Nimm meine Bitte an.
Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen.
Ihnen wird versiegelter Nektar zu trinken gegeben,
dessen Siegel Moschus ist; und danach sollen die Wettstreitenden streben.
Darum sollen die Wettstreitenden miteinander wetteifern.
Aus einer versiegelten (Flasche) werden sie an jenem Tag mit dem reinsten Trank getränkt, dessen Öffnung (beim Abfüllen) mit dem Duft von Moschus versiegelt wurde. (Im Grunde ist dies der begehrenswerte Lohn,) um dessen Gewinn jeder Wettstreitende wetteifern sollte. (Sure al-Mutaffifīn, Verse 25–26)
Ar-Rahīq al-Makhtūm – den kostbaren, versiegelten Trank – wird Allah an jenem Tag auf Seinem gewaltigen Thron für denjenigen auftragen, für den Er diese Tafel decken wird: Er ist der Augapfel der gesamten Schöpfung, Hadhrat Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm.
O Prophet, ich weiß nicht, ob Allah meinen Namen im Wettstreit um den Erwerb jenes seltenen Gutes auf Erden überhaupt in die Liste der geehrten Teilnehmer aufgenommen hat. Daher ist die Hoffnung, an jenem Tag einen Platz an der für dich gedeckten Tafel zu finden, für mich wahrlich eine vergebliche Hoffnung.
O Allah, nimm diese geringe Mühe meiner bengalischen Übersetzung von Ar-Rahīq al-Makhtūm von mir an. Als Gegenleistung bitte ich Dich nicht um ein Paradies und auch nicht um die festlich gedeckte Tafel jener Gemächer im Paradies; bitte ihn an jenem Tag, mir einzig diese Anerkennung zu gewähren, dass ich zu den Leuten Deines Gesandten gehöre.
– Khadija Akhtar Reza’i
Bismillāhir-Raḥmānir-Raḥīm
Alles Lob gebührt Allah Ta’ala, dem Herrn der gesamten Welt. Er ist unermesslich barmherzig und überaus gnädig. Er ist der Herrscher über den Tag des Gerichts. O Allah, wir dienen nur Dir und bitten nur Dich um Hilfe. Führe uns auf den geraden, richtigen Weg: den Weg derjenigen, denen Du Gnade erwiesen hast, nicht den Weg derjenigen, die Du verflucht hast, und nicht den Weg derjenigen, die abgeirrt sind. (Sure al-Fātiha)
1
Kurzer Hintergrund
Einige eigene Worte, einige Worte anderer
Allah Ta’ala spricht
Wahrlich, Allah selbst und Seine Engel sprechen Segensgebete über den Propheten Muhammad. O ihr Menschen, die ihr an Allah glaubt, sprecht auch ihr über ihn aufrichtige Segensgebete und Friedensgrüße. (Sure al-Ahzab 56)
Hazrat Muhammad Mustafa, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm
In den eigenen Worten des Verfassers
Über das Werk
März 1976. Rabi al-awwal 1396 nach der Hidschra.
In Karatschi fand die erste Weltkonferenz der Muslime über die Sira statt. Die Rabita al-Alam al-Islami aus Mekka spielte bei dieser Konferenz eine bedeutende Rolle. In der Abschlusssitzung der Konferenz erging an alle Schriftsteller der Welt ein ungewöhnlicher Aufruf. In diesem von der Rabita verbreiteten Aufruf wurde dazu aufgefordert, die Biografie des auserwählten Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in den lebenden Sprachen der Welt zu verfassen. Außerdem wurde bekannt gegeben, dass die ersten fünf Sieger dieses Wettbewerbs mit Preisen ausgezeichnet werden sollten. Die Preisgelder betrugen der Reihe nach 50.000, 40.000, 30.000, 20.000 und 10.000 Saudi-Riyal. In mehreren Ausgaben der Zeitung Akhtar al-Alam al-Islami, dem offiziellen Sprachrohr der Rabita al-Alam al-Islami, wurde der Wettbewerb angekündigt. Von dieser Ausschreibung hatte ich damals allerdings noch nichts erfahren.
Einige Zeit später fuhr ich von Benares in mein Heimatdorf Mubarakpur. Dort erzählte mir mein Cousin, Maulana Abdur Rahman Mubarakpuri, der Sohn des Shaykh al-Hadith Maulana Ubaidullah Sahib, davon. Er riet mir, an dem Wettbewerb teilzunehmen. Unter Hinweis auf die Grenzen meines eigenen Wissens erklärte ich, dass ich dazu nicht in der Lage sei. Doch Maulana Abdur Rahman ließ nicht locker. Immer wieder sagte er bescheiden: „Nicht, weil Sie bei dem Wettbewerb einen Preis gewinnen werden, sondern weil ich möchte, dass auf diesem Wege eine gute Tat vollbracht wird.“ Trotz der wiederholten Bitten meines Cousins blieb ich still. Insgeheim dachte ich, dass ich an dem Wettbewerb auf keinen Fall teilnehmen würde.
Einige Tage später wurde diese Nachricht auch im vierzehntägig erscheinenden Sprachrohr der Jamiat Ahl-e-Hadith Hind veröffentlicht. Unmittelbar nach der Veröffentlichung dieser Nachricht begann ein großer Teil der Studenten aller Ebenen der Jamia Salafia, mich zur Teilnahme an dem Wettbewerb aufzufordern. Insgeheim dachte ich, dass dieses Echo so vieler Stimmen wahrscheinlich ein Ausdruck des Willens Allahs des Erhabenen sei. Dennoch blieb ich innerlich nahezu fest entschlossen, nicht an dem Wettbewerb teilzunehmen. Nach einiger Zeit ließ der Nachdruck ihrer Bitten und Ratschläge nach. Einige Studenten setzten ihre Aufforderungen jedoch weiterhin fort. Manche begannen auch, mir verschiedene sachbezogene Ratschläge zu geben. Durch die Bitten, das bescheidene Flehen und das Drängen einiger mir lieber Studenten wurden mir schließlich die Ohren ganz heiß.
Ich begann mit der Arbeit, jedoch in sehr langsamem Tempo. In der Anfangsphase der Arbeit kamen die Ferien im Ramadan. Inzwischen war in der Bekanntmachung der Rabita mitgeteilt worden, dass der erste Tag des folgenden Muharram der letzte Termin für die Einreichung des Manuskripts sein würde. Fünfeinhalb Monate waren vergangen. Es blieben nur dreieinhalb Monate. Innerhalb dieser Zeit musste das Manuskript fertiggestellt und per Post versandt werden, damit es rechtzeitig ankam. Unterdessen war noch die gesamte Arbeit zu erledigen. Ich glaubte nicht, dass es möglich sein würde, in dieser kurzen Zeit das Manuskript fertigzustellen, nochmals durchzusehen und kopieren zu lassen. Doch diejenigen, die mich zur Eile drängten, sagten, ich solle ohne jedes Zögern weiterarbeiten. Falls nötig, solle ich Urlaub nehmen. Die Ferien betrachtete ich als eine goldene Gelegenheit. Die gesamten Ferien vergingen wie im Traum. Als die Bittsteller zurückkehrten, sahen sie, dass zwei Drittel des Manuskripts fertiggestellt waren. Da keine Zeit für eine Überarbeitung blieb, gab ich es zum Kopieren ab. Sie halfen mir dabei, das Material für den verbleibenden Teil zusammenzutragen. Nach der Eröffnung der Jamia begann der arbeitsreiche Alltag. Deshalb war es nicht möglich, das Schreiben so schnell wie während der Ferien fortzusetzen. Während der Zeit von Eid al-Adha schrieb ich Tag und Nacht und schickte das Manuskript bereits zwölf oder dreizehn Tage vor Beginn des Monats Muharram per Einschreiben ab.
Einige Monate später wurde der Empfang des Manuskripts vonseiten der Rabita in einem Einschreiben bestätigt, und mir wurde mitgeteilt, dass mein Manuskript, da es ihren Bedingungen entsprach, in den Wettbewerb aufgenommen worden war. Ich atmete erleichtert auf.
Die Tage vergingen. Inzwischen war anderthalb Jahre vergangen. Von der Rabita gab es keine Nachricht. Ich schickte zwei Briefe und erkundigte mich, was vor sich ging. Doch ich erhielt keine Antwort. Danach vertiefte ich mich in meine eigene Arbeit. Fast hatte ich vergessen, dass ich an einem Wettbewerb über die Sira des Propheten teilgenommen hatte. Vom 6. bis zum 8. Juli 1978, das heißt im Schaʿban des Jahres 1398 nach der Hidschra, fand in Karatschi die Erste Asiatische Islamische Konferenz statt. Ich las aufmerksam die verschiedenen Nachrichten darüber. Eines Tages wartete ich am Bahnhof Baduhī auf den Zug. Der Zug hatte etwas Verspätung. Ich kaufte die Zeitung des Tages und begann darin zu lesen. Eine kleine Nachricht fiel mir ins Auge. In einer Sitzung der in Karatschi stattfindenden Islamischen Konferenz waren die Namen der fünf Sieger unter den Teilnehmern des Wettbewerbs über die Sira des Propheten bekannt gegeben worden. Unter ihnen befand sich ein indischer Teilnehmer. Nach dieser Nachricht wurde ich innerlich unruhig. Auch nachdem ich nach Benares gekommen war, gelang es mir nicht, Näheres zu erfahren.
Am Morgen des 10. Juli 1978 schlief ich. Bis tief in die Nacht hatte ich mit der Festlegung der Themen für einen Debattierwettbewerb der Jamia und mit verschiedenen anderen Arbeiten zu tun gehabt. Nach dem Fadschr-Gebet hatte ich mich wieder ins Bett gelegt. Plötzlich kam eine Gruppe von Studenten unter lautem Freudengeschrei herein. Ihre Gesichter strahlten vor Freude. Sie gratulierten mir. Was war geschehen? Hatte der Gegner sich geweigert, zur Debatte anzutreten? Nein, darum ging es nicht. Worum dann? Sie haben den ersten Platz im Wettbewerb über die Sira des Propheten belegt.
O Allah, dir sei Dank. Wo habt ihr die Nachricht erfahren? Ich setzte mich nun aus meiner liegenden Stellung auf.
Maulana Wazair Schams hat diese Nachricht gebracht. Einige Zeit später erzählte mir Maulana Schams, der von der Konferenz gekommen war, selbst die ausführlichen Einzelheiten.
Am 29. Juli 1978, dem 22. Schaʿban 1398 nach der Hidschra, erhielt ich vonseiten der Rabita ein Einschreiben. Zusammen mit der Nachricht über meinen Sieg wurde ich eingeladen, den Preis bei der Veranstaltung der Rabita, die im Muharram des Jahres 1399 nach der Hidschra in Mekka stattfinden sollte, offiziell entgegenzunehmen. Später fand diese Veranstaltung jedoch nicht im Muharram, sondern im Rabiʿ ath-thani statt.
Anlässlich meiner Teilnahme an der Veranstaltung hatte ich zum ersten Mal das Glück, die heiligen Stätten Haramain Scharifain, das Land des geliebten Propheten, zu besuchen. Am 10. Rabiʿ ath-thani traf ich in Mekka ein. Danach begab ich mich zur Veranstaltung. Nach den erforderlichen Formalitäten begann die Veranstaltung gegen zehn Uhr morgens mit der Rezitation des Korans. Der Oberste Richter Saudi-Arabiens, Scheich Abdullah ibn Humaid, war der Vorsitzende der Veranstaltung. Der stellvertretende Gouverneur von Mekka, Emir Saud ibn Abdulmuhsin, ein Enkel von König Abdulaziz ibn Saud, kam als Ehrengast zur Preisverleihung. Später hielt er auch einige Ansprachen. Danach hielt der stellvertretende Generalsekretär der Rabita al-Alam al-Islami, Scheich Ali al, der Generalsekretär Scheich Ali al-Mokhtar, eine Ansprache. Er erläuterte den Zweck der Wettbewerbsveranstaltung mit einigen Einzelheiten. Er erwähnte, wie die Sieger ausgewählt worden waren. Er teilte mit, dass nach der Bekanntmachung der Rabita 1.182 Manuskripte eingereicht worden waren. Bei der Vorauswahl nominierte das Auswahlkomitee 183 Manuskripte für den Wettbewerb. Mit der endgültigen Auswahl wurde ein eigens dafür ausgewähltes Komitee betraut. Vorsitzender dieses Komitees war der Bildungsminister Scheich Hasan ibn Abdullah Al asch-Scheich. Die Mitglieder waren Lehrkräfte der Scharia-Abteilung der Universität Dschidda sowie Fachleute für die Sira des Propheten und die Geschichte des Islam. Ihre Namen lauteten: Dr. Ibrahim Ali Saut, Dr. Abdurrahman Fahmi Muhammad, Dr. Muhammad Said Siddiqi, Dr. Fikri Ahmad Okaz, Dr. Ahmad Sayyid Daradsch, Dr. Faiq Bakr Sawwaf, Dr. Schakir Mahmud Abd al-Munʿim und Dr. Abd al-Fattah Mansur.
Nach einer stufenweisen Auswahl erklärten die Experten dieses Komitees fünf Personen für diese fünf Manuskripte als preiswürdig: 1. Ar-Rahīq al-Makhtūm (Arabisch), Ṣafiyur-Raḥmān al-Mubārakpūrī, Jāmiʿa Salafiyya, Benares, Indien – erster Platz; 2. Khātam an-Nabiyyīn (Englisch), Dr. Mājid ʿAlī Khān, Jāmiʿa Milliyya Islāmiyya, Delhi, Indien – zweiter Platz; 3. Payghāmbar-e Aʿẓam wa Ākhar (Urdu), Dr. Nāṣir Aḥmad Nāṣir, Vizekanzler der Jāmiʿa Islāmiyya, Bahawalpur, Pakistan – dritter Platz; 4. Muntakhab an-Nuqūl fī Sīrat-i Aʿẓam ar-Rasūl (Arabisch), Scheich Ḥāmid Maḥmūd ibn Muḥammad Manṣūr Lamūd, Gizeh, Ägypten – vierter Platz; 5. Sīrat an-Nabiyy al-Hādī ar-Raḥīm (Arabisch), Ustād ʿAbd as-Salām Hāschim Ḥāfiẓ, Medina, Saudi-Arabien – fünfter Platz.
Nach dieser Bekanntgabe beendete der stellvertretende Generalsekretär Scheich ʿAlī al-Muchtār seine Ansprache, indem er den Teilnehmern des Wettbewerbs dankte.
Danach wurde ich gebeten, meine Reaktion zu äußern. In meiner Ansprache riet ich der Rābiṭa, einige Strategien und Arbeitsweisen zur Verbreitung des Islam in Indien anzunehmen. Ich erläuterte auch, welche Ergebnisse dies später haben würde. Seitens der Rābiṭa wurde zugesichert, diese Vorschläge anzunehmen. Danach überreichte Amīr Saud ibn ʿAbd al-Muḥsin den fünf Personen nacheinander das Preisgeld und die Urkunden. Nach der Preisverleihung wurde die Veranstaltung mit einer Koranrezitation für beendet erklärt.
Am 17. Rabīʿ ath-Thānī reiste ich nach Medina. Unterwegs besichtigte ich das Schlachtfeld von Badr. Ich erwies dem gesegneten Grab des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, die Ziyāra. Einige Tage später fuhr ich eines Morgens nach Chaibar. Ich besichtigte die historischen Festungen von innen und außen. Nach einem Ausflug in die Umgebung kehrte ich am Nachmittag nach Medina zurück. Nachdem ich zwei Wochen in Medina verbracht hatte, kehrte ich erneut nach Mekka zurück. Ich vollzog den Tawāf und den Saʿī. Eine Woche verbrachte ich in Mekka. In Mekka und Medina tauschte ich mich vertraulich mit Gelehrten und angesehenen Kennern aller Schichten aus, ob bekannt oder unbekannt. Nachdem ich einen Monat im Traumland Saudi-Arabien verbracht hatte, kehrte ich erneut in meine Heimat Indien zurück.
Nach meiner Rückkehr aus Saudi-Arabien baten mich viele Urdu-Sprecher aus Indien und Pakistan um eine Urdu-Übersetzung dieses Buches. Inzwischen waren einige Tage vergangen. Ich war mit verschiedenen Arbeiten beschäftigt und fand einfach keine Zeit. Aufgrund der wiederholten Bitten vieler Antragsteller begann ich schließlich mitten in meiner Arbeitsbelastung mit der Übersetzung. Nach einiger Zeit war die Übersetzung durch Allahs Barmherzigkeit vollendet.
Abschließend halte ich es für notwendig, den religiösen Gelehrten und Freunden meinen Dank auszudrücken, die mich bei der Abfassung dieses Buches ermutigt und unterstützt haben. Besonders erinnere ich mich an die aufrichtige Unterstützung meines verehrten Lehrers Maulānā ʿAbd ar-Raḥmān Raḥmānī, von Scheich Wazāʾir Sahib und von Ḥāfiẓ Muḥammad Ilyās. Ihre Ratschläge und ihre Ermutigung halfen mir zur rechten Zeit bei der Abfassung des Manuskripts. Möge Allah, der Herr der Welten, ihnen allen die beste Vergeltung gewähren. Möge Allah, der Erhabene, dieses Buch annehmen und allen, die daran beteiligt waren, Erlösung im Diesseits und im Jenseits gewähren.
Ṣafiyur-Raḥmān al-Mubārakpūrī
Der 18. gesegnete Ramadan
1404 Hidschri
für die neue Auflage
der Rabita al-Alam al-Islami
das Vorwort des Generalsekretärs
Die Sunna des Propheten ist ein lebendiges Vorbild. Ihre Gültigkeit wird bis zum Jüngsten Tag bestehen. Die Darstellung dieses Vorbilds und das Verfassen von Schriften darüber begannen bereits zur Zeit des Erscheinens des Gesandten Allahs und werden bis zum Jüngsten Tag fortdauern. Das Vorbild des geliebten Propheten ist für die Muslime ein konkretes Beispiel und ein ereignisreiches Lebensprogramm. Es ist selbstverständlich, dass die Worte und Taten der Muslime daran ausgerichtet und von ihm geleitet werden. Die Beziehungen des Menschen zu Allah, dem Herrn der Welten, sowie zu Verwandten, Angehörigen, Brüdern und Freunden sollten dem Vorbild des Gesandten Allahs entsprechen.
Der allmächtige Allah sagt: Wahrlich, im Gesandten Allahs gibt es für jeden ein vortreffliches Vorbild – für diejenigen, die auf Allahs Barmherzigkeit und den Jüngsten Tag hoffen und Allah häufig gedenken.
Man fragte Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein), wie der Charakter des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gewesen sei. Sie sagte: Sein Charakter war der edle Koran.
Wer daher in allen Angelegenheiten des Diesseits und des Jenseits den Weg Allahs beschreiten und Befreiung von dieser Welt erlangen möchte, für den gibt es keinen anderen Weg als die Befolgung des Gesandten Allahs. Ein solcher Mensch muss die Sira des Gesandten Allahs mit gründlicher Überlegung, Verständnis und unerschütterlichem Glauben befolgen. Er muss begreifen, dass dies der gerade Weg des Herrn ist. Unser Führer und unser Wegweiser, der Gesandte Allahs, hat in allen Bereichen des Lebens ein nachahmenswertes Vorbild hinterlassen. In seinem Vorbild liegt das Licht der Rechtleitung für Führer, Mitarbeiter, Herrscher und Beherrschte, Wegweiser und Glaubenskämpfer. Das Vorbild des geliebten Propheten ist in jedem Bereich das vortrefflichste: in der Politik, der Staatsführung, der Wirtschaft, der Gesellschaftsordnung, den zwischenmenschlichen Beziehungen sowie den nationalen und internationalen Beziehungen.
Die Muslime haben sich vom Weg des Gesandten Allahs entfernt und sind in die bodenlose Tiefe der Unwissenheit und des Verfalls versunken. Es ist an der Zeit, dass sie sich dessen bewusst werden. In den Lehrplänen der Bildungseinrichtungen sowie bei verschiedenen Versammlungen und Diskussionsveranstaltungen muss die Sīra des Propheten an die oberste Stelle gesetzt werden. Man muss verstehen, dass sie nicht nur geistige Nahrung ist, sondern vielmehr der Weg zur Rückkehr zu Allah, dem Erhabenen. In diesem Vorbild liegt die Quelle der Läuterung und des Wohlergehens der Menschen. Denn der Charakter und das Wirken des Gesandten Allahs sind die praktische Verkörperung des Buches Allahs, des edlen Korans. Durch die Befolgung dieses Vorbilds kann der gläubige Diener zu einem Anhänger der Scharia Allahs, des Herrn der Welten, werden.
Dieses unter dem Namen „Der versiegelte Nektar“ bekannte Werk ist die bemerkenswerte Frucht der Mühen von Allama Scheich Safiur Rahman. Im Jahr 1396 nach der Hidschra nahm er am Wettbewerb der Muslimischen Weltliga zur Abfassung einer Sīra des Propheten teil, und dieses Werk errang den ersten Platz. Ausführliche Einzelheiten hierzu finden sich im schriftlichen Vorwort von Scheich Muhammad Ali al-Harakān, dem ehemaligen Generalsekretär der Muslimischen Weltliga.
Dieses Werk erlangte außerordentliche Popularität und wurde hoch gelobt. Die erste Auflage von 10.000 Exemplaren war schon nach kurzer Zeit vergriffen. Der Verleger Hassan Hamubi, möge Allah ihn bewahren, veröffentlichte auch von der zweiten Auflage 10.000 Exemplare.
Anlässlich der Veröffentlichung der dritten Auflage bat mich der Verleger, einige Worte zu schreiben. Daher schreibe ich einige wenige Worte. Möge Allah, der Erhabene, diese Schrift zu einem Mittel machen, durch das Seine Barmherzigkeit erlangt wird. Möge Er die Muslime durch dieses Werk aus allen ihren Bedrängnissen erretten. Möge die Umma Muhammads erneut die hohe Würde erlangen, die Führung der Welt zu übernehmen. Möge diese Verkündigung Allahs, des Erhabenen, Wirklichkeit werden: Ihr seid die beste Gemeinschaft, die zum Wohl der Menschen auserwählt wurde. Ihr werdet das Gute gebieten, die Menschen vom Bösen abhalten und vor allem an Allah, den Erhabenen, glauben.
Segen und Frieden seien auf dem geliebten Gesandten Allahs.
Dr. Abdullah Omar Nasif
Generalsekretär
Muslimische Weltliga
Makka al-Mukarrama
ehemaliger Generalsekretär
hat seine Einschätzung geäußert –
Allah, der Herr der Welten, hat Seinem geliebten Gesandten die Stellung der Fürsprache und einen hohen Rang verliehen. Er hat uns angewiesen, Ihn zu lieben. Er hat uns wissen lassen, dass wir durch den Gehorsam gegenüber Ihm den Beweis unserer Liebe zu Allah dem Erhabenen erbringen.
Allah, der Herr der Welten, spricht: O Prophet, sage: Wenn ihr Allah den Erhabenen liebt, dann folgt mir; Allah wird euch lieben und euch eure Sünden vergeben.
Der Beweis der Liebe zu Allah dem Erhabenen ist die Liebe zu Seinem Gesandten. Aus diesem Grund empfindet man im Herzen eine Zuneigung zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, und es entsteht die Notwendigkeit, eine enge Beziehung zu Ihm aufzubauen. Seit dem Aufkommen des Islam haben die Muslime den Gesandten Allahs gepriesen und sich bei der Verbreitung und Bekanntmachung Seiner heiligen Sira mit wahrhaft wettbewerbsorientiertem Eifer eingesetzt. Die Schriften, Taten und der Charakter des geliebten Gesandten Allahs bilden Seine Sira. Hadhrat Aischa, Allahs Wohlgefallen sei auf ihr, sagte: Der edle Qur’an ist Sein Charakter. Der edle Qur’an ist Allahs Buch und die Gesamtheit der Worte Allahs. Daher ist jene erhabene Persönlichkeit, die das Abbild des Qur’an ist, gewiss vortrefflicher und vollkommener als alle Menschen. Er ist am meisten dazu berechtigt, die Liebe der gesamten Schöpfung zu empfangen.
Die Muslime haben stets den Beweis ihrer Liebe zum Gesandten Allahs erbracht. Als Teil dieses Beweises fand im Jahr 1396 nach der Hidschra die erste Sira-Konferenz in Pakistan statt. Auf dieser Konferenz gab die Rabita al-Alam al-Islami bekannt, dass unter bestimmten Bedingungen fünf Preise für das Verfassen von Büchern über die Sira des Propheten vergeben würden. Als Preisgeld sollte unter den Gewinnern eine Millionfünfhunderttausend Saudi-Riyal in bar verteilt werden.
Die Bedingungen lauten:
Erstens: Die Biografie des Propheten muss vollständig sein. Die historischen Ereignisse müssen darin entsprechend ihrer zeitlichen Abfolge geordnet dargestellt werden.
Zweitens: Das Werk muss von hoher Qualität sein und darf zuvor noch nicht veröffentlicht worden sein.
Drittens: Im Werk müssen die verwendeten Hilfsquellen ordnungsgemäß angegeben werden.
Viertens: Der Lebenslauf des Verfassers muss festgehalten werden; außerdem muss er seine Ausbildung darlegen und angeben, ob er bereits literarische Werke verfasst hat.
Fünftens: Das Manuskript muss sauber und deutlich geschrieben sein. Es wäre besser, es abzutippen.
Sechstens: Das Werk kann auf Arabisch und in anderen gebräuchlichen modernen Sprachen verfasst werden.
Siebtens: Manuskripte werden ab dem 1. Rabi ath-Thani 1396 n. H. entgegengenommen; der Einsendeschluss ist der 1. Muharram 1397 n. H.
Achtens: Das Manuskript muss in einem verschlossenen Umschlag an das Sekretariat der Rābita ʿĀlam-e Islāmī in Mekka geschickt werden. Die Rābita wird dem Manuskript eine fortlaufende Nummer zuweisen.
(9) Neuntens: Ein hochrangig befugtes Expertengremium angesehener Gelehrter wird die Manuskripte prüfen und begutachten.
Infolge dieser Bekanntgabe der Rabita al-Alam al-Islami war unter den wissbegierigen, den Gesandten liebenden Schriftstellern eine außerordentliche Begeisterung festzustellen. Zahlreiche Schriftsteller nahmen an dem Wettbewerb teil. Auch die Rabita al-Alam al-Islami wartete auf die Einreichung von Manuskripten in Arabisch, Englisch, Urdu und anderen Sprachen.
Unsere verehrten Brüder begannen, Manuskripte in verschiedenen Sprachen einzusenden. Manuskripte gingen in Arabisch, Urdu, Englisch, Französisch und Hebräisch ein.
Zur Prüfung und Begutachtung der eingegangenen Manuskripte setzte die Rabita al-Alam al-Islami ein Komitee ein, das sich aus angesehenen Gelehrten zusammensetzte. Die Preisträger sind im Folgenden aufgeführt.
(1) Erster Preis: Scheich Safiur Rahman Mubarakpuri, Jamia Salafia, Indien, 50.000 Saudi-Riyal.
(2) Zweiter Preis: Dr. Majed Ali Khan, Jamia Millia Islamia, Neu-Delhi, Indien, 40.000 Saudi-Riyal.
(3) Dritter Preis: Dr. Nasir Ahmad Naser, Pakistan, 30.000 Saudi-Riyal.
(4) Vierter Preis: Ustadh Hamed Mahmud Mohammed Mansur Lemud, Ägypten, 20.000 Saudi-Riyal.
(5) Fünfter Preis: Ustad Abdus Salam Hashem Hafiz, Medina al-Munawwara, Saudi-Arabien, 10.000 Saudi-Riyal.
Die Rabita al-Alam al-Islami gab die Namen der Gewinner der Ersten Asiatischen Islamischen Konferenz bekannt, die 1398 nach der Hidschra in Karatschi stattfand. Diese Nachricht wurde an alle Zeitungen und Nachrichtenagenturen gesandt.
Zur Verleihung der Preise veranstaltete die Rabita am Morgen des 12. Rabi al-Thani 1399 nach der Hidschra in Mekka eine Feier. Amir Saud, der Sekretär des Gouverneurs von Mekka, Amir Fawaz ibn Abd al-Aziz, überreichte die Preise als dessen Vertreter.
Bei der Preisverleihungsfeier wurde bekannt gegeben, dass die preisgekrönten Manuskripte nacheinander in verschiedenen Sprachen gedruckt und verbreitet werden sollten. Dieser Ankündigung entsprechend wurde das arabische Manuskript von Scheich Safiur Rahman Mubarakpuri zuerst veröffentlicht und den Lesern vorgelegt. Er hatte den ersten Preis erhalten. Nach und nach werden auch die übrigen Manuskripte veröffentlicht werden. Ich bete zu Allah, dem Herrn der Welten, dass Er uns die Fähigkeit verleihe, unsere Taten allein zu Seiner Zufriedenheit darzubringen, und dass Er unsere guten Taten annehme. Zweifellos ist Er unser bester Schutzherr und der beste Helfer.
Scheich Muhammad Ali al-Harakan
Generalsekretär
Rabita al-Alam al-Islami
das ehrwürdige Mekka
Die eigene Vorstellung des Verfassers dieses Buches
Seine eigene Vorstellung
Zu den Teilnahmebedingungen des von der Rabita veranstalteten Wettbewerbs gehörte die Aufforderung, Angaben zur Person der Teilnehmer zu machen. Daher gebe ich im Folgenden eine kurze Vorstellung meiner Person.
Ṣafīur-Raḥmān ibn ʿAbdullāh ibn Muḥammad Akbar ibn Muḥammad ʿAlī ibn ʿAbd al-Muʾmin ibn Zākirullāh al-Mubārakpūrī al-Aʿẓamī. Auf der Geburtsurkunde ist als Geburtsdatum der 6. Juli 1943 angegeben. Bei einer Überprüfung stellte sich jedoch heraus, dass mein tatsächliches Geburtsdatum in der Mitte des Jahres 1942 liegt. Geboren wurde ich in Mubārakpur, im Distrikt Azamgarh, in Hوسainabad.
Im Jahr 1948 begann ich, den Koran zu lesen. In Mubārakpur studierte ich sechs Jahre. Ich lernte Arabisch, Grammatik, Literatur und weitere Fächer. Danach studierte ich zwei Jahre lang in Maunath Bhanjan, 35 Kilometer von Mubārakpur entfernt. 1956 schrieb ich mich an der Fayyaz-e-Am-Madrasa ein. Dort verbrachte ich fünf Jahre. An dieser Einrichtung erwarb ich Kenntnisse in arabischer Sprache, Grammatik, Literatur, Fiqh, Uṣūl al-Fiqh, Tafsir, Hadith und weiteren Fächern.
Im Januar 1961 wurde mir das Abschlusszeugnis meiner Ausbildung verliehen. Mit der Ausstellung der Zeugnisse über Faḍīlat fīsch-Schariʿa und Faḍīlat fīl-ʿUlūm erhielt ich die Erlaubnis, zu unterrichten und Fatwas zu erteilen.
In allen Prüfungen konnte ich gute Ergebnisse erzielen. Auch an den Prüfungen des Allahabad Board nahm ich teil. Im Februar 1959 legte ich die Maulvi-Prüfung und 1960 die ʿĀlim-Prüfung ab. Beide Prüfungen bestand ich mit der ersten Division. Nach langer Zeit nahm ich im Februar 1976 an der mit dem Lehramt verbundenen Fāḍil-Adab-Prüfung und im Februar 1978 an der Fāḍil-Dīniyāt-Prüfung teil. In beiden Prüfungen erhielt ich die erste Division.
Nachdem ich 1961 die Fayyaz-e-Am-Madrasa abgeschlossen hatte, unterrichtete ich zunächst in Allahabad und später in Nagpur. 1963 ließ mich der Direktor der Fayyaz-e-Am-Madrasa zu sich rufen. Dort unterrichtete ich zwei Jahre lang. Aufgrund der Umstände musste ich die Einrichtung jedoch verlassen. Im folgenden Jahr unterrichtete ich an der Jamiat ar-Rashad in Azamgarh und 1966 an der Frauen-Madrasa Dar al-Hadith. Dort verbrachte ich drei Jahre. Außerdem übte ich dort als Vizedirektor wichtige Aufgaben aus. Danach kündigte ich und begann, an der Madrasa Fayzul Ulum zu unterrichten. Diese Madrasa liegt in Madhya Pradesh, sieben Kilometer von Maunath Bhanjan entfernt. Seit Januar 1969 war ich neben dem Unterricht auch mit den Verwaltungsaufgaben der Madrasa betraut. Ich war in weit entfernten Gegenden an der Verbreitung der Religion beteiligt. Gegen Ende des Jahres 1969 übernahm ich an der Darut-Talim-Madrasa in meinem Heimatort Mubārakpur eine Lehrtätigkeit. 1974 begann ich, an der Jamia Salafiya in Benares zu unterrichten, und bin bis heute an dieser Einrichtung mit der Vermittlung religiöser Bildung beschäftigt.
Im Folgenden führe ich einige meiner wichtigen Werke auf,
1) Tazkira-e Scheich-ul-Islam Mohammed ibn Abd al-Wahhab (Arabisch), 1972. Von diesem Werk sind vier Ausgaben erschienen. 2) Tarikh-e Al-e Saud (Urdu), 1972; von diesem Werk sind zwei Ausgaben erschienen. 3) Ithaf al-Kiram, Talik ala Bulugh al-Maram li-Ibn Hadschar al-Asqalani (Arabisch), 1974. 4) Qadianiyyat apne Aine mein (Urdu), 1976. 5) Fitna-e Qadianiyyat aur Maulana Sanaullah Amritsari (Urdu), 1977. 6) Ar-Rahiq al-Makhtum (Arabisch). 7) Inkar-e Hadith: Haqq ya Batil (Urdu), 1977. 8) Rajm-e Haqq o Batil (Urdu), 1978. 9) Abraǧ al-Haqq was-Sawab fi Mas’alat-e Keschf al-Hidschab (Arabisch), 1978. 10) Tatawwur asch-Schu’ub ad-Diniyya fil-Hind wa Madschal ad-Da’wat al-Islamiyya fiha (Arabisch), 1979. 11) Al-Firqat an-Nadschiya, al-Firaq al-Islamiyya al-Uchra (Arabisch), 1988. 12) Islam aur Adam-e Taschahhud (Urdu), 1984; es ist auch auf Englisch und Hindi erschienen. 13) Ahl-e Tasawwuf fi Kaschmir (Urdu), 1986. 14) Al-Ahzab as-Siyasiyya fil-Islam (Arabisch), 1986. Außerdem erfülle ich die Aufgabe des Herausgebers der monatlich erscheinenden Zeitschrift Muhaddith in Benares.
Zur Veröffentlichung einer neuen Ausgabe
Vorwort des Verfassers
Auf der im Jahr 1396 nach der Hidschra in Pakistan abgehaltenen Sirat-Konferenz rief die Rabita al-Alam al-Islami weltweit zu einem Wettbewerb über Schriften zur Sirat auf. Ziel war die Einheit von Denken und Bewusstsein unter den Autoren sowie eine geordnete Ausrichtung ihrer Bemühungen. Meiner Ansicht nach war dies ein lobenswerter Schritt. Denn bei gründlicher Betrachtung wird deutlich, dass allein die Sirat des Propheten und das Vorbild Mohammeds das Thema sind, durch das das Leben der muslimischen Welt und das Glück der menschlichen Gesellschaft ihre Vollendung erlangen können. Tausende von Segenswünschen und Friedensgrüßen seien Allahs geliebtem Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm.
An diesem gesegneten Wettbewerb teilzunehmen, war für mich ein großes Glück. Doch hatte ich wirklich die Kraft, das erhabene Leben des Sayyid al-Awwalin wal-Achirin ins rechte Licht zu rücken? In Wahrheit wollte ich einen Anteil an den Verdiensten des geliebten Habib Allahs, des Reinen, erlangen. Aber warum? Weil ich als ein Angehöriger der Umma des Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) mein Leben als Wanderer auf seiner hellen, schönen Hauptstraße führen wollte, statt mich im Dunkeln auf die Suche nach einem Weg zu begeben. Eines Tages werde ich dann als Wanderer auf diesem Weg den Tod umarmen. Im Leben des Jenseits wird Allah, durch den Segen der Fürsprache des Gesandten Allahs, meine Sünden vergeben.
Ich halte es für notwendig, einige Worte über den Stil der Abfassung dieses Werkes zu sagen. Noch bevor ich mit dem Schreiben begann, hatte ich beschlossen, es nicht ungewöhnlich lang werden zu lassen, damit die Geduld der Leser nicht erschöpft würde; zugleich wollte ich es auch nicht allzu kurz fassen, sondern auf einen mittleren Umfang beschränken. Beim Lesen verschiedener über die Sirat des Propheten verfasster Werke zeigte sich jedoch, dass ich nach einer allseitigen Prüfung nur das anführen würde, was mir als zuverlässig erscheint. Auf ausführliche Beweisführungen sowie die Anführung von Informationen und Belegen werde ich verzichten. Würde ich alles anführen, nähme der Umfang des Werkes erheblich zu. In solchen Fällen würde der Verdacht entstehen, meine prüfende Darstellung sei nicht ausreichend; die Leser wären erstaunt, oder in Fällen, in denen die Aussagen Andersdenkender nach meiner Beurteilung nicht richtig sind, werde ich lediglich auf die Argumente und Beweise hinweisen. Genau so verfahre ich tatsächlich. O Allah, bestimme für mich das Gute dieser Welt und des Jenseits. Gewiss, Du bist der Vergebende, der Barmherzige. Du bist der Besitzer des gewaltigen Thrones; Du bist erhaben, Du bist allmächtig.
Safiur Rahman Mubarakpuri
24. Radschab 1396 n. H.
23. Juli 1976
Das Buch in bengalischer Sprache
– Übersetzung und Veröffentlichung
Alhamdulillah,
Nach einer langwierigen Bemühung ist es uns gelungen, den bengalischsprachigen Muslimen das vielfach erörterte und hochgelobte biografische Werk über das Leben des Propheten, Ar-Rahīq al-Makhtūm, zugänglich zu machen.
Ar-Rahīq al-Makhtūm ist eine von Allah, dem Erhabenen, im Edlen Koran verwendete Wendung und bedeutet ein vorzügliches, versiegeltes Getränk. In der Sure al-Mutaffifīn hat Allah, der Erhabene, Seinen rechtschaffenen Dienern als Belohnung versprochen, ihnen dieses Getränk im Paradies darzureichen. Für Seine geliebten Diener hat Er dieses Getränk jedoch nicht nur in versiegelten Flaschen aufbewahrt – beim Einfüllen in die Gefäße hat Er es auch mit dem Duft von Moschus versehen.
Der im Koran erwähnte Ar-Rahīq al-Makhtūm ist für die Gläubigen wahrlich eine erhabene Gabe. Das biografische Werk über den Anführer derjenigen, für die diese großartige Zurüstung bestimmt ist, Ar-Rahīq al-Makhtūm, ist ein völlig außergewöhnliches Sīra-Werk von ganz eigener Prägung. Zweifellos hat der große Sīra-Gelehrte Allāma Ṣafī ar-Raḥmān al-Mubārakpūrī mit der Abfassung eines solchen Werkes eine herausragende Leistung vollbracht; im Grunde hat er dadurch eine enge Verbindung zwischen dem irdischen Rahīq und dem himmlischen Rahīq hergestellt.
Über die weltweite Resonanz und die außergewöhnliche Beliebtheit des Buches Ar-Rahīq al-Makhtūm möchte ich von meiner Seite aus nichts weiter sagen. Nach der wertvollen Vorstellung des Werkes durch den Autor am Anfang des Originalbuches und den Berichten zweier Generalsekretäre einer internationalen Organisation der Muslime weltweit wie der Rabita al-Alam al-Islami bleibt zu diesem Thema tatsächlich nichts mehr zu sagen. Wenn Sie diese einleitenden Hintergrundinformationen lesen, bevor Sie in die Tiefe des Originalwerkes eintauchen, werden Sie leicht verstehen können, warum dieses Buch im weltweiten Wettbewerb unter etwa 1200 Werken mit dieser seltenen Ehre ausgezeichnet wurde und welche Eigenschaften ihm den Rang des besten Sira-Werkes seiner Zeit eingebracht haben. Die Liebhaber des Propheten in aller Welt scheinen lange auf ein solches Sira-Werk gewartet zu haben – eines, das aus den zuverlässigen Inhalten aller früheren zu diesem Thema verfassten Werke zusammengestellt wurde, mit anderen Worten: ein Extrakt aus der gewaltigen Bibliothek der Sira-Literatur. Unter diesem Gesichtspunkt betrachtet, verdient diese segensreiche Initiative von Allama Safiur Rahman Mubarakpuri zweifellos Anerkennung. Es versteht sich von selbst, dass diese Anerkennung dadurch bestätigt wurde, dass die Rabita al-Alam al-Islami im Namen der Millionen und Abermillionen Muslime der Welt seinem Buch den ersten Preis verlieh.
Der gelehrte Forscher verfasste das Originalwerk in arabischer Sprache; bekanntlich befinden sich auch die umfangreichen grundlegenden Materialien der Tausenden von Büchern über die Sira in dieser arabischen Sprache. Als das arabische Originalwerk in verschiedene Sprachen übersetzt wurde, kann ich den verzweifelten Versuch der qualifizierten Übersetzer, das sprachliche Niveau und die Ausdrucksweise des Originals zu wahren, sehr gut nachvollziehen. Besonders kann ich nachempfinden, welchen Schwierigkeiten sie begegnet sind, als sie die Namen der Sahaba, die Namen ihrer Stämme und Clans sowie die Namen zahlloser Personen und Orte, die mit der arabischen Gesellschaft, dem Staat, den Kriegen und Konflikten sowie den wirtschaftlichen Aktivitäten vor und nach dem Kommen des Propheten verbunden sind, in ihre jeweiligen Sprachen übertrugen. Die korrekte Aussprache dieser Tausenden von Namen erscheint mir wirklich als eine schwierige Angelegenheit. Darüber hinaus bestehen auch unter unseren islamischen Gelehrten und sprachwissenschaftlichen Forschern unterschiedliche Auffassungen über die Wiedergabe der arabischen Namen in bengalischer Aussprache: Was der eine als korrekte Schreibweise bezeichnet, weist der andere als völlig falsch zurück. Als einfache Methode habe ich in solchen Fällen jeweils die Aussprache verwendet, die mir dem Originalwerk am nächsten zu kommen schien. Ich habe mich bemüht, im gesamten Buch bei Namen und Ortsbezeichnungen möglichst ein einheitliches Verfahren anzuwenden. Dennoch möchte ich nicht behaupten, dass ich alles richtig wiedergeben konnte. Möge Allah Ta’ala mir meine Fehler und Mängel vergeben.
Im Buch Ar-Rahīq al-Makhtūm werden zahlreiche Werktitel und Seitenzahlen angegeben; auch dazu scheint eine Bemerkung notwendig zu sein. Die hier angegebenen Seitenzahlen beziehen sich auf arabische und Urdu-Werke. Darunter befinden sich viele Bücher, die noch nicht ins Bengalische übersetzt wurden; selbst bei den Werken, deren Übersetzung vorliegt, wird man anhand dieser Seitenzahlen die ursprünglichen Angaben nicht auffinden können. So zitiert der ursprüngliche Autor an vielen Stellen seines Buches aus dem berühmten Werk Fī Ẓilāl al-Qurʾān des Märtyrers Sayyid Qutb. Die dort von ihm angegebenen Band- und Seitenzahlen gelten jedoch ausschließlich für die arabische Ausgabe. Die Band- und Seitenzahlen der auf Bengalisch erschienenen Übersetzung des Tafsīr Fī Ẓilāl al-Qurʾān werden naturgemäß mit diesen nicht übereinstimmen. Obwohl wir uns dieses Problems bewusst waren, haben wir aus Gründen größter Treue keine der vom ursprünglichen Autor angegebenen Quellenangaben verändert.
Wie Sie wissen, wurden die arabischen Ausgaben dieses unschätzbaren Sira-Werkes auf dem Weltmarkt zunächst von der Rabita al-Alam al-Islami selbst veröffentlicht. Unter der Aufsicht der Rabita veröffentlichte später eine andere Institution das Buch; danach gaben verschiedene Institutionen Übersetzungen des Werkes in verschiedenen Sprachen und Ländern der Welt heraus. Auch wir haben ihrem Weg folgend die Initiative ergriffen, dieses wichtige Buch in bengalischer Sprache zu veröffentlichen. Unser Ziel war es, die Menschen dieser Sprachgemeinschaft mit diesem großartigen Werk bekannt zu machen. Es sollte daran erinnert werden, dass der große Mensch, dessen Lebensbeschreibung wir heute zu veröffentlichen im Begriff sind, der Anführer einer Karawane war, deren Angehörige zu ihren jeweiligen Völkern sagten: Wa mā as’alukum ʿalayhi min ajrin in ajriya illā ʿalā rabbil-ʿālamīn. Ich verlange von euch für diese Aufgabe keinen Lohn; mein Lohn liegt allein bei meinem Herrn.
Abschließend spreche ich allen, die mit dem Bangladesch-Büro der Al-Qur’an-Akademie London verbunden sind, meinen unendlichen Dank aus. Hätten sie nicht die Verantwortung für den Vertrieb des Buches übernommen, hätte ich in London nur weiter träumen können; vielleicht hätte das Buch auch nach vielen Jahren nicht das Licht der Welt erblickt. Besonders darf ich die Unterstützung von Bruder Shamim nicht vergessen. Ohne seine aufrichtigen Bemühungen wäre es nicht möglich gewesen, dieses umfangreiche Manuskript so schnell zu verfassen. Möge Allah Ta’ala auch all jene, die mich auf unterschiedliche Weise ermutigt haben, an ihrem jeweiligen Platz belohnen. Amin.
Unzählige Durood und unzählige Salām seien auf meinen geliebten Propheten.
Khadija Akhtar Reza’i
Rabīʿ al-awwal 1419 nach der Hidschra, Juli 1998
London
Im Augenblick der Veröffentlichung der vierten Auflage
Vorwort des Verlegers
Im Jahr 1999 fiel der Monat der Sīrat an-Nabī auf Juni und Juli nach englischer Zeitrechnung. Daher hatten wir geplant, die bengalische Übersetzung dieser herausragenden Biografie unseres geliebten Propheten gerade in jenem Monat, der von den Erinnerungen an den Propheten geprägt ist, herauszugeben. Im Einklang mit diesem Wunsch und Vorhaben des Übersetzers und Verlegers dieses großartigen Werkes hatten wir bereits alle Vorbereitungen dafür getroffen. Da wir jedoch nicht über sämtliche weiteren Etappen, die ein umfangreiches Buch vom Manuskript bis in die Hände der Leser durchlaufen muss, vollständig verfügen konnten, gelang es uns nicht, das Buch innerhalb des Monats der Sīrat an-Nabī, also im Rabīʿ al-Awwal, herauszugeben. Als das Buch schließlich alle Hürden der Druckkunst überwunden hatte und das Licht der Welt erblickte, war der Monat der Ankunft des Propheten in dieser Welt bereits vergangen. Doch Allah, der Erhabene, hat uns, diese sündigen Diener, offenbar mit Blick auf unsere Absicht nicht enttäuscht. Obwohl dieses außergewöhnliche Werk bei seiner ersten Herausgabe das genau gesetzte Ziel – die Zeit der Erscheinung unseres geliebten Propheten – verfehlte, schenkte Er uns nur wenige Tage später die denkwürdige Gelegenheit, an seine Ankunft in Medina zu erinnern.
Am 24. September desselben Jahres war der Tag, an dem unser geliebter Prophet Yathrib, also Medina, betrat. Nachdem 1420 Jahre vergangen waren, veröffentlichten wir an diesem gesegneten Tag die zweite Ausgabe dieses Übersetzungswerkes, gleichsam als Ausdruck der Liebe eines ergebenen Verehrers des Propheten. Als wir die dritte Auflage dieses gesegneten Werkes herausgaben, stand der Augenblick des Yawm al-Arafa vor uns. An diesem Tag hatte er, am Rande von Arafa stehend, vor seinen beinahe 150.000 tapferen Gefährten jene historische Abschiedspredigt des Haddsch, gleichsam die große Charta der Menschenrechte, verkündet, auf der, genau genommen, heute das Fundament der Zivilisation und Kultur der gesamten Menschheit ruht.
Nun, da wir erneut mit dem Druck der überarbeiteten achten Auflage begonnen haben, steht der gesegnete Monat Ramadan, der Monat der Herabsendung des Korans, vor uns. Möge Allah, der Erhabene, in diesem heiligen Monat dieses unschätzbare Lebenswerk über den Träger des Korans annehmen!
So wie Ar-Rahīq al-Makhtūm auf der Weltbühne alle Rekorde seiner Zeit gebrochen und den Rang des besten Sīrat-Werkes erlangt hat, so hat auch die bengalische Übersetzung dieses Buches in der literarischen Welt unseres Landes alle Rekorde gebrochen und sich in ihrer eigenen Erhabenheit ausgezeichnet. Bereits fünfundfünfzig Tage später veröffentlichten wir die zweite Auflage des Buches, und al-hamdu li-Llāh steht noch vor Ablauf von drei Jahren die Veröffentlichung der achten Auflage bevor. Dies ist in jüngster Zeit zweifellos eine seltene Ehre, nicht nur in der islamischen Literatur, sondern in der gesamten Geschichte der bengalischen Sprache. Diese seltene Ehre gebührt in ihrer Gesamtheit eigentlich dem Propheten (sallallāhu ʿalaihi wa sallam); kein Einzelner und keine Institution haben daran irgendein Verdienst. Wir sind der Ansicht, dass weder der Autor, noch der Übersetzer, der Verleger oder der Herausgeber dieses Buches auch nur den geringsten Anteil an diesem Verdienst haben. Das gesamte Lob für die beispiellose Popularität dieses Werkes gebührt allein Ihm, der selbst gemeinsam mit Seinen Engeln dem Propheten Segensgrüße sendet.
Schon die enthusiastischen, lobenden Besprechungen, die einige gelehrte und angesehene Denker drei Jahre zuvor nach der Veröffentlichung der bengalischen Übersetzung in den Literaturseiten mehrerer führender Tageszeitungen des Landes verfasst hatten, ließen uns die Liebe der Menschen zu diesem großartigen Werk erkennen. Schließlich äußerten unsere wohlgesinnten Unterstützer auch den Wunsch nach einer Veröffentlichungsfeier für das Buch. Daher warteten wir voller Ungeduld auf die Ankunft seiner Übersetzerin und Verlegerin, der verehrten Khadija Akhtar Rezaie, in Dhaka. Allah sei Dank: Als sie in jenem Jahr am 14. September auf dem Weg zur Verrichtung der heiligen Umrah-Pilgerfahrt für wenige Tage nach Dhaka kam, veranstalteten wir am 18. desselben Monats im Saal des Nationalen Presseclubs eine prächtige Veröffentlichungsfeier für das Buch.
Bei dieser Veranstaltung zu Ehren des geliebten Propheten sagte der nationale Professor, der herausragende Gelehrte und Intellektuelle der bengalischen Literatur, Syed Ali Ahsan, in seinem schriftlich verfassten Beitrag: Khadijas Übersetzung vereint sowohl den strahlenden Stolz als auch das Bekenntnis zur Muttersprache. Mit außerordentlichem Geschick und einer unvergleichlichen Satzgestaltung hat Khadija dieses Werk ins Bengalische übersetzt; ihre Übersetzung wirkt nicht wie eine Übersetzung, sondern wie eine neue Schöpfung. Indem er auf diesen seltenen Erfolg hinwies, wünschte er diesem großartigen Werk eine weite Verbreitung und Bekanntheit. Der im ganzen Land hoch angesehene Gelehrte und Prediger der Nationalmoschee, Mawlana Obaidul Haque, bezeichnete die bengalische Übersetzung von Ar-Raheeq al-Makhtum als eine außerordentliche Leistung der Übersetzerin auf dem Gebiet der Sira-Literatur und erbat Allahs Barmherzigkeit, damit diese Übersetzung uns als Wegzehrung für unser Leben diene. Der Vorsitzende der Al-Arafah Islami Bank, A. Z. M. Shamsul Alam, würdigte diesen im Ausland lebenden Schriftsteller für seine schwierige Arbeit mit den Worten, dass innerhalb eines einzigen Monats in Zeitungen und Zeitschriften eine solche Menge an Besprechungen über dieses umfangreiche Übersetzungswerk veröffentlicht worden sei, wie über kein anderes Werk des Landes.
Der ehemalige Botschafter, renommierte Journalist und Herausgeber der Tageszeitung Dinkal, Akhtar-ul-Alam, verglich bei seinem überschwänglichen Lob für die Übersetzung dieses besten Sira-Werks seiner Zeit die Kunst des Übersetzens mit der Rückseite eines Kaschmirschals und äußerte die Ansicht, dass man bei dem veröffentlichten Werk Ar-Raheeq al-Makhtum die echte und die imitierte Seite des Kaschmirschals überhaupt nicht voneinander unterscheiden könne. Der geschäftsführende Herausgeber der Tageszeitung Inqilab, Mawlana Ruhul Amin Khan, brachte seine Freude darüber zum Ausdruck, dass die Übersetzungsarbeit an diesem zeitlosen Werk in den richtigen Händen ausgeführt worden sei. Seiner Meinung nach hat die ehrenwerte Khadija Akhtar Rezaie die Leser vergessen lassen, dass es sich bei dem Buch tatsächlich um ein Übersetzungswerk handelt. Der bekannte Dramatiker Ariful Haque bezeichnete das Buch als eine vollständige, chronologische und historische Darstellung des Lebens des Gesandten Allahs. Er wies darauf hin, dass die Übersetzerin neben schöpferischer Gestaltung auch die Fähigkeit zur kunstvollen Neuschöpfung besitze. Der bekannte Schauspieler Obaidul Haque Sarkar bezeichnete Ar-Raheeq al-Makhtum neben Hunderten weiterer Sira-Werke, darunter Mawlana Akram Khans Mustafa Charit, des Dichters Golam Mostafas Bishwanabi und der übersetzten Sirat-un-Nabi, als das herausragendste Sira-Werk unserer Zeit.
Der Literaturredakteur der Tageszeitung Ittefaq, der Dichter Al Mujahidi, dankte der Übersetzerin und dem Verleger dafür, dass sie den Millionen bengalischsprachiger Menschen auf dem Subkontinent die bengalische Übersetzung eines solchen seltenen Werkes zugänglich gemacht hatten, und wünschte ihr eine weite Verbreitung. In einem weiteren über das Buch verfassten Beitrag bezeichnete der mutige Schriftsteller und Dichter der bengalischen Literatur, Al Mahmud, das jüngste Übersetzungswerk der begabten zeitgenössischen bengalischen Schriftstellerin und Prosakünstlerin, der ehrenwerten Khadija Akhtar Rezaie, als eine neue Schöpfung. Abschließend forderte die bekannte Schriftstellerin und ehemalige Parlamentsabgeordnete Hafiza Asma Khatun bei ihrer Besprechung dieses Werkes, das Buch in den Lehrplan von Schulen, Colleges und Universitäten aufzunehmen.
Der Vorsitzende der Veranstaltung, der ehemalige Leiter des National Board of Revenue sowie Vorsitzende und Sekretär der Islami Bank Ltd., Shah Abdul Hannan, dankte der Übersetzerin und dem Verleger dafür, dieses wertvolle, in bengalischer Sprache weltweit berühmte Werk als Übersetzung zugänglich gemacht zu haben. Er dankte auch dem Al-Quran Academy London, dem in Bangladesch ansässigen Verbreitungsinstitut des Werkes. Die Übersetzerin und Verlegerin des Buches, die ehrenwerte Khadija Akhtar Rezaie, war ebenfalls bei dieser Veranstaltung anwesend. In einem für die versammelte Gelehrtenschaft verfassten Beitrag brachte sie ihren Dank für den umfassenden Erfolg dieses Werkes allein Allah, dem Erhabenen, dar. Sie sprach allen sachkundigen Persönlichkeiten ihre Dankbarkeit aus, die wertvolle Besprechungen über das Buch in Zeitungen und Zeitschriften veröffentlicht, bei dieser gesegneten Veranstaltung Reden gehalten oder durch ihre Anwesenheit zum Gelingen der Veranstaltung beigetragen hatten. Der Dichter Matiur Rahman Mallik verlas ihren schriftlichen Beitrag sowie den Beitrag des Ehrengastes der Veranstaltung, des nationalen Professors Syed Ali Ahsan.
Als besonderer Gast unserer Veröffentlichungsveranstaltung sollte auch der international bekannte Koranexeget Hazrat Mawlana Delwar Hossain Sayeedi anwesend sein. Während seines Aufenthalts in London hatte er gegenüber der ehrenwerten Khadija Akhtar Rezaie persönlich sein aufrichtiges Interesse bekundet, an dieser Veranstaltung teilzunehmen. Obwohl er aus besonderen Gründen nicht an der Veranstaltung teilnehmen konnte, wünschte er persönlich deren Erfolg. Außerdem hat er in den vergangenen Jahren unsere veröffentlichten Werke Tafsir Fi Zilalil Quran und Tafsir Usmani den Millionen bengalischsprachiger Menschen in allen Teilen der Welt bekannt gemacht; auch dafür bitten wir Allah, den Erhabenen, um Segen für ihn. Wenn die Kinder Adams am schweren Ort der Auferstehung nach einem einzigen Tropfen Wasser flehen werden, möge Allah, der Erhabene, ihn mit Ar-Raheeq al-Makhtum und Khatamuhu Miskun, dem Getränk mit Moschusduft aus einer versiegelten Flasche, sättigen!
Wir sind wirklich erfreut, dass sich die Übersetzerin und Verlegerin selbst in Dhaka aufhielt, als wir die zweite Auflage des Buches verbreiteten. So konnten wir unter ihrer sorgfältigen Aufsicht praktisch das gesamte Buch neu gestalten. Auch diesmal legen wir die achte Auflage vor, wobei wir ihre wertvollen Ratschläge berücksichtigen. Die hier und da vorhandenen Fehler und Unstimmigkeiten konnten wir nach Möglichkeit ebenfalls bereinigen. Es sei darauf hingewiesen, dass wir den Preis des Buches auf Wunsch der ehrenwerten Übersetzerin nahezu halbiert haben, damit möglichst viele Menschen mit diesem wertvollen biografischen Werk über den geliebten Propheten bekannt gemacht werden.
Unzählige Segensgrüße seien dem geliebten Menschen dargebracht, dessen Lob überall in Himmel und Erde erklingt.
Al-Quran Academy London
Bangladesch-Zentrum
O unser Herr, erwecke in diesem Volk aus ihrer Mitte einen Gesandten, der ihnen Deine Verse vorträgt, sie Dein Buch und seine Weisheit lehrt und sie läutert. (Erhöre dieses Gebet, denn) Du bist wahrlich mächtig, allwissend und weise. – Sure al-Baqara 129
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Diese von Dunkelheit umhüllte Welt: In Erwartung des Sobh-e Sadiq
Die geografische Beschaffenheit Arabiens und die Lage der verschiedenen Völker
Die Sīra des Propheten ist in Wirklichkeit das lebendige Abbild des letzten Propheten Allahs. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, der Wegweiser zur Erlösung der gesamten Menschheit, stellte sie der Menschheit vor. Dadurch führte Allah, der Erhabene, die Menschen aus der Finsternis ins Licht und aus der Anbetung durch die Diener in die Anbetung Allahs. Ohne eine vergleichende Darstellung der Verhältnisse vor und nach der Herabsendung der Botschaft Allahs, der göttlichen Botschaft, ist es nicht möglich, ein vollständiges Bild der Sīra des Propheten zu vermitteln. Daher ist es unbedingt erforderlich, vor Beginn der Behandlung des Hauptthemas die verschiedenen Gemeinschaften des vorislamischen Arabiens und ihre Lebensverhältnisse zu schildern. Dadurch wird man eine umfassende Vorstellung von den Zuständen zur Zeit des Erscheinens des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, erhalten.
Die lexikalische Bedeutung des Wortes „Arab“ ist Sahara, eine trockene Wüste, eine dürre Steppe oder unfruchtbares Land. Seit der Antike wird dieses Wort für Dschazīrat al-Arab und seine Bewohner verwendet.
Im Westen Arabiens liegen das Rote Meer und die Sinai-Halbinsel, im Osten der Arabische Golf, im Süden ein großer Teil des Irak, ebenfalls im Süden ein großer Teil des Irak und noch weiter südlich das Arabische Meer. Dieses ist in Wirklichkeit ein ausgedehnter Teil des Indischen Ozeans. Im Norden liegen Syrien und ein Teil des nördlichen Irak. Innerhalb dieses Gebietes gibt es auch einige umstrittene Grenzen. Die Gesamtfläche beträgt ein bis 1,3 Millionen Quadratmeilen.
Dieses inselartige arabische Land ist unter natürlichen und geografischen Gesichtspunkten von besonderer Bedeutung. Im Inneren wie auch nach außen ist es von zahlreichen Ebenen und Wüsten umgeben. Deshalb ist diese Region derart geschützt. Andere können ihren Einfluss in diesem Gebiet nicht ohne Weiteres ausweiten. Daher zeigt sich, dass die Bewohner des Kernlandes der Arabischen Halbinsel seit frühester Zeit in all ihren Angelegenheiten völlig unabhängig und selbstständig waren. Dennoch waren diese Bewohner Arabiens Nachbarn zweier Großmächte der damaligen Welt. Ohne diese natürliche Barriere wären die Araber niemals in der Lage gewesen, die Angriffe dieser beiden Mächte abzuwehren.
Von außen betrachtet lag die Arabische Halbinsel im Altertum zwischen allen Kontinenten. Sowohl auf dem Land- als auch auf dem Seeweg war die Verbindung Arabiens mit der Außenwelt leicht. Der nordwestliche Teil der Arabischen Halbinsel ist der Zugang oder das Tor zum afrikanischen Kontinent. Im Nordosten liegen die Völker Europas. Im Osten befinden sich die Zugänge zum Iran, zu Zentralasien und zum Fernen Osten. Auf diesem Weg kann man bis nach China und Indien gelangen. Auf diese Weise steht jeder Kontinent mit dem arabischen Land in Verbindung. Schiffe, die zu diesen Kontinenten unterwegs sind, ankern direkt in den Häfen Arabiens.
Aufgrund dieser geografischen Lage waren der nördliche und der westliche Teil der Arabischen Halbinsel als Treffpunkt verschiedener Völker sowie als Zentrum von Handel und Gewerbe, Kunst, Literatur und Kultur und als religiöses Zentrum bekannt.
Die arabischen Völker
Die Historiker haben die arabischen Völker in drei Gruppen eingeteilt.
Erstens: die al-Baida-Araber
Mit den al-Baida-Arabern sind jene alten Stämme und Gemeinschaften Arabiens gemeint, die vollständig untergegangen sind. Über diese Stämme und Gemeinschaften sind heute keine notwendigen ausführlichen Informationen mehr bekannt. Dazu zählen etwa die Völker der ʿAd, der Thamūd, der Ṭasm, der Jadīs und der Amalekiter.
Zweitens: die al-ʿAriba-Araber
Damit sind jene Stämme gemeint, die von Yarub ibn Jaschjub ibn Qahtan abstammen. Sie werden auch qahtanische Araber genannt.
Drittens: die Mustaʿriba-Araber
Damit sind jene Stämme gemeint, die von Hazrat Ismail, Friede sei mit ihm, abstammen. Sie werden auch adn कितanische Araber genannt.
Die eigentliche Heimat der ʿAriba-Araber, also der qahtanischen Araber, war der Jemen. Hier breiteten sich ihre Familien und die verschiedenen Zweige ihrer Stämme aus. Unter ihnen erlangten zwei Stämme besondere Berühmtheit, nämlich:
(a) Himyar: Zu ihren berühmten Zweigen gehören Zaid al-Dschamhur, Qudaʿa und Zakasik.
(b) Qahtan: Zu ihren berühmten Zweigen gehören Hamdan, Anmar, Tai, Madhhidsch, Kinda, Lachm, Dschudham, Azd, Aus, Chazradsch und die Nachkommen von Dschafna. Nachdem sie ihre ursprünglichen Gebiete verlassen hatten, errichteten sie in der Umgebung Syriens ein Königreich. Danach wurden sie unter dem Namen Ghassan bekannt.
Die gewöhnlichen qahtanischen Stämme verließen später den Jemen und ließen sich in verschiedenen Gebieten der Arabischen Halbinsel nieder. Sie wanderten zu jener Zeit aus, als die Römer nach der Eroberung Ägyptens und Syriens ihre Vorherrschaft über den Seehandel der Jemeniten errichtet und auch den Landhandel unter ihre Kontrolle gebracht hatten. Dadurch wurden die Handelsmöglichkeiten der Qahtaniten vollständig zunichtegemacht.
Möglicherweise waren die Qahtaniten aufgrund von Streitigkeiten und Auseinandersetzungen zwischen den qahtanischen und den himyarischen Stämmen zur Auswanderung gezwungen. Der Grund für diese Annahme ist, dass die qahtanischen Stämme auswanderten, während die himyarischen Stämme an ihrem Ort blieben.
Diejenigen qahtanischen Stämme, die ihre Heimat verließen, lassen sich in vier Gruppen einteilen, und zwar:
Erstens: die Azd. Auf den Rat ihres Anführers ʿImrān ibn ʿAmr Muzayqiyā verließen sie ihre Heimat. Zunächst zogen sie im Jemen von einem Ort zum anderen und entsandten verschiedene Gruppen, um sich über die Lage zu informieren. Danach zogen sie nach Norden und ließen sich verstreut an verschiedenen Orten nieder. Ihre ausführliche Geschichte ist folgende:
Thaʿlaba ibn ʿAmr: Dieser Mann zog zunächst in Richtung Hedschas und ließ sich zwischen Thaʿlaba und Dhi Qār nieder. Als seine Söhne erwachsen und die Familie mächtig geworden war, zog er in Richtung Medina und ließ sich dort nieder. Aus der Nachkommenschaft dieses Thaʿlaba gingen Aws und Chazradsch hervor. Aws und Chazradsch waren die Söhne von Hāritha, dem Sohn Thaʿlabas.
Hārith ibn ʿAmr: Er stammte von Chuzāʿa ab. Nachdem die Angehörigen dieser Linie verschiedene Gegenden des Hedschas durchwandert hatten, ließen sie sich in Marr az-Zahrān nieder und griffen später Medina an. Sie vertrieben die Angehörigen des Stammes Banū Dschurhum aus Mekka und ließen sich selbst in Mekka nieder.
ʿImrān ibn ʿAmr: Dieser Mann und seine Nachkommen lebten in Amman. Deshalb werden sie als Azd von Amman bezeichnet.
Nasr ibn Azd: Die mit diesem Mann verbundenen Stämme ließen sich in Tihāma nieder. Sie werden Azd Schanūʾa genannt. Dschafna ibn ʿAmr: Dieser Mann zog nach Syrien und lebte dort mit seiner Familie. Er war der Urgroßvater der ghassanidischen Könige. Vor ihrem Zug nach Syrien hielten sie sich einige Zeit im Hedschas nahe einem Wasserbecken namens Ghassān auf.
Zweitens: der Stamm Lachm-Dschudham. Unter den Nachkommen Lachms war Nasr ibn Rabīʿa einer der bedeutendsten. Er war der Vorfahre der Herrscher, die in Hīra regierten und Āl al-Mundhir genannt wurden.
Drittens: der Stamm Banū Tāʾī. Nach dem Auszug der Banū Azd zog dieser Stamm nach Norden und ließ sich zwischen zwei Bergen namens Aja und Salmā nieder. Durch den Stamm Tāʾī wurden diese beiden Berge berühmt.
Viertens: der Stamm Kinda. Die Angehörigen dieses Stammes ließen sich zunächst an dem heute al-Ahsa genannten Ort in Bahrain nieder. Nach einiger Zeit zogen sie nach Hadramaut weiter. Doch auch dort konnten sie sich nicht halten. Schließlich ließen sie sich in Nadschd nieder und gründeten einen Staat. Aber auch dieser Staat bestand nicht dauerhaft. Schon nach kurzer Zeit verschwanden ihre Spuren vollständig.
Außer Qahtan gab es noch einen weiteren Stamm der Himyar, dessen Name Quda’a war. Es besteht Uneinigkeit darüber, ob der Name dieses Stammes himyaritischen Ursprungs war. Sie verließen den Jemen und ließen sich in der irakischen Wüstensteppe al-Badiyat as-Samawa nieder (für ausführliche Informationen über diese Stämme und ihre Auswanderung siehe Tarich al-Imam al-Islamiyya, Band 1, S. 11–13, sowie al-Dschazirat al-Arab, S. 231–235. Hinsichtlich der zeitlichen Einordnung der Auswanderungsereignisse besteht Uneinigkeit. Wir haben die unter Berücksichtigung verschiedener Gesichtspunkte zuverlässigen Angaben angeführt.)
Die arabisierten Araber: Ihr Vorvater war unser Herr Ibrahim, Friede sei mit ihm. Er stammte ursprünglich aus der Stadt Ur im Irak. Diese Stadt lag nahe Kufa am westlichen Ufer des Euphrat. Durch die bei der Ausgrabung des Euphrat gefundenen Relikte sind viele Informationen über diese Stadt bekannt geworden. Dabei wurden auch zahlreiche Informationen über die Familie Ibrahims sowie über die Bewohner von Ur und ihre religiösen Überzeugungen ans Licht gebracht.
Unser Herr Ibrahim, Friede sei mit ihm, reiste zur Verkündung der Religion innerhalb und außerhalb des Landes umher. Einmal reiste er nach Ägypten. Als der Pharao von Ibrahims Ehefrau Sara hörte, fasste er einen bösen Entschluss. Mit unlauteren Absichten ließ er Sara in seinen Palast kommen. Danach wollte er seine böse Absicht verwirklichen. Sara betete zum erhabenen Allah. Durch den Segen ihres Gebets packte Allah, der Erhabene, den Pharao auf eine Weise, dass dieser vor unerträglichen Schmerzen zu zappeln begann. Da erkannte er, dass Sara Allah besonders lieb und eine fromme Frau war. Von dieser Eigenschaft Saras beeindruckt, übergab der Pharao seine Tochter Hadschar (in anderen Büchern wird erwähnt, dass Hadschar eine Sklavin gewesen sei; tatsächlich war sie die Tochter des Pharaos. Siehe Rahmatul lil-Alamin, Band 2, S. 36–37.) Sara. Sara verheiratete Hadschar mit ihrem Ehemann, unserem Herrn Ibrahim, Friede sei mit ihm (ebd., Band 2, S. 34; eine ausführliche Darstellung des Ereignisses findet sich in Sahih al-Buchari, Band 1, S. 484).
Unser Herr Ibrahim, Friede sei mit ihm, kehrte gemeinsam mit Sara und Hadschar nach Palästina zurück. Danach schenkte Allah, der Herr der Welten, unserem Herrn Ibrahim ein Kind aus Hadschar. Es sei erwähnt, dass Sara kinderlos war. Das neugeborene Kind wurde Ismail genannt. Allmählich wurde Sara eifersüchtig auf Hadschar und zwang unseren Herrn Ibrahim, Friede sei mit ihm, Hadschar und das neugeborene Kind auszuweisen. Die Lage wurde so schwierig, dass unser Herr Ibrahim, Friede sei mit ihm, dieser Forderung nachkommen musste; er nahm Hadschar und Ismail mit und reiste nach Mekka. In der Nähe des Ortes, an dem sich heute die Kaaba befindet, ließ unser Herr Ibrahim, Friede sei mit ihm, seine Frau und seinen Sohn zurück. Zu jener Zeit gab es die Kaaba noch nicht. Der Platz, an dem später das Haus errichtet wurde, war wie ein Hügel erhöht. Wenn eine Überschwemmung kam, floss das Wasser an beiden Seiten dieses Hügels vorbei. Dort, in der Nähe des Zamzam-Brunnens, unmittelbar neben dem oberen Bereich der al-Masdschid al-Haram, stand ein großer Baum. Unser Herr Ibrahim, Friede sei mit ihm, ließ seine Frau Hadschar und seinen Sohn Ismail neben diesem Baum zurück. Damals gab es in Mekka weder Wasser noch menschliche Ansiedlungen. Deshalb ließ unser Herr Ibrahim, Friede sei mit ihm, in einem Gefäß einige Datteln und in einem Wasserschlauch etwas Wasser zurück. Danach kehrte er nach Palästina zurück. Doch innerhalb weniger Tage waren die Datteln und das Wasser aufgebraucht. Eine schwere Not brach herein. In jener beklagenswerten Notzeit trat die Quelle der Barmherzigkeit Allahs, des Erhabenen, in Gestalt von Zamzam hervor und diente lange Zeit vielen Menschen als Lebensgrundlage. Die ausführliche Darstellung ist im Wesentlichen jedem bekannt (Sahih al-Buchari, Kitab al-Anbiya, Band 1, S. 474–475). Einige Zeit später kam ein Stamm aus dem Jemen nach Mekka. In der Geschichte ist dieser Stamm als Dschurhum ath-Thani oder der zweite Dschurhum bekannt. Mit der Erlaubnis der Mutter Ismails, Friede sei mit ihm, begann dieser Stamm, sich in Mekka niederzulassen. Es wird berichtet, dass sich dieser Stamm zuvor in der Umgebung Mekkas angesiedelt hatte. Es wird außerdem erwähnt, dass die Angehörigen dieses Stammes nach der Ankunft Ismails, Friede sei mit ihm, und noch vor dessen Erwachsenwerden wegen Zamzam nach Mekka kamen. Sie waren diesen Weg bereits zuvor regelmäßig gegangen. (Dieses Werk, Band 1, S. 475).
Unser Herr Ibrahim, Friede sei mit ihm, reiste gelegentlich nach Mekka, um nach seiner Frau und seinem Sohn zu sehen. Wie oft er auf diese Weise hin- und herreiste, ist jedoch nicht bekannt. Aus historischen Angaben lässt sich belegen, dass er viermal dorthin und zurück reiste.
Erstens: Im Heiligen Koran hat Allah, der Erhabene, gesagt, dass Allah, der Erhabene, unserem Herrn Ibrahim, Friede sei mit ihm, im Traum zeigte, dass er seinen Sohn, unseren Herrn Ismail, schlachtete. Dieser Traum war eine Art Anweisung Allahs, des Erhabenen. Vater und Sohn bereiteten sich beide darauf vor, diese Anweisung auszuführen. Nachdem sich beide dem Willen Allahs ergeben hatten, legte der Vater seinen Sohn auf den Boden und wollte ihn schlachten. Da sagte Allah, der Erhabene: »O Ibrahim, du hast deinen Traum wahr gemacht. Auf diese Weise vergelte Ich den Rechtschaffenen ihre Tat. Wahrlich, dies war eine offenkundige Prüfung.« Als Belohnung dafür, dass unser Herr Ibrahim, Friede sei mit ihm, diese Prüfung bestanden hatte, verlieh Allah, der Erhabene, ihm die große Ehre des Opferns. (Sure as-Saffat, S. 103–107).
In der Bibel wird erwähnt, dass unser Herr Ismail, Friede sei mit ihm, dreizehn Jahre älter war als unser Herr Ishaq, Friede sei mit ihm. Aus der Darstellungsweise des Korans lässt sich verstehen, dass dieses Ereignis vor der Geburt unseres Herrn Ishaq, Friede sei mit ihm, stattgefunden hatte. Denn nachdem das gesamte Ereignis geschildert worden ist, wird hier die frohe Botschaft von der Geburt Ishaqs erwähnt.
Aus diesem Ereignis geht hervor, dass Hazrat Ibrahim (Friede sei mit ihm) mindestens einmal nach Mekka gereist war, bevor Hazrat Ismail (Friede sei mit ihm) das Erwachsenenalter erreicht hatte. Der Bericht über die drei übrigen Reisen findet sich in einer ausführlichen Überlieferung in Sahih al-Buchari (Sahih al-Buchari, Bd. 1, S. 475–476).
Zweitens: Hazrat Ismail (Friede sei mit ihm) wurde erwachsen. Von den Angehörigen des Stammes Dschurhum erlernte er die arabische Sprache. Die Stammesangehörigen verheirateten ihn mit einer ihrer Töchter. Zu dieser Zeit verstarb Hazrat Hadschra (Friede sei mit ihr). Inzwischen kam Hazrat Ibrahim (Friede sei mit ihm) nach Mekka, um seine Frau und seinen Sohn zu besuchen. Doch er traf Hazrat Ismail (Friede sei mit ihm) nicht an. Als er dessen Ehefrau begegnete, beklagte sie sich über ihre Not und ihre schwierigen Lebensumstände. Hazrat Ibrahim (Friede sei mit ihm) sagte zu ihr, sie solle Ismail, wenn er nach Hause komme, ausrichten, dass er die Türschwelle seines Hauses austauschen solle. Hazrat Ismail (Friede sei mit ihm) verstand die Bedeutung des Ratschlags seines Vaters. Er ließ sich von seiner Frau scheiden und heiratete eine andere Frau. Seine zweite Ehefrau war die Tochter von Madschaz ibn Amr, dem Oberhaupt des Stammes Dschurhum (Qalbi, Dschazirat al-Arab, S. 233).
Drittens: Nach der zweiten Heirat von Hazrat Ismail (Friede sei mit ihm) kam Hazrat Ibrahim (Friede sei mit ihm) erneut nach Mekka. Doch auch diesmal traf er seinen Sohn nicht an. Nachdem er seine Schwiegertochter nach dem Zustand des Haushalts gefragt hatte, pries er Allah, den Erhabenen. Als Hazrat Ibrahim (Friede sei mit ihm) aus dem Mund seiner Schwiegertochter den Lobpreis Allahs vernahm, sagte er zu ihr, sie solle Ismail, wenn er nach Hause komme, ausrichten, dass er die Türschwelle seines Hauses bewahren solle. Danach kehrte Hazrat Ibrahim (Friede sei mit ihm) nach Palästina zurück.
Viertens: Als Hazrat Ibrahim (Friede sei mit ihm) zum vierten Mal nach Mekka kam, sah er seinen Sohn Hazrat Ismail (Friede sei mit ihm) am Ufer des Zamzam sitzen und Pfeile anfertigen. Sobald sie einander erblickten, umarmten sie sich voller Rührung. Nach langer Zeit trafen sich der gutherzige Vater und der gehorsame Sohn wieder. Zu dieser Zeit errichteten Vater und Sohn gemeinsam die Kaaba. Sie gruben den Boden aus und zogen die Mauern hoch, und Hazrat Ibrahim (Friede sei mit ihm) rief die Menschen der ganzen Welt zur Verrichtung der Hadsch auf.
Allah, der Herr der Welten, schenkte Hazrat Ismail (Friede sei mit ihm) mit der Tochter von Madschaz ibn Amr zwölf Söhne (Qalbi, Dschazirat al-Arab, S. 230). Ihre Namen waren: 1) Nabith oder Nijabut, 2) Qaidar, 3) Adbail, 4) Mobscham, 5) Meschma, 6) Duma, 7) Maischa, 8) Haddad, 9) Taima, 10) Jatur, 11) Nafis und 12) Qaidman.
Durch diese zwölf Söhne entstanden zwölf Stämme. Sie alle lebten in Mekka. Ihren Lebensunterhalt verdienten sie durch Handel in Jemen, Ägypten und Syrien. Später breiteten sich diese Stämme in verschiedenen Gebieten der Arabischen Halbinsel und außerhalb Arabiens aus. Die Berichte über ihr weiteres Schicksal sind in der tiefen Dunkelheit der Vergangenheit verlorengegangen. Nur über die Nachkommen von Nabith und Qaidar sind einige Informationen bekannt.
Die Kultur der Nabatäer entwickelte sich im nördlichen Hedschas. Sie gründeten einen mächtigen Staat und errichteten ihre Herrschaft über die umliegenden Völker. Batra war ihre Hauptstadt. Niemand besaß die Kraft, ihnen entgegenzutreten. Danach begann das Zeitalter der Römer. Die Römer besiegten die Nabatäer. Maulana Sayyid Suleiman Nadwi (Allah erbarme sich seiner) hat nach langjährigen Forschungen und ausführlichen Erörterungen nachgewiesen, dass die Angehörigen des Hauses Ghassan und die Ansar, das heißt die Qahtaniten aus den Stämmen Aws und Chazradsch, keine Araber waren. Vielmehr lebten in diesem Gebiet die verbliebenen Nachkommen von Nabith, dem Sohn Ismails (Tarikh-e Abd al-Quran, Bd. 2, S. 77–86).
Die Nachkommen von Qaidar, dem Sohn Hazrat Ismails (Friede sei mit ihm), ließen sich nach und nach in Mekka nieder und vermehrten sich im Laufe der Zeit. Später kam die Zeit Adnans und seines Sohnes Maad. Die adnanitische Genealogie ist bis zu diesem Punkt zuverlässig überliefert.
Adnan war der neunzehnte Vorfahr des edlen Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. In einigen Überlieferungen heißt es, dass der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, bei der Aufzählung seiner Abstammung bis zu Adnan gelangte und dann innehielt. Er sagte, dass die Genealogen falsche Angaben überlieferten. (Tabari, Umam al-Muluk, Bd. 2, S. 191–194; al-Alam, S. 5–6.) Es ist jedoch nicht möglich, die Abstammung all dieser Vorfahren vollständig aufzuzählen. Viele haben die oben erwähnte Überlieferung als schwach bezeichnet. Nach Ansicht dieser Gelehrten liegen zwischen Adnan und Ibrahim, Allahs Friede sei auf ihm, vierzig Generationen.
Zusammengefasst gingen aus Nizar, dem Sohn Maʿads, mehrere Familien hervor. Über ihn wird gesagt, dass Maʿad, der erwähnte Vorfahr, nur einen Sohn hatte, dessen Name Nizar war. Nizar hatte vier Söhne, und aus den Nachkommen jedes Sohnes entstand jeweils ein Stamm. Die Namen dieser vier Söhne waren Iyad, Anmar, Rabia und Mudar. Von den beiden letztgenannten, den Stämmen Rabia und Mudar, breiteten sich zahlreiche Zweige aus. Von Rabia gingen zahlreiche Stämme hervor, darunter Asad ibn Rabia, Anaza, Abd al-Qais, Wa’il, Bakr, Taghlib und Banu Hanifa.
Die Nachkommen Mudars teilten sich in zwei große Stämme: (1) Qais Ailam ibn Mudar und (2) Ilyas ibn Mudar.
Aus Qais Ailam gingen die Stämme Banu Sulaym, Banu Hawazin und Banu Ghatafan hervor; aus Ghatafan gingen die Stämme Aras, Jurjan, Aschja und Ghani ibn Aʿthur hervor.
Aus Ilyas ibn Mudar gingen die Stämme Tamim ibn Murra, Budain ibn Marriqa, Banu Asad ibn Khuzaima und Kinana ibn Khuzaima hervor. Aus Kinana ging der Stamm Quraisch hervor. Die Angehörigen dieses Stammes waren Nachkommen von Fihr ibn Malik, ibn Nadr und ibn Kinana.
Später teilten sich die Quraisch ebenfalls in verschiedene Zweige. Die bekannten Zweige des Stammes Quraisch waren: Jumah, Sahm, Adi, Machzum, Taym und Zuhra. Zur Familie von Qusay ibn Filar gehörten Abd ad-Dar, Asad ibn Abd al-Uzza und Abd Manaf. Diese drei waren Söhne Qusays. Abd Manaf hatte vier Söhne. Aus diesen vier Söhnen gingen die folgenden vier Stämme hervor: Abd Schams, Nawfal, al-Muttalib und Haschim. Aus den Nachkommen Haschims erwählte Allah, der Erhabene, unseren geliebten Propheten, Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. (Muhadarat al-Chazrami, Bd. 1, S. 14–15.)
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: Allah, der Erhabene, erwählte aus den Nachkommen Ibrahims, Allahs Friede sei auf ihm, Ismail, Allahs Friede sei auf ihm. Danach erwählte Er aus den Nachkommen Ismails Kinana. Aus den Nachkommen K maintainana erwählte Er Quraisch. Danach erwählte Er aus den Nachkommen Quraischs Banu Haschim. Aus Banu Haschim erwählte Er mich. (Sahih Muslim, Bd. 2, S. 245; Dschami at-Tirmidhi.)
Abdullah ibn Abbas, Allah möge an ihm Wohlgefallen haben, überlieferte, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: Nachdem Allah, der Erhabene, die Geschöpfe erschaffen hatte, ließ Er mich aus der besten Gemeinschaft hervorgehen. Danach erwählte Er die Familien und ließ mich aus der besten Familie hervorgehen. Daher bin ich hinsichtlich des Stammes von der edelsten Stammeszugehörigkeit und hinsichtlich der Familie beziehungsweise des Hauses ebenfalls von der vorzüglichsten Abstammung. (Tirmidhi, Bd. 2, S. 231.)
Kurz gesagt: Als sich die Nachkommenschaft Adnans ausbreitete, verstreute sie sich auf der Suche nach Nahrung und Wasser über verschiedene Gebiete Arabiens. Der Stamm ʿAbd al-Qais, einige Zweige von Bakr ibn Waʾil und die Familien der Banū Tamīm zogen in Richtung Bahrain und ließen sich dort nieder. Banū Hanīfa ibn Saʿb ibn ʿAlī ibn Bakr zogen nach Yamāma und ließen sich an einem Ort namens Hadschar im Zentrum von Yamāma nieder.
Die übrigen Zweige von Bakr ibn Waʾil ließen sich in dem Gebiet von Yamāma bis Bahrain, an der Küste von Kāẓima, in der Umgebung der irakischen Halbinsel sowie bis nach Ibla und Ziyāt nieder.
Banū Taghlib ließen sich in der Region der Euphrat-Halbinsel nieder. Einige ihrer Zweige lebten jedoch weiterhin zusammen mit Banū Bakr.
Banū Salīm ließen sich in der Nähe von Medina nieder. Ihr Siedlungsgebiet erstreckte sich vom Wādī al-Qurā über Chaibar und den östlichen Teil Medinas bis zu zwei Bergen, die mit der Ḥarra von Banū Sulaym verbunden waren.
Die Angehörigen des Stammes Banū Thaqīf ließen sich in Tāʾif nieder. Banū Hawāzin siedelten sich östlich von Mekka in der Umgebung der Ebene von Awās an. Ihre Wohnsitze lagen zu beiden Seiten der Straße zwischen Mekka und Basra.
Banū Asad lebten östlich von Taymāʾ und westlich von Kufa. Zwischen ihnen und Taymāʾ lebte eine Familie des Stammes Banū Ṭayy. Die Angehörigen dieser Familie wurden Būhtar genannt. Die Entfernung zwischen dem Siedlungsgebiet von Banū Asad und Kufa betrug eine fünftägige Reise.
Banū Dschudhām lebten in Hawwāʾ nahe Taymāʾ.
Die Familie Banū Kināna ließ sich in der Tihāma nieder. Unter ihnen lebten die Familien der Quraisch in Mekka und seiner Umgebung. Sie führten ein voneinander getrenntes und verstreutes Leben. Später trat Quṣayy ibn Kilāb hervor und vereinte die Quraisch; dadurch erhob er sie zu Ansehen, Ruhm und Vorrang (Muḥāḍarāt al-Chaḍrāmī, Bd. 1, S. 15–16).
Die Verwaltungsverhältnisse Arabiens
Im Zusammenhang mit der Erörterung der Verhältnisse Arabiens in vorislamischer Zeit wird hier ein kurzer Überblick über die Verwaltungsverhältnisse, die Führung und die religiösen Vorstellungen Arabiens gegeben. Dadurch lassen sich die Verhältnisse Arabiens beim Aufkommen des Islam leicht verstehen.
Zu der Zeit, als sich das Licht des Islam über die Arabische Halbinsel ausbreitete, waren in Arabien zwei Arten von Regierungssystemen verbreitet. Erstens gab es die gekrönten Könige, die allerdings ebenfalls nicht völlig unabhängig waren. Zweitens gab es die Stammesoberhäupter. Sie übten ebenso wie die gekrönten Könige Macht aus, waren jedoch bei verschiedenen Entscheidungen unabhängig. Die eigentlichen Könige waren der König des Jemen, die Könige der Ghassaniden in Syrien und die Könige von Hira im Irak. Abgesehen davon gab es in Arabien keine weiteren gekrönten Könige.
Das Königreich Jemen
Unter den Arabern Arabiens war der Name des alten jemenitischen Stammes das Volk von Saba. Aus einer im Irak entdeckten alten Inschrift geht hervor, dass das Volk von Saba bereits zweieinhalbtausend Jahre vor Christus dort siedelte. Der Beginn des Aufstiegs und der Entwicklung dieses Volkes setzte jedoch im elften Jahrhundert vor Christus ein. Die wichtigsten historischen Zeitabschnitte sind folgende:
1) Die Zeit vor 650 v. Chr. Damals trugen die Könige von Saba den Titel Makrab von Saba. Ihre Hauptstadt befand sich an einem Ort namens Sirwah. Die Ruinen dieser Hauptstadt liegen eine Tagesreise westlich von Ma’rib; der heutige Name dieses Ortes ist Kharibah. In jener Zeit wurde der Grundstein für den berühmten Damm von Ma’rib gelegt. Dies war ein bedeutendes Ereignis in der Geschichte des Jemen. Während der Herrschaft der Könige von Saba gründeten viele Menschen innerhalb und außerhalb Arabiens an verschiedenen Orten neue Siedlungen.
2) Von 650 bis 115 v. Chr. In dieser Zeit legten die Könige von Saba den Titel Makrab ab, nahmen den Königstitel an und bestimmten Ma’rib anstelle von Sirwah zu ihrer Hauptstadt. Die Ruinen dieser Stadt sind noch heute 60 Meilen östlich von Sana’a zu finden.
3) Von 115 v. Chr. bis 300 n. Chr. In dieser Zeit gewann der Stamm der Himyar die Vorherrschaft über die Könige von Saba und bestimmte Raydan anstelle von Ma’rib zu seiner Hauptstadt. Später wurde der Name Raydan in Zafar geändert. Seine Ruinen sind noch heute auf einem Berg in der Nähe des Jemen zu finden.
In einer Epoche begann der Niedergang des Volkes von Saba. Zunächst breiteten die Nabatäer ihre Vorherrschaft im nördlichen Hidschas aus und begannen, die neuen Siedlungen von Saba zu vertreiben. Danach dehnten die Römer ihre Herrschaft über Ägypten, Syrien und den nördlichen Hidschas aus, wodurch der Handel auf ihren Landwegen zum Erliegen kam. Unterdessen befanden sich auch die qahtanitischen Stämme in wirtschaftlicher Not. Unter diesen Umständen verließen die qahtanitischen Stämme ihr Land und zerstreuten sich wahllos über verschiedene Orte.
4) Von 300 n. Chr. bis zum Beginn des Islams. Während dieser Zeit herrschten im Jemen fortwährend Zwietracht und Unordnung. Aufstände, Bürgerkriege und das Eingreifen fremder Mächte dauerten an. Schließlich wurde dem Jemen sogar seine Unabhängigkeit genommen. In dieser Zeit griffen die Römer Aden militärisch an. Sie machten sich die gegenseitigen Auseinandersetzungen zwischen den himyaritischen und hamdanitischen Stämmen in Abessinien zunutze und eroberten den Jemen im Jahr 340 erstmals. Diese Besetzung blieb bis zum Jahr 378 bestehen. Danach erlangte der Jemen zwar seine Unabhängigkeit zurück, doch am berühmten Damm von Ma’rib trat ein Bruch auf. In den Jahren 450 oder 451 brach dieser Damm. Im Heiligen Koran wurde dieser Bruch als eine die Dämme durchbrechende Flut bezeichnet. In der Sure Saba wird er erwähnt. Es war eine gewaltige Katastrophe. Infolge dieser Flut wurden zahlreiche Siedlungen verwüstet und menschenleer, und viele Stämme zerstreuten sich über verschiedene Orte.
Im Jahr 523 n. Chr. ereignete sich eine weitere große Katastrophe. König Dhu Nuwas griff die Christen im Jemen an und versuchte, sie zum Verlassen des Christentums zu zwingen. Da sie sich weigerten, ließ er Gräben ausheben und sie in lodernde Feuergruben werfen. In der Sure al-Burudsch des Heiligen Korans wird mit den Worten „Vernichtet wurden die Gefährten des Grabens“ auf dieses erschütternde Ereignis hingewiesen. Darauf wurden die Abessinier von Rache erfüllt. Mit der Unterstützung der Römer griffen sie im Jahr 515 unter der Führung von Aryat mit 70 000 Soldaten erneut an und eroberten den Jemen. Nach der Eroberung regierte Aryat den Jemen als Statthalter des abessinischen Kaisers. Einige Zeit später tötete ein Befehlshaber aus Aryats Heer Aryat und übernahm die Macht. Dieser Befehlshaber hieß Abraha. Nachdem Abraha die Macht übernommen hatte, wurde er mächtig und brachte auch den abessinischen Kaiser dazu, seine Oberhoheit anzuerkennen. Dieser Abraha versuchte später, die Kaaba zu zerstören. Mit einer furchterregenden Truppe und mehreren Elefanten führte Abraha den Feldzug gegen Mekka. Dieser Feldzug wird im Koran in der Sure al-Fil als das Ereignis der „Gefährten des Elefanten“ erwähnt.
Angesichts des Schadens, den die Abessinier beim Ereignis der Gefährten des Elefanten erlitten hatten, baten die Bewohner des Jemen die persische Regierung um Hilfe. Sie erhoben sich gegen die Abessinier und vertrieben sie unter der Führung von Madi Karib, dem Sohn von Sayf Dhu Yazan Himyari, aus ihrem Land. Danach erklärten sie Madi Karib als unabhängige und selbstständige Nation zum König des Jemen. Dies geschah im Jahr 505.
Nach der Erlangung der Unabhängigkeit behielt Madi Karib einige Abessinier zu seinem Dienst und zur Verschönerung des königlichen Heeres bei. Dieser Schritt erwies sich als gefährlich. Eines Tages täuschten die dienenden Abessinier den König Madi Karib und töteten ihn. Damit endete die Herrschaft der Familie Dhu Yazan für immer. Um diese Lage zu seinem Vorteil zu nutzen, trat der persische Kaiser Kisra auf den Plan. Er ernannte in San’a einen Statthalter persischer Abstammung und begann, französische Statthalter einzusetzen. Der letzte Statthalter, Badhan, nahm im Jahr 628 den Islam an. Dadurch endete die persische Vorherrschaft im Jemen, und der Jemen wurde ein islamischer Staat. (Maulana Sayyid Sulaiman Nadwi hat in seinem Werk Tarikh Ard al-Qur’an, im ersten Band von Seite 136 bis zum Ende des Werkes, unter Bewahrung historischer Informationen ausführlich über die gesamte Nation berichtet. Maulana Abul Ala Maududi hat ebenfalls auf den Seiten 158–198 des vierten Bandes von Tafhim al-Qur’an einige Informationen zu dieser Epoche eingefügt.)
Das Königreich von Hira
Im Irak und in den umliegenden Gebieten herrschten die Perser bereits seit der Zeit von Kyrus dem Großen beziehungsweise Sairam Dhu al-Qarnayn (von 575 bis 529 v. Chr.). Niemand besaß die Kraft, den Persern entgegenzutreten. Im Jahr 326 v. Chr. vernichtete Sikandar Maqduni die persische Macht, indem er sie als Erster eroberte. Infolgedessen zerfiel das Persische Reich in einzelne Teile. Dieser Zustand der Unordnung dauerte bis zum Jahr 230 an. In dieser Zeit verließen die qahtanitischen Stämme das Land. Die Adnaniten, die von einer ausgedehnten Grenze des Irak ausgewandert waren, kehrten damals nach Karila zurück, kämpften gegen ihre Gegner und ließen sich in einem Teil des Ufergebiets des Euphrat nieder.
Unterdessen begann sich die persische Macht allmählich zu festigen, nachdem Ardaschir im Jahr 226 die sasanidische Herrschaft errichtet hatte. Ardaschir unterstützte die Perser und wies die Araber zurück, die an den Grenzen seines Landes lebten. Daraufhin zog der Stamm Quda’a in Richtung Syrien weiter. Die arabischen Bewohner von Hira und Anbar erklärten sich dagegen bereit, sich zu unterwerfen.
Während der Herrschaft Ardaschirs war die Herrschaft der Rabīʿa-Stämme über al-Hīra, die Wüstensteppe des Irak und die Arabische Halbinsel etabliert. Über die Stämme der Muḍar herrschten die Leute von Jazīrat al-Waddāh. Offenbar erkannten die Ardaschiriden, dass es unmöglich war, die arabischen Bewohner unmittelbar zu regieren und sie an der Grenze von Plünderungen abzuhalten; vielmehr wäre es klüger, einen arabischen Führer mit großer Unterstützung in der Bevölkerung zum Herrscher einzusetzen. Dies hätte den Vorteil, dass man bei Bedarf die Hilfe dieser Araber gegen die Byzantiner in Anspruch nehmen und diese Herrscher des Irak den pro-byzantinischen arabischen Herrschern Syriens entgegenstellen konnte. Unter den Königen von al-Hīra befand sich eine Einheit persischer Soldaten in Abessinien. Mit ihrer Hilfe wurden an verschiedenen Orten arabische Aufständische niedergeschlagen.
Im Jahr 268 starb Dschadhīma, und ʿAmr ibn ʿAdī ibn Nasr al-Lachmī al-Hadramī trat seine Nachfolge an. Er war der erste Herrscher des Stammes Lachm. Die Herrschaft der Lachmiden über al-Hīra dauerte ununterbrochen bis zur Zeit Schapurs, des Sohnes des Qubād ibn Fīrūz. Während Qubāds Zeit trat Mazdak auf. Er war ein Verfechter des Reformismus. Qubād und eine große Zahl seiner Anhänger schickten König Mundhir ibn Māʾ as-Samāʾ die Nachricht, auch er solle diese Religion annehmen. Mundhir war ein äußerst weitsichtiger Mann und weigerte sich. Daraufhin setzte Qubād ihn ab und übertrug die Herrschaft über al-Hīra an al-Hārith ibn ʿAmr ibn Hadschar al-Findī, einen der führenden Vertreter der mazdakitischen Lehre.
Nach Qubād gelangte die Herrschaft Persiens in die Hände Chosraus Anuschirwans. Er hasste diese Religion zutiefst. Er ließ Mazdak und viele seiner Anhänger töten, setzte Mundhir erneut als Herrscher von al-Hīra ein und ließ al-Hārith ibn ʿAmr zu sich rufen. Doch al-Hārith floh in das Gebiet der Banū Kināna und verbrachte dort den Rest seines Lebens.
Nach Mundhir ibn Māʾ as-Samāʾ blieb die Herrschaft über al-Hīra bis zur Zeit von Nuʿmān ibn Mundhir innerhalb seiner Nachkommenschaft. Danach erhob Zaid ibn ʿAdī al-ʿIbādī bei Chosrau im Namen von Nuʿmān ibn Mundhir eine falsche Anschuldigung. Chosrau Anuschirwan geriet darüber in Zorn und ließ Nuʿmān zu sich rufen. Nuʿmān erschien nicht sofort, sondern ging heimlich zu Hānī ibn Masʿūd, dem Oberhaupt der Banū Schaibān, und überließ ihm seine Familie und sein gesamtes Vermögen. Danach begab er sich zum Hof Chosraus. Chosrau ließ ihn gefangen nehmen, und er starb in der Gefangenschaft.
Nachdem Chosrau Nuʿmān gefangen genommen hatte, ernannte er an seiner Stelle Ijās ibn Qubaisa at-Tāʾī zum Statthalter von al-Hīra und wies Ijās an, von Hānī ibn Masʿūd die hinterlegte Sicherheit Nuʿmāns zu fordern. Der ehrenhafte Hānī erklärte daraufhin den Krieg. Ijās zog mit den Truppen Chosraus und einer Abteilung von Marzbānen aus. Auf dem Feld von Dhū Qār kam es zwischen beiden Seiten zu einer heftigen Schlacht. In dieser Schlacht siegten die Banū Schaibān, und die Perser wurden schmachvoll besiegt. Dies war das erste Mal, dass die Araber über Nichtaraber triumphierten. Dieses Ereignis ereignete sich einige Zeit nach der Geburt des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Im achten Monat von Ijās’ Herrschaft in al-Hīra wurde der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, geboren.
Nach Ijās setzte Chosrau in al-Hīra einen persischen Statthalter ein. Doch im Jahr 632 wurde die Herrschaft der Lachmiden wiederhergestellt, und ein Mann namens Mundhir ibn an-Nuʿmān übernahm die Herrschaft. Bereits acht Monate nach seinem Amtsantritt zog Hadhrat Chālid, möge Allah mit ihm zufrieden sein, mit dem Banner der islamischen Macht in al-Hīra ein.
Die Königsherrschaft über Syrien
Während der Zeit, in der die arabischen Stämme auswanderten, kamen mehrere Zweige des Stammes Quḍāʿa an die Grenze Syriens und ließen sich dort nieder. Sie waren mit den Banū Sulaim ibn Hulwān verwandt. Einer dieser Zweige waren die Banū Dschadhʿān ibn Sulaim. Sie erlangten unter dem Namen Dschadhāʾima Berühmtheit. Die Römer nahmen diesen Zweig der Quḍāʿa unter ihren Schutz, damit er vor den Plünderungen der nomadischen Beduinen Arabiens bewahrt und gegen die Perser eingesetzt werden konnte. Sie zogen ihn auch deshalb zu sich, um einem Angehörigen dieses Stammes die Herrschaft zu übertragen. Tatsächlich wurde einem Angehörigen dieses Stammes die Herrschaft anvertraut. Danach dauerte ihre Herrschaft lange Zeit an. Ihr berühmter König war Ziyād ibn Hujula. Man nimmt an, dass die Herrschaft der Dschadhāʾima die gesamte Zeit des zweiten nachchristlichen Jahrhunderts umfasste. Danach traten die Ghassāniden hervor, und die Herrschaft der Dschadhāʾima endete. Die Ghassāniden besiegten die Banū Dschadhāʾima und breiteten ihre Herrschaft aus. Angesichts dieser Lage erkannten die Römer die Herrscher der ghassānidischen Dynastie als Statthalter über die arabischen Bewohner Syriens an. Die Hauptstadt der Ghassāniden war Dūmat al-Dschandal. Als Werkzeuge römischer Macht behaupteten sie ihre Herrschaft in Syrien lange Zeit. Während des Kalifats von al-Fārūq kam es im dreizehnten Jahr der Hidschra zur Schlacht von Jarmūk. Zu dieser Zeit nahm Dschabala ibn al-Aiham, der letzte Herrscher der ghassānidischen Dynastie, den Islam an. Wegen seines Hochmuts konnte dieser Mann jedoch nicht lange am Islam festhalten; später trat er von seiner Religion ab und wurde zum Apostaten.
Die Führung des Hedschas
Seit Hadrat Ismail, Allahs Friede sei mit ihm, ließen sich Menschen in Mekka nieder. Er lebte 137 Jahre (Bibel, Buch Genesis, Kapitel, S. 17–25). Solange er lebte, war er der Führer Mekkas und der Verwalter der Kaaba (Qalb-e Dschazīrat al-ʿArab, S. 230–237). Nach seinem Tod übernahmen seine Söhne Nabīt und Qaidār die Herrschaft über Mekka.
Darüber, wer von diesen beiden zuerst und wer später die Herrschaft innehatte, bestehen unterschiedliche Auffassungen. Einige sagen, dass zunächst Nabīt und danach Qaidār herrschte. Andere sagen, dass zuerst Qaidār und danach Nabīt an die Macht kam. Nach ihnen übernahm ihr Großvater Madschāz ibn Dschurhumī die Herrschaft. Auf diese Weise gelangte die Herrschaft über Mekka in die Hände der Dschurhumiten. Lange Zeit blieb sie bei ihnen. Da Hadrat Ismail, Allahs Friede sei mit ihm, gemeinsam mit seinem Vater die Kaaba erbaut hatte, genossen seine Nachkommen eine ehrenvolle Stellung; die Herrschaft und Führung gehörten jedoch in späterer Zeit nicht zu ihrem Anteil (Ibn Hischām, 1. Band, S. 111–113; Ibn Hischām erwähnt, dass unter den Nachkommen Hadrat Ismails nur Nabīt die Herrschaft innehatte).
Jahr um Jahr verging, doch die Nachkommen Hadrat Ismails, Allahs Friede sei mit ihm, konnten ihre unbekannte und unbedeutende Stellung nicht verlassen. Einige Zeit vor dem Auftreten Bakht an-Nasrs wurde die Macht der Banū Dschurhum schwächer, und am politischen Himmel Mekkas begann der politische Stern der ʿAdnānier zu leuchten. Ein Beleg dafür ist, dass sich unter den Befehlshabern des arabischen Heeres in dem Krieg, den Bakht an-Nasr an einem Ort namens Irq gegen die Araber führte, niemand aus dem Stamm der Dschurhum befand (Qalb-e Dschazīrat al-ʿArab, S. 230).
Während des zweiten Feldzugs Bakht an-Nasrs im Jahr 587 v. Chr. flohen die Banū ʿAdnān in den Jemen. Zu jener Zeit war Hadrat Ibrahim, Allahs Friede sei mit ihm, der Prophet der Kinder Israels. Er nahm Maʿad, den Sohn ʿAdnāns, mit sich nach Syrien. Nachdem Bakht an-Nasrs Macht nachgelassen hatte, kehrte Maʿad nach Mekka zurück. Dort stellte er fest, dass sich in Mekka nur noch ein einziger Mann aus dem Stamm der Dschurhum befand, dessen Name Dschurschām war. Dschurschām war der Sohn Dschulhamas. Darauf heiratete Maʿad Mājāna, die Tochter Dschurschāms. Aus dieser Ehe wurde Nizār geboren (Rahmatun lil-ʿĀlamīn, 2. Band, S. 48).
Zu jener Zeit war die Lage der Dschurhumiten in Mekka sehr schlecht geworden. Sie waren vom Druck der Armut schwer gezeichnet. Deshalb gingen sie gegen die Menschen, die zur Umrundung der Kaaba kamen, maßlos vor und scheuten sich sogar nicht, das Vermögen der Kaaba zu unterschlagen (Qalb-e Dschazīrat al-ʿArab, S. 231). Die Banū ʿAdnān waren innerlich zutiefst unzufrieden mit diesen Taten der Banū Dschurhum. Daher nutzten die Banū Chuzāʿa während ihres Feldzugs nach Marr az-Zahrān die Habgier der Angehörigen des Stammes ʿAdnān aus. Gemeinsam mit den Banū Bakr ibn ʿAbd Manāf ibn Kināna, einem Stamm der ʿAdnān, erklärten die Banū Chuzāʿa den Banū Dschurhum den Krieg. Die Banū Dschurhum wurden besiegt und aus Mekka vertrieben. Dieses Ereignis fand in der Mitte des christlichen Jahrhunderts statt.
Als die Banū Dschurhum Mekka verließen, füllten sie den Zamzam-Brunnen auf. Damals warfen sie mehrere historische Kostbarkeiten in Zamzam und füllten ihn damit nahezu vollständig. Muhammad ibn Ishāq schrieb, dass ʿAmr ibn al-Hārith al-Majāz al-Dschurhumī (der in der Geschichte Hadrat Ismails erwähnte Majāz al-Dschurhumī und dieser Mann sind nicht dieselbe Person) die beiden goldenen Gazellen der Kaaba – Masʿūd schrieb, dass die Perser der Kaaba kostbare Güter und Geschenke schickten; Zayd ibn Bāq hatte zwei aus Gold gefertigte Gazellen, Perlen, Schwerter und viel Gold gesandt – sowie all diese Dinge in den Zamzam-Brunnen warf. Außerdem nahm er den in der Ecke der Kaaba eingesetzten Schwarzen Stein heraus und versenkte ihn im Zamzam-Brunnen. Danach zogen sie gemeinsam mit allen Angehörigen des Stammes Dschurhum in den Jemen. Die Banū Dschurhum konnten den Schmerz darüber, aus Mekka vertrieben worden zu sein und die Herrschaft verloren zu haben, nicht vergessen. Ein Mann namens ʿAmr aus dem Stamm Dschurhum sagte in einem darüber verfassten Gedicht:
Von Adschūn bis Safā gibt es keinen einzigen Freund, bei den nächtlichen Zusammenkünften niemanden, der Geschichten erzählt. Warum gibt es niemanden? Wir sind doch die Bewohner dieses Ortes. Durch die Wendungen der Zeit ist unser Schicksal zerbrochen. Ach, wie hat sie uns heute zu Besitzlosen gemacht. (Ibn Hischām, 1. Band, S. 114–115).
Die Zeit von Hazrat Ismail (Friede sei mit ihm) liegt etwa zweitausend Jahre vor Christus. Demnach bestand der Stamm der Dschurhum in Mekka zweitausendeinhundert Jahre lang. Etwa zweitausend Jahre lang herrschten sie.
Nachdem die Banu Chuza’a ihre Vorherrschaft in Mekka errichtet hatten, führten sie die Regierung unter Ausschluss der Banu Bakr weiter. Drei angesehene Ämter wurden jedoch mit Angehörigen des Stammes Modar besetzt. Diese drei Ämter waren folgende:
Erstens: die Pilger von Arafat nach Muzdalifa zu führen und am Tag des Jawm an-Nahr die Erlaubnis zur Abreise der Pilger von Mina zu erteilen. Der 13. Dhu l-Hiddscha ist der Jawm an-Nafar; dieser Tag ist der letzte Tag der Hadsch. Dieses angesehene Amt lag in den Händen der Familie Banu Saw’im ibn Marib aus dem Hause Ilyas ibn Modar. Sie wurden Sufa genannt. Am 13. Dhu l-Hiddscha durften die Pilger erst dann die Steine werfen, wenn ein Angehöriger der Sufa damit begonnen hatte. Während die Pilger die Steine warfen und nach Mina aufbrachen, standen die Angehörigen der Sufa zu beiden Seiten des einzigen Weges nach Mina, bei al-Aqaba. Kein Pilger durfte diesen Weg passieren, bevor sie ihn passiert hatten. Erst danach wurde den anderen der Durchgang gestattet. Nach den Sufa ging diese seltene Ehre auf eine Familie der Banu Tamim, die Banu Sa’d ibn Zayd Manat, über.
Zweitens: Das Recht, am Morgen des 10. Dhu l-Hiddscha von Muzdalifa nach Mina aufzubrechen, lag bei den Banu Adnan.
Drittens: das Vorverlegen und Zurückverlegen der heiligen Monate. Dieses angesehene Amt lag bei den Banu Tamim ibn Adi, einem Zweig des Stammes Kinana. (Ibn Hischam, 1. Band, S. 119–122.)
Die Vorherrschaft des Stammes Banu Chuza’a über Mekka dauerte dreihundert Jahre. (Yaqut, Sa’da, Mekka)
In dieser Zeit breiteten sich die adnanitischen Stämme, nachdem sie Mekka und den Hedschas verlassen hatten, in Nadschd, verschiedenen Gebieten des Irak, Bahrain und anderen Regionen aus. In der Umgebung von Mekka blieben einige Zweige der Quraisch zurück. Sie waren Beduinen. Sie bestanden aus getrennten Gruppen, und in Kinana lebten einige ihrer verstreuten Familien. Bei der Verwaltung Mekkas und der Betreuung der Kaaba spielten sie keine Rolle. Danach trat Qusayy ibn Kilab hervor. (Muhadarat al-Chazrami, 1. Band, S. 35; Ibn Hischam, 1. Band, S. 117.)
Über Qusayy wird berichtet, dass sein Vater starb, als er noch in den Armen seiner Mutter lag. Danach heiratete seine Mutter einen Mann aus dem Stamm Banu Udhra. Da der Stamm ihres Ehemannes in Syrien lebte, zog Qusayys Mutter nach Syrien und nahm auch Qusayy mit. Als er erwachsen war, kehrte Qusayy nach Mekka zurück. Zu jener Zeit war Hulayl ibn Hubschiyya al-Chuza’i der Statthalter von Mekka. Qusayy hielt um die Hand von Hulayls Tochter Hubba an.
Holail nahm den Vorschlag an und verheiratete Hoba. (Ibn Hischām, Bd. 1, S. 117–118.) Nach Holails Tod kam es zwischen den Chuzāʿa und den Quraisch zu einem Krieg um die Vorherrschaft über Mekka und die Kaaba. Kusay siegte in diesem Krieg und erlangte die Herrschaft sowie das Recht zur Betreuung der Kaaba.
Was war der Grund für diesen Krieg? Dazu gibt es drei überlieferte Darstellungen.
Erstens nahm Kusays gesellschaftliches Ansehen und sein Einfluss zu, nachdem die Zahl seiner Nachkommen gewachsen und großer Reichtum zu ihm gelangt war. Als Holail inzwischen starb, dachte Kusay, dass er anstelle der Banū Chuzāʿa und der Banū Bakr am besten geeignet sei, die Kaaba zu betreuen und die Herrschaft über Mekka auszuüben. Er dachte außerdem, dass die Quraisch reine, von Ismāʿīl abstammende Araber und die Führer der übrigen Ismāʿīliten seien. Daher stehe allein ihnen das Recht auf Führung und Herrschaft zu. In Anbetracht dessen beriet sich Kusay mit einigen Angehörigen der Quraisch und des Stammes Banū Chuzāʿa. Er äußerte die Frage, ob es irgendeinen Vertrag gebe, der es verbiete, die Banū Bakr des Stammes Chuzāʿa aus Mekka zu vertreiben. Alle stimmten ihm zu und unterstützten ihn (Ibn Hischām, Bd. 1, S. 117–118).
Zweitens hatte Holail, Kusays Schwiegervater, auf seinem Sterbebett testamentarisch verfügt, dass Kusay die Betreuung der Kaaba übernehmen und die Herrschaft über Mekka ausüben solle (Ibn Hischām, Bd. 1, S. 118).
Drittens hatte Holail seiner Tochter Hoba die Verantwortung für die Betreuung der Kaaba übertragen. Abū Ghibschān al-Chuzāʿī wurde zu ihrem Bevollmächtigten ernannt. Als Vertreter Hobas nahm Abū Ghibschān die Betreuung der Kaaba wahr. Nach Holails Tod kaufte Kusay von Abū Ghibschān die Zuständigkeit für die Betreuung der Kaaba im Austausch gegen einen Schlauch Wein. Der Stamm Chuzāʿa genehmigte diesen Kauf jedoch nicht. Sie hinderten Kusay daran, zur Kaaba zu gehen. Daraufhin versammelte Kusay die Quraisch und die Banū Kināna, um die Banū Chuzāʿa aus Mekka zu vertreiben. Alle folgten Kusays Aufruf, und die Banū Chuzāʿa wurden aus Mekka vertrieben (Rahmatul lil-ʿĀlamīn, Bd. 2, S. 55).
Zusammengefasst war der Verlauf, unabhängig vom eigentlichen Grund, folgender: Nach Holails Tod wollten die Angehörigen des Stammes Sūfa weiterhin das tun, was sie zuvor getan hatten. Zu dieser Zeit versammelte Kusay die Angehörigen der Quraisch und des Stammes Kināna. Zu den am Weg nach ʿAqaba versammelten Leuten sagte Kusay: „Wir sind dieser Ehre würdiger als ihr“ (Ibn Hischām, Bd. 1, S. 117). Danach kam es zwischen beiden Seiten zu heftigen Kämpfen, und Kusay nahm den Sūfa ihre Stellung ab. Zu dieser Zeit schlossen sich die Angehörigen der Stämme Banū Chuzāʿa und Banū Bakr Kusay nicht an, sondern widersetzten sich ihm. Daraufhin bedrohte Kusay sie. Schließlich brach zwischen beiden Seiten ein Krieg aus, in dem viele Menschen getötet wurden (Qalb-e Dschazīrat al-ʿArab, S. 232). Nach dem Krieg ordnete Kusay gemäß den Bedingungen des Friedensvertrags die Verwaltung Mekkas neu. Er rief die Quraisch aus den verschiedenen Gegenden Mekkas zusammen und band sie in die Verwaltung ein. Außerdem wies er jeder Quraisch-Familie einen bestimmten Platz für den Ramadan zu. Die für die Berechnung der Monate zuständigen Banū ʿAdwān und Banū Murra ibn ʿAuf von den al-Safwān hielt er in ihren Ämtern. Kusay war der Ansicht, dass auch dies ein Teil der Religion sei und niemand das Recht habe, daran etwas zu ändern (Ibn Hischām, Bd. 1, S. 124–125).
Zu Kusays bedeutendsten Leistungen gehörte die Errichtung des Dār an-Nadwa auf beiden Seiten der Kaaba. Seine Tür führte zur Moschee. Das Dār an-Nadwa war in Wirklichkeit das Parlamentsgebäude der Quraisch. Für das gesellschaftliche Leben der Quraisch waren die Bedeutung und der Einfluss des Dār an-Nadwa außergewöhnlich groß. Diese Einrichtung war ein Symbol der Einheit der Quraisch. Viele schwierige gesellschaftliche Probleme wurden hier gelöst. (Ebenda, Bd. 1, S. 125; Muhādarāt-e Chazramī, Bd. 1, S. 36.)
Kusay besaß die folgenden Ehrenstellungen und Befugnisse.
1) Vorsitzender des Dār an-Nadwa. Hier wurden zahlreiche wichtige Angelegenheiten beraten. Auch die Hochzeiten junger Männer und Frauen fanden hier statt.
2) Liwāʾ, das heißt das Kriegsbanner, wurde an der Hand von Qusay befestigt.
3) Hidschāba, die Betreuung der Kaaba. Das bedeutet, dass Qusay die Tür der Kaaba öffnete und alle Dienste und die gesamte Betreuung der Kaaba unter seiner Aufsicht ausgeführt wurden.
4) Siqāya, die Versorgung mit Trinkwasser. In mehreren Becken wurde Wasser für die Pilger bereitgehalten. Anschließend wurden Datteln und Rosinen in dieses Wasser gemischt, um es zu süßen. Sobald die Pilger zur Hadsch nach Mekka kamen, tranken sie dieses Wasser. (Muhādarāt al-Chazramī, Band 1, S. 36).
5) Rifāda, die Bewirtung der Pilger. Das bedeutet, Speisen für die Bewirtung der Pilger zuzubereiten. Zu diesem Zweck setzte Qusay den Quraisch einen festgelegten Beitrag auf. Dieses Geld musste während der Hadsch-Saison bei den Qusayiten eingezahlt werden. Qusay ließ mit den gesammelten Mitteln Speisen für die Pilger zubereiten. Den armen und mittellosen Pilgern wurden Speisen gereicht. Pilger, die nicht über die Mittel für die Rückkehr nach Hause verfügten, wurden unterstützt (Ibn Hischām, Band 1, S. 11).
Qusay besaß alle genannten Ämter. Der älteste Sohn Qusays hieß Abd ad-Dār. Der zweite Sohn hieß Abd Manāf. Der zweite Sohn erlangte noch zu Qusays Lebzeiten eine hohe Stellung in Führung und Autorität. Deshalb sagte Qusay zu seinem ältesten Sohn Abd ad-Dār: „Auch wenn sie dir voraus sind, werde ich dich ihnen gleichstellen.“ Danach bestimmte Qusay Abd ad-Dār testamentarisch zum Nachfolger in allen Ämtern. Das heißt, er übertrug ihm den Vorsitz im Dār an-Nadwa, die Betreuung der Kaaba, das Tragen des Kriegsbanners, die Versorgung der Pilger mit Wasser und deren Bewirtung. Zu Qusays Lebzeiten widersprach niemand einem seiner Worte oder einer seiner Taten; vielmehr akzeptierten alle alles widerspruchslos. Daher nahmen nach seinem Tod alle seine Entscheidungen ohne jede Kritik an. Qusays Kinder erwiesen dem Testament ihres Vaters volle Achtung. Nach dem Tod Abd Manāfs begannen seine Söhne, mit ihren Cousins über die genannten Angelegenheiten zu verhandeln. Sie äußerten ihre Unzufriedenheit und kritisierten, dass die Cousins die Ämter allein innehatten. Dadurch spalteten sich die Quraisch in zwei Gruppen. Zwischen beiden Parteien drohte ein Krieg auszubrechen. Schließlich brachten beide Seiten jedoch eine gütliche Einigung zur Sprache und teilten die verschiedenen Ämter untereinander auf. Danach wurden die Versorgung der Pilger mit Wasser und ihre Bewirtung den Banū Abd Manāf übertragen. Die Leitung des Dār an-Nadwa und die Betreuung der Kaaba blieben in den Händen der Kinder Abd ad-Dārs. Bezüglich der erworbenen Ämter führten die Kinder Abd Manāfs eine Qurʿa, das heißt eine Losziehung, durch. Bei der Losziehung fiel das Los auf Hāschim, den Sohn Abd Manāfs. Daraufhin versorgte Hāschim sein ganzes Leben lang die Pilger mit Wasser und bewirtete sie. Nach Hāschims Tod übernahm sein Bruder al-Muttalib diese Aufgabe. Nach al-Muttalib wurde sie seinem Neffen ʿAbd al-Muttalib übertragen. Er war der Großvater des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. ʿAbd al-Muttalibs Sohn al-ʿAbbās erhielt diese Aufgabe. (Ebenda, Band 1, S. 129, 132, 178, 179).
Außerdem gab es noch einige weitere Ämter, die die Quraisch untereinander aufteilten. Durch diese Ämter hatten die Quraisch eine Art kleine Regierung eingerichtet. Die Verwaltung dieser Regierung ähnelte weitgehend dem parlamentarischen System der heutigen Zeit. Die Ämter waren folgendermaßen gegliedert:
a) Īsār, das heißt Wahrsagerei. Die Aufbewahrung und Betreuung der Pfeile, die bei den Götzen für die Weissagung des Schicksals aufbewahrt wurden, oblag den Banū Dschumah.
b) Finanzverwaltung: die Verwaltung der Geschenke, Weihegaben und Opfer, die dargebracht wurden, um die Gunst der Götzen zu erlangen. Außerdem war dem Banū Sahm die Verantwortung für die Beilegung von Streitigkeiten übertragen.
c) Schūrā: Diese Ehre lag bei den Banū Asad.
d) Aschnaq: die Erhebung und Verteilung der Gelder für Entschädigungen und Geldstrafen. Der Stamm Banū Taym bekleidete dieses Amt.
e) ʿUqāb: das Tragen des Nationalbanners. Dieses Amt war dem Stamm Banū Umayya anvertraut.
f) Qubba: die Verwaltung der Militärlager und das Kommando über die Soldaten. Diese Ehre stand den Banū Makhzūm zu.
g) Safāya: die Beaufsichtigung der mit Reisen verbundenen Angelegenheiten. Diese Aufgabe erfüllte der Stamm Banū ʿAdī. (Tārīkh ʿAbd al-Qurʾān, Band 2, S. 104, 105, 106).
Die Verwaltungsverhältnisse in den übrigen Teilen Arabiens
Zuvor wurde die Auswanderung der Qahtānī- und ʿAdnānī-Araber aus ihrer Heimat erörtert und erwähnt, dass das gesamte Land unter diese arabischen Stämme aufgeteilt worden war. Danach stellte sich ihre Führung und Herrschaft so dar, dass die Stämme, die in der Umgebung der Kaaba lebten, als den Herrschern von Hīra untergeordnet betrachtet wurden. Dies bestand jedoch nur dem Namen nach und entsprach nicht den tatsächlichen Verhältnissen. Abgesehen von den beiden genannten Orten waren die Araber in den übrigen Gebieten völlig unabhängig.
Unter diesen Stämmen war ein System von Rang und Ansehen üblich. Die Stammesangehörigen bestimmten ihre eigenen Würdenträger. Für diese Anführer war der Stamm eine Art kleiner Staat. Dadurch wurden die Grundlagen für die Sicherheit ihrer politischen Existenz geschaffen, Stammesstreitigkeiten und Unruhen beigelegt sowie die eigenen Gebiete erhalten und verteidigt.
Die Stellung der Anführer glich der eines Königs in ihrer Gesellschaft. In Fragen von Krieg und Frieden war ihre Entscheidung endgültig. Unter keinen Umständen wurde daran etwas geändert. Die Macht dieser Stammesanführer war keineswegs geringer als die Macht, die ein Diktator besitzen muss. Manche Anführer waren in jeder Hinsicht völlig unabhängig. Ein Dichter beschrieb dies folgendermaßen: Unter uns steht dir ein Viertel der Kriegsbeute zu. Außerdem gehören dir ausgewählte Vermögenswerte. Über welches Vermögen du entscheidest, daran hast du ebenfalls Eigentumsrechte. Auch das, was auf dem Weg gefunden wird, sowie das, was nach der Verteilung übrig bleibt, gehört dir.
Die politische Lage
Da das Regierungssystem und die Herrscher der Arabischen Halbinsel bereits erörtert wurden, ist es angebracht, auch die politische Lage kurz zu behandeln.
Die Bevölkerung der drei Grenzregionen der Arabischen Halbinsel war Nachbarin verschiedener Länder. In diesen drei Ländern herrschten Unruhe, Chaos und politische Instabilität. Die Menschen waren in zwei Gruppen geteilt: Sklaven und Herren. Alle Arten von Möglichkeiten, Vorrechten und Privilegien lagen in den Händen der ausländischen Herrscher. Die gesamte Last lag auf den Schultern der Sklaven. Offen gesagt, kann man sagen, dass die Verwaltung wie ein Ackerbetrieb war. Sie galten als Quelle der Staatseinnahmen. Die Herrschenden gaben dieses Geld und Vermögen für ihr eigenes Wohlbefinden, ihren Komfort, ihren Reichtum und ihren Luxus aus. Das Volk tastete hilflos in der Dunkelheit umher. Die Herrscher fügten dem Volk jede Art von Unterdrückung und Gewalt zu, und das Volk ertrug all dies schweigend und unterschiedslos. Es gab für sie keine Möglichkeit, irgendeine Beschwerde vorzubringen. Sie mussten Schmach, Erniedrigung und Unterdrückung ertragen. Diejenigen, die die Herrschaft ausübten, verhielten sich wie Diktatoren. Von Menschenrechten konnte keine Rede sein.
Die Nachbarn, die sich in der Nähe dieser Gebiete niedergelassen hatten, litten unter Unentschlossenheit. Die Angehörigen dieser Stämme änderten ihre Entscheidungen je nach Lage und Bedarf. Mal bekundeten sie ihre Unterstützung für die Iraker, mal schlugen sie sich auf die Seite der Syrer.
Auch die im Inneren Arabiens lebenden Stämme waren in vielfacher Weise voneinander getrennt. Überall herrschten Streit, Auseinandersetzungen, Zwist, erbliche und religiöse Spaltungen sowie Chaos.
Selbst inmitten all dieser Unruhen unterstützten die gespaltenen und voneinander getrennten Menschen, wenn es darauf ankam, stets ihren eigenen Stamm. Dabei kümmerten sie sich nicht um Recht oder Unrecht. Ein Dichter, der als Sprecher eines Stammes auftrat, sagt:
Ich bin nun einmal ein Angehöriger des Stammes Ghāzira. Wenn sie vom rechten Weg abkommen, werde auch ich vom rechten Weg abkommen; wenn sie dem rechten Weg folgen, werde auch ich dem rechten Weg folgen.
Unter den Arabern gab es keinen König, der sich mit dem Volk verbunden zeigte. Niemand hatte eine Zuflucht. In Zeiten von Leid, Kummer, Problemen, Krisen und Unglück gab es niemanden, auf den man vertrauen und bauen konnte.
Der Herrscher des Hedschas wurde mit Achtung betrachtet und als zentrale Autorität geehrt. Der Herrscher des Hedschas war in Wirklichkeit sowohl weltlicher als auch religiöser Führer. Als religiöser Führer hatte er seine Herrschaft über die Araber fest etabliert. Seine Herrschaft über die Kaaba und die umliegenden Gebiete wurde widerspruchslos anerkannt. Die Betreuung derjenigen, die zur Pilgerfahrt zur Kaaba kamen, die Erfüllung ihrer Bedürfnisse, die Umsetzung der Scharia sowie die Pflege und Entwicklung des parlamentarischen Systems und andere Aufgaben waren diesem Herrscher anvertraut. Doch diese Herrscher waren so schwach, dass sie nicht die Kraft besaßen, die Last der innerarabischen Probleme auf sich zu nehmen, das heißt, sämtliche Probleme zu lösen. Während des Angriffs der Abessinier zeigte sich diese Schwäche deutlich.
Der religiöse Glaube und die religiösen Lehren der Araber
Aufgrund der Daʿwa und der Verkündigung von Hadrat Ismāʿīl, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, folgte die einfache Bevölkerung Arabiens der Religion Ibrāhīms. Sie beteten nur Allah an und glaubten an den Tauhīd, also an den Monotheismus. Doch je mehr Zeit verging, desto mehr vergaßen sie die Lehren der Religion. Dennoch waren unter ihnen noch einige Spuren des Lichts des Tauhīd und der Lehren Hadrat Ibrāhīms erhalten. Inzwischen trat ʿAmr ibn Luhay, der Anführer des Stammes Banū Chuzāʿa, in Erscheinung. Dieser Mann war von Kindheit an in einem religiösen und frommen Umfeld erzogen worden. Sein Interesse an verschiedenen religiösen Angelegenheiten war außergewöhnlich. Die einfachen Leute betrachteten ihn mit Zuneigung. Sie folgten ihm, weil sie ihn für einen führenden religiösen Gelehrten hielten. Schließlich reiste dieser Mann nach Syrien. Als er dort den Götzendienst sah, dachte er, auch dies müsse wohl eine wirklich gute Tat sein. In Syrien waren viele Propheten erschienen und himmlische Bücher offenbart worden. Daher musste das, was die Menschen in Syrien taten, gewiss gut und verdienstvoll sein. In diesem Gedanken brachte er auf seiner Rückreise aus Syrien eine Statue namens Hubal mit. Diese Statue stellte er im Inneren der Kaaba auf. Danach rief er die Bewohner Mekkas dazu auf, durch diesen Götzendienst Allah Partner beizugesellen. Die Mekkaner folgten seinem Ruf in großer Zahl. Als die Menschen in den verschiedenen Gegenden Arabiens sahen, dass die Bewohner Mekkas Götzendienst betrieben, folgten sie ihnen. Die Menschen im weiteren Arabien betrachteten die Betreuer der Kaaba als religiöse Führer. (Mukhtaṣar as-Sīra, Scheich Muhammad ibn ʿAbd al-Wahhāb an-Naǧdī, S. 12.) Deshalb folgten sie den Mekkanern im Götzendienst. Auf diese Weise begann sich der Götzendienst in Arabien zu verbreiten.
Neben Hubal gab es in Arabien die alte Statue Manāt. Diese Statue war an einem Ort namens Muschallal im Gebiet von Qudaid an der Küste des Roten Meeres aufgestellt worden. (Ṣaḥīḥ al-Buchārī, Band 1, S. 222.) Danach wurde in Taif eine Statue namens al-Lāt aufgestellt. An einem Ort namens Nakhlah wurde eine Statue namens al-ʿUzzā aufgestellt und angebetet. Diese drei waren die größten Götzen Arabiens.
Infolge der Verehrung dieser Götzen breiteten sich der Schirk im Hedschas und der Eifer, Götzen aufzustellen, innerhalb kurzer Zeit stark aus. Es wird berichtet, dass ein Dschinn ein Anhänger ʿAmr ibn Luhays war. Er teilte ʿAmr mit, dass die Götzen des Volkes Nūḥs, nämlich Wadd, Suwāʿ, Yaghūth, Yaʿūq und Nasr, in Dschidda begraben lägen.
Nachdem ʿAmr ibn Luhay diese Nachricht erhalten hatte, ging er nach Dschidda und grub all diese Götzen aus. Danach brachte er sie nach Mekka. Während der Hadsch-Saison wurden diese Götzen verschiedenen Stämmen übergeben. Die Stämme nahmen die Götzen mit in ihre jeweiligen Gebiete. So wurde in jedem Stamm und nach und nach in jedem Haus ein Götze aufgestellt.
Nach und nach füllten die Polytheisten die Kaaba mit Götzen. Zur Zeit der Eroberung Mekkas befanden sich 360 Götzen in der Kaaba. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, zerbrach diese Götzen eigenhändig. Er stieß sie mit einem Stock an, woraufhin der jeweilige Götze sofort zu Boden fiel. Danach wurden auf seinen Befehl hin alle Götzen aus der Kaaba hinausgebracht und verbrannt. (Mukhtaṣar as-Sīra, Scheich Muhammad ibn ʿAbd al-Wahhāb an-Nadschdī, S. 13, 50, 51, 52, 54.) Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Schirk und Götzenverehrung in den Tagen der Dschāhilīya die größte religiöse Betätigung waren. Durch die Götzenverehrung glaubten sie, der Religion Ibrāhīms anzugehören.
Unter den Polytheisten waren bestimmte Regeln und Bräuche der Götzenverehrung verbreitet. Die meisten davon waren von ʿAmr ibn Luhay eingeführt worden. Die Bewohner Mekkas betrachteten all diese Taten ʿAmrs mit Anerkennung. Sie hielten sie nicht für eine Veränderung der Religion Ibrāhīms, sondern für eine gute Neuerung. Im Folgenden werden einige Bräuche der Götzenverehrung der Polytheisten aufgeführt:
1) In den Tagen der Dschāhilīya saßen die Polytheisten andächtig vor den Götzen und suchten bei ihnen Zuflucht. Sie riefen sie laut an und baten sie um Hilfe, damit ihre Bedürfnisse erfüllt, Schwierigkeiten beseitigt und Probleme gelöst würden. Sie glaubten, dass die Götzen bei Allah Fürsprache für sie einlegen und ihre Anliegen erfüllen würden.
2) Für die Götzen wurden der Haddsch vollzogen und der Tawāf ausgeführt. Vor ihnen flehten und demütigten sie sich und warfen sich vor ihnen nieder.
3) Den Götzen wurden Geschenke und Opfergaben dargebracht. Opfertiere wurden häufig zum Heiligtum der Götzen gebracht und dort geschlachtet. Dies geschah jedoch im Namen der Götzen. Beide Formen des Schlachtens hat Allah im Koran erwähnt. Auch das Tier wurde für harām erklärt, das auf dem Opferaltar der Götzenverehrung geopfert wird.
Allah sagt ferner: Esst nicht vom Fleisch jener Tiere, über denen Allahs Name nicht ausgesprochen wurde; das heißt, esst überhaupt nichts, was im Namen eines anderen als Allah geschlachtet wurde.
4) Eine weitere Möglichkeit, die Götzen zufriedenzustellen, bestand darin, dass die Polytheisten einen Teil ihrer Nahrungsmittel, ihrer Ernte und ihres Viehs für die Götzen absonderten. Bemerkenswert ist, dass sie auch einen Anteil für Allah bestimmten. Je nach den Umständen brachten sie anschließend den für Allah bestimmten Anteil den Götzen dar; den für die Götzen bestimmten Anteil jedoch brachten sie unter keinen Umständen Allah dar.
So sagt Allah: Sie bestimmten von den Saaten und dem Vieh, die Allah erschaffen hat, einen Anteil für Allah und sagten nach ihrer eigenen Vorstellung: „Das ist für Allah und das ist für unsere Götter.“ Was für ihre Götter bestimmt war, gelangte nicht zu Allah, während das, was für Allah bestimmt war, zu ihnen gelangte. Wie schlecht ist doch ihr Urteil!
Fünftens) Sie hatten festgelegt, dass eine Möglichkeit, die Götzen zufriedenzustellen, darin bestand, dass die Götzendiener unter den von ihnen erzeugten Feldfrüchten und unter dem Vieh verschiedenerlei Gelübde ablegten. So sagt Allah, der Erhabene: „Sie sagen nach ihrer Vorstellung: Diese Nutztiere und Felder sind verboten; niemand darf davon essen außer dem, dem wir es erlauben. Und bei manchen Nutztieren nehmen sie beim Verbot, auf ihrem Rücken zu reiten, nicht den Namen Allahs.“
Sechstens) Zu diesen Tieren gehörten Bahīra, Sāʾiba, Wasīla und Hāmī. Ibn Ishaq sagte: Bahīra bezeichnet das weibliche Jungtier der Sāʾiba. Als Sāʾiba wurde eine Kamelstute bezeichnet, die nacheinander zehn weibliche Junge gebar, ohne dass darunter ein männliches Jungtier war. Eine solche Kamelstute wurde frei laufen gelassen. Niemand ritt auf ihrem Rücken, ihre Wolle wurde nicht geschoren, und außer Gästen trank niemand ihre Milch. Das Jungtier, das diese Kamelstute beim elften Mal gebar, wurde zusammen mit seiner Mutter frei laufen gelassen. Niemand ritt auf seinem Rücken. Wenn sie ein Jungtier bekam, wurde es Sāʾiba genannt.
Wasīla bezeichnete eine Ziege, die fünfmal hintereinander jeweils zwei weibliche Junge gebar. Das heißt, sie brachte fünfmal zehn weibliche Junge zur Welt, ohne ein einziges männliches Jungtier zu gebären. Danach durfte von dem Jungtier, das diese Ziegen beim sechsten Mal gebaren, nur von den Männern gegessen werden; die Frauen durften nicht davon essen.
Hāmī bezeichnete ein männliches Kamel, aus dessen Samen nacheinander zehn weibliche Junge geboren wurden, ohne dass dazwischen ein männliches Jungtier geboren wurde. Ein solches Kamel wurde geschützt gehalten. Niemand durfte auf seinem Rücken reiten, und seine Körperhaare wurden nicht geschnitten. Es wurde in der Kamelherde frei umherlaufen gelassen. Außerdem wurde keinerlei andere Arbeit von ihm verlangt. Als Widerspruch gegen diese im Zeitalter der Unwissenheit verbreiteten Formen des Götzendienstes und diese Bräuche sagt Allah, der Erhabene, im Koran: „Bahīra, Sāʾiba, Wasīla und Hāmī hat Allah nicht festgelegt; doch die Ungläubigen erfinden Lügen über Allah, und die meisten von ihnen begreifen es nicht.“
Allah, der Erhabene, sagt im Koran außerdem: „Und sie sagen ferner: Was sich in diesen Nutztieren befindet, ist unseren Männern vorbehalten und unseren Frauen verboten. Ist es jedoch tot, so haben Männer und Frauen gleichermaßen Anteil daran.“ Für dieses Gerede wird Er ihnen Vergeltung geben. Er ist Allweise und Allwissend.
Für die erwähnte Einteilung der Vierfüßer, also Bahīra, Sāʾiba und dergleichen, sind andere Bedeutungen überliefert worden. (Sīrat Ibn Hischām, Band 1, S. 89–90.) Die Erklärung von Ibn Ishaq unterscheidet sich etwas von der hier genannten Erklärung.
Der ehrwürdige Saʿīd ibn al-Musayyab, Allah erweise ihm Barmherzigkeit, sagte: „Diese Tiere sind für deren Taghūt bestimmt.“ (Sahīh al-Buchārī, Band 1, S. 499.) In Sahīh al-Buchārī wird überliefert, dass ʿAmr ibn Luhay als Erster Tiere im Namen der Götzen freiließ. (Ebenda.)
Die Araber vollzogen diese Bräuche und Zeremonien in dem Glauben, dass die Götzen sie Allah näherbringen und bei Allah für sie Fürsprache einlegen würden. Im Heiligen Koran sagt Allah: „Die Götzendiener sagten: Wir dienen ihnen nur deshalb, damit sie uns Allah näherbringen.“
Allah, der Erhabene, sagt im Koran ferner: „Diejenigen, die sie anstelle Allahs anrufen, können ihnen weder schaden noch nützen. Sie sagen: ‚Diese sind unsere Fürsprecher bei Allah.‘“ (18:10)
Die Götzendiener von Mekka verwendeten die Azlām, also Pfeile für das Wahrsagen. Azlām ist der Plural des Wortes zalam. Als zalam bezeichnet man einen Pfeil, an dem keine Federn angebracht sind. Diese für das Wahrsagen verwendeten Pfeile gab es in drei Arten. Auf einer Art von Pfeilen stand „Ja“ oder „Nein“. Solche Pfeile wurden bei Reisen, Hochzeiten und ähnlichen Angelegenheiten verwendet. Wenn beim Wahrsagen „Ja“ erschien, wurde das geplante Vorhaben ausgeführt; stand dort „Nein“, wurde es um ein Jahr aufgeschoben. Im folgenden Jahr wurden die Wahrsagepfeile erneut verwendet, um das Vorhaben auszuführen. Auf den Pfeilen der zweiten Art waren Wörter wie „Wasser“, „Blutgeld“ oder „Entschädigung“ eingraviert.
Auf den Pfeilen der dritten Art stand: „Aus eurer Mitte“ oder „Von außerhalb eurer Mitte“. Diese Pfeile wurden verwendet, wenn Zweifel an der Abstammung einer Person bestanden: Man brachte sie zusammen mit hundert Kamelen vor das Götzenbild Hubal.
Diese Kamele wurden dem für das Götzenbild zuständigen Diener gegeben. Er mischte und schüttelte die Pfeile und zog anschließend einen davon. Wenn darauf „Aus eurer Mitte“ stand, wurde die betreffende Person als angesehene Person des Stammes betrachtet. Wenn auf dem Pfeil „Von außerhalb eurer Mitte“ stand, wurde diese Person nicht als Angehöriger der feindlichen Partei angesehen. Ihr wurde das Recht eingeräumt, innerhalb des Stammes wie ein gewöhnliches Mitglied zu leben. (Muhādarāt al-Chazrāmī, Bd. 1, S. 56; Ibn Hischām, Bd. 1, S. 102–103)
Unter den Götzendienern war noch ein weiterer, nahezu gleicher Brauch verbreitet. Dabei handelte es sich um Glücksspiel und Glücksspielpfeile. Je nach den Markierungen auf diesen Pfeilen wurde ein Kamel geschlachtet und sein Fleisch verteilt. (Die Regel war, dass derjenige, der spielte, ein Kamel schlachtete und es in zehn oder achtundzwanzig Teile teilte. Danach wurde mit den Pfeilen gelost. Kein Pfeil trug ein Siegeszeichen. Derjenige, auf dessen Namen der Siegespfeil gezogen wurde, galt als Sieger und erhielt das Kamelfleisch kostenlos. Für denjenigen, auf dessen Namen ein unmarkierter Pfeil gezogen wurde, war der Preis des Fleisches zu entrichten.)
Die arabischen Götzendiener glaubten den Aussagen von Magiern und Wahrsagern. Diese sprachen über das Gute und Schlechte der Zukunft. Manche behaupteten, einen ihnen ergebenen Dschinn zu haben, der ihnen Nachrichten bringe. Andere behaupteten, von Gott verliehene Begabung und Einsicht zu besitzen und aufgrund dieser Begabung und Einsicht fehlerlose Zukunftsprognosen abgeben zu können. Unter ihnen gab es eine Gruppe, die man ʿArrāf nannte. Diese sprach über Diebstahlsfälle; sie machten gestohlene Güter ausfindig und identifizierten den Ort des Diebstahls. Als Astrologen bezeichnete man jene Menschen, die die Bewegungen der Sterne erforschten und durch Berechnungen den Verlauf künftiger Ereignisse in der Welt vorhersagten. (Mirʾāt al-Mafātīh, Scharh Mischkāt al-Masābīh, Bd. 2, S. 2–3, Lucknower Ausgabe.)
Den Aussagen eines Astrologen Glauben zu schenken, kommt in Wirklichkeit dem Glauben an die Sterne gleich. Die Götzendiener von Mekka glaubten an die Sterne und sagten: „Von diesem und jenem Stern wird Regen auf uns herabgesandt.“ (Sahih Muslim, Scharh an-Nawawi, Kitāb al-Īmān, Bd. 1, S. 95)
Eine weitere ähnliche Handlung vollzogen sie, um Gutes und Schlechtes zu bestimmen: Sie hängten einen Knochen aus dem Knie eines Kaninchens auf. Bestimmte Tage, Monate sowie bestimmte Männer und Frauen hielten sie für unheilbringend. Sie vermieden die Berührung mit Kranken und betrachteten bereits deren Anblick als schädlich. Sie glaubten, dass sich die Seele nach ihrem Austritt aus dem Körper in eine Eule verwandle. Sie glaubten, dass die Seele eines Getöteten keine Ruhe finde, solange sie keine Rache am Täter des Getöteten genommen habe. Sie glaubten, dass die Seele des Getöteten in Bergen und Ebenen umherwandere und rufe: „Gebt mir zu trinken, gebt mir zu trinken!“ Wurde eine Entschädigung für den Mord genommen, glaubten sie, finde die Seele des Getöteten Ruhe. (Sahih al-Buchārī, Bd. 2, S. 851, 857.)
Der Streit der Quraisch über die Religion Ibrahims
Ein grober Überblick über die Gedanken, den Glauben und die Handlungen der Menschen in den Tagen der Unwissenheit wurde gegeben. Daneben befolgten sie auch teilweise die Religion Ibrahims. Das heißt, sie hatten die Religion Ibrahims nicht vollständig aufgegeben. Sie umschritten die Kaaba, erwiesen der Kaaba Ehre, vollzogen Hadsch und Umra, verweilten in Arafat und Muzdalifa und opferten Opfertiere. Allerdings führten sie in der Religion Ibrahims einige Neuerungen ein. Im Folgenden werden einige Beispiele angeführt.
Eine Neuerung der Quraisch bestand darin, dass sie sagten: Wir sind Nachkommen des Propheten Ibrahim, Friede sei mit ihm. Wir sind die Beschützer und Verwalter der Kaaba sowie die Bewohner von Mekka; niemand hat denselben Rang wie wir. Niemand hat Rechte, die unseren gleichkommen. Deshalb nannten sie sich selbst Hums, das heißt tapfer und eifrig. Sie sagten: Wir besitzen einen so außergewöhnlichen Rang; daher ziemt es sich für uns nicht, über die Grenzen der Kaaba hinauszugehen. Während des Hadsch gingen sie nicht nach Arafat und kehrten nicht entsprechend der Vorschrift von dort zurück. Vielmehr verweilten sie in Muzdalifa und kehrten von dort zurück. Allah, der Erhabene, korrigierte diese Neuerung mit den Worten: »Dann kehrt auch ihr von dem Ort zurück, von dem die anderen Menschen zurückkehren.« (Ibn Hischam, Bd. 1, S. 199; Sahih al-Buchari, Bd. 1, S. 226)
Eine Neuerung der Götzendiener bestand darin, dass sie sagten: Für die Hums, das heißt die Quraisch, ist es im Ihram nicht erlaubt, Käse und Ghee herzustellen. Es ist nicht erlaubt, ein Haus mit Wolle, also ein Zelt aus Decken, zu betreten. Ebenso ist es nicht erlaubt, irgendwo anders Schatten zu suchen als in einem Zelt aus Leder. (Ibn Hischam, Bd. 1, S. 202)
Eine ihrer Neuerungen bestand außerdem darin, dass es nicht erlaubt war, die Lebensmittel und Getränke zu verzehren, die diejenigen mitbrachten, die von außerhalb Mekkas zum Hadsch oder zur Umra kamen. (Ebenda)
Eine weitere Neuerung bestand darin, dass sie den Bewohnern außerhalb Mekkas vorgeschrieben hatten, dass sie nach ihrer Ankunft im Heiligtum den ersten Tawaf in Kleidung vollziehen mussten, die sie von den Hums, also den Quraisch, erhalten hatten. Wenn sie keine Kleidung bekamen, vollzogen die Männer den Tawaf nackt, während die Frauen alle ihre Kleider ablegten, ein kurzes, offenes Gewand anzogen und damit den Tawaf vollzogen. Während des Tawaf trugen sie dieses Gedicht vor:
»Heute wird ein Teil oder alles von den Schamteilen entblößt. Was davon zu sehen ist, das betrachten wir nicht als verbotene Tat.«
Um dieses schamlose Verhalten zu beenden, offenbarte Allah, der Erhabene, folgenden Vers: »O Kinder Adams, legt bei jedem Gebet eure schöne Kleidung an.« (31, 7)
Wenn ein Mann oder eine Frau, die von außerhalb Mekkas kamen, ein von außerhalb Mekkas mitgebrachtes Kleidungsstück für den Tawaf trug, wurde dieses Kleidungsstück nach dem Tawaf weggeworfen. Weder benutzte die betreffende Person es selbst, noch benutzte es jemand anderes (ebd., Bd. 1, S. 202–203; Sahih al-Buchari, Bd. 1, S. 226).
Eine ihrer Neuerungen bestand darin, dass die Quraisch, wenn sie sich im Ihram-Zustand befanden, nicht durch die Tür des Hauses eintraten, sondern an der Rückseite des Hauses eine Öffnung machten, durch diese Öffnung eintraten und hinausgingen.
Eine solche absonderliche Handlung hielten sie für eine fromme Tat. Im Heiligen Koran hat Allah der Erhabene ihnen dies untersagt. Allah der Erhabene sagt: „Es ist keine Frömmigkeit, wenn ihr eure Häuser von hinten betretet. Frömmigkeit besteht vielmehr darin, dass jemand Gottesfurcht besitzt. So betretet die Häuser durch ihre Türen und fürchtet Allah, auf dass ihr Erfolg haben möget.“
Dies war der Überblick über das religiöse Leben der Götzendiener.
Daneben waren auf der Arabischen Halbinsel auch das Judentum, das Christentum, der Magierglaube beziehungsweise die Feuerverehrung und die sabäische Lehre weit verbreitet. Im Folgenden soll kurz auf diese Lehren eingegangen werden. Das Judentum auf der Arabischen Halbinsel hatte zwei Epochen. Die erste Epoche war jene Zeit, als die Regierungen von Babylon und Assur Palästina eroberten. Damals waren die Juden gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Infolge der grausamen Verfolgung und Unterdrückung durch diese Regierungen sowie der Zerstörung jüdischer Siedlungen verließen zahlreiche Juden den Hedschas und ließen sich im nördlichen Teil Palästinas nieder (Qalb-e Dschazirat al-Arab, S. 251).
Die zweite Epoche war jene Zeit, als die Römer unter Titus im Jahr 70 n. Chr. Palästina eroberten. Zu jener Zeit ließen sich Juden infolge der Verfolgung durch die Römer in Tayma nieder und errichteten Festungen. Durch den Umgang mit diesen aus ihrer Heimat ausgewanderten Juden verbreiteten sich jüdische Vorstellungen unter den arabischen Bewohnern. Infolgedessen wurden die Juden sowohl vor als auch nach dem Aufkommen des Islam zu verschiedenen Zeiten zu einer bedeutenden Macht. Die bekannten jüdischen Stämme zur Zeit des Aufkommens des Islam waren Chaybar, an-Nadir, al-Mustaliq, Qurayza, Qaynuqa und Samhudi. Afa wa Afa erwähnt auf Seite 116 seines Werkes, dass es zu jener Zeit mehr als zwanzig jüdische Stämme gab (ebd.).
Auch im Jemen waren die Juden sehr mächtig. Durch einen Mann namens Tubban Asad Abu Karib verbreitete sich die jüdische Lehre im Jemen. Dieser Mann gelangte auf seinen Kriegszügen nach Yathrib.
Nachdem er nach Yathrib gelangt war, nahm er die jüdische Lehre an und kehrte gemeinsam mit zwei jüdischen Religionsgelehrten aus dem Stamm Qurayza in den Jemen zurück. Durch diese beiden verbreitete sich die jüdische Lehre im Jemen. Nach Abu Karib übernahm dessen Sohn Yusuf Dhu Nuwas die Herrschaft im Jemen. Im Eifer für die jüdische Lehre griff dieser Mann die Christen von Nadschran an und versuchte, sie gewaltsam zum Judentum zu bekehren. Als sie dies jedoch ablehnten, geriet Dhu Nuwas in Zorn, ließ eine große Anzahl von Gruben ausheben und darin Feuer entzünden. Dann ließ er Männer und Frauen, Kinder und Alte sowie Menschen aus allen anderen Gruppen in die lodernden Flammen dieser Gruben werfen. Bei diesem Ereignis wurden zwischen zwanzig- und vierundzwanzigtausend Menschen getötet. Dieses Ereignis ereignete sich im Oktober des Jahres 523 n. Chr. Im Heiligen Koran wird in der Sure al-Burudsch auf dieses Ereignis hingewiesen (Ibn Hischam, Bd. 1, S. 20, 21, 22, 27, 31, 35, 36).
In den arabischen Ländern wurde das Christentum durch die abessinischen und römischen Eroberer verbreitet. Wie bereits erwähnt, begannen die Abessinier im Jahr 340, ihre Herrschaft über den Jemen auszudehnen. Dieser Zustand hielt bis zum Jahr 378 an. Während dieser Zeit wirkten christliche Missionare im Jemen. Damals gelangte ein angesehener Asket namens Fīmiyūn nach Nadschrān und verbreitete unter den Einheimischen die Religion Jesu beziehungsweise das Christentum. Nachdem die Bewohner Nadschrāns im Christentum Beweise für dessen Wahrhaftigkeit gefunden hatten, nahmen sie das Christentum an. (Ibn Hischām, Bd. 1, S. 31–34)
Die Spuren des Massakers an Dhu Nuwās waren noch nicht verblasst. Als Reaktion auf dieses tragische Ereignis eroberten die Abessinier den Jemen erneut, und Abraha ergriff die Macht. Dieser Mann errichtete im Jemen einen Tempel. Er wollte, dass die gläubigen Menschen, anstatt zur Kaaba in Mekka zu gehen, seinen Tempel aufsuchen würden. Zu diesem Zweck unternahm dieser Frevler den Versuch, die Kaaba in Mekka zu zerstören. Wegen dieser abscheulichen Vermessenheit bestrafte Allah, der Erhabene, ihn mit einer solchen Strafe, dass dieses Ereignis für alle Menschen vor und nach ihm zu einem denkwürdigen Ereignis blieb.
Andererseits verbreitete sich das Christentum unter den arabischen Stämmen der Āl Ghassān, Banū Taghlib, Banū Ṭayy und anderen, da diese Nachbarn der von den Römern eroberten Gebiete waren. Auch einige arabische Herrscher von al-Hīra traten zum Christentum über.
Die meisten Anhänger der Religion der Magier beziehungsweise der Feueranbeter lebten in den arabischen Ländern, die an Persien grenzten, nämlich im Irak, in Bahrain und in den Küstengebieten des Arabischen Golfs. Außerdem nahmen nach der Errichtung der persischen Herrschaft im Jemen viele Menschen vereinzelt die Religion der Magier an.
Die sabäische beziehungsweise sabeische Religion. Aus Inschriften, die bei Ausgrabungen und der Bergung antiker Überreste im Irak und an anderen Orten gefunden wurden, ist bekannt, dass die Sabäer die Religion des chaldäischen Volkes hatten. Sie waren Nachkommen des Propheten Ibrāhīm, Friede sei mit ihm. In alter Zeit waren viele Bewohner Syriens und des Jemen Anhänger dieser Religion. Als jedoch der Siegeszug des Judentums und des Christentums begann, verschwand diese Religion. Dennoch blieben im Irak und in den Gebieten am Arabischen Golf einige Anhänger dieser Religion erhalten, teils mit den Magiern vermischt, teils unter deren Nachbarn. (Tārīch-e Ard al-Qurʾān, Bd. 2, S. 193–208)
Allgemeine religiöse Lage
Zur Zeit des Auftretens des Islam waren die genannten Religionen in Arabien vorhanden. Doch all diese Glaubensrichtungen standen vor dem Zerfall. Obwohl die Polytheisten sich selbst als Anhänger der Religion Ibrāhīms betrachteten, waren sie in Wirklichkeit weit von den Geboten und Verboten der Religion Ibrāhīms entfernt.
Zu den Lehren der Religion Ibrāhīms, die der Bildung eines edlen Charakters dienten, hatten die Polytheisten nicht die geringste Beziehung. Sie waren in den Sumpf der Sünde versunken. Seit langer Zeit herrschten unter ihnen durch den Götzendienst verursachte Sündhaftigkeit, Verderbtheit und Ausschweifung. Aus diesen Gründen war ihr gesamtes politisches und religiöses Leben schwerwiegend beeinflusst.
Die Anhänger des Judentums waren von grenzenlosem Hochmut erfüllt. Die jüdischen Priester hatten sich selbst an die Stelle Allahs gesetzt und waren zu Herren geworden. Sie zwangen den Menschen ihren eigenen Willen auf. Sie unterwarfen das Denken, die Vorstellungen, die Überzeugungen und sogar die Worte der Menschen ihrem eigenen Willen. Sie waren ganz und gar damit beschäftigt, Macht sowie Reichtum und Besitz zu erwerben. Um all dies um jeden Preis an sich zu bringen, waren sie stets begierig. Selbst wenn dadurch die Religion zugrunde ging, wollten sie Macht und Reichtum erlangen. Die Götzendiener waren in Unglauben und Auflehnung gegen Gott verstrickt. Diese Missetaten dienten ihnen dazu, ihre Wünsche zu erfüllen. Sie zögerten nicht im Geringsten, Allahs Anweisungen zu missachten.
Das Christentum war eine groteske Religion des Götzendienstes. Es hatte Allah und den Menschen auf erstaunliche Weise miteinander vermischt. Auf die Araber, die dieser Religion anhingen, hatte sie keinen wirklichen Einfluss. Denn zwischen den Lehren der Religion und ihrem persönlichen Leben bestand keinerlei Verbindung. Unter keinen Umständen waren sie bereit, ihr ganz dem Genuss gewidmetes Leben aufzugeben. Ihr persönliches, familiäres und gesellschaftliches Leben war im Sumpf der Sünde versunken.
Das Leben der Anhänger der anderen Religionen Arabiens glich dem der Götzendiener. Denn obwohl sich ihre Religionen voneinander unterschieden, waren sie ihrer Gesinnung nach gleich. Nicht nur ihrer Gesinnung nach, sondern auch in ihrer Lebensweise und ihren Bräuchen waren sie einander gleich.
Einige Ausschnitte aus der Gesellschaft der Dschāhilīya
Nachdem nun die politischen und religiösen Verhältnisse der Arabischen Halbinsel beschrieben wurden, soll im Folgenden ein kurzer Überblick über ihre allgemeinen wirtschaftlichen und sittlichen Verhältnisse gegeben werden.
Die allgemeinen Verhältnisse
Die Bevölkerung Arabiens lebte in verschiedene Klassen geteilt. Die Lage jeder Klasse unterschied sich von der der anderen. In der vornehmen Klasse war das Verhältnis zwischen Frauen und Männern recht gut. Die Frauen dieser Klasse genossen große Freiheit. Ihre Worte hatten Gewicht. Sie wurden so sehr geehrt und geschützt, dass, sobald sie sich auf den Weg machten, zum Schutz ihrer Person die Schwerter gezogen wurden und es zu Blutvergießen kam. Wenn jemand seine eigene Freigebigkeit und Tapferkeit lobte, wandte er sich gewöhnlich an die Frauen. Eine Frau konnte unter ihnen nach Belieben das Feuer von Krieg und Blutvergießen entfachen. Trotz alledem galten die Männer als Familienoberhäupter, und ihren Worten wurde ernsthaft Folge geleistet. In dieser Klasse wurde das Verhältnis zwischen Frauen und Männern durch die Ehe bestimmt, und die Ehen wurden durch die Vormünder der Frauen geschlossen. Ohne einen Vormund hatten die Frauen keinerlei Recht, selbst eine Ehe zu schließen.
Obwohl die Verhältnisse in der vornehmen Klasse so waren, lagen sie in den übrigen Klassen ganz anders. Das Verhältnis zwischen Frauen und Männern in diesen Klassen ließ sich durch nichts anderes als Sündhaftigkeit, Schamlosigkeit, Zügellosigkeit, Obszönität und Unzucht beschreiben. ʿĀ’ischa, möge Allah mit ihr zufrieden sein, sagte: „In den Tagen der Dschāhilīya gab es vier Arten der Ehe.“
Die erste Form entsprach der heutigen. So schickte beispielsweise ein Mann einem anderen einen Heiratsantrag für dessen unterstellte Tochter. Nach Annahme des Antrags wurde die Ehe durch die Zahlung der Brautgabe vollzogen.
Die zweite Form war folgende: Nachdem eine verheiratete Frau ihre Menstruation beendet und sich gereinigt hatte, sagte ihr Ehemann zu ihr: „Schicke einen Heiratsantrag an den und den Mann und gewähre ihm Zugang zu deinen Geschlechtsteilen.“ Das heißt, sie sollte mit ihm Unzucht treiben. Währenddessen hielt sich der Ehemann von seiner Frau fern und ging nicht zu ihr. Er näherte sich seiner Frau erst wieder, wenn sich erwiesen hatte, dass sie von dem Mann, mit dem sie die Unzucht begangen hatte, schwanger geworden war. Nachdem sich die Anzeichen einer Schwangerschaft gezeigt hatten, konnte der Ehemann nach seinem Ermessen wieder zu ihr gehen. Der Grund dafür war, dass das Kind adlig und vollkommen sein sollte. Eine solche Ehe wurde „Istibdāʿ“-Ehe genannt. Auch in Indien ist diese Ehe verbreitet.
Drittens trieben weniger als zehn Männer an einem Ort mit einer Frau Unzucht. Nachdem die Frau schwanger geworden war, ließ sie all diese Männer zu sich rufen. Zu diesem Zeitpunkt durfte niemand abwesend sein. Als alle anwesend waren, sagte die Frau: „Ihr wisst selbst, was ihr getan habt; nun ist dieses Kind aus meinem Leib geboren worden. O du und du, dieses Kind gehört dir.“ Die Frau konnte nach Belieben irgendeinen von ihnen benennen, und alle akzeptierten das Neugeborene als dessen Kind.
Viertens versammelten sich viele Männer und gingen zu einer Frau. Diese wies keinen begehrenden Mann ab und schickte niemanden fort. Es waren Prostituierte. Vor ihren Häusern stellten sie eine Fahne auf. Dadurch konnte jeder nach Belieben und ohne Hindernis zu ihnen gehen. Wenn eine solche Frau schwanger wurde und ein Kind gebar, erschienen alle Männer, die mit ihr Verkehr gehabt hatten, und ein Sachverständiger wurde gerufen. Dieser erklärte das Kind nach seinem Urteil zum Kind eines bestimmten Mannes. Danach wuchs das Kind als dessen Sohn auf, und der betreffende Mann konnte es niemals leugnen. Nach dem Erscheinen des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, hob Allah, der Erhabene, alle Arten von Ehebräuchen der Gesellschaft der Dschāhilīya auf und führte die heute geltende islamische Eheschließung ein. (Sahih al-Buchārī, Kitāb an-Nikāh, Bd. 2, S. 769; Abū Dāwūd, Bāb auǧuh an-Nikāh. Für eine ausführliche Darstellung siehe Tafsīr Fī Ẓilāl al-Qurʾān, Bd. 14.)
In Arabien wurden die Beziehungen zwischen Frauen und Männern häufig durch die Schärfe des Schwertes bestimmt. In Stammeskriegen nahmen die Sieger die Frauen des besiegten Stammes gefangen und hielten sie in ihren Harems eingeschlossen. Die Kinder solcher gefangenen Frauen konnten in der Gesellschaft nicht erhobenen Hauptes auftreten. Sie schämten sich stets, ihre Identität preiszugeben.
Im Zeitalter der Dschāhilīya war es keineswegs verwerflich, mehrere Ehefrauen zu haben. Manche hielten sogar zwei leibliche Schwestern gleichzeitig als Ehefrauen in ihrem Haus. Ein Sohn heiratete die vom Vater geschiedene Frau oder nach dem Tod des Vaters seine Stiefmutter. Das Scheidungsrecht lag ausschließlich beim Mann. Für die Zahl der Scheidungen gab es keine festgelegte Grenze. (Abū Dāwūd, Tafsīr-Werke, „at-Talāq marratān“, siehe dort.)
Unzucht war in allen Schichten der Gesellschaft verbreitet. Keine Klasse von Frauen oder Männern war von der Hässlichkeit und Verdorbenheit der Unzucht frei. Allerdings gab es einige Frauen und Männer, die sich aus Hochmut über ihre eigene Vorzüglichkeit von dieser Schändlichkeit fernhielten. Außerdem war die Lage freier Frauen vergleichsweise besser als die der Sklavinnen. Die Lage der Sklavinnen war am schlimmsten. Die meisten Männer im Zeitalter der Dschāhilīya empfanden keinen Tadel und keine Scham dabei, mit Sklavinnen Umgang zu haben. In den Sunan des Abū Dāwūd wird berichtet, dass einst ein Mann aufstand und sagte: „O Gesandter Allahs, der und der ist mein Sohn. Im Zeitalter der Dschāhilīya hatte ich Verkehr mit seiner Mutter.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Im Islam gibt es keine Möglichkeit für einen solchen Anspruch. Das Kind gehört nun demjenigen, als dessen Ehefrau oder Ehemann diese Frau bekannt ist; für den Unzüchtigen jedoch gibt es die Strafe der Steinigung bis zum Tod.“ Der Streit zwischen Saʿd ibn Abī Waqqās, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, und ʿAbd ibn Zamʿa um ʿAbd ar-Raḥmān ibn Zamʿa, den Sohn der Sklavin Zamʿas, ist allgemein bekannt (Sahih al-Buchārī, Bd. 2, S. 999, 1065). Auch die Beziehungen zwischen Vätern und Söhnen waren im Zeitalter der Dschāhilīya verschieden. Es gab Menschen, die sagten: „Unsere Kinder sind unsere Kinder, sie sind wie unser Herz, und sie gehen auf der Erde umher.“
Andererseits gab es Menschen, die aus Angst vor Schande und Armut ihre Kinder lebendig in der Erde begruben. Sie begruben ihre kleinen Kinder. Sie töteten sie bereits im Kindesalter.
Im Heiligen Koran wird dies erwähnt (Sure al-Anʿām, Vers 101; Sure an-Naḥl, Verse 58–59; Sure Banū Isrāʾīl, Verse 31 und 81; Sure al-Anfāl). Es ist schwer zu sagen, ob dieser Zustand weit verbreitet war. Denn die Araber verspürten im Vergleich zu anderen Völkern ein größeres Bedürfnis nach menschlichen Kräften, um sich ihren Feinden entgegenzustellen und sich selbst zu verteidigen. Man kann sagen, dass sie sich dessen durchaus bewusst waren.
Die Beziehungen zwischen leiblichen Brüdern sowie zu den Cousins väterlicherseits und den übrigen Angehörigen des Stammes waren sehr stark. Denn die Araber lebten und starben im Bewusstsein der Überlegenheit und des Stolzes ihres Stammes. Innerhalb des Stammes waren gegenseitige Unterstützung und Mitgefühl in vollem Umfang vorhanden. Das gesellschaftliche System gründete auf der Ordnung der Stammesbeziehungen.
Sie vertraten die Auffassung: Hilf deinem Bruder, ganz gleich, ob er ein Unterdrücker oder ein Unterdrückter ist. Später begründete der Islam Gerechtigkeit, indem er den Unterdrücker von seinem Unrecht abhielt. Im Streben nach Herrschaft und Führerschaft zogen alle Angehörigen eines Stammes in den Krieg, um einen einzelnen Stammesangehörigen zu unterstützen. Als Beispiele seien die Ereignisse zwischen Aws und Chasradsch, Abs und Dhubyan sowie Bakr und Taghlib genannt.
Die Beziehungen zwischen den verschiedenen Stämmen hatten sich so sehr verschlechtert, dass die gesamte Kraft der Stämme in Kriegen gegeneinander aufgebraucht wurde. Aufgrund eines gewissen Einflusses religiöser Lehren und gesellschaftlicher Bräuche waren die Schrecken und die Grausamkeit des Krieges bisweilen geringer. Oft schlossen verschiedene Stämme unter den in der Gesellschaft geltenden Regeln sogar Bündnisse. Außerdem erwiesen sich die heiligen Monate als besonders hilfreich, um Frieden im Leben der Götzendiener zu schaffen und ihnen den Lebensunterhalt zu ermöglichen.
Kurz gesagt, die Gesamtlage war äußerst zerrüttet. Unwissenheit war allgegenwärtig. Schmutz und Sündhaftigkeit hatten ihren Höhepunkt erreicht. Die Menschen lebten wie Tiere. Der Handel mit Frauen war üblich. Oft wurden Frauen so behandelt, als wären sie Erde oder Stein. Die zwischenmenschlichen Beziehungen waren schwach und brüchig. Alles, was unter der Bezeichnung Regierung oder Verwaltung existierte, war damit beschäftigt, von den Untertanen Geld und Besitz einzutreiben, die Schatzkammer zu füllen und gegen die Gegner Truppen zu sammeln.
Die wirtschaftliche Lage
Die wirtschaftliche Lage war der allgemeinen gesellschaftlichen Lage untergeordnet. Betrachtet man die Lebensgrundlagen der Araber, so zeigt sich, dass Handel und Geschäftsverkehr das wichtigste Mittel zur Beschaffung der für ihr Leben notwendigen Dinge waren. Ein kommerzieller Austausch war jedoch nicht möglich. Die Lage auf der Arabischen Halbinsel war derart, dass außerhalb der heiligen Monate zu keiner anderen Zeit Frieden und Sicherheit herrschten. Aus diesem Grund ist bekannt, dass gerade in den heiligen Monaten die berühmten arabischen Märkte und Messen von ʿUkāẓ, Dhū l-Madschāz, Madschanna und andere stattfanden.
Auf dem Gebiet des Handwerks und der Industrie standen die Araber hinter allen anderen Ländern der Welt zurück. Die meisten der bekannten Gewerbe, etwa das Weben von Stoffen und das Gerben von Leder, wurden in den benachbarten Ländern Jemen, Syrien, Hīra oder Irak ausgeübt. In Arabien wurden Ackerbau und Landwirtschaft betrieben. Im gesamten arabischen Gebiet spannen die Frauen Garn. Das Problem war jedoch, dass die zum Spinnen erforderlichen Geräte angesichts der Schrecken des Krieges selten waren. Armut war ein allgemeines Problem. Die Menschen mussten häufig auf notwendige Nahrungsmittel und Kleidung verzichten.
Charaktereigenschaften
Es ist eine anerkannte Tatsache, dass sich unter den Arabern verachtenswerte und tadelnswerte Gewohnheiten fanden und dass sie Dinge taten, die Verstand und Vernunft keineswegs billigten. Dennoch besaßen sie auch einige Charaktereigenschaften, die geradezu erstaunlich waren. Im Folgenden werden einige dieser Eigenschaften beschrieben.
Erstens) Barmherzigkeit und Freigebigkeit. Dies war eine besondere Eigenschaft der Araber. In dieser Hinsicht war unter ihnen ein regelrechter Wettstreit zu beobachten. Sie waren so stolz auf diese Eigenschaft, dass die Hälfte der Araber zu Dichtern geworden war. Manche rühmten sich selbst, andere priesen jemand anderen. Manchmal kam es vor, dass selbst in bitterer Kälte und während einer Zeit des Mangels ein Gast zu jemandem nach Hause kam. Zu jener Zeit besaß der Hausherr als einzigen Besitz nur ein Kamel. Um Gastfreundschaft zu erweisen, schlachtete er dieses Tier. Aus Barmherzigkeit und Großzügigkeit zahlten sie hohe Entschädigungen und entrichteten diese ordnungsgemäß. Auf diese Weise bewahrten sie Menschen vor Verderben und Blutvergießen, bewiesen ihre Überlegenheit gegenüber anderen wohlhabenden und angesehenen Männern und waren darauf stolz.
Aufgrund dieser Art von Freigebigkeit kam es vor, dass sie stolz darauf waren, Wein zu trinken. Das Trinken von Wein war an sich keine gute Tat, doch unter seinem Einfluss konnten sie großzügig sein, und Spenden und Almosen zu geben fiel ihnen leichter. Denn im Rausch fällt es einem Menschen nicht schwer, sein Geld und Vermögen auszugeben. Deshalb bezeichneten die Araber den Weinstock, den Rohstoff für die Herstellung von Wein, als Kararm und den Wein als Bint al-Kararm. Betrachtet man die Gedichte der Dichter des vorislamischen Zeitalters, so stellt man fest, dass sie dem Ausdruck ihres Stolzes große Aufmerksamkeit widmeten.
Antara ibn Schaddad al-Absi schrieb in seiner Muʿallaqa: Nachdem die glühende Mittagssonne nachgelassen hatte, trank ich Wein aus einem kunstvoll verzierten gelben Gefäß. Wenn ich Wein trinke, verschenke ich mein Vermögen. Doch auch zu dieser Zeit achte ich auf meine Ehre und mein Ansehen. Ich lasse nicht zu, dass darauf ein Makel zurückbleibt. Selbst nachdem ich wieder zu Bewusstsein gekommen bin, bin ich bei der Freigebigkeit nicht geizig. Was soll ich euch noch über meine charakterliche Schönheit und meine Barmherzigkeit sagen? Das ist euch ja nicht unbekannt.
Aufgrund ihrer Barmherzigkeit spielten die Araber in großem Umfang Glücksspiele. Sie meinten, dies sei ein Weg der Freigebigkeit. Denn was die Spieler nach dem Glücksspiel gewannen oder was ihnen nach den Ausgaben von ihrem Gewinn übrig blieb, spendeten sie unter den armen Bedürftigen. Deshalb wurde im Heiligen Koran der Nutzen von Wein und Glücksspiel nicht geleugnet; vielmehr wurde gesagt, dass ihr Schaden größer sei als ihr Nutzen. Allah, der Erhabene, sagt: „Sie fragen dich nach dem Wein und dem Glücksspiel. Sag: In ihnen liegen eine große Sünde und auch Nutzen für die Menschen, doch ihre Sünde ist größer als ihr Nutzen.“ (219, 6)
Zweitens) Einhalten von Versprechen. Die Araber betrachteten die Einhaltung von Versprechen als einen Teil der Religion. Um ein Versprechen zu halten oder ihr Wort zu bewahren, hielten sie selbst den Verlust von Leben und Besitz für geringfügig. Um dies zu verstehen, genügen bereits die Geschichten von Hani ibn Masʿud asch-Schaibani, Samauʾal ibn Adija und Hadscher ibn Dscharara.
Drittens) Bewusstsein der eigenen Ehre. Trotz erduldeter Unterdrückung und Gewalttätigkeit die eigene Würde zu bewahren, war eine bekannte Charaktereigenschaft des vorislamischen Zeitalters. Dies führte dazu, dass sie Mut und Tapferkeit zur Schau stellten. Ihr Zorn war außergewöhnlich; sie gerieten plötzlich in Wut. Selbst beim geringsten Anzeichen einer Beleidigung zogen sie mit Waffen aus und vergossen Blut. Dabei hielten sie ihr eigenes Leben für gering.
Viertens) Eine Eigenschaft der Menschen des vorislamischen Zeitalters war, dass sie, sobald sie sich zu einer Sache entschlossen hatten, keineswegs davon abließen. Kein Hindernis konnte sie aufhalten. Selbst wenn ihr Leben dadurch in Gefahr geriet, führten sie diese Sache aus.
Fünftens) Geduld und weitsichtige Weisheit. Auch dies war eine edle Eigenschaft der Araber. Aufgrund ihrer Tapferkeit und ihrer ständigen Bereitschaft zum Kampf war diese Tugend unter ihnen jedoch selten.
Sechstens) Die dem Beduinentum eigene Einfachheit. Sie lebten fern von den Errungenschaften der Zivilisation und standen ihnen ablehnend gegenüber. Aufgrund dieser schlichten und unkomplizierten Lebensweise fanden sich unter ihnen Wahrhaftigkeit und Vertrauenswürdigkeit. Betrug und das Brechen von Versprechen verabscheuten sie.
Wir sind der Ansicht, dass sie nicht nur aufgrund der besonderen geografischen Lage der Arabischen Halbinsel zur übrigen Welt, sondern auch wegen der genannten Charaktereigenschaften für die Führung der Menschheit und das Prophetentum auserwählt wurden. Obwohl sie aufgrund dieser Eigenschaften plötzlich furchterregend werden und Unheil anrichten konnten, lässt sich nicht leugnen, dass diese Eigenschaften äußerst lobenswerte, wahrhaft menschliche Tugenden waren. Nach geringfügiger Korrektur konnten sich all diese Eigenschaften als überaus segensreich für die Menschen erweisen. Der Islam hat diese Aufgabe erfüllt.
Vermutlich waren unter den genannten Charaktereigenschaften das Selbstwertgefühl nach der Einhaltung eines Versprechens und die Erfüllung eines Gelübdes die wertvollsten und lobenswertesten. Ohne diese Eigenschaften und diese charakterliche Stärke ist es nicht möglich, Chaos, Unfrieden und Unheil zu beseitigen und ein auf Gerechtigkeit und fairem Recht beruhendes System zu verwirklichen.
Im vorislamischen Zeitalter besaßen die Araber noch einige weitere bemerkenswerte Charaktereigenschaften, doch es ist nicht nötig, sie hier alle zu erörtern.
Er ist es, der aus ihrer Mitte einen Gesandten unter ihnen erstehen ließ. Er trägt ihnen Seine Verse vor, läutert ihr Leben (von der Dschāhilīya) und lehrt sie vor allem die Weisheit (der Religion), obwohl diese Menschen sich zuvor in einem offenkundigen Irrtum befanden. (Sure al-Dschumuʿa 2)
3
In welcher Abstammung lebte dieser goldene Mann: von al-Amīn bis zum Gesandten
Die Abstammung der Prophetenfamilie
Die Abstammung des edlen Propheten Muhammad, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, lässt sich in drei Teile gliedern. Über die Zuverlässigkeit des ersten Teils sind die Verfasser der Sīra und die Genealogieexperten einig. Hinsichtlich des zweiten Teils bestehen unter den Sīra-Verfassern gewisse Meinungsverschiedenheiten. Einige haben ihn befürwortet, andere abgelehnt, während wieder andere eine abweichende Meinung vertreten haben. Dieser Teil reicht von ʿAdnān aufwärts bis zu Ibrāhīm, Allahs Friede sei auf ihm. Im dritten Teil finden sich nachweislich einige Fehler; er reicht von Ibrāhīm bis zu Ādam, Allahs Friede sei auf ihnen. Darauf wurde bereits hingewiesen. Im Folgenden werden die drei Teile einigermaßen ausführlich erörtert.
Erster Teil
Muhammad ibn ʿAbdullāh, ibn ʿAbd al-Muṭṭalib (Schayba), ibn Hāschim (ʿAmr), ibn ʿAbd Manāf (al-Mughīra), ibn Quṣayy (Zayd), ibn Kilāb, ibn Murra, ibn Kaʿb, ibn Luʾayy, ibn Ghālib, ibn Fihr – sein Beiname war Quraisch, und unter diesem Namen wurde der Stamm bekannt –, ibn Mālik, ibn an-Naḍr, Qays, ibn Kināna, ibn Chuzaima, ibn Mudrika (ʿĀmir), ibn Ilyās, ibn Muḍar, ibn Nazār, ibn Maʿadd, ibn ʿAdnān. (Ibn Hischām, 1. Band, S. 20; Talqīḥ al-Fuhūm min Ahl al-Athar, S. 5–6; Raḥmat li-l-ʿĀlamīn, 2. Band, S. 11, 14, 52)
Zweiter Teil
Von ʿAdnān aufwärts. Das heißt: ʿAdnān ibn Ḥamīṣā, Salāmān, ibn Awṣ, ibn Fūz, ibn Qamwāl, ibn Ubayy, Awāḍ, ibn Nāschid, ibn Ḥāzā, ibn Baldās, ibn Yadlāf, ibn Tāriḫ, ibn Jāhim, ibn Nāḥisch, ibn Māḫī, ibn ʿĀyiḍ, ibn Akbar, ibn ʿUbayd, ibn ʿAd-Duʿā, ibn Ḥamdān, ibn Sunbar, ibn Yasribī, ibn Yahāzān, ibn Yalḥān, ibn Arʿwā, ibn Ayy, ibn Zayschān, ibn ʿĀyschar, ibn Ufnād, ibn Ayhām, ibn Maqṣar, ibn Nāḥiṣ, ibn Jaraḥ, ibn Sumayy, ibn Māḍī, ibn Awḍā, ibn Arām, ibn Qaydār, ibn Ismāʿīl, ibn Ibrāhīm, Allahs Friede sei auf ihm. (ʿAllāma Manṣūrpūrī hat diesen Teil nach seinen Untersuchungen anhand der Überlieferungen des Historikers Kalbī und Ibn Saʿd ergänzt. Raḥmat li-l-ʿĀlamīn, 2. Band, S. 14–17. Hinsichtlich dieses Teils bestehen in den historischen Angaben erhebliche Unterschiede.)
Dritter Teil
Von Hadrat Ibrahim, Friede sei mit ihm, aufwärts: Ibrahim ibn Tarah (Azar), ibn Nahur, ibn Schawadha (Sarug), ibn Rau, ibn Falig, ibn Abir, ibn Schalach, ibn Arfakschad, ibn Sem, ibn Nuh, Friede sei mit ihm, ibn Lamech, ibn Metuschalch, ibn Achnoch (nach anderer Auffassung Hadrat Idris, Friede sei mit ihm), ibn Mahlajil, ibn Kainan, ibn Anusch, ibn Schith, ibn Adam, Friede sei mit ihm. (Ibn Hischam, Band 1, S. 2, 4; Talqih al-Fuhum, S. 6; Chulasat as-Sijar, S. 6.)
Der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ist nach seinem Urgroßvater Haschim ibn Abd Manāf als Nachkomme Haschims und somit als Haschimit bekannt. Daher ist es notwendig, eine kurze Vorstellung Haschims und einiger der folgenden Personen zu geben.
1) Haschim: Wie bereits erwähnt, war zwischen den Banū Abd Manāf und den Banū Abd ad-Dār eine Einigung über die Verteilung der Ämter erzielt worden. Aufgrund dieser Vereinbarung erhielten die Nachkommen Abd Manāfs das Amt, den Pilgern Wasser zu reichen, sowie das Recht, die Gäste zu bewirten. Haschim war ein angesehener, geehrter und wohlhabender Mann. Er führte für die Pilger von Mekka den Brauch ein, Brot in Suruwa zu reichen. Sein eigentlicher Name war Amr; weil er das Brot zerriss und in Suruwa einweichte, wurde er Haschim genannt. Haschim bedeutet: derjenige, der zerbricht. Haschim war der erste, der für die Quraisch im Sommer und im Winter jeweils eine Handelsreise organisierte. Ein Dichter schrieb zu seinem Lob: Er ist jener Amr, der seine hungerleidenden und schwachen Stammesangehörigen in Mekka mit zerrissenem, in Suruwa eingeweichtem Brot speiste und Reisen im Winter und im Sommer organisierte.
Eine wichtige Begebenheit im Leben Haschims beziehungsweise Amrs war, dass er zu Handelszwecken nach Syrien reiste. Auf dem Weg kam er nach Medina, heiratete Salma bint Amr aus dem Stamm der Banū Nadschdschār und blieb dort einige Zeit. Nachdem seine Frau schwanger geworden war, ließ er sie bei ihren Eltern zurück und reiste nach Syrien weiter. In der palästinensischen Stadt Gaza verstarb er. Inzwischen gebar Salma ein Kind. Dies ereignete sich im Jahr 497 n. Chr. Das Haar des Kindes wies weiße Stellen auf; deshalb gab Salma ihm den Namen Schaira (Ibn Hischam, Band 1, S. 137; Rahmat li-l-Ālamīn, Band 1, S. 26, Band 2, S. 24). In Yathrib beziehungsweise Medina zog Salma das Kind im Haus ihrer Eltern auf. Später wurde dieses Kind als Abd al-Muttalib bekannt. Lange Zeit hatten die Haschimiten keine Nachkommen dieses Kindes zu sehen bekommen. Haschim hatte insgesamt vier Söhne und fünf Töchter. Ihre Namen waren: Asad, Abu Saifi, Nadschla und Abd al-Muttalib. Die Namen der Töchter waren Schafa, Chalida, Daifa, Ruqayya und Dschinnat. (Ebenda, Band 1, S. 107.)
2) Abd al-Muttalib: Wie bereits erwähnt, übernahm nach Haschim dessen Bruder al-Muttalib die Verantwortung, den Pilgern Wasser zu reichen und die Gäste zu bewirten. Auch er genoss bei seiner Familie und seinem Stamm höchstes Ansehen. Wenn er etwas sagte, wagte niemand, es zu missachten. Wegen seiner Freigebigkeit verliehen ihm die Quraisch den Beinamen Fayyād. Als Schayba, also Abd al-Muttalib, zehn oder zwölf Jahre alt war, erfuhr al-Muttalib von ihm. Er reiste nach Medina, um Schayba zu holen. Als er Medina, also Yathrib, nahezu erreicht hatte und Schayba erblickte, füllten sich seine beiden Augen mit Tränen. Er schloss ihn in die Arme, setzte ihn hinter sich auf sein Kamel und brach nach Mekka auf. Schayba jedoch weigerte sich, ohne die Erlaubnis seiner Mutter nach Mekka zu gehen. Als al-Muttalib seine Mutter um Erlaubnis bat, verweigerte Salma diese zunächst. Al-Muttalib sagte: »Er steht doch unter der Autorität seines Vaters und geht zum Haus Allahs.« Daraufhin gab Salma ihre Erlaubnis. Al-Muttalib setzte ihn hinter sich auf sein Kamel und brachte ihn nach Mekka. Als ihn die Menschen dort erstmals sahen, sagten sie zueinander: »Sein Neffe, der Sohn Haschims.« Von da an wuchs Schayba bei al-Muttalib auf und wurde schließlich ein junger Mann. Später starb al-Muttalib im Jemen. Schayba übernahm seine hinterlassene Stellung. Abd al-Muttalib genoss bei seinen Stammesangehörigen ein so hohes Ansehen und eine solche Würde, wie zuvor niemand anderes sie erlangt hatte. Seine Stammesangehörigen liebten ihn von ganzem Herzen und erwiesen ihm außergewöhnliche Ehre. (Ibn Hischam, Band 1, S. 137–138.)
Nach dem Tod al-Muttalibs nahm Nawfal einige Grundstücke Abd al-Muttalibs gewaltsam in Besitz. Abd al-Muttalib bat einige Männer aus dem Stamm der Quraisch um Hilfe. Sie erklärten jedoch, dazu nicht in der Lage zu sein, und sagten: »Gegen deinen eigenen Onkel können wir nicht an deiner Seite stehen.« Schließlich schrieb Abd al-Muttalib einige Gedichte und sandte sie an seinen mütterlichen Onkel aus dem Stamm der Banū Nadschdschār. In diesen Gedichten bat er um Hilfe. Daraufhin brach sein Onkel Abu Saad ibn Adi mit achtzig Reitern auf und machte an einem Ort namens Abtah in der Nähe von Mekka Halt. Abd al-Muttalib lud ihn in sein Haus ein. Abu Saad sagte jedoch: »Nein, zuerst möchte ich Nawfal treffen.« Daraufhin trat Abu Saad vor Nawfal. Nawfal saß gerade mit einigen angesehenen Quraisch von Mekka zusammen und unterhielt sich. Abu Saad zog sein Schwert und sagte: »Bei dem Herrn dieses Hauses! Wenn du das Grundstück meines Neffen nicht zurückgibst, werde ich dieses Schwert in deinen Körper stoßen.« Nawfal sagte: »Gut, nimm es; ich gebe es zurück.« Unter dem Zeugnis der Führer der Quraisch gab Abu Saad Abd al-Muttalib daraufhin dessen Grundstück zurück. Anschließend ging Abu Saad zum Haus Abd al-Muttalibs, blieb dort drei Tage und kehrte nach der Verrichtung der Umra nach Medina zurück.
Danach verpflichtete sich Nawfal, die Banū Abd Schams gegen die Banū Haschim zu unterstützen.
Als der Stamm Chuzāʿa sah, dass die Banū Nadschdschār Abd al-Muttalib auf diese Weise geholfen hatten, sagte er: »Abd al-Muttalib ist ebenso unser Sohn wie euer Sohn. Daher haben wir ein größeres Recht, ihm zu helfen.« Der Grund dafür war, dass die Mutter Abd Manāfs dem Stamm Chuzāʿa angehörte. Deshalb begab sich Chuzāʿa zum Dār an-Nadwa und versprach den Banū Haschim seine Unterstützung gegen die Banū Abd Schams und die Anhänger Nawfals. Dieses Versprechen wurde später im islamischen Zeitalter zum Anlass für die Eroberung Mekkas. Eine ausführliche Darstellung hierzu wird später folgen. (Muchtasar Sīrat ar-Rasūl, Scheich al-Islam Muhammad ibn Abd al-Wahhab an-Nadschdi, S. 41–42.)
Aufgrund seiner Verbindung mit der Kaaba ereigneten sich zwei wichtige Ereignisse im Leben von Abd al-Muttalib: die Ausgrabung des Zamzam-Brunnens und der Vorfall mit dem Elefantenheer.
Die Ausgrabung des Zamzam-Brunnens
Der Kern dieses Ereignisses ist folgender: Abd al-Muttalib sah im Traum, dass ihm befohlen wurde, den Zamzam-Brunnen auszugraben. Im Traum wurde ihm auch die Stelle gezeigt. Als er aus dem Schlaf erwachte, begann er, den Zamzam-Brunnen auszugraben. Nach und nach wurden zwei Dinge entdeckt, die der Stamm der Dschurhum beim Verlassen Mekkas in den Zamzam-Brunnen geworfen hatte: Schwerter, Schmuck und zwei goldene Gazellen. Abd al-Muttalib befestigte die geborgenen Schwerter an der Tür. Auch die beiden goldenen Gazellen brachte er an der Tür an und sorgte dafür, dass den Pilgern das Wasser des Zamzam-Brunnens gereicht wurde.
Nachdem der Zamzam-Brunnen entdeckt worden war, begannen die Quraisch, mit Abd al-Muttalib zu streiten. Sie forderten, ebenfalls an den Ausgrabungsarbeiten beteiligt zu werden. Abd al-Muttalib sagte: „Das kann ich nicht zulassen. Ich allein wurde für diese Aufgabe bestimmt.“ Doch die Quraisch wollten dies nicht akzeptieren. Schließlich gingen alle zur Entscheidung zu einer Wahrsagerin aus dem Stamm der Banu Saʿd. Auf dem Weg dorthin sahen sie jedoch einige erstaunliche Zeichen. Dadurch erkannten sie, dass Abd al-Muttalib auf wundersame Weise mit der Verantwortung für die Ausgrabung des Zamzam-Brunnens betraut worden war. Deshalb kehrten die streitenden Quraisch bereits unterwegs um. Zu dieser Zeit gelobte Abd al-Muttalib: Wenn Allah ihm zehn Söhne schenke und sie ein Alter erreichten, in dem sie sich selbst verteidigen konnten, werde er einen von ihnen im Namen Allahs neben der Kaaba opfern. (Ibn Hischam, Bd. 1, S. 142–147)
Der Vorfall mit dem Elefantenheer
Der Kern des zweiten Ereignisses ist folgender: Abraha, der Abessinier, war im Auftrag des Negus von Abessinien Generalgouverneur des Jemen. Abraha bemerkte, dass die Araber zur Verrichtung der Hadsch zur Kaaba gingen. Daraufhin ließ er in Sanaʿa eine Kirche errichten. Er wollte, dass die Araber zur Verrichtung der Hadsch nicht nach Mekka, sondern nach Sanaʿa gingen. Als ein Mann aus dem Stamm der Banu Kinana davon erfuhr, betrat er die von Abraha errichtete Kirche und beschmutzte deren Mihrab mit Kot. Als Abraha davon hörte, wurde er äußerst zornig und zog mit sechzigtausend unerschrockenen Soldaten aus, um die Kaaba zu zerstören. Für sich selbst ließ er einen gewaltigen Elefanten bereitstellen. Seine Armee besaß insgesamt neun oder dreizehn Elefanten. Abraha gelangte aus dem Jemen an einen Ort namens al-Mughammis und ließ seine Truppen dort Aufstellung nehmen. Nachdem sie Mekka betreten hatten und das Tal al-Muhassir zwischen Muzdalifa und Mina erreichten, setzten sich alle Elefanten nieder. Trotz vieler Versuche war es nicht möglich, den Elefanten in Richtung Kaaba aufzurichten. Sobald man es versuchte, setzte er sich wieder hin. Zu dieser Zeit sandte Allah eine Schar von Vögeln. Die Vögel trugen kleine Steine in ihren Schnäbeln und warfen sie auf die Soldaten. Dadurch wurde Abrahās Heer wie zerfressene Spreu vernichtet. Die Vögel glichen den Ababil. Jeder Vogel trug drei Steine: einen im Schnabel und zwei unter seinen Flügeln. Die Steine waren etwa so groß wie Erbsen. Wen ein solcher Stein traf, dessen Glieder begannen abzufallen, und er starb. Nicht jeder wurde von einem solchen Stein getroffen. Unter den Soldaten entstand jedoch eine solche Angst und ein solcher Schrecken, dass alle ungeordnet zu fliehen begannen. Danach stürzten sie hier und dort nieder und starben. Über Abraha kam inzwischen die Strafe Allahs: Die Finger seiner Hand begannen abzufallen. Als er Sanaʿa erreichte, war sein Tod nahe. Seine Leber trat aus seinem aufgerissenen Körper hervor, und er starb einen qualvollen Tod.
Während dieses Angriffs Abrahās verteilten sich die Einwohner Mekkas aus Todesangst über Berge und Ebenen und versteckten sich in den Höhlen der Berge. Als die Strafe Allahs über das Heer hereinbrach, kehrten sie beruhigt in ihre Häuser zurück. (Ibn Hischam, Bd. 1, S. 43, 56)
Nach der Auffassung der meisten Verfasser der Sira ereignete sich der erwähnte Vorfall fünfzig oder fünfundfünfzig Tage vor der Geburt des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Es war der Monat Muharram. Der Vorfall ereignete sich gegen Ende Februar oder Anfang März des Jahres 571 n. Chr. Tatsächlich ließ Allah dieses Ereignis im Zusammenhang mit Seinem Propheten und dem heiligen Haus, der Kaaba, als dessen vorbereitende Vorzeichen geschehen. So hatte beispielsweise im Jahr 587 Bakht an-Nasr Jerusalem eingenommen und beherrscht. Zuvor hatten die Römer im Jahr 70 Jerusalem eingenommen. Die Christen hingegen konnten niemals die Herrschaft über die Kaaba erlangen. Obwohl die Christen beziehungsweise die Anhänger Jesu zu jener Zeit gläubige Muslime waren, waren die Besitzer der Kaaba Götzendiener.
Unmittelbar nach dem Ereignis des Elefanten erreichte die Nachricht in kurzer Zeit auch Rom und Persien, die damals als fortschrittliche Länder galten. Denn zwischen Mekka und den Römern bestanden enge Beziehungen. Andererseits behielten die Perser die Römer stets im Auge. Persien beziehungsweise die Perser beobachteten alle Ereignisse der Römer und ihrer Feinde. Deshalb sieht man, dass die Perser unmittelbar nach dem Sturz Abrahas den Jemen eroberten. Da Persien und Rom in der damaligen Welt als fortschrittliche und zivilisierte Länder bekannt waren, richtete sich die Aufmerksamkeit der gesamten Menschheit auf die Kaaba. Sie wurden zu eindeutigen Zeugen der Würde und Erhabenheit des Hauses der Kaaba. Sie erkannten, dass Allah, der Erhabene, dieses Haus als heiliges Haus auserwählt hatte. Daher war es durchaus folgerichtig, dass aus der Stadt Mekka jemand mit dem Anspruch auf das Prophetentum hervortreten würde. Wenn man über das Erscheinen des Gesandten Allahs nachdenkt, ist es überhaupt nicht schwer zu verstehen, warum Allah den Götzendienern, die den Muslimen gegenüberstanden, gegen diese geholfen hatte.
Abd al-Muttalib hatte zehn Söhne. Ihre Namen waren al-Harith, az-Zubair, Abu Talib, Abd Allah, Hamza, Abu Lahab, al-Ghaidāq, al-Maqhūm, Safar und al-Abbas. Einige sagten, es seien elf gewesen; einer von ihnen habe Qutham geheißen. Andere sagten, es seien dreizehn gewesen; einer habe Abd al-Kaaba und ein anderer Huzal geheißen. Diejenigen, die zehn Söhne angeben, sagen, dass Muqawwim ein anderer Name für Abd al-Kaaba und al-Ghaidāq ein anderer Name für Huzal gewesen sei. Abd al-Muttalib hatte keinen Sohn namens Qutham. Abd al-Muttalib hatte sechs Töchter. Ihre Namen waren Umm al-Hakim, die auch Baida genannt wurde, Baira, Atika, Safiyya, Arwa und Umaima. (Talqīh al-Fuhūm, S. 8–9; Rahmat li-l-ʿĀlamīn, Bd. 2, S. 56, 66)
3) Abd Allah war der Vater des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Der Name von Abd Allahs Mutter war Fatima. Sie war die Tochter von Amr ibn Abid ibn Imran ibn Machzum ibn Yaqza ibn Murra. Unter den Kindern Abd al-Muttalibs war Abd Allah von schöner Gestalt, tugendhaft und geliebt. Er wurde adh-Dhabīh, also „der Geopferte“, genannt. Der Grund dafür war folgender: Nachdem die Zahl der Söhne Abd al-Muttalibs zehn erreicht hatte und sie ein Alter erreicht hatten, in dem sie sich selbst verteidigen konnten, teilte Abd al-Muttalib ihnen sein Gelübde mit. Danach schrieb Abd al-Muttalib ihre sämtlichen Namen auf die Pfeile zur Ermittlung des Schicksals und übergab sie anschließend dem Hüter des Götzen Hubal. Nachdem der Hüter das Los gezogen hatte, fiel es auf Abd Allah. Abd al-Muttalib nahm Abd Allah an der Hand, nahm ein Messer und führte ihn zur Opferung neben die Kaaba. Doch die Quraisch, insbesondere Abu Talib, der Bruder Abd Allahs, widersetzten sich. Abd al-Muttalib sagte: „Wie soll ich mein Gelübde erfüllen, wenn ihr mich daran hindert?“ Sie rieten ihm, zu einer Wahrsagerin zu gehen und sie um eine Lösung zu bitten. Abd al-Muttalib ging zu einer Wahrsagerin. Sie riet ihm, das Los zwischen Abd Allah und zehn Kamelen zu ziehen. Sie sagte jedoch, falls Abd Allah gezogen werde, solle er die Zahl der Kamele jeweils um zehn erhöhen, bis Allah zufrieden sei. Danach solle er so viele Kamele opfern, wie im Losverfahren genannt würden. Abd al-Muttalib kehrte zurück und begann mit der Qurʿa, dem Losverfahren. Bei den ersten zehn Kamelen wurde Abd Allah nicht gezogen. Danach erhöhte sich die Zahl jeweils um zehn. Als sie hundert Kamele erreicht hatte, fiel das Los auf Abd Allah. Abd al-Muttalib opferte hundert Kamele und ließ sie dort liegen. Sie stellten weder für Menschen noch für Tiere ein Hindernis dar. Bis zu diesem Ereignis hatte die Höhe des Blutgeldes unter den Quraisch und den Arabern zehn Kamele betragen. Nach diesem Ereignis wurde sie auf hundert Kamele erhöht. Auch der Islam behielt diese Höhe bei. Der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Ich bin der Sohn zweier Geopferter: Der eine ist Ismail, Allahs Segen sei auf ihm, und der andere ist mein Vater Abd Allah.“ (Ibn Hischam, Bd. 1, S. 151–155; Rahmat li-l-ʿĀlamīn, Bd. 2, S. 89–90; Mukhtasar Sīrat ar-Rasūl, Scheich Abd al-Wahhab Nadschdi, S. 22–23)
Abd al-Muttalib bestimmte Āmina zur Ehefrau seines Sohnes Abd Allah. Āmina war die Tochter von Wahab ibn Abd Manaf ibn Zuhra ibn Kilab. Diese Familie galt hinsichtlich ihrer Abstammung als die vornehmste unter den Quraisch. Āminas Vater war aufgrund seiner Abstammung und seines Adels das Oberhaupt des Stammes Banū Zuhra. Nach ihrer Heirat verabschiedete sich Āmina, die ehrwürdige Dame, von ihrem Elternhaus und zog in das Haus ihres Ehemannes. Einige Zeit später schickte Abd al-Muttalib Abd Allah nach Medina, um Datteln zu holen. Abd Allah verstarb dort.
Einige Verfasser von Sīra-Werken haben geschrieben, dass Abd Allah zu Handelszwecken nach Syrien gereist sei. Auf der Rückkehr nach Mekka mit einer Handelskarawane der Quraisch erkrankte er, stieg in Medina ab und verstarb dort. Er wurde im Haus von Nabigha al-Dschadi beigesetzt. Zu jener Zeit war er fünfundzwanzig Jahre alt. Nach Ansicht der meisten Historiker war der Gesandte Allahs damals noch nicht geboren. Einige sind jedoch der Ansicht, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zwei Monate vor dem Tod seines Vaters geboren wurde. (Ibn Hischam, Bd. 1, S. 156, 158; Fiqh as-Sīra, Muhammad al-Ghazali, S. 45; Rahmat li-l-ʿĀlamīn, Bd. 2, S. 91)
Nachdem Āmina die Nachricht vom Tod ihres Ehemannes erhalten hatte, trug sie mit schmerzerfüllter Stimme vor: „Das Land al-Batha ist vom Nachkommen Haschems leer geworden. Der Tod hat ihn gerufen, und er hat gesagt: Ich bin hier. Er liegt zwischen Rang und Churusch begraben. Der Tod hat nun keinen Mann wie Ibn Haschim zurückgelassen. Ich erinnere mich an jenen Abend, als die Menschen ihn auf einer Bahre forttrugen. Obwohl der Tod seine Existenz ausgelöscht hat, wird er seine Taten nicht auslöschen können. Er war ein großer Wohltäter und barmherzig.“ (Tabaqāt Ibn Saʿd, Bd. 1, S. 62)
Die Dinge, die er bei seinem Tod hinterließ, waren fünf Kamele, eine Herde Ziegen und eine abessinische Sklavin. Der Name dieser Sklavin war Baraka, und ihre Kunya war Umm Aiman. Sie stillte den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. (Mukhtasar as-Sīra, Scheich Abd Allah, S. 12; Talqīh al-Fuhūm, S. 14; Sahih Muslim, Bd. 2, S. 16)
Das Erscheinen des Gesandten Allahs und die vierzig Jahre seines heiligen Lebens
Seine gesegnete Geburt
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, wurde am Montag, dem 9. Rabi al-awwal, in Mekka im Stamm der Banu Haschim geboren. In jenem Jahr ereignete sich auch der Feldzug mit den Elefanten. Zu jener Zeit waren vierzig Jahre seit der Thronbesteigung des Kaisers Nauschervan vergangen. Als Geburtsdatum werden der 20. oder der 22. April des Jahres 571 n. Chr. angegeben. Sayyid Sulaiman Nadwi, Salman Mansurpuri und Muhammad Pascha Falaki haben dies durch ihre Forschungen festgestellt. (Tarikh-i Chazram, Bd. 1, S. 62; Rahmatul lil-Alamin, Bd. 1, S. 3, 39)
Nach einer Überlieferung von Ibn Sa’d berichtete die Mutter des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, dass bei seiner Geburt ein Licht aus seinem Körper hervortrat, durch das die Paläste des Landes Scham erleuchtet wurden. Imam Ahmad überlieferte von al-Irbad ibn Sariya eine nahezu gleichlautende Überlieferung. (Mukhtasar as-Sira, Scheich Abdullah, S. 12)
In einigen Überlieferungen wird erwähnt, dass sich zur Zeit der Geburt des Gesandten Allahs, als Vorzeichen seines Prophetentums, bestimmte Ereignisse ereigneten: Vierzehn Säulen des Königspalastes von Kisra stürzten ein, das Feuer im Feuerheiligtum der Feueranbeter erlosch und die Kirche von Bahira wurde zerstört. Dies wird von al-Bayhaqi überliefert. Muhammad al-Ghazali hat diese Überlieferung jedoch nicht bestätigt. (Mukhtasar as-Sira, S. 12)
Nach seiner Geburt überbrachte seine Mutter seinem Großvater Abd al-Muttalib die frohe Nachricht von der Geburt seines Enkels. Er freute sich sehr, nahm ihn voller Freude zur Kaaba, betete dort zu Allah und dankte Ihm. Zu diesem Zeitpunkt gab er ihm den Namen Muhammad. Nach arabischer Sitte ließ er ihn am siebten Tag beschneiden. Nach seiner Mutter stillte ihn Thuwaiba, die Sklavin Abu Lahabs. Das Kind, das sich damals in Thuwaibas Obhut befand, hieß Masruh. Vor ihm hatte Thuwaiba Hamza ibn Abd al-Muttalib gestillt, und nach ihm Abu Salama Sama ibn Abd al-Asad al-Makhzumi. (Talqih al-Fuhum, S. 4; Mukhtasar as-Sira, Scheich Abdullah, S. 13)
Der Aufenthaltsort des Stammes Banu Sa’d
Unter den städtischen Bewohnern Arabiens war es üblich, ihre Kinder zu Beduinenfrauen zu schicken, die mit dem Stillen beauftragt waren, damit sie vor den Krankheiten der Städte geschützt blieben. Dadurch entwickelten sich die Körper der Kinder kräftig und stark. Ein weiterer Zweck bestand darin, dass sie während der Stillzeit die reine arabische Sprache erlernen konnten. Gemäß dieser Sitte suchte Abd al-Muttalib nach einer Amme und übergab seinen Enkel Halima bint Abi Dhu’aib. Sie gehörte zu den Banu Sa’d ibn Bakr. Ihr Ehemann hieß al-Harith ibn Abd al-Uzza und trug den Beinamen Abu Kabsha. Auch er gehörte zum Stamm der Banu Sa’d.
Die Kinder al-Hariths waren aufgrund ihrer Beziehung zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, seine Milchgeschwister. Ihre Namen waren Abd Allah, Anisa und Hudhafa beziehungsweise Juzama. Halimas Beiname war Schayma, und unter diesem Namen war sie am bekanntesten. Sie stillte den Gesandten Allahs. Außerdem war Abu Sufyan ibn al-Harith ibn Abd al-Muttalib, der ein Cousin des Gesandten Allahs war, durch Halima ebenfalls sein Milchbruder. Auch sein Onkel Hamza ibn Abd al-Muttalib wurde zum Stillen einer Frau aus dem Stamm der Banu Sa’d anvertraut. Während seines Aufenthalts bei Frau Halima stillte diese Frau eines Tages auch den Gesandten Allahs. Somit waren er und Hamza über zwei Wege Milchbrüder: zum einen durch Thuwaiba und zum anderen durch diese Frau aus dem Stamm der Banu Sa’d. (Zad al-Ma’ad, Bd. 1, S. 19)
Während der Stillzeit erlebte Hadhrat Halima ein solches Wunder der Segnungen des edlen Propheten, des Gesandten Allahs – Allah segne ihn und schenke ihm Frieden –, dass sie vor Staunen sprachlos war. Hören wir den ausführlichen Bericht aus ihrem eigenen Mund. Nach der Überlieferung Ibn Ishaqs sagte Hadhrat Halima: Ich zog gemeinsam mit meinem Mann, unserem Pflegekind und einigen Frauen des Stammes Banu Saʿd aus unserer Stadt fort. Es war ein Jahr der Hungersnot. Überall herrschten Mangel und Not. Ich ritt auf einer Eselin. Wir besaßen auch eine Kamelstute, doch sie gab keinen einzigen Tropfen Milch. Das hungrige Stillkind wand sich vor Hunger, und nachts konnten wir nicht schlafen. Auch meine Brüste hatten keine Milch, und die Kamelstute gab ebenfalls keine. Wir verbrachten unsere Tage in der Hoffnung auf Regen und bessere Lebensumstände. Als ich auf der Eselin von zu Hause aufbrach, ging sie so langsam, dass alle Mitglieder der Karawane ungehalten wurden. Wir gingen nach Mekka, um ein Kind zum Stillen zu finden. Allen Frauen unserer Karawane wurde der Gesandte Allahs zur Aufnahme angeboten, doch wegen seiner Vaterlosigkeit, das heißt, weil er Waise war, lehnten ihn alle ab. Denn jede hoffte auf eine gute Bezahlung von der Familie des Kindes. Was konnte eine verwitwete Mutter schon geben? Deshalb war keine von uns bereit, ihn aufzunehmen.
Unterdessen hatte jede Frau unserer Karawane irgendein Kind bekommen. Nur ich hatte kein Kind gefunden. Auf dem Rückweg sagte ich zu meinem Mann: Es gefällt mir nicht, mit leeren Händen zurückzukehren. Ich nehme lieber dieses Kind mit. Mein Mann stimmte zu und sagte: Vielleicht wird Allah, der Erhabene, uns seinetwegen Segen gewähren. Daraufhin ging ich hin und nahm ihn auf.
Hadhrat Halima, möge Allah mit ihr zufrieden sein, sagte: Als ich mit dem Kind zu unserem Lager zurückkehrte, waren meine beiden Brüste voller Milch. Das Kind trank sich satt, und auch sein Milchbruder trank sich satt. Danach schliefen beide zufrieden ein. Zuvor hatte mein eigenes Kind wegen des Hungers nicht schlafen können. Unterdessen ging mein Mann, um die Kamelstute zu melken, und stellte fest, dass ihr Euter voller Milch war. Er molk so viel Milch, dass wir uns satt trinken konnten. Wir verbrachten eine äußerst angenehme Nacht. Am Morgen sagte mein Mann: Bei Gott, Halima, du hast ein gesegnetes Kind aufgenommen. Ich sagte: Das glaube ich auch.
Halima sagte: Danach brach unsere Karawane auf. Ich stieg auf den Rücken der schwachen Eselin, und das Kind saß auf meinem Schoß. Die Eselin ging so schnell, dass sie alle anderen Esel überholte. Die mitreisenden Frauen staunten und sagten: O Tochter Abu Zubairs, was ist das für ein Wunder? Schau doch einmal zu uns zurück. Ist das dieselbe Eselin, auf der du hergekommen bist? Ich sagte: Ja, sie ist es. Sie sagten: Dann muss sich in ihr gewiss etwas Besonderes ereignet haben.
Danach kehrten wir in unsere Häuser beim Stamm Banu Saʿd zurück. Ich wusste nicht, ob es irgendeine andere Gegend gab, die von größerer Armut und einer schlimmeren Hungersnot betroffen war als unsere. Nachdem wir zurückgekehrt waren, gingen unsere Ziegen auf die Weide und kehrten mit vollen Bäuchen und prallen Eutern zurück. Wir molken sie und tranken ihre Milch, während sonst niemand Milch bekam. In den Eutern der Tiere der anderen war keine Milch. Die Leute unseres Stammes sagten zu den Hirten: Ihr Unglücklichen, treibt eure Ziegen dorthin, wo die Tochter Zubairs ihre Ziegen weidet. Trotzdem kehrten ihre Ziegen mit leeren Bäuchen zurück, und in ihren Eutern fand sich kein einziger Tropfen Milch. Meine Ziegen dagegen kehrten mit vollen Bäuchen und prallen Eutern zurück. So begannen wir, Allahs Barmherzigkeit und Segen unmittelbar zu erleben. Als das Kind zwei Jahre alt war, entwöhnten wir es. Dieses Kind war kräftiger und wohlgenährter als die anderen Kinder. Danach brachten wir es zu seiner Mutter. Weil wir durch ihn Segen erfahren hatten, wollten wir, dass das Kind bei uns blieb. Ich teilte der Mutter diesen Wunsch mit. Nach wiederholtem Bitten und Drängen gab Bibi Amina das Kind erneut zu mir zurück. (Ibn Hischam, Band 1, S. 162–164.)
Das Ereignis der Spaltung der Brust
Auch nach der Entwöhnung blieb der kleine Muhammad beim Stamm Banu Saʿd. Als er vier oder fünf Jahre alt war, ereignete sich die Spaltung der Brust. (Die meisten Verfasser der Sira vertreten diese Ansicht. Aus der Überlieferung Ibn Ishaqs geht jedoch hervor, dass sich dieses Ereignis im Alter von drei Jahren zugetragen habe. Ibn Hischam, Band 1, S. 164–165.)
Eine ausführliche Darstellung dieses Ereignisses wird in Sahih Muslim von Hadhrat Anas, möge Allah mit ihm zufrieden sein, überliefert. Es wird berichtet, dass Hadhrat Dschibril, Friede sei mit ihm, zum Gesandten Allahs – Allah segne ihn und schenke ihm Frieden – kam. Zu dieser Zeit spielte der Gesandte Allahs mit den Kindern. Dschibril legte ihn nieder, öffnete seine Brust und nahm sein Herz heraus. Dann entnahm er dem Herzen einen Teil und sagte: Das ist der Anteil des Satans in dir. Danach legte er das Herz in eine Schale und wusch es mit Wasser aus dem Zamzam-Becher. Anschließend setzte er es wieder an seinen vorgesehenen Platz. Die anderen Kinder liefen zu Bibi Halima und sagten: Muhammad ist getötet worden. Die Angehörigen eilten herbei und sahen, dass er mit blassem Gesicht dasaß. (Sahih Muslim, Kapitel über die Nachtreise, Band 1, S. 92.)
In der Zuneigung der Mutter und unter der liebevollen Fürsorge des Großvaters
Nach diesem Ereignis bekam Bibi Halima Angst. Sie brachte das Kind zu seiner Mutter zurück. Bis zu seinem sechsten Lebensjahr wuchs er im liebevollen Schutz seiner Mutter auf. (Talkihul-Fuhum, S. 7; Ibn Hischam, Bd. 1, S. 168)
Unterdessen bekam Hazrat Amina den Wunsch, das Grab ihres verstorbenen Mannes zu besuchen. Zusammen mit ihrem Sohn Muhammad, der Dienerin Umm Aiman und ihrem Schwiegervater Muttalib legte sie fast fünfhundert Kilometer zurück und erreichte Medina. Nachdem sie dort einen Monat geblieben war, brach sie nach Mekka auf. Als Bibi Amina einen Ort namens Abwa auf halbem Weg zwischen Mekka und Medina erreichte, wurde sie schwer krank. Allmählich verschlimmerte sich ihre Krankheit. Schließlich starb sie in Abwa. (Ibn Hischam, Bd. 1, S. 168; Talkhisut-Tuhum, S. 7; Fiqhus-Sira, al-Ghazali, S. 50)
Der alte Abd al-Muttalib erreichte gemeinsam mit seinem Enkel Mekka. Für seinen vater- und mutterlosen Enkel empfand er eine innige Liebe. Die Erinnerungen an die Vergangenheit beschwerten sein Herz. Keinen seiner eigenen Söhne oder Töchter liebte er so sehr, wie er seinen vater- und mutterlosen Enkel liebte. Durch die Laune des Schicksals war der junge Muhammad völlig allein; doch Abd al-Muttalib ließ ihn nicht einsam sein. Er liebte und ehrte seinen Enkel mehr als alle anderen. Ibn Hischam schrieb, dass für Abd al-Muttalib im Schatten der Kaaba ein Bett ausgebreitet wurde. Alle seine Söhne saßen rings um dieses Bett. Wenn Muhammad kam, setzte er sich jedoch auf das Bett. Er war noch ein kleines Kind. Sein Onkel wollte ihn vom Bett nehmen, doch Abd al-Muttalib sagte: »Nehmt ihn nicht weg. Seine Stellung ist außergewöhnlich.« Danach setzte er ihn neben sich. Er ließ seinen geliebten Enkel nicht nur neben sich sitzen, sondern behielt ihn stets bei sich. Die Beschäftigungen des jungen Muhammad bereiteten ihm Freude. (Ibn Hischam, Bd. 1, S. 168)
Als er acht Jahre, zwei Monate und zehn Tage alt war, endete auch der liebevolle Schutz seines Großvaters. Dieser starb. Vor seinem Tod vermachte er seinem Sohn Abu Talib, sich besonders um seinen Neffen zu kümmern. Abu Talib und Abdullah waren Söhne derselben Mutter. (Talkihul-Fuhum, S. 7; Ibn Hischam, Bd. 1, S. 149)
Unter der liebevollen Fürsorge des Onkels
Abu Talib erzog seinen Neffen mit tiefer Zuneigung und liebevoller Fürsorge. Er nahm ihn in seine eigene Familie auf. Ja, er liebte ihn mehr als seine eigenen Kinder und unterstützte seinen Neffen mehr als vierzig Jahre lang. Abu Talib schloss mit den Menschen Bündnisse der Feindschaft oder Freundschaft stets im Hinblick auf die Interessen seines geliebten Neffen.
Auf der Suche nach Allahs Barmherzigkeit
Ibn Ishaq berichtet nach der Überlieferung von Dschulāhima ibn ʿArafāt: Ich kam nach Mekka. Überall herrschte eine Hungersnot, die durch den ausbleibenden Regen entstanden war. Die Angehörigen des Stammes Quraisch baten Abū Tālib, für Regen zu beten. Abū Tālib trat mit einem Knaben hinaus. Der Knabe schien eine von Wolken bedeckte Sonne zu sein. Auch andere Knaben waren in seiner Nähe. Abū Tālib ging mit diesem Knaben zur Kaaba. Er ließ den Rücken des Knaben die Wand der Kaaba berühren. Der Knabe legte seinen Finger daran. Am Himmel war kein einziges Wölkchen zu sehen. Doch schon nach kurzer Zeit bedeckten Wolken den gesamten Himmel, und heftiger Regen begann niederzugehen. Die Stadt und das Umland wurden wieder lebendig und fruchtbar. Später deutete Abū Tālib auf dieses Ereignis hin und sagte: Er ist von schöner Gestalt; von seinem Angesicht wird der Segen des Regens erfleht. Er ist der Zufluchtsort der Waisen und der Beschützer der Witwen. (Mukhtaṣar as-Sīra, Scheich ʿAbdullāh, S. 15–16)
Der Mönch Buhaira
Als der Prophet Muhammad, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, zwölf Jahre alt war – nach anderer Auffassung zwölf Jahre, zwei Monate und zehn Tage (Talqīḥ al-Fuhūm, Ibn al-Dschauzī, S. 7) –, brach Abū Tālib mit ihm zu einer Handelsreise nach Syrien auf. Nachdem sie in Bostra angekommen waren, schlugen sie an einem Ort ein Zelt auf. Zu jener Zeit war Sera die Hauptstadt des von den Römern beherrschten Reiches auf der Arabischen Halbinsel. In dieser Stadt lebte ein Mönch namens Dschirdschīs. Er war unter dem Namen Buhaira bekannt. Nachdem die Karawane ihr Zelt aufgeschlagen hatte, kam Buhaira aus der Kirche zu den Leuten der Karawane und bewirtete sie. Dabei war der Mönch Buhaira sonst niemals aus seiner Kirche herausgekommen. Er erkannte den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, nahm ihn bei der Hand und sagte: Er ist der Herr der Welten. Allah, der Erhabene, wird ihn als Barmherzigkeit für die Welten entsenden. Abū Tālib fragte Buhaira: Wie haben Sie das erkannt? Er antwortete: Seit ihr in dieses Gebiet gekommen seid, haben sich ihm zuliebe alle Bäume und Steine dieser Gegend in Niederwerfung gebeugt. Sie werfen sich niemand anderem als einem Propheten nieder. Außerdem habe ich ihn am Siegel des Prophetentums erkannt. Es befindet sich unterhalb seiner Schulter neben dem weichen Knochen und ist wie ein Apfel. Von ihm haben wir in unseren religiösen Schriften gelesen.
Danach sagte der Mönch Buhaira zu Abū Tālib: Schicken Sie ihn nach Mekka zurück. Nehmen Sie ihn nicht mit nach Syrien. Die Juden könnten ihm Schaden zufügen. Diesem Rat folgend schickte Abū Tālib seinen geliebten Neffen mit einigen Dienern nach Mekka zurück. (Mukhtaṣar as-Sīra, Scheich ʿAbdullāh, S. 16; Ibn Hischām, S. 16. In at-Tirmidhī und anderen Werken wird erwähnt, dass er gemeinsam mit Bilāl nach Mekka zurückkehrte; dies ist jedoch falsch. Bilāl war damals noch nicht einmal geboren. Selbst wenn er geboren gewesen wäre, wäre er Abū Bakr nicht bekannt gewesen. Zād al-Maʿād, Bd. 1, S. 17.)
Der Fidschār-Krieg
Als der Prophet und Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, fünfzehn Jahre alt war, begann der Fidschār-Krieg. In diesem Krieg standen auf der einen Seite die Quraisch zusammen mit Banū Kināna und auf der anderen Seite Qais ʿAilān. Das Oberhaupt der Quraisch und von Kināna war Ḥarb ibn Umaiya. Wegen seines Alters und seines vornehmen Stammes genoss er bei den Quraisch hohes Ansehen. Auch Banū Kināna erwies ihm Ehre. In der ersten Phase des Krieges war Qais gegenüber Kināna überlegen. Doch noch vor Mittag wendete sich das Kräfteverhältnis zugunsten Kinānas gegen Qais. Dieser Krieg wurde Fidschār-Krieg genannt, weil dabei die Verbote sowohl des heiligen Gebiets als auch der heiligen Monate aufgehoben worden waren. Auch der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, nahm an diesem Krieg teil. Er reichte seinen Onkeln die Pfeile. (Ibn Hischām, Bd. 1, S. 184–186; Qalb Dschazīrat al-ʿArab, S. 360; Tārīkh al-Chaḍramī, Bd. 1, S. 63)
Ḥilf al-Fuḍūl
Nach dem Fidschār-Krieg wurde im für verboten erklärten Monat Dhū l-Qaʿda der Bund Ḥilf al-Fuḍūl geschlossen. Mehrere Stämme, nämlich die Quraisch – darunter Banū Hāschim, Banū al-Muṭṭalib, Banū Asad ibn ʿAbd al-ʿUzzā, Banū Zuhra ibn Kilāb und Banū Taim ibn Murra –, organisierten ihn. Sie alle versammelten sich im Haus von ʿAbdullāh ibn Dschudʿān at-Taimī. Aufgrund ihres Alters und ihrer Vornehmheit genossen sie allgemeine Achtung. Sie gelobten einander, jede Art von Unrecht und Unterdrückung, die in Mekka begangen wurde, zu verhindern.
Ob Einwohner von Mekka oder Fremder – wenn jemandem Unrecht widerfuhr, sollte das Unrecht beseitigt und ihm sein Recht zurückgegeben werden. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, war bei dieser Versammlung anwesend. Nach Erhalt der Prophetenschaft erwähnte er dieses Ereignis und sagte: „Ich war im Haus von ʿAbdullah ibn Dschudʿan an einem solchen Bündnis beteiligt, dass ich dafür nicht einmal ein rotes Kamel eintauschen möchte. Wenn ich im Islamischen Zeitalter zu diesem Bündnis gerufen würde, würde ich gewiss erscheinen.“ (Ibn Hischam, Band 1, S. 133–135; Mukhtasar as-Sira, Scheich ʿAbdullah, S. 30–31)
Im Kern dieses Bündnisses stand die Beseitigung sämtlicher Ungerechtigkeiten des Zeitalters der Unwissenheit. Als Anlass für dieses Bündnis wird Folgendes genannt: Ein Mann aus dem Stamm der Zubair war mit einigen Waren nach Mekka gekommen. ʿAs ibn Waʾil kaufte ihm diese Waren ab, bezahlte jedoch ihren Preis nicht. Der Verkäufer der Waren bat ʿAbd ad-Dar, Machzum, Dschamih, Sahm und ʿAdi, bei ʿAs ibn Waʾil Hilfe zu leisten. Doch niemand nahm diese Angelegenheit ernst. Daraufhin bestieg der Mann den Berg Abu Qubais und trug mit lauter Stimme mehrere Gedichte vor, in denen er das ihm widerfahrene Unrecht schilderte.
Daraufhin begann az-Zubair ibn ʿAbd al-Muttalib sich dafür einzusetzen und sagte: „Warum gibt es niemanden, der diesem Mann hilft?“ Durch seine Bemühungen versammelten sich die genannten Stämme. Zuerst schlossen sie das Bündnis; anschließend forderten sie von ʿAs ibn Waʾil den Preis für die verkauften Waren ein und händigten ihn dem Mann aus. (Mukhtasar as-Sira, S. 30–31)
Ein entbehrungsreiches Leben
In seiner Jugend hatte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, keine bestimmte Tätigkeit. Aus verschiedenen Überlieferungen ist jedoch bekannt, dass er Ziegen hütete. Er hütete die Ziegen des Stammes Banu Saʿd. (Ibn Hischam, Band 1, S. 62, 166)
Gegen eine Vergütung von einigen Qirāt hütete er auch die Ziegen verschiedener Einwohner Mekkas. ( ) (Sahih al-Buchari, Band 1, S. 301) Im Alter von fünfundzwanzig Jahren reiste er mit den Handelswaren von Hadhrat Chadidscha, möge Allah mit ihr zufrieden sein, nach Syrien. Ibn Ishaq berichtet, dass Chadidscha bint Chuwailid eine vornehme und wohlhabende Frau war. Sie kaufte Waren für verschiedene Menschen ein und verkaufte diese Waren. Einen Teil des Gewinns behielt sie für sich. Der gesamte Stamm der Quraisch betrieb Handel. Als Bibi Chadidscha von der Wahrhaftigkeit, dem vorbildlichen Charakter und der Bescheidenheit des edlen Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, hörte, ließ sie ihm ein Angebot unterbreiten, ihn für ihre Handelsgeschäfte einzustellen. Sie schlug vor, dass er ihren Sklaven Maisara mitnehmen sollte. Bibi Chadidscha sagte außerdem, dass sie dem edlen Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, eine höhere Vergütung zahlen werde als anderen Personen. Der Gesandte Allahs nahm dieses Angebot an und reiste mit den Handelswaren von Bibi Chadidscha und ihrem Sklaven Maisara nach Syrien. (Ibn Hischam, Band 1, S. 187–188).
