Vorwort
Die islamische Lebensordnung beruht in Theorie und Überlieferung auf zwei grundlegenden Fundamenten: dem heiligen Koran und den Hadithen des Gesandten. Der heilige Koran legt das grundlegende Gerüst des Islam dar, während die Hadithe des Gesandten auf diesem Gerüst ein vollständiges Gebäude errichten. Daher wird den Hadithen des Gesandten in der islamischen Lebensordnung unmittelbar nach dem heiligen Koran größte Bedeutung beigemessen. In den Hadithen spiegelt sich der umfassende Entwurf der islamischen Lebensordnung wider. Aus diesem Grund gibt es für das Verständnis der Lehren und der Bedeutung des heiligen Korans sowie für die Gestaltung von Individuum, Familie und Gesellschaft nach diesen Lehren keine Alternative zu den Hadithen.
Gemäß den Lehren des heiligen Korans sind das Leben und der Lebenswandel des ehrwürdigen Gesandten (s) für die Muslime „Uswa-e Hasana“, also das beste Vorbild. Dieses Vorbild erstreckt sich auf alle Bereiche des Lebens, der Gesellschaft, des Staates und der Wirtschaft der Muslime. Eine genaue und fehlerfreie Darstellung dieses Vorbilds ist in der gewaltigen Schatzkammer der Hadithe bewahrt. Daher ist ein umfassendes Studium der Hadithe sowie der Erwerb ausreichender Kenntnisse über ihre Authentizität und Beweiskraft unerlässlich, um als wahrer Muslim zu leben und seine Pflichten in jeder Hinsicht zu erfüllen. Keine Kenntnis über die Hadithe zu erwerben, bedeutet in Wirklichkeit nichts anderes, als über den Islam unwissend zu sein.
Es ist bedauerlich, dass seit langer Zeit der vergebliche Versuch unternommen wird, ein undurchsichtiges Geflecht von Zweifeln an der Beweiskraft und Authentizität der Hadithe sowie an ihrer Sammlung und Bewahrung zu schaffen, mit dem Ziel, das Leben der Muslime vom Leben und Lebenswandel des ehrwürdigen Gesandten (s) zu trennen und den Islam in eine leblose und starre Religion zu verwandeln. Tatsächlich begann dieser Versuch bereits nach dem Ende des goldenen Zeitalters des Islam mit dem Aufkommen der Gemeinschaft der Muʿtaziliten. Später unternahm eine Gruppe von Hadithleugnern, die sich mit der Maske der „Koranisten“ versah, zu verschiedenen Zeiten auf geschickte Weise diesen niederträchtigen Versuch, unter den Muslimen Verwirrung zu stiften.
In den fünfziger und sechziger Jahren begann auch auf dem indischen Subkontinent eine ähnlich verschwörerische Gruppe eine heftige Kampagne gegen die Hadithe. Sie warf verschiedene gegenstandlose Fragen zur Sammlung, Niederschrift und Bewahrung der Hadithe auf und wollte dadurch in der muslimischen Bevölkerung Zweifel an ihrer Beweiskraft und Authentizität verbreiten. Bedauerlicherweise unterstützten damals auch einige hochrangige Persönlichkeiten in verantwortlichen und administrativen Positionen Pakistans diese Verschwörung, indem sie sich im Schutz der staatlichen Macht befanden.
Zur Bekämpfung dieser verderblichen Verschwörung verfasste der herausragende Hadithgelehrte dieses Landes, Scheich-ul-Islam Hazrat Allama Muhammad Abdur Rahim, zu Beginn der sechziger Jahre dieses umfangreiche Werk unter dem Titel „Die Geschichte der Hadith-Sammlung“.
In diesem wertvollen Werk, das das Ergebnis beinahe eines halben Jahrzehnts umfassenden Studiums und Forschens ist, hat er alle spitzfindigen Fragen der Gegner der Hadithe zur Sammlung, Niederschrift und Bewahrung der Hadithe sowie zur Geschichte der Hadithwissenschaft ausführlich und bis ins kleinste Detail beantwortet und sämtliche damit verbundenen Einwände und Zweifel äußerst sachkundig ausgeräumt. Unendlicher Dank gebührt Allah dafür, dass das Werk im Bereich des Hadithstudiums in bengalischer Sprache bereits den Rang eines unverzichtbaren Lehrbuchs erlangt hat.
In den vergangenen 26 Jahren sind fünf Ausgaben dieses einzigartigen Werkes erschienen. Die erste Ausgabe wurde 1970 von der nationalen Institution Bangla Academy veröffentlicht. Nach der Entstehung Bangladeschs erschienen von 1980 bis 1992 die dritte, vierte und fünfte Ausgabe mit Unterstützung der Islamic Foundation Bangladesh. Diese kontinuierliche Veröffentlichung lässt zweifellos die außerordentliche Beliebtheit des Werkes erkennen. Nun hat Khayrun Prakashani, die mit der Veröffentlichung der Werke von Maulana Abdur Rahim betraut ist, umfassende Maßnahmen für eine ordnungsgemäße Veröffentlichung und Vermarktung des Werkes ergriffen. Darüber hinaus haben wir unser Möglichstes getan, um die Druckfehler früherer Ausgaben zu korrigieren. Wir sind fest davon überzeugt, dass diese Ausgabe des Werkes in der gebildeten Leserschaft noch größere Anerkennung finden wird.
Möge der erhabene Allah dem Verfasser für diesen einzigartigen religiösen Dienst den Dschannatul Firdaus gewähren – darum bitten wir demütig.
Muhammad Habibur Rahman
Vorsitzender
Maulana Abdur Rahim Stiftung
Dhaka: August 1997
Einleitung
In der menschlichen Natur sind von jeher zwei einander widersprechende Neigungen vorhanden. Die eine besteht darin, sich einem anderen unterzuordnen, und die zweite darin, andere Menschen zu seinen Untergebenen zu machen. [Instinkte der Unterordnung und Geselligkeit] Mit anderen Worten: Sowohl die Anerkennung von Unterordnung als auch das Streben nach Herrschaft sind der menschlichen Natur eigen, und gewöhnlich sind diese beiden Eigenschaften im Menschen annähernd im gleichen Maß vorhanden. Die menschliche Natur treibt ihn einerseits dazu an, die Herrschaft über andere Menschen anzustreben; andererseits zwingt sie ihn in genau entsprechender Weise, vor einer anderen Macht sein Haupt in Unterordnung zu senken. Wer über die Milliarden Menschen dieser Welt herrscht, wird man zugleich mit gesenktem Haupt vor irgendeiner anderen, höheren und größeren Macht sehen. Da sowohl das Streben nach Einfluss als auch die Anerkennung von Unterordnung in der menschlichen Natur verankert sind, ist der Mensch fähig, in einer Gesellschaft zu leben, sich mit vielen Menschen zu verbinden und gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Ohne diese Neigungen hätte sich weder eine Gesellschaft bilden können, noch hätte sich über ihr der Palast irgendeines Staates mit erhobenem Haupt erheben können.
Erst durch ein tieferes Studium der menschlichen Natur und der Psychologie lässt sich die wahre Bedeutung dieser Lehre erfassen. Die beiden in der menschlichen Natur verankerten entgegengesetzten Neigungen sind weder unnötig noch verwerflich. Für alle natürlichen Neigungen, Tendenzen und Gefühlsregungen ist eine ihrer Natur entsprechende Grenze festgelegt; nur innerhalb dieser festgelegten Grenze können sie dem Menschen zum Wohl gereichen.
Diese Gedankenströmung von Gehorsam und Einflussnahme schafft im zeitbedingten Prozess der Entwicklung Beziehungen und Verbindungen zwischen dem Einen und den Vielen. Wenn der Strom dieser Gedankenströmung austrocknet und zum Stillstand kommt, muss der Fortschritt der Zivilisation behindert und die Lebensmaschine funktionsunfähig werden. Keine Ideologie und keine Denkrichtung der Welt kann daher völlig neuartig und einzigartig sein, wie „unberührt“ und „neu“ sie auch äußerlich erscheinen mag. Vielmehr lassen sich bei jeder von ihnen ihre tiefsten Wurzeln durch eine prüfende Betrachtung in den tiefen Schichten der Vergangenheit finden. Ist das Talent zu Forschung und Untersuchung fein und umfassend, so ist es keineswegs schwierig, in den dunklen Schluchten der Vergangenheit den unterirdischen Lauf einer ewigen Quelle des Lebens zu erkennen. Keine wissenschaftliche Entdeckung ist ohne Weiteres eine solche, deren Keim nicht aus einer früheren Entdeckung oder Erfindung hervorgegangen wäre. Es besteht kein Zweifel daran, dass der hohe Palast von Zivilisation und Kultur gerade auf den Trümmern der uralten Vergangenheit errichtet steht.
Aus diesem Grund kann kein kultiviertes Volk der Welt lange fortbestehen, wenn es die Verbindung zu seiner eigenen Vergangenheit abbricht. Die Vergangenheit gibt einem Volk nicht nur ein festes Fundament, sondern schenkt ihm auf seinem Weg in die Zukunft auch einen reichen Wissensvorrat, hervorgegangen aus vielfältigen praktischen Erfahrungen. Die Irrtümer, Fehltritte sowie die Schläge und Gegenschläge der Vergangenheit machen es umso vorsichtiger. Dafür ist es jedoch unbedingt erforderlich, dass in einem Volk eine unparteiische und großzügige Geisteshaltung sowie menschliche Verhältnisse vorhanden sind, die der Annahme von Ratschlägen günstig sind. Die Bedeutung des Geschichtsstudiums ist gerade aus dieser Perspektive zu verstehen. Mit seiner Hilfe ist es für jedes Volk leicht, die Vergangenheit neben die Gegenwart zu stellen, beides gegenseitig zu prüfen und zu vergleichen und mit dem daraus gewonnenen Licht des Wissens den dunklen Horizont der unbekannten Zukunft zu erhellen.
Darüber hinaus ist die Geschichte eines Volkes nicht nur für dieses Volk, sondern für die gesamte Menschheit der Welt ein unschätzbarer Schatz. Deshalb erwähnt der Heilige Qur’an, wenn auch in knapper Form, die Geschichte vieler alter Völker und entwickelt aus den bewegenden Geschichten ihres Aufstiegs und Niedergangs sowie ihres Wohlergehens und Verderbens eine unfehlbare Geschichtsauffassung. Daher ist der Qur’an für die Menschen aller Zeiten ein Wegweiser zum Guten. Seine Wirksamkeit hängt jedoch von der Genauigkeit, Wahrheit und Zuverlässigkeit der Ereignisse ab. Sind diese Eigenschaften in angemessener Weise gewährleistet, so kann der heutige Mensch daraus ebenso die Führung auf den richtigen Weg erlangen wie gewaltigen Eifer und Antrieb, um den beschwerlichen Weg der Zukunft zu beschreiten.
Unter den Menschen, die das Wohl der Menschheit anstreben, gibt es verschiedene Klassen. Die besten und höchstentwickelten unter ihnen sind die von Allah entsandten edlen Propheten. Sie sind die strahlenden Vorbilder für die gesamte Menschheit. Sie sind für immer frei von jeder Befleckung durch Sünde, Fehler, Verfehlung und Ungehorsam. Ihre Gedanken, ihre Sichtweise, ihre Worte und ihre Taten stehen allesamt unmittelbar unter Allahs Führung. Daher sind sie für die gewöhnlichen Menschen nicht nur würdig, Verehrung und Hochachtung zu empfangen, sondern auch dazu geeignet, in allen Arten von Handlungen und Tätigkeiten auf jeder Stufe des Lebens praktisch befolgt zu werden – angefangen bei Glaubenslehre und Glauben.
Alle Propheten sind Vorreiter ein und derselben lichtvollen Karawane, Urheber und Verkünder einer auf denselben Grundsätzen und Vorbildern beruhenden Lebensordnung; sie begründen dieselbe Dīn. Auch die menschliche Natur ist von Ewigkeit her einheitlich und unveränderlich. Deshalb sind auch die notwendige Rechtleitung des Menschen, ihre grundlegende Gedankenrichtung und ihr endgültiges Ideal einheitlich, ewig und unveränderlich. Der Name dieses grundlegenden, ewigen Ideals ist „Dīn“. Und Dīn al-Islām ist deshalb eine einheitliche Lebensordnung, die endgültig für die gesamte Menschheit eingeführt wurde. Alle Propheten, von Adam (a.) bis zum letzten Propheten Muhammad (s.), waren Träger, Verkünder und Begründer der Dīn al-Islām. In der Abfolge des Prophetentums bildet Muhammad (s.) die letzte Stufe. So wie Allah ihn als Letzten entsandt hat, so hat Er ihm auch eine umfassende Vollkommenheit von unvorstellbarem Ausmaß verliehen. Sowohl hinsichtlich menschlicher Eigenschaften als auch in der Eignung zum Prophetentum war er eine unvergleichliche Persönlichkeit. Allah hat ihn für die Nachwelt als ein noch strahlenderes Zeichen für alle Ebenen sowie für alle Richtungen und Bereiche eingesetzt. Die ihm offenbarte Scharia ist ewig, für die gesamte Menschheit bestimmt und das einzige Mittel zum umfassenden Wohlergehen in dieser Welt und im Jenseits. Die Grenzen von Zeit und Raum sowie deren Wandel und Entwicklung vermögen sie nicht zu berühren. Deshalb hat das Prophetentum in ihm seine endgültige Vollendung erlangt. Und gerade deshalb ist er „Khātam an-Nabiyyīn“ und „Rahmat li-l-ʿĀlamīn“.
Ich habe bereits gesagt, dass der edle Gesandte (s.) ein vollkommenes Vorbild für die Menschheit ist. Es gibt keinen einzigen Bereich und keine einzige Handlung im menschlichen Leben, hinsichtlich derer sich nicht beim edlen Gesandten eine Rechtleitung finden ließe. Für alles – das persönliche, familiäre und eheliche Leben des Menschen, sein gesellschaftliches, politisches und wirtschaftliches Leben, seine gegenseitigen Geschäfte, das Knüpfen von Beziehungen, Verwandtschaft und Feindschaft, Bildung und Erziehung, die Regierung und Verwaltung eines Landes sowie internationale Beziehungen, Krieg und Frieden – findet sich im Leben des edlen Gesandten (s.) ein klares Vorbild.
Der edle Gesandte (s.) hat bei der Verkündung des islamischen Ideals und seinem Bemühen um dessen Verwirklichung den äußersten Höhepunkt gezeigt. Dafür musste er eine umfassende Anstrengung und einen unerbittlichen Feldzug führen. Dies war keine leicht zu bewältigende Aufgabe. Wäre dies allein durch das Knüpfen feiner Gedankennetze oder durch die Erzeugung eines Zauberbanns der Worte möglich gewesen, dann hätten die Philosophen, die auf dem unbeteiligten, friedvollen Sitz des Denkens und der Vorstellung thronten, eine ähnliche Revolution in Geist und Leben hervorbringen können; auch der schwierige Wiederaufbau toter Völker und die Führung eines Staates wären möglich gewesen. In Wirklichkeit vollzieht sich diese Aufgabe durch Führung und Rechtleitung im Leben eines Propheten. Das „Nubuwwa“ ist jedoch kein erwerbbarer Gegenstand und auch kein durch Erbschaft erlangtes Gut. Es ist ausschließlich eine Gabe Allahs. Wer meint, es könne ganz oder teilweise erworben werden, vertritt eine Auffassung, die der eindeutigen Erklärung des Qur’an widerspricht. Allah, der Erhabene, hat in klaren Worten verkündet:
اللَّهُ يَصْطَفِي مِنَ الْمَلَائِكَةِ رُسُلًا وَمِنَ النَّاسِAllah selbst erwählt und bestimmt aus den Menschen und den Engeln Gesandte. (Sure al-Haddsch, Vers 75)
اللَّهُ أَعْلَمُ حَيْثُ يَجْعَلُ رِسَالَتَهُ
Allah weiß besser als alle anderen, wo und wem Er das Prophetentum und die Gesandtschaft anvertrauen wird. (Sure al-Anʿām, Vers 123)
Aus diesem Grund ist der Prophet – und für uns der letzte Prophet, Hadhrat Muhammad (S) – das ewige und vollkommene Vorbild, dem in allen Lebensbereichen zu folgen ist. Ebenso wie das erhabene, heilige Buch, der Edle Koran, den wir durch ihn erhalten haben, für uns ein unvergängliches Vorbild ist, so ist auch die Sunna, die aus der Verbindung seiner Worte, Taten und Bestätigungen besteht, eine ewig leuchtende Fackel. Und dies ist die philosophische Grundlage des Hadith. Auf ihr erhebt sich der zeitlose Bau der islamischen Lebensordnung.
Die Zivilisation, deren Grundlage vor vierzehnhundert Jahren auf arabischem Boden gelegt wurde, erkannte Allah, den Erhabenen, als alleinigen und uneingeschränkten Herrscher an, während der letzte Prophet, Hadhrat Muhammad (S), den Sitz ihrer Führung innehatte. Da diese Zivilisation jedoch nicht nur für ein einziges Land und eine einzige Epoche bestimmt war, sondern dauerhaft und segensreich für alle Menschen aller Länder, Gesellschaften und Völker und aller Zeiten, wurden der gesamten Menschheit zwei Vorkehrungen hinterlassen, um ihre beiden Grundpfeiler – Allahs Souveränität und die Führung des Gesandten – in ewiger und beständiger Gestalt zu bewahren. Diese beiden Vorkehrungen sind der Edle Koran als Symbol der Souveränität Allahs und die „Sunna“ als die konkrete Gestalt der uneingeschränkten Führung des Gesandten. Durch diese beiden können Allahs Gesetz und das Vorbild des Gesandten, also der Islam, in der menschlichen Gesellschaft als ewige Wahrheit und ewige Ordnung fortbestehen; und die Menschen aller Völker und Zeiten können auf diesen beiden dauerhaften Grundlagen immer neue Gesellschaften und Zivilisationen errichten. Deshalb wurde der Edle Koran durch eine besondere göttliche Vorkehrung unversehrt und unverändert bewahrt und ist auch heute vorhanden; ebenso wurde das Vorbild des ehrwürdigen Gesandten – die Sunna oder der Hadith – vor dem zerstörerischen Zugriff des Untergangs und der Auslöschung geschützt.
Tatsächlich hat die muslimische Gemeinschaft während anderthalb Jahrtausenden neben dem Edlen Koran auch den Hadith als Grundlage des Islam anerkannt. Unter den Muslimen ist darüber seit jeher nicht nur keinerlei Meinungsverschiedenheit entstanden; kein Muslim irgendeiner Zeit hat jemals auch nur den geringsten Zweifel daran gehegt. Wenn darüber hinaus jemand sich weigerte, diese beiden Grundlagen gemeinsam anzuerkennen und anzunehmen,
fand er in der muslimischen Gesellschaft nicht einen einzigen Muslim, der bereit gewesen wäre, ihm auch nur das geringste Maß an Anerkennung zu gewähren.
In der heutigen Zeit jedoch begegnet man hier und dort einer kleinen Gruppe von Muslimen, die sich weigert, neben dem Edlen Koran auch die Sunna des Gesandten als Quelle des Islam anzuerkennen. Daneben gibt es manche, die Zweifel daran äußern, ob der Hadith rechtzeitig und ordnungsgemäß bewahrt worden sei, und sich in dieser Frage von der falschen Propaganda westlicher Gelehrter beeinflussen lassen. Unter diesen Umständen wäre es ungewöhnlich gewesen, wenn nicht bei einigen Mitgliedern der muslimischen Gesellschaft Zweifel an der Unverfälschtheit, Zuverlässigkeit und Zeitlosigkeit des islamischen Vorbilds aufgekommen wären. Doch in der Phase des Wiederaufstiegs und der Wiederbelebung der muslimischen Gesellschaft können solche Zweifel oder ein solcher Unglaube an der Grundlage des islamischen Vorbilds für die gesamte Gemeinschaft äußerst verhängnisvoll werden.
Vor diesem Hintergrund war eine unabhängige Untersuchung der Geschichte der Hadith-Sammlung durch historische Prüfung und Analyse sowie auf der Grundlage maßgeblicher Argumente und Belege zu ihrer Verteidigung unbedingt erforderlich.
In der arabischen und der urdusprachigen Literatur ist auf diesem Gebiet zweifellos bereits umfangreich geforscht worden. Das Fehlen entsprechender Arbeiten in der bengalischen Literatur ist jedoch ein Beweis für die besondere Rückständigkeit der Bengali-Sprecher auf dem Gebiet der islamischen Kultur. Um diesen Mangel zu beheben und diese Rückständigkeit zu beseitigen, zugleich den Reichtum und die Entwicklung der bengalischen Sprache und Literatur zu fördern und alle Zweifel hinsichtlich der Hadithe auszuräumen, habe ich in den vergangenen vier Jahren auf diesem Gebiet umfangreiche Lehrtätigkeit ausgeübt und gründliche Forschungen betrieben. Die daraus gewonnene Frucht habe ich in diesem Werk zusammengetragen und vor den gebildeten Lesern ausgebreitet. Ob dies von mir ein gewagter Schritt war, mögen die nachdenklichen Leser selbst beurteilen. Dass dieses umfangreiche Werk mit Unterstützung der Bangla Academy erstmals gedruckt und veröffentlicht wird, erfüllt mich mit unendlichem Dank gegenüber Allah.
Muhammad Abd ar-Rahim
173, Nakhalpara
Mustafa Manzil
…………..1965
نضر الله امرء سمع منا شىا
Allah möge denjenigen segnen, der von mir etwas hört und es genau so, wie er es gehört hat, einem anderen übermittelt. Denn derjenige, dem es übermittelt wird, bewahrt es besser als der Hörer. (at-Tirmidhi)
قَالَ رَسُوْلُ اللهِ صَلَّى اللهُ عليه وَسَلَّم نَضَر اللهُ عَبْدًا سَمِعَ مقَالتىْ فَحَفَظَهَا اوْوَ عَاهَا وَاَدَّها وَرَدَّهَا فَرُبَّ حَامِلِ فِقْهِ اَلَى مَنْ هُوَ اَفْقَهٌ مِنْهُ- (ابو داؤد)
Der edle Prophet (s) sagte: Allah wird das Antlitz dessen erstrahlen lassen und es immergrün und stets frisch erhalten, der meine Worte hört, sie auswendig lernt oder in seinem Gedächtnis bewahrt und sie anderen Menschen übermittelt. Viele Träger von Wissen sind in Wahrheit keine Wissenden. Doch so mancher Träger von Wissen übermittelt es jemandem, der verständiger ist als er. (Abū Dāwūd)
Die Geschichte der Hadith-Sammlung
بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَٰنِ الرَّحِيمِ
Definition und Wesen des Hadith
Der Koran und der Hadith sind die grundlegenden Fundamente der islamischen Lebensordnung. Während der Koran die grundlegenden Prinzipien der Lebensordnung darlegt, bietet der Hadith eine detaillierte Analyse der einzelnen Vorschriften und einen wirksamen Weg zur Umsetzung der koranischen Grundsätze. Der Koran ist die Leuchtsäule des Islam, der Hadith eine Flut des von ihr ausgestrahlten Lichts. Wie eine Lampe ohne Licht unwirklich ist, so wird auch der Koran bedeutungslos, wenn man den Hadith missachtet. Der Koran kann als Wurzel und Stamm des gewaltigen Baumes des Islam bezeichnet werden; der Hadith sind seine Äste und Zweige. Ein Stamm und Wurzeln ohne Äste und Zweige sind nichts als unfruchtbarer Abfall. Der Koran enthält gleichsam von Beginn der Offenbarung der göttlichen Gesetzgebung an die Bestimmung, einen Ingenieur (den Gesandten) zu entsenden, der mit dem Plan zum Bau des Lebenspalastes des Islam betraut ist. In jeder Epoche und unter allen veränderten Umständen können die Erläuterungen und Auslegungen des Ingenieurs (des Gesandten), seine Anweisungen für die praktische Umsetzung, seine Ratschläge und Ermahnungen zum Bau des Palastes nach dem ursprünglichen Plan niemals außer Acht gelassen werden.
In den islamischen Wissenschaften ist der Koran gleichsam das Herz, und der Hadith ist die mit diesem Herzen verbundene Arterie. Im weiten Bereich der islamischen Wissenschaften lässt diese Arterie unaufhörlich frisches, warmes Blut strömen und hält dadurch deren Glieder fortwährend frisch und aktiv. Einerseits liefert der Hadith eine fehlerlose Auslegung des Korans; ebenso stellt er die heilige Lebensgeschichte, das Handlungsprinzip und das Vorbild des Weltenpropheten, des Überbringers des Korans, sowie eine ausführliche Darstellung seiner Worte und Taten, seiner Rechtleitung und seiner Ermahnungen vor. Aus diesem Grund ist die Bedeutung des Hadith in der islamischen Lebensordnung unmittelbar nach dem Edlen Koran und zugleich mit dem Koran unbestreitbar. So wie die Verehrung und der Gehorsam gegenüber Allah ohne Gehorsam gegenüber dem Gesandten und seine praktische Befolgung nicht möglich sind, ist es ebenso unmöglich, den Koran ohne den Hadith auszuführen. In Wahrheit sind der Hadith und die Hadith-Wissenschaft im Bereich der islamischen Lebensordnung sowie der islamischen Wissens- und Forschungsarbeit ein unschätzbarer und unverzichtbarer Schatz. Als einleitende Erörterung dieses Abschnitts werden wir hier die Definition und das Wesen des Hadith sowie seine Arten und Anwendungsbereiche ausführlich darlegen.
Die Bedeutung des Wortes Hadith
Die Verwendung des Wortes Hadith im Koran und
Die koranische Grundlage des Hadith
Imam Raghib al-Isfahani schrieb in seiner Analyse des Wortes „Hadith“:
اًلحَدِيثُ: وَاَلْحدِيْثُ كَوْنُ اَلشَّئِ بَعَدَ اَنْ لَّمْ تَكُنْ عِرضَاً كَاَنَ تَوْ اَوْجَدْ هَرَّا وكٌلُّ كَلاَمٍ يَبْلُعُ الْانْسَانَ مِنْ جَهَةِ الْسَّمْعِ اَوِ الْوَحِىْ فِىْ يَقْظَتِهِ اَوْ مَنَامِهِ حَدِيْثٌ-
„Hadith“ und „Huduth“ bedeuten, dass etwas, das zuvor nicht existierte, ins Dasein tritt, unabhängig davon, ob es sich um etwas Grundlegendes oder Nichtgrundlegendes handelt. Alles, was durch den Hörsinn oder durch Offenbarung im Schlaf oder im Wachzustand zu einem Menschen gelangt, wird Hadith genannt.
An anderer Stelle schrieb er:
شَىَّ ىُلْقَى فِىْ رَوْعٍ اَحَدٍ مِنْ جِهَةِ الْملأَ
Was immer aus der höheren Welt im Inneren eines Menschen aufsteigt, ist Hadith.مفردات راغب اصفهانى صفحه]
Gespräche während des Träumens werden im edlen Koran „Hadith“ genannt. Im Koran wird aus dem Mund des Propheten Yusuf gesagt:
وَعَلَّمْتَنِي مِن تَأْوِيلِ الْأَحَادِيثِ –
Du hast mich die Deutung von Träumen gelehrt. (Sure Yūsuf, Vers 101)
Imam Rāghib schrieb im Zusammenhang mit der Bedeutung dieses Verses:
اَىْ مَا يحَدِّثُ بِهِ الأِنسَانَ فِىْ نَوْمِهِ-
Das heißt: all das, was den Menschen im Traum gesagt wird.[مفردات راغب صفع]
Allah, der Erhabene, hat den Edlen Koran als „Hadith“ bezeichnet. Im Koran heißt es:
فَلَعَلَّكَ بَاخِعٌ نَّفْسَكَ عَلَىٰ آثَارِهِمْ إِن لَّمْ يُؤْمِنُوا بِهَٰذَا الْحَدِيثِ أَسَفً ا [الكهف:٦]
Wenn sie diesem „Wort“ (Buch) nicht glauben, o Prophet, wirst du dich vielleicht vor Sorge quälen.
An anderer Stelle heißt es:
فَلْيَأْتُوا بِحَدِيثٍ مِّثْلِهِ إِن كَانُوا صَادِقِينَ [الطُّور:٣٤]
(Wenn sie den Koran nicht als Allahs Buch anerkennen,) ist es ihre Pflicht, ein solches Buch vorzulegen, wenn sie wahrhaftig sind.
In der Sure az-Zumar heißt es:
اللَّهُ نَزَّلَ أَحْسَنَ الْحَدِيثِ كِتَابًا مُّتَشَابِهًا
Allah, der Erhabene, hat die vortrefflichste Rede in Form eines einander ähnlichen Buches herabgesandt.
Hier wird Hadith im Sinne von Buch oder Rede verwendet.
Das Wort „Hadith“ bedeutet Wort oder Aussage. In den folgenden Koranversen wird es in der Bedeutung von Wort oder Aussage verwendet:
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Welche Aussage werden sie danach glauben?
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Und als der Prophet einer seiner Ehefrauen ein Geheimnis anvertraute.
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Wundert ihr euch etwa über diese Aussage?
In diesen wenigen Versen wurde das Wort „Hadith“حديث im Sinne von „Wort“ oder „Ausspruch“ verwendet. Im Heiligen Koran findet sich dieses Wort auch im Sinne von neuen Nachrichten, Kunde und neuen Aussagen. Zum Beispiel:
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Ist die Kunde von den geehrten Gästen, die zu Abraham kamen, zu dir gelangt?
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Hast du Kenntnis von Moses’ Geschichte erlangt?
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Hast du Kenntnis von jenen Soldaten erlangt?
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Ist die Kunde von der alles überwältigenden Qiyamat zu dir gelangt?
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Zeigt ihr nun gegenüber dieser Aussage Gleichgültigkeit?
Aus diesem Wort „Hadith“ ist „Tahdith“ hervorgegangenتحديث und im Koran wird es im Sinne von Berichten, Offenlegen und Sprechen verwendet. Zum Beispiel:
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Berichte von Allahs Gunst:
Allāma Abū l-Baqāʾ sagte:
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„Hadith“ bedeutet Sprechen und das Übermitteln einer Nachricht.
Zusammenfassend bedeutet das Wort „Hadith“ nach dem arabischen Wörterbuch und seiner Verwendung im Koran: Rede, Aussage, Nachricht, Kunde sowie Angelegenheit und Thema. Der edle Prophet (S) sprach mit den Menschen, um Allahs Botschaft zu übermitteln; durch seine Worte erläuterte er verschiedene wichtige Aussagen, Informationen und Lehren des Islam, erklärte verborgene Wahrheiten und legte durch Reden und Ansprachen das Buch Allahs aus und analysierte es. Deshalb wurde dies „Hadith“ genannt.
Der ehrwürdige Prophet (s.) befolgte selbst sämtliche Gebote und Bestimmungen des Islam, handelte gemäß den göttlichen Vorschriften und setzte diese durch seine eigenen Taten in die Praxis um. Aus diesem Grund wurden auch die Berichte über seine verschiedenen Handlungen als „Hadith“ bezeichnet.
Der ehrwürdige Prophet (s.) formte die ehrwürdigen Gefährten mit besonderer Sorgfalt und großem Bemühen auf der Grundlage der hohen Ideale des Islam und bildete ihren Charakter, ihr Denken, ihren Glauben und ihre Sichtweise nach den hohen Maßstäben des Islam. Aus diesem Grund wurden auch jene Worte und Handlungen der ehrwürdigen Gefährten, die der ehrwürdige Prophet (s.) billigte und unterstützte oder gegen die er zumindest keinen Einwand erhob, als „Hadith“ bezeichnet.
Kurz gesagt werden die Worte, die Handlungen sowie die Billigung und Zustimmung des Gesandten als Hadith bezeichnet. Aus einem Hadith geht hervor, dass der ehrwürdige Prophet (s.) selbst ihn als „Hadith“ bezeichnet hat. Hadhrat Abu Huraira (r.) fragte ihn: „Wer ist der glücklichste Mensch, der am Tag der Auferstehung durch die Fürsprache des Gesandten geehrt wird?“ Darauf sagte der ehrwürdige Prophet (s.):
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Ich glaube, dass mich vor dir noch niemand nach diesem Hadith gefragt hat. Vor allem deshalb, weil ich sehe, dass du dich am meisten darum bemühst und am stärksten danach verlangst, den Hadith zu hören.
Der Heilige Qur’an ist das letzte und vollkommene Buch der Religion des Islam. Er wurde dem letzten Propheten offenbart. Allah, der Erhabene, sandte den ehrwürdigen Gesandten als Propheten des Islam, als Verkünder und Begründer der islamischen Lebensordnung sowie als Wegweiser und Lehrer der Menschheit. Der Gesandte trug den Menschen dieses großartige, heilige Buch, den „Heiligen Qur’an“, von Anfang bis Ende vor, und zahlreiche Gefährten lernten es sogleich auswendig. Vor allem aber zeigte der Gesandte durch seine Lebensweise, seine Gedanken und seinen Glauben sowie durch sein Handeln, sein Verhalten und seine praktische Befolgung, wie die grundlegenden Vorschriften des Islam, seine Lehren, Ermahnungen und Gebote und Verbote verwirklicht werden; das heißt, er formte ein Volk vollständig auf der Grundlage dieses Ideals. Tatsächlich war das großartige Leben des ehrwürdigen Propheten die praktische Gestalt des Heiligen Qur’an und somit des Islam, die Umsetzung des qur’anischen Ideals in die Tat. Daher werden in der islamischen Terminologie sämtliche Worte, Handlungen, Billigungen und Unterstützungen des ehrwürdigen Gesandten in Bezug auf die Religion des Islam als „Hadith“ bezeichnet.
„Hadith“ ist nicht bloß ein lexikalisches Wort. Im Grunde handelt es sich dabei um einen besonderen islamischen Fachbegriff. Demnach wird in der islamischen Terminologie alles, was an Worten des ehrwürdigen Gesandten, an Berichten über seine Handlungen oder an Billigungen und Zustimmungen zu Worten und Handlungen durch vertrauenswürdige und zuverlässige Überlieferungsketten belegt ist, als „Hadith“ bezeichnet.
„Hadith“ wird in der arabischen Sprache auch „Khabar“ genannt. Der Unterschied besteht jedoch darin, dass das Wort „Khabar“ eine umfassendere Bedeutung als Hadith hat. „Khabar“ bezeichnet zugleich sowohl Hadith als auch Geschichte.
Die Bezeichnung der Worte, Taten, Bestätigungen und Billigungen des edlen Propheten sowie der Darstellung seiner Lebensumstände als „Hadith“ ist keineswegs eine erdachte Angelegenheit. Im ehrwürdigen Koran gibt es dafür einen unumstößlichen Beweis. Es besteht kein Zweifel daran, dass die von Allah gegebene Religion für die gesamte Menschheit eine ganz besondere und bedeutende Gunst ist. Im ehrwürdigen Koran wird diese „Religion“ als eine Gunst Allahs bezeichnet, und die Verkündung und Bekanntmachung der Gunst wird „Tahdith“ (Darlegung, Verkündung und Bekanntmachung) genannt.
Über die Gnaden Allahs, des Erhabenen, hat Allah, der Erhabene, gesprochen:
******************************************************
Gedenkt der Gunst Allahs, die Er euch erwiesen hat, und auch des Buches und der Weisheit, die herabgesandt wurden, um euch zu ermahnen.
Auch im Zusammenhang mit der Vervollkommnung und Vollendung der Religion des Islam hat Allah, der Erhabene, sie als eine Gunst bezeichnet. Es wurde gesprochen:
****************************************************** (Sure al-Māʾida – 3)
Heute habe Ich für euch eure Religion vollendet und Meine Gunst, die Ich euch erwiesen habe, vollständig gemacht und abgeschlossen.
In den beiden zuvor erwähnten Versen wird die Religion des Islam, also der ehrwürdige Koran, ausdrücklich als „Gunst Allahs“ bezeichnet. Im folgenden Vers des ehrwürdigen Korans wird befohlen, diese Gunst darzulegen und bekannt zu machen:
****************************************************** (Sure al-Fadschr – 11)
Gebt die Beschreibung der Gnadengaben Allahs weiter – verkündet und schildert sie. [Allama Bāyazīd hat in der Auslegung dieses Verses geschrieben: ******************************************************
„Mit der Gnadengabe ist hier das Prophetentum gemeint, und Tahdīth bedeutet, es zu verkünden.
Allama al-Ālūsī hat geschrieben:
‚Viele haben überliefert, dass mit der Gnadengabe der Koran gemeint ist.‘]
Aus eben dieser Sicht wird die sprachliche Darstellung all dessen, was Hadhrat Muhammad (s) als Prophet und Gesandter gesagt und getan hat, in der islamischen Terminologie „Hadīth“ genannt. Nicht nur das: Wenn ein Gefährte in seiner Gegenwart etwas sagte oder eine Handlung vollzog und er dies bestätigte und billigte oder keinen Einwand dagegen erhob, wird auch die Darstellung dessen als „Hadīth“ bezeichnet. Denn der edle Prophet (s) war mit der Verantwortung auf die Welt gekommen, die Wahrheit und Gerechtigkeit zu verkünden und zu verwirklichen sowie gegen jedes Unrecht und jede Lüge Einspruch zu erheben und ihnen entgegenzutreten. Es ist nicht einmal vorstellbar, dass in seiner Gegenwart eine falsche, dem Islam widersprechende – der islamischen Gesinnung entgegengesetzte – Äußerung getan oder Handlung vollzogen würde, er dagegen keinen Einwand erhöbe, die Gefährten nicht davon abhielte, sondern schweigend und stumm bliebe. Und tatsächlich ist dies auch unmöglich.
Zweitens bliebe die eigentliche Aufgabe des Gesandten unerfüllt, wenn er Unrecht und Sünde geschehen sähe und schweigend sowie untätig bliebe. Allah, der Erhabene, hat gesprochen:
(Sure al-Māʾida: Vers 67)يَا أَيُّهَا الرَّسُولُ بَلِّغْ مَا أُنزِلَ إِلَيْكَ مِن رَّبِّكَ ۖ وَإِن لَّمْ تَفْعَلْ فَمَا بَلَّغْتَ رِسَالَتَهُ
O Gesandter, verkünde ordnungsgemäß, was von deinem Herrn zu dir herabgesandt worden ist. Wenn du dies nicht tust, hast du den Auftrag, Allahs Botschaft zu übermitteln, nicht erfüllt.
Ibn Dscharir at-Tabari führt an dieser Stelle eine wichtige Aussage von Ibn Zaid an. Er sagte:
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Es wurde gesagt: Wenn der Prophet (S) etwas hätte verheimlichen wollen, das durch die Offenbarung herabgesandt worden war, dann hätte er gewiss die Sure „Abasa wa-tawalla“, die wegen seines eigenen „Fehlers“ offenbart worden war, verheimlicht. [8****************************************************** ]
Tatsächlich beweist die makellose Lebensgeschichte des Propheten eindeutig, dass er selbst in den schwierigsten Augenblicken seines Lebens seine prophetische Verantwortung erfüllte und Allahs durch die Offenbarung herabgesandtes Wort ohne den geringsten Fehler öffentlich verkündete. In dieser Hinsicht zeigte er niemals Nachlässigkeit oder Schwäche. Zu Beginn der islamischen Daʿwa wies er sogar die Verlockung, den Feldzug zur Verbreitung des Islam aufzugeben und dafür die schönsten Frauen, gewaltige Reichtümer sowie die uneingeschränkte Herrschaft über Arabien zu erhalten, mit unerschütterlicher Haltung und tiefstem Abscheu zurück. [9******************************************************] Daher besteht nicht der geringste Zweifel daran, dass er zu keinem Zeitpunkt die Verkündigung der Religion einstellen, von der Zurückweisung des Unrechts ablassen oder, wenn er bei jemandem einen Fehler oder Mangel feststellte, darauf verzichten konnte, ihn zu korrigieren. Aus diesem Grund wurde die Überlieferung seiner eigenen Worte und Taten sowie dessen, was er billigte und wogegen er keinen Einwand erhob, als „Hadith“ bezeichnet.
Wenn ein Gefährte vor dem Gesandten eine Handlung vollzog oder eine Aussage machte und dieser keinen Einwand dagegen erhob, waren die Gefährten vollkommen darin übereinstimmend, dass dies mit der Scharia vereinbar sei. Auch die Billigung und das Schweigen des Propheten galten als eine der wichtigsten Quellen, um die schariatische Bestimmung in einer Angelegenheit zu erkennen. Hier kann ein Ereignis erwähnt werden. Als Hadhrat Dschabir ibn Abdallah (ra) bei einer Aussage einen Eid bei Allah schwor, erhob Muhammad ibn al-Munkadir dagegen Einwand. Er sagte:
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Schwören Sie beim Namen Allahs?
Darauf antwortete er:
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Ich hörte, wie Hazrat Umar in Gegenwart des edlen Propheten (s) bei Allah schwor; doch der edle Prophet (s) missbilligte dies nicht und erhob keinen Einwand dagegen.[10********************************************]
Im Zusammenhang mit der Definition des Hadith werden hier einige Aussagen aus maßgeblichen Werken angeführt. Dadurch wird die Angelegenheit noch klarer werden.
Imam as-Sakhawi sagte:
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Im Wörterbuch ist „Hadith“ (neu) das Gegenteil von „Qadim“ (alt). In der Terminologie der Hadith-Gelehrten bezeichnet Hadith die Worte, Handlungen, stillschweigenden Billigungen und Eigenschaften des Gesandten; sogar seine Bewegungen im Wach- und Schlafzustand sind darin eingeschlossen.[11****************************************************** ]
In der Einleitung zu Sahih al-Bukhari heißt es:
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Hadith ist ein Wissen, durch das man die Worte, Taten und den Zustand des edlen Propheten (s) kennenlernt. [12**********]
Allama Badr ad-Din al-Aini und Nawab Siddiq Hasan schrieben:
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Die Hadithwissenschaft ist ein besonderes Wissen, durch das man die Worte, Taten und den Zustand des edlen Propheten (s) kennenlernen kann. [13************* Mit den Worten des Gesandten sind seine in arabischer Sprache ausgesprochenen Worte gemeint. Diese können verschiedener Art sein. Mit seinen Taten ist gemeint: **************************************]
Schah Abd al-Aziz (r) schrieb im Vorwort des Buches Mischkat al-Masabih:
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Die Gelehrten früherer Zeiten pflegten die mündlich überlieferten Aussagen und Handlungen der Sahaba, Tabi’in und Tabi at-Tabi’in sowie deren Rechtsgutachten als „Hadith“ zu bezeichnen. Eine über zwei eigenständige Überlieferungswege berichtete Darstellung zählten sie als zwei Hadithe. [14****************************************************** ]
Auch Nawwab Siddiq Hasan (r.) hat genau dies gesagt. Im Zusammenhang mit der Definition des Hadith schrieb er:
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Ebenso werden die Aussagen, Handlungen und Billigungen der Gefährten sowie die Aussagen, Handlungen und Billigungen der Tabi’in als Hadith bezeichnet. [15****************************************************** ]
Der Unterschied besteht jedoch darin, dass er die Berichte über die Aussagen und Handlungen der Atbāʾ at-Tābiʿīn hierin nicht als „Hadith“ bezeichnet hat. Es besteht jedoch kein Zweifel daran, dass ebenso wie die Berichte über die Aussagen, Handlungen und Billigungen der Gefährten und der Tabi’in auch die Berichte über die Aussagen, Handlungen und Billigungen der Atbāʾ at-Tābiʿīn im Hinblick auf die Auslegung und Erläuterung des Korans und des Hadith sowie deren praktische Umsetzung von besonderer Bedeutung und Notwendigkeit sind. In den Hadith- und Tafsir-Werken werden auch die auf diese Weise überlieferten zuverlässigen Aussagen von Gefährten, Tabi’in und Atbāʾ at-Tābiʿīn zusammen als Hadith eingeordnet. Obwohl ihre Fachbezeichnungen unterschiedlich sind. Der berühmte Hadith-Gelehrte Hafiz as-Sakhawi schrieb:
******************************************************
„Ebenso bezeichneten die früheren Gelehrten jede einzelne Überlieferung und jedes Rechtsgutachten der Gefährten, der Tabi’in und anderer (Atbāʾ at-Tābiʿīn) als ‚Hadith‘.“ [16******]
Mit anderen Worten: Obwohl die Berichte über die Aussagen, Handlungen und Billigungen des edlen Propheten (s.), der ehrwürdigen Gefährten, der Tabi’in und der Atbāʾ at-Tābiʿīn im Allgemeinen als „Hadith“ bezeichnet werden – denn die Aussagen, Handlungen und Billigungen all dieser Personen bezogen sich auf ein und denselben grundlegenden Gegenstand –, sind aufgrund des Unterschieds zwischen ihnen hinsichtlich ihres rechtlichen Ranges jeweils eigene Fachbezeichnungen festgelegt worden. So werden die Aussagen, Handlungen und Billigungen des edlen Propheten „Hadith“ genannt. Die Aussagen, Handlungen und Billigungen der Gefährten werden Āthār ((اثارund die Berichte über die Aussagen, Handlungen und Billigungen der Tabi’in und der Atbāʾ at-Tābiʿīn werden „Fatwa“ genannt. Denn all diese Handlungen wurden auf der Grundlage der Grundsätze des Korans und des Hadith vollzogen. [Diese drei Arten von Hadith haben außerdem drei weitere eigenständige Fachbezeichnungen: Die Berichte über die Aussagen, Handlungen und Billigungen des Gesandten werden Marfuʿ genannt; die Berichte über die Aussagen, Handlungen und Billigungen der Gefährten Mawquf und die Aussagen, Handlungen und Billigungen der Tabi’in Maqtuʿ.
مقد مة صحيح بخارى ص -13]
Hadith und Sunna
Ein anderer Name für den Hadith ist „Sunna“. Das Wort „Sunna“ bedeutet Weg des Gehens, Grundsatz und Methode des Handelns. Es handelt sich hierbei nicht um die „Sunna“, die in der islamischen Rechtswissenschaft gebräuchlich ist und dort verwendet wird.
Imam Rāghib hat geschrieben:
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Mit „Sunna des Propheten“ ist der Weg sowie die Regel und Methode gemeint, die der ehrwürdige Prophet (s) auswählte und befolgte. [18****] Bisweilen wird es als Synonym für das Wort „Hadith“ verwendet. Im Werk „Tāj al-Maṣādir“ steht geschrieben:
******************************************************
„Sunna“ bedeutet, einen Weg festzulegen. „Muʿādh hat für euch einen Weg festgelegt.“
In diesem Hadith wurde das Wort „Sunna“ in eben dieser Bedeutung verwendet. [*********19]
Mit anderen Worten: Die höchste Rechtsordnung (Supreme Law), die vom edlen Propheten verkündet wurde und den Willen und das Wohlgefallen Allahs des Erhabenen bezeugt und offenbart, ist die Sunna. Und mit dem Ausdruck „großartiges Vorbild“ in der Sprache des Korans ****** ist eben dies gemeint. Dass Allah der Erhabene befohlen hat, dem „höchsten Vorbild“ des edlen Gesandten zu folgen, lässt sich gerade aus diesem Hadith erkennen. Aus diesem Grund verwendeten die Hadith-Gelehrten – insbesondere die Hadith-Gelehrten der späteren Zeit – „Hadith“ und „Sunna“ in derselben Bedeutung. [20*********] Es heißt:
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Das Wort „Sunna“ bezeichnet die Worte, Taten und das Schweigen des Gesandten sowie die Worte und Taten der Gefährten. [21*********]
Allama al-Dschazairi schrieb:
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„Sunna“ bezeichnet in den meisten Fällen die dem Gesandten zugeschriebenen Worte, Taten und Billigungen. Nach Ansicht der Fachgelehrten ist sie bedeutungsgleich mit Hadith. [22***********]
Allama Abd al-Aziz al-Hanafi schrieb:
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Mit dem Wort „Sunna“ sind die Worte und Taten des Gesandten gemeint; es wird auch im Sinne der praktischen Handlungsweise verwendet, der der Gesandte und die Gefährten folgten. [23***********]
Safiuddin al-Hali schrieb:
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Unter „Sunna“ versteht man alle Worte, Taten und Bestätigungen des Gesandten mit Ausnahme des Korans. [24************]
Zusammenfassend lässt sich an dieser Stelle sagen, dass das Wort „Sunna“ nicht vollständig und in jeder Hinsicht gleichbedeutend mit dem Wort „Hadith“ ist. Denn „Sunna“ bezeichnet die praktische Handlungsweise des Gesandten, während „Hadith“ neben den Taten des Gesandten auch seine Worte und Bestätigungen umfasst. [Aus diesem Grund heißt es auch in der Hadith-Wissenschaft: Sufyan ath-Thawri ist ein Imam des Hadith, al-Auza’i ist ein Imam der Sunna, nicht ein Imam des Hadith. Malik ibn Anas aber ist ein Imam beider. *****************]
Gegenstand des Hadith
Was ist der Gegenstand des Hadith? Welche Themen werden darin hauptsächlich behandelt? In dieser Frage haben alle Gelehrten, die auf dem Gebiet der Hadith-Wissenschaft Experten sind, übereinstimmend geschrieben:
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Gegenstand und Erörterungsgegenstand der Hadith-Wissenschaft ist die erhabene Person des edlen Gesandten (S) insofern, als er der Gesandte Allahs, des Erhabenen, ist.[26 ********************]
Das heißt: Was Hadhrat Muhammad (S) in seiner Eigenschaft als von Allah, dem Erhabenen, auserwählter und gesandter Mensch und Gesandter in dieser erhabenen Stellung gesagt und getan, wozu er zu sagen oder zu tun erlaubt und wofür er seine Zustimmung bekundet hat, sowie die erhabene Persönlichkeit des edlen Gesandten, die sich dadurch entwickelt und offenbart hat – all dies bildet den Gegenstand der Hadith-Wissenschaft. In den Hadithen werden all diese Dinge behandelt, und durch das Studium der Hadithe kann man eben dies erfahren. Das einzige zuverlässige Mittel, die ausführliche und verlässliche Darstellung all dessen kennenzulernen, was der edle Gesandte im Laufe seines Lebens gesagt und getan, gebilligt und an Anstrengungen und Kämpfen geleistet hat, sind die Hadithe.
In Wahrheit sind die Hadithe kein eng begrenztes, einseitiges und kleinräumiges Wissensgut. Vielmehr umfassen sie ihrem Wesen nach eine äußerst weitreichende und umfassende Gedankenwelt. Die vollständige und ausführliche Gestalt der gewaltigen revolutionären Bewegung, die unter der großen Führung des Propheten der Welt, Muhammad (S), im arabischen Land entstanden war, tritt gerade aus den Hadithen klar hervor. Die vollständige Geschichte des Lebens des Gesandten, seine revolutionären Aktivitäten und die seiner edlen Gefährten sowie die umfassende und grundlegende Korrektur und die von ihm bewirkten Reformen in den damaligen gesellschaftlichen, zivilisatorischen, internationalen, politischen und moralischen Verhältnissen sind ebenfalls in den Hadithen enthalten.
Diese umfassende Bedeutung der Hadithe ist unbestreitbar, und auch ihre eigentliche Tragweite zu erfassen, ist keineswegs schwierig. Auch die Gelehrten früherer Zeiten konnten diese umfassende Gestalt der Hadithe verstehen. Obwohl das von Imam Buchari zusammengestellte Hadith-Werk unter dem Namen Buchari Scharif bekannt ist, lautet sein eigentlicher und vollständiger Name:
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Eine umfassende Sammlung von Überlieferungen mit authentischer Überlieferungskette über die Taten des edlen Gesandten sowie über alle Zustände und Angelegenheiten seiner Zeit.[27****************]
Zweck und Bedeutung des Studiums der Hadithe
Was ist der Zweck des Studiums der Hadithe? Mit welchem Ziel soll man die Hadithe studieren, und worin liegt der Wert dieses Studiums? Auch dies ist besonders hervorzuheben. Allama Badruddin Aini und andere Gelehrte haben geschrieben:
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Das Erlangen des höchsten Wohlergehens in beiden Welten ist der Sinn und Zweck des Studiums der Hadithe.[28**********]
Nawwab Siddiq Hasan schrieb:
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Das Erlangen des vollkommenen Wohlergehens im Diesseits und im Jenseits ist das Ziel des Studiums der Hadithe.[29**************]
Allama Kirmani schrieb:
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„Nach dem Koran ist das Wissen über die Hadithe unter allen Wissensgebieten das erhabenste, vorzüglichste und an Informationen und Erkenntnissen reichste Gut. Dies liegt daran, dass man nur durch dieses Wissen das Ziel und die Bedeutung des Wortes Allahs erkennen und auch den Zweck sämtlicher Gebote und Anordnungen Allahs daraus verstehen kann. Denn der größte Teil – ja eigentlich der gesamte Inhalt – des Korans besteht im Wesentlichen nur aus Grundsätzen und Lehren. Aus ihm lassen sich lediglich allgemeine Aussagen erkennen. [30]
Kurz gesagt ist die Hadith eine Geschichte vom Niedergang einer Zivilisation sowie vom Aufkommen, Aufstieg und der Festigung einer neuen Zivilisation. Gerade aus diesem Blickwinkel ist das Studium der Hadithe erforderlich.
Klassifizierung der Hadithe nach ihrer Definition
Aus der genannten Definition der Hadithe treten drei grundlegende Kategorien klar hervor. Es sind: die aus dem Mund des Gesandten hervorgegangenen Worte, seine eigenen Handlungen und Verhaltensweisen sowie die Berichte über Worte und Handlungen, die in seiner Gegenwart gebilligt wurden. Alle Hadithe lassen sich in diese drei Kategorien einteilen. Hinsichtlich ihrer tatsächlichen Bedeutung, ihrer Anwendung und ihres praktischen Wertes bestehen jedoch Unterschiede zwischen den Hadithen dieser drei Kategorien. An erster Stelle stehen die Worte des Gesandten – also das, was der Gesandte zu einem bestimmten Thema selbst gesagt hat; dies ist die erste Quelle der islamischen Lebensordnung. Dies wird als „qawlī-Hadith“ des Gesandten bezeichnet (*************), ein „wortbezogener Hadith“, in dem ein eigenes Wort des Gesandten überliefert wird.
Die zweite Kategorie umfasst die Berichte über die eigenen Handlungen und Verhaltensweisen des Propheten. Die Religion des Islam, die der Gesandte gebracht hatte, befolgte er in der Praxis buchstabengetreu und verrichtete jede Handlung entsprechend. Durch seine Handlungen und seinen Charakter traten sämtliche Vorschriften und Bräuche des Islam deutlich hervor. Keine seiner Handlungen konnte der islamischen Scharia widersprechen. Daher ist jede seiner Handlungen geeignet, als Grundlage der islamischen Scharia zu gelten. Ein Hadith, in dem eine Handlung beschrieben wird, die der Gesandte in seiner Eigenschaft als Gesandter vollzogen hat, wird „fiʿlī-Hadith“ genannt (*******).
Die dritte Kategorie besteht aus den Worten und Handlungen der Gefährten, die beim edlen Gesandten gebilligt und bestätigt wurden. Denn wie bereits gesagt wurde, konnte der Gesandte (s) nicht davon absehen, ein Wort oder eine Handlung zu missbilligen oder zu untersagen, wenn in seiner Gegenwart etwas gesagt oder getan wurde, das der islamischen Scharia widersprach. Auch aus einem Bericht über ein solches Wort oder eine solche Handlung lässt sich die Auffassung der Scharia zweifellos erkennen. Somit ist auch dies eine Quelle der islamischen Scharia. Ein Hadith, in dem ein solches Ereignis erwähnt wird, heißt „taqrīrī-Hadith“ (**********).
Um die Angelegenheit hier noch klarer und verständlicher zu machen, sollen drei Hadithe aus diesen drei Kategorien angeführt werden:
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Von Hazrat Anas (möge Allah mit ihm zufrieden sein) ist überliefert, dass er sagte: Hazrat der edle Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Wenn ein sündiger Mensch gelobt und gepriesen wird, wird Allah, der Erhabene, unzufrieden und zornig, und deshalb erbebt Allahs Thron. (Bayhaqi)
Da darin ein besonderes Wort des Gesandten erwähnt wird, wird sie Kawli-Hadith genannt.
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Von Hazrat Abu Musa (möge Allah mit ihm zufrieden sein) ist überliefert, dass er sagte: Ich sah den edlen Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) Hühnerfleisch essen. (Bukhari und Muslim)
In diesem Hadith wird eine Handlung des Gesandten beschrieben. Daher ist er ein Fi’li-Hadith.
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Von Hazrat Ibn Abi Aufa (möge Allah mit ihm zufrieden sein) ist überliefert, dass er sagte: Wir haben gemeinsam mit dem edlen Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) an sieben Kämpfen teilgenommen. Während wir bei ihm waren, aßen wir Jarad (einen heuschreckenartigen Vogel). (Bukhari und Muslim)
Dies ist ein Taqriri-Hadith.
Klassifizierung der Hadithe nach ihrem Inhalt
Hinsichtlich ihres Inhalts gibt es mehrere Arten von Hadithen. Imam Schafiʿi (r) sagte: Die Hadithe sind von drei Arten. Diejenigen Hadithe, in denen der Prophet (s) die im Edlen Koran in klarer Sprache erwähnten Themen mit seinen eigenen Worten erläutert und analysiert hat, bilden die erste Art. Im Edlen Koran werden zahlreiche Gesetze und Vorschriften nur allgemein und ohne Ausführlichkeit erwähnt; der Gesandte (s) legte ihre ausführliche Gestalt dar und erläuterte sie. Viele kurze und unklare Themen stellte er den Muslimen mit seinen eigenen Worten ausführlich und deutlich vor. Dies ist die zweite Art der Hadithe. Die dritte Art bilden jene Hadithe, in denen der Gesandte (s) viele im Koran nicht erwähnte Themen angeführt hat. Da diese drei Arten von Hadithen die Quelle des Wissens sind, das der Gesandte (s) unmittelbar oder mittelbar von Allah erlangt hat, sind sie allesamt ebenso zuverlässig und glaubwürdig wie der Koran. [Kitab ar-Risala – Imam Schafiʿi (r)]
An dieser Stelle wird im Folgenden eine Zusammenfassung der Ausführungen von Schah Waliullah Dehlawi wiedergegeben:
Die vom Propheten (s) überlieferten und in den Hadith-Werken zusammengestellten Hadithe sind im Hinblick auf die Ableitung schariatischer Rechtsbestimmungen von zwei Arten. Alles, was der Gesandte (s) zur Erfüllung seiner besonderen Aufgabe als Gesandter gesagt hat, gehört zur ersten Art. In dem Vers „Nehmt an, was der Gesandte euch gibt, und haltet euch von dem fern, was er euch verbietet“ ist Allahs Anweisung gerade in Bezug auf diese Art von Hadithen verkündet worden. Auch das, was der Gesandte (s) über erstaunliche Dinge und Ereignisse des Jenseits und der Malakut-Welt gesagt hat, gehört zu dieser Art von Hadithen. Diese Hadithe entspringen dem durch die Offenbarung empfangenen Wissen. Auch Hadithe über die Erläuterung der Vorschriften der Scharia, die Regeln und Formen der gottesdienstlichen Handlungen sowie die gesellschaftliche und dem Gemeinwohl dienende Verwaltung und die Ermutigung zu ihrer Befolgung gehören zu dieser Kategorie. Ein Teil davon wurde jedoch unmittelbar durch die Offenbarung empfangen, ein anderer Teil beruht auf dem eigenständigen Urteil des Propheten (s). Das Urteil des Propheten (s) konnte allerdings niemals dauerhaft auf einem Irrtum beruhen. Es ist nicht notwendig, dass sein eigenständiges Urteil unmittelbar auf einem ausdrücklichen Befehl Allahs beruht. Denn häufig geschah es, dass Allah Seinem Propheten die Zwecke und Ziele der Scharia offenbarte, ihn die Regeln für ihre Festlegung, ihre Erleichterung sowie die Bestimmung von Geboten und Verboten lehrte; und der Prophet erläuterte entsprechend diesen durch Offenbarung bekannten Gesetzen und Regeln die durch die Offenbarung erlangten Zielsetzungen. Auch jene vernünftigen und dem Wohl dienenden Dinge, die er ohne Einschränkung vorlegte und für die keine Zeit oder Grenze festgelegt wurde – wie vorzüglicher und schlechter Charakter –, gehören zur Erfüllung der Aufgabe als Gesandter, und ihr größter Teil ist der Quelle der Offenbarung entnommen. Das bedeutet, dass Allah dem Gesandten die Regeln für das gesellschaftliche und öffentliche Wohl bekannt gemacht hat, der Prophet daraus Begründungen oder Beweise entnommen und sie als Grundsätze vorgelegt hat. Auch Hadithe über den Vorzug guter Taten, die Eigenschaften derer, die gute Taten verrichten, und lobenswerte Hadithe werden dieser Kategorie zugerechnet. Meiner Ansicht nach stammt der größte Teil davon aus der Offenbarung, während ein Teil die Frucht seines eigenständigen Urteils ist. Die Hadithe der zweiten Art gehören nicht zur Erfüllung der Aufgabe als Gesandter. Der Gesandte (s) sagte:
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Ich bin nur ein Mensch. Wenn ich euch daher in Bezug auf eure Religion etwas gebiete, dann nehmt es an und befolgt es. Wenn ich euch jedoch aufgrund meiner eigenen Meinung eine Handlung gebiete, dann bedenkt, dass ich nur ein Mensch bin.
Mit dieser Aussage meinte der Gesandte (s) die Hadithe der zweiten Art. Als der Prophet (s) die Muslime von Medina sah, wie sie in der Hoffnung auf einen besonders reichen Ertrag die Zweige männlicher Dattelpalmen in weibliche Dattelpalmen einführten, äußerte er die Meinung: „Es wird keinen Schaden geben, wenn ihr dies nicht tut“, und sagte:
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Wahrscheinlich wäre es besser gewesen, wenn ihr dies nicht getan hättet.
Doch weil dies nicht getan wurde, fiel die Ernte im folgenden Jahr äußerst gering aus. Darauf sagte der edle Prophet (s):
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„Ich hatte eine persönliche Einschätzung und hatte sie euch mitgeteilt; wenn sie sich als falsch erweist, macht mir deswegen keinen Vorwurf. Wenn ich jedoch etwas von Allah überliefere, müsst ihr es unbedingt annehmen. Denn ich sage über Allah nichts Falsches.“ [Diese wenigen Hadithe sind auf Seite 264 des zweiten Bandes von Muslim Sharif angeführt.]
****************************************************** ]
Auch das, was der edle Gesandte (s) über Medizin, die Eigenschaften von Arzneimitteln und Ähnliches gesagt hat, gehört zu dieser Kategorie. Er sagte:
******************************************************
Ihr sollt unbedingt tiefschwarze Pferde mit leicht weißen Wangen halten.
Dies wurde im Licht des Wissens gesagt, das der Gesandte durch praktische Erfahrungen gewonnen hatte.
Was der Gesandte (s) aus Gewohnheit tat – nicht als Gottesdienst –, oder was er zufällig tat – nicht absichtlich –, hat keine Grundlage in der Scharia. Als eine Gruppe von Menschen bei Zayd ibn Thabit (r.a.) den Wunsch äußerte, Hadithe zu hören, sagte er: „Ich war der Nachbar des Gesandten. Wenn auf ihn eine Offenbarung herabgesandt wurde, ließ er mich rufen, und ich ging hin und schrieb sie auf. Es war seine Gewohnheit, dass auch er mit uns über weltliche Dinge sprach, wenn wir über weltliche Dinge sprachen. Und wenn wir über das Jenseits sprachen, sprach auch er mit uns über das Jenseits. Wenn wir über Essen und Trinken sprachen, sprach auch er mit uns darüber. Soll ich euch nun all diese Hadithe des Gesandten überliefern?“ Diese Aussage ist in diesem Zusammenhang erwähnenswert.
Darüber hinaus waren zur Zeit des Gesandten viele Regelungen zum zeitbedingten Wohl erlassen worden. Sie waren keine ewigen Vorschriften für alle Menschen. Ein Beispiel dafür ist, dass ein König ein Heer ausrüstet und ihm ein bestimmtes Erkennungszeichen gibt. In diesem Sinne sagte Umar al-Faruq (r.a.):
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Warum müssen wir den Raml vollziehen? Früher taten wir dies, um es einer Gruppe von Menschen zu zeigen, die Allah vernichtet hatte.
Später erkannte er jedoch deutlich, dass es für den Raml auch einen anderen Grund geben konnte und dass er keineswegs aufgegeben werden durfte.
Auch die Hadithe über besondere Methoden der Kriegsführung sowie über besondere Regeln, Verfahrensweisen und Formen der Rechtsprechung gehören zu dieser Kategorie. [Zitiert aus Hujjatullah al-Baligha, Band 1, Seite 102.]
Es besteht keinerlei Verpflichtung, dass sich dies ordnungsgemäß als wahr erweisen muss. Auch das Verbot des Gesandten bezüglich der in den arabischen Ländern üblichen Praxis im Zusammenhang mit Dattelpalmen gehörte zu dieser Art von Aussage. Imam an-Nawawi schrieb bei seiner Erörterung dieses Themas:
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Nach Ansicht der Fachgelehrten gehörte diese Aussage des Propheten nicht zur Mitteilung einer Offenbarung in einer bestimmten Angelegenheit; vielmehr war sie lediglich seine eigene Einschätzung. Dies wird auch in den Hadithen zu diesem Thema erwähnt. Sie sagten ferner, dass die Meinung und Einschätzung des edlen Propheten in weltlichen Angelegenheiten der Meinung und Einschätzung anderer Menschen gleich ist. Daher ist es keineswegs unmöglich, dass sich ein solcher Vorgang ereignet und sich als unrealistisch erweist; darin liegt auch kein Grund für einen Fehler oder einen Tadel. (an-Nawawi, Scharh Muslim, Bd. 2, S. 264)
Im Zusammenhang mit dem Idschtihad des Gesandten muss auch beachtet werden, dass der edle Gesandte Allahs in Angelegenheiten, zu denen keine Offenbarung herabgesandt worden war, Idschtihad praktizierte. Wenn dieser Idschtihad fehlerfrei war, ließ Allah ihn bestätigen und wirksam werden; und wenn darin ein menschlicher Fehler lag, setzte Allah den Gesandten davon in Kenntnis und warnte ihn davor. Daher wird auch der Idschtihad des Gesandten der Sunna zugerechnet. In den Hadithen finden sich Berichte über all diese Formen des Idschtihad. Folglich besteht zwischen den Hadithen und dem Idschtihad des Gesandten kein grundlegender Unterschied und kein Widerspruch.
Was jedoch die Angelegenheiten der Religion und der Scharia betrifft – Glaubensüberzeugungen, Gottesdienst, moralischen Charakter, das Jenseits sowie gesellschaftliche und kulturelle Fragen –, so stammt alles, was der edle Gesandte Allahs gesagt hat, aus der Quelle der Offenbarung, besitzt ewigen Wert und bleibende Bedeutung und darf zu keiner Zeit aufgegeben werden. (Huddschatullah al-Baligha, Bd. 1)
Hadith al-Qudsi
Es gibt noch eine weitere Art von Hadith, die „Hadith al-Qudsi“حديث قدسى genannt wird. „Qudsi“قدسى ist von „Quds“قدس abgeleitet; seine Bedeutung ist الظهرReinheit und Erhabenheit. Einer der weiteren Namen Allahs ist „al-Quddus“قدوس: der Erhabene; der Heilige. [*******]
Diese Art von Hadith wird „Hadith al-Qudsi“ genannt, weil sein grundlegender Inhalt unmittelbar von Allah empfangen wurde. Was Allah, der Erhabene, Seinem Propheten durch Eingebung oder im Traum mitgeteilt hatte, gab der Prophet in seinen eigenen Worten wieder. Er ist etwas anderes als der Koran. Denn sowohl der Inhalt als auch die Sprache des Korans sind durch Offenbarung von Allah herabgesandt worden. Der berühmte Hadith-Kommentator, der Gelehrte Mulla Ali al-Qari, sagte bei der Definition des „Hadith al-Qudsi“:
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Hadithe qudsī sind jene Hadithe, die der höchst zuverlässige Hazrat Muhammad (s), der als vorzüglichster Überlieferer gleich einem Vollmond strahlt, von Allah überliefert – teils durch Jibrīl (a.s.) erfahren, teils unmittelbar durch Offenbarung, Eingebung oder im Traum empfangen. Die Aufgabe, sie mithilfe welcher sprachlichen Form auch immer auszudrücken, ist dem Gesandten übertragen worden. [৩৮************]
Allāma Abū l-Baqāʾ schrieb in seinem Werk „Kulliyāt“:
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Die Wörter, die Sprache, die Bedeutung, der Sinn und der Wortlaut des Korans sind allesamt durch klare Offenbarung von Allah herabgesandt worden; die Wörter und die Sprache des Hadīth qudsī hingegen stammen vom Gesandten, während dessen Bedeutung, Sinn und Wortlaut von Allah durch Eingebung oder im Traum empfangen wurden. [৩৯**********]
Auch Allāma Ṭayyibī hat diese Auffassung unterstützt. Er sagte:
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Dschibril (a.) ist mit den Worten und der Sprache des Korans zum edlen Gesandten herabgesandt worden. Den eigentlichen Inhalt des „Hadith Qudsi“ jedoch ließ Allah ihm durch Eingebung oder im Traum wissen. (Daher ist der Hadith Qudsi als das Wort Allahs bekannt geworden.) Abgesehen davon hat er die übrigen Hadithe nicht als Worte Allahs verkündet und sie auch nicht in Seinem Namen überliefert.[৪০********]
Der Unterschied zwischen dem Koran und dem Hadith Qudsi
Die Unterschiede zwischen dem Koran und dem Hadith Qudsi sind folgende:
a) Der erhabene Koran ist ausschließlich durch Dschibril herabgesandt worden; seine Worte und seine Sprache sind zweifellos vom „Lauh Mahfuz“ herabgesandt. Seine Überlieferung ist in jeder Überlieferungsstufe und jeder Epoche mutawatir – ununterbrochen, sicher und zweifelsfrei.
b) Im Gebet wird ausschließlich der erhabene Koran rezitiert; ohne den Koran ist das Gebet nicht gültig, und selbst wenn anstelle des Korans ein Hadith Qudsi rezitiert wird, ist das Gebet nicht gültig.
c) Eine unreine Person sowie eine Frau, die ihre Menstruation oder ihr Wochenbett beendet hat, darf den „Hadith Qudsi“ berühren; den Koran zu berühren ist ihnen jedoch verboten.
d) Der Hadith Qudsi ist nicht wie der Koran ein „Wunderzeichen“.
e) Wer einen Hadith qudsi leugnet, wird nicht zum Kafir – so wie er zum Kafir wird, wenn er den Koran leugnet.[৪১***********]
Scheich Muhammad Ali Faruqi teilte die Hadithe in zwei Gruppen ein: Erstens Hadith nabawi – die Hadithe des edlen Gesandten; und zweitens Hadith ilahi – die Hadithe Allahs. Eben dies wird „Hadith qudsi“ genannt. Er schrieb:
******************************************************
„Hadith qudsi“ ist das, was der edle Prophet (s) von Allah, dem Erhabenen, überliefert; was er hingegen nicht auf diese Weise überliefert, ist Hadith nabawi. [৪২************]
Der „Hadith qudsi“ ist nicht der Koran; dennoch ist in ihm der bezaubernde Duft der heiligen Welt Allahs enthalten. Auch er ist ein „Licht“, das aus der unsichtbaren Welt gekommen ist. Auch in ihm findet sich die machtvolle Ausdrucksweise Allahs, des Großen und Majestätischen. Eben dies ist der „Hadith qudsi“. Er wird auch „ilahi“ oder „rabbani“ genannt. [৪৩************]
In den Hadith-Sammlungen der früheren Zeiten wurden Hadithe qudsi mit folgenden Worten überliefert:
******************************************************
Der edle Prophet (s) sagte, als er von Allah überlieferte………..
Und die späteren Muhaddithūn zitierten dies mit den Worten:
******************************************************
Allah hat gesagt – das, was der edle Prophet (S) von Ihm überliefert hat …
Es versteht sich von selbst, dass der ursprüngliche Überlieferer beider Arten von Aussagen derselbe ist, nämlich Hadhrat Muhammad (S).
Isnād und Matn
Die Überlieferungskette und die Abfolge der Überlieferungen, durch die der eigentliche Inhalt eines Hadith bis zum Verfasser der Hadith-Sammlung gelangt ist, wird in der Terminologie der Hadith-Wissenschaft Isnād genannt. Darin sind die Namen der Überlieferer des Hadith nacheinander aufgeführt. Deshalb heißt es:
******************************************************
Die zusammenhängende Überlieferungskette, durch die der eigentliche Hadith überliefert wurde, ist der Isnād. Muqaddamat al-Hadīth: al-Muhaddithūn, S. 2–4.
Es wurde gesagt:
******************************************************
Die Überlieferungskette des Hadith – die Aufeinanderfolge seiner Überlieferer – wird Isnād genannt.
******************************************************
Der eigentliche Inhalt des Hadith und seine Worte werden Matn genannt.
Scheich Abd al-Haqq schrieb:
******************************************************
Der Teil, der auf das Ende der Überlieferungskette folgt, wird Matn genannt.
Unter dem Gesichtspunkt der qualitativen Unterschiede zwischen den Überlieferungsketten beziehungsweise den Überlieferern lässt sich der Hadith in drei Kategorien einteilen. Zur ersten Kategorie gehören jene Hadithe, die durch Personen überliefert wurden, die „Hāfiz mutqin“ genannt werden (Hāfize, die Hadithe fehlerfrei im Gedächtnis bewahren können). Zur zweiten Kategorie gehören jene Hadithe, deren Überlieferer unbekannt sind und ein mittleres Maß an Erinnerungsvermögen und Gewissenhaftigkeit besitzen. Die dritte Kategorie bilden jene Hadithe, die von schwachen, nicht akzeptablen und zurückzuweisenden Personen überliefert wurden. [46*****************]
Einteilung der Hadithe nach ihrer Überlieferungskette
Die Überlieferungsketten der Hadithe wurden danach, bis zu welcher Stufe und auf welche Weise die Kette der Überlieferung gelangt ist, in mehrere Kategorien eingeteilt, und jeder dieser Kategorien wurde eine eigene fachsprachliche Bezeichnung gegeben. Im Folgenden wird dies ausführlich erörtert:
1. Marfūʿ: Ein Hadith, dessen Überlieferungskette bis zum Gesandten (S) reicht und durch dessen Quelle ein Wort des Gesandten selbst, die Schilderung einer von ihm ausgeführten Handlung oder seine Billigung einer Angelegenheit überliefert wird, dessen Überlieferungskette vom edlen Gesandten (S) bis zum Sammler des Hadithwerks lückenlos erhalten geblieben ist und in deren Mitte kein einziger Überlieferer ausgelassen wurde, wird als „Hadith marfūʿ“حديث نرفوع bezeichnet.
Imam Nawawī definierte ihn mit den folgenden Worten:
******************************************************
„Marfūʿ ist jener Hadith, der ausdrücklich als ein Wort des Gesandten überliefert wird – und nicht als das Wort irgendeines anderen außer ihm.“[47********]
Ibn Ṣalāḥ schrieb:
******************************************************
Dasjenige, was vom Gesandten stammt und von niemand anderem – auch von keinem Gefährten –, ist unter der Bezeichnung „Hadith Marfūʿ“ bekannt.[৪৮********]
Anhand eines Beispiels lässt sich dies deutlich verstehen. So könnte etwa ein Gefährte gesagt haben:
******************************************************
Der edle Gesandte (S) sagte:
******************************************************
Ich hörte den edlen Gesandten (S) dies sagen –
Die durch eine solche Überlieferungskette überlieferten Hadithe sind als „Hadith Marfūʿ Qawlī“ bekannt.
Oder ein Sahabi sagte:
******************************************************
Ich habe den edlen Gesandten (s) dies tun sehen.
Dies ist als „Hadith marfūʿ fiʿlī“ bekannt. Denn darin wird in der Überlieferung eines Sahabi eine Handlung des edlen Propheten beschrieben.
Oder ein Sahabi sagte:
******************************************************
Ich habe in Gegenwart des edlen Gesandten (s) eine solche Handlung vollzogen, doch er hat nicht dagegen protestiert.
Dies ist als „Hadith marfūʿ taqrīrī“ bekannt. In diesem Hadith wird erwähnt, dass vor dem edlen Propheten eine Handlung ausgeführt wurde und dass er sie nicht untersagt hat.
2. Hadithe, deren Überlieferungskette (Isnad) bis zu einem Sahabi hinaufreicht und in denen die Aussage, Handlung oder Billigung eines Sahabi überliefert wird, werden als „Hadith Mawquf“ bezeichnet. Imam Nawawi definierte ihn mit folgenden Worten:
******************************************************
Ein Hadith, in dem die Aussage, Handlung oder etwas Ähnliches eines Sahabi überliefert wird, wird als „Hadith Mawquf“ bezeichnet, unabhängig davon, ob er von lückenlos aufeinanderfolgenden Überlieferern überliefert wird oder ob in der Mitte ein Überlieferer fehlt.
3. Eine Überlieferungskette, in der die Aussage, Handlung oder Billigung eines Tabi’i überliefert wird, ist als „Hadith Maqtu“ bekannt. Imam Nawawi sagte **************** Ein Hadith, dessen Überlieferungskette bis zu einem Tabi’i reicht, ist ein „Hadith Maqtu“.[49**********]
4. Hadithe, deren Überlieferungskette von oben bis unten vollständig lückenlos erhalten ist, sodass auf keiner Ebene ein Überlieferer ausgelassen wurde, werden „Hadith Muttasil“ ********** genannt.
5. Hadithe, deren Überlieferungskette nicht lückenlos erhalten ist und bei denen ein Überlieferer in der Mitte ausgelassen wurde oder fehlt, werden als „Hadith Munqati“حديث منقطعbezeichnet. [50************]
Auch unter dem Gesichtspunkt der Unterschiede in den persönlichen Eigenschaften der Hadith-Überlieferer werden die Hadithe in mehrere Kategorien eingeteilt, denen jeweils eine eigene terminologische Bezeichnung gegeben wird. Und zwar:
1. Ein Hadith, dessen Überlieferungskette lückenlos ist, in dem die Namen der Überlieferer auf jeder Ebene der Isnad korrekt angegeben sind, dessen Überlieferer durchweg vertrauenswürdig – thiqa – sind, deren Gedächtnis äußerst ausgeprägt ist und deren Zahl auf keiner Ebene nur einen einzigen Überlieferer umfasst, wird terminologisch als „Hadith Sahih“ ********* bezeichnet.
Imam an-Nawawi schrieb:
******************************************************
Ein Hadith, dessen Isnād lückenlos aus zuverlässigen und gewissenhaft bewahrenden Überlieferern besteht und in dessen Überlieferungskette sich kein ungewöhnlicher oder fehlerhafter Überlieferer befindet, wird „Hadith sahih“ genannt.
2. Wenn sich nach dem Vorhandensein aller oben genannten Eigenschaften erweist, dass das Erinnerungsvermögen der Überlieferer etwas schwächer ist, lautet die terminologische Bezeichnung dieses Hadith „Hadith hasan“.
Imam an-Nawawi schrieb zur Definition desselben:
******************************************************
Ein Hadith, dessen Ursprung allgemein bekannt und dessen Überlieferer berühmt sind, ist ein Hadith hasan.
3. Wenn alle oben genannten Eigenschaften bei den Überlieferern nur in geringerem Maße vorhanden sind, wird der von ihnen überlieferte Hadith „Hadith da’if“ genannt.
Imam an-Nawawi sagte:
******************************************************
Ein Hadith, bei dem die Bedingungen eines sahih- und eines hasan-Hadiths nicht erfüllt sind, wird als „da’if-Hadith“ bezeichnet.[54*******]
Einteilung der Hadithe nach der Anzahl ihrer Überlieferer
Die Anzahl der Überlieferer eines Hadiths war nicht in allen Fällen gleich. In verschiedenen Hadithen war die Anzahl der Überlieferer unterschiedlich. Unter diesem Gesichtspunkt werden die Hadithe in mehrere Kategorien eingeteilt, von denen jede eine eigene terminologische Bezeichnung hat. Hier soll eine kurze Darstellung dieser Kategorien gegeben werden.
1. Mutawatir (*****) Ein Hadith, bei dem die Anzahl der Überlieferer in allen Stufen der Überlieferungskette so groß ist, dass es naturgemäß als unmöglich erscheint, dass sie sich allesamt zur Erfindung oder Verbreitung einer Lüge zusammentun, wird als „mutawatir-Hadith“ bezeichnet. So etwa der Hadith ********************: Der Wert aller Handlungen richtet sich nach den Absichten. Dieser Hadith ist über mehr als siebenhundert Überlieferungsketten überliefert worden.[ 3-شرح النخبة صHadith-Gelehrte bezeichnen einen „mutawatir“-Hadith gewöhnlich nicht mit dieser terminologischen Bezeichnung. Denn dass ein Hadith „mutawatir“ ist, wird nicht im Rahmen der Erörterung der Überlieferungskette behandelt. Der Grund dafür ist, dass in der Wissenschaft von den Überlieferungsketten gewöhnlich nur die Frage erörtert wird, ob ein Hadith sahih oder da’if ist, damit man entsprechend danach handeln beziehungsweise ihn andernfalls aufgeben kann. Außerdem werden die Überlieferer eines mutawatir-Hadiths nicht untersucht. Danach zu handeln ist ohne weitere Erörterung verpflichtend. علوم الحديث ومصطله وشرح النخبة ج-3 ص- 150 ]
2. Khabar al-wahid (***********) Ein Hadith, dessen Anzahl an Überlieferern und dessen Überlieferungskette etwas geringer ist als bei einem mutawatir-Hadith, wird als „Khabar al-wahid“ bezeichnet. Diese Art von Hadithen ist in drei Kategorien unterteilt:
a. Wenn die Anzahl der Überlieferer in irgendeiner Stufe nach der Stufe der Gefährten nicht weniger als drei beträgt, wird er als „mashhur-Hadith“ (*************) bezeichnet.
b. Wenn die Zahl der Überlieferer auf keiner Ebene weniger als zwei beträgt, so handelt es sich um einen „Hadith ʿAzīz“ (**********).
c. Wenn es auf irgendeiner Ebene nur einen Überlieferer gibt, ist dieser Hadith unter dem Namen „Hadith Gharīb“ (*************) bekannt.
Die grundlegenden Quellen von Wissen und Wissenschaft
Der Sinn von Wissen und Gelehrsamkeit besteht darin, das Unbekannte zu erkennen. Das, was unbekannt und außerhalb der Grenzen des menschlichen Wissens liegt, zu erkennen und über alle seine Aspekte informiert zu sein – eben das wird Wissen genannt. Das Wissen und die Erkenntnis der Dinge sind Licht. Mit dem Aufleuchten des Lichts endet die Dunkelheit. Wissen und Gelehrsamkeit vertreiben die angesammelte Dunkelheit der Unwissenheit aus dem menschlichen Geist, machen das Innerste lichtstrahlend und schmücken es mit der Anmut der Erhabenheit des Wissens.
Doch die bloße Ansammlung einiger Lehren und Informationen ist noch kein Wissen. Wahre Lehren und Informationen, die aus zuverlässigen und zweifelsfreien Quellen gewonnen wurden, sind echtes Wissen. Lehren und Informationen, die nicht auf Wahrheit beruhen und nicht aus zuverlässigen Quellen stammen, können die geistige Welt nicht von den Wolken des Zweifels befreien; sie können dem Menschen ebenso wenig irgendeinen Nutzen bringen und sind daher völlig ungeeignet, als „Wissen“ bezeichnet zu werden. Auf solches Wissen gestützt den Lebensweg zu beschreiten und mit unerschütterlichem Herzen voranzuschreiten, ist nicht möglich. Deshalb braucht der Mensch ein Wissen und eine Gelehrsamkeit, die in jeder Hinsicht wahr und zuverlässig sind und aus unanfechtbaren und sicheren Quellen stammen. Ein solches Wissen macht Geist und Verstand des Menschen frei von Zweifel, fest und gewiss sowie von Licht erfüllt. Es lässt jede Wendung des Lebensweges, jeden Anstieg und jeden Abstieg, vor dem Blick deutlich sichtbar werden. Ohne ein solches Wissen kann unser biologisches Leben weder richtig funktionieren, noch ist es möglich, als Mensch auf dieser Welt zu leben.
Doch wo soll der Mensch ein solches Wissen finden? Aus welcher Quelle kann er ein solches Wissen erlangen? Dies ist eine schwierige Frage. In dieser Angelegenheit müssen wir gründlicher nachdenken, abwägen und sie eingehend erörtern und prüfen.
Von den Mitteln und Quellen, die dem Menschen von Natur aus zum Erwerb fehlerlosen, unanfechtbaren und zuverlässigen Wissens gegeben wurden, sind die äußeren und ursprünglichen Quellen die fünf Sinne des Menschen. Doch diese fünf Sinne bilden für den Menschen nur bis zu einer bestimmten Grenze den Abschluss seines Wahrnehmungsbereichs. Wissen, das darüber hinausgeht, kann dem Menschen nicht vermittelt werden. Außerdem lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, dass das durch die fünf Sinne erlangte Wissen in jeder Hinsicht fehlerlos und völlig frei von Zweifel ist. Sie liefern dem Menschen häufig durchaus falsche Informationen und täuschen ihn bisweilen. Wenn ein Mensch erkrankt, verändert sich sein Geschmackssinn; sein Mund wird geschmacklos, und Süßes wird bitter. Der Blick eines Reisenden in einem schnell fahrenden Zug wird getäuscht: Die an beiden Seiten dauerhaft stehenden Landschaften scheinen sich mit rasender Geschwindigkeit in entgegengesetzter Richtung zu bewegen. Ein fahrendes Schiff scheint stillzustehen. Wenn ein einzelner glühender Funke auf gerader Linie mit großer Geschwindigkeit dahinschießt, wird er wie eine ununterbrochene brennende Feuerlinie erscheinen; bewegt er sich jedoch im Kreis, wird er wie ein Feuerring erscheinen. Dass die großen Sternmassen am fernen Himmel klein und wie schwach flackernde Insellichter erscheinen, ist eine gewöhnliche Sache – doch sind sie in Wirklichkeit tatsächlich so?
Die zweite Quelle des Wissenserwerbs des Menschen besteht in der inneren Vernunft, der Weisheit, dem Nachdenken und Forschen sowie der auf Vernunft gegründeten Beurteilung und Abwägung. Sie vermittelt ihr Wissen im Wesentlichen auf der Grundlage der aus der Wissensquelle der ersten Stufe gewonnenen Informationen. Auf den gesammelten Informationen errichtet sie den Palast neuen Wissens. Werden die verfügbaren Informationen aus der Welt der Dinge gewonnen, kann das darauf beruhende Wissen weitgehend von Zweifeln frei sein. Dies gilt vor allem für den Kernbereich der Naturwissenschaften (Physical Science). Ein auf Informationen über das Übermaterielle beruhendes Wissen ist jedoch nichts anderes als bloße Vorstellung und Vermutung. Sämtliche von Menschen geschaffenen Ideologien und Philosophien sind daraus hervorgegangen. Es ist ebenso wenig völlig frei von Zweifeln, wie es darin reichlich Raum für die Entstehung von Meinungsverschiedenheiten gibt. Aus diesem Grund befinden sich das moderne philosophische Denken und die modernen Ideologien in äußerstem Elend.
Danach kommt das Wissen, das nicht mit der materiellen Welt verbunden ist. Obwohl es sich um übermaterielles Wissen handelt, wird auch dieses auf dem feinen Spiegel eines sachlich ausgerichteten Geistes und Gehirns widergespiegelt. So wie das Wissen der ersten Stufe unmittelbar von der materiellen Welt abhängt, steht auch das Wissen dieser zweiten Stufe mit dem menschlichen Geist und den geistigen Kräften in Verbindung.
Diese letztgenannte Wissensquelle weist mehrere Stufen auf: Firāsa (intuitive Beobachtung), Ḥads (Vermutung), Kashf, Ilhām und Waḥy. Firāsa bedeutet Weitblick und innere Einsicht; sie ist eine angeborene Begabung. Die Aussagen, die mithilfe dieser Begabung gemacht werden, lösen im Geist gewöhnlicher Menschen Erstaunen aus. Danach kommt Ḥads. Er ist ausschließlich das Ergebnis geistiger Übung und des Nachdenkens, was wir Weisheit nennen. Kashf bedeutet Enthüllung; wenn in der inneren Welt hinsichtlich einer unbekannten Angelegenheit Wissen aufleuchtet, so ist dies Kashf. Das beste Beispiel dafür ist der Traum. Der Unterschied besteht jedoch darin, dass ein Traum im Schlaf möglich ist, Kashf dagegen im wachen und bewussten Zustand eintritt. Ilhām bedeutet, dass ein Wissen in den Geist eingegeben wird: dass ohne irgendeine Anstrengung oder Mühe das Licht des Wissens im geistigen Bewusstsein aufleuchtet. Waḥy ist die höchste Wissensquelle dieser Stufe. Einer Person auf unsichtbare Weise, den Blicken der Menschen verborgen, ein besonderes, überweltliches und zweifelsfreies Wissen zu vermitteln – genau das ist Waḥy. Dies ist die höchste geistige Möglichkeit, Wissen zu erlangen und Wahrheiten zu übermitteln, und zugleich die äußerste und verlässlichste Grenze der Wissensquellen.
Waḥy
Eine umfassende und maßgebliche Erörterung von Waḥy ist erforderlich. Im Folgenden wird anhand maßgeblicher Werke eine ausführliche Darlegung von Waḥy vorgelegt.
Die lexikalische Bedeutung des Wortes Waḥy ist folgende:
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Waḥy bedeutet, ein Zeichen zu geben, etwas schriftlich zu senden, jemanden mit einer Nachricht zu schicken, heimlich mit einem anderen zu sprechen und jemandem ohne dessen Wissen etwas mitzuteilen.[56****************]
Abū Isḥāq al-Lughawī sagt:
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In allen Wörterbüchern bedeutet „Wahy“, jemandem heimlich etwas mitzuteilen.
Imam Raghib al-Isfahani schrieb:
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„Wahy“ bedeutet eine sich schnell vollziehende Andeutung oder einen Hinweis; er kann durch Sprechen in Form von Zeichen und Andeutungen erfolgen. Er kann auch in Worten geschehen, die keine bestimmte Form haben. Ebenso kann er durch Gesten oder mithilfe des Schreibens erfolgen.
Im Heiligen Koran heißt es:
***********************************************
Da gab Allah ihnen durch ein Zeichen zu verstehen: Verherrlicht Ihn am Morgen und am Abend. (Sure Maryam, Vers 11)
Auch die Botschaft Allahs, die in den Geist der Propheten eingegeben wird, wird „Offenbarung“ genannt.
Scheich Abdullah Sarkawi schrieb:
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„Offenbarung“ bedeutet „bekannt geben“. In der Terminologie der Scharia bedeutet Offenbarung, dass Allah Seinen Propheten etwas mitteilt, indem Er zu ihnen spricht, einen Engel sendet, durch einen Traum oder mithilfe der Eingebung. Dieses Wort wird auch im Sinne von „Befehl erteilen“ verwendet.[59**********]
In Wahrheit kennt außer Allah niemand die tiefste Wirklichkeit und das wahre Geheimnis der Offenbarung genau. Lexikographen, Religionsgelehrte und Philosophen haben versucht, sie zu definieren und ihre Bedeutung und ihr Wesen zu erläutern. Daraus lässt sich leicht eine klare, wenn auch nur allgemeine Vorstellung von der „Offenbarung“ gewinnen. Was Scheich Bu Ali Sina in diesem Zusammenhang gesagt hat, wird im Folgenden in den Worten des Allama Abul Baka zitiert:
******************************************************
Wir nehmen die Dinge mithilfe unserer Sinneskräfte wahr, während der Prophet sie mithilfe seiner inneren und verborgenen Kräfte wahrnimmt. Wir sehen zuerst und können danach etwas über sie wissen. Der Prophet hingegen weiß zuerst und sieht danach. [60**********]
Dem Edlen Propheten wurde die Offenbarung auf folgende Weise zuteil:
1. Wahre Träume: In der ersten Phase nach Erlangung des Prophetentums pflegte der edle Prophet (s) Träume zu sehen, und diese Träume waren äußerst schön. Jeder einzelne Traum erwies sich als fehlerlos, wahr und wirklich. Hadhrat Aischa (r.a.) sagte:
******************************************************
Die Offenbarung an den Gesandten begann zunächst durch gute Träume im Schlaf. In dieser Zeit spiegelte sich alles, was er träumte, in der Wirklichkeit wie das Licht des Morgengrauens wider. [৬১**********]
In der Überlieferung von Sahih Muslim wird anstelle von ********** „gute Träume“ *********** „wahre Träume“ erwähnt.[৬২***********]
2. Eingebung ins Herz: In einem Hadith werden folgende Worte des edlen Propheten (s) überliefert:
******************************************************
Der Engel Gabriel hauchte mir diesen Gedanken ins Herz ein: Kein Lebewesen kann sterben, bevor es die ihm bestimmte Versorgung vollständig erhalten und seine bestimmte Lebensspanne vollendet hat.[৬৩************]
Die Aussage „Er hauchte mir diesen Gedanken ins Herz ein“ in diesem Hadith weist auf eine besondere Art der Herabsendung der Offenbarung hin. Allama Ibn Kathir schrieb:
******************************************************
Aus diesem Vers lässt sich erkennen, dass verschiedene Arten der Herabsendung der Offenbarung existieren. Allah, der Erhabene, ließ bisweilen im Inneren des edlen Propheten einen Gedanken entstehen, bei dem kein Zweifel daran möglich war, dass er von Allah kam.
3. Die Herabsendung der Offenbarung in einem Geräusch wie dem Klang einer Glocke: Hadhrat Aischa (ra) überlieferte von Hadhrat al-Harith ibn Hischam (ra). Dieser fragte den edlen Propheten (s):
******************************************************
Wie wird die Offenbarung zu Ihnen herabgesandt?
Darauf erwiderte der edle Prophet (s):
******************************************************
Manchmal kommt die Offenbarung zu mir wie der gewaltige Klang einer Glocke. Dies ist für mich sehr schwer und unerträglich. Danach lässt die Heftigkeit und Wucht der Offenbarung von mir ab. In diesem Zustand habe ich alles, was gesagt wurde, erfasst und auswendig gelernt.
Aus diesen Worten lässt sich deutlich erkennen, dass jede Art der Offenbarung zwar äußerst schwer zu ertragen war, diese Art der Offenbarung jedoch für den Gesandten in höchstem Maße beschwerlich war. Über diese Art der Offenbarung sagte der edle Gesandte selbst:
******************************************************
Ich höre den Klang einer eisernen Glocke; dann sitze ich still da. Wann immer eine solche Offenbarung herabgesandt wird, habe ich das Gefühl, als würde mir die Seele genommen werden.
In einem solchen Zustand strömte aus dem Körper des Gesandten reichlich Schweiß hervor. Selbst bei strengem Winter und bitterer Kälte war dies nicht anders. Selbst wenn er auf dem Rücken eines kräftigen Kamels saß, spürte dieses einen gewaltigen Druck und ging in die Knie.
Allama Kirmānī schrieb in seiner Erläuterung dieses Hadith:
******************************************************
Daraus ist bekannt, dass der Gesandte, wenn ihm Offenbarung herabgesandt wurde, sehr große Mühsal und starken Druck empfand; und eine unerträgliche Qual, die mit dem Schweren dessen, was ihm herabgesandt wurde, verbunden war, erfasste ihn. Allah, der Erhabene, hat genau dies in Seinen folgenden Worten gesagt: „Bald werde Ich dir ein schweres Wort herabsenden.“ [66************]
4. Der Engel erschien beim Gesandten in der Gestalt irgendeines Menschen und überbrachte die von Allah gesandte Botschaft oder führte eine bestimmte Aufgabe aus und ging dann wieder fort. Der edle Prophet selbst sagte:
******************************************************
Manchmal kommt ein Engel in der Gestalt eines Menschen zu mir, spricht mit mir, und ich erfasse genau, was er sagt. [Buchari Scharif, 1. Band, 1. Seite]
Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang, dass der Engel insbesondere in der Gestalt des Gefährten Hadhrat Dihya Kalbi zu erscheinen pflegte. Über den Grund dafür schrieb Allama Badruddin Aini:
******************************************************
Der Grund dafür, dass der Engel nicht in der Gestalt anderer Gefährten, sondern insbesondere in der Gestalt Dihya Kalbis erschien, war, dass er unter den Menschen jener Zeit das schönste und ansehnlichste Gesicht hatte.[68***********]
Auch in den Hadithen wird berichtet, dass der Engel in der Gestalt eines völlig unbekannten Mannes erschien und eine wichtige Botschaft überbrachte. Am Ende eines langen Berichts, der von Hadhrat Abu Huraira überliefert wurde, sagte der Gesandte (s):
******************************************************
Dieser Mann war Gabriel; er war gekommen, um die Menschen ihre Religion zu lehren. [Muslim Scharif, 1. Band, Seite 29, einschließlich des Kapitels.]
5. Es wird ebenfalls erwähnt, dass Dschibril (a.s.) in seiner eigenen Gestalt, Form und körperlichen Erscheinung vor dem Gesandten Allahs (s.a.w.) erschien und die Offenbarung überbrachte. Im Hadith über das Herabkommen der ersten Offenbarung, den Hazrat Aischa (r.a.) in Sahih al-Buchari überliefert hat, heißt es:
******************************************************
Daraufhin kam der Engel zu ihm und sagte: „Lies!“ [Sahih al-Buchari, 1. Band, Seite 1.]
Der Bericht über die zweite Begegnung mit dem Engel lautet in den eigenen Worten des Gesandten Allahs (s.a.w.) wie folgt:
******************************************************
Ich war unterwegs, als ich plötzlich eine Stimme von oben hörte. Als ich meine Augen zum Himmel erhob und hinsah, erblickte ich jenen Engel, der zuvor in der Höhle Hira zu mir gekommen war. Er saß auf einem Thron zwischen Himmel und Erde. Daraufhin ließ Allah, der Erhabene, die Sure al-Muddaththir herabkommen. [Sahih al-Buchari, 1. Band, Seite 733]
Es ist in diesem Zusammenhang erwähnenswert, dass der gesamte Edle Koran durch diese Art der Offenbarung herabgesandt wurde. Im Edlen Koran heißt es:
******************************************************
Dieser Koran ist zweifellos von Allah, dem Herrn der Welten, herabgesandt worden; mit ihm ist Dschibril al-Amīn herabgekommen, und er ist auf dein Herz herabgesandt worden, o Prophet, damit du die Menschen warnst. [Dass mit „Rūḥ al-Amīn“ in diesem Vers Hazrat Dschibril gemeint ist, darüber besteht kein Meinungsunterschied. **********]
Allama Badruddin Ayni schrieb hierzu:
******************************************************
Die zuverlässige und ununterbrochene Überlieferungskette vom ehrwürdigen Propheten (s) bis zur heutigen Zeit verkündet mit lauter Stimme, dass derjenige, der zu unserem ehrwürdigen Propheten mit dem Koran kam, Hazrat Dschibril (a.s.) war, der stets nur mit dem Koran kam. In dieser Angelegenheit hat niemand irgendeinen Widerspruch oder Einwand geäußert; niemand hegte auch nur die geringste abweichende Meinung.[73***********]
Tatsächlich ist es allgemeiner Konsens und unbestreitbar, dass der Edle Koran durch den Engel Dschibril (a.s.) herabgesandt wurde. Doch die Behauptung, Dschibril (a.s.) sei stets nur mit dem Koran gekommen und habe außer dem Koran keine andere Angelegenheit der Religion des Islam gebracht, ist keineswegs richtig. Denn aus verschiedenen Überlieferungen der Hadithe geht eindeutig hervor, dass er in seiner eigenen Gestalt von Allah zum ehrwürdigen Gesandten gekommen ist; er kam jedoch nicht mit einem Vers oder einer Sure des Korans, sondern mit dem Ziel, andere Angelegenheiten bezüglich der Religion des Islam vorzulegen. Als Beispiel soll hier ein Hadith angeführt werden.
Hazrat Umar Faruq (r.a.) sagte:
******************************************************
Als sich der ehrwürdige Prophet im Tal namens „Aqīq“ aufhielt, hörte ich ihn Folgendes sagen: Er sagte: In der vergangenen Nacht kam von Allah ein Kommender zu mir und sagte zu mir: Bete in diesem gesegneten Tal und sage, dass dies eine Umra während der Hadsch ist.[74*************]
Es ist eindeutig, dass der Prophet (s) mit dem „Ankommenden“ eben Hadhrat Dschibrīl meinte. Doch er brachte keinen Vers des Korans mit und trug dem Propheten (s) auch keinen Koranvers vor. Vielmehr kam er und teilte ihm Allahs Anweisung darüber mit, dass die Haddsch-Form „Qirān“ zulässig ist. Diese Aussage wurde jedoch nicht in den Koran aufgenommen. Im Koran findet sich auch keinerlei Erwähnung des „Haddsch al-Qirān“. Damit wäre bewiesen, dass Hadhrat Dschibrīl (a) zum Gesandten kam und ihm auch über die Offenbarung des Korans hinaus religiöse Angelegenheiten mitteilte.
Der folgende Hadith aus den fünf bedeutendsten Büchern der authentischen Hadithe wurde bereits erwähnt; an dieser Stelle soll auch er angeführt werden. Der Hadith lautet:
******************************************************
Der edle Gesandte (s) sagte: „Dschibrīl kam zu mir und wies mich an, meine Gefährten dazu aufzufordern, Takrīr und Tahlīl mit lauter Stimme zu sprechen.“[75***************]
Imam Ahmad ibn Hanbal (ra) hat diesen Hadith in seinem Musnad mit folgenden Worten angeführt:
******************************************************
Dschibrīl kam zum edlen Propheten und sagte:[76**************]
6. Allah, der Erhabene, selbst spricht mit dem edlen Gesandten hinter dem Vorhang und lässt ihm die Offenbarung zuteilwerden. Dabei besteht keine Möglichkeit der Vermittlung durch einen Engel. Allah, der Erhabene, lässt dem edlen Gesandten die Offenbarung unmittelbar in dessen Innerem zuteilwerden. In diesem Zusammenhang heißt es im ehrwürdigen Koran:
******************************************************
Allah spricht mit keinem Menschen, außer dass Er ihm Offenbarung zuteilwerden lässt oder hinter einem Vorhang zu ihm spricht. [Sure asch-Schūrā, Vers 51.]
In seinem Tafsīr zu diesem Vers schrieb Allāma Ibn Kathīr:
******************************************************
Ein Beispiel dafür, dass Er hinter einem Vorhang spricht, ist, dass Mūsā (a.s.) nach seinem Gespräch mit Allah den Wunsch äußerte, Ihn zu sehen. Doch Allah gewährte ihm nicht die Schau, sondern ließ einen Vorhang herab. [78*************]
In der Nacht der Miʿrādsch sprach Allah, der Erhabene, in dieser Weise, hinter einem Vorhang, mit dem edlen Gesandten. Dies geschah, während der Gesandte sich vollständig im Wachzustand und bei vollem Bewusstsein befand. Der edle Gesandte (s.a.w.s.) selbst sagte:
******************************************************
Als ich bei der Miʿrādsch in die oberen Sphären emporgetragen wurde, ließ Allah, der Erhabene, mich Ihm ganz nahekommen. Schließlich blieb zwischen Ihm und mir nur noch eine Entfernung von der Länge eines Bogens und eines Pfeils oder sogar weniger. Da sagte Er: „O Muhammad!“ Ich antwortete: „O mein Erhalter, ich befinde mich ganz in Deiner Nähe.“ [79*****************]
Auch im schlafenden Zustand ereignete sich eine solche Herabsendung der „Offenbarung“. Dies ist durch eine eigene Aussage des edlen Propheten belegt. Er sprach:
******************************************************
Allah erschien mir in einer vortrefflichen, vollkommenen Gestalt und sagte: Worüber streitet die höhere Welt (die Schar der Engel)? [80****************]
Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Quelle, durch die man das zuverlässigste Wissen aus der unsichtbaren Welt erlangt, wird in der Terminologie des Qur’an „Offenbarung“ genannt. Von dieser Quelle erhalten die Propheten und Gesandten Wissen, Informationen und Erkenntnisse, an die sie mit völliger Gewissheit glauben. In ihrem Herzen entsteht nicht der geringste Zweifel an deren Wahrhaftigkeit. Dieser Glaube und diese Zweifellosigkeit sind gegenüber dem aus der materiellen Welt erworbenen Wissen hundert- und tausendfach sicherer und fester. Über dieses aus dieser Quelle gewonnene Wissen wird im erhabenen Qur’an mit eindringlicher Stimme gesagt:
******************************************************
Der Prophet spricht nicht aus eigenem Wunsch und Begehren; was er spricht, ist nichts anderes als herabgesandte Offenbarung. [Sure an-Nadschm, Verse 3–4.]
Der erhabene Qur’an ist das Wort Allahs, das durch diese Quelle der Offenbarung empfangen wurde. Doch der erhabene Qur’an ist nicht das einzige Gut an Wissen, das durch diese Quelle erlangt wurde; darüber hinaus erhielt der Prophet noch viel weiteres Wissen und zahlreiche Informationen, entweder unmittelbar oder durch einen Engel. Zwischen diesen beiden Kategorien von Wissen besteht jedoch ein deutlicher Unterschied. Der erhabene Qur’an ist vollständig das Wort Allahs; auch wenn das sonstige Wissen und die sonstigen Informationen durch Offenbarung von Allah empfangen wurden, sind sie nicht das Wort Allahs. Der Zweck dieser zweiten Kategorie von Wissen und Informationen besteht darin, eine fehlerfreie und richtige Erklärung und Auslegung des eigenen Wortes Allahs – des erhabenen Qur’an – zu geben. Daher stammt alles in beiden Arten von Allah. Deshalb sind jeder einzelne Buchstabe, jedes Wort und jede Sprache davon vollständig geschützt. Es kann darin keinerlei Möglichkeit für irgendeine Veränderung, Abänderung oder Ergänzung geben.
Bei den Hadithen hingegen stammen nicht die Wörter und die Sprache, sondern lediglich der Sinn und die Kernaussage von Allah. Deshalb hat Allah, der Erhabene, selbst die Verantwortung für die umfassende Bewahrung des erhabenen Qur’an übernommen. Er sagte:
******************************************************
Wahrlich, Ich habe den Qur’an hinabgesandt, und wahrlich, Ich bin sein Bewahrer. [Sure al-Hidschr, Vers 9.]
Doch die Sprache und die Worte der anderen durch Offenbarung erlangten Erkenntnisse außer dem Qur’an sind nicht durch Allah geschützt; ihre Worte und ihre Sprache sind die eigenen des Gesandten. Allah selbst hat nicht die Verantwortung übernommen, sie ebenso wie den Qur’an zu bewahren. Ihnen wurde auch keine größere Bedeutung beigemessen. Sie wurden niemals als „Wort Allahs“ bezeichnet.
Die Quelle des Hadith
Aus der vorangegangenen Erörterung wird deutlich, dass die Offenbarung, die Allah, der Erhabene, dem Weltpropheten herabgesandt hat, die eigentliche Quelle des Hadith ist. Die von Allah gesandte Offenbarung ist hauptsächlich von zweierlei Art: Die erste Art der Offenbarung wird „Wahy matlu“ – allgemein zu rezitierende Offenbarung – genannt; sie wird auch „Wahy dschali“ genannt. Die zweite Art der Offenbarung ist unter dem Namen „Wahy ghair matlu“ bekannt. Sie wird gewöhnlich nicht rezitiert. Ein anderer Name dafür ist „Wahy khafi“ – die verborgene Offenbarung. Damit sind sowohl der Weg, durch den Wissen aus ihr erlangt wird, als auch das durch diesen Weg erlangte Wissen gemeint.
Als grundlegende Grundlage der Scharia nimmt der Hadith unmittelbar nach dem Qur’an seinen Platz ein. So wie der Qur’an aus jener Quelle der Rechtleitung Allahs und des unfehlbaren, zuverlässigen wahren Wissens herabgesandt wurde, ist auch der Hadith genau aus dieser Quelle hervorgegangen. Die Wahrheit dieser Aussage wird bereits durch die Erklärung des Qur’an bestätigt. Allah, der Erhabene, sprach:
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O Prophet! Allah hat dir das Buch und die Weisheit herabgesandt und dich gelehrt, was du nicht wusstest. [Sure an-Nisa, Vers 113.]
In der Tafsir dieses Verses schrieb Allama Ibn Kathir:
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Das im Vers erwähnte al-Kitab bedeutet den ruhmreichen Koran, und Hikma bedeutet die Sunna oder den Hadith des Gesandten (und beide Dinge sind von Allah und durch Allah herabgesandt worden). [Tafsir Ibn Kathir.]
Auch die folgende Aussage des edlen Propheten (s.) beweist, dass sowohl der Koran als auch der Hadith aus demselben Ort und derselben Quelle stammen. Er sagte:
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„Mir wurde der Koran gegeben, und zusammen mit ihm etwas, das ihm gleich ist.“ [Kanzul Ummal, Schaich Alauddin; Abu Dawud, Kitab as-Sunna.]
Der Ausdruck „etwas, das ihm gleich ist“ kann nichts anderes als den Hadith bedeuten. Denn die Menschen der Welt haben vom edlen Gesandten (s.) nur diese beiden Dinge erhalten.
Hazrat Hassan ibn Thabit (r.a.) sagte:
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Gabriel (a.) kam zum Propheten mit der Sunna beziehungsweise den Hadithen herab, so wie er mit dem Koran herabkam, und lehrte ihn auch die Sunna, so wie er ihn den Koran lehrte.[86**********]
Hasan ibn Atiyya sagte:
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Auf den ehrwürdigen Gesandten (s.) wurde „Offenbarung“ herabgesandt, und der ehrwürdige Gabriel brachte ihm die Sunna, die die erste Art der Offenbarung, den Koran, erläutert. [87***********]
Dass der ehrwürdige Gabriel auch ohne Koranverse, lediglich mit Hadithen, zum edlen Propheten kam, wird durch einen Hadith aus Sahih Muslim eindeutig belegt. Im Kitab al-Dschihad wird berichtet –
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Nachdem in einem Hadith ausführlich über die Vergebung der Sünden eines hingebungsvollen, aufrichtigen Mudschahids berichtet worden war, sagte der ehrwürdige Gesandte (s.):
Dschibril (a.s.) selbst ging von mir fort, nachdem er mir dies gesagt hatte.
Diese Aussage ist an diesem Punkt völlig klar und unumstößlich.
