der Seele, den der Koran als „Tazkiya an-Nafs“ bezeichnet. Es ist eine Forderung unseres Glaubens und der heutigen Menschheit, diesen reinen und unverfälschten islamischen Tasawwuf auf der Grundlage des „Uswa-e-Hasana“ des letzten Propheten (s.a.s.) auf dem Gebiet der Läuterung der Seele wiederzubeleben.

Mit halb-islamischem Tasawwuf ist die Ergänzung bestimmter Verfahren und Methoden aus Yogaübungen gemeint, die auf den indischen Yogis und Rishis beziehungsweise auf der griechischen Philosophie beruhen und dem Ziel der spirituellen Entwicklung dienen, wobei man sich innerhalb der Grenzen der islamischen Scharia bewegt. In diesem Fall kann nur der Tasawwuf jener Menschen als halb-islamischer Tasawwuf bezeichnet werden, die weder den Tauhid aufgegeben noch Schirk angenommen haben, sondern durch diese Verfahren die Erschaffung von Gottesfurcht, Liebe zum Gesandten und das Denken an das Jenseits als ihr Hauptziel angenommen haben. Obwohl Gottesfurcht, Liebe zum Gesandten und das Denken an das Jenseits ihr Ziel sind, wird ihre Tasawwuf-Praxis deshalb als halb-islamisch bezeichnet, weil es in dieser Angelegenheit keinen Raum dafür gibt, der Lehre des Gesandten etwas hinzuzufügen oder wegzunehmen. Zudem kann eine solche Hinzufügung oder Weglassung auch nicht segensreich sein. Niemand kann die Angelegenheit der Erlangung der Nähe zu Allah besser verstehen als Allah und Sein Gesandter. Daher können derartige Schritte trotz aufrichtiger Absicht nicht segensreich und erfolgreich sein, weil sie einer Überschreitung der Grenzen gleichkommen. Die Begründer dieses Tasawwuf haben in Wirklichkeit nicht das erlangt, was sie erstrebten. Zwar erreichten einige wenige Menschen eine geistige Vervollkommnung und Anerkennung, doch ihre Bemühungen – auch wenn sie einige Menschen hervorbrachten und einige Dienste für die Religion leisteten – kamen nicht annähernd an das heran, was der Prophet (s.a.s.) mit dem Ziel, die Religion zum Sieg zu führen, an Menschen hervorbrachte. Dieser Tasawwuf kann korrigiert und in reinen islamischen Tasawwuf umgewandelt werden, indem man die von außen hinzugefügten Verfahren daraus entfernt. Mit denjenigen, die auf diesem Gebiet aufrichtig tätig und fortgeschritten sind, kann man auf der Grundlage des Korans und der Sunna offen über das wahre Wesen, die Natur, die Ziele und die Methoden der „Tazkiya an-Nafs“ sprechen und versuchen, ob ihre Korrektur und Reform möglich ist. Sollte dieser Versuch scheitern, müssen einige rechtschaffene Diener Allahs, einige gläubige und einige kämpfende Männer vortreten, um ein wahrhaftiges und lebendiges Beispiel für den „islamischen Tasawwuf“ zu geben.

Der Tasawwuf derjenigen, die im Namen der Läuterung der Seele und der spirituellen Entwicklung nicht-islamische Verfahren anwenden, dabei die Grenzen der islamischen Scharia überschreiten, Schirk und Bid’a hervorbringen und Islam und Muslime vor der Welt sogar zu einem Gegenstand des Spottes machen, die die Schreine einiger von Allah geliebter Diener – die zu Lebzeiten gegen Schirk und Bid’a gekämpft haben – unter dem Namen von Haschischgelagen und Qawwali zu Schauplätzen obszönen Tanzes gemacht haben, und die die Schwäche der religiösen Gefühle der Menschen ausnutzen, um im Namen der Religion weltliche Vorteile zu erlangen, ist vollständig nicht-islamisch; seine Ausrottung ist unerlässlich.

Was den „reinen islamischen Tasawwuf“ betrifft, besteht in der islamischen Scharia eigentlich kaum Anlass, die Frage aufzuwerfen, welcher dies sei. Wir haben erwähnt, dass die spirituelle Übung, die heute unter den Muslimen „Ilm at-Tasawwuf“ genannt wird, im Koran als „Tazkiya an-Nafs“ bezeichnet wird. Darüber hinaus stellt der Koran sie als den einzigen Weg zum Erfolg des Menschen dar. Es heißt:

ونفس وما سوها فألهمها فجورها وتقويها3قَد أَفْلَحَ مَنْ زَكَهَا . وقد خاب من دسها (الشمس : ۸-۹)

„Bei der menschlichen Seele und bei Dem, der sie vollkommen gestaltet und ihr danach das Empfinden und die Urteilskraft für Gottesfurcht und Frevel gegeben hat. Erfolgreich sind diejenigen unter den Menschen, die diese Nafs beziehungsweise Seele läutern. (Diejenigen aber, die die von Allah gegebene Urteilskraft dieser Seele) unterdrücken, sind die Verlierer und Gescheiterten.“

Allah hat im Koran die „Tazkiya an-nafs“ als eine grundlegende Aufgabe dargestellt. Darüber hinaus hat Er sie als eine der wichtigsten Aufgaben Muhammads (s.a.w.) bezeichnet. An mehreren Stellen wird die Aufgabe des Propheten (s.a.w.) folgendermaßen beschrieben:

هُوَ الَّذي بعث في الأمين رسولاً منهم يتلوا عليهم ايته ويُزَكِّيهِم ويعلمهم الكتب والحكمة .

„Und Er ist Allah, der unter den Ummi-Leuten einen Gesandten aus ihrer Mitte entsandt hat, der ihnen Seine Worte vorträgt, sie zur Tazkiya und inneren Läuterung anleitet und sie das Buch und die Weisheit lehrt.“ (Sure al-Dschumuʿa: 2)

Hier werden als Aufgaben des Gesandten genannt: * das Vortragen der Verse * die Tazkiya an-nafs sowie die Lehre des Buches und der Weisheit. Diese Aussagen werden an drei Stellen erwähnt.

Der Koran Allahs ist Zeuge, Hunderttausende edle Gefährten sind Zeugen, und die Geschichte der Welt ist Zeuge: Der letzte Prophet, Muhammad (s.a.w.), hat alle ihm anvertrauten Aufgaben ordnungsgemäß erfüllt. Durch seine Ansprache bei der Abschiedswallfahrt ließ er sich dies auch von mehr als hunderttausend seiner Gefährten bestätigen. Daher kann kein Muslim Zweifel daran hegen, dass er seine Aufgabe im Bereich der Tazkiya an-nafs vollständig erfüllt hat. Mit anderen Worten: Wer daran zweifelt, kann kein Muslim bleiben. Daher verlangen sowohl der Glaube als auch die Vernunft, dass man sich darum bemüht, zu erfahren und zu verstehen, wie und nach welcher Methode der edle Gesandte (s.a.w.) diese wichtige grundlegende Aufgabe der Tazkiya an-nafs erfüllt hat, welche Art von Menschen durch diese Methode und dieses Verfahren hervorgebracht wurde und welchen Nutzen sie nach ihrer Läuterung für den Islam und die Menschheit hatten. Als aufrichtiger Anhänger des Propheten gilt es in diesem Bereich außerdem, die einzig vom Propheten (s.a.w.) gezeigte Methode als wahr, richtig und fehlerlos anzusehen und sie mit aufrichtiger Hingabe des Herzens anzunehmen.

Wie die übrigen Lehren des Gesandten Gottes (s.a.w.) so klar wie das helle Tageslicht sind, so klar ist auch die Angelegenheit der Tazkiya an-nafs. Dennoch ist schwer zu verstehen, warum man gerade in diesem Bereich die Lehre des Gesandten Gottes (s.a.w.) außer Acht ließ, mit Ergänzungen begann und unislamische Verfahren eindringen ließ. Ich möchte in dieser Angelegenheit niemanden grundlos kritisieren und niemanden herabsetzen. In aufrichtiger Absicht, um meiner eigenen Praxis willen und mit dem Ziel, die einfachen, von Allah gegebenen und vom Gesandten (s.a.w.) gezeigten Methoden der Allgemeinheit bekannt zu machen, sah ich mich gezwungen, zu diesem Thema zu schreiben. Allah, der Erhabene, möge mir helfen, indem Er mir wahres Wissen über Sein Buch und die Sunna Seines Propheten schenkt. Mit flehendem und sehnsüchtigem Herzen möchte ich durch dieses Bittgebet meinen Weg auf diesem Gebiet beginnen.

Die Bedeutung der inneren Läuterung im menschlichen Leben

Um die Bedeutung der inneren Läuterung im menschlichen Leben zu beurteilen, ist es zunächst unerlässlich, die Stellung des Menschen und den wahren Wert des menschlichen Wesens richtig einzuschätzen. Kurz gesagt ist der Mensch in dieser Welt Allahs Statthalter oder Stellvertreter. Er wird einige Zeit in dieser Welt verweilen und einige Gaben genießen; danach muss er zu seinem erhabenen Herrn zurückkehren. Nach seiner Rückkehr muss er Rechenschaft darüber ablegen, inwieweit er in seinem irdischen Leben als Allahs Statthalter erfolgreich darin war, Seinen Willen zu erfüllen, oder darin gescheitert ist.

Es sei daran erinnert: In Allahs Schöpfung gibt es außer dem Menschen nichts, was nicht Allahs Gebot befolgt – alles andere ist dazu verpflichtet. Dem Menschen hingegen wurde die Verantwortung übertragen, Allahs Gesetz und Seine Gebote im menschlichen Leben und in der Gesellschaft einzuführen und umzusetzen. Der Mensch ist insofern Allahs Kalif, als Gott ihm diese Freiheit gewährt und ihn auch über die Belohnung, die Auswirkungen sowie die Folgen des richtigen und falschen Gebrauchs dieser Freiheit aufgeklärt hat. Als Allah die Identität des Menschen darlegte, sagte Er:

إِنَّا هَدَيْنَهُ السَّبِيلَ إِمَّا شَاكِرًا وَإِمَّا كَفُورًا

„Ich habe den Menschen zwei Wege aufgezeigt: den einen Weg der Dankbarkeit gegenüber Allah und des Gehorsams, und den anderen Weg des Kufr und des Ungehorsams.“ – (Sure ad-Dahr: 3)

Danach sprach Er über die Folgen des Kufr:

إِنَّا أَعْتَدْنَا لِلكفرين سلسلاً وأغللاً وسَعِيرًا إِنَّ الأبرار يشربون من كاس كانَ مِزَاجُهَا كَافُوران عينا يُشرَبُ بِهَا عِبَادُ اللهِ يُفَجِّرُونَهَا تفجيران

„Für die Ungläubigen habe Ich Ketten aus Eisen, Halsfesseln und das Feuer der Hölle vorbereitet. Die Rechtschaffenen aber werden im Paradies mit einem köstlichen Getränk bewirtet, dem wohlriechender Kampfer beigemischt ist. Es ist eine fließende Quelle, aus der Allahs Diener trinken und deren Verzweigungen sie nach ihrem Wunsch überall hinleiten können.“ – (Sure ad-Dahr: 4–6)

Wahrlich, die Fähigkeit zur Selbstbestimmung, die dem Menschen dadurch verliehen wurde, dass ihm zwischen der Befolgung des Weges Allahs und der Befolgung selbst erdachter Wege die Möglichkeit gegeben wurde, seinen freien Willen auszuüben, ist ein gewaltiges anvertrautes Gut Allahs an den Menschen. Über dieses anvertraute Gut sagt der Koran:

إِنَّا عَرَضْنَا الْأَمَانَةَ عَلَى السَّمَوتِ وَالْأَرْضِ وَالْجِبَالِ فَأَبَيْنَ أَنْ يُحْمِلْنَهَا وَأَشْفَقْنَ مِنْهَا وَحَمَلَهَا الْإِنْسَانُ إِنَّهُ كَانَ ظَلُومًا جَهُولاهُ لِيُعَذِّبُ اللهُ الْمُنْفِقِينَ وَالْمُنْفِقْتِ وَالْمُشْرِكِينَ وَالْمُشْرِكْتِ وَيَتُوبُ اللَّهُ عَلَى الْمُؤْمِنِينَ وَالْمُؤْمِنَتِ ،

وَكَانَ اللَّهُ غَفُورٌ رَحِيمًا

„Ich habe dieses anvertraute Gut den Himmeln, der Erde und den Bergen angeboten. Sie weigerten sich, die Last dieses anvertrauten Gutes zu tragen, und gerieten vor Furcht ins Zittern. Der Mensch nahm die Last dieses anvertrauten Gutes auf sich. Nun haben sie dies völlig vergessen und versinken in Unrecht. Allah hat dies getan, um die muslimischen Männer und Frauen zu bestrafen und die Reue der gläubigen Männer und Frauen anzunehmen. Allah ist wahrlich vergebend und barmherzig.“ – (Sure al-Ahzab: 72–73)

Dass der Mensch freiwillig dieses schwierige anvertraute Gut von Allah, dem Erhabenen, übernommen hat, dafür ist die menschliche Seele selbst Zeugin. Allah hat die menschliche Seele mit der Fähigkeit erschaffen, dieses anvertraute Gut angemessen zu nutzen. Allah, der Erhabene, hat der menschlichen Seele von Geburt an die Fähigkeit gegeben, zwischen Gut und Böse, Wahrheit und Unwahrheit sowie Recht und Unrecht zu unterscheiden und entsprechend zu handeln. Deshalb erklärt der Koran, dass Allah, der Erhabene, der menschlichen Seele eine vollkommene Gestalt gegeben hat. Der Koran sagt:

وَنَفْسٍ وَمَا سَوهَا : فَأَلْهَمَهَا فُجُورَهَا وَتَقْوْهَا وَ قَدْ أَفْلَحَ مَنْ زَكَّهَاهُ وَقَدْ خَابَ مَنْ دَسْهَا

„Bei der menschlichen Seele und bei Dem, Der sie vollkommen gestaltet und ihr danach das Bewusstsein und die Urteilskraft für Taqwa und Frevel gegeben hat. Wahrlich, erfolgreich sind diejenigen unter den Menschen, die diese Nafs oder Seele läutern. Und diejenigen, die die von Allah gegebene Urteilskraft dieser Seele unterdrücken, sind die Verlierer und Gescheiterten.“ – (Sure asch-Schams: 7–10)

Der Koran sagt außerdem:

فطْرَتَ اللَّهِ الَّتِي فَطَرَ النَّاسَ عَلَيْهَا ، لَا تَبْدِيلَ لِخَلْقِ اللَّهِ .

„So folge der Religion der natürlichen Veranlagung, auf der die Menschheit erschaffen wurde.“ – (Sure ar-Rum: 30)

Im Hadith des Gesandten heißt es: Jedes menschliche Kind wird auf der natürlichen Religion geboren. Danach machen es seine Eltern zu einem Juden, Christen oder Feueranbeter.

Das Wesen der menschlichen Seele

Ausgehend von der obigen Erörterung können wir das eigentliche Wesen des Menschen erkennen. Wie bereits erörtert, ist der Mensch weder ein Wesen, das ausschließlich aus einem Körper besteht, noch eines, das ausschließlich aus einer Seele besteht. Das Wesen, das sich aus der Verbindung von Körper und Seele entwickelt, ist somit der wahre Mensch. Um die menschliche Identität richtig zu verstehen, ist es daher unerlässlich, dieses ganzheitliche, ausgewogene und harmonische Wesen des Menschen zu würdigen. Das auf den körperlichen und seelischen Bedürfnissen beruhende menschliche Wesen können wir in zwei Bereiche einteilen. Eine Seite seines Wesens ist die biologische, die andere die moralische. In diesem Sinne können wir den Menschen auch als ein Wesen mit einer dualen Natur bezeichnen. Was das biologische Wesen betrifft, so ist der Mensch darin keine Ausnahme: Wie andere Tiere hat auch er gewisse animalische Bedürfnisse und Empfindungen biologischer Notwendigkeiten. In manchen Fällen übertreffen seine Bedürfnisse und Neigungen sogar die Triebkräfte der Tiere. Der Mensch unterscheidet sich jedoch dadurch, dass er auch ein Wesen besitzt, mit dessen Hilfe er diese biologischen oder animalischen Bedürfnisse beherrschen und für schöpferische Tätigkeiten einsetzen kann. Dieses Wesen bezeichnet das von Allah verliehene natürliche Gewissen und die natürliche Vernunft, durch die der Mensch zwischen Gut und Böse, Recht und Unrecht sowie Wahrheit und Unwahrheit unterscheiden und abwägen, das Böse meiden und das Gute annehmen kann. Er kann das Unrecht verwerfen und die Wahrheit annehmen. Diese Seite des menschlichen Wesens haben wir als das moralische Wesen bezeichnet.

Wenn der Mensch durch eigene Anstrengung und die Vervollkommnung seines moralischen Wesens die Oberhand über sein biologisches und animalisches Wesen gewinnen kann, wird er zum besten aller Geschöpfe Allahs. Durch ihn erweist sich die Bedeutung von „Ahsan-e-Taqwim“ als wahr. Durch ihn findet „Laqad karramna bani Adam“ seine praktische Verwirklichung. Wenn dagegen infolge der Taten eines Menschen sein von Allah verliehenes moralisches Wesen unterdrückt und vom animalischen Wesen besiegt wird, wird dieser Mensch den Tieren gleich, ja sogar noch niedriger und verachtenswerter als sie. Er gehört dann zur Stufe von „Asfala Safilin“.

Was wir durch diese kurze Erörterung verdeutlichen wollen, ist Folgendes: Um Menschlichkeit und menschliches Wesen zu entwickeln und den Menschen in der Würde von Ashraful Makhluqat zu festigen, muss sein moralisches Wesen entwickelt werden. Mit anderen Worten: Spirituelle Übung oder das Streben nach Selbstreinigung ist unerlässlich. Dies ist sowohl im Licht des natürlichen Gewissens und Verstandes des Menschen unerlässlich, als auch hat der Schöpfer des Menschen es unerlässlich gemacht.

Nun stellt sich die Frage: Woher sollen die Mittel zur Entwicklung und Vervollkommnung des moralischen Wesens des Menschen genommen werden? In diesem Zusammenhang muss für uns auch unbedingt klar werden, wessen übernommene Regeln, Grundsätze und Methoden bei der Anstrengung und Übung der Selbstreinigung oder „Tazkiya-e Nafs“ angemessen sind und wessen nicht.

Hierzu möchte ich sagen: Obwohl Allah den Menschen von Geburt an mit der Fähigkeit ausgestattet und ihn damit auf die Welt gesandt hat, zwischen Gut und Böse sowie zwischen Recht und Unrecht zu unterscheiden, ist es dem Menschen dennoch nicht möglich, allein durch den Gebrauch dieser Unterscheidungsfähigkeit Erfolg zu erlangen. Denn während die Mittel und Möglichkeiten zur Befriedigung der biologischen Bedürfnisse des Menschen in dieser irdischen Welt überall verstreut vorhanden sind, gibt es die Mittel zur Befriedigung seiner moralischen Bedürfnisse nicht in gleicher Weise. Allah hat alle materiellen Mittel dem Menschen dienstbar gemacht.

وَسَخَّرَ لَكُمْ مَا فِي السَّمَوتِ وَمَا فِي الْأَرْضِ جَمِيعًا –

„(O ihr Menschen!) Er hat euch alles auf der Erde unterworfen und dienstbar gemacht.“ – (Sure al-Dschāthiya: 13)

Daher kann der Mensch durch die Nutzung der materiellen Kräfte der Erde und durch eigene Anstrengung und Mühe die Bedürfnisse seines biologischen und animalischen Wesens befriedigen und dieses nach seinem Willen weiterentwickeln. So kann er beispielsweise die Mittel zur Stillung seines Hungers aus dieser irdischen Welt gewinnen. Die Mittel zur Befreiung von Krankheiten, zum Bau einer Unterkunft, zur Befriedigung des sexuellen Verlangens und vieles andere liegen nicht außerhalb der menschlichen Reichweite; deshalb kann er sie durch eigene Anstrengung und Mühe unter seine Kontrolle bringen. Und er tut dies auch.

Auch das Wissen darüber, wie man die Dinge nutzt, ist von Gott gegeben. Mithilfe dieses von Gott gegebenen Wissens entdeckt der Mensch die Eigenschaften der Dinge und schreitet auf dem Weg der Wissenschaft rasch voran. Er reist zu anderen Planeten. Auf diese Weise kann der Vorstoß des Menschen auf diesem Weg sich noch um ein Vielfaches weiterentwickeln. Doch ein Leben wie ein Mensch zu führen und die Würde des „Ashraful Makhluqat“ zu erlangen, ist auf diesem eigenen Weg keineswegs möglich. Daher zeigt sich, dass mit dem Fortschritt in Wissen und Wissenschaft Menschlichkeit und menschliches Wesen aus der menschlichen Gesellschaft verschwinden. Demgegenüber verschlingt der Fluch der Bestialität und Unmenschlichkeit die ganze Welt. Nur der Schöpfer von Diesseits und Jenseits kann die Erde und ihre Menschen aus dem erbarmungslosen Griff dieses Fluches befreien. Die Befreiung liegt allein in Seiner gegebenen Ordnung und auf dem Weg der Propheten und Gesandten. Allah hat die Mittel zur Entwicklung des moralischen Wesens des Menschen nicht auf der irdischen Welt verstreut, sodass die Menschen sie durch eigene Anstrengung finden, sich aneignen und Erfolg erlangen könnten. Die Mittel zur Entwicklung dieses Wesens hat Er den Menschen gewiss gegeben, aber nicht auf dieselbe Weise, wie die Elemente der materiellen Welt in der materiellen Welt verstreut sind. Allah, der Erhabene, hat den Menschen diese Mittel durch die Propheten und Gesandten in den verschiedenen Zeitaltern gegeben. Er sagte:

فَإِمَّا يَاتِيَنَّكُمْ مِّنَى هُدًى فَمَنْ تَبِعَ هُدَايَ فَلَا خَوْفٌ عَلَيْهِمْ وَلَا هُمْ يَحْزَنُونَ

„Dann wird von Mir eine Rechtleitung zu euch kommen. Wer meiner Rechtleitung folgt, über den soll keine Furcht kommen, und er soll auch nicht traurig sein.“ – (Sure al-Baqara: 38)

Allah, der Herr der Welten, hat durch Seinen letzten Propheten (s.a.w.) die notwendigen Mittel zur Vervollkommnung unseres moralischen Wesens gesandt. Daher ist der Prophet (s.a.w.) für alle Menschen, die von seiner Zeit bis zum Tag der Auferstehung kommen werden, der einzige Lehrer, dem sie bei ihrer moralischen und geistigen Vervollkommnung folgen können. Nur durch den von ihm aufgezeigten und von ihm befolgten Weg und die entsprechende Methode kann der Versuch geistiger Weiterentwicklung oder der Selbstläuterung erfolgreich sein.

Wir haben zu Beginn zu erklären versucht, dass die vom Menschen erdachten Methoden im Grunde unnatürlich und künstlich sind. In diesem Kapitel wird bewiesen, dass gerade die Methode, der die Propheten und Gesandten im Licht des von Allah gegebenen Wissens gefolgt sind, einfach, natürlich und mit der menschlichen Natur vereinbar ist. Daher ist sie für Menschen aller Ebenen und Klassen annehmbar und befolgbar. Hier muss noch eine weitere Sache klargestellt werden: Bei den spirituellen Übungen, die nach vom Menschen erdachten Methoden durchgeführt wurden, gilt nicht die Entwicklung von Menschlichkeit oder Humanität als Ziel der Übung, sondern vielmehr der Erwerb übermenschlicher Fähigkeiten und bestimmter Kunstgriffe durch einige Menschen. Demgegenüber besteht das Ziel der Bemühungen um geistige und spirituelle Vervollkommnung nach der von Gott gegebenen und vom Gesandten (s.a.w.) aufgezeigten Methode darin, die Fähigkeit zur Dienerschaft gegenüber dem Schöpfer, zum Gehorsam und zum Dienst an der Schöpfung zu erlangen. Je mehr jemand durch die Übung auf diesem Weg dazu befähigt wird, Allahs Gebote zu befolgen und die von Ihm verbotenen Dinge und Handlungen zu meiden, desto mehr gilt er in Wirklichkeit als erfolgreich. Hier wird keinerlei außergewöhnliches Ereignis als überhaupt bedeutsam angesehen. Damit wird das Außergewöhnliche jedoch nicht geleugnet. Außergewöhnliche Dinge können im Leben jedes beliebigen Menschen geschehen, und deshalb ist die persönliche Leistung niemandes dabei überhaupt ein Gegenstand der Erörterung. Wenn so etwas geschieht, geschieht es von Allah. Im Leben eines Menschen, der die höchste Stufe erreicht hat, muss sich nichts Außergewöhnliches zeigen. Wenn Allah es jedoch will, kann sich auch im Leben eines gewöhnlichen Menschen etwas Ungewöhnliches zeigen. Aus der Sicht des echten islamischen Tasawwuf ist dies keine besonders wichtige Angelegenheit. Vielmehr wird die absichtliche Zurschaustellung von Karamat aus der Sicht des Ilm al-Kalam als Istidraj bezeichnet, und diejenigen, die so handeln, werden als Fasiq bezeichnet.

Die qualitativen Stufen des menschlichen Wesens

Bevor ich die Methoden der Selbstläuterung und der Tazkiya an-Nafs bespreche, halte ich es für notwendig, auch die qualitativen Entwicklungsstufen der menschlichen Seele etwas zu beleuchten. Dies kann bei der Beurteilung der Entwicklung und Vervollkommnung der Seele hilfreich sein. Aus der Sicht des Korans befindet sich die menschliche Seele je nach ihren Taten zu unterschiedlichen Zeiten auf unterschiedlichen Stufen. Die menschliche Seele kommt von Geburt an in derjenigen Beschaffenheit und Verfassung in diese Welt, in der sie sich befindet; im Licht des Korans können wir sie als „Nafs al-Mulhama“ bezeichnen.

وَنَفْسٍ وَمَا سَوْهَا فَالْهَمَهَا فُجُورَهَا وَتَقُوْبَهَا :

„Bei der menschlichen Seele und bei jenem erhabenen Wesen, das die menschliche Nafs vollkommen gestaltet und ihr das Wissen um Fisq-Fudschur und Taqwa gegeben hat.“ – (Sure asch-Schams: 7–8)

Hier stammt „Alhamaha“ von Ilham. Denjenigen, dem Ilham zuteilwird, können wir „Mulhama“ nennen. Im Licht dieses Verses wird in einem Hadith über die Beschreibung des Sirat al-Mustaqim dieser Zustand der Seele folgendermaßen erwähnt: „An den beiden Seiten eines Weges hängen vor offenen Türen Vorhänge. In dem Augenblick, in dem ein Mensch diesen Weg einschlägt, warnt ihn ein Mahner und sagt: Geh geradeaus und versuche nicht, nach rechts oder links abzubiegen. Daraufhin geht der Wanderer den Weg. Während er weitergeht, späht er nach rechts und links, fasst nach den herabhängenden Vorhängen und versucht, hineinzutreten. Da hindert ihn ein weiterer Mahner daran.“ Daraufhin erläuterte der Gesandte Gottes (s.a.w.) die Angelegenheit noch etwas ausführlicher: Der Weg ist der Islam, die offenen Türen sind die von Allah für verboten erklärten Dinge, und die Vorhänge sind die von Allah gesetzten Grenzen. Der Wanderer ist der Mensch beziehungsweise der Muslim; der erste Mahner ist der Koran und der zweite Mahner ist der im Inneren des Menschen befindliche Wa’iz. Das heißt: die von Gott verliehene Gewissenskraft und Vernunft, der Allah die Kraft gegeben hat, das Gute anzunehmen und schlechte Taten zu meiden.

Nafs al-Mulhama ist der ursprüngliche Zustand der menschlichen Seele. Durch geistige Übung kann sie sich zu einer Stufe entwickeln, auf der der Mensch, während er nach Allahs Geboten und Vorschriften lebt, höchste und vollkommene Zufriedenheit erlangt. In vollkommenem Frieden und voller Zufriedenheit wird er Allahs Gebote und Vorschriften befolgen. In seinem Herzen wird keinerlei Zweifel oder Bedenken Raum finden.

Die Befolgung von Allahs Geboten, der Wunsch, vor Allahs Strafe bewahrt zu werden und Belohnung zu erlangen, Khauf-e-Khuda, Hubb-e-Rasul und Ittiba-e-Rasul sowie Fikr-e-Akhirat sind die einzige Wegzehrung auf ihrem Weg. Nichts anderes gehört zu ihren Wünschen oder ihrem Streben. Diesen höchsten Zustand der Seele hat der Koran als Nafs al-Mutma’inna bezeichnet. Es heißt:

بِأَيْتُهَا النَّفْسُ الْمُطْمَئِنَّةُ فِي ارْجِعِي إِلَى رَبِّكِ رَاضِيَةً مَرْضِيَّةً ، فَادْخُلِي في عِبَادِي وَادْخُلِي جَنَّتِي

„O du zufriedene Seele. Kehre zufrieden und wohlzufrieden zu deinem Herrn zurück. Tritt dann unter Meine Diener, unter Meine gehorsamen Diener, und betrete das Paradies.“ (Sure al-Fadschr: 27–30)

Dies ist die höchste Stufe bei der Läuterung und Vervollkommnung der Seele. Nach Ansicht vieler ist die Seele der ehrwürdigen Propheten die Nafs-e Mutma’inna, denn sie sind ma’sum. Für uns ist es nicht möglich, diese Stufe vollständig zu erreichen. Meiner Ansicht nach ist es jedoch zweifellos richtig, dass andere nicht jene Stufe erreichen können, auf der die ehrwürdigen Propheten zur Stufe der „Mutma’inna“ gelangt sind. Denn die Zeichen Allahs, die sie unmittelbar gesehen haben oder die Allah sie hat sehen lassen, liegen außerhalb der Reichweite gewöhnlicher Menschen. Über einige Umma­tangehörige des Gesandten (s.a.w.s.) wurde gesagt, dass zwischen ihnen und den Propheten (a.s.) – abgesehen von der Stellung beziehungsweise dem Rang des Prophetentums – kein Unterschied bestehen werde und dass die Würde mancher Angehöriger der Umma sogar für andere Propheten ein Anlass zum Neid sein werde. Im Licht dieser Aussagen gibt es keinen vernünftigen Grund, es für unmöglich zu halten, dass einige Menschen aus der Allgemeinheit die Stufe der „Nafs-e Mutma’inna“ erreichen. Dass zwischen den Propheten und den Nichtpropheten unter den Menschen, die diese Stufe erreicht haben, ein gewaltiger Unterschied bestehen wird, ist ganz selbstverständlich. Das Ziel des menschlichen geistlichen Strebens sollte es sein, die Seele zu dieser Stufe zu erheben.