Die Heirat mit Bibi Chadidscha
Nachdem der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, von seiner Handelsreise nach Mekka zurückgekehrt war, bemerkte Bibi Chadidscha, dass sein Gewinn diesmal deutlich höher ausgefallen war als zuvor. Außerdem hörte sie von seinem Diener Maisara höchstes Lob über den vorzüglichen Charakter, die Wahrhaftigkeit, die Gerechtigkeit und andere Tugenden des Gesandten Allahs. Als sie dies hörte, verliebte sie sich innerlich in den Gesandten Allahs. Zuvor hatten ihr bereits bedeutende Oberhäupter und angesehene Männer Heiratsanträge gemacht, doch keinen dieser Anträge hatte sie angenommen. Bibi Chadidscha vertraute ihrer Freundin Nafisa bint Munabbih ihren geheimen Herzenswunsch an. Nafisa ging zum Gesandten Allahs und sprach mit ihm. Der Gesandte Allahs war einverstanden und beriet sich mit seinem Onkel. Seine Onkel besprachen die Angelegenheit mit Chadidschas Onkel und ließen einen Heiratsantrag übermitteln. Danach fand die Eheschließung statt. Bei dieser Hochzeit waren die führenden Männer der Stämme Banu Haschim und Mudar anwesend.
Diese Eheschließung fand zwei Monate nach seiner Rückkehr von der Beendigung der Handelsreise aus Syrien statt. Der Gesandte Allahs gab als Brautgabe zwanzig Kamele. Bibi Chadidscha war damals vierzig Jahre alt. Sie war hinsichtlich Verstand und Urteilsvermögen, Schönheit, Vermögen und Abstammung die vorzüglichste Frau. Dies war die erste Ehe des Gesandten Allahs mit Bibi Chadidscha. Solange Bibi Chadidscha lebte, heiratete der Gesandte Allahs keine andere Frau. (Ibn Hischam, Bd. 1, S. 189–190; Fiqh us-Sira, S. 59; Talkhis ul-Fuhum, S. 7)
Mit Ausnahme von Ibrahim stammten alle Kinder des Gesandten Allahs aus dem Schoß Bibi Chadidschas. Als Erster wurde Qasim geboren. Deshalb wurde der Gesandte Allahs Abu l-Qasim, also Vater des Qasim, genannt. Nach Qasim wurden Zainab, Ruqayya, Umm Kulthum, Fatima und Abdullah geboren. Abdullahs Beinamen waren Tayyib und Tahir. Alle Söhne starben im Kindesalter. Die Töchter lebten bis in die islamische Zeit. Sie alle nahmen den Islam an und erlangten die Ehre der Auswanderung. Mit Ausnahme von Fatima starben alle noch zu Lebzeiten des Gesandten Allahs. Fatima, möge Allah mit ihr zufrieden sein, starb sechs Monate nach dem Tod ihres Vaters, des Gesandten Allahs. (Ibn Hischam, Bd. 1, S. 190–191; Fiqh us-Sira, S. 60; Fath al-Bari, Bd. 7, S. 105. In den historischen Angaben besteht eine gewisse Meinungsverschiedenheit. Ich habe diejenige Angabe angeführt, die mir zuverlässig erschien.)
Der Bau der Kaaba und die Beilegung des Streits um den Hadschar al-Aswad
Als der Prophet, der Gesandte Allahs, fünfunddreißig Jahre alt war, begannen die Quraisch mit dem Neubau der Kaaba. Der Grund für dieses Vorhaben war, dass die Kaaba von vier Mauern umgeben war, die nur etwas höher als ein Mensch waren. Schon zur Zeit von Ismail, Friede sei mit ihm, waren diese Mauern neun Ellen hoch gewesen und hatten kein Dach. Einige ruchlose Diebe nutzten diesen Zustand aus und stahlen die im Inneren befindlichen Schätze. Außerdem war seit dem Bau lange Zeit vergangen. Das Gebäude war alt geworden, und in den Mauern hatten sich Risse gebildet. In jenem Jahr hatte es zudem eine heftige Überschwemmung gegeben, deren Fluten auf die Kaaba zugeströmt waren. Aus diesen Gründen bestand die Gefahr, dass die Kaaba jederzeit einstürzen könnte. Aus diesen Gründen bestand die Gefahr, dass die Kaaba jederzeit einstürzen könnte. Daher erkannten die Quraisch die Notwendigkeit, die Kaaba neu zu errichten.
Daraufhin beschlossen die Quraisch, für den Bau der Kaaba ausschließlich auf rechtmäßige Weise erworbenes Vermögen zu verwenden. Dazu durften weder die Einkünfte von Prostituierten noch Zinsgelder oder auf unrechtmäßige Weise erlangtes Vermögen verwendet werden.
Für den Neubau der Kaaba musste das alte Gebäude abgerissen werden. Doch niemand wagte es, das Haus abzureißen. Schließlich begann al-Walid ibn al-Mughira al-Machzumi als Erster mit dem Abriss. Als alle sahen, dass al-Walid kein Unglück widerfuhr, beteiligten sie sich am Abriss. Nachdem auch der Teil abgerissen worden war, der zur Zeit des Propheten Ibrahim, Friede sei mit ihm, errichtet worden war, begann man mit dem Neubau. Jeder Stamm hatte beim Bau seinen festgelegten Abschnitt, und jeder Stamm nahm seine Arbeit auf. Ein römischer Baumeister namens Baqum beaufsichtigte die Bauarbeiten. Als das Gebäude bis zur Höhe des Hadschar al-Aswad errichtet worden war, entstand ein Problem: Wer sollte diesen heiligen Stein einsetzen? Dies war eine Arbeit von besonderer Heiligkeit und Auszeichnung. Vier oder fünf Tage lang dauerte dieser Streit an. Er nahm schließlich eine gefährliche Wendung, sodass die Befürchtung entstand, es könne zu Blutvergießen kommen. Abu Umayya al-Machzumi fand folgende Lösung für den Streit: Alle sollten den Schiedsspruch dessen anerkennen, der am nächsten Morgen als Erster durch das Tor der al-Masdschid al-Haram eintreten würde. Diesem Vorschlag stimmten alle zu. Am nächsten Morgen betrat der Gesandte Allahs als Erster die Kaaba. Daraufhin wurde er zum Schiedsrichter bestimmt. Der Gesandte Allahs legte eigenhändig ein Tuch auf den Boden und den Stein darauf; anschließend forderte er die verfeindeten Stämme auf, den Stein gemeinsam an seinen Platz zu tragen, indem jeder den Rand des Tuches ergriff. Das taten sie. Nachdem sie das Tuch an die vorgesehene Stelle getragen hatten, setzte der Gesandte Allahs den Stein eigenhändig an seinen Platz. Dieser Schiedsspruch war äußerst vernünftig und klug. Alle Streitparteien waren damit zufrieden. Niemand hatte etwas zu beanstanden.
Unterdessen mangelte es den Quraisch an rechtmäßigen Geldmitteln. Deshalb verkürzten sie die Länge der Kaaba an der Nordseite um ungefähr sechs Ellen. Dieser Teil wird Hidschr und Hatim genannt. Nun erhöhten die Quraisch das Tor der Kaaba beträchtlich, damit nur Personen, denen sie die Erlaubnis erteilten, die Kaaba betreten konnten. Nachdem die Mauern fünfzehn Ellen hoch geworden waren, wurden im Inneren sechs Säulen errichtet und darüber ein Dach gegossen. Nach Abschluss des Baus erhielt die Kaaba eine viereckige Gestalt. Heute ist die Kaaba fünfzehn Meter hoch. Die Mauer an der Seite, an der sich der Hadschar al-Aswad befindet, sowie die ihr gegenüberliegende, also die nördliche und die südliche Mauer, sind jeweils zehn Meter hoch. Der Hadschar al-Aswad befindet sich in eineinhalb Metern Höhe über dem Boden. Die Mauer auf der Seite des Tores und der ihr gegenüberliegende Abschnitt sind zwölf Meter höher als die Mauern an der Ost- und Westseite. Unterhalb der das Tor umgebenden, zwei Meter über dem Boden liegenden Mauer befindet sich ringsum eine sitzförmige Einfassung. Sie ist fünfundzwanzig Zentimeter hoch und dreißig Zentimeter lang. Sie wird Schadhrawan genannt. Auch sie gehört eigentlich zur Kaaba, doch die Quraisch ließen den Bau dieses Abschnitts unvollendet. (Für eine ausführliche Darstellung siehe Ibn Hischam, Bd. 1, S. 192, 197; Fiqh us-Sira, S. 62; Sahih al-Buchari, Bd. 1, S. 1, 2, 15.)
Das Leben vor der Prophetenschaft
Die Eigenschaften, die bei Menschen verschiedener Klassen vereinzelt zu finden sind, waren im Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in ihrer Gesamtheit vereint. Er war ein erhabener Leuchtturm der Weitsicht, Wahrheitsliebe und Besonnenheit. Klarheit und Reife des Denkens sowie die Reinheit von Ziel und Absicht waren in ihm in vollkommener Weise vorhanden. Während langer Zeiten der Stille erhielt er Allahs Hilfe für die Wahrheit und Gerechtigkeit. Mit klarem, geschärftem Verstand, vorzüglichem Charakter und einer erhabenen Sichtweise dachte er tief über das menschliche Leben nach, insbesondere über dessen verschiedene Probleme. Als er durch diese Betrachtung sah, in welche Verderbtheit die Menschen versunken waren, erfüllte sich sein Herz mit Abscheu. Er war zutiefst betrübt. Er hielt sich von den Menschen fern, die im Strudel der Verderbtheit versunken waren. Nachdem er eine richtige Vorstellung vom menschlichen Leben gewonnen hatte, beteiligte er sich so weit wie möglich am Wohl der Menschen; die übrige Zeit kehrte er in die Welt der von ihm geliebten Einsamkeit zurück. Er berührte niemals Wein, aß kein Fleisch von Tieren, die an einem Heiligtum geschlachtet worden waren, und nahm niemals an Festen, Jahrmärkten oder ähnlichen Veranstaltungen teil, die für Götzen abgehalten wurden.
Von Anfang an hasste er die falschen Gottheiten, die man Götzen nannte, zutiefst. Nichts anderes hasste er in einem solchen Maß. Auch Schwüre bei al-Lāt und al-ʿUzzā konnte er nicht ertragen. (Der Vorfall mit Buhaira liefert dafür einen Beweis. (Ibn Hischām, Band 1, S. 128)
Es besteht kein Zweifel daran, dass das Schicksal seinen Schutz über ihn ausgebreitet hatte. Wann immer sein Herz sich nach etwas Weltlichem sehnte oder in ihm der Wunsch aufkam, törichten und missbilligten Bräuchen zu folgen, hielt Allah, der Erhabene, ihn davon fern.
In einer Überlieferung von Ibn Athīr wird berichtet, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Nie hatte ich mehr als zweimal den Wunsch, etwas von dem zu tun, was die Menschen in der Zeit der Unwissenheit taten. Auch bei diesen beiden Gelegenheiten schuf Allah ein Hindernis für mich.“
Danach kam ein solcher Wunsch niemals mehr in meinem Herzen auf. Inzwischen hatte Allah, der Erhabene, mich mit dem Prophetentum geehrt. Eines Tages sagte ich zu dem Jungen, der mit mir am Stadtrand von Mekka Ziegen hütete: „Wenn du auf meine Ziegen achtgeben würdest, könnte ich nach Mekka gehen und wie die anderen jungen Männer an den nächtlichen Gesprächsrunden teilnehmen.“ Der Hirte war einverstanden. Ich machte mich auf den Weg nach Mekka. Als ich das erste Haus erreichte, hörte ich den Klang von Musikinstrumenten. Auf meine Frage sagte jemand: „Die Hochzeit von soundso mit soundso wird gefeiert.“ Ich setzte mich hin, um zuzuhören. Da verschloss Allah, der Erhabene, meine Ohren, und ich schlief ein. Als ich erwachte, nachdem die Sonne meinen Körper erwärmt hatte, kehrte ich zu jenem Hirten am Stadtrand von Mekka zurück. Nachdem er mich gefragt hatte, erzählte ich ihm alles. An einem anderen Tag sagte ich dasselbe und gelangte vom Hirten nach Mekka, doch es geschah genau dasselbe wie in der ersten Nacht. Danach kam ein solcher verwerflicher Wunsch niemals mehr in meinem Herzen auf.“ (Hammem Dschawabi erklärte diesen Hadith für sahih; Ibn Kathir bezeichnete ihn dagegen in seinem Werk al-Bidāya wa-n-Nihāya, Band 2, S. 287, als daʿīf, also schwach.)
Im Sahih al-Buchari wird von Dschābir ibn ʿAbdullāh, möge Allah mit ihm zufrieden sein, überliefert, dass der edle Prophet, der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und ʿAbbās Steine zerkleinerten, als die Kaaba gebaut wurde. ʿAbbās sagte zum Gesandten Allahs: „Nimm dein Lendentuch ab und lege es über deine Schulter; so wirst du vor dem Staub der Steine geschützt.“ Als er das Lendentuch ablegte, fiel er zu Boden. Dann blickte er zum Himmel und wurde bewusstlos. Nach kurzer Zeit kam er wieder zu sich und sagte: „Mein Lendentuch, mein Lendentuch!“ Daraufhin wurde ihm sein Lendentuch wieder angelegt. In einer Überlieferung wird erwähnt, dass nach diesem Vorfall niemals wieder seine Scham bedeckt gesehen wurde. (Sahih al-Buchari, Kapitel über den Bau der Kaaba, Band 1, S. 540)
Der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, war aufgrund seiner lobenswerten Taten, seines vorzüglichen Charakters und seines von Liebenswürdigkeit geprägten Wesens einzigartig und herausragend. Er besaß mehr Persönlichkeit als alle anderen, hatte den vorzüglichsten Charakter, war der angesehenste Nachbar, der weitsichtigste, der wahrhaftigste von allen sowie der sanftmütigste und reinste Herzens. In guten Taten und guten Worten ging er allen voran und war dafür am meisten gepriesen. Im Einhalten von Versprechen war er allen voraus. In der Wahrung anvertrauter Güter war er unvergleichlich. Seine eigenen Volksgenossen nannten ihn al-Amīn. In ihm waren alle lobenswerten Eigenschaften vereint. Chadidscha, möge Allah mit ihr zufrieden sein, bezeugte, dass er die Last der Bedrängten trug, den traurigen und armen Menschen helfend die Hand entgegenstreckte, Gäste bewirtete und bei der Durchsetzung von Wahrheit und Gerechtigkeit half. (Sahih al-Buchari, Band 1, S. 3)
(Allah, der Erhabene, offenbarte seinem Gesandten und sprach:) „O du Bedeckter (Muhammad), erhebe dich, verlasse dein Lager und warne die Menschen der Welt vor den Folgen ihres Unglaubens; und preise selbst die Größe deines Herrn.“ (Sure al-Muddaththir, 1–3)
4
In seinem eigenen Haus war er ein Fremder: Dreizehn Jahre der Unterdrückung und Verfolgung
Die verschiedenen Phasen der Daʿwa
Im Inneren der Höhle Hira im Schatten der Risāla
Das Alter Muhammads, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, näherte sich vierzig Jahren. Aufgrund seiner reinen und unbeugsamen Persönlichkeit vergrößerte sich die geistige und gedankliche Distanz zu seinen Volksgenossen beträchtlich. In dieser Lage begann der Gesandte, die Einsamkeit zu lieben. Er nahm Gerstenmehl und Wasser mit und verbrachte seine Zeit in der Höhle des Berges Hira, die zwei Meilen von Mekka entfernt lag. Es war eine kleine Höhle; ihre Länge betrug vier Ellen und ihre Breite knapp zwei Ellen. Nach unten hin war sie nicht tief. Sie befand sich am Zusammenlauf eines kleinen Weges mit dem höher gelegenen Gelände. Nachdem der geliebte Gesandte diese Höhle aufgesucht hatte, ging auch Bibi Chadidscha mit ihm und hielt sich an einem nahe gelegenen Ort auf. Der geliebte Gesandte verbrachte den gesamten Ramadan in dieser Höhle. Er dachte über die sichtbare Welt und die Wunder der göttlichen Macht nach, die hinter ihren Vorgängen wirkten. Der Götzendienst und die schmutzige Lebensweise seiner Volksgenossen bereiteten ihm keinen Frieden. Doch vor ihm lag kein klarer Weg, keine bestimmte Methode und kein Programm, das dem bestehenden Zustand entgegengesetzt war und auf dessen Grundlage er sein Leben hätte führen und geistige Ruhe und Frieden hätte finden können. (Raḥmatul lil-ʿĀlamīn, Bd. 1, S. 47; Ibn Hischām, Bd. 1, S. 235–236; Tafsīr fī Ẓilālil-Qurʾān – Sayyid Quṭb asch-Schahīd, S. 29, 66.) Diese Vorliebe des Gesandten für die Einsamkeit war in Wirklichkeit ein Teil der Weisheit Allahs. Auf diese Weise bereitete Allah ihn auf die gewaltige künftige Verantwortung vor. Tatsächlich ist es nur natürlich, dass jemand, der durch die Lösung der praktischen Probleme des menschlichen Lebens eine revolutionäre Veränderung in dessen Verlauf herbeizuführen sucht, sich eine Zeit lang in der Abgeschiedenheit und in einer lärmfreien Umgebung fern vom umgebenden Treiben und Getöse aufhält.
Nach diesem Plan bereitete Allah allmählich Seinen geliebten Gesandten darauf vor, die gewaltige Last des anvertrauten Auftrags zu tragen und die historische Verantwortung für eine Veränderung im Lebensweg der gesamten Menschheit zu erfüllen. Bereits drei Jahre vor der Übertragung dieser Verantwortung hatte Er für ihn die Meditation in der Abgeschiedenheit bestimmt. In dieser Abgeschiedenheit versenkte er sich bisweilen einen ganzen Monat lang in die Meditation. Auf seiner geistigen, spirituellen Reise dachte er tief über die Geheimnisse der Schöpfung nach und forschte darüber, damit er bei Erhalt der erforderlichen Weisungen in der Lage sein würde, seine Aufgabe angemessen zu erfüllen. (Tafsīr fī Ẓilālil-Qurʾān, Dschuzʾ 29, S. 166–167. Es ist zu beachten, dass es sich hierbei um die Seitenzahlen der arabischen Ausgabe dieses Tafsīr handelt. Die Seitenzahlen der von der Bangladesh Al-Qurʾān-Akademie London veröffentlichten bengalischen Übersetzung stimmen möglicherweise nicht damit überein.)
Gabriels Kommen mit der Offenbarung
Das vierzigste Lebensjahr ist das Alter der menschlichen Vollkommenheit und Reife. Die Propheten empfangen in diesem Alter gewöhnlich die Offenbarung. Nachdem der geliebte Gesandte vierzig Jahre alt geworden war, begannen am Horizont seines Lebens die Zeichen des Prophetentums aufzuleuchten. Diese Zeichen zeigten sich in Form von Träumen. Die Träume, die der geliebte Gesandte zu jener Zeit sah, erschienen wie der helle Morgen. Unter diesen Umständen vergingen sechs Monate. Dieser Zeitraum entsprach dem sechsundvierzigsten Teil der prophetischen Zeit, deren Gesamtdauer dreiundzwanzig Jahre betrug. Im dritten Jahr seines zurückgezogenen Aufenthalts in der Höhle des Berges Hira wollte Allah die Bewohner der Welt mit Seinem Gnadenstrom tränken. Daraufhin verlieh Allah Seinem geliebten Gesandten das Prophetentum. Hadhrat Dschibrīl, Friede sei mit ihm, erschien mit einigen Versen des heiligen Qurʾān. (Hāfiz Ibn Hadschar al-ʿAsqalānī schrieb, dass al-Bayhaqī erwähnt habe, die Dauer der Träume habe sechs Monate betragen. Das heißt, dass er sechs Monate lang zu verschiedenen Zeiten Träume sah. Daher begann das Prophetentum durch Träume nach der Vollendung seines vierzigsten Lebensjahres im Monat Rabīʿ al-Awwal. Dieser Monat war der Geburtsmonat des geliebten Gesandten. Die erste Offenbarung im Wachzustand erhielt er im Monat Ramadan. (Fatḥ al-Bārī, Bd. 1, S. 27.)
Nach den Erkenntnissen, die durch historische Argumente und Beweise sowie durch das Studium verschiedener Werke, darunter des Korans, gewonnen wurden, ist bekannt, dass die erste Offenbarung in der Nacht zum Montag, am 21. Ramadan, herabgesandt wurde. Nach der Berechnung der Mondmonate war der ehrwürdige Gesandte, Hadhrat Muhammad Mustafa Ahmad Mujtaba (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), zu jener Zeit 40 Jahre, 6 Monate und 12 Tage alt.
Sein Alter zum Zeitpunkt der Herabsendung der Offenbarung
Unter den Historikern besteht Uneinigkeit darüber, in welchem Monat der geliebte Prophet das Prophetentum erhielt. Nach Ansicht der meisten Verfasser von Sira-Werken erhielt der geliebte Gesandte das Prophetentum im Monat Rabi al-awwal. Einige sagen, es sei im Ramadan gewesen, andere nennen den Monat Radschab. Siehe Mukhtasar as-Sira, verfasst von Scheich Abdullah, Band 1, S. 75. Meiner Einschätzung nach war es im Ramadan. Die Herabsendung der Offenbarung, also der Empfang des Prophetentums, ist die richtige Auffassung. Denn Allah, der Erhabene, sagt im Koran, dass der Koran im Monat Ramadan herabgesandt wurde. Allah, der Erhabene, sagt ferner, dass der Koran in der Nacht der Bestimmung herabgesandt wurde. Die Nacht der Bestimmung findet jedoch im Monat Ramadan statt. Allah, der Erhabene, sagt außerdem: „Wir haben ihn in einer gesegneten Nacht herabgesandt, und Wir warnen die Menschen vor der Strafe.“ Ein weiteres Argument dafür, dass der Koran im Ramadan herabgesandt wurde, ist, dass der Gesandte im Monat Ramadan in der Höhle Hira meditierte. Hadhrat Dschibril (Friede sei mit ihm) kam gerade in die Höhle Hira.
Unter denjenigen, die erwähnen, dass der Koran im Monat Ramadan herabgesandt wurde, besteht wiederum Uneinigkeit darüber, an welchem Tag des Ramadan dies geschah. Einige sagen am siebten, andere am achtzehnten Tag. (Siehe Mukhtasar as-Sira, Band 1, S. 75, und Rahmat li-l-Alamin, Band 1, S. 49.) Allama Hadhrami schrieb, der siebzehnte Tag sei die zutreffende Angabe.
(Siehe Tarikh al-Hadhrami, Band 1, S. 69, sowie Tarikh at-Taschrih al-Islami, S. 5, 6 und 7.) In dieser Frage habe ich dem 21. Ramadan den Vorzug gegeben. Allerdings hat niemand erwähnt, dass die Herabsendung des Korans am 21. Ramadan begonnen habe. Meine Begründung ist, dass nach Ansicht der meisten Verfasser von Sira-Werken das Erscheinen des Gesandten an einem Montag stattgefunden habe. Auch ein von Hadhrat Qatada (möge Allah mit ihm zufrieden sein) überlieferter Hadith belegt dies. Er sagte: Als der geliebte Gesandte nach dem Montag gefragt wurde, antwortete er: „An diesem Tag wurde ich geboren. An diesem Tag wurde mir das Prophetentum verliehen.“ Sahih Muslim, Band 1, S. 368; Musnad Ahmad, Band 5, S. 297 und 299; al-Bayhaqi, Band 4, S. 286 und 300; al-Hakim, Band 2, S. 2 und 6. In jenem Jahr fiel der Montag im Ramadan auf den 7., 14., 21. und 8. Tag. Durch authentische Überlieferungen ist belegt, dass die Nacht der Bestimmung in den ungeraden Nächten des Ramadan liegt und in einer ungeraden Nacht auftritt. Allah, der Erhabene, sagt, dass der Koran in der Nacht der Bestimmung herabgesandt wurde. Wenn man die Montage des Jahres betrachtet, in dem er das Prophetentum erhielt, gelangt man zu dem Schluss, dass er am Montag, dem 21. Ramadan, geboren wurde und an eben diesem Tag das Prophetentum erhielt.
Lasst uns die ausführliche Schilderung dieses Ereignisses aus dem Mund von Hadhrat Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) hören. Die Herabsendung des Korans war das Erscheinen einer wunderbaren Lichtflamme; durch diese Lichtflamme war die Dunkelheit der Irreführung und des Irrwegs vollständig verschwunden. Der Lauf der Geschichte wurde durch dieses Ereignis verändert.
Hadhrat Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) sagte: Der Beginn der Herabsendung an den geliebten Gesandten erfolgte durch Träume. Jeder Traum, den er sah, trat wie der helle Morgen hervor. Danach liebte er die Einsamkeit. Er verbrachte seine Zeit in der Höhle Hira mit Anbetung und Gottesdienst und kehrte damals mehrere Tage hintereinander nicht nach Hause zurück. Wenn seine Vorräte an Essen und Trinken aufgebraucht waren, kehrte er erneut nach Hause zurück, um sie zu holen. Eines Tages kam Hadhrat Dschibril (Friede sei mit ihm) zu ihm und sagte: „Lies!“ Er sagte: „Ich kann nicht lesen.“ Der Engel nahm ihn in seine Arme und drückte ihn kräftig an sich: „Lies!“ Er sagte: „Mir wurde alle Kraft ausgepresst.“ Danach ließ der Engel ihn los und sagte: „Lies!“ Er sagte: „Ich kann doch nicht lesen.“ Wieder nahm mich der Engel in seine Arme und drückte mich an sich.
Danach ließ er ihn los und sagte: „Lies!“ Zum dritten Mal nahm er ihn in seine Arme, drückte ihn kräftig an sich und sagte: „Lies: Iqra bi-ismi rabbika alladhi khalaq.“ (Es wurde bis „Allama al-insana ma lam ya’lam“ herabgesandt.) Das bedeutet: „Lies im Namen deines Herrn, der erschaffen hat.“
Nachdem diese Verse offenbart worden waren, kehrte der geliebte Prophet nach Hause zurück. Seine Brust hob und senkte sich heftig. Er sagte zu seiner Frau, Hadhrat Chadidscha bint Chuwailid: „Bedecke mich schnell mit einer Decke, bedecke mich mit einer Decke.“ Bibi Chadidscha hüllte den geliebten Propheten in eine Decke und ließ ihn sich hinlegen. Seine Angst verging.
Nachdem der geliebte Gesandte Bibi Chadidscha alles ausführlich erzählt hatte, sagte er: „Was ist mit mir geschehen? Ich fürchte um mein Leben.“ Bibi Chadidscha beruhigte ihn und sagte: „Allah wird dich gewiss nicht erniedrigen. Du erfüllst die Rechte deiner Verwandten, hilfst Menschen in Not, bewirtest Gäste und unterstützt die Aufrichtung der Wahrheit.“
Bibi Chadidscha brachte den geliebten Propheten daraufhin zu ihrem Cousin Waraqa ibn Nawfal. Waraqa ibn Nawfal ibn Asad ibn Abd al-Uzza war in der Zeit der Dschahiliyya Christ gewesen. Er konnte auf Hebräisch schreiben. So viel, wie Allah ihm die Fähigkeit dazu verliehen hatte, schrieb er das Evangelium auf Hebräisch nieder. Zu jener Zeit war er hochbetagt und blind. Bibi Chadidscha sagte: „Lieber Bruder, höre dir die Worte deines Neffen an.“ Waraqa sagte: „Neffe, was hast du gesehen?“
Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) erzählte ihm ausführlich alles, was er gesehen hatte. Nachdem Waraqa alles gehört hatte, sagte er: „Das ist der Gesandte, der zu Hadhrat Musa (Friede sei mit ihm) gekommen war. O wenn ich doch zu jener Zeit noch leben würde, wenn dein Volk dich vertreiben wird!“ Der Gesandte sagte erstaunt: „Wird mein Volk mich tatsächlich vertreiben?“ Waraqa sagte: „Ja. Wann immer jemand eine Botschaft dieser Art erhielt, wurde ihm Feindschaft entgegengebracht. Wenn ich dann noch lebe, werde ich dir gewiss helfen.“ Wenig später verstarb Waraqa. Danach setzte die Offenbarung plötzlich aus. [In Sahih al-Buchari wird dieser Bericht im Kapitel „Wie die Offenbarung herabgesandt wurde“ (Band 1, S. 2–3) in leicht veränderter Form erwähnt.]
Aus den Berichten von at-Tabari und Ibn Hischam ist bekannt, dass er sich auch während des Ausbleibens der Offenbarung noch einige Zeit in der Höhle Hira aufhielt, seine festgelegte Frist vollendete und danach nach Mekka zurückkehrte. Im Bericht at-Tabaris wird auch darauf eingegangen, wie der Gesandte sein Haus verließ. Dieser Bericht lautet wie folgt.
Als der edle Gesandte Allahs Segen und Frieden seien auf ihm über seinen seelischen Zustand nach dem Eintreffen der Offenbarung sprach, sagte er: „Unter Allahs Geschöpfen waren Dichter und Verrückte mir am verhasstesten. Wegen meines heftigen Hasses gegen sie wollte ich sie nicht einmal ansehen. Nachdem die Offenbarung eingetroffen war, sagte ich mir: Werden die Quraisch mich etwa einen Dichter oder Verrückten nennen? Nach diesem Gedanken stieg ich auf den Gipfel eines Berges, um mich hinabzustürzen und meinem Leben ein Ende zu setzen. Ich bestieg tatsächlich einen Berg. Als ich etwa die Hälfte des Berges hinaufgestiegen war, ertönte plötzlich eine Stimme vom Himmel: ,Muhammad, du bist Allahs Gesandter. Ich bin Dschibril.‘ Nachdem ich diese Stimme gehört hatte, blickte ich zum Himmel. Ich sah Dschibril in menschlicher Gestalt am Horizont stehen. Er sagte: ,O Muhammad, du bist Allahs Gesandter; ich bin Dschibril.‘ Der Gesandte sagte: ,Ich blieb wie angewurzelt stehen; ich konnte weder dorthin weitergehen noch zurück. Wohin auch immer ich am Himmel blickte, überall sah ich Dschibril. Ich blieb dort stehen. Währenddessen schickte Chadidscha Leute aus, um nach mir zu suchen. Nachdem sie mich gesucht hatten, kehrten sie nach Mekka zurück.“
Nachdem Dschibril gegangen war, kehrte ich zu meinem Haus zurück. Ich setzte mich an Chadidschas Seite und lehnte mich an ihren Oberschenkel. Sie sagte: „Abu al-Qasim, wo warst du? Ich habe jemanden ausgesandt, um nach dir zu suchen. Er ist nach Mekka gegangen und hat dort gesucht, dich aber nicht gefunden.“ Darauf erzählte ich Chadidscha alles, was ich gesehen hatte. Sie sagte: „O mein Cousin, freue dich und bleibe standhaft. Ich hoffe, dass du der Prophet dieser Umma sein wirst.“ Danach ging sie zu Waraqa ibn Nawfal und erzählte ihm alles. Nachdem er alles gehört hatte, sagte er: „Bei dem Wesen, in dessen Hand Waraqas Leben liegt: Zu ihm ist jener Engel gekommen, der zu Hadhrat Musa (Friede sei mit ihm) gekommen war. Muhammad ist der Prophet dieser Umma. Sag ihm, er solle standhaft bleiben.“
Danach kehrte Hadhrat Chadidscha zurück und berichtete dem Gesandten, was Waraqa gesagt hatte. Der geliebte Prophet kam nach Mekka, nachdem er die vorgesehene Aufenthaltsdauer in der Höhle Hira vollendet hatte. Zu dieser Zeit sagte Waraqa ibn Nawfal: „In ihm liegt sein Leben; du bist der Prophet dieser Umma. Zu dir ist jener große Engel gekommen, der zu Hadhrat Musa (Friede sei mit ihm) gekommen war.“ (Hidschab, S. 207; Ibn Hischam, Band 1, S. 237–238. Hinsichtlich der Authentizität dieses Berichts bin ich allerdings unsicher. Das Gespräch mit Waraqa fand unmittelbar nach dem Eintreffen der Offenbarung statt. Nach der Prüfung der entsprechenden Hadithe in Buchari muss man zu dem Schluss gelangen, dass das Gespräch mit Waraqa in Mekka unmittelbar nach dem Empfang der Offenbarung stattfand.)
Vorübergehende Unterbrechung des Eintreffens der Offenbarung
Wie lange war das Eintreffen der Offenbarung zu jener Zeit unterbrochen? Ibn Saʿd überliefert hierzu eine Aussage von Hadhrat Ibn ʿAbbas. Darin wird erwähnt, dass die Offenbarung einige Tage lang ausblieb. Wenn man alle Gesichtspunkte berücksichtigt, scheint diese Überlieferung die zutreffende zu sein. Es ist die bekannte Ansicht verbreitet, dass die Offenbarung zweieinhalb oder drei Jahre lang ausblieb; diese Darstellung ist jedoch nicht richtig. Die diesbezüglichen Beweise und Argumente müssen hier nicht erörtert werden. (In Anmerkung Nr. 11 wurde dies teilweise erläutert.)
Während die Offenbarung ausblieb, war der geliebte Gesandte traurig und voller Sorge. Er befand sich in seelischer Unruhe und Angst. In einer Überlieferung aus dem Kitāb at-Taʿbīr des Ṣaḥīḥ al-Buchārī heißt es, dass der geliebte Gesandte nach dem Ausbleiben der Offenbarung so unruhig und besorgt war, dass er mehrmals auf die Gipfel hoher Berge stieg, von wo aus er hinabzuspringen gedachte. Doch sobald er den Berg bestieg, kam Dschibrīl und sagte: „O Muhammad, du bist Allahs geliebter Gesandter.“ Nachdem er dies gehört hatte, blieb er stehen; seine Sorge und Unruhe verflogen. Mit beruhigtem Herzen kehrte er nach Hause zurück. Weil die Offenbarung erneut ausblieb, wurde er wieder unruhig. Dort erschien Dschibrīl und sagte: „O Muhammad, du bist Allahs Gesandter.“ (Ṣaḥīḥ al-Buchārī, Kitāb at-Taʿbīr, Ruʾyā Ṣāliḥa, Band 2, S. 1034.)
Dschibrīls erneutes Kommen mit der Offenbarung
Hāfiz Ibn Hadschar schrieb, der Grund für die zeitweilige Unterbrechung der Offenbarung sei gewesen, dass die Furcht, die er empfunden hatte, vergehen und in seinem Herzen das Verlangen und die Erwartung nach dem erneuten Empfang der Offenbarung erwachen sollte. (Fatḥ al-Bārī, Band 1, S. 27)
Nachdem der Bann des Erstaunens gewichen war, offenbarte sich ihm die tatsächliche Lage. Er verstand ganz klar, dass er Allahs Prophet geworden war. Er erkannte außerdem, dass jener, der zu ihm gekommen war, der Überbringer der Botschaft der Offenbarung und der himmlische Bote war. Nachdem dieser Glaube in seinem Herzen fest geworden war, begann er sehnsüchtig auf die Offenbarung zu warten. Er beschloss, standhaft zu bleiben und diese Verantwortung zu tragen. In diesem Stadium seines seelischen Zustands erschien Hadhrat Dschibrīl (a. s.) erneut. Im Ṣaḥīḥ al-Buchārī wird von Hadhrat Dschābir ibn ʿAbdullāh (r. a.) überliefert, dass er aus dem Mund des geliebten Propheten den Bericht über die Unterbrechung der Offenbarung gehört habe. Der Gesandte sagte: „Ich ging meines Weges, als ich plötzlich eine Stimme vom Himmel hörte. Ich blickte zum Himmel und sah jenen Engel, der zu mir in die Höhle Hira gekommen war. Er saß auf einem Thron zwischen Himmel und Erde. Ich erschrak und wandte meinen Blick ab. Dann kam ich nach Hause und sagte zu meiner Frau: ‚Hüllt mich in eine Decke, hüllt mich in eine Decke.‘ Meine Frau hüllte mich in eine Decke und legte mich nieder. Daraufhin offenbarte Allah, der Erhabene, aus der Sura al-Muddaththir bis zu den Worten ‚Und die Unreinheit meide‘. Seit diesem Ereignis begann die Offenbarung häufig herabgesandt zu werden.“ (Ṣaḥīḥ al-Buchārī, Kitāb at-Tafsīr, Kapitel „Wa-r-rudscha fahdschur“, Band 2, S. 733. In dieser Überlieferung wird außerdem erwähnt, dass der Gesandte sagte: „Ich vollzog Iʿtikāf in der Höhle Hira. Nachdem ich den Iʿtikāf beendet hatte, stieg ich hinab. Als ich dann durch die Ebene ging, wurde ich gerufen. Ich blickte nach rechts, links, vorn und hinten, konnte aber nichts sehen. Als ich nach oben blickte, sah ich jenen Engel.“ — Aus allen Berichten der Verfasser der Sīra geht hervor, dass der Gesandte drei Jahre lang im Monat Ramadan in der Höhle Hira Iʿtikāf vollzog. Im dritten Ramadan kam Dschibrīl mit der Offenbarung zu ihm. Er blieb den gesamten Ramadan über im Iʿtikāf und kehrte am frühen Morgen des ersten Schawwāl nach Mekka zurück. Fügt man diese Darstellung der erwähnten Überlieferung hinzu, gelangt man zu dem Schluss, dass der erste Teil der Sura al-Muddaththir zehn Tage nach der ersten Offenbarung herabgesandt wurde. Das heißt, die Dauer der Unterbrechung der Offenbarung betrug zehn Tage.)
Verschiedene Arten der Offenbarung
Bevor wir zur Erörterung des Lebens übergehen, das für den geliebten Propheten nach dem Herabkommen der Offenbarung auf ihn, also nach dem Empfang des Prophetentums, begann, ist es notwendig, die verschiedenen Arten der Offenbarung zu erläutern. Dadurch wird ein klares Verständnis von Risāla und Prophetentum gewonnen. ʿAllāma Ibn Qayyim erwähnte die folgenden verschiedenen Arten der Offenbarung:
1. Wahre Träume – die Herabsendung der Offenbarung an den Gesandten durch Träume.
2. Der Engel ließ ihm Worte ins Herz eingeben, ohne dass er ihn zu sehen bekam. So sagte der geliebte Prophet: „Der Geist der Heiligkeit gab mir ein, dass kein Mensch stirbt, bevor er nicht die für ihn bestimmte Versorgung erhalten hat. Fürchtet daher Allah und strebt nach dem Guten. Sucht eure Versorgung nicht durch Ungehorsam gegenüber Allah und gebt ihretwegen nicht die Gebote Allahs auf. Denn was sich bei Allah befindet, kann nur durch Gehorsam gegenüber Ihm erlangt werden.“
3. Der Engel nahm die Gestalt eines Menschen an und sprach ihn an. Alles, was er sagte, prägte sich der geliebte Gesandte ein. Manchmal konnten auch die Gefährten zu dieser Zeit die Engel sehen.
4. Die Offenbarung kam zum Gesandten mit einem klingelnden, schellenartigen Laut. Dies war die schwerste Form der Offenbarung. In diesem Zustand begegnete der Engel ihm, und der geliebte Prophet begann selbst in strengster Kälte zu schwitzen. Der Schweiß rann ihm von der Stirn. Wenn er auf einem Kamel ritt, musste er sich auf den Boden setzen. Einmal kam die Offenbarung, während sein Oberschenkel auf dem Oberschenkel von Zaid ibn Thabit lag. Zaid empfand ein solches Gewicht, dass es ihm vorkam, als würde sein Oberschenkel zerquetscht.
5. Er sah den Engel in seiner eigentlichen Gestalt. In diesem Zustand wurde ihm die Offenbarung nach Allahs Willen herabgesandt. Dies geschah zweimal. In der gesegneten Sure an-Nadschm hat Allah dies erwähnt.
6. In der Nacht der Miʿradsch wurde die Verpflichtung zum Gebet sowie die Offenbarung zu anderen Angelegenheiten im Himmel herabgesandt. Der geliebte Prophet befand sich damals im Himmel.
7. Allah sprach unmittelbar, ohne Vermittlung eines Engels, so wie Allah mit Moses gesprochen hatte. Der Beleg dafür, dass Allah mit Moses sprach, findet sich im Koran. Der Beleg dafür, dass Allah mit dem geliebten Propheten sprach, findet sich in den Hadithen über die Miʿradsch.
8. Einige haben noch eine weitere Art erwähnt. Dabei handelt es sich darum, dass Allah ohne Schleier von Angesicht zu Angesicht sprach. In dieser Frage besteht jedoch Raum für unterschiedliche Auffassungen (Zad al-Maʿad, Band 1, S. 18).
Die Anweisung zur Verkündigung
Die Anweisungen, die dem geliebten Propheten in den ersten Versen der Sure al-Muddaththir gegeben wurden, sind dem Anschein nach kurz, einfach und klar, doch in Wirklichkeit sind sie von weitreichender Bedeutung und großer Tiefe. Ihre Wirksamkeit und ihr Einfluss auf das praktische Leben sind außerordentlich.
Erstens: Das letztendliche Ziel der Anweisung, Furcht einzuflößen, besteht darin, alle über die schrecklichen Folgen jener Taten zu informieren, die in der Welt gegen Allahs Willen begangen werden. Diese Furcht muss so vermittelt werden, dass die Menschen angesichts der Strafe Allahs in ihrem Denken und Empfinden von Schrecken erfüllt werden.
Zweitens: Das letztendliche Ziel der Beschreibung des Herrn besteht darin, dass auf Allahs Erde allein Seine Erhabenheit Bestand hat; die Erhabenheit irgendeines anderen darf nicht aufrechterhalten werden. Vielmehr muss die Herrschaft und Vorherrschaft aller anderen Dinge beseitigt werden. So werden auf Allahs Erde allein Seine Erhabenheit und Seine Herrlichkeit sichtbar und anerkannt werden.
Drittens: Das letztendliche Ziel der Reinheit und Sauberkeit der Kleidung besteht darin, alles Äußerliche und Innerliche in jeder Hinsicht rein und sauber zu halten. Dieser Zustand muss einen solchen Grad erreichen, dass man im Schatten der Barmherzigkeit Allahs Zuflucht finden kann. Dies ist nur durch Seine Rechtleitung und Sein Licht möglich. Nach der Erlangung dieser Reinheit und Sauberkeit wird sich das Herz Allah zuwenden, und allein Seine Erhabenheit und Herrlichkeit werden im Herzen lebendig werden. Dadurch werden die Menschen in der ganzen Welt Ihm entweder in Widerstand oder in Gehorsam nahe sein. Er allein wird der Mittelpunkt aller Dinge sein.
Viertens: Das letztendliche Ziel, nach einer Wohltat oder Gunst gegenüber jemandem keine größere Gegenleistung zu erwarten, besteht darin, die eigenen Taten nicht für großartig zu halten und ihnen keine übermäßige Bedeutung beizumessen. Vielmehr muss man sich unablässig bemühen und anstrengen, eine Tat nach der anderen zu vollbringen. Selbst ein großes Opfer und eine große Aufopferung muss man für geringfügig halten. Das heißt, angesichts des Gedenkens an Allah und der Furcht vor der Rechenschaft vor Ihm muss man die eigenen Bemühungen und Anstrengungen als klein und unbedeutend empfinden.
Fünftens: Im letzten Vers liegt der Hinweis, dass die Feinde nach dem Beginn der Daʿwa-Arbeit seitens Allahs durch Widerstand, Gelächter, Spott, Hohn und dergleichen Leid zufügen und alles daransetzen werden, den geliebten Propheten und seine Gefährten zu töten. Er muss all dem entgegentreten. In dieser Lage muss er standhaft Geduld üben. Diese Geduld dient nicht der inneren Ruhe, sondern Allahs Wohlgefallen und der Verbreitung und Ausbreitung Seiner Religion. Denn Allah der Erhabene hat gesagt: „Wa li-rabbika fasbir“, das heißt: „Übe Geduld um deines Herrn willen.“
Wie wunderbar! In ihrer offenbaren Ausdrucksweise sind all diese Anweisungen so einfach, klar und kurz. Wie leicht und poetisch ist ihre Wortwahl, und doch sind sie in ihrer praktischen Umsetzung so umfassend und bedeutungsvoll. Durch die tatsächliche Umsetzung dieser wenigen Worte wird überall großes Aufsehen entstehen, und zwischen den Menschen an allen Enden der Welt werden starke Bande der Einheit und Harmonie geknüpft werden.
In den genannten Versen sind ebenfalls die wesentlichen Elemente der Daʿwa und des Tabligh enthalten. Unter den Taten der Kinder Adams gibt es solche, deren Folgen schlecht sind. Jeder weiß, dass dem Menschen in dieser Welt nicht für alles, was er tut, der vollständige Lohn zuteilwird und auch nicht zuteilwerden kann. Daher muss es ganz natürlich einen Tag geben, an dem jede Tat vollständig vergolten wird. Dieser Tag wird der Tag der Auferstehung genannt. Eine zwingende Notwendigkeit für diese Vergeltung an jenem Tag besteht darin, dass es ein anderes Leben geben muss, das sich von dem Leben unterscheidet, das wir auf dieser Erde führen.
In anderen Versen fordert Allah, der Erhabene, von Seinen Dienern, Anhänger eines aufrichtigen Tauhid zu sein. Er sagt, dass der Diener all seine Wünsche und Hoffnungen allein auf Allah, den Erhabenen, richten soll. Er soll den Willen Allahs den Begierden des eigenen Triebes und den sonstigen Wünschen des Menschen vorziehen. Auf diese Weise kann die Verantwortung für Daʿwa und Tabligh erfüllt werden. Diese Punkte lauten wie folgt:
a. Tauhid.
b. Der Glaube an das Jenseits.
c. Die Läuterung der Seele (Tazkiya an-nafs) in den Mittelpunkt stellen. Das bedeutet, sich von jeder Art von Obszönität und Sünde fernzuhalten, mehr gute Taten zu vollbringen und sich darum zu bemühen, an den guten Taten festzuhalten.
d. Alle eigenen Angelegenheiten Allah, dem Erhabenen, anzuvertrauen.
e. All dies muss durch den Glauben an das Prophetentum und die Gesandtschaft des geliebten Propheten sowie durch die Befolgung seiner außergewöhnlichen Führung vollendet werden.
Diese Verse enthalten himmlische Anweisungen. Allah, der Herr der Welten, hat Seinen geliebten Propheten dazu aufgerufen, sich einer großen Aufgabe zuzuwenden. Er hat ihm befohlen, den Komfort des Schlafes aufzugeben und das beschwerliche Feld des Dschihad zu betreten. Wie Allah, der Erhabene, in den ersten Versen der Sure al-Muddaththir gesagt hat: Nur derjenige, der für sich selbst lebt, kann ein bequemes Leben führen; doch wie kann jemand, der die schwere Verantwortung für die Rechtleitung einer gewaltigen Menschenschar trägt, unbesorgt schlafen? Was hat er mit einem warmen Bett und einem bequemen Leben zu tun? Zieh aus für jene große Aufgabe, die auf dich wartet. Tritt vor, um die gewaltige Last der Verantwortung auf dich zu nehmen, die für dich bereitliegt. Tritt vor, um zu kämpfen. Bemühe dich. Die Zeit des Schlafes und der Ruhe ist vergangen. Jetzt ist die Zeit, schlaflose Nächte zu verbringen und sich lange anzustrengen. Bereite dich darauf vor, diese Aufgabe zu erfüllen.
Diese Anweisung ist von großer Bedeutung. Sie hat den geliebten Propheten aus einem bequemen Leben herausgerissen und in ein tiefes, von Wellen aufgewühltes Meer geworfen. Sie hat ihn vor das Gewissen der Menschen und vor die Wirklichkeit des Lebens gestellt.
Danach erhob sich der geliebte Gesandte Allahs und blieb mehr als zwanzig lange Jahre hindurch aufrecht stehen. Während dieser Zeit blieb er im Lebenskampf fest und unerschütterlich. Er gab Bequemlichkeit und Wohlleben auf und verzichtete auf sein eigenes Wohlergehen sowie auf die Ruhe, den Frieden und den Komfort seiner Familie. Nachdem er sich erhoben hatte, verharrte er in diesem Zustand. Seine Aufgabe bestand darin, auf Allahs Weg zur Daʿwa aufzurufen. Ohne jeden äußeren Druck nahm er diese Verantwortung auf seine Schultern. Diese Verantwortung war die Amānat al-kubrā, das heißt die Last eines gewaltigen anvertrauten Gutes auf der Erde: die Last der gesamten Menschheit, die Last der gesamten Glaubensüberzeugung und die Last des Dschihad auf verschiedenen Feldern. Mehr als zwanzig Jahre lang führte er dieses von Kampf erfüllte Leben. Seit er die himmlische Anweisung erhalten hatte, war er niemals achtlos oder gleichgültig gegenüber irgendeinem Zustand, der aus einem anderen hervorging. Möge Allah, der Erhabene, ihn an unserer Stelle und anstelle der gesamten Menschheit mit der besten Belohnung vergelten. (Tafsīr fī Ẓilāl al-Qurʾān, Sayyid Qutb asch-Schahīd, Sūrat al-Muzzammil, Sūrat al-Muddaththir, Dschuzʾ 29, S. 168, 167, 172) (arabischer Originalband).
Erste Phase: persönlicher Einsatz
Drei Jahre der geheimen Daʿwa
Makka war das Zentrum der Arabischen Halbinsel. Dort befanden sich die Wächter und Verwalter der Kaaba. Die Araber waren auch die Hüter der Götzen; gerade diese Menschen betrachteten die Bewohner ganz Arabiens mit besonderer Hochachtung. Daher war es in Makka schwieriger als an jedem anderen Ort, mit Reformbemühungen Erfolg zu haben. Hier war eine solche Entschlossenheit erforderlich, dass keinerlei Leid, Not, Gefahr oder Hindernis einen Menschen auch nur im Geringsten zurückweichen ließ, sondern dass er angesichts von Gefahren und Hindernissen fest und unerschütterlich blieb. Die Strategie bestand daher darin, die Arbeit der Daʿwa und Verkündigung zunächst im Geheimen durchzuführen, damit unter den Bewohnern Makkas nicht plötzlich Aufruhr entstand.
Einige der Kämpfer der ersten Phase des Islam
Es war selbstverständlich, dass der Gesandte zunächst diejenigen zur Religion einladen würde, die seine engsten Verwandten waren und zu denen er eine tiefe Beziehung hatte. Er würde zuerst seine Familie, seine Verwandten und seine Freunde zur Daʿwa aufrufen. Deshalb lud der geliebte Prophet zunächst diese Menschen ein. Bei ihnen nahm er eine Bereitschaft und Sanftmut wahr. Außerdem wandte er sich an jene, von denen er wusste, dass sie ihn als wahrhaftigen, gerechten und rechtschaffenen Menschen kannten und verehrten.
Durch die Daʿwa des Gesandten Allahs nahmen einige Menschen den Islam an. Sie hegten niemals irgendwelche Zweifel an der Aufrichtigkeit, Wahrhaftigkeit und Großzügigkeit des geliebten Gesandten. In der Geschichte des Islam sind sie als die Sābiqūn al-Awwalūn bekannt. Zu den führenden unter ihnen gehörten die Ehefrau des Gesandten, Umm al-Muʾminīn Chadīdscha bint Chuwailid, sowie sein freigelassener Sklave Zaid ibn Thābit ibn Scharāhbil al-Kalbī. (Er war als Kriegsgefangener und Sklave gekommen. Später wurde Hadhrat Chadīdscha seine Besitzerin und schenkte ihn ihrem Ehemann. Danach kamen sein Vater und sein Onkel, um ihn mitzunehmen, doch er zog es vor, seinen Vater und seinen Onkel zu verlassen und beim geliebten Gesandten zu bleiben. Daraufhin nahm der Gesandte seinen Diener Zaid nach arabischer Sitte als Adoptivsohn an. Nach diesem Ereignis wurde er als Zaid Muhammad bekannt. Mit dem Aufkommen des Islam endete die arabische Sitte der Adoption.) Sein Cousin Hadhrat ʿAlī ibn Abī Tālib, der damals in seiner Familie aufgezogen wurde, sowie sein enger Freund Hadhrat Abū Bakr as-Siddīq, möge Allah mit ihnen allen zufrieden sein. Sie alle nahmen am ersten Tag den Islam an. (Rahmat li-l-ʿĀlamīn, Bd. 1, S. 50)
Nach seiner Annahme des Islam widmete sich Hadhrat Abu Bakr as-Siddiq (möge Allah mit ihm zufrieden sein) der Verbreitung des Islam. Er war ein allseits beliebter, sanftmütiger und charakterlich ausgezeichneter Mensch mit großzügigem Herzen. Wegen seines vorzüglichen Umgangs kamen die Menschen stets zu ihm und gingen bei ihm ein und aus. Zu dieser Zeit begann Hadhrat Abu Bakr (möge Allah mit ihm zufrieden sein), vertrauenswürdige und zuverlässige Menschen zur Religion einzuladen. Auf diese Weise nahmen Awf, Hadhrat Saʿd ibn Abi Waqqas und Hadhrat Talha ibn Ubaidullah den Islam an. Sie gehörten zu den führenden Kämpfern des Islam.
Zu den ersten Menschen, die den Islam annahmen, gehörte auch Hadhrat Bilal (möge Allah mit ihm zufrieden sein). Nach ihm nahmen der Vertrauenswürdige dieser Umma, Hadhrat Abu Ubaida, Amir ibn Salama ibn Abd al-Asad, al-Arqam ibn Abi al-Arqam, Uthman ibn Mazʿun und seine beiden Brüder Qudama und Abdullah, Ubaida ibn al-Harith, Muttalib ibn Abd al-Manaf, Saʿid ibn Zaid und seine Ehefrau, also Umars Schwester Fatima bint Khattab, Khabbab ibn al-Aratt, Abdullah ibn Masʿud und einige weitere Menschen den Islam an. Insgesamt standen sie mit verschiedenen Zweigen des Stammes der Quraisch in Verbindung. Ibn Hischam schreibt, dass ihre Zahl mehr als vierzig betrug. (Siehe Band 1, S. 245–262.) Einige von ihnen wurden zu den Sabiqun al-Awwalun gezählt.
Ibn Ishaq berichtet, dass sich nach der Annahme des Islam durch die genannten Glückseligen ganze Gruppen von Menschen im kühlen Schatten des Islam niederließen. Überall in Mekka wurde über den Islam gesprochen, und der Islam gewann an Verbreitung. (Sira Ibn Hischam, Band 1, S. 262.)
Diese Menschen nahmen den Islam heimlich an. Der geliebte Prophet traf sie heimlich, um sie im Islam zu unterweisen und ihnen den Weg zu weisen. Denn die Verkündigungsarbeit wurde zunächst verborgen und heimlich durchgeführt. Nach der Offenbarung der ersten Verse der Sure al-Muddaththir begann die Offenbarung häufig herabzukommen. Zu dieser Zeit waren die kurzen Verse von ansprechender Musikalität und poetischer Schönheit geprägt. Sie fügten sich vollkommen in die Umgebung ein. Diese Verse beleuchteten die Läuterung und Verschönerung der Seele, also die Tazkiya an-nafs, sowie die schlimmen Folgen davon, sich in den weltlichen Netzen zu verfangen. Außerdem wurden die Beschreibungen des Paradieses und der Hölle so erwähnt, als könne man sie vor Augen sehen. Diese Verse führten an Orte, die der Umgebung völlig unbekannt waren.
Das Gebot des Gebets
Zu dem, was zuerst offenbart wurde, gehörte auch das Gebot des Gebets. Muqatil ibn Sulaiman sagt, dass Allah der Erhabene zu Beginn des Islam zwei Gebetseinheiten für den Morgen und zwei Gebetseinheiten für den Abend festgelegt hatte. Denn Allah der Erhabene sagt: „Verherrlicht Ihn mit dem Lob eures Herrn am Morgen und am Abend in der Niederwerfung.“
Ibn Hadschar sagt, dass der geliebte Gesandte und seine edlen Gefährten bereits vor dem Ereignis der Miʿradsch das Gebet verrichteten. Es besteht jedoch Meinungsverschiedenheit darüber, ob vor den fünf täglichen Gebeten ein anderes Gebet verpflichtend war. Einige sagen, dass jeweils ein Gebet vor Sonnenaufgang und vor Sonnenuntergang verpflichtend war.
Harith ibn Usama überliefert von Zaid ibn Haritha diesen Hadith: Als die Offenbarung zum ersten Mal zum geliebten Propheten kam, erschien Gabriel und lehrte ihn zunächst die Art der Gebetswaschung. Nachdem die Waschung beendet war, spritzte er eine Handvoll Wasser auf seine Scham. Auch Ibn Madscha überliefert einen Hadith dieser Art. Ebenso werden solche Hadithe von al-Bara ibn Azib und Ibn Abbas überliefert. In dem von Ibn Abbas überlieferten Hadith heißt es, dass dieses Gebet zu den anfänglich verpflichtenden Gebeten gehörte. (Mukhtasar as-Sira, Scheich Abdullah, S. 88.)
Ibn Hischam berichtet, dass der geliebte Gesandte und die edlen Gefährten während der Gebetszeit in die Berge gingen und dort heimlich beteten. Eines Tages sah Abu Talib den Gesandten und Hadhrat Ali (möge Allah mit ihm zufrieden sein) beim Gebet. Er fragte danach. Nachdem man es ihm erklärt hatte, sagte er: „Setzt diese Gewohnheit fort.“ (Ibn Hischam, Band 1, S. 147).
Die Quraisch über die Angelegenheit informieren
Aus verschiedenen Ereignissen geht hervor, dass die Daʿwa-Arbeit zu jener Zeit zwar geheim durchgeführt wurde, die Quraisch jedoch allmählich etwas davon bemerkten. Dennoch maßen sie dieser Angelegenheit keinerlei Bedeutung bei.
Imam Ghazali schrieb, dass die Quraisch Nachrichten über die Aktivitäten der Muslime erhielten, ihnen jedoch keine Bedeutung beimaßen. Vermutlich hielten sie Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, für eine religiöse Persönlichkeit, die über Askese und die Abkehr vom weltlichen Leben sprach. In der arabischen Gesellschaft hatte es solche Menschen gegeben, etwa Umayya ibn Abi Salt, Quss ibn Saida, Amr, Tufail und andere. Die Quraisch bemerkten jedoch, dass seine Aktivitäten etwas umfangreicher und anders geartet waren. Im Laufe der Zeit begannen die Quraisch, der religiösen Tätigkeit und der Daʿwa des geliebten Propheten immer mehr Aufmerksamkeit zu schenken. (Fiqh as-Sira, S. 76)
Drei Jahre lang wurde die Arbeit für die Religion im Geheimen fortgeführt. In dieser Zeit bildete sich eine Gruppe von Gläubigen. Sie war auf Brüderlichkeit und gegenseitige Unterstützung gegründet. Sie überbrachten Allahs Botschaft und bemühten sich, diese Botschaft auf eine höhere Stufe zu heben. Danach offenbarte Allah der Erhabene eine Offenbarung und erteilte seiner Gemeinschaft Anweisungen. Zugleich mit der Einladung zur Religion wurde befohlen, den falschen Kräften der Quraisch entgegenzutreten und die schädlichen Seiten ihrer Götzen aufzuzeigen.
Die zweite Phase: die öffentliche Daʿwa
Die erste Anweisung zur Daʿwa
Als allererstes offenbarte Allah der Erhabene diesbezüglich die Anweisung: „O Prophet, warne deine nächsten Verwandten vor Allahs Strafe.“ Dies ist ein Vers aus der Sure asch-Schuʿara. In dieser Sure wird zunächst die Geschichte von Hadhrat Musa, Allahs Friede sei auf ihm, erzählt. Es wird darin dargelegt, wie Hadhrat Musa, Allahs Friede sei auf ihm, das Prophetentum erhielt und wie der Pharao, sein Volk und seine Gefährten zusammen mit den Kindern Israels auf der Flucht im Nil ertränkt wurden. Mit anderen Worten werden in dieser Sure die verschiedenen Phasen der Daʿwa dargestellt, die Hadhrat Musa, Allahs Friede sei auf ihm, dem Pharao und den Kindern Israels überbrachte.
Meiner Ansicht nach wurde die Geschichte von Hadhrat Musa, Friede sei mit ihm, gerade deshalb erwähnt, nachdem Rasulullah, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, der Auftrag erteilt worden war, die Botschaft öffentlich unter seinem Volk zu verkünden, damit ihm ein Beispiel vor Augen stehe. Nachdem Hadhrat Musa, Friede sei mit ihm, die Einladung zur Religion öffentlich verkündet hatte, musste er sich widrigen Umständen stellen und war verschiedenen Übergriffen ausgesetzt. Ein solches Beispiel sollte Rasulullah, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und den edlen Gefährten stets vor Augen stehen. Andererseits wird in dieser Sure auch das Schicksal jener Völker erörtert, die die Propheten der Lüge bezichtigten, etwa Pharao und sein Volk, das Volk Nuhs, ʿAd, Thamud, das Volk Ibrahim, das Volk Luts und die Bewohner von al-Aika. Vielleicht bestand der Zweck darin, dass jene, die Allahs Gesandten der Lüge bezichtigen würden, erkennen sollten, welches Ende sie erwartete, wenn sie in einem solchen Verhalten verharrten, und welcher Ergreifung durch Allah sie ausgesetzt sein würden. Außerdem würden die Gläubigen erkennen, dass nur ihnen ein gutes Ende bestimmt ist. Diejenigen hingegen, die den Propheten der Lüge bezichtigen, werden kein gutes Ende nehmen.
Die Verkündung unter den nächsten Verwandten
Nachdem dieser Vers offenbart worden war, versammelte der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, als ersten Schritt die Banu Haschim. Zu ihnen gesellte sich auch eine Gruppe der Banu al-Muttalib ibn Abd Manaf. Insgesamt waren es fünfundvierzig Männer. Abu Lahab ergriff das Wort und sagte: „Sieh, dies sind deine Onkel und deine Cousins. Sprich, aber gib dich nicht der Torheit hin, und bedenke, dass deine Sippe es nicht mit ganz Arabien aufnehmen kann. Ich bin am ehesten dazu berechtigt, dich festzuhalten. Für dich genügen die Männer deines väterlichen Clans. Wenn du auf deiner Aussage bestehst, werden sich alle Stämme der Quraisch erheben und ihnen zu Hilfe kommen. Was wird dann geschehen? Unter den Männern deines väterlichen Clans wirst du derjenige sein, der den größten Schaden anrichtet.“ Nachdem der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, dies gehört hatte, versammelte er sie erneut und sagte: „Alles Lob gebührt Allah. Ich preise Ihn und bitte Ihn allein um Hilfe. Ich glaube an Ihn und vertraue auf Ihn. Ich bezeuge, dass niemand außer Allah der Anbetung würdig ist. Er ist einzig und ohnegleichen; Er hat keinen Teilhaber.“ Dann sagte Allahs Gesandter: „Ein Warner kann seine Angehörigen nicht belügen. Bei Allah, außer Dem es keinen Gott gibt: Ich bin zu euch im Besonderen und zu allen anderen Menschen im Allgemeinen Allahs Gesandter. Bei Allah, ihr werdet eines Tages dem Tod anheimfallen, so wie ihr schlaft. Und ihr werdet eines Tages auferweckt werden, so wie ihr aus dem Schlaf erwacht. Danach werdet ihr über eure Taten Rechenschaft ablegen müssen. Danach gibt es für immer entweder das Paradies oder die Hölle.“
Als Abu Talib dies hörte, sagte er: „Es bedarf keiner weiteren Erklärung, wie sehr ich dich unterstützen möchte. Dein Rat ist annehmbar, und ich glaube deine Worte für wahr. Hier sind alle Männer deines väterlichen Clans anwesend, und ich bin einer von ihnen. Daher kannst du sicher sein, dass ich nicht dafür bin, dass du die Religion Abd al-Muttalibs aufgibst.“ Abu Lahab sagte: „Bei Allah, das ist eine schlechte Sache. Du hast vor allen anderen seine Hand ergriffen?“ Abu Talib sagte: „Bei Allah, solange ich lebe, werde ich ihn beschützen.“ (Fiqh as-Sira, S. 77, 88, verfasst von Ibn al-Athir.)
Die Verkündung auf dem Berg Safa
Als der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sicher erkannte, dass Abu Talib ihn bei der Verkündung der Religion Allahs unterstützen würde, stieg er eines Tages auf den Berg Safa und rief: „Ya sabah!“, das heißt: „O Morgen!“ (Damals stiegen die Menschen, wenn sie eine schreckliche Nachricht verkünden mussten, auf einen Berggipfel und riefen immer wieder: „Ya sabah, ya sabah – O Morgen!“) Als die Quraisch-Stämme diesen Ruf hörten, versammelten sie sich bei ihm. Er lud sie ein, an Allahs Einheit, an Seine Gesandtschaft und an den Glauben an den Tag der Auferstehung zu glauben. Ein Teil dieses Ereignisses wurde in Sahih al-Buchari von Hadhrat Abdullah ibn Abbas, möge Allah mit ihm zufrieden sein, folgendermaßen überliefert.
„O Prophet, warne deine nächsten Verwandten vor Allahs Strafe.“ Nachdem dieser Koranvers offenbart worden war, bestieg der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, den Berg Safa und rief: „O Banu Fihr, o Banu Adi!“ Als sie diesen Ruf hörten, versammelten sich alle führenden Männer der Quraisch. Wer nicht selbst kommen konnte, schickte einen Vertreter, um herauszufinden, worum es ging. Die Quraisch kamen, und auch Abu Lahab war unter ihnen. Darauf sagte er: „Sagt mir: Wenn ich euch mitteilen würde, dass sich jenseits dieses Berges eine Gruppe Reiter verborgen hält, die euch angreifen will, würdet ihr mir glauben?“ Alle sagten: „Ja, wir würden dir glauben, denn wir haben dich niemals lügen hören.“ Der geliebte Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Hört! Ich bin entsandt worden, um euch vor einer schrecklichen Strafe zu warnen.“ Abu Lahab sagte: „Mögest du zugrunde gehen! Hast du uns etwa deshalb hierher gerufen?“ Nachdem Abu Lahab dies gesagt hatte, offenbarte Allah die Sure al-Lahab. Darin heißt es: „Zugrunde gehen sollen die beiden Hände Abu Lahabs, und zugrunde gehen soll auch er selbst.“ (Sahih al-Buchari, Bd. 2, S. 706, 743; Sahih Muslim, Bd. 1, S. 114.)
Einen weiteren Teil dieses Ereignisses erwähnte Imam Muslim in seinem Sahih-Werk. Hadhrat Abu Huraira, möge Allah mit ihm zufrieden sein, überlieferte diesen Hadith. Er sagte: Nachdem der Vers „Warne deine nächsten Verwandten vor Allahs Strafe“ offenbart worden war, rief der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, allgemein und im Besonderen: „O Gemeinschaft der Quraisch, rettet euch vor dem Höllenfeuer! O Banu Kaʿb, rettet euch vor dem Höllenfeuer! O Fatima, Tochter Muhammads, rette dich vor dem Höllenfeuer! Ich bin beauftragt worden, euch nicht vor Allahs Ergreifung zu bewahren. Da ich mit euch verwandt bin, werde ich euch diesbezüglich jedoch nach Kräften warnen.“ (Sahih Muslim, Bd. 1, S. 385.)
Die öffentliche Verkündigung des Aufrufs
Während der Nachhall dieses Aufrufs in der Umgebung Mekkas noch zu hören war, offenbarte Allah, der Erhabene, folgenden Vers: „Verkünde offen, was dir befohlen wurde, und wende dich von den Götzendienern ab.“ (15:94)
Danach machte der edle Gesandte Allahs die Schmutzigkeit und das Unheil des Götzendienstes öffentlich bekannt und enthüllte den Schleier der Lüge. Er zeigte die Inhaltslosigkeit und Wertlosigkeit der Götzen auf und legte ihr wahres Wesen offen. Anhand zahlreicher Beispiele erklärte er, dass die Götzen nutzlos und machtlos sind. Er erklärte außerdem, dass diejenigen, die diese Götzen anbeten und sie zu Vermittlern zwischen sich und Allah machen, sich in offenbarem Irrtum befinden.
Als die Bewohner Mekkas hörten, dass die Götzendiener und Götzenanbeter als irregeleitet bezeichnet wurden, gerieten sie vor Zorn völlig außer sich. Es war, als wäre ein Blitz über sie eingeschlagen und als hätten sie in ihrem sorglosen, friedlichen Leben das Toben eines Sturms erlebt. Deshalb erhoben sich die Quraisch, um die Wurzeln dieser plötzlich ausgebrochenen Bewegung auszureißen. Denn durch diese Bewegung drohten ihre heidnischen Bräuche und Sitten beseitigt zu werden.
Die Quraisch machten sich entschlossen daran. Denn sie wussten, dass die Leugnung jedes anderen Gottes außer Allahs und der Glaube an die Gesandtschaft und das Jenseits bedeuteten, sich vollständig der Gesandtschaft anzuvertrauen und sich ihr bedingungslos zu unterwerfen. Damit hätte man nicht nur über das Leben und Vermögen anderer, sondern nicht einmal über das eigene Leben und Vermögen ein unabhängiges Verfügungsrecht. Das bedeutete, dass die religiöse Vorrangstellung und Herrschaft der Bewohner Mekkas über die Araber ausgelöscht werden würde. Dann würden allein Allahs und Seines Gesandten Wille und Wunsch endgültig maßgeblich sein, und sie könnten nichts mehr nach eigenem Belieben tun. Sie müssten von all der Unterdrückung und den Misshandlungen ablassen, die sie den niedrigen Schichten zufügten, ebenso von den abscheulichen Taten, denen sie morgens und abends nachgingen. Die Quraisch verstanden diese Bedeutung sehr wohl; deshalb konnten sie einen Zustand, der ihnen erniedrigend erschien, nicht akzeptieren. Dies geschah jedoch nicht in der Hoffnung auf irgendeinen Nutzen oder ein Gutes, sondern mit dem Ziel, sich noch stärker in schlechte Taten zu verstricken. Allah, der Erhabene, sagt: „Vielmehr, weil der Mensch auch künftig schlechte Taten begehen will.“ (5:75)
Die Quraisch verstanden all dies, doch das Problem war, dass ihnen ein Mann gegenüberstand, der wahrhaftig und vertrauenswürdig war. Er war das beste Vorbild für vorbildliche Haltung. Seit langer Zeit hatten die Bewohner Mekkas unter ihren Vorfahren kein solches Beispiel gesehen oder auch nur davon gehört; sie konnten daher nicht entscheiden, wie sie einem solchen Mann begegnen sollten. Sie waren verblüfft und erstaunt, und für ihr Erstaunen gab es tatsächlich mehrere Gründe.
Nach reiflicher Überlegung beschlossen die Quraisch, zum Onkel des geliebten Propheten, Abu Talib, zu gehen und ihn zu bitten, seinen Neffen von seinem Wirken abzuhalten. Um ihre Forderung plausibel und glaubwürdig erscheinen zu lassen, führten sie als Begründung an, dass die Aufforderung, ihre Götter aufzugeben, und die Aussage, dass diese weder Gutes noch Schlechtes bewirken könnten, in Wahrheit eine Beleidigung und eine schwere Beschimpfung ihrer Götter seien.
Außerdem komme dies einer Bezeichnung unserer Väter und Großväter, also unserer Vorfahren, als töricht und irregeleitet gleich. Denn auch sie lebten nach dem Glauben, dem wir gegenwärtig anhängen. Nachdem die Quraisch ihnen all dies erklärt hatten, konnten sie sie leicht überzeugen, und sie gingen rasch darauf ein.
Die Delegation der Quraisch bei Abu Talib
Ibn Ishaq schreibt: Einige führende Männer der Quraisch gingen zu Abu Talib und sagten: „Abu Talib, dein Neffe beschimpft unsere Götter, bezeichnet unsere Religion als Irrweg und unseren Verstand als Torheit. Er erklärt unsere Väter und Großväter zu Irrenden. Entweder hältst du ihn davon ab, oder du ziehst dich aus der Angelegenheit zwischen ihm und uns zurück. Schließlich glaubst auch du an dieselbe Religion wie wir. Wir selbst sind durchaus in der Lage, mit ihm fertigzuwerden.“
Als Antwort auf diese Bitte sprach Abu Talib in mildem Ton und nahm eine vermittelnde Rolle ein. Daraufhin gingen sie wieder fort. Allahs Gesandter setzte die Verkündigung der Religion weiterhin auf dieselbe Weise fort und widmete sich ihrer Verbreitung und Ausbreitung (Ibn Hischam, Band 1, S. 265).
Dringende Beratung, um die Pilger aufzuhalten
Zu jener Zeit trat vor den Quraisch ein weiteres Problem auf. Nachdem mehrere Monate der öffentlichen Verkündigung des Islam vergangen waren, nahte die Pilgersaison. Die Quraisch wussten, dass zu dieser Zeit Delegationen aus den verschiedenen Gegenden Arabiens nach Mekka kommen würden. Deshalb hielten sie es für notwendig, über den edlen Propheten Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, solche Dinge zu sagen, dass die Verkündigung des Gesandten Allahs bei den Menschen Arabiens keinen Einfluss hinterlassen würde. Zur Beratung darüber versammelten sie sich bei Walid ibn al-Mughira. Walid sagte: „Zuerst müsst ihr euch alle auf eine gemeinsame Aussage einigen, damit nicht einer von euch die Aussage eines anderen als Lüge zurückweist. Unter euch darf keinerlei Meinungsverschiedenheit bestehen.“ Die Ankömmlinge sagten: „Sagt du uns, was wir sagen sollen.“ Walid sagte: „Sagt es mir, ich werde zuhören.“ Daraufhin sagten einige: „Wir werden sagen, dass er ein Wahrsager ist.“ Walid sagte: „Nein, er ist kein Wahrsager. Ich habe Wahrsager gesehen, und er weist nicht die Merkmale eines Wahrsagers auf. Wahrsager reden auf eine inhaltsleere Weise, doch so spricht er nicht.“ Als die Ankömmlinge dies hörten, sagten sie: „Dann werden wir sagen, dass er verrückt ist.“ Walid sagte: „Nein, auch verrückt ist er nicht. Ich habe Verrückte gesehen und ihre Art kennengelernt. Er verhält sich nicht wie ein Verrückter und redet auch nicht wirr wie ein Verrückter.“ Die Leute sagten: „Dann werden wir sagen, dass er ein Dichter ist.“ Walid sagte: „Auch ein Dichter ist er nicht. Ich kenne die verschiedenen Arten der Dichtkunst; seine Worte sind keine Dichtung.“ Sie sagten: „Dann werden wir sagen, dass er ein Zauberer ist.“ Walid sagte: „Nein, auch ein Zauberer ist er nicht. Ich habe Zauberer und ihre Zauberei gesehen. Er betreibt weder Beschwörungen noch Zauberei.“ Die Ankömmlinge sagten: „Was sollen wir dann sagen?“ Walid sagte: „Bei Allah, seine Worte sind überaus süß und ihre Bedeutung ist sehr tiefgründig. Was auch immer ihr sagt, alle Zuhörer werden es für eine Lüge halten. Über ihn könnt ihr jedoch sagen, dass er ein Zauberer ist. Alles, was er vorträgt, ist nichts als Zauberei. Nachdem man seine Worte gehört hat, entsteht Uneinigkeit zwischen Vater und Sohn, zwischen Bruder und Bruder, zwischen Ehemann und Ehefrau sowie zwischen verschiedenen Stämmen.“ Schließlich einigte sich die Delegation der Quraisch auf diese Aussage und kehrte von Walid zurück (Ibn Hischam, Band 1, S. 271).
In manchen Überlieferungen wird ausführlich auch erwähnt, dass die Ankömmlinge, als Walid alle ihre Vorschläge zurückwies, sagten: „Dann unterbreite du eine wohlüberlegte Meinung.“ Daraufhin sagte Walid: „Gebt mir etwas Zeit zum Nachdenken.“ Nachdem er eine Weile nachgedacht hatte, äußerte Walid die oben genannten Bemerkungen (Tafsir fi Zilal al-Qur’an, Sayyid Qutb, Dschuz 29, S. 188).
Im Zusammenhang mit dem genannten Ereignis offenbarte Allah sechzehn Verse über Walid aus der Sure al-Muddaththir. In diesen Versen lässt sich ein anschauliches Bild von Walids Denkweise erkennen. Allah sagt: „Er dachte nach und fasste einen Entschluss. Verflucht sei er! Wie fasste er diesen Entschluss? Noch einmal: Verflucht sei er! Wie gelangte er zu diesem Entschluss? Dann blickte er umher. Danach runzelte er die Stirn und verzog das Gesicht. Danach wandte er sich ab und zeigte Hochmut und erklärte: Das ist nichts anderes als Zauberei, die von früheren Generationen überliefert wurde; das sind nichts anderes als die Worte eines Menschen“ (Verse 18–25).
Nachdem der genannte Entschluss gefasst worden war, wurden Schritte zu seiner Umsetzung eingeleitet. Einige Götzendiener postierten sich an den verschiedenen Wegen, auf denen die Pilger eintrafen, und warnten sie vor dem Propheten Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm (Ibn Hischam, Band 1, S. 271).
An erster Stelle bei diesem Vorgehen stand Abu Lahab. Während der Hadschzeit verfolgte er den Gesandten Allahs in den Lagern der Hadschpilger sowie auf den Märkten von Ukaz, Madschanna und Dhul-Madschaz. Während der Prophet den Din Allahs verkündete, ging Abu Lahab hinter ihm her und sagte: „Hört nicht auf ihn! Er ist ein Lügner und ein Gottloser.“ (Tirmidhi; Musnad Ahmad, Band 3, 492).
Das Ergebnis dieses unablässigen Umherziehens war, dass die Hadschpilger auf ihrer Heimreise erfuhren, der edle Prophet habe Anspruch auf das Prophetentum erhoben. Kurz gesagt: Durch die Hadschpilger verbreitete sich im gesamten arabischen Raum die Kunde vom Gesandten Allahs.
Gemeinsamer Widerstand
Als die Quraisch erkannten, dass ihre Bemühungen, Muhammad davon abzuhalten, den Din zu verkünden, keinen Erfolg hatten, berieten sie sich erneut. Um den Aufruf zum Din endgültig zu unterbinden, griffen sie zu anderen Methoden und verschiedenen Vorgehensweisen. Die wesentlichen Punkte dieser Methoden und Vorgehensweisen sind folgende:
Die erste Form des Widerstands
Lachen, Spott, Hohn und die Bezeichnung als Lügner. Ziel war es, die Moral der Muslime zu zerstören. Um dieses Ziel zu erreichen, begannen die Götzendiener, den edlen Propheten grundlos zu verleumden und zu beschimpfen. Bisweilen nannten sie den geliebten Propheten einen Verrückten. So sagt Allah, der Erhabene: „Diese Ungläubigen sagten: ‚Derjenige, auf den der Koran herabgesandt wurde, ist gewiss ein Verrückter.‘“ (6–15).
Bisweilen wurde er auch beschuldigt, ein Zauberer und ein Lügner zu sein. So sagt Allah, der Erhabene: „Sie wundern sich, dass zu ihnen ein Warner aus ihrer Mitte gekommen ist, und die Ungläubigen sagen: ‚Das ist ein Zauberer, ein Lügner.‘“ (4–38).
Die Ungläubigen gingen vor dem Gesandten Allahs und hinter ihm zornig umher und blickten ihn mit vor Wut funkelnden Augen an. Dazu sagt Allah, der Erhabene: „Wenn die Ungläubigen den Koran hören, würden sie dich mit ihren scharfen Blicken beinahe zu Fall bringen und sagen: ‚Er ist wahrlich ein Verrückter.‘“ (51–68).
Wenn der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, irgendwohin ging und sich vor und hinter ihm schwache und unterdrückte edle Gefährten befanden, pflegten die Götzendiener spöttisch zu sagen: „Hat Allah euch etwa einen Vorzug gewährt?“ (53, 6)
Als Antwort auf ihre Äußerung sagt Allah: „Ist Allah etwa nicht bestens über die Dankbaren unterrichtet?“ (53, 6)
Den allgemeinen Zustand der Ungläubigen schildert der erhabene Allah im Koran folgendermaßen: „Die Übeltäter pflegten über die Gläubigen zu lachen. Wenn sie an ihnen vorübergingen, zwinkerten sie einander zu, und wenn sie sie sahen, sagten sie: ‚Diese sind wahrlich irregeleitet.‘ Doch sie sind nicht dazu entsandt worden, über sie zu wachen.“ (29, 33, 83)
Die zweite Art des Widerstands
Die Lehren des Gesandten Allahs zu entstellen, Zweifel und Unglauben zu säen, falsche Propaganda zu verbreiten und die Lehren der Religion sowie ihre Verkünder abscheulich zu verleumden, gehörte zu ihren alltäglichen Tätigkeiten. Sie betrieben dies in einem solchen Ausmaß, dass die breite Bevölkerung keine Gelegenheit erhielt, über die Lehren des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nachzudenken. Die Götzendiener sagten über den heiligen Koran: „Das sind doch nur die Geschichten der Früheren, die er sich aufschreiben ließ; sie werden ihm morgens und abends vorgetragen.“ (5, 25)
Die Ungläubigen sagen: „Das ist nichts als eine Lüge; er hat sie ersonnen, und andere Leute haben ihm dabei geholfen.“ (4, 25)
Die Götzendiener sagen außerdem, dass ihn ein Mensch unterrichtet. (103, 16)
Ihr Vorwurf gegen den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, lautete: „Was ist das für ein Gesandter, der Nahrung zu sich nimmt und auf den Märkten umhergeht?“ (7, 25)
An vielen Stellen des Edlen Korans wurden die Einwände der Polytheisten widerlegt; an manchen Stellen werden ihre Einwände erwähnt, an anderen nicht.
Die dritte Art des Widerstands
Der Koran begegnete seinen Ungläubigen, indem er die Ereignisse und Geschichten früherer Völker erwähnte. Über Nadr ibn al-Harith wird berichtet, dass er eines Tages zu den Quraisch sagte: „O Quraisch! Bei Allah, ein Unglück ist über euch hereingebrochen, für das ihr bisher keinen Ausweg gefunden habt. Muhammad ist unter euch aufgewachsen, war der von euch am meisten geliebte Mensch, der Wahrhaftigste von allen und der Vertrauenswürdigste. Als sein Haar nun an den Schläfen ergraut ist, bringt er euch eine Botschaft, und dennoch sagt ihr, er sei ein Zauberer. Bei Allah, er ist kein Zauberer. Ich habe Zauberer gesehen und auch ihre Zauberei erlebt. Ich habe ihre wirren Reden gehört. Ihr sagt, er sei ein Dichter. Bei Allah, er ist auch kein Dichter. Ich habe Dichter gesehen und ihre Gedichte gehört. Ihr sagt, er sei verrückt. Nein, bei Allah, er ist auch nicht verrückt. Ich habe Verrückte gesehen und den Wahnsinn der Verrückten erlebt. In ihm findet sich keinerlei Anzeichen von Wahnsinn. O Leute der Quraisch, denkt gründlich nach: Ein gewaltiges Unglück ist über euch hereingebrochen.“
Danach ging Nadr ibn al-Harith nach Hira und lernte dort verschiedene Geschichten über Könige kennen, insbesondere die Geschichten von Rustam und Alexander. Anschließend kehrte er nach Mekka zurück. Wenn der Gesandte Allahs in einer Versammlung saß, von Allah sprach und die Menschen vor Seiner Strafe warnte, ging Nadr dorthin und sagte: „Bei Allah, die Worte Muhammads sind nicht besser als meine Worte.“ Dann sagte er: „Aus welchem Grund sollten die Worte Muhammads besser sein als meine Worte?“ (Ibn Hischam, Bd. 1, S. 299, 300, 358; Mukhtasar as-Siyar, Scheich Abdullah, S. 117, 118.)
Aus dem Bericht von Hadhrat Abdullah ibn Abbas ist außerdem bekannt, dass Nadr ibn al-Harith mehrere Sklavinnen gekauft und bei sich gehalten hatte. Wenn er hörte, dass jemand zum Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, hingezogen wurde, schickte er eine Sklavin zu ihm. Diese Sklavin gab dem Mann zu essen und zu trinken und sang ihm vor. Schließlich blieb in diesem Mann keinerlei Neigung zum Islam mehr übrig. In diesem Zusammenhang offenbarte Allah, der Erhabene, folgenden Vers: „Unter den Menschen gibt es manchen, der unterhaltende Rede kauft, um vom Weg Allahs abirren zu lassen“ (Fath al-Qadir, Bd. 4, S. 236).
Die vierte Art des Widerstands
Die Quraisch versuchten schließlich, eine Brücke zwischen dem Islam und der Dschahiliya zu schlagen. Das heißt, dass beide Seiten einander gewisse Zugeständnisse machen sollten: Der Gesandte Allahs sollte etwas von den Polytheisten annehmen, und die Polytheisten sollten einige Grundsätze des Gesandten Allahs annehmen. Allah, der Erhabene, sagt dazu im Koran: „Sie wünschen, dass du entgegenkommend bist, dann wären auch sie entgegenkommend“ (9, 68). In einem Bericht von Ibn Dscharir und at-Tabarani heißt es, dass die Polytheisten dem Gesandten Allahs vorschlugen: „Bete ein Jahr lang unsere Götzen an, und wir werden ein Jahr lang deinen Herrn anbeten.“ In einem Bericht von Abd ibn Humayd heißt es, dass die Polytheisten sagten: „Wenn du unsere Götzen anerkennst, werden auch wir deinen Gott anbeten“ (Fath al-Qadir, verfasst von asch-Schaukani, Bd. 5, S. 508).
Ibn Ishaq berichtet: Während der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die Kaaba umrundete, kamen Aswad ibn al-Muttalib ibn Asad ibn Abd al-Uzza, Walid ibn al-Mughira, Umayya ibn Khalaf und al-As ibn Wa’il as-Sahmi zu ihm. Sie waren angesehene Männer ihrer jeweiligen Stämme. Sie sagten: „Komm, Muhammad! Wir werden denjenigen anbeten, den du anbetest, und du wirst denjenigen anbeten, den wir anbeten. Dadurch werden wir beide auf dieselbe Stufe gelangen. Wenn eure Gottheit besser ist als unsere Gottheit, werden wir von ihr Gutes erlangen; und wenn unsere Gottheit besser ist als eure Gottheit, werdet ihr von ihr Gutes erlangen.“ Als Reaktion auf diese lächerlichen Worte offenbarte Allah, der Erhabene, die Sure al-Kafirun. Darin wird verkündet: „Ich kann nicht diejenigen anbeten, die ihr anbetet“ (Ibn Hischam, Bd. 1, S. 362).
Durch diese entschiedene Antwort wurde die lächerliche Argumentation der Vielgötzendiener an der Wurzel beseitigt. Der mögliche Grund für die unterschiedlichen Überlieferungen ist, dass ein solcher Versuch vermutlich wiederholt unternommen wurde.
Unterdrückung und Misshandlung
Die Taten, die die Vielgötzendiener im vierten Jahr der Prophetenschaft unternommen hatten, um die öffentliche Einladung zum Islam zu unterbinden, sind bereits beschrieben worden. Diese feindseligen Aktivitäten betrieben die Vielgötzendiener schrittweise und allmählich. Woche um Woche, ja sogar Monat um Monat, unternahmen sie nichts Zusätzliches. Als sie jedoch erkannten, dass ihre Aktivitäten nicht imstande waren, die Einladung zum Islam zu behindern, versammelten sie sich erneut und bildeten ein Komitee aus fünfundzwanzig Ungläubigen. Diese waren führende Persönlichkeiten des Stammes Quraisch. Das Komitee wurde vom Onkel des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, geleitet. Nach gegenseitiger Beratung und eingehender Überlegung billigte das Komitee einen entschiedenen Beschluss gegen den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, und seine Gefährten. Sie beschlossen, im Widerstand gegen den Islam keinerlei Nachsicht dabei zu zeigen, dem Propheten, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, Leid zuzufügen und diejenigen zu verfolgen, die den Islam angenommen hatten. (Rahmatul lil-Alamin, Band 1, S. 59–60)
Nachdem die Vielgötzendiener diesen Beschluss gefasst hatten, waren sie fest entschlossen, ihn mit allen Mitteln umzusetzen. Bei den Muslimen, insbesondere bei den schwachen Muslimen, war die Umsetzung des Beschlusses der Vielgötzendiener einfach. Beim Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, war sie jedoch schwierig. Denn er war ein außergewöhnlicher Mensch von einzigartiger Persönlichkeit. Jeder betrachtete ihn mit Achtung. Es war leicht, in respektvoller Weise zu ihm zu gehen. Beleidigende und abscheuliche Machenschaften gegen ihn passten zu rohen und törichten Menschen. Neben seiner Persönlichkeit, Eigenständigkeit und Entschlossenheit genoss er auch die Unterstützung Abu Talibs. Abu Talib besaß in Mekka einen unüberwindlichen Einfluss. Niemand wagte es, diesen Einfluss allein oder gemeinsam zu überwinden und das mit ihm geschlossene Abkommen zu brechen. Unter diesen Umständen verbrachten die Quraisch ihre Tage in großer seelischer Bedrängnis. Doch die Verbreitung dieser Religion durchtrennte die Wurzeln ihrer religiösen Vorherrschaft sowie ihrer weltlichen Führung und Macht. Wie lange würden sie diese Religion noch dulden? Schließlich begannen die Vielgötzendiener unter der Führung Abu Lahabs, den Propheten, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, zu verfolgen. Tatsächlich hatte Abu Lahab dem geliebten Propheten gegenüber schon zuvor feindselig gehandelt. Noch bevor die Quraisch überhaupt daran dachten, den Gesandten Allahs zu verfolgen, hatte Abu Lahab bereits darüber nachgedacht. Was dieser Schurke in der Versammlung der Banu Haschim und am Fuß des Berges Safa gesagt hatte, ist bereits erwähnt worden. In einigen Überlieferungen wird berichtet, dass Abu Lahab nach der Einladung zur Religion am Fuß des Berges Safa einen Stein aufgehoben hatte, um den Propheten Muhammad, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, zu schlagen. (Tirmidhi)
Vor dem Empfang der Prophetenschaft durch den Gesandten hatte Abu Lahab seine beiden Söhne Utba und Utaiba mit den beiden Töchtern des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, Ruqayya und Umm Kulthum, verheiratet. Nachdem der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, die Prophetenschaft empfangen hatte und mit der Verkündung der Religion begann, zwang Abu Lahab seine beiden Söhne, sich von den beiden Töchtern des Propheten scheiden zu lassen. (Tafsir Fi Zilal al-Quran, Sayyid Qutb, Band 3, S. 282; Tafsir Tafhim al-Quran, Maulana Sayyid Abul Ala Maududi, Band 6, S. 552, Urdu-Ausgabe)
Nach dem Tod Abdullahs, des zweiten Sohnes des Propheten, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, war Abu Lahab so erfreut, dass er zu seinen Freunden lief und voller Freude verkündete: „Muhammad ist ohne Sohn geblieben.“ [Tafsir Tafhim al-Quran, Band 6, S. 490, Urdu-Ausgabe]
Es wurde bereits erwähnt, dass Abu Lahab während der Wallfahrtssaison dem Propheten, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, auf Märkten und bei verschiedenen Versammlungen nachstellte, um ihn als Lügner hinzustellen. Aus dem Bericht von Tariq ibn Abdullah al-Muhabiri geht hervor, dass Abu Lahab nicht nur damit beschäftigt war, die Worte des Propheten, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, zu widerlegen, sondern ihn auch mit Steinen bewarf, sodass seine Fersen bluteten. (Dschami at-Tirmidhi)
Der eigentliche Name von Abu Lahabs Frau Umm Dschamil war Arwa. Sie war die Tochter Harb ibn Umaiyahs und die Schwester Abu Sufyans. In ihrer Feindschaft gegenüber dem Propheten, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, stand sie ihrem Mann in nichts nach. Auf dem Weg, den der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, zu gehen pflegte, sowie vor seiner Tür legte sie Dornen aus. Diese schmutzige Frau war äußerst vulgär und streitsüchtig. Den Propheten, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, zu beschimpfen, durch Verleumdung und aus den verschiedensten Vorwänden Streit und Unruhe zu stiften und konfliktreiche Situationen herbeizuführen, war ihre Beschäftigung. Deshalb hat Allah, der Erhabene, im Quran gesagt: „Und seine Frau trägt Brennholz.“
Als die Frau von Abu Lahab erfuhr, dass Verse offenbart worden waren, in denen sie und ihr Ehemann getadelt wurden, kam sie suchend zum Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in die Nähe der Kaaba. Der geliebte Prophet befand sich zu jener Zeit neben dem Haus der Kaaba, und bei ihm war Hadhrat Abu Bakr Siddiq (möge Allah mit ihm zufrieden sein). Die Frau von Abu Lahab hielt eine Handvoll Steine in der Hand. Als sie sich dem Gesandten Allahs näherte, nahm Allah ihr das Augenlicht. Sie konnte den Gesandten Allahs nicht sehen, wohl aber Hadhrat Abu Bakr. Sie trat vor Hadhrat Abu Bakr und fragte: „Wo ist dein Gefährte? Ich habe gehört, dass er mich getadelt hat. Bei Allah, wenn ich ihn finde, werde ich ihm diesen Stein ins Gesicht schleudern. Und sieh, bei Allah, auch ich bin eine Dichterin.“ Darauf trug sie dieses Gedicht vor: „Muẓammam, wir haben ihm den Gehorsam verweigert, seine Sache nicht unterstützt und seine Religion voller Hass und Verachtung zurückgewiesen.“ (Die Götzendiener nannten den edlen Propheten nicht Muhammad, sondern Muẓammam. Muhammad bedeutet „der Gepriesene“, während Muẓammam das Gegenteil bedeutet, nämlich „der Getadelte“.) Sie hatte seine Sache nicht unterstützt und seine Religion voller Hass und Verachtung zurückgewiesen. Danach ging sie fort.
Abu Bakr Siddiq (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte zum Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm: „O Gesandter Allahs, hat sie dich etwa nicht gesehen?“ Er sagte: „Nein, sie hat mich nicht gesehen. Allah hatte ihr im Hinblick auf mich das Augenlicht genommen.“ (Ibn Hischam, Bd. 1, S. 335–336.)
Auch Abu Bakr Rāzī überlieferte dieses Ereignis. Er fügte hinzu, dass die Frau von Abu Lahab vor Abu Bakr getreten und ebenfalls gesagt hatte: „Abu Bakr, dein Gefährte hat mich getadelt.“ Abu Bakr sagte: „Das ist nicht richtig. Bei dem Herrn dieses Hauses, er verfasst keine Gedichte und trägt auch keine Gedichte vor.“ Die Frau von Abu Lahab sagte: „Du hast recht.“
Abu Lahab war ein Nachbar und Onkel des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Sein Haus lag in der Nähe des Hauses des Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Auch andere Nachbarn fügten dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Leid zu.
Ibn Ishaq sagt, die Namen derjenigen, die dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, im Haus Leid zufügten, seien Abu Lahab, Hakam ibn Abi al-As ibn Umaiya, Uqba ibn Abi Muʿait, Adi ibn Hamra, Thaqafi ibn al-Asda al-Hudhali und andere gewesen. Sie alle waren seine Nachbarn.
Von ihnen wurde außer Hakam ibn Abi al-As – er war der Vater des umayyadischen Kalifen Marwan ibn Hakam – niemand Muslim. Ihre Art, ihm Leid zuzufügen, war folgende: Wenn der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, das Gebet verrichtete, warf einer von ihnen die Eingeweide einer Ziege so, dass sie auf seinen Körper fielen. Wenn wiederum ein Topf auf den Herd gestellt worden war, warfen sie die Ziegeneingeweide so, dass sie in den Topf fielen. Später richtete der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, im Haus einen Platz ein, an dem er sicher beten konnte.
Nachdem solche Eingeweide auf den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, geworfen worden waren, nahm er sie auf die Spitze eines Stockes, stellte sich an die Tür und sagte: „O Banu Abd Manaf, was ist das für ein nachbarschaftliches Verhalten?“ Danach warf er die Eingeweide weg. (Ibn Hischam, Bd. 1, S. 416.)
Uqba ibn Abi Muʿait war ein niederträchtiger Frevler und ein Meister in bösen Taten. In Sahih al-Buchari wird von Hadhrat Abdullah ibn Masud (möge Allah mit ihm zufrieden sein) überliefert, dass der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, neben dem Haus der Kaaba betete. Abu Dschahl und einige seiner Freunde saßen dort. Da sagte einer zum anderen: „Wer von euch ist in der Lage, die Eingeweide des Kamels von Soundso zu holen und sie Muhammad auf den Rücken zu legen, wenn er sich zur Niederwerfung begibt?“ Darauf holte Uqba ibn Abi Muʿait die Kameleingeweide und wartete. Als der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sich niederwarf, hängte er ihm die Eingeweide auf beiden Seiten über die Schultern. Ich sah alles, konnte aber nichts sagen. Wie gut wäre es gewesen – ach, wenn ich nur die Kraft gehabt hätte, ihn zu schützen!
Hazrat Abdullah ibn Mas’ud (Allah sei mit ihm zufrieden) berichtet: Danach lehnten sich die Übeltäter lachend aneinander, während Allahs Gesandter (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) in der Niederwerfung verharrte und den Kopf nicht hob. Als Hazrat Fatima (Allah sei mit ihr zufrieden) davon erfuhr, eilte sie herbei und entfernte die Eingeweide. Danach hob Allahs Gesandter (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) den Kopf aus der Niederwerfung und sagte dreimal: „Allahumma, nimm dich Quraischs an“, das heißt: „O Allah, kümmere Du Dich um Quraisch.“ Als sie diesen Fluch hörten, wurden sie unzufrieden, denn sie waren fest davon überzeugt, dass sein Bittgebet in dieser Stadt erhört wurde. Danach sprach Allahs Gesandter (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) einen namentlichen Fluch aus: „O Allah, ergreife Abu Dschahl, Utba ibn Rabi’a, Schaiba ibn Rabi’a, Walid ibn Utba, Umayya ibn Chalaf und auch Uqba ibn Abu Mu’ait.“
Wahrscheinlich nannte Allahs Gesandter (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) noch einige weitere Namen, doch der Überlieferer hatte diese Namen vergessen. Abdullah ibn Mas’ud (Allah sei mit ihm zufrieden) berichtet: „Ich sah die Leichen all jener Ungläubigen, deren Namen Allahs Gesandter (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) genannt und gegen die er den Fluch ausgesprochen hatte, im Brunnen von Badr liegen.“ (Sahih al-Buchari, Kitab al-Wudu, Band 1, S. 37)
Umayya ibn Chalaf pflegte jedes Mal, wenn er Allahs Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sah, ihn auf verschiedene Weise zu beleidigen und zu verfluchen. Allah, der Erhabene, offenbarte über ihn folgenden Vers: „Wehe jedem Lästerer und Verleumder“, das heißt: Damit ist jemand gemeint, der offen beschimpft und verleumdet. Ibn Hischam sagt: Als Humaza wird jemand bezeichnet, der offen beschimpft und durch schiefe Blicke Zeichen gibt; als Lumaza jemand, der hinter dem Rücken der Menschen über sie lästert und ihnen Leid zufügt. (Ibn Hischam, Band 1, S. 356–357)
Ubayy ibn Chalaf, der Bruder Umayyas, war ein enger Freund von Uqba ibn Abu Mu’ait. Eines Tages saß Uqba bei dem Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und hörte einige Worte über den Islam. Als Ubayy davon erfuhr, tadelte er Uqba und befahl ihm: „Geh und spucke Muhammad ins Gesicht.“ Uqba tat dies. Einmal zermahlte Ubayy ibn Chalaf einen alten Knochen und blies anschließend den Staub in Richtung des Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) in die Luft. (Ibn Hischam, Band 1, S. 361–362)
Auch Akhlas ibn Schuraik ath-Thaqafi war eifrig darum bemüht, dem Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) Leid zuzufügen. Im Edlen Koran werden neun seiner schlechten Eigenschaften erwähnt; daraus lässt sich seine Geschäftigkeit in dieser Hinsicht erahnen. Allah, der Herr der Welten, sagt: „Und gehorche nicht jedem, der ständig schwört, einem Verleumder, der Gerüchte weiterträgt, der das Gute verhindert, einem Übertreter, einem Sünder, einem groben Menschen und darüber hinaus einem Verrufenen.“ (68:10–13)
Abu Dschahl kam bisweilen zu Allahs Gesandtem (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und hörte den Koran, doch dabei blieb es. Er nahm weder den Glauben an noch nahm er die Lehren des Islam an und zeigte auch keine Unterwerfung gegenüber Allah und Seinem Gesandten. Vielmehr fügte er Allahs Gesandtem (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) durch seine Worte Leid zu und versperrte den Weg Allahs. Danach reckte er voller Stolz die Brust wegen dieser Tat, als hätte er eine große Leistung vollbracht. Allah, der Erhabene, offenbarte über ihn die folgenden Verse des Heiligen Korans (Tafsir Fi Zilal al-Qur’an, Band 29). Allah sagt: „Er glaubte nicht und betete nicht, sondern leugnete und wandte sich ab. Danach kehrte er voller Überheblichkeit zu seinen Angehörigen zurück. Wehe dir, ja wehe!“ (75:31–35)
Schon am ersten Tag versuchte Abu Dschahl, den Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), als er ihn beim Gebet sah, vom Gebet abzuhalten. Einmal betete der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) beim Maqam Ibrahim, und Abu Dschahl kam dort vorbei. Er sagte: „Muhammad, habe ich dir nicht verboten, dies zu tun?“ Zugleich bedrohte er ihn. Der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) erwiderte die Drohung. Darauf sagte Abu Dschahl: „Muhammad, warum drohst du mir? Sieh, meine Versammlung ist in diesem Mekka die größte.“ Wegen dieser anmaßenden Worte Abu Dschahls offenbarte Allah, der Erhabene, folgenden Vers: „Er soll doch seine Versammlung herbeirufen“ (Tafsir Fi Zilal al-Qur’an, Sayyid Qutb, Teil 30, S. 208). „Auch ich rufe die Engel der Bestrafung herbei.“
In einer Überlieferung wird erwähnt, dass Allahs Gesandter (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) Abu Dschahl am Kragen nahe dem Hals packte und sagte: „Wehe dir, ja wehe dir! Noch einmal: Wehe dir, ja wehe dir!“ (ebd.)
Als er dies hörte, sagte Abu Dschahl, der Feind Allahs: „O Muhammad, drohst du mir? Bei Gott, weder du noch dein Herrscher können mir irgendetwas anhaben. Unter all denen, die zwischen den beiden Bergen von Mekka verkehren, bin ich der angesehenste Mann.“
Trotz der im Heiligen Qur’an verkündeten Drohung ließ Abu Dschahl nicht von seinem törichten Verhalten ab; vielmehr nahm sein frevelhaftes Treiben noch zu. In Sahih Muslim wird von Abu Huraira (möge Allah mit ihm zufrieden sein) überliefert, dass Abu Dschahl eines Tages zu den führenden Männern der Quraisch sagte: „Legt Muhammad sein Gesicht vor euch in den Staub?“ Die Führer der Quraisch antworteten: „Ja.“ Abu Dschahl sagte: „Bei al-Lat und al-Uzza, wenn ich ihn in diesem Zustand sehe, werde ich ihm das Genick brechen und sein Gesicht über den Boden schleifen.“ Als er dann den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) beim Gebet sah, ging er vor, um ihm das Genick zu brechen. Doch alle sahen, dass Abu Dschahl schreiend auf dem Boden wälzte und rief: „Rettet mich, rettet mich!“ Bekannte Leute fragten: „Abu al-Hakam, was ist mit dir geschehen?“ Abu Dschahl sagte: „Ich sah zwischen mir und Muhammad einen Graben voller Feuer. In diesem furchtbaren Graben loderte das Feuer gewaltig.“ Als der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) dies hörte, sagte er: „Wenn er zu mir gekommen wäre, hätten Engel seine Glieder in Stücke gerissen.“ (Sahih Muslim)
Während der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) auf diese Weise grausam und tyrannisch behandelt wurde, betrachteten ihn die gewöhnlichen Menschen von Mekka, die ihm zutiefst ehrerbietig und liebevoll begegneten, wegen seiner erhabenen Persönlichkeit mit außergewöhnlicher Würde und Hochachtung. Zudem standen ihm die Unterstützung und die Hilfe seines Onkels Abu Talib zur Seite. Trotz alledem wurde er solchen Misshandlungen ausgesetzt. Die Unterdrückung und Verfolgung der Muslime, die Zuflucht im kühlen Schatten des Islam gefunden hatten, insbesondere der schwachen Muslime, war jedoch noch viel schlimmer. Jeder Stamm bestrafte diejenigen aus den eigenen Reihen, die den Islam angenommen hatten. Über diejenigen, die keinem Stamm von Mekka angehörten, ließen die zügellosen und einflussreichen Leute alle möglichen Arten von Misshandlungen und Folter ergehen. Wenn man die Schilderungen dieser Grausamkeiten hörte, geriet selbst ein Mensch mit starkem Herzen in Unruhe.
Wenn Abu Dschahl hörte, dass ein angesehener und ehrenwerter Mensch den Islam angenommen hatte, beschimpfte und erniedrigte er ihn. Außerdem drohte er ihm mit sozialen und wirtschaftlichen Schädigungen. Wenn ein schwacher Mensch den Islam annahm, packte und schlug er ihn und ermutigte auch andere, ihn zu schlagen. (Ibn Hischam, Bd. 1, S. 320)
Nachdem Uthman ibn Affan (möge Allah mit ihm zufrieden sein) den Islam angenommen hatte, wickelte ihn sein Onkel in eine Palmblattmatte ein und setzte ihn dem Rauch aus. (Rahmatul lil-Alamin, Bd. 1, S. 57)
Nachdem die Mutter von Musʿab ibn Umair (möge Allah mit ihm zufrieden sein) von seiner Annahme des Islam erfahren hatte, verweigerte sie ihrem Sohn Essen und Trinken und wies ihn aus dem Haus. Musʿab hatte seit seiner Kindheit in Wohlstand und Bequemlichkeit gelebt. Aufgrund der Umstände geriet er in eine Lage, in der seine Haut wie die eines Schlangenkörpers aussah, der sich gehäutet hatte. (Ebenda, S. 58)
Bilal (möge Allah mit ihm zufrieden sein) war der Sklave von Umaiya ibn Chalaf. Nachdem Bilal den Islam angenommen hatte, band Umaiya ihm ein Seil um den Hals und übergab ihn zügellosen Jungen. Die Jungen führten ihn an verschiedene Orte in Mekka, sodass sich an seinem Hals die Spuren des Seils abzeichneten. Auch Umaiya selbst fesselte ihn und setzte ihn erbarmungslosen Schlägen aus. Danach ließ er ihn gewaltsam auf heißem Sand liegen. Währenddessen hielt man ihn ohne Nahrung; weder Essen noch Trinken wurde ihm gegeben. Manchmal ließ man ihn in der Mittagshitze auf dem Wüstensand liegen und legte ihm einen schweren Stein auf die Brust. Dabei sagte er: „So wirst du liegen gelassen, bis du stirbst. Wenn du jedoch leben willst, dann gib Muhammads Weg auf.“ Doch selbst in dieser qualvollen Lage sagte Bilal: „Einer, Einer!“ Als Abu Bakr (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sah, wie er gefoltert wurde, war er eines Tages zutiefst erschüttert. Er kaufte Bilal im Austausch gegen einen schwarzen Sklaven – einer anderen Überlieferung zufolge für zweihundert Dirham – und schenkte ihm die Freiheit. (Rahmatul lil-Alamin, Bd. 1, S. 57; Talqihul Fuhum; Ibn Hischam, Bd. 1, S. 318)
Ammar ibn Yasir (möge Allah mit ihm zufrieden sein) war der Sklave der Banu Machzum. Nachdem er und seine Eltern den Islam angenommen hatten, begann man, sie grausam zu foltern. Unter der Führung Abu Dschahls ließen die Götzendiener sie in der glühenden Sonne auf sandigem Gelände liegen und quälten sie. Einmal wurden sie auf diese Weise bestraft, als der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) dort vorbeikam und sagte: „O Familie Yasir, habt Geduld; euer Aufenthaltsort ist das Paradies.“
Da Hadrat Yāsir (möge Allah mit ihm zufrieden sein) die Misshandlungen nicht länger ertragen konnte, verstarb er. Der ruchlose Abū Jahl schleuderte einen Speer auf die Scham von Hadrat Sumayya (möge Allah mit ihr zufrieden sein), der Ehefrau und Mutter von Hadrat ʿAmmār, woraufhin sie den Märtyrertod erlitt. Sie war die erste Märtyrerin des Islams. Hadrat ʿAmmār wurde weiterhin unaufhörlich misshandelt: Manchmal legten sie ihn auf den glühend heißen Sand, manchmal beschwerten sie seine Brust mit einem schweren Stein, und manchmal drückten sie ihn unter Wasser. Die Götzendiener sagten zu ihm: „Wir werden dich nicht freilassen, solange du Muhammad nicht beschimpfst und nichts Lobenswertes über Lāt und al-ʿUzzā sagst.“ Hadrat ʿAmmār (möge Allah mit ihm zufrieden sein) gab ihrem Zwang nach und erschien danach weinend beim Gesandten Allahs – Allah segne ihn und schenke ihm Frieden. Daraufhin offenbarte Allah, der Herr der Welten, folgenden Vers des Heiligen Qurʾān: „Wer Allah verleugnet, nachdem er an Ihn geglaubt hat, und sein Herz dem Unglauben öffnet, auf dem liegt Allahs Zorn, und für ihn ist eine gewaltige Strafe bestimmt – nicht aber für denjenigen, der zum Unglauben gezwungen wird, während sein Herz im Glauben fest bleibt.“ (Ibn Hischām, Bd. 1, S. 320; Fiqh as-Sīra, Muhammad al-Ghazālī, S. 82; ʿAwfī überliefert einen Teil davon von Ibn ʿAbbās; siehe Tafsīr Ibn Kathīr.)
Hadrat Chabbāb ibn al-Aratt (möge Allah mit ihm zufrieden sein) war der Sklave einer Frau namens Umm Anmār aus dem Stamm Chuzāʿa. Die Götzendiener misshandelten ihn auf vielfältige Weise: Sie schleiften ihn über den Boden (Rahmat li-l-ʿĀlamīn, Bd. 1, S. 57; Iʿjāz at-Tanzīl, S. 53), zogen ihn an den Haaren und brachen ihm das Genick. Mehrmals legten sie ihn auf glühende Kohlen und beschwerten seine Brust mit einem Stein, damit er nicht aufstehen konnte (ebd., Bd. 1, S. 57; Talqīh al-Fuhūm, S. 60).
Zinnīra (die Aussprache dieses Namens entspricht Zinnīra al-Miskīna, also „Zinnīra, die Bedürftige“), Nahdiyya und ihre Tochter sowie Umm ʿUbayṣ waren Sklavinnen. Nachdem sie den Islam angenommen hatten, erlitten sie durch die Hände der Götzendiener schwere Strafen. Einige Beispiele dieser Misshandlungen wurden bereits oben angeführt. Auch eine Sklavin aus der Familie Banū Muʾammal, einer Familie des Stammes Banū ʿAdī, nahm den Islam an. Hadrat ʿUmar ibn al-Chattāb (möge Allah mit ihm zufrieden sein) hatte den Islam damals noch nicht angenommen. Er schlug diese Sklavin ungewöhnlich heftig und sagte nach einer Pause zu ihr: „Nicht aus Mitleid mit dir lasse ich von dir ab, sondern weil ich selbst müde geworden bin.“ (Rahmat li-l-ʿĀlamīn, Bd. 1, S. 57; Ibn Hischām, Bd. 1, S. 319.)
Schließlich kaufte Hadrat Abū Bakr as-Siddīq (möge Allah mit ihm zufrieden sein) auch diese Sklavinnen, ebenso wie Hadrat Bilāl und ʿĀmir ibn Fuhayra, und schenkte ihnen die Freiheit (Ibn Hischām, Bd. 1, S. 318–319).
Die Götzendiener bestraften diejenigen, die den Islam angenommen hatten, auch auf grausame Weise. Einige Gefährten wickelten und fesselten sie in rohe Kamel- oder Rinderhäute und ließen sie in der Sonne liegen; anderen legten sie eiserne Rüstungen an und ließen sie auf glühend heißen Steinen liegen. Sobald die ruchlosen Götzendiener erfuhren, dass jemand den Islam angenommen hatte, misshandelten und folterten sie ihn auf vielerlei Weise. Kurz gesagt: Die Liste der grausamen Misshandlungen und Folterungen, denen diejenigen ausgesetzt wurden, die die von Allah erwählte Religion angenommen hatten, ist sehr lang und äußerst schmerzlich (Rahmat li-l-ʿĀlamīn, Bd. 1, S. 58).
Dār al-Arqam
In dieser schrecklichen Lage voller Unterdrückung und Folter wies der Gesandte Allahs – Allah segne ihn und schenke ihm Frieden – die Muslime aus taktischen Gründen an, dass die Neubekehrten ihre Annahme des Islams nicht öffentlich bekanntgeben sollten. Außerdem sollten die Muslime bei ihren Begegnungen und ihrem Umgang miteinander auf Geheimhaltung achten, denn wenn die Nichtmuslime von den Treffen der Muslime mit dem Gesandten Allahs hörten, würden sie die Verbreitung der islamischen Lehren behindern und dadurch die Gefahr eines Zusammenstoßes zwischen beiden Seiten erheblich zunehmen. Im vierten Jahr der Prophetenschaft ereignete sich ein solcher Vorfall. Die ehrenwerten Gefährten pflegten sich in einer Schlucht zu versammeln und das Gebet zu verrichten. Einmal wurde eine Gruppe von Götzendienern dabei auf sie aufmerksam. Sie begannen, die Muslime zu beschimpfen, und es kam zu einem Streit und Kampf. Daraufhin schlug Hadrat Saʿd ibn Abī Waqqās (möge Allah mit ihm zufrieden sein) einen Mann so heftig, dass Blut floss. Dies war der erste Vorfall von Blutvergießen im Islam (Ibn Hischām, Bd. 1, S. 263; Mukhtaṣar as-Sīra, Scheich Muhammad ibn ʿAbd al-Wahhāb).
Wenn solche Zusammenstöße sich wiederholt hätten und länger angedauert hätten, hätte die Existenz der Muslime ausgelöscht werden können. Deshalb war es unbedingt notwendig, die Strategie der Geheimhaltung anzuwenden. Gemäß dieser Strategie hielten die gewöhnlichen ehrenwerten Gefährten ihre Annahme des Islams, ihre gottesdienstlichen Handlungen, die Verkündung der Botschaft sowie ihre gegenseitigen Treffen und ihren Umgang miteinander vollständig geheim. Der Gesandte Allahs – Allah segne ihn und schenke ihm Frieden – hingegen verkündete die Religion und verrichtete alle gottesdienstlichen Handlungen öffentlich; kein Hindernis konnte ihn davon abhalten. Dennoch wahrte er bei seinen Treffen und Gesprächen mit den Muslimen die Geheimhaltung. Das Haus von al-Arqam ibn Abī al-Arqam al-Machzūmī lag am Fuß des Ṣafā-Berges. Da die aufständischen Götzendiener nicht dorthin kamen, bestimmte der Prophet – Allah segne ihn und schenke ihm Frieden – Dār al-Arqam ab dem fünften Jahr der Prophetenschaft zu einem Zentrum für den Aufruf zur Religion und für den Umgang mit den Muslimen (Mukhtaṣar as-Sīra, Scheich Muhammad ibn ʿAbd al-Wahhāb an-Nadschdī, S. 61).
Die erste Hidschra nach Abessinien
Diese Welle von Unrecht, Unterdrückung und Verfolgung begann etwa in der Mitte oder gegen Ende des vierten Jahres der Berufung zum Prophetentum. Anfangs war sie noch geringfügig, doch nahm ihr Ausmaß von Tag zu Tag zu. In der Mitte des fünften Jahres der Berufung erreichte sie ihren Höhepunkt, und der Aufenthalt der Muslime in Mekka wurde unmöglich. In jener schwierigen und finsteren Zeit wurde die Sure al-Kahf offenbart. Darin wurden verschiedene von den Götzendienern aufgeworfene Fragen beantwortet. Die drei darin erwähnten Begebenheiten enthielten von Allah klare Hinweise auf die Zukunft der gläubigen Diener. Die Geschichte der Gefährten der Höhle lehrt, dass man, wenn der Glaube und die Religion einer Gefahr ausgesetzt sind, körperlich aus dem Zentrum des Unglaubens und der Unterdrückung auswandern muss. Allah, der Erhabene, sagt: „Wenn ihr euch von ihnen und von dem, was sie anstatt Allahs anbeten, lossagt, dann nehmt in der Höhle Zuflucht. Euer Herr wird Seine Barmherzigkeit über euch ausbreiten und euch für eure Angelegenheit eine günstige Lösung bereiten.“ (18:16)
Aus der Geschichte von Hazrat Musa (a.s.) und Hazrat Khidr (a.s.) lässt sich lernen, dass der Ausgang nicht immer nach den äußerlich erkennbaren Umständen beurteilt wird, sondern manchmal völlig entgegengesetzt zu ihnen ist. Daher liegt in dieser Geschichte ein feiner Hinweis darauf, dass die gegenwärtige Unterdrückung und Verfolgung der Muslime zu einem völlig entgegengesetzten Ausgang führen wird. Wenn diese Götzendiener und hochmütigen Rebellen nicht zum Glauben gelangen, werden sie eines Tages besiegt werden, gezwungen sein, sich vor den Muslimen zu verneigen, und sich ihnen zur Bestimmung ihres Schicksals ergeben.
Die Geschichte von Dhul-Qarnain weist auf die folgenden Lehren hin:
Erstens: Das Eigentum an der Erde gehört Allah. Er macht unter Seinen Dienern diejenigen zu ihren Teilhabern, die Er will.
Zweitens: Erfolg liegt allein im Glauben; auf dem Weg des Unglaubens gibt es keinen Erfolg.
Drittens: Allah, der Erhabene, lässt bisweilen aus der Mitte Seiner Diener Menschen hervorgehen, die die unterdrückten und bedrängten Menschen aus der Gewalt der ungläubigen Ya’dschudsch und Ma’dschudsch befreien.
Viertens: Allahs rechtschaffene Diener sind am meisten dazu geeignet, Teilhaber der Erde zu werden.
Nach der Sure al-Kahf ließ Allah, der Erhabene, die Sure az-Zumar offenbaren. Darin wird auf die Hidschra hingewiesen und gesagt, dass Allahs Erde nicht eng ist. Allah, der Erhabene, sagt: „Sprich: O Meine gläubigen Diener, fürchtet euren Herrn. Für diejenigen, die in dieser Welt Gutes tun, gibt es Gutes. Allahs Erde ist weit. Den Geduldigen wird ihr Lohn ohne Maß gewährt werden.“
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, wusste, dass der König von Abessinien, Aschama an-Nadschaschi, ein gerechter Herrscher war und in seinem Reich niemandem Unrecht und Unterdrückung widerfuhr. Deshalb befahl der Gesandte Allahs den Muslimen, zum Schutz ihrer Religion nach Abessinien auszuwandern. Daraufhin brach im Monat Radschab gemäß dem geplanten Vorhaben die erste Gruppe der ehrwürdigen Sahaba nach Abessinien auf. Zu dieser Gruppe gehörten zwölf Männer und vier Frauen. Hadhrat Uthman, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, war ihr Anführer; mit ihm war auch Hadhrat Ruqayya, Allahs Wohlgefallen sei auf ihr, die Tochter des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte über sie: „Nach Hadhrat Ibrahim, Allahs Frieden sei auf ihm, und Hadhrat Lut, Allahs Frieden sei auf ihm, sind sie die erste Gruppe, die um Allahs willen ausgewandert ist.“ (Mukhtasar as-Sira, Scheich Amanullah)
In der Dunkelheit der Nacht begaben sie sich heimlich auf den Weg zu ihrem Ziel. Diese Vorsichtsmaßnahmen wurden getroffen, damit die Quraisch nichts davon erfuhren. Zunächst gingen sie zum Hafen Schurayba am Roten Meer. Glücklicherweise fanden sie dort zwei Handelsschiffe. Sie bestiegen eines dieser Schiffe und gelangten sicher nach Abessinien. Nachdem sie abgereist waren, erfuhren die Quraisch von ihrer Abreise. Sobald sie davon hörten, eilten sie bis zur Meeresküste, doch die ehrwürdigen Sahaba, Allahs Wohlgefallen sei auf ihnen, waren bereits fort. Daher kehrten sie erfolglos zurück. Unterdessen erreichten die Muslime Abessinien und atmeten erleichtert auf. (Rahmat li-l-Alamin, Band 1, S. 61; Zad al-Ma’ad, Band 1, S. 24)
Noch im selben Jahr, im Monat Ramadan, begab sich der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zur Heiligen Moschee. Dort hatten sich die führenden Männer der Quraisch versammelt. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, erschien unerwartet und begann, die Sure an-Nadschm zu rezitieren. Noch nie zuvor hatten so viele Götzendiener gemeinsam den Koran gehört, denn sie hatten beschlossen, den Koran niemals anzuhören. In den Worten des Korans heißt es: „Die Ungläubigen sagen: Hört nicht auf diesen Koran und macht Lärm, wenn er rezitiert wird, auf dass ihr siegt.“ (26, 41)
Als der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, plötzlich mit wohlklingender Stimme begann, den Koran zu rezitieren, waren die Götzendiener wie verzaubert. Sie waren von der Schönheit seiner Sprache und der Süße des Koran überwältigt und fasziniert. Zu jener Zeit kam niemandem ein anderer Gedanke in den Sinn; alle waren vollkommen ergriffen. Er rezitierte gegen Ende der Sure den folgenden Vers: „Werft euch vor Allah nieder und dient Ihm.“ Nachdem er diesen Vers rezitiert hatte, warf sich der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nieder. Sofort warfen sich auch die Götzendiener nieder. Die Wirkung und Schönheit der Wahrheit hatte den Hochmut der Ungläubigen zerschmettert. Keiner von ihnen war seiner selbst bewusst; deshalb beugten sie sich unwillkürlich in der Niederwerfung. (In Sahih al-Bukhari findet sich von Abdullah ibn Masud und Abdullah ibn Abbas eine kurze Darstellung dieses Ereignisses.)
Als sie wieder zur Besinnung kamen, waren sie bestürzt. Die Götzendiener, die nicht anwesend gewesen waren, tadelten sie, weil sie sich an eben der Sache beteiligt hatten, deren Auslöschung sie mit allen Mitteln betrieben. Um dem Tadel zu entgehen, sagten sie daraufhin, Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, habe ihre Götzen ehrenvoll erwähnt. Um ihre Unschuld zu beweisen, behaupteten sie: Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, habe gesagt: „Sie sind allesamt erhabene Göttinnen, und man kann auf ihre Fürsprache hoffen.“
Dabei war dies eine offenkundige Lüge. Sie hatten diese Geschichte erfunden, um eine vernünftige Entschuldigung für ihren Fehler vorzubringen, sich gemeinsam mit dem Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, niedergeworfen zu haben. Es ist nicht verwunderlich, dass diejenigen, die den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ständig als Lügner bezeichneten und gegen ihn Verleumdungen und üble Nachrede verbreiteten, zu ihrer Selbstverteidigung auf solche erfundenen Aussagen zurückgriffen. (Nach eingehender Analyse der erwähnten Überlieferung gelangten die Fachleute zu diesem Schluss.)
Auch die nach Abessinien ausgewanderten Muslime erfuhren von dieser Niederwerfung der Quraisch. Doch sie erhielten eine falsche Nachricht: Sie hörten, die führenden Männer der Quraisch seien Muslime geworden. Nachdem sie diese Nachricht erhalten hatten, verließen sie im Monat Schawwal Abessinien, um nach Mekka zurückzukehren. Als sie noch einen Tagesmarsch von Mekka entfernt waren, erfuhren sie die wahre Nachricht. Daraufhin kehrten einige nach Abessinien zurück, während andere heimlich oder unter dem Schutz eines Quraischiten in Mekka einzogen. (Zad al-Ma’ad, Band 1, S. 24; Band 2, S. 44; Ibn Hischam, Band 1, S. 364)
Die zweite Hidschra nach Abessinien
Danach nahmen die Übergriffe der Götzendiener gegen jene auswandernden Muhadschirun und insbesondere gegen die Muslime im Allgemeinen noch weiter zu. Die nichtmuslimischen Familienangehörigen begannen, den Muslimen auf vielfältige Weise Leid zuzufügen, denn die Quraisch hatten erfahren, dass der Nadschaschi die Muslime sehr gut behandelt hatte und dass sie in Abessinien ein sehr gutes Leben führten. Diese Nachricht verstärkte ihren inneren Groll. Als die Verfolgung und Misshandlung durch die Quraisch zunahm, riet der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, den Gefährten erneut zur Auswanderung nach Abessinien. Diesmal war sie jedoch schwieriger als die erste Auswanderung. Die götzendienerischen Quraisch waren nun wachsam; sie konnten sich nicht vorstellen, dass die Muslime ihnen entkommen, anderswohin ziehen und dort sicher leben würden. Doch weil die Muslime größere Klugheit als die Nichtmuslime bewiesen, erleichterte Allah ihnen den Weg nach Abessinien. So erreichten die ausgewanderten Muslime den König von Abessinien, bevor sie unter die Kontrolle der Quraisch gerieten. Diesmal wanderte eine Gruppe von zweiundachtzig oder dreiundachtzig Personen aus. Im Unterschied zur Auswanderung von Ammar, möge Allah mit ihm zufrieden sein, gehörten dieser Auswanderung achtzehn oder neunzehn Frauen an. (Zad al-Maʿad, Band 1, S. 140; Rahmat li-l-Alamin, Band 1, S. 60.) Allama Mansurpurī gibt die Zahl der Frauen mit achtzehn an. (Rahmat li-l-Alamin.)
Die Verschwörung der Quraisch in Abessinien
Dass die Muslime mit ihrem Leben und ihrem Glauben an einen anderen Ort gezogen waren, bereitete den Quraisch großen Kummer. Nach ausführlichen Beratungen beschlossen sie, Amr ibn al-As und Abdullah ibn Rabia mit einer wichtigen Mission nach Abessinien zu entsenden.
Diese beiden hatten den Islam damals noch nicht angenommen und waren sehr klug. Die Quraisch schickten für diese beiden Gesandten wertvolle Geschenke mit, die sie dem König von Abessinien überreichen sollten. Zuerst übergaben sie dem König die Geschenke und erläuterten anschließend die Argumente und Gründe, aufgrund derer sie die Muslime nach Mekka zurückbringen wollten. Sie sagten: „O König, einige törichte junge Männer aus unserem Land sind in dein Land geflohen. Sie haben den Glauben ihres Volkes aufgegeben, aber auch den Glauben, den du befolgst, nicht angenommen. Stattdessen haben sie einen neu erfundenen Glauben angenommen. Über diesen Glauben wissen weder wir noch ihr etwas. Ihre Eltern und Verwandten haben uns geschickt, damit wir sie zurückholen. Sie wollen nicht, dass ihr diese törichten Leute mit uns zurückschickt; sie wissen sehr wohl, was für ihre eigenen Leute gut und schlecht ist.“ Auch die Höflinge wollten, dass der König die Muslime zurückschickte.
Der Nadschaschi dachte, dass er dieser Angelegenheit auf den Grund gehen und sie unter allen Gesichtspunkten sorgfältig prüfen müsse. Er ließ die Muslime zu sich an den Hof rufen. Die Muslime berieten sich untereinander und beschlossen, ohne Furcht die Wahrheit zu sagen, was immer daraus entstehen möge. Als die Muslime vor den König traten, fragte der Nadschaschi: „Was ist das für ein Glaube, dessentwegen ihr die Beziehungen zu eurem eigenen Volk abgebrochen habt? Ihr seid doch auch nicht in den Glauben eingetreten, dem ich folge.“ Der Sprecher der Muslime, Dschaʿfar ibn Abi Talib, möge Allah mit ihm zufrieden sein, sagte: „O König, wir waren ein unwissendes Volk, das dem Götzendienst ergeben war. Wir aßen das Fleisch verendeter Tiere, begingen Sünden, brachen die Beziehungen zu unseren nächsten Verwandten ab und behandelten unsere Nachbarn schlecht. Die Starken unter uns unterdrückten die Schwachen. Während wir uns in diesem Zustand befanden, sandte Allah, der Erhabene, einen Gesandten aus unserer Mitte zu uns. Seine hohe Abstammung, seine Wahrhaftigkeit, sein edler Charakter, seine Treue und seine Vertrauenswürdigkeit waren uns bereits bekannt. Er rief uns auf den Weg Allahs und erklärte uns, dass wir an den Einen glauben und Ihn anbeten sollten und die Götzen und Steine aufgeben sollten, die unsere Vorfahren angebetet hatten. Er gebot uns, die Wahrheit zu sagen, anvertraute Güter zurückzugeben, die Beziehungen zu den nächsten Verwandten zu pflegen, keine Sünden zu begehen und vom Blutvergießen Abstand zu nehmen. Er untersagte uns Unzucht, Lügen, die Veruntreuung des Vermögens von Waisen und die Verleumdung ehrbarer, tugendhafter Frauen. Er sagte, dass wir nur Allah anbeten und Ihm niemanden beigesellen sollten. Er gebot uns das Gebet, das Fasten und die Entrichtung der Zakat.“ Nachdem Dschaʿfar, möge Allah mit ihm zufrieden sein, diese Merkmale des Islam auf diese Weise dargelegt hatte, sagte er weiter: „Wir erklärten diesen Propheten für wahr, glaubten an ihn, glaubten an die von ihm gebrachte Religion und gehorchten ihm. Wir beteten nur Allah an und gesellten Ihm niemanden bei. Was jener Prophet verboten hatte, hielten wir für verboten, und was er für erlaubt erklärt hatte, hielten wir für erlaubt. Aus all diesen Gründen wurden unsere Landsleute uns gegenüber feindselig. Sie verstärkten ihre Verfolgung und Misshandlung und bemühten sich auf vielfältige Weise, uns zu unserer früheren Religion zurückzubringen. Sie wollen, dass wir die Anbetung Allahs aufgeben und zum Götzendienst zurückkehren und dass wir all jene schmutzigen Dinge, die wir zuvor für verboten hielten, für erlaubt erklären. Als sie unsere Verfolgung in hohem Maße verschärften, die Erde für uns eng machten und sich uns in den Weg stellten, brachen wir in Richtung deines Landes auf. Wir zogen deinen Schutz demjenigen anderer vor und hofften, dass uns hier keinerlei Unrecht oder Unterdrückung widerfahren würde.“
Der Nadschaschi sagte: „Lies mir etwas aus der Schrift vor, die euer Gesandter gebracht hat.“
Dschaʿfar, möge Allah mit ihm zufrieden sein, rezitierte einige Verse aus dem ersten Teil der Sure Maryam. Als der Nadschaschi dies hörte, änderte sich seine Haltung, und er begann unaufhörlich zu weinen. Sein Bart wurde von Tränen durchnässt. Auch seine religiösen Berater weinten so sehr, dass ihre Tränen auf die vor ihnen ausgebreiteten religiösen Schriften tropften. Darauf sagte der Nadschaschi: „Diese Worte stammen aus derselben Quelle wie die Worte, die Moses, möge Allah mit ihm zufrieden sein, überbracht hat.“ Dann sagte der Nadschaschi zu Amr ibn al-As und Abdullah ibn Rabia: „Geht fort! Ich werde euch diese Menschen nicht ausliefern. Ich werde keinerlei Intrigen von euch hier dulden.“
Nach dem Befehl des Königs verließen die beiden Gesandten der Quraisch den Hof. Daraufhin sagte Amr ibn al-As zu Abdullah ibn Rabia: „Morgen werde ich beim König etwas gegen sie vorbringen, womit ich all ihre Machenschaften zunichtemachen werde.“ Abdullah ibn Rabia sagte: „Nein, das ist nicht nötig. Auch wenn sie meinen Glauben aufgegeben haben, gehören sie doch meinem Stamm an.“ Dennoch blieb Amr ibn al-As bei seinem Entschluss.
Am folgenden Tag ging Amr ibn al-As zum Hof des Königs und sagte: „O König, sie äußern sich auf höchst ungewöhnliche Weise über Jesus, den Sohn Marias (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm).“ Als der Negus dies hörte, ließ er die Muslime erneut zu sich rufen. Er wollte ihre Ansicht über Jesus (Friede sei mit ihm) erfahren. Diesmal bekamen die Muslime Angst. Dennoch dachten sie: „Wir vertrauen auf Allah; was immer geschehen soll, wird geschehen.“ Sie aber würden die Wahrheit sagen.
Auf die Frage des Negus antwortete Jaʿfar (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm): „Wir sagen über Jesus (Friede sei mit ihm) genau das, was unser Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, uns gelehrt hat. Er sagte, dass Jesus (Friede sei mit ihm) Allahs Diener, Sein Gesandter, Sein Geist und Sein Wort ist, das Allah, der Erhabene, der keuschen, reinen und jungfräulichen Maria (Friede sei mit ihr) anvertraut hat.“
Als der Negus dies hörte, hob er ein Stück Holz vom Boden auf und sagte: „Bei Gott, Jesus (Friede sei mit ihm) war nicht mehr als dieses Stück Holz, was all das betrifft, was ihr gesagt habt.“ Als die religiösen Berater dies hörten, brachten sie mit einem missbilligenden „Hü, hü“ ihren Unmut zum Ausdruck. Der König sagte: „Auch wenn ihr ‚Hü, hü‘ sagt, ist das, was ich sage, wahr.“
Danach sagte der Negus zu den Muslimen: „Geht; in meinem Land seid ihr vollkommen sicher. Gegen diejenigen, die euch beschimpfen, wird eine Geldstrafe verhängt. Ich möchte nicht, dass jemand euch Leid zufügt, selbst wenn ich dafür einen Berg aus Gold erhielte.“
Danach sagte der Negus zu seinen Dienern: „Gebt den Geschenken, welche die Gesandten aus Mekka mitgebracht haben, ihnen zurück. Wir benötigen sie nicht. Bei Allah, als Er mich in mein Land zurückkehren ließ, nahm Er von mir kein Bestechungsgeld. Warum sollte ich auf Seinem Weg Bestechungsgeld annehmen? Außerdem – das heißt, Allah, der Erhabene – hat in meiner Angelegenheit nicht auf die Worte anderer Menschen gehört. Warum sollte ich in Allahs Angelegenheit auf die Worte anderer Menschen hören?“
Umm Salama (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr), die Augenzeugin dieses Ereignisses war, berichtet: „Die beiden Gesandten der Quraisch kehrten daraufhin zusammen mit den von ihnen gebrachten Geschenken voller Schmach in ihre Heimat zurück. Wir lebten weiterhin im Land des Negus unter dem Schutz eines guten Nachbarn.“ (Ibn Hischam, Band 1, S. 334–338)
Ibn Ishaq hat den Bericht über dieses Ereignis überliefert. Andere Verfasser von Sira-Werken schrieben, dass Hadhrat Amr ibn al-As nach der Schlacht von Badr zum Hof des Negus gegangen sei. Einige schrieben, um beide Überlieferungen miteinander in Einklang zu bringen, Amr ibn al-As sei zweimal zum Hof des Negus gegangen, um die Muslime zurückzubringen. Doch der Bericht über das Gespräch zwischen dem Negus und Hadhrat Jaʿfar nach der Schlacht von Badr, den Ibn Ishaq überliefert hat, ähnelt dem Gespräch aus der Zeit nach der Auswanderung der Muslime nach Abessinien. Außerdem lässt die Art der Fragen des Negus erkennen, dass das Gespräch mit den Muslimen nur einmal stattfand und zwar unmittelbar nach ihrer Auswanderung nach Abessinien.
Kurz gesagt: Die Strategie der Götzendiener war gescheitert. Sie hatten erkannt, dass sie ihre feindseligen Handlungen auf ihr eigenes Gebiet beschränken mussten. Nun begannen sie jedoch, über eine äußerst ernste Angelegenheit nachzudenken. Sie verstanden sehr wohl, dass ihnen zur Rettung aus dieser Gefahr zwei Wege offenstanden: Entweder mussten sie die religiöse Verkündigung des Gesandten Allahs mit Gewalt unterbinden, oder sie mussten seine Existenz vollständig auslöschen. Doch der zweite Plan war nicht leicht umzusetzen, denn Abu Talib war selbst der Schutzbeauftragte des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Wie ein eiserner Vorhang stand er vor dem Vorhaben der Götzendiener. Unter diesen Umständen sahen sie sich erneut veranlasst, mit Abu Talib zu sprechen.
Die Drohung gegen Abu Talib
Nach diesem Vorschlag gingen die Führer der Quraisch zu Abu Talib und sagten: „O Abu Talib, du genießt unter uns Ansehen und Ehre. Wir hatten dich gebeten, deinen Neffen zurückzuhalten, doch du hast es nicht getan. Bedenke: Wir können es nicht ertragen, dass unsere Väter und Großväter beschimpft werden, dass unsere Vernunft, unser Verstand und unser Urteilsvermögen als Torheit bezeichnet werden und dass die Götter herabgesetzt werden. Halte ihn davon ab und bringe ihn zum Aufhören. Wenn du daran scheiterst, werden wir einen solchen Kampf zwischen dir und deinem Neffen entfachen, dass dabei viele Menschen ihr Leben verlieren werden.“
Diese Drohung beeinflusste Abu Talib. Er ließ den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu sich rufen und sagte: „Mein Neffe, die Leute aus deinem Stamm sind zu mir gekommen und haben all dies gesagt. Deshalb hab nun Erbarmen mit mir und mit dir selbst. Bürde mir in dieser Angelegenheit keine Last auf, die ich nicht tragen kann.“
Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, dies hörte, verstand er, dass nun auch sein Onkel ihn verlassen würde und dass auch dieser hinsichtlich seiner Unterstützung schwach geworden war. Daher sagte er: „O mein Onkel, bei Allah, selbst wenn man mir die Sonne in die rechte Hand und den Mond in die linke Hand legte und mir sagte, ich solle diese Sache aufgeben, würde ich sie dennoch nicht aufgeben. Entweder werde ich diese Sache zur Vollendung bringen und sie zum Sieg führen, oder ich werde bei ihrer Verfolgung zugrunde gehen.“
Nachdem der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, dies gesagt hatte, brach er vor überwältigender Ergriffenheit in Tränen aus und wollte gehen. Das Herz seines Onkels Abu Talib wurde davon tief bewegt. Er rief seinen Neffen und sagte: „Geh, mein Neffe, und tu, was du willst. Bei Allah, ich werde dich unter keinen Umständen jemals verlassen.“ (Ibn Hischam, Band 1, S. 265–266.)
Bei Gott, sie werden nicht in Scharen zu dir gelangen können,
solange ich nicht unter der Erde begraben bin
Sprich weiter, verkünde deine Botschaft offen und fürchte niemanden.
Mögen deine Augen sich kühlen und dein Herz sich erfreuen (Mukhtarus-Sīra, Scheich Muhammad Abd al-Wahhab Nadschdi, S. 68).
Die Delegation der Quraisch erneut bei Abu Talib
Als die Quraisch trotz der äußerst ernsten Drohungen sahen, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Heil seien auf ihm, seine Tätigkeit fortsetzte, erkannten sie, dass Abu Talib seinen Neffen nicht im Stich lassen konnte, sondern vielmehr bereit war, nötigenfalls die Beziehungen zu den Quraisch abzubrechen und ihnen feindselig gegenüberzutreten. In diesem Gedanken kamen die Führer der Quraisch gemeinsam mit Ammara, dem Sohn von al-Walid ibn al-Mughira, zu Abu Talib und sagten: „O Abu Talib, wir haben Ammara mitgebracht. Ammara ist ein ansehnlicher junger Mann aus dem Stamm der Quraisch. Nimm ihn an; er wird dich nach Kräften unterstützen. Nimm ihn als deinen eigenen Sohn an: Er gehört dir. Dafür übergib uns deinen Neffen Muhammad, der sich gegen die Religion deiner Väter und Großväter stellt, dein Volk entzweit und dessen Verstand als Torheit bezeichnet. Wir werden ihn töten. So wird es ein Mann für einen Mann sein.“
Abu Talib sagte: „Was für ein großartiges Geschäft wollt ihr mir da vorschlagen! Ihr bringt euren Sohn zu mir, damit ich ihn ernähre, versorge und großziehe, und ich soll meinen eigenen Sohn in eure Hände geben, damit ihr ihn mitnehmt und tötet? Bei Allah, das kann niemals sein.“
Als Adi, der Sohn von Nawfal ibn Mutʿim, dies hörte, sagte er: „Bei Gott, o Abu Talib, dein Volk hat dir gegenüber gerecht gesprochen, und du willst dich von einer guten Lösung fernhalten. Doch ich sehe, dass du keines ihrer Worte annehmen willst.“
Abu Talib erwiderte: „Bei Gott, ihr habt nicht gerecht mit mir gesprochen. Vielmehr seid auch ihr im Begriff, mich im Stich zu lassen und die Leute gegen mich zu unterstützen. Nun gut, tut, was ihr wollt.“ (Ibn Hischam, Bd. 1, S. 266–267).
Auch durch die Lektüre verschiedener Werke über die Sira lässt sich der Zeitpunkt der beiden erwähnten Gespräche nicht feststellen. Aus den Beweisen sowie den Andeutungen und Hinweisen scheint jedoch hervorzugehen, dass zwischen ihnen kein großer zeitlicher Abstand lag und beide Gespräche irgendwann in der Mitte des sechsten Jahres nach der Hidschra stattfanden.
Der niederträchtige Vorschlag, Allahs Gesandten zu töten
Nachdem beide zuvor erwähnten Unterredungen der Führer der Quraisch gescheitert waren, nahm ihre Feindseligkeit zu und das Ausmaß der Misshandlungen und Verfolgungen stieg weiter an. Zu jener Zeit erhielt die abscheuliche Verschwörung der Führer der Quraisch eine neue Dimension: Sie schlugen vor, Allahs Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu töten. Doch zu jener Zeit stärkte der Islam zweier bedeutender Führer der Quraisch, Ḥamza und ʿUmar, Allahs Wohlgefallen sei auf ihnen, die Kraft des Islam um ein Vielfaches. Statt Allahs Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, aus der Welt zu schaffen, unterwarfen sich diese beiden tapferen Löwen Allahs Gesandtem und stärkten dadurch die Kraft des Islam.
Ich führe zwei Beispiele für die Misshandlungen und Verfolgungen der Götzendiener gegenüber Allahs Gesandtem an.
Eines Tages kam ʿUtayba, der Sohn Abu Lahabs, zu Allahs Gesandtem, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und sagte: „Wa-n-nadschmi idhā hawā wa-thumma danā fa-tadallā“ – und ich begehe Kufr gegenüber ihm. Die Bedeutung der beiden Verse aus der Sura an-Nadschm lautet: „Bei dem Stern, wenn er sinkt, dann näherte er sich und kam ganz nahe.“ Danach begann ʿUtayba, Allahs Gesandten zu misshandeln. Er zerriss sein Gewand und spuckte auf sein heiliges Gesicht, doch der Speichel traf sein Gesicht nicht. Daraufhin sprach Allahs Gesandter, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, einen Fluch gegen ihn aus und sagte: „O Allah, entsende gegen ihn einen Hund unter Deinen Hunden.“ Dieser Fluch Allahs Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, erfüllte sich. Einmal reiste ʿUtba mit einigen Männern aus dem Stamm der Quraisch nach Syrien. An einem Ort namens Zarqāʾ schlugen sie eines Nachts ihr Zeltlager auf. Zu jener Zeit wurde ein Löwe umherstreifend gesehen. Als ʿUtayba den Löwen erblickte, sagte er: „Ach, mein Untergang ist gewiss! Bei Gott, dieser Löwe wird mich fressen. Muḥammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, hat mich verflucht. Seht, ich bin in Syrien – oder er hat mich getötet, während er in Mekka saß.“ Aus Vorsicht legten sich seine Reisegefährten schlafen und betteten ʿUtayba in ihre Mitte. In der Nacht kam der Löwe, ging an allen vorbei zu ʿUtayba und brach ihm das Genick. (Mukhtaṣar as-Siyar, Scheich ʿAbdullāh, S. 135, Bd. 1; Ithbāt Dalāʾil an-Nubuwwa und Fawz al-Anāf.)
ʿUqba ibn Abū Muʿayṭ war ein bekannter Götzendiener. Einmal packte ein Übeltäter den Nacken Allahs Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, während er im Gebet niedergeworfen war, so heftig, dass es schien, als würden ihm die Augen hervortreten. (Ebenda, Mukhtaṣar as-Siyar, S. 113.)
Eine Überlieferung von Ibn Isḥāq berichtet von der Verschwörung der Quraisch. Sie verschworen sich fortwährend, um den Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, aus der Welt zu schaffen. In dieser Überlieferung heißt es, dass Abū Dschahl einmal sagte: „O Brüder der Quraisch, ihr seht doch, dass Muḥammad nicht davon ablässt, unsere Religion zu kritisieren, unsere Götter zu verleumden und unsere Väter und Großväter unaufhörlich zu beschimpfen. Deshalb gelobe ich Allah, dass ich mich mit einem schweren Stein hinsetzen werde. Wenn Muḥammad sich niederwirft, werde ich mit diesem Stein seinen Kopf zerschmettern. Danach bin ich auf jede mögliche Folge vorbereitet. Wenn ihr wollt, lasst ihr mich schutzlos; oder ihr gewährt mir Schutz. Danach kann Banū ʿAbd Manāf mit mir verfahren, wie es will – das kümmert mich nicht.“ Als die Quraisch diesen Vorschlag hörten, sagten sie: „Unter keinen Umständen werden wir dich schutzlos zurücklassen. Tu, was du vorhast.“
Am Morgen setzte sich Abū Dschahl mit einem schweren Stein hin und wartete auf Allahs Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Die Quraisch versammelten sich einer nach dem anderen und warteten gespannt darauf, Abū Dschahls Vorgehen zu beobachten. Allahs Gesandter, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, kam wie gewohnt, begann das Gebet zu verrichten und warf sich nieder. Als er sich niederwarf, ging Abū Dschahl mit dem Stein auf ihn zu, kehrte jedoch im nächsten Augenblick voller Angst zurück; seine Hand schien am Stein festzukleben. Einige Männer der Quraisch kamen zu ihm und sagten: „Abū al-Ḥakam, was ist mit dir geschehen?“ Er sagte: „Ich wollte gerade tun, was ich in der Nacht gesagt hatte, doch als ich näher kam, sah ich, dass sich zwischen Muḥammad und mir ein Kamel aufgestellt hatte. Bei Gott, ich habe niemals ein so großes Kamel mit einem derart langen Hals und solchen Zähnen gesehen. Es wollte mich angreifen.“
Ibn Isḥāq sagt: Mir wurde berichtet, dass Allahs Gesandter, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gesagt habe: „Er war in Gestalt eines Kamels – es war Dschibrīl.“ Wenn Abū Dschahl näher gekommen wäre, wäre er gepackt worden. (Ibn Hišām, Bd. 1, S. 298–299.)
Danach behandelte Abu Dschahl den Gesandten Allahs auf eine solche Weise, dass Hadhrat Hamza (möge Allah mit ihm zufrieden sein) angesichts dessen den Islam annahm. Darüber wird etwas später gesprochen werden.
Auch die anderen Übeltäter der Quraisch wollten den Gesandten Allahs aus der Welt schaffen. Ibn Ishaq überliefert von Hadhrat Abdullah ibn Amr ibn al-As (möge Allah mit ihm zufrieden sein), dass die Götzendiener einmal vor der Kaaba saßen; auch ich war dort. Sie erwähnten den Gesandten Allahs und sagten: „Es ist unmöglich, ein Beispiel dafür zu finden, dass wir gegenüber diesem Mann so viel Geduld gezeigt hätten. Tatsächlich haben wir ihm gegenüber eine beispiellose Geduld bewiesen.“ Während dieses Gesprächs kam der Gesandte Allahs hinzu. Zuerst küsste er den Hadschar al-Aswad und ging anschließend während des Tawaf um die Kaaba an den Götzendienern vorbei. Sie beleidigten ihn mit üblen Worten, und die Spuren dieser Beleidigung zeigten sich auf dem Gesicht des Gesandten Allahs. Als er während des Tawaf erneut an ihnen vorbeikam, beleidigten sie ihn wieder auf dieselbe Weise; ich bemerkte die Wirkung dieser Beleidigungen auf seinem Gesicht. Als sich beim dritten Mal dasselbe wiederholte, riss dem Gesandten Allahs die Geduld. Er blieb stehen und sagte: „Hört, ihr Leute der Quraisch! Bei demjenigen, in dessen Hand meine Seele liegt: Ich bin mit einem Opfer für euch gekommen.“
Die Worte des Gesandten Allahs beeindruckten die Quraisch zutiefst. Alle verstummten, und selbst die hartherzigen unter ihnen begannen, in sanfter und milder Sprache zu ihm zu sprechen. Sie sagten: „Abul Qasim, geh zurück! Bei Allah, du bist doch niemals ein Tor gewesen.“
Am folgenden Tag versammelten sich die Quraisch erneut auf dieselbe Weise und sprachen über den Gesandten Allahs. Da kam er hinzu. Sobald er sich ihnen näherte, stürzten sie sich allesamt auf ihn. Einer von ihnen wollte ihn ersticken, indem er seinen Umhang um seinen Hals wickelte. Hadhrat Abu Bakr as-Siddiq (möge Allah mit ihm zufrieden sein) versuchte, ihn aus den Händen dieser Übeltäter zu befreien, und sagte unter Tränen: „Wollt ihr etwa einen Menschen töten, der sagt: Mein Herr ist Allah?“ Daraufhin ließen die Übeltäter von ihm ab und gingen fort. Abdullah ibn Amr ibn al-As (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: „Unter den Ereignissen der Misshandlungen durch die Quraisch war dies der schlimmste Vorfall, den ich gesehen habe.“ (Ibn Hischam, Bd. 1, S. 289–290)
Im Sahih al-Buchari wird von Hadhrat Urwa ibn az-Zubair (möge Allah mit ihm zufrieden sein) überliefert, dass er sagte: „Ich fragte Hadhrat Abdullah ibn Amr ibn al-As (möge Allah mit ihm zufrieden sein): ‚Berichte mir von der barbarischsten Behandlung, die die Götzendiener dem Gesandten Allahs zuteilwerden ließen.‘ Er sagte: ‚Der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) verrichtete im Hatim der Kaaba das Gebet, als plötzlich Uqba ibn Abu Muait erschien. Kaum war er angekommen, wickelte er seinen Umhang um den Hals des Gesandten Allahs und wollte ihn erwürgen. Da kam Hadhrat Abu Bakr (möge Allah mit ihm zufrieden sein), packte Uqba an beiden Schultern, stieß ihn beiseite und sagte: ‚Wollt ihr einen Menschen töten, der sagt: Mein Herr ist Allah?‘“ (Sahih al-Buchari, Bd. 1, S. 544)
Hadhrat Asma (möge Allah mit ihr zufrieden sein) berichtet: Hadhrat Abu Bakr as-Siddiq (möge Allah mit ihm zufrieden sein) hörte den Ruf: „Rettet euren Gefährten!“ Sobald er diesen Ruf hörte, rannte er von uns fort. Sein Haar war in vier Zöpfe geflochten. Während er lief, sagte er: „Wollt ihr einen Menschen töten, der sagt: Mein Herr ist Allah?“ Die Götzendiener ließen vom Gesandten Allahs ab und stürzten sich auf Hadhrat Abu Bakr. Als er nach Hause zurückkehrte, fiel uns jedes Haar aus, das wir an seinem Kopf berührten.
Die Annahme des Islam durch Hadhrat Hamza
Während Mekka von einer solchen Atmosphäre der Unterdrückung und des Unrechts erfüllt war, zeigte sich plötzlich ein Lichtstrahl: Hadhrat Hamza (möge Allah mit ihm zufrieden sein) nahm den Islam an. Dieses Ereignis ereignete sich im Monat Dhu l-Hiddscha des sechsten Jahres nach der Berufung des Gesandten Allahs zum Propheten.
Der Grund dafür, dass Hazrat Hamza (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) den Islam annahm, war folgender: Eines Tages beschimpfte Abu Dschahl den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) in der Nähe des Berges Safa und fügte ihm Leid zu. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) blieb still und sagte kein Wort. Danach warf der frevelhafte Abu Dschahl einen Stein auf den Kopf des Gesandten Allahs, sodass sein Kopf aufplatzte und Blut herausströmte. Anschließend ging Abu Dschahl zur Versammlung der Quraisch vor der Kaaba und setzte sich dort nieder. Eine Sklavin von Abdullah ibn Dschud’an hatte diesen Vorfall beobachtet. Hazrat Hamza, der von der Jagd zurückkehrte, bekam von ihr alles berichtet und geriet in heftigen Zorn. Er war der stärkste junge Mann unter den Quraisch. Ohne zu zögern schritt er voran und sagte: „Wo immer ich Abu Dschahl antreffe, werde ich ihn schlagen.“ Danach betrat er geradewegs die Kaaba, ging zu Abu Dschahl und sagte: „Du, der du durch dein Hinterteil Winde entweichen lässt, wagst es, meinen Neffen zu beschimpfen, obwohl auch ich der von ihm verkündeten Religion folge?“ Daraufhin schlug er Abu Dschahl mit seinem Bogen so heftig auf den Kopf, dass dieser eine schwere Verletzung erlitt. Sofort nach diesem Vorfall erhoben sich die Angehörigen von Abu Dschahls Stamm, den Banu Machzum, und die Angehörigen von Hazrat Hamzas Stamm, den Banu Haschim, gegeneinander und waren bereit, die Schwerter zu ziehen. Abu Dschahl hielt jedoch alle zurück und sagte: „Tut Abu Umara nichts an! Ich habe seinen Neffen tatsächlich sehr übel beschimpft.“ (Mukhtasar as-Sira, Scheich Muhammad ibn Abd al-Wahhab, S. 66; Rahmat li-l-alamin, Bd. 1, S. 68; Ibn Hischam, Bd. 1, S. 292.)
Zunächst war Hazrat Hamza (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) aus Empörung darüber, dass sein Verwandter beschimpft worden war, dem Gesandten (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) zugeneigt. Danach öffnete Allah, der Erhabene, sein Herz, und er wurde zu einem entschlossenen Verfechter des Islam. Durch ihn empfanden die Muslime größere Stärke und Sicherheit. (Mukhtasar as-Sira, Scheich Abdullah, S. 101.)
Hazrat Umars (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) Annahme des Islam
In jener bedrückenden Atmosphäre, in der die schwarzen Wolken von Unrecht, Gewalt und Verfolgung lasteten, war die Annahme des Islam durch Hazrat Umar (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) ein weiterer Lichtstrahl. Dieses Ereignis ereignete sich im Monat Dhul-Hiddscha des sechsten Jahres der Prophetenschaft, drei Tage nachdem Hazrat Hamza (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) den Islam angenommen hatte. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) hatte darum gebetet, dass er den Islam annähme. (Tarikh Umar ibn al-Khattab, Ibn al-Dschauzi, S. 11.)
Imam at-Tirmidhi überliefert dies von Hazrat Abdullah ibn Umar (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) und bezeichnete den Bericht als authentisch. Imam at-Tabarani überliefert dieses Ereignis von Ibn Mas’ud und Hazrat Anas (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm).
Der Prophet (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) hatte gebetet: „O Allah, gewähre demjenigen unter Umar ibn al-Khattab und Abu Dschahl, der Dir lieber ist, die Möglichkeit, den Islam anzunehmen, und stärke durch ihn den Islam.“
Allah, der Erhabene, erhörte dieses Gebet, und Hazrat Umar (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) nahm den Islam an. Von den beiden Genannten war Hazrat Umar (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) Allah lieber. (At-Tirmidhi, Manaqib Abi Hafs Umar ibn al-Khattab, Bd. 2, S. 209.)
Bei der Prüfung aller Überlieferungen über die Annahme des Islam durch Hazrat Umar (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) zeigt sich, dass der Islam nach und nach in seinem Herzen Fuß fasste. Bevor ich dies näher erläutere, halte ich es für notwendig, kurz auf Hazrat Umars (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) Gemütsart, seine Denkweise und seine Vorstellungen hinzuweisen.
Hazrat Umar (r.a.) war für seine raue Gemütsart und sein strenges Wesen bekannt. Lange Zeit mussten die Muslime durch seine Hand auf vielfältige Weise Drangsal erdulden. Es scheint, dass sich in ihm gegensätzliche Eigenschaften vereinigten: Einerseits achtete er die von seinem Vater und Großvater überlieferten Bräuche und Sitten und hatte auch großes Interesse am Sport; andererseits betrachtete er die Standhaftigkeit der Muslime in ihrem Glauben und ihrer Glaubensüberzeugung sowie ihre Geduld und Ausdauer angesichts von Unterdrückung und Verfolgung mit Interesse. Durch Überlegung dachte er bisweilen, dass das, wozu im Islam aufgerufen wurde, möglicherweise wahr, reiner und höherstehend sei. Deshalb beruhigte er sich selbst dann wieder, wenn er plötzlich in Zorn geriet. (Diese analytische Einschätzung über Hazrat Umar stammt von Imam Ghazali; siehe Fiqh as-Sira, S. 92–93.)
Das Wesentliche aller Überlieferungen über Hazrat Umars (r.a.) Annahme des Islam ist wie folgt:
Einmal musste Hazrat Umar (r.a.) den Tag außerhalb verbringen. Er begab sich zum Heiligtum und betrat die Kaaba hinter dem Vorhang. Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, verrichtete zu jener Zeit das Gebet und rezitierte die Sure al-Haqqa. Hazrat Umar (r.a.) begann, den Koran anzuhören, und war von seiner Ausdrucksweise beeindruckt und überwältigt. Insgeheim sagte er: „Dieser Mann ist offenbar ein Dichter; die Quraisch haben recht.“ Da rezitierte der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm: „Gewiss, dieser Koran ist eine Botschaft, die zu einem ehrenvollen Gesandten gebracht wurde. Er ist nicht das Werk eines Dichters; wenig nur glaubt ihr.“ Hazrat Umar (r.a.) berichtet: „Ich sagte mir: Dieser Mann ist offenbar ein Wahrsager.“ Da rezitierte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm: „Es sind nicht die Worte eines Wahrsagers; wenig nur bedenkt ihr. Er ist vom Herrn der Welten herabgesandt.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, rezitierte die Sure bis zu ihrem Ende.
Hazrat Umar (r.a.) berichtet: „Zu jener Zeit hinterließ der Islam einen Eindruck in meinem Herzen.“ (Tarikh Umar ibn al-Khattab, Ibn al-Dschawzi, S. 6; Sira Ibn Hischam, Bd. 1, S. 326–348.) Dennoch waren sein Glaube und seine Liebe zur Religion seiner Vorfahren in seinem Herzen weiterhin unerschüttert. Daher war zwar tief im Verborgenen seines Herzens der Same der Liebe zum Islam gesät, doch trat er öffentlich entschieden gegen den Islam auf.
Die Härte seines Wesens und seine Feindschaft gegenüber dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, waren so groß, dass er eines Tages mit einem Schwert auszog, um den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu töten. Unterwegs begegnete er einem Mann aus den Banu Zuhra (Tarikh Umar ibn al-Khattab, al-Dschawzi, S. 17) beziehungsweise den Banu Machzum (Mukhtasar as-Sira, S. 102), der nach einigen Überlieferungen Nuʿaim ibn Abdullah an-Nahham al-Adawi war (Ibn Hischam, Bd. 1, S. 344). Als dieser Mann sein raues Gesicht sah, fragte er: „Umar, wohin gehst du?“ Er antwortete: „Ich gehe, um Muhammad zu töten.“ Der Mann sagte: „Wie willst du dich nach der Ermordung Muhammads vor den Banu Haschim und den Banu Zuhra schützen?“ Er erwiderte: „Du hast offenbar ebenfalls die Religion deiner Vorfahren aufgegeben und bist ungläubig geworden?“ Da sagte der Mann: „Umar, ich will dir etwas Erstaunliches mitteilen: Deine Schwester und auch dein Schwager haben ihre Religion verlassen und sind ungläubig geworden.“ Als Hazrat Umar (r.a.) dies hörte, geriet er vor Zorn außer sich und machte sich geradewegs zum Haus seines Schwagers auf. Dort sah er, dass sie bei Hazrat Chabbab ibn al-Aratt ein mit der Sure Ta-Ha beschriebenes Blatt rezitierten. Hazrat Chabbab (r.a.) pflegte jenes Haus aufzusuchen, um ihnen den Koran beizubringen. Als alle den Schritt von Hazrat Umar hörten, verstummten sie. Hazrat Umars Schwester versteckte das Blatt mit der Sure. Doch Hazrat Umar hatte draußen die Stimme von Chabbab (r.a.) beim Koranrezitieren gehört. Deshalb fragte er: „Was war das für eine Stimme, die ich gehört habe?“ Sie sagten: „Nichts. Wir haben nur miteinander gesprochen.“ Hazrat Umar (r.a.) sagte: „Ihr beide seid offenbar ungläubig geworden.“ Sein Schwager sagte: „Nun, Umar, was wird sein, wenn eine andere Religion als eure Religion die Wahrheit ist?“ Sobald Hazrat Umar (r.a.) dies hörte, stürzte er sich auf seinen Schwager und schlug ihn heftig. Seine Schwester eilte herbei und versuchte, ihren Mann aus den Händen ihres Bruders zu befreien. Schließlich konnte sie ihn wegziehen. Plötzlich gab Hazrat Umar (r.a.) seiner Schwester eine so kräftige Ohrfeige, dass ihr Gesicht blutig wurde. Nach der Überlieferung von Ibn Ishaq erlitt sie dabei eine Verletzung am Kopf. Seine Schwester sagte zornig: „Umar, was wird sein, wenn eine andere Religion als eure Religion die Wahrheit ist? Ich bezeuge, dass es keinen Gott außer Allah gibt und dass Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Sein Gesandter ist.“ Als Hazrat Umar (r.a.) dies hörte, wurde er niedergeschlagen. Beim Anblick des Blutes im Gesicht seiner Schwester schämte er sich ebenfalls. Er sagte: „Nun lasst mich bitte ein wenig von dem lesen, was ihr rezitiert habt.“ Seine Schwester sagte: „Du bist unrein. Dieses Buch darf nur ein reiner Mensch berühren. Geh und bade dich, dann komm wieder.“ Hazrat Umar ging und nahm ein Bad. Danach setzte er sich mit dem betreffenden Teil des Buches in der Hand hin und las: „Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen.“ Dann sagte er: „Was für ein großer, heiliger Name!“
Als Hazrat Chabbab (r.a.) diese Worte aus dem Mund Hazrat Umars (r.a.) hörte, kam er von drinnen nach draußen und sagte: „Umar, freue dich! Dies ist die Erfüllung des Bittgebets, das der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in der Nacht zum Donnerstag gesprochen hatte.“ Zu jener Zeit hielt sich der Gesandte Allahs (s.a.w.) in einem Haus nahe dem Safa-Berg auf.
Als Umar dies hörte, kam er mit gezogenem Schwert vor das Haus und schlug an die Tür. Ein Gefährte spähte durch die Tür und sah Umar mit dem Schwert in der Hand. Alle versammelten sich in der Umgebung. Hamza fragte: „Was ist los?“ Man sagte ihm, dass Umar gekommen sei. Da sagte er: „Umar ist gekommen? Öffnet ihm die Tür. Wenn er in guter Absicht gekommen ist, ist das gut; wenn er aber Böses beabsichtigt, werden wir ihn mit seinem eigenen Schwert erledigen.“ Der Gesandte Allahs befand sich zu jener Zeit im Haus, und ihm wurde gerade Offenbarung zuteil. Nachdem die Offenbarung beendet war, kam er zu Umar in den Raum, packte ihn an seinem Gewand und an einem Teil seines Schwertes, schüttelte ihn und sagte: „O Umar, wirst du nicht aufhören, bis Allah über dich eine entehrende Strafe herabsendet wie über al-Walid ibn al-Mughira?“ Dann sagte er: „O Allah, stärke und ehre die Religion durch Umar ibn al-Chattab!“ Sobald er dies gesagt hatte, nahm Umar den Islam an und erklärte: „Ich bezeuge, dass es gewiss keine Gottheit außer Allah gibt und dass du Allahs Gesandter bist.“ Als die Menschen im Haus dies hörten, riefen sie so laut „Allah ist am größten!“, dass auch diejenigen in der Kaaba ihre Stimmen hören konnten (Tarich Umar ibn al-Chattab, S. 7, 10, 11; Sira Ibn Hischam, Bd. 1, S. 343–344). In Arabien wagte niemand, sich ihm entgegenzustellen. Daher brach unter den Götzendienern ein großer Tumult aus, als sie von seinem Übertritt zum Islam erfuhren. Sie gerieten in eine schwere Krise und sahen sich einer demütigenden Niederlage gegenüber. Andererseits wuchsen durch seinen Übertritt zum Islam der Stolz, die Kraft, das Ansehen, der Erfolg und die Freude der Muslime. Ibn Ishaq überliefert in seiner Überlieferungskette von Umar: „Als ich Muslim geworden war, fragte ich mich: Wer ist in Mekka der größte Feind des Gesandten Allahs? Dann sagte ich mir: Abu Dschahl. Daraufhin ging ich zu Abu Dschahls Haus. Als ich an die Tür klopfte, kam Abu Dschahl heraus und sagte, als er mich sah: ‚Willkommen, herzlich willkommen! Was führt dich her, Umar?‘ Ich sagte: ‚Ich bin gekommen, um dir mitzuteilen, dass ich an Allah, den Erhabenen, und an Seinen Gesandten Muhammad glaube. Ich glaube auch an alles, was er gebracht hat, und erkenne es als Wahrheit an.‘ Als Abu Dschahl dies hörte, schloss er die Tür und sagte: ‚Möge Allah dir Böses vergelten, ebenso wie dem, was du gebracht hast.‘“ (Ibn Hischam, Bd. 1, S. 249–250.)
Imam Ibn al-Dschauzi überliefert von Umar al-Faruq: Wenn jemand den Islam annahm, begannen die ungläubigen Quraisch, ihn zu verfolgen und ihn grausam zu schlagen; auch der Geschlagene schlug zurück. Nachdem ich den Islam angenommen hatte, ging ich zu meinem Onkel mütterlicherseits, Adi ibn Haschim, und teilte es ihm mit. Ohne ein Wort zu sagen, betrat er das Haus. Danach ging er zu einem angesehenen Mann der Quraisch – vermutlich ist damit Abu Dschahl gemeint. Nachdem mein Onkel Adi diesem Mann der Quraisch die Nachricht überbracht hatte, betrat auch er das Haus (Tarich Umar ibn al-Chattab, S. 8).
Ibn Hischam und Ibn al-Dschauzi berichten, dass Umar nach seinem Übertritt zum Islam zu Dschamil ibn Muammar al-Dschumahi ging, der unter den Quraisch dafür bekannt war, Nachrichten zu verbreiten. Umar teilte ihm mit: „Ich bin Muslim geworden.“ Sobald jener dies hörte, schrie er laut: „Der Sohn al-Chattabs ist vom Glauben abgefallen!“ Umar sagte: „Du lügst. Ich bin Muslim geworden.“ Daraufhin stürzten sich die Menschen auf Umar und begannen, ihn zu schlagen. Umar wurde geschlagen, schlug aber seinerseits ebenfalls zurück. Als die Sonne hoch am Himmel stand, setzte er sich erschöpft hin und sagte: „Tut, was ihr wollt. Bei Allah, wenn wir auch nur dreihundert Mann wären, dann würdet entweder ihr in Mekka bleiben oder wir.“ (Ebenda, S. 8; Ibn Hischam, Bd. 1, S. 348–349.)
Danach fielen die Götzendiener über Umars Haus her, um ihn zu töten. In Sahih al-Buchari wird berichtet, dass Umar voller Angst und Bestürzung im Haus saß. Da kam Abu Amr al-As ibn Wa’il as-Sahmi. Er trug einen verzierten jemenitischen Umhang und ein seidenes Gewand. Er gehörte dem Stamm der Sahm an, der damals mit uns verbündet war. Er fragte: „Was ist geschehen? Warum dieser Lärm?“ Umar antwortete: „Ich bin Muslim geworden, deshalb wollen sie mich töten.“ Al-As sagte: „Das ist unmöglich.“ Als ich dies von al-As hörte, beruhigte ich mich. Zu jener Zeit hatte sich eine große Menge um mein Haus versammelt. Al-As drängte sich durch die Menge und fragte sie: „Wohin wollt ihr alle?“ Sie antworteten: „Umar ist vom Glauben abgefallen; wir gehen zu ihm.“ Al-As sagte: „Dorthin führt kein Weg.“ Als sie dies hörten, kehrten alle um und gingen zurück (Sahih al-Buchari, Kapitel über Umar ibn al-Chattab, Bd. 1, S. 545). Nach Ibn Ishaqs Überlieferung hatten sie sich derart versammelt, als wären sie alle in ein einziges Gewand eingehüllt (Ibn Hischam, Bd. 1, S. 349).
Der Zustand der Götzendiener nach Umars Übertritt zum Islam war also so, wie oben beschrieben. Aus diesem Ereignis lässt sich auch die Lage der Muslime ermessen. Mudschahid überliefert von Abd Allah ibn Abbas: „Ich fragte Umar ibn al-Chattab: ‚Warum wurdest du al-Faruq genannt?‘ Er antwortete: ‚Drei Tage bevor ich den Islam annahm, wurde Hamza Muslim.‘ Danach schilderte Umar, wie Hamza den Islam angenommen hatte, und fuhr fort: ‚Dann nahm auch ich den Islam an und sagte zum geliebten Propheten: O Gesandter Allahs, sind wir nicht auf der Wahrheit, ob wir sterben oder leben? Der Gesandte Allahs sagte: Doch, bei Dem, in Dessen Hand meine Seele liegt: Ob ihr lebt oder sterbt, ihr befindet euch gewiss auf der Wahrheit. Da sagte ich: Warum fliehen wir dann? Bei Dem, Der dich mit der Wahrheit gesandt hat, wir werden gewiss hinausgehen. Daraufhin zogen wir in zwei Reihen gemeinsam mit dem Gesandten Allahs hinaus. In der einen Reihe war Hamza, in der anderen ich. Auf unserem Weg wirbelte der Staub auf wie Mehl, das mit einer Handmühle gemahlen wird. Wir betraten die Heilige Moschee. Umar berichtet: Als die Quraisch uns sahen, empfanden sie einen Schmerz, wie sie ihn zuvor noch nie empfunden hatten. An jenem Tag gab mir der Gesandte Allahs den Beinamen al-Faruq.‘“ (Tarich Umar ibn al-Chattab, Ibn al-Dschauzi, S. 6–7.)
Ibn Masud sagte: „Zuvor waren wir nicht in der Lage gewesen, in der Nähe der Kaaba zu beten.“ (Mukhtasar as-Sira, Scheich Abd Allah, S. 103.)
Zuhair ibn Sinan ar-Rumi sagte: „Nachdem Umar al-Faruq Muslim geworden war, trat der Islam aus der Verborgenheit hervor, und man begann, offen zum Islam einzuladen. Wir setzten uns in einem Kreis vor der Kaaba nieder und umschritten die Kaaba. An denen, die gegen uns maßlos vorgegangen waren, übten wir Vergeltung und beantworteten ihre Unterdrückung.“ (Tarich Umar ibn al-Chattab, Ibn al-Dschauzi, S. 13.)
Abd Allah ibn Masud sagte: „Seit Umar den Islam angenommen hatte, waren wir fortan stark und angesehen.“ (Sahih al-Buchari, Kapitel über den Islam von Umar ibn al-Chattab, Bd. 1, S. 545.)
Nachdem Hadhrat Hamza ibn Abd al-Muttalib und Hadhrat Umar ibn al-Khattab (möge Allah mit ihnen zufrieden sein) den Islam angenommen hatten, nahm die allgemeine Verfolgung der Muslime ab. Die Götzendiener bemühten sich nun, die Situation mit Vernunft und Überlegung zu bewältigen. Sie dachten, wenn sie Mohammed, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, dessen Wünsche erfüllten, nachdem sie sich durch seine Einladung zum Islam über diese vergewissert hätten, könnten sie ihn vielleicht von seinem Wirken abbringen. Doch sie wussten nicht, dass im Vergleich zur Einladung des Gesandten Gottes zu Seiner Religion die gesamte Welt völlig wertlos ist. Daher scheiterten sie mit ihren Bemühungen ganz selbstverständlich.
Ibn Ishaq überliefert durch Yazid ibn Ziyad folgende Aussage von Mohammed ibn Ka’b al-Qurazi: Mir wurde berichtet, dass der Anführer des Volkes, Utba ibn Rabi’a, eines Tages seinen Stammesgenossen einen neuen Vorschlag machte. Zu jener Zeit war der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, allein an einem Ort in der Heiligen Moschee. Utba sagte: „Geht zu Mohammed, besprecht die Angelegenheit mit ihm und unterbreitet ihm einige Vorschläge. Vielleicht nimmt er einen davon an. Was auch immer er verlangt, werden wir ihm gewähren.“ Nachdem sie gesehen hatten, dass die Muslime durch Hamzas (möge Allah mit ihm zufrieden sein) Annahme des Islam stärker geworden waren, berieten sie sich untereinander darüber.
Die Quraisch sagten: „Abu al-Walid, geh du und sprich mit ihm.“ Daraufhin erhob sich Utba und setzte sich zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Utba sagte: „Mein Neffe, jeder kennt das Ansehen, das du bei unserem Volk genießt. Du bist von edler Herkunft. Doch du verkündest eine Sache, durch die unter dem Volk Spaltung, Unruhe und Uneinigkeit entstanden sind. Du bezeichnest die Weisheit der führenden Männer unseres Volkes als Dummheit, kritisierst ihre Götter auf vielerlei Weise, erklärst ihren Glauben für nichtig und bezeichnest ihre Vorväter als Ungläubige. Höre mich an: Ich unterbreite dir einige Vorschläge. Denke darüber nach; vielleicht ist einer davon für dich annehmbar.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Sprich, Abu al-Walid, ich höre dir zu.“
Utba, auch al-Walid genannt, sagte: „Mein Neffe, wenn du für das, was du verkündest, Reichtum begehrst, werden wir dir so viel Vermögen geben, dass du der reichste unter uns wirst. Wenn du Ansehen wünschst, dann sag es nur, und wir werden dich zu unserem Anführer machen; ohne dich wird keine Entscheidung getroffen werden. Wenn du König werden willst, dann sag es, und wir werden dich als König anerkennen. Wenn das, was zu dir kommt, ein Dschinn oder ein Geist ist, den du zwar siehst, aber nicht vertreiben kannst, dann sag es ebenfalls. Wir werden eine Behandlung veranlassen; koste es, was es wolle, wir werden dich behandeln lassen. Manchmal geschieht es, dass Dschinn oder Geister von einem Menschen Besitz ergreifen; in einem solchen Fall ist eine Behandlung des Menschen erforderlich.“
Nachdem der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Utbas Worten aufmerksam zugehört hatte, sagte er: „Abu al-Walid, bist du mit deinen Worten fertig? Höre nun mir zu.“ Daraufhin begann der Gesandte Gottes, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die Sure Ha-Mim as-Sadschda von ihrem Anfang an zu rezitieren: „Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen. Ha-Mim. Eine Offenbarung von dem Allerbarmer, dem Barmherzigen. Ein Buch, dessen Verse ausführlich dargelegt und als ein arabischer Koran für Leute mit Wissen sind, als frohe Botschaft und Warnung. Doch die meisten von ihnen wenden sich ab, deshalb hören sie nicht. Sie sagen: Unsere Herzen sind gegenüber dem, wozu du uns aufrufst, verhüllt, in unseren Ohren ist Schwerhörigkeit, und zwischen uns und dir liegt ein Vorhang. So handle du nach deinem Weg, und wir handeln nach unserem Weg.“
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, fuhr mit der Rezitation fort, während Utba entspannt dasaß und sich mit beiden Händen hinter sich auf dem Boden abstützte. Nachdem der Gesandte den Vers der Niederwerfung rezitiert hatte, stand er auf und warf sich nieder. Danach sagte er: „Abu al-Walid, du wolltest etwas hören; ich habe es dich hören lassen. Nun liegt es an dir und an dem, was du zu tun hast.“
Utba erhob sich und ging zu seinen Gefährten. Als sie ihn sahen, sagten sie zueinander: „Bei Gott, Abu al-Walid kehrt nicht mit dem Gesicht zurück, mit dem er hingegangen ist.“ Nachdem Utba sich gesetzt hatte, fragten ihn seine Gefährten: „Welche Nachricht bringst du?“ Er sagte: „Die Nachricht ist, dass ich Worte gehört habe, wie ich sie noch nie zuvor gehört habe. Bei Gott, sie sind weder Dichtung noch Zauberspruch. Hört auf mich und lasst ihn in seiner Lage. Durch die Worte, die ich gehört habe, wird sich künftig ein großes Ereignis vollziehen. Wenn die Araber ihn töten, wird ein anderer eure Aufgabe übernehmen. Wenn er aber über die Araber siegt, werden seine Ehre eure Ehre, seine Herrschaft eure Herrschaft und seine Existenz ein Grund für euer Glück sein.“
Die Quraisch sagten: „Abu al-Walid, der Zauber jener Worte hat auch dich beeinflusst.“ Utba sagte: „Ich habe euch mitgeteilt, was ich über ihn verstanden habe. Nun tut, was ihr für richtig haltet.“ (Ibn Hischam, Band 1, S. 293–294.)
In einer anderen Überlieferung heißt es, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, als er folgenden Vers rezitierte: „Wenn sie sich dennoch abwenden, dann sage: Ich warne euch vor einer vernichtenden Strafe, ähnlich der Strafe von ʿĀd und Thamūd“, ʿUtba sofort aufstand, dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die Hand auf den Mund legte und sagte: „Ich beschwöre dich bei Allah und bei unseren verwandtschaftlichen Bande, tu so etwas nicht!“ ʿUtba befürchtete, dass eine solche Strafe ihn selbst treffen könnte. Danach stand er auf, ging zu seinen Gefährten und berichtete ihnen, was bereits erwähnt wurde. (Tafsīr Ibn Kathīr, Bd. 6, S. 15, 160, 161.)
Die Zusammenkunft Abū Ṭālibs mit den Banū Hāschim und den Banū al-Muṭṭalib
Inzwischen hatte sich die Lage erheblich verändert. Abū Ṭālib war weiterhin besorgt und fürchtete um seinen Neffen angesichts der Götzendiener. Er ließ die bisherigen Ereignisse Revue passieren: Die Götzendiener hatten ihm mit Konfrontation gedroht und vorgeschlagen, seinen Neffen im Austausch gegen ʿAmāra ibn al-Walīd mitzunehmen und zu töten. Abū Dschahl hatte versucht, den Kopf seines Neffen mit einem schweren Stein zu zerschmettern. ʿUqba ibn Abī Muʿaiṭ hatte versucht, seinen Neffen mit einem um den Hals geschlungenen Tuch zu erwürgen. Khattābs Sohn war mit gezogenem Schwert ausgezogen, um ihn zu töten. Angesichts all dieser Ereignisse, die sich nacheinander zugetragen hatten, befürchtete Abū Ṭālib eine so große Gefahr, dass ihm das Herz erbebte.
Er erkannte sehr wohl, dass die Götzendiener fest entschlossen waren, seinen Neffen zu töten. Wenn unter diesen Umständen ein Ungläubiger seinen Neffen plötzlich angriff, würde dann etwa Ḥamza, ʿUmar oder irgendjemand anders ihn allein schützen können?
Abū Ṭālibs Sorge war nicht unbegründet, denn die Götzendiener waren entschlossen, den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu töten. Auf diese ihre Entschlossenheit hinweisend, sagt Allah, der Erhabene: „Haben sie etwa eine endgültige Entscheidung über eine Angelegenheit getroffen? Ich bin es, der entscheidet.“ (79:43)
Die Frage ist: Was sollte Abū Ṭālib in einer solchen Lage tun? Als er sah, dass die Götzendiener seinen Neffen von allen Seiten bedrängten, versammelte er die Nachkommen der beiden bedeutenden Vorfahren seines Großvaters, Hāschim und al-Muṭṭalib. Bei dieser Versammlung rief er alle dazu auf, sich zum Schutz seines Neffen zu vereinen. Mit bewegter Stimme sagte er: „Die Verantwortung, die ich bisher allein getragen habe, lasst uns von nun an gemeinsam tragen.“ Auf diesen Aufruf Abū Ṭālibs antworteten die Nachkommen seiner beiden Vorfahren. Nur Abū Ṭālibs Bruder Abū Lahab vertrat eine andere Meinung; er lehnte dies ab und schloss sich den Götzendienern an. (Ibn Hišām, Bd. 1, S. 269; Muḫtaṣar as-Sīra, Scheich ʿAbdullāh, S. 106.)
Umfassender Boykott
Innerhalb von vier Wochen oder sogar weniger erlitten die Götzendiener vier schwere Rückschläge: Ḥamza und ʿUmar nahmen den Islam an, und vor allem vereinigten sich die Banū Hāschim und die Banū al-Muṭṭalib und waren sich darin einig, den Gesandten Allahs zu schützen. Darüber gerieten die Götzendiener in Unruhe. Wie hätten sie auch nicht unruhig werden sollen? Sie erkannten, dass der Versuch, Muḥammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nun zu töten, zu einem Blutvergießen führen würde, durch das die Ebene von Mekka rot gefärbt würde. Es bestand die Gefahr, dass sie selbst zugrunde gingen. Daher gaben die Götzendiener den Plan auf, den Gesandten Allahs zu töten, und ersannen einen neuen Weg der Unterdrückung und Verfolgung, der noch schwerwiegender war als alle zuvor ergriffenen Maßnahmen.
Ibn Qayyim schrieb, dass man sagt, dieses Dokument sei von Mansur ibn Ikrima ibn Amir ibn Haschim verfasst worden; nach Ansicht einiger habe es jedoch Nadr ibn al-Harith geschrieben. Richtig ist aber, dass es Bughayd ibn verfasst hatte. Weil er den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, verflucht hatte, wurde seine Hand gelähmt (Zad al-Ma’ad, Bd. 2, S. 49).
Nach seiner Niederschrift wurde das Dokument in der Kaaba aufgehängt. Daraufhin wurden alle Muslime und Nichtmuslime – Männer, Frauen und Kinder – aus den Stämmen Banu Haschim und Banu al-Muttalib, mit Ausnahme von Abu Lahab, an dem Ort namens Schi’b Abu Talib eingeschlossen. Dies geschah im siebten Jahr nach dem Auftreten des Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, als Prophet.
Drei Jahre im Schi’b Abu Talib
Während dieses Boykotts verschärfte sich die Lage. Die Versorgung mit Lebensmitteln wurde eingestellt; alles, was nach Mekka gebracht wurde, kauften die Götzendiener unverzüglich auf. Daher gelangte auf normalem Wege nichts zu den eingeschlossenen Muslimen und Nichtmuslimen. Sie ernährten sich von Blättern und Leder. Die Not des Hungers war so groß, dass man das klägliche Weinen der hungrigen Frauen und Kinder außerhalb des Schi’b Abu Talib beziehungsweise der Schlucht Abu Talibs hören konnte. Die Aussicht, dass Lebensmittel zu ihnen gelangten, war gering; was sie erreichte, kam nur heimlich zu ihnen. Außer in den heiligen Monaten verließen sie die Schlucht nicht, um notwendige Dinge zu kaufen. Selbst wenn sie versuchten, Waren zu kaufen, die von außerhalb nach Mekka gebracht worden waren, gelang ihnen dies oft nicht, weil die Götzendiener deren Preise auf ein Mehrfaches erhöhten.
Hakim ibn Hizam war der Neffe der geehrten Chadidscha (möge Allah mit ihr zufrieden sein). Von Zeit zu Zeit schickte er seiner Tante Weizen. Als er einmal Weizen schicken wollte, hinderte ihn Abu Dschahl daran; doch Abu al-Bachtari ergriff für Hakim ibn Hizam Partei und sorgte dafür, dass der Weizen geschickt werden konnte.
Inzwischen war Abu Talib ständig um den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, besorgt. Nachdem sich nachts alle schlafen gelegt hatten, sagte er zu seinem Neffen: „Geh und leg dich jetzt in dein Bett.“ Das sagte er, damit ein etwaiger heimlicher Attentäter erkennen konnte, wo er schlief. Nachdem dann alle eingeschlafen waren, wechselte Abu Talib den Schlafplatz seines geliebten Neffen und ließ seinen eigenen Sohn, seinen Bruder oder jemand anderen in dessen Bett schlafen. Die Nächte verbrachte der geliebte Onkel voller Sorge und Angst um seinen Neffen, den Gesandten Allahs, Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm.
Trotz dieser schweren Blockade gingen der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und die anderen Muslime während der Hadsch nach draußen und luden die Menschen, die zur Hadsch gekommen waren, zum Islam ein. Wie sich Abu Lahab damals gegenüber dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und den Muslimen verhielt, wurde bereits erwähnt. (Abu Talib starb sechs Monate nach der Aufhebung des Dokuments. Die zutreffende Überlieferung besagt, dass er im Monat Radschab starb. Diejenigen, die sagen, dass er im Monat Ramadan starb, sagen außerdem, sein Tod sei acht Monate und einige Tage nach der Aufhebung des Dokuments eingetreten. In beiden Fällen steht fest, dass sein Tod im Monat Muharram eingetreten war.)
Das Ereignis der Aufhebung des Dokuments
Unter diesen Umständen vergingen volle drei Jahre. Danach ereignete sich im Monat Muharram des zehnten Jahres nach Beginn der Prophetenschaft die Vernichtung der Urkunde, wodurch die Unterdrückung und Misshandlung ein Ende fanden. Einige Quraisch, die gegen diese Maßnahme waren, ergriffen daraufhin die Initiative, die Belagerung aufzuheben.
Der Hauptinitiator der Vernichtung des Dokuments über diese unmenschliche Belagerung war ein Mann namens Hischam ibn Amr aus dem Stamm Banu Amir ibn Lu’ayy. Hischam half den hilflosen Menschen im Lager von Abu Talib, indem er ihnen nachts heimlich Lebensmittel schickte. Zuerst ging Hischam zu Zuhair ibn Abi Umayya al-Machzumi. Zuhairs Mutter Atika war eine Tochter von Abd al-Muttalib, also die Schwester Abu Talibs. Hischam sagte zu ihm: „Zuhair, willst du etwa, dass ihr es euch bei Essen und Trinken gut gehen lasst, während dein Onkel und die anderen langsam dahinsiechen und sterben? Weißt du denn nicht, in welcher Lage sie sich befinden?“ Zuhair sagte: „Ach, was kann ich allein tun? Wenn noch jemand mit mir vorangeht, kann ich die Vernichtung des Dokuments in Angriff nehmen.“ Hischam sagte: „Es gibt noch einen anderen.“ Zuhair fragte: „Wer ist er?“ Hischam antwortete: „Ich.“ Zuhair sagte: „Gut, dann finde noch einen Dritten.“ Daraufhin ging Hischam zu Mut’im ibn Adi, schilderte ihm die Lage der Banu Hashim und der Banu al-Muttalib und bat ihn um Hilfe. Er sagte ihm, dass sie seine nahen Verwandten seien. Mut’im sagte: „Was kann ich allein tun?“ Hischam sagte: „Es gibt noch einen anderen.“ Mut’im fragte: „Wer ist er?“ Hischam antwortete: „Ich.“ Mut’im sagte: „Gut, dann finde einen Dritten.“ Hischam sagte: „Auch das habe ich getan.“ Mut’im fragte: „Wer ist er?“ Hischam antwortete: „Zuhair ibn Abi Umayya.“ Mut’im sagte: „Gut, dann suche einen Vierten.“ Danach ging Hischam zu Abu al-Bakhtari und sprach mit ihm ebenso, wie er zuvor mit Mut’im gesprochen hatte. Abu al-Bakhtari fragte, ob es in dieser Angelegenheit noch Unterstützer gebe. Hischam antwortete: „Ja“, und nannte Zuhair ibn Abi Umayya, Mut’im ibn Adi und sich selbst. Abu al-Bakhtari sagte: „Gut, dann suche noch einen vertrauenswürdigen Mann.“ Daraufhin ging Hischam zu Dscham’a ibn al-Aswad ibn Abd al-Muttalib ibn Asad, besprach mit ihm die Notlage der Banu Hashim und der Banu al-Muttalib und bat ihn um Hilfe. Dieser fragte, ob es noch andere Unterstützer gebe. Hischam sagte: „Ja“, und nannte anschließend alle ihre Namen. Danach versammelten sich alle Genannten an einem Ort namens Hadschun und verpflichteten sich, die Urkunde zu vernichten. Zuhair sagte: „Ich werde zuerst das Wort ergreifen.“
Am Morgen versammelten sich alle wie gewohnt in der Versammlung. Zuhair erschien in kostbarer Kleidung und festlich herausgeputzt. Zuerst umrundete er die Kaaba siebenmal, wandte sich dann an alle und sagte: „Hört, ihr Bewohner von Mekka! Wir essen und trinken und tragen Kleidung, während die Banu Hashim zugrunde gehen. Ihnen wird nichts verkauft, und von ihnen wird nichts gekauft. Bei Gott, angesichts einer solchen unmenschlichen Urkunde kann ich nicht schweigen. Ich will, dass diese Urkunde vernichtet wird.“
Als Abu Dschahl dies hörte, sagte er: „Du redest falsch. Bei Gott, diese Urkunde darf nicht zerrissen werden.“
Dscham’a ibn al-Aswad sagte: „Bei Gott, du redest falsch. Schon als diese Urkunde verfasst wurde, war ich nicht damit einverstanden; ich war nicht bereit, sie anzuerkennen.“ Danach sagte Mut’im ibn Adi: „Ihr beide habt recht. Wir suchen Zuflucht bei Allah vor allem, was in dieser Urkunde geschrieben steht.“
Auch Hischam ibn Amr äußerte sich in diesem Sinne.
Als Abu Dschahl dies sah, sagte er: „Aha, ich verstehe! Eine solche Übereinstimmung wurde also bereits in der Nacht erzielt. Diese Beratung hat nicht hier, sondern anderswo stattgefunden.“
Auch Abu Talib war zu jener Zeit in einiger Entfernung anwesend. Der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, hatte ihm mitgeteilt, dass Allah ein bestimmtes Insekt geschickt hatte, um die Urkunde zu vernichten; es hatte die darin enthaltenen Beschreibungen von Unrecht und Unterdrückung vollständig zerfressen, und nur die Stellen, an denen der Name Allahs stand, waren erhalten geblieben.
Abu Talib sagte zu den Quraisch: „Mein Neffe hat mich zu euch geschickt, um euch mitzuteilen, dass Allah ihm offenbart hat, dass Allah eure Vereinbarung durch ein bestimmtes Insekt zerstören ließ und dort nur der Name Allahs übrig geblieben ist. Sollte sich diese Aussage als unwahr erweisen, werde ich mich zwischen ihm und euch zurückziehen, und ihr könnt mit ihm tun, was ihr wollt. Sollte sie sich jedoch als wahr erweisen, dann werdet ihr davon ablassen, uns das Unrecht zuzufügen, das ihr uns durch den Boykott angetan habt.“ Darauf erklärten sich die Quraisch einverstanden.
Nachdem die Auseinandersetzung zwischen Abu Dschahl und den anderen darüber beendet war, ging Mut’im ibn Adi daran, die Vereinbarung zu zerreißen, und stellte fest, dass die Insekten tatsächlich den gesamten Teil außer der Stelle, auf der der Name Allahs geschrieben stand, aufgefressen hatten. Nachdem die Vereinbarung zerrissen worden war, endete der Boykott, und der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sowie alle anderen verließen das Tal von Abu Talib. Die Ungläubigen waren über dieses erstaunliche Zeichen verwundert, doch ihre Haltung änderte sich nicht. Allah, der Erhabene, sagt: „Wenn sie ein Zeichen sehen, wenden sie sich ab und sagen: Das ist nur Zauberei.“
Die Götzendiener Arabiens wandten sich auch von diesem erstaunlichen Zeichen der Prophetie ab und gingen auf dem Weg ihres Unglaubens noch einige Schritte weiter. (Die Darstellung des Boykotts wurde den folgenden Werken entnommen: Sahih al-Buchari, Band 1, S. 216, 548; Zad al-Ma’ad, Band 2, S. 46; Ibn Hischam, Band 1, S. 350–351, 347, 377; Rahmat lil-‘Alamin, Band 1, S. 70; Mukhtasar as-Sira, Scheich Abdullah, S. 6, 10, 110; Mukhtasar as-Sira, Muhammad ibn Abd al-Wahhab, S. 68, 73.)
Die letzte Delegation der Quraisch bei Abu Talib
Nachdem der auserwählte Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) das Tal von Abu Talib verlassen hatte, nahm er seine Arbeit der Einladung zum Islam und dessen Verkündigung wieder auf. Obwohl der Boykott beendet war, setzten die frevelhaften Götzendiener dem Ruf zum Islam auf vielfältige Weise Hindernisse entgegen. Abu Talib setzte unterdessen seine langjährigen Bemühungen fort, seinen Neffen zu schützen. Doch er war unter der Last des Alters gebeugt und bereits über achtzig Jahre alt. Durch mehrere aufeinanderfolgende Jahre voller Kummer, Not, Gefahren und Unglück war seine Gesundheit schwer erschüttert worden; insbesondere die Belagerung im Gebirgstal hatte seine Kräfte vollständig aufgezehrt. Wenige Monate nach ihrem Ende erkrankte er schwer. Da dachten die Götzendiener: Abu Talib wird immer kränker, und jederzeit kann sein Leben zu Ende gehen. Wenn wir nach seinem Tod seinem Neffen etwas antun, wird unser Ruf geschädigt sein. Die Leute werden sagen, dass wir die Gelegenheit ergriffen haben, weil er keinen Beschützer mehr hatte. Deshalb wollten sie noch zu Abu Talibs Lebzeiten eine Entscheidung in der Angelegenheit des Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) herbeiführen; zu einem Entgegenkommen waren sie dabei nicht bereit. Nach einer Beratung untereinander erschien eine Delegation bei Abu Talib. Dies war die letzte Delegation der Quraisch, die zu ihm kam.
Ibn Ishaq und andere berichten, dass die Quraisch, nachdem Abu Talib erkrankt war, befürchteten, er könne plötzlich seinen letzten Atemzug tun. Sie sagten untereinander: „Seht, Hamza und Umar sind Muslime geworden, und Muhammads Religion hat sich unter allen Stämmen der Quraisch ausgebreitet. Auf, lasst uns zu Abu Talib gehen, damit er seinen Neffen unter Kontrolle hält; dann können wir in seiner Angelegenheit zu einer Vereinbarung gelangen. Wir befürchten, dass das einfache Volk uns künftig kritisieren wird, wenn jemand Muhammad (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) etwas antut. Die Leute werden sagen: Zu Abu Talibs Lebzeiten wagten sie nichts, doch jetzt haben sie die Gelegenheit genutzt.“
Kurz gesagt: Die Delegation der Quraisch ging zu Abu Talib und führte Gespräche mit ihm. Auch die angesehenen Männer der Quraisch gehörten zur Delegation, darunter Abu Dschahl ibn Hischam, Umaiya ibn Chalaf, Abu Sufjan ibn Harb und andere; insgesamt waren es fünfundzwanzig Männer. Sie sagten: „O Abu Talib, die Stellung, die du bei uns einnimmst, ist dir nicht unbekannt, ebenso wenig kennst du deine gegenwärtige Lage nicht. Wir befürchten, dass deine Lebenstage sich rasch dem Ende nähern. Unser Streit mit deinem Neffen ist dir nicht unbekannt. Wir möchten, dass du ihn zu dir rufst und mit ihm eine Einigung herbeiführst. Wir wollen uns ihm gegenüber zu etwas verpflichten und auch ihn zu einer Verpflichtung uns gegenüber bewegen. Wir werden ihn seine Religion ausüben lassen, und auch er soll uns unsere Religion ausüben lassen.“
Nachdem Abu Talib all dies gehört hatte, ließ er seinen geliebten Neffen Muhammad (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) holen. Als er gekommen war, sagte er: „Sieh, mein Neffe, das sind die angesehenen Männer deines Volkes. Sie sind deinetwegen zusammengekommen und wollen von dir eine Verpflichtung erhalten.“ Darauf legte Abu Talib ihm den Vorschlag der Quraisch vor: Sie wollten, dass du dich nicht in ihre Religion einmischst und dass auch sie sich nicht in deine Religion einmischen.
Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, dies hörte, sagte er zur Delegation der Quraisch: „Sagt mir: Was würdet ihr tun, wenn ich euch ein Wort vortrüge, durch dessen Annahme ihr Könige der Araber würdet und auch die Nichtaraber eurer Kontrolle unterstünden?“ In einer anderen Überlieferung heißt es, dass er sich an Abu Talib wandte und sagte: „Ich möchte von ihnen das Bekenntnis zu einem Wort verlangen. Wenn sie es bekennen, werden ihnen ganz Arabien unterstehen und auch die anderen ihnen die Dschizya entrichten.“ Einer Überlieferung zufolge sagte er: „Onkel, rufe sie zu einer Sache auf; darin liegt ihr Wohl.“ Abu Talib fragte: „Zu welcher Sache willst du sie aufrufen?“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Ich möchte sie zu einer Sache aufrufen, durch deren Annahme ihnen ganz Arabien folgen und sie auch über die Nichtaraber ihre Herrschaft errichten werden.“ In einer Überlieferung Ibn Ishaqs heißt es, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gesagt habe: „Nehmt nur ein einziges Wort an; dadurch werdet ihr Könige der Araber, und die Nichtaraber werden sich eurer Kontrolle unterstellen.“
Kurz gesagt: Nachdem die Delegation der Quraisch diesen Vorschlag gehört hatte, blieb sie wie erstarrt stehen. Erstaunt überlegte sie: Wenn die Annahme eines einzigen Wortes einen so großen Gewinn bringt, wie könnte man es dann zurückweisen? Abu Dschahl sagte: „Nenne dieses Wort! Bei deinem Vater, wir sind bereit, nicht nur ein solches Wort, sondern sogar zehn anzunehmen.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Sagt: Lā ilāha illā Allāh – es gibt keinen anderen Gott außer Allah –, und gebt die Verehrung und den Gehorsam gegenüber allen anderen auf.“ Als die Quraisch dies hörten, klatschten sie in die Hände und sagten: „Muhammad, sollen wir etwa nur einen Gott anerkennen? Wahrlich, deine Angelegenheit ist höchst sonderbar.“
Darauf sagten sie zueinander: „Bei Gott, dieser Mann ist nicht bereit, auf irgendeines eurer Worte einzugehen. So lasst uns am Glauben unserer Vorfahren festhalten; danach wird Allah zwischen ihm und uns entscheiden.“ Damit standen sie auf und gingen fort. Nach diesem Ereignis offenbarte Allah über sie folgende Verse: „Beim weisen Qur’an: Du bist gewiss einer der Wahrhaftigen. Doch die Ungläubigen sind in Hochmut und Widerspruch versunken. Wie viele Völker habe Ich vor ihnen vernichtet! Da schrien sie um Hilfe, doch da gab es keine Möglichkeit mehr zur Rettung. Sie wundern sich, dass ein Warner aus ihrer eigenen Mitte zu ihnen gekommen ist, und die Ungläubigen sagen: ‚Das ist ein Zauberer, ein Lügner. Hat er etwa die vielen Götter zu einem einzigen Gott gemacht? Das ist wahrlich etwas höchst Verwunderliches.‘ Ihre Anführer entfernten sich und sagten: ‚Geht fort und bleibt der Verehrung eurer Götter treu. Das ist gewiss eine beabsichtigte Angelegenheit. Wir haben so etwas in der anderen Religionslehre nicht gehört. Das ist nichts als eine erfundene Aussage.‘“ (Ibn Hischam, Band 1, S. 7, 4, 419; Mukhtasar as-Sira, Scheich Abdullah, S. 91) (1–7, 38).
Das Jahr der Trauer
Der Tod Abu Talibs
Die Krankheit Abu Talibs verschlimmerte sich, und schließlich starb er. Abu Talib starb im Radschab des zehnten Jahres der Prophetenschaft, sechs Monate nachdem er aus der Belagerung im Engpass befreit worden war (Sahih al-Buchari, Kapitel über die Geschichte Abu Talibs, Band 1, S. 548). Einer anderen Überlieferung zufolge starb er im Ramadan, drei Tage vor dem Tod der ehrwürdigen Chadidscha.
In Sahih al-Buchari wird von al-Musayyab überliefert, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, als der Tod Abu Talibs näher rückte, zu ihm ging. Auch Abu Dschahl war dort anwesend. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „O mein Onkel, sprich nur: Lā ilāha illā Allāh. Wenn du dieses Bekenntnis ablegst, kann ich bei Allah für dich Fürsprache einlegen.“ Abu Dschahl und Abd Allah ibn Umaiyya sagten: „Abu Talib, willst du dich etwa vom Glauben Abd al-Muttalibs abwenden?“ Danach redeten die beiden weiter auf Abu Talib ein. Abu Talibs letzte Worte waren: „Auf dem Glauben Abd al-Muttalibs.“ Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Ich werde so lange für deine Vergebung beten, bis mir dies untersagt wird.“ Darauf offenbarte Allah den folgenden Vers: „Es steht dem Propheten und den Gläubigen nicht zu, für die Götzendiener um Vergebung zu bitten, selbst wenn sie Verwandte wären, nachdem ihnen klar geworden ist, dass sie Bewohner der Hölle sind.“ (113, 9).
Allah offenbarte hierzu auch den folgenden Vers: „Du kannst nicht, wen du liebst (Sahih al-Buchari, Kapitel über die Geschichte Abu Talibs, Band 1, S. 548), rechtleiten, wann immer du es willst; vielmehr leitet Allah recht, wen Er will, und Er weiß am besten, wer den rechten Weg beschreitet.“ (56, 28).
Es bedarf keiner Erwähnung, auf welche Weise Abu Talib dem Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Hilfe und Beistand leistete. Tatsächlich war er in Mekka angesichts der Angriffe der Quraisch-Führer und der törichten Leute auf den Islam wie eine Festung. Er selbst jedoch blieb unbeirrbar dem Glauben seiner Vorväter treu. Daher wird in al-Buchari von Hadhrat Abbas ibn Abd al-Muttalib, möge Allah mit ihm zufrieden sein, überliefert, dass er den Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, fragte: „Was hat dein Onkel dir genützt? Er beschützte dich doch und setzte sich für dich dem Risiko von Streit, Feindschaft und Auseinandersetzungen mit anderen aus.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Er wird sich in der tiefsten Tiefe der Hölle befinden.“ (Sahih al-Buchari, Kapitel über die Geschichte Abu Talibs, Band 1, S. 548.)
Hadhrat Abu Sa’id al-Chudri, möge Allah mit ihm zufrieden sein, berichtet: Als einmal im Beisein des Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, von seinem Onkel die Rede war, sagte er: „Am Tag der Auferstehung wird meine Fürsprache ihm vielleicht etwas nützen. Er wird an einer erhöhten Stelle der Hölle stehen, sodass sie nur bis zu seinen beiden Knien reichen wird.“ (Sahih al-Buchari, Kapitel über die Geschichte Abu Talibs, Band 1, S. 548.)
Der Tod von Hadhrat Chadidscha, möge Allah mit ihr zufrieden sein
Zwei Monate oder lediglich drei Tage nach dem Tod von Herrn Abu Talib verließ Umm al-Mu’minin Chadidscha al-Kubra, möge Allah mit ihr zufrieden sein, diese Welt. Sie starb im Ramadan des zehnten Jahres der Prophetenschaft. Zu jener Zeit war sie 65 Jahre alt, während der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gerade das fünfzigste Lebensjahr erreichte. (Zum Tod im Ramadan siehe Ibn al-Dschauzi, Talkih al-Fuhum, S. 7, sowie Allama Mansurpuris Rahmatul-lil-‘Alamin.)
Hadhrat Chadidscha war für den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, eine besondere Gunst Allahs. Ein Vierteljahrhundert lang war sie seine Lebensgefährtin. Während dieser Zeit litt ihr Herz mit ihrem geliebten Ehemann in Zeiten von Kummer, Leid und Gefahr. In schwierigen Zeiten gab sie ihm Halt, stand ihm bei der Verkündung der Religion zur Seite und linderte sein Leid sogar mit ihrem eigenen Leben und Vermögen. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Als die Menschen mich verleugneten, glaubte Chadidscha an mich. Als die Menschen mich der Lüge bezichtigten, hielt Chadidscha mich für wahrhaftig. Als die Menschen mich zurückwiesen, machte sie mich zu einem Teilhaber an ihrem Vermögen. Allah schenkte mir durch sie Kinder; durch keine meiner anderen Ehefrauen wurden mir Kinder geschenkt.“ (Musnad Ahmad, Band 6, S. 118.)
In Sahih al-Buchari wird von Hadhrat Abu Huraira, möge Allah mit ihm zufrieden sein, überliefert, dass Hadhrat Dschibril, Friede sei mit ihm, zum Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, kam und sagte: „O Gesandter Allahs, sieh, Chadidscha kommt. Bei ihr ist ein Gefäß, in dem sich Feuer, Nahrung oder ein Getränk befindet. Wenn sie zu dir kommt, richte ihr den Friedensgruß ihres Herrn aus und verkünde ihr im Paradies ein Haus aus Perlen. In diesem Haus wird es weder Lärm noch Unruhe geben, und niemand wird von Erschöpfung oder Müdigkeit befallen werden.“ (Sahih al-Buchari, Kapitel über die Ausstattung des Propheten, Band 1, S. 539.)
Kummer, Sorgen und seelischer Schmerz
Die beiden genannten Unglücksfälle ereigneten sich innerhalb weniger Tage. Dadurch wurde der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, von Trauer und Kummer überwältigt. Außerdem setzten seine eigenen Volksangehörigen ihre Misshandlungen, Unterdrückung und Quälereien fort, denn nach dem Tod Abu Talibs war ihr Mut gewachsen. Sie begannen, dem Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, offen Leid zuzufügen. In dieser Lage ging der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nach Ta’if. Insgeheim hoffte er, dass die dortige Bevölkerung vielleicht die von ihm verkündete Einladung zur Religion annehmen, ihm Schutz gewähren und ihn angesichts des Widerstands seiner eigenen Volksangehörigen unterstützen würde.
Doch dort fand sich kein Helfer oder Beschützer; vielmehr wurde er dort selbst grausamer Verfolgung und Misshandlung ausgesetzt. Man behandelte ihn derart schlecht, wie die Angehörigen seines Volkes bisher niemanden behandelt hatten. Näheres hierzu wird später erwähnt werden.
Es ist an dieser Stelle nicht unangebracht zu erwähnen, dass die Bewohner Mekkas, so wie sie den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, verfolgten und misshandelten, auch seine Gefährten in gleicher Weise quälten. Der geliebte Gefährte des Gesandten Allahs, Abu Bakr, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, war dieser Verfolgung überdrüssig geworden und machte sich auf den Weg nach Abessinien. Unterwegs traf er einen einflussreichen Mann aus Mekka namens Ibn Daghana. Dieser übernahm es, Abu Bakr, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, unter seinen Schutz zu nehmen, und brachte ihn nach Mekka zurück. (Akbar Schah Nadschibabadi erwähnt, dass sich dieses Ereignis im selben Jahr zugetragen habe; siehe Tarikh-e Islam, Band 1, S. 372–373, Sahih al-Buchari, Band 1, S. 552–553.)
Ibn Ishaq berichtet, dass die Quraisch den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nach dem Tod Abu Talibs einer solchen Verfolgung aussetzten, wie sie es zu dessen Lebzeiten nicht einmal gewagt hatten. Ein Dummkopf aus den Quraisch trat hervor und warf dem Gesandten Allahs Erde auf den Kopf. Eine seiner Töchter eilte herbei und entfernte die Erde.
Während sie die Erde entfernte, weinte sie unentwegt. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, tröstete sie zu jener Zeit und sagte: „Mutter, weine nicht. Allah, der Erhabene, wird deinen Vater beschützen.“ Zugleich sagte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm: „Die Quraisch haben mich nicht so schlecht behandelt, dass es mir, Mutter, nahegegangen wäre.“ In einer solchen Lage verstarb Abu Talib (Ibn Hischam, Band 1, S. 416).
Aufgrund dieser fortwährenden Verfolgung und Misshandlung gab der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, jenem Jahr den Namen „Am al-Huzn“, das heißt „Jahr der Trauer“. Unter diesem Namen ist dieses Jahr in der Geschichte berühmt geworden.
Die Heirat mit Sawda
In jenem Jahr, also im zehnten Jahr der Prophetenschaft, heiratete der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, im Monat Schawwal Sawda bint Zamʿa. Sawda, Allahs Wohlgefallen sei auf ihr, war bereits in der frühen Zeit der Prophetenschaft Muslimin geworden und war im zweiten Jahr der Hidschra ebenfalls nach Abessinien ausgewandert. Ihr Ehemann hieß Sakran ibn Amr und war ebenfalls schon früh Muslim geworden. Sawda wanderte mit ihm nach Abessinien aus, doch er verstarb entweder in Abessinien oder, einer anderen Überlieferung zufolge, auf dem Rückweg nach Mekka. Nachdem Sawdas Wartefrist abgelaufen war, hielt der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, um ihre Hand an und heiratete sie. Nach dem Tod Chadidschas, Allahs Wohlgefallen sei auf ihr, war sie die Ehefrau des Gesandten Allahs. Einige Jahre später überließ sie ihren Turnus Aischa, Allahs Wohlgefallen sei auf ihr (Rahmat li-l-ʿAlamin, Band 2, S. 165; Talqih al-Fuhum, S. 6).
Die Geduld und Standhaftigkeit der Gefährten, die früh den Islam annahmen
Wie konnten die Muslime selbst in jener schrecklichen Zeit standhaft und unbeirrbar bleiben? Wenn man darüber nachdenkt, gerät selbst ein Mensch mit starkem Herzen ins Staunen: Mit welcher erbarmungslosen Verfolgung und Unterdrückung wurden die Muslime konfrontiert, und dennoch bewiesen sie Geduld und Ausdauer. Beim Lesen der Berichte über diese Misshandlungen erschauert man innerlich und äußerlich. Welche bannende Kraft war es, die die Muslime so unerschütterlich machte? Darauf soll im Folgenden kurz eingegangen werden.
Erstens: Die Schönheit des Glaubens
Der erste und wichtigste Grund ist der Glaube an Allah und die richtige Kenntnis Seiner Eigenschaften. Wer einen solchen festen und starken Glauben besitzt, dass er selbst beim Zusammenprall mit einem Berg unerschütterlich bleibt, misst jeder Verfolgung und Unterdrückung nicht mehr Bedeutung bei als dem Schaum, der auf dem Meer treibt. Deshalb schenkt der gläubige Diener angesichts der Süße und Anmut des Glaubens keiner Gefahr und keinem Hindernis Beachtung.
Allah, der Erhabene, sagt: „Was nutzloser Unrat ist, wird fortgeworfen; was aber den Menschen nützt, bleibt auf der Erde“ (17:13).
Zweitens: Eine anziehende Führung
Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, war der größte Führer der islamischen Gemeinschaft, ja der gesamten Menschheit. Beim Anblick seiner körperlichen Schönheit, seiner geistigen Vollkommenheit, seines lobenswerten Charakters, seiner großartigen Persönlichkeit, seiner verfeinerten Gewohnheiten und seiner Tatkraft entstand ganz von selbst der Wunsch, ihn zu lieben und sich ihm mit ganzem Herzen hinzugeben. Alle Eigenschaften, die die Menschen von Herzen schätzen, waren in ihm in einem solchen Maß vereint, dass niemand sonst mit einer solchen Fülle von Vorzügen ausgestattet worden war. Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nahm hinsichtlich Würde, Vorzüglichkeit, Vornehmheit und charakterlicher Schönheit den höchsten Rang ein. Seine Eigenschaften wie Vergebungsbereitschaft, Vertrauenswürdigkeit, Aufrichtigkeit, Wahrhaftigkeit und Geduld waren so ausgeprägt, dass selbst seine Feinde niemals an seiner Einzigartigkeit und Überlegenheit zweifelten. Wenn er einmal etwas ausgesprochen hatte, wussten selbst seine Feinde, dass es wahr war und sich unweigerlich erfüllen würde. Verschiedene Ereignisse belegen dies ebenfalls.
Einmal versammelten sich drei Männer der Quraisch. Jeder von ihnen hatte heimlich der Rezitation des Qur’an zugehört, doch keiner verriet es den anderen. Einer von ihnen war Abu Dschahl. Einer der beiden anderen fragte Abu Dschahl: „Sag mir, was du von dem hältst, was du bei Muhammad gehört hast.“ Abu Dschahl erwiderte: „Was habe ich gehört? Die Sache ist vielmehr die: Wir und die Banu ʿAbd Manāf wetteiferten miteinander um Vornehmheit und Ansehen. Wenn sie die Armen speisten, taten wir es ebenfalls; wenn sie Almosen gaben, gaben auch wir. Sie und wir waren Rivalen, wie zwei Rennpferde im Wettlauf. In dieser Lage begannen die Banu ʿAbd Manāf zu behaupten: ‚Unter uns gibt es einen Propheten, zu dem die Offenbarung vom Himmel kommt.‘ Wie könnten wir eine solche Offenbarung erhalten? Bei Gott, ich werde niemals an diesen Mann glauben und ihn niemals als wahrhaftig anerkennen.“ (Ibn Hischam, Bd. 1, S. 216.)
Bereits zuvor wurde berichtet, dass die Götzendiener den Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, eines Tages beschimpften. Sie taten dies dreimal hintereinander. Beim dritten Mal blieb der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, stehen und sagte: „O Quraisch, ich bin zu euch mit Opfertieren gekommen.“ Kaum hatten die Ungläubigen dies gehört, begannen sie, den Gesandten Allahs mit freundlichen Worten zu besänftigen. Es wurde bereits erwähnt, dass einige Ungläubige dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, während seiner Niederwerfung die Eingeweide eines Kamels auf den Nacken gelegt hatten. Nach dem Gebet sprach der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, einen Fluch über diejenigen aus, die diese Tat begangen hatten. Als die Ungläubigen diesen Fluch hörten, verschwand das Lächeln aus ihren Gesichtern, und sie gerieten in tiefe Sorge, denn sie wussten mit Sicherheit, dass sie diesmal nicht davonkommen würden.
Es wird auch berichtet, dass Utayba, der Sohn Abu Lahabs, nachdem Allahs Gesandter, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ihn verflucht hatte, erkannte, dass er den Folgen dessen nicht entkommen würde. Als er während einer Reise nach Syrien einen Löwen sah, sagte er: „Bei Allah, Muhammad hat mich bereits in Mekka getötet.“
Die Geschichte von Ubayy ibn Khalaf berichtet, dass dieser Mann Allahs Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, wiederholt mit dem Tod drohte. Als Antwort auf eine solche Drohung sagte Allahs Gesandter, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, einmal: „Nicht du, sondern ich werde dich, so Allah will, töten.“ Danach nahm Allahs Gesandter, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in der Schlacht von Uhud einen Speer aus der Hand eines anderen Gefährten und schleuderte ihn gegen Ubayy. Dabei erlitt dieser eine leichte Verletzung in der Nähe seines Halses. Später sagte Ubayy immer wieder: „Muhammad hatte bereits in Mekka gesagt: ‚Ich werde dich töten.‘ Wenn er mich auch nur angespuckt hätte, wäre meine Seele dennoch aus mir gefahren.“ (Ibn Hischam, Band 2, S. 84) Die ausführliche Darstellung wird später folgen.
Einmal sagte Saʿd ibn Muʿadh in Mekka zu Umayya ibn Khalaf: „Ich habe Allahs Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagen hören, dass die Muslime dich töten werden.“ Als Umayya dies hörte, bekam er große Angst. Diese Angst hatte er ständig; er schwor sich, Mekka niemals zu verlassen. Zur Zeit der Schlacht von Badr kaufte Umayya, nachdem Abu Dschahl ihn immer wieder gedrängt hatte, sich zur Teilnahme an der Schlacht zu entschließen, das schnellste Kamel, damit er im Falle einer Gefahr schnell zurückfliehen konnte. Als er zur Schlacht aufbrach, sagte seine Frau zu ihm: „Abu Safwan, hast du etwa vergessen, was dein jathribischer Bruder gesagt hat?“ Umayya erwiderte: „Nein, ich habe es nicht vergessen. Ich werde nur ein kurzes Stück mit ihnen gehen.“ (Sahih al-Buchari, Band 2, S. 563)
So war der Zustand der Feinde Allahs Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Der Zustand seiner Gefährten und Sahaba hingegen war derart, dass sie dem geliebten Propheten mit Leib und Seele ergeben waren. Die Liebe der Sahaba zu Allahs Gesandtem, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, war so überaus stark wie der Strom eines Bergquells. So wie Eisen vom Magneten angezogen wird, fühlten sich auch die Sahaba zu Allahs Gesandtem (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) hingezogen.
Der Dichter sagt: „Sein Antlitz war für alle menschlichen Körper gleichsam deren Existenz, und seine Existenz war für jedes Herz wie ein Magnet.“
Gerade aufgrund dieser Liebe und Ergebenheit konnten die ehrwürdigen Sahaba es nicht ertragen, dass jemand Allahs Gesandten auch nur einen Kratzer zufügte oder ein Dorn in seinen Fuß drang; im Gegenzug waren sie sogar bereit, sich dafür den Kopf abschlagen zu lassen.
Einst schlug der Übeltäter Utba ibn Rabiʿa Abu Bakr as-Siddiq, möge Allah mit ihm zufrieden sein, in Mekka schwer zusammen. Sein Gesicht wurde blutüberströmt, und während der heftigen Schläge verlor er schließlich das Bewusstsein. Als die Leute seines Stammes, der Banu Taym, davon erfuhren, wickelten sie ihn in ein Tuch und brachten ihn nach Hause. Alle hatten die Hoffnung aufgegeben, dass er überleben würde. Gegen Ende des Tages erlangte er das Bewusstsein wieder und fragte als Erstes: „Wie geht es Allahs Gesandtem, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm?“ Als die anwesenden Angehörigen der Banu Taym dies hörten, zeigten sie sich verärgert. Beim Weggehen sagten sie zu Abu Bakrs Mutter: „Seht zu, ob ihr ihm etwas zu essen geben könnt.“ Abu Bakr (möge Allah mit ihm zufrieden sein) fragte seine Mutter Umm al-Chair nach dem Zustand des Gesandten Allahs. Sie sagte: „Ich weiß es nicht, mein Sohn.“ Abu Bakr (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: „Mutter, geh zu Umm Dschamil bint al-Chattab und bringe mir von ihr Nachricht über den Gesandten Allahs.“ Umm al-Chair ging zu Umm Dschamil und sagte zu ihr: „Abu Bakr möchte von dir etwas über Muhammad ibn Abdillah erfahren.“ Umm Dschamil sagte: „Ich kenne weder Abu Bakr noch Muhammad ibn Abdillah. Wenn du jedoch möchtest, kann ich zu Bakr gehen.“ Umm al-Chair führte Umm Dschamil zu ihrem Sohn. Als Umm Dschamil den Zustand Abu Bakrs sah, schrie sie auf und sagte: „Das Volk, das dich in diesen Zustand versetzt hat, ist zweifellos ein Volk von Übeltätern und Ungläubigen. Ich hoffe, dass Allah, der Erhabene, deinetwegen Vergeltung an ihnen üben wird.“ Abu Bakr (möge Allah mit ihm zufrieden sein) fragte nach dem Gesandten Allahs. Umm Dschamil deutete auf Umm al-Chair. Abu Bakr (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: „Es ist kein Problem.“ Umm Dschamil sagte: „Er ist wohlauf und befindet sich im Haus von Ibn Akram.“ Abu Bakr (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: „Ich schwöre, dass ich weder essen noch trinken werde, bevor ich nicht zum Gesandten Allahs gebracht worden bin.“ Umm al-Chair und Umm Dschamil warteten. Nachdem am Abend der Verkehr auf den Straßen abgenommen hatte und die Dunkelheit dichter geworden war, begab sich Abu Bakr (möge Allah mit ihm zufrieden sein), auf die Schultern seiner Mutter Umm al-Chair und Umm Dschamil gestützt, zu Allahs Gesandtem, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. (Al-Bidaya wa-n-Nihaya, Band 3, S. 30)
Weitere erstaunliche Begebenheiten über diese Liebe und Ergebenheit werden an verschiedenen Stellen des Buches erwähnt, insbesondere im Zusammenhang mit der Schlacht von Uhud und mit der Geschichte von Zubair (möge Allah mit ihm zufrieden sein).
Drittens: Verantwortungsbewusstsein
Die ehrwürdigen Gefährten wussten sehr wohl, dass die dem Menschen auf Erden auferlegten Pflichten, so schwierig sie auch sein mögen, keinesfalls vernachlässigt werden dürfen. Denn die Folgen einer solchen Vernachlässigung wären noch schrecklicher und würden die gesamte Menschheit ins Verderben stürzen. Im Vergleich zu diesem Schaden waren diese Ungerechtigkeiten, Bedrängnisse und Leiden von keinerlei Bedeutung.
Viertens: Der Glaube an das Jenseits
Der Glaube an das Jenseits und an das Leben nach dem Tod spornte sie dazu an, bei der Erfüllung dieser Pflichten äußerst diszipliniert und geduldig zu sein. Die ehrwürdigen Gefährten waren fest und unerschütterlich davon überzeugt, dass sie eines Tages vor Allah, dem Herrn der Welten, stehen und dort über alle großen und kleinen Taten ihres Lebens Rechenschaft ablegen müssten. Danach würden sie entweder in das mit Gnaden erfüllte Paradies oder in die von schrecklicher Strafe erfüllte Hölle eintreten. Kraft dieses Glaubens führten die ehrwürdigen Gefährten ein von Hoffnung und Furcht erfülltes Leben: Sie hofften auf die Barmherzigkeit ihres geliebten Herrn Allah und fürchteten Seine Strafe. Ihren Zustand erwähnt Allah, der Erhabene, im Heiligen Koran folgendermaßen: Was sie auch tun, sie tun es mit furchterfülltem Herzen, weil sie zu ihrem Herrn zurückkehren müssen.
Sie waren außerdem fest davon überzeugt, dass alle Annehmlichkeiten, aller Wohlstand, jedes Glück und jeder Kummer dieser Welt im Vergleich zum Jenseits nicht einmal das Gewicht des Flügels einer Mücke besäßen. Dieser Glaube war bei ihnen so fest und unerschütterlich, dass angesichts dessen alle Gefahren, Widrigkeiten, Bitterkeiten, Sorgen und Leiden dieser Welt ihnen geringfügig erschienen.