Tatsächlich sprach der edle Prophet (s.a.w.) in allen Angelegenheiten, die die Religion betrafen, erst, nachdem er von Allah unfehlbares Wissen erlangt hatte. Keine religiöse Aussage machte er aufgrund eigener Vermutungen oder Schlussfolgerungen. Der praktische Beweis dafür ist, dass er, wenn man ihn zu einer Angelegenheit des Islams befragte und er darüber zuvor kein Wissen besaß, nicht sofort eine Antwort darauf gab. Vielmehr wartete er darauf, durch Dschibril von Allah das richtige Wissen über die betreffende Angelegenheit zu erlangen. Sobald er auf diesem Weg davon Kenntnis erhalten hatte, beantwortete er die jeweilige Frage. Dazu werden zwei Beispiele angeführt:
1. Ein jüdischer Gelehrter fragte den edlen Propheten: Welcher Ort auf der Erde ist der beste? Die richtige Antwort darauf war dem edlen Propheten zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt; deshalb beantwortete er diese Frage nicht sofort. Als Dschibril später kam, fragte er ihn danach. Zunächst sagte Dschibril: „Sowohl der Fragende als auch derjenige, dem die Frage gestellt wurde, sind in dieser Angelegenheit unwissend. Die Antwort kann gegeben werden, nachdem man darüber von Allah Wissen erlangt hat.“ Beim zweiten Mal kam Dschibril und sagte: „O Prophet, dieses Mal bin ich Allah so nahe gekommen wie niemals zuvor. Allah, der Erhabene, hat über die betreffende Frage Folgendes verkündet:“
******************************************************
Die schlechtesten Orte sind die Plätze der Märkte, und die besten und segensreichsten Orte sind die Moscheen. [89**************]
Der Gefährte Abu Ya’la äußerte den Wunsch, unmittelbar zu sehen, wie die „Offenbarung“ herabgesandt wird und in welchem Zustand sich der edle Gesandte während des Herabsendens der „Offenbarung“ befindet. Auf der Reise zur Abschiedswallfahrt bot sich ihm die außergewöhnliche Gelegenheit, dies unmittelbar zu beobachten. Der edle Prophet (s.a.w.) hielt sich zu jener Zeit an einem Ort namens „Dschai’r ar-Rana“ auf. Da fragte ein Gefährte den edlen Gesandten: „Ist es erlaubt, für die Umra den Ihram anzulegen, nachdem man Parfüm aufgetragen hat? [Allama Scharqawi schrieb: Der Fragende war Ata ibn Munayya, der Bruder von Hadhrat Ya’la.]“ Der edle Prophet (s.a.w.) gab darauf nicht sofort eine Antwort. Er schwieg lange Zeit. Danach wurde dem Gesandten (s.a.w.) die Offenbarung herabgesandt. In Sahih al-Buchari heißt es hierzu:
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Da schwieg der edle Prophet (s) eine Weile. Danach wurde ihm offenbart: …
Zu dieser Zeit war über dem edlen Propheten (s) ein Tuch als Schattenspender ausgebreitet worden. Da steckte Yaʿlā seinen Kopf hinein und sah:
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Das gesamte Gesicht des Gesandten war tiefrot geworden, und er atmete mit einem lauten Geräusch. [Buchārī Sharīf, 1. Band, Kitāb al-Manāsik, S. 208, und derselbe, 2. Band, Kitāb Faḍāʾil al-Qurʾān, S. 745.]
Nach Ansicht der Hadith-Gelehrten litt der edle Prophet zu dieser Zeit unter schwerer Atemnot infolge der unerträglichen Last, mit der die Offenbarung herabkam. ʿAllāma Scharqāwī schrieb:
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Das im Hadith erwähnte „Ghaṭīṭ“ ist eine Art schreckliches Geräusch, das während des Herabkommens der Offenbarung dadurch entstand, dass man unter ihrer unerträglichen Last nur mit großer Mühe Atem holte. [Fatḥ al-Mubdī, 2. Band, S. 89.]
Wenn auf den edlen Gesandten die Offenbarung herabkam, empfand er solche Beschwerden und litt deshalb unter schwerer Atemnot. Wenn die Gefährten hingegen ein solches Geräusch hörten, konnten sie alle erkennen, dass gerade Offenbarung auf den Gesandten herabkam.
In der Tat ist der erhabene Koran die vollständige wahre Gesetzesordnung, die durch die Offenbarung über Gabriel empfangen wurde. Doch nicht alle wahren und unfehlbaren Erkenntnisse, die durch diese Offenbarung erlangt wurden, sind im erhabenen Koran enthalten. Da diese Art wahrer Erkenntnis im Islam unmittelbar nach dem Koran von Bedeutung ist, wurde sie nicht in den Koran aufgenommen, sondern als „Hadith des Gesandten“ bewahrt. In der Geschichte des Lebens des Propheten finden sich zahlreiche Hinweise auf Offenbarungen, die nirgendwo im dreißigteiligen erhabenen Koran zu finden sind. Sind sie etwa im Abgrund des Untergangs und Vergessens versunken? Waren sie etwa unnötig? Das kann nicht sein. Tatsächlich sind sie nicht untergegangen. Weil sie für das menschliche Leben unerlässlich waren, wurden sie für alle Zeiten gesondert bewahrt. Für die muslimische Gemeinschaft sind sie ein ewiger Schatz.
Darüber hinaus hatten die Menschen der von dem ehrwürdigen Propheten (S) gebildeten Gemeinschaft gegenüber dem Wort Allahs, dem erhabenen Koran, denselben Glauben und dasselbe Empfinden seiner Bedeutung wie gegenüber dem nichtkoranischen Teil der Offenbarung, dem Hadith, ein entsprechendes Interesse und entsprechende Aufmerksamkeit. Vielmehr bestand nach dem Tod des Gesandten bei den ehrwürdigen Gefährten kein Bedarf, Nachforschungen über den erhabenen Koran anzustellen, da er ihnen vollständig niedergeschrieben und zusammengestellt vorlag. Hinsichtlich der Hadithe des Gesandten bestand dieser Bedarf jedoch. Daher kannten ihre Bemühungen und ihr Streben keine Grenzen. Sie befragten hierzu auch Menschen, die dem Gesandten besonders nahestanden. Als Beispiel können zwei Begebenheiten angeführt werden:
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Ist neben der im Koran zusammengestellten Offenbarung noch ein anderer Teil der Offenbarung bei Ihnen bewahrt?[Sahih al-Buchari, erster Band, Kitab al-Dschihad, Seite 428.]
Als Antwort darauf legte der ehrwürdige Ali mehrere Hadithe vor. Daraus wird bewiesen: (a) Neben dem Koran gibt es noch weitere Erkenntnisse, die durch die Offenbarung erlangt wurden. (b) Nicht die gesamte Offenbarung ist im erhabenen Koran zusammengestellt oder in ihm enthalten. Es gibt noch einen Teil der Offenbarung außerhalb des Korans. Auch wenn er nicht das „Wort Allahs“ ist, handelt es sich um eine Erkenntnis, die von Allah erlangt wurde. (c) Die nichtkoranische Offenbarung ist aus den mündlichen Worten des ehrwürdigen Gesandten sowie aus Berichten über seine tatsächlich ausgeführten Handlungen bekannt; zweifellos ist auch dies „Offenbarung“ – durch Offenbarung erlangte Erkenntnis. Der ehrwürdige Abu Hudhaifa rechnete auch dies zur „Offenbarung“, doch der ehrwürdige Ali (R) erhob dagegen keinerlei Einwand. Er sagte nicht, dass die gesamte Offenbarung – also alle durch Offenbarung erlangten Erkenntnisse – im erhabenen Koran zusammengestellt sei und es außerhalb desselben keinen Teil der Offenbarung gebe.
Obwohl Koran und Hadith äußerlich zwei verschiedene Dinge sind, entspringen sie im Grunde beide der Quelle der Offenbarung. Daher besteht zwischen ihnen hinsichtlich Ursprünglichkeit, Vernunftgemäßheit, Beweiskraft und ihrer verpflichtenden Befolgung kein Unterschied. Deshalb kann es nicht die Haltung eines Muslims sein, den Hadith in irgendeiner Weise zu vernachlässigen und seine Bedeutung dadurch herabzusetzen, dass man sagt: „Er ist das Wort des Gesandten, nicht das Wort Allahs; folglich ist es nicht notwendig, ihn anzuerkennen.“
An dieser Stelle muss eine Sache besonders im Gedächtnis behalten werden. Der ehrwürdige Prophet (S) vollzog auf der Grundlage des ihm offenbarten Korans häufig auch Idschtihad. Im Hinblick auf die grundlegenden und zusammengefassten Prinzipien des Korans gab er den Menschen auf der Grundlage seines eigenen Nachdenkens und seiner Überlegung zahlreiche Gebote und Ratschläge zur detaillierten Gestaltung der Religion. Nach der Scharia gilt auch dies als Hadith – als Teil der Sunna des Gesandten. In diesem Zusammenhang sagte Imam asch-Schafi’i (R):******************************************************
Alles, was der ehrwürdige Gesandte (S) an Anordnungen erlassen hat, ist genau das, was er aus dem Koran verstanden hatte. Danach leitete er dessen Bestätigung aus dem Koran ab.
Mulla Ali al-Qari schrieb: Der Hadith wird als das Wort des edlen Propheten bezeichnet, weil er ihn selbst aus dem Koran verstanden hat.
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Denn er hat ihn eben aus dem Koran verstanden und aus dem Sinngehalt des Korans abgeleitet.
Der Unterschied zwischen Koran und Hadith
Obwohl sowohl der Koran als auch der Hadith aus der Quelle der Offenbarung hervorgegangen sind, bestehen zwischen beiden in verschiedener Hinsicht Unterschiede. In der vorherigen Erörterung wurde darauf bereits hingewiesen; nun ist es jedoch erforderlich, diese im gegenwärtigen Abschnitt ausführlich darzulegen.
Der erhabene Koran ist ein einzigartiges Wunder. Er ist nicht nur hinsichtlich seiner Worte, seiner Sprache und seiner Literatur ein Wunder; auch sein Inhalt, die Weite, der Umfang, die Tiefe und die Feinheit der behandelten Themen sowie das von ihm dargelegte, der Menschheit dienende vollständige Lebenssystem sind ein einzigartiges und äußerst erstaunliches Wunder.
Das erste wichtige und vortrefflichste Wort ist der erhabene Koran. Aufgrund seiner wundersamen Eigenschaften ist er zeitlos und für immer vor jeder Art von Veränderung, Erweiterung, Berichtigung und Ergänzung geschützt. Ohne die Gebetswaschung ist es verboten, ihn zu berühren oder zu rezitieren. Im Gebet muss er in der festgelegten Weise rezitiert werden.
Die Hadithe hingegen sind kein Wunder wie der Koran. Lediglich die eigentliche Aussage des Hadith wurde durch die Offenbarung im klaren und reinen Herzen des Propheten widergespiegelt; er trug sie in seiner eigenen Sprache der Öffentlichkeit vor. Daher ist seine Sprache keine rezitierte Offenbarung; die Rezitation seiner Sprache und Worte ist nicht verpflichtend. In der Scharia wurde vielmehr dazu angewiesen, seiner eigentlichen Aussage und seinem Sinngehalt zu folgen. Aus diesem Grund wird er als „Offenbarung, die nicht rezitiert wird“ bezeichnet. Beim erhabenen Koran hingegen gehören sowohl Sinn als auch Worte vollständig Allah; er ist von Allah herabgesandt.
Allama Ibn Hadschar al-ʿAsqalānī schrieb:
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Die offenbarte Rezitation (Waḥy matlū) ist der edle Koran. Die andere Art der Offenbarung wird vom ehrwürdigen Gesandten (S) überliefert (durch die Überliefererkette). [96**************]
Allama Muhammadur Rahman al-Madanī schrieb: Die Unterschiede zwischen Koran und Hadith sind unter sechs Gesichtspunkten zu betrachten. Erstens ist der Koran ein mit übernatürlichen Eigenschaften ausgestattetes Wunder (Muʿdschiza), der Hadith jedoch nicht. Zweitens ist das Gebet ohne die Rezitation des Korans nicht gültig; beim Hadith ist dies nicht der Fall. Drittens wird derjenige, der den Koran oder auch nur einen kleinen Teil davon leugnet, gewiss zum Kāfir; wer sich jedoch aus einem besonderen Grund weigert, einen bestimmten Hadith anzunehmen, wird dadurch nicht zum Kāfir. Viertens ist bei der Herabsendung des Korans die Vermittlung Dschibrīls zwischen Allah und dem Gesandten unerlässlich; beim Hadith ist sie nicht erforderlich. Fünftens stammen jedes Wort und jede Aussage des Korans von Allah selbst, während Wortlaut und Sprache des Hadith vom Gesandten selbst stammen. Und sechstens ist es vorgeschrieben, den Koran in Verbindung mit der rituellen Waschung und Reinheit zu berühren; ohne Wuḍūʾ darf man ihn nicht berühren. Eine solche Anweisung gibt es bezüglich des Hadith nicht. [97************]
Mit anderen Worten: Zwischen einem Brief und einer mündlichen Botschaft besteht ein Unterschied, und ein entsprechender Unterschied lässt sich auch zwischen Koran und Hadith feststellen. Bei der Übermittlung einer mündlichen Botschaft durch einen Vermittler ist die wesentliche Aussage das Entscheidende; Unterschiede in Sprache oder Wortlaut spielen keine Rolle. Bei einem Brief ist dies jedoch nicht so. Erstens wird er nach dem eigenen Willen des Absenders verfasst, und zweitens werden darin gemäß seiner eigenen Auffassung und Absicht Sprache und Worte verwendet, die den vollständigen Sinn zum Ausdruck bringen. Bei der Übermittlung einer mündlichen Aussage besteht eine solche Bindung an Wortlaut und Sprache jedoch nicht.
Obwohl Koran und Hadith ihren eigenen Eigenschaften entsprechend einen solchen Unterschied aufweisen – der Koran kann als Allahs eigener schriftlicher Brief betrachtet werden, während der Hadith Allahs mündliche Botschaft ist –, muss zugleich bedacht werden, dass der Weltenprophet, der ehrwürdige Hadhrat Muhammad (S), der Sprecher für diesen „Brief“ und diese „mündliche Botschaft“ Allahs ist. Deshalb ist es unbedingt notwendig, neben der Annahme von Allahs schriftlichem Brief (dem Koran) durch ihn auch seine mündliche Botschaft (den Hadith) von ihm zu erfahren und anzunehmen. Diese beiden von Allah gesandten Dinge sind untrennbar miteinander verbunden. Wenn man eines von ihnen außer Acht lässt und nur das andere annimmt, wird dadurch zwangsläufig der eigentliche Zweck zunichtegemacht.
Hadhrat ʿAbdullāh ibn Masʿūd (R) sagte:
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Wenn ich einen Hadith überliefere, teile ich euch mit, dass er durch den Koran bestätigt wird.[৯৮***********]
Ibn az-Zubair sagte:
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Bei jedem Hadith, der mich erreicht hat, fand ich im Buch Allahs dessen Bestätigung und den Beweis für seine Wahrhaftigkeit. [৯৯**********]
Die einhellige Ansicht der Imame der Scharia lautet:
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Die gesamte Sunna und der Hadith sind eine Erklärung des Korans.
Die Bedeutung des Hadith im islamischen Lebenssystem
Der Hadith ist ein unschätzbarer Schatz der islamischen Gemeinschaft und eine der unverzichtbaren Quellen der islamischen Scharia. Ohne ihn ist eine islamische Lebensweise undenkbar. Bevor die Bedeutung des Hadith bestimmt werden kann, müssen zunächst unbedingt die Bedeutung und die Stellung (Position) des ehrwürdigen Gesandten (s) selbst bestimmt werden.
Aus islamischer Sicht sind die Gebote und Verbote des Gesandten, all seine Handlungen und Tätigkeiten, seine Worte und – kurz gesagt – die von seinen Lippen gesprochenen Aussagen sowie sein gesamtes tätiges Leben ein großes, für die islamische Gemeinschaft unbedingt zu befolgendes Vorbild. Der Zweck, den Allah mit der Entsendung des Gesandten verfolgte, bestand darin, dass die Umma ihm in vollem Umfang folgen und neben der vollständigen Befolgung seiner Gebote und Anweisungen auch seiner praktischen Lebensweise folgen sollte. Der Koran verkündet den Zweck der Entsendung des Gesandten in klaren Worten und sagt:
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Ich habe den Gesandten nur zu dem Zweck entsandt, dass ihm mit Allahs Erlaubnis gefolgt und gehorcht werde. [Sure an-Nisa, Vers 64.]
In einem anderen Vers hat Allah ausdrücklich befohlen, dem Gesandten zu gehorchen und ihm zu folgen, und gesagt:
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O ihr, die ihr glaubt, gehorcht Allah und Seinem Gesandten und wendet euch nicht ab, nachdem ihr ihre Anweisungen gehört habt, indem ihr ihnen den Gehorsam verweigert. Seid nicht wie jene, die sagen: „Wir haben gehört“, aber in Wirklichkeit nicht zuhören. [Sure al-Anfal, Verse 20 und 21.]
Hier wird den Gläubigen zunächst befohlen, Allah zu gehorchen, und zugleich wird ihnen befohlen, dem Gesandten zu folgen beziehungsweise ihm zu gehorchen. Zum Gehorsam gegenüber Allah und dem Gesandten wird mit demselben Imperativ „Gehorcht“ aufgefordert. Es wird zur Pflicht des Muslims erklärt, sowohl Allah als auch dem Gesandten zu folgen, und hinsichtlich dieser Pflicht wird zwischen beiden kein Unterschied gemacht. Äußerlich lässt sich lediglich insofern ein Unterschied feststellen, als der Name Allahs zuerst genannt wird – folglich muss Ihm im Grunde und zuerst gehorcht werden, und danach muss dem Gesandten gehorcht werden.
Zweitens kann man Allah gehorchen, indem man die Gebote und Verbote des Buches Allahs, des heiligen Qurʾān, befolgt. Dem Gesandten hingegen muss man gehorchen, indem man seine Gebote und Verbote sowie die von ihm befolgten Sitten und Verhaltensweisen einhält. Allahs Gebote und Verbote sind im heiligen Qurʾān, in den dreißig Dschuzʾ, enthalten; aber wo findet man die Gebote und Verbote des Gesandten? Man findet sie durch die Hadithe – dieses großartige Gut, das die Worte, Taten und Bestätigungen des Gesandten umfasst.
Allah, der Erhabene, hat gesprochen:
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Sprich: O Prophet, wenn ihr Allah liebt, dann folgt mir; so wird Allah euch lieben und euch eure Sünden vergeben. Wahrlich, Allah ist der Sündenvergeber, der Barmherzige. [Sura Āl ʿImrān, Vers 31.]
Das heißt: Die unausweichliche Forderung und praktische Bedingung der Liebe zu Allah besteht darin, dem Gesandten tatsächlich zu folgen; der einzige Weg und das einzige Mittel, Allahs Liebe und von Ihm die Vergebung der Sünden zu erlangen, besteht darin, dem Gesandten (S) zu folgen. Wenn man dem Gesandten nicht folgt, ist es nicht möglich, Allahs Liebe und von Ihm die Vergebung der Sünden zu erlangen. Nicht nur das: Wer dem Gesandten nicht folgt, kann überhaupt kein Gläubiger werden und kein Muslim bleiben, sondern wird zum Ungläubigen.
Allah, der Erhabene, hat gesagt:
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Sprich: O Prophet, gehorcht Allah und dem Gesandten; wenn ihr dies nicht tut, dann wisst, dass Allah die Ungläubigen nicht liebt. [Sura Āl ʿImrān, Vers 32.]
Auch in diesem Vers wird dem Gesandten im Hinblick auf den Gehorsam nach Allah und unmittelbar neben Ihm eine eigenständige Stellung verliehen. Daher genügt es nicht, nur Allah zu gehorchen; auch dem Gesandten muss gehorcht werden. Wie der Mensch durch den Ungehorsam gegenüber Allah zum Ungläubigen wird, so wird er in gleicher Weise auch durch den Ungehorsam gegenüber dem Gesandten zum Ungläubigen. Der Schlussteil des Verses bringt dies ausdrücklich zum Ausdruck. Zugleich wird gesagt, dass Allah diese Ungläubigen keineswegs liebt oder billigt.
Dass neben dem Gehorsam gegenüber Allah auch der Gehorsam gegenüber dem Gesandten in dieser Weise nachdrücklich gefordert wird, hat einen besonderen Grund für das Muslimsein. Tatsächlich besteht die einzige Aufgabe des Gesandten nicht bloß darin, Allahs Wort zu übermitteln. Es besteht kein Zweifel, dass es ebenfalls zu den Aufgaben des Gesandten gehört, Allahs Wort umfassend zu verkünden, es den Menschen ausführlich zu erklären, auf seiner Grundlage ihren Geist, ihren Charakter und ihr Leben zu formen und dementsprechend eine vorbildliche Gesellschaft zu errichten.
Im ehrwürdigen Koran heißt es hierzu:
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Er ist es, der unter den Schriftunkundigen einen Gesandten aus ihrer Mitte entsandt hat. Er rezitiert ihnen Seine Verse, läutert und reinigt sie und lehrt sie das Buch und die Weisheit, obwohl sie sich zuvor in einem offenkundigen Irrtum befanden. [Sure al-Dschumʿa, Vers 2.]
In diesem Vers werden drei klare Aufgaben und Pflichten des edlen Propheten verkündet:
Erstens: die Verse des Korans zu rezitieren und sie den Menschen durch das Rezitieren vorzutragen. Zweitens: die Herzen und Gemüter der Menschen zu läutern, zu reinigen und sie nach den Maßstäben eines besonderen und genau bestimmten Vorbilds zu erziehen und zu formen. Sie von der Befleckung durch Vielgötterei und Charakterlosigkeit zu reinigen.
Drittens: das Buch Allahs und notwendiges Wissen zu lehren, die für die Verwirklichung der islamischen Lebensordnung erforderlichen Fähigkeiten des Verstandes und der Begabung zu entwickeln und die „Sunna“ zu lehren.
Sind die Tätigkeiten, deren Ausführung im ersten und dritten Abschnitt des hier erörterten Verses angeordnet wurde – die Verse zu rezitieren und das Kitab zu lehren –, von derselben Art? Wenn es sich um Tätigkeiten derselben Art handelte, wäre dies zweifellos mit dem Mangel der Wiederholung behaftet. Dann hätten in beiden Fällen dieselben Ausdrücke verwendet werden müssen. Tatsächlich wurden jedoch in beiden Fällen völlig unterschiedliche Ausdrücke gebraucht. Aufgrund des Bedeutungsunterschieds erscheinen sie daher als zwei eigenständige Tätigkeiten. In Wirklichkeit sind die „Rezitation der Verse“ und die „Lehre des Kitab“ zwei voneinander verschiedene Tätigkeiten, jeweils eine besondere eigenständige Aufgabe.
Daher gehören neben der Rezitation des Qur’an auch die Erklärung seiner schwierigen und neuartigen Fachbegriffe, die Analyse der darin angeordneten Themen, die ausführliche Darlegung der kurz gefassten Inhalte sowie ihre praktische Umsetzung und Verwirklichung durch die eigenen Worte und Taten allesamt zu den festgelegten Verantwortlichkeiten und Pflichten des edlen Gesandten.
Am Ende des Verses wird davon gesprochen, das „Kitab“ und die „Hikmat“ zu lehren. „Al-Kitab“ bedeutet: der edle Qur’an. Doch was bedeutet „Hikmat“?
An vielen Stellen des edlen Qur’an wird das Wort „Hikmat“ gemeinsam mit „Al-Kitab“ erwähnt, und es wird ausdrücklich verkündet, dass allen Gesandten ebenso, wie ihnen das Kitab gegeben wurde, auch Hikmat verliehen worden ist. In der Sure Al-Imran heißt es:
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Denke daran, dass Allah von den Propheten ein Versprechen entgegengenommen hat: „(Heute) haben Wir euch das Kitab und die Hikmat gegeben.“ [Sure Al-Imran, Vers 81.]
Es besteht kein Zweifel daran, dass das im Vers erwähnte „Kitab“ ein himmlisches Buch ist, das Allahs Wort enthält. Doch welche Bedeutung hat das Wort „Hikmat“? Was will Allah, der Erhabene, damit verständlich machen? Was hat Allah den Gesandten zusammen mit dem Kitab noch offenbart, das Er „Hikmat“ genannt hat? Dies bedarf einer eingehenden Untersuchung und Erforschung.
Aus lexikalischer Sicht liegt dem Wort „Hikmat“ die Wurzel ******* zugrunde; ihre Bedeutung ist ******************: „das Verhindern einer Sache oder Handlung zum Zweck ihrer Verbesserung“. Aus eben diesem Grund wird der Zaum „Hakamatun“ ****** genannt; denn durch ihn wird das Pferd davon abgehalten, sich aufzubäumen und nach Belieben weiterzugehen. Aufgrund dieser Bedeutungsübereinstimmung wird „Hikmat“ folgendermaßen definiert: *************** die Dinge an ihren angemessenen Platz zu stellen und dort zu belassen und sie an einem ungeeigneten Ort zurückzuhalten.
Im Wörterbuch „Tāj al-ʿUrūs“ heißt es im Rahmen einer eingehenderen Erläuterung dazu:
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Im Bereich der Rechtsprechung werden gerechte und unparteiische Urteile sowie Rechtschaffenheit als „Ḥikma“ bezeichnet.
„Die tief verborgene wahre Natur und Wirklichkeit (Reality) der Dinge zu erkennen und im Lichte dieses reinen und unfehlbaren Wissens zu handeln. Aus diesem Grund wird die Ḥikma in zwei Teile geteilt: Der eine Teil ist erkenntnisbezogen, der andere praktisch beziehungsweise auf das Handeln bezogen. [Tāj al-ʿUrūs, Erläuterung des Wortes ‚Ḥikma‘.]
Imām Rāġib al-Iṣfahānī schrieb:
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Ḥikma bedeutet, mithilfe von Wissen und Verstand die wirkliche Wahrheit zu erlangen sowie die Fähigkeit und Begabung zu besitzen, die Wahrheit zu erkennen. Daher besteht Allahs Ḥikma darin, alle Dinge vollkommen zu kennen und zu verstehen sowie auf der Grundlage des endgültigen Ratschlusses neue Dinge zu erschaffen und hervorzubringen. Die Ḥikma des Menschen hingegen besteht darin, mit den Dingen der materiellen Welt vertraut zu sein, Wissen über sie zu erwerben und gute Werke zu vollbringen.[107]
Im Werk Lisān al-ʿArab heißt es:
******************************************************
Tatsächlich besteht Hikmat im Erlangen einer tiefen, feinsinnigen Kenntnis der besten und vorzüglichsten Dinge.[108]
Imam Ibn Dscharir at-Tabari schrieb, nachdem er die Aussagen verschiedener Personen angeführt hatte:
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Nach meiner Auffassung ist die zutreffende Aussage über Hikmat folgende: Hikmat ist das Wissen über Allahs Gebote und Verbote, das ohne die Überlieferung des Gesandten keineswegs erlangt werden kann; auch das Erlangen einer tiefen, feinsinnigen Kenntnis davon ist Hikmat. Ebenso gehören dazu alle anderen Dinge, durch die sie erlangt werden kann und die mit ihr übereinstimmen. Meiner Ansicht nach ist das Wort „Hikmat“ von „Hakam“ abgeleitet. Es bedeutet, zwischen Wahrheit und Falschheit zu unterscheiden. [109**************]
Imam asch-Schafiʿi (Allah erbarme sich seiner) schrieb:
******************************************************
Ich hörte von angesehenen, vertrauenswürdigen Menschen, die unter den Gelehrtesten in der Kenntnis des Korans waren, dass sie sagten: Hikmat ist die Sunna des edlen Gesandten (Allahs Segen und Friede seien auf ihm).[Kitab ar-Risala, Seite 28.]
Anschließend schrieb er:
******************************************************
Die Sunna des Gesandten ist jene Weisheit, die im gesegneten Herzen des Propheten von Allah eingegeben wurde.[Kitab ar-Risala; Seite 28.]
An allen Stellen des Edlen Korans, an denen „al-Kitab“ zusammen mit „al-Hikmat“ erwähnt wird, bedeutet Kitab das eigene Wort Allahs, das dem Gesandten offenbart wurde und in dem Allahs Gebote, Verbote sowie Ermahnungen und Ratschläge dargelegt sind. „Al-Hikmat“ bedeutet hingegen die reine und richtige Erkenntnis der tiefgründigen Wahrheiten all dessen sowie das richtige Handeln gemäß dieser fehlerlosen Erkenntnis. Tatsächlich wurde jedem Gesandten genügend Verstand gegeben, um diese fehlerlose Erkenntnis zu erlangen und entsprechend richtig zu handeln. Für die Propheten und Gesandten ist dies Allahs beständige und ausnahmslose Ordnung.
Gemäß dieser Ordnung wurde auch dem letzten Propheten, Hazrat Muhammad (s), zusammen mit al-Kitab, dem Koran, „al-Hikmat“ gegeben. In zahlreichen Versen des Edlen Korans wird dies ausdrücklich erwähnt. Hier sei ein Vers angeführt. Allah, der Erhabene, sprach:
******************************************************
O Prophet, Allah hat dir „al-Kitab“ und „al-Hikmat“ offenbart und dich das gelehrt, was du nicht wusstest. Und dies ist eine gewaltige Gunst Allahs dir gegenüber.[Sure an-Nisa, Vers 113.]
Diese von Allah zusammen mit dem Koran gegebene „al-Hikmat“ ist gewiss etwas Eigenständiges gegenüber dem Koran. Ihre Sunna und ihre ausführliche Darlegung sind im Bestand der Hadithe gesammelt.[Die Bedeutung dessen, die Hadithe als Hikmat zu bezeichnen, ist zu beachten. Allama Badr ad-Din al-Aini schrieb: ********************** Die Bedeutung dessen, die Sunna oder Hadithe Hikamat zu nennen, besteht darin, dass durch sie zwischen Wahrheit und Falschheit unterschieden wurde ***************** und durch sie die allgemein gehaltenen Aussagen des Korans erläutert wurden.]
Dass auch „Al-Hikmat“ oder die Sunna von Allah her offenbart worden ist, beweist der zuvor erwähnte Vers in deutlichen Worten. Tatsächlich hielt Allah, der Erhabene, es für die Rechtleitung der gesamten Menschheit und ihre Führung auf den Weg der Hidayat nicht für ausreichend, allein Al-Kitab herabzusenden; vielmehr hielt Er es zugleich für notwendig, auch den Gesandten und die Sunna des Gesandten von Seiner Seite zu entsenden. Andernfalls hätte allein „Al-Kitab“ den Menschen keinerlei wirkliches Wohl erweisen können.
Auch die Auslegung und Analyse des ruhmreichen Korans gehört zu den wichtigsten Aufgaben des Gesandten. Der folgende Vers verkündet unter diesem Gesichtspunkt die Bedeutung der Sunna beziehungsweise des Hadith. Allah, der Erhabene, sprach:
******************************************************
„O Prophet, Wir haben dieses Buch zu dir herabgesandt, damit du den Menschen dieses zu ihnen herabgesandte Buch erklärst und auslegst und damit sie darüber nachdenken und forschen.“ [Sure an-Nahl, Vers 44; zur Erläuterung der Bedeutung von ‚bayān‘ sagte Hafiz Ibn Abu’l-Bar: Die Erklärung des Korans durch den edlen Propheten erfolgte in zweierlei Weise: Erstens die Erläuterung der zusammenfassenden Aussagen des Korans, etwa indem er sagte, wie die fünf täglichen Gebete und ihre Zeiten, ihre Niederwerfung, ihre Verbeugung und die übrigen Vorschriften aussehen, und indem er die Regeln und die Durchführung der Hadsch darlegte. Als der edle Prophet die Hadsch vollzogen hatte, sagte er: ************ „Nehmt von mir die Regeln der Hadsch an.“ Der Grund dafür ist, dass im Koran nur zusammenfassende Anordnungen zum Gebet, zur Zakat und zur Hadsch gegeben worden sind; keine dieser Angelegenheiten wurde darin erläutert oder ausführlich dargestellt. Der Hadith legt sie aus und analysiert sie. (******************)
Die zentrale Aussage des hier behandelten Verses ist, dass der eigentliche Zweck der Herabsendung des Korans an den Gesandten darin besteht, ihn den Menschen in ausführlicher Auslegung und Analyse darzulegen. Tatsächlich sind drei Dinge unbedingt erforderlich, um eine Angelegenheit in ihrer richtigen und vollständigen Form verständlich zu machen:
Erstens, sie durch mündliche Worte auszulegen und zu analysieren und durch Erörterung die theoretische und praktische Gestalt jeder einzelnen Angelegenheit offenzulegen.
Zweitens, ihren praktischen Wert und ihre Bedeutung durch die Handlungen des eigenen Lebens und die tatsächliche Lebensführung deutlich zu machen.
Drittens, sich darum zu bemühen, dass die Menschen sie in die Tat umsetzen und verwirklichen, aufmerksam darauf zu achten, ob sie ihre Bedeutung richtig verstehen und befolgen, sich der Überprüfung und Kontrolle zu widmen, sie zu unterstützen und zu billigen, wenn sie richtig verwirklicht wird, und sie zu korrigieren, sobald irgendein Fehler, Irrtum, Mangel oder eine Abweichung festgestellt wird.
Es wurde erklärt, dass der Koran dem edlen Propheten (s.) zu dem Zweck offenbart wurde, dass er den Koran unter diesen drei Gesichtspunkten klar und lichtvoll vor die Menschen hinlegen sollte. Der edle Gesandte (s.) erfüllte diese Aufgabe während seines dreiundzwanzigjährigen prophetischen Lebens in vollem Umfang und in angemessener Weise. Was immer er bei der Erfüllung dieser Aufgabe gesagt oder getan hat, dessen zuverlässige Aufzeichnung ist der Hadith. Daher kann kein Zweifel daran bestehen, dass der Hadith vom Koran bestätigt wird und dass im Hadith nichts zu finden ist, was nicht vom Koran unterstützt wird. Imam asch-Schātibī schrieb gerade aus diesem Grund:
******************************************************
In der Sunna oder im Hadith wird nur etwas zu finden sein, das vom Koran vollständig bestätigt wird. Im Hadith wird man nichts finden, was nicht vom Koran bestätigt wird. [115*********]
Der praktische Beweis dafür, dass der edle Gesandte (s.) verschiedene wichtige Verse des Korans erklärt und erläutert hat, sind die Tafsir-Kapitel in den Hadith-Werken. Die Verse, deren richtige Bedeutung die edlen Gefährten (r.) nicht verstehen konnten und die sie deshalb zutiefst beunruhigten, erklärte und erläuterte der edle Gesandte (s.) und beseitigte dadurch die Sorge der Gefährten. Als Beispiel kann der folgende Vers des Korans angeführt werden. Allah, der Erhabene, sprach:
******************************************************
Diejenigen, die geglaubt haben und ihren Glauben mit keinerlei Unrecht vermischt haben ……………
Als er offenbart wurde, wurde dies für die Gefährten zu einem Anlass großer Sorge. Sie fragten den Gesandten, um seine richtige Bedeutung zu erfahren:
******************************************************
Wer von uns hat seinen Glauben nicht mit Unrecht vermischt?
Als der Prophet (s) diese Frage hörte, erkannte er, dass dieser Vers den edlen Gefährten äußerst unverständlich erschien. Da sagte der Prophet (s):
******************************************************
Der Sinn des Verses ist nicht das, was ihr angenommen habt. Mit „Unrecht“ ist hier nichts anderes als Schirk gemeint. Habt ihr nicht gehört, dass Luqman zu seinem Sohn sagte: „O mein lieber Sohn, geselle Allah nichts bei; wahrlich, Schirk ist zweifellos ein gewaltiges Unrecht.“ [Sahih al-Bukhari, Band 2, Kitab at-Tafsir, S. 708.]
Die edlen Gefährten fanden Beruhigung, sobald sie vom Gesandten die eigentliche Erklärung dieses Verses erfahren hatten. Deshalb ist die gesamte muslimische Welt auch hinsichtlich der theoretischen Auslegung des Heiligen Qurans auf die Hadithe des Gesandten angewiesen. Außer der Erklärung des Gesandten kann es keinen anderen zuverlässigen Weg geben, die richtige Bedeutung des Qurans zu erkennen.
In einem anderen Vers hat Allah, der Erhabene, gesagt:
******************************************************
O Prophet, Wir haben dieses Buch in Wahrheit zu dir hinabgesandt, damit du nach der von Allah gezeigten Methode zwischen den Menschen richtest. [Sure an-Nisa, Vers 105.]
Allah, der Erhabene, hat das Buch zu dem Zweck herabgesandt, dass der edle Gesandte unter den Menschen Recht sprechen und Entscheidungen treffen möge; doch auf welche Weise sollte er dies tun? Darauf wurde geantwortet: ************ „Auf die Weise, die Allah dir gezeigt hat.“ Wenn also Allah schon das grundlegende Buch herabgesandt hat, dann ist auch die Methode zur Errichtung von Recht und Gerechtigkeit gemäß diesem Buch durch die Offenbarung übermittelt worden. [Tafsīr Rūḥ al-Maʿānī, Bd. 5, S. 140; Tafsīr al-Bayḍāwī, Bd. 1, S. 205. Beide haben ************* erläutert und ********* mit den Worten ausgelegt: „was Er dir verständlich gemacht und worüber Er dir Offenbarung gesandt hat“.] Und die Einzelheiten davon können nur durch die Hadithe erlangt werden. Im Hinblick auf den Edlen Koran hat Allah, der Erhabene, selbst die Verantwortung für einige wichtige Aufgaben übernommen. Diesbezüglich hat Allah selbst gesagt:
******************************************************
Gewiss, Uns obliegt seine Sammlung und seine Rezitation. Wenn Wir ihn daher rezitieren, dann folge seiner Rezitation. Darüber hinaus obliegt Uns auch seine Erläuterung und Auslegung. [Sure al-Qiyāma, Verse 17, 18 und 19.]
Gemäß diesem Vers hat Allah selbst die Verantwortung für drei Aufgaben übernommen; diese drei Aufgaben sind die folgenden:
a) Sammlung, Zusammenstellung und systematische Ordnung des Edlen Korans.
b) Unterweisung in der Lesung des Edlen Korans.
c) Erklärung der Bedeutung, des Inhalts und der Tragweite des Korans.
Doch wie Allah, der Erhabene, diese drei Aufgaben vollbrachte, bedarf der Betrachtung. Es ist allgemein bekannt, dass Allah, der Erhabene, dem Gesandten den Edlen Koran durch Gabriel vortragen ließ; zugleich mit Gabriels Vortrag befahl Er dem Gesandten, dieser Lesung zu folgen, und lehrte ihn auf diese Weise, ihn zu studieren. So ließ Er den vollständigen Koran im Herzen des Gesandten bewahren und geordnet fest verankern. Von den drei Aufgaben Allahs wurden die ersten beiden auf diese Weise vollendet. Doch wie wurde die dritte Aufgabe vollbracht? Allah lehrte den Gesandten gewiss die Bedeutung, den Inhalt, die Tragweite des Korans sowie die Erläuterung seiner schwierigen Stellen, und dies geschah unabhängig vom Koran. Tatsächlich sind sämtliche Dinge, die Allah in diesem Zusammenhang lehrte, in den Hadithen bewahrt.
Die Verantwortung, für die Anhänger der islamischen Lebensordnung das Erlaubte und das Verbotene festzulegen, ist dem Gesandten übertragen worden. Der Gesandte erfüllte diese Aufgabe als Stellvertreter Allahs. Im Koran heißt es ausdrücklich:
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Der Gesandte gebietet das Gute und hält die Menschen vom Schlechten ab; er erklärt den Menschen die guten und vortrefflichen Dinge für erlaubt und erklärt die schlechten und minderwertigen Dinge für verboten. (Sure al-A’raf, 157.)
Daher ist es die Pflicht jedes Muslims, an alle Gebote und Verbote sowie an die Ermahnungen des Gesandten und an das von ihm für erlaubt und verboten Erklärte zu glauben und danach zu handeln. Ein ausführlicher „Bericht“ über all diese Taten ist in den Hadithen bewahrt. Allah, der Erhabene, entsandte den Gesandten als endgültigen Schlichter in den Streitigkeiten und Auseinandersetzungen unter den Muslimen. Darüber wird im folgenden Koranvers mit äußerst nachdrücklichen Worten verkündet:
******************************************************
Bei deinem Herrn! Sie werden keineswegs gläubig sein, solange sie dich – o Prophet – nicht in allen ihren gegenseitigen Angelegenheiten zum Richter und Entscheider nehmen, in ihrem Herzen keinen Vorbehalt gegen deinen Entscheid empfinden und ihn aus ganzem Herzen annehmen. (Sure an-Nisa, Vers 65.)
Es ist auch die Pflicht jedes Muslims, dem Gesandten in allen Lebensbereichen zu gehorchen. Diesbezüglich hat Allah, der Erhabene, gesagt:
******************************************************
O ihr Gläubigen, gehorcht Allah, gehorcht dem Gesandten und auch den Verantwortlichen unter euch,,,,,,,,,,,,,,. Wenn ihr in irgendeiner Angelegenheit miteinander uneins seid, dann bringt sie vor Allah und den Gesandten zurück.[Sure an-Nisa, Vers 59.]
In diesem Vers wird in klaren Worten dazu angewiesen, drei verschiedenen Instanzen zu gehorchen. Erstens Allah, zweitens dem Gesandten und drittens den verantwortlichen Muslimen. Weil im Zusammenhang mit Allah und dem Gesandten ausdrücklich zweimal ****** das Wort „Gehorsam“ genannt wird, ist der Gehorsam gegenüber beiden als grundlegend und eigenständig angesehenem Gehorsam festgelegt worden. Gemäß dieser Anweisung kann der Gehorsam gegenüber Allah dadurch verwirklicht werden, dass man dem erhabenen Koran folgt. Doch auf welchem Weg kann der Befehl „Gehorcht dem Gesandten“ umgesetzt werden?…………… Deshalb kann es keinen anderen Weg geben, als den Hadith anzunehmen und danach zu handeln. Andererseits wird dazu aufgefordert, zur endgültigen Klärung einander widersprechender Angelegenheiten zu Allah und zum Gesandten zurückzukehren. Zu Allah kann man zurückkehren, indem man Allahs Buch zu Hilfe nimmt; doch wie kann man in Abwesenheit des Gesandten zum Gesandten zurückkehren? Der Weg dazu besteht darin, die Sunna oder den Hadith des Gesandten anzunehmen. Erst dadurch kann dieser Befehl Allahs erfüllt werden. Einen anderen Weg gibt es nicht. Deshalb sagte Maimun ibn Mahran zur Auslegung des oben angeführten Verses:
******************************************************
Die Rückkehr zu Allah bedeutet die Rückkehr zum Buch Allahs, und die Rückkehr zum Gesandten bedeutet, dass man es ihm zu seinen Lebzeiten selbst vorlegt. Als Allah dann seine Seele nahm, bestand die praktische Bedeutung darin, zu seiner Sunna zurückzukehren.
Allāma Ibn Ḥaǧar al-ʿAsqalānī schrieb im Zusammenhang mit der Auslegung dieses Verses:
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Obwohl in Wirklichkeit allein Allah, der Erhabene, das Recht hat, dass Ihm Gehorsam geleistet wird, ist dennoch der Befehl, auch dem Gesandten zu gehorchen, erneut erteilt worden. Vor dem nachfolgenden „Ulū l-amr“ wurde der Befehl „gehorcht“ jedoch nicht erneut ausgesprochen. Der Grund dafür ist, dass der Mensch nur zwei Dingen verpflichtet ist zu folgen: dem „Koran und der Sunna“. Die Bedeutung ist daher folgende: Gehorcht Allah in den Angelegenheiten, über die im Koran eine klare Entscheidung getroffen worden ist; und gehorcht dem Gesandten in dem, was euch aus dem Koran mitgeteilt worden ist und was euch durch die Belege der Sunna dargelegt wurde. Die Gesamtbedeutung des Verses lautet somit: Gehorcht Allah, indem ihr die Gebote befolgt, die euch aus der rezitierten Offenbarung erteilt werden. Und gehorcht dem Gesandten, indem ihr die Gebote befolgt, die euch aus jener Offenbarung erteilt werden, die nicht der Koran ist.
Allāma Ṭayyibī schrieb in der Auslegung dieses Verses:
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Durch die Wiederholung des Gebots zum Gehorsam in Allahs Befehl „Gehorcht dem Gesandten“ wurde deutlich, dass der edle Gesandte (s.) Anspruch auf eigenständigen, unabhängigen und vollständigen Gehorsam hat. Da dieses Wort im Fall der „Ulī al-Amr“ nicht wiederholt wurde, wurde deutlich, dass es unter den „Ulī al-Amr“ auch solche geben kann, deren Gehorsam nicht verpflichtend ist. [125**************]
Wie schwer kann das Vergehen sein, wenn man dem edlen Gesandten (s.) ungehorsam ist? Über dieses Thema können wir aus dem folgenden Vers viele Erkenntnisse gewinnen. Allah, der Erhabene, sprach:
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O ihr Gläubigen, wenn ihr zu vertraulichen Beratungen zusammenkommt, dann beratet nicht über sündige Handlungen, Übertretungen und Ungehorsam gegenüber dem Gesandten. Beratet vielmehr über gute und gottesfürchtige Taten. Und fürchtet Allah, zu dem ihr alle versammelt werden werdet. [Sure al-Mudschādala, Vers 9]
In diesem Vers wird ausdrücklich verboten, dem Gesandten ungehorsam zu sein. Einerseits werden Sünde, Übertretung und Ungehorsam beziehungsweise Widersetzlichkeit gegenüber dem Gesandten erwähnt, andererseits gute und gottesfürchtige Taten. Das bedeutet, dass man durch Ungehorsam und Widersetzlichkeit gegenüber dem Gesandten ebenso Sünde und Übertretung begeht, wie man dadurch von allem Guten, von guten Taten und von Gottesfurcht ausgeschlossen wird. Am Ende des Verses wird unter Hinweis auf das Jenseits gesagt, dass man am Tag der Auferstehung eine schwere Strafe erleiden muss, wenn man dem Gesandten ungehorsam ist und sich ihm widersetzt.
Der Gehorsam gegenüber dem Gesandten und seine Befolgung sind eine immerwährende Pflicht im Leben eines Muslims. Allah, der Erhabene, sprach:
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So glaubt an Allah und an Seinen „ummī“-Propheten, der selbst an Allah und an Seine Worte glaubt, und folgt ihm. [Sure al-Aʿrāf, Vers 159]
In einem anderen Vers heißt es:
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Was immer der Gesandte euch gibt, das nehmt und haltet daran fest; und wovon er euch abhält, davon haltet euch fern. Fürchtet Allah (hinsichtlich der Befolgung der Anordnungen und Verbote des Gesandten); gewiss, Allah ist streng im Strafen. [Sure al-Haschr, Vers 7]
Wenn man den Anordnungen und Verboten des Gesandten nicht gehorcht oder sich ihm widersetzt, wird Allah Taʿālā eine strenge Strafe verhängen. Er sprach:
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Diejenigen, die sich dem Befehl des Gesandten widersetzen, sollten sich davor fürchten, dass sie ein Unglück treffen oder dass sie in eine schmerzhafte Strafe geworfen werden könnten. [Sure an-Nūr, Vers 63]
Die Rechtleitung und das Wohlergehen des Menschen hängen gänzlich davon ab, dass er die „Itāʿat“ – den Gehorsam gegenüber dem Gesandten – anerkennt und sein praktisches Leben auf der Grundlage seiner Befolgung führt.
Allah, der Erhabene, hat gesagt:
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Ihr werdet nur dann rechtgeleitet werden, wenn ihr dem Gesandten gehorcht und ihm folgt. [Sure an-Nur, Vers 54]
Auch der Gehorsam gegenüber Allah hängt vom Gehorsam gegenüber dem Gesandten ab. Mit anderen Worten: Ohne dem Gesandten zu gehorchen, ist es nicht möglich, Allah zu gehorchen. Genau dies wird im folgenden Vers in klaren Worten zum Ausdruck gebracht:
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Wer dem Gesandten gehorcht, der hat wahrhaftig Allah gehorcht. [Sure an-Nisa, Vers 80]
„Ittibāʿ“ und „Itāʿat“ gegenüber dem Gesandten
In den oben angeführten Versen wird neben dem Gehorsam gegenüber Allah in klaren Worten befohlen, auch dem Gesandten zu gehorchen und ihm zu folgen. Um diesen Befehl Allahs richtig zu verstehen, ist eine ausführliche Erklärung und Analyse der beiden im Koran verwendeten Begriffe „Ittibāʿ“ und „Itāʿat“ erforderlich. Hier werden wir diese beiden Begriffe ausführlich erörtern.
In der arabischen Sprache bezeichnet „Ittibāʿ“ das Hinterhergehen hinter einer Person. Ibn Manẓūr sagte in seinem berühmten Wörterbuch „Lisān al-ʿArab“:
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Imam al-Farrāʾ, der Imam auf dem Gebiet der Lexikographie und Grammatik, sagt: Mit Ittibāʿ ist gemeint, dass jemand vorausgeht und du hinter ihm hergehst. Wenn du nun sagst: „Ich betreibe Ittibāʿ gegenüber ihm“, bedeutet dies, dass du seinen Fußspuren folgend hinter ihm hergehst.
Im Werk „Tāj al-ʿUrūs“ heißt es:
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„Tubbū“ oder „Tubbū“, ebenso wie „Sukkāru“, bedeutet Schatten. Es wird Schatten genannt, weil es stets der Sonne folgt. In diesem Zusammenhang wird auch die höchste und vortrefflichste männliche Biene unter den Honigbienen „Tubbā“ genannt, denn alle gewöhnlichen Bienen folgen ihr blind.
Imam Abū al-Āmidī sagte bei der Darlegung seiner terminologischen Bedeutung:
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„Mutābiʿat – Befolgung –“ kann sich entweder auf Worte oder darauf beziehen, etwas zu tun oder nicht zu tun. Bei Worten bedeutet „Ittibāʿ“, entsprechend der Forderung und dem Wesen der Worte zu handeln. Bei Handlungen bedeutet „Ittibāʿ“, eine Handlung, die man bei jemandem beobachtet, genau so auszuführen, wie er sie ausführt – und sie gerade deshalb zu tun, weil er sie tut.
Auf Grundlage dieser Erklärung und Analyse lässt sich sagen, dass man zur Befolgung des Gesandten gemäß Allahs Anweisung jedes Wort des Gesandten genau so befolgen muss, wie es dem Ziel und der Forderung seiner Worte entspricht; ebenso muss man die Handlungen des Gesandten genau so ausführen, wie er sie ausgeführt hat. Andernfalls kann Allahs Befehl zur Befolgung des Gesandten nicht erfüllt werden.
Auch das Wort „Itāʿat“ bedarf einer entsprechenden Erklärung. In der arabischen Sprache bezeichnet „Itāʿat“, vor jemandem das Haupt zum Zeichen des Gehorsams zu beugen und die Befehle und Anordnungen von jemandem genau zu befolgen.
Im Werk „Lisān al-ʿArab“ wird erwähnt:
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Im maßgeblichen Wörterbuchwerk „Tahdhīb“ heißt es: Das betreffende Wort bedeutet, vor jemandem das Haupt zum Zeichen des Gehorsams zu neigen. Wenn jemand den Befehl eines anderen befolgt, sagt man, dass er ihm gehorcht hat.
Imam Abū l-Ḥasan al-Āmidī sagte bei der Darlegung der terminologischen Bedeutung des Wortes „Itāʿat“:
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Wenn jemand in der Absicht, jemanden für groß zu halten oder ihn groß zu machen, so handelt wie jener, dann sagt man, dass er ihm „gehorsam geworden“ ist.
Aus dieser Erörterung der lexikalischen und terminologischen Bedeutungen der beiden Wörter „Ittibāʿ“ und „Itāʿat“ wurde zweifellos deutlich, dass es die Pflicht eines jeden Muslims ist, die Worte und Taten des Gesandten vollständig anzunehmen und entsprechend zu befolgen – mit einem Wort: ihm vollkommen zu gehorchen und ihm zu folgen. Da sämtliche Überlieferungen über die Worte und Taten des Gesandten nur durch die Hadithe bekannt sein können, ist die Bedeutung der Hadithe im Islam unbestreitbar.
In diesem Zusammenhang erscheint es notwendig, noch einen weiteren Vers aus dem Edlen Koran anzuführen. Allah, der Erhabene, hat gesprochen:
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Nachdem in einer Angelegenheit eine Entscheidung und ein Befehl von Allah und dem Gesandten ergangen sind, können gläubige Männer und Frauen keinerlei Wahl mehr darüber haben, ob sie diese annehmen oder nicht. Wer Allah und seinem Gesandten ungehorsam ist, geht irre und entfernt sich weit vom Islam. [Sure al-Ahzāb, Vers 36.]
Aus diesem Vers lassen sich zugleich drei Dinge erkennen. Erstens: So wie Allah das unabhängige Recht hat, in einer Angelegenheit eine Entscheidung zu treffen oder einen Befehl zu erlassen, besitzt auch Allahs Gesandter genau dieses Recht. Zweitens: So wie gläubige Männer und Frauen verpflichtet sind, Allahs Befehl und Entscheidung anzunehmen, sind sie gleichermaßen verpflichtet, die Entscheidung und den Befehl des Gesandten anzunehmen. Drittens: So wie ein Mensch durch die Nichtbefolgung von Allahs Befehl und Entscheidung irregeht und ungläubig wird, muss er auch durch die Nichtbefolgung der Entscheidung und des Befehls des Gesandten in gleicher Weise irregehen und ungläubig werden.
Daher ist es für jeden Muslim unerlässlich, ebenso wie den Edlen Koran auch die in den zuverlässigen Aufzeichnungen – den Hadithen – überlieferten Befehle und Entscheidungen des Gesandten anzunehmen, um gläubig zu sein und als Gläubiger zu leben.
Die Unentbehrlichkeit der Hadithe
Der Hadith ist der Erklärer und Ausleger des edlen Korans. Ohne die Hilfe des Hadith ist es äußerst schwierig, den edlen Koran angemessen auszulegen und zu verstehen sowie seine richtige Zielsetzung und Geisteshaltung zu bestimmen. Deshalb sprach der edle Prophet (s) eine eindringliche Warnung hinsichtlich einer eigenmächtigen Koranauslegung aus und sagte:
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Wer den edlen Koran nach eigenem Gutdünken auslegt, soll sich seinen Sitz in der Hölle suchen.[Tirmidhi, Abwāb at-Tafāsīr, überliefert von Ibn Abbās.]
Im Hadith ist überliefert:
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Wer den edlen Koran nach eigenem Gutdünken auslegt, irrt, selbst wenn seine Auslegung richtig sein sollte.[Tirmidhi, Abwāb at-Tafāsīr, überliefert von Dschundub.]
Wie scharfsinnig, präzise und weitblickend der menschliche Verstand auch sein mag, er ist gewiss begrenzt. Nachdem er eine bestimmte Grenze erreicht hat, muss er scheitern und seine eigene Unfähigkeit offenbaren und beweisen. Der Rationalismus beziehungsweise die Vergötzung des Verstandes ist jedoch nicht bereit, irgendeine Grenze anzuerkennen. Wenn Verstand und Gewissenskraft nicht durch die Sunna des Gesandten kontrolliert werden, sind sie nichts anderes als Rationalismus und Gewissensvergötzung. Dieser Rationalismus und diese Gewissensvergötzung zwingen den Menschen dazu, die Grenzen des Gehorsams gegenüber Allah zu überschreiten. Außerdem wird dadurch einerseits dem Koran Unrecht getan, weil er falsch und gegensätzlich ausgelegt wird, und der Mensch wird gerade deshalb des Glücks beraubt, nach dem Koran zu leben; andererseits entstehen unter den Koran-Gläubigen schwere Meinungsverschiedenheiten, und infolge der Entstehung verschiedener widerstreitender Ideologien oder Sichtweisen wird die muslimische Gemeinschaft vielfach gespalten. Viele Menschen beginnen bei dieser Gelegenheit außerdem, mit dem Koran willkürlich zu verfahren, und lesen Zeile für Zeile ihre selbst erdachten oder fremden Gedanken in den Koran hinein. Der Hadith des Gesandten errichtet auf diesem Weg ein starkes Hindernis. Er eröffnet den Menschen den weiten Weg der koranischen Rechtleitung, bewahrt sie vor Irreführung und Verwirrung und führt sie auf den richtigen, geraden und aufrechten Weg.
Der edle Prophet (s) war der Träger des Korans, und der Koran war auf ihn herabgesandt worden; doch legte er den Menschen nicht nur den Koran vor, sondern stellte auf dessen Grundlage und um dessen Mittelpunkt herum eine vollständige Ordnung des Islam dar. Deshalb verkündete er selbst auf vielfältige Weise die Bedeutung der Sunna und des Hadith neben dem Koran. An dieser Stelle halten wir es für notwendig, einige wichtige Hadithe zu diesem Thema anzuführen.
Hadhrat Miqdām ibn Maʿdī Karib (Allahs Wohlgefallen sei ihm) sagte: Der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sprach:
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Gebt acht! Mir ist der Koran gegeben worden und zugleich etwas, das ihm gleich ist. Gebt acht! Vielleicht wird ein wohlhabender Mann, zurückgelehnt auf seinem vornehmen Sitz, zu sagen beginnen: „Nehmt nur diesen Koran an; was ihr darin als erlaubt findet, haltet für erlaubt, und was ihr darin als verboten findet, haltet für verboten.“ Doch in Wahrheit ist das, was der Gesandte verboten hat, ebenso verbindlich wie das, was Allah für verboten erklärt hat. (Ibn Mādscha, Seite 3; Abū Dāwūd, Kitāb as-Sunna.)
Derselbe Hadith wird im Werk „Sunan ad-Dārimī“ mit folgenden Worten überliefert:
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Vielleicht wird ein Mann, an seinen Sitz gelehnt, meine Worte erwähnen und sagen: „Zwischen euch und uns gibt es nur Allahs Buch. Was immer wir darin als erlaubt finden, werden wir für erlaubt halten, und was wir darin als verboten finden, werden wir als verboten annehmen.“ (Darauf sagt der Gesandte:) „Gebt acht! Was der Gesandte Allahs verboten hat, ist ebenso wie das von Allah bestimmte Verbot.“ (Sunan ad-Dārimī, Seite 70.)
Diese Aussage des Gesandten tritt im folgenden Hadith noch deutlicher hervor. Hadhrat al-ʿIrbāḍ ibn Sāriya sagte:
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Der edle Prophet (s) sagte: Glaubt etwa jemand von euch, der auf seinem Sitz sitzt, dass Allah der Erhabene außer dem, was im Koran erwähnt wird, nichts anderes verboten hat? Wahrlich, bei Allah, auch ich habe viele Anordnungen erlassen, Ermahnungen gegeben und viele Dinge verboten; auch diese sind ebenso verbindlich wie der Koran oder sogar noch mehr. [Abū Dāwūd, Kitāb as-Sunna; in der Überlieferungskette ist Aschʿath ibn Schuʿba ein Überlieferer, doch gegen die Annahme des von ihm überlieferten Hadiths wurden Einwände erhoben.]
Der Hadith muss ebenso wie der Koran angenommen werden, und dass kein authentischer Hadith dem Koran widersprechen kann, wird durch den folgenden Hadith bewiesen. Einst überlieferte Saʿīd ibn Dschubair (r.a.) einen Hadith des edlen Propheten (s). Ein anwesender Mann sagte:
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Diesbezüglich gibt es im Koran eine Aussage, die diesem Hadith widerspricht.
Da sagte Saʿīd:
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Ich überliefere dir einen Hadith des Gesandten, und du behauptest, er widerspreche dem Buch Allahs. Dabei war der edle Gesandte mit dem Buch Allahs besser vertraut als du. [Sunan ad-Dārimī, Seite 77.]
Auf dem Weg der Rechtleitung zu bleiben und sich vor dem Irrgang zu bewahren, hängt davon ab, sowohl den Koran als auch den Hadith anzunehmen und danach zu handeln. In diesem Zusammenhang sollen hier zwei vom edlen Gesandten (s) überlieferte Hadithe erwähnt werden. Abū Huraira (r.a.) berichtet: Der edle Prophet (s) sagte:
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Ich hinterlasse euch zwei Dinge. Solange ihr diesen beiden folgt, werdet ihr danach niemals in die Irre gehen. Sie sind das Buch Allahs und meine Sunna (Hadithe); und diese beiden Dinge werden niemals voneinander getrennt sein, bis sie am Tag der Auferstehung am Hawd al-Kawthar erscheinen. [Mustadrak al-Hakim, Band 1, Seite 13.]
Der edle Gesandte (S) sagte in der Predigt anlässlich der Abschiedspilgerfahrt:
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Zwei Dinge, die ich unter euch zurücklasse: Solange ihr an diesen beiden Dingen festhaltet, werdet ihr niemals in die Irre gehen. Sie sind das Buch Allahs und die Sunna des Gesandten. [Ebenda, überliefert von Malik ibn Anas.]
In der Überlieferung von Ibn Ishaq lautet der Wortlaut dieser Predigt wie folgt:
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Ich hinterlasse euch etwas, woran ihr, wenn ihr fest daran festhaltet, niemals in die Irre gehen werdet. Es ist das Buch Allahs und die Sunna Seines Propheten (S). [Tafsir Ruh al-Maʿani, Band 5, Seite 198.]
In der Sīra des Ibn Hischām wird dieser Abschnitt der Abschiedspredigt in folgenden Worten überliefert:
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O ihr Menschen, ich hinterlasse euch einen Schatz. Wenn ihr daran mit großer Festigkeit festhaltet, werdet ihr niemals irregehen. Dieser Schatz ist das Buch Allahs und die Sunna Seines Propheten.
In der Versammlung von Imran ibn Husain (r.a.) sagte ein Mann:
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Berichten Sie uns nichts außer dem Koran.
Da rief Imran den Mann zu sich und sagte:
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Hast du dir überlegt: Wenn man dich und deine Gefährten ausschließlich auf den Koran verwiese, würdest du dann im Koran die Erwähnung von vier Rakʿa des Zuhr-, vier Rakʿa des ʿAsr- und drei Rakʿa des Maghrib-Gebets finden?
Er nahm das Thema der Hadsch auf und sagte:
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Findest du allein im Edlen Koran die Vorschrift, siebenmal das Baytullah zu umrunden, zwischen Safa und Marwa zu laufen, auf der Ebene von Arafat zu verweilen und Steinchen zu werfen?
Er sagte ferner: Im Koran ist angeordnet, die Hand des Diebes abzuschlagen, aber—
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Von welcher Stelle muss die Hand des Diebes abgeschlagen werden?…………… Steht im Koran geschrieben, ob von hier oder von hier?
Die Bedeutung und Unentbehrlichkeit der Sunna und der Hadithe tritt aus diesen Argumenten klar hervor. Die Gelehrten der frühen Zeit erkannten ihre Bedeutung in vollem Umfang an. Die ehrwürdigen Gefährten, die Tabiʿun und die Tabiʿ al-Tabiʿin betrachteten die Hadithe ebenso wie den Koran als verbindlich zu befolgende Angelegenheit. Eine ausführliche Erörterung hierzu wird an geeigneter Stelle vorgelegt werden. Hier wollen wir bei passender Gelegenheit einige Aussagen früherer Gelehrter anführen, aus denen die Bedeutung der Anerkennung von Hadithen und Sunna deutlich hervorgehen wird.
An dieser Stelle muss zunächst ein Ereignis aus der Zeit der Gefährten erwähnt werden. Ein Mann sagte zu Hadhrat Imran ibn Husain (ra):
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Ihr überliefert uns Hadithe, für die wir im Koran keinerlei Grundlage finden können.
Darüber wurde Hadhrat Imran äußerst zornig und sagte, an den Fragesteller gewandt:
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Ist im Edlen Koran etwa festgelegt, dass für je vierzig Dirham ein Dirham Zakat zu entrichten ist, je vierzig Schafe ein Schaf und je fünfundzwanzig Kamele ein Kamel – findet ihr den Nisab der Zakat im Edlen Koran?
Mit anderen Worten: Das ausdrückliche Gebot, Zakat zu entrichten, ist im Edlen Koran in klaren Worten angeführt; aber sind darin auch die detaillierten Bestimmungen und Regelungen dazu erwähnt?
Der Mann sagte: „Nein, das findet sich nicht im Koran.“ Darauf sagte Hadhrat Imran:
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Wie konntet ihr dann diese detaillierten Bestimmungen der Zakāt erfahren? All dies habt ihr von uns (den Gefährten) erhalten, und wir haben es vom Gesandten Allahs (durch die Hadithe) erlangt.
Auf Grundlage dieses Hadith haben die Hadith-Gelehrten einstimmig folgenden Grundsatz und folgende Formel nachgewiesen:
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Die grundlegenden Bestimmungen aller Angelegenheiten sind im Koran erwähnt; ihre Verzweigungen und Einzelheiten (sowie die praktischen Regeln und Vorschriften) sind jedoch allesamt aus den Überlieferungen des Gesandten bekannt geworden.
Makhūl ad-Dimaschqī sagte:
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Der Koran ist in höherem Maße auf den Hadith oder die Sunnah angewiesen; die Sunnah ist nicht in gleichem Maße auf den Koran angewiesen.
Auch Imam al-Auza’i sagte dies mit folgenden Worten:
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Die Sunna ist für die Auslegung des Buches Allahs notwendiger; für die Auslegung der Sunna ist der Koran jedoch nicht in demselben Maße erforderlich.
Yahya ibn Abi Kathir sagte:
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Die Sunna beziehungsweise die Hadithe sind gegenüber dem Koran maßgeblicher; der Koran kann kein Urteil fällen, das der Sunna widerspricht.
Imam Ahmad ibn Hanbal sagte bei der Erläuterung dieser beiden Aussagen:
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Die Sunnah oder der Hadith erklärt und analysiert den Koran, und die Sunnah erläutert dessen Bedeutung in klaren Worten.[********]
Schah Waliullah Dehlawi verkündete die Bedeutung und Unentbehrlichkeit des Hadith mit folgenden Worten:
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Die Hadith-Wissenschaft ist im Vergleich zu allen Arten von Wissen und Wissenschaft höher und vorzüglicher und bildet die Grundlage für die verschiedenen Bereiche der Religion des Islam. Im Hadith werden die von dem vortrefflichsten Propheten und seinen Gefährten überlieferten Worte, Taten und Billigungen wiedergegeben. Wahrlich, er ist ein Leuchtturm in der Finsternis und gleicht einem Vollmond, der nach allen Seiten Licht verbreitet. Wer ihm folgt und ihn sich zu eigen macht, wird den rechten Weg finden. Er wird großen Segen erlangen. Wer ihn jedoch verwirft und sich von ihm abwendet, wird irregehen, seinen Begierden folgen und schließlich in hohem Maße Schaden erleiden. Denn der edle Prophet (s) hat viele Handlungen verboten und viele Handlungen angeordnet. Er hat vor den Folgen der Sünde gewarnt und die frohe Botschaft vom Lohn für gute Taten verkündet. Er hat die Menschen durch viele Beispiele ermahnt. Daher ist er gewiss ebenso wichtig wie der Koran oder noch wichtiger.[Hujjatullah al-Baligha, 1. Band, Seite 1.]
Schah Dehlawi sagte ferner:
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Die Sunnah oder der Hadith ist der Erklärer des Korans und widerspricht ihm in keiner Weise.[***********************]
In diesem Zusammenhang wird auch der folgende Ausspruch von Imam Abū Ḥanīfa angeführt:
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Ohne die Existenz der Sunna oder der Hadithe könnte niemand unter uns den Koran verstehen.
In diesem Zusammenhang ist auch die folgende Aussage besonders erwähnenswert:
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Von Rabīʿa wird überliefert, dass er sagte: „Wahrlich, Allah, der Erhabene, hat dir, o Prophet, den Koran in äußerst ausführlicher Weise offenbart; doch hat Er darin Raum für die Hadithe und die Sunna gelassen. Der edle Prophet hat diese Sunna und diese Hadithe festgelegt, wobei darin auch die Möglichkeit des Idschtihād oder der Anwendung eigener Überlegung belassen wurde.“
Imam ʿUbaid schrieb:
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Zwischen den Bestimmungen Allahs und des Gesandten hinsichtlich des Erlaubten und Verbotenen besteht kein Unterschied. Der Gesandte erließ keine Bestimmung, deren Gegenteil aus dem Koran nachgewiesen wäre. Vielmehr ist die Sunna (Hadith) die Erläuterung des von Allah herabgesandten Buches sowie die Auslegung der Rechtsbestimmungen des Korans und der Scharia. (Kitāb al-Amwāl – Abū ʿUbayd, S. 544.)
Der Leugner des Hadith ist ein Kāfir
Die Imame der islamischen Rechtswissenschaft haben völlig übereinstimmend erklärt, dass derjenige, der Hadithe ablehnt, irregeleitet ist und den Islam verlassen hat. Ishāq ibn Rāhwayh sagte:
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Wenn jemandem ein Hadith vom edlen Gesandten (s) übermittelt wurde, er dessen Wahrheit und Authentizität anerkennt und es dennoch ohne irgendeinen Grund zurückweist, muss er als Kāfir betrachtet werden.
Imam Ibn Hazm schrieb in seinem Werk »Al-Ahkām«:
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Wer sagt: „Wir werden nur das annehmen, was im Koran zu finden ist, und nichts anderes annehmen“, ist aufgrund des Konsenses der gesamten muslimischen Umma ein Kāfir.
Hazrat Umar ibn al-Khattab (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) sagte:
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Schon sehr bald werden Leute kommen, die mit euch über den Qurʾān streiten und dabei Zweifel am Qurʾān hegen. Haltet sie mit Hilfe der Sunna oder der Hadithe in Schach. Denn die Träger der Sunna beziehungsweise die Hadith-Gelehrten besitzen größere Kenntnis vom Buch des erhabenen Allah.*********************************
Hadith und der Idschtihad des Gesandten
Die gesamte Menschheit hat durch den edlen Propheten zwei Dinge erhalten. Das eine ist der edle Qurʾān, das zweite die Sunna. Der Qurʾān ist unmittelbar das Wort Allahs; er wurde von Allah selbst durch die Offenbarung herabgesandt. Auch die eigentliche Quelle der Sunna ist die Offenbarung. Es ist wahr, dass der edle Gesandte in vielen Fällen selbst Idschtihad betrieben hat; doch auch dieser war nicht ohne Offenbarung. Entweder besteht zu ihr ein unmittelbarer Zusammenhang mit der Offenbarung, oder er wurde durch die Offenbarung bestätigt und genehmigt. Daher muss auch der Idschtihad des Gesandten als eine Quelle des Islam anerkannt werden.
In diesem Zusammenhang ist die Erörterung von Shah Waliullah Dehlawi besonders erwähnenswert. Im Rahmen seiner klaren Erklärung und Analyse dieses Themas schrieb er:
Die Hadithe, die in den Hadith-Werken vom Gesandten überliefert und zitiert worden sind, sind von zweierlei Art. Die erste Art von Hadithen ist jene, die zum Zweck der Erfüllung der Aufgabe des Gesandtenamtes gesprochen wurde. Der Qurʾān-Vers:
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Zu diesem umfassenden Bereich gehören jene Hadithe, auf die sich die Worte beziehen: „Nehmt an, was der Gesandte euch gibt, und haltet euch von dem fern, was er euch untersagt.“ Eine Art dieser Hadithe behandelt den Zustand des Jenseits und die erstaunlichen Dinge der Welt des Malakut. Die Grundlage all dieser Dinge ist die Offenbarung. Die Hadithe, in denen die Vorschriften und Bestimmungen der Scharia dargelegt, die Säulen und Regeln der Gottesdienste erläutert sowie Erklärungen und Ermahnungen zu den verschiedenen Bereichen und Verzweigungen der Lebensführung gegeben werden, bilden die erste Kategorie der Hadithe der ersten Phase. Von den Hadithen dieser ersten Phase und der zweiten Kategorie sind einige offenbarungsbedingt, andere beruhen auf dem eigenen Idschtihad des edlen Gesandten. Es muss jedoch festgehalten werden, dass auch der Idschtihad des edlen Gesandten der Offenbarung gleichgestellt ist. Denn Allah, der Erhabene, ließ ihn keinen falschen Idschtihad vornehmen. Sollte sein Idschtihad jemals fehlerhaft gewesen sein, ließ Er ihn nicht bei diesem Fehler verbleiben. Sobald irgendein Fehler auftrat, war es unerlässlich, dass Allah ihn unverzüglich korrigierte und richtigstellte.
Schah Waliullah schrieb diese letzten Worte in folgender Weise:
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Ein Teil dieser Art von Hadithen beruht auf der Offenbarung, ein anderer auf dem Idschtihad. Der Idschtihad des edlen Gesandten (S) ist jedoch ebenfalls der Offenbarung gleichgestellt. Denn Allah, der Erhabene, bewahrte den Gesandten davor, an einer fehlerhaften Ansicht festzuhalten.
Der Ursprung der Hadithe
Aus der vorangegangenen ausführlichen Erörterung sind die Stellung der Hadithe im islamischen Leben sowie ihre Bedeutung und Unentbehrlichkeit eindeutig hervorgegangen. In diesem Abschnitt wird nun erörtert, wie die Hadithe überliefert und erlangt wurden; dies wird das Hauptthema der folgenden Ausführungen sein.
Die edlen Gefährten waren die ersten, die Hadithe vom ehrwürdigen Propheten (S) hörten. Um eine richtige und umfassende Kenntnis der Religion des Islam zu erlangen, saßen sie erwartungsvoll am Hof des Gesandten. Sie umgaben den edlen Propheten (S) vierundzwanzig Stunden am Tag. Wenn er irgendwohin ging, folgten sie ihm wie sein Schatten.
Der edle Gesandte war in jedem Augenblick seines Lebens der Erklärer der islamischen Gebote. Er gab ihnen nicht nur durch seine Worte, sondern auch durch seine eigenen Handlungen sowie durch die Billigung der Worte und Handlungen seiner Gefährten eine praktische Erklärung. Auf diese Weise sammelten und bewahrten die Gefährten den kostbaren Schatz der Hadithe. Wann immer sich in irgendeinem Bereich der Religion des Islam eine Schwierigkeit oder Unkenntnis zeigte oder eine Frage aufkam, fragten sie den Gesandten nach dem betreffenden Sachverhalt und erhielten eine Antwort; und die edlen Gefährten (R) bewahrten diese als einen unschätzbaren Schatz.
Darüber hinaus lassen sich in der Geschichte der Hadith-Wissenschaft noch weitere Wege der Entstehung von Hadithen deutlich erkennen. Hadhrat Dschibril (a.s.) erschien bisweilen verkleidet beim Gesandten und lehrte die anwesenden Gefährten indirekt, indem er dem Gesandten Fragen zu verschiedenen Themen stellte und sich deren Antworten geben ließ. Der berühmte Hadith, der in Sahih al-Buchari und Sahih Muslim als „Hadith des Dschibril“ überliefert ist, stellt hierfür einen unumstößlichen Beweis dar. Darin wird berichtet, dass ein unbekannter, gut gekleideter Mann beim Gesandten erschien und Fragen zu grundlegenden Themen wie Islam, Iman, Ihsan und dem Tag der Auferstehung stellte. Der edle Gesandte (s.a.w.s.) beantwortete jede einzelne Frage angemessen. Danach verließ er die Versammlung. Der edle Gesandte (s.a.w.s.) fragte unter den anwesenden Gefährten Hadhrat Umar al-Faruq (r.a.):
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O Umar, weißt du, wer dieser Fragesteller war?
Als Hadhrat Umar (r.a.) seine Unkenntnis zum Ausdruck brachte, sagte der edle Gesandte (s.a.w.s.) selbst:
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Dieser Fragesteller war Dschibril; er war zu euch gekommen, um euch eure Religion zu lehren.
Im Folgenden werden wir aus maßgeblichen Büchern einige Begebenheiten anführen, aus denen hervorgeht, dass die Gefährten dem Gesandten zu verschiedenen Themen Fragen stellten und sich von ihm Antworten geben ließen.
Tatsächlich war es nichts Ungewöhnliches, dass die Gefährten dem edlen Propheten (s.a.w.s.) Fragen stellten. Er selbst stellte ihnen Fragen, hatte sie angewiesen, bei ihm nachzufragen, sich Kenntnis zu verschaffen und danach zu handeln, und er ermahnte sie von Zeit zu Zeit nachdrücklich dazu. Hadhrat Abdullah ibn Abbas (r.a.) berichtet: Zur Zeit des edlen Propheten (s.a.w.s.) wurde ein Mann, der verletzt worden war, angewiesen, die Ganzkörperwaschung vorzunehmen. Danach starb er. Als der edle Prophet (s.a.w.s.) davon hörte, sagte er mit zorniger Stimme:
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Allah! Möge Allah jene Leute zugrunde richten. Warum haben sie mich nicht gefragt? Ist das Fragen nicht das Heilmittel gegen jede Unwissenheit?
Hazrat Nawwas ibn Salman sagte: Ich blieb ein ganzes Jahr lang in Medina, um dem Gesandten Allahs eine Frage zu stellen.
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Schließlich fragte ich ihn nach „Birr“ und „Ithm“. Er antwortete: „Birr ist edler Charakter, und Ithm ist das, was in dir Zweifel und Unbehagen hervorruft und von dem du nicht möchtest, dass die Menschen davon erfahren.“
Nicht nur die in Medina anwesenden Menschen stellten dem Gesandten Fragen; auch Neubekehrte aus weit entfernten Städten und ländlichen Gegenden kamen zu ihm und stellten Fragen. Eines Tages saß der edle Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in der Prophetenmoschee, umgeben von seinen Gefährten. Da kam ein Mann auf einem Kamel angeritten. Er bat den Gesandten um Erlaubnis, ihm Fragen zu stellen, und sagte:
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Ich werde Ihnen Fragen stellen und dabei äußerst hartnäckig sein; nehmen Sie mir das bitte nicht übel.
Als der edle Prophet (S) ihm daraufhin gestattete, Fragen zu stellen, fragte er nach Allah, nach der Entsendung des Gesandten als Gesandter zu allen Menschen, nach den fünf täglichen Gebeten, dem Fasten während eines Monats und der Pflicht, von den Reichen Zakat einzuziehen und sie unter den Armen zu verteilen. Der edle Gesandte (S) antwortete:
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Ja, Allah Ta’ala hat all dies zur Pflicht gemacht.
Schließlich sagte jener Mann, durch die Antwort des Gesandten ermutigt:
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Ich glaube an die Religion, die du gebracht hast. Mein Name ist Dimam ibn Tha’laba; ich bin als Vertreter meines Volkes zu dir gekommen.
Hazrat Anam berichtet: Ein Mann aus dem ländlichen Gebiet kam und fragte den edlen Gesandten (S):
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Ist es wahr, dass dein Gesandter zu uns gegangen ist und uns berichtet hat, du behauptest, Allah habe dich als Gesandten gesandt?
Der edle Prophet (S) bestätigte dies in seiner Antwort. Daraufhin fragte jener Mann den Gesandten nach der Wahrheit dessen, was er zuvor über einige grundlegende Angelegenheiten der Religion des Islam gehört hatte. Nachdem der Gesandte (S) ihm deren Wahrheit erklärt hatte, rief er mit lauter Stimme aus:
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Ich schwöre bei dem Namen Allahs, der dich mit der wahren Gesetzgebung gesandt hat: Ich werde von den Dingen, die du dargelegt hast, nichts hinzufügen und nichts davon wegnehmen.[****************]
Eine Delegation des Stammes Abd al-Qais erschien beim edlen Propheten (S) und sagte, als sie ihre Schwierigkeiten schilderte: „O Gesandter, zwischen uns und dir liegt ein Stamm von Götzendienern; deshalb können wir nur in den vier Monaten, in denen Krieg verboten ist, zu dir kommen.“ Daher:
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Sage uns etwas über die grundlegenden Angelegenheiten der Religion des Islam, woran wir uns halten und danach handeln können, damit wir ins Paradies eintreten, und wozu wir die Menschen, die hinter uns zurückbleiben, aufrufen können, ebenfalls danach zu handeln.[Bukhari Sharif, 2. Band, S. 627-************]
Eine Gruppe von Menschen aus dem Stamm Banu Tamim und aus dem Jemen erschien beim Gesandten und trug vor:
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Wir sind zu dir gekommen, um tiefgehende Kenntnis über den Din des Islam zu erlangen. Wir fragen dich auch danach, was am Ursprung und in der ersten Phase dieser Schöpfung war.[Buchari, Band 1, Seite 15.]
Eine Anzahl junger und gleichaltriger Männer aus den Banu Laith ibn Bakr ibn Abd Manaf ibn Kinana in Basra kam zum Aufenthaltsort des Gesandten in Medina und blieb dort etwa zwanzig Tage. Als sie von Unruhe ergriffen wurden und in ihre Heimat zurückkehren wollten, sagte der edle Prophet (S) zu ihnen:
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Kehrt zurück und lebt mit euren Familienangehörigen zusammen. Lehrt sie den Din des Islam. Verrichtet das Gebet. (Buchari)
In einer anderen Überlieferung bei Muslim heißt es danach:
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(so, wie ihr mich das Gebet verrichten gesehen habt). Und wenn die Zeit des Gebets gekommen ist, soll einer von euch für alle den Adhan ausrufen, und der Älteste von euch soll das Gebet leiten.[Buchari, Band 1, *****************]
Der ehrwürdige Prophet (s) lehrte diese Gruppe junger Männer zwanzig Tage lang praktisch viele Dinge über die Religion des Islam. Er lehrte sie auch alle Regeln und Vorschriften der Scharia und der gottesdienstlichen Handlungen. So entstanden einerseits zahlreiche Hadithe; andererseits konnten eben diese Hadithe des Gesandten durch zuverlässige Gefährten von Medina bis ins weit entfernte Basra gelangen und verbreitet werden.
Der ehrwürdige Abū Huraira (ra) berichtet: Der ehrwürdige Abū Huraira (ra) berichtet: Wir saßen beim Gesandten. Er war damit beschäftigt, mit den Menschen zu sprechen. Da kam ein arabischer Beduine und fragte den Gesandten: „Wann wird die Qiyāma eintreten?“ Nachdem der ehrwürdige Prophet (s) seine Worte beendet hatte, rief er den Beduinen und sagte zu ihm:
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Wenn das anvertraute Gut zu verderben beginnt, dann erwarte die Qiyāma.
Der Mann fragte: Wie wird das anvertraute Gut verderben?
Der ehrwürdige Prophet (s) sagte:
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Wenn eine verantwortungsvolle Aufgabe einer ungeeigneten Person anvertraut wird, dann halte die Zeit des Wartens auf die Qiyāma für gekommen. [Bukhārī Sharīf, 1. Band, S. 14.]
Aus all diesen Ereignissen wird eindeutig bewiesen, dass bei allen Gefährten ein starkes Verlangen vorhanden war, vom Träger des Korans, Hadhrat Muhammad (s), über die verschiedenen grundlegenden und auch die kleinsten Einzelheiten des Islams Kenntnis zu erlangen, und dass sie dafür Anstrengungen und Mühen auf sich zu nehmen bereit waren. Und alles, was der ehrwürdige Gesandte als Antwort auf diese Fragen gesagt, an Taten vollbracht und an Worten und Taten gebilligt hat, gehört zur umfassenden Erläuterung der islamischen Lebensordnung; eben dies ist der Hadith. Was Allama Badruddin Aini hierzu geschrieben hat, soll hier angeführt werden:
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Die ehrwürdigen Gefährten fragten den Gesandten nach Erläuterungen und der Bedeutung vieler wichtiger Angelegenheiten. Der edle Prophet (s) versammelte sie und lehrte sie die Religion. Einige der Gefährten stellten dem Gesandten Fragen und erhielten Antworten; andere merkten sich diese, und wieder andere übermittelten sie anderen und machten sie ihnen bekannt. Auf diese Weise führte Allah, der Erhabene, Seine Religion zur Vollkommenheit.[***********]
Dies ist zweifellos eine maßgebliche Darstellung über die Entstehung der Hadith-Wissenschaft. In diesem Zusammenhang ist auch ein Zitat von Imam Ibn Qayyim von besonderer Bedeutung. Im Zuge seiner Erörterung der Ankunft eines Stammes namens Banu Muntafiq erwähnt er eine Frage, die sie gestellt hatten, und schreibt anschließend:
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Daraus geht hervor, dass die Gefährten dem Gesandten ihre verschiedenen Fragen und Zweifel vortrugen und dass er ihnen darauf antwortete. Dadurch fanden ihre Herzen Beruhigung. Auch seine Gegner stellten ihm Fragen, ebenso wie seine Gefährten. Der Unterschied bestand darin, dass die Gegner fragten, um zu streiten und ihre eigene Tapferkeit zu beweisen, während die Gefährten fragten, um das Wesen der Religion zu verstehen, ihre Erkenntnis zu vertiefen und mehr und mehr Glauben zu erlangen. Der Gesandte (s) beantwortete ihnen allen ihre Fragen. Über Angelegenheiten jedoch, deren Antwort er nicht wusste – wie etwa den Zeitpunkt des Eintretens der Auferstehung –, gab er keine Antwort.[****************]
Der edle Prophet (s) beantwortete nicht nur die Fragen der Menschen, wodurch Hadithe entstanden; vielmehr lehrte er selbst die Gefährten je nach Bedarf ausführlich über die Religion. In den Hadithen finden sich zahlreiche Berichte über solche Ereignisse. Hier führen wir zwei oder einige wenige Berichte dieser Art an.
1. Hazrat Abu Zayd al-Ansari (ra) berichtet: „Eines Tages verrichtete der edle Prophet (s) mit uns das Morgengebet. Danach stieg er auf die Kanzel, blieb dort stehen und hielt zu uns eine Ansprache. Diese Ansprache dauerte bis zur Zeit des Mittagsgebets. Dann stieg er herab und verrichtete das Mittagsgebet. Nachdem er das Gebet verrichtet hatte, stieg er wieder auf die Kanzel, blieb dort stehen und hielt weiterhin eine Ansprache. Dies dauerte bis zum Nachmittagsgebet. Als die Zeit des Nachmittagsgebets gekommen war, stieg er herab und verrichtete das Nachmittagsgebet. Nachdem er das Gebet verrichtet hatte, stellte er sich erneut auf die Kanzel und begann eine Ansprache zu halten. Diese Ansprache dauerte bis zum Sonnenuntergang. In dieser langen, einen ganzen Tag dauernden Ansprache berichtete er uns vieles aus der Vergangenheit und der Zukunft. Er berichtete es uns nicht nur, sondern ließ es uns wissen und auswendig lernen.“ [Musnad Ahmad ibn Hanbal, 1. Band, S. 153.]
2. Hazrat Hanzala (ra) berichtet: Eines Tages waren wir beim Gesandten (s). Zu dieser Zeit schilderte er uns ausführlich das Paradies und die Hölle. Dadurch traten diese beiden Dinge vor uns strahlend und deutlich hervor, als könnten wir sie unmittelbar sehen………………. [Musnad Ahmad ibn Hanbal, 1. Band, S. 153.]
Hier konnten nur zwei Überlieferungen angeführt werden, obwohl in den Hadith-Büchern zahlreiche Aussagen dieser Art erwähnt werden. Schon aus diesen beiden Berichten geht eindeutig hervor, dass der edle Prophet (s) bei Bedarf oftmals aus eigenem Antrieb vieles über die Religion sagte; die Gefährten merkten sich all diese Aussagen und überlieferten diese Hadith-Aussagen anderen Menschen.
Auch dies ist in der Entstehungsphase des Hadith zu erwähnen.
Die Bewahrung des Hadith
Der Islam ist eine ewige Lebensordnung für die gesamte Menschheit. Daher hat Allah, der Erhabene, selbst die Verantwortung für die Bewahrung ihrer wichtigsten und grundlegenden Grundlage, des edlen Qur’an, übernommen. Er hat verkündet:
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„Wahrlich, Wir haben den Qur’an herabgesandt, und wahrlich, Wir sind sein Bewahrer.“ [Sure al-Hidschr, Vers 9.]
Tatsächlich hat Allah der Erhabene zugleich mit der Offenbarung des Edlen Korans umfassende und zuverlässige Vorkehrungen für dessen vollständige Bewahrung getroffen. Der Koran wurde durch Gabriel dem edlen Gesandten offenbart, und dieser trug ihn den Menschen unverzüglich vor. Danach wurden zu seiner dauerhaften Bewahrung zwei Maßnahmen ergriffen. Einerseits lernten die edlen Gefährten ihn unmittelbar beim Hören auswendig. Sie bewahrten jedes seiner Wörter und jeden seiner Buchstaben für immer in den Schatzkammern ihres Gedächtnisses. [Schah Abd al-Qadirs Ausführungen zur Erläuterung von Sure al-Ankabut, Vers 49, **************** Seite 124.]
Dadurch konnte kein einziger Punkt davon ausgelöscht oder verfälscht werden. Auch hinsichtlich des Nutzens dieser Bewahrungsmethode ist der Edle Koran in der Geschichte der himmlischen Bücher einzigartig; kein anderes Buch der Welt gilt als etwas, dessen Auswendiglernen eine gewaltige verdienstvolle Tat sei. Aus diesem Grund wird der Edle Koran seit jeher auswendig gelernt. Selbst wenn der in Buchform niedergeschriebene Koran heute völlig verschwinden sollte, könnte der in der Erinnerung der Bewahrer bewahrte Edle Koran seinen Platz einnehmen. Es wäre nicht im Geringsten schwierig, den Koran erneut schriftlich niederzulegen. Dass dies ein Wunder des Edlen Korans ist, steht außer Zweifel.
Andererseits ließ der edle Prophet (s) den Koran seit Beginn seiner Offenbarung ununterbrochen von eigens dafür eingesetzten Offenbarungsschreibern niederschreiben. Der folgende von Bara ibn Asib (r.a.) überlieferte Hadith ist dafür ein eindrucksvoller Beweis:
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Als dieser Vers offenbart wurde: „Die untätigen Gläubigen und diejenigen, die auf Allahs Weg kämpfen, können niemals gleich sein“, sagte der edle Prophet: „Ruft Zaid und sagt ihm, er solle Tinte, eine Schreibtafel und dergleichen mitbringen.“ Als er (Zaid) kam, sagte der edle Prophet: „Schreib diesen Vers auf ………………….“ [Sahih al-Buchari, Band 2, Seite 746.]
Auf diese Weise wurde der gesamte Edle Koran noch zu Lebzeiten des edlen Propheten von bestimmten Schreibern niedergeschrieben. Etwa vierzig Gefährten waren mit der Niederschrift des Edlen Korans beauftragt. [***********] Etwa sechsundzwanzig Gefährten unter ihnen waren besonders bekannt. Abu Bakr, Umar, Uthman, Ali, Zaid ibn Thabit, Abdullah ibn Sa’d, Zubair ibn al-Awwam, Chalid ibn Said, Amr ibn al-As, Muawiya ibn Abu Sufyan, Ubayy ibn Ka’b (r.a.) und andere sind unter ihnen besonders hervorzuheben. [Tabaqat von Ibn Sa’d, Tarikh-i Tabari, ***************************************]
Durch die Anwendung dieser beiden Methoden wurde der Edle Koran für alle Zeiten vor jeder Art von Verfälschung und dem Verlorengehen bewahrt.
Doch in Allahs Sicht genügte es nicht, allein den Edlen Koran zu bewahren, um den Islam zu schützen und seine Fortdauer zu sichern. Deshalb sehen wir, dass Allah der Erhabene zugleich mit den Vorkehrungen zur Bewahrung des Korans auch angemessene Vorkehrungen zur Bewahrung der Hadithe getroffen hatte. Aus der Geschichte der Hadith-Bewahrung wird uns deutlich, dass zur Bewahrung des Korans hauptsächlich zwei äußere Mittel angewandt wurden; auch die Sunna des Gesandten, also die Hadithe, wurde hauptsächlich genau durch diese beiden Mittel geschützt. Diese sind die von Allah dem Erhabenen eingerichtete natürliche Ordnung sowie das menschliche Bemühen und die menschliche Organisation. Wir werden uns hier darum bemühen, in diesem Abschnitt eine ausführliche, auf historischen Fakten und theoretischen Grundlagen beruhende Darstellung vorzulegen.
Die natürliche Methode
Bei einer Prüfung und Untersuchung der natürlichen Methode zur Bewahrung der Hadithe gewinnt man den Eindruck, dass drei wichtige Faktoren diese Methode wirksam gemacht haben. Erstens die Schärfe und außergewöhnliche Ausprägung des natürlichen Gedächtnisses der damaligen Araber. Zweitens der wunderbare Eifer der geehrten Sahāba beim Streben nach Wissen, bei der Beschäftigung mit Wissen und beim Einüben von Wissen, und drittens das individuelle und gemeinschaftliche Verantwortungsbewusstsein für die Verbreitung islamischer Ideale und islamischen Wissens. Diese drei Aspekte werden nun ausführlich erörtert.
Das Gedächtnis des arabischen Volkes
Das Gedächtnis des damaligen arabischen Volkes war in der Tat ein historisches Wunder. Es leistete einen bedeutenden Beitrag zur Bewahrung des Edlen Qurʾān und der Hadithe. Der Edle Qurʾān betrachtete dies als eine natürliche Methode. Allah, der Erhabene, sprach:
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Vielmehr besteht dieser Qurʾān aus klaren Versen; er ist in den Herzen derjenigen bewahrt, denen Wissen gegeben wurde. [Sure al-ʿAnkabūt, Vers 49.]
Dieser Vers weist deutlich auf das Gedächtnis der muslimischen Gelehrten jener Zeit hin und bringt ebenfalls zum Ausdruck, dass der Edle Qurʾān durch ihr Gedächtnis in ihren Herzen bewahrt war. Allāma al-Bayḍāwī schrieb im Tafsīr dieses Verses:
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Das heißt, sie bewahrten den Koran durch Hifz und schützten ihn derart, dass niemand ihn entstellen oder verändern konnte. [Tafsīr al-Bayḍāwī, 2. Band, S. 169.]
Die Geschichte hat bewiesen, dass das Gedächtnis der Menschen in der damaligen arabischen Gesellschaft außerordentlich scharf war; einmaliges Hören genügte ihnen, um etwas im Gedächtnis zu behalten. In diesem Zusammenhang ist die folgende von Ibn Abd al-Barr überlieferte historische Information bemerkenswert:
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Das arabische Volk war von Natur aus mit einem guten Gedächtnis ausgestattet, und dies war seine besondere Eigenart und charakteristische Eigenschaft.
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Sie wurden von Natur aus mit einem guten Gedächtnis geboren.
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Es ist bekannt und allgemein anerkannt, dass das arabische Volk beim Auswendiglernen über besondere Kraft und Begabung verfügte. Jeder Einzelne von ihnen war in der Lage, ein langes Gedicht von irgendjemandem nach nur einmaligem Hören auswendig zu lernen und im Gedächtnis zu bewahren.
Hazrat Ibn Abbas (ra) hörte das lange Gedicht des berühmten arabischen Dichters Umar ibn Abu Rabi’a nur ein einziges Mal und lernte es vollständig auswendig. [***************] Auch die Gefährten des Gesandten waren Angehörige des reinen arabischen Volkes. Anfangs konnten sie weder etwas schreiben noch Geschriebenes lesen. Daher mussten sie sich alle ausschließlich auf ihr Gedächtnis verlassen. Im Zeitalter der Dschahiliyya prägten sie sich ihre langen Stammbäume sowie die außergewöhnlichen Lobpreisungen und Vorzüge ihrer Vorfahren ausführlich ein. Wenn unter ihnen ein Wettstreit im Ruhm ihrer Abstammung stattfand, trug jeder ununterbrochen die vergangenen Stammesruhm und Lobgedichte seiner eigenen Familie auswendig vor. Fast jeder von ihnen war aufgrund der Schärfe seines Gedächtnisses der Chronist oder Sprecher seines eigenen Stammes.
Allah, der Erhabene, hatte gerade dieses mit natürlicher Gedächtniskraft begabte arabische Volk zu Bewahrern der Prophetenschaft Hazrat Muhammads (s) und seiner verkündeten Worte bestimmt. Er hatte diese Herzen mit ihrem scharfen Gedächtnis in vollem Maße dafür vorbereitet, die Verse des Korans und die Hadithe des Gesandten auswendig zu bewahren. [***************************]
Genau aus diesem Grund sehen wir, dass die Gefährten, sobald der Edle Koran offenbart wurde, ihn bereits dadurch auswendig lernen konnten, dass sie ihn aus dem Mund des Edlen Propheten (s) hörten. Auf diese Weise war es für sie keineswegs schwierig, den vollständigen Edlen Koran auswendig zu lernen und zu bewahren.
Der berühmte Tābiʿī Qatada ibn Diʿama erklärte:
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Allah hat diesem Volk eine solche Begabung des Gedächtnisses verliehen, wie sie keinem anderen Volk verliehen wurde. Dies ist eine Besonderheit, die ausschließlich ihnen gegeben wurde, und eine solche Ehre und Würde, mit der Er nur sie ausgezeichnet hat.[Zurqānī, Band 5, Seite 495.]
Ein historisches Ereignis bezüglich Hazrat Abu Huraira (ra) ist in diesem Zusammenhang erwähnenswert. Er war ein Bewahrer einer gewaltigen Anzahl von Hadithen. Doch der umayyadische Herrscher, Kalif Marwan ibn Hakam, begann diesbezüglich Zweifel zu hegen. Um Hazrat Abu Huraira zu prüfen, wandte er eine List an. Eines Tages bat er Hazrat Abu Huraira, ihm einige Hadithe vorzutragen. Abu Huraira (ra) trug daraufhin einige Hadithe vor. Auf Anweisung Marwans wurden die Hadithe hinter einem Vorhang niedergeschrieben. Mehr als ein Jahr später bat man Hazrat Abu Huraira eines Tages, genau diese Hadithe erneut vorzutragen. Er trug dieselben Hadithe auswendig so vor, dass es keinerlei Unterschied zu den zuvor vorgetragenen Hadithen gab. Dadurch wurde die außergewöhnliche Schärfe des Gedächtnisses Hazrat Abu Hurairas unbestreitbar bewiesen.[Kitāb al-Kunā, verfasst von Imam Buchari, Seite 33.]
Auch der berühmte Hadith-Sammler Imam Ibn Schihab Zuhri besaß ein außergewöhnliches Gedächtnis. Auch er musste sich einmal einer Prüfung unterziehen. Der damalige König Hischam bat ihn, einige Hadithe für den Unterricht seines Sohnes aufzuschreiben. Zuhri ließ sofort vierhundert Hadithe niederschreiben. Lange Zeit später wurde er erneut gebeten, diese Hadithe aufzuschreiben, und er ließ sie wieder niederschreiben. Der König verglich die bei diesen beiden Gelegenheiten niedergeschriebenen Hadithe und stellte fest:
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Beim zweiten Mal war kein einziger Buchstabe jener Hadithe ausgelassen worden. (Tadhkirat al-Huffaz, Bd. 1, S. 201.)
Es besteht kein Zweifel, dass dies ein praktischer Beweis für die außergewöhnliche Gedächtniskraft von Imam Zuhri ist.
Ibn Schihab Zuhri sagte:
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Immer wenn ich in die Nähe des Baqiʿ-Marktes kam, hielt ich mir aus Angst, dass nicht irgendwelche obszönen Worte in sie eindringen könnten, beide Ohren zu. Denn, bei Allah, wenn ein Wort in mein Ohr gelangt, vergesse ich es niemals.
Er sagte ferner:
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Ich habe alles auswendig gelernt, was ich in meinem Notizbuch niedergeschrieben hatte, sei es ein Hadith oder etwas anderes.[**************]
Imam Schaʿbi, ein berühmter Tābiʿī und Überlieferer einer großen Zahl von Hadithen, sagte, als er die Stärke und Ausprägung seines Erinnerungsvermögens schilderte:
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Ich habe niemals einen Hadith aus einem Notizbuch abgeschrieben und niemals das Bedürfnis verspürt, einen Hadith von jemandem mehr als einmal zu hören.[***************]
Auch Imam Wakiʿ war ein Mensch mit einem außergewöhnlichen Erinnerungsvermögen. Imam Ahmad ibn Hanbal sagte über ihn:
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Ich habe niemals jemanden gesehen, der Hadithe so gut auswendig beherrschte wie er.[Tarīkh al-Khatīb, Band 13, Seite 474.]
Ein anderer Muhaddith sagte über ihn:
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Al-Uqais Gedächtnis war eine natürliche Begabung.[Tarikh al-Khatib, Bd. 13, S. 474.]
Auch das Gedächtnis des berühmten Tabi’i-Muhaddithen Qatada war unübertroffen. Ein Beweis für dieses sein historisches Erinnerungsvermögen findet sich in der folgenden Schilderung des Geschichtsschreibers Hafiz adh-Dhahabi. Er sagt:
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Qatada war unter den Bewohnern Basras der gedächtnisstärkste Mensch. Alles, was er hörte, prägte er sich ein. Als ihm das von Jabir zusammengestellte Hadith-Buch einmal vorgelesen wurde, hatte er es auswendig gelernt.[Tadhkirat al-Huffaz, Bd. 1, S. 26.]
Yahya ibn Qattan sagte: Ich habe niemanden mit einem besseren Gedächtnis gesehen als Sufyan ath-Thawri. Er hatte dreißigtausend Hadithe auswendig gelernt. Er selbst sagte:
„Was auch immer ich einmal auswendig gelernt habe, habe ich niemals vergessen.“[Tadhkirat al-Huffaz, Bd. 1, S. 26.]
Sufyan ibn Uyayna hatte siebentausend Hadithe auswendig gelernt und bewahrte deshalb kein Buch auf.
Imam Ahmad ibn Hanbal sagte: In der Hauptstadt Bagdad habe ich niemanden gesehen, der ein besseres Gedächtnis besaß als der Muhaddith Abu Zur’a. Allein über den Koran hatte er zehntausend Hadithe auswendig gelernt. Tatsächlich war er hinsichtlich seines Gedächtnisses unübertroffen.
Der Qadi Abu Bakr al-Isfahani hatte bereits im Alter von fünf Jahren den gesamten Koran auswendig gelernt.
Das Gedächtnis des Muhaddith Ishaq ibn Rahwayh, des Lehrers von Imam Buchari, war außerordentlich scharf. Unzählige Hadithe hatte er auswendig gelernt. Seinen Schülern ließ er mehrere tausend auswendig gelernte Hadithe niederschreiben, ohne dass er ein einziges Mal das Buch aufzuschlagen brauchte. Er selbst sagte: „Siebzigtausend Hadithe schweben mir ständig vor Augen.“
Der Muhaddith Abu Zur’a sagte über ihn:
Ich habe noch nie jemanden mit einem Gedächtnis wie dem seinen (wie Ibn Rahwayhs) gesehen.
Der damalige Herrscher Amir Abdullah sagte, nachdem er einen erstaunlichen Beweis für sein Gedächtnis erlebt hatte:
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Ich weiß, dass Sie sich viele Dinge einprägen können; doch nachdem ich dieses Gedächtnis erlebt habe, bin ich erstaunt. (Kitab al-Kunā, verfasst von Imam Buchari, S. 33)
Auch das Gedächtnis des Hadith-Gelehrten Imam Buchari aus späterer Zeit war in keiner Hinsicht weniger bemerkenswert. Nawab Siddiq Hasan berichtete von Abu Bakr ibn Abu Itab:
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Imam Buchari hatte bereits in seiner Kindheit siebzigtausend Hadithe vollständig auswendig gelernt.
Über ihn wird ferner berichtet:
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Es wird berichtet, dass er ein Buch nur ein einziges Mal anzusehen brauchte, um dessen gesamten Inhalt auswendig zu lernen.
Muhammad ibn Abu Hatim sagte: Zwei Männer berichteten mir, dass wir gemeinsam Hadithe zu hören pflegten und Imam Buchari damals unter uns noch ein Knabe war. Was wir hörten, schrieben wir sofort nieder; Imam Buchari jedoch schrieb überhaupt nichts auf. Eines Tages fragten wir ihn deswegen, worauf er sagte: „Ihr habt mir großes Unrecht getan. Nun gut, lest mir vor, was ihr niedergeschrieben habt.“ Daraufhin zeigten wir ihm mehr als fünfzehntausend von uns niedergeschriebene Hadithe.
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Danach trug er all diese Hadithe, die in seinem Gedächtnis bewahrt waren, auswendig vor. Ja, nachdem wir seinen auswendig vorgetragenen Vortrag gehört hatten, korrigierten wir sogar unsere schriftlichen Bücher.
Über Imam al-Buchari ist noch ein weiteres historisches Ereignis erwähnenswert. Als er nach Bagdad kam, erschienen die Hadithgelehrten bei ihm und legten ihm insgesamt einhundert Hadithe einzeln auf folgende Weise vor: Die Überlieferungsketten jedes einzelnen Hadiths waren vertauscht worden, und die Überlieferungskette des einen war mit dem Hadith eines anderen verbunden worden. Als sie Imam al-Buchari nach seiner Meinung zu diesen Hadithen fragten, erklärte er, von diesen Hadithen keinerlei Kenntnis zu haben. Danach führte er jeden Hadith in der richtigen Form an und zeigte, dass die von ihnen angeführte Überlieferung fehlerhaft war; außerdem legte er unzweifelhaft dar, welche Überlieferungskette zu welchem Hadith gehörte und welche nicht. Beim Anblick seines grenzenlosen Gedächtnisses äußerten alle tiefes Erstaunen.
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Sie erkannten sein grenzenloses Gedächtnis an, und alle glaubten an seine Besonderheit und Überlegenheit in dieser Hinsicht.
Aus all diesen Ereignissen wird deutlich, dass das Gedächtnis der muslimischen Gelehrten jener Zeit von Natur aus außerordentlich scharf und ausgeprägt war. Von der Zeit der Gefährten bis zur Zeit der Tābiʿūn, der Tābiʿ al-Tābiʿīn und der Hadithgelehrten ist keine Ausnahme davon festzustellen. Wie unter den Arabern jener Zeit dieses erstaunliche Gedächtnis vorhanden war, so zeigte es sich auch unter den nichtarabischen Muslimen. Tatsächlich war dies eine unermessliche und äußerst wertvolle Gunst Allahs, des Erhabenen, gegenüber der muslimischen Umma. Gerade aufgrund dieser Gunst konnten der Koran und die Hadithe, diese beiden Grundlagen des Islams, angemessen bewahrt und geschützt werden.
Diese Besonderheit jener Zeit hat auch eine biologische Bedeutung. Wenn von den zahlreichen Kräften und Fähigkeiten, die Allah, der Erhabene, dem menschlichen Körper verliehen hat, eine nicht genutzt wird oder ein Körperteil unbrauchbar wird, nimmt die Kraft der übrigen zu. Wer nur eine Hand hat, in dessen einer Hand sammelt sich die Kraft zweier Hände. Bei blinden und sehbehinderten Menschen nehmen die Fähigkeit des Schätzens und Vermutens sowie die Wahrnehmungskraft in außergewöhnlichem Maße zu. Im Hinblick auf die Muslime der frühen islamischen Zeit lässt sich die Wahrheit dessen nicht leugnen. Damals war Bildung im Allgemeinen nicht sehr verbreitet. Die Menschen gebrauchten ihr Gedächtnis mehr, als sie ihre Schreibfähigkeit einsetzten. Daher nutzten sie in jener Zeit das Gedächtnis mehr als dessen bewusste Anwendung. Infolgedessen zeigte sich in jener Zeit eine erstaunliche Entwicklung des Gedächtnisses. Bei der Bewahrung des Korans und der Hadithe nahm dies als ursprüngliches Mittel einen sehr wichtigen Platz ein.
Die Anweisung des Gesandten zur Bewahrung und Verbreitung der Hadithe
Durch die lebenslangen Worte und Taten des ehrwürdigen Gesandten (s) nahm die islamische Lebensordnung Gestalt an. Deshalb sind all seine Worte und Taten für die muslimische Gemeinschaft ein äußerst wertvoller Schatz. Die ehrenwerten Gefährten hörten jedes Wort des ehrwürdigen Gesandten (s) aufmerksam an und beobachteten jede seiner Handlungen und Bewegungen mit scharfem und forschendem Blick. So wurden die Worte und Taten des ehrwürdigen Gesandten unter den Gefährten ganz von selbst bewahrt und lebendig erhalten.
Doch in dieser Angelegenheit verließ man sich nicht ausschließlich auf eine spontane und natürliche Bewahrung. Auch der edle Prophet (s) hatte zu diesem Zweck wirksame Maßnahmen ergriffen.
So wie der edle Prophet (s) die edlen Gefährten dazu aufforderte, alle islambezogenen Aussagen, Gebote, Verbote und Ermahnungen aufmerksam anzuhören, so befahl er ihnen auch, sie im Gedächtnis zu bewahren und sie anderen Menschen genau zu übermitteln. Er wandte sich an die Gefährten und sagte:
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Möge Allah denjenigen für immer frisch und lebendig erhalten, der etwas von mir hört und es anderen Menschen genau übermittelt. Denn derjenige, dem es später übermittelt wird, ist oft besser als der erste Zuhörer in der Lage, es zu bewahren.[Tirmidhi, 2. Band, Seite 90 (Delhi-Ausgabe von 1940), Ibn Madscha, ***************** Darimi, Mustadrak, überliefert von Abu Darda, 1. Band, Seite 87.]
Hadhrat Abdullah ibn Masud (r) überlieferte diesen Hadith in einer anderen Fassung. Der Wortlaut des von ihm überlieferten Hadith lautet:
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Möge Allah denjenigen erleuchten, der meine Worte hört, sie sich einprägt, sie vollständig bewahrt und sie anderen übermittelt. So mancher Träger von Wissen übermittelt es einem, der wissender und kundiger ist als er.[Schafi’i und Baihaqi.]
In diesem Zusammenhang ist auch der folgende, von Hadhrat Zaid ibn Thabit (r) überlieferte Hadith beachtenswert. Er sagte: Der edle Prophet (s) sagte:
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Allah möge das Leben desjenigen erhellen, der meine Worte hört, sie auswendig lernt und sich richtig einprägt und sie jemandem übermittelt, der sie nicht gehört hat……………। [******************* Tirmidhi.]
Als eine Delegation aus dem Stamm Abdul Qais beim edlen Gesandten (s) eintraf, unterwies er sie ausführlich in den grundlegenden Angelegenheiten des Islam und sagte zu ihnen:
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Prägt euch diese Worte vollständig ein, bewahrt sie in ihrer Gesamtheit und informiert diejenigen, die nach euch kommen, darüber. [Sahih al-Bukhari, 1. Band, Kitab al-Ilm, S. 19.]
Über die künftigen Aufgaben und die gesellschaftliche Stellung der Sahaba sagte der edle Gesandte (s):
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Heute hört ihr von mir (die Worte des Din), von euch werden sie ebenfalls gehört werden (andere Menschen werden sie hören), und von denen, die sie von euch hören werden, werden sie ebenfalls gehört werden. [Mustadrak al-Hakim, 1. Band, S. 95, überliefert von Hazrat Ibn Abbas.]
In einem anderen Hadith sagte der edle Prophet (S):
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„Wer vierzig Hadithe über die Religion der muslimischen Umma auswendig lernt und bewahrt, den wird Allah, der Erhabene, zu einem Rechtsgelehrten machen, und am Tag der Auferstehung werde ich für ihn Fürsprache einlegen und sein Zeuge sein. [Mischkāt al-Masābīh, S. 36, überliefert von Hadhrat Abū ad-Dardā.]
Aufgrund dieser Anweisungen und Ermahnungen des edlen Propheten zur Bewahrung der Hadithe bewahrten, lernten auswendig und hielten nahezu einhunderttausend Menschen der damaligen muslimischen Gesellschaft die Worte aus dem Mund des Gesandten und die Berichte über seine Handlungen so lebendig in ihrem Gedächtnis, dass sie diese im Allgemeinen niemals vergaßen. Dabei half ihnen ihr angeborenes Erinnerungsvermögen sehr. Darüber hinaus verstärkten die Anweisungen des Gesandten dies noch weiter. Wann immer der Gesandte (S) etwas sagte, begannen die anwesenden Gefährten, es auswendig zu lernen, damit sie es nicht vergaßen. Hadhrat Samura ibn Dschundub (R) sagte:
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Zur Zeit des Gesandten war ich ein Knabe, und schon damals lernte ich die Worte des Gesandten auswendig. [Sahih Muslim, 1. Band, Einleitung, S. 10, einschließlich der Anmerkungen von Nawawi.]
Hadhrat Ibn Abbas (R) sagte:
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Wir pflegten die Hadithe des Gesandten auswendig zu lernen; auf diese Weise wurden die Hadithe vom Gesandten auswendig gelernt. [Muslim Scharif, erster Band, Einleitung, Seite 10, einschließlich Nawawi.]
Am Tag nach der Eroberung Mekkas hielt der edle Prophet (S) vor den Mujahidin eine Ansprache; gegen Ende sagte er:
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Die Anwesenden sollen diese Worte den Abwesenden übermitteln. Gegen Ende der historischen Ansprache des edlen Gesandten (S) anlässlich der Abschiedspilgerfahrt sagte er mit erhobener Stimme:
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Die hier Anwesenden sollen diese meine Worte den Abwesenden übermitteln. Denn viele von denen, zu welchen sie übermittelt werden, könnten die Hadithe besser bewahren als die heutigen Zuhörer. [Buchari Scharif, 1. Band, Seite 21.]