Unterhalb der „Nafs-e Mulhama“ gibt es zwei Zustände der Seele. Einer davon wird „Nafs-e Lawwama“ genannt – die tadelnde Seele. Sobald ein Mensch aus menschlicher Schwäche oder versehentlich eine schlechte Tat begeht, beginnt sein Gewissen, ihn zu quälen. Sein Gewissen ruft in ihm ein Gefühl der Reue und des Bedauerns hervor. Im Fall der „Nafs-e Mulhama“ wird der Mensch bereits in dem Augenblick innerlich gehindert, in dem der Wunsch nach einer schlechten Tat entsteht oder er im Begriff ist, sie zu begehen. Der Gedanke an eine schlechte Tat entsteht gewiss von Zeit zu Zeit in seinem Herzen, doch in dem Augenblick, in dem er sich auf diese schlechte Tat einlassen will, stößt er stets auf ein starkes inneres Hindernis. Auch im oben erwähnten Hadith über das Beispiel des Sirat al-Mustaqim wird darauf hingewiesen. Deshalb ist unter den ehrwürdigen Sufis die Redewendung verbreitet: „Die ehrwürdigen Propheten sind ma’sum, die ehrwürdigen Awliya sind mahfuz.“ Bei der Lawwama jedoch wird die schlechte Tat von ihr begangen. Bedauern, Reue und Zerknirschung stellen sich erst danach ein.

Die unterste Stufe unterhalb der Lawwama wird Nafs-e Ammara genannt. Auf dieser Stufe verliert die Seele des Menschen sogar das Gefühl für das Gewissen. Die schlechte Tat wird dann zu einem Teil seines Wesens. Und deshalb empfindet er in seinem Herzen niemals Reue oder Bedauern. Auf dieser Stufe wird der Mensch dem Tier gleich, ja sogar schlechter als dieses.

Was sind die grundlegenden Aufgaben des Gesandten (s.a.w.s.)?

Gemäß der Erklärung des edlen Qur’an hatte der Gesandte (s.a.w.s.) drei grundlegende Aufgaben:

1. Er überbrachte der Menschheit das Buch Allahs und lehrte sie das Buch Allahs.

2. Er lehrte und vermittelte den Weg, die Methode und die Vorgehensweise für die Durchführung aller Tätigkeiten im Licht dieses Buches, also die praktische Weisheit.

3. Er formte Menschen, die für eine islamische Gesellschaft geeignet waren, bildete ihren Charakter und bemühte sich um ihre geistige Vervollkommnung. Zugleich bemühte er sich darum, auch das gemeinschaftliche Umfeld der Gesellschaft zu läutern und zu heiligen sowie auf ein kultiviertes und verfeinertes Niveau zu heben.

An vier Stellen im Heiligen Koran hat Allah, der Erhabene, diese drei grundlegenden Aufgaben auf folgende Weise dargelegt: Im folgenden Vers sagt Allah, der Erhabene, unter Anführung des Bittgebets von Ḥazrat Ibrāhīm über den Propheten Muḥammad (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm): Denkt an den Augenblick zurück, als Ibrāhīm (Allahs Friede sei auf ihm) in diesen Worten betete:

ربَّنَا وَابْعَثَ فِيهِم رَسُولاً مِّنْهُم يَتْلُوا عَلَيْهِمْ آيَتِكَ وَيُعَلِّمُهُمُ الْكِتَبَ والحكمة ويزكيهم ،

„O unser Herr, sende unter ihnen einen Gesandten, der ihnen Deine Verse vorträgt, sie das Buch und die Weisheit lehrt und sie läutert.“ (Sure al-Baqara: 129)

كما أرسَلَنَا فِيكُمْ رَسُولاً مِّنْكُمْ يَتْلُوا عَلَيْكُمْ ابْتِنَا وَيُزَكِّيكُمْ وَيُعَلِّمُكُمُ الْكِتٰبَ وَالْحِكْمَةَ وَيُعَلِّمُكُم مَّا لَمْ تَكُونُوا تَعْلَمُونَ

„Wie Wir aus eurer Mitte einen Gesandten zu euch gesandt haben, der euch Unsere Verse vorträgt, sich um eure innere Läuterung und Vervollkommnung bemüht, euch in das Buch und die Weisheit einweist und euch auch jene Dinge lehrt, von denen ihr nichts wusstet.“ (Sure al-Baqara: 151)

Durch den erstgenannten Vers hat Allah, der Erhabene, uns durch ein Bittgebet von Ḥazrat Ibrāhīm darüber unterrichtet, worin die grundlegenden Aufgaben des letzten Propheten bestehen würden. Im vorliegenden Vers werden eben jene grundlegenden Aufgaben erwähnt, die der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) tatsächlich ausgeführt hat:

لَقَدْ مَنَّ اللَّهُ عَلَى الْمُؤْمِنِينَ إِذْ بَعَثَ فِيهِمْ رَسُولًا مِّنْ أَنْفُسِهِمْ يَتْلُوا عَلَيْهِمْ أَيْتِهِ وَيُزَكِّيهِمْ وَيُعَلِّمُهُمُ الْكِتٰبَ وَالْحِكْمَةَ :

„Allah, der Erhabene, hat den Gläubigen eine große Gunst erwiesen, indem Er aus ihrer Mitte einen Gesandten zu ihnen sandte, der ihnen die Verse Allahs vorträgt, sie läutert und sie das Buch und die Weisheit lehrt.“ (Sure Āl ʿImrān: 164)

Auch in dem genannten Vers werden die drei grundlegenden Aufgaben des Gesandten in dieser Weise dargestellt: In Wirklichkeit hat er genau diese genannten Aufgaben erfüllt.

هُوَ الَّذِي بَعَثَ فِي الأمينَ رَسُولاً مِّنْهُم يَتْلُوا عَلَيْهِمْ أَيْتِهِ وَيُزَكِّيهِمْ وَيُعَلِّمُهُمُ الْكِتٰبَ وَالْحِكْمَةَ ، وَإِنْ كَانُوا مِنْ قَبْلُ لَفِي ضَلْلٍ مُّبِينٌ :

„Er ist es, der unter den Ungelehrten einen Gesandten erweckt hat, der ihnen die Verse Allahs vorträgt, sie läutert und sie das Buch und die Weisheit lehrt. Zuvor befanden sie sich wahrlich in einem offenkundigen Irrtum.“ (Sure al-Dschumuʿa: 2)

Auch durch diesen Vers hat Allah Taʿala die drei grundlegenden Aufgaben Seines letzten Propheten in dieser Weise beschrieben: In Wirklichkeit hat er diese Aufgaben erfüllt.

Durch die erwähnten vier Verse finden wir im Wesentlichen nahezu gleichlautend die Erwähnung der drei grundlegenden Aufgaben des Gesandten Allahs. Der einzige Unterschied besteht darin, dass im zuerst genannten Vers die Aufgabe der Tazkiya zuletzt beschrieben wird. In den übrigen drei Versen wird die Tazkiya an zweiter Stelle erwähnt. In diesem Zusammenhang ist zu sagen, dass gerade das in diesen vier Versen erwähnte Wort Tazkiya die Grundlage des Wirkens zur Läuterung und geistigen Vervollkommnung bildet, das zu den grundlegenden Aufgaben des Gesandten gehört. Der Gesandte hat diese grundlegende Verantwortung klar und vollständig erfüllt; dies ist eine notwendige und unverzichtbare Forderung des Glaubens an seine Gesandtschaft. Es wurde verkündet:

يأَيُّهَا الرَّسُولُ بَلِّغْ مَا أُنْزِلَ إِلَيْكَ مِنْ رَّبِّكَ ، وَإِنْ لَّمْ تَفْعَلْ فَمَا بَلَّغْتَ رِسُلَتَهُ ، وَاللَّهُ يَعْصِمُكَ مِنَ النَّاسِ إِنَّ اللَّهَ لَا يَهْدِي الْقَوْمُ الْكَفِرِينَ

„O Gesandter! Übermittle gewissenhaft alles, was von deinem Herrn zu dir herabgesandt wurde. Wenn du dies nicht tust, hast du deine dir anvertraute Aufgabe der Gesandtschaft nicht erfüllt. Allah wird dich vor dem Schaden der Menschen schützen. Wisse: Allah wird den Ungläubigen niemals den Weg zum Erfolg gegen euch weisen. (Sure al-Māʾida: 67)

Daher hat der Gesandte eine der grundlegenden Aufgaben der ihm von Allah anvertrauten Gesandtschaft – die Tazkiyat an-Nafs, also die Läuterung der Seele und die moralische Vervollkommnung – unmittelbar selbst erfüllt. (Andernfalls wäre die Erfüllung seiner Aufgabe als Gesandter unvollständig geblieben, was sich kein gläubiger Mensch auch nur vorstellen kann.) Wenn man daher die Mittel und Methoden für diese grundlegende Aufgabe der Läuterung der Seele oder Tazkiyat an-Nafs kennenlernen möchte, muss man sie vom Gesandten Allahs selbst erfahren. Denn wie bei den anderen grundlegenden Angelegenheiten des Islam ist auch in dieser Frage die von ihm angewandte und gelehrte Methode die einzig richtige und zuverlässige Methode – nicht die eines anderen.

Die Gefährten des Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) haben gemäß der von ihm angewandten Methode ernsthaft und erfolgreich nach der Läuterung der Seele, der Tazkiya an-nafs, gestrebt und sich darum bemüht. Danach taten dies die Tābiʿūn und die Tābiʿ at-Tābiʿīn. Bei ihrer auf die Vorbildlichkeit des Propheten ausgerichteten Bemühung um die Läuterung der Seele gab es ebenso wenig einen Platz für Pessimismus wie Hinweise auf eine Hinzufügung oder Weglassung gegenüber den grundlegenden Lehren des Korans und der Sunna.

Das Ziel der Läuterung der Seele

In unserer Gesellschaft herrscht die verbreitete und fest verankerte Vorstellung, dass Menschen, die der geistigen Welt angehören, über gewisse übernatürliche Fähigkeiten verfügen. Sie sollen mit übermenschlichen Eigenschaften und Kräften ausgestattet sein, Unmögliches vollbringen können und über alle weltlichen Wünsche und Errungenschaften erhaben sein. Deshalb sehen sie sich gegenüber gewöhnlichen Menschen stets gezwungen, sich hinter einem gewissen Geheimnis zu verbergen und einen sicheren Abstand zu wahren.

Diese Vorstellung ist im Grunde das Ergebnis äußerster Unkenntnis über den Islam. Sie haben weder ein richtiges Verständnis von der grundlegenden Identität des Menschen – der Menschlichkeit –, noch von seinem eigentlichen Geheimnis, der wahren Bedeutung des Ehrwürdigsten der Geschöpfe, oder von der wahren Bedeutung und dem eigentlichen Anspruch der Spiritualität. Sie haben auch kein richtiges Verständnis davon, weshalb die Propheten und Gesandten gekommen sind, welche Aufgaben sie erfüllt und welche Art von Menschen sie herangebildet haben; insbesondere wissen sie nicht, was der eigentliche Zweck des Kommens des letzten Propheten, Muhammad (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), war und worin seine wichtigste Aufgabe bestand. Wenn man daher Zweck und Ziel der wahren Läuterung der Seele und der Spiritualität erkennen will, ist es ebenso unerlässlich, ein richtiges, fehlerfreies, klares und eindeutiges Verständnis des Islam zu erlangen, wie es unerlässlich ist, die wahre Identität des Menschen zu kennen. Es gibt auch keinen Ersatz dafür, sich auf zuverlässige Quellen des Korans und der Sunna gründendes, fehlerfreies Wissen über das Wirken der ehrwürdigen Propheten, insbesondere des letzten Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), anzueignen.

Der Koran sagt eindeutig, dass der Mensch als Allahs Statthalter auf diese Welt gekommen ist. Zu seiner Verantwortung gehört es, auf Allahs Erde und im Leben der Menschen Allahs Gesetze, Regeln und Ordnungen zur Geltung zu bringen. Er selbst soll ausschließlich Allah dienen und Ihn anbeten und auch anderen Menschen die Möglichkeit geben, Allah zu dienen und Ihn anzubeten. Zu seiner Verantwortung gehört ebenfalls, sämtliche Hindernisse und Widerstände auf dem Weg der Dienerschaft und Anbetung Allahs zu beseitigen. Die eindeutige Erklärung des Korans lautet:

فَمَنْ يَكْفُرْ بِالطَّاغُوتِ وَيُؤْمِنُ بِاللَّهِ فَقَدِ اسْتَمْسَكَ بِالْعُرْوَةِ الْوُثْقَى و لا انفِصَامَ لَهَا ،

„Diejenigen, die den Tāghūt zurückweisen und an Allah glauben, halten sich in Wahrheit an einer unzerreißbaren, äußerst festen Handhabe fest.“ (Sure al-Baqara: 256)

In Wahrheit hat Allah die Propheten und Gesandten zu allen Zeiten gerade deshalb entsandt, um der Menschheit bei dieser Aufgabe zu helfen. Auch der letzte Prophet kam mit demselben Ziel auf die Welt. Insbesondere hat er allen Menschen, die bis zum Tag der Auferstehung auf diese Welt kommen werden, endgültig den Weg gewiesen. Der gesamten Welt hat er ein lebendiges Beispiel für die praktische Umsetzung vorgelegt. Allah, der Erhabene, hat ihn für die gesamte Menschheit zum Vorbild erklärt. Er allein wurde als eine Persönlichkeit vorgestellt, der man folgen und die man nachahmen soll. Ihn allein hat Allah zu einem lebendigen Beispiel und zur Verkörperung von Menschlichkeit und wahrer menschlicher Würde sowie von Spiritualität gemacht. Allahs, des Erhabenen, Erklärung hierzu ist völlig eindeutig:

وَإِنَّكَ لَعَلَى خُلُقٍ عَظِيمٍ

„(O Prophet,) du stehst wahrlich auf einem erhabenen und großartigen Charakter.“ – (Sure al-Qalam: 4)

لَقَدْ كَانَ لَكُمْ فِي رَسُولِ اللَّهِ أَسْوَةٌ حَسَنَةٌ

„Im Gesandten Allahs habt ihr wahrlich ein vortreffliches Beispiel, dem ihr folgen und nacheifern könnt.“ (Sure al-Ahzab: 21)

قُلْ إِنْ كُنْتُمْ تُحِبُّونَ اللَّهَ فَاتَّبِعُونِي يُحْبِبْكُمُ اللَّهُ

„Sprich: Wenn ihr Allah wirklich liebt, dann folgt mir (dem Propheten Muhammad). Dann wird Allah euch lieben.“ – (Sure Al-i-Imran: 31)

Über den Charakter Muhammads (s. a.) und seiner erfolgreichen Gefährten, über die Allah erklärt hat: „Allah ist mit ihnen zufrieden, und sie sind mit Allah zufrieden“, hat Allah selbst Folgendes gesagt:

مُحَمَّدٌ رَسُولُ اللهِ ، وَالَّذِينَ مَعَهُ أَشِدَّاءُ عَلَى الْكُفَّارِ رُحَمَاءُ بَيْنَهُمْ تَرَبَّهُم رَكعًا سُجَّدًا يُبْتَغُونَ فَضْلاً مِّنَ اللَّهِ وَرِضْوَانًا .

„Muhammad (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und seine Gefährten zeichnet aus, dass sie gegenüber den Mächten des Kufr hart wie Donner sind. Untereinander sind sie barmherzig. Du wirst sie in Verbeugung und Niederwerfung sehen, stets bemüht, Allahs Barmherzigkeit und Wohlgefallen zu erlangen.“ (Sure al-Fath: 29),

Der Gesandte Allahs sagte über seine eigene Sendung: „Ich wurde entsandt, um die vorzügliche Moral beziehungsweise den Charakter zur vollkommenen Entfaltung zu bringen.“

Auf diese Weise hat Allah, der Erhabene, im Koran selbst die vollständige Entfaltung der hohen Moral beschrieben, die durch das Wirken des Gesandten Allahs im Leben der ehrwürdigen Sahaba verwirklicht wurde. Die in den ersten zehn Versen der Sure al-Muʾminun erwähnten charakterlichen Eigenschaften werden im Folgenden beschrieben:

قد أفلح الْمُؤْمِنُونَ وَالَّذِينَ هُمْ فِي صَلَاتِهِمْ خَشِعُونَ وَالَّذِينَ هُمْ عنِ اللَّغْوِ مُعْرِضُونَ ، والذين هم للزكوة فَعِلُونَ ، وَالَّذِينَ هُمْ لفروجهم حفظون إلا على أزواجهم أو ما مَلَكَتْ أَيْمَانُهُمْ فَإِنَّهُمْ غَيْرُ مَلُومِينَ، فَمَنِ ابْتَغَى وَرَاء

ذَلِكَ فَأُولَئِكَ هُمُ الْعُبُونَ وَالَّذِينَ هُمُ لامُنَتِهِمْ وَعَهْدِهِمْ رَعُونَ وَالَّذِينَ هُمْ عَلَى صَلَاتِهِمْ يُحَافِظُونَ وَ أُولَئِكَ هُمُ الْوَريون:

„Gewiss werden jene gläubigen Menschen Erfolg haben, die in ihrem Gebet demütig sind, sich von unnützen Tätigkeiten fernhalten, die Zakat entrichten und ihre Scham bewahren – außer gegenüber ihren Ehefrauen und ihren Sklavinnen, denn dies ist nicht tadelnswert. Wer darüber hinaus etwas sucht, das sind diejenigen, die die Grenzen überschreiten. (Weitere Merkmale der erfolgreichen Diener sind:) Sie hüten die anvertrauten Güter, halten ihre Versprechen und wachen über ihre Gebete. Sie werden die Erben davon (des Paradieses al-Firdaus) sein.“ (Sure al-Muʾminun: 1–10)

Im letzten Rukuʿ der Sure al-Furqan werden die von der Hand des Gesandten geformten Menschen folgendermaßen beschrieben:

وعباد الرحمنِ الَّذِينَ يَمْشُونَ عَلَى الْأَرْضِ هَوْنًا وَإِذَا خَاطَبَهُمُ الْجَهِلُونَ قَالُوا سَلمان والذين يبيتون لربهم سجدًا وَقِيمَانَ وَالَّذِينَ يَقُولُونَ ربَّنَا اصْرِفْ عَنَّا عَذَابَ جَهَنَّمَ وَ إِنَّ عَذَابَهَا كَانَ غَرَامًا وَ إِنَّهَا سَاءَتْ مستقراً ومُقَامًا

وَالَّذِينَ إِذَا أَنْفَقُوا لَمْ يُسْرِفُوا وَلَمْ يَقْتُرُوا وَكَانَ بَيْنَ ذلِكَ قَوَامًا وَالَّذِينَ لَايَدْعُونَ مَعَ اللهِ إِنَّهَا أَخَرَ وَلَا يَقْتُلُونَ النَّفْسَ الَّتِي حَرَّمَ اللهُ إِلَّا بِالْحَقِّ وَلَا يَزْنُونَ ، وَمَنْ يَفْعَلُ ذَلِكَ يَلْقَ أَثَامًاه يُضْعَفُ لَهُ الْعَذَابُ يَوْمَ الْقِيمَةِ وَيَخْلُدْ فِيهِ مُهَانًا

وَ إِلَّا مَنْ تَابَ وَآمَنَ وَعَمِلَ عَمَلاً صَالِحًا فَأُولَئِكَ يُبَدِّلُ اللَّهُ سَيِّاتِهِمْ حَسَنَتٍ ، وَكَانَ اللَّهُ غَفُورًا رَّحِيمًا وَمَنْ تَابَ وَعَمِلَ صَالِحًا فَإِنَّهُ يَتُوبُ إِلَى اللَّهِ مَتَابًاه وَالَّذِينَ لايَشْهَدُونَ الزُّورَ ، وَإِذَا مَرُوا بِالتَّعْوِ مَرُّوا كِرَامًا وَالَّذِينَ إِذَا ذكَرُوا بِآيَتِ

رَبِّهِمْ لَمْ يَخِرُّوا عَلَيْهَا صُمَّا وَعُمْيَانًا وَالَّذِينَ يَقُولُونَ رَبَّنَا هَبْ لَنَا مِنْ أَزْوَاجِنَا وَذُرِّيَّتِنَا قُرَّةَ أَعْيُنٍ وَاجْعَلْنَا لِلْمُتَّقِينَ إِمَامًاه أولئِكَ يُجْزَوْنَ الْغُرْفَةَ بِمَا صَبَرُو وَيُلَقَّوْنَ فِيهَا تَحِيَّةً وَسَلْمًا خُلِبِينَ فِيهَا ، حَسُنَتْ مُسْتَقَرٌّ وَمُقَامًا .

„Die geliebten Diener des Allerbarmers sind diejenigen, die demütig und bescheiden auf der Erde umhergehen. Und wenn die Unwissenden sie in spitzfindige Streitgespräche verwickeln wollen, entgehen sie ihnen geschickt, indem sie Frieden wünschen. Diejenigen, die die Nacht für ihren Herrn verbringen, indem sie sich niederwerfen und im Gebet stehen. Diejenigen, die beten: ‚O unser Herr, bewahre uns vor der Strafe der Hölle; ihre Strafe ist für uns eine Strafe und eine Schande. Sie ist wahrlich ein schlimmer Aufenthalts- und Ruheort.‘ Diejenigen, die in ihrem wirtschaftlichen Leben das Gleichgewicht wahren und einen Mittelweg einschlagen. Wenn sie ausgeben, verschwenden sie weder maßlos noch sind sie geizig. Diejenigen, die neben Allah keine andere Gottheit anrufen. Sie töten kein von Allah für unantastbar erklärtes Leben zu Unrecht und ohne rechtmäßiges Urteil. Sie begehen keinen Ehebruch. Wer solche Taten begeht, wird die Folgen und Vergeltung seiner eigenen Taten erfahren. Am Tag der Auferstehung wird ihnen Strafe über Strafe auferlegt, und dort werden sie diese Strafe in Schmach und Erniedrigung auf ewig ertragen. Doch ja: Wer von diesen Sünden umkehrt, gläubig wird und gute Werke tut, dessen schlechte Taten wird Allah durch gute Taten ersetzen. Und Er ist wahrlich überaus vergebend und barmherzig. Wer bereut und gute Werke tut, kehrt wahrhaftig reuig zu Allah zurück. (Weitere Merkmale der Diener des Allerbarmers:) Sie legen kein falsches Zeugnis ab. Und wenn sie jemals auf etwas Sinnloses und Nichtiges oder auf eine nichtige Handlung treffen, gehen sie mit großer Würde daran vorbei. Wenn ihnen durch einen Vers Allahs eine Ermahnung erteilt wird, verhalten sie sich nicht wie Blinde und Taube, sondern hören sie aufrichtig an. Diejenigen, die zu Allah so beten: ‚O unser Herr, mache unsere Ehepartner und unsere Kinder zu einer Quelle der Freude für unsere Augen und mache uns zu Imamen oder Vorreitern der Gottesfürchtigen.‘ Das sind jene glücklichen Menschen, die an der höchsten Stätte den Lohn für ihre Geduld erhalten werden. Dort wird man sie mit ehrerbietigem Empfang begrüßen. Und dort werden sie für immer bleiben. Wie trefflich ist diese Wohnstätte und wie trefflich dieser Ruheort!“ – (Sure al-Furqan: 63–76)

Über diese vom Gesandten Allahs geformten Menschen äußerten sich die erbittertsten Feinde des Islam folgendermaßen: „Nachts sind sie Asketen und tagsüber berittene tapfere Kämpfer, unermüdliche Soldaten.“ „Sie täuschen niemanden, und auch sie kann niemand täuschen.“

Diese Gefährten des Gesandten Allahs waren seine erfolgreichen und wahrhaftigen Anhänger. Bei der Befolgung des Gesandten Allahs wollten die ehrwürdigen Gefährten weder über die Grundsätze des Gesandten hinausgehen noch bei irgendeiner von ihm angenommenen Handlung etwas hinzufügen oder weglassen; ebenso wenig erlaubte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ihnen dies. Da der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sich selbst nicht als ein übermenschliches Wesen darstellte, versuchten auch die ehrwürdigen Gefährten bei ihrer Selbstläuterung und geistlichen Übung nicht, zu Übermenschen zu werden. Ein Beispiel für das einfache, schlichte und natürliche Leben des Gesandten finden wir im folgenden Hadith:

„Von Anas (Allah sei mit ihm zufrieden) wird überliefert. Er sagte: Eine Abordnung aus drei Personen kam zu den Ehefrauen des Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Sie erkundigten sich nach der Anbetung und dem Gottesdienst des Gesandten Allahs. Nachdem sie darüber erfahren hatten, erschien es ihnen, als sei dies doch recht wenig. Zugleich bemerkten sie jedoch: Wo steht der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), und wo stehen wir? Ihm hat Allah doch bereits alle seine früheren und späteren Sünden vergeben. Darauf sagte einer: ‚Ich werde regelmäßig die ganze Nacht im Gebet verbringen.‘ Ein anderer sagte: ‚Ich werde jeden Tag regelmäßig fasten.‘ Ein weiterer sagte: ‚Ich werde mich von den Frauen fernhalten und danach niemals heiraten.‘ Inzwischen kam der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu ihnen und sagte: ‚Habt ihr diese Dinge gesagt? Bei Allah, ich fürchte Allah mehr als ihr alle und bemühe mich mehr als alle anderen, mich vor seinem Ungehorsam zu bewahren. Dennoch faste ich manchmal freiwillig und manchmal nicht. Nachts bete ich manchmal und schlafe manchmal. Ich heirate und führe auch ein Familienleben. Wer meine Sunna missachtet, gehört nicht zu meiner Umma.‘“ (Bukhari und Muslim)

Im Licht dieses Hadith tritt die wahre und praktische Seite des vorbildlichen Lebens und der Sunna des Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) äußerst klar hervor. Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) selbst war ein lebendiges Beispiel für dieses lebensnahe Vorbild. Dieses lebensnahe Vorbild ist der Sirat al-mustaqim, der gerade Weg. Deshalb sagte Allah, indem Er seinen Gesandten ansprach: „O Prophet, du bist gewiss fest auf dem geraden Weg.“ Nur dieser Weg ist für die Allgemeinheit befolgbar. Daher wird er als Mittelweg bezeichnet. Der Gesandte war nicht der Einzige, der diesem Weg folgte; er machte auch seine Gefährten zu Anhängern dieses Weges. Allah bezeichnete die von ihm geformte Umma als „Khaira ummatin“ (die beste Gemeinschaft) und als „Ummat al-wasat“, also als eine gemäßigte Gemeinschaft. Im Grunde ist der Mittelweg der beste Weg. Deshalb ist die vom Gesandten geformte Umma unabhängig von Volk, Religion und Hautfarbe für alle Menschen der Welt eine vorbildliche Gemeinschaft oder Nation. Sie ist insofern gemäßigt, als alle sie nachahmen und ihr folgen können. Allahs Verkündigung lautet:

كُنتُم خير أمة أخرجَتْ لِلنَّاسِ تَأْمُرُونَ بِالْمَعْرُوفِ وَتَنْهَوْنَ عَنِ الْمُنْكَرِ وَتُؤْمِنُونَ بِاللهِ .

„Ihr seid die beste Gemeinschaft. Ihr seid zum Wohle der gesamten Menschheit erschaffen worden. Es ist eure Verantwortung und eure Pflicht, die Menschheit auf den geraden Weg zu führen und sie vom falschen Weg abzuhalten. Vor allem aber sollt ihr an Allah glauben.“ (Sure Al ʿImrān: 110)

وكَذَلِكَ جَعَلْنَكُمْ أُمَّةً وَسَطًا لَتَكُونُوا شُهَدَاءَ عَلَى النَّاسِ وَيَكُونَ الرَّسُولُ عَلَيْكُمْ شَهِيدٌ

„So haben Wir euch zu einer gemäßigten Gemeinschaft gemacht, damit ihr vor allen Menschen der Welt Zeugnis für die Wahrheit ablegen könnt und der Gesandte vor euch als Zeuge für die Wahrheit auftritt.“ (Sure Al-Baqara: 143)

Hier wird im Sinne des Zeugnisses für die Wahrheit vor allem darauf Wert gelegt, den Menschen beim Befolgen der Wahrheit ein Vorbild zu sein. Der mittlere Weg ist für alle Menschen praktisch gangbar. Deshalb wurde die Umma zu einer gemäßigten Gemeinschaft geformt, der alle Menschen folgen und die sie nachahmen können. Sie folgen diesem Weg nicht und werden ihm nicht aus eigener Willkür folgen. Dies können sie nur als erfolgreiche Anhänger Muhammads (s. a. w. s.) sein. Denn der von ihm beschrittene Weg war der wahrhaft gemäßigte und praktikable Weg. Das Ziel der Tazkiya an-nafs, also der Läuterung der Seele und der spirituellen Übung im Islam, besteht im Wesentlichen darin, auf diese Weise eine Gruppe von Menschen zu schaffen und eine Umma zu bilden, die für Menschen aller Schichten und für alle Menschen auf der Welt nachahmens- und befolgenswert ist. Allah hat sie als „Chair umma“ und als „Ummat al-Wasat“, also als die beste Gemeinschaft bezeichnet, die einem gemäßigten und praktikablen Ideal folgt.