Fünftens: Eine immer schwieriger werdende Lage
In den Versen des Korans, die nach und nach offenbart wurden, wurden die grundlegenden Lehren und Ideale des Islam auf ansprechende Weise dargelegt. Durch diese Koranverse wurden der Menschheit die Lebendigkeit und Festigkeit des Glaubens in der ehrenvollsten und vorzüglichsten islamischen Gemeinschaft vor Augen geführt und weiter gestärkt. Allah, der Erhabene, führte verschiedene Beispiele an und lehrte die Muslime Weisheit und die richtige Vorgehensweise. So sagt Allah, der Erhabene: „Glaubt ihr etwa, dass ihr ins Paradies eintreten werdet, obwohl euch noch nicht das widerfahren ist, was euren Vorgängern widerfuhr? Sie wurden von Not und Leid heimgesucht und erschüttert, bis sogar der Gesandte und diejenigen, die mit ihm glaubten, ausriefen: ‚Wann kommt Allahs Hilfe?‘ Ja, Allahs Hilfe ist nahe.“ (214, 2)
Allah, der Erhabene, sagt ferner: „Alif Lam Mim. Meinen die Menschen, dass sie in Ruhe gelassen werden, nur weil sie sagen: ‚Wir glauben‘, und dass sie nicht geprüft werden? Wir haben bereits diejenigen geprüft, die vor ihnen lebten. Allah wird gewiss offenlegen, wer wahrhaftig ist und wer lügt.“ (1–3, 29)
Gleichzeitig wurden solche Verse offenbart, in denen den verschiedenen Fragen der ungläubigen Götzendiener schlagende Antworten erteilt wurden, gegen die keine ihrer Ausreden Bestand haben konnte. In klaren Worten wurde ihnen gesagt, dass die Folgen verheerend sein würden, wenn sie an ihrer Irreleitung und ihrem Starrsinn festhielten. Als Beispiele wurden Ereignisse und historische Belege aus dem Leben früherer Völker angeführt, in denen Allahs Vorgehensweise gegenüber Allahs Gesandten und den Ungläubigen dargelegt wurde. Zugleich wurde von Barmherzigkeit und Vergebung gesprochen und der Weg zur Rechtleitung aufgezeigt. All dies wurde gesagt, damit die Ungläubigen von ihrer Irreleitung und ihrem Irrtum ablassen würden.
Tatsächlich führte der Heilige Koran die Muslime auf eine Reise durch eine völlig andere Welt und stellte ihnen erstaunliche Beispiele vor, damit sie nicht den Mut verlieren und kein Hindernis oder widriger Umstand sie vom Weg abhält, Allahs Wohlgefallen zu erlangen.
In all diesen Versen wurde den Muslimen auch gesagt, was ihnen die frohe Botschaft vom Paradies voller Barmherzigkeit und Gnadengaben Allahs vermitteln konnte. Das Bild der Ungläubigen wurde hingegen so dargestellt, dass sie erkennen konnten, dass sie vor Allah zur Abrechnung gebracht werden würden. Ihre guten Taten aus dem irdischen Leben würden ihnen nichts nützen; vielmehr würden sie ins Höllenfeuer geschleift und hineingeworfen, und es würde zu ihnen gesagt werden: „Kostet nun den Geschmack der Hölle, für immer!“
Sechs. Strenge Geduld
Darüber hinaus wussten die Muslime nicht erst seit Beginn ihrer Verfolgung, sondern schon vorher, dass die Annahme des Islam nicht bedeutete, auf ewig Leid und Mühsal ertragen zu müssen. Vielmehr bestand der Kern des Aufrufs zum Islam im Ende des Zeitalters der Unwissenheit und in der vollständigen Beseitigung aller Systeme der Unterdrückung, Misshandlung und Verfolgung. Ein weiteres Ziel des Aufrufs zum Islam war, dass die Muslime ihren Einfluss auf der Erde ausweiten und einen solchen politischen Sieg erringen würden, dass alle Menschen auf den Weg von Allahs Willen und Wohlgefallen geführt werden könnten: Sie sollten aus der Knechtschaft der Menschen befreit und in die Dienerschaft Allahs geführt werden.
Diese frohen Botschaften des Edlen Korans wurden bisweilen andeutungsweise und bisweilen ganz offen offenbart. Einerseits war die Lage so, dass die Erde, obwohl sie weit war, für die Muslime immer enger wurde; ihr bloßes Überleben war schwierig, und eine Gruppe von Menschen war ständig darum bemüht, sie vollständig auszurotten. Andererseits wurden zur Stärkung der Kraft, des Mutes und der Zuversicht der Muslime Verse offenbart, in denen Ereignisse aus früheren Zeiten geschildert wurden: Frühere Völker hatten die Propheten verleugnet und sie ebenfalls Misshandlung und Verfolgung ausgesetzt. Das in diesen Versen gezeichnete Bild entsprach genau der Lage der Muslime und Ungläubigen in Mekka. Schließlich wurde erwähnt, wie die Ungläubigen zuvor vernichtet und Allahs rechtschaffene Diener zu Erben Seines Landes gemacht worden waren. Infolgedessen würden die Ungläubigen von Mekka scheitern und besiegt werden, während die Muslime und der Aufruf zum Islam den Erfolg erringen würden. Zu jener Zeit wurden auch Verse offenbart, in denen der Sieg der Gläubigen ausdrücklich als frohe Botschaft angekündigt wurde. So sagt Allah, der Herr der Welten: „Über Meine entsandten Diener ist dieses Wort von Mir bereits ergangen: Gewiss, sie werden Unterstützung erhalten, und Meine Heerschar wird siegen. So wende dich eine Zeit lang von ihnen ab und beobachte sie; bald werden sie es selbst sehen.“
„Wollen sie etwa Meine Strafe beschleunigen? Wenn die Strafe in ihre Höfe herabkommt, wird die Vergeltung für die Gewarnten schrecklich und abscheulich sein.“ (171, 177, 37)
Allah, der Erhabene, sagt ferner: „Diese Schar wird bald besiegt werden und den Rücken kehren.“ (45, 54)
Auch diese Streitmacht der vielen Verbündeten wird in diesem Fall gewiss besiegt werden (11, 38).
Über diejenigen, die nach Abessinien ausgewandert sind, sagt Allah, der Erhabene:
Denjenigen, die, nachdem sie unterdrückt worden waren, um Allahs willen ausgewandert sind, werde Ich gewiss eine gute Wohnstätte in dieser Welt geben; und der Lohn des Jenseits ist wahrlich besser. Wenn sie es doch nur wüssten! (42, 16).
Nachdem die Ungläubigen den Gesandten Allahs nach der Geschichte des Propheten Yusuf (a. s.) gefragt hatten, sagte Allah, der Erhabene: „Für die Fragenden liegt darin ein Zeichen“ (7, 12). Das bedeutet: Die Bewohner von Mekka fragen heute nach der Geschichte des Propheten Yusuf (a. s.), und sie werden ebenso scheitern, wie die Brüder des Propheten Yusuf gescheitert sind. Ihr Ende wird dem Ende der Brüder des Propheten Yusuf gleichen. Daher sollten die Bewohner von Mekka aus der Geschichte des Propheten Yusuf und seiner Brüder eine Lehre ziehen und verstehen, welches Ende die Unterdrücker erwartet. An einer Stelle, an der Allah, der Erhabene, über die Propheten spricht, sagt Er, dass die Ungläubigen zu ihren Gesandten gesagt hatten: „Wir werden euch gewiss aus unserem Land vertreiben, oder ihr müsst zu unserer Religionsordnung zurückkehren.“ Daraufhin offenbarte ihr Herr den Gesandten: „Ich werde die Ungerechten gewiss vernichten“ (13–14, 14).
Als in Persien und Rom das Feuer des Krieges loderte, wünschten sich die Ungläubigen den Sieg der Perser, während die Muslime den Sieg der Römer wünschten, weil die Römer behaupteten, an Allah, die Propheten, die Offenbarung und die himmlischen Bücher zu glauben. Als sich abzeichnete, dass die Perser siegen würden, verkündete Allah die frohe Botschaft, dass die Römer nach einigen Jahren siegen würden. Nicht nur diese frohe Botschaft wurde verkündet; Allah, der Erhabene, kündigte außerdem an, dass Er den Gläubigen zum Zeitpunkt des Sieges der Römer in besonderer Weise helfen werde. Über diese Hilfe würden sie sich freuen. Allah, der Erhabene, sagt: „Und an jenem Tag werden sich die Gläubigen über Allahs Hilfe freuen“ (45, 30). Später wurde durch den Sieg und Erfolg der Muslime in der Schlacht von Badr die Wahrheit des Wortes Allahs bestätigt.
Neben den Verkündigungen des Korans überbrachte auch der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, den Muslimen zu verschiedenen Zeiten solche frohen Botschaften. Während der Pilgerzeit verkündete der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, auf den Märkten von Ukaz, Madschanna und Dhul-Madschaz den Menschen seine Prophetenschaft und sagte: „O ihr Menschen, sagt: Es gibt keine Gottheit außer Allah; dadurch werdet ihr Erfolg haben. Dadurch werdet ihr Könige der Araber sein, und die anderen werden sich euch unterwerfen; auch nach dem Tod werdet ihr im Paradies Könige sein“ (Dschamiʿ at-Tirmidhi).
Wie bereits erwähnt, zeigte Utba ibn Rabiʿa dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die Verlockungen weltlichen Genusses und Reichtums. Als Antwort darauf rezitierte er ihm einige Verse aus der Sure Hā-Mīm as-Sadschda. Daraufhin prophezeite Utba, dass am Ende die Muslime siegen würden.
Die Antwort, die der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gab, als die letzte Delegation der Quraisch zu Abu Talib kam, wurde bereits erwähnt. Auch dort sagte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, mit voller Entschlossenheit: „Glaubt an die Einheit Allahs; dadurch werden euch ganz Arabien unterworfen sein, und auch über die Nichtaraber werdet ihr eure Herrschaft errichten.“
Der ehrwürdige Khabbab ibn al-Aratt (möge Allah mit ihm zufrieden sein) berichtet: Einmal begab ich mich zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm). Er lag im Schatten der Kaaba und hatte einen Umhang zu einem Kissen gefaltet. Zu jener Zeit wurden wir von den Götzendienern verfolgt und gedemütigt. Ich sagte: „O Gesandter Allahs, könntest du nicht Allah um Hilfe bitten?“ Daraufhin setzte er sich auf; sein Gesicht wurde rot. Er sagte: „Es kam sogar vor, dass die Gläubigen vor euch mit eisernen Kämmen so gefoltert wurden, dass ihr Fleisch von ihren Körpern gerissen wurde und nur noch die Knochen übrigblieben. Doch selbst solche Folter konnte sie nicht von ihrem Glauben an Allahs Religion abbringen.“ Dann sagte er: „Allah wird diese Religion zur Vollendung führen. Ein Reiter wird von San’a bis Hadramaut reisen, ohne etwas anderes als Allah zu fürchten. Ja, unter den Ziegen wird es weiterhin die Furcht vor dem Tiger geben.“ (Sahih al-Buchari, Band 1, S. 543).
In einer Überlieferung wird außerdem erwähnt: „Doch ihr beeilt euch.“ (Sahih al-Buchari, Band 1, S. 51).
Es muss daran erinnert werden, dass diese frohen Botschaften kein geheimes Wissen waren, sondern allgemein bekannt. Ebenso wie die Muslime wussten auch die ungläubigen Götzendiener davon. Wann immer Aswad ibn al-Muttalib und seine Gefährten die ehrwürdigen Gefährten sahen, sagten sie untereinander: „Der König der ganzen Welt ist zu euch gekommen. Schon sehr bald werden sie Chosrau und Cäsar besiegen.“ Während sie dies sagten, pfiffen sie und klatschten in die Hände. (Fikh as-Sira, S. 82).
Kurz gesagt: All die Ungerechtigkeit, Misshandlung, Folter und Unterdrückung, denen die ehrwürdigen Gefährten damals ausgesetzt waren, war angesichts ihrer sicheren Hoffnung auf das Paradies und der frohen Botschaften unbedeutend. Sie betrachteten diese Leiden wie ein Stück Wolke, das durch einen einzigen Windstoß verschwinden würde.
Außerdem stärkten die Gefährten regelmäßig die Gläubigen durch geistige Nahrung, indem sie ihnen ein klares Verständnis für die Festigkeit ihres Glaubens vermittelten. Durch die Lehre des Korans sorgten sie für ihre innere Läuterung. Die Unterweisung in islamischen Angelegenheiten, die Stärkung ihrer geistigen Kräfte, die Reinigung ihrer Herzen und die Lehre vorzüglichen Charakters stärkten die Moral der Gefährten. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) verwandelte die kaum noch glimmenden Funken des Glaubens der Gefährten in leuchtende Flammen; er führte sie aus der Dunkelheit zum Licht der Rechtleitung. Dadurch vervielfachten sich das religiöse Wissen und der Glaube der Gefährten. Sie wandten sich von der Knechtschaft ihrer Begierden ab und schritten auf dem Weg voran, Allahs Wohlgefallen zu erlangen. Sie entwickelten einen starken Wunsch, Bewohner des Paradieses zu werden, ein großes Verlangen nach Wissen und die Bereitschaft zur Selbstkritik. Aus diesen Gründen konnten die Verfolgung und Folter durch die ungläubigen Götzendiener sie nicht von ihrem Ziel und Weg abbringen. In Geduld und Standhaftigkeit blieben sie unerschütterlich; für die gesamte Menschheit wurde jeder von ihnen zu einem leuchtenden Vorbild.
Die dritte Phase: Der Aufruf zum Islam außerhalb Mekkas
Der Gesandte Allahs in Taif
Zu Beginn des zehnten Jahres der Prophetenschaft – Maulana Nadschibabadi erwähnt hierzu im ersten Band seiner Tarikh-e-Islam auf Seite 122 ausführliche Einzelheiten; meiner Ansicht nach ist dieses Datum das richtige – begab sich der Prophet (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) gegen Ende Mai oder Anfang Juni des Jahres 619 n. Chr. nach Taif. Taif liegt sechzig Meilen von Mekka entfernt. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) legte den Hin- und Rückweg von insgesamt einhundertzwanzig Meilen zu Fuß zurück. Den Gesandten Allahs begleitete sein freigelassener Sklave Zaid ibn Haritha (möge Allah mit ihm zufrieden sein). Auf dem Weg nach Taif rief er die Menschen überall zum Islam auf, doch niemand nahm seinen Aufruf an. Nachdem der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) Taif erreicht hatte, begab er sich zu drei Anführern des Stammes Thaqif. Sie waren Brüder und hießen Abd Yalil, Mas’ud und Habib. Ihr Vater hieß Amr ibn Umair ath-Thaqafi. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) forderte sie auf, Allah gegenüber gehorsam zu sein und den Islam zu unterstützen. Darauf erwiderte einer spöttisch: „Soll er doch den Vorhang der Kaaba zerreißen, wenn Allah ihn tatsächlich zum Gesandten gemacht hat.“ (Im Urdu entspricht diese Redewendung etwa den Worten: „Wenn du ein Prophet bist, möge Allah mich vernichten.“ Damit ist gemeint, dass es ebenso unmöglich sei, dass jemand wie du ein Prophet wird, wie es unmöglich ist, die Kaaba anzugreifen.)
Ein anderer sagte: „Hat Allah außer dir niemand anderen gefunden?“ Der dritte sagte: „Ich will überhaupt nicht mit dir sprechen, denn wenn du ein Prophet bist, wäre es für mich gefährlich, deine Worte zurückzuweisen; und wenn du im Namen Allahs Lügen verbreitest, sollte ich erst recht nicht mit dir sprechen.“ Nachdem der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, dies gehört hatte, erhob er sich und sagte: „Wenn ihr tut, was ihr tut, dann haltet die Angelegenheit geheim.“
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, blieb zehn Tage in Taif. Während dieser Zeit besuchte er alle führenden Männer von Taif, das heißt die Stammesoberhäupter, und lud jeden von ihnen zum Glauben ein. Doch alle sagten dasselbe: „Verlass unsere Stadt!“ Damit gaben sie sich nicht zufrieden, sondern stachelten auch zügellose Jungen gegen ihn auf. Als er zurückkehrte, liefen diese ruchlosen Jungen hinter ihm her. Sie beschimpften den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, klatschten in die Hände und machten Lärm. Innerhalb kurzer Zeit versammelten sich so viele Jungen und ruchlose Männer, dass sich zu beiden Seiten des Weges Reihen bildeten. Dann begannen sie, ihn zu beschimpfen und mit Steinen zu bewerfen. Dadurch wurden seine beiden Füße blutig, und seine Schuhe füllten sich mit Blut. Hadhrat Zaid ibn Haritha, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, schützte den Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, wie ein Schild; deshalb trafen die geworfenen Steine ihn selbst, und sein Kopf wurde an mehreren Stellen verletzt. Unter lautem Geschrei verfolgten die Ruchlosen den Gesandten Allahs. Schließlich fand er Zuflucht in einem Garten, der den Mekkanern Utba, Schaiba und Rabia gehörte. Dieser Garten lag drei Meilen von Taif entfernt. Nachdem der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, dort Zuflucht gefunden hatte, kehrten die Ruchlosen um. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, lehnte sich an eine Mauer und setzte sich in den Schatten eines Weinstocks. Nachdem er sich etwas beruhigt hatte, sprach er das Bittgebet, das unter dem Namen „Bittgebet der Schwachen“ bekannt ist. Jedes Wort dieses Bittgebets zeigt, wie sehr der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, durch das schlechte Verhalten der Bewohner von Taif und dadurch, dass nicht einmal ein einziger von ihnen den Glauben annahm, innerlich verletzt war und wie tief sein Kummer und sein Schmerz waren. In diesem Bittgebet sagte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm: „O Allah, ich beklage mich bei Dir über meine Schwäche, meine Hilflosigkeit und meine Bedeutungslosigkeit in den Augen der Menschen. O Barmherziger, Du bist der Herr der Schwachen und Du bist auch mein Herr. Wem hast Du mich anvertraut? Etwa einem Fremden, der mich grob behandeln wird, oder einem Feind, dem Du die Herrschaft über meine Angelegenheit gegeben hast? Wenn Du nicht über mich zürnst, dann habe ich keinen Kummer und keinen Grund zur Klage. Deine Vergebung ist für mich weit und umfassend. Ich suche Zuflucht im Licht Deines Wesens, durch das die Finsternis weicht und alles ringsum mit Licht erfüllt wird. Alle Angelegenheiten dieser Welt und des Jenseits liegen in Deiner Hand. Magst Du einen Fluch auf mich herabsenden oder mich zugrunde richten – solange ich Dein Wohlgefallen suche, macht mir das nichts aus. Alle Macht und Kraft gehören allein Dir; ohne Deine Kraft besitzt niemand Macht.“
Die Söhne Rabias empfanden angesichts des Zustands des Gesandten Allahs Mitleid mit ihm, und im Gedanken an ihre nahe Verwandtschaft wurden ihre Herzen weich. Sie gaben ihrem christlichen Sklaven Adas eine Weintraube und sagten: „Bring sie diesem Mann.“ Nachdem der Sklave Adas dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die Weintraube gebracht hatte, begann dieser mit den Worten „Im Namen Allahs“ zu essen.
Adas sagte: „Beim Essen sagen die Leute hier solche Worte nicht.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, fragte: „Woher kommst du? Was ist deine Religion?“ Er antwortete: „Meine Heimat ist Ninive, und ich bin Christ.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Du bist also aus der Heimat des rechtschaffenen Dieners Hadhrat Yusuf.“ Adas fragte: „Woher kennst du Yusuf?“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Er war mein Bruder. Er war ein Prophet, und ich bin ein Prophet.“ Als Adas dies hörte, beugte er sich über den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und küsste seinen Kopf, seine Hände und seine Füße.
Als die beiden Söhne Rabias diesen Zustand sahen, sagten sie zueinander: „Dieser Mann hat nun den Verstand unserer Sklaven verdreht.“ Als sie zu ihren Herren zurückkehrten, fragten sie Adas: „Was ist denn los?“ Adas antwortete: „Meiner Ansicht nach gibt es auf der ganzen Welt keinen besseren Menschen als diesen Mann. Er hat mir etwas gesagt, das außer einem Propheten niemand wissen kann.“ Die Söhne Rabias sagten: „Hör zu, Adas, lass nicht zu, dass dieser Mann dich von deinem Glauben abbringt. Deine Religion ist besser als die Religion dieses Mannes.“
Nach einiger Zeit verließ der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, den Garten und machte sich auf den Weg nach Mekka. Seelisch war er zutiefst erschüttert. Als er einen Ort namens Manāʾil erreichte, kam auf Allahs Befehl Hadhrat Dschibril, Allahs Frieden sei auf ihm, zu ihm; bei ihm waren auch die Engel der Berge. Sie waren zum Gesandten Allahs gekommen, um ihn um Erlaubnis zu bitten: Wenn er es befehle, würden sie die Bewohner dieses Ortes zwischen den beiden Bergen zerquetschen.
Der Bericht über dieses Ereignis ist in Sahih al-Buchari von Hadhrat Aischa, Allahs Wohlgefallen sei auf ihr, überliefert. Sie sagte: „Ich fragte den Gesandten Allahs eines Tages: ‚Gab es in deinem Leben einen Tag, der schlimmer war als der Tag von Uhud?‘ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: ‚Zu den größten Bedrängnissen, die ich von deinem Volk erfahren habe, gehörte der Tag von Taif. Ich hatte die Söhne von Abd Yalil ibn Abd Kulal zum Glauben eingeladen, doch sie nahmen meine Einladung nicht an. In einem Zustand von Trauer, Schmerz und seelischer Erschütterung gelangte ich nach Qarn ath-Thaʿālib und atmete dort erleichtert auf. Als ich den Kopf hob, sah ich ein Stück Wolke über mir. Bei genauerem Hinsehen erkannte ich darin Hadhrat Dschibril, Allahs Frieden sei auf ihm. Er sagte zu mir: „Allah hat alles gehört, was dein Volk dir gesagt hat. Zu dir sind die Engel der Berge gesandt worden.“ Danach riefen mich die Engel der Berge, grüßten mich mit dem Friedensgruß und sagten: „O Gesandter Allahs, es ist tatsächlich so, wie du gehört hast. Wenn du willst, werden wir sie zwischen den beiden Bergen zerquetschen.“‘ (Hier wird in Sahih al-Buchari der Ausdruck al-Achschabain verwendet. Damit sind die beiden berühmten Berge von Mekka, Abu Qubais und Qaiqaʿan, gemeint. Diese beiden Berge liegen der Kaaba im Norden und Süden gegenüber. Damals lebten die Bewohner Mekkas in dem Gebiet zwischen diesen beiden Bergen.)
Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Nein. Ich hoffe, dass Allah unter ihren Nachkommen Menschen entstehen lässt, die nur Allah anbeten und Ihm niemanden beigesellen werden.“ (Sahih al-Buchari, Buch über den Beginn der Schöpfung, Band 1, S. 458.)
In dieser Antwort des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Heil seien auf ihm, zeigen sich seine Weitsicht, sein Urteilsvermögen, seine unvergleichliche Persönlichkeit und sein ausgeprägtes menschliches Bewusstsein. Kurz gesagt: Durch die unsichtbare Hilfe, die vom Himmel kam, fand sein Herz Frieden. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Heil seien auf ihm, machte sich auf den Weg nach Mekka. Als er das Gebiet namens Wadi Nakhlah erreichte, hielt er dort an. Dort gab es zwei Orte, die sich für seinen Aufenthalt eigneten: Der eine hieß as-Saylul Kabir, der andere Dschaymah. Beide Orte verfügten über Wasser, natürliche Schönheit und üppige Vegetation. Wo genau er sich an diesen beiden Orten aufhielt, ist nicht zuverlässig überliefert.
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Heil seien auf ihm, verbrachte einige Tage in Nakhlah. Dort sandte Allah, der Herr der Welten, zwei Gruppen von Dschinn zu ihm. Sie werden an zwei Stellen im Heiligen Koran erwähnt: in der Sure al-Ahqaf und in der Sure al-Dschinn.
In der Sure al-Ahqaf sagt Allah, der Erhabene: „Und gedenke, als Wir eine Schar der Dschinn zu dir führten, damit sie dem Koran zuhörten. Als sie zu ihm kamen, sagten sie zueinander: ‚Hört schweigend zu!‘ Als die Koranrezitation beendet war, kehrten sie als Warner zu ihrem Volk zurück und sagten: ‚Wir haben die Lesung eines Buches gehört, das nach Musa (Friede sei mit ihm) herabgesandt wurde. Es bestätigt die früheren Bücher und führt zur Wahrheit und zum geraden Weg. O unser Volk, antwortet demjenigen, der zu Allah ruft, und glaubt an ihn! Allah wird euch eure Sünden vergeben und euch vor einer schmerzhaften Strafe bewahren.‘“ (46:29–31)
In der Sure al-Dschinn sagt Allah, der Erhabene: „Sag: Mir ist offenbart worden, dass eine Schar der Dschinn aufmerksam zuhörte und sagte: ‚Wir haben wahrlich einen wunderbaren Koran gehört, der zum rechten Weg führt. Deshalb glauben wir an ihn und werden unserem Herrn niemals einen Teilhaber beigesellen.‘“ Diese Schilderung reicht in der Sure al-Dschinn bis zum fünfzehnten Vers.
Aus der Ausdrucksweise der oben genannten Verse lässt sich erkennen, dass der Prophet, Allahs Segen und Heil seien auf ihm, zunächst nichts vom Kommen der Dschinn wusste. Erst nachdem dies durch Koranverse mitgeteilt worden war, wurde der Gesandte Allahs darüber informiert. Aus den Koranversen geht hervor, dass dies das erste Kommen der Dschinn war. Aus verschiedenen Hadithen ist bekannt, dass sie auch später weiterhin zu ihm kamen.
Das Kommen der Dschinn und ihre Annahme des Islam waren in Wirklichkeit eine zweite Hilfe von Allah. Diese Hilfe erhielt er aus den verborgenen Schätzen Allahs. Aus weiteren Versen, die sich auf dieses Ereignis beziehen, geht hervor, dass Allah, der Erhabene, seinem geliebten Gesandten die frohe Botschaft vom Erfolg der Einladung zum Islam überbrachte und unmissverständlich erklärte, dass keine Macht der Welt den Erfolg und das Voranschreiten der Einladung zum Islam dauerhaft behindern kann. Allah, der Erhabene, sagt: „Wer demjenigen, der zu Allah ruft, nicht folgt, der kann Allah auf der Erde nicht entkommen; und außer Allah wird er keine Helfer haben. Sie befinden sich in einem offenkundigen Irrtum.“ (46:32)
Allah, der Erhabene, berichtet über die Worte der Ungläubigen: „Wir haben erkannt, dass wir Allah auf der Erde nicht schwächen können und dass wir Ihm auch durch Flucht nicht entkommen können.“ (72:12)
Angesichts dieser Hilfe und dieser frohen Botschaft waren der Kummer und der Schmerz über die schlechte Behandlung in Taif wie die dunklen Wolken seines Herzens verschwunden. Der Gesandte Allahs fasste den festen Entschluss, nach Mekka zurückzukehren und mit neuer Kraft und Begeisterung zur Religion einzuladen. Zu dieser Zeit sagte Zaid ibn Haritha (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm): „O Gesandter Allahs, wie kannst du nach Mekka gehen? Die Bewohner Mekkas haben dich doch aus Mekka vertrieben.“ Er sagte: „O Zaid, Allah, der Erhabene, wird einen Ausweg aus der Lage schaffen, die du siehst. Allah, der Erhabene, wird gewiss Seiner Religion zum Sieg verhelfen und Seinen Propheten siegreich machen.“
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, brach von Nakhlah auf und hielt sich in der Höhle Hira unweit von Mekka auf. Von dort ließ er durch einen Mann aus dem Stamm Chuza’a eine Botschaft an al-Achnas ibn Schuraiq überbringen, er möge ihm Schutz gewähren. Al-Achnas entschuldigte sich mit den Worten: „Ich gehöre zu den Verbündeten; ein Verbündeter kann nicht die Verantwortung übernehmen, jemandem Schutz zu gewähren.“ Danach ließ der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, dieselbe Botschaft an Suhail ibn Amr überbringen. Auch dieser entschuldigte sich mit den Worten: „Der von den Banu Amr gewährte Schutz gilt nicht gegenüber den Banu Ka’b.“ Daraufhin ließ der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, Muṭ’im ibn ‘Adī eine Botschaft zukommen. Muṭ’im sagte: „Ja, ich bin einverstanden.“ Dann rüstete er sich, rief seine Söhne und die Angehörigen seines Stammes zusammen und sagte, nachdem alle versammelt waren: „Geht bewaffnet zum Haus der Kaaba, denn ich habe Muhammad, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, Schutz gewährt.“ Anschließend ließ Muṭ’im dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, mitteilen, er solle nach Mekka kommen. Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, die Nachricht erhielt, betrat er in Begleitung von Zaid Mekka. Muṭ’im ibn ‘Adī stand auf seinem Reittier und rief aus: „O Quraisch, hört! Ich habe Muhammad, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, Schutz gewährt. Niemand soll ihn danach belästigen.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, küsste den Schwarzen Stein und verrichtete zwei Gebetseinheiten. Nach dem Gebet kehrte er in sein Haus zurück. Währenddessen hielten Muṭ’im ibn ‘Adī und seine Söhne, bewaffnet, den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, umringt. Sie blieben bei ihm, bis der Gesandte Allahs in sein Haus zurückgekehrt war.
Es wird berichtet, dass Abū Dschahl Muṭ’im damals fragte: „Hast du ihm lediglich Schutz gewährt, oder bist du auch sein Anhänger, das heißt Muslim, geworden?“ Muṭ’im antwortete: „Ich habe ihm lediglich Schutz gewährt.“
Darauf sagte Abū Dschahl: „Wem du Schutz gewährt hast, dem gewähren auch wir Schutz.“ (Die Berichte über dieses Ereignis während der Reise nach Taif: Ibn Hischām, Bd. 1, S. 422–429; Zād al-Maʿād, Bd. 2, S. 46–47; Raḥmat li-l-ʿĀlamīn, Bd. 1, S. 71–74; Tārīch-i Islām Nadschīrābādī, Bd. 1, S. 123–124.)
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, vergaß Muṭ’im ibn ‘Adīs Wohltat niemals. Nach der Schlacht von Badr, als die ungläubigen Mekkaner als Gefangene herbeigebracht worden waren, erschien Muṭ’ims Sohn Hadrat Hubayb, möge Allah mit ihm zufrieden sein, beim Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, und bat um die Freilassung einiger Gefangener. Da sagte er: „Wenn Muṭ’im ibn ‘Adī heute noch am Leben wäre und bei mir Fürsprache für diese übelriechenden Leute einlegen würde, würde ich sie seinetwegen allesamt freilassen.“ (Ṣaḥīḥ al-Buchārī, Bd. 3, S. 573.)
Die Einladung zum Islam an verschiedene Stämme und Einzelpersonen
Im zehnten Jahr der Prophetenschaft, im Monat Dhū l-Qaʿda, also gegen Ende Mai oder Anfang Juni des Jahres 619 n. Chr., kam der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, von Taif nach Mekka. Dort begann er mit neuer Tatkraft, verschiedene Einzelpersonen und Stämme zum Islam einzuladen. Da zu dieser Zeit die Wallfahrtssaison herrschte, kamen von nah und fern zahlreiche Menschen zu Fuß und auf Reittieren, um die Wallfahrt zu vollziehen. Der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, lud sie damals zum Islam ein. Solche Einladungen hatte er bereits seit dem vierten Jahr der Prophetenschaft ausgesprochen.
Imām az-Zuhrī berichtet: „Die Stämme, zu denen der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, ging und denen er den Islam darlegte, waren: Banū ʿĀmir ibn Ṣaʿṣaʿa, Ṣaʿṣaʿa Muḥārib ibn Chaṣfa, Fazāra, Naṣṣān, Māʿira, Ḥanīfa, Sālim, ʿAbbās, Banū Naṣr, Banū al-Baqā, Kilāb, Ḥārith ibn ʿĀdschara und Hazārima. Doch niemand nahm den Islam an.“ (Tirmidhī, Muḫtaṣar as-Sīra, Scheich ʿAbdullāh, S. 149.)
Den von Imām az-Zuhrī genannten Stämmen wurde der Islam nicht nur einmal oder ausschließlich während der Wallfahrtssaison eines einzigen Jahres dargelegt. Vielmehr wurden sie seit dem vierten Jahr der Prophetenschaft bis zur letzten Wallfahrtssaison vor der Auswanderung, also über einen Zeitraum von zehn Jahren, zu verschiedenen Zeiten und auf unterschiedliche Weise zum Islam eingeladen. (Raḥmat li-l-ʿĀlamīn, Bd. 1, S. 74.)
Ibn Ishaq lud mehrere Stämme zum Islam ein und erwähnte auch deren Antworten. Im Folgenden wird dies kurz dargestellt.
1) Die Banu Kilab: Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, begab sich zu einem Zweig dieses Stammes, den Banu Abdillah, und rief sie zu Allah und Seinem Gesandten auf. Im Verlauf des Gesprächs sagte er: „O Banu Abdillah, Allah, der Erhabene, hat euren Großvater mit einem außergewöhnlichen Namen geehrt.“ Doch die Angehörigen dieses Stammes nahmen die Einladung des Gesandten Allahs nicht an.
2) Die Banu Hanifa: Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, begab sich zu ihnen nach Hause und lud sie ein; doch eine Antwort, wie sie von ihnen gegeben wurde, hatte kein anderer Araber gegeben.
3) Die Amir ibn Sa’sa’a: Auch diese lud der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zum Islam ein. Als Antwort sagte ein Mann dieses Stammes namens Buhaira ibn Firas: „Bei Allah, wenn ich einen jungen Mann der Quraisch bei mir hätte, würde ich mit ihm ganz Arabien verschlingen.“ Dann sagte er: „Beantworten Sie eine Frage: Wenn wir Ihre Religion annehmen und Sie über Ihre Gegner siegen, wird dann die Führung in unsere Hände übergehen?“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Die Führung und die Herrschaft liegen in Allahs Hand; Er legt sie nieder, wo Er will.“ Als jener Mann dies hörte, sagte er: „Das ist ein vortreffliches Wort. Wir würden unsere Brust den Pfeilen der Araber entgegenstellen, um Sie zu schützen, doch wenn Allah Ihnen zum Sieg verhilft, soll die Führung und Herrschaft in den Händen anderer liegen? Das geht nicht. Wir brauchen Ihre Religion nicht.“
Nachdem der Stamm der Banu Amir in sein Gebiet zurückgekehrt war, hörte eine alte Frau von diesem Ereignis. Wegen ihres hohen Alters hatte sie nicht zur Haddsch reisen können. Als sie alles gehört hatte, presste sie den Kopf mit beiden Händen und sagte: „Ihr habt einen verhängnisvollen Fehler begangen, o Angehörige der Banu Amir! Gibt es denn keine Möglichkeit, diesen Mann ausfindig zu machen? Bei Dem, in Dessen Hand mein Leben liegt: Kein Nachkomme Ismails kann eine falsche Prophetenschaft beanspruchen, und in der Vergangenheit hat es auch keiner getan. Ihr müsst den Verstand verloren haben.“ (Ibn Hischam, Bd. 1, S. 443–448.)
Das Licht des Islam außerhalb von Mekka
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, lud nicht nur verschiedene Stämme und Delegationen, sondern auch zahlreiche Einzelpersonen zum Islam ein. Viele von ihnen gaben eine gute Antwort. Kurz nach der Haddsch-Saison nahmen einige Menschen den Islam an. Im Folgenden wird ein kurzer Bericht darüber gegeben:
1) Suwaid ibn Samit: Dieser Mann war ein Dichter und besaß große Klugheit und Besonnenheit. Er stammte aus Yathrib. Wegen seiner Intelligenz, seiner Dichtkunst, seiner Vornehmheit und seines edlen Abstammungs wurde er von den Angehörigen seines Volkes mit dem Beinamen „Kamil“ geehrt. Dieser Mann war nach Mekka gekommen, um die Haddsch oder die Umra zu vollziehen. Der Gesandte Allahs lud ihn zum Islam ein. Er sagte: „Vielleicht besitzen Sie dasselbe, was ich besitze.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, fragte: „Was besitzt du?“ Er antwortete: „Die Weisheit Luqmans.“ Der Gesandte Allahs sagte: „Lass mich sie hören.“ Suwaid trug sie vor. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Diese Worte sind gut, doch was ich besitze, ist noch besser. Ich besitze den Koran. Diesen Koran hat Allah auf mich herabgesandt; er ist das Licht der Rechtleitung.“ Danach trug der Gesandte Allahs dem Mann einige Koranverse vor. Daraufhin nahm dieser den Islam an und sagte: „Das ist eine wunderbare Rede.“ Er nahm zu Beginn des elften Jahres der Prophetenschaft den Islam an. Nachdem Suwaid den Islam angenommen hatte und nach Medina zurückgekehrt war, brach der Krieg von Bu’ath aus. In diesem Krieg fiel er als Märtyrer. (Ibn Hischam, Bd. 1, S. 425–427; Rahmatullil-Alamin, Bd. 1, S. 74.)
2) Iyas ibn Muadh: Dieser Mann stammte aus Yathrib und war noch jung. Im elften Jahr der Prophetenschaft, einige Zeit vor der Schlacht von Buʿāth, kam eine Delegation der Aws nach Mekka, in der Hoffnung, von den Quraisch Unterstützung gegen die Khazradsch zu erhalten. Auch Iyas befand sich unter ihnen. Zu jener Zeit brannte zwischen den beiden Stämmen das Feuer der Feindschaft. Die Aws waren zahlenmäßig den Khazradsch unterlegen. Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, von der Ankunft dieser Delegation hörte, ging er zu ihnen. Als er sich zu ihnen gesellte, sagte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm: „Seid ihr bereit, etwas anzunehmen, das besser ist als der Zweck, zu dem ihr nach Mekka gekommen seid?“ Sie fragten: „Was ist das?“ Der Gesandte Allahs sagte: „Ich bin der Gesandte Allahs. Allah, der Erhabene, hat mich zu Seinen Dienern gesandt, damit ich sie dazu aufrufe, Allah allein anzubeten und Ihm niemanden beizugesellen. Allah, der Erhabene, hat mir ein Buch herabgesandt.“ Danach erwähnte er den Islam und rezitierte ihnen aus dem Koran.
Iyas ibn Muadh sagte: „O mein Volk, diese Einladung ist besser als der Zweck, zu dem ihr hierhergekommen seid.“ Darauf warf ein Mitglied der Delegation, Abū al-Hayṣir Anas ibn Rāfiʿ, eine Handvoll Stroh in Iyas’ Gesicht und sagte: „Lass dieses Gerede! Bei meinem Leben, wir sind aus einem anderen Grund hierhergekommen.“ Danach sagte Iyas nichts mehr, und auch der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, stand auf und ging fort. Die Delegation konnte jedoch weder mit den Quraisch ein Bündnis noch ein Abkommen über gegenseitige Unterstützung schließen. Nachdem sie gescheitert war, kehrte sie nach Medina zurück.
3) Abū Dharr al-Ghifārī: Ein Mann lebte an einem weit von der Stadt entfernten Ort. Abū Dharr hatte von Suwaid ibn Ṣāmit und Iyas ibn Muʿādh von der Erscheinung des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, erfahren. Diese Nachricht war der Grund für seinen Übertritt zum Islam. (Dies berichtet Akbar Nadwīrābādī; siehe Tārīkh al-Islām, Band 1, S. 128.) Der ausführliche Bericht über seinen Übertritt zum Islam findet sich in Ṣaḥīḥ al-Buchārī. Nach der Überlieferung von ʿAbdullāh ibn ʿAbbās, möge Allah mit ihm zufrieden sein, sagte Abū Dharr: „Ich gehörte zum Stamm der Ghifār. Ich hörte, dass ein Mann erschienen sei, der behauptete, ein Prophet zu sein. Daraufhin schickte ich meinen Bruder nach Mekka und sagte ihm: ‚Triff diesen Mann.‘
„Danach sollst du mir Nachrichten über ihn bringen.“ Als mein Bruder aus Mekka zurückkehrte, fragte ich ihn: „Welche Nachricht hast du mitgebracht?“ Er sagte: „Bei Allah, ich habe einen Mann gesehen, der zum Guten auffordert und vom Schlechten abhält.“ Ich sagte: „Du hast mir keine Nachricht gebracht, die mich beruhigen könnte.“ Darauf nahm ich etwas Reiseproviant und machte mich auf den Weg nach Mekka. Als ich dort ankam, konnte ich den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, nicht erkennen, und ich wagte es nicht, irgendjemanden nach ihm zu fragen. Ich trank vom Wasser Zamzams und blieb in der al-Masdschid al-Harām liegen. ʿAlī, möge Allah mit ihm zufrieden sein, sah mich und sagte: „Du scheinst ein Fremder zu sein.“ Ich antwortete: „Ja.“ Er sagte: „Komm mit zu mir nach Hause.“ Ich ging mit ihm. Er stellte mir keine Fragen, und auch ich sagte nichts.
Am Morgen ging ich wieder zur al-Masdschid al-Harām. Ich hoffte, nach dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, fragen zu können, doch niemand sagte mir etwas über ihn. Am Abend kam ʿAlī, möge Allah mit ihm zufrieden sein, zu mir und sagte: „Hat dieser Mann noch immer keinen Ort gefunden, an dem er unterkommen kann?“ Ich antwortete: „Ja, so ist es, ich habe noch keinen gefunden.“ Er sagte: „Komm, geh mit mir.“ Danach sagte er: „Was führt dich hierher? Warum bist du in diese Stadt gekommen?“ Ich sagte: „Wenn du die Sache geheim hältst, kann ich es dir sagen.“ Er sagte: „Gut.“ Ich sagte: „Ich habe erfahren, dass hier ein Mann aufgetreten ist, der behauptet, ein Prophet zu sein. Nachdem ich davon gehört hatte, schickte ich meinen Bruder, doch er konnte mir keine ausführlichen Nachrichten geben. Deshalb bin ich selbst gekommen.“ ʿAlī, möge Allah mit ihm zufrieden sein, sagte: „Du bist genau am richtigen Ort. Komm mit mir. Ich werde dort hineingehen, und du wirst ebenfalls hineingehen. Falls du unterwegs wegen jemandem Grund zur Sorge hast, werde ich zu einem Laden gehen und so tun, als müsste ich meine Schuhe richten. Dann gehst du weiter.“ Danach machte sich ʿAlī auf den Weg, und ich ging mit ihm. Schließlich betrat er ein Haus, und auch ich ging mit ihm zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm. Ich sagte zu ihm: „Rufe mich zum Islam auf.“ Der Gesandte Allahs legte mir den Islam dar, und ich nahm den Islam an und wurde Muslim. Danach sagte der Gesandte, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, zu mir: „O Abū Dharr, halte deinen Übertritt zum Islam geheim und kehre in deine Heimat zurück. Wenn wir öffentlich auftreten, komm zu uns und triff uns, sobald du davon hörst.“ Ich sagte: „Bei Dem, Der dich mit der Wahrheit gesandt hat, werde ich meinen Übertritt zum Islam vor den Ungläubigen öffentlich verkünden.“ Danach trat ich vor die Kaaba, wo die Quraisch versammelt waren, und sagte: „Ich bezeuge, dass Muhammad, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, Allahs Diener und Gesandter ist.“
Nach dieser Verkündigung sagten die Quraisch zueinander: „Auf, kümmert euch um diesen Ungläubigen!“ Darauf schlugen sie mich so heftig, dass ich dachte, ich würde sterben. In diesem Zustand kam ʿAbbās, möge Allah mit ihm zufrieden sein, und rettete mich. Er beugte sich ein wenig zu mir herab, sah mich an und sagte dann zu den Quraisch: „Dieser Mann gehört doch zum Stamm der Ghifār. Ihr zieht auf euren Handelsreisen durch das Gebiet dieses Stammes.“ Als die Götzendiener unter den Quraisch dies hörten, ließen sie mich frei. Am nächsten Tag ging ich wieder dorthin, und dasselbe ereignete sich erneut. Auch diesmal kam ʿAbbās, möge Allah mit ihm zufrieden sein, und rettete mich. (Ṣaḥīḥ al-Buchārī, Kapitel über die Geschichte von Zamzam, Band 1, S. 499; Kapitel über den Übertritt Abū Dharrs zum Islam, Band 1, S. 544–545.)
4) Ṭufail ibn ʿAmr ad-Dawsī: Dieser Mann war ein Dichter, ein herausragender und besonnener Mensch sowie das Oberhaupt seines Stammes. Dieser Stamm besaß in einigen Gebieten des Jemen die Herrschaft. Als er im elften Jahr der Prophetenschaft nach Mekka kam, empfingen ihn die angesehenen Männer Mekkas und beschwerten sich bei ihm über den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm. Sie sagten: „Dieser Mann hat uns in eine schwierige Lage gebracht und unsere Einheit gespalten. Seine Worte haben eine Wirkung wie Zauberei; dadurch sind Bruder und Bruder, Ehemann und Ehefrau sowie Vater und Sohn entzweit worden. Wir befürchten, dass auch du von dem Unglück betroffen wirst, in das wir geraten sind. Deshalb bitten wir dich, mit diesem Mann überhaupt kein Gespräch zu führen.“
Hazrat Tufail (möge Allah mit ihm zufrieden sein) berichtet: Die polytheistischen Quraisch versuchten, mich auf vielerlei Weise zu überzeugen. Schließlich hatte ich sogar beschlossen, weder mit dem Gesandten Allahs zu sprechen noch irgendetwas von ihm anzuhören. Als ich am Morgen zur Heiligen Moschee ging, stopfte ich mir Baumwolle in die Ohren, damit kein Wort des Gesandten Allahs sie erreichte. Doch Allah, der Erhabene, wollte mich einige Worte Seines Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, hören lassen. Da hörte ich einige gute Worte und sagte mir: Ich bin doch ein vernunftbegabter Mensch und ein berühmter Dichter; nichts Gutes oder Schlechtes kann mir verborgen bleiben. Warum sollte ich nicht die guten Worte anhören? Wenn sie annehmbar sind, werde ich sie annehmen; wenn sie schlecht sind, werde ich sie ablehnen. Nachdem ich dies beschlossen hatte, blieb ich still. Als der Gesandte Allahs begann, zu seinem Haus zurückzukehren, folgte ich ihm. Er trat in sein Haus ein, und ich trat ebenfalls ein. Dann erzählte ich ihm, was die Leute mich vor ihm gewarnt hatten und dass ich mir aus Vorsicht Baumwolle in die Ohren gesteckt hatte. Danach sagte ich: Sagt auch mir, was Ihr allen anderen zu sagen pflegt. Der Gesandte Allahs lud mich zum Islam ein und trug mir den Koran vor. Sofort nahm ich den Islam an. Bei Allah, nie zuvor hatte ich etwas Besseres gehört. Dort nahm ich den Islam an und bezeugte die Wahrheit. Daraufhin sprach der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ein Bittgebet.
Das Zeichen, das Hazrat Tufail (möge Allah mit ihm zufrieden sein) gegeben wurde, bestand darin, dass sein Gesicht, als er sich seinem Volk näherte, wie das Licht einer Lampe erstrahlte. Er sagte: O Allah, verlege dieses Licht an einen anderen Ort; andernfalls werden sie mich unter dem Vorwand, mein Gesicht sei entstellt, kritisieren. Daraufhin wurde dieses Licht in den Stock in meiner Hand verlegt. Hazrat Tufail (möge Allah mit ihm zufrieden sein) lud seinen Vater und seine Ehefrau zum Islam ein, und beide nahmen den Islam an. Die Angehörigen seines Volkes zögerten jedoch, den Islam anzunehmen. Hazrat Tufail (möge Allah mit ihm zufrieden sein) setzte seine Bemühungen dennoch unablässig fort. Als er nach der Schlacht am Graben auswanderte (Sahih al-Buchari, Kapitel „Die Geschichte von Zamzam“, Bd. 1, S. 499; Kapitel „Abu Dharrs Annahme des Islam“, Bd. 1, S. 544–545), begleiteten ihn siebzig oder achtzig Familien seines Volkes. Hazrat Tufail (möge Allah mit ihm zufrieden sein) spielte eine wichtige Rolle bei der Verbreitung des Islam. In der Schlacht von Yamama erlitt er den Märtyrertod (Mischkat al-Masabih).
5) Jammad al-Azdi: Dieser Mann stammte aus Jemen und gehörte zum Stamm der Azd Schanu’a. Er praktizierte Beschwörungen und vertrieb Geister und Dämonen. Als er nach Mekka kam, hörte er von den Unwissenden dort, dass Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, verrückt sei. Deshalb ging er zum Gesandten Allahs, in der Hoffnung, dieser könne durch seine Behandlung geheilt werden. Als er den Gesandten Allahs traf, sagte er: Ich kenne Beschwörungen. Benötigt Ihr dies vielleicht? Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, erwiderte: Wahrlich, alles Lob gebührt Allah. Ich lobe Ihn und bitte nur Ihn um Hilfe. Wen Allah rechtleitet, den kann niemand in die Irre führen, und wen Allah in die Irre führt, den kann niemand rechtleiten. Ich bezeuge, dass es keinen Gott außer Allah gibt. Er ist einzig und ohnegleichen; Er hat keinen Teilhaber. Und ich bezeuge außerdem, dass Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Sein Diener und Sein Gesandter ist.
Da sagte Jammad zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm: Lass mich deine Worte noch einmal hören. Der Gesandte Allahs wiederholte sie dreimal. Jammad sagte: Ich habe die Worte von Zauberern und Wahrsagern gehört, doch Worte wie jene, die du gesprochen hast, habe ich nirgendwo zuvor gehört. Nach deiner Beschreibung entspringen sie den unergründlichen Tiefen des Meeres. Reiche mir deine Hand; ich werde an deiner Hand den Islam annehmen. Daraufhin nahm Jammad al-Azdi den Islam an (Sahih Muslim; Mischkat al-Masabih, Bd. 2, S. 525).
Sechs rechtschaffene Männer aus Medina
Im elften Jahr der Prophetie, also im Juli des Jahres 620 n. Chr., während der Hadsch-Saison, kam es zu einer erfolgreichen Ausbreitung der Einladung zum Islam. Zu dieser Zeit entwickelte sich diese Einladung zu einem mächtigen Baum, in dessen dichtem Blätterdach die Muslime Befreiung von der langjährigen Unterdrückung und Verfolgung fanden. Um dem Komplott zu entgehen, das die Einwohner Mekkas begonnen hatten, um den Gesandten Allahs zu verleugnen und die Menschen vom Weg Allahs abzubringen, griff der Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu einer List. Zu dieser Zeit ging er nachts zu verschiedenen Stämmen und lud sie zum Islam ein. Daher konnten die Polytheisten von Mekka ihm keine Hindernisse in den Weg legen.
Im Verlauf dieser Strategie ging der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, eines Nachts gemeinsam mit Hazrat Abu Bakr as-Siddiq (möge Allah mit ihm zufrieden sein) und Hazrat Ali (möge Allah mit ihm zufrieden sein) zu den Häusern der Angehörigen der Stämme Banu Dschuhal und Banu Schaiban ibn Tha’laba außerhalb Mekkas und lud sie zum Islam ein. Sie antworteten mit hoffnungsvollen Worten, gaben jedoch keine eindeutige Antwort hinsichtlich der Annahme des Islam. Bei dieser Gelegenheit kam es zwischen Hazrat Abu Bakr as-Siddiq und einem Angehörigen des Stammes Banu Dschuhal zu einem bemerkenswerten Frage-und-Antwort-Gespräch über die Abstammung. Beide waren Experten für Genealogie (Sahih al-Buchari, Kapitel „Die Geschichte von Zamzam“, Bd. 1, S. 499; Kapitel „Abu Dharrs Annahme des Islam“, Bd. 1, S. 544–545).
Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, anschließend das hügelige Gebiet von Mina durchquerte, hörte er einige Männer miteinander sprechen (Rahmatul lil-Alamin, Bd. 1, S. 84). Er ging direkt zu ihnen. Es waren sechs junge Männer aus Medina, die dem Stamm der Chazradsch angehörten. Ihre Namen und ihre Herkunft waren folgende:
1. Asʿad ibn Zurāra Banū Nadschdschār
2. ʿAuf ibn al-Hārith ibn Rifāʿa (Ibn ʿAfrā) Banū Nadschdschār
3. Rāfiʿ ibn Mālik ibn ʿAdschlān Banū Zuraiq
4. Qutba ibn ʿĀmir ibn Hadīda Banū Salama
5. ʿUqba ibn ʿĀmir ibn Nābī Banū Harām ibn Kaʿb
6. al-Hārith ibn ʿAbdullāh ibn Riʾāb Banū ʿUbaid ibn Ghanam
Diese jungen Männer hörten von ihren Widersachern, den Juden von Medina, dass in jener Zeit ein Prophet kommen werde; sie hörten auch, dass er bald erscheinen werde (Zād al-Maʿād, Bd. 2, S. 50; Ibn Hischām, Bd. 1, S. 429–541).
Sie gingen zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, und er fragte sie nach ihrer Herkunft. Sie sagten: „Wir gehören zum Stamm der Chazradsch.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagte: „Seid ihr die Widersacher der Juden?“ Sie antworteten: „Ja.“ Der Gesandte Allahs sagte: „Setzt euch ein wenig; ich möchte euch etwas sagen.“ Sie setzten sich, und der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, trug ihnen die Religion vor. Die sechs jungen Männer sagten zueinander: „Das scheint der Prophet zu sein, dessen Erwähnung die Juden dazu benutzen, uns einzuschüchtern. Wir müssen dafür sorgen, dass die Juden nicht die Oberhand über uns gewinnen.“ Daraufhin nahmen diese sechs glücklichen jungen Männer die Einladung des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, an und traten zum Islam über.
Diese sechs waren vernünftige Männer aus Medina. Einige Zeit zuvor war in Medina ein Krieg ausgebrochen, dessen Rauch sich noch nicht verzogen hatte. Dieser Krieg hatte sie völlig zerrüttet. Daher hofften sie mit gutem Grund, dass die Einladung des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) das Ende des Krieges herbeiführen würde. Sie sagten: „Wir haben unser Volk in einem solchen Zustand zurückgelassen, dass uns unter keinem anderen von Feinden umgebenen Volk eine derartige Feindschaft bekannt ist. Wir hoffen, dass Allah durch dich Bande der Freundschaft unter ihnen schaffen wird. Nach unserer Rückkehr nach Medina werden wir sie zum von dir verkündeten Dīn einladen. Wir werden sie ebenfalls dazu aufrufen, den Dīn anzunehmen, den wir von dir angenommen haben. Wenn Allah sie durch dich vereint, wird niemand angesehener sein als du.“
Als diese sechs neuen Muslime nach Medina zurückkehrten, nahmen sie die Einladung zum Islam mit sich. Durch sie verbreiteten sich die Kunde vom Erscheinen des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und die Einladung zum Dīn von Haus zu Haus in Medina (Ibn Hischām, Bd. 1, S. 428–443).
Die Heirat mit ʿĀʾischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein)
Noch in jenem Jahr, also im Schawwāl des elften Jahres der Prophetie, heiratete der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ʿĀʾischa as-Siddīqa (möge Allah mit ihr zufrieden sein). ʿĀʾischa war damals erst sechs Jahre alt. Im Schawwāl des Jahres vor der Hidschra zog ʿĀʾischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) in das Haus ihres Ehemannes ein; zu jener Zeit war sie neun Jahre alt (Talkīhul-Hukm, S. 10; Sahīh al-Buchārī, Bd. 1, S. 557).
Das Ereignis der Miʿrādsch
Der Erfolg der Einladung und Verkündigung des Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sowie die Misshandlungen und Verfolgungen seiner Anhänger befanden sich in einer mittleren Phase. In der Ferne am Horizont funkelte das Licht der Sterne. Zu dieser Zeit ereignete sich das geheimnisvolle Ereignis der Miʿrādsch. Wann fand die Miʿrādsch statt? Darüber gehen die Meinungen der Verfasser von Sīra-Werken auseinander, zum Beispiel:
Erstens: at-Tabarānī sagte, dass sie in demselben Jahr stattfand, in dem dem Propheten, dem Fürsten der Gesandten, die Prophetenschaft verliehen wurde.
Zweitens: Imam an-Nawawī und Imam al-Qurtubī schrieben, dass sie fünf Jahre nach Beginn der Prophetenschaft stattfand.
Drei) 16 Monate vor der Hidschra, das heißt im fünften Jahr nach Beginn der Prophetenschaft.
Vier) Im zehnten Jahr der Prophetenschaft, am 27. Radschab; diesen Standpunkt vertrat Allama Mansurpurī.
Fünf) Ein Jahr und zwei Monate vor der Hidschra, das heißt im Monat Muharram des dreizehnten Jahres der Prophetenschaft.
Sechs) Ein Jahr vor der Hidschra, das heißt im Monat Rabīʿ al-auwal des dreizehnten Jahres der Prophetenschaft.
Von den genannten Auffassungen können drei als richtig anerkannt werden. Hazrat Chadidscha (r.a.) war vor der Verpflichtung der fünf täglichen Gebete verstorben, und alle sind sich darüber einig, dass die fünf täglichen Gebete in der Nacht der Miʿrādsch verpflichtend gemacht wurden. Das bedeutet, dass Hazrat Chadidschas Tod bereits vor der Miʿrādsch stattfand. Es ist bekannt, dass sie im Ramadan des zehnten Jahres der Prophetenschaft starb; somit ereignete sich die Miʿrādsch danach und nicht davor. Es gibt keinen Beweis, aufgrund dessen eine der drei zuletzt genannten Auffassungen den anderen vorgezogen werden könnte. Wir werden nun die diesbezüglichen Überlieferungen aus dem Koran und den Hadithen anführen (Zād al-maʿād, Bd. 2, S. 49).
Ibn Qayyim schrieb: Nach der authentischen Überlieferung ist bekannt, dass der Prophet, Sayyid al-Mursalin, leiblich auf dem Burāq zusammen mit Hazrat Dschibrīl (a.s.) von der al-Masdschid al-Harām zunächst bis nach Bait al-Maqdis gebracht wurde. Dort band der geliebte Prophet den Burāq an einen Pfosten neben der Tür der Moschee, machte eine kurze Rast und verrichtete als Imam aller Propheten das Gebet.
Noch in derselben Nacht wurde er von Bait al-Maqdis in den ersten Himmel gebracht. Hazrat Dschibrīl (a.s.) öffnete die Tür. Dort sah der geliebte Prophet Hazrat Adam (a.s.), grüßte ihn, und Hazrat Adam (a.s.) erwiderte den Gruß mit den Worten „Marhaban“, bestätigte seine Prophetenschaft und begrüßte ihn. Zu jener Zeit zeigte Allah der Erhabene dem Propheten (s.a.s.) die Seelen der Rechtschaffenen auf Hazrat Adams (a.s.) rechter Seite und die der Sünder auf seiner linken Seite. Danach stieg er in den zweiten Himmel auf, dessen Tür geöffnet wurde. Dort sah der geliebte Prophet Hazrat Yahya ibn Zakariyya (a.s.) und Hazrat Isa ibn Maryam (a.s.) und grüßte sie. Sie erwiderten den Gruß und bestätigten die Prophetenschaft des geliebten Propheten (s.a.s.). Danach stieg der geliebte Prophet (s.a.s.) in den vierten Himmel auf. Dort sah er Hazrat Idrīs (a.s.), grüßte ihn, und dieser gratulierte ihm zur Erwiderung des Grußes und bestätigte seine Prophetenschaft.
Danach wurde er in den fünften Himmel gebracht. Dort sah er Hazrat Hārūn (a.s.) und grüßte ihn. Dieser gratulierte ihm zur Erwiderung des Grußes und bestätigte seine Prophetenschaft.
Der Prophet wurde danach in den sechsten Himmel emporgeführt. Dort begegnete er Mose. Er grüßte ihn, und Mose hieß ihn willkommen und erkannte sein Prophetentum an. Der Prophet, der Gesandte, zog weiter. Da begann Mose zu weinen. Als er nach dem Grund gefragt wurde, sagte er: „Ein Prophet, der nach mir erschienen ist, wird mit mehr Angehörigen seiner Gemeinschaft ins Paradies eingehen als Angehörige meiner Gemeinschaft.“
Danach wurde der geliebte Prophet in den siebten Himmel emporgeführt. Dort begegnete er Abraham. Er grüßte ihn, und Abraham erwiderte den Gruß, beglückwünschte ihn und erkannte sein Prophetentum an.
Nun wurde der geliebte Prophet zur Sidrat al-Muntahā emporgeführt. Er kam Allah so nahe, dass zwischen ihnen der Abstand von zwei Bögen oder noch weniger lag. Zu dieser Zeit gab Allah ihm alles, was Er ihm geben wollte, offenbarte ihm, was Er wollte, und schrieb fünfzig Gebete täglich vor. Auf dem Rückweg begegnete er Mose, der ihn fragte: „Wozu hat Allah dich verpflichtet?“ Der Prophet antwortete: „Er hat mir aufgetragen, fünfzig Gebete täglich zu verrichten.“ Mose sagte: „Deine Gemeinschaft ist nicht imstande, so viele Gebete zu verrichten. Kehre zu Allah zurück und bitte Ihn, die Zahl der Gebete zu verringern.“ Der Prophet blickte zu Gabriel, der ihm ein Zeichen gab. Daraufhin kehrte er zurück und bat um eine Verringerung der Zahl der Gebete. Auf dem erneuten Rückweg begegnete er Mose, der fragte: „Welche Anordnung bringst du von Allah mit?“ Der Prophet nannte fünfundvierzig tägliche Gebete. Mose sagte: „Kehre zurück.“ So kehrte er immer wieder zurück, und jedes Mal wurde die Zahl der Gebete verringert, bis sie schließlich fünf betrug. Auch diese fünf täglichen Gebete hielt Mose für zu viel und forderte ihn auf, erneut um eine Verringerung zu bitten. Der Prophet sagte: „Ich schäme mich sehr; ich möchte nicht noch einmal hingehen. Ich beuge mich dieser Anordnung Allahs.“ Nachdem er auf dem Rückweg ein Stück gegangen war, wurde ihm zugerufen: „Ich habe Meine Pflicht festgelegt und sie für Meine Diener erleichtert.“ (Zād al-Maʿād, Band 2, S. 47–48.)
Der Gelehrte Ibn al-Qayyim vertrat hierzu eine andere Ansicht. Er warf die Frage auf, ob der Prophet Allah gesehen habe. Imam Ibn Taymiyya schrieb, dass es keinen Beleg dafür gebe, dass er Ihn mit den Augen gesehen habe, und dass kein Gefährte dies überliefert habe. Was von ʿAbdullah ibn ʿAbbas überliefert wird, nämlich dass er Ihn mit den Augen und mit dem Herzen gesehen habe, widerspricht in der ersten Überlieferung nicht der zweiten. Die von Imam Ibn al-Qayyim erwähnte Nähe und größere Annäherung bezieht sich auf eine andere Zeit als die Himmelsreise. In der Sure an-Nadschm wird die Nähe Gabriels erwähnt, und genau dies überlieferte ʿAischa. Die in der Überlieferung über die Himmelsreise erwähnte Nähe wird hingegen so erklärt, dass es sich um Allahs Nähe handelt. In der Sure an-Nadschm wird dies nicht ausführlich behandelt; vielmehr heißt es dort, dass der geliebte Prophet ihn ein zweites Mal bei der Sidrat al-Muntahā sah. Derjenige, den er sah, war Gabriel. Der Prophet sah Gabriel zweimal in seiner ursprünglichen Gestalt: einmal auf der Erde und ein weiteres Mal bei der Sidrat al-Muntahā. (Zād al-Maʿād, Band 2, S. 47, 48; Sahih al-Buchari, Band 1, S. 50, 455, 456, 470, 471, 481, 548, 549, 550; Band 2, S. 684; Muslim, Band 1, S. 91, 91, 93.)
Auch zu dieser Zeit ereignete sich beim geliebten Propheten die Öffnung der Brust, auch Spaltung des Brustkorbs genannt. Während dieser Reise wurden ihm mehrere Dinge gezeigt. Ihm wurden Milch und Wein angeboten, und er nahm die Milch. Als Gabriel dies sah, sagte er: „Dir wurde das Ergebnis der Fitra, der natürlichen Veranlagung, gezeigt. Hättest du den Wein genommen, wäre deine Gemeinschaft vom rechten Weg abgeirrt.“
Der Gesandte Allahs sah vier Flüsse: vier sichtbare und vier verborgene. Die sichtbaren Flüsse waren der Nil und der Euphrat. Ihre Bedeutung ist vermutlich, dass sich seine Sendung in den fruchtbaren Gebieten am Nil und am Euphrat ausbreiten wird, das heißt, dass deren Bewohner über Generationen hinweg Muslime werden. Es bedeutet nicht, dass die Quellen des Wassers dieser beiden Flüsse im Paradies liegen.
Er sah Malik, den Wächter der Hölle. Dieser lächelt nicht, und in seinem Gesicht ist keinerlei Ausdruck von Heiterkeit zu erkennen. Dem Gesandten Allahs wurden auch das Paradies und die Hölle gezeigt.
Auch der Zustand derjenigen, die das Vermögen von Waisen zu Unrecht veruntreuen, wurde dem Propheten gezeigt. Ihre Lippen waren wie die Lippen von Kamelen; sie führten in ihren Mund kohleartige Glutstücke von der Größe von Steinen ein, und diese Glut trat durch ihren After wieder aus.
Der Prophet – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – sah auch die Wucherer. Ihre Lippen waren so groß, dass sie sich nicht bewegen konnten. Als die Anhänger des Pharao zur Hölle geführt wurden, traten sie auf diese Wucherer.
Auch die Ehebrecher sah er: Vor ihnen lagen frisches Fleisch und übelriechendes, verdorbenes Fleisch; dennoch ließen sie das frische Fleisch liegen und aßen das verdorbene.
Auch die Frauen, die trotz bestehender Ehe im eigenen Leib das Kind eines anderen Mannes getragen hatten, sah der geliebte Prophet – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Der Prophet – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – bemerkte, dass die Brüste dieser Frauen mit großen Haken durchstochen und in der Luft aufgehängt worden waren.
Er sah eine Karawane aus Mekka. Ein Kamel dieser Karawane war entlaufen, und er teilte ihnen mit, wo sie dieses Kamel finden würden. In einem bedeckten Gefäß befand sich Wasser; er trank davon, während alle Ungläubigen schliefen. Am Morgen nach der Nacht der Miʿrāǧ erwies sich diese Schilderung als ein Beweis für die Wahrhaftigkeit seines Anspruchs (Ibn Hischām, 1. Band, S. 39, 402, 406; siehe die Auslegung der Sure Banī Isrāʾīl in den Tafsīr-Werken). Er teilte ihnen mit, dass die Karawane zu einer bestimmten Zeit zurückkehren werde, und beschrieb auch das Kamel, das sich von der Karawane entfernt hatte und auf Mekka zukam. Später erwiesen sich alle seine Angaben als wahr. Doch trotz alledem nahm der Hass der Ungläubigen noch zu, und sie weigerten sich, seine Worte anzunehmen (Zād al-Maʿād, 1. Band, S. 48; siehe außerdem Ṣaḥīḥ al-Buḫārī, 2. Band, S. 684; Ṣaḥīḥ Muslim, 1. Band, S. 96; Ibn Hischām, 1. Band, S. 402–403).
Es wird berichtet, dass der Prophet Abū Bakr aṣ-Ṣiddīq bereits zu jener Zeit den Beinamen aṣ-Ṣiddīq verlieh, denn während alle anderen ungläubig waren, glaubte er an alles (Ibn Hischām, 1. Band, S. 699).
Allah, der Erhabene, hat den Bericht über die Miʿrāǧ im Koran erwähnt.
Dies ist Allahs Sunna im Umgang mit den Propheten. Allah, der Erhabene, sagt: „Und auf diese Weise zeigten Wir Ibrāhīm die Herrschaft über die Himmel und die Erde, damit er zu den Überzeugten gehöre.“
Allah, der Erhabene, sagte zu Mūsā: „Dann werde Ich dir einige Meiner größten Zeichen zeigen.“
Der Zweck dieser Vorführungen besteht darin, dass sie glauben können. Auch dies hat Allah, der Erhabene, verkündet: Weil die Propheten die Zeichen Allahs unmittelbar bezeugen, wird ihr Glaube noch fester. Dadurch können sie bei der Einladung der Menschen auf Allahs Weg solche Sorgen, Leiden, Verfolgungen und Bedrängnisse ertragen, wie es sonst niemand vermag. In ihren Augen erscheinen alle Kräfte der irdischen Welt geringfügig; deshalb fürchten sie keine Macht. Über die Einzelheiten des Miʿrāǧ und die eigentlichen Geheimnisse dieses Ereignisses wird in den großen Büchern der Scharia ausführlich gesprochen. Einige der wichtigsten Punkte sollen im Folgenden erwähnt werden.
Hier ist zu beachten, dass Allah, der Erhabene, im Koran, nachdem Er das Ereignis des Miʿrāǧ in nur einem Vers erwähnt hat, die Missetaten der Juden schildert. Danach teilt Er ihnen mit, dass dieser Koran den Weg weist, der richtig und gerade ist. Den Lesern des Korans könnte es scheinen, als hätten die beiden Aussagen keinen Zusammenhang; tatsächlich ist dies jedoch nicht so. Allah, der Erhabene, hat durch seine Ausdrucksweise angedeutet, dass die Juden von nun an vom Sitz der Führung der Menschheit entfernt werden sollen, denn diese Juden haben ein derart schwerwiegendes Verbrechen begangen, dass sie nicht mehr für die Führung geeignet sind. Daher werden diese Verantwortung und diese Würde von nun an dem ehrwürdigen Propheten, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, übertragen, und beide Zentren der mutigen Daʿwa werden seiner Kontrolle unterstellt. Mit anderen Worten: Die geistige Führung wird von einer Umma auf eine andere übergehen. Die Führung wird einer Umma entrissen, deren Geschichte durch Unterdrückung, Tyrannei und Verrat befleckt ist, und einer solchen Umma übergeben, durch die Ströme des Guten hervorquellen werden. Der Prophet dieser Umma hat durch die Offenbarung den edlen Koran empfangen, und der Koran hat der Menschheit die umfassendste Rechtleitung geschenkt.
Doch wie wird diese Führung vollendet werden? Der Prophet des Islam zieht doch in den Bergen von Mekka zu den Menschen umher. Dies ist eine Frage. Diese Frage hat den Schleier über einer anderen Wahrheit gelüftet: Die Einladung zum Islam steht kurz davor, eine Phase zu überschreiten, und wird nun in eine andere Phase eintreten. Dieser Verlauf wird sich von dem bisherigen unterscheiden. Daher ist zu sehen, dass die Götzendiener in manchen Versen in eindeutiger Sprache gewarnt und streng bedroht werden. Allah, der Erhabene, sagt: „Wenn Wir eine Stadt vernichten wollen, befehlen Wir ihren wohlhabenden Menschen, Gutes zu tun; doch sie handeln darin frevelhaft. Dann wird die Bestrafung über sie rechtens, und Wir zerstören sie vollständig.“ (Sure Banī Isrāʾīl, Vers 16.)
Allah, der Erhabene, sagt in derselben Sure außerdem: „Wie viele Menschengemeinschaften haben Wir nach Noah vernichtet! Dein Herr genügt als Kenner und Beobachter der Sünden Seiner Diener.“ (Sure Banī Isrāʾīl, Vers 17.)
Neben all diesen Versen gibt es auch einige Verse, in denen die Grundzüge der zukünftigen islamischen Gesellschaft der Muslime dargelegt werden. Sie haben sich in einem Land eine Heimat geschaffen, in dem alles in ihre eigene Hand gelegt ist. In den erwähnten Versen liegt ein Hinweis darauf, dass der Gesandte Allahs bald einen sicheren Ort finden wird, an dem die Religion des Islam angemessen verkündet und verbreitet werden kann.
Das geheimnisvolle Ereignis des Miʿrāǧ enthält verschiedene Aspekte, die in unmittelbarem Zusammenhang mit unserem hier behandelten Thema stehen. Deshalb müssen diese geschildert werden. Wir sind zu dem Schluss gelangt, dass sich das Ereignis des Miʿrāǧ entweder einige Zeit vor der Bayʿat al-ʿAqaba ereignete oder zwischen der ersten und der zweiten Bayʿat al-ʿAqaba. Allah weiß alles am besten.
Die erste Bayʿat al-ʿAqaba
Wie bereits erwähnt, nahmen im zehnten Jahr der Prophetie während der Hajj-Saison sechs Menschen aus Yathrib den Islam an. Sie versprachen dem Gesandten Allahs, zu ihrem Volk zurückzukehren und die Botschaft vom Gesandtentum des Propheten, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, zu verkünden. (ʿAqaba wird ein schmaler Bergpass genannt. Auf dem Weg von Mekka nach Minā muss man auf der Westseite von Minā einen schmalen Bergweg passieren. Dieser Bergpass ist unter dem Namen ʿAqaba bekannt. Die Stelle, an der am zehnten Dhū l-Ḥijja die Steinchen geworfen werden, befindet sich am Eingang dieses Tunnels; deshalb wird sie Jamrat al-ʿAqaba genannt. Ihr zweiter Name ist Jamrat al-Kubrā. Die beiden anderen Jamrāt liegen etwas östlich von dieser Stelle auf dem Feld von Minā. Da dieses Gebiet östlich der drei Jamrāt liegt, herrscht dort ständig großer Andrang. Nach dem Steinewerfen findet dort jedoch kein Personenverkehr mehr statt. Deshalb wird das Treuegelöbnis, das der edle Prophet und Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, dort entgegennahm, Bayʿat al-ʿAqaba genannt. Heute wurde dort durch den Abtrag der Berge eine breite Straße angelegt.)
Infolge dessen kamen in der folgenden Hadsch-Saison dreizehn Männer zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Heil seien auf ihm. Unter ihnen waren außer Dschabir ibn Abdullah fünf Männer, die bereits im vergangenen Jahr gekommen waren. Die Namen und Angaben zu den übrigen sieben lauten wie folgt:
1. Muʿadh ibn Harith ibn Afra – Banu Nadschdschār, Chazradsch
2. Dhakwān ibn Abd al-Qais – Banu Zuraiq, Chazradsch
3. Ubāda ibn Sāmit – Banu Ghanam, Chazradsch
4. Yazīd ibn Thaʿlaba – Verbündeter der Banu Ghanam, Chazradsch
5. al-Abbās ibn Ubāda ibn Nāḍla – Banu Sālim, Chazradsch
6. Abū al-Haitham ibn at-Taihān – Banu Abd al-Aschhal, Aus
7. Uḍaim ibn Sāʿida – Banu ʿĀmir ibn Auf, Aus
Die beiden Letztgenannten gehörten dem Stamm Aus an, während alle übrigen dem Stamm Chazradsch angehörten (Rahmatul lil-‘Alamin, Bd. 1, S. 85; Ibn Hischam, Bd. 1, S. 431–433).
Sie alle leisteten dem Gesandten Allahs in Mina nahe al-Aqaba in mehreren Angelegenheiten den Treueid. Später, nach dem Vertrag von Hudaibiyya und bei der Eroberung Mekkas, wurde aufgrund derselben Bestimmungen auch von den Frauen der Treueid entgegengenommen. Der Wortlaut dieses Treueids von al-Aqaba ist in Sahih al-Buchari in der Überlieferung von Ubada ibn as-Samit erwähnt. Er berichtet: Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Kommt zu mir und leistet mir den Treueid, dass ihr Allah nichts beigesellt, nicht stehlt, keinen Ehebruch begeht, eure Kinder nicht tötet, niemandem eine erfundene Anschuldigung macht und mir in guten Dingen folgt und nicht ungehorsam seid. Wer all dies erfüllt, dessen Lohn ist bei Allah. Wer jedoch etwas davon verletzt und dafür bestraft wird, für den ist diese Strafe eine Sühne für seine Sünde. Wenn Allah trotz des Ungehorsams die Sünde eines Menschen verborgen hält, dann liegt seine Angelegenheit bei Allahs Willen: Wenn Er will, bestraft Er ihn, und wenn Er will, vergibt Er ihm.“
Ubada berichtet: „In all diesen Angelegenheiten leisteten wir dem Gesandten Allahs den Treueid.“ (Buchari, Bd. 1, S. 550–551).
Der Gesandte Allahs in Medina und sein bemerkenswerter Erfolg
Der Treueid war abgeschlossen und auch die Pilgerfahrt war beendet. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sandte gemeinsam mit den angereisten Männern seinen ersten Gesandten nach Medina. Ziel dieser Entsendung war es, den Muslimen die Lehren des Islam zu vermitteln und diejenigen, die den Islam noch nicht angenommen hatten, zum Glauben aufzurufen. Der Gesandte Allahs entsandte den jungen, zu den ersten Muslimen gehörenden Mus’ab ibn Umair al-Abdari (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm) nach Medina.
Hadhrat Mus’ab ibn Umair (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm) kam nach Medina und nahm im Haus von Hadhrat As’ad ibn Zurara (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm) Unterkunft. Danach begannen beide voller Eifer und Begeisterung, die Bewohner Medinas zum Islam aufzurufen. Zu dieser Zeit erhielt Hadhrat Mus’ab den Beinamen Muqri’in, was Lehrer oder Unterweiser bedeutet.
Bei seinem Erfolg in der Verkündung des Glaubens gibt es einen erstaunlichen Vorfall. As’ad ibn Zurara saß in einem Garten am Rand eines Wasserbeckens namens Mark, und einige Muslime hatten sich bei ihnen versammelt. Die Stammesführer der Banu Aschhal waren Sa’d ibn Mu’adh und Usaid ibn Hudair; sie hatten den Islam noch nicht angenommen. Als sie von der Ankunft der neu bekehrten Muslime erfuhren, sagte Sa’d zu dem anderen Stammesführer Usaid ibn Hudair: „Geh und sieh nach, worum es geht. Sag ihnen: Wollt ihr etwa unsere schwachen Leute zum Narren halten, ihnen ihre Religion nehmen und ihnen verbieten, in unser Viertel zu kommen? As’ad ibn Zurara ist mein Cousin mütterlicherseits. Deshalb schicke ich dich; sonst wäre ich selbst gegangen.“
Usaid nahm seinen Speer und ging zu den beiden. Als Hadhrat As’ad ihn kommen sah, sagte er zu Hadhrat Mus’ab: „Ein Stammesführer kommt zu dir. Bitte Allah insgeheim um Seine Barmherzigkeit für ihn.“ Hadhrat Mus’ab sagte: „Wenn er sich setzt, werde ich mit ihm sprechen.“ Kaum war Usaid angekommen, geriet er in Zorn und sagte: „Warum seid ihr in unser Gebiet gekommen? Wollt ihr etwa unsere schwachen Leute zum Narren halten? Verschwindet, solange euch noch etwas an eurem Leben liegt!“ Hadhrat Mus’ab sagte: „Setzen Sie sich zu uns und hören Sie sich etwas an. Wenn es Ihnen gefällt, nehmen Sie es an; wenn nicht, müssen Sie es nicht annehmen.“ Hadhrat Usaid sagte: „Das ist wohl vernünftig.“ Dann steckte er seinen Speer in den Boden und setzte sich. Hadhrat Mus’ab (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm) begann, über den Islam zu sprechen, und rezitierte den Koran. Später sagte er: „Noch bevor Usaid ein Wort gesagt hatte, bemerkte ich den Glanz des Islam in seinem Gesicht.“ Nachdem Usaid alles angehört hatte, sagte er: „Diese Worte sind sehr schön. Wie führt ihr jemanden in den Islam ein?“ Mus’ab sagte: „Sie müssen sich waschen, reine Kleidung anziehen, das Glaubensbekenntnis der Kalima Tayyiba sprechen und zwei Gebetseinheiten verrichten.“ Usaid tat all dies und sagte dann: „In unserem Stamm gibt es noch einen weiteren Stammesführer. Wenn er den Islam annimmt, wird niemand aus unserem Stamm zurückbleiben. Ich schicke ihn sofort zu euch.“
Danach ging Usaid mit seinem Speer zu Sa’d ibn Mu’adh. Als Sa’d Usaid sah, sagte er: „Dieser Mann ist mit einem ganz anderen Gesicht zurückgekehrt, als mit dem, mit dem er gegangen war.“ Sa’d fragte Usaid: „Was hast du getan?“ Usaid antwortete: „Ich habe mit ihnen gesprochen, konnte aber nichts Anstößiges feststellen. Ich habe ihnen jedoch verboten, dies zu tun, worauf sie sagten: ‚Wir werden tun, was immer ihr wollt.‘ Ich habe gehört, dass die Leute des Stammes Banu Haritha As’ad ibn Zurara töten wollen. Der Grund dafür ist, dass er dein Vetter ist. Sie wollen das Bündnis brechen, das sie mit dir geschlossen haben.“ Kaum hatte Sa’d dies gehört, eilte er voller Zorn mit seinem Speer zu ihnen. Dort sah er, dass die beiden ganz gelassen saßen. Da begriff er, dass Usaid beabsichtigt hatte, ihn dazu zu bringen, mit den beiden Fremden zu sprechen. Sa’d trat vor sie und sagte in schroffem Ton: „Wollt ihr unsere schwachen Leute zum Narren halten?“ Darauf sagte As’ad zu Sa’d: „Bei Gott, o Abu Anas! Wenn zwischen dir und mir keine verwandtschaftliche Beziehung bestünde, könntest du so etwas nicht tun. Ihr kommt in unser Gebiet und tut Dinge, die uns nicht gefallen.“
Usaid hatte Mus’ab zuvor gesagt, dass ein Mann komme, der ein einflussreicher Anführer seines Stammes sei; wenn dieser ihm zuhören würde, würde ihm niemand aus seinem Stamm fernbleiben. Deshalb sagte Mus’ab zu Sa’d: „Setz dich und höre dir etwas an. Wenn es dir nicht gefällt, brauchst du nicht weiter zuzuhören.“ Sa’d sagte: „Das ist recht.“ Damit rammte auch er seinen Speer in den Boden und setzte sich. Mus’ab lud ihn zum Islam ein und rezitierte den Koran. Später sagte Mus’ab: „Noch bevor Sa’d etwas sagte, bemerkte ich auf seinem Gesicht den Glanz des Islam.“ Sa’d fragte: „Was tut ihr, nachdem ihr den Islam angenommen habt?“ Mus’ab antwortete: „Du sollst die Ganzwaschung vollziehen, danach reine Kleidung anlegen, das Glaubenszeugnis sprechen und anschließend zwei Rak’a beten.“ Daraufhin tat Sa’d ibn Mu’adh dies.
Nach den ersten Zeremonien der Annahme des Islam kehrte Sa’d zu den Leuten seines Stammes zurück. Sie sagten: „Es scheint, als seist du mit einem anderen Gesicht zurückgekehrt.“ Sa’d sagte: „Für was für einen Mann haltet ihr mich, o Banu Abd al-Aschhal?“ Alle antworteten: „Du bist unser Anführer und übertriffst alle anderen an Urteilskraft und Verstand.“ Sa’d ibn Mu’adh sagte: „Nun hört zu: Solange ihr nicht an Allah, den Erhabenen, und Seinen geliebten Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, glaubt, ist es mir verboten, mit euch zu sprechen.“ Bis zum Abend nahmen alle Männer und Frauen des Stammes den Islam an. Ein Mann namens Usairim nahm den Islam damals noch nicht an. Er nahm ihn am Tag der Schlacht von Uhud an, nahm an der Schlacht teil und fiel als Märtyrer. Er verrichtete kein einziges Gebet. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte über ihn: „Mit wenigen Taten hat er sehr großen Lohn erhalten.“
Mus’ab und As’ad ibn Zurara widmeten sich weiterhin der Einladung zum Islam und dessen Verkündigung, während sie im Haus As’ads ibn Zurara wohnten. Durch diese Einladung nahmen in jeder Familie der Ansar mehrere Frauen und Männer den Islam an. Vor Beginn der nächsten Hajj-Saison traf Mus’ab ibn Umair (möge Allah mit ihm zufrieden sein) mit der frohen Nachricht über den Erfolg in Mekka beim Gesandten Allahs ein. Er legte dem geliebten Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ausführliche Informationen über die Lage der Stämme von Yathrib, ihre Kriegs- und Verteidigungsstrategien sowie ihre sonstigen Fähigkeiten vor. (Ibn Hischam, Bd. 1, S. 435; Bd. 2, S. 90; Zad al-Ma’ad, Bd. 2, S. 51.)
Die zweite Bay’a von al-Aqaba
Im dreizehnten Jahr der Prophetenschaft, im Juni des Jahres 622 n. Chr., kamen siebzig Muslime aus Medina nach Mekka, um die Hajj zu vollziehen. Sie reisten gemeinsam mit den polytheistischen Pilgern ihres Volkes nach Mekka. Während ihres Aufenthalts in Medina oder auf dem Weg nach Mekka sagten sie zueinander: „Wie lange wollen wir den geliebten Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, noch in Mekka in dieser bedrückenden Lage zurücklassen?“ Sie besprachen auch die widrigen Umstände, denen er in Mekka ausgesetzt war.
Nach ihrer Ankunft in Mekka nahmen sie heimlich Kontakt zum geliebten Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, auf. Es wurde beschlossen, dass sich beide Gruppen in der Mitte der Ayyam at-Taschriq, am 12. Dhul-Hiddscha – mit den Ayyam at-Taschriq sind der 11., 12. und 13. Dhul-Hiddscha gemeint –, bei der ersten Dschamra in Mina, das heißt am Pass von Dschamrat al-Aqaba, versammeln und im Schutz der Dunkelheit ein geheimes Gespräch führen würden.
Diese Versammlung veränderte im Konflikt zwischen dem Islam und dem Götzendienst den Lauf der Zeit. Nun soll der Bericht über diese Versammlung aus dem Mund eines Anführers der Ansar wiedergegeben werden.
Hazrat Kaʿb ibn Mālik (r.a.) berichtet: Wir waren zur Hadsch aufgebrochen. Der geliebte Prophet legte fest, dass wir uns während der Tage des Taschriq in al-ʿAqaba mit ihm treffen sollten. Schließlich kam die Nacht, für die das Gespräch vereinbart worden war. Gemeinsam mit unserem angesehenen Anführer ʿAbdullah ibn Harām berieten wir uns und sagten zu ihm: „O Abū Jābir, du bist einer unserer angesehenen Anführer. Wir möchten dich aus deiner gegenwärtigen Lage befreien; unser Wunsch ist, dass du für alle Ewigkeit vor dem Feuer der Hölle gerettet wirst.“ Danach luden wir ihn zum Islam ein und informierten ihn über den Inhalt unseres Gesprächs mit dem geliebten Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Er nahm den Islam an und ging mit uns nach al-ʿAqaba. Er wurde zum Naqīb ernannt. (Ibn Hischām, Bd. 1, S. 440.)
Hazrat Kaʿb (r.a.) berichtet ausführlich über das Ereignis: In jener Nacht legten wir uns wie gewohnt in unserem Lager schlafen. Nachdem ein Drittel der Nacht vergangen war, trafen wir uns mit Allahs Gesandtem am zuvor festgelegten Ort. So wie ein Sperling heimlich sein Nest verlässt, verließen auch wir auf genau diese Weise unser Lager. Schließlich versammelten wir uns in al-ʿAqaba. Wir waren insgesamt 75 Personen: 73 Männer und 2 Frauen. Die beiden Frauen waren Umm ʿAmāra Nasība bint Kaʿb aus dem Stamm Banū Māzin ibn an-Najjār und Umm Manīʿ Asmāʾ bint ʿAmr aus dem Stamm Banū Salima.
Wir alle waren in der Schlucht angekommen und warteten auf den geliebten Gesandten Allahs. Nach einiger Zeit traf er ein. Bei ihm war sein Onkel ʿAbbās ibn ʿAbd al-Muṭṭalib, der den Islam zwar noch nicht angenommen hatte, seinem Neffen jedoch wohlgesinnt war. Er ergriff als Erster das Wort (Ibn Hischām, Bd. 1, S. 440).
Erklärung der heiklen Lage
Die Versammlung begann, und die Beratungen zur endgültigen Regelung der religiösen und militärischen Unterstützung nahmen ihren Anfang. Der Onkel des Gesandten Allahs, ʿAbbās, ergriff als Erster das Wort. Er wollte angesichts der Lage auf die Verantwortung hinweisen. An diejenigen gewandt, denen diese große Verantwortung übertragen werden sollte, sagte er: „Ihr kennt den Wert und die hohe Stellung von Muḥammad al-Muṣṭafā. Wir haben Muḥammad von denen aus unserem Volk ferngehalten, die den von Muḥammad verkündeten Glauben nicht unterstützen. In seiner Heimatstadt ist er unter seinen Landsleuten sicher. Nun möchte er zu euch kommen und sich euch anschließen. Wenn ihr für seine Sicherheit sorgen und ihn vor den Angriffen der Gegenseite schützen könnt, ist nichts weiter zu sagen. Ihr selbst wisst am besten, welche Verantwortung ihr übernommen habt. Wenn ihr jedoch daran denkt, ihn im Stich zu lassen, dann geht jetzt fort, denn in seiner Heimatstadt ist er unter seinen Landsleuten sicher, und auch seine Ehre ist hier gewahrt.“
Ḥaḍrat Kaʿb (möge Allah mit ihm zufrieden sein) berichtet: „Wir sagten zu Ḥaḍrat ʿAbbās: ›Wir haben deine Worte gehört. O Gesandter Allahs, nun sprich du. Nimm von uns das Versprechen, das du für dich selbst und für deinen Herrn von uns entgegennehmen möchtest.‹“ (Ibn Hischām, Bd. 1, S. 441–442.)
Der Gesandte Allahs begann zu sprechen. Zunächst rezitierte er den Qurʾān und rief zu Allah auf. Danach wurde die Bayʿa geleistet.
Die Bestimmungen der Bayʿa
Das Ereignis der Baiʿa wurde von Imam Ahmad ausführlich nach einer Überlieferung von Hazrat Dschabir (r.a.) berichtet. Hazrat Dschabir (r.a.) sagte: „Wir fragten: O Gesandter Allahs, in welchen Angelegenheiten sollen wir dir die Baiʿa leisten? Er sagte: In den folgenden Angelegenheiten.“
1. Ihr werdet meine Worte in allen Situationen, ob angenehm oder schwierig, anhören und befolgen.
2. Ihr werdet sowohl in Zeiten des Wohlstands als auch in Zeiten der Not euer Vermögen aufwenden.
3. Ihr werdet zum Guten auffordern und vom Schlechten abhalten.
4. Ihr werdet euch auf Allahs Weg erheben und euch aus Furcht vor niemandem davon abhalten lassen, für Allah einzustehen.
5. Wenn ich zu euch komme, werdet ihr mir beistehen und mich ebenso beschützen, wie ihr euer eigenes Leben und eure Kinder beschützt; dafür ist euch das Paradies bestimmt. (Imam Ahmad ibn Hanbal hat diese Überlieferung mit einer guten Überlieferungskette berichtet; Imam al-Hakim und Ibn Hibban erklärten sie für authentisch. Siehe Ibn Hischam, Band 1.)
In der von Ibn Ishaq angeführten Überlieferung von Hazrat Kaʿb wird nur der fünfte Punkt erwähnt. Dort heißt es, dass der geliebte Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, durch die Rezitation des Korans zu Allah aufrief und zum Islam ermutigte. Er sagte: „Ich nehme von euch die Baiʿa unter der Bedingung entgegen, dass ihr mich mit dem beschützt, womit ihr eure Kinder beschützt.“ Als Hazrat Kaʿb ibn Maʿrur dies hörte, ergriff er die Hand des geliebten Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und sagte: „Ja, bei Demjenigen, Der dich als wahrhaftigen Propheten gesandt hat: Wir werden dich gewiss mit dem beschützen, womit wir unsere Kinder beschützen. O Gesandter Allahs, nimm daher unsere Baiʿa entgegen. Bei Allah, wir sind Söhne des Krieges – das heißt, wir sind im Schatten des Krieges geboren worden –, und Waffen sind unser Spielzeug. Dieser Zustand besteht bereits seit der Zeit unserer Vorväter.“
Hazrat Kaʿb sagte: Während er mit dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sprach, sagte Abu at-Taihan ibn Taihan: „O Gesandter Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, wir haben ein Abkommen mit den Juden. Wir werden dessen Band durchtrennen und unsere Beziehungen zu den Juden abbrechen. Wenn Allah dir danach zum Sieg verhilft, wirst du uns dann nicht verlassen und zu deinen eigenen Stammesangehörigen zurückkehren?“
Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, dies hörte, lächelte er sanft und sagte: „Nein, so wird es nicht sein. Euer Blut ist mein Blut, und euer Untergang wird als mein Untergang gelten. Ich gehöre zu euch, und ihr gehört zu mir. Gegen diejenigen, gegen die ihr kämpft, werde auch ich kämpfen, und mit denjenigen, mit denen ihr Frieden schließt, werde auch ich Frieden schließen.“
Darstellung der gefährlichen Lage des Treueids
Nach einer ausführlichen Erörterung der Bedingungen des Treueids beabsichtigten die Anwesenden, dem Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, den Treueid zu leisten. Zu diesem Zeitpunkt erhoben sich zwei Muslime. Sie hatten in der Pilgersaison zwischen dem elften und zwölften Jahr der Prophetie den Islam angenommen. Sie wollten ihre eigenen Verantwortlichkeiten und Pflichten sowie die Lage gründlich erläutern und analysieren. Sie wollten alle Aspekte der Angelegenheit angemessen darlegen und erst danach den Treueid leisten. Sie wollten wissen und verstehen, in welchem Maß die Angehörigen ihres Volkes zur Selbstaufopferung bereit waren.
Ibn Ishaq schrieb: Nachdem die Menschen zusammengekommen waren, um den Treueid zu leisten, sagte Abbas ibn Ubada ibn Nadla: „Ihr wisst gewiss, worauf ihr ihm den Treueid leistet?“ Alle sagten: „Ja, wir wissen es.“ Abbas sagte: „Ihr leistet ihm den Treueid, um gegen schwarze und rote Menschen zu kämpfen. Wenn ihr meint, dass ihr ihn verlassen werdet, sobald euer Vermögen aufgebraucht und eure führenden Männer getötet worden sind, dann verlasst ihn jetzt; denn ihn, nachdem ihr ihn mitgenommen habt, in Einsamkeit zu verlassen, wird in dieser Welt und im Jenseits eine Demütigung sein. Wenn ihr jedoch meint, dass ihr euer Versprechen ihm gegenüber auch nach der Opferung eures Vermögens und der Tötung eurer führenden Männer einhalten und dorthin gehen werdet, wohin ihr gerufen werdet, dann nehmt ihn mit. Bei Allah, darin liegen Wohl und Segen für diese Welt und das Jenseits.“ (Ibn Hischam, Bd. 1, S. 442)
Nachdem dies gesagt worden war, fragten alle einstimmig: „Wir werden unser Vermögen opfern und das Risiko eingehen, dass unsere führenden Männer getötet werden – was erhalten wir im Gegenzug? Wir werden unser Versprechen gewissenhaft erfüllen, aber was wird unsere Gegenleistung sein?“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Das Paradies.“ Darauf streckten alle ihre Hände aus, und auch der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, streckte seine Hand aus. Damit war der Treueid vollzogen. (Ibn Hischam, Bd. 1, S. 446)
Dschabir (möge Allah mit ihm zufrieden sein) berichtet: Unter den versammelten Menschen war As’ad ibn Zurara der Jüngste. As’ad hielt damals die Hand des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und sagte: „O Bewohner Medinas, haltet einen Augenblick inne! Wir sind zu ihm gekommen, nachdem wir eine Strecke zurückgelegt haben, die dem Trocknen der Brust eines Kamels entspricht, und zwar deshalb, weil er der Gesandte Allahs ist. Ihn heute von Mekka mitzunehmen bedeutet Feindschaft mit ganz Arabien, die Tötung eurer angesehenen Führer und das Klirren der Schwerter. Nehmt ihn daher nur mit, wenn ihr all dies ertragen könnt. Der Lohn für diese Tat liegt bei Allah. Wenn euch jedoch euer eigenes Leben lieb ist, dann lasst ihn jetzt los. Das wird vor Allah eine annehmbare Entschuldigung sein.“ (Musnad Ahmad)
Die Vollendung des Treueids
Die einzelnen Punkte des Treueids waren bereits festgelegt, und auch die Ernsthaftigkeit der Lage war dargelegt worden. Nachdem anschließend noch eindringlicher gewarnt worden war, riefen alle einstimmig: „As’ad ibn Zurara, nimm deine Hand weg! Bei Allah, wir können diesen Treueid weder aufgeben noch zunichtemachen.“ (Musnad Ahmad)
Nachdem Hazrat As’ad diese Antwort erhalten hatte, verstand er deutlich, dass seine Stammesangehörigen fest entschlossen und bereit waren, ihr Leben zu opfern. Mus’ab ibn Umair war der herausragende Prediger der Religion in Medina und daher selbstverständlich der religiöse Führer derjenigen, die den Treueid leisteten. Deshalb war As’ad ibn Zurara der Erste, der den Treueid leistete. Ibn Ishaq berichtet, dass die Banu Nadschdschār sagten: Abu Umama As’ad ibn Zurara war der Erste, der dem geliebten Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die Hand reichte. (Ibn Ishaq berichtet, dass die Banu Aschhal sagten, als Erster habe Abu al-Haytham ibn at-Tayyihan den Treueid geleistet. Hazrat Ka’b ibn Malik sagt, als Erster habe Bara ibn Ma’rur den Treueid geleistet; Ibn Hischam, Band 1, S. 447. Meiner Ansicht nach wurden die Aussagen von Abu al-Haytham und Bara vor dem Treueid als Treueid betrachtet. Andernfalls war zu jener Zeit Hazrat As’ad ibn Zurara vor allen anwesend, und daher hätte sein Name zuerst erwähnt werden müssen.) Danach leisteten auch alle anderen den Treueid. Hazrat Dschabir (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: Wir standen einer nach dem anderen auf, und der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nahm von jedem von uns den Treueid entgegen. Als Gegenleistung verkündete er uns die frohe Botschaft vom Paradies. (Musnad Ahmad)
Die beiden bei dieser Versammlung anwesenden Frauen leisteten den Treueid mündlich. Der geliebte Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, schüttelte niemals einer ihm nicht verwandten Frau die Hand. (Sahih Muslim, Kapitel über den Treueid der Frauen, Band 2, S. 131)
Die zwölf Naqib und ihre Namen
Nachdem der Treueid geleistet worden war, schlug der geliebte Prophet vor, zwölf Anführer zu bestimmen. Sie sollten die Naqib ihrer jeweiligen Stämme sein und dafür verantwortlich sein, dass die Bedingungen des Treueids von den Angehörigen ihrer jeweiligen Stämme erfüllt wurden. Der geliebte Prophet bat die Anwesenden, die Namen von zwölf Personen zu nennen. Schon kurze Zeit, nachdem er dies gesagt hatte, wurden zwölf Naqib bestimmt; neun von ihnen gehörten zum Stamm der Chazradsch und drei zum Stamm der Aus.
1. As’ad ibn Zurara ibn Adas 2. Sa’d ibn Rabi’a ibn Amr 3. Abdullah ibn Rawaha ibn Tha’laba 4. Rafi’ ibn Malik ibn Ajlan 5. Bara ibn Ma’rur ibn Sakhr 6. Abdullah ibn Amr ibn Haram 7. Ubada ibn Samit ibn Qays 8. Sa’d ibn Ubada ibn Uaim
9. Mundhir ibn Amr Chunais. Diese gehörten zum Stamm der Chazradsch.
Auf der anderen Seite
1. Usaid ibn Hudair ibn Sammak 2. Sa’d ibn Chaythama ibn Harith 3. Rifa’a ibn Abd al-Mundhir ibn Zubair. Sie gehörten zum Stamm der Aus. (Manche nennen statt Zubair auch Zunair. Einige Verfasser von Sira-Werken haben anstelle von Rifa’a den Namen Abu al-Haytham ibn at-Tayyihan eingefügt.)
Nachdem die zwölf Naqīb ernannt worden waren, nahm der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, von ihnen erneut ein Versprechen entgegen, da sie eine größere Verantwortung trugen. Er sagte: „Ihr seid für alle Angelegenheiten eurer Volksgenossen verantwortlich und deren Sachwalter, so wie die Hawāriyyūn (die zwölf Jünger) seitens des Propheten ʿĪsā (Jesus), Allahs Frieden sei auf ihm, verantwortlich und Sachwalter waren. Ebenso bin ich für die Muslime verantwortlich und ihr Sachwalter.“ Alle sagten einstimmig: „Ja.“
Die Weitergabe der Nachricht über den Vertrag durch den Satan
Nachdem der Vertrag abgeschlossen war und alle sich anschickten zu gehen, erfuhr der Satan von der Versammlung. Es blieb keine Zeit, die Quraisch davon in Kenntnis zu setzen; wäre die Nachricht eingetroffen, hätten sie sich gemeinsam auf die Muslime gestürzt. Deshalb stieg der Satan auf den Gipfel eines hohen Berges und rief laut: „Ihr Bewohner von Mina, seht Mohammed! Gottlose Menschen befinden sich derzeit bei ihm. Sie haben sich versammelt, um gegen euch zu kämpfen.“
Der edle Prophet sagte: „Das ist der Satan der Schlucht. O Feind Allahs, hör gut zu: Sehr bald werde ich mich um dich kümmern.“ Danach forderte er die Menschen auf, in ihre jeweiligen Zelte zurückzukehren (Zād al-Maʿād, Bd. 2, S. 51).
Als ʿAbbās ibn ʿUbāda ibn Nāḍla die Stimme des Satans hörte, sagte er: „Bei Demjenigen, der dich mit der Wahrheit gesandt hat: Wenn du willst, werden wir uns schon morgen mit den Schwertern auf die Bewohner von Mina stürzen.“ Der edle Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Mir wurde dies bisher noch nicht befohlen. Kehrt zu euren Unterkünften zurück.“ Daraufhin gingen alle und legten sich schlafen (Ibn Hišām, Bd. 1, S. 448).
Die Auseinandersetzung der Quraisch mit den Führern Medinas
Als die Quraisch diese Nachricht erhielten, gerieten sie völlig in Bestürzung, denn sie waren sich der weitreichenden Folgen eines solchen Treueids bewusst. Am nächsten Morgen begab sich eine Gruppe angesehener Männer der Quraisch zu den Zelten der Besucher aus Medina und äußerte heftigen Unmut über die Versammlung und den Treueid der vergangenen Nacht. Sie sagten: „O ihr Leute der Chazradsch, wir haben gehört, dass ihr diesen unseren Mann von uns fortbringen wollt. Ihr leistet ihm den Treueid, um gegen uns zu kämpfen, obwohl es uns noch unliebsamer ist, gegen euch zu kämpfen als gegen alle anderen arabischen Stämme.“ (Ibn Hišām, Bd. 1, S. 448).
Nachdem die Quraisch aus Mekka protestiert hatten, sagten die nichtmuslimischen Pilger aus Medina: „Eure Aussage ist nicht richtig.“ Sie schworen, dass ein solches Ereignis unmöglich stattgefunden haben könne. ʿAbdullāh ibn Ubayy sagte: „Es ist undenkbar, dass die Leute meines Volkes eine derart bedeutende Angelegenheit unternehmen, ohne mich einzubeziehen. Ich bin doch jetzt in Mekka; selbst wenn ich in Medina gewesen wäre, hätten sie einen solchen Schritt nicht getan, ohne sich mit mir zu beraten.“
Da die Versammlung und der Treueid in der Dunkelheit der Nacht stattgefunden hatten, war dies nicht zu glauben. Daher schenkten die Mekkaner den Aussagen der nichtmuslimischen Pilger aus Medina Glauben. Die Muslime sahen einander verstohlen an und schwiegen.
Sie sagten weder Ja noch Nein. Nach einiger Zeit erkannten die Anführer der Quraisch, dass tatsächlich nichts geschehen war, was Anlass zur Sorge gab, und kehrten schließlich enttäuscht zurück.
Die Verfolgung derer, die den Treueid geleistet hatten
Die Anführer der Quraisch kehrten nach Mekka in dem Glauben zurück, dass das, was sie gehört hatten, nicht wahr sei. Da jedoch Zweifel bestanden, wurden sie ungeduldig und wollten Informationen sammeln. Schließlich erkannten sie, dass die Nachricht stimmte und der Treueid tatsächlich, ja gewiss, geleistet worden war. Als sie diese Nachricht mit Sicherheit erhielten, waren die Pilger aus Medina jedoch bereits aufgebrochen. Einige Nichtmuslime nahmen die Verfolgung der Reisenden aus Medina auf, doch inzwischen war die Gelegenheit verpasst. Die schnell reitenden Verfolger erblickten Saʿd ibn ʿUbāda und al-Mundhir ibn ʿAmr. Al-Mundhir eilte weiter, Saʿd jedoch wurde gefangen genommen, nach Mekka gebracht und dort geschlagen. Nachdem man ihn nach Mekka gebracht hatte, befreiten ihn Maṭʿam ibn ʿAdī und al-Ḥārith ibn Ḥarb Umayya, denn die Handelskarawanen dieser beiden reisten unter der Obhut von Saʿd ibn ʿUbāda nach Medina. Unterdessen brachten die Pilger aus Medina ihre heftige Empörung über die Gefangennahme ihres Reisegefährten Saʿd ibn ʿUbāda zum Ausdruck. Sie beschlossen, nach Mekka zurückzukehren und die ungläubigen Quraisch anzugreifen. Doch noch bevor sie auf Mekka zugingen, bemerkten sie, dass Saʿd ibn ʿUbāda zurückkehrte. Daraufhin brach die gesamte Karawane sicher auf und gelangte sicher nach Medina. (Zād al-Maʿād, Bd. 2, S. 51–52; Ibn Hišām, Bd. 1, S. 448–450.)
Dies war der zweite Treueid von al-ʿAqaba, der auch der große Treueid von al-ʿAqaba genannt wird. Dieser Treueid fand in einer Atmosphäre statt, in der gegenseitiges Mitgefühl, Zusammenarbeit, Vertrauen, Tapferkeit und Mut unter den Gläubigen lebendig waren. Die Herzen der Gläubigen aus Medina waren von Liebe zu ihren schwachen Brüdern in Mekka erfüllt, in ihren Herzen herrschte ein unerschütterlicher Entschluss zu helfen, und gegenüber den tyrannischen Ungläubigen empfanden sie Zorn und Hass. Obwohl sie jene, die sie nie gesehen hatten, um Allahs willen als Brüder angenommen hatten, waren diese in Wahrheit ihre Glaubensbrüder.
Diese Art von Antrieb beruhte nicht auf irgendeiner äußeren Anziehungskraft, und es bestand auch keine Gefahr, dass der Antrieb dieser Liebe im Strom der Zeit ausgelöscht würde. Vielmehr gründete diese Liebe auf dem Glauben an Allah, dem Glauben an den Gesandten Allahs und dem Glauben an Allahs Koran. Dieser Glaube konnte angesichts keiner Form von Unrecht, Verfolgung, Unterdrückung oder Macht schwach werden oder zugrunde gehen. Die Festigkeit dieses Glaubens beziehungsweise dieses Glaubens an das Unsichtbare zeigt sich in den Taten. Gerade aufgrund dieses Glaubens waren die Muslime in der Lage, auf der Erde erstaunliche Leistungen zu vollbringen. Beispiele für solche Leistungen hat es in der vergangenen Welt nicht gegeben, und ebenso wenig besteht die Aussicht, dass es sie in der zukünftigen Welt geben wird.
Die verängstigte Abordnung der auswandernden Muslime
Mit dem Abschluss des zweiten Treueids von al-ʿAqaba war es dem Islam gelungen, sich mitten in der Finsternis des Unglaubens und der Unwissenheit eine Heimat zu schaffen. Seit Beginn der Verkündigung war dies ein bedeutender Erfolg des Islam. Der geliebte Prophet gestattete den Muslimen, in ihr neues Land auszuwandern.
Hijra bedeutet, alles zurückzulassen und irgendwohin aufzubrechen, um lediglich das eigene Leben zu retten. Doch selbst dieses Leben ist nicht sicher; vom Beginn der Reise bis zum Erreichen des Zieles kann man an jedem beliebigen Ort getötet werden. Die Reise beginnt zu einem unklaren und ungewissen Ziel, und im Voraus lässt sich nichts darüber sagen, welchen Gefahren und Schwierigkeiten man in Zukunft begegnen wird.
Im Wissen um all dies begannen die Muslime die Hijra. Unterdessen stellten die Götzendiener den Muslimen auf ihrem Reiseweg Hindernisse in den Weg, denn sie hatten erkannt, dass nach der Hijra der Muslime viele Gefahren und Bedrohungen für sie entstehen würden. Im Folgenden werden einige Beispiele der Hijra angeführt.
1. Der erste Auswanderer war Abu Salama (möge Allah mit ihm zufrieden sein). Nach der Überlieferung Ibn Ishaqs wanderte er ein Jahr vor der zweiten Huldigung in al-ʿAqaba aus; seine Frau und sein Kind waren bei ihm. Als er aufbrechen wollte, sagten die Angehörigen seiner Schwiegerfamilie: „Du hast mehr Recht als wir, über dein eigenes Leben zu entscheiden, aber was wird aus unserer Tochter? Wie können wir sie mit dir ziehen lassen, obwohl du sie von Stadt zu Stadt führen wirst? Das ist keinesfalls möglich.“ Sie hielten Abu Salamas Frau bei ihren Eltern zurück. Als Abu Salamas Eltern davon erfuhren, gerieten sie in Zorn und nahmen ihrerseits ihren Enkel an sich. Das gestillte Kind wurde einer Amme zur Pflege übergeben. Zuvor hatte das Kind an einem Ort eine Verletzung an der Hand erlitten, als beide Seiten daran zogen. Kurz gesagt: Abu Salama (möge Allah mit ihm zufrieden sein) zog allein nach Medina. Umm Salama hingegen wurde, nachdem sie von ihrem Mann und ihrem Kind getrennt worden war, wie wahnsinnig. Der Ort, an dem ihr Mann aufgebrochen und ihr Kind weggenommen worden war, hieß Abtah. Jeden Morgen ging sie nach Abtah und klagte den ganzen Tag. So verging ein Jahr. Schließlich sagte ein Verwandter Umm Salamas zu ihren Eltern: „Warum lasst ihr die Arme nicht zu ihrem Mann gehen?“ Darauf sagten ihre Eltern zu ihr: „Wenn du möchtest, kannst du zu deinem Mann gehen.“ Umm Salama ging nun zur Familie ihres Mannes, nahm ihr Kind von der Amme an sich und brach allein mit ihrem Kind nach Medina auf. Die Entfernung von Mekka nach Medina beträgt fünfhundert Kilometer. Als sie den Ort Tanʿim erreichte, traf sie ʿUthman ibn Abu Talha. Umm Salama erzählte ihm alles. Nachdem er ihr zugehört hatte, begleitete ʿUthman sie nach Medina. Als er die Siedlung Quba in der Ferne erblickte, sagte er: „In dieser Siedlung befindet sich dein Mann. Geh dorthin; möge Allah dich segnen.“ Danach kehrte ʿUthman nach Mekka zurück. (Ibn Hischam, Band 1, S. 469–470.)
2. Als Suhaib (möge Allah mit ihm zufrieden sein) beabsichtigte, nach Medina auszuwandern, sagten die götzendienerischen Quraisch: „Als du zu uns kamst, warst du ein einsamer Bettler. Nachdem du hierhergekommen warst, hast du viel Vermögen erworben und großen Wohlstand erlangt. Willst du nun damit von hier fortgehen? Das ist keinesfalls möglich.“ Suhaib sagte: „Wenn ich mein gesamtes Vermögen zurücklasse, werdet ihr mich dann gehen lassen?“ Sie sagten: „Ja, das werden wir.“ Suhaib sagte: „Gut, so soll es sein. Ich lasse alles bei euch zurück.“ Als der geliebte Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, davon erfuhr, sagte er: „Suhaib hat Gewinn gemacht, Suhaib hat Gewinn gemacht.“ (Ibn Hischam, Band 1, S. 477.)
3. ʿUmar ibn al-Chattab, ʿAyyasch ibn Abi Rabia und Hischam ibn ʿAs ibn Waʾil berieten sich miteinander und beschlossen, sich am nächsten Morgen an einem bestimmten Ort zu treffen und von dort aus nach Medina auszuwandern. ʿUmar und ʿAyyasch konnten zur vereinbarten Zeit eintreffen, Hischam jedoch nicht; er wurde gefangen gehalten.
Nachdem die beiden Genannten ausgewandert und in Quba angekommen waren, kamen Abu Dschahl und sein Bruder Harith zu ʿAyyasch. Die drei waren Kinder derselben Mutter. Die beiden Brüder sagten zu ʿAyyasch: „Unsere Mutter hat geschworen, dass sie sich die Haare nicht kämmen und nicht aus der Sonne in den Schatten gehen wird, bis sie dich gesehen hat.“ Als ʿAyyasch dies hörte, wurde sein Herz von Mitleid mit seiner Mutter ergriffen. ʿUmar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sah seinen Zustand und sagte zu ʿAyyasch: „Hör zu, ʿAyyasch, sie wollen dich in deiner Religion einer Versuchung aussetzen; sei daher vorsichtig. Bei Allah, wenn die Läuse in den Haaren deiner Mutter sie beißen, wird sie gewiss einen Kamm benutzen, und wenn die sengende Sonne in Mekka unerträglich wird, wird sie gewiss in den Schatten gehen.“ Doch ʿAyyasch beachtete diese Worte nicht. Um den Eid seiner Mutter zu erfüllen, beschloss er, mit seinen Brüdern nach Mekka zurückzukehren. ʿUmar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: „Wenn du unbedingt gehen willst, nimm diese meiner Kamelstuten. Steig nicht von ihrem Rücken; sobald du deine Mutter gesehen hast, kehre zurück. Wenn du irgendein verdächtiges Verhalten bemerkst, kehre schnell nach Medina zurück.“
ʿAyyasch ritt auf der Kamelstute und kehrte mit seinen beiden Brüdern in Richtung Mekka zurück. Nach einiger Zeit sagte Abu Dschahl zu ʿAyyasch: „Bruder, mein Kamel geht sehr langsam. Lass uns für eine Weile deine Kamelstute und mein Kamel tauschen.“ Sobald ʿAyyasch seine Kamelstute niederknien ließ, banden ihn die beiden Brüder gemeinsam mit einem Seil und führten ihn gefesselt bei Tage nach Mekka. Nachdem sie ihn nach Mekka gebracht hatten, riefen sie vor allen Leuten: „O Bewohner von Mekka, behandelt eure Narren genauso, wie wir diesen unseren Narren behandelt haben!“ (Hischam und ʿAyyasch waren in der Gewalt der Ungläubigen gefangen. Eines Tages, nachdem der Gesandte ausgewandert war, sagte er: „Wer ist da, der Hischam und ʿAyyasch für mich befreien kann?“ Walid ibn Walid übernahm diese Aufgabe. Heimlich ging er nach Mekka und erfuhr ihren Aufenthaltsort, indem er einer Frau folgte, die ihnen Nahrung brachte. Beide waren in einem fensterlosen Raum eingesperrt. Tief in der Nacht kletterte Walid über die Mauer, stieg in den Raum, durchtrennte ihre Fesseln und brachte beide auf seinem Kamel nach Medina. Ibn Hischam, Band 1, S. 474–476. ʿUmar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) wanderte gemeinsam mit einer Gruppe von zwanzig Gefährten nach Medina aus. Sahih al-Buchari, Band 1.)
Nachdem die Götzendiener erfahren hatten, dass jemand die Auswanderung vorbereitete, behandelten sie ihn auf die oben beschriebene Weise; hier wurden drei Beispiele dafür angeführt. Doch trotz all dieser Hindernisse setzten die Muslime, im Herzen mit dem Glauben als ihrer Stütze, ihre Auswanderung fort. Zwei Monate und einige Tage nach der zweiten Huldigung in al-ʿAqaba befanden sich in Mekka außer dem geliebten Propheten, Abu Bakr und ʿAli (möge Allah mit ihm zufrieden sein) keine anderen Muslime mehr. Diese beiden blieben auf Anweisung des geliebten Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in Mekka. Einige Muslime waren von den Götzendienern gewaltsam festgehalten worden. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, bereitete sich auf die Hijra nach Medina vor und wartete auf Allahs Anweisung, während Abu Bakr as-Siddiq (möge Allah mit ihm zufrieden sein) die Reiseausrüstung bereits gepackt hatte. (Zad al-Maʿad, Band 2, S. 52.)
Im Sahih al-Buchari wird von Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) überliefert, dass der geliebte Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu den Muslimen sagte: „Mir wurde der Ort eurer Auswanderung gezeigt. Es ist ein Gebiet zwischen zwei Bergen.“ Daraufhin begannen die Muslime, nach Medina auszuwandern, und auch diejenigen, die nach Abessinien ausgewandert waren, begannen, nach Medina zu kommen. Auch Abu Bakr (möge Allah mit ihm zufrieden sein) bereitete sich auf die Reise nach Medina vor. Der geliebte Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte zu ihm: „Warte. Ich vermute, dass auch mir die Anweisung zur Auswanderung erteilt werden wird.“ Abu Bakr (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: „Mögen meine Eltern für dich geopfert werden! Hoffst du auf die Erlaubnis zur Auswanderung?“ Der geliebte Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Ja.“ Danach begann Abu Bakr (möge Allah mit ihm zufrieden sein) zu warten, in der Hoffnung, der Reisegefährte des geliebten Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu werden. Er besaß zwei Kamelstuten, die vier Monate lang sorgfältig mit den Blättern des Bachla-Baumes gefüttert wurden (Sahih al-Buchari, Kapitel über die Auswanderung des Propheten, Bd. 1, S. 553).
Die Versammlung der Quraisch in Dar an-Nadwa
Als die Götzendiener von Mekka sahen, dass die edlen Gefährten ihre Familien und ihren Besitz zurückließen und das Gebiet der Aus und Chazradsch erreichten, waren sie ratlos. Sie gerieten vor Zorn in Unruhe. Zuvor waren sie niemals mit einer derart gefährlichen Lage konfrontiert gewesen. Diese Situation stellte einen schweren Schlag und eine Herausforderung für ihre Götzenverehrung und ihre wirtschaftliche Grundlage dar.
Die Götzendiener wussten sehr genau, dass Muhammad (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) über die Fähigkeit zur Führung und Rechtleitung sowie über die Kraft verfügte, Einfluss auszuüben. Ebenso war ihnen die Opferbereitschaft und der Mut, die seine Gefährten beseelten, keineswegs unbekannt. Der Ruf der Stämme Aus und Chazradsch als taktisch geschickte und kampferprobte Krieger war allgemein bekannt. Auch die außergewöhnliche Weisheit ihrer vorausschauenden Führer war allen bekannt: Sie verstanden es, je nach Lage zu kämpfen, aber bei Bedarf auch Frieden zu schließen und Übereinkünfte zu treffen. Nach der Verbitterung eines viele Jahre währenden Bürgerkriegs waren die Stämme Aus und Chazradsch nun bereit, sich bei Bedarf durch Frieden und ein Bündnis miteinander zu verbinden. Auch diese Nachricht war den Quraisch nicht unbekannt.
Die götzendienerischen Quraisch wussten, dass es entlang der Küste des Roten Meeres eine Route von Jemen nach Syrien gab, auf der die Handelskarawanen der Quraisch verkehrten. Diese Route war nicht weit von Medina entfernt. Daher war die Lage Medinas aus wirtschaftlicher und militärischer Sicht äußerst bedeutsam. Der jährliche Handelsumfang der Mekkaner mit Syrien entsprach, gemessen nach den damaligen Verhältnissen, zweihundertfünfzigtausend Goldmünzen; die Handelsgeschäfte mit Tabara und anderen Gebieten kamen noch hinzu. Deshalb verstanden sie sehr wohl, dass ihre Handelsinteressen nur durch die Gewährleistung der Sicherheit dieser Handelsroute geschützt werden konnten.
Aus dieser Darstellung wird deutlich, wie schwerwiegend die Folgen der Festigung der Grundlage der islamischen Daʿwa in Medina und der Vereinigung der Bewohner Medinas gegen die Mekkaner waren. Die Götzendiener waren über diese Gefahren genau informiert und erkannten, dass ihnen schwierige Zeiten und Herausforderungen bevorstanden. Deshalb begannen sie, über ein wirksames Mittel zur Bewältigung dieser Herausforderungen nachzudenken. Sie wussten, dass Muhammad (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), der Bannerträger des Islam, selbst der Ursprung all dieser Unruhen und Wirren war.
Etwa zweieinhalb Monate nach dem zweiten Treueid von al-Aqaba, am Freitag, dem 26. Safar, entsprechend dem 12. September 622 n. Chr. (diese Datierung wurde auf Grundlage der von Allama Mansurpuris ergänzten Angaben vorgenommen; Rahmatul lil-Alamin, Bd. 1, S. 95, 97, 102; Bd. 2, S. 471), fand am Morgen eine Versammlung statt. (Dass diese Versammlung in der ersten Tageszeit, also am Morgen, stattfand, wird in der Überlieferung Ibn Ishaqs belegt. Er berichtet, dass Gabriel (Friede sei mit ihm) zum geliebten Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) kam, ihm von dieser Versammlung berichtete und ihm die Erlaubnis zur Auswanderung erteilte. In Sahih al-Buchari wird von Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) überliefert, dass der geliebte Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) am Mittag zu Abu Bakr (möge Allah mit ihm zufrieden sein) kam und sagte: „Mir wurde die Erlaubnis erteilt, nach Medina aufzubrechen.“ Die ausführliche Darstellung wird später folgen.) Im Parlament von Mekka, Dar an-Nadwa, fand diese verwerflichste und abscheulichste Versammlung der Geschichte statt. An ihr nahmen Vertreter aller Stämme der Quraisch von Mekka teil. Gegenstand der Beratung war die Ausarbeitung eines Plans, durch den der Bannerträger der islamischen Daʿwa aus der Welt geschafft und das Licht des Islam für immer ausgelöscht werden sollte.
Die Vertreter der Stämme, die an dieser verwerflichen Versammlung teilnahmen
1. Abu Dschahl ibn Hischam, Stamm der Banu Machzum
2. Zubair ibn Mutʿim, Tuʿaima ibn Banu Nawfal ibn Abd Manaf
Adi und Harith ibn Amir
3. Schaiba ibn Rabiʿa, Utba ibn Rabiʿa
und Abu Sufjan ibn Harb, Banu Abd Schams ibn Abd Manaf
4. Nadr ibn Harith, Banu Abdud Dar
5. Abul Bukhtari ibn Hischam
Dschamʿa ibn al-Aswad und
Hakim ibn Hizam, Banu Asad ibn Abd al-Uzza
6. Nabih ibn al-Haddschadsch und Banu Sahm
Munabbih ibn al-Haddschadsch
7. Umaiya ibn Chalaf, Dschumah
Zur vorher festgelegten Zeit trafen die Vertreter in Dar an-Nadwa ein. Zu dieser Zeit nahm Iblis, der Schaitan, die Gestalt eines alten Mannes an und erschien am Versammlungsort. Er trug einen Umhang. Als die Leute ihn am Eingang sahen, sagten sie: „Wer sind Sie? Wir konnten Sie nicht erkennen.“ Der Schaitan sagte: „Ich bin ein alter Mann aus Nadschd. Nachdem ich von eurem Vorhaben gehört habe, bin ich hierhergekommen. Ich möchte eure Worte hören und hoffe, euch einige nützliche Ratschläge geben zu können.“ Die Götzendienerführer nahmen den Schaitan freundlich und ehrenvoll in ihrer Mitte auf.
Der Plan zur Ermordung des Gesandten Allahs
Nachdem alle eingetroffen waren, begann die Beratung. Nach einer langen Diskussion wurden verschiedene Vorschläge vorgebracht. Zuerst schlug Abu al-Aswad vor: „Wir werden ihn aus unserer Mitte vertreiben und ihm nicht gestatten, in Mekka zu bleiben. Wir werden uns überhaupt nicht darum kümmern, wohin er geht und was er tut. So können wir in Sicherheit leben und die frühere Eintracht unter uns wird zurückkehren.“
Der Schaitan in Gestalt des Scheichs aus Nadschd sagte: „Das ist kein brauchbarer Vorschlag. Habt ihr nicht bemerkt, wie vortrefflich und süß seine Worte sind? Er gewinnt die Herzen der Menschen mühelos. Wenn ihr euch ihm gegenüber gleichgültig verhaltet, wird er zu einem arabischen Stamm gehen, dort erscheinen und sie zu seinen Anhängern machen. Danach wird er euch angreifen und euch in eurer eigenen Stadt vernichten; dann wird er mit euch machen, was ihm beliebt. Denkt deshalb über einen anderen Vorschlag nach.“
Abul-Bachtari sagte: „Man soll ihn in eiserne Ketten legen, ihn festhalten und von außen die Tür eines verschlossenen Raumes verriegeln. Dadurch wird er in diesem Raum sterben, so wie die Dichter Zuhair und Nabigha auf diese Weise gestorben sind.“
Der als Scheich Nadschdi verkleidete Satan sagte: „Auch dieser Vorschlag ist nicht annehmbar. Wenn ihr ihn festnehmt und in einem Haus einsperrt, wird seine Nachricht auf irgendeine Weise seine Gefährten erreichen. Dann werden sie sich gemeinsam gegen euch wenden, ihn befreien und anschließend, nachdem die Zahl seiner Unterstützer angewachsen ist, gegen euch kämpfen. In diesem Kampf ist eure Niederlage unausweichlich. Denkt daher über einen anderen Vorschlag nach.“
Nachdem die beiden genannten Vorschläge verworfen worden waren, wurde ein dritter Vorschlag unterbreitet. Abu Dschahl, der schlimmste Verbrecher von Mekka, brachte ihn vor und sagte: „Ich habe in dieser Angelegenheit nur einen einzigen Vorschlag. Soweit ich sehen kann, ist bisher niemand auch nur in die Nähe dieses Vorschlags gekommen.“ Alle sagten: „Sprich, Abul-Hakam – was ist dieser Vorschlag?“ Abu Dschahl sagte: „Man wählt aus jedem Stamm einen jungen Mann aus und gibt jedem von ihnen ein scharfes Schwert. Dann greifen diese bewaffneten, starken jungen Männer ihn gemeinsam an und töten ihn auf eine Weise, als hätte nur ein einziger Mann zugeschlagen. So werden wir diesen Mann los. Wenn er auf diese Weise getötet wird, verteilt sich die Verantwortung für seine Tötung auf alle Stämme. Die Banu Abd Manaf können schließlich nicht gegen alle Stämme Krieg führen und werden sich daher bereit erklären, das Blutgeld anzunehmen. Wir werden ihnen dann das Blutgeld für seine Tötung zahlen.“ (Ibn Hischam, Bd. 1, S. 480–482.)
Der als Scheich Nadschdi verkleidete Satan unterstützte diesen Vorschlag. Das Parlament von Mekka erzielte Einmütigkeit über ihn, und alle kehrten mit dem Entschluss nach Hause zurück, den Vorschlag unverzüglich in die Tat umzusetzen.
Die Auswanderung des Gesandten Allahs
Nachdem der niederträchtige Vorschlag zur Ermordung des auserwählten Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, angenommen worden war, erschien Dschibril, Friede sei mit ihm, mit der Offenbarung beim geliebten Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Er informierte den Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, über die Verschwörung der Quraisch und sagte, dass Allah, der Erhabene, ihm die Auswanderung aus Mekka erlaubt habe. Als er ihm die Zeit der Auswanderung mitteilte, sagte Dschibril, Friede sei mit ihm, zum geliebten Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm: „Du sollst heute Nacht nicht auf dem Bett in deinem Haus schlafen.“ (Ibn Hischam, Bd. 1, S. 480–482; Zad al-Maʿad, Bd. 2, S. 52.)
Nachdem der Prophet diese Nachricht erhalten hatte, ging er genau zur Mittagszeit zum Haus von Abu Bakr, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm. Sein Ziel war es, gemeinsam mit ihm die Auswanderung zu planen. Aischa, Allahs Wohlgefallen sei auf ihr, berichtet: „Genau zur Mittagszeit saßen wir im Haus von Abu Bakr, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm. Da sagte jemand zu Abu Bakr: ‚Der Gesandte Allahs kommt hierher, wobei er seinen Kopf verhüllt hat.‘ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, pflegte zu dieser Zeit nicht zu kommen. Als Abu Bakr, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, dies hörte, sagte er: ‚Mögen meine Eltern für ihn geopfert sein! Er ist gewiss wegen einer wichtigen Angelegenheit gekommen.‘“
Aischa, Allahs Wohlgefallen sei auf ihr, berichtet: „Als der geliebte Prophet kam, bat er um Erlaubnis, das Haus zu betreten. Nachdem ihm die Erlaubnis erteilt worden war, trat er ein. Dann sagte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu Abu Bakr: ‚Schicke diejenigen, die sich bei dir befinden, hinaus.‘ Abu Bakr, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, sagte: ‚Es ist nur deine Ehefrau hier.‘ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: ‚Mir ist erlaubt worden aufzubrechen.‘ Abu Bakr, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, fragte den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm: ‚Und ich, soll ich dich begleiten? O Gesandter, mögen meine Eltern für dich geopfert sein!‘ Der geliebte Gesandte sagte: ‚Ja.‘“ (Zad al-Maʿad, Bd. 1.)
Danach erstellte er den Plan für die Hidschra, kehrte in sein Haus zurück und wartete auf die Nacht (Sahih al-Buchari, Kapitel über die Hidschra des Propheten, Bd. 1, S. 553).
Die Umzingelung des Wohnhauses des Gesandten Allahs
Unterdessen trafen die führenden Verbrecher der Quraisch gemäß dem einstimmig gefassten Beschluss des Parlaments von Mekka, Dar an-Nadwa, den ganzen Tag über Vorbereitungen. Aus den übelsten Verbrechern wurden elf Anführer ausgewählt. Ihre Namen waren:
1. Abu Dschahl ibn Hischam
2. Hakam ibn As
3. Uqba ibn Abu Muait
4. Nadr ibn Harith
5. Umayya ibn Chalaf
6. Dschamʿa ibn al-Aswad
7. Tuʿaima ibn ʿAdī
8. Abū Lahab
9. Ubai ibn Chalaf
10. Nubaia ibn Haddschādsch
11. Munabbih ibn Haddschādsch (Zād al-Maʿād, Bd. 1, S. 52)
Ibn Ishāq berichtet: Als die Dunkelheit der Nacht dichter wurde, lauerten elf Übeltäter rund um das Wohnhaus des Propheten (s.); sie warteten darauf, gemeinsam über ihn herzufallen, sobald er sich niedergelegt hatte.
Die Übeltäter glaubten von ganzem Herzen, dass ihre abscheuliche Verschwörung gewiss erfolgreich sein würde (Ibn Hischām, Bd. 1, S. 482). Abū Dschahl scherzte und spottete mit seinen Gefährten und sagte: „Muhammad behauptet, wenn ihr seine Religion annehmt und ihm folgt, werdet ihr Könige der Araber und der Nichtaraber werden. Wenn ihr nach dem Tod wiederauferweckt werdet, wird es für euch ein Paradies wie die Gärten Jordaniens geben. Wenn ihr ihn jedoch nicht tötet, werden sie euch abschlachten, und wenn ihr nach dem Tod wiederauferweckt werdet, werdet ihr im Feuer verbrannt werden.“ (Ibn Hischām, Bd. 1, S. 483)
Für die Umsetzung der Verschwörung war die Zeit nach Mitternacht festgelegt worden. Deshalb warteten sie mit schlaflosen Augen auf den festgesetzten Zeitpunkt. Doch Allah der Erhabene lässt Seinen Willen allein Erfolg haben. Er ist der König der Himmel und der Erde; Er tut, was Er will. Niemand kann demjenigen schaden, den Er retten will, und niemand kann demjenigen entkommen, den Er ergreifen will. Auch zu dieser Zeit tat Allah der Erhabene, was Er wollte. Er sagte, indem Er den geliebten Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ansprach: „Und gedenke, als die Ungläubigen gegen dich Ränke schmiedeten, um dich gefangen zu nehmen, dich zu töten oder dich zu vertreiben. Sie schmieden Ränke, und auch Allah plant; und Allah ist der Beste derer, die Pläne schmieden.“ (Sure al-Anfal, Vers 30).
Der Auszug des Gesandten Allahs aus seinem Haus
Trotz der abschließenden Vorbereitungen und aller Anstrengungen der ungläubigen Quraisch, ihren Plan umzusetzen, konnten sie keinen Erfolg haben. In dieser äußerst schwierigen Lage sagte der geliebte Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu Ali, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm: „Lege diese meine grüne Hadrami-Decke an und schlafe in meinem Bett. Von ihnen wird dir kein Schaden zugefügt werden.“ Der geliebte Prophet pflegte nachts in diese Decke gehüllt zu schlafen. (Ibn Hischam, Band 1, S. 482–483).
Danach trat der Gesandte Allahs hinaus, nahm eine Handvoll Staub und warf ihn den Ungläubigen entgegen. Daraufhin ließ Allah der Erhabene sie erblinden, sodass sie den Gesandten Allahs nicht sehen konnten. Zu jener Zeit rezitierte der Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, folgenden Vers aus dem Heiligen Qur’an: „Und Wir haben vor ihnen eine Mauer errichtet und hinter ihnen eine Mauer, und Wir haben sie verhüllt, sodass sie nicht sehen können.“ (Sure Ya-Sin, Vers 9).
Der auf den Kopf jedes Götzendieners geworfene Staub fiel herab. Danach ging er zum Haus von Abu Bakr, trat durch ein Fenster dieses Hauses hinaus, und beide machten sich auf dem Weg über Jemen nach Medina auf. Nach ihrem Aufbruch legten sie in einer Höhle am Berg Thawr, die mehrere Meilen entfernt lag, eine Reisepause ein. (Ibn Hischam, Band 1, S. 483; Zad al-Maʿad, Band 2, S. 52).
Währenddessen warteten die Belagerer auf den festgesetzten Zeitpunkt. Doch noch vor dessen Eintreten erfuhren sie von ihrem eigenen Scheitern. Ein unbekannter Mann kam und sagte zu den Übeltätern: „Auf wen wartet ihr hier?“ Sie antworteten: „Auf Muhammad.“ Da sagte der Mann: „Euer Wunsch wird sich nicht erfüllen. Bei Allah, Muhammad hat euch Staub auf eure Köpfe geworfen und ist vor euren Augen zu seinem Ziel gegangen.“ Als sie dies hörten, sagten sie: „Wie kann das sein? Wir haben ihn doch nicht gesehen.“ Da legten sie alle die Hände auf ihre Köpfe und fanden dort Staub. Anschließend schüttelten sie den Staub ab und standen alle auf.
Danach blickten sie in das Haus des geliebten Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, hinein und sahen, dass jemand im Bett des Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, lag. Sie hielten Ali für den Gesandten Allahs und warteten bis zum Morgen. Als die Übeltäter am Morgen sahen, wie Ali, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, das Bett verließ, wurden sie zutiefst enttäuscht. Sie fragten Ali, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm: „Wo ist der Gesandte Allahs?“ Ali, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, antwortete: „Ich weiß es nicht.“ (Zad al-Maʿad, Band 1, S. 52; Ibn Hischam, Band 1, S. 483).
Vom Haus zur Höhle Thawr
Der edle Gesandte wanderte in der Nacht zum 12. September 622 n. Chr., entsprechend dem 27. Safar, aus; dies war die Nacht zwischen dem 12. und 13. September. Sein Reisegefährte war sein treuester Gefährte, Abu Bakr (möge Allah mit ihm zufrieden sein). Beide eilten vor Sonnenaufgang vorwärts, um das Gebiet von Mekka zu verlassen (Rahmatul lil-Alamin, Bd. 1, S. 95. Dieser Monat der Reise wird als das vierzehnte Jahr der Prophetenschaft gerechnet, wenn man das Jahr mit dem Monat Muharram beginnen lässt. Wenn man den Beginn des Jahres mit dem Monat der Berufung zur Prophetenschaft ansetzt, ist Safar das dreizehnte Jahr der Prophetenschaft. Die meisten Verfasser von Sira-Werken haben die Jahreszählung mit Muharram beginnen lassen, während einige beide Berechnungsweisen verwendet haben. Daher haben sie bei der Festlegung des Datums der Auswanderung unterschiedliche Angaben gemacht. Wir haben die Jahreszählung ab Muharram zugrunde gelegt.)
Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) wusste, dass die Verbrecher der Quraisch ihn mit allen Kräften suchen und sich naturgemäß in Richtung des Weges nach Medina begeben würden. Daher schlug der edle Prophet den entgegengesetzten Weg in Richtung Jemen ein. Der Weg nach Medina führt von Mekka nach Norden, der Weg in den Jemen nach Süden. Nachdem sie etwa fünf Meilen zurückgelegt hatten, erreichte der edle Prophet den Fuß eines Berges, der als Berg Thawr bekannt ist. Es handelt sich um einen sehr hohen Berg, dessen Aufstieg äußerst beschwerlich ist und an dem sich zahlreiche Felsen befinden. Beim Überqueren dieser Felsen wurden die beiden Füße des edlen Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) blutig. Es wird berichtet, dass er auf den Fersen ging, um seine Fußspuren zu verbergen; dadurch wurden seine Füße verletzt.
Abu Bakr (möge Allah mit ihm zufrieden sein) stieg zunächst ein Stück den Berg hinauf und half dem edlen Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) beim Aufstieg. Danach suchten beide Zuflucht in einer Höhle auf dem Gipfel des Berges. Diese Höhle ist in der Geschichte unter dem Namen Ghar Thawr berühmt (Rahmatul lil-Alamin, Bd. 1, S. 95; Mukhtasar as-Sira, Scheich Abdullah, S. 1677; Ibn Hischam, Bd. 1, S. 482).
In der Höhle des Berges Thawr
Als sie die Höhle erreichten, sagte Abu Bakr zum Gesandten Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm –: „Warte bitte einen Augenblick. Falls sich in der Höhle etwas befindet, werde ich mich selbst darum kümmern.“ Danach betrat er die Höhle und säuberte sie. Es gab mehrere Öffnungen, die er mit Streifen seines Hüfttuchs verschloss. Zwei Öffnungen blieben übrig; auf diese drückte er seine Füße und bat den geliebten Gesandten Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm –, hereinzukommen. Der geliebte Prophet trat ein und schlief mit dem Kopf in Abu Bakrs Schoß ein. Inzwischen wurde Abu Bakr von irgendetwas gestochen. Aus Angst, den Schlaf des geliebten Gesandten Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – zu stören, bewegte er sich jedoch nicht. Wegen der Schmerzen des Giftes füllten sich seine Augen mit Tränen. Unwillkürlich fiel eine Träne auf das Gesicht des geliebten Gesandten Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm –, worauf dieser erwachte und Abu Bakr fragte: „Was ist mit dir geschehen?“ Er antwortete: „Etwas hat mich offenbar gestochen.“
Als der Gesandte Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – dies hörte, nahm er etwas Speichel und trug ihn auf die gestochene Stelle auf; sofort verschwanden die Gifteschmerzen. (Diese Aussage wurde von Umar ibn al-Chattab – möge Allah mit ihm zufrieden sein – überliefert. In dieser Überlieferung heißt es außerdem, dass später die Folgen jenes Giftes auftraten und er unter dessen Wirkung verstarb. Siehe Mischkat, Band 2, S. 556, das Kapitel „Abu Bakr“ im Abschnitt über die Vorzüge.)
Dort blieben die beiden drei Tage lang, am Freitag, Samstag und Sonntag (Fath al-Bari, Band 7, S. 336). Während dieser Zeit verbrachte auch Abdullah, der Sohn von Abu Bakr, die Nächte bei ihnen. Aischa – möge Allah mit ihr zufrieden sein – sagte: „Abdullah war ein sehr kluger junger Mann. Gegen Ende der Nacht verließ er die beiden, doch am Morgen wurde er in Mekka gesehen. Jeder, der ihn sah, musste glauben, dass er die Nacht in Mekka verbracht hatte. Alles, was er den ganzen Tag über an Nachrichten über die Verschwörungen gegen die beiden hörte, brachte er bei Einbruch der Dunkelheit zur Ghar Thawr.“
Unterdessen hütete Amir ibn Zuhayra, der Sklave Abu Bakrs, Schafe. Wenn die Nacht tief geworden war, ging er mit den Schafen zu ihnen, molk sie und brachte ihnen die Milch. Beide tranken sie mit Genuss. Im frühen Morgengrauen zog Amir mit den Schafen wieder los. Drei Nächte lang tat er dies (Sahih al-Buchari, Band 1, S. 553–554). Außerdem verwischte Amir ibn Zuhayra die Spuren von Abdullah ibn Abu Bakrs Weg nach Mekka, indem er die Schafe über denselben Weg trieb (Ibn Hischam, Band 1, S. 486).
Die Verfolgung durch die Quraisch
Nachdem der Plan der Quraisch gescheitert war und sie eindeutig erkannt hatten, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ihren Händen entkommen war, gerieten sie gleichsam in Raserei. Zuerst ließen sie ihren Zorn an Hadhrat Ali aus, zerrten ihn zur Kaaba und versuchten, ihm ein Geständnis zu entlocken (Rahmatul lil-Alamin, Bd. 1, S. 99). Doch dies brachte ihnen keinen Nutzen. Danach gingen sie zum Haus von Hadhrat Abu Bakr. Die Tür wurde von Hadhrat Asma bint Abu Bakr geöffnet. Man fragte sie: „Wo ist dein Vater?“ Sie antwortete: „Ich weiß es nicht.“ Als der Übeltäter Abu Dschahl diese Antwort hörte, gab er Asma eine so heftige Ohrfeige, dass ihr Ohrring herausfiel (Ibn Hischam, Bd. 1, S. 487).
Danach versammelten sich die Führer der Quraisch zu einer dringenden Beratung und beschlossen, eine umfassende Verfolgungsaktion einzuleiten, um den Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und Hadhrat Abu Bakr, möge Allah mit ihm zufrieden sein, festzunehmen. Sie ließen alle Wege, die von Mekka nach außen führten, streng bewachen. Zugleich wurde verkündet, dass demjenigen hundert Kamele als Belohnung gegeben würden, der Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und Abu Bakr, möge Allah mit ihm zufrieden sein, oder einen von beiden lebend oder tot herbeischaffen würde (Sahih al-Buchari, Bd. 1, S. 554). Nachdem diese Ankündigung überall verbreitet worden war, machten sich zahlreiche Menschen in alle Richtungen auf. Auch Fährtensucher begannen, nach den beiden zu suchen, und durchstreiften überall die Berglandschaften sowie die hoch und niedrig gelegenen Gebiete. Doch trotz all dieser Bemühungen erzielten sie keinen Erfolg.
Die Verfolger gelangten sogar in die Nähe der Höhle am Berg Thaur. Doch Allah, der Herrscher der ganzen Welt, lässt Seinen Willen in Erfüllung gehen. In Sahih al-Buchari wird von Hadhrat Anas, möge Allah mit ihm zufrieden sein, überliefert, dass Hadhrat Abu Bakr, möge Allah mit ihm zufrieden sein, sagte: „Ich war mit dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in der Höhle. Als ich den Kopf hob, sah ich die Füße der Menschen. Ich sagte: ‚O Gesandter Allahs, wenn einer von ihnen sich nur ein wenig bücken und hierher schauen würde, könnte er uns sehen.‘ Der edle Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: ‚Abu Bakr, sei still! Wir sind hier nicht zu zweit; vielmehr ist Allah der Dritte bei uns.‘ In einer anderen Überlieferung heißt es, dass der edle Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: ‚Abu Bakr, was denkst du über zwei Menschen, deren Dritter Allah ist?‘“ (Sahih al-Buchari, Bd. 1, S. 516, 558). Hier ist zu beachten, dass die Unruhe von Hadhrat Abu Bakr nicht dem Schutz seines eigenen Lebens galt; er war um den edlen Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, besorgt. Er konnte die Füße der Übeltäter sehen und wurde deshalb unruhig. Er sagte: „Wenn ich sterbe, wird nur ein Abu Bakr sterben; wenn aber du stirbst, wird die gesamte Umma zugrunde gehen.“ Zu dieser Zeit sagte der Gesandte: „Fürchte dich nicht, Abu Bakr. Allah, der Erhabene, ist mit uns.“
Kurz gesagt: Die Verfolger zogen erst dann ab, als zwischen dem Gesandten Allahs und den Übeltätern nur ein sehr geringer Abstand von wenigen Schritten lag.
Auf dem Weg nach Medina
Die von den Quraisch in Mekka angeführte Suche der belohnungshungrigen Männer erwies sich als erfolglos. Nachdem sie drei Tage lang ununterbrochen gesucht hatten, waren sie erschöpft und verzweifelt. Ihr Eifer bei der Suche ließ allmählich nach. Als der edle Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und Hadhrat Abu Bakr, möge Allah mit ihm zufrieden sein, dies bemerkten, brachen sie auf dem Weg nach Medina auf. Mit Abdullah ibn Urayqit al-Laithi, der mit den verschiedenen Wegen vertraut war, war bereits vereinbart worden, dass er die beiden gegen Bezahlung nach Medina bringen würde. Obwohl dieser Mann dem Glauben der Quraisch angehörte, war er vertrauenswürdig. Deshalb waren ihm auch Reittiere übergeben worden. Man hatte ihm gesagt, dass er nach drei Tagen mit zwei Reittieren vor der Höhle am Berg Thaur erscheinen solle. In der Montagnacht, entsprechend der Nacht zum Montag, dem 16. September 622 n. Chr., dem 1. Rabi al-awwal, kam Abdullah ibn Urayqit mit den Reittieren. Hadhrat Abu Bakr zeigte dem Gesandten seine beiden Kamelstuten und sagte: „O Gesandter, nimm eine von diesen beiden.“ Der Gesandte sagte: „Ja, aber gegen Bezahlung.“
Unterdessen brachte Asma bint Abu Bakr, möge Allah mit ihr zufrieden sein, eine Decke zum Ausbreiten auf dem Kamel mit, hatte jedoch vergessen, das Befestigungsseil mitzubringen. Als sie aufbrechen wollten und Hadhrat Asma die Decke auf den Rücken des Kamels gelegt hatte, stellte sich heraus, dass sie das Befestigungsseil zurückgelassen hatte. Daraufhin löste sie ihren Hüftgurt, zerriss ihn in zwei Teile, band mit dem einen Teil die Decke am Rücken des Kamels fest und band den anderen Teil um ihre eigene Hüfte. Aus diesem Grund erhielt sie den Beinamen „Dhat an-Nitaqain“ (Sahih al-Buchari, Bd. 1, S. 553–555; Ibn Hischam, Bd. 1, S. 486).
Danach brachen der geliebte Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, und Hadhrat Abu Bakr (r.a.) auf. Auch Amir ibn Zuhaira war bei ihnen. Der Führer Abdullah ibn Urayqit reiste auf dem Küstenweg nach Medina.
Nachdem sie die Höhle Thaur verlassen hatten, ging Abdullah zunächst weit in Richtung Jemen, also nach Süden. Danach wandte er sich nach Westen und zog entlang der Meeresküste weiter. Später nahm er einen Weg, den kein gewöhnlicher Mensch kannte, und bewegte sich auf diesem Weg nach Norden. Dieser Weg verlief an der Küste des Roten Meeres und wurde nur äußerst selten benutzt.
Ibn Ishaq erwähnte die Orte, die der Gesandte Allahs auf diesem Weg passierte. Er sagte: Als der Wegführer mit ihnen aufbrach, führte er sie zunächst durch das Tiefland von Mekka. Nachdem sie an der Küste entlanggezogen waren, bog er in der Niederung von Asfan ab, ging über Saniyyat al-Murra, dann über Laqaf und durch das weite Gebiet von Laqaf. Danach erreichten sie das weite Gebiet des Hidschas. Von dort gelangten sie über die Abzweigung von Mudschahir in eine fruchtbare Gegend. Anschließend betraten sie die Ebene von Dhī Kischra und gingen in Richtung Dschudschada. Von dort erreichten sie Asd. Danach durchquerten sie, am weiten Gebiet von Tahan vorbei, Dhū Salam. Von dort zogen sie weiter nach Abadi und anschließend in Richtung Fādscha. Danach stiegen sie in Adschir ab, gingen später rechts an Raqūba vorbei nach Laniyyat al-Adschir und stiegen im Tal von Rīm ab. Schließlich erreichten sie Qubā. (Ibn Hischam, Band 1, S. 491–492.)
Einige Ereignisse unterwegs
Erstens: Im Sahih al-Buchari wird von Hadhrat Abu Bakr as-Siddiq (r.a.) überliefert, dass er sagte: Nachdem wir die Höhle Thaur verlassen hatten, wanderten wir die ganze Nacht hindurch und setzten unseren Weg bis zum folgenden Mittag fort. Genau zur Mittagszeit war kein Reisender auf dem Weg. Da sahen wir eine langgestreckte Ebene, in der es keinen Sonnenschein gab, und ließen uns dort nieder. Mit meinen eigenen Händen ebnete ich einen Platz, an dem der geliebte Prophet, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, liegen konnte, und breitete dort ein Tuch aus. Dann sagte ich zum geliebten Propheten, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden: „O Gesandter Allahs, leg dich hin und ruhe dich aus; ich werde auf die Umgebung achten.“ Der Prophet legte sich nieder, während ich nach allen Seiten Ausschau hielt. Plötzlich sah ich einen Hirten mit einigen Ziegen auf uns zukommen. Er kam in den Schatten der Ebene. Ich sagte zu ihm: „Geben deine Ziegen etwas Milch?“ Er antwortete: „Ja.“ Ich fragte: „Darf ich sie melken?“ Er sagte: „Ja.“ Daraufhin holte er eine Ziege. Ich sagte: „Säubere ihr Euter ein wenig von Erde, Stroh und Haaren.“ Nachdem er es gereinigt hatte, molk er etwas Milch in einen Becher. Ich hatte einen ledernen Behälter bei mir, den ich für die Gebetswaschung und zum Trinken des Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, aufbewahrte. Als ich zum geliebten Propheten kam, sah ich, dass er eingeschlafen war, und hielt es nicht für angebracht, ihn zu wecken. Nach einiger Zeit wachte er auf. Ich mischte etwas Wasser unter die Milch, wodurch der untere Teil des Gefäßes kühl wurde, und sagte zu ihm: „Trink diese Milch.“ Er trank sie und freute sich darüber. Danach sagte er: „Ist es noch nicht Zeit aufzubrechen?“ Ich antwortete: „Doch, gewiss.“ Dann brachen wir wieder auf. (Sahih al-Buchari, Band 1, S. 556.)
Zweitens: Während dieser Reise saß Hadhrat Abu Bakr (r.a.) hinter dem Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden. Der Blick der Reisenden fiel zuerst auf ihn, weil sein Gesicht die Spuren des Alters trug; im Vergleich dazu wirkte der Gesandte Allahs jünger. Wenn ein Reisender fragte: „Wer ist der Mann vor Ihnen?“, antwortete Hadhrat Abu Bakr (r.a.): „Er führt mich.“ Der Fragende verstand darunter, dass er ihn durch die Wüste führte. In Wirklichkeit meinte Hadhrat Abu Bakr as-Siddiq (r.a.) den Weg der Frömmigkeit und des Guten. (Sahih al-Buchari, Band 1, S. 556.)
Drittens: Während dieser Reise machte der geliebte Prophet, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, für kurze Zeit bei dem Zelt von Umm Ma’bad al-Chuza’iyya Halt. Diese Frau war sehr klug und saß im Hof ihres Hauses. Vorüberziehende Reisende bewirtete sie nach Möglichkeit mit Essen und Trinken. Der geliebte Prophet, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, fragte sie: „Hast du etwas bei dir?“ Die Frau sagte: „Wenn ich etwas hätte, würde ich es euch an Gastfreundschaft nicht fehlen lassen. Wir haben einige Ziegen, die sich auf einer entfernten Weide befinden; derzeit herrscht eine Dürre.“
Der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, bemerkte, dass an einer Seite des Hauses eine Ziege angebunden war. Er fragte: „Umm Ma’bad, warum ist diese Ziege hier?“ Umm Ma’bad antwortete: „Diese Ziege ist sehr schwach und kann nicht laufen.“ Der geliebte Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, fragte: „Wenn du es erlaubst, soll ich sie melken?“ Die Frau sagte: „Ja, wenn du Milch siehst, dann melke sie nur.“ Daraufhin legte der geliebte Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, seine Hand an das Euter der Ziege, sprach den Namen Allahs und betete. Sofort streckte die Ziege ihre Beine aus und stand auf; ihr Euter war voller Milch. Der geliebte Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, nahm ein großes Gefäß und molk die Ziege hinein. Das Gefäß war so voller Milch, dass eine Gruppe von Menschen sich daran hätte satt trinken können. Nachdem er gemolken hatte, war das Gefäß mit Schaum gefüllt. Er gab seinen Gefährten davon zu trinken, und Umm Ma’bad trank selbst. Danach molk er noch einmal in dasselbe Gefäß. Dieses ließ er, mit Milch gefüllt, im Haus von Umm Ma’bad zurück, und der Gesandte Allahs brach zu seinem Ziel auf.
Nach einiger Zeit kehrte der Ehemann der Frau mit einer Herde Ziegen nach Hause zurück. Auch diese Ziegen waren schwach und keuchten erschöpft vom Weg. Der Ehemann von Umm Maʿbad, Abū Maʿbad, war beim Anblick der Milch völlig erstaunt! Er fragte: „Woher hast du Milch bekommen?“ Umm Maʿbad antwortete: „Alle milchgebenden Ziegen habe ich zum Weideland geführt; zu Hause war keine Ziege, die Milch geben konnte.“ Dann sagte Umm Maʿbad: „Ein gesegneter Mann kam zu uns. Seine Beschreibung war so und sein Zustand war so.“ Nachdem Abū Maʿbad alles angehört hatte, sagte er: „Das muss wohl der Mann sein, nach dem die Quraisch suchen. Nun beschreibe mir bitte etwas von seinem Aussehen und seiner Wesensart.“ Umm Maʿbad schilderte daraufhin den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in äußerst anziehender und eindrucksvoller Weise. Ihre Art der Beschreibung war so lebendig, dass der Zuhörer meinte, ihn vor seinen Augen sehen zu können. Diese Einzelheiten werden gegen Ende des Buches erwähnt werden. Nachdem er die überragende Schilderung des Besuchers gehört hatte, sagte Abū Maʿbad: „Bei Allah, das ist der Mann der Quraisch, von dem die Leute berichtet haben. Ich wünschte, ich könnte einer seiner vertrauten Gefährten werden; wenn ich irgendeinen Weg dazu finde, werde ich es gewiss tun.“
Unterdessen schwebten im Wind von Mekka einige Worte im Rhythmus eines Gedichts dahin. Derjenige, der das Gedicht rezitierte, war nicht zu sehen. Die Bedeutung des Gedichts lautet wie folgt:
Möge Allah jene beiden belohnen
die bei Umm Maʿbad eingekehrt sind
wohlbehalten Halt machten, aufbrachen und wieder erfolgreich waren.
Er ist der Gefährte Muhammads,
ach, Qusai, von euch
nahm Allah beispiellosen Erfolg und die Führung.
Die Frau von Bun Kaʿb – oh, wie glücklich sie ist!
Gesegnet sei jene Wohnstätte für die Gläubigen!
Fragt die Frau nach der Ziege und nach dem Gefäß.
Auch jene Ziege wird Zeugnis ablegen; geht zu der Ziege.
Umm Salama (möge Allah mit ihr zufrieden sein) berichtet: Wir wussten nicht, in welche Richtung Allahs Gesandter aufgebrochen war. Plötzlich kam ein Dschinn nach Mekka und trug diese Verse vor. Die aufgeregten Menschen konnten den Dschinn nicht finden; sie liefen der Stimme hinterher und lauschten ihr. Schließlich verhallte die Stimme in den höher gelegenen Gegenden von Mekka. Als wir diese Verse hörten, verstanden wir, in welche Richtung der geliebte Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gegangen war. Es wurde ganz deutlich, dass er sich auf dem Weg nach Medina befand. (Zād al-Maʿād, Band 2, S. 53–54. Wenn man die Lage des Stammes Banū Chuzāʿa berücksichtigt, wird deutlich, dass sich dieses Ereignis am zweiten Tag nach der Abreise des edlen Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nach Medina ereignete.)
Vier: Unterwegs verfolgte Suraqa ibn Mālik den geliebten Propheten und Hadhrat Abū Bakr (möge Allah mit ihm zufrieden sein). Suraqa erzählte das Ereignis folgendermaßen: Ich saß in einer Versammlung meines Volkes, der Banū Mudlij, als ein Mann zu uns kam und sich neben uns stellte. Nach einer Weile setzte er sich. Der Mann sagte: „O Suraqa, soeben habe ich an der Küste einige Leute gesehen. Ich vermute, dass es Muhammad und sein Gefährte sind.“ Suraqa sagte: Ich erkannte, dass sie es waren, doch um meine Absicht vor dem Überbringer dieser Nachricht zu verbergen, sagte ich: „Nein, nein, das sind sie nicht. Diejenigen, die du gesehen hast, haben auch wir gesehen; sie sind vor unseren Augen vorbeigegangen.“ Danach blieb ich noch eine Weile in der Versammlung sitzen. Dann ging ich ins Haus und bat meine Sklavin, mein Pferd herauszubringen. Als das Pferd herausgebracht war, sagte ich ihr: „Bring es hinter den Hügel und warte dort auf mich; ich komme gleich.“ Darauf nahm ich einen Speer, ging hinter dem Haus hinaus, hielt ein Ende des Speers fest und schleifte das andere Ende über den Boden, bis ich zu meinem Pferd gelangte. Als ich auf dem Pferd saß, galoppierte es mit mir davon. Schließlich erreichte ich sie in der Küstengegend. Plötzlich begann das Pferd zu springen, und ich fiel von seinem Rücken. Ich bestieg es erneut, griff nach meinem Köcher und zog einen Wahrsagepfeil heraus, um herauszufinden, ob ich sie ins Unglück stürzen könne. Doch der gezogene Pfeil war mir unlieb. Ich bemerkte, dass Allahs Gesandter unbeeindruckt und vollkommen konzentriert den Qurʾān rezitierte und seine Aufmerksamkeit in keine andere Richtung wandte. Abū Bakr as-Siddīq blickte zurück und sah mich. Plötzlich sanken die beiden Vorderbeine meines Pferdes bis zu den Knien in den Boden ein. Schließlich fiel ich vom Pferd. Ich trieb es an, und es wollte aufstehen. Mit großer Mühe hob es seine Beine wieder aus dem Boden. Als es die Beine hob, stieg aus den Abdrücken seiner Hufe Staub wie Rauch empor. Ich prüfte mein Schicksal erneut mit einem Wahrsagepfeil; wieder kam ein Pfeil heraus, den ich nicht wollte. Danach rief ich ihnen mit normaler Stimme zu, und sie blieben stehen. Auf dem Rücken meines Pferdes gelangte ich zu ihnen. Sobald ich sie angehalten hatte, kam mir plötzlich der Gedanke, dass Allahs Gesandter siegreich sein würde. Da sagte ich zu Allahs Gesandtem: „Deine Stammesangehörigen haben für deine Ergreifung eine Belohnung ausgesetzt.“ Zugleich unterrichtete ich ihn über die Pläne der Leute von Mekka. Ich wollte ihm auch etwas Reiseproviant geben, doch er nahm nichts an und stellte mir keine einzige Frage. Er sagte nur: „Wahrt über unsere Angelegenheit die Geheimhaltung.“ Ich sagte zu ihm: „Stelle mir bitte eine Schutzurkunde aus.“ Darauf befahl Allahs Gesandter ʿĀmir ibn Fuhaira, einige Worte auf ein Stück Leder zu schreiben, und gab es mir als Schutzurkunde. Danach zog Allahs Gesandter weiter. (Sahīh al-Buchārī, Band 1, S. 554. Der Geburtsort der Banū Mudlij lag in der Nähe von Bābig. Während Suraqa sie verfolgte, stieg der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, von Qudāid aus bergauf. Zād al-Maʿād, Band 2, S. 53. Es scheint, dass sich dieses Ereignis am dritten Tag nach der Abreise aus der Höhle Thaur ereignete.)
Über dieses Ereignis gibt es einen Bericht von Hadhrat Abū Bakr. Er sagte: Nachdem wir aufgebrochen waren, suchten die Leute unseres Volkes nach uns, doch außer Suraqa ibn Mālik ibn Dschuschum konnte uns niemand sehen. Suraqa kam auf seinem Pferd. Ich sagte: „O Gesandter Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ein Mann ist hinter uns her; er ist ganz nahe herangekommen.“ Der geliebte Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte sogleich: „Lā taḥzan, innallāha maʿanā“ – das heißt: „Fürchte dich nicht, Allah ist mit uns.“ (Sahīh al-Buchārī, Band 1, S. 516.)
Als Suraqa nach Mekka zurückkehrte, stellte er fest, dass die Suche noch immer andauerte. Als er einige Leute auf dem Weg sah, auf dem er Allahs Gesandten begegnet war, sagte Suraqa: „In dieser Richtung ist eure Aufgabe bereits erfüllt.“ Der Mann, der am Anfang des Tages einer der Verfolger gewesen war, war am Ende des Tages selbst zum Vertrauensmann geworden. (Sahīh al-Buchārī, Band 1, S. 516.)
Fünftens) Unterwegs begegnete der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Buraida al-Aslami. Dieser Mann war das Oberhaupt seines Stammes und war, angelockt von der von den Quraisch ausgesetzten Belohnung, ebenfalls aufgebrochen, um den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und Hadhrat Abu Bakr, Allah möge mit ihm zufrieden sein, zu suchen. Doch sobald er mit dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gesprochen hatte, änderte sich seine Einstellung. Er nahm dort gemeinsam mit siebzig Männern seines Stammes den Islam an. Anschließend nahm er seinen Turban ab, band ihn an seinen Speer und schwenkte ihn, während er die frohe Botschaft verkündete, dass der König des Friedens, der Wegbereiter der Verständigung und der Vorreiter bei der Erfüllung der Erde mit Gerechtigkeit und Unparteilichkeit komme (Rahmatul lil-Alamin, Band 1, S. 101).
Sechstens) Auf dem Weg nach Medina begegnete der geliebte Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Hadhrat Zubair ibn al-Awwam, Allah möge mit ihm zufrieden sein. Er kehrte gerade mit einer Handelskarawane der Muslime aus Syrien zurück und schenkte dem geliebten Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und Hadhrat Abu Bakr, Allah möge mit ihm zufrieden sein, einige Dinge (Sahih al-Bukhari, Band 1, S. 554).
Aufenthalt in Quba
Am Montag, dem 4. Rabi al-awwal des vierzehnten Jahres der Prophetenschaft, das heißt am 1. Muharram des 1. Hidschra-Jahres, entsprechend dem 23. September 622 n. Chr., traf der geliebte Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in Quba ein (Rahmatul lil-Alamin, Band 1, S. 102). An diesem Tag hatte der geliebte Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, das Alter von vollständig dreiundfünfzig Jahren erreicht. Nach der Berechnung jener, die das Jahr des Elefantenereignisses auf den 9. Rabi al-awwal des Jahres 41 datieren und danach die Dauer der Prophetenschaft berechnen, waren an diesem Tag dreizehn Jahre der Prophetenschaft vollendet. Nach der Berechnung jener hingegen, die den Beginn seiner Prophetenschaft im Ramadan des Jahres 49 nach dem Elefantenereignis ansetzen, betrug sein prophetisches Alter an diesem Tag zwölf Jahre, fünf Monate und zwölf beziehungsweise zweiundzwanzig Tage.
Hadhrat Urwa ibn Zubair (Allah möge mit ihm zufrieden sein) berichtet: Die Muslime Medinas hatten erfahren, dass der geliebte Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) von Mekka aufgebrochen war. Deshalb kamen sie täglich zu einem Ort namens Harra außerhalb von Medina und warteten dort. Wenn die Mittagshitze unerträglich wurde, kehrten sie zurück. Eines Tages waren nach einer solchen langen Wartezeit alle nach Hause zurückgekehrt. Zu dieser Zeit war ein Jude wegen einer persönlichen Angelegenheit auf einen Hügel gestiegen. Plötzlich bemerkte er einen aus weißem Stoff gefertigten Baldachin. Voller Freude begann er zu rufen: „Hört, ihr Muslime, hört! Derjenige, auf den ihr täglich gewartet habt, kommt!“ Sobald die Muslime dies hörten, eilten sie herbei, rüsteten sich mit Waffen aus und machten sich auf, ihren geliebten Anführer zu empfangen (Sahih al-Buchari, Bd. 1, S. 555).
Ibn al-Qayyim berichtet: Sobald die Ankündigung erfolgte, entstand unter den Banu Amr ibn Awf große Aufregung, und Takbir-Rufe waren zu hören. Die Muslime begrüßten den Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und drängten sich um ihn. Zu jener Zeit war der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) still; damals wurde ihm gerade dieser Vers aus dem Koran offenbart: „Wenn ihr euch gegen den Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) gegenseitig beisteht, dann wisst, dass Allah sein Beschützer ist, ebenso Gabriel, die rechtschaffenen Gläubigen und darüber hinaus die Engel seine Helfer sind.“ (Sure at-Tahrim, Vers 4).
Hadhrat Urwa ibn Zubair (Allah möge mit ihm zufrieden sein) berichtet: Nachdem der geliebte Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sich mit den Menschen getroffen hatte, ging er mit ihnen nach rechts weiter und machte sich in Richtung der Häuser der Banu Amr ibn Awf auf. Es war Montag, und der Monat war Rabi al-awwal. Hadhrat Abu Bakr (Allah möge mit ihm zufrieden sein) stand da, um die Ankommenden zu begrüßen, während der geliebte Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) schweigend saß.
Diejenigen unter den Ansar, die den Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zuvor noch nicht gesehen hatten, begrüßten Hadhrat Abu Bakr (Allah möge mit ihm zufrieden sein). Als die schräg einfallenden Sonnenstrahlen auf den Körper des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) fielen, spendete Hadhrat Abu Bakr (Allah möge mit ihm zufrieden sein) ihm mit einem Umhang Schatten und blieb dort stehen. Dadurch konnten alle den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) erkennen (Sahih al-Buchari, Bd. 1, S. 555).
Zur Begrüßung des Gesandten – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – strömten die Menschen in Medina zusammen. Es war ein historischer Tag; der Boden Medinas hatte eine solche Szene zuvor noch nie gesehen. Auch die Juden wurden Zeugen der Ankunft des verheißenen Propheten. In der Bibel wird erwähnt, dass Allah ihn aus dem Süden kommen lassen werde und dass der Heilige vom Berg Paran kommen werde (Bibel, Buch Habakuk, S. 3).
Der Gesandte hielt sich in Medina im Haus von Kulthum ibn Hadam auf; nach einer anderen Überlieferung im Haus von Saʿd ibn Chaythama. Die erste Angabe ist jedoch zuverlässiger.
Inzwischen blieb ʿAlī – Allahs Wohlgefallen sei auf ihm – drei Tage in Mekka, händigte den Menschen ihre anvertrauten Güter aus und kam anschließend nach Medina (Zād al-Maʿād, Bd. 1, S. 54; Ibn Hischām, Bd. 1, S. 493; Rahmatul lil-ʿĀlamīn).
Der Gesandte – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – blieb insgesamt vier Tage in Qubā (dies ist die Überlieferung von Ibn Isḥāq; siehe Ibn Hischām, Bd. 1, S. 494. Diese Überlieferung hat auch ʿAllāma Mansūrpurī übernommen, Rahmatul lil-ʿĀlamīn, Bd. 1, S. 102. In einer Überlieferung von Ṣaḥīḥ al-Buchārī heißt es jedoch, dass der geliebte Gesandte dort 24 Nächte blieb, Bd. 1, S. 61; eine andere Überlieferung berichtet von etwas mehr als zehn Nächten, Bd. 1, S. 555; eine dritte von 14 Nächten, Bd. 1, S. 560. Ibn Qayyim hat die letztgenannte Überlieferung übernommen, erklärt jedoch, dass der geliebte Prophet am Montag in Qubā eintraf und am Freitag von dort aufbrach, Zād al-Maʿād, Bd. 2, S. 54–55. Wenn Montag und Freitag auf zwei verschiedene Wochen bezogen werden, sind es ohne die Reisetage insgesamt zehn Tage und einschließlich der Reisezeit zwölf Tage. Wie können es dann 14 Tage sein?) Er blieb montags, dienstags, mittwochs und donnerstags dort. Nach Ansicht mancher blieb er zehn Tage, nach Ansicht anderer – abgesehen von den Tagen der Abreise und der Reise – 24 Tage in Qubā. Während dieser Zeit legte er den Grundstein für die Moschee von Qubā und verrichtete in ihr das Gebet. Nach seiner Berufung zum Propheten war dies die erste Moschee; sie wurde auf der Grundlage der Gottesfurcht errichtet. Am Freitag des fünften, zwölften oder 26. Tages bestieg er auf Allahs Anweisung sein Reittier. Vor seiner Abreise ließ er den Stamm seiner mütterlichen Onkel, Banū Nadschdschah, benachrichtigen. Sie erschienen mit ihren Schwertern bewaffnet, und er brach in ihrer Begleitung nach Medina auf. Als sie das Gebiet der Banū Sālim ibn ʿAwf erreichten, war die Zeit des Freitagsgebets gekommen. Der Prophet – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – verrichtete das Freitagsgebet in der Ortschaft; an diesem Gemeinschaftsgebet nahmen einhundert Betende teil (Ṣaḥīḥ al-Buchārī, Bd. 1, S. 555, 560; Zād al-Maʿād, Bd. 2, S. 55; Ibn Hischām, Bd. 1, S. 494; Rahmatul lil-ʿĀlamīn, Bd. 1, S. 102). Noch heute befindet sich dort diese Moschee.
Der Einzug des Gesandten Allahs in Medina
Nach der Verrichtung des Freitagsgebets zog der geliebte Prophet – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – nach Medina. Von diesem Tag an wurde Yathrib Madīnat ar-Rasūl, also „die Stadt des Gesandten“, genannt; kurz: Medina. Dieser Tag war historisch und denkwürdig. Überall waren Lobpreisungen Allahs zu hören. Die Kinder der Anṣār waren von Freude überwältigt und sangen dieses Lied:
Von jenem südlichen Berg ist der Vollmond über uns aufgegangen
Allah Dankbarkeit zu erweisen, ist unsere aller Pflicht
Deinen Befehl zu erfüllen und dir zu gehorchen, ist unsere aller Pflicht; Allah, der Allmächtige, hat dich gesandt. (Diese Übersetzung des Gedichts stammt von Allama Mansur Puri. Allama Ibn Qayyim schrieb, dieses Gedicht sei bei der Rückkehr des Gesandten von Tabuk rezitiert worden. Er erklärte, wer sage, das Gedicht sei nur beim Einzug des Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) in Medina rezitiert worden, liege falsch – Zad al-Maʿad, Bd. 3, S. 10. Doch obwohl Allama Ibn Qayyim dies als falsch bezeichnete, konnte er keine verlässlichen überzeugenden Beweise dafür vorlegen. Demgegenüber gab Allama Mansur Puri der Auffassung den Vorzug, dass dieses Gedicht beim Einzug in Medina rezitiert worden sei. Er sagte, dass ihm dafür glaubwürdige Belege vorlägen. Siehe Rahmatul lil-Alamin, Bd. 1, S. 106.)
Die Ansar waren weder reich noch wohlhabend, doch alle wollten, dass der Prophet in ihrem Haus Aufenthalt nähme. Die Bewohner jeder Gegend, durch die er kam, ergriffen den Zügel des Kamels des Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und baten ihn, in ihr Haus zu kommen. Doch der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Lasst den Weg der Kamelstute frei; sie hat von Allah einen Befehl erhalten.“ Daraufhin ging die Kamelstute nach eigenem Willen weiter und blieb an dem Ort stehen, an dem sich heute die Prophetenmoschee befindet. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) stieg nicht von der Kamelstute ab. Sie ging noch ein kurzes Stück weiter, kehrte dann wieder zu ihrem vorherigen Platz zurück und setzte sich dort nieder. Dies war das Viertel der mütterlichen Verwandten des Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), nämlich das Viertel der Banu Nadschdschār. Indem die Kamelstute dem Willen Allahs überlassen wurde, blieb sie im Gebiet der Banu Nadschdschār stehen und erwies damit den mütterlichen Verwandten ihre Ehre. Auch der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) wünschte dies insgeheim. Nun begannen die Angehörigen des Stammes Banu Nadschdschār, ihn eindringlich zu bitten, mit ihnen in ihre Häuser zu kommen. Abu Ayyub al-Ansari trat vor, ergriff den Zügel des Kamels und führte es zu seinem Haus. Darauf sagte der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm): „Der Mann ist bei seinem Gepäck.“ Danach kam Asʿad ibn Zurara und ergriff den Zügel der Kamelstute; von da an blieb sie unter seiner Führung. (Zad al-Maʿad, Bd. 2; Rahmatul lil-Alamin, Bd. 1, S. 106.)
In Sahih al-Buchari wird von Anas (möge Allah mit ihm zufrieden sein) überliefert, dass der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Wessen Haus liegt uns am nächsten?“ Abu Ayyub al-Ansari sagte: „Meines, o Gesandter Allahs. Dies ist mein Haus, und dies ist meine Tür.“ Der Gesandte Allahs sagte: „Geh und bereite für uns Qailula, das heißt eine Mittagsruhe, vor.“ Abu Ayyub sagte: „Kommt beide herein; Allah wird Segen geben.“ (Sahih al-Buchari, Bd. 1, S. 556.)
Einige Tage später trafen auch die Ehefrau des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), die Mutter der Gläubigen Sawda, seine beiden Töchter Fatima und Umm Kulthum, Usama ibn Zaid und Umm Arman ein. Abdullah ibn Abu Bakr brachte sie alle zusammen mit der Familie Abu Bakrs nach Medina. Auch Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) war bei ihnen. Eine Tochter des Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), Zainab, blieb bei Abu al-As, weil er sie damals nicht kommen ließ; sie traf erst nach der Schlacht von Badr ein. (Zad al-Maʿad, Bd. 2, S. 55.)
Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) berichtet: Nachdem der geliebte Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) nach Medina gekommen war, erkrankten Abu Bakr und Bilal (möge Allah mit ihnen zufrieden sein) an Fieber. Ich ging zu ihnen und fragte: „Vater, wie geht es dir? Bilal, wie geht es dir?“ Wenn Abu Bakr Fieber bekam, rezitierte er dieses Gedicht:
Alle Mitglieder der Familie sagen: Guten Morgen.
Niemand denkt daran, dass sein Tod näher ist als das Schnürband seines Schuhs.
Nachdem Bilal (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sich etwas erholt hatte, rezitierte er mit seiner melodischen Stimme:
Wenn ich nur wüsste: Werde ich in den Gefilden Mekkas übernachten können, während ringsum Izch ir- und Dschalil-Gräser wachsen? Werde ich zu den Quellen von Madschinna gelangen und die Berge Samā und Tufail sehen können?
Hadhrat Aischa (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) berichtet: Ich begab mich zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) und teilte ihm dies mit. Er sagte: „O Allah, lass Medina in unseren Herzen ebenso lieb werden, wie uns Mekka lieb war, ja, mache Medinas Umgebung und Klima noch gesundheitsfördernder als jenes, segne hier die Feldfrüchte und vertreibe die Krankheit nach Dschuhfa.“ (Sahih al-Buchari, Bd. 1, S. 588–589.) Allah, der Erhabene, erhörte das Bittgebet Seines geliebten Propheten; die Lage veränderte sich.
Damit war ein Abschnitt aus dem Leben des geliebten Propheten (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) sowie die mekkanische Periode der islamischen Daʿwa abgeschlossen.
Wenn Ich ihnen auf Meinem Erdboden (politische) Macht verleihe, werden sie das Gebet verrichten, das Rechte gebieten; doch die endgültige Entscheidung über alle Angelegenheiten liegt allein bei Allah, dem Erhabenen. (Sure al-Hadsch 41.)
5
Zehn Jahre in Yathrib: Ein König im Gewand eines Armen
Die verschiedenen Abschnitte des medinensischen Lebens
Die allgemeine Lage Medinas zur Zeit der Hidschra
1) Erstens mussten die Muslime sich mit Fitna, Unordnung und inneren Schwierigkeiten auseinandersetzen; zugleich griffen äußere Feinde Medina an, um die Stadt auszulöschen. Diese Phase dauerte bis zum Vertrag von Hudaybiyya im Monat Dhul-Qaʿda des sechsten Jahres nach der Hidschra an.
2) Zweitens schlossen sie mit den Polytheisten einen Friedensvertrag. Mit der Eroberung Mekkas im Monat Ramadan des achten Jahres nach der Hidschra fand die mittlere Phase ihr Ende. In dieser Phase wurde den Herrschern verschiedener Länder der Islam verkündet.
3) Drittens traten die Menschen in Scharen in Allahs Religion ein. In dieser Phase kamen Vertreter verschiedener Gemeinschaften und Stämme nach Medina. Sie endete im Monat Rabīʿ al-awwal des elften Jahres nach der Hidschra, am Ende des Lebens des Propheten – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm.
Der Gesandte Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – musste Beziehungen zu drei Gruppen aufbauen, bei denen die Unterschiede besonders stark ausgeprägt waren. Diese waren:
1) die Gemeinschaft der ehrwürdigen Gefährten – möge Allah mit ihnen zufrieden sein –, die vom auserwählten Gesandten Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – vortrefflich ausgebildet worden und stets bereit waren, ihr Vermögen und ihr Leben auf Allahs Weg zu opfern.
2) die Polytheisten, die mit den alteingesessenen und eigentlichen Bewohnern Medinas verbunden waren und noch nicht den Glauben angenommen hatten.
3) Was die jüdische Gemeinschaft und die ehrwürdigen Gefährten betraf, bestand die Schwierigkeit, mit der der geliebte Prophet – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – konfrontiert war, darin, dass die Lage in Medina sich völlig von der Lage in Mekka unterschied. In Mekka waren sie zwar Anhänger desselben Glaubensbekenntnisses und hatten dasselbe Ziel, doch waren sie über verschiedene Familien verstreut; sie waren verängstigt, schwach und Demütigungen ausgesetzt, besaßen keinerlei Macht, während die gesamte Macht in den Händen ihrer Feinde lag. Von den Grundlagen, auf denen eine Gesellschaft auf der Erde errichtet wird, besaßen die Muslime in Mekka nichts. Worauf sollten sie also eine Gesellschaft gründen können? Daher sieht man, dass die in Mekka offenbarten Koransuren lediglich die islamische Einladung beschrieben. In dieser Zeit wurden solche Bestimmungen offenbart, die jeder Einzelne für sich allein befolgen konnte.
Andererseits lag nach der Übersiedlung nach Medina vom ersten Tag an die Führung der Macht in den Händen der Muslime, und niemand anderes herrschte über sie. Sie mussten sich mit zahlreichen Rechtsvorschriften in den Bereichen Kultur, Wirtschaft, Politik, Krieg und Friedensverträge auseinandersetzen. Es war die Zeit, in der durch die Befolgung von Erlaubtem und Verbotenem sowie durch die Verwirklichung vorzüglichen Charakters das vollkommene Muster eines guten Lebens und zugleich das praktische Vorbild für die Errichtung einer neuen, nämlich islamischen Gesellschaft geschaffen werden sollte. Diese Gesellschaft sollte eine vorbildliche Gesellschaft sein, frei von Unwissenheit und Ignoranz; in ihr sollte kein Merkmal der dschahilischen Gesellschaft bestehen, und sie sollte völlig einzigartig sein. Nun war die Zeit gekommen, die Wirklichkeit der zehn Jahre lang von den Muslimen für die Verkündung des Islams ertragenen vielfältigen Leiden, Verfolgungen und Unterdrückungen unter Beweis zu stellen.
Eine solche Gesellschaft kann nicht innerhalb eines Tages, eines Monats oder eines Jahres aufgebaut werden; vielmehr ist dafür eine lange Zeit erforderlich, damit nach und nach und stufenweise Anweisungen erteilt sowie die Gesetzgebung und ihre Umsetzung vollendet werden können. Die Verantwortung für die Umsetzung der Anweisungen und Gesetze sowie für die Ausbildung und Anleitung der Muslime lag unmittelbar beim Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm.
Allah, der Erhabene, sagt: „Er ist es, der unter den Ungelehrten einen Gesandten aus ihrer Mitte erweckt hat, der ihnen Seine Verse vorträgt, sie läutert und sie das Buch und die Weisheit lehrt, obwohl sie sich zuvor in einem offenkundigen Irrtum befanden.“ (Sure al-Dschumʿa, Vers 2.)
Die Lage der edlen Gefährten war hingegen so, dass sie stets aufmerksam auf den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, achteten und Zufriedenheit darin fanden, jeden Befehl, den der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, erteilte, getreu auszuführen. Allah, der Erhabene, sagt: „Wenn ihnen Seine Zeichen vorgetragen werden, lässt dies ihren Glauben zunehmen.“
Diese Themen gehören an dieser Stelle nicht zu unserem Untersuchungsgegenstand; deshalb werden wir sie, soweit erforderlich, an der jeweils passenden Stelle behandeln.
Die Angelegenheiten, die aus der Beziehung der Muslime zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, hervorgingen, betreffen hier vor allem den Aufruf zum Islam und die muhammadische Sendung. Doch handelt es sich dabei keineswegs um eine bloße Aufregung, sondern um eine eigenständige und dauerhafte Angelegenheit. Darüber hinaus gab es weitere Themen, denen unverzüglich Aufmerksamkeit geschenkt werden musste; kurz zusammengefasst waren dies die folgenden:
Unter den Muslimen gab es zwei Arten von Menschen. Die einen lebten sorglos auf ihren Ländereien, in ihren Häusern und mit ihrem Vermögen; dies waren die Ansar. Zwischen ihnen hatten seit Generationen Feindschaften bestanden. Daneben gab es eine weitere Gruppe, die Muhadschirun. Sie waren der genannten Vorzüge beraubt und auf irgendeine Weise mit leeren Händen in Medina angekommen. Sie hatten weder eine Unterkunft noch eine Arbeit, mit der sie ihren Hunger stillen konnten, und besaßen weder Geld noch andere Mittel, mit denen sie sich eine eigene Existenz aufbauen konnten. Die Zahl dieser abhängigen Muhadschirun nahm von Tag zu Tag zu, denn es war die Verkündigung des Qurʾān verbreitet worden, dass diejenigen, die an Allah und Seinen Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, glaubten, auswandern und nach Medina kommen sollten. Es war bekannt, dass es in Medina nur wenig Vermögen und keine nennenswerten Möglichkeiten oder Mittel zum Erwerb des Lebensunterhalts gab. Dadurch geriet das wirtschaftliche Gleichgewicht Medinas aus den Fugen, und in dieser krisenhaften Zeit boykottierten die Feinde des Islam Medina wirtschaftlich. Infolgedessen gingen die Importe zurück und die Lage wurde noch schwieriger.
Eine weitere Gruppe bildeten die nichtmuslimischen Einwohner Medinas; ihre Lage war nicht besser als die der Muslime. Einige nichtmuslimische Götzendiener waren von Unentschlossenheit und Zweifeln erfüllt und zögerten, ihren von den Vorfahren überlieferten Glauben zu ändern. Doch hegten sie keinerlei Feindschaft oder Hass gegen den Islam und die Muslime. Solche Menschen nahmen schon nach kurzer Zeit den Islam an und wurden zu aufrichtigen Muslimen.
Dagegen gab es unter den Götzendienern einige, die in ihrem Innersten heftigen Hass und Feindschaft gegen den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und die Muslime hegten, jedoch nicht den Mut besaßen, ihnen offen entgegenzutreten oder sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Vielmehr zeigten sie aufgrund der Umstände scheinbare Liebe zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und stellten sich naiv. Zu ihren Anführern gehörte ʿAbdullah ibn Ubayy. Erwähnenswert ist, dass die Stämme der Aus und der Chazradsch sich nach der Schlacht von Buʿāth darauf geeinigt hatten, ihn zu ihrem Anführer zu machen.
Zuvor waren diese beiden Stämme in keiner anderen Angelegenheit zu einer Einigung gelangt. Während die Angehörigen der Stämme Aus und Chazradsch Vorbereitungen trafen, Abdullah ibn Ubayy zum König auszurufen, hatten sie eine prächtige Krone angefertigt. Gerade zu dieser Zeit traf der Gesandte – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – in Medina ein. Als sich die Aufmerksamkeit der Menschen statt auf Abdullah ibn Ubayy auf den Gesandten – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – richtete, glaubte Abdullah, dass eben der Gesandte – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – ihm seine Königsherrschaft genommen habe. Deshalb hegte er im Innersten großen Hass gegen den geliebten Gesandten – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Dennoch erkannte Abdullah nach der Schlacht von Badr, dass die Lage nicht zu seinen Gunsten war. Wenn er unter diesen Umständen am Götzendienst festhielte, würde er auch der weltlichen Vorteile beraubt werden. Daher erklärte er äußerlich seinen Übertritt zum Islam, doch innerlich blieb er ein Ungläubiger und ließ keine Gelegenheit aus, den Muslimen zu schaden. Seine Gefährten waren jene Menschen, die unter der Führung dieses Heuchlers davon träumten, hohe Ämter zu bekleiden, denen diese Möglichkeiten jedoch verwehrt blieben. Deshalb waren auch sie stets bereit, den Muslimen zu schaden. Sie setzten die Pläne des heuchlerischen Anführers Abdullah um und holten zu diesem Zweck einige arglose junge Muslime aus Medina in ihre Gruppe, um sie als Marionetten zu benutzen.
Die dritte Gruppe bestand aus den Juden dieser Gegend. Sie waren vor der Unterdrückung durch die Assyrer und die Römer nach Hidschas geflohen und hatten dort Zuflucht gesucht. In Wirklichkeit waren sie Hebräer. Nachdem sie sich im Hidschas niedergelassen hatten, hielt man sie aufgrund ihrer Lebensweise, ihrer Sprache und ihrer Kleidung für Araber. Sogar die Namen ihrer Stämme und ihrer Angehörigen waren arabischer Art, und sie gingen eheliche Beziehungen mit den Arabern ein. Trotz alledem konnten sie ihren Stolz auf ihre Abstammung nicht vergessen. Sie waren gerade darauf stolz, Israeliten, also Juden, zu sein. Die Araber hielten sie für äußerst minderwertig und beschimpften sie als Ummī. Mit Ummī meinten sie: töricht, stumpfsinnig, wild, niedrig und unberührbar. Sie glaubten, der Besitz der Araber sei für sie erlaubt und sie dürften darüber nach Belieben verfügen, wie Allah, der Erhabene, sagt: „Sie sagen: Uns obliegt gegenüber den Ungebildeten keine Verpflichtung.“ (Āl ʿImrān, Vers 75)
Das heißt: Es ist für uns nicht verwerflich, den Besitz der Ummī zu nutzen und zu verbrauchen. Unter diesen Juden war keinerlei Bemühen um die Verbreitung und Vermittlung ihrer Religion zu beobachten. Wahrsagerei, Zauberei und Beschwörungen gehörten allesamt zu ihren religiösen Überzeugungen und Riten. Durch all dies hielten sie sich selbst für gelehrte Gelehrte und geistliche Führer.
Die Juden waren geschickt darin, Reichtum zu erwerben. Sie handelten mit Lebensmitteln, Datteln, Wein und Kleidung. Sie importierten Lebensmittel, Kleidung und Wein und exportierten Datteln. Darüber hinaus beschäftigten sie sich mit vielen weiteren Tätigkeiten. Bei den Handelswaren erzielten sie von den Arabern das Zwei- oder Dreifache an Gewinn. Außerdem nahmen sie Zinsen. Sie liehen arabischen Scheichs und Stammesführern Geld gegen Zinsen. Die arabischen Scheichs und Stammesführer gaben das geliehene Geld großzügig für die Dichter aus, die sie zu ihrem Ruhm lobpriesen. Die Juden nahmen im Gegenzug für die Vergabe von Darlehen gegen Zinsen verschiedene Dinge als Pfand. So wurden sie bereits nach wenigen Jahren Eigentümer dieser Besitztümer.
Die Juden waren äußerst geschickt darin, Verschwörungen zu schmieden und das Feuer des Krieges zu entzünden. Sie säten auf subtile Weise die Saat der Feindschaft zwischen benachbarten Stämmen. Stets waren sie bemüht, einen Stamm gegen einen anderen aufzubringen und aufzuhetzen, während die in den Konflikt verwickelten Parteien nicht im Geringsten bemerkten, was vor sich ging. In der Folge hielten Streit und Auseinandersetzungen zwischen den verfeindeten Stämmen an. Sobald die Juden bemerkten, dass das Feuer des Krieges allmählich erlosch, wurden sie erneut aktiv. Erstaunlicherweise hetzten sie die Parteien gegeneinander auf und saßen dann still da, während sie den Untergang der Araber beobachteten. Auch in dieser Zeit verliehen sie Geld zu hohen Zinsen. Sie wollten nicht, dass der Krieg wegen fehlender Geldmittel endete. Dadurch profitierten die Juden auf zweierlei Weise: Einerseits hielten sie ihre eigene Gemeinschaft in Sicherheit, andererseits hielten sie das Zinsgeschäft in Gang. Sie verdienten ihr Geld, indem sie Zinsen auf Zinsen berechneten.
Die drei bedeutendsten jüdischen Stämme Medinas
Erstens: Banū Qaynuqāʿ. Sie waren Verbündete des Stammes Chazradsch und lebten innerhalb Medinas.
Zweitens: Banū Nadīr.
Drittens: Die Banū Quraiẓa. Diese beiden Stämme waren Verbündete des Stammes Aus und lebten im Umland von Medina.
Lange Zeit brannte zwischen den Stämmen Aus und Chazradsch das Feuer des Krieges. In der Schlacht von Buʿāth zogen sie zur Unterstützung ihrer jeweiligen verbündeten Stämme selbst mit in den Krieg. Die Juden hegten Feindschaft gegen den Islam – und das war nur natürlich, denn eine solche Feindschaft war ihrem Charakter seit langer Zeit eigen. Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, stammte nicht von ihnen ab, weshalb ihr Stolz auf ihre vornehme Abstammung keine Bedeutung mehr hatte. Wäre der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, aus ihren Reihen hervorgegangen, hätten sie inneren Frieden gefunden. Außerdem war der Ruf zum Islam ein kraftvoller Aufruf, der den Menschen die Möglichkeit gab, ihre Feindschaft zu vergessen und sich durch brüderliche Bande miteinander zu verbinden; Gerechtigkeit, Vertrauenswürdigkeit sowie die Unterscheidung zwischen Erlaubtem und Verbotenem wurden berücksichtigt. Das bedeutete, dass nun zwischen den verfeindeten Stämmen Yathribs Eintracht und Harmonie entstehen würden. Infolgedessen würden die Handelsaktivitäten der Juden zurückgehen, und sie würden der zinsbasierten Vermögensquelle beraubt werden, die das wichtigste Fundament ihrer Wirtschaft bildete. Es bestand sogar die Befürchtung, dass diese Stämme sich ihrer selbst bewusst werden und die Vermögenswerte zurückfordern würden, die die Juden ihnen ohne irgendeine Gegenleistung abgenommen hatten – das heißt, die Gärten und Ländereien, die die Juden im Rahmen ihres Zinsgeschäfts von verschiedenen Stämmen an sich gebracht hatten.
Bereits zu Beginn der Verbreitung des Islam in Yathrib hatten die Juden all dies bedacht. Deshalb hegten die Juden von Medina schon seit der Ankunft des Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, eine heftige Feindschaft gegen den Islam und die Muslime. Sie zeigten diese Feindschaft jedoch nicht sofort, sondern erst etwas später. Ein von Ibn Ishaq überliefertes Ereignis macht diesen Umstand deutlich.
Ibn Ishaq schreibt: Ich erhielt einen Bericht von der Mutter der Gläubigen, Safiyya bint Huyayy ibn Akhtab, möge Allah mit ihr zufrieden sein. Sie sagte: „Unter den Kindern meines Vaters und meines Onkels war ich diejenige, die sie am meisten liebten; mich liebte er mehr als alle anderen Kinder. Nachdem der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nach Medina gekommen war, hielt er sich im Dorf Quba bei den Banū ʿAmr ibn ʿAuf auf. Als Huyayy ibn Akhtab und sein Onkel Yasir davon erfuhren, gingen sie früh am Morgen zum Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und kehrten erst bei Sonnenuntergang zurück. Beide waren äußerst erschöpft.“
Gewohnheitsgemäß lief ich ihnen entgegen, doch sie waren so sehr in Gedanken versunken, dass sie mich keines Blickes würdigten. Ich hörte, wie sich mein Onkel Yasir und mein Vater folgendermaßen unterhielten:
„Ist er es wirklich?“
„Ja, bei Allah.“
„Hast du ihn denn gut erkannt?“
– Ja.
Was denken Sie jetzt über ihn?
– Feindschaft, bei Allah, solange ich lebe (Ibn Hischam, Band 1, S. 518–519).
Auch ein in Sahih al-Buchari überlieferter Bericht belegt dies; darin wird die Annahme des Islam durch Abdallah ibn Salam (möge Allah mit ihm zufrieden sein) geschildert.
Abdallah war ein hochrangiger jüdischer Gelehrter. Sobald er von der Ankunft des Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in Medina erfuhr, begab er sich zu ihm und stellte ihm einige Fragen, die niemand außer einem Propheten beantworten konnte. Sobald er vom Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die Antworten darauf erhalten hatte, nahm er den Islam an. Danach sagte er zum Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm: „Die Juden sind darin äußerst geschickt, andere zu verleumden. Wenn du sie nach mir fragst, werden sie, sobald sie von meinem Übertritt zum Islam erfahren, das Gegenteil von dem sagen, was sie jetzt sagen.“ Daraufhin ließ der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, unverzüglich einige Juden herbeirufen und fragte: „Was für ein Mann ist Abdallah ibn Salam unter euch?“ Sie antworteten: „Er ist der gelehrteste unter uns und der Sohn unseres gelehrtesten Mannes.“ In einer anderen Überlieferung heißt es: „Er ist unser Anführer und der Sohn unseres Anführers.“ Da fragte der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm: „Was würdet ihr sagen, wenn ihr hört, dass Abdallah ibn Salam Muslim geworden ist?“ Die Juden sagten zwei- oder dreimal: „Allah möge ihn bewahren.“ Daraufhin trat Abdallah heraus und sagte mit lauter Stimme: „Ich bezeuge, dass es keinen Gott außer Allah gibt, und ich bezeuge, dass Muhammad der Gesandte Allahs ist.“ Das heißt: Ich bezeuge, dass es keinen Anbetungswürdigen außer Allah gibt und dass Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Sein Gesandter ist. Kaum hatten die Juden dies gehört, sagten sie: „Er ist der schlechteste unter uns und der Sohn des schlechtesten unter uns“, und sie begannen, noch Schlimmeres über ihn zu sagen. Abdallah (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: „O Gemeinschaft der Juden, fürchtet Allah! Bei Allah, außer Dem es keinen Gott gibt, ihr wisst sehr wohl, dass er der Gesandte Allahs ist und mit der Wahrheit gekommen ist.“ Doch die Juden sagten: „Du lügst“ (Sahih al-Buchari, Band 1, S. 459, 556, 561).
Schon in der ersten Zeit nach seiner Ankunft in Medina machte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, diese Erfahrung mit den Juden.
Alles bisher Erwähnte betraf die inneren Verhältnisse Medinas. Außerhalb Medinas waren die Quraisch die größten Feinde der Muslime. Zehn Jahre lang hatten sie den Muslimen in Mekka unermessliches Leid zugefügt; durch Intrigen, Verschwörungen, Verfolgung und Unterdrückung hatten sie ihr Leben bedrückt und keine Gelegenheit ausgelassen, ihnen Leid zuzufügen. Nachdem die Muslime nach Medina ausgewandert waren, bemächtigten sich die Ungläubigen ihrer Häuser, Grundstücke und Vermögen. Jeden, den sie erreichen konnten und der sich zwischen die Muslime und ihre Familien stellte, quälten sie auf vielfältige Weise. Darüber hinaus schmiedeten sie eine furchtbare Verschwörung, um den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu töten und den Aufruf zum Islam vollständig auszurotten; zu diesem Zweck setzten sie all ihre Kräfte ein. Selbst nachdem die Muslime Medina erreicht hatten, das fünfhundert Kilometer entfernt lag, gaben die Ungläubigen ihre Verschwörungen nicht auf. Die Quraisch waren Nachbarn des Hauses Allahs und hatten unter den Arabern die religiöse Führung inne. Daher nutzten sie ihren Einfluss, übten Druck auf die verschiedenen Stämme Mekkas aus, hetzten sie gegen die Muslime auf und boykottierten Medina politisch. Infolgedessen gingen die Warenlieferungen nach Medina zurück, während die Zahl der Auswanderer dort von Tag zu Tag zunahm. Tatsächlich entstand eine Lage, die einer Kriegssituation zwischen den mekkanischen Ungläubigen und den muslimischen Bewohnern Medinas glich. Es wäre äußerste Torheit, die Muslime für diese Situation verantwortlich zu machen.
So wie die mekkanischen Ungläubigen die Häuser, den Besitz und das Vermögen der Muslime gewaltsam an sich genommen und sie mit Unterdrückung, Verfolgung und Misshandlung heimgesucht hatten, hatten auch die Muslime berechtigterweise das Recht, Entsprechendes zu tun. So wie die Nichtmuslime den Muslimen Hindernisse in den Weg ihres normalen Lebens gelegt hatten, hatten auch die Muslime berechtigterweise das Recht, ihnen entsprechende Hindernisse und Beschränkungen aufzuerlegen. Entsprechend ihren Taten verdienten sie eine angemessene Antwort, damit ihre Verschwörung zur vollständigen Ausrottung der Muslime keinen Erfolg haben würde.
Nach der Ankunft des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in Medina sah er sich diesen Problemen gegenüber. Angesichts dieser Probleme nahm er eine dem Anführer eines Propheten angemessene Haltung ein: Denjenigen, die Anspruch auf Gunst hatten, erwies er Gunst, und für diejenigen, die Strafe verdienten, ließ er Strafe verhängen. Es steht jedoch fest, dass das Maß an Barmherzigkeit und Gunst die Härte der Bestrafung bei Weitem übertraf. So gelangten Führung und Herrschaft innerhalb weniger Jahre in die Hände der Muslime. Dies wird in einem späteren Abschnitt ausführlich behandelt werden.
Die erste Phase: Die Gestaltung einer neuen Gesellschaftsordnung
Wie bereits erwähnt, traf der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, am Freitag, dem 12. Rabi al-awwal des ersten Jahres der Hidschra, entsprechend dem 27. September 622 n. Chr., vor dem Haus von Hazrat Ayyub al-Ansari (möge Allah mit ihm zufrieden sein) vom Stamm der Banu Nadschdschār ein. Damals sagte er: „So Allah will, wird dies unser Aufenthaltsort sein.“ Danach zog er in das Haus von Hazrat Ayyub al-Ansari (möge Allah mit ihm zufrieden sein) ein.
Der Bau der Prophetenmoschee
Danach begann der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, mit dem Bau der Prophetenmoschee. Für den Bau der Moschee bestimmte er den Ort, an dem seine Kamelstute zum Halt gekommen war. Das Grundstück gehörte zwei Waisenkindern. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, kaufte ihnen das Grundstück zu einem angemessenen Preis ab und begann mit dem Bau der Moschee. Auch er selbst trug Ziegel und Steine für die Moschee und rezitierte dabei:
„O Allah, es gibt kein Leben außer dem Leben im Jenseits; so vergib den Ansar
und den Muhadschirun. Diese Last ist nicht die Last von Chaibar.
Dies ist für unseren Herrn frommer und reiner.“
Die Gefährten rezitierten voller Begeisterung gemeinsam mit dem Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm):
Rāʿinā qadanā wan-nabiyyu yaʿmal,
Lādhāka minnāl-amānu wal-mudallal,
Das heißt: O Allah, der Erhabene, wahrlich, das eigentliche Leben ist das des Jenseits. Vergib den Ansar und den Muhadschirun. Diese Last ist nicht die Last von Chaibar, sondern die Last des Herrn und eine heilige Last. Wenn wir sitzen bleiben, während der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) arbeitet, werden wir dafür verantwortlich sein, eine Tat des Irrwegs zu begehen.
Auf diesem Grundstück befanden sich einige Gräber von Götzendienern; ein Teil war öde und uneben, außerdem standen dort einige Dattelpalmen und andere Bäume. Der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ließ die Gräber der Götzendiener ausheben, ebnete die unebenen Stellen ein, fällte die Dattelpalmen und anderen Bäume und pflanzte sie an der Qibla-Seite wieder ein. Es sei erwähnt, dass die Qibla zu jener Zeit Bayt al-Maqdis war.
Die beiden Türpfosten der Moschee waren aus Stein, die Wände waren aus ungebrannten Ziegeln und Lehm errichtet. Auf dem Dach wurden Dattelpalmenzweige und -blätter ausgelegt, und es wurden drei Türen angebracht. Von der vorderen Qibla-Wand bis zur hinteren Wand betrug die Länge einhundert Ellen; die Breite war geringer. Das Fundament war etwa drei Ellen tief.
Der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) errichtete in einiger Entfernung von der Moschee mehrere einfache Hütten. Die Wände dieser Räume bestanden aus Dattelpalmenblättern und -zweigen. Diese Räume waren die Wohnstätten der Ehefrauen des geliebten Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Nachdem sie fertiggestellt worden waren, zog der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) aus dem Haus von Abu Ayyub al-Ansari hierher um (Sahih al-Buchari, S. 71, 555, 560; Zad al-Maʿad, Band 2, S. 56).
Die errichtete Moschee diente nicht nur der Verrichtung des Gebets, sondern war auch eine Universität, an der die Muslime die Grundlagen des Islam und die Rechtleitung erlernten.
Es war eine solche Versammlungsstätte, in der Menschen aus verschiedenen, von Stammeskonflikten sowie Hass und Feindschaft geplagten Stämmen in gegenseitiger Eintracht und Harmonie zusammenlebten. Diese Moschee war ein Zentrum, von dem aus sämtliche Angelegenheiten des neu gegründeten Staates geleitet wurden und von dem aus Menschen zu verschiedenen Feldzügen entsandt wurden. Außerdem hatte diese Moschee die Funktion eines Parlaments; in ihr tagten die Schura-Versammlung und die Verwaltungsversammlung.
Außerdem war diese Moschee eine Zuflucht für jene Muhadschirun und mittellosen Menschen, die weder ein Zuhause noch Angehörige besaßen.
Seit der ersten Phase der Hidschra wurde der Gebetsruf eingeführt. Dieser Gebetsruf war wie eine wundervoll liebliche Melodie, deren Klang alle Himmelsrichtungen erfüllte. In diesem Zusammenhang wird von der Traumweisung des ehrenwerten ʿAbdullah ibn Zaid berichtet. Für nähere Einzelheiten siehe Tirmidhi, Sunan Abi Dawud, Musnad Ahmad und Sahih Ibn Chuzaima.
Die Herstellung brüderlicher Beziehungen unter den Muslimen
Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, schuf durch den Bau der Prophetenmoschee ein Zentrum für gegenseitige Begegnung, Verbundenheit und Zuneigung. Ebenso vollbrachte er eine außergewöhnliche Tat in der Menschheitsgeschichte, nämlich die Schaffung einer brüderlichen Beziehung zwischen den Ansar und den Muhadschirun. Allama Ibn Qayyim schreibt: Danach stiftete der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, im Haus von Anas ibn Malik ein brüderliches Band zwischen den Muhadschirun und den Ansar. Damals waren insgesamt neunzig Gefährten anwesend; die Hälfte waren Muhadschirun und die andere Hälfte Ansar. Der wesentliche Inhalt dieses brüderlichen Bandes war, dass jeder am Leid des anderen Anteil nehmen und sich über dessen Freude freuen sollte und dass sie nach dem Tod anstelle der nächsten Verwandten gegenseitig ihre Erben werden sollten. Diese Regel über die Erbfolge blieb bis zur Schlacht von Badr in Kraft. Danach offenbarte Allah, der Erhabene, im Edlen Koran folgenden Vers: „Die nächsten Verwandten sind einander näher berechtigt.“
Nach der Offenbarung dieses Verses endete die Erbregelung hinsichtlich des Vermögens zwischen den Ansar und den Muhadschirun, doch das brüderliche Verhältnis blieb bestehen. Es wird gesagt, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, noch eine weitere brüderliche Beziehung ausschließlich unter den Muhadschirun stiftete; doch belegt ist gerade das zuerst erwähnte brüderliche Band. Es ist ohnehin verständlich, dass die Muhadschirun aufgrund der islamischen Bruderschaft, der gemeinsamen Herkunft und der verwandtschaftlichen Bande eng miteinander verbunden waren und keiner weiteren Art von brüderlicher Beziehung bedurften. Die Angelegenheit der Muhadschirun und der Ansar war jedoch anders gelagert (Zad al-Maʿad, Band II, S. 56).
Über den Zweck dieses brüderlichen Bandes schrieb Imam al-Ghazali, Allah möge ihm barmherzig sein: Zu seinen Zielen gehörten die Beseitigung der Bräuche der vorislamischen Zeit, die Vermehrung der Schönheit des Islam sowie die Überwindung der Unterschiede aufgrund von Hautfarbe, Stammeszugehörigkeit und regionaler Herkunft. Dadurch sollte verdeutlicht werden, dass es außer der Gottesfurcht keinen anderen Maßstab für Hoch- oder Niedrigstellung gibt.
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, schmückte dieses brüderliche Band nicht lediglich mit einer Hülle inhaltsleerer Worte, sondern bezeichnete es als eine verpflichtende und einzuhaltende Verpflichtung, mit der Leben und Besitz verbunden waren. Es beschränkte sich nicht bloß auf mündlich ausgesprochene Grüße und Glückwünsche ohne jede praktische Folge. Vielmehr erwachten mit diesem brüderlichen Band auch der Geist der Selbstaufopferung, die Anteilnahme am Leid sowie die Impulse zu Wohlwollen und Eintracht. Aus diesem Grund erfüllte das brüderliche Band die neue Gesellschaft von Medina mit außergewöhnlichen und glänzenden Aktivitäten (Fiqh as-Sira, S. 140–141).
Im Sahih al-Buchari wird berichtet, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Heil seien auf ihm, nach der Ankunft der Muhadschirun in Medina eine Bruderschaft zwischen Abd ar-Rahman ibn Auf (möge Allah mit ihm zufrieden sein) und Sa’d ibn ar-Rabi (möge Allah mit ihm zufrieden sein) stiftete. Darauf sagte Sa’d ibn ar-Rabi (möge Allah mit ihm zufrieden sein) zu Abd ar-Rahman (möge Allah mit ihm zufrieden sein): „Ich bin unter den Ansar der Wohlhabendste. Nimm die Hälfte meines Vermögens. Ich habe zwei Ehefrauen; sieh sie dir an und sag mir, welche dir besser gefällt. Ich werde sie scheiden lassen, und nach Ablauf ihrer Wartefrist wirst du sie heiraten.“ Darauf sagte Abd ar-Rahman (möge Allah mit ihm zufrieden sein): „Möge Allah deine Familie und dein Vermögen segnen. Wo ist hier der Markt?“ Man wies ihn auf den Markt der Banu Qainuqa hin. Als er vom Markt zurückkehrte, sah man bei ihm etwas Käse und Ghee. Danach ging er täglich regelmäßig zum Markt und kehrte von dort zurück. Eines Tages, als er zurückkehrte, waren an seinem Körper Spuren von Safran zu sehen. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Heil seien auf ihm, fragte nach dem Grund. Abd ar-Rahman (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: „O Gesandter Allahs, ich habe geheiratet.“ Der Prophet, Allahs Segen und Heil seien auf ihm, fragte: „Wie viel Brautgabe hast du gegeben?“ Abd ar-Rahman sagte: „Eineinviertel Tola Gold.“ (Sahih al-Buchari, Kapitel über die Stiftung der Bruderschaft zwischen den Muhadschirun und den Ansar, Band 1, S. 553.)
Von Abu Huraira (möge Allah mit ihm zufrieden sein) wird ein Hadith überliefert, wonach die Ansar den Propheten, Allahs Segen und Heil seien auf ihm, baten: „Teile die Dattelgärten, die uns gehören, zwischen uns und unseren Brüdern auf.“ Der Prophet, Allahs Segen und Heil seien auf ihm, stimmte dem nicht zu. Da sagten die Ansar: „Dann sollen die Muhadschirun in unseren Gärten arbeiten, und wir werden ihnen einen Anteil von den Erträgen geben.“ Der Prophet, Allahs Segen und Heil seien auf ihm, stimmte dem zu, und daraufhin handelten wir entsprechend.
Daraus wird ersichtlich, in welcher Weise die Ansar die Muhadschirun ehrten. Darin zeigen sich auch die Liebe der Ansar zu ihren ausgewanderten Brüdern, ihre schlichte, aufrichtige Herzlichkeit und ihre Selbstaufopferung. Die Muhadschirun maßen einem solchen Verhalten der Ansar große Bedeutung bei (Sahih al-Buchari, Band 1, S. 312). Sie nahmen von den Ansar keinerlei zusätzliche Vorteile an, sondern nahmen nur so viel Hilfe an, wie nötig war, um ihre angeschlagene wirtschaftliche Lage etwas zu beleben.
Dieses Band der Bruderschaft zwischen den Ansar und den Muhadschirun ist ein Beweis für eine einzigartige politische Weitsicht und Klugheit. Die Stiftung dieser Bruderschaft war eine ausgezeichnete Lösung für die Probleme, mit denen die Muslime damals konfrontiert waren.
Das Versprechen zur Unterstützung des Islam
Neben der erwähnten brüderlichen Verbindung erließ der Prophet, Allahs Segen und Heil seien auf ihm, für die Muslime noch eine weitere Vereinbarung. Durch sie wurden die Grundlagen aller Konflikte, Auseinandersetzungen und Stammesfeindschaften der Dschahiliya zerstört; außerdem blieb für die Bräuche und Sitten der Dschahiliya keinerlei Raum. Die Bestimmungen dieser Vereinbarung lauteten:
Diese Schrift wird vom Propheten, Allahs Segen und Heil seien auf ihm, zwischen den Quraisch aus Yathrib, ihren Schutzbefohlenen und den mit ihnen Verbundenen sowie den an der Dschihad-Teilnahme beteiligten Gläubigen und Muslimen geschlossen –
1) Sie alle bilden im Unterschied zu allen anderen Menschen eine eigene Gemeinschaft.
Zweitens) Die Quraisch-Auswanderer werden untereinander nach ihrer früheren Sitte Lösegeld entrichten und die Gefangenen unter den Gläubigen in gerechter Weise freikaufen; ebenso werden die Gläubigen aus den Ansar-Stämmen jeweils für ihre eigenen Gefangenen in gerechter Weise das Lösegeld entrichten.
Drittens) Die Gläubigen werden niemanden aus ihrer Mitte bei der Freilassung gegen Lösegeld nach der üblichen Sitte von Gaben und Zuwendungen ausschließen.
Viertens) Alle aufrichtigen Muslime werden sich gegen diejenigen stellen, die über das Maß hinausgehen; jeder Gläubige, der unter den Gläubigen Unrecht und Unterdrückung, Sünde, Aufruhr oder Zwietracht verursacht, wird von allen Gläubigen bekämpft werden.
Fünftens) Die Gläubigen werden gemeinsam gegen den Übeltäter stehen; auch wenn der Übeltäter der Sohn eines Gläubigen ist, wird dieser Beschluss nicht geändert.
Sechstens) Kein Gläubiger wird einen anderen Gläubigen wegen der Tötung eines Ungläubigen töten.
Siebtens) Kein Gläubiger wird sich gegen einen anderen Gläubigen stellen, um einem Ungläubigen zu helfen.
Achtens) Alle werden unter Allahs Schutz stehen; auch an das von einem einfachen Menschen gegebene Versprechen werden alle Menschen gebunden sein.
Neuntens) Denjenigen Juden, die sich unserem Glauben anschließen, wird geholfen werden; sie werden wie die übrigen Muslime behandelt, ihnen wird keinerlei Unrecht oder Unterdrückung zugefügt, und gegen niemanden wird ihnen zuliebe Unterstützung geleistet werden.
Zehntens) Die Vereinbarung der Muslime soll einheitlich sein. Kein Muslim wird unter Ausschluss der anderen mit jemandem ein Abkommen über den Dschihad auf Allahs Weg schließen; vielmehr werden alle auf der Grundlage von Gleichheit und Gerechtigkeit zu einem Vertrag oder einer Vereinbarung gelangen.
Elftens) Im Hinblick auf das auf Allahs Weg vergossene Blut gelten alle Muslime als eine Einheit.
Zwölftens) Kein Muslim darf einem der ungläubigen Quraisch Sicherheit für sein Leben und sein Eigentum oder Schutz gewähren; ebenso darf er keinen Gläubigen darum bitten, einem Ungläubigen Sicherheit für sein Leben und sein Eigentum oder Schutz zu gewähren.
Dreizehntens) Wenn jemand einen Gläubigen tötet und dies nachgewiesen wird, wird an ihm dafür Qisas vollzogen, das heißt, weil er des Mordes schuldig ist, wird auch er getötet. Wenn es dem Mörder jedoch gelingt, die Angehörigen des Getöteten durch eine Entschädigung zufriedenzustellen, wird in diesem Fall kein Qisas vollzogen.
Vierzehntens) Wenn alle Gläubigen in einer Angelegenheit zu einem Konsens gelangt sind, darf niemand sich ihnen widersetzen.
Fünfzehntens) Es gilt für einen Gläubigen nicht als erlaubt, irgendeinen Unruhestifter oder Neuerer zu unterstützen. Niemand darf einer Person, die Unfrieden stiftet, Schutz gewähren. Wenn jemand ihr Schutz gewährt oder sie unterstützt, wird am Tag der Auferstehung Allahs Fluch auf ihm lasten; im irdischen Leben werden weder seine verpflichtenden noch seine freiwilligen Gottesdienste angenommen.
Sechzehntens) Wenn unter euch in irgendeiner Angelegenheit eine Meinungsverschiedenheit auftritt, soll diese Angelegenheit gemäß den Anweisungen Allahs, des Erhabenen, und Seines Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, entschieden werden (Ibn Hischam, 1. Band, S. 503).
Die neue Struktur der Gesellschaftsordnung
Aufgrund dieser Weitsicht und Klugheit legte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, den Grundstein für eine neue Gesellschaft. Ihre äußere Gestalt entwickelte und entfaltete sich jedoch ganz um den Gesandten Allahs herum. Seine anziehende Persönlichkeit war der Mittelpunkt aller Anziehungskraft. Seine Lehre, Erziehung, die Elemente zur Bildung eines vorbildlichen Charakters, Liebe, brüderliche Verbundenheit, Gottesdienst und Gehorsam versetzten die Muslime in die Lage, ein neues Leben zu erlangen.
Ein Gefährte fragte den Propheten, Allahs Segen und Friede seien auf ihm: „Welche Form des Islam ist die vorzüglichste?“ Das heißt: Welche Handlung ist im Islam die beste? Der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagte: „Du sollst andere speisen und jedem, den du kennst und den du nicht kennst, den Friedensgruß entbieten.“ (Sahih al-Buchari, Bd. 1, S. 6, 9.)
Hadhrat Abdullah ibn Salam (möge Allah mit ihm zufrieden sein) berichtet: Nachdem der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, nach Medina gekommen war, begab ich mich zu ihm. Allein beim Anblick seines heiligen Angesichts erkannte ich, dass dieses Gesicht nicht das eines lügnerischen Menschen war. Danach waren seine ersten Worte zu mir: „O ihr Menschen, entbietet weiterhin den Friedensgruß, speist andere, pflegt die Verwandtschaftsbande und verrichtet das Gebet, wenn alle Menschen nachts schlafen; dann werdet ihr sicher ins Paradies eintreten.“ (Tirmidhi, Ibn Madscha, Darimi, Mischkat, Bd. 1, S. 168.)
Der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, pflegte zu sagen: „Jener Mensch wird nicht ins Paradies eintreten, dessen Nachbar vor seiner Schlechtigkeit und seinem zerstörerischen Verhalten nicht sicher ist.“ (Sahih Muslim, Mischkat, Bd. 2, S. 422.)
Er pflegte zu sagen: „Derjenige ist ein guter Muslim, vor dessen Zunge und Hand die Muslime sicher sind.“ (Sahih al-Buchari, Bd. 1, S. 6.)
Er pflegte zu sagen: „Keiner von euch kann ein wahrer Gläubiger sein, solange er nicht für seinen Bruder das wünscht, was er für sich selbst wünscht.“ (Sahih al-Buchari, Bd. 1, S. 6.)
Er pflegte zu sagen: „Alle Gläubigen sind wie ein einziger Mensch. Wenn sein Auge schmerzt, empfindet der ganze Körper diesen Schmerz; und wenn sein Kopf schmerzt, empfindet der ganze Körper den Schmerz.“ (Muslim, Mischkat, Bd. 2, S. 422.)
Er pflegte zu sagen: „Ein Gläubiger ist für einen anderen Gläubigen wie ein Bauwerk; ein Teil davon stärkt den anderen.“ (Buchari, Muslim und Mischkat, Bd. 2, S. 422.)
Er sagte: „Hegt untereinander weder Hass noch Feindschaft, streitet nicht miteinander und kehrt einander nicht den Rücken. Seid Diener Allahs und Brüder. Für einen Muslim ist es nicht erlaubt, seinen Bruder länger als drei Tage zu meiden.“ (Sahih al-Buchari, Bd. 2, S. 896)
Er sagte: „Der Muslim ist der Bruder des Muslims. Ein Muslim soll einem anderen Muslim kein Unrecht zufügen und ihn nicht dem Feind ausliefern. Wer das Bedürfnis seines Bruders erfüllt, dessen Bedürfnis wird Allah erfüllen. Wer die Sorge und den Kummer eines Muslims beseitigt, dessen Kummer wird Allah am Tag der Auferstehung unter seinen Kümmernissen einen beseitigen. Und wer den Fehler eines Muslims geheim hält, dessen Fehler wird Allah am Tag der Auferstehung geheim halten.“ (Buchari, Muslim und Mischkat, Bd. 2, S. 422)
Er sagte: „Erweist den Bewohnern der Erde Barmherzigkeit, dann wird der Herr des Himmels euch Barmherzigkeit erweisen.“ (Sunan Abu Dawud, Bd. 2, S. 335; Tirmidhi, Bd. 2, S. 14)
Er sagte: „Jener ist kein Mu’min, der sich selbst satt isst, während sein Nachbar neben ihm hungrig bleibt.“ (Baihaqi, Mischkat, Bd. 2, S. 424)
Er sagte: „Einen Muslim zu beschimpfen ist das Werk eines Fāsiq; mit einem Muslim zu kämpfen ist Kufr.“ (Buchari, Bd. 2, S. 893)
Er sagte: „Etwas Schädliches vom Weg zu entfernen gehört zur Sadaqa; diese Tat ist einer der herausragenden Zweige des Glaubens.“ (Buchari, Muslim und Mischkat, Bd. 1, S. 12, 167)
Der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, ermahnte zur Sadaqa und zu Almosen. Er schilderte die Vorzüglichkeit dieser Sadaqa und dieser Almosen in so hohem Maß, dass das Herz sich von selbst ihnen zuneigte. Er sagte: „Die Sadaqa löscht die Sünden aus, wie Wasser das Feuer löscht.“ (Ahmad, Tirmidhi, Ibn Madscha, Mischkat, Bd. 1, S. 14)
Er sagte: „Wer einen nackten Muslim bekleidet, den wird Allah im Paradies mit einem grünen Gewand bekleiden. Wer einen hungrigen Muslim speist, dem wird Allah im Paradies Früchte zu essen geben. Wer einem durstigen Muslim Wasser zu trinken gibt, dem wird Allah im Paradies ein reines Getränk, Sharāban Ṭahūran, zu trinken geben.“ (Abu Dawud, Tirmidhi, Mischkat, Bd. 1, S. 169)
Er pflegte zu sagen: Schützt euch vor dem Feuer, selbst wenn ihr nur ein Stück Dattel spendet. Wenn ihr nicht einmal dazu in der Lage seid, dann schützt euch durch ein gutes Wort vor dem Feuer (Buchārī, Bd. 1, S. 190; Bd. 2, S. 890).
Zugleich ermahnte der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, dazu, sich vom Betteln fernzuhalten. Er lehrte Geduld, Ausdauer und Genügsamkeit und bezeichnete das Betteln als Kratzer im Gesicht des Bettlers und als eine andere Form der Verwundung (siehe Abū Dāwūd, Tirmidhī, Nasāʾī, Ibn Māǧa, Dārimī und Miškāt).
Von der genannten Art der Erniedrigung nahm er jedoch diejenigen aus, die nur aus äußerster Not betteln.
Er erläuterte die unterschiedlichen Vorzüge der verschiedenen Arten der Anbetung und erwähnte die unterschiedlichen Belohnungen, die Allah für diese Anbetungshandlungen bereithält.
Über die Offenbarung, die aus dem Himmel zu ihm herabkam, unterrichtete er die Muslime und half ihnen, ihr Leben danach auszurichten. Er trug ihnen diese Offenbarung vor, und nachdem sie sie von ihm gehört hatten, trugen die Muslime sie ihm erneut vor. Dadurch entwickelten sich unter den Muslimen neben Verstand, Klugheit und geistigem Bewusstsein auch ein prophetisches Verantwortungsgefühl und Bewusstsein für die Verkündung der Botschaft der Wahrheit.
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, schuf im Lebenswandel der Muslime die Grundlage für einen erstaunlichen Aufstieg, entfaltete die von Gott verliehenen Fähigkeiten der Menschen und verlieh ihrem Handeln sowie ihrem Denken und Bewusstsein Anmut. Ja, aufgrund der Lehren des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, wurden die Gefährten nach den Propheten zu den besten Menschen. In der Geschichte der Menschheit erreichten sie die höchste Stufe des Vorbildlichen. Ḥaḍrat ʿAbdullāh ibn Masʿūd, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, sagte: Wer einer Anweisung folgen möchte, der soll den Anweisungen der Verstorbenen folgen, denn bei den Lebenden besteht die Gefahr der Verführung.
Die Gefährten waren die Gefährten des Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die besten Menschen der Umma Muḥammads, fromm, tief wissend und besonders frei von Hochmut. Allah, der Herr der Welten, erwählte all diese Menschen zu Freunden und Gefährten Seines geliebten Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sowie zu geeigneten Menschen für die Errichtung der Religion. Daher muss man ihre Eigenschaften und ihre Vorzüglichkeit kennen, ihnen folgen, sie nachahmen und ihnen gehorchen und sich ihre edle Charakterbildung und ihren Lebenswandel so weit wie möglich zu eigen machen, denn sie standen auf der Rechtleitung und auf dem geraden Weg (Razīn, Miškāt, Bd. 1, S. 32).
Unser Prophet, Ḥaḍrat Muḥammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, war ein solches Beispiel eines vortrefflichen und erhabenen Vorbilds, dass sich die Herzen ganz von selbst ihm zuwandten und der Wunsch erwachte, seinetwegen das eigene Leben zu opfern. Deshalb eilten die Gefährten herbei, um die Worte zu befolgen, die seinem heiligen Mund entströmten. Unter den Gefährten schien ein Wettbewerb begonnen zu haben, seine Worte zur Rechtleitung und Führung genau zu befolgen.
Gerade aufgrund solcher Bemühungen war der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in der Lage, in Medina eine Gesellschaft aufzubauen, die im Licht der Geschichte als die erfolgreichste Gesellschaft galt. Er fand für die Probleme dieser Gesellschaft solche Lösungen, dass diejenigen, die sich im Dunkel umherwarfen, Erleichterung fanden. Durch fortschrittliche Bildung und vorbildliche Werte konnte diese Gesellschaft alle Widrigkeiten ihrer Zeit überwinden und sogar den Lauf der Geschichte verändern.
Der Vertrag mit den Juden
Nach der Hidschra legte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, durch gemeinsame Überzeugungen, politische Ordnung und gemeinsames Bemühen unter den Muslimen den Grundstein für eine neue Gesellschaft. Danach bemühte er sich um den Aufbau von Beziehungen zu den Nichtmuslimen. Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, wollte, dass alle Menschen in Glück und Frieden lebten und die Bewohner Medinas und seiner Umgebung einer gesunden Verwaltung unterstanden. Durch Großzügigkeit und Gerechtigkeit erließ er Gesetze, für die sich in der gegenwärtig von Konflikten und Unruhen erschütterten Welt kein Beispiel finden lässt.
Wie bereits erwähnt, waren die Bewohner der Umgebung Medinas Juden. Obwohl sie den Muslimen heimlich feindlich gesinnt waren, zeigten sie dies nicht offen. Daher schloss der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, mit ihnen einen Vertrag. Dieser Vertrag gewährte den Juden die Freiheit, ihre Religion auszuüben, sowie Sicherheit für ihr Leben und ihren Besitz; eine Gelegenheit zu politischer Willkür wurde ihnen jedoch nicht eingeräumt.
Der Vertrag mit den Juden wurde auf der Grundlage des gegenseitigen Vertrags unter den Muslimen geschlossen. Seine Bestimmungen lauteten wie folgt:
1. Die Juden der Banu Auf werden gemeinsam mit den Muslimen als eine einzige Umma betrachtet. Juden und Muslime handeln jeweils nach ihrer eigenen Religion. Auch die anderen Juden außerhalb der Banu Auf genießen dieselben Rechte.
2. Die Juden tragen sämtliche Kosten für sich selbst, und die Muslime tragen jeweils getrennt die Kosten für sich selbst.
3. Wenn jemand gegen irgendeinen Teil der von diesem Vertrag Erfassten Krieg führt, werden alle gemeinsam gegen ihn Widerstand leisten.