In Buchari Scharif wird dieser Ausspruch in folgenden Worten überliefert:
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Die anwesenden Personen übermitteln diese Worte sogar den abwesenden Personen. Denn vielleicht übermittelt eine anwesende Person sie jemandem, der sie besser zu bewahren vermag als sie selbst.[Sahih Buchari, 1. Band, S. 16.]
Der letzte Teil des über Ibn Aun überlieferten Hadith lautet folgendermaßen:
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Es ist möglich, dass die abwesende Person meine Worte besser zu behalten vermag als die anwesende Person, die anwesende Person.[**************]
Der edle Prophet (s) sagte:
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Überliefert von mir, und sei es auch nur ein Vers.[Sahih Buchari, Mischkat, Kitab al-Ilm ……]
Mazhari und Mulla Ali al-Qari erklärten die Bedeutung davon und sagten:
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Verkündet meine Hadithe, selbst wenn es nur sehr wenige sind.[***********************]
Der edle Prophet (S) sagte:
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Nach meinem Fortgang werden die Menschen von euch Hadithe hören wollen. Wenn sie zu diesem Zweck zu euch kommen, dann seid ihnen gegenüber gütig und überliefert ihnen meine Hadithe.[Musnad Ahmad, überliefert von Malik ibn Anas. *****************]
Er sagte:
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Erwerbt Wissen und lehrt es die Menschen. Erlernt die Fara’id oder das Erbrecht und lehrt es auch den anderen Menschen. Lernt den Koran und lehrt ihn den Menschen. Denn eines Tages muss ich fortgehen.[Darimi, Seite 40]
Einmal betete der edle Prophet (s.a.w.s.) und sagte:
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O Allah, erbarme Dich meiner Nachfolger.
Die Gefährten fragten:
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O Gesandter, wer sind Deine Nachfolger?
Der edle Prophet (s.a.w.s.) antwortete:
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„Diejenigen, die meine Hadithe überliefern und sie die Menschen lehren, sind meine Kalifen.“ [Muqaddima ad-Dārimī, 1. Band, Seite 5.]
Der edle Prophet (s) sagte ferner:
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Wenn jemand über eine Angelegenheit der Religion befragt wird und sie geheim hält und nicht offenlegt, wird ihm am Tag der Auferstehung ein Zaumzeug aus dem Feuer der Hölle angelegt werden. [Musnad Ahmad, Abū Dāwūd, at-Tirmidhī, Ibn Māǧa-************]
Über diese grundsätzlichen Aussagen hinaus ermahnte der edle Prophet (s) die anwesenden Gefährten nachdrücklich, die übrigen Menschen über seine besonderen Handlungen zu informieren.
Der folgende Hadith liefert dafür einen unwiderlegbaren Beweis. Yasār berichtet: Eines Tages sah der ehrwürdige ʿAbdullāh ibn ʿUmar (r.a.), wie ich betete, nachdem die Morgendämmerung bereits angebrochen war. Da sagte Ibn ʿUmar zu mir:
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Eines Tages verrichteten wir auf diese Weise das Gebet. Da kam der edle Prophet (s) zu uns und sagte: „Diejenigen von euch, die hier anwesend sind, sollen meine folgende Aussage den Abwesenden übermitteln: Nach Anbruch der Morgendämmerung ist kein Gebet zulässig außer zwei Niederwerfungen.“ [Musnad Ahmad, 2. Band, Seite 104.]
Malik ibn al-Huwayris (r.a.) berichtet: Wir waren einige junge Männer und Gleichaltrige, die zwanzig Tage und Nächte beim edlen Gesandten (s.) verweilt hatten, und beabsichtigten, nach Hause zurückzukehren. Da sagte er:
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Kehrt zu euren Familien zurück, lebt weiterhin mit ihnen zusammen, lehrt sie den Islam und weist sie an, ihn ordnungsgemäß zu befolgen. [Bei dieser Gelegenheit erwähnte der Gesandte (s.) einige Dinge, die ich mir einprägte.] Und verrichtet das Gebet genau so, wie ihr mich beten gesehen habt. [Sahih al-Bukhari, Band 2, Seite 1076]
Aus diesem Hadith geht hervor, dass neue Muslime aus weit entfernten Gegenden zum Gesandten (s.) kamen, um ausführliche Kenntnisse über den Islam zu erlangen. Der Gesandte (s.) lehrte sie die islamischen Ideale und die Scharia. Er ermahnte sie nachdrücklich, alles, was sie hörten und erfuhren, im Gedächtnis zu bewahren und nach ihrer Rückkehr den Menschen in ihren jeweiligen Gebieten zu lehren und zu verkünden.
Auf diese Weise gelangten die Hadithe des Gesandten (s.) infolge seiner klaren und grundsätzlichen Anweisungen mit großer Geschwindigkeit zu den Muslimen in weit entfernten Regionen, sodass nahezu alle Muslime jener Zeit die Hadithe des Gesandten (s.) aus zuverlässigen Quellen erfahren konnten. Dies war der ursprüngliche und natürliche Weg zur Bewahrung und Verbreitung der Hadithe.
Gegenseitige Überprüfung und Vermittlung der Hadithe
Nachdem die ehrwürdigen Gefährten Hadithe vom edlen Propheten (s.) gehört hatten, kamen sie in ihrer freien Zeit, je nach Gelegenheit und Bedarf, zusammen und widmeten sich dem gegenseitigen Studium und Austausch. Bisweilen organisierten die Gefährten untereinander besondere Zusammenkünfte zur Besprechung der Hadithe. Solche Zusammenkünfte fanden gewöhnlich in der Prophetenmoschee statt, doch gelegentlich wurden ähnliche Treffen auch in den Häusern der Gefährten abgehalten. In diesen Zusammenkünften wurde offen über die Worte, Taten und Ermahnungen des edlen Gesandten gesprochen. Vor allem die bedeutendsten Gefährten nahmen an diesen Treffen teil. Wenn jemand zuvor in einer Angelegenheit unwissend war, konnte er durch die Erörterungen in diesen Zusammenkünften aus zuverlässiger und vertrauenswürdiger Quelle vollständige Kenntnis darüber erlangen. Wenn jemand Zweifel in einer Angelegenheit hatte, wurden diese durch die Besprechung ebenfalls beseitigt. Über solche Zusammenkünfte und Veranstaltungen des Austauschs legen wir hier einige authentische Berichte vor:
1. Hazrat Anam (r.a.) berichtet:
Wir hörten die Hadithe beim Gesandten (s). Wenn er sich aus der Versammlung erhob und fortging, blieben wir sitzen, wiederholten die gehörten Hadithe gegenseitig, übten sie und gingen sie durch. Einer nach dem anderen trug einige Hadithe auswendig vor. Wenn wir uns nach einer solchen Versammlung erhoben, hatten wir alle alles auswendig gelernt.[**********]
2. ʿAbdullah ibn ʿAmr (ra) berichtet:
Eines Tages kam der edle Prophet (s) aus einer seiner Gemächer heraus und sah in der Moschee zwei Versammlungen. In einer saßen Menschen beisammen, die den Koran rezitierten und eifrig zu Allah beteten. Die Menschen der anderen Versammlung lernten Hadithe und lehrten sie. Der edle Prophet (s) sagte: Die Menschen in beiden Versammlungen tun etwas Gutes. Diese Menschen rezitieren den Koran und rufen Allah an; wenn Allah will, wird Er ihnen das Erbetene gewähren, und wenn Er nicht will, wird Er es ihnen nicht geben. Die Menschen der anderen Versammlung lernen Wissen und Hadithe und lehren sie. ********************* Und ich bin als Lehrer entsandt worden. ʿAbdullah ibn ʿAmr berichtet: „Darauf setzte er sich zu ihnen.“[**********************]
Es besteht kein Zweifel daran, dass die mit der Pflege des Wissens beschäftigten Menschen über die Hadithe, Taten und Handlungen des Gesandten sowie über verschiedene Fragen des Islams im Zusammenhang damit sprachen und die Anwesenden darin unterwiesen. Dass solche Versammlungen bereits zu Lebzeiten des edlen Propheten (s) stattfanden, dass der Gesandte (s) selbst daran teilnahm und die Menschen besonders dazu anspornte, Hadith-Wissen zu erlernen, wird durch die oben angeführte ausführliche Überlieferung unwiderlegbar bewiesen.
3. Ein weiterer Beweis für das oben Gesagte ergibt sich aus dem folgenden von Hadhrat Muʿawiya überlieferten Ereignis. Er sagte:6
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Eines Tages war ich beim edlen Propheten (s). Er betrat die Moschee und sah eine Gruppe von Menschen dort sitzen. Er fragte: Wozu sitzt ihr hier? Sie antworteten: Wir haben das Pflichtgebet verrichtet und sitzen nun hier, um uns gegenseitig über Allahs Buch und die Sunna Seines Propheten auszutauschen.[Mustadrak al-Hakim, Band 1, Seite 94.]
Nachdem sie Hadithe auswendig gelernt hatten, achteten die ehrenwerten Gefährten besonders darauf, sie nicht wieder zu vergessen. Deshalb pflegten viele Gefährten aus eigenem Antrieb Hadithe zu lernen und zu wiederholen. Dies wird durch die folgende Aussage von Hadhrat Abu Huraira (ra) belegt. Er sagte:
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Ich teile die Nacht in drei Teile. Einen Teil der Nacht schlafe ich, einen Teil verbringe ich im Gottesdienst, und in einem Teil erinnere ich mich an die Hadithe des Gesandten und lerne sie auswendig.[Musnad ad-Darimi, *****************]
In diesem Zusammenhang kann auf die Aṣḥāb as-Suffa hingewiesen werden. Insbesondere spielten die Aṣḥāb as-Suffa als erstes Entstehungszentrum und als Träger der Hadithe eine besonders wichtige Rolle in der Geschichte der Hadithüberlieferung.
Im Allgemeinen bemühten sich alle Gefährten, möglichst viel Zeit in der Gesellschaft des Gesandten zu verbringen. Die Bewohner der Suffa jedoch hielten sich Tag und Nacht, vierundzwanzig Stunden lang, am Hofe des Gesandten auf. Der Vorplatz vor der Prophetenmoschee war ihre Unterkunft. Sie hatten weder ein Haus noch eine Familie und auch keinen nennenswerten Bedarf an Einkommen und Erwerb. Daher besteht kein Zweifel, dass sie im Vergleich zu den anderen Gefährten die meiste Zeit in der Gesellschaft des Gesandten verbringen konnten.
Infolgedessen verwandelte sich die Prophetenmoschee faktisch in eine Internatsuniversität. Der Prophet selbst war ihr Hauptleiter, und fast alle Gefährten waren dort Studierende. Auf Anweisung des Gesandten übernahmen die bedeutenderen Gefährten auch die Unterrichtung in bestimmten Fachgebieten.
Die genaue Zahl der in der Suffa lebenden Gefährten lässt sich nicht feststellen. Es besteht jedoch kein Zweifel, dass diese Zahl keineswegs unbedeutend war. Aus einem von Ibn Abd al-Barr über einen Stamm überlieferten Bericht lässt sich ein Eindruck von der Größe dieser Einrichtung gewinnen. Er schrieb:
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Die Delegation der Tamim bestand aus siebzig oder achtzig Personen. Nachdem sie den Islam angenommen hatten, blieben sie lange Zeit in Medina. Während dieser Zeit lernten sie den Koran und die Religion des Islam.[**************]
Kurz gesagt, die Gefährten der Ashab as-Suffa hielten sich Tag und Nacht in der Nähe des Gesandten auf und hörten, beobachteten und erfassten mit scharfem Blick und besonderer Aufmerksamkeit seine aus seinem Mund hervorgegangenen Worte, seine Handlungen, seine Tätigkeiten, sein Verhalten und seine Neigungen sowie die Worte und Handlungen, die er gebilligt hatte. Sie bemühten sich mit aller Kraft darum, dass ihnen kein einziges Wort – nicht einmal eine geringfügige Angelegenheit – unbekannt blieb.[****************]
In Wahrheit war es für die Gefährten das größte Anliegen, ununterbrochen am Hofe des edlen Gesandten (s) anwesend sein zu können. In diesem Zusammenhang ist die Begebenheit von Hazrat Salit (ra) besonders erwähnenswert. Der edle Gesandte (s) hatte ihm ein Stück Land zur Bewirtschaftung gegeben. Er ging zur Bearbeitung dieses Landes hinaus und kehrte danach wieder zurück. Dann hörte er von den anderen Gefährten, dass während seiner Abwesenheit diese und jene Verse des Qurʾan offenbart worden seien und der edle Gesandte (s) dieses und jenes gesagt habe. Daraufhin empfand er in seinem Herzen großen Kummer und den Schmerz, benachteiligt zu sein. Er ging zum edlen Gesandten (s) und sagte: „O Gesandter Allahs, nimm das Landstück, das du mir geschenkt hast, zurück. Denn seinetwegen muss ich des höchsten Glücks beraubt bleiben, am Hofe anwesend zu sein. Ich wünsche dies nicht; ich habe keinerlei Bedarf daran.“
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Wenn ein Gefährte aus einem besonderen Grund an einem bestimmten Tag nicht am Hofe anwesend sein konnte, ließ er sich von demjenigen, der an jenem Tag am Hofe anwesend gewesen war, alles berichten. Hazrat Umar (ra) hatte sich mit seinem ansarischen Bruder und Nachbarn, Hazrat Utban Malik, zu der Vereinbarung verpflichtet, dass, wenn einer von ihnen an einem Tag nicht am Hofe des Gesandten (s) anwesend sein konnte, der andere ihn über alles informieren würde, was sich an jenem Tag ereignet hatte. In den Worten Hazrat Umars:
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Wenn ich zum Hof des Gesandten (s) ging, übermittelte ich ihm die Offenbarung und andere Nachrichten jenes Tages; und wenn er ging, tat auch er dasselbe.[**************]
Hazrat Abdullah ibn Umar (ra) war besonders eifrig darum bemüht, Hadithe zu lernen. Wenn er an einem Tag oder zu einer bestimmten Zeit im Hof des Propheten abwesend war, erkundigte er sich bei den zu jener Zeit anwesenden Gefährten nach dem, was der edle Gesandte (s) gesagt, getan und an Worten und Taten gebilligt hatte, und eignete sich dieses Wissen an.[**************] Wenn ihm ein Hadith oder eine andere Angelegenheit unbekannt war, fragte er selbst den edlen Propheten (s), um jede Unwissenheit sowie Zweifel und Bedenken auszuräumen.[***************]
Einmal berichtete ein Mann aus dem Stamm der Lais unter Berufung auf Hazrat Abu Sa’id al-Chudri (ra), dass der edle Prophet (s) gesagt habe:
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Kauft und verkauft Gold nicht gegen Gold, außer in gleicher Menge. (Sahih al-Buchari, erster Band, S. 291.)
Diese Aussage war Hazrat Ibn Umar unbekannt. Er begab sich sofort zu Abu Sa’id al-Chudri und fragte ihn:
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Ist dies ein Hadith, den du vom Gesandten (s.a.w.) überlieferst?
Die ehrwürdigen Gefährten (r.a.) hatten selbst in ihren jeweiligen Gebieten ähnliche Bildungszentren eingerichtet, um den Koran und die Hadithe zu lehren. Bereits zu Lebzeiten des edlen Propheten (s.a.w.) waren in der Stadt Medina neun Moscheen errichtet worden. Dort wurden ebenso die fünf täglichen Gebete in Gemeinschaft verrichtet, wie in jeder von ihnen auch für die Vermittlung der Lehren des Islams gesorgt wurde. Eine Delegation des Stammes Abd al-Qais, die zu ihnen gekommen war, kehrte mit dieser Bestätigung in ihre Heimat zurück:
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Die Ansar lehrten uns das Buch Allahs und die Sunna des Gesandten.
Farham ibn Malik (ra.) kam aus dem Jemen nach Medina, um die Lehren des Islam zu erlernen. Der Historiker Ibn Saʿd schrieb über ihn:
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Er kam aus dem Jemen und erlernte den Koran, die religiösen Pflichten des Islam und die Bestimmungen der Scharia.
In diesem Zusammenhang ist auch die folgende von Abu Huraira überlieferte Aussage erwähnenswert. Er sagte:
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Den Gefährten war wohlbekannt, dass ich regelmäßig beim Gesandten (s.) anwesend war. Deshalb befragten sie mich über die Hadithe des edlen Gesandten (s.) und ließen sie sich von mir mitteilen. Zu ihnen gehörten insbesondere Umar, Uthman, Ali, Talha und Zubair.
In den verschiedenen Gegenden Medinas wurden die von den Gefährten gegründeten Zentren für religiöse Bildung gewöhnlich nur am Tage betrieben. Daher hatten viele Arbeiter und Menschen, die unterschiedlichen Berufen nachgingen, keine Möglichkeit, daran teilzunehmen und Wissen zu erwerben. Aus diesem Grund sahen sie sich gezwungen, Bildungseinrichtungen nach Art von Abendschulen zu gründen. Über die Schüler dieser Schulen schrieb Imam Ahmad ibn Hanbal:
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Wenn die Dunkelheit der Nacht sie bedeckte, gingen sie zu ihren in Medina ansässigen Lehrern. Dort waren sie bis zum Morgen mit dem Studium beschäftigt.
Es versteht sich von selbst, dass in diesen Zentren neben dem Koran auch Hadithe gelehrt wurden. Genau aus diesem Grund überlieferten viele Gefährten nicht direkt vom Gesandten, sondern über die Überlieferung eines anderen Gefährten. Ein deutlicher Beweis dafür findet sich in der folgenden Aussage des ehrenwerten Anas ibn Malik (möge Allah mit ihm zufrieden sein). Er sagte:
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Nicht alle Hadithe, die wir euch überliefern, haben wir direkt vom Gesandten gehört. Vielmehr überlieferten die Gefährten untereinander Hadithe. [Mustadrak al-Hakim, Band 1, Seite 95.]
Auch die Aussage, die der ehrenwerte al-Bara ibn Azib (möge Allah mit ihm zufrieden sein) über den Rang der von ihm überlieferten Hadithe gemacht hat, bestätigt dies. Er sagte:
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Wir haben nicht alle Hadithe vom Gesandten gehört; vielmehr erzählten uns auch unsere Gefährten die Hadithe des Gesandten. Denn die Arbeit und die Beschäftigung mit der Betreuung der Kamele erlaubten es uns nicht, beim Gesandten anwesend zu sein. [Tabaqat Ibn Saʿd, Band 4, Seite 283; Mustadrak, Band 1, Seite 95.]
Im Werk „Mustadrak“ lautet der Wortlaut dieser Aussage wie folgt:
Wir hörten nicht alle Hadithe vom Gesandten, vielmehr überlieferten unsere Gefährten uns Hadithe. Wir waren nämlich mit dem Reiten unserer Kamele beschäftigt. (Al-Mustadrak al-Hakim, Band 1, S. 96)
Aus dieser ausführlichen Beweisführung geht eindeutig hervor, dass diejenigen Gefährten, die Hadithe vom Propheten (s) hören konnten, sie den übrigen Gefährten übermittelten. Jene hingegen, die keine Gelegenheit hatten, Hadithe unmittelbar vom Gesandten zu hören, hörten sie von anderen Gefährten, die sie selbst gehört hatten. Auf diese Weise gelangte nahezu jeder Hadith des edlen Gesandten (s) noch zu seinen Lebzeiten zu fast allen Gefährten.
Die praktische Befolgung der Hadithe
Die edlen Gefährten (r.a.) begnügten sich nicht damit, die vom Propheten (s) empfangenen Hadithe lediglich auswendig zu lernen und sie bei Zusammenkünften mündlich zu verbreiten und zu erörtern. Zugleich bemühten sie sich nach Kräften, sie in die Praxis umzusetzen. Wenn der Prophet (s) etwas über eine Glaubensüberzeugung oder eine rein theoretische Angelegenheit sagte, prägten die edlen Gefährten es sich ein, verankerten es fest in ihrem Herzen und Verstand und bildeten dementsprechend ihre eigene Glaubensüberzeugung und ihren Glauben. Wenn er hingegen eine Anordnung oder ein Verbot aussprach, eine Handlung gebot oder untersagte oder einen staatlichen Erlass herausgab, setzten die edlen Gefährten (r.a.) dies unverzüglich in die Tat um. Solange sie es nicht zu einer alltäglichen Gewohnheit gemacht hatten, ließen sie in ihren Bemühungen um seine Pflege und Einübung nicht im Geringsten nach. Der ehrenwerte Abdullah ibn Masʿud (r.a.) sagte:
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Wenn jemand von uns zehn Verse gelernt hatte, ging er nicht dazu über, noch etwas anderes zu lernen, bevor er deren Bedeutung gründlich verstanden und danach gehandelt hatte.
Das bedeutet, dass die edlen Gefährten alles, was sie vom Propheten (s) lernten, vor allem mit größtem Eifer in die Praxis umzusetzen suchten. Daher wurden jedes Wort, jeder Befehl und jeder Erlass des Gesandten von den edlen Gefährten unverzüglich ausgeführt und verwirklicht.
Auch aus den zahlreichen folgenden Anweisungen des Propheten (s) ergibt sich der Beweis dafür, dass der Prophet (s) selbst besonders darauf achtete, die grundlegenden Gesetze und Regeln des Islam im praktischen Leben der Gefährten zu verwirklichen. Er achtete streng darauf, ob die Muslime seinen Anweisungen in ihrem persönlichen Leben Folge leisteten. Der praktischen Lebensführung und Befolgung des Islam wurde außerordentlich große Bedeutung beigemessen. Es wurde besondere Sorgfalt darauf verwendet, die islamischen Glaubensgrundsätze und Gesetze zu einer Gewohnheit und einem festen Charakterzug der Muslime zu machen. Als Beispiel sollen hier aus den zahlreichen anordnenden Aussagen des Gesandten zwei erwähnt werden. Er sagte:
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Betet genauso, wie ihr mich beim Beten gesehen habt.[Sahih al-Buchari, 2. Band, S. 1076.]
Über die Verrichtung des Hadsch sagte der edle Prophet (S) in seiner Abschiedspilgerfahrtspredigt:
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Übernehmt von mir die Regeln und Vorschriften für die Verrichtung des Hadsch. [[(a). ******************* In Sahih Muslim wird diese Aussage folgendermaßen überliefert:
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Übernehmt und lernt die Regeln für die Verrichtung eures Hadsch.
In der Erläuterung dieses Hadith schrieb Imam an-Nawawi:
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Der Sinn der betreffenden Worte des Gesandten ist folgender: Die Worte, Handlungen und auf Allah bezogenen Angelegenheiten, die ich bei der Durchführung meines Hajj angewandt habe, sind die Riten und das Kennzeichen des Hajj. Auch für euch sind diese Regeln und Riten vorgeschrieben. Nehmt sie daher von mir an und akzeptiert sie. Lernt sie kennen, prägt sie euch ein und bewahrt sie; handelt danach und lehrt sie auch andere Menschen. Imam Nawawi sagt: Hinsichtlich der Riten und Regeln des Hajj ist dies eine äußerst wichtige Grundlage und Quelle. Es ist genau wie die Anweisung: „Betet so, wie ihr mich beten gesehen habt“ – eine ebensolche Anordnung.
Aus diesen beiden Anordnungen geht zunächst hervor, dass der Edle Quran zwar klare Anweisungen zu gottesdienstlichen Handlungen wie Namaz, Roza, Hajj und Zakat enthält, die ausführlichen Regeln und Einzelheiten dieser Handlungen darin jedoch nicht erwähnt werden. Daher müssen sie beim Weltenpropheten, dem Überbringer des Quran, entgegengenommen werden.
Zweitens führte der Gesandte zur Unterweisung in den Regeln und Methoden jeder Handlung diese selbst aus und gab den Menschen ein praktisches Beispiel; wie eine Handlung auszuführen ist, zeigte er ihnen, indem er sie selbst ausführte.
Darüber hinaus korrigierte der edle Gesandte sofort jeden Fehler, den er bei jemandem in gottesdienstlichen Handlungen bemerkte, und ermahnte den Betreffenden, den Fehler zu erkennen und ihn zu berichtigen. Eines Tages beobachtete er in der Prophetenmoschee, wie ein Gefährte Namaz verrichtete. Er sah, dass dessen Namaz nicht ordnungsgemäß war. Nachdem dieser sein Namaz beendet hatte und zum Gesandten kam, sagte er:
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Geh zurück und verrichte das Namaz noch einmal, denn du hast kein Namaz verrichtet.
Das heißt: Du hast nicht gebetet; du hast nicht so gebetet, wie man beten muss. Bete daher noch einmal. Obwohl er auf diese Weise drei- oder viermal betete, war sein Gebet noch immer nicht ordnungsgemäß vollzogen. Da lehrte der Prophet (s) ihn selbst ausführlich und praktisch die Regeln und die Art des Gebets. [Buchari Scharif, Band 1, Seite 10.]
Auf diese Weise erhielten die ehrwürdigen Gefährten (r) in der Gegenwart und im Umgang mit dem Gesandten eine ideologische, prinzipielle und praktische Unterweisung sowie Schulung im Islam. Sobald ein Koranvers offenbart wurde, waren sie die Ersten, die ihn vom Gesandten hörten. Wenn der Gesandte (s) etwas über die Auslegung und praktische Umsetzung eines Koranverses sagte, erreichte dies zuerst ihre Ohren.
Andererseits beobachteten die ehrwürdigen Gefährten (r) selbst aufmerksam sämtliche Handlungen und Tätigkeiten des Gesandten und bemühten sich, sie mit Herz und Verstand zu erfassen. Die folgenden Hadithe können als Beleg dafür angeführt werden:
(a) Einige Menschen fragten den ehrwürdigen Chabbab ibn al-Aratt (r): Rezitierte der ehrwürdige Gesandte (s) im Zuhr-Gebet den Koran? Chabbab antwortete: „Ja.“ Darauf sagten sie:
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Wie konntet ihr von hinten erkennen, dass der Gesandte im Gebet den Koran rezitierte?
Er antwortete:
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Allein an der Bewegung seines Bartes konnten wir dies erkennen und verstehen.[Buchari Scharif, 1. Band, S. 105; Abu Dawud: Kitab as-Salat, 1. Band; Mustadrak al-Hakim, 3. Band, S. 579.]
(b) Hadrat Abu Sa’id al-Chudri (ra) sagte: Wir schätzten, wie lange der Prophet (s) im Zuhr- und Asr-Gebet stehen blieb. Wir stellten fest, dass er in den ersten beiden Rak’a ungefähr so lange stand, wie es dauerte, drei Koranverse zu rezitieren, und in den letzten beiden Rak’a etwa halb so lange.[Muslim Scharif: 1. Band, S. 185; Abu Dawud, Kitab as-Salat, 1. Band.]
Dass die ehrwürdigen Gefährten entsprechend dem beobachteten Handeln des Gesandten handelten, wird durch die folgenden Hadithe bewiesen:
Ein Mann sagte zu Hadrat Umar (ra): „Im Edlen Koran finden wir nur die Erwähnung des Gebets in Zeiten der Furcht (********) und des Gebets während des Aufenthalts im eigenen Haus; eine Erwähnung des Gebets während einer Reise finden wir im Edlen Koran jedoch nicht. Was ist der Grund dafür?“ Darauf antwortete er:
Wir wussten überhaupt nichts über die Religion. In diesem Zustand sandte Allah, der Erhabene, Hadrat Muhammad (s) als Gesandten; deshalb erfüllen wir sie jetzt genau so, wie wir ihn die Angelegenheiten der Religion verrichten sehen.[Musnad Imam Ahmad: 2. Band, S. 65.]
Aus den drei zuvor angeführten Hadithen werden die folgenden Dinge eindeutig bewiesen:
(a) In Angelegenheiten der Religion handelten die ehrwürdigen Gefährten genau so, wie der Gesandte selbst handelte; sie ahmten sowohl die Worte als auch die Taten des Gesandten wortgetreu nach und waren der Auffassung, dass die Religion dadurch erfüllt sei.
(c) Der ehrwürdige Gesandte (s) selbst ermahnte die Gefährten, darauf zu achten und dem zu folgen, wie der ehrwürdige Gesandte (s) eine Angelegenheit der Religion verrichtete; und die ehrwürdigen Gefährten erfüllten dies aus dem Bestreben heraus, ihre Religion zu praktizieren. Denn der einzige Weg, detaillierte Kenntnisse über die Religion zu erlangen, bestand darin, die Worte des Gesandten anzunehmen und zu verstehen, seine Handlungen aufmerksam zu beobachten und sie unter seiner Anleitung praktisch zu erlernen.
Tatsächlich bemühten sich die Gefährten als erste Gemeinschaft des Islam unermüdlich und mit größtem Wissensdurst darum, die ausführlichen und bis ins Kleinste gehenden Regeln und Vorschriften des Islam kennenzulernen. Auf der Grundlage der koranischen Grundprinzipien wurde auf diese Weise das umfassende System des Islam errichtet.
Die ehrwürdigen Gefährten (ra) folgten dem Gesandten sogar in solchen Handlungen buchstäblich, bei denen es nach der Scharia nicht unbedingt erforderlich ist, dem Gesandten nachzufolgen. Der edle Prophet (s) verrichtete einmal das Gebet, wobei er lediglich ein einziges Tuch trug. Der berühmte Gefährte Hadhrat Dschābir tat dies eines Tages ebenfalls. Seine Schüler sahen dies und fragten ihn: „Warum haben Sie es beim Gebet nicht benutzt, obwohl Sie ein zusätzliches Tuch besitzen?“ Er antwortete: „Ich habe es deshalb so gemacht, weil der edle Prophet (s) dies als Erleichterung gestattet hat, damit ihr davon Kenntnis erlangen könnt.“ [Musnad des Imām Ahmad, Bd. 3, S. 328.]
Hadhrat al-Barā ibn ʿĀzib (ra) bemühte sich mit ganzer Kraft darum, bei jeder Handlung des Gebets dem Gesandten ähnlich zu sein. Eines Tages versammelte er seine Familienangehörigen und sagte: „Heute werde ich euch zeigen, wie der edle Prophet (s) die Gebetswaschung vollzog und das Gebet verrichtete.“ Daraufhin vollzog er die Gebetswaschung und verrichtete die Gebete von Dhuhr, ʿAsr, Maghrib und ʿIschāʾ in der Gemeinschaft, wobei er jede einzelne Handlung nach dem Vorbild des Propheten ausführte. Er zeigte ihnen auch, wie der Gesandte (s) sich beim Rukūʿ und bei der Niederwerfung zu verhalten pflegte. [Musnad des Imām Ahmad, Bd. 4, S. 288 und 303.]
Hadhrat Anas (ra) stand dem edlen Gesandten (s) zehn Jahre lang ununterbrochen zu Diensten. Was auch immer er den Gesandten (s) zu irgendeiner Zeit und auf irgendeine Weise tun sah, führte er sein ganzes Leben hindurch genau in derselben Weise aus. Als Hadhrat Abū Huraira (ra) die Art und Weise sah, wie er das Gebet verrichtete, sagte er: „Ich habe niemanden gesehen, der ein dem Gebet des Gesandten ähnlicheres und mit ihm übereinstimmenderes Gebet verrichtet hätte als Ibn Umm Salīm (Anas).“ Eines Tages verrichtete er auf dem freien Feld außerhalb eines Ortes namens ʿAinu’t-Tamr das Gebet, während er auf einem Kamel saß. Das Kamel stand nicht in Richtung der Qibla. Als seine Gefährten dies sahen, waren sie erstaunt und fragten nach dessen Bedeutung. Er sagte: „Wenn ich den edlen Propheten (s) nicht auf diese Weise hätte beten sehen, hätte ich niemals so gebetet.“ Ein anderes Mal verrichtete er das Gebet, indem er einen Teil eines Tuches am Körper trug und den anderen Teil über sich legte. In unmittelbarer Nähe lag ein Umhang. Nachdem er das Gebet beendet hatte, fragte Ibrāhīm ibn Rabīʿa (ein Tābiʿī) ihn nach dem Grund dafür. Hadhrat Anas (ra) antwortete: „Ich habe den edlen Propheten (s) genau auf diese Weise beten sehen.“ Auch in Angelegenheiten des Wādschib und der Sunna, nicht nur bei den verpflichtenden Handlungen, folgte er dem edlen Propheten buchstäblich und ahmte ihn genau nach. Das erhabene, heilige Leben des edlen Propheten (s), jede einzelne seiner Handlungen und jeder seiner Schritte waren für ihn und für Hunderttausende von Gefährten wie ihm die hellste Leuchte der Rechtleitung.
In der Tat sind durch diese Art der Nachahmung seitens der Gefährten jedes Wort und jede Handlung des Gesandten sowie die Berichte über seine Handlungen für immer bewahrt worden; die vom Gesandten geschaffene Gesellschaft konnte sie niemals vergessen. Dies ist eine der wichtigsten grundlegenden Säulen der Bewahrung der Hadithe des Gesandten.
Die Pflicht zur Verbreitung des Islam erfüllen
Was auch immer die ehrwürdigen Gefährten (ra) vom Gesandten über den Islam lernten und welchen Wissensschatz aus Koran und Hadith sie sich aneigneten, das beschränkten und bewahrten sie nicht lediglich unter sich; vielmehr waren sie ständig darum bemüht, dies als eine grundlegende und moralische Pflicht unter den Menschen und unter den Muslimen zu verbreiten, die fern vom Hof des Gesandten und von seiner ständigen Gesellschaft lebten. Dies war eine ihrer wichtigsten religiösen Pflichten. Tatsächlich hatte Allah der Erhabene durch den edlen Propheten (s) die muslimische Umma gerade zur Erfüllung dieser Pflicht gebildet. Den persönlichen und gemeinschaftlichen Zweck und das Ziel der muslimischen Nation beschreibend, hat der Majestätische Koran mit lauter Stimme verkündet:
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Auf diese Weise habe Ich euch zu einer gemäßigten Gemeinschaft gemacht, damit ihr den Menschen Wegweiser seid und der Gesandte euch als Wegweiser dient.[Sure al-Baqara, Vers 143.]
Gemäß dieser Erklärung des Korans empfanden die edlen Gefährten es als ihre Verantwortung und Pflicht, neben der Gestaltung ihres eigenen Lebens und Charakters zu lebendigen Sinnbildern der Wahrheit auch die Allgemeinheit auf den rechten Weg zu führen und zur Wahrheit aufzurufen. Dabei scheuten sie keinerlei Mühsal, Leid oder Erschöpfung, nicht im geringsten. Kein Schlag konnte sie von diesem Weg abbringen. Mehr noch: Wenn sie eine Angelegenheit der Religion erfuhren, betrachteten sie es als ein schweres Verbrechen, diese zu verheimlichen und aus der Welt zu scheiden, ohne sie anderen Menschen mitzuteilen. Denn aufgrund der folgenden Erklärung des Korans waren sie in dieser Hinsicht äußerst furchtsam, besorgt und erschrocken. Allah, der Erhabene, sprach:
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Diejenigen, die das verheimlichen, was Ich an klaren Bestimmungen herabgesandt, an Botschaft der Rechtleitung für die Menschen entsandt und im Buch erklärt habe, auf sie kommen Allahs Fluch und der Fluch all jener, die fluchen.[Sure al-Baqara, Vers 159]
Nach dem Hören dieser strengen Warnung konnte kein Gefährte es wagen, auch nur eine kleine Angelegenheit der Religion zu verheimlichen. Wenn ein Gefährte zu irgendeiner Frage des Islam befragt wurde, hielt er es für seine Pflicht, nach Maßgabe seines Wissens darauf zu antworten. Denn die folgende Aussage des edlen Propheten war ihnen in Erinnerung:
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Wenn jemand nach einem Wissen gefragt wird und es verheimlicht, wird Allah ihm am Tag der Auferstehung einen Zaum aus Feuer anlegen.[Mustadrak al-Hakim, Bd. 1, S. 101.]
Daher kann mit Nachdruck gesagt werden, dass die islamische Gesellschaft, die der edle Prophet geschaffen hatte, als Ganzes wie ein selbsttätiges Instrument zur Verbreitung des Korans und der Hadithe wirkte. So wie das Blut vom Herzen ausgehend durch dauerhafte und selbsttätige Adern im gesamten Körper und in jedem seiner kleinen und großen Organe zirkuliert und fließt, so strömte auch der Schatz der Hadithe vom edlen Propheten aus und gelangte durch die unermüdlichen Bemühungen und die Tatkraft jedes Muslims bis in die entlegensten Zentren der menschlichen Gesellschaft.
Neben der Erfüllung dieser persönlichen Verantwortung zur Verbreitung des Islam wurden Hadithe zu Lebzeiten des edlen Propheten (s) auch durch staatliche Maßnahmen verbreitet. Denn der edle Prophet (s) entsandte zu verschiedenen Orten und in verschiedene Länder Einzelpersonen und Gruppen, um den Islam zu verkünden. An dieser Stelle führen wir einige bekannte Begebenheiten an.
Hadhrat Abu Umama Bahili (ra) sagte:
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Der edle Gesandte (s) entsandte mich zu meinem eigenen Stamm und den Menschen meiner Gegend, damit ich sie zu Allah einlade und ihnen die Bestimmungen der islamischen Scharia darlege. [Mustadrak al-Hakim, Band 3, Seite 641.]
Eine Gruppe von Ansar hielt sich im Dienst des edlen Propheten (s) auf. Tagsüber trugen sie Wasser, sammelten Holz und kauften durch dessen Verkauf Nahrung für die Bewohner der Suffa. Nachts studierten sie den Koran und die Hadithe. Einmal versammelten sich einige Heuchler und sagten zum Gesandten:
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Sende mit uns einige Leute, die uns den Koran und die Hadithe lehren.
Zu diesem Zweck entsandte der edle Prophet (s) siebzig Männer aus den oben erwähnten Leuten mit ihnen. Bedauerlicherweise griffen die Heuchler sie mitten auf dem Weg überraschend an und töteten sie als Märtyrer. [Sahih Muslim, Band 2, Seite 139. ********************]
Kurz vor der Hidschra nahm Hazrat Abu Dharr al-Ghifari (möge Allah mit ihm zufrieden sein) in Mekka beim ehrwürdigen Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) den Islam an. Der ehrwürdige Prophet sagte zu ihm:
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Mir ist befohlen worden, in das Land der Dattelpalmen zu gehen. Ich denke, dass es kein anderes Land als Yathrib oder Medina sein kann. Kannst du nun in meinem Auftrag deine eigenen Stammesangehörigen und die Menschen deiner Gegend zum Islam aufrufen?
Abu Dharr al-Ghifari (möge Allah mit ihm zufrieden sein) nahm diese Aufgabe freudig an und begann, nach seiner Rückkehr in seine Heimat die Menschen zum Islam aufzurufen. Er verkündete seinem Stamm und den Menschen seines Landes alles, was er vom ehrwürdigen Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) über den Islam erfahren hatte. Daraufhin nahmen viele Menschen den Islam an. Sahih Muslim, 2. Band, Seite 276.
Ebenso kehrte Qays ibn Naschija al-Aslami (möge Allah mit ihm zufrieden sein) nach seiner Annahme des Islam in seine Heimat zurück. Er sagte zu den Menschen seines Stammes und seiner Gegend:
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O Leute der Banu Sulaym! Ich habe die Literatur der Römer und Perser, die Gedichte der arabischen Dichter, die Geschichten der Wahrsager und die Dichtung Himyars gehört. Doch nichts davon kann mit den Worten Muhammads verglichen werden – sie sind von völlig eigenständiger Art. Folgt mir daher darin, an Muhammad den Glauben anzunehmen.
Der ehrwürdige Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) entsandte Hazrat Amr ibn Hazm (möge Allah mit ihm zufrieden sein) zum Stamm von Nadschran mit dem Ziel, dass
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Er wird ihnen angemessene Kenntnisse über die Religion vermitteln und sie den Koran lehren.
Der edle Prophet (s) entsandte Hazrat Muʿadh ibn Jabal (r.a.) nach Jemen:
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als Lehrer für die Bewohner Jemens und Hadramauts.
Als die beiden Stämme namens Karba und Adl im dritten Jahr nach der Hidschra den Islam annahmen, entsandte der edle Prophet (s) sechs Lehrer zu ihnen:
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Der edle Prophet (s) entsandte sechs Lehrer zu den beiden Stämmen namens Adl und Karra, um ihnen grundlegende Kenntnisse über die Religion des Islam sowie den Koran und die Vorschriften der islamischen Scharia zu vermitteln. Sie waren: Marsad ibn Abi Marsad, Asim ibn Thabit, Hubayb ibn Adi, Khalid ibn al-Bukair, Zayd ibn Dathina und Abdullah ibn Tariq (r.a.).
Nach der Eroberung Mekkas begann ganz Arabien, sich auf die Annahme des Islam vorzubereiten. Daraufhin begannen die Menschen, ihre jeweiligen Stammesoberhäupter zum edlen Propheten (s) zu entsenden. Diese nahmen den Islam an, kehrten zu ihren eigenen Stämmen und in ihre jeweiligen Gebiete zurück, riefen deren Bewohner zum Islam auf und verbreiteten islamisches Wissen sowie den Koran und die Hadithe.
Darüber hinaus entsandte der edle Prophet (s) zahlreiche Gefährten einzeln oder in Gruppen zur Verbreitung des Islam in verschiedene Gebiete Arabiens. Durch sie verbreiteten sich damals sowohl der edle Koran als auch die Hadithe des Gesandten als dessen Erläuterung in großem Umfang.
Die Gefährten, die der edle Prophet (s) als Statthalter in verschiedene Provinzen des islamischen Staates entsandt hatte, nahmen neben dem Koran auch die Hadithe als eine der Grundlagen für die Ausübung der Regierungstätigkeit an. In diesem Zusammenhang ist besonders das Gespräch bemerkenswert, das der edle Gesandte (s) mit Muʿādh ibn Dschabal (r.a.) führte, als er ihn zum Statthalter des Jemen ernannte und dorthin entsandte. Der edle Prophet (s) fragte: »Worauf wirst du deine Regierungstätigkeit stützen?« Muʿādh antwortete: »Auf den Koran.« Er fragte: »Was wirst du tun, wenn sich im Koran nichts zu der betreffenden Angelegenheit findet?« Muʿādh antwortete:
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»Ich werde auf der Grundlage der Sunna des Gesandten handeln.«
Am Ende dieses Gesprächs dankte der edle Gesandte (s) Allah mit großer Zufriedenheit und legte Muʿādh die Hand auf die Brust und sagte:
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Alles Lob gebührt Allah, der dem von Seinem Gesandten entsandten Mann die Fähigkeit verliehen hat, das zu tun und die Entscheidungen zu treffen, womit der Gesandte Allahs zufrieden ist.
Abschließend ist zu diesem Thema festzuhalten, dass die Hadithe noch zu Lebzeiten des Gesandten durch die Bemühungen und die Sorgfalt der von ihm entsandten Personen nahezu überall im islamischen Staat verbreitet wurden. Überall begann man, sich mit ihnen zu befassen. Dadurch konnten die Muslime in den weit entfernten Gebieten neben dem Koran auch die Hadithe des Gesandten umfassend kennenlernen.
Die Verbreitung und Unterweisung in den Hadithen durch die Sahaba
Bei der Erfüllung der Verantwortung für die Verbreitung des Islam wurden in den verschiedenen Ländern durch die Sahaba neben dem Koran auch die Hadithe verbreitet. In diesem Abschnitt werden wir ausführlich auf die besonderen Bemühungen der Sahaba im Zusammenhang mit der Verbreitung der Hadithe eingehen.
Bevor wir jedoch fortfahren, ist es notwendig, hier eine kurze und grundlegende Erörterung darüber vorzulegen, was man unter einem „Sahabi“ versteht, wer als Sahabi gilt und wer nicht.
Die Ansicht berühmter Hadithgelehrter wie Imam al-Buchari und Ahmad ibn Hanbal lautet:
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Wer den Gesandten gesehen hatte, urteilsfähig war, an ihn glaubte und sein Leben im Islam beendete, gilt als Sahabi. Dabei spielt es keine Rolle, ob sein Zusammensein und seine Begegnungen mit dem Gesandten lange oder kurz dauerten, ob er von ihm Hadithe überlieferte oder nicht und ob er mit ihm kämpfte oder nicht; er gilt als Sahabi.
Imam al-Buchari schrieb in seinem Sahih:
Jeder Muslim, der mit dem Gesandten Allahs in Kontakt gekommen ist oder ihn gesehen hat, ist ein Gefährte des Gesandten Allahs.
Abū al-Muẓaffar as-Samʿānī sagte:
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Die Hadith-Wissenschaftler bezeichnen all jene Personen als Gefährten, die vom Gesandten Allahs auch nur einen Hadith oder ein einziges Wort überliefert haben.
Allah selbst hat die Gefährten an verschiedenen Stellen des Korans gelobt und ihre Eigenschaften dargelegt. An einer Stelle wird dies in vergleichsweise ausführlicher und äußerst nachdrücklicher Sprache gesagt:
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Muhammad ist Allahs Gesandter, und diejenigen, die mit ihm sind, sind den Ungläubigen gegenüber äußerst streng, untereinander jedoch barmherzig und liebevoll. Du wirst sie stets in Verbeugung und Niederwerfung sehen, demütig und vor Allah gebeugt. Sie trachten stets nach Allahs Huld und Wohlgefallen. Auf ihren Stirnen sind die Spuren der Niederwerfung eingeprägt. [Sure al-Fatḥ, Vers 29.]
An anderer Stelle heißt es:
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Allah war mit diesen Gläubigen (den Gefährten) sehr zufrieden, als sie unter dem Baum sitzend dir (o Prophet) die Treue gelobten. Danach erkannte Allah, der Erhabene, was in ihren Herzen war. [Ebenda, Vers 18.]
Auch in den authentischen Hadithen werden viele wichtige Aussprüche des Gesandten über die Vorzüge der Gefährten überliefert.
In einem Hadith sagte der Gesandte (s):
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Beschimpft meine Gefährten nicht. Denn bei Allah, in dessen Hand mein Leben liegt: Wenn jemand von euch auch Gold im Umfang des Berges Uhud spendete, könnte er dennoch nicht den Rang eines Gefährten oder auch nur die Hälfte seines Ranges erreichen. [Muslim, 2. Band, Seite 310; Buchari, 1. Band, Seite 518.]
In der Tat wurde durch die aufopferungsvolle Mühe und die unermesslichen, unvergleichlichen Opfer dieser Gefährten einerseits der Islam verbreitet, während andererseits die vom edlen Gesandten (s) gegründete islamische Gesellschaft und der islamische Staat vollständig geschützt blieben. Die Gefährten empfingen das Wissen über Koran und Hadith vom Gesandten und sorgten zugleich dafür, dass dessen süßer Strom in alle Richtungen der Welt floss und die Bewohner der Welt auf ewig beschenkte.
Daher besteht kein geringster Zweifel daran, dass die Gefährten als erste Empfänger, Übermittler und Verkünder des Hadith in der Geschichte der muslimischen Welt unvergessen bleiben werden.
In der Tat konnten die Gefährten, nachdem sie die Anweisungen des edlen Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) bezüglich des Lernens, Bewahrens und Auswendiglernens der Hadithe sowie ihrer Verbreitung und Vermittlung erhalten hatten, nicht untätig sitzen bleiben. Vielmehr maßen sie selbst den Hadithen die gebührende Bedeutung bei, lernten und memorierten sie und bemühten sich zugleich mit ganzer Kraft, sie auch denjenigen zu übermitteln, die mit den Hadithen nicht vertraut waren, und diese umfassend im Hadith-Lernen auszubilden. Nicht nur zu Lebzeiten des edlen Propheten, sondern auch nach seinem Ableben vernachlässigten sie keineswegs die Verbreitung und Vermittlung der Hadithe neben dem Edlen Qur’an. Nach dem Ableben des Propheten verbreiteten sie sich in allen Teilen des gesamten islamischen Staates und in zahlreichen weit entfernten nichtmuslimischen Ländern; jeder von ihnen widmete sich an seinem jeweiligen Aufenthaltsort und in seinem Umfeld der Verbreitung der Hadithe und des islamischen Wissens. Hier werden die historischen und belegten Berichte über die Verbreitung und Vermittlung der Hadithe durch einige herausragende Gefährten dargelegt:
1. Hazrat Abu Idris al-Chaulani (Allah sei mit ihm zufrieden) berichtet: Ich nahm an einer Versammlung in der Moschee der Stadt Hims teil. Daran waren 32 Gefährten anwesend. Hier wurden gemeinsam Hadithe studiert und vermittelt. Wenn ein Gefährte seine Überlieferung eines Hadiths beendet hatte, begann danach ein zweiter Gefährte mit der Überlieferung eines Hadiths. (Musnad Ahmad, Band 5, Seite 328.)
2. Nasr ibn Asim al-Laithi berichtet: Ich sah in der großen Moschee der Stadt Kufa eine Menschenmenge. Alle Menschen blickten schweigend und regungslos mit tiefster Aufmerksamkeit, ungeduldiger Erwartung und unverwandtem Blick auf einen Mann. Auf meine Nachfrage erfuhr ich, dass es sich um den berühmten Gefährten Hazrat Hudhaifa ibn al-Yaman (Allah sei mit ihm zufrieden) handelte und dass er Hadithe lehrte. (Musnad Ahmad, Band 5, Seite 386.)
3. Die Mutter der Gläubigen, Hazrat Aischa (Allah sei mit ihr zufrieden), war in Medina mit der Vermittlung von Hadithen beschäftigt. Bei ihr lernten gleichzeitig mehr als zweihundert Menschen; darunter waren 38 Frauen. Ehrwürdige Gefährten wie Hazrat Abu Musa al-Aschari, Abdullah ibn Abbas und Amr ibn al-As nahmen regelmäßig an ihrer Hadith-Unterrichtsversammlung teil. (Tadhkirat al-Huffaz von adh-Dhahabi, Abschnitt über Hazrat Abu ad-Darda.)
4. In der Stadt Kufa hielt Hazrat Abdullah ibn Masud (Allah sei mit ihm zufrieden) regelmäßig Hadith-Unterricht. An seinem Unterricht nahmen mindestens viertausend lernende Zuhörer teil. (Siehe das Werk Asrar al-Anwar.)
5. Hazrat Abu ad-Darda (Allah sei mit ihm zufrieden) [der Name dieses Gefährten war Uwaimir ibn Zaid, Seite 32] lebte in Damaskus. Wenn er in der Moschee erschien, um Hadith-Unterricht zu erteilen, versammelte sich vor ihm eine so gewaltige Zahl von Zuhörern, dass es unter ihnen den Anschein hatte, als säße dort ein Großkönig. (Tadhkirat al-Huffaz, Abschnitt über Abu ad-Darda.)
Im Buch Tadhkirat al-Huffaz wird erwähnt, dass mindestens sechzehnhundert Schüler regelmäßig an der Unterrichtsversammlung von Hazrat Abu ad-Darda teilnahmen.
6. Hazrat Abdullah ibn Umar (Allah sei mit ihm zufrieden) hatte den gewaltigen Ozean des Hadith-Wissens gemeistert; doch beschränkte er dieses Wissen nicht auf sich selbst, sondern stillte damit den Wissensdurst von Millionen Muslimen. Dadurch verbreiteten sich die Hadithe durch ihn in großem Umfang. Nach dem Ableben des edlen Propheten lebte er noch mehr als sechzig Jahre (gestorben 74 n. H.). In diesem langen Leben war die Vermittlung und Verbreitung der Hadithe seine wichtigste Aufgabe. Aus diesem Grund nahm er nicht einmal eine Anstellung an, denn dadurch wäre diese große Aufgabe beeinträchtigt und behindert worden.
Er hielt in Medina dauerhaft Versammlungen zum Hadith-Unterricht ab. Besonders während der Hadsch, wenn sich eine große Zahl von Muslimen in Medina versammelte, trug er ihnen Hadithe vor. Dadurch erreichten die Hadithe des Gesandten die entlegensten Zentren der muslimischen Welt auf sehr einfache Weise. [Usd al-Ghaba, Band 3, Seite 228.] Darüber hinaus verbreitete er die Hadithe, indem er die Häuser der Menschen einzeln aufsuchte. Während der Herrschaft Yazid ibn Muʿawiyas begab er sich in das Haus von Abdullah ibn Mutir. Als man ihm sagte, man solle für ihn ein Bett und eine Schlafstätte herrichten, sagte der ehrwürdige Abdullah ibn Umar (ra):
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Ich bin nicht in dein Haus gekommen, um dort Platz zu nehmen, sondern nur, um einen Hadith zu übermitteln. Diesen Hadith hatte ich vom Propheten (s) gehört.
Darauf sagte er: Ich hörte den Propheten (s) sagen:
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Wer sich der Gehorsamspflicht gegenüber dem Amir, das heißt dem Oberhaupt des islamischen Staates, entzieht, wird am Tag der Auferstehung vor Allah erscheinen, ohne etwas vorbringen zu können, womit er sich dafür rechtfertigen könnte. Und wer stirbt, ohne dem Amir den Treueid geleistet zu haben, stirbt den Tod der Dschahiliyya. [Sahih Muslim, Band 2, Seite 128; Musnad Ahmad, Band 2, Seite 154.]
7. Der ehrwürdige Abdullah ibn Umar (ra) verbreitete bei jeder Gelegenheit Hadithe und unterrichtete die Menschen in den Hadithen. Ali ibn Abd ar-Rahman berichtet: Abdullah ibn Umar (ra) sah mich während des Gebets mit kleinen Steinen spielen. Nachdem ich das Gebet beendet hatte, verbot er mir, dies zu tun, und sagte:
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Verrichte das Gebet ebenso schön, wie der Gesandte (s) das Gebet zu verrichten pflegte.
Als er gefragt wurde, wie der Gesandte (s) das Gebet zu verrichten pflegte, sagte er:
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Wenn der Gesandte (s) im Gebet saß, legte er seine rechte Hand auf seinen rechten Oberschenkel, schloss alle Finger und deutete mit dem Finger neben dem Daumen. Seine linke Hand legte er auf seinen linken Oberschenkel. [Muwatta Imam Muhammad, S. 53 (einschließlich Übersetzung)]
Wenn die Gefährten über viele Tage hinweg einen bestimmten Hadith nicht überlieferten, befiel sie die Furcht, dass sie sich versündigen würden, wenn sie ihn nicht überlieferten und ihn verborgen hielten. Daher konnte er nicht länger geheim gehalten werden. Dann überlieferten sie ihn den Menschen. Im folgenden Bericht über Hadhrat Uthman (ra) findet sich dafür ein eindrucksvolles Beispiel:
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Als Hadhrat Uthman (ra) die Gebetswaschung vollzogen hatte, sagte er: „Ich werde euch gewiss einen Hadith überliefern. Wenn es allerdings nicht einen Vers gäbe, würde ich ihn euch keinesfalls mitteilen. Ich hörte, wie der edle Prophet (s) sagte: Wenn jemand die Gebetswaschung vollzieht, sie vollständig und auf vollkommene Weise verrichtet und das Gebet verrichtet, werden ihm alle Sünden vergeben, die zwischen ihm und dem Gebet liegen, solange er das Gebet verrichtet.“ Der Überlieferer des Hadith sagte daraufhin: „Dieser Vers lautet: ‚Wahrlich, diejenigen, die verbergen, was Ich herabgesandt habe……………..‘“ [Sahih Bukhari, Band 1, S. 28.
Daraus, dass Hadhrat Uthman (ra) den angeführten Vers als Beweis dafür anführte, dass es eine Sünde sei, den Hadith zu verbergen, wird deutlich, dass er und jene ehrwürdigen Gefährten die Hadithe als von Allah herabgesandte Worte betrachteten. Andernfalls hätte es keinerlei Bedeutung, diesen Vers als Argument anzuführen, wegen der in ihm erwähnten Sünde und Strafe einen Hadith, der viele Tage lang nicht überliefert worden war, zu überliefern und zu sagen: „Wenn es diesen Vers nicht gäbe, würde ich diesen Hadith keinesfalls überliefern.“]
Selbst während sie auf dem Sterbebett lagen, überlieferten die ehrwürdigen Gefährten (möge Allah mit ihnen zufrieden sein) aus gegebenem Anlass Hadithe des Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Hasan al-Basri sagte: Der ehrwürdige Mambakal lag auf dem Sterbebett, als Ubaydullah ibn Ziyad zu ihm kam. Daraufhin sagte der ehrwürdige Mambakal:
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Ich werde dir einen Hadith erzählen, den ich vom Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) gehört habe. Er sagte: Wenn Allah einem Seiner Diener die Verantwortung für die Leitung der Angelegenheiten der Menschen überträgt und dieser sie nicht dadurch schützt, dass er ihnen guten Rat gibt und ihr Wohlergehen im Auge behält, wird er nicht einmal den Duft des Paradieses wahrnehmen. [Sahih al-Buchari, Band 2, Seite 1058.]
Der ehrwürdige Abu Ayyub al-Ansari (möge Allah mit ihm zufrieden sein) war, während er auf dem Sterbebett lag, vom Verantwortungsbewusstsein für die Überlieferung von Hadithen zutiefst bewegt. Kurz vor seinem Tod überlieferte er zwei Hadithe, die er zuvor niemals überliefert hatte. Nach seinem Ableben wurden diese beiden Hadithe durch eine öffentliche Bekanntmachung der muslimischen Bevölkerung zugänglich gemacht. [Musnad Ahmad, Band 5, Seite 414.]
Auch über den ehrwürdigen Abu Huraira (möge Allah mit ihm zufrieden sein) wurde von Ibn Abi Schaiba ein ähnliches Ereignis überliefert. Er lag krank darnieder; da sagte er zu den Anwesenden:
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Helft mir, mich aufzurichten und hinzusetzen, denn bei mir wird ein vom edlen Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) anvertrautes Gut aufbewahrt, und ich möchte es euch übermitteln.
Nachdem man ihn aufgerichtet und hingesetzt hatte, überlieferte er:
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Keiner von euch soll während seines Gebets nach dieser oder jener Seite blicken. Sollte jemand dennoch blicken, so soll er dies nur in einem anderen als dem Pflichtgebet tun. (Tafsīr Rūḥ al-Maʿānī, Band 18, Seite 3.)
Abū al-ʿĀliya, ein Tābiʿī, sagte:
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In der Stadt Basra hörten wir von den Leuten Überlieferungen von Hadithen, die von den Gefährten des Gesandten (s) überliefert worden waren; doch konnten wir damit nicht völlig zufrieden oder gesättigt sein, solange wir nicht nach Medina gereist waren und sie aus ihrem eigenen Mund gehört hatten. (Musnad ad-Dārimī, Seite 74.)
Tatsächlich kamen unzählige Muslime aus den verschiedenen Zentren der islamischen Welt zu den geehrten Gefährten, um islamisches Wissen, Hadithe und den Koran zu erlernen. Sie empfingen sie mit großer Wertschätzung und Begeisterung und trugen ihnen Hadithe vor. Besonders hinsichtlich Hazrat Abū Huraira (ra) und Hazrat Abū Saʿīd al-Chudrī (ra) ist durch zuverlässige Quellen belegt, dass sich an ihren Versammlungsorten eine große Menge von Hadith-Schülern versammelte. Wenn eine Frage gestellt wurde, dauerte es ziemlich lange, bis man eine Antwort erhielt. (Musnad von Imām Ahmad, Band 3, Seite 92; at-Tirmidhī, Kapitel über das Wissen.)
Hazrat Ibn ʿAbbās (ra) schickte seinen Sohn ʿAlī und seinen Diener ʿIkrima zu Hazrat Abū Saʿīd al-Chudrī, damit sie Hadithe von ihm hörten. Als sie ankamen, befand er sich im Garten. Als er sie sah, kam er zu ihnen, setzte sich zu ihnen und trug ihnen Hadithe vor. (Ebenda.)
8. Hazrat Anas ibn Mālik (ra) widmete sich der Verbreitung des Hadith-Wissens. Sein ganzes Leben verbrachte er im Umfeld des Hadith-Unterrichts. Während die anderen Gefährten des edlen Gesandten (s) mit verschiedenen Kriegen beschäftigt waren, widmete er sich zu jener Zeit in der großen Moschee von Basra intensiv der Verbreitung und Vermittlung der Hadithe des Gesandten (s). An seinen Versammlungen zur Darlegung der Hadithe nahmen zahlreiche Menschen aus Mekka, Medina, Basra, Kufa und Syrien teil. Er gehört zu den Gefährten, die eine große Zahl von Hadithen überlieferten. Von den von ihm überlieferten Hadithen wurden 80 in Ṣaḥīḥ al-Buchārī, 70 in Ṣaḥīḥ Muslim und 128 in beiden Werken, Buchārī und Muslim, aufgenommen.
9. Hadhrat Ubay ibn Kaʿb (ra) besaß eine besondere Sachkenntnis in den Hadithen. adh-Dhahabī schrieb:
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Hadhrat Ubay gehörte zu denjenigen, die vom ehrwürdigen Propheten (s) eine große Anzahl von Hadithen gehört hatten. [Tadhkirat al-Huffāz, Abschnitt über Ubay.] Viele Sahāba, die Hadithe überlieferten, waren zunächst seine Schüler geworden.
Der Statthalter von Medina, ʿAmr ibn Saʿīd, entsandte Truppen nach Mekka gegen Hadhrat ʿAbdullah ibn az-Zubayr. Da sprach Hadhrat Abū Shurayh (ra) zu ihm:
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O Emir! Erlauben Sie mir, Ihnen einen Hadith des Gesandten (s) vorzutragen, den er am Tag nach der Eroberung Mekkas im Stehen gesprochen hat: Meine beiden Ohren haben ihn gehört, mein Herz hat ihn bewahrt und auswendig gelernt, und als er sprach, sahen ihn meine beiden Augen. Danach trug er einen Hadith über die Heiligkeit Mekkas und weitere Dinge vor. [Sahīh al-Bukhārī, Band 1, Seite 21.]
Aus den Worten Hadhrat Abū Shurayhs ist erstens ersichtlich, dass er den Hadith vollständig auswendig gelernt und bewahrt hatte, und zweitens, dass er stets bereit war, die Verantwortung für die Überlieferung des Hadith zu erfüllen.
Auch Hadhrat Jābir ibn ʿAbdullah (ra) pflegte regelmäßig in der Prophetenmoschee sitzend Hadith-Unterricht zu erteilen. Der Gelehrte as-Suyūtī sagte:
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In der Prophetenmoschee selbst befand sich ein Lehrzentrum von Ǧābir ibn ʿAbdullāh. Dort versammelten sich die Menschen und lernten von ihm Hadithe.
Die ehrwürdigen Gefährten (möge Allah mit ihnen zufrieden sein) beschränkten sich nicht darauf, den Menschen die Hadithe lediglich mündlich zu vermitteln; vielmehr bemühten sie sich aufrichtig darum und verwendeten besondere Sorgfalt darauf, dass die Menschen die Hadithe auswendig lernten und sie für immer in ihrem Gedächtnis einprägten und bewahrten. Über die eigenen Anstrengungen der Gefährten, Hadithe auswendig zu lernen, wurde bereits zuvor berichtet. Hier wollen wir zu zeigen versuchen, dass diejenigen, die zu den Gefährten kamen, um Hadithe zu lernen, sich besonders darum bemühten, sie die Hadithe auswendig lernen zu lassen.
In dieser frühen Zeit des Islams schickten die Muslime ihre kleinen Kinder, ebenso wie sie sie zum Auswendiglernen des Korans in besondere Bildungseinrichtungen schickten, auch in Hadith-Lehrzentren. Darüber hinaus ermahnten sie die Menschen eindringlich, Hadithe auswendig zu lernen, und erteilten ihnen zu diesem Zweck auf verschiedene Weise Ratschläge.
Der Tābiʿī namens Abū Naḍra sagte zu Ḥaḍrat Abū Saʿīd al-Chudrī (möge Allah mit ihm zufrieden sein):
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Sollen wir nicht aufschreiben, was wir von Ihnen hören?
Darauf antwortete er:
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Euer ehrwürdiger Prophet (s) überlieferte uns Hadithe, und wir lernten sie auswendig und behielten sie im Gedächtnis. So lernt auch ihr Hadithe auswendig wie wir.
Bei der ständigen Beschäftigung mit den Hadithen und der Ermutigung dazu ließen die edlen Gefährten nicht im Geringsten nach. Über die Art und Weise, wie Hadith-Gelehrte und der Lehrer des Imams der Hadith-Wissenschaft in der Zeit der Tabi’un, Ikrimas, der ehrwürdige Ibn Abbas (ra), ihn in den Hadithen unterrichtete, berichtet er:
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Ibn Abbas legte mir Fesseln an die Füße, damit er mich den Koran und die Hadithe lehren konnte. (Tadhkirat al-Huffaz, adh-Dhahabi, S. 90.)
Der ehrwürdige Ali (ra) sagte:
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Beschäftigt euch sehr viel mit den Hadithen; andernfalls wird dieses Wissen von euch – das Hadith-Wissen – verloren gehen.
Der Gefährte Hadhrat Abdullah ibn Masʿud (r.a.) sagte: „Tauscht euch gegenseitig über Hadithe aus und pflegt ihre regelmäßige Wiederholung, denn nur durch Wiederholung und eingehende Betrachtung ist ihre Bewahrung möglich.“
Der Gefährte Hadhrat Abu Saʿid al-Chudri (r.a.) sagte:
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Beschäftigt euch ständig mit den Hadithen und ruft sie euch ins Gedächtnis.
Auch der Tabiʿi ʿAbdurrahman ibn Abi Layla pflegte zu seinen Hadith-Schülern häufig zu sagen:
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Das erworbene Wissen über die Hadithe kann nur durch wiederholte Beschäftigung mit ihnen, durch das Einprägen und Rezitieren lebendig und bewahrt bleiben. Beschäftigt euch daher alle weiterhin mit den Hadithen, prägt sie euch ein und rezitiert sie.
In einer anderen Überlieferung wird dies folgendermaßen wiedergegeben:
Übt euch gegenseitig im Erinnern und Studieren der Hadithe, denn nur durch ein solches Erinnern und Studieren bleibt der Hadith lebendig. [Sunan ad-Darimi, S. 78.]
In diesem Zusammenhang sind die folgenden Worte von Hazrat Ibn Abbas (r.a.) besonders deutlich. Er sagte zu seinen Schülern:
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Studiert diesen Hadith gemeinsam. Dann wird er euch nicht verloren gehen. Denn dieser Hadith ist nicht ebenso systematisch geordnet, gesammelt und bewahrt wie der edle Qur’an. Wenn ihr ihn daher nicht umfassend studiert, wird er euch verloren gehen. [Sunan ad-Darimi, S. 77.]
Auch die folgenden Worte von Hazrat Ibn Abbas sind in diesem Zusammenhang erwähnenswert. Er sagte:
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Wenn ihr einen Hadith von uns hört, dann studiert ihn gegenseitig. [Sunan ad-Darimi, S. 78.]
Hazrat Ibn Umar (r.a.) ermahnte seine Schüler und sagte:
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Wenn jemand von euch beabsichtigt, einer anderen Person einen Hadith zu überliefern, soll er ihn zuvor unbedingt dreimal wiederholen. [Sunan ad-Dārimī, Seite 78.]
Aus der vorangegangenen ausführlichen Erörterung geht hervor, dass die ehrwürdigen Gefährten (möge Allah mit ihnen zufrieden sein) ebenso, wie sie selbst bemüht waren, die Hadithe auswendig zu bewahren und sie umfassend zu verbreiten, auch diejenigen aus der Generation der Tābiʿūn, die bei ihnen Hadithe lernten, nachdrücklich dazu anhielten, sie auswendig zu bewahren, sie zu pflegen und sie den späteren Menschen zu lehren.
Vorsicht bei der Überlieferung von Hadithen
Der edle Prophet (s) gab klare Anweisungen, seine Hadithe zu verbreiten und sie anderen Menschen zu überliefern. Doch er gestattete diese Verbreitung und Überlieferung nicht uneingeschränkt, frei und ohne jede Begrenzung. Vielmehr ermahnte er mit äußerst nachdrücklichen Worten zu besonderer Vorsicht bei der Überlieferung und Verbreitung von Hadithen und untersagte mit eindringlichen Worten, in seinem Namen irgendeine falsche, erfundene oder unvollständige Aussage zu überliefern und zu verbreiten. In diesem Zusammenhang sollen hier einige Aussprüche des edlen Gesandten (s) angeführt werden.
Hadhrat Anas ibn Mālik (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte:
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Der edle Prophet (s) sagte:
Wer absichtlich eine Lüge über mich verbreitet, der soll sich seinen Platz in der Hölle suchen.
Hazrat Abū Huraira (r.a.) sagte:
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Wer vorsätzlich eine Lüge über mich verbreitet, der soll die Hölle zu seiner Zuflucht machen.
Hazrat Mughīra ibn Schuʿba sagte:
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Ich hörte den Gesandten (s.) sagen: Eine Lüge über mich zu verbreiten ist nicht dasselbe wie eine Lüge über irgendeinen anderen Menschen zu verbreiten. Wer daher absichtlich eine Lüge über mich verbreitet, der soll sich die Hölle zu seiner Zuflucht suchen. [Alle diese Hadithe wurden aus Ṣaḥīḥ Muslim ****************************, Band 1, Seite 7, entnommen.]
Der grundlegende Inhalt der drei von verschiedenen Gefährten überlieferten Hadithe ist trotz geringfügiger Unterschiede im Wortlaut derselbe, nämlich dass es eine äußerst sündhafte Handlung ist, irgendeine Lüge über den Gesandten (s.) oder in seinem Namen zu verbreiten oder eigene erdachte Worte im Namen des Gesandten als seine Worte auszugeben. Der edle Prophet (s.) hat ein strenges Verbot gegen eine solche Handlung ausgesprochen. Aus dem von Hazrat Mughīra (r.a.) überlieferten Hadith geht hervor, dass eine Lüge über den Gesandten (s.) zu verbreiten nicht dasselbe ist wie eine Lüge über irgendeinen anderen Menschen zu verbreiten. Denn der Gesandte und die Worte des Gesandten sind unmittelbar nach Allah und dem Wort Allahs die Grundlage und Quelle des Belegs und des Wissens für die islamische Scharia. Wenn daher hier irgendeine Lüge eindringt, wird die Grundlage der gesamten Scharia schwach und unglaubwürdig. Und wenn die Grundlage der islamischen Scharia schwach wird, bleibt den Menschen danach kein Weg zur Erlösung mehr offen. Im Werk Irshād as-Sārī, dem Kommentar zu al-Buchārī, heißt es über diesen Hadith:
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Dieser Hadith ist hinsichtlich seiner Authentizität und der Unwiderlegbarkeit der Stärke seiner Überlieferungskette endgültig und unbestreitbar. Eine große Gruppe der Muhaddithun hat diesen Hadith als „mutawatir“-Hadith bezeichnet.[*****************]
Scheich Abu Muhammad al-Dschuwaini, der Vater von Imam al-Haramayn Abu al-Ma’ali, sagte:
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Wer absichtlich eine Lüge über den edlen Propheten (s) verbreitet, wird zum Kafir.[Ebenda]
Wegen dieser strengen Warnungen des edlen Gesandten hinsichtlich der Überlieferung von Hadithen hatten die ehrwürdigen Gefährten (ra) große Angst, irgendetwas über den Gesandten zu sagen. Wenn sie etwas sagten, gingen sie mit äußerster Vorsicht und Sorgfalt vor, und jeder hörte das, was er wusste und vielfach gehört hatte, erneut von einem anderen Gefährten an, um dessen Wahrhaftigkeit und Genauigkeit zu überprüfen. Wenn sich ein Fehler zeigte, versäumten sie es nicht im Geringsten, ihn sofort zu korrigieren. Aus Furcht, versehentlich eine Lüge über den Gesandten zu äußern, wagten es viele Gefährten überhaupt nicht, Hadithe zu überliefern. Und wenn sie überlieferten, zitterten sie vor Angst am ganzen Körper. Mit größtem Verantwortungsbewusstsein und voller Gewissenhaftigkeit sprachen sie jeden einzelnen Hadith und jedes einzelne Wort eines Hadith aus.
Aus diesem Grund akzeptierten die ehrwürdigen Gefährten und die Tabi’un niemals einen Hadith, sofern er nicht zuverlässig und zweifelsfrei bewiesen war und die lückenlose, ununterbrochene Kontinuität der Kette der Überlieferer gewahrt blieb. Unter den späteren Hadith-Sammlern wurde der folgende Grundsatz allgemein anerkannt:
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Wenn bei jemandem nachgewiesen wird, dass er absichtlich auch nur einen Hadith über den Gesandten Allahs erlogen hat, wird er als Fāsiq eingestuft, sämtliche von ihm überlieferten Hadithe werden zurückgewiesen, und keiner von ihnen darf als Beweis für die Scharia angenommen werden.[************ 1. Band, Seite 8.]
Nach dieser grundsätzlichen Erörterung über die Vorsicht bei der Überlieferung von Hadithen ist es notwendig, anhand einiger tatsächlicher Begebenheiten aus dem Leben der ehrwürdigen Gefährten dieses Thema näher zu beleuchten. Wir führen hier einige Ereignisse aus dem Leben einiger Gefährten an.
1. Hazrat Zubair (ra) überlieferte überhaupt keine Hadithe. Eines Tages fragte Hazrat Abdullah (ra) ihn: Warum überliefern Sie nicht wie die anderen Gefährten Hadithe? Er antwortete: Obwohl ich eine besondere Beziehung zum Gesandten Allahs hatte, habe ich doch von ihm gehört, dass er sagte: „Wer über mich eine Lüge verbreitet, der soll sich seinen Platz in der Hölle bereiten.“ (Aus dieser Furcht überliefere ich keine Hadithe.)[Abu Dawud, Kitab al-Ilm **********************]
2. Zahlreiche Gefährten pflegten viele Jahre lang hintereinander *************** – nicht zu sagen: „Der Gesandte Allahs (s) hat gesagt.“ Imam Schaʿbi berichtet: Ich hielt mich ein Jahr lang bei Hazrat Abdullah ibn Umar auf. Doch während dieser Zeit überlieferte er keinen einzigen Hadith. Hazrat Saʿir ibn Yazid (ra) berichtet: Ich hielt mich viele Tage in der Gesellschaft von Hazrat Talha ibn Abdullah, Hazrat Saʿd, Hazrat Miqdad und Hazrat Abdurrahman ibn Auf (ra) auf; doch ich sah keinen von ihnen auch nur einen Hadith überliefern. Allerdings überlieferte Hazrat Talha Hadithe ausschließlich über den Tag der Schlacht von Uhud.[Sahih al-Buchari, 1. Band, Kitab al-Dschihad, Seite 396.]
3. Hazrat Saʿir ibn Yazid (ra) berichtet: Ich reiste gemeinsam mit Hazrat Saʿd ibn Malik (ra) von Medina nach Mekka; doch auf dieser langen Reise hörte ich kein einziges Wort eines Hadith aus seinem Mund.[Sunan Ibn Madschah***************************]
4. Viele Menschen äußerten gegenüber den ehrwürdigen Gefährten den Wunsch, Hadithe von ihnen zu hören, doch oftmals weigerten sie sich, Hadithe zu überliefern. Einmal sagten einige Menschen zu Hazrat Zaid ibn Arqam (ra): Überliefern Sie uns Hadithe – überliefern Sie Hadithe und lassen Sie uns sie hören. Darauf antwortete er: Wir sind alt geworden und haben vergessen; Hadithe zu überliefern ist eine äußerst schwierige Aufgabe.
5. Als Hazrat Anas ibn Malik (ra) einmal gebeten wurde, einen Hadith zu überliefern, antwortete er lediglich: „Inschāʾ Allāh“.[Sunan ad-Darimi, Seite 46.]
Das heißt, er wollte sich der Verantwortung der Hadith-Überlieferung entziehen. (Und viele Gefährten pflegten es ebenso.) Er selbst sagte:
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Diese Aussage des Gesandten – „Wer über mich zu lügen beabsichtigt, der soll sich seinen Aufenthaltsort in der Hölle bereiten“ – hält mich davon ab, euch viele Hadithe zu überliefern.[Bukhari Sharif, 1. Band, S. 21.]
Das bedeutet nicht, dass er niemals Hadithe überliefert hätte. Er überlieferte Hadithe; doch in dieser Angelegenheit ging er äußerst vorsichtig vor.[****************] Über ihn wurde gesagt:
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Wenn Hadhrat Anas (r.a.) einen Hadith vortrug, wurde er äußerst furchtsam und erschrocken – sein Herz begann zu zittern. Deshalb sagte er nach der Überlieferung eines Hadiths: „Der edle Gesandte Allahs (s.a.w.) hat es so gesagt“ oder: „genau so, wie er es gesagt hat.“[Musnad des Imam Ahmad, 5. Band, S. 140.]
Hadithe, bei deren Verständnis eine Irrtumsmöglichkeit bestand, überlieferte Hadhrat Anas (r.a.) überhaupt nicht. Außerdem unterschied er auch unter den Hadithen, die er unmittelbar vom Gesandten gehört hatte.[Musnad des Imam Ahmad, 5. Band, S. 140.]
6. Hadhrat Ubayy ibn Ka’b (r.a.) überlieferte Hadithe, ging dabei jedoch mit äußerster Vorsicht vor. Obwohl er dem Gesandten sehr nahestand und den größten Teil seines Lebens in dessen Gesellschaft verbrachte, überlieferte er dennoch nicht sehr viele Hadithe vom Gesandten. Die Zahl der von ihm überlieferten Hadithe beträgt lediglich 64.[****************]
7. Obwohl Hadhrat Abdullah ibn Umar (r.a.) über herausragende Kenntnisse in der Hadithwissenschaft verfügte, überlieferte er Folgendes: In der Gemeinschaft der Gefährten war niemand bei der Überlieferung von Hadithen vorsichtiger als Hadhrat Ibn Umar (r.a.). Er fürchtete sogar, einen Hadith mit geringfügigen Abweichungen zu überliefern.[Tadhkirat al-Huffaz, 1. Band, S. 34.]
Auch Abu Dschaʿfar, der Tabiʿi, hat diese Aussage wiederholt.[Mustadrak al-Hakim, Band 3, Seite 561.]
Saʿid berichtete nach den Worten seines Vaters: Im Hinblick auf die Überlieferung von Hadithen habe ich niemanden gesehen, der vorsichtiger gewesen wäre als Ibn Umar.[*********************]
Tatsächlich war es gerade diese Vorsicht, die dazu führte, dass er gewöhnlich nicht bereit war, Hadithe zu überliefern.[***************]
8. Auch Hadhrat Abdullah ibn az-Zubair (möge Allah mit ihm zufrieden sein) überlieferte nur sehr wenige und nur gelegentlich Hadithe. Er hatte diese Haltung eingenommen, weil er den Hadith über das Lügen über den Gesandten stets vor Augen hatte. Einmal sagten einige Leute zu ihm: Wir sehen, dass du nur sehr wenige Hadithe überlieferst, während dieser und jener Gefährte sowie Hadhrat Ibn Masʿud (möge Allah mit ihm zufrieden sein) eine beträchtliche Anzahl von Hadithen überliefern. Mit anderen Worten: Warum bist du trotz deiner herausragenden Stellung in der Nähe des Gesandten bei der Überlieferung von Hadithen so weit zurückgeblieben? Darauf antwortete er:
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Hört zu: Seit ich den Islam angenommen habe, habe ich mich niemals vom Gesandten (Friede sei mit ihm) getrennt aufgehalten. Doch ich hörte den Gesandten (Friede sei mit ihm) sagen: Wer über mich eine Lüge verbreitet, der soll sich seine Wohnstätte in der Hölle nehmen.[Musnad von Imam Abu Hanifa (Urdu-Übersetzung), Seite 73; Sahih al-Bukhari, Band 1, Seite 21. In der Überlieferung von al-Bukhari wird der Name Abdullah ibn Masʿud nicht erwähnt; in der Überlieferung von Ibn Madscha hingegen wird er erwähnt.(****************) Und in der Überlieferung al-Ismaʿilis findet sich der Hinweis auf die Worte „Seit ich den Islam angenommen habe“, die bei al-Bukhari nicht vorkommen.]
Tatsächlich war diese Furcht der einzige Grund dafür, dass er nur wenige Hadithe überlieferte.
Das Niederschreiben von Hadithen
Die ausführliche Erörterung der natürlichen Methode zur Bewahrung der Hadithe ist bereits vorgetragen worden; doch war sie keineswegs das einzige Mittel, auf dem die Bewahrung der Hadithe beruhte. Vielmehr wurden die Hadithe durch eine noch festere und zuverlässigere Methode bewahrt. Diese Methode der Hadith-Bewahrung war die schriftliche Aufzeichnung der Hadithe.
Bei vielen Menschen findet sich eine weitverbreitete falsche Vorstellung über die Hadithe. Die Gegner der Hadithe führen sie als Argument an, um deren Ursprünglichkeit und Authentizität zu widerlegen. Sie lautet: Die Hadithe seien zu Lebzeiten des edlen Propheten nicht niedergeschrieben worden, sondern erst ein Jahrhundert nach seinem Tod. Daher seien die Hadithe ihrer Ansicht nach nicht glaubwürdig.
Doch eine sorgfältige Untersuchung der Geschichte der Hadith-Bewahrung beweist zweifellos, dass diese Vorstellung keineswegs wahr ist, sondern lediglich eine verleumderische Propaganda und eine Lüge der Gegner darstellt. Die Geschichte widerspricht ihr entschieden. Tatsächlich kann die wichtige Angelegenheit der Hadith-Bewahrung nicht derart unbegründet und unbelegt geblieben sein. Alle möglichen Maßnahmen, die zu ihrer Bewahrung erforderlich waren, wurden zu gegebener Zeit ergriffen. Die Hadithe wurden ebenso auswendig gelernt und im Gedächtnis bewahrt, wie sie auf vielfältige Weise studiert und gepflegt wurden; ebenso wurden zu gegebener Zeit und in ausreichendem Umfang die Möglichkeiten des Schreibens genutzt und eingesetzt. Vor allem aber verließ man sich nicht ausschließlich auf eine dieser Maßnahmen und vernachlässigte keineswegs die übrigen Wege, indem man sich auf einen einzigen stützte. Vielmehr wurden all diese Maßnahmen gleichzeitig und nahezu zur selben Zeit in einer generationenweisen Reihenfolge wirksam umgesetzt. Das wird den Lesern bereits aus unserer nun folgenden Erörterung über die schriftliche Aufzeichnung der Hadithe deutlich hervortreten.
Wie ich bereits eingangs erwähnt habe, hatte der edle Gesandte schon in der Frühzeit des Prophetentums, als der edle Koran herabgesandt wurde, zahlreiche „Offenbarungsschreiber“ eingesetzt, damit er ordnungsgemäß niedergeschrieben und bewahrt werde. Einer Überlieferung zufolge betrug die Zahl der Offenbarungsschreiber mindestens vierzig. Sobald dem Gesandten ein Vers oder eine Sure offenbart wurde, trug er sie einerseits der versammelten islamischen Gemeinschaft gleichsam in Form einer Ansprache auswendig vor; andererseits ließ er sie zugleich von den genannten Offenbarungsschreibern korrekt niederschreiben. Dies war die vom edlen Gesandten eingerichtete „offizielle“ Regelung. Dadurch konnte der edle Koran bis zum Ende des Lebens des Gesandten seine vollständige schriftliche und bewahrte Form erlangen.
Doch es war zu jener Zeit keineswegs so, dass nur eine festgelegte Zahl von „Offenbarungsschreibern“ die Offenbarung oder den Koran niederschrieb und kein anderer Gefährte dies tat. Vielmehr schrieben neben den vom edlen Gesandten eingesetzten Schreibern noch viele weitere Gefährten, die sich beim Gesandten aufhielten, die Koranverse aus eigenem Antrieb für sich selbst nieder.
Dasselbe stellen wir auch hinsichtlich der schriftlichen Aufzeichnung der Hadithe durch den edlen Gesandten fest. Einige Gefährten begannen mit seiner Erlaubnis, und viele andere aus eigenem Antrieb, die Hadithe schriftlich festzuhalten. In der ersten Phase trat dabei jedoch eine Schwierigkeit auf. Zahlreiche Gefährten begannen nämlich, alles, was sie vom Gesandten hörten – sei es Allahs Wort oder seine eigenen Worte –, gemeinsam und in ein und demselben Schriftstück niederzuschreiben. Dadurch entstand die große Gefahr, dass Koran und Hadith miteinander vermischt würden und es schwierig würde, zwischen ihnen irgendeinen Unterschied zu machen. Wie furchtbar die Folgen davon wären, lässt sich leicht verstehen. Der edle Prophet konnte dies keineswegs billigen. Als er die von solchen Schreibern verfassten Aufzeichnungen sah, brachte er sein scharfes Missfallen darüber zum Ausdruck. In dem von Hadrat Abū Saʿīd überlieferten Hadith heißt es hierzu: Einst saßen einige Gefährten und schrieben. Sie sagten: „Wir schreiben nur das auf, was wir von dir hören.“ Da sagte er: „Wird etwa neben dem Buch Allahs noch ein anderes Buch geschrieben?“
Das bedeutet, dass es für die Beständigkeit und Unversehrtheit des Korans ebenso verhängnisvoll ist, Koran und Hadith vermischt niederzuschreiben und keine Vorkehrung zu treffen, sie voneinander zu unterscheiden, wie es für die Festigkeit und Zuverlässigkeit der Grundlagen der islamischen Religion verhängnisvoll ist. Aus diesem Grund befahl der edle Gesandte ihnen:
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Gebt diese Art des Schreibens auf. Schreibt ausschließlich Allahs Buch in reiner Form nieder. Vermischt nichts damit.
Daher wurde alles vernichtet, was diese Gefährten vermischt aus Koran und Hadith niedergeschrieben hatten; danach begann man, den Koran völlig eigenständig niederzuschreiben.[Musnad des Imam Ahmad, Bd. 1, S. 171; Majmaʿ az-Zawāʾid, Bd. 1, S. 152.]
Die Weisheit hinter dieser Handlung und Aussage des edlen Gesandten lässt sich schon durch ein wenig Nachdenken verstehen. Wenn auch nur ein einziger Gefährte den Koran zusammen mit den Hadithen niedergeschrieben und aufbewahrt hätte, wäre dies in späterer Zeit zu einer Herausforderung für die Zuverlässigkeit des edlen Korans geworden. Die Menschen auf der Welt hätten den edlen Koran niemals in seiner heutigen reinen, unverfälschten, vollkommen eigenständigen und erhabenen Gestalt erhalten können; sie wären nicht in der Lage gewesen, Allahs Wort von den Aussagen und Handlungen des Gesandten getrennt zu erkennen und zu unterscheiden. Aus diesem Grund verbot der edle Prophet (s) den Gefährten in der ersten Phase mit klaren und nachdrücklichen Worten, irgendetwas außer dem Koran niederzuschreiben; die mündliche Weitergabe und Überlieferung desselben verbot der edle Gesandte jedoch keineswegs. Die Aussage des edlen Propheten (s) lautet wie folgt:
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Schreibt keine meiner Aussagen auf. Wenn jemand außer dem Koran etwas von mir niedergeschrieben hat, soll er es auslöschen. Überliefert jedoch meine Aussagen oder Aussagen über mich mündlich; daran ist nichts auszusetzen. Doch auch bei der mündlichen Überlieferung darf keinerlei Lüge geduldet werden. Wahrlich, wer eine Lüge über mich sagt, soll seine Zuflucht in der Hölle nehmen.[Sahih Muslim, Bd. 2, S. 414, überliefert von Abu Saʿid al-Chudri: *****************************]
Ein weiterer von Abu Saʿid überlieferter Hadith lautet wie folgt:
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Wir baten den Gesandten (s) um die Erlaubnis, neben dem Koran auch andere Aussagen und Hadithe niederzuschreiben und aufzubewahren; doch er erteilte uns keine Erlaubnis.[*****************]
Auch von Zaid ibn Thabit (möge Allah mit ihm zufrieden sein) ist ein Hadith mit eben dieser Bedeutung überliefert worden. Er lautet:
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Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) befahl uns, nichts außer dem Koran aufzuschreiben.[Ebenda]
Das Verbot, etwas außer dem Koran aufzuschreiben, und die Nichtgewährung der Erlaubnis, jenes „Andere“ aufzuschreiben, haben eine tiefgreifende Bedeutung. Der grundlegende Grund dafür, dass der edle Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) so verfuhr, verdient gewiss besondere Beachtung.
Der erste Grund war die Befürchtung, dass durch das Vermischen und gemeinsame Aufschreiben anderer Dinge mit dem Koran eine schreckliche Situation entstehen könnte. Bis zu jener Zeit waren die Muslime im Allgemeinen mit der besonderen Sprache, dem Ausdruck und der Botschaft des Korans sowie mit seiner erhabenen geistigen Ausrichtung noch nicht vollständig vertraut. Die scharfe Einsicht und das Urteilsvermögen, um zwischen dem Koran und dem Nicht-Koranischen zu unterscheiden, waren in ihnen damals ebenfalls noch nicht erwacht. Der zweite Grund war, dass sich dieses Verbot des edlen Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) an jene Gefährten richtete, deren Gedächtnis außerordentlich stark war, die das Gehörte sehr leicht ihrem Gedächtnis einprägen konnten und nichts davon vergaßen. Denn wenn auch die Gefährten dieser Gruppe begännen, sich daran zu gewöhnen, sich auf das Schreibzeug zu verlassen, bestünde unweigerlich die Gefahr, dass die Schärfe ihrer Gedächtniskraft nachließe. Und es konnte keineswegs richtig sein, auf diese Weise Geringschätzung gegenüber dieser großen Gunst Allahs zu zeigen.[***********************]
Imam Nawawi schrieb darüber:
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Das Niederschreiben von Hadithen war zunächst verboten. Vor der allgemeinen Bekanntheit des Korans galt dieses Verbot für alle. Damals war es aus Furcht davor verboten, irgendetwas anderes als den Koran schriftlich festzuhalten, damit sich dieses nicht mit dem Koran vermische und dadurch Zweifel und Unsicherheit entstünden. Als der Koran später allgemein bekannt geworden war und diese Gefahr nicht mehr bestand, wurde das Niederschreiben von Hadithen erlaubt.
Zweitens wurde jenen, deren Gedächtnis zuverlässig war, aus Furcht davor verboten zu schreiben, dass sie sich ausschließlich auf die Schrift verlassen könnten. Dieses Verbot bedeutete jedoch nicht, dass das Schreiben an sich haram war. Jenen, deren Gedächtnis nicht zuverlässig war, wurde erlaubt, Hadithe schriftlich festzuhalten.
Imam al-Chattabi schrieb hierzu:
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Es scheint, dass das Verbot, Hadithe niederzuschreiben, nur für die frühe Zeit galt. Später wurde dies erlaubt. Verboten war, Hadithe mit dem Koran vermischt auf demselben Blatt niederzuschreiben. Denn dadurch wären Koran und Hadithe miteinander vermischt worden, was für die Leser zu einer großen Quelle des Zweifels geworden wäre.
Aus dieser Erklärung von Imam an-Nawawi und Imam al-Chattabi geht hervor, dass es in der ersten Phase zwar allen verboten war, außer dem Koran etwas anderes niederzuschreiben, dass es dabei jedoch Ausnahmen gab. Der edle Prophet (S) wollte, dass die Gefährten ihr Gedächtnis in vollem Umfang für die notwendigen Aufgaben einsetzten. Deshalb verbot er Menschen mit außerordentlich starkem Gedächtnis, auf das Auswendiglernen von Hadithen zu verzichten und sich ausschließlich auf die Schreibfähigkeit zu verlassen. Jenen jedoch, die sowohl ihr Gedächtnis als auch ihre Schreibfähigkeit nutzen wollten, verbot er nicht, Hadithe niederzuschreiben. Vielmehr erteilte er ihnen ausdrücklich die Erlaubnis. Auch aus dem folgenden Hadith geht dies eindeutig hervor:
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Von Abdullah ibn Amr (r.a.) wird überliefert, dass er zum Gesandten kam und sagte: „O Gesandter! Ich möchte Hadithe überliefern. Daher möchte ich neben meinem Gedächtnis auch die Hilfe der Schrift in Anspruch nehmen, sofern du dies billigest.“ Darauf sagte der edle Prophet (S): „Wenn du meine Hadithe niederschreiben möchtest, kannst du sie dir merken und sie zugleich schriftlich festhalten.“
Nicht nur das: Im Kreis des edlen Propheten (s) waren ständig zahlreiche Menschen anwesend, die Schreibzeug besaßen. Alles, was sie aus dem Mund des Gesandten hörten, schrieben sie nieder – auch das ist eine historische Tatsache. Dies wird bereits durch die folgenden Worte von ʿAbdullah ibn ʿAmr ibn al-ʿĀṣ bewiesen:
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Wir waren mehrere Personen und mit dem Schreiben im Beisein des Gesandten beschäftigt. Da wurde der edle Gesandte (s) gefragt: „Wird zuerst die Stadt Konstantinopel oder Rom erobert werden?“ Er antwortete: „Nein, Konstantinopel, die Stadt des Heraklius, wird zuerst erobert werden.“
Der erste Satz dieser Überlieferung ist besonders beachtenswert. Daraus geht hervor, dass sich jedes Mal, wenn der edle Gesandte (s) zu einer Versammlung niedersetzte, auch Schreiber um ihn herum niederließen. Aus all diesen Belegen wird deutlich, dass in der ersten Phase hauptsächlich nur der edle Koran niedergeschrieben wurde. Für die Niederschrift der Hadithe wurden auf staatlicher Ebene keinerlei Vorkehrungen getroffen. Damals wurden die Hadithe im Allgemeinen durch Auswendiglernen, mündliche Übung, Überlieferung und Erörterung bewahrt. Nachdem auf diese Weise einige Zeit vergangen war, wurde den Gefährten die allgemeine Erlaubnis erteilt, Hadithe niederzuschreiben. Von da an wurde bei der Bewahrung der Hadithe neben dem Gedächtnis der Gefährten, ihrer gegenseitigen Übung und Überlieferung ebenso umfassend die Schreibkunst eingesetzt wie beim Koran.
Ibn Qutaiba schrieb:
Zuerst verbot er, Hadithe niederzuschreiben; später erkannte er die Notwendigkeit, sie durch Niederschrift zu bewahren.
Allāma Ibn al-Dschauzī schrieb:
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Anfangs untersagte er das Aufschreiben. Später erteilte er die Erlaubnis, es aufzuschreiben.
In dieser Phase sagte er, an die Sahāba gerichtet, in klaren Worten:
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Schreibe das Hadithwissen nieder.
Es ist notwendig, eine kurze Erörterung der grundlegenden Frage des Aufschreibens des Hadithwissens zu geben. Auch darüber, ob das Aufschreiben von Hadithen überhaupt zulässig war, besteht Meinungsverschiedenheit. Nach unserer Auffassung war das Aufschreiben von Hadithen nicht nur zulässig, sondern eine äußerst notwendige Aufgabe der Religion. Der edle Qurʾān selbst hat ausdrücklich angeordnet, bei allen notwendigen und wichtigen Angelegenheiten Schreibzeug zu verwenden. Allah, der Erhabene, hat gesprochen:
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Ob eine Transaktion klein oder groß ist, versäumt nicht im Geringsten, sie bis zu einer festgesetzten Frist schriftlich festzuhalten. Das Aufschreiben ist in Allahs Augen am gerechtesten, eine angemessene Maßnahme zur Sicherung des Beweises und das beste Mittel, Zweifel zu vermeiden. [Sure al-Baqara, Vers 282. Es ist wichtig zu beachten, dass diese Sure bereits im ersten Abschnitt des medinensischen Lebens nach der Hidschra offenbart wurde; und da gerade zu dieser Zeit nachdrücklich angeordnet wurde, alles schriftlich festzuhalten, werden die Sahāba gewiss auch das Aufschreiben der Hadithe praktiziert haben. Folglich hat der edle Gesandte (s) es gewiss nicht verboten.]
Imam Abū Hanīfa (r) führte auf Grundlage dieses Verses ein Argument an und sagte:
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Als Allah der Erhabene angeordnet hat, selbst gewöhnliche Angelegenheiten des Geschäftsverkehrs aus Angst vor aufkommenden Zweifeln schriftlich festzuhalten, und das Bewahren von Wissen – des Wissens über die Hadithe – durch Auswendiglernen viel schwieriger ist als das Behalten von Geschäftsvorgängen, ist es umso notwendiger und angemessener, es aus Furcht vor der Entstehung von Zweifeln und Unsicherheit schriftlich festzuhalten.
Der Gelehrte Abū Malīḥ sagte, gestützt auf einen anderen Vers:
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Die Menschen tadeln die Muhaddithūn dafür, dass sie die Hadithe schriftlich festhalten. Allah der Erhabene selbst aber hat gesagt: Der Zustand der früheren Völker ist bei Allah schriftlich bewahrt.
Allah der Erhabene aber vergisst weder, noch irrt Er. Wie könnten unter diesen Umständen Menschen, die selbst Verkörperungen von Fehlern und Irrtümern sind, von der Notwendigkeit des Schreibens frei sein?
Daher war das schriftliche Festhalten der Hadithe zu keiner Zeit völlig verboten. Zu Beginn wurde es allgemein zurückgestellt, obwohl bestimmten Personen bereits in dieser Zeit die Erlaubnis dazu erteilt worden war.
Die an dieser Stelle erwähnte Meinungsverschiedenheit hat keine besondere Bedeutung. Außer in der allerfrühesten Zeit war das schriftliche Festhalten der Hadithe stets vollständig zulässig.
Ibn as-Salah schrieb:
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Später wurde diese Meinungsverschiedenheit beseitigt, und alle Muslime waren sich darin einig, dass es erlaubt sei, Hadithe schriftlich festzuhalten. Denn wären sie damals nicht niedergeschrieben worden, wären sie schließlich vollständig verlorengegangen.[***************]
Schriftliche Aufzeichnungen des Propheten (s)
In der ersten Phase der islamischen Bewegung – in der mekkanischen Periode – erlaubte der edle Prophet (s) nicht, etwas anderes als den erhabenen Koran schriftlich festzuhalten. Daher gibt es keinen Beleg dafür, dass während des mekkanischen Lebens vor der Hidschra irgendein Hadith niedergeschrieben wurde. Doch unmittelbar nach der Hidschra, mit dem Beginn des medinensischen Lebens, begann neben dem Koran ein gewaltiger Bestand an Hadithen schriftlich festgehalten zu werden. Auf Grundlage der folgenden Belege kann mit Nachdruck gesagt werden, dass in der medinensischen Periode – im dreizehnten und vierzehnten Jahr des Prophetentums –, nachdem das Bewusstsein für den Unterschied zwischen Koran und Hadith deutlich geworden war, einerseits eine allgemeine Erlaubnis zum Niederschreiben von Hadithen erteilt wurde und andererseits eine große Zahl von Schriftstücken, die der edle Prophet (s) selbst hatte niederschreiben lassen, in den Händen der Muslime gesammelt wurde. In diesem Zusammenhang kann gesagt werden, dass das Niederschreiben von Hadithen leichter wurde und sein Umfang erheblich zunahm, nachdem in Medina als Gegenleistung für die Freilassung der Kriegsgefangenen von Badr Unterricht für muslimische Knaben im Lesen und Schreiben eingerichtet worden war[********************]. Hadhrat Abdullah ibn Said ibn al-As hatte in der Prophetenmoschee von Medina regelrecht eine Schule für den Schreibunterricht eröffnet.[*********************] Darüber hinaus war in neun Moscheen Medinas ebenfalls Unterricht im Lesen und Schreiben für Knaben eingerichtet worden.[*****************] In späterer Zeit herrschte daher überhaupt kein Mangel an Menschen, die lesen und schreiben konnten.
Daher hatte der edle Prophet (s) zahlreiche Personen in seiner Nähe eingesetzt, um die notwendigen Schreibarbeiten auszuführen, und eine große Zahl von Schreibern (Personen, die schreiben konnten) war ständig am Hof des Gesandten anwesend, um Schreibarbeiten zu verschiedenen Themen zu erledigen. In moderner Sprache kann man sagen, dass damals in Medina ein vollständiges Sekretariat aufgebaut worden war und arbeitete. Für die Ausführung bestimmter Schreibarbeiten waren jeweils besondere Personen eingesetzt. Unter ihnen waren die Gefährten Hadhrat Ali (ra), Hadhrat Uthman (ra), Hadhrat Zayd ibn Thabit (ra) [***************] und Hadhrat Ubayy ibn Ka’b (ra) unter anderem für die Niederschrift des erhabenen Korans verantwortlich. Hadhrat az-Zubayr ibn al-Awwam (ra) und Jahm ibn as-Salt (ra) waren für die Abrechnung des Vermögens aus Zakat und Sadaqa zuständig. Hadhrat Abdullah ibn al-Arqam (ra) und al-Ala ibn Uqba (ra) schrieben die Urkunden und Dokumente über die gegenseitigen Geschäfte sowie die Verträge und Zusagen der Menschen. Hadhrat Hudhayfa ibn al-Yaman (ra) hielt nach Schätzung die Menge der Dattelernte und die darauf erhobene Zakat schriftlich fest. Muayqib ibn Abu Fatimadsi (ra) zeichnete die Angaben über das vom edlen Gesandten erhaltene Vermögen auf.[******************] Auch war dafür gesorgt worden, die Namen und persönlichen Angaben der Gefährten festzuhalten, die zur Zeit des edlen Gesandten am Dschihad teilnahmen.[***************] Der Schreiber Hanzala (ra) vertrat am Hof jeden abwesenden Schreiber. Auch das Siegel des edlen Gesandten trug und benutzte er.[***************************]
Auf Anweisung des edlen Gesandten (s) erlernten mehrere Gefährten die in der damaligen zivilisierten Welt gebräuchlichen Sprachen, um für Menschen verschiedener Sprachgruppen Briefe in deren Sprache zu verfassen. Hadhrat Zayd ibn Thabit (ra) wurde beauftragt, die syrische Sprache zu erlernen, und er lernte sie. Wenn ein in dieser Sprache verfasster Brief beim Gesandten eintraf, las er ihn und informierte den edlen Gesandten (s) über seinen Inhalt. Über die Schreiber, die am Hof des Gesandten eingesetzt waren, wurden ebenfalls zahlreiche Bücher verfasst. [***********************]
1. Nachdem der edle Prophet (s) nach Medina ausgewandert war und sich dort dauerhaft niedergelassen hatte, gehörte zu den ersten wichtigen Aufgaben, die er ausführte, die Abfassung eines langen Vertrags zwischen den Juden Medinas und den Christen der Umgebung sowie den muslimischen Ansar und Muhajirun Medinas, der gegenseitige Nichtangriffe und weitere Bedingungen enthielt. Sein Wortlaut war folgender:
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Dies ist der schriftliche Vertrag zwischen den gläubigen Muslimen aus dem Stamm Quraisch sowie den Bewohnern Medinas, die sich ihnen anschließen und gemeinsam mit ihnen den Dschihad führen werden, im Namen Muhammads (s), des Propheten und Gesandten Allahs. Die Bestimmung lautet, dass sie eine von den übrigen Menschen abgesonderte und eigenständige Umma, das heißt eine Nation, bilden werden.
Dieser Vertrag ist in der Geschichte des Islam ein historischer und unschätzbarer Schatz. Er umfasst insgesamt 52 Bestimmungen. Darin wird Medina Scharif für die Muslime zum Haram erklärt. (Kitāb al-Amwāl, Abū Dāwūd, S. 311.) Das folgende Zitat beweist, dass der Vertrag ordnungsgemäß schriftlich niedergelegt worden war und im Islam das allererste schriftliche Dokument darstellt:
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Überliefert von Hadhrat Rāfiʿ ibn Khadīja (ra). Er sagte: Medina ist ein Haram. Der edle Gesandte (s) hat es zum Haram erklärt. Bei uns befindet sich dieser Vertrag auf einer Khawlānī-Haut niedergeschrieben.
Bei Hadhrat ʿAlī (ra) blieb dieses schriftliche Vertragsdokument bis in die spätere Zeit hinein sicher verwahrt. Er sagte:
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Bei mir gibt es außer dem Buch Allahs und diesem von dem edlen Propheten (s) erhaltenen Sahifa-Dokument kein anderes schriftliches Dokument. In diesem Sahifa steht geschrieben: Medina ist ein Haram. Seine Grenze erstreckt sich vom Berg ʿĀʾir bis zu jenem Ort. Auf jedem, der in diesem Haram eine Bidʿa erfindet und einführt oder einem Urheber einer Bidʿa Zuflucht gewährt, liegt der Fluch Allahs, der Engel Allahs und aller Menschen. Von ihm wird keinerlei Ausgleich oder Ersatz angenommen. Die von einem Muslim gewährte Sicherheit gilt in jeder Hinsicht als gleichwertig. Wenn jemand das von einem Muslim gegebene Versprechen bricht, so liegt auch auf ihm der Fluch Allahs, der Engel und aller Menschen. Von ihm wird keinerlei Ausgleich oder Ersatz angenommen.
Tatsächlich besitzt diese Urkunde in der Geschichte der Zivilisation den Rang der ersten schriftlichen Verfassung und ist ein äußerst wichtiges Dokument.
1. Nachdem der edle Gesandte (s) in Medina einen islamischen Staat errichtet hatte, ließ er eine Volkszählung unter den muslimischen Bürgern durchführen. Zu diesem Zweck erließ er einen Befehl mit folgendem Wortlaut:
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Schreibt mir die Namen und Angaben zu all jenen auf, die erklärt haben, den Islam anzunehmen.
Der Hadith überliefernde Gefährte Hudhaifa (r.a.) sagte:
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Daraufhin schrieben wir die Namen, Angaben und persönlichen Daten von eintausendfünfhundert Personen auf und übergaben sie dem Gesandten.
Auch dies war ein schriftliches Dokument aus der Lebenszeit des edlen Gesandten (s).
3. Im Safar des dritten islamischen Jahres unterzeichnete der edle Prophet (s) mit dem Stamm Banū Ḍamra einen Friedensvertrag. Auch diese Vertragsurkunde ist in schriftlicher Form überliefert.
Aus den beiden folgenden Überlieferungen geht jedoch hervor, dass der edle Prophet (s) unmittelbar vor der Hidschra in mindestens zwei Fällen schriftliche Erlasse ausstellte:
(a) Der edle Prophet (s) sandte Tamīm ad-Dārī einen schriftlichen Erlass.
(b) Auf dem Weg nach Medina, nachdem er die Hidschra angetreten hatte, stellte der edle Prophet (s) für Surāqa ibn Mālik al-Mudladschī eine Sicherheitsurkunde aus.
Der gelehrte Ibn Kathīr berichtet:
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Surāqa sagte: „Stellt mir ein Dokument aus, das als Beweis für diese zwischen mir und dem Gesandten getroffene Entscheidung über meine Freilassung dienen kann.“ Daraufhin ließ der edle Prophet (s) für mich eine Schrift auf einem Knochen, einem Blatt oder einem Stück zerrissenen Stoffes anfertigen.
4. Von Abū Huraira (ra) wird überliefert, dass im Jahr der Eroberung Mekkas (im 8. islamischen Jahr) Angehörige des Stammes Chuzāʿa einen Mann aus dem Stamm Laith töteten. Als diese Nachricht den edlen Gesandten erreichte, hielt er, während er auf dem Rücken seines Reittiers saß, eine wichtige Ansprache. Darin erläuterte er ausführlich alle Bestimmungen über die Würde, den Vorrang und die Heiligkeit des ehrwürdigen Heiligtums sowie über die Strafe für Tötung und die damit verbundenen Regelungen zur „Diyya“. Nachdem die Ansprache beendet war, sagte ein Gefährte namens Abū Schāh zum edlen Gesandten (s): „O Gesandter! Lass diese Ansprache für mich niederschreiben.“ Dass Abū Schāh darum bat, gerade die vom Gesandten gehaltene Ansprache niederschreiben zu lassen, wird dadurch bestätigt, dass der Überlieferer dieses Hadiths, ʿAlī ibn Muslim, Imām al-Auzāʿī fragte: „Hat Abū Schāh den edlen Gesandten gebeten, sie für ihn niederschreiben zu lassen, als er sagte: ,O Gesandter! Lass dies für mich niederschreiben‘?“ Imām al-Auzāʿī antwortete: „Es war eben jene Ansprache, die der Gesandte gehalten hatte und die er gehört hatte.“ Daraufhin nahm der edle Prophet (s) sein Anliegen an und sagte zu einem Gefährten: „Schreibe diese Ansprache für Abū Schāh nieder.“
5. Der Historiker Hafiz Ibn Abd al-Barr schrieb:
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Der Prophet (s) ließ für Amr ibn Hazm und andere ein Dokument über Sadaqa, Diya, Fard und Sunna schreiben.
Al-Schaukani erwähnte dieses Dokument an verschiedenen Stellen. Imam Malik (r.a.) überlieferte unter Bezugnahme auf dieses Dokument:
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Von Abdallah ibn Abi Bakr ibn Hazm wird überliefert, dass in dem Dokument, das der Prophet (s) für Amr ibn Hazm hatte schreiben lassen, Folgendes stand: Den Edlen Koran darf nur eine rituell reine Person berühren.
Imam al-Bayhaqi erwähnte in seinem Werk folgende Überlieferung über dieses Dokument:
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Von Abū Bakr ibn Muhammad ibn Hazm wird überliefert. Er sagte: Dies ist das vom edlen Propheten (s) verfasste Schriftstück, das er anfertigen ließ, als er ʿAmr ibn Hazm nach Jemen entsandte. Er entsandte ihn, um den Bewohnern dort ein tiefes Verständnis der Religion des Islam zu vermitteln, sie die Sunna zu lehren und von ihnen die Zakāt einzuziehen. Darin waren auch seine Ernennungsurkunde und die ihm gegebenen Zusagen sowie seine Verpflichtungen bei der Wahrnehmung seiner Verantwortung unter den dortigen Menschen niedergeschrieben.
Im zehnten Jahr nach der Hidschra ernannte der edle Prophet (s) ʿAmr ibn Hazm (r.a.) zum Statthalter der Bewohner von Nadschrān. Als dieser in Richtung des Gebietes von Nadschrān aufbrach, wurde ihm jenes Schriftstück übergeben, damit er es als staatliche Rechts- und Ordnungsvorschrift verwendete.
Imām Abū Dāwūd erwähnte:
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Der edle Prophet (s) schloss mit den Bewohnern von Nadschrān einen Friedensvertrag und ließ für sie ein Schriftstück anfertigen.
6. Darüber hinaus ließ der edle Prophet (s) ein weiteres „Schriftstück“ für die Bewohner des Jemen anfertigen und übersenden. Es trug den Namen „Kitāb al-Dschirāh“. Zu Beginn hieß es:
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Dies ist eine von Allah, dem Erhabenen, und Seinem Gesandten erlassene Verfügung: O ihr gläubigen Menschen! Erfüllt eure Versprechen und eure Verpflichtungen.