Die richtige und fehlerfreie Methode der Läuterung der Seele

Der edle Koran hat hinsichtlich der Tazkiya an-nafs verkündet:

قَدْ أَفْلَحَ مَنْ تَزَكَّى وَذَكَرَ اسْمَ رَبِّهِ فَصَلَّى هُ

„Erfolgreich ist, wer sich um die Tazkiya seiner Nafs bemüht. Zu diesem Zweck gedenkt er des Namens seines Rabb oder Gebieters und verrichtet die Salat.“ – (Sure al-Aʿla: 14–15)

Hier finden wir zwei Wege der Tazkiya: der eine ist der Dhikr Allahs und der andere die Salat. Es wird auch erwähnt, dass der Dhikr Allahs nicht von der Salat verschieden ist. Das eigentliche Ziel der Salat ist der Dhikr Allahs.

وَأَقِمِ الصَّلوةَ لِذِكْرِي

„Verrichte die Salat zu meinem Gedenken.“ – (Sure Taha: 14)

Auch aus der Gesamtheit der Lehren des Gesandten Gottes (Friede und Segen seien auf ihm) geht hervor, dass er seine Gefährten durch einfache und unkomplizierte Methoden sowie durch gewöhnliche Gottesdienste formte. In diesem Prozess spielten der nächtliche Gottesdienst, die Salat und die Tilawa sowie die dschihadischen Aktivitäten am Tag und das ständige Gedenken Allahs beziehungsweise der Dhikr während dieser Aktivitäten eine bedeutende Rolle. Der Koran Allahs selbst bezeugt dies. Wenn wir die im Surah al-Mu’minun, in der Surah al-Furqan, an verschiedenen Stellen der Surah Al-i Imran, in der Surah al-Ma’ida und im letzten Ruku der Surah al-Fath erwähnten Eigenschaften der edlen Gefährten Muhammads (Friede und Segen seien auf ihm), also der Mu’minun, aufmerksam betrachten, können wir leicht erkennen, dass das Ziel der Lehren des Gesandten (Friede und Segen seien auf ihm) gerade der Erwerb dieser charakterlichen Eigenschaften war. Dieses Ziel wurde ausschließlich auf ganz natürliche Weise erreicht: durch die Salat, also den formellen Gottesdienst, die Tilawa, den Dhikr und die Tasbihat nach der überlieferten Sunnah sowie durch Kämpfe und Auseinandersetzungen auf dem praktischen Feld. Zu diesem Zweck praktizierte der Gesandte Allahs selbst kein gesondertes Verfahren und ließ auch andere keines praktizieren. Menschen, die durch den genannten Prozess diese charakterlichen Eigenschaften erlangten, wurden in der Geschichte der Welt sogar aus der Sicht ihrer Feinde als „tagsüber tapfere Krieger“ und „nachts Derwische“ berühmt und bekannt.

Im Licht des Korans und der Sunnah lässt sich die zur Tazkiya der Nafs anzuwendende Methode, wie sie vom Gesandten Gottes (Friede und Segen seien auf ihm) gezeigt und befolgt wurde, ungefähr folgendermaßen darstellen:

(1) al-Imaniyyat
(2) at-Taharat
(3) al-Ikhbat
(4) as-Samahat und
(5) Adalat.

(1) Imaniyyat: Wir müssen an sieben Dinge glauben, nämlich an Allah, die Engel, die Bücher, die Propheten und Gesandten, das Jenseits, die Vorherbestimmung und die Auferstehung sowie an weitere Dinge. Von diesen sind Allah, der Gesandte und das Jenseits am wichtigsten. Der erste Schritt und die erste Aufgabe bei der Tazkiya der Nafs auf dem von Gott gegebenen und vom Gesandten gezeigten Weg besteht darin, im eigentlichen Sinne an Allah, das Jenseits, den Gesandten und das Buch zu glauben. Der Kern des Iman besteht hier darin, der von Allahs Gesandtem (Friede und Segen seien auf ihm) gebrachten Rechtleitung zu folgen und die eigenen Begierden dazu zu bringen, sich dieser Rechtleitung zu unterwerfen. Iman bedeutet auch, die Ma’rifa Allahs zu erlangen. Als Ma’rifa bezeichnet man eine richtige Vorstellung von Allahs Wesen, Seinen Eigenschaften, Allahs Rechten und Seinen Befugnissen. In dieser Hinsicht sind auch die Betrachtung der Macht und der Gnaden Allahs sowie deren wahrhaftige Anerkennung unerlässlich. Der Koran sagt:

يَتَفَكَّرُونَ فِي خَلْقِ السَّمَوتِ وَالْأَرْضِ :

„Sie denken über die Geheimnisse der Schöpfung von Himmel und Erde nach.“ – (Sure Āl ʿImrān: 191)

Auf diese Weise die Würde des Gesandten zu erkennen und zu verstehen, gehört zu den grundlegenden Forderungen des Īmān. Ebenso ist es unerlässlich, ein richtiges Verständnis vom Leben im Jenseits sowie von den dortigen Folgen und Konsequenzen zu erlangen. Im eigentlichen Sinne bedeutet Īmān, dass im Herzen eines Menschen der Zustand der Gottesfurcht, der Liebe zum Gesandten, der Befolgung des Gesandten, also des Nachdenkens über das Jenseits, geschaffen wird oder entsteht. Dies war die erste und wichtigste Aufgabe des Propheten Allahs.

(2) Tahārat: Der Koran hat zum Īmān aufgerufen und dazu aufgefordert, die Dienerschaft gegenüber Allah anzunehmen. Diejenigen aber, die Īmān angenommen und die Dienerschaft gegenüber Allah anerkannt haben, wurden zu guten Taten aufgerufen. Er hat auch bestimmte formelle und grundlegende gottesdienstliche Handlungen angeordnet. Vor diesen gottesdienstlichen Handlungen wurde Tahārat zur Voraussetzung gemacht. In der Unterweisung des Gesandten Allahs wurde Tahārat eine außerordentlich große Bedeutung beigemessen. Es heißt: „At-tahūru schatrul Īmān“ – Reinheit ist ein Teil des Īmān. Daher hat der Prophet Allahs für unsere Reinheit sowohl in körperlicher als auch in geistiger beziehungsweise seelischer Hinsicht gesorgt. Für die körperliche und äußere Reinheit führte er die Gebetswaschung und die Ganzkörperwaschung ein. Wenn wir dies als eine von Allah und Seinem Gesandten (sallallahu alaihi wa sallam) geliebte Handlung betrachten und es auf schöne und vortreffliche Weise verrichten, können wir die Reinheit von Körper und Geist erlangen. Der Prophet (sallallahu alaihi wa sallam) lehrte auch, den eigenen Körper sowie Kleidung und sonstige Bekleidung rein zu halten. Je mehr Reinheit ein Mensch auf diese Weise erlangt, desto mehr können auch sein Denken und sein Geist rein werden. Neben der Reinheit von Körper und Kleidung wurde auch die Reinheit der Zunge sowie des Blutes und Fleisches des eigenen Körpers betont. Für die Reinheit der Zunge ist es unerlässlich, sich an „Sidq-e Kalām“, also daran zu gewöhnen, stets die Wahrheit zu sprechen, und die Lüge zu meiden. Für die Reinheit des Blutes und Fleisches des Körpers ist es unerlässlich, halal ernährende Versorgung anzunehmen und verbotene Versorgung zu meiden. Denn ein Körper, der aus verbotener Nahrung aufgebaut ist, wird im Feuer der Hölle brennen. Außerdem wird ein solcher Körper im weltlichen Leben zwangsläufig seine Eignung für die Anbetung und den Gottesdienst gegenüber Allah verlieren.

(3) Al-Ikhbāt oder sich demütig zu unterwerfen: „Allah liebt die Diener, die sich Ihm gegenüber demütig unterwerfen.“

وَعِبَادُ الرَّحْمَنِ الَّذِينَ يَمْشُونَ عَلَى الْأَرْضِ هَوْنًا

„Die geliebten Diener des Allerbarmers bewegen sich demütig und sanft auf der Erde.“

Dieses „Ikhbāt“ oder die Lehre, sich Allah gegenüber als demütiger Diener zu unterwerfen, wird durch Salāt, Dhikr und Duʿā vermittelt. Um diese Eigenschaft in sich zu entwickeln, muss man sich daher mit aufrichtiger Hingabe daran gewöhnen, die Pflichtgebete in der Gemeinschaft zu verrichten. Auch um die Sunna- und Nafl-Gebete muss man sich nach Kräften bemühen. Um dem Fluch der Riyā (des Hochmuts) zu entgehen, ist es etwas anderes, bei den freiwilligen gottesdienstlichen Handlungen die Verborgenheit zu wahren. Doch die Neigung, diese zu vernachlässigen, ist bedauerlich. Kein vernünftiger Mensch kann den Beitrag dieser Handlungen zur Entwicklung echter Andacht, Ehrfurcht und Aufrichtigkeit im Gottesdienst leugnen.

Das Gebet selbst ist ein lebendiger Dhikr. Dennoch muss man sich auch außerhalb des Gebets an den Dhikr nach der überlieferten Sunna gewöhnen. In diesem Zusammenhang soll man der Rezitation des Korans den Rang des vorzüglichsten Dhikr geben und zugleich die Gewohnheit von Dhikr und Fikr entwickeln. Darüber hinaus können wir uns durch das Auswendiglernen und Einüben der Duʿāʾs, die der edle Gesandte (s.a.w.) zu verschiedenen Zeiten – etwa vor und nach dem Essen, vor und nach dem Schlafengehen, vor und nach dem Toilettengang sowie beim Antritt einer Reise mit einem Verkehrsmittel – selbst zu sprechen pflegte und den ehrenwerten Gefährten zu sprechen auftrug, samt ihrer Bedeutung ständig mit der Anbetung beschäftigen. Außerdem pflegte der Gesandte (s.a.w.) zu verschiedenen Zeiten oder stets folgende Tasbīḥāt zu sprechen, nämlich:

سُبْحَانَ اللهِ وَالْحَمْدُ لِلَّهِ لَا إِلهَ إِلَّا اللهُ اللَّهُ أَكْبَرُ

Es ist ebenso notwendig wie nützlich, sich an dergleichen zu gewöhnen. Ein ausgezeichnetes Mittel, sich Allah gegenüber demütig zu unterwerfen, sind Duʿāʾ und Munādschāt. Alle eigenen Bedürfnisse einzig Allah vorzutragen und selbst um einen kleinen fehlenden Schnürsenkel bei Allah zu bitten, lässt im Menschen in Wahrheit das echte Gefühl der ʿUbūdiyya entstehen. Allah hat gesagt: „Ruft Mich an, Ich werde euch erhören.“

إِذا سَأَلَكَ عِبَادِي عَنِّى فَإِنِّي قَرِيبٌ أُجِيبُ دَعْوَةَ الدَّاعِ إِذَا دَعَانِ . فليَسْتَجِيبُوا لِي وَلْيُؤْمِنُوا بِي –

„Wenn Meine Diener dich nach Mir fragen, so antworte: Ich bin wahrlich nahe. Wenn jemand Mich anruft, erhöre Ich sogleich seinen Ruf. Deshalb sollen sie auf Meinen Ruf antworten und an Mich glauben.“ (Sure al-Baqara: 186)

Niemand sollte zögern, sich scheu oder unsicher fühlen, wenn er zu jenem Herrn die Hände erhebt und um etwas bittet. Vielmehr soll der Mensch mit fester Überzeugung im Innersten seines Herzens an Allahs Tor beharrlich bitten und flehentlich alle seine Bedürfnisse vortragen; genau das liebt Allah. Im Augenblick des Duʿāʾ sollte man sich innerlich darauf vorbereiten, sich vollständig Allahs Willen zu überlassen. So wie sich ein Leichnam in den Händen dessen befindet, der ihn wäscht, soll man sich während der Munādschāt Allah gegenüber in ebenso hilfloser Lage darbieten; erst dadurch kann man sich durch das Duʿāʾ Allahs Nähe in größerem Maße nähern.

(4) Samāhat: Wer sich Allah gegenüber demütig gebeugt hat, muss auf seinem weiteren Weg auf Allahs Pfad die Prüfungen und Erprobungen, denen er begegnet, sowie die Gefahren und Leiden, die er bewältigen muss, mit einem Lächeln und größter Standhaftigkeit bestehen. Er muss die Fähigkeit erwerben, solchen Zuständen, Umgebungen und Umständen entgegenzutreten. So wie Gefahren, Leiden und Prüfungen Begleiter des Īmān sind, so ist es auch eine Forderung des Īmān, diese Prüfungen erfolgreich zu bestehen. Als der Gesandte Allahs (s.a.w.) gefragt wurde: „O Gesandter Allahs, was ist Īmān?“, antwortete er: „Sabr und Samāhat.“ Samāhat bedeutet, um Allahs Wohlgefallen willen freigiebig für Allahs Diener Geld auszugeben. Auch Freundlichkeit, Höflichkeit und Großzügigkeit werden Samāhat genannt. Im Allgemeinen ist sie jedoch vor allem als ergänzende Eigenschaft des Sabr bekannt. Auf Fragen jener Art, bei deren Beantwortung in den Hadithen Sabr und Samāhat als Īmān bezeichnet wurden, oder unter Berücksichtigung der Haltung des Fragenden, antwortete der Prophet Allahs: „Sag: Ich glaube an Allah, und bleibe danach standhaft.“ So wie diese Istiqāmat eine Ergänzung des Sabr ist – ja, ein etwas höherer Grad des Sabr wird ebenfalls Istiqāmat genannt –, so ist auch Samāhat die Bezeichnung für einen höheren Grad des Sabr, der mit finanzieller Opferbereitschaft sowie mit innerer Großzügigkeit und Weite verbunden ist.

Durch Fasten, Zakāt und Haddsch kann sich diese Eigenschaft in einem gläubigen Menschen vollständig entfalten. Tatsächlich muss man diese charakterliche Eigenschaft unbedingt aus diesen drei grundlegenden Formen der ʿIbāda erwerben. Das Fasten entwickelt im Muʾmin einen von Taqwā geprägten Charakter. Es stärkt die Fähigkeit zu Sabr und Selbstbeherrschung. Zugleich hilft es dabei, Mitgefühl und Anteilnahme gegenüber Allahs Dienern zu zeigen. Dadurch gewinnt man auch die Motivation, freigiebig für Allahs Diener auszugeben. Deshalb muss derjenige, der auf Allahs Weg unterwegs ist, neben dem gewissenhaften Einhalten des verpflichtenden Fastens im Monat Ramadan auch die Gewohnheit entwickeln, gelegentlich freiwillig zu fasten.

Die Zakat ist ein wissenschaftlich fundierter Weg, den von Allah bestimmten Anspruch der Armen auf die Versorgung, die Allah gegeben hat, aus dem aufrichtigen Wunsch nach Allahs Wohlgefallen an sie weiterzuleiten. Wenn derjenige, der Zakat entrichtet, das Zakat-Geld gibt und dafür eine Gegenleistung erwartet, ist die Zakat nicht erfüllt. Daher gibt es in der islamischen Scharia die Regelung und das System, die Zakat-Gelder in das Bayt al-Mal einzuzahlen, wobei darauf geachtet wird, dass beim Ausgeben der Zakat keine solche Gesinnung entsteht. Neben diesem Zakat-System müssen Allahs Diener auch für ihre nahen Verwandten sowie für bedürftige und notleidende Menschen ausgeben; diese Ausgaben müssen allein mit dem Ziel erfolgen, Allahs Wohlgefallen und Liebe zu erlangen. Durch die schariagemäße Verwendung der Zakat-Gelder erhalten rechtschaffene, gläubige Diener auf diese Weise den Antrieb, aufrichtig und uneigennützig auf Allahs Weg Geld auszugeben, und werden auch fähig, freigebig finanzielle Opfer zu bringen.

Auf diese Weise können Allahs Diener durch den Haddsch, indem sie die unbeschreiblichen Mühen und Leiden der Reise ertragen und deren Kosten tragen, die oben beschriebenen Eigenschaften erwerben. Daher sollen diejenigen, denen der Haddsch vorgeschrieben ist, durch die Erfüllung dieser Pflicht unbedingt die Gelegenheit nutzen, diese unerlässlichen charakterlichen Eigenschaften zu erwerben. Wer dazu in der Lage ist, soll nach dem Pflichthaddsch durch die Verrichtung der Umra oder eines weiteren Haddsch und durch die Betrachtung der Zeichen Allahs diese Gelegenheit nutzen, Allahs Nähe zu erlangen, und sich bemühen, dadurch in seinem Charakter Sabr und Istiqamat (Sabr und Samahat) im gewünschten Maß zu entwickeln.

(5) Adalat: Durch die oben genannten vier Tätigkeiten, nämlich Imaniyat, Taharat, Ikhbat und Samahat, kann ein Mensch danach streben, in sich von Allah bevorzugte Eigenschaften zu entwickeln. Allah will jedoch bei Seinen Dienern nicht nur die Entwicklung persönlicher Eigenschaften sehen. Vielmehr will Er, dass diejenigen, die diese bevorzugten Eigenschaften oder diese charakterlichen Merkmale besitzen, Allahs Din auf Allahs Erde vollständig zum Sieg verhelfen und in der menschlichen Gesellschaft Gerechtigkeit und Fairness errichten. Allah selbst hat Seine Ordnung unmittelbar in der gesamten Schöpfung wirksam gemacht; deshalb herrschen in der Schöpfung Frieden und Ordnung. Auch in der menschlichen Gesellschaft soll Seine Ordnung wirksam werden und Frieden, Wohlergehen, Gerechtigkeit und Fairness aufgerichtet werden – das ist Allahs Wille. Hier jedoch will Allah Seinen Willen durch die Menschen verwirklichen. Deshalb ist der Mensch Allahs Khalifa auf Allahs Erde.

Daher muss es das Ziel der gläubigen Menschen – der von Allah geliebten Diener – sein, sich mit letzter Kraft anzustrengen und zu kämpfen, um im Leben der Menschen und auf Allahs Erde gemäß Allahs Willen und Seinem Ratschluss eine gerechte und faire Gesellschaft zu errichten. Als Gegenleistung für diese Arbeit müssen die Erlösung im Jenseits und Allahs Wohlgefallen ihr höchstes und erhabenstes Lebensziel sein. Die oben genannten vier Prozesse oder Tätigkeiten müssen auf diese letztgenannte Aufgabe ausgerichtet sein, nämlich auf die Errichtung des von Allah gegebenen und vom Gesandten (sallallahu alaihi wa sallam) vorgezeigten Nizam-e-Adalat, der gerechten und fairen Gesellschaft. Diese Aufgabe darf nicht nur vereinzelt und verstreut ausgeführt werden; vielmehr muss diese letzte Aufgabe zusammen mit den vier oben genannten Tätigkeiten durch vereinte Anstrengungen verwirklicht werden. Diejenigen, die sich auf diese Weise vereint mit letzter Kraft dem Kampf für die Errichtung von Allahs Din auf Allahs Erde widmen, liebt Allah und nimmt sie als geliebte Diener an.

إِنَّ اللهَ يُحِبُّ الَّذِينَ يُقَاتِلُونَ فِي سَبِيلِهِ صَفًّا كَأَنَّهُمْ بُنْيَانُ مُرْصَوصُ .

„Allah liebt diejenigen, die auf Seinem Weg kämpfen und dabei wie eine fest gefügte Mauer geeint sind.“ (Sure as-Saff: 4)

Da es Allahs eigener Wille ist, auf der Grundlage von Allahs Din Frieden, Ordnung, Gerechtigkeit und Fairness in der Gesellschaft zu errichten, erklären diejenigen, die diese Aufgabe übernehmen, in Wirklichkeit ihre Verbundenheit mit Allahs Willen. Daher wird es zu Allahs eigener Pflicht, ihnen zu helfen. Der Koran bezeichnet diese Aufgabe als „Dschihad fi سبيلillah“. Für diese Aufgabe verlangt Allah das Opfer von Besitz und Leben. Die Belohnungen, die Allah ihnen dafür geben wird, sind zweierlei. Die höchste Belohnung ist die Errettung von der harten, schrecklichen Strafe der Hölle, Vergebung von Allah und ein Paradies, in dem ewiger Frühling herrscht. Die andere Belohnung, die nach Allahs Worten für die Menschen anziehend sein wird, ist der weltliche Sieg mit Allahs Hilfe. Um beide von Allah, dem Erhabenen, versprochenen Belohnungen zu erlangen, muss man die Prüfung bestehen, in der sich erweist, wie wahrhaftig jeder in seinem Bekenntnis zum Glauben, in seinem Bekenntnis zur Errichtung von Allahs Din und in seinem Bekenntnis zum Opfer von Leben und Besitz für Allah ist. Daher ist Allahs Hilfe bei dieser Aufgabe unausweichlich, und auch der Sieg mit Allahs Hilfe ist unausbleiblich. Trotzdem kommt der Sieg nicht sofort. Sobald man jedoch diesen Weg beschreitet, beginnen seitens der etablierten Interessen Hindernisse und Widerstände aufzutreten. Mit der zunehmenden Aktivität der gläubigen Menschen nimmt auch das Ausmaß der Hindernisse und Widerstände seitens der etablierten Interessen zu. Dieser Widerstand wird kommen, er muss kommen. Allah sagt:

وَلَنَبْلُوَنَّكُمْ حَتَّى نَعْلَمُ المجهدين منكم والصبرين .

„Ich werde euch ganz gewiss prüfen, damit Ich erkenne, wer von euch auf Allahs Weg kämpft und wer geduldig bleibt.“ – (Sure Muhammad: 31)

أحسبَ النَّاسُ أَنْ يُشْرَكُوا أَن يَقُولُوا آمَنَّا وَهُمْ لَا يُفْتَنُونَ وَلَقَدْ فَتَنَّا الَّذِينَ مِنْ قَبْلِهِمْ فَلَيَعْلَمَنَّ اللَّهُ الَّذِينَ صَدَقُوا وَلَيَعْلَمَنَّ الْكَذِبِينَ

„Meinen die Menschen etwa, dass sie in Ruhe gelassen werden, nur weil sie erklärt haben: ‚Wir glauben‘, und dass sie nicht geprüft werden? Doch auch diejenigen vor ihnen wurden geprüft. Auf diese Weise will Allah erkennen, wer in seinem Anspruch auf den Glauben wahrhaftig ist und wer lügt.“ – (Sure al-Ankabut: 2–3)

أم حسبتم أن تدخُلُوا الْجَنَّةَ وَلَمَّا يَاتِكُم مثلُ الَّذِينَ خَلَوْا مِنْ قَبْلِكُمْ . مَسَّتْهُمُ البَاسَاءُ وَالضَّرَاءُ وَزُلْزِلُوا حَتَّى يَقُولَ الرَّسُولُ وَالَّذِينَ آمَنُوا مَعَهُ مَتَى نَصْرُ اللهِ ، أَلَا إِنَّ نَصْرُ اللَّهِ قَرِيبٌ .

„Glaubt ihr etwa, ihr würdet einfach so ins Paradies gelangen, ohne dass euch noch jener Zustand widerfahren ist, der euren Vorfahren widerfuhr? Sie mussten Not über Not und Prüfungen gegenübertreten. Sogar der Gesandte selbst und seine gläubigen Gefährten riefen aus: ‚Wann kommt Allahs Hilfe?‘ Wisset: Allahs Hilfe ist nahe.“ (Sure al-Baqara: 214)
So ist im Quran Allahs in unzähligen Versen unmissverständlich verkündet worden, dass Er uns sowohl für den Erfolg im Jenseits als auch für den Erfolg im Diesseits prüfen wird. Kurzsichtige Menschen verlieren angesichts von Hindernissen oder vorübergehenden Prüfungen, die ihnen als Prüfung auferlegt werden, die Geduld, verlieren ihr Vertrauen und werden von vielfältigen Zweifeln und Bedenken hinsichtlich der Richtigkeit, Vernünftigkeit und Notwendigkeit dieser Sache befallen. Daher verkündet der Quran noch deutlicher das tiefgründige Geheimnis hinter diesen vorübergehenden Prüfungen.

إِنْ يَمْسَسْكُمْ قَرْحٌ فَقَدْ مَسَّ الْقَوْمَ قَرْحٌ مَثْلُهُ ، وَتِلْكَ الْأَيَّامُ نُدَاوِلُهَا بَيْنَ النَّاسِ ، وَلِيَعْلَمَ اللهُ الَّذِينَ آمَنُوا وَيَتَّخِذَ مِنْكُم شُهَدَاءَ ، وَاللَّهُ يُحِبُّ الظَّلِمِينَ، وَلِيُمَحِّصَ اللهُ الَّذِينَ آمَنُوا وَيَمْحَقَ الْكَفِرِينَ أَمْ حَسِبْتُم أَنْ تَدْخُلُوا الْجَنَّةَ

وَلَمَّا يَعْلَمَ اللهُ الَّذِينَ جَهَدُوا مِنْكُمْ وَيَعْلَمَ الصبرين

„Auch wenn ihr einen gewissen Schaden erlitten habt, haben viele andere einen ähnlichen Schaden erlitten. So lasse Ich die Tage – gute wie schlechte – unter den Menschen abwechseln. Auf diese Weise will Allah, der Erhabene, erkennen, wer wahrhaft gläubig ist, und einige als Märtyrer annehmen. Allah liebt die Ungerechten nicht. Allah, der Erhabene, will die aufrichtig Gläubigen aussondern und die Ungläubigen vollständig vernichten. Glaubt ihr, ihr werdet ins Paradies gelangen, bevor geprüft worden ist, wer von euch auf Allahs Weg wahrhaftig kämpft und geduldig ist?“
– (Sure Āl ʿImrān: 140–142)

Gemäß dem Versprechen Allahs, des Erhabenen, und gemäß der von Ihm festgelegten Sunna können Seine geliebten Diener erst dann, wenn sie diese Stufen der Prüfungen, Hindernisse und Heimsuchungen durchschritten haben, eine Gesellschaft errichten, die den Frieden im Diesseits und die Gewissheit der Erlösung im Jenseits gewährleistet.

Trotz des aufopferungsvollen Kampfes und Strebens einer Gruppe von Allahs Dienern kann der Erfolg ausbleiben. Wenn Allahs Diener in einem solchen Fall selbst in der Lage sind, Iman und Istiqamat unter Beweis zu stellen, werden sie gewiss den Erfolg im Jenseits erlangen. Daher wird kein einziger Schritt auf diesem Weg vergeblich sein. Die Reisenden auf diesem Weg kennen so etwas wie Misserfolg nicht. Auf diesem Weg gibt es nur Erfolg und Erfolg. Über das Wesen und die Taten der Gläubigen verkündet Allah:

إِنَّ اللهَ اشْتَرَى مِنَ الْمُؤْمِنِينَ أَنْفُسَهُمْ وَأَمْوَالَهُمْ بِأَنَّ لَهُمُ الْجَنَّةَيُقَاتِلُونَ فِي سَبِيلِ اللهِ فَيَقْتُلُونَ وَيُقْتَلُونَ لـ

„Allah, der Erhabene, hat den Gläubigen ihr Leben und ihren Besitz im Tausch gegen das Paradies abgekauft. Sie werden ausschließlich auf Allahs Weg kämpfen, sterben und töten.“ (Sure at-Tauba: 111)

Das heißt: Die tiefere Bedeutung der unvermeidlichen Forderung, die sich aus dem Bekenntnis zum Iman ergibt, besteht darin, Leben und Besitz Allah anzuvertrauen und sie ausschließlich im Kampf für den Sieg von Allahs Din einzusetzen. Dies nennt man Bayʿa. Der Kern der Bayʿa besteht darin, dass die Gläubigen dort, wo Allahs Din nicht errichtet ist, durch die Jamaat, die sich dem Kampf für die Errichtung von Allahs Din widmet, ihr Leben und ihren Besitz Allah anvertrauen. Wo der Din bereits errichtet ist, kann man als Bayʿa das Versprechen bezeichnen, zur Bewahrung dieses Din alle erlaubten Angelegenheiten gehorsam zu befolgen sowie die Gebote und Verbote Allahs und des Gesandten einzuhalten.

Diese Bayʿa ist in der islamischen Scharia Pflicht. Und in den Hadithen des Gesandten wurde der Tod ohne eine solche Bayʿa als Tod der Dschahiliyya bezeichnet. Die heute unter den Anhängern des Tasawwuf verbreitete Bayʿa-Praxis hatte ihren Ursprung eben in einem solchen kämpferischen Eifer und Bewusstsein. Es ist die grausame Ironie der Geschichte, dass selbst diejenigen, die heute die Bayʿa entgegennehmen (die Pir Sahib), ihrem tiefen Geheimnis gegenüber gleichgültig sind. Und diejenigen, die die Bayʿa leisten (die Murids), hatten überhaupt keine Gelegenheit, etwas über diese Angelegenheit zu erfahren.

Das eigentliche Wesen der Bayʿa ist: „Der eigentliche Besitzer meines Lebens und meines Besitzes ist Allah – mit dem Bekenntnis zum Kalima La-ilaha bezeuge ich eben diese Wahrheit; deshalb kann ich dieses Leben und diesen Besitz von nun an nicht mehr nach meinem eigenen Willen verwenden. Diese beiden müssen gemäß Allahs Willen verwendet werden.“ Um dieses Leben und diesen Besitz gemäß Allahs Willen einzusetzen, vertrauten die Sahaba zunächst dem Propheten (s.a.w.) ihr Leben und ihren Besitz an. Der Prophet (s.a.w.) setzte ihre vereinte menschliche und finanzielle Kraft auf die von Allah gewiesene Weise richtig ein und machte Allahs Din siegreich. Auch zur Zeit der Khulafa ar-Raschidun stellten sich die Sahaba als Vertreter des Gesandten den Kalifen zur Verfügung. Die Kalifen versprachen, den Staat gemäß den Anweisungen Allahs und des Gesandten zu führen, während die Sahaba versprachen, sie zu unterstützen und ihnen zu gehorchen.