4. Alle Parteien dieses Abkommens werden einander Wohlwollen entgegenbringen; doch dieses Wohlwollen und diese Zusammenarbeit müssen auf Gerechtigkeit und nicht auf Unrecht gegründet sein.
5. Niemand wird wegen seines Verbündeten zum Schuldigen gemacht.
6. Dem Unterdrückten wird geholfen werden.
7. Solange der Krieg andauert, werden auch die Juden gemeinsam mit den Muslimen die Kriegskosten tragen.
8. Aufruhr, Unruhen und Blutvergießen werden den Parteien dieses Abkommens in Medina untersagt sein.
9. Sollte unter den in diesem Abkommen eingeschlossenen Parteien ein neues Problem oder ein Streit entstehen, wird der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, dies gemäß dem Gesetz Allahs schlichten.
10. Den Quraisch und ihren Helfern wird kein Schutz gewährt werden.
11. Wenn jemand Yathrib angreift, werden sich alle Parteien gegenseitig bei der Abwehr dieses Angriffs unterstützen; jede Partei wird die Verantwortung für die Verteidigung ihres eigenen Teils übernehmen.
Vierzehntens: Durch diesen Vertrag wird keinem Unterdrücker oder Verbrecher Schutz gewährt (Ibn Hischam, Bd. 1, S. 503–504).
Nach Abschluss dieses Vertrags wurde aus Medina und den umliegenden Gebieten ein Staat gebildet. Seine Hauptstadt war Medina, und der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, war der oberste Führer dieses Staates. Die maßgebliche Autorität lag in den Händen der Muslime. Auf diese Weise wurde Medina zum Zentrum des islamischen Staates. Im Interesse von Frieden und Stabilität schloss der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, später auch mit anderen Stämmen ähnliche Verträge.
Bewaffnete Auseinandersetzungen
Die Verschwörungen der Quraisch gegen die Muslime
Zuvor wurde bereits über die Verfolgung und Unterdrückung der Muslime durch die Ungläubigen von Mekka berichtet. Es wurde auch erwähnt, welche Arten von Verschwörungen die Ungläubigen gegen sie schmiedeten, als die Muslime mit der Auswanderung begannen. Darüber hinaus begingen die Ungläubigen angesichts dieser Verfolgung und Unterdrückung sogar das Verbrechen, das Eigentum der Muslime zu beschlagnahmen. Ihre Torheit nahm nicht ab, sondern wuchs weiter. Als die Muslime ihrem Zugriff entkamen und in Medina eine sichere Zuflucht fanden, wurde der Zorn der Ungläubigen noch größer. Abdullah ibn Ubayy hatte damals noch nicht den Deckmantel des Islam angenommen. In Medina war Abdullah ibn Ubayy der Anführer der Ansar. Die Götzendiener von Mekka schrieben Abdullah einen Drohbrief. Zu jener Zeit besaß Abdullah in Medina beträchtlichen Einfluss und großes Ansehen. Wenn der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nicht nach Medina gekommen wäre, hätten die Bewohner Medinas ihn sogar zu ihrem König gemacht. In ihrem Drohbrief schrieben die Götzendiener von Mekka an Abdullah ibn Ubayy und ihre götzendienerischen Verbündeten: „Ihr habt einem unserer Leute Schutz gewährt. Daher schwören wir: Entweder kämpft ihr gegen ihn oder ihr weist ihn aus Medina aus. Wenn ihr dies nicht tut, werden wir mit all unserer Macht über euch herfallen, eure kampffähigen Männer töten und die Ehre eurer Frauen verletzen.“ [Abu Dawud, Kapitel „Nachricht des Nadir“]
Briefwechsel mit Abdullah ibn Ubayy
Unmittelbar nach Erhalt dieses Briefes bereitete sich Abdullah ibn Ubayy darauf vor, den Anweisungen der Götzendiener von Mekka Folge zu leisten. Schon zuvor hatte sich in Abdullah ibn Ubayy ein starker Hass gegen den Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, entwickelt. Denn in seinem Herzen hatte sich die Vorstellung festgesetzt, dass der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ihm die Königskrone Medinas entrissen habe. Unmittelbar nach Erhalt des Briefes der Götzendiener von Mekka bereiteten sich Abdullah ibn Ubayy und seine medinensischen Anhänger darauf vor, gegen den edlen Gesandten zu kämpfen. Als der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, davon erfuhr, ging er zu Abdullah und sagte zu ihm: „Es scheint, als hättest du dich von der Drohung der Quraisch stark beeinflussen lassen. Hört zu: Die Quraisch von Mekka können euch nicht mehr Schaden zufügen, als ihr selbst im Begriff seid, euch gegenseitig zuzufügen. Wollt ihr etwa selbst gegen eure eigenen Söhne und Brüder kämpfen?“ Als Abdullahs zum Kampf bereite Anhänger diese Worte des Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, hörten, zerstreuten sie sich. [Abu Dawud, Kapitel „Nachricht des Nadir“]
Da seine Unterstützer und Anhänger sich zerstreut hatten, sah Abdullah ibn Ubayy vorerst vom Kampf ab. Den Kontakt zu den Quraisch hielt er jedoch weiterhin aufrecht. Denn dieser Schurke ließ keine Gelegenheit aus, sich in irgendeinen Konflikt zwischen Muslimen und Ungläubigen einzumischen. Außerdem unterhielt er Kontakte zu den Juden, um die Kraft zum Widerstand gegen die Muslime zu erlangen und sicherzustellen, dass die Juden ihm bei Bedarf zu Hilfe kämen. Doch der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, löschte das Feuer von Unruhe und Unordnung immer wieder durch eine von Gott verliehene Weisheit und Strategie. [Sahih al-Buchari, Bd. 2, S. 655–656, 916, 924]
Verbot des Zutritts zur al-Masdschid al-Haram für die Muslime
Danach reiste Hadhrat Saʿd ibn Muʿadh (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) zur Verrichtung der Umra nach Mekka und wurde Gast von Umayya ibn Khalaf. Hadhrat Saʿd (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) hatte den Islam zu jener Zeit noch nicht angenommen. Er sagte zu Umayya: „Ich möchte die Kaaba in aller Ruhe umrunden.“ Umayya brach mittags gemeinsam mit Hadhrat Saʿd auf. Während des Tawaf trafen sie auf Abu Dschahl. Als Abu Dschahl sah, wie Hadhrat Saʿd andächtig die Kaaba umrundete, sagte er zu Umayya: „Abu Sufyan, wer ist dieser Mann, der mit dir gekommen ist?“ Umayya antwortete: „Das ist Saʿd ibn Muʿadh.“ Abu Dschahl wandte sich direkt an Hadhrat Saʿd und sagte: „Ich sehe, dass du sehr andächtig den Tawaf vollziehst. Dabei gewährt ihr den Ungläubigen Zuflucht und habt sogar eure Bereitschaft bekundet, ihnen zu helfen und sie zu unterstützen. Bei Gott, wenn du nicht Abu Sufyans Gast wärst, würde man dich nicht sicher nach Medina zurückkehren lassen.“ Daraufhin sagte Hadhrat Saʿd (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) mit lauter Stimme: „Hör zu! Wenn du versuchst, mich vom Tawaf abzuhalten, werde ich deinen Handelskarawanen nicht gestatten, in der Nähe von Medina vorbeizuziehen. Das wird für dich eine ernste Angelegenheit sein.“ [Buchari, Kitab al-Maghazi, Bd. 2, S. 563]
Die Drohung der Quraisch gegenüber den Auswanderern
Die Quraisch ließen den Muslimen ausrichten: „Glaubt nicht, dass ihr nach eurer Ausreise aus Mekka in Sicherheit sein werdet. Vielmehr werden wir euch, sobald ihr Medina erreicht habt, vollständig zugrunde richten.“ [Rahmatul lil-Alamin, Bd. 1, S. 116]
Das war nicht bloß eine Drohung. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, wurde aus verschiedenen Quellen über die Verschwörungen und die bösen Absichten der Quraisch informiert. Daher verbrachte er manchmal die ganze Nacht wach und schlief manchmal unter der Bewachung seiner edlen Gefährten. In Sahih Buchari wird von Hadhrat Aischa (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) überliefert, dass der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, eines Abends nach seiner Ankunft in Medina sagte: „Wie gut wäre es, wenn einer der rechtschaffenen Gefährten bei mir Wache hielte.“ Kaum hatte er dies gesagt, war das Klirren von Waffen zu hören. Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, fragte: „Wer ist dort?“ Die Antwort lautete: „Saʿd ibn Abi Waqqas.“ Er fragte: „Warum bist du gekommen?“ Der Besucher antwortete: „O Gesandter Allahs, plötzlich kam mir angesichts Ihrer Sicherheit ein Zweifel, und deshalb bin ich gekommen, um Sie zu bewachen.“ Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, dies hörte, sprach er ein Bittgebet für ihn und legte sich schlafen. [Muslim, Bd. 2, Kapitel über die Vorzüge von Saʿd ibn Abi Waqqas, sowie Buchari, Bd. 1, S. 404]
Es ist zu beachten, dass die Bewachung nicht nur für einige bestimmte Nächte eingerichtet worden war. Vielmehr wurde sie dauerhaft aufrechterhalten. Von Hadhrat Aischa (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) wird überliefert, dass nachts für den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, eine Bewachung eingerichtet wurde. Danach wurde der folgende Vers des Heiligen Korans offenbart: „Allah wird dich vor den Menschen schützen.“ Nach der Offenbarung dieses Verses steckte der geliebte Prophet den Kopf aus dem Fenster und sagte: „O Leute, kehrt zurück! Allah hat mir Sicherheit zugesichert.“ [Dschamiʿ at-Tirmidhi, Kapitel Tafsir, Bd. 2, S. 130]
Die Furcht vor mangelnder Sicherheit war nicht auf den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, beschränkt. Sie betraf alle Muslime. Von Hadhrat Ubayy ibn Kaʿb (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) wird überliefert, dass die Ansar dem Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und seinen Gefährten Zuflucht gewährten, nachdem sie nach Medina gekommen waren. Dadurch geriet ganz Arabien gegen sie in Aufruhr. Deshalb verbrachten die Ansar von Medina keine Nacht ohne Waffen und trugen auch am Morgen Waffen bei sich.
Die Erlaubnis zum Kämpfen
Die Unsicherheit, die vonseiten der Nichtmuslime für die Existenz der Muslime in Medina ausging, stellte eine besondere Bedrohung dar. Mit anderen Worten: Es war eine gewaltige Herausforderung für ihr Überleben. Daher hatten die Muslime klar erkannt, dass die Quraisch nicht davon ablassen würden, den Muslimen Schaden zuzufügen. Zu dieser Zeit erteilte Allah, der Herr der Welten, den Muslimen die Erlaubnis zum Kämpfen. Dieser Kampf wurde jedoch nicht als Pflicht bezeichnet. Zu dieser Zeit offenbarte Allah der Erhabene folgenden Vers des Korans: „Denjenigen, gegen die gekämpft wird, wird die Erlaubnis zum Kämpfen erteilt, weil ihnen Unrecht widerfahren ist. Wahrlich, Allah ist fähig, ihnen zu helfen.“
Im Zusammenhang mit diesem Vers wurden anschließend noch einige weitere Verse offenbart. In all diesen Versen wurde erklärt, dass die Erlaubnis zum Kämpfen nicht lediglich dem Kämpfen an sich diente, sondern dass ihr Zweck darin bestand, die Wurzeln des Falschen oder der Lüge auszurotten und Wahrheit und Gerechtigkeit zu verwirklichen. So sprach Allah der Erhabene: „Wenn Wir ihnen auf der Erde Macht geben, verrichten sie das Gebet, entrichten die Zakat, gebieten das Rechte und verbieten das Unrechte; und Allah obliegt das Ende aller Angelegenheiten.“ (Sure al-Haddsch, Vers 81)
Diese Erlaubnis wurde nach der Hidschra in Medina offenbart, nicht in Mekka. Der genaue Zeitpunkt der Offenbarung lässt sich jedoch nur schwer bestimmen.
Die Erlaubnis zum Kämpfen war erteilt worden, doch die Lage war zugunsten der polytheistischen Quraisch. Daher wurden einige strategische Maßnahmen für die Muslime notwendig. Die Muslime erweiterten den Bereich ihrer Kontrolle bis zu den Handelskarawanen der Quraisch. Dieser Bereich erstreckte sich über die Straße zwischen Mekka und Syrien. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, fasste zwei Pläne, um den von den Muslimen kontrollierten Bereich zu erweitern.
Erstens: Mit den Stämmen, die an den Wegen der zwischen Mekka, Syrien und Medina verkehrenden Handelskarawanen lebten, sollten Nichtangriffsverträge geschlossen werden.
Zweitens: Auf diesem Weg sollten Patrouillen ausgesandt werden.
Im Hinblick auf den ersten Plan ist wichtig, dass unter den zuvor erwähnten Verträgen mit den Juden auch festgehalten wurde, dass ein ähnlicher Nichtangriffsvertrag mit dem Stamm der Dschuhaina geschlossen wurde. Dieser Stamm lebte drei Manzil, das heißt 51 Meilen, von Medina entfernt. Außerdem schloss der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Verträge mit mehreren weiteren Stämmen. Auf diese Verträge wird zu gegebener Zeit eingegangen werden.
Der zweite vom Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, aufgestellte Plan betraf den Krieg; auf die einzelnen damit verbundenen Fragen wird an der passenden Stelle ebenfalls eingegangen werden.
Sariyya und Ghazwa (nach der Terminologie der Verfasser von Sīra-Werken bezeichnet Sariyya jene militärischen Unternehmungen, an denen der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) nicht persönlich teilnahm, unabhängig davon, ob es zu einem Kampf kam oder nicht. Demgegenüber bezeichnet Ghazwa jene militärischen Unternehmungen, an denen der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) selbst teilnahm, unabhängig davon, ob es zu einem Kampf kam oder nicht.)
Nachdem durch die Verse des Heiligen Qurans die Erlaubnis zum Kampf erteilt worden war, begannen die Muslime schrittweise mit der Umsetzung der beiden genannten Pläne. Bewaffnete Abteilungen begannen zu patrouillieren. Ihr Ziel war es, die Lage im Allgemeinen auf den Wegen in der Umgebung Medinas und insbesondere auf den Wegen in der Umgebung Mekkas zu beobachten. Gleichzeitig sollten mit den Stämmen, die in der Nähe dieser Wege siedelten, Nichtangriffspakte geschlossen werden. Dadurch sollte bei den Götzendienern, Juden und Beduinen in der Umgebung Medinas der Eindruck entstehen, dass die Muslime nunmehr stark genug waren. Sie hatten ihre frühere Schwäche und Machtlosigkeit überwunden. Außerdem sollte ihnen dadurch angesichts der überheblichen Kühnheit der Quraisch Furcht eingeflößt werden. Ihnen sollte klargemacht werden, dass die Folgen der Gedanken und des Zorns, die sie zum Ausdruck gebracht hatten, schrecklich sein würden. Wenn sie angesichts der Bedrohung ihrer Wirtschaft in dem Sumpf der Torheit, in dem sie sich wälzten, die Lage erkannten, würden sie sich Friedensvereinbarungen und Verständigung zuwenden. Sie würden von ihren Vorhaben ablassen, in die Häuser der Muslime einzudringen und sie zu vernichten, den Weg Allahs zu versperren und die schwachen Muslime zu misshandeln. Dadurch könnten die Muslime auf der Arabischen Halbinsel völlig frei zur Einheit Allahs aufrufen.
Im Folgenden wird kurz auf diese Sariyya-Unternehmungen und Ghazwa-Unternehmungen eingegangen:
Erstens: Sariyya Sīf al-Bahr (Sīf al-Bahr bedeutet „Meeresküste“)
Ramadan des ersten Jahres nach der Hidschra, entsprechend dem März 623 n. Chr.
Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ernannte Hamza ibn Abd al-Muttalib (möge Allah mit ihm zufrieden sein) zu ihrem Befehlshaber. In der Ebene von Rabigh zählte die Begleitung Abu Sufyans zweihundert Mann. Beide Seiten schossen Pfeile aufeinander, doch die Auseinandersetzung entwickelte sich nicht zu einem Kampf (Rahmatul-lil-Alamin).
Bei dieser Sariyya schlossen sich zwei Männer aus Mekka den Muslimen an. Der eine war Miqdad ibn Amr al-Bahrani, der andere Utba ibn Ghazwan al-Mazini (möge Allah mit ihm zufrieden sein). Beide hatten den Islam heimlich angenommen. Sie hatten sich den Götzendienern angeschlossen, um sich den Muslimen anzuschließen, falls sie ihnen unterwegs begegnen sollten.
Zweitens: Sariyya Kharrar (der Name eines Ortes in der Nähe von Dschuhfa)
Der Monat Dhul-Qaʿda des ersten Jahres nach der Hidschra, entsprechend Mai 623.
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, ernannte Hazrat Saʿd ibn Abi Waqqas zu ihrem Befehlshaber und entsandte unter seiner Führung zwanzig hingebungsvolle Muslime, um einen Karawanenzug der Ungläubigen aufzuspüren. Dieser Zug war zu Fuß aufgebrochen. Sie reisten nachts und hielten sich tagsüber verborgen. Am Morgen des fünften Tages erreichte dieser Zug al-Kharrar und erfuhr, dass der Handelszug der Quraisch al-Kharrar bereits einen Tag zuvor verlassen hatte.
Ihre Fahne war weiß, und Hazrat Miqdad ibn Amr (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) trug sie.
Drittens: Ghazwat Abwaʾ [Waddan ist der Name eines Ortes zwischen Mekka und Medina. Er liegt 29 Meilen entfernt auf dem Weg von Rabigh. Abwaʾ ist ein weiterer Ort in der Nähe von Waddan.]
Safar des zweiten Jahres nach der Hidschra, entsprechend August 623.
Bei diesem Feldzug zog der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, in Begleitung von siebzig Auswanderern aus. Während dieser Zeit ernannte der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, Hazrat Saʿd ibn ʿUbada (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) zu seinem Stellvertreter in Medina. Ziel dieses Feldzugs war es, einem Handelszug der Quraisch den Weg zu versperren. Der Prophet (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) erreichte Waddan. Es kam jedoch zu keinem unerfreulichen Zwischenfall.
Im Vorfeld dieses Feldzugs schloss der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, mit Amr ibn Makhshi al-Damri, dem Anführer des Stammes Banu Damra, einen Freundschaftsvertrag. Der Vertrag lautete wie folgt: „Dies ist eine Niederschrift Muhammads, des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, für die Banu Damra: Sie werden hinsichtlich ihres Lebens und ihres Besitzes Sicherheit genießen. Wenn jemand sie angreift, wird ihnen gegen diesen Angriff geholfen. Wenn sie jedoch den Krieg gegen die Religion Allahs beginnen, wird diese Verpflichtung nicht eingehalten. Solange das Meer seine Küste benetzt, bleibt dieser Vertrag gültig. Wenn der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sie zu seiner Unterstützung ruft, müssen sie herbeikommen.“ [Al-Mawahib al-Ladunniyya, Band 1, S. 75]
Dies war der erste Feldzug unter persönlicher Teilnahme des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm. Nachdem sie fünfzehn Tage außerhalb Medinas verbracht hatten, kehrten sie zurück.
Vier) Ghazwa Bu’at
Der Monat Rabi al-awwal des zweiten Hidschra-Jahres, entsprechend September 623.
Bei diesem Feldzug brach der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, mit zweihundert Gefährten auf. Ziel dieses Feldzugs war es, die Handelskarawane der Quraisch zu verfolgen. Zu dieser Karawane gehörten einhundert Männer der Quraisch, darunter Umayya ibn Chalaf, sowie zweitausendfünfhundert Kamele. Der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, erreichte den Ort namens Bu’at im Gebiet von Ghazwa [Bu’at und Ridhwi sind zwei Berge in der bergigen Gegend von Dschunaina. Genau genommen handelt es sich um zwei Ausläufer eines Berges. Sie liegen auf dem Weg von Mekka nach Syrien und sind 48 Meilen von Medina entfernt]. Doch es kam zu keinem unerfreulichen Ereignis. Das Banner dieses Feldzugs war weiß; es wurde von Hazrat Sa’d ibn Abi Waqqas, möge Allah mit ihm zufrieden sein, getragen.
Vor diesem Feldzug wurde Hazrat Sa’d ibn Mu’adh, möge Allah mit ihm zufrieden sein, zum Amir von Medina ernannt.
Fünf) Ghazwa Safwan
Rabi al-awwal des zweiten Hidschra-Jahres, entsprechend September 623.
Der Grund für diesen Feldzug war, dass eine Gruppe unter der Führung eines Götzendieners namens Kurz ibn Dschabir al-Fihri in die Weidegebiete von Medina einfiel und einige Nutztiere raubte. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, verfolgte die Plünderer mit siebzig Gefährten. Doch Kurz und seine Gefährten wurden nicht gefunden. Sie kehrten ohne jede Auseinandersetzung zurück. Manche bezeichnen diese Schlacht als die erste Schlacht von Badr. Das Banner war weiß. Hazrat Ali, möge Allah mit ihm zufrieden sein, trug es.
Während dieses Feldzugs wurde Hazrat Zayd ibn Haritha, möge Allah mit ihm zufrieden sein, zum Amir von Medina ernannt.
Sechstens: Der Feldzug von Dhul-Uschaira
Dschumādā al-auwwal und Dschumādā ath-thāniya des zweiten Jahres der Hidschra, entsprechend November und Dezember 623
Bei diesem Feldzug befanden sich einhundertfünfzig bis zweihundert Auswanderer beim Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Niemand wurde zur Teilnahme gezwungen. Für die Reittiere standen lediglich dreißig Kamele zur Verfügung. Alle ritten abwechselnd. Dieser Feldzug wurde unternommen, um eine solche Karawane der Götzendiener zu verfolgen, die von Mekka aus in Richtung Syrien aufgebrochen war. Diese Karawane führte große Mengen an Waren der Quraisch mit sich. Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, verfolgte diese Karawane bis zu einem Ort namens Dhul-Uschaira (Uschaira, der Name eines Ortes in der Nähe von Yalbur). Doch die Ungläubigen waren bereits einige Tage zuvor weitergezogen. Als diese Karawane aus Syrien zurückkehrte, versuchte der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sie festzunehmen. Doch sie konnten nach Mekka fliehen. Infolge dieses Ereignisses kam es später zur Schlacht von Badr.
Auch bei diesem Feldzug war die Farbe des Banners Weiß. Hadrat Hamza, möge Allah mit ihm zufrieden sein, trug das Banner.
Nach Ibn Ishaq brach der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, bei diesem Feldzug gegen Ende des Monats Dschumādā al-auwwal auf und kehrte im Monat Dschumādā ath-thāniya zurück. Daher bestehen unter den Verfassern der Sīra unterschiedliche Meinungen über die genaue zeitliche Einordnung dieses Feldzugs.
Während dieses Feldzugs schloss der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, mit den Banū Mudlij und deren Verbündeten, den Banū Dschamra, einen Nichtangriffspakt.
Während dieses Feldzugs des Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, übernahm Hadrat Abū Salama ibn Abd al-Asad al-Machzūmī, möge Allah mit ihm zufrieden sein, die Verantwortung für die Verwaltung Medinas.
Siebtens: Die Expedition von Nakhla
Rajab des zweiten Hidschra-Jahres, entsprechend Januar 624
Bei diesem Feldzug entsandte der Gesandte Allahs unter der Führung von Hazrat Abdullah ibn Dschahsch (r.a.) eine Gruppe von zwölf Auswanderern. Je zwei Soldaten verfügten über ein Kamel. Der Prophet gab dem Befehlshaber einen Brief und wies ihn an, ihn nach einer zweitägigen Reise zu lesen. Nach zwei Reisetagen öffnete Hazrat Abdullah ibn Dschahsch (r.a.) den Brief und las ihn. Darin stand: „Nachdem ihr diesen meinen Brief gelesen habt, sollt ihr euch in Nakhla, einem Ort zwischen Mekka und Taif, niederlassen und dort einem Handelszug der Quraisch auflauern. Haltet mich zugleich über die Nachrichten auf dem Laufenden.“
Hazrat Abdullah (r.a.) erläuterte den mitreisenden Gefährten den Inhalt des Briefes und sagte: „Ich zwinge niemanden dazu. Wer sich nach dem Märtyrertod sehnt, kann mitgehen. Selbst wenn ich allein zurückbleibe, werde ich weiter voranschreiten.“
Nachdem sie die Worte Hazrat Abdullah ibn Dschahschs (r.a.) gehört hatten, brachen sie in Richtung Nakhla auf. Unterwegs verschwand das Kamel von Hazrat Saʿd ibn Abi Waqqas (r.a.) und Utba ibn Ghazwan (r.a.). Beide Gefährten reisten abwechselnd auf dem Rücken dieses Kamels. Wegen des Verlusts des Kamels blieben sie zurück.
Nach einer langen Reise gelangte Hazrat Abdullah ibn Dschahsch (r.a.) nach Nakhla. Dort erfuhr er, dass ein Handelszug der Quraisch diese Straße passiert hatte. Der Handelszug führte Rosinen, Leder und andere Waren mit sich. Zu ihm gehörten Uthman und Nawfal, die beiden Söhne von Abdullah ibn Mughirah, sowie Amr ibn Hadrami, ein freigelassener Sklave Mughirahs, und Hakim ibn Kaisan. Die Muslime berieten sich untereinander, was sie tun sollten. Es war der letzte Tag des Monats Rajab. Rajab ist einer der heiligen Monate, in denen der Krieg verboten ist. Würde man kämpfen, würde man die Heiligkeit des heiligen Monats verletzen. Würde man jedoch keinen Angriff unternehmen, würde dieser Handelszug der Quraisch das Gebiet von Medina erreichen. Nach der Beratung beschlossen sie, anzugreifen. Die Gefährten verfolgten den Handelszug der Quraisch und schossen auf Amr ibn Hadrami. Er wurde getroffen und starb. Die anderen nahmen Uthman und Hakim gefangen. Nawfal floh, und es gelang nicht, ihn festzunehmen. Danach kehrten die Gefährten mit den beiden Gefangenen und den Waren nach Medina zurück. Von den erbeuteten Waren nahmen die Gefährten ein Fünftel als Beuteanteil heraus. [So berichten es die Verfasser der Sira. Problematisch ist jedoch, dass die koranische Anweisung, ein Fünftel der Kriegsbeute als Beuteanteil zu nehmen, erst zur Zeit der Schlacht von Badr offenbart wurde. Aus der Lektüre des Anlasses der Offenbarung dieses Verses geht hervor, dass die Muslime vor dieser Anweisung noch nicht über die Regelung bezüglich der Beute informiert waren.] Dies war in der Geschichte des Islam die erste Kriegsbeute, der erste Getötete und der erste Gefangene. Nachdem der Gesandte Allahs alles erfahren hatte, sagte er: „Ich habe euch doch nicht befohlen, in einem heiligen Monat zu kämpfen.“ Er ließ keinerlei Übergriff im Umgang mit den beschlagnahmten Waren und den Gefangenen zu.
Durch dieses Ereignis erhielten die Nichtmuslime die Gelegenheit zu der Propaganda, die Muslime hätten den von Allah geheiligten Monat für erlaubt erklärt. Darüber wurde allerlei Verleumdung verbreitet. Schließlich offenbarte Allah der Erhabene einen Vers und sagte: „Was die Götzendiener tun, ist weitaus verbrecherischer und verwerflicher als das, was die Muslime getan haben.“
Allah der Erhabene sagt: „Sie fragen dich nach dem Kämpfen im heiligen Monat. Sag: Darin zu kämpfen ist ein großes Unrecht. Doch vom Weg Allahs abzuhalten, Ihn zu verleugnen, vom Heiligtum abzuhalten und seine Bewohner daraus zu vertreiben, ist bei Allah ein noch größeres Unrecht. Verführung ist schlimmer als Töten.“ (Sure al-Baqara, Vers 217)
Durch diese Offenbarung ist deutlich geworden, dass die Kritik der Ungläubigen an den Muslimen unbegründet ist. Denn die Götzendiener hatten durch ihren Kampf gegen den Islam sowie durch ihre Unterdrückung und Misshandlung der Muslime alle Verbote mit Füßen getreten. Als den ausgewanderten Muslimen ihr Besitz und Vermögen weggenommen und die Ermordung des Propheten geplant wurde, wurde da etwa an die Würde Mekkas, also an die Heiligkeit der Stadt, gedacht? Wurden diese Verschwörungen etwa irgendwo außerhalb Mekkas geschmiedet? Wenn nicht, warum wurde dann plötzlich so viel Aufhebens um die Würde Mekkas gemacht? In Wahrheit entsprang der Sturm der Propaganda der Götzendiener offenkundiger Schamlosigkeit und unverhohlener Unverschämtheit.
Nach der Offenbarung dieses Verses ließ der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Heil seien auf ihm, beide Gefangenen frei und zahlte auch das Blutgeld für den getöteten Mann. [Die Werke, aus denen die Angaben zu den oben erwähnten Ghazwa und Sariyya entnommen wurden, sind: Zad al-Ma’ad, Band 2, S. 83–85; Ibn Hischam, Band 1, S. 591–605; Rahmat lil-Alamin, Band 1, S. 115–116, Band 2, S. 215–216, 468–470.]
In den genannten Werken sind einige Meinungsverschiedenheiten festzustellen. Ich habe die Ausführungen von Allama Ibn Qayyim und Allama Mansur Puri übernommen. ]
Es wurde ein Überblick über die vor dem Feldzug von Badr stattgefundenen Ghazwa und Sariyya gegeben. Bei diesen Ereignissen kam es weder zu Plünderungen noch zu Tötungen oder Verwüstungen. Der erste Angriff ging jedoch von den Polytheisten aus. Dieser Angriff wurde unter der Führung von Kurz ibn Dschabir al-Fihri durchgeführt. Schon zuvor hatten die Polytheisten verschiedene Übergriffe begangen.
Nach der unter der Führung von Abdullah ibn Dschahsch (möge Allah mit ihm zufrieden sein) durchgeführten Sariyya ergriff die Polytheisten Angst: Sie gerieten in genau das Netz, in das sie zu geraten befürchtet hatten. Sie erkannten, dass die Führung in Medina über ein äußerst wachsames Gewissen verfügte. Von Medina aus wurden die Handelsaktivitäten der Quraisch beobachtet. Wenn die Muslime es wollten, konnten sie die dreihundert Meilen Entfernung überwinden, in ihr Gebiet eindringen und dort tun, was sie wollten. Tötungen, Plünderungen und alles Weitere war ihnen möglich. Selbst danach konnten sie sicher nach Medina zurückkehren. Die Polytheisten erkannten, dass der Handel mit Syrien einer neuen Gefahr gegenüberstand. Doch obwohl sie alles wussten und verstanden, ließen sie nicht von ihrer Torheit ab. Statt wie Dschuwaina und die Banu Dschamra Friedens- und Verständigungsabkommen, also Nichtangriffspakte, zu schließen, schlugen sie den Weg des Zorns ein. Sie bemühten sich, ihre Drohung zu verwirklichen, in die Häuser der Muslime einzudringen und sie vollständig zu vernichten. Dieser Zorn versammelte sie schließlich auf dem Feld von Badr.
Kurz nach dem Ereignis der unter der Führung von Hadhrat Abdullah ibn Dschahsch (möge Allah mit ihm zufrieden sein) durchgeführten Sariyya erklärte Allah, der Herr der Welten, den Muslimen im Schaban des zweiten Jahres nach der Hidschra den Dschihad zur Pflicht. In diesem Zusammenhang offenbarte Allah, der Erhabene, mehrere Verse. So heißt es: „Kämpft auf Allahs Weg gegen diejenigen, die gegen euch kämpfen. Doch überschreitet nicht das Maß. Allah, der Erhabene, liebt diejenigen nicht, die das Maß überschreiten. Wo immer ihr sie findet, tötet sie, und vertreibt sie von dem Ort, von dem sie euch vertrieben haben. Töten ist besser als Fitna. Kämpft nicht bei der Heiligen Moschee gegen sie, solange sie dort nicht gegen euch kämpfen. Wenn sie gegen euch kämpfen, dann tötet sie; das ist der Lohn der Ungläubigen. Wenn sie davon ablassen, so ist Allah vergebend und barmherzig. Kämpft gegen sie, bis es keine Fitna mehr gibt und Allahs Religion sich durchsetzt. Wenn sie davon ablassen, dann darf niemand außer den Ungerechten angegriffen werden.“ (Sure al-Baqara, Verse 190–193)
Etwa zur gleichen Zeit wurden weitere ähnliche Verse offenbart. Darin wird die Vorgehensweise im Krieg erläutert. So heißt es: „Wenn ihr also auf die Ungläubigen im Kampf trefft, dann schlagt ihnen auf die Hälse. Wenn ihr sie schließlich vollständig besiegt habt, dann fesselt sie fest. Danach entweder Gnade oder Lösegeld. Führt den Dschihad fort, bis der Krieg seine Waffen niederlegt. Dies ist die Regelung. Dies deshalb, weil Allah sie hätte bestrafen können, wenn Er gewollt hätte; doch Er will den einen von euch durch den anderen prüfen. Diejenigen, die auf Allahs Weg getötet werden, deren Werke wird Er niemals zunichtemachen. Er wird sie rechtleiten und ihren Zustand verbessern. Er wird sie in das Paradies eintreten lassen, von dem Er ihnen berichtet hat. O ihr Gläubigen! Wenn ihr Allah helft, wird auch Allah euch helfen und euren Stand festigen.“ (Sure Muhammad, Verse 4–7)
Später kritisierte Allah, der Erhabene, jene Menschen, deren Herzen beim Hören des Kriegsbefehls zu zittern begannen. So sagt Allah, der Erhabene: „Wenn nun eine eindeutige Sure herabgesandt wird und darin der Befehl zum Dschihad enthalten ist, wirst du diejenigen, in deren Herzen Krankheit ist, wie Menschen, die aus Todesangst benommen sind, zu dir blicken sehen. Wehe ihnen.“ (Sure Muhammad, Vers 20)
Tatsächlich war die Verpflichtung zum Dschihad, die Aufforderung dazu und der Befehl, sich darauf vorzubereiten, eine Forderung der damaligen Lage. Für einen Heerführer, der die damaligen Verhältnisse aufmerksam beobachtete, war es nur selbstverständlich, umfassende Kriegsvorbereitungen anzuordnen. Warum sollte Allah, der Allmächtige, der über alles Offene und Verborgene Bescheid weiß, nicht den Dschihad befehlen? Die damalige Lage verlangte einen blutigen Zusammenstoß zwischen Wahrheit und Falschheit, damit der Unterschied zwischen Wahrheit und Lüge deutlich sichtbar würde. Der Schlag von Hadhrat Abdullah ibn Dschahsch (möge Allah mit ihm zufrieden sein) war gleichsam ein Schuss Öl in das Feuer des Zorns der Ungläubigen.
Aus den Koranversen war zu erkennen, dass der Zeitpunkt einer blutigen Auseinandersetzung näher rückte. In dieser Auseinandersetzung würden die Muslime den Sieg erringen. Bemerkenswert ist, dass Allah den Muslimen befiehlt: So wie die Ungläubigen euch aus eurem Land vertrieben haben, sollt auch ihr sie aus diesem Land vertreiben. Außerdem wurden die Muslime angewiesen, die Gefangenen festzusetzen, die Gegner zu beseitigen und dem Krieg dadurch ein Ende zu setzen. Ferner wurde erklärt, dass die Muslime zu einem siegreichen und erfolgreichen Volk gehören. Diese Andeutung bedeutete, dass die Muslime letztlich den Sieg davontragen würden. Der Grund dafür, dies nur andeutungsweise mitzuteilen, war, dass diejenigen, die übermäßig begierig auf den Dschihad auf Allahs Weg waren, ihren Eifer in der Praxis unter Beweis stellen konnten.
Zu jener Zeit, nämlich im Schaʿbān des zweiten Hidschra-Jahres, entsprechend dem Februar des Jahres 614 nach der Hidschra, befahl Allah den Muslimen, die Kaaba anstelle von Bayt al-Maqdis zur Qibla zu bestimmen und die Gebetsrichtung während des Gebets zur Kaaba zu ändern. Durch diese Änderung wurden die Heuchler erkannt, die sich verkleidet unter den Muslimen verborgen gehalten hatten. Sie sonderten sich von den Muslimen ab. Dadurch wurde den Verrätern und Treulosen zugleich angedeutet, dass nun eine neue Epoche beginnen werde. Die Muslime würden ihre Qibla selbst unter ihre Kontrolle bringen. Dass sich die Qibla in der Gewalt des Feindes befand, würde nicht länger hinnehmbar sein. Sich um ihre Befreiung zu bemühen, würde eine Glaubenspflicht der Muslime sein.
Nach diesen Anweisungen und Andeutungen des Heiligen Korans wuchs das Glaubensbewusstsein der Muslime. Sie wurden vom Antrieb zum Dschihad fi sabilillah beseelt, und ihr Verlangen nach einer entscheidenden Schlacht mit den Feinden nahm in ihren Herzen um ein Vielfaches zu.
Die Schlacht von Badr
Die erste entscheidende militärische Unternehmung des Islam
Bei der Darstellung der bei Uschayra unternommenen militärischen Expedition haben wir erwähnt, dass die Handelskarawane der Quraisch auf ihrem Weg von Mekka nach Syrien nur knapp der von dem Propheten, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, unternommenen Expedition entging. Auf dem Rückweg eben dieser Karawane von Syrien nach Mekka unternahm der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, eine weitere Maßnahme. Hazrat Talha ibn Ubaidullah und Saʿid ibn Zayd (Allahs Wohlgefallen sei auf ihnen) wurden nach Norden entsandt, um Informationen über die Karawane einzuholen. Beide Gefährten erreichten zunächst einen Ort namens Hawra, bezogen dort Stellung und warteten auf das Vorüberziehen der Handelskarawane Abu Sufyans. Sobald die Karawane diesen Ort passiert hatte, eilten die beiden Gefährten unverzüglich nach Medina und unterrichteten den auserwählten Gesandten, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, darüber.
Diese Karawane führte große Vermögenswerte der Bewohner Mekkas mit sich. Auf eintausend Kamelen befanden sich verschiedene Handelswaren im Wert von fünfzigtausend Dinar. Fünfzigtausend Dinar entsprachen dem Wert von zweihundertdreiundsechzig Kilogramm Gold. Zum Schutz dieser Güter befanden sich jedoch nur vierzig Männer bei der Karawane.
Für die Bewohner Medinas war dies eine goldene Gelegenheit. Für die Bewohner Mekkas hingegen würde der Verlust dieser Güter einen enormen militärischen, politischen und wirtschaftlichen Schaden bedeuten. Daher verkündete der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, unter den Muslimen Medinas, dass die Handelskarawane der Quraisch mit großen Vermögenswerten unterwegs sei. „Brecht auf, um diese Karawane abzufangen. Es ist möglich, dass Allah euch all diese Güter als Beute gewährt.“
Obwohl der Aufruf verkündet worden war, war die Teilnahme nicht verpflichtend. Die Angelegenheit wurde dem persönlichen Eifer, der Begeisterung und dem Interesse jedes Einzelnen überlassen. Denn zum Zeitpunkt des Aufrufs konnte man nicht ahnen, dass es anstelle eines Überfalls auf eine Karawane zu einem blutigen Zusammenstoß mit den Quraisch auf dem Feld von Badr kommen würde. Da man dies nicht erwartete, blieben zahlreiche Gefährten in Medina zurück. Sie glaubten, dass der Feldzug des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ebenso verlaufen würde wie seine früheren Feldzüge. Aus diesen Gründen wurden diejenigen, die an diesem Kampf nicht teilnahmen, auch nicht kritisiert.
Die Stärke und Aufgabenverteilung des islamischen Heeres
Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nach Badr aufbrach, befanden sich etwas mehr als dreihundert Gefährten bei ihm. Nach manchen Angaben waren es 313, nach anderen 314 oder 317. Von ihnen waren 82 – nach einer anderen Überlieferung 83, nach einer weiteren 86 – Muhadschirun; alle übrigen waren Ansar. Unter den Ansar gehörten 61 dem Stamm der Aus und 70 dem Stamm der Chazradsch an. Auch sie hatten sich nicht sonderlich für den Krieg vorbereitet. Im gesamten Heer gab es nur zwei Pferde: eines gehörte dem Gefährten Zubair ibn al-Awwam, möge Allah mit ihm zufrieden sein, und das andere dem Gefährten Miqdad ibn al-Aswad al-Kindi, möge Allah mit ihm zufrieden sein. Es gab 70 Kamele, wobei jeweils zwei oder drei Männer abwechselnd auf einem Kamel ritten.
Auf einem Kamel ritten der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, der Gefährte Ali, möge Allah mit ihm zufrieden sein, und der Gefährte Marschad ibn Abu Marschad al-Ghanawi, möge Allah mit ihm zufrieden sein, abwechselnd.
Die Verwaltung Medinas und die Leitung des Gebets waren zunächst dem Gefährten Abdullah ibn Umm Maktum, möge Allah mit ihm zufrieden sein, übertragen worden. Als der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, jedoch den Ort Rauha erreichte, entsandte er den Gefährten Abu Lubaba Abd al-Mundhir, möge Allah mit ihm zufrieden sein, als Verwalter nach Medina. Das Heer war so aufgestellt, dass die eine Abteilung aus den Muhadschirun und die andere aus den Ansar bestand. Das Banner der Muhadschirun trug der Gefährte Ali ibn Abi Talib, möge Allah mit ihm zufrieden sein, und das Banner der Ansar der Gefährte Sa’d ibn Muadh, möge Allah mit ihm zufrieden sein. Das gemeinsame Banner beider Abteilungen war weiß. Mit dem Tragen dieses Banners wurde der Gefährte Musab ibn Umair al-Abdi, möge Allah mit ihm zufrieden sein, betraut. Der Gefährte Zubair ibn al-Awwam, möge Allah mit ihm zufrieden sein, war der Befehlshaber des rechten Flügels, und der Gefährte Miqdad ibn Amr, möge Allah mit ihm zufrieden sein, der des linken Flügels. Diese beiden waren im gesamten Heer die erfahrensten Kämpfer. Auch der Gefährte Qais ibn Abi Sa’a, möge Allah mit ihm zufrieden sein, wurde zu einem der besten Befehlshaber ernannt. Die Aufgabe des obersten Heerführers übernahm der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, selbst.
Der Vormarsch in Richtung Badr
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zog mit diesem unvollständig ausgerüsteten Heer von Medina aus und gelangte über die Hauptstraße in Richtung Mekka zum Brunnen Bia Rauha (Brunnen von Rauha). Von dort aus ging er noch ein Stück weiter, ließ die Straße nach Mekka zu seiner Linken und setzte seinen Weg auf der rechten Route fort. Auf diesem Weg durchquerte er zunächst das Tal von Nasiya und danach das Tal von Rahqan. Später gelangte er über den Feldweg von Safra schließlich in die Ebene von Darra. Nachdem er Safr erreicht hatte, entsandte er zwei Männer aus dem örtlichen Stamm der Dschuhaina zur Ebene von Badr, um Nachrichten über die Karawane der Quraisch einzuholen. Es waren Baschisch ibn Amr und Adi ibn Abu Zaghba.
Die Nachricht über die gefährliche Lage nach Mekka übermitteln
An der Spitze der Handelskarawane der Quraisch stand Abu Sufyan. Er rückte äußerst vorsichtig vor. Er wusste, dass die Wege nach Mekka gefährlich waren. Deshalb erkundigte er sich bei jeder Karawane nach dem Zustand des Weges. Unterwegs erfuhr Abu Sufyan, dass Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in Medina dazu aufgerufen hatte, die Karawane der Quraisch anzugreifen. Sobald Abu Sufyan diese Nachricht erhielt, schickte er Jamzam ibn Amr al-Ghifari gegen eine hohe Bezahlung nach Mekka. Dieser traf dort ein und spornte die Bewohner Mekkas an, die Handelskarawane zu schützen. Jamzam erreichte Mekka in größter Eile, stellte sich nach arabischer Sitte auf den Rücken eines Kamels, zerriss sein Gewand und verkündete laut die dringende Nachricht. Er rief: „O Quraisch, hört! Die Karawane, die Karawane! Muhammad und seine Gefährten bereiten einen Angriff auf all die Handelsgüter vor, die Abu Sufyan bei sich hat. Ich glaube, ihr werdet sie noch erreichen. Zu Hilfe! Zu Hilfe! Zu Hilfe!“
Die Kriegsvorbereitungen der Mekkaner
Als die Nachricht von der Gefahr eintraf, eilten die angesehenen Männer Mekkas von allen Seiten herbei. Sie sagten: „Hat Muhammad etwa gedacht, dass Abu Sufyans Karawane genauso sei wie die Karawane Ibn al-Hadramis? Nein, keineswegs! Wir müssen ihm zeigen, dass unsere Angelegenheit anders liegt.“ Jeder kampffähige Mann in Mekka traf Vorbereitungen für den Krieg. Manche bereiteten sich selbst vor, andere schickten an ihrer Stelle jemand anderen. Unter den angesehenen Männern Mekkas blieb niemand außer Abu Lahab von den Vorbereitungen zur Teilnahme an diesem Krieg fern. Abu Lahab schickte an seiner Stelle einen Mann, der bei ihm verschuldet war. Auch junge Männer aus verschiedenen umliegenden Stämmen nahmen die Quraisch in ihr Heer auf. Von den Stämmen der Quraisch hielt sich kein einziger zurück, außer dem Stamm Banu Adi. Niemand aus dem Stamm Banu Adi nahm an diesem Krieg teil.
Die Stärke des feindlichen Heeres
Anfangs zählte das Heer von Mekka dreizehnhundert Mann. Es verfügte über einhundert Pferde und sechshundert Rüstungen. Die Zahl der Kamele war groß, ließ sich jedoch nicht genau feststellen.
Der Heerführer war Abu Dschahl ibn Hischam. Neun angesehene Männer der Quraisch übernahmen die Versorgung mit Lebensmitteln. An einem Tag wurden neun Kamele geschlachtet, am nächsten zehn, und so weiter.
Als das Heer von Mekka aufbrechen wollte, erinnerten sich die Quraisch plötzlich daran, dass sie mit dem Stamm Banu Bakr in Feindschaft und im Krieg lagen. Dieser konnte sie von hinten angreifen. Dann würden sie zwischen zwei Feuern geraten! Nach den Beratungen und Erörterungen zu diesem Thema drohte der Feldzug der Quraisch eingestellt zu werden. Genau zu diesem Zeitpunkt erschien der verfluchte Iblis in der Gestalt von Suraqa ibn Malik ibn Dschuʿschum al-Mudladschi, dem Anführer des Stammes Banu Kinana, und sagte zu den Anführern der Quraisch: „Ich bin doch euer Freund. Ich garantiere euch, dass Banu Kinana während eurer Abwesenheit nichts Ungehöriges tun wird.“
Der Vormarsch der Feinde
Das Heer von Mekka brach daraufhin auf. Wie zog es aus? Allah, der Erhabene, sagt: Sie zogen voller Hochmut und Prahlerei voran und hielten die Menschen vom Weg Allahs ab. Der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, sagte: Sie zogen mit ihren Waffen, ihrem Groll gegen Allah und ihrer Abneigung gegen den Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, aus. Sie waren vom Zorn über das Verlangen nach Vergeltung erfüllt. Mit knirschenden Zähnen sagten sie: Wie konnten Muhammad und seine Gefährten es wagen, auch nur einen Blick auf die Handelskarawane von Mekka zu werfen?
Kurz gesagt, sie eilten nach Norden, also in Richtung der Ebene von Badr. Nachdem sie die Ebenen von Usfan und Qudayd durchquert hatten, erreichten sie einen Ort namens Juhfa. Dort erhielten sie eine neue Nachricht, die Abu Sufyan geschickt hatte: Ihr seid ausgezogen, um die Karawane und eure eigenen Vermögenswerte zu schützen. Da Allah alles bewahrt hat, braucht ihr dies nun nicht mehr. Kehrt jetzt um.
Das Verschwinden der Handelskarawane
Als Abu Sufyan die Handelskarawane führte, bewegte er sich äußerst vorsichtig voran. Er sammelte aus allen Richtungen Informationen und behielt die Lage im Auge. Nachdem er die Nähe der Ebene von Badr erreicht hatte, ging er ein Stück weiter, traf Majdi ibn Amr und fragte ihn nach dem Heer von Medina. Majdi sagte: Nichts Besonderes ist mir aufgefallen, aber ich habe zwei Männer gesehen. Sie ließen ihre Kamele bei einem Hügel niederknien, schöpften anschließend Wasser aus dem Brunnen und gingen dann fort. Abu Sufyan ging weiter, untersuchte den zurückgelassenen Kameldung und prüfte die Dattelkerne. Dann sagte er: Zweifellos stammen diese Datteln aus Yathrib. Unmittelbar danach eilte er zu seiner Karawane und begann, nach Westen in Richtung der Meeresküste zu ziehen. Die Hauptstraße zur Ebene von Badr blieb zu seiner Linken. Auf diese Weise bewahrte Abu Sufyan seine Handelskarawane davor, dem Heer von Medina in die Hände zu fallen. Während er auf sicherem Weg nach Mekka unterwegs war, ließ Abu Sufyan den aus Mekka gekommenen Soldaten mitteilen: Kehrt um. Es besteht keine Gefahr, dass die Handelskarawane angegriffen wird; ich kehre sicher nach Mekka zurück.
Uneinigkeit und Meinungsverschiedenheiten im Heer des Feindes
Als die gewöhnlichen Soldaten von Mekka diese Nachricht erhielten, bereiteten sie sich auf die Rückkehr vor. Doch Abu Jahl stellte sich ihnen entgegen. Mit äußerstem Hochmut sagte er: Bei Gott, wir werden nicht umkehren, bevor wir nicht zur Ebene von Badr gezogen sind und dort drei Tage verweilt haben. In dieser Zeit werden wir Kamele schlachten, die Menschen herbeirufen und bewirten, Wein trinken und die Sklavinnen zu unserer Unterhaltung singen lassen. Dadurch wird sich in ganz Arabien die Nachricht von unserem Zug verbreiten, und für alle Zeiten wird die Erinnerung an unsere Reise in den Herzen der Menschen fortleben. Ein angesehener Anführer namens Akhnas ibn Shuraiq sagte zu Abu Jahl: Komm, lass uns nach Mekka zurückkehren. Doch Abu Jahl schenkte seinen Worten keine Beachtung. Schließlich kehrte Akhnas mit dreihundert seiner Anhänger, darunter den Angehörigen des Stammes Banu Zuhra, nach Mekka zurück. Kein Angehöriger des Stammes Banu Zuhra nahm an der Schlacht von Badr teil. Später lobte der Stamm Banu Zuhra die Klugheit und Umsicht von Akhnas ibn Shuraiq, und sein Ansehen blieb in diesem Stamm dauerhaft gefestigt.
Nachdem die Angehörigen des Stammes Banu Zuhra umgekehrt waren, sagte Abu Jahl vom Stamm Banu Hashim mit zorniger Stimme: Niemand sonst darf umkehren, solange wir nicht umgekehrt sind.
Nachdem die Angehörigen des Stammes Banu Zuhra umgekehrt waren, blieben tausend Männer bei Abu Jahl. Sie brachen in Richtung der Ebene von Badr auf. Als sie die Ebene von Badr erreichten, schlugen sie hinter einem Hügel ihre Zelte auf. Dieser Hügel liegt südlich von Badr.
Eine schwierige Lage für die muslimische Armee
Als der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und seine Gefährten durch die Ebene von Safran zogen, wurden sie durch einen Boten aus Medina über die jüngste Lage informiert. Nachdem er ausführliche Nachrichten über die Quraisch erhalten hatte, erkannte er mit Weitsicht, dass ein blutiger Zusammenstoß mit den Quraisch unausweichlich geworden war. Daher musste man nun mutig voranschreiten. Denn wenn man das Heer von Mekka ohne jede Herausforderung ziehen ließe, würde die Macht der Quraisch in der Folge wachsen und ihr Siegesruhm von Mund zu Mund weitergetragen werden. Dadurch würde ihr Einfluss auf politischem Gebiet erheblich zunehmen. Dagegen würde die Stimme der Muslime schwächer werden, und der Islam würde leblos und kraftlos erscheinen. Die Feinde des Islam sowie jene, die keine Gelegenheit gehabt hatten, den Islam richtig kennenzulernen und zu verstehen, würden eine ablehnende Haltung gegenüber dem Islam einnehmen und sich schließlich zu dessen Feinden machen.
Außerdem gab es keine Gewissheit, dass die entfesselten Truppen von Mekka nicht in Richtung Medina aufbrechen würden. Sie hätten sich die Gelegenheit, nach Medina zu ziehen, in die Häuser der Muslime einzudringen und sie zu misshandeln und zu quälen, nicht entgehen lassen. Wenn das Heer von Medina auch nur die geringste Nachlässigkeit gezeigt und sich, statt sich dem Feind entgegenzustellen, aus Sorge um die Wahrung des Friedens nach Medina zurückgezogen hätte, wäre all dies unvermeidlich geworden. Zudem hätte es dem Ansehen und der Würde des Islam geschadet, wenn man die Ungläubigen ohne jede Herausforderung hätte ziehen lassen.
Die Sitzung des Schura-Rates
Angesichts der Lage berief der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, eine Sitzung des Schura-Rates ein. In der Sitzung wurde die jüngste politische Lage überprüft. Die Meinung der Heerführer und der einfachen Soldaten wurde eingeholt. Einige Muslime begannen zu zittern, als sie von einem blutigen Zusammenstoß hörten. Über diese Menschen sagte Allah, der Erhabene, im Heiligen Qur’an: „Es ist so, als hätte dein Herr dich zu Recht aus deinem Haus herausgeführt, während ein Teil der Gläubigen dies ablehnte. Es war, als würden sie zum Tod getrieben, und sie sahen ihn vor Augen.“ (Sure al-Anfal, Verse 5–6)
Die Meinung der Anführer wurde eingeholt. Abu Bakr, möge Allah mit ihm zufrieden sein, und Umar, möge Allah mit ihm zufrieden sein, zeigten eine hervorragende Haltung. Aus ihren Worten sprach ihre aufrichtige Ergebenheit gegenüber dem geliebten Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Danach erhob sich Miqdad ibn Amr, möge Allah mit ihm zufrieden sein. Er sagte: „O Gesandter Allahs, bleibe auf dem Weg standhaft, den Allah dir gewiesen hat; wir stehen an deiner Seite. Bei Allah, wir werden dir nicht solche Worte sagen, wie die Kinder Israels sie zu Musa, Friede sei mit ihm, gesagt haben. Die Kinder Israels sagten zu Musa, Friede sei mit ihm: ‚O Musa, solange sie dort bleiben, werden wir es niemals betreten. So geh du und dein Herr und kämpft; wir werden hier sitzen bleiben.‘“ (Sure al-Ma’ida, Vers 24)
Vielmehr werden wir sagen: „Kämpfe du und dein Herr, und auch wir werden an deiner Seite kämpfen. Bei dem Erhabenen, der dich mit der Wahrheit gesandt hat: Wenn du uns auch bis nach Bark al-Ghimad führst, werden wir dich dennoch den ganzen Weg dorthin begleiten und dabei kämpfen.
Nachdem der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die Worte von Miqdad, möge Allah mit ihm zufrieden sein, gehört hatte, lobte er ihn und sprach ein Bittgebet für ihn.
Nachdem der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die Meinung der Muhadschirun eingeholt hatte, hielt er es für notwendig, auch die Meinung der Ansar einzuholen. Denn die Ansar waren zahlenmäßig stärker vertreten. Die größere Verantwortung für den Krieg würde auf ihnen lasten. Nach dem Treueid von al-Aqaba waren sie jedoch nicht dazu verpflichtet, außerhalb von Medina in den Krieg zu ziehen. Nachdem er die Meinungen von Abu Bakr, Umar und al-Miqdad, möge Allah mit ihnen zufrieden sein, angehört hatte, wandte sich der geliebte Prophet an die Ansar und sagte: „Gebt mir euren Rat.“ Der Anführer der Ansar, Sa’d ibn Mu’adh, möge Allah mit ihm zufrieden sein, sagte: „O Gesandter Allahs, du möchtest unsere Meinung erfahren?“ Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Ja.“ Sa’d ibn Mu’adh sagte: „Wir haben an dich geglaubt und dich für wahrhaftig erklärt. Wir bezeugen, dass alles, was du gebracht hast, wahr ist. Wir haben uns dir zu unserem Gehorsam verpflichtet. So ziehe dorthin weiter, was du für gut hältst. Bei Allah, Der dich mit der Wahrheit gesandt hat: Wenn du mit uns ins Meer springen möchtest, werden auch wir hineinspringen. Kein einziger von uns wird zurückbleiben. Wenn du morgen mit uns dem Feind entgegentrittst, haben wir ebenfalls keinen Einwand. In unseren Herzen gibt es keinerlei Zweifel. Wir sind kampferprobt. Es kann sogar sein, dass Allah durch uns eine solche Tapferkeit offenbart, dass deine Augen dadurch erfreut werden. Zieh mit uns weiter. Möge Allah, der Erhabene, unsere Reise segnen.“
In einer Überlieferung wird berichtet, dass Sa’d ibn Mu’adh, möge Allah mit ihm zufrieden sein, zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Vielleicht denkst du, dass die Ansar dich in ihrem eigenen Gebiet unterstützen und dies als ihre Verantwortung und Pflicht betrachten. Deshalb antworte ich im Namen der Ansar und sage: Zieh dorthin, wohin du möchtest, und schließe mit wem du möchtest ein Bündnis. Nimm von unserem Vermögen, so viel du möchtest. Was du davon nimmst, ist uns lieber als der Teil, der uns verbleibt. In dieser Angelegenheit werden wir deine Entscheidung als endgültig annehmen. Bei Allah, wenn du weiterziehst und bis nach Bark al-Ghimad gelangst, werden wir mit dir gehen. Und wenn du mit uns ins Meer springen möchtest, werden auch wir mit dir ins Meer springen.“
Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, diese Worte von Sa’d ibn Mu’adh, möge Allah mit ihm zufrieden sein, hörte, freute er sich sehr. Er sagte: „Auf, und zieht frohen Mutes weiter. Allah, der Erhabene, hat mir eines der beiden Heere versprochen. Bei Allah, ich sehe gleichsam schon die Orte, an denen sie fallen werden.“
Danach zog der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, von Zafiran weiter. Nachdem er mehrere Bergpässe überquert hatte, gelangte er zu einem Ort namens Asfir. Er ließ den Berg Haman rechts liegen und schlug anschließend in der Nähe der Ebene von Badr sein Lager auf.
Der Versuch, heimlich Informationen zu sammeln
Nach ihrer Ankunft hier brach der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gemeinsam mit seinem Gefährten aus der Höhle von Thaur, Abu Bakr, möge Allah mit ihm zufrieden sein, auf, um Informationen zu sammeln. Aus der Ferne beobachteten sie die Zelte der mekkanischen Soldaten. Da begegneten sie einem alten Araber. Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, fragte ihn nach den Quraisch und nach den Gefährten Muhammads. Der Grund, weshalb er nach beiden Heeren fragte, war, dass der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, seine eigene Identität nicht preisgeben wollte. Doch der Alte stellte sich quer. Er sagte: „Nennt mir eure Identität und sagt mir, zu welcher Gruppe ihr gehört; andernfalls werde ich nichts sagen.“ Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Beantworte du uns zunächst, wonach ich dich gefragt habe; danach werden wir dir unsere Identität nennen.“ Der Alte sagte: „Wenn Muhammad und seine Gefährten mir die Wahrheit mitgeteilt haben, müssten sie sich heute an jenem und jenem Ort befinden.“ Damit nannte der Alte genau den Ort, an dem sich die Gefährten aufhielten. Der Alte fuhr fort: „Die Quraisch sind an jenem und jenem Tag aufgebrochen. Wenn der Überbringer der Nachricht mir die Wahrheit gesagt hat, müssten sich die Quraisch heute an jenem und jenem Ort befinden.“ Damit nannte der Alte genau den Ort, an dem sich Abu Dschahl und seine Gefährten aufhielten.
Nachdem der Alte seine Auskunft beendet hatte, fragte er den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und seinen Gefährten nach ihrer Identität. Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, antwortete: „Wir sind aus demselben Wasser hervorgegangen.“ Damit ging er fort. Der Alte begann vor sich hin zu murmeln: „Aus welchem Wasser? Aus dem Wasser des Irak?“
Wichtige Informationen über das Heer von Mekka
Am späten Nachmittag jenes Tages entsandte der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, eine Gruppe von Spähern, um Informationen über die Stellung des Feindes und andere Nachrichten zu sammeln. Zu dieser Gruppe gehörten drei Anführer der Auswanderer: Hadhrat Ali (möge Allah mit ihm zufrieden sein), Hadhrat Zubair ibn al-Awwam (möge Allah mit ihm zufrieden sein) und Hadhrat Sa’d ibn Abi Waqqas (möge Allah mit ihm zufrieden sein). Diese drei angesehenen Gefährten machten sich gemeinsam mit einigen weiteren Gefährten auf, um Informationen über das Heer der Quraisch zu sammeln. Zunächst gingen sie zu den Wasserstellen von Badr. Dort schöpften zwei Sklaven Wasser für das Heer der Quraisch. Die Gefährten ergriffen sie und brachten sie zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, verrichtete gerade das Gebet. Die Gefährten befragten die gefangenen Sklaven über die Quraisch. Sie sagten: „Wir gehören zu den Leuten der Quraisch. Sie haben uns geschickt, um Wasser zu schöpfen.“ Diese Antwort gefiel den Gefährten nicht. Sie vermuteten, dass die beiden zu Abu Sufyan gehörten, denn in ihren Herzen lebte noch die schwache Hoffnung, die Handelskarawane in Besitz nehmen zu können. Die Gefährten schlugen beide Sklaven heftig. Unter den Schlägen sahen sie sich gezwungen zu sagen: „Ja, wir gehören zu Abu Sufyan.“ Nachdem die Schläger dies gehört hatten, hörten sie auf, sie zu schlagen.
Nach dem Gebet sagte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in scharfem Ton zu den Gefährten: „Als sie die Wahrheit sagten, habt ihr sie geschlagen, und als sie gelogen haben, habt ihr sie freigelassen. Bei Allah, beide haben die Wahrheit gesagt. Sie gehören zu den Quraisch.“
Danach sagte der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu den Sklaven: „Nun sagt mir etwas über die Quraisch.“ Sie sagten: „Hinter dem Hügel, den ihr am äußersten Rand der Ebene seht, befinden sich die Quraisch.“ Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, fragte: „Wie viele Männer sind es?“ Sie sagten: „Wir wissen es nicht.“ Er fragte: „Wie viele Kamele schlachten sie täglich?“ Sie antworteten: „An einem Tag neun und am nächsten Tag zehn.“ Darauf sagte er: „Ihre Zahl muss zwischen neunhundert und eintausend liegen.“ Danach fragte der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm: „Welche bedeutenden Männer der Quraisch befinden sich unter ihnen?“ Sie antworteten: „Utba und Schaiba, die beiden Söhne von Rabia, Abu al-Bachtari ibn Hischam, Hakim ibn Hizam, Naufal ibn Chuwailida, Harith ibn Amir, Tumaim ibn Adi, Nadr ibn Harith, Dscham’a ibn al-Aswad, Abu Dschahl ibn Hischam und Umaiya ibn Chalaf.“ Außerdem nannten die beiden Sklaven noch die Namen einiger weiterer Männer. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, wandte sich an die Gefährten und sagte: „Mekka hat euch seine großen Stücke vorgeführt.“
Der Regen der Barmherzigkeit und der Vormarsch der Muslime
In jener Nacht ließ Allah, der Herr der Welten, Regen herab. Auf die Ungläubigen ergoss sich der Regen in Strömen, wodurch ihr Vormarsch behindert wurde. Für die Muslime war er eine Quelle der Barmherzigkeit. Dadurch erhielten sie Gelegenheit, sich von der durch Satan verursachten Unreinheit zu reinigen; der Sand unter ihren Füßen wurde fest und schuf hervorragenden Halt, und ihre Herzen wurden gestärkt.
Danach rückte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gemeinsam mit den muslimischen Anführern weiter vor. Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, bemühte sich, die Wasserstellen von Badr vor den Götzendienern zu erreichen. Zu dieser Zeit gab Hadhrat Hakab ibn Munzir (möge Allah mit ihm zufrieden sein) dem Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, wie ein kluger und weitsichtiger Heerführer einen Rat. Zunächst fragte er: „O Gesandter Allahs, bist du aufgrund eines Befehls Allahs hierher gelangt, bei dem es keinen Spielraum gibt, vor- oder zurückzugehen? Oder hast du diesen Ort als eine strategische Maßnahme gewählt?“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Es ist lediglich eine strategische Entscheidung.“ Als Hadhrat Chabbab (möge Allah mit ihm zufrieden sein) dies hörte, sagte er: „Ich halte es nicht für angebracht, an diesem Ort zu bleiben. Wir müssen weiter vorrücken und die Wasserstelle kontrollieren, die der Stellung der Quraisch am nächsten liegt. Die übrigen Wasserstellen werden wir überwachen. Wenn der Kampf beginnt, werden wir Wasser trinken, während die Quraisch wegen des Wassermangels leiden werden.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Du hast einen richtigen Rat gegeben.“ Danach zog er mit den Soldaten weiter. In der Mitte der Nacht erreichte er eine Wasserstelle in der Nähe des Feindes und schlug dort sein Zelt auf. Anschließend errichteten die Gefährten ein Becken und verschlossen alle übrigen Wasserstellen.
Das Führungszentrum
Nachdem die Gefährten an der Wasserstelle Stellung bezogen hatten, unterbreitete Hadhrat Sa’d ibn Mu’adh (möge Allah mit ihm zufrieden sein) einen Vorschlag. Er sagte, die Muslime könnten für ihren Anführer einen Aufenthalts- und Führungsplatz errichten. Dadurch könnten sie rechtzeitig vorbereitet sein, falls Allah es nicht wolle, dass die Muslime statt eines Sieges eine Niederlage erlitten oder eine andere Notsituation einträte. Nach dieser Beratung sagte Hadhrat Sa’d (möge Allah mit ihm zufrieden sein) zum Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm: „O Gesandter Allahs, wir möchten für dich eine besondere Lagerstätte errichten. Du wirst dich dort aufhalten. Neben dir werden wir auch dein Reittier bereitstellen. Danach werden wir uns dem Feind entgegenstellen. Wenn Allah uns Ehre verleiht und uns den Sieg über den Feind schenkt, wird ein solcher Aufenthaltsort für uns erfreulich sein. Sollten wir besiegt werden, kannst du dein Reittier besteigen und zu jenen Menschen gehen, die zurückgeblieben sind. O Prophet Allahs, hinter dir befinden sich Menschen, die dich mehr lieben als wir. Unsere Liebe zu dir ist nicht so groß und tief wie ihre. Wenn sie gewusst hätten, dass du dem Kampf entgegentreten würdest, wären sie keinesfalls zurückgeblieben. Allah wird dich durch sie beschützen; sie werden dir zum Wohl gereichen und gemeinsam mit dir den Dschihad führen.“
Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, dies hörte, lobte er Saʿd (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) und sprach ein Bittgebet für ihn. Die Muslime errichteten für den Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, auf einem erhöhten Hügel nordöstlich des Schlachtfeldes eine Liege. Von dort aus konnte man das gesamte Schlachtfeld überblicken. Eine Gruppe junger Ansar wurde unter der Leitung von Saʿd ibn Muʿadh (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) damit beauftragt, auf den Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, achtzugeben.
Aufstellung des Heeres für die Schlacht
Danach stellte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, das Heer auf und zog zum Schlachtfeld. [Ǧāmiʿ at-Tirmiḏī, Abwāb al-Dschihād, Bd. 1, S. 201]. Dort deutete der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, mit der Hand und sagte, dass morgen, so Allah will, dieser Ort die Stätte des Todes für den einen und jener Ort die Stätte des Todes für den anderen sein werde.
Danach verbrachte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, dort nahe den Wurzeln eines Baumes die Nacht. Auch die Gefährten verbrachten die Nacht sorglos und friedvoll. Ihre Herzen waren von Zuversicht erfüllt, und sie verbrachten die Zeit in Frieden und Gewissheit. Sie hofften, am Morgen mit eigenen Augen den Beweis für die frohe Botschaft ihres erhabenen Herrn zu sehen. Wie Allah, der Erhabene, sagt: „Gedenkt, als Er euch von Sich aus mit Schlaf übermannte und Wasser vom Himmel auf euch herabsandte, um euch damit zu reinigen, den Einfluss Satans von euch zu entfernen, eure Herzen zu festigen und eure Füße zu festigen.“ (Sure al-Anfāl, Vers 11)
Dies war die Nacht zum 17. Ramadan im zweiten Jahr nach der Hidschra. Am 8. oder 12. dieses Monats war er von Medina aufgebrochen. [Mischkāt, Bd. 2, S. 543]
Meinungsverschiedenheiten unter den Feinden
Die Quraisch verbrachten die Nacht in ihren Zelten jenseits des Hügels am äußersten Rand von Badr. Am Morgen kamen sie auf dieser Seite des Hügels auf dem Feld von Badr zusammen. Eine Gruppe von Männern ging auf das Wasserbecken des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu. Man sagte zum Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm: „Hindert sie nicht daran.“ Später zeigte sich, dass alle diejenigen, die aus dem Wasserbecken des Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, getrunken und gegen ihn gekämpft hatten, getötet wurden. Nur Hakim ibn Hizam blieb am Leben. Später nahm Hakim den Islam an und wurde ein guter Muslim. Wenn er einen Eid schwor, pflegte er stets zu sagen: „Bei dem, der mich am Tag von Badr gerettet hat.“
Nachdem die Quraisch die Truppenversammlung der Muslime beobachtet hatten, entsandten sie Umair ibn Wahb al-Dschumahi, um ihre Stärke einzuschätzen. Umair machte einen Rundgang, kehrte zurück und sagte: „Die Zahl der muslimischen Soldaten dürfte dreihundert betragen, vielleicht etwas weniger oder mehr. Ich werde noch nachsehen, ob sie über unterstützende Truppen verfügen.“ Nachdem er sein Pferd in einiger Entfernung galoppieren ließ und zurückkehrte, sagte Umair: „Die Muslime haben keine unterstützenden Truppen hinter sich zurückgelassen. Doch eine Sache ist mir aufgefallen: Die Kamele von Yathrib haben den unverfälschten Tod mitgebracht. Ihre gesamte Stärke hängt von den Schwertern ab. Bei Allah, nach dem, was ich erkannt habe, scheint es, dass keiner von ihnen sterben wird, ohne einige von euch zu töten. Sollten sie eure angesehenen Männer töten, werdet ihr angesehene Gefährten verlieren. Was ihr also auch tut, tut es wohlüberlegt.“
Zu dieser Zeit erhob sich eine weitere Gruppe von Kriegsgegnern lautstark gegen Abu Dschahl. Doch Abu Dschahl war fest entschlossen zu kämpfen. Die Kriegsgegner wollten nach Mekka zurückkehren, ohne zu kämpfen. Auch Hakim ibn Hizam wollte keinen Krieg. Er begann, hierhin und dorthin zu laufen. Zuerst ging er zu Utba ibn Rabi’a. Er sagte: »O Abu al-Walid, du bist ein angesehener Mann unter den Quraisch. Alle folgen dir ohne Widerspruch. Tu eine gute Tat; dadurch wird man immer wieder über dich sprechen. « Utba fragte: »Welche Tat soll das sein, Hakim?« Hakim sagte: »Führe alle zurück. Übernimm selbst die Verantwortung für das Blutgeld für deinen Verbündeten Amr ibn Hadrami, der bei der Nakhla-Expedition getötet wurde.« Utba sagte: »Ich bin einverstanden. Nimm mich dafür als Bürgen. Amr ibn Hadrami war mein Verbündeter, und die Verantwortung für das Blutgeld für seinen Tod liegt bei mir. Ich werde den Verlust seines zerstörten Besitzes ersetzen.«
Danach sagte Utba zu Hakim ibn Hizam: »Geh zu dem Sohn der Hanzaliya – das heißt zu Abu Dschahl; Hanzaliya war der Name von Abu Dschahls Mutter. Er bringt alles durcheinander, und hinter der Aufwiegelung der Menschen steckt maßgeblich seine Hand.«
Danach erhob sich Utba ibn Rabi’a und sagte in der Haltung eines Redners: »O Quraisch, ihr werdet keine besondere Ehre erlangen, wenn ihr gegen Muhammad und seine Gefährten kämpft. Bei Gott, wenn sie euch töten, werdet ihr Gesichter sehen, deren Träger ihr nicht tot sehen möchtet. Denn ihr werdet entweder eure Cousins väterlicherseits, eure Cousins mütterlicherseits oder andere Angehörige eures eigenen Stammes töten. Wenn andere Araber Muhammad und seine Gefährten töten, wird euer Wunsch erfüllt sein. Sollte jedoch eine andere Lage eintreten, dann denkt daran: Ihr werdet in die Hände von Muhammad und seinen Gefährten fallen, die sich an alles erinnern, was ihnen in der Vergangenheit widerfahren ist. Deshalb lasst uns umkehren und neutral bleiben.«
Hakim ibn Hizam ging zu Abu Dschahl und sah, dass dieser seine Rüstung reinigte. Hakim sagte: »O Abu al-Hakam, Utba hat mich mit dieser Botschaft zu dir geschickt.« Abu Dschahl sagte: »Bei Gott, Utbas Herz ist beim Anblick Muhammads und seiner Gefährten feige geworden. Doch ich werde keinesfalls nach Mekka zurückkehren. Wir werden nicht nach Mekka zurückkehren, bis Gott der Erhabene zwischen Muhammad und uns entschieden hat. Was Utba gesagt hat, sagte er nur, weil er aus Angst vor Muhammad und seinen Gefährten eingeschüchtert ist. Auch Utbas Sohn befindet sich bei ihnen; deshalb will er euch in dieser Angelegenheit Angst machen.« (Nebenbei sei erwähnt, dass Utbas Sohn Hudhaifa schon lange zuvor den Islam angenommen und die Hidschra vollzogen hatte und nach Medina gegangen war.) Als Utba erfuhr, dass Abu Dschahl über ihn gesagt hatte: »Bei Gott, Utbas Herz ist feige geworden«, sagte er: »Abu Dschahl wird bald erfahren, wessen Herz feige geworden ist – meines oder seines.« Abu Dschahl erschrak, als er von Utbas Reaktion hörte. Damit sich die Angelegenheit nicht weiter hinzog, ließ er Amir ibn Hadrami, den Bruder von Amr ibn Hadrami, der bei der Nakhla-Expedition getötet worden war, zu sich rufen. Als Amir kam, sagte Abu Dschahl: »Euer Verbündeter Utba will die Menschen zurückführen, obwohl ihr mit eigenen Augen seht, wie euch Unrecht zugefügt wurde. Erhebt euch daher, sagt laut, dass euch Unrecht widerfahren ist und dass ihr die Unterdrückten seid, und erzählt allen erneut vom Tod eurer Brüder.« Daraufhin stand Amir auf, entblößte sein Gesäß und begann zu schreien: »O Amr, o Amr, o Amr!« Als alle diesen Schrei hörten, versammelten sie sich, und in den Herzen aller entflammte der Wunsch zu kämpfen. Sie verpflichteten sich, an den Muslimen Rache zu nehmen. Utbas Aufruf war damit gescheitert. So besiegte die Leidenschaft die Vernunft, und der Versuch, den Krieg zu verhindern, misslang.
Die beiden Heere stehen einander gegenüber
Die Nichtmuslime kamen in Gruppen hervor, und die beiden Heere begannen, einander gegenüberzutreten. Zu dieser Zeit sagte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm): »O Allah, der Erhabene, die Quraisch sind voller Hochmut gegen Dich und sind ausgezogen, um Deinen Gesandten der Lüge zu bezichtigen. O Allah, der Erhabene, heute benötigen wir Deine versprochene Hilfe ganz besonders. O Allah, der Erhabene, zerstreue sie heute.«
Als der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) Utba auf seinem roten Kamel sah, sagte er: »Wenn sich bei jemandem aus diesem Volk Gutes findet, dann bei dem Reiter dieses Kamels. Wenn die anderen auf ihn hören würden, würden sie den rechten Weg finden.«
Zu dieser Zeit ließ der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) die Muslime in Reihen Aufstellung nehmen. Da geschah etwas Erstaunliches.
Der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) hielt einen Pfeil in der Hand. Mit dessen Hilfe richtete er die Reihen gerade. Dabei berührte die Pfeilspitze leicht den Bauch von Sawad ibn Ghaziyya. Dieser war ein wenig aus der Reihe vorgetreten. „Sawad, stell dich gerade hin!“ Sawad sagte sofort: „O Gesandter Allahs, du hast mir Schmerzen zugefügt. Erlaube mir, Vergeltung zu üben.“ Der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) schob sein Gewand über seinem Bauch beiseite und sagte: „Nimm deine Vergeltung.“ Sawad umarmte den geliebten Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und küsste seinen geheiligten Bauch. Der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Sawad, was hat dich dazu bewogen, so zu handeln?“ Sawad antwortete: „O Gesandter Allahs, du hast alles gesehen, was nun geschehen wird. Mein innigster Wunsch ist, dass deine Nähe das letzte denkwürdige Ereignis meines Lebens bleibt. Möge der Kontakt meines Körpers mit deinem geheiligten Körper das letzte Ereignis meines Lebens sein.“ Als der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) dies hörte, sprach er ein Bittgebet für Sawad.
Nachdem der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) die Reihen geordnet hatte, sagte er zu den Gefährten, niemand solle den Kampf beginnen, bevor er von ihm den Befehl dazu erhalten habe. Danach gab der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) besondere Anweisungen zur Kampfweise. Er sagte: „Wenn die Götzendiener geschlossen auf euch zukommen, beschießt sie mit Pfeilen. Achtet darauf, die Pfeile nicht zu verschwenden“ [Sahih al-Buchari, Bd. 2, S. 568]. „Führt nicht das Schwert, bis sie euch eingekreist haben“ [Sunan Abi Dawud, Bd. 2, S. 13]. Danach begab sich der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) in Begleitung von Abu Bakr (Allah sei mit ihm zufrieden) zum Kommandoposten. Saʿd ibn Muʿadh (Allah sei mit ihm zufrieden) übernahm zusammen mit den Wachsoldaten die Bewachung des geliebten Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm).
Die Götzendiener befanden sich dagegen in folgender Lage: Abu Dschahl bat Allah um eine Entscheidung. Er sagte: „O Allah, vernichte heute diejenige der beiden Gruppen unter uns, die die Verwandtschaftsbande stärker zerrissen und Unrecht begangen hat. O Allah, unterstütze heute diejenige der beiden Gruppen unter uns, die dir lieber und angenehmer ist.“ Später wies Allah, der Herr der Welten, auf diese Worte Abu Dschahls hin und sagte: „Ihr habt um eine Entscheidung gebeten, und sie ist nun zu euch gekommen. Wenn ihr aufhört, so ist das besser für euch. Wenn ihr es jedoch wieder tut, werde auch ich euch bestrafen. Und eure Überzahl wird euch nichts nützen, selbst wenn ihr zahlreich seid. Allah ist mit den Gläubigen.“ (Sure al-Anfal, Vers 19)
Der erste Auslöser des Kampfes
Der erste Auslöser dieses Kampfes war al-Aswad ibn ʿAbd al-Asad al-Machzumi. Dieser Mann war ein äußerst übler und sittenloser Mensch. Als er auf das Schlachtfeld hinausging, sagte er: „Ich schwöre Allah, ich werde unbedingt aus ihrem Wasserbecken trinken. Wenn ich das nicht vermag, werde ich entweder das Becken zerstören oder dafür mein Leben geben.“
Nach diesen Worten trat al-Aswad vor. Von den Gefährten des geliebten Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) trat ihm Hamza ibn ʿAbd al-Muttalib entgegen. In der Nähe des Wasserbeckens standen sich beide im Kampf gegenüber. Hamza (Allah sei mit ihm zufrieden) schlug mit dem Schwert so zu, dass al-Aswads Bein unterhalb des Knies abgetrennt wurde. Er stürzte mit einem dumpfen Aufprall zu Boden. Aus dem abgetrennten Bein strömte unaufhörlich Blut. Dieser Blutstrom floss auf seine Gefährten zu. Al-Aswad kroch auf das Wasserbecken zu. Als er es erreichte, wollte er aus dem Wasser trinken und so seinen Schwur erfüllen. Da schlug Hamza (Allah sei mit ihm zufrieden) erneut auf al-Aswad ein. Durch diesen Schlag fiel er in das Wasserbecken und starb.
Der umfassende Kampf beginnt
Die Tötung von al-Aswad ibn Abu al-Asad war das erste Ereignis in der Schlacht von Badr. Nach seiner Tötung breitete sich das Feuer des Krieges aus. Aus den Reihen des Quraisch-Heeres traten drei angesehene Krieger hervor. Sie gehörten demselben Stamm an: ʿUtba und Schaiba, die beiden Söhne Rabias, sowie Walid, der Sohn ʿUtbas. Kaum waren sie aus der Reihe hervorgetreten, forderten sie ihre Gegner zum Zweikampf heraus. Drei junge Männer von den Ansar traten vor. Es waren ʿAuf, Muʿawwidh und ʿAbdullah ibn Rawaha. Die beiden Erstgenannten waren Söhne von al-Harith. Ihre Mutter hieß ʿAfra. Die Quraisch fragten: „Wer seid ihr?“ Sie antworteten: „Wir sind die Ansar aus Medina.“ Die Quraisch sagten: „Ihr seid zweifellos ehrenhafte Gegner, doch wir haben keinen Streit mit euch. Wir wollen unsere Cousins.“ Darauf riefen die drei jungen Männer der Quraisch: „O Muhammad, schicke uns unsere Blutsverwandten!“ Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „ʿUbaida ibn al-Harith, Hamza und ʿAli, tretet vor!“ Nachdem diese vorgetreten waren, fragten die drei jungen Männer der Quraisch, als würden sie sie nicht erkennen, nach ihrer Identität. Sie stellten sich vor. Die drei jungen Männer der Quraisch sagten: „Ja, ihr seid ehrenhafte Gegner.“ Danach begann der allgemeine Kampf. ʿUbaida ibn al-Harith (Allah sei mit ihm zufrieden) kämpfte gegen ʿUtba ibn Rabiʿa, Hamza (Allah sei mit ihm zufrieden) gegen Schaiba und ʿAli (Allah sei mit ihm zufrieden) gegen Walid ibn ʿUtba [Ibn Hischam, Musnad Ahmad. In der Überlieferung von Abu Dawud gibt es Abweichungen. Mischkat, Bd. 2, S. 343].
Hazrat Hamza (möge Allah mit ihm zufrieden sein) und Hazrat Ali (möge Allah mit ihm zufrieden sein) überwältigten jeweils ihre Gegner, doch zwischen Hazrat Ubaida ibn al-Harith (möge Allah mit ihm zufrieden sein) und seinem Gegner Utba kam es zu einem Schlagabtausch. Sie verletzten einander schwer. Inzwischen hatten Hazrat Hamza und Hazrat Ali ihre jeweiligen Gegner erledigt, eilten Hazrat Ubaida zu Hilfe, stürzten sich auf Utba und töteten ihn. Danach hoben sie Hazrat Ubaida auf und brachten ihn fort. Hazrat Ubaida (möge Allah mit ihm zufrieden sein) war ein Bein abgetrennt worden, und er hatte seine Sprache verloren. Kein Wort kam mehr über seine Lippen. Am vierten oder fünften Tag, als die Muslime auf dem Rückweg nach Medina die Ebene von Safra durchquerten, verstarb Hazrat Ubaida (möge Allah mit ihm zufrieden sein). Hazrat Ali pflegte zu sagen, dass dieser Vers über uns offenbart worden sei. Allah, der Erhabene, hat gesagt: „Diese beiden Parteien streiten miteinander über ihren Herrn.“ (Sure al-Haddsch, Vers 19)
Das Unglück der Götzendiener hatte seinen Anfang genommen. Sie hatten auf einmal drei herausragende Kämpfer verloren. Von Zorn außer sich stürzten sie sich allesamt auf die Muslime.
Die Muslime hingegen flehten ihren erhabenen Herrn um Hilfe an und begegneten dem Angriff der Ungläubigen standhaft. Mit den Worten „Ahad, Ahad“ auf den Lippen gingen sie zum Gegenangriff auf die ungläubigen Götzendiener über und fügten ihnen schwere Verluste zu.
Das Bittgebet des Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) auf dem Feld von Badr
Unterdessen flehte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), nachdem er die Reihen der Auswanderer geordnet hatte, mit klagender Stimme den allmächtigen Allah, den Herrn und Erhalter, um Hilfe an. Er sagte: „O Allah, erfülle, was Du uns versprochen hast. O Allah, ich bitte Dich um die Hilfe, die Du versprochen hast.“
Nachdem der heftige Kampf zwischen beiden Seiten begonnen hatte, sprach der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) dieses Bittgebet vor Allah: „O Allah, Herr der Welten, wenn diese Schar der Muslime heute vernichtet wird, wird es auf der Erde niemanden mehr geben, der Dich anbetet. O Allah, willst Du etwa, dass nach dem heutigen Tag niemand mehr Dich anbetet?“
Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) verrichtete dieses Bittgebet mit äußerster Demut und Bescheidenheit und flehte mit klagender Stimme. Während seines Flehens fiel ihm der Umhang von beiden Schultern. Hazrat Abu Bakr (möge Allah mit ihm zufrieden sein) richtete den Umhang des Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und sagte: „O Gesandter Allahs, nun höre auf. Du hast deinen Herrn bereits in äußerster Bedrängnis angefleht.“ Daraufhin ließ Allah, der Erhabene, den Engeln den Befehl zukommen: „Und als dein Herr den Engeln eingab: ‚Ich bin mit euch; so festigt die Gläubigen. Ich werde in die Herzen derjenigen, die ungläubig sind, Schrecken werfen. So schlagt über ihre Nacken und schlagt auf jeden ihrer Finger.‘“ (Sure al-Anfal, Vers 12)
Unterdessen offenbarte Allah, der Erhabene, Seinem geliebten Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm): „Ich werde euch mit tausend Engeln unterstützen, die einer nach dem anderen kommen werden.“ (Sure al-Anfal, Vers 9)
Das Herabsteigen der Engel
Zu dieser Zeit kam Gabriel (Friede sei mit ihm) zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm). Dieser hob augenblicklich den Kopf und sagte: „Abu Bakr, freue dich! Gabriel ist gekommen, mitten im Staub und aufgewirbelten Sand.“ In Ibn Ishaqs Überlieferung heißt es, dass der Prophet (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) sagte: „Abu Bakr, freue dich! Die Hilfe Allahs ist zu euch gelangt. Gabriel kommt, den Zügel seines Pferdes haltend, dem Pferd voraus. Staub wird aufgewirbelt.“
Danach kam der Prophet (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) aus dem Raum. Er trug eine Rüstung. Während er in aufmunternder Haltung voranschritt, sagte er: „Diese Schar wird bald besiegt werden und den Rücken kehren.“ (Sure al-Qamar, Vers 45)
Als der Prophet (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) danach eine Handvoll Staub auf die Ungläubigen warf, sagte er: „Schāhatil-wudschūh“, das heißt: „Mögen ihre Gesichter bedeckt werden.“ Nachdem er dies gesagt hatte, warf er den Staub auf die Ungläubigen. Dieser geworfene Staub drang in die Augen, Münder, Nasen und Kehlen jedes einzelnen Ungläubigen ein. Keiner blieb verschont. Darüber sagt Allah, der Erhabene: „Und nicht du hast geworfen, als du geworfen hast, sondern Allah hat geworfen.“ (Sure al-Anfal, Vers 17)
Der Gegenangriff
Daraufhin befahl der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) den Gegenangriff und drängte zum Kampf: „Rückt vor! Bei Dem, in Dessen Hand die Seele Muhammads liegt: Jeder von euch, der im Kampf gegen sie in fester Überzeugung und in der Absicht, eine gute Tat zu vollbringen, voranschreitet, nicht zurückweicht und getötet wird, dem wird Allah, der Erhabene, gewiss das Paradies schenken.“ Um die Gläubigen zum Kampf gegen die Ungläubigen anzuspornen, sagte der Prophet (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) außerdem: „Eilt zu jenem Paradies, dessen Horizont und Ausdehnung der Größe von Himmel und Erde entsprechen.“ Als Umayr ibn al-Hammam dies vom Propheten (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) hörte, sagte er: „Ausgezeichnet, ausgezeichnet!“ Der Prophet (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) fragte ihn, warum er dies gesagt habe. Er antwortete: „O Gesandter Allahs, aus keinem anderen Grund, als dass ich hoffte, zu den Bewohnern dieses Paradieses gehören zu dürfen.“ Der geliebte Prophet (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) sagte: „Du gehörst ebenfalls zu den Bewohnern dieses Paradieses.“ Daraufhin holte Umayr ibn al-Hammam einige Datteln hervor und begann, sie zu essen. Plötzlich sagte er mit begeisterter Stimme: „Es würde viel Zeit kosten, diese Datteln zu essen. Warum sollte ich mein Leben so sehr verlängern?“ Damit warf er die Datteln fort, kämpfte gegen die Ungläubigen und fiel als Märtyrer.
Als der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) den Gegenangriff befahl, ließ die Heftigkeit des Angriffs der Feinde nach. Auch ihre Begeisterung und ihr Kampfesmut gingen zurück. Dies erwies sich als hilfreich, um die Stellung der Muslime zu festigen. Denn als die ehrwürdigen Gefährten den Befehl zum Gegenangriff erhielten und ihr Kampfesmut seinen Höhepunkt erreichte, griffen sie mit gewaltiger Wucht an. Sie brachten die Reihen der Ungläubigen durcheinander und rückten vor, während sie ihnen die Köpfe abschlugen. Als die Gefährten sahen, dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) selbst mit einer Rüstung auf das Schlachtfeld gekommen war, steigerte sich ihre Begeisterung noch mehr. Der Prophet (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) hatte gesagt: „Bald werden sie besiegt werden und den Rücken kehren und fliehen.“
Angespornt durch den Propheten (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) kämpften die Gefährten mit großer Tapferkeit. Zu dieser Zeit halfen auch die Engel den Muslimen [Muslim, Bd. 2, S. 139; Mischkāt, Bd. 2, S. 331].
In der Überlieferung von Ibn Saʿd wird von ʿIkrima (möge Allah mit ihm zufrieden sein) berichtet, dass an jenem Tag die Köpfe von Menschen abgeschlagen zu Boden fielen. Doch war nicht zu erkennen, wer sie getötet hatte. Man sah abgetrennte Hände von Menschen vom Körper getrennt daliegen, ohne erkennen zu können, wer sie abgeschlagen hatte.
Der ehrwürdige ʿAbdullah ibn ʿAbbas (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: Ein muslimischer Ansari verfolgte einen Götzendiener. Plötzlich war das Geräusch eines Peitschenhiebs auf den Götzendiener zu hören, und jemand sagte: „Geh weiter, vorwärts!“ Der Gefährte sah, dass der Götzendiener mit dem Gesicht zu Boden gestürzt war. Auf seiner Nase und seinem Mund waren Spuren von Schlägen, und sein Gesicht war blutüberströmt. Es war deutlich zu erkennen, dass er mit einer Peitsche geschlagen worden war, doch derjenige, der ihn geschlagen hatte, war nicht zu sehen. Der ansarische Gefährte berichtete dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) von diesem Ereignis. Der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Du hast die Wahrheit gesagt. Dies war die Hilfe aus dem dritten Himmel.“ [Muslim, Bd. 2, S. 93]
Abu Dawud al-Mazini sagte: Ich verfolgte einen Götzendiener, um ihn zu erschlagen. Noch bevor mein Schwert seinen Hals erreichte, rollte sein abgeschlagener Kopf zu Boden. Da verstand ich, dass jemand anderes diesen Ungläubigen getötet hatte.
Ein Ansari führte den ehrwürdigen al-ʿAbbas ibn ʿAbd al-Muttalib als Gefangenen herbei. Al-ʿAbbas hatte den Islam damals noch nicht angenommen. Er sagte: „Bei Allah, dieser Mann hat mich nicht gefangen genommen und hergebracht. Ein Mann mit geschorenem Kopf hat mich gefangen genommen und hergebracht. Dieser gutaussehende Mann saß auf einem gescheckten Pferd. Nun ist dieser Mann unter diesen Leuten nicht mehr zu sehen.“ Der Ansari sagte: „O Gesandter Allahs, ich habe ihn doch gefangen genommen.“ Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Schweig! Allah hat euch durch einen edlen Engel geholfen.“
Iblīs’ Flucht vom Schlachtfeld
Wie bereits erwähnt, war der verfluchte Iblīs in der Gestalt von Suraqa ibn Malik ibn Dschuʿscham al-Mudlidschi gekommen. Damals hatte er sich noch nicht von den Götzendienern getrennt. Als er jedoch sah, wie die Engel gegen die Götzendiener vorgingen, floh er eilig. Doch al-Harith ibn Hischam ergriff ihn. Er glaubte, der Mann sei tatsächlich Suraqa ibn Malik. Da versetzte Iblīs al-Harith einen gewaltigen Faustschlag auf die Brust, woraufhin dieser zu Boden fiel. Währenddessen floh Iblīs. Die Götzendiener riefen: „Wohin gehst du, Suraqa? Hast du nicht gesagt, dass du uns helfen und dich nicht von uns fernhalten würdest?“ Suraqa sagte: „Ich sehe etwas, das ihr nicht seht. Ich fürchte Allah; Er ist streng im Strafen.“ Danach ging Iblīs zum Meer und verbarg sich dort.
Die Niederlage der Ungläubigen
Schon nach kurzer Zeit zeigten sich bei der Armee der Nichtmuslime deutliche Anzeichen von Misserfolg und Verzweiflung. Unter dem heftigen Angriff der Muslime zerfiel ihre Ordnung, und sie wurden in alle Richtungen zerstreut. Der Ausgang der Schlacht wurde deutlich. Die ungläubigen Quraisch begannen sich zurückzuziehen, und Verzweiflung erfüllte ihre Herzen. Die Muslime töteten einige, verwundeten andere und nahmen wieder andere gefangen. So erlitten die Ungläubigen eine eindeutige Niederlage.
Als Abu Dschahl, der Anführer der Übeltäter, sah, wie die ungläubigen Quraisch auseinanderstoben, versuchte er, diese Niederlage aufzuhalten. Um seine Anhänger anzuspornen, rief er: „Lasst euch durch die Flucht dieser jungen Männer nicht entmutigen. Diese jungen Männer standen mit Muhammad im Einvernehmen. Lasst euch nicht den Mut nehmen, weil Utba, Schaiba und Walid getötet worden sind. Sie haben es überstürzt. Bei al-Lāt und al-ʿUzzā! Wir werden nicht zurückkehren, bevor wir sie nicht mit Stricken gefesselt haben. Seht zu, dass ihr keinen von ihnen tötet, sondern ergreift sie. Danach werden wir sie die Folgen ihrer ruchlosen Umtriebe spüren lassen.“
Abu Dschahl bekam schon bald die Folgen dieser Überheblichkeit zu spüren. Denn innerhalb kurzer Zeit gerieten sie angesichts des Gegenangriffs der Muslime in völlige Auflösung. Abu Dschahl befand sich mit einigen seiner Anhänger noch immer im Kessel. Um den Anführer der Übeltäter, Abu Dschahl, standen Wachen mit Pfeilen und Schwertern. Durch den heftigen Angriff der muslimischen Mudschāhidūn wurde diese Wache zerschlagen. Die Muslime bemerkten, dass Abu Dschahl auf dem Rücken eines Pferdes saß. Sein Tod rückte nun Schritt für Schritt näher.
Die Tötung Abu Dschahls
Der ehrenwerte ʿAbd ar-Rahmān ibn ʿAuf (Allah habe Wohlgefallen an ihm) berichtet: Am Tag der Schlacht von Badr stand ich in den Reihen der Muslime. Plötzlich bemerkte ich, dass sich rechts und links von mir zwei junge Ansār befanden. Während ich über ihre Anwesenheit nachdachte, sagte einer von ihnen heimlich zu mir: „Onkel, zeige uns, wer Abu Dschahl ist.“ Ich sagte: „Neffe, was willst du mit ihm tun?“ Er antwortete: „Ich habe gehört, dass Abu Dschahl den geliebten Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, beschimpft. Bei Demjenigen, in Dessen Hand mein Leben liegt: Wenn wir Abu Dschahl sehen, werden wir uns nicht von ihm trennen, bis derjenige von ihm und von uns stirbt, dessen Tod zuerst bestimmt ist.“ Der ehrenwerte ʿAbd ar-Rahmān (Allah habe Wohlgefallen an ihm) sagt: Als ich dies hörte, war ich erstaunt. Auch der andere junge Ansār sagte mir heimlich dasselbe. Wenige Augenblicke später sah ich Abu Dschahl zwischen den Leuten umhergehen. Ich sagte zu beiden jungen Ansār: „Dort ist eure Beute, nach der ihr mich gefragt habt.“ Kaum hatten sie dies gehört, stürzten sich beide jungen Ansār auf Abu Dschahl und töteten ihn. Danach kamen beide zum geliebten Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, fragte: „Wer von euch beiden hat Abu Dschahl getötet?“ Beide sagten: „Ich war es, ich war es.“ Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, fragte: „Habt ihr das Blut von euren Schwertern abgewischt?“ Sie antworteten: „Nein, das haben wir nicht.“ Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, betrachtete ihre beiden Schwerter und sagte: „Ihr beide habt ihn getötet.“ Die zurückgelassenen Besitztümer Abu Dschahls übergab der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, jedoch Muʿādh ibn ʿAmr ibn al-Dschamūh. Die beiden jungen Männer hießen Muʿādh ibn ʿAmr ibn al-Dschamūh und Muʿādh ibn ʿAfrāʾ. [Sahīh al-Buchārī, Bd. 1, S. 444; Bd. 2, S. 568; Mischkāt, Bd. 2, S. 352. In anderen Überlieferungen wird der zweite junge Mann als Muʿādh ibn ʿAfrāʾ genannt. Ibn Hischām, Bd. 1, S. 635. Die zurückgelassenen Besitztümer Abu Dschahls wurden deshalb einem von ihnen gegeben, weil Muʿādh oder Muʿādh ibn ʿAfrāʾ später in dieser Schlacht den Märtyrertod starb. Das Schwert Abu Dschahls wurde dem ehrenwerten ʿAbdullāh ibn Masʿūd gegeben, weil er Abu Dschahls Kopf vom Körper abgetrennt hatte. Siehe hierzu: Sunan Abī Dāwūd, Bd. 2, S. 373.]
Ibn Ishāq berichtet, dass Muʿādh ibn ʿAmr ibn al-Dschamūh sagte: Abu Dschahl befand sich innerhalb einer undurchdringlichen Wache aus Pfeilen und Schwertern der Ungläubigen. Die Ungläubigen riefen, niemand dürfe Abu Dschahl erreichen. Als Muʿādh ibn ʿAmr dies hörte, prägte er sich Abu Dschahl ein und blieb in seiner Nähe. Sobald sich eine Gelegenheit bot, griff ich ihn an. Ich versetzte ihm einen solchen Schlag, dass sein Bein unterhalb des Knies abgetrennt wurde. Sein Bein flog davon wie eine herabgefallene Dattel. Während ich Abu Dschahl schlug, versetzte mir sein Sohn ʿIkrima mit dem Schwert einen Hieb auf Schulterhöhe. Dadurch wurde das Kämpfen sehr schwierig. Ich führte das Schwert mit der einen Hand, während ich die abgetrennte Hand hinter mir herabhängen ließ. Auch das war sehr beschwerlich. Da legte ich den abgetrennten Teil meiner Hand unter meinen Fuß und riss ihn mit einem Ruck vollständig von der Hand ab. [Der ehrenwerte Muʿādh ibn ʿAmr ibn al-Dschamūh (Allah habe Wohlgefallen an ihm) lebte bis in die Zeit des Kalifats ʿUthmāns (Allah habe Wohlgefallen an ihm).] Danach versetzte er Abu Dschahl einen solchen Schlag, dass der Feind Allahs und Seines Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, dort zusammenbrach. Abu Dschahls letzter Atemzug war noch nicht entwichen; seine Atmung ging noch. Danach fiel der ehrenwerte Muʿādh ibn ʿAfrāʾ während des Kampfes als Märtyrer.
Nachdem die Schlacht beendet war, sagte der Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm: „Wer wird nachsehen, was aus Abu Dschahl geworden ist?“ Die Gefährten begannen daraufhin, nach Abu Dschahl zu suchen.
Der ehrenwerte ʿAbdullāh ibn Masʿūd (Allah habe Wohlgefallen an ihm) fand Abu Dschahl in einem Zustand vor, in dem er noch atmete. Er stellte seinen Fuß auf Abu Dschahls Rumpf, packte ihn am Bart, um ihm den Kopf abzuschneiden, und sagte: „O Feind Allahs, hat Allah dich nun endlich gedemütigt und entehrt?“ Abu Dschahl sagte: „Wie hat Er mich entehrt? Gibt es etwa einen angeseheneren Menschen als den, den ihr getötet habt? Wer ist größer als er? Ach, wenn mich nur jemand anderes als ein junger Mann getötet hätte!“ Dann sagte er: „Sag mir, wer hat heute gesiegt?“ Der ehrenwerte ʿAbdullāh ibn Masʿūd (Allah habe Wohlgefallen an ihm) antwortete: „Allah und Sein Gesandter.“ ʿAbdullāh ibn Masʿūd (Allah habe Wohlgefallen an ihm) hielt seinen Fuß weiterhin auf Abu Dschahls Schulter. Abu Dschahl sagte zu ihm: „Du Ziegenhirte, du bist auf eine sehr hohe Stellung gelangt.“ Erwähnenswert ist, dass der ehrenwerte ʿAbdullāh ibn Masʿūd (Allah habe Wohlgefallen an ihm) in Mekka Ziegen gehütet hatte.
Nach diesem Gespräch schnitt ʿAbdullāh ibn Masʿūd (Allah habe Wohlgefallen an ihm) Abu Dschahl den Kopf ab, brachte ihn vor den Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und sagte: „O Gesandter Allahs, dies ist der Kopf des Feindes Allahs, Abu Dschahl.“ Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Ja, wahrlich, bei Allah, außer Dem es keinen Anbetungswürdigen gibt: Ja, es ist wahr. Außer Ihm gibt es keinen Anbetungswürdigen. Ja, es ist wahr. Außer Ihm gibt es keinen Anbetungswürdigen.“ Danach sagte der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm: „Allah ist wahrlich großartig. Ihm allein gebührt alles Lob. Er hat Seine Verheißung wahr gemacht, Seinen Dienern geholfen und alle Gruppierungen allein besiegt.“
Danach sagte der Prophet und Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm: „Kommt. Zeigt mir seine Leiche.“ Wir brachten den Propheten und Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zur Leiche Abu Dschahls. Er sagte: „Das ist der Pharao dieser Gemeinschaft.“
Einige wunderbare Zeichen des Glaubens
Die glaubensstärkenden Taten von Umair ibn Hammam und Auf ibn Harith ibn Afra sind bereits erwähnt worden. Tatsächlich waren in diesem Feldzug auf Schritt und Tritt Szenen zu sehen, in denen sich die Kraft des Glaubens und die Reife der Grundsätze entfalteten. In diesem Feldzug standen Vater und Sohn einander gegenüber, ebenso Bruder gegen Bruder. Im Namen der Grundsätze wurden die Schwerter aus ihren Scheiden gezogen, und die Unterdrückten und Misshandelten löschten im Kampf gegen die Ungerechten und Unterdrücker das Feuer ihres Zorns. Zum Beispiel:
1) Hadhrat Abdullah ibn Abbas (möge Allah mit ihm zufrieden sein) berichtet, dass der Prophet und Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu den Gefährten sagte: „Ich weiß, dass einige Männer verschiedener Stämme, darunter der Banu Haschim, gegen ihren Willen auf das Schlachtfeld gebracht worden sind. Sie haben mit unserem Kampf nichts zu tun. Wenn euch also jemand aus dem Stamm Haschim begegnet, sollt ihr ihn nicht töten. Wenn euch Abu al-Bachtari ibn Haschim begegnet, sollt ihr ihn nicht töten. Und wenn Abbas ibn Abd al-Muttalib in eure Gewalt gerät, sollt ihr auch ihn nicht töten, denn er wurde gegen seinen Willen hierhergebracht.“ Als Hadhrat Abu Hudhaifa, der Sohn Utbas (möge Allah mit ihm zufrieden sein), dies hörte, sagte er: „Wir sollen unsere eigenen Väter, Söhne, Brüder und Stammesangehörigen töten, aber Abbas verschonen? Bei Allah, wenn ich Abbas von Angesicht zu Angesicht begegne, werde ich ihm das Schwert anlegen.“ Als diese Nachricht den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, erreichte, sagte er zu Umar ibn al-Chattab (möge Allah mit ihm zufrieden sein): „Wird etwa auch das Gesicht des Onkels des Gesandten Allahs mit dem Schwert getroffen?“ Hadhrat Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: „O Gesandter Allahs, lass mich gewähren; ich werde diesem Mann den Kopf abschlagen, denn er ist ein Heuchler geworden.“
Später pflegte Hadhrat Hudhaifa (möge Allah mit ihm zufrieden sein) zu sagen: „Wegen dessen, was ich an jenem Tag gesagt hatte, fand ich niemals Ruhe und konnte nie unbeschwert sein. Ich hatte ständig Angst. Ich dachte nur, dass mein Märtyrertod die Sühne für jene unbedachte Äußerung jenes Tages sein könne.“ Schließlich wurde Hadhrat Hudhaifa (möge Allah mit ihm zufrieden sein) in der Schlacht von Yamama zum Märtyrer.
2) Der Grund, weshalb befohlen wurde, Abu al-Bachtari nicht zu töten, war, dass gerade dieser Mann in Mekka dem Propheten und Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, niemals auch nur das geringste Leid zugefügt hatte. Von ihm war weder etwas Unangenehmes gegen den Islam noch gegen Allah oder Seinen geliebten Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gehört worden. Außerdem gehörte er zu denjenigen, die sich für die Aufhebung des Boykotts gegen die Banu Haschim und die Banu al-Muttalib eingesetzt hatten.
Doch trotz all dieser Vorzüge kam es am Tag von Badr zu einer Begegnung zwischen ihm und Mujazzir ibn Balba. Abu al-Bachtari hatte außerdem einen Gefährten bei sich. Beide kämpften Seite an Seite weiter. Als Hadhrat Mujazzir Abu al-Bachtari sah, sagte er: „O Abu al-Bachtari, der Prophet und Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, hat verboten, dich zu töten.“ Abu al-Bachtari sagte: „Bei Gott, dann werden wir beide sterben.“ Daraufhin gerieten beide mit Hadhrat Mujazzir in einen Kampf. Hadhrat Mujazzir (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sah sich gezwungen, beide zu töten.
3) Seit der Zeit der Unwissenheit in Mekka bestand zwischen Hadhrat Abd ar-Rahman ibn Auf (möge Allah mit ihm zufrieden sein) und Umaiya ibn Chalaf eine enge Freundschaft. Am Tag der Schlacht von Badr stand Umaiya da und hielt die Hand seines Sohnes Ali. Hadhrat Abd ar-Rahman ibn Auf (möge Allah mit ihm zufrieden sein) ging vor ihnen vorbei. Er trug mehrere Rüstungen, die er den Feinden abgenommen hatte. Umaiya sagte zu ihm: „Kann ich dir von Nutzen sein? Ich bin besser als deine Rüstungen. Eine solche Szene wie heute habe ich noch nie gesehen. Braucht ihr keine Milch?“ Damit meinte er: „Wer mich als Gefangenen nimmt, dem werde ich als Lösegeld oder Freikauf viele milchgebende Kamelstuten geben.“ Als Hadhrat Abd ar-Rahman dies hörte, warf er die Rüstungen weg, nahm Umaiya und dessen Sohn Ali gefangen und ging weiter.
Hazrat Abdurrahman (möge Allah mit ihm zufrieden sein) berichtet: Ich ging zwischen Umayya und seinem Sohn hindurch, als Umayya fragte: „Wer war jener Mann unter euch, der eine Straußenfeder auf seiner Brust trug?“ Ich antwortete: „Das war Hamza ibn Abd al-Muttalib.“ Umayya ibn Chalaf sagte: „Dieser Mann hat uns zugrunde gerichtet.“
Hazrat Abdurrahman (möge Allah mit ihm zufrieden sein) berichtet: Ich führte die beiden fort, als Hazrat Bilal (möge Allah mit ihm zufrieden sein) Umayya bei mir sah. Es sei daran erinnert, dass Umayya Hazrat Bilal in Mekka grausam gefoltert hatte. Als Hazrat Bilal (möge Allah mit ihm zufrieden sein) Umayya sah, sagte er: „O Anführer der Ungläubigen, Umayya ibn Chalaf, vielleicht werde ich leben oder er wird leben.“ Dann rief er laut: „O Helfer Allahs, seht her: Das ist der Anführer des Unglaubens, Umayya ibn Chalaf! Nun werde vielleicht ich bleiben oder er wird bleiben.“ Hazrat Abdurrahman (möge Allah mit ihm zufrieden sein) berichtet: Inzwischen hatten die Leute uns eingekreist. Ich versuchte, ihn zu schützen. Doch ein Gefährte hob sein Schwert und schlug Umayyas Sohn Ali ins Bein. Sofort stürzte er zu Boden. Da stieß Umayya einen so lauten Schrei aus, wie ich noch nie einen Schrei gehört hatte. Ich sagte: „Lauf, lauf!“ Doch heute gab es keinen Fluchtweg. Bei Gott, heute kann ich dir nicht helfen.
Hazrat Abdurrahman ibn Auf (möge Allah mit ihm zufrieden sein) berichtet: Die aufgebrachten Gefährten umzingelten Umayya und seinen Sohn Ali und töteten sie mit zahlreichen Schlägen. Danach sagte Abdurrahman (möge Allah mit ihm zufrieden sein): „Allah erbarme sich Hazrat Bilals! Meine Rüstungen waren ebenfalls verloren, und auch hinsichtlich der Gefangenen, die ich gemacht hatte, lenkte er mich in eine andere Richtung.“
Allama Ibn Qayyim schreibt in Zad al-Ma’ad: Hazrat Abdurrahman ibn Auf (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte zu Umayya ibn Chalaf: „Setz dich hinkend nieder.“ Er setzte sich hin. Hazrat Abdurrahman beugte sich über Umayyas Körper und schirmte ihn ab. Doch die Gefährten stachen von unten mit ihren Schwertern auf Umayya ein und töteten ihn. Durch den Schwertschlag eines Gefährten wurde auch Hazrat Abdurrahman ibn Auf am Bein verletzt [Zad al-Ma’ad, Band 2, S. 89; Sahih al-Buchari, Kitab al-Wakala, Band 1, S. 308. Dort wird dieses Ereignis ausführlicher erwähnt].
Viertens: Hazrat Umar ibn al-Chattab (möge Allah mit ihm zufrieden sein) tötete seinen Onkel mütterlicherseits, As ibn Hischam ibn al-Mughira.
Fünftens: Hazrat Abu Bakr as-Siddiq (möge Allah mit ihm zufrieden sein) rief seinen damals noch polytheistischen Sohn Abdurrahman und sagte: „Du Schurke, wo sind meine Waffen?“ Abdurrahman antwortete: „Außer der Waffe, dem schnellen Pferd und jenem Schwert, das die Verwirrung des Alters beendet, ist nichts mehr übrig.“
Sechstens: Als die Muslime die Polytheisten gefangen nahmen, hielt sich der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in der für ihn errichteten Kammer auf. Hazrat Sa’d ibn Mu’adh (möge Allah mit ihm zufrieden sein) hielt mit erhobenem Schwert Wache. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, bemerkte, dass Hazrat Sa’d (möge Allah mit ihm zufrieden sein) niedergeschlagen aussah. Er sagte: „Sa’d, offenbar gefällt dir das Vorgehen der Muslime nicht.“ Er antwortete: „Ja, o Gesandter Allahs. Dies ist unser erster Krieg gegen die Ungläubigen. Allah, der Erhabene, hat uns diese Gelegenheit gegeben. Daher halte ich es für angemessener, die Polytheisten zu töten, statt sie freizulassen; sie müssen ausgelöscht werden.“
Siebtens: In diesem Krieg zerbrach das Schwert von Hazrat Ukascha ibn Mihsan al-Asadi (möge Allah mit ihm zufrieden sein). Er kam zum Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gab ihm ein Stück Holz und sagte: „Ukascha, kämpfe damit.“ Als Ukascha das Holzstück mit der Hand gerade bog, verwandelte es sich in ein scharfes, glänzendes Schwert. Danach begann er, mit diesem Schwert zu kämpfen. Inzwischen errangen die Muslime den Sieg. Dieses Schwert wurde „Aun“ genannt, das heißt „Hilfe“. Es blieb bei Hazrat Ukascha. Er benutzte dieses Schwert in verschiedenen Schlachten. Zur Zeit von Hazrat Abu Bakr as-Siddiq (möge Allah mit ihm zufrieden sein) fiel er im Kampf gegen die Abtrünnigen als Märtyrer. Auch damals befand sich das Schwert bei ihm.
8) Nach dem Ende der Schlacht ging Hadhrat Mus’ab ibn Umair al-Abdari (Allah sei mit ihm zufrieden) an seinem Bruder Abu Uzair ibn Umair al-Abdari vorbei. Abu Uzair kämpfte gegen die Muslime. Da wurde seine Hand von einem ansarischen Sahabi ergriffen. Hadhrat Mus’ab sagte zu diesem Sahabi: „Halte dich an diesem Mann fest. Seine Mutter ist sehr reich. Wahrscheinlich wird sie dir ein gutes Lösegeld zahlen.“ Darauf sagte Abu Uzair zu seinem Bruder Mus’ab: „Ist das deine Empfehlung in Bezug auf mich?“ Hadhrat Mus’ab (Allah sei mit ihm zufrieden) sagte: „Ja, du bist es nicht, sondern dieser Ansari ist mein Bruder.“
9) Als befohlen wurde, die Leichen der Götzendiener in den Brunnen zu werfen, wurde die Leiche von Utba ibn Rabi’a zu dem Brunnen geschleppt. Da blickte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in das Gesicht von Hudhaifa, Utbas Sohn. Er bemerkte, dass Abu Hudhaifa bedrückt und ernst war. Er sah völlig niedergeschlagen aus. Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Hudhaifa, wahrscheinlich bedrückt dich die Angelegenheit deines Vaters?“ Er antwortete: „Ja, o Gesandter Allahs. In meinem Herzen empfinde ich keinen Schmerz wegen meines Vaters und seiner Tötung. Doch ich hatte angenommen, dass mein Vater über Verstand und Weitsicht verfügte. Deshalb hatte ich gehofft, dass er aufgrund seiner Vernunft und Weitsicht im Schatten des Islam Zuflucht suchen würde. Aber nun tut es mir sehr leid, sein Ende zu sehen und zu sehen, dass sein Leben im Unglauben endete.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sprach für Hadhrat Hudhaifa (Allah sei mit ihm zufrieden) ein Bittgebet und äußerte sich anerkennend über ihn.
Die Zahl der Gefallenen auf beiden Seiten
Die Schlacht von Badr endete mit dem Sieg der Muslime und der Niederlage der Ungläubigen. In dieser Schlacht wurden 14 Muslime zu Märtyrern. Unter ihnen waren 6 Auswanderer und 8 Ansar. Die Ungläubigen erlitten in der Schlacht enorme Verluste. Sie hatten 70 Tote und 70 Gefangene zu beklagen. Es handelte sich um führende Persönlichkeiten und Stammesoberhäupter.
Nach dem Ende der Schlacht stellte sich der Prophet und Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, neben die Gefallenen und sagte: „Ihr alle wart doch führende Männer. Ihr habt nicht an mich geglaubt, während viele an mich geglaubt haben. Ihr habt mich einsam und hilflos zurückgelassen, während viele mir geholfen haben. Ihr habt mich vertrieben, während viele mir Zuflucht gewährt haben.“ Danach befahl der Prophet und Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die Leichen der Gefallenen in einen der Brunnen von Badr zu werfen.
Es wird von Hadhrat Abu Talha (Allah sei mit ihm zufrieden) überliefert, dass auf Befehl des Propheten und Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, am Tag von Badr die Leichen von 24 bedeutenden Anführern der Quraisch in einen schmutzigen Brunnen von Badr geworfen wurden. Damals war es üblich, nach einem Sieg über ein Volk drei Tage auf dem Schlachtfeld zu verbringen. Nachdem der Prophet und Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, drei Tage auf dem Feld von Badr verbracht hatte, wurde ein Sattel auf den Rücken seines Reittiers gelegt. Danach ging er zu Fuß weiter, und die Sahaba folgten ihm. Plötzlich blieb er am Rand des Brunnens stehen. Dann begann er, verschiedene Personen anzusprechen: „O Sohn des Soundso, o Sohn des Soundso, wäre es nicht besser für euch gewesen, wenn ihr Allah, dem Erhabenen, und Seinem Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gehorcht hättet? Wir haben die Wahrheit dessen bestätigt gefunden, was Allah, der Erhabene, uns versprochen hat. Habt auch ihr die Wahrheit dessen bestätigt gefunden, was unser Herr versprochen hat?“ Hadhrat Umar (Allah sei mit ihm zufrieden) fragte: „O Gesandter Allahs, wie sprichst du zu Körpern, die keine Seele haben?“ Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Bei Dem, in Dessen Hand die Seele Muhammads liegt: Ihr hört das, was ich sage, nicht besser als sie.“ In einer anderen Überlieferung heißt es: „Ihr seid nicht hörender als sie. Doch sie können nicht antworten.“ [Buchari, Muslim, Mischkat, Band 2, S. 345]
Die Nachricht von der Niederlage in Mekka
Nach der Niederlage flohen die Götzendiener von Mekka in völliger Unordnung und panischer Verwirrung auf dem Weg nach Mekka. Aus Scham waren sie so bestürzt und unvorbereitet, dass sie nicht wussten, wie sie Mekka betreten sollten.
Ibn Ishaq sagt: Der erste Mann, der mit der Nachricht von der Niederlage der Quraisch in Mekka eintraf, hieß Haysuman ibn Abdullah al-Khuza’i. Die Leute fragten ihn nach den Neuigkeiten. Er sagte: „Utba ibn Rabi’a, Shayba ibn Rabi’a, Abu al-Hakam ibn Hisham, Umayya ibn Khalaf und noch dieser und jener Anführer sind getötet worden.“ Als Safwan ibn Umayya, der im Hatim der Kaaba saß, die Namen der führenden Quraisch unter den Getöteten hörte, sagte er: „Seht nur, sie sitzen dort im Hatim der Kaaba. Bei Gott, ich selbst habe gesehen, wie der Vater des einen und der Bruder des anderen getötet wurden.“
Abu Rafi’, der Sklave des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, berichtet: Damals war ich der Sklave von Abbas. Der Islam war in unsere Familie eingekehrt. Abbas, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, hatte den Islam angenommen, und auch ich war Muslim geworden. Abbas, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, hielt seinen Übertritt zum Islam geheim. Abu Lahab hatte nicht am Feldzug von Badr teilgenommen. Als Abu Lahab die Nachricht vom Sieg der Muslime in der Schlacht von Badr hörte, war er am Boden zerstört. Wir empfanden neue Kraft und neue Ehre. Ich war ein schwächlicher Mann. Ich fertigte Pfeile an. In der Kammer von Zamzam saß ich und spitzte die Pfeilspitzen. So war ich ganz in meine Arbeit vertieft. Umm al-Fadl saß bei mir. Über die Nachricht vom Sieg waren wir sehr erfreut. Da kam Abu Lahab, die Füße nachziehend und beinahe hinkend, und setzte sich an die Kammer. Sein Rücken war meinem Rücken zugewandt. In diesem Augenblick traf Abu Sufyan ibn Harb ibn Abd al-Muttalib ein. Abu Lahab sagte zu ihm: „Komm zu mir, ich schwöre bei meinem Leben, du hast Nachrichten.“ Abu Sufyan setzte sich vor Abu Lahab, während einige Leute stehen blieben. Abu Lahab sagte: „Erzähl, mein Neffe, wie steht es um die Leute?“ Abu Sufyan antwortete: „Es ist nichts geschehen. Wir trafen auf die Leute, und wir überließen ihnen unsere Schultern. Sie töteten uns, wie es ihnen beliebte, und nahmen uns gefangen, wie es ihnen beliebte. Bei Gott, trotzdem mache ich den Leuten keinen Vorwurf. In Wirklichkeit trafen wir auf Menschen, die auf gescheckten Pferden zwischen Himmel und Erde ritten. Bei Gott, sie ließen nichts unversucht, und nichts konnte ihrem Angriff standhalten.“
Abu Rafi’ sagt: Ich hob mit meinen eigenen Händen den Rand des Zeltes an und sagte: „Bei Gott, es waren Engel.“ Als Abu Lahab das hörte, gab er mir einen kräftigen Schlag ins Gesicht. Ich fiel über ihn her, doch er hob mich hoch und schleuderte mich zu Boden. Danach begann er, mich zu schlagen. Ich war schwach. Inzwischen stand Umm al-Fadl auf und begann, Abu Lahab mit einer Zeltstange zu schlagen. Abu Lahab wurde getroffen. Während sie ihn schlug, sagte Umm al-Fadl: „Hat er keinen Beschützer, dass du ihn deshalb für schwach hältst?“ Abu Lahab war gedemütigt, stand auf und ging fort. Nur sieben Tage nach diesem Ereignis erkrankte Abu Lahab an der Pest und starb an dieser Krankheit. Die Pestbeulen galten bei den Arabern als äußerst unheilvoll. Nach seinem Tod blieb Abu Lahabs Leichnam drei Tage liegen; nicht einmal seine Kinder näherten sich ihm. Niemand kümmerte sich um seine Beerdigung. Nach drei Tagen überlegten seine Kinder, dass die Leute sie tadeln und kritisieren würden, wenn sie die Leiche weiterhin so liegen ließen. Daraufhin stießen sie den Leichnam mit einem Stock in eine Grube und warfen ihn hinein. Dann verschlossen sie die Öffnung der Grube, indem sie aus der Ferne Steine darauf warfen.
Nachdem die Nachricht von der Niederlage in der Schlacht von Badr Mekka erreicht hatte, verschlechterte sich die Stimmung der Quraisch. Zum Gedenken an die Toten veranstalteten sie keinerlei Trauerfeier. Sie befürchteten, dass die Muslime sie dafür kritisieren würden. Und sie waren keineswegs bereit, den Muslimen irgendeine Gelegenheit zur Kritik zu geben.
Es wird eine amüsante Begebenheit erwähnt. In der Schlacht von Badr waren drei Söhne von al-Aswad ibn Abd al-Muttalib getötet worden. Deshalb wollte er um seine Söhne weinen. Al-Aswad war blind. Eines Nachts hörte er die Stimme einer Klagefrau, die weinte. Als er diese Stimme hörte, schickte er sofort seinen Sklaven zu der Frau, damit dieser herausfände, ob die Trauerbekundung erlaubt worden war. „Weinen die Quraisch um ihre Getöteten? Dann würde ich wenigstens um Abu Hakima unter meinen drei Söhnen ein wenig weinen, denn meine Brust brennt.“ Der Sklave kehrte zurück und sagte, die Frau beklage den Verlust ihres entlaufenen Kamels. Als al-Aswad das hörte, konnte er sich nicht mehr beherrschen. Er begann, die folgenden Verse zu rezitieren:
Die Frau weint: Ach, ihr Kamel ist fort, und sein Verlust raubt ihr wohl den Schlaf.
Weine nicht um das Kamel, auch wenn es verloren ist; weine über Badr, du vom Unglück Heimgesuchter.
Hasis, Machzum und Abu Walid waren das Herz des Stammes; um Aqil und um Harith vergieße Tränen.
Sie waren Tiger unter Tigern, sie waren Helden.
Nenne die Namen aller, und doch weine um sie; ach, Hakima, wie soll ich es erklären?
Keine Trauer um Abu Hakima kann sich mit seiner messen; ein unbekannter Mann ist heute in der Angelegenheit von Badr zum Anführer geworden.
Die frohe Nachricht vom Sieg in Medina
Nachdem der Sieg der Muslime vollständig errungen war, sandte der geliebte Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Boten aus, um den Bewohnern von Medina rasch die frohe Nachricht zu überbringen. Hazrat Abd Allah ibn Rawaha und Hazrat Zayd ibn Haritha, möge Allah mit ihnen zufrieden sein, wurden entsandt, um die Nachricht in den beiden Gebieten Medinas zu verkünden.
Zuvor hatten Juden und Heuchler durch falsche Propaganda in Medina Unruhe gestiftet. Sogar die Nachricht, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, getötet worden sei, war verbreitet worden. Als ein Heuchler Hazrat Zayd ibn Haritha auf dem Kamelstutenritt sah, das dem Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gehörte und al-Qaswa genannt wurde, sagte er kurzerhand: »Tatsächlich ist Muhammad getötet worden. Seht nur, da ist seine Kamelstute. Wir kennen diese Kamelstute. Seht nur, dort ist Zayd ibn Haritha. Er ist nach der Niederlage aus dem Krieg geflohen. Er ist derart verwirrt, dass er nicht weiß, was er sagen soll.« Nachdem beide Boten eingetroffen waren, umringten die Muslime sie und begannen, den ausführlichen Bericht anzuhören. Als sie alles gehört hatten und vom Sieg überzeugt waren, wurden die Muslime vor Freude ungeduldig. Als die Rufe »Nara-e-Takbir, Allahu Akbar« den Himmel und die Luft Medinas erfüllten, machten sich alle Muslime, die nicht mit dem Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, auf dem Schlachtfeld von Badr gewesen waren, auf den Weg nach Badr, um den geliebten Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, willkommen zu heißen.
Hazrat Usama ibn Zayd, möge Allah mit ihm zufrieden sein, berichtet: Als wir Hazrat Ruqayya, die Tochter des Propheten und Ehefrau von Hazrat Uthman, möge Allah mit ihnen zufrieden sein, beigesetzt hatten und gerade die Erde über dem Grab ebneten, erreichte uns die Nachricht vom Sieg der Muslime im Kampf von Badr. Hazrat Ruqayya war krank gewesen. Um sie zu pflegen, hatte der geliebte Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, mich zusammen mit Hazrat Uthman in Medina zurückgelassen.
Die Angelegenheit der Beute (der im Krieg erlangten Güter)
Nach dem Ende der Schlacht blieb der Gesandte Allahs drei Tage auf dem Schlachtfeld von Badr. Noch bevor sie sich auf den Weg nach Medina machten, kam es unter den Muslimen zu Meinungsverschiedenheiten über die Kriegsbeute. Als darüber ein Streit ausbrach, befahl der geliebte Prophet, alles, was sich bei jemandem befand, vor ihn zu bringen. Die Gefährten taten dies. Danach löste der geliebte Prophet dieses Problem durch eine Offenbarung.
Hadhrat Ubada ibn as-Samit berichtet: Wir zogen gemeinsam mit dem Propheten von Medina aus und gelangten nach Badr. Es kam zum Kampf, und Allah, der Erhabene, besiegte die Feinde. Danach begann eine Gruppe, die Ungläubigen zu verfolgen; einige nahmen sie gefangen und andere töteten sie. Eine Gruppe begann, die Kriegsbeute zu sammeln, während eine weitere Gruppe den geliebten Propheten ständig umringte. Sie befürchteten, dass die Feinde den Propheten durch eine List verletzen könnten. In der Nacht begannen die Sammler der Kriegsbeute zu sagen: „Ich habe so viel gesammelt; das alles gehört mir, und ich werde niemand anderem einen Anteil daran geben.“ Die Verfolger der Feinde sagten: „Wir haben die Feinde von all diesen Gütern vertrieben; daher gehören sie uns.“ Die Gefährten, die für die Sicherheit des geliebten Propheten verantwortlich gewesen waren, sagten: „Wir hatten befürchtet, dass die Feinde den geliebten Propheten, wenn sie ihn unaufmerksam wähnten, verletzen könnten. Deshalb waren wir damit beschäftigt, seine Sicherheit zu gewährleisten.“ Angesichts dieser Meinungsverschiedenheiten ließ Allah, der Erhabene, folgenden Vers offenbaren: „Die Menschen fragen dich nach der Kriegsbeute. Sprich: Die Kriegsbeute gehört Allah und dem Gesandten. So fürchtet Allah und gehorcht Allah und Seinem Gesandten, wenn ihr gläubig seid.“ (Sure al-Anfal, Vers 1)
Danach verteilte der Gesandte Allahs diese Kriegsbeute unter den Muslimen [Musnad Ahmad, Band 5, S. 323; al-Hakim, Band 2, S. 326].
Das muslimische Heer auf dem Weg nach Medina
Nachdem der Gesandte Allahs drei Tage auf dem Schlachtfeld von Badr verbracht hatte, brach er am vierten Tag nach Medina auf. Bei ihnen befanden sich auch die Gefangenen der Quraisch aus Mekka sowie die Kriegsbeute. Hadhrat Abdullah ibn Ka’b wurde mit der Betreuung dieser Dinge beauftragt. Nachdem sie die Ebene von Safra überquert hatten, hielt der geliebte Prophet auf einem Hügel zwischen Darba und Nadschiya an. Dort wurde ein Fünftel der Kriegsbeute abgesondert und der verbleibende Besitz gleichmäßig unter den Muslimen verteilt. Auf der Ebene von Safra befahl der Prophet die Tötung von Nadr ibn al-Harith. Dieser Mann hatte in der Schlacht von Badr das Banner der Quraisch getragen und war einer der schlimmsten Verbrecher. Er gehörte zu den führenden Feinden des Islam. Auf Befehl des Propheten tötete Hadhrat Ali Nadr ibn al-Harith.
Danach gelangten sie nach Ubquz Dschabiya. Dort befahl der Gesandte Allahs die Tötung von Uqba ibn Abu Muait. Er war ein entschiedener Feind des Islam und fügte dem Propheten Leid zu. Darüber wurde bereits zuvor einiges erläutert. Dieser Mann war es, der dem Gesandten Allahs, während dieser betete, die Eingeweide eines Kamels auf die Schulter legte und versucht hatte, den Gesandten Allahs zu töten, indem er ihm ein Tuch um den Hals wickelte. Hadhrat Abu Bakr as-Siddiq erschien plötzlich und rettete den Gesandten vor diesem Übeltäter. Als der Gesandte Allahs die Tötung dieses Übeltäters befahl, sagte er: „O Muhammad, wer wird sich um die Kinder kümmern?“ Er sagte: „Das Feuer.“ [Sunan Abu Dawud, Scharh Aun al-Mabud, Band 3, S. 12].
Später enthauptete entweder Hadhrat Asim ibn Thabit al-Ansari oder Hadhrat Ali Uqba.
Aus militärischer Sicht war es notwendig, diese beiden Übeltäter zu töten, denn sie waren Kriegsverbrecher.
Empfangskomitee
Als Allahs Gesandter, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, den Ort Rauwaha erreichte, traf er dort auf Muslime, die zu seinem Empfang gekommen waren. Nachdem sie aus dem Mund der Boten die Nachricht vom Sieg der Muslime gehört hatten, waren sie von Medina aufgebrochen, um dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Glückwünsche auszusprechen und ihn zu empfangen. Als sie ihm gratulierten, sagte Hazrat Salama ibn Salama (möge Allah mit ihm zufrieden sein): „Wozu seid ihr gekommen, um uns zu gratulieren? Wir sind doch nur auf gebeugte alte Männer getroffen, die wie Kamele waren.“ Daraufhin lachte Allahs Gesandter, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und sagte: „Neffe, eben diese Männer waren die Anführer ihres Volkes.“
Darauf sagte Usaid ibn Hudair (möge Allah mit ihm zufrieden sein): „O Gesandter Allahs, alles Lob gebührt Allah, der dir Erfolg verliehen und deine Augen erfreut hat. Bei Allah, ich wusste nicht, dass du auf die Feinde treffen würdest; ich dachte, du seist auf der Suche nach einer Karawane. Wenn ich gewusst hätte, dass es zu einem Aufeinandertreffen mit den Feinden kommen würde, wäre ich keinesfalls zurückgeblieben.“ Allahs Gesandter, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Du hast die Wahrheit gesagt.“
Einen Tag nachdem Allahs Gesandter, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in Medina eingetroffen war, kamen die Kriegsgefangenen dort an. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ermahnte die Gefährten, gut mit ihnen umzugehen. Aufgrund dieser Ermahnung aßen die ehrenwerten Gefährten selbst Datteln, während sie den Gefangenen Brot zu essen gaben. Nebenbei sei erwähnt, dass Brot in Medina einen höheren Wert und eine größere Bedeutung hatte als Datteln.
Die Angelegenheit der Kriegsgefangenen
Nachdem Allahs Gesandter, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in Medina eingetroffen war, beriet er sich mit den ehrenwerten Gefährten über die verbliebenen Kriegsgefangenen. Hazrat Abu Bakr as-Siddiq (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: „O Gesandter Allahs, sie sind doch unsere Vettern und Verwandten. Meiner Ansicht nach solltest du von ihnen die Fidya, also das Lösegeld, nehmen und sie freilassen. Was dadurch eingenommen wird, kann uns als Stärke gegen die Ungläubigen dienen. Vielleicht wird Allah ihnen Rechtleitung schenken und sie werden sich auf unsere Seite stellen.“
Allahs Gesandter, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, fragte nach der Meinung von Hazrat Umar ibn al-Khattab. Er sagte: „Ich vertrete eine andere Ansicht als Abu Bakr. Ich meine, du solltest mir meinen betreffenden Verwandten ausliefern; ich werde ihn enthaupten. Ebenso sollst du Aqil ibn Abi Talib Hazrat Ali ausliefern, und Ali soll ihn enthaupten. Und ebenso sollst du den betreffenden Bruder Hamzas Hamza ausliefern, und Hamza soll ihn enthaupten. Dadurch wird Allah erkennen, dass wir in unseren Herzen kein Mitgefühl für die Ungläubigen hegen. All diese Kriegsgefangenen gehören zu den führenden Persönlichkeiten der Ungläubigen.“
Hazrat Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) berichtet: „Nachdem der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die Worte beider angehört hatte, nahm er den Rat von Hazrat Abu Bakr an, nicht aber meinen Rat. Daraufhin wurde beschlossen, von den Gefangenen Lösegeld anzunehmen. Früh am nächsten Morgen ging ich zum Gesandten Allahs und sah, dass er und Abu Bakr beide weinten. Ich sagte: ‚O Gesandter Allahs, sagt mir, warum weint ihr? Wenn es einen Grund zum Weinen gibt, werde auch ich weinen. Wenn es keinen Grund gibt, werde ich wegen eures Weinens ebenfalls weinen.‘ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: ‚Ich weine wegen dessen, was euren Gefährten vorgelegt wurde, weil sie die Bedingung der Lösegeldzahlung angenommen haben.‘ Danach deutete der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, auf einen nahegelegenen Baum und sagte: ‚Die Strafe für sie wurde mir näher vor Augen geführt als dieser Baum.‘ [Geschichte von Umar ibn al-Khattab, Ibn al-Dschauzi, S. 36]. Allah, der Erhabene, offenbarte diesen Vers: ‚Keinem Propheten steht es zu, Gefangene zu halten, bis er im Land die Feinde umfassend besiegt hat. Ihr begehrt die Güter dieser Welt, Allah aber begehrt das Wohl des Jenseits. Allah ist allmächtig und allweise. Wäre nicht eine frühere Bestimmung Allahs gewesen, hätte euch für das, was ihr genommen habt, eine gewaltige Strafe getroffen.‘ (Sure al-Anfal, Verse 76–68)
Die von Allah, dem Erhabenen, im oben genannten Vers erwähnte frühere Anordnung ist eine Anweisung aus dem vierten Vers der Sure Muhammad. Darin sagt Allah, der Erhabene: „Danach entweder eine Gunst oder Lösegeld.“
Da dieser Vers die Erhebung eines Lösegeldes von den Kriegsgefangenen erlaubte, wurden die ehrwürdigen Gefährten wegen ihrer Entscheidung, für die Gefangenen Lösegeld festzusetzen, nicht bestraft, sondern zurechtgewiesen. Diese Zurechtweisung erfolgte wiederum deshalb, weil sie von solchen Ungläubigen Lösegeld oder Freikaufsumme verlangten, die nicht nur Kriegsgefangene, sondern auch schwere Verbrecher waren. Selbst das moderne Recht lässt sie nicht frei, ohne Anklage gegen sie zu erheben. Die Strafe in einem gegen solche Verbrecher angestrengten Verfahren wäre entweder die Todesstrafe oder lebenslange Haft.
Da die Entscheidung entsprechend der Auffassung von Abu Bakr festgelegt worden war, wurde von den Götzendienern Lösegeld genommen. Die Höhe des Lösegeldes betrug eintausend, dreitausend oder bis zu viertausend Dirham. Die Bewohner von Mekka konnten lesen und schreiben. Die Bewohner von Medina hingegen waren mit Lesen und Schreiben nicht besonders vertraut. Daher wurde auch beschlossen, dass diejenigen, die nicht in der Lage waren, Lösegeld zu zahlen, in Medina jeweils zehn Kindern das Lesen und Schreiben beibringen sollten. Wenn die Kinder diese Kenntnisse gut erlernt hatten, galt dies für die gefangenen Lehrer als Lösegeld.
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ließ einige Gefangene aus besonderer Gnade ohne Lösegeld frei. Es handelte sich um Mutallib ibn Hantab, Saifi ibn Abu Rifa’a und Abu Azzah Dschumahi. Letzterer wurde im Kampf von Uhud erneut gefangen genommen und später getötet. Eine ausführliche Darstellung hierzu folgt später.
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ließ seinen Schwiegersohn Abul As unter der Bedingung frei, dass er seiner Ehefrau, der Tochter des Propheten, Zainab, nicht im Wege stehen würde.
Der Grund dafür war, dass Zainab einige Vermögenswerte als Lösegeld für Abul As ibn Rabi’ geschickt hatte. Darunter befand sich auch eine Halskette. Diese Halskette hatte einst Chadidscha gehört. Als Zainab zur Hochzeit in das Haus von Abul As verabschiedet wurde, hatte sie sie ihrer Tochter als Geschenk gegeben. Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sie erblickte, füllten sich seine Augen mit Tränen und vor Rührung versagte ihm die Stimme. Er bat die Gefährten um ihre Meinung dazu, Abul As freizulassen. Die Gefährten stimmten diesem Vorschlag des geliebten Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ehrerbietig zu. Daraufhin ließ er seinen Schwiegersohn Abul As unter der Bedingung frei, dass Abul As Zainab freilassen würde. Nach ihrer Freilassung wanderte Zainab aus und kam nach Medina. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, entsandte Zaid ibn Haritha und einen weiteren Gefährten von den Ansar nach Mekka. Ihnen wurde aufgetragen: „Bleibt am Rand von Mekka oder an einem Ort namens Dschaza. Wenn Zainab zu euch kommt und sich auf den Weg macht, dann nehmt sie mit.“ Diese beiden Gefährten gingen nach Mekka und brachten Zainab nach Medina. Die Geschichte von Zainabs Auswanderung ist sehr lang und ergreifend.
Unter den Kriegsgefangenen befand sich auch Suhail ibn Amr. Er war ein berühmter Redner. Umar sagte: „O Gesandter Allahs, sorge dafür, dass die beiden vorderen Zähne von Suhail ibn Amr ausgeschlagen werden; dann wird seine Sprache undeutlich werden. Als so gewandter Redner wird er nicht mehr in der Lage sein, wirksam gegen dich Propaganda zu betreiben.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, lehnte diesen Vorschlag ab. Denn die Verstümmelung menschlicher Körperteile gilt in der islamischen Terminologie als Musla. An diesem Thema wird am schweren Tag der Auferstehung Rechenschaft verlangt werden.
Sa’d ibn Nu’man war zur Verrichtung der Umra aufgebrochen. Zu dieser Zeit nahm ihn Abu Sufjan gefangen. Abu Sufjans Sohn Amr war ein Kriegsgefangener. Im Austausch dafür, dass der Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Amr Abu Sufjan übergab, ließ dieser Sa’d frei.
Eine Betrachtung des Heiligen Qur’an
Allah, der Erhabene, offenbarte hinsichtlich der Schlacht von Badr die Sure al-Anfal. Tatsächlich handelt es sich dabei um Allahs Betrachtung und Bewertung der Schlacht von Badr – eine Bewertung, die sich grundlegend von der Bewertung irgendeines anderen Königs, Heerführers oder sonst jemandes auf der Welt unterscheidet. Im Folgenden soll ein wenig Licht auf Allahs Betrachtung und Bewertung geworfen werden. [In dem von Sayyid Qutb, dem Märtyrer, verfassten Tafsir „Fi Zilal al-Qur’an“ [im Band über die Sure al-Anfal] findet sich hierzu eine wertvolle Erörterung.]
Allah, der Herr der Welten, lenkt zunächst den Blick auf die Engstirnigkeit der Sichtweise und die charakterliche Schwäche der Muslime. Diese Engstirnigkeit und Schwäche waren in ihnen vorhanden und traten nach dem Ende der Schlacht weitgehend zutage. Allah, der Erhabene, weist darauf hin, weil Er die Muslime davon befreien wollte. Dadurch würden sie zur Vollkommenheit des Glaubens befähigt werden.
Danach erwähnt Er die Hilfe Allahs und die unsichtbare Hilfe in dieser Schlacht. Damit sollte verhindert werden, dass die Muslime sich von ihrer eigenen Tapferkeit und ihrem Heldenmut täuschen ließen. Denn dadurch würde in ihren Herzen Hochmut entstehen. Allah, der Erhabene, aber will, dass sich unter den Muslimen vor allem die Eigenschaft des Vertrauens auf Allah und des Gehorsams gegenüber dem Gesandten zeigt.
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, hatte sich mit einem großen Ziel und einer erhabenen Absicht auf diesen schrecklichen und blutigen Feldzug begeben; anschließend werden die dafür unerlässlichen charakterlichen Eigenschaften und Merkmale erwähnt. Danach werden an die Götzendiener, die Heuchler, die Juden und die Kriegsgefangenen erhabene Ermahnungen gerichtet, damit sie sich angesichts der Wahrheit beugen und zu ihren Anhängern werden.
Anschließend werden die grundlegenden Prinzipien hinsichtlich der Kriegsbeute erläutert.
Auch die Bestimmungen über Krieg und Frieden werden hier erläutert. Im Hinblick auf die islamische Daʿwa gibt es keinen Weg, ihre Unerlässlichkeit und Notwendigkeit zu leugnen. Diese Erläuterungen und Grundsätze wurden gegeben, damit die Muslime den Unterschied zwischen der Kriegsführung vor dem Islam und der Kriegsführung nach dem Islam erkennen können. Außerdem sollen sie dadurch in Bezug auf moralische und charakterliche Werte einen höheren Rang erreichen können. Die Welt soll dadurch erkennen, dass der Islam nicht nur ein bloßes Ideal ist, sondern seine Anhänger auch praktisch gemäß den Grundsätzen und Bestimmungen schult, zu denen er aufruft.
Danach werden einige Bestimmungen zu den Grundsätzen des islamischen Staates erwähnt. Dadurch wird deutlich der Unterschied zwischen den Muslimen unter der Herrschaft des islamischen Staates und den Muslimen außerhalb seiner Grenzen erkennbar.
Weitere Ereignisse
Im Ramadan des zweiten Jahres nach der Hidschra wurden das Fasten und die Sadaqat al-Fitr zur Pflicht gemacht. Zu dieser Zeit wurde auch die Höhe der Zakat, also der Nisab, festgelegt. Einige der Muhadschirun waren sehr arm. Ihr Problem, den Lebensunterhalt zu bestreiten, war äußerst drängend. Für sie war es beschwerlich, zur Stillung ihres Hungers an verschiedene Orte zu eilen. Die Bestimmungen über die Sadaqat al-Fitr und die Zakat befreiten sie von der Not hinsichtlich Nahrung und Kleidung.
Die Muslime feierten im Schawwal des zweiten Jahres nach der Hidschra zum ersten Mal das Fest. Dieses Fest wurde nach dem eindeutigen Sieg in der Schlacht von Badr gefeiert. Nachdem Allah, der Herr der Welten, den Muslimen die Krone des Sieges und der Ehre aufgesetzt hatte, gewährte Er ihnen die Gelegenheit, dieses Fest zu feiern. Das Fest brachte den Muslimen außerordentliche Ehre und großes Glück. Der Anblick des Festgebets war überaus ergreifend. Die Muslime kamen auf das freie Feld hinaus, um laut Allahs Lobpreis, den Takbir, den Tasbih und das Bekenntnis zur Einheit Allahs auszurufen. Zu jener Zeit waren die Herzen der Muslime von Dankbarkeit für die Gaben und die Hilfe Allahs erfüllt.
Sie waren darauf bedacht, noch mehr Allahs Wohlgefallen zu erlangen. Ihre Häupter waren zum Ausdruck ihrer Dankbarkeit gegenüber Allah gesenkt. Allah, der Herr der Welten, erwähnt diese Gunst in folgendem Vers des Heiligen Korans. Er sagt: „Und denkt daran, als ihr wenige wart und im Land als schwach erachtet wurdet und befürchtetet, dass die Menschen euch plötzlich hinwegraffen könnten. Da gewährte Er euch Zuflucht, stärkte euch durch Seine Hilfe und versorgte euch mit guten Dingen, auf dass ihr dankbar sein möget.“ (Sure al-Anfal, Vers 26)
Militärische Aktivitäten nach der Schlacht von Badr
Die Schlacht von Badr war der erste bewaffnete und entscheidende Zusammenstoß zwischen den Muslimen und den Polytheisten. Dabei errangen die Muslime einen „Fatḥ mubīn“, das heißt einen eindeutigen Sieg. Die gesamte arabische Welt wurde Zeuge dieses Sieges. Unter denjenigen, die infolge der Niederlage in dieser Schlacht unmittelbar geschädigt worden waren, waren es die Polytheisten, die von seelischem Leid heimgesucht wurden. Daneben gab es eine weitere Gruppe, die den Sieg der Muslime und ihren Gewinn an hohem Ansehen als Bedrohung ihrer religiösen und wirtschaftlichen Existenz betrachtete. Das waren die Juden. Als die Muslime in der Schlacht von Badr siegten, platzten diese beiden Gruppen, also die Polytheisten und die Juden, vor Zorn und Wut gegen die Muslime. Wie Allah, der Erhabene, sagt: „Du wirst gewiss finden, dass die Juden und die Polytheisten unter den Menschen den Gläubigen gegenüber am stärksten in Feindschaft entbrannt sind.“ (Sure al-Ma’ida, Vers 82)
Doch einige Einwohner Medinas waren den Angehörigen beider Gruppen wohlgesinnt. Als sie daher erkannten, dass ihnen kein anderer Weg offenstand, ihre eigene Ehre zu wahren, traten sie zum Schein in den Islam ein. Es waren Abdullah ibn Ubayy und seine Gefährten. Sie waren den Muslimen gegenüber nicht weniger zornig als die Juden und die Polytheisten.
Außer diesen gab es noch eine vierte Gruppe. Das waren die arabischen Beduinen, die in der Umgebung Medinas lebten. Sie verspürten weder zum Islam noch zum Unglauben eine innere Neigung. Sie waren Plünderer und Räuber. Auch sie waren über den Erfolg der Muslime in der Schlacht von Badr innerlich betrübt. Sie befürchteten, dass ihre Wege der Plünderung versperrt würden, wenn in Medina eine starke Regierung errichtet würde. Deshalb erwachte auch in ihren Herzen Hass gegen die Muslime, und sie wurden zu deren Feinden.
Auf diese Weise sahen sich die Muslime mit Problemen an vier Fronten konfrontiert. Doch jede dieser vier Gruppen verfolgte gegenüber den Muslimen eine eigene Vorgehensweise. Jede von ihnen beschritt einen anderen Weg, um ihre jeweiligen Ziele und Absichten zu verwirklichen. Sie glaubten, dadurch ihr Ziel erreichen zu können.
In Medina nahm eine Gruppe von Feinden den Anschein des Islams an. Obwohl sie mit ihren Mündern vom Islam sprachen, beschritten sie insgeheim den Weg der Verschwörung, der Intrige und der Schürung gegenseitiger Streitigkeiten und Unruhen. Eine Gruppe von Juden brachte ihre Feindschaft und ihren Zorn gegenüber dem Islam offen zum Ausdruck. Unterdessen begannen die Mekkaner, mit Vergeltung für den vernichtenden Schlag zu drohen. Neben ihren offenen Vergeltungsdrohungen begannen sie, Kriegsvorbereitungen zu treffen. Es war, als würden sie den Muslimen sagen: „Es wird ein Tag kommen, ein strahlender Tag; wir werden Klagerufe hören und Tränen in den Augen sehen.“
Ein Jahr später machten sich die Quraisch von Mekka, zum Krieg gerüstet, in Richtung Medina auf.
In der Geschichte des Islams ist dieser Feldzug als die Schlacht von Uhud bekannt. Diese Schlacht hatte einige nachteilige Auswirkungen auf den Ruhm und das Ansehen der Muslime.
Um all diesen Befürchtungen zu begegnen, ergriffen die Muslime einige wichtige Maßnahmen. Sie zeugen von der Führung, den Fähigkeiten und den besonderen Eigenschaften des Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden. Außerdem wird daraus ersichtlich, dass die Führung in Medina stets wachsam und aufmerksam gegenüber den Gefahren von allen Seiten war. Sogar mehrere Pläne für den Umgang mit den Feinden waren ausgearbeitet worden. Hier werden wir dieses Thema kurz erörtern.
Erstens: Der Feldzug gegen die Banu Sulaym
Nach der Schlacht von Badr erhielt die Nachrichtenabteilung von Medina als Erste die Nachricht, dass die Angehörigen der Banu Sulaym, eines Zweigs des Stammes Ghatafan, Truppen gesammelt hatten, um Medina anzugreifen. Nachdem der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, diese Nachricht erhalten hatte, zog er mit zweihundert Kämpfern überraschend gegen sie und gelangte zu ihrem Aufenthaltsort namens Qudār. [Tatsächlich ist Qudār ein grauer Vogel. Hier ist jedoch ein Wohngebiet des Stammes Banu Sulaym gemeint. Es liegt an der Fernstraße auf dem Weg von Mekka nach Syrien.]
Der Stamm Banu Sulaym war auf einen solchen Überraschungsangriff nicht vorbereitet. Bestürzt ergriffen sie die Flucht. Auf ihrem Weg ließen sie fünfhundert Kamele zurück. Die Muslime nahmen diese Kamele in Besitz. Der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, verteilte vier Fünftel dieser Kamele. Jeder erhielt zwei Kamele. Bei diesem Feldzug geriet auch ein Sklave namens Yasār in die Hände der Muslime. Der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, ließ ihn später frei. Danach blieb er drei Tage im Gebiet der Banu Sulaym und kehrte anschließend nach Medina zurück.
Dieses Ereignis ereignete sich im Schawwāl des zweiten Jahres nach der Hidschra, nur sieben Tage nach der Rückkehr vom Feldzug von Badr. Während dieses Feldzugs wurde Sabā ibn ʿArfata – einer anderen Überlieferung zufolge ʿAbdullāh ibn Umm Maktūm (möge Allah mit ihm zufrieden sein) – die Verwaltung Medinas anvertraut.
Zweitens: Der Plan, den Gesandten Allahs zu ermorden
Nachdem der Plan, den Gesandten Allahs zu ermorden, einmal gescheitert war und die Götzendiener später auch in der Schlacht von Badr besiegt worden waren, entbrannten sie vor Zorn. Ganz Mekka war gegen den Gesandten Allahs aufgepeitscht. Schließlich beschlossen zwei ruchlose junge Männer, den Gesandten Allahs, die Quelle aller Inspiration, selbst zu beseitigen.
Es war einige Tage nach der Schlacht von Badr. Unter den Quraisch gab es einen Übeltäter namens ʿUmair ibn Wahb al-Dschumahi. Dieser Schurke fügte dem Gesandten Allahs in Mekka auf vielerlei Weise Leid zu. Sein Sohn Wahb ibn ʿUmair war in der Schlacht von Badr von den Muslimen gefangen genommen worden. Eines Tages saß dieser ʿUmair im Hatīm der Kaaba und unterhielt sich mit Safwān ibn Umaiya. Sie sprachen über das schmerzliche Ereignis, dass die Leichen der in der Schlacht von Badr Gefallenen in einen schmutzigen Brunnen von Badr geworfen worden waren. Safwān sagte: „Bei Gott, nach ihrem Verlust ist das Leben nicht mehr zu ertragen.“ Darauf erwiderte ʿUmair: „Bei Gott, du hast die Wahrheit gesagt. Wenn ich nicht verschuldet wäre und mich nicht um meine Familie sorgen müsste, würde ich nach Medina gehen und Muhammad beseitigen. Doch ich bin nicht einmal in der Lage, meine Schulden zu begleichen, und meine Familie wäre ohne mich dem Verderben ausgesetzt. Außerdem gibt es noch einen Grund: Mein Sohn ist in ihrer Hand gefangen.“
Nachdem Safwān all dies gehört hatte, dachte er bei sich: Das ist eine ausgezeichnete Gelegenheit. Er sagte zu ʿUmair: „Hör zu, ich werde deine Schulden übernehmen und sie an deiner Stelle begleichen. Deine Familie werde ich wie meine eigene behandeln und mich lebenslang um sie kümmern. Solange ich etwas besitze, wird es ihnen niemals vorenthalten werden.“
ʿUmair sagte: „Einverstanden. Aber unser Gespräch muss geheim bleiben.“ Safwān erwiderte: „Ja, es wird geheim bleiben.“
Darauf schärfte ʿUmair sein Schwert und bestrich es mit Gift. Er brach nach Medina auf und erreichte schließlich die Stadt. Als er gerade vor der Prophetenmoschee sein Kamel niederknien ließ, fiel er ʿUmar ibn al-Chattāb ins Auge. Dieser sprach gerade vor einer Versammlung von Muslimen über die Ehre, die Allah ihnen durch die Schlacht von Badr verliehen hatte. Sobald er ʿUmair erblickte, sagte er: „Dieser ruchlose Mann ist ein Feind Allahs. Gewiss ist er mit einer bösen Absicht gekommen.“
Danach ging ʿUmar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) zum Gesandten Allahs und sagte: „O Gesandter Allahs, der Feind Allahs, ʿUmair, ist mit einem umgehängten Schwert gekommen.“ Der Gesandte sagte: „Bringt ihn zu mir.“ Als ʿUmair eintraf, drückte ʿUmar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) dessen Schwert an dessen Hals. Zu einigen Ansār sagte er: „Geht hinein zum Gesandten Allahs und bleibt dort sitzen. Seid wegen der üblen Machenschaften dieses Schurken gegen den geliebten Propheten Allahs wachsam, denn man kann ihm nicht trauen.“ Danach führte ʿUmar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) ʿUmair in die Moschee. Als der Gesandte Allahs sah, wie ʿUmar ʿUmair festhielt, sagte er: „Lass ihn los, ʿUmar.“ Dann sagte er zu ʿUmair: „Komm näher.“ ʿUmair trat zum Gesandten Allahs und sagte: „Einen guten Morgen euch.“ Der Gesandte Allahs sagte: „Allah hat uns eine Anrede gelehrt, die besser ist als eure Worte: Sie lautet: as-salāmu ʿalaikum. Das ist die Anrede der Bewohner des Paradieses.“
Darauf sagte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm: „O Umair, warum bist du gekommen?“ Er antwortete: „Ich bin wegen des Gefangenen gekommen, der sich bei euch befindet. Seid so gütig und lasst meinen Gefangenen frei.“
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Warum hängt dann ein Schwert um deinen Hals?“ Er antwortete: „Möge Allah dieses Schwert zugrunde richten! Wird es uns denn noch irgendeinen Nutzen bringen?“
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Sag die Wahrheit: Warum bist du gekommen?“ Er antwortete: „Ich habe es doch gesagt: Ich bin gekommen, um über den Kriegsgefangenen zu sprechen.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Nein, das ist nicht der Grund. Du und Safwan saßt im Hatim der Kaaba und beklagtet, dass die Leichen der getöteten Quraischiten in den Brunnen geworfen worden waren. Dann hast du gesagt: ‚Wenn ich nicht verschuldet wäre und keine Familie zu versorgen hätte, würde ich von hier fortgehen und Muhammad töten.‘ Als Safwan dies hörte, übernahm er deine Schulden und die Versorgung deiner Familie. Die Bedingung dafür war jedoch, dass du Muhammad tötest. Aber bedenke: Allah steht zwischen mir und euch.“
Umair sagte: „Ich bezeuge, dass du der Gesandte Allahs bist. O Gesandter Allahs, die Nachrichten aus dem Himmel, die du uns überbracht hast, und die Offenbarung, die auf dich herabgesandt wurde, pflegten wir als Lüge zurückzuweisen. Doch dies ist eine Angelegenheit, bei der außer Safwan und mir niemand anwesend war. Daher schwöre ich bei Allah, dass niemand außer Allah dir diese Nachricht mitgeteilt haben kann. Bei jenem Allah, der mich zum Islam rechtgeleitet und mich bis an diesen Ort getrieben hat.“ Darauf bezeugte Umair die Kalima Tayyiba. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte zu den edlen Gefährten: „Lehrt euren Bruder die Religion, bringt ihm den Koran bei und lasst seinen Gefangenen frei.“ [Ibn Hischam, Bd. 1, S. 660]
Unterdessen verkündete Safwan in Mekka: „Hört die frohe Botschaft! In wenigen Tagen wird etwas geschehen, durch das wir die Leiden und den Kummer von Badr vergessen werden.“ Safwan fragte die aus Medina kommenden Leute nach der erwarteten Nachricht. Schließlich erfuhr er von jemandem, dass Umair den Islam angenommen hatte und Muslim geworden war. Als Safwan diese Nachricht hörte, schwor er, niemals wieder mit Umair zu sprechen und ihm keinerlei Hilfe zu leisten. Nachdem Umair den Islam angenommen hatte, kam er nach Mekka und begann, zum Islam einzuladen. Durch seine Einladung fanden viele Menschen Zuflucht im kühlen Schatten des Islam. [Ibn Hischam, Bd. 1, S. 661–663]
Drittens: Die Schlacht gegen Banu Qaynuqa
Die Bedingungen des Abkommens, das der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nach seiner Ankunft in Medina mit den Juden geschlossen hatte, wurden bereits erwähnt. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, bemühte sich nach Kräften und hoffte, dass die Bestimmungen des Abkommens umgesetzt würden. Aus diesem Grund wurde vonseiten der Muslime nicht einmal der geringste Schritt unternommen, der als Verletzung des Abkommens hätte gelten können. Doch die Juden, die sich in der Geschichte als verräterisch und treulos erwiesen hatten, wandten sich schon bald wieder ihrer alten Tradition zu. Sie scheuten keine Mühe, unter den Muslimen Verschwörungen zu verbreiten, zum Krieg anzustacheln, Unruhen zu schüren und Unordnung zu verbreiten. Hier soll ein Beispiel angeführt werden.
Der Verrat der Juden
Ibn Ishaq berichtet, dass es einen Juden namens Schascha ibn Qais gab. Dieser Mann war so alt, dass es den Anschein hatte, als sei bereits ein Fuß von ihm in seinem Grab. Seine Feindschaft und sein Hass gegenüber den Muslimen waren grenzenlos. Einmal kam er an den Stämmen Aws und Chazradsch vorbei. Dort saßen Angehörige beider Stämme zusammen und unterhielten sich. Zwischen ihnen herrschte nicht mehr die frühere Feindschaft. Im Gegenteil, es war eine wunderbare Eintracht und Verbundenheit zu sehen. Als der alte Jude diesen Zustand sah, empfand er großen Schmerz. Er begann zu sagen: „Sieh an, sieh an! Hier haben sich offenbar die angesehenen Männer der Familie Banu Qaila versammelt. Nachdem diese Vornehmen sich zusammengeschlossen haben, sind wir ja zu Außenseitern geworden.“ Bei dem alten Juden war ein junger Mann. Zu ihm sagte er: „Erinnere sie an die Schlacht von Buʿāth und an einige Ereignisse, die sich davor zugetragen haben, und trage ihnen einige der Gedichte vor, die von beiden Seiten zum Thema des Krieges rezitiert wurden.“ Der Jude tat genau das. Infolgedessen begannen die Angehörigen der Stämme Aws und Chazradsch allmählich miteinander zu streiten. Die anwesenden Muslime begannen sich zu zanken und einander ihre Überlegenheit zu zeigen. Je ein Vertreter beider Seiten kniete nieder und begann, große Worte über die Erfolge seines Stammes zu machen. Einer sagte: „Wenn ihr wollt, können wir diesen Krieg noch einmal aufflammen lassen“, das heißt: „Wir sind bereit, den bereits ausgetragenen Krieg erneut zu führen.“ Als beide Seiten dies hörten, gerieten sie in Erregung. Sie sagten: „Kommt, wir sind bereit. Der Kampf wird an einem Ort namens Habrā stattfinden. Kommt! Nehmt die Waffen, nehmt die Waffen!“ Die Muslime beider Seiten machten sich bewaffnet auf den Weg nach Habrā. Als gerade ein blutiger Kampf beginnen sollte, erreichte die Nachricht Allahs Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Er eilte mit den ausgewanderten Gefährten zum Ort des Geschehens und sagte: „O Muslime, wehe, wehe! Kehrt ihr noch zu meinen Lebzeiten zur Dschāhilīya zurück? Tut ihr so etwas, obwohl ihr den Islam angenommen habt? Durch den Islam seid ihr von den Bräuchen und Sitten der Dschāhilīya befreit worden, vom Unglauben erlöst worden, und eure Herzen sind einander gegenüber mit Verbundenheit erfüllt worden.“
Als die Ansār-Gefährten die Worte Allahs Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) hörten, begriffen sie, dass sie der Täuschung des Satans erlegen und Opfer der Anstiftung des Feindes geworden waren. Bei diesem Gedanken begannen sie zu weinen. Die Angehörigen der Stämme Aws und Chazradsch umarmten einander. Danach kehrten sie gehorsam gegenüber Allahs Gesandtem so nach Hause zurück, dass Allah, der Erhabene, das Feuer der Verschwörung des Juden Schascha ibn Qais, des Feindes der Muslime, löschte. [Ibn Hischām, Band 1, S. 555–556].
Dies ist ein Beispiel für die niederträchtigen und böswilligen Bemühungen der Juden, unter den Muslimen Spaltung und Uneinigkeit zu erzeugen. Dieser Vorfall zeigt, wie die Juden den Weg des Aufrufs zum Islam behinderten. Zu diesem Zweck schmiedeten die Juden verschiedenartige Pläne. Sie verbreiteten falsche Propaganda. Sie nahmen am Morgen den Islam an und wurden am Nachmittag wieder zu Ungläubigen. Sie taten dies, damit dadurch in den Herzen schwacher Menschen Zweifel und Misstrauen gegenüber dem Islam entstehen konnten. Wenn jemand, zu dem sie eine wirtschaftliche Beziehung hatten, Muslim wurde, stellten sie die Zahlungen an ihn ein. Wenn sie ihm Geld schuldeten, bedrängten sie ihn morgens und abends mit Forderungen und machten ihm das Leben schwer. War der neue Muslim ihr Gläubiger, beglichen sie seine Forderung nicht, sondern eigneten sich das Geld unrechtmäßig an. Wenn dieser Muslim danach weiterhin sein Geld verlangte, sagte der intrigante Jude: „Ich war nur so lange verpflichtet, deine Forderung zu begleichen, wie du an die Religion deiner Vorfahren glaubtest. Du hast deinen Glauben geändert; daher kann es zwischen dir und mir keinerlei Beziehung mehr geben, und es gibt auch keinen Grund dafür.“ [Die Kommentatoren erwähnen in den Tafsīr-Werken verschiedener Suren, darunter der Sura Āl ʿImrān, Berichte über solche niederträchtigen Aktivitäten der Juden. Besonders ausführlich und eindrucksvoll wird dies im Tafsīr „Fī zilāl al-Qurʾān“ des Märtyrers Sayyid Qutb dargestellt.]
Es sei angemerkt, dass die Juden mit solchen Handlungen bereits vor der Schlacht von Badr begonnen hatten. Sie taten all dies, indem sie den mit Allahs Gesandtem (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) geschlossenen Vertrag brachen. Doch Allahs Gesandter (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und die edlen Gefährten ertrugen alles still in der Hoffnung, dass die Juden rechtgeleitet würden. Auch der Wunsch, die regionale Atmosphäre des Friedens und der Sicherheit aufrechtzuerhalten, war in ihren Herzen vorhanden.
Der Vertragsbruch der Banu Qainuqāʿ
Als die Juden bemerkten, dass Allah, der Herr der Welten, den Muslimen auf dem Schlachtfeld von Badr große Unterstützung gewährt hatte und ihre Würde und ihr Einfluss sich überall verbreitet hatten, begannen sie, dem Islam und den Muslimen feindselig gegenüberzutreten. Durch offene Erklärungen begannen sie mit ihrem Verrat und setzten alles daran, den Muslimen Leid zuzufügen.
Der neidischste und übelste unter ihnen war Kaʿb ibn al-Aschraf. Über ihn wird später gesprochen werden. Unter den drei jüdischen Stämmen war Banu Qainuqāʿ der schlimmste. Sie lebten innerhalb Medinas, und ihr Viertel war nach ihnen benannt. Von Beruf waren sie Schmiede, Goldschmiede und Hersteller von Schüsseln und Gefäßen. Deshalb verfügten sie stets über eine große Menge an Kriegsausrüstung. Unter ihnen gab es siebenhundert kampffähige, hochmütige Männer. Sie waren der tapferste jüdische Stamm in Medina. Sie waren die Ersten, die den Vertrag mit den Muslimen brachen. Der Hergang war folgender:
Als Allah, der Herr der Welten, den Muslimen den Erfolg in der Schlacht von Badr verlieh, überschritt die Feindschaft der Juden jedes Maß. Sie setzten ihre Gewalttätigkeit, ihre niederträchtigen Handlungen und ihre provokatorischen Aktivitäten fort. Wenn Muslime auf den Markt gingen, machten sie sich stets mit spöttischen Bemerkungen und Hohn über sie lustig. Auf diese Weise fügten sie den Muslimen seelisches Leid zu. Ihre Überheblichkeit hatte ein solches Maß überschritten, dass sie sogar muslimische Frauen belästigten.
Allmählich wurde die Lage kritisch. Die Arroganz und Widersetzlichkeit der Juden überschritten jedes Maß. Zu dieser Zeit versammelte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) eines Tages die Juden, ermahnte sie und lud sie zum Islam ein. Außerdem warnte er sie vor den schlimmen Folgen ihrer unterdrückerischen Taten. Doch daraufhin nahmen ihre niedrigen und abscheulichen Handlungen noch zu.
Abu Dawud und andere überlieferten von dem ehrwürdigen ʿAbdullah ibn ʿAbbas (möge Allah mit ihm zufrieden sein), dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) die Quraisch am Tag von Badr besiegte. Danach kehrte er nach Medina zurück und berief auf dem Markt der Banū Qaynuqā eine Versammlung der Juden ein. Bei dieser Versammlung sagte er: „O jüdische Gemeinschaft, nehmt den Islam an, bevor euch ein ebenso schwerer Schlag trifft wie der, der die Quraisch getroffen hat.“ Sie sagten: „O Muhammad, du hast eine falsche Vorstellung von uns. Ihr seid auf unerfahrene und unkundige Leute aus dem Stamm der Quraisch getroffen. Deshalb haltet ihr euch für die Größten. Ihr habt sie besiegt, und das ist euch nur gelungen, weil sie unerfahren waren. Wenn ihr gegen uns kämpft, werdet ihr erfahren, was ein wahrer Mann ist. Wir sind tapfere Männer. Ihr seid uns ja noch nicht in die Hände gefallen. Deshalb habt ihr eine falsche Vorstellung von uns.“ Als Antwort auf diese Worte ließ Allah, der Herr der Welten, diesen Vers herabsenden.
„Sag zu denjenigen, die ungläubig sind: Ihr werdet bald besiegt und in der Hölle versammelt werden – welch übler Aufenthaltsort! Im Aufeinandertreffen der beiden Gruppen liegt für euch ein Zeichen: Eine Gruppe kämpfte auf Allahs Weg, die andere war ungläubig. Sie sahen jene mit bloßem Auge doppelt so zahlreich, wie sie tatsächlich waren. Allah stärkt, wen Er will, durch Seine Hilfe. Darin liegt wahrlich eine Lehre für diejenigen, die Einsicht besitzen.“ [Sunan Abū Dāwūd, Bd. 3, S. 112; Ibn Hischām, Bd. 1, S. 552] (Sure Āl ʿImrān, Verse 12–13)
Kurz gesagt bedeutete die Antwort der Banū Qaynuqā eine offene Kriegserklärung. Doch der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) bezwang seinen Zorn und bewahrte Geduld. Auch die Muslime blieben geduldig und warteten auf das, was die Zukunft bringen würde.
Nachdem der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) die Juden zum Islam eingeladen und sie vor ihrem Schicksal gewarnt hatte, nahm ihre Arroganz noch weiter zu. Schon wenige Tage später begannen sie in Medina mit terroristischen Aktivitäten. Dadurch gruben sie sich selbst ihr Grab und versperrten sich selbst alle Wege des Lebens.
Ibn Hischām überlieferte von Abū ʿAun, dass eine arabische Frau zum Markt der Banū Qaynuqā kam, um Milch zu verkaufen. Nach dem Verkauf der Milch setzte sich die Frau aus einem bestimmten Anlass in den Laden eines jüdischen Goldschmieds. Der Jude forderte sie auf, ihr Gesicht zu entblößen, doch die Frau weigerte sich. Daraufhin band der Goldschmied einen Teil ihrer Kleidung an ihrem Rücken fest. Die Frau bemerkte nichts. Als sie aufstand, wurde ihr Schambereich entblößt. Da brachen die Juden in hämisches Gelächter aus. Die Frau begann, in dieser Weise gedemütigt, zu schreien und zu weinen. Als ein Muslim ihr Weinen hörte, fragte er nach dem Grund. Nachdem er alles erfahren hatte, griff er, vor Zorn außer sich, den Juden an und tötete ihn. Als die Juden sahen, dass einer der Ihren getötet worden war und dass der Täter ihr muslimischer Feind war, griffen sie gemeinsam auch diesen Muslim an und töteten ihn. Die Angehörigen des getöteten Muslims begannen zu schreien und zu weinen und beschwerten sich bei allen Muslimen über die Juden. Daraufhin herrschte zwischen den Muslimen und den Juden des Stammes Banū Qaynuqā die Atmosphäre eines unmittelbar bevorstehenden Krieges. [Ibn Hischām, Bd. 2, S. 47–48].
Belagerung, Kapitulation und Vertreibung
Nach diesem Vorfall war die Geduld des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) erschöpft. Er übertrug Abū Lubāba ibn ʿAbd al-Mundhir die Verantwortung für die Verwaltung Medinas. Mit seiner eigenen heiligen Hand übergab der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) die Fahne der Muslime in die Hände des ehrwürdigen Hamza ibn ʿAbd al-Muttalib und brach mit einer Gruppe von Muslimen zu den Banū Qaynuqā auf. Als die Juden den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sahen, schlossen sie das Haupttor der Festung. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ließ die Festung ringsum belagern. Es war ein Freitag, der 15. Schawwāl des zweiten Jahres nach der Hidschra. Die Belagerung wurde fünfzehn Tage lang, bis zum ersten Tag des Monats Dhū l-Qaʿda, aufrechterhalten. Danach ließ Allah den Einfluss der Muslime in die Herzen der Juden dringen. Allahs Gesetz ist, dass Er, wenn Er ein Volk besiegen will, in dessen Herzen den Einfluss des Gegners verankert. Der Stamm der Banū Qaynuqā ergab sich unter der Bedingung, dass er sich dem Urteil des Gesandten Allahs unterwerfen werde. Das Urteil des Gesandten Allahs über ihr Leben und Eigentum sowie über ihre Frauen und Kinder sollte endgültig sein. Auf Anweisung des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) wurden die Juden anschließend gefesselt.
Nur einen Monat zuvor stellte der Heuchler ʿAbdullāh ibn Ubayy, der sich den Anschein des Islam gegeben hatte, nun ein Beispiel für seine Judenfreundlichkeit auf. Mit einer scheinheiligen Bitte ersuchte er den Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, um Vergebung für die Juden. Er sagte: „O Muhammad, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, sei meinen Verbündeten gegenüber gnädig.“ Es sei darauf hingewiesen, dass Banū Qaynuqāʿ mit dem Stamm Chazradsch verbündet war. Der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, hatte noch keine Entscheidung getroffen. Der Anführer der Heuchler wiederholte seine Worte. Da wandte der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, ihm den Rücken zu. Darauf ergriff der ruchlose Heuchler den Ärmel des Gewandes des Gesandten Allahs. Dieser war darüber verärgert und sagte: „Lass mich los!“ Doch der Heuchler beharrte auf seiner Bitte. Er sagte: „Ich werde dich nicht loslassen, bevor du meinen Verbündeten deine Gnade zugesichert hast. Willst du etwa vierhundert unbewaffnete junge Männer und dreihundert gepanzerte junge Männer, die mich aus zahlreichen Gefahren gerettet haben, an einem einzigen Morgen töten? Bei Allah, ich habe große Angst vor den Wechselfällen der Zeit.“
Schließlich hielt der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, scheinbar das Wort, das er ʿAbdullāh ibn Ubayy gegeben hatte. Er sorgte dafür, dass die Juden am Leben blieben. Zugleich ordnete er jedoch an, dass sie weder in Medina noch in dessen Umgebung bleiben durften. Darauf zogen die Juden mit so vielen ihrer Habseligkeiten, wie sie mitnehmen konnten, in Richtung Syrien. Dort starben innerhalb kurzer Zeit viele Juden.
Der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, beschlagnahmte das von den Juden zurückgelassene Vermögen. Davon behielt er drei Kanonen, zwei Rüstungen, drei Schwerter und drei Speere für sich. Ein Fünftel des übrigen Vermögens wurde ausgesondert. Das Einsammeln der Beute wurde Muhammad ibn Maslama anvertraut. [Zād al-Maʿād, Bd. 2, S. 71, 91; Ibn Hischām, Bd. 2, S. 47–49.]
Vier) Der Feldzug von Sawīq
Während Safwān ibn Umayya einerseits gemeinsam mit den Juden und den Heuchlern Verschwörungen schmiedete, betrieb auch Abū Sufyān andererseits seine Ränke. Innerhalb kürzester Zeit wollte er etwas unternehmen, wodurch die Ehre und das Ansehen seines Volkes gewahrt und dessen Stärke zur Schau gestellt werden konnten. Abū Sufyān hatte geschworen, keine Ganzkörperwaschung vorzunehmen, bis er gegen Muhammad gekämpft hatte. Um diesen Schwur zu erfüllen, zog Abū Sufyān mit zweihundert Reitern los und schlug am Fuß eines Berges namens Nāʾib in der Ebene von Qanāt sein Lager auf. Dieser Ort war zwölf Meilen von Medina entfernt. Abū Sufyān wagte keinen direkten Angriff auf Medina. Doch er beging eine Tat, die man offen als Plünderung und Raub bezeichnen kann.
Der Hergang war folgender: In der Dunkelheit der Nacht kam Abū Sufyān in die Umgebung Medinas und ging zu Ḥuyayy ibn Akhtab, den er bat, die Tür zu öffnen. Aus Furcht vor den Folgen weigerte sich Ḥuyayy, die Tür zu öffnen. Darauf begab sich Abū Sufyān zu Salām ibn Mischkam, einem anderen Anführer der Banū Nadīr. Dieser Mann war der Schatzmeister des Stammes Banū Nadīr. Abū Sufyān bat um Erlaubnis einzutreten. Salām ibn Mischkam gewährte ihm Zutritt und bewirtete ihn. Er gab ihm zu essen, reichte ihm Wein und unterrichtete ihn ausführlich über die Lage in Medina. Danach eilte Abū Sufyān zu seinen Gefährten zurück und ließ eine Gruppe Bewaffneter einen Ort namens ʿArīḍ in der Umgebung Medinas angreifen. Diese Übeltäter aus dem Stamm Quraisch fällten dort einige Dattelpalmen und setzten mehrere andere in Brand. Anschließend trafen sie auf einem Feld einen Ansārī und dessen Verbündeten, töteten beide und flohen atemlos in Richtung Mekka.
Nachdem der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, davon erfahren hatte, nahm er unverzüglich die Verfolgung Abū Sufyāns und seiner Gefährten auf. Doch die Übeltäter flohen noch schneller und jagten atemlos in Richtung Mekka davon. Um ihre Last zu erleichtern, warfen sie unterwegs viele Dinge ab. Diese Gegenstände fielen den Muslimen in die Hände. Der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, und seine Gefährten verfolgten Abū Sufyān bis nach Qarqarat al-Kudr und kehrten dann zurück. Die Muslime sammelten die zurückgelassenen Gegenstände, darunter auch geröstetes Mehl, ein, und kehrten nach Medina zurück. Dieser Feldzug wurde „Feldzug von Sawīq“ genannt. Im Arabischen bedeutet Sawīq geröstetes Mehl. Das Ereignis fand im Dhū l-Ḥiddscha des zweiten Jahres nach der Hidschra statt, nur zwei Monate nach der Schlacht von Badr. Während dieses Feldzugs wurde Abū Lubāba ibn ʿAbd al-Mundhir mit der Verwaltung Medinas betraut. [Zād al-Maʿād, Bd. 2, S. 90–91; Ibn Hischām, Bd. 2, S. 593.]
Fünf) Der Feldzug von Dhū ʿAmr
Nach der Schlacht von Badr war dies der größte militärische Feldzug. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, führte diesen Feldzug an. Er wurde im Monat Muharram des dritten Jahres nach der Hidschra durchgeführt. Der Grund dafür war, dass der Nachrichtendienst von Medina dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, mitteilte, dass sich eine große Gruppe der Stämme Banu Thaʿlaba und Muharib zusammenschließe, um Medina anzugreifen. Unmittelbar nach Erhalt dieser Nachricht befahl der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, den Muslimen, sich vorzubereiten. Dieser Feldzug wurde mit vierhundert Mudschahedin durchgeführt, darunter Reiter und Fußsoldaten. Damals setzte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ʿUthman (möge Allah mit ihm zufrieden sein) als seinen Stellvertreter in Medina ein.
Unterwegs nahmen die Mudschahedin einen Mann namens Dschabbar aus dem Stamm Banu Salam fest und führten ihn vor den Gesandten Allahs. Er lud den Mann zum Islam ein, und dieser nahm den Islam an. Danach führte der Mann den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und die Gefährten bis zum Gebiet der Feinde und zeigte ihnen den Weg.
Inzwischen zerstreuten sich die Feinde, nachdem sie von dem militärischen Feldzug der Muslime erfahren hatten, in den umliegenden Bergregionen. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, setzte den Vormarsch fort und gelangte mit den Mudschahedin bis zu den Stellungen der Feinde. Dort gab es einen Ort, der als „Dhi Amr“ bekannt war. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, blieb dort noch einige Tage über den Safar des dritten Jahres nach der Hidschra hinaus, um Einfluss auf die Beduinen zu gewinnen und ihnen die Stärke der Muslime vor Augen zu führen, und kehrte anschließend nach Medina zurück. [Ibn Hischam, Bd. 2, S. 46; Zad al-Maʿad, Bd. 2, S. 91. Es wird berichtet, dass ein Mann namens Ghawath al-Muharibi während dieses Feldzugs versucht habe, den Gesandten Allahs zu töten. Tatsächlich wurde dieser Versuch jedoch nicht während dieses Feldzugs, sondern während eines anderen unternommen. Siehe Buchari, Bd. 2, S. 593].
Sechstens: Das Ende von Kaʿb ibn al-Aschraf
Unter den Juden hasste dieser Mann die Muslime zutiefst. Seine Feindschaft gegenüber den Muslimen und seine Abneigung gegen deren Handlungen bereiteten ihm ständig Qualen. Dieser Mann fügte dem Gesandten Allahs Leid zu und rief offen zum Krieg gegen ihn auf.
Er stand in Beziehung zu dem Zweig Banu Nabhan des Stammes Tayy. Der Stamm seiner Mutter hieß Banu Nadir. Dieser Mann war reich und einflussreich. In Arabien war er für seine körperliche Schönheit bekannt. Auch als berühmter Dichter war er bekannt. Seine Festung lag im südlichen Teil Medinas hinter der Siedlung des Stammes Banu Nadir.
Als er die Nachricht vom Sieg der Muslime in der Schlacht von Badr und von der Tötung der Anführer der Quraisch hörte, rief er aus: „Ist das wirklich geschehen? Sie waren die Vornehmsten unter den Arabern und die Könige der Menschen. Wenn Muhammad sie tatsächlich getötet hat, dann ist das Innere der Erde besser als ihre Oberfläche. Mit anderen Worten: Es ist besser, dass wir sterben, als dass wir weiterleben.“
Sobald der Feind Allahs, Kaʿb ibn al-Aschraf, vom Sieg der Muslime erfahren hatte, begann er, den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und die Muslime zu verleumden und die Feinde des Islam zu loben. Damit nicht zufrieden, begab er sich nach Mekka zu den Quraisch und war dort Gast von al-Muttalib ibn Abu Wadaʿa as-Sahmi. Er versuchte, im Herzen der Götzendiener das Feuer der Erregung zu entzünden. Er trug selbstverfasste Gedichte vor, um die Quraisch zum Krieg gegen den Gesandten Allahs anzustacheln. Außerdem trug er Lobgedichte auf die getöteten Quraisch vor. Während Kaʿbs Aufenthalt in Mekka fragte Abu Sufyan ihn: „Welche unserer beiden Religionen gefällt dir mehr? Welche der beiden Gruppen ist rechtgeleitet?“ Kaʿb ibn al-Aschraf antwortete: „Ihr seid stärker rechtgeleitet und besser als die Muslime.“ Daraufhin offenbarte Allah, der Erhabene, diesen Vers.
»Hast du nicht jene gesehen, denen ein Teil der Schrift gegeben wurde? Sie glauben an den Dschibt und den Taghut und sagen über die Ungläubigen: ›Deren Weg ist besser als der Weg der Gläubigen.‹« (Sure an-Nisa, Vers 51)
Nachdem Ka’b ibn al-Aschraf diese Dinge in Mekka getan hatte, kehrte er nach Medina zurück. Dort begann er, obszöne Gedichte über die Ehefrauen der edlen Gefährten zu rezitieren. Außerdem sagte er alles, was ihm in den Sinn kam, und fügte den Muslimen auf diese Weise Leid zu.
Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, diese Lage nicht länger ertragen konnte, sagte er eines Tages: »Wer ist bereit, sich mit Ka’b ibn al-Aschraf auseinanderzusetzen? Dieser Mann hat Allah, den Erhabenen, und Seinen Gesandten beleidigt.«
Auf diesen Aufruf des Gesandten Allahs hin erhoben sich Muhammad ibn Maslama, ‘Ubbad ibn Bischar, Abu Na’ila, auch Salikan ibn Salama genannt, al-Harith ibn Aus und Abu ‘Abbas ibn Dschabar (möge Allah mit ihnen zufrieden sein). Abu Na’ila, auch Salikan ibn Salama genannt (möge Allah mit ihm zufrieden sein), war Ka’b ibn al-Aschrafs Milchbruder. Muhammad ibn Maslama wurde zum Anführer dieser Gruppe bestimmt.
Der Kern der verschiedenen Überlieferungen über die Tötung Ka’b ibn al-Aschrafs ist folgender: Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: »Er hat den Gesandten beleidigt. Wer kann sich mit Ka’b ibn al-Aschraf auseinandersetzen?«, erhob sich Muhammad ibn Maslama sogleich und sagte: »Ich bin bereit, o Gesandter Allahs.«
»Wünschst du, dass ich ihn töte?« Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: »Ja.« Er sagte: »Dann erlaube mir, dir gegenüber einige Dinge zu sagen.« Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: »Ja, du darfst sprechen.«
Später ging Muhammad ibn Maslama (möge Allah mit ihm zufrieden sein) zu Ka’b ibn al-Aschraf und sagte: »Dieser Mann verlangt von uns Almosen. Tatsächlich hat uns diese Forderung in Bedrängnis gebracht.«
Ka’b sagte: »Bei Allah, ihr werdet noch mehr Bedrängnis erfahren.«
Muhammad ibn Maslama (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: „Da wir ihm nun einmal gefolgt sind, erscheint es mir nicht angebracht, ihn jetzt im Stich zu lassen. Wir müssen sehen, wohin diese Gefolgschaft führt. Wie dem auch sei, ich möchte euch um ein Wasq Lebensmittel auf Kredit bitten.“
Ka’b sagte: „Hinterlegt bei mir etwas als Pfand.“
Muhammad ibn Maslama (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: „Was würdet Ihr als Pfand bevorzugen?“ Ka’b sagte: „Hinterlegt eure Frauen bei mir als Pfand.“
Muhammad ibn Maslama (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: „Wie sollte das möglich sein? Ihr seid doch der stattlichste Mann Arabiens.“
Ka’b sagte: „Dann hinterlegt eure Töchter als Pfand.“
Muhammad ibn Maslama (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: „Wie sollte auch das möglich sein? Das wäre für mich eine Schande. Die Leute würden sagen: So-und-so hat seine eigenen Töchter für ein wenig Nahrung bei so-und-so als Pfand hinterlegt. Ja, ich kann meine Waffen bei dir als Pfand hinterlegen.“
Daraufhin vereinbarten die beiden, dass Muhammad ibn Maslama seine Waffen mitnehmen und zu Ka’b ibn al-Ashraf bringen würde.
Auch Abu Na’ila ging auf ähnliche Weise vor. Er war Ka’bs Milchbruder. Er kam zu Ka’b und unterhielt sich eine Weile mit ihm über Dichtkunst. Er hörte sich einige Gedichte an und trug selbst einige vor. Dann sagte er: „Bruder, ich bin wegen einer Angelegenheit zu dir gekommen. Ich möchte dir davon erzählen, aber die Sache ist vertraulich. Wirst du sie geheim halten, nachdem ich sie dir anvertraut habe?“
Ka’b sagte: „Ja, das werde ich tun.“
Abu Naila deutete auf den Gesandten Allahs und sagte: „Das Erscheinen dieses Mannes hat sich für uns als eine Prüfung erwiesen. Ganz Arabien wird zu unserem Feind. Alle unsere Wege sind versperrt. Unsere Familien stehen vor dem Untergang. Das Leben ist unerträglich geworden. Die Kinder verbringen ihre Tage in größtem Leid und Elend.“ Danach sagte Abu Naila etwas, das der Stimme Muhammads ibn Maslama ähnelte. Während des Gesprächs sagte Abu Naila außerdem: „Ich habe einige Freunde, die dieselbe Auffassung wie ich vertreten. Ich möchte sie zu dir bringen. Verkaufe auch ihnen einige Waren und erweise ihnen dadurch Wohlwollen.“
Muhammad ibn Maslama und Abu Naila kamen durch ihre Worte erfolgreich auf dem Weg zu ihrem Ziel voran. Denn nach dem Gespräch sollte es kein Problem sein, mit ihren Waffen in Ka’b s Haus zu kommen.
Nachdem die ersten Vorbereitungen getroffen worden waren, erschien diese kleine Gruppe in der mondhellen Nacht zum 14. Rabi al-awwal des dritten Jahres nach der Hidschra mit einem gemeinsamen Ziel vor dem Gesandten Allahs. Der Gesandte begleitete sie bis zum Baqi al-Gharqad. Danach sagte er: „Geht, im Namen Allahs! O Allah, hilf ihnen!“ Der Gesandte kehrte in sein Haus zurück und widmete sich dem Gebet und dem Bittgebet.
Als die Gefährten vor das Haus gelangt waren, rief Abu Naila laut nach Ka’b. Als Ka’b bei diesem Ruf aufstand, sagte seine frisch angetraute Frau: „Wohin gehst du zu dieser späten Stunde? Ich höre eine Stimme, aus der gleichsam Blut hervorquillt.“
Ka’b sagte: „Das sind mein Bruder Muhammad ibn Maslama und mein Milchbruder Abu Naila. Wenn ein vornehmer Mann auch zum Anblick von Speerstichen gerufen wird, so folgt er doch diesem Ruf.“
Danach kam Ka’b heraus. Von seinem Kopf strömte ein angenehmer Duft.
Abu Naila sagte zu seinen Gefährten: „Wenn er kommt, werde ich beginnen, sein Haupthaar zu halten und daran zu riechen. Wenn ihr seht, dass ich seinen Kopf unter meine Kontrolle gebracht habe, dann greift ihn an und tötet ihn.“ Nachdem Ka’b gekommen war, unterhielten sie sich eine Weile über verschiedene Dinge. Danach sagte Abu Naila (Allahs Wohlgefallen auf ihm): „Einen so betörenden Duft wie den heutigen habe ich noch nie gerochen.“ Als Ka’b das hörte, erfüllte sich sein Herz mit Hochmut. Er sagte: „Ich habe die duftendste Frau Arabiens, die die meisten Wohlgerüche verwendet.“ Abu Naila sagte: „Ja, ja, gewiss.“ Abu Naila legte seine Hand auf Ka’bs Haupthaar, roch daran und ließ auch seine Gefährten daran riechen. Nach einer Weile sagte Abu Naila (Allahs Wohlgefallen auf ihm): „Bruder, ich möchte noch einmal daran riechen.“ Ka’b sagte voller Gewissheit: „Ja, ja.“ Abu Naila roch erneut an Ka’bs Haupthaar. Ka’b war nun sehr heiter und völlig unbesorgt.
Nachdem sie noch ein Stück gegangen waren, äußerte Abu Naila erneut den Wunsch, am Haar von Ka’b ibn Aschraf zu riechen. Ka’b sagte: „In Ordnung.“ Als er sich daraufhin etwas vorbeugte, brachte Abu Naila Ka’bs Kopf unter seine Kontrolle und sagte zu seinen Gefährten: „Nun nehmt diesen Feind Allahs!“ Sofort setzte sich Muhammad ibn Maslama in Bewegung und versetzte ihm mit seiner Waffe einen solchen Schlag, dass der Feind Allahs noch an Ort und Stelle sein Ende fand. Nachdem sie ihn angegriffen hatten, schrie er so laut, dass in der Umgebung Aufruhr entstand. In allen Häusern wurden Lichter entzündet, und alle gerieten in Unruhe. Doch es geschah nichts weiter.
Während des Angriffs auf Ka’b ibn Aschraf traf ein Gefährte Harith ibn Aus (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) unachtsam leicht mit seinem Schwert am Körper. Dadurch wurde er verletzt, und Blut strömte aus seinem Körper. Auf dem Rückweg bemerkten sie, als sie einen Ort namens Hudscha Arid erreichten, dass Harith nicht bei ihnen war. Sie warteten dort auf ihn. Nach einiger Zeit traf Harith ein. Mit Harith zusammen erreichten sie einen Ort namens Baqi al-Gharqad und stimmten laut den Takbir an. Auch der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, hörte diesen Takbir. Dadurch erkannte er, dass der Feldzug erfolgreich gewesen war. Auch der Gesandte Allahs rief „Allahu akbar“. Er sagte: „Aflahat al-wudschuh“, das heißt: „Mögen diese Gesichter Erfolg haben.“ Die Gefährten erwiderten: „Wa wadschhuka ya Rasulallah“, das heißt: „Auch dein Gesicht, o Gesandter Allahs.“ Unmittelbar danach legten die Teilnehmer des Feldzugs den abgetrennten Kopf von Ka’b ibn Aschraf vor den Gesandten Allahs. Beim Tod des ruchlosen Anführers Ka’b pries der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, Allah und spuckte auf die Wunde des Harith. Daraufhin wurde er gesund, und diese Wunde schmerzte ihn später nie wieder. [Die ausführlichen Berichte über dieses Ereignis wurden folgenden Werken entnommen: Ibn Hischam, Band 2, S. 51, 57; Sahih al-Buchari, Band 1, S. 341, 425, Band 2, S. 577; Sunan Abi Dawud, Band 2, S. 42, 43; Zad al-Ma’ad, Band 2, S. 91.]
Als die Juden vom Tod Ka’b ibn Aschrafs erfuhren, wurden sie eingeschüchtert. Sie erkannten deutlich, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, gegen diejenigen, die für die Störung des Friedens verantwortlich waren und die geschlossenen Verträge brachen, nach erfolgloser Ermahnung auch Gewalt einsetzen würde. Deshalb zeigten sie selbst nach der Nachricht von Ka’b ibn Aschrafs Tötung keinerlei Reaktion. In ihrem Verhalten erweckten sie den Eindruck, dass sie die Bedingungen des Friedensvertrags einhielten. Sie unternahmen auch keinen weiteren Versuch, ihre Macht zu demonstrieren. Man kann sagen, dass sich die giftige Schlange zischend in ihr Loch zurückzog. Damit schwand die Gefahr, dass die inneren Feinde Medinas erneut den Kopf erheben würden.
Danach hatte der Gesandte Allahs Zeit, sich den von außerhalb Medinas drohenden Gefahren entgegenzustellen.
Siebtens) Der Feldzug von Bahran
Dies war ein umfangreicher militärischer Feldzug. An ihm nahmen dreihundert Mudschahidin teil. Mit diesem Heer brach der Gesandte Allahs im Monat Rabi al-awwal des dritten Jahres nach der Hidschra in Richtung eines Gebiets namens Bahran auf. Es liegt in der Region Fara und gehört zum Hidschas. Der Gesandte Allahs und seine Gefährten, die Mudschahidin, blieben dort die beiden Monate Rabi ath-thani und Dschumada al-awwal. Danach kehrte er nach Medina zurück. Er musste sich keinerlei Kampf stellen. [Ibn Hischam, Band 2, S. 50, 51; Zad al-Ma’ad, Band 2, S. 91. Über den Grund dieses Feldzugs werden verschiedene Angaben gemacht. Es heißt, in Medina sei die Nachricht eingetroffen, dass der Stamm Banu Sulaym umfangreiche Vorbereitungen für einen Angriff auf Medina und seine Umgebung getroffen habe. Es wird auch gesagt, dass der Gesandte Allahs auf der Suche nach einer Karawane der Quraisch aufgebrochen sei. Ibn Hischam führt diesen Grund an. Auch Ibn Qayyim vertritt diese Ansicht. Der erste Grund wird nicht erörtert. Der andere Grund ist glaubwürdiger, denn der Stamm Banu Sulaym lebte nicht in der Gegend von Fara, sondern in Nadschd. Dieses Gebiet liegt weit von Fara entfernt.]
Achtens) Die Sariya des Zayd ibn Haritha
Dies war der letzte erfolgreiche Feldzug der Muslime vor der Schlacht von Uhud. Er wurde im Dschumada ath-thani des dritten Jahres nach der Hidschra durchgeführt. Der ausführliche Bericht über das Ereignis lautet wie folgt:
Nach der Schlacht von Badr fanden die Quraisch keinen inneren Frieden. Dann kam der Sommer. Zu dieser Zeit wurden Handelskarawanen nach Syrien entsandt. Auch die Sorge um die Sicherheit der Handelskarawanen wurde für sie zu einem Grund großer Unruhe. In jenem Jahr sagte Safwan ibn Umayya, der Anführer der nach Syrien ziehenden Handelskarawane, zu den Quraisch: „Muhammad und seine Gefährten haben den Weg, den wir für unsere Handelsreisen benutzen, gefährlich gemacht. Ich weiß nicht, wie wir ihnen begegnen sollen. Sie ziehen nirgendwohin außer zur Küste. Die Küstenbewohner haben sich mit ihnen angefreundet, und das einfache Volk steht auf ihrer Seite. Ich weiß nicht, welchen Weg wir einschlagen sollen. Wenn wir andererseits zu Hause sitzen bleiben, wird unser Kapital zugrunde gehen. Am Ende wird nichts übrig bleiben. Denn unsere Lebensgrundlage in Mekka beruht auf dem Handel in zwei Jahreszeiten – im Sommer mit Syrien und im Winter mit Abessinien.“
Nach dieser Frage Safwans begann man, über die Angelegenheit nachzudenken. Aswad ibn Abd al-Muttalib sagte zu Safwan: „Gib den Weg entlang der Meeresküste auf und nimm den Weg in Richtung Irak. Dieser Weg ist ein großer Umweg. Du musst über Nadschd nach Syrien reisen. Die Quraisch kannten diesen Weg östlich von Medina nicht. Aswad ibn Abd al-Muttalib riet Safwan außerdem, mit Furat ibn Hayyan Kontakt aufzunehmen, der mit dem Stamm Bakr ibn Wa’il verbunden war. Er solle ihn als Führer für die geplante Reise einsetzen.
Nach dieser Regelung zog die Handelskarawane der Quraisch unter der Führung Safwan ibn Umayyas auf dem neuen Weg weiter. Doch genaue Einzelheiten dieses Reiseplans gelangten nach Medina. Wie drang diese Nachricht dorthin? Es verhielt sich so: Salit ibn Numan traf sich mit Nu’aym ibn Mas’ud bei einem Trinkgelage. Der Erstgenannte, also Salit, war zu jener Zeit bereits zum Islam übergetreten, während der Zweitgenannte, also Nu’aym, den Islam noch nicht angenommen hatte. Der Wein war damals noch nicht verboten. Bei dem Trinkgelage verriet Nu’aym Salit im Rausch alle Einzelheiten über die Handelsreise der Quraisch. Salit brach unverzüglich nach Medina auf und teilte dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, die gesamte Nachricht mit.
Nachdem der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, diese Nachricht erhalten hatte, traf er unverzüglich Vorbereitungen für einen Angriff auf die Karawane der Quraisch. Eine Einheit von einhundert Reitern wurde unter dem Kommando Zayd ibn Harithas, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, entsandt. Zayd, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, eilte voran und stieß bei einem Ort namens Qaradah auf die Karawane. Sie waren gerade erst dort eingetroffen. Während sie am Ufer eines Wasserbeckens lagerten, wurden sie von dem plötzlichen Angriff völlig überrascht. Safwan ibn Umayya und seine Gefährten konnten an nichts anderes als an die Flucht denken.
Die Muslime nahmen Furat ibn Hayyan als Führer der Karawane fest. Es wird außerdem berichtet, dass zwei weitere Männer gefangen genommen wurden. Verschiedene Handelswaren fielen den Muslimen in die Hände. Ihr Wert belief sich auf beinahe einhunderttausend Dirham.
Nach seiner Rückkehr nach Medina nahm der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, ein Fünftel der Beute heraus. Die Beutestücke wurden unter den Mudschahedin verteilt. Furat ibn Hayyan nahm außerdem in Gegenwart des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, den Islam an. [Ibn Hischam, Bd. 2, S. 50–51; Rahmatul lil-Alamin, Bd. 2, S. 219].
Nach der Schlacht von Badr war dies für die ungläubigen Quraisch das herzzerreißendste Ereignis. Dadurch vervielfachte sich ihr seelisches Leid. Vor ihnen lagen nun zwei Wege offen.
Entweder sollten sie alles vergessen und sich mit den Muslimen versöhnen, oder sie sollten sich mit neuer Entschlossenheit zum Kampf gegen die Muslime erheben und ihre Macht vollständig zerschlagen, damit sie künftig nicht wieder den Kopf erheben konnten. Die führenden Quraisch von Mekka entschieden sich für den zweiten Weg. Nachdem sie auf dem Handelszug ihr gesamtes Vermögen verloren hatten, vervielfachte sich ihr Verlangen nach Rache. Um einen Konflikt mit den Muslimen zu beginnen, in ihre Heimat einzudringen und sie anzugreifen, begannen die Quraisch, umfassende Vorbereitungen zu treffen. Neben den Ereignissen der Vergangenheit war auch der Groll über das Scheitern des Handelszugs einer der Gründe für die Schlacht von Uhud.
Die Schlacht von Uhud
Die Vorbereitungen der Quraisch für die Rache
Die Bewohner von Mekka hatten die Niederlage und Demütigung in der Schlacht von Badr sowie den schmerzlichen Verlust vieler ihrer führenden Männer ertragen müssen. Deshalb waren sie vor Zorn gegen die Muslime außer sich geraten. Doch die Führer der Quraisch verboten den Angehörigen der Gefallenen, um sie zu trauern und laut zu klagen. Auch wurden sie angewiesen, mit der Zahlung der Lösegelder für die Kriegsgefangenen keine Eile zu haben. Sie wollten nicht, dass die Muslime die Tiefe ihrer Trauer und ihres seelischen Leidens erfuhren. Nach der Schlacht von Badr beschlossen die Ungläubigen gemeinsam, durch einen weiteren Krieg gegen die Muslime ihren inneren Groll zu stillen. In diesem Krieg würde sich auch ihr Zorn legen. Unmittelbar nach diesem Beschluss begannen sie mit den Kriegsvorbereitungen gegen die Muslime. Unter den Führern der Quraisch waren Ikrima ibn Abi Dschahl, Safwan ibn Umayya, Abu Sufyan ibn Harb und Abdallah ibn Ziyad bei diesen Vorbereitungen besonders maßgeblich.
Die Karawane, die Abu Sufyan gehört hatte und die der Anlass für die Schlacht von Badr gewesen war, konnte Abu Sufyan mitsamt ihrer Fracht in Sicherheit bringen. Die gesamte Fracht dieser Karawane wurde für den Krieg zurückgelegt. Zu den Besitzern der Waren sagte man: „O Angehörige der Quraisch, hört! Muhammad hat euch einen schweren Schlag versetzt. Unterstützt ihn daher mit dieser eurer Habe im Kampf gegen ihn. Sie haben eure auserwählten Anführer getötet. Wenn wir erneut kämpfen, können wir vielleicht Rache nehmen.“ Die Quraisch folgten diesem Aufruf und erklärten sich bereit, ihr gesamtes Vermögen für den Krieg zu spenden. Die Fracht bestand aus eintausend Kamelen und fünfzigtausend Dinar. Zur Vorbereitung des Krieges wurden die Kamele verkauft. Diesbezüglich offenbarte Allah, der Herr der Welten, folgenden Vers: „Diejenigen, die ungläubig sind, geben ihr Vermögen aus, um vom Weg Allahs abzuhalten. Sie werden es weiterhin ausgeben. Dann wird es für sie zu einer Quelle des Bedauerns werden. Danach werden sie besiegt werden, und diejenigen, die ungläubig sind, werden in der Hölle versammelt.“ (Sure al-Anfal, Vers 36.)
Danach riefen die Quraisch nachdrücklich zu freiwilligem Einsatz auf. Menschen aus verschiedenen Stämmen wurden dazu ermutigt, gegen die Muslime zu kämpfen. Alle wurden aufgefordert, sich unter dem Banner der Quraisch zu versammeln. Auch verschiedene Arten von Anreizen wurden geboten. Ein Dichter namens Abu Uzza war in der Schlacht von Badr gefangen genommen worden. Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, hatte ihn ohne Lösegeld freigelassen. Von ihm war das Versprechen abgenommen worden, künftig nichts gegen den Islam und die Muslime zu unternehmen. Doch nach seiner Rückkehr nach Mekka redete Safwan ibn Umayya ihm zu: „Geh zu den Menschen der verschiedenen Stämme und bringe sie durch aufrührerische Gedichte gegen die Muslime auf. Wenn ich wohlbehalten aus dem Krieg zurückkehre, werde ich dir reichlich Vermögen geben oder die Versorgung deiner Töchter übernehmen.“ Von diesem Anreiz verführt, brach Abu Uzza sein gegenüber dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gegebenes Versprechen. Er ging zu verschiedenen Stämmen und begann, die Menschen durch Gedichte gegen die Muslime aufzuwiegeln. Die Führer der Quraisch gewannen auf gleiche Weise auch einen anderen Dichter, Mosafa ibn Abd Manaf al-Dschuhami, für ihre Sache. So nahm die Begeisterung und Ermutigung unter den Ungläubigen zum Kampf gegen die Muslime weiter zu.
Nach Ablauf eines Jahres waren die Kriegsvorbereitungen der Quraisch abgeschlossen. Zusammen mit ihren Verbündeten, zusätzlich zu ihren eigenen engen Gefolgsleuten, belief sich ihre Truppenstärke auf dreitausend Mann. Die Führer der Quraisch befürworteten außerdem, einige schöne Frauen mit in den Krieg zu nehmen. Dementsprechend wurden fünfzehn schöne Frauen auf das Schlachtfeld mitgenommen. Als Begründung dafür wurde angeführt, dass der Antrieb, ihre Sicherheit und Ehre zu schützen, im Kampf mehr Tapferkeit und Opferbereitschaft hervorrufen würde. Für den Krieg wurden dreitausend Kamele und zweihundert Pferde bereitgestellt. [Im Werk Fath al-Bari wird die Zahl der Pferde allerdings mit einhundert angegeben (Bd. 7, S. 346).] Damit die Pferde möglichst aktiv blieben, ließ man während des gesamten Weges bis zum Schlachtfeld niemanden auf ihnen reiten. Zur Schutzausrüstung gehörten außerdem dreitausend Rüstungen.
Abu Sufyan war der Oberbefehlshaber des Heeres. Khalid ibn al-Walid wurde das Kommando über die unterstützende Reitertruppe übertragen. Ikrima ibn Abu Dschahl wurde zu seinem Stellvertreter ernannt. Gemäß der geltenden Ordnung wurde das Kriegsbanner dem Stamm Banu Abd ad-Dar anvertraut.
Der Marsch der Nichtmuslime in Richtung Medina
Nach diesen Vorbereitungen brach dieses Heer aus Mekka in Richtung Medina auf. Im Zorn waren sie nahezu außer sich vor Wut, da sie an den Muslimen Rache nehmen wollten. Das Ausmaß ihres Zorns lässt sich am Blutvergießen und an den Schrecken des Krieges ermessen.
Hazrat Abbas (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm) beobachtete die Kriegsvorbereitungen der Quraisch. Sobald er von ihrem Aufbruch in Richtung Medina erfuhr, sandte er unverzüglich einen Boten nach Medina, um dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, alle Einzelheiten mitzuteilen.
Der von Hazrat Abbas (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm) entsandte Bote legte die fünfhundert Kilometer zwischen Mekka und Medina in nur drei Tagen zurück. Kaum in Medina angekommen, übergab er dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, den Brief von Hazrat Abbas (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm). Der geliebte Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, hielt sich zu dieser Zeit in der Quba-Moschee von Medina auf.
Hazrat Ubayy ibn Kaʿb (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm) las dem geliebten Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, den Brief von Hazrat Abbas (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm) vor. Nachdem der geliebte Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Hazrat Ubayy (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm) angewiesen hatte, den Inhalt des Briefes geheim zu halten, beriet er sich dringend mit den Anführern der Ansar und der Muhadschirun.
Dringende Maßnahmen zur Bewältigung der Lage
Um jeder unerwünschten Situation begegnen zu können, begannen die Muslime in Medina von da an, Waffen bei sich zu tragen. Selbst während des Gebets wurden die Waffen nicht beiseitegelegt.
Einige Ansar wurden mit dem Schutz des Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, beauftragt. Zu ihnen gehörten Hazrat Saʿd ibn Muʿadh (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm), Usayd ibn Hudayr (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm) und Saʿd ibn ʿUbada (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm). Sie hielten die ganze Nacht über bewaffnet am Haus des geliebten Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Wache.
Auch an den verschiedenen Eingängen Medinas wurden mehrere Muslime eingesetzt. Sie waren bereit, jeder Art von überraschendem Angriff zu begegnen. Außerdem wurden mehrere kleine Einheiten auf den Wegen außerhalb Medinas eingesetzt, um die Bewegungen des Feindes zu beobachten.
Die Anwesenheit der Ungläubigen in der Nähe von Medina
Das Heer von Mekka zog weiter in Richtung Medina. Als es einen Ort namens Abwa erreichte, schlug Hind bint Utba, die Frau Abu Sufyans, vor, das Grab der verehrten Amina, der Mutter des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu suchen und es zu schänden. Doch die Quraisch-Führer stimmten der Umsetzung dieser abscheulichen Verschwörung der Frau nicht zu. Sie waren der Ansicht, dass die Folgen dieser Tat äußerst schrecklich wären.
Von Abwa aus setzten die Ungläubigen ihren Weg fort. Als sie Medina erreichten, durchquerten sie die Ebene von Aqīq. Danach gingen sie etwas nach rechts und schlugen an einem Ort namens Ainin in der Nähe des Berges Uhud ihr Lager auf. Ainin ist fruchtbares Land nahe der Ebene von Qanāt nördlich von Medina. Dies geschah am Freitag, dem 6. Schawwal im dritten Jahr nach der Hidschra.
Die Sitzung des Schura-Rates
Muslimische Kundschafter überbrachten Medina fortlaufend genaue Nachrichten über die Bewegungen der Nichtmuslime. Auch die Nachricht von ihrer Lagerung erreichte Medina. Daraufhin berief der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, eine Sitzung des Schura-Rates ein. In dieser Sitzung wurde über dringende Entscheidungen zur Verteidigung Medinas beraten. Zu Beginn berichtete der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, den Gefährten von seinem Traum. Der geliebte Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Bei Allah, ich habe etwas Gutes gesehen. Ich sah, dass einige Rinder geschlachtet wurden. Ich sah einige Zeichen der Niederlage an meinem Schwert. Außerdem sah ich, dass ich meine Hand in einen Panzer gesteckt hatte.“ Anschließend erklärte der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die Bedeutung der geschlachteten Rinder und sagte, dass einige Gefährten den Märtyrertod erleiden würden. Zur Bedeutung der Zeichen der Niederlage am Schwert sagte er, dass jemand aus seiner Familie den Märtyrertod erleiden würde. Zur Bedeutung des schützenden Panzers sagte er, damit sei die Stadt Medina gemeint.
Danach äußerte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, seine Ansicht zur inneren Verteidigungsstrategie: Die Muslime sollten die Stadt nicht verlassen, sondern in Medina bleiben. Die Ungläubigen sollten in ihren Zelten bleiben. Sollten sie jedoch in Medina eindringen, würden die Muslime sie in den Straßen Medinas bekämpfen. Die Frauen würden sie von den Dächern aus angreifen. Diese Ansicht war die richtige. Auch der Heuchlerführer Abd Allah ibn Ubayy stimmte dieser Ansicht zu. Der Grund, weshalb dieser Heuchler der Ansicht und Verteidigungsstrategie des geliebten Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zustimmte, war jedoch nicht, dass sie ihm gefiel. Vielmehr gefiel sie ihm, weil er dadurch einerseits dem Kampf fernbleiben konnte, ohne dass jemand dies bemerken würde. Doch Allah, der Herr der Welten, hatte etwas anderes verfügt. Er wollte, dass dieser Mann zum ersten Mal unter den gewöhnlichen Muslimen erkannt und bloßgestellt würde und dass der Schleier seines Unglaubens unter dem Deckmantel seines Muslimseins gelüftet würde. Außerdem sollten die Muslime in ihrer Krisenzeit erfahren, wie viele giftige Schlangen sich in ihren Ärmeln verborgen hielten.
Einige angesehene Gefährten, die nicht am Kampf von Badr hatten teilnehmen können, rieten dem geliebten Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, auf das Schlachtfeld zu ziehen und den Ungläubigen entgegenzutreten. Sie bekundeten großes Verlangen, am Dschihad teilzunehmen. Einige Gefährten sagten: „O Gesandter Allahs, wir hatten uns nach diesem Tag gesehnt und Allah, den Herrn der Welten, darum angefleht. Heute hat Allah, der Herr der Welten, uns diese Gelegenheit gewährt. Heute bietet sich die Gelegenheit, in die Schlacht zu ziehen. O Gesandter Allahs, rücke daher dem Feind entgegen und denke nicht, dass wir Angst haben.“
Zu denen, die solchen Eifer und solche Begeisterung bekundeten, gehörte auch der Onkel des geliebten Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Hadhrat Hamza ibn Abd al-Muttalib. Im Kampf von Badr hatte er außerordentliche Tapferkeit und Mut bewiesen. Er sagte zum geliebten Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm: „Bei dem heiligen Wesen, das dir den Koran offenbart hat: Ich werde keinen Bissen zu mir nehmen, bevor ich nicht außerhalb Medinas auf offenem Feld gegen die Ungläubigen gekämpft habe.“ Sīrat al-Halabiyya, Band zwei, S. 14.
Da der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, angesichts der Meinung der Mehrheit der Sahāba seine eigene Ansicht zurückzog, wurde schließlich beschlossen, die Ungläubigen auf offenem Feld außerhalb Medinas zu bekämpfen.
Aufstellung des islamischen Heeres und Aufbruch zum Kampf
Danach leitete der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, das Freitagsgebet. Nach dem Gebet hielt er eine Ermahnung und Ansprache. Er sagte: „Nur durch Geduld und festen Entschluss wird der Sieg möglich sein.“ Zugleich befahl er den Muslimen, sich auf die Auseinandersetzung mit dem Feind vorzubereiten. Als sie dies hörten, erfüllte eine Welle der Freude die Herzen der Muslime.
Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, das Nachmittagsgebet verrichtet hatte, sah er, dass sich eine beträchtliche Zahl von Menschen versammelt hatte. Auch aus den Außenbezirken Medinas waren einige Menschen gekommen. Nach dem Gebet ging der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, hinein. Abū Bakr und ʿUmar, möge Allah mit ihnen zufrieden sein, waren bei ihm. Sie banden dem geliebten Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, einen Turban um und bekleideten ihn. Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, legte eine Rüstung über und unter seiner Kleidung an, nahm sein Schwert mit und erschien, mit weiteren Waffen ausgerüstet, vor allen.
Alle warteten auf die Ankunft des geliebten Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Plötzlich sagten Saʿd ibn Muʿādh, möge Allah mit ihm zufrieden sein, und Usaid ibn Hudair, möge Allah mit ihm zufrieden sein, zu den Gefährten: „Ihr führt den geliebten Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gegen seinen Willen auf das Schlachtfeld. Ihr zwingt ihn dazu. Überlasst die Angelegenheit daher dem geliebten Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm.“ Als sie dies hörten, waren alle beschämt. Als der geliebte Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, herauskam, sagten alle zu ihm: „O Gesandter Allahs, es war nicht richtig, dass wir dir widersprochen haben. Tu, was du für gut hältst. Wenn du es für angemessen hältst, in Medina zu bleiben, sind wir damit einverstanden. Tu es so.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Wenn ein Prophet seine Waffen angelegt hat, steht es ihm nicht zu, sie wieder abzulegen, bis Allah, der Herr der Welten, zwischen ihm und seinen Feinden entschieden hat.“ [Musnad Ahmad, an-Nasāʾī, Ibn Isḥāq]
Danach teilte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die Soldaten wie folgt in drei Gruppen ein:
Erstens: das Heer der Muhādschirūn. Die Standarte dieses Heeres wurde Musʿab ibn ʿUmair, möge Allah mit ihm zufrieden sein, übergeben.
Zweitens: das Heer des Aws-Stammes der Ansār. Usaid ibn Hudair, möge Allah mit ihm zufrieden sein, wurde mit der Führung dieses Heeres betraut.
Drittens) das Kontingent des Stammes Chazradsch. Hadhrat Habbab ibn al-Mundhir (möge Allah mit ihm zufrieden sein) führte dieses Kontingent an.
Die muslimische Armee bestand insgesamt aus eintausend Soldaten. Einhundert von ihnen trugen Rüstungen, und fünfzig waren Reiter. [Ibn al-Qayyim schrieb dies im zweiten Band seines Werkes Zad al-Ma’ad auf Seite 92. Hafiz Ibn Hadschar sagt, dass dies falsch ist. Musa ibn Uqba erklärte nachdrücklich, dass im Kampf von Uhud keine Pferde eingesetzt wurden. al-Waqidi schrieb, es habe lediglich zwei Pferde gegeben: eines beim Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) und das andere bei Abu Dschabada (möge Allah mit ihm zufrieden sein). Fath al-Bari, siebter Band, Seite 350].
In einer anderen Überlieferung heißt es, dass sich kein einziger Reiter unter den Soldaten befand.
Während des Krieges wurde Hadhrat Abdullah ibn Umm Maktum (möge Allah mit ihm zufrieden sein) mit der Leitung des Gebets für die in Medina verbliebenen Gefährten betraut; anschließend wurde den muslimischen Soldaten der Befehl zum Aufbruch erteilt. Die muslimischen Soldaten marschierten nach Norden. Hadhrat Sa’d ibn Mu’adh (möge Allah mit ihm zufrieden sein) und Hadhrat Sa’d ibn Ubadah (möge Allah mit ihm zufrieden sein) gingen in Rüstungen vor dem geliebten Propheten, dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm), her.
Als man den Ort namens Thanijjat al-Wida erreichte, erblickte man eine Truppe. Sie war mit hervorragenden Waffen ausgerüstet und vom gesamten Heer getrennt. Als der Prophet (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) nach ihrer Identität fragte, antworteten sie, dass sie Verbündete des Stammes Chazradsch und Juden seien. [Ibn Sa’d überlieferte dieses Ereignis. In dieser Überlieferung wird außerdem erwähnt, dass es Juden vom Stamm Banu Qainuqa waren. Diese Angabe ist jedoch nicht richtig, denn die Angehörigen des Stammes Banu Qainuqa waren wenige Tage nach der Schlacht von Badr aus Medina ausgewiesen worden.] Sie wollten jedoch auf muslimischer Seite gegen die Ungläubigen aus Mekka kämpfen. Als nach ihrem Übertritt zum Islam gefragt wurde, wurde dem geliebten Propheten, dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm), mitgeteilt, dass sie nicht Muslime geworden waren und auch nicht die Absicht dazu hatten. Der Prophet (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) lehnte es ab, die Hilfe der Juden gegen die Ungläubigen anzunehmen.
Inspektion des Heeres
Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) erreichte den Ort Schaikhan und inspizierte die muslimischen Soldaten. Nach dieser Inspektion an diesem Ort wurden Minderjährige und für den Kampf Ungeeignete zurückgeschickt. Zurückgeschickt wurden Hadhrat Abdullah ibn Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein), Hadhrat Usama ibn Zaid (möge Allah mit ihm zufrieden sein), Hadhrat Usaid ibn Zuhair (möge Allah mit ihm zufrieden sein), Zaid ibn Thabit (möge Allah mit ihm zufrieden sein), Hadhrat Zaid ibn Arqam (möge Allah mit ihm zufrieden sein), Hadhrat Usama ibn Aus (möge Allah mit ihm zufrieden sein), Hadhrat Abu Sa’id al-Chudri (möge Allah mit ihm zufrieden sein), Hadhrat Zaid ibn Haritha al-Ansari (möge Allah mit ihm zufrieden sein) und Hadhrat Sa’d ibn Hubab (möge Allah mit ihm zufrieden sein). In dieser Liste wird auch der Name von Hadhrat Bara ibn Azib (möge Allah mit ihm zufrieden sein) erwähnt. Nach Sahih al-Buchari ist jedoch erwiesen, dass er am Kampf von Uhud teilgenommen hat.
Obwohl sie noch jung waren, wurde Hadhrat Rafi ibn Chadidsch (möge Allah mit ihm zufrieden sein) und Hadhrat Samura ibn Dschundub (möge Allah mit ihm zufrieden sein) die Teilnahme am Dschihad erlaubt. Der Grund dafür war, dass Hadhrat Rafi ibn Chadidsch (möge Allah mit ihm zufrieden sein) als Bogenschütze besonders geschickt war. Nachdem ihm die Erlaubnis erteilt worden war, sagte Hadhrat Samura ibn Dschundub (möge Allah mit ihm zufrieden sein): „Ich bin doch stärker als Rafi. Im Ringen kann ich ihn zu Boden werfen.“ Als dies dem Propheten, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, mitgeteilt wurde, befahl er den beiden, miteinander zu ringen. Bei diesem Ringkampf warf Hadhrat Samura ibn Dschundub (möge Allah mit ihm zufrieden sein) Hadhrat Rafi tatsächlich zu Boden. Daraufhin erlaubte der Prophet (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) auch Hadhrat Samura (möge Allah mit ihm zufrieden sein) die Teilnahme.
Übernachtung an einem Ort zwischen Uhud und Medina
In Schaychan war es bereits Abend geworden. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, beschloss, dort die Maghrib- und die Ischa-Gebete zu verrichten und die Nacht zu verbringen. Der Anführer der Wachen rund um die Zelte der Muslime war Hadhrat Muhammad ibn Maslama al-Ansari, Allahs Wohlgefallen auf ihm. Er hatte auch die Ermordung des Juden Ka’b ibn al-Aschraf angeführt. Safwan ibn Abdullah ibn Qais, Allahs Wohlgefallen auf ihm, wurde mit der Bewachung des Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, beauftragt.
Der Verrat der Heuchler
Der Plan des Anführers der Heuchler, Abdullah ibn Ubayy, stand kurz vor dem Erfolg. Als die Muslime sahen, dass er und seine Gefährten sich zurückzogen, gerieten auch die Gruppen der Banu Haritha aus dem Stamm der Aus und der Banu Salima aus dem Stamm der Chazradsch ins Wanken. Sie erwogen, umzukehren. Doch als Allah, der Herr der Welten, in den Herzen der Angehörigen dieser beiden Stämme das Bewusstsein des Glaubens erweckte, blieben sie entschlossen, zu kämpfen. Hierüber sagt Allah, der Herr der Welten: »Als zwei Gruppen unter euch im Begriff waren, den Mut zu verlieren, obwohl Allah ihr Beschützer ist. Auf Allah sollen die Gläubigen vertrauen.«
Als die Heuchler beschlossen, nach Medina zurückzukehren, wollte Hadhrat Abdullah ibn Haram, Allahs Wohlgefallen auf ihm, der Vater von Hadhrat Dschabir, Allahs Wohlgefallen auf ihm, sie in dieser heiklen Lage an ihre Pflicht erinnern. Er ging ein Stück hinter den Heuchlern her, die zurückkehren wollten, und versuchte, sie umzustimmen. Dabei sagte er: »Kehrt noch um und kämpft auf Allahs Weg!« Sie antworteten jedoch: »Wenn wir gewusst hätten, dass ihr kämpfen würdet, wären wir nicht zurückgekehrt.« Darauf sagte Hadhrat Abdullah ibn Haram, Allahs Wohlgefallen auf ihm: »O Feinde Allahs, Allahs Strafe wird über euch kommen. Denkt daran, dass Allah der Erhabene Seinen Propheten nicht von euch abhängig machen wird.«
Über diese Heuchler offenbarte Allah, der Erhabene, folgenden Vers: »Und damit die Heuchler erkannt würden, wurde zu ihnen gesagt: ›Kommt, kämpft auf Allahs Weg oder verteidigt euch.‹ Sie sagten: ›Wenn wir gewusst hätten, dass es zum Kampf kommen würde, wären wir euch gewiss gefolgt.‹ An jenem Tag waren sie dem Unglauben näher als dem Glauben. Sie sagen mit ihrem Mund, was nicht in ihren Herzen ist. Allah, der Erhabene, weiß genau, was sie verbergen.« (Al-i-Imran, Vers 167)
Am Fuße des Uhud
Nachdem die Heuchler umgekehrt waren, zog der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, mit den verbliebenen siebenhundert Muslimen auf die Feinde zu. Die Feinde befanden sich auf der gegenüberliegenden Seite des Uhud-Gebirges. Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, wandte sich an die Gefährten und sagte: »Kann jemand einen Weg zeigen, auf dem wir nicht weit ausweichen müssen, um unser Ziel zu erreichen?«
Als Hazrat Abu Chaisuma (r.a.) dies hörte, trat er vor und sagte: „Dafür stehe ich bereit, o Gesandter Allahs.“ Danach ging er auf einem kürzeren Weg weiter. Die Muslime zogen auf diesem Weg über das Land des Stammes Banu Haritha, während sie die Feinde auf ihrer westlichen Seite zurückließen. Auf diesem Weg kamen sie an dem Garten eines Mannes namens Marba ibn Qaiza vorbei. Dieser Mann war einerseits blind und andererseits ein Heuchler. Als er die Ankunft der Muslime bemerkte, begann er, ihnen Staub entgegenzuwerfen. Dabei sagte er zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm: „Wenn du tatsächlich der Gesandte Allahs bist, dann sollst du wissen, dass du keine Erlaubnis hast, meinen Garten zu betreten.“ Die Muslime wollten ihn töten. Der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Tötet ihn nicht. Er ist sowohl im Herzen als auch mit den Augen blind.“
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, rückte weiter vor, erreichte den Fuß des am Rand der Ebene gelegenen Berges Uhud und schlug dort sein Lager auf. Vor ihnen lag Medina und hinter ihnen der hohe Berg Uhud. Das feindliche Heer befand sich damals zwischen den Muslimen und Medina.