Diese Erklärung war auf Kamelhaut niedergeschrieben. Hafiz Ibn Kathir schrieb:
Dieses Schriftstück wurde von allen führenden Persönlichkeiten der frühen und späteren islamischen Zeit hochgeschätzt, regelmäßig gelesen und als Erkenntnisquelle in allen wichtigen Angelegenheiten betrachtet. Mehr noch –
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Die Gefährten des Gesandten pflegten stets auf dieses Dokument zurückzugreifen und ihm gegenüber ihre eigenen Ansichten und Meinungen beiseitezulassen.[************]
7. Auch für die Banū Thaqīf ließ er einen Friedensvertrag niederschreiben. Zu Beginn stand geschrieben:
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Dies ist der vom Gesandten Allahs für den Stamm Thaqīf verfasste Friedensvertrag.[********************]
8. Der edle Prophet (s) ließ ein vollständiges Dokument über Sadaqa und Zakat anfertigen. Er beabsichtigte, es an die für die verschiedenen Regionen des islamischen Staates zuständigen Regierungsbeamten zu senden. Doch er verstarb, bevor es versandt werden konnte. Später wurde es als umfassende Orientierung für die Verwaltung des Rashidun-Kalifats verwendet.[**************]
Allama Schaukani hat folgende Überlieferung über dieses Dokument zitiert:
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Der edle Prophet (s) ließ ein Buch über die Sadaqa verfassen. Doch noch bevor es an seine Beamten gesandt werden konnte, verstarb er. Nach ihm holte Hadhrat Abu Bakr es hervor und handelte danach. Nach dessen Tod holte Hadhrat Umar es hervor und handelte dementsprechend. Nach dem Tod Hadhrat Umars wurde es zusammen mit einem seiner Testamente als schriftlich niedergelegtes Dokument vorgefunden. [******************]
Imam Zuhri bekam dieses Dokument zu sehen und sagte: Dies ist das über die Sadaqa des edlen Propheten verfasste Buch. Zuhri erhielt dessen Vortrag von Salim ibn Abdullah, und er hatte es sich vollständig eingeprägt. Später, als Umar ibn Abd al-Aziz das Kalifat übernahm, nahm er es von den Nachkommen Hadhrat Abdullah ibn Umars entgegen und ließ eine Abschrift davon anfertigen.[ Ebenda, Seite 190; Musnad Imam Ahmad, Band 2, Seite 14.]
9. Auch für Hadhrat Mu’adh ibn Jabal (r) ließ der edle Prophet ein Dokument über die Sadaqa verfassen. Musa ibn Talha sagt:
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Wir besitzen ein von Mu’adh ibn Jabal stammendes Buch, das er vom edlen Propheten (s) erhalten hat.[Mischkat, Seite 159.]
Darüber hinaus wurden zahlreiche weitere vom edlen Propheten (s) verfasste Friedensverträge und andere Beweis- und Schriftstücke aufgefunden. Aus der Sicht der Hadithwissenschaft ist ihr Wert unschätzbar. Zählt man die Dokumente dieser Art, so sind es mehr als dreihundert. Im Buch „Miftahul Aqba“ wird auf Abschriften von 36 vom edlen Propheten (s) entsandten Briefen hingewiesen. Sahibzada Abdul Rahim Khan, der damalige Innenminister des Staates Tonk, erwähnte 250 schriftliche Dokumente.[**********]
1. Der Friedensvertrag von Hudaybiyya. [Kitāb al-Amwāl: Abū ʿUbayd, S. 157–158; al-Bidāya wa-n-Nihāya, Ibn Kathīr, Bd. 4, S. 168; Ṣaḥīḥ al-Buchārī, Bd. 1, S. 371; Bd. 2, S. 610.]
2. Zu verschiedenen Zeiten an verschiedene Stämme und Clans gerichtete schriftliche Erlasse. [Ṭabaqāt Ibn Saʿd, Kitāb al-Amwāl: Abū ʿUbayd, S. 21.]
3. Schriftliche Briefe mit der islamischen Einladung an die Könige und Staatsoberhäupter verschiedener Länder. [Ṣaḥīḥ al-Buchārī, Bd. 2, S. 631; Kitāb al-Amwāl: Abū ʿUbayd, Bd. 1, S. 20–23.]
4. Ein vom Gesandten an den Gefährten ʿAbdullāh ibn Ḥakīm gesandter Brief. In diesem Brief waren die Bestimmungen über verendete Tiere und dergleichen niedergeschrieben. [Muʿǧam aṣ-Ṣaghīr, aṭ-Ṭabarānī.]
5. Der edle Prophet ließ für den Gefährten Wāʾil ibn Ḥuǧr Bestimmungen über das Gebet, den Genuss von Alkohol, den Wucher und dergleichen niederschreiben. [Ebenda.]
6. Beim Gefährten Ḍiḥāk ibn Sufyān war ein vom edlen Gesandten schriftlich übersandtes Anleitungsschreiben vorhanden, in dem die Bestimmung über die Entrichtung des Blutgeldes (*********) durch die Ehefrau anstelle des Ehemannes niedergeschrieben war. [Abū Dāwūd.]
7. Ein vom edlen Propheten an die Bewohner Jemens verfasstes und gesandtes Dokument über die Zakāt auf verschiedene Feldfrüchte. [********************]
8. Ein weiterer vom edlen Gesandten an die Bewohner Jemens verfasster Brief, in dem geschrieben stand:
******************************************************
Diejenigen unter den Juden und Christen, die den Islam annehmen, werden zu den Mu’min gezählt; ihre Rechte und Pflichten sind denen der Mu’min gleich. Denjenigen jedoch, die Juden oder Christen bleiben, wird nicht zu verwehren versucht, ihre Religion auszuüben; sie sind allerdings verpflichtet, die Dschizya zu entrichten.[Kitāb al-Amwāl: Abū ʿUbaid, Band 1, S. 21.]
9. Für Hudhaifa ibn al-Yamān (ra) ließ er ein Edikt niederschreiben. Darin waren Einzelheiten zu den Pflichten der Zakāt aufgeführt.[Ṭabaqāt Ibn Saʿd.]
10. Dem al-Ibnul-Hadscharī ließ der edle Gesandte (s) die Bestimmungen zur Zakāt niederschreiben.
11. Im neunten Jahr nach der Hidschra ernannte und entsandte er Hadhrat Abū Bakr as-Siddīq (ra) als Amīr des Haddsch, und der edle Prophet (s) ließ ihm die Regeln und Verfahrensweisen des Haddsch niederschreiben.[Tafsīr Rūḥ al-Maʿānī, Band 10, S. 44 ******************** Sīrat Ibn Hischām, S. 556.]
12. Nachdem die Sura at-Tauba offenbart worden war, entsandte er im neunten Jahr nach der Hidschra Hadhrat ʿAlī (ra) mit einer besonderen Botschaft nach Mekka. Er ließ ihm die folgende Bekanntmachung niederschreiben, damit er sie den Menschen während des Haddsch verkünde:
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Nach diesem Jahr darf kein Muschrik mehr in die Nähe des Hauses der Kaaba gelangen; niemand darf es unbekleidet umrunden, niemand außer einem Mu’min darf ins Paradies eintreten, und jeder ist verpflichtet, sein Versprechen zu erfüllen.[Tafsīr Abū as-Suʿūd, Band 2, S. 252, Sīrat Ibn Hischām (Urdu), S. 553.]
13. An ʿUmar ibn Aqṣā as-Sulamī wurde ein schriftlicher Erlass zugesandt, in dem die gesetzlichen Bestimmungen über die Ṣadaqa und die Zakāt auf Vieh niedergeschrieben waren.
14. An Ghālib ibn ʿAbdullāh wurde ein Erlass gesandt, in dem die ausführlichen rechtlichen Bestimmungen über die Beute niedergeschrieben waren.
15. Der Gesandte Allahs (s) ließ für die Delegation von Thumāma die Pflichten und die rechtlichen Bestimmungen über die Ṣadaqa niederschreiben.
16. Für Abū Rāshid al-Azdī ließ er die Regeln und gesetzlichen Bestimmungen des Gebets niederschreiben.
17. An einen Priester der Bewohner von Nadschrān wurde ein schriftlicher Erlass des Gesandten Allahs (s) gesandt. Darin waren die Bestimmungen über den Islam, den Aufruf zum Islam und die Dschizya niedergeschrieben.
18. An den Statthalter von Ḥaḍramaut wurden die Bestimmungen über das Gebet, die Zakāt und die Beute gesandt.
19. An die Bewohner von Dūmat al-Dschandal wurden die Bestimmungen über die Dschizya und die Zakāt gesandt. [Kitāb al-Amwāl, Abū ʿUbaid, Seite 195.]
20. Den Bewohnern von Dūmat al-Dschandal und Qaṭan wurden die rechtlichen Bestimmungen über den ʿUschr zugesandt.
21. Den Stämmen von Harra und Adhra wurden die Bestimmungen über die Dschizya schriftlich zugesandt.
22. Dem Stamm Banū Nahad wurden Anweisungen bezüglich der Zakat-Tiere zugesandt.
23. Dem Stamm Banū Hanīfa wurden die Bestimmungen über die Dschizya schriftlich zugesandt.
24. Den Bewohnern von Hadschar wurde ein Erlass zugesandt. Darin wurden sie aufgefordert, fest am Islam festzuhalten und dem Herrscher zu gehorchen. [Ebenda, S. 200.]
25. Den Bewohnern von Aila und Juhana wurde eine Schutzurkunde ausgestellt. Ibn Kathīr schrieb:
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Der Gesandte verfasste für sie ein Dokument. Es wurde bei ihnen aufbewahrt. Zu Beginn stand geschrieben:
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Im Namen Allahs, des Barmherzigen – dies ist eine von Allah und Seinem Propheten Muhammad den Bewohnern von Yuhana und Ayla gewährte Schutzurkunde. (Kitab al-Amwal, S. 200; Nurul Yaqin, S. 248.)
26. Dem Stamm Tamim wurden die islamischen Bestimmungen über die Annahme von Geschenken und die Verwendung von Gegenständen aus Gold schriftlich mitgeteilt.
28. Den Gouverneuren von Oman, Jaʿfar und ʿAbd, wurden die Einladung zum Islam sowie die Bestimmungen über den ʿUschr, die Zakat und anderes schriftlich zugesandt.
29. Khalid ibn Jamad wurden die „Säulen“ des Islam schriftlich mitgeteilt.
30. Jurya ibn Saif wurden die Bestimmungen über die Dschizya und die Zakat schriftlich mitgeteilt. (Kitab al-Amwal, S. 201, ********)
31. Rabia ibn Dhi-Marhab al-Hadschari wurden die Bestimmungen über Abgaben und anderes schriftlich mitgeteilt.
32. Scharhabil, Harith, Nuʿaim und dem Stamm Banu Abdu-Qalan wurden die Bestimmungen über die Beute, den ʿUschr und die Zakat schriftlich mitgeteilt.
33. In einer an die muslimische Bevölkerung gerichteten Verfügung ließ der edle Prophet (S) die islamischen Bestimmungen über den Verkauf von Früchten vor ihrer Reife, die Abführung eines Fünftels an das Bait al-Mal sowie die Entnahme ihres Anteils aus der Beute vor dessen Abführung und anderes schriftlich festhalten.
34. Adā ibn Khālid wurde eine Erklärung über die Notwendigkeit diktiert, vor dem Verkauf die Mängel der Waren offenzulegen.
35. Hazrat Umar (ra) wurden die Bestimmungen über die Sadaqa schriftlich mitgeteilt.
36. Hazrat Abu Bakr (ra) wurden sämtliche Gebote und Bestimmungen der Zakat schriftlich mitgeteilt.
37. Nachdem Tamīm al-Dārī den Islam angenommen hatte, wurde ihm ein Stück Land in seinem Dorf schriftlich zugesprochen. Nachdem Hazrat Umar (ra) zum Kalifen ernannt worden war, wurde ihm diese Urkunde vorgelegt, und er wies das betreffende Land ihm selbst zu.[Kitāb al-Amwāl – Abu Ubaid, S. 274]
38. Majjāya al-Yamānī wurde ein Stück Land schriftlich zugesprochen und dafür eine Urkunde ausgestellt. Auch Abu Thaʿlaba al-Khushani erhielt ein Stück Land und eine entsprechende Urkunde.
39. Motarif ibn Qāhin al-Bāhilī wurden die Bestimmungen und Einzelheiten der Zakah schriftlich mitgeteilt.
40. Mundhir ibn Sābi wurden die Bestimmungen über die Dschizya schriftlich mitgeteilt. Auch über die Haltung des Islam gegenüber den Feueranbetern wurde eine Erklärung diktiert.[Ebenda, S. 280 und 281 ***************]
41. Den Angehörigen des Stammes „Aqīdar“ wurde ein Erlass diktiert. Da bis dahin noch kein prophetischer (staatlicher) Stempel des Gesandten (s) angefertigt worden war, wurde er mit dem Daumenabdruck des Ehrwürdigen versehen.[Al-Isābah, 1. Band, S. 131.]
42. Der Gesandte Gottes (s) ließ einen Erlass im Namen von Musailima al-Kadhdhāb verfassen und übersandte ihn (eine Fotografie dieses Erlasses wurde 1896 in der Londoner Zeitschrift Picture Mahazine veröffentlicht).
43. Hadrat ʿAbdullah ibn Sahl (ra) wurde im Gebiet der Juden von Chaibar tot aufgefunden. Daraufhin ließ der edle Prophet (s) den Juden einen Brief über die Zahlung des Blutgeldes für ihn übersenden. (Sīrat Ibn Hischām (Urdu), S. 473.)
44. Den Bewohnern des Jemen wurde geschrieben, dass auch für Honig die Zakāt zu entrichten sei.
Bayhaqī hat überliefert:
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Der edle Prophet (s) schrieb den Bewohnern des Jemen, dass von den Honigzüchtern Zakāt erhoben werden solle.
45. Der edle Prophet (s) ließ Hadrat Muʿādh ibn Jabal (ra) eine Bestimmung über die Zakāt auf Bargeld und Gold zukommen:
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Der edle Prophet (s) ließ Muʿādh ibn Dschabal (r.a.) schreiben und sandte ihm, dass von jeweils zweihundert Dirham fünf Dirham und von jeweils zwanzig Mithqāl Gold ein halber Mithqāl als Zakāt erhoben werden solle.[******************* Erster Band, Kitāb az-Zakāt, Seite 175, Dār al-Qutnī.]
46. Über einen weiteren Erlass, der an die Bewohner des Jemen gesandt wurde, schrieb Imām Dārimī:
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Der edle Prophet (s) hatte den Bewohnern des Jemen schreiben und ihnen mitteilen lassen, dass den Heiligen Qurʾān nur eine reine Person berühren dürfe, eine Scheidung vor dem Eingehen der Ehe beziehungsweise dem Erlangen der ehelichen Rechtsstellung nicht möglich sei und ein Sklave vor seinem Kauf nicht freigelassen werden könne.[Sunan ad-Dārimī, Seite 293.]
47. Der edle Prophet (s) ließ einst im Namen aller Stämme Arabiens die Bestimmungen über die Diyya niederschreiben und versenden.[Buchārī, Nasāʾī, Dār al-Qutnī, Nayl al-Awtār, 7. Band, Seite 242.]
48. Über die Verteilung des eroberten Landes von Chaibar unter den Juden wurde eine Vertragsurkunde verfasst.[Futūḥ al-Buldān, Seiten 36–42.]
49. Der edle Prophet (s) hatte durch Ḥadrat ʿAlī (r.a.) einen Brief an den Stamm Ḥamādān gesandt. Als ihnen dieser Brief vorgelesen wurde, nahmen sie allesamt den Islam an. Allāma Ibn Kathīr schrieb:
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Hadhrat Ali las ihnen den Brief des edlen Gesandten (s) vor. Als sie alles gehört hatten, nahm das gesamte Volk des Stammes Hamdan gemeinsam den Islam an.[****************]
50. Auch für die Bewohner von Jurba und Azra verfasste der edle Gesandte (s) einen Schutzbrief.
Allama Ibn Kathir schrieb:
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Der edle Gesandte (s) verfasste für die Bewohner von Jurba und Azra einen Schutzbrief. Nachdem an dessen Anfang die Basmala geschrieben worden war, hieß es: Dies ist ein von Allahs Gesandtem Muhammad für die Bewohner von Jurba und Azra ausgestelltes Dokument; sie sollen unter dem von Allah und Muhammad gewährten Schutz und in vollständiger Sicherheit leben.[************** 5. Band, S. 16–17.]
51. Der vom Gesandten verfasste Brief an die Könige von Himyar.
Allama Ibn Kathir schrieb:
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Der edle Gesandte (s) schrieb ihnen einen Brief.
52. Der edle Prophet (s) sandte einen Brief an den Bischof von Nadschran. Darin stand:
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Im Namen Allahs, des Gesandten und Propheten Muhammad, an den Bischof von Nadschran: Nimm den Islam an. Ich preise vor dir Allah, den Gott Ibrahims, Ishaqs und Yaqubs. Danach lade ich euch dazu ein, euch aus der Knechtschaft gegenüber den Dienern zu befreien, die Dienerschaft Allahs anzunehmen, euch von der Freundschaft und dem Schutz der Menschen loszusagen und Zuflucht bei Allahs Freundschaft und Schutz zu suchen. Wenn ihr dies nicht annehmt, müsst ihr Dschizya entrichten. Wenn ihr auch dies verweigert, werde ich den Entschluss verkünden, gegen euch Krieg zu führen.
Die schriftlich festgehaltenen Hadith-Schätze der Gefährten
Unter den Gefährten gab es einige, die bereits im Zeitalter der Dschahiliya lesen und schreiben konnten, und wie ich bereits erwähnt habe, erlernten viele junge Gefährten bei den schreibkundigen Mekkanern, die in der Schlacht von Badr gefangen genommen worden waren, das Lesen und Schreiben. Daher waren viele von ihnen in der Lage, die vom edlen Propheten (s) gehörten Hadithe persönlich schriftlich festzuhalten. Obwohl der edle Prophet (s) anfangs allgemein allen verboten hatte, Hadithe aufzuschreiben, erteilte er ihnen später dafür eine allgemeine Erlaubnis. Selbst wenn beim Aufschreiben der Hadithe irgendeine Schwierigkeit oder Behinderung entstand, beseitigte er sie.
In diesem Zusammenhang ist ein Ereignis besonders erwähnenswert. Der ehrenwerte Abdullah ibn Amr ibn al-As (ra) berichtet:
Ich schrieb jedes Wort auf, das ich vom edlen Propheten (s) hörte, um es zu bewahren. Als die Gefährten aus dem Stamm der Quraisch dies sahen, untersagten sie mir, so vorzugehen. Sie sagten zu mir:
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Alles, was du aus dem Mund des Gesandten hörst, schreibst du also auf? Der Gesandte (s.) ist doch ein Mensch; manchmal spricht er in einem Zustand der Zufriedenheit und manchmal im Zorn.
Abdullah berichtet: Danach stellte ich das Aufschreiben der Hadithe ein. Eines Tages erwähnte ich die Angelegenheit beim Gesandten und sagte:
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O Gesandter Allahs! Die Quraisch sagen: Schreibst du alle Worte des Gesandten auf? Dabei ist er ein Mensch. Wie gewöhnliche Menschen gerät auch er bisweilen in Zorn.
Sobald der edle Gesandte (s.) dies von mir hörte, deutete er auf seine beiden Lippen und rief:
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Schreibe weiter. Bei dem, in dessen Hand meine Seele liegt: Aus diesem meinem Mund kommt nichts außer der wirklichen Wahrheit. [Sunan ad-Darimi, Seite 67. Abu Dawud; in den Überlieferungen von Musnad Ahmad und Mustadrak al-Hakim wird nach diesen Worten erwähnt: Der Gesandte sagte-************ »Also schreibe; Band 1, Seite 104; in der Überlieferung von Imam Ahmad heißt es: ************************** Schreibe! Bei dem, in dessen Hand meine Seele liegt: Aus meinem Mund kommt nichts außer dem Ḥaqq. *****************************]
Nachdem er diesen Befehl gehört hatte, fragte Hazrat Abdullah den Gesandten (s):
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O Gesandter! Soll ich alles aufschreiben, was ich von dir höre?
Der Gesandte sagte: Ja; Abdullah fragte erneut:
Soll ich alle Worte aufschreiben, die du sowohl im Zorn als auch in Zufriedenheit sprichst?
Da sagte der Gesandte (s) abschließend:
******************************************************
Ja, in all diesen Zuständen sage ich nichts außer der wahren Wahrheit.
Aus dieser Überlieferung lassen sich zugleich zwei Dinge ganz klar erkennen. Erstens: Aus dem Mund des Propheten ist niemals etwas geäußert und ausgesprochen worden, das der Wahrheit widersprach. Sollte er jemals ein solches Wort ausgesprochen haben oder im Begriff gewesen sein, es auszusprechen, so wurde der Prophet durch Allahs umfassenden Schutz vor diesem Fehler bewahrt. Aus dem obigen Zitat erweisen sich die unvergleichliche Entschlossenheit und die kraftvolle innere Haltung des Propheten, wenn es darum ging, die Wahrheit zu sagen.
Zweitens: Das Niederschreiben der Hadithe war nicht nur zulässig; der Gesandte hatte dazu nicht bloß die Erlaubnis erteilt, sondern zugleich einen klaren und uneingeschränkten Befehl zum Niederschreiben der Hadithe gegeben. Dieser Befehl des Gesandten war nicht auf eine bestimmte Zeit oder Situation beschränkt. Er hatte mit Nachdruck erlaubt, alle zu jeder Zeit und unter allen Umständen gesprochenen Worte aufzuschreiben.
Denn der edle Gesandte Allahs (s.a.s.) war für die gesamte muslimische Allgemeinheit zu jeder Zeit und unter allen Umständen vorbildlich und zu befolgen. Jeder seiner Zustände, alle Worte aus jeder Zeit seines Lebens und alle Arten seiner Handlungen gelten als eine der Quellen der islamischen Scharia.
Die Hadith-Sammlung, die Hazrat Abdullah ibn Amr (r.a.) durch die Niederschrift aller Worte des Gesandten angelegt hatte, wurde vom edlen Propheten selbst „Sahifa as-Sadiqa“ genannt. Sie war das überaus geliebte Buch von Hazrat Abdullah ibn Amr ibn al-As. Er selbst sagte:
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Im Leben haben mich nur zwei Dinge angezogen: Das eine ist „Sadiqa“, und das zweite ist mein Unterkiefer. Doch „Sadiqa“ ist ein Buch, das ich vom edlen Propheten (s.a.s.) gehört und niedergeschrieben habe. Sunan ad-Darimi, Seite 67; Dschami bayan al-ilm – Ibn Abd al-Barr. Darin waren eintausend Hadithe gesammelt.
Nach dem Tod Hazrat Abdullahs gelangte dieses Buch „Sadiqa“ in den Besitz seines Enkels Schuʿaib ibn Muhammad. Von ihm überlieferte sein Sohn Amr die Hadithe der Sadiqa an die Menschen.
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In den Hadith-Werken stammen alle Hadithe, die von ʿAmr ibn Shuʿayb über dessen Vater und weiter über dessen Großvater überliefert wurden, aus dieser „Sahifa Sadiqa“ und wurden daraus überliefert. (Tirmidhi Sharif, ********************* – Kitab al-ʿIlm, Darimi.)
Diese Sahifa ist vollständig in das Werk Musnad Ahmad ibn Hanbal aufgenommen worden. Die vier Imame der Fiqh führten die Hadithe dieses Werkes als Belege an. (Zad al-Maʿad – Ibn al-Qayyim, 3. Band, S. 458.)
Hadhrat Abu Huraira (Allahs Wohlgefallen auf ihm) berichtet: Ein ansarischer Sahabi saß in der Gegenwart des Gesandten Allahs (S) und hörte seine Worte; sie gefielen ihm sehr und fanden seine Zustimmung. Doch er konnte sich kein Wort richtig merken. Beim Behalten aller Worte war er gewissermaßen eine Ausnahme. Als er daher eines Tages dem Gesandten Allahs seine Schwierigkeit mitteilte, sagte der Gesandte Allahs (S): ******************** „Nimm die Hilfe deiner rechten Hand in Anspruch.“ Damit deutete er auf das Schreiben mit der Hand hin. (**************)
Der edle Prophet (S) befahl, jede Art von Wissen – insbesondere das Wissen über die Hadithe – durch das Aufschreiben zu bewahren und unvergänglich und ewig zu machen.
Er sagte: „Schreibe das Wissen nieder und bewahre es auf.“ In einer anderen Überlieferung wird berichtet, dass Hadhrat Abdullah ibn ʿAmr (Allahs Wohlgefallen auf ihm) sagte: Der edle Prophet (S) sprach:
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Wie soll das Wissen über die Hadithe festgehalten und bewahrt werden?
Wir fragten:
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Wie soll ich es festhalten?
Der Gesandte sagte:
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Schreibe es auf. (Al-Mustadrak, Bd. 1, S. 106.)
Abu Tufail Amir ibn Wasil sagte: Eines Tages war ich bei Hadhrat Ali. Da fragte ein Mann Hadhrat Ali (r.a.):
******************************************************
Hat der Gesandte Ihnen etwas Besonderes gegeben?
Hazrat Ali (möge Allah mit ihm zufrieden sein) antwortete:
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Der Gesandte hat mir nichts Besonderes übergeben, was er nicht auch allen Menschen allgemein gegeben hätte. Doch das, was in der Scheide meines Schwertes geschrieben steht, hat er mir in besonderer Weise hinterlassen. [Dschāmiʿ Bayān al-ʿIlm, 1. Band, S. 72; Mustadrak al-Hākim, Sahih Muslim, 2. Band, S. 161.]
In einer anderen Überlieferung werden die Worte folgendermaßen wiedergegeben. Hazrat Ali (möge Allah mit ihm zufrieden sein) wurde gefragt:
******************************************************
Hat der Gesandte Ihnen etwas im Geheimen anvertraut?
Hazrat Ali (möge Allah mit ihm zufrieden sein) antwortete:
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Der Gesandte hat mir außer einer einzigen Sache nichts heimlich vor den anderen Menschen verborgen mitgegeben. Diese Sache besteht darin, dass er mir vier Worte gesagt hat. [Jāmiʿ Bayān al-ʿIlm, Bd. 1, S. 72; Mustadrak al-Hākim, Muslim Sharīf, Bd. 2, S. 161.]
Auch von Hadhrat Abū Hudhaifa (r.a.) wird ein ähnlicher Vorfall überliefert. Er berichtet, dass er Hadhrat ʿAlī (r.a.) eines Tages fragte:
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Haben Sie irgendeine schriftliche Aufzeichnung bei sich? Darauf antwortete er:
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Nein. Außer dem Buch Allahs, der dem Muslim verliehenen Urteilskraft und dem, was in dieser Ṣaḥīfa niedergeschrieben ist, habe ich nichts bei mir.
Hudhaifa (r.a.) fragte:
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Was ist in dieser Sahifa niedergeschrieben?
Hazrat Ali (r.a.) sagte:
******************************************************
Darin sind Bestimmungen über die Vergeltung für Blutvergießen, die Freilassung von Gefangenen und darüber niedergeschrieben, dass ein Muslim nicht als Vergeltung für die Tötung eines Ungläubigen getötet werden darf. [Buchari Scharif, Kitab al-Ilm, 1. Band, Seite 21.]
Im letzten Teil des von Abu Tufail überlieferten Hadith heißt es, dass Hazrat Ali (r.a.) anschließend aus seiner Schwertscheide eine Sahifa hervorholte. Darin waren die folgenden Worte niedergeschrieben:
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Auf demjenigen, der ein Tier oder Lebewesen für jemand anderen außer Allah schlachtet, liegt der Fluch Allahs; auf demjenigen, der die Grenzzeichen verschiedener Landstücke stiehlt oder sie (nach einer anderen Überlieferung) verändert, liegt Allahs Fluch; und auf demjenigen, der einem Islamverfälscher oder einem Anhänger einer Bidʿa Zuflucht gewährt, liegt Allahs Fluch. [Muslim Scharif, 2. Band, S. 162.]
In diesem Zusammenhang ist auch ein im Buchari Scharif überlieferter Hadith erwähnenswert. Yazid ibn Scharif sagte:
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Hazrat Ali (Allahs Wohlgefallen auf ihm) hielt eines Tages an einem Ort namens „ʿAjur“ auf einer Kanzel vor uns eine Ansprache. An seiner Schulter hing ein Schwert, und daran war auch eine „Sahifa“ befestigt. Er sagte: „Bei Allah, ich besitze kein lesbares Buch außer dem Buch Allahs und dem, was in dieser Sahifa geschrieben steht.“ Damit öffnete er die Sahifa und hielt sie vor uns. Darin sahen wir Angaben über die Zähne von Kamelen und lasen: „Madinah ist vom Ort namens „ʿAyr“ bis zu dem und dem Berg ein Heiligtum. Wenn jemand an diesem Ort eine Neuerung – eine Handlung außerhalb des Islams – begeht, so liegt auf ihm der Fluch Allahs, der Engel und aller Menschen. Allah wird von ihm weder eine finanzielle Leistung noch einen Ersatz annehmen.“ Darin stand außerdem: „Die Schutzverpflichtung aller Muslime ist eine einzige; für ihre Einhaltung werden sie alle gemeinsam eintreten. Und wer ein mit einem Muslim gegebenes Versprechen bricht, auf dem liegen der Fluch Allahs, der Engel und aller Menschen. Allah wird von ihm weder eine finanzielle Leistung noch eine Vergeltung annehmen.“
Darin stand auch: „Wer seine Abstammung einem anderen als seinem tatsächlichen Vater zuschreibt, auf dem liegen der Fluch Allahs, der Engel und aller Menschen. Von ihm wird weder eine finanzielle Leistung noch eine Vergeltung angenommen.“ [Sahih al-Bukhari, Band 2, S. 1084.]
Auch ein weiterer von Hazrat Hudhaifa (Allahs Wohlgefallen auf ihm) überlieferter Hadith ist in diesem Zusammenhang erwähnenswert. Er sagte:
******************************************************
Ich fragte Hazrat Ali (Allahs Wohlgefallen auf ihm): Haben Sie außer der in Allahs Buch niedergeschriebenen Offenbarung noch etwas anderes von der Offenbarung?
Hazrat Ali antwortete darauf:
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Nein, bei Dem, der den Samen spaltet und den Menschen erschafft: Ich weiß von nichts anderem aus der Offenbarung außer dem Koran. Doch weiß ich von zwei Dingen: Das eine ist die Einsicht, die Allah, der Erhabene, einem Menschen aus diesem Koran schenkt; und das zweite ist das, was in diesem Ṣaḥīfa niedergeschrieben ist.
Ḥuḏaifa (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) fragte: „Was steht in diesem Ṣaḥīfa?“ Darauf sagte ʿAlī (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm): „Darin steht: die Diyah, die Regeln zur Freilassung von Gefangenen, und dass kein Muslim als Vergeltung für einen Ungläubigen getötet werden darf.“ [Ṣaḥīḥ al-Buḫārī, 1. Band, Kitāb al-Dschihād, S. 428. Aus diesem Ḥadīṯ ist bekannt, dass in diesem Ṣaḥīfa einige Ḥadīṯe niedergeschrieben waren und dass auch sie Teil der Offenbarung waren. Zweitens ist nicht nur der Koran Offenbarung, sondern auch der Ḥadīṯ.]
Über diese Ansprache von ʿAlī (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) wird noch eine weitere Überlieferung erwähnt. Er sagte:
******************************************************
Wir haben vom edlen Propheten außer dem ehrwürdigen Koran und den in diesem Ṣaḥīfa niedergeschriebenen Ḥadīṯen nichts aufgeschrieben. [Ṣaḥīḥ al-Buḫārī, 1. Band, S. 451.]
Der Kern aller oben angeführten Überlieferungen und Erörterungen ist, dass ʿAlī (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) den ehrwürdigen Koran und die edlen Ḥadīṯe vom edlen Propheten niederschrieb und aufbewahrte. Darüber hinaus stellte er auch eine Sammlung von Ḥadīṯen zusammen. Welche Art von Ḥadīṯen darin niedergeschrieben war, ist aus den oben angeführten verschiedenen Überlieferungen bekannt. Doch wird nirgends erwähnt, wie viele es waren.
Abū Huraira (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) sagte:
******************************************************
Unter den Gefährten des Gesandten (S) hat niemand mehr Hadithe des Gesandten überliefert als ich. Allerdings hat ʿAbdullāh ibn ʿAmr ibn al-ʿĀṣ mehr überliefert. Der Grund dafür ist, dass er die Hadithe niederschrieb, ich jedoch nicht.[Buchārī Sharīf, 1. Band, S. 22. Sunan ad-Dārimī, S. 67.]
Dass Hadhrat ʿAbdullāh ibn ʿAmr ibn al-ʿĀṣ (R) die Hadithe des Gesandten niederschrieb, ist bereits zuvor bewiesen worden. Die eigene Aussage Hadhrat Abū Hurairas über sich selbst bezieht sich jedoch auf den ersten Abschnitt seines Lebens, nicht auf dessen letzten Teil. Denn in der ersten Zeit schrieb er die Hadithe des Gesandten nicht nieder und sah damals auch keine Notwendigkeit, sie aufzuschreiben. Er hielt es für ausreichend, sich alles, was er hörte, einzuprägen. Außerdem besaß er im Vergleich zu anderen ein besonders gutes Gedächtnis. Über seine Gedächtniskraft heißt es in einem Hadith:
******************************************************
Was andere sich nicht merken konnten, das konnte er sich merken.[Buchārī Sharīf, 1. Band, S. 22.]
Über die außergewöhnliche Gedächtniskraft Hadhrat Abū Hurairas wird aus seinem eigenen Bericht ein Ereignis erwähnt. In Muslim Sharīf wird überliefert: Eines Tages wandte sich der edle Prophet (S) an die in der Versammlung anwesenden Menschen und sagte:
******************************************************
Wer von euch sein Tuch ausbreitet, um meine Hadithe anzuhören, und es danach an seine Brust legt, der wird kein einziges Wort von dem, was er gehört hat, jemals vergessen.
Hadhrat Abū Huraira (R) berichtet:
******************************************************
Als ich dies hörte, breitete ich das Tuch, das ich über meiner Schulter trug, aus. Als der Gesandte seine Ausführungen beendet hatte, legte ich das Tuch an meine Brust. Danach vergaß ich keinen einzigen Hadith, den ich vom Gesandten gehört hatte.[Sahih Muslim, 2. Band, Seite 302,*************]
Trotz dieser außerordentlichen Gedächtniskraft begann er schließlich, Hadithe schriftlich festzuhalten, und schrieb eine große Zahl von Hadithen nieder. Die Zahl der von ihm niedergeschriebenen Hadithe betrug mehr als fünftausend.[Mustadrak al-Hakim, 3. Band, Seite 511, Fath al-Bari- ************* Dschamiʿ Bayan al-Ilm – Ibn Abd al-Barr, 1. Band, Seite 84.]
Hasan ibn Amr ibn Umaiya al-Damri, der bei Abu Huraira Hadithe gelernt hatte, trug ihm eines Tages auswendig einen Hadith vor und sagte: „Diesen habe ich von Ihnen gehört.“ Da sagte Abu Huraira: Wenn du ihn von mir gehört hast, dann ist er gewiss bei mir schriftlich festgehalten. Darauf nahm er Hasan bei der Hand, führte ihn in sein Haus und zeigte ihm einen großen Stapel der von ihm niedergeschriebenen Hadithe und sagte: Dein überlieferter Hadith ist darin niedergeschrieben.
Hasan sagt:
******************************************************
Er (Abu Huraira) zeigte mir eine große Anzahl von Büchern, in denen die Hadithe des Gesandten niedergeschrieben waren.[In Band 1, Seite 184 des Werkes Fath al-Bari steht geschrieben: Die von Abu Huraira gesammelten Hadithe erstreckten sich über zahlreiche Seiten; Ibn Wahb hatte sie gesehen.]
Von Abu Huraira (ra) überlieferten etwa achthundert oder mehr Sahaba und Tabiʿun Hadithe. [****************] Das Werk mit dem Titel „Musnad Abu Huraira“ wurde bereits zu Lebzeiten der Sahaba zusammengestellt.[*********************]
Auch Hazrat Anas (möge Allah mit ihm zufrieden sein) schrieb Hadithe nieder. Bereits im Alter von zehn Jahren war er des Lesens und Schreibens kundig. Sein Vater stellte ihn in den Dienst des Gesandten und sagte:
******************************************************
O Gesandter Allahs! Hier ist mein Sohn, ein des Schreibens kundiger Knabe.[****************]
Er verbrachte ununterbrochen zehn Jahre im Dienst des Gesandten. Was immer er beim Gesandten hörte, dass er dies niederschrieb, ist da noch verwunderlich? Saʿid ibn Hilal sagte:
******************************************************
Wenn wir Anas ibn Malik (möge Allah mit ihm zufrieden sein) eindringlich aufforderten, Hadithe zu überliefern, holte er eine Schriftrolle hervor und sagte: Dies sind jene Hadithe, die ich beim edlen Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) gehört und die ich, nachdem ich sie niedergeschrieben hatte, ihm selbst vorgelesen habe.[Mustadrak al-Hakim, Band 3, Seite 573.]
Daraus geht hervor, dass Hazrat Anas (möge Allah mit ihm zufrieden sein) die Hadithe ordnungsgemäß niederschrieb. Er schrieb sie nicht bloß für sich selbst nieder und häufte sie an, sondern las sie dem Gesandten vor und ließ Fehler und Irrtümer korrigieren.[***********]
Er pflegte auch seinen Söhnen zu befehlen, die Hadithe niederzuschreiben. Er sagte:
******************************************************
O meine Söhne! Schreibt dieses Wissen über die Hadithe nieder. [Sunan ad-Darimi, S. 68.]
Als er zum Statthalter von Bahrain ernannt worden war und dorthin gegangen war, sandte ihm Hadhrat Abu Bakr as-Siddiq eine Hadith-Sammlung. An deren Anfang stand geschrieben:
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Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen – Dies sind die Bestimmungen der Sadaqa, die der Gesandte Allahs den Muslimen auferlegt hat und deren Einhaltung Allah Seinem Gesandten befohlen hat. [Sahih al-Bukhari, Band 1, S. 195; Abu Dawud, Hadith Nr. 1567.]
Unter den von Hadhrat Anas überlieferten Hadithen befinden sich zweifellos auch viele Hadithe aus dieser Sammlung.
Auch Hadhrat Jabir hatte eine Hadith-Sammlung zusammengetragen.
Die Hadith-Gelehrten aus der Generation der Tabi’un, darunter Hasan al-Basri und Qatada, übernahmen und überlieferten Hadithe aus eben dieser Sammlung. Außerdem überlieferten auch Sulayman ibn Qays, Abu az-Zubair, Abu Sufyan und asch-Scha’bi sowie andere Tabi’un Hadithe aus dieser Sammlung von Hadhrat Jabir. Alle Hadithe, die Abu Sufyan von Hadhrat Jabir überlieferte, entstammten dieser Sahifa.
Fast alle Hadith-Gelehrten haben diese Niederschrift von Hadithen durch Hazrat Dschabir erwähnt. Hafiz adh-Dhahabi überlieferte von Imam Ahmad in Bezug auf Qatada ibn Du’ama:
******************************************************
Qatada war unter den Bewohnern von Basra derjenige mit dem stärksten Gedächtnis. Was immer er hörte, prägte er sich sofort ein. Einmal wurde ihm Hazrat Dschabirs Hadith-Sammlung vorgelesen, und er lernte sie sogleich vollständig auswendig.[**************]
Qatada selbst pflegte zu sagen:
******************************************************
Ich hatte die Sahifa Dschabirs besser auswendig gelernt als die Sure al-Baqara.[***************]
Daraus geht hervor, dass Hazrat Dschabir (r.a.) eine Hadith-Sammlung angelegt hatte und dass sie bis in die nachfolgende Zeit von den Hadith-Studenten regelmäßig gelesen wurde und Hadithe aus ihr überliefert wurden.
Auch Hazrat Abdullah ibn Mas’ud (r.a.) pflegte Hadithe schriftlich festzuhalten. Dadurch war er in der Lage, eine Sammlung mit einer großen Zahl von Hadithen anzulegen. Nach seinem Tod wurde diese Sammlung bei seinen Söhnen aufbewahrt. Sein Sohn Abd ar-Rahman zeigte eine handschriftliche Hadith-Sammlung und sagte: „Bei Allah, dies ist die handschriftliche Hadith-Sammlung meines Vaters.“[*************]
Auch Hazrat Samura ibn Dschundub (ra) hatte Hadithe niedergeschrieben. Nach seinem Tod erhielt sein Sohn Salman ibn Samura diese Hadith-Sammlung durch Erbschaft. Der Historiker Ibn Sirin sagte: „In dem von Samura zusammengestellten Hadith-Buch ist wertvolles Wissen enthalten.[****************]
Alle Hadithe, die Hazrat Abdullah ibn Abbas (ra) gehört hatte, hatte er in Buchform zusammengestellt. Einige Menschen aus Taif hörten sie von ihm und nahmen eine Abschrift dieses vollständigen Buches mit.[****************] Auch durch das Verfassen von Briefen verbreitete er Hadithe.[Abu Dawud, Kitab al-Aqdiya] Nach seinem Tod erbte sein Sohn Ali ibn Abdullah eine große Anzahl von Hadith-Sammlungen.[***************] Es wird überliefert:
******************************************************
Hazrat Ibn Abbas hinterließ Hadith-Bücher, die eine Kamelladung ausmachten.[*************]
Die folgende Überlieferung über das Aufschreiben der Hadithe durch Hazrat Ibn Abbas ist bemerkenswert. Al-Katani führt über Tabakat Ibn Sa’ds Quelle folgende Aussage von Salma, der Ehefrau Abu Rafiʿs, an:
******************************************************
Ich sah Ibn Abbas, wie er einige Schreibtafeln nahm und darauf von Abu Rafiʿ über die Handlungen des Gesandten schrieb.[*********************]
Al-Katani schrieb außerdem:
******************************************************
Ibn Abbas kam zu Abu Rafi. Er fragte: Was hat der edle Gesandte (s.) an jenem Tag getan? …………. Ibn Abbas brachte stets jemanden mit sich, der niederschrieb, was Abu Rafi sagte.[****************]
Wie umfangreich Ibn Abbas’ schriftlicher Hadith-Bestand war, lässt sich aus dem folgenden Zitat erahnen. Imam Musa ibn Uqba sagt:
******************************************************
Kuraib, der Sklave von Abdullah ibn Abbas, legte uns einen kamelbeladenen Bestand seiner (Ibn Abbas’) schriftlichen Hadith-Bücher vor.[***************]
Mughira ibn Shuʿba (r.) ließ Muawiya (r.) auf dessen Bitte zahlreiche Hadithe niederschreiben.[Sahih al-Buchari,*********] Imam al-Buchari (r.) führt hierzu die folgende Überlieferung an:
******************************************************
Urrad, der Schreiber von Mughira ibn Shuʿba, sagte: Mughira ibn Shuʿba ließ mich viele Hadithe in einem an Muawiya (r.) gerichteten Schriftstück (Brief) niederschreiben.[Sahih al-Buchari, ***********]
Hadhrat Abdullah ibn Amr ibn al-As (möge Allah mit ihm zufrieden sein) stellte nach dem Tod des edlen Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) eine weitere Hadith-Sammlung zusammen. Einer Überlieferung der Historiker zufolge hatte ihn der edle Prophet selbst dazu angewiesen. Ihr Name war „Sahifa-ye Yarmuk“.
Auch Hadhrat Sa’d ibn Ubada al-Ansari hatte eine Sahifa mit Hadithen zusammengestellt. Sein Sohn überlieferte Hadithe unmittelbar aus dieser „Sahifa“. Imam al-Buchari sagt:
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Diese Sahifa war ein Teil der Sahifa von Abdullah ibn Abi Aufa. Er schrieb die Hadithe eigenhändig nieder.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Gefährten infolge der Billigung, Erlaubnis und Ermutigung des edlen Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) mit ganzer Kraft bemüht waren, diesen höchst kostbaren Schatz des Islam – das Wissen um die Hadithe – zu bewahren, niederzuschreiben und zusammenzutragen. In der damaligen Gesellschaft wurde die Beschäftigung mit dem Wissen um die Hadithe nicht ausschließlich als Mittel zum Erlangen jenseitigen Lohns betrieben; auch zum Erlangen gesellschaftlicher Anerkennung, zur Pflege von Wissen und Wissenschaft sowie zur Entfaltung der inneren Begabungen wurde sie damals als äußerst wichtig erachtet. Aus diesem Grund wurden die unzähligen, unermesslichen Aussprüche des edlen Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) durch die von ihm ausgebildeten, äußerst vertrauenswürdigen, zuverlässigen, wahrhaftigen und gottesfürchtigen Gefährten für alle Zeiten bewahrt.
Hadhrat Abdullah ibn Amr ibn al-As sagte: Als ich noch jung war, fragte ich die Gefährten:
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„Wie überliefert ihr die Hadithe des Gesandten? Ihr habt doch gehört, was er gesagt hat. Und doch wart ihr ganz in die Hadithe des Gesandten vertieft?“
Als sie dies hörten, lachten sie. Sie sagten: „O Sohn unseres Bruders, alles, was ich von ihm zu hören pflegte, ist bei uns in einem Buch niedergeschrieben.“ (at-Tabarānī, al-Kabīr – und …)
Aus diesem Ereignis geht hervor, dass die Sahāba auch damals Hadithe niederschrieben, als ʿAbdullāh ibn ʿAmr noch jung war. Dies geschah in der frühen Epoche Medinas unter islamischer Herrschaft.
Anas ibn Mālik hörte bei Maḥmūd ibn ar-Rabīʿ einen von ʿUtban ibn Mālik überlieferten langen Hadith. Danach sagte er:
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Dieser Hadith gefiel mir sehr.
Da sagte er zu seinem Sohn: „Schreib dies auf.“ Daraufhin wurde es niedergeschrieben.
Klassifizierung der sahābischen Hadith-Überlieferer
Nach der Anzahl
Die Zahl derjenigen, die vom edlen Propheten (S) unmittelbar Hadithe gehört und auch einige Hadithe von ihm überliefert haben, ist keineswegs gering. Der Muhaddith Imam Ali ibn Abu Zur’a, ein Kenner der Biografien der Hadith-Überlieferer, antwortete auf eine diesbezügliche Frage:
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Die Zahl der Männer und Frauen, die den edlen Propheten (S) vor seinem Tod mit eigenen Augen gesehen und seine Worte mit eigenen Ohren gehört hatten, dürfte mehr als hunderttausend betragen haben. Jeder von ihnen überlieferte Hadithe, indem er sie entweder unmittelbar vom Gesandten gehört oder von anderen überliefert bekommen hatte.
Muhammad Abu Zahwu, einer der bedeutendsten Hadithwissenschaftler der heutigen Zeit und Lehrer an der al-Azhar-Universität in Ägypten, schrieb:
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Der edle Prophet (S) verließ diese Welt und hinterließ ungefähr einhundertvierzehntausend Gefährten. Sie hatten Hadithe vom edlen Propheten (S) gehört und empfangen und überlieferten sie. Man fragt: Wo lebten sie, und wie konnten sie an den verschiedenen Orten Hadithe hören? Die Antwort lautet, dass sie Bewohner von Mekka und Medina, Bewohner der zwischen diesen beiden Städten liegenden Gebiete, gewöhnliche Araber sowie diejenigen waren, die mit ihm an der Abschiedspilgerfahrt teilgenommen hatten. Sie alle hatten den edlen Gesandten (S) mit eigenen Augen gesehen und noch zu seinen Lebzeiten Hadithe von ihm gehört.
Nach einer von Muhaddith Abu Zur’a überlieferten Angabe betrug die Zahl der Gefährten und jener Menschen, die etwas vom edlen Propheten (S) überliefert hatten, zwar mehr als hunderttausend; doch nach Ansicht von Allama adh-Dhahabi betrug die Zahl der Gefährten, die regelmäßig eine nennenswerte Anzahl von Hadithen überlieferten, lediglich einhundertfünf. Bei näherer Untersuchung könnte sich diese Zahl allerdings noch erhöhen. Musnad Abu Dawud at-Tayalisi ist ein Hadithbuch, das gegen Ende des zweiten islamischen Jahrhunderts zusammengestellt wurde; allein darin werden Hadithe von ungefähr zweihundertfünfzig Gefährten überliefert. Im Buch Usud al-Ghaba wird die Zahl der Gefährten, die Hadithe überlieferten, mit 7554 angegeben. In diesem Buch wird behauptet, dass sie alle Hadithe unmittelbar vom Gesandten überliefert hätten. Allama Ibn Hadschar erhob dagegen Einwände. Er sagte, dass darin auch Personen gezählt worden seien, die keine Gefährten waren.
Nach Ansicht von Allama adh-Dhahabi wurden von achtundzwanzig dieser einhundertfünf Gefährten eine große Zahl von Hadithen überliefert. Nach Ansicht der meisten Muhaddithun waren gerade diese achtundzwanzig Gefährten die bedeutendsten Hadith-Überlieferer. Um die Wahrheit zu sagen: Nahezu die Hälfte des gewaltigen Hadithschatzes wurde von diesen achtundzwanzig Gefährten überliefert. Die Muhaddithun haben festgestellt, dass diejenigen, die weniger als vierzig Hadithe überlieferten, als „Überlieferer weniger Hadithe“ gelten. Auf dieser Grundlage lassen sich die Gefährten hinsichtlich der Überlieferer großer und kleiner Hadithzahlen in vier Gruppen einteilen:
a) Gefährten der ersten Gruppe: diejenigen, die eintausend oder mehr Hadithe überliefert haben.
b) Gefährten der zweiten Gruppe: diejenigen, von denen fünfhundert oder mehr Hadithe überliefert wurden.
c) Gefährten der dritten Gruppe: diejenigen, deren Hadithe vierzig oder mehr betragen.
d) Gefährten der vierten Gruppe: diejenigen, deren überlieferte Hadithe weniger als vierzig betragen.
Die Zahl der Gefährten, die mehr als fünfhundert und weniger als vierzig Hadithe überliefert haben, ist jedoch besonders groß. Deshalb können wir sie wiederum in zwei Stufen einteilen. Diejenigen, die einhundert bis fünfhundert Hadithe überliefert haben, gehören zur ersten Stufe, und diejenigen, die vierzig bis einhundert Hadithe überliefert haben, zur zweiten Stufe.
Nach dieser Einteilung lassen sich alle Gefährten, die Hadithe überliefert haben, insgesamt in fünf Klassen einteilen:
1. Diejenigen, deren überlieferte Hadithe eintausend oder mehr betragen.
2. Diejenigen, deren überlieferte Hadithe fünfhundert oder mehr, jedoch weniger als eintausend betragen.
3. Diejenigen, deren überlieferte Hadithe einhundert oder mehr, jedoch weniger als fünfhundert betragen.
4. Diejenigen, deren überlieferte Hadithe vierzig oder vierzig oder mehr als vierzig, jedoch weniger als einhundert betragen.
5. Diejenigen, deren überlieferte Hadithe vierzig oder vierzig oder weniger betragen.
Erste Kategorie
Nach den Gelehrten der Hadithwissenschaft können in der ersten Kategorie nur sechs Sahaba gezählt werden. Es handelt sich um: (1) Hazrat Abu Huraira (r.a.), (2) Hazrat Aischa (r.a.), (3) Hazrat Abdullah ibn Abbas (r.a.), (4) Hazrat Abdullah ibn Umar (r.a.), (5) Hazrat Dschabir ibn Abdullah (r.a.) und (6) Hazrat Anas ibn Malik (r.a.). Die Zahl der von ihnen überlieferten Hadithe übersteigt jeweils eintausend. Doch Schah Waliullah Dehlawi (r.) hat in dieser Kategorie insgesamt acht Sahaba gezählt. Zu ihnen rechnete er auch Hazrat Abdullah ibn Amr ibn al-As (r.a.) und Hazrat Abu Said al-Chudri (r.a.).
Diese Auffassung Schah Dehlawis steht im Gegensatz zur Auffassung der führenden Gelehrten der ersten Kategorie der Hadithwissenschaft. Auch Imam Ahmad ibn Hanbal (r.a.) bezeichnete nur die zuerst genannten sechs Sahaba als die Überlieferer der größten Anzahl von Hadithen.
Tatsächlich zählen die Muhaddithun Hazrat Abu Said al-Chudri (r.a.) gewöhnlich nicht zu dieser Kategorie, obwohl die Zahl der von ihm überlieferten Hadithe eintausend übersteigt.
Allama Badruddin Aini schrieb über ihn:
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Er überlieferte 1.170 Hadithe. Davon sind 46 sowohl in al-Buchārī als auch in Muslim enthalten, außerdem 16 ausschließlich in Ṣaḥīḥ al-Buchārī und weitere 52 bei Muslim erwähnt.
Es war nicht ersichtlich, warum Schāh Walīullāh (r) Ḥaḍrat ʿAbdullāh ibn ʿAmr ibn al-ʿĀṣ (ra) dieser Kategorie zuordnen wollte. Denn nach zuverlässiger Zählung beträgt die Zahl der von ihm überlieferten Hadithe lediglich 700. In diesem Zusammenhang kann gesagt werden, dass es nur sieben Ṣaḥāba gab, die tausend oder mehr Hadithe überlieferten, und dass die Gesamtzahl der von ihnen überlieferten Hadithe 14.870 beträgt.
Eine etwas ausführlichere Erörterung dieser sechs Ṣaḥāba scheint hier notwendig. Denn diese Erörterung ist unerlässlich, um einen festen Glauben und eine klare Vorstellung von den Hadithen zu gewinnen.
Ḥaḍrat Abū Huraira (ra)
Ḥaḍrat Abū Huraira (ra) nahm im Monat Muḥarram des siebten Jahres nach der Hidschra während des Feldzugs von Chaibar den Islam an und schloss sich damals dem Propheten (s) an. Von jener Zeit an bis zum Tod des Propheten (s) verließ er niemals dessen Versammlung und Gesellschaft. Sein eigentliches Ziel bestand darin, genaue und umfassende Kenntnisse über den Islam zu erwerben.
Ibn ʿAbd al-Barr schrieb:
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Abū Huraira nahm im Jahr der Schlacht von Khaybar den Islam an. Gemeinsam mit dem ehrwürdigen Gesandten nahm er an dieser Schlacht teil. Danach schloss er sich dem Gesandten an und blieb stets bei ihm. Sein Ziel war es, Wissen zu erwerben. Damit war er zufrieden, und dadurch wurde sein Hunger gestillt. Seine Hand blieb an die Hand des Gesandten gebunden. Wohin dieser auch ging, dorthin ging auch Abū Huraira.
Alles, was der ehrwürdige Gesandte gewöhnlich sagte, was er als Antwort auf die Fragen anderer Menschen äußerte, was er über verschiedene Fragen des Islam und des Qurʾān lehrte, was er an Erläuterungen und Auslegungen der Qurʾān-Verse gab und was er in verschiedenen Angelegenheiten an Ansprachen und Reden hielt – all dies hörte Abū Huraira aufmerksam mit an und prägte es sich auswendig ein, indem er ständig im Beisein des Gesandten anwesend war. Auch dies bewahrte er selbst in seinem Gedächtnis. Viele der anderen Gefährten waren mit verschiedenen familiären, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Angelegenheiten, mit Handel und Gewerbe sowie mit der Landwirtschaft beschäftigt; daher konnten sie nicht sehr viel Zeit im Beisein des Gesandten verbringen. Der edle Abū Huraira hatte jedoch keinerlei derartige Beschäftigung. Deshalb erhielt er im Vergleich zu den anderen mehr Gelegenheit, Hadithe zu hören. Es ist keineswegs verwunderlich, dass er eine große Zahl von Hadithen überlieferte. Unter diesen Umständen sagte der edle Abū Huraira selbst:
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Meine muhāǧirischen Brüder waren die meiste Zeit auf dem Markt mit ihren Geschäften beschäftigt, während ich mich eng an den Gesandten hielt. Außerhalb davon hatte ich keinerlei Beschäftigung. Wenn sie daher beim Gesandten abwesend waren, war ich dort anwesend. Was sie vergaßen, das behielt ich im Gedächtnis.
Meine ansārischen Brüder hingegen waren mit der Verwaltung ihres Vermögens beschäftigt. Ich aber war ein mittelloser und armer Angehöriger der Ṣuffa. Wenn sie daher etwas vergaßen, behielt ich es im Gedächtnis.
Die Gesamtzahl der von Abū Huraira überlieferten Hadithe beträgt 5347. Davon sind 325 Hadithe in den beiden Werken von Buḫārī und Muslim erwähnt; außerdem werden 79 Hadithe ausschließlich in Ṣaḥīḥ al-Buḫārī und 93 Hadithe ausschließlich in Ṣaḥīḥ Muslim angeführt.
Imām Buḫārī und Badr ad-Dīn al-ʿAynī haben geschrieben:
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Mehr als achthundert Sahāba und Tābiʿūn überlieferten von ihm Hadithe.
Wie Hadhrat Abū Huraira im Vergleich zu den anderen Sahāba eine so große Zahl von Hadithen überliefern konnte, lässt sich aus seiner oben dargelegten eigenen Erklärung ausführlich erkennen. Darüber hinaus gewinnt man auch aus den folgenden Worten von ihm selbst eine klare Vorstellung davon. Er sagte selbst:
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Wenn Allah, der Erhabene, diese beiden Verse nicht in Seinem Buch offenbart hätte, hätte ich niemals einen Hadith überliefert. Darin sagt Allah: „Diejenigen, die die von Uns offenbarten klaren, beweiskräftigen und rechtleitenden Dinge verbergen – auf ihnen liegt der Fluch Allahs und der Fluch all jener, die Flüche aussprechen.“ Muslim Sharīf, 2. Band, S. 302; Buchārī Sharīf, 1. Band, S. 22.
Hadhrat Abū Huraira blieb etwa drei Jahre lang ununterbrochen beim Gesandten und hörte Hadithe von ihm, die er sich einprägte. Dadurch war es ihm möglich, im Vergleich zu den anderen Sahāba eine so große Zahl von Hadithen zu überliefern. Allah, der Erhabene, hatte ihm insbesondere ein so außerordentliches Erinnerungsvermögen verliehen, dass er niemals etwas vergaß, was er gehört hatte. Dieses unvergleichliche Gedächtnis hatte er allerdings durch das Bittgebet des edlen Gesandten und aufgrund einer besonderen Maßnahme erlangt. Dass er die größte Zahl von Hadithen kannte und ein unvergleichliches Erinnerungsvermögen besaß, war in der damaligen Gesellschaft allgemein bekannt und anerkannt. Die nachstehend angeführten Aussagen beweisen dies zweifellos.
Hadhrat Ubayy ibn Kaʿb sagte:
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Abū Huraira war sehr mutig darin, dem Gesandten Fragen zu stellen und Erkundigungen einzuholen. Er fragte ihn zu Dingen, zu denen kein anderer Sahābī Fragen stellte.
Abū ʿĀmir berichtet: Ich war bei Talha. Da kam ein Mann zu ihm und sagte: „O Abū Muḥammad! Bis heute konnten wir nicht erkennen, ob Abū Huraira oder ihr die größeren Kenner der Hadithe des Gesandten seid.“ Darauf sagte Talha (ra): „Er [Abū Huraira (ra)] weiß vieles, was außerhalb unseres Wissens liegt. Der Grund dafür ist, dass wir wohlhabende Menschen waren; wir hatten Häuser, Ehefrauen und Familien und waren die meiste Zeit damit beschäftigt. Nur morgens und abends erschienen wir im Dienst des Gesandten (s) und gingen danach unseren eigenen Angelegenheiten nach. Abū Huraira (ra) dagegen war arm; er hatte weder Landbesitz noch eine Familie. Deshalb hielt er sich, die Hand des Gesandten haltend, ständig bei ihm auf. Wir alle sind überzeugt, dass er mehr Hadithe als jeder von uns gehört hat. Keiner von uns hat ihm vorgeworfen, einen Hadith überliefert zu haben, ohne ihn vom Gesandten gehört zu haben.“
Einmal ließ ʿĀʾischa (ra) ihn rufen und fragte ihn: „Was für Hadithe überlieferst du eigentlich? Hast du nicht dieselben Handlungen des Gesandten (s) gesehen und dieselben Worte gehört wie ich?“ Darauf antwortete Abū Huraira (ra): „Mutter! Du warst doch mit den Vorbereitungen und dem Schmuck für den Gesandten (s) beschäftigt; bei Gott, nichts, was vom Gesandten ausging, konnte meinen Blick von ihm abwenden.“
Als Abū Huraira (ra) gegenüber dem umayyadischen Herrscher Marwān eine Angelegenheit unerträglich wurde, sagte er einmal zornig: „Die Leute sagen, Abū Huraira (ra) überliefere viele Hadithe, obwohl er erst wenige Tage vor dem Tod des edlen Propheten (s) nach Medina gekommen sei.“
Abū Huraira (ra) antwortete: „Als ich nach Medina kam, war ich etwas über dreißig Jahre alt. Danach blieb ich bis zum Tod des Gesandten (s) stets bei ihm. Ich ging mit ihm sogar bis zu den Gemächern seiner Frauen, leistete ihm Dienste, nahm mit ihm an Kämpfen und am Dschihad teil und pilgerte mit ihm. Deshalb konnte ich mehr Hadithe als andere kennen. Bei Gott, auch diejenigen, die vor mir in die Gesellschaft des Gesandten (s) gekommen waren, bestätigten, dass ich mich ständig am Hof des Gesandten aufhielt, und sie fragten mich nach Hadithen. Besonders Umar (ra), Uthman (ra), Talha (ra) und Zubair (ra) sind unter ihnen hervorzuheben. Talha ibn Ubaidullah sagte:“
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Es besteht keinerlei Zweifel daran, dass Abū Huraira so viele Hadithe vom Gesandten (s) gehört hat, wie wir nicht hören konnten.
Eines Tages sagte Ibn Umar (ra) zu Abū Huraira (ra):
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Du hast dich länger als wir in der Gesellschaft des Gesandten (s) aufgehalten; deshalb konntest du mehr von seinen Hadithen wissen und auswendig lernen als wir.
Imam adh-Dhahabi schrieb, dass Umar al-Faruq (r) eines Tages genau dies zu Abu Huraira (r) gesagt habe.
Zahlreiche bedeutende Gelehrte unter den Tabi’in haben Zeugnis von der außergewöhnlichen Gedächtniskraft Abu Hurairas (r) abgelegt. Hier seien die Aussagen einiger von ihnen angeführt:
Abu Salih sagte:
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Unter den Gefährten des edlen Propheten (s) besaß Abu Huraira (r) das stärkste Gedächtnis und war ein herausragender Hadith-Hafiz.
Sa’id ibn Abi al-Hasan sagte:
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Unter den Gefährten gab es niemanden, der mehr Hadithe überlieferte als Hazrat Abu Huraira (r.a.).
Imam al-Bukhari (r.a.) schrieb über Hazrat Abu Huraira:
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Nahezu achthundert Gelehrte überlieferten Hadithe von ihm. Unter den Hadith-Überlieferern seiner Zeit war er der größte Hadith-Hafiz.
Badruddin al-Ayni schrieb:
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Alle Hadith-Gelehrten sind sich darin einig, dass Hazrat Abu Huraira (r.a.) unter den Gefährten die meisten Hadithe überlieferte.
Imam asch-Schafi’i (r.) sagte:
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Abū Huraira (ra) war unter allen Hadith-Überlieferern seiner Zeit derjenige mit dem stärksten Gedächtnis und ein großer Hafiz der Hadithe.[*************]
Der Muhaddith Hakim sagte:
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Hazrat Abū Huraira (ra) hatte unter den Gefährten des Gesandten (s) das stärkste Gedächtnis und war ein sehr großer Hafiz der Hadithe. Er verbrachte im Vergleich zu den anderen sehr viel mehr Zeit beim Gesandten (s). Denn hinsichtlich seiner Bedürfnisse war er zufrieden. Seine Hand befand sich in der Hand des Gesandten (s); wohin auch immer der Gesandte (s) ging, ging auch er. Dieser Zustand dauerte bis zum Tod des Gesandten an. Aus diesem Grund war die Zahl der von Hazrat Abū Huraira (ra) überlieferten Hadithe im Vergleich zu den anderen sehr viel größer.[***************]
Imam al-Hafiz Baqi ibn Makhlad al-Andalusi schrieb in seinem Musnad-Werk:
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Es gibt 5.374 von Abū Huraira überlieferte Hadithe. Unter den Gefährten hat niemand eine solche Anzahl oder auch nur annähernd eine solche Anzahl von Hadithen überliefert.[********************]
Zusammenfassend gibt es vier Hauptgründe dafür, dass die Zahl der von ihm überlieferten Hadithe so groß ist. Diese vier Gründe sind:
1. Nach der Annahme des Islams blieb er ständig in der Gesellschaft des Gesandten (s).
2. Sein inniges Bestreben, Hadithe zu lernen und auswendig zu bewahren, sowie seine Fähigkeit, kein einziges gehörtes Wort zu vergessen.
3. Die Gesellschaft bedeutender Gefährten und die Möglichkeit, von ihnen Hadithe zu lernen. Dadurch erlangte sein Hadith-Wissen Vollkommenheit, und er war in der Lage, Hadithe aus allen früheren und späteren Zeiten zu sammeln.
4. Dass er nach dem Tod des edlen Propheten (s) noch lange lebte, etwa 74 Jahre lang Gelegenheit zur Verbreitung der Hadithe hatte und keine wichtige staatliche Stellung mit ihren Verpflichtungen annahm.
Aus all diesen Gründen war Hazrat Abu Huraira (ra) ein großer Hadith-Hafiz sowie der kenntnisreichste und derjenige, der unter den Gefährten die meisten Hadithe überliefert hatte. Die Hadithe, die die Gefährten jeweils einzeln überlieferten, waren bei Hazrat Abu Huraira gesammelt vorzufinden. Daher fragten ihn alle und verließen sich auf ihn. Hazrat Abdullah ibn Umar sagte:
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Abu Huraira (ra) bewahrte die Hadithe des Gesandten (s) für die Muslime auswendig.
Dass Hazrat Abu Huraira (r.a.) ein herausragender Gelehrter der Hadithe war, dass die Zahl der von ihm überlieferten Hadithe im Vergleich zu anderen ganz selbstverständlich größer sein musste und dass seine überlieferten Hadithe in jeder Hinsicht glaubwürdig und zuverlässig sind, geht aus der vorangegangenen ausführlichen Erörterung unwiderlegbar hervor. Dennoch muss man angesichts der Dreistigkeit jener, die die große Zahl der von Hazrat Abu Huraira überlieferten Hadithe kritisiert haben, staunen.
Hazrat Aischa (r.a.)
Umm al-Mu’minin Hazrat Aischa (r.a.) verbrachte als Ehefrau des Propheten der Menschheit neun lange Jahre ununterbrochen an seiner Seite. Gerade diese Jahre im Leben des Gesandten waren die arbeitsreichsten und die Zeit der vollständigen Etablierung der islamischen Lebensordnung. Der edle Prophet (s.a.w.) verstarb, als Hazrat Aischa achtzehn Jahre alt war. Danach lebte sie noch fast neununddreißig Jahre. Daher konnte sie einerseits eine große Zahl von Hadithen vom edlen Propheten (s.a.w.) sammeln und sie andererseits ebenso ordnungsgemäß verbreiten. Zahlreiche Gefährten des edlen Propheten (s.a.w.) sowie viele Tabi’un der folgenden Generation konnten bei ihr Hadithe hören und sie über ihre Überlieferungskette weitergeben.
Allama Badruddin Aini schrieb:
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Hazrat Aischa (r.a.) war eine bedeutende Faqiha unter den Gefährten und gehörte zu den sechs Gefährten, die die größte Zahl von Hadithen vom Gesandten (s.a.w.) überliefert haben. Über ihre Überlieferungskette wurden 2.210 Hadithe überliefert. Davon sind in den beiden Werken von al-Buchari und Muslim gleichermaßen 174 Hadithe angeführt. Darüber hinaus sind 54 Hadithe gesondert in Sahih al-Buchari und weitere 58 in Sahih Muslim erwähnt.
Hazrat Anas (r.a.)
Wie bereits erwähnt, stand Hazrat Anas (r.a.) zehn lange Jahre im Dienst des edlen Propheten (s.a.w.). Er hatte die Gelegenheit, in der Nähe des edlen Gesandten (s.a.w.) viele seiner Worte zu hören und zahlreiche seiner Handlungen zu beobachten. Er gehörte zu denjenigen Gefährten, die bei der Überlieferung von Hadithen eine besondere Methode befolgten. Er leistete der Wissenschaft der Hadithe besondere Dienste. Genau genommen widmete er sein ganzes Leben der Verbreitung der Hadithe. Auch als die anderen Gefährten nach dem Tod des Gesandten (s.a.w.) in Kriege und Auseinandersetzungen verwickelt waren, war er unermüdlich mit der Verbreitung von Hadithen beschäftigt. In seinem hohen Alter war die Große Moschee von Basra das Zentrum seiner Hadith-Verbreitung.
An seinen Lehrversammlungen zur Überlieferung der Hadithe nahmen wissbegierige Studenten aus Mekka, Medina, Basra, Kufa und Syrien mit brennendem Eifer teil.
Die Zahl der von ihm überlieferten Hadithe beläuft sich auf mehrere Tausend. In den Worten des Gelehrten Badruddin al-Aini:
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Er überlieferte vom Propheten 2.286 Hadithe.
Davon werden 83 Hadithe im Buchari Scharif und weitere 91 im Muslim Scharif erwähnt. 168 Hadithe sind sowohl im Buchari als auch im Muslim überliefert. Unter den in der Stadt Basra verstorbenen Gefährten war er der Letztverstorbene. Er lebte nahezu ein Jahrhundert.
Hazrat Abdullah ibn Umar (r.a.)
Hazrat Abdullah ibn Umar (r.a.) war bereits in sehr jungem Alter ein Gefährte am Hof des Gesandten (s.a.w.). Wegen seines geringen Alters blieb ihm die Gelegenheit verwehrt, am Feldzug von Badr teilzunehmen. Doch an allen späteren Ereignissen nahm er unmittelbar teil. Daher nimmt er unter den Gefährten, die den Propheten begleiteten und seine Hadithe überlieferten, eine besonders bedeutende Stellung ein. Die Gesamtzahl der von ihm überlieferten Hadithe beträgt 1.630. Davon sind 173 sowohl im Buchari als auch im Muslim überliefert. Darüber hinaus werden 81 Hadithe im Buchari Scharif und 31 im Muslim Scharif erwähnt. Der Gelehrte Badruddin al-Aini schrieb:
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Nach Abū Huraira ist er unter den Gefährten derjenige, der die meisten Hadithe überliefert hat.
Hazrat ʿAbdullāh ibn ʿAbbās (r.a.)
Die Tante mütterlicherseits von Hazrat ʿAbdullāh ibn ʿAbbās war die Mutter der Gläubigen, Hazrat Maymūna (r.a.). Hazrat ʿAbdullāh hielt sich gewöhnlich im Haus seiner Tante auf. Dies tat er, weil er besonders darauf bedacht war, die nächtlichen Gottesdienste und die Anbetung des edlen Propheten (s.a.s.) mit eigenen Augen zu sehen. Der edle Prophet (s.a.s.) betete für ihn mit den Worten:
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O Allah, mache Ibn ʿAbbās zu einem besonderen Kenner der islamischen Religion und lass ihn die tiefen Wahrheiten dieser Angelegenheit erkennen.
Ist es da verwunderlich, dass er infolgedessen eine so große Zahl von Hadithen zu sammeln vermochte? Allāma Badr ad-Dīn al-ʿAynī schrieb:
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Ibn ʿAbbās (r.a.) überlieferte vom edlen Propheten (s.a.s.) eintausendsechshundertsechzig Hadithe. Davon sind 95 in beiden Werken, bei al-Buchārī und Muslim, angeführt. Außerdem finden sich 120 Hadithe ausschließlich bei al-Buchārī und 49 ausschließlich bei Muslim. Unter den Gefährten und den Tābiʿūn überlieferte eine große Zahl von Menschen Hadithe von ihm. Alle kannten ihn als einen herausragenden Kenner der Hadithe.
Hazrat Dschābir ibn ʿAbdullāh (r.a.)
Hazrat Dschābir ibn ʿAbdullāh (r.a.) war besonders bewandert in der Hadithwissenschaft. Sein ganzes Leben lang widmete er sich mit großer Hingabe den Hadithen. Das Erlernen, die Pflege und die Verbreitung der Hadithe waren das Ziel seines Lebens. Zu diesem Zweck reiste er viele Jahre lang auf den schwierigsten Wegen in weit entfernte Gebiete. Über ihn sagte der Kompilator des Mischkāt-Werks:
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Er war einer der bedeutendsten Gefährten. Er gehörte zu jenen Gefährten, die eine große Zahl von Hadithen überlieferten.
Er überlieferte Hadithe sowohl unmittelbar vom edlen Propheten (s) als auch durch die Gefährten. Nachdem Hazrat ʿAbdullāh in der Schlacht von Uhud den Märtyrertod erlitten hatte, schloss sich Hazrat Dschābir dauerhaft dem Gesandten Allahs (s) an. Er lebte noch viele Jahre. Auf seinen Reisen in die großen Städte und Ortschaften der muslimischen Welt erhielt er Gelegenheit, zahlreiche Gefährten zu treffen, die Hadithe überlieferten. In der Prophetenmoschee gründete er für lange Zeit einen „Halaqa“ (Lehrkreis), um Hadithe zu unterrichten. Nach dem Tod des Gesandten Allahs (s) lebte er noch 64 Jahre. Dieses lange Leben widmete er ganz der Verbreitung der Hadithe. Die Gesamtzahl der von ihm überlieferten Hadithe beträgt 1540. Davon führten al-Buchārī und Muslim gemeinsam sechzig Hadithe an. Al-Buchārī führte 26 Hadithe allein an, und Muslim überlieferte unabhängig davon weitere 26 Hadithe.
Zweiter Teil
Im zweiten Teil werden lediglich vier Gefährten aufgeführt, die als Überlieferer von fünfhundert oder mehr Hadithen genannt werden können. Ihre Namen und eine kurze Vorstellung werden nun dargelegt.
1. Hazrat ʿAbdullāh ibn Masʿūd (r.a.):Er nahm bereits in der Frühzeit des islamischen Aufrufs in Makka den Islam an und nahm an fast jeder Schlacht an der Seite des Gesandten Allahs (s) teil. Er war für die Sandalen des Gesandten Allahs (s) zuständig. Er half dem Gesandten Allahs (s), seine Kleidung anzulegen.
Allama Badruddin al-Ayni schrieb über ihn:
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Von Rasulullah (s.a.) überlieferte er 848 Hadithe. Davon sind 64 Hadithe in beiden Werken, Bukhari und Muslim, überliefert. Darüber hinaus werden weitere 21 im Sahih al-Bukhari und 35 im Sahih Muslim erwähnt.
2. Hadhrat Abdullah ibn Amr ibn al-As (r.a.):Allama Badruddin al-Ayni schrieb über ihn:
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Er war ein äußerst großer Gelehrter und sehr eifrig in seinen gottesdienstlichen Pflichten. Er besaß mehr Hadithe als Hadhrat Abu Huraira (r.a.), denn er pflegte die Hadithe aufzuschreiben, während Hadhrat Abu Huraira (r.a.) sie zunächst nicht niederschrieb. Trotzdem ist die Zahl der Hadithe, die über seine Überlieferungskette überliefert wurden, weit geringer als die Zahl der über die Überlieferungskette von Hadhrat Abu Huraira überlieferten Hadithe.
Er pflegte die Hadithe schriftlich festzuhalten. Mujahid berichtet: Als ich bei Abdullah eine Hadith-Sammlung sah, fragte ich: „Was ist das?“ Er antwortete:
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Ihr Name ist Sadiqa. In ihr sind die Hadithe niedergeschrieben, die ich vom Gesandten (s) gehört habe. Bei der Überlieferung dieser Hadithe befindet sich zwischen mir und dem Gesandten (s) keine weitere Person.
3. Hadhrat ʿAlī (r.a.):der vierte Kalif der rechtgeleiteten Kalifen. Er war der erste unter den Männern, der den Islam annahm, und lebte zu jener Zeit als Gefährte des Gesandten. Er war der Cousin väterlicherseits und Schwiegersohn des ehrwürdigen Gesandten (s). Er war außerdem der erste Kalif aus dem Stamm Banū Hāschim.
Allāma Badr ad-Dīn al-ʿAinī schrieb über ihn:
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Über seine Überlieferungskette wurden vom Gesandten (s) insgesamt 586 Hadithe überliefert. Davon erwähnten sowohl al-Buchārī als auch Muslim jeweils zwanzig Hadithe in ihren eigenen Werken. Darüber hinaus erwähnte al-Buchārī neun und Muslim weitere fünfzehn Hadithe.
4. Hadhrat ʿUmar ibn al-Chattāb (r.a.): der zweite Kalif der rechtgeleiteten Kalifen. Bereits im sechsten Jahr der Prophetenschaft nahm er den Islam an. Durch seinen Übertritt zum Islam erlangte der Islam in Mekka große Stärke. Sein ganzes Leben widmete er dem Islam. Nach einer Berechnung beträgt die Gesamtzahl der von ihm überlieferten Hadithe 539.
Dritter Teil
In der dritten Kategorie werden insgesamt 26 Gefährten gezählt. Ihre Namen und eine kurze Vorstellung werden im Folgenden gegeben:
1. Umm al-Mu’’minin Hazrat Umm Salama (r.a.):Die Zahl der von ihr überlieferten Hadithe beträgt 157. Davon sind zwei sowohl im Buch von al-Buchari als auch im Buch von Muslim überliefert. Der Verfasser von Mischkat schrieb über sie:
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Von ihr überlieferten Hazrat Ibn Abbas (r.a.), Aischa (r.a.), ihre eigene Tochter Zaynab, ihr Sohn Umar und Ibn al-Musayyib Hadithe.
Darüber hinaus überlieferten zahlreiche Sahaba und Tabi’un Hadithe von ihr.
2. Hazrat Abu Musa Asch’’ari (r.a.):Allama Badruddin Aini schrieb über ihn:
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Die Zahl der von ihm überlieferten Hadithe beträgt 360. Davon wurden fünfzig Hadithe sowohl im Buch von al-Buchari als auch im Buch von Muslim zitiert. Darüber hinaus wurden im Sahih al-Buchari vier Hadithe gesondert und im Sahih Muslim weitere fünfzehn Hadithe angeführt. Von ihm überlieferten Anas ibn Malik (r.a.), Tariq ibn Schihab und zahlreiche weitere Tabi’un Hadithe. Unter den Sahaba galt er als herausragender Gelehrter.
3. Hazrat Bara’’ ibn Asib (r.a.):Badruddin Aini schrieb:
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Über seine Überlieferungskette wurden vom Gesandten 305 Hadithe überliefert. Davon sind 22 Hadithe sowohl in Bukhari als auch in Muslim enthalten, 15 ausschließlich in Sahih Bukhari und 6 ausschließlich in Sahih Muslim angeführt.
4. Abu Dharr al-Ghifari (r.a.):Er selbst sagte:
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Ich war der Vierte unter den ersten vier Menschen, die den Islam annahmen.
Allama Badruddin al-Ayni erwähnte:
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Über seine Überlieferungskette wurden vom Gesandten 281 Hadithe überliefert. Davon sind zwölf Hadithe sowohl in Bukhari als auch in Muslim enthalten; 2 sind ausschließlich in Sahih Bukhari und 17 ausschließlich in Sahih Muslim angeführt. Zahlreiche Sahaba überlieferten ebenfalls Hadithe von ihm. Auch die Tabi’un überlieferten von ihm Hadithe.
Hazrat Saʿd ibn Abī Waqqās (r.a.):Er war einer der zehn Gefährten, denen in dieser Welt die frohe Botschaft vom Paradies verkündet wurde. Im Alter von vierzehn oder siebzehn Jahren nahm er den Islam an. Er war der Erste, der für Allahs Religion im Dschihad einen Pfeil abschoss. Über ihn schrieb der Allāma Badr ad-Dīn al-ʿAinī:
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Die Gesamtzahl der von ihm vom Gesandten überlieferten Hadithe beträgt zweihundertsiebzig. Davon erwähnten sowohl al-Buchārī als auch Muslim fünfzehn Hadithe. Darüber hinaus werden bei al-Buchārī gesondert fünf und bei Muslim achtzehn Hadithe erwähnt.
6. Hazrat Sahl ibn Saʿd al-Anṣārī (r.a.): Der ehrwürdige Gesandte (s.a.w.) verstarb, als er fünfzehn Jahre alt war, und von allen Gefährten verstarb er als Letzter in Medina. Nachdem alle Gefährten verstorben waren, war allein er noch am Leben; deshalb wandten sich alle wegen des Wissens über die Hadithe an ihn. Die Gesamtzahl der von ihm überlieferten Hadithe beträgt 188. Davon sind 28 Hadithe sowohl in al-Buchārīs als auch in Muslims Werk erwähnt.
7. Hazrat ʿUbāda ibn aṣ-Ṣāmit (r.a.):Er war einer jener Menschen, deren Ohren in Medina die Stimme des Islam aus Mekka erreichte und die während der in drei aufeinanderfolgenden Jahren abgehaltenen Pilgerfahrten am Treueid von ʿAqaba teilnahmen.
Der Allāma Badr ad-Dīn al-ʿAinī schrieb:
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Die Zahl der von ihm vom Gesandten überlieferten Hadithe beträgt 181. Davon sind in den Werken von al-Buchārī und Muslim sechs Hadithe erwähnt. Darüber hinaus erwähnte al-Buchārī zwei weitere Hadithe und Muslim ebenfalls zwei weitere Hadithe.
8. Hadhrat Abu’d-Darda (r.a.):Er war ein hochgeehrter Gefährte. Sein Wissen, seine Weisheit, sein Scharfsinn und seine vollkommene Beherrschung der Hadith-Wissenschaft sind weithin bekannt. Eines Tages wandte sich Hadhrat Abu Dharr al-Ghifari (r.a.) an ihn und sagte:
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Auf der Erde und unter dem Himmel gibt es heute niemanden, der gelehrter ist als du, o Abu’d-Darda.
9. Hadhrat Abu Qatadah al-Ansari (r.a.):Bei der Überlieferung von Hadithen ging er mit äußerster Vorsicht vor. Erst nachdem er die eindringlichen Worte über das Zuschreiben von Lügen an den Gesandten gehört hatte, begann er, diesen Grundsatz zu befolgen. Trotzdem beträgt die Zahl der von ihm überlieferten Hadithe 100.
10. Hadhrat Ubayy ibn Ka’b (r.a.):Jeder Augenblick seines Lebens verging im Dienst der Hadith-Wissenschaft. al-Khatib al-Umari schrieb:
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Er war der Schreiber der Offenbarung für den edlen Propheten (s.a.w.s.). Er gehörte zu denjenigen, die zu Lebzeiten des Gesandten den gesamten Heiligen Qur’an auswendig gelernt hatten. Zahlreiche Menschen überlieferten Hadithe über seine Überlieferungskette.
11. Hadhrat Mu’adh ibn Jabal (r.a.):Er war einer der sieben Personen, die beim zweiten Treueid von Aqaba anwesend waren. Er nahm an der Schlacht von Badr und an allen anderen Schlachten teil. Der edle Prophet (s.a.w.s.) entsandte ihn als Richter und Lehrer des Islam in die Provinz Jemen.
Hazrat Ibn Masʿūd sagte:
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Muʿādh war der Lehrmeister in allen guten Dingen und Allah und dem Gesandten gehorsam.
Der edle Prophet selbst sagte über ihn:
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Muʿādh weiß über Halal und Haram mehr als alle anderen.
Er sagte außerdem:
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Am Tag des Jüngsten Gerichts wird Muadh als Imam der Gelehrten erscheinen.
Die Gefährten Hadhrat Abdullah ibn Amr, Ibn Abbas, Ibn Abi Awfa, Anas ibn Malik, Abu Umama, Abu Qatada, Abu Thaʿlaba, Abd ar-Rahman ibn Samura, Jabir ibn Samura und andere überlieferten Hadithe von ihm.
12. Hadhrat Nuʿman ibn Bashir (r.a.): Er war nach der Hidschra das erste Kind aus dem Stamm der Ansar. Allama Badruddin Aini schrieb:
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In seiner Überlieferungskette wurden einhundertvierzehn Hadithe überliefert.
13. Hadhrat Abu Bakrata (r.a.):Nach der Eroberung von Taif kam er zum Gesandten und schloss sich ihm an. Über ihn schrieb Badruddin Aini:
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Unter den Gefährten war er hinsichtlich des Wissens besonders gelehrt. Er gehörte zu den frommsten Menschen. Stets bemühte er sich mit ganzer Kraft um die Verrichtung von Gottesdiensten.
Auch al-ʿAinī hat Folgendes geschrieben:
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Über seine Überlieferungskette wurden vom edlen Propheten insgesamt 133 Hadithe überliefert. Davon sind acht Hadithe sowohl in al-Buchārī als auch in Muslim enthalten, fünf weitere in Sahīh al-Buchārī und ein weiteres in Sahīh Muslim.
14. Hazrat Dscharīr ibn ʿAbdullāh (r.a.):Er nahm im selben Jahr, in dem der edle Gesandte (s.a.w.) verstarb, den Islam an. Er selbst sagte:
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Ich nahm den Islam vierzig Tage vor dem Tod des Gesandten an.
Allāma Badr ad-Dīn al-ʿAinī hat Folgendes geschrieben:
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Die von ihm überlieferten Hadithe belaufen sich auf einhundert. Davon erwähnten sowohl al-Buchārī als auch Muslim acht Hadithe, während al-Buchārī und Muslim jeweils sechs eigenständige Hadithe erwähnten. Im Scharḥ an-Nawawī zu Ṣaḥīḥ Muslim wird erwähnt, dass die von ihm überlieferten Hadithe zweihundert betragen. Davon erwähnte al-Buchārī allein lediglich einen. Manche sagen: sechs.[************]
15. Hadhrat Abū Ayyūb al-Anṣārī (r.a.):Er war ein hoch angesehener Gefährte. Er nahm am zweiten Treueid von al-ʿAqaba und an der Schlacht von Badr teil. Als der Gesandte Allahs (s.a.w.) in Medina eintraf, wohnte er zunächst in seinem Haus. Allāma Badr ad-Dīn al-ʿAynī schrieb:
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Die Zahl der von ihm überlieferten Hadithe beträgt einhundertfünfzig. Davon sind sieben Hadithe sowohl in al-Buchārīs als auch in Muslims Werk erwähnt. Bei al-Buchārī findet sich darüber hinaus noch ein weiterer Hadith.[**********]
16. Hadhrat ʿUthmān ibn ʿAffān (r.a.):Er war der dritte Kalif der rechtgeleiteten Kalifen und der Anführer der Gläubigen. Nacheinander heiratete er die beiden Töchter des Gesandten. Badr ad-Dīn al-ʿAynī schrieb über ihn:
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Er überlieferte vom Gesandten 146 Hadithe. Al-Buchārī nahm davon elf in sein eigenes Werk auf.[***********]
17. Hadhrat Mugīra ibn Shu’‘ba (r.a.):Er nahm unter den Gefährten hinsichtlich des Wissens eine herausragende Stellung ein. In den Hadith-Werken werden 133 von ihm überlieferte Hadithe erwähnt. Darüber hinaus wurde ein weiterer Hadith in Ṣaḥīḥ al-Buchārī und zwei weitere in Ṣaḥīḥ Muslim erwähnt.[***********]
18. Hazrat Imran ibn Husain (ra):Khatib al-Umari schrieb:
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Er war unter den Gefährten ein herausragender Gelehrter und gehörte zu den bedeutendsten Rechtsgelehrten.
19. Hazrat Usama ibn Zaid (ra):Er war der Ziehsohn des edlen Propheten (s). In islamischem Wissen nahm er eine herausragende Stellung ein. Zum Zeitpunkt des Todes des Gesandten war er erst achtzehn oder zwanzig Jahre alt. Dennoch waren zahlreiche Aussprüche des edlen Gesandten (s) in seinem Gedächtnis bewahrt. Auch sein Verhalten und sein Charakter waren für alle vorbildlich und nachahmenswert.
Durch ihn wurde eine große Zahl von Hadithen überliefert und verbreitet. Die Gesamtzahl der von ihm überlieferten Hadithe beträgt 128. Davon sind 15 sowohl in Sahih al-Buchari als auch in Sahih Muslim angeführt. Darüber hinaus sind zwei weitere Hadithe in Sahih al-Buchari und zwei weitere in Sahih Muslim erwähnt.
20. Hazrat Thauban (ra):Er war der Sklave des edlen Gesandten (s) und gehörte zu dessen Familie. Er war stets beim edlen Gesandten (s). Einerseits lernte er Hadithe auswendig und bewahrte sie in seinem Gedächtnis, andererseits erfüllte er auch seine Aufgabe der Verbreitung von Hadithen in vollem Umfang.
21. Hazrat Buraida ibn Hasib (ra):Unter den Gefährten genoss er besonderes Ansehen. Zahlreiche Hadithe des Gesandten konnte er auswendig. Die Gesamtzahl der von ihm überlieferten Hadithe beträgt 164. Davon ist nur ein Hadith in beiden Werken, in Sahih al-Buchari und Sahih Muslim, angeführt. Darüber hinaus sind weitere 2 Hadithe ausschließlich in Sahih al-Buchari und 11 ausschließlich in Sahih Muslim zitiert. Alle von ihm überlieferten Hadithe hatte er unmittelbar vom Gesandten gehört.
22. Hazrat Abu Masud Uqba ibn Umar (ra):Zur Zeit des zweiten Treueeids von Aqaba nahm er den Islam an. Er war ein eifriger Verkünder der Religion des Islam. Er nahm an allen Kriegen teil. Auch der Verbreitung von Hadithen widmete er große Aufmerksamkeit. In den Hadith-Werken finden sich 102 von ihm überlieferte Hadithe.
23. Hazrat Dscharir ibn Abdallah (r.):Er nahm etwa vierzig Tage vor dem Ableben des Gesandten Allahs den Islam an. Die Zahl der von ihm überlieferten Hadithe beträgt einhundert. Davon sind acht Hadithe sowohl in Sahih al-Bukhari als auch in Sahih Muslim erwähnt. Darüber hinaus ist in Sahih al-Bukhari ein Hadith gesondert erwähnt, während in Sahih Muslim sechs Hadithe erwähnt sind. Allerdings heißt es in an-Nawawis Kommentar zu Sahih Muslim, dass von Hazrat Dscharir zweihundert Hadithe überliefert worden seien. Davon ist ein Hadith in Sahih al-Bukhari und sind neun Hadithe in Sahih Muslim erwähnt.
24. Hazrat Samura ibn Dschundub al-Fazari (r.):Über ihn sagte der Kompilator von Mischkat:
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Er war ein Hafiz der Hadithe und gehörte zu denjenigen, die eine große Zahl von Hadithen vom Gesandten Allahs überlieferten. Auch von ihm überlieferten zahlreiche Menschen Hadithe.
Allama Badruddin Aini schrieb:
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Von ihm wurden insgesamt einhundertdreiundzwanzig Hadithe überliefert. Davon sind lediglich vier in Sahih al-Bukhari angeführt.
25. Hazrat Dschabir ibn Samura (r.):Er war der Neffe von Hazrat Sa’d ibn Abi Waqqas. Er lebte in der Stadt Kufa und verstarb dort im Jahre 74 nach der Hidschra. Auch von ihm überlieferten zahlreiche Menschen Hadithe.
26. Hazrat Abu Bakr as-Siddiq (ra):Er war der erste Kalif der rechtgeleiteten Kalifen. Er war der lebenslange Freund und Gefährte des edlen Propheten (s). Von der Zeit der Dschahiliyya bis zur Errichtung der islamischen Gesellschaft war er niemals und unter keinen Umständen für längere Zeit vom edlen Gesandten (s) getrennt. Über ihn schrieb der Verfasser der Mis̱kāt:
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Eine große Zahl von Gefährten und Tābiʿūn überlieferte Hadithe von ihm. Da er jedoch nach dem Tod des Gesandten nur kurze Zeit lebte, wurden von ihm nur sehr wenige Hadithe überliefert.
Für eine ausführliche Erörterung der Hadith-Überlieferungen Abu Bakrs siehe in diesem Werk den Abschnitt „Die rechtgeleiteten Kalifen und die Zusammenstellung der Hadith-Werke“.
Jeder der oben genannten Gefährten überlieferte einhundert oder mehr Hadithe, und die Gesamtzahl der von ihnen allen überlieferten Hadithe beträgt 4556.
Vierter Teil
Die Zahl der Gefährten, die im vierten Teil Hadithe überlieferten, beträgt 33. Von jedem von ihnen wurden zwischen vierzig und einhundert Hadithe überliefert. Hier wird die vollständige Liste ihrer Namen vorgelegt:
(1) Hazrat Abdullah ibn Abi Aufa (2) Hazrat Zayd ibn Thabit (3) Hazrat Zayd ibn Arqam (4) Hazrat Kaʿb ibn Aslami (5) Hazrat Zayd ibn Khalid al-Dschuhani (6) Hazrat Abu Talha Zayd ibn Sahl (7) Hazrat Rafiʿ ibn Chadidsch (8) Hazrat Salama ibn al-Akwaʿ (9) Hazrat Abu Rafiʿ al-Qibti (10) Hazrat Auf ibn Malik al-Aschdschai (11) Hazrat Adi ibn Hatim (12) Hazrat Abd ar-Rahman ibn Auf (13) die Mutter der Gläubigen, Hazrat Umm Habiba (14) Hazrat Ammar ibn Yasir (15) Hazrat Salman al-Farisi (16) die Mutter der Gläubigen, Hazrat Hafsa (17) Hazrat Burayra ibn Mutarrim al-Qubschi (18) Hazrat Asma bint Abu Bakr (19) Hazrat Wasila ibn al-Asqa al-Kinani (20) Hazrat Uqba ibn Amir al-Dschuhani (21) Hazrat Fudala ibn Ubayda al-Ansari (22) Hazrat Umar ibn Utba (23) Hazrat Kaʿb ibn Amr al-Ansari (24) Hazrat Fudala ibn Ubayd al-Aslami (25) die Mutter der Gläubigen, Hazrat Maymuna (26) Hazrat Umm Hani (27) Hazrat Abu Hudhayfa ibn Mughaffal (28) Hazrat Bilal ibn Riyah at-Tamimi (29) Hazrat Abdullah ibn Mughaffal (30) Hazrat Miqdam ibn Asad al-Kufi (31) Hazrat Umm Atiyya al-Ansariyya (32) Hazrat Hakim ibn Hidschar al-Asadi und (33) Hazrat Salma ibn Hanif al-Ansari (ra).
Fünfter Teil
Die Zahl der Gefährten im fünften Teil beträgt fünfundfünfzig. Von jedem von ihnen wurden vierzig oder weniger Hadithe überliefert. Hier werden die Namen der vierzig Überlieferer dieses Ranges genannt, die vergleichsweise mehr Hadithe überliefert haben. Sie sind:
(1) Hazrat Dschubair ibn Awwam (2) Hazrat Fatima bint Qais (3) Hazrat Chabbab ibn al-Aratt (4) Hazrat Iyad ibn Hammad Tamimi (5) Hazrat Malik ibn Rabia Saidi (6) Hazrat Abdullah ibn Salam (7) Hazrat Umm Qais bint Mihsan (8) Hazrat Fadl ibn Abbas (9) Hazrat Amir ibn Rabia (10) Hazrat Rubai bint Muawwidh (11) Hazrat Usaid ibn Hudair Aschhali (12) Hazrat Chalid ibn Walid (13) Hazrat Umar ibn Harith (14) Hazrat Chaula bint Hakim (15) Hazrat Thabit ibn Dahhak (16) Hazrat Urwa ibn Abi Zaid al-Asadi (17) Hazrat Muawiya ibn Hakim Salami (18) Hazrat Yamra bint Safwan (19) Hazrat Urwa ibn Madschras (20) Hazrat Madschma ibn Yazid (21) Hazrat Salm ibn Qais (22) Hazrat Qatada ibn Luqman (23) Hazrat Qubaisa ibn Mucharriq Amiri (24) Hazrat Asim ibn Adi (25) Hazrat Salma ibn Nuaim Aschdschai (26) Hazrat Malik ibn Sa’sa’a (27) Hazrat Mahdschan ibn Adra (28) Hazrat Saib ibn Fala (29) Hazrat Chafaf Gifari (30) Hazrat Zu’fudschr Habaschi (31) Hazrat Malik ibn Hubaira (32) Hazrat Zaid ibn Haritha (33) Hazrat Thabit ibn Adiyya (34) Hazrat Kaab ibn Iyad Aschari (35) Hazrat Kulthum ibn Husain Gifari (36) Hazrat Dahya Kalbi (37) Hazrat Dschudana bint Wahb (38) Hazrat Malik ibn Yasar (39) Hazrat Abdullah ibn Dschamra und (40) Hazrat Kulthum ibn Alqama (r.a.).
Die übrigen fünfzehn waren junge Gefährten. Die Zahl der von ihnen überlieferten Hadithe war sehr gering und unbedeutend.
Die Zahl der Gefährten, deren Namen oben in den verschiedenen Rängen genannt wurden, beträgt insgesamt einhundertfünf. Es besteht kein Zweifel daran, dass der gewaltige und großartige, unerschöpfliche und unauslöschliche Leuchtturm des Hadith-Schatzes, der der muslimischen Gemeinschaft erhalten geblieben ist, das Ergebnis ihrer Überlieferungen sowie ihrer grenzenlosen Hingabe und ununterbrochenen Bemühungen, ihres hingebungsvollen Strebens, ihrer unermüdlichen Arbeit, ihres standhaften Glaubens an Allah und ihres immerwährenden Wunsches nach dem Wohlergehen der Menschheit ist.
Der Grund für den zahlenmäßigen Unterschied bei den Hadith-Überlieferungen
Aus der vorangegangenen Erörterung ist ersichtlich geworden, dass zwischen den Gefährten hinsichtlich der Zahl der überlieferten Hadithe ein gewaltiger Unterschied besteht. Obwohl sie Gefährten desselben Propheten waren, überlieferten manche eine große Zahl von Hadithen, während andere nur sehr wenige Hadithe überlieferten. Es ist für uns besonders wichtig, den Grund für diesen gewaltigen Unterschied bei der Überlieferung von Hadithen zu erkennen.
Solange der edle Prophet (s.a.w.) unter den Gefährten lebte, widmete er sich im Allgemeinen der Unterweisung aller von ihnen in der Religion des Islam, im Buch Allahs und in der Weisheit. Damals gab es ebenso wenig Gelegenheit, im Namen des Gesandten eine Lüge zu verbreiten, wie auch nur die geringste Möglichkeit, eine Aussage des Gesandten zurückzuweisen oder sie mit den Worten „Das ist keine Aussage des Gesandten“ abzutun. Auch die Heuchler hatten damals kaum Gelegenheit, durch eine Fehlinterpretation irgendeiner Aussage des Gesandten Verwirrung über die Religion des Islam zu stiften. Denn sobald etwas Derartiges geschah, konnten die edlen Gefährten den Gesandten fragen und in allen Angelegenheiten Klarheit und Eindeutigkeit erlangen. Dafür gibt es in der Geschichte, insbesondere im ehrwürdigen Hadith, unzählige Beispiele. Einmal sah Hazrat Umar al-Faruq (r.a.), wie Hazrat Hischam ibn Hakim die Sure al-Furqan auf eine neue Weise rezitierte, worüber er sehr erstaunt war. Er ergriff ihn und brachte ihn zum Gesandten. Nachdem der edle Prophet (s.a.w.) Hischams Rezitation angehört hatte, sagte er, dass auch diese Art der Rezitation zulässig sei. Dadurch verschwand Hazrat Umars Zweifel. Daher kann gesagt werden, dass der edle Gesandte während seines Lebens alle Meinungsverschiedenheiten der edlen Gefährten untereinander klärte. Sobald in einer Angelegenheit auch nur der geringste Zweifel oder eine Verwirrung entstand, wurde sie durch eine unmittelbare Erklärung des Gesandten beseitigt.
Doch nach dem Tod des edlen Propheten (s) trat in dieser Lage eine gewaltige Veränderung ein. Einerseits wurde die Quelle, aus der man Wissen über die Offenbarung erlangte, abgeschnitten, während andererseits unzählige Neubekehrte abtrünnig wurden und im Begriff waren, die Religion des Islam zu verlassen. In dieser Lage erhoben auch einige Heuchler ihr Haupt, um im trüben Wasser zu ihrem eigenen Vorteil zu fischen. Falls sie damals versucht haben sollten, im Namen des Gesandten irgendeine Lüge zu verbreiten, ist dies daher keineswegs ungewöhnlich oder erstaunlich.
Doch der erste Kalif, Hadhrat Abu Bakr (r.a.), traf entschlossene Maßnahmen, um dem entgegenzutreten. Einerseits zerschmetterte er mit aller Kraft die Abtrünnigen und diejenigen, die die Zakāt verweigerten, und andererseits errichtete er ebenso machtvoll eine unüberwindliche Mauer des Widerstands gegen die Verbreitung der Lügen der Lügner. Nach ihm ergriff auch Hadhrat Umar al-Faruq (r.a.) hierfür geeignete Maßnahmen. Er ging bei der Überlieferung von Hadithen äußerst streng vor. Zahlreiche Gefährten, die einen gewaltigen Schatz an Hadithen in ihrer Brust trugen, saßen wie wachsame, unermüdliche Wächter da. Aus Sorge, ein überlieferter Hadith könnte in den Händen der Heuchler zum Spielzeug werden und eine entstellte Gestalt annehmen, stellten sie die Überlieferung von Hadithen im Allgemeinen beinahe ein. In manchen Herzen wurde diese Furcht so stark, dass man befürchtete, bei einer umfangreichen Überlieferung von Hadithen Fehler zu machen oder dass die gewöhnlichen Muslime, wenn sie völlig mit dem Studium der Hadithe beschäftigt wären, Allahs eigenes Wort, den erhabenen Qur’an, vernachlässigen könnten. Auch aus diesen Gründen stellten die ehrwürdigen Gefährten im Allgemeinen die Verbreitung und Überlieferung von Hadithen vorübergehend nahezu ein. Nur wenn es bei der Entscheidung schariatischer Rechtsfragen oder bei alltäglichen Angelegenheiten wie Staatsführung und Rechtsprechung unumgänglich wurde, auf Hadithe zurückzugreifen, überlieferten sie einander Hadithe.
In dieser Phase können wir insbesondere einige Gefährten erwähnen und daraus auch den Grund dafür erkennen, weshalb von ihnen trotz ihrer umfassenden Kenntnis zahlreicher Hadithe vergleichsweise wenige Hadithe überliefert wurden.
Hadhrat Abu Bakr as-Siddiq (r.a.), der lebenslange Gefährte des edlen Propheten (s), sowie hochgeehrte Gefährten wie Hadhrat Abu Ubaida, Hadhrat Abbas ibn Abd al-Muttalib und Hadhrat Imran ibn Husain kannten eine große Zahl von Hadithen, doch von ihnen wurden nur sehr wenige Hadithe überliefert. Hadhrat Sa’id ibn Zaid gehörte zu den zehn Gefährten, denen die frohe Botschaft des Paradieses verkündet worden war; dennoch überlieferte er nur zwei oder drei Hadithe. Hadhrat Ubay ibn Umara überlieferte lediglich einen einzigen Hadith.
Manche Gefährten waren nach dem Tod des Gesandten so sehr mit der Wahrnehmung der Aufgaben des Kalifats beschäftigt, dass es ihnen nicht möglich war, Gelegenheit oder Muße zur Überlieferung von Hadithen zu finden. Die vier ehrenwerten Gefährten unter den rechtgeleiteten Kalifen sowie Hadhrat Talha und Hadhrat Zubair (r.a.) sind anschauliche Beispiele für diesen Grund.
Bei zahlreichen Gefährten war die Lage genau umgekehrt. Sie verfügten über große freie Zeit. Keine Beschäftigung hinderte sie daran, Hadithe zu überliefern. Daher waren sie in der Lage, eine große Zahl von Hadithen zu überliefern, wie etwa Hadhrat Abu Huraira (r.a.), Hadhrat Aischa (r.a.) und Hadhrat Abdullah ibn Umar (r.a.).
Manche Gefährten hatten vergleichsweise häufiger Gelegenheit, in der Nähe des edlen Propheten (s) zu sein und ihn zu begleiten. Weil sie ihn überall begleiteten – im In- und Ausland, zu Hause und auf Reisen –, war es ihnen einerseits leicht, eine größere Zahl von Hadithen zu sammeln, und andererseits erhielten sie nach seinem Tod auch Gelegenheit, diese in vollem Umfang anderen zu überliefern. In diesem Zusammenhang sind unter anderem Hadhrat Abdullah ibn Mas’ud (r.a.), Hadhrat Abu Huraira (r.a.), Hadhrat Jabir ibn Abdullah (r.a.), Hadhrat Anas ibn Malik (r.a.) und Hadhrat Abdullah ibn Umar (r.a.) zu nennen. Einige Gefährten starben noch zu Lebzeiten des edlen Gesandten (s) oder unmittelbar nach seinem Tod, sodass sie in ihrem Leben überhaupt keine Gelegenheit hatten, Hadithe anderen zu überliefern. Von denjenigen, die weniger Gelegenheit hatten, die Gesellschaft des Gesandten zu genießen oder ihm nahe zu bleiben, wurden ebenfalls nur sehr wenige Hadithe überliefert.
Nach dem Fortgang des edlen Gesandten (s.a.) entstanden in der islamischen Gesellschaft fortwährend neue Situationen. Damals wurde es für die muslimische Bevölkerung notwendig, die Worte des Gesandten in den betreffenden Angelegenheiten zu kennen. Daher waren die noch lebenden Gefährten zu jener Zeit gezwungen, eine größere Zahl von Hadithen zu überliefern. Später entstand unter den Muslimen ein starkes Verlangen danach, Wissen über die Hadithe zu erwerben. Auf vielfältige Weise baten sie die Gefährten darum, die Hadithe des Gesandten hören zu dürfen. Auch aus diesem Grund waren die Gefährten bereit, ihnen das bei ihnen bewahrte Wissen über die Hadithe zugänglich zu machen und sie darin zu unterweisen. Auch dieser Grund führte dazu, dass von vielen Gefährten eine große Zahl von Hadithen überliefert werden konnte.
Gegen Ende des rechtgeleiteten Kalifats entstanden in der muslimischen Gesellschaft vielfältige Fitna. Die Schia und die Chawaridsch traten als zwei dauerhaft bestehende irrige Sekten hervor. Zu dieser Zeit versuchten sie auch, manche Aussagen als Hadithe des Gesandten auszugeben. Aus diesem Grund sahen sich einige Gefährten des Gesandten gezwungen, bei der Überlieferung von Hadithen noch größere Strenge walten zu lassen und nur wenige authentische Hadithe zu überliefern. Genau aus diesem Grund konnten vom vierten Kalifen, dem ehrwürdigen ʿAlī (ra), nur sehr wenige Hadithe überliefert werden.
Auch Unterschiede im Erinnerungsvermögen sowie das Aufzeichnen oder Nichtaufzeichnen der Hadithe waren wesentliche Ursachen für diese unterschiedlichen Zahlen bei der Hadithüberlieferung. Jene, die sich mehr Hadithe einprägen oder sie schriftlich festhalten konnten – wie Abū Huraira (ra) und ʿAbdullāh ibn ʿAmr (ra) –, waren imstande, mehr Hadithe zu überliefern als die übrigen Gefährten. Diese verschiedenen Gründe liegen den unterschiedlichen Zahlen der von den zahlreichen Gefährten desselben Gesandten überlieferten Hadithe zugrunde. Daher lässt sich zweifellos sagen, dass die Angelegenheit, so erstaunlich sie auch sein mag, keineswegs ungewöhnlich ist.[Siehe die Seiten 66, 67 sowie 147 und 148 des von Muhammad Abū Zuhū verfassten ***************Werkes.]
Die Hadith-Bemühungen der Tābiʿūn
Nach dem Ableben des edlen Propheten (s) begann die Epoche der Gefährten. So wie die edlen Gefährten vom edlen Propheten den Qurʾān, die Hadithe und überhaupt die islamischen Wissenschaften erlernt und dadurch besondere Kompetenz erlangt hatten, lehrten die edlen Gefährten ihrerseits den Menschen der nachfolgenden Generation, den Tābiʿūn, den Qurʾān, die Hadithe und die islamischen Wissenschaften. Zu Lebzeiten des edlen Propheten besaß der Prophet selbst im Hinblick auf das islamische Wissen einen bestimmten Rang; nach dem Entschwinden des edlen Propheten wurden die edlen Gefährten (ra) mit einer entsprechend verantwortungsvollen Stellung betraut. Auch sie widmeten sich durch persönliche und gemeinsame Bemühungen der Aufgabe, die Muslime der Epoche der Tābiʿūn mit islamischem Wissen zu erfüllen und sie in der Kenntnis des Qurʾān und der Hadithe zu größerer Gelehrsamkeit zu führen. So wie der edle Prophet (s) in der Anfangszeit in Medina ein gewaltiges Wissenszentrum errichtet hatte, gründeten später die meisten Gefährten in ihrem persönlichen Bereich und innerhalb ihres eigenen Umfelds jeweils einen Wissenskreis; von ihnen erwarben die Muslime der Epoche der Tābiʿūn die Kenntnis des Qurʾān und der Hadithe. Doch wer ist ein Tābiʿī? Eine grundlegende Erörterung dieser Frage ist an dieser Stelle erforderlich. Der Historiker al-Chatīb al-Baghdādī schrieb hierzu:
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Ein Tābiʿī ist jemand, der mit einem Gefährten in Kontakt stand.
Nach dieser Definition genügt eine bloße Begegnung mit einem Gefährten nicht, um als Tābiʿī zu gelten; vielmehr ist es erforderlich, auch einige Zeit mit dem Gefährten verbracht zu haben. Die Ansicht der Mehrheit der Hadithgelehrten ist jedoch eine andere. Ihrer Ansicht nach:
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Ein Tābiʿī ist jemand, der einen Ṣaḥābī getroffen hat, auch wenn er nicht in dessen Gesellschaft blieb.
Ibn Ḥibbān hat in dieser Angelegenheit die Bedingung aufgestellt, dass beim Treffen mit einem Ṣaḥābī beim Tābiʿī die Vernunft sowie die Fähigkeit zur Unterscheidung zwischen Gut und Böse bereits entwickelt sein müsse. Er sagte:
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Wenn er zum Zeitpunkt des Treffens noch sehr jung war und nicht in der Lage war, alles, was er gehört hatte, vollständig zu bewahren und zu behalten, dann hat sein bloßes Treffen mit dem Ṣaḥābī keinerlei Bedeutung.
Auch im Edlen Koran wird die hohe Stellung der Tābiʿūn nach den Ṣaḥāba besonders hervorgehoben. Es heißt:
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Und diejenigen unter den Muhādschirūn und den Anṣār, die beim Annehmen des Islams den Vorrang erlangten, sowie diejenigen, die ihnen mit aufrichtiger Hingabe und Zufriedenheit folgten – Allah ist mit ihnen zufrieden, und sie sind mit Allah zufrieden. Und Allah hat für sie Gärten bereitet, unter denen Bäche fließen. [Sure at-Tawra, 2. Rukūʿ, Vers 100.]
In diesem Koranvers werden die Tābiʿūn unmittelbar nach den Ṣaḥāba unter den Muhādschirūn und den Anṣār erwähnt. Hinsichtlich des Glaubens und der Taten stehen sie ebenso unter der Leitung der ehrenwerten Ṣaḥāba, wie sie ihnen auch zeitlich als Nachfolger folgten. Aus diesem Grund werden sie in der gebräuchlichen Terminologie „Tābiʿūn“ (die Nachfolgenden oder die Gefolgsleute) genannt.
Auch in den Hadithen wird von den Tābiʿūn mit besonderer Hochachtung gesprochen. Der edle Gesandte (s) sprach:
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Die Menschen meiner Zeitgenossenschaft (die Ṣaḥāba) sind die Besten unter meiner Umma. Nach ihnen kommen jene, die mit ihnen zusammenlebten und ihnen begegneten (die Tābiʿūn), und nach ihnen die Menschen, die mit diesen zusammenlebten und ihnen begegneten (die Tābiʿ at-Tābiʿīn). (Ṣaḥīḥ Muslim, Kitāb al-Faḍāʾil, S. 309.)
Tatsächlich war die muslimische Gemeinschaft nach den Ṣaḥāba – die Tābiʿūn – im Großen und Ganzen ein Abbild der Ṣaḥāba. Einerseits erwarben sie von den Gefährten des Gesandten sämtliches Wissen über den Qurʾān und die Sunna; andererseits verbreiteten sie dieses Wissen in der damaligen großen muslimischen Gesellschaft in allen Gegenden und Winkeln. In der Tat waren sie das Bindeglied, durch das das islamische Wissen von den Ṣaḥāba übernommen und den späteren, noch kommenden Muslimen übermittelt wurde. (Tābiʿūn – verfasst von Shah Muʿīnuddīn, Einleitung, S. 2–3.)