In unserem Land gibt es gegenwärtig kein islamisches Kalifat und keine islamische Regierung. Daher gibt es auf staatlicher Ebene niemanden, der uns als Vertreter des Gesandten verspricht, gemäß den Geboten Allahs und des Gesandten zu führen; ebenso gibt es niemanden, der unsere Unterstützung oder unseren Gehorsam bei der Umsetzung des Korans Allahs und der Sunna des Gesandten fordert. Unter diesen Umständen besteht der Weg, dem Tod der Dschahiliyya zu entgehen, darin, sich als vorbereitende Maßnahme für die künftige Führung der Diener Allahs auf der Grundlage des von Allah gegebenen und vom Gesandten vorgelebten Ideals mit gleichgesinnten Menschen zu einer Einheit oder Jamaat zusammenzuschließen; durch diese Jamaat das Opfer des Lebens und des Besitzes darzubringen und sich mit ganzer Hingabe dem aufopferungsvollen Kampf zu widmen, um Allahs Din zum Sieg zu verhelfen. Für die Mitglieder einer solchen Jamaat wird ihre Führung in diesem Fall an die Stelle des Oberhaupts eines islamischen Staates treten.

Bis zum vollständigen islamischen Umbruch kann es in einem Land aufgrund methodischer Meinungsverschiedenheiten mehrere ähnliche islamische Gruppen geben. In diesem Fall kann sich jeder derjenigen anschließen, die er für den entschiedeneren Anhänger der Tarīqa Muhammadiyya hält.

Muʿdschiza und Karāma

Bei der Erörterung des Ziels der Tazkiya haben wir erwähnt, dass heutzutage eine bestimmte Gruppe von Menschen Ziel und Zweck der Spiritualität und der Bemühung um die Läuterung des Selbst ausschließlich auf karāma- und zauberartige Tätigkeiten beschränkt. Aufgrund dieser unserer Bemerkung soll niemand verstehen, dass wir Muʿdschiza und Karāma überhaupt nicht anerkennen.

Die Muʿdschizāt der Propheten und Gesandten (Friede sei mit ihnen) sowie die Karāmāt der Freunde Allahs sind wahr. Auch wir bekennen uns zu dieser von der Ahl as-Sunna wa-l-Dschamāʿa allgemein anerkannten Auffassung und Überzeugung. In den Büchern der Glaubenslehre wird im Zusammenhang mit Muʿdschiza und Karāma, neben der Feststellung, dass die Muʿdschizāt der Propheten und die Karāmāt der Freunde Allahs wahr sind, auch erwähnt, dass dies vollständig durch Allahs Willen und von Allah her geschieht. Dabei besitzen selbst die Propheten und Gesandten keinerlei eigene Verfügungsgewalt. Bei den Freunden Allahs stellt sich diese Frage erst recht nicht.

Sowohl Muʿdschiza als auch Karāma bestehen im Wesentlichen darin, dass sich auf ungewöhnliche, übernatürliche Weise erstaunliche Ereignisse zutragen. Ereignisse, die aus materialistischer Sicht oder nach den Naturgesetzen nicht eintreten dürften. Die Ereignisse, die sich im Leben der Propheten und Gesandten (Friede sei mit ihnen) zugetragen haben, werden Muʿdschiza oder Bayyina genannt. Im Grunde geschahen sie ausschließlich von Allah her als Beweis für das Prophetentum und zum Abschluss des Beweises.

Isbāt an-Nubuwwa bedeutet: als Beweis für das Prophetentum. Itmām al-Hudschdsch bedeutet: vonseiten Allahs alle Wege zu versperren, auf denen die Menschen vor der Bestrafung wegen der Zurückweisung der Einladung der Propheten und Gesandten noch eine Entschuldigung vorbringen könnten. Darüber hinaus half Allah Taʿālā Seinen Propheten und Gesandten in besonderen Augenblicken auf übernatürliche Weise. Er vereitelte die Machenschaften und Verschwörungen ihrer Gegner auf eine Weise, die aus menschlicher Sicht oder nach materialistischer Auffassung überhaupt nicht vorstellbar ist. Allah Taʿālā hat jedoch in klaren Worten verkündet, dass in dieser Angelegenheit für keinen der Propheten und Gesandten Raum für einen persönlichen Willen oder eine eigene Verfügungsgewalt bestand. Allah Taʿālā sagt:

وَمَا رَمَيْتَ إِذْ رَمَيْتَ وَلَكِنَّ اللَّهَ رَمَى :

„Nicht du hast geworfen, als du warfst; vielmehr warf Allah selbst.“ (Sure al-Anfāl: 17)

Auch im Leben der Gläubigen, ja sogar der gewöhnlichen Gläubigen, können sich neben den Propheten und Gesandten wundersame, außergewöhnliche Dinge ereignen. Nach Seiner eigenen Erklärung ist Allah ta’ala der Wali aller gläubigen Diener.

اللهُ وَلِيُّ الَّذِينَ آمَنُوا يُخْرِجُهُم مِّنَ الظُّلُمتِ إِلَى النُّورِي

„Allah ist der Wali und Beschützer derjenigen, die glauben. Er führt sie aus den Finsternissen zum Licht.“ (Sure al-Baqara: 257)

In den Büchern der Glaubenslehre wird neben den Wundern der Propheten Folgendes erwähnt:

„Die Karamat der Awliya Allahs sind wahr. Zugleich wird in klaren Worten erwähnt, dass der Betreffende darüber keinerlei eigenen Willen oder Verfügungsgewalt besitzt. Sie geschehen vollständig von Allah aus. Auch diejenigen, die auf dem Gebiet des Ilm at-Tasawwuf weiter fortgeschritten sind, stimmen darin überein, dass Karamat weder ein Beweis für Vollkommenheit noch eine Voraussetzung dafür ist. Im Leben eines sehr frommen und vollkommenen Menschen muss sich durchaus kein Ereignis ereignen, das als Karamat bezeichnet werden könnte. Umgekehrt kann sich im Leben eines gewöhnlichen Gläubigen ein außergewöhnlich großes Ereignis ereignen.“

In den Büchern der Glaubenslehre wird neben der Karamat auch das Thema des ‚Istidraj‘ behandelt. Als Istidraj bezeichnet man den Versuch eines Menschen, absichtlich übernatürliche Ereignisse herbeizuführen. Von denjenigen, die so etwas tun, ganz zu schweigen davon, sie Awliya Allah zu nennen, werden sie vielmehr als Fasiq und Zindiq bezeichnet. Diejenigen, die innerhalb der Grenzen der Scharia Tasawwuf praktizieren, mit anderen Worten: die im Licht des Qurans die Läuterung des Selbst – Tazkiyat an-Nafs – anstreben und sich im Licht der Hadithe bemühen, den Charakter des Ihsan zu erlangen, räumen der Beschäftigung mit Karamat niemals Vorrang ein und können dies auch nicht tun. In ihren Augen besteht der eigentliche Erfolg ihrer spirituellen Anstrengung vielmehr darin, die Fähigkeit und Kraft zu erlangen, Allahs Gebote und Vorschriften zu befolgen, und die Tawfiq zu erhalten, sich vor jeglichem Ungehorsam gegenüber Allah zu bewahren.

Aus der vor nicht allzu langer Zeit gelesenen Biografie eines einflussreichen Pir und Shah-Sufi aus Bengalen und Assam, Hazrat Abu Bakr (r.), ist bekannt, dass sich ein Mann etwa sechs Monate an seinem Darbar aufgehalten hatte. Als er nun fortging, ohne ihm etwas zu sagen, fragte ihn Hazrat Pir Sahib (r.): „Mein Sohn, du bist so lange geblieben – warum hast du eigentlich nichts gefragt?“ Der Mann antwortete: „Huzur, ich war mit großen Hoffnungen gekommen. Doch nun kehre ich enttäuscht zurück.“ Darauf fragte Hazrat Pir Sahib weiter: „Mein Sohn, mit welcher Hoffnung bist du gekommen, und warum bist du enttäuscht?“ Der Mann sagte: „Ich hatte gehört, dass Sie der berühmte Pir von Bengalen und Assam sind. Aber ich habe sechs Monate hier verbracht und hatte nicht ein einziges Mal Gelegenheit, mit eigenen Augen eine Karamat zu sehen. Deshalb kehre ich enttäuscht zurück.“ Da fragte Pir Sahib ihn: „Mein Sohn, hast du während der Zeit, in der du hier warst, gesehen, dass ich eine Pflicht (Fard) unterlassen habe?“ Der arme Mann antwortete: „Nein.“ „Hast du gesehen, dass ich eine notwendige Pflicht (Wajib) unterlassen habe?“ Der Mann sagte: „Nein.“ Auf diese Weise fragte Pir Sahib ihn auch nach den Sunna- und Mustahabb-Handlungen und erhielt dieselbe Antwort. Dann fragte er erneut: „Hast du mich in diesen sechs Monaten eine verbotene Handlung (Haram) begehen sehen?“ Der Mann antwortete: „Nein.“ „Hast du mich eine verpönte Handlung (Makruh) begehen sehen?“ Der Mann antwortete: „Nein.“ Darauf sagte der verstorbene Pir Sahib zu ihm: „Mein Sohn, genau das ist die größte Karamat im Leben eines Mu’min.“ Im Hinblick auf Karamat, also den Erfolg der spirituellen Läuterung, vertraten alle früheren Sufi-Mystiker eine entsprechende Sichtweise. Möge Allah auch denjenigen, die heute als ihre Anhänger und Nachfolger bekannt sind, die Tawfiq schenken, in dieser Angelegenheit die richtige Sichtweise zu vertreten. Amin.

Mittel, Allahs Nähe zu erlangen

Allah, der Schöpfer der Himmel und der Erde, Rabb al-ʿĀlamīn, sandte den Menschen als Seinen Statthalter oder Stellvertreter auf diese Welt. Weil der Mensch die Verantwortung dieser Stellvertretung trägt, ist er das vorzüglichste aller Geschöpfe Allahs – seine Bezeichnung lautet Aschraf al-Machlūqāt. Allah ist der Rabb oder Gebieter, und der Mensch ist Sein Statthalter sowie Sein ʿAbd oder Diener. Der Mensch kam in diese Welt mit dem Versprechen, seine Aufgabe als Allahs Statthalter zu erfüllen, indem er Allah als Rabb oder Gebieter anerkennt und Ihm folgt. Doch Iblīs, der ewige Feind des Menschen, konnte diese Würde und Ehre des Menschen nicht ertragen. Er schwor, bis zum Tag der Auferstehung Hindernisse und Widerstände auf dem Weg zu schaffen, der Menschheit ihre Aufgabe als Stellvertreter Allahs zu erfüllen. Seit jeher errichtet er an jeder Biegung des Lebensweges und an jeder Wegkreuzung des menschlichen Lebens Netze vielfältiger Irreführung. Daher war es dem Menschen bisweilen nicht möglich, die Beziehung zu Allah, Rabb al-ʿĀlamīn, aufrechtzuerhalten, die zwischen ihnen eigentlich entstehen sollte – mit anderen Worten: die Beziehung zu Allah, die der Mensch von seiner Seite aus hätte bewahren sollen.

Allah, Rabb al-ʿĀlamīn, ist nicht unachtsam gegenüber der Herausforderung Iblīs’, auf dem Weg zur Erfüllung der äußerst schweren Verantwortung, mit der Er die Menschen auf diese Erde aus Lehm entsandt hat, Hindernisse zu errichten. Um die Menschen vor den Angriffen des verfluchten Iblīs zu schützen und sie auf dem Weg der Rechtleitung zu führen, hat Er selbst beruhigende Worte verkündet:

فَإِمَّا يَأْتِيَنَّكُمْ مِنِّي هُدًى فَمَنْ تَبِعَ هُدَايَ فَلَا خَوْفٌ عَلَيْهِمْ وَلَا هُمْ يحْزَنُونَه

„Dann wird von Mir Rechtleitung kommen. Wer meiner Rechtleitung folgt, braucht keine Angst zu haben.“ – (Sure al-Baqara: 38)

So hat Allah, der Erhabene, den Menschen, die mit dem Versprechen auf diese Welt gekommen sind, die Beziehung zu Allah aufrechtzuerhalten, nicht nur eine Möglichkeit gegeben, sich an dieses Versprechen zu erinnern, sondern ihnen auch den Weg zur Erfüllung dieser Verantwortung gewiesen, indem Er im Laufe der Zeiten das Wissen der Offenbarung herabsandte und durch die Propheten und Gesandten praktische Unterweisung zur Erfüllung dieser Verantwortung gab. Daher ist die Beziehung des Dieners zu Allah

Die richtige Beziehung zu definieren sowie diese Beziehung herzustellen und zu vertiefen, ist weder etwas Neues noch etwas Unverständliches. Unverständlich gemacht wurde die Angelegenheit lediglich dadurch, dass man erdachte Methoden anwendete. Dabei gibt es in dieser Angelegenheit überhaupt keinen Raum dafür, irgendeiner erdachten Methode oder einem erdachten Weg zu folgen. Nur auf dem von den Propheten und Gesandten, insbesondere vom letzten Propheten, Hadhrat Muhammad, dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), aufgezeigten Weg kann die richtige Beziehung zwischen dem Diener und Allah hergestellt werden; und auch vertiefen lässt sie sich nur, indem man sich ständig auf dem von ihm gezeigten Weg um Bemühung und geistiges Streben bemüht.

Das letzte Buch und die letzte Rechtleitung Allahs, des Erhabenen, für die Menschen, den heiligen Koran, haben wir durch Seinen letzten Gesandten Muhammad, den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), erhalten. Nur im Licht dieses Buches und durch die Befolgung der Fußspuren des letzten Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) können wir die richtige Beziehung zu Allah, dem Erhabenen, herstellen. Im Licht der Lehren des letzten Propheten, Hadhrat Muhammad (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), ist es im Hinblick auf die Herstellung einer Beziehung zu Allah unerlässlich, sich drei Dinge anzueignen: (1) die richtige Maʿrifa oder Erkenntnis Allahs, des Erhabenen; (2) Allah, dem Erhabenen, im eigentlichen Sinne ʿUbūdiyya oder Dienerschaft zu erweisen; (3) den von Allah erwählten Weg zu beschreiten und den nicht erwählten Weg zu meiden. Wir werden uns bemühen, diese drei Themen in aller Kürze zu beleuchten.

Die Maʿrifa Allahs

Wie meine Beziehung zu Allah sein wird, hängt vollständig von seiner Ma’rifa, also der Erkenntnis seiner selbst, ab. Der Ursprung aller Katastrophen, aller Unordnung und allen Unfriedens in der Welt liegt in der Verbreitung einer falschen Vorstellung von Allah. Andernfalls hat der Mensch Allah niemals vollständig geleugnet. Selbst diejenigen, die als überzeugte Atheisten bekannt sind, haben in fast allen Epochen der Menschheitsgeschichte, wenn auch nicht unmittelbar, so doch zumindest mittelbar, die Existenz Allahs anerkannt. Deshalb haben Allah ta’ala und Erhabene zu allen Zeiten Propheten und Gesandte entsandt, um den Menschen die richtige Ma’rifa, also die richtige Erkenntnis seiner selbst, zu vermitteln. In der Geschichte findet sich kein Beleg dafür, dass ein Prophet oder Gesandter lediglich gekommen wäre, um seine Existenz zu beweisen oder die Menschen dazu zu bringen, an sie zu glauben. Die Menschen, unter denen der letzte Prophet Muhammad (s.a.w.) erschien, glaubten an die Existenz Allahs. Doch hinsichtlich seiner wahren Würde und seiner richtigen Erkenntnis waren sie unwissend. Sie verehrten Götter und Göttinnen – und zwar in dem Glauben, diese würden ihnen helfen, Allahs Nähe zu erlangen. Sie bezeichneten sogar die Engel als Allahs Töchter.

Ebenso waren auch die Ahl al-Kitab, das heißt die Anhänger der Tora und des Evangeliums, nicht ungläubig an die Existenz Allahs. Durch die Propheten Moses (a.s.) und Jesus (a.s.) hatten sie ebenfalls die richtige Erkenntnis Allahs erlangt. Doch um ihren eigenen Neigungen zu dienen, verfälschten die christlichen und jüdischen Gelehrten, indem sie dem Satan folgten, Allahs Buch nach eigenem Gutdünken. Infolgedessen waren die späteren Anhänger der Tora und des Evangeliums nicht nur unfähig, die richtige Ma’rifa Allahs zu erlangen, sondern scheiterten zugleich auch daran, Allah ta’ala und Erhabenen nahe zu sein. Der große Prophet (s.a.w.) lud gerade diese Menschen im damaligen Arabien zum Glauben an Allah ein. Daraus geht eindeutig hervor, dass der große Prophet (s.a.w.) sie dadurch, dass er ihnen lediglich die wahre Erkenntnis Allahs darlegte, dazu aufrief, im eigentlichen Sinne an Ihn zu glauben – mit anderen Worten: Seine Dienerschaft, Knechtschaft und Anbetung anzunehmen. Daher müssen auch wir, die wir danach streben, Allah ta’ala und Erhabenen nahe zu sein, zuerst die richtige Ma’rifa und die richtige Erkenntnis Allahs erlangen.

Die Mittel, diese Ma’rifa oder Erkenntnis zu erlangen

Um die Ma’rifa Allahs ta’ala und Erhabenen zu erlangen, ist es unbedingt erforderlich, in fünf Angelegenheiten eine richtige Vorstellung zu gewinnen.

(1) Eine richtige Vorstellung vom Dhāt Allahs ta’ala und Erhabenen
(2) Eine richtige Vorstellung von den Sifāt, also den Eigenschaften, Allahs ta’ala und Erhabenen
(3) Eine richtige Vorstellung von den Af’āl-e-Qudrat, also den Wirkungen und Handlungen der Macht Allahs ta’ala und Erhabenen
(4) Eine Vorstellung von den Gaben Allahs ta’ala und Erhabenen
(5) Eine Erörterung der Ayyāmullāh, also jener historischen Tage, an denen Allah ta’ala und Erhabene den Ungehorsamen in der Vergangenheit beispielhafte Strafen auferlegte, sowie eine Vorstellung vom letzten Tag, dem Yawm ad-Dīn.

Das Dhāt Allahs

Der große Prophet (s.a.w.) untersagte es, über das Dhāt Allahs nachzudenken und diesbezüglich forschende Überlegungen anzustellen, um Allahs Ma’rifa zu erlangen. Denn die menschliche Vernunft und der menschliche Verstand sind nicht in der Lage, durch Nachdenken und Forschen irgendetwas über Sein Dhāt zu erfassen. Allah ta’ala und Erhabene selbst hat uns dazu aufgefordert, unsere Aufmerksamkeit auf die Schöpfung zu richten, um Ihn zu erkennen. Daher ist die Erkenntnis, die Allah und Sein Gesandter (s.a.w.) uns über das Dhāt Allahs vermittelt haben, die richtige Vorstellung vom Dhāt Allahs. Als der große Prophet (s.a.w.) zum Glauben aufrief, hielten die Götzendiener in der damaligen Welt unzählige Götter und Göttinnen für Teilhaber an Allahs Dhāt und bezeichneten die Engel als Allahs Töchter. Die Juden hielten Esra (a.s.) für Allahs Sohn und schrieben ihm dadurch eine Teilhaberschaft an Allahs Dhāt zu. Die Christen bezeichneten Jesus (a.s.) als Allahs Sohn und hielten auch ihn für einen Teilhaber an Allahs Dhāt. Sie setzten für die guten und die schlechten Taten jeweils einen eigenen Schöpfer an und bezeichneten diese mit unterschiedlichen Namen. Den Schöpfer des Guten nannten sie Yazdan und den Schöpfer des Bösen Ahriman. Indem der Qur’an all diese entstellten Vorstellungen über Allahs Dhāt zurückwies, verkündete er in der Sura al-Ichlās mit klaren und unmissverständlichen Worten:

قُلْ هُوَ اللهُ أَحَدَّ اللهُ الصَّمَدُ، لَمْ يَلِدْ وَلَمْ يُولَدْ وَلَمْ يَكُنْ لَهُ كُفُوًا أَحَده

„O Prophet, verkünde: Allah ist einzig und unvergleichlich. Er ist auf niemanden aus der Schöpfung angewiesen. Er ist weder der Vater irgendeines Kindes noch von jemandem gezeugt. Niemand kann Ihm gleich sein.“

In der Tat ist dies die vortrefflichste Beschreibung von Allahs Wesen. In menschlicher Sprache ist keine Erklärung oder Analyse davon möglich. Über die übrigen vier Themen können wir nach Belieben nachdenken und forschen, um Allahs Nähe zu erlangen. Allah, der Erhabene, hat dem Nachdenken und Forschen darüber große Bedeutung beigemessen. Im Koran Allahs heißt es:

إِنَّ فِي خَلْقِ السَّمَوتِ وَالْأَرْضِ وَاخْتِلاف اليْلِ وَالنَّهَارِ لآيات لا ولِي الْأَلْبَابِ8

„In der Erschaffung der Himmel und der Erde sowie im Wechsel und Umlauf von Tag und Nacht liegen wahrlich Zeichen für die Verständigen.“ – (Sure Āl ʿImrān: 190)

Allahs Eigenschaften

Allah, der Erhabene, hat durch Sein Buch Seine eigene Beschreibung dargelegt. In dieser Darlegung werden sowohl Seine verschiedenen Machtbeweise sowie Seine Macht und Herrschaft beschrieben als auch einige Seiner Namen, die Eigenschaften bezeichnen, erwähnt. Wenn wir über diese Namen, die Eigenschaften bezeichnen, nachdenken und forschen, können wir Erkenntnis über Allah, den Erhabenen, erlangen. An verschiedenen Stellen des Korans werden zahlreiche Namen Allahs erwähnt, die Eigenschaften bezeichnen. Gleich zu Beginn der Sure al-Fātiha ist neben dem Namen „Allah“ – dem Eigennamen Gottes – mit ar-Rabb al-ʿĀlamīn, ar-Raḥmān, ar-Raḥīm und Māliki Yawm ad-Dīn eine unvergleichliche Darstellung von Allahs Wesen im Rahmen des Lobpreises Allahs enthalten.

Allah, der Rabb der Welten: Das bedeutet, dass Er der alleinige Schöpfer des gesamten Universums ist und auch den Bedarf jedes einzelnen Geschöpfes dieser Welt allein erfüllt hat – und dass Ihm auch das alleinige Eigentum an all dem gehört. Überall sind ausschließlich Seine Gebote und Anordnungen wirksam. Im gesamten Universum sind allein Seine Herrschaft und Seine Souveränität verwirklicht.

Ar-Raḥmān, ar-Raḥīm: Er, und nur Er, ist gegenüber der gesamten Schöpfung, insbesondere gegenüber der Menschheit, barmherzig und gnädig. Überall in den Himmeln und auf der Erde zeigt sich allein die Fülle Seiner Barmherzigkeit. Diese Güte und diese Barmherzigkeit haben weder ein Ende noch eine Grenze. Der beste Teil der Schöpfung, der Mensch, ist sowohl im Diesseits bei jedem Schritt auf Seine Barmherzigkeit angewiesen als auch im Jenseits.

Māliki yaum ad-dīn: Allah, der Schöpfer, Erhalter und alleinige Herrscher der gesamten Welt, ist ebenso der Geber, der Barmherzige und Gnädige, wie Er auch streng und überaus mächtig ist. Eines Tages werden sämtliche Handlungen des Menschen während seines irdischen Lebens zur Rechenschaft gezogen. An jenem Tag des Gerichts ist Er der alleinige Herrscher. Es gibt kein zweites Wesen, das den Mut und die Kühnheit besäße, an Seinem Gerichtshof Fürsprache einzulegen.

So werden in dem Vers aus der Sure al-Baqara, der als Āyat al-Kursī bekannt und bezeichnet wird, einige Eigenschaften Allahs beschrieben:

الله لا إله إلا هُوَ الْحَيُّ الْقَيُّومُ لاَ تَأْخُذُهُ سِنَةٌ وَلَا نَوْمٌ ، لَهُ مَا فِي السموت وما في الأَرْضِ مَنْ ذَالَّذِي يَشْفَعُ عِنْدَهُ إِلَّا بِإِذْنِهِ يَعْلَمُ مَا بَيْنَ أَيْدِيهِمْ وَمَا خَلْفَهُمْ ، وَلَا يُحِيطُونَ بِشَيْءٍ مِّنْ عِلْمِهِ إِلَّا بِمَا شَاءَ : وسِعَ كُرْسِيُّهُ

السَّمَوتِ وَالْأَرْضِ ، وَلا يَئُودُهُ حِفْظُهُمَا ، وَهُوَ العَلِيُّ العظيم .

„Allah ist jenes erhabene Wesen, außer Ihm gibt es keinen, der die souveräne Herrschaft besitzt. Er ist der ewig Lebendige und der ewig Bestehende; weder Schläfrigkeit noch Schlaf können Ihn berühren. Ihm allein gehört die Herrschaft über alles in den Himmeln und auf der Erde. Wer ist es, der bei Ihm Fürsprache einlegen könnte, ohne Seine Erlaubnis? Er weiß alles, was vor und hinter den Menschen liegt; niemand kann auch nur einen Tropfen aus dem Meer Seines Wissens erfassen. Doch nur so viel können die Menschen erfassen, wie Er ihnen die Fähigkeit dazu gewährt. Seine Macht und Einfluss, nämlich Seine Herrschaft und Souveränität, sind überall in den Himmeln und auf der Erde fest verankert. Die Bewahrung all dessen ermüdet und erschöpft Ihn nicht im Geringsten. Wahrlich, Er allein ist ein erhabenes und höchstes Wesen.“ (Sure al-Baqara: 255)

Die Kernaussage der in diesem berühmten Vers vermittelten Erkenntnis über Allah lautet tatsächlich, dass niemand sonst die souveräne Herrschaft besitzen kann. Da im gesamten Schöpfungsbereich allein Seine Souveränität wirksam ist, muss auch in der menschlichen Gesellschaft allein Seine Souveränität errichtet werden. Die Eigenschaften, die für den wahren Besitzer souveräner Herrschaft unerlässlich sind, können außer bei Allah bei niemandem gefunden werden – weder bei einem Einzelnen noch bei einer Gruppe noch bei einer Nation.

In Wahrheit haben die Propheten und Gesandten, als sie zum Glauben an Allah aufriefen, dazu aufgerufen, Allahs Souveränität anzuerkennen und die Souveränität außer Allahs zurückzuweisen. Darin liegt auch das verborgene Wesen der Kalima Tayyiba. Dies ist ebenfalls der eigentliche Grund dafür, dass die zeitgenössischen Staatsmächte und die Gruppen mit etablierten Eigeninteressen sich in jedem Zeitalter der Daʿwa der Propheten und Gesandten so aggressiv entgegengestellt haben.

Wenn wir auf diese Weise alle weiteren in den verschiedenen Suren des Korans erwähnten Namen Allahs, die Seine Eigenschaften bezeichnen, einzeln besprechen könnten, würde sich eine richtige Vorstellung von Allah fest in unserem Denken und Bewusstsein verankern. Alle diese Namen Allahs, des Erhabenen, sind wichtig und bedeutungsvoll. Unter ihnen haben Rabb, Ilāh und Mālik eine besonders umfassende Bedeutung. Außerdem zeigen sich weitreichende Auswirkungen und Reaktionen davon in unserem praktischen Leben. In der Sure an-Nās sagt Allah, der Erhabene, als Er die Beziehung Allahs zu den Menschen erwähnt:

قُلْ أَعُوذُ بِرَبِّ النَّاسِ لا مَلِكِ النَّاسِ إِلهِ النَّاسِ مِنْ شَرِّ الْوَسْوَاسِ لَا الْخَنَّاسِ وَ الَّذِي يُوَسْوِسُ فِي صُدُورِ النَّاسِ وَ مِنَ الْجِنَّةِ والناس

„Sprich: Ich suche Zuflucht beim Herrn der Menschen, beim König der Menschen und beim Gott der Menschen vor dem Übel derjenigen, die immer wieder Verwirrung stiften, die in den Herzen der Menschen Verwirrung hervorrufen, seien sie aus der Welt der Dschinn oder der Menschen.“ (Sure an-Nas: 1–6)

Indem die Menschen selbst erdachten Gesetzen, Vorschriften und Regelungen folgten, teilten sie ihr Leben in drei Bereiche. Um die Bedürfnisse des Bauches zu befriedigen, folgen sie einer bestimmten Art von Regeln oder Herrschaft; um den Hunger des Herzens, das heißt die geistigen Bedürfnisse, zu stillen, folgen sie völlig entgegengesetzten Regeln. Im staatlichen und gesellschaftlichen Leben wiederum folgen sie einem genau entgegengesetzten Ideal oder einer entgegengesetzten Ordnung. Auf diese Weise sind in der menschlichen Gesellschaft drei Klassen von etablierten Eigeninteressen entstanden. In nahezu allen Epochen der Weltgeschichte sind die einfachen Menschen stets unter dem Mühlstein dieser drei Klassen etablierter Eigeninteressen zermalmt worden.