Verteidigungsplan
Dort angekommen, ordnete und organisierte der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die Soldaten. Aus militärischer Sicht teilte er sie in mehrere Reihen ein. Er stellte eine Einheit von Bogenschützen auf. Ihre Zahl betrug fünfzig. Hazrat Abdullah ibn Jabir ibn Nu’man al-Ansari (r.a.) wurde zum Anführer dieser Einheit bestimmt. Sie wurden an einem Gebirgspass südlich des Tals von Qanat eingesetzt. Dieser Pass lag etwa hundertfünfzig Meter südöstlich von der Stellung des muslimischen Heeres. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte zum Anführer dieser Bogenschützen: „Beschießt die berittenen Feinde und haltet sie von uns fern. Achtet darauf, dass sie uns nicht von hinten angreifen können. Ob wir siegen oder besiegt werden – unter allen Umständen müsst ihr an eurem Standort bleiben. Achtet darauf, dass von der Richtung, in der ihr Stellung bezogen habt, kein Angriff auf uns erfolgen kann.“ (Ibn Hischam, Band 2, S. 65–66.) Danach sagte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu allen Bogenschützen: „Ihr werdet unsere Rückseite schützen. Wenn ihr seht, dass wir getötet werden, kommt uns dennoch nicht zu Hilfe. Wenn ihr seht, dass wir Beute sammeln, beteiligt euch dennoch nicht daran.“ (Überliefert von Ahmad, at-Tirmidhi und al-Hakim von Hazrat Ibn Abbas (r.a.); siehe Fath al-Bari, Band 7, S. 350.)
Nach der in Sahih al-Buchari überlieferten Aussage sagte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm: „Wenn ihr seht, dass uns sogar Spatzen picken, dürft ihr euren Platz nicht verlassen, solange ich euch nicht rufe. Wenn ihr seht, dass wir die Feinde besiegen und sie schließlich vollständig vernichtet haben, dürft ihr euren Platz dennoch nicht verlassen, solange ich euch nicht rufe.“ (Sahih al-Buchari, Kitab al-Dschihad, Band 1, S. 426.)
Mit solch strengen militärischen Anweisungen setzte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die Bogenschützen ein und versperrte den Gebirgspass. Denn die Feinde hätten die Muslime leicht angreifen können, wenn sie von der gegenüberliegenden Seite dieses Passes gekommen wären.
Aus den übrigen Soldaten wurde Hazrat Mundhir ibn Amr (r.a.) auf der rechten Seite eingesetzt; Hazrat Miqdad ibn al-Aswad (r.a.) wurde Hazrat az-Zubair ibn al-Awwam (r.a.) als Helfer zugeteilt. Hazrat az-Zubair (r.a.) erhielt außerdem den Auftrag, die Reiterei unter dem Kommando von Khalid ibn al-Walid aufzuhalten. Khalid hatte den Islam damals noch nicht angenommen. Zusätzlich zu dieser Aufstellung wurden im vorderen Bereich herausragende und ausgewählte Gefährten eingesetzt. Der Ruf dieser Gefährten für Tapferkeit und Mut war so groß, dass jeder Einzelne von ihnen als ausreichend angesehen wurde, um es mit tausend Feinden aufzunehmen.
Dieser Plan für die Aufstellung des Heeres des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, war ein Zeichen feiner Strategie und militärischer Weisheit. Darin zeigten sich seine Fähigkeiten und seine Umsicht in militärischer Führung und Taktik. Es wurde dadurch ebenfalls bewiesen, dass kein fähiger und weitsichtiger Heerführer bei der Kriegführung einen besseren Schlachtplan entwerfen könnte als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Nachdem das feindliche Heer eingetroffen war, wählte der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, den besten Standort für die Stellung der Muslime aus. Indem er am Fuß des Berges Stellung bezog, sicherte er die Rückseite und die rechte Seite gegen feindliche Angriffe. An der Stelle, an der die Feinde von links kommend eintreffen und angreifen konnten, setzte er eine geschickte Einheit von Bogenschützen ein. Indem er im hinteren Bereich einen erhöhten Platz auswählte, stellte er sicher, dass die Muslime im Falle einer – Allah behüte – Niederlage weder fliehen noch unter der Verfolgung durch die Feinde bedrängt werden mussten, sondern im Lager Zuflucht finden konnten. Sollten die Feinde unter diesen Umständen angreifen, um die Kontrolle über das Lager zu übernehmen, würden sie eine schwere Niederlage erleiden. Andererseits wurden die Feinde gezwungen, an einem Ort zu bleiben, an dem sie selbst im Falle eines Sieges kaum Nutzen aus ihrem Sieg ziehen konnten. Wenn jedoch die Muslime siegten, wären die Ungläubigen nicht in der Lage, sich vor der Verfolgung durch die Muslime zu retten. Zugleich glich der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die zahlenmäßige Schwäche des Heeres in strategischer Hinsicht aus, indem er eine Gruppe herausragender Gefährten an der Front aufstellte. Am Samstagmorgen, dem 7. Schawwal des zweiten Jahres nach der Hidschra, vollendete der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, diese wichtige Aufgabe der Heeresaufstellung.
Die Worte des Gesandten Allahs (s.a.w.) an die Verantwortlichen
Darauf verkündete der Gesandte Allahs (s.a.w.): „Beginnt den Kampf nicht, bevor ich euch den Befehl dazu gebe.“ An jenem Tag trug er zwei Rüstungen. Zu den Gefährten sagte er: „Wenn ihr dem Feind gegenübersteht, zeigt Tapferkeit und Mut.“ Zu Beginn seiner Ansprache, mit der er unter den Gefährten Begeisterung, Dschihad-Eifer und Kampfeswillen entfachen wollte, zog der Prophet (s.a.w.) ein scharfes Schwert aus der Scheide und sagte: „Wer ist bereit, dieses Schwert aus der Scheide zu ziehen und ihm zu seinem Recht zu verhelfen?“ Daraufhin traten einige Gefährten vor, um das Schwert zu nehmen. Unter ihnen waren Ali ibn Abu Talib, Zubair ibn Awwam und Umar ibn al-Chattab (r.a.). Abu Dujana Sammak ibn Chaischa (r.a.) trat vor und sagte: „O Gesandter Allahs, worin besteht sein Recht?“ Der geliebte Prophet (s.a.w.) sagte: „Mit diesem Schwert sollst du die Gesichter der Feinde so schlagen, dass sie entstellt werden.“ Abu Dujana (r.a.) sagte: „O Gesandter Allahs, ich möchte dieses Schwert nehmen und ihm zu seinem Recht verhelfen.“ Daraufhin übergab der Gesandte Allahs (s.a.w.) das Schwert Abu Dujana (r.a.).
Abu Dujana (r.a.) war ein hingebungsvoller Soldat. Während des Kampfes ging er mit vorgestreckter Brust umher. Er besaß ein rotes Stirnband. Wenn er es band, wusste man, dass er diesmal bis zum Tod kämpfen würde. Nachdem er das vom Gesandten Allahs (s.a.w.) verliehene Schwert entgegengenommen hatte, band er sich das Stirnband um den Kopf und schritt mit vorgestreckter Brust zwischen den muslimischen und den ungläubigen Soldaten hindurch. Der Gesandte Allahs (s.a.w.) sagte: „Allah, der Herr der Welten, missbilligt ein solches Auftreten, doch in diesem Fall gilt dieses Verbot nicht.“
Aufstellung der aus Mekka gekommenen Truppen
Die Götzendiener stellten ihre Truppen in Reihen auf. Ihr Anführer war Abu Sufjan. In der Mitte der Truppen richtete er sein Hauptquartier ein. Auf der rechten Seite befand sich Chalid ibn al-Walid, auf der linken Seite Ikrima ibn Abu Dschahl. Die Fußsoldaten wurden von Safwan Umaiya angeführt. Abdullah ibn Rabia wurde mit dem Kampf gegen die Bogenschützen betraut.
Eine kleine Gruppe der Banu Abdud-Dar trug das Kriegsbanner. Als die Vorrechte unter den Nachkommen von Abd Manaf und Kusai erblich verteilt wurden, erhielten die Banu Abdud-Dar dieses Vorrecht. Seit den frühen Tagen konnte niemand darüber irgendeinen Streit entfachen. Abu Sufjan erinnerte sie jedoch daran, in welche Lage die Quraisch geraten waren, nachdem ihr Bannerträger Nadr ibn al-Harith in der Schlacht von Badr gefangen genommen worden war. Zugleich wollte Abu Sufjan den Zorn der Bannerträger entfachen und sagte: „O Banu Abdud-Dar, am Tag der Schlacht von Badr habt ihr unser Banner getragen. Ihr habt gesehen, welcher Lage wir damals gegenüberstanden. In Wahrheit ist das Kriegsbanner die Seele des Krieges. Wenn das Banner fällt, straucheln die einfachen Soldaten. Diesmal werdet ihr unser Banner entweder gut beschützen oder euch weigern, es zu tragen. Dann werden wir selbst dafür sorgen, dass es getragen wird.“ Damit erreichte Abu Sufjan sein Ziel. Seine aufrührerischen Worte entfachten im Herzen der Banu Abdud-Dar gewaltigen Zorn. „Wir sollen euch das Banner übergeben? Wartet nur den morgigen Beginn des Kampfes ab, dann werdet ihr sehen, was wir tun.“ Als am folgenden Tag der Kampf begann, hielt jeder Angehörige der Banu Abdud-Dar das Banner mit Standhaftigkeit und Hingabe fest. Doch schließlich gelangten sie alle, einer nach dem anderen, in die Hölle.
Die politischen Ränke der Quraisch
Kurz vor Beginn der Schlacht versuchten die Quraisch, eine Spaltung und gegenseitigen Streit unter den muslimischen Truppen zu verursachen. Abu Sufjan sandte den Ansar eine Botschaft: „Wenn ihr zwischen uns und unserem Cousin Muhammad (s.a.w.) zurückweicht, werden wir euch nicht angreifen, denn wir haben keinen Grund, gegen euch zu kämpfen.“ Doch wie konnte eine solche diplomatische List vor einem Glauben Erfolg haben, vor dem selbst Berge nicht standhalten können? Die Ansar sandten Abu Sufjan eine scharfe Antwort und ließen ihn dabei auch einige harsche Worte hören.
Nachdem sie einander nahegekommen waren, griffen die Quraisch zu einem weiteren hinterhältigen Plan. Der ungläubige Handlanger, der Fasiq Abu Amir, trat vor die Muslime. Der Name dieses Mannes war Abd Amr ibn Saifi. Man nannte ihn den Rahib. Doch der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Heil seien auf ihm, gab ihm den Namen Fasiq. Dieser Mann war in der Zeit der Unwissenheit das Oberhaupt des Stammes Aus. Nach dem Aufkommen des Islam wurde der Islam für ihn zu einem Dorn im Hals. Er begann eine offene Feindschaft gegen den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Heil seien auf ihm. Er verließ Medina, gelangte zu den Quraisch nach Mekka und stachelte sie zum Krieg an und spornte sie dazu an. Außerdem versicherte er den Ungläubigen, dass die Stämme meines Volkes, die den Islam angenommen haben, beim Anblick meiner Person auf dem Schlachtfeld herbeieilen würden.
Zunächst trat dieser Mann namens Abd Amr gemeinsam mit den Mekkanern vor die Muslime und rief die Angehörigen seines eigenen Volkes auf. Nachdem er sich zu erkennen gegeben hatte, sagte er: „O Angehörige des Stammes Aus, ich bin Abu Amir.“ Als die Angehörigen des Stammes Aus diese Vorstellung hörten, sagten sie: „O Fasiq, möge Allah, der Herr der Welten, deinen Augen niemals Freude gewähren.“ Darauf sagte Abu Amir: „O mein Volk, nachdem ich fortgegangen bin, seid ihr schlecht geworden.“ Als später der Krieg begann, kämpfte dieser Mann aufseiten der Ungläubigen mit äußerster Verbissenheit gegen die Muslime. Er schleuderte zahlreiche Steine auf die muslimischen Mujahidin.
Auf diese Weise scheiterte auch der zweite Versuch der Quraisch, Zwietracht unter den Muslimen zu säen. Dies zeigt, wie groß die Furcht der Götzendiener vor den Muslimen trotz ihrer zahlenmäßigen Überlegenheit und ihrer großen Waffenmacht war und wie klein und unbedeutend sie sich angesichts der Persönlichkeit der Muslime selbst vorkamen.
Die Rolle der nichtmuslimischen Frauen
Auch die Frauen der Quraisch nahmen am Krieg teil. Angeführt wurden sie von Abu Sufyans Frau, Hind bint Utba. Diese Frauen gingen zwischen den kämpfenden Soldaten umher, schlugen die Rahmentrommel und spornten die Soldaten an. Neben ihrer Ermutigung zum Kampf forderten sie sie auch auf, beim Speerwurf sowie im Umgang mit Schwert und Pfeil ihre Geschicklichkeit unter Beweis zu stellen. An die Fahnenträger gerichtet, sagten sie in dichterischer Form:
„Seht, Banu Abd ad-Dar,
seht, ihr seid der Ruhm eurer Nachkommen,
zeigt Geschick im Umgang mit dem Schwert.“
Er ermunterte seine Stammesleute zum Kampf und sagte bisweilen:
„Wenn ihr voranschreitet, werde ich euch umarmen
und euch an meine Brust drücken.
Ich werde euch weiche Betten bereiten
Wenn ihr euch zurückzieht, werde ich beleidigt sein
und euch verlassen und weit fortgehen.“
Der erste Anstoß zum Kampf
Danach standen sich beide Heere gegenüber, und der Kampf begann. Vonseiten der Quraisch trat Talha ibn Abu Talha al-Abdari vor. Dieser Mann galt unter den Quraisch als ihr größter Held. Die Muslime nannten ihn den Frosch des Heeres. Auf dem Rücken eines Kamels reitend, forderte Talha einen Gegner zum Zweikampf heraus. Angesichts seiner außergewöhnlichen Tapferkeit zögerten die einfachen Muslime. Plötzlich trat Hazrat Zubair (möge Allah mit ihm zufrieden sein) vor und sprang im Nu wie ein Tiger auf Talhas Kamel. Im nächsten Augenblick hatte er Talha überwältigt und sprang mit ihm hinab. Auch Talha fiel zu Boden. Hazrat Zubair (möge Allah mit ihm zufrieden sein) zog sein Schwert und schlachtete Talha nieder.
Der Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, war angesichts der grenzenlosen Tapferkeit Hazrat Zubairs so erfreut und überwältigt, dass er „Allahu Akbar“ ausrief. Auch die Muslime riefen laut: „Nara-e Takbir, Allahu Akbar!“ Danach lobte der Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Hazrat Zubair und sagte: „Jeder Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihnen, hat einen Hawārī; mein Hawārī ist Zubair.“ [Der Verfasser des Werkes Sirat-e-Halbiya hat dies überliefert. Eine andere Aussage des Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, über Hazrat Zubair ist an anderer Stelle im Hadith Sharif erwähnt worden.]
Der allgemeine Kampf beginnt und die Ungläubigen geraten in Bedrängnis
Danach breitete sich das Feuer des Kampfes nach allen Seiten aus. Auf dem gesamten Schlachtfeld folgten wahllose Angriffe und Gegenangriffe. Das Banner der Quraisch befand sich in der Mitte des Schlachtfeldes. Nach der Tötung ihres Befehlshabers Talha ibn Abu Talha trugen die Angehörigen der Banu Abdud-Dar das Banner abwechselnd untereinander. Doch einer nach dem anderen fiel, bis sie alle getötet waren. Nach dem Tod Talhas ergriff sein Bruder Osman ibn Abu Talha das Banner, trat vor und sagte:
„Die Pflicht des Fahnenträgers ist schwer
mag der Speer blutig werden oder zerbrechen.“
Hazrat Hamza ibn Abd al-Muttalib griff Osman an. Hazrat Hamza versetzte Osman mit dem Schwert einen solchen Hieb auf die Schulter, dass das Schwert, nachdem es ihm den Arm samt Schulter abgetrennt hatte, bis zu seinem Nabel gelangte. Als das Schwert herausgezogen wurde, waren seine Eingeweide sichtbar.
Nach der Tötung Osmans trat Abu Sa’d ibn Abu Talha vor. Hazrat Sa’d ibn Abi Waqqas schoss einen Pfeil auf ihn. Der Pfeil drang in seinen Hals ein; als seine Zunge heraustrat, verschied Abu Sa’d augenblicklich. Einige Verfasser von Biografien des Propheten schreiben, dass Hazrat Ali vortrat, als Abu Sa’d vortrat und zum Zweikampf aufforderte. Obwohl beide einander jeweils einmal schlugen, blieb Hazrat Ali unverletzt. Abu Sa’d jedoch wurde getötet.
Nach dem Tod Abu Sa’ds ergriff Musaf ibn Abu Talha das Banner. Doch Hazrat Asim ibn Thabit ibn Abu Aflah tötete ihn mit einem Pfeilschuss.
Nachdem Musāfa getötet worden war, trat sein Bruder, nämlich Talhas Sohn Kilāb ibn Talha, mit der Fahne vor. Hadhrat Zubair ibn al-Awwām (möge Allah mit ihm zufrieden sein) trat ihm entgegen und schickte ihn nach einem kurzen Zweikampf ebenfalls zu seinem Vater.
Danach nahm Zilās ibn Abū Talha, der Neffe von Musāfa und Kīlāb, die Fahne. Hadhrat Talha ibn Ubaidullah (möge Allah mit ihm zufrieden sein) tötete ihn mit einem Speerwurf. Einer anderen Überlieferung zufolge wurde Zilās von Hadhrat Āsim ibn Thābit ibn Abī al-Aflaḥ (möge Allah mit ihm zufrieden sein) durch einen Pfeilschuss getötet.
Sechs Angehörige derselben Familie wurden nacheinander getötet. Es waren die Söhne und Enkel von Abū Talha, Abdallah ibn Uthmān ibn Abdud-Dār. Beim Tragen und Verteidigen der Fahne der Götzendiener verloren sie alle ihr Leben.
Danach ergriff ein weiterer Mann aus dem Stamm Banū Abdud-Dār namens Artāt ibn Schurail die Fahne. Doch Hadhrat Ali ibn Abū Tālib (möge Allah mit ihm zufrieden sein) – einer anderen Auffassung zufolge Hadhrat Hamza ibn Abd al-Muttalib (möge Allah mit ihm zufrieden sein) – tötete ihn. Danach erhob Schuraih ibn Qāris die Fahne. Kināna Quzman tötete ihn. Quzman war ein Heuchler und war nicht aus dem Antrieb, den Islam zu verteidigen, sondern zum Schutz seiner Ehre in den Kampf gezogen.
Nach Schuraih ergriff Abū Zaid Amr ibn Abd Manāf al-Abdārī die Fahne. Doch Quzman tötete auch ihn. Danach hob einer der Söhne von Schurahbil ibn Hāschim al-Abdāri die Fahne. Doch auch er fiel durch Quzmans Hand.
Diese zehn Männer aus dem Stamm Banū Abdud-Dār, die die Fahne der Götzendiener getragen hatten, starben alle einer nach dem anderen. Danach war niemand mehr am Leben, der die Fahne hätte erheben können. Doch zu dieser Zeit nahm ein Sklave von ihnen namens Mawʿab die Fahne und kämpfte noch tapferer als seine früheren Herren, die Fahnenträger gewesen waren. Schließlich wurden ihm nacheinander beide Hände abgeschlagen. Doch er hielt die Fahne weiter hoch, indem er sich auf seine Knie stützte und Brust und Schultern einsetzte. Schließlich wurde auch er von Quzman getötet. In diesem Augenblick sagte er: „O Allah, nun habe ich keine Entschuldigung mehr offen gelassen.“ Nachdem dieser Sklave, nämlich Mawʿab, getötet worden war, fiel die Fahne zu Boden, und niemand war mehr am Leben, der sie hätte aufheben können. Deshalb blieb die Fahne am Boden liegen.
Während an einer Stelle um das Tragen der Fahne der Götzendiener gekämpft wurde, tobten auch in den verschiedenen Teilen des Schlachtfelds heftige Kämpfe. In den Herzen der Muslime war die Kraft des Glaubens stark. Deshalb stürzten sie sich wie eine Flut auf die Ungläubigen. Sie riefen: „Amta amūt“, das heißt: „Tod, Tod.“
Hadhrat Abū Dschudāna (möge Allah mit ihm zufrieden sein) hatte sich ein rotes Band um den Kopf gebunden, das Schwert des Gesandten Allahs in der Hand und erfüllte das Recht dieses Schwertes. Während er kämpfte, drang er immer weiter vor. Jeden Ungläubigen, mit dem er kämpfte, beseitigte er aus dieser Welt. Reihe um Reihe fegte er die Reihen der Ungläubigen hinweg.
Hazrat Zubair ibn al-Awwam (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) berichtet: Als ich Rasulullah, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, um ein Schwert bat, gab er es mir nicht. Darüber wurde ich traurig. Ich dachte bei mir: Ich bin ein Nachkomme von Hazrat Safiyya (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr), der Tante des geliebten Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und ich stamme aus dem Stamm der Quraisch. Ich war vor Abu Dujana zu ihm gegangen und hatte um ein Schwert gebeten, doch er gab es nicht mir, sondern Abu Dujana. Bei Allah, ich würde daher beobachten, welche Tapferkeit Abu Dujana mit diesem Schwert zeigen würde. Danach blieb ich hinter Abu Dujana. Zuerst band Abu Dujana sich ein rotes Stirnband um den Kopf. Als die Ansar das sahen, sagten sie: Abu Dujana hat das Stirnband des Todes hervorgeholt. Dann schritt er unter dem Vortrag dieses Gedichts auf das Schlachtfeld zu:
„Am Fuß jenes Berges habe ich meinem Freund ein Versprechen gegeben.
Niemals werde ich hinter den Reihen bleiben,
sondern vorangehen und Allahs Schwert führen.“
Während er dieses Gedicht vortrug, tötete Abu Dujana jeden, der ihm in den Weg kam. Ein Ungläubiger zog auf dem Schlachtfeld umher und tötete verwundete Muslime. Dieser Mann und Hazrat Abu Dujana (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) kamen einander immer näher. Insgeheim wünschte ich, Allah möge bewirken, dass es zu einem Zusammenstoß zwischen den beiden käme. Schon nach kurzer Zeit kam es tatsächlich zu einem Zusammenstoß. Beide griffen einander an. Zuerst griff der Götzendiener Hazrat Abu Dujana (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) an. Er wehrte den Angriff mit seinem Schild ab. Das Schwert des Götzendieners blieb im Schild stecken. Daraufhin stieß Hazrat Abu Dujana (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) den Götzendiener mit einem einzigen Schwerthieb in die Hölle. [Ibn Hischam, Band II, S. 58–69].
Danach bahnte sich Hazrat Abu Dujana (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) durch Reihe um Reihe seinen Weg vorwärts. Schließlich gelangte er zur Anführerin der Frauen der Quraisch. Er wusste nicht, dass es sich um eine Frau handelte. Er berichtet: Ich sah eine Person, die die Kämpfer zu noch größerer Tapferkeit anspornte. Ich nahm sie ins Visier. Doch als ich sie mit dem Schwert angreifen wollte, stieß sie einen Todesschrei aus. Als Hazrat Abu Dujana (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) diesen Schrei hörte, erkannte er, dass es eine Frau war. Er sagte: Ich dachte, ich dürfe dieses Schwert nicht dadurch entehren, dass ich mit dem Schwert Rasulullahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, eine Frau töte.
Diese Frau war Hind bint Utba, die Ehefrau Abu Sufyans. Hazrat Zubair (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) berichtet: Ich sah, wie Hazrat Abu Dujana (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) das Schwert über Hinds Kopf erhob und es dann wieder senkte. Da sagte ich: Allah, der Erhabene, und Sein Gesandter, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, wissen es am besten. [Ibn Hischam, Band II, S. 69].
Unterdessen kämpfte Hazrat Hamza (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) wie ein zorniger Tiger. Mit beispielloser Tapferkeit und Kühnheit durchbrach er die Reihen des Feindes und drang weiter vor. Vor ihm verschwanden große und berühmte Helden wie Blätter, die vom Sturm des Kalbaischakhi fortgerissen werden. Durch seinen ruhmreichen Einsatz bei der Vernichtung der Götzendiener wurde er auf dem Schlachtfeld zum Schrecken der Ungläubigen. Als einige Götzendiener dies sahen, wagten sie nicht, ihm offen entgegenzutreten, sondern versetzten ihm wie feige und armselige Feiglinge heimlich einen Schlag. Durch diesen Schlag sank der Sayyid asch-Schuhada, Hazrat Hamza (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm), zu Boden.
Der Märtyrertod des Löwen Gottes, Hazrat Hamza (r.a.)
Der Mörder von Hazrat Hamza (r.a.) hieß Wahschi ibn Harb. Wir schildern das Geschehen um den Märtyrertod Hazrat Hamzas (r.a.) mit den Worten des Mörders Wahschi. Nach seinem Übertritt zum Islam sagte er: Ich war der Sklave von Zubair ibn Mut’im. Sein Onkel Tu’aimah ibn Adi war in der Schlacht von Badr getötet worden. Kurz bevor die Quraisch zur Schlacht von Uhud aufbrachen, sagte Zubair ibn Mut’im zu mir: „Wenn du Hamza, den Onkel Muhammads, als Vergeltung für die Tötung meines Onkels töten kannst, wirst du freigelassen.“ Nachdem ich dieses Angebot erhalten hatte, brach ich mit den Quraisch zur Schlacht von Uhud auf. Ich stammte aus Abessinien. Wie die Abessinier war auch ich äußerst geschickt im Speerwerfen. Mein geworfener Speer verfehlte sein Ziel nur selten. Nachdem sich der Kampf weit ausgebreitet hatte, begann ich, nach Hazrat Hamza (r.a.) zu suchen. Schließlich erblickte ich ihn. Wie ein störrisches Kamel bahnte er sich seinen Weg voran und zerstreute die Menschen vor sich. Kein Hindernis konnte vor ihm standhalten. Niemand war imstande, sich ihm entgegenzustellen.
Bei Allah, ich bereitete mich gerade darauf vor, Hazrat Hamza (r.a.) anzugreifen, und hielt mich hinter einem Stein oder Baum verborgen, als Siba ibn Abd al-Uzza an mir vorbeilief und ihn erreichte. Hazrat Hamza (r.a.) brüllte Siba an: „Sohn eines Beschneiders der Schamhaare, nimm das!“ Damit versetzte er Siba einen solchen Schwertstreich in den Nacken, dass dessen Kopf derart vom Körper abgetrennt wurde, als hätte er überhaupt keinen Kopf auf den Schultern gehabt. Darauf nahm ich meinen Speer und schleuderte ihn auf Hazrat Hamza (r.a.). Der Speer drang unterhalb des Nabels ein und trat zwischen seinen Beinen auf der Rückseite wieder aus. Er fiel und versuchte aufzustehen, war aber dazu nicht in der Lage. Ich ließ ihn in Qualen liegen, bis er seinen letzten Atemzug tat. Schließlich verschied er. Als ich zu ihm ging und den Speer herauszog, setzte ich mich zu den Quraisch. Außer Hazrat Hamza (r.a.) hatte ich weder den Wunsch noch die Absicht, irgendjemanden zu verletzen. Ich hatte Hazrat Hamza (r.a.) nur getötet, um meine Freiheit zu erlangen. Sobald ich danach nach Mekka zurückkehrte, wurde ich freigelassen. [Ibn Hischam, Band II, S. 69–72; Sahih al-Buchari, Band II, S. 583. Nach der Schlacht von Taif nahm Wahschi den Islam an. Mit demselben Speer, mit dem er Hazrat Hamza (r.a.) durch einen Speerstich getötet hatte, tötete er während des Kalifats von Hazrat Abu Bakr as-Siddiq (r.a.) in der Schlacht von Yamama Musailima al-Kadhdhab. Auch an der Schlacht von Jarmuk gegen die Römer nahm er teil.]
Der Erfolg der Muslime
Durch den Märtyrertod des Löwen Gottes, des Löwen des Gesandten, Hazrat Hamza (r.a.), erlitten die Muslime einen schweren und unersetzlichen Verlust. Dennoch wurden die Anzeichen für den Erfolg der Muslime in der Schlacht immer deutlicher. Hazrat Abu Bakr, Hazrat Umar, Hazrat Ali, Hazrat Zubair, Hazrat Mus’ab ibn Umair, Hazrat Talha ibn Ubaidullah, Hazrat Abdullah ibn Jahsch, Hazrat Sa’d ibn Mu’adh, Hazrat Sa’d ibn Ubada, Hazrat Sa’d ibn Rabi und Hazrat Nadr ibn Anas (r.a.) kämpften mit solcher Tapferkeit und solchem Mut, dass die Ungläubigen erschraken, ihre Moral zusammenbrach und ihre Kraft und ihr Kampfgeist nachließen.
Vom Brautgemach auf das Schlachtfeld des Dschihad
Einer der hingebungsvollen Mudschahidin war Hazrat Hanzala (r.a.). An diesem Tag erschien er mit einzigartigem Ruhm auf dem Schlachtfeld des Dschihad. Er war der Sohn von Abu Amir ar-Rahib. Später erhielt Abu Amir den Beinamen al-Fasiq. Seine Vorstellung wurde bereits zuvor gegeben. Hazrat Hanzala (r.a.) hatte gerade geheiratet. Als zum Dschihad aufgerufen wurde, befand er sich im Brautgemach. Sobald er den Aufruf zum Dschihad hörte, brach er zum Dschihad auf. Nachdem sich die Schlacht weit ausgebreitet hatte, durchbrach Hazrat Hanzala (r.a.) die Reihen der Ungläubigen und gelangte in großer Geschwindigkeit zu Abu Sufyan. Er wollte den Befehlshaber der Ungläubigen angreifen, doch Allah, der Herr der Welten, hatte seinen Märtyrertod bestimmt. Gerade als er sein Schwert gegen Abu Sufyan erhob, bemerkte Schaddad ibn Aus ihn und griff Hazrat Hanzala (r.a.) überraschend an. Dabei erlitt er den Märtyrertod.
Die Verdienste der Bogenschützen
Die Bogenschützen, die der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) auf dem Berg Rumat mit einer bestimmten Aufgabe eingesetzt hatte, spielten eine wichtige Rolle dabei, den Sieg und Erfolg der Muslime im Kampf zu sichern. Die Ungläubigen aus Mekka griffen unter der Führung von Khalid ibn al-Walid und mit Unterstützung von Abu Amir al-Fasiq dreimal nacheinander an, um den linken Flügel des islamischen Heeres zu durchbrechen und die Muslime zu besiegen. Doch die Muslime vereitelten ihre Bemühungen. Mit ihren Pfeilen durchsiebten sie die Quraisch. [Siehe Fath al-Bari, Band 7, S. 346].
Die Niederlage der Polytheisten
Eine Zeit lang tobte ein heftiger Kampf. Diese kleine Schar von Muslimen erfüllte das gesamte Schlachtfeld. Schließlich wurde die Moral der Polytheisten gebrochen. Unter ihnen kam der Gedanke an den Rückzug auf. Sie begannen, sich nach rechts und links, nach vorn und hinten zu zerstreuen. Die Muslime kämpften gegen dreitausend Soldaten. Mit Glauben, Gewissheit, Heldenmut und Tapferkeit führten sie ihre Schwerter und zeigten ihr Können im Schwertkampf.
Angesichts des unaufhaltsamen Angriffs der Muslime waren die Ungläubigen völlig verwirrt. Da sie nicht wussten, was sie tun sollten, begannen sie zu fliehen. Als sie das jämmerliche Schicksal der Fahnenträger sahen, wagte niemand mehr, die Fahne zu halten. Ihre Moral war gebrochen. All die großen Worte, die sie über Rache an den Muslimen sowie über die Wiederherstellung ihrer Würde und Ehre und Ähnliches geäußert hatten, waren völlig durcheinandergeraten.
Ibn Ishaq schrieb, dass Allah den Muslimen Seine Hilfe herabgesandt und Sein Versprechen erfüllt hatte. Die Muslime richteten die Polytheisten mit ihren Schwertern derart zugrunde, dass diese sogar aus dem Lager flohen und sich weit entfernten. Kurz gesagt, sie erlitten eine schmähliche Niederlage. Hadrat Abdullah ibn az-Zubair (möge Allah mit ihm zufrieden sein) berichtet, dass sein Vater sagte: „Bei Allah, ich sah, dass die Knie von Hind bint Utba und den Frauen, die sie begleiteten, zu sehen waren. Sie rafften ihre Kleider hoch und flohen hastig. Es gab keinerlei Hindernis, weder groß noch klein, sie gefangen zu nehmen.“ [Ibn Hischam, Band 2, S. 77].
In Sahih al-Buchari wird von Hadrat Bara ibn Azib (möge Allah mit ihm zufrieden sein) überliefert, dass er sagte: „Als wir auf die Ungläubigen trafen, brach unter ihnen großes Geschrei und Durcheinander aus. Ich sah Frauen, die ihre Kleider über die Knie hochrafften und schnell in die Bergregion flohen. Der größte Teil ihrer Beine war zu sehen.“ [Sahih al-Buchari, Band 2, S. 579]. Inmitten dieses Durcheinanders und Tumults schlugen die Muslime mit ihren Schwertern auf die Polytheisten ein, sammelten Beute und setzten ihnen nach.
Der selbstmörderische Fehler der Bogenschützen
Gerade als die wenigen Muslime gegen die Mekkaner einen herausragenden Sieg in den Annalen der Geschichte verzeichneten, begingen die meisten Bogenschützen einen verhängnisvollen Fehler. Dabei war der Erfolg der Muslime in diesem Kampf dem Sieg in der Schlacht von Badr in keiner Weise unterlegen. Doch durch den verhängnisvollen Fehler der Bogenschützen änderte sich das Bild der Schlacht vollständig. Die Muslime erlitten schwere Verluste. Wegen dieses Fehlers wurde das Ansehen, das die Muslime in der Schlacht von Badr errungen hatten, beeinträchtigt.
Wie bereits erwähnt, hatte der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, den Bogenschützen befohlen, sowohl im Falle des Sieges als auch im Falle der Niederlage unbeirrbar auf ihrem Platz zu bleiben. Doch trotz der Anweisung des geliebten Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, konnten die Bogenschützen ihre Habgier nicht bezwingen, als sie sahen, wie die anderen Muslime begannen, die Beute einzusammeln. Einige sagten zueinander: „Beute, Beute! Eure Gefährten haben gesiegt; worauf wartet ihr noch?“
Nachdem solche Rufe unter den Bogenschützen aufgekommen waren, erinnerte ihr Befehlshaber, Hazrat Abdullah ibn Zubair (möge Allah mit ihm zufrieden sein), sie an den Befehl des Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und sagte: „Habt ihr etwa vergessen, was der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, euch befohlen hat?“ Doch die meisten Bogenschützen beachteten die Worte Hazrat Abdullahs (möge Allah mit ihm zufrieden sein) nicht. Sie sagten: „Bei Allah, auch wir werden zu ihnen gehen und gewiss einen Teil der Beute nehmen.“ Diese Aussage wird in Sahih al-Bukhari von Hazrat Bara ibn Azib (möge Allah mit ihm zufrieden sein) überliefert; siehe Seite 826.
Daraufhin missachteten vierzig Bogenschützen ihre Pflicht und begannen, die Beute einzusammeln. Hazrat Abdullah ibn Jabir (möge Allah mit ihm zufrieden sein) und seine neun Gefährten blieben jedoch weiterhin zur Bewachung eingesetzt. Sie erfüllten ihre Pflicht mit fester Entschlossenheit. Sie sagten: „Wir werden diesen Ort erst verlassen, wenn der Prophet und Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, uns befiehlt, fortzugehen; andernfalls werden wir unser Leben opfern.“
Das muslimische Heer unter der Kontrolle des Feindes
Khalid ibn al-Walid war zu diesem Pass gekommen und nach drei vergeblichen Versuchen zurückgekehrt. Diesmal ließ er sich diese goldene Gelegenheit nicht entgehen. Innerhalb kurzer Zeit tötete Khalid Abdullah ibn Jabir (möge Allah mit ihm zufrieden sein) und seine Gefährten und griff die Muslime von hinten an. Die Gefährten Khalid ibn al-Walids stießen laute Schlachtrufe aus. Dadurch erfuhren die besiegten Ungläubigen von der veränderten Lage auf dem Schlachtfeld und griffen die Muslime mit neuem Elan an. Unterdessen hob eine Frau namens Asrah bint Aqlama aus dem Stamm der Banu Harith die staubbedeckte Fahne der Ungläubigen hoch. Die verstreut umherirrenden Ungläubigen begannen, sich um sie zu versammeln. Sie riefen einander zu. So begannen die Ungläubigen schon nach kurzer Zeit, vereint gegen die Muslime zu kämpfen. Die Muslime waren nun sowohl von vorn als auch von hinten eingeschlossen. Es schien, als befänden sie sich zwischen den Mühlsteinen.
Die entschlossene Entscheidung und der kühne Schritt des Gesandten Allahs
In diesem entscheidenden Augenblick der Krise befanden sich nur neun Gefährten beim Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Sie beobachteten die Tapferkeit der Gefährten und die Bewegungen des Feindes. Dies wird durch folgenden Vers belegt, in dem Allah, der Erhabene, sagt: „Der Gesandte rief euch hinter euch her.“ Plötzlich erblickte der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die Reiter Khalid ibn al-Walids. Nun standen dem geliebten Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zwei Wege offen: Entweder konnte er sich mit seinen neun Gefährten an einen sicheren Ort begeben und die unter der Kontrolle des Feindes stehenden Gefährten ihrem Schicksal überlassen; oder er konnte unter Einsatz seines eigenen Lebens die zerstreuten Gefährten herbeirufen, sie sammeln, eine starke Verteidigungsstellung bilden, die feindliche Umzingelung durchbrechen und sich den Weg zu einem verhältnismäßig höher gelegenen Ort bahnen.
In dieser äußerst schweren Zeit der Prüfung zeigte der Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, unvergleichliche Tapferkeit und Mut. Er gab den Gedanken auf, zur Rettung seines eigenen Lebens einen sicheren Zufluchtsort aufzusuchen, und beschloss stattdessen, sein eigenes Leben zu gefährden, um das Leben der Gefährten zu retten.
Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die Reiter Khalid ibn al-Walids und seine Gefährten sah, rief er den Gefährten mit lauter Stimme zu: „O Diener Allahs, kommt hierher!“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, wusste, dass dieser Ruf die Ohren der Ungläubigen erreichen würde, bevor er die Muslime erreichte. Genau so kam es. Als die Ungläubigen die Stimme des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, hörten, begriffen sie, dass Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sich genau hier befand. Nachdem sie dies erkannt hatten, gelangte eine Gruppe von Ungläubigen noch vor den Muslimen zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Die übrigen Ungläubigen begannen rasch, die Muslime zu umzingeln. Nun werden wir die Aktivitäten beider Heere gesondert darlegen.
Unordnung unter den Muslimen
Nachdem eine Gruppe von Muslimen in die Umzingelung der Ungläubigen geraten war, geriet sie völlig in Verwirrung. Die Sorge um die Rettung des eigenen Lebens trat bei ihnen immer stärker hervor. Daher ergriffen sie die Flucht vom Schlachtfeld. Sie wussten nicht, was hinter ihnen geschah. Einige von ihnen gelangten nach Medina, andere suchten auf dem Berg Zuflucht. Eine weitere Gruppe ging nach hinten und vermischte sich mit den Ungläubigen. Es war nicht mehr zu erkennen, wer Ungläubiger und wer Muslim war. Infolgedessen begannen Muslime, Muslime zu töten. In Sahih al-Buchari wird von Aischa, möge Allah mit ihr zufrieden sein, überliefert, dass die Götzendiener am Tag von Uhud besiegt worden waren. Danach kam Iblis und rief: „O Diener Allahs, geht zurück!“ Daraufhin gingen die Männer aus den vorderen Reihen nach hinten und gerieten ineinander. Hudhaifa, möge Allah mit ihm zufrieden sein, bemerkte, dass die Leute seinen Vater al-Yaman angriffen. Er sagte: „O Diener Allahs, das ist mein Vater!“ Doch, bei Allah, die Leute ließen nicht von ihm ab. Schließlich töteten sie ihn. Da sagte Hudhaifa, möge Allah mit ihm zufrieden sein: „Möge Allah, der Herr der Welten, uns vergeben.“ Urwa, möge Allah mit ihm zufrieden sein, sagte: „Bei Allah, Hudhaifa, möge Allah mit ihm zufrieden sein, blieb stets am Guten fest. In diesem Zustand ging er zu Allah ein.“ [In Sahih al-Buchari, Band 1, S. 539, und Fath al-Bari, Band 7, S. 3251, 362 und 363. Außer in Buchari wird in einigen Überlieferungen erwähnt, dass der edle Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die Entschädigung für die Tötung von Hudhaifas, möge Allah mit ihm zufrieden sein, Vater zahlen wollte. Hudhaifa, möge Allah mit ihm zufrieden sein, sagte jedoch: „Ich habe diese Entschädigung den Muslimen als Sadaqa gespendet.“ Aus diesem Grund stieg Hudhaifas, möge Allah mit ihm zufrieden sein, Bedeutung und Ansehen beim edlen Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, noch weiter. Siehe das von Abd al-Wahhab an-Najdi verfasste Mukhtasar as-Siyar, S. 246.]
Kurz gesagt, in dieser Gruppe herrschten äußerste Unordnung und Verwirrung. Viele waren völlig bestürzt. Sie wussten nicht, wohin sie gehen sollten. Da verkündete ein Mann mit lauter Stimme, Muhammad sei getötet worden. Dadurch schwand auch der verbliebene Kampfesmut der Muslime. Einige Muslime hörten nach dieser Verkündigung auf zu kämpfen, verloren den Mut und warfen ihre Waffen fort. Einige gingen sogar so weit zu überlegen, den Heuchlerführer Abdullah ibn Ubayy aufzusuchen und ihn zu bitten: „Sorge für unsere Sicherheit bei Abu Sufyan.“
Kurze Zeit später kam Anas ibn an-Nadr, möge Allah mit ihm zufrieden sein, an diesen Leuten vorbei. Er bemerkte, dass mehrere Gefährten schweigend dasaßen. Er fragte: „Worauf wartet ihr?“ Sie antworteten: „Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ist getötet worden.“ Anas ibn an-Nadr, möge Allah mit ihm zufrieden sein, sagte: „Was werdet ihr dann noch tun, wenn ihr am Leben bleibt? Steht auf und gebt euer Leben für dieselbe Sache, für die der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sein Leben gegeben hat.“ Danach sagte er: „O Allah, Herr der Welten, ich suche Zuflucht bei Dir vor allem, was diese Leute – nämlich diese Muslime – getan haben.“ Mit diesen Worten ging er weiter nach vorn. Als er weiterging, traf er auf Sa’d ibn Mu’adh, möge Allah mit ihm zufrieden sein. Dieser fragte: „O Abu Umar, wohin gehst du?“ Anas, möge Allah mit ihm zufrieden sein, antwortete: „Was soll ich dir vom Duft des Paradieses sagen? O Sa’d, ich nehme den Duft des Paradieses jenseits des Berges Uhud wahr.“ Nach diesen Worten ging Anas, möge Allah mit ihm zufrieden sein, noch weiter vor und fiel im Kampf gegen die Ungläubigen als Märtyrer. Nach dem Ende des Kampfes war es nicht möglich, ihn zu identifizieren. Seine Schwester erkannte ihn anhand seiner Finger. Sein heiliger Körper war durch Speere, Pfeile und Schwerter mit achtzig Wunden übersät. [Zad al-Ma’ad, Band 2, S. 92–93; Sahih al-Buchari, Band 2, S. 579.]
Thabit ibn ad-Dahdah, möge Allah mit ihm zufrieden sein, wandte sich an die Muslime und sagte: „Wenn Muhammad Mustafa, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, tatsächlich getötet worden ist, so lebt Allah, der Herr der Welten, doch weiter. Er ist der Ewiglebende. Kämpft für eure Religion. Allah, der Herr der Welten, hat euch Sieg und Beistand gewährt.“
Nach diesem Aufruf machte sich eine Gruppe der Ansar erneut zum Dschihad bereit. Thabit, möge Allah mit ihm zufrieden sein, griff mit ihnen gemeinsam das Heer Khalid ibn al-Walids an und kämpfte weiter, bis er schließlich durch Khalid ibn al-Walids Hand getötet wurde. Er wurde durch einen Speerstich getötet. Ebenso erlangten seine Gefährten unter den Ansar im Kampf das Märtyrertum. [As-Sira al-Halabiyya, Band 2, S. 22.]
Ein Gefährte unter den Muhajirun ging an einem blutüberströmten Gefährten unter den Ansar vorbei. Der Muhajir sagte: „O Bruder, ist der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, getötet worden?“ Der Ansari antwortete: „Wenn Muhammad tatsächlich getötet worden ist, dann hat er doch Allahs Religion übermittelt. Nun ist es eure Pflicht, für den Schutz dieser Religion zu kämpfen.“ [Zad al-Ma’ad, Band 2, S. 99.]
Durch Worte dieser Art, die Mut und Begeisterung einflößten, wurde das islamische Heer neu belebt. Statt die Waffen niederzulegen und durch die Vermittlung des heuchlerischen Anführers ʿAbdullah ibn Ubayy vom ungläubigen Abū Sufyān eine Sicherheitszusage zu erbitten, ergriffen sie ihre Waffen. Danach bemühten sie sich, die undurchdringliche Umzingelung durch die Ungläubigen zu durchbrechen und sich einen Weg zu ihrer zentralen Führung zu bahnen. Da hörten sie, dass die Nachricht von der Ermordung des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ein haltloses Gerücht war. Dadurch vervielfachten sich Mut und Kampfgeist der Muslime, und durch einen erbitterten Kampf gelang es ihnen, den Ring der Ungläubigen zu durchbrechen und ihre starke Stellung zu erreichen.
Eine dritte Gruppe des islamischen Heeres dachte ausschließlich an den Schutz des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Sobald sie von der Umzingelung durch die Ungläubigen erfahren hatten, eilten sie zum Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Zu diesen Gefährten gehörten Abū Bakr, ʿUmar und ʿAlī, Allahs Wohlgefallen sei auf ihnen, sowie weitere. Auch auf dem Schlachtfeld hatten sie in der vordersten Reihe gestanden; als jedoch eine Gefahr für das Leben des Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sichtbar wurde, eilten sie zu ihm, um ihn zu schützen.
Ein blutiger Kampf rings um den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm
Während die ehrenwerten Gefährten in der einer Mühlsteinumzingelung gleichenden Umklammerung der Ungläubigen zermalmt wurden, tobte zur selben Zeit auch rings um den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ein blutiger Kampf. Wie bereits erwähnt, befanden sich zu Beginn der Umzingelung durch die Ungläubigen nur neun Gefährten um den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Als er die Muslime aufforderte: „Kommt zu mir, ich bin der Gesandte Allahs“, drang dieser Ruf noch vor den Muslimen an die Ohren der Ungläubigen. Dadurch erkannten sie den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, denn zu jener Zeit befanden sich die Ungläubigen unmittelbar bei ihm. So griffen sie den geliebten Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, an. Noch bevor die Muslime sich versammeln konnten, übten sie einen gewaltigen Druck aus. Während die neun Gefährten, die sich damals um den edlen Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, befanden, den Angriff abwehrten, kam in ihrem Zusammenstoß mit den Ungläubigen ihre außergewöhnliche Liebe zum geliebten Propheten sowie eine beispiellose Opferbereitschaft, Tapferkeit und Kühnheit zum Ausdruck.
In Sahīh Muslim wird überliefert, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, am Tag von Uhud zeitweise von diesen neun Gefährten getrennt wurde. Unter ihnen waren sieben Ansār und zwei Muhādschirūn. Nachdem die Attentäter dem Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sehr nahe gekommen waren, sagte der geliebte Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm: „Wer ist da, der sie von mir abwehren kann? Dafür gibt es das Paradies.“ Oder er sagte: „Dieser Mann wird mein Gefährte im Paradies sein.“ Darauf trat ein Gefährte von den Ansār vor und kämpfte, bis er den Märtyrertod erlitt. Danach kamen die Götzendiener dem geliebten Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, noch näher. Einer nach dem anderen erlitten sieben Gefährten von den Ansār im Abwehrkampf den Märtyrertod. Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte zu den beiden quraischitischen Muhādschir-Gefährten, die bei ihm waren: „Wir sind unseren Gefährten nicht gerecht geworden.“ [Sahīh Muslim, Kapitel über die Schlacht von Uhud, Band 2, S. 107].
Der letzte unter den genannten sieben Gefährten von den Ansār war ʿAmmāra ibn Yazīd ibn Sakān, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm. Auch er wurde während des Kampfes schwer verwundet und sank schließlich zu Boden. [Kurz darauf traf eine Gruppe von Gefährten beim edlen Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ein. Sie entfernten ʿAmmāra, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, aus der Nähe der Ungläubigen und brachten ihn zum edlen Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, erlaubte ihm, seinen Kopf auf seinen Oberschenkel zu legen. In dieser Lage hauchte er seinen letzten Atemzug aus. Dass er den Märtyrertod mit den Füßen des geliebten Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, berührend erlitt, kann in den Worten des Dichters so ausgedrückt werden: „Auf deinen Füßen möge mein Tod eintreten – das ist der einzige Wunsch meines Herzens.“]
Nachdem ʿAmmāra ibn Yazīd, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, zu Boden gesunken war, befanden sich beim Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nur noch zwei quraischitische Gefährten. In Sahīh al-Buchārī und Sahīh Muslim wird überliefert, dass Abū ʿUthmān, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, sagte: Als der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, kämpfte, war in diesem Kampf niemand außer Talha ibn ʿUbaydullāh, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, bei ihm. [Sahīh al-Buchārī, Band 1, S. 527; Band 2, S. 581].
Das war der äußerste Krisenmoment im Leben des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Für die Ungläubigen hingegen war es eine goldene Gelegenheit. Tatsächlich versäumten sie es nicht im Geringsten, diese Gelegenheit zu nutzen. Sie führten einen umfassenden Angriff auf den geliebten Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und wollten ihn endgültig beseitigen. Zu jener Zeit warf ʿUtba ibn Abū Waqqās Steine auf den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Durch diesen Angriff fiel der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu Boden. Der rechte „Rubāʿī-Zahn“ an seinem Unterkiefer war zerbrochen. [Die beiden oberen und unteren Zähne in der Mitte des vorderen Bereichs des Ober- und Unterkiefers werden Thanāyā genannt. Die Zähne rechts und links davon werden Rubāʿī genannt.] Seine Unterlippe war aufgerissen. ʿAbdullah ibn Schihāb az-Zuhrī trat vor und schlug den geliebten Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, auf die Stirn. Ein frevelhafter Übeltäter namens ʿAbdullah ibn Qamʾa trat hervor und versetzte dem geliebten Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, einen so heftigen Schwerthieb auf die Schulter, dass er noch einen Monat lang Schmerzen von diesem Schlag verspürte. Der Schlag konnte jedoch seine eiserne Rüstung nicht durchdringen. Der Übeltäter Ibn Qamʾa hob sein Schwert und schlug den geliebten Propheten ein zweites Mal. Dieser Schlag traf den Knochen unter dem rechten Auge, und zwei Ringe drangen in sein Gesicht ein. [Ein Helm aus Eisen oder Stein. Während des Krieges wird ein solcher Helm getragen, um Kopf und Gesicht zu schützen. Durch den Schwerthieb waren die beiden Ringe des Helms in das Gesicht des geliebten Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, auf der rechten Seite unterhalb des Auges eingedrungen. Preis sei Allah!]
Sogleich sagte dieser Übeltäter: „Da hast du es! Ich bin Qam’a, der Sohn des Zerschmetterers.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, wischte das Blut von seinem edlen Gesicht und sagte: „Möge Allah dich in Stücke zerschmettern.“ [Allah erhörte dieses Bittgebet des Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Ibn Ayiz berichtet, dass Ibn Qami’a nach seiner Rückkehr nach Hause, nachdem der Kampf beendet war, auf die Suche nach seinen Ziegen ging. Es stellte sich heraus, dass sich seine Ziege auf einem Berg befand. Er stieg auf den Berg, um die Ziege herunterzuholen. Plötzlich stieß ihn eine Bergziege mit ihren Hörnern vom Berg hinab. Fath al-Bari, siebter Band, Seite 373. In einem Bericht von at-Tabarani heißt es, dass eine Ziege auf Ibn Qami’a losgelassen wurde. Diese Ziege zerriss Ibn Qami’a durch einen Hornstoß in Stücke. Fath al-Bari, siebter Band, Seite 366.]
In Sahih al-Bukhari wird überliefert, dass der Rubāʿī-Zahn des Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zerbrochen und sein Kopf verletzt wurde. Zu jener Zeit wischte der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, das Blut ab, das über sein Gesicht floss, und sagte: „Wie kann jenes Volk Erfolg haben, das das Gesicht seines eigenen Propheten verwundet und ihm den Zahn zerbrochen hat, obwohl er sie zum Weg Allahs, des Herrn der Welten, aufruft?“ Nachdem der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, dies gesagt hatte, offenbarte Allah, der Herr der Welten, folgenden Vers [Sahih Muslim, zweiter Band, Seite 108]: „Ob Er ihnen verzeiht oder sie bestraft, das steht nicht in deiner Hand; denn sie sind Ungerechte.“ (Āl ʿImrān, Vers 128)
In einem Bericht von at-Tabarani wird erwähnt, dass der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, an jenem Tag sagte: „Möge über jenes Volk, das das Gesicht seines eigenen Propheten blutig gemacht hat, eine harte Strafe Allahs kommen.“ Nach einiger Zeit sagte er: „O Allah, Herr der Welten, vergib meinem Volk, denn sie wissen es nicht.“ [Fath al-Bari, siebter Band, Seite 323].
Auch in Sahih Muslim wird überliefert, dass der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, wiederholt sagte: „O Herr, vergib meinem Volk; sie wissen es nicht.“ [Sahih Muslim, Kapitel über die Schlacht von Uhud, zweiter Band, Seite 108].
Auch in Qadi ʿIyads Werk asch-Schifa wird dies erwähnt: „O Allah, der Erhabene, führe mein Volk recht, denn sie wissen es nicht.“ [Kitab asch-Schifa bi-taʿrif huquq al-Mustafa, erster Band, Seite 81].
Zweifellos wollten die Ungläubigen den geliebten Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, töten. Doch Talha, möge Allah mit ihm zufrieden sein, und Saʿd ibn Abi Waqqas, möge Allah mit ihm zufrieden sein, vereitelten durch beispiellose Aufopferung, außergewöhnliche Tapferkeit und Mut die Bemühungen der Ungläubigen. [Sahih al-Bukhari, erster Band, Seite 407]. Beide waren hervorragende Bogenschützen Arabiens. Indem sie ihre Pfeile abschossen, hielten sie die Ungläubigen vom geliebten Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, fern. Saʿd ibn Abi Waqqas’ Geschicklichkeit und Meisterschaft wird bereits dadurch deutlich, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, bei keinem anderen Gefährten sagte, dass ihm seine Eltern geopfert seien, also dass er ihm völlig ergeben sei. [Sahih al-Bukhari, erster Band, Seite 407; zweiter Band, Seiten 580–581].
Ein Hadith, der in an-Nasa’i überliefert wird, vermittelt uns einen Eindruck von Talhas, möge Allah mit ihm zufrieden sein, Tapferkeit. In diesem Hadith berichtet Jabir, möge Allah mit ihm zufrieden sein, von dem Angriff der Ungläubigen auf den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu jener Zeit, als sich nur wenige Gefährten beim Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, befanden. Jabir, möge Allah mit ihm zufrieden sein, berichtet: Als die Götzendiener den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, umzingelt hatten, sagte er: „Wer von euch ist da, um gegen diese Leute zu kämpfen?“ Da sagte Talha, möge Allah mit ihm zufrieden sein: „Ich bin da.“ Danach berichtet Jabir, möge Allah mit ihm zufrieden sein, wie die Ansar vorrückten und einer nach dem anderen den Märtyrertod starb. Diese Schilderung haben wir zuvor unter Berufung auf Sahih Muslim erwähnt.
Jabir, möge Allah mit ihm zufrieden sein, berichtet: Nachdem die Ansar den Märtyrertod erlitten hatten, trat Talha, möge Allah mit ihm zufrieden sein, vor und bewies allein gegenüber elf Männern seine Tapferkeit. Einmal traf ihn der Schwerthieb eines Ungläubigen an der Hand. Dabei wurde ihm ein Finger abgetrennt. Sofort stieß er den Laut „Hiss, hiss“ aus. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Wenn du jetzt das Wort Bismillah ausgesprochen hättest, hätten dich die Engel Allahs vor aller Augen emporgehoben.“ Jabir, möge Allah mit ihm zufrieden sein, berichtet: Danach wandte Allah, der Erhabene, die Ungläubigen in eine andere Richtung. [Fath al-Bari, siebter Band, Seite 361; Sunan an-Nasa’i, zweiter Band, Seiten 52–53].
In mehreren Werken wird von al-Hakim berichtet, dass Talha am Tag von Uhud neununddreißig oder fünfunddreißig Verletzungen am Körper erlitten hatte. Zwei seiner Finger, darunter der Zeigefinger, waren gelähmt. [Fath al-Bari, Bd. 7, S. 361].
Imam al-Buchari überliefert von Qais ibn Abi Hazim, dass dieser sagte: Ich bemerkte, dass Talhas Hand gelähmt war. Mit dieser Hand hatte er am Tag von Uhud den Propheten, Allahs Segen und Heil seien auf ihm, beschützt. [Sahih al-Buchari, Bd. 1, S. 527, 581].
In at-Tirmidhi al-Scharif wird überliefert, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Heil seien auf ihm, an jenem Tag gesagt habe: Wer einen Märtyrer sehen möchte, der auf der Erde umhergeht, der soll Talha ibn Ubaidullah ansehen. [At-Tirmidhi].
Abu Dawud at-Tayalisi überlieferte von Aischa, Allahs Wohlgefallen sei auf ihr, dass Abu Bakr as-Siddiq, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, bei Gesprächen über die Schlacht von Uhud zu sagen pflegte: Der alleinige Verdienst an jenem Schlachttag gebührte Talha. [Fath al-Bari, Bd. 7, S. 361]. Das heißt, dass er in jener Schlacht die Aufgabe, den Propheten, Allahs Segen und Heil seien auf ihm, zu beschützen, in höchstem Maße erfüllte. Abu Bakr, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, sagte über Talha, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, außerdem Folgendes:
„O Talha, für dich sind die Paradiese gewiss geworden.
Dort gibt es in deiner Wohnstätte unzählige Huri mit großen, schönen Augen. [Mukhtasar Tarikh Dimashq, Bd. 7, S. 82; Haschiya Scharh Dschawahir adh-Dhahab, S. 114].
In jenem entscheidenden Augenblick sandte Allah, der Herr der Welten, aus dem Verborgenen Hilfe. Sa’d, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, sagte: Am Tag von Uhud sah ich in der Nähe des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Heil seien auf ihm, zwei weiß gekleidete Männer. Sie kämpften tapfer an der Seite des Propheten, Allahs Segen und Heil seien auf ihm. Weder zuvor noch danach habe ich diese beiden Männer jemals gesehen. In einer anderen Überlieferung heißt es, dass diese beiden Männer Dschibril, Allahs Friede sei auf ihm, und Mikail, Allahs Friede sei auf ihm, waren. [Al-Buchari, Bd. 2, S. 580].
Die Gefährten versammeln sich an der Seite des Propheten
Der erwähnte Zwischenfall ereignete sich plötzlich innerhalb kürzester Zeit. Die auserwählten Gefährten des Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die seit Beginn des Kampfes in der ersten Reihe gekämpft hatten, eilten schon kurze Zeit nachdem sie die Aufforderung des Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gehört hatten, angesichts der veränderten Lage zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Sie bemühten sich, damit nichts Unangenehmes geschah. Doch noch bevor diese Gefährten den Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, erreichen konnten, war er bereits schwer verwundet worden. Bis dahin waren sechs ansarische Gefährten als Märtyrer gefallen, und der siebte ansarische Gefährte, von zahlreichen Wunden gezeichnet, war zu Boden gesunken. Hazrat Saʿd (möge Allah mit ihm zufrieden sein) und Hazrat Talha (möge Allah mit ihm zufrieden sein) setzten mit äußerster Anstrengung den Abwehrkampf fort, um den geliebten Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, vor den Angriffen der Ungläubigen zu schützen. Sobald die Gefährten eintrafen, erteilten sie dem umfassenden Angriff der Ungläubigen auf den Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, eine vernichtende Antwort. In jener Stunde bewiesen sie grenzenlosen Mut und außergewöhnliche Tapferkeit. Als Erster eilte damals Hazrat Abu Bakr as-Siddiq (möge Allah mit ihm zufrieden sein) zum geliebten Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm.
Ibn Hibban überliefert in seinem Sahih-Werk von Hazrat Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein), dass Hazrat Abu Bakr (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: Am Tag von Uhud hatten sich alle Gefährten vom Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, entfernt. Das heißt, außer seinen Leibwächtern waren alle anderen in die vorderen Reihen gezogen, um zu kämpfen. Nach dem Vorfall, dass die Ungläubigen den Propheten umzingelt hatten, eilte ich als Erster zum Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Als ich zu ihm kam, sah ich einen Mann, der kämpfte, um den Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu schützen. Ich sagte mir: Das bist doch Talha (möge Allah mit ihm zufrieden sein). Mögen meine Eltern für dich geopfert sein. In diesem Augenblick kam Hazrat Abu Ubaida ibn al-Dscharrah (möge Allah mit ihm zufrieden sein) eilig zu mir. Wir gingen beide zum Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Wir sahen, dass Hazrat Talha (möge Allah mit ihm zufrieden sein) vor dem Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, lag. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: Hebt euren Bruder hoch. Er hat sich das Paradies verdient. Hazrat Abu Bakr (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: Als wir ankamen, sahen wir außerdem, dass ein scharfes Kettenglied der Rüstung des geliebten Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, unter seinem Auge steckte. Ich wollte es herausziehen. Abu Ubaida (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: Ich beschwöre dich bei Allah, lass mich es herausziehen. Darauf biss er ein Kettenglied mit den Zähnen fest und zog es langsam heraus, damit der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, möglichst wenig Schmerzen hatte. Schließlich zog er ein Kettenglied heraus. Dabei fiel ein Zahn aus dem Unterkiefer von Hazrat Abu Ubaida aus. Ich wollte das zweite Kettenglied herausziehen. Doch Abu Ubaida (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: Abu Bakr (möge Allah mit ihm zufrieden sein), ich beschwöre dich bei Allah, lass mich es herausziehen. Dann zog er auch das zweite Kettenglied heraus. Dadurch brach ihm ein weiterer Zahn aus dem Unterkiefer. Danach sagte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm: Kümmert euch um euren Bruder Talha. Er hat sich das Paradies verdient. Hazrat Abu Bakr (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: Danach wandten wir uns Hazrat Talha (möge Allah mit ihm zufrieden sein) zu. Sein Körper wies mehr als achtzig Wunden auf. [Zad al-Maʿad, Band zwei, Seite 95].
Daran lässt sich erkennen, mit welcher Tapferkeit, Opferbereitschaft und welchem Mut Hazrat Talha (möge Allah mit ihm zufrieden sein) an jenem Tag gekämpft hatte.
In diesem kritischen Augenblick traf eine Gruppe hingebungsvoller Gefährten beim Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ein. Ihre Namen waren: Hazrat Abu Dschudschana, Hazrat Musʿab ibn Umair, Hazrat Ali ibn Abu Talib, Hazrat Sahl ibn Hunain, Hazrat Malik ibn Sinan (der Vater von Hazrat Abu Saʿid al-Chudri), Hazrat Ummu Ammara Nusaiba bint Kaʿb al-Maziniyya, Hazrat Qatada ibn an-Numan, Hazrat Umar ibn al-Chattab, Hazrat Hatib ibn Abi Baltaʿa und Hazrat Abu Talha (möge Allah mit ihm zufrieden sein).
Heftige Angriffe der Feinde auf die Muslime
Unterdessen nahm die Zahl der Feinde rund um den Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu. Daher verstärkten sich auch ihre Angriffe. Schließlich fiel der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in eine Grube und verletzte sich am Knie. Abu Amir al-Fasiq hatte, von satanischen Neigungen getrieben, mehrere solcher Gruben ausgehoben, um den Muslimen zu schaden. Nachdem der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in die Grube gefallen war, ergriff Hazrat Ali (möge Allah mit ihm zufrieden sein) die Hand des geliebten Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, während Hazrat Talha ibn Ubaidullah (möge Allah mit ihm zufrieden sein) den Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, umarmte und nach oben zog.
Nafiʿ ibn Dschubair sagt: Ich hörte einen auswandernden Gefährten sagen: Ich war in der Schlacht von Uhud anwesend. Ich bemerkte, dass aus allen Richtungen Pfeile auf den Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, abgeschossen wurden. Er befand sich mitten in einem Pfeilhagel. Doch die Gefährten fingen all diese abgeschossenen Pfeile ab. Ich bemerkte außerdem, dass Abdullah ibn Schihab az-Zuhri sagte: Zeigt mir, wo Muhammad ist! Entweder werde ich bleiben oder er wird bleiben. Dabei befand sich der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, direkt neben ihm. Zu jener Zeit war niemand sonst bei ihm. Schließlich ging Ibn Schihab nach vorn. Darauf wies ihn Safwan zurecht. Ibn Schihab erwiderte: Bei Allah, ich konnte ihn nicht sehen. Er war unseren Blicken entzogen. Danach brachen wir zu viert mit dem Vorsatz auf, Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu töten – Allah bewahre! Doch wir konnten nicht einmal in seine Nähe gelangen. [Zad al-Maʿad, Band zwei, Seite 97].
Beispiellose Opferbereitschaft und Tapferkeit
Damals bewiesen die Muslime eine solche außergewöhnliche Tapferkeit und Opferbereitschaft, wie sie in der Geschichte kein zweites Mal zu finden ist. Abu Talha (möge Allah mit ihm zufrieden sein) stellte sich mit vorgestreckter Brust vor den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Um den geliebten Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) vor den von den Feinden abgeschossenen Pfeilen zu schützen, stellte sich Abu Talha etwas höher auf. Anas (möge Allah mit ihm zufrieden sein) berichtet: Am Tag von Uhud flohen die gewöhnlichen Muslime, nachdem sie besiegt worden waren, in alle Richtungen, ohne zum geliebten Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zurückzukehren. Abu Talha (möge Allah mit ihm zufrieden sein) stellte sich mit einem Schild vor den geliebten Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und bildete eine Schutzbarriere. Er war ein geschickter Bogenschütze und schoss mit sicherer Hand seine Pfeile ab. An jenem Tag zerbrach er wohl zwei, vielleicht sogar drei Bögen. Wenn jemand am Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) vorbeiging und einen Bogen mit sich führte, sagte der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm): „Gib ihn Abu Talha (möge Allah mit ihm zufrieden sein).“ Wenn der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) den Kopf hob und zu den Menschen blickte, sagte Abu Talha (möge Allah mit ihm zufrieden sein): „Mögen meine Eltern für dich geopfert sein! Hebe deinen Kopf nicht. Bei Gott, möge es nicht geschehen, dass ein Pfeil deinen heiligen Körper durchbohrt. Meine Brust befindet sich auf gleicher Höhe mit deiner Brust.“ [Sahih al-Buchari, zweiter Band, Seite 97].
Von Anas (möge Allah mit ihm zufrieden sein) wird außerdem überliefert, dass Abu Talha (möge Allah mit ihm zufrieden sein) mit einem Schild auf der dem Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zugewandten Seite eine Schutzbarriere errichtete. Abu Talha (möge Allah mit ihm zufrieden sein) war ein geschickter Bogenschütze. Nachdem er einen Pfeil abgeschossen hatte, hob der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) den Kopf und sah nach, wo der Pfeil eingeschlagen war. [Sahih al-Buchari, erster Band, Seite 406].
Abu Dujana (möge Allah mit ihm zufrieden sein) trat vor den Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), stellte sich ihm zugewandt vor ihn und bot ihm seinen Rücken als Schild dar. Die von den Feinden abgeschossenen Pfeile drangen in seinen Rücken ein, doch er bewegte sich nicht im Geringsten.
Hatib ibn Abi Balta’a (möge Allah mit ihm zufrieden sein) nahm die Verfolgung von Utba ibn Abi Waqqas auf. Utba schlug mit gewaltiger Kraft mit dem Schwert auf den Körper des Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ein. Hatib (möge Allah mit ihm zufrieden sein) nahm Utba dessen Schwert und Pferd ab und tötete ihn. Sa’d ibn Abi Waqqas (möge Allah mit ihm zufrieden sein) hatte nach einer Gelegenheit gesucht, seinen Bruder Utba zu töten. Doch dieses Glück wurde Hatib (möge Allah mit ihm zufrieden sein) zuteil.
Auch Sahl ibn Hunaif (möge Allah mit ihm zufrieden sein) war ein herausragender Bogenschütze. Er leistete dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) den Treueid bis zum Tod. Auf dem Schlachtfeld kämpfte er mit außergewöhnlicher Tapferkeit.
Auch der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) schoss selbst Pfeile ab. Von Qatada ibn Nu’man (möge Allah mit ihm zufrieden sein) wird überliefert, dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) einen Pfeil von seinem Bogen abschoss. Dabei zerbrach eine Ecke des Bogens. Qatada ibn Nu’man (möge Allah mit ihm zufrieden sein) nahm diesen Bogen später an sich und behielt ihn. An jenem Tag wurde Qatadas (möge Allah mit ihm zufrieden sein) Auge so schwer verletzt, dass es aus seinem Gesicht hervortrat. Der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) setzte das Auge mit seiner gesegneten Hand wieder ein. Später erschien gerade dieses Auge von den beiden Augen schöner. Sein Sehvermögen war zudem schärfer.
Abdurrahman ibn Auf (möge Allah mit ihm zufrieden sein) erlitt während des Kampfes einen schweren Schlag ins Gesicht. Dadurch brach einer seiner vorderen Backenzähne. Er hatte zwanzig oder zweiundzwanzig Verletzungen erlitten. Auch sein Fuß wurde verletzt, wodurch er hinkte.
Abu Sa’id al-Chudri (möge Allah mit ihm zufrieden sein) berichtet: Malik ibn Sinan saugte das Blut aus dem Gesicht des Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und reinigte es. Der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte zu ihm: „Spuck es aus.“ Er sagte: „Bei Allah, ich werde es nicht ausspucken.“ Danach wandte er sich ab und kämpfte weiter. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Wenn jemand einen Menschen aus dem Paradies sehen möchte, soll er Malik ibn Sinan (möge Allah mit ihm zufrieden sein) anschauen.“ Danach fiel er, während er kämpfte, als Märtyrer.
Auch die muslimischen Frauen spielten in der Schlacht von Uhud eine außergewöhnliche Rolle. Die weibliche Gefährtin Umm Ammara Nusaiba bint Ka’b (möge Allah mit ihr zufrieden sein) bewies außerordentlichen Mut. Während sie gemeinsam mit einigen Muslimen kämpfte, gelangte sie vor Ibn Qumma. Als Ibn Qumma sie mit dem Schwert schlug, wurde ihre Schulter verwundet. Auch sie schlug mehrmals mit ihrem eigenen Schwert auf Ibn Qumma ein. Doch da Ibn Qumma eine Rüstung trug, traf ihn keiner ihrer Schläge. Umm Ammara erlitt im Kampf zwölf Verletzungen.
Auch Mus’ab ibn Umair (möge Allah mit ihm zufrieden sein) bewies außergewöhnliche Tapferkeit und Mut. Er wehrte die Angriffe Ibn Qummas und anderer auf den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ab. In seinen Händen befand sich die Fahne des Islam. Die feindlichen Soldaten schlugen so heftig auf seine rechte Hand ein, dass sie abgetrennt wurde. Daraufhin nahm er die Fahne des Islam in die linke Hand. Doch durch den Angriff der Feinde wurde auch seine linke Hand abgetrennt. Da umschlang er die Fahne mit seinen Armen, drückte sie an seine Brust und hielt sie empor. In diesem Zustand erlitt er den Märtyrertod. Sein Mörder war Abdullah ibn Qumma. Dieser Schurke hielt Mus’ab (möge Allah mit ihm zufrieden sein) für den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Mus’abs Gesicht ähnelte dem Gesicht des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in gewissem Maße. Nachdem Ibn Qumma Mus’ab getötet hatte, ging er zu den Ungläubigen und rief: »Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ist getötet worden.« [Ibn Hischam, zweiter Band, S. 73, 80, 83; Zad al-Ma’ad, zweiter Band, S. 97].
Die Nachricht vom Märtyrertod des Propheten und ihre Folgen
Als Ibn Qumma die Nachricht verbreitete, dass der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, getötet worden sei, erreichte sie innerhalb weniger Augenblicke die Muslime und die Ungläubigen. Es war ein äußerst kritischer Moment. Dadurch brach die Moral der Gefährten zusammen, die fern vom Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, kämpften. Viele waren völlig ratlos. Die Gefährten zerstreuten sich in alle Richtungen. Äußerstes Chaos brach aus. Einen Vorteil hatte dies jedoch: Der Angriff der Ungläubigen kam vorübergehend zum Stillstand, da sie glaubten, ihr eigentliches Ziel erreicht zu haben. Zahlreiche Götzendiener stellten den Angriff auf die Muslime ein und ließen ihre teuflische Wut an den Leichen der Märtyrer aus. Sie schnitten den Märtyrern die Gliedmaßen ab.
Die Lage der Muslime unter Kontrolle bringen
Nach dem Märtyrertod von Mus’ab ibn Umair (möge Allah mit ihm zufrieden sein) übergab der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die Fahne in die Hände Alis (möge Allah mit ihm zufrieden sein). Ali kämpfte tapfer. Auch einige andere anwesende Gefährten leisteten mit beispielloser Tapferkeit und Mut Widerstand und gingen zum Gegenangriff über. Nach einiger Zeit des Kampfes schien es möglich, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sich einen Weg zu den in der Nähe befindlichen Gefährten bahnen würde. Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, setzte sich in Bewegung, um bei den Gefährten sicheren Schutz zu finden. Zu diesem Zeitpunkt erkannte ihn zuerst Ka’b ibn Malik (möge Allah mit ihm zufrieden sein). Voller Freude rief er: »O Muslime, eine frohe Botschaft für euch: Er ist der Gesandte Allahs!« Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gab ihm ein Zeichen zu schweigen, damit die Feinde ihn nicht erkennen konnten. Doch die Muslime hatten diesen Ruf bereits gehört, und so begannen die Gefährten schon nach kurzer Zeit, sich dem geliebten Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu nähern. Innerhalb kurzer Zeit waren dreißig Gefährten eingetroffen.
Danach begann der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sich in Richtung des Bergpasses, also zum Lager der Muslime, zu bewegen. Wenn der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, das Lager erreichte, würden die Pläne der Ungläubigen scheitern; deshalb unternahmen einige verzweifelte Anstrengungen, seinen Weg zu versperren. Doch der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ging innerhalb des Schutzrings einiger ergebenen Gefährten weiter. Zu dieser Zeit rückte ein Schurke namens Uthman ibn Abdullah ibn al-Mughira auf den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu und sagte: »Entweder werde ich bleiben oder er.« Doch er kam nicht weit, denn sein Pferd stürzte in eine Grube, die Abu Amir al-Fasiq ausgehoben hatte. Daraufhin stürmte al-Harith (möge Allah mit ihm zufrieden sein) mit einem lauten Schlachtruf auf ihn zu, versetzte ihm einen gewaltigen Schwerthieb gegen das Bein und schickte ihn in die Hölle. Danach nahm al-Harith (möge Allah mit ihm zufrieden sein) ihm seine Waffen ab und gelangte zum ehrwürdigen Gesandten. Inzwischen schlug ein feindlicher Soldat namens Abdullah ibn Jabir al-Harith (möge Allah mit ihm zufrieden sein) mit einem Schwert auf die Schulter. Doch die Muslime ergriffen ihn. Im nächsten Augenblick sprang Abu Dschajana (möge Allah mit ihm zufrieden sein), der ein rotes Stirnband trug, auf Abdullah ibn Jabir los und enthauptete ihn mit einem Schwerthieb.
Seht das Wunder der göttlichen Macht: Selbst in einem solchen Kampf auf Leben und Tod wurden die Muslime schläfrig. Nach den Worten des Heiligen Qurans war dies ein Zeichen der von Allah gesandten Ruhe. Abu Talha (möge Allah mit ihm zufrieden sein) berichtet: »Während des schrecklichen Kampfes von Uhud gehörte auch ich zu jenen, die schläfrig wurden. In meiner Schläfrigkeit fiel mir mehrmals das Schwert aus der Hand. Es war so, dass das Schwert herunterfiel und ich es wieder aufhob. Dies geschah mehr als einmal.« [Sahih al-Buchari, zweiter Band, S. 582].
Kurz gesagt: Durch äußerste Anstrengung gelangten der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und eine begrenzte Zahl von Gefährten zum Lager der Muslime am Fuß des Berges. Damit verblasste Chālids Ibn al-Walīds Kriegstaktik angesichts der Kriegstaktik des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm.
Die Tötung von Ubayy ibn Chalaf
Ibn Ishāq berichtet, dass Ubayy ibn Chalaf, nachdem der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, den Zufluchtsort erreicht hatte, mit den Worten vortrat: „Wo ist Muhammad? Entweder werde ich bleiben oder er.“ Die Gefährten sagten zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm: „O Gesandter Allahs, sollen wir ihn angreifen?“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nahm von al-Hārith einen kleinen Speer und ging auf ihn zu. Es war gerade so, wie wenn sich eine Person ein wenig schüttelt, sobald eine Fliege auf ihr landet, und die Fliege davonfliegt. Danach trat der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Ubayy gegenüber. Zwischen dem Helm und der Rüstung Ibn Ubayys war an seinem Hals eine kleine Stelle unbedeckt. Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, schleuderte den Speer auf diese Stelle. Daraufhin fing Ubayy, als er vom Pferd stürzte, sich wieder auf und kehrte zu seinen Stammesangehörigen zurück.
Sein Hals war nur leicht eingerissen. Auch die Verletzung war nicht schwer, und es trat kein Blut aus. Dennoch begann er zu schreien: „Bei Allah, Muhammad hat mich getötet!“ Die Leute sagten zu ihm: „Was redest du für Unsinn? Deine Verletzung ist doch nicht schwer; sie sieht lediglich wie ein kleiner Kratzer aus.“ Ubayy sagte: „Er hat mir in Mekka gesagt: ‚Ich werde dich töten.‘“ [Die Begebenheit war folgende: Wenn Ubayy den ehrwürdigen Gesandten in Mekka traf, sagte er prahlerisch: „O Muhammad, ich besitze ein Pferd namens Aud. Ich füttere es täglich mit drei Sāʿ, also siebeneinhalb Kilogramm. Eines Tages werde ich dich auf dem Rücken dieses Pferdes töten.“ Der ehrwürdige Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, erwiderte: „Vielleicht wird es auch umgekehrt kommen. So Allah will, werde ich dich töten.“] Daher, bei Allah, werde ich sterben.“ Schließlich starb dieser von Allah gezeichnete Feind auf dem Rückweg nach Mekka an einem Ort namens Sarif. [Ibn Hischām, Band zwei, Seite 84; Zād al-Maʿād, Band zwei, Seite 97] Abū al-Aswad überliefert von ʿUrwa, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, dass Ubayy wie eine Kuh brüllte und sagte: „Bei Demjenigen, in Dessen Hand mein Leben liegt: Wenn die Bewohner von Dhū l-Madschāz den Schmerz und die Qual, die ich empfinde, verspürten, würden sie alle sterben.“ [Mukhtasar Sīrat ar-Rasūl, Scheich ʿAbdullāh, Seite 250]
Die Aufrichtigkeit Talhas
Als der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zum Berg zurückkehrte, kam eine Anhöhe in Sicht. Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, konnte nicht hinaufsteigen: Zum einen war sein Körper schwer geworden, da er zwei Rüstungen trug, und außerdem war er schwer verwundet. Talha ibn ʿUbaydullāh, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, kniete sich hin und half dem Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, hinaufzusteigen, indem er ihn auf seine Schultern nahm. So überquerte der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die Anhöhe. Danach sagte er: „Talha hat sich das Paradies für sich selbst gesichert.“ [Ibn Hischām, Band zwei, Seite 86]
Der letzte Angriff der Feinde
Nachdem der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in die sichere Zuflucht innerhalb des Zufluchtsortes gelangt war, unternahmen die Feinde ihren letzten Versuch, die Muslime zu besiegen. Ibn Ishāq sagt: Nachdem der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sich in den Zufluchtsort begeben hatte, versuchte eine Gruppe von Ungläubigen unter der Führung von Abū Sufyān und Chālid ibn al-Walīd hinaufzusteigen. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, betete: „O erhabener Allah, lass sie nicht hinaufsteigen.“ Daraufhin kämpften ʿUmar ibn al-Chattāb, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, und eine Gruppe der aus Mekka ausgewanderten Gefährten gegen sie und trieben sie wieder hinunter an den Fuß des Berges. [Ibn Hischām, Band zwei, Seite 86]
Als einige der feindlichen Soldaten hinaufstiegen, sagte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu Saʿd (möge Allah mit ihm zufrieden sein): „Dränge sie zurück!“ Saʿd sagte: „Wie soll ich das allein schaffen?“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, wiederholte diese Worte dreimal. Daraufhin nahm Saʿd (möge Allah mit ihm zufrieden sein) einen Pfeil aus seinem Köcher und schoss auf einen Feind. Dieser Übeltäter wurde auf der Stelle getötet. Saʿd (möge Allah mit ihm zufrieden sein) berichtet: „Danach schoss ich den Pfeil ab. Ich kannte diesen Mann. Er hauchte dort sein Leben aus. Mit diesem Pfeil tötete ich noch einen weiteren Mann. Danach zogen sich die feindlichen Soldaten nach unten zurück. Ich sagte: ,Dies ist ein gesegneter Pfeil.‘ Anschließend legte ich den Pfeil in meinen Köcher zurück. Inzwischen waren die Feinde nach unten gegangen. Später blieb dieser Pfeil im Besitz von Saʿd (möge Allah mit ihm zufrieden sein). Nach ihm bewahrten ihn seine Kinder auf.“ [Zād al-Maʿād, Band zwei, Seite 95]
Die Verstümmelung der Märtyrer
Dies war der letzte Angriff der feindlichen Soldaten gegen den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Sie wussten noch immer nichts Genaues über den Zustand des geliebten Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Sie waren jedoch davon ausgegangen, dass er getötet worden war. Deshalb kehrten sie in ihr Lager zurück und begannen, die Rückkehr nach Mekka vorzubereiten. Zu dieser Zeit begannen einige männliche und weibliche Götzendiener, die Körper der Märtyrer zu verstümmeln. Sie schnitten den Märtyrern die Schamteile, Ohren, Nasen und andere Körperteile ab. Manchen schlitzten sie den Bauch auf. Hind bint ʿUtba, die Frau Abū Sufyāns, schlitzte die Brust von Hamza (möge Allah mit ihm zufrieden sein) auf, nahm dessen Leber heraus und begann, darauf herumzukauen. Da sie sie nicht hinunterschlucken konnte, spuckte sie sie wieder aus. Außerdem fädelte sie aus den abgeschnittenen Nasen und Ohren eine Kette und trug sie um den Hals und an den Füßen wie Fußschmuck. [Ibn Hišām, Band zwei, Seite 90]
Die Anstrengungen der Muslime für den letzten Kampf
Gegen Ende ereigneten sich zwei Vorfälle, aus denen sich leicht erkennen lässt, wie entschlossen die hingebungsvollen Muslime waren, den Kampf bis zum Ende fortzusetzen. Daraus wird auch ersichtlich, dass ihr Wunsch, ihr Leben für die Erlangung der Zufriedenheit Allahs, des Herrn der Welten, zu opfern, grenzenlos war.
Der erste Vorfall: Kaʿb ibn Mālik (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: „Ich war einer von ihnen. Ich bemerkte, dass die Märtyrer durch die Hände der Muslime entwürdigt wurden. Ich hielt kurz inne und ging weiter nach vorn. Ich bemerkte einen großen, schwer gepanzerten Mann, der über die Leichen der Märtyrer hinwegschritt. Ein weiterer Muslim ging auf diesen Mann zu. Ich betrachtete beide und schätzte in Gedanken ihre Kräfte ein. Mir schien, dass die Waffen des ungläubigen Mannes besser waren als die des Muslims. Ich wartete auf beide. Schließlich gerieten sie aneinander. Der Muslim versetzte diesem Ungläubigen mit seinem Tahbari einen solchen Hieb, dass der Ungläubige in zwei Teile gespalten zu Boden stürzte. Der maskierte Muslim nahm seine Maske ab und sagte dann: ,O Kaʿb, wie war das? Ich bin Abū Duǧāna.‘“ [Al-Bidāya wa-n-Nihāya, Band vier, Seite 17]
Der zweite Vorfall: Nach dem Ende der Schlacht erreichten einige Muslime vom Schlachtfeld aus Medina. Anas (möge Allah mit ihm zufrieden sein) berichtet: „Ich sah ʿĀʾiša bint Abū Bakr (möge Allah mit ihr zufrieden sein) und Umm Sulaym (möge Allah mit ihr zufrieden sein). Sie hatten ihre Gewänder bis über die Knöchel hochgeschürzt, trugen mit Wasser gefüllte Wasserschläuche herbei und gaben den Muslimen davon zu trinken.“ [Ṣaḥīḥ al-Buḫārī, Band eins, S. 403; Band zwei, S. 581]
ʿUmar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: „Am Tag von Uhud brachte Umm Sulayṭ (möge Allah mit ihr zufrieden sein) für uns mit Wasser gefüllte Wasserschläuche.“ [Ṣaḥīḥ al-Buḫārī, Band eins, S. 403]
Unter den Frauen, die Wasser gebracht hatten, befand sich auch Umm Aiman. Als sie sah, wie die besiegten Muslime nach Medina hineingingen, warf sie ihnen Staub ins Gesicht und sagte: „Hier, nehmt die Spindel, und gebt uns eure Schwerter!“ [Damals spannen die arabischen Frauen gegen Bezahlung Garn. Viele trugen verschiedenartige Garnornamente, ähnlich den Armreifen an den Händen unserer Frauen. Hier könnte man in unserer landesüblichen Ausdrucksweise sagen: „Tragt diese Armreifen, und gebt uns die Schwerter!“] Danach eilte sie zum Schlachtfeld und begann, den Verwundeten Wasser zu geben. Ein Mann namens Hibban ibn Arqa schoss einen Pfeil auf Umm Aiman (möge Allah mit ihr zufrieden sein). Dadurch fiel Umm Aiman zu Boden und ihr Schleier löste sich. Als der Feind Allahs dies sah, lachte er höhnisch. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) beobachtete den Vorfall. Es tat ihm sehr leid. Er gab Saʿd ibn Abi Waqqas (möge Allah mit ihm zufrieden sein) einen Pfeil und sagte: „Schieß ihn ab!“ Saʿd schoss den Pfeil ab. Der Pfeil von Saʿd (möge Allah mit ihm zufrieden sein) traf Hibbans Hals, und er fiel auf den Rücken. Sein Schleier löste sich. Darüber lachte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) herzlich. Dann sagte er: „Saʿd hat Umm Aiman Genugtuung verschafft. Möge Allah, der Herr der Welten, ihr Bittgebet erhören.“ [As-Sirat al-Halabiyya, zweiter Band, Seite 22]
Nachdem sie in der Schlucht Zuflucht genommen hatten
Nachdem der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) in der Bergschlucht Zuflucht genommen hatte, brachte Hadhrat Ali (möge Allah mit ihm zufrieden sein) in seinem Schild Wasser aus dem Mihras. Der Mihras ist eine Art aus Stein errichteter Brunnen. Es heißt, dass der Mihras eine Quelle bei Uhud ist. Hadhrat Ali brachte dieses Wasser und bot es dem Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zum Trinken an. Da der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) jedoch einen leichten Geruch wahrnahm, trank er das Wasser nicht, sondern wusch die Wunden in seinem Gesicht damit und goss sich etwas Wasser über den Kopf. Damals sagte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm): „Auf demjenigen, der das Gesicht des Gesandten Allahs blutig gemacht hat, möge Allahs strenge Strafe liegen.“ [Ibn Hischam, zweiter Band, Seite 85]
Hadhrat Sahl (möge Allah mit ihm zufrieden sein) berichtet: „Ich habe gesehen, wer das Blut aus dem Gesicht des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) wusch, wer das Wasser goss und wer ihn behandelte. Die geliebte Tochter des Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), Hadhrat Fatima (möge Allah mit ihr zufrieden sein), wusch seine Wunden. Hadhrat Ali (möge Allah mit ihm zufrieden sein) goss Wasser. Hadhrat Fatima bemerkte, dass trotz des Wassers weiterhin Blut floss und sich die Blutung keineswegs stillen ließ. Da nahm sie ein Stück einer Matte, verbrannte es im Feuer und legte die Asche auf die Wunde des Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Sofort hörte die Blutung auf.“ [Sahih al-Buchari, zweiter Band, Seite 584]
Unterdessen brachte Hadhrat Muhammad ibn Maslama (möge Allah mit ihm zufrieden sein) kühles und süßes Wasser. Der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) trank davon und sprach ein Bittgebet für sein Wohlergehen. [As-Sirat al-Halabiyya, zweiter Band, Seite 30]
Wegen der Schmerzen seiner Wunden verrichtete der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) das Mittagsgebet im Sitzen. Auch die Gefährten verrichteten das Gebet hinter ihm im Sitzen. [Ibn Hischam, zweiter Band, Seite 87]
Die Prahlerei Abu Sufyans
Die ungläubigen Götzendiener aus Mekka bereiteten sich auf den Rückzug vor. Abu Sufyan stieg damals auf den Berg Uhud und fragte: „Befindet sich Muhammad unter euch?“ Niemand antwortete. Wieder sagte er: „Befindet sich unter euch der Sohn Abu Quhafas?“ Niemand antwortete. Er fragte erneut: „Befindet sich unter euch Umar ibn al-Chattab?“ Auch diesmal antwortete niemand. Der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) hatte ihnen verboten zu antworten. Abu Sufyan fragte nach niemand anderem außer den drei Genannten, denn er wusste sehr wohl, dass durch diese drei die Verbreitung und Ausbreitung des Islam erfolgte. Als er keine Antwort erhielt, sagte Abu Sufyan zu sich selbst: „Nun, von diesen dreien sind wir also befreit.“ Als Hadhrat Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) dies hörte, konnte er sich nicht beherrschen und sagte: „Du Feind Allahs! Alle, deren Namen du genannt hast, sind am Leben. Allah hat für deine Erniedrigung noch schrecklichere Mittel bereitgehalten.“ Darauf sagte Abu Sufyan: „Eure getöteten Männer wurden verstümmelt, indem man ihre Gliedmaßen abschnitt. Ich habe nicht dazu aufgefordert, dies zu tun. Doch ich bin darüber auch nicht unzufrieden.“ Danach rief er: „Sieg für Hubal!“
Der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagte: „Warum antwortet ihr nicht?“ Die geehrten Gefährten sagten: „Was sollen wir antworten?“ Der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagte: „Sagt: Allah ist der Erhabene und Allmächtige.“
Abu Sufyan rief laut: „Wir haben al-Uzza, ihr aber habt sie nicht.“
Der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagte: „Warum antwortet ihr nicht?“ Die Gefährten fragten: „Was sollen wir antworten?“ Der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagte: „Sagt: ‚Allahu maulana wa-la mawla lakum.‘ Das heißt: Allah, der Erhabene, ist unser Herr; ihr habt keinen Herrn.“
Darauf sagte Abu Sufyan: „Was für eine großartige Leistung! Heute ist der Tag der Vergeltung für die Schlacht von Badr. Der Krieg ist wie ein Eimer.[Mal siegt die eine Seite, mal die andere. So wie beim Schöpfen mit einem Eimer einmal der eine und einmal der andere Wasser heraufzieht.]“
Hazrat Umar, möge Allah mit ihm zufrieden sein, erwiderte: „Das ist nicht dasselbe. Diejenigen von uns, die getötet wurden, sind im Paradies, und diejenigen von euch, die getötet wurden, sind in der Hölle.“
Darauf sagte Abu Sufyan: „O Umar, komm ein wenig näher.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagte: „Geh hin und hör, was er sagt.“ Hazrat Umar, möge Allah mit ihm zufrieden sein, ging vor. Abu Sufyan sagte: „O Umar, ich beschwöre dich bei Allah und frage dich: Ist es uns gelungen, Muhammad zu töten?“ Hazrat Umar, möge Allah mit ihm zufrieden sein, sagte: „Bei Allah, nein, das ist euch nicht gelungen. Vielmehr hört er jetzt sogar deine Worte.“ Abu Sufyan sagte: „Umar, für mich bist du ein noch wahrhaftigerer Mann als Ibn Qomma.“[Ibn Hischam, Band zwei, Seiten 93–94; Zad al-Ma’ad, Band zwei, Seite 94; Sahih al-Buchari, Band zwei, Seite 579]
Eine weitere Verabredung für Badr
Ibn Ishaq, möge Allah mit ihm zufrieden sein, berichtet: Als Abu Sufyan und seine Gefährten sich auf den Rückweg machten, sagten sie: „Im kommenden Jahr werden wir uns auf dem Feld von Badr erneut zum Kampf treffen.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagte zu einem Gefährten: „Richte ihnen aus: Gut, einverstanden; zwischen euch und uns bleibt es bei dieser Abmachung.“[Ibn Hischam, Band zwei, Seite 94]
Die Bewegungen der Feinde beobachten
Danach befahl der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, Hadhrat Ali ibn Abu Talib, den Ungläubigen zu folgen, und sagte: „Folge ihnen. Sieh, was sie tun. Was beabsichtigen sie als Nächstes? Wenn sie auf Pferden und Kamelen reiten, musst du davon ausgehen, dass sie nach Mekka ziehen. Wenn sie auf Pferden reiten und Kamele vor sich hertreiben, musst du davon ausgehen, dass sie nach Medina kommen.“ Danach sagte er: „Bei Dem, in Dessen Hand mein Leben liegt: Wenn sie sich auf den Weg nach Medina gemacht haben, werden wir ihnen in Medina entgegentreten.“ Hadhrat Ali (möge Allah mit ihm zufrieden sein) berichtet: „Danach folgte ich den Ungläubigen und stellte fest, dass sie auf Pferden und Kamelen reitend nach Mekka zurückkehrten.“ (Ibn Hischam, Band zwei, Seite 64. Hafiz Ibn Hadschar schrieb auf Seite 347 des siebten Bandes seines Werkes Fath al-Bari, dass Hadhrat Saʿd ibn Abu Waqqas (möge Allah mit ihm zufrieden sein) aufgebrochen war, um die Absichten der Götzendiener in Erfahrung zu bringen.)
Fürsorge für die Märtyrer und Verwundeten
Nachdem die Ungläubigen fortgegangen waren, begannen die Muslime, nach den Märtyrern und Verwundeten zu sehen. Hadhrat Zaid ibn Thabit (möge Allah mit ihm zufrieden sein) berichtet: „Am Tag von Uhud schickte mich der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, um nach Saʿd ibn ar-Rabiʿ (möge Allah mit ihm zufrieden sein) zu suchen. Er sagte mir: Wenn du Saʿd findest, übermittle ihm meinen Friedensgruß und frage ihn, wie er sich jetzt fühlt.“ Hadhrat Zaid (möge Allah mit ihm zufrieden sein) berichtet: „Ich suchte zwischen den Leichen der Märtyrer und fand ihn schließlich. Als ich zu ihm kam, sah ich, dass er im Todeskampf lag und stöhnte. Sein Körper wies siebzig Wunden von Speeren, Pfeilen und Schwertern auf. Ich sagte: ‚O Saʿd, der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, lässt dich grüßen und möchte wissen, wie du dich fühlst.‘ Hadhrat Saʿd ibn ar-Rabiʿ (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: ‚Übermittle dem Gesandten Allahs meinen Friedensgruß. Sage ihm, dass ich den Duft des Paradieses wahrnehme. Sage meinen Brüdern von den Ansar: Wenn die Feinde den Gesandten Allahs auch nur erreichen können, solange in euch noch der geringste Lebenshauch ist, dann wird eure Entschuldigung vor Allah keinerlei Gewicht haben.‘ Gleich danach verschied er.“ (Zad al-Maʿad, Band zwei, Seite 96)
Unter den Verwundeten wurde auch Usairim gefunden. Sein Name war Amr ibn Thabit (möge Allah mit ihm zufrieden sein). Sein Lebenshauch war noch nicht erloschen. Zuvor war er zum Islam eingeladen worden, doch hatte er diese Einladung nicht angenommen. Einige sagten erstaunt: „Wie ist Usairim hierhergekommen? Wir haben ihn doch zum Islam eingeladen, aber er hat es nicht angenommen.“ Man fragte ihn: „Wie bist du hierhergekommen? Aus Liebe zum Islam oder um die Stärke deiner Volksgenossen zu vermehren?“ Er sagte: „Ich bin aus Liebe zum Islam gekommen. Ich habe an Allah, den Herrn der Welten, und an Seinen geliebten Gesandten geglaubt und unter der Führung des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, am Kampf teilgenommen. Ihr könnt ja selbst sehen, in welchem Zustand ich mich jetzt befinde.“ Daraufhin verschied er. Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, nach ihm gefragt wurde, sagte er: „Er gehört zu den Bewohnern des Paradieses.“ Hadhrat Abu Huraira (möge Allah mit ihm zufrieden sein) berichtet: „Dabei hatte er für Allah, den Erhabenen, nicht einmal ein einziges Gebet verrichtet.“ (Zad al-Maʿad, Band zwei, Seite 94; Ibn Hischam, Band zwei, Seite 90.) Nach seiner Annahme des Islam war noch keine Gebetszeit eingetreten, bevor er den Märtyrertod erlitt.
Unter den Verwundeten fand man auch einen Mann namens Quzman. Er hatte in diesem Kampf aufseiten der Muslime gekämpft und sieben oder acht Götzendiener getötet. Sein Körper war von zahlreichen Wunden gezeichnet. Man brachte ihn in das Viertel der Banu Zufar. Die Muslime überbrachten ihm die frohe Botschaft. Er sagte: „Bei Allah, ich habe nur für das Ansehen meines Stammes gekämpft. Wenn ich nicht daran gedacht hätte, das Ansehen meines Stammes zu bewahren, hätte ich nicht gekämpft.“ Als die Schmerzen seiner Wunden unerträglich wurden, beging Quzman Selbstmord, indem er sich selbst die Kehle durchschnitt. Als dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, von ihm berichtet wurde, sagte er: „Er gehört wahrlich zu den Bewohnern der Hölle.“ (Zad al-Maʿad, Band zwei, Seiten 97–98; Ibn Hischam, Band zwei, Seite 88.) Durch dieses Ereignis wurde eine Prophezeiung des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, bestätigt.
All jene, die nicht mit dem Ziel kämpfen, Allahs Wort zu erhöhen, sondern für ihr Land oder aus irgendeinem anderen Grund, werden dasselbe Ende wie Quzman nehmen. Selbst wenn sie unter dem Banner des Islam gemeinsam mit dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, oder den ehrwürdigen Gefährten kämpfen, werden sie diesem Ende begegnen.
Unter den Gefallenen befand sich auch ein Jude aus dem Stamm Banu Saʿlam. Er sagte zu seinen Stammesangehörigen: „Bei Allah, ihr wisst doch, dass es eure Pflicht ist, Muhammad zu helfen.“ Die Juden sagten: „Heute ist Samstag.“ Jener Jude sagte: „Für euch gibt es keinen Samstag.“ Daraufhin machte sich der Jude mit einem Schwert und den übrigen erforderlichen Ausrüstungsgegenständen auf den Weg zum Schlachtfeld. Beim Aufbruch sagte er: „Wenn ich im Kampf getötet werde, gehört mein Vermögen Muhammad. Er soll damit tun, was er will.“ Danach kämpfte er aufseiten der Muslime auf dem Schlachtfeld und fiel. Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, alles gehört hatte, sagte er: „Er war wahrlich ein guter Jude.“ (Ibn Hischam, Band zwei, Seite 88)
Zu dieser Zeit besichtigte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, selbst die Leichname der Märtyrer und sagte: „Ich werde für sie Zeugnis ablegen.“ Wahrlich, wer auf Allahs Weg verwundet wird, den wird Allah, der Erhabene, am Tag der Auferstehung in einem Zustand auferwecken, in dem Blut aus seiner Wunde tropft. Die Farbe dieses Blutes wird zwar wie die von Blut sein, doch von ihm wird der Duft von Moschus ausgehen. [Ibn Hischam, Band II, Seite 98]
Einige Gefährten überführten die Leichname ihnen nahestehender Märtyrer-Gefährten nach Medina. Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, davon erfuhr, ordnete er an, die Leichname dieser Märtyrer an dem Ort zu bestatten, an dem sie den Märtyrertod erlitten hatten. Er sagte: „Nehmt den Märtyrern ihre Waffen und ihre Pelzkleidung ab und bestattet sie, ohne sie zu waschen.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ordnete an, die Leichname von zwei oder drei Gefährten in einem Grab zu bestatten. Er ordnete auch an, die Leichname von zwei Gefährten in ein gemeinsames Leichentuch zu hüllen. Nachdem zwei Gefährten in dasselbe Leichentuch gehüllt worden waren, fragte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, wer von ihnen beiden mehr vom Edlen Koran auswendig gelernt hatte. Denjenigen, auf den die Gefährten zeigten, wies er an, ihn an die untere Seite des Grabes zu legen. Er sagte: „Am Tag der Auferstehung werde ich über sie Zeugnis ablegen.“ Abd Allah ibn Amr ibn Haram und Amr ibn al-Dschamuh wurden in demselben Grab bestattet, denn zwischen ihnen bestand eine enge Freundschaft. [Zad al-Ma’ad, Band II, Seite 98; Sahih al-Buchari, Band II, Seite 584] Der Leichnam von Hanzala war nicht auffindbar. Nach einer Suche fand man ihn an einem Ort; Wasser tropfte von seinem Leichnam. Der Leichnam lag etwas über dem Boden. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte zu den Gefährten: „Die Engel waschen ihn.“ Danach sagte er: „Fragt seine Frau, was geschehen ist.“ Als man sie fragte, erzählte sie den Vorfall. Seitdem wurde Hanzala Ghasil al-Mala’ika genannt, das heißt: jemand, den die Engel gewaschen haben. [Zad al-Ma’ad, Band II, Seite 94]
Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, den Zustand seines Onkels Hamza sah, wurde er sehr niedergeschlagen. Die Tante des geliebten Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Safiyya, möge Allah mit ihr zufrieden sein, kam. Sie wollte Hamza, möge Allah mit ihm zufrieden sein, sehen. Doch der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte zu Safiyyas Sohn Zubair, möge Allah mit ihm zufrieden sein: „Bring sie zurück. Sie soll den Zustand ihres Bruders nicht sehen.“ Safiyya, möge Allah mit ihr zufrieden sein, sagte jedoch: „Warum sollte ich das nicht tun? Ich weiß, dass meinem Bruder die Glieder abgeschnitten wurden. Hamza, möge Allah mit ihm zufrieden sein, war auf Allahs Weg. Deshalb haben wir alles, was geschehen ist, angenommen. Ich werde, so Allah will, in der Hoffnung auf Lohn Geduld üben.“ Danach ging sie zu Hamza, möge Allah mit ihm zufrieden sein, sah ihn, sprach: „Wir gehören Allah, und zu Ihm kehren wir zurück“, betete für ihn und bat um Vergebung für ihn. Danach ordnete der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, an: „Bestattet Hamza, möge Allah mit ihm zufrieden sein, zusammen mit Abd Allah ibn Dschahsch.“ Dieser war der Neffe Hamzas, möge Allah mit ihm zufrieden sein, und sein Milchbruder.
Abd Allah ibn Mas’ud, möge Allah mit ihm zufrieden sein, berichtet, dass man den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu keiner anderen Zeit so weinen sah, wie er um Hamza, möge Allah mit ihm zufrieden sein, weinte. Der geliebte Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, legte Hamza, möge Allah mit ihm zufrieden sein, in Richtung der Qibla. Dann stand er neben seinem Totengebet und weinte so, dass wir das laute Schluchzen seines Weinens hören konnten. [Dies wird von Ibn Schadhan überliefert. Siehe Mukhtasar as-Siyar li asch-Schaich Abd Allah, Seite 355.]
Der Zustand der Märtyrer war äußerst herzzerreißend. Hadrat Khabbab ibn al-Aratt, möge Allah mit ihm zufrieden sein, sagt: Für Khabbab war kein anderes Leichentuch erhältlich als ein Tuch mit schwarzem Rand. Wenn man mit diesem Tuch den Kopf bedeckte, blieben die Füße unbedeckt. Schließlich ließ man die Füße unbedeckt und bedeckte sie mit Izkhirgras [eine Art wohlriechendes Gras. An vielen Orten wird dieses Gras zusammen mit Tee gekocht]. [Musnad Ahmad, Schifa, Band I, Seite 140]
Abd ar-Rahman ibn Umair, möge Allah mit ihm zufrieden sein, erlitt den Märtyrertod. Er war besser als ich. Er wurde in nur ein einziges Tuch gehüllt. Wenn man mit diesem Tuch seinen Kopf bedeckte, wurden seine Füße unbedeckt; wenn man seine Füße bedeckte, wurde sein Kopf unbedeckt. Auch Khabbab, möge Allah mit ihm zufrieden sein, berichtete von diesem Zustand seines Leichentuchs. Er fügte jedoch noch hinzu, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, angesichts dieses Zustands zu uns sagte: „Bedeckt seinen Kopf mit dem Tuch und legt Izkhirgras auf seine Füße.“ [Sahih al-Buchari, Band II, Seiten 579–584]
Das Bittgebet des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, vor Allah
In der Überlieferung von Imam Ahmad heißt es, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, am Tag von Uhud, nachdem die Götzendiener umgekehrt waren, zu den Gefährten sagte: „Stellt euch in Reihen auf; ich werde meinen Herrn lobpreisen.“ Danach sagte er: „O Allah, Herr der Welten, alles Lob gebührt Dir. Niemand kann einschränken, was Du weit machst, und niemand kann weit machen, was Du einschränkst. Wen Du in die Irre gehen lässt, den kann niemand rechtleiten; und wen Du rechtleitest, den kann niemand in die Irre führen. Was Du zurückhältst, kann niemand geben; und was Du gibst, kann niemand zurückhalten. Was Du fernhältst, kann niemand näher bringen; und was Du näher bringst, kann niemand entfernen. O Allah, Herr der Welten, breite über uns Deinen Segen, Deine Barmherzigkeit, Deine Gunst und Deine Versorgung aus.“
O Allah, ich bitte Dich um dauerhafte Gnaden, die niemals enden werden. O Allah, ich bitte Dich um Hilfe in den Tagen der Armut und um Sicherheit in den Tagen der Angst. O Allah, ich suche Zuflucht bei Dir vor dem Übel all dessen, was Du uns gegeben hast, und vor dem Übel all dessen, was Du uns nicht gegeben hast. O Allah, festige unseren Glauben und verschönere unsere Herzen. Lass uns Unglauben, Frevel und Ungehorsam nicht liebgewinnen und nimm uns in die Reihen der Rechtgeleiteten auf. O Allah, lass uns als Muslime sterben und erwecke uns im Jenseits als Muslime wieder. Halte uns von Erniedrigung sowie von Unheil und Zwietracht fern. Nimm uns in die Reihen Deiner rechtschaffenen Diener auf. O Allah, verfahre hart mit all den Ungläubigen, die Du vernichtest, und wirf sie in die Strafe, weil sie Deine Propheten der Lüge bezichtigen und die Menschen von Deinem Weg abhalten. O Allah, vernichte auch jene Ungläubigen, denen das Buch gegeben wurde. [Buchari, al-Adab al-Mufrad, Musnad Ahmad, Band 3, Seite 324.]
Die Rückkehr nach Medina
Nachdem die Märtyrer bestattet und Bittgebete an Allah gesprochen worden waren, brach der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) nach Medina auf. So wie die Gefährten auf dem Schlachtfeld Hingabe und Opferbereitschaft bewiesen hatten, zeigten auch die Angehörigen der Märtyrer dieselbe Opferbereitschaft und Geduld.
Auf dem Weg nach Medina begegnete der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) Hamna bint Dschahsch (r.a.). Ihr Bruder Abdullah ibn Dschahsch (r.a.) war im Kampf als Märtyrer gefallen. Als Hamna die Nachricht von seinem Märtyrertod hörte, sprach sie „Inna lillah“ und bat um Vergebung für ihren Bruder. Danach wurde ihr die Nachricht vom Märtyrertod ihres Onkels Hamza ibn Abd al-Muttalib (r.a.) überbracht. Erneut sprach sie „Inna lillah“ und bat um Vergebung. Danach wurde ihr der Märtyrertod ihres Ehemannes Mus’ab ibn Umair (r.a.) mitgeteilt. Als sie dies hörte, stieß sie einen Schrei aus und begann heftig zu weinen. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Der Ehemann besitzt im Herzen einer Frau einen besonderen Rang.“ [Ibn Hischam, Band 2, Seite 98]
Die Gefährten begegneten einer Frau aus dem Stamm der Banu Dinar. Ihr Ehemann, ihr Bruder und auch ihr Vater waren als Märtyrer gefallen. Man teilte ihr deren Märtyrertod mit. Darauf fragte sie: „Wie geht es dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm)?“ Man sagte ihr, dass es ihm gut gehe. Die Frau sagte: „Ich möchte ihn nur kurz sehen.“ Auf den Hinweis der Gefährten zeigte man ihr den Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Sofort brach die Frau in Schluchzen aus und sagte: „Kullu musibatin ba’duka jalalun“, das heißt: „Solange du am Leben bist, ist jedes Unglück gering.“ [Ibn Hischam, Band 2, Seite 99] Zu dieser Zeit eilte die Mutter von Sa’d ibn Mu’adh (r.a.) zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Sa’d (r.a.) hielt damals den Zügel des Pferdes des geliebten Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Er sagte: „O Gesandter Allahs, dies ist meine Mutter.“ Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Seid willkommen.“ Danach hielt der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu Ehren dieser Frau sein Pferd an. Als die Frau näher kam, teilte der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ihr den Märtyrertod ihres Sohnes Amr ibn Mu’adh mit und forderte sie auf, Geduld zu bewahren. Die Frau sagte: „Nachdem ich dich wohlbehalten gesehen habe, ist jedes Unglück für mich gering.“ Danach sprach der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ein Bittgebet für die Märtyrer von Uhud und sagte: „O Umm Sa’d, freue dich und überbringe den Familien der Märtyrer die frohe Botschaft, dass alle ihre Märtyrer gemeinsam im Paradies sind und dass ihre Fürsprache zugunsten ihrer Angehörigen angenommen wurde.“ Die Frau sagte: „O Gesandter Allahs, bete für die Angehörigen der Märtyrer.“ Der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „O Allah, nimm ihnen den Schmerz der Trauer aus ihren Herzen, vergelte ihnen ihr Unglück und bewahre alle anderen.“ [As-Sira al-Halabiyya, Band 2, Seite 47.]
Der Gesandte Allahs in Medina
Am Sonntagnachmittag, dem 7. Schawwal des dritten Jahres nach der Hidschra, erreichte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) Medina. Zu Hause übergab er sein Schwert Fatima (r.a.) und sagte: „Wasche das Blut ab, das an diesem Schwert haftet. Bei Allah, dieses Schwert hat sich heute für mich bewährt.“ Auch Ali (r.a.) bat seine Gemahlin Fatima (r.a.), das Blut abzuwaschen. Er sagte ebenfalls: „Bei Allah, dieses Schwert hat sich für mich bewährt.“ Darauf sagte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm): „Du hast im Kampf Tapferkeit gezeigt, doch bedenke, dass auch Suhail ibn Hunayf und Abu Dschana (r.a.) tapfer gekämpft haben.“ [Ibn Hischam, Band 2, Seite 100]
In der Schlacht von Uhud fielen 70 Muslime als Märtyrer. Die meisten Überlieferer stimmen in Bezug auf diese Zahl überein. Unter den Märtyrern waren 65 Ansar. Von ihnen stammten 41 aus dem Stamm der Chazradsch und 24 aus dem Stamm der Aus. Auch ein Jude wurde getötet. Unter den Märtyrern der Muhadschirun waren nur vier. Wie viele Ungläubige der Quraisch wurden getötet? Nach Ansicht des Historikers Ibn Ishaq wurden 22 von ihnen getötet. Betrachtet man jedoch die von Kriegsexperten und Verfassern der Sira überlieferte Darstellung der Schlacht von Uhud sowie die Berichte über die in den verschiedenen Phasen Gefallenen, zeigt sich, dass nicht 22, sondern 37 Männer getötet wurden. Allah weiß darüber am besten Bescheid. [Ibn Hischam, Band 2, Seite 122; Ghazwa-e Uhud, Seite 180]
Die Notlage in Medina
In der Nacht des 8. Schawwal im dritten Jahr der Hidschra, nach der Rückkehr von Uhud, durchlebten die Muslime eine Notsituation. Obwohl sie alle von der Schlacht erschöpft waren, verbrachten sie die ganze Nacht auf den Straßen Medinas und an den Zugängen zur Stadt. Sie waren auch mit der besonderen Bewachung des ehrwürdigen Gesandten Allahs beschäftigt, da sie von allen Seiten Gefahren befürchteten.
Die Schlacht von Hamra al-Asad
Der Gesandte Allahs dachte die ganze Nacht über die durch die Schlacht entstandene Lage nach.
Er befürchtete, dass die Feinde, wenn sie dachten, wir hätten trotz unserer zahlenmäßigen Überlegenheit auf dem Schlachtfeld keinen Vorteil errungen, gewiss beschämt sein würden. Infolgedessen könnten sie von der Straße nach Mekka umkehren und Medina angreifen. Deshalb beschloss der Gesandte Allahs, die mekkanischen Truppen zu verfolgen.
Die Verfasser der Sira berichten, dass der Prophet am Morgen des 8. Schawwal im dritten Jahr der Hidschra, also am Tag nach der Schlacht von Uhud, verkündete, man müsse aufbrechen, um dem Feind entgegenzutreten, und nur diejenigen, die an der Schlacht von Uhud teilgenommen hatten, dürften mit ihnen ziehen. Der Heuchler Abdullah ibn Ubay bat um Erlaubnis, doch der Prophet erteilte sie ihm nicht. Die körperlich Verwundeten, vom Verlust ihrer Angehörigen tief Betrübten und von Sorge Erfüllten unter den Muslimen beugten sich dem Aufruf des Propheten. Dschabir ibn Abdullah (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) hatte an der Schlacht von Uhud nicht teilnehmen können. Er bat um Erlaubnis. Er trat vor den geliebten Propheten und sagte: „O Gesandter Allahs, ich möchte an allen Schlachten teilnehmen. Bei der Schlacht von Uhud hatte mein Vater mich zurückgelassen, damit ich mich um meine Töchter kümmere; deshalb konnte ich nicht in die Schlacht ziehen.“ Der Prophet erteilte ihm die Erlaubnis. Gemäß dem Plan brach der Gesandte Allahs mit den Muslimen auf und schlug, acht Meilen von Medina entfernt, an einem Ort namens Hamra al-Asad sein Lager auf.
Zu dieser Zeit kam Maʿbad ibn Maʿbad al-Khuzaʿi zum Gesandten Allahs und nahm den Islam an. Zuvor hatte er am Schirk festgehalten. Dennoch wünschte er dem Gesandten Allahs Gutes. Zwischen den Stämmen der Khuzaʿa und der Banu Haschim bestand ein Bündnis. Aufgrund dieses Bündnisses war er dem geliebten Propheten wohlgesinnt. Er sagte zum Gesandten Allahs: „Ich bin sehr betrübt über die Mühsal, der Sie und Ihre Gefährten auf dem Schlachtfeld ausgesetzt waren. Von ganzem Herzen wünschte ich, dass es Ihnen gut gehen möge.“ Nach diesem Ausdruck seines Mitgefühls sagte der Gesandte Allahs zu Maʿbad (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm): „Geh zu Abu Sufyan, schwäche seinen Tatendrang und entmutige ihn.“
Die Befürchtung des Propheten, dass die Götzendiener erneut in Richtung Medina aufbrechen könnten, erwies sich als wahr. Als die Götzendiener Rауha erreichten, einen 36 Meilen von Medina entfernten Ort, begannen sie, einander Vorwürfe zu machen. Die einen sagten zu den anderen: „Ihr habt überhaupt nichts getan. Nachdem ihr sie geschwächt hattet, habt ihr sie laufen lassen. Noch immer gibt es so viele von ihnen, die euch erneut große Sorgen bereiten werden. Lasst uns umkehren und sie vollständig vernichten.“
Diejenigen, die diesen Vorschlag unterbreitet hatten, waren offenbar über die Stärke beider Seiten nicht richtig informiert. Deshalb widersprach Safwan ibn Umaiya, einer der Verantwortlichen, dieser Ansicht und sagte: „Tut das nicht. Ich befürchte, dass auch jene Muslime, die nicht an der Schlacht von Uhud teilgenommen haben, sich gegen uns stellen werden. Kehren wir also mit dem zufriedenen Gefühl nach Mekka zurück, dass wir den Sieg errungen haben. Andernfalls werdet ihr euch in Schwierigkeiten bringen, wenn ihr Medina angreift.“ Doch die Mehrheit der Ungläubigen nahm diese Ansicht nicht an und blieb bei ihrer Entscheidung, Medina anzugreifen. Noch bevor sie in Richtung Medina aufbrachen, traf Maʿbad ibn Maʿbad al-Chuzāʿī dort ein. Abu Sufyan wusste damals nicht, dass Maʿbad unter dem kühlen Schatten des Islam Zuflucht gesucht hatte. Er fragte: „Maʿbad, was gibt es Neues von hinten?“ Maʿbad antwortete geschickt: „Muhammad – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – ist mit seinen Gefährten aufgebrochen, um euch zu verfolgen. Sie sind so zahlreich, dass ich noch nie ein so großes Heer gesehen habe. Alle brennen vor Zorn gegen euch. Auch diejenigen, die nicht an der Schlacht von Uhud teilgenommen hatten, sind diesmal dabei. Sie schämen sich für alles, was sie im Kampf verloren haben. Derzeit sind sie derart gegen euch erzürnt, dass ich einen solchen Zorn noch nie zuvor erlebt habe.“
Abu Sufyan sagte: „Bruder, was redest du da?“
Maʿbad sagte: „Ja, ich sage die Wahrheit. Ich glaube, dass ihr noch vor eurem Aufbruch von hier die Reiterschar sehen werdet. Die Vorhut des Heeres wird hinter diesem Hügel hervorkommen.“
Abu Sufyan sagte: „Bei Allah, wir haben geschworen, einen Gegenangriff zu führen und sie zu vernichten.“
Maʿbad sagte: „Tut das nicht. Ich sage es zu eurem Besten.“
Als die Ungläubigen diese Worte hörten, brach ihre Kampfmoral zusammen. Sie hielten es für besser, nach Mekka zurückzukehren. Abu Sufyan wandte jedoch eine List an, um das muslimische Heer zu entmutigen und eine Auseinandersetzung mit ihm zu vermeiden. Er rief die Leute einer Karawane des Banū ʿAbd al-Qais, die auf dem Weg nach Medina war, zu sich und sagte: „Könnt ihr Muhammad eine Botschaft von mir überbringen? Wenn ihr sie überbringt, verspreche ich euch, dass ich euch bei eurem Kommen nach Mekka auf dem Markt von ʿUkāẓ so viele Rosinen geben werde, wie dieses Kamel tragen kann.“
Die Leute des Banū ʿAbd al-Qais erklärten sich bereit, Abu Sufyans Bitte zu erfüllen.
Abu Sufyan sagte: „Ihr werdet Muhammad sagen, dass wir beschlossen haben, einen Gegenangriff zu führen, um ihn und seine Gefährten zu vernichten.“
Als die Muslime diese Nachricht von den Leuten der Karawane erfuhren, wurde ihr Glaube noch stärker. Sie sagten: „Allah allein genügt uns, und Er ist der beste Sachwalter.“
Aufgrund dieser Glaubenskraft machten sich die Muslime, begleitet von Allahs Gunst und Gnade, auf den Weg nach Medina. Kein Unheil konnte sie berühren. Sie folgten dem Wohlgefallen Allahs, des Herrn der Welten. Wahrlich, Allah besitzt unermessliche Weisheit. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, begab sich am Sonntag nach Hamra al-Asad. Dort blieb er bis Montag, Dienstag und Mittwoch, also bis zum 9., 10. und 11. Schawwal im dritten Jahr nach der Hidschra. Danach kehrte er nach Medina zurück. Noch vor seiner Rückkehr nach Medina geriet Abu ʿAzza al-Dschumahi in seine Gewalt. Dieser Mann war in der Schlacht von Badr von den Muslimen gefangen genommen worden. Wegen seiner Armut und der großen Zahl seiner Töchter war er jedoch ohne Lösegeld freigelassen worden. Er hatte sich allerdings verpflichtet, niemandem gegen den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu helfen. Doch er hielt sein Wort nicht. Durch seine Gedichte stachelte er die einfachen Leute gegen Allah, den Gesandten und die edlen Gefährten auf. Zuvor wurde dies bereits erwähnt. Danach nahm er auch an der Schlacht von Uhud gegen die Muslime teil. Nachdem dieser Mann festgenommen und herbeigeführt worden war, wurde er dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, vorgeführt. Er sagte: „Muhammad, vergib mir meinen Fehler. Habe Erbarmen mit mir. Lass mich um meiner Töchter willen frei. Ich verspreche, so etwas künftig nicht wieder zu tun.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Es kann nicht sein, dass du nun nach Mekka gehst, dir über das Gesicht streichst und sagst: ‚Muhammad, ich habe dich zum zweiten Mal getäuscht.‘ Ein Gläubiger wird nicht zweimal aus demselben Loch gebissen.“ Danach befahl der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nach einer Überlieferungsvariante Dschubair, nach einer anderen ʿĀsim ibn Thābit, und sie trennten den Kopf dieses Verräters von seinem Körper.
Auf diese Weise wurde auch ein anderer Spion aus Mekka getötet. Sein Name war Muʿāwiya ibn al-Mughīra ibn Abū al-ʿĀs. Er war der Großvater mütterlicherseits von ʿAbd al-Malik ibn Marwān. Nachdem die Götzendiener aus Mekka am Tag von Uhud Mekka verlassen hatten, gewährte ihm der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, durch seinen Cousin, den ehrwürdigen ʿUthmān – Allah sei mit ihm zufrieden –, Sicherheit unter der Bedingung, dass er höchstens drei Tage in Medina bleiben dürfe. Wenn er danach noch in Medina gesehen würde, sollte er getötet werden. Nachdem die muslimischen Auswanderer zur Schlacht von Uhud aufgebrochen waren, blieb Muʿāwiya ibn al-Mughīra länger als drei Tage in Medina, um für die Quraisch Spionage zu betreiben. Nach der Rückkehr der muslimischen Auswanderer versuchte er zu fliehen. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, beauftragte den ehrwürdigen Zayd ibn Hāritha und den ehrwürdigen ʿAmmār ibn Yāsir. Beide Gefährten verfolgten Muʿāwiya, ergriffen ihn und töteten ihn. [Die Werke, denen die ausführliche Darstellung der Schlacht von Uhud und von Hamra al-Asad entnommen wurde, sind: Ibn Hischām, Band 2, S. 60–129; Zād al-Maʿād, Band 2, S. 91–109; Fath al-Bārī, Band 7, S. 345–377; Mukhtaṣar as-Sīra, S. 242–257.]
Eine Betrachtung über Sieg und Niederlage in der Schlacht von Uhud
Nach der ausführlichen Darstellung der Schlacht von Uhud muss erwähnt werden, wie angesichts all dessen, was erörtert wurde, Sieg und Niederlage zu bestimmen sind. Kann man anhand des Verlaufs dieser Schlacht entscheiden und verkünden, dass die Muslime gesiegt oder eine Niederlage erlitten haben? In Wirklichkeit befanden sich sowohl die Initiative als auch das Schlachtfeld in ihren Händen. Auch die Verluste waren auf muslimischer Seite größer und zudem verheerend. Ein Teil der Muslime wurde eindeutig geschlagen und floh. Zu jener Zeit lag das Kriegsgeschehen auf der Seite der Ungläubigen. Trotz alledem gibt es einige Umstände, aufgrund derer keineswegs gesagt werden kann, dass die Ungläubigen in der Schlacht von Uhud gesiegt hätten. Es ist eindeutig, dass die Truppen aus Mekka das Lager der Muslime nicht einnehmen konnten. Ein großer Teil der Truppen aus Medina floh trotz der furchtbaren Erschütterung und Unordnung nicht. Mit grenzenlosem Mut und großer Standhaftigkeit versammelten sie sich an der Seite des obersten Heerführers, des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Die Zahl der Muslime war nicht so stark gesunken, dass die Truppen aus Mekka sie hätten verfolgen können. Außerdem geriet kein einziger Muslim in die Gefangenschaft der Ungläubigen. Die Ungläubigen konnten keinerlei Beute erlangen. Darüber hinaus waren sie nicht bereit, ein drittes Mal gegen die Muslime zu kämpfen, obwohl sich das muslimische Heer noch in seinem Lager befand. Die Ungläubigen blieben nicht einmal einen Tag auf dem Schlachtfeld. Damals pflegten Sieger jedoch mindestens drei Tage in ihrem Lager auf dem Schlachtfeld zu bleiben. Dies galt als ein äußerst wichtiges Zeichen des Sieges. Damit sollte der Beweis erbracht werden, dass der Sieg gesichert war. Die Ungläubigen jedoch packten eilig ihre Sachen und zogen vom Schlachtfeld ab. Sie hatten nicht einmal den Mut, in Medina einzudringen, ihren Besitz zu plündern oder die Einwohner gefangen zu nehmen, obwohl die Stadt Medina nur wenig vom Schlachtfeld von Uhud entfernt lag. Zudem waren die Sicherheitsvorkehrungen in Medina damals nicht besonders stark.
Die Zusammenfassung all dessen lautet: Die Quraisch-Truppen aus Mekka konnten die Muslime zwar durch eine vorübergehende Gelegenheit überraschen, doch nachdem sie das muslimische Heer unter ihre Kontrolle gebracht hatten, konnten sie nicht die unbedingt erforderliche militärische Taktik anwenden, alle zu töten oder gefangen zu nehmen und daraus Nutzen zu ziehen. Die muslimischen Soldaten hingegen waren in der Lage, die gesamten Belastungen ihrer vorübergehenden Verluste zu überwinden. Es gibt viele Beispiele dafür, dass Sieger solchen vorübergehenden Verlusten ausgesetzt waren. Daher können die Ungläubigen wegen der vorübergehend schwierigen Lage der Muslime in der Schlacht von Uhud keineswegs als Sieger angesehen werden.
Die schnelle Flucht Abū Sufyāns auf dem Weg nach Mekka, ohne einen dritten Kampfabschnitt zu beginnen, beweist, dass er befürchtete, seine Truppen würden bei einer erneuten Eröffnung der Schlacht unweigerlich schwere Verluste erleiden. Abū Sufyāns Rolle in der Schlacht von Hamra al-Asad liefert dafür den Beweis.
Unter diesen Umständen können wir, statt zu sagen, welche Seite in der Schlacht von Uhud gesiegt oder eine Niederlage erlitten hat, sie als einen unentschiedenen Kampf bezeichnen. Beide Seiten hatten aus ihrer jeweiligen Sicht sowohl Nutzen als auch Verluste. Der Kampf wurde beendet, ohne dass eine Seite vom Schlachtfeld floh und ohne dass sie ihr eigenes Lager ungeschützt der Kontrolle des Feindes überließ. Ein solcher Kampf wird als unentschiedener Kampf bezeichnet. In diesem Zusammenhang sagt Allah, der Erhabene, der Herr der Welten: „Lasst nicht nach bei der Suche nach dem feindlichen Volk. Wenn ihr Schmerzen leidet, so leiden auch sie Schmerzen, wie ihr Schmerzen leidet. Ihr aber erhofft von Allah, was sie nicht erhoffen. Allah ist allwissend und weise.“ (Sure an-Nisāʾ, Vers 104)
In diesem Vers hat Allah, der Herr der Welten, hinsichtlich des Erleidens und Empfindens von Schmerz eine Gruppe mit der anderen verglichen. Das bedeutet, dass sich beide Gruppen in gleicher Lage befanden und keine über die andere siegte.
Die koranische Bewertung dieses Krieges
Später beleuchtete der Koran jeden Aspekt dieses Krieges. Bei der Untersuchung wurden all jene Ursachen festgestellt, die dazu geführt hatten, dass die Muslime einen derart großen Verlust erlitten. Im Koran wird eindeutig erwähnt, welche Schwächen die Gläubigen und die beste Gemeinschaft in diesem Feldzug aufwiesen. Dieser Gemeinschaft wurde die besondere Würde verliehen, die beste Gemeinschaft zu sein. Die Schwächen innerhalb der verschiedenen Gruppen dieser Gemeinschaft wurden aufgezeigt.
Außerdem erwähnte der Heilige Koran die Rolle der Heuchler und legte ihren Zustand offen dar. Ihre Masken wurden enthüllt, indem die in ihren Herzen verborgene Feindschaft gegen Allah, den Erhabenen, und Seinen Gesandten offengelegt wurde. Auch die Aufwiegelungen, die die Heuchler und ihre Verbündeten, die Juden, unter den arglosen Muslimen betrieben, wurden dargestellt. Danach wurden die inneren Zwecke und Ziele dieses Krieges dargelegt.
Über diesen Krieg wurden fünfzig Verse der Sure Āl ʿImrān offenbart. Zuerst wird der Beginn des Krieges erwähnt. Allah, der Erhabene, sagt: „Und als du am frühen Morgen von deiner Familie fortgingst, um den Gläubigen ihre Stellungen für den Kampf zuzuweisen – und Allah ist Allhörend und Allwissend.“ (Sure Āl ʿImrān, Vers 121)
Schließlich wurden die Ergebnisse und die Weisheiten dieses Feldzuges in geordneter Weise erläutert. So sagt Allah, der Herr der Welten: „Allah wird die Gläubigen nicht in dem Zustand belassen, in dem ihr euch befindet, bis Er das Schlechte vom Guten scheidet. Allah wird euch nicht über das Verborgene unterrichten, sondern Allah erwählt von Seinen Gesandten, wen Er will. So glaubt an Allah und Seine Gesandten. Wenn ihr glaubt und gottesfürchtig seid, dann ist für euch ein gewaltiger Lohn bestimmt.“ (Sure Āl ʿImrān, Vers 179)
Die Weisheiten Allahs in diesem Krieg
Allāma Ibn Qayyim hat das oben erwähnte Thema ausführlich behandelt.[Zād al-Maʿād, Bd. 2, S. 99–108
(Sayyid Qutb, der Märtyrer, hat auch an dieser Stelle in seinem großartigen Tafsir „Fi Zilal al-Qur’an“ eine bewegende Erörterung vorgelegt. Siehe den 4. Band der bengalischen Übersetzung.)
Die ehrwürdigen Gelehrten sagen, dass in den Krisen und Schwierigkeiten, denen die Muslime in der Schlacht von Uhud gegenüberstanden, eine Weisheit Allahs verborgen lag. Dazu gehörte, die Muslime vor den schlechten Folgen ihrer Taten zu warnen. Die Bogenschützen hatten den Befehl des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, missachtet, an ihren Stellungen auszuharren. Deshalb mussten sie eine Niederlage erleiden. Außerdem sollte dem Propheten die Gesetzmäßigkeit offengelegt werden, dass die Gläubigen zunächst Prüfungen durchlaufen und danach Erfolg erlangen. Wenn die Muslime stets siegreich wären, würden sich unter den Gläubigen auch Menschen befinden, die keine wahrhaft Gläubigen sind. Dann wäre es nicht möglich, zwischen Wahrhaftigen und Lügnern zu unterscheiden. Würden sie hingegen ständig Niederlagen erleiden, würde der Zweck des Erscheinens des Propheten Allahs vereitelt. Daher ließ Allahs Weisheit beide Arten von Situationen eintreten. Auf diese Weise konnte zwischen Wahrheit und Falschheit unterschieden werden. Denn die Heuchelei der Heuchler war unter den Muslimen verborgen. Nachdem dieser Umstand offenkundig geworden war und die Heuchler durch ihre Worte und Taten erkannt worden waren, verstanden die Muslime, dass sich der Feind mitten in ihren eigenen Häusern befand. Dadurch wurden sie hinsichtlich ihrer Angelegenheiten wachsam und trafen Vorbereitungen zu ihrer Bekämpfung.
Eine weitere Weisheit bestand darin, dass bei einer Verzögerung der Hilfe bisweilen die Geduld erschöpft ist. Nachdem die Muslime einer Prüfung ausgesetzt worden waren, bewahrten sie Geduld. Unter den Heuchlern hingegen brach Aufruhr aus, und sie begannen zu jammern und zu klagen.
Eine weitere Weisheit bestand darin, dass Allah, der Herr der Welten, im Paradies, der Wohnstätte der Ehre für die Gläubigen, bestimmte Rangstufen vorgesehen hat, zu denen man nicht durch gewöhnliche Mittel des Aufstiegs gelangen kann. Deshalb wurden einige Mittel in Form von Prüfungen und Unglück geschaffen, damit die Gläubigen zu diesen Rangstufen aufsteigen können.
Eine weitere Weisheit bestand darin, den Awliya, also den Freunden Allahs, jene höhere Rangstufe zu verleihen, die im Märtyrertod liegt.
Eine weitere Weisheit bestand darin, dass Allah, der Herr der Welten, wollte, dass Seine Feinde zugrunde gehen, und deshalb auch die Mittel zu ihrem Untergang schuf. Hinsichtlich des Unglaubens, des Unrechts, der Unterdrückung und der Zufügung von Leid an den ehrwürdigen Awliya zeigten sie maßlose Überheblichkeit und Überschreitung aller Grenzen. Als Folge dieser ihrer Taten freute sich Allah, der Erhabene, über die Geduld und Standhaftigkeit der Gläubigen, läuterte die Gläubigen und ließ die Ungläubigen zugrunde gehen. [Fath al-Bari, 7. Band, S. 347]
Militärische Unternehmungen nach Uhud
Die scheinbare Niederlage in der Schlacht von Uhud hatte tiefgreifende Auswirkungen auf das Ansehen der Muslime. In den Augen der Feinde des Islams nahm ihr Einfluss ab. Dadurch verschärften sich die inneren und äußeren Probleme der Gläubigen. Die Gefahr von Angriffen auf Medina aus allen Richtungen nahm zu. Die Juden, die Heuchler und die Beduinen begannen eine offene Feindschaft. Von allen Seiten wurden Anstrengungen unternommen, den Muslimen Leid zuzufügen. Sie äußerten sogar die Erwartung, dass sie die Muslime, wenn sie wollten, vollständig auslöschen könnten. Daher unternahmen die Angehörigen des Stammes Banu Asad kaum zwei Monate nach der Schlacht von Uhud den Versuch, Medina anzugreifen. Im Monat Safar des vierten Jahres nach der Hidschra schmiedeten die Stämme Adal und Qarah eine solche Verschwörung, dass zehn Gefährten den Märtyrertod erleiden mussten. Im selben Monat fielen infolge des Verrats des Anführers des Stammes Banu Amir siebzig Gefährten als Märtyrer. Dieses Unglück ist als das Unglück von Bi’r Ma’una bekannt. Zu dieser Zeit begannen auch die Angehörigen des Stammes Banu Nadir eine offene Feindschaft. Im Monat Rabi al-awwal des vierten Jahres nach der Hidschra versuchten sie, den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu töten. Der Wagemut des Stammes Banu Ghatafan war inzwischen so weit angewachsen, dass sie im Monat Dschumada al-awwal des vierten Jahres nach der Hidschra einen Angriff auf Medina planten.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Einfluss der Muslime im Kampf von Uhud geschwächt worden war und sie deshalb lange Zeit Gefahren ausgesetzt waren. Doch durch die geschickte Führung des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, erlangten die Muslime ihre Würde und ihren Einfluss zurück. Sein erster Schritt in dieser Hinsicht war die Verfolgung der Götzendiener bis nach Hamra al-Asad. Dadurch wurde das Ansehen der muslimischen Auswanderer zu einem großen Teil wiederhergestellt. Durch dieses militärische Vorgehen wurden die Gegner des Islams, insbesondere die Heuchler, völlig bestürzt. Danach begann der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, schrittweise militärische Unternehmungen dieser Art durchzuführen, durch die die Muslime nicht nur ihre frühere verlorene Würde zurückgewannen, sondern sie sogar noch steigerten. Auf dieses Thema werde ich auf den folgenden Seiten eingehen.
1) Die Expedition von Abu Salama
Nach dem Kampf von Uhud erhob sich als erster der Stamm Banū Asad ibn Chuzayma gegen die Muslime. In Medina traf die Nachricht ein, dass Talha und Salama, die beiden Söhne von Chuwailid, gemeinsam mit ihrem Stamm und anderen Gefährten den Stamm Banū Asad für einen Angriff auf den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, mobilisierten. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, stellte in kurzer Zeit ein Heer aus einhundertfünfzig Ansar und Auswanderern zusammen. Hadhrat Abu Salama, möge Allah mit ihm zufrieden sein, wurde zum Befehlshaber dieses Heeres ernannt. Noch bevor der Stamm Banū Asad seinen Feldzug beginnen konnte, griff Hadhrat Abu Salama, möge Allah mit ihm zufrieden sein, ihn so überraschend an, dass seine Angehörigen auseinanderstoben und flohen. Zu einem offenen Zusammenstoß kam es überhaupt nicht. Die Muslime brachten ihre Kamele und ihr Vieh unter ihre Kontrolle. Mit der Beute kehrten sie sicher nach Medina zurück. Die Muslime brachen in der Nacht des Erscheinens des Neumondes von Muharram im vierten Jahr nach der Hidschra auf. Nach seiner Rückkehr nach Medina erkrankte Hadhrat Abu Salama, möge Allah mit ihm zufrieden sein, schwer. Die Wunde, die er im Kampf von Uhud erlitten hatte, begann stärker zu schmerzen, und wenige Tage später verstarb er. [Zād al-Maʿād, Band 2, S. 108]
Abdullah ibn Unais, möge Allah mit ihm zufrieden sein, kehrte nach einem achtzehntägigen Aufenthalt außerhalb Medinas am 23. Muharram zurück. Auf dem Rückweg hatte er Chālid getötet und dessen Kopf mitgebracht. Als er beim Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, erschien und den Kopf vor ihn legte, gab ihm der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, einen Stock und sagte: „Dieser wird am Tag der Auferstehung ein Zeichen zwischen mir und dir sein.“ Als sein Tod näher rückte, vermachte er, dass dieser Stock zusammen mit seinem Leichnam in sein Grab gelegt werde. [Zād al-Maʿād, Band 2, S. 109; Ibn Hischām, Bd. 2, S. 619–620]
2) Das Ereignis von Radschīʿ
Im Safar des vierten Jahres nach der Hidschra kamen einige Männer aus den Stämmen ʿAdal und Qāra zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und baten ihn, da unter ihnen bereits etwas islamische Praxis verbreitet sei, einige Gefährten zu ihnen zu schicken, die ihnen den Koran und die Religion lehren sollten. Dementsprechend schickte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nach Ibn Ishāq sechs und nach Sahih al-Buchārī zehn Gefährten mit ihnen. Nach Ibn Ishāq wurde Murschid ibn Abī Murschid al-Ghanawī zum Anführer bestimmt; nach der Überlieferung von Sahih al-Buchārī war es ʿĀsim ibn Thābit, der Großvater mütterlicherseits von ʿĀsim ibn ʿUmar ibn al-Chattāb. Als sie bei der Quelle namens Radschīʿ des Stammes Hudhail zwischen Rābigh und Dschidda eintrafen, hetzten die genannten Männer von ʿAdal und Qāra den Stamm Banū Lihyān, einen Zweig des Stammes Hudhail, gegen sie auf.
Einhundert Bogenschützen dieses Stammes begannen, nach den Gefährten zu suchen.
3) Die Expedition von Abdullah ibn Unais
Am 5. Muharram des vierten Jahres nach der Hidschra traf in Medina die Nachricht ein, dass Khalid ibn Sufyan al-Hudhali Truppen sammelte, um die Muslime anzugreifen. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, entsandte Abdallah ibn Unais (möge Allah mit ihm zufrieden sein), um einen Feldzug gegen ihn zu führen.
Abdallah ibn Unais (möge Allah mit ihm zufrieden sein) blieb achtzehn Tage außerhalb von Medina. Während dieser Zeit hetzten sie den Stamm Banu Lihyan, einen Zweig des Stammes Hudhail, gegen sie auf. Daraufhin fielen etwa hundert Bogenschützen aus dem Stamm Banu Lihyan über sie her. Die Gefährten suchten auf einem Hügel Zuflucht. Die Bogenschützen umzingelten sie und sagten: „Wir geben euch unser Versprechen, dass wir keinen von euch töten werden, wenn ihr herabkommt.“ Ibn Unais (möge Allah mit ihm zufrieden sein) weigerte sich hinabzusteigen und begann mit seinen Gefährten, gegen sie zu kämpfen. Im heftigen Pfeilhagel erlitten sieben Gefährten den Märtyrertod. Drei weitere waren noch am Leben. Es waren Hazrat Khubaib (möge Allah mit ihm zufrieden sein), Hazrat Zaid ibn Dathana und ein weiterer. Die Bogenschützen des Stammes Banu Lihyan erneuerten ihr Versprechen und baten sie, herabzukommen. Da ihnen keine andere Möglichkeit blieb, stiegen die drei Gefährten hinab. Sobald sie sie in ihre Gewalt gebracht hatten, fesselten sie die drei Gefährten. Darauf sagte der erwähnte dritte Gefährte: „Ihr habt euer Versprechen ja schon von Anfang an gebrochen; ich werde auf keinen Fall mit euch gehen.“ Darauf versuchten sie, diesen Gefährten des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gewaltsam mitzuschleifen. Als sie auch damit keinen Erfolg hatten, töteten sie ihn. Hazrat Khubaib und Hazrat Zaid ibn Dathana brachten sie nach Mekka und verkauften sie dort. Diese beiden Gefährten hatten am Tag von Badr die Anführer der Ungläubigen in Mekka getötet. Hazrat Khubaib (möge Allah mit ihm zufrieden sein) blieb einige Zeit gefangen. Danach beschlossen die Übeltäter von Mekka, ihn zu töten, und brachten ihn an einen Ort namens Tanʿim außerhalb des Haram. Als sie ihn zur Kreuzigung aufstellten, sagte er: „Lasst mich los. Ich möchte zwei Rakʿa Gebet verrichten.“ Die Götzendiener ließen ihn frei. Er verrichtete zwei Rakʿa Gebet. Nach dem Taslim sagte er: „Bei Allah, wenn ich nicht befürchtet hätte, dass ihr sagen würdet, ich täte all dies aus Furcht, hätte ich das Gebet noch länger gemacht.“ Danach sagte er: „O erhabener Allah, zähle sie auf, zerstreue sie danach und töte sie einzeln; verschone keinen von ihnen.“ Anschließend trug Hazrat Khubaib (möge Allah mit ihm zufrieden sein) ein Gedicht vor:
„Sie alle umringten mich in Scharen.
Stamm um Stamm versammelte sich, niemand blieb zurück.
Keine Frau und kein Kind blieb zurück; sie kamen Schar um Schar.
Sie brachten mich unter einen großen Baum.
Fern von meiner Heimat bin ich heute hilflos
Bei Dir allein erhebe ich meine Klage, Herr der Welten!
O Herr des Thrones, schenke mir ein geduldiges Herz
und unaufhörlich geistigen und körperlichen Mut, o mein Herr.
Sie sagten: Weit besser ist der Tod, als ein Ungläubiger zu werden,
tränenlos schluchzen meine beiden Augen.
Als Muslim gehe ich in den Tod – wovor sollte ich mich fürchten?
Wenn ich auf Allahs Weg sterbe, brauche ich keine Richtung zu bestimmen.
Für Allahs Wohlgefallen ist mein Märtyrertod.“
Nachdem Hadhrat Khubaib (möge Allah mit ihm zufrieden sein) die Rezitation seines Gedichts beendet hatte, sagte Abu Sufyan zu ihm: „Möchtest du, dass wir Muhammad an deiner Stelle gefangen nehmen, ihn enthaupten und du zu deiner Familie zurückkehrst?“ Hadhrat Khubaib (möge Allah mit ihm zufrieden sein) erwiderte entschlossen: „Bei Allah, ich würde es nicht einmal wünschen, dass Muhammad (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) im Austausch dafür, dass ich bei meiner Familie sein dürfte, von einem Dorn am Fuß gestochen würde und selbst dort, wo er sich befindet, den Schmerz dieses Dorns erleiden müsste.“
Danach hängten die Götzendiener, die Feinde Allahs, Hazrat Khubaib (r.a.) am Galgen auf und stellten Wachen ab, um seine Leiche zu bewachen. Hazrat Amr ibn Umayya kam in der Nacht, nahm die Leiche herunter und bestattete sie. Hazrat Khubaib (r.a.) war von Uqba ibn al-Harith getötet worden. In der Schlacht von Badr hatte Hazrat Khubaib (r.a.) dessen Vater getötet.
Im Sahih al-Bukhari wird berichtet, dass Hazrat Khubaib (r.a.) der erste fromme Mann war, der vor der Hinrichtung die Verrichtung von zwei Rakʿa des Gebets einführte. Während er sich in der Gefangenschaft der Ungläubigen befand, wurde er dabei gesehen, wie er frische Trauben aß. Zu jener Zeit waren jedoch nicht einmal in Mekka Datteln erhältlich.
Den anderen gefangengenommenen Sahabi, Hazrat Zaid ibn Dathina (r.a.), kaufte Safwan ibn Umayya und ließ ihn als Vergeltung für die Tötung seines Vaters töten.
Hazrat Asim (r.a.) war bereits zuvor durch den Pfeilregen der Ungläubigen getötet worden. Die Quraisch von Mekka schickten Männer aus, um wenigstens einen Teil von Hazrat Asims (r.a.) Leichnam zu holen, denn in der Schlacht von Badr hatte er einen bedeutenden Anführer der Ungläubigen getötet. Doch Allah, der Erhabene, schickte einen Bienenschwarm und beschützte seine Leiche. Daher konnten die Ungläubigen nicht einmal den kleinsten Teil des heiligen Leichnams von Hazrat Asim (r.a.) an sich nehmen. Tatsächlich hatte Hazrat Asim (r.a.) Allah darum gebeten, dass kein Götzendiener ihn berühren könne und dass auch er keinen Götzendiener berühren möge. Als Hazrat Umar (r.a.) später von diesem Ereignis hörte, sagte er oft: „Allah, der Herr der Welten, beschützt Seinen gläubigen Diener auch nach dessen Tod genau so, wie Er ihn zu Lebzeiten beschützt.“ [Ibn Hischam, Band 2, S. 69–79; Zad al-Maʿad, Band 2, S. 209; Sahih al-Bukhari, Band 2, S. 568, 569, 585]
Vier) Das erschütternde Ereignis von Biʾr Maʿuna
Im selben Monat, in dem sich das Ereignis von Rajiʿ ereignet hatte, geschah auch das Ereignis von Biʾr Maʿuna. Auch dieses Ereignis war nicht weniger erschütternd als das von Rajiʿ. Die kurze Darstellung des Ereignisses lautet wie folgt: Abu Baraʾ Amir ibn Malik erschien in Medina beim Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Er trug den Beinamen „Malaʾikul-Asinna“, das heißt „Speerwerfer“. Nachdem er beim Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) erschienen war, lud ihn der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zum Islam ein. Doch er nahm den Islam nicht an, sagte aber auch nicht, dass ihm der Islam missfalle. Er sagte: „O Gesandter Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), wenn du deine Gefährten zu den Bewohnern von Nadschd entsendest, glaube ich, dass sie die Einladung zum Islam annehmen werden.“ Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Ich habe Bedenken hinsichtlich der Bewohner von Nadschd, was meine Gefährten betrifft.“ Abu Baraʾ sagte: „Sie werden unter meinem Schutz stehen.“ Daraufhin entsandte der Gesandte Allahs nach der Überlieferung von Ibn Ishaq vierzig Sahaba gemeinsam mit Abu Baraʾ. Die Überlieferung, in der Imam al-Bukhari im Sahih al-Bukhari siebzig Sahaba erwähnt, ist die richtige. Zum Amir dieser siebzig Sahaba wurde Mundhir ibn Amr ernannt. Er stammte aus dem Stamm der Banu Saʿida und trug den Beinamen „Mutaqallil al-Maut“, das heißt „derjenige, der den Tod gering achtet“. Unter den genannten siebzig Sahaba waren allesamt Männer, die in verschiedenen Bereichen des Islam über umfassende Kenntnisse verfügten und äußerst fromm waren. Tagsüber hackten sie Holz und kauften mit dem Erlös Nahrung für die Bewohner der Ahl as-Suffa; sie selbst rezitierten den Koran und lehrten ihn auch andere. Die Nächte verbrachten sie mit Bittgebeten und Gebet vor Allah, dem Herrn der Welten. Während sie unterwegs waren, gelangten diese siebzig Sahaba, die als Daʿis des Islam wirkten, in die Nähe des Wasserbeckens von Maʿuna. Dieses Wasserbecken lag zwischen Banu Amir und Harra Banu Sulaim. Unmittelbar nach ihrer Ankunft schickten die Sahaba durch Haram ibn Milhan, den Bruder von Umm Sulaim, den vom Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) überbrachten Brief an Amir ibn Tufail, einen erbitterten Feind des Islam. Dieser Schurke öffnete den heiligen Brief des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) nicht einmal, sondern gab einem Mann ein Zeichen. Dieser Mann stieß Hazrat Haram ibn Milhan (r.a.) von hinten so heftig mit einem Speer, dass die Speerspitze vorne wieder austrat. Als Hazrat Haram ibn Milhan (r.a.) das Blut sah, sagte er: „Allah ist größer! Beim Herrn der Kaaba, ich habe Erfolg erlangt.“
Kurz darauf rief der erbitterte, ruchlose ungläubige Feind Allahs, Amir ibn Tufail, die Männer seines Stammes Banu Amir auf, die anderen Sahaba anzugreifen. Doch wegen des Schutzes von Abu Baraʾ folgten sie Amirs Ruf nicht. Daraufhin rief Amir, enttäuscht von dieser Seite, die Männer des Stammes Banu Sulaim zu sich. Die drei Unterstämme von Banu Sulaim – Asiyya, Baʿal und Dhakwan – folgten seinem Ruf und umzingelten die edlen Sahaba. Die Sahaba kämpften ihrerseits ebenfalls. Doch fast alle von ihnen wurden zu Märtyrern. Nur Hazrat Kaʿb ibn Zaid an-Nadschdschār (r.a.) blieb am Leben. Er wurde verwundet aus der Mitte der zu Märtyrern gewordenen Sahaba herausgetragen. Er lebte bis zur Schlacht am Graben. Hazrat Amr ibn Umayya ad-Damri und Hazrat Mundhir ibn Uqba Amir (r.a.) hüteten allein Kamele. Als sie den Flug von Vögeln über dem Ort des Geschehens sahen, gingen sie dorthin. Hazrat Mundhir (r.a.) wurde im Kampf an der Seite seiner Gefährten zum Märtyrer. Hazrat Amr ibn Umayya ad-Damri wurde gefangen genommen. Er gehörte zum Stamm der Mudar. Nachdem Amir ibn Tufail dies erfahren hatte, schnitt er ihm einige Haare vom oberen Teil der Stirn ab und ließ ihn im Namen seiner Mutter frei. Die Mutter dieses Schurken hatte zuvor gelobt, einen Sklaven freizulassen.
Hazrat Amr ibn Umayya ad-Damri kam mit dieser herzzerreißenden Nachricht in Medina an. Das Martyrium von siebzig herausragenden Sahaba erinnerte an die Katastrophe von Uhud. In der Schlacht von Uhud bestand immerhin die Möglichkeit, dass es auf beiden Seiten Verluste gab; hier jedoch wurden die aufrichtigen Sahaba Opfer eines schamlosen Verrats. Auf seiner Rückkehr erreichte Hazrat Amr ibn Umayya ad-Damri in der Nähe der Ebene von Qanat einen Ort namens Qarqara und ließ sich im Schatten eines Baumes nieder. Auch zwei Männer aus dem Stamm Banu Kilab waren dort eingetroffen. Nachdem beide eingeschlafen waren, tötete Hazrat Amr ibn Umayya sie. Seiner Auffassung nach nahm er damit Rache für die Ermordung seiner Gefährten. Doch diese beiden Männer trugen einen Sicherheitsbrief des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) bei sich. Hazrat Amr wusste davon jedoch nichts. Nachdem er in Medina angekommen war und dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) von dem Ereignis berichtet hatte, sagte dieser: „Du hast zwei Männer getötet, für deren Tötung ich unbedingt das Blutgeld entrichten muss.“ Danach widmete sich der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) dem Sammeln des Blutgeldes bei den Muslimen und ihren jüdischen Verbündeten. Aufgrund dieses Ereignisses kam es zum Krieg gegen Banu Nadir, über den später noch gesprochen werden wird.
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, war über die Ereignisse von Bi’r Maʿūna und ar-Radschīʿ so tief betrübt und so schwer getroffen, dass es sich nicht in Worte fassen lässt. [Al-Wāqidī schreibt: Der Gesandte Allahs erhielt die Nachricht von den beiden Ereignissen, von ar-Radschīʿ und Maʿūna, in derselben Nacht.] [Ibn Saʿd überliefert von Hadhrat Anas (möge Allah mit ihm zufrieden sein), dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) bei keinem anderen Ereignis so tief betrübt und bekümmert war wie beim Vorfall von Bi’r Maʿūna. Mukhtaṣar as-Sīra, Scheich ʿAbdullah, S. 260.] Zwischen beiden Ereignissen lagen nur wenige Tage. Einen Monat lang sprach der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Verwünschungen gegen jene Völker und Stämme aus, die gegenüber den ehrenwerten Gefährten einen solchen grausamen Verrat begangen hatten. In Ṣaḥīḥ al-Buchārī wird von Hadhrat Anas (möge Allah mit ihm zufrieden sein) überliefert, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, dreißig Tage lang Verwünschungen gegen diejenigen aussprach, die bei Bi’r Maʿūna die ehrenwerten Gefährten getötet hatten. Nach dem Morgengebet sprach er Verwünschungen gegen Baʿl, Dhakwān, Liḥyān und ʿUṣayya aus und sagte: „Die Angehörigen des Stammes ʿUṣayya haben Allah, den Erhabenen, und Seinem Gesandten den Gehorsam verweigert.“ Allah, der Erhabene, ließ hierzu einen Koranvers herabsenden, um den Kummer Seines Gesandten zu lindern. Dieser Vers wurde später aufgehoben. Die Aussage jenes Verses aus dem Heiligen Koran war: „Teilt unseren Stammesangehörigen mit, dass wir unseren Herrn in einem Zustand getroffen haben, in dem Er mit uns zufrieden war und auch wir mit Ihm zufrieden waren.“
Nachdem dieser Vers herabgesandt worden war, hörte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, auf, Verwünschungen auszusprechen. [Ṣaḥīḥ al-Buchārī, Band 2, S. 586–588]
Fünftens: Der Krieg gegen Banū an-Naḍīr
Wie bereits erwähnt, brannten die Juden vor Hass gegen den Islam und die Muslime. Sie waren jedoch keine tapferen Krieger, sondern Verschwörer und Intriganten. Daher bekundeten sie statt des Kampfes ihren Hass und ihre Feindschaft. Obwohl sie mit den Muslimen Verträge und Abkommen geschlossen hatten, suchten sie nach allen möglichen Vorwänden, um ihnen Schwierigkeiten zu bereiten und sie zu unterdrücken. Nach der Vertreibung des Stammes Banū Qaynuqāʿ und der Ermordung von Kaʿb ibn al-Aschraf ließ der Mut der Juden nach. Verängstigt blieben sie still. Nach der Schlacht von Uḥud jedoch kehrte ihr Mut zurück. Sie begannen, offene Feindschaft und Verrat gegen die Muslime zu zeigen. Die Heuchler von Medina verbündeten sich heimlich mit den Götzendienern von Mekka, und die Juden unterstützten die Götzendiener weiterhin. [Sunan Abī Dāwūd, Kommentar ʿAun al-Maʿbūd, Band 3, S. 116–117]
Obwohl der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, von allem wusste, bewahrte er Geduld. Nach den Vorfällen von ar-Radschīʿ und Maʿūna wuchs ihr Mut jedoch beträchtlich, und sie fassten den Plan, den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu töten. Der Hergang war folgender: Der Gesandte Allahs, Hadhrat Muhammad al-Muṣṭafā, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, begab sich mit einigen seiner Gefährten zu den Juden. Er sprach mit ihnen über die Entschädigung für den Tod zweier getöteter Angehöriger von Banū Kilāb, die Hadhrat ʿAmr ibn Umayya aḍ-Ḍamrī versehentlich getötet hatte. Gemäß dem mit den Juden geschlossenen Vertrag waren sie verpflichtet, die Muslime bei der Zahlung dieser Blutentschädigung zu unterstützen. Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ihnen dies mitteilte, sagten sie: „O Abū al-Qāsim, wir werden das tun. Bleibt mit euren Gefährten hier, wir werden alles regeln.“ Daraufhin setzte sich der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, an eine Mauer der Juden gelehnt und wartete. Hadhrat Abū Bakr (möge Allah mit ihm zufrieden sein), Hadhrat ʿUmar (möge Allah mit ihm zufrieden sein), Hadhrat ʿAlī (möge Allah mit ihm zufrieden sein) und einige weitere ehrenwerte Gefährten waren zu jener Zeit beim Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm.
Nachdem die Juden sich ein wenig entfernt hatten, ließ sich der Satan von ihnen bemächtigen. Er ließ ihnen ihr künftiges Unglück als Glück erscheinen. Die Juden berieten sich heimlich untereinander: „Das ist eine ausgezeichnete Gelegenheit. Kommt, lasst uns Muhammad töten. Wer ist bereit, den Gesandten Allahs zu töten, indem er von jenseits der Mauer einen schweren Mühlstein auf ihn herabwirft?“ Auf diese Frage erklärte sich ein Jude namens ʿAmr ibn Dschahsch bereit. Ein Jude namens Salām ibn Mischkam sagte: „Hütet euch, tut so etwas nicht! Bei Allah, der Gesandte Allahs wird von eurem Vorhaben erfahren. Allah, der Erhabene, wird ihn davon in Kenntnis setzen. Außerdem würdet ihr damit auch unser Abkommen mit den Muslimen brechen.“ Doch die übelgesinnten, unglückseligen Juden hörten auf kein Wort und hielten an der Verwirklichung ihrer schlechten Absicht fest.
Da sandte der Herr der Welten, Allah, der Erhabene, den Engel Dschibrīl (Friede sei mit ihm) zu Seinem geliebten Gesandten. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, erhob sich rasch von jenem Ort und machte sich auf den Weg nach Medina. Die ehrenwerten Gefährten folgten ihm und sagten zu ihm: „O Gesandter Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf dir, du bist so schnell aufgebrochen, dass wir überhaupt nichts verstanden haben.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, klärte die Gefährten über die Verschwörung der hinterlistigen Juden auf.
Nach seiner Rückkehr nach Medina sandte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Muhammad ibn Maslama zum Stamm Banū an-Naḍīr und ließ ihnen mitteilen: „Verlasst Medina unverzüglich. Ihr könnt hier nicht länger mit uns zusammenleben. Euch wird eine Frist von zehn Tagen gewährt. Danach werden alle, die noch angetroffen werden, enthauptet.“ Nach Erhalt dieser Mitteilung sahen die Juden keinen anderen Ausweg, als sich vertreiben zu lassen. Sie begannen, sich auf eine Reise von einigen Tagen vorzubereiten. Doch der Heuchlerführer ʿAbdullah ibn Ubayy ließ den Juden ausrichten: „Bleibt an eurem Ort und verlasst eure Häuser nicht. Unter meinem Befehl stehen zweitausend Krieger, die in eure Festungen eindringen werden. Sie werden mit euch ausziehen. Keine Drohung gegen euch wird uns beeinflussen. Wenn gegen euch gekämpft wird, werden wir euch unterstützen. Außerdem sind die Stämme Banū Qurayẓa und Banū Ġaṭafān eure Verbündeten; auch sie werden euch helfen.“
Die Juden schöpften durch diese von dem Heuchler ʿAbdullah ibn Ubayy übermittelte Nachricht neuen Mut. Sie beschlossen, lieber zu kämpfen, als sich vertreiben zu lassen. Der jüdische Anführer Huwai ibn Akhtar hatte gehofft, dass der Anführer der Heuchler sein Wort halten würde. Daher ließ er dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ausrichten: „Wir werden unsere Häuser nicht verlassen. Tun Sie, was Sie zu tun haben.“
Für die Muslime war diese Herausforderung heikel und aus historischer Sicht eine komplexe und bedeutende Angelegenheit. In dieser Zeit des Wandels war der Ausgang eines Konflikts mit den Feinden keineswegs gewiss. Eine gefährliche Lage konnte jederzeit entstehen. Ganz Arabien erhob sich gegen die Muslime. Zwei Missionsdelegationen der Muslime waren grausam ermordet worden. Die Juden des Stammes Banu Nadir waren so mächtig, dass es keine leichte Aufgabe war, sie zur Herausgabe ihrer Waffen zu bewegen. Außerdem war es gefährlich, das Risiko eines Krieges mit ihnen einzugehen. Nach Bir Mauna und den vorausgegangenen tragischen Ereignissen waren die Muslime in Bezug auf Verbrechen wie Mord und Verrat besonders wachsam geworden. Derartige Verbrechen hatten sie seelisch zermürbt und empört. Deshalb beschlossen sie, dass sie gegen Banu Nadir kämpfen mussten, weil dieser Stamm ein Komplott zur Ermordung des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, geschmiedet hatte – ungeachtet der Folgen. Sobald der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die Nachricht von Huwain ibn Akhatar erhalten hatte, machten sich die ehrwürdigen Gefährten mit dem Ruf „Allah ist größer“ zum Kampf bereit. Zu dieser Zeit wurde ʿAbdullah ibn Maktum mit der Betreuung von Medina beauftragt. Danach brach der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, mit seinen Gefährten in Richtung der Siedlung von Banu Nadir auf. Das Banner wurde ʿAli ibn Abu Talib, möge Allah mit ihm zufrieden sein, übergeben. Als sie das Gebiet von Banu Nadir erreichten, belagerten sie den Stamm.
Banu Nadir zog sich unterdessen in seine Festungen zurück und wurde dort eingeschlossen. Nachdem sie die Festungstore geschlossen hatten, begannen sie, Pfeile und Steine zu schleudern. Die dichten Dattelpalmenhaine nutzten sie als Schutzschild. Eines Tages befahl der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die Dattelpalmen zu fällen und zu verbrennen. Darauf anspielend schrieb der berühmte Dichter Hassan ibn Thabit, möge Allah mit ihm zufrieden sein:
„Für die Anführer der Banu Luʾayy ist es eine ganz gewöhnliche Sache
dass die Flammen lodernd über Buwaibas Wasserläufen brennen.“
Buwaiba war ein von Dattelpalmenhainen des Stammes Banu Nadir umgebenes Gebiet. Darauf anspielend sagt Allah, der Herr der Welten: „Ihr habt Dattelpalmen gefällt und andere auf ihren Stämmen stehen gelassen – dies geschah nur mit Allahs Erlaubnis.“ Aus diesem Anlass führte Allah, der Herr der Welten, folgendes Gleichnis an: „Sie sind wie der Satan, der zum Menschen sagt: ‚Leugne den Glauben!‘ Wenn dieser dann den Glauben verleugnet, sagt der Satan: ‚Ich habe nichts mit dir zu tun. Ich fürchte Allah, den Herrn der Welten.‘“ (Sure al-Haschr, Vers 16)
Die Belagerung dauerte nicht lange: sechs oder sieben Nächte, nach anderer Auffassung fünfzehn Nächte. Während dieser Zeit ließ Allah, der Erhabene, in den Herzen der Juden Furcht vor den Muslimen entstehen, und ihre Moral zerfiel. Sie erklärten sich freiwillig zur Abgabe ihrer Waffen bereit und ließen dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ausrichten: „Wir sind bereit, Medina zu verlassen.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, stimmte dem Vorschlag der Juden zu. Er gestattete ihnen außerdem, alles mitzunehmen, was sie außer den Waffen tragen konnten, und Medina mit ihren Familien zu verlassen. Nachdem Banu Nadir diese Genehmigung vom Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, erhalten hatte, übergab der Stamm seine Waffen und begann, eigenhändig die Häuser abzureißen und die benötigten Gegenstände zusammenzubinden und zu verpacken. Sie sorgten dafür, Türen und Fenster soweit wie möglich mitzunehmen. Einige nahmen sogar die Dachbalken und die Pfosten aus den Wänden mit. Danach setzten sie Frauen und Kinder auf Kamele und verließen Medina. Die meisten Juden suchten Zuflucht in Chaibar. Zu ihnen gehörten die angesehenen Juden Huwai ibn Akhtar und Salam ibn Abu al-Huqaiq, die nach Chaibar gingen. Eine Gruppe machte sich auf den Weg nach Syrien. Yamin ibn ʿAmr und Abu Saʿid ibn Wahab hingegen nahmen den Islam an. Deshalb tasteten die Muslime ihre Besitztümer nicht einmal an.
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, übernahm gemäß den Bedingungen die Waffen, Ländereien, Häuser und Gärten des Stammes Banu Nadir in seine Verfügungsgewalt. Zu den Waffen gehörten 50 Rüstungen, 50 Helme und 340 Schwerter.
Die Gärten, Ländereien und Häuser des Stammes Banu Nadir standen ausschließlich im Eigentum des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Er hatte das alleinige Recht, sie für sich zu behalten oder jemandem zu schenken. Deshalb entnahm er diesen Vermögenswerten nicht, wie bei der Kriegsbeute, ein Fünftel. Denn Allah, der Herr der Welten, hatte seinem geliebten Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, diese Güter als Fai geschenkt. Die Muslime hatten diese Güter nicht durch Kampf erworben. Aufgrund seiner besonderen Befugnis und seines besonderen Rechts überließ der Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, diese Güter ausschließlich den Muhadschirun, die in der ersten Phase ausgewandert waren. Zwei Gefährten aus den Ansar, Abu Dschudschana und Sahl ibn Hunain, Allahs Wohlgefallen sei auf ihnen, erhielten wegen ihrer Bedürftigkeit einen Teil dieser Güter. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, behielt einen kleinen Teil für sich. Aus den Mitteln dieses zurückbehaltenen Vermögens bestritt der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die ganzjährigen Ausgaben seiner Ehefrauen.
Dieser Feldzug gegen Banu Nadir fand am 4. August 625 n. Chr. statt. Allah, der Erhabene, offenbarte anlässlich dieses Ereignisses die gesamte Sure al-Haschr. Darin werden die Frevel der Juden dargestellt und das wahre Wesen der Heuchler enthüllt.
Nach der Darlegung der Bestimmungen über den Fai werden die Muhadschirun und die Ansar gelobt. Außerdem wird erklärt, dass es im Rahmen der Kriegstaktik erlaubt ist, die Bäume der Feinde zu fällen und sie in Brand zu setzen. Eine solche Handlung stellt keine Verderbnis auf der Erde dar. Danach werden die Gläubigen dazu angehalten, Taqwa zu erlangen und sich auf das Jenseits vorzubereiten. Anschließend schließt Allah, der Herr der Welten, die Sure, indem Er Seinen eigenen Lobpreis verkündet und Seine Namen und Eigenschaften beschreibt.
Daher sagte der ehrenwerte Abdullah ibn Abbas, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, dass es angemessen sei, diese Sure Sure Banu Nadir zu nennen. [Ibn Hischam, Bd. 2, S. 183–187; Zad al-Ma’ad, Bd. 2, S. 209, 110; Sahih al-Buchari, Bd. 2, S. 584, 568]
Sechstens) Der Feldzug von Nadschd
Im Krieg gegen Banu Nadir errangen die Muslime ohne nennenswerte Opfer oder Mühen einen lobenswerten Erfolg. Dadurch wurde die Macht der Muslime in Medina noch stärker und gefestigter. Die Heuchler waren enttäuscht, und ihre Gesichter verfinsterten sich. Sie wagten es nicht, offen etwas gegen den Islam zu unternehmen. Danach bemühte sich der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Nachrichten über jene Beduinen einzuholen, die den Muslimen seit Uhud große Schwierigkeiten bereitet hatten. Sie hatten die Daʿwa-Rufer und Verkünder des Islam äußerst brutal angegriffen und getötet. Später wuchs ihr Mut so sehr, dass sie sogar daran dachten, Medina anzugreifen.
Schon wenige Tage nachdem der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nach dem Krieg gegen Banu Nadir in Medina geblieben war, erhielt er die Nachricht, dass die Stämme Banu Muharib und Banu Tha’laba der Banu Ghatafan begonnen hatten, Beduinen für einen Krieg gegen die Muslime zu sammeln. Unmittelbar nachdem er diese Nachricht erhalten hatte, beschloss der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, einen Feldzug nach Nadschd zu unternehmen. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und die Muslime drangen weit vor, nachdem sie die Ebenen von Nadschd durchquert hatten. Ziel dieses Feldzugs war es, den harten Beduinen Furcht einzuflößen, damit sie es nicht wagten, ihre früheren Aktivitäten gegen die Muslime zu wiederholen.
Die an Plünderung, Raub, Wegelagerei und Rücksichtslosigkeit gewöhnten und darin erfahrenen Beduinen erschraken, sobald sie von diesem überraschenden Feldzug der Muslime hörten, flohen und suchten in den Bergen Zuflucht. Nachdem die Muslime Einfluss auf diese Plünderer ausgeübt hatten, machten sie sich auf den Weg nach Medina.
Die Chronisten erwähnen an dieser Stelle einen bestimmten Feldzug. Er wird als der Feldzug von Reka im vierten Jahr der Hidschra bezeichnet. Nach den verfügbaren Belegen zu urteilen, fand zu jener Zeit innerhalb Nadschds ein Feldzug statt. Denn die Lage in Medina war in gewisser Hinsicht ähnlich. Abu Sufjan hatte nach seiner Rückkehr vom Uhud-Feldzug für das folgende Jahr einen Kampf bei Badr angedroht, und die Muslime hatten diese Herausforderung angenommen. Diese Zeit rückte nun erneut näher. Es wäre nicht klug gewesen, Medina zu entblößen und einen großen Krieg ähnlich der Schlacht von Badr zu beginnen, während man die Beduinen weiterhin ihre Torheit und Willkür ausüben ließ. Vielmehr musste man, bevor man zu einem Krieg wie der schrecklichen Schlacht bei Badr aufbrach, die Übergriffe der Beduinen zurückschlagen, damit sie angesichts dieses Schlags künftig nicht einmal am Rande ihres Bewusstseins daran dachten, Medina anzugreifen.
Es scheint, dass der Feldzug, der im vierten Jahr der Hidschra im Rabi al-thani oder im Dschumada al-awwal stattfand, nicht der Feldzug von Dhat ar-Riqa war. Nach den verfügbaren Belegen fand ein solcher Feldzug zu jener Zeit nicht statt. Denn am Feldzug von Dhat ar-Riqa nahmen Abu Huraira (möge Allah mit ihm zufrieden sein) und Abu Musa al-Aschari (möge Allah mit ihm zufrieden sein) teil. Abu Huraira (möge Allah mit ihm zufrieden sein) hatte erst wenige Tage vor dem Feldzug von Chaibar den Islam angenommen. Abu Musa al-Aschari (möge Allah mit ihm zufrieden sein) war erst in Chaibar zum Dienst beim Gesandten Allahs erschienen.
Ein weiterer Beweis dafür, dass der Feldzug von Dhat ar-Riqa geraume Zeit nach dem vierten Jahr der Hidschra stattfand, ist, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, dabei das Gebet der Furcht verrichtete (das Gebet während eines Kriegszustands wird Gebet der Furcht genannt. Eine Regel dieses Gebets besteht darin, dass die Hälfte der Soldaten bewaffnet hinter dem Imam betet, während die andere Hälfte in voller Bewaffnung den Feind beobachtet. Nach einer Gebetseinheit tritt die zweite Hälfte hinter den Imam, während die erste Hälfte nach vorn geht, um den Feind im Auge zu behalten. Der Imam vollendet die zweite Gebetseinheit, und beide Gruppen des Heeres vollenden ihre Gebete nacheinander. Für dieses Gebet gibt es noch einige weitere Regeln, die je nach Kriegslage befolgt werden. Eine ausführliche Darstellung findet sich in den Hadith-Werken.) Das Gebet der Furcht wurde erstmals während des Feldzugs von Asfan verrichtet. Es besteht kein Zweifel daran, dass der Feldzug von Asfan nach der Grabenschlacht stattfand. Die Grabenschlacht ereignete sich gegen Ende des fünften Jahres der Hidschra. Tatsächlich war der Feldzug von Asfan ein damit zusammenhängendes Ereignis der Reise nach Hudaiybiya. Die Reise nach Hudaiybiya fand gegen Ende des sechsten Jahres der Hidschra statt. Nach seiner Rückkehr von dort brach der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in Richtung Chaibar auf. Auch daraus geht hervor, dass der Feldzug von Dhat ar-Riqa erst nach dem Feldzug von Chaibar stattfand.
Sieben) Der zweite Feldzug von Badr
Nachdem die Muslime Gewissheit über die Feinde in der Umgebung Medinas erlangt und die Übergriffe der Beduinen zum Schweigen gebracht hatten, begannen sie, sich auf den Kampf gegen den großen Feind, die Quraisch, vorzubereiten. Denn das Jahr neigte sich rasch seinem Ende zu, und der für die Zeit von Uhud festgelegte Termin rückte ebenfalls schnell näher. Durch den Kampf gegen den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und sein Volk sollte ihnen gezeigt werden, dass die Muslime nicht schwach waren. Außerdem würde in diesem Krieg die von Allah rechtgeleitete und dem Weltschöpfer gehorsame Partei als diejenige gelten, die es verdient, fortzubestehen. Auch die Umstände würden zu ihren Gunsten sein.
Im Schaʿban des vierten Jahres der Hidschra, also im Januar 626, brach der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in Richtung Badr auf, um den geplanten Feldzug zu unternehmen, nachdem er Abd Allah ibn Rawaha die Verantwortung für Medina übertragen hatte. Bei ihm waren eintausendfünfhundert Mudschahidun und zehn Pferde. Das Banner des Heeres wurde Ali (möge Allah mit ihm zufrieden sein) übergeben. Nachdem der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und die Muslime das Gebiet von Badr erreicht hatten, warteten sie auf den Feind.
Auf der anderen Seite brach Abu Sufjan mit einer Truppe von zweitausend Götzendienern und fünfzig Reittieren auf und schlug am Ufer des berühmten Wasserbeckens von Madschanna in Marr az-Zahran, eine Ebene von Mekka entfernt, sein Lager auf. Doch schon seit seinem Aufbruch aus Mekka war Abu Sufjan von Angst und Schrecken erfüllt. Welchen Nutzen hatte es gebracht, zuvor gegen die Muslime zu kämpfen? Abu Sufjan begann, seine Erfahrungen aus der Vergangenheit zu bewerten. Angesichts der Tapferkeit und Opferbereitschaft der Muslime wagte Abu Sufjan nicht voranzugehen. Als er den Ort Marr az-Zahran erreichte, war seine Moral völlig gebrochen. Er begann, nach einem Vorwand für die Rückkehr nach Mekka zu suchen. Schließlich sagte er zu seinen Gefährten: „Hört, Gefährten! Krieg kann man nur führen, wenn Überfluss herrscht. Es muss reichlich Gras geben, damit die Tiere nach Herzenslust grasen und ihr ihre Milch trinken könnt. Jetzt aber ist die Trockenzeit. Deshalb kehre ich um; kehrt auch ihr um.“
Alle Soldaten der Quraisch-Truppe schienen von Angst überwältigt zu sein. Nach den Worten Abu Sufjans war niemand in der Lage, ein neues Argument vorzubringen. Niemand hatte mehr Interesse daran, gegen die Muslime zu kämpfen. Daher kehrten sie alle um.
Unterdessen warteten die Muslime acht Tage lang auf dem Schlachtfeld von Badr auf die feindlichen Truppen. In dieser Zeit verkauften sie Handelswaren und machten aus einem Dirham zwei. Nach acht Tagen kehrten die Muslime frohen Herzens und siegesbewusst nach Medina zurück.
Zu jener Zeit stand die Lage vollständig zugunsten der Muslime. Diese Schlacht ist als die verheißene Schlacht, die zweite Schlacht von Badr, eine weitere Schlacht von Badr beziehungsweise die kleine Schlacht von Badr bekannt. [Ibn Hischam, Bd. 2, S. 209; Zad al-Maʿad, Bd. 2, S. 112]
Die Schlacht von Dumat al-Dschandal
Der Gesandte Allahs kehrte von Badr zurück. Überall herrschten Frieden und Sicherheit. Im gesamten Gebiet verbreitete sich der Siegesruf des Islam, und eine ruhige, friedvolle und wohltuende Atmosphäre lag über dem Land. Der Gesandte Allahs erkannte die Notwendigkeit, bis zu den äußersten Grenzen Arabiens Ausschau zu halten. Dies war auch erforderlich, denn dadurch würden die Muslime eine feste Kontrolle über die Lage ausüben, und sowohl Feinde als auch Freunde würden dies verstehen und anerkennen.
Nach der kleinen Schlacht von Badr verbrachte der Gesandte Allahs sechs Monate in Frieden und Sicherheit in Medina. Danach wurde ihm berichtet, dass die Stämme in der Umgebung von Dumat al-Dschandal nahe Syrien vorbeiziehende Karawanen überfielen und ausraubten. Sie hatten außerdem eine große Gruppe aufgestellt, um Medina anzugreifen. Aufgrund dieser Nachrichten brach der Gesandte Allahs mit eintausend Muslimen auf, nachdem er Saba ibn Arfata al-Ghifari zu seinem Stellvertreter in Medina ernannt hatte. Dieses Ereignis fand am 25. Rabiʿ al-awwal des fünften Jahres nach der Hidschra statt. Als Wegführer nahm er einen Mann namens Maschkur aus dem Stamm der Banu ʿAdhra mit.
Während dieses Feldzugs bestand die Gewohnheit des Gesandten Allahs darin, nachts zu reisen und sich tagsüber zu verbergen. Diese Vorgehensweise wurde gewählt, um die Feinde überraschend anzugreifen. Als sie Dumat al-Dschandal erreichten, stellte sich heraus, dass die Feinde an einen anderen Ort weitergezogen waren. Ihre Viehherden und Hirten wurden in Besitz genommen, einige konnten jedoch entkommen.
Auch die Bewohner von Dumat al-Dschandal flohen in alle Richtungen, in die sie entkommen konnten. Nachdem die Muslime das Gebiet von Dumat al-Dschandal erreicht hatten, war von den Einheimischen niemand mehr zu finden. Der Gesandte Allahs blieb dort einige Tage. Truppen wurden in verschiedene umliegende Gegenden entsandt, doch niemand wurde gefunden. Einige Tage später kehrte der Gesandte Allahs nach Medina zurück. Während dieses Feldzugs wurde mit ʿUyayna ibn Hisn ein Vertrag geschlossen. Dumat al-Dschandal ist eine Stadt an der Grenze zu Syrien. Von dort sind es fünf Reisetage bis Damaskus und fünfzehn Reisetage bis Medina.
Durch solche wohlüberlegten Schritte und weisen Pläne gelang es dem Gesandten Allahs, den Ruhm, die Stärke und das Friedensideal des Islam in weit entfernte Gebiete zu verbreiten. Die Entwicklung wandte sich zugunsten der Muslime, und die inneren wie äußeren Probleme und Schwierigkeiten gingen zurück, nachdem sie die Muslime eine Zeit lang umringt hatten. Infolge dieser erfolgreichen Feldzüge verstummten die Heuchler. Ein jüdischer Stamm wurde vertrieben, während ein anderer Stamm versprach, sich wie ein guter Nachbar zu verhalten. Auch die Stärke der Quraisch nahm ab. Die Muslime erhielten die Gelegenheit, die erhabenen Lehren des Islam zu verbreiten und die Botschaft der Religion Allahs, des Herrn der Welten, zu verkünden.
Die Schlacht am Graben
Durch die mehr als ein Jahr andauernden militärischen Aktivitäten der Muslime wurde auf der Dschazīrat al-ʿArab, also der Arabischen Halbinsel, Frieden hergestellt. Überall breitete sich der Einfluss und das Ansehen der Muslime aus. In dieser Zeit wurden die Juden wegen ihres niederträchtigen Verhaltens, ihrer Verschwörungen und ihres Verrats verschiedenen Erniedrigungen und Demütigungen ausgesetzt. Dennoch kamen sie nicht zur Vernunft und zogen keinerlei Lehre daraus. Nach ihrer Verbannung aus Chaibar warteten die Juden ab, um zu sehen, welches Ende der Konflikt zwischen den Muslimen und den Götzendienern nehmen würde. Doch die Lage entwickelte sich zunehmend zugunsten der Muslime, und der Siegesruf des Islam verbreitete sich in weit entfernten Gebieten. Beim Anblick dessen verzehrten sich die Juden vor Neid. Sie begannen erneut zu intrigieren. Sie trafen Vorbereitungen für einen letzten Schlag gegen die Muslime. Sie wollten die Muslime für immer auslöschen. Da ihnen jedoch der Mut zu einer direkten Auseinandersetzung fehlte, fassten sie zur Verwirklichung ihres Ziels einen schrecklichen Plan.
Der Bericht über das Geschehen lautet folgendermaßen: Zwanzig Anführer und bedeutende Männer des Stammes Banū Nadīr erschienen in Mekka bei den Quraisch. Sie ermunterten die Quraisch, gegen den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in den Krieg zu ziehen, und erklärten, auch sie würden umfassende Unterstützung leisten. Die Quraisch stimmten zu. Zur Zeit der Schlacht von Uhud hatten die Quraisch versprochen, im folgenden Jahr auf der Ebene von Badr zu kämpfen, es jedoch nicht getan. Daher dachten sie, dass sie durch einen neuen militärischen Schritt sowohl den guten Ruf der Quraisch bewahren als auch ihr früheres Versprechen erfüllen könnten.
Anschließend begab sich die jüdische Delegation zu den Banū Ghatafān und spornte auch sie, ebenso wie die Quraisch, zum Krieg an. Auch sie machten sich bereit. Danach zogen diese Vertreter der Juden durch die verschiedenen Stämme Arabiens, hetzten sie gegen die Muslime auf und riefen sie zum Krieg auf. Daraufhin machten sich viele Menschen zum Kampf bereit. Kurz gesagt: Die jüdischen Politiker schlossen erfolgreich ein Bündnis mit den Ungläubigen und bereiteten zahlreiche Menschen darauf vor, gegen den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, seine Einladung und die Muslime in den Krieg zu ziehen.
Gemäß dem geplanten Vorgehen zogen daraufhin die Quraisch, die Kināna und andere verbündete Stämme, die in Tihāma lebten, aus dem Süden in Richtung Medina. Ihr Befehlshaber war der ungläubige Anführer Abū Sufyān. Ihre vereinte Truppenstärke betrug viertausend Mann. Als sie Marr ar-Zahrān erreichten, schlossen sich ihnen auch Angehörige des Stammes Banū Sulaym an. Zur selben Zeit zogen von Osten die Stämme Ghatafān, Fazāra, Murra und Aschdschāʿ auf.
Der Heerführer des Stammes Fazāra war ʿUyaina ibn Hisn. Der Befehlshaber der Banū Murra war al-Hārith ibn ʿAwf, und der Befehlshaber der Banū Aschdschāʿ war Mascharah ibn Ruchail. Auch zahlreiche Angehörige der Banū Asad und anderer Stämme schlossen sich ihnen an.
Am festgesetzten Tag zogen diese Menschen gemäß dem zuvor angekündigten Plan in Richtung Medina. Innerhalb kurzer Zeit versammelte sich nahe Medina ein gewaltiges Heer von zehntausend Soldaten. Diese Truppenstärke war so groß, dass selbst die gesamte Bevölkerung Medinas einschließlich Frauen und Kindern ihnen zahlenmäßig nicht gleichkam. Wenn dieses gewaltige Heer plötzlich nach Medina gezogen und dort eingefallen wäre, wäre für die Muslime eine gefährliche Lage entstanden. Es wäre keineswegs verwunderlich gewesen, wenn sie die Muslime vollständig ausgelöscht hätten. Doch der Anführer der Muslime in Medina war äußerst wachsam und besonnen. Je nach der Bedeutung der Lage fasste er seine Entscheidungen. Spione, die damit beauftragt waren, den islamischen Staat mit Informationen zu versorgen, teilten dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, rechtzeitig mit, dass die Heere verschiedener Stämme nach Medina aufgebrochen waren.
Sobald der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, diese Nachricht erhalten hatte, setzte er sich gemeinsam mit den angesehenen Gefährten zu einer Sitzung der Schūrā zusammen und begann, über die Strategie zur Verteidigung Medinas zu beraten. Nach Erörterung und Prüfung der Vorschläge wurde ein Vorschlag von Salmān al-Fārisī, möge Allah mit ihm zufrieden sein, einstimmig angenommen. Salmān, möge Allah mit ihm zufrieden sein, unterbreitete seinen Vorschlag folgendermaßen: „O Gesandter Allahs, wenn wir in Persien eingeschlossen wurden, gruben wir ringsum einen Graben aus.“
Dies war ein wohlüberlegter Verteidigungsvorschlag. Die Bevölkerung Arabiens war mit einer solchen Taktik nicht vertraut. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) billigte den Vorschlag und ließ unverzüglich mit den Aushubarbeiten beginnen. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) überwachte diese Arbeit persönlich. Er selbst beteiligte sich am Ausheben des Grabens. In Sahih al-Buchari wird von Hadhrat Sahl ibn Saʿd (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) überliefert, dass wir uns mit dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) beim Graben befanden. Die Menschen gruben, während wir Erde auf unseren Schultern forttrugen und in einiger Entfernung ablegten. In dieser Zeit sagte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm): „Das Leben im Jenseits ist wahrhaftig das wirkliche Leben. O Barmherziger, vergib den Ansar und den Muhadschirun.“ [Sahih al-Buchari, Kapitel über den Grabenkampf, Bd. 2, S. 588]
In einer weiteren Überlieferung von Hadhrat Anas (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) heißt es, dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zum Graben ging und an einem kalten Morgen sah, wie die Muhadschirun und die Ansar mit dem Ausheben des Grabens beschäftigt waren. Sie hatten keine Sklaven, die diese Arbeit an ihrer Stelle hätten verrichten können. Als der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) die Mühsal und den hungrigen Zustand der Gefährten sah, sagte er:
„O Allah, das Leben ist gewiss das Leben im Jenseits
Vergib den Muhadschirun und den Ansar, o Barmherziger.“
Die Ansar und die Muhadschirun antworteten darauf:
Solange uns noch Leben gegeben ist,
haben wir Muhammad die Treue zum Dschihad gelobt.“ [Buchari, Bd. 1, S. 397; Bd. 2, S. 588.]
In Sahih al-Buchari wird von Hadhrat al-Bara ibn ʿAzib (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) überliefert, dass ich den Gesandten Allahs gesehen habe, wie er beim Grabenkampf Erde aushob. Sein Körper war von Staub bedeckt. Er hatte dichtes Haar. In diesem Zustand hob er weiterhin Erde aus und sagte:
„Ohne dich hätten wir keine Rechtleitung gefunden, o König der Könige,
hätten wir weder Zakat entrichtet noch gebetet.“
Schenke uns Frieden, damit unsere Herzen fest bleiben; wenn es zum Kampf kommt, halte unsere Schritte unerschütterlich fest.
Gegen uns haben sie die Menschen aufgehetzt,
doch wir wissen: In der Fitna werden wir unsere Häupter nicht beugen.“
Hazrat Bara’ berichtet: Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Heil seien auf ihm, sprach die letzten Worte mit großer Entschlossenheit. In einer anderen Überlieferung werden die letzten beiden Zeilen des Gedichts wie folgt wiedergegeben:
Wenn sie Unrecht tun und uns in die Fitna stürzen wollen,
werden wir zu denen gehören, die ihre Häupter nicht beugen. [Bukhari, Bd. 2, S. 589]
Die Muslime arbeiteten einerseits mit großer Begeisterung und Tatkraft, während sie andererseits unter starkem Hunger litten. Wenn man darüber nachdenkt, stockt einem das Herz. Hadhrat Anas (Allahs Wohlgefallen auf ihm) berichtet: Zu denjenigen, die den Graben aushoben, brachte man etwas Gerste und etwas erhitztes Fett. Diese fade und geschmacklose Nahrung aßen sie. [Buchari, 2. Band, S. 588]
Abu Talha (Allahs Wohlgefallen auf ihm) berichtet: Wir klagten dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, über unseren Hunger und zeigten ihm einen Stein, den wir unter unser Gewand am Bauch gelegt hatten. Da zeigte uns der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zwei Steine an seinem Bauch. [Sunan Tirmidhi, Mischkat, 2. Band, S. 448]
Während des Aushebens des Grabens zeigten sich auch einige Zeichen des Prophetentums. In Sahih Buchari wird berichtet, dass Hadhrat Dschabir ibn Abdullah (Allahs Wohlgefallen auf ihm), als er den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, vor Hunger entkräftet sah, ein Zicklein schlachtete. Seine Frau bereitete aus einem Saaʿ Gerste (etwa zweieinhalb Kilogramm) Brot zu. Danach sagte sie dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, heimlich, er möge mit einigen seiner engsten Gefährten zu ihnen nach Hause kommen. Doch der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, machte sich mit allen Gefährten, die mit den Grabungsarbeiten beschäftigt waren, auf den Weg. Ihre Zahl betrug eintausend. Daraufhin aßen alle Gefährten sich an Brot und Fleisch satt, während der Fleischtopf auf dem Herd noch immer brodelte. So viel Brot auch zubereitet wurde, alles wurde serviert, ging aber nicht zu Ende. Ein Brot nach dem anderen wurde zubereitet. [Sahih Buchari, 2. Band, S. 588, 4898]
Die Schwester von Hadhrat Nuʿman ibn Baschir brachte einige Datteln zum Graben. Sie hatte sie mitgebracht, damit ihr Bruder und ihr Onkel davon essen konnten. Als sie sie zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, bringen wollte, nahm sie die Datteln wieder an sich, breitete eine Matte aus und streute sie darauf. Danach rief sie die Gefährten, die mit den Grabungsarbeiten beschäftigt waren, zum Essen. Die Gefährten begannen zu essen. Je mehr sie aßen, desto mehr Datteln wurden es. Alle aßen sich satt und gingen wieder an die Arbeit; dennoch fielen die Datteln weiterhin über das ausgebreitete Tuch hinaus. [Ibn Hischam, 2. Band, S. 218]
Zu jener Zeit ereignete sich noch ein erstaunlicheres Ereignis als die beiden genannten. Imam Buchari überliefert es von Hadhrat Dschabir (Allahs Wohlgefallen auf ihm). Hadhrat Dschabir (Allahs Wohlgefallen auf ihm) berichtet: Wir hoben den Graben aus, als plötzlich ein großer Felsbrocken zum Vorschein kam. Doch wir konnten ihn trotz aller Anstrengungen nicht bewegen. Da berichteten wir dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, davon. Er sagte: „Ich komme.“ Zu jener Zeit hatte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, einen Stein an seinem Bauch befestigt. Mit einer Hacke schlug er im Graben auf diesen Felsbrocken ein. Sofort verwandelte sich der Felsbrocken in einen Haufen aus Staub und Sand. [Sahih Buchari, 2. Band, S. 588]
Hadhrat Bara ibn Asib (Allahs Wohlgefallen auf ihm) berichtet: Während des Aushebens des Grabens stellte sich uns ein gewaltiges Hindernis in den Weg. Wenn wir mit der Hacke darauf einschlugen, prallte sie zurück. Wir berichteten dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, davon. Er nahm die Hacke in die Hand, sprach „Bismillah“ und schlug zu. Ein Teil des Felsens brach ab. Er sagte: „Allahu akbar, mir wurden die Schlüssel von Scham, das heißt Syrien, gegeben. Bei Allah, ich sehe jetzt dort einen roten Palast.“ Danach führte er den zweiten Schlag aus. Ein weiteres Stück brach heraus. Er sagte: „Bei Allah, ich sehe jetzt den weißen Palast von Mada’in.“ Danach führte er den dritten Schlag aus und sagte: „Bismillah.“ Dadurch wurde der restliche Teil des Felsens durchtrennt. Er sagte: „Allahu akbar, mir wurden die Schlüssel des Jemen gegeben. Ich sehe jetzt das Tor von Sanaa.“ [Sunan an-Nasa’i, 2. Band, S. 56]
Ibn Ishaq hat eine ähnliche Überlieferung auch von Hadhrat Salman al-Farisi (Allahs Wohlgefallen auf ihm) erwähnt.
Die Stadt Medina ist nach Norden hin offen und auf den anderen drei Seiten von Bergen und Dattelgärten umgeben. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, war ein umsichtiger Kriegsexperte. Er wusste, dass die Ungläubigen Medina von Norden her angreifen würden. Deshalb ließ er den Graben nur im Norden ausheben. [Ibn Hischam, 2. Band, S. 219]
Die Muslime setzten die Aushebung des Grabens gleichmäßig fort. Den ganzen Tag arbeiteten sie am Graben und kehrten abends nach Hause zurück. Noch bevor das Heer der Ungläubigen die Umgebung von Medina erreichte, war die Aushebung des Grabens planmäßig abgeschlossen. [Ibn Hischam, Bd. 2, S. 220–221]
Die Quraisch kamen mit viertausend Soldaten und schlugen zwischen Ruma, Dschurf und Dschabir am Rand von Medina, in Madschmaʿ al-Asjal, ihr Lager auf. Die Ghatafan und ihre Verbündeten aus Nadschd kamen mit sechstausend Soldaten und schlugen östlich von Uhud im Gebiet von Dschanb Naqmi ihr Lager auf.
Allah, der Erhabene, sagt: „Als die Gläubigen die vereinigten Heere sahen, riefen sie aus: ‚Das ist es, was Allah und Sein Gesandter uns versprochen haben; und Allah und Sein Gesandter haben die Wahrheit gesprochen.‘ Und dadurch nahmen ihr Glaube und ihr Gehorsam zu.“ (Sure al-Ahzab, Vers 22)
Als jedoch die Heuchler und die Schwachen im Herzen sie erblickten, begannen sie vor Angst zu zittern. Allah, der Herr der Welten, sagt: „Und die Heuchler und diejenigen, in deren Herzen Krankheit war, sagten: ‚Was Allah und Sein Gesandter uns versprochen haben, ist nichts als Täuschung.‘“ (Sure al-Ahzab, Vers 12)
Um den vereinigten Heeren der Nichtmuslime entgegenzutreten, stellte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ein Heer von zehntausend Soldaten auf. Sie nahmen, mit dem Berg Salaʿ im Rücken, eine Stellung ein, die einer Belagerung der Festung glich. Vor ihnen lag der Graben. Das Kennwort der Muslime lautete: „Ha-Mim, sie werden nicht siegen.“ Das bedeutete, dass ihnen keine Hilfe geleistet werden sollte. Die Verantwortung für Medina wurde ʿAbdullah ibn Umm Maktum übertragen. Frauen und Kinder wurden in verschiedene Festungen und geschützte Häuser gebracht.
Als die Ungläubigen nach Medina kamen, um sie anzugreifen, stellten sie fest, dass ein tiefer und breiter Graben zwischen ihnen und Medina lag und ihnen den Weg versperrte. Daher blieben sie dort und belagerten die Stadt. Als sie nach Medina aufgebrochen waren, hatten sie nicht damit gerechnet, auf ein solches Hindernis zu stoßen, und waren darauf auch seelisch überhaupt nicht vorbereitet. Sie sagten zueinander, eine solche Verteidigungsstrategie sei für die Araber völlig neu. Da sie nicht an diese außergewöhnliche Verteidigungsstrategie gedacht hatten, waren die Ungläubigen ratlos.
Als die Ungläubigen den Graben erreichten, gerieten sie vor Zorn außer sich. Sie hatten geglaubt, die Muslime leicht besiegen zu können. Die Muslime beobachteten jedoch die Bewegungen der Ungläubigen und ließen sie nicht in die Nähe des Grabens gelangen. Sobald sie sich näherten, schossen sie Pfeile auf sie. Dadurch gerieten die Ungläubigen in große Bedrängnis. Sie wagten es nicht, sich dem Graben zu nähern, und ihn mit Erde aufzufüllen war undenkbar.
Wie konnten die Soldaten der Quraisch die Umgebung des Grabens belagern und auf unbestimmte Zeit ohne jeden Erfolg warten? Das widersprach ihrer Gewohnheit und ihrem Ansehen. Eine Gruppe von ihnen überquerte den Graben an einer schmalen Stelle. Danach begann einer von ihnen, zwischen dem Graben und Salaʿ auf seinem Pferd hin und her zu reiten. Zu ihnen gehörten ʿAmr ibn ʿAbd, ʿIkrima ibn Abu Dschahl, Darrar ibn al-Chattab und andere. Hadhrat ʿAli (Allah sei mit ihm zufrieden) zog mit einigen Muslimen aus. Sie brachten die Stelle, durch die jene eingedrungen waren, unter ihre Kontrolle und versperrten ihnen den Rückweg. Daraufhin forderte ʿAmr ibn ʿAbd Hadhrat ʿAli (Allah sei mit ihm zufrieden) mit einem lauten Ruf zu einem Zweikampf heraus. Der Löwe Gottes, Hadhrat ʿAli (Allah sei mit ihm zufrieden), sagte etwas zu ihm, worauf ʿAmr vor Zorn blindlings vom Pferd sprang. Danach tötete er sein Pferd und trat Hadhrat ʿAli (Allah sei mit ihm zufrieden) entgegen. Er war ein großer Krieger. Zwischen beiden entbrannte ein heftiger Kampf. Jeder griff an, um den anderen zu überwältigen. Schließlich setzte Hadhrat ʿAli (Allah sei mit ihm zufrieden) ihm ein Ende. Die übrigen Götzendiener flohen zum anderen Ende des Grabens. Sie waren von großer Angst ergriffen. ʿIkrima, der Sohn Abu Dschahls, floh, wobei er sogar seinen Speer zurückließ.
Die Götzendiener versuchten auf jede erdenkliche Weise, den Graben zu überqueren oder ihn zuzuschütten und einen Weg anzulegen. Doch die Muslime ließen sie nicht an den Graben herankommen. Sie wehrten sie so entschlossen ab, indem sie Pfeile auf sie schossen und Speere auf sie richteten, dass all ihre Versuche scheiterten.
Aufgrund dieser heftigen Auseinandersetzung versäumten die ehrwürdigen Gefährten mehrere Gebete. In Sahih al-Buchari und Sahih Muslim wird von Dschabir (möge Allah mit ihm zufrieden sein) überliefert, dass Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) am Tag des Grabens kam und die Ungläubigen scharf kritisierte. Er sagte zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm): „O Gesandter Allahs, heute habe ich erst gebetet, als die Sonne bereits unterging.“ Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Auch ich habe noch nicht gebetet.“ Daraufhin verrichteten die Gefährten nach der Gebetswaschung des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ebenfalls die Gebetswaschung. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) verrichtete das Nachmittagsgebet. Bis dahin war die Sonne untergegangen. Danach verrichtete er das Abendgebet.
Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) war sehr betrübt, weil er gezwungen gewesen war, das Nachmittagsgebet nachzuholen. Er sprach einen Fluch gegen die Götzendiener aus. In Sahih al-Buchari wird von Ali (möge Allah mit ihm zufrieden sein) überliefert, dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) am Tag des Grabens sagte: „O Allah, erfülle die Häuser und Gräber aller Götzendiener mit Feuer. Wegen ihnen mussten wir das Nachmittagsgebet verrichten, während die Sonne bereits untergegangen war.“ (Sahih al-Buchari, 2. Band, S. 590)
Im Musnad Ahmad und im Musnad asch-Schafi’i wird überliefert, dass die Götzendiener den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) daran hinderten, das Mittags-, Nachmittags-, Abend- und Nachtgebet zu ihrer jeweiligen Zeit zu verrichten. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) verrichtete diese Gebete zusammen. Imam an-Nawawi sagt zum scheinbaren Widerspruch zwischen den Überlieferungen dieser Hadithe, dass alle Aussagen der Hadithe zutreffend seien. Der Kampf am Graben dauerte mehrere Tage; an einem Tag ereignete sich das eine, an einem anderen etwas anderes.
Aus diesen Hadithen wird ersichtlich, dass die Götzendiener mehrere Tage lang verzweifelt versuchten, den Graben zu überqueren und Medina anzugreifen, während die Muslime diese Versuche abwehrten. Der Graben stand als Hindernis zwischen den beiden Parteien. Daher kam es nicht zu blutigen Kämpfen von Angesicht zu Angesicht. Vielmehr schossen beide Seiten Pfeile aufeinander.
Durch den Pfeilbeschuss kamen auf beiden Seiten einige Menschen ums Leben. Ihre Zahl betrug jedoch zehn. Von den getöteten Götzendienern starben zwei oder einer durch einen Schwertstreich.
Sa’d ibn Mu’adh (möge Allah mit ihm zufrieden sein) wurde von einem Pfeil getroffen. Dadurch wurde er schwer verwundet. Der Pfeil war von einem Götzendiener namens Hibban ibn Arqa abgeschossen worden. Dieser Mann stammte aus dem Stamm der Quraisch. Nach seiner Verwundung betete Sa’d (möge Allah mit ihm zufrieden sein): „O Allah, Du weißt, dass mir der Kampf auf Deinem Weg gegen die Menschen jenes Volkes, die Deinen Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) verleugnet und ihn aus seinen Häusern vertrieben haben, lieber ist als der Kampf gegen jedes andere Volk. O Allah, ich glaube, dass Du den Krieg zwischen uns und ihnen seinem Ende zugeführt hast. O Allah, falls noch ein Krieg mit den Quraisch bevorsteht, so lass mich für diesen Krieg am Leben, damit ich gegen sie kämpfen kann. Falls Du meinen Kampf gegen die Ungläubigen beendet hast, dann lass die Wunde meiner Verwundung nicht heilen und mache diese Verletzung zur Ursache meines Todes.“ (Sahih al-Buchari, 2. Band, S. 591) Am Ende seines Gebets sagte er: „O Allah, lass mich nicht sterben, bevor meine Augen im Hinblick auf die Banu Quraiza Erquickung gefunden haben.“ (Ibn Hischam, 2. Band, S. 227)
Kurz gesagt: Die Muslime sahen sich einerseits den Problemen des Schlachtfelds gegenüber, während andererseits die abscheulichen Aktivitäten der Verschwörer und Intriganten unvermindert anhielten. Die Verschwörer und Intriganten versuchten, den Muslimen Gift in den Körper zu injizieren. Huyayy ibn Achtab, der ruchlose Anführer des Stammes Banu Nadir, kam zu den Angehörigen des Stammes Banu Quraiza und trat vor ihren Anführer Ka’b ibn Asad. Dieser Ka’b ibn Asad war der Vermittler gewesen, der im Namen der Banu Quraiza das Abkommen ausgehandelt hatte. Er hatte mit dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) vereinbart, ihm im Kriegsfall zu helfen. Dies wurde bereits zuvor erörtert.
Huyayy kam und klopfte an die Tür von Kaʿb. Sobald Kaʿb Huyayy sah, öffnete er die Tür. Nachdem die Tür geöffnet worden war, sagte Huyayy: „O Kaʿb, ich bringe dir den Ruhm der Zeit und ein aufgewühltes Meer. Ich habe alle Quraisch, mitsamt ihren Anführern, in Rūmā Maǧūl al-ʿAsāʾil versammelt. Die Männer des Stammes Banū Ghatafān habe ich mitsamt all ihren Anführern in Ǧamb Nakm, in der Nähe von Uhud, zusammengebracht. Sie haben mir versprochen, diesen Ort nicht zu verlassen, bevor sie Muhammad und seine Gefährten vollständig vernichtet haben.“
Kaʿb sagte: „Bei Gott, du bist mit der Schande meiner Zeit und einer regenbringenden Wolke erschienen. Aus dieser Wolke zucken nur Blitze und ertönt Donner; Gutes ist in ihr jedoch nicht mehr übrig. Wehe dir, Huyayy! Lass mich in meiner Lage. Ich habe bei Muhammad nichts anderes als Wahrhaftigkeit und Treue gesehen.“ Huyayy aber strich Kaʿb über Kopf und Körper, umarmte ihn mit geheuchelter Rührung und bekundete ihm gegenüber aufrichtige Zuneigung. Auf diese Weise brachte er Kaʿb schließlich dazu, seine Zustimmung zu geben. Allerdings musste Huyayy ihm versprechen: „Wenn die Quraisch gezwungen sind zurückzukehren, ohne Muhammad getötet zu haben, werde auch ich mit dir in deine Festung gehen. Und was immer dein Schicksal sein wird, dieses Schicksal werde ich auf mich nehmen.“ Nach Huyayys Versprechen brach Kaʿb ibn Asad sein mit dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gegebenes Versprechen und den mit den Muslimen geschlossenen Vertrag und nahm aufseiten der Götzendiener am Krieg gegen sie teil. (Ibn Hischam, Bd. 2, S. 220–221)
Danach begannen die Juden von Banū Quraiẓa, sich auf den Krieg gegen die Muslime vorzubereiten. Ibn Ishāq berichtet, dass Safiyya bint ʿAbd al-Muṭṭalib sich in der Festung namens Fāriʿ von Ḥassān ibn Thābit befand. Ḥassān war dort gemeinsam mit den Frauen und Kindern. Safiyya, möge Allah mit ihr zufrieden sein, erzählt: „Ein Jude ging an uns vorbei und begann, die Festung zu umrunden. Dies geschah zu jener Zeit, als Banū Quraiẓa den mit dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, geschlossenen Vertrag gebrochen hatte und gegen ihn Krieg führte. Damals gab es zwischen uns und den vertragsbrüchigen Juden niemanden, der unsere Sicherheit gewährleistet hätte. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, war gemeinsam mit den Gefährten damit beschäftigt, sich dem vereinten feindlichen Heer entgegenzustellen. Wenn jemand uns angegriffen hätte, hätte der Gesandte Allahs nicht zu uns kommen können. Da machte ich Ḥassān auf ihn aufmerksam und sagte: ‚O Ḥassān, ein Jude schleicht um die Festung herum. Ich befürchte, dass er die anderen Juden gegen uns aufbringen wird. Der Gesandte Allahs und die Gefährten sind mit anderen Dingen so beschäftigt, dass sie nicht zu uns kommen können. Geh daher und töte ihn.‘ Ḥassān, möge Allah mit ihm zufrieden sein, sagte: ‚Du weißt doch, dass ich nicht der Mann für eine solche Tat bin.‘ Safiyya, möge Allah mit ihr zufrieden sein, berichtet weiter: ‚Ich band mir ein Tuch um die Hüfte, nahm ein Stück Holz, ging hinaus zu dem Juden und erschlug ihn mit erbarmungslosen Schlägen. Danach kehrte ich in die Festung zurück und sagte zu Ḥassān: ‚Geh und nimm dem Mann seine Waffen und seine übrigen Sachen ab. Da er ein Mann ist, habe ich ihm seine Waffen nicht abgenommen.‘ Ḥassān, möge Allah mit ihm zufrieden sein, sagte: ‚Wir haben keinerlei Bedarf an seinen Waffen und Sachen.‘“ 18
Der tapfere Mut der Tante des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zum Schutz der muslimischen Frauen und Kinder hatte eine gewaltige Wirkung. Die Juden glaubten, dass sich in der Festung eine muslimische Hilfstruppe befand. Deshalb wagten sie es nicht, noch jemanden zu dieser Festung zu schicken, obwohl sich dort überhaupt keine Soldaten befanden.
Um jedoch zu beweisen, dass sie mit den Truppen der götzendienerischen Quraisch verbunden waren, versorgten sie diese regelmäßig mit Lebensmitteln. Einmal nahmen die Muslime aus diesen Vorräten zwanzig Kamele an sich.
Kurz gesagt: Sobald der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, von dem Vertragsbruch der Juden erfuhr, widmete er dieser Angelegenheit seine Aufmerksamkeit. Zunächst wollte er die Wahrheit der Angelegenheit überprüfen, damit die tatsächliche Rolle von Banū Quraiẓa deutlich würde. Wenn sich ein Verstoß gegen die Bedingungen des geschlossenen Vertrags bestätigen sollte, würden auf dieser Grundlage die notwendigen militärischen Maßnahmen ergriffen werden.
Daher entsandte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, einige Gefährten. Es waren Saʿd ibn Muʿādh, möge Allah mit ihm zufrieden sein, Saʿd ibn ʿUbāda, möge Allah mit ihm zufrieden sein, ʿAbdullāh ibn Rawāḥa, möge Allah mit ihm zufrieden sein, und Khawwāt ibn Jubayr, möge Allah mit ihm zufrieden sein. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Geht und untersucht, was über Banū Quraiẓa berichtet wird, und teilt mir nach eurer Rückkehr durch ein Zeichen mit, was ihr erfahren habt. Sollte es sich nur um ein Gerücht handeln, dann verkündet allen offen, dass sie an dem mit ihnen geschlossenen Vertrag festhalten.“
Die Gefährten gingen zu den Angehörigen des Stammes Banū Quraiẓa und stellten fest, dass diese beleidigende Äußerungen über den Gesandten Allahs und die Muslime machten. Sie sagten: „Wer ist denn überhaupt der Gesandte Allahs? Zwischen uns und Muhammad besteht kein Vertrag.“ Als die Gefährten dies hörten, kehrten sie zurück. Beim Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, angekommen, sagten sie durch ein Zeichen nur: „ʿAdal und Qāra.“ Das bedeutet, dass Banū Quraiẓa einen Verrat beging, der dem Verrat glich, den die Stämme ʿAdal und Qāra an der muslimischen Gesandtschaft verübt hatten.
18. Ibn Hischam, Band 2, S. 228
Obwohl er es durch Zeichen andeuten wollte, verstanden die anderen Gefährten es dennoch. Daraufhin gerieten alle in eine äußerst schwierige Lage.
Tatsächlich befanden sich die Muslime damals in einer äußerst komplizierten Lage. Hinter ihnen lag der Stamm der Banu Quraiza. Wenn sie angriffen, gab es niemanden, der diesen Angriff hätte abwehren können. Vor ihnen stand das vereinte Heer der Ungläubigen. Sie konnten sich ihnen gegenüber auch keine Unachtsamkeit leisten. Für die Sicherheit der muslimischen Frauen und Kinder war nicht gesorgt; sie befanden sich in Reichweite der verräterischen Juden. Aus all diesen Gründen war die seelische Verfassung der Muslime äußerst labil geworden. Genau diesen Zustand beschrieb Allah, der Erhabene, mit den Worten: „Als sie von oben und von unten gegen euch anrückten, die Blicke starr wurden, die Herzen bis in die Kehlen stiegen und ihr über Allah allerlei Vermutungen anstelltet. Dort wurden die Gläubigen geprüft und heftig erschüttert.“ (Sure al-Ahzab, Verse 10–11)
Zu jener Zeit wurden auch einige Heuchler aktiv. Sie sagten untereinander: „Muhammad hatte uns versprochen, dass wir die Schätze von Caesar und Kisra genießen würden, doch nun ist die Lage so, dass man selbst zum Verrichten der Notdurft unter Lebensgefahr hinausgehen muss.“ Einige Heuchler gingen zu den Anführern ihrer Gruppe und sagten: „Unsere Häuser liegen dem Feind offen. Erlaubt uns, in unsere Häuser zurückzukehren. Unsere Häuser liegen schließlich außerhalb der Stadt.“
Die Lage war so ernst geworden, dass die Angehörigen des Stammes Banu Salama ins Wanken gerieten. Sie dachten daran, sich zurückzuziehen. Über sie sagte Allah, der Erhabene: „Und die Heuchler, in deren Herzen Krankheit war, sagten: ‚Allah und Sein Gesandter haben uns nur betrogen, als sie uns Versprechungen machten.‘ Und eine Gruppe von ihnen sagte: ‚O ihr Bewohner von Yathrib, hier gibt es für euch keinen Platz; kehrt daher um!‘ Und eine Gruppe von ihnen bat den Propheten um Erlaubnis und sagte: ‚Unsere Häuser sind ungeschützt.‘ Dabei waren sie nicht ungeschützt; vielmehr wollten sie nur fliehen.“ (Sure al-Ahzab, Verse 12–13)
Während die Lage einerseits so war, legte sich der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, andererseits mit einem Umhang bedeckt nieder. Als die Gefährten ihn so lange liegen sahen, nahm ihre innere Unruhe noch zu. Nach einiger Zeit wurde im Herzen des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ein neuer Entschluss geweckt. Er stand auf, rief „Allah ist größer!“ und sagte: „O Muslime, vernehmt die frohe Botschaft von Allahs Hilfe und dem Sieg.“
Danach ergriff der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Maßnahmen, um der bestehenden Lage zu begegnen. Er entsandte eine Gruppe von Muslimen, um die Sicherheit zu gewährleisten. Er befürchtete, dass die Juden, in dem Glauben, die Muslime seien unachtsam, plötzlich die muslimischen Frauen und Kinder angreifen könnten. In dieser Situation war jedoch ein entscheidender Schritt notwendig, durch den die verschiedenen Gruppen der Feinde voneinander getrennt werden konnten. Um dieses Ziel zu erreichen, erwog der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, mit den beiden Anführern der Banu Ghatafan, Uyayna ibn Hisn und al-Harith ibn Awf, eine Einigung zu erzielen.
Im Rahmen dieser Einigung sollte den Banu Ghatafan ein Drittel der in Medina erzeugten Ernte überlassen werden. Wenn man ihnen einen solchen Vorteil gewährte, würden die Juden sich zurückziehen. Infolgedessen könnten die Muslime den feindlichen Quraisch besser entgegentreten. Über einen solchen Vorschlag wurde auch beraten. Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, jedoch mit den beiden bedeutenden Gefährten Sa’d ibn Mu’adh und Sa’d ibn Ubadah darüber beriet, äußerten sie eine andere Ansicht. Sie sagten: „O Gesandter Allahs, wenn Allah, der Erhabene, dir diesen Befehl gegeben hat, werden wir ihn widerspruchslos befolgen. Wenn du dies jedoch nur unseretwegen tun willst, dann sagen wir: Wir brauchen es nicht. Als wir und sie noch Götzendiener waren, konnten sie von uns nicht einmal ein einziges Korn erwarten, außer im Rahmen von Gastfreundschaft und Handel. Nun hat Allah, der Erhabene, uns Ehre und Würde verliehen. Sollen wir ihnen unter diesen Umständen unseren Besitz geben? Bei Allah, wir werden ihnen nur unsere Schwerter geben.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, erklärte die Meinung der beiden Gefährten für richtig und sagte: „Ich hatte etwas anderes gedacht. Ganz Arabien hat sich vereint gegen euch erhoben. Aus diesem Grund wollte ich dies nur euretwegen tun.“
Danach zeigte sich durch Allahs Willen der Zerfall der feindlichen Streitmacht. In ihrer Einigkeit entstand ein Riss, und ihre Schlagkraft wurde stumpf. Na’im ibn Mas’ud ibn ‘Amir al-Aschdschai aus dem Stamm der Banu Ghatfan kam heimlich zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und sagte: „O Gesandter Allahs, ich habe den Islam angenommen, dies aber den Leuten meines Volkes gegenüber noch nicht bekannt gegeben. Befiehl mir, was ich tun soll.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Du kannst zwar keine militärische Maßnahme gegen sie ergreifen, aber säe, soweit du kannst, Zwietracht unter ihnen und zerstöre ihre Moral. Krieg ist schließlich eine List.“
Nachdem er diese Aussage gehört hatte, ging der ehrwürdige Na’im ohne Verzögerung zu den Banu Qurayza. Einst hatte er enge Beziehungen zu ihnen unterhalten. Er ging zu ihnen und sagte: „Ihr wisst, dass ich euch liebe und eine besondere Beziehung zu euch besteht.“ Sie antworteten: „Ja.“ Na’im sagte: „Dann hört: Eure Haltung gegenüber den Quraisch unterscheidet sich von meiner. Dieses Gebiet ist euer eigenes Gebiet. Eure Häuser, euer Besitz und eure Familien befinden sich alle hier. Ihr könnt dies alles nicht zurücklassen. Die Leute der Quraisch und des Stammes Ghatfan sind gekommen, um gegen die Muslime zu kämpfen, und ihr wollt ihnen Unterstützung und Solidarität bekunden. Was habt ihr euch dabei gedacht? Was besitzen die Quraisch und Ghatfan hier? Sie haben hier weder Häuser noch Besitz noch Familien. Wenn sie eine Gelegenheit finden, werden sie eine Maßnahme ergreifen; andernfalls werden sie ihre Sachen packen und fortziehen. Danach bleibt ihr mit Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, allein. Dann wird er, wann immer es ihm beliebt, in der Weise Rache an euch nehmen, wie es ihm gefällt.“ Als die Banu Qurayza dies hörten, waren sie erschrocken. Sie sagten: „Na’im, sag uns, was kann man jetzt tun?“ Na’im sagte: „Fordert von den Quraisch, dass sie euch einige Männer als Geiseln überlassen. Wenn sie dies nicht tun, nehmt unter keinen Umständen am Krieg mit ihnen teil.“ Die Leute des Stammes Qurayza sagten: „Du hast wahr und vernünftig gesprochen.“
Danach ging der ehrwürdige Na’im direkt zu den Anführern der Quraisch. Er sagte zu ihnen: „Eure Liebe zu euch und meine Aufrichtigkeit in meinem Wunsch nach eurem Wohlergehen sind euch nicht unbekannt.“ Als sie Na’ims Worte hörten, antworteten sie: „Ja.“ Der ehrwürdige Na’im sagte: „Dann hört: Die Juden schämen sich dafür, den mit Muhammad geschlossenen Vertrag gebrochen zu haben. Gegenwärtig haben sie untereinander schriftlich vereinbart, einige eurer Männer als Geiseln zu nehmen und sie Muhammad auszuliefern. Danach wollen sie ihre Beziehungen zu Muhammad wieder neu ordnen. Wenn die Juden euch daher einige Männer als Geiseln abverlangen, dürft ihr sie ihnen unter keinen Umständen geben.“ Danach ging der ehrwürdige Na’im zu den Leuten des Stammes Banu Ghatfan und sagte ihnen dasselbe, wodurch er sie gegenüber den Quraisch misstrauisch machte. Darauf schickten die Quraisch den Juden mitten in der Nacht die Nachricht: „Unsere Lage ist nicht besonders gut. Pferde und Kamele sterben. Kommt daher, lasst uns gemeinsam Muhammad angreifen. Greift ihr von jener Seite an, und wir greifen von dieser Seite an.“ Die Juden ließen antworten: „Heute ist Samstag, wie ihr wisst. Welche Strafe traf in der Vergangenheit diejenigen, die an diesem Tag die Vorschriften der Scharia verletzten? Außerdem werden wir nicht am Krieg teilnehmen, solange ihr uns nicht einige eurer Männer als Geiseln überlasst.“ Nachdem der Bote zurückgekehrt war und die Antwort der Juden überbracht hatte, sagten die Quraisch und Ghatfan: „Bei Allah, Na’im hat die Wahrheit gesagt.“ Danach schickten sie den Juden die Nachricht: „Bei Allah, wir können euch keine Männer als Geiseln schicken. Greift ihr jetzt von eurer Stellung aus an; wir greifen von dieser Seite an.“ Als die Leute des Stammes Qurayza dies hörten, sagten sie: „Na’im hat tatsächlich die Wahrheit gesagt.“ So entstand Misstrauen zwischen den beiden Gruppen. Auch unter den Soldaten der Streitmacht machte sich Verzweiflung breit, und unter den verbündeten Truppen entstand ein Riss.
Zu jener Zeit erhoben der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und die Muslime ihre Hände im Bittgebet zu Allah, dem Herrn der Welten. Die Muslime beteten: „O Allah, beschütze uns und befreie uns aus unserer Not.“
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, betete: „O Allah, Du hast das Buch herabgesandt und wirst bald Abrechnung halten. Besiege diese Truppen, o Allah; besiege sie und versetze sie in Erschütterung.“ [Buchari, Kitab al-Dschihad, Bd. 1, S. 411; Kitab al-Maghazi, Bd. 2, S. 590]
Allah, der Herr der Welten, erhörte das Bittgebet Seines geliebten Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und der aufopferungsvollen Muslime. Nachdem im Bündnis der Götzendiener Zerfall eingetreten war und sich unter ihnen Verzweiflung und gegenseitiges Misstrauen ausgebreitet hatten, sandte Allah einen stürmischen Wind über sie. Dieser Wind ließ ihre Zelte umstürzen und ihre Habseligkeiten durcheinanderwirbeln. Die Zeltpfosten wurden ausgerissen. Nichts blieb an seinem Platz. Zugleich sandte Allah, der Erhabene, eine Schar von Engeln. Dadurch zitterten die Herzen der Ungläubigen, und der gewaltige Einfluss der Muslime hinterließ in ihren Herzen einen starken Eindruck.
In jener kalten, stürmischen Nacht entsandte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, den ehrwürdigen Hudhaifa ibn al-Yaman, um Nachrichten über die Ungläubigen zu bringen. Als er dort eintraf, sah er, dass die Götzendiener ihre Flucht vorbereiteten. Der ehrwürdige Hudhaifa, möge Allah mit ihm zufrieden sein, kehrte zurück und berichtete dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, davon. Am Morgen zeigte sich, dass das gesamte Schlachtfeld leer war. Allah, der Erhabene, hatte die feindlichen Truppen gezwungen, ohne irgendeinen Gewinn zurückzukehren. So erfüllte Allah, der Erhabene, Sein Versprechen an Seinen geliebten Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und an die Muslime. Er ehrte Seine geliebten Diener, half ihnen und besiegte die Truppen der Ungläubigen. Nachdem die Ungläubigen abgezogen waren, kehrte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nach Medina zurück.
Der zuverlässigsten Überlieferung zufolge fand die Grabenschlacht im Schawwal des fünften Jahres nach der Hidschra statt. Die Götzendiener belagerten die Muslime einen Monat oder ungefähr einen Monat lang. Bei einer umfassenden Betrachtung zeigt sich, dass die Belagerung im Schawwal begann und im Dhul-Qa’da endete. Ibn Sa’d sagt, dass der Tag, an dem der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, vom Graben zurückkehrte, ein Mittwoch war. Bis zum Ende des Monats Dhul-Qa’da waren damals noch sieben Tage übrig.
Der Kampf von Khandaq oder der Grabenschlacht war in Wirklichkeit kein Kampf der Niederlage, vielmehr errangen die Muslime in diesem Kampf den Sieg. In diesem Kampf kam es zu keiner nennenswerten blutigen Auseinandersetzung. Dennoch war er ein entscheidender Kampf in der Geschichte des Islam. In diesem Kampf war die Moral der Götzendiener vollständig gebrochen worden. Es war deutlich geworden, dass keine Macht Arabiens die in Medina heranwachsende Macht auslöschen konnte. Die Götzendiener hatten in der Grabenschlacht so viele Soldaten versammelt, wie es ihnen künftig nicht mehr möglich sein würde – und auch damals nicht möglich gewesen war, noch mehr zu versammeln. Deshalb sagte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nachdem er von der Grabenschlacht zurückgekehrt war: „Nun werden wir sie angreifen, und sie werden uns nicht mehr angreifen können. Nun wird unser Heer gegen sie ziehen.“ (Sahih al-Buchari, Band 2, S. 590)
Der Kampf gegen Banu Qurayza
Nachdem der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, von der Grabenschlacht zurückgekehrt war, hielt er sich zur Zeit des Mittagsgebets eine Weile im Haus von Umm Salama, Allahs Wohlgefallen sei auf ihr, auf. Da kam Gabriel, Allahs Friede sei auf ihm, und sagte: „O Gesandter Allahs, du hast deine Waffen abgelegt, doch die Engel haben ihre Waffen noch nicht abgelegt. Ich bin ebenfalls den Leuten gefolgt und zu dir gekommen. Erhebe dich und ziehe mit deinen Gefährten zu Banu Qurayza. Ich werde vor euch hergehen und ihre Festungen erschüttern und ihre Herzen mit Furcht und Schrecken erfüllen.“ Nachdem er dies gesagt hatte, zog Gabriel, Allahs Friede sei auf ihm, mit den Engeln davon.