Diese Tābiʿūn waren zahlreich – ihre genaue Zahl lässt sich nicht bestimmen. Denn nach dem Ableben des edlen Propheten (s) zerstreuten sich die verehrten Ṣaḥāba in verschiedene Teile der Welt und—
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Jeder, der auch nur einem der Ṣaḥāba begegnet ist, gilt als Tābiʿī.
Aus diesem Grund ist es tatsächlich unmöglich festzustellen, wie viele Tābiʿūn es insbesondere in der gesamten muslimischen Welt und allgemein in der ganzen Welt gegeben hat. In der Geschichte der Hadith-Sammlung sind jedoch nur jene Tābiʿūn von Bedeutung, die in der Zeit nach dem edlen Propheten (s) in irgendeiner Weise mit dem Erlernen, Auswendiglernen und Aufschreiben der Hadithe verbunden waren. Im Abschnitt über das Hadith-Bestreben der Tābiʿūn werden wir nur die herausragenden Tābiʿūn dieser Kategorie behandeln.
Die systematische Methode des Hadith-Unterrichts im Zeitalter der Tabiiten wird durch den folgenden Abschnitt belegt:
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Die Methode des Studiums der Hadith-Wissenschaft bestand darin, dass man zunächst zuhörte, danach seine Aufmerksamkeit darauf richtete, es anschließend auswendig lernte, danach begann, entsprechend danach zu handeln, und anschließend praktische Maßnahmen ergriff, um es zu verbreiten.
Tatsächlich lehrten die ehrwürdigen Gefährten ihre Schüler den Hadith genau nach dieser Methode und in dieser Reihenfolge und errichteten nach dem Tod des edlen Propheten (ﷺ) in den Zentren der islamischen Gesellschaft Leuchttürme zur Verbreitung des Wissens. Dadurch erhielten in dieser Epoche sehr viele Menschen die Möglichkeit, Hadithe zu erlernen und ihr Leben entsprechend zu gestalten. In allen Tätigkeiten – etwa dem Auswendiglernen von Hadithen, ihrer schriftlichen Aufzeichnung und der Zusammenstellung von Hadith-Werken – zeigten sie größtes Engagement und große Begeisterung. Zugleich erlangten sie auf all diesen Gebieten umfassende Sachkenntnis, hervorragende Leistungen, Ansehen und Ruhm.
Die verschiedenen Aspekte der Hadith-Pflege im Zeitalter der Tabiiten werden hier gesondert erörtert.
Das Auswendiglernen von Hadithen
Wie die ehrwürdigen Gefährten zeigten auch die Tabiiten beim Erlernen und Auswendiglernen der Hadithe größtes Engagement, große Begeisterung, außerordentliches Interesse und Hingabe. Für sie war dieser Hadith unmittelbar nach dem Edlen Koran die zweite Quelle des Wissens. Im Koran lernten sie die grundlegenden Prinzipien und Vorschriften des Islam kennen; durch die Hadithe erlangten sie detaillierte Kenntnisse und Informationen über den Islam.
Die Muslime des Zeitalters der Tabiiten legten in der ersten Phase den größten Wert auf das Auswendiglernen von Hadithen. Jeden Hadith, den sie hörten, lernten sie auswendig. Bis zu dieser Zeit verließ man sich in hohem Maße auf das natürliche Gedächtnis der Araber; wenn sie sich etwas aneignen wollten, bestand ihre alte und gewohnheitsmäßige Praxis darin, es zunächst auswendig zu lernen. Insbesondere hatte die Schreibkunst bis dahin unter ihnen noch keine besondere Verbreitung, Ausdehnung und allgemeine Beliebtheit erlangt.
Doch trotz alledem ist es nicht so, dass Hadithe überhaupt nicht niedergeschrieben wurden und sich alle ausschließlich auf das Auswendiglernen verließen. Vielmehr bestand die tatsächliche Lage darin, dass die meisten Menschen damals daran gewöhnt waren, sie auswendig zu lernen. Selbst wenn jemand etwas niederschrieb, tat er dies lediglich zum Zweck des Auswendiglernens; man kann sagen, dass es dort keinerlei Praxis gab, etwas einfach aufzuschreiben, ohne es auswendig zu lernen. Aus der folgenden Aussage von Imam Malik wird die tatsächliche Vorgehensweise in dieser Hinsicht ersichtlich. Er sagte:
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Die Menschen jener Zeit waren im Allgemeinen nicht daran gewöhnt, etwas aufzuschreiben; vielmehr waren sie gewöhnlich daran gewöhnt, es auswendig zu lernen. Wenn jemand von ihnen etwas niederschrieb, tat er dies nur zum Zweck des Auswendiglernens, und sobald er es auswendig gelernt hatte, löschte er es wieder.
Über den Tābiʿī Muhammad ibn Sirin wird berichtet, dass es ihre Methode des Hadith-Lernens war, zunächst die Hadithe aufzuschreiben und auswendig zu lernen und anschließend, sobald sie auswendig gelernt waren, das Niedergeschriebene zu vernichten.
Der Historiker Ibn Asakir hat durch die Anführung einer Aussage des Hadith-Gelehrten Ismail ibn Ubaida die Bedeutung des Auswendiglernens von Hadithen in jener Zeit deutlich herausgestellt. Der Hadith-Gelehrte Ismail sagte:
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So wie wir den Koran auswendig lernen, ist es unsere Pflicht, auch die Hadithe genau auf diese Weise auswendig zu lernen.
Der Historiker Dhahabi schrieb über den berühmten Hadith-Hafiz Ibn Khuzayma:
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Wie ein Koranrezitator die Suren des Korans auswendig lernt, so lernte auch Ibn Chuzayma die Hadithe über Fiqh auf genau diese Weise auswendig.
Der Tābiʿī Khalid al-Hadhdha sagte: Zunächst schrieb ich die umfangreicheren Hadithe auf, und wenn ich sie auswendig gelernt hatte, löschte ich sie wieder.
Im Zusammenhang mit der Biografie des Tābiʿī Ismaʿil ibn Yunus schrieb der Historiker adh-Dhahabi, dass dieser sagte:
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Ich lernte die von Abu Ishaq überlieferten Hadithe genauso auswendig, wie ich die Suren des Korans auswendig lernte.
Im Zusammenhang mit der Biografie des Tābiʿī Shahr ibn Hawshab wurde geschrieben, dass Ahmad ʿAbd al-Hamid ibn Rahman bei sich sämtliche von ihm, nämlich Shahr, überlieferten Hadithe gesammelt hatte und
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Er memorierte die Hadithe auf eine Weise, dass man meinen konnte, er rezitiere eine Sure des Korans.
Der berühmte Hadith-Gelehrte Abū Dāwūd al-Tayālisī, der eine bekannte Musnad-Sammlung zusammenstellte, pflegte zu behaupten:
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Ich kann dreißigtausend Hadithe fließend auswendig aufsagen; dies ist allerdings keine Äußerung meines Stolzes.
Der berühmte Tābiʿī Qatāda trug dem Hadith-Gelehrten Saʿīd ibn ʿArāra die Sure al-Baqara vom Anfang bis zum Ende auswendig vor, ohne auch nur einen einzigen Fehler zu machen. Danach sagte er:
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Die von Ǧābir zusammengestellte Hadith-Sammlung ist mir noch besser auswendig vertraut als die Sure al-Baqara.
Wie der Unterricht in den Hadithen in jener Zeit durchgeführt wurde, lässt sich aus der folgenden Darstellung ersehen.
Urwa ibn az-Zubair war der Neffe und Schüler von Hazrat Aischa (r.a.). Sein Sohn Hischam ibn Urwa berichtet, dass mein Vater mich und meine anderen Brüder Hadithe lehrte. Danach wollte er sie von uns hören und sagte:
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Lest mir wiederholt vor, was ihr gelernt habt.
Danach sagte er:
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Mein Vater war äußerst erstaunt und erfreut, als er meine Fähigkeit zum Auswendiglernen erkannte.[*****************]
Ibrahim an-Nakha’i, ein Tabi’i, pflegte seinen Hadith-Schülern als Ermahnung zu sagen:
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Wenn du einen Hadith hörst, dann überliefere ihn anderen.
Über den berühmten Hadith-Sammler der Tabi’un-Zeit, Imam Ibn Schihab az-Zuhri, wird berichtet, dass er nach dem Nachtgebet die rituelle Waschung vollzog, sich zum Auswendiglernen und Besprechen von Hadithen niederließ und bis zum Morgengebet in derselben Sitzung blieb, um Hadithe zu studieren. (Sunan ad-Darimi, S. 79.)
Dieser Imam Zuhri sagte:
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Wenn ich Ubaidullah ibn Abdillah nach einem Hadith fragte, begann er, den Hadith auf eine solche Weise zu überliefern, dass es mir vorkam, als sei ein Meer hervorgebrochen. (Sunan ad-Darimi, S. 80.)
Tatsächlich waren die muslimischen Gelehrten in der arabischen Welt bis etwa zum Ende des ersten islamischen Jahrhunderts im Allgemeinen nicht darauf bedacht, etwas schriftlich festzuhalten; es war für sie leichter, es auswendig zu lernen, statt es aufzuschreiben.
Unter solchen Umständen ist nicht anzunehmen, dass die Hadith-Gelehrten unter den Tabi’un jener Zeit Hadithe in großem Umfang niederschrieben. Deshalb gab es im ersten islamischen Jahrhundert weit mehr Hadith-Auswendiglerner als Hadith-Schreiber. In den biografischen Werken werden die Namen unzähliger Gelehrter jener Zeit erwähnt, die eine große Zahl von Hadithen – gewaltige Hadith-Sammlungen – vollständig auswendig gelernt hatten und sie so auswendig vortragen konnten, dass sich darin kein einziger Fehler zeigte.
Das Niederschreiben der Hadithe
Die edlen Gefährten begnügten sich bei der Bewahrung der Hadithe nicht damit, sie lediglich auswendig zu lernen; viele von ihnen erkannten auch die Notwendigkeit, sie schriftlich festzuhalten. Ebenso hielten auch die Tābiʿūn das bloße Auswendiglernen der Hadithe nicht für ausreichend, um ihrer Pflicht zur Bewahrung der Hadithe nachzukommen. Unter ihnen gab es vielmehr Männer, die die Bedeutung ihrer schriftlichen Aufzeichnung in vollem Maße erkannten. Mit einem Wort lässt sich sagen: Wenn man sowohl im Zeitalter der Gefährten als auch im Zeitalter der Tābiʿūn das bloße Auswendiglernen der Hadithe für ausreichend gehalten hätte und niemand der schriftlichen Niederschrift Aufmerksamkeit geschenkt hätte, hätte die Gefahr bestanden, dass ein großer Teil der Hadithe des Gesandten verlorengegangen wäre. Dass daher neben dem Auswendiglernen auch die Niederschrift der Hadithe die Aufmerksamkeit besonderer Männer in beiden Zeitaltern auf sich zog, muss als eine unermessliche Gnade Allahs gegenüber der muslimischen Gemeinschaft bezeichnet werden.
Tatsächlich hörten und erlernten viele Menschen unter den Tābiʿūn die Hadithe von den Gefährten und zeichneten sie mit größter Sorgfalt, Aufmerksamkeit und Konzentration auf und stellten sie zusammen. Der folgende Bericht liefert dafür einen konkreten Beweis.
1. Der Tābiʿī Bashīr ibn Nuhaik war ein Schüler von Hadhrat Abū Huraira in den Hadithen. Er berichtet: Alle Hadithe, die ich von Hadhrat Abū Huraira hörte, schrieb ich vollständig auf. Als ich mich schließlich von ihm verabschieden wollte, trat ich vor ihn, legte ihm die schriftlich zusammengestellte Hadith-Sammlung vor und las sie ihm von Anfang bis Ende vollständig vor. Ich sagte: ********************* „Dies ist die Gesamtheit all jener Hadithe, die ich von Ihnen gehört habe.“ Hadhrat Abū Huraira (r.a.) antwortete: Ja, „das ist richtig“. [Sunan ad-Dārimī, Seite 68.]
2. Ein weiterer Schüler von Hadhrat Abū Huraira war Hammām ibn Munabbih al-Yamānī. Auch er brachte die gehörten Hadithe in schriftlicher Form geordnet zusammen. Diese Sammlung ist unter dem Namen „Sahīfa des Hammām ibn Munabbih“ bekannt. Sie enthält ungefähr einhundertvierzig Hadithe. Das Manuskript dieses Werkes wird noch heute in den Bibliotheken von Damaskus und Berlin aufbewahrt. Der berühmte Forscher und Fachgelehrte des indischen Subkontinents, Dr. Hamidullah, entdeckte es erstmals im Jahr 1933. Genau zwanzig Jahre später, im Jahr 1953, veröffentlichte er es in vier Fortsetzungen in der Zeitschrift von Damaskus, ****************. Aus der Erklärung Dr. Hamidullahs ist außerdem bekannt, dass sich in der Bibliothek der Universität Ankara in der Türkei ebenfalls das Manuskript eines weiteren Hadith-Werkes befindet, das von Hammām ibn Munabbihs Schüler Maʿmar ibn Rāshid zusammengestellt wurde.
Es ist auch ein Hadith-Werk überliefert, das von ʿAbd ar-Razzāq ibn Hammām as-Sanʿānī al-Yamanī (125–211 n. H.), dem Schüler von Maʿmar ibn Rāshid und Lehrer von Imām Ahmad ibn Hanbal, zusammengestellt wurde. Es ist unter dem Namen „Musannaf ʿAbd ar-Razzāq“ bekannt.
Diese Hadith-Sammlungen sind einerseits ein lebendiger Beleg dafür, dass Hadithe bereits zu Lebzeiten des edlen Propheten (s.) und während der Zeit des rechtgeleiteten Kalifats gesammelt wurden, und andererseits die Hauptquelle der ältesten Werke. [Diese gesamten Angaben wurden der Einleitung zur von Dr. Hamidullah herausgegebenen „Sahīfa des Hammām ibn Munabbih“ entnommen.]
3. Saʿīd ibn Jubair, ein Tābiʿī, sagt:
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Ich hörte nachts Hadithe von Ibn Umar und Ibn Abbas und schrieb sie auf, während ich auf dem Reittier saß. [Sunan ad-Darimi, S. 68.]
Aus einer weiteren seiner Aussagen ist bekannt, dass er eines Nachts gemeinsam mit Ibn Abbas auf dem Weg nach Mekka unterwegs war. Während dieser Zeit überlieferte Ibn Abbas (r.a.) Hadithe, und er schrieb sie nieder. Auf diese Weise gingen sie bis zum Morgen weiter. [Ebenda]
4. Über den Tābiʿī Sufyan ibn Uyaina sagte Mubarak ibn Saʿid:
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Sufyan ibn Uyaina hörte nachts Hadithe und schrieb sie an eine Wand. Am Morgen fertigte er eine Abschrift davon an und löschte sie anschließend. [Sunan ad-Darimi.]
5. Eines Tages wurde Hujr ibn Adi eine Frage über die Reinigung mit Wasser nach der Verrichtung der Notdurft vorgelegt. Er sagte: Bringt mein Hadith-Heft her.
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Als es gebracht wurde, begann er, es mit der Basmala zu lesen, und sagte: Dies habe ich von Ali ibn Abu Talib gehört. Er sagte, dass „die Reinheit die Hälfte des Glaubens ist“. [Tabaqat Ibn Saʿd, 6. Band, S. 454.]
Daraus geht hervor, dass sich bei Hujr ibn ʿAdī eine schriftliche Sammlung von Hadithen befand, die er von Hadhrat ʿAlī erhalten hatte. Wann immer er zu irgendeiner Angelegenheit gefragt wurde, öffnete er sie, las die betreffenden Hadithe daraus vor und erteilte daraus die Antwort.
6. Auch bei ʿAbd al-Aʿlā ibn ʿĀmir wurde eine schriftliche Hadith-Sammlung aufbewahrt. Über ihn wird gesagt:
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Alle Hadithe, die ʿAbd al-Aʿlā von Ibn al-Hanafiyya überlieferte, waren in Wirklichkeit eine als geschriebenes Buch vorliegende Sammlung. Er hatte sie von ihm erhalten; die Hadithe jedoch hatte er nicht aus seinem Munde gehört. [Ṭabaqāt Ibn Saʿd, Band 6, Seite 94.]
7. Auch bei Imam Bāqir befand sich eine Hadith-Sammlung. Hadhrat Jaʿfar as-Sādiq sagte: „Alle Hadithe, die ich im Namen meines Vaters überliefere: **************, fand ich in seiner zusammengestellten Sammlung niedergeschrieben und habe sie daraus übernommen.“ [Tahdhīb at-Tahdhīb, Band 2, Seite 104.]
8. Während der Herrschaft von Hadhrat Muʿāwiya wurden mehrere Sammlungen der von Hadhrat Ibn ʿAbbās (Allah sei mit ihm zufrieden) überlieferten Hadithe angefertigt. Marwān ibn al-Hakam stellte eine Sammlung der von Hadhrat Zayd ibn Thābit überlieferten Hadithe zusammen. [Sunan ad-Dārimī.]
Tatsächlich sammelten die Tābiʿūn die Hadithe auf vielfältige Weise von den Gefährten. Um von einem entfernt lebenden Gefährten Kenntnis über Hadithe zu erlangen, korrespondierten sie auch mit ihm; durch Briefe erfuhren sie die Hadithe des Gesandten. Der folgende von Hadhrat Saʿd ibn Abī Waqqās (Allah sei mit ihm zufrieden) überlieferte Hadith liefert dafür einen eindeutigen Beleg. ʿĀmir Zuhri al-Qurashī (gestorben: 104 n. H.) sagt:
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Ich hatte durch meinen Sklaven Nafiʿ einen Brief an den ehrwürdigen Dschābir (Allah sei mit ihm zufrieden) gesandt. Darin hatte ich geschrieben: „Schreibt mir etwas auf, das ihr vom Gesandten gehört habt, und sendet es mir.“ In seiner Antwort schrieb er (Dschābir) mir: „Am Abend des Freitags, an dem al-Aslamī gesteinigt wurde, hörte ich den ehrwürdigen Gesandten sagen: ‚Die Religion des Islam wird bis zum Tag der Auferstehung bestehen bleiben‘ – oder er sagte: ‚Sie wird bestehen bleiben, solange nicht zwölf Kalifen aus dem Stamm Quraisch über euch eingesetzt worden sind.‘“ [Sahih Muslim, 2. Band, Kitāb al-Imāra, S. 119.]
10. Radschāʾ ibn Hayāt berichtet, dass der Kalif Hischām ibn ʿAbd al-Malik einen seiner Beamten anwies, mich nach einem Hadith zu fragen und ihn ihm schriftlich zu übermitteln. Doch—
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Wenn dieser Hadith nicht bei mir schriftlich festgehalten gewesen wäre, hätte ich ihn vergessen. [Sunan ad-Dārimī, S. 69.]
11. Die Hadithgelehrten der Tābiʿūn teilten einander durch Briefwechsel Hadithe mit. Yazīd ibn Abū Habīb berichtet:
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Der Tābiʿī ʿAtāʾ schrieb mir, dass er den ehrwürdigen Dschābir ibn ʿAbdallāh (Allah sei mit ihm zufrieden) sagen gehört habe: „Ich hörte den ehrwürdigen Gesandten am Tag der Eroberung Mekkas (während er sich in Mekka aufhielt) sagen: ‚Wahrlich, Allah und Sein Gesandter haben den Kauf und Verkauf von Wein, Aas, Schweinen und Götzen verboten.‘“ [*******************]
Auch die Tābiʿūn gingen beim Niederschreiben der Hadithe mit angemessener Vorsicht vor; sie schrieben nicht von jedem beliebigen Menschen Hadithe ab. Der Tābiʿī Yahyā ibn Maʿīn berichtet:
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Der berühmte Muhaddith Abd ar-Razzaq sagte zu mir: „Schreibe von mir wenigstens einen Hadith nieder, auch wenn es kein ganzes Buch ist.“
Er war zwar ein großer Hadith-Hafiz. Doch zu dieser Zeit, am Ende seines Lebens, war er erblindet. Deshalb war ich nicht bereit, irgendeinen Hadith von ihm niederzuschreiben, denn es bestand die Gefahr, dass er seinen Hadith vergessen hatte, und ich befürchtete auch, dass er etwas anderes sagen könnte, als er eigentlich sagen wollte. Deshalb sagte ich ihm ganz offen: *************** „Nein, ich werde kein einziges Wort von Ihnen hören und niederschreiben.“ [Musnad des Imam Ahmad, Band 1, Seite 174.]
Die Hadith-Sammlung der Ahl al-Bayt
Imam Zayd, der Enkel von Imam Husain (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm) und Sohn von Ali ibn al-Husain, wurde irgendwann im Jahr 80 nach der Hidschra in Madina at-Tayyiba geboren. Er sammelte das gesamte Wissen über Sunna und Hadith von den Angehörigen der Ahl al-Bayt. Der Titel seines zusammengestellten Hadith-Buches lautet **************. Darin war eine große Anzahl von Hadithen gesammelt. Die meisten dieser Hadithe wurden über die Überlieferungskette von Hadhrat Ali (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm) vom edlen Propheten (s) überliefert. Bei einigen Hadithen reichte die Überlieferungskette bis zu Hadhrat Ali (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm) und war *********** geworden. Außer von Imam Husain und Hadhrat Ali (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm) wurde eine große Anzahl von Hadithen auch über viele andere Überlieferungsketten von ihm überliefert. Sein Vater Ali ibn al-Husain überlieferte Hadithe von zahlreichen Tabi’in. Diese Überlieferungen hatte Imam Zayd von seinem älteren Bruder, Imam Muhammad al-Baqir, übernommen. Denn sein Vater Ali ibn al-Husain starb im Jahr 94. Damals war er erst ein vierzehnjähriger Junge. Imam Abu Hanifa (Allah sei ihm gnädig) und andere Imame der Fiqh nahmen von ihm Hadithe entgegen und überlieferten sie. [**********************]
Einige berühmte Tabi’in-Muhaddithe
Nach der vorausgegangenen allgemeinen Erörterung werden wir hier eine besondere und kurze Darstellung einiger herausragender Hadith-Experten aus der Zeit der Tabi’in geben. Aus dieser Darstellung wird noch deutlicher hervorgehen, wie großartig und erhaben das Hadith-Studium in der Zeit der Tabi’in war und welche Menschen mit welcher Befähigung und Begabung dadurch herangebildet wurden.
Im Zeitraum vom ersten Jahrhundert nach der Hidschra bis zur ersten Hälfte des zweiten Jahrhunderts nach der Hidschra erlangten in verschiedenen Städten und Regionen der muslimischen Welt verschiedene Personen besonderen Ruhm. Im Folgenden werden ihre Namen sowie ihr Todesjahr unter Angabe des jeweiligen Ortes genannt:
Medina: (1) Sa’id ibn al-Musayyib – gestorben 93 n. H. (2) Urwa ibn az-Zubair – gestorben 94 n. H. (3) Abu Bakr ibn Abd ar-Rahman ibn al-Harith – gestorben 94 n. H. (4) Ubaidullah ibn Utba – gestorben 99 n. H. (5) Salim ibn Abdullah ibn Umar – gestorben 106 n. H. (6) Sulaiman ibn Yasar – gestorben 93 n. H. (7) Qasim ibn Muhammad ibn Abu Bakr – gestorben 112 n. H. (8) Nafi’, der Mawla von Ibn Umar – gestorben 117 n. H. (9) Ibn Schihab az-Zuhri – gestorben 124 n. H. (10) Abu az-Zinad – gestorben 130 n. H.
Mekka: (1) Ikrima, der Mawla von Ibn Abbas – gestorben 105 n. H. (2) Ata ibn Abu Rabah – gestorben 115 n. H. (3) Abu az-Zubair Muhammad ibn Muslim – gestorben 128 n. H.
Kufa: (1) asch-Scha’bi Amir ibn Scharahbil – gestorben 104 n. H. (2) Ibrahim an-Nachai – gestorben 96 n. H. (3) Alqama ibn Qais ibn Abu al-Hasan al-Basri – gestorben 110 n. H.
Basra: (1) al-Hasan ibn Abu al-Hasan al-Basri – gestorben 110 n. H. (2) Muhammad ibn Sirin – gestorben 110 n. H. (3) Qatada ibn Di’ama ad-Dausi – gestorben 117 n. H.
Syrien: (1) Umar ibn Abd al-Aziz – gestorben 101 n. H. (2) Makhul – gestorben 118 n. H. (3) Qabisa ibn Dhu’aib – gestorben 86 n. H. (4) Ka’b al-Ahbar – gestorben 32 n. H.
Ägypten: (1) Abu al-Chair Marsad ibn Abdullah al-Izni – gestorben 90 n. H. und (2) Yazid ibn Abu Habib – gestorben 128 n. H.
Jemen: (1) Taus ibn Kaisan al-Yamani al-Himyari – gestorben 106 n. H. (2) Wahb ibn Munabbih – gestorben 110 n. H. [Diese vollständige Liste der Tabi’un wurde der von Muhammad Abu Zahwu, Professor an der al-Azhar, verfassten Schrift von Seite 173 entnommen.]
In den Schriften über „Asmair Rijal“ finden sich ausführliche Darstellungen über sie. Hier werden nur einige von ihnen etwas ausführlicher behandelt.
Ibn Schihab az-Zuhri
(Sein eigentlicher Name war Muhammad ibn Muslim)
Imam az-Zuhri war ein weithin berühmter Muhaddith in der Hadithwissenschaft. Er überlieferte Hadithe von den ehrwürdigen Sahaba, darunter Hadrat Anas ibn Malik, Sahl ibn Sa’d, Sa’ib ibn Yazid, Schubaib Abu Dschamila, Abd ar-Rahman ibn Sa’d, Rabi’a ibn Utad, Mahmud ibn ar-Rabi und Abu t-Tufail. Andererseits überlieferte eine große Zahl von Tabi’un Hadithe von ihm.
In der Hadithwissenschaft war er ein von allen anerkannter Imam. Die von ihm überlieferten Hadithe waren ein praktischer Beweis für sein außergewöhnliches Gedächtnis.
Amr ibn Dinar sagte über ihn:
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Ich habe niemanden gesehen, der in Bezug auf Hadithe verlässlicher und als unwiderlegbarer Beweis geeigneter gewesen wäre als Imam az-Zuhri.
Wahrlich, Allah hatte ihm ein unermessliches Gedächtnis verliehen. Nach einer Überlieferung von Imam al-Bukhari:
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Er lernte den gesamten Koran in nur achtzig Nächten auswendig.
Er selbst gab Zeugnis von seinem Gedächtnis und sagte:
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Nachdem ich etwas auswendig gelernt hatte, habe ich es niemals vergessen.
Auf Anordnung von Hazrat Umar ibn Abd al-Aziz war er der Erste, der die Hadithe des Gesandten (s) sammelte und in einem Buch niederschrieb. Angesichts seiner gewaltigen Arbeit der Hadith-Sammlung sagte Imam Schafi’i:
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Ohne Imam Zuhri wären die Hadithe in Medina zweifellos verloren gegangen.
Er starb im Jahre 124 nach der Hidschra in einem Dorf Syriens namens „Schaghbad“ und wurde dort auch bestattet. [*************************] Er hatte die in der gesamten Region des Hidschāz verfügbaren Sunna des Gesandten (Hadithe) gesammelt.
Ikrima, der Freigelassene des Ibn ʿAbbās
Er war der freigelassene Sklave von Hazrat Ibn ʿAbbās (r.a.). Hazrat Ibn ʿAbbās selbst unterrichtete ihn im Koran und in den Hadithen. Ikrima selbst sagte:
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Ibn ʿAbbās legte ihm Fesseln an die Füße, hielt ihn so fest und unterrichtete ihn im Koran und in den Hadithen.[********************]
Ikrima überlieferte Hadithe nicht nur von Hazrat Ibn ʿAbbās, sondern auch von den Gefährten Hasan ibn ʿAlī, Abū Qatāda, Ibn ʿUmar, Abū Huraira, Abū Saʿīd al-Chudrī, Muʿāwiya, Ibn ʿAmr ibn al-ʿĀs und anderen. Eine große Zahl von Tābiʿūn überlieferte wiederum von ihm. Der Tābiʿī Saʿīd ibn al-Musayyib wurde gefragt: *********************** „Gibt es jemanden, der in der Hadithkunde gelehrter ist als Sie?“ Er antwortete: „Ja, den gibt es, und er ist Ikrima.[*******************]
Saʿīd ibn al-Musayyib
Er wurde im zweiten oder vierten Jahr des Kalifats von Hazrat ʿUmar al-Fārūq geboren. [********************] Zu dieser Zeit war das goldene Zeitalter des edlen Gesandten bereits vorüber; dennoch herrschte überall der Frühling des Islams. Mit Ausnahme einiger weniger lebten damals fast alle bedeutenden Gefährten noch. Und sie waren die wahren Erben des „ʿIlm al-Risāla“. Ibn al-Musayyib besaß einen unstillbaren Wissensdurst. Von den Gefährten nahm er den Nektar des Wissens über den Koran und die Hadithe auf. Hazrat Abū Huraira (r.a.) war sein Schwiegervater. Aufgrund dieser Beziehung war es ihm leicht, bei Hazrat Abū Huraira in großem Umfang Hadithwissen zu erwerben. Daher stammte der größte Teil der von ihm überlieferten Hadithe im Grunde aus den Überlieferungen von Hazrat Abū Huraira (r.a.). [***********************] Andererseits war sein natürliches Erinnerungsvermögen so scharf und stark, dass alles, was er einmal hörte, für immer in seinem Gedächtnis eingeprägt und bewahrt blieb.[**************************] Aus all diesen Gründen war sein Hadithwissen äußerst tief und umfassend.
Ubaidullah ibn Abdullah
Er war der Enkel Utbas, des Bruders des berühmten Gefährten Abdullah ibn Masʿud. Sein Haus und seine Familie waren ein Zentrum islamischen Wissens. In diesem Umfeld aufgewachsen, erlangte er ein unermessliches Wissen. Ibn Saʿd schrieb über ihn:
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Er war ein Überlieferer zahlreicher Hadithe und ein zuverlässiger Überlieferer.[*********************]
Imam Zuhri sagte: „Ich habe von nahezu allen Hadithgelehrten meiner Zeit fast das gesamte Wissen erworben. Doch das Wissen Ubaidullahs war ein grenzenloser, unergründlich tiefer Ozean. Wann immer ich zu ihm kam, bot sich mir die Gelegenheit, völlig neues Wissen zu erlangen.“[*******************] Daraus wird die Tiefe, die umfassende Breite und die Reichweite seines Wissens ganz eindeutig ersichtlich.
Urwa ibn az-Zubair
Urwa erlangte sowohl in der Hadithwissenschaft als auch im Fiqh tiefgehende Kenntnisse und große Gelehrsamkeit. Der Gelehrte Ibn Saʿd schrieb:
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Er überlieferte zahlreiche Hadithe, war in der Wissenschaft des Fiqh besonders bewandert und genoss hohes Ansehen. Vor allen Anfechtungen war er bewahrt und äußerst standhaft sowie vertrauenswürdig.
Sein Vater, sein Bruder, seine Mutter, seine Tante mütterlicherseits und alle übrigen nahen Verwandten waren in der Hadithwissenschaft besonders bewandert. Urwa erwarb von ihnen allen Hadithe. Doch war er imstande, die von Hazrat Aischa (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) überlieferten Hadithe nahezu vollständig zu sammeln. Er besuchte sie immer wieder, und Aischa war unter allen die bedeutendste Hadithgelehrte. Urwa selbst sagte: Kurz vor dem Tod Hazrat Aischas war ich in der Lage gewesen, ihr gesamtes Hadithwissen zu erlangen und vollständig zu bewahren. Neben Hazrat Aischa erwarb Urwa auch von zahlreichen anderen bedeutenden Gefährten eine große Zahl von Hadithen.
Salim ibn Abdallah
Salim war einer der herausragenden Tabiun von Medina. In ihm vereinigten sich Wissen und Praxis. Die meisten Hadithe erwarb er von Hazrat Abdallah ibn Umar. Darüber hinaus erlangte er Hadithwissen von Hazrat Abu Huraira, Abu Ayyub al-Ansari und Hazrat Aischa as-Siddiqah (Allahs Wohlgefallen sei auf ihnen). Allama Ibn Sad bezeichnete ihn als „einen Mann, der zahlreiche Hadithe überlieferte und hohes Ansehen genoss“.
Sulaiman ibn Yasar
Er war der Sklave der Mutter der Gläubigen, Hazrat Maimuna. Dadurch erhielt er eine große Gelegenheit, Hazrat Aischa und andere Gefährten aufzusuchen und Hadithwissen von ihnen zu erwerben. So konnte er zu den bedeutendsten Gelehrten Medinas gezählt werden. Imam Nawawi schrieb, dass sein Ansehen und seine Vorrangstellung im Wissen allgemein anerkannt waren.
Ata ibn Abi Rabah
Er war ein äthiopischer Sklave. Doch hinsichtlich Wissen und Praxis, Gottesfurcht und Frömmigkeit wurde er zu den Tabiun aus dem Geschlecht der Sayyiden gezählt. In den notwendigen religiösen Wissenschaften wie Koran, Hadith und Fiqh erlangte er besondere Gelehrsamkeit. In den Worten Ibn Sads:
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Er verfügte über Fiqh-Kenntnisse und überlieferte zahlreiche Hadithe. Er lehrte die Menschen den Koran. [********************]
Er war ein berühmter Hadith-Hafiz. Der Historiker adh-Dhahabi zählte ihn zu den Hadith-Hafizen erster Rangstufe. Von den berühmten Gefährten Hadhrat Abdullah ibn Abbas, Abdullah ibn Umar, Abdullah ibn Amr, Ibn az-Zubair, Muʿawiya, Usama ibn Zaid, Jabir ibn Abdullah, Zaid ibn Arqam, Abdullah ibn Saʾib, Rafiʿ ibn Khadij, Abu Darda, Abu Saʿid al-Chudri, Abu Huraira und Hadhrat Aischa (ra) sowie von anderen überlieferte er eine große Zahl von Hadithen. [********************]
Er erwies den Hadithen grenzenlose Achtung und Ehrerbietung. Während der Überlieferung von Hadithen duldete oder mochte er es überhaupt nicht, dass irgendein anderes Gespräch geführt wurde. [********************]
Imam Baqir (ra) ermutigte die Menschen mit den Worten: „Übernehmt so viele Hadithe wie möglich von ʿAta.“ [********************]
Ibrahim an-Nakhaʿi
Er war einer der bedeutendsten Tabiʿun der Stadt Kufa. Er war in einer reinen Umgebung des Wissens und der guten Taten aufgewachsen. Sein Onkel väterlicherseits, Alqama, und sein Onkel mütterlicherseits, Aswad, waren beide berühmte Hadith-Gelehrte Kufas. [********************] Bei dieser Gelegenheit besuchte er auch Hadhrat Aischa (ra), um ihr zu dienen, und nahm an ihren Lehrversammlungen teil.
Aus diesem Grund konnte Ibrahim im Hadith-Wissen eine außerordentliche Befähigung erlangen. Nach Imam an-Nawawi besteht hinsichtlich seiner Zuverlässigkeit, seines Ranges und seiner Fiqh-Kenntnisse
Alle sind sich einig. Er war ein Hadith-Hafiz. Der Historiker adh-Dhahabi zählte ihn zu den Hadith-Hafizen der zweiten Rangstufe.
Hasan al-Basri
Als Hasan al-Basri geboren wurde, lebte noch eine große Zahl von Prophetengefährten auf der Erde. In jener Zeit war überall die Atmosphäre vom Ruf nach dem Wissen der prophetischen Sendung erfüllt.
Ibn Sa’d schrieb über ihn:
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Hasan al-Basri besaß zahlreiche vorzügliche Eigenschaften. Er war ein sehr großer Gelehrter, von hohem Rang und ein Faqih; er war vor Fitna geschützt, ein großer Gottesdiener und gottesfürchtig, besaß Wissen und war sprachgewandt, redegewandt, schön und liebenswürdig. Besonders auf dem Gebiet des Hadith-Wissens verfügte er über tiefgehende Kenntnisse.
Nach den Worten des Hafiz adh-Dhahabi war er außerordentlich gelehrt, ein Meer des Wissens. Er überlieferte Hadithe von den großen Prophetengefährten wie Uthman, Ali, Abu Musa al-Aschari, Abdullah ibn Umar, Abdullah ibn Abbas und Anas ibn Malik.
Yahya ibn Sa’id
Er war einer der herausragenden Tabiiten. Der Hadith-Hafiz al-Dhahabi bezeichnete ihn unter anderem als Imam und „Scheich al-Islam“.
Obwohl er zur beinahe letzten Generation der Gefährtenzeit gehörte, erwarb er dennoch umfassendes Wissen von allen damals noch lebenden Gefährten. Er hörte Hadithe von Gefährten und herausragenden Tabiiten wie Anas ibn Malik, Qasim ibn Muhammad, Amr ibn Salama ibn Abd ar-Rahman, Urwa ibn az-Zubair und Sulayman ibn Yasar.
So wurde er zu einem großen Hadith-Hafiz. Allama Ibn Sa’d schrieb über ihn:
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Er war äußerst zuverlässig und vertrauenswürdig, überlieferte eine große Zahl von Hadithen, war unbestreitbar maßgeblich und weithin anerkannt.
Ibn al-Mubarak zählte ihn zu den herausragendsten Hadith-Hafizen. Abu Hatim hielt ihn für einen Hadith-Gelehrten auf derselben Stufe wie Imam az-Zuhri. Tatsächlich war dieser Yahya ibn Sa’id neben Imam az-Zuhri derjenige, der die verstreuten Hadithe Medinas mit unermüdlichem Einsatz sammelte und bewahrte. Yazid ibn Harun berichtet, dass Yahya ibn Sa’id dreitausend von ihm überlieferte Hadithe auswendig gelernt hatte.
Zur Ermutigung, Hadithe aufzuschreiben
Die Hadith-Gelehrten unter den Tabiiten ermahnten ihre Hadith-Schüler nachdrücklich, Hadithe aufzuschreiben. Als Abd ar-Rahman ibn Harmalata, ein Schüler von Sa’id ibn al-Musayyib, sich bei ihm über seine schwache Gedächtnisleistung beklagte, riet er ihm, alle Hadithe aufzuschreiben. al-Sha’bi pflegte seinen Schülern den vom edlen Gesandten gesprochenen und von Gefährten und Tabiiten vielfach überlieferten Hadith immer wieder vorzutragen. Dieser Hadith lautet:
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Die Niederschrift dient dazu, das Wissen über die Hadithe festzuhalten.
Er pflegte den Nutzen der Niederschrift von Hadithen besonders eingehend zu erklären und zu erläutern. Er sagte:
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Schreibt die Hadithe, die ihr von mir hört, sogleich beim Hören nieder – selbst wenn ihr sie auf eine Mauer schreiben müsstet, sollt ihr davon nicht absehen.
Über ihn ist bekannt, dass auch er selbst bestimmte Hadithe schriftlich festhielt. Aus diesem Grund wurde nach seinem Tod ein zusammengestelltes Buch mit Hadithen über die Erbrechtsfragen und andere Themen gefunden.
Mudschahid ibn Dschubair (gest. 103 n. H.) pflegte mit Leuten in sein Zimmer zu gehen und ihnen seine Hadith-Sammlungen vorzulegen. Sie schrieben daraus Hadithe ab. Sunan ad-Darimi, Seite 128.
Ata ibn Abi Rabah (gest. 114 n. H.) schrieb selbst Hadithe nieder und ermahnte auch andere, dies zu tun.
Qatāda ibn Diʿāma pflegte jeden, der ihn über das Niederschreiben von Hadithen befragte, freimütig und mit nachdrücklichen Worten zu fragen:
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Wer hindert dich daran, es aufzuschreiben? Der erhabene Allah selbst hat erklärt, dass alles niedergeschrieben wird, indem Er sprach: Das Wissen über die Stunde ist bei meinem Herrn schriftlich festgehalten, und Er irrt weder noch vergisst Er. [******************** Dieser Vers ist der 52. Vers der Sure Tā-Hā.]
ʿUmar ibn ʿAbd al-ʿAzīz
(geboren 61 n. H., gestorben 101 n. H.)
ʿUmar ibn ʿAbd al-ʿAzīz war unter den Tābiʿūn besonders bewandert in der Hadith-Wissenschaft. Zunächst nutzte er in Medina bei dem Hadith-Gelehrten Ṣāliḥ ibn Kaisān umfassend die Gelegenheit, eine Verbindung zum Studium der Hadithe und der religiösen Wissenschaften aufzubauen, sich gegenseitig auszutauschen und zu erörtern, und erlangte eine außergewöhnliche Kenntnis und ein tiefes Verständnis der Hadithe. Er selbst sagte: „Als ich Medina verließ, gab es niemanden, der in den Hadithen gelehrter war als ich. [********************]
Der Hadith-Gelehrte adh-Dhahabī schrieb über ihn:
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ʿUmar ibn ʿAbd al-ʿAzīz war ein Imam, ein Gelehrter des islamischen Rechts, ein Mudschtahid, besonders bewandert in Sunna und Hadith, von herausragendem Rang, ein weithin anerkannter Hadith-Kenner, ein annehmbarer und zuverlässiger Überlieferer von Hadithen, ein Hadith-Hafiz, jemand, der Allahs Gebote befolgte, sowie ein demütiger und gottesfürchtiger Mensch.
ʿUmar ibn ʿAbd al-ʿAzīz überlieferte eine große Anzahl von Hadithen. Er lernte Hadithe von den folgenden Prophetengefährten und Tābiʿūn-Muhaddithen und überlieferte sie von ihnen:
(1) ʿUqba ibn ʿĀmir, (2) Yūsuf ibn ʿAbdullāh, (3) Ḥazrat Tamīm ad-Dārī (r. a.), (4) Ḥazrat Anas ibn Mālik (r. a.), (5) Sālim ibn ʿAbdullāh ibn ʿUmar, (6) Ḥazrat Muʿāwiya ibn Abū Sufyān (r. a.), (7) Ḥazrat ʿĀʾischa (r. a.), (8) Asmāʾ bint Umayya, (9) Khawla, (10) Saʿīd ibn al-Musayyib, (11) ʿAbdullāh ibn Qarūz, (12) Abān ibn ʿUthmān, (13) Abū Bakr ibn ʿAbd ar-Raḥmān ibn al-Ḥārith ibn Hischām, (14) ʿUrwa ibn az-Zubayr, (15) Muḥammad ibn ʿAbdullāh ibn Raufal, (16) Abū Burda, (17) Abū Salama, (18) Saʿīd ibn Khālid, (19) ʿĀmir ibn Saʿd, (20) Yaḥyā ibn al-Qāsim, (21) Qays ibn al-Ḥārith, (22) ʿAbd al-ʿAzīz (ʿUmars Vater), (23) ʿAbdullāh ibn Maufab, (24) ʿUbāda ibn ʿAbdullāh, (25) Ibn Schihāb az-Zuhrī, (26) Rabīʿ ibn Sabūra, (27) Muḥammad ibn Thābit ibn Schuraḥbīl sowie von vielen weiteren Muhaddithen.
Kein anderer Tābiʿī hatte so viele marfūʿ-Hadithe auswendig bewahrt wie er. Ayyūb as-Sachtiyānī sagte:
„Unter allen Menschen, denen ich begegnet bin, habe ich niemanden gesehen, der mehr Hadithe vom edlen Gesandten Allahs überliefert hätte als ʿUmar ibn ʿAbd al-ʿAzīz.“
Imam Makḥūl
Imam Makḥūl begann sein Leben als Sklave. Trotz dieser Lage widmete er sich dem Erwerb von Wissen. Unmittelbar nach seiner Befreiung aus der Sklaverei begann er, die gesamte muslimische Welt zu bereisen. Er besuchte jedes Zentrum des islamischen Staates und eignete sich dort alles erreichbare Hadith-Wissen an. Zuerst erwarb er den Wissensschatz Ägyptens. Bevor er ihn vollständig beherrschte, verließ er Ägypten nicht.
Danach ging er nach Medina und von dort in den Irak. Von diesen beiden Orten nahm er den gesamten Hadith-Schatz auf und reiste anschließend nach Syrien. Bei jedem Hadith-Gelehrten jener Zeit in Syrien lernte er Hadithe. Kurz gesagt, durchstreifte er zum Zweck des Erlernens und Sammelns von Hadithen jeden Winkel und jede Gasse der muslimischen Welt. Er selbst sagte: „Auf der Suche nach Hadith-Wissen habe ich die ganze Welt bereist.“
Er erwarb Hadith-Kenntnisse von mehreren Gefährten. Sie waren: (1) Hazrat Anas (r.a.), (2) Hazrat Abu Hinddari (r.a.), (3) Hazrat Wasila ibn al-Asqa (r.a.), (4) Hazrat Abu Imam (r.a.), (5) Hazrat Abd ar-Rahman ibn Ghanam (r.a.) und (6) Hazrat Abu Jandal ibn Suhail (r.a.).
Darüber hinaus erlernte er Hadithe auch von den bedeutenden Tabi’in Sa’id ibn al-Musayyib, Masruq, Zubair ibn Nufair, Qarib Abu Muslim, Urwa ibn az-Zubair, Mughirah ibn Kathir und anderen.
Nach dem Bericht des Historikers Ibn Sa’d starb er im Jahr 112, 113 oder 118 nach der Hidschra. Sein Geburtsdatum ist völlig unbekannt. Er verfasste zwei Bücher über Hadith und Fiqh. Dabei hatte die Abfassung von Büchern bis zu jener Zeit noch gar nicht begonnen.
Imam asch-Scha’bi
Imam asch-Scha’bi war der unvergleichlich herausragende Hadith-Gelehrte unter den Tabi’in seiner Zeit. Als er das Erwachsenenalter erreicht hatte, lebten in der Stadt Kufa noch zahlreiche Gefährten und waren dort anwesend. Er besuchte sie regelmäßig. Im Laufe seines Lebens hatte er das Glück, etwa fünfhundert Gefährten zu treffen. Von 48 von ihnen erlernte er Hadithe regelrecht. Im Dienst von Hazrat Abdullah ibn Umar blieb er ununterbrochen zehn Monate und erwarb bei ihm umfassende und tiefgehende Hadith-Kenntnisse.
Für das Erlernen und Sammeln dieser Hadithe musste er äußerste Mühen und große Entbehrungen auf sich nehmen. Als man ihn fragte, wie er sich dieses Meer an Hadith-Wissen angeeignet habe, antwortete er: indem ich alle Sorgen und Überlegungen aufgab, durch die Länder reiste, meine Kräfte wie ein Esel verausgabte und das Erwachen im Morgengrauen wie ein Rabe ertrug. Wie umfassend und tief sein Wissen über die Hadithe war, geht aus einer seiner eigenen Aussagen hervor. Er sagte:
Zwanzig Jahre lang hörte ich von niemandem einen Hadith, über den ich nicht besser Bescheid wusste als der Überlieferer dieses Hadith.
Er war nicht nur der Lehrer von Imam Abu Hanifa; nach Ansicht des Hafiz adh-Dhahabi war er Abu Hanifas wichtigster Lehrer.
Die Kampagne zur Sammlung von Hadithen
Für viele muslimische Gelehrte war es ein heiliger Vorsatz, zum Erlernen der Hadithe sowie zu ihrer Sammlung und Niederschrift alle Gedanken an das eigene Zuhause und den Fortschritt im weltlichen Leben beiseitezulegen und in der Heimat wie im Ausland weit entfernte, schwer zugängliche und gebirgige Wege zu durchqueren. Im Koran und in den Hadithen wird zu dieser Aufgabe in besonderem Maße angespornt. Auch der unermessliche Lohn für diese Arbeit wird in klaren Worten verkündet. Zum Erwerb von Wissen über die Religion ins Ausland zu reisen, dort einen Schatz an Wissen zu erlangen, in das eigene Land zurückzukehren und dessen Bevölkerung zur Annahme der islamischen Lebensweise aufzurufen, ist wahrhaftig eine große und heilige Pflicht der muslimischen Gemeinschaft. Liest man in diesem Zusammenhang die erstaunlichen Berichte über die unermüdlichen Bemühungen der ehrwürdigen Gefährten, der Tabi’in und der späteren nach Wissen Strebenden, so scheint es, als hätten sie sich dieser Aufgabe hingegeben, weil sie sie als einen heiligen, unerlässlichen Vorsatz und als Pflicht betrachteten. Einerseits berichtet der Edle Koran, wie der Prophet Musa zum Zweck des Wissenserwerbs bis zum „Majma al-Bahrain“ (dem Zusammenfluss der beiden Meere) reiste; andererseits enthält er die folgende Aufforderung zur Reise ins Ausland, um religiöses Wissen und Verständnis zu erlangen:
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Nicht alle Gläubigen müssen gemeinsam von zu Hause aufbrechen; warum sollte jedoch nicht aus jeder ihrer Gruppen und Gemeinschaften ein Teil aufbrechen, um ein richtiges Wissen und Verständnis über die Religion zu erlangen, damit sie zu ihrem Volk zurückkehren und dieses zur Gottesfurcht ermahnen? Dann ist zu hoffen, dass sie sich warnen lassen und beginnen werden, in Gottesfurcht zu leben. [Sure at-Tawba, 15. Ruku, Vers 122.]
Zur Unterstützung dieser klaren Anweisung des Korans finden sich zahlreiche Hadithe. An erster Stelle ist in diesem Zusammenhang der folgende von Hazrat Abu Huraira (r.a.) überlieferte Hadith erwähnenswert.
Der edle Gesandte (s.) sprach:
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Wer auch nur einen Wegabschnitt zurücklegt, um Wissen zu suchen, dem wird Allah dafür den Weg ins Paradies erleichtern. [Bukhari, 1. Band, Seite 16.]
Überliefert von Hadhrat Anas (ra): Der edle Prophet (s) sagte:
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Wer sein Haus verlässt, um Wissen zu erwerben, dessen Reise gilt bis zu seiner Rückkehr nach Hause als eine Reise auf dem Weg Allahs. [Tirmidhi, ******************** Sunan ad-Darimi.]
Es versteht sich von selbst, dass in sämtlichen Hadithen dieses Abschnitts, in denen dazu angespornt wird, zum Zweck des Erlernens des Islam aufzubrechen, mit diesem Wissen das Wissen über Koran und Hadith gemeint ist. Insbesondere kann damit auch das Wissen über die Hadithe gemeint sein.
(a)
Die Ära der Gefährten
Schon zu Lebzeiten des edlen Propheten kamen verschiedene Stämme aus den entlegensten Teilen Arabiens zu seinem Hof, versammelten sich dort, sammelten das notwendige Wissen und die erforderlichen Informationen und kehrten in ihre jeweiligen Heimatländer zurück. Dasselbe gilt auch im persönlichen Verhältnis der Gefährten, sowohl der nahen als auch der entfernten.
Hadhrat Aqaba ibn al-Harith (ra) kam von einem entfernten Ort nach Medina, um eine Entscheidung in einer seine eigene Ehe betreffenden Angelegenheit zu erfahren. Nachdem er beim Propheten die Entscheidung der Scharia erfahren hatte, machte er sich auf den Weg nach Hause und trennte sich gemäß dieser Entscheidung von seiner Milchmutter, die er zur Ehefrau genommen hatte. [Sahih al-Bukhari, 1. Band, S. 19.] In der Geschichte der frühen islamischen Zeit gibt es unzählige Ereignisse dieser Art. Denn damals gab es für Muslime, die in entfernten Gebieten lebten, keine andere Möglichkeit, den Islam kennenzulernen.
Die Bewohner der Suffa hielten sich jedoch ständig fast vierundzwanzig Stunden am Tag in der Nähe des Gesandten auf und waren stets eifrig und begierig darauf, von dem Gesandten (S) Wissen zu erwerben. Nach dem Tod des ehrwürdigen Propheten (S) zerstreuten sich viele seiner Gefährten und ließen sich in verschiedenen Zentren der muslimischen Welt nieder. Daher entstand die Notwendigkeit, zur Sammlung des Hadith-Schatzes ins Ausland zu reisen und in nahen und fernen Ländern gründlich danach zu suchen. Seit der Zeit der Gefährten mussten die Muslime späterer Generationen für jeden einzelnen Hadith die unermesslichen Mühen einer Auslandsreise auf sich nehmen. Dieser Ort entwickelte sich zu einem Zentrum des Hadith-Studiums.[********************]
Im Sahih al-Buchari wird erwähnt, dass der ehrwürdige Dschabir ibn Abdallah eine Strecke von einem Monat zurücklegte, um von dem ehrwürdigen Abdallah ibn Unais einen Hadith zu hören. Er hatte erfahren, dass der im fernen Syrien lebende ehrwürdige Abdallah ibn Unais (R) einen Hadith des edlen Gesandten kannte, der bei niemand anderem überliefert war. Sobald er diese Nachricht erhalten hatte, kaufte er ein Kamel und brach nach Syrien auf. Nachdem er eine einmonatige Reise zurückgelegt und den bestimmten Ort im ländlichen Syrien erreicht hatte, erhielt er eine Audienz bei dem ehrwürdigen Abdallah ibn Unais. Er sagte zu ihm:
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Von dir ist ein Hadith zu mir gelangt, den du vom Gesandten gehört hast. Ich fürchtete, dass ich vielleicht sterben würde, bevor ich ihn aus deinem eigenen Mund mit meinen eigenen Ohren hören konnte (aus dieser Furcht bin ich unverzüglich zu dir gekommen).[********************]
Daraufhin trug der ehrwürdige Abdallah ibn Unais (R) den erfragten Hadith auswendig vor. Der Hadith lautet wie folgt:
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Ich hörte den edlen Gesandten (S) sagen, dass Allah, der Erhabene, die Diener auf dem Feld der Auferstehung versammeln und sie mit einer Stimme ansprechen wird, die die Menschen in der Nähe und in der Ferne gleichermaßen hören können. Allah, der Erhabene, wird verkünden: Ich bin der Eigentümer, ich bin der König, ich bin der Gnädige.[Sahih al-Buchari, Band 2 – *************************** Seite 1114. Im Werk Tadhkirat al-Huffaz wird an dieser Stelle ein Hadith über Qisas erwähnt, Band 1, Seite 43.]
Als der ehrwürdige Muslimah ibn Machlad (R) sich in Ägypten aufhielt, kam der ehrwürdige Dschabir ibn Abdallah unter großen Mühen zu ihm, um einen Hadith über „Qisas“ zu erfahren, und sagte: „Mit dem innigen Wunsch, diesen einen Hadith zu lernen, bin ich zu dir gekommen, und ich möchte den Hadith erfahren, bevor einer von uns beiden stirbt.[********************]
Ein Gefährte war aus einer entfernten Gegend zu Hazrat Fudala ibn Ubaid nach Ägypten gekommen. Fudala empfing ihn herzlich. Er sagte: „Ich bin nicht lediglich gekommen, um Sie zu besuchen. Ich bin mit einem besonderen Anliegen gekommen. Sie und ich hatten gemeinsam vom edlen Gesandten einen Hadith gehört. Wahrscheinlich erinnern Sie sich sehr gut daran. Ich bin hierhergekommen, um ihn noch einmal von Ihnen zu hören.“
Daraufhin trug Fudala den erbetenen Hadith vor, und nachdem der betreffende Gefährte ihn zur Kenntnis genommen hatte, kehrte er in seine Heimat zurück. [Darimi, Abu Dawud, Musnad Ahmad, Band 6, Seite 22.]
Während der Herrschaft Hazrat Muawiyas begab sich Hazrat Abu Ayyub al-Ansari (Allah sei mit ihm zufrieden) von Medina zu Hazrat Aqaba ibn Amir al-Juhani (Allah sei mit ihm zufrieden), der in einem abgelegenen Dorf Ägyptens lebte, und zwar ausschließlich, um einen einzigen Hadith zu hören. Als Aqaba davon erfuhr, kam er heraus und umarmte Hazrat Ayyub (Allah sei mit ihm zufrieden). Er fragte:
„Abu Ayyub! Aus welchem Grund bist du von so weit her zu mir gekommen?“ Da sagte Hazrat Abu Ayyub (Allah sei mit ihm zufrieden):
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„Ich hatte von unserem Gesandten einen Hadith über den Satr eines Gläubigen gehört, das heißt darüber, bestimmte Dinge geheim zu halten. Doch außer dir und mir lebt heute auf der Welt niemand mehr, der ihn gehört hat. (Deshalb bin ich in dem Wunsch, ihn noch einmal von dir zu hören, diesen weiten Weg gekommen.)“
Daraufhin trug Hazrat Aqaba den Hadith mit folgenden Worten vor:
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Wer in dieser Welt die beschämende, entehrende Tat eines Gläubigen geheim hält, dessen Sünde wird Allah am Tag der Auferstehung geheim halten (vergeben).
Nachdem Hazrat Abu Ayyub den erbetenen Hadith gehört hatte, sagte er: ******************** „Du hast ganz recht gesprochen, wahrlich, du hast die Wahrheit gesprochen.“ Danach brach er auf einem Kamel nach Medina auf und reiste mit solcher Eile, dass Muslim ibn Makhled, der damalige Statthalter Ägyptens, trotz der Vorbereitungen, ihm reichliche Geschenke zu überreichen, keine Gelegenheit bekam, sie ihm zu geben; deshalb war er nicht bereit, auch nur einen Augenblick zu verweilen.[Bayhaqi, Ibn Madschah, Dschami Bayan al-Ilm, Musnad Ahmad, Band 4, Seite ******************** al-Hadith al-Muhaddithun, Seite 110.]
Einst überlieferte der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) einen Hadith. Hazrat Saib ibn Khallad und Hazrat Uqba ibn Amir, die damals am Hof anwesend waren, hörten ihn ebenfalls. Später geriet Hazrat Saib hinsichtlich dieses Hadiths teilweise in Vergessenheit, und bezüglich seines Wortlauts kamen ihm gewisse Zweifel. Da er jedoch der Ansicht war, dass man keinesfalls auch nur den geringsten Zweifel an einem Hadith im Herzen hegen dürfe, begab er sich zu Hazrat Uqba, der sich in Ägypten aufhielt, um den Hadith von ihm zu hören und seinen eigenen Irrtum sowie seine Zweifel auszuräumen. Zunächst suchte er den Statthalter Ägyptens, Muslim ibn Makhled, auf. Ibn Makhled empfing ihn, da er ihn als Gast bei sich hatte, mit besonderer Freude und Herzlichkeit. Hazrat Saib aber sagte: „Ich bin nicht bereit, irgendwo zu verweilen; ich muss Uqba unverzüglich treffen.“ Danach begab er sich zu Uqba und verglich den Hadith mit der überlieferten Fassung. Als er daraufhin von dessen Richtigkeit, Wahrhaftigkeit und Genauigkeit völlig überzeugt war, fand er Beruhigung.[********************]
Wenn unter den Gefährten hinsichtlich der Erklärung und Bedeutung eines Verses des erhabenen Korans Meinungsverschiedenheiten aufkamen, reisten sie ebenfalls in ferne Länder, um bei einem Fachkundigen eine Entscheidung darüber zu erhalten. Hazrat Sa’id ibn Dschubair (möge Allah mit ihm zufrieden sein) berichtet:
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Unter den Bewohnern von Kufa entstand eine Meinungsverschiedenheit über den Koranvers: „Wer einen Gläubigen vorsätzlich tötet, dessen Bestimmung wird die Hölle sein.“ Deshalb begab ich mich zu Ibn Abbas und fragte ihn danach. Er sagte: „Dies ist der zuletzt offenbarte Vers. Nichts konnte ihn aufheben oder außer Kraft setzen.“[********************]
Hazrat Abu d-Darda (möge Allah mit ihm zufrieden sein) berichtet:
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Wenn mir irgendein Vers des Korans unverständlich war, wäre ich selbst dann zu der Person gegangen, die fünf Tagesreisen von Mekka entfernt lebte, wenn ich zu ihr hätte gehen müssen, um dessen Auslegung zu erfahren.[********************]
Einer der ehrwürdigen Gefährten bemühte sich, durch Briefwechsel von einem anderen, an einem entfernten Ort lebenden Gefährten die Hadithe des Gesandten zu erfahren und zu sammeln.
Der ehrwürdige Muʿāwiya sandte aus Damaskus einen Brief an den ehrwürdigen al-Mughīra in der Stadt Kufa. Darin schrieb er:
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Schreibe mir alles auf und sende es mir, was du vom Gesandten gehört hast.
Daraufhin schrieb der ehrwürdige al-Mughīra zurück: Der edle Prophet (S) pflegte nach jedem Gebet das folgende Bittgebet zu sprechen:
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Es gibt keinen Anbetungswürdigen außer Allah. Er ist einzig und allein. Die Herrschaft und das Königtum gehören Ihm allein, und Ihm allein gebührt alles Lob. Er ist allmächtig. O Allah! Niemand kann geben, was Du gibst. Durch bloßes Bemühen ist es nicht möglich, etwas dem entgegenzusetzen. Zugleich schrieb er auch Folgendes:
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Der Prophet (s) verbot wiederholt und nachdrücklich unnötige und sinnlose Streitigkeiten, übermäßig viele Fragen zu stellen und Vermögen zu verschwenden. Er verbot auch, die Beziehung zur Mutter abzubrechen oder sie schlecht zu behandeln, sowie weibliche Kinder heimlich zu töten. [All diese Ausführungen sind in Sahih al-Bukhari, Band 2, S. 1083, und Band 7, S. 958, überliefert.]
Die rechtgeleiteten Kalifen pflegten während ihrer jeweiligen Kalifenzeit im Rahmen der Erfüllung ihrer Aufgaben als Kalifen die erforderlichen Hadithe schriftlich an die Verantwortlichen an verschiedenen Orten zu senden.
Abu Uthman berichtet:
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Wir hielten uns beim Heerführer Utba ibn Farqad in Aserbaidschan auf. Da erreichte uns ein Brief von Umar al-Faruq, der an Utba gerichtet war. Darin stand: Der Prophet (s) sagte, dass nur derjenige Mann Seidenkleidung tragen darf, der im Jenseits keinen Anteil daran hat. [Sahih al-Bukhari, Band 2, S. 867.]
Wenn es nötig war, pflegten die Prophetengefährten einander von sich aus Hadithe des Gesandten (s) schriftlich zu übermitteln. Als Umar ibn Ubaydullah nach Haruriyya ging, schrieb ihm Abdullah ibn Abi Awfa (ra):
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Der edle Gesandte Allahs (s) saß eines Tages in seinem Leben gespannt da und wartete darauf, einer feindlichen Gruppe gegenüberzutreten. Schließlich, als die Sonne sich dem Untergang zuneigte, erhob er sich vor den ihn begleitenden Menschen und sagte: O ihr Menschen! Wünscht nicht, dem Feind gegenüberzutreten und ihm zu begegnen, sondern bittet Allah um Frieden und Sicherheit. Wenn ihr dem Feind dennoch begegnet, dann setzt den Kampf mit unermesslicher Geduld fort. Wisst, dass sich das Paradies unter dem Schatten der Schwerter befindet. Danach erhob sich der edle Prophet (s) und sprach folgendes Bittgebet:
O Allah! Du, der Du das Buch herabgesandt, die Wolken gelenkt und die feindlichen Heere besiegt hast! Besiege und zerschlage sie und verleihe uns den Sieg über sie.[Muslim Sharif, 2. Band, ******************** Seite 84.]
Die ehrwürdigen Gefährten (r.a.) erkundigten sich gegenseitig nach Hadithen und überprüften dadurch deren Richtigkeit. Hadhrat Abdullah ibn Amr (r.a.) kam einmal anlässlich der Hadsch nach Mekka. Damals gelangte von ihm eine Überlieferung zu Aischa (r.a.). Als Hadhrat Abdullah beim nächsten Mal wieder zur Hadsch kam, sagte Hadhrat Aischa (r.a.) zu ihrem Neffen Urwa:
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O Neffe! Geh zu Abdullah und überprüfe für mich die Überlieferung, die du mir von ihm berichtet hast.
Urwa berichtet: Ich begab mich zu Hadhrat Abdullah und bat ihn, mir jenen Hadith noch einmal zu überliefern. Er überlieferte ihn diesmal genau so, wie er ihn im vergangenen Jahr überliefert hatte. Als ich zu Hadhrat Aischa kam und ihr davon berichtete, war sie sehr erstaunt und sagte:
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Bei Allah, Abdullah ibn Amr hat es sich genau richtig gemerkt.[Bukhari Sharif, 2. Band, Seite 1086.]
Wie deutlich sich erkennen lässt, dass die ehrwürdigen Sahaba für Hadithe in fremde Länder reisten und für deren Erlernung große Mühen und Entbehrungen auf sich nahmen, geht auch aus der folgenden Aussage von Hadhrat Ibn Abbas hervor. Er sagte:
******************************************************
Wenn uns ein von einer anderen Person überlieferter Hadith erreichte, hätte ich ohne Weiteres jemanden zu ihr schicken und sie auffordern können, zu mir zu kommen und mir den Hadith zu überliefern. Doch statt dies zu tun, ging ich selbst zu ihr und legte mich vor ihrer Haustür nieder. Wenn sie das Haus verließ, überlieferte sie mir den betreffenden Hadith.
Daraus wird ersichtlich, dass die ehrwürdigen Sahaba sich nicht damit zufriedengaben, einen von einem anderen Gefährten überlieferten Hadith lediglich aus dem Mund anderer zu hören, und ihn nicht sogleich ohne jeden Zweifel annahmen. Vielmehr bemühten sie sich, ihn unmittelbar vom ursprünglichen Überlieferer des Hadith zu hören. Deshalb begaben sie sich vor das Haus des Überlieferers. Sie wollten ihn jedoch nicht aus dem Haus rufen und nach draußen holen, sondern warteten darauf, dass er selbst das Haus verlassen würde. Wie lange dieses Warten dauerte, lässt sich daran ermessen, dass die Wartenden vom langen Warten ermüdeten und erschöpft vor dem Haus niederlagen. Diese Ausdauer der Sahaba, um einen Hadith in korrekter Weise zu erlangen, ist wahrlich erstaunlich.
(b)
Die Epoche der Tabi’un
Oben wurde eine kurze Darstellung der Hadith-Sammlungsbewegung in der Epoche der Sahaba gegeben. Aus dieser oben angeführten kurzen Erörterung lässt sich sehr leicht eine ungefähre Vorstellung von den Arbeiten gewinnen, die in dieser Epoche im Rahmen der Hadith-Sammlung ausgeführt wurden. Kurz gesagt: In der Epoche der Sahaba wurde die Hadith-Sammlungsbewegung lediglich begonnen; in der Epoche der Tabi’un wurde diese Arbeit auf wesentlich weiterentwickelter und breiterer Grundlage durchgeführt. Insbesondere begnügten sich die Hadith-Überlieferer der Tabi’un-Epoche nicht damit, Hadithe nur von einer einzigen Person oder von den in ihrer eigenen Stadt lebenden Sahaba zu hören. Deshalb waren sie gezwungen, zahlreiche nahe und weit entfernte Städte und Ortschaften zu bereisen. Dadurch erhielten sie die Gelegenheit, denselben Hadith von einer großen Zahl ursprünglicher Überlieferer zu hören und von zahlreichen Überlieferern eine große Anzahl von Hadithen zu hören und zu sammeln. Infolgedessen entstand in ihnen eine feste Überzeugung hinsichtlich der Hadithe.
Aus der nachfolgend dargestellten Schilderung lässt sich ein klares Bild von den Arbeiten dieser Epoche gewinnen.
Saʿīd ibn al-Musayyib sagt:
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Um auch nur einen einzigen Hadith zu erlangen, legte ich mehrere Tage und Nächte hintereinander weite Wegstrecken zurück.[********************]
Der in der Stadt Kufa ansässige Tābiʿī Schaʿbī überlieferte einmal einen langen Hadith über den Lohn dafür, Kindern sowie Sklaven und Sklavinnen Wissen zu vermitteln und sie zu charakterfesten Menschen zu erziehen. Nachdem er die Überlieferung des Hadiths beendet hatte, wandte er sich an seine Schüler und sagte:
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Nehmt diesen Hadith gut auf; dafür müsst ihr nichts geben (ihr musstet keinerlei Mühe auf euch nehmen). Es gab jedoch eine Zeit, in der jeder Einzelne wegen noch weniger Worte von Fā bis nach Medina reisen musste.[******************** Der ursprüngliche Hadith ist im ersten Band von al-Buchārīs Kitāb al-ʿIlm überliefert.]
Busr ibn ʿAbdullāh al-Hadramī sagt:
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Selbst wenn es erforderlich war, für einen Hadith verschiedene Städte zu bereisen, taten wir genau dies.
Hier soll nun ein ausführlicher Bericht über die Bemühungen einiger berühmter Tabi’un um das Sammeln von Hadithen gegeben werden:
Der berühmte Tabi’i Ubaidullah ibn Adi erfuhr, dass Hazrat Ali (ra) einen Hadith kannte, den er selbst trotz bisheriger Nachforschungen nirgendwo von irgendjemandem hatte erfahren können. Da dachte er, dass die gesamte Umma Gefahr laufe, dieses Wissen zu verlieren, wenn er es nicht unverzüglich in Erfahrung bringe und der Allgemeinheit bekannt mache. Deshalb reiste er so schnell wie möglich in den Irak, um Hazrat Ali (ra) zu treffen.
Der Tabi’i Kathir ibn Qais berichtet: Wir saßen gemeinsam mit Hazrat Abu d-Darda (ra) in der Hauptmoschee von Damaskus. Da trat ein Mann vor ihn und sagte: „O Abu d-Darda! Ich habe gehört, dass du einen besonderen Hadith über den Gesandten überlieferst. Ich bin eigens aus Medina diese weite Strecke gereist, um nur diesen Hadith zu hören.“ Hazrat Abu d-Darda (ra) fragte ihn: „Bist du nicht vielleicht noch aus einem anderen Grund, etwa wegen eines Handelsgeschäfts, hierhergekommen?“ Der Fremde sagte: „Nein, ich bin aus keinem anderen Grund hierhergekommen.“ Daraufhin überlieferte Hazrat Abu d-Darda (ra) ihm den folgenden Hadith:
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Ich hörte den edlen Gesandten (s) sagen: Wer einen Weg beschreitet, um Wissen zu suchen, dem wird Allah einen der zahlreichen Wege zum Paradies leicht und gangbar machen. Wahrlich, die Engel breiten aus Zufriedenheit mit dem Wissenssuchenden ihre Flügel für ihn aus, und alles im Himmel und auf der Erde – sogar die Fische unter dem Wasser – bittet Allah um die Vergebung der Sünden des Wissenssuchenden. Der Vorrang des Gelehrten vor dem Gott ergebenen Anbeter ist so groß wie der Vorrang des Mondes vor allen Sternen. Die Gelehrten sind die Erben der Propheten. Die Propheten hinterlassen niemals Geld und Besitz als Erbschaft; sie hinterlassen vielmehr nur Wissen. Wer es daher annimmt, erhält seinen Anteil – oder, so heißt es, er erhält einen vollständigen und gewaltigen Anteil. Dieser Hadith ist unter anderem in den authentischen Werken Musnad Ahmad, Abu Dawud, at-Tirmidhi und Ibn Madscha überliefert. Zwar unterscheiden sich deren Wortlaut und Ausdrucksweise voneinander; hier wird der Wortlaut der Überlieferung aus Sunan ad-Darimi angeführt.
Eine Aussage von Basr ibn Ubaidullah ist hier erwähnenswert. Er sagte: „Nur wegen eines einzigen Hadiths bin ich durch unzählige Städte und Ortschaften gezogen und habe überall danach gesucht.“ (Darimi, S. 74.)
Der Tabi’i Abu l-Aliya berichtet:
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Wir hörten (während wir in Basra lebten) die von den in Medina ansässigen Gefährten überlieferten Hadithe (durch Vermittlung anderer); doch fanden wir keineswegs Befriedigung, bevor wir sie aus dem eigenen Mund des in Medina lebenden Gefährten, der den Hadith überliefert hatte, gehört hatten (und wir überlieferten ihn auch keinem anderen). [ad-Dārimī, S. 74.]
Abū Qilāba (ʿAbdallāh ibn Zayd al-Dschurāmī al-Basrī) sagte:
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Ich hielt mich drei (Tage, Monate oder Jahre) in Medina auf, einzig in der Erwartung, dass ein Mann, der einen Hadith besaß, kommen würde und ich ihn von ihm hören könnte.
Der Tābiʿī-Muhaddith Makhūl (Abū ʿAbdallāh ibn Abū Muslim) reiste wegen eines Hadiths von Ägypten in den Hidschāz, vom Hidschāz in den Irak und vom Irak nach Syrien; dort hörte er schließlich den gesuchten Hadith.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass durch die Anstrengungen der Hadith-Sucher im Zeitalter der Tābiʿūn, ihre gegenseitigen Begegnungen und ihre unermüdlichen Reisen von Land zu Land zum Sammeln von Hadithen die Verbreitung und Weitergabe einer großen Zahl von Hadithen möglich wurde. Die Gefährten waren über verschiedene Städte und Orte der muslimischen Welt verstreut; jeder von ihnen verbreitete und lehrte Hadithe an seinem jeweiligen Aufenthaltsort. Ihre Schüler, die Tābiʿūn, reisten zum Zweck der Hadith-Sammlung von Stadt zu Stadt und von Land zu Land. Sie lernten und sammelten verschiedene Hadithe bei verschiedenen Gefährten oder hörten denselben Hadith von verschiedenen Gefährten. Dadurch nahm der Hadith-Schatz insgesamt gewaltige und umfangreiche Ausmaße an.
Als Beispiel sei angeführt, dass der ehrenwerte ʿAmr ibn al-ʿĀs (r.a.) in Ägypten lebte und den dortigen Menschen die Aussagen, Taten und Billigungen des Gesandten überlieferte. Er überlieferte auch die gerichtlichen Entscheidungen aus der Zeit des edlen Gesandten und der rechtgeleiteten Kalifen. Daher konnten nur die Einheimischen diesen unschätzbaren Schatz islamischen Wissens erlangen. Als jedoch im Zeitalter der Tābiʿūn eben diese Menschen aus Ägypten Damaskus, Kufa, Basra, Medina und andere Hadith-Zentren sowie die Aufenthaltsorte der Gefährten erreichten und dort mit dem Sammeln von Hadithen begannen, wurde ihr Hadith-Wissen äußerst umfassend und weitreichend. Diejenigen Tābiʿūn, die zuvor einen Hadith nur über die Überlieferungskette eines einzigen Gefährten überliefert hatten, waren nun in der Lage, denselben über verschiedene Überlieferungsketten zu überliefern. Betrachtet man diese Reisen der Tābiʿūn durch verschiedene Länder aus der Sicht der Hadith-Wissenschaft, so lässt sich ihre Bedeutung leicht ermessen. Es besteht in der Tat kein Zweifel daran, dass viele Hadithe in den tiefen Abgrund des Vergessens versunken und außerhalb des Wissensbereichs der Allgemeinheit geblieben wären, wenn dieses Unternehmen zur Sammlung von Hadithen im Zeitalter der Tābiʿūn nicht durchgeführt worden wäre.
In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass die Hadith-Sammelbewegung der Tābiʿūn einen besonderen Einfluss auf die späteren Hadith-Sammlungen ausübte. Denn die von Hadith-Sammlern zusammengestellten Werke, die lediglich die in ihrer eigenen Stadt verbreiteten Hadithe erfassten und nicht zu anderen Hadith-Zentren reisten – ja, nicht einmal Länder und Regionen bereisten, um Hadithe zu sammeln –, fanden in der Gesellschaft keinerlei Anerkennung. Darüber hinaus wurde zu ihnen gesagt:
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Er ist vom Weg der wahren Rechtleitung abgeirrt und unfähig, die Stichhaltigkeit des Weges der Rechtleitung und Wahrheit zu beweisen.
Der berühmte Tābiʿī Yaḥyā ibn Maʿīn sagte:
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Von vier Arten von Menschen kann man keine wahre Rechtleitung erwarten. Sie sind: der Hüter einer feinen handwerklichen Fertigkeit, der Ausrufer des Richters, der Sohn eines Anhängers einer Neuerung und derjenige, der auf der Suche nach Hadithen keine Reise ins Ausland unternimmt, sondern nur die in seiner eigenen Stadt vorgefundenen Hadithe sammelt.
Dabei waren die Verkehrsmittel und Reisewege jener Zeit äußerst beschwerlich, schwer zugänglich und voller Gefahren. Sie mussten auf Pferden oder Kamelen weitläufige Wüsten, von Bergen durchzogene Gebiete und schwer zugängliche Waldwege durchqueren, und ihre Reisen dauerten Nacht um Nacht, Monat um Monat und Jahr um Jahr. Wie mühsam diese Anstrengungen waren, lässt sich leicht ermessen. Doch diese Mühen und Leiden waren in ihren Augen völlig unbedeutend. Nach derart unmenschlichen Anstrengungen, durch die sie den Schatz der Hadithe erlangten, erfüllte eben dieser ihre Herzen mit einer reinen Woge der Freude; dadurch wurden ihr Leben sinnvoll und ihr Erfolg vollkommen. In Wahrheit war dies ein außergewöhnlicher, segensreicher Beitrag von ihnen für die Muslime der ganzen Welt. Die Muslime der Welt können diesen ihren Beitrag niemals vergessen.
(c)
Die Epoche der Tābiʿūn nach den Tābiʿūn
Die in der Epoche der Tābiʿūn begonnene Sammlungskampagne der Hadithe setzte sich in den folgenden zwei bis drei Jahrhunderten ununterbrochen fort. In der Epoche der Tābiʿ at-Tābiʿīn nahm ihre Notwendigkeit keineswegs ab; ebenso wenig wurde diese Kampagne auch nur im Geringsten schwächer oder behindert. Vielmehr sehen wir, dass sie in der Phase der Tābiʿ at-Tābiʿīn eine noch umfassendere Gestalt annahm. Nach den Tābiʿūn übernahm die von ihnen erzogene und ausgebildete Gemeinschaft der Tābiʿ at-Tābiʿīn diese große Aufgabe in vollem Umfang auf ihre Schultern und machte sich unter Berücksichtigung der Verhältnisse und Bedürfnisse ihrer Zeit an die Erfüllung dieser schwierigen Pflicht. Auf diesem Weg mussten auch sie, ebenso wie ihre Vorgänger, unermessliche Mühen und Leiden auf sich nehmen.
Auch die Epoche der Tābiʿ at-Tābiʿīn lässt sich anhand von Jahreszahlen und Daten nur schwer bestimmen, ebenso wie die Epoche der Tābiʿūn. Es ist tatsächlich nicht eindeutig zu sagen, wann genau und in welchem Jahr ihre Epoche begann und wann sie endete. Aufgrund bestimmter Ereignisse und Anzeichen lässt sich sagen, dass die Epoche der Tābiʿūn bereits zu Lebzeiten des edlen Propheten begonnen hatte. Denn in dieser Epoche finden sich einige bedeutende Menschen, die zwar das gesegnete Antlitz des edlen Gesandten nicht mit eigenen Augen sehen konnten, doch sobald der Ruf des Islam ihre Ohren erreichte, nahmen sie ihn mit aufrichtiger Hingabe an. In diesem Zusammenhang können die Namen Uwais al-Qarani und des abessinischen Königs Ashama genannt werden. Daher lässt sich sagen, dass die Epoche der Gefährten und die Epoche der Tābiʿūn ungefähr ein Jahrhundert lang nebeneinander bestanden. Mit dem Ende des ersten islamischen Jahrhunderts ging jedoch auch diese Epoche zu Ende. Unmittelbar danach begann die Epoche jener Menschen, die von den Tābiʿūn erzogen, unterwiesen und ausgebildet worden waren, also die Epoche der Tābiʿ at-Tābiʿīn. Die Epoche der Tābiʿūn war zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht beendet. Vielmehr setzte auch sie sich gleichzeitig mit der Epoche der Tābiʿ at-Tābiʿīn fort und bestand ungefähr drei Viertel eines Jahrhunderts lang neben ihr weiter.
Ebenso ist es schwierig, anhand von Jahreszahlen genau zu bestimmen, wann die Epoche der Tābiʿ at-Tābiʿīn begann und wann sie endete. Aufgrund der Geburtsdaten einiger Tābiʿ at-Tābiʿīn und der Sterbejahre einiger Tābiʿūn lässt sich jedoch sagen, dass diese Epoche bereits im letzten Abschnitt des ersten islamischen Jahrhunderts begann. Beispielsweise wurde Imam Schuʿba im Jahr 80 nach der Hidschra geboren, und auch Imam Abū Hanīfa wurde in diesem Jahr geboren. Dennoch zählen ihn alle Biographen zu den Tābiʿūn und Imam Schuʿba zu den Tābiʿ at-Tābiʿīn. Die eigentliche Wahrheit ist jedoch, dass die Epoche der Tābiʿ at-Tābiʿīn im ersten Viertel des zweiten islamischen Jahrhunderts begann und im ersten Viertel des dritten Jahrhunderts endete. Denn viele Tābiʿūn starben zwischen dem Jahr 164 und dem Jahr 174 nach der Hidschra. Mit anderen Worten: Die Epoche der Tābiʿ at-Tābiʿīn bestand von der Zeit des umayyadischen Kalifen al-Walid II. bis zur Zeit des zehnten abbasidischen Kalifen al-Mutawakkil.
Wie ich bereits gesagt habe, wurden das Studium, die Verbreitung und die Sammlung der Hadithe in dieser Epoche noch umfassender und eingehender betrieben als zuvor. Unter denjenigen, die in dieser Epoche die größte Gelehrsamkeit und Berühmtheit in der Hadith-Wissenschaft erlangten, sind insbesondere die folgenden Personen hervorzuheben:
(1) Imam Abū Hanīfa, (2) Imam Mālik, (3) Imam Abū Yūsuf, (4) Imam Muhammad asch-Schaybānī, (5) Imam al-Auzāʿī, (6) Imam Ibn Dschuraisch, (7) Imam Ishāq ibn Rāhwayh, (8) Imam Sufyān ibn Uyayna, (9) ʿAbdullah ibn al-Mubārak, (10) Imam Schuʿba, (11) Musʿayr ibn Qudām, (12) ʿAbdullah ibn Wahb, (13) Yahyā ibn Maʿīn, (14) ʿAlī ibn al-Madīnī, (15) Imam al-Layth ibn Saʿd, (16) Hadhrat Fudayl ibn Iyād und (17) Yahyā ibn Ādam (r.).
Hier werden wir die Hadith-Bemühungen und Sammlungskampagnen einiger der bedeutendsten unter ihnen kurz erörtern.
Imam Abū Hanīfa (r.)
Es ist zu erheblichen Meinungsverschiedenheiten darüber gekommen, ob Imam Abū Ḥanīfa (r) ein Tābiʿī oder ein Tābiʿ al-Tābiʿīn war. Da Imam Abū Ḥanīfa von keinem einzigen Ṣaḥābī einen Hadith überliefert hat – und da die von manchen Kreisen verbreiteten Berichte, er habe von ihnen überliefert, unbewiesen sind und vor dem Prüfstein der Hadithwissenschaft nicht bestehen –, haben einige Historiker sich sogar geweigert, ihn als „Tābiʿī“ anzuerkennen. Aufgrund unumstößlicher historischer Beweise lässt sich jedoch mit Nachdruck sagen, dass Imam Abū Ḥanīfa (r) die Ṣaḥāba gesehen hat. Denn Imam Abū Ḥanīfa wurde im Jahr 80 nach der Hidschra in der Stadt Kūfa geboren. [********************] Zu dieser Zeit lebte dort der Gefährte des Gesandten, Ḥaḍrat ʿAbdullāh ibn Abī Awfā (ra). Er starb im Jahr 81 nach der Hidschra oder danach. Nach der Überlieferung Ibn ʿAbd al-Barrs starb er im Jahr 87 nach der Hidschra. [********************] Der Historiker Ibn Saʿd schrieb: Imam Abū Ḥanīfa (r) hat Ḥaḍrat Anas ibn Mālik (ra) gesehen. Denn dieser starb in der Stadt Baṣra im Jahr 91 nach der Hidschra, nach Ibn ʿAbd al-Barr jedoch im Jahr 99 nach der Hidschra.[********************]
Außerdem lebten Ḥaḍrat Sahl ibn Saʿd as-Sāʿidī in Medina und Ḥaḍrat Abū aṭ-Ṭufail ʿĀmir ibn Wāthila in Makka. Daher kann es nicht als unmöglich bezeichnet werden, dass Imam Abū Ḥanīfa einen Ṣaḥābī gesehen hat.[********************]
Der Kommentator von Mishkāt Sharīf, der Allāma Ibn Ḥajar Makkī, schrieb auf Grundlage eines von Ḥāfiẓ Ibn Ḥajar al-ʿAsqalānī erteilten Rechtsgutachtens:
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Imam Abū Ḥanīfa (r) hatte eine Gruppe von Ṣaḥāba gesehen, die in der Stadt Kūfa lebten, als er dort im Jahr 80 nach der Hidschra geboren wurde. Seine Zeitgenossen al-Awzāʿī aus Syrien, Ḥammād ibn Salama und Ḥammād ibn Zaid aus Baṣra, Sufyān ath-Thawrī aus Kūfa, Mālik aus Medina und al-Layth ibn Saʿd aus Ägypten sowie weitere Imame erlangten diese Auszeichnung jedoch nicht. (Keiner von ihnen war ein Tābiʿī.)[********************]
Ibn Ḥajar Makkī schrieb in seinem Kommentar zu Mishkāt:
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Imam al-Aʿẓam Abū Ḥanīfa traf acht Ṣaḥāba. Unter ihnen sind Ḥaḍrat Anas ibn Mālik, ʿAbdullāh ibn Abī Awfā, Sahl ibn Saʿd und Abū aṭ-Ṭufail (ra) besonders erwähnenswert.[********************]
Allāma ʿAlāʾ ad-Dīn schrieb im Vorwort des Werkes „ad-Durr al-Muḫtār“:
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Seinem Alter nach traf er ungefähr zwanzig Gefährten.********************
Unter Berufung auf das Werk „Muniyāt al-Muftī“ schrieb er ferner:
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Es ist eine erwiesene Tatsache, dass Imām Abū Ḥanīfa Hadithe von sieben Gefährten gehört hat.********************
Auf Grundlage all dieser Zitate lässt sich sagen, dass Imām Abū Ḥanīfa (r) ein Tābiʿī war.
Allāma Ibn ʿĀbidīn schrieb:
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Imam Abū Ḥanīfa war nach jeder maßgeblichen Betrachtungsweise ein Tābiʿī. Der Muḥaddith adh-Dhahabī und der Muḥaddith al-ʿAsqalānī haben dies mit Nachdruck erklärt.
Der berühmte Muḥaddith unserer Zeit, Allāma Shāh Anwār Kāshmīrī (r), vertrat allerdings eine andere Ansicht. Er sagte:
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Er war hinsichtlich der Begegnung ein Tābiʿī, hinsichtlich der Überlieferung von Hadithen jedoch ein Tābiʿ at-Tābiʿīn.
Als Imam Abū Ḥanīfa sich dem Studium der Hadithe zuwandte, war die gesamte muslimische Welt von der Beschäftigung mit Hadithen erfüllt. In jeder Stadt und jeder Ansiedlung waren bedeutende Lehrstätten für die Überlieferung von Hadithen eingerichtet worden. Etwa zehntausend Ṣaḥāba hatten sich überallhin ausgebreitet, und die Zahl der Hadith-Schüler, die von ihnen lernten, war auf mehrere Hunderttausend angewachsen. Die Städte, in denen ein Ṣaḥābī oder ein Tābiʿī lebte, wurden als „Dār al-ʿUlūm“ (Schule) bezeichnet.
Zu dieser Zeit studierte Imam Abū Ḥanīfa (r) zunächst in der Stadt Kufa bei den bedeutenden Hadithgelehrten unter den Tābiʿīn Hadithe. Imam asch-Schāfiʿī schrieb: „Imam Abū Ḥanīfa lernte Hadithe von 93 Muḥaddithen der Stadt Kufa. Aus der Überlieferung von Imam az-Zuhrī geht ferner hervor, dass Imam Abū Ḥanīfas Hadithlehrer in Kufa 29 an der Zahl waren. Die meisten von ihnen waren bedeutende Tābiʿīn. Unter ihnen sind insbesondere Imam asch-Schaʿbī, Salama ibn Kuhail, Muḥārib ibn Disār, Abū Isḥāq as-Sabīʿī, ʿAun ibn ʿAbdullāh, Simāk ibn Ḥarb, ʿAmr ibn Mubrā, Manṣūr ibn Muʿtamir, al-Aʿmasch, Ibrāhīm ibn Muḥammad, ʿAdī ibn Marsad und andere bedeutende Muḥaddithen hervorzuheben. Von ihnen lernte und sammelte Imam Abū Ḥanīfa (r) eine große Zahl von Hadithen.“
Danach begab er sich zum weiteren Studium und zur Sammlung von Hadithen nach Basra. Zu dieser Zeit war die Stadt Basra vom Wissen über die von bedeutenden Muḥaddithen unter den Tābiʿīn wie Imam al-Ḥasan al-Baṣrī, Schuʿba und Qatāda verkündeten Hadithe bis zum Übermaß erfüllt.
Danach begab er sich nach Mekka und Medina. Dort wurde damals in großem Umfang Hadith-Unterricht erteilt. Einige bedeutende Tabi’un, die im Umgang mit den Sahaba unter deren Aufsicht und Fürsorge aufgewachsen waren und von ihnen gelernt hatten, hatten eigenständig zahlreiche Zentren für den Hadith-Unterricht eingerichtet. Ata ibn Abi Rabah, Ikrima und andere waren unter ihnen herausragende Gelehrte. In diesem Zusammenhang schrieb der Muhaddith adh-Dhahabi:
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Imam Abu Hanifa hörte in Mekka bei Ata ibn Abi Rabah Hadithe und lernte von ihm.
Imam Baqir hielt sich damals in Medina auf. Auch an seinem Lehrhof erschien Imam Abu Hanifa (r), ausschließlich um Hadithe zu lernen.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Abu Hafs al-Kabir behauptete, Imam Abu Hanifa (r) habe bei insgesamt etwa viertausend Muhaddithen Hadithe gelernt, die in den verschiedenen Ländern der damaligen weitläufigen muslimischen Welt ansässigen Hadith-Zentren angehörten. Auch wenn sich diese Behauptung am Prüfstein der Hadithwissenschaft nicht als vollständig fehlerfrei und zweifelsfrei erwiesen hat, kann doch mit Nachdruck gesagt werden, dass die Zahl seiner Lehrer im Hadith außerordentlich groß war. Nachdem Imam adh-Dhahabi im Werk „Tadhkirat al-Huffaz“ die Namen der Lehrer Imam Abu Hanifas erwähnt hatte, schrieb er:
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Darüber hinaus waren noch sehr viele weitere Muhaddithen seine Lehrer.
Der Hafiz Muhammad ibn Yusuf as-Salihi asch-Schafi’i sagte:
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Imam Abu Hanifa zählte zu den großen Hadith-Gelehrten und Meistern. Hätte er den Hadithen nicht sehr viel Aufmerksamkeit gewidmet und keine gründliche Kenntnis besessen, wäre es ihm niemals möglich gewesen, die Rechtsfragen des Fiqh abzuleiten.
Scheikh al-Islam Yazid ibn Harun sagte:
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Imam Abu Hanifa war äußerst gottesfürchtig, ein reiner und tugendhafter Asket, ein Gelehrter und Wahrhaftiger sowie der größte Hadith-Gelehrte unter allen seinen Zeitgenossen. Das Manuskript dieses Werkes wird in der Bibliothek Majlis-e Ilmi in Karachi aufbewahrt.
Yahya ibn Sa’id al-Qattan sagte:
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Bei Allah, Abu Hanifa war unter der gegenwärtigen muslimischen Umma der kenntnisreichste und gelehrteste in Bezug auf das Buch Allahs, die Hadithe des Gesandten und die Sunna.
Wenn der Hadith-Gelehrte Yahya ibn Mu’in nach Imam Abu Hanifa gefragt wurde, sagte er stets:
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Er ist äußerst zuverlässig, vertrauenswürdig und frei von Fehlern. Ich habe nicht gehört, dass jemand ihn in Bezug auf Hadithe als „schwach“ oder nicht akzeptabel bezeichnet hätte.[********************]
Er sagte ferner:
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Abu Hanifa war ein frommer, vertrauenswürdiger, wahrhaftiger und zuverlässiger Hadith-Gelehrter. Niemand hat ihn beschuldigt, falsche Überlieferungen zu berichten. Er hielt am Din Allahs fest und war bei der Überlieferung von Hadithen vollkommen wahrhaftig.[********************]
Der Imam Ibn Ayyub aus Balkh hat wahrlich gesagt:
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Das eigentliche Wissen gelangte von Allah zu Muhammad (S). Nach ihm erlangten es seine Gefährten. Von den Gefährten empfingen es die Tābiʿūn. Und von den Tābiʿūn aus wurde es in Imam Abū Hanīfa gebündelt und zur Reife gebracht.
Der Hadith-Gelehrte Abū Nuʿaym al-Iṣfahānī überlieferte über Yaḥyā ibn Naṣr ibn Ḥājib:
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Ich kam zu Abū Hanīfa in ein Zimmer, das mit Büchern angefüllt war. Ich fragte: „Worum handelt es sich bei diesen Büchern?“ Er sagte: „Dies sind alles Hadith-Bücher. Ich habe daraus lediglich einen kleinen Teil überliefert, von dem die Menschen großen Nutzen ziehen.“
Auch eine weitere Aussage von Yaḥyā ibn Maʿīn ist erwähnenswert. Er sagte:
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Abū Hanīfa war ein äußerst zuverlässiger Hadith-Gelehrter. Er überlieferte nur Hadithe, die er auswendig wusste und sicher bewahrt hatte. Was er nicht auswendig wusste, überlieferte er niemals.
Zweitens: Obwohl er einen gewaltigen Schatz an Hadithen in sich trug, überlieferte er deren Wortlaut nur selten. Versammlungen ausschließlich zum Zweck des Hadith-Unterrichts hielt er kaum ab. Vielmehr widmete er sich ganz der Erschließung der tiefgründigen Bedeutungen der Hadithe und der Ableitung daraus der für das praktische Leben der Muslime notwendigen Rechtsfragen.
Doch daraus folgt keineswegs, dass er die Suche nach Hadithen und deren Sammlung eingestellt hätte. Vielmehr bemühte er sich stets mit großem Eifer und großer Sorgfalt darum, durch das Auffinden immer neuer Hadithe noch reicher an Wissen zu werden. Imam Nasr ibn Muhammad al-Marwazi war ein herausragender und berühmter Schüler Imam Abu Hanifas. Er sagte:
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Ich habe niemanden gesehen, der bei der Suche nach Hadithen eifriger und aufmerksamer gewesen wäre als Imam Abu Hanifa. Einmal kamen Yahya ibn Sa’id al-Ansari, Hischam ibn Urwa und Sa’id ibn Abi Aruba. Da sagte Imam Abu Hanifa zu uns: Geht hin und seht nach, ob diese Männer irgendeinen Hadith-Schatz besitzen, den ich von ihnen hören und übernehmen kann.
Ein weiterer Schüler des Imam al-A’zam war der Hadith-Gelehrte Abd al-Aziz ibn Abi Razma. Auch er überlieferte nahezu dasselbe. Er sagte:
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Als ein Hadith-Gelehrter nach Kufa kam, sagte Imam Abu Hanifa zu seinen Schülern und Gefährten: Geht zu ihm und seht nach, ob er einen Hadith besitzt, den wir nicht besitzen.
Abd al-Aziz sagte: Als ein anderer Hadith-Gelehrter ein weiteres Mal kam, schickte Imam Abu Hanifa seine Schüler mit eben diesen Worten zu ihm.
Aus den beiden oben angeführten Überlieferungen geht die Vorliebe Imam Abu Hanifas für die Suche nach Hadithen eindeutig hervor. Daher kann nur ein Unwissender behaupten, dass er den Hadithen gegenüber unaufmerksam gewesen sei.
Die gegen ihn erhobene Anschuldigung, er habe die Hadithe aufgegeben und Rechtsfragen ausschließlich mithilfe des Qiyās und der Anwendung des Verstandes entschieden, ist völlig falsch. Seine Methode bei der Entscheidung über Rechtsfragen wird durch die folgende Aussage von ihm selbst eindeutig und unwiderlegbar belegt. Er sagte über sich selbst:
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Zuerst nehme ich das Buch Allahs zur Grundlage. Wenn ich darin eine Entscheidung zu der betreffenden Angelegenheit finde, fälle ich mein Urteil dementsprechend. Wenn ich darin nichts finde, wende ich mich danach der Sunna des Gesandten und den authentischen Überlieferungen zu, die durch zuverlässige Personen überliefert worden sind. Wenn ich aber weder im Buch Allahs noch in der Sunna des Gesandten etwas dazu finde, lasse ich die Aussage eines jeden anderen beiseite.
Dass er selbst dann Hadithe annahm und nach den authentisch belegten Hadithen handelte, wenn sie dem Qiyās und dem allgemeinen Verstand widersprachen, wird dadurch belegt, dass er die Bestimmung einer Verpflichtung durch Losentscheid für zulässig hielt, obwohl dies dem äußeren Anschein nach dem Glücksspiel gleichkommt.
Er sagte:
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Nach dem Qiyās dürfte der Losentscheid nicht zulässig sein; doch hinsichtlich seiner Zulässigkeit sind Hadith und Sunna überliefert, und deshalb akzeptiere ich dies, indem ich den Qiyās aufgebe.
Die strengen Bedingungen und rigorosen Maßstäbe, die er für die Annahme von Hadithen festlegte, waren in Bezug auf Allahs Religion tatsächlich unerlässlich. Denn zu Imam Abū Ḥanīfas Zeiten waren verschiedene Arten irriger Glaubensvorstellungen sowie zahlreiche von einer bestimmten Gruppe von Menschen eigenmächtig erfundene falsche Hadithe weit verbreitet. Wenn er damals nicht besondere Vorsicht walten gelassen und nicht jedes als Hadith bezeichnete Wort ungeprüft, ohne zwischen richtig und falsch zu unterscheiden, angenommen hätte, hätte Allahs Religion nicht fehlerlos bewahrt werden können. In Wirklichkeit war dies zweifellos eine Folge seiner grenzenlosen Taqwā sowie seines aufrichtigen, unverfälschten Glaubens und seiner innigen Liebe zur Religion.
Die Bedingungen Imam Abū Ḥanīfas für die Annahme von Hadithen
Die meisten Bedingungen, die Imam Abū Ḥanīfa (Allah erbarme sich seiner) für die Annahme von Hadithen aufstellte, waren Bedingungen, die auch von den allgemeinen Hadith-Gelehrten aufgestellt worden waren. Einige Bedingungen fügte er jedoch selbst aus besonderen Gründen eigens hinzu. Hier sollen einige dieser Bedingungen erwähnt werden:
1. Wenn ein Überlieferer einen Hadith nach dessen Überlieferung vergisst, lehnen Imam Abū Ḥanīfa und seine Schüler dessen Annahme ab, auch wenn er nach Ansicht der allgemeinen Hadith-Gelehrten annehmbar ist.
2. Nur jener Hadith ist annehmbar, den der Überlieferer entsprechend seiner eigenen Erinnerung und Gedächtnisleistung überliefert.
3. Wenn bei den Versammlungen berühmter Hadith-Gelehrter wegen der großen Zahl der Zuhörer Personen mit lauter Stimme eingesetzt werden und ein von diesen Personen gehörter Hadith als ein beim eigentlichen Hadith-Gelehrten gehörter Hadith überliefert wird, ist dieser Hadith nach Imam Abū Ḥanafah nicht annehmbar. Auch berühmte Hadith-Gelehrte wie Ḥāfiẓ Abū Nuʿaym, Faḍl ibn ʿAqīn und Ibn Qudāma vertraten diese Ansicht. Nach Ansicht von Ḥāfiẓ Ibn Ḥaǧar al-Makkī ist dies zwar eine vernünftige Auffassung, doch die Ansicht der allgemeinen Hadith-Gelehrten ist leichter umzusetzen.
4. Imam Abū Ḥanīfa billigte nicht die Annahme eines Hadith, den ein Überlieferer aus seinen eigenen schriftlichen Aufzeichnungen überliefert, ohne sich daran zu erinnern, ihn von einem seiner Hadith lehrenden Meister gehört zu haben. Nach Ansicht der übrigen Hadith-Gelehrten ist daran nichts auszusetzen.
Die Hadith-Gelehrten von Kūfa hielten es für zulässig, den ursprünglichen Inhalt eines Hadith in eigenen Worten wiederzugeben. Dies war damals auch die allgemein verbreitete Methode. Die Zahl der Überlieferer, die den ursprünglichen Wortlaut eines Hadith überlieferten, war nicht groß. Daher bestand in vollem Maße die Gefahr, dass es bei der Überlieferung von Hadithen zu Abweichungen und Veränderungen kam. Aus diesem Grund sah sich Imam Abū Ḥanīfa gezwungen, bei der Annahme von Hadithen eine äußerst strenge Haltung einzunehmen. Es ist unwiderlegbar nachgewiesen, dass er trotz all dieser Vorsichtsmaßnahmen Hadith-Werke zusammengestellt hatte. Muḥammad ibn Maḥmūd al-Khwārizmī trug fünfzehn Musnad-Sammlungen von Imam Abū Ḥanīfa zusammen.
Imam Mālik ibn Anas (Allah erbarme sich seiner)
Imam Mālik war der bedeutendste Muḥaddith von Madīnat ar-Rasūl. Er wurde im Jahr 93 nach der Hidschra in Medina geboren. Doch der Historiker al-Yāfiʿī nennt in seinem Werk „Ṭabaqāt al-Fuqahāʾ“ das Jahr 94 nach der Hidschra als sein Geburtsjahr. Zu dieser Zeit war die gesamte Stadt Medina vom wohlklingenden Klang des Hadith-Studiums und der Hadith-Lehre erfüllt. Obwohl sich die ehrwürdigen Gefährten nach dem Ableben des edlen Propheten in weit entfernte Gegenden zerstreut hatten, bleibt eine Goldmine auch nach der Förderung des Goldes eine Goldmine, und die Menge dessen, was dort zurückbleibt, kann keineswegs gering sein. Alle bedeutenden Gefährten lebten in dieser Stadt. Zu Lebzeiten des edlen Propheten und noch 24 beziehungsweise 25 Jahre nach seinem Tod befand sich hier das Zentrum der islamischen Regierung. Hier wurden sämtliche Gesetze und Vorschriften des Islam studiert, verkündet und umgesetzt; erst danach wurden sie in die übrigen Zentren der muslimischen Welt weiterverbreitet. In dieser Stadt wurden die Zentren der Hadith-Lehre der großen Gefährten wie Abū Bakr aṣ-Ṣiddīq, ʿUmar al-Fārūq, ʿĀʾischa, ʿAbdullāh ibn ʿUmar, Ibn ʿAbbās, Abū Huraira und Zayd ibn Thābit gegründet. Dadurch konnten Hunderttausende Menschen dieser Stadt besondere Kenntnisse in der Wissenschaft von Offenbarung und Sunna erwerben, und später wurden gerade sie deren wahre Erben.
Als Imam Mālik sich dem Studium des Hadith zuwandte, hielten sich in Medina die großen „Könige“ der Hadith-Wissenschaft auf. Die bedeutendsten Schüler von ʿĀʾischa waren noch dort: ihr Neffe al-Qāsim ibn Muḥammad ibn Abī Bakr, ihr Neffe mütterlicherseits ʿUrwa ibn az-Zubair, sowie Nāfiʿ und ʿAbdullāh ibn Dīnār, die Schüler von ʿAbdullāh ibn ʿUmar, ferner dessen zwei Freigelassene und Sālim ibn ʿAbdullāh sowie weitere Tābiʿūn. Zayd ibn Thābit hatte Medina zwar verlassen, doch sein Sohn Chāridscha ibn Zayd war zum Erben seines Hadith-Wissens geworden und lebte in Medina. Den gewaltigen Ozean des Hadith-Wissens von Abū Huraira hatte dessen Schwiegersohn Saʿīd ibn al-Musayyib bis zur Sättigung in sich aufgenommen. Auch er lebte in Medina. Obwohl ʿAbdullāh ibn ʿAbbās sein Hadith-Wissen hauptsächlich außerhalb Medinas, in Mekka, Kufa und Basra, verbreitet hatte, eignete sich der in Medina lebende Tābiʿī Saʿīd ibn al-Musayyib von ihm eine große Zahl von Hadithen an.
Darüber hinaus hielten sich zu dieser Zeit noch einige weitere bedeutende Tābiʿūn in Medina auf. Es waren Hischām ibn ʿUrwa, Muḥammad ibn al-Munkadir, ʿUbaidullāh ibn ʿUtba ibn Masʿūd, Muḥammad ibn Schihāb az-Zuhrī, ʿĀmir ibn ʿAbdullāh, Jaʿfar aṣ-Ṣādiq, Rabīʿa ar-Raʾy, Abū Suhail und Sulaimān ibn Yasār. Es waren Tābiʿūn, in deren Schoß das Wissen über Hadith und Tafsir gehegt, gepflegt und stetig weiterentwickelt worden war.
Der Großvater, der Onkel und der Vater von Imam Mālik waren allesamt bedeutende Muḥaddithūn. Daraus lässt sich erkennen, dass in seinem eigenen Haus und in seiner Familie die gesamte Umgebung vom Klang der Hadith-Wissenschaft erfüllt war. Deshalb begann er bereits in seiner Kindheit, Hadith zu lernen. Wahrscheinlich begann er zunächst bei seinem Onkel Abū Suhail mit dem Hadith-Studium. Später ging er zu Nāfiʿ, um bei ihm Hadith zu lernen. Solange Nāfiʿ lebte, suchte Imam Mālik ihn zum Hadith-Studium auf. Danach lernte er bei nahezu allen oben genannten Hadith-Gelehrten unter den Tābiʿūn von Medina. Nach Schāh Walīullāh ad-Dihlawī betrug die Gesamtzahl seiner Lehrer 75. In einer anderen Überlieferung werden 94 genannt.
Doch Allāma Dschalāluddīn as-Suyūṭī schrieb:
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Imam Mālik überlieferte Hadithe von neunhundert Muḥaddithūn. Davon waren dreihundert Tābiʿūn und sechshundert Tābiʿ at-Tābiʿīn.
All diese Lehrer fand er in Medina. Daher sah er keine Notwendigkeit, zum Zweck des Hadith-Studiums Medina zu verlassen.
Imam Malik nahm nicht von jeder Art von Hadith-Überlieferern Hadithe an. Wen er als Lehrer des Hadith anerkennen sollte, darüber dachte er mit tiefgründigem und scharfem Urteilsvermögen nach und wählte sorgfältig aus. Auf eine diesbezügliche Frage seines geliebten Schülers Habib antwortete er selbst:
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O Habib! In genau dieser Moschee (der Prophetenmoschee) habe ich siebzig Muhaddithun angetroffen, die die Gefährten des edlen Gesandten Allahs getroffen und deren Gesellschaft genossen hatten und auch von den Tabi’un Hadithe überlieferten. (Von ihnen habe ich Hadith gelernt und übernommen.) Und ich habe Hadith nur von den dafür geeigneten Menschen angenommen, niemals von ungeeigneten Personen.
Aus der folgenden Überlieferung wird deutlich ersichtlich, welcher Art seine Lehrer waren und von wem er keine Hadithe übernahm. Es heißt:
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Imam Malik hatte alle diejenigen, die seine Lehrer im Hadith waren, sorgfältig ausgewählt. Er hatte sie hinsichtlich ihrer Frömmigkeit, ihres Verständnisses, ihrer Kenntnis des Fiqh sowie ihrer Erfüllung der Rechte und Bedingungen der Hadith-Überlieferung für geeignet befunden. In Bezug auf sie herrschten in seinem Herzen aufrichtiger Glaube und vollkommene Gewissheit. Darüber hinaus übernahm er von vielen frommen und guten Menschen keine Hadithe, weil sie die korrekte Methode der Hadith-Überlieferung nicht richtig kannten.
Wie herausragend Imam Malik (Allahs Barmherzigkeit sei mit ihm) als Muhaddith war, lässt sich aus den folgenden Aussagen anderer bedeutender Hadith-Gelehrter über ihn klar erkennen.
Imam Schafi’i (Allahs Barmherzigkeit sei mit ihm) sagte über ihn:
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Imam Malik war für die Menschen der Zeit nach den Tabi’in in besonderem Maße ein unwiderlegbarer Beweis Allahs.
Der Hadith-Gelehrte an-Nasa’i sagte:
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Meiner Ansicht nach gab es in der Zeit nach den Tabi’in niemanden, der gelehrter war als Malik.
Imam Abu Yusuf (r)
Obwohl Imam Abu Yusuf (r) vor allem als berühmter Fachgelehrter und Imam auf dem Gebiet des Fiqh bekannt war, stand er auch hinsichtlich der Hadith-Kenntnis niemandem auch nur im Geringsten nach. Allah hatte ihn mit einem außergewöhnlichen Gedächtnis ausgestattet. Wann immer er von einem Hadith-Lehrer einen Hadith hörte, hatte er ihn sogleich auswendig gelernt. Ja, er konnte in einer einzigen Sitzung fünfzig oder sechzig Hadithe mitsamt vollständiger Überlieferungskette hören und sie nach nur einmaligem Hören auswendig aufsagen. Imam adh-Dhahabi zählte ihn zu den bedeutendsten Hadith-Hafiz. Hafiz Ibn Hadschar al-Asqalani berichtet, dass er einmal krank und leidend wurde. In diesem Zustand trug ihm der herausragende Hadith-Hafiz Sufyan ibn Uyayna vierzig Hadithe vor. Diese Hadithe prägten sich ihm sofort ein, und nachdem Sufyan gegangen war, trug er sie den übrigen anwesenden Personen allesamt auswendig vor. Darüber waren alle Anwesenden verblüfft und erstaunt.
Zum Zweck des Hadith-Studiums schloss er seine Ausbildung bei den Hadith-Gelehrten seiner Heimatstadt Kufa ab, reiste nach Medina und hörte dort bei Asad ibn al-Furat as-Saqalabi, einem Schüler Imam Maliks, das von Imam Malik zusammengestellte Werk „Muwatta“ von Anfang bis Ende.
Imam Abū Yūsuf schrieb die Hadithe, die er zu Studienzwecken bei seinen Lehrern hörte, niemals nieder; vielmehr prägte er sie sich unmittelbar nach dem einmaligen Hören vollständig ein. Seine Studiengefährten hingegen schrieben die gehörten Hadithe wiederholt nieder. Nicht nur das: Häufig mussten sie ihre schriftlich festgehaltenen Hadithe anhand des Vortrags von Imam Abū Yūsuf anhören und sie auf diese Weise berichtigen und korrigieren.
Auf dem Gebiet des Hadith und anderer damit verbundener Wissenschaften war er ein Imam.
Sein Interesse, seine Begeisterung und sein Eifer für das Studium des Hadith waren so ausgeprägt, dass er einerseits am Lehrkreis von Imam Abū Ḥanīfa teilnahm und dort Kenntnisse über Fiqh erwarb; unmittelbar nachdem er diesen verlassen hatte, begab er sich zu einem Muḥaddith, um bei ihm Hadith zu lernen. Erst durch diese grenzenlose Hingabe und unermüdliche Anstrengung konnte er ein herausragender Kenner des Hadith werden. Diese Darstellung wurde einem von Maulana Mujībullāh Nadwī verfassten Werk entnommen.