(1) Die Inhaber politischer Macht und politischen Einflusses
(2) Die Inhaber wirtschaftlicher Vorherrschaft und wirtschaftlichen Einflusses
(3) Die Inhaber religiöser Führung und des Priestertums. Allah gleichzeitig als Herrn, Gott und König der Menschen anzuerkennen bedeutet, die Herrschaft und Vorherrschaft dieser drei Klassen etablierter Eigeninteressen aus dem Leben der Menschen zu leugnen und zu beseitigen und Allah allein als den Lenker aller Dinge zu betrachten. Es bedeutet, auch im Wirtschaftsleben allein Allahs Gesetz als heilsbringend anzusehen, im politischen Leben allein in Seiner Souveränität Frieden und Wohlergehen zu erkennen und zu glauben, dass geistige Vervollkommnung, das heißt jenseitiges Glück, ausschließlich durch Allahs Vorschriften erreicht werden kann, sowie fest davon überzeugt zu sein, dass geistige Vervollkommnung, das heißt jenseitiges Glück, ausschließlich durch Allahs Vorschriften erreicht werden kann. Dies ist der Glaube an den Tauhid. Umgekehrt fällt bereits jede geringfügige Hinzufügung oder Weglassung darunter in den Bereich des Schirk.

In der umfassenden Erörterung aller Eigenschaften Allahs findet man einerseits die Beschreibung Seiner Barmherzigkeit, Gnade, Güte und Vergebung, zugleich aber auch Hinweise auf Seine Macht, Seinen Einfluss und Seine höchste Allgewalt. Die Betrachtung, Reflexion und Erforschung dieser ausgewogenen Eigenschaften lässt im Menschen gleichzeitig zwei entgegengesetzte Haltungen gegenüber Allah entstehen. Wenn man die Namen Rahman, Rahim, Ghafur, Afuw, Karim und andere hört, wird das Herz von der Hoffnung auf Allahs Gnade, Güte und Vergebung erfüllt; bei der Erörterung von Dschabbar, Kahhar, Malik und Azizun-Dhuntaqim hingegen entsteht äußerste Furcht und Schrecken. Tatsächlich wird das gleichzeitige Vorhandensein dieser beiden entgegengesetzten Vorstellungen Iman oder die richtige Ma’rifa Allahs genannt. „Al-Imanu bainal-chaufi war-radscha.“

Die Beschreibung von Allahs Allmacht

Das zweite Gebiet, auf dem man seine Denkfähigkeit einsetzen sollte, um Ma’rifa Allahs zu erlangen, ist die wissenschaftliche Erforschung der Werkstatt von Allahs Allmacht. In der Erschaffung von Himmel und Erde und in jedem Atom und Teilchen der Schöpfung sind unzählige Elemente verstreut, die geeignet sind, das Herz vom Tauhid Allahs zu überzeugen. Allahs Koran hat dazu aufgerufen, über die Geheimnisse der Weltordnung nachzudenken, während er die Wahrheit des Tauhid und des Jenseits beweist. Auch für diejenigen, denen es nicht möglich ist, über eine derart gewaltige Schöpfung nachzudenken, gibt es Nahrung zum Nachdenken in den Geheimnissen ihrer eigenen Erschaffung. Daher weist der Koran darauf hin, Beweise und Zeichen für den Tauhid und das Jenseits aus den „Afak“, das heißt aus der Welt der Schöpfung, sowie aus den „Anfus“, das heißt aus dem Leben des Menschen, zu gewinnen.

Dass jeder Planet und jeder Satellit des Sonnensystems regelmäßig und geordnet seine eigene Umlaufbahn durchläuft, dass nach dem Tag gemäß einer ewigen Ordnung die Nacht und nach der Nacht der Tag kommt, dass sich die Jahreszeiten nach einer ewigen Ordnung verändern und dass bei Tieren und Vögeln, Insekten, Bäumen, Pflanzen und Ranken überall dieselbe ewige, unveränderliche Ordnung wirksam ist, weckt im Menschen spontan das Gefühl für den Tauhid. Sein Herz ruft aus:

رَبَّنَا مَا خَلَقْتَ هُذَا بَاطِلاً سُبْحَنَكَ فَقِنَا عَذَابَ النَّارِه

„O unser Herr. Du hast kein einziges Wesen der Schöpfung ohne Sinn erschaffen. So befreie uns – denn wir glauben, dass das Jenseits wahr ist – von der harten, furchtbaren Strafe der Hölle.“
– (Sure Āl ʿImrān: 191)

An diejenigen, denen die Fähigkeit und die Möglichkeit fehlen, über die Geheimnisse der Schöpfung nachzudenken, richtet sich der Koran mit den Worten:

فَلْيَنْظُرِ الْإِنْسَانُ مِمَّ خُلِقَهُ خُلِقَ مِنْ مَاءٍ دَافِقَ يَخْرُجُ مِنْ بَيْنِ الصلب والتَّرَائِبِ إِنَّهُ عَلَى رَجْعِهِ لَقَادِرٌ

„Der Mensch soll darüber nachdenken, aus was er erschaffen wurde. Er wurde aus einem hervorspritzenden Tropfen Wasser erschaffen, der zwischen Rückgrat und Brustkorb austritt. Derjenige, der sie auf diese Weise erschaffen hat, ist gewiss auch fähig, sie nach ihrem Tod wieder zum Leben zu erwecken.“ – (Sure at-Tāriq: 5–8)

Um die wahre Maʿrifa Allahs zu erlangen, hat Allah der Erhabene daher selbst den Fikr mit dem Dhikr verbunden. Es heißt:

إِنَّ فِي خَلْقِ السَّمَوتِ وَالْأَرْضِ وَاخْتِلَافِ الَّيْلِ وَالنَّهَارِ لَآيَاتِ لِأُولى الْأَلْبَابِ الَّذِينَ يَذْكُرُونَ اللَّهَ قِيمًا وَقُعُودًا وَعَلَى جُنُوبِهِمْ وَيَتَفَكَّرُونَ فِي خَلْقِ السَّمَوتِ وَالْأَرْضِ :

„In den Geheimnissen der Erschaffung der Himmel und der Erde sowie im Wechsel und in der Verlängerung und Verkürzung von Tag und Nacht liegen für die Verständigen Zeichen für Allahs Tauhid. Sie gedenken Allahs im Schlaf und im Wachzustand, unter allen Umständen, und denken über die Geheimnisse der Erschaffung der Himmel und der Erde nach.“ (Sure Āl ʿImrān: 190–191)

Die Erforschung der Gaben Allahs

Das dritte wirksame und praktische Mittel, Erkenntnis über Allah zu erlangen, sind die Gaben Allahs, des Erhabenen: über Seine zahllosen und unerschöpflichen Gaben nachzudenken und sie zu erforschen. Deshalb erinnerte Allah, der Erhabene, die Menschen zugleich mit Seinem Aufruf zur Anbetung und zum Gottesdienst auch an Seine zahllosen Gaben. Allah, der Erhabene, sprach:

يأَيُّهَا النَّاسُ اعْبُدُوا رَبَّكُمُ الَّذِي خَلَقَكُمْ وَالَّذِينَ مِنْ قَبْلِكُمْ لَعَلَّكُمْ تَتَّقُونَ الَّذِي جَعَلَ لَكُمُ الْأَرْضَ فِرَاشًا وَالسَّمَاءَ بِنَاءَ من وَأَنْزَلَ مِنَ السَّمَاءِ مَاءً فَأَخْرَجَ بِهِ مِنَ الثَّمَرَتِ رِزْقًا لَّكُمْ فَلَا تَجْعَلُوا لِلَّهِ أَنْدَادُ وَأَنتُمْ تَعْلَمُونَ .

„O Menschen, dient eurem Herrn und seid Ihm in Anbetung ergeben, Der euch und diejenigen vor euch erschaffen hat; auf diese Weise könnt ihr hoffen, gerettet zu werden. Er ist es, Der euch den Himmel wie ein Schutzdach und die Erde wie einen Teppich gemacht hat, Der Wasser vom Himmel herabkommen lässt und dadurch allerlei Früchte aus der Erde hervorbringt, als Versorgung für euch. So stellt Allah niemanden zur Seite, obwohl ihr selbst wisst, dass dies Unrecht ist.“ – (Sure al-Baqara: 21–22)

Auf dieser irdischen Welt genießen wir die zahllosen, unerschöpflichen Gaben Allahs, des Erhabenen. Jede einzelne von ihnen bezeugt Allahs Einzigkeit und den Tauhid. Jedes Organ des menschlichen Körpers ist eine wunderbare Gabe, und sie alle sind Zeugen von Allahs Tauhid. Meine Augen – sie sind allein eine Gabe Allahs. Keine Macht dieser Welt, selbst die gesamte Schöpfung vereint, könnte mir eine Gabe schenken, die ihnen gleichkommt. Ebenso sind meine Ohren, meine Zunge, meine Nase, meine Hände, meine Füße, mein Kopf, mein Herz und Verstand – ja, jede einzelne Zelle meines Körpers – eine einzigartige Gabe Allahs; sollte auch nur eine davon ausfallen, ist niemand in der Lage, für sie einen Ersatz zu schaffen.

Dass ich in Licht und Luft dieser Welt allmählich herangewachsen und ein Mensch geworden bin, und die liebevolle Fürsorge meiner Mutter und meines Vaters dahinter – auch das ist eine wunderbare Gabe, deren Beschreibung mit menschlichen Worten unmöglich ist. Allah selbst hat dies als eines Seiner Zeichen dargestellt. Wenn wir auf diese Weise die Gaben betrachten, die wir auf dieser irdischen Welt genießen, und auch das, was die Strahlen und Teilchen des Sonnensystems dazu beitragen, erfüllt das wahre Empfinden all dessen das menschliche Herz mit Dankbarkeit. Allah selbst hat gesagt: Wenn ihr versucht, Allahs Gaben zu zählen, könnt ihr es versuchen; letztlich werdet ihr scheitern. Die Gaben, die wir auf dieser Welt genießen, sind nach den Worten Allahs nur äußerst geringfügig – geringfügig und zugleich vergänglich. Was Allah jedoch für sich zurückbehalten hat, ist besser und bleibend. Schon das Nachdenken über diese vergänglichen und geringfügigen Gaben bringt unsere Denkkraft an ihre Grenzen und lässt Verstand und Vernunft erstarren. Wie schön, herrlich und erstaunlich aber die bleibenden und besseren Gaben sind, die Allah, der Erhabene, für das Leben im Jenseits aufbewahrt hat, weiß nur Er, Der der alleinige Schöpfer dieser Gaben ist.

Werfen wir einen kurzen Blick auf die erstaunliche kunstvolle Gestaltung der geringfügigen und vergänglichen Gaben dieser Welt: Dann erkennen wir, wie groß und erhaben Allah als Schöpfer ist und wie machtlos jene Geschöpfe sind, denen die Menschen unter Ausschluss Allahs in Knechtschaft und Unterwürfigkeit dienen. Bevor Sie einen mit verschiedenen Früchten aus Bangladesch angerichteten Teller leer essen, denken Sie einen Augenblick an den Schöpfer dieser Früchte. Auf Ihrem Teller liegen Mangos, Jackfrüchte, Papayas, Bananen und auch Guaven. Fragen Sie nun diejenigen, die diese köstlichen, süßen Früchte erforschen: Kann irgendjemand den Geschmack einer Mango in einer Jackfrucht erschaffen? Hat irgendein Gelehrter, der sich in der Botanik auskennt, bis heute ein Verfahren entdeckt, durch das sich der Geschmack einer Ananas in einer Papaya oder der Geschmack einer Papaya in einer Mango erzeugen lässt? Wie weit auch immer die Wissenschaft der Zukunft voranschreiten mag – wird sie auf dem Gebiet der grundlegenden Schöpfung irgendeinen Beitrag leisten können? Was sie vermag, ist lediglich, die Schöpfungskunst des erhabenen Schöpfers anzuerkennen, und nichts weiter.

Neben diesen weltlichen Gaben ist die größte Gabe Allahs, des Erhabenen, der edle Koran. Allah, der Barmherzige, der Spender der Gaben, hat den Menschen aus Gnade und Güte den Koran gelehrt. In der Liste Seiner unerschöpflichen Gaben nimmt der Koran den höchsten Rang ein. Keine menschlichen Augen auf dieser Welt haben eine Gabe erblickt, die derjenigen gleicht, welche für die Allah lieben Diener, die diesem Koran folgen, aufbewahrt wurde. Kein menschliches Ohr auf dieser Welt hat die Beschreibung einer solchen Gabe gehört. Die phantasievollen Herzen von Millionen und Abermillionen Menschen konnten sich eine solche Gabe niemals auch nur vorstellen. Nur diejenigen werden im Jenseits die Gelegenheit erhalten, Allahs unerschöpfliche Gaben zu genießen, die in dieser Welt für die von Allah gewährten weltlichen Gaben Dankbarkeit zeigen und durch den richtigen Gebrauch und die Umsetzung der größten Gabe in Gestalt des Korans zu Allahs geliebten Dienern werden können.

Ayyāmullāh

Eine der wichtigsten Möglichkeiten, wahre Marifa über Allah zu erlangen, besteht darin, über die Tage Allahs zu sprechen und daraus Lehren zu ziehen. Die Völker der Vergangenheit, die Allahs Propheten und deren Botschaft leugneten und durch Allahs Zorn vernichtet wurden, werden aufgrund der bedeutenden Ereignisse, die sich in der Menschheitsgeschichte an den Tagen ihrer Vernichtung ereigneten, Ayyāmullāh genannt. Sie werden auch als die kleine Auferstehung bezeichnet. Der letzte der Tage Allahs ist als „Yawm ad-Dīn“ bekannt. Die Geschichten über die Vernichtung derjenigen, die in der Vergangenheit Allah ungehorsam waren und deshalb zugrunde gingen, wecken in uns ein tiefes Bewusstsein für Allahs Macht. Aus diesen Ereignissen können wir ebenfalls wahre Lehren ziehen. Warum wurde das Volk des Propheten Nūḥ vernichtet? Was geschah mit Nimrod? Welche beispielhafte Strafe erhielt der Pharao? Wie wurde das Volk von Lūṭ vollständig vernichtet? Welche Strafe erlitten das Volk von ʿĀd und das Volk von Thamūd? Der Prophet Muhammad (SAS) hat angeordnet, aus diesen Ereignissen Lehren zu ziehen. Daneben stehen die Schilderungen der erschreckenden Szenen der Auferstehung, die Erscheinung von Allahs Allgewalt und überwältigender Herrschaft am Tag des Gerichts, die unbeschreibliche Szene, wie die Menschen eilen, um ihre Tatenbücher einzusehen, sowie die schwierigen und äußerst strengen Szenen des Gerichts im Jenseits, das unter Allahs alleiniger Herrschaft geführt wird. Indem der Mensch über all dies nachdenkt und es erforscht, kann er im wahrsten Sinne des Wortes wahre Marifa über Allah erlangen.

Allahs ʿUbūdiyya

Sobald die wahre Marifa über Allah oder die richtige Erkenntnis Seiner Person dem Menschen enthüllt wird, wird sein Herz aus eigenem Antrieb Allahs ʿUbūdiyya annehmen. Nachdem in den ersten drei Versen der Sura al-Fātiḥa Allahs Wesen dargelegt worden ist, wird der Mensch mit seiner Zunge Folgendes bekennen:

إِيَّاكَ نَعْبُدُ وَإِيَّاكَ نَسْتَعِينُ .

„O Gott, wir dienen ausschließlich Dir und erbitten nur von Dir Hilfe.“ Worauf weist dies hin? Wenn Sie diese Frage etwas eingehender betrachten, wird Ihnen ihre Antwort zeigen, dass der Mensch nach der Erkenntnis der wahren Identität Allahs keine andere Möglichkeit hat, als sich Allah vollständig zu unterwerfen. Im Edlen Koran wird dies an verschiedenen Stellen auf unterschiedliche Weise dargelegt. Der Prophet Ibrāhīm (AS) erforschte die Sterne und dachte über den Mond und die Sonne nach. Ihm wurde klar, dass keines von ihnen ein Rabb oder Ilāh sein konnte. Daher erklärte er seinem Volk unmissverständlich:

يُقَوْمِ إِنِّي بَرِئُ مِّمَّا تُشْرِكُونَ إِنِّي وَجَهْتُ وَجْهِي لِلَّذِي فَطَرَ السَّمَوتِ وَالْأَرْضَ حَنِيفًا وَمَا أَنَا مِنَ الْمُشْرِكِينَ

„O mein Volk, ich sage mich von all dem los, was ihr Allah als Teilhaber beigesellt. Ich löse mich von allem und wende mich ausschließlich Allah zu, dem Schöpfer der Himmel und der Erde, und ich gehöre niemals zu den Götzendienern.“ (Sura al-Anʿām: 78–79)

Auf diese Weise ließ Allah, der Erhabene, Hazrat Musa (a. s.) Seine Marifa beziehungsweise Seine Erkenntnis zukommen, übertrug ihm die Verantwortung der Prophetie und befahl ihm zugleich, ausschließlich Ihn anzubeten.

إِنَّنِي أَنَا اللَّهُ لَا إِلَهَ إِلَّا أَنَا فَاعْبُدُنِي ، وَأَقِمِ الصَّلوةَ لِذِكْرِي .

„Wisse gewiss: Ich bin Allah. Es gibt keine Gottheit außer Mir. So bete ausschließlich Mich an und verrichte das Gebet, um Meiner zu gedenken.“ (Sure At-Taha: 14)

Auf der Grundlage dieser kurzen Erörterung können wir leicht zu dem Schluss gelangen, dass der Mensch gemäß der unausweichlichen Forderung einer richtigen Marifa Allah allein als seinen einzigen Munib annimmt und sich als dessen ergebenen Diener oder Sklaven betrachtet. Es genügt jedoch nicht, Allah als den einzigen Munib anzuerkennen und sich selbst nur als Seinen Diener zu betrachten, wenn dies auf eine Vorstellung des Herzens, einen Glauben und ein mündliches Bekenntnis beschränkt bleibt. Vielmehr müssen in der Praxis alle Formen der Knechtschaft und des sklavischen Dienens gegenüber anderen als Allah aus dem eigenen Leben beseitigt werden. Man muss sich der Aufgabe widmen, solche Betätigungen im Leben der Menschen mit der Wurzel auszurotten und überall die Knechtschaft und Anbetung Allahs im eigentlichen Sinne zu errichten.

Aus der Anweisung, die Allah, der Erhabene, Hazrat Musa (a. s.) erteilte, nachdem Er ihm Seine Marifa und die Prophetie verliehen hatte, können wir konkrete Wegweisung dafür gewinnen, wie die wahre Knechtschaft und Anbetung Allahs auszuüben ist. Zunächst teilte Allah, der Erhabene, Hazrat Musa (a. s.) mit: „Es gibt außer Allah keine Gottheit und kein Wesen, das die souveräne Macht besitzt.“ Zugleich teilte Er ihm mit: „Man muss ausschließlich Ihn anbeten und Ihm dienen.“ Um diesen Dienst zu leisten oder sich jederzeit an Allahs Gebote und Anweisungen zu erinnern, muss das Salat-Gebet verrichtet werden. Im Rahmen dieser Anweisung, Allah anzuerkennen und ausschließlich Ihm zu dienen und sich Ihm zu unterwerfen, wurde Hazrat Musa (a. s.) befohlen, zum Hof des damaligen tyrannischen Herrschers Pharao zu gehen. Es wurde gesagt: „Er hat sich gegen Meine Herrschaft aufgelehnt.“ Aus der Erörterung dieses Abschnitts des Heiligen Quran geht eindeutig hervor, dass es die wahre Ibadat ist, in jedem Bereich und jeder Richtung des menschlichen Lebens Allahs Gebote und Anweisungen zu befolgen und die Gesetze, Regeln und Vorschriften anderer als Allah zu meiden. Ein gottloser oder gegen Allah rebellierender Staatsapparat ist somit ein Hindernis und Widerstand auf dem Weg, Allah anzubeten. Sich daher dafür einzusetzen, diesen Staatsapparat Allah gehorsam zu machen oder ihn zu überwinden und Allahs Din zum Sieg zu verhelfen, bedeutet im eigentlichen Sinne, die Verantwortung der Ubudiyyat anzunehmen. Das Gebet und die anderen rituellen Formen der Ibadat wurden in Wirklichkeit deshalb verpflichtend gemacht, damit sie bei der Erfüllung dieser Verantwortung der Ubudiyyat helfen und die entsprechende Befähigung schaffen. Nur diejenigen, die sich auf den eigentlichen Weg der Ubudiyyat begeben und die Hilfe jener rituellen Ibadat in Anspruch nehmen, können deren wirklichen Nutzen erlangen. Es wurde gesagt: „Sucht durch Geduld und das Gebet Hilfe.“ Wofür ist diese Hilfe bestimmt? Es wurde auf nichts anderes hingewiesen als auf die Erfüllung der Verantwortung der Ubudiyyat.

Als der Prophet Muhammad (s. a. w.) in das zwölfte Jahr seines prophetischen Lebens eintrat, erhielt er die Anweisung zu den fünf täglichen Gebeten. Die Anweisungen zum Fasten und zur Zakat erhielt er erst später. Was war also die Aufgabe, die er bis dahin erfüllte? Die Verantwortung und Aufgabe des geehrten Gesandten (s. a. w.) war vom Anfang bis zum Ende eine einzige: Allahs Din zum Sieg zu verhelfen. Der Quran sagt:

هُوَ الَّذِي أَرْسَلَ رَسُولَهُ بِالْهُدَى وَدِينِ الْحَقِّ لِيُظْهِرَهُ عَلَى الدِّينِ كُلِّهِ –

„Allah ist es, der Seinen Gesandten mit der Rechtleitung und der Religion der Wahrheit gesandt hat, damit Er sie über alle von Menschen geschaffenen Religionen siegreich macht.“ (Sure At-Tauba: 33)
Seit dem Empfang der Prophetie begannen der Prophet Muhammad (s. a. w.) und seine Anhänger einen aufopferungsvollen Kampf mit dem Ziel, Allahs Din zum Sieg zu verhelfen. Im Verlauf dieses Weges wurden die verschiedenen rituellen Formen der Ibadat, insbesondere das Gebet und das Fasten, in unterschiedlichen Phasen und zu verschiedenen Zeitpunkten verpflichtend gemacht. Daher gibt es keinen Anlass, die rituellen Formen der Ibadat von der grundlegenden Verantwortung der Ubudiyyat getrennt zu betrachten. Ebenso wenig kann man jene grundlegende Verantwortung der Ubudiyyat von den rituellen Formen der Ibadat loslösen. Denn der wahre Lehrer und Wegweiser bei der Erfüllung dieser grundlegenden Verantwortung hat sie niemals voneinander getrennt betrachtet. Er selbst maß ihnen ebenso die gebührende Bedeutung bei, wie auch seine Gefährten, die geehrten Sahaba (r. a.), ihnen die gebührende Bedeutung beimaßen. Deshalb heißt es über die Gefährten des reinen Gesandten (s. a. w.): „In der Nacht sind sie Asketen und am Tag berittene Helden und Kämpfer.“ Dies ist das eigentliche Kennzeichen eines wahren Dieners Allahs, eines wahrhaftigen Abd. Daher kann nicht der geringste Zweifel daran bestehen, dass genau diese Aufgabe die Ubudiyyat ist.

Um die richtige Beziehung zwischen Allah Ta’ala und Seinen Dienern aufzubauen, haben die Propheten und Gesandten zu allen Zeiten diese schwierige Aufgabe der „Ubudiyyat“ erfüllt. Diejenigen, die diese Aufgabe als Anhänger der Propheten und Gesandten übernommen haben, werden im Al-Qur’an als Siddiqin, Schuhada und Salihin bezeichnet. Bei der Erfüllung dieser Aufgabe waren die Propheten und Gesandten auf Schritt und Tritt auf Allahs Hilfe angewiesen. Auch die als Allahs geliebte Diener, mit Gnaden bedachte Diener, Siddiqin, Schuhada und Salihin bekannten Menschen, die den Propheten folgten, erwarteten auf Schritt und Tritt Allahs Nusrat und Rahmat. Gerade um diese Hilfe zu erlangen, hat Allah Ta’ala befohlen, Sabr und Salah als Mittel zu nehmen.

Tatsächlich kann man die Bedeutung des Ersuchens um Hilfe durch Sabr und Salah erst dann erkennen, wenn man den Spuren der Propheten und Gesandten (a.) sowie der anderen geliebten Diener Allahs folgt und in unmittelbaren Konflikt und Kampf mit Allahs verfluchten Dienern und den Irregegangenen tritt. Um zu verstehen, dass die eigentliche Bedeutung und der unvermeidliche Anspruch darin bestehen, Allah als Rabb oder Munib anzuerkennen und sich ausschließlich zu Seinem Diener oder Sklaven zu machen, muss man nicht weit gehen. Im Kalima „La ilaha illallah“ ist dies eindeutig verkündet. Hier wird nicht nur davon gesprochen, Allah als Ilah anzuerkennen; vielmehr wird zuvor die Leugnung und Beseitigung der Ilahiyyat alles dessen, was außer Allah ist, gefordert:

فَمَنْ يُكْفُرْ بِالطَّاغُوتِ وَيُؤْمِنُ بِاللَّهِ فَقَدِ اسْتَمْسَكَ بِالْعُرْوَةِ الْوُثْقَى لا انفِصَامَ لَهَا .

So halten diejenigen, die „die gottfeindlichen Mächte zurückweisen und ihren Glauben an Allah bekennen, an einem starken Halt fest, der niemals reißen wird.“ (Sure Al-Baqara: 256)

Sich an diesem starken Halt festzuhalten bedeutet in Wirklichkeit, die richtige Beziehung zu Allah herzustellen. Wir bezeichnen sie seit jeher als Ubudiyyat.

Möglichkeiten zur Bewahrung der Beziehung der Ubudiyyat

Indem wir Allah Ta’ala als Rabb und Ilah annehmen, geloben wir, ausschließlich Ihm zu dienen und Ihm Sklaverei, Dienstbarkeit und Anbetung zu widmen. Auf diese Weise hat Allah Ta’ala das Bekenntnis des Glaubens mit einem Kauf- und Verkaufsgeschäft verglichen. Er hat gesagt:

إِنَّ اللهَ اشْتَرَى مِنَ الْمُؤْمِنِينَ أَنْفُسَهُمْ وَأَمْوَالَهُمْ بِأَنَّ لَهُمُ الْجَنَّةَ . يُقَاتِلُونَ فِي سَبِيلِ اللَّهِ فَيَقْتُلُونَ وَيُقْتَلُونَ * وَعْدًا عَلَيْهِ حَقًّا فِي الثورية وَالْإِنْجِيلِ وَالْقُرْآنِ ، وَمَن أَوْفَى بِعَهْدِهِ مِنَ اللَّهِ فَاسْتَبْشِرُوا بِبَيْعِكُمُ الَّذِي بَايَعْتُمْ بِهِ ،

وَذَلِكَ هُوَ الْفَوْزُ الْعَظِيمُ

„Diejenigen, die den Glauben bekannt haben, deren Leben und Besitz hat Allah im Tausch gegen das Paradies erworben. (Nun besteht ihre einzige Aufgabe darin,) in Seinem

Weg zu kämpfen sowie Leben zu geben und Leben zu nehmen. Diesbezüglich ist Allahs Verheißung im Taurat, im Injil und im Koran gleichermaßen wahr und unabänderlich. Und wer erfüllt seine Verheißung besser als Allah? So nehmt frohe Botschaft für diesen euren Vertrag entgegen (von Allah). Das ist der große Erfolg.“ (Sure At-Tauba: 111)

Die charakteristischen Eigenschaften dieser vertraglich gebundenen Menschen sind:

التَّائِبُونَ الْعَبدُونَ الْحَمِدُونَ السَّائِحُونَ الرَّكْعُونَ السَّجِدُونَ الأمرون بالمعروفِ وَالنَّاهُونَ عَنِ الْمُنْكَرِ وَالْحَفِظُونَ لِحُدُودِ اللهِ ، وَبَشِّرِ الْمُؤْمِنِينَ ( التويه : (۱۱۲)

„Sie sind reumütig, anbetend, Allah preisend, auf Allahs Weg reisend, sich verbeugend und niederwerfend, das Gute gebietend und das Schlechte verhindernd; vor allem hüten sie die von Allah gesetzten Grenzen. Und verkünde den Gläubigen frohe Botschaft.“ (Sure At-Tauba: 112) Ebenso wurde anlässlich des Erscheinens des Propheten Muhammad (s.a.w.), des Wegweisers auf diesem Weg und des einzigen vorbildlichen Lehrers, dem zu folgen ist, gesagt:

هُوَ الَّذي أرسل رسوله بالهدى ودين الحقِّ لِيُظْهِرَهُ عَلَى الدِّينِ كُلِّهِ . وَكَفَى بِاللهِ شَهِيدًا وَ مُحَمَّدٌ رَسُولُ اللَّهِ وَالَّذِينَ مَعَهُ أَشِدَّهُ عَلَى الْكُفَّارِ رُحَمَاءُ بَيْنَهُمْ تَرْبَهُمْ رَكَعًا سُجَّدًا يُبْتَغُونَ فَضْلًا مِّنَ اللَّهِ ورضواناً : (الفتح : ۲۸ – (۲۹)

„Allah ist jene erhabene Wesenheit, die den Gesandten mit der richtigen Rechtleitung und der wahren Religion entsandt hat, damit Er Allahs Religion über allen Religionen siegreich etabliere. Und Allahs Zeugnis über diese große Wahrheit genügt. Muhammad ist Allahs Gesandter, und das Kennzeichen seiner Gefährten ist, dass sie gegenüber dem Unglauben hart wie ein Donnerschlag und untereinander barmherzig sind. Du wirst sehen, dass sie sich vor Allah verbeugen und niederwerfen. Sie bemühen sich eifrig um Allahs Barmherzigkeit und Sein Wohlgefallen.“ (Sure Al-Fath: 28–29)

Im Licht der beiden im edlen Koran erwähnten Passagen können wir einerseits die richtige Beziehung des Dieners zu Allah bestimmen und andererseits auch die Mittel erkennen, diese Beziehung zu vertiefen.