Darauf ließ der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, durch einen Gefährten ausrufen, dass diejenigen, die den Aufruf hören konnten und zur Gehorsamkeit bereit waren, das Nachmittagsgebet bei Banu Qurayza verrichten sollten. Anschließend übertrug der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Abdullah ibn Umm Maktum, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, die Verantwortung für Medina, übergab Ali, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, das Banner und zog zu Banu Qurayza. Als Ali, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, in die Nähe der Festungen von Banu Qurayza gelangte, begannen die Juden dieses Stammes, den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu beschimpfen.
Kurz darauf traf der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, mit den Auswanderern und den Ansar-Gefährten dort ein. Zunächst machte er an einem Wasserbecken namens Ana halt. Auch die Muslime zogen, nachdem sie den Aufruf zum Kampf gehört hatten, in Richtung des Stammes Banu Qurayza. Unterwegs kam die Zeit des Nachmittagsgebets. Einige sagten: „Uns wurde befohlen, das Nachmittagsgebet bei Banu Qurayza zu verrichten; wir werden das Gebet erst dort verrichten.“ Diese verrichteten das Nachmittagsgebet erst nach dem Nachtgebet. Einige andere Gefährten verrichteten das Nachmittagsgebet unterwegs, als dessen Zeit eintrat. Sie sagten, der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, habe ihnen befohlen, das Nachmittagsgebet bei Banu Qurayza zu verrichten, um ihre schnelle Ankunft zu betonen. Als dieser Sachverhalt dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, vorgetragen wurde, kritisierte er keine der beiden Gruppen.
Kurz gesagt erreichten die ehrenwerten Gefährten, die sich in verschiedene Gruppen aufgeteilt hatten, Banu Qurayza und trafen mit dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zusammen. Danach belagerten sie die Festungen von Banu Qurayza. Die Zahl der Gefährten betrug dreitausend. Sie hatten dreißig Pferde bei sich. Als die Belagerung immer härter wurde, unterbreitete Ka’b ibn Asad, der Anführer der Juden, allen Juden drei Vorschläge.
Erstens: den Islam anzunehmen, in die Religion Muhammads einzutreten und dadurch das eigene Leben, das Vermögen sowie die Familien zu schützen. Bei Allah, es ist euch doch klar geworden, dass Muhammad wahrhaftig ein Prophet und Gesandter ist und dass er derjenige Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ist, von dem in euren Schriften berichtet wird.
Zweitens: die eigenen Familien eigenhändig zu töten und sich mit den Schwertern und aller Kraft auf die Muslime zu stürzen. Danach würde es entweder den Sieg oder die Niederlage geben. Es konnte sogar geschehen, dass im Kampf alle getötet würden.
Drittens: Sie sollten den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, und die Gefährten täuschen und sie am Samstag angreifen, weil sie sicher sein würden, dass an diesem Tag kein Kampf stattfinden werde.
Einige Juden nahmen keinen der drei genannten Vorschläge an. Darüber verärgert sagte Ka’b ibn Asad: „Seit ihr aus dem Mutterleib geboren wurdet, habt ihr keinen einzigen Abend mit Vernunft und Besonnenheit verbracht.“
Nachdem die Banu Quraiza alle drei Vorschläge abgelehnt hatten, blieb ihnen nur ein einziger Weg offen: dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, die Waffen zu übergeben und ihm die Entscheidung über ihr Schicksal zu überlassen. Vor der Waffenübergabe äußerten die Juden jedoch den Wunsch, mit einigen ihrer muslimischen Verbündeten zu sprechen. Sie dachten, durch dieses Gespräch vielleicht einen Hinweis darauf zu erhalten, was ihnen nach der Waffenübergabe bevorstehen würde. Daher ließen sie dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, ausrichten: „Bitte schicke Abu Lubaba zu uns. Wir möchten ihn um Rat fragen.“ Abu Lubaba war ein Verbündeter der Juden. Sein Garten und auch seine Angehörigen befanden sich im Gebiet der Juden. Als Hadhrat Abu Lubaba dort eintraf, liefen die jüdischen Frauen und Kinder zu ihm und begannen laut zu weinen. Beim Anblick dieses Zustands wurden auch seine beiden Augen tränenreich. Die Juden fragten ihn: „Abu Lubaba, möchtest du, dass wir uns dem Urteil Muhammads unterwerfen und die Waffen übergeben?“ Er antwortete: „Ja.“ Im nächsten Augenblick deutete er auf seine Kehle. Diese Geste bedeutete: Ihr könnt die Waffen übergeben, aber danach werdet ihr abgeschlachtet. Kaum hatte Hadhrat Abu Lubaba diese Geste gemacht, fiel ihm ein, dass er Allah, dem Erhabenen, und dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, untreu gewesen war. Als ihm dies bewusst wurde, kehrte er nicht zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, zurück, sondern ging direkt zur Prophetenmoschee. Dort band er sich an eine Säule der Prophetenmoschee und schwor, dass niemand außer dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, eigenhändig seine Fesseln lösen würde. Außerdem gelobte er, künftig niemals das Gebiet der Banu Quraiza zu betreten. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, machte sich unterdessen wegen der Verzögerung des von ihm entsandten Boten Abu Lubaba allerlei Gedanken. Nachdem er alles erfahren hatte, sagte er: „Wenn er zu mir zurückgekehrt wäre, hätte ich Allah um seine Vergebung gebeten. Da er jedoch diese Tat begangen hat, kann ich seine Fesseln nun nicht lösen, solange Allah, der Erhabene, seine Reue nicht angenommen hat.“
Trotz Abu Lubabas Geste beschlossen die Juden, dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, die Waffen zu übergeben. Sie dachten, sie würden sich jeder Entscheidung des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, fügen. Dabei hätten die Banu Quraiza die Belagerung noch lange aushalten können. Sie verfügten über ausreichende Lebensmittel, reichlich Wasser und eine starke Festung. Die Muslime hingegen litten im offenen Gelände unter einer Kälte, die das Blut gefrieren ließ, und unter Hunger. Wegen mehrerer Kämpfe bereits vor der Grabenschlacht waren sie körperlich und seelisch erschöpft. Der Kampf gegen die Banu Quraiza war jedoch im Grunde ein Nervenkrieg. Allah, der Erhabene, hatte den Einfluss der Muslime in den Herzen der Juden verstärkt. Ihr Kampfgeist war gebrochen. Durch eine Erklärung Hadhrat Alis (Allah sei mit ihm zufrieden) brachen sie schließlich völlig zusammen. Hadhrat Ali (Allah sei mit ihm zufrieden) und Hadhrat Zubair ibn al-Awwam rückten auf das Siedlungsgebiet des Stammes Banu Quraiza vor. Daraufhin rief Hadhrat Ali (Allah sei mit ihm zufrieden) voller Tapferkeit: „Hört, ihr gläubigen Auswanderer, hört zu! Keine Verzögerung mehr! Bei Allah, nun werde auch ich das trinken, was Hadhrat Hamza (Allah sei mit ihm zufrieden) getrunken hat, oder ich werde die Festung erobern.“
Als die Banu Quraiza von diesem mutigen Entschluss Hadhrat Alis (Allah sei mit ihm zufrieden) hörten, zögerten sie nicht länger. Sie ergaben sich dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, und sagten: „Tut, was ihr für richtig haltet.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagte: „Bindet die Männer.“ Unter der Aufsicht von Muhammad ibn Maslama al-Ansari wurden allen Männern die Hände gefesselt. Frauen und Kinder wurden getrennt. Die Angehörigen des Stammes Aws begannen, den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, inständig zu bitten: „Ihr erinnert euch doch daran, wie ihr mit den Banu Qainuqa verfahren seid. Die Banu Qainuqa waren die Verbündeten unserer Brüder, der Chazradsch. Auch diese hier sind unsere Verbündeten. Erweist ihnen daher eure Gunst.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagte: „Wärt ihr damit zufrieden, wenn einer eurer eigenen Männer über eure Angelegenheit entschiede?“ Sie antworteten: „Ja, ja, gewiss.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagte: „Sa’d ibn Mu’adh wird darüber entscheiden.“ Die Angehörigen des Stammes Aws sagten: „Wir sind damit zufrieden.“
Danach ließ der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, Hadhrat Sa’d ibn Mu’adh holen. Er befand sich in Medina. Gemeinsam mit den muslimischen Auswanderern hatte er nicht kommen können. Während der Grabenschlacht hatte der Pfeil eines feindlichen Soldaten die Sehne in seinem Arm durchtrennt. Auf einem Esel wurde er vor den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, gebracht. Sobald er das Gebiet der Banu Quraiza betrat, umringten ihn die Juden und sagten: „O Sa’d, hab Erbarmen mit deinen Verbündeten und fälle ein für sie günstiges Urteil. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, hat dich zum Richter bestimmt.“ Hadhrat Sa’d schwieg und gab keine Antwort. Schließlich, nachdem ihn die Bitten von allen Seiten bedrängt hatten, sagte er: „Die Zeit ist gekommen, dass Sa’d in der Sache Allahs die drohenden Blicke keines Mächtigen fürchtet.“ Als einige Leute dies hörten, eilten sie sofort nach Medina und verbreiteten die Nachricht, dass die Gefangenen zum Tode verurteilt worden seien.
Als Hadhrat Sa’d in die Nähe des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, gelangte, sagte dieser zu den Juden: „Geht auf euren Anführer zu.“ Als Hadhrat Sa’d (Allah sei mit ihm zufrieden) vor dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, erschienen war, sagte dieser: „O Sa’d, sie haben sich bereit erklärt, dein Urteil anzunehmen.“ Hadhrat Sa’d (Allah sei mit ihm zufrieden) fragte: „Gilt mein Urteil für sie?“ Alle antworteten: „Ja.“ Er fragte: „Gilt es auch für die Muslime?“ Sie antworteten: „Ja.“ Er fragte: „Gilt es auch für den, der hier anwesend ist?“ Dabei deutete er auf den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm. Er wagte es jedoch nicht, direkt in das strahlende Gesicht des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, zu blicken, und sagte dies, während er in eine andere Richtung schaute. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, antwortete: „Ja, auch für mich.“ Hadhrat Sa’d (Allah sei mit ihm zufrieden) sagte: „Dann verkünde ich mein Urteil über sie: Die Männer werden getötet, die Frauen und Kinder gefangen genommen und ihr Vermögen wird verteilt.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagte: „Du hast über sie dasselbe Urteil gefällt, das Allah, der Erhabene, über den sieben Himmeln festgelegt hat.“
Das Urteil von Hadhrat Saʿd ibn Muʿādh (möge Allah mit ihm zufrieden sein) war äußerst ausgewogen und gerecht. Denn der Verrat, den Banū Quraiẓa in der entscheidenden Stunde, als es um Leben und Tod der Muslime ging, begangen hatte, war nicht das einzige Vergehen; darüber hinaus waren sie fest entschlossen, die Muslime vollständig zu vernichten, gleichgültig, ob es ihnen gelingen würde oder nicht. Für den Einsatz gegen die Muslime hatten sie eintausendfünfhundert Schwerter, zweitausend Speere, dreihundert Rüstungen und fünfhundert Schilde gehortet. Nach dem Sieg beschlagnahmten die Muslime diese Waffen.
Nach diesem Urteil ließ der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) Banū Quraiẓa nach Medina bringen und im Haus der Tochter von Hārith aus dem Stamm Banū Nadschdschār gefangen halten. Diese Frau war die Tochter eines Mannes namens Hārith aus dem Stamm Banū Nadschdschār. Danach wurde auf dem Markt von Medina ein Graben ausgehoben. Nachdem die tiefen Gruben oder Gräben ausgehoben worden waren, brachte man die gefesselten Juden gruppenweise herbei, enthauptete sie und warf sie in die Gräben. Als das massenhafte Töten begonnen hatte, fragten einige Juden ihren Anführer Kaʿb ibn Asad: „Was ist deine Meinung zu dem, was mit uns geschieht?“ Er erwiderte schroff: „Versteht ihr denn gar nichts? Seht ihr nicht, dass derjenige, der weggerufen wird, nicht zurückkehrt? Und trotzdem hört das Herbeirufen nicht auf. Sie werden getötet – man ruft sie lediglich weg, um sie zu töten.“ Kurz gesagt, alle gefesselten Juden wurden in Medina getötet. Ihre Zahl lag zwischen sechshundert und siebenhundert.
Durch dieses Vorgehen wurden diese giftigen Schlangen des Verrats vollständig beseitigt. Sie hatten ihren festen Bund mit den Muslimen gebrochen. Um die Muslime zu vernichten, hatten sie im kritischsten Augenblick mit den Feinden zusammengearbeitet und ein schweres Kriegsverbrechen begangen. Die Todesstrafe war die einzige Strafe für dieses schwere Verbrechen. Ihnen wurde keinerlei Unrecht zugefügt.
Mit der Vernichtung von Banū Quraiẓa erreichte auch der Teufel von Banū Nadīr und der Hauptschuldige am Grabenkampf, Ḥuyayy ibn Akhṭab, den Höhepunkt seiner Vergeltung. Dieser Mann war der Vater der Umm al-Muʾminīn Hadhrat Ṣafiyya (möge Allah mit ihr zufrieden sein). Nachdem Quraisch und Banū Ghatafān umgekehrt waren, belagerten der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und die Muslime Banū Quraiẓa. Nachdem diese belagert worden waren, wurde auch Ḥuyayy ibn Akhṭab eingeschlossen. Denn während des Grabenkampfes hatte dieser Mann Kaʿb ibn Asad dazu angestiftet, die Muslime zu verraten, und ihm versprochen, in der Zeit ihrer Not bei ihnen zu bleiben. Nun hielt er sein Versprechen. Als er dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) vorgeführt wurde, stellte man fest, dass sein Gewand an allen Seiten jeweils um eine Fingerbreite eingerissen war. Er hatte es aus diesem Grund zerrissen, damit er sein Gewand fest binden konnte. Vor dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte er: „Hört zu! Ich bereue nicht, euch aus Feindschaft bekämpft zu haben. Doch diejenigen, die gegen Allah kämpfen, werden besiegt.“ Danach wandte er sich an alle und sagte: „O Leute, es gibt keinen Grund, Allahs Urteil zu bedauern. Dies ist die Niederschrift des Schicksals und ein großes Blutbad, das Allah den Kindern Israels auferlegt hatte.“ Danach setzte auch er sich hin und wurde enthauptet.
Bei diesem Ereignis wurde auch eine Frau aus Banū Quraiẓa getötet. Diese Frau hatte Khallād ibn Suwaid getötet, indem sie einen Mühlstein zum Mahlen von Weizen auf ihn geworfen hatte. Als Vergeltung für diese Tötung wurde auch sie getötet.
Der Gesandte hatte angeordnet, nur diejenigen zu töten, bei denen unterhalb des Bauchnabels bereits Schamhaar gewachsen war. Bei ʿAṭiyya al-Quraẓī war unterhalb des Bauchnabels noch kein Haar gewachsen; deshalb ließ man ihn frei. Später trat er in den Schutz des Islams ein und wurde dadurch in seinem Leben gesegnet.
Hadhrat Thābit ibn Qais bat darum, Zubair ibn Baṭā und dessen Familie ihm zu überlassen. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) gewährte diese Bitte. Darauf sagte Thābit ibn Qais zu Zubair: „Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) hat dich und deine Familie meiner Obhut übergeben. Ich lasse euch frei. Von nun an seid ihr frei.“ Als Zubair ibn Baṭā erfuhr, dass seine Stammesangehörigen getötet worden waren, sagte er zu Hadhrat Thābit ibn Qais: „Thābit, bei der Wohltat, die ich dir einst erwiesen habe, bitte ich dich, auch mich zu meinen Freunden zu bringen.“ Danach wurde er getötet. Zubair ibn Baṭās Sohn ʿAbd ar-Raḥmān wurde ebenfalls getötet; ʿAbd ar-Raḥmān nahm später den Islam an. Umm al-Manẓar Salma bint Qais aus dem Stamm Banū Nadschdschār bat den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), ihr Rifāʿa, den Sohn von Samawwāl al-Quraẓī, zu überlassen. Auch diese Bitte gewährte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und übergab ihr Rifāʿa. Umm al-Manẓar ließ Rifāʿa am Leben. Später nahm Rifāʿa den Islam an.
In jener Nacht nahmen einige Männer noch vor der Übergabe der Waffen den Islam an; dadurch wurden ihr Leben, ihr Besitz und ihre Familien unter Schutz gestellt. In jener Nacht kam ein Mann namens ʿAmr heraus. Dieser Mann hatte sich nicht an dem Verrat von Banū Quraiẓa beteiligt. Der Befehlshaber der Wachen, Hadhrat Muḥammad ibn Maslama (möge Allah mit ihm zufrieden sein), erkannte ihn und ließ ihn nach seiner Identifizierung frei. Später verschwand dieser Mann, und man hörte nichts mehr von ihm.
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, behielt ein Fünftel der Vermögenswerte der Banu Quraiza zurück und verteilte alles Übrige unter den Muslimen. Den Reitern gab er drei Anteile: einen Anteil für sie selbst und die übrigen zwei für das Pferd. Denjenigen, die zu Fuß gekommen waren, wurde ein Anteil gegeben. Die Gefangenen und Kinder wurden unter der Führung von Sa’d ibn Zaid al-Ansari nach Nadschd gebracht; im Austausch für sie wurden Waffen und Pferde gekauft.
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, erwählte aus den Frauen der Banu Quraiza Raihana bint Amr ibn Khunafa für sich. Nach der Überlieferung Ibn Ishaqs blieb diese Frau bis zum Tod des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, bei ihm. [Ibn Hischam, Bd. 2, S. 245]
Al-Kalbi überlieferte, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Raihana freiließ und sie heiratete. Hadhrat Raihana, Allah sei mit ihr zufrieden, verstarb, nachdem der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, von der Abschiedswallfahrt zurückgekehrt war. Sie wurde in Dschannat al-Baqi beigesetzt. [Tanqih al-Fuhum, S. 12]
Nachdem sich das Ereignis der Banu Quraiza zugetragen hatte, rückte der Zeitpunkt näher, an dem das Gebet des frommen Dieners Allahs, Sa’d ibn Mu’adh, Allah sei mit ihm zufrieden, erhört werden sollte. Dies wurde bei der Erörterung der Grabenschlacht erwähnt. Die Wunde von Sa’d ibn Mu’adh, Allah sei mit ihm zufrieden, brach auf. Zu jener Zeit befand er sich in der Prophetenmoschee. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ließ dort ein Zelt für ihn errichten, damit man ihn aus nächster Nähe pflegen konnte. Hadhrat Aischa, Allah sei mit ihr zufrieden, berichtet: Als die Wunde aufgebrochen war, befanden sich in der Moschee mehrere Zelte der Banu Schifar. Als sie den Blutstrom von Sa’d, Allah sei mit ihm zufrieden, sahen, erschraken sie. Sie riefen: „Ihr Bewohner der Zelte, was ist geschehen? Von eurer Seite kommt etwas zu uns herüber.“ Bei genauerem Hinsehen stellte sich heraus, dass das Blut von Sa’d, Allah sei mit ihm zufrieden, unaufhörlich strömte. Schließlich verstarb Sa’d ibn Mu’adh, Allah sei mit ihm zufrieden, infolge dieser Wunde. [Sahih al-Buchari, Bd. 2, S. 591]
In den Überlieferungen von Buchari und Muslim wird von Dschabir, Allah sei mit ihm zufrieden, berichtet, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Beim Tod von Sa’d ibn Mu’adh, Allah sei mit ihm zufrieden, geriet der Thron des Allerbarmers ins Wanken.“ [Sahih al-Buchari, Bd. 1, S. 536; Muslim, Bd. 2, S. 294; Dschami’ at-Tirmidhi, Bd. 2, S. 225]
Imam at-Tirmidhi überlieferte von Anas, Allah sei mit ihm zufrieden, einen Hadith und bezeichnete ihn als authentisch. In diesem Hadith wird berichtet, dass die Leute, nachdem die Totenbahre von Sa’d, Allah sei mit ihm zufrieden, emporgehoben worden war, sagten: „Wie leicht ist seine Totenbahre!“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Die Engel tragen seine Totenbahre.“ [Dschami’ at-Tirmidhi, Bd. 2, S. 225]
Während der Belagerung der Banu Quraiza erlitt ein Muslim den Märtyrertod. Eine Frau der Banu Quraiza warf diesem Gefährten einen Mühlstein zum Mahlen von Getreide entgegen. Außerdem verstarb Abu Sinan ibn Muhsin, der Bruder von Hadhrat Ukascha, während der Belagerung.
Hadhrat Abu Lubaba, Allah sei mit ihm zufrieden, verbrachte sechs aufeinanderfolgende Nächte an eine Säule der Prophetenmoschee gefesselt. Wenn die Zeit des Gebets kam, band ihn seine Frau los; nach dem Gebet fesselte sie ihn wieder. Am Morgen des sechsten Tages empfing der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die Offenbarung, dass die Reue Abu Lubabas angenommen worden war. Zu jener Zeit hielt sich der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, im Haus von Hadhrat Umm Salama auf. Hadhrat Abu Lubaba, Allah sei mit ihm zufrieden, berichtet: Die Mutter der Gläubigen, Hadhrat Umm Salama, Allah sei mit ihr zufrieden, stand an der Tür ihres Hauses und sagte zu mir: „O Abu Lubaba, freue dich! Allah, der Erhabene, hat deine Reue angenommen.“ Als die Gefährten dies hörten, kamen sie herbei, um seine Fesseln zu lösen. Doch er war damit nicht einverstanden. Er sagte: „Niemand außer dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, soll meine Fesseln lösen.“ Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zum Morgengebet ging, löste er die Fesseln Abu Lubabas.
Diese Belagerung ereignete sich im Monat Dhul-Qaʿda. Sie dauerte volle 256 Tage an.[Ibn Hischam, Bd. 2, S. 237–238. Für eine ausführliche Darstellung des Krieges siehe Ibn Hischam, Bd. 2, S. 233–273; Sahih al-Buchari, Bd. 2, S. 590–591; Zad al-Maʿad, Bd. 2, S. 72–73, 74; Mukhtasar as-Siyar, Scheich Abdullah, S. 287–290]
Allah, der Erhabene, ließ in der edlen Sure al-Ahzab des Heiligen Qurans zahlreiche Verse über Banu Quraiza und die Grabenschlacht offenbaren. Darin werden verschiedene Aspekte beider Schlachten erörtert. Der Zustand der Gläubigen und der Heuchler wird beschrieben. Die Spaltung und Feigheit unter den verschiedenen Gruppen der Feinde werden erwähnt. Auch die Folgen des Verrats der Leute der Schrift werden erläutert.
Militärische Unternehmungen nach der Grabenschlacht und dem Krieg gegen Banu Quraiza
1) Die Ermordung von Salam ibn Abu al-Huqaiq
Salam ibn Abu al-Huqaiqs Kunya war Abu Rafi. Dieser Mann gehörte zu den schlimmsten Verbrechern unter den Juden. Sie hatten gegen die Muslime konspiriert und sie mit Reichtum und Lebensmitteln unterstützt. Außerdem hatte er dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) Leid zugefügt. Aus diesen Gründen baten einige Gefährten aus dem Stamm der Chazradsch, nachdem die Muslime von Banu Quraiza befreit worden waren, um die Erlaubnis, Abu Rafi zu töten. Zuvor hatten einige Gefährten aus dem Stamm der Aus an der Ermordung von Kaʿb ibn al-Aschraf teilgenommen. Deshalb waren die Gefährten aus dem Stamm der Chazradsch begierig darauf, ebenfalls eine solche Leistung zu vollbringen. Daher baten sie den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) um die Erlaubnis, Abu Rafi zu töten.[Fath al-Bari, Bd. 7, S. 343]
Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) erteilte den Gefährten zwar die Erlaubnis, wies sie jedoch nachdrücklich an, keine Frauen und Kinder zu töten. Daraufhin brach eine aus fünf Gefährten bestehende Gruppe zu ihrem Unternehmen auf. All diese Gefährten gehörten dem Zweig Banu Salima des Stammes Chazradsch an. Zu ihrem Befehlshaber wurde Hazrat Abdullah ibn Atik ernannt.
Diese kleine Gruppe brach in Richtung Chaibar auf, denn dort befand sich Abu Rafis festungsähnliches Wohnhaus. Als die Gefährten Chaibar erreichten, war die Sonne bereits untergegangen. Alle kehrten mit ihren Sachen nach Hause zurück. Abdullah ibn Atik sagte zu seinen Gefährten: „Wartet hier, ich gehe. Ich werde versuchen, mit einer Ausrede beim Türwächter hineinzukommen.“ Daraufhin ging er los. Als er sich der Tür näherte, setzte er sich mit bedecktem Kopf so hin, dass es aussah, als wolle jemand urinieren. Der Wächter rief: „O Diener Allahs, wenn du hineingehen willst, dann geh hinein; ich schließe die Tür.“
Hazrat Abdullah ibn Atik berichtet: „Ich trat ein und versteckte mich. Als der Wächter glaubte, alle Menschen seien hineingegangen, schloss er die Tür und hängte den Schlüssel an einen Pfosten. Nach einiger Zeit, als es ringsum still und ruhig geworden war, stand ich auf, nahm den Schlüssel und öffnete die Tür. Abu Rafi wohnte in einem Raum im Obergeschoss. Dort fanden gesellige Zusammenkünfte statt. Nachdem die Teilnehmer die Zusammenkunft verlassen hatten, stieg ich nach oben. Jede Tür, die ich öffnete, schloss ich anschließend von innen. Ich dachte mir: Selbst wenn jemand meine Ankunft bemerkt, werde ich Rafi töten, bevor er zu mir gelangen kann. Schließlich kam ich in die Nähe von Abu Rafi, doch er lag mit seinen Kindern in einem Zimmer. Das Zimmer war dunkel. Es war nicht zu erkennen, wo Abu Rafi lag. Ich rief Abu Rafi. Er fragte: ‚Wer ruft?‘ Ich ging schnell in Richtung seiner Stimme und schlug mit dem Schwert zu. Doch weil ich sehr aufgeregt war, konnte ich nichts ausrichten. Der Hieb ging fehl. Da begann Abu Rafi zu schreien. Ich verließ schnell den Raum, verstellte meine Stimme und sagte: ‚Abu Rafi, was war das für ein Geräusch, das ich gehört habe?‘ Er sagte: ‚Möge deine Mutter zugrunde gehen! Gerade hat mich ein Mann in einem Zimmer mit einem Schwert angegriffen.‘“
Abdullah ibn Atik berichtet: Dieses Mal ging ich zum Eingang und schlug Abu Rafi erneut. Dieser Hieb verfehlte sein Ziel nicht. Daraufhin begann Abu Rafi zu bluten. Doch noch hatte ich ihn nicht töten können. Deshalb stieß ich die Schwertspitze in seinen Bauch. Die scharfe Spitze durchdrang seinen Bauch und drang bis zu seinem Rücken vor. Ich dachte bei mir, dass ich ihn getötet hätte. Nach diesem Gedanken begann ich hinauszugehen. Ich öffnete eine Tür und ging hinaus. Als ich eine weitere Tür öffnete, setzte ich den Fuß auf die Treppe. Ich dachte, ich sei bereits unten angekommen. Doch das war ein Irrtum. Plötzlich stürzte ich hinunter. Es war eine mondhelle Nacht. Ich verstauchte mir den Knöchel. Ich nahm meinen Turban ab und band meinen Fuß sorgfältig damit fest. Danach kam ich zur Tür zurück und blieb dort sitzen. Ich dachte bei mir: Ich werde von hier nicht fortgehen, bevor ich nicht weiß, ob ich Abu Rafi tatsächlich getötet habe.
Nach dem Krähen des Hahns in den frühen Morgenstunden stieg ein Mann auf das Dach des Hauses und begann laut auszurufen: „Ich verkünde den Tod Abu Rafis, des angesehenen Kaufmanns aus dem Hedschas.“
Abdullah ibn Atik berichtet: Darauf ging ich zu meinen Gefährten und sagte: „Flieht! Durch Allahs Willen ist Abu Rafi nun an den Ort gelangt, an dem er die Vergeltung für seine Taten erhalten wird.“ Danach kamen wir zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und ich erzählte ihm alles, was geschehen war. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Streck deinen Fuß aus.“ Ich streckte meinen Fuß aus. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, berührte ihn leicht mit seiner Hand. Sofort hatte ich das Gefühl, als hätte mein Fuß überhaupt keine Schmerzen gehabt. [Sahih al-Buchari, Bd. 2, S. 577]
Dies ist die Überlieferung von Sahih al-Buchari. In der Überlieferung Ibn Ishaqs wird erwähnt, dass fünf Gefährten das Haus Abu Rafis betreten hatten und alle an seiner Tötung beteiligt waren. Derjenige, der Abu Rafi am Körper verwundet hatte, hieß Abdullah ibn Unais. In dieser Überlieferung wird außerdem erwähnt, dass Abdullah ibn Atik nach der nächtlichen Tötung Abu Rafis einen Bruch am Knöchel erlitten hatte. Die anderen Gefährten trugen ihn fort und versteckten sich bei einem Wasserbecken neben der Festungsmauer. Inzwischen entzündeten die Juden Feuer und eilten von allen Seiten herbei. Nachdem sie trotz intensiver Suche niemanden gefunden hatten, kehrten sie zu dem Ort des Getöteten zurück. Als die ehrenwerten Gefährten zurückkehrten, brachten sie den ehrwürdigen Abdullah ibn Atik, den sie stützten, zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. [Ibn Hischam, Bd. 2, S. 284–285]
Diese militärische Expedition wurde im Monat Dhul-Qaʿda oder Dhul-Hiddscha des fünften Jahres nach der Hidschra durchgeführt. [Rahmatul lil-Alamin, Bd. 2, S. 223]
Nach der Grabenschlacht und dem Feldzug gegen die Banu Qurayza sowie nach der Vollstreckung der Todesurteile an den Kriegsverbrechern ergriff der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, neue Maßnahmen. Er begann Feldzüge gegen jene Stämme und Menschen, die dem Weg des Friedens und der Stabilität Hindernisse in den Weg legten. Ohne gegen sie vorzugehen, war jede Hoffnung auf Frieden in weiter Ferne.
2) Die Sariyya des Muhammad ibn Maslama
Dies war nach der Grabenschlacht und dem Feldzug gegen die Banu Qurayza die erste militärische Expedition. An dieser Expedition nahm eine aus dreißig Gefährten bestehende Gruppe teil.
Diese Truppe wurde nach Riya im Gebiet Bakrat im Inneren Nadschds entsandt. Sie wurde am 10. Muharram des 6. Jahres nach der Hidschra entsandt. Zwischen Dhariya und Medina lagen sieben Tagesreisen. Ihr Ziel war ein Zweig des Stammes Banū Bakr ibn Kilāb. Als die Muslime sie verfolgten, flohen alle Feinde. Die Muslime erbeuteten einige vierbeinige Tiere, darunter Ziegen, und trafen bereits einen Tag vor dem Ende des Monats Muharram wieder in Medina ein. Sie nahmen auch Thumāma ibn Uthāl al-Hanafī, den Anführer des Stammes Banū Hanīfa, gefangen und brachten ihn mit. Thumāma war auf Befehl des falschen Propheten Musailima al-Kadhdhāb verkleidet aufgebrochen, um den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu töten. [Sīrat Halabiyya, Band 2, S. 297]
Doch die Muslime nahmen Thumāma gefangen, banden ihn an eine Säule in der Prophetenmoschee und ließen ihn dort. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, kam zu ihm und fragte: „Thumāma, was hast du zu sagen?“ Er antwortete: „O Muhammad, ich habe Gutes zu sagen. Wenn du mich tötest, tötest du einen Mann, dessen Körper viel Blut enthält. Wenn du mir Gnade erweist, erweist du sie einem, der undankbar ist. Wenn du Besitz verlangst, dann sage, wie viel du brauchst.“ Nachdem der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, dies gehört hatte, ließ er ihn in diesem Zustand. Als er ein zweites Mal zu ihm kam, stellte er dieselbe Frage, und Thumāma gab dieselbe Antwort. Beim dritten Mal stellte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, erneut dieselbe Frage, und er gab wiederum dieselbe Antwort. Daraufhin befahl der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm: „Lasst Thumāma frei.“ So wurde er freigelassen. Thumāma ging daraufhin zu einem Dattelhain neben der Prophetenmoschee, wusch sich und reinigte sich. Danach kam er zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und nahm den Islam an. Nach seinem Übertritt sagte er: „Bei Allah, auf der ganzen Welt war mir kein menschliches Gesicht verhasster als dein Gesicht. Heute aber ist mir kein menschliches Gesicht lieber als dein Gesicht. Bei Allah, in der ganzen Welt war mir keine Religion verhasster als deine Religion, und heute ist mir keine Religion lieber als deine Religion. Deine Reiter nahmen mich gefangen, als ich die Umra zu vollziehen beabsichtigte.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, verkündete ihm die frohe Botschaft und wies ihn an, die Umra zu vollziehen. Als er zu den Quraisch gelangte, sagten sie: „Thumāma, du bist vom Glauben abgefallen.“ Er erwiderte: „Nein, ich bin durch Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Muslim geworden. Hört: Zu euch wird kein einziges Korn aus al-Yamāma gelangen, solange der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, dies nicht erlaubt.“ Für die Bewohner von Mekka war al-Yamāma wie ein Acker. Als Hadhrat Thumāma in seine Heimat zurückkehrte, stellte er die Getreideausfuhr nach Mekka ein. Dadurch gerieten die Quraisch in große Schwierigkeiten. Sie schrieben dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, unter Berufung auf die verwandtschaftlichen Beziehungen und baten ihn, Thumāma aufzufordern, das Verbot der Getreideausfuhr nach Mekka aufzuheben. Der barmherzige Prophet, Hadhrat Muhammad Mustafa, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, tat dies. [Zād al-Maʿād, Band 2, S. 119; Mukhtasar as-Siyar, Scheich Abdullah, S. 292–293]
3) Der Feldzug gegen Banū Lihyān
Die Angehörigen des Stammes Banū Lihyān hatten bei ar-Radschīʿ zehn Gefährten durch eine List fortgelockt, acht von ihnen getötet und zwei an die Bewohner von Mekka verkauft. Dort ermordeten diese beiden ebenfalls auf grausame Weise. Da das Gebiet der Banū Lihyān jedoch nahe bei Mekka lag und zwischen den Quraisch und den Muslimen ein erbitterter Konflikt herrschte, hielt es der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nicht für angebracht, sich den Feinden so weit zu nähern. Inzwischen waren unter den verschiedenen Gruppen der Quraisch Risse entstanden; ihre Entschlossenheit, den Muslimen Widerstand zu leisten, hatte deutlich nachgelassen, und sie hatten sich den veränderten Umständen gefügt. Daher war der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, der Ansicht, dass die Zeit gekommen sei, von den Banū Lihyān Vergeltung für die Tötung der Märtyrer von ar-Radschīʿ zu nehmen. Im Rabīʿ al-awwal oder im Dschumādā al-awwal des sechsten Jahres nach der Hidschra brach der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, mit zweihundert Gefährten gegen den Stamm Banū Lihyān auf. Er setzte in Medina Hadhrat ʿAbdullah ibn Umm Maktūm als seinen Stellvertreter ein. Den anderen wurde gesagt, er werde nach Syrien reisen. Zunächst erreichte der Gesandte Allahs das Tal Batn Gharrān, das zwischen den beiden Orten Umaiz und Usfān liegt. Dort waren die Gefährten getötet worden. Der Gesandte Allahs betete dort bei Allah für die Gefährten. Als die Angehörigen des Stammes Banū Lihyān von seiner Ankunft hörten, flohen sie in die Bergregion. Deshalb konnte keiner von ihnen gefangen genommen werden. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, blieb dort zwei Tage. Er schickte die Gefährten in einzelne Gruppen in verschiedene Gebiete. Doch es konnte keine Spur von ihnen gefunden werden. Danach begab sich der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nach Usfān und entsandte von dort zehn berittene Gefährten nach Qurāʾ al-Ghamīm. Sie wurden entsandt, um den Quraisch seine Ankunft zu melden. Nachdem der Gesandte Allahs insgesamt vierzehn Tage außerhalb Medinas verbracht hatte, kehrte er nach Medina zurück.
Nach seiner Rückkehr von diesem Feldzug entsandte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nacheinander mehrere militärische Expeditionen. Diese werden hier kurz dargestellt.
4) Die Expedition nach Ghamr
Im Rabīʿ al-awwal oder Rabīʿ ath-thānī des sechsten Jahres nach der Hidschra entsandte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, vierzig Gefährten auf eine Expedition zu einem Ort namens Ghamr. Ghamr ist der Name eines Wasserplatzes des Stammes Banū Asad. Hadhrat Muhammad ibn Maslama führte sie an. Als die Feinde von der Ankunft der Muslime hörten, flohen sie. Die Muslime brachten zweihundert Kamele von ihnen nach Medina.
5) Die Expedition nach Dhū Qissa (1)
Im Rabi al-awwal oder Rabi ath-thani des sechsten Jahres nach der Hidschra brach unter der Führung von Muhammad ibn Maslama eine Truppe von zehn Gefährten in Richtung eines Ortes namens Dhul-Qissa auf. Dieser Ort lag im Siedlungsgebiet des Stammes Banu Thaʿlaba. Die Zahl der Feinde betrug einhundert. Sie flohen und versteckten sich. Als die edlen Gefährten eingeschlafen waren, griffen die Feinde sie überraschend an und töteten neun von ihnen. Als Einziger überlebte der Anführer der Truppe, Muhammad ibn Maslama. Verwundet kehrte er nach Medina zurück.
Sechstens: die Sariyya von Dhul-Qissa (2)
Nach dem Märtyrertod der von Muhammad ibn Maslama (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) geführten Truppe entsandte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, im Rabi ath-thani des sechsten Jahres nach der Hidschra eine Gruppe von Gefährten unter dem Kommando von Abu Ubaida (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) nach Dhul-Qissa. Diese Truppe aus vierzig Gefährten brach zum Ort des Märtyrertodes der zuvor erwähnten neun Gefährten auf. Die ganze Nacht gingen sie zu Fuß und erreichten Dhul-Qissa. Unmittelbar nach ihrer Ankunft begannen sie, nach den Feinden zu suchen. Diese feindliche Gruppe aus dem Stamm Banu Thaʿlaba floh sehr schnell in ein Berggebiet. Die Muslime konnten keinerlei Spur von ihnen finden. Lediglich ein Mann konnte festgenommen werden. Auch er nahm den Islam an. Bei diesem Feldzug gelangten außerdem zahlreiche Viehherden, darunter viele Ziegen, in den Besitz der Muslime.
Siebtens: die Sariyya von Dschamum
Dieser Feldzug wurde unter der Führung von Zaid ibn Haritha (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) im Rabi ath-thani des sechsten Jahres nach der Hidschra in das Gebiet namens Dschamum entsandt. Dschamum ist der Name einer Wasserstelle des Stammes Banu Sulaim in Marraz Zahran, in der heutigen Ebene von Fatima. Nach seiner Ankunft nahm Zaid (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) eine Frau aus dem Stamm Muzaina namens Halima fest. Diese Frau verriet den Kämpfern den Standort eines Ortes der Banu Sulaim. Von dort gelangten zahlreiche Tiere, darunter Ziegen, sowie Gefangene in den Besitz der Muslime. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ließ die Frau frei und heiratete sie.
Achtens: die Sariyya von Ghaith
Diese Truppe bestand aus 117 Soldaten. Auch dieser Feldzug wurde unter der Führung von Zaid ibn Haritha (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) im Dschumada al-awwal des sechsten Jahres nach der Hidschra mit demselben Ziel entsandt. Dabei fiel das Handelsgut einer Handelskarawane der Quraisch in die Hände der Muslime. Diese Karawane reiste unter der Führung von Abu al-As, dem Schwiegersohn des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Abu al-As hatte den Islam damals noch nicht angenommen. Er konnte nicht festgenommen werden. Er floh rasch, kam nach Medina und suchte Zuflucht bei seiner Ehefrau Zainab (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr). Anschließend bat er seine Frau, ihrem Vater, dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, auszurichten, dass er die Rückgabe des beschlagnahmten Karawanenguts veranlassen solle. Zainab (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) teilte ihrem Vater die Bitte ihres Mannes mit. Aufgrund der Bitte von Zainab (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) deutete der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, den Gefährten an, das Handelsgut zurückzugeben. Er übte keinerlei Druck aus. Die edlen Gefährten gaben das gesamte Vermögen zurück. Mit diesen Gütern kehrte Abu al-As nach Mekka zurück, übergab den Quraisch ihr gesamtes Eigentum und kam anschließend wieder nach Medina, wo er den Islam annahm. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, übergab Zainab (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) gemäß ihrer früheren Ehe wieder Abu al-As. [Siehe Sunan Abu Dawud]
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, erneuerte die Ehe seiner Tochter mit ihrem Ehemann nicht, da der Vers, der muslimischen Frauen das Zusammenleben mit einem ungläubigen Ehemann verbietet, zu jener Zeit noch nicht offenbart worden war. In einem Hadith heißt es jedoch, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die Ehe von Zainab und Abu al-As erneut geschlossen habe. Dieser Hadith ist sowohl hinsichtlich seiner Bedeutung als auch seiner Überlieferungskette nicht zuverlässig. [Tuhfat al-Ahwazi, Band 2, S. 195–196] Er ist in beiderlei Hinsicht schwach. Diejenigen, die sich auf diesen schwachen Hadith berufen, äußern sich in erstaunlich widersprüchlicher Weise. Sie sagen, Abu al-As habe gegen Ende des achten Jahres nach der Hidschra, einige Zeit vor der Eroberung Mekkas, den Islam angenommen. Sie erwähnen außerdem, dass Zainab (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) zu Beginn des achten Jahres nach der Hidschra verstorben sei. Diese beiden widersprüchlichen Aussagen können jedoch nicht akzeptiert werden. Denn unter diesen Umständen wäre Zainab (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) zur Zeit der Annahme des Islam durch Abu al-As und seiner Auswanderung nach Medina bereits nicht mehr am Leben gewesen. Wie konnte sie ihm dann aufgrund der früheren oder einer neuen Ehe übergeben worden sein?
Der berühmte Gelehrte Hadhrat Musa ibn Uqba (möge Allah mit ihm zufrieden sein) hat erwähnt, dass sich dieses Ereignis im siebten Jahr nach der Hidschra durch Abū Basīr und seine Gefährten ereignete. Doch diese Angabe ist nach keinem Hadith – weder nach einem sahīh noch nach einem daʿīf Hadith – zuverlässig.
Neuntens: die Sarīya nach Tarf oder Tarq
Diese Expedition wurde unter der Führung von Hadhrat Zaid ibn Hāritha (möge Allah mit ihm zufrieden sein) im Monat Dschumādā ath-Thāniya in das Gebiet von Tarf oder Tarq entsandt. Dieses Gebiet lag im Siedlungsgebiet der Banū Thaʿlaba. Hadhrat Zaid (möge Allah mit ihm zufrieden sein) wurde von fünfzehn Gefährten begleitet. Als die Beduinen davon erfuhren, flohen sie sofort. Sie befürchteten, dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) komme. Hadhrat Zaid (möge Allah mit ihm zufrieden sein) erbeutete vier Kamele und kehrte nach vier Tagen nach Medina zurück.
Zehntens: die Sarīya nach Wādī al-Qurā
Die Zahl der Soldaten bei dieser Expedition betrug zwölf. Auch ihr Anführer war Hadhrat Zaid ibn Hāritha (möge Allah mit ihm zufrieden sein). Im Radschab des sechsten Jahres nach der Hidschra brach er in Richtung Wādī al-Qurā auf. Ziel war es, die Bewegungen der Feinde zu beobachten. Doch die Bewohner von Wādī al-Qurā griffen sie an. Dabei fielen neun Gefährten als Märtyrer. Hadhrat Zaid und drei weitere Gefährten überlebten. [Rahmatul-lil-ʿĀlamīn, Bd. 2, S. 226; Zād al-Maʿād, Bd. 2, S. 120, 121, 122; siehe außerdem die Anmerkungen zu Talkhīs al-Fuhūm ʿalā al-Āthār, S. 28–29]
Elftens: die Sarīya nach Chabat
Sie wurde im Radschab des achten Jahres nach der Hidschra durchgeführt. Betrachtet man jedoch den Ablauf der Ereignisse, scheint es, dass sie vor dem Vertrag von Hudaibiya durchgeführt wurde. Hadhrat Dschābir (möge Allah mit ihm zufrieden sein) berichtet: Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) entsandte unter der Führung von Hadhrat Abū ʿUbaida ibn al-Dscharrāh dreihundert Reiter. Ihr Ziel war es, eine Handelskarawane der Quraisch ausfindig zu machen. Während dieser Expedition litten wir unter großem Hunger. Wir aßen sogar die Blätter von Bäumen. Deshalb wurde diese Expedition Chabat genannt. Die vom Baum gepflückten Blätter werden Chabat genannt. Danach wurden wir von äußerstem Hunger überwältigt und schlachteten nacheinander jeweils drei, insgesamt neun Kamele. Abū ʿUbaida (möge Allah mit ihm zufrieden sein) gestattete danach nicht mehr, weitere Kamele zu schlachten. Später wurde uns am Meeresufer ein gewaltiger Fisch namens ʿAnbar an Land gespült. Fünfzehn Tage lang ernährten wir uns davon und verwendeten sein Fett.
Dadurch kehrte unsere Gesundheit zu ihrem normalen Zustand zurück. Hadhrat Abū ʿUbaida (möge Allah mit ihm zufrieden sein) hob eine Rippe dieses riesigen Fisches auf. Der größte Mann unter den Soldaten und das größte Kamel unter den Kamelen wurden beiseitegenommen. Dann wurde der große Mann auf den Rücken des Kamels gesetzt und aufgefordert, unter der Rippe hindurchzugehen. Auf dem Kamel reitend, ging der Mann mühelos unter der Rippe hindurch. Wir bewahrten einen Teil dieses Fisches auf. Nachdem wir Medina erreicht hatten, berichteten wir dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) davon. Er sagte: „Dies ist Allahs Versorgung. Er hat diese Versorgung für euch bereitgestellt. Wenn ihr noch etwas von diesem Fisch habt, dann gebt auch mir davon zu essen.“ Wir schickten etwas Fisch zum Haus des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Hier endet der ausführliche Bericht über das Ereignis. [Sahīh al-Buchārī, Bd. 2, S. 625–626; Sahīh Muslim, Bd. 2, S. 145–146]
Wie bereits erwähnt wurde, lässt sich aus dem Ablauf der Ereignisse schließen, dass dies vor dem Vertrag von Hudaybiyya geschah. Denn nach diesem Vertrag versuchten die Muslime nicht mehr, die Handelskarawanen der Quraisch zu erbeuten.
Das Ghazwa von Banu al-Mustaliq
Aus militärischer Sicht war dieser Feldzug nicht von großer Bedeutung. Doch unmittelbar davor ereigneten sich einige Dinge, die in der islamischen Gesellschaft Unruhe und Aufregung auslösten. Dadurch wurde einerseits das wahre Wesen der Heuchler enthüllt, andererseits wurden einige Gesetze und Bestimmungen offenbart, durch die sich die islamische Gesellschaft hinsichtlich ihrer Würde, ihrer Eigenart und ihrer Unabhängigkeit auszeichnete. Die islamische Gesellschaft erhielt eine besondere Struktur und Gestalt. Zunächst werden wir den Ghazwa beziehungsweise den militärischen Feldzug erwähnen und anschließend die Einzelheiten ausführlich darlegen.
Nach den Angaben der Verfasser der Sira fand dieser Feldzug im Schaʿban des fünften oder sechsten Hidschra-Jahres statt. Als Argument wird angeführt, dass sich auf dem Rückweg von diesem Feldzug das Ereignis des Ifk ereignete, das heißt, dass gegen Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) eine falsche Anschuldigung erhoben wurde. Dieses Ereignis fand nach der Heirat des Gesandten Allahs mit Zainab (möge Allah mit ihr zufrieden sein) und nach der Offenbarung der Anordnung des Schleiers für muslimische Frauen statt. Zainab (möge Allah mit ihr zufrieden sein) wurde gegen Ende des fünften Hidschra-Jahres, also im Monat Dhu l-Qaʿda oder Dhu l-Hiddscha, geheiratet. Einhellig ist man sich darüber, dass dieser Feldzug im Schaʿban stattfand. Daher kann es nicht der Schaʿban des fünften, sondern nur der des sechsten Hidschra-Jahres gewesen sein. Demgegenüber führen diejenigen, die den Zeitpunkt dieses Feldzugs auf den Schaʿban des fünften Hidschra-Jahres datieren, als Argument an, dass in dem Hadith über den Ifk bei der Schilderung dieses Ereignisses Saʿd ibn Muʿadh erwähnt wird. Saʿd ibn Muʿadh starb gegen Ende des fünften Hidschra-Jahres nach dem Feldzug gegen Banu Quraiza. Daraus wird gefolgert, dass er beim Ereignis des Ifk anwesend gewesen sein konnte und dass dieser Feldzug nicht im sechsten, sondern im fünften Hidschra-Jahr stattgefunden haben muss.
Die Vertreter der ersten Auffassung antworteten darauf, dass die Erwähnung von Saʿd ibn Muʿadh im Hadith über den Ifk ein Fehler des Überlieferers, also des Erzählers, sei. Denn denselben Hadith überlieferte Ibn ʿUtba von Aischa. Die Überlieferungskette lautet: von Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) zu ʿAbdullah ibn ʿUtba und von ʿAbdullah ibn ʿUtba zu Zuhri. Darin wird anstelle von Saʿd ibn Muʿadh Usaid ibn Hudair erwähnt. Imam Abu Muhammad ibn Hazm sagt: Zweifellos ist dies authentisch; die Erwähnung von Saʿd ibn Muʿadh ist frei erfunden. (Siehe Zad al-Maʿad, Band 2, S. 115.) Obwohl die Aussage der ersten Gruppe ziemlich überzeugend erscheint und ich ihr deshalb zunächst ebenfalls zustimmte, wird bei näherer Betrachtung deutlich, dass der Kern dieser Erklärung darin besteht, dass die Heirat des Gesandten Allahs mit Zainab (möge Allah mit ihr zufrieden sein) gegen Ende des fünften Hidschra-Jahres stattgefunden habe. Dafür finden sich jedoch außer einigen Andeutungen keine eindeutigen Beweise. Dagegen wird sowohl durch das Ereignis des Ifk als auch durch verschiedene authentische Überlieferungen belegt, dass Saʿd ibn Muʿadh, der im fünften Hidschra-Jahr starb, dabei anwesend war. Es ist schwierig, diese Überlieferungen als erfunden zu bezeichnen. Daher ist es richtig, dass die Heirat Zainabs (möge Allah mit ihr zufrieden sein) gegen Ende des vierten oder zu Beginn des fünften Hidschra-Jahres stattfand. Später wird dies auch so dargestellt. Das Ereignis des Ifk und der Feldzug gegen Banu al-Mustaliq fanden im Schaʿban des fünften Hidschra-Jahres statt. Im weiteren Verlauf erfuhr der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, dass Harith ibn Abi Dhirar, der Anführer von Banu al-Mustaliq, gemeinsam mit seinem eigenen Stamm und anderen arabischen Stämmen gegen die Muslime zum Kampf aufbrach. Um die Wahrheit dieser Nachricht zu überprüfen, sandte er Burayda ibn al-Husayb al-Aslami (möge Allah mit ihm zufrieden sein). Dieser ging zu Harith ibn Abi Dhirar und sprach mit ihm. Nach seiner Rückkehr informierte er den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, über alles.
Nachdem der Gesandte alles erfahren und Gewissheit erlangt hatte, befahl er den ehrwürdigen Gefährten, sich vorzubereiten. Unverzüglich wurde dieser Feldzug durchgeführt. Am zweiten Tag des Monats Schaʿban brachen die Gefährten auf. Bei diesem Feldzug befanden sich auch einige Heuchler beim Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die zuvor an keinem anderen Krieg teilgenommen hatten. Die Verwaltung Medinas übertrug der Gesandte entweder Zaid ibn Haritha, nach anderer Auffassung Abu Dharr oder nach wieder anderer Auffassung Numail ibn ʿAbdullah al-Laithi (möge Allah mit ihnen zufrieden sein). Als Harith ibn Abi Dhirar und seine Gefährten von der Abreise des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, erfuhren, bekamen sie große Angst. Sie hatten auch erfahren, dass der von ihnen entsandte Spion getötet worden war. Die Angehörigen der verschiedenen Stämme, die Harith begleiteten, zerstreuten sich. Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, am Wasserbecken von al-Muraisi eintraf (al-Muraisi ist der Name eines Wasserbeckens des Stammes Banu al-Mustaliq an der Küste bei Qudayd. Siehe Sahih al-Buchari, Kitab al-ʿAtq, Band 1, S. 345, Fath al-Bari, Band 7, S. 431), bereitete sich der Stamm Banu al-Mustaliq zum Kampf vor. Auch der Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und die Gefährten machten sich bereit.
Der Oberbefehlshaber des gesamten islamischen Heeres war Abu Bakr as-Siddiq (möge Allah mit ihm zufrieden sein). Das Banner der Ansar wurde Saʿd ibn ʿUbada (möge Allah mit ihm zufrieden sein) übergeben. Eine Zeit lang wurden Pfeile ausgetauscht. Danach griffen die ehrwürdigen Gefährten auf Befehl des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gemeinsam an und errangen den Sieg. Einige Götzendiener wurden getötet. Frauen und Kinder wurden gefangen genommen. Auch Viehherden, darunter Ziegen, fielen in die Hände der Muslime. Von den Muslimen wurde nur ein Mann getötet. Auch ihn hatte ein Mann von den Ansar irrtümlich für einen Angehörigen der feindlichen Seite gehalten und angegriffen.
Die Verfasser der Sira haben über diesen Krieg nur dies berichtet. Allama Ibn al-Qayyim verwarf diese Darstellungen als erfunden. Er schrieb, dass es bei diesem Feldzug nicht zu einem Kampf gekommen sei, sondern dass die Frauen, Kinder und Viehherden der Feinde durch einen Überfall erbeutet worden seien. In Sahih al-Buchari wird erwähnt, dass der Stamm Banu al-Mustaliq unachtsam war, als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ihn angriff. Das heißt, sie waren auf einen solchen Angriff nicht vorbereitet. Siehe den Hadith. (Sahih al-Buchari, Kitab al-ʿAtq, Band 1, S. 345; Fath al-Bari, Band 7, S. 431.)
Unter den Gefangenen befand sich auch Hadhrat Dschuwairiya (möge Allah mit ihr zufrieden sein). Sie war die Tochter von al-Harith ibn Abi Dirar, dem Anführer des Stammes Banu al-Mustaliq. Sie stand im Besitz von Thabit ibn Qais. Hadhrat Thabit schloss mit Dschuwairiya einen Mukataba-Vertrag. [Als „Mukataba“ wird ein Sklave oder eine Sklavin bezeichnet, der bzw. die mit dem Besitzer einen Vertrag schließt, sich durch die Zahlung eines festgelegten Geldbetrags freizukaufen.] Danach kaufte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sie gegen den festgesetzten Betrag frei und heiratete sie. Aufgrund dieser Heirat ließen die Muslime einhundert Familien aus dem Stamm Banu al-Mustaliq frei. Sie alle nahmen den Islam an. Da sie zur Familie seiner Schwiegereltern gehörten, gewährte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ihnen die Freiheit. [Zad al-Maʿad, Bd. 2, S. 112–113; Ibn Hischam, Bd. 2, S. 289–290, 294–295]
Dies ist der Bericht über den Feldzug. Es ist notwendig, auch die anderen Ereignisse zu erwähnen, die sich während dieses Feldzugs ereigneten. Unter diesen Ereignissen ist insbesondere der Vorfall der Ifk hervorzuheben. Verantwortlich dafür war der Anführer der Heuchler, Abdullah ibn Ubayy. Dieser Heuchler und seine Freunde hatten diese Geschichte verbreitet. Daher soll zunächst kurz ihre schändliche Rolle in der islamischen Gesellschaft beleuchtet und anschließend der Vorfall ausführlich geschildert werden.
Die Rolle der Heuchler vor dem Feldzug gegen Banu al-Mustaliq
Wie bereits mehrfach erwähnt wurde, hegte Abdullah ibn Ubayy allgemein Feindschaft gegenüber dem Islam und den Muslimen und insbesondere gegenüber dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Die Stämme Aus und Chazradsch hatten sich in Vertrauen auf seine Führung zusammengeschlossen. Auch seine Krönung war vorbereitet worden. Eine Krone wurde angefertigt, um sie Abdullah ibn Ubayy auf den Kopf zu setzen. Zu dieser Zeit kam der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, mit dem Glanz seines revolutionären Lichts nach Medina. Infolgedessen wandte sich die Aufmerksamkeit der gesamten Bevölkerung Medinas von Abdullah ab. Dieser Mann begann daraufhin zu denken, dass der Gesandte Allahs ihm seine Herrschaft genommen habe.
Der Hass und Zorn Abdullah ibn Ubayys zeigten sich bereits zu Beginn der Auswanderung des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Damals hatte er noch keine äußerliche Loyalität zum Islam bekundet. Auch nachdem er später äußerlich seine Loyalität zum Islam bekundet hatte, änderte sich seine Haltung nicht. Eines Tages, bevor er äußerlich seine Loyalität zum Islam bekundet hatte, war der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, auf dem Rücken eines Esels unterwegs, um Saʿd ibn ʿUbada zu besuchen.
Unterwegs kam der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, an einer Menschenversammlung vorbei. Auch der spätere Heuchler Abdullah ibn Ubayy war dort. Er bedeckte seine Nase mit seinem Umhang und sagte: „Wirf keinen Staub auf uns.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, rezitierte den Angehörigen der Versammlung die heiligen Worte Allahs. Abdullah ibn Ubayy sagte: „Setz dich in dein eigenes Haus und störe uns nicht, indem du zu unserer Versammlung kommst.“ [Ibn Hischam, Bd. 2, S. 584, 587; Sahih al-Buchari, Bd. 2, S. 924; Sahih Muslim, Bd. 2, S. 109]
Das geschah vor seiner äußerlichen Loyalität zum Islam. Nach der Schlacht von Badr nahm Abdullah ibn Ubayy den Islam an, nachdem er erkannt hatte, wohin der Wind wehte. Doch auch nach seinem Übertritt zum Islam blieb dieser verachtenswerte Mann ein Feind Allahs, Seines geliebten Gesandten und der Muslime. Bei seinen Bemühungen, in der islamischen Gesellschaft Unruhe zu stiften und die Stimme des Islam zu schwächen, ließ er nichts unversucht. Schritt für Schritt setzte er seine islamfeindlichen Aktivitäten fort. Zu den Feinden des Islam unterhielt er unverfälschte und aufrichtige Beziehungen. Im Fall des Stammes Banu Qainuqa mischte sich Abdullah ibn Ubayy in äußerst anstößiger Weise ein. Darüber wurde bereits berichtet. Ebenso bemühte sich dieser Schurke auch in der Schlacht von Uhud mit aller Kraft, unter den Muslimen Zwietracht, Unordnung, Verzweiflung und Anarchie zu stiften. Auch darüber wurde bereits berichtet.
Nach seiner Annahme des Islam pflegte dieser Heuchler jeden Freitag vor der Predigt des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in der Prophetenmoschee aufzustehen und zu sagen: „O ihr Menschen, er ist Allahs Gesandter unter euch. Allah der Erhabene hat euch durch ihn Würde und Ehre verliehen. Helft ihm daher, stärkt ihn, hört auf ihn und gehorcht ihm.“ Nachdem er dies gesagt hatte, setzte er sich. Später erreichten seine Unverschämtheit und sein Starrsinn einen solchen Grad, dass er auch am ersten Freitagsgebet nach der Schlacht von Uhud begann, dieselben Worte zu sprechen. Dabei waren alle über seine islamfeindliche Rolle in der Schlacht von Uhud informiert. Diesmal ergriffen die Muslime ihn während seiner Ansprache von verschiedenen Seiten am Gewand und sagten: „O Feind Allahs, setz dich! Nach dem, was du getan hast, stehen dir solche Worte nicht zu.“ Angesichts dieses Widerstands ging er mit langen Schritten hochmütig hinaus. Beim Weggehen murmelte er: „Ich stand auf, um ihnen zu helfen, und nun scheint es, als hätte ich ein Verbrechen begangen. Habe ich etwa etwas Falsches gesagt?“ An der Tür begegnete er einem Ansari. Dieser sagte: „Mögest du zugrunde gehen! Geh zurück. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, wird für deine Vergebung beten.“ Er erwiderte: „Bei Gott, ich will nicht, dass er für meine Vergebung betet.“ [Ibn Hischam, Bd. 2, S. 105]
Außerdem knüpfte ʿAbdullah ibn Ubayy Beziehungen zum Stamm der Banū Naḍīr und begann gemeinsam mit ihnen, geheime Verschwörungen gegen die Muslime zu schmieden.
Ebenso betrieben ʿAbdullah ibn Ubayy und seine Gefährten während des Grabenkriegs allerlei Verschwörungen, um unter den Muslimen Unordnung zu stiften und sie zu beeinflussen. Allah, der Erhabene, sagt darüber in der Sure al-Ahzāb: „Und eine Gruppe von ihnen sagte: ‚O Bewohner von Yathrib, hier gibt es für euch keinen Platz; kehrt um!‘ Und eine andere Gruppe von ihnen bat den Propheten um Erlaubnis und sagte: ‚Unsere Häuser sind ungeschützt‘, obwohl sie nicht ungeschützt waren. In Wirklichkeit wollten sie nur fliehen. Wenn die Feinde von verschiedenen Seiten in die Stadt eingedrungen wären und sie zum Aufruhr aufgefordert hätten, hätten sie dies gewiss getan und nicht lange gezögert. Dabei hatten sie Allah zuvor versprochen, nicht den Rücken zu kehren. Über den Allah gegebenen Bund wird gewiss Rechenschaft gefordert werden. Sprich: ‚Die Flucht wird euch nichts nützen, wenn ihr aus Furcht vor dem Tod oder dem Getötetwerden flieht; dann wird euch nur ein kurzer Genuss gewährt.‘ Sprich: ‚Wer kann euch vor Allah schützen, wenn Er euch Böses will? Und wer kann euch schaden, wenn Er euch Barmherzigkeit erweisen will?‘ Außer Allah werden sie weder einen Beschützer noch einen Helfer finden. Allah weiß gewiss, wer von euch die Teilnahme am Kampf behindert und zu seinen Brüdern sagt: ‚Kommt zu uns!‘ Sie nehmen nur wenig am Kampf teil – und selbst dann aus Geiz um euretwillen. Wenn die Gefahr kommt, siehst du, wie sie dich mit verdrehten Augen ansehen, wie jemand, der aus Todesangst in Ohnmacht fällt. Wenn die Gefahr jedoch vorüber ist, verletzen sie euch mit scharfen Worten aus Gier nach Beute. Sie haben nicht geglaubt; deshalb hat Allah ihre Werke zunichtegemacht, und dies ist Allah leicht. Sie meinen, die Verbündeten seien nicht abgezogen und sie könnten, wenn sie bei den Wüstenbewohnern geblieben wären, Nachrichten über euch einholen. Wären sie bei euch geblieben, hätten sie nur wenig gekämpft.‘ (Sure al-Ahzāb, Verse 13–20)
In diesen erwähnten Versen wird ein vollständiges Bild der Vorstellungen, Gedanken, Handlungen, inneren Verfassung und Selbstsucht der Heuchler – kurz: ihres opportunistischen Charakters – gezeichnet.
Trotz alledem hatten die Juden, die Heuchler und die Götzendiener, also alle Feinde des Islam, sehr wohl erkannt, dass der Grund für den Sieg des Islam weder materielle Stärke noch eine Überlegenheit an Waffen war. Dieser Sieg lag vielmehr im Gehorsam gegenüber Allah und in den sittlichen Werten begründet. Dadurch erlangten die gesamte islamische Gemeinschaft und alle mit dem Islam verbundenen Menschen Erfolg. Diese Feinde des Islam wussten auch, dass die Quelle all dieser Erfolge in der Persönlichkeit des Gesandten Allahs lag, dessen Charakter und Persönlichkeit ein unvergleichliches Vorbild waren.
Nach fünf Jahren des Bemühens hatten all diese Feinde des Islam erkannt, dass es nicht möglich war, die Anhänger dieser Religion mit Waffen zu vernichten. Daher waren sie vermutlich zu dem Schluss gekommen, dass man durch die Verleumdung ihres Charakters umfassende Propaganda gegen diese Religion betreiben konnte. Zu diesem Zweck wählten sie den Gesandten Allahs selbst. Da die Heuchler unter den Muslimen lebten und in Medina ansässig waren, hatten sie reichlich Gelegenheit, sich ungezwungen unter die Muslime zu mischen. Deshalb konnten sie die Gefühle der Muslime leicht verletzen. So übernahmen die Heuchler selbst die Verantwortung für diese Propaganda. Der Anführer der Heuchler, ʿAbdullah ibn Ubayy, nahm diese Verantwortung auf sich.
Dieser Plan und diese Verschwörung wurden einmal zu der Zeit sichtbar, als der Gesandte Allahs Zaynab heiratete, nachdem Ḥāritha ibn Zayd sie geschieden hatte. Nach arabischem Brauch betrachteten sie den Adoptivsohn wie den eigenen Sohn und dessen Ehefrau wie die Schwiegertochter des leiblichen Sohnes und hielten die Heirat mit ihr für verboten. Daher begannen die Heuchler nach der Heirat des Gesandten Allahs mit Zaynab, gegen ihn Propaganda zu betreiben. Dabei fanden sie zwei besonders wirksame Ansatzpunkte für ihre Verleumdungen.
Erstens war Zaynab die fünfte Ehefrau des Gesandten Allahs. Im Heiligen Koran war einem Muslim jedoch nicht erlaubt worden, mehr als vier Ehefrauen zu haben. Wie konnte also diese Heirat des Gesandten Allahs rechtmäßig sein?
Zweitens war Zaynab die Ehefrau von Zayd, dem Adoptivsohn des Gesandten Allahs. Nach der Sitte der Araber war es daher ein schweres Verbrechen und eine große Sünde, die Ehefrau eines Adoptivsohnes zu heiraten. Die Verleumder betrieben in dieser Angelegenheit umfangreiche Propaganda und verbreiteten allerlei Behauptungen. Sie sagten sogar, Muhammad habe Zaynab eines Tages unvermittelt gesehen und sei von ihrer Schönheit so sehr beeindruckt gewesen, dass er sich sofort in sie verliebt habe. Nachdem sein Adoptivsohn Zayd davon erfahren habe, habe er Muhammad den Weg zu Zaynab freigemacht.
Die Heuchler verbreiteten diese Geschichte derart, dass die Diskussion und Auseinandersetzung darüber noch immer andauert. Diese Propaganda hatte in den Herzen der arglosen und einfachen Muslime einen solchen Einfluss gewonnen, dass Allah, der Erhabene, schließlich hierzu Verse offenbarte. Darin wurde diese Angelegenheit angemessen beantwortet. Wie wichtig diese Angelegenheit war, erkennt man schon daran, dass Allah, der Herr der Welten, gleich zu Beginn der Sure al-Ahzab darauf hinweist und sagt: „O Prophet, fürchte Allah und gehorche nicht den Ungläubigen und den Heuchlern. Allah ist Allwissend und Allweise.“ (Sure al-Ahzab, Vers 1)
Hier wird auf die Aktivitäten der Heuchler hingewiesen und ihr Wesen in Kürze dargestellt. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, ertrug diese Aktivitäten der Heuchler mit Geduld, Nachsicht und Sanftmut. Auch die gewöhnlichen Muslime verbrachten ihre Tage geduldig und schützten sich vor den Machenschaften der Heuchler. Denn sie wussten, dass Allah, der Erhabene, die Heuchler auf vielfältige Weise entehren und demütigen würde. So sagt Allah, der Erhabene: „Sehen sie denn nicht, dass sie jedes Jahr ein- oder zweimal einer Prüfung ausgesetzt werden? Dennoch bereuen sie nicht und lassen sich nicht ermahnen.“ (Sure at-Tauba, Vers 126)
Die Machenschaften der Heuchler beim Feldzug gegen die Banu al-Mustaliq
Auch die Heuchler nahmen am Feldzug gegen die Banu al-Mustaliq teil. Was sie während dieses Feldzugs taten, hat Allah, der Erhabene, in Seinem heiligen Buch beschrieben: „Wenn sie mit euch ausgezogen wären, hätten sie eure Verwirrung nur noch vermehrt und wären unter euch hin und her gelaufen, um unter euch Zwietracht zu stiften.“ (Sure at-Tauba, Vers 47)
Während dieses Feldzugs boten sich ihnen zwei Gelegenheiten, ihren aufgestauten Groll gegen die Muslime zum Ausdruck zu bringen. Sie verursachten unter den Muslimen große Unruhe und Unordnung und betrieben eine abscheuliche Verleumdungskampagne gegen den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm. Eine ungefähre Darstellung der beiden Ereignisse lautet wie folgt:
1) Die Forderung, den Niedrigsten zu vertreiben
Nach dem Feldzug gegen die Banu al-Mustaliq hielt sich der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, am Wasserbecken von al-Muraisi auf. Zu dieser Zeit gingen einige Leute zu diesem Wasserbecken, um Wasser zu schöpfen. Unter ihnen befand sich auch ein Bediensteter Umar ibn al-Chattabs (möge Allah mit ihm zufrieden sein). Sein Name war Dschahdschah al-Ghifari. Als er Wasser holen wollte, geriet er zunächst mit Sinan ibn Wabr al-Dschuhani in einen Wortwechsel, der anschließend in eine Handgreiflichkeit zwischen beiden ausartete. Daraufhin rief al-Dschuhani: „O ihr Ansar, helft!“ Auch Dschahdschah rief laut: „O ihr Muhadschirun, helft!“ Sobald der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, davon erfuhr, ging er zu ihnen und sagte: „Obwohl ich unter euch bin, ruft ihr da etwa wie in den Tagen der Unwissenheit? Lasst ihn; er ist übelriechend.“
Als Abd Allah ibn Ubay davon erfuhr, platzte er vor Zorn. Er sagte: „Haben sie tatsächlich so etwas getan? Ist er in unserem Gebiet zu unserem Gegner und Feind geworden? Unser Zustand bestätigt die Wahrheit des alten Sprichworts: Du ziehst deinen eigenen Hund auf und mästest ihn, damit er dich beißt und in Stücke reißt. Hört! Wenn wir in Medina angekommen sind, wird der Angesehene unter uns den Niedrigsten aus Medina vertreiben.“ Danach wandte er sich an die Anwesenden und sagte: „Dieses Unglück habt ihr selbst heraufbeschworen. Ihr habt ihm erlaubt, in eurer Stadt zu wohnen, und ihm einen Anteil eures Vermögens gegeben. Seht: Wenn ihr aufhört, ihm von dem zu geben, was ihr besitzt, wird er eure Stadt verlassen und anderswohin gehen.“
Zu jener Zeit befand sich dort auch der junge Gefährte Hazrat Zaid ibn Arqam. Er kam zu seinem Onkel und erzählte ihm alles. Sein Onkel informierte den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Auch Hazrat Umar war zugegen. Er sagte: „O Gesandter Allahs, befiehl Ubbad ibn Bishr, ihn zu töten.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Umar, wie sollte das möglich sein? Wird Muhammad etwa seine Gefährten töten? Verkünde du vielmehr, dass wir von hier aufbrechen.“ Es war nicht die Zeit, zu der man gewöhnlich aufbrach. Zu einer solchen Zeit brach der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sonst niemals auf. Als die Gefährten ihre Reise antraten, kamen sie zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, grüßten ihn und sagten: „Ihr seid heute zu einer ungewöhnlichen Zeit aufgebrochen.“ Er sagte: „Weißt du alles, was euer Gefährte gesagt hat?“ Hazrat Usaid sagte: „Was hat er gesagt?“ Er erwiderte: „Er hat gesagt: Wenn wir nach Medina kommen, wird der Angesehenste den Niedrigsten aus Medina vertreiben.“ Hazrat Usaid sagte: „O Gesandter Allahs, wenn du willst, dann vertreibe ihn aus Medina. Bei Allah, er ist der Niedrigste und du bist der Angesehenste.“ Danach sagte er: „O Gesandter Allahs, behandle ihn nachsichtig. Bei Allah, Allah hat dich zu uns gesandt, als seine Stammesangehörigen bereits eine mit Juwelen besetzte Krone für seine Krönungszeremonie anfertigten. Deshalb meint er, dass du ihm seine Herrschaft genommen hast.“
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, marschierte daraufhin an jenem Tag ununterbrochen vom Morgen bis zum Abend und am folgenden Tag, bis die Sonne hoch am Himmel stand. Sobald sie danach eine Rast einlegten und alle ihre Körper auf den Boden gelegt hatten, schliefen sie ahnungslos ein. Genau das hatte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, beabsichtigt. Er wollte nicht, dass die Gefährten bequem zusammensaßen und sich unterhielten.
Unterdessen erfuhr Abdullah ibn Ubayy, dass Zaid ibn Arqam alles enthüllt hatte. Daraufhin erschien er beim Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und begann zu schwören. Er sagte: „Was du gehört hast, ist nicht wahr. Bei Allah, ich habe so etwas niemals gesagt. Ich habe dergleichen nicht einmal in den Mund genommen.“ Die anwesenden Ansar sagten: „O Gesandter Allahs, Zaid ist noch ein Junge. Vielleicht hat er sich verhört. Zaid konnte sich nicht genau merken, was Abdullah gesagt hatte. Deshalb hast du alles geglaubt, was du über Abdullah ibn Ubayy gehört hast.“
Hazrat Zaid ibn Arqam (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: „Danach war ich so bekümmert wie nie zuvor. Aus Kummer blieb ich zu Hause. Daraufhin offenbarte Allah der Erhabene die Sure al-Munafiqun. In dieser Sure bezeugte Allah der Erhabene: ‚Sie sagen: Gebt nicht für diejenigen aus, die beim Gesandten Allahs sind, bis sie sich von ihm abwenden.‘“
Allah der Erhabene sagt ferner: „Sie sagen: Wenn wir nach Medina zurückkehren, werden wir den Angesehensten von dort den Niedrigsten vertreiben lassen.“
Hazrat Zaid (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: „Nachdem dieser Vers offenbart worden war, ließ der Gesandte Allahs jemanden zu mir schicken und mich zu sich rufen. Er las mir den offenbarten Vers vor und sagte anschließend: ‚Allah der Erhabene hat die Wahrheit deiner Aussage bezeugt.‘“ (Sahih al-Bukhari, Bd. 1, S. 499; Bd. 2, S. 227–229; Ibn Hischam, Bd. 2, S. 290–292.)
Dieser Heuchler hatte ebenfalls einen Sohn namens Abdullah. Er war das vollkommene Gegenteil seines Vaters. Er war ein äußerst frommer und rechtschaffener Gefährte. Er brach den Kontakt zu seinem Vater ab, kam mit gezogenem Schwert zum Stadttor von Medina und blieb dort stehen. Als sein Vater Abdullah ibn Ubayy dort eintraf, sagte er zu ihm: „Bei Allah, solange der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, keine Erlaubnis erteilt, darfst du keinen Schritt weitergehen. Denn der Gesandte Allahs ist geehrt, du aber bist verachtet.“ Danach ging der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, dorthin und erlaubte dem Anführer der Heuchler, Medina zu betreten. Dieser Abdullah sagte auch zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm: „O Gesandter Allahs, wenn du ihn töten lassen willst, dann sag es mir. Bei Allah, ich werde seinen Kopf abschlagen und ihn dir bringen.“ (Ibn Hischam, Mukhtasar as-Sira, Scheich Abdullah, S. 277.)
Zweitens: Der Vorfall der Ifk-Verleumdung
Ein weiterer wichtiger Aspekt dieses Feldzugs ist der Vorfall des „Ifk“, also der Verleumdung der Keuschheit. Die Einzelheiten dieses Vorfalls sind folgende: Wenn Allahs Gesandter, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, auf eine Reise gehen wollte, loste er unter den Namen seiner Ehefrauen aus. Diejenige, deren Name gezogen wurde, nahm er als Reisebegleiterin mit. Als er zu diesem Feldzug aufbrach, fiel das Los auf Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein).
Der Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nahm sie mit. Auf dem Rückweg machten sie an einem Ort Rast. Diese Halskette hatte sie von ihrer Schwester geliehen. Als sie bemerkte, dass die Halskette fehlte, ging sie sofort auf die Suche nach ihr. Inzwischen waren der Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und die Gefährten in Richtung Medina aufgebrochen. Diejenigen, die Aischas (möge Allah mit ihr zufrieden sein) Howdah auf dem Rücken des Kamels befestigten, dachten, sie befinde sich darin. Deshalb hoben sie den Howdah auf den Rücken des Kamels und banden ihn fest. Ihnen kam nicht in den Sinn, dass der Howdah ungewöhnlich leicht war. Denn Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) war damals noch jung und zierlich. Da mehrere Männer den Howdah anhoben, bemerkten sie nicht, dass sich kein Mensch darin befand. Wenn nur ein oder zwei Männer ihn angehoben hätten, hätten sie die ungewöhnliche Leichtigkeit vielleicht bemerkt.
Kurz gesagt: Als Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) nach der Suche nach der Halskette zum Rastplatz zurückkehrte, stellte sie fest, dass alle fort waren und der Platz leer war. Sie setzte sich hin, in dem Gedanken, dass gewiss jemand zurückkommen würde, um sie zu suchen, wenn man sie vermisste. Gewiss geschieht, was Allah, der Erhabene, will. Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) legte sich hin und schlief nach einiger Zeit ein. Als sie die Worte „Wahrlich, wir gehören Allah, und zu Ihm kehren wir zurück. Die Ehefrau des Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm?“ hörte, erwachte Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein). Diese Worte hatte Safwan ibn Mu’attal (möge Allah mit ihm zufrieden sein) ausgesprochen. Er schlief besonders tief; auch dieser schläfrige Gefährte war zurückgeblieben. Sobald er Aischa sah, erkannte er sie, denn er hatte sie bereits vor der Offenbarung der Anordnung zur Verschleierung gesehen. Er sprach „Wahrlich, wir gehören Allah, und zu Ihm kehren wir zurück“, führte sein Reittier zu Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) und ließ sie darauf Platz nehmen. Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) stieg auf das Reittier. Safwan sagte außer „Wahrlich, wir gehören Allah, und zu Ihm kehren wir zurück“ kein einziges Wort. Er stellte Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) auch keine Frage. Schweigend führte er das Kamel am Strick und ging zu Fuß, bis er das Heer erreichte.
Es war gerade Mittag. Alle Angehörigen des Heeres ruhten zu dieser Zeit. Als die Gefährten Safwan auf diese Weise kommen sahen, begannen sie untereinander zu reden und zu diskutieren. Der Feind Allahs, Abdullah ibn Ubayy, erhielt eine Gelegenheit, seinen inneren Groll zum Ausdruck zu bringen. Er bekam die Gelegenheit, das schwelende Feuer des Hasses und Neides in seinem Herzen noch weiter anzufachen. Er begann, die Ehefrau des Gesandten Allahs zu verleumden. Auch seine Gefährten begannen, allerlei Gerüchte zu verbreiten, um sich bei ihm beliebt zu machen. Nach ihrer Ankunft in Medina wurde die Verleumdung ausgeschmückt und immer weiter verbreitet. Der Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, hörte alles und schwieg. Er sagte in dieser Angelegenheit kein Wort. Mehrere Tage lang kam auch keine Offenbarung. Angesichts dieser Lage beriet sich der Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, mit seinen engsten Gefährten darüber, die Beziehung zu Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) abzubrechen. Ali (möge Allah mit ihm zufrieden sein) deutete an, er solle die Beziehung zu ihr beenden und eine andere Frau heiraten. Usama (möge Allah mit ihm zufrieden sein) und einige andere Gefährten sagten: „O Gesandter Allahs, scheide Aischa nicht, und schenke den Worten der Feinde kein Gehör.“ Daraufhin stellte sich der Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, auf die Kanzel der Prophetenmoschee und appellierte an die Gefährten, ihn von dem Leid zu befreien, das Abdullah ibn Ubayy ihm zufügte. Als Sa’d ibn Mu’adh dies vom Gesandten Allahs hörte, äußerte er den Wunsch, Abdullah ibn Ubayy zu töten. Sa’d ibn Ubada gefiel dies nicht. Er war das Oberhaupt des Stammes der Khazradsch, und Abdullah gehörte zu seinem Stamm. Deshalb erwachte in ihm der Stammeszusammenhalt. Daraufhin kam es zwischen Sa’d ibn Mu’adh und Sa’d ibn Ubada zu einem Wortwechsel. Infolgedessen erhoben sich die Angehörigen beider Stämme zornig gegeneinander. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, beruhigte beide Seiten mit vielen Erklärungen und schwieg danach.
Inzwischen erkrankte Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein), sobald sie von der Reise zurückgekehrt war. Sie blieb einen Monat lang ans Bett gefesselt. Von der über sie verbreiteten Verleumdung wusste sie nichts. Doch gelegentlich dachte sie darüber nach, dass der Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sich während ihrer früheren Krankheit mitfühlend um sie gekümmert hatte, dies nun aber nicht tat. Nachdem sie wieder gesund geworden war, ging Aischa eines Nachts mit Umm Mistah hinaus auf das freie Feld, um sich zu erleichtern. Dabei verfing sich Umm Mistahs Fuß in ihrem Umhang, sodass sie stolperte und hinfiel. Daraufhin verfluchte sie ihren eigenen Sohn.
Als Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) Umm Mistah deswegen tadelte, sagte diese: „Mein Sohn ist an dem Verbrechen der Verbreitung dieser Gerüchte beteiligt.“ Damit erzählte sie Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) von der Verleumdung, die über sie verbreitet worden war. Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) bat um Erlaubnis, zu ihren Eltern gehen zu dürfen, um alles genau zu erfahren. Nachdem sie die Erlaubnis erhalten hatte, ging sie in ihr Elternhaus. Als sie dort alles erfuhr, begann sie unaufhörlich zu weinen. Zwei Nächte und einen Tag verbrachte sie weinend. Während dieser Zeit wischte sie sich weder die Augen ab noch schlief sie. Sie hatte das Gefühl, ihre Brust werde vom vielen Weinen bersten. In diesem Zustand kam der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu ihr. Nachdem er das Glaubensbekenntnis gesprochen hatte, sagte er in einer Ansprache: „O Aischa, über dich sind derartige Worte an mein Ohr gedrungen. Wenn du davon frei bist, wird Allah, der Erhabene, dies bald offenbaren. Wenn du – Allah bewahre – eine Sünde begangen hast, dann bitte Allah um Vergebung und bereue. Wenn ein Diener seine Sünde eingesteht und Allah um Vergebung bittet, nimmt Allah, der Erhabene, seine Reue an.“
Sobald Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) dies hörte, hörte sie auf zu weinen. Keine einzige Träne trat mehr in ihre Augen. Sie bat ihren Vater und ihre Mutter, ihm zu antworten. Doch sie wussten nicht, was sie erwidern sollten. Schließlich sagte Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) selbst: „Bei Allah, ich weiß, dass diese Worte sich durch das viele Hören in euren Herzen festgesetzt haben. Ihr haltet sie für wahr. Wenn ich nun sage, dass ich unschuldig bin, werdet ihr mir dennoch nicht glauben. Wenn ich dagegen ein Schuldgeständnis ablege, werdet ihr mir genau das glauben. Allah weiß sehr wohl, dass ich unschuldig bin. Daher ist meine und eure Lage in diesem Zustand wie diejenige, von der der Vater des Propheten Yusuf, Yaqub (möge Allah mit ihnen zufrieden sein), sagte: ‚Geduldiges Ertragen ist am besten; und Allah ist derjenige, dessen Hilfe ich suche gegen das, was ihr behauptet.‘“
Danach ging Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) beiseite und legte sich hin. Genau in diesem Augenblick begann dem Gesandten die Offenbarung zuteilzuwerden. Nachdem der beschwerliche Zustand der Offenbarung vorüber war, lächelte der Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, leise vor sich hin. Als Erstes sagte er: „O Aischa, Allah, der Erhabene, hat deine Unschuld verkündet.“ Ihre Mutter sagte voller Freude: „Aischa, geh zum Gesandten Allahs.“ Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) erwiderte in einem Ton gespielten Grolls: „Ich werde nicht gehen; ich werde nur Allah preisen.“
Diejenigen Verse, die bezüglich dieses Ereignisses offenbart wurden, gehören zur Sure an-Nur. In dieser Sure beginnen sie mit dem zehnten Vers.
Danach wurden die drei Gefährten Mistah ibn Uthatha, Hassan ibn Thabit und Hamna wegen der Verbreitung der Verleumdung jeweils mit achtzig Peitschenhieben bestraft. [Wenn jemandem Ehebruch vorgeworfen wird, dies aber nicht bewiesen werden kann, sieht das islamische Recht für den Verleumder achtzig Peitschenhiebe vor.]
Der Anführer der Heuchler, Abdullah ibn Ubayy, blieb von der Bestrafung verschont. Dabei stand er bei der Verbreitung dieser Verleumdung an vorderster Stelle. Dieser Schurke hatte dabei die Hauptrolle gespielt. Warum wurde er überhaupt nicht bestraft?
Der Grund dafür ist, dass diejenigen, die bestraft wurden, im Jenseits anstelle dieser Strafe Vergebung erlangen. Diese Strafe ist für sie eine Sühne. Da Allah, der Erhabene, angekündigt hatte, Abdullah ibn Ubayy im Jenseits streng zu bestrafen, wurde er nicht bestraft. Oder er wurde aus demselben Grund nicht bestraft, aus dem er auch nicht getötet wurde. [Sahih al-Buchari, Bd. 1, S. 364; Bd. 2, S. 696–698; Zad al-Ma’ad, Bd. 2, S. 113–115; Ibn Hischam, Bd. 2, S. 297–307]
So verzogen sich nach einem Monat aus dem Klima Medinas die dunklen Wolken des Verdachts, des Zweifels und der seelischen Unruhe. Abdullah ibn Ubayy war derart gedemütigt worden, dass dieser Schurke danach nie wieder den Kopf erheben konnte. Ibn Ishaq berichtet, dass ihn danach, wenn er es übertrieb, die Angehörigen seines eigenen Stammes zurechtwiesen. Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, dies sah, sagte er eines Tages zu Umar, möge Allah mit ihm zufrieden sein: „Umar, was meinst du? Schau: Wenn du ihn damals getötet hättest, hätten viele hochmütige Leute lautstark Kritik geübt. Und heute? Wenn nun befohlen würde, eben diese Leute zu töten, würden dieselben Kritiker ihn töten.“ Umar, möge Allah mit ihm zufrieden sein, sagte: „Bei Allah, ich habe verstanden, dass das Urteil des Gesandten Allahs besser ist als mein Urteil.“ [Ibn Hischam, Bd. 2, S. 293]
Militärische Unternehmungen nach dem Feldzug gegen die Banu al-Mustaliq
1) Das Expeditionsheer nach den Wohngebieten der Banu Kilab (Gegend von Dumat al-Dschandal)
Diese Expedition wurde im Schaʿban des sechsten Jahres nach der Hidschra unter der Führung von Abd ar-Rahman ibn Auf, möge Allah mit ihm zufrieden sein, durchgeführt. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ließ Abd ar-Rahman vor sich Platz nehmen, band ihm eigenhändig den Turban um den Kopf und ermahnte ihn, während des Kampfes gewissenhaft zu handeln. Er sagte: „Wenn sie deine Führung anerkennen, dann heirate die Tochter ihres Königs.“ Nachdem sie Dumat al-Dschandal erreicht hatten, lud Abd ar-Rahman ibn Auf, möge Allah mit ihm zufrieden sein, sie drei Tage lang ununterbrochen zum Islam ein. Schließlich nahmen sie den Islam an. Danach heiratete Abd ar-Rahman, möge Allah mit ihm zufrieden sein, Tamadur bint al-Asbagh. Diese Frau war die Mutter von Abu Salama, dem Sohn Abd ar-Rahmans. Ihr Vater war der Anführer und König ihres Volkes.
Zweitens) Die Sarīyya nach Diyār Banū Saʿd (Gebiet Fadak)
Diese Expedition wurde im Schaʿbān des sechsten Jahres nach der Hidschra unter der Führung von Ḥadrat ʿAlī (r.a.) durchgeführt. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) erfuhr, dass eine Gruppe aus dem Stamm Banū Saʿd Vorbereitungen traf, die Juden gegen die Muslime zu unterstützen. Nachdem er diese Nachricht erhalten hatte, entsandte er ʿAlī (r.a.) mit zweihundert Männern. Sie reisten nachts und hielten sich tagsüber verborgen. Schließlich wurde ein Spion festgenommen. Er gestand, dass sie den Juden im Austausch gegen Datteln aus Chaibar ihre Unterstützung angeboten hatten. Der Spion berichtete außerdem, dass sich die Banū Saʿd an einem bestimmten Ort versammelt hatten. Ḥadrat ʿAlī (r.a.) griff sie nachts überraschend an und erbeutete fünfhundert Kamele und zweitausend Ziegen. Die Angehörigen des Stammes Banū Saʿd konnten mit ihren Frauen und Kindern fliehen. Ihr Anführer hieß ʿUbaīr ibn ʿĀlim.
Drittens) Die Sarīyya nach Wādī al-Qurā
Diese Expedition wurde im Ramadan des sechsten Jahres nach der Hidschra unter der Führung von Ḥadrat Abū Bakr aṣ-Ṣiddīq (r.a.) oder Ḥadrat Zaid ibn Ḥāritha (r.a.) durchgeführt. Der Grund dafür war, dass ein Zweig des Stammes Banū Fazāra durch eine List plante, den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu töten. Daher entsandte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) Ḥadrat Abū Bakr (r.a.). Ḥadrat Salama ibn al-Aqwā berichtet: „Auch ich war bei dieser Expedition mit ihm. Nachdem wir das Morgengebet verrichtet hatten, griffen wir auf Befehl von Ḥadrat Abū Bakr (r.a.) an.“
Ḥadrat Abū Bakr (r.a.) tötete einige Männer. Ich sah eine Gruppe von Menschen, unter denen sich auch Frauen und Kinder befanden. Ich befürchtete, dass sie in die Berge fliehen könnten. Daher ging ich vor und schoss einen Pfeil zwischen sie und den Berg, wodurch sie zum Stehen gebracht wurden. Unter ihnen befand sich eine Frau namens Umm Qirfa. Sie trug ein altes Fellgewand. Bei ihr war ihre junge Tochter, die zu den herausragenden Schönheiten Arabiens gehörte. Ich trieb sie vor mir her und brachte sie zu Ḥadrat Abū Bakr (r.a.). Er übergab mir das Mädchen. Ich habe ihr niemals die Kleidung abgenommen. Später bat der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) Salama ibn al-Aqwā, ihm die Verantwortung für dieses Mädchen zu überlassen, und schickte sie nach Mekka. Im Austausch für dieses Mädchen wurden einige in Mekka festgehaltene Muslime freigelassen. In Ṣaḥīḥ Muslim, Band 2, S. 89, wird ebenfalls erwähnt, dass diese militärische Expedition im siebten Jahr nach der Hidschra stattfand.]
Umm Qirfa war eine teuflische Frau. Diese Frau war in eine Verschwörung zur Ermordung des Gesandten Allahs verwickelt. Zu diesem Zweck hatte sie dreißig Reiter aus ihrem Stamm vorbereitet. In dieser Expedition erhielt sie, was sie verdiente: Alle dreißig ihrer Reiter wurden getötet.
Viertens) Die Sarīyya nach ʿUranain
Diese Expedition wurde im Schawwāl des sechsten Jahres nach der Hidschra unter der Führung von Ḥadrat Kirdsch ibn Dschābir al-Fihri (r.a.) durchgeführt. [Dies ist jener Kirdsch ibn Dschābir al-Fihri, der vor der Schlacht von Badr bei der militärischen Expedition nach Safwān die in Medina weidenden Tiere angegriffen hatte. Später nahm er den Islam an und erlitt bei der Eroberung Mekkas den Märtyrertod.] Der Grund dafür war, dass einige Angehörige der Stämme ʿUkl und ʿUraina nach Medina kamen, den Islam annahmen und dort blieben. Doch sie konnten das Leben in Medina nicht ertragen. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) schickte sie mit einigen Kamelen auf eine Weide und wies sie an: „Trinkt die Milch und den Urin der Kamele.“ Nachdem sie wieder gesund geworden waren, töteten sie die vom Gesandten Allahs entsandten Kamelhirten und verschwanden mit den Kamelen. Nachdem sie den Islam angenommen hatten, kehrten sie wieder zum Unglauben zurück. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) entsandte zu ihrer Verfolgung unter der Führung von Kirdsch ibn Dschābir al-Fihri eine Gruppe von zwanzig Gefährten. Für diese Undankbaren und Abtrünnigen sprach er folgendes Bittgebet: „O Allah, lass sie den Weg nicht erkennen und mache ihn für sie enger als einen Armreif.“
Die Gefährten verfolgten sie und nahmen sie gefangen. Zur Strafe für die Tötung der muslimischen Hirten wurden ihnen zusätzlich zu anderen Strafen Hände und Füße abgehackt. Danach ließ man sie in einem Gebiet namens Harra zurück. Dort gruben sie immer wieder in der Erde und erlitten die Folgen ihrer Taten. [Zad al-Maʿad, Band 2, S. 122] In Bukhari und anderen Werken wird dieses Ereignis von Anas (möge Allah mit ihm zufrieden sein) überliefert. [Sahih al-Bukhari, Band 2, S. 602]
Es wird berichtet, dass ʿAmr ibn Umayya ad-Damri nach Mekka aufbrach, um Sufyan zu töten. Denn Abu Sufyan hatte einen Beduinen nach Medina geschickt, um den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu töten. Doch keiner von beiden konnte sein Vorhaben verwirklichen.
Die Verfasser der Sira haben auch geschrieben, dass ʿAmr ibn Umayya az-Zamari während dieser Expedition drei Ungläubige getötet habe. Er habe auch den Leichnam von Khubayb (möge Allah mit ihm zufrieden sein) mitgenommen. Doch das Martyrium von Khubayb (möge Allah mit ihm zufrieden sein) ereignete sich am Tag der Expedition von ar-Rajiʿ oder einige Monate danach. Das Ereignis von ar-Rajiʿ fand im Safar des vierten Jahres nach der Hidschra statt. Somit ereigneten sich beide Ereignisse während verschiedener Reisen. Ich verstehe daher nicht, warum die Verfasser der Sira sie derart ungeordnet erwähnten und dadurch Verwirrung stifteten. Sie führen beide Ereignisse als Geschehnisse derselben Reise an. Es ist auch möglich, dass beide Ereignisse tatsächlich im Verlauf derselben Reise stattfanden. Doch vielleicht haben die Verfasser der Sira bei der Festlegung des Jahres einen Fehler gemacht und statt des vierten das sechste Jahr nach der Hidschra angegeben.
Auch Allama Mansurpurī (möge Allah ihm barmherzig sein) hatte Bedenken, dieses Ereignis als Militärexpedition oder Sariyya anzuerkennen. Allah, der Erhabene, weiß alles am besten.
Nach al-Ahzab und Banu Qurayza wurden all diese Militärexpeditionen durchgeführt. Bei keiner dieser Expeditionen kam es zu einem schweren Zusammenstoß oder zu einer Schlacht. Bei einigen Expeditionen kam es zu gewöhnlichen Angriffen und Zusammenstößen. Ziel dieser Expeditionen war es, die Feinde einzuschüchtern und zu beeinflussen.
Bei einer umfassenden Betrachtung zeigt sich, dass sich die Lage nach der Schlacht von al-Ahzab rasch veränderte. Die Moral der Feinde des Islam brach zusammen. Die Feinde gaben auch die Hoffnung auf, die islamische Daʿwa zu vernichten und den Glanz des Islam zu verdunkeln. Nach dem Vertrag von al-Hudaybiyya kam es jedoch zu einer bemerkenswerten Veränderung der Lage. Dieser Vertrag war in Wirklichkeit ein Ausdruck der Stärke des Islam. Durch ihn wurde klar, dass in der arabischen Welt keine Macht mehr vorhanden war, die den Vormarsch des Islam aufhalten konnte, und dass der Sieg des Islam unausweichlich war.
Der Vertrag von al-Hudaybiyya
Vorbereitungen für die ʿUmra
Die Lage in der arabischen Welt war beinahe zugunsten der Muslime umgeschlagen. Die Zeichen für den Erfolg der islamischen Daʿwa und einen großen Sieg traten nach und nach deutlich hervor. Die Götzendiener hatten die Tore der Masdschid al-Haram sechs Jahre lang für die Muslime verschlossen gehalten. Nun hatte der erste Schritt begonnen, die Anerkennung des Rechts der Muslime auf die Verrichtung der Gottesverehrung in dieser heiligen Moschee zu erlangen.
In Medina wurde dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, im Traum gezeigt, dass er und die edlen Gefährten die Masdschid al-Haram betreten hatten. Er sah außerdem im Traum, dass er den Schlüssel zur Kaaba genommen hatte und gemeinsam mit den Gefährten die Kaaba umschritt und die Umra vollzog. Danach schnitten sich einige Gefährten die Haare. Einige schnitten sich nur die Nägel. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, erzählte den Gefährten von diesem Traum. Als sie ihn hörten, waren sie sehr glücklich. Insgeheim hofften sie, dass es ihnen in diesem Jahr möglich sein würde, nach Mekka zu gehen. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, teilte den Gefährten auch mit, dass er die Umra vollziehen werde. Nachdem er dies gesagt hatte, begannen die edlen Gefährten, sich auf die Reise vorzubereiten.
Die Ankündigung des Aufbruchs der Muslime
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ließ in Medina und der Umgebung verkünden, dass man ihn nach Mekka begleiten könne. Die meisten Araber zögerten. Inzwischen machte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, seine Kleidung sauber. Die Verantwortung für Medina übertrug er entweder ʿAbdullah ibn Umm Maktum oder, einer anderen Überlieferung zufolge, Namila al-Laithi, möge Allah mit ihm zufrieden sein. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, bestieg seine Kamelstute namens Qaswa und brach am ersten Dhul-Qaʿda des sechsten Jahres nach der Hidschra in Richtung Mekka auf. Seine Ehefrau, Umm Salama, möge Allah mit ihr zufrieden sein, begleitete ihn. Von den Gefährten reisten vierzehnhundert, einer anderen Angabe zufolge eintausendfünfhundert, mit. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nahm nur die für Reisende übliche Bewaffnung mit; außer einem Schwert in der Scheide führte er keine andere Waffe mit sich.
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und die Muslime zogen in Richtung Mekka. Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, den Ort Dhul-Hulaifa erreichte, schmückte er sein Hady. Als Hady wird ein Tier bezeichnet, das die Pilger der Hadsch und der Umra in Mekka oder Mina schlachten. Nach dem Brauch der Zeit der Unwissenheit wurde einem Hady-Tier, wenn es ein Schaf oder eine Ziege war, als Kennzeichen ein Stoffstück um den Hals gebunden. Bei einem Kamel wurde dagegen der Höcker aufgeschnitten und mit Blut gekennzeichnet. Niemand fügte diesem Tier Schaden zu. Diese Sitte wurde in der islamischen Scharia beibehalten. Er schnitt den Höcker des Kamels auf und kennzeichnete es. Er trat für die Umra in den Ihram-Zustand ein. Er tat dies, damit alle beruhigt sein konnten, dass er nur zur Verrichtung der Umra aufbrach und keine Kriegsabsicht hatte. Vor der Karawane wurde ein Spion aus dem Stamm Chuzaaʿa entsandt, um die Haltung der Quraisch in Erfahrung zu bringen. Als sie den Ort ʿAsfan erreichten, kam der Spion zurück und berichtete: „Ich habe Kaʿb ibn Luʾai gesehen. Er versammelt die Angehörigen des verbündeten Stammes Ahabis, um sich euch entgegenzustellen. Auch an anderen Orten werden Menschen zusammengezogen. Sie sind entschlossen, gegen euch zu kämpfen und euch den Zugang nach Mekka zu verwehren.“ Nachdem der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, diese Nachricht erhalten hatte, beriet er sich mit den Gefährten.
Er sagte: „Was ist eure Meinung? Sollen wir in das Gebiet der Stämme ziehen, die sich bereitgemacht haben, die Quraisch zu unterstützen, und sie angreifen? Selbst wenn sie ruhig bleiben, wird sie der Schrecken des Krieges bedrücken. Wenn sie fliehen, wird nach Allahs Willen vielleicht der Hals des einen oder anderen fallen. Oder wollt ihr, dass wir zur Kaaba aufbrechen und gegen diejenigen kämpfen, die uns auf dem Weg Hindernisse in den Weg legen?“ Darauf sagte Abu Bakr as-Siddiq, möge Allah mit ihm zufrieden sein: „Allah und Sein Gesandter wissen es am besten. Wir sind jedoch zur Umra gekommen und nicht, um gegen jemanden zu kämpfen. Wenn sich aber jemand zwischen uns und das Haus Allahs stellt, werden wir gegen ihn kämpfen.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Gut, lasst uns aufbrechen.“ Danach zogen alle weiter in Richtung Mekka.
Der Versuch, die Muslime vom Haus Allahs fernzuhalten
Als die Quraisch die Nachricht vom Aufbruch des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, erhielten, hielten sie eine Beratungssitzung ab und beschlossen, die Muslime um jeden Preis vom Haus Allahs fernzuhalten. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, setzte seine Reise fort und zog am Stamm Ahabis vorbei. Da kam ein Mann aus dem Stamm Banu Kaʿb und sagte: „Die Quraisch haben bei einem Ort namens Dhū Tuwa Stellung bezogen. Chālid ibn al-Walīd steht mit einer Truppe von zweihundert Reitern bei Kurāʿ al-Ghamīm bereit. Dieser Ort liegt an der Hauptstraße nach Mekka.“ Chālid ibn al-Walīd versuchte, die Muslime aufzuhalten. Er stellte seine Soldaten an einem Ort auf, von dem aus beide Seiten einander sehen konnten.
Während die Muslime das Mittagsgebet verrichteten, bemerkte Chālid, dass die Muslime sich verbeugten und niederwarfen. Nach dem Gebet bemerkte Chālid, dass sie während des Gebets unachtsam gewesen seien. Wenn wir sie zu diesem Zeitpunkt angegriffen hätten, hätten wir sie überwältigen können. Daraufhin beschloss Chālid, die Muslime während des Nachmittagsgebets plötzlich anzugreifen, sobald sie zum Gebet aufstehen würden. Allah, der Erhabene, ordnete zu jener Zeit das Ṣalāt al-Chauf, das Gebet der Furcht, an. Chālid ibn al-Walīd konnte die Muslime trotz seiner Absicht nicht angreifen.
Das Bemühen, einen blutigen Zusammenstoß zu vermeiden
Unterdessen verließ der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die Hauptstraße von Qura al-Ghamīm und zog auf einem anderen Weg weiter. Dieser Weg führte durch bergiges Gebiet. Das heißt, der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, bog nach rechts ab und nahm zwischen den beiden Hamš einen Weg, der an einem Ort namens Sanīyat al-Marār endete. Von Sanīyat al-Marār zogen sie weiter nach al-Hudaibiyya. Dieser Ort lag nicht weit von Mekka entfernt. Als Chālid sah, dass die Muslime von Qura al-Ghamīm aus einen anderen Weg nahmen, also ihre Route änderten, eilte er mit seinen Gefährten nach Mekka, um die Quraisch über die neue Lage zu informieren.
Unterdessen setzte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, seine Reise fort. Als sie einen Ort namens Sanīyat al-Marār erreichten, setzte sich die Kamelstute nieder. Die Leute riefen: „Hü! Hü!“ Doch die Kamelstute blieb sitzen. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Es gehört nicht zu den Gewohnheiten dieser Kamelstute, sich auf diese Weise niederzusetzen. Derjenige, der den Elefanten aufgehalten hat, hält auch sie zurück.“ Dann sagte er: „Bei Dem, in Dessen Hand meine Seele liegt: Sie werden nichts von mir verlangen, worin die Ehrfurcht vor etwas von Allah Verbotenem zum Ausdruck kommt, ohne dass ich es annehmen werde.“ Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, daraufhin die Kamelstute aufforderte aufzustehen, erhob sie sich sofort. Danach änderte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, den Weg geringfügig und ließ sich bei einem Wasserbecken in al-Hudaibiyya nieder. Das Wasser in dem Becken war nicht reichlich vorhanden. Nachdem man nur wenig davon geschöpft hatte, war es schon nach kurzer Zeit aufgebraucht. Die Gefährten berichteten dem Gesandten Allahs von ihrem Durst. Er nahm einen Pfeil aus seinem Köcher und befahl ihnen, ihn in das Wasserbecken zu werfen. Die Gefährten taten dies. Danach begann aus dem Wasserbecken ununterbrochen Wasser hervorzuströmen, und die Not der Gefährten wegen des Wassers war behoben.
Die Ankunft von Budail ibn Warqāʾ
Während der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, dort in aller Zuversicht verweilte, kam Budail ibn Warqāʾ aus dem Stamm Chuzāʿa mit einigen Männern seines Stammes, um den Gesandten Allahs zu treffen. Unter den Bewohnern von Tihāma waren die Angehörigen dieses Stammes dem Gesandten Allahs und den Muslimen wohlgesinnt. Budail sagte: „Ich komme gerade von Kaʿb ibn Huwayy, der das wasserreiche Becken von al-Hudaibiyya unter seine Kontrolle gebracht hat. Bei ihm befinden sich Frauen und Kinder. Er ist entschlossen, gegen euch zu kämpfen und euch vom Haus Allahs fernzuhalten.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Wir sind nicht gekommen, um gegen jemanden zu kämpfen. Der Kampf hat die Quraisch zermürbt und ihnen schweren Schaden zugefügt. Wenn sie wollen, werde ich mit ihnen eine Frist vereinbaren, und sie sollen sich zwischen mich und meine Leute zurückziehen. Wenn sie wollen, können sie auch von der Angelegenheit, in die sich die Menschen eingelassen haben, absehen; andernfalls werden sie wenigstens Frieden erlangen. Wenn sie jedoch keiner anderen Regelung als dem Kampf zustimmen, dann schwöre ich bei Dem, in Dessen Hand meine Seele liegt: Ich werde gegen sie für die Religion kämpfen, solange in meinem Körper Leben ist oder bis Allahs Wille sich erfüllt.“
Budail sagte: „Ich werde den Quraisch deine Worte überbringen.“ Danach ging er zu den Quraisch und sagte: „Ich komme gerade von ihnen. Ich habe von ihnen etwas gehört. Wenn ihr es hören wollt, kann ich es euch mitteilen.“ Die Unvernünftigen sagten: „Wir brauchen ihre Worte nicht zu hören. Wir wollen nichts von ihnen hören.“ Einige Besonnene sagten: „Hört ihn doch an und seht, was er gesagt hat.“ Budail berichtete ihnen alles ausführlich. Daraufhin entsandten die Quraisch Mokraz ibn Hafs als ihren Vertreter. Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ihn sah, sagte er: „Dieser Mann ist ein Verräter.“ Nachdem Mokraz gekommen war und mit dem Gesandten Allahs gesprochen hatte, sagte dieser genau das, was er zuvor Budail gesagt hatte. Mokraz kehrte zurück und berichtete den Quraisch alles.
Die Entsendung von Gesandten der Quraisch
Danach sagte ein Mann namens al-Halis ibn Alqama aus dem Stamm der Banu Kinana: „Lasst mich zu ihnen gehen.“ Die Quraisch erteilten ihm die Erlaubnis. Als der edle Prophet ihn sah, sagte er zu den Gefährten: „Dieser Mann gehört zu jenem Stamm, der die Opfertiere des Hadsch verehrt. Lasst daher die Opfertiere aufstehen.“ Die Gefährten ließen die Opfertiere aufstehen und begrüßten ihn selbst mit dem Ruf „Labbayk“. Als dieser Mann dies sah, sagte er: „Subhanallah! Es ist keineswegs angemessen, diese Menschen vom Haus Allahs fernzuhalten.“ Ohne ein weiteres Wort zu sagen, ging er direkt zu den Quraisch und sagte: „Ich habe die Opfertiere gesehen, die für den Hadsch, also zur Schlachtung im Streben nach Allahs Wohlgefallen, mitgebracht wurden. Um ihre Hälse sind Stoffstreifen gebunden, und viele Tiere sind durch eine blutige Markierung an ihren Höckern gekennzeichnet. Daher halte ich es nicht für angemessen, sie vom Haus Allahs fernzuhalten.“ Danach kam es zwischen ihm und den Quraisch zu einem Wortwechsel, sodass er wütend wurde.
Daraufhin griff Urwa ibn Masud ath-Thaqafi ein und sagte: „Er hat euch einen Vorschlag gemacht. Nehmt diesen Vorschlag an und lasst mich zu ihm gehen.“ Die Quraisch erteilten ihm die Erlaubnis. Er kam und begann, mit dem Gesandten Allahs zu sprechen. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, wiederholte ihm dieselben Worte, die er Budail und dessen Gefährten gesagt hatte. Nachdem Urwa dies gehört hatte, sagte er: „O Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf dir, sag mir: Wenn du dein eigenes Volk vernichtest, hast du je von einem Araber vor dir gehört, der sein eigenes Volk vollständig ausgelöscht hätte? Sollte sich die Lage jedoch anders entwickeln, so schwöre ich bei Gott, dass ich Gesichter und Menschen gesehen habe, die offenbar davorstehen, dich zu verlassen und zu fliehen.“ Als Abu Bakr dies hörte, sagte er: „Geh und sauge an der herabhängenden Haut der Schamteile von al-Lat! Sollen wir etwa den Gesandten Allahs verlassen und fliehen?“ Urwa fragte: „Wer ist dieser Mann?“ Die Gefährten sagten: „Das ist Abu Bakr.“ Darauf wandte sich Urwa an Abu Bakr und sagte: „Bei Dem, in Dessen Hand mein Leben liegt! Einst hast du mir einen Gefallen erwiesen. Wenn das nicht gewesen wäre und ich dir diesen Gefallen nicht noch hätte vergelten müssen, hätte ich dir gewiss geantwortet.“
Danach sprach Urwa weiter mit dem Gesandten Allahs. Während er sprach, berührte er den Bart des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Mugira ibn Schu’ba stand am Kopfende des Gesandten Allahs und hielt ein Schwert in der Hand. Sobald Urwa die Hand nach dem Bart des Gesandten Allahs ausstreckte, schlug Hadhrat Mugira seine Hand mit dem Knauf des Schwertes weg und sagte: „Halte deine Hand vom Bart des Gesandten Allahs fern!“ Schließlich hob Urwa den Kopf und fragte nach der Identität Mugiras. Die Gefährten sagten: „Mugira ibn Schu’ba.“ Urwa sagte: „Du Verräter! Bin ich nicht einst wegen deiner Angelegenheit hin- und hergelaufen?“ Der Hintergrund war, dass Hadhrat Mugira ibn Schu’ba sich bei einigen Leuten aufgehalten hatte. Danach hatte er sie getötet, ihr Vermögen mitgenommen und war nach Medina gekommen. Als er zum Gesandten Allahs kam, nahm er den Islam an. Der Gesandte Allahs hatte gesagt: „Ich akzeptiere, dass du Muslim geworden bist, aber mit diesem Vermögen habe ich nichts zu tun.“ Wegen dieses Vorfalls hatte Urwa sich damals bemüht. Nun sprach er davon. Es sei erwähnt, dass Hadhrat Mugira der Neffe Urwas war.
Danach beobachtete Urwa die besondere Verbundenheit der Gefährten mit dem Gesandten Allahs. Nach einiger Zeit kehrte er nach Mekka zurück und sagte zu seinen Leuten: „O mein Volk, ich bin zu Kaisern wie Cäsar, Chosrau und dem Negus gegangen. Bei Allah, ich habe keinen Herrscher gesehen, dem seine Gefährten eine solche Ehrerbietung entgegenbrachten, wie ich sie Muhammad entgegengebracht sah. Bei Allah, wenn er spuckt, streckt stets jemand die Hand aus, nimmt den Speichel auf und reibt ihn sich über Gesicht und Körper. Wenn er einen Befehl gibt, beeilen sich alle, diesen auszuführen. Wenn er die Gebetswaschung beginnt, drängen sich seine Gefährten darum, das übrig gebliebene Wasser zu bekommen. Wenn er zu sprechen beginnt, senken seine Gefährten ihre Stimmen. Aus übergroßer Ehrfurcht schauen sie ihn nicht offen an. Ein solcher Mann hat euch einen guten Vorschlag gemacht. Ich bitte euch, diesen Vorschlag anzunehmen.“
Als die kriegslüsternen jungen Männer der Quraisch bemerkten, dass die Ältesten mit einem Plan zur Beilegung des Konflikts beschäftigt waren, begannen sie, einen Krieg anzuzetteln. Sie beschlossen, nachts heimlich zum Lager der Muslime zu gehen und dort einen solchen Aufruhr zu beginnen, dass auf beiden Seiten das Feuer des Krieges entfacht würde. Anschließend machten sie sich an die Umsetzung ihres Plans. In der Dunkelheit der Nacht stiegen siebzig oder achtzig junge Männer vom Berg Tan’im herab und versuchten, heimlich in das Lager der Muslime einzudringen. Doch der Befehlshaber der muslimischen Truppen, Muhammad ibn Maslama, nahm sie alle fest und führte sie vor den Gesandten Allahs. Der barmherzige Prophet vergab ihnen allen und ließ sie frei, um das Ziel des Friedensvertrags zu verwirklichen. Diesbezüglich sagt Allah, der Herr der Welten: „Er hielt ihre Hände von euch und eure Hände von ihnen im Tal von Mekka zurück, nachdem Er euch über sie hatte siegen lassen.“ (Sure al-Fath, 24)
Die Reise von Hadhrat Uthman (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) nach Mekka
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, hielt es für notwendig, einen Gesandten nach Mekka zu schicken, um den Quraisch den Zweck seiner Ankunft ordnungsgemäß darzulegen. Zu diesem Zweck rief er Umar ibn al-Chattab, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm. Hadhrat Umar lehnte mit den Worten ab: „O Gesandter Allahs, wenn die Ungläubigen mich misshandeln, wird in Mekka nicht ein einziger Mann aus dem Stamm der Banu Ka’b zu meiner Unterstützung auftreten. Nach meiner Einschätzung ist Hadhrat Uthman für diese Aufgabe geeignet. Ich bitte dich, ihn zu entsenden. Angehörige seines Stammes befinden sich in Mekka, und er kann den Quraisch den Zweck unseres Kommens angemessen erklären.“ Daraufhin rief der Gesandte Allahs Uthman zu sich und befahl ihm, zu den Quraisch zu gehen. Er sagte: „Sag ihnen, dass wir nicht gekommen sind, um zu kämpfen, sondern dass wir gekommen sind, um die Umra zu vollziehen. Lade sie zum Islam ein.“ Der Gesandte Allahs sagte Hadhrat Uthman außerdem, dass er die gläubigen Männer und Frauen in Mekka aufsuchen und ihnen Trost zusprechen solle. Er solle ihnen sagen, dass Allah, der Erhabene, den Islam schon bald als siegreiche Macht in Mekka etablieren werde. Dann müsse niemand mehr wegen seines Glaubens Allah heimlich anbeten. Hadhrat Uthman brach mit der Botschaft des Gesandten Allahs auf. An einem Ort namens Baldaha traf er einige Männer der Quraisch. Sie fragten: „Wohin gehst du?“ Uthman antwortete: „Der Gesandte Allahs, Hadhrat Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, hat mich mit dieser Botschaft zu euch gesandt.“ Die Männer der Quraisch sagten: „Deine Botschaft haben wir bereits gehört. Geh deiner Aufgabe nach.“ Daraufhin erhob sich Said ibn al-As, sagte zu Hadhrat Uthman: „Willkommen!“, sattelte sein Pferd, ließ Hadhrat Uthman aufsteigen und brachte ihn zu seiner Wohnung in Mekka. Dort erläuterte Hadhrat Uthman den Anführern der Quraisch die Botschaft des Gesandten Allahs. Die Quraisch boten Hadhrat Uthman an, die Kaaba zu umrunden, doch er lehnte dies ab. Er wollte die Kaaba nicht vor dem Gesandten Allahs umrunden.
Das Gerücht vom Märtyrertod Hazrat Uthmans (r.a.) und die Baiʿat ar-Ridwān
Hazrat Uthman (r.a.) erfüllte den ihm übertragenen Auftrag. Doch die Quraisch hielten ihn bei sich zurück. Wahrscheinlich wollten sie angesichts der entstandenen Lage nach gegenseitiger Beratung zu einer konkreten Entscheidung gelangen. Danach wollten sie eine Antwort auf die von Hazrat Uthman (r.a.) überbrachte Botschaft senden. Da Hazrat Uthman (r.a.) lange Zeit nicht zurückkehrte, verbreitete sich unter den Muslimen das Gerücht, er sei getötet worden. Als Allahs Gesandter davon erfuhr, sagte er: „Wir werden diesen Ort nicht verlassen, ohne gegen die Quraisch zu kämpfen.“ Danach rief er die Gefährten dazu auf, ihm den Treueid zu leisten. Die edlen Gefährten leisteten voller Eifer den Treueid unter der Bedingung, dass niemand das Schlachtfeld verlassen und fliehen würde. Als Erster leistete Abu Sinan al-Asadi den Treueid. Hazrat Salama ibn al-Akwaʿ (r.a.) leistete ihn dreimal: zu Beginn, in der Mitte und am Ende. Allahs Gesandter legte eine seiner Hände in die andere und sagte: „Diese Hand steht für Uthman.“ Nachdem die Treueide entgegengenommen worden waren, erschien Hazrat Uthman (r.a.) und leistete ebenfalls den Treueid. Ein Mann namens Jad ibn Qays nahm an diesem Treueid nicht teil. Er war ein Heuchler.
Allahs Gesandter (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) nahm diesen Treueid unter einem Baum entgegen. Hazrat Umar (r.a.) hielt die Hand des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Hazrat Maʿqil ibn Yasar (r.a.) hielt einige Äste des Baumes beiseite, damit sie den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) nicht berührten. Über diesen Treueid offenbarte Allah, der Erhabene, im Edlen Koran den folgenden Vers: „Allah war mit den Gläubigen zufrieden, als sie dir unter dem Baum den Treueid leisteten.“ (Sure al-Fath, Vers 18)
Die Bedingungen des historischen Friedensvertrags
Die Quraisch erkannten die heikle Lage. Daraufhin entsandten sie eilends Suhail ibn Amr, um einen Friedensvertrag auszuhandeln. Suhail wurde nachdrücklich angewiesen, dafür zu sorgen, dass Allahs Gesandter in diesem Jahr zurückkehrte. Denn die Araber könnten sagen, er sei gewaltsam in unsere Stadt eingedrungen. Als der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) Suhail sah, sagte er zu den Gefährten: „Eure Angelegenheit ist für euch erleichtert worden. Dass dieser Mann entsandt wurde, bedeutet, dass die Quraisch einen Friedensvertrag wünschen.“ Suhail kam zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und unterhielt sich eine geraume Zeit mit ihm. Danach wurden die Bedingungen des Friedensvertrags festgelegt; sie lauteten wie folgt:
1) Allahs Gesandter (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) wird in diesem Jahr zurückkehren, ohne Mekka zu betreten. Im kommenden Jahr werden die Muslime nach Mekka kommen und sich dort drei Tage aufhalten. Im kommenden Jahr werden die Muslime nach Mekka kommen und sich dort drei Tage aufhalten. Sie werden Waffen zur Selbstverteidigung mit sich führen. Die Schwerter werden in ihren Scheiden bleiben. Niemand wird sie belästigen.
2) Beide Seiten werden zehn Jahre lang den Krieg einstellen. Während dieser Zeit werden die Menschen in Ruhe und Sicherheit leben. Niemand wird Hand gegen den anderen erheben.
3) Wer der Lehre Muhammads (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) beitreten möchte, darf ihr beitreten; und wer bei der Lehre der Quraisch bleiben möchte, darf bei ihr bleiben. Jeder Stamm, der sich einem anderen Stamm anschließt, wird als Teil dieses Stammes betrachtet. Wird daher irgendeinem solchen Stamm Unrecht zugefügt, so gilt dies auch als Unrecht gegenüber den Angehörigen des ihm angeschlossenen Stammes.
Viertens: Wenn jemand von den Quraisch ohne die Erlaubnis ihrer Anführer, also auf der Flucht, zu Muhammad geht, wird er ihn zurückgeben. Wenn jedoch jemand aus den Reihen von Muhammads Gefährten zu den Quraisch geht, um Schutz zu suchen, werden die Quraisch ihn nicht zurückgeben.
Nachdem der Vertragsentwurf ausgearbeitet worden war, rief der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, den Löwen Gottes, Hazrat Ali, möge Allah mit ihm zufrieden sein, zu sich und ließ ihn die Bedingungen niederschreiben. Zu Beginn sagte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, man solle „Bismillahir-Rahmanir-Rahim“ schreiben, das heißt: „Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen.“ Suhail sagte darauf: „Wir wissen nicht, was Rahman bedeutet. Lass stattdessen Folgendes schreiben: Bi-ismika Allahumma“, das heißt: „In deinem Namen, o Allah.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, wies Hazrat Ali, möge Allah mit ihm zufrieden sein, an, dies zu schreiben. Danach wurde geschrieben: „Der Gesandte Allahs, Muhammad, hat auf Grundlage der folgenden Bestimmungen einen Friedensvertrag geschlossen.“ Als Suhail dies hörte, sagte er: „Wenn wir wüssten, dass du der Gesandte Allahs bist, hätten wir dich nicht daran gehindert, die Kaaba zu umschreiten, und hätten auch nicht gegen dich gekämpft. Lass schreiben: Muhammad ibn Abdallah.“ Er sagte: „Auch wenn ihr es nicht anerkennt, bin ich der Gesandte Allahs.“ Dann sagte er zu Hazrat Ali, möge Allah mit ihm zufrieden sein: „Schreibe Muhammad ibn Abdallah und streiche die Worte ‚Gesandter Allahs‘.“ Hazrat Ali war damit nicht einverstanden, woraufhin der Gesandte Allahs die Worte eigenhändig auslöschte. Danach wurden die Bedingungen des Friedensvertrags vollständig niedergeschrieben.
Nach Abschluss des Friedensvertrags schloss sich der Stamm der Banu Khuza’a der Sache des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, an. Die Angehörigen dieses Stammes waren bereits zur Zeit Abd al-Muttalibs Verbündete der Banu Haschim gewesen. Zu Beginn des Buches wurde dies bereits erläutert. Sich einer Sache anzuschließen oder sie anzunehmen bedeutet, die frühere Verbundenheit anzuerkennen und das Bündnis zu festigen. Der Stamm der Banu Bakr schloss sich dagegen der Sache der Quraisch an.
Die Rückkehr Abu Dschandals
Während die Bedingungen des Friedensvertrags niedergeschrieben wurden, erschien dort Suhails Sohn Abu Dschandal, in Ketten gelegt und die Ketten hinter sich herziehend. Er war aus Mekka gekommen und hatte sich zu den Muslimen begeben. Suhail sagte: „Was ihn betrifft, setze ich die Vereinbarung als Erster mit dir in die Tat um. Gib ihn zurück.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Die Verhandlungen über den Friedensvertrag sind noch nicht abgeschlossen.“ Suhail sagte: „Wenn du Abu Dschandal nicht zurückgibst, werde ich mit dir überhaupt keinen Friedensvertrag schließen.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte zu Suhail: „Nun gut, lass ihn mir zuliebe frei.“ Suhail sagte: „Auch dir zuliebe kann ich ihn nicht freilassen.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, bat erneut: „Lass ihn doch frei!“
Suhail sagte: „Nein, nein, ich kann ihn nicht freigeben.“ Danach schlug Suhail Abu Dschandal ins Gesicht und begann, ihn am Kragen seines Gewandes zu zerren, um ihn nach Mekka zurückzubringen. Da rief Abu Dschandal: „O Muslime, soll ich etwa wieder zu den Götzendienern zurückkehren? Sie werden mich wegen meiner Religion einer Prüfung aussetzen.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Abu Dschandal, sei geduldig und betrachte deine Geduld als eine Ursache für Belohnung. Allah wird für dich und die anderen schwachen Muslime, die deine Gefährten sind, einen Ausweg und einen Ort des Schutzes schaffen. Wir schließen mit den Quraisch einen Friedensvertrag. Wir haben uns ihnen gegenüber und sie sich uns gegenüber im Namen Allahs verpflichtet. Deshalb dürfen wir die Bedingungen des Friedensvertrags nicht verletzen.“
Hazrat Umar, möge Allah mit ihm zufrieden sein, ging schnell zu Abu Dschandal. Während er neben ihm herging, sagte er: „Abu Dschandal, sei geduldig! Sie sind Götzendiener, Heiden. Ihr Blut ist wie das Blut von Hunden.“ Während er dies sagte, führte Hazrat Umar sein eigenes Schwert zu Abu Dschandal. Hazrat Umar, möge Allah mit ihm zufrieden sein, sagte später: „Ich hatte gehofft, dass Abu Dschandal das Schwert von mir nehmen und damit seinen Vater töten würde.“ Doch Abu Dschandal tat dies nicht. Schließlich wurden die Bedingungen des Friedensvertrags umgesetzt.
Das Opfern und Haarschneiden in der Annahme, die Umra beendet zu haben
Nachdem der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die Bedingungen des Friedensvertrags hatte niederschreiben lassen, sagte er: „Steht auf und opfert eure jeweiligen Opfertiere.“ Keiner der Gefährten erhob sich. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, wiederholte diese Worte und diesen Befehl dreimal. Doch niemand zeigte irgendein Interesse. Daraufhin teilte er dies der Mutter der Gläubigen, Hadhrat Salma (r.a.), mit. Die Ehefrau des Propheten sagte: „O Gesandter Allahs, wenn du der Meinung bist, dass die Opfertiere des Hadj geschlachtet werden müssen, dann geh selbst hinaus, schlachte dein Opfertier, ohne jemandem etwas zu sagen, und rufe danach deinen Barbier, damit er dir das Haupthaar rasiert.“ Dem Rat der Mutter der Gläubigen folgend, schlachtete der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sein Opfertier und ließ sich das Haupthaar rasieren. Schon nach kurzer Zeit schlachteten die Gefährten, dem Beispiel des Gesandten Allahs folgend, ihre jeweiligen Opfertiere. Danach begannen sie, einander das Haar zu schneiden. Einige ließen sich das gesamte Haar abrasieren, andere ließen es kürzen und stutzen. Alle waren ernst und von Sorge erfüllt. Der Zustand jedes Einzelnen war so bedrückend, dass es schien, als würden sie einander in ihrer übermäßigen Sorge töten. Zu dieser Zeit wurden Kühe und Kamele jeweils von sieben Personen gemeinsam geopfert. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, schlachtete eines der Kamele Abu Dschahls. Dieses Kamel trug einen silbernen Ring in der Nase. Damit sollte erreicht werden, dass die Götzendiener, sobald sie diese Nachricht erhielten, vor vergeblicher Wut außer sich gerieten. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sprach einmal ein Vergebungsgebet für sie. Während dieser Reise offenbarte Allah, der Herr der Welten, im Fall von Ka’b ibn Udscharah folgende Anweisung: Wer sich aufgrund von Beschwerden im Ihram-Zustand das Haupthaar rasiert, soll eine Sühneleistung durch Fasten, Almosen oder das Schlachten eines Opfertiers erbringen.
Weigerung, die ausgewanderten Frauen zurückzugeben
Einige gläubige Frauen kamen aus Mekka zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Ihre Angehörigen verlangten gemäß dem Frieden von Hudaybiyya, dass sie zurückgegeben würden. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, wies diese Forderung zurück. Er begründete dies damit, dass die schriftliche Bestimmung des Vertrags in dieser Angelegenheit lautete, der Vertrag werde unter der Bedingung geschlossen, dass jeder Mann von uns, der zu euch gehe, unbedingt zurückgegeben werden müsse, unabhängig davon, welchem Glauben er anhänge. Frauen wurden darin nicht erwähnt. [Sahih al-Bukhari, 1. Band, S. 307] Daher fielen die Frauen nicht unter diese Bedingung des Friedensvertrags. Danach offenbarte Allah, der Herr der Welten, folgenden Vers: „O ihr Gläubigen, wenn gläubige Frauen als Auswanderinnen zu euch kommen, dann prüft sie. Allah weiß am besten über ihren Glauben Bescheid. Wenn ihr erkennt, dass sie gläubig sind, dann schickt sie nicht zu den Ungläubigen zurück. Die gläubigen Frauen sind den Ungläubigen nicht erlaubt, und die Ungläubigen sind den gläubigen Frauen nicht erlaubt. Erstattet ihnen, was sie ausgegeben haben. Es ist kein Vergehen für euch, sie zu heiraten, wenn ihr ihnen ihre Brautgabe gebt. Haltet nicht an der ehelichen Beziehung zu ungläubigen Frauen fest.“ (Sure al-Mumtahana, Vers 10)
Nachdem dieser Vers offenbart worden war und eine gläubige Frau auswandernd zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, kam, sagte Allah, der Herr der Welten, dazu: „O Prophet, wenn gläubige Frauen zu dir kommen und dir den Treueeid leisten, dass sie Allah nichts beigesellen, nicht stehlen, keinen Ehebruch begehen, ihre Kinder nicht töten, nicht wissentlich eine Verleumdung erfinden und verbreiten und dir in einer guten Sache nicht ungehorsam sein werden, dann nimm ihren Treueeid an und bitte Allah um Vergebung für sie. Allah ist allvergebend und barmherzig.“ (Sure al-Mumtahana, Vers 12)
Die ausgewanderten Frauen gelobten gemäß den in dem genannten Vers festgelegten Bedingungen Treue. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Ich habe euren Treueeid entgegengenommen.“ Danach schickte er sie nicht zurück.
Gemäß dieser Anweisung ließen die Muslime ihre nichtmuslimischen, das heißt ungläubigen, Ehefrauen scheiden. Zu jener Zeit hatte Hadhrat Umar (r.a.) zwei Ehefrauen, die ungläubig waren. Er ließ sich von ihnen scheiden. Die eine heiratete Muʿawiya, die andere Safwan ibn Umayya.
Der Kern der Bedingungen des Friedensvertrags
Dies ist der Frieden von Hudaybiyya. Wenn man die Bedingungen dieses Friedensvertrags gründlich bedenkt, wird deutlich, dass er ein gewaltiger Sieg für die Muslime war. Denn bis dahin hatten die Quraisch die Existenz der Muslime überhaupt nicht anerkannt. Sie waren entschlossen gewesen, sie vollständig zu vernichten. Sie warteten darauf, dass diese Bewegung früher oder später ohnehin ausgelöscht werden würde. Da die Quraisch außerdem auf der Arabischen Halbinsel die Führungsposition in religiösen und weltlichen Angelegenheiten innehatten, bemühten sie sich mit aller Kraft, die islamische Einladung unter der Bevölkerung zu behindern. Betrachtet man die Angelegenheit aus dieser Perspektive, so wird schon bei kurzem Nachdenken über den Frieden deutlich, dass er eine Anerkennung der Muslime und die Erklärung bedeutete, dass die Quraisch nun nicht mehr in der Lage waren, die Macht der Muslime zunichtezumachen. Die psychologische Analyse des dritten Punktes des Friedensvertrags zeigt, dass die Quraisch bei der Erfüllung der Verantwortung versagt hatten, die ihnen in religiösen und weltlichen Angelegenheiten übertragen worden war. Nun waren sie nur noch in die Sorge um ihre eigenen Interessen versunken. Um andere Menschen kümmerten sie sich überhaupt nicht. Das heißt, die gesamte arabische
Selbst wenn die gesamte Bevölkerung Arabiens den Islam annähme, würde das den Quraisch nichts ausmachen. Sie würden sich in dieser Angelegenheit in keiner Weise einmischen. Ist dies angesichts der Absichten der Quraisch und des mit ihnen verfolgten Ziels nicht ihre offenkundige Niederlage? Und ist es angesichts der Lage der Muslime nicht deren offenkundiger Sieg? Das Ziel der blutigen Auseinandersetzungen zwischen den Anhängern des Islam und seinen Feinden bestand doch darin, dass die Menschen im Bereich des Glaubens vollständige Freiheit und Selbstbestimmung erlangen sollten. Das heißt: Jeder sollte nach freiem Willen Muslim werden können, wenn er wollte, oder als Ungläubiger bleiben können, wenn er wollte. Keine Macht sollte ihnen dabei im Wege stehen, diesen Willen zu verwirklichen. Es war keineswegs das Ziel der Muslime, den Ungläubigen ihren Besitz zu entreißen, sie in den Tod zu treiben oder sie gewaltsam zum Islam zu bekehren. Das Ziel der Muslime war vielmehr genau das, was Allama Iqbal mit folgenden Worten zum Ausdruck gebracht hat:
„Das Ziel des gläubigen Knechtes – es ist das Martyrium,
Er sucht nicht die Tapferkeit, er begehrt keine Kriegsbeute.“
Schon bei genauer Betrachtung wird deutlich, dass die Muslime durch den Vertrag von Hudaibiya ihr Ziel und ihren Zweck vollständig erreichen konnten. Die Bedeutung und Tragweite dieses Erfolgs ist weitaus größer als die eines Sieges im Krieg. Aufgrund dieser Freiheit konnten die Muslime auf dem Gebiet der Einladung zum Islam und der Verkündigung außergewöhnliche Erfolge erzielen. Bis zum Abschluss dieses Vertrags hatte die Zahl der muslimischen Kämpfer nie mehr als dreitausend betragen; innerhalb von zwei Jahren war sie am Vorabend des Sieges auf zehntausend angewachsen.
Auch die zweite Bestimmung des Vertrags ist ein Teil des offenkundigen Sieges. Denn den Krieg hatten nicht die Muslime begonnen, sondern vielmehr die Ungläubigen. So sagt Allah, der Erhabene: „Sie waren es, die zuerst gegen euch den Kampf begannen.“
Durch ihre militärischen Unternehmungen wollten die Muslime die Quraisch von ihrem törichten Verhalten, also von ihren Versuchen, vom Weg Allahs abzuhalten, und von ihrer Halsstarrigkeit abbringen. Ihr Anspruch bestand darin, in den gegenseitigen Beziehungen gleiche Rechte zu erhalten. Beide Seiten sollten in ihrem jeweiligen Bereich gleichberechtigt handeln, gleiche Rechte genießen und ihre Meinung frei äußern können. Doch die Nichtmuslime gewährten dies nicht. Schließlich nahmen sie die Bedingung eines zehnjährigen Waffenstillstands in den Vertrag auf. Das bedeutet, dass sie fortan kein Hindernis mehr auf dem Weg Allahs errichten würden. Es bedeutet, dass diejenigen, die den Krieg begonnen hatten, schwach, hilflos und völlig gescheitert waren.
Bei einer Prüfung der in der ersten Bestimmung des Vertrags enthaltenen Aussage zeigt sich, dass sie in Wirklichkeit ein Zeichen des Erfolgs der Muslime und keineswegs eines Misserfolgs ist. Denn die Ungläubigen hatten den Muslimen den Besuch der Kaaba verboten; durch diese Bestimmung wurde nun die Aufhebung dieses Verbots verkündet. Allerdings gab es in dieser Bestimmung etwas, das den Ungläubigen Trost bieten konnte: Sie waren in der Lage, die Muslime ein Jahr lang von ihrem geliebten Haus Allahs fernzuhalten. Dass dies jedoch nur ein vorübergehender und wertloser Erfolg war, lässt sich auch ohne ausdrückliche Erklärung erkennen.
Bei einer noch gründlicheren Prüfung des Vertrags von Hudaibiya wird deutlich, dass die Quraisch den Muslimen drei Vorteile gewährten und selbst einen Vorteil erlangten. Dieser Vorteil wird in der vierten Bestimmung des Vertrags erwähnt. Doch er war sehr geringfügig und wertlos. Den Muslimen entstand daraus kein Schaden. Denn es versteht sich von selbst, dass die Muslime, solange sie Muslime blieben, nicht von Medina nach Mekka fliehen würden. Nur wenn sie die Religion wechselten oder vom Glauben abfielen, konnten sie fliehen. Dies konnte offen oder heimlich geschehen. Nachdem ein Muslim die Religion gewechselt hatte, bestand für die Muslime keine Notwendigkeit mehr, ihn bei sich zu haben. Dann war es für die Muslime besser, dass er die islamische Gemeinschaft verließ, als dass er in ihr blieb. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, deutete darauf hin und sagte: „Wer uns verlässt und zu den Götzendienern flieht, den hat Allah, der Erhabene, von sich entfernt.“ (Sahih Muslim, Vertrag von Hudaibiya, Band 2, S. 105.) Für diejenigen Menschen aus Mekka, die Muslime geworden waren oder noch werden würden, war in den Vertragsbedingungen überhaupt kein Vorteil vorgesehen. Daher bestand für sie keine Möglichkeit, in Medina Zuflucht zu finden. Doch wurde der Erhabene nicht zu einer Zuflucht? Damals kannten die Bewohner Medinas nicht einmal den Namen des Islam. Auch künftig würde irgendein Teil der Welt den Muslimen seine Arme öffnen. Darauf deutete der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, mit den Worten hin: „Für jeden von ihnen, der zu uns kommt, wird Allah für sie Weite und einen Ausweg schaffen.“
Eine solche Regelung schien den Quraisch zwar Vorteile zu bringen, doch in Wirklichkeit war sie ein Zeichen ihrer inneren Furcht, Sorge, Bestürzung, Unruhe und ihrer Niederlage. Daraus wird ersichtlich, dass sie angesichts ihrer auf Götzen gegründeten Gesellschaftsordnung vor Angst wie gelähmt waren. Sie spürten, dass ihr gesellschaftlicher Körper auf einem vergänglichen und inhaltsleeren Fundament stand, das jeden Augenblick zusammenbrechen konnte. Daher war es unerlässlich, die Sicherheitsmaßnahmen zu seinem Schutz zu verstärken. Andererseits beweist die Großzügigkeit, mit der der Gesandte Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – die Bedingung akzeptierte, keinen Muslim zurückzufordern, der bei den Quraisch Zuflucht suchte, dass er volles Vertrauen in die Reife und Festigkeit der islamischen Gesellschaft hatte. Eine solche Bedingung würde keinerlei Schaden verursachen.
Der Zweifel von Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein)
Die Bedingungen des Vertrags von Hudaybiyya wurden unter verschiedenen Gesichtspunkten erörtert. Unter diesen Bedingungen gab es zwei Punkte, die die Muslime innerlich erschütterten. Erstens hatte der Gesandte Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – gesagt, dass er zum geheiligten Haus Allahs gehen und den Tawaf vollziehen werde; doch nun kehrte er zurück, ohne den Tawaf vollzogen zu haben. Zweitens war er der Gesandte Allahs und stand auf der Wahrheit. Allah, der Erhabene, hatte versprochen, Seine Religion siegreich zu machen. Warum schloss der Gesandte Allahs also unter dem Einfluss der Umstände und unter Nachgeben einen Vertrag? Diese beiden Punkte riefen zahlreiche Zweifel und Fragen hervor und verletzten die Gefühle der Muslime so sehr, dass sie von Trauer und Sorge niedergedrückt wurden. Umar ibn al-Khattab litt wahrscheinlich am stärksten unter dieser seelischen Qual. Er ging zum Gesandten Allahs und sagte: „O Gesandter Allahs, stehen wir nicht auf der Wahrheit und sie auf der Falschheit?“ Der Gesandte Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – sagte: „Doch, gewiss.“ Er sagte: „Sind unsere Gefallenen nicht im Paradies und ihre Gefallenen nicht Bewohner der Hölle?“ Der Gesandte Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – sagte: „Doch, gewiss.“ Darauf sagte er: „Warum haben wir dann in der Angelegenheit der Religion nachgegeben, eine solche Bedingung angenommen und uns in diese Lage gebracht, obwohl Allah, der Erhabene, noch kein Urteil zwischen uns und ihnen gefällt hat?“ Der Gesandte Allahs sagte: „O Umar, Sohn des al-Khattab, ich bin der Gesandte Allahs und kann Allah daher nicht ungehorsam sein. Allah, der Erhabene, wird mir helfen und mich keinesfalls zugrunde gehen lassen.“ Er sagte: „Hast du uns nicht gesagt, dass du zum geheiligten Haus Allahs gehen und den Tawaf vollziehen wirst?“ Der Gesandte Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – sagte: „Doch, gewiss. Aber habe ich gesagt, dass wir schon in diesem Jahr Erfolg haben würden?“ Er sagte: „Nein.“ Der Gesandte Allahs sagte: „Hört also: Ihr werdet gewiss zum Haus Allahs gehen und seinen Tawaf vollziehen.“
Doch Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) ging mit unzufriedenem Herzen zu Abu Bakr (möge Allah mit ihm zufrieden sein) und berichtete ihm, was er zum Gesandten Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – gesagt hatte. Abu Bakr gab ihm dieselbe Antwort, die der Gesandte Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – ihm gegeben hatte. Danach sagte Abu Bakr außerdem: „Halte bis zum Tod unerschütterlich am Gehorsam gegenüber dem Gesandten Allahs fest.“
Später offenbarte Allah, der Herr der Welten, in der Sure al-Fath jene Verse, deren Anfang lautet: „Wahrlich, Wir haben dir einen offenkundigen Sieg verliehen.“ In dieser Sure wird der Vertrag von Hudaybiyya als ein offenkundiger Sieg für die Muslime bezeichnet. Nachdem diese Verse offenbart worden waren, ließ der Gesandte Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – Umar zu sich rufen und trug ihm die Verse vor.
Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: „O Gesandter Allahs, ist dies ein Sieg?“ Der Gesandte Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – sagte: „Ja, es ist ein Sieg.“ Als Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) dies hörte, wurde sein Herz ruhig, und er kehrte zurück.
Später erkannte Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) seinen Fehler und schämte sich sehr. Er sagte: „Aus Furcht wegen des Fehlers, den ich an jenem Tag begangen hatte, und wegen dessen, was ich gesagt hatte, verrichtete ich viele gute Werke, gab regelmäßig Almosen, fastete, verrichtete das Gebet und befreite Sklaven. Nun hoffe ich auf Gutes.“ [Fath al-Bari, Band 7, S. 339–439; Sahih al-Bukhari, Band 1, S. 598–600, 717; Sahih Muslim, Band 2, S. 104–105; Ibn Hischam, Band 2, S. 308, 322; Zad al-Ma’ad, Band 2, S. 122–127; Mukhtasar as-Sira, Scheich Abdullah, S. 207–305; Tarikh Umar ibn al-Khattab, verfasst von Ibn al-Dschausi, S. 39–40]
Die Lösung des Problems der schwachen Muslime
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, kam nach Medina und fühlte sich erleichtert. Zu dieser Zeit floh ein Muslim namens Abu Basir aus Mekka nach Medina, weil er der Misshandlung und Verfolgung durch die Ungläubigen überdrüssig geworden war. Abu Basir gehörte zum Stamm der Thaqif. Dieser Stamm war mit den Quraisch verbündet. Die Quraisch schickten zwei Männer nach Medina, um Abu Basir zurückzufordern. Sie ließen ausrichten: „Setzt die Bedingungen des Friedensvertrags um, den wir miteinander geschlossen haben.“ Der Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, schickte den neu angekommenen Abu Basir mit ihnen nach Mekka zurück. Als die drei den Ort Dhul-Hulaifa erreichten, begannen sie, Datteln zu essen. Da sagte Abu Basir zu einem der beiden Männer: „Bei Allah, dein Schwert sieht wirklich schön aus.“ Der Mann antwortete hocherfreut: „Ja, das stimmt. Ich habe es mehrmals geprüft.“ Abu Basir sagte: „Zeig es mir, damit auch ich es mir ansehen kann.“ Der Mann reichte Abu Basir das Schwert. Daraufhin tötete Abu Basir ihn augenblicklich.
Der andere Mann floh nach Medina und betrat die Prophetenmoschee. Als der Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ihn sah, bemerkte er, dass dieser Mann etwas Schreckliches erlebt haben müsse. Der Mann kam zum Gesandten Allahs und sagte: „Mein Gefährte wurde getötet, und auch ich werde getötet werden.“ Da kehrte Abu Basir zurück und sagte: „O Gesandter Allahs, Allah hat dein Versprechen erfüllt. Du hattest mich mit ihnen zurückgeschickt, doch danach hat Allah mich aus ihren Händen befreit.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Seine Mutter möge um ihn kommen! Wenn er nur jemanden fände, der ihm beisteht, würde er gewiss das Feuer des Krieges entfachen.“ Als Abu Basir dies hörte, verstand er, dass er nun wieder den Ungläubigen übergeben werden würde. Deshalb verließ er Medina und begab sich in ein Gebiet an der Meeresküste. Inzwischen floh Abu Jandal ibn Suhail aus Mekka und schloss sich Abu Basir an. Auch alle anderen Quraisch, die den Islam annahmen, kamen zu Abu Basir und schlossen sich ihm an. Dort bildete sich eine Gruppe. Danach überfielen sie die Handelskarawanen der Quraisch, die nach Syrien unterwegs waren, und schlugen die Karawanenleute erbarmungslos. Die Quraisch waren schließlich so bedrängt, dass sie den Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, unter Berufung auf ihre verwandtschaftliche Nähe baten: „Rufe sie zu dir. Wenn danach jemand aus Mekka den Islam annimmt und zu dir kommt, wird er in Sicherheit sein. Wir werden gegen ihn nichts einwenden.“ Daraufhin rief der Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die Muslime an der Meeresküste nach Medina. Siehe Anmerkung Nr. 3.
Der Übertritt bedeutender Persönlichkeiten der Quraisch zum Islam
Zu Beginn des siebten Jahres nach der Hidschra nahmen Umar ibn al-As, Khalid ibn al-Walid und Uthman ibn Talha, Allahs Wohlgefallen sei auf ihnen, den Islam an. Als sie zum Gesandten Allahs kamen, sagte er: „Mekka hat uns seine kostbarsten Männer ausgeliefert.“ Über den Zeitpunkt, zu dem die genannten Gefährten den Islam annahmen, bestehen unterschiedliche Auffassungen. In verschiedenen Werken über die Überlieferer werden das achte Jahr nach der Hidschra genannt. Doch allgemein ist bekannt, dass Umar ibn al-As am Hof des Negus den Islam annahm. Dies geschah im achten Jahr nach der Hidschra. Auf seiner Rückreise aus Abessinien traf Umar auf Khalid und Uthman ibn Talha, und alle drei begaben sich gemeinsam zum Gesandten Allahs und nahmen den Islam an. Daraus geht hervor, dass auch sie zu Beginn des siebten Jahres nach der Hidschra den Islam angenommen hatten. Allah, der Erhabene, weiß es am besten.
Der Vertrag von Hudaybiyya war in Wirklichkeit der Beginn eines Wandels im Leben des Islam und der Muslime. Unter den Feinden des Islam waren die Quraisch am entschlossensten, starrsinnigsten und kriegsbereitesten. Dadurch, dass man vom Schlachtfeld zum Frieden überging, wurde einer der drei Arme des Bündnisses aus der Zeit der Grabenschlacht – Quraisch, Ghatafan und die Juden – gebrochen. Die Quraisch waren in der gesamten Arabischen Halbinsel die treibende Kraft des Götzendienstes; auch dessen Begeisterung schien nachzulassen. Ebenso begann sich der Bereich ihres feindseligen Verhaltens zu verändern. Daher ist festzustellen, dass der Stamm Ghatafan nach dem Vertrag keinen nennenswerten feindseligen Schritt unternahm. Wenn er überhaupt etwas tat, dann nur auf Anstiftung der Juden.
Nachdem die Juden aus Medina vertrieben worden waren, machten sie Khaybar zum Zentrum ihrer Intrigen und Verschwörungen. Dort brachten ihre Teufel immer neue Sprösslinge hervor. Sie waren damit beschäftigt, das Feuer der Zwietracht zu entfachen. Die Juden hetzten die Beduinen in der Umgebung Medinas auf und schmiedeten Pläne, den Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und die Muslime zu vernichten oder ihnen großen Schaden zuzufügen. Aus diesen Gründen wandte sich der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nach dem Vertrag von Hudaybiyya zunächst der vollständigen Beseitigung des Zentrums der jüdischen Machenschaften zu.
Kurz gesagt: Mit der neuen Ära des Friedens, die nach dem Vertrag von Hudaybiyya begonnen hatte, erhielten die Muslime eine bedeutende Gelegenheit, zur Daʿwa des Islam aufzurufen, ihn zu verbreiten und die Botschaft der Religion zu verkünden. Deshalb nahmen die Aktivitäten der Muslime auf dem Gebiet der Daʿwa und der Verkündigung in dieser Zeit um ein Vielfaches zu. Diese Aktivitäten übertrafen sogar die kriegerischen Unternehmungen. Diese Zeit lässt sich in zwei Abschnitte unterteilen.
Bevor auf die kriegerischen Unternehmungen eingegangen wird, ist es angebracht, zunächst die Aktivitäten der Daʿwa und der Verkündigung zu behandeln. Denn die Verkündigungsarbeit verdient den Vorrang, und sie ist auch die eigentliche Aufgabe des Islam. Um diese Verkündigungsarbeit zu verbreiten und auszuweiten, hatten die Muslime so viele Gefahren, Drangsale, Unruhen, Kriege, Aufstände und Unordnung ertragen.
Briefe an Könige und Emire
Gegen Ende des sechsten Jahres nach der Hidschra sandte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nach seiner Rückkehr von Hudaybiyya Briefe an verschiedene Könige und Emire und lud sie zum Islam ein. Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, diese Briefe absenden wollte, wurde ihm gesagt, dass die Könige einen Brief nur annähmen, wenn er versiegelt sei. Daher ließ der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, einen Ring aus Silber anfertigen, in den die drei Wörter „Muhammad“, „Gesandter“ und „Allah“ eingraviert wurden. „Allah“ stand in der ersten, „Gesandter“ in der zweiten und „Muhammad“ in der dritten Zeile. [Sahih al-Buchari, Band 2, S. 872]
Nach dem Verfassen der Briefe entsandte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, einige erfahrene Gefährten mit den Briefen an verschiedene Orte. Diese Gesandten sandte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, am 1. Muharram des siebten Jahres nach der Hidschra, einige Tage vor dem Aufbruch nach Chaibar. [Rahmatul lil-Alamin, Band 1, S. 171] Im Folgenden wird dies näher dargestellt.
1) Der König von Abessinien, genannt Nadschaschi
Der eigentliche Name des Nadschaschi war Aschama ibn al-Dschabar. Nachdem der Gesandte Allahs den Brief verfasst hatte, sandte er ihn gegen Ende des sechsten oder zu Beginn des siebten Jahres nach der Hidschra durch Amr ibn Umaiya ad-Damri. Auch Allama Tabari führt den Inhalt des Briefes an. Betrachtet man den Inhalt des Briefes jedoch aufmerksam, wird deutlich, dass es sich nicht um den nach dem Vertrag von Hudaybiyya verfassten Brief handelt. Es scheint vielmehr jener Brief zu sein, den der Gesandte Allahs während seines Aufenthalts in Mekka dem ehrwürdigen Dschafar at-Tayyar mitgab, als dieser nach Abessinien auswanderte, damit er ihn dem Nadschaschi überreiche. Denn am Ende des Briefes werden die Auswanderer folgendermaßen erwähnt: „Ich habe meinen Cousin Dschafar mit einer Gruppe von Muslimen zu Ihnen gesandt. Wenn sie bei Ihnen eintreffen, nehmen Sie sie unter Ihren Schutz und üben Sie keinerlei Zwang auf sie aus.“
Imam Baihaqi erwähnt nach einer Überlieferung von Abdallah ibn Abbas, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, noch einen weiteren Brief, den der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ebenfalls an den Nadschaschi gesandt hatte. Der Inhalt des Briefes lautet: „Dieser Brief stammt vom Propheten Muhammad an Aschama, den König von Abessinien. Friede sei auf demjenigen, der der Rechtleitung folgt und an Allah, den Erhabenen, und Seinen Gesandten glaubt. Ich bezeuge, dass es außer Allah, dem Einen und Einzigen, niemanden gibt, der der Anbetung würdig ist. Er hat weder eine Gattin noch einen Sohn. Ich bezeuge ferner, dass Muhammad Allahs Diener und Sein Gesandter ist. Ich lade Sie zum Islam ein, denn ich bin Allahs Gesandter. Nehmen Sie daher den Islam an, und Sie werden in Frieden leben. O Leute der Schrift, kommt zu einem Wort, das zwischen uns und euch gleich ist: dass wir niemanden außer Allah anbeten, Ihm nichts beigesellen und niemanden außer Allah als Herrn anerkennen. Wenn jemand sich weigert, diesen Glauben anzunehmen, dann sagt ihm: Bezeugt, dass ich Muslim bin. Wenn Sie diese Einladung nicht annehmen, wird die gesamte Sünde der Christen Ihres Volkes auf Ihnen lasten.“
Dr. Muhammad Hamidullah aus Paris hat noch den Inhalt eines weiteren Briefes angeführt. Dieser Brief wurde aufgefunden. Er ist, mit dem Unterschied eines einzigen Wortes, in dem von Allama Ibn Qayyim verfassten Werk Zad al-Maʿad erwähnt. Der Doktor hat große Anstrengungen unternommen, um die Authentizität des Inhalts des Briefes festzustellen.
Eine in der heutigen Zeit veröffentlichte Fotokopie dieses Briefes hat Dr. Hamidullah in sein Werk aufgenommen. Ihre Übersetzung lautet wie folgt: „Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen.“
„Von Muhammad, dem Gesandten Allahs, an den Negus von Abessinien, Azram. Friede sei über demjenigen, der der Rechtleitung folgt. Ich preise vor dir den erhabenen Allah, außer Dem es keinen Anbetungswürdigen gibt. Er ist der Heilige, der Frieden, Sicherheit und Ruhe gewährt, der Beschützer und Bewahrer. Ich bezeuge, dass Jesus, der Sohn Marias, Allahs Geist und Sein Wort ist. Allah, der Erhabene, legte ihn in Maria, der Reinen und Keuschen, nieder. Maria (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) wurde durch Allahs Wort und Seinen Hauch schwanger, ebenso wie Allah, der Erhabene, Adam, Allahs Friede sei auf ihm, mit Seiner eigenen Hand erschaffen hatte. Wir rufen einander zum Glauben an den einen und einzigen Allah und zu Seinem Gehorsam auf. Ebenso rufe ich dazu auf, sich zu vereinen: Folge mir und glaube an das, was ich gebracht habe. Denn ich bin Allahs Gesandter. Ich rufe dich und dein Heer zu Allah, dem Allmächtigen, dem Herrn der Welten, auf. Ich habe die Botschaft übermittelt und ermahnt. So nimm meine Übermittlung und meine Ermahnung an. (Zum Schluss:) Friede sei über demjenigen, der der Rechtleitung folgt.[Das politische Leben des Gesandten Allahs, Dr. Muhammad Hamidullah, S. 108, 109, 122, 123, 124, 125. Im Werk Zad al-Maʿad steht anstelle des letzten Ausdrucks „derjenige, der der Rechtleitung folgt“: „derjenige, der den Islam annimmt“. Siehe Zad al-Maʿad, Band 3, S. 60.]
Dr. Muhammad Hamidullah hat mit Nachdruck erklärt, dass dies genau der Brief sei, den der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nach dem Vertrag von Hudaybiyya an den Negus gesandt habe. Betrachtet man die Überlieferungsketten dieses Briefes, gibt es keinen Grund, an der Richtigkeit dieser Aussage zu zweifeln. Es findet sich jedoch kein Beweis dafür, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, diesen Brief nach dem Vertrag von Hudaybiyya gesandt hat. Vielmehr scheint der Brief, den Imam al-Bayhaqi nach der Überlieferung von ʿAbdullah ibn ʿAbbas (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) erwähnt, besser mit den Berichten über die Briefe an die anderen Könige übereinzustimmen. Denn zusammen mit den von Imam al-Bayhaqi gesammelten Briefen werden im Koran Verse erwähnt, die mit „O Leute der Schrift“ anreden. Solche Verse werden auch in den von anderen Imamen zusammengestellten Briefen erwähnt. In dem von Imam al-Bayhaqi gesammelten Brief wird der Name des Königs von Abessinien als Aṣḥama angegeben. In dem von Dr. Hamidullah zusammengestellten Brief wird kein Name genannt. Daher bin ich der Auffassung, dass der Brief des Doktors in Wirklichkeit jener Brief ist, den der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nach Aṣḥamas Tod an dessen Nachfolger schrieb. Wahrscheinlich war dies der Grund dafür, dass im Brief kein Name stand.
Hierfür haben wir keinen Beweis. Vielmehr bilden jene inneren Hinweise die Grundlage, die sich aus dem Inhalt des Briefes entnehmen lassen. Verwunderlich ist jedoch, dass Dr. Hamidullah den von al-Bayhaqi nach der Überlieferung von ʿAbdullah ibn ʿAbbas (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) zitierten Brief mit voller Gewissheit als den Brief des Gesandten Allahs bezeichnet hat, der nach Aṣḥamas Tod an dessen Nachfolger geschrieben worden sei. Oder aber im an Aṣḥama gerichteten Brief ist sein Name ausdrücklich genannt.
Kurz gesagt: ʿAmr ibn Umayya al-Ḍamrī übergab den Brief des Gesandten Allahs an den Negus. Der Negus führte den Brief an seine Augen und stieg von seinem Thron herab. Danach nahm er durch Ǧaʿfar ibn Abī Ṭālib den Islam an. Als Antwort auf den vom Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gesandten Brief schickte er einen Brief nach Medina. Der Wortlaut dieses Briefes lautet wie folgt.
Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen.
Vom Negus Aṣḥama an Muhammad, den Gesandten Allahs.
O Prophet Allahs, Allahs Friede, Seine Barmherzigkeit und Sein Segen seien auf dir. Dies sei von Allah, außer Dem es niemanden gibt, der der Anbetung würdig ist. Sodann, o Gesandter Allahs, ist dein Brief in meine Hände gelangt. In diesem Brief hast du Jesus, Allahs Friede sei auf ihm, erwähnt. Bei Allah, dem Besitzer von Himmel und Erde: Jesus, Allahs Friede sei auf ihm, war nicht mehr, als du über ihn erwähnt hast. Er war so, wie du ihn beschrieben hast.[Aus dieser Aussage des Negus, also Aṣḥamas, über Jesus, Allahs Friede sei auf ihm, geht hervor, dass der erwähnte Brief in Aṣḥamas Namen gesandt worden war.] Ich habe zur Kenntnis genommen, was du mir geschrieben und gesandt hast, und ich bewirte deinen Cousin und deine Gefährten. Ich bezeuge, dass du wahrhaftig Allahs echter Gesandter bist. Ich leiste dir den Treueid, leiste deinem Cousin den Treueid und habe durch seine Hand den Islam für Allah, den Herrn der Welten, angenommen.[Zad al-Maʿad, Band 3, S. 61]
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, bat den Negus außerdem darum, Ǧaʿfar und die übrigen Auswanderer in Abessinien zu ihm zu schicken. Dementsprechend veranlasste der Negus zusammen mit ʿAmr ibn Umayya al-Ḍamrī, dass die Gefährten auf zwei Schiffen in ihre Heimat zurückgebracht wurden. Auf einem Schiff befanden sich Ǧaʿfar, Abū Mūsā al-Aschʿarī und einige weitere Gefährten. Sie erreichten zunächst Khaybar und begaben sich von dort nach Medina. Auf dem anderen Schiff befanden sich überwiegend Kinder und Jugendliche; sie gelangten von Abessinien aus direkt nach Medina.[Zad al-Maʿad, Band 3, S. 61]
Es sei erwähnt, dass der Negus nach dem Feldzug von Tabuk im neunten Jahr nach der Hidschra verstarb. Am Tag des Todes des Negus teilte Allahs Gesandter den Gefährten dessen Todesnachricht mit und ließ das Totengebet in Abwesenheit verrichten. Später schrieb der Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, auch an den König, der dem Negus nachfolgte, einen Brief; ob dieser jedoch den Islam annahm, ist nicht bekannt. [Ebenda, dieselbe Seite.]
Zweitens: Im Namen des Königs von Ägypten, al-Muqauqis –
Der Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, schrieb auch an Dschuraidsch ibn Mata, den Statthalter von Ägypten und Alexandria.[Allama al-Mansurpurī hat dieses Thema auf Seite 178 seines Werkes „Rahmat li-l-ʿĀlamīn“ erörtert. Dr. Hamidullah bezeichnete in seinem Werk „Das politische Leben des Gesandten Allahs“ den Namen dieses Königs als Bani Jamin.] Dschuraidsch trug den Beinamen al-Muqauqis. Der Inhalt des Briefes lautet wie folgt:
„Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen.
Von Allahs Diener und Seinem Gesandten Muhammad an al-Muqauqis, den Großkönig der Kopten. Friede sei über demjenigen, der der Rechtleitung folgt.
Ich lade dich zum Islam ein. Nimm den Islam an, und du wirst in Frieden leben. Wenn du den Islam annimmst, wird Allah dir doppelten Lohn geben. Wenn du den Islam jedoch nicht annimmst, wird dich auch die Sünde der Bewohner der Kopten treffen. O Kopten, kommt zu einem Wort, das für uns und für euch gleich ist: dass wir nur Allah dienen und Ihm nichts beigesellen und dass keiner von uns jemand anderen außer Allah zum Herrn nimmt.“ Wenn jemand diese Einladung zurückweist, dann sagt: „Bezeugt, dass wir Muslime sind.“[Auf Seite 61 des dritten Bandes von „Zād al-Maʿād“ wird erwähnt, dass dieser Brief in jüngster Zeit entdeckt worden ist. Zwischen der Beschreibung der von Dr. Hamidullah gedruckten Fotokopie und der oben erwähnten Fassung in „Zād al-Maʿād“ ist lediglich ein Unterschied von zwei Wörtern festzustellen. Siehe „Das politische Leben des Gesandten Allahs“, S. 136–137.]
Für die Überbringung dieses Briefes wurde Hatib ibn Abi Baltaʿa ausgewählt. Als er am Hof des al-Muqauqis eintraf, sagte er: „Auf diesem Land herrschte vor dir ein Herrscher, der sich für den höchsten Herrn hielt. Allah machte ihn zu einem Beispiel für die früheren und die späteren Menschen. Zuerst nahm er durch ihn an anderen Vergeltung, dann machte Er ihn selbst zum Ziel der Vergeltung. So zieht eine Lehre aus dem Schicksal anderer, damit es nicht geschieht, dass andere aus eurem Schicksal eine Lehre ziehen.“
Al-Muqauqis erwiderte: „Wir haben einen religiösen Glauben, den wir nicht aufgeben können, solange wir keinen besseren Glauben finden.“
Hadhrat Hatib (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) sagte: „Ich lade Sie zum Islam ein. Allah der Erhabene hat diese Religion anstelle aller früheren Religionen als ausreichend bestimmt. Nachdem der Prophet der vom Islam, also der von Allah erwählten Religion, die Menschen zu dieser Religion eingeladen hatte, wurden die Quraisch zu seinen Hauptfeinden. Auch die Juden begannen mit Feindschaft und Verschwörungen. Die Christen standen ihnen nahe. Bei Allah, so wie Hadhrat Musa (Friede sei mit ihm) Hadhrat Isa (Friede sei mit ihm) angekündigt hatte, laden wir Sie auf dieselbe Weise zum Qur’an ein, wie Sie die Anhänger der Tora zum Evangelium einladen. Jeder Prophet ist für sein Volk unerlässlich.“
Ihr habt die Zeit des neu erschienenen Propheten erreicht; folgt ihm daher. Wir fordern Sie nicht auf, von der Religion des Messias abzukehren, sondern laden im Grunde zu genau dieser Religion ein.
Al-Muqawqis sagte: „Nachdem ich mich über diesen Propheten erkundigt hatte, hörte ich, dass er weder etwas Verwerfliches befiehlt noch etwas Lobenswertes verbietet. Er ist kein irrgeleiteter Zauberer und kein lügender Wahrsager. Vielmehr habe ich gesehen, dass er ein Zeichen des Prophetentums besitzt: Er enthüllt Verborgenes und berichtet über unsichtbare Dinge. Über seine Einladung werde ich noch weiter nachdenken.“
Al-Muqawqis legte den Brief des Gesandten Allahs in eine Schatulle aus Elfenbein, verschloss und versiegelte sie und übergab sie anschließend einer seiner Sklavinnen. Danach ließ er den Schreiber der arabischen Sprache rufen und ließ den folgenden Brief an den Gesandten Allahs schreiben:
„Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen. Von al-Muqawqis, dem ʿAzim der Kopten, an Muhammad ibn Abdullah. Friede sei mit Ihnen. Ich habe Ihren Brief gelesen. Ich habe den Inhalt Ihres Briefes und Ihre Einladung verstanden. Ich weiß, dass noch ein Prophet kommen soll. Ich hatte angenommen, dass er in Syrien erscheinen würde. Ich habe Ihren Gesandten geehrt. Ich sende Ihnen zwei Sklavinnen und als Geschenk auch ein Maultier für Ihr Reittier. Friede sei mit Ihnen.“
Al-Muqawqis schrieb nichts weiter. Er nahm auch den Islam nicht an. Die Namen der von ihm gesandten Sklavinnen waren Maria Bitiya und Schirin. Das Maultier hieß Duldul. Es lebte bis zur Zeit Muawiyas (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm). [Zad al-Maʿad, Band 3, S. 61] Der erwählte Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, behielt Maria bei sich. Aus Marias Schoß wurde Ibrahim, der Sohn des Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, geboren. Schirin wurde dem Dichter Hassan ibn Thabit al-Ansari geschenkt.
Drittens: An den persischen Kaiser Chosrau Parviz:
Der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, sandte auch dem persischen Kaiser Kisra einen Brief. Dieser lautete wie folgt:
„Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen –
von Allahs Gesandtem Muhammad an den Perserkönig Parwez.“
Friede sei mit demjenigen, der der Rechtleitung folgt und an Allah, den Erhabenen, und Seinen Gesandten glaubt. Er ist der Eine und Einzige; Er hat keinen Teilhaber. Muhammad ist Sein Diener und Sein Gesandter. Ich rufe dich zu Allah auf, denn ich bin von Allah zu allen Menschen gesandt worden. Meine Aufgabe ist es, diejenigen, die leben, vor dem Ausgang ihrer Angelegenheiten zu warnen und das Wort der Wahrheit gegen die Ungläubigen zu erweisen. So nimm den Islam an, dann wirst du in Frieden leben. Solltest du dich jedoch weigern, wird auch die Sünde aller Feueranbeter auf dir lasten.“
Für die Überbringung dieses Briefes wurde Hadhrat Abdullah ibn Hudhafa Sahmi (möge Allah mit ihm zufrieden sein) ausgewählt. Er übergab den Brief dem Statthalter von Bahrain. Es ist nicht bekannt, ob der Statthalter von Bahrain den Brief durch einen Boten weitergeleitet oder Hadhrat Abdullah ibn Hudhafa selbst entsandt hatte. Jedenfalls wurde der Brief Parwez vorgelesen, woraufhin er ihn zerriss und hochmütig sagte: „Einer meiner einfachen Untertanen hat seinen eigenen Namen vor meinen Namen gesetzt.“ Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, davon erfuhr, sagte er: „Möge Allah sein Königreich in Stücke reißen.“ Danach geschah genau das, was der Gesandte, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, gesagt hatte.
Der Kaiser schrieb an seinen Statthalter im Jemen, Badhan: „Schicke mir von dir zwei kräftige Männer, damit sie in den Hidschas gehen, diesen Mann festnehmen und zu mir bringen.“ Um den Befehl des Kaisers auszuführen, entsandte Badhan zwei Männer mit seinem Brief zum Gesandten Allahs. Die beiden Gesandten kamen in Medina zum Gesandten Allahs. Einer von ihnen sagte: „Der Großkönig hat einen Brief geschrieben und Badhan angewiesen, dich an seinen Hof bringen zu lassen. König Badhan hat uns zu dir geschickt; komm daher mit uns.“ Zugleich äußerten die beiden Ankömmlinge einige einschüchternde Worte. Der Gesandte, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagte ruhig: „Kommt morgen wieder.“
Inzwischen hatten die familiäre Rebellion und der Streit im Hause des persischen Chosrau Parwez eine heftige Form angenommen. Die persischen Truppen erlitten durch die Truppen des Kaisers eine Niederlage nach der anderen. Schließlich tötete der Sohn des Kaisers, Schirwai, aus Verdruss und Zorn seinen Vater und ergriff selbst die Macht. Es war in der Nacht zum Dienstag, am 10. Dschumada al-awwal des siebten Jahres nach der Hidschra [Fath al-Bari, Band 8, S. 127], als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, durch die Offenbarung davon erfuhr. Als die beiden Gesandten am nächsten Tag zum Gesandten Allahs kamen, teilte er ihnen diese Nachricht mit. Sie sagten: „Was redest du da für Unsinn? Schon geringere Worte haben wir als ein Vergehen von dir betrachtet. Sollen wir diese deine Aussage dem König schriftlich mitteilen?“ Der Gesandte, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagte: „Ja, schreibt es ihm. Schreibt ihm zugleich, dass meine Religion und meine Herrschaft auch dorthin gelangen werden, wohin euer König gelangt ist – ja sogar an Orte, die weder Kamele noch Pferde danach erreichen können. Teilt ihm auch mit: Wenn er Muslim wird, wird ihm alles überlassen, was unter seiner Herrschaft steht, und wir werden ihn zum König seines Volkes machen.“
Die beiden Gesandten gingen danach von Medina nach Jemen zu Badhan und berichteten ihm alles. Wenig später traf im Jemen ein Brief ein, in dem stand, dass Schirwai seinen Vater getötet und den Thron bestiegen hatte. Der neue Kaiser hatte seinem Statthalter im Jemen, Badhan, in seinem Brief außerdem befohlen, denjenigen, über den sein Vater geschrieben hatte, bis zum Eintreffen weiterer Anweisungen nicht zu behelligen.
Aufgrund dieses Ereignisses nahmen Badhan und all seine persischen Freunde und Vertrauten, die sich zu jener Zeit im Jemen aufhielten, den Islam an und wurden Muslime. [Muhadirat al-Chazrami, Band 1, S. 147; Fath al-Bari, Band 8, S. 127–128; Rahmatul lil-Alamin]
Viertens) Im Namen des römischen Kaisers Herakleios –
In einem langen Hadith, der in Sahih al-Buchari überliefert ist, wird der Inhalt dieses Briefes erwähnt. Der Brief, den der Gesandte an den römischen Kaiser Herakleios schrieb, lautet wie folgt:
Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen.
Von Allahs Diener und Seinem Gesandten Muhammad an den erhabenen Herakleios von Rom.
Friede sei mit demjenigen, der der Rechtleitung folgt. Wenn du den Islam annimmst, wirst du in Frieden leben. Wenn du den Islam annimmst, wirst du doppelten Lohn erhalten. Wenn du dich jedoch abwendest, wird dich auch die Sünde deiner Untertanen treffen. O Leute der Schrift, kommt zu einem Wort, das uns und euch gleichermaßen betrifft: dass wir niemanden außer Allah anbeten und Ihm gegenüber gehorsam sind, Ihm nichts beigesellen und keinen von uns anstelle Allahs zum Herrn nehmen. Wenn sie sich abwenden, dann sagt ihnen: Bezeugt, dass ich Muslim bin. [Sahih al-Buchari, Band 2, S. 4–5]
Der Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, bestimmte für die Überbringung dieses Briefes Dihya ibn Khalifa al-Kalbi. Ihm wurde aufgetragen, diesen Brief dem Statthalter von Busra zu übergeben. Der Statthalter von Busra sollte ihn dann dem Kaiser Herakleios überbringen. Was danach geschah, wird in Sahih al-Buchari von Abdallah ibn Abbas, möge Allah mit ihm zufrieden sein, überliefert. Er berichtet, dass Abu Sufyan ibn Harb ihm erzählte, der Kaiser Herakleios habe ihn gemeinsam mit einer Gruppe von Quraisch zu seinem Hof eingeladen. Gemäß den Bedingungen des Friedensvertrags von Hudaibiyya war diese Karawane mit Handelswaren nach Syrien gereist, um dort Handel zu treiben. Die Karawane erschien am Hof des Kaisers Herakleios in Iliya, das heißt in Bayt al-Maqdis. [Zu jener Zeit war Kaiser Herakleios von Hims nach Bayt al-Maqdis gereist. Er war dorthin gegangen, um Allah, dem Erhabenen, für den Sieg im Krieg gegen Persien zu danken. Siehe Sahih Muslim, Band 2, S. 4–5. Aus dem Bericht über das Ereignis geht hervor, dass die Römer nach der Ermordung Chosraus Parwiz’ mit dem persischen Kaiser einen Friedensvertrag schlossen, unter der Bedingung, die von ihnen verlorenen Gebiete zurückzuerlangen. Auch jenes Kreuz gab Persien zurück, von dem die Christen glaubten, dass Jesus, Friede sei mit ihm, an eben diesem Kreuz gekreuzigt worden sei. Um dieses zurückerlangte Kreuz wieder an seinen Platz zu stellen und Allah angesichts des großen Sieges zu danken, reiste Kaiser Herakleios im Jahr 629 n. Chr., im siebten Jahr der Hidschra, nach Iliya, das heißt nach Bayt al-Maqdis.] Der Kaiser ließ sie zu sich rufen. Zu jener Zeit waren zahlreiche angesehene Persönlichkeiten des Landes am Hof anwesend.
Kaiser Herakleios ließ seinen Dolmetscher rufen und ließ die Handelsdelegation aus Mekka vor sich treten. Dann fragte er durch den Dolmetscher: Wer von euch steht demjenigen, der behauptet, ein Prophet zu sein, hinsichtlich der Abstammung am nächsten? Abu Sufyan berichtet: Darauf teilte ich dem König mit, dass ich ihm am nächsten stehe. Herakleios sagte: Bringt ihn nahe zu mir und lasst seine Gefährten hinter ihm sitzen. Dann sagte Herakleios zu seinem Dolmetscher: Ich werde diesen Mann über diesen Mann, der den Anspruch erhebt, ein Prophet zu sein, befragen. Wenn er auf irgendeine Frage eine Lüge sagt, dann teilt es seinen Gefährten mit, damit sie sofort widersprechen. Abu Sufyan berichtet: Bei Allah, wenn ich nicht befürchtet hätte, als Lügner beschimpft zu werden, hätte ich über ihn gewiss gelogen.
Abu Sufyan berichtet: Nachdem man mich nach vorn gebracht und hingesetzt hatte, fragte mich Herakleios als Erstes: Wie ist die Stellung dieses Mannes hinsichtlich seiner Abstammung unter euch?
Ich: Er entstammt einer angesehenen, vornehmen Familie.
Herakleios: Hat irgendjemand unter euch vor ihm jemals etwas Ähnliches wie das gesagt, was er sagt?
Ich: Nein.
Herakleios: War jemand aus seiner Familie ein Herrscher?
Ich: Nein.
Herakleios: Sind ihm die Reichen gefolgt oder die Schwachen?
Ich: Die Schwachen.
Herakleios: Nimmt ihre Zahl zu oder ab?
Ich: Es nimmt weiter zu.
Herakleios: Hat sich nach der Annahme dieser Religion jemand von ihr abgewandt?
Ich: Nein.
Herakleios: Hat ihn jemals jemand der Lüge bezichtigt, bevor er diese Dinge sagte?
Ich: Nein.
Herakleios: Ist er wortbrüchig?
Ich: Nein. Derzeit sind wir jedoch durch einen Friedensvertrag mit ihm gebunden. Wir wissen nicht, was er diesbezüglich tun wird. Abu Sufyan sagt: Außer dieser einen Aussage hatte ich keine Gelegenheit, von mir aus etwas hinzuzufügen.
Herakleios: Habt ihr gegen ihn gekämpft?
Ich: Ja.
Heraklius: Wie verlief der Krieg zwischen euch und ihm?
Ich: Der Krieg zwischen uns und ihm verlief wechselhaft. Manchmal besiegte er uns, und manchmal besiegten wir ihn.
Heraklius: Wozu fordert er euch auf?
Ich: Er sagt: »Betet nur Allah an und stellt Ihm niemanden zur Seite. Wahrhaftigkeit, Gottesfurcht, Reinheit und Sauberkeit sowie gutes Verhalten gegenüber den nächsten Verwandten – dazu haben auch eure Väter und Großväter aufgefordert.«
Danach sagte Heraklius zu seinem Dolmetscher: »Sag diesem Mann, dass ich ihn gefragt habe, welchen Rang der Abstammung derjenige besitzt, der das Prophetentum beansprucht, und er antwortete, dass er von hoher Abstammung sei. Es ist üblich, dass Propheten aus angesehenen Familien entsandt werden. Ich fragte ihn, ob vor ihm schon jemand unter euch eine solche Behauptung aufgestellt habe. Er sagte, dass dies nicht der Fall sei. Wenn er nur die Worte eines anderen wiederholen würde, dann würde ich sagen, dass dieser Mann lediglich die Worte eines anderen nachspricht. Ich fragte, ob einer seiner Vorväter ein König gewesen sei. Du hast verneint. Wenn einer seiner Vorväter ein König gewesen wäre, dann würde ich sagen, dass dieser Mann die Königsherrschaft seiner Vorväter beansprucht. Ich fragte, ob ihr ihn bereits vor dem, was er verkündet, der Lüge bezichtigt hattet. Du hast verneint. Daher kann es nicht sein, dass jemand, der den Menschen gegenüber nicht lügt, über Allah, den Allmächtigen und Erhabenen, lügt. Ich fragte auch, ob die vornehmen Leute ihm folgen oder die Schwachen. Du sagtest, die Schwachen. In der Tat sind es die Schwachen, die den Propheten zuerst folgen. Ich fragte, ob jemand nach der Annahme seiner Religion von ihr abgefallen sei. Du sagtest, nein. So ist es tatsächlich, wenn die Lebendigkeit des Glaubens in das Herz eingedrungen ist. Ich fragte, ob er euch gegenüber treulos sei. Du sagtest, nein. So sind die Propheten tatsächlich: Sie brechen ihre Versprechen nicht und sind nicht treulos. Ich fragte, wozu er euch auffordert. Du sagtest, dass er euch dazu auffordert, Allah anzubeten und Ihm niemanden zur Seite zu stellen, den Götzendienst verbietet und zu Gebet, Wahrhaftigkeit, Gottesfurcht, Reinheit und Sauberkeit auffordert. Wenn all das, was du gesagt hast, wahr ist, dann wird er schon bald Herr über das Gebiet unter meinen beiden Füßen werden. Ich wusste, dass dieser Prophet kommen würde, doch ich hatte nicht erwartet, dass er aus eurer Mitte hervorgehen würde. Wenn ich in der Lage wäre, die Mühsal auf mich zu nehmen, zu ihm zu gelangen, dann würde ich bei ihm sein und seine beiden Füße waschen.«
Danach ließ Heraklius den Brief des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, bringen und las ihn vor. Kaum hatte Heraklius den Brief zu Ende gelesen, brach dort ein Tumult aus, und man hörte laute Stimmen. Heraklius gab Anweisungen bezüglich unserer Angelegenheit, und wir wurden hinausgeführt. Als wir draußen waren, sagte ich zu meinen Gefährten: »Die Angelegenheit des Sohnes von Abu Kabsha ist wirklich ernst geworden. Wie ich sehe, fürchtet ihn sogar der König der Banū al-Asfar, also der Römer.« Danach war ich stets davon überzeugt, dass die Religion des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, siegen würde. Später entzündete Allah, der Herr der Welten, in mir das Licht des Islam.
Diese Schilderung Abu Sufyans war eine Folge der Wirkung des vom Gesandten Allahs an den römischen Kaiser Heraklius gesandten Briefes. Eine weitere Wirkung dieses Briefes bestand darin, dass Kaiser Heraklius dem Briefträger des Gesandten, Hadhrat Dihya al-Kalbi, möge Allah mit ihm zufrieden sein, beträchtliche Reichtümer und Güter schenkte. Auf dem Rückweg nach Medina wurden Hadhrat Dihya, möge Allah mit ihm zufrieden sein, und seine Güter an einem Ort namens Husma von einigen Angehörigen des Stammes Judham überfallen und alles wurde ihm abgenommen. Als Hadhrat Dihya Medina erreichte, ging er nicht zunächst nach Hause, sondern begab sich zum Gesandten Allahs und berichtete ihm alles. Nachdem der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, dies gehört hatte, entsandte er fünfhundert Gefährten unter der Führung von Hadhrat Zayd ibn Haritha, möge Allah mit ihm zufrieden sein, auf den Feldzug nach Husma. Hadhrat Zayd, möge Allah mit ihm zufrieden sein, griff die Angehörigen des Stammes Judham überraschend an und tötete einige von ihnen. Danach trieb er deren Viehherden und Frauen nach Medina. Unter den Viehherden befanden sich eintausend Kamele und fünftausend Ziegen. Unter den Gefangenen waren einhundert Frauen und Kinder.
Zwischen dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, und dem Stamm Dschudham bestand bereits zuvor ein Bündnis. Deshalb eilte einer der Anführer dieses Stammes, Zayd ibn Rifaʿa, zum Gesandten Allahs und brachte Beschwerde und Klage vor. Zayd ibn Rifaʿa hatte schon lange zuvor gemeinsam mit mehreren Angehörigen des Stammes Dschudham den Islam angenommen. Als Hadrat Dihya al-Kalbi angegriffen wurde, versuchten sie, ihn zu schützen. Deshalb nahm der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, seine Beschwerde und Klage an und ließ die Gefangenen sowie die Beute zurückgeben. Viele Verfasser der Sira erwähnen, dass sich dieses Ereignis vor dem Vertrag von Hudaybiyya ereignet habe. Das ist jedoch falsch. Denn der Brief an Kaiser Herakleios wurde erst nach dem Vertrag von Hudaybiyya entsandt. Deshalb schrieb Imam Ibn al-Qayyim, dass dieses Ereignis zweifellos nach dem Vertrag von Hudaybiyya stattgefunden habe. [Zad al-Maʿad, Bd. 2, S. 122; Haschiya Talkhisch al-Fuhum, S. 29]
Fünftens: An Mundhir ibn Saʿdir –
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, schrieb auch an Mundhir ibn Saʿdir einen Brief und lud ihn zum Islam ein. Mundhir war der Statthalter von Bahrain. Dieser Brief wurde durch Hadrat ʿAla ibn Hadrami überbracht. In seiner Antwort schrieb Mundhir dem Gesandten Allahs: „O Gesandter Allahs, ich habe deinen Brief den Bewohnern Bahrains vorgelesen. Einige Menschen fanden Gefallen am Islam, betrachteten ihn als Ausdruck der Reinheit und nahmen ihn an, während andere keinen Gefallen daran fanden. Hier gibt es auch Juden und Feueranbeter. Weise mich an, wie ich mit ihnen verfahren soll.“ Daraufhin schrieb der Gesandte, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, den folgenden Brief.
Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen.
Vom Gesandten Allahs, Muhammad, an Mundhir ibn Saʿdir. Friede sei mit dir. Ich preise vor dir Allah, außer dem niemand der Anbetung würdig ist. Ich bezeuge, dass Muhammad Allahs Diener und Sein Gesandter ist.
Danach erinnere ich dich an Allah. Wisse: Wer Gutes tut, tut es zu seinem eigenen Vorteil. Wer meinen Gesandten gehorcht und ihre Anweisungen befolgt, dem wird zugerechnet, mir gehorcht zu haben. Wer meine Gesandten gut behandelt, dem wird zugerechnet, mich gut behandelt zu haben. Meine Gesandten haben dich gelobt. Deine Fürsprache für dein Volk habe ich angenommen. Lass daher die Muslime in dem Zustand, in dem sie den Glauben angenommen haben. Ich habe den Schuldigen vergeben; so vergib auch du ihnen. Solange du dem geraden Weg folgst, werde ich dich nicht absetzen. Diejenigen, die dem jüdischen Glauben anhängen, sowie die Feueranbeter müssen die Dschizya entrichten. [Zad al-Maʿad, Bd. 3, S. 61–62. Dieser Brief wurde in jüngerer Zeit entdeckt. Doktor Hamidullah hat eine Fotokopie dieses Briefes veröffentlicht. Zwischen der Fassung in Zad al-Maʿad und der Fotokopie besteht ein Unterschied in einem Wort. In der Fotokopie steht „La ilaha illa huwa“, während es in Zad al-Maʿad „La ilaha ghayruhu“ heißt.]
Sechstens: An den Statthalter von Yamama –
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sandte den folgenden Brief an Hawza ibn ʿAli, den Statthalter von Yamama.
Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen, beginne ich.
Ein Schreiben von Allahs Gesandtem Muhammad an Hawza ibn ʿAlī.
Friede sei mit demjenigen, der der Rechtleitung folgt. Du sollst wissen, dass meine Religion sich bis zu den Orten erstrecken wird, die Kamele und Pferde erreichen. Werde daher Muslim, dann wirst du in Frieden leben. Was immer deiner Herrschaft untersteht, wird dir unversehrt belassen werden.
Als Gesandter zur Überbringung dieses Schreibens wurde Ṣalīṭ ibn ʿAmr al-ʿĀmirī ausgewählt. Hadhrat Ṣalīṭ begab sich mit diesem versiegelten Schreiben zum Hof von Hawza, dem Statthalter von al-Yamāma. Hawza empfing ihn als seinen Gast und beglückwünschte ihn. Hadhrat Ṣalīṭ las dem Statthalter das Schreiben vor. Dieser gab eine ausweichende Antwort. Danach sandte er Allahs Gesandtem eine schriftliche Antwort. Sie lautete wie folgt:
„Das, wozu du aufrufst, ist zweifellos von großem Nutzen und vorzüglich. Ich besitze Einfluss über die Araber. Übertrage mir daher einige Aufgaben, und ich werde dir gehorchen.“
Der Statthalter Hawza überreichte dem Gesandten Allahs auch einige Geschenke. Zu diesen Geschenken gehörten wertvolle Gewänder. Hadhrat Ṣalīṭ brachte diese Gegenstände zum Hof von Allahs Gesandtem und berichtete ihm alles.
Nachdem Allahs Gesandter dieses Schreiben gelesen hatte, bemerkte er: „Selbst wenn er mich um ein Stück Land bäte, würde ich es ihm nicht geben. Er selbst wird zugrunde gehen, und auch alles, was ihm untersteht, wird zugrunde gehen.“
Nachdem Allahs Gesandter von der Eroberung Mekkas zurückgekehrt war, teilte ihm Hadhrat Jibrīl (a. s.) mit, dass Hawza im Sterben liege.
Der Gesandte, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagte darauf zu den Gefährten: „Hört! In al-Yamama wird ein Lügner auftreten, und nach mir wird er getötet werden.“ Einer der Gefährten fragte: „O Gesandter Allahs, wer wird ihn töten?“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagte: „Du und dein Gefährte.“
Später erwies sich die Aussage des Gesandten Allahs als wahr.
Sieben) An den Herrscher von Damaskus, Ghassani:
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sandte folgendes Schreiben an den Herrscher von Damaskus, al-Harith ibn Abu Schimr al-Ghassani.
Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen.
Von Allahs Gesandtem Muhammad an al-Harith ibn Abu Schimr.
Friede sei mit demjenigen, der der Rechtleitung folgt, glaubt und die Wahrheit anerkennt. Ich rufe dich dazu auf, an Allah zu glauben, den Einen und Einzigen, Der keinen Teilhaber hat. Nimm die Einladung zum Islam an. Dein Königreich wird für dich dauerhaft bestehen bleiben.
Dieser Brief wurde durch den Gefährten Suja ibn Wahab, der dem Stamm Asad ibn Chuzaima angehörte, überbracht. Nachdem er al-Harith den Brief übergeben hatte, sagte dieser: „Wer kann mir meine Herrschaft entreißen? Bald werde ich gegen ihn losschlagen.“ Dieser Unglückliche nahm den Islam nicht an.
8) An den König von Oman
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, schrieb auch einen Brief an den König von Oman, Jaifar, und seinen Bruder Abd. Ihr Vater hieß Julanda. Der Wortlaut des Briefes lautet:
Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen, beginne ich,
von Muhammad, dem Sohn Abdullahs, an Jaifar und Abd, die beiden Söhne Julandas.
Friede sei über demjenigen, der der Rechtleitung folgt. Danach lade ich euch beide zum Islam ein. Nehmt den Islam an, und ihr werdet in Frieden leben. Denn ich bin Allahs Gesandter an alle Menschen. Ich wirke, um diejenigen, die leben, vor den Folgen zu warnen und gegenüber den Ungläubigen die Wahrheit von Allahs Wort zu beweisen. Wenn ihr beide den Islam annehmt, wird euch die Herrschaft belassen. Wenn ihr jedoch ablehnt, wird eure Königsherrschaft enden. Euer Land wird unter die Hufe der Pferde geraten. Das Prophetentum wird über eure Königsherrschaft siegen.“
Für die Überbringung dieses Briefes wurde Hadhrat Amr ibn al-As ausgewählt. Er berichtet: Ich brach auf, ging nach Oman und traf Abd. Von den beiden Brüdern war Abd von sanfterem Gemüt. Ich sagte zu ihm: „Ich bin als Gesandter vom Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, zu euch beiden, zu dir und deinem Bruder, gekommen.“ Er sagte: „Mein Bruder ist mir sowohl an Alter als auch an Herrschaft überlegen und vorangestellt. Deshalb bringe ich dich zu ihm; er selbst wird den von dir überbrachten Brief lesen.“ Danach sagte Abd: „Nun gut, wozu ladet ihr denn ein?“
Ich: Wir laden zu Allah ein. Er ist Einer und Einzigartiger. Er hat keinen Teilhaber. Wir sagen: Lasst das, was außer Allah angebetet wird, und bezeugt, dass Muhammad, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, Allahs Diener und Gesandter ist.
Abd: O Amr, du bist der Sohn des Oberhaupts deines Volkes. Sag, was hat dein Vater getan? Wird die Handlungsweise deines Vaters für uns nachahmenswert sein?
Ich: Er ist verstorben, bevor er an Muhammad glaubte. Ich bedauere es sehr. Wie gut wäre es gewesen, wenn er den Islam angenommen und an Allahs Gesandten geglaubt hätte. Auch ich war ungläubig. Doch Allah, der Herr der Welten, hat mich zum Islam rechtgeleitet.
Abd: Seit wann folgen Sie ihm?
Ich: Noch nicht lange.
Abd: Wo haben Sie den Islam angenommen?
Ich: Vor dem Negus. Auch der Negus war Muslim geworden.
Abd: Was hat er nach der Annahme des Islam durch seine Volksangehörigen mit seiner Herrschaft gemacht?
Ich: Er behielt sie bei, und auch die anderen folgten ihm.
Abd: Sind auch die Priester der Kirchen und die anderen ihm gefolgt?
Ich: Ja, das haben alle getan.
Abd: O Amr, bedenken Sie, was Sie sagen. Denken Sie daran: Für einen Menschen gibt es keine schlechtere Eigenschaft als die Lüge.
Ich: Ich lüge nicht. Wir halten das Lügen auch nicht für erlaubt.
Abd: Ich glaube, Kaiser Herakleios weiß nichts davon, dass der Nadschaschi den Islam angenommen hat.
Ich: Das weiß er ganz gewiss.
Abd: Woher wissen Sie das?
Ich: Der Nadschaschi pflegte Herakleios eine Steuer zu zahlen. Nachdem er jedoch durch den Islam die Wahrheit Muhammads, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, anerkannt hatte, sagte er: „Bei Allah, wenn Herakleios von nun an auch nur einen Dirham von mir verlangt, werde ich ihn ihm nicht geben.“ Als diese Nachricht den Hof des Herakleios erreichte, sagte sein Bruder Ianak zu ihm: „Wirst du einen solchen Diener, der den Kharadsch nicht zahlen will, freilassen? Wirst du auch hinnehmen, dass er deinen Glauben aufgibt und den Glauben eines anderen annimmt?“ Herakleios sagte: „Dieser Mann hat einen Glauben für gut befunden und ihn angenommen. Was kann ich mit ihm tun? Bei Gott, wenn es nicht die Gier nach der Herrschaft wäre, würde ich selbst dasselbe tun, was der Nadschaschi getan hat.“
Abd: Amr, bedenken Sie, was Sie sagen.
Ich: Bei Allah, ich sage die Wahrheit.
Abd: Nun, sagen Sie: Welche Dinge gebietet er, und welche Dinge verbietet er?
Ich: Allah, der Erhabene, gebietet den Gehorsam Ihm gegenüber und verbietet den Ungehorsam gegen Ihn. Er gebietet, Gutes zu tun und die Verwandten gut zu behandeln. Er verbietet Unrecht, Unterdrückung, Übermaß, Unzucht, den Genuss von Alkohol sowie die Anbetung von Steinen, Götzen und Kreuzen.
Abd: Alles, was er gebietet, ist doch gut. Wenn ich darauf vertrauen könnte, dass mein Bruder mir folgen würde, würden wir uns auf unsere Reittiere schwingen, nach Medina eilen und an Muhammad (s.a.w.) glauben. Doch mein Bruder hängt sehr an seiner Herrschaft; ich bezweifle, dass er aus Angst, seine Herrschaft zu verlieren, die Gefolgschaft eines anderen akzeptieren wird.
Ich: Wenn er den Islam annimmt, wird Allahs Gesandter ihn in seiner Herrschaft belassen. Allerdings muss er eine Sache tun: von den Reichen Sadaqa einziehen und sie unter den Armen verteilen.
Abd: Das ist wahrlich eine gute Sache. Nun sagen Sie mir: Was ist Sadaqa?
Ich erläuterte die von Allahs Gesandtem festgelegten Bestimmungen über die Sadaqa auf verschiedene Güter. Als die Rede auf Kamele kam, sagte er: O Amr, wird auch von unseren Herden Sadaqa genommen, die selbst auf den Weideplätzen umherziehen?
Ich: Ja.
Abd: Bei Allah, ich weiß nicht, ob die Menschen unseres Landes dies angesichts der Größe des Landes und der großen Zahl an Kamelen akzeptieren werden.
Amr ibn al-As berichtet: Ich verbrachte einige Tage am Eingang des königlichen Hofes. Abd ging zu seinem Bruder und sprach mit ihm über mich. Eines Tages ließ er mich rufen, und ich trat ein. Die Wachen packten mich am Arm. Abd sagte: „Lasst ihn los!“ Daraufhin ließen sie mich los. Als ich mich setzen wollte, erlaubten die Wachen mir nicht, mich zu setzen. Ich blickte zum König, und er sagte: „Sprechen Sie, was möchten Sie?“ Ich übergab ihm den Brief in einem verschlossenen Umschlag. Er riss den Umschlag auf und las den Brief. Nachdem er alles gelesen hatte, gab er ihn seinem Bruder. Ich stellte fest, dass sein Bruder Abd im Vergleich zum König ein verhältnismäßig sanftmütiger Mensch war.
Der König fragte: „Berichten Sie, wie sich die Quraisch ihm gegenüber verhalten haben.“
Ich: Alle haben sich seiner Autorität unterworfen. Einige aus Liebe zur Religion, andere wenige aus Furcht vor dem Schwert.
Der König: „Was für Menschen sind bei ihm?“
Ich: Es sind Menschen aller Art bei ihm. Sie haben den Islam bereitwillig angenommen und dem Islam Vorrang vor allen anderen Glaubensrichtungen gegeben. Durch Allahs Rechtleitung und die Führung ihres Gewissens haben sie erkannt, dass sie bis dahin irregegangen waren. Soweit ich weiß, sind Sie der Einzige in diesem Gebiet, der den Islam noch nicht angenommen hat. Wenn Sie den Islam nicht annehmen und Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nicht folgen, werden die Menschen, die auf Pferden und Kamelen herbeikommen, Sie zerschmettern. Sie werden Ihre Lebenskraft auslöschen. Nehmen Sie daher den Islam an, dann werden Sie in Frieden leben. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, wird Sie selbst als Herrscher über Ihr Volk im Amt belassen. Kein Angreifer wird in Ihr Gebiet eindringen.
Der König sagte: „Treffen Sie mich morgen.“
Danach kehrte ich zu dem Bruder des Königs zurück.
Abd sagte: „Amr, ich glaube, mein Bruder wird den Islam annehmen, sofern sein Verlangen nach der Königsherrschaft nicht zu stark ist.“
Am folgenden Tag wollte ich erneut zum König gehen. Doch man erlaubte mir nicht, hineinzugehen. Als ich zurückkam, berichtete ich seinem Bruder davon. Sein Bruder brachte mich zu ihm. Der König sagte: „Ich habe über die von Ihnen vorgetragene Einladung nachgedacht. Wenn ich die Königsherrschaft jemandem anvertraue, dessen Heer noch nicht einmal eingetroffen ist, werde ich in Arabien als der Schwächste und Feigste bekannt sein. Falls seine Soldaten hier eintreffen sollten, werden wir ihnen die Lust am Kämpfen gründlich austreiben.“
Ich sagte: „In Ordnung, ich werde morgen zurückkehren.“
Nachdem der König sich davon überzeugt hatte, dass ich abreisen würde, beriet er sich unter vier Augen mit seinem Bruder. Der König sagte zu seinem Bruder: „Im Vergleich zu denen, über die dieser Prophet gesiegt hat, sind wir nichts. Jeder, zu dem er einen Gesandten geschickt hat, hat die Einladung angenommen.“
Am nächsten Morgen wurde ich erneut zum Hof des Königs gerufen. Sowohl der König als auch sein Bruder nahmen den Islam an. Sie bekannten sich zum Glauben an Allahs Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Mir wurde aufgetragen, die Sadaqa einzuziehen und zwischen Klägern und Beklagten Recht zu sprechen. Dabei unterstützten sie mich umfassend. [Zād al-Maʿād, Bd. 3, S. 62–63]
Aus dem Bericht und dem Verlauf dieses Ereignisses scheint hervorzugehen, dass Allahs Gesandter, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, den beiden erst nach den anderen Königen einen Brief geschickt hatte. Wahrscheinlich wurde dieser Brief nach der Eroberung Mekkas versandt.
Durch diese Briefe hatte Allahs Gesandter, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, seine Einladung in die meisten Gebiete der Welt gelangen lassen. Als Antwort nahmen einige den Glauben an, während andere am Unglauben festhielten. Die Wirkung dieser Briefe bestand jedoch darin, dass auch die Aufmerksamkeit derjenigen, die ungläubig blieben, darauf gelenkt wurde und der Name des Gesandten Allahs sowie die von ihm verkündete Religion für sie zu bekannten Dingen wurden.
Militärische Aktivitäten nach dem Vertrag von Hudaybiyya
Ghazwa von Dhi Qarad
Dieser Feldzug wurde gegen einen Teil der Banū Fazāra geführt. Sie hatten die Herden des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, angegriffen. Um diesen Angriff zu vergelten, führte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gemeinsam mit den Sahāba diesen Feldzug durch.
Nach dem Vertrag von Hudaybiyya und vor dem Feldzug nach Khaybar war dies der erste und einzige Feldzug. Imām al-Buchārī (möge Allah Wohlgefallen an ihm haben) erwähnte, dass er nur drei Tage vor dem Feldzug nach Khaybar durchgeführt wurde. Von Imām Salama ibn al-Akwaʿ (möge Allah Wohlgefallen an ihm haben) wird hierzu ein ausführlicher Bericht überliefert. Auch in Sahīh Muslim wird er erwähnt. Die Verfasser der Sīra schrieben, dieses Ereignis habe sich vor dem Vertrag von Hudaybiyya zugetragen. Das ist jedoch nicht richtig. Vielmehr ist der Bericht, der in den Hadīth-Sammlungen erwähnt wird, der zutreffende. [Sahīh al-Buchārī, Bāb Ghazwa Dhāt Qarad, Band 2, S. 603; Sahīh Muslim, Bāb Ghazwa Dhī Qarad, Band 2, S. 113–115; Fath al-Bārī, Band 7, S. 460–462; Zād al-Maʿād, Band 2, S. 120]
Der Bericht über die Rolle, die Salama bint al-Akwaʿ (möge Allah Wohlgefallen an ihr haben) bei diesem Feldzug spielte, ist in ihrer eigenen Überlieferung enthalten. Der Bericht über das Ereignis lautet wie folgt: Salama berichtet, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, seine Reitkamele durch seinen Diener Rabāh auf die Weide bringen ließ. Auch ich war mit ihnen und mit dem Pferd von Abū Talha. Plötzlich griff ʿAbd ar-Rahmān al-Fazārī gegen Morgen die Kamele an, tötete den Hirten und trieb die Kamele fort. Ich sagte zu Rabāh: „Rabāh, nimm dieses Pferd, bring es zu Abū Talha und berichte dem Gesandten Allahs von dem Geschehen.“ Danach stieg ich auf eine Anhöhe, wandte mich Medina zu und rief dreimal laut: „Yā sabāhah!“, das heißt: „O weh, ein Angriff am frühen Morgen!“ Unmittelbar danach nahm ich die Verfolgung der Angreifer auf. Ich schoss auf sie und rezitierte dabei:
„Ich bin der Sohn al-Akwaʿs, und heute ist der Tag des Kampfes.“
Ich bin kein anderer als der Sohn al-Akwaʿs; heute wird sich zeigen, wer an der Mutterbrust gestillt wurde.
Salama ibn al-Akwaʿ berichtet: Ich begann, unaufhörlich auf sie zu schießen. Wenn einer der Reiter auf mich zukam, um mich anzugreifen, versteckte ich mich hinter einem Baum. Von dort aus schoss ich auf ihn und verwundete ihn. Als sie in einen schmalen Gebirgspfad eindrangen, stieg ich auf den Berg und begann, Steine auf sie zu werfen. So setzte ich ihre Verfolgung unaufhörlich fort. Schließlich brachte ich alle Kamele des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, unter meine Kontrolle. Dennoch setzte ich die Verfolgung fort. Um ihre Last zu erleichtern, warfen sie dreißig Umhänge und mehr als dreißig Speere zurück und zogen weiter. Alles, was sie zurückließen, markierte ich, indem ich daneben einige Steine zusammentrug. Ich tat dies, damit der Gesandte Allahs und seine Gefährten den Weg leichter erkennen konnten. Danach setzten sie sich an einer engen Biegung eines Stützpunktes nieder, um zu Mittag zu essen. Auch ich setzte mich an einer Stelle nieder. Vier von ihnen kamen auf mich zu, und ich konnte hören, was sie sagten. Ich sagte zu ihnen: „Kennt ihr mich? Ich bin Salama ibn al-Akwaʿ. Wenn ich beginne, einen von euch zu verfolgen, werde ich ihn mühelos einholen. Wenn ihr mich jedoch verfolgt, werdet ihr mich keineswegs einholen.“ Als sie dies hörten, kehrten die vier um. Ich blieb an meinem Platz sitzen. Schon nach kurzer Zeit sah ich die Reiter des Gesandten Allahs durch die Lücken zwischen den Bäumen kommen. An der Spitze war Akhram, dahinter, in dieser Reihenfolge, Abū Qatāda und Miqdād ibn Aswad. Plötzlich kam es zu einem Kampf zwischen ʿAbd ar-Rahmān und Akhram. Akhram verwundete das Pferd von ʿAbd ar-Rahmān. Daraufhin tötete ʿAbd ar-Rahmān Akhram in seinem Zorn mit einem Speer. Inzwischen war Abū Qatāda bis zum Kopf von ʿAbd ar-Rahmān vorgedrungen und verwundete ihn mit seinem Speer. Die übrigen Angreifer flohen. Ich begann, ihnen schnell nachzulaufen. Kurz vor Sonnenuntergang bogen sie zu einem Stützpunkt ab. Dort befand sich ein Wasserbecken namens Dhi Qarad. Sie waren durstig und wollten dort Wasser trinken. Ich hielt sie jedoch vom Wasserbecken fern, sodass sie keinen einzigen Tropfen trinken konnten. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und die ehrenwerten Sahāba erreichten mich nach Sonnenuntergang. Ich sagte: „O Gesandter Allahs, sie waren alle durstig. Wenn du mir hundert Sahāba mitgibst, kann ich ihnen sogar mitsamt den Dschinn die Pferde wegnehmen. Außerdem werde ich dir die Hälse von allen bringen.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Sohn al-Akwaʿs, du hast sie bereits besiegt; nun sei etwas nachsichtig.“ Danach sagte er: „Sie werden jetzt bei den Banū Ghatafān bewirtet.“
Bei der Bewertung dieses Feldzugs sagte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm: „Heute ist Abū Qatāda unser bester Reiter, und Salama ist unser bester Fußsoldat.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gab mir zwei Anteile: einen Anteil für den Fußsoldaten und einen für den Reiter. Bei der Rückkehr ehrte mich der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Er ließ mich hinter sich auf seine Kamelstute al-ʿAdbāʾ setzen und kehrte mit mir nach Medina zurück.
Während dieses Feldzugs übertrug der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) Hadhrat Abdullah ibn Umm Maktum die Verantwortung für Medina. Das Banner dieses Feldzugs trug Hadhrat Miqdad ibn Amr (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm).
Der Feldzug gegen Khaybar und das Wadi al-Qura
Im Monat Muharram des siebten Jahres nach der Hidschra. Die Stadt Khaybar liegt 60 oder 80 Meilen von Medina entfernt. Sie ist eine ziemlich große Stadt. Dort gab es Festungen sowie Felder und landwirtschaftliche Anbauflächen. Das Klima ist nicht besonders gesund. Heute ist es eine Siedlung.
Durch den Vertrag von Hudaybiyya war der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) hinsichtlich der Quraisch, der stärksten der drei Kräfte der Grabenschlacht, völlig abgesichert. Die beiden anderen Kräfte waren die mächtigen Juden und einige Stämme aus Nadschd. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) hielt es für notwendig, auch mit ihnen abzurechnen. Dadurch konnte Sicherheit in alle Richtungen erlangt werden. Im gesamten Gebiet würde eine Atmosphäre des Friedens und der Stabilität geschaffen werden. So wären die Muslime in der Lage, sich ohne blutige Auseinandersetzungen der Übermittlung der Botschaft Allahs und der Einladung zu Seiner Religion zu widmen.
Khaybar war tatsächlich ein Zentrum jüdischer Verschwörungen und Intrigen. Dieser Ort war auch das Zentrum der militärischen Vorbereitungen der Juden gegen die Muslime. Aus diesem Grund richteten die Muslime zunächst ihre Aufmerksamkeit hierauf.
War Khaybar tatsächlich ein Zentrum der Verschwörungen und Intrigen? In diesem Zusammenhang muss man sich vor Augen halten, dass es die Bewohner Khaybars waren, die während der Grabenschlacht alle Gruppen der Götzendiener gegen die Muslime aufwiegelten und vereinten. Sie waren es, die die Angehörigen des Stammes Banu Qurayza zum Verrat anspornten. Sie knüpften Verbindungen zur fünften Kolonne der islamischen Gesellschaft, den Heuchlern, sowie während der Grabenschlacht zu den Banu Ghatafan und den Beduinen. Auch sie selbst bereiteten sich auf den Krieg gegen die Muslime vor. Sie belästigten und schikanierten die Muslime auf vielfältige Weise. Sie waren es auch, die eine Verschwörung zur Ermordung des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) schmiedeten. Aus all diesen Gründen sahen sich die Muslime gezwungen, militärische Feldzüge durchzuführen. Salam ibn Abu al-Huqayq und Usayr ibn Zarim, die Anführer unter den Verschwörern, mussten beseitigt werden. Die Verantwortung und Pflicht der Muslime gegenüber den Juden war in Wirklichkeit sogar noch größer. Doch die Erfüllung dieser Pflicht wurde hinausgezögert, weil die Quraisch stärker, besser organisiert, kriegserfahrener und ein furchterregenderer Gegner als die Juden waren.
Es war nicht möglich, die Juden zu bekämpfen und dabei die Quraisch zu ignorieren. Nach dem Friedensschluss mit den Quraisch entstand die Möglichkeit, sich den Juden zuzuwenden. Nun rückte der Tag ihrer Abrechnung näher.
Der Aufbruch nach Khaybar
Ibn Ishaq berichtet, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nach seiner Rückkehr von Hudaybiyya den gesamten Monat Dhul-Hiddscha und einige Tage des Monats Muharram in Medina blieb. Danach brach er in den verbleibenden Tagen des Monats Muharram nach Khaybar auf.
Die Korankommentatoren schreiben, dass der Sieg über Khaybar ein Versprechen Allahs war. Er sagte: „Allah hatte euch die Versprechung von reicher Beute gemacht, die ihr erlangen würdet. Er hat sie für euch beschleunigt.“ (Sure al-Fath, Vers 20)
Mit der Aussage, dass Er sie für euch beschleunigt habe, ist der Vertrag von Hudaybiyya gemeint. Mit der reichen Kriegsbeute ist Khaybar gemeint.
Die Zahl der muslimischen Soldaten
Die Heuchler und diejenigen mit schwachem Glauben blieben während der Reise nach Hudaybiyya zu Hause, anstatt den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu begleiten. Deshalb befahl Allah, der Herr der Welten, Seinem Gesandten diesbezüglich und sagte: „Wenn ihr auszieht, um Kriegsbeute zu erlangen, werden diejenigen, die zu Hause zurückgeblieben sind, sagen: ‚Lasst uns mit euch gehen.‘ Sie wollen Allahs Versprechen ändern. Sag: ‚Ihr werdet uns keineswegs begleiten können. Allah hat dies bereits zuvor verkündet.‘ Sie werden sagen: ‚Vielmehr hegt ihr Groll gegen uns.‘ Doch sie begreifen nur wenig.“ (Sure al-Fath, Vers 15)
Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nach Khaybar aufbrach, verkündete er, dass nur diejenigen ihn begleiten dürften, die tatsächlich Interesse am Dschihad hätten. Aufgrund dieser Ankündigung erhielten nur diejenigen die Erlaubnis mitzukommen, die unter dem Baum in Hudaybiyya am Treueid ar-Ridwan teilgenommen hatten. Ihre Zahl betrug eintausendvierhundert.
Während dieses Feldzugs wurde Saba ibn Arfata al-Ghifari die Verantwortung für die Verwaltung Medinas übertragen. Ibn Ishaq hingegen sagt, sie sei Numayla ibn Abdullah al-Laythi übertragen worden. Nach Ansicht der Forscher und Fachgelehrten ist jedoch die erstgenannte Aussage zuverlässiger. [Fath al-Bari, Band 7, S. 465; Zad al-Ma’ad, Band 2, S. 133]
Zu dieser Zeit war auch Abu Huraira nach Medina gekommen. Saba ibn Arfata, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, verrichtete gerade das Morgengebet. Nach dem Gebet ging Abu Huraira zu ihm. Er stellte ihm Reiseproviant bereit. Abu Huraira brach daraufhin auf, um zum geliebten Propheten zu gelangen. Als er dort ankam, hörte er, dass Khaybar unter die Herrschaft der Muslime gelangt war. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, beriet sich mit den Muslimen und gab Abu Huraira und seinen Gefährten ihren Anteil an der Kriegsbeute.
Die Aktivitäten der Heuchler zugunsten der Juden
Zu dieser Zeit setzten sich die Heuchler eifrig für die Juden ein. Der Anführer der Heuchler, ʿAbdullah ibn Ubayy, hatte bereits nach Khaybar Nachricht geschickt: „Muhammad kommt in eure Richtung, seid also wachsam. Bereitet euch vor und habt keine Angst. Ihr seid zahlreich und verfügt über viele Waffen. Muhammads Gefährten sind nicht zahlreich und zudem mittellos; auch die Waffen, die sie besitzen, sind nur sehr wenige.“ Nachdem die Bewohner Khaybars diese Nachricht erhalten hatten, entsandten sie Kinana ibn Abu al-Huqaiq und Hawdha ibn Qays zum Stamm der Banu Ghatafan, um Hilfe zu erbitten. Der Stamm der Banu Ghatafan war ein Verbündeter der Juden von Khaybar und unterstützte deren Verbündete gegen die Muslime. Die Juden hatten den Banu Ghatafan außerdem versprochen, ihnen die Hälfte der gesamten Erzeugnisse Khaybars zu geben, falls sie den Sieg über die Muslime erringen sollten.
Beschreibung der Wegverhältnisse
Auf dem Weg nach Khaybar überquerte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, den Berg „Uisr“. Dieser ist auch unter dem Namen „Asr“ bekannt. Danach durchquerte er die Ebene von Sabha und gelangte in die Ebene von Rajiʿ. Doch dieses Rajiʿ ist nicht jenes Rajiʿ, wo acht Gefährten aufgrund des Verrats von ʿAdal und Qara durch die Banu Lihyan den Märtyrertod erlitten.
Von Rajiʿ aus lag das Wohngebiet des Stammes Banu Ghatafan eine Tages- und eine Nachtreise entfernt. Die Banu Ghatafan waren dem Ruf der Juden gefolgt und bereits nach Khaybar aufgebrochen. Nachdem sie weitergezogen waren, hörten sie hinter sich Lärm. Sie glaubten, die Muslime hätten ihre Familien und ihre Viehherden angegriffen. Deshalb kehrten sie um und ließen Khaybar für die Muslime ungeschützt zurück.
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ließ zwei Gefährten, die den Weg kannten, zu sich kommen. Einer von ihnen hieß Husail. Er erkundigte sich bei ihnen nach einem geeigneten Weg, auf dem man Khaybar statt von Medina aus Richtung Syrien betreten konnte. Dadurch würde den Juden der Fluchtweg nach Syrien versperrt. Andererseits würde auch die erwartete Hilfe der Banu Ghatafan von dieser Seite kommen. Unter diesen Umständen würden sich die Muslime zwischen den Banu Ghatafan und den Juden befinden, und selbst wenn die Hilfe der Banu Ghatafan einträfe, könnte sie die Juden nicht erreichen.
Einer der Wegführer sagte: „O Gesandter Allahs, ich werde dich auf genau dem von dir gewünschten Weg führen.“ Der Wegführer ging voraus. Als sie an eine Kreuzung gelangten, sagte er: „O Gesandter Allahs, jeder dieser vier Wege führt nach Khaybar. Du kannst jeden beliebigen Weg nehmen und dorthin gelangen.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, fragte nach den Namen der Wege. Husail sagte: „Der erste Weg heißt Hazn, der zweite Shash, der dritte Hatib und der vierte Marhab.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, bevorzugte den letztgenannten, also den Weg Marhab. Die anderen drei Wege ließ er im Hinblick auf die Bedeutung ihrer Namen außer Acht. Schließlich wurde beschlossen, den Weg Marhab zu nehmen.
Einige Ereignisse auf dem Weg
(1) Hadhrat Salama ibn al-Akwa (möge Allah mit ihm zufrieden sein) berichtet: Wir brachen gemeinsam mit Allahs Gesandtem (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) nach Khaybar auf. Es wurde beschlossen, die Reise nachts anzutreten. Ein Mann kam zu Amir und sagte: „Amir, trag uns doch etwas vor.“ Amir war ein Dichter. Er stieg von seinem Reittier herab und begann, das folgende Gedicht vorzutragen.
„Wenn du nicht wärst, o Allah,
hätten wir niemanden zur Rechtleitung gefunden,
hätten wir weder gebetet noch Zakāt entrichtet.
Für dich opfern wir dieses Leben,
vergib uns, du, unser Herr,
lass uns im Kampf gegen die Feinde festen Fußes stehen.
Schenke uns Frieden, o erhabener Allah.“
Wenn der Kriegsschrei ertönt, erzittert dann nicht das Herz des Feindes?
Darauf haben wir unser Vertrauen gesetzt.“
Nachdem der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, dieses Gedicht gehört hatte, erkundigte er sich nach der Identität des Dichters. Ihm wurde mitgeteilt, dass es sich um Amir ibn al-Akwaʿ handelte. Der Gesandte Allahs sagte: „Möge Allah ihm Barmherzigkeit erweisen.“ Ein Gefährte bemerkte: „Nun ist Amirs Martyrium wohl unausweichlich**. Dabei wünschen wir uns doch, noch länger seine Gesellschaft** genießen zu können.“ [Sahih al-Buchari, Kapitel über den Feldzug von Chaibar, Bd. 2, S. 603; Sahih Muslim, Kapitel über den Feldzug von Dhu Qarad, Bd. 2, S. 115] Die edlen Gefährten wussten, dass ein Gefährte im Krieg den Märtyrertod erlitt, wenn der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, besonders für ihn um Vergebung bat. [Sahih Muslim, Bd. 2, S. 115] Im Fall des Gefährten Amir, Allahs Wohlgefallen auf ihm, geschah dies im Krieg von Chaibar. Deshalb sagten die Gefährten: Wenn er doch nur für ein langes Leben gebetet hätte, dann hätten wir ihn noch länger unter uns haben können.
2) In der Ebene von Sabha, ganz in der Nähe von Chaibar, verrichtete der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, das Nachmittagsgebet. Danach aß er. Es wurde nur Sattu gereicht. Auf seinen Befehl wurde das Sattu zum Verzehr zubereitet. Dann aß er selbst und ließ auch die Gefährten davon essen. Nach dem Essen erhob er sich zum Abendgebet. Zu dieser Zeit erneuerte er nicht die Gebetswaschung, sondern spülte nur den Mund aus. Die Gefährten taten es ihm gleich. [Sahih al-Buchari, Bd. 2, S. 603] Danach verrichtete er das Nachtgebet.
Das islamische Heer am Stadtrand von Chaibar
In der Nacht vor dem Morgen des Kampfes verbrachten die Muslime die Nacht am Stadtrand von Chaibar. Die Juden hatten davon nichts bemerkt. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, pflegte, wenn er nachts zu einem Volk gelangte, abzuwarten und nicht vor dem Morgen zu ihnen zu gehen. An jenem Tag verrichtete er im Morgengrauen, als es noch etwas dunkel war, das Morgengebet. Danach ritten die Muslime los und rückten auf Chaibar vor. Viele Bewohner von Chaibar waren mit Hacken auf den Schultern hinausgegangen, um auf den Feldern zu arbeiten. Als sie plötzlich die muslimischen Soldaten sahen, begannen sie schreiend davonzulaufen. Immer wieder riefen sie: „Bei Gott, Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ist mit seinem Heer eingetroffen!“ [al-Maghazi, al-Waqidi, Der Krieg von Chaibar, S. 112; Sahih al-Buchari, Kapitel über den Krieg von Chaibar, Bd. 2, S. 603–604]
Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, diesen Zustand sah, sagte er: „Allah ist am größten! Chaibar ist zugrunde gerichtet. Allah ist am größten! Chaibar ist zugrunde gerichtet.“ Wenn wir das Gebiet eines Volkes betreten, wird der Morgen der verängstigten Angehörigen dieses Volkes zu einem schlechten Morgen. [Sahih al-Buchari, Kapitel über den Krieg von Chaibar, Bd. 2, S. 603–604]
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, bestimmte einen Ort, an dem die Soldaten ihr Lager aufschlagen sollten. Habbab ibn al-Mundhir kam und fragte: „O Gesandter Allahs, hast du aufgrund eines Befehls Allahs beschlossen, hier Halt zu machen, oder hast du dich aus strategischen Gründen dafür entschieden?“ Er sagte: „Ich habe mich aus strategischen Gründen dafür entschieden.“ Als Hadhrat Habbab, Allahs Wohlgefallen auf ihm, dies hörte, sagte er: „Dieser Ort liegt sehr nahe bei der Festung Nadschat. Alle Kämpfer von Chaibar halten sich in dieser Festung auf. Sie werden unsere Lage vollständig erkennen können, während wir nichts über ihre Lage erfahren werden. Dadurch können sie ihre Strategie gegen uns einsetzen. Ihre abgeschossenen Pfeile werden uns erreichen, unsere abgeschossenen Pfeile jedoch nicht sie. Außerdem bleibt die Gefahr bestehen, dass sie uns nachts überraschend angreifen. Darüber hinaus gibt es rings um diesen Ort Palmenhaine, und das Gelände ist niedrig gelegen. Daher wäre es besser, wenn wir an einem Ort lagern könnten, an dem all diese Probleme nicht bestehen.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Deine Einschätzung ist richtig.“ Danach befahl der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, den Gefährten, Halt zu machen. Anschließend sprach er dieses Bittgebet vor Allah, dem Herrn der Welten: „O Allah, du bist der Herr der sieben Himmel und all dessen, worüber jene Himmel ihren Schatten breiten; du bist der Herr der sieben Erden und all dessen, was sich auf ihnen und unter ihnen befindet; du bist der Herr der Satane und all jener, die sie in die Irre geführt haben. Wir bitten dich um das Gute dieser Ortschaft, das Gute ihrer Bewohner und das Gute all dessen, was sich in ihr befindet. Und wir suchen bei dir Zuflucht vor dem Übel dieser Ortschaft, dem Übel ihrer Bewohner und dem Übel all dessen, was sich in ihr befindet.“
Darauf sagte Allahs Gesandter, Allahs Segen und Friede seien auf ihm: „Rückt im Namen Allahs vor.“ [Wegen dieser Augenkrankheit blieb er zurück und schloss sich später wieder allen an.]
Kriegsvorbereitungen und die Festungen von Khaibar
In der Nacht, in der der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, das Gebiet von Khaibar betrat, sagte er: „Morgen werde ich einem Mann das Banner geben, der Allah und Seinen Gesandten liebt und den auch Allah und Sein Gesandter lieben.“ Alle ehrwürdigen Gefährten erschienen vor Allahs Gesandtem. Jeder sehnte sich insgeheim danach, das Banner zu erhalten. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, fragte: „Wo ist Ali ibn Abu Talib?“ Die Gefährten antworteten: „O Gesandter Allahs, seine Augen sind erkrankt.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagte: „Bringt ihn her.“ Darauf wurde Ali, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, herbeigebracht.
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, trug etwas Speichel auf seine Augen auf und sprach ein Bittgebet für ihn. Ali, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, wurde so vollständig gesund, als hätte er niemals eine Augenkrankheit gehabt. Danach wurde Ali, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, das Banner übergeben. Er sagte: „O Gesandter Allahs, ich werde gegen sie kämpfen, bis sie so werden wie wir.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagte: „Zieh unbesorgt los. Wenn du auf ihr Kampfgebiet triffst, rufe sie zunächst zum Islam auf. Unterrichte sie über die Rechte Allahs, die ihnen durch den Islam auferlegt werden. Wenn Allah, der Erhabene, durch dich auch nur einen von ihnen rechtleitet, ist das für dich besser als eine große Zahl roter Kamele.“ [Sahih al-Buchari, Kapitel über den Krieg von Khaibar, S. 605–606. Aus einigen Überlieferungen geht hervor, dass mehrere Versuche, eine Festung von Khaibar zu erobern, scheiterten und danach Ali, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, das Banner übergeben wurde. Doch das ist wahr.]
Die Siedlungen von Khaibar waren in zwei Teile geteilt. Der eine Teil umfasste die folgenden fünf Festungen: 1. Hisn Na’im. 2. Hisn Scha’ba ibn Ma’adh. 3. Hisn Qilla az-Zubair. 4. Hisn Ubay. Und 5. Hisn Nizar.
Das Gebiet mit den ersten drei der genannten fünf Festungen wurde „Natat“ genannt. Das Gebiet mit den beiden anderen Festungen war unter dem Namen „Schaqq“ bekannt.
Die Siedlungen im zweiten Teil von Khaibar waren unter dem Namen Qatara bekannt. Dazu gehörten drei Festungen: Erstens Hisn Qamum. Die Bewohner dieser Festung gehörten zum Stamm der Banu Nadir und hielten sich in der Festung von Abu al-Huqaiq der Banu Nadir auf. Zweitens Hisn Atiha. Drittens Hisn Salalim.
Neben den genannten acht Festungen gab es in Khaibar noch weitere Festungen und Gebäude. Diese waren jedoch vergleichsweise klein. Hinsichtlich ihrer Stärke und ihrer Sicherheitsvorkehrungen waren sie nicht so geschützt wie die zuvor genannten Festungen.
Nur bei den Festungen des ersten Abschnitts wurde gekämpft. Drei der Festungen des anderen Abschnitts wurden trotz der Anwesenheit von Kämpfern kampflos den Muslimen übergeben.
Beginn des Konflikts und die Eroberung der Festung Na’im
Als erste der genannten acht Festungen wurde die Festung Na’im angegriffen. Aufgrund ihrer Lage und strategischen Bedeutung galten diese Festungen als die vorderste Verteidigungslinie der Juden. Der Besitzer dieser Festung war ein gefürchteter Jude namens Marhab, der als Held mit der Stärke und Kraft von tausend Männern galt.
Ali ibn Abu Talib begab sich mit den muslimischen Soldaten vor diese Festung und lud die Juden zum Islam ein. Sie lehnten die Einladung zum Islam ab. Unter der Führung ihres Königs Marhab stellten sie sich den Muslimen zum Kampf entgegen.