Imam Muḥammad al-Shaybānī (r)
Imam Muḥammad al-Shaybānī war der zweite bedeutendste Schüler von Imam Abū Ḥanīfa. Durch den Umgang mit Imam Abū Ḥanīfa und Imam Abū Yūsuf erwachte in ihm das Interesse am Studium des Hadith. Zu diesem Zweck begab er sich von Wāsiṭ, das im Irak lag und sein Geburtsort war, nach Medina, das mehrere hundert Meilen entfernt lag, und trat bei Imam Mālik, dem damals herausragendsten Hadithgelehrten, ein. Er blieb drei Jahre lang ununterbrochen in Medina und nahm regelmäßig an Imam Māliks Lehrsitzungen zum Hadithunterricht teil. In diesen Sitzungen hörte er mindestens siebenhundert Hadithe. Er selbst sagte:
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Ich blieb drei Jahre oder länger im Lehrkreis von Imam Mālik und erwarb von ihm die Kenntnis von siebenhundert Hadithen.
Nachdem man bei weltberühmten und herausragenden Hadithgelehrten wie Imam Abū Ḥanīfa, Imam Abū Yūsuf und Imam Mālik Hadith studiert hatte, bestand eigentlich keine Notwendigkeit mehr, bei einem anderen Hadithgelehrten zu lernen. Doch der brennende Durst nach dem Studium des Hadith, der in Imam Muḥammad erwacht war, ließ sich nicht stillen; deshalb konnte er keineswegs darauf verzichten oder zur Ruhe kommen, ohne die Lehrsitzungen der anderen großen Hadithgelehrten jener Zeit aufzusuchen und bei ihnen Hadith zu studieren.
Allama Zahid al-Kawthari hat erwähnt, dass Imam Muhammad siebzig Lehrer für das Studium der Hadithe hatte. Diese Lehrer waren über verschiedene Länder und Städte wie Kufa, Medina, Mekka, Basra, Wasit, Syrien, Chorasan und Yamama verstreut.
Sein Gedächtnis war so scharfsinnig, dass er auf Anweisung Imam Abu Hanifas begann, den Edlen Koran auswendig zu lernen, und ihn innerhalb von nur einer Woche vollständig auswendig gelernt hatte. Daraus lässt sich leicht ermessen, welch großer Gelehrter er auf dem Gebiet der Hadithwissenschaft war. Denn wenn ein Mensch mit einem derart scharfen Gedächtnis Hadithe lernt, ist es nur natürlich, dass jeder Hadith, den er von seinem Lehrer hört, sich für immer seinem Gedächtnis einprägt.
Imam al-Awza’i (r.)
Imam al-Awza’i war ein bedeutender Hadithgelehrter der Generation der Tabi’ at-Tabi’in. Zunächst studierte er Hadithe bei Yahya ibn Kathir, einem in Yamama ansässigen Hadithgelehrten. Danach begab er sich in die weit entfernte Stadt Basra, um bei den berühmten Hadithgelehrten Muhammad ibn Sirin und Hasan al-Basri Hadithe zu studieren. Als er jedoch nach Überquerung dieses langen und schwer zugänglichen Weges Basra erreichte, erfuhr er, dass Imam Hasan al-Basri verstorben war und Imam Ibn Sirin auf dem Sterbebett lag. Wie sehr ihn diese Enttäuschung getroffen hatte, lässt sich leicht ermessen.
Imam al-Awza’i hörte Hadithe von einer großen Zahl von Tabi’in.
Der Historiker Hafiz Ibn Kathir schrieb:
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Er hatte persönlichen Umgang mit einer großen Zahl von Tabi’in und ihnen engen persönlichen Beistand geleistet.
Die Biographen erwähnen, dass Imam al-Auzaʿi bei den folgenden Tabiʿin und Tabiʿ at-Tabiʿin Hadithe lernte:
(1) ʿAta ibn Abi Rabah, (2) Qatada, (3) Nafiʿ, der Freigelassene Ibn ʿUmars, (4) Imam az-Zuhri, (5) Muhammad ibn Ibrahim, (6) Schaddad ibn Abi ʿUmarah, (7) Qasim ibn Muchaimirah und (8) Rabiʿa ibn Yazid sowie andere.
Al-Auzaʿi selbst sagte: Nachdem ich das Hören von Hadithen bei Imam az-Zuhri und Yahya ibn Kathir abgeschlossen hatte, übergaben sie mir ihre eigenen Hadith-Sammlungen und sagten:
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„Überliefere diese Hadithe von mir und über meine Überlieferungskette an andere.“[********************]
Imam Ibn Dschuraidsch (r)
Als Ibn Dschuraidsch geboren wurde (80 n. H.), lebten noch zahlreiche Gefährten. Wenn er von Anfang an mit ihnen in Kontakt gekommen wäre, wäre er zu den Tabiʿin gezählt worden. Doch er konnte von ihnen kein Wissen erlangen. Aus diesem Grund wird er zu den Tabiʿ at-Tabiʿin gezählt.
Zu dieser Zeit war in Mekka ʿAta ibn Abi Rabah, ein herausragender Schüler des ehrwürdigen ʿAbdullah ibn ʿAbbas (r.a.), mit dem Unterrichten von Hadithen beschäftigt. Nach dem Erwerb der grundlegenden notwendigen Kenntnisse lernte er siebzehn Jahre lang ununterbrochen in seiner Nähe Hadithe.
Danach studierte er bei nahezu allen berühmten Hadith-Imamen der muslimischen Welt. Wie bei Ata ibn Abi Rabah blieb er auch lange Zeit im Dienste von Amr ibn Dinar, um Hadithe zu lernen und zu sammeln. Aus all diesen Gründen erlangte Imam Ibn Dschuraidsch eine herausragende Stellung in der Hadith-Wissenschaft. Die von ihm überlieferten Hadithe wurden von den großen Gelehrten des Hadith als zuverlässig anerkannt. Die von ihm gesammelten Hadith-Bestände lagen ihm in schriftlicher Form vor.
Sufyan ibn Uyayna (r)
Sufyan war ein herausragender Gelehrter seiner Zeit auf dem Gebiet der Hadith-Wissenschaft. Schon seit seiner Kindheit zeigte sich spontan sein außergewöhnlich scharfes Gedächtnis. Er selbst sagte:
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Ich habe niemals etwas aufgeschrieben; doch wann immer ich etwas niederschrieb, hatte ich es auswendig gelernt.
Er lernte Hadithe von mehreren hundert Tabi’un und Tabi at-Tabi’in und sammelte sie von ihnen. Unter seinen Lehrern in der Hadith-Wissenschaft waren mehr als achtzig Tabi’un. Zu den bedeutendsten Gelehrten unter ihnen zählten Imam Zuhri, Imam Schu’ba, Musayeb ibn Qudam, Amr ibn Dinar, Abu Ishaq as-Sabi’i, Muhammad ibn Aqaba, Humayd, Ziyad ibn Alaqa und Salih ibn Kaisan. Um Hadithe zu erlernen, reiste er nach Kufa, Mekka, Medina und in andere Zentren des Wissens.
Der berühmte Hadith-Gelehrte Ali ibn al-Madini sagte über ihn:
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Unter den Schülern Imam Zuhris gab es niemanden, der zuverlässiger war als Ibn Uyayna.
Die Hadith-Gelehrten Amash, Saurī, Ibn Dschuraidsch, Schuʿba, Aqī, Ibn Mubarak, Saʿīd al-Qattān, asch-Schāfiʿī und Ahmad ibn Hanbal sowie andere lernten Hadithe bei ihm und überlieferten sie von ihm. Er wurde im Jahr 107 nach der Hidschra geboren und starb im Jahr 198 nach der Hidschra.
Abdullah ibn Mubarak (r.)
Nachdem Ibn Mubarak seine Grundausbildung erhalten hatte, begab er sich zum Studium der Hadithe auf Auslandsreisen. Zu diesem Zweck bereiste er verschiedene Städte und Orte in Syrien, im Hidschaz, im Jemen, in Ägypten, Kufa und Basra; überall, wo und bei wem auch immer er Gelegenheit erhielt, Hadithe zu studieren, lernte er Hadithe dort und bei dieser Person. Alle haben anerkannt, dass er auf der Suche nach Hadithen ein großer Reisender war. Nach Imam Ahmad ibn Hanbal gab es zu jener Zeit niemanden, der für die Hadithe so weite Reisen unternahm.
Abū Usāma sagte:
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Ich habe niemanden gesehen, der mehr als Ibn Mubarak in verschiedenen Ländern nach Hadithen suchte.
Es muss bedacht werden, dass Auslandsreisen damals keineswegs so einfach waren wie in unserer Zeit. Man musste monatelang zu Fuß oder auf dem Rücken eines Kamels oder Esels unterwegs sein, um von einem Ort zum anderen zu gelangen. Wie beschwerlich das Reisen damals war, lässt sich heute nicht einmal mehr erahnen.
Wie viele Lehrer Ibn Mubarak hatte, bei denen er Hadithe lernte, lässt sich aus seiner folgenden Aussage erkennen. Er selbst sagte:
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Ich habe bei viertausend Lehrern Hadithe gelernt und gesammelt, und die von eintausend dieser Lehrer überlieferten Hadithe habe ich anderen überliefert.
Diesen gewaltigen, durch harte Arbeit erworbenen Hadith-Schatz lehrte er selbst einer großen Zahl von Menschen. Imam adh-Dhahabi schrieb:
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So viele Menschen aus der islamischen Welt lernten bei ihm Hadithe, dass ihre Zahl keineswegs zu bestimmen ist.
In der Hadith-Wissenschaft besaß er den Rang eines großen Imams. Die Beschäftigung mit den Hadithen war seine vierundzwanzigstündige Hingabe. Seiner Ansicht nach ist man, wenn Hadithe erörtert werden, gleichsam in unmittelbarer Nähe und Gesellschaft des edlen Gesandten (s). Große Gelehrte wie Yahya ibn Ma’in sagten: Die Zahl der von Ibn Mubarak überlieferten Hadithe dürfte bei zwanzig- bis einundzwanzigtausend liegen.
Imam Schuʿba (r)
Imam Schuʿba sah die beiden Gefährten Anas ibn Mālik (r.) und ʿAmr ibn Muslim (r.). Obwohl er zur Generation der Tābiʿūn gehörte, haben ihn die Biographen deshalb zu den Tābiʿ at-Tābiʿīn gezählt. Er wurde in einer zwischen Kufa und Basra gelegenen Stadt namens Wāsiṭ geboren. Unmittelbar nach Abschluss seiner Grundausbildung widmete er sich dem Studium der Hadithe. Später erlangte er darin höchste Meisterschaft. Er hörte und sammelte Hadithe bei nahezu allen großen Hadithgelehrten seiner Zeit. Die gewöhnlichen Biographen schreiben, dass sich unter seinen Hadithlehrern etwa vierhundert Tābiʿūn befanden. Hafiz Ibn Hadschar al-ʿAsqalānī schreibt, dass er bei dreihundert Hadithgelehrten der Stadt Kufa Hadithe gehört und überliefert habe.
Diese Lehrer hielten sich nicht nur in ein oder zwei Städten auf; vielmehr waren sie über ein Gebiet verstreut, das sich über Millionen Quadratmeilen der muslimischen Welt erstreckte. Hinzu kamen die schwierigen und kaum überwindbaren Reisebedingungen jener Zeit. Oft musste man allein für einen einzigen Hadith tausend Meilen zu Fuß oder auf einem Kamel oder Pferd zurücklegen. Bemerkenswert war außerdem sein außergewöhnlich scharfes Gedächtnis. Nachdem er einen Hadith gehört hatte, schrieb er ihn gewöhnlich nicht auf, sondern prägte sich lange Hadithe unmittelbar auswendig ein. Deshalb war er imstande, in sehr kurzer Zeit eine große Zahl von Hadithen in seinem Gedächtnis einzuprägen und sicher zu bewahren.
Die großen Hadithgelehrten seiner Zeitgenossen und der nachfolgenden Generationen erkannten freimütig seine außergewöhnliche Gelehrsamkeit auf dem Gebiet der Hadithe an.
Imam Laith ibn Saʿd (r.) (geboren 94 n. H., gestorben 165 n. H.)********************]
Imam Laith gehörte zu den Tābiʿ at-Tābiʿīn. Unmittelbar nach Abschluss seiner Grundausbildung wandte er sich dem Studium der Hadithe zu. Zum Studium der Hadithe begab er sich zu Nāfiʿ, dem berühmten Tābiʿī, der von ʿAbdullāh ibn ʿUmar besonders umsorgt und unterrichtet worden war. Alle Hadithe, die er von ihm gehört und gesammelt hatte, schrieb er in einer Sammlung nieder. Darüber hinaus hörte und sammelte er Hadithe bei den Tābiʿūn Imam Zuhri, Saʿīd al-Muqbarī, ʿAbdullāh ibn Abī Mulayka, Yahyā al-Anṣārī und Abū az-Zubair sowie anderen. Nachdem Imam Nawawī einige der bedeutenden Lehrer Imam Laiths erwähnt hatte, schrieb er:
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Außerdem lernte und hörte er Hadithe bei einer so großen Zahl weiterer Imame des Hadith, dass ihre genaue Zahl nicht bestimmt werden kann.
Imam Sufyān ath-Thawrī (r.) (geboren 97 n. H., gestorben 161 n. H.)********************]
Sufyan al-Thawri war einer der herausragendsten Gelehrten der Hadith-Wissenschaft im Zeitalter der Tabiʿ al-Tabiʿin. Seine erste Ausbildung erhielt er bei seinem Vater. Danach hörte er Hadithe bei allen Muhaddithen der Stadt Kufa. Zu jener Zeit hatten in Kufa Muhaddithen wie al-Aʿmasch und Abu Ishaq eine Einrichtung zur regelmäßigen Unterweisung in den Hadithen gegründet.
Yahya ibn Muʿin sagte:
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Sufyan kennt die von al-Aʿmasch überlieferten Hadithe besser als alle anderen. [********************]
Da die Hadithe zu jener Zeit noch nicht für die Allgemeinheit in Büchern zusammengestellt waren, war ein großer Teil der Hadithe im Gedächtnis der Muhaddithen eingeprägt und wurde von ihnen auf eigene Weise bewahrt. Daher musste der Studierende zum Erlernen der Hadithe in ferne Länder reisen. Auch Sufyan musste zum Studium der Hadithe weite Länder bereisen und deshalb Hunderte und Tausende von Meilen zurücklegen.
Nachdem er sein Hadith-Studium bei den Lehrern in Kufa abgeschlossen hatte, begab er sich nach Basra und in den Hedschas. In diesen beiden Städten hörte und sammelte er Hadithe bei einer großen Zahl von Muhaddithen. Nachdem er die Namen seiner berühmten Lehrer in Kufa, Basra und im Hedschas erwähnt hat, schrieb Hafiz Ibn Hadschar:
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Er studierte Hadithe bei zahlreichen Lehrern in Kufa. Ebenso hörte er Hadithe bei zahlreichen Lehrern in Basra und zog auch aus den verschiedenen Zusammenkünften zum Hadith-Studium im Hedschas großen Nutzen. [********************]
Abd ar-Rahman ibn Mahdi war ein Imam auf dem Gebiet des Hadith. Er sagte:
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Ich habe niemanden gesehen, der mehr Hadithe auswendig wusste als Sufyan al-Thawri.
Als im zweiten Jahrhundert der Hidschra die verstreuten Hadith-Bestände in Buchform geordnet zusammengetragen worden waren, war es sehr leicht, sie mitsamt Hunderttausenden von Überlieferungsketten auswendig zu lernen. Zuvor jedoch, als sie noch verstreut waren, war es äußerst schwierig, zwei- oder viertausend Hadithe im eigenen Gedächtnis zu bewahren und sicher zu erhalten. Deshalb findet sich aus der Zeit der Tabi’ at-Tabi’in nirgends ein Beispiel dafür, dass ein Hadith-Imam mehr als zehntausend Hadithe auswendig bewahrt hätte. Auch unter diesem Gesichtspunkt ist Sufyan al-Thawris Leistung besonders bemerkenswert. Die Zahl der Hadithe, die er überliefert hatte und in seinem Gedächtnis bewahrte, belief sich auf dreißigtausend. Abu Asim sagte:
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Imam al-Thawri ist der größte Führer auf dem Gebiet des Hadith-Wissens.
Kurz gesagt: In dieser Zeit war das Hadith-Wissen noch nicht geordnet zusammengetragen. Vielmehr war es fast überall in der muslimischen Welt verstreut. Der Grund dafür war, wie bereits zuvor erwähnt, dass die ehrenwerten Sahaba die ersten Träger und Überlieferer der Hadithe waren. Sie verbrachten ihr Leben nicht in einem abgeschiedenen Winkel einer Moschee oder einer Khanqah. Vielmehr führten sie ihr Leben wie wahre Mujahidin. Für den Jihad, zur islamischen Da’wa und zur Erfüllung anderer religiöser Pflichten waren sie fast über alle Länder und Gebiete der muslimisch bewohnten Welt verstreut. Wohin sie auch gelangten, lernten die Bewohner dieses Ortes von ihnen islamisches Wissen, insbesondere Hadith-Wissen. Sie sammelten Informationen über die Worte, Taten und den Charakter des edlen Propheten (S) und bewahrten sie in ihrem Gedächtnis. Für diejenigen, deren einziges Ziel damals darin bestand, ein islamisches Leben zu führen, genügte es, eine allgemeine Kenntnis des Islam zu erwerben und dem praktischen Leben eines bestimmten Sahabi zu folgen. Doch jene großen Männer, die nach den Sahaba die schwierige Aufgabe übernommen hatten, die verstreuten Perlen des Wissens über den Gesandten zu sammeln und zusammenzutragen, und die die Verantwortung übernommen hatten, diesen kostbaren Schatz islamischen Wissens vor der Vernichtung zu bewahren, hatten keine andere Möglichkeit, als Land um Land, gewaltige Subkontinente, ausgedehnte Meere, endlose heiße Wüsten sowie dicht bewaldete, unwegsame und von Bergen durchzogene Wege zu durchqueren. Darüber hinaus war dies für die Hadith-Sammler und frommen Gelehrten dieser Zeit eine äußerst geliebte Tätigkeit.
Ein Mann stellte dem berühmten Muhaddith Khalaf ibn Ayyub aus der Stadt Balkh eine dringende Frage. Er sagte: „Ich weiß es nicht; die richtige Antwort darauf könnte jedoch bei Hasan ibn Ziyad, einem Einwohner der Stadt Kufa, zu erfahren sein.“ Als der Fragesteller den Namen der Stadt Kufa hörte, sagte er: „Kufa! Das ist doch sehr weit entfernt!“ Daraufhin sagte Khalaf ibn Ayyub:
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Wem die Sorge um die Religion tief zu Herzen gegangen ist, dem wird selbst eine so weit entfernte Stadt wie Kufa sehr nahe erscheinen.
Aus diesem Grund musste sich damals jeder, der seine Unfähigkeit bekundete, die für den Erwerb von Wissen erforderlichen weiten Wege zu reisen, in der Gesellschaft schwerer Erniedrigung und scharfer Beschuldigung aussetzen. Der Hadith-Gelehrte und berühmte Kritiker der Hadith-Wissenschaft, Imam Yahya ibn Mu’in, sagte:
Von einem Muhaddith, der Hadithe nur in seiner eigenen Stadt sitzend lernen und sammeln will und nicht bereit ist, die Mühen einer Auslandsreise auf sich zu nehmen, könnt ihr keinerlei Nutzen erwarten.
Der Nutzen, der in Auslandsreisen zum Zweck des Erlernens und Sammelns von Hadithen liegt, darf in seinem praktischen Wert nicht unterschätzt werden. Die Bedeutung davon lässt sich aus der folgenden Aussage Ibrahim ibn Adhams erkennen. Er sagte:
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Durch den Segen der Reisen der Hadith-Lernenden und -Sammler in diesem Anliegen innerhalb und außerhalb des Landes bewahrt Allah diese Gemeinschaft vor vielen Gefahren und Heimsuchungen.
In der Tat wird die Bedeutung dieser Auslandsreisen angesichts der umfassenden und intensiven Bemühungen zur Sammlung der Hadithe, die wir von der Zeit der Sahaba bis zur Zeit der Tabi al-Tabi’in und der späteren Muhaddithen beobachten, ganz deutlich. Gegenüber den großen Männern, die diese Aufgabe praktisch durchgeführt haben, empfinden wir grenzenlose Hochachtung und Dankbarkeit. Hätten sie sich nicht mit solch aufopferungsvoller Entschlossenheit in dieses Feld gestürzt, um Allahs Wohlgefallen zu erlangen und die Hadithe, eine der vorzüglichsten Grundlagen der Religion, zu bewahren, wäre die muslimische Gemeinschaft heute zweifellos für immer eines großen Teils der Sunna des Gesandten Allahs beraubt.
Zusammenstellung von Hadith-Werken
Aus der vorangegangenen Erörterung hat sich erwiesen, dass die Hadithe des edlen Gesandten (S) bereits in der ersten Epoche nicht in Buchform zusammengestellt werden konnten. Allama Ibn Hadschar al-Asqalani schrieb:
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Die Hadithe des edlen Propheten (S) waren zur Zeit seiner Gefährten und der herausragendsten Tabi’un weder in Buchform zusammengestellt noch systematisch geordnet.
Dass in der ersten Epoche des Islam keine Hadith-Werke zusammengestellt wurden, hatte mehrere vernünftige Gründe. Erstens verfügten, wie bereits ausführlich erörtert wurde, die ehrwürdigen Gefährten über ein außerordentliches Erinnerungsvermögen. Alles, was sie vom Gesandten hörten, prägte sich ihnen ein, sodass sie im Allgemeinen und ganz selbstverständlich keine Notwendigkeit sahen, es aufzuschreiben.
Zweitens waren viele von ihnen nicht in der Lage zu schreiben. Die Schreibkunst war damals auch nicht so weit verbreitet wie in späterer Zeit und hatte noch keine allgemeine Popularität erlangt.
Drittens konnten sich nicht alle Gefährten der Zusammenstellung von Hadith-Werken zuwenden, weil der edle Prophet (S) selbst in der ersten Epoche das Aufschreiben von Hadithen untersagt hatte.
Was Allama Anwar Schah Kaschmiri hierzu geschrieben hat, ist an dieser Stelle besonders beachtenswert:
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Obwohl es äußerlich betrachtet gut gewesen wäre, die Hadithe bereits zu Lebzeiten des edlen Propheten zu sammeln und zusammenzutragen, war es offenbar nicht Allahs Wille, dass die Hadithe ebenso wie der Koran zusammengestellt und genau wie der Koran bewahrt würden. [Fayḍ al-Bārī, Šarḥ Ṣaḥīḥ al-Buḫārī, Bd. 1, S. 208.]
All diese Ausführungen betrafen die besonderen Maßnahmen und die besondere Sorgfalt, die zum Zweck der Zusammenstellung von Hadith-Werken getroffen wurden. Was hingegen die Bewahrung der Hadithe und ihren Schutz vor dem Verschwinden betrifft, so wurde ihnen von der Zeit des edlen Gesandten bis zur Zeit der Gefährten und der Tabiʿūn niemals auch nur im Geringsten weniger Bedeutung beigemessen.
Deshalb sehen wir, dass die edlen Gefährten, sobald die Befürchtung beseitigt war, dass sich Hadithe mit dem Koran vermischen könnten, ebenso darauf achteten, die Hadithe schriftlich festzuhalten; gleichermaßen wurde seit der Zeit der edlen Gefährten auch die Arbeit ihrer Zusammenstellung und ihrer vollständigen systematischen Ordnung in Buchform in vollem Umfang vollendet.
In der Zeit der Gefährten wurde die praktische Notwendigkeit, die Hadithe in Buchform zusammenzustellen, jedoch allgemein nicht empfunden. Denn damals waren die Gefährten selbst die Träger der Hadithe des Gesandten. Sobald sich in irgendeiner Angelegenheit ein Bedarf ergab, kamen die Menschen zu den Gefährten, informierten sich über die betreffende Angelegenheit und ließen alle Fragen klären; auch konnten sie von den Gefährten zweifellos erfahren, welches Gebot des edlen Gesandten in der jeweiligen Angelegenheit galt. Als die Gefährten jedoch einer nach dem anderen aus der Welt schieden, verspürten sowohl die gewöhnlichen Muslime die Notwendigkeit, die Hadithe zusammenzustellen, als auch die noch verbliebenen Gefährten, die Träger der Hadithe waren, das dringende Bedürfnis, sie zusammenzutragen und für alle Zeiten geschützt zu hinterlassen.
Wie überaus wichtig die Anwesenheit der edlen Gefährten in der Zeit der Tabiʿūn war, lässt sich deutlich aus der folgenden Aussage eines Tabiʿī namens Murek nach dem Tod von Hadhrat Anas (ra) erkennen. Er sagte:
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Heute ist die Hälfte des Wissens – der Hadithe – aus der Welt geschieden.
Als er nach der Bedeutung dieser Aussage gefragt wurde, sagte er:
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Wenn zur Zeit der Gefährten jemand mit böser Absicht in Bezug auf einen Hadith gegen uns Einspruch erhob oder anderer Meinung war, sagten wir: Gehen wir zu demjenigen, der diesen Hadith selbst vom Gesandten Allahs gehört hat (und überprüfen wir bei ihm seine Richtigkeit).[********************]
Gerade aus diesem Grund begann man bereits, bevor das letzte Verschwinden der Gefährtenschar einsetzte, allgemein und mit Nachdruck die Notwendigkeit zu empfinden, die Hadithe zu sammeln, sie in Büchern festzuhalten und für alle Zeiten zu bewahren. Diese Entwicklung muss in der nachprophetischen Epoche an dieser Stelle zusammenhängend dargestellt werden. Zunächst soll hier eine kurze Darstellung der Zeit der rechtgeleiteten Kalifen gegeben werden. Danach wird die ausführliche Geschichte der späteren Zeit niedergeschrieben werden.
Die rechtgeleiteten Kalifen und die Sammlung der Hadith-Werke
Nach dem Ableben des edlen Propheten (s) übernahmen die rechtgeleiteten Kalifen die Leitung und Förderung der islamischen Lebensordnung und des islamischen Staates sowie die Verantwortung für sämtliche religiösen Aufgaben. In dieser Zeit ließen sie es an Bemühungen und Sorgfalt hinsichtlich der zweiten unabdingbaren Grundlage des Islam – des Hadith-Wissens – keineswegs fehlen. Hier wird nun gesondert über die Verdienste jedes einzelnen Kalifen auf dem Gebiet der Hadithe berichtet.
Hazrat Abu Bakr Siddiq (r.a.)
Der erste Kalif, Hazrat Abu Bakr Siddiq (r.a.), hatte selbst eine Sammlung von fünfhundert Hadithen angefertigt. Gegen Ende seines Lebens vernichtete er sie jedoch eigenhändig. Als Grund dafür führen Hadith-Gelehrte und Historiker an, dass er nach der Sammlung der Hadithe überhaupt keine Ruhe finden konnte. In seinem Herzen entstanden verschiedene Ängste. Er war besonders darüber besorgt, dass er gemäß der strengen Warnung des Gesandten zum Brennstoff der Hölle werden müsste, falls auch nur eine Aussage – ja, nur ein Wort – in den von ihm gesammelten Hadithen auch nur geringfügig von der ursprünglichen Botschaft des edlen Gesandten abweichen sollte.
Zweitens kam in ihm auch die Befürchtung auf, dass es für die Muslime von besonderem Nachteil sein würde, wenn die muslimische Bevölkerung seiner zusammengestellten Hadith-Sammlung einen derartigen Rang wie dem Koran beimessen oder ihr einen höheren Rang als den von anderen Gefährten überlieferten und zusammengestellten Hadithen zu geben beginnen würde. Infolgedessen könnten die umfangreichen Arbeiten und Fortschritte auf dem Gebiet der Hadith-Sammlung beeinträchtigt werden. Aufgrund all dieser Überlegungen vernichtete er sie. Allama adh-Dhahabi hat jedoch den Bericht, dass Hadrat Abu Bakr seine eigene zusammengestellte Hadith-Sammlung vernichtet habe, nicht als wahr anerkannt.
Wie tiefgründig und feinfühlig wir diese Angelegenheit auch beurteilen mögen, so kann man darin nichts anderes als das Ergebnis eines besonderen psychologischen und seelischen Zustands sehen.
Trotz alledem untersagte Hadrat Abu Bakr nicht die Zusammenstellung von Hadithen. Vielmehr überlieferte auch er selbst eine gewisse Anzahl von Hadithen. Nach Imam as-Suyuti beläuft sich die Zahl der von ihm überlieferten Hadithe auf 142. Er erwähnte auch, in welchen Hadith-Werken diese Hadithe angeführt worden sind. Für die geringe Zahl der von ihm überlieferten Hadithe gibt es ebenfalls hinreichende Gründe. Imam as-Suyuti schrieb hierzu:
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Der Grund für die geringe Zahl seiner Hadith-Überlieferungen liegt darin, dass er verstarb, bevor die Verbreitung der Hadithe und die durch die Tabi’un erfolgende Aufgabe, sie zu hören, zu erlernen und zu bewahren, begonnen hatte.
Bei der Analyse der Gründe dafür, dass nur wenige Hadithe von Hadrat Abu Bakr überliefert wurden, schrieb Imam as-Suyuti an einer anderen Stelle des genannten Werkes:
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Von Hadrat Abu Bakr wurden nur sehr wenige Hadithe mit vollständiger Überlieferungskette überliefert. Denn nach seinem Tod war seine verbleibende Lebenszeit sehr kurz, und sein Tod trat sehr bald ein. Hätte er andernfalls lange gelebt, hätten sie von ihm zahlreiche Hadithe überliefert. Solange er lebte, verspürte keiner der Gefährten das Bedürfnis, von ihm Hadithe zu überliefern, denn in allen Angelegenheiten waren sie gleichermaßen beteiligt. Nur das, was ihnen unbekannt war, überlieferten sie von ihm.
Auch Schah Walīullāh Dehlawī hat genau dies geschrieben:
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Die Gefährten waren nicht darauf angewiesen, sehr viele Hadithe über Hazrat Abū Bakr zu überliefern, denn zahlreiche Hadithe hatten sie selbst aus dem Mund des Gesandten gehört.
Außerdem lebte Hazrat Abū Bakr (r.a.) nach dem Ableben des Propheten nur zweieinhalb Jahre. Diese zweieinhalb Jahre vergingen unter der schweren Verantwortung seines Kalifats und inmitten äußerst widriger Stürme und Widrigkeiten. Daher hatte auch er in dieser Zeit nicht die ununterbrochene Muße und die günstigen Bedingungen zur Überlieferung von Hadithen, wie sie andere langlebige Gefährten besaßen.
Darüber hinaus bestand seine wichtigste Aufgabe in dieser Zeit darin, sämtliche Angelegenheiten nach Beratung mit den Muslimen zu erledigen. Da das islamische Kalifat wahrhaft demokratisch und beratungsbasiert war, wurde jede soziale, staatliche und allgemeine Angelegenheit nach Beratung mit den hervorragenden Gefährten sowie auf Grundlage des Korans und der Hadithe durch eine entsprechende Regelung oder Entscheidung erledigt.
Hazrat Abū Bakr as-Siddīq (r.a.) maß bei der Ausführung sämtlicher Angelegenheiten des Kalifats unmittelbar nach dem Edlen Koran den Hadithen große Bedeutung bei. Bereits in seiner Rede nach seiner Wahl zum Kalifen erklärte er die Bedeutung der Hadithe unmittelbar nach dem Koran. Er sagte:
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O ihr Menschen! Ich bin zum Verantwortlichen für die Angelegenheiten eures Staates gemacht worden, obwohl ich nicht der Beste unter euch bin. Doch der Koran ist herabgesandt worden, und der edle Prophet (s.a.w.) hat seine Sunna und sein Vorbild begründet und hinterlassen. Er hat uns beide Dinge gelehrt, und wir haben sie erlernt.
Auch in den Angelegenheiten des Kalifats bezog er in der Praxis nach dem Koran Anleitung und Rechtsbestimmungen aus den Hadithen. In maßgeblichen Werken wird dieses Prinzip von ihm in klaren Worten erwähnt. Es heißt:
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Wenn Hazrat Abu Bakr eine Angelegenheit vorgelegt wurde, die einer Entscheidung bedurfte, wandte er sich zunächst dem Buch Allahs zu. Fand er darin eine Grundlage für die Entscheidung, so entschied er auf dieser Grundlage zwischen den Menschen. Fand er jedoch im Koran nichts dazu und war ihm in der betreffenden Angelegenheit etwas aus der Sunna des Gesandten bekannt, so entschied er auf dieser Grundlage. (Sunan ad-Dārimī, S. 23)
Nach dem Ableben des Propheten hat Hazrat Abu Bakr nahezu jede der umfassenden Angelegenheiten, in denen Meinungsverschiedenheiten aufgetreten waren, durch die Anführung eines Hadith des edlen Gesandten beigelegt; der von ihm angeführte Hadith beendete alle Meinungsverschiedenheiten in der betreffenden Angelegenheit. Nach dem Ableben des Propheten stellte sich unter den Gefährten in der Saqīfa Banū Sāʿida zum ersten Mal die schwierige Frage, wer der Kalif werden solle. Die Lage war derart, dass eine Einigung in dieser Frage damals unmöglich geworden war. Da erhob sich Hazrat Abu Bakr, führte einen Hadith des edlen Gesandten an und sagte:
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Der Imam und der Kalif müssen aus den Reihen der Quraisch stammen.
Damit wird auch die Nachfolge des Gesandten auf diesen Stamm der Quraisch beschränkt bleiben.
Sobald alle anwesenden Gefährten diesen Hadith gehört hatten, erkannten sie seine Richtigkeit an. Danach wurde die Wahl des Kalifen ohne jeden Streit abgeschlossen.
Als Uneinigkeit darüber entstand, wo der edle Prophet begraben werden sollte, brachte Hadhrat Abu Bakr Siddiq (ra) einen Hadith vor:
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Ich hatte vom Gesandten Allahs eine Aussage gehört, die ich nicht vergessen hatte. Er hatte gesagt: Allah nimmt die Seele Seines Propheten an dem Ort, an dem er begraben werden soll.
Danach sagte er:******************************************************
Begrabt daher auch ihr den edlen Gesandten (s) an dem Ort, an dem er auf seinem Totenbett lag.[Schamā’il at-Tirmidhi, S. 30 ******************** Muwatta Malik, S. 80.]
Hadhrat Aischa (ra) erhob beim ersten Kalifen, Hadhrat Abu Bakr, Anspruch auf einen Anteil am Vermögen des edlen Propheten. Daraufhin überlieferte Hadhrat Abu Bakr (ra) den folgenden Hadith. Er sagte:
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Ich hörte den edlen Gesandten (s) sagen: Wir machen niemanden zum Erben unseres Vermögens. Was immer wir zurücklassen, wird vollständig auf Allahs Weg gespendet. Daher werden die Nachkommen Muhammads ihren Lebensunterhalt aus dem Bayt al-Mal beziehen.
Darauf sagte Hadhrat Abu Bakr (ra):
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Bei Allah, jede Handlung, die ich den Gesandten Allahs tun sah, werde ich ausführen und keine einzige unterlassen.
Das unmittelbare Ergebnis der Überlieferung dieses Hadiths zeigte sich so schnell, dass der Überlieferer am Ende sagt:
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Darauf verzichtete Hadhrat Fatima auf ihren Anspruch auf das Erbe und sagte bis zu ihrem Tod nichts mehr zu dieser Angelegenheit. [Sahih al-Bukhari, Band 2, Seiten 995–996.]
Als er hingegen aufgrund eines Hadiths des Gesandten erfuhr, dass der Großmutter ein Erbanteil zusteht, zögerte er nicht im Geringsten, ihr gemäß dem Hadith ihren Erbanteil zuzusprechen. Als die Großmutter zunächst ihr Erbe beanspruchte, sagte er:
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Für dich ist im Buch Allahs kein Erbanteil festgelegt. Auch in der Sunna des Gesandten (Hadith) ist meines Wissens kein Anteil für dich festgelegt worden. Geh nun. Ich werde die Menschen hierzu befragen und es dir danach mitteilen.
Danach fragte er eines Tages die Gefährten hierzu. Da erhob sich Hazrat al-Mughira ibn Shuʿba und sagte:
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Ich war beim Gesandten anwesend; er bestimmte für die Großmutter ein Sechstel. Ich habe es mit eigenen Augen gesehen.
Um hinsichtlich dieses Hadith, der über die Praxis von Hazrat Abu Bakr (r.a.) überliefert worden war, Gewissheit zu erlangen und seine Beweiskraft zu stärken, fragte er:
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Hast du noch jemanden, der diese Aussage bezeugt?
Da erhob sich Hazrat Muhammad ibn Muslim (r.a.), legte Zeugnis ab und bestätigte die Aussage al-Mughiras. Danach zögerte Hazrat Abu Bakr (r.a.) nicht im Geringsten, dies anzuerkennen.
Es ist jedoch wahr, dass Hadithe unter besonderer Strenge durch den ehrwürdigen Abū Bakr (möge Allah mit ihm zufrieden sein) überliefert wurden. Wenn ein Hadith des Gesandten durch besondere und unwiderlegbare Beweise bestätigt war, beugte er sich vor ihm und unterwarf sich ihm. Dies wird schon durch den soeben erwähnten Vorfall bezüglich des Erbteils der Großmutter eindeutig deutlich. Solange er jedoch von der Authentizität eines Hadiths nicht völlig überzeugt und sicher war, war er nicht bereit, ihn anzunehmen.
Der Hadith-Gelehrte adh-Dhahabī schrieb:
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Abū Bakr war der Erste, der bei der Annahme von Hadithen besondere Vorsicht walten ließ.
Als der ehrwürdige Abū Bakr as-Siddīq (möge Allah mit ihm zufrieden sein) den ehrwürdigen Anas (möge Allah mit ihm zufrieden sein) zum Statthalter von Bahrain ernannte und dorthin entsandte, verfasste er ein ausführliches Schriftstück über die Vorschriften und Bestimmungen der Zakāt und sandte es mit ihm. Am Anfang dieses ausführlichen Schriftstücks stand:
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Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen. Dies ist ein Schriftstück über die Verpflichtung der Zakāt. Der edle Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) hat sie den Muslimen auferlegt, und Allah hat Seinem Gesandten dies angeordnet.
Umar al-Fārūq
Hazrat Umar al-Fārūq, der zweite Kalif, überlieferte selbst Hadithe. Seiner Auffassung nach nahm die Sunna beziehungsweise die Hadithe nach dem Edlen Koran den zweiten Platz als Grundlage der Religion des Islam ein. Er sammelte und niederschrieb eine große Zahl von Hadithen, sandte sie an die Herrscher auf hoher und niedriger Ebene in den verschiedenen Provinzen des islamischen Staates und wies sie an, sie unter der Allgemeinheit umfassend zu verbreiten.
Um die Lehre der Hadithwissenschaft weiter zu verbreiten, gründete er in verschiedenen Regionen zahlreiche Madrasas. Er entsandte angesehene Gefährten in verschiedene Gebiete, damit sie dort Hadithe lehrten. In dieser Zeit schickte er Hazrat ʿAbdullāh ibn Mughaffal, Hazrat ʿImrān ibn Husain und Hazrat Maʿqil ibn Yasār in die Provinz Basra sowie Hazrat ʿUbāda ibn Sāmit und Hazrat Abū d-Dardā nach Syrien. Arjān ibn Abū Hāla entsandte er zu diesem Zweck nach Ägypten.
Hazrat Abū Mūsā al-Aschʿarī wurde zum Statthalter von Kufa ernannt, begab sich dorthin und sprach zu den Muslimen dieses Ortes:
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Hazrat Umar hat mich zu euch gesandt, damit ich euch das Buch Allahs und die Sunna beziehungsweise die Hadithe eures Propheten lehre.
Er entsandte auch Hazrat ʿAbdullāh ibn Masʿūd nach Kufa, damit er dort Hadithe und den Koran lehrte, und wies die Bewohner Kufas an, von ihm Hadithe zu lernen.
Allāma Khazrī schrieb:
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Hadhrat Abdullah ibn Masud blieb in Kufa. Die Menschen dort lernten von ihm die Hadithe des Gesandten (s). Er war ihr Lehrer und Richter.
Hadhrat Umar (r.a.) verfolgte bei der Annahme von Hadithen ebenso wie der erste Kalif eine äußerst strenge Vorgehensweise. Um die Wahrhaftigkeit eines von Hadhrat Abu Musa al-Aschari (r.a.) überlieferten Hadiths zu beweisen, wies er ihn mit nachdrücklichen Worten an. Er sagte:
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Bring einen Beweis vor, sonst werde ich dich streng bestrafen.
Als später ein weiterer Gefährte als Zeuge zur Bestätigung seiner Aussage vorgebracht wurde, war er beruhigt.
Allama adh-Dhahabi schrieb über ihn:
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Bei der Überlieferung von Hadithen begründete er für die Muhaddithun die Regel, sich an feste und solide Grundsätze zu halten.
Hazrat Abu Musa führte zugunsten des von ihm überlieferten Hadith einen weiteren Gefährten als Zeugen an. Daraufhin akzeptierte Hazrat Umar (ra) ihn. Daraus wird ersichtlich:
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Wenn ein Hadith von mindestens zwei vertrauenswürdigen Überlieferern überliefert wird, ist er gegenüber einem von nur einer Person überlieferten Hadith beweiskräftiger, stärker und eher vorrangig zu berücksichtigen. Dies ist auch ein ausreichender Ansporn, zahlreiche Überlieferungswege für diesen Hadith zu erlangen. Dadurch kann der Hadith von der Stufe der „allgemeinen Annahme“ zur Stufe des zweifelsfreien Ilm (fehlerfreien und verlässlichen Wissens) aufsteigen.
Als Hazrat Ubayy ibn Ka’b einen Hadith überlieferte, sagte Hazrat Umar (ra):
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Für die Richtigkeit des von Ihnen überlieferten Hadith müssen Sie unbedingt einen Beweis vorlegen.
Als Hazrat Ubayy einige Gefährten aus den Ansar als Zeugen anführte, sagte der Kalif:
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Ich hegte keinerlei Zweifel an Ihnen; ich hatte Sie nur deshalb um einen Beweis gebeten, damit der Hadith auf der Grundlage eines unumstößlichen Beweises fest und zuverlässig etabliert werde.
Während der Zeit von Umar al-Faruq wurden die verstreut überlieferten Hadithe erstmals auf staatlicher Ebene gesammelt und niedergeschrieben, und zum ersten Mal wurde die Frage aufgeworfen, sie systematisch zu ordnen. Hazrat Umar (ra) bekundete selbst den Wunsch, diese gewaltige Aufgabe zu vollenden, und beriet sich darüber auch mit den anderen Sahaba. Die Muslime rieten ihm dazu. Später kamen jedoch in ihm selbst Zweifel und Bedenken auf, ob dies wohl angemessen sei. Fast einen Monat lang dachte er gründlich darüber nach und verrichtete Istikhara. Schließlich sagte er eines Tages selbst:
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Ihr wisst, dass ich euch gesagt hatte, man solle die Hadithe niederschreiben und sammeln. Später kam mir jedoch der Gedanke, dass auch die Ahl al-Kitab vor euch die Worte ihres Propheten auf diese Weise gesammelt hatten; daraufhin klammerten sie sich daran fest und verwarfen das Buch Allahs. Bei Allah, ich werde nichts mit dem Buch Allahs vermischen. Danach gab er den Entschluss auf, die Hadithe zu sammeln.
Tatsächlich bestand die bloße Befürchtung, dass die Menschen sich nach dem Erhalt eines systematisch geordneten und gesammelten Hadith-Buches derart darauf konzentrieren könnten, dass sie sogar den Heiligen Quran vergessen würden, dessen Bedeutung in ihren Augen gering würde und sie nur noch auf der Grundlage der Hadithe leben wollten; allein aus dieser Sorge heraus nahm Hazrat Umar al-Faruq (ra) selbst die Niederschrift und Sammlung der Hadithe nicht vor. Andernfalls hätte er dies gewiss nicht für eine unzulässige Handlung gehalten. Wie berechtigt diese Sorge war, lässt sich erkennen, wenn man sie im Licht der späteren Entwicklungen beurteilt. Gerade aufgrund dieser Art von Vorsicht hat die muslimische Umma heute gelernt, dem Majid Quran die erste und den Hadith unmittelbar danach die zweite Bedeutung beizumessen. Wäre diese Vorsicht nicht geübt worden, wäre der Rang des Majid Quran bei den Muslimen nicht der erste und maßgebliche, sondern ein nachgeordneter geworden, wie es bei den Anhängern anderer Religionen mit ihren religiösen Schriften geschehen ist.
Hazrat Uthman (ra)
Hazrat Uthman (ra) selbst überlieferte Hadithe; doch von ihm wurden nur sehr wenige Hadithe überliefert. Den Grund dafür erklärte er selbst mit den Worten:
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Dass ich nicht zu den Gefährten des Gesandten gehörte, die die meisten Hadithe des Gesandten bewahrt hatten, hielt mich nicht davon ab, Hadithe des Gesandten zu überliefern. Vielmehr lag der Grund dafür, dass ich mich von der Überlieferung von Hadithen zurückhielt, darin, dass ich selbst bezeugt habe, den edlen Gesandten gehört zu haben, wie er sagte: Wenn jemand dem Gesandten etwas zuschreibt, was er nicht gesagt hat, dann soll er sich damit seinen Platz in der Hölle suchen.
Hadhrat Ali (r.a.)
Hadhrat Ali (r.a.) war einer jener Gefährten, die die von ihnen beim Gesandten gehörten Hadithe eigenhändig niederschrieben. Er hörte vom Gesandten einige Hadithe über die Auslegung und Erläuterung des Korans und schrieb sie nieder. Diese Sammlung von Hadithen nannte er „Sahifa“. Er faltete sie zusammen und bewahrte sie sorgfältig in der Scheide seines Schwertes auf. Darin waren einige Hadithe über praktische Angelegenheiten sowie rechtliche Bestimmungen und Vorschriften niedergeschrieben. [Sahih al-Buchari, Kitab al-Ilm und Kitab al-I’tisam, Musnad Ahmad, Band 1, S. 709.]
Später schickte er diese Sahifa als schriftliches Dokument über Hadithe zu Hadhrat Uthman. Sein Sohn Muhammad ibn al-Hanafiyya sagte:
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Mein Vater schickte mich mit den Worten zu ihm: Geh mit diesem Buch zum Kalifen Uthman (r.a.). Darin sind die Anordnungen des edlen Gesandten über Sadaqa und Zakat niedergeschrieben.
Aus der vorstehenden Erörterung geht hervor, dass Hadithe zur Zeit der rechtgeleiteten Kalifen verbreitet wurden, der Unterricht in vollem Umfang stattfand und die Hadithe in der Staatsführung sowie in Rechtsprechung und Verwaltung den Rang einer der grundlegenden Rechtsquellen erlangten. Sie wurden auch von verschiedenen Personen teilweise niedergeschrieben und gesammelt. Eine ordnungsgemäße Zusammenstellung der Hadithe in Buchform erfolgte jedoch nicht. Bis dahin hatten zahlreiche Tabi’un die Hadithe von ihnen gelernt und gesammelt und sie unter einer großen Zahl von Menschen weit verbreitet. Doch dass in dieser Zeit jemand die Hadithe ordnungsgemäß in Buchform zusammengestellt hätte, dafür findet sich in der Geschichte kein Beispiel. Auf diese Weise verging nahezu ein Jahrhundert der islamischen Geschichte. Gegen Ende des ersten islamischen Jahrhunderts kam es zu einer Ausnahme davon, und auf dem Gebiet der Hadith-Sammlung wurde ein revolutionärer Schritt unternommen.
Hadhrat Umar ibn Abd al-Aziz (r.a.) und die Sammlung der Hadithe
Hazrat Umar ibn Abd al-Aziz (r.) wurde im Jahre 99 nach der Hidschra zum Kalifen gewählt. Unmittelbar nach der Übernahme der Verantwortung des Kalifats erkannte er mit großer Dringlichkeit die Notwendigkeit, den gewaltigen, verstreuten Bestand an Hadithen zu sammeln. Er erkannte klar, dass die Hadithe für die islamische Lebensführung und die Verwaltung des Kalifats ein unverzichtbarer Schatz waren. Wenn nicht unverzüglich ihre Sammlung und wirksame Maßnahmen zu ihrer vollständigen Bewahrung getroffen würden, bestand die Gefahr, dass die gesamte Umma dieses Schatzes beraubt würde. Fast alle Gefährten waren bereits aus dieser Welt geschieden. Auch die meisten der Tābiʿūn, die bei ihnen gelernt hatten, waren ihnen inzwischen gefolgt. Es gab keinerlei Gewissheit, dass diejenigen, die noch lebten, noch lange leben würden. Daher war es unbedingt erforderlich, diesen großen Schatz unverzüglich zu sammeln, zusammenzutragen und geordnet aufzubewahren.
Danach sandte er an das Zentrum des islamischen Staates ein Edikt mit folgendem Wortlaut:
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Widmet euch unverzüglich den Hadithen des edlen Gesandten und beginnt, sie zu sammeln und zusammenzutragen.
Auch an den Gouverneur und Richter von Medina, Abu Bakr ibn Muhammad ibn Hazm, sandte er ein Edikt mit folgendem Inhalt:
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Sucht nach den Hadithen des Gesandten, seiner Sunna, den Aussprüchen Hazrat Umars und allem Vergleichbaren, was sich finden lässt, und schreibt es für mich nieder. Denn ich befürchte, dass die Träger des Hadith-Wissens verschwinden und der Hadith-Bestand verlorengeht.
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Und nichts außer den Hadithen des Gesandten soll angenommen werden. Die Menschen sollen dieses Wissen über die Hadithe weithin verbreiten. Es sollen Versammlungen zum Unterricht in den Hadithen abgehalten werden, damit diejenigen, die nichts wissen, lernen können. Denn sobald Wissen verborgen wird, geht es zugrunde.[******************** Sahih al-Buchari, 1. Band, Seite: 20.]
Imam Darimi überlieferte diese Aussage aus dem Munde von Abdullah ibn Dinar in den folgenden Worten:
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Schreibe mir die Hadithe des Gesandten, die dir als erwiesen und zuverlässig überliefert bekannt sind, sowie die Hadithe von Umar, und sende sie mir zu. Denn ich befürchte, dass das Wissen über die Hadithe verlorengeht und die Hadithgelehrten aussterben.[********************]
Der Historiker Ibn Saʿd erwähnt auch einen weiteren Teil des Erlasses von Umar ibn Abd al-Aziz. Der von ihm überlieferte Abschnitt lautet:
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Umar ibn Abd al-Aziz sandte Abu Bakr ibn Hazm den Erlass, auch die von Umra überlieferten Hadithe aufzuschreiben und ihm zuzusenden.[********************]
Aus Ibn Saʿds Überlieferung ist ferner bekannt, dass Umar ibn Abd al-Aziz anordnete, auch die von Hazrat Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) überlieferten Hadithe aufzuschreiben und ihm zuzusenden. Aus diesem Grund hatte er auch nachdrücklich angeordnet, die von Umra bint Abd al-Rahman überlieferten Hadithe zu sammeln, schriftlich festzuhalten und ihm zuzusenden. Denn gerade in den von Hazrat Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) überlieferten Hadithen sind die für den Glauben und das praktische Leben der Muslime notwendigen Gebote und Rechtsbestimmungen besonders eingehend erwähnt.[********************] Diese Umra war nämlich im Schoß von Hazrat Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) aufgewachsen und hatte bei ihr eine umfassende Ausbildung in den Hadithen erhalten. Umar ibn Abd al-Aziz selbst sagte über sie:
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Niemand ist ein größerer Gelehrter über die von Hazrat ʿAischa überlieferten Hadithe als ʿUmra.
Auch Imam az-Zuhri sagte über sie:
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Ich habe sie als ein unerschöpfliches Meer des Hadith-Wissens vorgefunden.
Imam Malik sagte: Umar ibn Abd al-Aziz hatte Abu Bakr ibn Hazm befohlen, ihm neben den von ʿUmra bint Abd ar-Rahman überlieferten Hadithen auch die von al-Qasim ibn Muhammad überlieferten Hadithe schriftlich zuzusenden.
Wer war dieser al-Qasim? Imam al-Bukhari schrieb über ihn:
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Nach dem Tod seines Vaters wurde er im Schoß seiner Tante väterlicherseits, Hazrat Aischa, aufgezogen und erlangte bei ihr tiefgehende Kenntnisse über die Religion.
Ibn Hibban schrieb über diesen Qasim:
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Qasim war unter den Tabi’un und den Menschen seiner Zeit hinsichtlich der Kenntnis der Hadithe und der Religion der vortrefflichste und angesehenste Mann.
Über Abu Bakr ibn Hazm wurde bereits gesagt, dass er Statthalter von Medina war. Zugleich oblag ihm auch das Amt des Richters. Er war einer der bedeutendsten Faqihs Medinas jener Zeit. Er besaß eine unvergleichliche Beherrschung des islamischen Rechts. Alle von Hazrat Aischa überlieferten Hadithe hatte er zuvor bei der bereits erwähnten Umra bint Abd ar-Rahman schriftlich aufgezeichnet und bei sich aufbewahrt. Umra war seine leibliche Tante mütterlicherseits.
Der Qadi Abu Bakr hatte auf Anweisung des Kalifen Umar ibn Abd al-Aziz eine große Anzahl von Hadithen gesammelt und mehrere Bände von Hadith-Werken zusammengestellt. Doch vor dem Tod des Kalifen war es nicht mehr möglich geworden, diese zum „Dar al-Khilafa“ zu bringen. In diesem Zusammenhang berichtet Allama as-Suyuti unter Berufung auf das von Ibn Abd al-Barr verfasste Werk „at-Tamhid“:
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Ibn Hazm stellte mehrere Bände von Hadith-Werken zusammen; doch er verstarb, bevor er sie dem Kalifen Umar ibn Abd al-Aziz zusenden konnte.
Doch was geschah später mit diesen Hadith-Sammlungen? Imam Malik sagte hierzu: Als ich Abdullah, den Sohn des Qadi Abu Bakr, nach diesen Hadith-Büchern fragte, antwortete er: ******************** Sie sind allesamt zugrunde gegangen.[********************] Doch das ist nicht glaubwürdig. Denn es ist nicht vorstellbar, dass die unter staatlicher Aufsicht angefertigten Hadith-Sammlungen allein deshalb, weil der Kalif verstorben war, zugrunde gegangen sein sollten und keinerlei Vorkehrungen zu ihrer Bewahrung getroffen worden wären. Gewiss wurden sie bei den Menschen aufbewahrt, und später wurden auf ihrer Grundlage unter den Menschen Hadithe verbreitet.
Aus einigen Überlieferungen ist bekannt, dass der Kalif Umar ibn Abd al-Aziz neben Abu Bakr ibn Hazm auch Salim ibn Abdullah in Medina angewiesen hatte, Hadithe zu sammeln und ihm zuzusenden. Allama Suyuti schrieb unter Berufung auf Imam Zuhri:
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Umar ibn Abd al-Aziz wies Salim ibn Abdullah an, ihm die Richtlinien über die Zakāt und die Sadaqa von Umar zu verschriftlichen und zuzusenden.[********************]
Imam Suyuti schrieb anschließend über Salim:
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Salim hatte alles, wozu er angewiesen worden war, vollständig niedergeschrieben und zugesandt. Zugleich schrieb er ihm (Salim), dass Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) während seiner Amtszeit unter den damaligen Menschen eine entsprechende Regelung getroffen habe; wenn aber Sie dasselbe tun würden, würden Sie bei Allah als ein besserer und höher angesehener Mensch gelten als Umar al-Faruq.[********************]
Hierzu sagte Muhammad ibn Abd ar-Rahman al-Ansari:
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Als Umar ibn Abd al-Aziz zum Kalifen gewählt wurde, ließ er nach Medina schreiben, um die schriftlichen Dokumente des edlen Gesandten und des ehrwürdigen Umar über die Zakat und andere Angelegenheiten sammeln zu lassen. Später wurden bei den Nachkommen von Amr ibn Hazm schriftliche Dokumente des edlen Gesandten und bei den Nachkommen des ehrwürdigen Umar ähnliche schriftliche Dokumente des edlen Gesandten gefunden.
Umar ibn Abd al-Aziz beauftragte Imam Zuhri eigens mit der Sammlung der Hadithe.
Über Imam Zuhri sagte Umar ibn Abd al-Aziz selbst:
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Was Sunna und Hadith betrifft, ist aus früheren Zeiten kein größerer Gelehrter als Zuhri am Leben geblieben.
Imam Ibn Schihab Zuhri (Allah erbarme sich seiner) selbst sagt hierzu:
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Umar ibn Abd al-Aziz befahl uns, Hadithe zu sammeln und zusammenzustellen. Nachdem wir diesen Befehl erhalten hatten, verfassten wir ein umfangreiches Hadith-Buch und schickten es ihm. Danach sandte er selbst in jede Provinz seines Reiches je ein Exemplar.********************
Daraus geht zweifelsfrei hervor, dass der gesammelte Hadith-Bestand nicht im Geringsten verloren gegangen ist.
Imam Malik (r.a.) sagte:
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Derjenige, der als Erster Hadithe zusammenstellte, war Ibn Schihab al-Zuhri.********************
Auch ein anderer Gelehrter namens Imam Abd al-Aziz al-Darawardi unterstützte diese Aussage. Er sagte:
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Die Zusammenstellung der Hadithe und ihre schriftliche Aufzeichnung nahm als Erster Ibn Schihab al-Zuhri vor.********************
Imam az-Zuhrī erhob selbst diesen Anspruch auf Ruhm und sagte:
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Vor mir hatte niemand die Hadith-Wissenschaft zusammengestellt.
Umar ibn Abd al-Aziz ordnete nicht nur die Sammlung und Niederschrift der Hadithe an, sondern erließ auch ausdrücklich den Befehl, überall für ihre umfassende Lehre zu sorgen.
Im Namen eines anderen Statthalters wurde ein Erlass mit folgendem Wortlaut versandt:
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Befehlen Sie den Hadith-Gelehrten und den anderen Gelehrten, in jeder Moschee Hadith-Unterricht zu erteilen und die Hadithe umfassend zu verbreiten. Denn das Wissen über die Hadithe droht beinahe völlig zu verschwinden.
Auf der Grundlage der oben angeführten Zitate und historischen Belege besteht keinerlei Zweifel daran, dass der Erlass Umar ibn Abd al-Aziz’ zur Sammlung der Hadithe nicht nur an einen einzigen Ort gesandt wurde, sondern im gesamten islamischen Reich verbreitet worden war und infolgedessen überall die Unternehmung zur Sammlung und Zusammenstellung der Hadithe ordnungsgemäß begonnen hatte. Als unvermeidliche Folge dieser Unternehmung wurden überall Hadithe zusammengestellt. Fast alle damals noch lebenden Hadith-Gelehrten widmeten sich der edlen Aufgabe, Hadithe zusammenzustellen, und der von ihnen zusammengetragene gewaltige, überaus große Schatz wird von der muslimischen Gemeinschaft bis in alle Ewigkeit als unschätzbares Gut angesehen und bewahrt.
Es wird berichtet, dass ʿUmar ibn ʿAbd al-ʿAzīz (r) sich nicht damit begnügte, anderen den Befehl zu geben, sondern selbst damit begann, Hadithe niederschreiben zu lassen.
Der berühmte Tābiʿī und Überlieferer von Hadithen von Ḥazrat Anas, Abū Qilāba [********************], sagte:
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Als ʿUmar ibn ʿAbd al-ʿAzīz eines Tages zum Mittagsgebet in die Moschee kam, sahen wir einige Blätter in seiner Hand. Als er später zum Nachmittagsgebet wieder herauskam, sahen wir, dass er dieselben Blätter bei sich hatte. Ich fragte: „O Amīr al-Muʾminīn! Was ist dieses Schriftstück?“ Er antwortete: „ʿAun ibn ʿAbdullāh hat mir Hadithe überliefert. Sie haben mir sehr gefallen, deshalb habe ich sie niedergeschrieben. Darunter befindet sich auch dieser Hadith.“ [********************]
Unter den Gelehrten, die nach Imām Zuhri in verschiedenen Zentren des islamischen Staates Hadithe sammelten und Bücher verfassten, sind die folgenden besonders hervorzuheben:
In Mekka: Ibn Dschuraidsch (150 H.); in Medina: Ibn Isḥāq (151 H.) und Imām Mālik (179 H.); in Basra: Rabīʿ ibn Ṣubaiḥ (160 H.), Saʿīd ibn Abī ʿArūba (156 H.) und Ḥammād ibn Salama (176 H.); in Kufa: Sufyān ath-Thaurī (161 H.); in Syrien: Imām al-Auzāʿī (156 H.); in Wāsiṭ: Huschaim (188 H.); im Jemen: Maʿmar (153 H.); und in Chorasan: Dscharīr ibn ʿAbd al-Ḥamīd (188 H.) sowie ʿAbdullāh ibn al-Mubārak (ra) (181 H.). [********************]
Aus den neben jedem Namen oben angeführten Jahreszahlen der Hidschra ist deutlich zu erkennen, dass sie alle Zeitgenossen waren und nahezu derselben Epoche angehörten. Sie lebten zur gleichen Zeit an verschiedenen Orten, sammelten die Hadith-Schätze des edlen Gesandten (s) und stellten Hadith-Werke zusammen. Daher lässt sich nicht mit Gewissheit sagen, wer von ihnen in dieser Hinsicht zuerst damit begonnen hat. Doch der Gelehrte Ibn Ḥadschar al-ʿAsqalānī hat unter ihnen eine Reihenfolge nach Vor- und Nachrang festgelegt. Er sagte:
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Als Erste widmeten sich Rubai ibn Subaih und Saʿd ibn Abī ʿArūba sowie einige andere der Sammlung und Zusammenstellung von Hadithen. Sie fassten jedes einzelne Kapitel der Hadithe gesondert in einem Buch zusammen.
In dieser Phase ist auch der Name von Imam Makḥūl erwähnenswert. Denn noch bevor die Abfassung von Büchern in größerem Umfang begann, verfasste er ein Hadithwerk mit dem Titel „Kitāb as-Sunan“.
In der Stadt Kufa begann Imam Schaʿbī als Erster damit, Hadithe zu demselben Thema an einer Stelle zusammenzufassen. Anfangs war er kein Befürworter des Aufschreibens von Hadithen und der Abfassung von Hadithwerken; erst nachdem er den Befehl des Kalifen der Muslime, ʿUmar ibn ʿAbd al-ʿAzīz, erhalten hatte, begann er mit der Abfassung eines Hadithwerks. Denn er war der von ʿUmar ibn ʿAbd al-ʿAzīz für die Provinz Kufa ernannte Richter.
Allāma Suyūṭī zitiert Ibn Ḥadschar al-ʿAsqalānī:
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Als Erster trug Imam Schaʿbī Hadithe zu demselben Thema gesammelt zusammen. Über ihn wird nämlich berichtet, dass er sagte: „Dies ist ein umfangreiches Kapitel über die Scheidung“, und darin eine große Anzahl von Hadithen gemeinsam niederschrieb.
Imam Schaʿbī wurde im Jahr 22 nach der Hidschra während der Kalifenzeit von ʿUmar ibn al-Chaṭṭāb geboren und starb im Jahr 104. Imam Makḥūl starb im Jahr 134. Auch Imam Zuhrī starb im Jahr 123, 124 oder 125 nach der Hidschra. Auf dieser Grundlage lässt sich sagen, dass Imam Makḥūl bei der Abfassung von Hadithwerken der Erste war.
Bei einer genaueren Betrachtung muss man jedoch zu dem Schluss kommen, dass die Hadithgelehrten von Medina – unter anderem Abū Bakr ibn Ḥazm, Sālim und Imam Zuhrī – als Erste Hadithe sammelten und zusammenstellten. Die Abfassung von Hadithwerken nach Kapiteln wurde hingegen von den Hadithgelehrten Kufas – Imam Schaʿbī und anderen – betrieben.
Umar ibn Abd al-Aziz, der „rechtgeleitete Kalif“ aus der Dynastie der Umayyaden, lebte nach der Verkündung des Erlasses zur Sammlung und Zusammenstellung der Hadithe nicht mehr lange. Doch infolge dieses Erlasses setzte sich der Strom der Hadith-Sammlung und -Zusammenstellung, der dadurch in Bewegung geraten war, noch mehrere Jahrhunderte lang fort. Die Gelehrten und Hadithgelehrten nach Imam az-Zuhri widmeten sich mit ganzer Kraft der Sammlung und Zusammenstellung der Hadithe. Danach wurde diese Arbeit mit voller Tatkraft weitergeführt.
Die Hadith-Zusammenstellung im zweiten Jahrhundert nach der Hidschra
Umar ibn Abd al-Aziz verstarb am 25. Radschab des Jahres 101 nach der Hidschra. Seine Amtszeit als Kalif betrug zwei Jahre und fünf Monate. Die von Imam asch-Schaʿbi, Imam az-Zuhri, Imam Makhul ad-Dimaschqi und Qadi Abu Bakr ibn Hazm zusammengestellten Hadithwerke waren ein unvergänglicher Beitrag aus seiner Kalifenzeit. Die Zusammenstellung dieser Werke war bereits im ersten Jahrhundert nach der Hidschra abgeschlossen worden.
Auch wenn die in dieser Phase des ersten Jahrhunderts nach der Hidschra geleistete Arbeit ihrem Umfang und ihrer Größe nach nicht bedeutend war, lässt sich nicht leugnen, dass sie den Weg zur Zusammenstellung von Hadithwerken eröffnete. Daher begann diese Arbeit bereits zu Beginn des zweiten Jahrhunderts nach der Hidschra mit der gebührenden Bedeutung und Sorgfalt durchgeführt zu werden. In dieser Phase wurden in den Hadithwerken jener Zeit nicht nur Hadithe über die Worte und Taten des Gesandten (s) aufgenommen, sondern auch die Aussagen und Fatwas der ehrenwerten Gefährten, verschiedene auf Koran und Hadith beruhende Fatwas der Tabiʿun sowie sogar ihre Äußerungen und Ratschläge zu wichtigen Angelegenheiten der Religion.
Kitab al-Athar
Die von den Hadithgelehrten der Tabiʿun-Generation zusammengestellten Hadithwerke gelangten nicht in ihrer eigenständigen Form zu den Hadithstudierenden späterer Zeiten. In dieser Hinsicht kann unter den uns erhaltenen Werken lediglich ein einziges genannt werden, nämlich das „Kitab al-Athar“. Imam Abu Hanifa (r) wurde zum leitenden Lehrer des berühmten Lehrzentrums an der Dschami-Moschee von Kufa ernannt, die zur Zeit von Hadhrat Abdullah ibn Masud (r) gegründet worden war. Einerseits legte er damit die Grundlage für das „Ilm al-Fiqh“, andererseits verfasste er zugleich eine Zusammenstellung der Hadithe über die Gebote und Verbote des Gesandten (s), verbunden mit Hadithen, die aus zuverlässigen Überlieferungsquellen zusammengestellt worden waren. Der Name dieses Werkes ist „Kitab al-Athar“. Für die muslimische Welt gibt es vermutlich kein noch älteres Hadithwerk als dieses. Oder man kann sagen: Unter den Hadithwerken, die der muslimischen Umma gegenwärtig vorliegen, ist dies das älteste Hadithwerk. Vor Imam Abu Hanifa hatten die Hadithsammler Hadithe lediglich auf beliebige Weise gesammelt und zusammengestellt. Kein Hadithwerk war nach der eigentlichen Methode der Abfassung eines Buches verfasst worden. Imam asch-Schaʿbi hatte zwar Hadithe zu einem bestimmten Thema an einer Stelle zusammengetragen und ihnen die Form eines Buches gegeben, doch war dies auf nur einige Kapitel beschränkt; mehr zu vollbringen war ihm nicht möglich. Danach konnte diese Arbeit ebenfalls nicht weiter voranschreiten. Daher war die systematische Zusammenstellung der Hadithe nach der Methode und Ordnung der Buchabfassung, gegliedert in Abschnitte (Kitab) und Kapitel (Bab), bis dahin noch nicht vollendet. Imam Abu Hanifa (r) erfüllte diese Aufgabe mit besonderer Fähigkeit und Gelehrsamkeit, indem er das „Kitab al-Athar“ verfasste. Hafiz as-Suyuti schrieb über Imam Abu Hanifa (r):
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Ein besonderes Verdienst Imam Abu Hanifas (r), in dem er einzigartig ist, besteht darin, dass er als Erster das Wissen der Scharia systematisch geordnet und in Kapiteln zusammengestellt hat. Imam Malik (r) folgte ihm bei der Abfassung des „Muwatta“. Doch konnte niemand Imam Abu Hanifa (r) bei der Abfassung eines solchen Werkes zeitlich zuvorkommen.
Über das von Imam Abū Hanīfa (r) zusammengestellte „Kitāb al-Āthār“ schrieb Hāfiz Ibn Hadschar al-ʿAsqalānī:
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Ein eigenständiges Hadith-Werk, das Imam Abū Hanīfa (r) überliefert hat, ist bis heute erhalten. Es handelt sich um das „Kitāb al-Āthār“; Muhammad ibn Hasan überlieferte es von ihnen. [********************]
Imam ʿAlāʾuddīn al-Kāschānī erwähnte dieses Buch ******************** als das von Imam Abū Hanīfa (r) zusammengestellte „Kitāb al-Āthār“. [********************]
Bei der Abfassung des Hadith-Werks „Kitāb al-Āthār“ sammelte und prüfte Imam Abū Hanīfa (r) Hadithe in umfassender Weise. Sadr al-Aʾimma Muwaffaq ibn Ahmad al-Makkī schrieb in seinem Werk:
******************************************************
Imam Abū Hanīfa (r) stellte dieses Werk „Kitāb al-Āthār“ zusammen, nachdem er aus vierzigtausend Hadithen eine Auswahl getroffen hatte. [******************** Die hier genannte Zahl bezieht sich nicht auf die einzelnen Hadithe, sondern lediglich auf die Überlieferungsketten der Hadithe; ein einzelner Hadith kann zahlreiche Überlieferungsketten haben.]
Alle Hadith-Gelehrten haben diese außergewöhnliche Sorgfalt anerkannt, die er bei der Auswahl und Annahme von Hadithen walten ließ. Imam Wakīʿ (r) sagte:
******************************************************
Bei der Annahme von Hadithen hat Imam Abū Hanīfa (r.) eine derartige Vorsicht walten lassen, wie niemand sonst. [Ebenda, hier sei angemerkt, dass der Hadith-Imam Yaḥyā ibn Saʿīd al-Qaṭṭān in der Wissenschaft der Überprüfung, Prüfung sowie der Auswahl und Sichtung von Hadithen bewandert war. Er sagte:
****************************************************** Bei Allah, er wurde von der muslimischen Umma oder Nation als der größte Gelehrte hinsichtlich des gesamten Wissens anerkannt, das sie von Allah und dem Gesandten erhalten hatte.]
Genau aus diesem Grund scheint es, dass die Muhaddithūn ihn bei ihrer Kritik an Imam Abū Hanīfa (r.) ******************** als „äußerst strengen und harten Mann bei der Überlieferung von Hadithen“ bezeichneten; und eben deshalb konnte die Zahl der von ihm überlieferten Hadithe nicht sehr groß sein. Der Historiker ʿAllāma Ibn Khaldūn schrieb im Zusammenhang mit der Darlegung des Grundes dafür:
******************************************************
Der Grund dafür, dass die Zahl der von Imam Abū Hanīfa (r.) überlieferten Hadithe vergleichsweise gering ist, liegt darin, dass er für die Annahme und Überlieferung von Hadithen strenge moralische Bedingungen auferlegte. [********************]
Im Zusammenhang mit der Fülle der von Imam Abū Hanīfa (r.) gesammelten Hadithe und damit, dass er nur einen geringen Teil davon überlieferte, ist hier eine Aussage von Imam Abū Hanīfa (r.) selbst erwähnenswert. Er sagte:
******************************************************
Bei mir lagern mehrere Truhen voller schriftlich aufgezeichneter Hadith-Schätze. Doch ich habe daraus nur eine sehr kleine Anzahl veröffentlicht und überliefert, die den Menschen in ihrem praktischen Leben von Nutzen sein wird.
Wie bei anderen Hadith-Werken gibt es auch vom „Kitāb al-Āthār“ Abschriften (Nuscha). Deshalb ist es jeweils unter dem Namen eines einzelnen Schülers bekannt geworden. Andernfalls gibt es nur ein einziges ursprüngliches Hadith-Werk, das von Imam Abū Ḥanīfa zusammengestellt wurde. Unter den Verfassern dieser Abschriften sind insbesondere die folgenden Namen erwähnenswert:
1. Imam Zufar ibn al-Hudhail: In maßgeblichen Werken wird hierzu überliefert:
******************************************************
Aḥmad ibn Bakr überlieferte das von Abū Ḥanīfa zusammengestellte „Kitāb al-Āthār“ von Abū Wahab, dem Schüler von Zufar ibn al-Hudhail.
2. Imam Abū Yūsuf ibn Abū Yūsuf: Über ihn wird überliefert:
******************************************************
Er überlieferte von Imam Abū Ḥanīfa das von diesem zusammengestellte „Kitāb al-Āthār“ über dessen Vater. Es ist ein sehr umfangreiches Werk. Qāḍī Athar Mubārakpūrī (der Herausgeber der Zeitschrift „Al-Balāgh“, die von Bo’i veröffentlicht wurde) schrieb: Imams Abū Ḥanīfas „Kitāb al-Āthār“ wurde von dessen Schülern von ihm an andere Menschen überliefert, und während der Überlieferung fügten sie selbst zahlreiche Hadithe hinzu. Deshalb wurde das ursprüngliche Werk in der Bevölkerung unter den Namen verschiedener Schüler bekannt. Andernfalls ist das ursprüngliche Werk ein von Imam Abū Ḥanīfa zusammengestelltes Hadith-Werk.
3. Imam Muhammad ibn Hasan asch-Schaibani: Seine angefertigte Zusammenstellung ist die berühmte, und eben diese ist gegenwärtig irrtümlicherweise als das von Imam Muhammad (r.) zusammengestellte „Kitab al-Athar“ bekannt.
4. Imam Hasan ibn Ziyad al-Lu’lu’i: Ibn Hadschar al-Asqalani (r.) schrieb darüber im Zusammenhang mit seiner Erörterung von Muhammad ibn Ibrahim:
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Muhammad ibn Ibrahim überlieferte das „Kitab al-Athar“ von Imam Abu Hanifa (r.) über Muhammad ibn Schudscha und auf dem Überlieferungsweg seines Lehrers Hasan ibn Ziyad.
Muwatta von Imam Malik
Als unmittelbar nach dem von Imam Abu Hanifa (r.) zusammengestellten „Kitab al-Athar“ zusammengestelltes Hadith-Werk finden wir das von Imam Malik (r.) zusammengestellte „Muwatta“.
Ein wesentlicher Unterschied zwischen dem „Kitab al-Athar“ und dem „Muwatta von Imam Malik“ besteht darin, dass im erstgenannten Werk Hadithe aufgenommen wurden, die von den Hadith-Überlieferern aus dem Hidschas, dem Irak, Syrien und den übrigen Gebieten der muslimischen Welt überliefert wurden; im „Muwatta von Imam Malik“ hingegen finden sich ausschließlich Hadithe, die von in Medina ansässigen Hadith-Gelehrten überliefert wurden. Denn aus der früheren Erörterung über Imam Malik (r.) haben wir gesehen, dass er zur Sammlung von Hadithen niemals außerhalb Medinas reiste.
Die Anordnung des Werkes „Muwatta“ ist so gestaltet, dass zunächst die Aussagen oder Handlungen des edlen Gesandten (s.) erwähnt werden. Danach wurden darin die Aussagen der edlen Gefährten und die auf Koran und Hadith beruhenden Rechtsgutachten der Tabi’un aufgenommen.
Imam Malik (r.) stellte dieses Hadith-Werk auf Anordnung des Abbasidenkalifen al-Mansur zusammen. Ein ägyptischer Gelehrter und Verfasser namens Muhammad Abu Zahwu schrieb:
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Der Abbasidenkalif Abu Dschaʿfar al-Mansur ließ Imam Malik (r.) zu sich rufen und wies ihn an, die Hadithe, die sich für ihn als nachweislich authentisch erwiesen hatten, zu sammeln, sie in Form eines Buches zusammenzustellen und dieses für die Anwendung im praktischen Leben der Menschen zu bestimmen. Daraufhin verfasste er dieses Werk und gab ihm den Namen „al-Muwattaʾ“.
Imam Malik (r.) widmete der Abfassung dieses Werkes unermessliche Mühe sowie unerschöpfliche Geduld und Ausdauer. Imam as-Suyuti überliefert über Ibn al-Hubab:
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Imam Malik (r.) überlieferte zunächst einhunderttausend Berichte. Daraus stellte er das Werk „al-Muwattaʾ“ zusammen, das zehntausend Hadithe umfasste. Danach prüfte er es weiterhin anhand des Korans und der Sunna. Auch auf der Grundlage der Überlieferungen der Gefährten und anderer Berichte unterzog er es einer Prüfung. Schließlich nahm er darin nur fünfhundert Hadithe auf.
Imam as-Suyuti führte auch die folgende Überlieferung über Atik ibn Yaqub an:
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Imam Malik verfasste den „al-Muwaṭṭaʾ“ auf der Grundlage von ungefähr zehntausend Hadithen. Danach überprüfte er ihn jedes Jahr aufs Neue und entfernte Hadithe daraus. Schließlich erlangte er in der gegenwärtigen Form seine vollständige und endgültige Gestalt.[********************]
Imam Malik benötigte volle vierzig Jahre, um die Abfassung dieses Buches endgültig abzuschließen. Diesbezüglich heißt es:
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Die Hadith-Gelehrten haben gesagt, dass Imam Malik volle vierzig Jahre mit der Abfassung dieses Buches verbrachte. Während dieses langen Zeitraums überprüfte und bereinigte er es immer wieder und war damit beschäftigt, es systematisch zu ordnen, fehlerfrei zu gestalten und zu strukturieren.[********************]
Über die Benennung dieses Buches sagte Imam Malik selbst:
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Ich legte dieses mein Buch siebzig in Medina ansässigen Rechtsgelehrten vor. Jeder von ihnen erteilte mir dafür seinen Rat. Aus diesem Grund gab ich ihm den Namen „al-Muwaṭṭaʾ“.[********************]
Aus dem oben über Ibn al-Hubab angeführten Zitat von Imam as-Suyuti ist bekannt, dass Imam Malik aus zehntausend Hadithen durch Auswahl und Bereinigung lediglich fünfhundert Hadithe in sein Buch aufgenommen hatte. Aus diesem Zitat ist jedoch nicht ersichtlich, wie viele Hadithe letztlich insgesamt in das Buch „al-Muwaṭṭaʾ“ aufgenommen wurden. In diesem Zusammenhang wird das folgende Zitat von Imam as-Suyuti angeführt; daraus lässt sich die genaue Zahl erkennen. Er überliefert es nach Abu Bakr al-Abhari:
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Im Muwattaʾ beträgt die Gesamtzahl der vom Gesandten Allahs, den ehrenwerten Gefährten und den Tabiʿun überlieferten Hadithe 1.720.
Davon sind nur 300 Hadithe mit vollständig korrekter Überlieferungskette, 222 Hadithe sind „Mursal“, 616 sind „Mauquf“ und 285 sind Aussagen der Tabiʿun. Imam Hazm (Allah erbarme sich seiner) sagte:
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Ich habe die Hadithe des Muwattaʾ gezählt. Dabei fand ich darin etwas mehr als fünfhundert Musnad-Hadithe und nahezu dreihundert Mursal-Hadithe. Darüber hinaus gibt es darin etwa siebzig Hadithe, deren Befolgung Imam Malik (Allah erbarme sich seiner) vermieden hatte.
Von dem Muwattaʾ gibt es unzählige Abschriften. Davon sind dreihundert Abschriften besonders bekannt. Die Zahl der in diesen Abschriften enthaltenen Hadithe unterscheidet sich erheblich – in manchen finden sich vergleichsweise mehr und in anderen weniger Hadithe. Imam Suyuti erwähnte ausdrücklich drei dieser Abschriften. Diese drei Abschriften sind:
1. Die von Yahya ibn Yahya al-Laythi al-Andalusi angefertigte Abschrift: Er hörte das gesamte Muwattaʾ unmittelbar von Imam Malik (Allah erbarme sich seiner), mit Ausnahme der letzten drei Kapitel.
2. Die von Abu Musʿab Ahmad ibn Abu Bakr al-Qasim angefertigte Abschrift: Er war der Richter von Medina, und seine Abschrift wurde Imam Malik (Allah erbarme sich seiner) zuletzt vorgetragen. Sie enthält etwa einhundert Hadithe mehr als die anderen Abschriften.
3. Verfasst von Imam Muhammad ibn al-Hasan al-Schaybani: So wie er bei Imam Abu Hanifa (r.) die Wissenschaft des Fiqh erlernte, studierte und übernahm er ebenso bei Imam Malik (r.) Hadithe. Von Imam Malik (r.) hörten nahezu eintausend Menschen das Werk „al-Muwatta“ und überlieferten es. Daraus ist ersichtlich, dass das Werk „al-Muwatta“ in der damaligen islamischen Gesellschaft die ihm gebührende Anerkennung genoss. Die Menschen nahmen es freudig an, und aus allen Teilen der muslimischen Welt strömten die Leute nach Medina, um es beim dort ansässigen Imam Malik (r.) unmittelbar von Anfang bis Ende zu hören. Zahlreiche Hadith-Gelehrte sind deshalb der Ansicht, dass sich die folgende, im Tirmidhi-Sahih überlieferte Prophezeiung des edlen Propheten (s.) in Bezug auf Imam Malik (r.) als wahr erwiesen hat. Der Hadith lautet: Der edle Prophet (s.) sagte:
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Die Zeit ist nicht fern, in der die Menschen auf Kamelen reiten und in weit entfernte Länder reisen werden, um Wissen zu erlangen; doch werden sie nirgendwo jemanden finden, der gelehrter ist als den in Medina lebenden Gelehrten.
Berühmte Hadith-Gelehrte wie Ibn Uyayna und Abd ar-Razzaq erklärten einstimmig, dass der in diesem Hadith erwähnte „Gelehrte“ Imam Malik (r.) ist. [Tirmidhi, überliefert von Hazrat Abu Huraira.]
Imam Schafi’i (r.) hatte eine außerordentlich hohe Meinung von „al-Muwatta“ von Imam Malik (r.) und hielt es für ein einzigartiges Werk. Seine diesbezügliche, unten angeführte Aussage ist allgemein bekannt. Er sagte:
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Nach dem Buch Allahs gibt es auf der Welt kein einziges Werk, das authentischer wäre als das von Imam Malik (r.) zusammengestellte Hadith-Werk.
Seine Aussage ist auch in der folgenden Form überliefert:
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Kein einziges Buch, das dem Koran nähersteht als das Buch von Imam Malik (r.), ist auf der Welt verfasst worden.
Der berühmte Hadith-Gelehrte Abu Zurʿa aus späterer Zeit sagte über die Muwaṭṭaʾ von Malik (r.):
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Keinem anderen Buch wurde ein solches Maß an Vertrauen und Verlässlichkeit entgegengebracht.
Diese von Imam Malik zusammengestellte Hadith-Sammlung erlangte eine solche Popularität, dass der damalige abbasidische Herrscher al-Mansur, als er anlässlich der Hadsch nach Medina kam, zu Imam Malik (r.) sagte:
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Ich habe beschlossen, unzählige Abschriften der von Ihnen zusammengestellten Hadith-Sammlung anfertigen zu lassen und je eine davon in jede muslimische Stadt und jeden muslimischen Ort zu schicken. Ich werde allen befehlen, danach zu handeln, und ihnen sagen, sie sollen sich keinem anderen Buch zuwenden und dieses Buch beiseitelassen.
Nach diesen Worten war es nur natürlich, dass im Herzen von Imam Malik (r) eine Welle der Freude und Begeisterung aufstieg. Doch Imam Malik (r) konnte dies keineswegs gutheißen oder akzeptieren. Er sagte ausdrücklich:
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Sie dürfen eine solche Maßnahme nicht ergreifen. Denn die Menschen haben bereits viele Bestimmungen der Scharia erfahren. Sie haben viele Hadithe gehört und auch viele Hadithe überliefert; was sie zuerst erhalten haben, das haben sie angenommen und begonnen, dementsprechend zu handeln. Lassen Sie daher die Menschen jeder Stadt und jeder Region nach dem handeln, was sie für sich angenommen haben.
Später wollte auch Kalif Harun ar-Raschid besondere Maßnahmen in Bezug auf die Muwatta von Malik (r) ergreifen. Er beabsichtigte, sie am Haus der Kaaba aufzuhängen und die Menschen anzuweisen, dementsprechend zu handeln. Als er Imam Malik (r) diesen Wunsch mitteilte, sagte dieser:
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Nein, tun Sie dies nicht. Denn unter den Gefährten des Gesandten gab es in Einzelheiten Meinungsverschiedenheiten; sie hatten sich über verschiedene Städte und Regionen verstreut. Und sie alle wurden auf den rechten Weg geführt.
Meinungsverschiedenheiten in Einzelheiten der umfassenden und weitreichenden Lebensordnung des Islam sind ganz natürlich. Es kann keineswegs angemessen sein, diesem Weg ein Ende zu setzen, alle Menschen zu Anhängern einer einzigen bestimmten Auffassung zu machen und dafür die Staatsgewalt einzusetzen. Vielmehr besteht das islamische Prinzip darin, alle auf islamischen Rechtsbestimmungen beruhenden Auffassungen in den Einzelheiten als wahr und richtig anzuerkennen, wie widersprüchlich sie auch äußerlich erscheinen mögen. Auch die oben angeführten Worte von Imam Malik (r) belegen dies. Es besteht kein Zweifel daran, dass dieser Grundsatz von Imam Malik (r) äußerst vernünftig und gerecht war. Imam Ibn Abd al-Barr (r) sagte im Hinblick auf diesen Grundsatz:
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Für verständige Menschen ist dies zweifellos ein äußerst gerechtes Prinzip.
In der oben erwähnten Haltung von Imam Malik liegt eine besondere Lehre für diejenigen, die sich wegen nebensächlicher Fiqh-Fragen einer maßlosen Engstirnigkeit hingeben und unnachgiebig versuchen, anderen ihre eigene besondere Meinung in Detailfragen mit Gewalt aufzuzwingen.
Das Dschamiʿ von Sufyan ath-Thauri (r.)
Genau zu dieser Zeit verfasste Imam Sufyan ath-Thauri (r.) sein zusammengestelltes Hadith-Werk unter dem Namen „al-Dschamiʿ“. Sufyan ath-Thauri (r.) nahm regelmäßig an den Lehrsitzungen von Imam Abu Hanifa (r.) teil und überlieferte Hadithe über ihn. Das Fiqh jedoch erlernte er bei Ali ibn Masʿhar, einem herausragenden Schüler von Imam Abu Hanifa. Ali ibn Masʿhar war sowohl im Fiqh als auch im Hadith ein herausragend tüchtiger Gelehrter. Über ihn schrieben die Fachgelehrten:
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Er war sowohl im Hadith als auch im Fiqh herausragend bewandert.
Imam ath-Thauri verfasste sein Dschamiʿ- Werk mit eben dieser Hilfe und Unterstützung. Imam Yazid ibn Harun sagte:
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Sufyan al-Thawri erlernte die Rechtswissenschaft von Imam Abu Hanifa (r.) bei Ali ibn Mishar; mit dessen Hilfe und nach Gesprächen mit ihm verfasste er sein Hadith-Werk mit dem Titel „al-Dschamiʿ“.
Eine Zeit lang genoss dieses „al-Dschamiʿ“ von Sufyan al-Thawri unter den Hadith-Gelehrten großes Ansehen und wurde viel gelesen. Dieses Werk gehörte zu den ersten Hadith-Werken, die Imam al-Buchari (r.) studierte.
Imam Ishaq ibn Rahwayh (r.) wurde gefragt:
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Welches der beiden Werke ist besser: „Muwatta“ von Imam Malik oder „al-Dschamiʿ“ von Sufyan al-Thawri?
Er hatte in seiner Antwort zwar „Muwatta Imam Malik“ als das bessere Buch bezeichnet. Aber Imam Abu Dawud al-Sidschistani, der Verfasser der Sunan, war anderer Meinung. Er sagte:
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Von allen Werken, die die Menschen in dieser Zeit verfasst haben, ist Sufyan al-Thawris „al-Dschamiʿ“ das beste Werk.
Oben wurde unter den bis zu dieser Zeit zusammengestellten Hadith-Werken nur eine kurze Vorstellung einiger weniger bedeutender Werke gegeben. Die ausführliche Geschichte dieses Jahrhunderts beweist jedoch, dass in dieser Zeit nicht nur diese wenigen Werke zusammengestellt wurden. Vielmehr wurden darüber hinaus noch einige weitere Hadith-Werke zusammengestellt. Da diese Werke jedoch unmittelbar und in besonderem Maße unter Zuhilfenahme der oben genannten Werke zusammengestellt wurden, werden sie nicht gesondert erwähnt.
In dieser Zeit traten zwei tief gelehrte Muhaddithūn hervor. Bemerkenswert ist, dass beide den Namen Abū Hafs trugen und Vater und Sohn waren. Da Vater und Sohn denselben Namen hatten, wurde der Vater zur Unterscheidung als Abū Hafs Kabīr (der Ältere) und der Sohn als Abū Hafs Saghīr (der Jüngere) bezeichnet. Der Beitrag dieser beiden zur Verbreitung und Förderung des Hadith-Wissens in jener Epoche ist unvergesslich. Sie zählten zu den führenden Muhaddithūn Bucharas; durch ihre Bemühungen verbreitete sich das Hadith-Wissen in allen Gegenden Bucharas umfassend, und in jedem Haus begann man, es zu studieren, zu lehren und zu erörtern. Hafiz Samʿānī schrieb über Abū Hafs Kabīr:
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So viele Menschen überlieferten von ihm Hadithe, dass ihre Zahl nicht festzustellen ist.
Tatsächlich waren seine Schüler in jedem Dorf Bucharas verbreitet. Auch in dem Dorf namens Khaizakhīz widmeten sich unzählige seiner Schüler dem Studium des Hadith-Wissens.
Imam Abū Hafs erlernte das Hadith-Wissen und die Fiqh bei Imam Abū Yūsuf und Imam Muhammad. Hafiz Dhahabī schrieb:
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Imam Abū Hafs Kabīr zählte zu den führenden Schülern Imam Muhammads und war die letzte Säule der Führung der hanafitischen Gelehrten Bucharas.
In der Geschichte des Islam ist dies eine Epoche, in der auf den verschiedenen wichtigen Gebieten des islamischen Wissens und der Wissenschaft – Tafsir, Hadith, Fiqh und Geschichte – in großem Umfang Bücher verfasst wurden. Der Historiker as-Suyuti schrieb: In dieser Zeit widmeten sich zahlreiche Menschen, die bei Imam Abu Hanifa und Imam Malik gelernt und ihre geistige Ausbildung erhalten hatten, der Errichtung von Lehrzentren an verschiedenen Orten der muslimischen Welt, wobei sie den reichen Schatz des islamischen Wissens in sich trugen und sich umfassend seiner Vermittlung und Verbreitung widmeten. Einen deutlichen Eindruck von der tatsächlichen Zahl der Schüler Imam Abu Hanifas vermittelt die nachstehende Darstellung von Hafiz Abd al-Qadir al-Qurashi. Er schrieb:
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Nahezu viertausend Personen überlieferten und verbreiteten von Imam Abu Hanifa Ansichten zu Hadith und Fiqh.[********************]
Imam Hajjajuddin Ibn al-Bazzaz al-Qurdari legte eine lange Liste der zahlreichen, über die gesamte muslimische Welt verstreuten Schüler Imam Abu Hanifas vor. Als Überschrift schrieb er die folgenden Worte:
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Jene Menschen, die über die Städte des Ostens und des Westens verstreut waren und von Imam Abu Hanifa Hadith und Fiqh überlieferten.
Anschließend nannte er fast alle bedeutenden Provinzen, Städte, Ortschaften und Dörfer der damaligen muslimischen Welt und legte ausführlich dar, welche Schüler Imam Abu Hanifas dort mit der Verbreitung von Hadith und Fiqh betraut waren.[********************]
Über die Gelehrten, die nach ihrem Studium von Hadith und Fiqh bei Imam Abu Hanifa eigenständig und auf eigene Weise Bücher verfassten, schrieb Imam at-Tahawi:
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Diejenigen Schüler von Imam Abu Hanifa (r), die Werke verfassten, waren vierzig an der Zahl. Unter den zehn der ersten Generation waren besonders hervorzuheben: Imam Abu Yusuf, Izufar, Imam Dawud at-Ta’i, Imam Asad ibn Amr, Imam Yusuf ibn Khalid as-Simti und Imam Yahya ibn Zakariya ibn Abu Za’ida. Der Letztgenannte war sogar dreißig Jahre lang als Schreiber der zuerst Genannten tätig.[********************]
Sie alle waren berühmte Muhaddithun. Auch Imam Hasan ibn Ziyad war einer der herausragenden Hadithgelehrten dieser Generation. Er sammelte Hadithe bei Ibn Jurayj. Er selbst sagte:
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Ich schrieb bei Ibn Jurayj zwölftausend Hadithe nieder. Diese Hadithe sind für die Faqih äußerst notwendig.[********************]
Kurz gesagt: Unmittelbar nach Imam az-Zuhri setzte eine gewaltige, alles überflutende Welle der Hadithsammlung und der Abfassung von Hadithwerken ein. In nahezu jeder Stadt der muslimischen Welt begann diese Tätigkeit. Die Verfasser weiterer Werke dieser Zeit waren:
In Mekka: Ibn Jurayj (150 n. H.), Ibn Ishaq (152 n. H.); in Medina: Sa’id ibn Abu Aruja (156 n. H.), Rabi’ ibn Dubai (160 n. H.) und Malik ibn Anas (179 n. H.); in Basra: Hammad ibn Salama (176 n. H.) und Ibn Aruba; in Kufa: Sufyan ath-Thawri (161 n. H.); in Syrien: Abu Amr al-Awza’i (156 n. H.); in Wasit: Hushaym (188 n. H.); Laith und Ibn Lahi’a; in Chorasan: Abdullah ibn al-Mubarak (181 n. H.); im Jemen: Ma’mar (153 n. H.); in Rayy: Jarir ibn Abdulhamid (188 n. H.). Jeder von ihnen widmete sich an seinem jeweiligen Ort der Sammlung und Zusammenstellung von Hadithen.[********************]
Sie gehörten nahezu alle derselben Epoche an und waren Zeitgenossen; sie waren die bedeutendsten Hadithgelehrten des zweiten islamischen Jahrhunderts.[********************] Aufgrund ihrer unermüdlichen Anstrengungen, ihrer aufrichtigen und tiefen Hingabe sowie ihrer gründlichen Forschung, Prüfung und Verifizierung wurde aus der Sicht der hanafitischen Rechtsschule der gewaltige Bau der Fiqh-Wissenschaft errichtet.
In ähnlicher Weise verbreiteten sich auch die Schüler von Imam Malik (r.) im Osten und Westen der muslimischen Welt. Wie viele Menschen haben bei ihm Hadithe gelernt und sich ihrer Verbreitung und Lehre gewidmet? Al-Khatib al-Baghdadi nennt 93 Überlieferer; Hafiz Qadi Iyad jedoch schrieb: mehr als dreizehnhundert.
Unter den Schülern von Imam Malik (r.) waren Abdullah ibn Wahb (gest. 195 n. H.), Abd ar-Rahman ibn al-Qasim (gest. 191 n. H.) und Ashhab versierte und hochrangige Verfasser von Büchern. Hafiz adh-Dhahabi sagte, Ibn Wahb habe einhunderttausend Hadithe auswendig überliefert. In den von ihm zusammengestellten Werken seien einhundertzwanzigtausend Hadithe angeführt. Auch Ibn al-Qasim war ein Hafiz der Hadithe und galt als der bedeutendste unter denen, die das Fiqh von Imam Malik (r.) überlieferten und verbreiteten.
Aus dieser ausführlichen Erörterung geht eindeutig hervor, dass bereits vor dem Ende des zweiten Jahrhunderts nach der Hidschra unzählige Hadith-Sammlungen angefertigt und überall verbreitet worden waren. Zugleich waren die Schüler von Imam Abu Hanifa (r.) und Imam Malik (r.) mit einem gewaltigen Wissensschatz über die Hadithe im Herzen in die verschiedenen Zentren der gesamten muslimischen Welt hinausgezogen. Sie hatten sich der Verbreitung und Lehre dieser Hadithe gewidmet.
Die Hadithpflege im dritten Jahrhundert nach der Hidschra
Im dritten Jahrhundert nach der Hidschra erlangte die Hadithwissenschaft im Vergleich zur vorherigen Zeit größere Vervollkommnung, größeren Fortschritt, größere Verbreitung und umfassendere Bedeutung. Die Hadithwissenschaft wurde als eine vollständige Wissenschaft etabliert. Ihre einzelnen Fachbereiche wurden vollständig und eigenständig ausgebildet.
Die Muhaddithun und Hadith-Überlieferer dieses Jahrhunderts reisten auf dem Land und zu Wasser auf der Suche nach Hadithen; sie durchforschten jedes Zentrum der muslimischen Welt bis ins kleinste Detail. Sie gelangten bis in einzelne Städte und Dörfer und trugen die verstreuten Hadithe zusammen. Hadithe mit vollständigem Isnad ordneten und strukturierten sie gesondert. Der Kontinuität der Überlieferungskette und ihrer Überlieferungswege sowie deren Zuverlässigkeit widmeten sie höchste Aufmerksamkeit. Zu diesem Zweck wurde Asma ar-Rijal als eigenständiger Wissensbereich zusammengestellt und verfasst. Die feinsinnige Lehre von der Prüfung und Verifizierung der Hadithe, ihrer Aussonderung und Klassifizierung sowie der Feststellung von Wahrheit und Falschheit entwickelte sich zu einer eigenständigen Wissenschaft. Auch die berühmten Sihah Sitta (die sechs authentischen Hadith-Werke) wurden in diesem Jahrhundert zusammengestellt.
In diesem Jahrhundert kam es einerseits zu außerordentlichen Errungenschaften bei der Sammlung und Zusammenstellung von Hadithen, der Abfassung von Werken und der Entwicklung notwendiger hadithbezogener Kenntnisse; andererseits waren unter der muslimischen Bevölkerung ein unermüdlicher Eifer und ein außerordentliches Interesse am Lernen und Studium der Hadithe zu beobachten. Vor jedem einzelnen Hadith-Lehrer versammelten sich Zehntausende von Schülern, um Hadithe zu lernen, und nahmen Platz. Nachdem Hafiz adh-Dhahabi die Namen von einhundertdreißig Muhaddithun der achten Stufe erwähnt hatte, schrieb er:
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Eine große Gruppe von Hadith-Hafiz auf ihrer eigenen Rangstufe habe ich noch nicht erwähnt. Zu dieser Zeit versammelten sich bei jeder Hadith-Unterrichtssitzung zehntausend oder noch mehr Tintenfässer. Die Menschen schrieben die Hadithe des Gesandten Allahs (s) nieder und widmeten ihnen mit eben dieser Ehrfurcht ihre volle Aufmerksamkeit. Unter ihnen waren zweihundert Hadith-Imame. Sie waren sowohl befähigt, auf Grundlage der Hadithe Rechtsgutachten zu erteilen, als auch bereits öffentlich mit der Erteilung solcher Rechtsgutachten begonnen.
Die in dem obigen Zitat erwähnte Anwesenheit von zehntausend Schülern kann sich nur auf ein sehr gewöhnliches Hadith-Lehrzentrum der Anfangsstufe beziehen. Denn es wird berichtet, dass sich bei den Unterrichtssitzungen der großen und herausragenden Hadith-Imame und -Hafiz weit mehr – bis zu einhunderttausend Hadith-Schüler – versammelten. Bei den Hadith-Unterrichtssitzungen von Imam Hafiz Abū al-Hasan ʿAlī ibn ʿĀsim al-Wāsiṭī, einem Schüler von Imam Abū Hanīfa (r), versammelten sich mehr als dreißigtausend Schüler.
Im Zusammenhang mit der Hadith-Ausbildung von Hasan ibn ʿĀsim wird von einem Ereignis berichtet. Sein Vater gab ihm einhunderttausend Münzen und sagte zu ihm:
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Reise zum Studium der Hadithe ins Ausland; ich möchte dein Gesicht nicht sehen, bevor du nicht mindestens einhunderttausend Hadithe gelernt hast.
Daraufhin reiste er ins Ausland und erwarb so umfassende Kenntnisse in der Hadith-Wissenschaft, dass er schließlich als Zeichen seiner herausragenden Hadith-Kenntnisse Titel wie „Musnad al-ʿIrāq“ und „al-Imām al-Ḥāfiẓ“ erhielt und zu seinem Vater zurückkehrte. Auch bei Imam Abū Hanīfa (r) hatte er Hadithe gelernt.
Sein Sohn, Imam Abū Ḥusain ʿĀṣim ibn ʿAlī al-Wāsiṭī (gest. 212 n. H.), war ein Lehrer von Imam al-Buchārī. Im Bukhari Sharif werden von ihm überlieferte Hadithe zitiert. Über ihn schrieb Hafiz al-Dhahabi:
Er kam nach Bagdad und begann, Hadithe niederschreiben zu lassen. Daraufhin versammelte sich bei ihm eine gewaltige Schar von Lernenden.
Abū al-Husain ibn al-Mubārak (r.) berichtet: In seiner Unterrichtsversammlung versammelten sich mehr als hunderttausend Menschen. Ein Mann namens Hārūn stieg auf die Spitze einer Dattelpalme und sorgte dafür, dass seine Stimme weit in die Ferne drang. Nach einer Schätzung der Teilnehmerzahl dieser Versammlung waren es mindestens einhundertzwanzigtausend.
Yazīd ibn Hārūn war ein weiterer Schüler des Imām al-Aʿẓam Abū Hanīfa. Er war ein Hadith-Experte und Hafiz einer gewaltigen Zahl von Hadithen. In Bagdad erteilte er Hadith-Unterricht. Zu seiner Unterrichtsversammlung kamen siebzigtausend Schüler.
Der berühmte „Hafiz des Hadith“ von Bagdad war Sulaimān ibn Harb (gest. 224 n. H.). An seiner Unterrichtsversammlung nahmen vierzigtausend Schüler teil. In der Nähe des Palastes des Kalifen al-Maʾmūn war eine hohe Kanzel errichtet worden. Sulaimān nahm darauf Platz und erteilte Hadith-Unterricht. Neben dem Kalifen und den Würdenträgern waren auch gewaltige Menschenmengen bei der Versammlung anwesend.
Als der Verfasser des „Sunan“, der Hafiz Abū Muslim al-Qāḍī (gest. 292 n. H.), auf dem „Gamān“-Platz in Bagdad eine Versammlung zum Diktieren von Hadithen abhielt, versammelten sich derart gewaltige Menschenmengen, dass sieben Personen damit beauftragt werden mussten, seine gesprochenen Worte mithilfe gegenseitiger Weitergabe den weit entfernt stehenden Menschen zu übermitteln. Nach dem Ende der Versammlung wurde einmal die Zahl derjenigen gezählt, die lediglich mit Tintenfass und Schreibfeder gekommen waren, um mitzuschreiben; es stellte sich heraus, dass es mindestens vierzigtausend waren. Die Zahl derer, die nur zum Zuhören anwesend gewesen waren, war unzählbar.
An der Hadith-Unterrichtsversammlung, die der Hafiz Jaʿfar al-Faryābī (gest. 301 n. H.) an der „Manār“-Hauptstraße in Bagdad abhielt, nahmen mindestens dreißigtausend Menschen teil.
Wenn Imām Muhammad asch-Schaibānī in der Stadt Kufa Hadith-Unterricht erteilte, wurden die Hauptstraßen der Stadt durch die Menschenmenge versperrt.
Die Lehrer von Imām Ibn Māǧa, der Hafiz Abū Bakr ibn Abī Schaiba und dessen Bruder ʿUthmān ibn Abī Schaiba, waren beide herausragende Muhaddithūn. Auch zu ihren Hadith-Unterrichtsversammlungen kamen mindestens dreißigtausend Menschen.
Tatsächlich lässt sich aus den zuvor erwähnten historischen Ereignissen deutlich erkennen, welch gewaltige Begeisterung und welch brennender Durst unter der islamischen Bevölkerung im dritten islamischen Jahrhundert nach dem Erlernen der Hadithe vorhanden waren. Darüber hinaus ist es unmöglich, genau festzustellen, wie viele Menschen es in dieser Zeit in der muslimischen Welt gab, die im Hadith bewandert waren, ihn verbreiteten und lehrten. Imām Abū Dāwūd as-Siǧistānī schrieb: „Der Hafiz Ibn Ibrāhīm al-Farāhīdī (gest. 222 n. H.), einer der herausragendsten Muhaddithūn des dritten Jahrhunderts, hörte Hadithe von nahezu eintausend Muhaddithūn und schrieb sie nieder; dennoch bestand für ihn keinerlei Notwendigkeit, zu diesem Zweck außerhalb seiner eigenen Stadt ins Ausland zu reisen.“
Aus diesem Grund war die Zahl der Lehrer der Muhaddithen in dieser Epoche außerordentlich groß. Jeder einzelne Muhaddith hatte mehr als tausend Lehrer. Viele hatten sogar die Möglichkeit, von viertausend Lehrern Hadithe zu lernen und zu überliefern. Imam Abdullah ibn al-Mubarak selbst sagte: „Ich habe von viertausend Muhaddithen Hadithe gelernt. Von ihnen habe ich Hadithe nur über die Überlieferungsketten von eintausend Muhaddithen überliefert.[********************]
Nachdem Hafiz Schamsuddin adh-Dhahabi in seinem Werk Tadhkirat al-Huffaz über einhundertsechs Hadith-Hafize der neunten Rangstufe gesprochen hatte, schrieb er:
******************************************************
In dieser Epoche und in der ihr nahestehenden Zeit gab es zahlreiche Imame, die mit den Hadithen des Gesandten Allahs (s) bestens vertraut waren. Ich konnte hier nicht einmal ein Zehntel von ihnen erwähnen. In meinem verfassten Geschichtswerk sind die meisten von ihnen erwähnt.[********************]
Auch Imam al-Buchari war in diesem dritten Jahrhundert der herausragendste Muhaddith. Er schrieb:
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Ich hörte Hadithe von eintausendachtzig Lehrern und schrieb sie nieder. Jeder von ihnen war ein bedeutender Muhaddith.[********************]
Hadithreiche Städte des dritten Jahrhunderts
Im dritten Jahrhundert der Hidschra erlebte die Hadithwissenschaft einen außergewöhnlichen Aufschwung. Damals wurde in nahezu allen größeren Städten der muslimischen Welt – von den Städten bis hin zu den entlegenen Dörfern – umfassend Hadith gelehrt und studiert. Einige dieser Städte waren die bedeutendsten Zentren des Hadith. Dort verbreiteten zahlreiche ansässige Muhaddithen Hadithe, während Hadith suchende und sammelnde Muhaddithen in diese Städte kamen, um Hadithe zu hören und schriftlich festzuhalten. Die Zahl der Städte und Orte, die die Muhaddithen zu jener Zeit zum Sammeln von Hadith bereisten, dürfte mindestens fünfzig betragen haben. Hafiz adh-Dhahabi verfasste ein eigenes Werk, in dem er die Namen und Beschreibungen dieser Städte und Orte aufführte. Sein Titel lautet:
******************** – Die Hadith-reichen Städte.
Unter diesen Hadith-Zentren waren einige Städte von besonderer Bedeutung. Imam Ibn Taymiyya schrieb unter Erwähnung ihrer Namen und Besonderheiten:
******************************************************
Unter diesen Hadith-Zentren waren einige Städte von besonderer Bedeutung. Imam Ibn Taymiyya schrieb unter Erwähnung ihrer Namen und Besonderheiten:
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Makka und Medina, Kufa und Basra sowie Syrien – diese fünf Städte waren die Wiege der islamischen Wissenschaften; von diesen Städten aus entsprang der Strom des vom Propheten verkündeten Wissens über den Glauben, den Koran und die Scharia.********************
Wir möchten hier eine Darstellung dieser fünf Städte vorlegen.
Medina
Medina war in der letzten Phase des Wirkens des Propheten der Mittelpunkt, Dar al-Hidschra; allein dieser Stadt war das Vorrecht beschieden, der Hort und die Quelle des prophetischen Wissens zu sein. Daher trägt diese Stadt auch den Namen Dar as-Sunna, und es besteht keinerlei Zweifel daran, dass dies ein äußerst passender Name ist.[********************] Von der Zeit des edlen Propheten (s) bis zur Kalifatszeit Hadhrat Alis (r) war sie das Zentrum von Wissen und Wirken in der gesamten muslimischen Welt. Auch in späterer Zeit blieb ihr Rang bis zur Zeit Imam Maliks (r) ungeschmälert. Zu den letzten Bewohnern dieser Stadt gehörten Nafi, Ibrahim ibn Sa’d, Sulayman ibn Bilal und Isma’il ibn Ja’far. [********************] Nach ihnen lebten dort Hafiz Abu Mus’ab az-Zuhri, Hafiz Ibrahim ibn al-Muzir und Hafiz Ishaq ibn Musa al-Ansari.
Über Hafiz Abu Mus’ab az-Zuhri schrieb Hafiz adh-Dhahabi:
******************************************************
Er war ein vertrauenswürdiger und zuverlässiger Hadith-Überlieferer, Hadith-Lehrer für die Bewohner Medinas, Richter und Muhaddith.[********************]
Er wurde im Jahr 150 nach der Hidschra geboren und verstarb im Jahr 242 nach der Hidschra. Er war der Lehrer von fünf der sechs Verfasser der Sihah Sitta, mit Ausnahme von Imam an-Nasa’i.
Über Hafiz Ibrahim schrieb adh-Dhahabi:
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Ein Imam des Hadith, ein großer Hadithgelehrter und ein zuverlässiger Hadith-Überlieferer.
Er war der Lehrer von Imam al-Buchari und Imam an-Nasa’i. Im Jahr 236 nach der Hidschra verstarb er in Medina. Hafiz adh-Dhahabi sagte über Hafiz Ishaq:
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Ein Rechtsgelehrter, ein Hafiz des Hadith und ein zuverlässiger Hadith-Überlieferer.
Er war der Lehrer von Imam Muslim, at-Tirmidhi, an-Nasa’i und Ibn Madscha im Hadith. Er verstarb im Jahr 244.
Diese drei waren allesamt große Hadith-Hafize und Lehrer. Neben ihnen waren auch Bakr ibn Abd al-Wahhab al-Madani (gest. 250 n. H.), Hasan ibn Dawud (gest. 247 n. H.) und Muhammad ibn Ubayd al-Madani bedeutende Hadithgelehrte.
Mekka
In dieser Stadt begann die Offenbarung an den edlen Gesandten Allahs (s) herabgesandt zu werden. Hier wurde er zum Propheten und Gesandten berufen. Danach verbrachte der edle Prophet (s) dreizehn lange Jahre in dieser Stadt, inmitten eines lebensgefährlichen Kampfes und erbitterter Auseinandersetzungen. Zur Zeit der Gefährten wurde hier die Hadithwissenschaft vergleichsweise wenig gepflegt. Gegen Ende der Zeit der Gefährten sowie in der Zeit der Tabiʿun und der Tabiʿ at-Tabiʿun war diese Stadt ein Aufenthaltsort bedeutender Hadithgelehrter. Mudschahid, Ata, Saʿid ibn Dschubair und Ibn Abi Mulaika lebten hier und unterrichteten Hadith. In späterer Zeit lebten hier namhafte Hadithgelehrte wie Abd Allah ibn Abi Nadschih, Ibn al-Qasim, Hanzala ibn Uyayna, Abu Sufyan, Ibn Dschuraidsch, Muslim Dschandschi, Fudail ibn Uyayna, Abu Abd ar-Rahman al-Muqri, al-Azraqi, al-Humaydi und Saʿid ibn Mansur.