Kernaussage des ersten Abschnitts

Indem der Mensch den Glauben bekennt und die Ubudiyya gegenüber Allah annimmt, verkauft er in Wirklichkeit sein Leben und sein Vermögen an Allah, mit anderen Worten: Er übergibt sie Ihm. Gemäß den Bedingungen dieses Verkaufs darf er, wenn er im Jenseits als Belohnung von Allah das Paradies erhalten möchte, sein eigenes Leben, sein eigenes Vermögen und seine eigenen Wünsche nicht nach eigenem Gutdünken einsetzen. Der wahre Eigentümer dieses Lebens und dieses Vermögens ist Allah. Dieses Leben und dieses Vermögen sind ursprünglich von Ihm gegeben. Indem der Mensch nach dem Glaubensbekenntnis beides Allah übergibt, händigt er es seinem eigentlichen Eigentümer aus. Daher dürfen beide nun nur für jene Dinge eingesetzt werden, deren Verwendung Allah der Erhabene billigt. Auch wofür Allah sie eingesetzt sehen möchte, hat Er in äußerst klaren Worten dargelegt. Diejenigen, die auf diese Weise im Austausch für das Paradies ihr Leben und ihr Vermögen an Allah verkauft haben, dürfen beides nur auf einem einzigen Weg einsetzen: Sie müssen den Weg des endgültigen und aufopferungsvollen Kampfes auf Allahs Weg beschreiten; danach gibt es weder die Möglichkeit anzuhalten noch umzukehren. Das endgültige Ziel des endgültigen Kampfes auf diesem Weg ist die Ausrottung der Kräfte des Unglaubens oder der eigene Untergang.

Kernaussage des zweiten Abschnitts

Die eigentliche Mission des letzten Propheten, der entsandt wurde, um die schwierige Aufgabe zu erfüllen, die Menschen in Wahrheit von der Knechtschaft und Sklaverei gegenüber allem außer Allah zu befreien und sie zu Dienern und Sklaven Allahs zu machen, bestand darin, Allahs Religion siegreich zu etablieren. Im ersten der beiden von uns behandelten Abschnitte werden nach der Definition des Mu’min die charakterlichen Eigenschaften und Vorzüge der Gläubigen beschrieben. Ebenso bezeugt der Koran, nachdem der eigentliche Zweck des Kommens des erhabenen Propheten dargelegt worden ist, dass der Gesandte und seine Gefährten jene Eigenschaften besitzen, die für die Verwirklichung dieses Ziels unerlässlich sind.

Wir, die wir eine richtige Beziehung zu Allah, dem erhabenen Herrn und Eigentümer, aufbauen und Seine Nähe erlangen möchten, müssen uns diese Eigenschaften unbedingt aneignen. Daher sind im Licht der beiden Abschnitte die Handlungen, die wir ausführen müssen, um unsere Beziehung zu Allah zu vertiefen oder Seine Nähe zu erlangen, folgende:

Erstens: Wir müssen die praktische Umsetzung des Bekenntnisses Lā ilāha illallāh beziehungsweise konkrete Schritte zur Errichtung der Souveränität Allahs unternehmen. Mit dem Ziel, Allahs Gesetze, Vorschriften und Bestimmungen auf Allahs Erde und im Leben der Menschen durchzusetzen, müssen wir im Kampf für die siegreiche Etablierung von Allahs Religion Opfer an Leben und Vermögen darbringen. Um die Gesellschaft der Menschen vom Aufruhr zu befreien, müssen wir gleichzeitig die vollständige Etablierung von Allahs Religion und die Beseitigung der Kräfte des Unglaubens und des Tāghūt anstreben.

Zweitens: Diejenigen, die diese Aufgabe erfüllen, müssen gleichzeitig zwei gegensätzliche Eigenschaften, mit anderen Worten: charakterliche Merkmale, besitzen. Gegenüber den Kräften des Unglaubens und des Tāghūt müssen sie hart und kompromisslos sein. Untereinander jedoch, gegenüber ihren Gefährten und Freunden, müssen sie barmherzig, von zartem Herzen und einfühlsam sein.

Drittens: Das Gebet – das vorzügliche Gebet – wird dabei helfen, ein Gleichgewicht zwischen dieser Strenge und Sanftmut herzustellen. Eine demütige Haltung gegenüber Allah, die durch aufrichtiges Rukūʿ und Suǧūd vor Allah erworben wird.

Viertens: Die Quelle der Motivation für dieses Rukūʿ, dieses Suǧūd und zugleich für all ihre Aktivitäten und ihr hingebungsvolles Streben muss ausschließlich darin liegen, Allahs Wohlgefallen zu erlangen und sich ausschließlich Seiner Barmherzigkeit und Gnade würdig zu erweisen.

Fünftens: Die charakterlichen Eigenschaften dieser Soldaten auf Allahs Weg, die als Sinnbilder von Strenge und Sanftmut einen verzweifelten Kampf führen, um Allahs Din zum Sieg zu verhelfen, werden sich in all ihren Tätigkeiten zeigen. Da Allahs Wohlgefallen und Seine Barmherzigkeit den Mittelpunkt ihres Verhaltens und ihres Umgangs mit anderen bilden, werden ihr Herz und ihr Verstand stets mit Allahs Gedenken beschäftigt sein; sie werden zu einer Verkörperung des wahrhaftigen Zikr und des Zikr selbst werden. Die Reinheit ihres Herzens und ihres Verstandes wird sich auf ihren Gesichtern und in ihrem Charakter widerspiegeln. Die Gesichter dieser Menschen mit vorzüglichem Akhlaq werden daher im Licht des Īmān erstrahlen und durch die Wirkung des Suǧūd leuchtend werden.

Sechstens: Wer Allahs Wohlgefallen begehrt, muss sich unbedingt auch vor Allahs Missfallen hüten. Ebenso wie sie die Handlungen ausführen müssen, an denen Allah Wohlgefallen findet, müssen sie sich bemühen, jene Handlungen zu unterlassen, die Allah missfallen. Doch der schwache Mensch kann sich in dieser Hinsicht nur bemühen; vollständiger Erfolg ist äußerst schwierig. Dass Fehler geschehen, ist ganz natürlich. Allah ist vergebend, Ghafūr, und barmherzig, Rahīm. Um von diesen Fehlern loszukommen, hat Er das Tor der Tauba offen gelassen. Tauba bedeutet Rückkehr. Wenn in einem schwachen Augenblick ein Fehler geschieht, wird das aufrichtige Bereuen dieses Fehlers, die Bitte an Allah um Vergebung dafür und die Rückkehr auf den rechten Weg als echte Tauba bezeichnet. Die Frucht der Tauba können auf diese Weise nur diejenigen erfahren, die sich aufrichtig darum bemühen, Allahs Wohlgefallen zu erlangen und Sein Missfallen zu meiden, und die sich selbst Rechenschaft ablegen, ob ihr Bemühen Mängel oder Versäumnisse aufwies. In den Worten von Hazrat Ali: „Hāsibū qabla an tuhāsabū“ – bevor ihr vor Allah Rechenschaft ablegt, zieht selbst über euch Rechenschaft. So wird Tauba als erstes und wichtigstes Merkmal jener genannt, die ihr Leben und ihren Besitz an Allah verkauft und den Schwur abgelegt haben, auf Allahs Weg zu kämpfen. Das bedeutet, dass sie es gewohnt sind, sich bei der Erfüllung ihrer Pflichten und Verantwortungen im Licht dieses Schwurs selbstkritisch zu prüfen.

Siebtens: Diejenigen, die im Leben der Menschen und überall auf Allahs Erde die Anbetung und Dienstbarkeit allein gegenüber Allah errichten und die Herrschaft und Vorherrschaft von Ghayrullah beseitigen wollen, müssen ihr persönliches Leben zu einer Verkörperung der Anbetung Allahs machen. Um die Fähigkeit zur ständigen Anbetung zu erlangen, müssen sie den Anspruch der vorgeschriebenen Gottesdienste vollständig erfüllen. Mit vollkommener Aufrichtigkeit und mit all ihrer Herzenshingabe, ihren Empfindungen, ihrer Verehrung und Ehrfurcht werden sie Gebet, Zakat, Fasten, Hadsch und dergleichen verrichten. Besonders das Gebet werden sie als Miʿrādsch, als Mittel zur Erlangung der Nähe zu Allah, annehmen.

Achtens: Sie werden sich vor niemandem aus der Schöpfung verbeugen und daher auch keinem Menschen schmeicheln oder ihn lobpreisen. Sie werden allein Allah lobpreisen. „Allahu Akbar wa lillahil-hamd“ wird ihr ständiger Ausspruch sein. Ihr Herz und ihre Zunge werden damit beschäftigt sein, Allahs Heiligkeit zu verkünden, Ihn zu preisen und Seine Größe und Seine Souveränität zu bezeugen. Auf ihren Lippen werden stets folgende Worte erklingen: „Subhanallahi wal-hamdu lillahi la ilaha illallahu Allahu Akbar.“ „Allahu Akbar kabiran, alhamdu lillahi kathiran, subhanallahi bukratiwan wa asila.“ „Subhanallahi wa bihamdihi subhanallahil-azim wa bihamdihi astaghfiru“ und andere Tasbihs.

Neuntens: Mit vollkommener Zufriedenheit werden sie sich vor Allah im Rukūʿ verbeugen und Suǧūd verrichten. Allah selbst hat für die Erlangung Seiner Nähe angeordnet, sich Ihm zu nähern und sich vollkommen vor Ihm niederzuwerfen. Er hat gesagt: „Wirf dich nieder und suche Nähe.“

Zehntens: Nachdem diese Menschen sich vor Allah aus tiefstem Herzen im Rukūʿ und Suǧūd verbeugt und vollkommene Zufriedenheit und Frieden erlangt haben, bleiben sie nicht einfach zu Hause sitzen. Sie beschränken sich nicht auf die vier Wände der Moschee. Sie verlassen auch nicht die menschliche Gesellschaft, um ein zurückgezogenes Leben als Asketen zu führen. Vielmehr ziehen sie inmitten der menschlichen Gesellschaft auf Allahs Erde umher und bemühen sich, Seine Souveränität zu errichten. Für die Verbreitung, Ausweitung und Errichtung von Allahs Din durchstreifen sie Allahs Erde. Wenn sie diesen Weg gehen, kann die Verlockung des weltlichen Lebens ihnen nicht den Weg versperren.

Elf: Auf diese Weise weisen sie Allahs Diener an, Allahs Gebote zu befolgen, und hindern sie daran, den Allah fremden, gegen Gott rebellierenden Kräften zu folgen. Sie erfüllen mit Strenge die schwierige Aufgabe, die Menschen auf den rechten Weg zu führen und sie vom falschen Weg abzuhalten.

Zwölf: Ihre eigentliche Identität ist die von Allahs Soldaten. Daher werden sie in der Rolle von Soldaten die von Allah gesetzten Grenzen bewachen. Damit die Menschen nicht die von Allah gesetzten Grenzen zwischen Recht und Unrecht, zwischen Wahrheit und Lüge sowie die von Allah festgelegten Grenzen zwischen Erlaubtem und Verbotenem überschreiten können, müssen diejenigen, die Allahs Dienerschaft angenommen haben, stets die Rolle wachsamer, unermüdlicher Wächter erfüllen. Diese Aufgabe der Beaufsichtigung und des Wachdienstes muss unbedingt ausgeführt werden, wie mühsam sie auch sein mag. Falls nötig, muss man sein Leben riskieren. Wenn Allahs Diener bei der Erfüllung der oben beschriebenen schwierigen und mühevollen Pflichten bisweilen müde und erschöpft werden, bisweilen auf Hindernisse stoßen, bisweilen zusammenbrechen oder bisweilen von Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit überwältigt zu werden drohen, tritt für sie gerade dann Allahs Wort hervor: „Sucht Allahs Hilfe durch Geduld und das Gebet“ – wie ein lebensspendender Trank. Wie herrlich es dann ist, diese Worte zu hören und danach zu handeln, lässt sich nicht in Worte fassen. Nur derjenige, den es betrifft, kann dies in Wirklichkeit erfahren.

Diejenigen Diener Allahs, die durch ihre Taten und ihr praktisches Wirken diese Stufe erreichen, müssen schließlich ihre Abhängigkeit von allem in der Schöpfung aufgeben und einzig auf Allah vertrauen. In diesem Augenblick muss man Allah aus tiefstem Herzen anrufen. Dieser Anruf bereitet nicht nur Freude, sondern der erhabene Herrscher Allah erhört ihn auch mit außerordentlicher Schnelligkeit. In einem solchen Augenblick, auf einer solchen Stufe, ergeht von Allah der Befehl:

يأَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوا اذْكُرُوا اللهَ ذِكْرًا كَثِيرًا ، وَسَبِّحُوهُ بُكْرَةً وَأَصِيلا هُوَ الَّذِي يُصَلِّي عَلَيْكُمْ وَمَلْئِكَتُهُ لِيُخْرِجَكُمْ مِّنَ الظُّلُمَتِ إِلَى النُّورِ وَكَانَ بِالْمُؤْمِنِينَ رَحِيمًا تَحِيَّتُهُمْ يَوْمَ يَلْقُونَهُ سَلْمٌ ، وَأَعَدَّ لَهُمْ أَجْرًا كَرِيمًا

„O ihr, die ihr glaubt, gedenkt Allahs in reichlichem Gedenken. Und preist Seine Heiligkeit morgens und abends, das heißt zu jeder Zeit. Er segnet euch, und Seine Engel bitten Allah darum, euch zu segnen. Auf diese Weise will Allah euch aus den Finsternissen ins Licht führen. Er ist ja zu den Gläubigen überaus barmherzig.“ (Sure al-Ahzab: 41–44)

Hier lenkt Allah den Blick Seiner Diener über diese Welt hinaus auf das Jenseits. Die beste Belohnung für ihre aufopferungsvolle Anstrengung und ihren Kampf in diesem Leben ist die Belohnung des Jenseits. Wenn daher jemand angesichts der Widrigkeiten dieser Welt in seinem Leben keinen weltlichen Erfolg erlangt, spielt das überhaupt keine Rolle. An dem Tag, an dem sie Allahs Nähe erlangen, Allah schauen und vor Allah erscheinen werden, wird sie der Besitzer der Himmel und der Erde, der Besitzer des gewaltigen Thrones, herzlich begrüßen und sie mit dem Friedensgruß willkommen heißen. Dort hat Er für die Gläubigen und für diejenigen, die den rechten Rang der Dienerschaft Allahs wahren, eine ehrenvolle Belohnung bereitet. Je stärker in jemandem das Verlangen ist, diese von Allah für das Leben im Jenseits versprochene beste Belohnung und Belohnung höchster Ehre zu erlangen, desto leichter fällt es ihm, die Pflichten der Dienerschaft zu erfüllen, trotz aller Arten weltlicher Hindernisse und trotz der ablehnenden Blicke an der richtigen Beziehung zu Allah festzuhalten und diese Beziehung immer weiter zu vertiefen.

Gedenken und Bittgebet

Das Gedenken Allahs und das Bittgebet sind die wichtigsten und wirksamsten Mittel, Allahs Nähe zu erlangen. Allah, der Erhabene, hat gesagt:

فَاذْكُرُونِي أَذْكُرُكُمْ – (البقرة : ١٥٢)

„Gedenkt Meiner, so werde Ich eurer gedenken.“

ادْعُونِي أَسْتَجِبْ لَكُمْ .

„Bittet Mich, so werde Ich auf euren Ruf antworten.“ (Sure al-Mu’min: 60)

Wenn der Diener Allah anruft und die Gewissheit erhält, dass sein Ruf erhört wird, und Allah sich eines Seiner Diener erinnert, dann ist dieser Diener tatsächlich dazu fähig, Allahs Nähe zu erlangen. Obwohl Dhikr und Duʿāʾ äußerlich verschieden erscheinen mögen, ist das Duʿāʾ im Grunde lediglich eine Form des Dhikr. In dieser Schrift werden wir kurz die Bedeutung, den Sinn und die Methode des Dhikr erläutern. Zugleich werden wir in einem gesonderten Kapitel den Versuch unternehmen zu erläutern, was Duʿāʾ ist und worin seine notwendigen Bestandteile und Methoden bestehen, in schāʾ Allāh.

Die Bedeutung des Dhikr

1

يأَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوا اذْكُرُوا اللهَ ذِكْرًا كَثِيرًا لَا وَسَبِّحُوهُ بُكْرَةً وأصيلا ا ( الاحزاب : ٤١-٤٢)

„O ihr Gläubigen, gedenkt Allahs sehr häufig. Und preist Seine Heiligkeit morgens und abends.“

2

فَاذْكُرُونِي أَذْكُرْكُمْ وَاشْكُرُولِي وَلَا تَكْفُرُونَ (البقر : ١٥٢)

„Gedenkt meiner, so werde auch Ich eurer gedenken. Erweist Mir Dank und seid nicht undankbar.“ (Sure al-Baqara: 152)

3

واذكر ربك كثيراً وسَبِّحُ بِالْعَشِي وَالإِبكار .

„Gedenke deines Herrn sehr häufig und preise Seine Heiligkeit morgens und abends.“ (Sure Āl ʿImrān: 41)

4

وَاذْكُر ربيكَ فِي نَفْسِكَ تَضَرُّعًا وخيفة ودون الْجَهْرِ مِنَ الْقَوْلِ بِالْغُدُو والا صال ولا تَكُن مِّنَ الفعلين (الاعراف : (٢٠٥)

5

„Gedenke deines Herrn im Inneren, in inniger Hingabe und Furcht, nicht mit lauter Stimme. So gedenke morgens und abends. Und sei in dieser Angelegenheit niemals achtlos. (Sure al-Aʿrāf: 205)

6

واذكر اسم ربك وتبتل إليه تبتيلا (المزمل : (۸)

„Gedenke des Namens deines Herrn und löse dich von allem anderen, um eine Verbindung zu Ihm herzustellen.“ (Sure al-Muzzammil: 8)

7

وَاذْكُرِ اسْمَ رَبِّكَ بكرة وأصيلام ( الدهر : (٢٥)

„Gedenke morgens und abends des Namens deines Herrn.“

فَإِذَا قَضَيْتُمُ الصَّلوةَ فَاذْكُرُوا الله قِيَامًا وَقُعُودًا وَعَلَى جُنُوبِكُمْ ،

„Wenn ihr dann das Gebet beendet habt, gedenkt Allahs im Stehen, im Sitzen und auch im Liegen.“ (Sure an-Nisa: 103)

8

فَاذْكُرُوا أَلَاءَ اللَّهِ وَلَا تَعْثَوْ فِي الْأَرْضِ مُفْسِدِينَ (الاعراف : ٧٤)

„Dann erinnert euch an Allahs Gunst. Stiftet auf dieser Erde kein Unheil.“ (Sure al-A’raf: 74)

9

خُنُوا مَا أَتَيْنُكُم بِقُوَّةٍ وَذْكُرُوا مَا فِيهِ لَعَلَّكُمْ تَتَّقُونَ (الاعراف : (۱۷۱)

„Haltet fest an dem, was Wir euch gebracht haben, und gedenkt all dessen, was darin enthalten ist, damit ihr erfolgreich sein könnt.“ (Sure al-Aʿraf: 171)
So finden wir in zahlreichen Versen des edlen Korans die Aufforderung zum Dhikr. Der Koran stellt den Dhikr auf eine solche Weise dar, dass der Eindruck entsteht, das Gedenken Allahs sei der Kern aller gottesdienstlichen Handlungen. Allah, der Erhabene, hat gesagt:

أقم الصلوةَ لِذِكْرِى .

„Verrichte das Gebet zu Meinem Gedenken.“ (Sure Ta-Ha: 14)

أقم الصلوة ، إِنَّ الصَّلوةَ تَنْهَى عَنِ الْفَحْشَاءِ وَالْمُنْكَرِ ، وَلَذِكْرُ اللَّهِ أكبر

„Verrichte das Gebet. Gewiss, das Gebet hält den Menschen von Schändlichem und Verwerflichem ab, und zweifellos ist das Gedenken Allahs die größte Angelegenheit.“ (Sure al-ʿAnkabut: 45)

قَدْ أَفْلَحَ مَنْ تَزَكَّى وَذَكَرَ اسْمَ رَبِّهِ فَصَلَّى

„Erfolgreich wird gewiss derjenige sein, der sich um Reinheit bemüht, des Namens Allahs gedenkt und das Gebet verrichtet.“ (Sure al-Aʿla: 14–15)

فَإِذَا قُضِيَت الصلوة فَانتَشيرُوا فِي الْأَرْضِ وَابْتَغُوا مِنْ فَضْلِ اللَّهِ وَاذْكُرُوا اللهَ كَثِيرًا –

„Verteilt euch nach dem Gebet auf Allahs Erde, sucht Allahs Gunst, das heißt, halal verdienten Lebensunterhalt, und gedenkt Allahs sehr häufig.“ (Sure al-Dschumuʿa: 10)

Da Allah dem Dhikr eine so große Bedeutung beigemessen hat, ist es unbedingt notwendig, genau zu wissen, was Dhikr bedeutet und auf welche Weise und nach welcher Methode er ausgeübt wird, um ihm sein Recht zukommen zu lassen.

Die Bedeutung von Dhikr

Die wörtliche Bedeutung von Dhikr ist, sich an etwas zu erinnern; es kann auch „etwas schildern“ bedeuten. Etwas im Gedächtnis zu bewahren oder sich an etwas zu erinnern, können wir als Dhikr des Herzens bezeichnen. Wenn wir über etwas mit dem Mund sprechen, können wir dies als Dhikr der Zunge bezeichnen. Als Allah die Anweisung zum Freitagsgebet gab, sagte Er:

إِذَا نُودِي الصَّلوةِ مِن يَوْمِ الْجُمُعَةِ فَاسْعَوْا إِلَى ذِكْرِ اللهِ .

„Wenn am Freitag zum Gebet gerufen wird, dann eilt zum Gedenken an Allah herbei.“ (Sure al-Dschumuʿa: 9)

Hier ist mit Dhikr die Freitagspredigt gemeint. Durch sie werden den Betenden die Worte Allahs sowie Allahs Gebote und Anordnungen verkündet. Die Chutba ist eine vollständige Ansprache. Auch sie hat Allah als Dhikr bezeichnet.

Allahs Dhikr ist ein besonderer terminologischer Ausdruck des Korans. Der Koran verwendet ihn in einer eigenen, besonderen Bedeutung. Wenn wir die Verse des Korans, in denen das Wort Dhikr erwähnt wird, aufmerksam und gründlich betrachten, werden wir diese besondere Bedeutung leicht erkennen können.

Die erste Forderung des Zikrullah besteht darin, dass im Herzen des Gläubigen eine tief verankerte, richtige Vorstellung von Allahs Wesen, Seinen Eigenschaften sowie Seinen Geboten und Rechtsbestimmungen vorhanden ist.

Die zweite Forderung des Zikrullah besteht darin, dass man mündlich über die richtige Vorstellung von Allahs Wesen, Seinen Eigenschaften sowie Seinen Geboten und Rechtsbestimmungen spricht, die in seinem Herzen und Verstand verankert ist, damit sie noch fester verankert bleibt. Man soll darüber auch Gespräche führen, um anderen diese Vorstellung zu vermitteln. Die dritte Forderung des Zikrullah besteht darin, sein praktisches Leben entsprechend dieser im Herzen und Verstand verankerten Vorstellung zu führen.

Zikr-e qalbi

Wenn wir beim Bekenntnis des Glaubens an Allah im Iman-e mujmal versprechen, an Allah zu glauben und Seine Gebote und Rechtsbestimmungen zu befolgen, ist dies im Grunde ein Versprechen, das wir Allah gegeben haben. Dieses Versprechen oder Gelöbnis jederzeit im Herzen und im Verstand in Erinnerung zu behalten, wird Zikr-e qalbi oder das Gedenken im Herzen genannt.

Im Iman-e mujmal legen wir im Grunde drei Gelöbnisse ab.

Erstens: Wir hegen hinsichtlich Allahs Wesen keine davon abweichende Vorstellung von der Erkenntnis Seines Wesens, die Er durch die Propheten und Gesandten, insbesondere durch den letzten Propheten und das letzte Buch, vermittelt hat. Auf der Grundlage der Erkenntnis Seines Wesens, die Er im Koran, insbesondere in der Sure al-Ichlas, dargelegt hat, halten wir Sein Wesen für eines und einzig. Wir glauben ferner, dass Er auf niemanden angewiesen ist. Er ist nicht aus jemandem hervorgegangen, und niemand ist aus Ihm hervorgegangen. Niemand kann Ihm gleich sein.

Zweitens: Wir glauben ohne jede Abweichung an die Beschreibung, die Allah, der Erhabene, von Seinen Eigenschaften gegeben hat. Wir glauben ferner, dass es ebenso wenig einen Teilhaber an Seinem Wesen wie an Seinen Eigenschaften gibt.

Drittens: Als notwendige Folge eines aufrichtigen und richtigen Glaubens an Allahs Wesen und Eigenschaften besteht die Forderung des Gelöbnisses, alle Seine Gebote und Rechtsbestimmungen sowie Seine Gebote und Verbote zu befolgen, darin, Herz und Verstand hinsichtlich dessen, was Allah angeordnet und was Er verboten hat, wachsam und aufmerksam zu halten. Deshalb mussten wir Allah ebenso bitten: „O Allah! Gewähre uns die Fähigkeit, das Rechte als recht zu erkennen und ihm zu folgen, und das Falsche als falsch zu erkennen und es zu meiden.“ Ebenso müssen wir praktische Schritte unternehmen, um das Rechte und das Falsche zu kennen und das eine anzunehmen und das andere abzulehnen. Auf diese Weise müssen die Vorstellung von Allahs Geboten und Rechtsbestimmungen, also von Recht und Unrecht, im Herzen und im Verstand fest verankert und wachsam gegenwärtig gehalten werden. Den Prozess und das Bemühen, diese drei Dinge auf diese Weise im Herzen und im Verstand lebendig zu erhalten, können wir als das Gedenken im Herzen oder Zikr-e qalbi bezeichnen.

Zikr-e-Lisani

Um sich die drei genannten Dinge fest einzuprägen oder sie anderen Dienern Allahs beizubringen, muss man sie aussprechen, besprechen und einüben. Dies werden wir als mündlichen Zikr oder Zikr-e-Lisani bezeichnen.

Zikr-e-Amali

Wenn jemand die oben genannten Dinge aufrichtig in seinem Herzen verankert und aufrichtig darüber spricht, kann sein tatsächliches Leben nicht den entgegengesetzten Weg einschlagen. Mehr noch: So wie sich der Glaube des Herzens positiv in seinen Worten ausdrücken und widerspiegeln wird, wird er sich auch durch sämtliche Handlungen, Geschäfte, Taten und den Charakter seines praktischen Lebens zeigen. Dies können wir als praktischen Zikr oder Zikr-e-Amali bezeichnen.

Mit anderen Worten können wir den Zikr der Zunge auch als mündliches Zeugnis für die Wahrheit und den Zikr-e-Amali als praktisches Zeugnis für die Wahrheit bezeichnen.

Beispiele für die drei Ebenen des Zikr

Die richtige Vorstellung und den richtigen Glauben an Allahs Wesen im Herzen und Verstand zu bewahren, ist Zikr des Herzens. Diesen Glauben zu bekunden, also zu erklären: „Ich erkenne niemanden als Teilhaber an Allahs Wesen an“, ist Zikr der Zunge. In der Praxis niemanden zu Allahs Wesen einen Teilhaber zu machen, ist Zikr-e-Amali. Eine richtige Vorstellung von Allahs Eigenschaften zu haben und niemanden an Seinen Eigenschaften als Teilhaber anzusehen, ist Zikr des Herzens. Diesen Glauben und diese Vorstellungen mündlich zu bekunden und zu verkünden, ist mündlicher Zikr oder Zikr-e-Lisani. In der Praxis ein Leben als Anhänger eines reinen Tauhid zu führen, ohne Allahs Eigenschaften irgendjemanden als Teilhaber beizugesellen, wird Zikr-e-Amali genannt.

Ebenso ist es Zikr des Herzens, sich einzuprägen, welche Gebote Allahs man wie befolgen muss, welche Dinge Allah zu tun befohlen und welche Er verboten hat. So hat Allah befohlen, das Gebet zu verrichten, zu fasten, die Zakat zu entrichten und die Hadsch zu vollziehen; Er hat befohlen, Alkohol, Glücksspiel und Zins zu meiden, beim Abwiegen nicht zu wenig zu geben und die nahen Verwandten und Nachbarn gut zu behandeln. Der Versuch, diese Anweisungen Allahs im Herzen und Verstand fest zu verankern, ist Zikr des Herzens. Sie mündlich zu besprechen – zur Erweiterung des eigenen Wissens und Verständnisses oder um sie anderen mitzuteilen und beizubringen – wird mündlicher Zikr oder Zikr-e-Lisani genannt. Diese Dinge in der Praxis auszuführen, wird praktischer Zikr oder Zikr-e-Amali genannt.

Mittel und Methoden des Dhikr

Es gibt drei der Sunna entsprechende Arten des Dhikr.
(1) Salat
(2) die Rezitation des Qurans
(3) die Dhikr-Formeln der überlieferten Methode sowie die vom Propheten (s.a.w.) gelehrten Bittgebete.

Salat

In Wirklichkeit ist es die Salat, die uns unablässig für die drei oben genannten Stufen anspornt. Über den Zweck der Salat heißt es in der Sure Ta-Ha:

أَقِمِ الصَّلوةَ لِذِكْرِي .

„Verrichte die Salat, um Meiner zu gedenken.“ (Sure Ta-Ha: 14)

In der Sure al-Ankabut heißt es:

أقم الصلوةَ إِنَّ الصَّلوةَ تَنْهَى عَنِ الْفَحْشَاءِ وَالْمُنْكَرِ وَلَذِكْرُ اللَّهِ أكبر

„Verrichte das Gebet; gewiss, das Gebet hält den Menschen von schändlichen und verwerflichen Taten ab. Doch das Gedenken Allahs ist wahrlich das Größte.“ (Sure al-Ankabut: 45)

Tatsächlich schult uns das Gebet in allen drei Arten des Dhikr. Im Gebet sprechen wir einige Bittgebete und Worte nur in Gedanken. Dadurch werden wir im Dhikr des Herzens geschult. Einige Bittgebete und Worte sprechen wir hörbar aus. Dadurch werden wir im Dhikr der Zunge, also im Dhikr al-Lisān, geschult. Und indem wir Allah im Gebet als gegenwärtig und allgegenwärtig erkennen und ehrerbietig vor Ihm stehen sowie uns durch Verbeugung und Niederwerfung Ihm tatsächlich ergeben, werden wir durch diese und ähnliche Handlungen im praktischen Dhikr, also im Dhikr al-ʿAmalī, geschult.