Als ein Held namens Marhab das Schlachtfeld betrat, forderte er zu einem Zweikampf auf. In der Überlieferung von Salama ibn al-Akwa heißt es: Nachdem wir in Khaybar angekommen waren, trat Marhab, der König der Bewohner von Khaybar, mit seinem Schwert prahlerisch vor. Auf seinen Lippen führte er dieses herausfordernde, in Versen vorgetragene Gedicht:
„Khaybar weiß: Marhab bin ich,
einzigartig bewaffnet und gerüstet, ein Held in der Kriegskunst,
ich setze meine Erfahrung ein; wenn das Feuer des Krieges aufflammt, brenne ich.“
Mein Onkel Hazrat Amir (r.a.) trat ihm entgegen. Er rezitierte:
„Khaybar kennt meinen Namen: Amir
ein mit Waffen gerüsteter, tapferer Krieger des Kampfes.“
Nachdem sie einander gegenüberstanden, versetzte jeder dem anderen einen Schlag. Marhabs geschärftes Schwert traf den Schild meines Onkels Amir. Mein Onkel wollte auch den jüdischen Krieger Marhab von oben nach unten schlagen, doch das Schwert war kurz. Als er nach Marhabs Oberschenkel schlagen wollte, prallte das Schwert ab und traf sein eigenes Knie. Schließlich starb er an diesem Schlag. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, hob zwei seiner gesegneten Finger und sagte: „Dafür erhält er zwei Arten von Belohnung.“ Hazrat Amir (r.a.) war ein einzigartiger, kriegserfahrener Mujahid. Nur wenige arabische Helden wie er haben je die Welt betreten. [Sahih Muslim, Kapitel über den Krieg von Khaybar, Band 2, S. 122; Ghazwa Dhatur-Riqa, Band 2, S. 115; Sahih al-Bukhari, Kapitel über den Krieg von Khaybar, Band 2, Hadith 603]
Nachdem Hazrat Amir (r.a.) verwundet worden war, trat Hazrat Ali (r.a.) Marhab entgegen. Er rezitierte dieses Gedicht:
„Wisst ihr, wer ich bin? Meine Mutter hat mir den Namen
Haider gegeben
Ich bin furchterregend wie der Tiger des Waldes“
Ich werde zuschlagen; mein Schlag ist der vollständigere.“
Danach versetzte Hazrat ʿAlī (möge Allah mit ihm zufrieden sein) Marhab einen solchen Schlag gegen den Hals, dass der niederträchtige Jude auf der Stelle sein Ende fand. Der Sieg wurde durch Hazrat ʿAlī (möge Allah mit ihm zufrieden sein) errungen. [Über denjenigen, der Marhab tötete, besteht Meinungsverschiedenheit. Auch darüber, an welchem Datum er getötet wurde und an welchem Datum diese Festung erobert wurde, gibt es unterschiedliche Auffassungen. Zwischen den Überlieferungen in Ṣaḥīḥ al-Buḫārī und Ṣaḥīḥ Muslim bestehen Unterschiede hinsichtlich des Ablaufs. Die obige Darstellung wurde entsprechend Ṣaḥīḥ al-Buḫārī wiedergegeben.]
Während des Kampfes kam Hazrat ʿAlī (möge Allah mit ihm zufrieden sein) zu einer Festung der Juden. Ein Jude fragte von oben aus der Festung: „Wer bist du?“ Hazrat ʿAlī (möge Allah mit ihm zufrieden sein) antwortete: „Ich bin ʿAlī ibn Abī Ṭālib.“ Der Jude sagte: „Bei dem Buch, das auf Hazrat Mūsā herabgesandt wurde: Ihr seid wahrlich groß geworden.“ Danach trat Yāsir, der Bruder Marhabs, vor und sagte: „Wer ist da, der gegen mich antreten wird?“ Auf diese Herausforderung antwortete Hazrat az-Zubair (möge Allah mit ihm zufrieden sein).
Als Hazrat az-Zubairs (möge Allah mit ihm zufrieden sein) Mutter, Hazrat Ṣafiyya (möge Allah mit ihr zufrieden sein), diese Szene sah, sagte sie: „O Gesandter Allahs, wird mein Sohn getötet werden?“ Der Gesandte Allahs sagte: „Nein, vielmehr wird dein Sohn ihn töten.“ Schließlich tötete Hazrat az-Zubair (möge Allah mit ihm zufrieden sein) Yāsir.
Danach kam es in der Nähe der Festung von Nāʿim zu einem heftigen Kampf. Die übrigen Juden wagten es nicht, den Muslimen entgegenzutreten. In einigen Büchern wird erwähnt, dass dieser Kampf mehrere Tage andauerte und die Muslime große Mühen auf sich nehmen mussten. Dennoch gelang es den Juden nicht, die Muslime zu besiegen. Daher verließen sie heimlich die Festung und flohen zur Festung Ṣaʿb. Daraufhin nahmen die Muslime die Festung Nāʿim ohne Mühe ein.
Die Eroberung der Festung von Ṣaʿb ibn Muʿādh
Nach der Eroberung der Festung Nāʿim war die Festung Ṣaʿb hinsichtlich Sicherheit und Stärke die zweituneinnehmbare Festung. Die Muslime griffen diese Festung unter der Führung von Hazrat Ḥubāb ibn al-Mundhir al-Anṣārī (möge Allah mit ihm zufrieden sein) an und belagerten sie drei Tage lang. Am dritten Tag betete der Gesandte Allahs besonders um die Eroberung dieser Festung.
Ibn Isḥāq berichtet, dass die Angehörigen von Banū Ṣāham, einem Zweig des Stammes Aslam, zum Gesandten Allahs kamen und klagten: „Wir sind völlig erschöpft, und wir haben nichts.“ Der Gesandte Allahs sagte zum Allbarmherzigen: „O Allah, Du kennst ihren Zustand. Du weißt, dass sie keine Kraft haben, und ich besitze nichts, was ich ihnen geben könnte. O Allah, hilf uns, indem Du uns eine Festung der Juden erobern lässt, deren Eroberung für uns den größten Nutzen bringt und in der die meisten Lebensmittel und die meiste Fettsubstanz zu finden sind.“ Nach dem Bittgebet des Gesandten Allahs griffen die Gefährten an. Allah, der Herr der Welten, schenkte den Muslimen die Ehre, die Festung Ṣaʿb ibn Muʿādh zu erobern. In keiner anderen Festung von Ḫaybar gab es mehr Lebensmittel und Fettsubstanz als in dieser Festung. [Ibn Hišām, Band 2, S. 232]
Nach dem Bittgebet erteilte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, den Muslimen Anweisungen bezüglich dieser Festung. Bei der Ausführung dieser Anweisungen waren die Angehörigen des Stammes Banū Aslam führend. Hier kam es vor der Festung zwischen beiden Seiten zu heftigen Kämpfen. Dennoch konnte sie noch an jenem Tag vor Sonnenuntergang erobert werden. Die Muslime erbeuteten in dieser Festung Geschütze und hölzerne Panzerwagen. [Hier wird das Wort „Dabbāba“ verwendet. Es bedeutet „Panzer“. Durch ein sicheres, geschlossenes Fahrzeug aus Holz konnten die Männer bis an die Festungsmauer gelangen und sich vor den Angriffen des Feindes schützen. Außerdem war damit vorgesehen, große Breschen in die Mauer zu schlagen.]
In der Überlieferung Ibn Isḥāqs wird in diesem Zusammenhang von heftigen Kämpfen berichtet. Nach der Eroberung der Festung schlachteten die Muslime Esel und stellten Kessel auf den Herd. Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, davon erfuhr, verbot er den Verzehr des Fleisches von Hauseseln.
Die Eroberung der Festung Zubair
Nach der Eroberung der Festungen Na’im und Sa’b verließen die Juden alle Festungen von Najat und versammelten sich in der Festung Zubair. Sie war eine sichere und befestigte Festung. Der Aufstieg zu dieser auf einem Berggipfel gelegenen Festung war äußerst beschwerlich. Es war völlig unmöglich, sie mit einem Reittier zu erklimmen, und selbst zu Fuß war der Aufstieg sehr schwierig. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, hielt die Festung drei Tage lang belagert. Danach kam ein wohlgesinnter Jude und sagte: „O Abū l-Qāsim, selbst wenn du die Festung einen Monat lang belagerst, werden die Juden sich keine Sorgen machen. Doch ihre Wasserquelle befindet sich unten. Nachts kommen sie herab, um Wasser zu trinken, und nehmen den für den ganzen Tag benötigten Wasservorrat mit hinauf. Wenn du ihnen das Wasser abschneiden kannst, werden sie sich unterwerfen.“ Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, davon erfuhr, sperrte er ihnen das Wasser ab. Da wurden die Juden aufmerksam. Sie stiegen herab und stürzten sich in einen heftigen Kampf. Dabei erlitten auch einige Muslime den Märtyrertod, und zehn jüdische Übeltäter wurden getötet. Schließlich fiel auch diese Festung.
Die Eroberung der Festung Ubai
Nach dem Fall der Festung Zubair begaben sich die Juden zur Festung Ubai und versammelten sich dort. Die Muslime belagerten auch diese Festung. Diesmal forderten zwei Juden, die stolz auf ihre Stärke waren, nacheinander ihre Gegner zum Zweikampf heraus. Beide wurden von den Muslimen getötet. Der zweite Jude wurde von dem berühmten rotbändigen Krieger und Gefährten Abū Duǧāna Simāk ibn Ḫaraša al-Anṣārī, möge Allah mit ihm zufrieden sein, getötet. Nachdem er den zweiten Juden getötet hatte, drang er rasch in die Festung ein.
Die Gefährten drangen gemeinsam mit ihm ein und griffen den Gegner an. Nach einiger Zeit heftiger Kämpfe begannen die Juden, sich aus der Festung zurückzuziehen. Schließlich versammelten sich alle in der Festung Nizar. Die Festung Nizar war die letzte Festung im ersten Abschnitt von Chaibar.
Die Eroberung der Festung Nizar
Auch diese Festung war gut geschützt und sicher. Die Juden waren fest davon überzeugt, dass die Muslime selbst mit größtem Einsatz nicht in diese Festung eindringen könnten. Deshalb hatten sie dort Frauen und Kinder versammelt und sie nicht in einer anderen Festung untergebracht.
Die Muslime verhängten über diese Festung eine strenge Belagerung und setzten die Juden unter Druck. Da die Festung in einem hochgelegenen Berggebiet lag, gelang es den Muslimen nicht, in sie einzudringen. Die Juden wagten es ebenfalls nicht, die Festung zu verlassen und sich den Muslimen entgegenzustellen. Doch von oben aus leisteten sie heftigen Widerstand, indem sie Pfeile und Steine herabschleuderten.
Da die Eroberung der Festung Nizar schwierig war, befahl der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Belagerungsgeschütze einzusetzen. Auch mehrere Geschosse wurden abgefeuert. Dadurch entstanden Löcher in den Festungsmauern. Durch diese Öffnungen drangen die Muslime ins Innere ein. Danach kam es innerhalb der Festung zwischen beiden Seiten zu heftigen Kämpfen. Im Kampf wurden die Juden besiegt. Wie aus den anderen Festungen flohen die Juden auch aus dieser Festung heimlich. Sie retteten ihr Leben, indem sie Frauen und Kinder der Gnade der Muslime überließen.
Mit der Eroberung dieser starken Festung eroberten die Muslime die erste Hälfte von Chaibar, nämlich die Gebiete Nataat und Schiq. Dort gab es noch einige weitere kleine Festungen. Nach dem Fall dieser Festung räumten die Juden jedoch auch die anderen Festungen und flohen in Richtung Qatiba, des zweiten Teils von Chaibar.
Die Eroberung des zweiten Teils von Chaibar
Nach der Eroberung der Gebiete Nataat und Schiq brach der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in Richtung der Gebiete Kutaiba, Atiih und Salalim auf. Salalim war die Festung des berüchtigten jüdischen Abu al-Huqaiq vom Stamm der Banu Nadir. Auch alle Juden, die aus den Gebieten Nataat und Schiq geflohen waren, waren inzwischen hier eingetroffen und hatten die Festungstore verschlossen.
In den Werken, die Berichte über die Kriegszüge enthalten, herrscht Uneinigkeit darüber, in welcher der drei Festungen dieses Gebiets gekämpft wurde. In der Überlieferung Ibn Ishaqs wird ausdrücklich erwähnt, dass um die Eroberung der Festung Qamus gekämpft wurde. Auch aus dem Bericht geht hervor, dass diese Festung durch Kampf erobert wurde. Vonseiten der Juden fanden hier auch keine Verhandlungen über eine Kapitulation statt. [Ibn Hischam, Bd. 2, S. 331, 336, 337]
Al-Waqidi schreibt unmissverständlich, dass alle drei Festungen dieses Gebiets den Muslimen durch Verhandlungen übergeben wurden. Wahrscheinlich wurde über die Übergabe der Festung Qamus nach einigen Kämpfen verhandelt. Die beiden anderen Festungen hingegen wurden den Muslimen ohne Kampf übergeben.
Nachdem der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in dieses Gebiet, nämlich Qutayba, gekommen war, belagerte er dessen Bewohner streng. Die Belagerung dauerte vierzehn Tage an. Die Juden kamen nicht aus ihrer Festung heraus. Daraufhin befahl der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, den Einsatz von Katapulten. Als die Juden erkannten, dass ihre Vernichtung durch den Beschuss mit Katapultgeschossen unausweichlich war**, traten sie mit dem Gesandten Allahs in Verhandlungen über einen Friedensvertrag ein.
Verhandlungen über den Friedensvertrag
Zunächst ließ Ibn Abu al-Huqaiq dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ausrichten: „Darf ich zu dir kommen und mit dir sprechen?“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Ja.“ Nachdem er die Erlaubnis erhalten hatte, unterbreitete Abu al-Huqaiq einen Friedensvorschlag unter der Bedingung, dass den Soldaten in der Festung das Leben geschenkt werde und ihre Ehefrauen, Söhne und Töchter bei ihnen bleiben dürften. Das heißt, sie würden nicht als Sklaven und Sklavinnen der Muslime gefangen genommen werden. Sie würden ihren gesamten Besitz – Gold und Silber, Land, Pferde, Rüstungen und dergleichen – dem Gesandten Allahs überlassen und nur ihre Kleidung mitnehmen. [In Sunan Abu Dawud wird erwähnt, dass der Gesandte Allahs unter der Bedingung zugestimmt habe, dass die Juden so viel Besitz wie möglich auf ihren Reittieren mitnehmen durften. Siehe Abu Dawud, Band 2, im Abschnitt über Khaybar, S. 76.] Nachdem der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, diesen Vorschlag angehört hatte, sagte er: „Wenn ihr etwas verbergt, werden Allah, der Erhabene, und Sein Gesandter dafür nicht verantwortlich sein.“ Die Juden akzeptierten diese Bedingung, und der Friedensvertrag kam zustande. Damit wurde die Eroberung von Khaybar endgültig besiegelt.
Verrat und seine Bestrafung
Unter Verletzung der Bedingungen des Friedensvertrags versteckten die beiden Söhne Abu al-Huqaiqs beträchtliche Reichtümer. Sie versteckten eine Lederdecke, in der sich der Schatz und die Schmuckstücke von Huyayy ibn Akhtab befanden. Huyayy ibn Akhtab hatte diesen Schmuck bei der Vertreibung der Banu Nadir aus Medina mit sich genommen.
Ibn Ishaq schrieb, dass Kinana ibn Abu al-Huqaiq vor den Gesandten Allahs gebracht wurde. Er besaß den Schatz der Banu Nadir. Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ihn jedoch befragte, leugnete er es direkt. Auf die Frage, wo der Schatz verborgen sei, antwortete er, dass er es nicht wisse. Später kam ein Jude und sagte: „Ich habe Kinana jeden Tag in einem verlassenen Gebiet umhergehen sehen.“ Nachdem der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, davon erfahren hatte, sagte er zu Kinana: „Wenn bei dir ein Schatz gefunden wird, werden wir dich töten. Sag, bist du damit einverstanden?“ Kinana antwortete: „Ja, ich bin einverstanden.“ Daraufhin befahl der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, das bezeichnete verlassene Gebiet auszugraben. Dort wurde ein Teil des Geldes und des Besitzes gefunden. Auf die Frage des Gesandten Allahs nach dem übrigen Schatz erklärte er, nichts davon zu wissen. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, übergab Kinana an Zubair und sagte: „Bestrafe ihn, damit alles, was sich bei ihm befindet, in unsere Hände gelangt.“ Zubair bestrafte Kinana streng. Er war dem Tod nahe, verriet jedoch trotzdem nichts. Danach übergab der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, den Übeltäter Muhammad ibn Maslama. Dieser tötete ihn als Vergeltung für die Ermordung seines Bruders Mahmud ibn Maslama. Mahmud hatte nahe der Festung Naim im Schatten eines Baumes gesessen, als dieser jüdische Übeltäter Kinana plötzlich einen Mühlstein von oben auf ihn fallen ließ und Mahmud dadurch tötete.
Ibn al-Qayyim berichtete, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die beiden Söhne Abu al-Huqaiqs töten ließ, nachdem Kinanas Cousin gegen beide bezeugt hatte, dass sie Besitz verborgen hatten.
Danach nahm der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Safiyya, die Tochter Huyayy ibn Akhtabs, gefangen. Sie stand unter der Obhut Kinana ibn Abu al-Huqaiqs. Damals war sie noch eine Braut. In diesem Zustand wurde sie fortgeführt. [1616]
Verteilung der Beutegüter
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, beabsichtigte, die Juden aus Chaibar auszuweisen. Dies wurde auch in den Vertrag aufgenommen. Doch die Juden sagten: „O Muhammad, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, lass uns in diesem Land bleiben; wir werden es bewirtschaften und betreuen. Wir kennen dieses Gebiet besser als ihr.“
Der Gesandte Allahs verfügte jedoch nicht über genügend Sklaven, die dieses Land bebauen und betreuen konnten. Auch unter den ehrwürdigen Gefährten gab es nicht genügend Männer, die diese Arbeit verrichten konnten. Aus diesen Gründen überließ der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, den Juden das Land von Chaibar im Rahmen einer Teilpacht. Dabei wurde vereinbart, dass die Muslime die Hälfte der Ernte erhalten würden. Die Juden sollten diese Möglichkeit so lange gewähren, wie der Gesandte Allahs es wünschte; wann immer er es wollte, würde er sie ausweisen. Danach wurde der ehrwürdige ʿAbdullah ibn Rawāha zum Verwalter des Landes von Chaibar ernannt.
Die Aufteilung von Chaibar erfolgte folgendermaßen: Das gesamte Land wurde in 36 Teile aufgeteilt. Jeder Teil bestand aus hundert Anteilen. So wurde das gesamte Land in 3600 Anteile aufgeteilt. Die Hälfte davon, also 1800 Anteile, war für die Muslime bestimmt. Wie jeder gewöhnliche Muslim hatte auch der Gesandte Allahs nur einen einzigen Anteil. Die übrigen 1800 Anteile hielt der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, für die allgemeinen Bedürfnisse der Muslime und zur Bewältigung unvorhergesehener Probleme zurück. Der Grund für die Aufteilung in 1800 Anteile war, dass das Land von Chaibar eine besondere Gabe Allahs für die Teilnehmer an al-Hudaibiyya war.
Diese Gabe galt sowohl für die Anwesenden als auch für die Abwesenden. Die Zahl der Teilnehmer an al-Hudaibiyya betrug 1400. Als sie nach Chaibar kamen, brachten sie 200 Pferde mit. Auch für das Pferd wurde zusätzlich zum Reiter ein Anteil bestimmt. Der Anteil des Pferdes war doppelt so groß wie der eines Soldaten. Aus diesem Grund wurde Chaibar in 1800 Anteile aufgeteilt. Dadurch erhielten die 600 Reiter jeweils drei Anteile, während die 1200 Fußsoldaten jeweils einen Anteil erhielten. [Zād al-Maʿād, Band 2, S. 137–138]
Über den Reichtum an Beute, der in Chaibar erlangt wurde, findet sich ein Bericht in einem Hadith von al-Buchārī. Marbi ibn ʿUmar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) berichtet: „Bis zur Eroberung von Chaibar waren wir nie satt geworden.“ Die ehrwürdige ʿĀischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) sagte: „Nach dem Sieg über Chaibar sagten wir zueinander: Von nun an werden wir Datteln essen können, bis wir satt sind.“ [Sahih al-Buchārī, Band 3, S. 609]
Nachdem der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, nach Medina zurückgekehrt war, gaben die Auswanderer den Ansār die ihnen von den Ansār überlassenen Dattelpalmen zurück. Denn in Chaibar hatten sie Eigentum und die Besitzrechte an Dattelpalmen erworben. [Zād al-Maʿād, Band 2, S. 128; Sahih Muslim, Band 2, S. 96]
Die Ankunft einiger Gefährten
In diesem Feldzug kam Hadhrat Dschafar ibn Abu Talib in den Dienst des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Bei ihm waren auch die aschʿaritischen Muslime, nämlich Hadhrat Abu Musa al-Aschʿari (möge Allah mit ihm zufrieden sein), sowie seine Freunde und Gefährten.
Hadhrat Abu Musa al-Aschʿari (möge Allah mit ihm zufrieden sein) berichtet: Während ich im Jemen lebte, erhielt ich Nachricht vom Erscheinen des Gesandten Allahs. Zusammen mit meinen beiden Brüdern und fünfzig Angehörigen unseres Stammes bestieg ich ein Schiff, um zum Gesandten Allahs zu reisen. Doch das Schiff brachte uns nach Abessinien. Dort trafen wir Hadhrat Dschafar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) und seine Gefährten. Sie teilten uns mit, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sie dorthin geschickt und ihnen befohlen hatte, dort zu bleiben, und sagten: „Bleibt auch ihr bei uns.“ So blieben wir dort. Nachdem der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Chaibar erobert hatte, kamen wir zu ihm. Er gab auch uns einen Anteil. Außer uns erhielt kein anderer Muslim, der in Chaibar abwesend gewesen war, einen Anteil an Chaibar. Nur die Teilnehmer des Feldzugs erhielten einen Anteil an der Kriegsbeute. Zusammen mit Hadhrat Dschafar und seinen Gefährten erhielten auch die Schiffsleute unseres Schiffes einen Anteil. Die Kriegsbeute wurde unter all diesen Personen verteilt. (Buchari, Band 1; Fath al-Bari, Band 4)
Die Heirat mit Hadhrat Safiyya
Wie bereits erwähnt, wurde Hadhrat Safiyya, nachdem ihr Ehemann wegen des Vorwurfs des Verrats getötet worden war, den gefangenen Frauen zugeordnet. Nachdem die gefangenen Frauen zusammengebracht worden waren, bat Hadhrat Dihya ibn Chalifa al-Kalbi (möge Allah mit ihm zufrieden sein) den Gesandten Allahs um eine Sklavin. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Geh und wähle eine aus.“ Hadhrat Dihya wählte Hadhrat Safiyya. Daraufhin kam ein Mann und sagte: „O Gesandter Allahs, du hast dir für Dihya die Anführerin der Stämme Banu Quraiza und Banu Nadir ausgesucht, obwohl sie doch nur für dich angemessen ist.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Ruft beide herbei.“ Beide kamen. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte zu Hadhrat Dihya: „Wähle eine andere Sklavin.“ Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Hadhrat Safiyya zum Islam einlud, nahm sie den Islam freudig an. Danach befreite er Hadhrat Safiyya und machte ihre Befreiung zu ihrer Morgengabe und heiratete sie. Auf dem Weg nach Medina schmückte Hadhrat Umm Sulaim (möge Allah mit ihr zufrieden sein) Hadhrat Safiyya. Am nächsten Morgen bewirtete der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die Gefährten mit Datteln, Butterschmalz und geröstetem Mehl. (Sahih Buchari, Band 1, S. 54; Zad al-Maʿad, Band 2, S. 137) Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, eine Spur in Hadhrat Safiyyas Gesicht sah, fragte er nach ihrem Grund. Hadhrat Safiyya sagte: „O Gesandter Allahs, bevor du nach Chaibar aufbrachst, träumte ich, dass der Mond vom Himmel in meinen Schoß fiel. Als ich meinem Ehemann am Morgen von diesem Traum erzählte, gab er mir eine Ohrfeige und sagte: ,Willst du etwa den König von Medina haben?‘“ (Sahih Buchari; Zad al-Maʿad; Ibn Hischam)
Der Vorfall mit dem vergifteten Fleisch
Nach dem Sieg über Chaibar fühlte sich der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in Sicherheit. Zu dieser Zeit schickte Zaynab bint al-Harith, die Ehefrau von Salam ibn Mischkam, ihm als Geschenk gebratenes Schaffleisch. Die Frau hatte zuvor herausgefunden, welchen Teil des Schafes der Gesandte Allahs am liebsten mochte. Nachdem sie dies erfahren hatte, mischte sie in den bevorzugten Teil besonders viel Gift und gab auch in die anderen Teile Gift. Dann brachte sie das vergiftete Fleisch vor den Gesandten Allahs und stellte es vor ihn. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nahm ein Stück des bevorzugten Teils in den Mund, spuckte es jedoch aus, sobald er darauf gekaut hatte. Danach sagte er: „Dieser Knochen, den du siehst, teilt mir mit, dass Gift in mir ist.“ Zaynab wurde herbeigerufen und befragt; sie gestand. Er sagte: „Warum hast du das getan?“ Die Frau antwortete: „Ich dachte: Wenn dieser Mann ein König ist, werden wir von seiner Herrschaft befreit werden; und wenn dieser Mann ein Prophet ist, wird ihm mitgeteilt werden, dass ich ihn vergiftet habe.“ Nachdem der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, dieses unverhohlene Geständnis gehört hatte, vergab er der Frau.
Bei diesem Vorfall war auch Hadhrat Bischr ibn al-Bara ibn Maʿrur beim Gesandten Allahs. Er hatte einen Bissen gegessen und starb infolge der Vergiftung.
Es besteht Uneinigkeit darüber, ob der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, dieser Frau vergeben oder sie töten ließ. Die verschiedenen Überlieferungen werden folgendermaßen miteinander in Einklang gebracht: Obwohl der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ihr zunächst vergab, ordnete er nach dem Tod Hadhrat Bischrs ihre Tötung als Vergeltungsmaßnahme an. (Zad al-Maʿad, Band 2, S. 139; Fath al-Bari, Band 7, S. 497; Ibn Hischam, Band 2, S. 337)
Die im Kampf von Chaibar Getöteten
Bei diesem Feldzug wurden zu verschiedenen Zeitpunkten 16 Menschen zu Märtyrern. Darunter waren vier Quraischiten, einer aus dem Stamm Aschdschāʿ, einer aus dem Stamm Aslam, einer aus der Bevölkerung von Chaibar und neun Ansār.
Nach einer anderen Überlieferung wurden bei diesem Feldzug insgesamt 18 Menschen zu Märtyrern. Allāma Mansurpuri schreibt von 19 Personen. Allerdings erwähnt er an anderer Stelle, dass die Verfasser der Sīra 15 Personen nennen. Bei meinen Nachforschungen fand ich die Namen von 23 Personen. Den Namen Dschanīf ibn Wāʾila erwähnt nur al-Wāqidī. Den Namen Dschanīf ibn Hanīf erwähnt at-Tabarī. Baschār ibn Barā ibn Maʿrūr starb, nachdem er nach dem Ende des Kampfes vergiftetes Fleisch gegessen hatte. Über Baschār ibn ʿAbd al-Mundhir gibt es zwei Überlieferungen. Einer Überlieferung zufolge wurde er in der Schlacht von Badr zum Märtyrer, einer anderen zufolge in der Schlacht von Chaibar. Meiner Ansicht nach ist die zuerst genannte Überlieferung zuverlässig. [Zād al-Maʿād, 2. Band, S. 139; Fath al-Bārī, 7. Band, S. 497; Ibn Hischām, 2. Band, S. 337] Die Zahl der getöteten Juden betrug hingegen 93.
Fadak
Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Chaibar erreichte, sandte er Muhayyisa ibn Masʿūd, um die Menschen zum Islam einzuladen. Die Bewohner von Fadak zögerten jedoch, den Islam anzunehmen. Nachdem Chaibar unter die Herrschaft der Muslime gelangt war, breitete sich dies unter den Bewohnern von Fadak aus. Sie entsandten eine Delegation zum Gesandten Allahs und unterbreiteten ihm den Vorschlag einer Einigung unter der Bedingung, dass sie wie in Chaibar die Hälfte der Ernte abgeben würden. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nahm dies an. Dadurch wurde das Land von Fadak ausschließlich für den Gesandten Allahs bestimmt, denn die Muslime waren nicht zu einem Feldzug gegen Fadak aufgebrochen; Fadak war also nicht durch die Gewalt des Schwertes erobert worden. [Ibn Hischām, 1. Band, S. 337]
Wādī al-Qurā
Nach dem Feldzug von Chaibar brach der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in Richtung Wādī al-Qurā auf. Auch dort lebte eine Gruppe von Juden. Eine Gruppe von Arabern schloss sich ihnen an. Als die Muslime dort ankamen, begrüßten die Juden sie mit Pfeilen. Sie hatten sich bereits in Reihen aufgestellt. Durch den Pfeilbeschuss der Juden wurde ein Diener des Gesandten Allahs getötet. Die Gefährten sagten: „Das Paradies sei ihm beschieden.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Keineswegs! Bei Demjenigen, in Dessen Hand mein Leben liegt: Das Tuch, das jener Diener vor der Verteilung der Beute des Kampfes von Chaibar gestohlen hatte, umgibt ihn nun als Feuer.“ [Sahīh al-Buchārī, 2. Band, S. 607]
Danach stellte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die Gefährten für den Kampf auf. Saʿd ibn ʿUbāda wurde zum Befehlshaber ernannt. Hubāb ibn al-Mundhir erhielt eine kleine Fahne und ʿUbāda ibn Bischr eine weitere Fahne. Danach lud der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die Juden zum Islam ein. Sie nahmen ihn nicht an. Einer von ihnen trat zum Kampf vor. Seitens der Muslime trat az-Zubair ibn al-ʿAwwām, möge Allah mit ihm zufrieden sein, vor und tötete den Juden. Als ein anderer Jude hervortrat, tötete ihn az-Zubair ebenfalls. Als ein dritter Jude hervortrat, trat ʿAlī, möge Allah mit ihm zufrieden sein, ihm entgegen und tötete auch ihn. Auf diese Weise wurden nacheinander elf Juden getötet. Jedes Mal, wenn ein Jude getötet worden war, lud der Gesandte Allahs die übrigen Juden zum Islam ein.
Wenn die Zeit des Gebets gekommen war, verrichtete der Gesandte Allahs gemeinsam mit den ehrwürdigen Gefährten das Gebet und wandte sich danach den Juden gegenüber zu, um sie zum Islam einzuladen. Während sie auf diese Weise weiterkämpften, wurde es Abend. Am nächsten Morgen erschien der Gesandte Allahs erneut mit den Gefährten, um den Juden entgegenzutreten. Die Sonne war noch nicht hoch gestiegen. Zu diesem Zeitpunkt ergaben sich die Juden und übergaben die Beute.
Der Gesandte Allahs blieb vier Tage in Wadi al-Qura. Er verteilte die erbeuteten Vermögenswerte unter den Gefährten. Das Land und die Dattelgärten jedoch ließ er bei den Juden. Diesbezüglich wurde ein Abkommen ähnlich dem mit den Juden von Khaybar geschlossen. [Zad al-Ma’ad, Bd. 2, S. 146–147]
Tayma
Die Juden von Tayma erfuhren von der Niederlage und der Unterwerfung der Juden von Khaybar, Fadak und Wadi al-Qura beziehungsweise aus der Gegend von Qura. Daraufhin entsandten sie selbst eine Delegation und schlugen einen Friedensvertrag vor. Der Gesandte Allahs nahm ihren Vorschlag an. [Ebenda, dieselbe Seite] Der Gesandte Allahs ließ diesbezüglich auch einen Vertrag aufsetzen. Der Vertrag lautete, dass diese Schrift vom Gesandten Allahs, Muhammad, für die Banu Tayma ausgestellt worden sei. Ihnen obliegt eine Verpflichtung. Sie müssen die Dschizya entrichten. Ihnen wird kein Unrecht zugefügt, und sie werden auch nicht aus dem Land vertrieben. Dieser Vertrag gilt als dauerhaft. Die Worte des Vertragsdokuments schrieb Khalid ibn Sa’id nieder (möge Allah mit ihm zufrieden sein).
Die Rückkehr nach Medina
Danach brach der Gesandte Allahs nach Medina auf. Auf der Rückreise, als sie in die Nähe einer Ebene gelangten, riefen die Gefährten laut den Takbir. Sie sagten: „Allahu akbar, Allahu akbar, la ilaha illallah.“ Der Gesandte Allahs sagte: „Das braucht ihr nicht so laut zu sagen. Ihr ruft weder einen Tauben noch ein abwesendes Wesen an, sondern ein Wesen, das hört und nahe ist.“
Nach einer nächtlichen Reise auf dem Rückweg rasteten sie im letzten Teil der Nacht an einem Ort. Der Gesandte Allahs hatte zu Bilal gesagt: „Du bleibst wach und weckst uns zur Zeit des Morgengebets.“ Bilal (möge Allah mit ihm zufrieden sein) saß nach Osten gewandt und an sein Reittier gelehnt. Doch aufgrund der Erschöpfung von der Reise schlief auch er irgendwann ein. Niemand konnte zur Gebetszeit aufwachen. Als Erster erwachte der Gesandte Allahs. Er weckte die Gefährten und ging von jenem Ort ein Stück weiter. Danach verrichtete er mit den Gefährten das Morgengebet. Es heißt, dass sich dieses Ereignis während der zweiten Reise ereignet habe. [Ibn Hischam, Bd. 2, S. 340]
Betrachtet man den Verlauf der Ereignisse von Khaybar, so zeigt sich, dass der Gesandte Allahs gegen Ende des Monats Safar im siebten Jahr nach der Hidschra im Monat Rabi al-awwal zurückkehrte.
Expedition von Aban ibn Saʿid
Der Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, wusste sehr wohl, dass es weder von Weitsicht noch von Klugheit zeugte, Medina nach dem Ende der heiligen Monate ungeschützt zurückzulassen. Denn in der Umgebung Medinas lebten viele Beduinen, die auf die Unachtsamkeit der Muslime warteten, um Plünderungen und Raubüberfälle zu verüben. Daher entsandte der Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, beim Aufbruch zum Feldzug gegen Chaibar unter dem Befehl von Aban ibn Saʿid, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, ein Heer in Richtung Nadschd, um die Beduinen in Angst und Schrecken zu versetzen. Als Aban ibn Saʿid nach Erfüllung seines Auftrags zurückkehrte, traf er in Chaibar mit dem Gesandten Allahs zusammen. Zu jener Zeit war Chaibar bereits erobert worden.
Diese Sariyya, also diese kleinere militärische Expedition, wurde im Monat Safar des siebten Jahres nach der Hidschra entsandt. In Sahih al-Buchari wird dieses Ereignis erwähnt. [Buchari, Kapitel über den Krieg von Chaibar, Bd. 2, S. 608–609] Hafiz Ibn Hadschar al-Asqalani schrieb allerdings: „Über diese militärische Expedition konnte ich nichts in Erfahrung bringen.“ [Fath al-Bari, Bd. 7, S. 491]
Expedition von Dhat ar-Riqa
Nachdem der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zwei der drei Kräfte der Grabenschlacht unter seine Kontrolle gebracht hatte, erhielt er die Gelegenheit, sich der dritten Kraft zuzuwenden. Diese bestand aus Beduinen. Sie lebten in Zelten in den Ebenen von Nadschd. Plünderungen waren ihre Lebensgrundlage.
Die Beduinen waren weder Bewohner eines Dorfes noch einer Stadt. Sie lebten nicht in Häusern oder Festungen. Daher war es schwierig, sie wie die Bewohner von Mekka und Chaibar unter Kontrolle zu bringen und das Feuer ihrer Räuberei vollständig zu löschen. Es war lediglich notwendig, Maßnahmen zu ergreifen, die ihnen Angst und Schrecken einjagten.
Um all diese Beduinen zu beeinflussen und die in der Umgebung Medinas versammelten Beduinen auseinanderzutreiben, führte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, eine lehrreiche Expedition durch. Diese Expedition ist als die Expedition von Dhat ar-Riqa bekannt.
Die Verfasser der Sira-Werke erwähnen, dass diese Expedition im vierten Jahr nach der Hidschra durchgeführt wurde. Imam Buchari, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, berichtet jedoch, dass sie im siebten Jahr nach der Hidschra stattfand. Dass Abu Huraira, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, und Abu Musa al-Aschari, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, an dieser Expedition teilnahmen, beweist eindeutig, dass dieses Ereignis nach dem Krieg von Chaibar stattfand. Denn Abu Huraira nahm den Islam in Medina an, nachdem der Gesandte Allahs zu seinem Feldzug gegen Chaibar aufgebrochen war. Danach begab er sich nach Chaibar und traf dort mit dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zusammen. Bis dahin war die Eroberung Chaibars bereits abgeschlossen. Auch Abu Musa al-Aschari war zu jener Zeit aus Abessinien nach Chaibar zum Gesandten Allahs gelangt; dies geschah irgendwann nach der Eroberung Chaibars.
Das Wesentliche dessen, was die Verfasser der Sīra über diesen Feldzug erwähnt haben, ist Folgendes: Nachdem der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, erfahren hatte, dass sich die beiden Zweige der Banū Ghatafān, Banū Thaʿlaba und Banū Muḥārib, versammelt hatten, übertrug er die Verantwortung für die Verwaltung Medinas entweder Ḥaḍrat Abū Dharr al-Ghifārī, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, oder – einer anderen Überlieferung zufolge – Ḥaḍrat ʿUthmān ibn ʿAffān, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm. Danach brach er mit vierhundert – einer anderen Angabe zufolge siebenhundert – Gefährten in Richtung Nadschd auf. Als sie Nakhla erreichten, einen zwei Tagesreisen von Medina entfernten Ort, trafen sie auf eine Gruppe von Angehörigen der Banū Ghatafān. Es kam jedoch nicht zum Kampf. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, verrichtete dort allerdings das Furchtgebet.
Im Ṣaḥīḥ al-Buḫārī wird von Ḥaḍrat Abū Mūsā al-Aschʿarī, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, überliefert, dass er sagte: „Ich brach gemeinsam mit dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, auf. Wir waren sechs Personen. Wir besaßen nur ein Kamel und ritten abwechselnd auf seinem Rücken. Dadurch bekamen wir vom vielen Gehen Blasen an den Füßen. Meine beiden Füße wurden wund, und ich verletzte mir die Zehennägel. Deshalb verbanden wir unsere Füße. Dhāt ar-Riqāʿ bedeutet ‚die mit Verbänden versehene‘, denn während dieses Feldzugs verbanden wir unsere Füße.“ Ṣaḥīḥ al-Buḫārī, Kapitel über den Feldzug von Dhāt ar-Riqāʿ, Bd. 2, S. 592; Ṣaḥīḥ Muslim, Kapitel über Dhāt ar-Riqāʿ, Bd. 2, S. 118.
Im Ṣaḥīḥ al-Buḫārī wird von Ḥaḍrat Jābir, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, überliefert: „Während des Feldzugs von Dhāt ar-Riqāʿ waren wir beim Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Es war üblich, dass wir, wenn wir unter einen schattenspendenden Baum kamen, dessen Schatten für den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, freihielten. Einmal ruhte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, unter einem schattenspendenden Baum, während sich die Gefährten hierhin und dorthin zerstreut hatten. Er hängte sein Schwert an einen Ast des Baumes und schlief während seiner Ruhepause ein. Ḥaḍrat Jābir sagte: ‚Wir waren ebenfalls alle eingeschlafen. Inzwischen kam ein Götzendiener, nahm das Schwert des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in die Hand und sagte: „Fürchtest du mich?“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, antwortete mit fester Stimme: „Nein, überhaupt nicht.“ Der Götzendiener sagte: „Wer wird dich vor mir schützen?“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, antwortete: „Allah, der Erhabene.“‘
Ḥaḍrat Jābir, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, sagte: „Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, rief uns. Als wir zu ihm kamen, sahen wir einen fremden Mann dasitzen, der ein Schwert in der Hand hielt. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: ‚Ich lag da, als dieser Mann mein Schwert nahm und mich fragte: „Wer wird dich vor mir schützen?“ Ich antwortete: „Allah wird mich schützen.“ Dieser ist jener Mann.‘ Danach sagte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, kein einziges hartes Wort zu ihm.
In der Überlieferung von Abū ʿAwāna wird außerdem erwähnt, dass das Schwert dem Mann aus der Hand fiel, sobald der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Allah, der Erhabene, wird mich schützen.“ Darauf nahm der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, das Schwert in die Hand und sagte zu dem Mann: „Nun sag: Wer wird dich schützen?“ Der Mann antwortete: „Auf Ihre Barmherzigkeit setze ich meine Hoffnung.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Bezeuge, dass es keine Gottheit außer Allah gibt und dass Muḥammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Sein Gesandter ist.“ Der Mann sagte: „Ich verspreche Ihnen, dass ich nicht gegen Sie kämpfen und keinerlei Hilfe gegen diejenigen leisten werde, die gegen Sie kämpfen.“ Jābir, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, erwähnte, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, den Mann später freiließ. Der Mann ging zu seinem Volk und sagte: „Ich komme von dem besten aller Menschen zu euch.“ Mukhtaṣar as-Sīra, Scheich ʿAbdullāh an-Naǧdī, S. 264; Fatḥ al-Bārī, Bd. 7, S. 416.
In einer Überlieferung des Ṣaḥīḥ al-Buḫārī wird erwähnt, dass zum Gebet gerufen wurde und der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, eine Gruppe von Gefährten zwei Rakʿa beten ließ. Danach traten sie zurück, und er ließ eine andere Gruppe von Gefährten zwei Rakʿa beten. Somit verrichtete der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, vier Rakʿa, während die Gefährten zwei Rakʿa verrichteten. Ṣaḥīḥ al-Buḫārī, Bd. 1, S. 407–408; Bd. 2, S. 593. Aus der Reihenfolge dieser Überlieferung ist ersichtlich, dass dieses Gebet unmittelbar nach dem erwähnten Ereignis verrichtet wurde.
In einer Überlieferung des Ṣaḥīḥ al-Buḫārī wird erwähnt, dass dieser Mann Ghawrath ibn al-Ḥārith hieß. Diese Überlieferung wurde von Musaddad über Abū ʿAwāna und von Abū ʿAwāna über Abū Bis̆r überliefert. Ṣaḥīḥ al-Buḫārī, Bd. 2, S. 593.
Ibn Ḥaǧar al-ʿAsqalānī sagt: „Al-Wāqidī erwähnte bei seiner ausführlichen Darstellung dieses Ereignisses, dass der Name jenes Beduinen Dathūr war und dass er den Islam annahm. Aus den Worten al-Wāqidīs geht jedoch hervor, dass sich die beiden Ereignisse zu unterschiedlichen Zeiten zugetragen hatten. Diese beiden Ereignisse ereigneten sich während zweier verschiedener Feldzüge. Allah weiß es am besten.“ Fatḥ al-Bārī, Bd. 7, S. 428.
Auf dem Rückweg von diesem Feldzug nahmen die edlen Gefährten eine polytheistische Frau gefangen. Als ihr Ehemann davon erfuhr, schwor er, unter den edlen Gefährten das Blut eines von ihnen fließen zu lassen. Eines Nachts kam er, um seinen Schwur zu erfüllen. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, hatte ʿUbbād ibn Bishr und ʿAmmār ibn Yāsir damit beauftragt, die Muslime vor den Feinden zu schützen. Als der Mann kam, verrichtete ʿUbbād gerade das Gebet. Der Feind schoss in dieser Situation einen Pfeil auf ihn. Ohne das Gebet zu unterbrechen, zog er den Pfeil mit einem Ruck heraus. Der Mann schoss ein zweites und danach ein drittes Mal. Jedes Mal zog er den Pfeil heraus. Nachdem er das Gebet mit dem Friedensgruß beendet hatte, weckte er seinen Gefährten und berichtete ihm alles. Sein Gefährte, ʿAmmār ibn Yāsir, sagte erstaunt: »Warum hast du mich nicht geweckt?« Er erwiderte: »Ich rezitierte eine Sure, und ich wollte das Gebet nicht beenden, bevor ich die Sure beendet hatte.« [Zād al-Maʿād, Bd. 2, S. 112. Für ausführliche Informationen über diesen Feldzug siehe Ibn Hischām, Bd. 2, S. 203, 209; Zād al-Maʿād, Bd. 2, S. 110–112; Fatḥ al-Bārī, Bd. 7, S. 417, 428.]
Dieser Feldzug war äußerst wirksam, um die hartherzigen arabischen Beduinen, also die Nomaden, zu beeinflussen und in Furcht zu versetzen. Wenn man die späteren Feldzüge nach diesem Feldzug betrachtet, zeigt sich, dass die Stämme von Ghatafān danach nicht mehr den Mut fanden, sich zu erheben. Nach und nach wurden sie kraftlos und geschwächt und nahmen schließlich den Islam an. Einige dieser arabischen Stämme begegneten den Muslimen bei der Eroberung Mekkas und in der Schlacht von Hunain. Auch ihnen wurde ein Anteil an der Kriegsbeute gegeben. Nach der Rückkehr von der Eroberung Mekkas wurden Beamte des islamischen Staates zu ihnen entsandt, um die Zakāt von ihnen einzuziehen, und sie entrichteten die Zakāt ordnungsgemäß. Zusammengefasst waren durch die Vorgehensweise des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die drei Mächte, die sich während der Grabenschlacht gegen die Muslime gestellt hatten, vollständig zerschlagen worden. Dadurch breiteten sich im gesamten Gebiet Frieden und Sicherheit aus. Danach erhoben sich in verschiedenen Gegenden einige Stämme und veranstalteten Unruhe, doch die Muslime bezwangen sie mühelos. Erst nach diesem Feldzug begann sich den Muslimen der Weg zu den Feldzügen zur Eroberung großer Städte und Länder zu öffnen, denn nach diesem Feldzug entwickelte sich die innere Lage des Landes zugunsten des Islam und der Muslime.
Einige Sarāyā im siebten Jahr nach der Hidschra
Nach der Rückkehr vom genannten Feldzug hielt sich der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, im Schawwāl des siebten Jahres nach der Hidschra in Medina auf und entsandte während dieser Zeit die Gefährten zu einigen Sarāyā. Die Einzelheiten dieser Sarāyā sind wie folgt.
1. Sarīya von Qudāid
Safar oder Rabīʿ al-auwal des siebten Jahres nach der Hidschra
Unter der Führung von Ghālib ibn ʿAbdullāh al-Laithī wurde diese Sarīya in das Gebiet von Qudāid entsandt, um den Angehörigen des Stammes Banū Malūḥ eine Lehre für ihre Taten zu erteilen. Banū Malūḥ hatte die Gefährten von Bischr ibn Suwaid getötet. Dieser Feldzug wurde entsandt, um diese Tötung zu rächen. Die entsandten Gefährten führten nachts einen Überraschungsangriff durch und töteten einige Menschen. Die Feinde verfolgten sie mit einer großen Streitmacht, um den Muslimen entgegenzutreten. Als sie sich den Muslimen näherten, setzte jedoch Regen ein. Nach kurzer Zeit kam es zu einer Überschwemmung. Da sich diese Überschwemmung zwischen den beiden Gruppen befand, konnten die Feinde nicht näher kommen. So legten die Muslime den restlichen Weg sicher zurück.
2. Sarīya von Ḥasmī
Der Monat Dschumādā ath-Thāniya des siebten Hidschra-Jahres
Dies wurde im Kapitel „Die Briefe des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, an die Herrscher der Welt“ erörtert.
3. Die Sariyya von Turba
Der Schaʿbān-Monat des siebten Hidschra-Jahres
Diese Sariyya wurde unter der Führung von Hazrat Umar ibn al-Chattab (möge Allah mit ihm zufrieden sein) durchgeführt. Mit ihm waren dreißig Sahaba. Sie reisten nachts und hielten sich tagsüber verborgen. Nachdem die Angehörigen des Stammes Banu Hawazin davon erfahren hatten, flohen sie. Hazrat Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) und seine Gefährten kehrten daraufhin nach Medina zurück.
4. Die Sariyya in der Region von Fadak
Der Schaʿbān-Monat des siebten Hidschra-Jahres
Unter der Führung von Hazrat Baschir ibn Saʿd al-Ansari (möge Allah mit ihm zufrieden sein) zog eine Gruppe von dreißig Sahaba zu einem Feldzug aus. Sie wurde entsandt, um den Angehörigen des Stammes Banu Murra eine Lektion zu erteilen.
Hadhrat Bashir erreichte sein Gebiet und trieb Schafe, Ziegen und anderes Vieh zusammen. In der Nacht kamen die Feinde und umzingelten sie. Die Muslime schossen Pfeile ab. Schließlich gingen Bashir und seinen Gefährten die Pfeile aus. Daraufhin töteten die Feinde die unbewaffneten Muslime einen nach dem anderen. Nur Bashir überlebte. Er wurde verwundet aufgehoben und nach Fadak gebracht, wo er bei den Juden blieb. Nach zwei Monaten, als seine Wunde verheilt war, kehrte er nach Medina zurück.
5. Sariyya Maifa’a
Im Ramadan des siebten Jahres nach der Hidschra
Diese Sariyya wurde unter dem Kommando von Ghalib ibn Abdullah entsandt, um den Stämmen Banu Auwal und Banu Abd ibn Tha’laba eine Lektion zu erteilen. Nach einer anderen Überlieferung wurde sie entsandt, um den Angehörigen des Harqa-Zweiges des Stammes Dschuhaina eine Lektion zu erteilen. Ihre Zahl belief sich auf einhundertdreißig Muslime. Sie griffen die Feinde gemeinsam an. Jeder, der den Kopf erhob, wurde getötet. Danach trieben sie Vieh, darunter Schafe und Ziegen, zusammen und führten es fort. Während dieses Feldzugs tötete Hadhrat Usama ibn Zaid (möge Allah mit ihm zufrieden sein) einen Mann namens Nahyak ibn Mirdas, obwohl dieser La ilaha illallah gesagt hatte. Als der Gesandte Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – davon erfuhr, sagte er: „Warum hast du nicht seine Brust aufgeschnitten und herausgefunden, ob er die Wahrheit sagte oder log?“
6. Sariyya Chaibar
Im Schawwal des siebten Jahres nach der Hidschra
Diese Sariyya wurde mit dreißig Gefährten durchgeführt. Hadhrat Abdullah ibn Rawaha (möge Allah mit ihm zufrieden sein) führte diesen Feldzug an. Der Grund war, dass Usayr – nach anderer Ansicht Bashir ibn Rizam – die Angehörigen des Stammes Banu Ghatafan versammelt hatte, um die Muslime anzugreifen. Die Muslime versicherten Usayr, dass der Gesandte Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – ihn zum Gouverneur von Chaibar ernennen werde. Aufgrund dieser Zusicherung erklärte sich Usayr bereit, mit seinen dreißig Gefährten gemeinsam mit den Muslimen nach Medina zu gehen. Als sie einen Ort namens Qarqarat erreichten, kam es zwischen beiden Seiten zu einem Missverständnis. Infolgedessen verloren Usayr und seine Gefährten ihr Leben.
7. Sariyya Yaman Azhabar
Der Monat Schawwal des siebten Hidschra-Jahres
Dschabar ist der Name eines Gebiets der Banū Ghatafān, nach anderer Auffassung der Banū Fazāra und der Banū ʿAdhara. Hazrat Baschīr ibn Kaʿb al-Ansārī wurde mit dreihundert Muslimen dorthin entsandt. Sie wurden geschickt, um einer großen feindlichen Streitmacht entgegenzutreten, die sich versammelt hatte, um Medina anzugreifen. Die Muslime reisten nachts und hielten sich tagsüber verborgen. Als die Feinde von der Ankunft Hazrat Baschīrs (ra) erfuhren, flohen sie. Hazrat Baschīr brachte viele Tiere nach Medina. Außerdem nahm er zwei Männer gefangen und brachte sie nach Medina. Nachdem sie vor den Gesandten Allahs (sallallāhu ʿalaihi wa sallam) geführt worden waren, nahmen sie den Islam an.
8. Die Expedition nach Ghāba
Imam Ibn Qayyim zählt auch diese Expedition zu den Sarāyā, also zu den militärischen Unternehmungen, die im siebten Hidschra-Jahr vor der Nachhol-Umra entsandt wurden und ausschließlich aus den edlen Gefährten bestanden. Die Kurzfassung dieser Expedition ist, dass ein Mann aus dem Stamm Dschaschm ibn Muʿāwiya mit einer großen Zahl von Leuten nach Ghāba gekommen war. Er wollte die Banū Qais zum Kampf gegen die Muslime versammeln. Der Gesandte Allahs (sallallāhu ʿalaihi wa sallam) entsandte Hazrat Abū Hadrāw mit nur zwei Männern. Hazrat Hadrāw wandte eine solche militärische Taktik an, dass die Feinde eine Niederlage erlitten und viele Kamele und Ziegen in den Besitz der Muslime gelangten.] Zād al-Maʿād, Bd. 2, S. 149, 150; Rahmat li-l-ʿĀlamīn, Bd. 2, S. 229, 230, 231; Talqīh al-Fuhūm, S. 31; Mukhtaṣar as-Siyar, Scheich ʿAbdullāh Nadschdī, S. 322, 323, 324]
Vollzug der Nachhol-Umra
Imam al-Hākim sagte: Es ist eindeutig belegt, dass der Gesandte Allahs (sallallāhu ʿalaihi wa sallam), nachdem der Neumond des Dhū l-Qaʿda erschienen war, den edlen Gefährten befahl, sich auf den Vollzug der Nachhol-Umra vorzubereiten. Der Gesandte Allahs (sallallāhu ʿalaihi wa sallam) wies außerdem darauf hin, dass keiner der Gefährten, die beim Vertrag von Hudaybiyya anwesend gewesen waren, abwesend bleiben solle. Mit Ausnahme derjenigen Gefährten, die nach dem Vertrag den Märtyrertod erlitten hatten, bereiteten sich alle anderen Gefährten sowie einige Gefährten, die beim Vertrag abwesend gewesen waren, auf die Umra vor. Ohne Frauen und Kinder betrug die Zahl der Gefährten zweitausend. [Fatḥ al-Bārī, Bd. 7, S. 500]
Der Gesandte Allahs (sallallāhu ʿalaihi wa sallam) setzte Abū Rahm al-Ghifārī als seinen Stellvertreter in Medina ein. Sechzig Kamele wurden mitgeführt, und Nāǧiya ibn Ǧundub al-Aslamī wurde mit ihrer Betreuung beauftragt. Der Gesandte Allahs (sallallāhu ʿalaihi wa sallam) und die edlen Gefährten legten in Dhū l-Hulayfa den Ihrām für die Umra an und stimmten den Talbiya-Ruf an. Aus Furcht vor einem Verrat der Quraisch nahmen die Muslime Waffen mit. Zu diesen Waffen gehörten Schilde, Pfeile, Speere und Schwerter. Nachdem sie die Ebene von Yāzij erreicht hatten, ließen die Muslime alle Waffen unter der Führung von Aus ibn Qawli al-Anṣārī zurück und zogen weiter. Die Muslime hielten ihre Schwerter in den Scheiden. [Fatḥ al-Bārī, Bd. 7, S. 500; Zād al-Maʿād, Bd. 2, S. 151]
Als der Gesandte Allahs (sallallāhu ʿalaihi wa sallam) nach Mekka eintrat, ritt er auf seiner Kamelstute namens Qaṣwā. Die Muslime hielten ihre in den Scheiden befindlichen Schwerter hoch, nahmen den Gesandten Allahs (sallallāhu ʿalaihi wa sallam) in ihre Mitte und stimmten den Ruf „Labbayka Allāhumma labbayk“ an.
Die Götzendiener von Mekka verließen ihre Häuser, um das Schauspiel zu beobachten, und stiegen auf den nördlich gelegenen Berg Quʿaiqiʿān. Sie sagten zueinander: „Zu euch kommt eine Gruppe von Menschen, die das Fieber in Medina völlig geschwächt hat.“
Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, dies hörte, sagte er zu den Gefährten, sie sollten dreimal sehr schnell laufen. Zwischen dem Rukn al-Yamānī und dem Schwarzen Stein sollten sie jedoch in normalem Tempo gehen. Bei den sieben Saʿy-Runden wurde ihnen nicht angeordnet, alle sieben Male zu laufen. Der Grund dafür war die Hoffnung auf Allahs Barmherzigkeit und Segen. Ziel war es, den Götzendienern die Stärke der Muslime zu zeigen. [Ṣaḥīḥ al-Buḫārī, Bd. 1, S. 218; Bd. 2, S. 610–611; Ṣaḥīḥ Muslim, Bd. 1, S. 412] Außerdem befahl der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, seinen Gefährten, Iḍṭibāʿ zu praktizieren. Das bedeutet, die rechte Schulter unbedeckt zu lassen, das Tuch unter der rechten Achsel hindurchzuführen und es von unten her umzuschlagen. Das andere Ende des Tuchs wird von vorn und hinten über die linke Schulter gelegt.
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, zog auf dem Weg durch den bergigen Zugang von Mekka weiter. Die Götzendiener hatten sich in Reihen aufgestellt, um ihn zu sehen. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, rief unaufhörlich die Talbiya. Als er den Heiligen Bezirk erreichte, berührte er mit seinem Stock den Schwarzen Stein. Danach vollzog er den Tawāf, und auch die Muslime vollzogen den Tawāf. Zu jener Zeit ging ʿAbdullāh ibn Rawāḥa (möge Allah mit ihm zufrieden sein) mit erhobenem Schwert vor dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, her und rezitierte dieses Gedicht:
„Ihr Kinder der Ungläubigen, lasst seinen Weg frei!
Allahs Barmherzigkeit umgibt ihn.
Im Buch des Allerbarmers, des Barmherzigen, stehen seine Worte.
Jene Blätter werden stets rezitiert.
O Allah, seinen Worten habe ich Glauben geschenkt.“
Für Allahs Sache werde ich meinen Atem opfern
Im Gehorsam gegenüber Allahs Gebot werde ich einen solchen Schlag führen
dass die Schädel davonfliegen und keine Nachricht vom Freund mehr übrig bleibt.“;
In der Überlieferung von Anas (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) wird außerdem erwähnt, dass Umar ibn al-Chattab (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm), nachdem er den Vortrag des Gedichts gehört hatte, sagte: „O Sohn von Rawaha, wird vor dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) im Heiligtum ein Gedicht vorgetragen?“ Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „O Umar, lass ihn vortragen. Seine Wirkung auf sie ist durchdringender als die eines Pfeils.“ [Dschāmiʿ at-Tirmidhi, Band 2, S. 107]
Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und die Muslime liefen drei Runden. Als die Götzendiener dies sahen, sagten sie: „Wir hatten gedacht, dass diejenigen, die vom Fieber Medinas bezwungen worden waren, schwach seien; doch nun sehen wir, dass sie sogar stärker sind als so manche anderen Leute.“ [Sahih Muslim, Band 1, S. 412]
Nachdem der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) den Tawaf beendet hatte, vollzog er zwischen Safa und Marwa den Sa’i. Zu jener Zeit standen seine Opfergaben, das heißt die Opfertiere, in der Nähe des Berges Marwa. Nach Beendigung des Sa’i sagte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm): „Dies ist der Ort des Opferns, und ganz Mekka ist ein Ort des Opferns.“ Danach opferten alle am Fuß des Berges Marwa ihre Tiere. Nach dem Opfer ließen sie sich noch dort das Haupthaar rasieren. Die ehrwürdigen Gefährten folgten ihrem geliebten Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Anschließend entsandte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) einige Gefährten nach Yājij, um die Waffen zu bewachen. Er ordnete an, dass diejenigen, die dort die Waffen bewachten, nach ihrer Ablösung zur Verrichtung der Umra geschickt werden sollten.
Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) blieb drei Tage in Mekka. Am Morgen des vierten Tages sagten die Götzendiener zu Ali (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm): „Sag deinem Gefährten, dass er gehen soll, denn die Frist ist abgelaufen.“ Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) verließ Mekka und ließ sich an einem Ort namens Sarif nieder.
Als er von Mekka aufbrach, lief die Tochter Hamzas (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) hinter ihm her und rief: „Onkel!“ Ali (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) nahm sie bei sich auf. Hinsichtlich ihrer Pflege kam es zwischen Ali (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm), Jaʿfar (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) und Zayd (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) zu einem Streit, denn jeder von ihnen beanspruchte, am ehesten zu ihrer Betreuung berechtigt zu sein. Schließlich entschied der Gesandte Allahs zugunsten Jaʿfars, denn die Tante mütterlicherseits des Kindes war Jaʿfars Ehefrau.
Während dieser Umra heiratete der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Maymuna bint al-Harith al-Amiriyya. Bevor der Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Mekka erreichte, sandte er zu diesem Zweck Dschafar ibn Abu Talib zu Maymuna. Maymuna übertrug diese Verantwortung Hadhrat Abbas, denn er war Maymuna gegenüber ein Schwager. Seine Frau Umm al-Fadl war Maymunas Schwester. Hadhrat Abbas (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) verheiratete Maymuna mit dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Abu Rafi wurde beauftragt, Maymuna zu holen. Nachdem der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, den Ort Sarif erreicht hatte, wurde Maymuna zu ihm gebracht. [Zad al-Ma’ad, Bd. 2, S. 152]
Warum wurde diese Umra Umrat al-Qada genannt? Der Grund dafür ist, dass diese Umra die nachzuholende Umra aus der Zeit des Vertrags von Hudaibiyya war. Diese Umra wurde gemäß dem Vertrag von Hudaibiyya vollzogen. Dieser genannte Grund ist der maßgebliche. [Zad al-Ma’ad, Bd. 1, S. 172; Fath al-Bari, Bd. 7, S. 500] Außerdem wird diese Umra mit vier Namen bezeichnet: Umrat al-Qada, Umrat al-Qadiya, Umrat al-Qisas und Umrat as-Sulh. [Fath al-Bari, Bd. 7, S. 500]
Weitere Sariyya
1. Sariya des Abu al-Awja
Im Monat Dhul-Hiddscha des 7. Jahres nach der Hidschra
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, entsandte unter der Führung von Abu al-Awja fünfzig Gefährten mit der Einladung zum Islam zum Stamm der Banu Salim. Nachdem sie sie zum Islam eingeladen hatten, sagten diese: „Wir benötigen nichts von dem, wozu ihr einladet.“ Danach entbrannte ein heftiger Kampf. Der Befehlshaber Abu al-Awja wurde in diesem Kampf verwundet. Schließlich brachten die Muslime zwei feindliche Soldaten als Gefangene mit.
2. Sariya von Ghalib ibn Abdallah
Im Monat Safar des 8. Jahres nach der Hidschra
Zweihundert Gefährten wurden unter der Führung von Ghalib ibn Abdallah in das Gebiet von Fadak zu dem Ort entsandt, an dem die Gefährten von Bashil ibn Saʿd getötet worden waren. Sie erbeuteten die Viehherden der Feinde und töteten einige feindliche Soldaten.
3. Die Expedition nach Dhāt at-Talḥ
Rabīʿ al-auwal im achten Jahr der Hidschra
Der Hintergrund dieser Expedition war folgender: Angehörige des Stammes Banū Qudāʿa hatten eine große Zahl von Männern versammelt, um die Muslime anzugreifen. Nachdem der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, davon erfahren hatte, entsandte er unter der Führung von Kaʿb ibn ʿUmair fünfzehn Gefährten. Die ehrenwerten Gefährten luden sie zum Islam ein. Doch anstatt den Islam anzunehmen, begannen sie, auf die Gefährten zu schießen. Daraufhin wurden die Gefährten zu Märtyrern. Nur ein einziger Gefährte wurde unter den Getöteten noch lebend geborgen. [Raḥmat lil-ʿĀlamīn, Bd. 2, S. 231]
4. Die Expedition nach Dhāt ʿIrq
Im Monat Rabīʿ al-auwal des achten Jahres der Hidschra
Der Anlass für diese Expedition war, dass Angehörige des Stammes Banū Hawāzin wiederholt Unruhe stifteten. Deshalb entsandte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, fünfundzwanzig Gefährten unter der Führung von Schudschāʿ ibn Wahb al-Asadī. Sie trieben die Viehherden der Feinde fort. Es kam jedoch zu keiner Auseinandersetzung. [Ebd., Talāqīḥ al-Fuhūm, S. 33]
Die Schlacht von Muʾta
Muta ist eine Ortschaft in der Nähe des Balqa-Gebiets von Jordanien. Von hier aus beträgt die Entfernung bis Bayt al-Maqdis nur zwei Manzil. Die Schlacht von Muta fand genau hier statt.
Dieser Krieg war der blutigste unter all den Kriegen, an denen die Muslime zu Lebzeiten des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, teilgenommen hatten. Dieser Krieg öffnete den Weg zur Eroberung der von Christen bewohnten Länder. Er fand im Dschumada al-awwal des achten Jahres nach der Hidschra statt, also im Jahr 629 n. Chr. beziehungsweise im September.
Der Grund für den Krieg
Der Anlass für diesen Feldzug war, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Harith ibn Umair al-Azdi mit einem Brief zum Statthalter von Busra entsandte. Der Statthalter des römischen Kaisers, Schurahbil ibn Amr al-Ghassani, war zu jener Zeit im Gebiet von Balqa eingesetzt. Dieser Frevler nahm den Gesandten des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, fest, fesselte ihn streng und ließ ihn töten. Es sei daran erinnert, dass die Tötung von Botschaftern oder gewöhnlichen Gesandten ein schweres Verbrechen ist. Sie gilt als Kriegserklärung, ja sogar als noch schwerwiegender.
Aus diesem Grund war der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zutiefst erschüttert, als er von der Tötung seines entsandten Boten erfuhr. Er befahl, Soldaten für den Einsatz in jenem Gebiet vorzubereiten. Daraufhin wurden dreitausend Soldaten aufgestellt.[ Zad al-Maʿad, Bd. 2, S. 155; Fath al-Bari, Bd. 7, S. 511 ] Außer in der Schlacht am Graben hatten die Muslime zuvor in keinem anderen Krieg dreitausend Soldaten versammelt.
Die Anweisung des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, an die Heerführer
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ernannte Zaid ibn Haritha zum Befehlshaber dieses Heeres. Danach sagte er: Wenn Zaid getötet wird, soll Jaʿfar das Kommando übernehmen, und wenn Jaʿfar getötet wird, soll Abdullah ibn Rawaha der Heerführer werden.[ Sahih al-Buchari, Bd. 2, S. 611]
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ließ für das muslimische Heer eine weiße Fahne anfertigen und übergab sie Zaid ibn Haritha.[ Mukhtasar as-Sira, Scheich Abdullah, S. 327] Er ermahnte das Heer, die Einheimischen am Ort der Ermordung von Harith ibn Umair zum Islam einzuladen. Wenn sie den Islam annähmen, sei es gut; wenn sie den Islam nicht annähmen, sollten sie Allah um Hilfe bitten und gegen sie kämpfen. Weiter sagte er: Kämpft im Namen Allahs, auf Allahs Weg, gegen die Ungläubigen, die Allah verleugnen. Begeht keinen Verrat und keine Untreue. Tötet weder eine Frau noch ein Kind, keinen Greis und keinen in einer Kirche lebenden Weltentsagenden. Fällt weder Dattelpalmen noch andere Bäume und zerstört kein Gebäude. [Rahmat li-l-Alamin, Bd. 2, S. 271,]
Der Aufbruch der islamischen Armee
Kurz vor dem Aufbruch der islamischen Armee verabschiedeten sich die einfachen Muslime von den vom Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ernannten Befehlshabern und erwiesen ihnen die Ehre des Friedensgrußes. Zu dieser Zeit weinte einer der Befehlshaber, Hadhrat Abdullah ibn Rawaha (möge Allah mit ihm zufrieden sein). Als man ihn nach dem Grund für sein Weinen fragte, sagte er: „Bei Allah, ich weine weder aus Verlangen nach dieser Welt noch wegen meiner Verbundenheit mit euch. Ich weine aus Furcht vor der Hölle, nachdem ich den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, einen Vers aus dem Heiligen Koran rezitieren hörte. Ich weine aus Furcht vor der Hölle.“ In diesem Vers sagt Allah, der Erhabene: ‚Und jeder von euch wird sie überqueren; dies ist eine unabwendbare Entscheidung deines Herrn.‘ (Sure Maryam, Vers 71)
Ich weiß nicht, wie ich zurückkehren soll, nachdem ich der Hölle vorgeführt worden bin. Die Muslime sagten: „Möge Allah, der Erhabene, euch in Sicherheit begleiten. Möge Allah, der Erhabene, euch beschützen und euch mit der Kriegsbeute zu uns zurückkehren lassen.“ Daraufhin trug Hadhrat Abdullah dieses Gedicht vor:
„Um beim Barmherzigen Vergebung zu erlangen
für den Schlag eines Schwertes, das das Gehirn freilegt
für die Hand des Speerwerfers, die Eingeweide und Leber
mit der Kraft eines zerschmetternden Schlages zu durchbohren
erbitte ich Hilfe. An der Seite meines Grabes
Diejenigen, die aufbrechen, werden sagen: Das ist jener Glaubenskämpfer
dem Allah Rechtleitung gewährt hat und
der rechtgeleitet ist
Danach brachen die muslimischen Soldaten auf. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, begleitete das Heer bis nach Thaniyyat al-Wadāʿ und verabschiedete dort die Soldaten. [Ibn Hischām, Band 2, S. 373–374; Zād al-Maʿād, Band 2, S. 156; Mukhtasar as-Sīra, S. 327]
Die Krise des muslimischen Heeres
Die muslimischen Soldaten rückten nach Norden vor und erreichten das Gebiet namens Maʿān. Dieser Ort lag in einem jordanischen Gebiet, das mit dem Hedschas verbunden war. Das muslimische Heer schlug dort sein Lager auf. Muslimische Kundschafter kamen und berichteten, dass der Kaiser von Rom in Maʾāb, einem Gebiet von Balqāʾ, einhunderttausend römische Soldaten versammelt hatte. Außerdem hatten sich unter ihrem Banner weitere einhunderttausend Soldaten aus den Stämmen Lachm, Judhām, Balqīn, Bah rāʾ und Balā versammelt. Diese zuletzt genannten einhunderttausend bildeten ein aus arabischen Stämmen zusammengestelltes Heer.
Die Sitzung des Schūrā-Rates
Die Muslime hatten sich keineswegs vorstellen können, auf welches furchterregende Heer sie treffen würden. In dieser weit entfernten Gegend gerieten sie tatsächlich in eine äußerst schwierige Lage. Vor ihnen stand nun die Frage: Sollten sie mit dreitausend Soldaten gegen zweihunderttausend Soldaten kämpfen? Die überraschten und besorgten Muslime berieten sich zwei Nächte lang. Einige vertraten die Ansicht, man solle dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, schreiben und ihn über die entstandene Lage informieren. Daraufhin würde er vielleicht zusätzliche Soldaten schicken oder eine andere Anweisung geben. Diese Anweisung könnte man dann befolgen.
Hazrat Abdullah ibn Rawaha (ra.) wies diesen Vorschlag entschlossen zurück. Er sagte: „O ihr Leute, das, was ihr zu vermeiden sucht, ist doch genau jenes Martyrium, dessentwegen ihr aufgebrochen seid. Denkt daran, dass unser Maßstab bei der Auseinandersetzung mit den Feinden nicht anhand der Truppenstärke, der Macht oder der zahlenmäßigen Überlegenheit bemessen wird. Wir kämpfen für jene Religion, durch die Allah, der Herr der Welten, uns geehrt hat. Schreitet daher voran. Wir werden gewiss eines von zwei guten Ergebnissen erlangen: Entweder werden wir siegen, oder wir werden als Märtyrer sterben und dadurch unser Leben krönen.“ Schließlich wurde aufgrund der Meinung Abdullah ibn Rawahas eine Entscheidung getroffen.
Der Vormarsch des muslimischen Heeres
Nachdem das muslimische Heer zwei Nächte in der Gegend von Maʿan verbracht hatte, rückte es gegen die Feinde vor. Bei einem Ort namens Masharif in al-Balqa traf es auf die Truppen des Heraklius. Als die Feinde weiter vorrückten, versammelten sich die Muslime an einem Ort namens Muʾta. Danach wurden die Soldaten für die Schlacht aufgestellt. Auf dem rechten Flügel wurde Qutba ibn Qatada al-Udhri eingesetzt und auf dem linken Flügel ʿUbada ibn Malik al-Ansari (ra.).
Das Martyrium der Heerführer
Am Ort Muʾta kam es zwischen den beiden Heeren zu einem Zusammenstoß und zu einem äußerst erbitterten Kampf. Nur dreitausend muslimische Soldaten traten in einen ungleichen Kampf gegen zweihunderttausend nichtmuslimische Soldaten ein. Diese Schlacht war erstaunlich. Die Menschen auf der ganzen Welt blickten voller Verwunderung darauf. Wenn der Heldenmut des Glaubens zum Tragen kommt, ereignen sich auch solche erstaunlichen Dinge.
Als Erster ergriff Hazrat Zayd ibn Haritha (ra.), der Liebling des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, das Banner. Mit außerordentlichem Heldenmut erlangte er das Martyrium. Einen solchen Heldenmut hat man bei niemandem außer bei Muslimen beobachtet.
Nach dem Martyrium Hazrat Zayds nahm Hazrat Jaʿfar ibn Abi Talib das Banner auf. Auch er kämpfte mit beispiellosem Heldenmut weiter. Inmitten des heftigen Kampfes sprang er vom Rücken seines schwarz-weißen Pferdes und begann, die Feinde anzugreifen. Als sein rechter Arm durch die Schläge der Feinde abgetrennt wurde, begann er, mit der linken Hand zu kämpfen. So hielt er das Banner fest, bis er das Martyrium erlitt.
Es wird berichtet, dass ein römischer Soldat ihn mit dem Schwert so heftig schlug, dass sein Körper in zwei Teile gespalten wurde. Allah, der Erhabene, schenkte ihm im Paradies zwei Flügel. Mit deren Hilfe fliegt er im Paradies umher, wohin immer er möchte. Deshalb trägt er den Beinamen „Jaʿfar at-Tayyar“ und „Jaʿfar Dhu l-Dschanahain“. Tayyar bedeutet „der Fliegende“, und Dhu l-Dschanahain bedeutet „der mit zwei Flügeln“.
Imam Bukhari überliefert durch Nafi von Abdullah ibn Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) eine Aussage. Er sagte: „Am Tag der Schlacht von Mu’ta, nachdem Ja’far den Märtyrertod erlitten hatte, zählte ich die Spuren der Verletzungen an seinem Körper. An seinem Körper befanden sich fünfzig Verletzungen durch Pfeile und Schwerter. Keine einzige dieser Verletzungen befand sich an seiner Rückseite.“ 6 [Fath al-Bari, Bd. 7, S. 512; in beiden Überlieferungen gibt es einen Unterschied in der Anzahl. Dieser Unterschied wird dadurch ausgeglichen, dass es einschließlich der Pfeilverletzungen insgesamt 90 waren.]
In einer anderen Überlieferung heißt es, dass Abdullah ibn Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: „Ich war in der Schlacht von Mu’ta bei den Muslimen. Ich suchte nach Ja’far ibn Abi Talib und fand ihn unter den Getöteten. An seinem Körper sah ich mehr als 90 Verletzungen durch Speere und Pfeile.“ 7 [Dasselbe Werk, dieselbe Seite.] Von Nafi wird überliefert, dass in der Überlieferung von Ibn Umar außerdem steht: „Ich stellte fest, dass sich all diese Wunden an der Vorderseite seines Körpers befanden.“ 8 [Fath al-Bari, Bd. 7, S. 512; in beiden Überlieferungen gibt es einen Unterschied in der Anzahl. Dieser Unterschied wird dadurch ausgeglichen, dass es einschließlich der Pfeilverletzungen insgesamt 90 waren.] Nachdem Ja’far (möge Allah mit ihm zufrieden sein) in einem heldenhaften Kampf den Märtyrertod erlitten hatte, ergriff Abdullah ibn Rawaha (möge Allah mit ihm zufrieden sein) das Banner, bestieg sein Pferd und rückte vor. Nach kurzem Zögern trug er dieses Gedicht vor:
„O mein Herz, ob froh oder betrübt, wie auch immer,
stelle dich ihnen entgegen. Sie haben das Kriegsfeuer entzündet,
die Speere aufgerichtet. Vom Paradies
warum willst du dich fernhalten?“
Danach kämpfte Abdullah ibn Rawaha (möge Allah mit ihm zufrieden sein) mit großem Heldenmut weiter. Sein Cousin gab ihm einen mit Fleisch bedeckten Knochen. Er nahm einen Bissen, warf ihn dann fort und kämpfte weiter, bis er den Märtyrertod erlitt.
Allahs Schwert
Nach dem Martyrium von Hazrat Abdullah ibn Rawaha übernahm ein Gefährte aus dem Stamm Banu Azlan, Thabit ibn Arqam, [die Führung]. Er sagte: „O Muslime, bestimmt einen geeigneten Mann zum Befehlshaber.“ Als die Gefährten Thabit aufforderten, selbst das Kommando zu übernehmen, sagte er: „Ich bin dafür nicht geeignet.“ Daraufhin ernannten die Gefährten Hazrat Khalid ibn al-Walid (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm) zum Befehlshaber. Nachdem er das Banner übernommen hatte, entbrannte ein heftiger Kampf. In Sahih al-Bukhari wird von Khalid ibn al-Walid (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm) selbst überliefert, dass an jenem Tag der Schlacht von Mu’ta neun Schwerter in seiner Hand zerbrachen. Danach war nur noch ein kleines jemenitisches Schwert in seiner Hand verblieben.9 [Sahih al-Bukhari, Kapitel über die Schlacht von Mu’ta, Bd. 2, S. 611]
In einer weiteren Überlieferung wird aus seinem Munde Folgendes berichtet: „Am Tag der Schlacht von Mu’ta zerbrachen in meiner Hand neun Schwerter. Danach war nur noch ein kleines jemenitisches Schwert in meiner Hand verblieben.“10 [Ebenda, S. 612]
Unterdessen erhielt der Gesandte Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – die Nachricht vom Schlachtfeld durch die Offenbarung, noch bevor sie ihm durch einen Boten überbracht wurde. Er sagte: „Zayd übernahm das Banner und wurde als Märtyrer getötet. Danach übernahm Ja’far das Banner und wurde als Märtyrer getötet. Danach übernahm Abdullah ibn Rawaha das Banner, und auch er wurde als Märtyrer getötet.“ Die Augen des Gesandten Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – füllten sich dabei mit Tränen. Er sagte: „Danach übernahm es eines der Schwerter Allahs.“ Durch dessen Kampf gewährte Allah, der Erhabene, den Muslimen den Sieg.11 [Ebenda, S. 611].
Das Ende der Schlacht
Dass trotz ihres Mutes, ihrer Tapferkeit und ihrer hingebungsvollen Entschlossenheit nur dreitausend muslimische Soldaten vor zweihunderttausend nichtmuslimischen Soldaten standhielten, war ein erstaunliches Ereignis. Die Tapferkeit, die Hazrat Khalid ibn al-Walid (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm) zu dieser Zeit bewies, findet in der Geschichte ihresgleichen nicht.
Über den Ausgang dieser Schlacht gibt es erhebliche Meinungsverschiedenheiten in den Überlieferungen. Nach der Lektüre aller Überlieferungen ist bekannt, dass Hazrat Khalid (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm) am Ende des ersten Kampftages den römischen Soldaten unerschütterlich gegenüberstand. Zu dieser Zeit dachte er über eine neue Kriegstaktik nach, durch die die Römer getäuscht werden konnten. Ziel dieser Taktik war es, die Muslime allmählich zurückzunehmen. Dabei musste jedoch darauf geachtet werden, dass die Römer unter keinen Umständen eine Verfolgung aufnehmen konnten. Denn wenn die Römer sie verfolgten, wäre es sehr schwierig gewesen, ihrem Zugriff zu entkommen.
Am nächsten Morgen ordnete Hazrat Khalid (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm) die Truppen neu und stellte sie um. Er brachte die Soldaten der rechten Seite auf die linke Seite und die Soldaten der linken Seite hinter die übrigen Truppen. Als die Feinde diese Umgruppierung sahen, begannen sie zu sagen, die Muslime hätten Verstärkung erhalten und ihre Streitkräfte seien stärker als zuvor.
Nachdem er die Aufstellung der Truppen verändert hatte, zog Hazrat Khalid (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm) die Muslime allmählich zurück. Die römischen Soldaten rückten nicht vor, um die Muslime anzugreifen, weil sie damals dachten, die Muslime führten eine Täuschung durch: Sie würden sie in die Wüste locken und sie dort durch einen Gegenangriff zermürben. Aus diesem Grund verfolgten die römischen Soldaten die Muslime nicht, sondern kehrten in ihr eigenes Gebiet zurück. Unterdessen zogen sich die Muslime Schritt für Schritt zurück und erreichten Medina.12 [Fath al-Bari, Bd. 7, S. 513–514; Zad al-Ma’ad, Bd. 2, S. 156]
Zahl der Gefallenen und Verwundeten
In der Schlacht von Muʾta erlangten zwölf Muslime das Martyrium. Wie viele Verluste es unter den Römern gab, ist nicht bekannt. Aus dem Bericht über die Schlacht lässt sich jedoch erkennen, dass sie zahlreiche Gefallene und Verwundete hatten. Denn allein in der Hand von Hadhrat Khalid zerbrachen neun Schwerter. Daran lässt sich die Zahl der Verluste unter den feindlichen Soldaten leicht ermessen.
Die Auswirkungen der Schlacht von Muʾta
Auch wenn der Feldzug von Muʾta nicht zu dem Zweck durchgeführt werden konnte, Vergeltung zu üben, verbreitete sich der gute Ruf und Ruhm der Muslime infolge dieser Schlacht weit und breit. Die gesamte arabische Welt war vor Staunen sprachlos. Denn die Römer waren zu jener Zeit die stärkste Macht. Die Araber glaubten, dass ein Konflikt mit den Römern einem Selbstmord gleichkäme. Daher war es keineswegs eine einfache Sache, dass dreitausend Soldaten ohne nennenswerte Verluste einen ruhmreichen, tapferen Sieg im Kampf gegen zweihunderttausend Soldaten errangen. Die arabische Bevölkerung erkannte, dass die Muslime sich völlig von allen bis dahin bekannten Mächten unterschieden. Allahs Hilfe war mit den Muslimen. Ihr Anführer, Muhammad Mustafa – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm –, war zweifellos der Gesandte Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Deshalb ist festzustellen, dass nach der Schlacht von Muʾta mehrere Stämme, die als hartnäckige und hochmütige Erzfeinde der Muslime bekannt waren, Zuflucht unter dem Schatten des Islam suchten. Zu diesen Stämmen gehörten insbesondere Banu Salim, Aschdschaʿ, Ghatafan, Dschiban und Fazara.
Gerade aus dem blutigen Konflikt, der am Vorabend der Schlacht von Muʾta mit den Römern begonnen hatte, breitete sich der Siegesruhm der Muslime später weit über die Ferne aus.
Das Expeditionsheer von Dhat as-Salasil
Nachdem der Gesandte Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – von der unterstützenden Rolle verschiedener arabischer Stämme an der Seite der römischen Soldaten in der Schlacht von Muʾta erfahren hatte, hielt er es für notwendig, einen Schritt zu unternehmen, damit die Römer und die arabischen Stämme den Muslimen die Hand zu freundschaftlichen Beziehungen ausstreckten und auch künftig nicht daran dächten, Truppen gegen die Muslime zu versammeln.
Zu diesem Zweck bestimmte der Gesandte Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – Hadhrat ʿAmr ibn al-ʿAs (möge Allah mit ihm zufrieden sein). Seine Großmutter war eine Frau aus dem Stamm Bala. Nach der Schlacht von Muʾta, im Dschumada ath-Thani des achten Jahres nach der Hidschra, entsandte der Gesandte Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – Hadhrat ʿAmr ibn al-ʿAs (möge Allah mit ihm zufrieden sein). Es heißt, dass durch Spione bekannt geworden war, dass der Stamm Banu Qudaʿa zahlreiche Soldaten in der Umgebung von Medina bereitgestellt hatte, um einen Angriff zu unternehmen. Aus diesen Gründen entsandte der Gesandte Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – ʿAmr ibn al-ʿAs (möge Allah mit ihm zufrieden sein).
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, hatte angeordnet, dass das muslimische Heer bei seinem Vorbeiziehen an den Bewohnern der Gebiete Bali, Adhra und Balqin deren Hilfe erbitten solle. Das muslimische Heer reiste nachts und verbarg sich tagsüber. Als es sich dem Feind näherte, stellte sich heraus, dass dieser zahlenmäßig überlegen war. Daraufhin sandte Hadhrat Amr Rafi ibn Makith al-Dschuhani mit einem Hilfegesuch an den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, entsandte zweihundert Soldaten unter dem Befehl von Hadhrat Abu Ubaida ibn al-Dscharrāh (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm). Zu ihnen gehörten auch Hadhrat Abu Bakr, Hadhrat Umar sowie führende Persönlichkeiten der Ansar und der Muhadschirun. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, wies den Befehlshaber Abu Ubaida (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm) an, sich mit Amr ibn al-As zu vereinigen und gemeinsam mit ihm zu handeln. Sie sollten keinerlei Meinungsverschiedenheit aufkommen lassen. Nachdem Abu Ubaida den Einsatzort erreicht hatte, beanspruchte er den Oberbefehl über das gesamte Heer. Doch Hadhrat Amr ibn al-As sagte: „Ich bin der Befehlshaber; Sie sind doch mit Hilfstruppen gekommen.“ Abu Ubaida akzeptierte dies. Danach leitete weiterhin der Heerführer Hadhrat Amr ibn al-As auch das Gebet.
Nachdem die Hilfstruppen eingetroffen waren, erreichten sie das Gebiet von Qaza’a und zogen von dort an einen weiter entfernten Ort. Schließlich kam es beinahe zu einer Begegnung mit dem Feind. Doch angesichts des bevorstehenden Angriffs der Muslime flohen sie schnell.
Danach wurde Auf ibn Malik al-Aschdschai als Gesandter zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, geschickt. Er berichtete dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, von der sicheren Rückkehr der Muslime und den Einzelheiten des Feldzugs.
Dhat as-Salasil ist ein Ort vor der Ebene Wadi al-Qura. Er liegt zehn Tagesreisen von Medina entfernt. Ibn Ishaq sagt, dass die Muslime bei einem Wasserbecken namens Salasil, das dem Stamm Dschudham gehörte, Halt machten. Daher wurde dieser Feldzug Dhat as-Salasil genannt. 13 [Ibn Hischam, Band 2, S. 623–626; Zad al-Ma’ad, Band 2, S. 157]
Sarija Chazarah
Der Monat Scha’ban im achten Jahr nach der Hidschra
Der Anlass für diesen Feldzug war, dass der Stamm Banu Ghatafan am Ort Chazrah im Gebiet des Stammes Muharib im Inneren des Nadschd Truppen sammelte. Um sie zurückzudrängen, entsandte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, fünfzehn Gefährten unter der Führung von Hadhrat Abu Ubaida. Diese Truppe tötete einige Feinde, nahm einige gefangen und erbeutete Kriegsbeute. Die für diesen Feldzug entsandte Truppe blieb unter der Führung von Hadhrat Abu Ubaida fünfzehn Tage außerhalb von Medina. 14 [Rahmat lil-Alamin, Band 2, S. 233; Talqih al-Fuhum, S. 33].
Er sagte: „Trotz des errungenen Sieges gibt es heute keine Vergeltung gegen euch. Möge Allah, der Erhabene, euch eure vergangenen Taten vergeben, denn Er ist der Barmherzigste aller Barmherzigen.“
(Sure Yusuf: 92
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An der Schwelle des großen Sieges: Heute gibt es keine Vergeltung
Die Eroberung von Mekka
Imam Ibn Qayyim schrieb: Dies ist jener große Sieg, durch den Allah, der Erhabene, den Bewahrern Seiner Religion Ehre verliehen hat. Darüber hinaus befreite Er Seine Stadt und Sein Haus – jenes Haus, das Er zu einem Mittel der Rechtleitung für die Menschen der Welt gemacht hatte – aus den Händen der Ungläubigen und Götzendiener. Aufgrund dieses Sieges ergoss sich eine Welle der Freude unter den Bewohnern des Himmels. Infolge dieses Sieges begannen die Menschen, scharenweise in Allahs Religion einzutreten, und das Antlitz des gesamten Universums erstrahlte vor Freude.¹[Zād al-Maʿād, Band 2, S. 160]
Der Grund für den Feldzug
Bei der Erörterung des Vertrags von al-Hudaibiya wurde erwähnt, dass eine seiner Bestimmungen lautete, dass sich jeder, der dies wünschte, mit dem Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, oder mit den Quraisch verbünden durfte.
Wer sich der einen oder anderen Gruppe anschloss, wurde als Teil dieser Gruppe betrachtet. Wenn jemand einen Angriff verübte oder sich in anderer Weise übergriffig verhielt, wurde dies als Angriff auf jene Gruppe angesehen.
Durch diesen Vertrag war der Stamm Banū Chuzāʿa durch ein Bündnis mit dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, verbunden worden. Der Stamm Banū Bakr war ein Bündnis mit den Quraisch eingegangen. Auf diese Weise waren beide Stämme voreinander geschützt. Doch bereits seit der Zeit der Dschāhiliyya war es zwischen ihnen immer wieder zu Streitigkeiten und Auseinandersetzungen gekommen. Später, mit dem Aufkommen des Islams und nach dem Vertrag von al-Hudaibiyya, waren beide verfeindeten Stämme hinsichtlich ihrer Beziehungen zueinander in Sicherheit und Gewissheit. Der Stamm Banū Bakr betrachtete diese Gelegenheit durch den Vertrag als einen Gewinn und machte sich bereit, an Banū Chuzāʿa alte Feindschaft zu rächen. Naufal ibn Muʿāwiya ad-Dailī griff am 8. Schaʿbān gemeinsam mit einer Gruppe aus Banū Bakr den Stamm Banū Chuzāʿa an. Zu jener Zeit hielten sich die Angehörigen von Banū Chuzāʿa bei einem Wasserbecken namens Watīr auf. Bei dem überraschenden Angriff wurden einige Angehörige von Banū Chuzāʿa getötet. Danach kam es zwischen beiden Seiten auch zu einem Zusammenstoß. Die Quraisch unterstützten den Stamm Banū Bakr bei diesem Angriff mit Waffen. Einige Männer der Quraisch mischten sich im Schutz der nächtlichen Dunkelheit unter Banū Bakr und griffen den Gegner ebenfalls an. Die Angreifer trieben die Angehörigen von Banū Chuzāʿa bis in die Nähe des Heiligtums. Dort sagten die Männer von Banū Bakr: »O Naufal, nun werden wir doch das heilige Heiligtum betreten.« – »Bei eurem Gott und eurer Anbetung!« Darauf erwiderte Naufal: »Heute gibt es keinen Gott. Nehmt eure Rache! Bei meinem Leben, ihr könnt euch im heiligen Heiligtum vor Diebstahl hüten, aber könnt ihr nicht eure eigene Rache nehmen?«
Unterdessen erreichten die Angehörigen des Stammes Banū Chuzāʿa Mekka und suchten im Haus von Budail ibn Warqāʾ al-Chuzāʿī und seines freigelassenen Sklaven Rāfiʿ Zuflucht. ʿAmr ibn Sālim al-Chuzāʿī brach von dort auf, machte sich nach Medina auf und trat vor den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Dieser befand sich zu jener Zeit gemeinsam mit den Gefährten in der Prophetenmoschee. ʿAmr ibn Sālim sagte: »O Herr, ich beschwöre Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, bei seinem Vertrag und beim alten Bund seines Vaters (hier wird auf den seit langer Zeit bestehenden Bund zwischen Banū Chuzāʿa und Banū ʿAbd al-Muttalib hingewiesen). O Gesandter, ihr wart Kinder, und wir waren die Gebärenden (hier wird darauf hingewiesen, dass Ḥubbī, die Mutter von ʿAbd Manāf und Ehefrau von Quṣayy, eine Tochter des Stammes Banū Chuzāʿa war. Deshalb wird die gesamte Familie des Propheten als Nachkommenschaft von Banū Chuzāʿa bezeichnet). Danach haben wir Gehorsam gelobt und niemals Ungehorsam gezeigt. Möge Allah, der Erhabene, dir Rechtleitung schenken. Hilf uns mit aller Kraft, rufe die Diener Allahs, und sie werden zu seiner Hilfe kommen. Unter ihnen wird auch der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sein, schön wie der aufgegangene Vollmond. Wenn ihm Unrecht zugefügt wird, wird sein Gesicht rot und streng. Du wirst dich inmitten eines furchterregenden Heeres begeben, das wie ein schäumendes Meer in Wellen schlagen wird. Wisse mit Gewissheit: Die Quraisch haben den mit euch geschlossenen Vertrag verletzt und ihr Versprechen gebrochen. Sie haben mir an einem Ort namens al-Watīr einen Hinterhalt gelegt und angenommen, ich würde niemanden um Hilfe rufen. Doch sie sind äußerst niederträchtig und an Zahl gering. Sie haben uns nachts, in der Dunkelheit, an einem Ort namens Awtās angegriffen und uns getötet, während wir uns in Rukūʿ und Suǧūd befanden. Das heißt: Wir hatten den Islam angenommen, und dennoch wurden wir getötet.«
Nachdem der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, diese Klage gehört hatte, sagte er: »O ʿAmr ibn Sālim, dir ist geholfen worden.« Danach erschien ein Stück einer Wolke am Himmel. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: »Diese Wolke ist als frohe Botschaft über die Hilfe für Banū Kaʿb erschienen.«
Daraufhin kam eine Delegation des Stammes Banū Chuzāʿa unter der Führung von Budail ibn Warqāʾ al-Chuzāʿī nach Medina und teilte dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, mit, wer alles getötet worden war. Sie berichteten außerdem, wie die Quraisch den Stamm Banū Bakr unterstützt hatten. Danach kehrten sie nach Mekka zurück.
Der Versuch, den Vertrag zu erneuern
Was die Quraisch und ihre Verbündeten getan hatten, war ein eindeutiger Bruch und Verrat am Vertrag von al-Hudaibiyya. Dafür konnte keine rechtmäßige Entschuldigung vorgebracht werden. Auch die Quraisch erkannten sehr bald, dass sie den Vertrag gebrochen hatten. Im Hinblick auf die Folgen dieses Verrats beriefen sie eine Beratungssitzung ein. In dieser Sitzung wurde einstimmig beschlossen, ihren Anführer Abū Sufyān nach Medina zu schicken, um den Vertrag von al-Hudaibiyya zu erneuern.
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, hatte die Gefährten bereits über die Vorgänge informiert, die auf den Vertragsbruch der Quraisch folgen würden. Er hatte gesagt: »Es ist, als sähe ich Abū Sufyān bereits in Medina eintreffen, um den Vertrag zu festigen und seine Laufzeit zu verlängern.«
Unterdessen traf Abū Sufyān, nachdem er auf dem Weg nach Medina einen Ort namens ʿUsfān erreicht hatte, auf Budail ibn Warqāʾ. Budail war von Medina nach Mekka unterwegs.
Abu Sufyan dachte, Budail komme vom Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Dennoch fragte er: „Woher kommst du, Budail?“ Budail antwortete: „Ich war mit den Leuten von Khuza’a an jener Küste.“ Abu Sufyan fragte: „Bist du nicht zu Muhammad gegangen?“ Budail erwiderte: „Nein.“ Nachdem Budail sich auf den Weg nach Mekka gemacht hatte, sagte Abu Sufyan: „Wenn Budail in Medina gewesen ist, dann hat er sein Kamel wohl mit den Datteln Medinas gefüttert.“ Darauf ging Abu Sufyan zu der Stelle, an der Budail sein Kamel niederknien ließ, zerbrach den vertrockneten Kameldung und fand darin Dattelkerne aus Medina. Dann sagte er: „Ich schwöre bei Allah, Budail ist zu Muhammad gegangen.“
Kurz gesagt: Abu Sufyan ging nach Medina und begab sich zum Haus seiner Tochter Umm Habiba. Er wollte sich auf das Bett des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, setzen. Als Umm Habiba, möge Allah mit ihr zufrieden sein, dies bemerkte, rollte sie das Bett sofort zusammen. Abu Sufyan sagte: „Meine Tochter, hältst du mich nicht für würdig, auf diesem Bett zu sitzen, oder hältst du dieses Bett nicht für würdig, dass ich darauf sitze? Seit du mich verlassen hast, bist du verdorben.“
Umm Habiba, möge Allah mit ihr zufrieden sein, sagte: „Dies ist das Bett des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und Sie sind ein unreiner Götzendiener.“ Abu Sufyan sagte: „Ich schwöre bei Gott, seit du mich verlassen hast, bist du verdorben.“
Danach ging Abu Sufyan von dort fort, begab sich zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und sprach mit ihm. Der Gesandte Allahs gab ihm jedoch keine Antwort. Abu Sufyan ging zu Abu Bakr, möge Allah mit ihm zufrieden sein, und bat ihn, mit dem Gesandten Allahs zu sprechen. Abu Bakr lehnte dies ab. Dann ging Abu Sufyan zu Umar, möge Allah mit ihm zufrieden sein, und bat ihn, mit dem Gesandten Allahs über ihre Angelegenheit zu sprechen. Umar sagte: „Warum sollte ich für euch beim Gesandten Allahs Fürsprache einlegen? Bei Allah, selbst wenn ich nichts anderes als ein Stück Holz fände, würde ich euch damit bekämpfen.“ Danach ging Abu Sufyan zu Ali, möge Allah mit ihm zufrieden sein. Fatima, möge Allah mit ihr zufrieden sein, war dort, und auch Hasan war anwesend. Er war damals noch klein und lief umher. Abu Sufyan sagte: „O Ali, mit dir verbindet mich die engste verwandtschaftliche Beziehung. Ich bin wegen einer Angelegenheit gekommen. Ich bin enttäuscht gekommen und möchte nicht enttäuscht zurückkehren. Lege für mich bei Muhammad Fürsprache ein.“ Ali, möge Allah mit ihm zufrieden sein, sagte: „Abu Sufyan, ich bedauere deine Lage. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, hat in einer Angelegenheit einen festen Entschluss gefasst, und wir können in dieser Sache nicht mit ihm sprechen.“ Abu Sufyan wandte sich an Fatima, möge Allah mit ihr zufrieden sein, und sagte: „Kannst du deinen Sohn anweisen, eine Erklärung abzugeben, mit der er den Menschen Schutz gewährt und dadurch für alle Zeiten zum Oberhaupt der Araber wird?“ Fatima sagte: „Ich schwöre bei Allah, mein Sohn ist noch nicht dazu befähigt, eine solche Erklärung abzugeben und Anführer der Menschen zu werden. Außerdem kann niemand in Gegenwart des Gesandten Allahs Schutz gewähren.“
Nachdem alle seine Bemühungen gescheitert waren, wurde es vor Abu Sufyans Augen völlig finster. Mit von Zweifel bewegtem Herzen sagte er mit bebender Stimme zu Ali, möge Allah mit ihm zufrieden sein: „Abu al-Hasan, ich sehe, dass die Angelegenheit schwierig geworden ist. Nenne mir daher einen Ausweg.“ Ali sagte: „Bei Allah, ich kenne nichts, was für dich gut wäre. Du bist das Oberhaupt des Stammes Banu Kinana. Stell dich hin, verkünde den Menschen, dass du ihnen Sicherheit gewährst, und kehre anschließend in dein Land zurück.“ Abu Sufyan sagte: „Glaubst du, dass dies gut für mich sein wird?“ Ali, möge Allah mit ihm zufrieden sein, antwortete: „Nein, das glaube ich nicht. Doch scheint es keinen anderen Ausweg zu geben.“ Darauf stellte sich Abu Sufyan in der Moschee hin und verkündete: „O ihr Menschen, ich erkläre euch für sicher.“ Anschließend bestieg er sein Kamel und kehrte nach Mekka zurück.
Als er zu den Quraisch zurückkehrte, umringten sie ihn und fragten ihn nach den Nachrichten aus Medina. Abu Sufyan sagte: „Ich habe mit ihm gesprochen, aber er gab mir keine Antwort. Ich ging zum Sohn Abu Quhafas, doch fand ich bei ihm nichts Gutes. Ich ging zu Umar ibn al-Khattab; er erschien mir als der erbittertste Feind. Dann ging ich zu Ali, und er erschien mir als der nachsichtigste. Er gab mir einen Rat, und ich handelte danach. Ich weiß nicht, ob dies gut sein wird.“ Die Leute fragten: „Was war das?“ Abu Sufyan sagte: „Ali riet mir, Sicherheit zu verkünden, und schließlich tat ich genau das.“
Die Quraisch sagten: „Hat Muhammad deine Sicherheitserklärung für gültig erklärt?“ Abu Sufyan antwortete: „Nein, das hat er nicht getan.“ Die Quraisch sagten: „Mögest du zugrunde gehen! Ali hat nur mit dir gescherzt.“ Abu Sufyan sagte: „Ich schwöre bei Allah, es gab keinen anderen Ausweg.“
Aus dem Bericht von at-Tabarani geht hervor, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Hazrat Aischa, möge Allah mit ihr zufrieden sein, bereits drei Tage vor dem Eintreffen der Nachricht vom Verrat der Quraisch angewiesen hatte, ihre Ausrüstung vorzubereiten. Zugleich riet er ihr, die Angelegenheit geheim zu halten. Danach fragte Abu Bakr, möge Allah mit ihm zufrieden sein, Aischa: „Meine Tochter, wofür sind diese Vorbereitungen?“ Aischa antwortete: „Ich weiß es nicht, Vater.“ Abu Bakr sagte: „Jetzt ist doch nicht die Zeit für einen Krieg gegen die Römer. In welche Richtung will der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, also aufbrechen?“ Aischa sagte: „Ich weiß es nicht, Vater.“ Am Morgen des dritten Tages traf Hazrat Amr ibn Salim al-Khuza’i mit vierzig Reitern ein. Er trug einige Verse vor. Dadurch verstanden die Zuhörer, dass die Quraisch einen Verrat begangen hatten. Danach kam Budail, und anschließend traf Abu Sufyan ein. So erkannten die Gefährten die Lage. Darauf sagte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu den Gefährten: „Wir müssen nach Mekka gehen.“ Zugleich sprach er dieses Bittgebet: „O Allah, sorge dafür, dass unsere Aufbruchsnachricht weder die Spione noch die Quraisch erreicht. Lass sie nichts davon erfahren und nichts bemerken, bevor wir uns den Bewohnern Mekkas nähern.“
Zur Wahrung der Geheimhaltung entsandte der Gesandte Allahs im Ramadan des achten Jahres nach der Hidschra unter der Führung von Abu Qatada ibn Rabīʿ acht Gefährten in einer Sariyya an einen Ort namens Batn ʿAzām. Dieser Ort liegt zwischen Dhū Chaschab und Dhū al-Marra. Die Entfernung von Medina beträgt 36 Meilen.
Der Zweck der Entsendung dieser kleinen Truppe bestand darin, dass diejenigen, die es verstehen sollten, daraus schließen würden, dass der Gesandte Allahs zu dem genannten Ort aufbrechen werde. Überall würde sich eben diese Nachricht verbreiten. Nachdem die kleine Truppe den genannten Ort erreicht hatte, erfuhr sie, dass der Gesandte Allahs in Richtung Mekka aufgebrochen war. Daraufhin schloss auch sie sich dem Gefolge des Gesandten Allahs an. 4[Dies war jene Sariyya, in der ʿĀmir ibn Aḍbaṭ auftrat. ʿĀmir entbot gemäß islamischer Sitte den Friedensgruß. Doch wegen einer früheren Feindschaft tötete Mahlām ibn Dschathāma ʿĀmir und nahm dessen Kamel sowie seine übrigen Sachen an sich. Daraufhin wurde der folgende Koranvers offenbart: „Sagt nicht zu dem, der euch den Friedensgruß entbietet: Du bist kein Gläubiger.“ Danach baten die edlen Gefährten den Gesandten Allahs, für Mahlām ibn Dschathāma um Vergebung zu bitten. Als Mahlām vor dem Gesandten Allahs erschien, sagte dieser: „O Allah, möge Mahlām keine Vergebung erlangen.“ Dies wiederholte er dreimal. Als Mahlām das hörte, wischte er sich mit seinem Gewand die Augen und erhob sich. Ibn Isḥāq berichtet, dass Angehörige des Stammes von Mahlām sagten, der Gesandte Allahs habe später für Mahlām um Vergebung gebeten. Siehe Zād al-Maʿād, Band 2, S. 151.]
Unterdessen schrieb Ḥāṭib ibn Abī Baltaʿa einen Brief an die Quraisch, um sie über die Angelegenheit des Gesandten Allahs zu informieren. Gegen Bezahlung beauftragte er eine Frau damit, den Brief den Quraisch in Mekka zu überbringen. Die Frau verbarg den Brief in ihrem Haarknoten und brach nach Mekka auf. Allah der Erhabene ließ Seinen geliebten Gesandten jedoch von dieser Angelegenheit wissen. Der Gesandte Allahs rief ʿAlī, Miqdād, Zubair und Abū Marthad al-Ghanawī und sagte zu ihnen: „Geht ihr vier nach Rauḍa Chākh. Dort werdet ihr eine Frau finden, die auf einem Kamel reitet. Sie hat einen Brief bei sich. Dieser Brief wurde an die Quraisch geschickt.“ Die vier Gefährten erreichten Rauḍa Chākh und fanden die Frau. Sie wurde gefragt: „Hast du einen Brief bei dir?“ Die Frau leugnete dies. Die Gefährten durchsuchten die Sänfte des Kamels, fanden den Brief jedoch nicht. Daraufhin sagte ʿAlī: „Ich schwöre bei Allah: Der Gesandte Allahs hat nicht gelogen, und auch wir lügen nicht. Entweder gibst du den Brief heraus, oder wir werden dich entkleiden.“ Da sagte die Frau: „Gut, dann dreht euch bitte um.“ Als sich die Gefährten umdrehten, löste die Frau ihren Haarknoten, holte den Brief hervor und übergab ihn den Gefährten. Diese nahmen den Brief und gingen zum Gesandten Allahs. Der Gesandte Allahs ließ den Brief lesen und stellte fest, dass darin stand: „Von Ḥāṭib ibn Abī Baltaʿa an die Quraisch.“ Darin waren die Quraisch über den Feldzug des Gesandten Allahs nach Mekka in Kenntnis gesetzt worden. 5[Imam as-Suhailī erwähnte Begebenheiten aus verschiedenen Schlachten und zitierte den Inhalt des Briefes. Darin stand: „Sodann: O Quraisch, der Gesandte Allahs kommt mit einem Heer zu euch. Selbst wenn er allein käme, würde Allah der Erhabene ihm helfen und Sein Versprechen an ihn erfüllen. Kümmert euch daher um eure eigene Angelegenheit. Friede sei mit euch.“
Al-Wāqidī schrieb, dass Ḥāṭib Suhail ibn ʿAmr, Safwān ibn Umayya und ʿIkrima Folgendes mitgeteilt habe: „Der Gesandte Allahs hat unter den Menschen zum Krieg aufgerufen. Ich weiß nicht, ob er gegen euch oder gegen jemand anderen ziehen wird. Ich möchte, dass dies euch gegenüber als meine Gefälligkeit gilt.“]
Der Gesandte Allahs fragte: „Ḥāṭib, was hat das zu bedeuten?“ Ḥāṭib sagte: „Seid meinetwegen nicht voreilig. Ich schwöre bei Allah: Ich glaube an Allah und an Seinen Gesandten. Ich bin nicht vom Glauben abgefallen, und in mir hat sich auch nichts verändert. Die Sache ist, dass ich nicht zu den Quraisch gehöre. Ich hatte mich unter ihnen verborgen, und gegenwärtig befinden sich meine Familie und Angehörigen bei ihnen. Zu den Quraisch habe ich keine verwandtschaftliche Beziehung, aufgrund derer sie sich um meine Familie und Angehörigen kümmern würden. Daher dachte ich, ich würde ihnen einen Gefallen tun, damit sie meine Familie und Angehörigen schützen. Alle anderen, die mit euch nach Mekka ziehen, haben dort Verwandte. Diese Verwandten werden ihre Familien und Angehörigen schützen.“ ʿUmar sagte, nachdem er die Worte Ḥāṭibs gehört hatte: „O Gesandter Allahs, erlaube mir, ihn zu enthaupten. Dieser Mann hat Allah und Seinen Gesandten verraten. Er ist ein Heuchler geworden.“ Der Gesandte Allahs sagte: „Sieh: Er hat an der Schlacht von Badr teilgenommen. O ʿUmar, woher willst du wissen, dass Allah vielleicht zu den Teilnehmern von Badr gesagt hat: Tut, was ihr wollt; Ich habe euch vergeben?“ Als ʿUmar dies hörte, füllten sich seine beiden Augen mit Tränen. Er sagte: „Allah und Sein Gesandter wissen es am besten.“ 6[Sahīh al-Buchārī, Band 1, S. 422]
Auf diese Weise ließ Allah, der Herr der Welten, die Spione auffliegen. Dadurch konnte keinerlei Nachricht über die Kriegsvorbereitungen der Muslime die Quraisch erreichen.
Das muslimische Heer marschiert in Richtung Mekka
Am 10. Ramadan des achten Jahres nach der Hidschra brach der Gesandte Allahs in Richtung Mekka auf. Bei ihm waren zehntausend Gefährten. Für die Verwaltung Medinas wurde Abū Rahm al-Ghifārī eingesetzt.
Nachdem der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Dschuhfa oder einen etwas weiter gelegenen Ort hinter sich gelassen hatte, traf er seinen Onkel al-Abbas. Dieser hatte den Islam angenommen und war mit seiner ganzen Familie nach Medina ausgewandert. Als er den Ort Abwa erreichte, traf er seinen Cousin väterlicherseits, Abu Sufyan ibn al-Harith, und seinen Cousin mütterlicherseits, Abdullah ibn Umaiya. Der Gesandte Allahs wandte sich von ihnen ab. Beide hatten ihm auf vielfältige Weise Leid zugefügt und ihn durch das Verfassen von Gedichten verleumdet. Als Umm Salama (möge Allah mit ihr zufrieden sein) dies sah, sagte sie zum Gesandten Allahs: „Es ist nicht angemessen, dass deine beiden Cousins dir gegenüber die schlechtesten Menschen sein sollten.“
Ali (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte zu Abu Sufyan ibn al-Harith und Abdullah ibn Umaiya: „Geht zum Gesandten Allahs und sagt ihm, was die Brüder von Yusuf zu ihm gesagt hatten. Der Gesandte Allahs wird es gewiss nicht mögen, dass die Antwort eines anderen besser sein sollte als seine eigene.“ Die Brüder von Yusuf (Friede sei mit ihm) hatten zu ihm gesagt: „Bei Allah, Allah hat dich gewiss vor uns ausgezeichnet, und wir waren gewiss schuldig.“ (Sure Yusuf, Vers 91)
Abu Sufyan ibn al-Harith tat dies. Nachdem der Gesandte Allahs diese Worte gehört hatte, trug Abu Sufyan ibn al-Harith einige Verse vor, deren Bedeutung lautet: „Bei deinem Leben! Als ich das Banner erhob, um den Reiter Latʾs über den Reiter Muhammads siegen zu lassen, war ich wie ein nächtlicher Wanderer, der den Weg verloren hatte. Doch nun ist die Zeit gekommen, dass ich rechtgeleitet werde, und nun bin ich würdig, Rechtleitung zu empfangen. Statt meiner eigenen Neigung hat mich ein Rechtleitender geführt und mir den Weg Allahs gezeigt, obwohl ich diesen Weg zuvor stets missachtet hatte.“
Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, dies hörte, schlug er Abu Sufyan gerührt auf die Brust und sagte: „Du hast mich in jeder Hinsicht missachtet.“ 7[Später wurde Abu Sufyan ibn al-Harith ein guter Muslim. Es wird berichtet, dass er nach seiner Annahme des Islam aus Scham nicht den Blick zum Gesandten Allahs erhob. Der Gesandte Allahs liebte ihn ebenfalls und verkündete ihm die frohe Botschaft vom Paradies. Er sagte: „Ich hoffe, dass Abu Sufyan wie Hamza sein wird.“ Als sein Tod nahte, sagte er: „Weint nicht um mich. Seit meiner Annahme des Islam habe ich nichts Sündhaftes gesagt.“ (Zad al-Maʿad, Band 2, S. 162–163)]
Das muslimische Heer in Marr az-Zahran:
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, setzte seine Reise fort. Er und alle ehrenwerten Gefährten fasteten. Als der Gesandte Allahs in der Nähe der Wasserstelle Kudayl zwischen Asfan und Kudayd angekommen war, brach er sein Fasten. 8[ Sahih al-Buchari, Band 2] Als die Gefährten dies sahen, brachen auch sie ihr Fasten.
Danach setzten sie ihre Reise erneut fort. In der ersten Nachtwache erreichten sie Marr az-Zahran, also die Ebene von Fatima. Auf Befehl des Gesandten Allahs entzündeten die Gefährten getrennt voneinander Feuer. An zehntausend Herden wurde gekocht. Der Gesandte Allahs beauftragte Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) mit dem Wachdienst.
Abu Sufyan beim Gesandten Allahs:
Nachdem sie in Marr az-Zahran Halt gemacht hatten, ritt Hazrat Abbas (möge Allah mit ihm zufrieden sein) auf dem weißen Maultier des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) umher. Er hoffte, jemanden zu finden, dem er nach Mekka Nachricht schicken konnte, damit die Quraisch noch vor dem Einzug des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) nach Mekka zu ihm kämen und um Schutz bäten.
Unterdessen hatte Allah verhindert, dass irgendeine Nachricht die Quraisch erreichte. Daher wussten die Bewohner Mekkas von nichts. Sie verbrachten ihre Tage jedoch in Angst, Bestürzung und Sorge. Abu Sufyan kam nach draußen und versuchte herauszufinden, ob es irgendwelche neuen Nachrichten gab. Zu dieser Zeit war er zusammen mit Hakim ibn Hizam und Budail ibn Warqa aufgebrochen, um neue Nachrichten zu sammeln.
Hazrat Abbas (möge Allah mit ihm zufrieden sein) berichtet: Ich ritt auf dem Maultier des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm). Plötzlich hörte ich Abu Sufyan und Budail ibn Warqa sprechen. Abu Sufyan sagte: „Bei Allah, niemals zuvor habe ich so viele Feuer und ein solches Heer gesehen wie heute.“ Budail ibn Warqa sagte: „Bei Allah, das sind die Banu Khuza’a. Der Krieg hat sie völlig zerschlagen.“ Abu Sufyan sagte: „So viele Feuer und ein derart gewaltiges Heer können unmöglich den Banu Khuza’a gehören.“
Hazrat Abbas (möge Allah mit ihm zufrieden sein) berichtet: Als ich die Stimme Abu Sufyans hörte, sagte ich: „Bist du das, Abu Hanzala?“ Abu Sufyan erkannte meine Stimme und sagte: „Bist du das, Abu l-Fadl?“ Ich sagte: „Ja.“ Abu Sufyan sagte: „Was ist geschehen? Mögen meine Eltern für dich geopfert werden.“ Ich sagte: „Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) ist mit seinem gesamten Heer gekommen. Wehe den Quraisch, welch ein vernichtendes Schicksal!“ Abu Sufyan sagte: „Was sollen wir nun tun? Mögen meine Eltern für dich geopfert werden.“ Ich sagte: „Wenn sie dich erwischen, werden sie dir den Kopf abschlagen. Setz dich hinter mir auf dieses Maultier. Ich werde dich zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) bringen und dir Sicherheit verschaffen.“ Daraufhin stieg Abu Sufyan auf das Maultier und setzte sich hinter mich. Seine beiden anderen Gefährten kehrten um.
Hazrat Abbas (möge Allah mit ihm zufrieden sein) berichtet: Ich ritt mit Abu Sufyan weiter. Wenn wir zu einer Ansammlung kamen, fragten die Leute: „Wer kommt da?“ Doch als sie mich auf dem Maultier des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) sahen, sagten sie: „Das ist der Onkel des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm); er sitzt auf dessen Maultier.“ Wir kamen an Umar ibn al-Khattab vorbei. Er sagte: „Wer ist da?“ Kaum hatte er dies gesagt, kam er auf mich zu. Als er Abu Sufyan hinter mir sah, sagte er: „Abu Sufyan? Der Feind Allahs? Ich preise Allah! Abu Sufyan ist uns ohne jeden Kampf in die Hände gefallen.“ Danach eilte Hazrat Umar zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm). Auch ich trieb das Maultier an und ritt schnell weiter. Ich stieg ab und ging zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm). Inzwischen war Hazrat Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) eingetroffen. Kaum war er da, sagte er: „O Gesandter Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm), dort ist Abu Sufyan. Erlaubt mir, ihm den Kopf abzuschlagen.“ Hazrat Abbas (möge Allah mit ihm zufrieden sein) berichtet: Ich sagte: „O Gesandter Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm), ich habe Sufyan Schutz gewährt.“ Dann berührte ich den Kopf des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) und sagte: „Bei Allah, heute Nacht wird niemand außer mir mit dir ein vertrauliches Gespräch führen können.“ Als Hazrat Umar wiederholt um die Erlaubnis bat, Abu Sufyan zu töten, sagte ich: „Halt ein, Umar! Wenn Abu Sufyan zu den Leuten der Banu Adi ibn Ka’b gehörte, würdest du so nicht sprechen.“ Hazrat Umar sagte: „Halt ein, Abbas! Bei Allah, dass du den Islam angenommen hast, ist mir lieber als dass mein Vater al-Khattab den Islam angenommen hätte. Der einzige Grund dafür ist, dass deine Annahme des Islam beim Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) lieber ist als die Annahme des Islam durch meinen Vater al-Khattab.“
Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) sagte: „Abbas, bring Abu Sufyan zu deinem Zelt und bring ihn am Morgen zu mir.“ Gemäß der Anweisung des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) brachte ich Abu Sufyan in mein Zelt. Am Morgen brachte ich Abu Sufyan vor den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm). Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) sagte: „Abu Sufyan, wehe dir! Ist für dich noch immer nicht die Zeit gekommen zu verstehen, dass es keine anbetungswürdige Gottheit außer Allah gibt?“ Abu Sufyan sagte: „Mögen meine Eltern für dich geopfert werden. Wie großzügig, wie edelmütig und wie barmherzig du bist! Ich habe sehr wohl verstanden, dass es mir in dieser Lage nichts nützen würde, wenn es außer Allah noch eine andere anbetungswürdige Gottheit gäbe.“
Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) sagte: „Abu Sufyan, ist für dich noch immer nicht die Zeit gekommen zu verstehen, dass ich der Gesandte Allahs bin?“ Abu Sufyan sagte: „Mögen meine Eltern für dich geopfert werden. Wie edelmütig du bist und wie barmherzig gegenüber deinen Verwandten! Bei dieser deiner Frage habe ich noch immer einen Zweifel im Herzen.“ Hazrat Abbas (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: „Nimm den Islam an, bevor du enthauptet wirst. Bezeuge, dass niemand außer Allah anbetungswürdig ist und dass Muhammad (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) der Gesandte Allahs ist.“ Nachdem Hazrat Abbas dies gesagt hatte, nahm Abu Sufyan den Islam an und bezeugte die Wahrheit.
Hazrat Abbas sagte: „O Gesandter Allahs, Abu Sufyan ist ein angesehener Mann. Daher bitte ich darum, ihm eine besondere Ehre zu erweisen.“ Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) sagte: „Gut. Wer das Haus Abu Sufyans betritt, ist sicher. Wer in seinem eigenen Haus die Tür von innen verschließt, ist sicher, und wer das ehrwürdige Haus Allahs betritt, ist ebenfalls sicher.“
Das islamische Heer auf dem Weg nach Mekka:
Am Morgen des 17. Ramadan im achten Jahr der Hidschra brach der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, von Marr az-Zahran in Richtung Mekka auf. Er sagte zu seinem Onkel Hazrat Abbas, möge Allah mit ihm zufrieden sein, er solle Abu Sufyan am Fuß des Berges in der Ebene stehen lassen. So würde Abu Sufyan die Soldaten Allahs sehen, die diesen Weg passierten. Hazrat Abbas tat dies. Unterdessen rückten verschiedene Stämme mit ihren Bannern vor. Wenn ein Stamm vorbeikam, fragte Abu Sufyan: „Abbas, wer sind diese?“ Hazrat Abbas antwortete beispielsweise: „Das sind die Banu Salim.“ Abu Sufyan sagte: „Was habe ich mit den Banu Salim zu tun?“ Wenn ein anderer Stamm vorbeikam, fragte Abu Sufyan: „Wer sind diese?“ Hazrat Abbas antwortete beispielsweise: „Das ist der Stamm der Muzaina.“ Abu Sufyan sagte: „Was habe ich mit dem Stamm der Muzaina zu tun?“ Einer nach dem anderen zogen alle Stämme an Abu Sufyan vorbei. Bei jedem Stamm fragte Abu Sufyan nach dessen Namen und sagte nach der Antwort: „Was habe ich mit ihnen zu tun?“ Danach zog der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, mit den Auswanderern und den Ansar weiter. Zu sehen waren dort nur eiserne Helme. Abu Sufyan sagte: „Subhanallah, wer sind diese?“ Hazrat Abbas sagte: „Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zieht mit den Ansar und den Auswanderern weiter.“ Abu Sufyan sagte: „Wer hätte die Kraft, gegen diese zu kämpfen? Abu’l-Fadl, die Herrschaft deines Neffen ist wahrhaft gewaltig geworden.“ Hazrat Abbas sagte: „Abu Sufyan, dies ist das Prophetentum.“ Abu Sufyan sagte: „Ja, jetzt wird man es wohl so nennen.“
Zu dieser Zeit ereignete sich noch etwas. Das Banner der Ansar wurde von Hazrat Saʿd, möge Allah mit ihm zufrieden sein, getragen. Als Hazrat Saʿd an Abu Sufyan vorbeikam, sagte er: „Heute ist der Tag des Blutvergießens und der Schläge. Heute wird das Verbotene erlaubt werden. Allah hat heute die Demütigung der Quraisch bestimmt.“ Als danach der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, vorbeikam, sagte Abu Sufyan: „O Gesandter Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf dir, hast du gehört, was Saʿd gesagt hat?“ Der Gesandte Allahs fragte: „Was hat Saʿd gesagt?“ Abu Sufyan berichtete ihm seine Worte. Als Hazrat Uthman und Hazrat Abdurrahman ibn Auf dies hörten, sagten sie: „O Gesandter Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf dir, wir befürchten, dass Saʿd unter den Quraisch ein Blutbad beginnt.“ Der Gesandte Allahs sagte: „Nein, heute ist vielmehr ein Tag, an dem die Kaaba geehrt wird. Heute ist ein Tag, an dem Allah den Quraisch Ehre erweisen wird.“ Danach schickte der Gesandte Allahs einen Gefährten, der das Banner aus der Hand Hazrat Saʿds holte und es dessen Sohn Qais übergab. Dadurch schien es, als sei das Banner weiterhin in Hazrat Saʿds Hand. In einer anderen Überlieferung wird berichtet, dass der Gesandte Allahs das Banner Hazrat Zubair, möge Allah mit ihm zufrieden sein, übergab.
Vor den Toren der Quraisch:
Nachdem der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, an Abu Sufyan vorbeigezogen war, sagte Hazrat Abbas, möge Allah mit ihm zufrieden sein: „Abu Sufyan, geh nun zu deinem Volk.“ Abu Sufyan eilte nach Mekka und rief mit lauter Stimme: „O Quraisch! Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ist mit so vielen Soldaten zu euch gekommen, dass es unmöglich ist, ihnen entgegenzutreten. Jeder, der Abu Sufyans Haus betritt, wird Sicherheit erhalten.“ Als Abu Sufyans Frau Hind bint Utba dies hörte, stand sie auf, trat vor, zupfte Abu Sufyan am Schnurrbart und sagte: „Tötet diesen alten Mann! Unheil über diesen Alten, der schlechte Nachrichten bringt!“
Abu Sufyan sagte: „Möget ihr zugrunde gehen! Seht zu, dass diese Frau euch nicht in der Frage eurer Rettung täuscht. Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ist mit einem so gewaltigen Heer gekommen, dass es keineswegs möglich ist, ihm entgegenzutreten. Deshalb werden alle sicher sein, die Abu Sufyans Haus betreten.“ Die Leute sagten: „Möge Allah dich vernichten! Wie viele von uns können in dein Haus gehen?“ Abu Sufyan sagte: „Auch diejenigen werden Sicherheit erhalten, die ihre Haustüren von innen verschließen. Und auch diejenigen, die die Heilige Moschee betreten, werden Sicherheit erhalten.“ Daraufhin begannen die Menschen, zu ihren Häusern und zur Heiligen Moschee, also zur Kaaba, zu fliehen. Die intriganten Quraisch jedoch hetzten einige grobschlächtige und aufsässige Männer auf und sagten: „Wir schieben diese Leute vor. Wenn die Quraisch einen gewissen Erfolg erringen, werden wir uns ihnen anschließen. Wenn sie verwundet werden, werden wir ihnen alles geben, was sie von uns verlangen.“ Als Anführer dieser törichten Männer, die sich zum Kampf gegen die Muslime bereitmachten, wurden Ikrima ibn Abu Dschahl, Safwan ibn Umaiya und Suhail ibn Amr bestimmt. Unter der Führung dieser drei versammelte sich eine Gruppe der Quraisch in Chundama. Unter ihnen befand sich auch ein Mann aus dem Stamm der Banu Bakr namens Hammas ibn Qais. Zuvor hatte er Waffen repariert. Eines Tages fragte seine Frau, während er seine Waffen reparierte: „Wozu diese Vorbereitung?“ Hammas sagte: „Zur Vorbereitung auf den Kampf gegen Muhammad und seine Gefährten.“ Als sie das hörte, sagte seine Frau: „Bei Allah, niemand kann Muhammad und seinen Gefährten entgegentreten.“ Hammas sagte: „Bei Allah, ich hoffe, einige seiner Gefährten als deine Sklaven vorführen zu können. Wenn sie heute zum Kampf kommen, habe ich keinen Grund, ihnen entgegenzutreten, nicht zu kämpfen. Ich bin vollständig bewaffnet: mit scharfen Speeren und einem zweischneidigen Schwert.“ Auch dieser Mann nahm an der Schlacht von Chundama teil.
In Dhi Tuwa
Unterdessen brach der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, von Marr az-Zahran auf und erreichte Dhi Tuwa. Aus Demut und Dankbarkeit angesichts der von Allah verliehenen Würde hielt der Gesandte Allahs den Kopf gesenkt. In Dhi Tuwa stellte er das Heer auf. Khalid ibn al-Walid ließ er zu seiner Rechten Aufstellung nehmen. Hier befanden sich die Stämme Aslam, Sulaim, Ghifar, Muzaina und einige weitere arabische Stämme. Der Gesandte Allahs befahl Khalid ibn al-Walid, in den abschüssigen Teil Mekkas einzudringen. Er sagte zu Khalid: „Wenn sich dir jemand von den Quraisch entgegenstellt, dann töte ihn. Danach geh nach Safa und triff mich dort.“
Er stellte Zubair ibn al-Awwam zu seiner Linken auf. In dessen Hand befand sich das Banner des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) befahl ihm, in den höher gelegenen Teil Mekkas, nämlich Kudā, einzuziehen, dort in al-Hajun das ihm anvertraute Banner aufzurichten und bis zu seiner Ankunft zu warten.
Hazrat Abu Ubaida hatte die Führung derjenigen übernommen, die zu Fuß gekommen waren. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) befahl ihm, auf dem Weg am Rand des Tales voranzurücken und mit ihnen in Mekka einzuziehen.
Der Einzug der islamischen Armee in Mekka:
Nachdem die Befehlshaber die Anweisung des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) erhalten hatten, zogen sie mit ihren jeweiligen Truppen zu den ihnen zugewiesenen Plätzen.
Diejenigen Polytheisten, die Hazrat Khalid und seinen Gefährten auf ihrem Weg begegneten, wurden im Kampf gestellt und getötet. Zwei Gefährten Hazrat Khalids, Qarz ibn Dschabir al-Fihri und Chunais ibn Khalid ibn Rabia, erlitten den Märtyrertod. Beide hatten sich von der Heeresabteilung getrennt und waren einen anderen Weg gegangen. Dort wurden sie getötet. In Chundama stießen Hazrat Khalid und seine Gefährten auf die aufsässigen Quraisch. Eine Weile kam es zwischen beiden Seiten zu einem Gefecht. Dabei wurden zwölf Polytheisten getötet. Dieses Ereignis versetzte die Quraisch in Angst und Schrecken. Hammās ibn Qais, der entschlossen war, gegen die Muslime zu kämpfen, eilte nach Hause und schloss die Tür. Er sagte zu seiner Frau: „Halte die Tür geschlossen, öffne sie nicht.“ Seine Frau sagte: „Wo ist denn deine frühere Prahlerei geblieben?“ Hammās ibn Qais sagte: „Ach, Safwan und Ikrima sind davongelaufen. Man empfing uns mit gezückten Schwertern. Diese Schwerter hieben auf Hälse und Köpfe ein, sodass außer den herzzerreißenden Schreien der Getöteten und dem Tumult nichts zu hören war.“
Nachdem Hazrat Khalid (möge Allah mit ihm zufrieden sein) in Chundama den Feinden entgegengetreten war, durchquerte er verschiedene Teile Mekkas, begab sich nach Safa und traf dort mit dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zusammen.
Unterdessen rückte Hazrat Zubair (möge Allah mit ihm zufrieden sein) voraus, stellte das Banner des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) bei der Moschee al-Fath in Hajun auf und errichtete eine Kuppel für dessen Aufenthalt. Danach blieb er dort, bis der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) weiterzog.
Der Einzug in das Haus Allahs und die Entfernung der Götzen:
Danach betrat der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) in Begleitung der Ansar und der Muhadschirun die Heilige Moschee, das edle Haus Allahs. Zuerst küsste er den Schwarzen Stein. Danach vollzog er den Tawaf um die Kaaba. Zu jener Zeit hielt der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) einen Stock in der Hand.
Damals befanden sich rund um die Kaaba und auf ihrem Dach dreihundertsechzig Götzen. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) stieß mit seinem Stock gegen diese Götzen und sprach dabei: „Die Wahrheit ist gekommen, und das Falsche ist vergangen; gewiss, das Falsche ist dem Untergang geweiht.“
Auch diesen Vers des edlen Korans sprach er: „Die Wahrheit ist gekommen, und das Falsche ist vergangen.“
Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) vollzog den Tawaf auf seiner Kamelstute. Da er sich nicht im Ihram-Zustand befand, vollzog er nur den Tawaf. Nach Beendigung des Tawaf ließ er Uthman ibn Talha (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) rufen und nahm ihm den Schlüssel zur Kaaba ab. Danach wurde die Kaaba auf Anweisung des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) geöffnet. Als er eintrat, sah er darin zahlreiche Bilder. Unter diesen Bildern befanden sich auch Darstellungen des Propheten Ibrahim und des Propheten Ismail. In ihren Händen hielten sie Pfeile zur Wahrsagerei. Als der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) dies sah, sagte er: „Möge Allah diese Götzendiener vernichten. Bei Allah, diese beiden Propheten haben niemals Pfeile zur Wahrsagerei benutzt.“ Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sah im Inneren der Kaaba auch eine aus Holz gefertigte Taube. Mit eigener Hand zerbrach er sie. Auf seine Anweisung hin wurden die Bilder zerstört.
Das Gebet in der Kaaba und die Ansprache an die Quraisch:
Danach schloss der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) die Tür der Kaaba von innen. Usama und Bilal waren ebenfalls im Inneren. Nachdem er die Tür geschlossen hatte, ging der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu der der Tür gegenüberliegenden Wand und stellte sich drei Ellen von der Wand entfernt auf. Zu dieser Zeit befanden sich zwei Säulen auf der linken Seite, eine Säule auf der rechten Seite und drei Säulen hinter ihm. Damals gab es in der Kaaba sechs Säulen oder Pfeiler. Anschließend verrichtete er dort das Gebet. Nach dem Gebet ging er im Inneren der Kaaba umher. In allen Bereichen sprach er den Takbir und verkündete die Worte des Tauhid. Danach öffnete er erneut die Tür der Kaaba. Die Quraisch hatten sich vor ihm, also in der Heiligen Moschee, dicht gedrängt aufgestellt. Sie warteten darauf, was der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) tun würde. Er hielt sich mit beiden Händen an den beiden Türflügeln fest und hielt eine Ansprache an die Quraisch. In dieser Ansprache sagte er: „Es gibt keine anbetungswürdige Gottheit außer Allah. Er ist einzig und unvergleichlich; Er hat keinen Teilhaber. Er hat Sein Versprechen wahr gemacht. Durch Seine Diener hat Er allein alle feindlichen Kräfte besiegt. Hört zu: Außer der Betreuung der Kaaba und der Versorgung der Pilger mit Wasser liegen alle anderen Ehren oder Erfolge unter meinen beiden Füßen. Merkt euch: Für jede Art von Tötung beträgt die Verantwortung beziehungsweise das Lösegeld einhundert Kamele; vierzig davon müssen trächtig sein.“
O Quraisch! Allah, der Erhabene, hat die Unwissenheit der Dschahiliyya sowie den Hochmut über Väter und Großväter aus eurer Mitte ausgelöscht. Alle Menschen sind Nachkommen Adams, und Adam wurde aus Erde erschaffen. Danach rezitierte er diesen Vers: „O ihr Menschen, Wir haben euch aus einem Mann und einer Frau erschaffen und euch anschließend in verschiedene Völker und Stämme aufgeteilt, damit ihr einander kennenlernen mögt. Derjenige unter euch, der bei Allah am meisten geehrt ist, ist derjenige, der am gottesfürchtigsten ist. Allah weiß über alles Bescheid und ist über alles informiert.“
Heute gibt es keinen Vorwurf:
Dann sagte er: „O Quraischiten, was glaubt ihr, wie ich mit euch verfahren werde?“ Alle sagten: „Du wirst gut mit uns verfahren – das ist unsere Hoffnung. Du bist barmherzig, der Sohn eines barmherzigen Bruders.“ Darauf sagte er: „Dann sage ich euch dasselbe, was der Prophet Yusuf (Friede sei mit ihm) zu seinen Brüdern gesagt hatte: ‚Heute gibt es keinen Vorwurf gegen euch.‘ Ihr seid alle frei.“
Der Schlüssel zur Kaaba:
Danach setzte sich der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) in der Heiligen Moschee nieder. Hadrat Ali hielt den Schlüssel zur Kaaba in der Hand. Er sagte: „O Gesandter Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm), übertrage neben der Ehre, den Pilgern Wasser zu geben, auch uns die Verantwortung für die Betreuung der Kaaba. Möge Allah, der Erhabene, dir Barmherzigkeit erweisen.“ Einer anderen Überlieferung zufolge hatte Hadrat Abbas dieses Gesuch vorgebracht. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) sagte: „Wo ist Uthman ibn Talha?“ Man ließ ihn rufen. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) sagte: „Uthman, hier ist der Schlüssel. Dieser Tag ist der Tag der Treue.“ Nach einer Überlieferung von Ibn Saʿd in dessen Tabaqat sagte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm): „Nimm diesen Schlüssel für alle Zeiten. Niemand wird ihn euch wegnehmen, außer einem Ungerechten. O Uthman (Allah sei mit ihm zufrieden), Allah, der Erhabene, hat euch zu den Verwaltern Seines Hauses bestimmt. Was immer ihr im Haus Allahs vorfindet, dürft ihr verzehren.“
Bilals Gebetsruf auf dem Dach der Kaaba:
Die Zeit des Gebets war gekommen. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) befahl Bilal, auf das Dach der Kaaba zu steigen und den Gebetsruf auszurufen. Zu jener Zeit saßen Abu Sufyan ibn Harb, Attab ibn Asid und Harith ibn Hisham im Hof der Kaaba. Niemand sonst war dort. Attab sagte: „Allah, der Erhabene, hat Asid die Ehre erwiesen, dass er dies nicht hören musste. Andernfalls hätte er etwas Unangenehmes hören müssen.“ Als Harith dies hörte, sagte er: „Hört: Wenn ich hören kann, dass er die Wahrheit spricht, werde ich ihm gehorchen.“ Abu Sufyan sagte: „Seht, ich werde nichts sagen. Sollte ich doch etwas sagen, so werden mich, bei Allah, diese Steine und meine Angelegenheit begraben.“ Danach trat der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) vor sie und sagte: „Ich weiß alles, was ihr gerade gesagt habt.“ Dann wiederholte er ihnen ihre eigenen Worte. Über dieses erstaunliche Ereignis sagten Harith und Attab: „Wir bezeugen, dass du der Gesandte Allahs bist. Bei Allah, niemand war bei uns, der unsere Worte hätte hören können. Wir sagen, dass dir unsere Worte mitgeteilt worden sind.“
Das Gebet des Sieges oder des Dankes:
An jenem Tag ging der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) zum Haus von Umm Hani bint Abu Talib und nahm ein Bad. Danach verrichtete er dort ein Gebet von acht Rakʿa.
Es war die Zeit des Duha-Gebets. Deshalb sagten einige, dies sei das Duha-Gebet, während andere sagten, es sei das Dankgebet nach dem Sieg oder der Eroberung. Umm Hani hatte ihren beiden Schwagern Schutz gewährt. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) sagte: „Umm Hani, auch ich gewähre denen Schutz, denen du Schutz gewährt hast.“ Der Grund für diese Aussage war, dass Hadrat Ali (Allah sei mit ihm zufrieden) die beiden Schwager von Umm Hani töten wollte. Umm Hani war die Schwester von Hadrat Ali. Sie hatte ihre beiden Schwager versteckt und die Tür verschlossen. Als der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) dorthin kam und Umm Hani ihm von der Angelegenheit ihrer Schwager berichtete, machte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) die oben erwähnte Aussage.
Einige namentlich bekannte Feinde:
Am Tag der Eroberung Mekkas nahm der Gesandte Allahs neun berüchtigte, namentlich bekannte Verbrecher in die Liste der zu Tötenden auf. Über sie wurde angeordnet, sie zu töten, selbst wenn sie sich unter dem Vorhang der Kaaba versteckten. Dies waren:
1. Abd al-Uzza ibn Chatals 2. Abdullah ibn Sa’d ibn Abu Sarh 3. Ikrima ibn Abu Dschahl 4. Harith ibn Nufail ibn Wahb 5. Makis ibn Sababa 6. Habbar ibn al-Aswad 7. die beiden Sklavinnen Ibn Chatals, die durch Gedichte den Ruf des Gesandten Allahs schmähten 9. Sarah; sie war eine Sklavin eines der Nachkommen Abd al-Muttalibs. Sie verbreitete Verleumdungen über den Gesandten Allahs. Außerdem wurde bei ihr der von Hatib nach Mekka gesandte Brief gefunden.
Uthman ibn Affan, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, brachte Abdullah ibn Sa’d ibn Abu Sarh zum Gesandten Allahs und bat um dessen Begnadigung. Der Gesandte Allahs begnadigte ihn und akzeptierte seinen Übertritt zum Islam. Zuvor hatte er jedoch eine Weile geschwiegen. Er hatte gehofft, dass inzwischen einer der Gefährten Abdullah töten würde. Denn dieser Mann hatte bereits einmal den Islam angenommen und war nach der Auswanderung nach Medina gegangen, war dann aber abgefallen, das heißt, vom Glauben abgefallen, und nach Mekka geflohen. Nach seiner zweiten Annahme des Islam blieb er jedoch standhaft und unbeirrbar im Islam.
Ikrima ibn Abu Dschahl war auf dem Weg in den Jemen geflohen. Seine Frau bat den Gesandten Allahs um die Begnadigung ihres Mannes. Der Gesandte Allahs gewährte sie. Daraufhin folgte die Frau dem Weg ihres Mannes und brachte ihn zurück. Ikrima kam zum Gesandten Allahs, nahm den Islam an, und sein Islam erwies sich als aufrichtig.
Ibn Chatal hing am Vorhang der Kaaba. Ein Gefährte kam zum Gesandten Allahs und meldete es ihm. Er sagte: „Tötet ihn.“ Der Gefährte ging hin und tötete ihn.
Makis ibn Sababa wurde von Numaila ibn Abdullah getötet. Makis war zunächst Muslim geworden. Später fiel er jedoch vom Glauben ab und tötete zudem einen Gefährten aus Medina. Danach kehrte er zu den Götzendienern nach Mekka zurück.
Harith fügte dem Gesandten in Mekka auf vielerlei Weise Leid zu. Ali, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, tötete ihn.
Habbab ibn al-Aswad stieß die Tochter des Gesandten Allahs, Hazrat Zaynab (möge Allah mit ihr zufrieden sein), während ihrer Auswanderung so heftig, dass sie aus der Sänfte auf den harten Boden stürzte. Dadurch erlitt sie eine Fehlgeburt. Am Tag der Eroberung Mekkas floh dieser Mann. Später kehrte er als Muslim zurück. In der Folge erwies sich auch sein Islam als aufrichtig.
Eine der beiden Sklavinnen Ibn Khatals wurde getötet. Für die andere wurde beim Gesandten Allahs um Begnadigung gebeten, und sie nahm den Islam an.
Auch für Sarah, die Überbringerin von Hatibs Brief, wurde um Begnadigung gebeten, und sie nahm den Islam an.
Die übrigen fünf wurden begnadigt und nahmen den Islam an.
Ibn Hadschar schrieb, dass Abu Maschab im Zusammenhang mit denjenigen, die auf die Tötungsliste gesetzt worden waren, noch einen weiteren Namen nennt: al-Harith ibn Talal al-Chuzai. Hazrat Ali (möge Allah mit ihm zufrieden sein) tötete ihn. Imam al-Hakim erwähnt in dieser Liste auch Kaʿb ibn Zuhayr. Kaʿbs Geschichte ist berühmt. Später kam er, nahm den Islam an und verfasste zum Lob des Gesandten Allahs Gedichte. Auf dieser Liste standen auch Wahschi ibn Harb und Hind bint Utba, die Ehefrau Abu Sufyans. Beide nahmen später den Islam an. Ibn Khatals Sklavin Arnab wurde getötet. Auch Umm Saʿd wurde getötet. Ibn Ishaq erwähnt dies so. Demnach betrug die Zahl der Männer acht und die der Frauen sechs. Es ist auch möglich, dass Arnab und Umm Saʿd der Name ein und derselben Sklavin waren. Der Unterschied bestünde dann nur im Beiname und in der Kunya.
Safwan ibn Umayya stand zwar nicht auf der Tötungsliste, doch als angesehener Anführer der Quraisch fürchtete er um sein Leben. Deshalb war er geflohen. Umayr ibn Wahb al-Dschumahi begab sich zum Gesandten Allahs und bat um seine Sicherheit. Der Gesandte Allahs gewährte ihm Sicherheit. Als Zeichen dafür gab er Umayr seinen eigenen Turban. Es sei erwähnt, dass der Gesandte Allahs diesen Turban beim Einzug in Mekka getragen hatte. Umayr ging zu Safwan. Dieser wollte gerade in Dschidda ein Schiff besteigen, um auf dem Seeweg in den Jemen zu fliehen. Umayr brachte Safwan von dort zurück. Als Safwan zum Gesandten Allahs kam, bat er um eine Frist von zwei Monaten; der Gesandte Allahs gewährte ihm vier Monate. Danach nahm Safwan den Islam an. Seine Frau war bereits Muslimin geworden. Der Gesandte Allahs ließ beide in ihrer ersten Ehe verbunden.
Fudala war ein Verbrecher. Während der Gesandte Allahs den Tawaf vollzog, trat er mit der bösen Absicht an ihn heran, ihn zu töten. Der Gesandte Allahs teilte ihm mit, was er in seinem Herzen plante. Fudalas Erstaunen kannte daraufhin keine Grenzen. Sofort sprach er: „Es gibt keinen Gott außer Allah, Muhammad ist der Gesandte Allahs.“
Die Ansprache des Gesandten Allahs am Tag nach der Eroberung Mekkas:
Am Tag nach der Eroberung Mekkas erhob sich der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, um eine Ansprache zu halten. Nachdem er Allah in gebührender Weise gepriesen hatte, sagte er: „O ihr Menschen, an dem Tag, an dem Allah der Erhabene Himmel und Erde erschuf, bestimmte Er Mekka zu einer geheiligten Stadt. Daher wird die Heiligkeit dieser Stadt bis zum Tag der Auferstehung unversehrt bleiben. Für keinen Menschen, der an Allah und den Jüngsten Tag glaubt, ist es erlaubt, in dieser Stadt Blut zu vergießen oder einen Baum zu fällen. Wenn jemand fragt: ‚Hat der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, hier nicht Blut vergossen?‘, dann sollt ihr ihm sagen: Allah hatte Seinem Gesandten die Erlaubnis dazu gegeben, euch jedoch wurde diese Erlaubnis nicht gegeben. Und nur für eine bestimmte Zeit war mir das Vergießen von Blut erlaubt. So wie hier in der Vergangenheit Blutvergießen und Mord verboten waren, wird es auch in Zukunft sein. Diejenigen, die anwesend sind, sollen diese Nachricht den Abwesenden übermitteln.“
In einer Überlieferung wird außerdem erwähnt, dass hier kein Dorn abgeschnitten, kein Wild aufgescheucht und kein auf dem Weg liegender verlorener Gegenstand aufgehoben werden dürfe. Aufheben dürfe ihn jedoch derjenige, der seinen Besitzer ausfindig macht. Auch Gras dürfe hier nicht geschnitten werden. Als Abbas, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, das Idhkhir-Gras erwähnte, sagte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm: „Ja, Idhkhir-Gras darf geschnitten werden.“ An jenem Tag hatten Angehörige des Stammes Chuza’a einen Mann aus dem Stamm Chuza’a getötet. Der Gesandte Allahs sagte dazu: „O Angehörige des Stammes Chuza’a, haltet euch vom Töten zurück. Wenn das Töten gut gewesen wäre, wäre es bereits früher geschehen. Es ist viel getötet worden. Ihr habt einen Mann getötet, dessen Blutgeld ich gewiss entrichten werde.“ Von nun an darf, wenn jemand einen Menschen tötet, die Familie des Getöteten nach ihrem Willen entweder einen der Täter töten oder Blutgeld verlangen.
In einer Überlieferung heißt es, dass nach dieser Erklärung des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ein Mann aus dem Jemen namens Abu Schah aufstand und sagte: „O Gesandter Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf dir, lass diese deine Erklärung für mich niederschreiben.“ Daraufhin befahl er, sie niederzuschreiben. 10[Sahih al-Bukhari, 1. Band, S. 22, 216]
Die Zweifel der Ansar:
Nach der Eroberung Mekkas sagten die Ansar untereinander: „Wird der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in Mekka bleiben, nachdem er seine Heimatstadt erobert hat?“ Zu jener Zeit erhob der Gesandte Allahs auf dem Berg Safa seine Hände zum Bittgebet. Nachdem er sein Bittgebet beendet hatte, fragte er: „Worüber habt ihr untereinander gesprochen?“ Die Ansar stritten dies ab. Nach wiederholtem Fragen teilten sie ihm ihre Zweifel mit. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Allah bewahre! Von nun an gehören Leben und Tod euch.“
Die Bai’a:
Nachdem Allah, der Herr der Welten, Seinem geliebten Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und den Muslimen den Sieg über Mekka gewährt hatte, wurde den Bewohnern Mekkas die Wahrheit klar. Sie erkannten, dass es außer dem Islam keinen Weg zum Erfolg gibt. Deshalb erschienen sie vor dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, um ihm als Anhänger des Islam die Bai’a zu leisten. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, setzte sich auf Safa und begann, von den Menschen die Bai’a entgegenzunehmen. Umar, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, befand sich unterhalb des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und nahm von den Menschen das Versprechen entgegen. Die Anwesenden verpflichteten sich gegenüber dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, dazu, soweit wie möglich auf ihn zu hören und ihm zu gehorchen.
Im Tafsir Madarik wird erwähnt, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nach der Bai’a der Männer auch von den Frauen die Bai’a entgegennahm. Umar, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, befand sich unten und nahm auf Befehl des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die Bai’a entgegen, indem er den Frauen dessen Worte übermittelte.
Zu dieser Zeit erschien Hind, die Frau von Abu Sufyan, in einer anderen Kleidung. In Wirklichkeit hatte sie Angst, dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sie erkennen könnte, weil sie sich am Leichnam Hamzas (möge Allah mit ihm zufrieden sein) so schändlich verhalten hatte. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) nahm den Treueid entgegen und sagte: „Ihr sollt Allah niemanden beigesellen.“ Hadrat Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) wiederholte genau diese Worte und sagte: „Ihr Frauen, ihr sollt Allah niemanden beigesellen.“ Danach sagte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm): „Ihr sollt nicht stehlen.“ Kaum hatte er dies gesagt, erwiderte Hind: „Abu Sufyan ist ausgesprochen geizig. Was geschieht, wenn ich etwas von seinem Vermögen nehme?“ Abu Sufyan war dort anwesend und sagte: „Alles, was du nimmst, ist für dich halal.“ Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) lächelte. Dann sagte er: „Bist du etwa Hind?“ Die Frau Abu Sufyans antwortete: „Ja, o Gesandter Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Vergib mir bitte alles, was geschehen ist.“ Der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Möge Allah dir vergeben.“
Danach sagte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm): „Ihr sollt keinen Ehebruch begehen.“ Als Hind dies hörte, sagte sie: „Kann eine freie Frau etwa Ehebruch begehen?“ Danach sagte er: „Ihr sollt eure eigenen Kinder nicht töten.“ Hind sagte: „In ihrer Kindheit habe ich sie aufgezogen, und als sie erwachsen waren, haben eure Leute sie getötet. Was sie betrifft, wisst ihr und wissen sie selbst es daher am besten.“
Es sei erwähnt, dass Hindas Sohn Hanzala ibn Abu Sufyan am Tag der Schlacht von Badr getötet worden war. Als Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) Hinds Worte hörte, lachte er sich fast zu Tode. Auch der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) lächelte.
Danach sagte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm): „Ihr sollt niemanden verleumden.“ Hind sagte: „Bei Allah, Verleumdung ist eine äußerst schlechte Sache. Du lehrst wahrhaft Rechtleitung und edlen Charakter.“ Danach sagte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm): „Ihr sollt dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) in keiner festgelegten Angelegenheit ungehorsam sein.“ Hind sagte: „Bei Allah, in dieser Versammlung habe ich nicht mit der Absicht gesessen, dir ungehorsam zu sein.“
Danach kehrte Hind nach Hause zurück und zerbrach die Götzen in ihrem Haus. Während sie die Götzen zerbrach, sagte sie: „Wir waren in Bezug auf euch getäuscht worden.“ 11 [Madābik at-Tanzīl.]
Der Aufenthalt des Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) in Mekka:
Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) blieb neunzehn Tage in Mekka. Während dieser Zeit gab er Anleitung in den Lehren des Islam, in Gottesfurcht und in der Rechtleitung. Auf Anweisung des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ließ Abu Usaid al-Khazari (möge Allah mit ihm zufrieden sein) damals die Pfeiler des Heiligen Bezirks neu errichten.
Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) rief während des genannten Zeitraums zum Islam auf und entsandte an verschiedene Orte mehrere Sarīyya, also kleinere Truppenabteilungen. Auf diese Weise wurden alle Götzen zerbrochen. Auf Anweisung des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) verkündete jemand: „Wer an Allah, den Erhabenen, und an das Jenseits glaubt, soll keinen Götzen in seinem Haus aufbewahren, sondern ihn zerbrechen.“
Entsendung von Truppen und Delegationen:
1. Nach der Eroberung Mekkas entsandte der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, am 25. Ramadan des 8. Jahres nach der Hidschra eine Sariyya unter dem Befehl von Chālid ibn al-Walīd, möge Allah mit ihm zufrieden sein. Diese Expedition wurde entsandt, um al-ʿUzzā zu beseitigen. Al-ʿUzzā befand sich in Nachla. Die Quraisch und der gesamte Stamm Banū Kināna verehrten dieses Götzenbild. Es war ihr größtes Götzenbild. Der Stamm Banū Schaibān betreute es. Hadhrat Chālid ging mit dreißig berittenen Soldaten nach Nachla und zerstörte dieses Götzenbild. Nach seiner Rückkehr fragte der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, Hadhrat Chālid: „Hast du etwas gesehen?“ Er antwortete: „Nein, eigentlich nicht.“ Da sagte der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden: „Dann hast du wohl nur ein Götzenbild zerstört?“
Hadhrat Chālid erhob erneut sein blankes Schwert und ging los. Diesmal sah er eine schwarze, nackte, kahlköpfige Frau auf sich zukommen. Daraufhin schlug Hadhrat Chālid mit dem Schwert zu, und die Frau wurde in zwei Teile gespalten. Danach kehrte Hadhrat Chālid zum Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, zurück und berichtete ihm davon. Er sagte: „Ja, das war al-ʿUzzā. Nun hat sie jede Hoffnung verloren, dass sie in eurem Land noch verehrt wird.“
2. Noch im selben Monat entsandte der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, ʿAmr ibn al-ʿĀs, um ein anderes Götzenbild namens Suwāʿ zu zerstören. Es befand sich drei Meilen von Mekka entfernt. Im Gebiet von Ruhāt wurde es vom Stamm Banū Hudhail verehrt. Als Hadhrat ʿAmr dort eintraf, fragte der Priester: „Was willst du?“ Er antwortete: „Auf Befehl des Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, bin ich gekommen, um dieses Götzenbild zu zerstören.“ Der Priester sagte: „Das wirst du nicht schaffen.“ Er fragte: „Warum nicht?“ Der Priester antwortete: „Aus dem Unsichtbaren wird man dich daran hindern.“ Da sagte er: „Wehe dir! Kann dieses Götzenbild etwa sehen? Kann es hören? Stehst du immer noch auf der Lüge?“ Danach zerstörte er das Götzenbild und forderte seine Gefährten auf, das Götzenhaus zu durchsuchen. Sie fanden jedoch nichts. Auf Hadhrat ʿAmrs Anweisung wurde auch das Götzenhaus zerstört. Anschließend fragte er den Priester: „Nun, was hast du erkannt?“ Der Priester sagte: „Ich glaube an Allah, den Einen ohne Teilhaber.“
3. Noch im selben Monat wurde eine Truppe von zwanzig Soldaten unter der Führung von Hadhrat Saʿd ibn Zaid al-Aschhalī entsandt. Sie zogen aus, um das Götzenbild Manāt zu zerstören. Dieses Götzenbild befand sich in einem Gebiet namens Maschal, nahe Qudaid. Die Stämme Ghassān, Aus und Chazradsch verehrten es. Als Hadhrat Saʿd dort eintraf, fragte der Priester: „Was willst du?“ Er antwortete: „Ich will Manāt zerstören.“
Der Priester sagte: „Du weißt es, und deine Aufgabe weiß es ebenfalls.“ Hadhrat Saʿd bemerkte, wie eine Frau mit abscheulichem Gesicht, schwarzer Haut und kahlrasiertem Kopf herauskam. Sie schlug sich auf die Brust und wehklagte. Der Priester sagte: „Manāt wird einige deiner Widersacher vernichten.“ Inzwischen spaltete Hadhrat Saʿd Manāt mit seinem Schwert in zwei Teile. Danach wurde das Götzenhaus zerstört. Man fand dort jedoch nichts.
4. Noch im selben Monat, nachdem er von der Zerstörung al-ʿUzzās zurückgekehrt war, entsandte der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, Hadhrat Chālid, möge Allah mit ihm zufrieden sein, zu den Banū Dschadhīma. Er war entsandt worden, um sie zum Islam einzuladen. Hadhrat Chālid, möge Allah mit ihm zufrieden sein, brach mit dreihundertfünfzig Männern aus den Muhādschirūn, den Ansār und dem Stamm Banū Sālim auf. Als sie den Stamm Banū Dschadhīma erreichten, luden sie ihn zum Islam ein. Statt „Aslamnā“, das heißt „Wir haben den Islam angenommen“, sagten sie: „Sabaʾnā, Sabaʾnā“, das heißt: „Wir haben unsere Religion aufgegeben.“ Daraufhin begann Hadhrat Chālid, sie zu töten und gefangen zu nehmen. Dann übergab er jedem seiner Gefährten einen Gefangenen und befahl ihnen, diese zu töten. Hadhrat ʿAbdullāh ibn ʿUmar und seine Gefährten weigerten sich, den Befehl des Befehlshabers auszuführen. Dieser Vorfall wurde dem Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, berichtet. Er hob beide Hände zum Himmel und sagte zweimal: „O Allah, ich suche Zuflucht bei Dir vor dem, was Chālid getan hat.“ 12 [Sahīh al-Buchārī, Band 1, S. 450]
Auf Befehl Hadhrat Chālids töteten die Angehörigen des Stammes Banū Sālim ihre eigenen Gefangenen. Die Ansār und die Muhādschirūn töteten ihre Gefangenen nicht. Nach diesem Vorfall entsandte der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, Hadhrat ʿAlī, möge Allah mit ihm zufrieden sein, und ließ die Entschädigung für die Getöteten sowie den Ersatz für ihre sonstigen Verluste leisten. Wegen dieses Vorfalls kam es zwischen Hadhrat Chālid und Hadhrat ʿAbd ar-Rahmān ibn ʿAuf, möge Allah mit ihm zufrieden sein, zu einem heftigen Wortwechsel. Als der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, davon erfuhr, sagte er: „Chālid, halte ein! Unterlasse es, etwas gegen meine Gefährten zu sagen. Bei Allah, selbst wenn der Berg Uhud zu Gold würde und du alles davon auf Allahs Weg ausgeben würdest, könntest du nicht einmal den Rang des Gottesdienstes eines meiner Gefährten an einem einzigen Morgen oder Abend erreichen.“ 13 [Ibn Hischām, Sahīh al-Buchārī, Fath al-Bārī, Sahīh Muslim, Zād al-Maʿād.]
Der Krieg um die Eroberung Mekkas war der eigentliche entscheidende Krieg, und die Eroberung Mekkas war der eigentliche Sieg, der die Macht und den Hochmut der Götzendiener völlig zerschmetterte. Auf der Arabischen Halbinsel blieb kein Raum mehr für Schirk oder Götzenverehrung. Denn die einfachen Menschen, abgesehen von Muslimen und Götzendienern, wollten mit größter Neugier beobachten, wie der Ausgang dieses Konflikts aussehen würde. Die einfachen Menschen wussten sehr wohl, dass nur jene Macht, die auf der Wahrheit gründet, in der Lage sein würde, ihre Herrschaft über die Kaaba zu begründen. Ihr Glaube war durch das Ereignis von Abraha und seinem Elefantenheer, das sich ein halbes Jahrhundert zuvor ereignet hatte, noch stärker geworden. Die damaligen Araber hatten mit eigenen Augen gesehen, wie das Elefantenheer, das zum Angriff auf Allahs Haus vorgerückt war, vernichtet und ausgelöscht worden war.
Man sollte sich daran erinnern, dass der Vertrag von Hudaybiyya den Beginn beziehungsweise die Einleitung zur Eroberung Mekkas bildete. Infolge dieses Vertrags strömten Quellen des Friedens und der Sicherheit überall hervor. Die Menschen erhielten die Gelegenheit, offen miteinander zu sprechen. Sie tauschten sich über den Islam aus und führten darüber Diskussionen. Auch diejenigen, die in Mekka heimlich den Islam angenommen hatten, erhielten die Möglichkeit, sich über die Religion auszutauschen. Infolgedessen traten viele Menschen zum Islam über. Zuvor hatte die Zahl der Muslime in den verschiedenen Kriegen nicht mehr als dreitausend betragen. Zur Zeit der Eroberung Mekkas waren es jedoch zehntausend.
In diesem entscheidenden Krieg wurden den Menschen die Augen geöffnet. Auch der letzte Schleier, der vor ihren Augen gelegen hatte, wurde entfernt. Auf dem Weg zur Annahme des Islams blieb kein Hindernis mehr bestehen. Nach der Eroberung Mekkas begann die Sonne der Muslime am politischen und religiösen Himmel Mekkas zu strahlen. Sowohl die religiöse Autorität als auch die weltliche Herrschaft gelangten vollständig in die Hände der Muslime.
Die günstige Lage, die durch den Vertrag von Hudaybiyya für die Muslime entstanden war, erreichte nach der Eroberung Mekkas ihre Vollendung. Der folgende Abschnitt gehörte ausschließlich den Muslimen, und die Lage stand unter ihrer alleinigen Kontrolle. Danach blieb den verschiedenen arabischen Stämmen nur ein Weg offen: Sie würden mit Delegationen kommen, den Islam annehmen und den Ruf zur Religion in alle Richtungen verbreiten. Und tatsächlich wurde diese Aufgabe in den folgenden zwei Jahren ausgeübt.
Dritte Phase: Die Schlacht von Hunain
Dies war die letzte Phase im prophetischen Leben des Gesandten Allahs. Diese Phase seines Lebens war die Anerkennung der Mühen und Opfer, die er während beinahe dreiundzwanzig Jahren hingebungsvoller Arbeit auf sich genommen hatte.
In dieser langen Zeit war die Eroberung Mekkas der bedeutendste Erfolg des Propheten. Durch diesen Sieg veränderte sich die Lage grundlegend, und in den Verhältnissen und der Umgebung Arabiens zeigte sich ein Wandel. Dieser Sieg bildete eine Brücke zwischen der vergangenen und der kommenden Zeit. In den Augen der arabischen Bevölkerung waren die Quraisch die Hüter und Helfer der Religion. Ganz Arabien war ihnen in dieser Hinsicht untergeordnet. Die Niederlage der Quraisch bedeutete, dass die Götzenverehrung im gesamten arabischen Gebiet für immer mit der Wurzel ausgerottet worden war.
Die erwähnte letzte Phase gliedert sich in zwei Teile: Erstens Müjahada und Krieg. Zweitens das Herbeieilen verschiedener Völker und Stämme, um den Islam anzunehmen. Beide Zustände waren eng miteinander verbunden.
Die Schlacht von Hunain
Mekka wurde durch einen überraschenden Feldzug erobert. Die Bevölkerung Arabiens war darüber vor Staunen wie gelähmt. Die benachbarten Stämme besaßen nicht die Kraft, diesem unerwarteten Feldzug entgegenzutreten. Daher schlossen sich einige mächtige, hochmütige und aufsässige Stämme sowie einige Angehörige der Banu Bilal zusammen. Diese Stämme standen in Verbindung mit Qays ʿAylān. Sie betrachteten eine Unterwerfung unter die Muslime als unvereinbar mit ihrer Ehre. Deshalb begaben sie sich zu Malik ibn Auf an-Nasri und beschlossen, die Muslime anzugreifen.
Der Aufbruch der Feinde und ihre Ankunft in Awṭās
Nach diesem Beschluss brachen alle versammelten Nichtmuslime unter der Führung von Malik ibn Auf auf, um gegen die Muslime zu kämpfen. Sie nahmen ihre Familien und ihr Vieh mit sich. Sie kamen in der Ebene von Awṭās an. Awṭās ist eine Ebene im Gebiet der Banu Hawāzin nahe Hunain. Diese Ebene ist jedoch von Hunain getrennt. Hunain ist eine eigenständige Ebene. Sie liegt in der Nähe von Dhū al-Majāz. Von dort aus beträgt die Entfernung nach Mekka über ʿArafāt mehr als zehn Meilen. 1[Fatḥ al-Bārī, Bd. 8, S. 27, 42]
Die Truppensammlung der Feinde
Nach der Ankunft in Awṭās traten die Leute vor den Befehlshaber Malik ibn Auf. Unter ihnen befand sich auch der alte Kriegsexperte Duraid ibn as-Simma. Dieser Mann war unter der Last des Alters gebeugt. Er hatte viel Erfahrung in zahlreichen Kriegen. Einst war er ein tapferer Krieger gewesen. Nun konnte er nichts mehr tun, außer seine Erfahrungen zu schildern und darauf beruhende Ratschläge zu geben. Er fragte Malik: „In welcher Ebene befindet ihr euch?“ Man antwortete ihm: „In der Ebene von Awṭās.“ Er sagte: „Das ist ein geeigneter Ort, um Truppen zu sammeln. Doch ich höre das Schreien von Eseln, Kamelen und Pferden sowie das Weinen kleiner Kinder und die Stimmen der Frauen.“ Man teilte ihm mit, dass der Befehlshaber Malik ibn Auf neben den Soldaten auch deren Familien und ihr Vieh mitgebracht hatte. Als Duraid nach dem Grund fragte, sagte man ihm, jeder Krieger werde wegen der Zuneigung zu seinen bei ihm befindlichen Frauen, Söhnen, Töchtern und seinem Vieh tapfer kämpfen.
Als Duraid diese Antwort von Malik ibn Auf hörte, sagte er: „Bei Allah, du bist ein Schafhirte. Kann irgendetwas einen Besiegten zurückhalten? Sieh: Wenn du im Krieg siegst, werden dir nur Schwert und Speer von Nutzen sein. Wenn du jedoch besiegt wirst, wirst du entehrt werden. Denn die Frauen, Söhne, Familien und das Vieh eines besiegten Kriegers werden nicht sicher sein.“ Duraid erkundigte sich nach den Anführern der verschiedenen Stämme. Nachdem er alles gehört hatte, sagte er zum Befehlshaber: „O Malik, du hast nicht gut daran getan, die Familien und Viehherden des Stammes Hawāzin mitzubringen. Schicke sie in ihre eigenen Gebiete an einen sicheren Ort. Dann besteigt ihr die Pferde und kämpft gegen die Ungläubigen. Wenn du siegst, werden die Zurückgebliebenen zu euch stoßen. Wenn du besiegt wirst, werden sie in Sicherheit sein.“
Der Befehlshaber Malik ibn Auf wies diesen Rat zurück und sagte: „Bei Gott, das kann ich nicht tun. Du bist alt geworden, und auch dein Verstand ist alt geworden. Vielleicht wird der Stamm Hawāzin mir gehorchen; ich werde mich auf mein Schwert stützen und Selbstmord begehen.“ Kurz gesagt, Malik wollte nicht, dass Duraids Name oder sein Rat in diesen Krieg einbezogen wurde. Die Männer des Stammes Hawāzin sagten: „Wir bleiben dir treu ergeben.“ Duraid sagte: „Ich habe mit diesem Krieg nichts zu tun. Ich trage keinerlei Verantwortung für diesen Krieg. Ach, wenn ich heute noch jung wäre und ein Alter hätte, in dem ich umherlaufen könnte, dann würde ich Pferde anführen, wie eine mittelgroße Ziege mit langem Fell.“
Die Spione der Feinde
Um Informationen über die Muslime zu sammeln, schickte Malik ibn Auf zwei Spione aus. Noch bevor sie ihr Ziel erreichten, kehrten sie zurück. Sie waren bewegungsunfähig. Nachdem sie dem Befehlshaber vorgeführt worden waren, sagte dieser: „Möge euer Untergang kommen! Was ist mit euch geschehen?“ Sie sagten: „Wir sahen einige scheckige Pferde und Menschen, und unmittelbar danach wurden wir so.“
Währenddessen erhielt der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, verschiedene Nachrichten über die Feinde. Er sagte zu Abu Hadrad al-Aslami: „Geh, halte dich unter den Feinden auf und bringe uns Nachrichten über sie.“ Dieser tat es.
Der Weg von Mekka nach Hunain
Am Sonntag, dem 6. Schawwal im achten Jahr der Hidschra, brach der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, von Mekka nach Hunain auf. Es war der neunzehnte Tag seit seiner Ankunft in Mekka. Bei ihm waren 12.000 Soldaten. Zehntausend von ihnen waren aus Medina nach Mekka gekommen, während die übrigen 2.000 von Mekka aus aufbrachen. Die meisten der 2.000 Mekkaner waren neue Muslime. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, lieh sich von Safwan ibn Umaiya hundert Rüstungen samt Waffen. Er ernannte Attab ibn Asid zum Gouverneur von Mekka.
Nach Mittag kam ein Gefährte und sagte: „Ich bin auf einen bestimmten Berg gestiegen und habe gesehen, dass die Banu Hawazin mit ihren Familien zum Kampf gekommen sind. Sie haben auch ihre Viehherden mitgebracht.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, lächelte und sagte: „So Allah will, werden diese morgen Beute der Muslime sein.“ In der Nacht übernahm Hadrat Anas ibn Marthad den Wachdienst.
Unterwegs sahen die Gefährten einen Baum der Gattung Ziziphus, der Dhat Anwāt genannt wurde. Die Götzendiener von Mekka pflegten ihre Waffen an diesem Baum aufzuhängen. In seiner Nähe schlachteten sie Tiere und veranstalteten unter ihm einen Jahrmarkt. Einige Gefährten sagten zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm: „Wie sie einen Baum namens Dhat Anwāt haben, so richte auch für uns einen solchen Baum ein.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Allah ist größer! Bei Dem, in Dessen Hand mein Leben liegt: Ihr habt wahrhaftig dasselbe gesagt, was das Volk von Hadrat Musa zu ihm gesagt hatte. Sie sagten: ‚Ijʿal lanā ilāhan kamā lahum āliha‘, das heißt: ‚Mach für uns einen Gott, so wie sie Götter haben.‘ Ich sehe, dass ihr ganz in die Bahn der Früheren eingetreten seid.“ 3 [Tirmidhi, Fitan; Musnad Ahmad, Bd. 5, S. 281]
Einige Leute sagten angesichts der großen Zahl der Soldaten: „Heute werden wir auf keinen Fall besiegt werden.“ Auch diese Aussage missfiel dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm.
Der plötzliche Angriff der Muslime:
In der Nacht zum Mittwoch, am 10. Schawwal, erreichte das islamische Heer Hunain. Malik ibn Auf war bereits an diesem Ort eingetroffen und hatte seine Soldaten im Schutz der Dunkelheit heimlich an verschiedenen Stellen verteilt. Ihnen war befohlen worden, die Muslime sofort nach ihrem Eintreffen mit Pfeilen zu beschießen und kurze Zeit später gemeinsam anzugreifen.
Unterdessen stellte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in den frühen Morgenstunden die Soldaten an verschiedenen Stellen auf. Früh am Morgen betraten die muslimischen Soldaten das Tal von Hunain. Sie wussten nichts über die feindlichen Truppen. Während die ahnungslosen muslimischen Soldaten, die nicht wussten, dass der Feind ihnen auflauerte, sich unbesorgt aufstellten, begann plötzlich ein Pfeilregen auf sie niederzugehen. Kurz darauf stürzten sich die Feinde geschlossen auf die Muslime. Die Muslime waren völlig verwirrt und begannen, sich zu zerstreuen. Dies war eine offenkundige Niederlage. Der neue Muslim Abu Sufyan sagte: „Sie werden nicht Halt machen, bevor sie die andere Seite des Meeres erreicht haben.“ Dschabala oder Kalda ibn Dschunaid sagte: „Seht, heute ist die Magie zunichtegemacht worden.“ Ibn Ishaq hat dies überliefert. Bara ibn Asib sagt: „Im Sahih al-Buchari wird erwähnt, dass die Banu Hawazin Bogenschützen waren. Als wir angriffen, flohen sie. Danach begannen wir, die Beute zu sammeln. Inzwischen empfingen uns die Feinde mit einem Pfeilregen.“ 4 [Sahih al-Buchari, Kapitel über den Tag von Hunain]
Im Sahih Muslim wird von Anas überliefert. Anas sagte: „Wir eroberten Mekka. Danach unternahmen wir den Feldzug nach Hunain. Die Götzendiener kamen in hervorragender Ordnung. Eine derart disziplinierte Aufstellung hatte ich noch nie gesehen: zuerst eine Reihe der Reiter, danach eine Reihe der Fußsoldaten, hinter ihnen die Frauen, dahinter Schafe und Ziegen und danach die Viehherden. Wir waren zahlenmäßig überlegen. Auf der rechten Seite unserer Truppen befand sich Khalid. Doch unsere Reiter begannen, sich hinter uns zu verstecken, und kurze Zeit später flohen sie. Auch die Araber flohen. Ebenso flohen jene, von denen ihr wisst.“ 5 [Fath al-Bari, Band 8, S. 8]
Als die Gefährten sich zu zerstreuen begannen, rief der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nach rechts gewandt: „O ihr Menschen, kommt zu mir! Ich bin Muhammad, der Sohn Abdallahs.“ Zu jener Zeit befanden sich außer einigen Muhadschirun und den Gefährten aus seiner Familie niemand beim Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. 6 [Nach der Überlieferung Ibn Ishaqs waren es neun oder zehn. Der Prophet sagte: „Zusammen mit dem Gesandten Allahs standen zwölf standhaft.“ Die Gefährten waren geflohen, um einen sicheren Zufluchtsort zu suchen. Achtzig blieben fest an der Seite des Gesandten Allahs stehen. Wir kehrten dem Feind nicht den Rücken zu. At-Tirmidhi überlieferte einen Hadith von Abdullah ibn Umar. Er sagte: „Ich sah, wie die eigenen Leute am Tag von Hunain den Rücken kehrten. Beim Gesandten Allahs waren nicht einmal hundert Gefährten.“]
In diesem kritischen Augenblick zeigte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, beispiellose Tapferkeit und Mut. Er ging auf die Feinde zu und rief mit lauter Stimme: „Ich bin der Prophet, der nicht lügt; ich bin der Sohn Abd al-Muttalibs.“
Zu jener Zeit hielten Abu Sufyan und al-Abbas das Maultier des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, fest, damit es nicht nach vorn davonlaufen konnte. Daraufhin sagte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu seinem Onkel al-Abbas, er solle die Menschen mit lauter Stimme zu rufen beginnen. al-Abbas hatte eine kräftige Stimme. al-Abbas sagte: „Ich rief mit lauter Stimme: Wo seid ihr, Leute des Baumes, ihr Leute des Treueeids von Ridwan?“ Als die Gefährten meine Stimme hörten, begannen sie herbeizueilen, so wie Kälber herbeilaufen, wenn sie das Muhen der Kühe hören. Die Gefährten sagten: „Wir kommen.“ 7 [Sahih Muslim, Band 2, S. 100]
Als die Gefährten herbeizueilen begannen und sich hundert Gefährten rings um den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, versammelt hatten, stellte er sich dem Feind entgegen. Der Kampf begann.
Danach wurden die Ansar gerufen. Nach und nach beschränkte sich dieser Ruf auf die Banu al-Harith ibn al-Chazradsch. Unterdessen begannen die Gefährten ebenso schnell zurückzukehren, wie sie das Schlachtfeld verlassen hatten. Im Nu entbrannte ein heftiger Kampf. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, blickte zum Schlachtfeld und sagte: „Jetzt ist der Ofen heiß geworden.“ Danach nahm er eine Handvoll Staub, rief „Schahāt al-wudschūh“ und warf ihn den Feinden entgegen. Das bedeutet: „Mögen die Gesichter entstellt werden.“ Durch den geworfenen Staub wurden die Augen jedes einzelnen Feindes mit Staub erfüllt. Sie wandten sich zur Flucht und begannen, um ihr Leben zu rennen.
Die Niederlage der Feinde
Unmittelbar nachdem der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, den Staub geworfen hatte, änderte sich das Bild des Kampfes, und die Feinde wurden besiegt. Siebzig Ungläubige aus dem Stamm Thaqīf wurden getötet. Waffen, Reichtümer, Vorräte, Ausrüstung, Frauen, Kinder und Viehherden, die sie mitgebracht hatten, fielen vollständig in die Hände der Muslime.
Allah, der Herr der Welten, sagt hierzu: „Allah hat euch an vielen Orten geholfen, besonders am Tag der Schlacht von Hunain, als euch eure große Zahl erfreute, sie euch aber nichts nützte; und obwohl die Erde weit war, wurde sie euch eng, woraufhin ihr den Rücken kehrtet und floht. Danach sandte Allah Seine Ruhe von Sich aus auf Seinen Gesandten und die Gläubigen herab und sandte Heerscharen, die ihr nicht saht, und bestrafte die Ungläubigen. Das ist der Lohn der Ungläubigen.“ (Sure at-Tauba, Verse 25–26)
Die Verfolgung der Feinde auf ihrem Fluchtweg:
Nach einer kurzen Auseinandersetzung zwischen beiden Seiten ergriffen die Götzendiener die Flucht. Nach ihrer Niederlage zog eine Gruppe der Feinde in Richtung Taif, eine andere in Richtung Nachla und eine weitere in Richtung Autas. Bei dem Zusammenstoß zwischen beiden Seiten erlitt unter den Gefährten Abu Amir al-Aschari den Märtyrertod. Er führte eine Gruppe an.
Eine Gruppe der Gefährten verfolgte die Nichtmuslime, die auf dem Weg nach Nachla flohen. Durain ibn Schomma wurde gefasst. Hadrat Rabia ibn Rafi tötete ihn.
Die größte Gruppe der besiegten Feinde zog in Richtung Taif. Nachdem der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die Beute hatte zusammentragen lassen, brach er nach Taif auf.
Kriegsbeute
Die Kriegsbeute stellte sich wie folgt dar: 6.000 Kriegsgefangene, 24.000 Kamele und mehr als 40.000 Ziegen. 4.000 Uqiyya Silber, also 160.000 Dirham. Ihr Gewicht lag um einige Kilogramm unter sechs Quintalen. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) befahl, sämtliche Güter zusammenzutragen. In einem Ort namens Dschiʿrāna wurden alle Besitztümer gesammelt und unter die Aufsicht von Masʿūd ibn ʿAmr al-Ghifārī (möge Allah mit ihm zufrieden sein) gestellt. Bis zum Ende des Feldzugs von Tāʾif wurden sie nicht verteilt.
Unter den Gefangenen befand sich auch Schaima bint al-Harith as-Saʿdiyya. Sie war die Milchschwester des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Nachdem man sie zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) gebracht und ihre Identität erklärt hatte, erkannte er sie an einem besonderen Zeichen. Daraufhin erwies ihr der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) große Ehre. Er breitete seinen Umhang aus und ließ sie darauf Platz nehmen. Ihrem Wunsch entsprechend erwies er ihr seine Gunst und schickte sie zu ihrem Stamm zurück.
Der Feldzug von Tāʾif
Dieser Feldzug war in Wirklichkeit ein Teil des Feldzugs von Hunain. Die meisten der besiegten Angehörigen der Stämme Hawāzin und Thaqīf waren zusammen mit ihrem Befehlshaber Mālik ibn ʿAwf an-Nasrī nach Tāʾif geflohen und hatten sich dort verborgen. Daher brach der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) nach Tāʾif auf.
Zunächst wurden unter dem Kommando von Chālid ibn al-Walīd eintausend Soldaten entsandt; danach brach auch der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) selbst auf. Unterwegs passierte er Nachla, Imānīya und Manzil. In einem Ort namens Liya besaß Mālik ibn ʿAwf eine Festung. Auf Befehl des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) wurde diese Festung zerstört. Nachdem er seine Reise fortgesetzt und Tāʾif erreicht hatte, belagerte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) die Festung von Tāʾif.
Die Belagerung dauerte lange. Nach der Überlieferung von Anas (möge Allah mit ihm zufrieden sein) in Sahih Muslim dauerte diese Belagerung 40 Tage. Einige Verfasser von Sīra-Werken erwähnen jedoch auch 20 Tage. Manche nennen 10, andere 15 und wieder andere 18 Tage. 8[Fatḥ al-Bārī, Band 8, S. 45]
Während der Belagerung wurden zwischen beiden Seiten Pfeile und Steine geschleudert. Bei der ersten Belagerung der Muslime wurden ununterbrochen Pfeile auf sie abgeschossen. Als die Muslime zu Beginn die Belagerung aufnahmen, wurden aus der Festung so viele Pfeile auf sie abgeschossen, dass es schien, als hätten Heuschrecken einen Schatten ausgebreitet. Dabei wurden mehrere Muslime verwundet und zwölf erlitten den Märtyrertod. Daraufhin verlegten die Muslime ihre Zelte etwas weiter weg.
Um dieser Situation zu begegnen, ließ der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) eine Schleudermaschine aufstellen und mehrere Geschosse auf die Festung abfeuern. Dadurch bekam die Mauer Risse und es entstand ein Loch. Die Gefährten warfen durch dieses Loch Steine auf sie. Doch vonseiten der Feinde wurden Pfeile wie Regen abgeschossen, wodurch mehrere Muslime den Märtyrertod erlitten.
Als Strategie, um die Feinde zu bezwingen, befahl der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), die Weinstöcke abzuschneiden und zu verbrennen. Der dadurch beunruhigte Stamm der Thaqif bat unter Berufung auf Allah, den Erhabenen, und auf die verwandtschaftlichen Beziehungen darum, davon abzusehen. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) gewährte ihre Bitte.
Während der Belagerung ließ ein Ausrufer im Auftrag des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) verkünden: „Jeder Sklave, der aus der Festung herabkommt und zu uns kommt, ist frei.“ Daraufhin kamen dreißig Männer aus der Festung und schlossen sich den Muslimen an. 9 (Sahih al-Buchari, Bd. 2, S. 260)
Unter den herbeigekommenen Sklaven befand sich auch Abu Bakra. Er stieg auf die Festungsmauer, ließ sich mithilfe einer sich drehenden Winde nach unten hinab und ergab sich den Muslimen. Im Arabischen wird die Krähe „Bakra“ genannt. Deshalb gab der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) diesem hinzugekommenen Sklaven den Beinamen Abu Bakra. Wie versprochen, ließ der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) die Sklaven frei, die zu den Muslimen gekommen waren und sich ihnen ergeben hatten, und stellte sie unter die Obhut von dreißig Gefährten mit den Worten: „Gebt ihnen die notwendige Ausrüstung.“ Dieses Ereignis wurde für die Feinde in der Festung äußerst verhängnisvoll.
Die Belagerung zog sich in die Länge, und es gab keinerlei Anzeichen dafür, dass die Feinde sich ergeben würden. Sie hatten in der Festung Lebensmittel für ein ganzes Jahr eingelagert. Zu dieser Zeit beriet sich der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) mit Naufal ibn Muʿawiya ad-Daili. Naufal sagte: „Der Fuchs ist in seine Höhle gegangen. Wenn du die Belagerung verlängerst, kannst du sie überwältigen. Wenn du jedoch zurückkehrst, können sie dir keinen Schaden zufügen.“ Daraufhin beschloss der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), die Belagerung zu beenden. Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) ließ unter den Gefährten verkünden: „So Allah will, werden wir morgen zurückkehren.“ Die Gefährten kritisierten diese Ankündigung. Sie sagten: „Was soll das bedeuten? Sollen wir zurückkehren, ohne Ta’if erobert zu haben?“ Als der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ihre abweichende Meinung hörte, sagte er: „Nun gut, zieht morgen früh in den Kampf.“ Am nächsten Tag zogen die Gefährten in den Kampf, doch sie erzielten keinen anderen Erfolg, als verwundet zurückzukehren. Als der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) dies sah, sagte er: „So Allah will, werden wir morgen zurückkehren.“ Die Gefährten aller Schichten zeigten sich mit dieser Entscheidung zufrieden. Sie begannen schweigend, ihre Sachen zu packen. Als der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) dies sah, lächelte er leicht.
Auf dem Rückweg sagte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu den ehrenwerten Gefährten: „ʿĀʾibūnā, tāʾibūnā, ʿābidūnā li-rabbinā ḥāmidūn.“ Das bedeutet: „Ihr kehrt zurück, bereut, dient Allah und preist euren Herrn.“
Die Gefährten sagten: „O Gesandter Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), sprich einen Fluch gegen die Leute von Thaqif aus.“ Er sagte: „O Allah, führe Thaqif recht und bringe sie zu uns.“
Die Verteilung der Kriegsbeute in Dschiʿrāna
Nach der Aufhebung der Belagerung von Taif nahm der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zunächst davon Abstand, die in Dschiʿrāna angesammelte Kriegsbeute zu verteilen. Der Grund für diese Verzögerung war, dass er den Angehörigen des Stammes Hawāzin alles zurückgeben wollte, falls sie zurückkehrten und Buße täten. Doch auch nach dem Warten kam niemand. Daraufhin begann der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die Kriegsbeute zu verteilen. Die Stammesoberhäupter verschiedener Stämme sowie die führenden Persönlichkeiten Mekkas warteten sehnsüchtig darauf, Kriegsbeute zu erhalten. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gab diesen Neubekehrten reichlich Kriegsbeute. 10[damit sie im Islam standhaft blieben]
Abū Sufyān ibn Ḥarb wurden vierzig Uqiyya, das heißt etwa sechs Kilogramm Silber, sowie einhundert Kamele gegeben. Abū Sufyān sagte: „Und mein Sohn Yazīd?“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gab auch Yazīd einen entsprechenden Anteil. Abū Sufyān sagte: „Und mein Sohn Muʿāwiya?“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gab auch ihm einen entsprechenden Anteil. Insgesamt wurden allein Abū Sufyān und seinen beiden Söhnen achtzehn Kilogramm Silber und dreihundert Kamele gegeben.
Ḥārith ibn Kalada wurden einhundert Kamele gegeben. Den Stammesoberhäuptern der Quraisch und der anderen Stämme wurden einigen einhundert, anderen fünfzig und wieder anderen vierzig Kamele gegeben. Unter den Menschen verbreitete sich die Nachricht, dass Muḥammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, so großzügig schenke, dass er keine Armut fürchte. Nachdem sich diese Nachricht verbreitet hatte, kamen die Beduinen, umringten den Gesandten Allahs und drängten ihn zu einem Baum. Durch das Gedränge blieb der Mantel des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, am Baum hängen. Er sagte: „O ihr Menschen, gebt mir meinen Mantel zurück!“
Bei Demjenigen, in dessen Hand mein Leben liegt: Selbst wenn ich so viele Vierbeiner besäße wie die Bäume von Tihāma, würde ich sie alle verteilen. Danach werdet ihr sehen, dass ich weder geizig noch ängstlich noch ein Lügner bin. 11[asch-Schifāʾ, Kapitel über den Qāḍī, Band 1, S. 86]
Danach ging der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu seinem eigenen Kamel und stellte sich neben es. Er nahm einige seiner Haare heraus, zeigte sie vor und sagte: „O ihr Menschen, mir gehört nichts von eurer Beute, dem Faiʾ. Nicht einmal so viel wie diese Kamelhaare, die ihr seht. Es gibt nur den Chums, das heißt einen Fünftelanteil an der Verteilung der Kriegsbeute; dieser Chums wird euch zurückgegeben.“
Sie wurde den Neubekehrten gegeben, die im Koran als „Muʾallafat al-qulūb“ bezeichnet werden. Danach sagte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu Zayd ibn Thābit, er solle die Kriegsbeute und die Soldaten zusammenstellen und die Verteilung berechnen. Er tat dies. Dadurch entfielen auf jeden Soldaten vier Kamele und vierzig Ziegen. Die herausragenden Kämpfer erhielten jeweils zwölf Kamele und zwölf Ziegen.
Bei dieser Verteilung wandte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, eine besondere Strategie an. Denn auf der Welt gibt es viele Menschen, die nicht dem Weg ihres Gewissens, sondern dem Weg ihres Bauches folgen. So wie man ein Tier an einen sicheren Ort führen kann, indem man ihm einen Büschel frisches Gras vorhält und sich rückwärts bewegt, wurde durch die erwähnte Verteilung des Besitzes versucht, die Herzen der Neubekehrten zu gewinnen, damit sie die Möglichkeit erhielten, den Glauben kennenzulernen und Liebe zum Islam zu entwickeln. 12[Muḥammad al-Ghazālī, Fiqh as-Sīra, S. 298–299]
Die seelische Verfassung der Ansār
Die politische Strategie des Gesandten Allahs bei der Verteilung der Kriegsbeute wurde zunächst nicht verstanden. Deshalb kritisierten ihn einige. Besonders die Ansar waren betrübt, weil ihnen nichts gegeben worden war. Dabei waren sie in der Krisensituation gerufen worden und eilends erschienen. Sie hatten an der Seite des Gesandten Allahs so gekämpft, dass eine scheinbare Niederlage in einen Sieg verwandelt worden war. Bei der Verteilung der Beute stellten sie jedoch fest, dass die Hände derjenigen, die in der Krisenzeit geflohen waren, gefüllt waren, während ihre eigenen Hände leer blieben. 13[Ebenda, dieselbe Seite]
Ibn Ishaq überliefert von Abu Sa’id al-Chudri (möge Allah mit ihm zufrieden sein), dass die Ansar betrübt waren, als der Gesandte Allahs den Stammesführern der Quraisch und der arabischen Stämme reichlich gab, ihnen aber nichts zukommen ließ. Sie flüsterten untereinander. Einige sagten sogar offen: „Bei Allah, der Gesandte Allahs hat sich seinem eigenen Volk angeschlossen.“ Sa’d ibn Ubada (möge Allah mit ihm zufrieden sein) ging zum Gesandten Allahs und sagte: „O Gesandter Allahs, die Ansar sind mit dem, was du hinsichtlich der Kriegsbeute getan hast, nicht zufrieden. Sie kritisieren es. Sie sagen, du hättest die Beute nur unter deinem eigenen Volk verteilt und den arabischen Stämmen besondere Gaben gemacht, während du den Ansar nichts gegeben hast.“ Der Gesandte Allahs fragte: „O Sa’d, wie ist deine Meinung dazu?“ Er sagte: „O Gesandter Allahs, bin ich denn nicht auch einer aus meinem Volk?“ Der geliebte Prophet sagte: „Geh und versammle die Menschen deines Volkes an einem Ort.“ Sa’d tat dies. Einige Auswanderer kamen, und man ließ sie ebenfalls Platz nehmen. Andere Leute kamen, doch man wies sie zurück. Danach wurde dem Gesandten Allahs mitgeteilt, dass sie sich eingefunden hätten. Daraufhin ging er zu ihnen.
Nachdem der geliebte Prophet Allah angemessen gelobt hatte, sagte er: „O Ansar, was ist der Grund für eure Unzufriedenheit und eure Kritik? Bin ich nicht zu euch gekommen, als ihr irregeleitet wart? Danach leitete Allah, der Erhabene, euch recht. Ihr wart bedürftig, und Allah, der Erhabene, gab euch Besitz und Vermögen. Er verband eure Herzen miteinander. Ist das nicht wahr?“ Sie sagten: „Ja, o Gesandter Allahs, du hast die Wahrheit gesprochen. Allah, der Erhabene, und Sein Gesandter haben uns große Gunst erwiesen.“ Er sagte: „Warum antworten die Ansar nicht?“ Sie sagten: „Was sollen wir antworten? Allah, der Erhabene, und Sein Gesandter haben uns überaus große Gunst erwiesen.“ Er sagte: „Wenn ihr wollt, könnt ihr sagen: Du kamst zu uns, als man dich verleugnete, und wir glaubten an dich. Du wurdest einsam und ohne Freunde zurückgelassen, und wir halfen dir. Du wurdest zurückgewiesen, und wir gaben dir eine Heimat. Du warst bedürftig, und wir linderten dein Leid.“
Der Gesandte Allahs sagte: „O Ansar, ihr seid innerlich wegen einer geringfügigen weltlichen Sache unzufrieden geworden. Durch diese Sache habe ich die Herzen einiger Menschen gewonnen, damit sie Muslime werden. Euch habe ich eurem angenommenen Islam überlassen. O Ansar, seid ihr nicht damit zufrieden, dass die anderen mit Kamelen und Ziegen nach Hause zurückkehren, während ihr gemeinsam mit dem Gesandten Allahs nach Hause zurückkehrt? Bei Dem, in dessen Hand meine Seele ist: Wenn es keine Auswanderung gegeben hätte, wäre ich gewiss einer der Ansar. Wenn alle Menschen einen Weg einschlagen und die Ansar einen anderen, werde ich den Weg der Ansar einschlagen. O Allah, erweise den Ansar, ihren Kindern und ihren Enkeln und Enkelinnen Barmherzigkeit.“
Als die Menschen die Ansprache des Gesandten Allahs hörten, weinten sie so sehr, dass ihre Bärte nass wurden. Sie sagten: „Wir sind damit zufrieden, dass der Gesandte Allahs bei unserem Anteil bleibt.“ Danach kehrte der Gesandte Allahs zurück, und die Gefährten gingen an ihre jeweiligen Plätze. 14[Ibn Hischam, Band 2, S. 499–500; Sahih al-Buchari, Band 2, S. 620–621[
Die Ankunft der Delegation der Hawazin
Nach der Verteilung der Beute kam eine Delegation des Stammes Hawazin als Muslime zum Gesandten Allahs. Sie bestand aus vierzehn Personen. Zuhayr ibn Surad war ihr Anführer. Auch Abu Barqan, der Milchonkel des Gesandten Allahs, gehörte zu ihnen. Sie kamen und baten um die Rückgabe der Kriegsgefangenen und des Besitzes. Sie sprachen auf eine Weise, die alle Herzen erweichte. 15[Ibn Ishaq sagt, dass sich unter den führenden Männern des Stammes der Delegation neun Personen befanden. Sie nahmen den Islam an, leisteten den Treueid und sprachen mit Allahs Gesandtem. Sie sagten: „O Gesandter Allahs, unter denen, die du gefangen genommen hast, befinden sich unsere Mütter und Schwestern sowie unsere Tanten mütterlicher- und väterlicherseits. Das ist für unser Volk eine Demütigung.“ (Fath al-Bari, Band 8, S. 33.) Es sei angemerkt, dass mit „Mütter, Schwestern“ und Ähnlichem die Milchmütter, Milchtanten und Milchschwestern des Gesandten Allahs gemeint waren. Für die Delegation sprach Zuhayr ibn Surad. Über Abu Barqan besteht Uneinigkeit. Manche erwähnen ihn als Abu Marwan oder Abu Sarwan.] Der Gesandte Allahs sagte: „Ihr seht die Menschen, die sich bei uns befinden. Ich bevorzuge die Wahrheit. Sagt offen: Liebt ihr eure Kinder mehr oder euren Besitz?“
Sie sagten: „Die Ehre und der Rang unserer Familie sind uns wertvoller.“ Der Gesandte Allahs sagte: „Gut. Nach dem Mittagsgebet sollt ihr aufstehen und sagen: Wir machen den Gesandten Allahs zu unserem Fürsprecher bei den Gläubigen und die Gläubigen zu seinen Fürsprechern. Gebt uns daher unsere Gefangenen zurück.“
Nach dem Mittagsgebet sagten sie dies. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Mein eigener Anteil und der Anteil der Banū ʿAbd al-Muṭṭalib gehören euch. Ich werde nun die anderen Leute fragen.“ Sofort erhoben sich die Anṣār und die Muhādschirūn und sagten: „Auch alles, was wir besitzen, gehört dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm).“ Danach erhob sich al-Aqraʿ ibn Ḥābis und sagte: „Was mir und den Banū Tamīm gehört, gehört nicht dir.“ ʿUyayna ibn Ḥiṣn sagte: „Was mir und den Banū Fazāra gehört, gehört nicht dir.“ ʿAbbās ibn Mirdās sagte: „Auch was mir und den Banū Sulaym gehört, gehört nicht euch.“ Da erhob sich ein Mann aus dem Stamm der Banū Sulaym und sagte: „Nein, vielmehr gehört alles, was uns gehört, dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm).“ Als ʿAbbās ibn Mirdās dies hörte, sagte er: „Ihr habt mich beleidigt.“
Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Seht, sie sind Muslime geworden. Deshalb habe ich die Verteilung ihrer Gefangenen aufgeschoben. Diejenigen also, die Gefangene bei sich haben, sollen sie zurückgeben. Das wäre sehr gut. Wer seinen eigenen Anteil behalten möchte, soll ebenfalls die Gefangenen zurückgeben. Wenn künftig Beute aus dem Faiʾ anfällt, wird ihnen dafür das Sechsfache gegeben.“ Die Leute sagten: „Wir sind bereit, dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) alles gern zu überlassen.“ Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Ich weiß nicht, wer einverstanden ist und wer nicht.“
Dann sagte er: „Geht vielmehr zurück und schickt euren Anführer zu mir.“ Daraufhin gaben die Gefährten die gefangenen Kinder und Frauen zurück. ʿUyayna ibn Ḥiṣn hatte eine alte Frau als Anteil erhalten; zunächst wollte er sie nicht zurückgeben, später gab auch er sie zurück. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) verabschiedete jeden Gefangenen mit einem geschenkten ägyptischen Umhang.
Die Umra und die Rückkehr nach Medina
Nach der Verteilung der Kriegsbeute trat der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) in Dschiʿrāna für die Umra in den Ihrām ein und vollzog die Umra. Danach ernannte er ʿAttāb ibn Asīd zum Gouverneur von Mekka.
Muḥammad al-Ghazālī sagt: Als Allah, der Erhabene, ihm bei diesem Sieg die Krone des gewaltigen Triumphs aufsetzte, welch ein Unterschied lag da zwischen diesem Augenblick und seiner Ankunft in dieser Stadt acht Jahre zuvor!
Er war in diese Stadt gekommen, als jemand, der Sicherheit suchte. Damals war er unbekannt und fremd, und Zweifel erfüllten sein Herz. Zu jener Zeit hatten die Einheimischen ihn geehrt, ihm Zuflucht gewährt und ihn unterstützt; sie waren dem Licht gefolgt, das er mit sich gebracht hatte. Ja, sie hatten seinetwegen jede Art von Feindschaft anderer für gering erachtet. Dieselben Menschen, die den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) nach seiner Auswanderung nach Medina vor acht Jahren empfangen hatten, empfingen ihn nun erneut. Heute lag Mekka in seiner Hand und stand unter seiner Herrschaft. Die Bewohner Mekkas hatten ihre Überheblichkeit und Unwissenheit zu Füßen des barmherzigen Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) niedergelegt. Er vergab ihnen all ihr früheres Unrecht und schenkte ihnen durch den Islam Ruhm und Erfolg.
Allah, der Erhabene, sagt im weisen Koran: „Wahrlich, wer Wahrhaftigkeit und Geduld übt – Allah lässt den Lohn der Rechtschaffenen nicht verloren gehen.“ 16[Fiqh as-Sīra, S. 306. Für ausführliche Informationen über die Eroberung Mekkas und die Schlacht von Tāʾif siehe Zād al-Maʿād, Bd. 2, S. 160–201; Ibn Hišām, Bd. 2, S. 389–501; Ṣaḥīḥ al-Buḫārī, Bd. 2, S. 612–623; Fatḥ al-Bārī, Bd. 8, S. 3–85]
Die Feldzüge nach der Eroberung Mekkas
Nach seiner Rückkehr nach Medina von dieser langen und erfolgreichen Reise blieb der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, einige Zeit in Medina. In dieser Zeit empfing er verschiedene Delegationen, entsandte Beamte zur Verwaltung und entsandte Daʿis zur Verbreitung der Religion.
Außerdem trat der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, gegen diejenigen auf, die den Islam trotz seines erwiesenen Vorrangs nicht annehmen konnten, sondern sich auf verschiedene Weise durch Hochmut und Starrsinn auszeichneten. Im Folgenden werden diese Ereignisse dargestellt.
Die Entsendung von Zakat-Eintreibern
Aus der bisherigen Darstellung ist deutlich geworden, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, nach der Eroberung Mekkas gegen Ende des achten Jahres nach der Hidschra nach Medina zurückkehrte. Unmittelbar nach dem Aufgang des Muharram-Mondes im neunten Jahr nach der Hidschra entsandte der edle Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, Zakat-Eintreiber zu verschiedenen Stämmen, um die Zakat einzuziehen. Im Folgenden wird ihre Liste aufgeführt.
Name des Zakat-Eintreibers – zum Stamm entsandt
1. Uyayna ibn Hisn – Banu Tamim
2. Yazid ibn Husayn – Aslam und Ghifar
3. Ubbad ibn Bishr al-Ashhali – Sulaym und Muzayna
4. Rafi ibn Makith – Dschuhaina
5. Amr ibn al-As – Banu Fazara
6. Dahhak ibn Sufyan – Banu Kilab
7. Baschir ibn Sufyan – Banu Kaab
8. Ibn al-Lutbiyya al-Azdi – Banu Dhubyan
9. al-Muhadschir ibn Abi Umayya – die Stadt Sanaa
10. Ziyad ibn Labid – Hadramaut
11 Adi ibn Hatim at-Ta’i und Banu Asad
12 Malik ibn Nuwaira, Banu Hanzala
13 Zibrikan ibn Badr, ein Teil von Banu Sa’d
14 Qais ibn Asim, ein anderer Teil von Banu Sa’d
15 Ala ibn Hadrami, Bahrain
16 Ali ibn Abu Talib, Nadschran
Diese Gefährten wurden im Muharram des neunten Jahres nach der Hidschra mit der Aufgabe der Zakat-Einziehung entsandt. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Angehörigen der Stämme in den betreffenden Gebieten bereits den Islam angenommen. Viele brachen zu Beginn des Monats Muharram auf, weitere später. Dies vermittelt eine Vorstellung vom umfassenden Erfolg der Einladung zum Islam nach dem Vertrag von Hudaybiyya. Nach der Eroberung von Mekka begannen die Menschen, sich scharenweise unter den Schutz des Islam zu begeben.
Einige Sariyyas aus dieser Zeit
Zu den verschiedenen Stämmen wurden Steuereinnehmer entsandt, um die Zakāt einzuziehen. Trotz des Friedens und der Ordnung in verschiedenen Gebieten der Arabischen Halbinsel kam es mancherorts zu Unruhen. Zur Niederschlagung dieser Unruhen wurden Truppen entsandt. Im Folgenden werden einige dieser Sariyya-Expeditionen beschrieben.
(1) Die Sariyya von ʿUyayna ibn Ḥiṣn al-Fazārī
Im Monat Muḥarram des neunten Jahres nach der Hidschra
ʿUyayna wurde mit dem Befehl über fünfzig Reiter zu den Banū Tamīm entsandt. Der Grund dafür war, dass die Banū Tamīm verschiedene Stämme aufgewiegelt und sie davon abgehalten hatten, die Dschizya zu entrichten. An diesem Feldzug nahm weder ein Muhādschir noch ein Anṣārī teil.
ʿUyayna ibn Ḥiṣn marschierte nachts und hielt sich tagsüber verborgen. Nachdem er auf diese Weise weitergezogen war und den bestimmten Ort erreicht hatte, verfolgte er die Angehörigen der Banū Tamīm. Sie flohen in höchster Eile. Die Muslime nahmen jedoch elf Männer, einundzwanzig Frauen und dreißig Kinder gefangen. Sie wurden nach Medina gebracht und im Haus von Ramla bint al-Hārith festgehalten.
Später kamen zehn Anführer des Stammes Banū Tamīm, um über die Freilassung der Gefangenen zu verhandeln. Sie gingen zur Tür des Hauses des Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und riefen: „O Muhammad, komm zu uns heraus!“ Der Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, kam heraus. Sie umarmten den Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und begannen, mit ihm zu sprechen. Der Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, verbrachte einige Zeit mit ihnen. Inzwischen war die Zeit des Zuhr-Gebets gekommen. Er leitete das Gebet. Danach setzte er sich im Hof der Moschee nieder. Die Anführer der Banū Tamīm bekundeten den Wunsch nach einem Wettstreit, in dem sie ihren Stolz und ihre Überheblichkeit zur Schau stellen wollten, und ließen ihren Redner ʿAtā ibn Ḥādschib vortreten. Er hielt eine Ansprache. Der Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, befahl dem Redner des Islams, Ḥaḍrat Thābit ibn Qays Schammās, ihm zu antworten. Dieser hielt eine Erwiderungsrede. Danach ließen die Anführer der Banū Tamīm den Dichter ihres Stammes, Dschaykal ibn Badr, vortreten. Er trug einige Gedichte vor, in denen er seinen Stolz zur Schau stellte. Ḥaḍrat Ḥassān ibn Thābit, der Dichter des Islams, erwiderte ihm.
Nachdem beide Redner ihre Ansprachen und beide Dichter ihre Gedichte vorgetragen hatten, sagte Aqra ibn Ḥābis: „Ihr Redner hat eine eindrucksvollere Ansprache gehalten als unser Redner, und euer Dichter hat bessere Gedichte vorgetragen als unser Dichter. Die Stimmen eures Redners und eures Dichters sind erhabener als die Stimmen unseres Redners und unseres Dichters.“ Daraufhin nahmen die angereisten Anführer der Banū Tamīm den Islam an. Der Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, schenkte ihnen Sklavinnen und ließ die gefangenen Frauen und Kinder frei. 1[Sachkundige Verfasser über Kriegsangelegenheiten berichten, dass sich dieses Ereignis im Monat Muḥarram des neunten Jahres nach der Hidschra ereignete. Daraus geht hervor, dass Aqra ibn Ḥābis zu jener Zeit Muslim wurde. Die Verfasser der Sīra schreiben jedoch, dass der Gesandte Allahs die Rückgabe der Gefangenen des Stammes Banū Hawāzin angeordnet hatte. Damals sagte Aqra ibn Ḥābis: „Weder ich noch die Banū Tamīm werden sie zurückgeben.“ Daraus geht hervor, dass Aqra ibn Ḥārith bereits vor dem Monat Muḥarram des neunten Jahres nach der Hidschra Muslim geworden war.]
2. Die Sariyya von Quṭba ibn ʿĀmir
Der Safar des neunten Hidschra-Jahres
Diese Expedition wurde gegen einen Zweig des Stammes Chaschʿam im Gebiet Tabāla nahe Turba entsandt. Qutba brach mit zwanzig Männern auf. Sie verfügten über zehn Kamele, auf denen sie abwechselnd ritten. Die Muslime führten einen Überraschungsangriff durch, woraufhin ein heftiger Kampf begann. Auf beiden Seiten wurden mehrere Männer verwundet. Qutba wurde zusammen mit einigen seiner Gefährten getötet. Dennoch brachten die Muslime Schafe, Ziegen und Kinder nach Medina.
3. Die Expedition von Dahhāk ibn Sufyān al-Kilābī
Der Rabīʿ al-auwal des neunten Hidschra-Jahres
Diese Expedition war entsandt worden, um den Stamm Banū Kilāb zum Islam einzuladen. Da sie sich jedoch weigerten, den Islam anzunehmen, begann ein Kampf. Die Muslime besiegten sie und töteten einen ihrer Männer.
4. Die Expedition von ʿAlqama ibn Mudschazziz al-Mudladschī
Der Rabīʿ al-auwal des neunten Hidschra-Jahres
ʿAlqama wurde als Befehlshaber von dreihundert Soldaten an die Küste von Dschidda entsandt. Der Grund dafür war, dass sich in der Nähe der Küste von Dschidda einige Abessinier versammelt hatten. Sie beabsichtigten, die Bevölkerung von Mekka auszurauben und zu überfallen. ʿAlqama führte einen Feldzug auf dem Meer durch und rückte bis zu einer Insel vor. Als die Abessinier von der Ankunft der Muslime erfuhren, flohen sie. ² Fath al-Bārī, Band 8, S. 59
5. Die Sariyya von Ali ibn Abi Talib
Im Monat Rabi al-awwal des neunten Jahres nach der Hidschra
Hazrat Ali (möge Allah mit ihm zufrieden sein) wurde entsandt, um ein Götzenbild des Stammes Tayy namens Qalas oder Qalisa zu zerstören. Unter der Führung Hazrat Alis brachen hundertfünfzig Soldaten auf, begleitet von hundert Kamelen und fünfzig Pferden. Sie führten eine weiße und eine schwarze Fahne mit sich. Zur Zeit des Morgengebets griffen die Muslime das Viertel von Hatim at-Ta’i an und zerstörten das Götzenbild Qalas. Danach wurden zahlreiche Menschen, Vierfüßer sowie Schafe und Ziegen gefangen genommen. Unter den Gefangenen befand sich auch die Tochter Hatims. Hatims Sohn Adi ibn Hatim floh in Richtung Syrien. Im Haus des Götzenbildes Qalas fanden die Muslime drei Schwerter und drei Rüstungen. Auf dem Rückweg wurde die Kriegsbeute verteilt. Die Tochter Hatim at-Ta’is wurde jedoch niemandem als Anteil zugeteilt.
Nachdem sie Medina erreicht hatte, bat die Tochter Hatim at-Ta’is den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, um Gnade und sagte: „O Gesandter Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf dir, derjenige, der hierher hätte kommen können, ist heute verschwunden. Mein Vater ist gestorben. Ich bin alt und habe nicht die Kraft zu dienen. Erweise mir Gnade, dann wird Allah, der Erhabene, dir Gnade erweisen.“ Der Prophet Mustafa fragte: „Wer hätte für dich kommen können?“ Sie antwortete: „Mein Bruder Adi ibn Hatim.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Das ist der Mann, der vor Allah, dem Erhabenen, und Seinem Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, geflohen ist.“ Danach ging der Prophet Mustafa, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, fort. Drei Tage lang wurde dasselbe Frage-und-Antwort-Gespräch geführt. Am dritten Tag ließ der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, aus Gnade Hatims Tochter frei. Zu jener Zeit befand sich dort ein Gefährte, vermutlich Hazrat Ali. Er sagte zu der Frau: „Bitte den barmherzigen Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, auch um ein Reittier.“ Die Frau tat dies. Daraufhin ordnete der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, an, auch für Hatims Tochter ein Reittier bereitzustellen.
Nachdem Hatims Tochter aus Medina freigelassen worden war, reiste sie direkt nach Syrien. Als sie ihre Brüder traf, sagte sie: „Der barmherzige Prophet hat eine solche Gnade erwiesen, wie selbst euer Vater sie nicht hätte erweisen können. Geh mit Furcht und Hoffnung zu ihm.“ Daraufhin ging Adi ibn Hatim nach Medina und suchte unmittelbar den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, auf. Der Prophet Mustafa, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ließ ihn vor sich Platz nehmen und sagte: „Wovor fliehst du? Fliehst du vor Allah, dem Erhabenen, und Seinem Gesandten? Wenn dem so ist, dann sag mir: Kennst du außer Allah, dem Erhabenen, irgendeine andere Gottheit?“ Er antwortete: „Nein, das weiß ich nicht.“ Der Prophet Mustafa, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Höre: Auf den Juden liegt Allahs Fluch, und die Christen sind irregeleitet.“ Adi sagte: „Dann bin ich ein entschiedener Muslim.“ Als der Prophet Mustafa, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, dies hörte, begann sein Gesicht vor Freude zu strahlen. Er brachte Hatims Sohn im Haus eines Ansari unter. Danach pflegte Adi ibn Hatim morgens und abends beim Propheten Mustafa, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, vorzusprechen. 3 [Zad al-Ma’ad, Bd. 2, S. 205]
Ibn Ishaq überliefert von Adi ibn Hatim: Der Prophet Mustafa, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ließ Adi ibn Hatim in seinem Haus vor sich Platz nehmen und fragte: „Adi ibn Hatim, warst du nicht ein Priester?“ Adi sagte: „Ich antwortete: Doch, das war ich.“ Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Hast du nicht ein Viertel der Beute deines Volkes an dich genommen?“ Ich antwortete: „Ja, das habe ich.“ Er sagte: „Dabei ist dies in eurer Religion nicht erlaubt.“ Ich sagte: „Ja, das stimmt.“ Damals erkannte ich, dass er wahrhaftig rechtgeleitet war und der von Allah gesandte Gesandte war, denn er hatte mir etwas mitgeteilt, das er unmöglich auf gewöhnliche Weise hätte wissen können. 4 [Ibn Hischam, Bd. 2, S. 581]
In einer Überlieferung des Musnad Ahmad heißt es, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „O Adi, nimm den Islam an, dann wirst du in Frieden sein.“ Ich sagte: „Ich folge doch bereits einer Religion.“ Er sagte: „Ich weiß über deine Religion mehr als du.“ Ich fragte: „Wissen Sie mehr über meine Religion als ich?“ Er sagte: „Ja. Ist es nicht so, dass du ein Priester bist und ein Viertel der Beute deines Volkes verbrauchst?“ Ich sagte: „Ja, das stimmt.“ Der Prophet Mustafa, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Das ist nach den Maßstäben eurer Religion doch nicht erlaubt.“ Bei diesen Worten des Propheten Mustafa, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, senkte ich demütig den Kopf. 5 [Musnad Ahmad, Bd. 7, S. 258–278]
Im Sahih al-Buchari wird von Hazrat Adi ibn Hatim überliefert: Ich saß vor dem Propheten Mustafa, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Da kam ein Mann und berichtete von seinem Hunger. Ein anderer kam und beklagte sich über Wegelagerei und Raub. Der Prophet Mustafa, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „O Adi, hast du die Stadt Hira gesehen? Wenn du ein langes Leben hast und lange lebst, wirst du sehen, wie eine Frau auf einem Pferd von Hira kommt und die Kaaba umrundet. Zu jener Zeit wird sie außer Allah niemanden fürchten. Wenn du lange lebst, wirst du die Schatzkammern des Kisra erobern. Wenn du lange lebst, wirst du sehen, wie Gold in großen Mengen zum Verteilen gebracht wird, aber niemand gefunden wird, der es annimmt.“ Am Ende dieser Überlieferung heißt es, dass Adi sagte: „Ich habe gesehen, wie eine Frau in einer Sänfte von Hira kam und die Kaaba umrundete, ohne jemanden außer Allah zu fürchten. Zu denen, die die Schatzkammern des Kisra eroberten, gehörte ich selbst. Wenn ihr lange lebt, werdet ihr auch den Wahrheitsbeweis für die Worte Abu al-Qasims erleben, der sagte, dass Gold in großen Mengen zum Verteilen gebracht werden würde, aber niemand gefunden werde, der es annimmt.“ 6 [Sahih al-Buchari, Bd. 1, S. 507]
Der Feldzug von Tabuk
Die Eroberung Mekkas war ein entscheidender Feldzug zwischen Wahrheit und Falschheit. Nach diesem Feldzug blieb in den Herzen der Bewohner Mekkas keinerlei Zweifel an der Prophetenschaft und Gesandtschaft des Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zurück. Daher kam es zu einer erstaunlichen Veränderung der Lage. Die Menschen nahmen scharenweise den Islam an. Im Kapitel über die Entsendung von Delegationen werde ich dies ausführlich darlegen. Auch anhand der Zahl der Muslime, die während der Abschiedswallfahrt anwesend waren, lässt sich dies erahnen. Kurz gesagt: Da die inneren Probleme nahezu gelöst waren, widmeten sich die Muslime mit ganzer Hingabe der Verbreitung der Lehren der islamischen Scharia und der Förderung und Ausbreitung des Islam.
Der Grund für den Krieg
Zu jener Zeit richtete eine Macht ihren Blick auf Medina, die ohne jede Provokation einen Streit mit den Muslimen beginnen wollte. Es war die römische Macht. In der damaligen Welt war sie die größte und mächtigste Kraft. Wie bereits erwähnt, hatte Schurahbil ibn Amr al-Ghassani den Grund für diesen Konflikt geschaffen. Dieser Mann hatte den Gesandten des Propheten Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Harith ibn Umair al-Azdi, getötet. Dieser Gesandte war zum Gouverneur von Busra geschickt worden. Daraufhin entsandte der Prophet Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, unter dem Kommando von Zaid ibn Haritha ein Heer. Infolgedessen kam es auf römischem Gebiet zur Schlacht von Mu’ta. Doch das muslimische Heer war nicht in der Lage, von den Feinden Vergeltung zu üben. Dennoch hatte dieser Feldzug eine weitreichende Wirkung auf die Herzen der Araber in der näheren und ferneren Umgebung.
Der Kaiser von Rom konnte diese Auswirkungen, Reaktionen und deren Ausmaß nicht ignorieren. Infolge der muslimischen Feldzüge war in verschiedenen arabischen Stämmen der Freiheitsgedanke erwacht. Für ihn war dies eine gefährliche Lage. Zugleich wurde der Freiheitsgedanke der Bevölkerung in den Grenzgebieten zu einer Herausforderung für die Römer. Besonders an der Grenze zu Syrien nahm die Spannung zu. Daher dachte der Kaiser von Rom, die Macht der Muslime müsse unterdrückt und ausgelöscht werden, bevor sie gefährlich werde. Dadurch sollte verhindert werden, dass in den mit Rom verbundenen arabischen Gebieten Aufruhr und Unruhe aufkommen konnten.
Aufgrund dieser Kriege begann der Kaiser von Rom noch bevor ein Jahr seit der Schlacht von Mu’ta vergangen war, Truppen aus Rom, von den Bewohnern Roms und aus den von Rom abhängigen arabischen Gebieten zusammenzuziehen. Dies war die Vorbereitung auf eine furchtbare und blutige Auseinandersetzung mit den Muslimen.
Allgemeine Nachrichten über die Vorbereitungen Roms und Ghassans
Unterdessen trafen in Medina nach und nach Nachrichten ein, dass in Rom die Vorbereitungen für einen entscheidenden Krieg gegen die Muslime liefen. Als die Muslime davon erfuhren, verbrachten sie ihre Tage in Unruhe und Sorge. Bei jedem plötzlichen Geräusch schreckten sie auf. Sie dachten, die Römer seien bereits eingetroffen. Im neunten Jahr nach der Hidschra ereignete sich ein Vorfall. Dieser Vorfall zeigt, wie groß die Sorge und Angst der Muslime damals waren. Zu jener Zeit hatte sich der Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, von seinen Frauen durch Īlā¹ getrennt und in ein eigenes Zimmer zurückgezogen. Die ehrwürdigen Gefährten konnten anfangs nicht verstehen, was geschehen war. Sie dachten, der Prophet Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, habe seine Frauen geschieden. Dadurch breiteten sich unter den Gefährten tiefe Besorgnis und großer Schmerz aus. Umar ibn al-Chattab, möge Allah mit ihm zufrieden sein, berichtet über diesen Vorfall: Ich hatte einen Gefährten von den Ansar. Wenn ich beim Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, abwesend war, brachte er mir Nachrichten; und wenn er abwesend war, brachte ich ihm Nachrichten. Wir beide wohnten am Stadtrand von Medina und waren Nachbarn. Abwechselnd begaben wir uns zum Dienst des Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Umar sagte: Damals fürchteten wir uns vor dem Herrscher von Ghassan. Uns war mitgeteilt worden, dass der König von Ghassan uns angreifen könnte. Deshalb verbrachten wir unsere Tage ständig in Sorge und Unruhe. Eines Tages kam mein Gefährte von den Ansar plötzlich, klopfte an die Tür und sagte: „Öffne, öffne!“ Ich sagte: „Sind die Ghassaniden etwa eingetroffen?“ Er sagte: „Nein, vielmehr ist etwas noch Größeres geschehen. Der Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, hat sich von seinen Frauen getrennt.“ ²[Ṣaḥīḥ al-Buchārī, Band 2, S. 730] ¹[Ein Eid, einer Frau nicht beizuwohnen. Wird dieser Eid für höchstens vier Monate abgelegt, gilt dafür nach der Scharia keine besondere Regelung. Wird er für länger als vier Monate abgelegt, wird die Angelegenheit nach Ablauf der vier Monate dem Scharia-Gericht vorgelegt; dieses wird sagen: Entweder gewähren Sie Ihrer Frau wieder den Status einer Ehefrau oder scheiden Sie sich von ihr. Nach Ansicht einiger Gefährten tritt jedoch nach Ablauf von vier Monaten automatisch die Scheidung ein.]
In einer anderen Überlieferung heißt es, dass Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: Unter uns verbreitete sich die Nachricht, der Herrscher von Ghassan habe Pferde bereitgemacht, um uns anzugreifen. Eines Tages kam er gemeinsam mit mir zum Hof des Propheten Mustafa, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und begann, laut und wiederholt an die Tür zu klopfen. Er rief von draußen: „Bist du etwa eingeschlafen?“ Beunruhigt kam ich hinaus. Er sagte: „Ein großes Unglück ist geschehen.“ Ich fragte: „Was ist passiert? Ist Ghassan etwa schon eingetroffen?“ Er sagte: „Nein, etwas noch Größeres ist geschehen. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, hat sich von seinen Frauen scheiden lassen.“ 3 [Sahih al-Buchari, Band 1, S. 334]
Dieses Ereignis zeigt, wie ernst damals die Bedrohung eines Angriffs der Römer auf die Muslime war. Nachdem der Prophet Mustafa, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Medina erreicht hatte, verbreiteten die Heuchler unter den Muslimen übertriebene Nachrichten über die Kriegsvorbereitungen der Römer. Doch die Heuchler beobachteten, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in jeder Hinsicht erfolgreich war und keine Macht der Welt fürchtete. Jedes Hindernis, das sich ihm entgegenstellte, wurde von ihm in Stücke gerissen. Trotzdem hofften die Heuchler insgeheim, dass die Muslime diesmal nicht davonkommen würden, sondern eine schwere Niederlage erleiden müssten. Der Tag, an dem sie dieses erwartete Schauspiel sehen würden, war nicht mehr fern. Vor diesem Hintergrund errichteten sie eine Moschee, die als „Moschee des Dirar“ bekannt wurde. In dieser Moschee saßen die Heuchler zusammen und schmiedeten allerlei Verschwörungen gegen die Muslime. Sie war errichtet worden, um unter den Muslimen Spaltung und Unordnung zu stiften, die Einheit der muslimischen Umma zu zerrütten und sie darauf vorzubereiten, den Feinden zu helfen. In dieser aus unlauteren Absichten errichteten Moschee begnügten sie sich nicht damit, sich ausschließlich gegen den Islam gerichteten Tätigkeiten zu widmen, sondern baten den Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sogar darum, dort das Gebet zu verrichten. Auf diese Weise wollten die Heuchler die arglosen Muslime täuschen. Wenn der Prophet dort auch nur einmal das Gebet verrichten würde, würden die gewöhnlichen Muslime den abscheulichen Zweck dieser von den Heuchlern errichteten Moschee nicht erkennen. Sie würden sich auch nicht vorstellen können, welche furchtbaren Verschwörungen und Intrigen in diesem als Moschee bezeichneten Gebäude gegen sie geschmiedet wurden. Außerdem würden die Muslime nicht darauf achten, wer diese Moschee aufsuchte. So würde die Moschee zu einem Zentrum der Verschwörungen der Heuchler und ihrer Verbündeten außerhalb der Stadt werden. Doch der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, war nicht bereit, sofort in dieser Moschee das Gebet zu verrichten. Er sagte: „So Allah will, werde ich nach der Rückkehr vom Krieg in dieser Moschee das Gebet verrichten.“ Zu jener Zeit war er mit den Kriegsvorbereitungen beschäftigt. Die Heuchler konnten ihr Ziel jedoch nicht erreichen. Allah, der Erhabene, entlarvte ihre Verschwörung. Nach seiner Rückkehr vom Krieg zerstörte der edle Prophet diese Moschee, anstatt dort das Gebet zu verrichten.
Besondere Nachrichten über die Vorbereitungen Roms und Ghassans
Zu dieser Zeit erfuhren die Nabertäer, die aus Syrien Öl holten, plötzlich Folgendes: Herakleios hatte ein Heer von vierzigtausend kampferprobten Soldaten aufgestellt, und ein berühmter römischer Krieger führte diese Armee an. Dieser Befehlshaber hatte unter seinem Kommando die christlichen Stämme Lakhm, Juzam und andere versammelt, und die Vorhut war bereits an einem Ort namens Balqa eingetroffen. Damit stand den Muslimen ein ernstes Problem bevor.
Die schwierige Lage
Damals herrschte eine drückende Hitze. Im Land herrschten wirtschaftliche Not und beinahe Hungersnot. Deshalb wollten viele im Schatten und in der Nähe der Früchte bleiben. Sie wollten nicht sofort in den Krieg ziehen. Außerdem war der Weg weit und schwierig sowie beschwerlich und unwegsam. Alles zusammengenommen war die Lage äußerst schwierig.
Die sofortige Entscheidung
Der Prophet Allahs war angesichts dieser Lage dafür, unverzüglich Maßnahmen zu ergreifen. Er erkannte, dass die Römer in die von den Muslimen eroberten und bewohnten Gebiete eindringen würden, wenn man in einer solchen Krisenzeit beim Krieg gegen sie Nachlässigkeit und Trägheit zeigen würde. Dies hätte schwerwiegende Folgen für die Einladung zum Islam, seine Verkündigung und seine Verbreitung. Die Muslime würden ihre militärische Überlegenheit verlieren. Die durch die Schlacht von Hunain besiegten Kräfte des Irrtums und des Unglaubens würden wieder zu neuer Stärke gelangen. Die Heuchler, die heimlich mit auswärtigen Mächten in Verbindung standen und auf eine günstige Gelegenheit warteten, würden den Muslimen in den Rücken fallen. Hinter ihnen stünden die feindlichen Heuchler, vor ihnen das Heer der ungläubigen Römer. Dadurch würden die Anstrengungen und Mühen für die Verkündigung und Verbreitung des Islam dem Scheitern entgegengehen. Die langjährigen Mühen des Propheten und seiner Gefährten wären vergeblich. Ein mit großer Mühe errungener Erfolg würde sich in ein Scheitern verwandeln. Dabei ist die Geschichte der Opfer und Entbehrungen der Muslime hinter diesem Erfolg äußerst lang.