Im dritten Jahrhundert nach der Hidschra war die Beschäftigung mit der Hadithwissenschaft in der Stadt Mekka zwar nicht so umfangreich wie in Medina; dennoch brannte dort zweifellos weiterhin das Licht des Hadith. In diesem Jahrhundert lebten dort etliche Muhaddithūn, die mit der Vermittlung und Verbreitung von Hadithen beschäftigt waren. Sie sind:
1. Der Hafiz al-Halwānī, Imam Abū Muhammad Hasan ibn ʿAlī ibn Muhammad al-Khallāl. Den letzten Teil seines Lebens verbrachte er in Mekka. Er wurde unter dem Namen „Muhaddith von Mekka“ berühmt. Der Hafiz adh-Dhahabī schrieb über ihn:
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Er stellte Hadith-Werke zusammen und nahm dafür große Mühen und Anstrengungen auf sich.
Ibn ʿAdī erwähnte, dass er ein Hadith-Werk mit dem Titel „Kitāb as-Sunan“ zusammengestellt hatte. Im Jahr 242 nach der Hidschra verstarb er.
2. Der Hafiz az-Zubayr ibn Bakkār – Abū ʿAbdullāh ibn Abī Bakr al-Qurashī. Der Hafiz adh-Dhahabī begann seine Ausführungen über ihn mit den Worten:
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Imam des Hadith, Hafiz, Kenner der Genealogie und Richter von Mekka.
Er war der Lehrer von Imām Ibn Māǧa. Im Jahr 256 n. H. verstarb er in Mekka.[********************]
3. Ḥāfiẓ Salām ibn Šubayb – Abū ʿAbd ar-Raḥmān al-Ḥuǧūrī al-Masmāʿī. Ursprünglich stammte er aus Nisābūr. Später ließ er sich dauerhaft in Mekka nieder. Abū Nuʿaim al-Iṣfahānī sagte über ihn:
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Er war einer der zuverlässigsten Überlieferer von Hadithen; zahlreiche Imame und Gelehrte der ersten Generationen überlieferten Hadithe von ihm.
Al-Ḥākim schrieb:
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Er war der Hadith-Gelehrte der Bewohner Mekkas; hinsichtlich seiner Aufrichtigkeit und der Tiefe seines Wissens herrschte unter allen Einigkeit.
Er verstarb im Jahr 246 n. H.[********************]
4. Hafiz Yaʿqub ibn Humayd war zunächst in Medina ansässig, später ließ er sich in Mekka nieder. Hafiz adh-Dhahabi schrieb über ihn:
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Hadith-Imam, versierter Muhaddith, Gelehrter Medinas, in Mekka ansässig.
Imam al-Bukhari war sein Schüler. Er starb im Jahr 241 n. H.
Diese vier waren Hafize des Hadith. Darüber hinaus gab es viele Hadith-Lehrer und Scheiche.
Kufa
Der Historiker Ibn Saʿd schrieb im Zusammenhang mit der Darstellung der hadithwissenschaftlichen Besonderheiten der Stadt Kufa:
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In dieser Stadt Kufa lebten dreihundert Gefährten, die unter dem Baum den Treueeid zum Tod geleistet hatten, sowie siebzig Gefährten aus denjenigen, die am Feldzug von Badr teilgenommen hatten.[********************]
Doch der Hadith-Hafiz Abu Baschar ad-Dulabi überlieferte zuverlässig von Qatada:
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Nach Kufa kamen eintausendfünfzig Gefährten des Propheten (s). Außerdem kamen vierundzwanzig Gefährten von denen, die am Feldzug von Badr teilgenommen hatten.[********************]
In dieser Stadt wurden die Hadithe umfassend gelehrt und studiert. Der Tabi’i Ibn Sirin sagte:
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Als ich nach Kufa kam, waren dort viertausend Hadith-Studenten mit dem Studium beschäftigt.[********************]
Die thematische Zusammenstellung der Hadithe begann erstmals in dieser Stadt. Die erste Sammlung authentischer Hadithe wurde hier schriftlich zusammengestellt. Da Imam Abu Hanifa (r) in dieser Stadt lebte, entstanden und entwickelten sich Fiqh und seine Grundlagen innerhalb des Umfelds dieser Stadt auf der Grundlage der Hadithe. In dieser Stadt lebte der Hadith-Hafiz Abu Bakr ibn Abi Schayba. Der Hafiz adh-Dhahabi schrieb über ihn:
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Abū Bakr war ein Hadith-Gelehrter von unvergleichlichem Rang, ein beispielloser und zuverlässiger Überlieferer von Hadithen sowie ein Mann von besonderer Sachkenntnis.
Imam al-Buchārī, Imam Muslim, Imam Abū Dāwūd und Ibn Māǧa waren seine herausragenden Schüler und Jünger. In ihren Hadith-Werken sind zahlreiche Hadithe enthalten, die sie von ihm überliefert haben. Imam Abū Zurʿa sagte über ihn:
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Ich habe niemanden gesehen, der mehr Hadithe auswendig wusste als Ibn Abī Schaiba.
Er starb im Jahr 235 nach der Hidschra. Als Andenken hinterließ er einige von ihm zusammengestellte Werke.
Auch der Schaich al-Islām al-Ašadd Abū Saʿīd ʿAbdullāh lebte in dieser Stadt. Von ihm schrieb Abū Bakr ibn Abī Dāwūd innerhalb eines Monats dreißigtausend Hadithe nieder. Auch Imam Ibn Māǧa überlieferte in seinem Werk zahlreiche Hadithe, die er von ihm erhalten hatte. Der Gelehrte adh-Dhahabī schrieb über ihn:
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Al-Ashajj, Imam des Hadith, Führer der Muslime, Hadith-Hafiz, bedeutendster Hadith-Gelehrter Kufas und Verfasser eines Tafsir des Korans sowie weiterer Werke.
Alle Verfasser der Sihah Sitta waren seine Schüler auf dem Gebiet des Hadith. Er starb im Jahre 247 nach der Hidschra im Alter von über neunzig Jahren.
Auch der Hadith-Hafiz Uthman ibn Abu Shayba stammte aus dieser Stadt. Er war der ältere Bruder des oben erwähnten Abu Bakr ibn Abu Shayba. Hafiz adh-Dhahabi schrieb über ihn:
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Er war wie sein Bruder Abu Bakr ein herausragender Hadith-Gelehrter und Imam des Hadith.
Der „Perle des Irak“ genannte Hadith-Hafiz Muhammad ibn Abdullah ibn Numayr stammte ebenfalls aus Kufa. Ali ibn al-Husayn ibn az-Zunayd sagte:
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„Er vereinte Wissen, Verstand, Sunna und Gottesfurcht in sich; in der Stadt Kufa habe ich keinen seinesgleichen gesehen.
Imam al-Buchārī, Imam Muslim, Imam Abū Dāwūd, Ibn Māǧa und andere Verfasser der Ṣiḥāḥ waren seine Schüler. In Ṣaḥīḥ Muslim werden über seine Überlieferungskette 536 Hadithe zitiert. Auch in Ibn Māǧas Werk wurden zahlreiche Hadithe von ihm übernommen und angeführt.[********************]
Abū Kuraib, der Muḥaddith von Kūfa, war ein berühmter Hadith-Hafiz der Stadt Kūfa. Alle Muḥaddithūn, die die Ṣiḥāḥ as-Sitta verfassten, waren seine Schüler. Ibn ʿUqda war ein Fachgelehrter der Hadithwissenschaft. Er sagte: In der Stadt Kūfa wurden von Abū Kuraib dreihunderttausend Hadithe überliefert. Allein Mūsā ibn Isḥāq übernahm von ihm einhunderttausend Hadithe. In Ṣaḥīḥ al-Buchārī wurden über seine Überlieferungskette 75 Hadithe und in Ṣaḥīḥ Muslim 500 Hadithe aufgenommen. Er starb im Jahre 243 nach der Hidschra im Alter von etwa 87 Jahren.[********************]
Auch Hinnād, der Scheich von Kūfa, war ein bedeutender Muḥaddith von Kūfa. Der Hafiz adh-Dhahabī lobte ihn überschwänglich und erkannte seine herausragende Stellung in der Hadithwissenschaft und in der Gottesfurcht an. Alle Verfasser der Ṣiḥāḥ as-Sitta erlernten bei ihm Hadithe. Er starb im Jahre 243 im Alter von 91 Jahren.[********************]
Der Hafiz Walīd ibn Šuǧāʿ war ein berühmter Muḥaddith von Kūfa. Imam Muslim, Abū Dāwūd, at-Tirmidhī und Ibn Māǧa waren seine Schüler. Yaḥyā ibn Maʿīn sagte: Bei ihm waren einhunderttausend Hadithe gesammelt, die über die Ketten zuverlässiger Überlieferer überliefert worden waren. Der Hafiz adh-Dhahabī bezeichnete ihn ******************** als „einen großen Hadith-Hafiz und wahrheitsliebenden Muḥaddith“. Er starb im Jahre 243 nach der Hidschra.[********************]
Der Hafiz Hārūn ibn Isḥāq al-Hamdānī war einer der Muḥaddithūn von Kūfa. Er war der Lehrer von Verfassern bedeutender Werke wie Imam al-Buchārī, at-Tirmidhī, an-Nasāʾī und Ibn Māǧa. Er starb im Jahre 258.[********************]
Neben diesen wenigen herausragenden und berühmten Muḥaddithūn lebten im dritten Jahrhundert in der Stadt Kūfa noch zahlreiche Träger, Lehrer und Verbreiter der Hadithkenntnis. In einigen Büchern der Ṣiḥāḥ as-Sitta, insbesondere in Ṣaḥīḥ Ibn Māǧa, wurden von ihnen zahlreiche Hadithe übernommen.
Basra
Bis zum dritten Jahrhundert nach der Hidschra galt diese Stadt als Zentrum islamischer Gelehrsamkeit und Wissenschaft. In der frühen Zeit lebten in dieser Stadt der ehrwürdige Abū Mūsā al-Aschʿarī, der ehrwürdige ʿImrān ibn Ḥusain, der ehrwürdige Ibn ʿAbbās und zahlreiche weitere Gefährten. Zuletzt kam auch der ehrwürdige Anas (möge Allah mit ihm zufrieden sein) hierher und ließ sich dort nieder. Zu den Tābiʿūn verbrachten al-Ḥasan al-Baṣrī, Ibn Sīrīn und Abū al-ʿĀliya und nach ihnen Qatāda, Ayyūb, Thābit al-Bunānī, Yūnus und Ibn ʿAun sowie nach ihnen Ḥammād ibn Salama, Ḥammād ibn Zaid und ihre muḥaddithischen Schüler ihr Leben in dieser Stadt.[********************]
In der Stadt Basra hatte sich eine derart große Zahl von Hadithgelehrten versammelt, dass der Hafiz Muslim ibn Ibrahim al-Basri sagte:
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Ich schrieb Hadithe von achthundert Hadithlehrern nieder, und dennoch musste ich dafür nicht einmal eine Brücke überqueren.
Hier sollen die Namen und kurzen Angaben zu einigen der bedeutendsten Hadith-Hafize und Lehrer genannt werden, die bis zum dritten Jahrhundert in Basra lebten:
1. Der Hafiz Tahan – Hasan ibn Mudrak ibn Baschir as-Sadusi. Er war der Lehrer von Imam al-Buchari, an-Nasa’i und Ibn Madscha. Über ihn sagte Ibn Adi:
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Er gehörte zu den herausragenden Hadith-Hafizen der Stadt Basra.
2. Der Hafiz Zaid ibn Achzam – Abu Talib at-Ta’i al-Basri. Er war der Lehrer aller Hadithgelehrten unter den Verfassern der Sihah as-Sitta mit Ausnahme von Imam Muslim. Hafiz adh-Dhahabi bezeichnete ihn als „Hadith-Hafiz und Imam“.
3. Hafiz Abbas al-Anrabi. Allama adh-Dhahabi bezeichnete ihn als einen ******************** anerkannten Hadith-Hafiz und Imam. Die Verfasser von as-Sihah as-Sittah überlieferten Hadithe von ihm und zitierten sie in ihren jeweiligen Werken.[********************]
4. Hafiz Abbas al-Buhrani ibn Yazid ibn Abu Habib al-Basri. Hafiz adh-Dhahabi bezeichnete ihn als ******************** und sagte, dass er über die höchste Überlieferungskette im Hadith und tiefes Verständnis des Hadith verfügte. Berühmte Hadithgelehrte wie Wakiʿ ibn al-Dscharrāh, Ibn Yahya ibn Saʿid al-Qattan, Sufyan ibn Uyaina und Abd ar-Razzaq hörten Hadithe von ihm. Als er von Buhran nach Hamadan kam, überlieferte er Hadithe aus seinen zahlreichen eigenen Hadith-Sammlungen. In Hamadan, Bagdad, Isfahan und anderen Orten lehrte er Hadith. Er starb im Jahr 258 nach der Hidschra.[********************]
5. Hafiz Bidya Abdallah ibn Ishaq Abu Muhammad al-Dschauhari. Er war ein berühmter Schüler von Imam Abu Hanifa. Imam Abu Dawud, at-Tirmidhi, an-Nasa’i und Ibn Madscha erlernten allesamt Hadithe von ihm. Er war ein berühmter Hadith-Hafiz. Er starb im Jahr 258 nach der Hidschra.[********************]
6. Hafiz Aqaba ibn Mukarram ibn Aflah war ein berühmter Hadith-Hafiz.[********************] Imam Muslim, Abu Dawud, at-Tirmidhi und Ibn Madscha waren seine bekannten Schüler im Hadith. Er starb im Jahr 243.[********************]
7. Hafiz Umar ibn Schibah ibn Ubaida al-Basri. Nach den Worten von Hafiz adh-Dhahabi war er ********************, ein großer Hadith-Hafiz, ein hochgelehrter Gelehrter sowie ein vertrauenswürdiger und zuverlässiger Hadith-Überlieferer. Ibn Madscha war sein herausragender Schüler im Hadith. Er starb im Jahr 262 im Alter von 89 Jahren.
8. Hafiz Ammar ibn Ali al-Fallas. Hafiz adh-Dhahabi schrieb über ihn: ******************** ein großer Hadith-Hafiz und zuverlässiger Überlieferer. Alle Hadithgelehrten, die Verfasser der Werke von as-Sihah as-Sittah, waren seine Schüler. Er starb im Jahr 249.[********************]
9. Imam Abu Bakr Muhammad ibn Baschar ibn Uthman al-Basri. Alle Hadithgelehrten, die Verfasser von as-Sihah as-Sittah, waren seine Schüler. Er starb im Jahr 252. In Sahih al-Buchari wurden 205 und in Sahih Muslim 406 Hadithe von ihm übernommen.[********************]
10. Hafiz Muhammad ibn al-Muthanna. Er war ein großer Hadith-Hafiz. Hafiz adh-Dhahabi bezeichnete ihn als ******************** einen Hadith-Hafiz von unanfechtbarer Autorität und einen Hadithgelehrten aus Basra. Er war der Lehrer aller Hadithgelehrten, die die Werke von as-Sihah as-Sittah verfassten. In Sahih al-Buchari wurden 103 von ihm überlieferte und in Sahih Muslim 700 Hadithe zitiert. Im Werk von Ibn Madscha wurden zahlreiche Hadithe von ihm übernommen.[********************]
11. Der berühmte Hāfiz Muhammad Buhrānī – Abū ʿAbdallāh ibn Maʿmar al-Baṣrī. Er war ein berühmter Hāfiz und zuverlässiger Überlieferer von Hadithen. Alle Verfasser der Ṣiḥāḥ as-Sitta empfingen Hadithe von ihm.[********************]
12. Der Hāfiz Naṣr ibn al- Abū ʿAmr al-Azdī al-Baṣrī. Er war der Lehrer aller Verfasser der Ṣiḥāḥ as-Sitta. Als der Kalif al-Mustaʿīn billāh ihn zum Richter ernennen wollte, sprach er mit flehentlicher Stimme ein Bittgebet zu Allah:
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O Allah! Wenn für mich bei Dir irgendein Gutes liegt, dann lass mich zu Dir gelangen.
Allah erhörte sein Bittgebet. Nachdem er gebetet hatte, schlief er ein und erwachte nicht wieder. Dies geschah im Rabīʿ al-awwal des Jahres 250 nach der Hidschra.[********************]
13. Der Hāfiz Yaḥyā ibn Ḥakīm Abū Saʿīd al-Baṣrī. Im Ibn-Mājah-Scharīf sind zahlreiche von ihm überlieferte Hadithe angeführt. Abū Dāwūd, an-Nasāʾī und Ibn Mājah – diese drei waren seine Schüler. Er wurde als ******************** zuverlässiger und gewissenhafter Hāfiz der Hadithe bezeichnet.[********************]
In diesem Jahrhundert lebten außer ihnen noch viele weitere berühmte Hadithgelehrte in Basra.
Bagdad
Während der Herrschaft der abbasidischen Könige war die Stadt Bagdad das wichtigste Zentrum der islamischen Kultur, Zivilisation sowie der Wissenschaften und Kenntnisse. Der Hadith-Gelehrte Nishapuri schrieb über diese Stadt:
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Diese Stadt war ein Zentrum des Hadith und der Wissenschaften; hier lebten zahlreiche Hadith-Gelehrte und gebildete, angesehene Männer.
Es ist nicht bekannt, dass in Bagdad ein Gefährte des Propheten verstorben wäre. Eine große Gemeinschaft der Tabiʿin und der Tabiʿ at-Tabiʿin lebte jedoch hier, und in dieser Stadt hauchten sie auch ihren letzten Atemzug aus. In dieser Stadt lebten mehrere bedeutende Hadith-Gelehrte; Imam Abu Yusuf (r) war einer von ihnen. Imam Ahmad ibn Hanbal (r) begann zunächst bei ihm, Hadithe zu lernen.
Auch Imam Asad ibn Amr war ein bedeutender Hadith-Gelehrter und lebte in dieser Stadt. Über ihn heißt es:
„Unter den Bewohnern der Stadt Rayy gab es nach Imam Abu Hanifa (r) niemanden, der mehr Hadithe bewahrt hatte als Imam Asad.“
In Bagdad wurden Hadithe umfassend gelehrt und studiert. Vor jedem einzelnen Hadith-Gelehrten versammelten sich Tausende von Schülern, um Hadithe zu lernen.
Imam Ahmad ibn Hanbal (r) stammte aus dieser Stadt. Auch Imam Abu Thaur (gest. 240 n. H.), Imam Dawud az-Zahiri (gest. 270 n. H.) und Imam Muhammad ibn Jarir at-Tabari (gest. 310 n. H.) stammten aus Bagdad. Die weltberühmte Tafsir des Imams at-Tabari wurde in dieser Stadt verfasst.
Damaskus
Damaskus war die Hauptstadt der umayyadischen Kalifen und eine von der Zivilisation geprägte Stadt in Syrien. Einst lebten in Syrien zehntausend Gefährten. Der Historiker Ibn Asakir schrieb:
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In Syrien lebten zehntausend Menschen, deren Augen durch den Anblick des edlen Gesandten (s) gesegnet worden waren.
Wie bereits an einer früheren Stelle erwähnt wurde, entsandte Umar al-Faruq (ra) während seiner Amtszeit als Kalif Hadhrat Muʿadh ibn Dschabal, ʿUbadah ibn as-Samit und einige weitere bedeutende Gefährten nach Syrien, um den Koran und die Hadithe umfassend zu verbreiten und zu lehren. Zunächst erlernten die Menschen in Syrien von ihnen den Koran und die Hadithe, und –
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durch sie und über ihre Überlieferung gelangte das Wissen über den Koran und die Hadithe zu allen Muslimen.
Während der Herrschaft des umayyadischen Kalifen Abd al-Malik wurde in Damaskus umfassend islamisches Wissen gepflegt. Auch zur Zeit der Tābiʿūn und der Tābiʿ at-Tābiʿīn lebten hier zahlreiche Hadith-Gelehrte und Fiqh-Gelehrte. Nachdem Hafiz adh-Dhahabi dies erwähnt hatte, schrieb er:
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Damaskus war ein Zentrum des Korans, der Hadithe und der Fiqh. Im vierten und fünften islamischen Jahrhundert ging jedoch die Beschäftigung mit der Hadith-Wissenschaft hier erheblich zurück.
Der berühmte Muhaddith und Fiqh-Gelehrte Imam al-Auza’i war in dieser Stadt ansässig. Hier lebten zwei berühmte Muhaddiths namens Hischam und Duhაიm, die umfangreichen Hadith-Unterricht erteilten. Imam Ibn Madschah (r) nahm an diesen Lehrveranstaltungen teil und sammelte dort zahlreiche Hadithe. Auch Imam Buchari, Abu Dawud und an-Nasa’i waren seine Schüler. Hafiz Duhaim verstarb im Jahr 245 nach der Hidschra, und Hischam verstarb in Damaskus.
Die Hadith-Pflege in Afrika
Ägypten
Ägypten nahm in dieser Epoche hinsichtlich der Pflege und Verbreitung der Hadith-Lehre eine besonders wichtige Stellung ein. Mindestens dreihundert Sahaba kamen hierher. Hafiz adh-Dhahabi schrieb:
Eine große Gemeinschaft der Sahaba kam hierher und ließ sich in großer Zahl nieder. In der Zeit der Tabi’in wurde hier die Hadith-Lehre gepflegt. Später nahm diese Beschäftigung mit den Hadithen in der Zeit von Amr ibn al-Harith, Yahya ibn Ayyub, Hayat ibn Schurayh, al-Layth ibn Sa’d und Ibn Lahia einen noch größeren Umfang an. Sie setzte sich bis zur Zeit von Ibn Wahb, Imam asch-Schafi’i, Ibn al-Qasim und deren Schülern fort.
Nachdem Umar ibn Abd al-Aziz zum Kalifen gewählt worden war, ernannte er Yazid ibn Abi Hubayb in Ägypten dazu, auf Grundlage der Hadithe Fatwas zu erteilen. Er machte die dortige Bevölkerung mit den Hadithen und dem Fiqh vertraut und bildete sie darin aus. Hafiz Dschalaluddin as-Suyuti schrieb über Yazid ibn Abi Hubayb:
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Er war der Erste, der in Ägypten die Hadithe öffentlich bekannt machte und verbreitete und die Rechtsfragen zu Halal und Haram lehrte. Vor ihm überlieferten und erörterten die Menschen dort ausschließlich Hadithe, die zur jenseitigen Welt ermutigten oder sich auf Kriege und Fitna bezogen.
In dieser Zeit lebten in Ägypten mehrere bedeutende Hadith-Gelehrte. Einige von ihnen sowie eine kurze Vorstellung ihrer Person sollen hier erwähnt werden:
1. Harmala (geboren 162 n. H., gestorben 243 n. H.). Hafiz adh-Dhahabi schrieb, dass er von Abdullah ibn Wahb etwa einhunderttausend Hadithe überliefert habe. Imam Muslim und Ibn Madscha waren seine Schüler. Allama Tadsch ad-Din as-Subki schrieb:
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Er war ein herausragender Hadith-Gelehrter und Imam von außerordentlich hohem Rang.
2. Rabi al-Muradi. Er war ein bedeutender Hadith-Gelehrter Ägyptens (geboren 174 n. H., gestorben 270 n. H.). Hafiz adh-Dhahabi schrieb über ihn:
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Er war ein Hadith-Hafiz, ein Imam und der bedeutendste Muhaddith in der Region Ägypten.
Imam Abu Dawud, an-Nasa’i und Ibn Majah waren seine Schüler. al-Khalili schrieb über ihn:
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Er war ein zuverlässiger Hadith-Überlieferer und ein von allen anerkannter Muhaddith.
3. Der Hafiz Muhammad ibn Rimah ibn Muhajir. Er war ein großer Hadith-Hafiz. Imam Muslim und Ibn Majah waren seine Schüler in der Hadith-Wissenschaft. Ibn Yunus sagte über ihn:
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Ein zuverlässiger Hadith-Überlieferer und ein weithin anerkannter Muhaddith.
Imam al-Bukhari überlieferte von ihm Hadithe. In Sahih Muslim sind 161 von ihm überlieferte Hadithe enthalten. Auch im Buch Sunan Ibn Majah sind zahlreiche von ihm überlieferte Hadithe angeführt.
4. Der Hadith-Gelehrte Yahya ibn Sareh al-Quraischi. Er war ein herausragender Hadith-Gelehrter.
Darüber hinaus wurde auch in Ägypten und an anderen Orten Afrikas umfassend Hadith gelehrt und studiert. Nahezu überall widmeten sich sachkundige und hochgelehrte Hadith-Gelehrte diesem großen Anliegen.
Einige herausragende Hadith-Gelehrte des dritten islamischen Jahrhunderts
Im dritten Jahrhundert traten einige Hadith-Gelehrte von außerordentlichem Ruhm und tiefgründiger Gelehrsamkeit in der gesamten muslimischen Welt hervor. Nach der Erörterung der hadithreichen Orte und Städte ist es unbedingt erforderlich, diese herausragenden Hadith-Wissenschaftler gesondert zu behandeln. Andernfalls wäre es nicht möglich, eine klare und umfassende Vorstellung von der weiten Verbreitung und der außergewöhnlichen Blüte des Hadith in diesem Jahrhundert zu gewinnen. Die Hadith-Gelehrten, deren Namen in dieser Hinsicht besonders erwähnenswert sind, sind: (1) Ali ibn al-Madini (2) Yahya ibn Mu’in (3) Abu Zur’a ar-Razi (4) Abu Hatim ar-Razi (5) Muhammad ibn Dschrir at-Tabari (6) Ibn Chuzaima (7) Muhammad ibn Sa’d (8) Ishaq ibn Rahawaih (9) Imam Ahmad ibn Hanbal (r.).
Ali ibn al-Madini (r.)
Ali ibn al-Madini war ein bedeutender Hadith-Gelehrter. Die Liste seiner Lehrer im Hadith-Studium ist lang. Schon ein Blick darauf lässt leicht erkennen, dass er aus unermüdlichem Eifer für das Hadith-Studium von Land zu Land reiste. Er bereiste die Hadith-Zentren und hadithreichen Städte wie Mekka, Medina, Bagdad und Kufa und hörte und sammelte dort die Hadithe des Gesandten (s.). In der Stadt Jemen verbrachte er zu diesem Zweck drei Jahre ohne Unterbrechung. Während seines Aufenthalts im Jemen war er jedoch kein Anfänger im Hadith-Studium; vielmehr hatte er bereits zuvor einen gewaltigen Schatz an Hadith in sich aufgenommen. Er empfing Hadithe von bedeutenden Hadith-Gelehrten wie Abdullah ibn Dschafar, Hammad ibn Zaid, Abu Dawud at-Tayalisi und Sa’id ibn Amir.
Beim Überliefern von Hadithen ging er mit äußerster Vorsicht vor. Über den Überlieferer namens Ubbad ibn Suhaib hatte er dreißigtausend Hadithe gesammelt; als jedoch später Zweifel an dessen Wahrhaftigkeit und Zuverlässigkeit aufkamen, wies er sie allesamt zurück und verwarf sie.
Er war ein versierter Verfasser von Büchern und verfasste zahlreiche Werke über verschiedene Bereiche des mit dem Hadith verbundenen Wissens. Vor ihm hatte kein anderer Hadith-Gelehrter zu diesen Themen ein Werk verfasst.
Er wurde im Jahr 161 nach der Hidschra in der Stadt Basra geboren und starb im Jahr 234 nach der Hidschra.
Yahya ibn Ma’in (r)
Yahya ibn Ma’in war eine außergewöhnliche Persönlichkeit auf dem Gebiet der Hadith-Wissenschaft. Unmittelbar nach Abschluss seiner Grundausbildung widmete er sich dem Studium der Hadithe und opferte dafür bereitwillig sein Leben und sein Vermögen. Die hunderttausend Münzen, die er von seinem Vater erhalten hatte, gab er für das Studium der Hadithe aus. Schließlich wurde er so arm und mittellos, dass es ihm nicht einmal möglich war, Schuhe für seine Füße zu beschaffen. Er lernte die Hadithe bei den folgenden herausragenden Muhaddithen: (a) Abd as-Salam ibn Harb, (b) Abd Allah ibn al-Mubarak, (c) Yahya ibn Sa’id al-Qattan, (d) Waki’ ibn al-Dscharrāh, (e) Abd ar-Rahman ibn Mahdi, (f) Sufyan ibn Uyayna, (g) Hischam ibn Yusuf und vielen anderen.
Yahya ibn Ma’in begnügte sich nicht damit, die Hadithe lediglich anzuhören, sondern schrieb sie zugleich nieder. Ali ibn al-Madini sagte: Niemand hat so viele Hadithe niedergeschrieben wie Ibn Ma’in. Ibn Ma’in selbst sagte:
Ich habe eigenhändig Hunderttausende von Hadithen angehört und niedergeschrieben. Er schrieb sie jedoch nicht nur nieder, sondern dachte über jeden einzelnen niedergeschriebenen Hadith gründlich nach, forschte darüber und überprüfte und untersuchte seine Authentizität.
Imam Ahmad ibn Hanbal (r) sagte:
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Was Yahya ibn Ma’in nicht als Hadith betrachtet, ist in Wirklichkeit überhaupt kein Hadith.
Er verstarb im Jahre 233 n. H. in Medina. Sein außerordentlicher Beitrag zur Wissenschaft der Hadithkritik wird später erörtert werden.
Abū Zurʿa ar-Rāzī (r)
Abū Zurʿa war ein berühmter Hafiz der Hadithe. Außer Imam Abū Dāwūd waren die übrigen fünf Muhaddithūn der Sihāh as-Sitta seine Schüler. Hafiz adh-Dhahabī schrieb über ihn:
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Abū Zurʿa war hinsichtlich seines Erinnerungsvermögens, seiner Begabung und Geisteskraft, seines islamischen Wissens, seiner Befolgung der Religion und seiner korrekten religiösen Praxis unübertroffen.
Um Wissen in der Hadithwissenschaft zu erwerben, bereiste Abū Zurʿa Mekka, Medina, den Irak, Syrien, die Dschazīra, Chorasan und Ägypten. Er schrieb Hadithe mit einhunderttausend Überlieferungsketten nieder. Das Zeugnis der Muhaddithūn und Historiker über ihn lautet:
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Er behielt siebenhunderttausend Hadithe auswendig.
Abu Zurʿa wurde im Jahr 200 n. H. geboren und verstarb im Jahr 264 n. H.
Abu Hatim ar-Razi (r.)
Imam Abu Hatim ar-Razi war ein herausragender Kenner der Hadithe. Er war ein Muhaddith von derselben Rangstufe wie Imam al-Buchari. Er wurde im Jahr 195 n. H. geboren und begab sich bereits im Jahr 209 n. H. zum Studium und zur Sammlung von Hadithen auf eine Auslandsreise. Auf dieser Reise verbrachte er eine lange Zeit. Von Bahrain reiste er nach Ägypten, von Ägypten nach Ramla, von Ramla nach Damaskus und von dort zu Fuß nach Tarsus. Danach kehrte er nach Hims zurück und gelangte nach Mekka. Von dort brach er auf und erreichte den Irak. Als er diese lange Reise beendet hatte, war er erst zwanzig Jahre alt. Einmal sagte er zu seinem Sohn ʿAbd ar-Rahman:
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O mein lieber Sohn! Auf der Suche nach Hadithen habe ich zu Fuß mehr als tausend Furlong zurückgelegt.
Nachdem er den Irak erreicht hatte, blieb er acht Monate in der Stadt Basra. Da er dort in äußerste finanzielle Not geriet, war er sogar gezwungen, seine eigene Kleidung und seine Gebrauchsgegenstände zu verkaufen. Schließlich musste er Hunger leiden. Doch obwohl er von dieser schweren Armut und bitteren Bedürftigkeit heimgesucht wurde, setzte er sein Studium der Hadithe ununterbrochen fort. Tatsächlich erwarb er die Kenntnis der Hadithwissenschaft, indem er solche Mühsal auf sich nahm, und konnte schließlich die Würde erlangen, ein berühmter Hafiz der Hadithe und ein Imam von besonderer Gelehrsamkeit zu werden.
Muhammad ibn Dscharir at-Tabari (r.)
Ibn Dscharir war ein berühmter Hadithgelehrter und Verfasser eines Tafsir des Heiligen Qurʾan. Er wurde im Jahr 224 n. H. geboren. Er gilt als ein Muhaddith von der Rangstufe eines Imam at-Tirmidhi und Imam an-Nasaʾi. Bei den Lehrern von Imam al-Buchari und Imam Muslim studierte und sammelte er eine große Zahl von Hadithen. Auch bei ihm studierten bedeutende Muhaddithun und überlieferten Hadithe von ihm. Zu ihnen gehörten unter anderem Ahmad ibn Kamil, Muhammad ibn ʿAbdullah asch-Schafiʿi und Machlad ibn Dschaʿfar. Ibn Dscharir verfasste zahlreiche wertvolle und umfangreiche Werke über Tafsir, Hadithe und verschiedene Themen des Islam. Ibn Kathir erwähnt, dass er ein Hadithwerk zusammengestellt habe. Er verstarb im Jahr 310 n. H.
Ibn Chuzayma (r.)
Sein vollständiger Name lautet Muhammad ibn Abū Bakr ibn Chuzayma an-Nischāpūrī. Er war ein großer Imam der Hadith-Wissenschaft. Zum Studium der Hadithe reiste er nach Rai, Bagdad, Basra, Kufa, Syrien, Dschazīra, Ägypten, Wāsiṭ und an weitere Orte und hörte Hadithe von zahlreichen berühmten Hadith-Gelehrten. Zu seinen Lehrern gehörten unter anderem Ishāq ibn Rāhwayh und Muhammad ibn Humayd ar-Rāzī.
Er war besonders eifrig und entschlossen, Hadithe zu studieren. Imam ad-Dāraqutnī sagte über ihn:
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Ibn Chuzayma war ein weithin anerkannter Imam der Hadith-Wissenschaft und ein zuverlässiger Überlieferer von Hadithen. Seinesgleichen ist nicht zu finden.
Er verfasste eine große Zahl von Büchern über Hadithe und religiöse Rechtsfragen. Er starb im Jahr 311 nach der Hidschra.
Muhammad ibn Saʿd (r.)
Obwohl Ibn Saʿd als großer Historiker und Biograf bekannt war, war er auch ein bedeutender Hadith-Gelehrter des dritten Jahrhunderts nach der Hidschra. Er wurde im Jahr 168 nach der Hidschra in der Stadt Basra geboren. Er hörte Hadithe bei den großen Hadith-Gelehrten Basras. Danach reiste er nach Kufa, Wāsiṭ, Bagdad, Makka und Medina, Syrien, Jemen, Ägypten und in andere große Städte der muslimischen Welt, wo er eine große Zahl von Hadithen sammelte und studierte. Auch bei ihm studierten zahlreiche berühmte Hadith-Gelehrte Hadithe und überlieferten sie. Über ihn wurde gesagt:
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Er verfügte über ein gewaltiges Wissen. Er war Verfasser zahlreicher Bücher. Seine Werke behandelten Themen wie Hadith und Fiqh.
Ibn Saʿd war bei den Überlieferern von Hadith ein äußerst angesehener Muhaddith. Er ließ sich auf keine der Fitna ein, die die damalige Gesellschaft erschütterten. Dadurch wurde es ihm möglich, das Wissen zu verbreiten und dafür zu sorgen, dass das frühere Wissen für die späteren Generationen der Menschheit bewahrt wurde.
Ishaq ibn Rahwayh (r)
Ishaq war einer der herausragendsten Muhaddithin der Epoche der Tābiʿ at-Tābiʿīn. Zuerst begab er sich zu ʿAbdullah ibn al-Mubarak, um Hadith zu studieren. Doch sein geringes Alter wurde zu einem Hindernis auf diesem Weg. Danach machte er sich auf die Suche nach anderen Zentren des Hadith-Studiums. Diese Zentren lagen jeweils viele Hundert oder Tausend Meilen voneinander entfernt. Ibn Rahwayh begann, diese schwer zu bewältigenden Wege zu bereisen, und studierte und sammelte Hadithe bei bedeutenden Gelehrten und Meistern des Hadith. Zu den Provinzen der islamischen Welt, in denen sich diese Hadith-Zentren befanden, gehörten insbesondere der Irak, der Hidschas, der Jemen, Mekka und Syrien. In jeder einzelnen dieser Städte gab es Hunderte von Zentren des Hadith-Studiums. Imam Ishaq besuchte nahezu jedes dieser Zentren und studierte und sammelte dort den Schatz der Hadithe.
Diese einzigartige Schärfe seines Gedächtnisses machte seine Bemühungen und Anstrengungen doppelt wirksam und segensreich. Unzählige Hadithe hatte er auswendig gelernt. Mehrere Tausend Hadithe trug er seinen Schülern aus dem Gedächtnis vor und ließ sie diese aufschreiben. Deshalb musste er niemals ein Buch zu Rate ziehen. Er selbst sagte:
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Alles, was ich höre, präge ich mir sofort auswendig ein, und was ich auswendig gelernt habe, vergesse ich niemals wieder.
Er wurde im Jahr 161 n. H. geboren und starb im Jahr 238 n. H. in Nishapur im Alter von 77 Jahren.
Imam Ahmad ibn Hanbal (r)
Imam Ahmad ibn Hanbal (r) war auf dem Gebiet der Hadith-Wissenschaft ein herausragender und äußerst versierter Muhaddith. Er wurde im Jahr 164 n. H. in Bagdad geboren. Zunächst begann er, an den Lehrsitzungen von Imam Abu Yusuf teilzunehmen. Später widmete er sich ab dem Jahr 187 n. H. intensiv dem Studium der Hadithe. Zum Zweck des Hadith-Studiums bereiste er sämtliche Städte und Regionen der muslimischen Welt.
Zunächst begann er bei den Muhaddithen von Bagdad, Hadithe zu studieren. Sein Hadith-Lehrer in dieser Phase war Hushaym ibn Bashir ibn Abu Hazim (gest. 183 n. H.). In dessen Dienst blieb er ununterbrochen vier Jahre lang – vom Alter von 16 bis 20 Jahren (179–183 n. H.). In dieser Zeit hörte er auch eine beträchtliche Anzahl von Hadithen von einem anderen Muhaddith aus Bagdad, Umayr ibn Abdallah ibn Khalid. Es wird außerdem erwähnt, dass er bei zwei weiteren Muhaddithen, Abd ar-Rahman ibn Mahdi und Abu Bakr ibn Ayyash, Hadithe erlernte.
Im Jahr 186 n. H. begann er zum Zweck des Hadith-Studiums Reisen ins Ausland zu unternehmen. Zunächst reiste er nach Basra und begab sich anschließend in den Hidschaz. Zu diesem Zweck reiste er auch in den Jemen und nach Kufa. In der Stadt Basra hielt er sich insgesamt fünfmal auf. Bei manchen dieser Aufenthalte blieb er jeweils drei Monate lang. Den Hidschaz besuchte er fünfmal. Das alleinige Ziel all dieser Auslandsreisen war für ihn das Studium und die Sammlung von Hadithen. Tatsächlich studierte und sammelte er Hadithe gerade bei den bedeutendsten Muhaddithen jener Zeit.
Imam Ahmad befolgte von Beginn seiner Unternehmungen zum Studium und zur Sammlung von Hadithen an einen bestimmten Grundsatz: Er schrieb die Hadithe unmittelbar während des Hörens auf. Er verließ sich nicht ausschließlich auf sein außergewöhnliches Gedächtnis. Vielmehr war es sein dauerhaft befolgter Grundsatz, alles, was er hörte, auf Papier niederzuschreiben.
Die Hadithe, die er gehört hatte, behielt er vollständig auswendig, dennoch überlieferte er niemals einen Hadith, ohne zuvor sein eigenes Manuskript einzusehen. Wenn jemand nach einem Hadith fragte, suchte er ihn trotz seiner Erinnerung und seines Auswendigwissens in seinem eigenen Buch heraus und las ihn anschließend vor. Wenn er jemandem einen Hadith diktierte, sagte er ihm nach dessen Niederschrift: „Lies mir vor, was du geschrieben hast.“ Sein Ziel dabei war, jede Abweichung in der Sprache und im Wortlaut des Hadiths zu verhindern.
Die bedeutendsten Muhaddithen jener Zeit übernahmen Hadithe von ihm. Besonders hervorzuheben sind unter ihnen Imam al-Bukhari, Imam Muslim, Imam asch-Schafi’i und Abd ar-Razzaq Uqi. Imam asch-Schafi’i verließ sich bei der Beurteilung der Authentizität von Hadithen in vollem Umfang auf Imam Ahmad. Er sagte zu ihm ausdrücklich:
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O Abu Abdallah! Sobald ein sahih Hadith in deine Kenntnis gelangt, musst du ihn mir unbedingt mitteilen. Auf seiner Grundlage werde ich meine Rechtsschule im Fiqh festlegen.
Imam Ahmad verstarb im Jahre 231 nach der Hidschra in der Stadt Bagdad.
Die Abfassung von Musnad-Werken
Bereits in der ersten Hälfte des dritten Jahrhunderts nach der Hidschra begann man, Hadith-Werke unter der Bezeichnung Musnad zu verfassen. Welche Art von Werk wird als „Musnad“ bezeichnet?
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Der Muhaddith führt im Zusammenhang mit jedem einzelnen Sahabi alle Hadithe gesondert gemeinsam an, ohne zwischen sahih und nicht sahih zu unterscheiden; auch der Inhalt der Hadithe ist völlig unterschiedlich. Ein solches Werk wird Musnad genannt.
Beispielsweise erwähnt der Muhaddith den Namen von Hazrat Abu Bakr (möge Allah mit ihm zufrieden sein). Danach werden sämtliche Hadithe, die von ihm zu verschiedenen Themen überliefert wurden und durch verschiedene Überlieferungsketten bis zu diesem Muhaddith gelangt sind, an einer Stelle niedergeschrieben. Anschließend wird der Name von Hazrat Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) genannt, und alle von ihm überlieferten Hadithe werden an einer gesonderten Stelle zusammengetragen. Auf diese Weise werden nach den Namen sämtlicher Sahaba alle von ihnen überlieferten und durch verschiedene Überlieferungsketten in Buchform überlieferten Hadithe jeweils an einer Stelle gesammelt. Zu Beginn des dritten Jahrhunderts ist eine Neigung zur Abfassung solcher Hadith-Werke festzustellen. Aus dieser Zeit werden die folgenden Musnad-Werke erwähnt: (1) Musnad von Ubaidullah ibn Musa (gest. 213 n. H.), (2) Musnad al-Humaidi (gest. 219 n. H.), (3) Musnad von Musaddad ibn Masarhad (gest. 228 n. H.), (4) Musnad von Ishaq ibn Rahwayh (gest. 238 n. H.), (5) Musnad von Uthman ibn Abu Schaiba (gest. 239 n. H.), (6) Musnad von Imam Ahmad ibn Hanbal (gest. 231 n. H.), (7) Musnad von Ibn Humaid (gest. 249 n. H.), (8) al-Musnad al-Kabir – Yaqub ibn Schaiba (gest. 262 n. H.), (9) Musnad von Muhammad ibn Mahdi (gest. 276 n. H.), (10) al-Musnad al-Kabir – Baqi ibn Machlad al-Qurtubi (gest. 272 n. H.), (11) Musnad von Abu Dawud at-Tayalisi (gest. 204 n. H.).
Doch diese Methode der Abfassung von Hadith-Werken ist nicht frei von Mängeln. Dadurch wird es schwierig, sich ein klares Bild von der Authentizität der Hadithe, der Zuverlässigkeit der Überlieferungsketten und ihres Ranges zu machen. Dennoch lässt sich nicht leugnen, dass die Abfassung solcher Hadith-Werke gewiss auch einen gewissen Nutzen hat. Erstens bietet sie die Möglichkeit, die Hadithe des Gesandten Allahs (s) getrennt von anderen Überlieferungen zu lesen. Zweitens lässt sich klar erkennen, wie viele Menschen von einem Sahabi Hadithe überliefert haben. Es ist durchaus möglich, dass eine bestimmte Überlieferungskette eines Hadiths schwach ist, während eine andere Überlieferungskette desselben Hadiths einwandfrei und annehmbar sein mag. Infolgedessen kann auch der über eine schwache Kette überlieferte Hadith durch die Bestätigung über eine zuverlässige Kette als sahih betrachtet und angenommen werden.
Man kann jedoch auch nicht annehmen, dass die Muhaddithun, die Musnad-Werke verfassten, alles, was sie unter dem Namen Hadith vorfanden, völlig blind oder wie ein „Holzsammler in der Dunkelheit“ einfach mit dem Namen eines Sahabi verbunden hätten. Eine solche Annahme ist vielmehr unbegründet und unangebracht. Denn sie prüften und untersuchten die Echtheit jedes einzelnen Hadiths mit größtem Eifer. Zu diesem Zweck wandten sie eingehende Forschung und Beobachtung an. Sie reisten dafür von Land zu Land und verbrachten ihr gesamtes Leben mit der schwierigen, ja äußerst strengen Arbeit des Sammelns, Überprüfens, Untersuchens und Aussortierens. Unter den Verfassern von Musnad-Werken gab es viele, die keinen einzigen Hadith annahmen, ohne den eigentlichen Hadith und seine Überlieferungskette ordnungsgemäß zu überprüfen. In vielen Musnad-Werken wurden außerdem die Hadithe jedes Sahabi entsprechend der Methode der Fiqh-Systematisierung zusammengestellt. In diesem Zusammenhang ist der von Baqi ibn Makhlad verfasste al-Musnad al-Kabir zu erwähnen. Andere wiederum ordneten jeden Hadith unter Angabe verschiedener Überlieferungsketten und verschiedener Überlieferer an.
Über die Abfassung verschiedener Werke in dieser Phase schrieb der Gelehrte Ibn Hadschar al-Asqalani:
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Schließlich fassten einige Imame des Hadith den Entschluss, ausschließlich die Hadithe über den Propheten (s) gesondert zusammenzustellen. Zu dieser Zeit verfassten Ubaidullah ibn Musa Absi Kufi, Musaddad ibn Masarhad Barsif, Asad ibn Musa Umawi und der in Ägypten ansässige Nuʿaim ibn Hammad Khuzai jeweils ein Musnad-Werk. Die späteren Imame des Hadith folgten ebenfalls ihren Fußstapfen. Unter den Imamen, die Meister im Hadith waren, findet sich wohl keiner, der die von ihm gesammelten Hadithe nicht nach der Methode der Abfassung eines Musnad-Werks zusammengestellt hätte. Imam Ahmad ibn Hanbal, Ishaq ibn Rahwaih, Uthman ibn Abi Schaiba und andere große Muhaddithun wie sie wandten diese Methode ebenfalls an. Manche Hadith-Sammler verfassten ihre Werke jedoch nach beiden Methoden, nämlich sowohl nach der Kapitelordnung als auch nach der Musnad-Methode, wie etwa Abu Bakr ibn Abi Schaiba.
Wie bereits zuvor gesagt wurde, besteht ein gewisser Unterschied zwischen der Abfassung eines Werkes nach Kapiteln und der Abfassung eines Hadith-Werkes nach der Musnad-Methode. Bei der Abfassung nach Kapiteln werden die Hadithe nach ihrem Inhalt geordnet und die Hadithe zu jedem einzelnen Thema jeweils in einem Kapitel zusammengestellt. So werden etwa die Hadithe über das Gebet in einem Kapitel, die Hadithe über das Fasten im Kapitel über das Fasten und die über Taqwa und Frömmigkeit überlieferten Hadithe in einem eigenen Kapitel aufgenommen. Die Musnad-Methode besteht dagegen darin, sämtliche von jedem Sahabi überlieferten Hadithe ungeachtet ihres Inhalts zusammenzustellen, unabhängig davon, ob sie das Gebet, das Fasten oder Taqwa und Frömmigkeit betreffen. Wenn beispielsweise sämtliche von Hadhrat Abu Bakr as-Siddiq (r) überlieferten Hadithe, ganz gleich, welches Thema sie betreffen, unter dem Titel „Musnad Abu Bakr as-Siddiq“ zusammengetragen und niedergeschrieben werden, so ist dies die Methode der Abfassung eines Musnad-Werks. Betrachtet man den Unterschied zwischen diesen beiden Methoden auch unter dem Gesichtspunkt der Zuverlässigkeit und Beweiskraft, so wird ein deutlicher Unterschied zwischen ihnen sichtbar. Am Anfang eines nach der Kapitelmethode zusammengestellten Hadith-Werks stehen jene Überlieferungen, die unter dem Gesichtspunkt der Aqida oder der religiösen Praxis von Bedeutung sind. Daher tragen die Verfasser in dem jeweiligen Kapitel nur die Hadithe zusammen, die als allgemeine Beweise und Argumente von Bedeutung sind, unabhängig davon, welcher Sahabi ihr Überlieferer ist. Die einzige Aufgabe der Verfasser von Musnad-Werken besteht hingegen darin, Hadithe aller Art zu sammeln, einzufügen und zusammenzustellen. Deshalb tragen sie die Hadithe zusammen, ohne zu prüfen, ob der eigentliche Hadith sahih oder nicht sahih ist.
Um den Unterschied zwischen der Kapitel- und der Musnad-Methode zu veranschaulichen, zeigte der berühmte Muhaddith al-Hakim an-Naisaburi, wie Hadithe nach beiden Methoden aufgenommen und ihre Titel festgelegt werden. Er schrieb: Wenn Hadithe nach der Musnad-Methode gesammelt werden, lautet der Titel folgendermaßen:
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Darstellung oder Erwähnung sämtlicher Hadithe, die Hazrat Abu Bakr as-Siddiq vom edlen Propheten (s.) überliefert hat.
Und unter diesem Titel werden sämtliche von Hazrat Abu Bakr überlieferten Hadithe angeführt.
Danach lautet der zweite Titel:
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Erwähnung der Hadithe, die Qais ibn Abi Hazim von Hazrat Abu Bakr (r.a.) überliefert hat.
Hier muss der Verfasser sämtliche Hadithe anführen, die über Qais von Hazrat Abu Bakr (r.a.) überliefert worden sind. Es ist nicht erforderlich zu prüfen, ob sie authentisch oder nicht authentisch sind.
Wird ein Hadith-Werk jedoch nach Kapiteln zusammengestellt, wird der Titel jedes Kapitels im Hinblick auf seinen Inhalt festgelegt. Dann lautet der Titel beispielsweise:
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Die Erwähnung dessen, was vom edlen Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) in Bezug auf Tahāra, das Gebet oder andere gottesdienstliche Angelegenheiten authentisch festgestellt und überliefert worden ist.[********************]
Im Zusammenhang mit der Darstellung dieses Unterschieds schrieb Ibn Hadschar al-ʿAsqalānī an anderer Stelle:
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Was die Gliederung in Kapitel betrifft, so besteht die Methode der Abfassung eines Hadith-Werks darin, dass darin nur solche Überlieferungen erwähnt werden, die als Beweis oder Beleg dienen können. Diejenigen hingegen, die Musnad-Werke verfassen, gehen anders vor. Denn ihr eigentliches Ziel besteht lediglich darin, die Überlieferungen der Hadithe zusammenzutragen.[********************]
Musnad-Werke sind im Grunde eine gewaltige Ansammlung von Hadithen, die über verschiedene Überlieferungsketten überliefert wurden. Anhand ihrer lässt sich sehr leicht ein Urteil über die Authentizität und Nichtauthentizität der Hadithe gewinnen. Der Zweck der Abfassung solcher Werke besteht darin, sämtliche über eine bestimmte Überlieferungskette überlieferten Hadithe zusammenzutragen, damit kein überlieferter Hadith ungesammelt bleibt. Wenn alle überlieferten Hadithe, ohne Unterschied zwischen ṣaḥīḥ und nicht-ṣaḥīḥ, zusammengetragen und an einem Ort gesammelt vorliegen, können die in der Hadith-Wissenschaft bewanderten und scharfsinnig urteilenden Kritiker jede Überlieferung am Prüfstein der Kritik untersuchen und feststellen, welcher Hadith ṣaḥīḥ ist und welcher nicht, welche Überlieferungskette fehlerfrei und welche mit Mängeln behaftet ist. Ja, sogar wie oft ein einzelner Hadith und über welche Ketten er überliefert wurde, mit welchen Worten er über die jeweiligen Ketten überliefert worden ist und welchen Zustand die einzelnen Ketten haben – all dies lässt sich auf der Grundlage dieser Musnad-Werke feststellen und leicht ermitteln.
Der Hadith-Gelehrte al-Hākim an-Nīsābūrī schrieb:
In den im Islam verfassten Musnad-Werken wurden ausschließlich die von den Sahāba überlieferten Hadithe aufgenommen. Die darin enthaltenen Überlieferungsketten sind zuverlässig und frei von Mängeln. Dazu gehören der Musnad von ʿUbaidullāh ibn Mūsā und der Musnad von Abū Dāwūd Sulaimān ibn Dāwūd at-Tayālisī. Tatsächlich waren diese beiden Hadith-Gelehrten im Islam die Ersten, die mit der Abfassung von Musnad-Werken auf der Grundlage der jeweiligen Überlieferer begannen. [Nach Ansicht mancher verfasste Dāwūd at-Tayālisī den ersten Musnad. [********************] Nach diesen beiden verfassten Ahmad ibn Hanbal, Isḥāq ibn Ibrāhīm al-Ḥanẓalī, Abū Chaythama, Zuhair ibn Harb und ʿUbaidullāh ibn ʿUmar al-Qawārīrī Musnad-Werke. Danach wurde die Abfassung von Musnad-Werken nach den einzelnen Personen vielfach betrieben. Bei der Aufnahme von Hadithen auf diese Weise wurde zwischen mangelhaften und mängelfreien Überlieferungsketten kein Unterschied gemacht.[********************]
Al-Hakim hat sich über die Musnad-Werke in äußerst scharfer Sprache geäußert. Über sämtliche Musnad-Werke hat er eine solche Einschätzung abgegeben. Es besteht zwar kein Zweifel daran, dass die meisten Werke diesem Niveau entsprechen, doch sind nicht alle Musnad-Werke mit diesem Mangel behaftet. Es lässt sich keineswegs leugnen, dass manche Verfasser von Musnad-Werken bei der Auswahl der Hadithe große Sorgfalt walten ließen und sie in ihre eigenen Werke aufnahmen. So schrieb etwa der Gelehrte al-Suyuti über Ishaq ibn Rahwayh:
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Wie Abu Zurʿa al-Razi erwähnte, führte Ishaq unter dem Namen eines jeden Gefährten nur diejenigen Hadithe an, die von diesem Gefährten überliefert und gut sowie akzeptabel waren.
Der Musannaf von Abu Bakr ibn Schayba
In diesem Zusammenhang sind die Hadith-Werke von Imam Abu Bakr ibn Schayba besonders erwähnenswert. Sein Musnad und sein Musannaf gehören zu den berühmten Hadith-Werken des dritten islamischen Jahrhunderts. Die Muhaddithun haben den Musannaf einmütig als ein unvergleichliches Werk bezeichnet. In ihren Augen ist er zudem ein Grund zum Stolz. Hafiz Ibn Kathir ging so weit zu sagen:
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Der Musannaf ist ein solches Werk, wie es niemand jemals zusammengestellt hat – weder vor ihm noch nach ihm.
Hafiz Ibn Hazm al-Andalusi erklärte ihn zu einem noch wichtigeren und angeseheneren Werk als den Muwatta von Imam Malik. Tatsächlich wurden in den drei berühmten Werken Sahih Muslim, Sunan Abu Dawud und Sunan Ibn Majah aus den sechs kanonischen Hadith-Werken mehr Hadithe aus dem Musannaf von Abu Bakr ibn Schayba übernommen als aus dem Muwatta.
In diesem Werk wurden ausschließlich Hadithe zu den „Ahkam“ aufgenommen – Hadithe, aus denen sich irgendeine fiqh-rechtliche Frage ableiten lässt. Dabei wurde weder einem bestimmten Fiqh Vorrang eingeräumt noch einem von ihnen besondere Bedeutung beigemessen. Vielmehr wurden alle Hadithe, die bei den Hadith-Überlieferern in den Regionen Hidschas und Irak vorgefunden wurden, nach einem völlig unparteiischen Prinzip in dieses Werk aufgenommen. Daher kann jeder Faqih aus diesem Werk unabhängig und unvoreingenommen seine eigene Auffassung gewinnen und Hadith-Belege oder Beweise zu deren Unterstützung sammeln.
Ein weiteres Merkmal dieses Werkes besteht darin, dass neben jedem „Hadith des Propheten“ auch die Aussagen und Fatwas der Sahaba und Tabi’un angeführt werden. Dadurch lässt sich leicht erkennen, welche Auffassung die Sahaba und Tabi’un zu jedem einzelnen Hadith vertraten. Der Verfasser von „Kaschf az-Zunun“ schrieb über dieses Werk:
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Es ist ein gewaltiges Werk. Darin wurden die Fatwas der Tabi’un, die Aussagen der Sahaba und die Hadithe des Gesandten (s) nach der Methode der Muhaddithen mit ihren Überlieferungsketten aufgenommen; seine Kapitel und Abschnitte wurden entsprechend der Ordnung zusammengestellt, nach der Fiqh-Werke kompiliert werden.
Als Baqi ibn Makhlad, der herausragende Schüler Ibn Abi Schaybas, mit diesem Werk nach Andalusien kam, widersetzten sich zwar einige Kreise seinem Werk, doch der dortige Herrscher Muhammad ibn Abd ar-Rahman ließ es von Anfang bis Ende vortragen und wies den Verantwortlichen der königlichen Bibliothek mit folgenden Worten an:
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Es ist ein derart bedeutendes Werk, dass es in unserer Bibliothek dringend benötigt wird. Sorge daher dafür, dass eine Abschrift davon angefertigt wird.
Musnad Imam Ahmad
Das von Imam Ahmad ibn Hanbal (r.) zusammengestellte Hadithwerk – Musnad Ahmad – ist ein gewaltiges, außergewöhnliches und unvergleichliches Werk dieses Jahrhunderts. Es wäre keineswegs übertrieben, es als eine Enzyklopädie der Hadithwissenschaft zu bezeichnen. Die Hadithgelehrten aller Generationen vor und nach ihm haben seinen außergewöhnlichen Wert und seine Bedeutung mit deutlichen Worten anerkannt. Sie sagten:
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Musnad Ahmad ist nach den Werken von al-Buchari und Muslim das umfassendste und reinste Hadithwerk. In diesem gewaltigen Werk sind alle Hadithe zusammengestellt und niedergeschrieben worden, die für das religiöse und weltliche Leben der Muslime von praktischer Bedeutung sind.[********************]
Imam Ahmad war aufgrund langjähriger, unermüdlicher und grenzenloser Anstrengung und Hingabe in der Lage, dieses Werk zusammenzustellen. Schon seit Beginn seines Hadithstudiums begann er, die Hadithe neben dem Auswendiglernen auch schriftlich festzuhalten. Seiner Altersangabe nach begann er diese Arbeit, als er erst sechzehn Jahre alt war.[********************] Danach widmete er sein ganzes Leben ausschließlich dieser Aufgabe. Das Ziel seines Lebens war es, dieses Hadithwerk in jeder Hinsicht umfassend zu machen und zu einer Quelle aller erforderlichen Hadithe werden zu lassen. Er schrieb die Hadithe auf einzelne Blätter. Schließlich entwickelte sich daraus das Manuskript eines gewaltigen Werkes.
Doch bevor Imam Ahmads höchster Wunsch und sein Lebenswerk vollendet waren, endete seine Lebenszeit. Als er die Schritte des Todes vernahm, bestand seine erste Handlung darin, seine Kinder und Familienangehörigen zu versammeln, ihnen diese gewaltige Hadithsammlung von Anfang bis Ende vorzulesen und sie in eigenständiger, sauberer Form niederschreiben zu lassen. Imam Ahmad (r.) konnte jedoch die im Ergebnis seiner lebenslangen Bemühungen zusammengestellten Hadithe nicht mehr aussondern, in Buchform ordnen und systematisch zusammenstellen.[********************]
Schah Abd al-Aziz Muhaddith ad-Dihlawi schrieb:
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Obwohl Musnad Ahmad das von diesem großen und verehrten Imam zusammengestellte Hadithwerk ist, haben später zwei Personen noch viele weitere Hadithe darin aufgenommen. Der eine war sein Sohn Abdallah, der andere Abu Bakr al-Qati’i, der dieses Werk von Abdallah überlieferte.[********************]
Über die Gesamtzahl der in diesem Werk aufgenommenen Hadithe haben die Hadith-Gelehrten und Historiker geschrieben:
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Im Werk „Musnad Ahmad“ wurden ursprünglich dreißigtausend Hadithe aufgenommen. Durch die Ergänzungen seines Sohnes stieg ihre Zahl schließlich auf vierzigtausend Hadithe.
Manche sagen, dass die Gesamtzahl der Hadithe darin vierzigtausend beträgt; lässt man jedoch die Wiederholungen außer Acht, beläuft sich ihre Zahl auf dreißigtausend.
Imam Ahmad hat dieses Werk genau nach der Musnad-Methode zusammengestellt. Er nannte jeweils den Namen eines Gefährten. Danach führte er nacheinander alle Hadithe an, die dieser Gefährte vom edlen Propheten (S) überliefert hatte. Nachdem diese Hadithe vollständig angeführt waren, zitierte er einen weiteren Gefährten und die von ihm überlieferten Hadithe. Er ordnete das Werk nicht nach Themen. Daher findet man darin unmittelbar neben einem Hadith über die Hudud einen Hadith über die Anbetung und die Furcht vor dem Jenseits.
In diesem Werk werden lediglich achtzehn Musnads aufgeführt. Zuerst wird der Musnad der zehn Gefährten erwähnt, denen das Paradies verheißen wurde. In der zweiten Stufe folgt der Musnad der Ahl al-Bait, in der dritten der von Abdullah ibn Masud, in der vierten der von Abdullah ibn Umar, in der fünften der von Abdullah ibn Amr und Abu Marmasa, in der sechsten der von Hazrat Abbas, in der siebten der von Abu Huraira, in der achten der von Anas ibn Malik, in der neunten der von Abu Said al-Chudri, in der zehnten der von Dschabir ibn Abdullah, in der elften der Musnad der mekkanischen Gefährten, in der zwölften der der medinensischen Gefährten, in der dreizehnten der der Gefährten von Suffa, in der vierzehnten der der Gefährten aus Basra, in der fünfzehnten der der Gefährten aus Syrien, in der sechzehnten der der Ansar und in der siebzehnten der Musnad von Hazrat Aischa. Insgesamt ist das Musnad-Werk in einhundertzweiundsiebzig Teile gegliedert.
Imam Ahmad wollte dieses Werk als eine unvergleichliche Sammlung authentischer Hadithe gestalten. Sein innigster Wunsch war, dass dieses Werk bei Meinungsverschiedenheiten unter den Hadith-Gelehrten über einen Hadith als endgültige Instanz zur Entscheidung dienen und ein zuverlässiges Dokument über die Überlieferungsketten der Hadithe sein könne.
Abdullah, der Sohn von Imam Ahmad, fragte ihn:
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Warum lehnen Sie die Abfassung eines Buches ab, obwohl Sie selbst ein Musnad-Werk verfasst haben?
Imam Ahmad antwortete darauf:
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Ich habe dieses Werk in der Stellung eines „Imam“ verfasst. Wenn die Menschen über irgendeine Sunna oder einen Hadith des edlen Gesandten (s.) uneins sind, sollen sie darin eine endgültige Entscheidung finden können.
Hัมbal ibn Ishaq, der Neffe von Imam Ahmad, sagte:
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Mein verehrter Onkel, Imam Ahmad (r.), versammelte mich und seine beiden Söhne Salih und Abdallah und las uns dieses Musnad-Werk von Anfang bis Ende vor. Außer uns konnte niemand das gesamte Werk aus seinem Mund hören. Er sagte zu uns: „Ich habe dieses Werk aus den Überlieferungen von mehr als siebenhundertfünfzigtausend Hadithen ausgewählt, gesichtet, zusammengestellt und verfasst. Wenn die Muslime über einen Hadith des edlen Gesandten (s.) uneins sind, dann wendet euch diesem Buch zu, um diesen Hadith zu finden (das heißt, sucht und forscht in diesem Buch nach ihm). Wenn er darin zu finden ist, ist das gut; wenn er jedoch nicht darin zu finden ist, darf man ihn nicht als maßgeblichen oder feststehenden Hadith betrachten.“
Der letzte Teil des oben angeführten langen Zitats bedarf einer Analyse der Aussage von Imam Ahmad ibn Hanbal. Im Zusammenhang mit deren Erläuterung sagte Imam adh-Dhahabi:
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Diese Aussage Imam Ahmads ist im Rahmen der allgemeinen Situation anzunehmen. Andernfalls finden wir in den Werken von Muslim, al-Buchari, den Sunan-Werken und anderen Dschuzʾ-Werken zahlreiche authentische Hadithe, die im Musnad nicht enthalten sind.
Hafiz Schamsuddin al-Dschazari schrieb:
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Mit dieser Aussage wollte Imam Ahmad (r.) offenbar auf die Grundlagen der Hadithe hinweisen. Und dies ist eine wahre Aussage. Denn wahrscheinlich gibt es keinen Hadith, dessen „Grundlage“ nicht in diesem Musnad erwähnt wäre.
Das von Imam Ahmad zusammengestellte Hadith-Werk hätte eben diesen hohen Rang erlangen können; doch da er die Zusammenstellung selbst nicht vollständig abschließen konnte, konnten zahlreiche authentische Hadithe und die Überlieferungen zahlreicher Gefährten nicht darin aufgenommen werden. Hafiz Ibn Kathir schrieb hierzu im Rahmen seiner Erörterung:
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Obwohl dieses von Imam Ahmad (R) zusammengestellte Musnad sowohl hinsichtlich der Fülle seiner Überlieferungsketten als auch in der kunstvollen Abfassung unübertroffen und konkurrenzlos ist, ist eine große Anzahl von Hadithen daraus vollständig ausgelassen worden. Vielmehr heißt es, dass darin kein einziger Hadith von etwa zweihundert Sahaba angeführt wurde, obwohl die von ihnen überlieferten Hadithe in den Werken von Buchari und Muslim angeführt sind.
Doch trotz alledem lässt sich die Besonderheit des Musnad von Ahmad keineswegs leugnen. Es ist allgemein anerkannt, dass darin kein einziger selbst erdachter, eigenmächtig verfasster und unbegründeter Hadith enthalten ist. Imam Ibn Taymiyya schrieb, dass sich im Musnad kein einziger Hadith dieser Art befinde. Außerdem gibt es keine zweite Sammlung, die eine derart große Zusammenstellung sahih Hadithe enthält. Hafiz Nuruddin al-Haythami schrieb:
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Was die sahih Hadithe betrifft, ist der Musnad von Ahmad im Vergleich zu den anderen Hadith-Werken authentischer.
Imam Ahmad stellte die Hadithe nach seinem eigenen Maßstab zusammen. Die Hadith-Gelehrten sagten:
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Imam Ahmad hatte beschlossen, in sein Werk gemäß seinen eigenen Bedingungen nichts anderes als besonders authentische Hadithe aufzunehmen.
Wie ich bereits gesagt habe, konnte Imam Ahmad dieses Werk zu seinen Lebzeiten nicht in jeder Hinsicht vollenden. Daher finden sich darin zahlreiche Hadithe, die von Abdallah, dem Sohn des Imams, und von Hafiz Abu Bakr al-Qati’i hinzugefügt wurden.
Allama Ahmadul Banna hat dieses umfangreiche Werk vollständig ediert und im Hinblick auf Kapitel und Inhalte neu geordnet. Vor kurzem wurde es in Ägypten unter dem Titel „Fath al-Rabbani“ in einer großformatigen Ausgabe von 21 Bänden veröffentlicht; darin ist auch sein ausführlicher „Sharh“ unter dem Titel „Bulugh al-Amani“ enthalten. Unserer Auffassung nach handelt es sich heute um einen gewaltigen und unvergleichlichen Hadith-Schatz.
Ahmadul Banna schrieb über die Hadithe des Musnad:
Nachdem ich die Hadithe des Werkes „Musnad“ überprüft und untersucht hatte, stellte ich fest, dass es darin insgesamt sechs Arten von Hadithen gibt. Erstens die von Abu Abd ar-Rahman Abdullah, dem Sohn von Imam Ahmad, überlieferten Hadithe, die er selbst von Imam Ahmad gehört hatte. Im Grunde bilden diese den Musnad Ahmad; sie machen drei Viertel des vorliegenden Werkes aus.
Zweitens die Hadithe, die Abdullah von Imam Ahmad und anderen Hadith-Gelehrten gehört hatte. Ihre Zahl ist äußerst gering.
Drittens die Hadithe, die Abdullah von anderen Hadith-Gelehrten außer seinem Vater gehört hatte; sie sind unter dem Namen „Zawa’id Abdullah“ oder „Abdullahs Ergänzungen“ bekannt. Die Zahl dieser Hadithe ist sehr groß.
Viertens die Hadithe, die Abdullah selbst vor seinem Vater vorgetragen und ihm zu Gehör gebracht hatte, die er jedoch nicht von seinem Vater gehört hatte; auch ihre Zahl ist gering.
Fünftens die Hadithe, die Abdullah seinem Vater weder vorgetragen noch von ihm gehört hatte, sondern die er im Buch seines Vaters in dessen eigener Handschrift vorgefunden hatte; auch ihre Zahl ist gering.
Sechstens die Hadithe, die der berühmte und allgemein anerkannte Hadith-Gelehrte Hafiz Abu Bakr al-Qata’i von anderen Hadith-Gelehrten außer Abdullah und dessen Vater Imam Ahmad überliefert hatte; ihre Zahl ist am geringsten.
Die abschließende Phase der Hadith-Kodifizierung
Aus der bisherigen Erörterung ist den Lesern deutlich geworden, dass die Beschäftigung mit den Hadithen, ihre Verbreitung und Kodifizierung sowie die Abfassung von Werken im dritten Jahrhundert der Hidschra einen noch größeren Fortschritt, eine umfassendere Entwicklung und eine höhere Vollendung erlangten. Jeder einzelne Bereich wurde mit eigenständigem und in sich geschlossenem Rang etabliert. Die Muhaddithun und Hadith-Überlieferer widmeten sich in diesem Jahrhundert dem Erlernen und der Beschäftigung mit den Hadithen auf einer im Vergleich zu früher wesentlich breiteren Grundlage. Die Sammler von Hadithen bereisten auf der Suche nach Hadithen jedes Zentrum der muslimischen Welt, begaben sich an jeden Ort und sammelten und kodifizierten die verstreut überlieferten Hadithe. Indem sie die gesammelten Hadithe gemeinsam kodifizierten, verfassten sie zahlreiche wertvolle und umfangreiche Werke.
In diesem Jahrhundert entstand in der muslimischen Gesellschaft eine Situation, durch die die Entwicklung eines eigenständigen Wissensbereichs namens Hadith-Wissenschaft äußerst notwendig wurde. In der Terminologie der Hadith-Wissenschaft wird er ******************** „Wissenschaft der Hadithprüfung und -kritik“ genannt. Um eine klare Vorstellung vom Bereich der Hadithprüfung und -kritik zu gewinnen, ist eine ausführliche Erörterung der oben genannten Situation erforderlich.
Die muslimische Gesellschaft im dritten Jahrhundert
Die muslimische Gesellschaft des dritten Jahrhunderts muss mit einem Wort als von vielfältigen islamfeindlichen Strömungen sowie von Fitna und Unheil heimgesucht bezeichnet werden. Die gewaltigen Schläge, die seit der frühesten Zeit der rechtgeleiteten Kalifen wiederholt gegen den Islam geführt wurden, können in militärischer Terminologie als „Angriffe von außen“ bezeichnet werden. Insbesondere die Schläge während der Zeit von Hadhrat ʿUthmān (r.a.) und Hadhrat ʿAlī (r.a.) können dieser Kategorie zugerechnet werden. Doch der Islam wies all diese Angriffe von außen durch seine ihm innewohnende Kraft und Festigkeit zurück. Später wurde versucht, das islamische Kalifat zu zerschlagen und in der alles überschwemmenden Flut der Jāhilīya selbst jede Spur des Islams fortzuspülen, auszulöschen und vollständig zu vernichten. Doch dank der unermüdlichen Bemühungen, Anstrengungen und der Hingabe der aufrichtigen Tābiʿūn in der Zeit nach den Sahāba war der Islam in der Lage, seine ideologischen Grundlagen fest und unerschütterlich zu bewahren. Nachdem die Feinde des Islams ihn durch Angriffe von außen nicht vernichten konnten, setzten sie all ihre Kräfte ein, um durch geheime Verschwörungen aus seinem Inneren heraus eine äußerste Katastrophe herbeizuführen. In dieser Phase begannen die Feinde des Islams, im Namen des Islams allerlei Gedanken, Ansichten, ʿAqīdas und Glaubensvorstellungen bedenkenlos unter der muslimischen Allgemeinheit zu verbreiten, sodass der Islam gleich einer öllosen Lampe von innen heraus vollständig zu erlöschen und seine ewige Auslöschung zu erfahren drohte.
In dieser Phase entstanden in der muslimischen Gesellschaft verschiedene nichtige Gedanken und Lehren; an erster Stelle stand die starke Tendenz zu ungezügeltem Rationalismus und übermäßigem Vernunftdenken. Selbst die grundlegenden ʿAqīda und Glaubensüberzeugungen des Islams wurden auf dem Prüfstein der Vernunft gewogen und überprüft. Was die enge und begrenzte Vernunft und das Gewissen des Menschen nicht zu bestehen vermochten, wurde allmählich verworfen. Infolgedessen begann man einige grundlegende Glaubensüberzeugungen des Islams – auf denen das Fundament des Islams ruht – ausdrücklich abzulehnen und aufzugeben.
Danach entbrannte in dieser Phase in der muslimischen Gesellschaft ein heftiger Aufruhr aus Diskussionen und Streit darüber, ob der Koran „geschaffen“ (makhlūq) oder „ungeschaffen“ (ghayr makhlūq, voranfänglich) sei. Infolgedessen verschwand die Neigung, die eindeutigen Anweisungen des Korans gewissenhaft zu befolgen, und die Menschen begannen, durch diese völlig unnötige und belanglose Auseinandersetzung verwirrt und irregeleitet zu werden.
Gegen Ende der Abbasidenzeit begann sich der Atheismus in der muslimischen Gesellschaft als eine ʿAqīda und Glaubensüberzeugung auszubreiten. Die Atheisten jener Zeit behaupteten zwar öffentlich, Muslime zu sein; innerlich jedoch leugneten sie die gesamte „Dīn“ vollständig. Die griechischen Schriften über Philosophie und Wissenschaft jener Epoche wurden ins Arabische übersetzt, und man begann, sie in der muslimischen Gesellschaft weitverbreitet zu lesen und zu studieren. Infolgedessen wurden die Gedanken des Atheismus und der Religionslosigkeit vom Volk zunehmend als eine wissenschaftlich begründete Lehre angenommen.
Auch haltlose Geschichten aus alter Zeit begannen in dieser Epoche unter der muslimischen Bevölkerung weite Verbreitung zu finden. Man bemühte sich mit allen Mitteln, frei erfundene Geschichten auszuschmücken und sie für die Menschen ansprechender zu gestalten. Man scheute sich nicht, ihnen die Sprache und Darstellungsweise eines Hadith zu geben und sie als Hadith des Gesandten auszugeben. Infolgedessen wandten die gewöhnlichen Muslime ihren Blick vom Koran und den Hadithen des Gesandten ab und richteten ihn ganz auf die entgegengesetzte Seite. Tatsächlich waren all diese Vorgänge eine verhängnisvolle Fitna für den Islam, und die weitverbreitete Neigung zur Fälschung von Hadithen war die konkrete Gestalt dieser Fitna.
In jeder Phase der genannten Fitnas ist es höchst erstaunlich, dass mit aller Entschlossenheit versucht wurde, Unterstützung aus den Hadithen des Gesandten zu gewinnen. Als sich jedoch in den echten Hadithen des Gesandten auch nicht die geringste Unterstützung für eine einzige von ihnen finden ließ, verfassten sie alle – beinahe alle Träger dieser Fitnas – eigenständig Aussagen, fügten ihnen eine Überlieferungskette (Isnad) im Namen des Gesandten hinzu und begannen, sie so vorzulegen, als würden alle sie als aus dem Mund des Gesandten hervorgegangene Worte glauben; zumindest gab es in dieser Hinsicht keinen offensichtlichen Grund für Zweifel. Genau unter diesen Umständen entstand die zwingende Notwendigkeit, jeden Hadith am Prüfstein der Hadithkritik zu wiegen und zu überprüfen. Um durch die Prüfung und Untersuchung jeder als Hadith überlieferten Aussage festzustellen, welche tatsächlich ein Wort des Gesandten und welche dies nicht war, wurde die Wissenschaft der Hadithkritik als wirksame und zuverlässige Methode in vollem Umfang angewandt. Dies führte dazu, dass auch dieser von innen kommende Angriff zur Vernichtung des Islam schließlich völlig scheiterte. Man kann sich leicht vorstellen, dass ein Berg falscher Hadithe den muslimischen Geist vollständig überwältigt und völlig irregeführt hätte, wenn man damals der Überprüfung und Untersuchung der Hadithe nicht jene große Bedeutung beigemessen hätte; daran besteht nicht der geringste Zweifel. Wann immer während der oben genannten Fitnas der Blick der Muslime begann, sich vom Koran und den Hadithen einer anderen Richtung zuzuwenden, wurden in der Gesellschaft stets große Männer sichtbar, die mit gewaltiger Kraft Maßnahmen zum Schutz der Hadithe ergriffen, den angehäuften Unrat beseitigten, die echten Hadithe des Gesandten öffentlich zur Geltung brachten und die muslimische Geisteswelt durch das unvergängliche Licht der echten Hadithe des Gesandten erstrahlen ließen. Die umfassenden Anstrengungen, die in dieser Angelegenheit auf staatlicher wie privater Ebene unternommen wurden, werden in der Geschichte von Wissen, Wissenschaft und Kultur für immer leuchtend fortbestehen.
Nach dem Kalifat der rechtgeleiteten Kalifen wurde Umar ibn Abd al-Aziz aus dem Hause der Umayyaden zum Kalifen gewählt. Über die umfassenden staatlichen Maßnahmen, die er zur Sammlung und Zusammenstellung der Hadithe ergriff, wurde bereits ausführlich berichtet. An dieser Stelle kann erneut festgestellt werden, dass ohne diese Maßnahmen zur Sammlung und Bewahrung der Hadithe eine große Zahl von Hadithen des edlen Gesandten aus der Welt verschwunden wäre.
Auch zur Zeit der Abbasiden, als sich die Bedrohungen für die Hadithe immer dichter zusammenzogen, setzte sich ein Kalif – eigentlich ein König – für die Bewahrung der Hadithe und ihre korrekte Verbreitung ein. Es war al-Mutawakkil ala Allah (232 n. H.). Von Natur aus fühlte er sich zur Sunna des Gesandten hingezogen. Sobald er die Verantwortung für die Regierung übernommen hatte, sandte er Anweisungen in alle Teile der muslimischen Welt, Maßnahmen zur Bewahrung der Hadithe und zu ihrer umfassenden Lehre zu ergreifen. Der bedeutendste Hadith-Gelehrte jener Zeit, Abu Bakr ibn Schayba, begann in der Dschami ar-Rusafa Hadithe zu lehren. Daraufhin versammelten sich aus den verschiedenen Regionen der muslimischen Welt nahezu dreißigtausend Menschen, um von ihm Hadithe zu lernen. Gleichzeitig begann sein Bruder Uthman ibn Abu Bakr in der Dschami al-Mansur Hadithe zu lehren. Auch vor ihm erschien eine ähnlich große Zahl von Hadith-Studenten.
Als die gesamte muslimische Bevölkerung al-Mutawakkils aufrichtige Bemühungen um die Lehre und Bewahrung der Hadithe sah, erhoben sich ihre Herzen in innigem Gebet zu Allah für ihn; sie priesen ihn mit beredten Worten, und alle erwiesen ihm tiefe Achtung und Ehre. Sogar der folgende Ausspruch wurde damals zu einem allgemeinen Sprichwort unter den Menschen:
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Es gibt nur drei Kalifen: Abu Bakr, weil er die Abtrünnigen bekämpfte und tötete; Umar ibn Abd al-Aziz, weil er Unterdrückung und Unrecht ein Ende setzte; und al-Mutawakkil, weil er Hadith und Sunna wiederbelebte sowie die Anhänger nichtiger Lehren bekämpfte und vernichtete.
Andererseits wurde in diesem Jahrhundert auch die Arbeit vollendet, nach der Sammlung, Zusammenstellung sowie Auswahl und Ausscheidung der Hadithe anspruchsvolle Bücher zusammenzustellen, die ausschließlich authentische Hadithe enthielten – und zwar mit einer außergewöhnlichen Bedeutung, einem hohen Rang sowie großer Breite und Tiefe. Einige Personen traten hervor, die durch Allahs Gnade mit dem für diese gewaltige und schwierige Aufgabe erforderlichen Talent und Können ausgestattet waren. Sie waren die Verfasser der sechs authentischsten Hadith-Werke – sechs der bedeutendsten Hadith-Gelehrten:
1. Imam al-Buchari, 2. Imam Muslim, 3. Imam an-Nasa’i, 4. Imam at-Tirmidhi, 5. Imam Abu Dawud und 6. Imam Ibn Madscha. Die von jedem von ihnen zusammengestellten Hadith-Werke sind in der Geschichte von Wissen und Kultur jeweils ein Wunder.
Hier werden wir zunächst die Lebensgeschichte jedes einzelnen Hadithgelehrten kurz erörtern und anschließend eine ausführliche, gesonderte Darstellung der von ihnen zusammengestellten Hadith-Werke vorlegen. Aus dieser Darstellung wird sich ein klares Bild davon gewinnen lassen, welchen höchsten Grad der Vervollkommnung die Hadith-Wissenschaft in diesem Jahrhundert erlangte.
Die sechs bedeutendsten Persönlichkeiten der Hadith-Wissenschaft
Imam al-Buchari (r.)
Imam al-Bucharis (r.) vollständiger Name war Abu Abdallah Muhammad ibn Isma’il ibn Ibrahim. Er wurde am Freitag, dem 13. Schawwal des Jahres 194 nach der Hidschra, in der Stadt Buchara geboren, die von Muslimen bewohnt und das Zentrum der islamischen Kultur und Zivilisation war. Bereits in seiner Kindheit verstarb sein Vater. Im liebevollen Schoß seiner Mutter wurde er aufgezogen. Als er in der Maktab-Grundschule lernte, erwachte in ihm schon damals der brennende Wunsch, Hadithe zu erlernen. Hierüber sagte Imam al-Buchari (r.) selbst:
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Während ich noch mit dem elementaren Lernen in der Maktab beschäftigt war, wurde mir die Notwendigkeit, Hadithe auswendig zu lernen, eingegeben.
Auf die Frage, wie alt er damals gewesen sei, antwortete er: »Zehn Jahre oder weniger.
Imam al-Bucharis erstaunliche Begabung im Überliefern von Hadithen trat spontan zutage, als er elf Jahre alt war. Ein Ereignis aus dieser Zeit ist bemerkenswert. Damals (********************) wurde ein Hadith öffentlich über diese Überlieferungskette vorgetragen: Sufyan von Abu az-Zubair und Abu az-Zubair von Ibrahim. Sobald er diese Kette vom damaligen Muhaddith Dakhili vernommen hatte, rief er aus:
Diese Überlieferungskette ist nicht richtig, denn –********************– Abu az-Zubair hat überhaupt keinen Hadith von Ibrahim überliefert.
Der Muhaddith Dakhili war angesichts der Kühnheit dieses elfjährigen Jungen wie vor den Kopf geschlagen. Er wies den Jungen scharf zurecht. Darauf sagte Imam al-Buchari:
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Wenn Sie das Originalwerk bei sich haben, schlagen Sie es doch einmal auf (und überprüfen Sie die Richtigkeit meiner Aussage).
# Die Stadt Buchara liegt in der Republik Usbekistan. Gegenwärtig gehört diese Stadt zum russischen Reich in Zentralasien. Sie gilt als eine bedeutende Stadt im Gebiet Mā warāʾ an-nahr – am Ufer des Flusses Dschihun. Sie liegt 300 Kilometer von Samarkand im Iran entfernt.
Imam al-Buchari sagte: „Hier wird in dieser Überlieferungskette fälschlich ‚Abu az-Zubair‘ genannt; tatsächlich muss die Überlieferungskette lauten: ‚Zubair ibn Adi von Ibrahim‘.“
Darauf schlug der Muhaddith Dakhili das Originalwerk auf. Der Junge Abu Abdallah hatte recht; im Originalwerk stand es genau so geschrieben.[********************]
Als Imam al-Buchari das Alter von sechzehn Jahren überschritten hatte, hatte er die von Abdullah ibn al-Mubarak und Imam Wakiʿ zusammengestellten Hadith-Werke vollständig auswendig gelernt.[********************]
Danach begab sich Imam al-Buchari gemeinsam mit seiner Mutter und seinem Bruder zur Hadsch. Zuvor hatte er das Hören von Hadithen bei sämtlichen in Buchara ansässigen Muhaddithen abgeschlossen. Diese Reise unternahm er im Jahre 210 nach der Hidschra.[********************] Nach seiner Ankunft zur Hadsch blieb er sechs Jahre ununterbrochen im Hidschas. Während dieser Zeit widmete er sich einerseits umfassend dem Studium der Hadithe; zugleich setzte er auch seine schriftstellerische Tätigkeit in vollem Umfang fort. Über seine damalige schriftstellerische Tätigkeit und die Abfassung von Werken sagte Imam al-Buchari selbst:
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Als ich achtzehn Jahre überschritten hatte, verfasste ich ein Werk über die Rechtsentscheidungen und Urteile der Gefährten und der Tabi’un. Danach verfasste ich, nahe dem Grab des edlen Gesandten in Medina sitzend, das Werk „at-Tarikh al-Kabir“. An mondhellen Nächten arbeitete ich an diesem Werk weiter.[********************]
Zum Studium und zur Sammlung von Hadithen bereiste Imam al-Buchari zahlreiche Länder und Städte. In jeder einzelnen Stadt eignete er sich alle erreichbaren Hadithe an. Danach brach er in Richtung einer anderen Stadt auf. Auf diese Weise gab es in dem gewaltigen islamischen Reich keine bedeutende Stadt, in der er nicht gewesen wäre und Hadithe gesammelt hätte. Allama adh-Dhahabi erwähnt in diesem Zusammenhang die Städte Bagdad, Mekka, Basra, Kufa, Askalon, Hims, Damaskus und andere; außerdem führt er die Namen der jeweiligen Muhaddithen an, bei denen Imam al-Buchari in den einzelnen Städten Hadithe studiert und gesammelt hatte.[********************]
Doch offenbar ist diese Liste nicht vollständig. Allama al-Khatib al-Baghdadi äußerte sich über Imam al-Bucharis Reisen in diese Länder mit den Worten:
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Auf der Suche nach dem Wissen über die Hadithe suchte er sämtliche Muhaddithen der gesamten Stadt auf.[********************]
Um eine umfassende Vorstellung von seinen Reisen zu vermitteln, sagte er selbst:
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Ich war jeweils zweimal in Syrien, Ägypten und al-Dschasīra. In Basra war ich viermal. Im Hidschāz hielt ich mich sechs Jahre ununterbrochen auf. Wie oft ich jedoch nach Kūfa und Bagdad reiste und mich in den Dienst der Muhaddithūn begab, kann ich nicht zählen.
Imam Buchari (r) kam einmal nach Samarkand. Damals versammelten sich fast vierhundert Muhaddithūn vor ihm. Sie hatten bereits zuvor vom Ruhm seines tiefen und umfassenden Wissens über die Hadithe gehört. Deshalb wollten sie Imam Buchari prüfen. Zu diesem Zweck trennten sie die ursprünglichen Wortlaute einiger Hadithe von ihren Überlieferungsketten, fügten sie den Überlieferungsketten anderer Hadithe hinzu und vertauschten die Ketten untereinander. Danach trugen sie dies Imam Buchari (r) vor und baten ihn, die Richtigkeit und Authentizität zu überprüfen. Für Imam Buchari (r) waren all diese Hadithe klar wie ein Spiegel. Daher bereitete es ihm weder die geringste Schwierigkeit noch kostete es ihn auch nur einen Augenblick, zu erkennen, an welchen Stellen der eigentliche Text und seine Überlieferungskette vertauscht worden waren. Er begann, jeden einzelnen Hadith vorzutragen und dessen Fehler zu benennen. Schließlich stellte er jeden Hadith in seiner ursprünglichen Form, zusammen mit seiner eigenen Überlieferungskette, wieder her und legte ihn den versammelten Muhaddithūn vor. Die Muhaddithūn konnten diese Antwort Imam Bucharis (r) nicht anders als als vollkommen wahr anerkennen. Die Historiker berichten, dass Imam Buchari auch in Bagdad eine ähnliche Prüfung unterzogen wurde und die Muhaddithūn schließlich, nachdem sie seine Antwort gehört hatten, gezwungen waren, seine Überlegenheit anzuerkennen.
Über Imam Bucharis außergewöhnliche Gedächtniskraft wurde gesagt:
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Er las ein Buch nur einmal und konnte es bereits nach einmaligem Anblick vollständig auswendig.
Wie gewaltig, umfassend und tief sein Wissen über die Hadithe war, wird durch die uneingeschränkte Anerkennung der Muhaddithūn der Welt eindeutig belegt. Hier sollen die Aussagen einiger von ihnen angeführt werden:
Ibn Chuzayma (r) sagte:
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Unter dem Himmel habe ich niemanden gesehen, der gelehrter in den Hadithen des Gesandten und ein größerer Hafiz derselben gewesen wäre als Muhammad ibn Ismail al-Buchari.
Imam Muslim kam eines Tages zu Imam al-Buchari (r.) und küsste seine Stirn. Er sagte:
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Erlaubt mir, Ihre beiden Füße zu küssen, o Meister der Meister, der Hervorragendste unter den Muhaddithen und „Arzt der Krankheiten der Hadithe“.
Imam al-Buchari war ein äußerst höflicher, tapferer und von edlem Charakter geprägter Mann. Hinsichtlich seiner Selbstachtung war er äußerst wachsam und sehr gewissenhaft. Die Höfe von Königen und Herrschern beachtete er überhaupt nicht; vielmehr bemühte er sich mit aller Kraft, sich hundert Yojana weit von ihnen fernzuhalten.
Zu dieser Zeit war Khalid ibn Ahmad az-Zuhli der Herrscher von Buchara. Er ließ Imam al-Buchari (r.) durch einen Boten folgende Anweisung übermitteln:
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Kommen Sie mit den von Ihnen zusammengestellten Hadith- und Geschichtswerken zu mir; ich möchte sie von Ihnen hören.
Imam Buchari (r.) lehnte es in unmissverständlichen Worten ab, dieser Anweisung Folge zu leisten, und ließ dem Boten ausrichten:
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Richte dem König meine Worte aus: Ich kann den Hadith nicht entwürdigen und ihn nicht an die Höfe der Könige und Herrscher bringen. Wenn er diese Dinge benötigt, soll er zu mir in die Moschee oder in mein Haus kommen. Und wenn ihm mein Vorschlag nicht gefällt, was lässt sich dann tun? Er ist schließlich der König……….
Ibn Hadschar al-Asqalani sagte:
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Dies wurde zum Grund für die Entfremdung und den Unfrieden zwischen Imam Buchari und dem König.
Imam Hakim jedoch nannte einen anderen Grund für diesen Unfrieden. Er sagte:
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Der Grund, weshalb Abū ʿAbdullāh die Stadt Buchara verließ, war, dass König Khālid ibn Aḥmad ihm befohlen hatte, in den königlichen Palast zu kommen und seinen Kindern Geschichts- und Hadithwerke zu unterrichten. Imam al-Buchārī weigerte sich jedoch, diesem Befehl Folge zu leisten, und ließ ihm ausrichten: „Es kann keinesfalls wünschenswert sein, dass ich dieses Buch einigen Leuten besonders vortrage und es anderen nicht vortrage.“
Daraufhin begab sich Imam al-Buchārī (r) in die nahe Samarkand gelegene Stadt Khartank und flehte Allah inständig an, ihn vor dieser schweren Prüfung für den Din des Islam zu bewahren. In dem Bittgebet, das er zu jener Zeit nachts nach dem Gebet zu sprechen pflegte, sagte er:
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„O Allah! Diese weite Erde ist mir eng geworden; so nimm mich nun zu Dir.“
Imam al-Buchārī starb in dieser Stadt Khartank am 30. Rajab des Jahres 256 nach der Hidschra im Alter von 62 Jahren.
Imam al-Buchārī (r) hat diese Welt verlassen; doch hinterließ er der gesamten muslimischen Welt mehrere unschätzbare und bedeutende Werke als grundlegende Quellen islamischen Wissens. Unter seinen äußerst wertvollen Werken sind zwei besonders berühmt und herausragend. Das eine ist „Sahih al-Buchārī“, eine Hadith-Sammlung, und das andere „at-Tārīch al-Kabīr“.
Imam Muslim (r)
Der vollständige Name von Imam Muslim (r.) war Abū al-Husain Muslim ibn al-Haddschādsch al-Quschairī an-Naisābūrī. Er wurde im Jahr 204 nach der Hidschra in Naisābūr in Chorasan geboren. Schon seit seiner Kindheit widmete er sich dem Studium der Hadithe. Zum Studium der Hadithe bereiste er alle bedeutenden Zentren der muslimischen Welt. Er begab sich nach Irak, Hidschāz, Syrien, Ägypten und in andere Städte und studierte und sammelte dort Hadithe bei den bedeutendsten Hadithlehrern und Hadithgelehrten.
Als Imam Buchārī (r.) nach Naisābūr kam, schloss sich Imam Muslim (r.) ihm an. Auch er schöpfte in beträchtlichem Maße aus seinem gewaltigen Hadithwissen. Als in dieser Stadt eine gegen Imam Buchārī (r.) gerichtete Propaganda einsetzte, bemühte sich Imam Muslim, ihr entgegenzutreten. Eines Tages ereignete sich folgender Vorfall: Er befand sich gemeinsam mit anderen Schülern in der Lehrversammlung seines Hadithlehrers Muhammad ibn Yahyā adh-Dhuhlī. Der Hadithgelehrte adh-Dhuhlī erklärte plötzlich:
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Wer in einer bestimmten Rechtsfrage die Auffassung Imām Buchārīs vertritt und sein Urteil annimmt, soll meine Lehrversammlung verlassen.
Sobald Imam Muslim dies hörte, stand er auf, kehrte in sein Haus zurück und ließ die schriftlichen Aufzeichnungen der Hadithe, die er von diesem Lehrer gehört und übernommen hatte, an ihn zurückschicken. Danach gab er es vollständig auf, Hadithe über die Überlieferungskette adh-Dhuhlīs zu überliefern.
Imam Muslim besaß ein gewaltiges und umfassendes Wissen über die Hadithe. Dass er ein Imam auf dem Gebiet der Hadithe war, darüber sind die Hadithgelehrten vollkommen einig. Die bedeutendsten Hadithgelehrten jener Zeit studierten und übernahmen Hadithe von ihm. In diesem Zusammenhang sind insbesondere Abū Hātim ar-Rāzī, Mūsā ibn Hārūn, Ahmad ibn Salama, Yahyā ibn Saʿīd, Muhammad ibn Makhlad und Imam at-Tirmidhī zu nennen. Sie waren sich über die Größe und herausragende Stellung Imam Muslims einig. Alle anerkannten seine äußerst hohe Rangstellung und Bedeutung auf dem Gebiet der Hadithe. Darüber hinaus bezeugen seine kostbaren Werke und seine tiefgründige Gelehrsamkeit dies unwiderlegbar. Unter ihnen sind insbesondere sein Sahīh Muslim, al-Musnad al-Kabīr und al-Dschāmiʿ al-Kabīr hervorzuheben. Imam Muslim verstarb im Jahr 261 nach der Hidschra im Alter von 57 Jahren in Naisābūr.
Imam an-Nasāʾī (r.)
Der vollständige Name von Imam an-Nasāʾī (r.) war ʿAbd ar-Rahmān Ahmad ibn Schuʿaib ibn ʿAlī ibn Bahr ibn Mannān ibn Dīnār an-Nasāʾī. Er wurde im Jahr 215 nach der Hidschra in der Stadt Nasā in Chorasan geboren.
Imam an-Nasa’i (r) war ein herausragender Hafiz auf dem Gebiet der Hadithe. Zum Zweck des Studiums und der Sammlung von Hadithen begab er sich bereits im Alter von fünfzehn Jahren auf Auslandsreisen. Zunächst begab er sich zu Qutayba ibn Sa’id al-Balchi und blieb dort ein Jahr und zwei Monate, während er von ihm Hadithe studierte und sammelte. Danach reiste er nach Ägypten. Dort hielt er sich lange auf. In dieser Zeit stellte er die Abfassung mehrerer Bücher fertig. Diese Bücher erlangten unter der Bevölkerung große Bekanntheit. Von da an begannen die Menschen, Hadithe von ihm zu hören.
Nachdem er Ägypten verlassen hatte, kam er im Jahr 302 nach der Hidschra nach Damaskus. Dort vollendete er die Abfassung eines lobpreisenden Werkes über Hadhrat Ali und die Familie des Gesandten. Er hatte festgestellt, dass die Bevölkerung unter dem Einfluss der Herrschaft der Umayyaden begonnen hatte, eine schlechte Meinung über Hadhrat Ali (r) und die Familie des Gesandten (s) zu hegen. Um diese Tendenz zu beseitigen oder ihre Heftigkeit zu vermindern, begann er, das Werk in der großen Moschee von Damaskus vorzutragen. Da erhob sich ein Mann und fragte: „Haben Sie etwas zum Lob Muawiyas geschrieben?“ Imam an-Nasa’i antwortete: „Für Muawiya wäre es schon genug, wenn er ungeschoren davonkäme. Was gibt es an ihm zu loben?“
Sobald er dies gesagt hatte, erschollen von allen Seiten Rufe: „Dieser Mann ist Schiit, dieser Mann ist Schiit!“ Daraufhin begannen sie, ihn brutal zu schlagen. Imam an-Nasa’i wurde dadurch schwer verletzt und geriet in einen leidvollen Zustand. Er sagte: „Bringt mich nach Mekka, damit ich dort meinen letzten Atemzug tun kann.“ Nachdem man ihn nach Mekka gebracht hatte, verstarb er dort im Jahr 303 nach der Hidschra im Alter von 89 Jahren, und er wurde zwischen Safa und Marwa beigesetzt.
Imam an-Nasa’i verfasste zahlreiche wertvolle Werke über Hadithe und Themen der Hadithwissenschaft. Zu seinen bekannten Werken gehören unter anderem „Sunan al-Kubra“ und „Sunan as-Sughra“, das auch „Al-Mujtaba“ genannt wird.
Imam Abu Dawud (r)
Sein vollständiger Name war Sulaiman ibn al-Asch’ath ibn Ishaq al-Asadi as-Sidschistani. Er wurde im Jahr 202 nach der Hidschra (819 n. Chr.) an einem Ort namens Sistan in der Nähe von Kandahar und Tschischt geboren.
Zum Zweck des Hadithstudiums bereiste er die berühmten Hadithzentren Ägypten, Syrien, den Hidschas, den Irak, Chorasan und andere Gegenden und hörte und sammelte Hadithe bei den damals berühmten Muhaddithen. Imam Ahmad ibn Hanbal, Uthman ibn Abu Schayba, Qutayba ibn Sa’id und andere herausragende Muhaddithen ihrer Zeit waren seine Lehrer in der Hadithwissenschaft.
Sein außergewöhnliches Wissen und seine tiefgehende Gelehrsamkeit auf dem Gebiet der Hadithe wurden von allen Gelehrten jener Zeit mit lauter Stimme bezeugt, und sein scharfes Erinnerungsvermögen wurde gepriesen. Ebenso fand seine tiefe Gottesfurcht und Frömmigkeit allgemeine Anerkennung.
Imam al-Hakim sagte:
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Imam Abu Dawud war in seiner Zeit der herausragendste Muhaddith unter den Hadithgelehrten. Seine Überlegenheit war uneingeschränkt und unübertroffen. Er hörte Hadithe in Ägypten, im Hedschas, in Kufa und Basra sowie in Chorasan.
Imam at-Tirmidhi und Imam an-Nasa’i waren seine Schüler im Hadith. Erstaunlich ist, dass Imam Ahmad ibn Hanbal einerseits der Lehrer von Imam Abu Dawud war, während andererseits einige Lehrer von Imam Ahmad Hadithe von Imam Abu Dawud überlieferten. Imam Ahmad selbst nahm ebenfalls einige Hadithe von Imam Abu Dawud entgegen und überlieferte sie.
Er verstarb am 16. Schawwal des Jahres 275 nach der Hidschra in der Stadt Basra.
Imam at-Tirmidhi (r.)
Der vollständige Name von Imam at-Tirmidhi lautet al-Imam al-Hafiz Abu Isa Muhammad ibn Isa ibn Sawra ibn Musa ibn Dahhak as-Sulami at-Tirmidhi. Er wurde im Jahr 209 nach der Hidschra in der alten Stadt Tirmidhi geboren, die am Ufer des Dschihun-Flusses liegt. Er besaß umfassende Kenntnisse im Hadith. Die von ihm überlieferten Hadithe gelten als vollkommen zuverlässig, glaubwürdig und als unumstößliche Beweise. Er hörte Hadithe von den bedeutendsten Hadithgelehrten seiner Zeit und nahm sie von ihnen entgegen. Qutayba ibn Sa’id, Ishaq ibn Musa, Mahmud ibn Ghaylan, Sa’id ibn Abd ar-Rahman, Muhammad ibn Bashshar, Ali ibn Hadschar, Ahmad ibn Mani, Muhammad ibn al-Muthanna, Sufyan ibn Wakī und Muhammad ibn Isma’il al-Bukhari sowie weitere Muhaddithun waren die Lehrer von Imam at-Tirmidhi.
Imam al-Bukhari äußerte sich vielfach lobend über ihn. Die Muhaddithun bezeichneten ihn als den Nachfolger von Imam al-Bukhari. Auch Imam al-Bukhari selbst nahm Hadithe von ihm entgegen und überlieferte sie.
Imam at-Tirmidhi bereiste die berühmten Hadith-Zentren der islamischen Welt, um Hadithe zu hören und zu sammeln. Jahre hindurch war er zur Sammlung von Hadithen in Kufa, Basra, Rayy, Chorasan, Irak und Hidschas unterwegs.
Imam at-Tirmidhi besaß ein außerordentlich scharfes Gedächtnis. Schon durch einmaliges Hören konnte er eine große Zahl von Hadithen auswendig lernen. Er hatte einige von einem bestimmten Muhaddith überlieferte Hadith-Abschnitte gehört, war diesem Muhaddith jedoch nie begegnet und hatte sie nicht aus dessen eigenem Mund hören können. Daher war er innerlich begierig, diesen Muhaddith ausfindig zu machen. Eines Tages traf er ihn unterwegs und äußerte den Wunsch, von ihm den vollständigen Hadith zu hören. Auf seine Bitte hin trug jener den gesamten Hadith auswendig vor, während er mitten auf dem Weg stehen blieb. Imam at-Tirmidhi hatte diese Hadithe zuvor noch nie gehört. Dennoch prägte er sie sich nach diesem einzigen Hören vollständig ein und trug sie sogleich einmal vor, um sie dem vor ihm stehenden Lehrer vorzutragen. Dabei machte er nicht einen einzigen Wortfehler.
Imam at-Tirmidhi verfasste zahlreiche wertvolle Bücher. Al-Dschami at-Tirmidhi, Kitab al-Asami, al-Kuna, Schamail at-Tirmidhi, Tawarik und Kitab az-Zuhd gehören zu seinen epochemachenden Werken.
Imam at-Tirmidhis Sehvermögen erlosch in seinem hohen Alter. Er starb im Alter von siebzig Jahren im Jahr 279 nach der Hidschra in der Stadt Tirmidh.
Imam Ibn Madschah (r.)
Der vollständige Name von Imam Ibn Madschah lautet Abu Abdallah Muhammad ibn Yazid ibn Abdallah ibn Madschah al-Qazwini. Er war ein herausragender Gelehrter auf den Gebieten der Hadithwissenschaft, der Tafsir und der Geschichte.
Er wurde im Jahr 209 nach der Hidschra (828 n. Chr.) an einem Ort namens Qazwin geboren. Diese Stadt gilt seit ihrer Eroberung zur Zeit des dritten Kalifen, des ehrenwerten Uthman (r.a.), als ein Zentrum islamischen Wissens und wissenschaftlicher Bildung. Seit Beginn des dritten Jahrhunderts nach der Hidschra hatte sie sich in der Pflege der Hadithwissenschaft besonders hervorgetan; dadurch erhielt Ibn Madschah bereits seit seiner Kindheit eine außergewöhnliche Gelegenheit, Hadithe zu erlernen. Zu jener Zeit erteilten mehrere bedeutende Muhaddithun in der Stadt Qazwin Hadith-Unterricht. Unter ihnen lernte und übernahm er Hadithe von bedeutenden Muhaddithun wie Ali ibn Muhammad Abu al-Hasan at-Tanafisi (gest. 233 n. H.), Amr ibn Rafi Abu Hadschার al-Bizli (gest. 238 n. H.), Ismail ibn Tauba Abu Sahl al-Qazwini (gest. 247 n. H.), Harun ibn Musa ibn Hayan at-Tamimi (gest. 288 n. H.) und Muhammad ibn Abu Chalid Abu Bakr al-Qazwini.
Danach bereiste er die Hadith-Zentren Medina, Mekka, Kufa, Basra, Bagdad, Wasit, Damaskus, Hims, Ägypten, Tinnis, Isfahan, Nishapur und andere Orte, um Hadithe zu erlernen und zu sammeln. Die Zahl seiner Hadith-Lehrer war unermesslich. Auch von ihm übernahm eine große Zahl von Hadith-Schülern Hadithe.
Er verfasste zahlreiche Werke. Auf Grundlage der Hadithe schrieb er auch ein umfangreiches Tafsir-Werk zum Edlen Koran. „Tarikh-e Malih“ ist ein weiteres bedeutendes Werk von ihm. Darin wird die ausführliche Geschichte von der Zeit der Sahaba bis zur Zeit des Verfassers behandelt. Sein Hadith-Werk „as-Sunan“ ist weithin berühmt und gehört zu den sechs kanonischen Hadith-Sammlungen; es ist ein umfangreiches Buch. Er verstarb im Jahre 273 nach der Hidschra (886 n. Chr.) an einem Montag im Alter von 64 Jahren.
Die sechs bedeutenden Hadith-Sammlungen
Als in der ersten Hälfte des dritten Jahrhunderts nach der Hidschra die in der gesamten muslimischen Welt verstreuten und an verschiedenen Orten aufbewahrten Hadithe in Form von Musnad-Sammlungen zusammengetragen und in Büchern gesammelt worden waren, begannen die späteren Hadith-Gelehrten, Hadithe zu überprüfen, auszusondern und zu sichten sowie Werke in gekürzter Form zu verfassen, die ausschließlich authentische Hadithe enthielten. Als Ergebnis dieses Bemühens wurden in der Mitte und in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts sechs weithin berühmte authentische Hadith-Sammlungen der Öffentlichkeit vorgelegt. Hier möchten wir die Geschichte der Zusammenstellung dieser sechs Hadith-Sammlungen sowie die Vorstellung und die Besonderheiten jedes einzelnen Werkes erörtern.
Sahih al-Buchari
Unter diesen sechs höchst authentischen Hadith-Sammlungen ist das von Imam al-Buchari zusammengestellte „Sahih al-Buchari“ das erstgenannte bedeutende, berühmteste und reichhaltigste Werk an authentischen Hadithen. Imam al-Buchari erhielt den Anstoß zur Abfassung dieses Werkes im Lehrkreis seines bedeutenden Lehrers Ishaq ibn Rahwayh. Er selbst sagte:
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Ich war bei Ishaq ibn Rahwayh anwesend. Einer der in seinem Lehrkreis anwesenden Männer sagte: „Wenn jemand ein Werk zusammenstellen würde, das die authentischen Hadithe und Sunna-Überlieferungen vom Gesandten (S) vereinte, kurz gefasst wäre und hinsichtlich der Authentizität den höchsten Rang erreichte, wäre das sehr gut und würde auch denjenigen, die danach handeln, die Befolgung der Scharia erleichtern. Dann müssten sie nicht von den Mudschtahids abhängig sein.“
Sobald Imam al-Buchari (r) diese Worte hörte, erwachte in ihm der Wunsch, ein solches Hadith-Werk zu verfassen. Die oben genannten Worte waren zwar allgemein gehalten, und die Anrede richtete sich unterschiedslos an alle im Lehrkreis Anwesenden; doch der Wunsch, sie zu verwirklichen, erwachte im Herzen jenes Mannes, dem Allah, der Erhabene, das Privileg bestimmt hatte, ein unvergleichliches Hadith-Werk wie das Buchari-Scharif zu verfassen.
Imam al-Buchārī (r) sagte:
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Diese Worte prägten sich meinem Herzen ein, und unverzüglich begann ich mit der Abfassung dieses Buches.
Als ein weiterer Grund dafür, dass Imam al-Buchārī die Abfassung des Buches al-Buchārī in Angriff nahm, wird von ihm ein anderer Anlass überliefert. Er sagte:
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Ich sah den ehrwürdigen Gesandten (s) in einem Traum. Ich sah, dass ich vor ihm stand und in meiner Hand einen Fächer hielt, mit dem ich dem Gesandten (s) Luft zufächelte und Fliegen abwehrte. Danach wollte ich bei einem Traumdeuter die Bedeutung dieses Traumes erfahren. Der Traumdeuter sagte: „Du wirst alle Lügen abwehren, die dem Gesandten zugeschrieben werden.“ In der Tat waren dieser Traum und seine Deutung der Anlass dafür, dass ich zur Abfassung dieses umfangreichen Buches mit den authentischen Hadithen angeregt wurde. Ich sah, dass ich vor ihm stand und in meiner Hand einen Fächer hielt, mit dem ich dem Gesandten (s) Luft zufächelte und Fliegen abwehrte. Danach wollte ich bei einem Traumdeuter die Bedeutung dieses Traumes erfahren. Der Traumdeuter sagte: „Du wirst alle Lügen abwehren, die dem Gesandten zugeschrieben werden.“ In der Tat waren dieser Traum und seine Deutung der Anlass dafür, dass ich zur Abfassung dieses umfangreichen Buches mit den authentischen Hadithen angeregt wurde.
Obwohl in zwei verschiedenen Überlieferungen zwei unterschiedliche Gründe dafür genannt werden, dass er zur Abfassung des Buches angeregt wurde, besteht zwischen diesen beiden Gründen kein grundlegender Widerspruch. Es ist durchaus möglich, dass Imam al-Buchārī, nachdem er aus dem Lehrkreis von Isḥāq ibn Rāhawayh mit der Anregung und dem Wunsch zur Abfassung eines Hadith-Buches fortgegangen war, im Einklang damit und zu dessen Bestätigung auch diesen guten Traum gesehen hatte. Auch dieser Traum ließ ihn erkennen, dass sein Entschluss, ein Buch zusammenzustellen, das authentische Hadithe vereinte, auch am Hofe des Gesandten angenommen worden war und dass seine Arbeit in Wirklichkeit dem Schutz des ehrwürdigen Gesandten (s) vor den heftigen Angriffen auf ihn dienen würde.
Die großen Hadith-Werke, die zuvor in verschiedenen Kapiteln und Entwicklungsstufen verfasst worden waren, nutzte Imam al-Buchārī bei der Abfassung dieses neuartigen Werkes in hohem Maße. Aus den von ihm selbst gesammelten Hadithen wählte er anhand des strengen Maßstabs der von ihm festgelegten Bedingungen aus und stellte ein umfangreiches und unschätzbares Hadith-Werk zusammen.