Die Rezitation des Qur’an

Nach dem Gebet ist die Rezitation des Qur’an der beste Dhikr gemäß der Sunna. Einer der Namen des Qur’an ist Dhikr. Allah, der Erhabene, hat verkündet:

إِنَّا نَحْنُ نَزَّلْنَا الذِّكْرَ وَإِنَّا لَهُ لَحَفِظُونَ .

„Wir haben den Dhikr herabgesandt, und Wir werden ihn gewiss bewahren.“ (Sure al-Hidschr: 9)

Hier ist mit dem Dhikr der Qur’an selbst gemeint. Ebenso lautet die Verkündung Allahs:

لقَد يَسَّرْنَا الْقُرْآنَ لِلذِّكْرِ فَهَلْ مِنْ مُّدَّكِرٍه

„Wir haben den Koran ganz gewiss zum Dhikr (hier bedeutet Dhikr: die Ermahnung anzunehmen) leicht gemacht. Gibt es also jemanden, der daraus eine Ermahnung annimmt?“ (Sure al-Qamar: 22)

Die Rezitation des Korans kann sowohl innerhalb des Salat als auch außerhalb des Salat erfolgen. Der edle Gesandte (s.a.w.s.) pflegte gewöhnlich in der letzten Nachtzeit die großen Suren des edlen Korans im Salat at-Tahadschud zu rezitieren und vor dem Zubettgehen mehrere kurze Suren, wie sie in den Juz 27, 28 und 29 enthalten sind.

Wir können nach unserem Ermessen eine bestimmte Regel für die Rezitation festlegen. Ebenso können wir auch ohne jede festgelegte Regel jederzeit die Gewohnheit entwickeln, den Koran Allahs zu rezitieren – ob mit oder ohne Blick in den Text, innerhalb oder außerhalb des Salat.

Bei der Rezitation ist es ebenso unerlässlich, die Fähigkeit zu erwerben, korrekt zu rezitieren, wie die Fähigkeit, ihre Bedeutung zu verstehen. Wenn man den Koran nämlich rezitiert, ohne seine Bedeutung zu verstehen, kann man durch diese Rezitation nicht den Nutzen des Dhikr erlangen. Der Koran ist insofern Dhikr, als man durch ihn Allahs Gebote und Verbote kennenlernt. Zugleich erfährt man die Folgen und Konsequenzen davon, ob man diese Gebote und Verbote befolgt oder nicht. Wie soll man das erfahren, wenn man die Bedeutung nicht versteht?

Das Bittgebet

Die dritte Möglichkeit des Dhikr ist das Bittgebet. Allah Selbst hat Seinen Dienern in Seinem Buch, dem edlen Koran, unzählige Bittgebete gelehrt, damit wir Ihn in diesen Worten anrufen. Darüber hinaus hat Er uns befohlen, Ihn anzurufen. Da die Befolgung Seines Befehls Anbetung heißt, ist folglich auch das Bittgebet Anbetung; vielmehr wird das Bittgebet alsمخ العبادة das Wesen der Anbetung bezeichnet.
So wie Allah das Bittgebet befohlen und die Worte des Bittgebets gelehrt hat, hat auch Sein geliebter Prophet seine Gemeinschaft dazu angehalten, neben dem Salat und der Koranrezitation Allah bei jedem unserer Bedürfnisse anzurufen, um Allahs Nähe zu erlangen. Beim Bittgebet hat er ebenso großen Wert darauf gelegt, in den Worten des edlen Korans zu beten; zugleich hat er selbst – auf Allahs Geheiß (durch die nicht zu rezitierende Offenbarung) – einige Formulierungen für Bittgebete gelehrt. Außerdem hat er uns für verschiedene Zeiten des Tages und der Nacht sowie für verschiedene Tätigkeiten besondere Lobpreisungen und Bittgebete gelehrt, damit wir stets mit dem Dhikr Allahs beschäftigt sein können. Wenn wir danach handeln, können wir Allahs Wunsch entsprechend ständig im Dhikr vertieft bleiben. Durch all unsere Tätigkeiten können wir Allahs gedenken. Allah hat Seinen Wunsch folgendermaßen zum Ausdruck gebracht:

الَّذِينَ يَذْكُرُونَ اللَّهَ قِيَامًا وَقُعُودًا وَعَلَى جُنُوبِهِمْ وَيَتَفَكَّرُونَ فِي خَلْقِ السموت والأَرْضِ ، رَبَّنَا مَا خَلَقْتَ هُذَا بَاطِلاً سُبْحَانَكَ فَقِنَا عَذَابٌ النَّارِه

„(Die wahrhaft Verständigen sind jene,) die Allahs gedenken, im Stehen, im Sitzen und im Liegen, und über das Geheimnis der Erschaffung der Himmel und der Erde nachdenken. (Auf diese Weise erkennen sie die Vernünftigkeit und Wirklichkeit des Tauhid und des Jenseits und erklären:) Unser Herr, Du hast nichts in dieser Schöpfung sinnlos erschaffen. So bewahre uns vor dem Feuer der Hölle!“
—(Sure Al-i Imran: 191)

Beim Bittgebet müssen dem Bittenden zunächst drei Dinge klar sein.

Erstens: Zu wem betet er? Kennt er dessen wahre Identität, Seine wahre Stellung und Seine wahre Macht?

Zweitens: Besteht zwischen dem Bittsteller und demjenigen, zu dem er betet, eine Beziehung? Wenn ja, welcher Art ist diese Beziehung?

Drittens: Wofür soll er beten, und worum soll er bitten?

Es sei angemerkt, dass wir zu diesem Thema bereits am Anfang dieser Schrift einen gewissen Hinweis * gegeben haben. Vielmehr ist genau dieses Thema als Hauptthema unserer Schrift behandelt worden. Außer den genannten drei Punkten müssen im Zusammenhang mit dem Bittgebet noch drei weitere Dinge bekannt sein. Das Bittgebet ist kein Zauberspruch, durch dessen bloßes Aufsagen ein Ziel erreicht wird. Vielmehr ist das Bittgebet eine unserer vornehmsten Formen der Anbetung. Wenn man dessen gebührendes Recht erfüllt, ist es nicht nur bedeutsam, das Erbetene zu erhalten, sondern es ist auch möglich, Allah zufriedenzustellen. Für jedes einzelne Wort des Bittgebets muss uns in unserem Tatenbuch unbedingt Lohn gutgeschrieben werden.

Das Erste der drei weiteren Dinge, die wir im Zusammenhang mit dem Bittgebet erwähnen möchten, ist Folgendes: Wenn der Bittsteller Allah um etwas bitten möchte, muss er zunächst den Entschluss fassen, diese Sache zu erlangen. In seinem Herzen muss er einen festen Vorsatz fassen. Zweitens muss er diesem Entschluss und Vorsatz entsprechend praktische Schritte unternehmen. Drittens muss er sich nach Kräften unermüdlich bemühen und anstrengen, um die von ihm gewünschte Sache oder Handlung zu erlangen beziehungsweise zu verwirklichen. Für den Erfolg soll er jedoch nicht auf seine eigenen Anstrengungen vertrauen, sondern auf Allahs Hilfe. Und während er das Recht seiner Bemühungen und Anstrengungen erfüllt, soll er sich demütig an Allah wenden. Mit zutiefst flehender Stimme soll er Allah seinen Herzenswunsch und seine Sehnsüchte mitteilen und um Seine Hilfe bitten. Allah hat erklärt, dass es Seine Verantwortung ist, diejenigen ans Ziel zu führen, die auf diese Weise den Entschluss und festen Vorsatz zu einer guten Tat fassen, sich der Anstrengung widmen und Allah inständig um Hilfe bitten. Die Erklärung Allahs, des Erhabenen:

وَالَّذِينَ جَاهَدُوا فِينَا لَنَهْدِيَنَّهُمْ سُبُلَنَا .

„Diejenigen, die sich um Meinetwillen bemühen und kämpfen, werde Ich gewiss zu Meinem Weg führen.“ (Sure al-Ankabut: 69)

Zu den wichtigsten Umgangsformen des Bittgebets gehört, dass der Bittende sich angesichts der richtigen Erkenntnis über Allah, in großer Demut Allah anvertraut – in Furcht vor Allahs Strafe und in Hoffnung auf Seine Barmherzigkeit. So wie ein Verstorbener in den Händen dessen liegt, der ihn wäscht (er selbst kann nichts tun, und derjenige, der ihn wäscht, kann ihn nach Belieben drehen und wenden), soll der Diener Allah gegenüber auf ähnliche Weise seine Hilflosigkeit darlegen und mit ganzer Hingabe Allahs Hilfe erbitten.

Allah, der Erhabene, kennt auch die verborgenen Wünsche in unseren Herzen. Daher ist es nicht nötig, das Bittgebet mit sehr lauter Stimme zu sprechen. Es besteht keinerlei Notwendigkeit, auf diese Weise laut zu schreien, nur damit Allah es hört. Um jedoch in sich selbst einen von Furcht vor Allahs Strafe und Hoffnung auf Seine Barmherzigkeit erfüllten Gemütszustand hervorzurufen, kann man mit einer gedämpften Stimme sprechen, die man selbst hört. Dadurch können zumindest die Bedeutung und der Sinn der Worte des Bittgebets auf Herz und Verstand und sogar auf das praktische Leben Einfluss nehmen und Wirkung entfalten.

Allah, der Herr der Welten, ist der Schöpfer aller Menschen. Er hat allen Menschen die Sprache gelehrt. Daher können wir Ihm in jeder beliebigen Sprache unsere Herzensangelegenheiten vortragen. Er kennt und versteht sogar die unausgesprochenen Wünsche und Sehnsüchte unseres Herzens, ohne dass sie in Worte gefasst werden. Deshalb kann jeder Allah so und in der Sprache anrufen, wie er möchte. Da wir jedoch kein richtiges Wissen darüber besitzen, was für uns gut und was schlecht ist, kann das, was wir für gut halten, in Wirklichkeit gut für uns sein, und ebenso kann das, was wir für schlecht halten, gut für uns sein. Daher ist es unbedingt erforderlich zu verstehen, was in den Bittgebeten gesagt wird, die Allah und Sein Gesandter gelehrt haben. Wenn es jemandem nicht möglich ist, die arabischen Bittgebete auswendig zu lernen, wird er gewiss dennoch Nutzen daraus ziehen, wenn er sich die bengalische Bedeutung dieser Bittgebete merkt und Allah in seiner eigenen Sprache um all das bittet.

Die Bedeutung des Bittgebets

Wir werden uns, so Allah will, bemühen, in dieser Schrift einige der Bittgebete aus Allahs Koran und aus den von Seinem Gesandten gelehrten Bittgebeten mitsamt ihrer Bedeutung anzuführen. Zuvor werden im Folgenden einige Verse und Hadithe zur Bedeutung des Bittgebets angeführt.

Vers

1

وَقَالَ رَبُّكُمُ ادْعُونِي أَسْتَجِبْ لَكُمْ ، إِنَّ الَّذِينَ يَسْتَكْبِرُونَ عَنْ عِبَادَتِي سَيَدْخُلُونَ جَهَنَّمَ دَاخِرِينَ (المؤمن : (٦٠)

„Euer Herr hat gesagt: Ruft Mich an, Ich werde euch erhören. Diejenigen, die sich aus Stolz und Hochmut von Meiner Anbetung abwenden, werden gewiss in einem Zustand der Erniedrigung in die Hölle eintreten.“

2

ادْعُوا رَبَّكُمْ تَضَرُّعًا وَخَفِيَةً إِنَّهُ لَا يُحِبُّ الْمُعْتَدِينَ

„Ruft euren Herrn demütig und im Verborgenen an. Er liebt die Übertreter nicht.“ (Sure al-Aʿrāf: 55)

3

وَإِذَا سَأَلَكَ عِبَادِي عَنِّي فَإِنِّي قَرِيبٌ أُجِيبُ دَعْوَةَ الدَّعِ إِذَا دَعَانِ لا فَلْيَسْتَجِيبُوا لِي وَلِيُؤْمِنُوا بِي لَعَلَّهُمْ يَرْشُدُونَ

„Wenn Meine Diener dich nach Mir fragen, dann sage ihnen: Ich bin ihnen gewiss ganz nahe. Wann immer jemand zu Mir betet, erhöre Ich ihn augenblicklich. So sollen auch sie auf Meinen Ruf antworten und wahrhaft an Mich glauben. Verkünde ihnen dies, damit sie das Ziel der Rechtleitung erreichen können.“ (Sure al-Baqara: 186)

8

وَمَنْ يَعْمَلْ سُوءًا أَوْ يَظْلِمُ نَفْسَهُ ثُمَّ يَسْتَغْفِرِ اللَّهِ يَجِدِ اللَّهَ غَفُورُ رحيمان

„Wer eine schlechte Tat begeht oder sich selbst Unrecht zufügt und danach Allah um Vergebung bittet, wird Allah als Vergebenden vorfinden.“ (Sure an-Nisāʾ: 110)

Hadith

1

تَضَرَّعُوا إِلَى رَبِّكُمْ وَادْعُوهُ فِي الرِّخَاءِ فَإِنَّ اللَّهَ قَالَ مَنْ دَعَانِي فِي

الرِّخَاءِ أَجَبْتُهُ فِي الشَّدَّةِ وَمَنْ سَأَلَنِي أَعْطَيْتُهُ وَمَنْ تَوَضَعَ لِي رَفْعَتُهُ وَمَنْ تَضَرعَ إِلَى رَحْمَتِهِ وَمَنِ اسْتَغْفَرَ لِي غَفَرْتُ لَهُ (الحديث الربيع)

„Fleht euren Herrn inständig an und ruft Ihn in euren guten Zeiten an, denn Allah hat gesagt: Wer Mich in seinen guten Zeiten anruft, dessen Ruf werde Ich in seinen schlechten Zeiten erhören. Wer Mich bittet, dem werde Ich geben. Wer sich Mir gegenüber demütig zeigt, dem werde Ich eine hohe Stellung verleihen. Wer Mich inständig anfleht, dessen werde Ich mich erbarmen. Und wer Mich um Vergebung bittet, dem werde Ich vergeben.“ – (Minhajus-Salihin)

2

خَيْرُ الدُّعَاءِ الاسْتِغْفَارُ

„Das beste Bittgebet ist das Istighfār.“ (al-Buchārī)

3

مَا مِنْ رَجُلٍ يَذْنِبُ ذَنْبًا ثُمَّ يَقُومُ فَيَتَطَهُرُ ثُمَّ يُصَلَّى فَيَسْتَغْفِرُ اللهَ الا غَفَرَ اللهُ ثُمَّ قَرَأَ وَالَّذِينَ إِذَا فَعَلُوا فَاحِشَةً أَوْ ظَلَمُوا أَنْفُسَهُمْ ذَكَرُوا اللَّهَ فَاسْتَغْفَرُوا لِذُنُوا بِهِمْ وَمَن يَغْفِرُ الذُّنُوبَ إِلَّا اللَّهُ وَلَمْ يُصْبَرُوا عَلَى مَا فَعَلُوا وَهُمْ

يَعْلَمُونَ (بخاری)

„Wenn jemand eine Sünde begeht, dann die Gebetswaschung vollzieht, betet und den einen Allah um Vergebung bittet, wird Allah ihm ganz gewiss vergeben. Danach rezitierte Allahs Gesandter diesen Abschnitt aus dem Koran: ‚(Die Beschreibung der Paradiesbewohner:) Wenn sie eine schändliche Tat begehen oder sich selbst Unrecht zufügen, erinnern sie sich sogleich an Allah und bitten Ihn um Vergebung ihrer Sünden – und sie verharren danach nicht wissentlich immer wieder in solchen Sünden. Außer Allah kann niemand Sünden vergeben.‘ – (al-Buchārī)

8

وَعَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ رَضِيَ اللهُ عَنْهُ قَالَ سَمِعْتُ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ يَقُولُ : وَاللهِ أَنِّي لا يَسْتَغْفِرُ اللَّهَ وَأَتُوبُ إِلَيْهِ فِي الْيَوْمِ أَكْثَرُ مِنْ سَبْعِينَ مَرَّةً (بخاری)

„Hazrat Abu Huraira (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: Ich hörte den Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagen: Bei Allah, ich bereue und bitte täglich mehr als siebzigmal um Vergebung.“ (Buchari)

Bittgebete aus dem Heiligen Koran

ربَّنَا آتِنَا فِي الدُّنْيَا حَسَنَةً وَفِي الْآخِرَةِ حَسَنَةً وَقِنَا عَذَابَ النَّارِ

„O unser Herr, gewähre uns Gutes im Diesseits und Gutes im Jenseits und bewahre uns vor dem Feuer der Hölle.“ – (Sure al-Baqara: 201)

رَبَّنَا أَفْرِغْ عَلَيْنَا صَبْرًا وَثَبِّتْ أَقْدَامَنَا وَانْصُرْنَا عَلَى الْقَوْمِ الْكَافِرِينَ *

„O unser Herr, gewähre uns die Fähigkeit, Geduld zu bewahren. Festige unsere Schritte und schenke uns den Sieg über die Ungläubigen.“ – (Sure al-Baqara: 250)

رَبَّنَا لَا تُؤَاخِذْنَا إِن نَّسِينَا أَوْ أَخْطَانًا ، رَبَّنَا وَلَا تَحْمِلْ عَلَيْنَا إِصْرًا كَمَا حَمَلْتَهُ عَلَى الَّذِينَ مِنْ قَبْلِنَا ، رَبَّنَا وَلَا تُحَمِّلْنَا مَالَا طَاقَةَ لَنَا بِهِ E وَاعْفُ عَنَّا الله وَاغْفِرْ لَنَا الله وَارْحَمْنَا اللهُ أَنْتَ مَوْلُنَا فَانْصُرْنَا عَلَى الْقَوْمِ الْكَفِرِينَ

O unser Herr, wenn wir etwas vergessen oder einen kleinen Fehler machen, dann ziehe uns dafür nicht zur Rechenschaft. Bürde uns nicht eine schwere Last (Prüfung oder Strafe) auf, wie Du sie denjenigen auferlegt hast, die vor uns waren. Und bürde uns auch nicht eine Last auf, die wir nicht zu tragen vermögen. Tilge unsere Fehler und Verfehlungen. Vergib unsere Sünden. Erbarme Dich unser. Du bist unser Herr. So schenke uns den Sieg über die Ungläubigen.“ (Sure al-Baqara: 286)

رَبَّنَا لا تُزِغْ قُلُوبَنَا بَعْدَ إِذْ هَدَيْتَنَا وَهَبْ لَنَا مِنْ لَدُنْكَ رَحْمَةً ، إِنَّكَ أَنْتَ الوهاب

„O Herr, nachdem Du uns einmal aus Deiner Gnade Rechtleitung geschenkt hast, lass unsere Herzen niemals von Deinem Weg abweichen. Erweise uns Deine Barmherzigkeit. Du bist wahrlich der größte Geber.“
(Sure Āl ʿImrān: 8)

ربَّنَا اغْفِرْ لَنَا ذُنُوبَنَا وَإِسْرَافَنَا فِي أَمْرِنَا وَثَبِّتْ أَقْدَامَنَا وَانْصُرْنَا عَلَى الْقَوْمِ الْكَفِرِينَ

„O unser Herr, vergib uns unsere Sünden und auch jegliche Übertreibung in unseren Angelegenheiten. Festige unsere Schritte und gewähre uns den Sieg über die Ungläubigen.“ (Sure Āl ʿImrān: 147)

رَبَّنَا مَا خَلَقْتَ هُذَا بَاطِلاً سُبْحْنَكَ فَقِنَا عَذَابَ النَّارِهِ رَبَّنَا إِنَّكَ مَنْ تُدْخِلِ النَّارَ فَقَدْ أَخْزَيْتَهُ ، وَمَا لِلظَّلِمِينَ مِنْ أَنصَارِهِ رَبَّنَا إِنَّنَا سَمِعْنَا مُنَادِيًا يُنَادِي لِلْإِيمَانِ أَنْ أَمِنُوا بِرَبِّكُمْ فَأَمَنَّا وَرَبَّنَا فَاغْفِرْ لَنَا ذُنُوبَنَا وَكَفَرْعَنا سَيَاتِنَا وَتَوَفَّنَا مَعَ

الأبْرَارِ – رَبَّنَا وَأَتِنَا مَا وَعَدْ تَنَا عَلَى رُسُلِكَ وَلَا تُخْدَنَا يَوْمَ القِيمة ، إِنَّكَ لَا تُخْلِفُ الْمِيعَادَة

„O unser Herr, Du hast nichts in dieser Schöpfung ohne Sinn erschaffen. Du bist vollkommen rein. So rette uns vor dem Feuer der Hölle. O Herr, wen Du in die Hölle eintreten lässt, den wirst Du gewiss der Schande preisgeben. Und für die Ungerechten wird es an jenem Tag keinen Helfer geben. O Herr, wir hörten einen Rufer dazu aufrufen: ‚Glaubt an euren Herrn!‘ Daraufhin haben wir geglaubt. O unser Herr, vergib uns daher unsere Sünden, tilge unsere Verfehlungen und gewähre uns, bei Deinen rechtschaffenen Dienern zu sein. O Herr, gewähre uns, was Du uns durch Deinen Gesandten versprochen hast, und setze uns an jenem Tag der Auferstehung nicht der Schande aus. Du brichst Dein Versprechen niemals.“ (Sure Āl ʿImrān: 191–194)

رَبَّنَا ظَلَمُنَا أَنْفُسَنَا وَإِنْ لَّمْ تَغْفِرْ لَنَا وَتَرْحَمْنَا لَنَكُونَنَّ مِنَ الْخُسِرِينَ

„O unser Herr, wir haben uns wahrlich selbst Unrecht getan. Wenn Du uns nicht vergibst und Dich unser nicht erbarmst, werden wir ganz gewiss zugrunde gehen.“ (Sure al-Aʿrāf: 23)

رَبَّنَا اغْفِرْ لَنَا وَلَا خَوَانِنَا الَّذِينَ سَبَقُونَا بِالْإِيْمَانِ وَلَا تَجْعَلْ فِي قُلُوبِنَا غلا لِلَّذِينَ آمَنُوا رَبَّنَا إِنَّكَ رَءُوفٌ رَحِيمٌ

„O unser Herr, vergib uns und unseren Brüdern, die uns im Glauben vorausgegangen sind. Lass in unseren Herzen keinerlei Missgunst oder Neid gegenüber irgendeinem Gläubigen entstehen. Du bist wahrlich überaus barmherzig und gnädig.“ (Sure al-Ḥaschr: 10)

فاطر السموتِ وَالْأَرْضِ قد أنْتَ وَلِي فِي الدُّنْيَا وَالْآخِرَةِ ، تَوَفَّنِي مُسْلِمًا وَالْحِقْنِي بِالصَّلِحِينَ

„O Schöpfer der Himmel und der Erde und der gesamten Welt, Du bist mein Herr im Diesseits und mein Herr im Jenseits. Lass mich als Muslim sterben und gewähre mir, zu den rechtschaffenen Dienern zu gehören.“ (Sure Yūsuf: 101)

رَبِّ اجْعَلْنِي مُقِيمَ الصَّلوةِ وَمِنْ ذُرِّيَّتِي وَ رَبَّنَا وَتَقَبَّلْ دُعَاءِ

„O mein Munīb, mache mich und meine Nachkommen zu solchen, die das Ṣalāt verrichten. O mein Herr, erhöre mein Bittgebet.“ – (Sure Ibrāhīm: 40)

رَبَّنَا اغْفِرْ لِي وَلِوَالِدَى وَلِلْمُؤْمِنِينَ يَوْمَ يَقُومُ الْحِسَابُ

„O unser Herr, bewahre mich, meine Eltern und alle Muslime an jenem Tag, an dem über uns alle Rechenschaft abgelegt wird.“ (Sure Ibrahim: 41)

رب ارحمهُمَا كَمَا رَبَّيْنِي صَغِيرًا

„O unser Herr, erbarme Dich unserer Eltern, so wie sie sich in Barmherzigkeit und Liebe um uns gekümmert und uns in unserer Kindheit aufgezogen haben.“ (Bani Isra’il: 24)

رَبَّنَا هَبْ لَنَا مِنْ أَزْوَاجِنَا وَذُرِّيَّتِنَا قُرَّةَ أَعْيُنٍ وَاجْعَلْنَا لِلْمُتَّقِينَ إِمَامًا

„O unser Herr, schenke uns Ehepartner und Nachkommen, an denen unsere Augen Freude finden. Und gewähre uns allen, zu vorbildlichen Leitbildern für die Gottesfürchtigen zu werden.“ (Sure al-Furqan: 74)

Das Bittgebet des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm)

اللَّهُمَّ لَكَ الْحَمْدُ كُلُّهُ وَلَكَ الْمُلْكُ كُلُّهُ وَلَكَ الْخَلْقُ كُلُّهُ وَإِلَيْكَ يُرْجَعُ الْأَمْرُ كُلُّهُ وَأَعُوذُ بِكَ مِنَ الشَّرِ كُلَّهُ (البيهقي)

„O Allah, aller Lobpreis gebührt Dir. Alle Herrschaft gehört Dir. Alles wird zu Dir zurückkehren. Ich suche Zuflucht bei Dir vor dem Übel aller Dinge.“ (al-Bayhaqi)
„O Allah, Dir übergebe ich mich. An Dich glaube ich, auf Dich vertraue ich. In allen Angelegenheiten wende ich mich an Dich, und in Deinem Namen kämpfe ich gegen Deinen Feind. Auf Grundlage Deines von Dir herabgesandten Buches fälle ich alle Entscheidungen. So vergib mir, was ich getan habe. Und vergib mir auch, was ich nicht tun konnte. [Oder: Vergib mir meine früheren und späteren Sünden.] Und vergib mir alles, was ich im Verborgenen und was ich öffentlich getan habe. Du bist es, der voranschreiten lässt, und Du bist es, der zurückstellt. Außer Dir gibt es keinen Gott.“ In einer anderen Überlieferung wird berichtet: „Es gibt keine Macht und keine Kraft außer durch Allah.“ (al-Buchari, Muslim)

اللَّهُمَّ إِنِّي أَسْأَلُكَ الْهُدَى وَالتَّقَى وَالْعَفَافَ وَالْغِنَى (مسلم)

„O Allah, ich bitte Dich um Rechtleitung, Gottesfurcht, Reinheit und Genügsamkeit.“ (Muslim)

-اللَّهُمَّ إِنِّي أَعُوذُبِكَ مِنَ الْعَجْزِ وَالْكَسْلِ وَالْبُخْلِ وَالْهَرَمِ وَعَذَابِ الْقَبْرِ -اللَّهُمَّ آتِ نَفْسِي تَقْوَاهَا وَزَكَهَا أَنْتَ خَيْرُ مَنْ زَكَّهَا أَنْتَ وَلِيُّهَا وَمَوْلاهَا . اللَّهُمَّ إِنِّي أَعُوذُبِكَ مِنْ عِلْمٍ لَا يَنْفَعُ وَمِنْ قَلْبِ لَا يَخْشَعُ وَمِنْ نَفْسٍ لا تَشبَعُ

وَمِنْ دَعْوهِ لَا يَسْتَجَابُ لَهَا – (مسلم)

„O Allah, ich suche Zuflucht bei Dir vor jeglicher Unfähigkeit, Faulheit und Feigheit, vor Geiz und Altersschwäche sowie vor der Strafe des Grabes. O Allah, schenke meiner Nafs Taqwa und läutere und veredle sie. Denn nur Du kannst sie auf beste Weise läutern und veredeln. O Allah, ich suche Zuflucht bei Dir vor Wissen, das keinen Nutzen bringt. Ich suche Zuflucht bei Dir vor einem Herzen, das Dich nicht fürchtet. Ich suche Zuflucht bei Dir vor einer Nafs, die niemals zufrieden ist. Und ich suche Zuflucht bei Dir vor einem Bittgebet, das bei Dir keine Annahme findet.“ (Muslim)

اللَّهُمَّ إِنِّي أَسْأَلُكَ عِلْمًا نَافِعًا وَعَمَلاً مُتَقَبِّلاً وَرِزْقًا طَيِّبًا – (احمد)

„O Allah, ich bitte Dich um nützliches Wissen, angenommene gute Taten und reine Versorgung.“ (Ahmad)

اللَّهُمَّ انْفَعْنِي بِمَا عَلَّمْتَنِي وَعَلَّمْنِي مَا يَنْفَعْنِي

„O Allah, mache das Wissen, das Du mir gegeben hast, für mich nützlich, und schenke mir Wissen, das mir Nutzen bringt.“ – (at-Tirmidhi und at-Tabarani)

اللَّهُمَّ إِنِّي أَعُوذُبِكَ مِنَ الشَّقَاقِ وَالنِّفَاقِ وَسُوءِ الْأَخْلَاقِ –

„O Allah, ich suche wahrlich Zuflucht bei Dir vor Schicksalsschlägen, Heuchelei und Sittenlosigkeit.“

اللَّهُمَّ إِنِّي أَعُوذُبِكَ مِنْ زَوَالِ نِعْمَتِكَ وَتَحْوِلِ عَافِيَتِكَ وَفَجَاءَتْ نِعْمَتُكَ وَجَمِيعُ سَخَطِكَ

„O Allah, ich suche Zuflucht bei Dir davor, nach dem Empfang Deiner Gnaden ihrer beraubt zu werden, dass die Sicherheit beeinträchtigt wird, sowie vor jeder Art Deines Zorns und Grimm.“

اللَّهُمَّ الْهِمَنِي رُشْدِي وَأَعِذْنِي مِنْ شَرِّ نَفْسِي – (ترمذی)

„O Allah, schenke meinem Herzen von Dir stammendes, rechtes und auf Rechtleitung beruhendes Wissen und bewahre mich vor dem Schaden meines eigenen Ichs.“ (at-Tirmidhi)

اللَّهُمْ أَقْسِمْ لَنَا مِنْ خَشْيَتِكَ مَا يَحُول بَينَنَا وَبَيْنَ مَعَاصِيكَ وَمِنْ طَاعَتِكَ مَا تَبْلُغْنَا بِهِ جَنَّتَكَ وَمِنَ الْيَقِينِ مَا تُهَونَ بِهِ عَلَيْنَا مَصَابِبُ الدُّنْيَا وَمَتِّعْنَا بِأَسْمَاعِنَا وَأَبْصَارِنَا وَقُوَّتِنَا مَا أَحْيَيْتَنَا وَاجْعَلْهُ الْوَارِثَ مِنَّا وَاجْعَلْ ثَارَنَا عَلَى مَنْ

ظَلَمَنَا وَانْصُرْنَا عَلَى مَنْ عَادَانَا وَلَا تَجْعَلْ مُصِيبَتَنَا فِي دِينِنَا وَلَا تَجْعَلِ الدُّنْيَا أَكْبَرُ هَمِّنَا وَلَا مَبْلَغَ حِلْمِنَا وَلَا تُسَلِّطْ عَلَيْنَا مَنْ لا يرحمنا – (ترمذی و نسائ)

„O Allah, schenke uns so viel Ehrfurcht vor Dir, dass sie ein Hindernis zwischen uns und Deinem Ungehorsam bildet. Schenke uns so viel Gehorsam, dass er uns befähigt, Dein Paradies zu erreichen. Schenke uns eine solche Gewissheit, durch die jedes Unglück leicht wird. Solange Du uns leben lässt, segne unsere Augen, unsere Ohren und die Kraft unseres Körpers und lasse sie unsere Erben sein. Vergelte denen, die uns Unrecht tun, und verleihe uns den Sieg über diejenigen, die uns feindselig gegenüberstehen. Lass uns in unserer Religion kein Unglück erleiden. Mache die Welt für uns nicht zum größten Gegenstand unseres Verlangens und nicht zum äußersten Ziel unseres Wissens. Setze keine Macht über uns ein, die sich unserer nicht erbarmen wird.“ (Tirmidhi, Nasāʾī)

اللَّهُمَّ أَصْلِحْ لِي دِينِي الَّذِي هُوَ عَصَمْتُ أَمْرِي وَأَصْلِحْ لِي دُنْيَايَ الَّتِي فِيهَا مَعَاشِي وَأَصْلِحْ لِى أُخِرَتِي الَّتِي فِيهَا مَعَادِي وَاجْعَلِ الْحَيَوَاتِي زيادَةُ لِي فِي كُلِّ خَيْرٍ وَاجْعَلِ الْمُوَاشرَاحَةَ لِي مِنْ كُلِّ شَر – (مسلم)

„O Allah, vervollkommne unsere Religion, von der die Fehlerlosigkeit all unserer Taten abhängt. Läutere unser diesseitiges Leben, in dem sich unser Lebensunterhalt befindet. Und schenke uns Sicherheit im Jenseits, zu dem wir zurückkehren müssen.“ (Muslim)

اللَّهُمَّ أَكْفَنِي بِحَلَالِكَ عَنْ حَرَامِكَ وَاغْنَنِي بِفَضْلِكَ عَمَّنْ سَوَاكٍ –

„O Allah, lass mir das Meiden dessen, was Du für haram erklärt hast, und die Annahme des Halal genügen, um meine Bedürfnisse zu erfüllen. Mache mich von allem außer Dir unabhängig.“

اللَّهُمَّ إِنَّا نَجْعَلُكَ فِي نُحُورِهِمْ وَنَعُوذُ بِكَ مِنْ شُرُورِهِمْ .