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, erkannte all diese Möglichkeiten sehr wohl. Daher beschloss er, den Ungläubigen nicht nur den Zutritt zu den von Muslimen kontrollierten und bewohnten Gebieten zu verwehren, sondern vielmehr in ihr Gebiet vorzudringen und sie dort anzugreifen.
Die Ankündigung der Kriegsvorbereitungen gegen die Römer
Nach der Prüfung der genannten Umstände wies der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, seine Gefährten an, Kriegsvorbereitungen zu treffen. Auch die Bewohner Mekkas und die verschiedenen Stämme Arabiens wurden angewiesen, sich für den Krieg zu rüsten. Zu anderen Zeiten verfolgte der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, im Krieg eine andere Strategie und hielt das Ziel geheim. Diesmal jedoch tat er das nicht. Er kündigte offen an, dass es zum Krieg mit den Römern kommen werde.
Damit die Muslime sich gründlich auf den Krieg vorbereiten konnten, wurde der Krieg öffentlich angekündigt. Um die Muslime zur Vorbereitung auf den Krieg anzuspornen, wurde auch ein Teil der Sure at-Tauba offenbart. Zugleich erläuterte er die Vorzüge von Almosen und Spenden und ermutigte die Muslime, auf Allahs Weg ihr Vermögen einzusetzen.
Die Anstrengungen der Muslime zur Kriegsvorbereitung
Die ehrwürdigen Gefährten begannen unmittelbar nach dem Befehl des Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, mit den Kriegsvorbereitungen. Aus allen Richtungen Medinas kamen eifrige Muslime herbei. Außer denen, in deren Herzen die Heuchelei, also die Krankheit des Nifaq, vorhanden war, konnte niemand auch nur daran denken, diesem Krieg fernzubleiben. Es gab jedoch drei besondere Gruppen von Muslimen. In ihrem Glauben und ihren Taten war keinerlei Mangel. Arme und hungrige Muslime kamen und baten darum, ihnen Reittiere zur Verfügung zu stellen. Doch der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, erklärte, dass er dazu nicht in der Lage sei. Allah, der Erhabene, sagt hierzu in der Sure at-Tauba: „Kein Vorwurf trifft diejenigen, die zu dir kamen, damit du ihnen ein Reittier bereitstellst, und zu denen du sagtest: ‚Ich finde kein Reittier für euch.‘ Sie kehrten mit tränenüberströmten Augen zurück, aus Trauer darüber, dass sie nichts auf Allahs Weg ausgeben konnten.“
Die Muslime bemühten sich, einander bei Almosen und Spenden zu übertreffen. Hazrat Uthman (möge Allah mit ihm zufrieden sein) hatte für den Versand nach Syrien zu Handelszwecken eine Karawane zusammengestellt. Sie bestand aus zweihundert bestens ausgerüsteten Kamelen. Er verfügte außerdem über zweihundert Uqiyya, also etwa neunundzwanzigeinhalb Kilogramm Silber, und spendete dies alles. Danach spendete er erneut einhundert bestens ausgerüstete Kamele. Er brachte eintausend Dinar, also etwa fünf Kilogramm Gold, und übergab sie. Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, wendete sie um und betrachtete sie wiederholt und sagte: „Was Uthman von heute an auch tun mag, es wird ihm nicht schaden.“ 5[Ǧāmiʿ at-Tirmidhi, „Die Vorzüge Uthman ibn Affans“, Band 2, S. 211] Hazrat Uthman (möge Allah mit ihm zufrieden sein) spendete auch danach weiter. Insgesamt belief sich seine Spende neben Bargeld auf neunhundert Kamele und einhundert Pferde.
Unterdessen brachte Hazrat Abdurrahman ibn Auf (möge Allah mit ihm zufrieden sein) zweihundert Uqiyya, also etwa neunundzwanzigeinhalb Kilogramm Silber. Hazrat Abu Bakr as-Siddiq (möge Allah mit ihm zufrieden sein) brachte alles, was sich in seinem Haus befand, und ließ dort nur Allah, den Erhabenen, und Seinen Gesandten zurück. Seine Spende betrug viertausend Dirham. Er war der Erste, der mit seiner Spende erschien. Hazrat Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) erschien mit der Hälfte seines Vermögens. Hazrat Abbas (möge Allah mit ihm zufrieden sein) brachte einen großen Teil seines Vermögens. Hazrat Talha, Hazrat Sa’d ibn Ubada und Muhammad ibn Maslama erschienen ebenfalls mit großen Vermögen. Hazrat Asim ibn Adi brachte neunzig Wasq, also dreizehneinhalbtausend Kilogramm beziehungsweise dreizehneinviertel Tonnen Datteln. Auch die übrigen Gefährten brachten Almosen im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Manche gaben eine Handvoll, andere zwei Handvoll; mehr konnten sie nicht geben.
Die Frauen sandten, soweit es ihnen möglich war, ihre Halsketten, Armreifen, Ohrringe, Fußkettchen, Ringe und dergleichen in den Dienst des Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Niemand hielt sich zurück und niemand blieb zurück. Niemand dachte an Geiz. Diejenigen, die besonders viel Sadaqa gaben, wurden von den Heuchlern verspottet, die sagten: „Sie wollen mit ein oder zwei Datteln das Land des Kaisers erobern.“ Im Koran, in der Sure at-Tauba, sagt Allah, der Erhabene, dazu: „Diejenigen unter den Gläubigen, die freiwillig Sadaqa geben, und diejenigen, die außer ihrer eigenen Arbeit nichts finden, und die von jenen getadelt und verspottet werden – Allah verspottet sie; für sie ist eine schmerzhafte Strafe bestimmt.“
Das muslimische Heer auf dem Weg nach Tabuk
Unter großer Begeisterung und Tatkraft wurde das islamische Heer vorbereitet. Danach ernannte der geliebte Prophet Muhammad ibn Maslama, nach einer anderen Überlieferung Saba ibn Arfata, zum Gouverneur von Medina und wies Hadhrat Ali, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, an, in Medina zu bleiben, um sich um die Familienangehörigen zu kümmern. Doch die Heuchler übten Kritik. Daraufhin verließ Hadhrat Ali, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, Medina und schloss sich dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, an. Der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, schickte ihn erneut nach Medina zurück und sagte: „Bist du nicht damit zufrieden, dass dein Verhältnis zu mir dem Verhältnis von Musa zu Harun gleicht? Allerdings wird es nach mir keinen Propheten geben.“
Nach diesen Vorbereitungen brach der wahrhaftige Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nach Norden auf. Nach der Überlieferung von an-Nasa’i war es an jenem Tag Samstag. Das Ziel war Tabuk. Die Zahl der muslimischen Soldaten betrug dreißigtausend. Zuvor war noch kein so großes Heer aufgestellt worden. Trotz aller Anstrengungen der Muslime war es nicht möglich, ein so großes Heer vollständig auszurüsten. Transportmittel und Proviant waren unzureichend. Auf jeweils achtzehn Soldaten kam ein Kamel, und diese achtzehn ritten abwechselnd darauf. Wegen des Mangels an Lebensmitteln mussten sie häufig Blätter von Bäumen essen, und trotz der geringen Zahl an Kamelen mussten sie aus Hunger Kamele schlachten. Aus diesen Gründen wurde dieses Heer „Dschaisch al-Usra“, das heißt „Heer der Not und Entbehrung“, genannt.
Auf dem Weg nach Tabuk zog das islamische Heer durch das Gebiet von al-Hidschr, also durch die Gegend, in der das Volk der Thamud gelebt hatte. Das Volk der Thamud hatte innerhalb von Wadi al-Qura Häuser aus den Felsen gemeißelt. Die ehrenwerten Gefährten schöpften dort Wasser aus einem Brunnen. Als sie das Wasser geschöpft hatten und aufbrechen wollten, sagte der wahrhaftige Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm: „Trinkt an diesem Ort kein Wasser und verwendet es auch nicht für die Gebetswaschung. Schöpft Wasser aus jenem Brunnen, aus dem die Kamelstute des Propheten Salih, Allahs Frieden sei auf ihm, zu trinken pflegte.“
In Sahih al-Bukhari und Sahih Muslim wird von Hadhrat Abdullah ibn Umar, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, überliefert, dass der wahrhaftige Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, beim Durchqueren von al-Hidschr, also der Wohnstätte der Thamud, sagte: „Betretet nicht die Wohnstätten dieser Ungerechten, damit euch nicht dasselbe Unheil trifft, das sie getroffen hat. Ihr dürft sie jedoch weinend betreten.“ Danach bedeckte er sein Haupt und durchquerte diesen Ort zügig. Sahih al-Bukhari, Band 2, Seite 637.
Unterwegs entstand ein großer Wassermangel. Schließlich wandten sich die Gefährten an den wahrhaftigen Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Er sprach ein Bittgebet. Allah, der Erhabene, sandte Wolken. Es regnete reichlich. Die Gefährten tranken sich satt und legten auch den benötigten Wasservorrat an.
Als sie sich Tabuk näherten, sagte der wahrhaftige Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm: „So Allah will, werdet ihr morgen das Gewässer von Tabuk erreichen. Ihr werdet jedoch nicht vor der Duha-Zeit dort eintreffen. Wer vorher dort ankommt, soll das Wasser dort nicht berühren, bis ich eintreffe.“
Hazrat Muʿadh (möge Allah mit ihm zufrieden sein) berichtet: Als wir in Tabuk ankamen, sahen wir, dass zwei unserer Gefährten bereits dort eingetroffen waren. Aus der Quelle kam nur wenig Wasser hervor. Der Prophet al-Amīn (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) fragte: „Habt ihr dieses Wasser hier berührt?“ Sie antworteten: „Ja.“ Als der Prophet dies hörte, sagte er, was Allah wollte, dass er sagte. Danach nahm er etwas Wasser aus der Quelle. Als sich das langsam fließende Wasser in seinen Handflächen gesammelt hatte, wusch er damit seine Hände und sein Gesicht und ließ es anschließend ebenfalls in die Quelle zurückfließen. Danach begann reichlich Wasser aus der Quelle hervorzuströmen. Die Gefährten tranken sich an diesem Wasser satt. Darauf sagte der Prophet zu mir: „O Muʿadh, wenn du lange lebst, wirst du sehen, wie hier Gärten üppig gedeihen.“ 7 [Muslim Sharif, Band 2, S. 246]
Auf dem Weg nach Tabuk, beziehungsweise nach einer anderen Überlieferung bei der Ankunft in Tabuk, sagte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm): „Heute Nacht wird ein heftiger Sturm aufkommen. Keiner von euch soll aufstehen. Wer ein Kamel bei sich hat, soll dessen Leine festhalten.“ In der Nacht kam ein heftiger Sturm auf. Einer der Gefährten war aufgestanden; die Gewalt des Sturms trug ihn fort und warf ihn zwischen zwei Berge. 1 [Ebenda]
Während dieser Reise verrichtete der Prophet das Zuhr- und das ʿAsr-Gebet gemeinsam sowie das Maghrib- und das ʿIschāʾ-Gebet gemeinsam. Er verrichtete sowohl Jamʿ at-taqdīm als auch Jamʿ at-taʾkhīr. Jamʿ at-taqdīm bedeutet, dass er bisweilen das Zuhr- und das ʿAsr-Gebet zur Zeit des Zuhr-Gebets und das Maghrib- und das ʿIschāʾ-Gebet zur Zeit des Maghrib-Gebets verrichtete. Jamʿ at-taʾkhīr bedeutet, dass er bisweilen das Zuhr- und das ʿAsr-Gebet zur Zeit des ʿAsr-Gebets verrichtete. Bisweilen verrichtete er das Maghrib- und das ʿIschāʾ-Gebet zur Zeit des ʿIschāʾ-Gebets.
Die islamische Armee in Tabuk
Nachdem die islamische Armee in Tabuk angekommen war, schlug sie ihre Zelte auf. Sie war bereit, gegen die römischen Soldaten zu kämpfen. Der Prophet al-Amīn (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) hielt in kraftvollen Worten eine Ansprache an die Gefährten. In dieser Ansprache spornte er die Gefährten zum Wohlergehen in dieser Welt und im Jenseits an und überbrachte ihnen frohe Botschaft. Durch diese Ansprache stieg die Moral der Soldaten. Nichts erschien ihnen mehr als ein ernsthaftes Hindernis. Auf der anderen Seite gerieten die Römer und ihre Truppen in eine solche Lage, dass sie beim Erhalt der Nachricht vom Herannahen der gewaltigen muslimischen Armee in Furcht gerieten und nicht den Mut fanden, ihr entgegenzutreten. Sie zerstreuten sich in ihre eigenen Städte. Dieser Rückzug der Ungläubigen erwies sich für die Muslime als segensreich. In Arabien und außerhalb Arabiens begann man über die Überlegenheit der militärischen Macht der Muslime zu sprechen. Den politischen Erfolg, den die Muslime bei diesem Feldzug errangen, hätten sie bei einem Kampf gegen die Römer nicht erreichen können.
Die ausführliche Darstellung lautet wie folgt: Yahāna ibn Ruʾba, der Statthalter von Aila, kam zum Propheten al-Amīn und schloss einen Friedensvertrag unter der Bedingung, dass er die Dschizya entrichtete. Auch die Bewohner von Jarba und Adhruh erschienen und stimmten der Bedingung zur Zahlung der Dschizya zu. Der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) stellte für sie ein Vertragsdokument aus, das sie bei sich aufbewahrten. Der Vertrag beziehungsweise Friedensbrief, der für den Statthalter von Aila ausgestellt wurde, lautete wie folgt: „Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen. Dieser Friedensbrief wird von Allah und dem Propheten Muhammad (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) für Yahāna ibn Ruʾba und die Bewohner von Aila ausgestellt. Für ihre Schiffe und Karawanen zu Lande und zu Wasser gilt Allahs Schutz und der Schutz des Propheten Muhammad (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Dieser Schutz gilt auch für jene Bewohner Syriens und des Meeres, die sich bei Yahāna aufhalten. Wenn jedoch jemand von ihnen Unruhe stiftet, kann Muhammad mit seinem Vermögen nicht für die Sicherheit seines Lebens garantieren. Das Vermögen eines solchen Menschen darf von jedem, der es an sich nimmt, rechtmäßig behalten werden. Ihnen darf weder verboten werden, an irgendeinem Brunnen Halt zu machen, noch sich zu Lande oder zu Wasser auf irgendeinem Weg fortzubewegen.“
Außerdem entsandte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) Hazrat Khālid ibn al-Walīd mit einer Abteilung von 420 Soldaten zu Ukaydir, dem Statthalter von Dūmat al-Dschandal. Khālid wurde gesagt: „Du wirst sehen, dass er gerade eine blaue Kuh jagt.“ Hazrat Khālid machte sich auf den Weg. Als die Burg des Statthalters in Sicht war, kam plötzlich eine blaue Kuh heraus und begann, gegen das Burgtor zu stoßen. Ukaydir ging hinaus, um diese Kuh zu jagen. Hazrat Khālid (möge Allah mit ihm zufrieden sein) nahm Ukaydir zusammen mit seinen Soldaten fest und brachte ihn vor den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Dieser gewährte Ukaydir das Leben und schloss mit ihm einen Vertrag unter der Bedingung, dass er zweitausend Kamele, achthundert Sklaven, vierhundert Rüstungen und vierhundert Speere bereitstellte.
Ukaydir erklärte sich ebenfalls bereit, die Dschizya zu entrichten. Der Prophet schloss mit Ukaydir und Yahāna einen Friedensvertrag unter den Bedingungen für Dūma, Tabuk, Aila und Taymāʾ.
Als die von Rom abhängigen Stämme diesen Zustand sahen, erkannten sie, dass die Römer keinen festen Boden mehr unter den Füßen hatten. Nun hatte sich der Herrscher gewechselt. Es bestand keine Notwendigkeit mehr, den Römern die Treue zu halten; die Tage ihrer Herrschaft waren vorbei. Deshalb wurden auch sie zu Verbündeten der Muslime. Auf diese Weise dehnte sich das Gebiet des islamischen Staates aus und stieß an die römische Grenze; die Herrschaft und Vorherrschaft der Römer gingen weitgehend verloren.
Die Rückkehr nach Medina
Das islamische Heer kehrte erfolgreich und siegreich aus Tabuk zurück. Es war zu keinem Zusammenstoß gekommen. Im Hinblick auf den Krieg genügte Allah, der Erhabene, den Gläubigen. Unterwegs versuchten an einem Stützpunkt zwölf Heuchler, den Propheten al-Amīn, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu töten. Bei dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, befand sich Hadhrat ʿAmmār, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm. Er ging voran und hielt den Zügel des Kamels. Hinter ihm war Hadhrat Hudhaifa ibn al-Yamān, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, der das Kamel antrieb. Die übrigen Gefährten waren zu diesem Zeitpunkt weiter entfernt. Die heimtückischen Heuchler hielten dies für eine günstige Gelegenheit und rückten vor, um ihre unreine Absicht zu verwirklichen. Zwei Gefährten, die den Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, begleiteten, hörten die Schritte der Heuchler. Die zwölf Heuchler kamen voran, wobei sie ihre Gesichter verhüllt hatten. Der geliebte Prophet erkannte, was vor sich ging. Er schickte Hadhrat Hudhaifa. Hadhrat Hudhaifa ging nach hinten und begann, die Kamele, auf denen die Heuchler ritten, wahllos zu schlagen. Durch diese Schläge versetzte Allah, der Erhabene, sie in Schrecken. Sie zogen sich eilig zurück und mischten sich unter die edlen Gefährten. Danach enthüllte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, durch die Nennung ihrer Namen ihre Verschwörung. Deshalb wurde Hadhrat Hudhaifa „Rāzdān“, das heißt „Bewahrer der Geheimnisse“, genannt. Über dieses Ereignis sagt Allah, der Erhabene: „Sie beabsichtigten, etwas zu tun, was sie nicht ausführen konnten“ – das heißt, sie hatten diese Tat beabsichtigt, konnten sie aber nicht vollbringen.
Am Ende der Reise erblickte der Prophet al-Amīn, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Medina aus der Ferne und sagte: „Dort ist Tāba, dort ist Uhud. Dies ist der Berg, der uns liebt und den auch wir lieben.“ Als sich in Medina die Nachricht von seiner Ankunft verbreitete, strömten Männer und Frauen, Alte und Junge, hinaus und empfingen ihn mit großer Begeisterung. Sie sangen damals: „Über uns ist von ath-Thaniyya al-Wadāʿ der Vollmond aufgegangen. Solange diejenigen, die Allah anrufen, Ihn anrufen, ist es unsere Pflicht, dankbar zu sein.“ 9. Dies ist die Aussage Ibn al-Qayyims; zuvor wurde dies bereits erörtert.
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, brach im Monat Radschab nach Tabuk auf und kehrte im Monat Ramadan zurück. Diese Reise dauerte insgesamt fünfzig Tage. Davon hielt er sich zwanzig Tage in Tabuk auf, während dreißig Tage für Hin- und Rückreise benötigt wurden. Dies war der letzte Feldzug des Propheten Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, an dem er zu Lebzeiten persönlich teilnahm.
Die Darstellung der Widersacher
Der Feldzug von Tabuk war aufgrund der besonderen Umstände eine schwere Prüfung von Allah, dem Herrn der Welten. Durch ihn wurde der Unterschied zwischen den Gläubigen und den anderen Menschen sichtbar. In solchen schwierigen Zeiten prüft Allah, der Erhabene, die Gläubigen. So sagt Allah, der Erhabene, in der Sure Āl ʿImrān: „Allah kann die Gläubigen nicht in dem Zustand belassen, in dem ihr euch befindet, bis Er das Schlechte vom Guten scheidet. Allah wird euch nicht über das Verborgene in Kenntnis setzen; doch Er erwählt unter Seinen Gesandten, wen Er will.“
An diesem Feldzug nahmen alle aufrichtigen Gläubigen teil, und die Abwesenheit vom Feldzug wurde als Zeichen der Heuchelei betrachtet. Wenn jemand zurückblieb und dies dem Propheten al-Amīn, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, erwähnt wurde, sagte er: „Lasst ihn beiseite. Wenn in ihm Gutes ist, wird Allah ihn bald zu euch bringen; und wenn nicht, wird Er euch bald von ihm befreien.“ Insgesamt hielten sich zwei Gruppen von Menschen von diesem Feldzug fern. Die Angehörigen der einen Gruppe waren entschuldigt oder nicht dazu fähig, die Angehörigen der anderen waren Heuchler. Diejenigen, die fälschlich behaupteten, an Allah und Seinen Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu glauben, waren die Heuchler. Sie brachten falsche Entschuldigungen vor, um nicht in den Krieg ziehen zu müssen. Einige von ihnen baten den Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nicht einmal um Erlaubnis, nicht in den Krieg zu ziehen. Unter ihnen befanden sich jedoch drei wahrhaftige, feste Gläubige. Sie blieben ohne einen vernünftigen Grund dem Feldzug fern. Allah, der Erhabene, unterzog sie einer schweren Prüfung und nahm schließlich ihre Reue an.
Die Einzelheiten dieses Geschehens sind folgende: Als der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, vom Feldzug zurückkehrte, verrichtete er wie gewöhnlich zunächst zwei Gebetseinheiten in der Prophetenmoschee. Danach setzte er sich dort nieder. Die Zahl der Heuchler betrug achtzig oder etwas mehr. 10[Al-Waqidi schrieb, dass dies die Zahl der Heuchler aus Medina war. Außerdem gab es zweiundachtzig Heuchler aus den Banū Ghifār und anderen Stämmen. ʿAbdullah ibn Ubayy und seine Anhänger wurden dabei nicht mitgerechnet. Auch ihre Zahl war beträchtlich. Siehe Fatḥ al-Bārī, Band 8, S. 119.] Sie kamen in die Prophetenmoschee, führten Entschuldigungen dafür an, nicht am Feldzug teilgenommen zu haben, und schworen einen Eid nach dem anderen.
Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nahm ihre äußerlich vorgebrachten Erklärungen an, nahm ihre Treuebekundung entgegen, bat für sie um Vergebung und überließ ihren inneren Zustand Allah.
Es blieben noch drei aufrichtige Gläubige zu erwähnen: Kaʿb ibn Mālik, Murāra ibn ar-Rabīʿ und Hilāl ibn Umayya. Sie sagten wahrheitsgemäß: „Wir hatten keinen Grund, nicht am Feldzug teilzunehmen.“ Als der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, dies hörte, sagte er den Gefährten, sie sollten nicht mit ihnen sprechen. Daraufhin wurde ein vollständiger Boykott gegen sie verhängt. Bekannte Menschen wurden zu Fremden, die Erde wurde ihnen unheimlich, und die Welt wurde trotz ihrer Weite eng für sie. Ihr Leben geriet in eine äußerst schwierige Lage. Die Härte nahm so sehr zu, dass Allah nach vierzig vergangenen Tagen ihre Reue annahm. In der Sure at-Tawba wurde folgender Vers offenbart: „Und auch die drei, die zurückgelassen worden waren, nahm Er an, bis die Erde ihnen trotz ihrer Weite eng geworden war und sie erkannten, dass es keine Zuflucht vor Allah gibt außer bei Ihm. Danach wandte Er sich ihnen in Barmherzigkeit zu, damit sie bereuen. Wahrlich, Allah ist der Vergebende, der Barmherzige.“
Als von Allah die Vergebung verkündet wurde, freuten sich allgemein alle Muslime und insbesondere die drei genannten Gefährten außerordentlich. Die Gefährten eilten umher und überbrachten einander diese Nachricht. Sie beschenkten einander mit Süßigkeiten und spendeten Almosen. Tatsächlich war der Tag, an dem dieser Vers offenbart wurde, der freuden- und segensreichste Tag ihres Lebens.
Über diejenigen, die wegen Schwäche, Krankheit oder Unvermögen nicht am Feldzug teilnehmen konnten, sagt Allah, der Erhabene: „Gegen die Schwachen, die Kranken und diejenigen, die nichts finden, ist kein Vorwurf zu erheben, wenn sie Allah und Seinem Gesandten aufrichtig ergeben sind. Gegen die Rechtschaffenen gibt es keinen Grund für einen Vorwurf. Allah ist allvergebend und barmherzig.“
Über diese sagte der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, als er sich Medina näherte: „In Medina gibt es Menschen, die überall dort, wo ihr gewesen seid und wohin ihr gezogen seid, bei euch waren. Wegen ihres Unvermögens, also aufgrund eines berechtigten Entschuldigungsgrundes, konnten sie nicht am Feldzug teilnehmen.“ Die Gefährten sagten: „O Gesandter Allahs, waren sie etwa bei uns, obwohl sie in Medina geblieben waren?“ Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Ja, obwohl sie in Medina geblieben waren, waren sie bei euch.“
Die Auswirkungen dieses Feldzugs
Der Feldzug von Tabuk spielte eine wichtige Rolle bei der Ausweitung des Einflusses der Muslime und der Stärkung ihrer Macht auf der Arabischen Halbinsel. Die Bevölkerung hatte klar erkannt, dass es von nun an auf der Arabischen Halbinsel neben dem Islam keine andere Macht mehr geben würde. Die Träume der Götzendiener und Heuchler von der erhofften Gelegenheit, die sie durch ihre fortwährenden Verschwörungen gegen die Muslime zu erreichen suchten, waren vollständig zerbrochen. Denn das Zentrum ihrer Hoffnungen und Erwartungen war die römische Macht gewesen. Durch diesen Feldzug wurde auch diese Hoffnung zunichtegemacht. Dadurch wurde die Moral der ungläubigen Heuchler gebrochen. Sie erkannten eindeutig, dass es keine Möglichkeit gab, dem Islam zu entkommen oder sich ihm zu entziehen.
Unter diesen Umständen bestand für die Muslime kein Anlass, gegenüber den Heuchlern Milde walten zu lassen. Allah, der Erhabene, wies an, streng mit den Heuchlern umzugehen. Ihnen wurde sogar verboten, ihre Almosen anzunehmen, ihr Totengebet zu verrichten, für ihre Vergebung zu beten und ihre Gräber zu besuchen. Ebenso wurde angeordnet, den Ort der Verschwörung zu zerstören, den sie unter dem Namen einer Moschee errichtet hatten. Über die Heuchler wurden derartige Verse offenbart, dass sie dadurch vollständig entlarvt wurden. Es blieb keinerlei Schwierigkeit mehr, sie zu erkennen.
Der Einfluss des Feldzugs von Tabuk zeigt sich auch darin, dass die Zahl der Gesandtschaften aus verschiedenen Ländern, die nach der Eroberung Mekkas begonnen hatten, nach Medina zu kommen, sich nach diesem Feldzug vervielfachte.¹¹ [Die Werke, denen die ausführliche Darstellung dieses Feldzugs entnommen wurde, sind: Ibn Hischām, Band 2, S. 515–537; Zād al-Maʿād, Band 3, S. 2–13; Sahīh al-Buchārī, Band 2, S. 313–337; Fath al-Bārī, Band 8, S. 110–126; sowie Tafsīr fī Zilāl al-Qurʾān, Sūrat at-Tauba.]
Koranverse zu diesem Thema
Über diesen Feldzug wurden in der Sure at-Tauba zahlreiche Verse offenbart. Einige wurden vor dem Aufbruch zum Feldzug offenbart, andere nach der Rückkehr nach Medina. In diesen Versen wurde die Lage während des Feldzugs ausführlich dargelegt. Die Heuchler wurden entlarvt. Es wurde mitgeteilt, dass die Reue der Gläubigen und Wahrhaftigen angenommen worden war – sowohl derjenigen, die am Feldzug teilgenommen hatten, als auch derjenigen, die nicht teilgenommen hatten.
Einige bemerkenswerte Ereignisse aus dieser Zeit
Im neunten Jahr nach der Hidschra ereigneten sich mehrere historisch bedeutsame Ereignisse.
(1) Nach der Rückkehr des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) aus Tabuk kam es zwischen Uwaimir al-Ajlanī und seiner Frau zum Liʿān. Dabei wird darauf hingewiesen, dass man es Liʿān nennt, wenn ein Ehemann seine Frau des Ehebruchs beschuldigt, ohne Zeugen zu haben.
(2) Eine ehebrecherische Frau kam zum Propheten, dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), gestand ihre Sünde und bat um die Vollstreckung der Strafe. Ihr wurde gesagt, sie solle nach der Geburt ihres Kindes wiederkommen. Nachdem das Kind abgestillt worden war, wurde sie durch Steinigung getötet, das heißt, die Strafe des Rajm wurde an ihr vollstreckt.
(3) Der Kaiser von Abessinien, Aschama Nadschaschi, verstarb, und der Prophet – Allahs Segen und Friede seien auf ihm – verrichtete das Totengebet für ihn in dessen Abwesenheit.
(4) Umm Kulthum, die Tochter des Propheten (Allah sei mit ihr zufrieden), verstarb. Über ihren Tod war der geliebte Prophet zutiefst betrübt. Er sagte zu Uthman (Allah sei mit ihm zufrieden): „Wenn ich noch eine dritte Tochter hätte, würde ich auch sie mit dir verheiraten.“
(5) Nach der Rückkehr des Gesandten – Allahs Segen und Friede seien auf ihm – aus Tabuk geriet der Anführer der Heuchler, Abdullah ibn Ubayy, in den Todeskampf. Der Prophet betete um Vergebung für ihn und verrichtete trotz des Einwands von Umar (Allah sei mit ihm zufrieden) sein Totengebet. Daraufhin wurde ein Koranvers offenbart, und in Unterstützung der Aussage Umars (Allah sei mit ihm zufrieden) wurde das Totengebet für die Heuchler verboten.
Die Hadsch unter der Leitung von Abu Bakr (Allah sei mit ihm zufrieden)
Im neunten Jahr nach der Hidschra entsandte der Prophet – Allahs Segen und Friede seien auf ihm – den Siddiq al-Akbar, Abu Bakr (Allah sei mit ihm zufrieden), als Amir al-Hadsch nach Mekka.
Danach wurde der erste Teil der Sure at-Tauba offenbart. Darin wurde angeordnet, die mit den Götzendienern geschlossenen Bündnisse auf Grundlage der Gleichbehandlung zu beenden. Nach Ergehen dieser Anweisung entsandte der Prophet – Allahs Segen und Friede seien auf ihm – Ali (Allah sei mit ihm zufrieden), um diese Erklärung bekanntzugeben. Dies war bei den Arabern die übliche Vorgehensweise im Umgang mit Bündnissen. Abu Bakr (Allah sei mit ihm zufrieden) traf Ali (Allah sei mit ihm zufrieden) in Dschudnan, nach anderer Ansicht in der Ebene von Arǧ. Abu Bakr (Allah sei mit ihm zufrieden) fragte: „Bist du der Befehlshaber oder der Beauftragte?“ Ali (Allah sei mit ihm zufrieden) antwortete: „Der Beauftragte.“ Danach zogen beide weiter. Danach zogen beide weiter. Abu Bakr leitete für die Menschen die Hadsch. Am zehnten Dhu l-Hiddscha, also am Opferfesttag, stellte sich Ali (Allah sei mit ihm zufrieden) zu den Pilgern und verkündete gemäß der Anweisung des Propheten – Allahs Segen und Friede seien auf ihm – die Erklärung. Das heißt, er verkündete die Beendigung aller Arten von Bündnissen und Versprechen. Es wurde eine Frist von vier Monaten gewährt. Auch diejenigen, mit denen kein Bündnis bestand, erhielten eine Frist von vier Monaten. Die Verträge jener Götzendiener jedoch, die ihre Bündnisse mit den Muslimen nicht verletzt und niemanden gegen die Muslime unterstützt hatten, blieben bis zum festgelegten Ablauf ihrer Frist gültig.
Abu Bakr (Allah sei mit ihm zufrieden) entsandte einige Gefährten, damit sie bekanntgaben, dass künftig kein Götzendiener die Hadsch vollziehen und niemand die Kaaba unbekleidet umrunden dürfe.
Diese Erklärung war in Wirklichkeit der entscheidende letzte Schritt zur Beseitigung des Götzendienstes von der Arabischen Halbinsel. Das heißt, nach diesem Jahr bestand keinerlei Möglichkeit mehr, zum Zweck des Götzendienstes dorthin zu kommen. 1[Für ausführliche Informationen siehe Sahih al-Buchari, Band 1, S. 220, 451; Band 2, S. 626, 671; Zad al-Ma’ad, Band 3, S. 543–546; die Tafsir-Werke zum ersten Teil der Sure Bara’a.]
Kurzer Überblick über die Kriege:
Wenn man die unter der Führung des edlen Gesandten, Hadhrat Muhammad Mustafa, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, geführten Kriege betrachtet, wird jeder moralisch gezwungen sein anzuerkennen, dass er der größte und erfolgreichste militärische Befehlshaber der Welt war. In Anbetracht der Umweltbedingungen, der jeweiligen Lage, der relevanten Umstände und der Folgen besaß er eine unvergleichliche Klugheit. Sein Urteilsvermögen war unfehlbar, und im Zustand wachen Gewissens war es von tiefer Bedeutung. Im Bereich von Prophetentum und Gesandtschaft war er der Sayyid al-Mursalin, also der Anführer aller entsandten Propheten. Was hingegen die Eigenschaften militärischer Führung betrifft, war er außergewöhnlich und einzigartig. In allen Kriegen, die er selbst führte oder zu denen er andere entsandte, war er fähig, Ursachen, Umfeld, Lage und Umstände zu prüfen und die richtige Strategie sowie die richtigen Entscheidungen zu treffen. Sein Geschick in der Kriegführung und seine Tapferkeit waren einzigartig. Bei der Sammlung der Truppen, der Kriegsplanung, der Bestimmung von Stellungen und in ähnlichen Bereichen konnte ihn niemand übertreffen. Seine Kriegskunst bewies, dass er selbst die größten Kriegsexperten der Welt überragte. In seinen Kriegsplänen gab es keine Möglichkeit einer Niederlage. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass die Ereignisse in den Schlachten von Uhud und Hunain nicht auf einen Fehler oder Mangel in der Planung des Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zurückzuführen waren. Verantwortlich dafür waren allein die persönlichen Schwächen einiger muslimischer Soldaten. In der Schlacht von Uhud waren sogar seine wichtigen und eindeutigen Anweisungen und Entscheidungen missachtet worden.
In beiden Schlachten standen die Muslime unmittelbar vor einer Niederlage. Für den Mut und die Standhaftigkeit, die er damals zeigte, findet sich nirgends ein Beispiel. Selbst im Kreis der Feinde blieb er unerschütterlich und vereitelte mit unvergleichlicher Kriegskunst alle Pläne der Feinde. Ein solches Ereignis ereignete sich in der Schlacht von Uhud. Darüber hinaus verwandelte seine Kriegskunst in der Schlacht von Hunain die Niederlage der Muslime in einen vollständigen Sieg. Die gefährliche Lage in Uhud und die zügellose Angst und Unruhe in Hunain waren jedoch derart, dass sie den Heerführern die Fähigkeit zu nehmen drohten, Entscheidungen zu treffen. Der Druck auf ihre Nerven war so groß, dass der Versuch der Selbstverteidigung für sie zum Wichtigsten wurde.
Das war die militärische Seite der genannten Kriege. Eine andere Seite ist noch weit bedeutender. Durch diese Kriege schuf der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Frieden und Sicherheit. Er löschte das Feuer von Unruhe und Verderben. Im Zusammenstoß zwischen Islam und Götzendienst machte er die Stärke, Macht und den Hochmut der Feinde zunichte. Er zwang sie, frei über die Einladung und Verkündigung des Islam nachzudenken und Entscheidungen zu treffen. Außerdem lernte er durch diese Kriege Feinde und Verbündete zu unterscheiden. Der Unterschied zwischen echten Muslimen und Heuchlern wurde sichtbar.
Durch die Führung militärischer Feldzüge formte der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, aus den muslimischen Heerführern eine unbesiegbare Kraft. Später kämpften die von ihm geschaffenen Heere im Irak, in Syrien, Persien und Rom und brachten durch Kriegsplanung und strategisches Vorgehen selbst große Kriegsexperten zu Fall. Darüber hinaus vertrieben sie die Feinde aus ihren Gebieten, von ihrem Besitz, ihren Feldern, Bauernhöfen, Gärten, Wasserstellen und Ähnlichem. In diesen Kriegen erledigte der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, für die Muslime notwendige Aufgaben wie die Bereitstellung von Wohnraum, Feldern, Bauernhöfen und Arbeitsmöglichkeiten. Er löste die Probleme der Obdachlosen und heimatlosen Flüchtlinge. Er sorgte für Waffen, Pferde und zahlreiche Arten militärischer Ausrüstung. All dies tat er jedoch, ohne den Gegner irgendeiner Ungerechtigkeit, Unterdrückung oder Übertreibung auszusetzen.
Auch die Ursachen, durch die im Zeitalter der Unwissenheit das Feuer des Krieges entfacht wurde, änderte der geliebte Prophet. In den Tagen der Jahiliya bedeutete Krieg Plünderung, Raub, Töten und Zerstörung, Unterdrückung und Gewalt, die Verwüstung von Siedlungen, das Niederreißen von Häusern und Palästen, die Verletzung der Ehre von Frauen und einen grausamen, erbarmungslosen Umgang mit Kindern und Alten. Außerdem wurden die Ernten auf den Feldern vernichtet und Vieh getötet. Kurz gesagt, Ziel und Zweck jener Kriege waren umfassender Schaden und Zerstörung. Der Islam verhinderte diese abscheulichen Kriegshandlungen und verwandelte den Krieg in einen heiligen Dschihad. Diese Kriege wurden aus vernünftigen und gerechten Gründen begonnen, und ihre Folgen waren für die Menschen aller Zeiten segensreich. In allen späteren Zeiten wurde dies bestätigt. Nach diesen Dschihads verstanden die Menschen, dass Dschihad ein bewaffneter Versuch ist, den Menschen aus der Knechtschaft anderer Menschen zu befreien, ihn aus Unterdrückung, Gewalt und Verfolgung herauszuführen und unter ein gerechtes und auf Fairness gegründetes System zu stellen. Das bedeutet, ein System zu schaffen, in dem die Starken die Schwachen nicht unterdrücken können, sondern in dem jene Despoten und Unterdrücker geschwächt und die Rechte der Unterdrückten und Armen durchgesetzt werden. So besteht die Bedeutung des Dschihad im Islam darin, jene schwachen Frauen, Männer und Kinder zu schützen, die beten: „Unser Herr, führe uns aus dieser Stadt heraus, deren Bewohner Unterdrücker sind. Sende uns von Dir aus einen Beschützer und einen Beistand, und hilf uns durch diesen Anführer und durch ihn.“ Außerdem bedeutet der Krieg der Muslime, Allahs Erde von Verrat, Unterdrückung, Gewalt und Sündhaftigkeit zu befreien und an ihrer Stelle Frieden, Sicherheit, Barmherzigkeit und Menschlichkeit zu errichten. Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, legte für den Krieg erhabene Regeln fest. Er erlaubte den muslimischen Soldaten und Heerführern nicht, diese Regeln zu überschreiten. Hadhrat Salman ibn Dschuwaida überliefert, dass der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, einem Mann, dem er das Kommando über ein Heer übertrug, Frömmigkeit, Gottesfurcht und guten Umgang mit seinen muslimischen Gefährten ans Herz legte. Danach sagte er: „Kämpft im Namen Allahs und auf Allahs Weg. Kämpft, aber begeht keinen Verrat, brecht keine Versprechen und handelt nicht treulos; schneidet niemandem Nase, Ohren oder andere Körperteile ab und tötet kein Kind.“
Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ermahnte den von ihm eingesetzten Heerführer außerdem, freundlich und unkompliziert zu handeln, keine Härte an den Tag zu legen, den Menschen Frieden zu bringen und niemanden zu hassen. 1 [Sahih Muslim, Band 1, S. 82–82]
Wenn der geliebte Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nachts in einem Gebiet eintraf, griff er vor Tagesanbruch nicht an. Außerdem untersagte er es ausdrücklich, Feuer zu legen, also irgendetwas in Brand zu setzen. Er verbot auch, jemanden gefesselt zu töten, Frauen zu schlagen oder sie zu töten. Er verbot Plünderungen. Er sagte, dass die Beute nicht mehr halal sei als ein verendetes Tier. Auch die Zerstörung von Feldern und Bauernhöfen, das Töten von Vierbeinern und das Fällen von Bäumen untersagte er. Wenn jedoch eine besondere Notwendigkeit eintrat, war dies etwas anderes.
Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Heil seien auf ihm, Mekka eroberte, sagte er: „Greift keinen Verwundeten an, verfolgt keinen Flüchtenden und tötet keinen Gefangenen.“ Er führte auch die Regel ein, dass kein Gesandter getötet werden dürfe. Außerdem sagte er, dass kein nichtmuslimischer Bürger getötet werden dürfe. Ja, er sagte sogar: „Wer einen nichtmuslimischen Bürger ohne Grund tötet, wird nicht einmal den Duft des Paradieses zu riechen bekommen.“ Dabei kann der Duft des Paradieses sogar aus einer Entfernung von vierzig Jahren Wegstrecke wahrgenommen werden.
Die genannten Gründe und viele weitere, noch höherstehende Verhaltensregeln waren es, durch die der Krieg von der Unreinheit des Zeitalters der Dschahiliya gereinigt und in den heiligen Dschihad verwandelt wurde.
Menschen treten in Scharen in Allahs Religion ein
Wie bereits erwähnt, war die Eroberung Mekkas ein entscheidender Feldzug. Dadurch wurde den Arabern die Haltlosigkeit des Götzendienstes deutlich, und der Götzendienst fand sein Ende. Für alle Araber waren Wahrheit und Falschheit klar erkennbar geworden. Sie begannen rasch, den Islam anzunehmen. Hadhrat Amr ibn Salama, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, sagte: „Wir lebten am Rand eines Wasserbeckens. An diesem Wasserbecken kamen Menschen vorbei. Wir fragten die Reisenden nach jenem Mann, nämlich dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Heil seien auf ihm. Die Reisenden sagten: ‚Er behauptet, dass Allah ihn als Propheten gesandt hat, dass ihm Offenbarung zuteilwird und dass Allah in dieser Offenbarung dies und jenes gesagt hat.‘ Hadhrat Amr ibn Salama, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, sagte: ‚Ich hörte diese Worte und prägte mir die in der Offenbarung enthaltenen Aussagen ein.‘ Die Araber warteten nach ihrer Annahme des Islam auf die Eroberung Mekkas. Sie sagten: ‚Lasst ihn und sein Volk in Ruhe. Wenn er über sein eigenes Volk siegt, wird sich zeigen, dass er ein wahrer Prophet ist.‘ Danach ereignete sich die Eroberung Mekkas.“
Alle Stämme machten sich daran, den Islam anzunehmen. Auch mein Vater kam zu meinem Stamm und brachte ihm die Lehren des Islam. Er sagte: „Ich komme vom wahrhaftigen Propheten. Der Prophet hat gesagt: Verrichtet zu den jeweiligen Zeiten die jeweiligen Gebete. Wenn die Zeit des Gebets gekommen ist, soll einer von euch den Adhan ausrufen. Danach soll derjenige von euch, der am meisten vom Koran kennt, das Gebet leiten.“
Aus diesem Hadith wird deutlich, wie großen Einfluss die Eroberung Mekkas auf die Veränderung der Lage, auf die Stärkung des Islam, auf die Bestimmung der Rolle der Araber und darauf hatte, sie dem Islam zu weihen. Nach dem Feldzug von Tabuk nahm diese Entwicklung noch extremere Ausmaße an. Deshalb sehen wir, dass in jenen beiden Jahren, also im neunten und zehnten Jahr nach der Hidschra, zahlreiche Delegationen in Medina eintrafen. Damals fanden die Menschen in Scharen Zuflucht im Schutz des Islam. So betrug die Zahl der Muslime zur Zeit der Eroberung Mekkas zehntausend, doch in weniger als einem Jahr war sie zur Zeit des Feldzugs von Tabuk auf dreißigtausend angewachsen.
Beim Abschiedspilgerfest zeigte sich, dass die Zahl der Muslime 124.000 beziehungsweise, einer anderen Überlieferung zufolge, 144.000 erreicht hatte. Um den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Heil seien auf ihm, herum riefen sie „Labbaika“. Mit den Lobpreisungen Allahs, des Herrn der Welten, erfüllten sie Himmel und Erde. In Bergen und auf Ebenen, in Feldern und freiem Land hallte der Ruf des Tauhid wider.
Das Eintreffen der Delegationen
Historiker erwähnen mehr als siebzig Delegationen. Eine ausführliche Erörterung dieses Themas ist hier nicht möglich. Daher behandeln wir nur die Delegationen, die in historischer Hinsicht von Bedeutung sind. Die Leser mögen sich daran erinnern, dass zwar unmittelbar nach der Eroberung von Mekka verschiedene Delegationen begonnen hatten, am Hof des edlen Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, vorzusprechen, doch die Delegationen einiger Stämme bereits vor der Eroberung Mekkas in Medina beim edlen Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, erschienen waren. Im Folgenden nennen wir die betreffenden Stämme und berichten über ihre Ankunft.
(1) Die Delegation von ʿAbd al-Qais: Die Delegation dieses Stammes erschien beim Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zum ersten Mal im fünften und zum zweiten Mal im neunten Jahr nach der Hidschra. Beim ersten Mal kam ein Mann dieses Stammes namens Munqidh ibn Habbān mit Handelswaren nach Medina. Danach reiste er noch mehrere Male nach Medina und zurück. Nach der Auswanderung des Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nach Medina kam er erneut dorthin, informierte sich über den Islam und nahm den Islam an. Nach seinem Übertritt nahm er im Auftrag des edlen Propheten einen Brief mit und ging zu den Angehörigen seines eigenen Stammes. Von der Schönheit des Islam beeindruckt, nahmen auch die Angehörigen seines Stammes den Islam an.
Danach erschien eine Delegation von dreizehn oder vierzehn Angehörigen dieses Stammes beim edlen Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Diese Delegation fragte den Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nach dem Glauben und nach Getränken. Ihr Anführer war al-Aschadsch al-Asri.² [Mirʾāt al-Mafātīh, Band 1, S. 71] Über diesen Mann sagte der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm: „In dir gibt es zwei Eigenschaften, die Allah, der Erhabene, liebt: die eine ist Besonnenheit und die andere Geduld.“
Zum zweiten Mal kam die Delegation dieses Stammes im neunten Jahr nach der Hidschra nach Medina. Sie bestand aus vierzig Personen. Unter ihnen befand sich ein Christ namens ʿAlāʾ ibn Dschārūd al-ʿAbdī. Er kam nach Medina, wurde Muslim und leistete später besondere Dienste für den Islam.³ [Scharh Sahih Muslim, Band 1, S. 33; Fath al-Bārī, Band 8, S. 85–86]
(2) Die Delegation von Daus: Zu Beginn des siebten Jahres nach der Hidschra kam diese Delegation nach Medina. Zu jener Zeit befand sich der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in Chaibar. Wie bereits erwähnt, hatte Tufail ibn ʿAmr ad-Dausī den Islam in Mekka angenommen. Er ging zu seinem Volk und lud es zum Islam ein. Doch sein Volk zögerte immer wieder. Enttäuscht kam er zum edlen Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und bat: „O Gesandter Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sprich ein Bittgebet gegen mein Volk.“ Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sprach jedoch kein Bittgebet gegen sie, sondern sagte: „O Allah, der Erhabene, schenke dem Volk von Daus Rechtleitung.“ Nach diesem Bittgebet des Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nahm das gesamte Volk von Daus den Islam an. Daraufhin wanderte Hadhrat Tufail, möge Allah mit ihm zufrieden sein, zu Beginn des siebten Jahres nach der Hidschra mit den Angehörigen von siebzig oder achtzig Familien seines Volkes nach Medina aus. Zu jener Zeit befand sich der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in Chaibar. Hadhrat Tufail, möge Allah mit ihm zufrieden sein, traf den Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in Chaibar.
(3) Die Botschaft von Farwa ibn ʿAmr al-Dschudhāmī: Farwa war ein arabischer Befehlshaber im römischen Heer. Der römische Kaiser ernannte ihn zum Gouverneur der eroberten arabischen Gebiete. Die Hauptstadt seines Herrschaftsgebiets befand sich an einem Ort namens Maʿān südlich von Jordanien. Nachdem er im achten Jahr nach der Hidschra im Feldzug von Muʾta den außergewöhnlichen Heldenmut der Muslime gesehen hatte, nahm er den Islam an. Er sandte einen Gesandten zum Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und teilte ihm seinen Übertritt zum Islam mit; zugleich schickte er ihm als Geschenk ein weißes Maultier. Die hohen Beamten des römischen Kaisers gerieten in Zorn, als sie vom Übertritt ihres eingesetzten Gouverneurs zum Islam erfuhren. Sie ließen Hadhrat Farwa verhaften und befahlen ihm, den Islam wieder zu verlassen. Andernfalls drohten sie ihm mit der Hinrichtung. Hadhrat Farwa, möge Allah mit ihm zufrieden sein, hielt das Märtyrertum für besser, als den Islam aufzugeben. Daraufhin wurde er an einem Ort namens ʿAfrā in Palästina am Ufer einer Quelle gekreuzigt und hingerichtet. ⁴ [Zād al-Maʿād, Band 3, S. 45]
(4) Die Delegation von Sada: Im achten Jahr nach der Hidschra erschien diese Delegation beim Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nachdem er aus Dschiʿrāna zurückgekehrt war. Der Grund für ihr Kommen war, dass der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, eine muslimische Truppe angewiesen hatte, in das Gebiet im Jemen zu ziehen, in dem der Stamm Sada lebte. Die muslimische Truppe hatte das Gebiet von Qanāt erreicht und dort ihr Lager aufgeschlagen. Zu diesem Zeitpunkt eilte Hadhrat Ziyād ibn Hārith, möge Allah mit ihm zufrieden sein, zum Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und sagte: „Ich bin als Anführer derjenigen erschienen, die hinter mir kommen. Bringt daher die muslimische Armee zurück. Ich verbürge mich für die Angehörigen meines Volkes.“ Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ließ die muslimische Armee nach Medina zurückkehren. Danach ging Hadhrat Ziyād, möge Allah mit ihm zufrieden sein, zu seinem Volk und sagte: „Einige von euch sollen mit mir zum Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, kommen.“ Anschließend erklärte er ihnen alles. Nachdem sein Volk Hadhrat Ziyād, möge Allah mit ihm zufrieden sein, angehört hatte, erschien eine Delegation von fünfzehn Männern seines Volkes beim Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und nahm den Islam an. Danach kehrten sie zu ihrem Volk zurück, lehrten die Religion und verbreiteten den Islam. Zur Zeit der Abschiedswallfahrt erschienen einhundert Muslime dieses Volkes beim Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm.
(5) Die Ankunft von Kaʿb ibn Zuhayr ibn Abī Salmā: Kaʿb entstammte einer Dichterfamilie und war ein bedeutender Dichter Arabiens. Er war ein Ungläubiger. Er verbreitete Verleumdungen über den Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Nach der Überlieferung von Imam al-Hākim gehörte Kaʿb zu den Verbrechern, hinsichtlich derer bei der Eroberung Mekkas angeordnet worden war, sie zu töten, selbst wenn sie sich an den Vorhang der Kaaba klammerten. Doch Kaʿb gelang es, zu fliehen und sein Leben zu retten. Nachdem der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) vom Feldzug nach Tāʾif zurückgekehrt war, schrieb Kaʿbs Bruder Rujayr ibn Zuhayr ihm einen Brief: Der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) habe die Tötung einiger Personen angeordnet, die ihn verleumdeten, und dieser Befehl sei ausgeführt worden. Einige wenige Dichter aus dem Stamm Quraisch seien hierhin und dorthin geflohen und hätten ihr Leben gerettet. Wenn dir dein Leben lieb ist, dann komm zum Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), denn er tötet keine Reumütigen. Wenn dir mein Vorschlag nicht gefällt, dann flieh dorthin, wo du Sicherheit zu finden glaubst. Nach diesem Brief wurden zwischen den beiden Brüdern mehrere Briefe ausgetauscht. Schließlich erkannte Kaʿb, dass sein Leben in Gefahr war, kam nach Medina und nahm bei einem Mann namens Dschuhaina als Gast Unterkunft. Am nächsten Morgen verrichtete er mit diesem Mann das Morgengebet. Nach dem Gebet wies Dschuhaina Kaʿb durch ein Zeichen auf den Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) hin. Daraufhin ging Kaʿb zum Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), setzte sich zu ihm und legte seine Hand in dessen Hand. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) kannte Kaʿb nicht. Kaʿb sagte: „O Gesandter Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), wenn Kaʿb ibn Zuhayr bereut, Muslim wird und um Sicherheit bittet, und ich ihn zu dir bringe, wirst du ihn dann aufnehmen?“ Der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Ja.“ Kaʿb sagte: „Ich bin Kaʿb ibn Zuhayr.“ Als ein Ansārī dies hörte, eilte er herbei, packte Kaʿb und bat den Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) um Erlaubnis, ihn zu töten. Der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte zu diesem Gefährten: „Lass ihn frei. Er hat bereut und seine vergangenen Taten bereut.“
An jenem Ort trug Kaʿb ibn Zuhayr dem Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) seine berühmte Kassida vor. In dieser Kassida bat Kaʿb den edlen Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) um Vergebung für seine vergangenen Taten und pries den geliebten Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Die Bedeutung des Gedichts lautet wie folgt:
„Suʿād ist fortgegangen, und deshalb herrscht nun Unruhe in meinem Herzen. Lege hinter dem Herzen Fesseln an; für sie ist kein Lösegeld entrichtet worden. Mir wurde gesagt, dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) mich bedroht habe. Dennoch hoffe ich auf Vergebung vom Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Bleiben Sie standhaft und schenken Sie den Worten der Verleumder kein Gehör. Möge derjenige Sie rechtleiten, der Ihnen den Koran gegeben hat, voller Ermahnungen und ausführlicher Darlegungen. Obwohl vieles über mich gesagt wurde, habe ich kein Verbrechen begangen. Ich stehe an einem Ort, höre solche Worte und sehe einen solchen Zustand, dass selbst ein Elefant, wenn er an meiner Stelle stünde, erschrocken stehen bliebe. Wenn jedoch durch Allahs Gnade die Erlaubnis des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) erteilt würde, wäre es anders. Freimütig habe ich meine Hand in die Hand jener ehrenvollen Persönlichkeit gelegt, die die volle Macht zur Vergeltung besitzt und deren Wort über allem steht. Dennoch wurde mir gesagt: Gegen dich liegen diese und jene Beschwerden vor, und du wirst befragt werden. Wahrlich, der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ist ein solches Licht, von dem man Erleuchtung empfängt. Er ist ein Schwert unter den Schwertern Allahs.“
Danach pries Kaʿb ibn Zuhayr die Quraisch-Muhādschirūn, denn seit Kaʿbs Ankunft hatte kein Muhādschir ihn belästigt. Während er die Muhādschirūn pries, äußerte Kaʿb eine spöttische Bemerkung über die Ansār, weil ein Ansārī um die Erlaubnis gebeten hatte, Kaʿb zu töten. In seinem Gedicht sagte Kaʿb: „Die Quraisch ziehen dahin wie anmutige Kamele, und scharfe Schwerter schützen sie in dem Augenblick, in dem kleine, gedrungene, schwarze und hässliche Männer vom Weg fliehen.“
Nachdem Kaʿb Muslim geworden war, pries er die Ansār in einem Gedicht. Darin schrieb er: „Wer ein ehrenvolles Leben bevorzugt, soll sich stets in den Reihen irgendeiner Truppe der Ansār aufhalten. Die Ansār haben ihre Schönheit erblich überkommen. Wahrlich, gut sind diejenigen, die Kinder guter Menschen sind.“
(6) Die Delegation von ʿUdhra: Im neunten Jahr nach der Hidschra kam diese Delegation nach Medina. Sie bestand aus zwölf Personen, darunter Hamza ibn Nuʿmān. Als sie nach ihrer Herkunft gefragt wurden, sagten sie: „Wir sind Banū ʿUdhra und stehen in verwandtschaftlicher Beziehung zu Qusai. Wir haben Qusai unterstützt und Chuzāʿa sowie Banū Bakr aus Mekka vertrieben. Hier leben unsere Verwandten.“ Nachdem der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) dies erfahren hatte, hieß er sie willkommen und verkündete ihnen die frohe Nachricht von der Eroberung Syriens. Er verbot ihnen, Informationen bei Wahrsagerinnen einzuholen. Außerdem untersagte er ihnen, jene Tiere zu schlachten, die sie beim Beigesellen Allahs zu essen pflegten. Diese Delegation nahm den Islam an und kehrte nach einigen Tagen Aufenthalt in Medina nach Mekka zurück.
(7) Die Delegation von Bali: Im Monat Rabīʿ al-awwal des neunten Jahres nach der Hidschra kam diese Delegation nach Medina und blieb nach ihrer Annahme des Islam drei Tage dort. Während dieser Zeit fragte der Leiter der Delegation, Abū Dscharīr: „Gibt es für die Bewirtung eine Belohnung?“ Der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Ja. Wenn man einem Wohlhabenden oder einem Armen Güte erweist, wird diese Güte als Sadaqa angerechnet.“ Er fragte erneut: „Wie lange muss die Bewirtung dauern?“ Der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Drei Tage.“ Er sagte: „Wenn jemand eine verirrte Ziege findet, welche Anweisung gilt dann hinsichtlich dieser Ziege?“ Der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Sie gehört dir, deinen Brüdern oder dem Wolf.“ Danach fragte dieser Mann nach einem verlorenen Kamel. Der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Was hast du mit diesem Kamel zu tun? Lass es frei; sein Besitzer wird es finden.“
(8) Die Delegation von Thaqīf: Diese Delegation erschien im Ramadan des neunten Jahres nach der Hidschra, nachdem der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, aus Tabuk zurückgekehrt war. Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, im Dhū l-Qaʿda des achten Jahres nach der Hidschra vom Feldzug nach Tāʾif zurückkehrte, nahm ʿUrwa ibn Masʿūd, der Anführer dieser Delegation, noch vor seiner Ankunft in Medina den Islam an, nachdem er den edlen Propheten, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, getroffen hatte. Danach kehrte er zu seinem Stamm zurück und rief dessen Angehörige zum Islam auf. Die Stammesangehörigen liebten ihn zutiefst. Es wird berichtet, dass sie ʿUrwa mehr liebten als ihre eigenen Kinder und Familienangehörigen. ʿUrwa nahm an, dass alle seinen Ruf zum Islam annehmen und seinen Worten folgen würden. Doch diese Annahme erwies sich als falsch. Kaum hatte er zum Islam aufgerufen, da schossen die Angehörigen seines Stammes von allen Seiten Pfeile auf ihn ab und töteten ihn, nachdem sie ihn schwer verwundet hatten. Einige Monate vergingen, und die Stammesangehörigen erkannten, dass sie angesichts des wachsenden Einflusses der Muslime in ihrer Umgebung nicht sicher bleiben konnten. Auch waren sie nicht in der Lage, den Muslimen entgegenzutreten. Sie berieten sich untereinander und beschlossen, einen Mann zum edlen Propheten, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, zu schicken. Gemäß diesem Beschluss wurde ʿAbd Yalīl ibn ʿAmr vorgeschlagen, nach Medina zu gehen. Doch aus Furcht vor dem Schicksal ʿUrwas stellte ʿAbd Yalīl die Bedingung, nicht allein nach Medina gehen zu müssen. Er sagte: „Ihr müsst mir noch einige Männer mitgeben; ich bin nicht bereit, allein zu gehen.“ Daraufhin gaben ihm die Stammesangehörigen entsprechend diesem Vorschlag fünf Männer mit. Schließlich brach eine sechsköpfige Delegation nach Medina auf. Unter ihnen war ʿUthmān ibn Abū al-ʿĀs ath-Thaqafī der Jüngste. Nachdem die Delegation in Medina eingetroffen war, ließ der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sie in einer Ecke der Prophetenmoschee wohnen, damit sie die Gefährten den Qurʾān rezitieren hören und sehen konnten, wie das Gebet verrichtet wurde. Während ihres Aufenthalts in der Moschee begannen sie, den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, regelmäßig aufzusuchen. Der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, rief sie weiterhin zum Islam auf. Eines Tages sagte ihr Anführer zum Propheten, Allahs Segen und Friede seien auf ihm: „Verfasse zwischen Thaqīf und dir eine Vereinbarung, in der festgehalten wird, dass sie Unzucht, das Trinken von Alkohol und den Verzehr von Zinsen beibehalten dürfen, dass sie das Recht haben, ihr Götzenbild al-Lāt anzubeten, vom Gebet befreit sind und ihr Götzenbild nicht mit eigenen Händen zerstören müssen.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, akzeptierte keine einzige ihrer genannten Bedingungen. Danach beriet sich die Delegation untereinander, doch am Ende blieb ihr nichts anderes übrig, als die Worte des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, anzunehmen. Das taten sie und suchten Zuflucht im Schatten des Islam. Sie stellten jedoch erneut die Bedingung, al-Lāt, ihr Götzenbild, nicht mit eigenen Händen zerstören zu müssen. Der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, akzeptierte diese Bedingung und ließ dies schriftlich festhalten. Er ernannte ʿUthmān ibn Abū al-ʿĀs ath-Thaqafī zum Anführer der Delegation, da sein Interesse am Islam größer war als das aller anderen. Die Mitglieder der Delegation gingen jeden Morgen zum Propheten, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, doch sie nahmen ʿUthmān nicht mit. Während die anderen mittags ruhten, besuchte Hadrat ʿUthmān, möge Allah mit ihm zufrieden sein, den Propheten und stellte ihm detaillierte Fragen über den Islam. Wenn er den Propheten, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, schlafend vorfand, stellte Hadrat ʿUthmān, möge Allah mit ihm zufrieden sein, Hadrat Abū Bakr, möge Allah mit ihm zufrieden sein, verschiedene Fragen über die Religion. Die Amtsführung Hadrat ʿUthmāns, möge Allah mit ihm zufrieden sein, als Gouverneur war überaus segensreich. Während der Kalifatszeit Hadrat Abū Bakrs, möge Allah mit ihm zufrieden sein, fielen einige Menschen vom Glauben ab. Zu jener Zeit planten auch Angehörige des Stammes Thaqīf, vom Glauben abzufallen. Hadrat ʿUthmān ibn Abū al-ʿĀs, möge Allah mit ihm zufrieden sein, wandte sich in diesem kritischen Augenblick an sie und sagte: „Hört, ihr Angehörigen des Stammes Thaqīf! Ihr habt als Letzte den Islam angenommen; werdet deshalb nicht als Erste zu Abtrünnigen.“ Daraufhin sahen die Angehörigen des Stammes Thaqīf davon ab, den Islam zu verlassen, und blieben dem Islam standhaft verbunden.
Zusammengefasst kehrte die Delegation zu ihrem Volk zurück und verschwieg ihm die eigentliche Wahrheit. Traurig und bedrückt berichteten sie, der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, habe von ihnen verlangt, den Islam anzunehmen und Unzucht, das Trinken von Alkohol sowie den Verzehr von Zinsen aufzugeben. Wenn sie dies nicht täten, werde gegen sie Krieg geführt. Als die Angehörigen des Stammes Thaqīf dies hörten, berieten sie zwei oder drei Tage lang darüber, ob sie kämpfen sollten. Danach veränderte Allah, der Erhabene, ihre Herzen, und sie bereiteten sich innerlich darauf vor, den Islam anzunehmen. Sie sagten zur Delegation: „Kehrt nach Medina zurück und teilt dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, mit, dass wir bereit sind, unter seinen Bedingungen den Islam anzunehmen.“ Daraufhin gaben die Mitglieder der Delegation ihre eigene Annahme des Islam bekannt und riefen die Angehörigen ihres Stammes zum Islam auf. Die Angehörigen des Stammes Thaqīf nahmen daraufhin sofort den Islam an.
Unterdessen entsandte der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, einige Gefährten unter der Führung von Hadrat Khālid ibn al-Walīd, möge Allah mit ihm zufrieden sein, zum Stamm Thaqīf, um das Götzenbild al-Lāt zu zerstören. Hadrat al-Mughīra ibn Shuʿba, möge Allah mit ihm zufrieden sein, schwang eine eiserne Keule, die zur Zerstörung des Götzenbildes bestimmt war, und sagte zu seinen Gefährten: „Ich werde euch ein wenig zum Lachen bringen, indem ich einen Scherz mache.“ Nachdem er dies gesagt hatte, schlug er auf das Götzenbild ein, packte sich an die Knie und setzte sich hin. Beim Anblick dieser inszenierten Szene ließen sich die Angehörigen des Stammes Thaqīf aus Tāʾif beeindrucken. Sie sagten: „Möge Allah al-Mughīra vernichten! Die Göttin al-Lāt hat ihn getötet.“ Hadrat al-Mughīra, möge Allah mit ihm zufrieden sein, richtete sich auf, schüttelte sich den Staub ab und sagte: „Möge Allah euch Unheil bringen! Dieses Götzenbild besteht doch nur aus Stein und Erde.“ Danach schlug Hadrat al-Mughīra, möge Allah mit ihm zufrieden sein, gegen die Tür und zerbrach das Götzenbild. Anschließend stieg Hadrat al-Mughīra, möge Allah mit ihm zufrieden sein, auf die hohe Mauer. Auch einige Gefährten stiegen auf die hohe Mauer. Sie zertrümmerten das Götzenbild und zerschmolzen es gleichsam mit der Erde; danach gruben sie im Boden und holten den Schmuck und die Kleidung hervor, die dem Götzenbild dargebracht worden waren. Beim Anblick dieses Geschehens waren die Angehörigen des Stammes Thaqīf erstaunt und bestürzt. Hadrat Khālid, möge Allah mit ihm zufrieden sein, brachte den Schmuck und die Kleidung des Götzenbildes nach Medina und trat damit vor den edlen Propheten, Allahs Segen und Friede seien auf ihm. Der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, verteilte alles noch am selben Tag und dankte Allah. 5 [Zād al-Maʿād, Band 3, S. 26–28.]
(9) Der Brief des Königs von Jemen an Thaqīf: Nach der Rückkehr des Propheten, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, aus Tabuk schrieb der König von Jemen einen Brief. Ein Brief von al-Hārith ibn ʿAbd Kalāl, Nuʿaim ibn ʿAbd Kalāl, Rāʿīn sowie von Nuʿmān ibn Qail, dem Herrscher von Hamdān und Maʿāfir, traf ein. Im Namen aller sandte Mālik ibn Murra das Schreiben. Diese Könige schrieben, dass sie den Islam annahmen und Schirk sowie Unglauben aufgaben. Der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sandte eine Antwort, in der er die Rechte sowie die Verantwortlichkeiten und Pflichten der Bewohner Jemens darlegte. In dem Schreiben erwähnte er auch, dass Allah und Sein Gesandter für diejenigen bürgen würden, die den Islam annähmen. Die Bedingung war jedoch, dass sie die Dschizya entrichten mussten. Außerdem entsandte der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, einige Gefährten unter der Führung von Hadrat Muʿādh ibn Dschabal, möge Allah mit ihm zufrieden sein, nach Jemen.
(10) Die Delegation von Hamdan: Diese Delegation erschien beim edlen Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nachdem er aus Tabuk zurückgekehrt war. Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, schrieb für das Volk der Delegation einen Brief mit Anweisungen und gewährte ihnen alles, worum sie gebeten hatten. Malik ibn Namit wurde zum Emir ernannt und zum Gouverneur derjenigen seines Volkes eingesetzt, die den Islam angenommen hatten. Chālid ibn al-Walīd (möge Allah mit ihm zufrieden sein) wurde entsandt, um den Islam den übrigen Menschen zu verkünden. Er blieb sechs Monate in Hamdan und lud die Menschen weiterhin zum Islam ein. Doch niemand nahm den Islam an. Daraufhin entsandte der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ʿAlī (möge Allah mit ihm zufrieden sein) nach Hamdan und befahl, Chālid (möge Allah mit ihm zufrieden sein) zurückzurufen. ʿAlī (möge Allah mit ihm zufrieden sein) begab sich zum Stamm von Hamdan, verlas ihnen den Brief des Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und lud sie zum Islam ein. Daraufhin suchten alle Zuflucht im Schatten des Islam. ʿAlī (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sandte dem Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) die Nachricht. Als der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, den Brief mit dieser frohen Botschaft gelesen hatte, warf er sich in der Niederwerfung nieder und sagte: „Friede sei über Hamdan, Friede sei über Hamdan.“
(11) Die Delegation der Banū Fazāra: Im neunten Jahr nach der Hidschra, nachdem der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, aus Tabuk zurückgekehrt war, traf diese Delegation mit ihm zusammen. Zu dieser Delegation gehörten zehn Männer. Sie beklagten die Hungersnot in ihrer Gegend. Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, bestieg die Kanzel, hob beide Hände und betete: „O Allah, sättige die von Dir erschaffene Erde und die Vierfüßer. Verbreite Deine Barmherzigkeit. Belebe Deine toten Städte. O Allah, lass auf uns den Regen herabkommen, den wir ersehnen. Schenke uns durch diesen Regen Frieden und Erholung. Lass die ausgedehnten schwarzen Wolken schnell kommen und nicht zögern. Lass diesen Regen nicht zerstörerisch und nicht schädlich sein. O Allah, lass den Regen der Barmherzigkeit nicht zum Regen der Strafe werden. Lass ihn nicht zerstörerisch sein. O Allah, sättige uns und hilf uns gegen unsere Feinde.“ 6 [Zād al-Maʿād, Band 3, S. 40]
(12) Die Delegation von Nadschrān: Die Bewohner dieser Gegend leben an der Straße von Mekka nach Jemen. Die Gemeinschaft von Nadschrān bestand aus 73 Ortschaften beziehungsweise Siedlungen. Ein schneller Reiter konnte an einem ganzen Tag alle diese Ortschaften umrunden. 7 [Fath al-Bārī, Band 8, S. 94] In dieser Gegend lebten einhunderttausend kampffähige Männer, die alle dem christlichen Glauben angehörten.
Auch die Delegation von Nadschrān traf im neunten Jahr nach der Hidschra ein. Sie bestand aus sechzig Personen. Vierundzwanzig von ihnen gehörten der Oberschicht an. Drei waren allgemein hoch angesehene Führer der Einwohner von Nadschrān. Ein Mann namens ʿAbd al-Masīḥ war Regierungsoberhaupt, und ein Mann namens Schurahbīl war politischer Berater.
Die Delegation erreichte Medina und traf mit dem Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zusammen. Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, stellte ihnen einige Fragen. Auch sie stellten dem edlen Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, einige Fragen. Danach lud der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sie zum Islam ein und rezitierte ihnen aus dem Koran. Doch sie nahmen den Islam nicht an.
Sie fragten: „Was ist deine Auffassung über den Messias (Friede sei mit ihm)? Was sagst du über ihn?“ Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, beantwortete diese Frage an jenem Tag nicht. Da ließ Allah, der Herr der Welten, eine Offenbarung herabkommen.
„Gewiss, das Gleichnis Jesu (Friede sei mit ihm) ist bei Allah wie das Gleichnis Adams. Er erschuf ihn aus Erde und sagte dann zu ihm: ‚Sei!‘, und da war er. Dies ist die Wahrheit von deinem Herrn; so sei nun nicht unter den Zweiflern. Wenn nun jemand mit dir darüber streitet, nachdem zu dir Wissen gekommen ist, dann sag: ‚Kommt her! Lasst uns unsere Söhne und eure Söhne, unsere Frauen und eure Frauen, uns selbst und euch selbst zusammenrufen. Dann wollen wir demütig flehen und Allahs Fluch auf die Lügner herabrufen.‘“ (Sure Āl ʿImrān, Verse 59–61)
Am Morgen unterrichtete der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die Besucher im Licht der genannten edlen Verse über Jesus (Friede sei mit ihm). Doch sie weigerten sich, die Aussage des edlen Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, über Jesus (Friede sei mit ihm) anzunehmen. Sie blieben bei ihrer Ablehnung. Am nächsten Morgen schlug der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ihnen die Mubāhala vor, also dass beide Seiten Allahs Fluch gegeneinander erbitten sollten. Nachdem er diesen Aufruf ausgesprochen hatte und sie sahen, dass der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zur Mubāhala bereit war, zogen sie sich zurück und berieten sich untereinander. Bei dieser Beratung sagte eine Partei: „Es wäre nicht richtig, das Risiko der Mubāhala einzugehen. Bei Allah, er ist wahrlich ein Prophet. Wenn wir mit ihm die Mubāhala durchführen, werden weder wir noch unsere Kinder jemals Erfolg haben. Wir werden mit unserer gesamten Nachkommenschaft ausgelöscht werden.“ Nach dieser Beratung akzeptierten sie den Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, als Schiedsrichter in ihrer Angelegenheit. Sie gingen zum Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und sagten: „Wir sind bereit, deine Forderungen anzunehmen.“ Nach diesem Angebot erklärte sich der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, bereit, von ihnen die Dschizya anzunehmen. Man einigte sich auf zweitausend Paar Gewänder. Sie erklärten sich bereit, eintausend Paar im Monat Radschab und weitere eintausend Paar im Monat Safar zu liefern. Im Gegenzug gewährte der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ihnen den Schutz Allahs und Seines Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. In religiösen Angelegenheiten waren sie frei. In dieser Angelegenheit schloss der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, mit ihnen einen Vertrag. Die Delegation verlangte, dass ihnen ein vertrauenswürdiger Mann mitgegeben werde. Daraufhin entsandte der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, den angesehenen Gefährten Abū ʿUbaida ibn al-Dscharrāh, um gemäß dem Vertrag die Güter einzusammeln.
Danach begann sich der Islam unter dem Stamm Nadschran auszubreiten. Die Verfasser der Sira schreiben, dass der Anführer der Delegation und seine Gefolgsleute, nachdem sie nach Nadschran zurückgekehrt waren, im kühlen Schatten des Islam Zuflucht suchten. Daraufhin entsandte der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Ali, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, um die Sadaqa und die Dschizya einzuziehen. Es sei angemerkt, dass die Sadaqa nur von Muslimen erhoben wird. 8 [Fath al-Bari, Band 8, S. 94–95; Zad al-Ma’ad, Band 3, S. 38–41. In der ausführlichen Darstellung der Delegation aus Nadschran wird erwähnt, dass einige Mitglieder nicht damit einverstanden waren, als die Delegation aus Nadschran zum zweiten Mal nach Medina reiste.]
(13) Die Delegation des Stammes Banu Hanifa: Diese Delegation traf im neunten Jahr der Hidschra in Medina ein. Zu ihr gehörten siebzehn Personen, darunter Musailima ibn Kadhdhab. 9 [Fath al-Bari, Band 8, S. 87] Musailimas Abstammung war folgende: Musailim ibn Thumama ibn Qarib ibn Habib ibn al-Harith.
Diese Delegation stieg im Haus eines ansarischen Gefährten ab. Danach begab sie sich zum Hof des Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und nahm den Islam an. Über Musailima al-Kadhdhab wird jedoch etwas anderes berichtet. Betrachtet man alle Überlieferungen, so zeigt sich, dass Musailima Starrsinn, Hochmut und das Verlangen nach Macht erkennen ließ. Gemeinsam mit den anderen Mitgliedern der Delegation erschien er nicht beim geliebten Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Als er später zum Hof des Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, kam, lud ihn dieser in ruhigem und sanftem Ton zum Islam ein. Er bemerkte jedoch, dass seine freundliche Behandlung keinerlei gute Wirkung zeigte. Da erkannte der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, dass von diesem Mann kein Gutes zu erwarten war. In seinem Inneren befanden sich Verderbtheit und Befleckung.
Zuvor hatte der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, eines Nachts im Traum gesehen, dass die Schätze der ganzen Welt zu seinem Hof gebracht und dort niedergelegt worden waren. Plötzlich flogen aus diesem Schatz zwei goldene Armreifen auf seine Hände. Die beiden Armreifen waren sehr schwer, und der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, fühlte sich bedrängt. Da kam durch Gabriel, Allahs Frieden sei auf ihm, die Offenbarung, er solle auf die beiden Armreifen blasen. Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, blies darauf. Sofort flogen die beiden Armreifen davon. Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, deutete diesen Traum dahingehend, dass nach ihm zwei Männer den Anspruch auf das Prophetentum fälschlich erheben würden. Wegen Musailima al-Kadhdhabs unverschämten Benehmens war der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, verärgert. Dieser Übeltäter sagte: „Wenn Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, mir nach seiner Zeit die Herrschaft überträgt, bin ich bereit, ihm zu gehorchen.“ Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ging zu Musailima. Dieser hielt damals einen Palmzweig in der Hand, und der Sprecher des Propheten, Thabit ibn Qais ibn Schammas, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, war bei ihm. Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, trat an seinen Kopf. Musailima sagte: „Wenn Sie einverstanden sind, bin ich bereit, Ihnen in der Herrschaft entgegenzukommen. Doch mich müssen Sie zu Ihrem Nachfolger in der Herrschaft bestimmen.“ Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, deutete auf den Palmzweig in seiner Hand und sagte: „Selbst wenn du mich um diesen bittest, werde ich ihn dir nicht geben. Du kannst dem Urteil Allahs über dich nicht entkommen. Wenn du dich abwendest und fortgehst, wird Allah, der Erhabene, dich vernichten. Bei Allah, ich glaube, dass du eben jener Mann bist, der mir im Traum gezeigt wurde.“ „Thabit ibn Qais bleibt hier; er wird dir an meiner Stelle antworten.“ Mit diesen Worten kehrte der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zurück. 10 [Sahih al-Buchari, Kapitel über die Geschichte von Banu Hanifa und al-Aswad al-Ansi, Band 2, S. 627–628, sowie Fath al-Bari, Band 8, S. 86–93]
Schließlich erwiesen sich die Worte des Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, als wahr. Musailima al-Kadhdhab kehrte nach Yamama zurück und dachte zunächst einige Tage über sich selbst nach. Dann behauptete er plötzlich, ihm sei gemeinsam mit Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ein Anteil am Prophetentum verliehen worden. Danach begann er öffentlich den Anspruch auf das Prophetentum zu verkünden. Für die Angehörigen seines Volkes erklärte er Unzucht und den Genuss von Alkohol für erlaubt.
Musailima al-Kadhdhab erhob im zehnten Jahr der Hidschra den Anspruch auf das Prophetentum. Im Monat Rabi al-awwal des zwölften Jahres der Hidschra wurde er während des Kalifats von Abu Bakr as-Siddiq, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, in Yamama getötet. Wahschi, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, der Mörder Hamzas, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, tötete Musailima al-Kadhdhab.
Das Ende eines Anspruchstellers auf das Prophetentum ist bekannt geworden. Ein weiterer Anspruchsteller, al-Aswad al-Ansi, hatte im Jemen Unruhe gestiftet. Einen Tag und eine Nacht vor dem Tod des Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, tötete Firuz, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, diesen falschen Propheten. Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, erfuhr durch die Offenbarung von diesem Mord und teilte ihn den Gefährten mit. Danach traf die entsprechende Nachricht aus dem Jemen bei Abu Bakr, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, ein. 13 [Fath al-Bari, Band 8, S. 93]
(14) Die Delegation von Banu Amir Sa’sa’a: Der Delegation gehörten der Feind Allahs, Amir ibn at-Tufail, Arbad ibn Qais, der Halbbruder von Labid, sowie Khalid ibn Dschafar und Dschabbar ibn Aslam an. Sie waren jeweils führende Persönlichkeiten ihrer Stämme und besaßen einen teuflischen Charakter. Ein Mann namens Amir ibn at-Tufail hatte in Bi’r Ma’una siebzig Gefährten zu Märtyrern gemacht. Als diese Delegation beabsichtigte, nach Medina zu kommen, schmiedeten Amir ibn at-Tufail und Arbad den Plan, den Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, durch eine List überraschend zu töten.
Nachdem diese Delegation in Mina eingetroffen war, unterhielt sich Amir mit dem Propheten. Währenddessen wandte sich Irbad um, ging hinter den Propheten und begann, sein Schwert zu ziehen. Doch er konnte es nicht weiter als eine Spanne herausziehen, denn Allah ließ seine Hand erstarren. Allah beschützte Seinen geliebten Propheten. Der Prophet sprach gegen beide Übeltäter einen Fluch aus. Auf dem Rückweg traf ein Blitz Irbad. Dieser Ungläubige kam augenblicklich zusammen mit seinem Kamel ums Leben. Amir hingegen suchte Zuflucht im Haus einer Frau aus dem Stamm der Salul. Dort trat an seinem Hals ein Kropf auf. An dieser Krankheit starb er dort. Im Augenblick seines Todes sagte Amir: „Ein Kropf wie am Hals eines Kamels – und dann im Haus einer Frau aus Salul sterben?“
In einer Überlieferung von Sahih al-Buchari wird erwähnt, dass Amir zum Propheten kam und sagte: „Ich stelle dir drei Bedingungen. Nimm eine davon an: (1) Die Erzeugnisse der Bewohner des Tals sollen meiner Kontrolle unterstehen. (2) Ich werde nach dir Kalif sein. (3) Ich werde tausend Männer und tausend weibliche Pferde aus dem Stamm der Banu Ghatafan gegen dich aufbieten.“
Danach wurde er im Haus einer Frau von der Pest befallen. In tiefer Verzweiflung und von Kummer überwältigt sagte er: „Wehe, ein Kropf wie am Hals eines Kamels – und dann auch noch im Haus der Frau eines bestimmten Stammes?“ Dann sagte er: „Bringt mir mein Pferd!“ Das Pferd wurde herbeigebracht. Auf dem Rücken des Pferdes starb dieser Feind Allahs schließlich.
(15) Die Delegation von Tadschib: Diese Delegation kam mit der Sadaqa nach Medina, die nach der Verteilung unter den Armen ihres Stammes übrig geblieben war. Sie bestand aus insgesamt dreizehn Personen. Sie erkundigten sich nach dem Koran und der Sunna und wurden darin unterrichtet. Sie fragten den Propheten nach einigen Dingen, und der Prophet schrieb ihnen die entsprechenden Antworten auf. Sie blieben nicht lange in Medina. Der Prophet gab den Mitgliedern der Delegation einige Geschenke. Nach ihrer Abreise schickten sie einen jungen Gefährten, der zurückgeblieben war, zum Propheten. Der junge Mann erschien beim Propheten und sagte: „O Gesandter Allahs, bei Allah, ich bin nicht aus einem anderen Grund aus meiner Heimat gekommen. Ich bin nur gekommen, damit du für mich beim allmächtigen, überaus barmherzigen Allah betest. Möge Er mir Seine Barmherzigkeit und die Kraft schenken, in Seiner Religion standhaft zu bleiben.“ Der Prophet betete für den jungen Mann. Später verließen viele Neubekehrte den Islam, doch dieser junge Mann blieb fest und unerschütterlich im Islam. Er ermahnte und belehrte die Angehörigen seines Volkes über die Lehren des Islam. Daher blieben auch die Menschen seines Volkes dem Islam gegenüber standhaft. Im zehnten Jahr nach der Hidschra traf diese Delegation den Propheten während der Abschiedswallfahrt erneut.
(16) Die Delegation der Ta’i: Zu dieser Delegation gehörte auch der berühmte Zaid al-Chail aus Arabien. Als sie zu einem Gespräch mit dem Propheten kamen, lud der Prophet sie zum Islam ein. Sie nahmen den Islam an und wurden vorzügliche Muslime. Der Prophet lobte Zaid al-Chail und sagte: „Von jedem Araber, der mir gepriesen wurde, habe ich, nachdem er vor mir erschienen war, in Wirklichkeit weniger vorgefunden als sein Ruf versprach. Zaid jedoch ist eine Ausnahme. Seine Vorzüge und Eigenschaften übertreffen seinen Ruf.“ Der Prophet gab ihm den Namen Zaid al-Chair.
Auf dieselbe Weise kamen im neunten und zehnten Jahr nach der Hidschra zahlreiche Delegationen. Die Verfasser der Sira erwähnen die Delegationen von Jaman, Azad, Quda’a, Banu Sa’d, Hudhaim, Banu Amir ibn Qais, Banu Asad, Bahra, Chawlan, Maharib, Banu al-Harith ibn Ka’b, Ghamid, Banu al-Muntafiq, Salman, Banu Abbas, Madsina, Murad, Dschubaid, Kinda, Dhi Marra, Ghassan, Bu Aisch und Nach. Die Delegation von Nach kam zuletzt. Sie traf im Monat Muharram des elften Jahres nach der Hidschra in Medina ein.
Zu ihr gehörten zweihundert Personen. Fast alle übrigen Delegationen kamen im neunten und zehnten Jahr nach der Hidschra. Nur einige wenige Delegationen trafen im elften Jahr nach der Hidschra ein.
Die Ankunft der genannten Delegationen in Medina macht deutlich, wie weit sich der Islam bereits verbreitet hatte. Außerdem wird klar, welch große Bedeutung Medina in den Augen der Araber besaß. Sie sahen keinen anderen Ausweg, als nach Medina zu gehen und sich zu unterwerfen. Tatsächlich hatte Medina den Rang der Hauptstadt der Arabischen Halbinsel erlangt. Niemand konnte Medina ignorieren. Wir können jedoch nicht behaupten, dass der Islam in den Herzen aller Besucher Wirkung hinterlassen und sie besonders tief beeindruckt habe. Denn unter den Mitgliedern dieser Delegationen befanden sich viele arabische Beduinen, die nur Muslime geworden waren, um ihrem Stammeshäuptling zu gehorchen. Gewohnheiten wie Töten und Plündern hatten sie noch nicht vollständig aufgegeben. Auch waren sie aufgrund der Lehren und der Schönheit des Islam noch nicht zu zivilisierten Menschen geworden. Allah beschreibt solche Menschen in der Sure at-Tauba mit den Worten: „Die Wüstenaraber sind in Unglaube und Heuchelei noch härter und eher dazu geeignet, die Grenzen dessen nicht zu kennen, was Allah auf Seinen Gesandten herabgesandt hat. Allah ist allwissend und weise. Manche Wüstenaraber betrachten das, was sie auf Allahs Weg ausgeben, als eine Geldbuße und warten darauf, dass euch ein Unglück widerfährt. Das schlechte Schicksal soll über sie selbst kommen. Allah ist der Allhörende, der Allwissende.“
Doch auch einige Menschen wurden gelobt. In der Sure at-Tauba sagt Allah, der Erhabene: „Manche der Wüstenbewohner glauben an Allah und den Jüngsten Tag und betrachten das, was sie ausgeben, als Mittel, Allahs Nähe und das Bittgebet des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu erlangen. Wahrlich, es ist ein Mittel, Allahs Nähe zu erlangen. Allah wird sie in Seine Barmherzigkeit aufnehmen. Allah ist allvergebend und barmherzig.“
Bei vielen Einwohnern von Mekka, Medina, Thaqif, Jemen und Bahrain war der Islam tief im Herzen verwurzelt. Viele von ihnen waren herausragende Gefährten und rechtschaffene Muslime. 14 (Khazrami hat dies im ersten Band seines Werkes Mohazirat auf Seite 144 geschrieben. Für ausführliche Informationen über die erwähnten und angedeuteten Delegationen siehe Sahih al-Bukhari, Bd. 1, S. 12; Bd. 2, S. 626–630; Ibn Hischam, Bd. 2, S. 501–503, 537–542 und 560–601; Zad al-Ma’ad, Bd. 3, S. 26–60; Fath al-Bari, Bd. 8, S. 83–103; Rahmat lil-Alamin, Bd. 1, S. 184–217.)
Der umfassende Erfolg der Da’wa des Gesandten
Nun werden wir über den letzten Abschnitt des gesegneten Lebens des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sprechen. Bevor wir jedoch dorthin fortschreiten, ist es notwendig, kurz die einzigartigen Taten im Leben des Propheten zu beleuchten. Im Grunde ist dies die Quintessenz des Prophetenlebens. Aufgrund dieser Eigenschaft nahm er unter allen Propheten und Gesandten eine besondere Stellung ein. Allah, der Herr der Welten, verlieh ihm die einzigartige Würde, der Erste und der Letzte zu sein. Allah, der Erhabene, sagte zum Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in klaren Worten: „O du Bedeckter, wache in der Nacht, bis auf einen kleinen Teil.“ Allah, der Erhabene, sagt ferner: „O du Eingehüllter, erhebe dich und verkünde die Warnung.“
Was geschah danach? Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, erhob sich, nahm die größte anvertraute Verantwortung des gesamten Universums auf seine Schultern und blieb unablässig stehen. Die Verantwortung für die gesamte Menschheit, die Verantwortung für alle Glaubensüberzeugungen und die Verantwortung, auf verschiedenen Gebieten Frieden und Ordnung zu wahren.
Er übernahm die Aufgabe des Dschihad auf dem Gebiet des menschlichen Gewissens. Diese Gewissen waren in den Vorstellungen und allerlei absurden Anschauungen des Zeitalters der Unwissenheit versunken.
Das menschliche Gewissen war damals durch die zahlreichen verlockenden Dinge der Welt verhüllt. Es war in den Ketten und Fallen der Begierden des eigenen Ichs gefangen. Nachdem der Prophet und Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, mit der Unterstützung einiger hingebungsvoller Gefährten das menschliche Gewissen aus der Unwissenheit und den Verlockungen der Welt befreit und gereinigt hatte, begann er einen weiteren Kampf. Vielmehr begann ein Kampf nach dem anderen. Gemeint sind jene Feinde der göttlichen Da’wa, die sich mit gewaltigem Hass gegen die Da’wa und ihre Gläubigen stürzten und den heiligen Setzling der Da’wa vernichten wollten, bevor er seine Wurzeln unter der Erde ausbreiten, seine Äste in den Himmel strecken und sich mit Blüten und Früchten schmücken konnte. Gegen all diese Feinde der Da’wa begann der Prophet und Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu kämpfen. Kaum hatte er die verschiedenen Widrigkeiten der Arabischen Halbinsel überwunden, begann das Römische Reich an den Grenzen Vorbereitungen zu treffen, um diese neue Nation auszulöschen.
Schließlich endeten alle Kämpfe, doch der Kampf und Konflikt des Gewissens endete nicht. Denn hierbei handelt es sich um einen immerwährenden Konflikt. In ihm muss man sich dem Satan entgegenstellen. Der Satan dringt in die Tiefen des menschlichen Herzens ein, setzt dort seine Tätigkeit fort und stellt sie nicht einmal für einen Augenblick ein. Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, setzte sich, während er mit der Aufgabe der Da’wa Allahs beschäftigt war, auf verschiedenen Gebieten angemessen für sie ein. Die Welt hatte sich ihm zu Füßen gelegt, doch er verbrachte sein Leben in Leid, Entbehrung und Armut. Die Gläubigen hatten rings um den Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, den Schatten von Frieden und Sicherheit ausgebreitet. Dennoch setzte er seine geistliche Übung auf dem Weg eines von Leid und Armut geprägten Lebens fort. Unter allen Umständen bewahrte er inmitten von Leid und Not eine beispiellose Geduld. Nachts stand er im Gebet. Er verehrte seinen geliebten Herrn und rezitierte den Heiligen Qur’an langsam und bedächtig. Er wandte sich Allah zu und löste seine Verbindung mit der gesamten Welt. Tatsächlich war ihm auch befohlen worden, dies zu tun. 1 (Sayyid Qutb, der Märtyrer, Tafsir fi Zilal al-Qur’an, Bd. 29, S. 168–169).
Auf diese Weise setzte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, seinen Kampf über einen langen Zeitraum von zwanzig Jahren fort. Während dieser Zeit widmete er sich einer Aufgabe, ohne die andere zu vergessen. Schließlich errang die islamische Daʿwa einen so umfassenden Erfolg, dass alle staunen mussten. Die gesamte Dscharīrat al-ʿArab wurde dem Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ergeben. Die Wolken der Dschāhilīya wichen vom Horizont Arabiens. Die kranken Gewissen wurden geheilt. Sie gaben sogar die Götzen auf, ja, sie zerbrachen sie. Die Luft und der Himmel hallten vom Ruf des Tauḥīd wider. Die Wüsten erhielten durch die Kraft des Īmān neue Lebenskraft und erbebten beim süßen Klang des Adhān. Der Ruf „Allāhu akbar“ widerhallte in allen Himmelsrichtungen. Die Rezitatoren des Qurʾān trugen den Heiligen Qurʾān vor und zogen nach Norden und Süden, um Allahs Gebote und Anordnungen zu errichten.
Die zersplitterten Stämme vereinigten sich, und die Menschen wandten sich von der Knechtschaft gegenüber Menschen ab und widmeten sich der Dienerschaft gegenüber Allah. Nun war niemand mehr Unterdrücker und niemand Unterdrückter; niemand schüchterte einen anderen durch seinen drohenden Blick ein. Niemand war mehr ein Zālim und niemand ein Maẓlūm, niemand ein Herr und niemand ein Sklave, niemand ein Herrscher und niemand ein Beherrschter. Vielmehr waren alle Menschen Allahs Diener und untereinander Brüder. Sie liebten einander und befolgten Allahs Gebote und Anordnungen. Allah, der Erhabene, beseitigte unter ihnen den Stolz und Hochmut der Zeit der Dschāhilīya sowie die Selbstüberhebung im Namen der Väter und Großväter. Nun gab es keinen Vorrang der Araber vor den Nichtarabern und keinen Vorrang der Weißen vor den Schwarzen. Das Maß für den Vorrang war hier die Taqwā. Andernfalls sind alle Menschen Kinder Adams, und Adam wurde aus Erde erschaffen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass durch diese Daʿwa die arabische Einheit, die menschliche Einheit sowie eine gemeinsame Ordnung der Gerechtigkeit und Fairness verwirklicht wurden. Die Menschheit fand den Weg zum Glück bei den verschiedenen Problemen dieser Welt und in den verschiedenen Angelegenheiten des Jenseits. Mit anderen Worten: Der Lauf der Geschichte veränderte sich.
Vor dieser Daʿwa herrschte auf der Erde die Dschāhilīya uneingeschränkt. Das Gewissen der Menschen war blind geworden. Die Seelen waren übelriechend geworden. Die moralischen Werte waren zutiefst verfallen. Die gewaltige Macht der Unterdrückung und Sklaverei war überall sichtbar. Wellen zügelloser und schändlicher Bequemlichkeit sowie zerstörerischer Entbehrung hatten die Welt in den Abgrund des Verfalls geführt. Darüber lag ein dicker Schleier aus dem Dunkel des Kufr und der Irreführung. Zwar existierten noch himmlische Lehren und religiöse Überzeugungen, doch die Menschen hatten sie entstellt. Infolgedessen war die Schwäche auf dem Gebiet des religiösen Glaubens auf ihren Höhepunkt gelangt. Die Bindung an die Religion war locker. Die Religion war wie ein lebloser Körper schwach geworden und bestand nur noch aus einigen wenigen Riten und Bräuchen.
Als die erwähnte Daʿwa das menschliche Leben beeinflusste, wurde die menschliche Seele von illusionären Vorstellungen, der Knechtschaft gegenüber den Trieben, Schmutz, Unrecht, Unterdrückung, Anarchie und Chaos befreit. Sie befreite die menschliche Gesellschaft von Tyrannei, Unterdrückung, Starrsinn, Hochmut, Zerstörung, Klassendiskriminierung, der Unterdrückung durch die Herrscher sowie der erniedrigenden Willkür der Astrologen. Die Welt wurde daraufhin zu einem Zentrum, in dem sich die Verbesserung und der Fortschritt des Lebens sowie die Gewährleistung der Rechte der Anspruchsberechtigten auf der Grundlage von Barmherzigkeit, Vergebung, Bescheidenheit, Demut, Entdeckung, Aufbau, Freiheit, Reform, Maʿrifa, Īmān, Rechtschaffenheit, Gerechtigkeit und guten Taten vollzogen. 2 [Sayyid Quṭb asch-Schahīd, Tafsīr fī Ẓilāl al-Qurʾān, Band 1, S. 14].
Aufgrund dieser Veränderungen wurde die Dscharīrat al-ʿArab zu einem so gesegneten Gemeinwesen, wie es in keiner Epoche und keinem Land der Menschheitsgeschichte ein Beispiel dafür gegeben hatte und auch niemals geben wird. Die Dscharīrat al-ʿArab erlangte in ihrer Geschichte einen solchen Glanz und eine solche Strahlkraft, wie man sie zuvor nirgendwo und niemals gesehen hatte.
Abschiedspilgerfahrt
Die Aufgabe der Daʿwa und des Tab līgh war vollendet. Nachdem die Rubūbīya Allahs und alle anderen Ideologien beseitigt worden waren, war auf der Grundlage der Risāla des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, eine neue Gesellschaft errichtet worden. Danach hatte gleichsam ein unsichtbarer Rufer dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die Vorstellung eingeprägt, dass die Zeit seines Aufenthalts auf der Erde ihrem Ende entgegenging. Als der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Muʿādh, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, zum Gouverneur des Jemen ernannte und ihn entsandte, sagte er nach einigen weiteren notwendigen Worten: „O Muʿādh, vielleicht wirst du mich nach diesem Jahr nicht mehr treffen. Vielleicht wirst du danach an meiner Moschee und meinem Grab vorübergehen.“ Als Muʿādh, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, dies hörte, begann er beim Gedanken an den endgültigen Abschied vom Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu weinen.
In Wahrheit wollte Allah Seinen Gesandten die Früchte der zwanzig Jahre langen Mühen, Leiden und Verfolgungen vor Augen führen. Während der Hadschzeit würden sich die Menschen und Delegationen aus verschiedenen Gegenden Mekkas in Mekka versammeln; anschließend würden sie vom Propheten Kenntnisse über die Vorschriften der Scharia erlangen. Der Prophet würde von ihnen das Zeugnis entgegennehmen, dass er das ihm anvertraute Gut erfüllt, Allahs Botschaft den Menschen übermittelt und das Recht auf das Wohl der Umma erfüllt habe. Entsprechend diesem Willen Allahs kündigte der Prophet das Datum des historischen Hadsch an. Daraufhin begannen die Muslime, am festgesetzten Tag scharenweise in Mekka einzutreffen. Alle Versammelten wünschten von ganzem Herzen, dem Vorbild des Gesandten zu folgen und ihm Gehorsam zu leisten. 1[Dieser Hadith ist in Sahih Muslim von Dschabir überliefert. Siehe Band 1, S. 394, Kapitel „Huddschat an-Nabi“.]
Am folgenden Samstag traf der Gesandte Vorbereitungen, um nach Mekka aufzubrechen. Bis zum Ende des Monats Dhul-Qa’da waren noch vier Tage verblieben. 2[Hafiz Ibn Hadschar hat hierzu eine ausgezeichnete Analyse vorgelegt und die Angaben mancher Überlieferungen, wonach noch fünf Tage bis zum Ende des Monats Dhul-Qa’da verblieben seien, korrigiert. Siehe Fath al-Bari, Band 8, S. 207.] Er ölte sein Haupt, kämmte sein Haar, legte den Ihram-Lendenschurz an, hüllte sich in ein Tuch, schmückte die Opfertiere und brach nach dem Mittagsgebet auf. Noch vor dem Nachmittagsgebet erreichte er einen Ort namens Dhul-Hulaifa. Dort verrichtete er zwei Rak’a des Nachmittagsgebets. Für die Nacht wurde ein Zelt aufgeschlagen, und er verbrachte die Nacht dort. Am Morgen sagte er zu den Gefährten: In der Nacht kam ein Besucher von meinem Herrn zu mir und sagte: O Prophet, bete in diesem heiligen Gebiet
und verkünde, dass die Umra im Hadsch enthalten ist. 3[Diese Überlieferung von Umar ist in Sahih al-Buchari gesammelt, Band 1, S. 207.]
Danach nahm der Prophet vor dem Mittagsgebet ein Bad, um den Ihram anzulegen. Aischa trug eigenhändig Duftstoff aus Jarira und Moschus auf den heiligen Körper des Propheten auf. Der Glanz des Duftstoffs war an seinem Scheitel und in seinem heiligen Bart zu sehen. Der Prophet wusch den Duftstoff nicht ab, sondern ließ ihn so, wie er war. Danach legte er den Ihram-Lendenschurz und das Tuch an. Er verrichtete zwei Rak’a des Mittagsgebets. Anschließend legte er im Sitzen auf dem Gebetsteppich gleichzeitig den Ihram für Hadsch und Umra an und kam mit dem Ruf „Labbayk“ heraus. Danach bestieg er seine Kamelstute und rief zweimal „Labbayk“. Auf der Kamelstute ritt er ins freie Gelände und ließ auch dort den Ruf „Labbayk“ erschallen.
Danach setzte der Prophet seine Reise fort. Eine Woche später erreichte er an einem Nachmittag die Nähe von Mekka, machte an einem Ort namens Dhu Tuwā Halt und nahm nach dem Morgengebet ein Bad. Danach betrat er Mekka. Es war Sonntag, der vierte Dhul-Hiddscha des zehnten Jahres nach der Hidschra. Seit dem Aufbruch aus Medina waren acht Nächte vergangen. Bei normalem Reisetempo ist eine solche Dauer erforderlich. Nachdem der Prophet die Heilige Moschee erreicht hatte, vollzog er zunächst den Tawaf um die Kaaba. Danach verrichtete er den Sa’i zwischen Safa und Marwa. Er legte den Ihram jedoch nicht ab, weil er den Ihram für Hadsch und Umra miteinander verbunden hatte.
Er hatte auch die Opfertiere mit sich gebracht. Nach dem Tawaf und dem Sa’i hielt er sich in Mekka an einem Ort namens Hadschun auf. Er vollzog jedoch keinen weiteren Tawaf außer dem Tawaf des Hadsch.
Den Gefährten, die mit dem Propheten gekommen waren, aber keine Opfertiere mitgebracht hatten, befahl er, ihren Ihram in eine Umra umzuwandeln, den Tawaf um die Kaaba und den Sa’i zwischen Safa und Marwa zu vollenden und den Ihram vollständig abzulegen. Da er selbst den Ihram nicht abgelegt hatte, wurden die Gefährten unsicher. Der Prophet sagte: Wenn ich das, was ich später erfahren habe, schon vorher gewusst hätte, hätte ich keine Opfertiere mitgebracht. Wenn ich keine Opfertiere bei mir hätte, würde auch ich den Ihram ablegen. Als die Gefährten dies vom Propheten hörten, beugten sie sich gehorsam seinem Befehl. Diejenigen, die keine Opfertiere besaßen, legten den Ihram ab.
Am achten Tag des Monats Dhul-Hiddscha begab sich der Prophet nach Mina. Dort blieb er bis zum neunten Dhul-Hiddscha. Er verrichtete dort die fünf Gebete – das Mittags-, Nachmittags-, Abend-, Nacht- und Morgengebet – und wartete dort bis zum Sonnenaufgang. Danach brach er zum Arafat-Feld auf. Als er dort eintraf, war im Gebiet von Namira bereits ein Zelt vorbereitet. Der Prophet nahm dort Platz. Als die Sonne sich neigte, wurde auf seinen Befehl ein Sitz auf dem Rücken der Kamelstute angebracht. Er begab sich in die Mitte des Feldes. Zu jener Zeit war der Prophet von einem Menschenmeer umgeben, das je nach Überlieferung einhundertvierundzwanzigtausend oder einhundertvierundvierzigtausend Menschen zählte. An dieses versammelte Menschenmeer richtete der Prophet eine historische Ansprache. Er sagte: „O ihr Menschen, hört mir zu, hört mir zu! Ich weiß nicht, ob ich mich nach diesem Mal noch einmal mit euch an diesem Ort treffen werde.“ 4[Ibn Hischam, Band 2, S. 603]
Euer Blut und euer Vermögen sind füreinander ebenso unverletzlich wie dieser Tag, dieser Monat und diese Stadt. Hört: Alles aus der Zeit der Unwissenheit ist unter meinen Füßen zermalmt worden. Das Blut aus der Zeit der Unwissenheit ist abgeschafft. Das erste Blut unter uns, das ich abschaffe, ist das Blut des Sohnes von Rabi’a ibn al-Harith. Dieses Kind wurde im Stamm Banu Sa’d gestillt, als Leute aus dem Stamm Hudhail es töteten. Der Zins aus der Zeit der Unwissenheit ist abgeschafft. Der erste Zins unter uns, den ich abschaffe, ist der Zins von Abbas ibn Abd al-Muttalib. Von nun an ist jede Art von Zins abgeschafft.
Fürchtet Allah in Bezug auf die Frauen, denn ihr habt sie als ein von Allah anvertrautes Gut angenommen und sie durch Allahs Wort für euch erlaubt gemacht. Ihr habt ihnen gegenüber das Recht, dass sie niemanden, den ihr nicht mögt, in eure Betten lassen. Wenn sie dies tun, dürft ihr sie schlagen, jedoch nicht allzu hart. Ihr habt ihnen gegenüber die Pflicht, sie in angemessener Weise zu ernähren und zu kleiden.
Ich hinterlasse euch etwas, woran ihr euch festhalten sollt; dann werdet ihr danach niemals vom Weg abirren. Dieses Etwas ist Allahs Buch. [5 Siehe Sahih Muslim, Kapitel „Die حج des Propheten“, Bd. 1, S. 397.] O ihr Menschen, denkt daran: Nach mir gibt es keinen Propheten und nach euch keine Gemeinschaft. Dient daher eurem Herrn, verrichtet die fünf täglichen Gebete, fastet im Monat Ramadan, entrichtet freudigen Herzens die Zakat von eurem Vermögen, vollzieht die Hadsch zum Haus eures Herrn und gehorcht euren Herrschern. Wenn ihr dies tut, werdet ihr in das Paradies eures Herrn eintreten. [6 Ibn Madscha, Ibn Asakir, Rahmat li-l-Alamin, Bd. 1, S. 263.]
Ihr werdet über eure Beziehung zu mir befragt werden. Was werdet ihr dann sagen? Die Gefährten sagten: Wir bezeugen, dass du die Botschaft verkündet, die Botschaft übermittelt und die dir anvertraute Pflicht zur Wohltätigkeit erfüllt hast.
Als der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, dies hörte, hob er dreimal den Zeigefinger zum Himmel und senkte ihn dann in Richtung der Menschen, wobei er sagte: O Herr der Welten, sei du Zeuge! [7 Sahih Muslim, Bd. 1, S. 397.]
Rabia ibn Umayya ibn Khalaf übermittelte die Worte des Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, den Menschen mit lauter Stimme. [8 Ibn Hischam, Bd. 2, S. 605.]
Nachdem der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, seine Ansprache beendet hatte, offenbarte Allah, der Erhabene, folgenden Vers aus dem Heiligen Koran: „Heute habe Ich für euch eure Religion vervollkommnet, Meine Gunst an euch vollendet und den Islam für euch als Religion erwählt.“ (Sure al-Maida, Vers 3)
Als Umar (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) diesen Vers hörte, begann er zu weinen. Man fragte ihn: Warum weinst du? Er sagte: Ich weine, weil nach der Vollkommenheit nur noch die Unvollkommenheit bleibt. [9 Siehe die Überlieferung von Ibn Umar (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) bei al-Buchari, Bd. 1, S. 265.]
Nach der Ansprache des ehrwürdigen Propheten, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sprach Hazrat Bilal (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) den Adhan und die Iqama. Der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, leitete das Mittagsgebet. Danach sprach Hazrat Bilal die Iqama, und der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, leitete das Nachmittagsgebet. Zwischen den beiden genannten Gebeten verrichtete der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, kein weiteres Gebet. Danach bestieg er sein Reittier und begab sich zu seinem Aufenthaltsort. Dort wartete er auf dem Rücken seiner Kamelstute, bis kurze Zeit später die Sonne unterging. Anschließend ließ der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, Hazrat Usama (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) hinter sich aufsitzen und zog von dort nach Muzdalifa. Dort verrichtete er das Abend- und das Nachtgebet mit einem Adhan und zwei Iqamas. Dazwischen verrichtete er kein freiwilliges Gebet. Danach legte sich der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, nieder und blieb bis zum Eintritt der Zeit des Morgengebets liegen. Als die Zeit des Morgengebets gekommen war, verrichtete er es mit Adhan und Iqama. Danach bestieg er seine Kamelstute, begab sich zum Maschar al-Haram, wandte sich der Qibla zu und betete zu Allah. Er sprach den Takbir im Namen Allahs und das Bekenntnis des Tauhid. Dort wartete er, bis es am Morgen überall hell geworden war. Dann brach er noch vor Sonnenaufgang in Richtung Mina auf. Diesmal ließ er Hazrat Fadl ibn Abbas hinter sich aufsitzen. Als er Batn al-Muhassir erreichte, den Ort, an dem die Truppen Abrahas von der Strafe heimgesucht worden waren, trieb er sein Reittier kräftig an. Er schlug den Weg zur großen Jamra ein und erreichte sie. Damals stand dort ein Baum; auch durch diesen Baum war die große Jamra bekannt. Die große Jamra wird auch Jamrat al-Aqaba und Jamrat al-Ula genannt. Danach warf der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, dort sieben Steine. Bei jedem Wurf sprach er den Takbir. Es waren kleine Steinchen. Der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, warf diese Steine, während er am Fuß des Berges stand.
Danach begab sich der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, zum Opferplatz und schlachtete eigenhändig dreiundsechzig Kamele. Die übrigen siebenunddreißig Kamele überließ er Hazrat Ali (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) zum Schlachten. So wurden insgesamt einhundert Kamele geopfert. Der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, nahm auch Hazrat Ali in sein Opfer mit auf. Auf seinen Befehl wurde von jedem Kamel ein Stück Fleisch genommen und in einem Topf gekocht. Der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, und Hazrat Ali aßen etwas von diesem Fleisch. Der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, trank auch etwas Brühe.
Danach bestieg der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sein Reittier und begab sich nach dem ehrwürdigen Mekka. Er vollzog den Tawaf um das ehrwürdige Baitullah. Dieser Tawaf wird Tawaf al-Ifada genannt. Der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, verrichtete in Mekka das Mittagsgebet. Danach begab er sich zu den Banu Abd al-Muttalib am Zamzam-Brunnen. Sie gaben den Pilgern Zamzam-Wasser zu trinken.
Der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagte: „O Banu Abd al-Muttalib, schöpft Wasser. Wenn ich nicht befürchten würde, dass andere euch beim Wasserschöpfen besiegen, würde auch ich mit euch Wasser schöpfen.“ Das heißt: Wenn die Gefährten den Propheten, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, Wasser schöpfen sähen, würden sie alle versuchen, Wasser zu schöpfen. Dadurch würde das besondere Vorrecht der Banu Abd al-Muttalib, den Pilgern Wasser zu geben, nicht mehr allein bei ihnen liegen. Daraufhin gaben die Angehörigen der Banu Abd al-Muttalib dem Propheten (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) einen Eimer Wasser, und der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, trank davon nach Bedarf. 10 [Überliefert bei Sahih Muslim von Hazrat Dschabir (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm), Kapitel über die Abschiedspilgerfahrt des Propheten, Band 1, S. 397–400.]
Heute ist der Opfertag, der zehnte Tag des Monats Dhul-Hiddscha. Auch heute hielt der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, zur Zeit des Tschascht eine Ansprache. Zu jener Zeit saß der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, auf dem Rücken eines Maultiers. Hazrat Ali (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) ließ die Worte des Propheten, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, die versammelten Gefährten hören. Einige der Gefährten saßen, andere standen. 11 [Abu Dawud, Kapitel über den Opfertag, Band 1, S. 270.] Auch in der heutigen Ansprache wiederholte der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, einige Aussagen vom Vortag. In Sahih al-Buchari und Sahih Muslim ist die Überlieferung von Hazrat Abu Bakr (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) enthalten, dass der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, am Yaum an-Nahr, also am zehnten Dhul-Hiddscha, zu uns eine Ansprache hielt. In dieser Ansprache sagte er: „Die Zeit der Rückkehr der Zeitrechnung ist gekommen. An diesem Tag erschuf Allah, der Erhabene, Himmel und Erde. Ein Jahr hat zwölf Monate. Davon sind vier heilige Monate. Drei davon folgen aufeinander: Dhul-Qada, Dhul-Hiddscha und Muharram. Ein weiterer liegt zwischen Dschumada ath-Thani und Schaaban. Dieser Monat heißt Radschab.“
Der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagte außerdem: „Welcher Monat ist dies?“ Wir sagten: „Allah und Sein Gesandter wissen es am besten.“ Der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, schwieg. Da verstanden wir, dass der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, diesem Monat vielleicht einen anderen Namen geben würde. Doch der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagte: „Ist dies nicht der Monat Dhul-Hiddscha?“ Wir sagten: „Doch.“ Er sagte: „Welche Stadt ist dies?“ Wir sagten: „Allah und Sein Gesandter wissen es am besten.“ Der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, schwieg eine Weile. Wir dachten, dass der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, dieser Stadt vielleicht einen anderen Namen geben würde. Doch der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagte: „Ist dies nicht die Stadt Mekka?“ Wir sagten: „Doch.“ Der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagte: „Wie heißt dieser Tag?“ Wir sagten: „Allah und Sein Gesandter wissen es am besten.“ Der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, schwieg eine Weile. Wir dachten, dass der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, diesem Tag vielleicht einen anderen Namen geben würde. Doch er sagte: „Ist dies nicht der Yaum an-Nahr, also der Opfertag? Das heißt, ist dies nicht der zehnte Dhul-Hiddscha?“ Wir sagten: „Doch.“ Der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagte: „Nun hört: Euer Blut, euer Besitz und eure Ehre sind füreinander ebenso unverletzlich und heilig wie diese eure Stadt, dieser euer Monat und dieser heutige Tag für euch heilig sind. Ihr werdet eurem Herrn bald begegnen, und ihr werdet über eure Taten befragt werden. Hütet euch daher davor, nach mir vom rechten Weg abzuweichen.“
„Weicht nicht so vom rechten Weg ab, dass ihr einander die Hälse abschlagt. Sagt: Habe ich die Botschaft übermittelt? Die Gefährten sagten: Ja. Der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagte: O Allah, sei du Zeuge. Die hier Anwesenden sollen meine Botschaft den Abwesenden übermitteln. Denn mancher Abwesende wird diese meine Worte besser verstehen und für wahr halten als mancher Anwesende.“ 12 [Sahih al-Buchari, Kapitel über die Ansprache an den Tagen von Mina, Band 1, S. 234.]
In einer Überlieferung heißt es, dass der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, in dieser Ansprache auch sagte: Bedenkt, dass diejenigen, die eine Sünde begehen, nur gegen sich selbst sündigen. Das heißt, sie selbst werden dafür verantwortlich sein. Bedenkt, dass kein schuldiger Sohn für die Schuld seines Vaters und kein schuldiger Vater für die Schuld seines Sohnes zur Rechenschaft gezogen werden kann. Das heißt, der Sohn wird nicht für die Schuld des Vaters und der Vater nicht für die Schuld des Sohnes zur Verantwortung gezogen. Bedenkt, dass Satan die Hoffnung aufgegeben hat, in dieser Stadt jemals wieder angebetet zu werden. Doch durch jene Taten, die ihr für geringfügig haltet, wird Satan gehorcht, und eben dadurch erlangt er Befriedigung. 13 [Tirmidhi, Bd. 2, S. 38, 135; Ibn Madscha, Kitab al-Qital wa-r-Radschm, Mischkat, Bd. 1, S. 234]
Danach hielt sich der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, während der Ayyam at-Taschriq, also am 11., 12. und 13. Dhul-Hiddscha, in Mina auf. Während dieser Zeit vollzog er auch die Riten der Hadsch, lehrte die Menschen die Vorschriften und Gebote der Scharia, gedachte Allahs, hielt an den Sunan der Millat Ibrahim fest und beseitigte die Zeichen des Schirks. An einem der drei genannten Tage der Ayyam at-Taschriq hielt er eine Ansprache. In Abu Dawud wird mit einer hasan-Überlieferungskette berichtet, dass Hadhrat Sara bint Binham (möge Allah mit ihr zufrieden sein) sagte: Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, hielt am Tag von Ra’s 14 [das heißt am 12. Dhul-Hiddscha; Aun al-Ma’bud, Bd. 2, S. 143] eine Ansprache an uns und sagte, dass dieser Tag nicht der mittlere der Ayyam at-Taschriq sei. 15 [Abu Dawud, Yawmu yakhtibu bi-Mina, Bd. 1, S. 269] Die heutige Ansprache des Propheten, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, ähnelte der gestrigen Ansprache, also der Ansprache am Opfertag. Diese Ansprache wurde nach der Offenbarung der Sure an-Nasr gehalten.
Der letzte Feldzug
Die Herrscher des weit ausgedehnten Römischen Reiches waren nicht bereit, dem Islam und den Muslimen das Recht auf ein Überleben zuzugestehen. Deshalb war es für jeden, der in den vom Römischen Reich kontrollierten Gebieten den Islam annahm, gefährlich. Die Befürchtung, dass sich der Vorfall um den römischen Gouverneur Hadhrat Farwa ibn Amr al-Dschudhami wiederholen könnte, war auch für andere groß.
Angesichts dieser überheblichen und hochmütigen Haltung der Herrscher des Römischen Reiches begann der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, im Monat Safar des elften Jahres nach der Hidschra mit der Aufstellung eines großen Heeres. Er ernannte Hadhrat Usama ibn Zaid (möge Allah mit ihm zufrieden sein) zum Befehlshaber dieses Heeres und befahl ihm, das Gebiet von Balqa und das palästinensische Gebiet von Darum mit seinen Reitern zu verwüsten. Ziel dieser Maßnahme war es, die Römer in Angst und Schrecken zu versetzen und den in ihren Gebieten lebenden arabischen Stämmen Mut zu machen. So sollte niemand denken, dass es angesichts der Übergriffe und der Willkür der Kirchen niemanden gebe, der dagegen das Wort ergreifen könne. Ebenso sollte niemand glauben, dass die Annahme des Islam bedeute, den eigenen Tod herbeizurufen.
Einige kritisierten die Ernennung Hadhrat Usamas (möge Allah mit ihm zufrieden sein) zum Befehlshaber und zögerten deshalb, sich an den Vorbereitungen für diesen Feldzug zu beteiligen. Darauf sagte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm: Wenn ihr die Ernennung Usamas zum Befehlshaber kritisiert, muss man wohl sagen, dass ihr schon zuvor kritisiert habt, dass sein Vater zum Befehlshaber ernannt wurde. Bei Allah, Zaid besaß wahrlich die Eignung, ein Befehlshaber zu sein. Außerdem gehörte er zu denjenigen, die mir besonders lieb waren. Auch Usama gehört nach Zaid zu denjenigen, die mir besonders lieb sind. 1 [Sahih al-Buchari, Kapitel über die Entsendung Usamas, Usama, Bd. 2, S. 612]
Darauf versammelten sich die edlen Gefährten (möge Allah mit ihnen zufrieden sein) um Hadhrat Usama (möge Allah mit ihm zufrieden sein) und schlossen sich seinem Heer an. Das Heer brach auf und gelangte zu einem Ort namens Maqam Dschurf, drei Meilen von Medina entfernt. Da sie beunruhigende Nachrichten über die Krankheit des Propheten, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, erhielten, rückten sie nicht weiter vor. Sie blieben dort und warteten auf Allahs Entscheidung. Allahs Entscheidung war, dass dieser Feldzug als der erste militärische Feldzug während des Kalifats von Hadhrat Abu Bakr as-Siddiq (möge Allah mit ihm zufrieden sein) bezeichnet werden sollte. 2 [Sahih al-Buchari und Ibn Hischam, Bd. 2, S. 606–650]
Muhammad ist nur ein Gesandter; vor ihm gab es bereits viele Gesandte
ist vorübergegangen. Wenn er stirbt oder jemand ihn
tötet, werdet ihr dann (von seinem Vorbild)
abkehren? (Wisset), dass derjenige, der
sich auf diese Weise abwendet,
Allah keinerlei Schaden
zufügen kann.
(Sure: Āl ʿImrān – 144)
7
Leb wohl, o mein Freund: Der edle Prophet auf dem Weg zu seiner letzten Reise
Leb wohl, o Gesandter Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm
Die Einladung zur Religion Allahs hatte ihre Vollendung erreicht, und die arabische Welt stand nun vollständig unter der Herrschaft des Islam. Zu dieser Zeit zeigten sich im Denken und Bewusstsein, in den Empfindungen, im äußeren Verhalten und in den Worten des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, Anzeichen, aus denen deutlich zu erkennen war, dass er die Bewohner dieser Welt bald verabschieden würde.
Beispielsweise wird berichtet, dass der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, im Ramadan des zehnten Hidschra-Jahres zwanzig Tage Iʿtikāf verrichtete, während er in den anderen Ramadān-Monaten zehn Tage darin zu verbringen pflegte. In diesem Jahr trug Gabriel, Friede sei mit ihm, dem Propheten, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, den gesamten Koran zweimal vor. In seiner Abschiedspredigt sagte der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm: „Ich weiß nicht; vielleicht werde ich mich nach diesem Jahr niemals wieder an diesem Ort mit euch treffen können.“ Bei Dschamrat al-ʿAqaba sagte er: „Lernt von mir die Regeln der Pilgerfahrt, denn vielleicht werde ich nach diesem Jahr niemals wieder die Pilgerfahrt vollziehen können.“ In der Mitte der Ayyām at-Taschrīq, also am 10., 11. und 12. Dhū l-Hiddscha, wurde die Sure an-Nasr offenbart. Danach erkannte er, dass nun die Zeit gekommen war, von dieser Welt Abschied zu nehmen. Die Offenbarung dieser Sure war eine Vorankündigung seines Todes.
Zu Beginn des Monats Safar des elften Hidschra-Jahres begab sich der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, in die Ebene von Uhud. Dort sprach er für die Märtyrer ein Bittgebet, als würden die Lebenden von den Toten Abschied nehmen. Nach seiner Rückkehr setzte er sich auf die Kanzel und sagte: „Ich bin für eure Tätigkeiten verantwortlich und euer Zeuge. Bei Allah, jetzt sehe ich mein Becken, das heißt al-Haud al-Kauthar. Mir wurden die Schlüssel zur gesamten Welt und zu ihren Schätzen gegeben. Bei Allah, ich fürchte nicht, dass ihr nach mir Götzendienst betreiben werdet; vielmehr fürchte ich, dass ihr in weltlichen Angelegenheiten maßlos werdet.“
Eines Tages ging der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, mitten in der Nacht zum Friedhof Dschannat al-Baqī und sprach dort ein Bittgebet für die Verstorbenen. In diesem Gebet sagte er: „Friede sei mit euch, ihr Bewohner der Gräber. Möge der Zustand, in dem ihr euch befindet, besser für euch sein als der Zustand, in dem sich die Menschen befinden. Versuchungen kommen eine nach der anderen wie Teile einer dunklen Nacht. Die Späteren sind schlechter als die Früheren.“ Danach überbrachte er den Bewohnern der Gräber die frohe Nachricht: „Ich werde mich auch mit euch treffen.“
Beginn der Krankheit
Am Sonntag, dem 29. Safar des elften Hidschra-Jahres, nahm der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, in Dschannat al-Baqī an einem Totengebet teil. Auf dem Rückweg begannen seine Kopfschmerzen, und das Fieber stieg so stark an, dass die Hitze sogar durch den um seinen Kopf gebundenen Verband hindurch zu spüren war. Dies war der Beginn seiner tödlichen Krankheit. Während dieser Krankheit leitete er elf Tage lang das Gebet. Die Krankheit dauerte insgesamt dreizehn oder vierzehn Tage.
Die letzte Woche seines Lebens
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, wurde zunehmend schwächer. In dieser Zeit fragte er seine verehrten Ehefrauen: „Wo werde ich morgen sein? Wo werde ich morgen sein?“ Seine Ehefrauen verstanden die Bedeutung dieser Frage des Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Daher sagten sie: „O Gesandter Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf dir, du wirst dort sein, wo du sein möchtest.“ Daraufhin zog er in das Zimmer von Hazrat Aischa (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) um. Während des Umzugs führten Hazrat al-Fadl ibn Abbas und Hazrat Ali ibn Abu Talib (Allahs Wohlgefallen sei auf ihnen beiden) den geliebten Propheten, indem sie ihn stützten. Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, hatte einen Verband um den Kopf, und seine gesegneten Füße schleiften über den Boden. In diesem Zustand wurde er in das Zimmer von Hazrat Aischa (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) gebracht und verbrachte dort die letzte Woche seines Lebens.
Hazrat Aischa (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) rezitierte die Bittgebete, die sie vom Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gelernt hatte, und hauchte über den gesegneten Körper des Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. In der Hoffnung auf Segen strich sie seine gesegnete Hand über ihren eigenen Körper.
Fünf Tage vor seinem Tod
Fünf Tage vor seinem Tod, am Tschahar Schanbe, also am Mittwoch, stieg die Körpertemperatur des Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ungewöhnlich stark an. Dadurch nahmen seine Beschwerden zu. Er verlor das Bewusstsein. Als er wieder zu sich kam, sagte er: „Gießt sieben Wasserschläuche aus verschiedenen Brunnen über mich, damit ich zu den Menschen gehen und ihnen eine letzte Ermahnung geben kann.“ Man setzte ihn dafür hin und goss so viel Wasser über seinen Körper, dass er sagte: „Genug, genug“, das heißt: „Es ist nicht mehr nötig.“
Danach fühlte sich der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, etwas besser und ging in die Moschee. Sein Kopf war verbunden. Er bestieg die Kanzel, setzte sich und hielt eine Ansprache. Die edlen Gefährten waren um ihn versammelt. Er sagte: „Allahs Fluch liegt auf den Juden und Christen, denn sie haben die Gräber ihrer Propheten in Moscheen verwandelt.“ In einer anderen Überlieferung heißt es: „Allahs Zorn liegt auf den Juden und Christen, denn sie haben die Gräber ihrer Propheten in Moscheen verwandelt.“² [Sahih al-Buchari, Band 1, S. 52; Muwatta von Imam Malik, S. 360] Ferner sagte er: „Macht mein Grab nicht zu einem Götzen, den ihr anbetet.“³ [Muwatta von Imam Malik, S. 65]
Danach stellte sich der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zur Vergeltung zur Verfügung und sagte: „Wenn ich jemandem mit einer Peitsche auf den Rücken geschlagen habe, so ist dies mein Rücken; er soll Vergeltung an mir üben. Wenn ich jemanden beleidigt habe, so soll er von mir Vergeltung fordern.“
Danach stieg der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, von der Kanzel herab und leitete das Mittagsgebet. Anschließend setzte er sich wieder auf die Kanzel und wiederholte seine Worte über Feindseligkeit und Ähnliches. Ein Mann sagte: „Ihr schuldet mir drei Dirham.“ Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, wies al-Fadl ibn Abbas (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) an, diese Schuld zu begleichen.
Danach erteilte der geliebte Prophet — সাল্লাল্লাহু আলাইহি ওয়া সাল্লাম — eine Ermahnung hinsichtlich der Ansar. Er sagte: „Ich ermahne euch im Hinblick auf die Ansar, denn sie sind mein Herz und mein Innerstes. Sie haben ihre Verantwortung erfüllt, doch ihre Rechte sind noch offen. Nehmt daher die Rechtschaffenen unter ihnen an und vergebt den Übeltätern.“ In einer anderen Überlieferung heißt es, dass er sagte: „Die Menschen werden zahlreicher werden, während die Zahl der Ansar immer geringer werden wird, bis sie schließlich nur noch so zahlreich sein werden wie das Salz in einer Speise. Wer auch immer unter euch mit einer nützlichen oder schädlichen Angelegenheit betraut wird, soll daher die Rechtschaffenen unter den Ansar annehmen und den Übeltätern vergeben.“ ⁴ [Sahih al-Buchari, Band 1, S. 526]
Danach sagte der Prophet — সাল্লাল্লাহু আলাইহি ওয়া সাল্লাম —: „Allah der Erhabene hat einem Diener die Wahl gegeben: Wenn der Diener es wünscht, wird Allah der Erhabene ihm von den Herrlichkeiten und dem Glanz dieser Welt geben, was er begehrt, oder er kann nehmen, was immer er bei Allah findet.“ Dieser Diener bekundete den Wunsch, das anzunehmen, was bei Allah ist. Abu Sa’id al-Chudri (ra.) überliefert, dass Abu Bakr as-Siddiq (ra.) nach diesen Worten zu weinen begann und sagte: „Mögen meine Eltern für dich geopfert sein.“ Als wir dies hörten, waren wir erstaunt. Die Leute sagten: „Seht euch diesen alten Mann an! Der Gesandte — সাল্লাল্লাহু আলাইহি ওয়া সাল্লাম — sprach doch von einem Diener, dem Allah die Wahl gegeben hatte, von dem, was ihm gegeben wurde, zu nehmen, was er wollte, oder von dem zu nehmen, was bei Allah ist, was er wollte. Und doch sagt dieser Alte: ‚Mögen meine Eltern für dich geopfert sein.‘“ Doch schon wenige Tage später wurde allen klar, dass der Diener, dem Allah die Wahl gegeben hatte, der Gesandte selbst — সাল্লাল্লাহু আলাইহি ওয়া সাল্লাম — war. An jenem Tag blieb auch niemandem verborgen, dass Abu Bakr (ra.) der gelehrteste unter uns war. ⁵ [Sahih al-Buchari, Band 1, S. 536]
Danach sagte der Gesandte — সাল্লাল্লাহু আলাইহি ওয়া সাল্লam —: „Unter allen Menschen hat Abu Bakr mir durch seine Freundschaft und seine Opfer an Vermögen den größten Gefallen erwiesen. Wenn ich außer meinem Herrn einen engen Freund angenommen hätte, hätte ich Abu Bakr angenommen. Doch zwischen uns besteht das Band islamischer Bruderschaft und Liebe. Lasst im Moscheegebäude keine Tür offen; alle Türen sollen geschlossen werden, außer der Tür Abu Bakrs.“ ⁶ [Buchari, Muslim, Band 1, S. 516; Mischkat, Band 2, S. 546–554]
Vier Tage vor seinem Tod
Am Donnerstag, vier Tage vor dem Ableben des Gesandten — সাল্লাল্লাহু আলaihi ওয়া সাল্লam —, litt er sehr. Da sagte er: „Ich werde euch etwas Schriftliches aufschreiben, wonach ihr niemals irregehen werdet.“ Zu jener Zeit befanden sich einige Menschen im Haus, darunter auch Umar (ra.). Er sagte: „Sie leiden sehr unter Ihrer Krankheit, und wir besitzen den Heiligen Qur’an. Dieses Buch genügt uns.“ Als die im Haus anwesenden Gefährten dies hörten, entstand eine Meinungsverschiedenheit unter ihnen. Einige sagten: „Lasst das, was der Prophet — সাল্লাল্লাহু আলaihi ওয়া সাল্লam — niederschreiben möchte, aufschreiben.“ Andere sagten: „Nein, das ist nicht nötig; was Umar (ra.) sagt, ist richtig.“ Die Meinungsverschiedenheit führte schließlich zu einem Wortwechsel, und der Lärm nahm zu. Der Gesandte — সাল্লাল্লাহু আলaihi ওয়া সাল্লam — sagte verärgert: „Geht von mir fort.“ ⁷ [Buchari und Muslim; Buchari, Band 1, S. 22, 427; Band 2, S. 638]
Noch an jenem Tag erteilte der Prophet — সাল্লাল্লাহু আলaihi ওয়া সাল্লam — Anweisungen in drei Angelegenheiten. Erstens: Die Juden, Christen und Götzendiener sollen aus der Arabischen Halbinsel ausgewiesen werden. Zweitens: Ihr sollt mit den ankommenden Delegationen so umgehen, wie ich mit ihnen umzugehen pflegte. Der Überlieferer hat die dritte Angelegenheit vergessen. Wahrscheinlich sagte der Prophet — সাল্লাল্লাহু আলaihi ওয়া সাল্লam —, man solle sich fest an den Qur’an und die Sunna halten oder das Heer Usamas entsenden; möglicherweise sagte er auch: „Achtet auf das Gebet und auf diejenigen, die eurer Obhut unterstehen, also auf eure Sklaven und Sklavinnen.“
Trotz der Schwere seiner Krankheit leitete der Gesandte — সাল্লাল্লাহু আলaihi ওয়া সাল্লam — bis vier Tage vor seinem Ableben, also bis zum Donnerstag, selbst alle Gebete. Auch das Maghrib-Gebet jenes Tages leitete er. In diesem Gebet rezitierte er die Sure
Zur Zeit des Ischa-Gebets wurde seine Krankheit so schwer, dass er nicht mehr die Kraft hatte, zur Moschee zu gehen. Aischa (ra.) berichtet: Der Prophet — সাল্লাল্লাহু আলaihi ওয়া সাল্লam — fragte: „Haben die Menschen das Gebet bereits verrichtet?“ Wir antworteten: „Nein, o Gesandter — সাল্লাল্লাহু আলaihi ওয়া সাল্লam —. Sie warten auf dich.“ Der Gesandte — সাল্লাল্লাহু আলaihi ওয়া সাল্লam — sagte: „Bringt mir Wasser in einem Gefäß.“ Wir taten dies. Er nahm eine Ganzkörperwaschung vor. Danach wollte er aufstehen, wurde jedoch bewusstlos. Als er wieder zu sich kam, fragte er: „Haben die Menschen das Gebet bereits verrichtet?“ Ihm wurde mitgeteilt: „Nein, o Gesandter — সাল্লალ্লাহু আলaihi ওয়া সাল্লam —. Sie warten auf dich.“ Danach geschah dasselbe ein zweites und ein drittes Mal. Er nahm eine Ganzkörperwaschung vor und wollte danach aufstehen, wurde jedoch bewusstlos. Daraufhin ließ er Abu Bakr (ra.) benachrichtigen, damit dieser das Gebet leitete. Auch an den folgenden Tagen der Krankheit des edlen Propheten leitete Abu Bakr as-Siddiq (ra.) das Gebet. ⁹ [Buchari und Muslim; Mischkat, Band 1, S. 102] Während der Lebenszeit des Propheten — সাল্লাল্লাহু আলaihi ওয়া সাল্লam — leitete Abu Bakr as-Siddiq (ra.) siebzehn Gebete. ⁸ [Buchari und Muslim; Mischkat, Band 1, S. 102]
Hazrat Aischa (r.a.) bat den Gesandten Allahs drei- oder viermal darum, jemand anderem als Hazrat Abu Bakr (r.a.) die Leitung des Gebets zu übertragen. Sie befürchtete, dass die Menschen eine schlechte Meinung über Hazrat Abu Bakr as-Siddiq (r.a.) bekommen könnten. Doch der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) wies die Bitte seiner Ehefrau jedes Mal zurück und sagte: „Ihr seid alle wie die Gefährten Yusufs (a.s.) geworden.“ 10 [Im Bericht über Hazrat Yusuf (a.s.) schienen die Frauen, die die Frau des Aziz von Ägypten beschuldigten, dies tatsächlich zu tun. Doch als sie Yusuf sahen und sich dabei in die Finger schnitten, wurde klar, dass sie alle Yusuf (a.s.) von ganzem Herzen ergeben waren. Mit anderen Worten: Ihre Worte waren das eine, doch in ihren Herzen dachten sie das Gegenteil. So war es auch in diesem Fall. Äußerlich wurde gesagt, Hazrat Abu Bakr Siddiqs Herz sei weich; wenn er an deiner Stelle das Gebet leite, werde er wegen seines Weinens nicht in der Lage sein, die Rezitation vorzutragen. Doch in ihren Herzen dachten sie sehr wohl daran, dass, falls der ehrenwerte Gesandte Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – sterben sollte, alle eine schlechte Meinung über Hazrat Abu Bakr Siddiq (r.a.) bekommen und ihn als Unglücksbringer verleumden würden. Aus diesen Gründen schlossen sich auch die anderen Ehefrauen des Propheten der Bitte von Hazrat Aischa Siddiqas an und äußerten dieselbe Bitte gegenüber dem edlen Propheten – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Deshalb sagte der Prophet (s.a.w.s.): „Ihr seid alle wie die Brüder des Propheten Yusuf.“] Befiehl Abu Bakr, dass er das Gebet leitet.
Zwei Tage vor seinem Tod
Am Samstag oder Sonntag fühlte sich der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) etwas besser. Auf den Schultern zweier Männer gestützt ging er zum Mittagsgebet in die Moschee. Zu dieser Zeit leitete Hazrat Abu Bakr Siddiq (r.a.) das Gebet für die Gefährten. Als er den Gesandten Allahs sah, begann er zurückzuweichen. Der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) deutete ihm an, dass er nicht zurückzuweichen brauche. Zu denjenigen, auf deren Schultern er in die Moschee gekommen war, sagte er: „Setzt mich neben Abu Bakr.“ Daraufhin wurde er rechts neben Hazrat Abu Bakr gesetzt. Hazrat Abu Bakr Siddiq (r.a.) folgte damals im Gebet dem Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und ließ die Gefährten den Takbir hören. 12 [Sahih al-Buchari, Band 1, S. 98–99]
Nur noch einen Tag vor seinem Tod
Am Tag vor seinem Tod, einem Sonntag, ließ der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) alle seine Sklaven und Sklavinnen frei. Zu dieser Zeit besaß er sieben Dinar, die er als Almosen spendete, und er schenkte seine Waffen den Muslimen. Um nachts die Lampe anzuzünden, lieh Hazrat Aischa (r.a.) sich von einem Nachbarn etwas Öl. Eine Rüstung des Gesandten Allahs war bei einem Juden für dreißig Saa, das heißt 75 Kilogramm Gerste, verpfändet.
Der letzte Tag des großen Lebens
Hazrat Anas (r.a.) berichtet: Es war ein Montag, und die Muslime verrichteten das Morgengebet. Hazrat Abu Bakr Siddiq (r.a.) leitete das Gebet. Plötzlich schob der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) den Vorhang vor der Kammer von Hazrat Aischa Siddiqa beiseite und lächelte leicht, als er die Gefährten in Reihen aufgestellt beten sah. Daraufhin trat Hazrat Abu Bakr (r.a.) etwas zurück, damit der Gesandte sich in die Gebetsreihe einreihen konnte. Er dachte, der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) könne sich anschließen und wolle vielleicht zum Gebet kommen. Hazrat Anas (r.a.) sagt: Als die Gefährten den Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) plötzlich sahen, freuten sie sich so sehr, dass es beinahe zu einer Versuchung im Gebet kam; das heißt, sie wollten das Gebet verlassen, um sich nach dem körperlichen Zustand des Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu erkundigen. Doch der auserwählte Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) gab den Gefährten mit der Hand ein Zeichen, das Gebet zu vollenden. Danach ging der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) in die Kammer zurück und zog den Vorhang zu.
Danach kam für den Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) keine weitere Gebetszeit mehr. Zu Beginn des Tages, zur Zeit des Duha-Gebets, rief der Gesandte Allahs seine geliebte Tochter Hazrat Fatima (r.a.) zu sich und flüsterte ihr einige Worte ins Ohr. Als Hazrat Fatima Zahra dies hörte, begann sie zu weinen. Danach flüsterte der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) Fatima erneut einige Worte ins Ohr; diesmal begann Hazrat Fatima (r.a.) zu lachen.
Umm al-Mu’minin Aischa as-Siddīqa (Allah sei mit ihr zufrieden) berichtet: Als ich später Fātima nach dem Grund ihres Weinens und Lachens fragte, sagte sie: Beim ersten Mal sagte der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu mir: „An dieser Krankheit werde ich sterben.“ Als ich das hörte, weinte ich. Danach sagte er mir heimlich ins Ohr: „Du wirst als Erste aus meiner Familie mir ins Jenseits folgen.“ Als ich das hörte, lachte ich. 14 [Buchārī, Bd. 2, S. 638]
Als der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) die Heftigkeit seines Leidens sah, verkündete er Fātima (Allah sei mit ihr zufrieden) die frohe Botschaft, dass sie die Anführerin aller Frauen der Welt sei. 15 [Aus einigen Überlieferungen geht hervor, dass dieses Gespräch und die Verkündung der frohen Botschaft nicht am letzten Tag, sondern in der letzten Woche des Lebens des Propheten stattfanden. Siehe Rahmatul lil-ʿĀlamīn, Bd. 1, S. 282]
Als Fātima (Allah sei mit ihr zufrieden) damals die Heftigkeit des Leidens des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sah, rief sie plötzlich aus: „O weh, wie sehr mein Vater leidet!“ Als der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) dies hörte, sagte er: „Dein Vater wird nach dem heutigen Tag kein Leiden mehr haben.“ 16 [Aus einigen Überlieferungen geht hervor, dass dieses Gespräch und die Verkündung der frohen Botschaft nicht am letzten Tag, sondern in der letzten Woche des Lebens des Propheten stattfanden. Siehe Rahmatul lil-ʿĀlamīn, Bd. 1, S. 282]
Der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) rief Hasan und Husain zu sich, küsste sie und erteilte ihnen eine wohlwollende Ermahnung. Er rief auch seine Ehefrauen und ermahnte sie ebenfalls.
Unterdessen wurden die Schmerzen immer stärker. Auch die Wirkung des Giftes trat zutage. In Chaibar war ihm dieses Gift verabreicht worden. Der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte zu Aischa (Allah sei mit ihr zufrieden): „O Aischa, ich spüre ständig die Schmerzen als Folge der vergifteten Speise, die ich in Chaibar gegessen habe. Jetzt kommt es mir vor, als würde die Wirkung dieses Giftes meine Lebensader durchschneiden.“ 17 [Sahīh Buchārī, Bd. 2, S. 637]
Der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) erteilte auch seinen edlen Gefährten eine Ermahnung. Er sagte zu ihnen: „Das Gebet, das Gebet und diejenigen, die sich in eurem Besitz befinden.“ Das heißt: „Das Gebet, das Gebet sowie eure Dienstsklaven und Dienstmägde.“ Der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) wiederholte diese Worte mehrmals. 18 [Sahīh Buchārī, Bd. 2, S. 637]
Der Zustand während des Sterbens
Der Zustand des Todeskampfes begann. Aischa as-Siddīqa (Allah sei mit ihr zufrieden) hielt den Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) an ihren Körper gelehnt. Sie berichtet: „Zu den Gnaden Allahs mir gegenüber gehört, dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) in meinem Haus, an meinem Tag und in meinem Schoß seinen letzten Atemzug tat. Zum Zeitpunkt des Todes des Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) vereinigte Allah den Speichel des Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) mit meinem Speichel. Es geschah Folgendes: ʿAbd ar-Rahmān ibn Abū Bakr (Allah sei mit ihm zufrieden) kam herein; in seiner Hand befand sich ein Miswāk. Der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) lehnte an meinem Körper. Ich bemerkte, dass der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) auf den Miswāk blickte. Ich verstand, dass er den Miswāk haben wollte, und fragte: ‚Soll ich ihn für dich nehmen?‘ Er gab durch ein Nicken zu verstehen, dass ich es tun solle. Ich holte den Miswāk und gab ihn ihm. Doch ich empfand ihn als hart. Ich fragte: ‚Soll ich ihn für dich weich machen?‘ Er stimmte durch ein Nicken zu. Ich machte ihn mit meinen Zähnen weich. Danach benutzte er den Miswāk sehr gründlich. Vor ihm stand ein Gefäß mit Wasser. Er benetzte seine Hand und wischte sich damit über das Gesicht, wobei er sagte: ‚Lā ilāha illallāh‘, das heißt: ‚Es gibt keinen Gott außer Allah.‘ Der Tod ist wahrlich schwer. 19 [Sahīh Buchārī, Bd. 2, S. 640]
Nach dem Gebrauch des Miswāk hob der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, seine Hand oder seinen Finger. Dabei war sein Blick zur Decke gerichtet. Seine beiden Lippen bewegten sich, und er murmelte etwas vor sich hin. Hadhrat ʿĀʾischa (Allah sei mit ihr zufrieden) neigte ihr Ohr zu seinem Mund. Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „O Allah, der Erhabene! Schließe mich der Gemeinschaft der Propheten, der Wahrhaftigen, der Märtyrer und der Rechtschaffenen an, denen Du Deine Gunst erwiesen hast, und vergib mir. O Allah, der Erhabene, verzeihe mir, erbarme Dich meiner und bringe mich zum höchsten Gefährten. O Allah, der Erhabene! Zum höchsten Gefährten!“ 20{Sahih al-Buchari, Kapitel über die Krankheit des Propheten und Kapitel über die letzten Worte des Propheten, 2. Band, S. 638–641}
Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, wiederholte diese letzten Worte dreimal. Unmittelbar danach sank seine Hand herab, und er ging in die Nähe des Allerliebsten ein. „Innā lillāhi wa innā ilaihi rādschiʿūn.“ Das heißt: Wir gehören alle Allah, und zu Ihm müssen wir zurückkehren.
Dieses Ereignis ereignete sich am Montag, dem 12. Rabīʿ al-awwal des elften Hidschra-Jahres, gegen Ende des Duha-Gebets. Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, war damals dreiundsechzig Jahre und vier Tage alt.
Überall lag ein Schatten der Trauer
Diese herzzerreißende Nachricht vom Trauerfall verbreitete sich innerhalb kurzer Zeit überall. Die Einwohner von Medina waren von Trauer überwältigt. Überall breitete sich der schwarze Schatten der Trauer aus. Hadhrat Anas (Allah sei mit ihm zufrieden) sagte: „Nie habe ich einen helleren Tag gesehen als den Tag, an dem der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu uns kam. Und nie habe ich einen unglücklicheren und dunkleren Tag gesehen als den Tag, an dem er uns verließ.“ 21{Darimi, Mischkat, 2. Band, S. 547} Nach dem Tod des geliebten Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte Hadhrat Fatima (Allah sei mit ihr zufrieden) voller Trauer: „O mein Vater, der dem Ruf des Herrn mit Labbaik geantwortet hat! O mein Vater, dessen Wohnstätte das Paradies al-Firdaus ist! O mein Vater, ich teile Dschibril (Friede sei mit ihm) die Nachricht von deinem Tod mit.“ 22{Sahih al-Buchari, Kapitel über die Krankheit des Propheten, 2. Band, S. 641}
Die Reaktion von Hadhrat Umar und Hadhrat Abu Bakr
Als Hadhrat Umar (Allah sei mit ihm zufrieden) die Nachricht vom Tod des Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, hörte, verlor er das Bewusstsein. Dann stand er auf und sagte: „Einige Heuchler meinen, der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sei gestorben, doch in Wirklichkeit ist er nicht gestorben. Er ist zu seinem Herrn gegangen, so wie Hadhrat Musa ibn Imran (Friede sei mit ihm) gegangen ist. Hadhrat Musa (Friede sei mit ihm) war vierzig Tage lang von seinem Volk abwesend und kehrte danach zurück, obwohl seine Landsleute vor seiner Rückkehr behauptet hatten, Musa (Friede sei mit ihm) sei gestorben. Bei Allah, auch der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, wird zurückkehren und denen, die meinen, er sei gestorben, Hände und Füße abschlagen.“ 23{Ibn Hischam, 2. Band, S. 655}
Hadhrat Abu Bakr as-Siddiq (Allah sei mit ihm zufrieden) befand sich in seinem Haus an einem Ort namens Sanha. Als er die Nachricht vom Tod des Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, hörte, eilte er auf seinem Pferd herbei und betrat die Prophetenmoschee. Danach ging er, ohne mit jemandem ein Wort zu wechseln, geradewegs in das Zimmer von Hadhrat ʿĀʾischa (Allah sei mit ihr zufrieden). Der gesegnete Körper des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, war damals mit einer gestreiften jemenitischen Decke bedeckt. Hadhrat Abu Bakr as-Siddiq (Allah sei mit ihm zufrieden) zog die Decke von seinem heiligen Antlitz, küsste es und weinte. Danach sagte er: „Mögen meine Eltern für dich geopfert werden! Allah, der Erhabene, wird für dich nicht zwei Tode vereinen. Der Tod, der für dich bestimmt war, ist über dich gekommen.“
Danach kam Hadhrat Abu Bakr Siddiq (möge Allah mit ihm zufrieden sein) heraus. Hadhrat Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sprach gerade zu den versammelten Menschen. Hadhrat Abu Bakr (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte zu ihm: „Umar, setz dich.“ Hadhrat Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) weigerte sich jedoch, sich zu setzen. Daraufhin wandten sich die Gefährten von Hadhrat Umar ab und Hadhrat Abu Bakr (möge Allah mit ihm zufrieden sein) zu. Hadhrat Abu Bakr (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: „Wer von euch Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, verehrt hat, soll wissen, dass Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nicht verstorben ist. Wer von euch jedoch Allah angebetet hat, soll wissen, dass Allah, der Erhabene, ewig lebendig ist und niemals sterben wird.“ Im Heiligen Koran hat Allah, der Herr der Welten, gesagt: „Muhammad ist nur ein Gesandter; vor ihm sind bereits viele Gesandte dahingegangen. Wenn er nun stirbt oder getötet wird, werdet ihr dann auf euren Fersen umkehren? Wer auf seinen Fersen umkehrt, wird Allah keinerlei Schaden zufügen; Allah aber wird den Dankbaren bald ihren Lohn geben.“ (Sure Āl ʿImrān, Vers 144)
Die von seelischem Schmerz überwältigten und aufgewühlten Gefährten glaubten nach der Ansprache von Abu Bakr Siddiq (möge Allah mit ihm zufrieden sein), dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, tatsächlich verstorben war.
Ibn Abbas (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: „Bei Allah, es schien, als hätte niemand gewusst, dass Allah, der Erhabene, diesen Vers des Heiligen Korans bereits offenbart hatte.“ Nachdem Abu Bakr (möge Allah mit ihm zufrieden sein) ihn rezitiert hatte, lernten alle diesen Vers auswendig. Damals wurde dieser Vers von aller Munde wiederholt.
Hadhrat Saʿid ibn al-Musayyib (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: „Bei Allah, als ich Hadhrat Abu Bakr (möge Allah mit ihm zufrieden sein) hörte, war es, als wäre ich zu Erde geworden. Ich konnte nicht stehen. Als ich Hadhrat Abu Bakr diesen Vers rezitieren hörte, war ich kurz davor, zu Boden zu sinken. Denn da wurde mir ganz deutlich bewusst, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, tatsächlich verstorben war.“ 24 [Sahih al-Buchari, Band 2, S. 640–641]
Vorbereitungen für die Beisetzung
Noch bevor der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, für seine Beisetzung in das Leichentuch gehüllt wurde, kam es unter den Gefährten zu einer gewissen Meinungsverschiedenheit über die Bestimmung seines Nachfolgers. In Saqifa Banu Saʿida kam es zwischen den Muhadschirun und den Ansar zu einem Wortwechsel. Schließlich waren sich alle hinsichtlich des Kalifats von Hadhrat Abu Bakr Siddiq (möge Allah mit ihm zufrieden sein) einig. Damit verging der restliche Montag. Die Nacht brach herein, und alle waren mit ihren Aufgaben beschäftigt. Am nächsten Morgen war Dienstag. Zu dieser Zeit war der heilige Leib des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in jenes jemenitische Tuch gehüllt. Die Bewohner des Hauses schlossen die Tür von innen.
Am folgenden Dienstag wurde der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gewaschen, ohne seinen Körper zu entblößen. Diejenigen, die ihn wuschen, waren Hadhrat Abbas, Hadhrat Ali, die beiden Söhne von Hadhrat Abbas, Fadl und Qutham, der freigelassene Sklave des Gesandten Allahs, Schaqran, Hadhrat Usama ibn Zaid und Aus ibn Chaula (möge Allah mit ihnen zufrieden sein). Hadhrat Abbas und seine beiden Söhne drehten den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, auf die Seite. Hadhrat Usama und Hadhrat Schaqran gossen Wasser über ihn. Hadhrat Ali (möge Allah mit ihm zufrieden sein) wusch den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Hadhrat Aus (möge Allah mit ihm zufrieden sein) hielt den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, an seine Brust gedrückt.
Nach der Waschung wurde der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in drei weiße jemenitische Tücher gehüllt. Sie enthielten weder ein Hemd noch einen Turban. 25 [Sahih al-Buchari, Band 1, S. 169; Sahih Muslim, Band 1, S. 306] Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, wurde lediglich in diese Tücher eingewickelt.
Unter den ehrwürdigen Gefährten entstand auch Uneinigkeit darüber, wo der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, beigesetzt werden sollte. Hadhrat Abu Bakr (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: „Ich hörte den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagen, dass jeder Prophet an dem Ort beigesetzt wurde, an dem er seinen Tod fand.“ Nachdem diese Entscheidung getroffen worden war, hob Hadhrat Abu Talha (möge Allah mit ihm zufrieden sein) das Bett an, auf dem der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, verstorben war. Unter diesem Bett wurde ein Grab ausgehoben.
Danach betraten die Gefährten jeweils zu zehnt die Gemächer und verrichteten nacheinander das Totengebet. Bei diesem Gebet fungierte niemand als Vorbeter. Zuerst verrichteten die Angehörigen des Stammes Banu Haschim das Gebet. Danach folgten die Muhadschirun, dann die Ansar, anschließend die übrigen Männer, danach die Frauen und zuletzt die Kinder.
Der gesamte Dienstag verging mit der Verrichtung des Totengebets. In der Nacht zum Mittwoch wurde der geliebte Prophet Muhammad Mustafa Ahmad Mujtaba, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, beigesetzt. Sein heiliger Körper wurde in das Grab gelegt.
Hadhrat Aischa Siddiqah (möge Allah mit ihr zufrieden sein) sagte: „Wir konnten nicht feststellen, wann genau der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, beigesetzt wurde. Allerdings hörten wir in der Mitte der Nacht zum Mittwoch einige Geräusche.“ 26 [Siehe zu den Einzelheiten dieses Ereignisses: Mukhtasar Sirat-i Rasul, verfasst von Scheich Abdullah, S. 471; außerdem das Kapitel über den Tod des Propheten in Sahih al-Bukhari. Siehe ferner Fath al-Bari, Sahih Muslim und Mischkat. Ebenso Ibn Hischam, Bd. 2, S. 649–665; Talkih, S. 38–39; Rahmat lil-Alamin, Bd. 1, S. 277–286.]
Kurze Vorstellung der Familie des Propheten
(1) Hadhrat Chadidscha (möge Allah mit ihr zufrieden sein)
Vor der Hidschra bestand die Familie des Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in Mekka aus dem Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und seiner Ehefrau Chadidscha (möge Allah mit ihr zufrieden sein). Zum Zeitpunkt dieser Eheschließung war der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, fünfundzwanzig Jahre alt, während Bibi Chadidscha vierzig Jahre alt war. Hadhrat Chadidscha (möge Allah mit ihr zufrieden sein) war die erste Ehefrau des Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Solange sie lebte, schloss der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, keine weitere Ehe. Von den Kindern des Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, stammten alle außer Hadhrat Ibrahim aus Bibi Chadidschas Schoß. Keiner seiner Söhne war noch am Leben. Seine Töchter jedoch lebten noch. Ihre Namen waren Hadhrat Zainab, Hadhrat Ruqayya, Hadhrat Umm Kulthum und Hadhrat Fatima (möge Allah mit ihr zufrieden sein). Zainab heiratete noch vor der Hidschra ihren Cousin väterlicherseits, Hadhrat Abu al-As ibn Rabi. Ruqayya und Umm Kulthum heirateten nacheinander Hadhrat Uthman (möge Allah mit ihm zufrieden sein). Hadhrat Fatima (möge Allah mit ihr zufrieden sein) heiratete zwischen den Schlachten von Badr und Uhud Hadhrat Ali ibn Abu Talib (möge Allah mit ihm zufrieden sein). Ihre vier Kinder waren Hadhrat Hasan, Hadhrat Husain, Hadhrat Zainab und Umm Kulthum (möge Allah mit ihnen zufrieden sein).
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, besaß gegenüber seiner Umma eine besondere Eigenschaft. Es ist allgemein bekannt, dass ihm aus verschiedenen Gründen die Erlaubnis erteilt wurde, vier Ehen zu schließen. Die Zahl der Frauen, mit denen der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die Ehe einging, betrug elf. Zum Zeitpunkt des Todes des Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) lebten neun von ihnen noch. Zwei waren bereits zu seinen Lebzeiten verstorben. Es waren Hadhrat Chadidscha und Umm al-Masakin, Hadhrat Zainab bint Chuzaima (möge Allah mit ihr zufrieden sein). Es wird außerdem berichtet, dass er mit zwei weiteren Frauen die Ehe eingegangen sei; darüber, ob der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, tatsächlich mit ihnen verheiratet war, besteht jedoch Uneinigkeit. Die übereinstimmende Auffassung lautet allerdings, dass diese beiden Frauen nicht zu ihm gebracht wurden. Im Folgenden führen wir nach Hadhrat Chadidscha die Namen und eine kurze Vorstellung der Ehefrauen des Propheten der Reihe nach auf.
(2) Hazrat Sawda bint Zam’a
Wenige Tage nach dem Tod von Bibi Chadidscha heiratete der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, diese Witwe im Monat Schawwal des zehnten Jahres seiner Prophetenschaft. Zuvor war Hazrat Sawda mit ihrem Cousin Sakran ibn Amr verheiratet gewesen.
(3) Hazrat Aischa bint Abu Bakr (r.a.)
Im Monat Schawwal des elften Jahres der Prophetenschaft heiratete der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sie. Das heißt: ein Jahr nach der Heirat mit Hazrat Sawda und zwei Jahre und fünf Monate vor der Auswanderung. Damals war Hazrat Aischa erst sechs Jahre alt. Sieben Monate nach der Auswanderung, am ersten Tag des Monats Schawwal, wurde Hazrat Aischa in das Haus ihres Ehemannes gebracht. Zu jener Zeit war sie neun Jahre alt und noch Jungfrau. Außer Hazrat Aischa (r.a.) heiratete der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, kein anderes jungfräuliches Mädchen. Hazrat Aischa war seine geliebteste Ehefrau. Unter der Umma Muhammads war sie die gelehrteste Faqiha.
(4) Hazrat Hafsa bint Umar (r.a.)
Ihr erster Ehemann war Chunais ibn Hudhafa as-Sahmi (r.a.). Ihr Ehemann verstarb in der Zeit zwischen der Schlacht von Badr und der Schlacht von Uhud. Danach heiratete der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sie im dritten Jahr nach der Hidschra.
(5) Hazrat Zainab bint Chuzayma (r.a.)
Sie gehörte dem Stamm der Banu Hilal ibn Amir ibn Sa’sa’a an. Wegen ihres außergewöhnlichen Mitgefühls und ihrer Liebe zu den armen Bedürftigen wurde ihr der Beiname Umm al-Masakin verliehen. Sie war die Ehefrau von Hazrat Abdullah ibn Dschahsch (r.a.). Dieser Gefährte erlitt in der Schlacht von Uhud den Märtyrertod. Danach heiratete der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sie im vierten Jahr nach der Hidschra. Nach acht Monaten als Ehefrau des Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, verstarb sie.
(6) Umm Salama Hind bint Abi Umayya (r.a.)
Sie war die Ehefrau von Abu Salama (r.a.). Im Dschumada ath-Thani des vierten Hijra-Jahres wurde sie Witwe. Im Schawwal desselben Hijra-Jahres heiratete der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sie.
(7) Zaynab bint Dschahsch ibn Riyab (r.a.)
Sie war eine Frau aus dem Stamm Banu Asad ibn Chuzayma und eine Cousine väterlicherseits des Gesandten Gottes. Zunächst war sie mit Zayd ibn Haritha (r.a.) verheiratet. Zayd galt als Sohn des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Doch Zayd und Zaynab kamen nicht miteinander aus, weshalb Zayd sich von ihr scheiden ließ. Nachdem Zaynabs Wartezeit beendet war, offenbarte Allah, der Erhabene, der Herr der Welten, diesen Vers: „Als Zayd seine eheliche Beziehung zu Zaynab beendet hatte, verband Ich sie mit dir in der Ehe.“ (Sure al-Ahzab, Vers 7)
Über diese Angelegenheit wurden in der Sure al-Ahzab noch einige weitere Verse offenbart. In diesen Versen wurde die Auseinandersetzung über Adoptivsöhne eindeutig entschieden. Eine ausführliche Erörterung wird später erfolgen. Der Gesandte heiratete Zaynab im Dhul-Qi’da des fünften Hijra-Jahres oder etwas davor.
(8) Juwayriya bint al-Harith (r.a.)
Ihr Vater war das Oberhaupt der Banu al-Mustaliq, eines Zweiges des Stammes Chuzā’a. Juwayriya wurde zusammen mit den Kriegsgefangenen der Banu al-Mustaliq hergebracht. Sie fiel Zabit ibn Qays ibn Schammas (r.a.) als Anteil zu. Zabit (r.a.) erklärte, er werde sie gegen eine festgelegte Gegenleistung freilassen. Als Gegenleistung wurde die Zahlung eines bestimmten Geldbetrags festgesetzt. Nachdem der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, davon erfahren hatte, zahlte er den festgelegten Betrag für Juwayriya, veranlasste ihre Freilassung und heiratete sie. Dies geschah im Scha’ban des fünften Hijra-Jahres.
(9) Umm Habiba bint Abu Sufyan (r.a.)
Sie war die Ehefrau von Ubaydullah ibn Jahsch. Sie wanderte gemeinsam mit ihrem Ehemann nach Habascha, also nach Abessinien, aus. Nach ihrer Ankunft dort trat Ubaydullah zum Christentum über. Später starb er dort. Umm Habiba jedoch blieb ihrem Glauben und ihrer Auswanderung treu. Im Muharram des siebten Jahres nach der Hidschra sandte der Gesandte Allahs (s.) ʿAmr ibn Umayya ad-Damri mit einem Brief zum König von Abessinien, dem Nadschaschi. In diesem Brief bekundete der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, seinen Wunsch, Umm Habiba zu heiraten. Der Nadschaschi verheiratete sie mit Zustimmung Umm Habibas mit dem Gesandten Allahs (s.) und sandte sie gemeinsam mit Schurahbil ibn Hasana zum Propheten, Allahs Segen und Friede seien auf ihm.
(10) Safiyya bint Huyayy (ra.)
Sie gehörte zu den Kindern Israels und war in Chaibar in Gefangenschaft geraten. Der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, befreite sie, weil er sie erwählt hatte, und heiratete sie. Dies geschah nach der Eroberung Chaibars im siebten Jahr nach der Hidschra.
(11) Maymuna bint al-Harith (ra.)
Sie war die Schwester von Umm al-Fadl Lubaba bint al-Harith. Im Dhu l-Qaʿda des siebten Jahres nach der Hidschra heiratete der geliebte Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sie, nachdem er die Umra al-Qada beendet hatte und – der korrekten Ansicht zufolge – aus dem Ihram-Zustand herausgetreten war.
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, heiratete die genannten elf Frauen. Zwei weitere Frauen, die ihm nicht zugeführt wurden, gehörten eine dem Stamm der Banu Kilab und die andere dem Stamm der Kindah an. Unter den Verfassern der Sira besteht große Uneinigkeit darüber, ob der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, mit dieser Frau aus dem Stamm der Kindah verheiratet war und wie ihr wirklicher Name und ihre Abstammung lauteten. Es scheint nicht erforderlich, dies alles anzuführen.
Im Zusammenhang mit den Sklavinnen ist zu erwähnen, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, zwei Sklavinnen hatte. Eine von ihnen war Maria al-Qibtiyya. Der Herrscher Ägyptens, al-Muqawqis, sandte sie als Geschenk. Von ihr wurde Ibrahim, der Sohn des Gesandten Allahs (s.), geboren. Er verstarb am 28. oder 29. Schawwal des zehnten Jahres nach der Hidschra, entsprechend dem 27. Januar 632 n. Chr.
Eine weitere Sklavin hieß Rayhana; sie gehörte zum Stamm der Banu Nadir oder der Banu Qurayza. Sie kam zusammen mit den Kriegsgefangenen des Stammes der Banu Qurayza nach Medina. Der Gesandte Allahs (s.) fand Gefallen an Rayhana und behielt sie in seiner Obhut. Forscher sind der Ansicht, dass der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sie freiließ und heiratete. Allama Ibn Qayyim schrieb jedoch, dass der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, Rayhana als Sklavin behielt. Abu Ubayda schrieb, dass der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, außer den beiden genannten Sklavinnen noch zwei weitere Sklavinnen hatte. Eine dieser Sklavinnen wurde ihm von seiner Ehefrau Zaynab bint Jahsch (ra.) geschenkt. 1 [Siehe Zad al-Maʿad, Band 1, S. 29]
Hier halten wir es für sehr notwendig, einen besonderen Aspekt im Leben des Gesandten Gottes zu beleuchten. Einen großen Teil seiner Jugend, nämlich etwa dreißig Jahre lang, verbrachte er mit nur einer Ehefrau. Und auch sie war eine Frau, die man als nahezu betagt bezeichnete. Nach ihrem Tod heiratete er eine weitere betagte Frau: zuerst Hazrat Chadidscha, danach Hazrat Sauda (möge Allah mit ihr zufrieden sein). Nachdem er sein Leben auf diese Weise verbracht hatte und ins hohe Alter eingetreten war – war seine sexuelle Kraft etwa plötzlich so stark angewachsen, dass er so viele Ehen eingehen musste? Allah bewahre, keineswegs. Wenn ein vernünftiger Mensch die beiden genannten Abschnitte aus dem Leben des Propheten betrachtet, kann er eine solche Verleumdung nicht aussprechen. In Wirklichkeit ging der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, so viele Ehen nur im Hinblick auf ganz besondere Ziele ein. Seine Absicht war weitaus erhabener als die Ziele, die gewöhnlich mit einer bestimmten Anzahl von Ehen verbunden sind.
Die Erklärung dafür ist, dass der Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, durch seine Heirat mit Hazrat Aischa und Hazrat Hafsa seine Beziehungen zu Hazrat Abu Bakr und Hazrat Umar enger gestaltete. Ebenso verband der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sich durch die Verheiratung zweier seiner Töchter nacheinander mit Hazrat Uthman sowie durch die Verheiratung seiner geliebten Tochter Hazrat Fatima mit Hazrat Ali mit den genannten vier Gefährten durch enge verwandtschaftliche Bande. Denn diese vier Gefährten hatten in der entscheidenden Zeit des Islams beispiellose Opferbereitschaft und Selbstaufopferung als Streiter für den Islam bewiesen. Ihre Dienste und Opfer für den Islam sind ja allen bekannt.
Bei den Arabern war es üblich, verwandtschaftlichen Beziehungen besondere Bedeutung beizumessen. Die Beziehung zwischen Schwiegervater und Schwiegersohn spielte nach arabischer Auffassung eine besondere Rolle bei der Festigung der Beziehungen zwischen verschiedenen Stämmen. Gegen den eigenen Schwiegervater zu kämpfen, galt ihnen als beschämend. Aufgrund dieser Sitte ging der Gesandte Gottes Ehen mit Frauen aus verschiedenen Stämmen ein, um deren Feindschaft gegenüber dem Islam zu schwächen. Hazrat Umm Salama beispielsweise gehörte dem Stamm der Banu Machzum an. Aus diesem Stamm stammten Abu Dschahl und Khalid ibn al-Walid. Nachdem eine eheliche Verbindung mit diesem Stamm hergestellt worden war, zeigte sich bei Khalid ibn al-Walid keine besonders starke Feindschaft mehr gegenüber dem Islam. Vielmehr nahm er nach einiger Zeit freiwillig den Islam an. Ebenso heiratete der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Umm Habiba, die Tochter Abu Sufyans. Obwohl Abu Sufyan weiterhin Feindschaft gegen den Islam hegte, trat er dem Gesandten Gottes niemals persönlich entgegen. Nachdem Hazrat Dschuwairiya und Hazrat Safiyya den Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, geheiratet hatten, hörten die Banu Mustaliq und der andere Banu-Stamm auf, gegen den Islam Krieg zu führen. Es gibt keinen Beleg dafür, dass diese beiden Stämme nach den ehelichen Verbindungen des Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, mit ihnen weiterhin gegen den Islam gekämpft hätten.
Hazrat Dschuwairiya galt in ihrem Stamm als die am meisten mit Segen bedachte aller Frauen. Nachdem der geliebte Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sie geheiratet hatte, ließen die ehrenwerten Gefährten hundert Familien von Kriegsgefangenen aus diesem Stamm bedingungslos frei. Sie sagten: „Diese Menschen gehören doch zur Familie der Schwiegereltern des Gesandten Allahs.“ Diese außerordentliche Barmherzigkeit hinterließ bei den Angehörigen des Stammes einen tiefen Eindruck.
Das Wichtigste ist, dass der Gesandte Gottes, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, damit beauftragt war, ein zügelloses Volk zu erziehen, seine innere Läuterung zu bewirken und es mit dem Licht von Zivilisation und Kultur zu erhellen. Dieses Volk war mit allen Mitteln und Möglichkeiten von Zivilisation und Kultur sowie mit sämtlichen Aufgaben der gesellschaftlichen Entwicklung nicht vertraut. Bei den Grundsätzen, auf denen die islamische Gesellschaft errichtet werden sollte, durfte es keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen geben. Unter den Bedingungen eines von Diskriminierung freien Denkens war es jedoch nicht möglich, die Frauen unmittelbar zu unterrichten. Dabei war die Notwendigkeit, sie zu unterrichten, keineswegs geringer als bei den Männern; vielmehr kann man sagen, dass sie sogar größer war.
Dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, stand zu diesem Zweck nur ein Weg offen: Frauen unterschiedlichen Alters und mit unterschiedlichen Fähigkeiten auszuwählen und durch ihre Begabung und Eignung ein übergeordnetes Ziel zu verwirklichen. Die ausgewählten Frauen konnte er unterrichten und innerlich läutern. Er würde ihnen die Regeln und Bestimmungen der Scharia beibringen. Darüber hinaus würde er sie so in islamischer Zivilisation und Kultur unterweisen, dass sie allen Frauen – unabhängig davon, ob sie jung oder alt waren und auf dem Land oder in der Stadt lebten – die Vorschriften der Scharia vermitteln konnten. Auf diese Weise würde die Verkündigung der Religion unter den Frauen ihre Vollendung erreichen.
Deshalb stellen wir fest, dass die Mütter der Gläubigen eine bedeutende Rolle dabei spielten, die Regeln des ehelichen und familiären Lebens zu vermitteln. Besonders diejenigen, die ein langes Leben hatten, erhielten mehr Gelegenheit, diese Aufgabe zu erfüllen. Als Beispiel sei Hazrat Aischa as-Siddiqah (möge Allah mit ihr zufrieden sein) genannt. Sie überlieferte in großem Umfang die Worte und Taten aus dem Leben des Propheten.
Eine Handlung des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, machte den Bräuchen und Regeln der vorislamischen Zeit ein Ende. Dieser Aberglaube hatte sich in der arabischen Gesellschaft über Generationen hinweg erhalten. Es galt als Regel, dass jemand, den man als Adoptivsohn annahm, den Rang und die Rechte eines leiblichen Sohnes erhielt. Diese Regel war in der arabischen Gesellschaft so tief verwurzelt, dass ihre Abschaffung keineswegs leicht war. Dabei stand sie in schwerwiegendem Konflikt mit den islamischen Bestimmungen über Ehe, Scheidung, Erbrecht und andere Angelegenheiten. Außerdem hatte dieser Aberglaube der vorislamischen Zeit derart schamlose Handlungen und Unordnung hervorgebracht, dass die Befreiung der Gesellschaft von ihnen zu den grundlegenden Zielen des Islams gehörte. Um diesen Aberglauben der vorislamischen Zeit auszurotten, ließ Allah, der Herr der Welten, selbst die Ehe von Hazrat Zainab bint Dschahsch mit dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, schließen.
Es sei darauf hingewiesen, dass Zaynab zunächst die Ehefrau von Zayd war. Zayd wiederum war der Adoptivsohn des Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Da das Ehepaar nicht miteinander auskam, beschloss Zayd, sich von seiner Frau scheiden zu lassen. Dies geschah zu einer Zeit, als alle Ungläubigen gegen den Gesandten Allahs vereint waren. Die Ungläubigen bereiteten sich damals auf die Grabenschlacht vor. Unterdessen war die göttliche Anweisung zur Lösung des Problems der Adoption verkündet worden. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, befürchtete, dass die Andersgläubigen eine Gelegenheit erhalten würden, falls Zayd sich in der gegenwärtigen Lage von seiner Frau scheiden ließe und der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die geschiedene Frau Zayds heiraten müsste. Die Heuchler, Götzendiener und Juden würden eine heftige Propagandakampagne gegen den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, beginnen und versuchen, die Herzen der arglosen Muslime zu vergiften. Deshalb bemühte sich der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, darum, dass Zayd sich nicht von seiner Frau scheiden ließ. So würde sich auch nicht die Frage stellen, dass der Gesandte Allahs die Frau Zayds heiraten müsse. Doch Allah, der Erhabene, billigte dies nicht. Allah, der Erhabene, offenbarte Seinem Gesandten folgenden Vers mit einer strengen Aussage: „Und als du zu demjenigen sagtest, dem Allah Gunst erwiesen hatte und dem auch du Gunst erwiesen hattest: ‚Behalte deine Frau und fürchte Allah!‘, und du in dir verborgen hieltest, was Allah offenlegen würde, und die Menschen fürchtetest, während Allah ein größeres Anrecht darauf hat, dass du Ihn fürchtest.“ (Sure al-Ahzab, Vers 37)
Schließlich ließ sich Zayd von Zaynab scheiden. Danach endete ihre Wartefrist. Allah, der Erhabene, teilte daraufhin Seinem Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Seine Entscheidung mit, Zaynab zu heiraten. Allah, der Erhabene, machte diese Ehe für Seinen Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, verpflichtend. Es wurde kein Raum für einen Aufschub gelassen. Im Heiligen Koran heißt es: „Als Zayd dann seine eheliche Beziehung zu ihr beendet hatte, gaben Wir sie dir zur Frau, damit für die Gläubigen keine Bedrängnis darin liege, die Frauen ihrer Adoptivsöhne zu heiraten, wenn diese ihre eheliche Beziehung zu ihnen beendet haben. Allahs Befehl wird ausgeführt.“ (Sure al-Ahzab, Vers 37)
Das Ziel dieser Regelung bestand darin, die Bräuche und tief verwurzelten Aberglaubensvorstellungen der vorislamischen Zeit in Bezug auf Adoptivsöhne vollständig auszurotten. Bereits zuvor war dieser Aberglaube durch einen Koranvers beseitigt worden. Allah, der Erhabene, sagt: „Nennt sie nach ihren Vätern; das ist vor Allah gerechter.“ (Sure al-Ahzab, Vers 5)
Allah, der Erhabene, sagt in einem anderen Vers: „Muhammad ist nicht der Vater eines eurer Männer, sondern der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und das Siegel der Propheten.“
Hier sollte man sich eine Sache vor Augen halten: Wenn sich ein Brauch im gesellschaftlichen Leben fest etabliert hat, kann man ihn nicht allein durch Worte ausrotten. Um einen solchen Brauch zu verändern, genügen Worte nicht; vielmehr muss derjenige, der die Veränderung anstrebt, durch Taten ein praktisches Beispiel geben. An dieser Stelle kann ein Beispiel angeführt werden. Die wahre Sachlage lässt sich an dem Verhalten der Muslime während des Friedensschlusses von Hudaybiya erkennen. Ihre Hingabe war damals erstaunlich. Urwa ibn Masud ath-Thaqafi bemerkte, dass die Muslime weder den Speichel noch den Schleim aus dem Mund des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu Boden fallen ließen. Immer jemand hielt seine Hand darunter. Wenn der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die Gebetswaschung vollzog, stritten die Gefährten darum, das dabei übrig gebliebene Wasser zu erhalten. Diese Gefährten wetteiferten auch beim Treueid von Ridwan unter dem Baum darum, den Treueid zu leisten, bis zum Tod zu kämpfen und nicht zu fliehen. Zu ihnen gehörten auch so herausragende Gefährten wie Abu Bakr und Umar. Diese Gefährten hielten es für Glück und Erfolg, ihr Leben für den Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu opfern und für ihn weiterzuleben. Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die Gefährten jedoch nach dem Abschluss des Vertrags von Hudaybiya aufforderte, ihre Opfertiere zu schlachten, antwortete niemand. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, litt damals unter großer seelischer Bedrängnis. Seine Ehefrau Umm Salama riet ihm, sein eigenes Opfertier stillschweigend zu schlachten. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, tat dies. Daraufhin begannen die Gefährten miteinander zu wetteifern, dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu folgen. Sie eilten los und schlachteten ihre Opfertiere. Dieses Ereignis macht deutlich, wie groß der Unterschied zwischen Worten und Taten bei der Veränderung eines bestehenden Brauchs sein kann. Um die aus der vorislamischen Zeit überlieferte Schwierigkeit hinsichtlich der Adoptivsöhne zu beseitigen, ließ Allah, der Erhabene, Seinen Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die geschiedene Frau seines Adoptivsohnes heiraten.
Nach dieser Eheschließung begannen die Heuchler, eine umfassende Verleumdungs- und Propagandakampagne gegen den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu führen. Sie verbreiteten allerlei Gerüchte. Dies beeinflusste teilweise auch die arglosen Muslime. Um diese Propaganda zu verstärken, suchten die Heuchler sogar ein Argument aus der Scharia. Sie verbreiteten, dass der Islam vier Ehen erlaubt habe, der Gesandte jedoch die geschiedene Frau seines Adoptivsohnes Zayd als fünfte Ehefrau genommen habe. Für einen Muslim sei es doch im Islam nicht erlaubt, mehr als vier Frauen zu heiraten. Der Kern ihrer Propaganda bestand darin, dass Zayd der Adoptivsohn des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gewesen sei und es eine schamlose und abscheuliche Tat darstelle, die Frau des eigenen Adoptivsohnes zur eigenen Ehefrau zu nehmen. Schließlich offenbarte Allah, der Erhabene, in der Sure al-Ahzab Verse, die beide genannten Punkte erklärten. Die Gefährten verstanden nun, dass Adoptivsöhne im Islam keinen rechtlichen Wert haben. Außerdem hatte Allah, der Erhabene, Seinem Gesandten aus einem erhabenen Zweck heraus einen größeren Spielraum hinsichtlich der Zahl der Ehen gewährt. Diese besondere Eigenschaft wurde niemand anderem verliehen.
Der geliebte Prophet führte mit den Müttern der Gläubigen ein äußerst würdevolles, ehrenhaftes, hochrangiges und vornehmes Leben. Die Ehefrauen des Propheten zeichneten sich in jeder Hinsicht lobenswert aus, etwa durch Bescheidenheit, Höflichkeit, Anstand, Geduld, Ausdauer, Dienstbereitschaft und die Erfüllung der Rechte des Ehemannes. Dennoch führte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ein äußerst schlichtes und anspruchsloses Leben. Für andere war es keineswegs leicht, sich diesem Leben anzupassen.
Anas sagte: „Ich weiß nicht, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, jemals weiches Brot aus Mehl gegessen hätte.“ Auf diese Weise ist er Allah begegnet. Außerdem hatte er niemals einen gebratenen Ziegenbock zu Gesicht bekommen. 2 [Sahih al-Bukhari, 2. Band, S. 956]
Hadhrat Aischa as-Siddīqa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) sagte: Zwei Monate vergingen, und der Neumond des dritten Monats war zu sehen, ohne dass im Herd des Hauses des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ein Feuer entzündet worden war. Hadhrat Urwa fragte: „Was habt ihr dann gegessen?“ Sie antwortete: „Nur zwei schwarze Dinge: Datteln und Wasser.“ 3[Auf derselben Seite, im selben Werk]
Zu diesem Thema gibt es zahlreiche Hadithe. Trotz dieser strengen Armut war bei den Ehefrauen des Propheten kein anstößiges Verhalten festzustellen.
Aufgrund der menschlichen Schwäche war es zu dem einen oder anderen Fehler gekommen. Außerdem musste in dieser Angelegenheit die rechtliche Bestimmung der Scharia bekannt gegeben werden. Aus diesem Grund wurde dieser Vers offenbart: „O Prophet, sage deinen Ehefrauen: Wenn ihr das diesseitige Leben und seinen Schmuck begehrt, dann kommt her, ich werde euch eine Versorgung gewähren und euch auf gütige Weise entlassen. Wenn ihr jedoch Allah, Seinen Gesandten und das Jenseits begehrt, dann hat Allah für diejenigen unter euch, die rechtschaffen handeln, einen gewaltigen Lohn bereitet.“ (Sure al-Ahzab, Verse 28–29)
Alle Ehefrauen des Propheten gaben Allah, dem Erhabenen, und Seinem Gesandten den Vorrang. Ihre Vorzüglichkeit und ihr Rang lassen sich schon daran erkennen, dass sich keine von ihnen dem Diesseits zugeneigt hatte.
Die Vorfälle, die unter Nebenfrauen gewöhnlich vorkommen, ereigneten sich unter den zahlreichen Ehefrauen des Propheten nur sehr selten. Selbst wenn sich geringfügige Dinge ereignet hatten, kam von keiner von ihnen etwas vor, das nach einer Ermahnung Anlass zu Einwänden gegeben hätte. Die ersten fünf Verse der Sure at-Tahrim erwähnen diesbezügliche Ereignisse.
Abschließend ist es nicht unangebracht zu sagen, dass wir es hier nicht für nötig erachten, die Zahl der Ehefrauen des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu erörtern. Denn in dieser Frage erheben vor allem die Bewohner des Westens lautstark ihre Stimme. Welche Art von Leben führen sie? Immer wieder werden sie vom Unglück und von Bitterkeit heimgesucht. Sie sind von Anfang bis Ende in einem erniedrigenden Leben und in Verbrechen versunken. Ist es überhaupt nötig, über das Leid, die Not und die Verzweiflung zu sprechen, in die sie gestürzt sind, während sie sich von der islamischen Regel der Mehrfachehe abwenden und dennoch lautstark Kritik daran üben? 4[Ist eine Vielzahl von Freundinnen etwa geschmackvoller als mehrere Ehefrauen?] Schon ihre unglückliche Lebensweise beweist, dass die islamische Regel der Mehrfachehe wissenschaftlich begründet ist. Für kluge, tugendhafte und weitsichtige Menschen enthält sie eine hervorragende Lösung.
Seine charakterlichen Eigenschaften und seine körperliche Schönheit:
Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) besaß charakterliche Eigenschaften und körperliche Schönheit, die sich nicht vollständig beschreiben lassen. Aus diesen Gründen fühlten sich die Herzen ihm von selbst hingezogen. Daher zeigten die Menschen bei der Gewährleistung seiner Sicherheit und der Wahrung seiner Würde eine solche Hingabe, wie sie sich bei keiner anderen Persönlichkeit der Welt beobachten lässt. Seine Freunde und Gefährten liebten ihn mehr als ihr eigenes Leben. Sie waren bereit, wenn nötig, ihren eigenen Kopf hinzugeben, solange auch nur ein Kratzer den gesegneten Körper des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) erspart bliebe. Der Grund für diese Liebe war, dass sich in ihm die natürlichen Eigenschaften, nach denen man sich mit ganzem Herzen zu opfern bereit ist, in einem solchen Maß vereinigten, wie bei keinem anderen Menschen. Im Folgenden geben wir in aller Bescheidenheit eine Zusammenfassung dessen, was seine Schönheit betrifft.
Körperbau und äußere Erscheinung des geliebten Propheten
Während der Hidschra verweilte der geliebte Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, einige Zeit im Zelt von Umm Maʿbad al-Khuzaʿiyya und machte sich danach auf den Weg nach Medina. Nachdem er weitergezogen war, beschrieb Umm Maʿbad ihrem Ehemann den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, folgendermaßen: Er hatte eine leuchtende Gesichtsfarbe, ein strahlendes Antlitz und einen wohlgestalteten Körper. Er war weder auffallend gerade noch gebeugt. Neben außergewöhnlicher Schönheit besaß er eine anziehende körperliche Gestalt, kohlgeschwärzte Augen, lange Wimpern, eine klare Stimme, einen langen Hals, schwarz-weiße Augen und tiefschwarze Wimpern. Seine Augenbrauen waren fein und miteinander verbunden, sein Haar glänzend und schwarz. Er war von stiller Wesensart und beim Sprechen anziehend. Aus der Ferne schien er der Strahlendste und Schönste von allen zu sein; aus der Nähe wirkte er erhaben, liebenswert und schön. Seine Worte waren süß und seine Ausdrucksweise klar. Seine Rede war weder allzu kurz noch ausgedehnt. Wenn er sprach, schien es, als würden Perlen herabfallen. Er war von mittlerer Größe, weder klein noch so groß, dass sein Anblick unangenehm gewesen wäre. Wenn seine Gefährten sich um ihn versammelten und etwas sagten, hörte er ihnen mit voller Aufmerksamkeit zu. Wenn er einen Befehl gab, wurde dieser sofort ausgeführt. Seine Gefährten waren ihm äußerst gehorsam und hegten ihm gegenüber tiefe Achtung und Ehrfurcht. Keiner war hochmütig oder unverschämt, und niemand redete übermäßig viel. 1 [Zād al-Maʿād, Bd. 2, S. 54]
Ḥazrat ʿAlī (möge Allah mit ihm zufrieden sein) erwähnte bei der Beschreibung der Eigenschaften des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, dass er weder ungewöhnlich groß noch klein war. Er war von mittlerem Körperbau. Sein Haar war weder lockig noch völlig glatt, sondern lag dazwischen. Seine Wangen waren weder fleischig noch mager, sondern von mittlerer Beschaffenheit. Seine Stirn war breit, und seine Hautfarbe war eine Mischung aus rosigem und hellem Teint. Seine Augen waren kohlgeschwärzt und rötlich, mit dichten Wimpern. Auf seiner Brust verlief vom Nabel aus eine feine Haarlinie; der übrige Körper war unbehaart. Seine Hände und Füße waren kräftig. Beim Gehen hob er die Füße mit einer federnden Bewegung. Wenn man ihn gehen sah, hatte man den Eindruck, als steige er von oben nach unten hinab. Wenn er irgendwohin blickte, tat er dies mit voller Aufmerksamkeit. Zwischen seinen Schultern befand sich das Siegel der Prophetenschaft. Er war der letzte aller Propheten. Er war der großzügigste, der mutigste, der wahrhaftigste, der zuverlässigste in der Einhaltung von Versprechen, der sanftmütigste und der edelste aller Menschen. Wer ihn unvermutet sah, wurde von Ehrfurcht ergriffen; wer ihm als Bekannter gegenübertrat, wurde von Liebe zu ihm überwältigt. Wer seine Eigenschaften beschrieb, musste sagen: „Vor ihm und nach ihm habe ich niemanden gesehen, der ihm gleichkam.“ 2 [Ibn Hišām, Bd. 1, S. 401–402; Tuḥfat al-Aḥwadhī, Kommentar zu at-Tirmidhī, Bd. 4, S. 303]
In einer weiteren Überlieferung von Ḥazrat ʿAlī (möge Allah mit ihm zufrieden sein) heißt es, dass sein Kopf groß und seine Gelenkknochen kräftig waren. In der Mitte seiner Brust befand sich eine feine Haarlinie. Beim Gehen schritt er so, dass man den Eindruck hatte, jemand steige von einer Anhöhe hinab. 3 [Tuḥfat al-Aḥwadhī, Kommentar zu at-Tirmidhī, Bd. 4, S. 303]
Ḥazrat Jābir ibn Samura (möge Allah mit ihm zufrieden sein) überliefert, dass die Muskeln des Propheten, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, breit, seine Augen rötlich und seine Fersen eher schmal waren. 4 [Ṣaḥīḥ Muslim, Bd. 2, S. 258]
Ḥazrat Abū Tufail sagte: Er hatte einen hellen Teint und ein sanftes Antlitz. Seine Körpergröße war von mittlerer Statur. 5 [Ṣaḥīḥ Muslim, Bd. 2, S. 258]
Ḥazrat Anas ibn Mālik sagte: Die Handflächen des Propheten, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, waren breit, und sein Teint war strahlend; er war weder ganz weiß noch hatte er die Farbe von Weizen. Bis zu seinem Tod waren nicht einmal zwanzig Haare an seinem Kopf und in seinem Gesicht weiß geworden. 6 [Ṣaḥīḥ al-Buḫārī, Bd. 1, S. 502] Nur einige Haare an seinen Ohren waren weiß geworden; außerdem waren einige Haare auf seinem Kopf weiß geworden. 7 [Ṣaḥīḥ al-Buḫārī, Bd. 1, S. 502]
Ḥazrat Abū Ḥudhayfa sagte: Ich sah, dass der Bart des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, unterhalb der Unterlippe weiß war. 8 [Ṣaḥīḥ al-Buḫārī, Bd. 1, S. 502, 502]
Hazrat Abdullah ibn Baschar (ra.) berichtet: Im Bart des Propheten – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – unmittelbar unterhalb der Unterlippe waren einige Haare weiß geworden. 9[ebd., S. 502]
Hazrat Bara berichtet: Der Prophet – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – war von mittlerer Größe. Der Abstand zwischen seinen beiden Schultern war groß. Sein Haupthaar reichte bis zu den Ohrläppchen. Ich sah ihn in einem roten Gewand. Niemals hatte ich etwas gesehen, das schöner war als er. 10[ebd., S. 502]
Anfangs kämmte er sein Haar gern nach der Art der Schriftbesitzer. Deshalb zog er beim Kämmen keinen Scheitel; später jedoch zog er einen Scheitel. 11[ebd., S. 502]
Hazrat Bara ibn Asib (ra.) berichtet: Sein Gesicht war das schönste, und seine Erscheinung war von allen die vorzüglichste. 12[ebd., erster Band, S. 502; Sahih Muslim, zweiter Band, S. 258]
Hazrat Bara ibn Asib (ra.) wurde gefragt, ob das Gesicht des Propheten – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – einem Schwert glich. Er antwortete: Nein, vielmehr glich sein Gesicht dem Mond. In einer anderen Überlieferung heißt es, dass das Gesicht des Propheten – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – rund gewesen sei. 13[Sahih al-Buchari, erster Band, S. 502; Sahih Muslim, zweiter Band, S. 259]
Rabi bint Muawwidh (ra.) berichtet: Wenn ihr den Gesandten – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – gesehen hättet, wäre es euch vorgekommen, als würdet ihr die aufgehende Sonne sehen. 14[Musnad ad-Darimi, Mischkat, zweiter Band, S. 517]
Hazrat Dschabir ibn Samura berichtet: In einer mondhellen Nacht betrachtete ich den Propheten – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Zu jener Zeit trug er ein rotes Gewand. Abwechselnd blickte ich einmal zum Propheten – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – und einmal zum Mond. Schließlich kam ich zu dem Schluss, dass unser Prophet – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – schöner war als der Mond. 15[Schamail at-Tirmidhi, Darimi, Mischkat, zweiter Band, S. 515]
Hazrat Abu Huraira (ra.) berichtet: Niemals habe ich einen Menschen gesehen, der schöner gewesen wäre als der Gesandte – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Es schien, als würde die Sonne in seinem Gesicht strahlen. Niemals sah ich jemanden, der schneller war als er. Wenn er zu gehen begann, schien sich die Erde unter seinen Füßen zusammenzuziehen. Beim Gehen wurde ich müde, er jedoch blieb unbeeindruckt. 16[Dschami at-Tirmidhi, Scharh Tuhfat al-Ahwazi, vierter Band, S. 306; Mischkat, zweiter Band, S. 518]
Hazrat Ka’b ibn Malik (möge Allah mit ihm zufrieden sein) berichtet: Wenn der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) froh war, erstrahlte sein Gesicht. Es schien, als wäre es ein Stück des Mondes. 17 [Sahih al-Bukhari, Bd. 1, S. 502]
Einmal hielt er sich bei Hazrat Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) auf. Nachdem er ins Schwitzen geraten war, erschien sein Gesicht noch strahlender und schöner. Als Hazrat Ayo (möge Allah mit ihm zufrieden sein) diesen Zustand sah, rezitierte er dieses Gedicht von Abu Qubayeb al-Hazali. 18 [Rahmatul lil-Alamin, Bd. 2, S. 172]
„Als ich sein Gesicht betrachtete, sah ich
eine aufleuchtende Wolke, die unaufhörlich aufblitzte.“
Hazrat Abu Bakr Siddiq (möge Allah mit ihm zufrieden sein) rezitierte dieses Gedicht, wenn er ihn sah. 19 [Khulasatus Siyar, S. 20]
„Er ruft auf dem Weg des Guten auf und erfüllt seine Versprechen,
der Vollmond, der scheinbar mit der Dunkelheit Verstecken spielt.“
Hazrat Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) rezitierte über ihn ein Gedicht von Zuhair. Dieses Gedicht war über Harm ibn Sinan verfasst worden. 20 [rezitierte. 19 [Khulasatus Siyar, S. 20]
„Wäre dieser Liebling Allahs kein Mensch
so würde er die Nacht des vierzehnten Mondtages erhellen.“
Wenn er zornig wurde, rötete sich sein Gesicht; es schien, als seien an beiden Schläfen Weintrauben zerdrückt worden. 21[Mis̱kāt, Bd. 1, S. 22; Tirmidhi, Arwābul-Qadar, Bd. 2, S. 35]
Hadhrat Dschābir ibn Samura sagt: Wenn der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, lächelte, lächelte er nur sanft. Beim Anblick seiner Augen schien es, als seien sie mit Kuhl geschminkt, obwohl sie nicht geschminkt waren. 22[Schahh Dschāmiʿ at-Tirmidhi, Scharh Tuhfat al-Ahwazi, Bd. 4, S. 306]
Hadhrat Abdullah ibn Abbas (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagt: Die beiden vorderen Zähne des Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, standen getrennt voneinander. Wenn er sprach, strahlte zwischen seinen beiden Zähnen ein Lichtglanz hervor. 23[Tirmidhi, Mis̱kāt, Bd. 2, S. 518]
Sein Hals war sauber und glänzend wie ein aus Silber gefertigtes Gefäß, seine Wimpern waren lang, sein Bart war dicht, seine Stirn breit, seine Augenbrauen voneinander getrennt, seine Nase ausgeprägt. Von seinem Nabel bis zur Brust verlief eine feine Behaarung, und an seinen Armen befanden sich einige Haare. Bauch und Brust waren ebenmäßig, seine Brust war breit und seine Handflächen waren breit. Beim Gehen neigte er sich etwas nach vorn. Er ging in gemäßigtem Tempo. 24[Chulasāt as-Siyar, S. 19–20]
Hadhrat Anas (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagt: Ich habe niemals Seide gesehen, die weicher war als die Handflächen des Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Und ich habe niemals Moschus oder Amber gerochen, dessen Duft angenehmer gewesen wäre als der Duft des Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. 25[Sahih al-Buchari, Bd. 1, S. 503; Sahih Muslim, Bd. 2, S. 258]
Hadhrat Abu Zuhaira (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagt: Ich legte die Hand des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, auf mich. Dabei spürte ich, dass diese Hand kälter als Eis und wohlriechender als Moschus war. 26[Sahih al-Buchari, Bd. 1, S. 502
Der jugendliche Hadhrat Dschābir ibn Samura (möge Allah mit ihm zufrieden sein) berichtet: Der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) legte seine Hand auf meine Stirn. Dabei spürte ich eine solche Kühle und einen solchen Duft, dass es mir vorkam, als hätte er seine heilige Hand gerade aus einem Gefäß mit Attar-Parfüm genommen. 27[ Sahih Muslim, Bd. 2, S. 258]
Hadhrat Anas (möge Allah mit ihm zufrieden sein) berichtet: Der Schweiß des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) war wie Perlen. Hadhrat Umm Sulaym (möge Allah mit ihr zufrieden sein) sagte: Dieser Schweiß hatte den wohlriechendsten Duft. 28[ Sahih Muslim, Bd. 2, S. 256]
Hadhrat Dschābir (möge Allah mit ihm zufrieden sein) berichtet: Wenn der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) einen Weg entlanggegangen war und jemand später denselben Weg nahm, konnte er erkennen, dass der Prophet diesen Weg gegangen war. 29[ Dā’imī, Mischkāt, Bd. 2, S. 17]
Zwischen den beiden Schultern des Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) befand sich das Siegel des Prophetentums. Dieses Siegel des Prophetentums, das wie ein Taubenei aussah, hatte die gleiche Farbe wie seine Haut. Es befand sich neben dem weichen Knochen der linken Schulter. 30[ Sahih Muslim, Bd. 2, S. 259–260]
Charakterliche Eigenschaften
Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sprach reines Arabisch: ungezwungene, flüssige, eindeutige und bedeutungsvolle Worte. Er besaß die seltene Fähigkeit und beherrschte die Sprachen aller arabischen Stämme. Deshalb sprach er mit jedem Stamm in dessen Sprache und mit dessen Begriffen. Die nachdrückliche Ausdrucksweise und Anredeform der Beduinen ebenso wie die reine Sprache des städtischen Bürgerlebens waren ihm vertraut. Darüber hinaus besaß er die auf Offenbarung beruhende Hilfe Allahs.
Geduld, Nachsicht und Vergebungsbereitschaft gehörten zu seinen herausragenden Eigenschaften. All dies hatte er in Wahrheit von Allah, dem Erhabenen, erhalten. Gewöhnlich zeigt sich bei allen geduldigen und nachsichtigen Menschen irgendein Mangel, doch der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) bildete eine vollständige Ausnahme. Seine charakterlichen Eigenschaften waren so vortrefflich und schön, dass seine Geduld umso mehr zunahm, je stärker die Feinde gegen ihn vorgingen und je eifriger die Übeltäter bemüht waren, ihm Leid zuzufügen.
Hadhrat Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) berichtet: Wenn dem geliebten Propheten die Wahl zwischen zwei Dingen gegeben wurde, wählte er das leichtere. Er hielt sich von allem fern, was mit Sünde verbunden war. Niemals nahm er für sich selbst an jemandem Rache. Wenn jedoch Allahs Ehre verletzt wurde, nahm er um Allahs willen Rache. 31[ Sahih Buchārī, Bd. 1, S. 503]
Er hielt sich von Zorn und ungebührlichem Verhalten fern. Gegenüber jedem war er leicht zufriedenzustellen. Seine Freigebigkeit und Barmherzigkeit waren unermesslich. Mit einer von der Sorge vor Armut freien Gesinnung spendete er und übte Wohltätigkeit. Hadhrat ʿAbdullah ibn ʿAbbas (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, war der freigebigste aller Menschen. Seine Freigebigkeit nahm im Ramadan noch mehr zu, wenn er mit Hadhrat Dschibril (Friede sei mit ihm) zusammentraf. In jeder Nacht des Ramadan traf er Hadhrat Dschibril (Friede sei mit ihm), rezitierte ihm den Koran und ließ ihn ihn hören. In Güte und Freigebigkeit war er dem frei wehenden Wind noch voraus. 32 Sahih al-Bukhari, Band 1, S. 517
Hadhrat Dschabir (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: Es kam niemals vor, dass jemand ihn um etwas bat und er sich weigerte, es ihm zu geben. 33 Sahih al-Bukhari, Band 2, S. 517
In Tapferkeit und Mut nahm der geliebte Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, den höchsten Rang ein. Er war der größte Held von allen. Wenn selbst herausragenden Kriegern in schwierigen Situationen die Füße versagten, blieb der geehrte Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, dennoch unerschütterlich standhaft. Selbst in solch äußerst schwierigen Zeiten ging er voran, ohne sich zurückzuziehen. Nicht die geringste Unsicherheit zeigte sich in seiner Entschlossenheit. Hadhrat ʿAli (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: Wenn sich die Schrecken des Krieges zeigten und eine äußerst schwierige Lage entstand, suchten wir Zuflucht unter dem Schutz des Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Niemand konnte dem Feind mit größerer Standhaftigkeit entgegentreten als er. 34 al-Schafiʿi, Qadi ʿIyad, Band 1, S. 89, al-Sihah
Hadhrat Anas (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: Eines Nachts breitete sich unter den Bewohnern von Medina Panik aus. Alle eilten dem Geräusch entgegen. Unterwegs trafen sie den Propheten. Er ging auf den Lärm zu. Zu jener Zeit ritt er auf dem bloßen Rücken eines Pferdes von Hadhrat Abu Talha (möge Allah mit ihm zufrieden sein). Ein Schwert hing um seinen Hals. Er sagte zu den Menschen: „Fürchtet euch nicht, fürchtet euch nicht.“ 35 Sahih Muslim, Band 2, S. 252; Sahih al-Bukhari, Band 1, S. 407
Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, war von äußerst schamhafter Natur. Gewöhnlich hielt er seinen Blick auf den Boden gerichtet. Hadhrat Abu Saʿid al-Khudri (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, war schamhafter als ein zurückgezogen lebendes junges Mädchen. Wenn ihm etwas nicht gefiel, konnte man es an seinem Gesicht erkennen. 36 Sahih Muslim, Band 2, S. 252; Sahih al-Bukhari, Band 1, S. 407. Er starrte niemandem unverwandt ins Gesicht. Er hielt den Blick gesenkt und schaute länger nach unten als nach oben. Beim Blicken richtete er seine Augen gewöhnlich nach unten. Seine Schamhaftigkeit und sein Ehrgefühl waren so stark, dass er niemandem unangenehme Worte direkt ins Gesicht sagte. Wenn er etwas Unangenehmes über jemanden hörte, nannte er nicht den Namen dieser Person und brachte sie dadurch in Verlegenheit. Vielmehr sagte er: „Manche Leute sagen dies und jenes.“ Der berühmte arabische Dichter al-Farazdaq hat diese Eigenschaft des Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in einem Gedicht auf wunderbare Weise zum Ausdruck gebracht.
„Schamhaft ist er, darum senkt er seinen Blick,
Beim Anblick seiner senken alle den Blick,
Erst dann ist es möglich, mit ihm zu sprechen.“
Wenn auf seinen Lippen ein sanftes Lächeln erblühte.“
Er war der gerechteste, reinste, wahrhaftigste und vertrauenswürdigste aller Menschen. Freunde wie Feinde erkannten dies an. Noch vor seiner Berufung zum Propheten war ihm der Beiname „al-Amīn“ verliehen worden. In den Tagen der Unwissenheit kamen beide Streitparteien zu ihm, damit er zwischen ihnen richte. In at-Tirmidhī wird von ʿAlī (möge Allah mit ihm zufrieden sein) überliefert, dass Abū Dschahl einmal zum Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Wir nennen dich nicht etwa einen Lügner, sondern wir erklären das, was du verkündest, für eine Lüge.“ Daraufhin offenbarte Allah, der Erhabene, diesen Vers: „Sie bezichtigen dich nicht der Lüge; vielmehr verleugnen die Ungerechten die Zeichen Allahs.“ 37[Maschkat, 2. Band, S. 521] (al-Anʿām, Vers 33)
Kaiser Heraklius fragte Abū Sufyān, ob sich, bevor jener Prophet die Worte verkündete, die er verkündete, jemals etwas ereignet habe, aufgrund dessen man ihn als Lügner hätte bezeichnen können. Abū Sufyān antwortete: „Nein.“
Der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) war äußerst bescheiden und frei von Hochmut. So wie die Diener und Bewunderer von Königen zu deren Ehren demütig dastehen, verbot der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) den Gefährten, zu seiner Ehrenbezeugung in dieser Weise aufzustehen. Er kümmerte sich um arme und bedürftige Menschen und verkehrte mit den Bedürftigen. Auch Einladungen von Sklaven nahm er an. Unter seinen edlen Gefährten saß er wie ein gewöhnlicher Mensch.
ʿĀʾischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) berichtet: Er reparierte seine Schuhe selbst. Seine Kleidung nähte er selbst. Die gewöhnlichen Arbeiten im Haushalt verrichtete er eigenhändig. Er war ein Mensch wie alle anderen gewöhnlichen Menschen. Wenn sich Läuse in seiner getragenen Kleidung befanden, entfernte er sie selbst; er molk eigenhändig die Ziegen und erledigte seine Angelegenheiten selbst. 38[Maschkat, 2. Band, S. 520]
Der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) war führend darin, Versprechen einzuhalten. Er kümmerte sich in außergewöhnlichem Maße um seine Verwandten. Mit Herzlichkeit und Aufrichtigkeit verkehrte er mit den Menschen. In Bescheidenheit und Sanftmut war er unvergleichlich. Sein Charakter war einzigartig schön. Nicht die geringste Spur schlechten Charakters war in ihm zu finden. Seinem Wesen entsprechend sprach er niemals unanständige Worte. Auch unbeabsichtigt sprach er niemals etwas Unanständiges. Niemals verfluchte er jemanden. Wenn er auf den Markt ging, schrie er nicht laut herum. Böses vergalt er nicht mit Bösem. Vielmehr vergab er sogar demjenigen, der das Böse verursacht hatte. Wenn jemand begann, ihm zu folgen, ließ er ihn nicht hinter sich zurück. Beim Essen und Trinken betrachtete er sich nicht als etwas Besonderes gegenüber den Sklaven. Auch die Arbeit seines Dieners verrichtete er. Niemals zeigte er seinem Diener gegenüber Ärger. Auch im Hinblick darauf, ob eine Arbeit erledigt oder nicht erledigt worden war, zeigte er seinem Diener niemals Unmut. Er liebte die armen und bedürftigen Menschen. Er verkehrte mit ihnen und nahm an ihren Totengebeten teil. Keinen Armen behandelte er wegen seiner Armut geringschätzig. Einmal befand er sich auf einer Reise. Damals wurde vorgeschlagen, eine Ziege zu schlachten. Einer sagte: „Ich übernehme das Schlachten“, ein anderer: „Ich übernehme das Häuten.“ Ein Dritter sagte: „Ich werde das Kochen übernehmen.“ Als der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) dies hörte, sagte er: „Ich übernehme es, Brennholz zu sammeln.“ Die Gefährten sagten: „O Gesandter Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), wir werden deine Arbeit erledigen.“ Doch der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) war damit nicht einverstanden. Er sagte: „Ich weiß, dass ihr meine Arbeit erledigen werdet, aber ich möchte nicht, dass ich mich von euch absondere und dadurch eine Sonderstellung einnehme. Denn Allah, der Erhabene, liebt es nicht, dass jemand unter Seinen Dienern versucht, sich von den anderen abzuheben.“ Danach ging er los, um Holz zu sammeln. 39[Cholāsat as-Siyar, S. 23]
Lasst uns nun die Eigenschaften und Vorzüge des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) aus dem Mund von Hind ibn Abī Hāla vernehmen. Hind berichtet in einer ausführlichen Überlieferung: Der geliebte Prophet war tief in Gedanken versunken. Ständig dachte er nach. Am Anfang und am Ende seiner Rede artikulierte er sich klar. Er sprach niemals undeutlich. Er sprach bedeutungsvolle, eindeutige Worte, die keinerlei Überflüssiges enthielten. Er war von sanftem Wesen. Selbst eine noch so geringe Gunst erwies er keine Geringschätzung. Er tadelte und kritisierte nichts. Auch Speisen und Getränke kritisierte er nicht. Wenn jemand ein Verhalten zeigte, das der Wahrheit und Gerechtigkeit widersprach, missfiel ihm dies. Er ließ davon nicht ab, bis er von diesem Menschen Vergeltung genommen hatte. Dennoch war sein Herz großzügig. Um seiner selbst willen wurde er niemals zornig auf jemanden und nahm von niemandem Vergeltung. Wenn er auf jemanden deutete, tat er dies mit der ganzen Handfläche. Wenn er erstaunt war, drehte er seine Hände um. Wenn er zornig wurde, wandte er sein Gesicht ab, und wenn er erfreut war, senkte er seinen Blick. Meistens lächelte er sanft. Beim sanften Lächeln blitzte ein Teil seiner Zähne auf.
Er hielt sich von sinnlosem Gerede fern. Er bemühte sich, seine Gefährten zu vereinen, nicht sie voneinander zu trennen. Die angesehenen Menschen aller Gemeinschaften behandelte er mit Achtung. Zum Anführer ernannte er nur einen angesehenen Menschen. Er hielt sich davon fern, den Menschen Schaden zuzufügen.
Er erkundigte sich nach dem Wohlergehen der Sahaba und fragte nach ihrem Befinden. Gute Dinge lobte er und schlechte kritisierte er. In allen Angelegenheiten bevorzugte er die Mitte. Unaufmerksamkeit gegenüber irgendeiner Sache missfiel ihm. Auf jede Lage war er innerlich vorbereitet. Er wollte sich weder von Wahrheit und Gerechtigkeit entfernen noch hielt er sich in irgendeiner Weise von der Unwahrheit fern. Die Menschen in seiner Nähe waren die besten Menschen. Unter ihnen schätzte er diejenigen am meisten, die anderen Gutes taten. Bei ihm hatten sie das höchste Ansehen; mit anderen Worten: In seinen Augen waren diejenigen die Besten, die vom Leid anderer berührt wurden, von Natur aus ernsthaft waren und anderen halfen.
Im Sitzen und Aufstehen gedachte er stets Allahs. Für ihn war kein bestimmter Sitzplatz vorgesehen. Wenn er zu einer Versammlung kam, setzte er sich dorthin, wo er einen freien Platz fand. Er betrachtete alle Anwesenden gleich. Niemand dachte, dass jemand anderem mehr Ansehen als ihm selbst erwiesen werde, und deshalb empfand niemand Groll oder Kummer. Wenn sich jemand wegen eines Anliegens zu ihm setzte oder vor ihm stehen blieb, wartete er, bis dessen Anliegen erfüllt war. Seine Geduld ließ niemals nach. Wenn jemand ihn um etwas bat, gab er freigebig. Er ließ den Bittenden erst gehen, nachdem er ihm das Erbetene gegeben oder ihn mit einem guten Wort erfreut hatte. Durch seine edlen Charaktereigenschaften stellte er alle zufrieden. Für alle war er wie ein Vater. In seinen Augen waren alle gleich. Wenn jemandes Vorrang oder höherer Rang bestimmt wurde, geschah dies auf der Grundlage der Taqwa. Seine Majlis beziehungsweise seine Versammlung war eine Versammlung des Wissens, der Geduld, der Schamhaftigkeit und der Vertrauenswürdigkeit. Dort sprach niemand mit lauter Stimme, und niemandes Ansehen wurde verletzt. Auf der Grundlage der Taqwa zeigten alle einander Mitgefühl. Die Älteren wurden von allen geehrt und die Jüngeren liebevoll behandelt. Wenn jemand ein Bedürfnis hatte, wurde es erfüllt. Fremde wurden weder verachtet noch ignoriert; vielmehr lernte man sie kennen und zeigte ihnen Herzlichkeit.
Auf dem Gesicht des Propheten, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, lag stets ein sanftes Lächeln. Er war von milder Wesensart. Rauheit widersprach seinem Charakter. Er sprach nicht mit übermäßig lauter Stimme. Kein unanständiges Wort kam über seine Lippen. Selbst wenn er auf jemanden zornig war, sprach er nicht in einem tadelnden Ton mit ihm. Wenn er jemanden lobte, lobte er ihn nicht übermäßig. Dingen, für die er kein Interesse hatte, schenkte er ohne Weiteres keine Beachtung. In keiner Angelegenheit ließ er jemanden bei sich enttäuscht zurück. Von drei Dingen hielt er sich fern: (1) Hochmut, (2) Übermaß in irgendeiner Sache und (3) bedeutungslose Worte. Und vor drei Dingen bewahrte er die Menschen: (1) üble Nachrede über andere, (2) jemanden zu beschämen und (3) die Fehler anderer offenzulegen.
Er brachte nur solche Worte über seine Lippen, von denen man auf Belohnung hoffen konnte. Wenn er sprach, saßen seine Sahaba mit so gesenkten Köpfen da, dass es schien, als säßen Vögel auf ihren Köpfen. Wenn er, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, zu Ende gesprochen hatte und schwieg, unterhielten sich die Sahaba miteinander. Kein Sahabi sprach mit dem geliebten Propheten, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, überflüssige Worte. Wenn ein Sahabi begann, etwas im Beisein des geliebten Propheten, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, zu sagen, hörten alle anderen Anwesenden aufmerksam zu. Bis er zu Ende gesprochen hatte, herrschte Stille. Worüber die Sahaba lachten, darüber lachte auch der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm. Worüber die Sahaba staunten, darüber staunte auch der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm. Wenn ein Fremder beim Sprechen maßlos wurde, verlor der Prophet nicht die Geduld. Er sagte: Wenn du jemanden siehst, der auf andere angewiesen ist, dann erfülle sein Bedürfnis. In keiner Angelegenheit gefiel ihm das Lob eines anderen, außer als Dank für Ihsan. 40[Schifa, Qadi Iyad, Band 1, S. 121–126; Schamail at-Tirmidhi.]
Hazrat Charidscha ibn Zaid (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: Der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, war in seiner Majlis der angesehenste und ehrenwürdigste. In seiner Kleidung war er bescheiden. Die meiste Zeit schwieg er. Ohne Notwendigkeit sprach er nicht. Wenn jemand unnötige und unpassende Worte redete, wandte er sich von ihm ab. Wenn er lächelte, lächelte er sanft; er sprach deutlich und redete keine törichten oder überflüssigen Worte. Die Sahaba lachten in der Gegenwart des Propheten, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, nicht laut. In der Gegenwart des geliebten Propheten hielten sie ihr Lachen zurück und lächelten leise. 41[16. Ramadan 1404 nach der Hidschra, entsprechend dem 17. Ramadan 1984.]
Zusammenfassend war der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, ein vollkommener Mensch mit unvergleichlichen Tugenden und Eigenschaften. Allah, der Rabb al-Alamin, hatte ihm unvergleichliche Vorzüge verliehen. Zu Ehren seines geliebten Propheten sagte Allah: „Inna-ka la-ala chuluqin azim“, das heißt: „Wahrlich, du besitzt den vortrefflichsten Charakter.“
Es waren diese unvergleichlichen Eigenschaften, aufgrund derer die Menschen zu ihm strömten. In den Herzen der Menschen war ihre Liebe zu ihm tief verwurzelt. Seine Führung war so unbestritten, dass die Menschen ihm mit Leib und Seele ergeben waren.
Aufgrund der vorzüglichsten menschlichen Eigenschaften wurde die Härte seiner Volksgenossen völlig in Sanftmut verwandelt. Schließlich fanden die Menschen scharenweise Zuflucht im Schutz des von Allah erwählten Din und wurden dadurch gesegnet.
Es muss daran erinnert werden, dass alles, was wir zuvor an Eigenschaften des Propheten – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – besprochen haben, nur ein bescheidener Abriss seiner außergewöhnlichen und unvergleichlichen Vorzüge war. In Wirklichkeit waren seine Eigenschaften so umfassend und vielfältig, dass es unmöglich ist, ihre Darstellung abzuschließen oder die Weite und Tiefe seiner charakterlichen Besonderheiten zu ermessen.
Niemand ist in der Lage, die herausragende Gestalt der Menschheitsgeschichte vollständig zu erfassen. Die herausragendste Verkörperung der Vollkommenheit – das Kennzeichen dieses großartigen Menschen war, dass er den höchsten Gipfel der Menschlichkeit erreicht hatte. Er war vom heiligen Lichtglanz des erhabenen Herrn der Welten derart erleuchtet, dass der Heilige Koran als Beschreibung seines Charakters bezeichnet wurde. Seine charakterlichen Eigenschaften waren die wirkliche und vollkommene Widerspiegelung des Heiligen Korans.
„O Allah, sende Frieden und Segen auf Muhammad – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – und auf seine Familie und Angehörigen, so wie Du Frieden und Segen auf Ibrahim (Friede sei mit ihm) und seine Familie und Angehörigen gesandt hast. Gewiss, Du bist des Lobes und der Herrlichkeit würdig.
Für diesen Menschen gibt es nur so viel (Belohnung), wie er
(in dieser Welt) getan hat; und (Strafe) gibt es für ihn
nur in dem Maß, wie viel Unrecht er
begangen hat; (daher), unser Herr,
wenn wir etwas vergessen oder irgendwo einen Fehler machen,
Wenn wir einen Fehler begehen,
bestrafe uns dafür nicht.
8
Verwendete Quellen: Die Blumen, aus denen ich den Kranz geflochten habe
Verwendete Quellen
| Nummer | Titel des Werkes | Name des Autors | Todesjahr | Verlag | Erscheinungszeit |
| 1 | Akhbar al-Kiram oder Akhbar al-Masdschid al-Haram | Masdschid al-Haram Masdschid al-Haram Asadi al-Makki | 1066 n. H. | Al-Matbaʿa as-Salafiyya, Benares | 1396 n. H. |
| 2 | Al-Adab al-Mufrad | Muhammad ibn Ismail al-Buchari | 356 n. H. | Istanbul | 1304 n. H. |
| 3 | Al-Aʿlām | Chayr ad-Dīn az-Ziriklī | Kairo | 1954 n. H. | |
| 4 | Al-Bidāya wa-n-Nihāya | Ismāʿīl ibn Kathīr ad-Dimaschqī | As-Sayyida, Ägypten | 1332 n. H. | |
| 5 | Bulugh al-Maram min Adillat al-Ahkam | Ahmad ibn Hajar al-Asqalani | 856 n. H. | Qayumi Press, Kanpur, Indien | 1323 n. H. |
| 6 | Tārīkh-e Ard-il-Qurʾān | Sayyid Sulaimān Nadwī | 1373 n. H. | Maʿārif Press, Azamgarh | 1955 n. Chr. |
| 7 | Tārīkh-e Islām | Akbar Khān Shāh Naurābādī | Maktaba Rahmat, Deoband | ||
| 8 | Tarikh al-Umam wa-l-Muluk | Ibn Djarir at-Tabari | Al-Hasanat al-Misriyya | ||
| 9 | Tarikh Umar ibn al-Khattab | Abu al-Faraj Abd ar-Rahman ibn al-Dschawzi | At-Taufiq al-Adiba, Ägypten | ||
| 10 | Tuhfat al-Ahwadhī | Abū l-Alā Abdurraḥmān al-Mubārakfūrī | 1353 n. H. | Barki Press, Delhi, Indien | 1346 n. H. |
| 11 | Tafsīr Ibn Kathīr | Ismāʿīl ibn Kathīr ad-Dimaschqī | Dār al-Andalus, Beirut | ||
| 12 | Tafhīm-ul | Ustad Sayyid Abul Ala Maududi (möge Allah ihm barmherzig sein) | Markazi Maktaba Jamaat-e-Islami | ||
| 13 | Talqīḥ fahm ahl al-athar | Abū l-Faraǧ ʿAbd ar-Raḥmān ibn al-Dschauzī | 597 n. H. | Zaiyad Barki Press, Delhi, Ind | |
| 14 | Dschāmiʿ at-Tirmidhī | Abū ʿĪsā Muḥammad ibn ʿĪsā at-Tirmidhī | 279 n. H. | Maktaba-e-Raschidiyya, Delhi, Indien | |
| 15 | Al-Dschihad fi al-Islam | Ustad Sayyid Abul Ala Maududi (Allah sei ihm barmherzig) | Islamic Publications | 1967 n. Chr. | |
| 16 | Khulasat as-Siyar | Ibn Abdallah at-Tabari | 674 | Delhi Print, Delhi, Indien | |
| 17 | Rahmatul lil-Alamin | Mohammad Solaiman Munjimpuri | 1930 n. H. | Hanif Book Depot, Delhi, Indien | |
| 18 | Das Leben des edlen Gesandten | Dr. Hamidullah, Paris | Salem Company, Deoband | 1963 n. Chr. | |
| 19 | ar-Rawd al-Unuf | Abu al-Qasim Abd ar-Rahman ibn Abd Allah as-Suhayli | 581 n. H. | Al-Jayalia, Ägypten | 1332 n. H. |
| 20 | Zād al-Maʿād | Hāfiz Ibn Qayyim | 751 n. H. | al-Misriyya | 1347 n. H. |
| 21 | Safar at-Takwīn | ||||
| 22 | Sunan Ibn Māǧa | Ibn Yāsīn Ibn Māǧa | 273 n. H. | ||
| 23 | Sunan Abū Dāwūd | Abū Dāwūd | 275 n. H. | 1375 n. H. | |
| 24 | |||||
| 25 | Sīrat al-Ḥalabiyya | Ibn Burhān ad-Dīn | |||
| 26 | Sīrat an-Nabawiyya | Abū Muḥammad ʿAbd al-Malik ibn Hišām | 218 n. H. | 1375 n. H. | |
| 27 | Šarḥ ʿUyūn aṣ-Ṣaḥāba | Ǧamāl ad-Dīn ibn Hišām al-Anṣārī | 761 H. | Maktaba as-Sajda, Ägypten | |
| 28 | Scharḥ Ṣaḥīḥ Muslim | Abū Zakariyyā Muḥyī ad-Dīn Yaḥyā ibn Scharīf al-Anṣārī | 676 H. | Maktaba ar-Raschīdiyya, Delhi | 1376 H. |
| 29 | Kommentar zu Sahih Muslim | Abu Zakariya Muhyiddin Yahya ibn Sharaf al-Ansari | Siehe dort | 1312 n. H. | |
| 30 | Asch-Schifa: Über die Rechte des Auserwählten | Qadi Iyad | Maktaba-ye Osmaniya, Istanbul | 1312 n. H. | |
| 31 | Sahih al-Buchari | Muhammad Ismail al-Buchari | 256 n. H. | Maktaba-ye Rahimiya, Deoband | 1387 n. H. |
| 32 | Sahih Muslim | Muslim ibn al-Haddschadsch al-Quschairi | Maktaba Raschidiyya, Delhi, Indien | 1376 n. H. | |
| 33 | *** | ||||
| 34 | Abkommen von Hudaybiyya | Muhammad Ahmad Baschamil | Dar al-Fikr, Ägypten | 1391 n. H. | |
| 35 | At *** | Muhammad ibn Saʿd | Mata Abʿa** | 1322 n. H. | |
| 36 | ʿAun al-Maʿbūd, Kommentar zu Abū Dāwūd | Abū Ṭayyib Schams al-Haqq ʿAẓīmābādī | Erstdruck | ||
| 37 | Schlacht von Uhud | Muhammad Ahmad Bāschāmīl | Zweite Auflage | ||
| 38 | Ghazwa von Badr al-Kubra | Muhammad Ahmad Bashamil | 1376 n. H. | ||
| 39 | Ghazwa von Khaybar | Muhammad Ahmad Bashamil | Dār al-Fikr | ||
| 40 | Ghazwat Banū Quraiza | Muhammad Ahmad Bashamil | 1376 H. | ||
| 41 | Fath al-Bārī | Ahmad ibn Ali ibn Hajar al-Asqalānī | 852 n. H. | Maktaba as-Salafiyya | |
| 42 | Fiqh as-Sira | Muhammad al-Ghazali | Dar al-Kitab al-Arabi | 1370 n. H. | |
| 43 | Tafsīr „Fī Ẓilāl al-Qurʾān“ | Sayyid Qutb, der Märtyrer | Dār Iḥyāʾ at-Turāth al-ʿArabī |
Die bengalische Übersetzung dieses Tafsīr wurde von der Al-Qurʾān-Akademie London veröffentlicht.
| 44 | Der edle Qurʾān | ||||
| 45 | Das Herz der Arabischen Halbinsel | Fuad Hamza | Al-Maktaba al-Salafiyya, Ägypten | 1352 n. H. | |
| 46 | Was hat die Welt durch den Niedergang der Muslime verloren? | Sayyid Abul Hasan Ali Nadwi | Maktaba Dar al-Uruba, Kairo | 1381 n. H. | |
| 47 | Vorlesungen zur Geschichte der islamischen Nationen | Scheich Muhammad al-Chazrami | Al-Maktaba at-Tudschariyya, Ägypten | 1382 n. H. | |
| 48 | Kurzfassung der Biografie des Gesandten | Scheich al-Islam Muhammad ibn Abd al-Wahhab an-Nadschdi | 1206 n. H. | Druckerei as-Sunna al-Muhammadiyya | 1375 n. H. |
| 49 | Kurzfassung der Biografie des Gesandten | Scheich al-Islam Muhammad ibn Abd al-Wahhab an-Nadschdi | 1242 | Druckerei as-Salafiyya, Ägypten | 1679 n. H. |
| 50 | Madārik at-Tanzīl li-n-Nasafī | 1378 n. H. | |||
| 51 | Mirʾāt al-Mafātīḥ (2. Band) | Scheich Ubaidullah Rahmani Mubarakpuri |
| Namī Press, Lucknow | 1378 n. H. |
| 52 | Murūǧ adh-Dhahab | Abū l-Ḥasan ʿAlī al-Masʿūdī | asch-Scharāqāt al-Islāmiyya | ||
| 53 | al-Mustaʿāra | Abū ʿAbdallāh Muḥammad al-Ḥākim an-Nīsābūrī | Dāʾirat al-Maʿārif al-ʿUthmāniyya, Hyderabad | ||
| 54 | Musnad Ahmad | Imam Ahmad ibn Muhammad ibn Hanbal | 264 n. H. | ||
| 55 | Musnad ad-Darimi | Ibn Abd ar-Rahman ad-Darimi | 255 n. H. | ||
| 56 | Mischkāt al-Maṣābīḥ | Walī ad-Dīn Muḥammad ibn ʿAbdullāh at-Tabrīzī | Maktaba Ibrāhīmiyya, Deoband | ||
| 57 | Muʿǧam al-Buldān | Yāqūt al-Ḥamawī | |||
| 58 | Al-Mawāhib al-Ladunniyya | al-Qasṭallānī | al-Maṭbaʿa ash-Sharafiyya | 1336 n. H. | |
| 59 | al-Muwaṭṭaʾ von Imām Mālik | Imām Mālik ibn Anas al-Aṣbaḥī | 69 n. H. | Maktaba-ye Rahimiyya, Deoband | |
| 60 | Wafāʾ al-Wafāʾ | ʿAlī ibn Aḥmad as-Samhūdī |