„O Allah, wir stellen Dich ihnen entgegen und suchen bei Dir Zuflucht vor ihrem Unheil.“

Einige praktische Bittgebete

Bittgebet vor dem Schlafengehen:

بِاسْمِكَ اللَّهُمَّ أَحْيَا وَآمُوتُ – „O Allah, in Deinem Namen lebe und sterbe ich.“

Bittgebet beim Verlassen des Bettes:

الْحَمْدُ لِلَّهِ الَّذِي أَحْيَانًا بَعْدَ مَا أَمَاتَنَا وَإِلَيْهِ النُّشُورِ –

„Alles Lob gebührt Allah, der uns nach dem Tod wieder lebendig macht. So werden wir nach dem Tod wieder auferweckt und zu Ihm zurückkehren müssen.“

Bittgebet beim Toilettengang:

اللَّهُمَّ إِنِّي أَعُوذُبِكَ مِنَ الْخُبْثِ وَالْخَبَائِثِ .

„O Allah, ich suche Zuflucht bei Dir vor jeder Art von Unreinheit.“

Bittgebet vor dem Essen:

بسْمِ اللهِ وَعَلَى بَرَاكَاتِ اللهِ .

„Im Namen Allahs, in der Hoffnung auf Segen von Allah.“

Bittgebet nach dem Essen:

الْحَمْدُ لِلَّهِ الَّذِي أَطْعَمَنَا وَسَقَانَا وَجَعَلْنَا مِنَ الْمُسْلِمِينَ

„Lob sei Allah, der uns gespeist und uns zu trinken gegeben hat und uns vor allem zu den Muslimen gezählt hat.“

Bittgebet beim Reisen in einem Verkehrsmittel:

سُبْحَانَ الَّذِي سَخَّرَ لَنَا هُذَا وَمَا كُنَّا لَهُ مُقْرِنِينَ وَإِنَّا إِلَى رَبِّنَا لَمُنْقَلِبُونَ

„Gepriesen sei Derjenige, der uns diese Dinge dienstbar gemacht hat. Andernfalls hätten wir sie nicht in unsere Gewalt bringen können. Auf diese Weise sind wir alle dazu verpflichtet, zu Ihm zurückzukehren.“ – (Sure az-Zuchruf: 13–14)

Bittgebet für eine Reise auf einem Wasserfahrzeug:

بِسْمِ اللهِ مَجْرِهَا وَمُرْسَهَا إِنَّ رَبِّي لَغَفُورٌ رَّحِيمٌ

„Im Namen Allahs, unter dessen Anweisung es fährt und anhält. Wahrlich, mein Herr ist wahrhaftig vergebungsreich.“ (Sure Hud: 41)

Auf diese Weise sind all diese Bittgebete sinnvoll und bedeutungsvoll. Ihre Auswirkungen und Wechselwirkungen auf das wirkliche Leben reichen weit. Wenn man nach ihnen handelt und ihre inneren Bedeutungen und ihre Tragweite mit Herz und Verstand erfasst, werden wir zweifellos von ihrem Segen profitieren.

Seläuterung der Seele und Selbstkritik

Bei der Läuterung der Seele spielt die Selbstkritik eine wirksame und wertvolle Rolle. Diejenigen, die dem Weg Allahs und des Gesandten folgen, müssen sich aus dem Wunsch nach innerer Läuterung und Entwicklung regelmäßig die Gewohnheit der Selbstkritik aneignen. Selbstkritik ist im Grunde eine Vorbereitung auf die Rechenschaft, die wir am Tag des Jenseits vor Allah ablegen und für die wir Verantwortung übernehmen müssen. Hazrat Umar (ra) sagte: „Zieht selbst über euch Rechenschaft, bevor ihr vor Allah Rechenschaft ablegen müsst.“ Im wirklichen Leben sehen wir, dass kluge Menschen die Abrechnung einer Einrichtung selbst sorgfältig prüfen, bevor sie zur Prüfung der übergeordneten Stelle vorgelegt wird, damit die übergeordnete Stelle keine Fehler oder Mängel in den Unterlagen entdeckt. Am Tag des Jenseits müssen wir unsere Abrechnung vor einem allmächtigen Wesen vorlegen, vor dessen Gericht niemand ohne Seine Erlaubnis auch nur ein Wort sagen kann. Damit wir dort nicht an unserer Abrechnung scheitern, besteht wahre Klugheit darin, mit dieser Einstellung unsere Taten zu überprüfen, unsere Fehler und Versäumnisse nach Kräften fortwährend zu beseitigen und Schritt für Schritt danach zu streben, immer bessere Taten zu vollbringen. Im Hadith heißt es:

الْكَيْسُ مَنْ دَانَ نَفْسَهُ وَعَمِلَ لَمَّا بَعْدَ الْمَوْتِ

„Wahrlich klug ist, wer sein Nafs beherrscht und für den Erfolg im Leben nach dem Tod gute Taten verrichtet.“

Methoden der Selbstkritik

Durch Nachdenken und Überprüfung unserer Aktivitäten während der vierundzwanzig Stunden von Tag und Nacht zu einem bestimmten Zeitpunkt am Ende des Tages können wir unsere täglichen Handlungen angemessen bewerten. Wenn wir dabei Fehler oder Mängel feststellen, sollten wir es nicht bei Reue und Bedauern belassen, sondern den Entschluss fassen, solche Fehler, Mängel oder Nachlässigkeiten künftig zu vermeiden. Dies ist die regelmäßige oder formelle Methode der Selbstkritik.

Außerdem sollten wir jedes Mal, wenn uns bei praktischen Tätigkeiten ein Fehler oder Mangel unterläuft, sofort Reue zeigen und Schritte zu seiner Korrektur unternehmen. Dies können wir als die praktische Form der Selbstkritik betrachten. Auch während des Studiums des Qur’an und der Hadithe können wir uns im Licht der gelesenen Abschnitte selbstkritisch prüfen. Es ist die Forderung dieser Art von Selbstkritik, anhand des Gelesenen zu bewerten, wo ich selbst stehe, wie weit ich bei der Erfüllung seiner Anforderungen zurückliege, und den Entschluss zu fassen, mich zu verbessern oder weiterzuentwickeln.

Wenn beispielsweise in dem Abschnitt der Sure al-Hudschurāt, in dem verboten wird, Vermutungen anzustellen, über andere schlecht zu reden oder ihre Fehler zu suchen, diese Themen beim Lesen behandelt werden, kann ich meine eigene Bilanz prüfen und feststellen, ob diese Mängel und Fehler in mir vorhanden sind oder nicht. Wenn nicht, gebührt Allah Dank. Vollkommen frei von Fehlern zu sein, ist jedoch für keinen Menschen möglich. Wenn es mir zunächst so erscheint, dass diese Fehler meines Wissens nicht in mir vorhanden sind, muss ich meinen inneren Anstrengungen zur Vorsicht noch etwas mehr Nachdruck verleihen. So kann ich mich von etwaigen Fehlern befreien, die mir unbewusst unterlaufen sind.

Wenn beim Studium der Hadithe die Anzeichen der Heuchelei behandelt werden, sollte ich daher, die Hand auf die Brust gelegt und Allah als gegenwärtig und allwissend vor Augen, mich selbst befragen, damit dieser verderbliche Fehler nicht auch in meine Nähe gelangt. Ebenso sollten wir unser Inneres befragen, wenn die großen Sünden zur Sprache kommen: Welche davon konnte ich bisher noch nicht aufgeben? Für die Zukunft müssen wir Vorsicht walten lassen, damit uns keine einzige dieser großen Sünden berührt.

Diejenigen Stellen im Qur’an, an denen vom Jenseits, vom Paradies und von der Hölle sowie von den Warnungen Allahs die Rede ist, können auch dadurch, dass wir diese Verse oder Suren in den freiwilligen Gebeten während der stillen Nachtstunden rezitieren, unser Denken, unseren Geist und unser praktisches Leben tiefgreifend beeinflussen.

Für das, was wir durch Selbstkritik erreichen möchten, sind Tawba und Murāqaba erforderlich. Deshalb möchten wir im Zusammenhang mit der Selbstkritik auch diese beiden Themen kurz beleuchten.

Tawba

Wenn jemand eine ungerechte Tat begangen hat, danach Reue und Bedauern empfindet, für diese Tat um Vergebung bittet, sie aufgibt und zu guten Taten zurückkehrt, wird dies Tawba genannt. Allah, der Erhabene, sagt:

إِلَّا مَنْ تَابَ وَآمَنَ وَعَمِلَ عَمَلاً صَالِحًا فَأُولَئِكَ يُبَدِّلُ اللَّهُ سَيِّاتِهِمْ حَسَنَت وَكَانَ اللهُ غَفُورٌ رَحِيمًا ، وَمَنْ تَابَ وَعَمِلَ صَالِحًا فَإِنَّهُ يَتُوبُ إِلَى اللهِ مَتَابًاه ( الفرقان : ۷۰ – ۷۱)

„Doch diejenigen, die Tawba machen, glauben und gute Taten verrichten, deren schlechte Taten wird Allah durch gute Taten ersetzen. Und diejenigen, die Tawba machen und gute Taten verrichten – deren Tawba gegenüber Allah ist die wahrhaftige Tawba.“ (Sure al-Furqān: 70–71)

Hier werden im Zusammenhang mit der Tawba der Glaube und die frommen Taten erwähnt. Daraus lässt sich verstehen, dass derjenige, der Tawba macht, seinen Glauben erneut bezeugen muss. Ein Zeichen für die Aufrichtigkeit der Tawba ist, dass ihm fromme Taten ermöglicht werden. Wenn ein Mensch tatsächlich eine große Sünde begeht, ist die Kraft des Glaubens in ihm weitgehend unwirksam. Deshalb muss derjenige, der Tawba macht, seinen Glauben erneut bezeugen. Im Hadith des Gesandten wird erwähnt, dass ein Dieb, wenn er stiehlt, kein Mu’min bleibt, und dass ein Ehebrecher, wenn er Unzucht begeht, kein Mu’min bleibt. Das bedeutet, dass zu diesem Zeitpunkt das Glaubensbewusstsein in ihm nicht wirksam ist. Im 71. Vers der Sure al-Furqān finden wir im Zusammenhang mit der Tawba zwei Dinge. Erstens: Die Tawba desjenigen ist eine wahrhaftige Tawba, der nach der Tawba die schlechte Tat tatsächlich aufgibt und sich guten Taten widmet. Zweitens: Dieses Verhalten beweist nicht nur die Aufrichtigkeit der Tawba, sondern ist auch ein Zeichen dafür, dass die Tawba bei Allah angenommen wurde.

Tatsächlich möchten wir durch Selbstkritik genau dies erreichen. Daher können wir es auch so ausdrücken: Eine Tawba ist dann wahrhaftig und wirksam, wenn man sie mit einer Haltung der Selbstkritik und dem festen Vorsatz vollzieht, sich selbst zu verbessern. Umgekehrt ist auch die Selbstkritik dann aufrichtig, wenn sie im Geist der Tawba erfolgt. Dadurch kann sie bei der Läuterung des Selbst eine wirksame Rolle spielen.

Um die wahre Bedeutung der Tawba zu verstehen, führen wir hier einige Verse aus dem Koran und einige Hadithe des Gesandten Allahs an.

وَتُوبُوا إِلَى اللهِ جَمِيعًا أَيُّهَ الْمُؤْمِنُونَ لَعَلَّكُمْ تُفْلِحُونَ

„O ihr Gläubigen, kehrt alle reuig zu Allah zurück, damit ihr Erfolg habt.“ (Sure an-Nur: 31)

أَفَلا يَتُوبُونَ إِلَى اللهِ وَيَسْتَغْفِرُونَهُ ، وَاللَّهُ غَفُورٌ رَّحِيمٌ

„Werden sie sich denn nicht Allah reuig zuwenden und Ihn um Vergebung für ihre Sünden bitten? Allah ist doch allvergebend und barmherzig.“ (Sure al-Ma’ida: 74)

يكُمْ أَنْ يُكَفِّرَ يَأَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوا تُوبُوا إِلَى اللهِ تَوْبَةً نَصُوحًا ، عَسَى رَبُّكُم ) عَنْكُمْ سَيَأْتِكُمْ وَيُدْخِلَكُمْ جَنَّتِ تَجْرِي مِنْ تَحْتِهَا الْأَنْهُرُ يَوْمَ لا يُخْزِى اللهُ النَّبِي وَالَّذِينَ آمَنُوا مَعَهُ ، نُورَ هُمْ يَسْعَى بَيْنَ أَيْدِيهِمْ وبِأَيْمَانِهِمْ يَقُولُونَ رَبَّنَا

أَتْمِمْ لَنَا نُورَنَا وَاغْفِرْ لَنَا إِنَّكَ عَلَى كُلِّ شي قديره

„O ihr Gläubigen, kehrt mit aufrichtigem Herzen reuig zu Allah zurück. Vielleicht wird Allah euch eure kleinen Fehler und Verfehlungen vergeben und euch in Gärten eintreten lassen, unter denen Bäche fließen. An jenem Tag wird Allah weder Seinen Propheten noch diejenigen, die mit ihm gläubig geworden sind, beschämen. Ihr Licht wird an jenem Tag vor ihnen und zu ihrer Rechten ausgebreitet sein. Sie werden sagen: O unser Herr, vollende unser Licht für uns und lasse es sich vollkommen entfalten. Gewiss, Du hast Macht über alle Dinge.“ (Sure at-Tahrim: 8)

إِنَّمَا التَّوْبَةُ عَلَى اللَّهِ لِلَّذِينَ يَعْمَلُونَ السُّوءُ بِجَهَالَةٍ ثُمَّ يَتُوبُونَ مِنْ قرِيبٍ فَأَوْلَئِكَ يَتُوبُ اللَّهُ عَلَيْهِمْ ، وَكَانَ اللَّهُ عَلِيمًا حَكِيمًا وَلَيْسَتِ الثوية لِلَّذِينَ يَعْمَلُونَ السَّيَاتِ ، حَتَّى إِذَا حَضَرَ أَحَدَهُمُ الْمَوْتُ قَالَ

إِنِّي تُبْتُ النَّنَ وَلَا الَّذِينَ يَمُوتُونَ وَهُمْ كُفَّارٌ، أَوْلَئِكَ أَعْتَدْنَا لَهُمْ عَذَابًا أَلِيمًا

„Bei Allah ist die Reue derjenigen wahrhaftige Reue, die unmittelbar nach einer aus Unwissenheit begangenen schlechten Tat bereuen; Allah nimmt ihre Reue an. Allah ist wahrlich allwissend und weise. Nicht gilt die Reue für diejenigen, die unablässig schlechte Taten begehen und erst, wenn der Tod vor ihrer Tür steht, sagen: ‚Jetzt bereue ich.‘ Ebenso kann die Reue derjenigen nicht als Reue bezeichnet werden, die im Zustand des Unglaubens sterben. Für diese Menschen habe Ich eine harte, schmerzhafte Strafe bestimmt.“ (Sure an-Nisa: 17–18)

عَنْ أَسْرَارِ بْنِ يَسَارِ الْمَنَنِي قَالَ قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ يَأَيُّهَا النَّاسُ تُوبُوا إِلى اللهِ وَاسْتَغْفِرُوهُ فَإِنِّي أَتُوبُ الْيَوْمَ مِائَةَ مرة – (مسلم)

Hazrat Asrar ibn Yasar al-Madschani (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: „Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: O ihr Menschen, kehrt zu Allah in Reue zurück und bittet Ihn um Vergebung. Wahrlich, ich kehre täglich hundertmal in Reue zurück.“ (Muslim)

عَنْ أَبِي مُوسَى عَبْدِ اللَّهِ بْنِ قَيْسِ الْأَشْعَرِي رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ عَنِ النَّبِيِّ صلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ قَالَ إِنَّ اللهَ تَعَالَى يَبْسُطُ يَدَهُ بِاللَّيْلِ يَتُوبُ سي النَّهَارِ وَيَبْسُطُ يَدَهُ بِالنَّهَارِ لِيَتُوبَ سِيِّ النَّهَارِ حَتَّى تَطْلَعَ الشَّمْسُ مِنْ

مَغْرِبِها – (مسلم)

„Überliefert von Hazrat Abu Musa Abdullah ibn Qais al-Aschari: Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Wahrlich, Allah hält Seine Hand nachts ausgestreckt, um den Sündern des Tages zu vergeben, und tagsüber, um den Sündern der Nacht zu vergeben, bis die Sonne im Westen aufgeht.“ (Muslim)

عَنْ أَبِي عَبْدِ الرَّحْمَنِ عَبْدِ اللَّهِ ابْنِ عُمَرَ بْنِ الخَطَابِ رَض عَنِ النَّبِيِّ صلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ قَالَ إِنَّ اللَّهَ عَزَّ وَجَلٌ يَقْبُلُ تَوْبَةُ الْعَبْدِ مَالَمُ يُغَرغِرْ – (مسلم)

„Hazrat Abu Abd ar-Rahman, Abdullah ibn Umar ibn al-Khattab, überlieferte: Er überliefert vom Gesandten (s.a.w.s.) und sagt: ‚Allah, der Erhabene, nimmt die Reue Seines Dieners an, solange die Todesqual noch nicht begonnen hat.‘“ – (Tirmidhi)

Murāqaba

Einer der erhabenen Namen Allahs ist ar-Raqīb. Das bedeutet: der Beobachtende. Er beobachtet unmittelbar die Taten eines jeden von uns. Auch einige der Engel, die mit der Aufzeichnung unserer Taten beauftragt sind, hat Allah, der Erhabene, als Raqīb bezeichnet. Allah, der Erhabene, sagt in der Sure Qāf:

إِذْ يَتَلَقَّى الْمُتَلَقِّيْنِ عَنِ الْيَمِينِ وَعَنِ الشَّمَالِ قَعِيدَهُ مَا يَلْفِظُ مِنْ قَوْلِ إِلَّا لَدَيْهِ رَقِيبٌ عَتِيدٌه

„Zwei Schreiber sitzen zu seiner Rechten und zu seiner Linken und zeichnen alles auf. Kein Wort kommt aus seinem Mund, ohne dass ein wachsamer und aufmerksamer Wächter anwesend ist, um es aufzuzeichnen.“ – (Qāf: 17–18)

Hier erwähnt Allah, dass Engel zur Bewachung und Beobachtung eingesetzt sind. In der Sure an-Nisāʾ jedoch bezeichnet Allah, der Erhabene, Sich selbst als Raqīb, den stets Beobachtenden. Allah, der Erhabene, sagt:

يأَيُّهَا النَّاسُ اتَّقُوا رَبَّكُمُ الَّذِي خَلَقَكُمْ مِنْ نَّفْسٍ وَاحِدَةٍ وَخَلَقَ مِنْهَا زَوْجَهَا وَبَثَّ مِنْهُمَا رِجَالاً كَثِيرًا وَنِسَاءً وَاتَّقُوا اللَّهَ الَّذِي تَسَاءَلُونَ بِهِ وَالْأَرْحَامَ إِنَّ اللَّهَ كَانَ عَلَيْكُمْ رَقِيبًا

„O ihr Menschen, fürchtet euren Herrn, Der euch aus einem einzigen Wesen erschaffen hat. Aus diesem einen Wesen erschuf Er zuerst dessen Gattin. Danach verbreiteten sich durch beide unzählige Männer und Frauen auf der Erde. Fürchtet Allah, bei Dessen Namen ihr einander eure Rechte abverlangt. Und hütet euch davor, die Verwandtschaftsbande zu zerstören. Wahrlich, Allah, der Erhabene, überwacht all eure Handlungen.“ (Sure an-Nisāʾ: 1)

Im modernen Arabisch werden diejenigen, die Arbeiten beaufsichtigen, als Murāqib bezeichnet. Die einfache und klare Bedeutung dieser Murāqaba können wir so ausdrücken: „Allah beobachtet und überwacht all unsere Tätigkeiten unmittelbar – und lässt sie außerdem durch Engel überwachen.“ Eine Tätigkeit mit diesem wachen Bewusstsein im Herzen und im Verstand auszuführen, wird als wahre Murāqaba bezeichnet. Wenn diese Haltung im Augenblick unserer Selbstkritik entsteht, können wir unsere Selbstkritik in Murāqaba verwandeln. Mit anderen Worten: Murāqaba kann nicht einfach eine sinnlose Meditation oder Askese sein, bei der man nicht mit dem Ziel Selbstkritik übt, die Bilanz seiner eigenen Taten zu ziehen und sie zu bewerten.

Die wahre Murāqaba bedeutet also, sich in jedem Augenblick darum zu bemühen, so zu leben, dass man Allah als den Beaufsichtiger und unmittelbaren Beobachter jeder Handlung betrachtet. Dadurch soll im Menschen die Gewissheit entstehen, dass Allah über alle seine Angelegenheiten Bescheid weiß. Auch all seine verborgenen Geheimnisse sind Ihm bekannt. Er wacht über all seine Tätigkeiten. Dieser Zustand entsteht im Menschen dadurch, dass er über Allahs Allmacht nachdenkt und Allah aufrichtig und hingebungsvoll gedenkt. Dieses Gedenken ist jedoch nicht ein Gedenken nach einer vom Menschen erdachten Methode, sondern ein Gedenken durch die vom Gesandten Allahs gelehrte Weise.
Die erste vom Gesandten gelehrte Möglichkeit des Gedenkens besteht darin, das Gebet zu verrichten. Die zweite besteht darin, den Koran mit Verständnis zu rezitieren. Die dritte besteht darin, sich anzugewöhnen, während man mit verschiedenen Tätigkeiten beschäftigt ist, die überlieferten Gedenkformeln und überlieferten Bittgebete zu sprechen.

Mit den überlieferten Gedenkformeln sind jene Gedenkformeln gemeint, die der Gesandte Allahs gelehrt hat. Zum Beispiel nach dem Pflichtgebet „Subḥānallāhi wal amānillāhi“ und „Allāhu akbar“ zu sprechen. Außerdem soll man häufig „Subḥānallāhi wal-ḥamdu lillāhi lā ilāha illallāhu Allāhu akbar“ sprechen. Diese Formen des Tasbīḥ und Tahlīl werden als überlieferte Gedenkformeln bezeichnet.

Mit den überlieferten Bittgebeten sind die vom Gesandten Allahs gelehrten Bittgebete gemeint. „Adʿiya“ ist der Plural von Bittgebet. „Maʾthūra“ bedeutet, dass etwas überliefert oder durch einen Hadith belegt ist. So hat der Gesandte Allahs für verschiedene Zeiten – etwa vor dem Essen, nach dem Essen, vor dem Schlafengehen, nach dem Aufwachen sowie vor und nach dem Toilettengang – bestimmte Bittgebete gelehrt. Darüber hinaus gibt es in diesem Bereich zahlreiche vom Gesandten gelehrte Bittgebete dafür, in welcher Sprache, wann und wie man Allah bitten kann, um Ihn am meisten zu erfreuen.

Auf diese Weise muss man durch das ordnungsgemäße Verrichten des Gebets, die richtige Rezitation des Korans sowie die Übung in den überlieferten Gedenkformeln und Bittgebeten jenen inneren Zustand schaffen, in dem man Allah jederzeit als seinen Raqīb oder Beobachter empfindet. Allah sagt:

وَمَا تَكُونَ فِي شَانٍ وَمَا تَتْلُومِنْهُ مِنْ قُرْآنٍ وَلَا تَعْمَلُونَ مِنْ عَمَلٍ إِلَّا كُنَّا عَلَيْكُمْ شُهُودًا إِذْ تُفِيضُونَ فِيهِ

„O Prophet! In welcher Lage auch immer du dich befindest und was auch immer du aus dem Koran vorträgst – und o Menschen, was auch immer ihr tut –, in all diesen Zuständen sind Wir Zeugen eures Tuns und beobachten euch. (Sure Yunus: 61)

Die Erklärung des Gesandten:

أَنْ تَعْبُدُ اللَّهَ كَأَنَّكَ تَرَاهُ فَإِنْ لَّمْ تَكُنْ تَرَاهُ فَإِنَّهُ يَرَاكَ .

„Verrichte die Anbetung so, als würdest du Allah selbst sehen, auch wenn du Ihn nicht sehen kannst. Er sieht dich gewiss.“ (Buchari und Muslim)

Hazrat Sufyan Thauri sagte: „Du musst denjenigen beobachten, vor dem nichts verborgen ist. Auf Ihn allein musst du deine Hoffnungen setzen. Er ist der Herr über die Erfüllung aller Hoffnungen. Ihn allein musst du fürchten, denn Er ist der Herr über die Bestrafung.“

Hazrat Abdullah ibn Mubarak (r.) sagte zu einem Mann: „Übe Murakaba gegenüber Allah.“ Nachdem der Mann diese Anweisung gehört hatte, fragte er: „Was ist Murakaba?“ Hazrat Ibn Mubarak antwortete: „Lebe stets mit der inneren Haltung, als würdest du Allah sehen.“

Von Hazrat Abdullah ibn Dinar wird berichtet. Er sagte: „Eines Tages war ich mit dem Fürsten der Gläubigen, Hazrat Umar ibn al-Khattab (r.), auf dem Weg nach Mekka. Als wir unterwegs Rast machten, trafen wir einen Ziegenhirten. Der Hirte ließ die Ziegen am Berg weiden. Hazrat Umar sagte zu dem Hirten: ‚Verkaufe uns eine Ziege.‘ Der Hirte antwortete: ‚Ich bin nur der Diener des Besitzers; wie könnte ich sie verkaufen?‘ Darauf sagte Umar (r.): ‚Sag deinem Besitzer, ein Wolf habe sie gefressen.‘ Da sagte der Diener: ‚Wo ist dann Allah?‘ Sofort begann Hazrat Umar zu weinen. Anschließend ging er zum Besitzer dieses Dieners, kaufte den Diener von ihm frei und schenkte ihm die Freiheit.“ (Minhaj al-Muslim)

Ende