In den früheren Hadith-Werken waren Hadithe verschiedener Kategorien wie Sahih, Hasan und Da’if enthalten. Für einen gewöhnlichen Leser war es äußerst schwierig, daraus ausschließlich die Sahih-Hadithe auszuwählen; dazu waren nur besonders erfahrene und in der Hadith-Wissenschaft bewanderte Gelehrte imstande. Ebenso war es sehr mühsam, alle Hadithe zu einer bestimmten rechtlichen Anweisung der Scharia zu einem speziellen Thema zusammenzutragen. Denn die Absicht der früheren Werke hatte lediglich darin bestanden, die Hadithe des edlen Gesandten (صلى الله عليه وسلم) zu sammeln und sie vor dem zerstörerischen Zugriff der Vernichtung zu bewahren. Daher war es dort kaum üblich, die Hadithe zu einem bestimmten Thema an einer Stelle geordnet zusammenzustellen. Folglich gab es keine Möglichkeit, durch ihre Lektüre die ausführlichen Aussagen des Gesandten über die Scharia kennenzulernen. All diese Gründe zusammen bewogen Imam Buchari angesichts des neuen Bedarfs dazu, eine neuartige Hadith-Sammlung zu verfassen.
Imam Buchari begann mit der Abfassung dieses Hadith-Werks, während er im „Bayt al-Haram“, dem Haus Allahs, saß. Später vollendete er die Ausarbeitung der verschiedenen Kapitel und die Ergänzung der „Tarjamat al-Bab“ in Medina, im Inneren der Prophetenmoschee, an dem zwischen der Kanzel und dem gesegneten Rawda des Gesandten gelegenen Ort.
Beim Niederschreiben der Hadithe wandte Imam Buchari (رحمه الله) eine beispiellose und erstaunliche Methode an. Er selbst sagte:
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Bevor ich in diesem Sahih-Werk jeweils einen Hadith niederschrieb, vollzog ich die Ganzkörperwaschung und verrichtete zwei Rakʿa Nafl-Gebet; abgesehen davon schrieb ich keinen einzigen Hadith nieder.
Die Vorgehensweise, vor dem Niederschreiben jedes Hadiths die Ganzkörperwaschung zu vollziehen und zwei Rakʿa Nafl-Gebet zu verrichten, befolgte er sowohl in Mekka als auch in Medina. Vor dem Niederschreiben jedes einzelnen Hadiths ging er in dieser Angelegenheit mit äußerster Vorsicht vor. Ohne fest davon überzeugt zu sein, dass es sich bei dem Hadith tatsächlich um einen Hadith des Gesandten handelte, führte er keinen einzigen Hadith in dieses Werk ein. Er selbst sagte dazu:
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Ich nahm nicht einen einzigen Hadith in dieses Werk auf, ohne zuvor durch Istikhara von Allah darüber Erkenntnis erlangt, ein freiwilliges Gebet verrichtet und ohne von seiner Authentizität mit fester und unerschütterlicher Gewissheit überzeugt zu sein.
In der Tat wird aus den vorstehenden Ausführungen deutlich ersichtlich, wie schwierig und von welch strenger asketischer Anstrengung die Abfassung dieses Hadith-Werks von Imam al-Buchari war. Schon bei einem einzigen Nachdenken darüber lässt sich die gewaltige Wahrheit erkennen, die ihm zugrunde liegt. Eine derart außergewöhnliche Mühe und unermüdliche Anstrengung dauerte ununterbrochen volle sechzehn Jahre an. Imam al-Buchari selbst sagte hierzu:
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„Ich vollendete die Abfassung dieses Werkes in vollen sechzehn Jahren.“
Imam al-Buchari (r.) begann mit der Abfassung von Sahih al-Buchari, nachdem er insgesamt sechshunderttausend Hadithe vor sich gelegt hatte. Er sagte:
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„Aus nahezu sechshunderttausend Hadithen vollendete ich die Abfassung dieses Buches al-Buchari.“
Von diesen sechshunderttausend Hadithen hatte Imam al-Buchari einhunderttausend sahih Hadithe vollständig auswendig gelernt. Imam al-Buchari (r.) sagte:
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Ich konnte einhunderttausend Hadithe auswendig aufsagen.
Es versteht sich von selbst, dass dies nicht die Gesamtzahl aller sahih Hadithe ist und dass Imam Buchari nicht nur diese einhunderttausend Hadithe auswendig kannte, sondern noch viele weitere. Unter den Hadithen, die er auswendig kannte, belief sich die Zahl der sahih Hadithe jedoch auf einhunderttausend. Außerdem kannte er annähernd zweihunderttausend nicht authentische Hadithe auswendig.
Aus seinen folgenden Worten lässt sich klar erkennen, dass Imam Buchari bei der Abfassung dieses Hadith-Werks bereits eine Anzahl von Hadithen gesammelt hatte und ob er sämtliche sahih Hadithe in sein Werk aufgenommen hatte oder nicht. Er sagte:
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In dieses mein Hadith-Werk habe ich ausschließlich sahih und authentische Hadithe aufgenommen. Darüber hinaus habe ich viele weitere sahih Hadithe weggelassen. Aus Sorge, dass das Werk dadurch zu lang und umfangreich werden könnte, habe ich sie nicht in dieses Werk aufgenommen.
In diesem Zusammenhang ist auch eine weitere Aussage Imam Bucharis erwähnenswert. Er sagte:
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In dieses Werk habe ich ausschließlich sahih Hadithe aufgenommen. Die Zahl der Hadithe, die ich weggelassen habe, ist im Vergleich zu den aufgenommenen Hadithen weitaus größer. Ich habe dies lediglich aus Sorge getan, dass das Werk einen zu großen Umfang annehmen könnte.
Das Werk, das Imam al-Buchārī auf diese Weise systematisch zusammenstellte und der Welt vorlegte, erhielt den folgenden Namen:
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Eine kurze, vollständige Sammlung von Hadithen mit lückenlosen Überlieferungsketten über sämtliche Angelegenheiten und Handlungen, die Sunna und die zeitgenössischen Verhältnisse des edlen Gesandten (s).
Ich habe dieses Werk als einen unwiderlegbaren Beweis in der Angelegenheit zwischen mir und Allah aufgestellt.
Jeder, der Ṣaḥīḥ al-Buchārī gelesen hat, kann erkennen, wie wahr diese Aussage von Imam al-Buchārī (r) ist und dass dieses Hadithwerk eine unvergängliche Säule der Religion des Islam darstellt.
Die mehrfach in Ṣaḥīḥ al-Buchārī zitierten Hadithe belaufen sich insgesamt auf 9.082. Zieht man die Muʿallaq-Mutābiʿāt davon ab, beträgt die Zahl der Hadithe 7.397. Zählt man hingegen ohne die mehrfach erwähnten Hadithe, ergibt sich eine Gesamtzahl von 2.602 Hadithen. Nach einer anderen Zählung beträgt die Zahl der Hadithe in dieser Hinsicht 2.761.
Doch ʿAllāma Badr ad-Dīn al-ʿAynī (r) schrieb über die Zahl der Hadithe in Ṣaḥīḥ al-Buchārī:
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Die Gesamtzahl der mit Überlieferungsketten im Sahih al-Buchari enthaltenen Hadithe beträgt 7.275. Dabei sind die wiederholt angeführten Hadithe mitgezählt. Zählt man diese nicht mit, ergibt sich eine Zahl von etwa 4.000 Hadithen.
Der Hauptgrund für diesen Unterschied bei der Zählung liegt in Folgendem: Obwohl die Abfassung dieses außerordentlich wertvollen Werkes von Imam Buchari innerhalb von sechzehn Jahren abgeschlossen worden war, wurden auch danach noch lange Zeit Änderungen, Erweiterungen, Ergänzungen und Auslassungen vorgenommen. Aus diesem Grund hörten verschiedene Schüler das Werk zu unterschiedlichen Zeiten von Imam Buchari, wodurch sich Unterschiede in der Zahl der Hadithe in den bei ihnen aufbewahrten Exemplaren ergaben. Bei den Schülern der ersten Zeit waren nur jene Hadithe niedergeschrieben, die bis dahin darin aufgenommen worden waren. Später wurde das Werk verändert; aus der ursprünglichen Zusammenstellung des Verfassers ließ er einige Hadithe weg und nahm viele neue Hadithe darin auf. Daher gelangten bei denjenigen, die das Werk in dieser späteren Phase hörten, im Vergleich zu früher mehr Hadithe sowie die neu hinzugefügten Hadithe in ihren Besitz.
Der Sachverhalt wird in der folgenden Erörterung noch deutlicher hervortreten. Hunderttausende Menschen hörten diese Hadith-Sammlung von Imam Buchari. Doch diejenigen Schüler Imams Bucharis, durch deren Überlieferung die Hauptlinie der Überlieferung dieses Werkes fortgeführt wurde, waren hauptsächlich vier.
1. Ibrahim ibn Maʿqal ibn al-Haddschadsch an-Nasafi (gest. 294 n. H.)
2. Hammad ibn Schakir an-Nasafi (gest. 311 n. H.)
3. Muhammad ibn Yusuf al-Farabari (gest. 320)
4. Abu Talha Mansur ibn Muhammad ibn Ali ibn Karima al-Badschduwi (gest. 329 n. H.)
Al-Farabari hörte das Werk Sahih al-Buchari zweimal von Imam Buchari. Einmal geschah dies im Jahre 248 n. H. an einem Ort namens Farab, als Imam Buchari dorthin gekommen war; und ein zweites Mal im Jahre 252 n. H., als er selbst nach Buchara gekommen war.
Die von Hammād ibn Schākir überlieferte Fassung des Sahīh al-Buchārī enthält zweihundert Hadithe weniger als die von Farbarī überlieferte Fassung. Und sie enthält dreihundert Hadithe mehr als die von Ibrāhīm ibn Maʿqil überlieferte Fassung. Daraus geht eindeutig hervor, dass Imam Buchārī im Buch al-Buchārī die Zahl der Hadithe nach und nach vermehrt hat und dass die von den Schülern der ersten Phase überlieferten Fassungen weniger Hadithe enthielten als die von den späteren Schülern überlieferten Fassungen.[********************]
Nachdem Imam Buchārī die Abfassung seines Werkes abgeschlossen hatte, legte er es den anderen bedeutenden Hadith-Gelehrten seiner Zeit vor. Zu ihnen gehörten vor allem ʿAlī ibn al-Madīnī, Ahmad ibn Hanbal und Yahyā ibn Maʿīn (r.). Nachdem jeder von ihnen das Buch betrachtet hatte,
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gefiel es ihnen außerordentlich gut; sie erklärten es zu einem höchst vorzüglichen Werk und bezeugten ausdrücklich, dass es ein authentisches Werk sei.[********************]
Gelehrte und Hadith-Gelehrte jeder Epoche haben viele Aussprüche über die Vorzüglichkeit und die Besonderheiten des Sahīh al-Buchārī gemacht. Maulānā Ahmad ʿAlī zitiert:
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Alle Gelehrten des Hadith sind sich in dieser Angelegenheit völlig einig, dass unter den zusammengestellten Hadith-Werken die Bücher von Buchārī und Muslim die authentischsten sind. Nach der Mehrheit ist unter diesen beiden das Sahīh al-Buchārī das authentischere und dasjenige, das den Menschen größeren Nutzen bringt.[********************]
An dieser Stelle ist auch der folgende Ausspruch allgemein bekannt und in aller Munde:
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Nach dem Buch Allahs ist Sahih al-Buchari das authentischste Buch unter dem Himmel.
Imam an-Nasa’i sagte:
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Unter all diesen Hadith-Büchern gibt es kein besseres Buch als al-Buchari.
Die muslimische Gemeinschaft hat diesem Buch eine außerordentliche und unvergleichliche Bedeutung beigemessen. Muslimische Gelehrte haben zahlreiche umfangreiche Kommentare dazu verfasst. Der Verfasser von Kaschf adh-Dhunūn sagte, die Zahl seiner Kommentare betrage zweiundachtzig. Unter ihnen sind Fath al-Bari, al-Qastallani und Umdat al-Qari die besten.
Sahih Muslim
Das authentische Hadith-Buch von Imam Muslim ist „Sahih Muslim“. Imam Muslim verfasste dieses Buch, indem er aus dreihunderttausend Hadithen, die er unmittelbar von seinen Lehrern gehört hatte, auswählte und sie prüfte und sichtete.
Nach Abschluss der Abfassung des Hadith-Buches legte er es dem damals berühmten Hadith-Hafiz Imam Abu Zur’a vor. Imam Muslim selbst sagte:
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Ich legte dieses Buch Imam Abu Zur’a ar-Razi vor. Die Hadithe, bei deren Überlieferungsketten er auf einen Mangel hinwies, verwarf ich (ich entfernte sie aus dem Buch); und die Hadithe, über die er urteilte, dass sie authentisch und frei von jeglichem Mangel seien, nahm ich in dieses Buch auf.
Daraus geht hervor, dass Imam Muslim nicht lediglich aufgrund seines eigenen Wissens und seiner eigenen Beurteilung einen Hadith für authentisch hielt und ihn in dieses Buch aufnahm; vielmehr holte er hinsichtlich der Authentizität jedes einzelnen Hadiths auch den Rat anderer zeitgenössischer Muhaddithen ein und hielt in diesem wertvollen Buch nur diejenigen Hadithe fest, über deren Authentizität die zeitgenössischen Muhaddithen vollständig übereinstimmten. Seine eigene Aussage hierzu ist der maßgeblichste Beleg. Er sagte:
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Ich habe nicht lediglich die Hadithe, die nach meinem eigenen Urteil authentisch sind, in das Buch aufgenommen. Vielmehr habe ich in dieses Buch nur jene Hadithe aufgenommen, über deren Authentizität die Muhaddithen übereinstimmen.
So wurde nach fünfzehn langen Jahren unermüdlicher Anstrengung, Forschung sowie eingehender Prüfung und Auswahl eine wohlgeordnete Sammlung authentischer Hadithe erstellt.
In diesem Buch sind insgesamt zwölftausend Hadithe aufgenommen. Darin sind auch mehrfach zitierte Hadithe enthalten. Zählt man diese nicht mit, beträgt die Gesamtzahl der Hadithe ungefähr viertausend.
Über die Authentizität der in diesem Hadith-Werk aufgenommenen Hadithe behauptete Imam Muslim (möge Allah ihm barmherzig sein) selbst:
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Selbst wenn die Muhaddithen zweihundert Jahre lang Hadithe niederschreiben würden, müssten sie sich dennoch auf dieses authentische, mit Überlieferungskette versehene Werk stützen.
Die Behauptung Imam Muslims ist nicht falsch; für die späteren Muhaddithen hat sie sich vielmehr als eine tatsächliche Wahrheit erwiesen. Inzwischen sind mehr als etwa eintausendeinhundert Jahre vergangen, doch es ist nicht gelungen, ein Werk von gleicher Qualität wie Sahih Muslim oder eines von noch höherem Rang zu verfassen. Bis heute sind seine Schönheit und Authentizität ungetrübt geblieben und spenden der gesamten Menschheit das Licht reinen und unverfälschten Wissens. Hafiz Muslim ibn Qurtubi schrieb über Sahih Muslim:
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Niemand im Islam war in der Lage, ein weiteres Werk dieser Art zu verfassen.
Darüber hinaus waren nach Ansicht einiger herausragender Muhaddithen späterer Zeiten Sahih Muslim und seine Stellung sogar höher und authentischer als Sahih al-Bukhari.
Qadi Iyad war ein bedeutender Muhaddith. Er sagte, dass einige seiner Hadith-Lehrer, die selbst äußerst bedeutende Muhaddithen waren, Sahih Muslim gegenüber Sahih al-Bukhari den Vorzug gaben.
Hafiz Ibn Mandah sagte:
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Ich hörte Abu Ali an-Nischapuri – und ich habe keinen anderen Hadith-Hafiz gesehen, der ihm gleichkommt – sagen: „Unter dem Himmel habe ich kein einziges Buch gesehen, das authentischer wäre als das Hadith-Werk von Imam Muslim.“
Aus diesem Zitat geht ebenfalls hervor, dass dies die Ansicht von Hafiz Ibn Mandah war. Welche Art von Muhaddith Abu Ali war, wird durch die von al-Hakim an-Nischapuri, dem Verfasser des Werkes al-Mustadrak, gegebenen Ausführungen über ihn deutlich. Bei seiner Vorstellung Abu Alis sagte er:
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Im Auswendiglernen von Hadith-Werken, in der fachkundigen und sorgfältigen Beherrschung ihres Inhalts, in der Überprüfung von Hadithen und in der Abfassung von Hadith-Werken war er in seiner Zeit einzigartig und unbestritten herausragend.
Viele Schüler hörten dieses von Imam Muslim zusammengestellte Hadith-Werk von ihm und überlieferten es auch über seine Überlieferungskette. Doch derjenige, durch dessen Überlieferungskette dieses Werk überall – insbesondere zu diesem Zweck bis in die jüngste Zeit – überliefert worden ist, war der berühmte Muhaddith Scheich Abu Ishaq Ibrahim ibn Muhammad ibn Sufyan an-Nischapuri. Er verstarb im Jahr 308 nach der Hidschra.
In diesem Zusammenhang schrieb Imam an-Nawawi:
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Die Überlieferung dieses Werkes von Imam Muslim durch eine ununterbrochene Überlieferungskette stützt sich in der heutigen Zeit zu diesem Zweck ausschließlich auf die Überlieferung von Abu Ishaq Ibrahim ibn Muhammad ibn Sufyan. Zwischen diesem Ibrahim ibn Muhammad ibn Sufyan und Imam Muslim bestand eine besondere Beziehung. Er hielt sich stets in der Gesellschaft Imam Muslims auf und studierte bei ihm Hadithe.
Ein weiterer Schüler Imam Muslims war Abu Muhammad Ahmad ibn Ali Qalansi. Auch durch seine Überlieferung wurde Sahih Muslim überliefert; diese Überlieferungskette war jedoch weder vollständig noch konnte sie lange fortbestehen.
Sunan an-Nasa’i
Imam an-Nasa’i verfasste zunächst ein Hadith-Werk mit dem Namen „Sunan al-Kubra“. Darin waren sowohl authentische als auch mängelfreie Hadithe enthalten. Danach fertigte er davon eine gekürzte Fassung an. Sie erhielt den Namen „as-Sunan as-Sughra“. Ein weiterer Name dafür ist „al-Mujtaba“ – „die ausgewählte Sammlung“.
In dieser letztgenannten Sammlung folgte Imam an-Nasa’i der Methode Imam al-Bukhariys und Imam Muslims bei der Abfassung ihrer Werke. In diesem Werk Imam an-Nasa’is sind die von diesen beiden eingeführten Methoden miteinander verbunden. Der Hadith-Gelehrte Abu Abdullah ibn Rushayd (gest. 721 n. H.) sagte:
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Unter den zahlreichen Hadith-Werken, die im Bereich der Sunan verfasst worden sind, wurde dieses Werk nach einer äußerst originellen Methode zusammengestellt. Auch hinsichtlich seiner Zusammenstellung und Anordnung ist es ein vortreffliches Werk. Darin sind die Abfassungsmethoden al-Bukhariys und Muslims miteinander verbunden. Die ʿIlal der Hadithe werden darin ebenfalls in einem besonderen Abschnitt angeführt.
Über die Authentizität dieses Werkes sagte Imam an-Nasāʾī selbst:
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„Alle in dem Werk mit dem Titel ‚Hadith-Sammlung‘ – al-Muǧtabā – angeführten Hadithe sind authentisch. Allerdings vertritt der Hafiz adh-Dhahabi hierzu eine andere Auffassung. Er sagte: Dieses ‚al-Muǧtabā‘ stammt nicht von Imam an-Nasāʾī, sondern wurde von seinem Schüler Ibn Samali verfasst.“
Tatsächlich vertreten nahezu alle bedeutenden Hadith-Gelehrten hinsichtlich der von Imam an-Nasāʾī überlieferten Hadithe die Auffassung, dass sie im Hinblick auf ihre Authentizität zuverlässiger seien als die von anderen überlieferten Hadithe.
Der Hafiz Imam Abū al-Ḥasan al-Muẓaffarī (gest. 403 n. H.) sagte:
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Wann immer du die von den Hadith-Gelehrten überlieferten Hadithe prüfst und abwägst, wirst du erkennen, dass die von Imam an-Nasāʾī überlieferten Hadithe der Authentizität näherkommen als die von anderen überlieferten Hadithe.
Obwohl viele Schüler dieses Werk von Imam an-Nasāʾī gehört haben, überlieferten zehn bedeutende Hadith-Gelehrte dieses Werk in ununterbrochener Überlieferungskette.
Obwohl viele Schüler dieses Werk von Imam an-Nasāʾī gehört haben, haben zehn bedeutende Hadith-Gelehrte seine Überlieferungskette weitergegeben.
Kommentare zu diesem Werk von Imam an-Nasāʾī verfassten Jalāl ad-Dīn as-Suyūṭī (gest. 911 n. H.) und Muḥammad ibn ʿAbd al-Hādī as-Samadī (gest. 1138 n. H.). Der von as-Suyūṭī verfasste Kommentar trägt den Titel [********************]
Sunan Abū Dāwūd
Imam Abū Dāwūd stellte dieses Werk zusammen, nachdem er aus fünfhunderttausend Hadithen eine Auswahl getroffen und sie geprüft hatte. Insgesamt fanden darin viertausendachthundert Hadithe Aufnahme. Diese Hadithe beziehen sich allesamt auf die Aḥkām, und die meisten von ihnen gehören zur Kategorie der „mashhūr“-Hadithe.[********************] Dazu sagte er selbst:
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Ich hatte fünfhunderttausend Hadithe des edlen Gesandten (s) niedergeschrieben. Aus ihnen habe ich die ausgewählten Hadithe nach Prüfung und Auswahl in dieses Werk aufgenommen.[********************]
Es ist zu beachten, dass Imam Abū Dāwūd die Hadithe aus fiqh-orientierter Sicht ausgewählt hat. Nach Imam al-Buḫārī besaß er im Vergleich zu den Verfassern der übrigen sechs kanonischen Hadith-Werke einen umfassenderen und schärferen Blick für den Fiqh. Aus diesem Grund ist sein Werk zwar im Wesentlichen eine Hadith-Sammlung, tatsächlich aber nach der Methode der Fiqh-Wissenschaft gegliedert; sämtliche Themen des Fiqh werden darin behandelt, und die Fiqh-Gelehrten seiner Zeit sowie späterer Epochen haben aus den von ihm zusammengestellten Hadithen Belege und Argumente entnommen. Aus diesem Grund sind die Fiqh-Gelehrten der Ansicht:
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Für einen Mujtahid ist dieses Werk, der Sunan Abū Dāwūd, nach dem Buch Allahs, dem erhabenen Koran, ausreichend, um fiqh-rechtliche Fragen abzuleiten.
Er hat seine Kapitel unter fiqh-rechtlichen Gesichtspunkten festgelegt und darin Aussagen angeführt, die durch die darunter zitierten Hadithe belegt werden und aus denen irgendein Faqīh eine entsprechende Ansicht abgeleitet hat. Dadurch konnte dieses Buch bei den Fiqh-Gelehrten außerordentliche Beliebtheit und Berühmtheit erlangen.
Gerade unter Berücksichtigung dieses Merkmals sagte Imām al-Ḥāfiẓ Abū Jaʿfar Ibn az-Zubayr al-Gharnāṭī (gest. 708 n. H.) bei seiner Erörterung der Ṣiḥāḥ as-Sitta über den Sunan Abū Dāwūd:
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Da die Hadithe zum Fiqh umfassend und ohne Einschränkung zusammengestellt wurden, besitzt der Sunan Abū Dāwūd eine Besonderheit, die kein anderes Werk der Ṣiḥāḥ as-Sitta aufweist.
Über die praktische Bedeutung und den Wert des Sunan Abū Dāwūd sagte auch Imām al-Ghazālī in deutlichen Worten: „Unter den Hadith-Werken genügt dieses eine Werk einem Mujtahid.“
Der Muḥaddith Zakariyyā as-Sājī sagte:
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Das Fundament des Islam ist Allahs Buch, und die verbindliche Ordnung des Islam ist Sunan Abū Dāwūd.
Imam Abū Dāwūd hatte die Zusammenstellung dieses seines Werkes bereits in seiner Jugend abgeschlossen. Wie große Sachkenntnis er zu jener Zeit auf dem Gebiet der Hadithe erworben hatte, lässt sich deutlich aus der folgenden Aussage Ibrāhīm al-Ḥarbīs erkennen. Er sagte:
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Als Imam Abū Dāwūd dieses Werk zusammenstellte, waren ihm die Hadithe leicht zugänglich und verständlich gemacht worden, ebenso wie einst das Eisen für den Propheten David weich gemacht worden war.
Nach Abschluss der Zusammenstellung legte er es seinem Hadithlehrer Imam Aḥmad ibn Ḥanbal vor. Imam Aḥmad war davon sehr angetan und pries es als ein vortreffliches Hadithwerk.
Danach wurde es der Allgemeinheit vorgestellt. Allah, der Erhabene, verlieh ihm eine solche große Beliebtheit und ein solches Ansehen bei den Menschen, wie es kein anderes Werk unter den Ṣiḥāḥ Sitta erlangen konnte. Darauf anspielend sagte der Schüler von Imam Abū Dāwūd, der Ḥāfiẓ Muḥammad ibn Makhlāṣ al-Duʿārī (gest. 331 n. H.):
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Als Imam Abū Dāwūd die Abfassung des Sunan-Werkes abgeschlossen und es den Menschen vorgelesen und vorgetragen hatte, wurde es bei den Muḥaddithūn sogleich zu einem heiligen, maßgeblichen Werk, dem sie folgten (ebenso wie dem erhabenen Koran).
Imam Abū Dāwūd selbst erhob über die in diesem Werk aufgenommenen Hadithe folgenden Anspruch:
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Ich habe darin keinen Hadith angeführt, den die Menschen einhellig verworfen haben.[********************]
Dieses Werk von Imam Abū Dāwūd wurde über eine lückenlose Überlieferungskette von etwa neun oder zehn bedeutenden Hadith-Gelehrten überliefert.[********************]
Imam Abū Dāwūd ließ dieses Werk im Jahre 275 nach der Hidschra zum letzten Mal von seinen Schülern niederschreiben, und noch in diesem Jahr, am Freitag, dem 16. Schawwāl, schied er aus dem Diesseits.[********************]
Jāmiʿ at-Tirmidhī
Die Hadith-Sammlung von Imam at-Tirmidhī ist unter dem Namen „Jāmiʿ at-Tirmidhī“ bekannt. Sie wird auch „Sunan
und genannt. Doch den zuerst genannten Namen haben die meisten Hadith-Gelehrten angenommen.[********************]
Imam at-Tirmidhi verfasste sein Werk nach der von Imam Abu Dawud und Imam al-Bukhari befolgten Methode der Abfassung von Büchern. Zunächst wurden darin Kapitel entsprechend dem Fiqh eingerichtet. Darin nahm er Hadithe auf, die für praktische Belange von Bedeutung sind. Doch füllte er das gesamte Werk nicht ausschließlich mit Hadithen, die praktische Belange betrafen; vielmehr fügte er ihm, ebenso wie in Sahih al-Bukhari, auch Hadithe aus anderen Kapiteln hinzu. Dadurch wurde das Werk zu einer außergewöhnlichen Verbindung und zu einem umfassenden Werk. Aus diesem Grund ist seine Bezeichnung „Jami at-Tirmidhi“ gerechtfertigt. Darin sind wichtige Hadithe zu verschiedenen Themen auf schöne Weise geordnet zusammengestellt. Aus diesem Grund sagte Hafiz Abu Dscha’far Ibn Zubai (gest. 708 n. H.) im Rahmen seiner Erörterung der Sihah as-Sitta:
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Hinsichtlich der Besonderheit, die Imam at-Tirmidhi dadurch erlangte, dass er Hadithe zu verschiedenen Themen in diesem Werk zusammentrug, ist er unübertroffen.
Nachdem Imam at-Tirmidhi die Abfassung dieses Werkes abgeschlossen hatte, legte er es den Hadithgelehrten der damaligen muslimischen Welt zur Überprüfung vor. Dazu sagte er selbst:
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Nachdem ich die Abfassung dieses mit Überlieferungsketten versehenen Hadith-Werkes abgeschlossen hatte, legte ich es den Hadithgelehrten des Hedschas vor. Als sie es sahen, gefiel es ihnen sehr, und sie bekundeten ihre Zufriedenheit. Danach legte ich es den Hadithgelehrten von Khurasan vor. Auch ihnen gefiel es außerordentlich, und sie bekundeten ihre Zufriedenheit.
Imam at-Tirmidhi erhob selbst einen sehr weitreichenden Anspruch in Bezug auf dieses Werk. Er sagte:
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Wer dieses Buch in seinem Haus besitzt, bei dem kann man davon ausgehen, dass der edle Prophet (S) selbst in seinem Haus anwesend ist und persönlich spricht.
Dies ist in Wahrheit der richtige Rang eines Hadithbuches – insbesondere eines Buches mit sahih Hadithen –, und dies gilt nicht nur für Tirmidhi Sharif, sondern ist auf alle Bücher mit sahih Hadithen gleichermaßen anwendbar und eine unumstößliche Wahrheit.
Tirmidhi Sharif ist für die Allgemeinheit ein angenehm zu lesendes und leicht verständliches Hadithbuch. Shaykh al-Islam, al-Hafiz Imam Abu Isma’il Abdullah al-Ansari (gest. 481 n. H.) sagte im Rahmen einer Abhandlung über Tirmidhi Sharif:
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Meiner Ansicht nach ist Tirmidhi Sharif praktischer nutzbar als die beiden Werke von Bukhari und Muslim. Denn Bukhari und Muslim sind Hadithbücher, aus denen außer besonders versierten Gelehrten niemand Nutzen zu ziehen vermag. Aus dem Werk von Imam Abu Isa al-Tirmidhi jedoch kann jeder Nutzen ziehen.
Obwohl zahlreiche Menschen dieses Werk von Imam al-Tirmidhi gehört haben, ist seine Überlieferungskette ununterbrochen und lückenlos durch insgesamt sechs bedeutende Muhaddithen überliefert worden.
Oben wurde eine ausführliche Erörterung der insgesamt fünf bedeutendsten Hadithbücher vorgelegt. Die großen Hadithgelehrten der Welt haben die Vorzüglichkeit und Besonderheit dieser fünf Hadithbücher offen und mit erhobener Stimme verkündet, und in dieser Hinsicht ist keine Meinungsverschiedenheit aufgekommen. Hafiz Abu Tahir al-Salafi (gest. 576 n. H.) sagte:
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Alle Hadithgelehrten des Orients und Okzidents sind hinsichtlich der Authentizität dieser fünf Bücher vollkommen einer Meinung.[********************]
Welches ist das sechste Buch?
Doch unter den Hadithgelehrten entstand Uneinigkeit darüber, welches Buch nach diesen fünf Büchern den sechsten Rang einnimmt.[********************] Die Hadithgelehrten der frühen Zeit sowie viele Hadithgelehrte der späteren Zeit betrachteten nur die oben genannten fünf als die maßgeblichen Hadithwerke. Unter den Hadithgelehrten der späteren Zeit (Muta’akhkhirīn) vertraten jedoch einige die entgegengesetzte Ansicht. Auch darüber, welches innerhalb dieser sechs Bücher das sechste Buch sei, herrscht erhebliche Meinungsverschiedenheit. Nach Ansicht mancher ist das sechste Buch der Sihāḥ as-Sitta Ibn Māǧa Sharīf, nach Ansicht anderer jedoch der Muwaṭṭaʾ von Imām Mālik. Nach Auffassung der Hadithgelehrten dieser Richtung ist jedoch Ibn Māǧa im Vergleich zum Muwaṭṭaʾ weitaus besser und für die Allgemeinheit geeigneter. Daher ist es das sechste Buch der Sihāḥ as-Sitta. Ḥāfiẓ Abū al-Faḍl Ibn Ṭāhir al-Maqdisī (gest. 507 n. H.) erklärte als Erster Ibn Māǧa zum sechsten Buch der Sihāḥ as-Sitta.[********************] Danach schloss sich auch Ḥāfiẓ ʿAbd al-Ghanī al-Maqdisī dieser Ansicht an.[********************] Der Hadithgelehrte Abū al-Ḥasan as-Sindī schrieb:
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Die Ansicht der meisten Hadithgelehrten der späteren Zeit lautet, dass Ibn Māǧa Sharīf das sechste Buch der Sihāḥ as-Sitta ist.[********************]
Manche Hadithgelehrte halten Sunan ad-Dārimī im Vergleich zu Sunan Ibn Māǧa für ein besseres und frei von Mängeln stehendes Hadithwerk. Sie führten es als das sechste Buch der Sihāḥ as-Sitta an. Doch keine dieser Ansichten ist annehmbar. Sunan Ibn Māǧa ist unter jedem Gesichtspunkt dem Muwaṭṭaʾ und Sunan ad-Dārimī überlegen. Daher ist als sechstes Buch Sunan Ibn Māǧa zu nennen. Der Historiker Ibn Khallikān (gest. 681 n. H.) schrieb in seiner Erörterung über Ibn Māǧa:
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Sein Hadithwerk gehört zu den Büchern der Sihāḥ as-Sitta.[********************]
Sunan Ibn Madscha
Sunan Ibn Madscha ist ein besonders wertvolles Hadith-Werk. Nachdem Imam Ibn Madscha die Abfassung beendet hatte und es seinem Lehrer, Imam Abū Zurʿa, vorlegte, sagte dieser, als er es gesehen hatte:
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Ich bin der Meinung, dass, sobald dieses Buch in die Hände der Menschen gelangt, alle oder die meisten der bis zur heutigen Zeit verfassten Hadith-Werke überflüssig werden.
Tatsächlich hat sich die Prophezeiung Imam Abū Zurʿas als zutreffend und wahr erwiesen. Dieses Werk nimmt unter den sämtlichen Werken der Sihāḥ as-Sitta in zweierlei Hinsicht eine herausragende Stellung ein. Erstens hinsichtlich seiner Abfassung, Zusammenstellung, Anordnung und Eleganz. Die Hadithe sind darin nach einer besonderen Ordnungsmethode und nach Kapiteln geordnet; nirgendwo kommt es zu Wiederholungen. In keinem anderen Werk findet sich eine solche Schönheit. Dadurch hat es beinahe alle früheren Hadith-Werke hinsichtlich ihrer Bekanntheit in den Schatten gestellt. Der Hadith-Gelehrte Schāh ʿAbd al-ʿAzīz Dihlawī (r) hat das Werk „Ibn Madscha“ hoch gelobt. Er sagte:
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Tatsächlich sind die Besonderheiten, die dieses Buch bietet – die Hadithe ohne Verlust an Anordnungsästhetik und ohne Wiederholungen nacheinander anzuführen und darüber hinaus die Kürze und anderes –, in keinem anderen Werk in gleicher Weise zu finden.
Hāfiz Ibn Kathīr schrieb über das von Ibn Madscha verfasste Werk:
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Dies ist ein äußerst segensreiches Werk; seine Kapitel sind hinsichtlich des Fiqh sehr schön und solide geordnet worden.
Hafiz Ibn Hadschar al-Asqalani sagte:
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Das Sunan-Werk von Imam Ibn Madscha enthält eine äußerst umfassende Zusammenstellung von Hadithen und ist vortrefflich.
Das zweite Merkmal dieses Werkes besteht darin, dass darin solche Hadithe angeführt sind, die in keinem anderen Werk der Sihah Sitta erwähnt werden. Aus diesem Grund ist sein praktischer Wert im Vergleich zu den anderen Werken erheblich größer. Allama Abu al-Hasan as-Sindi sagte:
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Der Verfasser dieses Werkes ist darin der Methode von Hazrat Muadh ibn Dschabal gefolgt. In etlichen Kapiteln hat er solche Hadithe angeführt, die in den fünf anderen bekannten authentischen Werken nicht zu finden sind.
„Dem Weg von Hadhrat Muʿādh zu folgen“ bedeutet, dass Hadhrat Muʿādh (Allah sei mit ihm zufrieden) häufig solche Hadithe überlieferte, die andere Gefährten nicht gehört hatten. Imam Ibn Mājah überlieferte in seinem Werk im Vergleich zu anderen Werken viele derartige Hadithe eigenständig. Allāma Abū al-Hasan as-Sindī sagt: „Hadhrat Muʿādh tat dies, um den Menschen größeren Nutzen zu bringen.“
Das Sunan des Ibn Mājah wurde bereits zu Beginn der Erörterung in Verbindung mit der Aussage des Imams und Hadith-Gelehrten Abū Zurʿa erwähnt. Zweifellos schätzte Abū Zurʿa dieses Werk sehr; doch er wies auch ausdrücklich auf die Mängel hin, die ihm darin aufgefallen waren. In diesem Zusammenhang wird die Aussage Abū Zurʿas wie folgt angeführt:
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Imam Abū Zurʿa sagte: Ich habe das Hadith-Werk von Abū ʿAbdullāh Ibn Mājah studiert. Darin habe ich jedoch nur sehr wenige Hadithe gefunden, die einen gewissen Mangel aufweisen. Abgesehen davon habe ich keinen weiteren Fehler darin gefunden. Anschließend erwähnte er in diesem Zusammenhang etwa zehn Hadithe.
(Obwohl die Hadith-Gelehrten Einwände gegen die Überlieferungskette dieser Aussage erhoben haben.)
Wie dem auch sei, Imam Ibn Mājah vollendete die Abfassung dieses Werkes nach unermesslicher Mühe und sorgfältiger Prüfung. Aus Hunderttausenden von Hadithen wählte er viertausend aus und ordnete sie in verschiedenen Kapiteln an. Da es im Vergleich zu den anderen fünf Werken der Sihāh Sitta mehr schwache Hadithe enthält, nimmt es unter den sechs Hadith-Werken den letzten Rang ein. Der Hadith-Gelehrte Sindī sagte:
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Wie dem auch sei, hinsichtlich Rang und Ansehen steht das Werk Ibn Mājahs sogar noch unter den anderen fünf Werken.
Es wird sogar erst nach Abu Dawud und Sunan an-Nasa’i eingeordnet. Allama Muhammad ibn Ibrahim sagte:
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Sunan Ibn Majah ist nach Abu Dawud und Sunan an-Nasa’i einzuordnen.
Das bedeutet jedoch nicht, dass jeder einzelne Hadith, der in den fünf anderen Hadith-Werken überliefert wird, ohne Weiteres besser und hinsichtlich seiner Authentizität höher einzustufen ist als jeder einzelne von Ibn Majah überlieferte Hadith. Denn im Werk von Ibn Majah werden auch solche Hadithe überliefert, die authentischer sind als die Hadithe von Sahih al-Bukhari.
Sunan Ibn Majah enthält insgesamt 32 Abschnitte, 1.500 Kapitel und 4.000 überlieferte Hadithe.
Im Werk von Ibn Majah haben hauptsächlich vier bedeutende Hadith-Gelehrte die Überlieferungen über eine lückenlose Überlieferungskette weitergegeben. Sie sind:
1. Abu al-Hasan ibn Qattan
2. Sulayman ibn Yazid
3. Abū Dschaʿfar Muhammad ibn ʿĪsā
4. Abū Bakr Ḥāmid al-Azharī.
Die Hadithwissenschaft im vierten Jahrhundert
Im vierten Jahrhundert der Hidschra erlangte die Hadithwissenschaft ihre volle Reife. Die Beschäftigung mit der Hadithwissenschaft und ihre Entwicklung im dritten Jahrhundert übertrafen alle bisherigen Leistungen. In diesem Jahrhundert traten zahlreiche bedeutende Hadithgelehrte, Hadith-Hafiz und Imame der Hadithwissenschaft hervor. Auch die sechs weltberühmten Bücher mit sahih Hadithen wurden in diesem Jahrhundert zusammengestellt, und fast alle sahih Hadithe wurden in diesen Werken zusammengetragen. In diesem Jahrhundert wurden zahlreiche Werke verfasst, die eine ausführliche und minutiöse Erörterung der Überlieferungskette jedes Hadith sowie der Lebensgeschichte und des Charakters jedes in der Überlieferungskette genannten Überlieferers enthielten. Dadurch entwickelte sich die Hadithwissenschaft in jeder Hinsicht zu einer eigenständigen und vollständigen Wissenschaft.
Im vierten Jahrhundert wurde die Arbeit des vorangegangenen Jahrhunderts fortgesetzt. Das bedeutet jedoch nicht, dass in diesem Jahrhundert bei der Abfassung von Hadith-Werken überhaupt keine eigenständige Arbeit geleistet wurde. Was in dieser Phase geschah, bestand fast vollständig in der Abfassung neuer Hadith-Werke auf der Grundlage der von den früheren Hadithgelehrten überlieferten und bewahrten Hadithe. Darüber hinaus wurde auch die Unterscheidung zwischen sahih und schwachen Hadithen mit besonderer Sorgfalt vorgenommen.
Viele Hadithgelehrte dieses Jahrhunderts sammelten Hadithe, die in den Werken der Vorangegangenen vereinzelt und verstreut bewahrt worden waren. Dabei wurden die langen Überlieferungsketten gekürzt. Ihre Anordnung und Zusammenstellung wurden mit vollkommener Sachkenntnis durchgeführt. Die Arbeit fast aller von ihnen beruhte auf der Arbeit der vorausgegangenen Hadithgelehrten.
Dennoch traten in diesem Jahrhundert einige bedeutende Hadithgelehrte hervor, die unabhängig eigene Hadith-Werke nach der Methode ihrer Vorgänger verfassten. Sie verfügten über umfassende Gelehrsamkeit in der Überlieferung der Hadithe und in der Suche nach den Überlieferungsketten. Über sie soll hier eine kurze Darstellung gegeben werden:
Der Hadithgelehrte al-Ḥākim an-Nīsābūrī (r)
Der Hadith-Gelehrte al-Hakim an-Naisaburi war einer der bedeutendsten Hadith-Gelehrten des vierten islamischen Jahrhunderts. Nach der Abfassung der Werke von Imam al-Buchari und Imam Muslim sammelte er vor allem die noch verbliebenen authentischen Hadithe und verfasste auf dieser Grundlage ein eigenständiges Werk. Es trägt den Namen „Al-Mustadrak“.
Es ist allgemein bekannt, dass die beiden Hadith-Werke, die Imam al-Buchari und Imam Muslim verfasst haben, in der Welt der Hadith-Wissenschaft als die authentischsten gelten. Das bedeutet jedoch nicht, dass sämtliche authentischen Hadithe in diesen beiden Werken aufgenommen worden wären und außerhalb dieser Werke keine authentischen Hadithe mehr verblieben wären. Tatsächlich sind die in den genannten beiden Werken angeführten Hadithe authentisch; doch außerhalb dieser Werke sind viele Hadithe verblieben, die hinsichtlich ihrer Authentizität den darin enthaltenen Hadithen gleichwertig sind. Viele weitere Hadithe, die die Bedingungen und Maßstäbe erfüllten, welche die beiden genannten Imame für die Anerkennung eines Hadith als authentisch auferlegt und für die Auswahl authentischer Hadithe festgelegt hatten, waren außerhalb dieser Werke verblieben. Sie wurden lediglich aus Sorge, dass der Umfang der beiden Werke dadurch unvorstellbar groß werden könnte, nicht aufgenommen. Imam al-Hakim suchte solche Hadithe auf, prüfte und bewertete sie und verfasste aus ihrer Zusammenstellung das vorliegende Werk unter dem Namen „Al-Mustadrak“.
Imam al-Hakim verfasste darüber hinaus noch mehrere wertvolle Werke über die Hadithe. Der Gesamtumfang seiner Werke betrug eintausendfünfhundert Bände. Auf der Suche nach Hadithen reiste er zweimal in den Irak und in den Hidschas. Während dieser Reisen führte er über zahlreiche Hadithe Gespräche und Erörterungen. Er starb im Jahr 405 nach der Hidschra.
Imam ad-Daraqutni (möge Allah ihm gnädig sein)
Der vollständige Name von ad-Daraqutni lautet Ali ibn Umar ibn Ahmad. Er war ein herausragender Hadith-Hafiz und Imam seiner Zeit. Er hörte und sammelte bei zahlreichen Lehrern eine große Zahl von Hadithen und verfasste auf dieser Grundlage zahlreiche hochwertige Werke. Besonders in der Überprüfung und Untersuchung von Hadithen besaß er außergewöhnliche Fähigkeiten. Sein Werk „Al-Ilzamat“ ist ebenso wie „Al-Mustadrak“ ein einzigartiges Hadith-Werk. Ein weiteres seiner Bücher trägt den Namen „Kitab as-Sunan“.
Er wurde im Jahr 306 nach der Hidschra im berühmten Viertel „Dar al-Qutn“ in Bagdad geboren. Zum Studium der Hadithe suchte er alle bedeutenden Hadith-Gelehrten Bagdads auf und bereiste später zu diesem Zweck Kufa, Basra, Syrien, Wasit, Ägypten und weitere Hadith-Zentren. Schon seit seiner Kindheit erlangte er aufgrund seines außergewöhnlichen Gedächtnisses und Auffassungsvermögens besondere Berühmtheit. Er starb im Jahr 385 nach der Hidschra in Bagdad.
Ibn Hibban (möge Allah ihm gnädig sein)
Sein vollständiger Name lautet Muhammad ibn Hibban Ahmad ibn Hibban Abu Hatim al-Busti. Er war ein herausragender Hadith-Hafiz. Er bereiste die damaligen Zentren der Hadith-Wissenschaft und hörte bei zahlreichen Hadith-Gelehrten Hadithe. Der Historiker Ibn as-Samani sagte:
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Abū Ḥātim Ibn Ḥibbān war auf dem Gebiet der Hadith-Kenntnis der herausragendste Gelehrte seiner Zeit. Zum Hören und Sammeln von Hadithen legte er von Schāsch bis Alexandria eine weite Reise zurück.
Al-Khatīb al-Baghdādī schrieb über ihn:
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Er war ein äußerst zuverlässiger und vertrauenswürdiger Überlieferer von Hadithen. Außerdem hinterließ er zahlreiche Hadith-Werke.
Über seine Reise zum Sammeln von Hadithen sagte er selbst:
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Ich habe von Schāsch bis Alexandria eine lange Reise zurückgelegt und vermutlich bei etwa eintausend Lehrern Hadithe gehört und gesammelt.
Die Ansicht fast aller Hadith-Gelehrten dieses Jahrhunderts ist, dass unter denjenigen, die nach al-Buchari und Muslim Werke mit einer Zusammenstellung tatsächlich authentischer Hadithe verfasst haben, zunächst Ibn Chuzaima zu nennen ist und unmittelbar nach ihm Ibn Hibban. [K. ********************]
Ibn Hibban verstarb im Jahr 354 nach der Hidschra. [********************]
Imam at-Tabarani (r)
Der vollständige Name Imam at-Tabaranis lautet Abu l-Qasim Sulayman ibn Ahmad at-Tabarani. Er stellte ein Hadithwerk mit dem Titel „al-Muʿjam“ in drei Teilen zusammen. Die einzelnen Teile heißen der Reihe nach:
1. ********************
2. ********************
3. ********************
Im ersten Teil nahm er die Hadithe auf, die über die Überlieferungsketten der übrigen Gefährten – mit Ausnahme von Abu Huraira – überliefert wurden. Die Musnad-Überlieferungen von Abu Huraira vereinigte er in einem eigenständigen Band. In diesem Band des Muʿjam stellte er etwa zwanzigtausendfünfhundert Hadithe (Musnad) zusammen. Dabei ordnete er sie alphabetisch nach den Namen der Gefährten.
In dem Werk des dritten Teils hat er die von nahezu zweitausend seiner Lehrer überlieferten Hadithe zusammengetragen, geordnet nach den Überlieferungsketten unter dem Namen jedes einzelnen Lehrers. Es heißt, dass es darin Hadithe gibt, die über etwa dreißigtausend Überlieferungsketten überliefert wurden, und dass das Werk in sechs eigenständige Bände gegliedert ist.
Das Werk des zweiten Teils ist in einem Band vollständig. Darin wurden etwa eintausendfünfhundert Hadithe zusammengetragen, die von eintausend Lehrern übernommen wurden.
Imam at-Tahawi (r.)
Imam at-Tahawis vollständiger Name lautet Abu Dschaʿfar Ahmad ibn Muhammad at-Tahawi. Er war einer der bedeutendsten Hadith-Gelehrten dieses Jahrhunderts. Er wurde im Jahr 228 nach der Hidschra in dem in Ägypten gelegenen Dorf Taha geboren. Zu dieser Zeit äußerten einige religionsfeindliche Menschen Zweifel an den islamischen Geboten und Rechtsbestimmungen. Sie behaupteten, die islamischen Gebote und Verbote widersprächen einander. Deshalb baten die Freunde und Gefährten Imam at-Tahawis ihn, ein Hadith-Werk zu verfassen, aus dem sich sämtliche islamischen Gebote, Verbote und praktischen Rechtsbestimmungen zweifelsfrei beweisen ließen. Daraufhin verfasste Imam at-Tahawi ein einzigartiges Hadith-Werk.
Er starb im Jahr 321 nach der Hidschra im Alter von über achtzig Jahren.
Weitere Hadith-Gelehrte dieses Jahrhunderts
Außer ihnen wurden in diesem Jahrhundert noch einige weitere herausragende Hadith-Gelehrte geboren. Unter ihnen sind besonders Qasim ibn Asbagh (gest. 340 n. H.) und Ibn as-Sakan (gest. 353 n. H.) zu nennen. Beide verfassten jeweils ein Hadith-Werk unter dem Titel „Sahih al-Muntaqa“.
Die Abfassung von Hadith-Werken nach dem vierten Jahrhundert
Eine kurze Darstellung der Muhaddithun und Verfasser von Hadith-Werken des vierten Jahrhunderts ist bereits vorgelegt worden. Fast alle von ihnen waren im eigentlichen Sinne Muhaddithun. Sie verfassten Hadith-Werke, indem sie die Hadithe zusammenstellten, die sie von den namhaften Lehrern ihrer eigenen Hadith-Sammlungen gehört hatten. Bei der Abfassung ihrer Werke folgten sie in vollem Umfang der von den Verfassern von Hadith-Werken des dritten Jahrhunderts befolgten Methode und Vorgehensweise. Auf diese Weise gingen die goldenen Tage des vierten Jahrhunderts vorüber.
Doch die Muhaddithun, die im darauffolgenden Jahrhundert in der Geschichte bedeutende Anerkennung und hohes Ansehen erlangten, besaßen nicht das gleiche Maß an Begabung wie die früheren Muhaddithun. Insbesondere war es danach niemandem mehr möglich, ein grundlegendes Werk zu verfassen, das den von den Vorgängern verfassten Hadith-Werken gleichkam. Ihre Sachkenntnis auf dem Gebiet des Hadith, die Breite und Tiefe ihres Wissens sowie die Feinheit und Weite ihres Blicks waren jedoch keineswegs gering. Auch wenn die Muhaddithun dieses Jahrhunderts grundsätzlich nicht imstande waren, ein eigenständiges Hadith-Werk zu verfassen, gelang es ihnen doch, auf der Grundlage der grundlegenden Werke ihrer Vorgänger eine neue Methode der Abfassung von Hadith-Werken einzuführen. Sie waren in der Lage, die Hadithe verschiedener Werke zusammenzutragen, sie systematisch zu ordnen und der Öffentlichkeit eine große Zahl neuartiger Werke vorzulegen. Hier geben wir eine kurze Darstellung einiger berühmter Hadith-Sammlungen dieser Epoche. [********************]
Die Zusammenführung der Hadithe von Buchari und Muslim
Zahlreiche Muhaddithun verfassten eigenständige Werke, indem sie Hadithe aus Sahih Buchari und Sahih Muslim auswählten und zusammenführten. Ein Muhaddith namens Ismail ibn Ahmad, der unter dem Namen Ibn al-Furat bekannt war (gest. 414 n. H.), verfasste ein solches Werk. Muhammad ibn Nasr al-Humaidi al-Andalusi (gest. 488 n. H.) schrieb ein weiteres Hadith-Werk. Auch die Muhaddithun Husain ibn Masud al-Baghawi (gest. 516 n. H.), Muhammad ibn Abd al-Haqq al-Aschbili (gest. 582 n. H.) und Ahmad ibn Muhammad al-Qurtubi (gest. 642 n. H.) stellten jeweils ein solches Hadith-Werk zusammen. [********************]
Die Zusammenstellung der Hadithe der Sihah Sitta
Auch die Abfassung eigenständiger Werke durch die Sammlung von Hadithen ausschließlich aus den Werken der Sihah Sitta nahm in dieser Epoche beträchtlichen Umfang an. Diese Werke sind gewöhnlich unter der Bezeichnung „Tajrid as-Sihah as-Sitta“ – Kurzfassungen der Sihah Sitta – bekannt. Hier seien die Namen einiger Verfasser solcher Werke genannt:
1. Ahmad ibn Ruzain ibn Murabiyat al-Abdari as-Sarqasti (gest. 535 n. H.). Der Titel des von ihm zusammengestellten Hadith-Werks lautet Tajrid as-Sihah. Dieses Werk war weder schön geordnet noch systematisch aufgebaut. Viele Hadithe der Sihah Sitta waren darin nicht enthalten. Später übernahm Mubarak ibn Muhammad, bekannt als Ibn al-Athir al-Dschazari (gest. 606 n. H.), die Bearbeitung und systematische Ordnung dieses Werkes. Er gliederte es schön in Kapitel und Abschnitte; außerdem wurden die Hadithe, die ursprünglich nicht darin aufgenommen worden waren, hinzugefügt. Auch die schwierigen und unbekannten Wörter wurden erklärt, und es erhielt den Namen: ********************. Dadurch wurde es zu einem leicht verständlichen und unschätzbaren Werk. Dieses Werk wurde in Ägypten gedruckt und veröffentlicht. Es ist in zehn Bände gegliedert. Der berühmte Muhaddith der al-Azhar, Scheich Abd ar-Rabbihi ibn Sulaiman, verfasste dazu einen Kommentar. Er gab ihm den Namen: ********************
2. Abd al-Rahman al-Aschbili, bekannt als Ibn Kharrat (gest. 582 n. H.), verfasste durch die Zusammenführung der Sihah Sitta ein weiteres Werk. [********************]
Sammlung und Zusammenstellung von Hadithen aus verschiedenen Werken
Auch die Zusammenstellung eigenständiger Hadith-Werke durch die Sammlung von Hadithen aus verschiedenen Hadith-Werken wurde in dieser Phase in beträchtlichem Umfang betrieben. Einige Werke und ihre Verfasser sollen hier genannt werden.
1. Masabih as-Sunna – Imam Husain ibn Masʿud al-Baghawi (gest. 526 H.) redigierte dieses Werk. Darin wurden zunächst Hadithe der Kategorien sahih, hasan und anderer Kategorien aufgenommen. Die Gelehrten späterer Zeiten bekundeten dieser Hadith-Sammlung gegenüber besonderes Interesse und besondere Wertschätzung. Muhammad ibn Abdullah al-Khatib ordnete sie systematisch. Der Name des Gefährten, der der ursprüngliche Überlieferer des Hadith war, sowie das Werk, aus dem er entnommen wurde, sind ebenfalls angegeben. Ursprünglich waren in jedem Kapitel jeweils nur zwei Stufen (********************) aufgenommen; später wurden darin Hadithe der dritten Stufe (********************) hinzugefügt. Dies geschah im Jahr 737 H. Schließlich erhielt das Werk den Namen Mishkat al-Masabih (********************). Viele Muhaddithun haben umfangreiche Werke als Kommentare dazu verfasst.[********************]
2. Jamiʿ al-Masanid wa-l-Alqab – Dies ist ein von Abu l-Faradsch Abd ibn Ali al-Dschauzi (gest. 597 H.) zusammengestelltes Hadith-Werk. Dafür wurden Hadithe aus den Werken von Buchari, Muslim, Musnad Ahmad und Tirmidhi gesammelt.
3. Bahr al-Asanid – Dieses Werk wurde von Imam al-Hafiz al-Hasan ibn Ahmad as-Samarqandi (gest. 491 H.) zusammengestellt. Es enthält einhunderttausend Hadithe. Über dieses Werk wird gesagt:
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Im Islam gibt es dafür kein Beispiel.[********************]
Zusammenstellung von Hadithen über Rechtsbestimmungen und Ermahnungen
In dieser Phase wurden auch Hadith-Sammlungen zusammengestellt, indem Hadithe zu Rechtsbestimmungen sowie zu Ermahnung und Mahnung aus verschiedenen Hadith-Werken zusammengetragen wurden. Unter ihnen sind die folgenden Werke besonders erwähnenswert:
1. Muntaqā al-Akhbār fī al-Aḥkām – zusammengestellt von dem Hadith-Gelehrten Majd ad-Dīn Abū al-Barakāt ʿAbd as-Salām ibn ʿAbdullāh ibn Abū al-Qāsim al-Harrānī. Er ist unter dem Namen Ibn Taymiyya bekannt. Es muss beachtet werden, dass er nicht der berühmte Erneuerer Ibn Taymiyya war, sondern dessen Großvater väterlicherseits. Auch der Verfasser dieses Werkes, Ibn Taymiyya, war ein bedeutender Mudschtahid. Er wurde im Jahr 590 nach der Hidschra geboren und verstarb im Jahr 652 nach der Hidschra.
In diesem Werk wurden Hadithe aus anerkannten und als authentisch geltenden Werken wie al-Buchārī, Muslim, Abū Dāwūd, an-Nasāʾī, at-Tirmidhī, Ibn Māǧa und Sunan Aḥmad zusammengestellt und aufgenommen. Der Hadith-Gelehrte Muḥammad ibn ʿAlī asch-Schaukānī aus dem Jemen (gest. 1250 n. H.) verfasste dazu unter dem Titel „Nail al-Awṭār“ einen Kommentar in neun Bänden.
2. As-Sunan al-Kubrā, zusammengestellt von Imām Aḥmad ibn Ḥusain al-Baihaqī (gest. 458 n. H.). Nach Ibn Ṣalāḥ sind die Belege aus den Hadithen in keinem anderen Werk mit einer solchen Vollständigkeit und umfassenden Breite aufgenommen worden wie in diesem Werk. Kein notwendiger Hadith wurde darin ausgelassen. Imām al-Baihaqī verfasste noch eine weitere Hadith-Sammlung; ihr Titel lautet … Man sagt:
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Ein weiteres Werk dieser Art wurde im Islam nicht verfasst.
3. Al-Aḥkām aṣ-Ṣuġrā – zusammengestellt von dem Hadith-Gelehrten Abū Muḥammad ʿAbd al-Ḥaqq al-Ischbīlī (bekannt unter dem Namen Ibn al-Charrāṭ). Er verstarb im Jahr 582 nach der Hidschra. Darin sind einerseits Hadithe über die praktischen Aspekte des muslimischen Lebens sowie über Gebote und Verbote aufgenommen; ebenso wurden Hadithe über Ermahnung und Mahnung sowie über Warnungen hinsichtlich des Jenseits aufgenommen.
4. ʿUmdat al-Aḥkām – zusammengestellt von Imām und Hadith-Gelehrtem ʿAbd al-Ġanī ibn ʿAbd al-Wāḥid al-Maqdisī ad-Dimaschqī (gest. 600 n. H.). Darin wurden alle Hadithe über Rechtsbestimmungen zusammengestellt, die sowohl in al-Buchārī als auch in Muslim überliefert wurden.
5. At-Targhīb wa’t-Tarhīb – zusammengestellt von dem Hadith-Gelehrten ʿAbd al-ʿAzīz ibn ʿAbd al-Qawī ibn ʿAbdullāh al-Mundhirī (gest. 656 n. H.). Im Hinblick auf die Sammlung von Hadithen und die Bestimmung ihrer Qualität ist dieses Werk außerordentlich wertvoll.
Die Hadithpflege im siebten und achten Jahrhundert
Die vorangegangene Darstellung erstreckt sich über beinahe sechseinhalb Jahrhunderte. In der zweiten Hälfte des siebten islamischen Jahrhunderts zog ein heftiger Sturm von Zerstörung und Unheil über die muslimische Welt hinweg. Im Jahre 658 n. H. ereignete sich in den ausgedehnten, von Muslimen bewohnten Gebieten Zentralasiens ein alles verschlingendes Vernichtungswerk der Tataren. Zu jener Zeit zerstörten sie Aleppo und rückten in Richtung Damaskus vor. In Ägypten herrschte damals die Dynastie der Ayyubiden; doch auch sie war, einer Lampe ohne Öl gleich, beinahe erloschen. Überall gewann die Herrschaft der Mamluken die Oberhand und wurde immer mächtiger. Über der muslimischen Welt des siebten Jahrhunderts begann sich die türkische Vorherrschaft zu etablieren. Andererseits wurde im gesamten Maghreb-Gebiet (Nordwestafrika) die Herrschaft der maghrebinischen Berbervölker errichtet.
Mit einem Wort: In jener Zeit herrschte über der gesamten muslimischen Welt der Zustand des Sonnenuntergangs der Zivilisation. Die Muslime wurden in jeder Hinsicht schwächer – in Charakter, Glauben sowie Mut und Tapferkeit. Ihr heftiger gegenseitiger Hass und ihre Feindschaft, ihre Meinungsverschiedenheiten und ihre Erschöpfung hatten sie völlig leblos und dem Tod nahe gemacht. Nirgendwo war bei den Muslimen eine Neigung festzustellen, von einem Land in ein anderes zu reisen und sich mit der großen muslimischen Bevölkerung durch ein enges Band der Einheit zu verbinden. Selbst das Reisen der Muslime von Land zu Land auf der Suche nach Hadithen, das eine besondere Auszeichnung und ein Grund des Stolzes gewesen war, kam in diesem Jahrhundert zum Erliegen: Zwischen den Wissenszentren und den weit voneinander entfernt lebenden Gelehrten und Muhaddithen war jede Verbindung des Wissensaustauschs vollständig abgerissen.
Unter diesen Umständen begannen naturgemäß das Denken und die Gelehrsamkeit der Muslime zu verkümmern; unter den Wissensdurstigen gab es keinerlei Bemühungen mehr, durch Reisen über weite Entfernungen Wissen zu erwerben. Infolgedessen wurde der Weg der kontinuierlichen Sammlung und Überlieferung von Hadithen versperrt. Nun beschränkte sich die Tätigkeit der Hadithpflege darauf, vom Lehrer die Erlaubnis zur Überlieferung von Hadithen einzuholen und einige Hadithe bei ihm niederzuschreiben. Die Hadith-Kette wurde in dieser Zeit lediglich zu einem Mittel, einen gewissen Segen zu erlangen.
Doch dies war keineswegs die endgültige und einzige Entwicklung. Auch in dieser Zeit lassen sich einige tatkräftige Gelehrte finden, die die alte und überlieferte Tätigkeit der Suche nach und Sammlung von Hadithen wiederbelebten. Sie reisten zu weit entfernten Zentren und begannen, sich vor den Muhaddithen niederzulassen, um von ihnen Hadithe niederzuschreiben. Diese Methode des Hadith-Unterrichts wird in der Terminologie der Hadith-Wissenschaft „Imla“ genannt. Der Muhaddith nahm an einem bestimmten Wochentag an einer Seite der Moschee Platz; rings um ihn setzten sich die Hadith-Schüler. Der Muhaddith trug die Hadithe mündlich vor, und die Schüler schrieben sie auf ihre jeweiligen Blätter. Unter den Muhaddithen dieser Epoche ist der Name al-Hafiz Abu al-Fadl Zayn ad-Din ʿAbd ar-Rahim ibn al-Husayn al-Iraqi besonders hervorzuheben. Er war nicht nur der bedeutendste Imam seiner Zeit auf dem Gebiet der Hadithe, sondern auch Verfasser zahlreicher wertvoller Werke. Zum Diktieren von Hadithen hielt er mehr als vierhundert Lehrsitzungen ab. Sein Schüler Ibn Hadschar sagte:
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Er begann im Jahre 796 n. H. damit, Hadithe zu diktieren. Nachdem die Beschäftigung mit den Hadithen des Gesandten zum Erliegen gekommen war, belebte er sie somit wieder. Zu diesem Zweck veranstaltete er mehr als vierhundert Lehrsitzungen, und in den meisten dieser Zusammenkünfte ließ er allein aus dem Gedächtnis wohlgeordnete, zuverlässig bewahrte und Nutzen bringende Hadithe niederschreiben.
Er verstarb im Jahre 806 n. H.
Der zweite bedeutende Gelehrte dieser Epoche ist Schihāb ad-Dīn Abū al-Fadl Ahmad ibn Alī ibn Muhammad ibn Hadjar al-Asqalānī. Er war nicht nur ein Hafiz des Hadith; unter den Hafizen des Hadith dieses Jahrhunderts war er der herausragendste. In diesem Jahrhundert gab es keinen einzigen Muhaddith, der ihm ebenbürtig gewesen wäre. Er verstarb im Jahre 852 n. H. Über ihn sagten die Muhaddithun:
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Das Reisen durch die Länder zum Sammeln von Hadithen und die vorherrschende Stellung der Hadithwissenschaft in der Welt fanden im Allgemeinen mit ihm ihr Ende. Zu seiner Zeit wurde außer ihm niemand zum Hafiz des Hadith. Er verfasste eine große Zahl von Büchern und hielt mehr als tausend Hadith-Versammlungen ab, in denen er Hadithe diktierte.[********************]
Das berühmteste Werk von Hafiz Ibn Hadjar al-Asqalānī ist der Kommentar zu Sahih al-Buchārī, „Fath al-Bārī“. Es ist in zehn umfangreiche Bände gegliedert. Die Einleitung dazu wurde als eigenständiges Buch veröffentlicht; ihr Titel lautet: ********************.[********************]
Er besitzt auch eine eigene Hadith-Sammlung. Sie heißt ********************. Es handelt sich um eine besondere Sammlung von Hadithen über die Ahkām.
Auch dieses Buch wurde von der Gelehrtenschaft besonders geschätzt.[********************]
Auch Ibn Hadjars Schüler Imam Sachāwī war in dieser Epoche eine bedeutende Persönlichkeit. In seinem berühmten Werk „Fath al-Mughīth“ schrieb er:******************************************************
Ich habe in Mekka, der edlen Stadt, Hadithe niedergeschrieben. Auch an verschiedenen und zahlreichen Orten Kairos habe ich diese Arbeit verrichtet, und die Zahl der Sitzungen, in denen ich bis heute Hadithe habe niederschreiben lassen, dürfte ungefähr sechshundert betragen. …………. Die Grundlage jeder Tat aber ist die Absicht.[********************]
Doch auch diese Methode, Hadithe zu diktieren, konnte nicht mehr lange fortbestehen. Die Hadithgelehrten späterer Zeiten beschäftigten sich vor allem mit den von den früheren Gelehrten zusammengestellten Hadithwerken. Sie widmeten sich insbesondere dem Auszug von Hadithen daraus, der Abfassung gekürzter Fassungen und der Erstellung von Kommentaren zu den Hadithwerken. Auch dies blieb auf nur einige wenige Städte der muslimischen Welt beschränkt, und lediglich eine sehr geringe Zahl von Menschen widmete sich dieser Tätigkeit.
Die Hadithpflege in verschiedenen Ländern
Im siebten, achten und den darauffolgenden Jahrhunderten wurden in verschiedenen Regionen der muslimischen Welt Hadithe studiert, gelehrt und verbreitet. Zu dieser Zeit war ihre Verbreitung in den maghrebinischen Ländern (im nordwestlichen Afrika) am stärksten. Danach zeigte sich eine umfassende Beschäftigung mit Hadithen in zwei großen muslimischen Ländern: dem einen, Ägypten, und dem anderen, Hindustan (Indien). Der durch den tatarischen Angriff auf Bagdad verursachte Untergang des Abbasidenkalifats war im Hinblick auf das muslimische Geistesleben sowie auf die islamischen Wissenschaften und Kenntnisse ein äußerst schmerzlicher Vorgang. Die Tataren raubten aus den islamischen Bibliotheken Bagdads Millionen von Büchern, warfen sie in den Tigris und errichteten darüber aus diesen Bücherhaufen eine Brücke, damit ihr Heer den Fluss leicht überqueren konnte. Danach verlagerte sich das Zentrum des Wissens und der Wissenschaften von Bagdad an andere Orte. Zunächst erhielt Ägypten das Glück, an islamischem Wissen und islamischen Wissenschaften – insbesondere an der Hadith-Wissenschaft – reich zu werden und in voller Blüte zu stehen. Die Beschäftigung mit Hadithen und ihre Verbreitung in Ägypten erreichten zu dieser Zeit ein Ausmaß, das ohne Weiteres mit der Hadithpflege im dritten Hijri-Jahrhundert verglichen werden kann. Doch danach begann auch hier diese gewaltige Sonne der Hadithpflege unterzugehen. Die Beschäftigung mit der Hadith-Wissenschaft strömte anschließend in andere Länder. Es zeigte sich, dass die Sonne des Hadithwissens in Ägypten untergegangen und am Himmel Indiens aufgegangen und strahlend erkennbar geworden war. In Indien begann damals tatsächlich das Goldene Zeitalter der Hadithpflege. (Für eine ausführliche Erörterung siehe das Kapitel dieses Werkes mit dem Titel „Die Hadith-Wissenschaft in Pakistan und Indien“.)
Es kann nicht gesagt werden, dass in dieser Niedergangszeit Ägyptens überhaupt keine Hadithpflege stattfand. Vielmehr stellt uns die Geschichte auch für diese Zeit Beispiele eines großen und unvergesslichen Dienstes an der Hadith-Wissenschaft vor Augen. In Ägypten herrschten damals die Mamluken. Viele dieser mamlukischen Könige sind durch ihre Wissbegierde auf den Seiten der Geschichte unvergesslich geblieben. Zahlreiche Könige nahmen als Schüler vor den Muhaddithen ihrer Zeit Platz. Sie leerten ihre königlichen Schatzkammern und setzten deren Mittel dafür ein, große Einrichtungen für den Hadithunterricht zu errichten.
Auch zu dieser Zeit lebten in Ägypten einige Imame des Hadith. Sie hatten die Hadithe mitsamt ihren vollständigen und authentischen Überlieferungsketten auswendig gelernt. Die Durstigen erlernten die Hadithe gerade bei ihnen, und die Menschen drängten sich vor ihnen, um Hadithe zu hören.
Unter ihnen sind die folgenden Hadithgelehrten besonders erwähnenswert:
1. Zahir Barquq 2. Imam Akmaluddin al-Babarti 3. Ibn Abu al-Majd 4. al-Mu’ayyad 5. Shamsuddin ad-Dayari al-Muhaddith.[********************]
Anhang 1
Auf den vorangegangenen Seiten wurden die Anzahl der Hadithe und die lange Geschichte der Hadith-Sammlung ausführlich erörtert. Die Leser wurden mit den gewaltigen und bedeutenden Aktivitäten zur Bewahrung der Hadithe, zur Hadith-Sammlung und zur Abfassung von Hadith-Werken in den verschiedenen Epochen der Geschichte vertraut gemacht. In der vorherigen Erörterung haben wir auch verschiedene Arten der Abfassung von Hadith-Werken in den unterschiedlichen Epochen kennengelernt. Hier wird nun eine gesonderte Darstellung der verschiedenen Methoden und Arten der Abfassung von Hadith-Werken vorgelegt.
Für die Abfassung von Hadith-Werken gibt es verschiedene Arten und Methoden (Techniken). Auch die Bezeichnungen der nach diesen verschiedenen Arten verfassten Werke sind unterschiedlich. Nämlich:
1. ‘„Al-Dschāmiʿ“’– – Hadith-Werke, in denen Hadithe aller Arten in verschiedenen Kapiteln zusammengetragen werden, etwa über Glaubensgrundsätze (ʿAqāʾid), Rechtsbestimmungen (Aḥkām: Gebote und Verbote sowie praktische Regeln der Scharia), Barmherzigkeit und Mitgefühl, Ess- und Trinkgewohnheiten, Reisen ins Ausland und den Aufenthalt an einem Ort, die Koranauslegung, Geschichte, Krieg und Frieden, das Entsenden von Truppen zum Kampf gegen Feinde, Aufruhr und Unruhen sowie Lob und die Darstellung von Vorzügen und Rang. Diese Werke werden Al-Dschāmiʿ genannt. Unter den sechs kanonischen Hadith-Werken gehören die folgenden beiden Werke zu dieser Kategorie:
(a) Al-Dschāmiʿ aṣ-Ṣaḥīḥ al-Buchārī und (b) Al-Dschāmiʿ at-Tirmidhī. Ṣaḥīḥ Muslim wird nicht zu dieser Kategorie gezählt, da darin keine Hadithe zur Tafṣīl und zu den Qirāʾāt aufgenommen wurden.
2. ‘„Al-Musnad“’ (********************)- – Werke, in denen die von den Prophetengefährten überlieferten Hadithe entsprechend der alphabetischen Reihenfolge ihrer Namen nacheinander gesammelt werden, ohne jedoch nach der Methode der Fiqh-Systematisierung geordnet zu sein. Diese Werke werden „Al-Musnad“ oder „Al-Masānīd“ genannt. So werden beispielsweise sämtliche von Ḥaḍrat Abū Bakr aṣ-Ṣiddīq überlieferten Hadithe unabhängig von ihrem Inhalt gemeinsam niedergeschrieben; danach werden die von einem anderen Prophetengefährten überlieferten Hadithe an einer Stelle zusammengetragen.
Ihre Zusammenstellung kann auf zwei Arten erfolgen: nach alphabetischer Reihenfolge, etwa indem zuerst die von Ḥaḍrat Abū Bakr überlieferten Hadithe und danach die von Ḥaḍrat Usāma ibn Zaid überlieferten Hadithe angeführt werden.
Oder die Hadithe können auch nach dem Rang oder der Abstammung des überliefernden Prophetengefährten geordnet werden. So werden beispielsweise zunächst in geordneter Folge die von den rechtgeleiteten Kalifen überlieferten Hadithe und danach die Hadithe der übrigen Prophetengefährten angeführt.
Das von Imam Ahmad ibn Hanbal zusammengestellte Hadithwerk ist nach dieser Methode geordnet; daher wird es „al-Musnad“ genannt.
3. as-Sunan (********************) –Hadithwerke, in denen ausschließlich Hadithe über die rechtlichen Bestimmungen der Scharia sowie über die für das praktische Leben erforderlichen Regeln, Gebote und Verbote gesammelt und nach verschiedenen Kapiteln und Abschnitten ähnlich den Fiqh-Büchern geordnet sind, werden „Sunan“ genannt. Dazu gehören Sunan Abū Dāwūd, Sunan an-Nasāʾī und Sunan Ibn Māǧa. Auch at-Tirmiḏī aš-Šarīf wird gewissermaßen der Kategorie „Sunan“ zugerechnet.
4. ‘al-Muʿ’ǧim’ (********************)-Hadithwerke, in denen nach der Musnad-Methode die von jedem einzelnen Hadithlehrer überlieferten Hadithe der Reihe nach geordnet werden, sind al-Muʿǧim-Werke. Beispiele sind die drei von at-Tabarānī zusammengestellten Werke.
5. ‘al-Juzʾ’ (********************)-In Hadithwerken dieser Art werden die von einem einzelnen Überlieferer überlieferten Hadithe aufgenommen, unabhängig davon, ob diese Person ein Gefährte oder ein späterer Hadithlehrer war. Zum Beispiel: ****************************************************** .[********************]
Nach Ansicht einiger anderer Hadithwissenschaftler wird dies jedoch nicht so genannt, sondern „al-Mufrad“. Ihrer Ansicht nach werden ******************** solche Werke genannt, in denen Hadithe zu ein und demselben Thema zusammengetragen werden. Zum Beispiel: die von Imam al-Buḫārī verfassten ******************** und ******************** .[********************]
6. ‘al-Ġarība’ (********************)-Wenn ein Hadithlehrer aus der großen Zahl seiner Schüler nur einem einzigen bestimmte Hadithe diktiert und sie keinem anderen überliefert, wird die Sammlung dieser Hadithe „al-Ġarība“ genannt.[********************]
7. al-Mustaḫraǧāt (********************) – Ein Werk, in dem die darin erwähnten Hadithe (oder ein Teil davon) zusammengestellt werden und dessen Matn, der ursprüngliche Hadithtext, sowie die eigene Überlieferungskette angegeben werden, wird al-Mustaḫraǧ genannt. Viele Werke dieser Art sind verfasst worden. Auch die Hadithe von Ṣaḥīḥ al-Buḫārī haben viele auf diese Weise und nach dieser Methode in jeweils eigenen Werken zusammengestellt. Zu den bedeutenden unter ihnen gehören al-Ismāʿīlī, al-Barqānī, Ibn Aḥmad al-Ġaṭrīfī, Abū ʿAbdallāh ibn Abū Ḏahl und Abū Bakr ibn Mardūya. [********************] Ebenso wurden auch die Hadithe von Ṣaḥīḥ Muslim zusammengestellt. Zu denjenigen, die dies taten, gehören vor allem die Hadithgelehrten Ḥāfiẓ Yaʿqūb ibn Isḥāq al-Isfarāyīnī, Abū Ǧaʿfar ibn Ḥamdān, Abū Bakr Muḥammad ibn Raǧāʾ an-Nīsābūrī, Abū Bakr al-Ǧauqī, Abū Ḥāmid aš-Šāyiqī und Abū al-Walīd Ḥasan ibn Muḥammad al-Qurašī.
Ferner haben die Muhaddithūn Abu Nuʿaim al-Isfahani, Abu ʿAbdullah Ibn al-Ahjam, Abu Dharr al-Harawi, Abu Muhammad al-Khallal und andere die Hadithe aus beiden Werken, dem von al-Buchari und dem von Muslim, gemeinsam zusammengestellt.
Das oben erwähnte Werk „Al-Mustakhraj“ von Hafiz Yaʿqub ist sowohl vollständig als auch authentisch und zuverlässig. Bis vor Kurzem war es noch in den Bibliotheken Deutschlands vorhanden.
8. ‘Al-Mustadrak’ (********************)।Hadithe, die nicht in ein bestimmtes Hadith-Werk aufgenommen wurden, obwohl sie die vom Verfasser jenes Werkes aufgestellten Bedingungen vollständig erfüllen, werden in dem Werk, in dem sie zusammengetragen sind, als „Al-Mustadrak“ bezeichnet. Dazu gehört beispielsweise „Al-Mustadrak“, zusammengestellt von Imam Hafiz.
Imam al-Hakim sammelte eine große Zahl von Hadithen und verfasste ein eigenständiges Werk in zwei Bänden. Er war der Ansicht, dass all diese Hadithe die Bedingungen von Imam al-Buchari für die Annahme von Hadithen vollständig erfüllten und authentisch seien, jedoch nicht in Sahih al-Buchari aufgenommen worden seien. Nach Ansicht der Hadithwissenschaftler enthält es jedoch auch zahlreiche schwache und erfundene Hadithe.
Außerdem verfasste Hafiz Abu Zay ʿAbd ibn Humayd ibn Muhammad ibn ʿAbdullah al-Ansari (gest. 433 n. H.) ein weiteres Werk, indem er Hadithe nach den Bedingungen der beiden Verfasser, al-Buchari und Muslim, zusammentrug.
9. ‘Kitab al-ʿIlal’ (********************)।Wenn fehlerfreie Hadithe in einem Werk zusammengestellt und zugleich die Mängel oder Fehler der Hadithe erläutert werden, wird dieses Werk „Kitab al-ʿIlal“ genannt. Imam Muslim (r.) und Imam Hafiz Abu Yahya (r.) verfassten Werke dieser Art. Imam adh-Dhahabi erwähnte, dass auch der Muhaddith asch-Schadhi in diesem Bereich ein bedeutendes Werk verfasst habe.
10. ‘Kitab al-Atraf’ (********************)-Die Erwähnung eines bestimmten Teils eines Hadith, aus dem sich auch der übrige Teil verstehen lässt, wird als „Kitab al-Atraf“ bezeichnet. In solchen Werken wird die vollständige Überlieferungskette des Hadith angegeben. Auch in diesem Bereich wurden zahlreiche Werke verfasst. Unter ihnen sind die auf der folgenden Seite angeführten zwei Werke besonders erwähnenswert:
1. „Al-Aschraf ala Tuhfatil-Atraf“.
2. Tuḥfat al-Ashrāf bi-maʿrifat al-aṭrāf.[********************]
Klassifizierung der Hadith-Werke
Der einzige Weg, die Regeln und Bestimmungen der islamischen Scharia sowie die Gebote und Verbote des Islam ausführlich kennenzulernen, besteht in den Hadithen des Gesandten. Und der einzige Weg, die Hadithe des Gesandten kennenzulernen, besteht wiederum darin, die Überlieferungen, die beim Gesandten ihren Anfang nehmen, zu prüfen und zu untersuchen – unabhängig davon, ob sie unmittelbar beim Gesandten oder bei einem Gefährten oder einem Tābiʿī ihren Anfang nehmen. Dabei muss der Reinheit, Genauigkeit und Unwiderlegbarkeit der Überlieferungskette unbedingt volle Aufmerksamkeit gewidmet werden. Es kann keinen anderen Weg geben, als die Überlieferungsketten der Hadithe des Gesandten zu erforschen, sie zu prüfen und die in der Gegenwart zusammengestellten Hadith-Werke zu untersuchen. Denn es ist heutzutage völlig unmöglich, einen Hadith des Gesandten zu finden und dessen Überlieferungskette gesichert und zuverlässig zu erhalten, der zuvor in keinem Hadith-Werk zusammengestellt worden ist.[********************]
Daher müssen sich heute alle Menschen, um alle Arten von Hadithen und deren Überlieferungsketten zu erlangen, ausschließlich an die zusammengestellten und bewahrten Hadith-Werke halten und sich ganz auf sie verlassen. Deshalb müssen wir eine ausführliche und umfassende Kenntnis der Hadith-Werke erwerben. Wir müssen ihre Klassen, ihre Stellung und ihren Rang kennen.
Die Hadith-Werke werden im Hinblick auf ihre Bekanntheit und Authentizität in vier Klassen eingeteilt. Denn auch die Hadithe selbst weisen unterschiedliche Rangstufen auf. Die höchste Rangstufe haben jene Hadithe, die mit vollständiger Kontinuität in der Überlieferungskette überliefert worden sind (********************) und hinsichtlich ihrer Anerkennung und der praktischen Umsetzung nach ihnen, mit denen die gesamte muslimische Umma vollkommen übereinstimmt.
Danach kommen jene Hadithe, die über verschiedene Quellen überliefert und überliefert worden sind, an denen keinerlei Zweifel oder Unsicherheit haftet und auf deren Grundlage sämtliche Fiqh-Gelehrten gehandelt haben. Zumindest haben die Hadith-Gelehrten von Mekka und Medina in Bezug auf diese Hadithe keine Meinungsverschiedenheit geäußert. Denn diese beiden Orte waren die Zentren des Lebens und Wirkens der rechtgeleiteten Kalifen sowie Treffpunkte der Hadith-Gelehrten aus allen Ländern; sie wurden jederzeit von ihnen besucht, und in diesen beiden Zentren herrschte ein ununterbrochener Austausch der Hadith-Gelehrten von einer Generation zur nächsten. Aus diesem Grund kann keinesfalls angenommen werden, dass diese Hadithe irgendeinen äußerlich erkennbaren Mangel oder Fehler aufweisen. Diese Hadithe waren stets in der gesamten muslimischen Welt bekannt und wurden befolgt; außerdem sind sie von einer großen Zahl von Menschen aus der Generation der Gefährten und der Tābiʿūn überliefert worden.
Danach folgen jene Hadithe, deren Authentizität erwiesen ist und deren Überlieferungskette vorzüglich und frei von Mängeln ist; die Hadith-Gelehrten haben über diese Hadithe genau dies bezeugt. Sie sind auch nicht aufgegeben worden. Vielmehr wurden sie sowohl vor als auch nach ihrer Zusammenstellung in den Werken stets praktisch befolgt. Die Imame des Hadith begannen schon früh, sie zu überliefern. Die Fiqh-Gelehrten verfassten auf ihrer Grundlage die Rechtswissenschaft und setzten ihr volles Vertrauen und ihre Zuversicht in sie.
Werke der ersten Rangstufe
Hadith-Werke, die diese beiden Arten von Eigenschaften aufweisen, gehören zur ersten Stufe. Auf diese Weise wird der Rang der Hadith-Werke nach und nach bestimmt.
Prüft und untersucht man die Hadith-Werke unter diesem Gesichtspunkt, so wird eindeutig ersichtlich, dass unter allen Hadith-Werken nur drei Bücher dieser Stufe zugerechnet werden können. Es sind der Reihe nach: (a) al-Muwatta von Imam Malik, (b) Sahih al-Bukhari und (c) Sahih Muslim.[Alle diese Aussagen wurden aus ******************** übernommen.]
In den in diesen drei Werken angeführten Hadithen gehören zwei Drittel der Überlieferer (********************) der ersten und zweiten Stufe an. Diese Hadithe stehen mit rechtlichen und praktischen Angelegenheiten in Zusammenhang. Ein Drittel der Hadithe wurde von Überlieferern der dritten Stufe überliefert. Kein einziger von einem Überlieferer der vierten Stufe überlieferter Hadith wurde in diese drei Werke aufgenommen. In diesen drei Werken sind Hadithe mit den authentischsten, lückenlosen und ununterbrochenen Überlieferungsketten zusammengestellt. Die Gelehrten der islamischen Welt hegen für diese drei Werke mehr Eifer, Hochachtung und Verehrung als für jedes andere Werk.[********************]
Werke der zweiten Stufe
Zu dieser Stufe zählen Werke, die hinsichtlich der oben genannten Eigenschaften nicht den gleichen Rang wie al-Muwatta, al-Bukhari und Muslim besitzen. Sie kommen ihnen jedoch gewiss nahe. Ihre Verfasser waren besonders dafür bekannt, zuverlässig und unangreifbar zu sein, über Aufrichtigkeit und ein gutes Gedächtnis zu verfügen, Hadithe ordnungsgemäß zu überliefern und die feinsten Einzelheiten der Hadith-Wissenschaft vollständig zu beherrschen. In ihren Werken ließen sie nicht die geringste Nachlässigkeit oder Unachtsamkeit zu. Die Bedingungen, die sie selbst für die Annahme eines Hadith festgelegt hatten, legten sie bei jedem Hadith als genaue Maßstäbe an, bevor sie ihn annahmen und in ihre Werke aufnahmen. Danach erkannten die Muhaddithen und Faqihen jeder Stufe ihre angemessene Bedeutung an, und sie erlangten unter der muslimischen Bevölkerung weite Verbreitung. Gelehrte verfassten Werke, in denen sie diese erklärten.
Zu dieser Stufe zählen die drei Werke Sunan Abu Dawud, Jamiʿ at-Tirmidhi und Sunan an-Nasa’i. Imam Ruzain nahm diese Hadithe in seinem Werk „Tajrid as-Sihah“ und Imam Ibn al-Amir in seinem Werk „Jamiʿ al-Usul“ zusammen.
Auch das von Imam Ahmad ibn Hanbal zusammengestellte Werk „Musnad“ wird, wie die Muhaddithen erwähnen, dieser Stufe zugerechnet.[********************]
In den zuerst genannten drei Werken machen die von Überlieferern der dritten Stufe überlieferten Hadithe nahezu die Hälfte aus. Von der verbleibenden Hälfte sind zwei Drittel Hadithe, die von Personen der ersten und zweiten Stufe überliefert wurden. Ein Drittel davon sind Hadithe, die von Überlieferern der vierten Stufe überliefert wurden. In den übrigen Büchern machen die von Überlieferern der dritten Stufe überlieferten Hadithe mehr als die Hälfte aus.
Hadith-Werke der dritten Stufe
Als Hadith-Werke der dritten Stufe gelten jene Werke, die vor, gleichzeitig mit oder nach der Zusammenstellung von Buchārī und Muslim schriftlich niedergelegt wurden. In ihnen sind alle Arten von Hadithen aufgenommen, darunter sahīh, hasan und daʿīf. Obwohl diese Hadithe keineswegs völlig unbekannt geblieben sind, erlangten sie bei den Gelehrten dennoch keine sehr große Bekanntheit und Popularität. Die Verfasser von Fiqh schenkten diesen Hadithen nur sehr wenig Beachtung. Auch die Muhaddithūn sahen keine besondere Notwendigkeit, ihre Mängel und Fehler zu erörtern. Zu dieser Stufe gehören Werke, für deren schwer verständliche Sprache oder unverständliche Ausdrucksweise keine besondere Aufklärungsarbeit geleistet wurde. Kein Faqīh hielt es für notwendig, die darin gesammelten Hadithe mit den Ansichten der früheren Imame zu vergleichen. Kein Hadithwissenschaftler bemühte sich, ihre Widersprüche darzustellen und offenzulegen. Kein Historiker beleuchtete das Leben der Überlieferer dieser Hadithe. Dabei ist hier nicht von den Historikern der späteren Zeit die Rede, sondern von den Historikern der frühen Zeit. Daher blieben Werke dieser Art unveröffentlicht und der Öffentlichkeit unbekannt.
Die folgenden Hadith-Werke werden dieser Stufe zugerechnet:
1) Musnad Abū ʿAlī 2) Musannaf ʿAbd ar-Razzāq 3) Musannaf Bakr ibn Schaiba 4) Musnad ʿAbd ibn Humayd 5) Musnad at-Tayālisī 6) die Werke von Imām al-Bayhaqī 7) die Werke von Imām at-Tahāwī 8) die Werke von Imām at-Tabarānī.
Der einzige grundlegende Zweck dieser Verfasser bei der Abfassung ihrer Werke bestand darin, die ihnen überlieferten Hadithe lediglich zu sammeln. Sie hatten nicht zum Ziel, sie systematisch zu ordnen, in angemessener Weise zu gliedern oder für die praktische Verwendung nutzbar zu machen.
Mehr als ein Drittel der Überlieferer der in diesen Werken angeführten Hadithe gehört der dritten Stufe an, und ein Drittel der Überlieferer der vierten Stufe. Unter diesen Werken gelten einige Bücher den Muhaddithūn als vergleichsweise zuverlässiger und solider als die übrigen Bücher.
Hadith-Werke der vierten Stufe
Als Hadith-Werke dieser Stufe gelten jene, deren Verfasser nach langer Zeit Hadithe sammelten, die in den Werken der ersten und zweiten Stufe nicht aufgenommen worden waren. Vielmehr waren sie in wenig bekannten und namenlosen Werken angeführt worden. In späterer Zeit erkannten die Verfasser dieser Stufe den Wert dieser Hadithe an. Sie waren mündlich von Menschen überliefert worden, von denen die früheren Muhaddithūn und Verfasser von Hadith-Werken sie nicht anzunehmen und in ihre eigenen Werke aufzunehmen bereit gewesen waren. Oder sie waren von zügellosen oder schwachen Überlieferern überliefert worden, oder es handelte sich um Aussagen von Sahāba beziehungsweise Tābiʿūn; oder es waren Erzählungen der Banū Isrāʾīl, Aussagen von Philosophen oder Predigern, die spätere Überlieferer irrtümlich mit den Hadithen des Gesandten vermischt hatten.
Das von Ibn Hibban und Kamil ibn Adi verfasste „Kitab al-Duʿafa“, die von al-Khatib, Abu Nuʿaim, Ibn Asakir, Ibn an-Najjar und ad-Dailami verfassten Werke werden dieser Stufe zugerechnet. Auch der Musnad al-Chwarizmis scheint ein Werk dieser Stufe zu sein.
Die Werke der fünften Stufe
Diese Werke weisen auch eine fünfte Stufe auf. Zu dieser Stufe werden jene Hadithe gerechnet, die unter den Faqihen, Sufis, Historikern und anderen mündlich überliefert worden sind. Mit den Hadithen der vier oben genannten Stufen besteht keinerlei Übereinstimmung.
Auch von gottlosen und redegewandten Menschen erfundene Hadithe werden dieser Stufe zugerechnet. Sie haben diesen Hadithen eine derartige Überlieferungskette oder Überlieferungsquelle hinzugefügt, dass keinerlei Einwand dagegen erhoben werden konnte. Außerdem haben sie die Aussagen so kunstvoll formuliert und vorgetragen, dass es äußerlich schwerfällt, entschieden zu behaupten, der edle Gesandte (s) habe diese Worte nicht gesprochen.
Tatsächlich haben gerade diese Menschen eine große Gefahr für den Islam geschaffen. Dennoch konnte die düstere Wolke dieser Gefahr den kulturellen Himmel des Islam nicht lange verdunkeln. Die Hadithwissenschaftler haben diese Hadithe am Prüfstein der Kritik überprüft und untersucht, sie mit Hadithen verglichen, die dem Gedankengang des Gesandten entsprechen, und das Geheimnis ihrer Erfindung unwiderlegbar aufgedeckt. Daher konnte kein erfundener Hadith die Möglichkeit erlangen, als Hadith anerkannt zu werden.
In der vorstehenden Erörterung wurde für zwei bekannte Hadithsammlungen keine Stufe genannt oder festgelegt. Diese beiden Werke sind: (a) Ibn Madscha, (b) Sunan ad-Darimi. Welcher Stufe diese beiden Werke zuzurechnen sind, bedarf einer Erörterung.
Der Hadithgelehrte Abu Hasan as-Sindi schrieb:
******************************************************
Kurz gesagt steht Ibn Māǧa dem Rang nach hinter den fünf Hauptwerken und unter ihnen an niedrigerer Stelle.
Allāma Muḥammad ibn Ibrāhīm al-Yamānī schrieb:
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Sunan Ibn Māǧa ist ein Werk einer späteren Rangstufe als Abū Dāwūd und Sunan an-Nasāʾī. Seine Hadithe müssen überprüft und untersucht werden. Denn darin findet sich im Kapitel über die Vorzüge ein erfundener Hadith.
Aus all diesen Zitaten geht hervor, dass Ibn Māǧa zu den Hadith-Werken der dritten Rangstufe gehört.
Auch hinsichtlich Sunan ad-Dārimī haben die Hadith-Gelehrten diese Auffassung vertreten. Schāh ʿAbd al-ʿAzīz Muḥaddith ad-Dihlawī (r.) rechnete es zu den Werken dieser dritten Rangstufe. Auch Schāh Walīullāh ad-Dihlawī (r.) vertrat diese Auffassung.
Die Nähe zum Gesandten bei der Überlieferung von Hadithen
Die Verfasser von Hadith-Werken suchten gewöhnlich nach solchen Überlieferungsketten, durch die eine größere Nähe zum Gesandten hergestellt werden konnte. Das heißt, die Hadith-Gelehrten, die Hadith-Werke verfassten, bemühten sich besonders darum, Hadithe über eine möglichst geringe Zahl von Überlieferern vom Gesandten zu erhalten. Folglich war ein Hadith in den Augen der Hadith-Gelehrten umso bedeutender und angesehener und wurde als umso zuverlässiger betrachtet, je weniger Überlieferer er durchlief, bis er den Verfasser des Werkes erreichte. Denn je geringer die Zahl der Vermittler in der Überlieferungskette eines Hadithen ist, desto eher kann der Sammler eines Hadith-Werkes die Nähe zum ehrwürdigen Gesandten erlangen.
Zweitens: Je kürzer die Überlieferungskette (********************) der Hadithe ist und je weniger Überlieferer sie umfasst, desto leichter lassen sich deren Lebensumstände überprüfen, untersuchen und bewerten. Auch die Wahrscheinlichkeit von Fehlern und Irrtümern bei der Hadith-Überlieferung ist dadurch geringer. In dieser Hinsicht nimmt Imam Abū Hanīfa (r) unter allen Verfassern von Hadith-Werken den höchsten Rang ein. Der Grund dafür ist, dass er das Glück hatte, mindestens vier Gefährten unmittelbar zu begegnen.
Im Hinblick auf die Länge und Kürze der Überlieferungsketten von Hadithen sind mehrere Fachbegriffe entstanden. Im Folgenden wird eine kurze Erläuterung derselben gegeben:
1. Hadithe, die vom edlen Gesandten (s) bis zum Verfasser des Werkes durch lediglich einen Überlieferer gelangt sind, werden „Wahdāniyāt“ (********************) genannt – „Hadithe mit einem einzigen Überlieferer“.
In dem von Imam Abū Hanīfa zusammengestellten Hadith-Werk sind einige Hadithe dieser Art angeführt. Als Beispiel wird hier ein Hadith angeführt:
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Abū Hanīfa sagte: Ich hörte ʿĀʾischa bint Aǧrad sagen: Der Prophet (s) sagte: „Die größte Zahl von Allahs Heeren sind die Jurād – eine besondere Art von Heuschrecken. Ich selbst esse sie nicht, erkläre sie aber auch nicht für harām.“[ Dieser Hadith ist im Werk Musnad Abū Hanīfa ******************** angeführt. Außerdem ist er auch im Geschichtswerk von Yaḥyā ibn Maʿīn angeführt worden.*******************
Der angeführte Hadith gelangte vom Gesandten bis zu Abū Hanīfa durch lediglich einen Überlieferer. Dabei handelt es sich um eine weibliche Gefährtin namens ʿĀʾischa bint Aǧrad. Daher gehört dieser Hadith zur Kategorie der „Wahdāniyāt“ – der Hadithe, die durch die Vermittlung einer einzigen Person überliefert wurden.
Es gibt zahlreiche Hadithe, die durch lediglich zwei Stufen von Überlieferern bis zu Abū Hanīfa (r) gelangt sind. Er selbst hörte Hadithe von anderen Tābiʿūn. Der Tābiʿī hörte sie von den Gefährten. Damit gab es auf dem Weg vom Gesandten bis zum Sammler des Hadith-Werkes nur zwei Stufen von Überlieferern. Daher werden solche Hadithe terminologisch „Sunāʾiyyāt (********************)“ genannt – Hadithe mit zwei Stufen von Überlieferern. In dem von Imam Abū Hanīfa zusammengestellten Werk „Kitāb al-Āthār“ sind zahlreiche Hadithe dieser Art angeführt. Hier werden lediglich die Überlieferungsketten von zwei Hadithen erwähnt.
(1)
******************************************************
Abū Hanīfa sagt: Abū az-Zubair hat mir über Jābir ibn ʿAbdallāh, dieser über den edlen Gesandten (s), einen Hadith überliefert………….
In dem über diese Überliefererkette überlieferten Hadith stehen zwischen Imam Abū Hanīfa und dem edlen Gesandten der Tābiʿī Abū az-Zubair und der Gefährte Jābir ibn ʿAbdallāh als Vermittler.
(2)
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Abū Hanīfa sagte: Nāfiʿ hat uns von Ibn ʿUmar überliefert, dass der edle Gesandte (s) es verboten hat………..
In dieser Überliefererkette ist der Hadith des Gesandten bis zu Imam Abū Hanīfa lediglich durch die beiden Ebenen der Überlieferer, den Tābiʿī Nāfiʿ und den Gefährten Ibn ʿUmar, überliefert worden.
Da Imam Mālik kein Tābiʿī war, gehörte er zur Generation nach den Tābiʿīn – den Tābiʿ at-Tābiʿīn. Daher gehören die meisten von ihm zusammengestellten Hadithe zur Kategorie der sogenannten Thunāʾiyyāt. Imam asch-Schāfiʿī und Imam Ibn Hanbal konnten keinen einzigen Tābiʿī treffen. Deshalb gehören die von ihnen zusammengestellten Hadithe meist zur Kategorie der Thulāthiyyāt, also der Hadithe mit drei Überlieferergenerationen. Im Werk Sunan ad-Dārimī gibt es fünfzehn Hadithe, die er über drei Überlieferergenerationen nach dem Gesandten gehört hatte.
Unter den Verfassern der Ṣiḥāḥ as-Sitta trafen auch Imam al-Buḫārī, Imam Ibn Māǧa, Imam Abū Dāwūd und Imam at-Tirmiḏī einige Tābiʿīn; von ihnen erlernten, sammelten und überlieferten sie Hadithe. Daher befanden auch sie sich hinsichtlich der Höhe der Überliefererkette auf derselben Stufe wie Imam Aḥmad ibn Hanbal. Obwohl Imam al-Buḫārī zum Zeitpunkt des Todes Imams asch-Schāfiʿīs (gest. 204 n. H.) erst zehn Jahre alt war, war Imam Abū Dāwūd erst zwei Jahre alt, und Imam Ibn Māǧa war bis dahin noch nicht geboren. Die Anzahl der Hadithe mit einer Überliefererkette von drei Überlieferergenerationen in ihren Werken ist wie folgt:
1) Ṣaḥīḥ al-Buḫārī: 22; 2) Sunan Ibn Māǧa: 5; 3) Sunan Abū Dāwūd: 1; 4) Ǧāmiʿ at-Tirmiḏī: 1.
Imam Muslim und Imam an-Nasāʾī überlieferten keinen Hadith unmittelbar von einem Tābiʿī. Daher enthalten alle von ihnen überlieferten Hadithe vier Überlieferergenerationen.
Die Fälschung von Hadithen und ihre Ursachen
Aus der lange zuvor den Lesern vorgelegten Geschichte der Hadith-Sammlung ist unwiderlegbar erwiesen, dass von der Entstehungszeit der Hadithe bis zu ihrer Sammlung in Buchform auf jeder Stufe alle zuverlässigen Maßnahmen zu ihrer Bewahrung ergriffen wurden. Damit die Hadithe des Gesandten bestmöglich bewahrt blieben, keinerlei Vermischung mit ihnen stattfand und sie nicht verloren gingen, wurde bei der Ergreifung wirksamer Maßnahmen auf keiner einzigen Stufe auch nur die geringste Nachlässigkeit, Unachtsamkeit oder Fahrlässigkeit geduldet. Dennoch lässt sich nicht leugnen, dass es im langen Verlauf der Hadith-Überlieferung einzelne Zeiten gab, in denen schlechte Menschen, von Eigeninteressen oder unlauteren Absichten angetrieben, versuchten, ihre eigenen „Aussagen“ als Hadithe des Gesandten auszugeben, und einige solcher „Aussagen“ Gelegenheit erhielten, sich mit dem gewaltigen Ozean der Hadithe des Gesandten zu vermischen.
Wie sich ein solcher Zwischenfall in diesem ungetrübten und ununterbrochenen Verlauf der Bewahrung der Hadithe des Gesandten ereignen konnte, ist ebenso erstaunlich, wie es aus historischer Sicht einer Analyse bedarf.
Wir werden hier die Geschichte der Hadith-Fälschung kurz und umfassend erörtern.
Bei einer eingehenden Betrachtung des geschichtlichen Verlaufs zeigt sich, dass die berühmten „Charidschiten“ als Erste damit begannen, Hadithe zu fälschen. In der Schlacht von Siffin (36 n. H.) kam es unter den Anhängern von Hazrat Ali (r.a.) zu einer schwerwiegenden Meinungsverschiedenheit über das Abkommen, und sie waren nicht im Geringsten bereit, dieses anzuerkennen. Danach nahmen sie die Gestalt einer eigenständigen religiösen Gruppierung an.
Die Charidschiten waren über Hadithe völlig unwissend. Sie waren keineswegs bereit, irgendeine Aussage anderer Menschen als wahr anzunehmen. Einen Lügner hielten sie für einen Kafir. Trotzdem begannen sie, Hadithe zu fälschen und im Namen des Gesandten Allahs Lügen zu verbreiten. Ihr einziges Ziel dabei war, ihre eigenen besonderen Ansichten zu unterstützen.
Allama Ibn al-Dschauzi erwähnt in seinem Werk Kitab al-Mawdhu’at die folgende Aussage von Ibn Lahi’a:
******************************************************
Dieser Hadith ist eine der Grundlagen der Religion des Islam. Achtet besonders darauf, von wem ihr diese grundlegende Angelegenheit der Religion übernehmt. Denn wann immer wir wollten, pflegten wir alles, was wir wollten, als Hadith auszugeben.
Das bedeutet: Dieser Mann gehörte früher zu den Charidschiten und gab damals nach Belieben Aussagen als Hadithe des Gesandten Allahs aus. Darin liegt der Ursprung der Hadithfälschung durch die Charidschiten.
Danach sehen wir auch die Schiiten mit der Fälschung von Hadithen beschäftigt. In Wirklichkeit waren sie erbitterte Feinde des Islam. In der böswilligen Absicht, eine uneingeschränkte Gelegenheit zu erhalten, das Fundament des Islam anzugreifen, suchten sie Zuflucht in der äußersten Verirrung der schiitischen Lehre. Zunächst versuchten sie, verschiedene Verse des Heiligen Korans aufs Äußerste zu entstellen und ihnen verderbliche Bedeutungen unterzuschieben. Als sie jedoch zu der Auffassung gelangten, dass sie damit keinen Erfolg haben würden, wandten sie sich den Hadithen des Gesandten Allahs zu und versuchten, im Namen seiner Hadithe unzählige Lügen in Umlauf zu bringen. Sie fälschten eine große Anzahl von Hadithen mit dem Ziel, Hazrat Ali übermäßig zu preisen und das Ansehen von Hazrat Muawiya zu mindern. Sie verbreiteten zahlreiche Hadithe zugunsten von Hazrat Ali, von denen manche die Prophetenschaft Hazrat Alis und andere sein Recht auf das Kalifat nach dem Gesandten Allahs beweisen sollen.
Der bedeutendste „Hadithverfasser“ unter den Schiiten war Mukhtar ibn Abi Ubayd. Zunächst gehörte er den Charidschiten an. Später schloss er sich den Anhängern von Hazrat Abdullah ibn al-Zubair an. Schließlich nahm er vollständig die schiitische Lehre an und wurde Mitglied der schiitischen Gemeinschaft. Er fälschte offen Hadithe. Als er in Kufa Abdullah ibn al-Zubair traf, sagte er zu einem Hadithgelehrten:
******************************************************
Verfasse für mich einige Hadithe im Namen des Gesandten, aus denen sich beweisen lässt, dass er, nämlich Mukhtar, unmittelbar nach ihm Kalif werden wird.
Auch Muslime mit schwachem Glauben begannen, zahlreiche Hadithe im Namen des Gesandten zu fälschen. Sie verfassten ebenfalls viele Hadithe, um das Ansehen Hadhrat Alis zu schmälern und die größere Vorzüglichkeit Hadhrat Abu Bakrs und Hadhrat Umars zu beweisen.
Im zweiten Jahrhundert nach der Hidschra entstand eine neue Fitna der Hadith-Fälschung. Die Menschen begannen, Geschichten, Lügen und unbegründete Legenden in Form von Hadithen samt Überlieferungsketten zu verbreiten. Unter den Verfassern von Hadithen jener Zeit traten vor allem politisch eigennützige Personen, Geschichtenerzähler und heimliche Religionsfeinde hervor.
Aus dem oben dargestellten historischen Verlauf geht hervor, dass die Fitna der Hadith-Fälschung im Islam im Wesentlichen aus drei Gründen entstand:
a) die Fälschung von Hadithen, um auf politischem Gebiet die eigenen Ansichten durchzusetzen und ihnen Vorrang zu verschaffen, die eigene politische Ideologie zu beweisen und sie für die Bevölkerung akzeptabel zu machen.
b) die Fälschung von Hadithen, um den Islam unter der Bevölkerung zu verbreiten, sie durch Predigten und Ermahnungen religiöser zu machen, sie zu größerem Eifer in Gottesdienst und Anbetung anzuspornen und sie durch die Furcht vor dem Jenseits stärker in Furcht zu versetzen.
c) das Ausgeben erdichteter Worte als „Hadith“, um den persönlichen Vorteil leicht erreichbar und unüberbietbar zu machen.
Aus besonderen politischen Gründen wurden zunächst Hadithe um Hazrat Ali (r.a.) herum verfasst. Der Zweck solcher Hadith-Fälschungen war, zu beweisen, dass allein er nach dem Edlen Propheten das Recht habe, Kalif zu werden – und niemand sonst. Hier werden drei Beispiele für gefälschte Hadithe dieser Art angeführt:
Es wird verbreitet, dass der Edle Prophet (s.a.w.s.) bei der Ansprache, die er auf seiner Rückkehr von der Abschiedswallfahrt an einem Ort namens „Ghadir Khumm“ hielt, mit Bezug auf Hazrat Ali auch Folgendes gesagt habe:
(a) ******************************************************
Dieser Mann ist mein Nachfolger und mein Bruder; nach mir ist er der Kalif. Hört daher alle auf ihn und folgt nur ihm.
(b)- ******************************************************
Ali zu lieben ist eine solche Tugend, dass keine Sünde ihm schaden kann, solange diese Liebe vorhanden ist. Umgekehrt ist es eine solche Sünde, Ali zu hassen und ihm feindlich gesinnt zu sein, dass keine gute Tat ihm irgendeinen Nutzen bringen kann.
******************************************************
Wer stirbt, während er Hazrat Ali hasst, wird entweder als Jude oder als Christ sterben.
Dass diese drei als Hadithe verbreiteten Aussagen keinesfalls Hadithe des Gesandten sein können, sondern lediglich zum Zweck der Befriedigung politischer und parteilicher Interessen frei erfunden wurden, ist auf den ersten Blick erkennbar.
Es lässt sich nicht ermessen, wie viele Hunderte von Hadithen die Schiiten gefälscht und in Umlauf gebracht haben, um Hazrat Ali als den Erben des ehrwürdigen Propheten zu beweisen. Doch dass jede einzelne dieser Aussagen eine offenkundige Lüge ist, wird auch durch die authentischen, von Hazrat Ali überlieferten Hadithe bewiesen; zudem gilt sie als mit dem gewöhnlichen Verstand und der Vernunft unvereinbar.
Umgekehrt lässt sich ohne den geringsten Zweifel erkennen, dass auch die Hadithe, die zur übermäßigen Lobpreisung von Hazrat Abu Bakr und Umar verbreitet wurden, als äußerst übertrieben anzusehen sind.
Als Beispiel werden zwei Hadithe aus dieser Kategorie angeführt:
******************************************************
Als ich während der Miʿrādsch in den Himmel emporgeführt wurde, sagte ich: O Allah, mache Ali ibn Abi Talib nach mir zum Kalifen. Da geriet die Himmelswelt in Erschütterung, und von allen Seiten riefen die Engel mit unsichtbaren Stimmen: O Muhammad, rezitiere diesen Vers Allahs – dessen Bedeutung lautet: Ihr könnt nichts wollen, außer was Allah will. Und Allah hat bestimmt, dass nach dir allein Abu Bakr Siddiq der Kalif sein wird.
******************************************************
Auf jedem einzelnen Blatt jedes einzelnen Baumes im Paradies steht geschrieben: La ilaha illallah, Muhammadur Rasulullah, Abu Bakr, Umar al-Faruq und Uthman Dhun-Nurain.
Auch zu Muawiyas Lob wurden Hadithe gefälscht. Zum Beispiel:
******************************************************
Wenn ihr seht, dass Muawiya auf meiner Kanzel steht und eine Predigt hält, dann akzeptiert ihn, denn er ist äußerst vertrauenswürdig, treu und geschützt.
Auf diese Weise wurden unter dem Namen von Hadithen des Gesandten viele haltlose und völlig unbegründete Aussagen unter den Menschen verbreitet. Hier sollen noch drei weitere Aussagen dieser Art erwähnt werden:
(a)****************************************************** – Die Liebe zur Heimat ist ein Teil des Glaubens.
(b)****************************************************** – O Muhammad! Wenn du nicht erschaffen worden wärst, hätte Ich weder die Himmelssphäre noch die Welt erschaffen.“
(c)****************************************************** – Für Ali ibn Abu Talib wurde die untergegangene Sonne zurückgebracht.[Ahmad ibn Hanbal sagte: ******************** Dieser Hadith hat keinerlei Grundlage. Ibn al-Dschauzi erklärte: ******************** „Dies ist kein Hadith, sondern eine erfundene Aussage. Allerdings behaupteten Imam as-Suyuti und at-Tahawi, er sei authentisch. ********************]
Alle drei Aussagen wurden in der Gesellschaft als Hadithe verbreitet und fanden durch die Prediger von Mund zu Mund weite Verbreitung. Tatsächlich aber sind alle drei Aussagen völlig falsch und gefälscht.
Maßnahmen zur Verhinderung der Fälschung von Hadithen
Obwohl die Kharidschiten zunächst aus eigenem Interesse begonnen hatten, Hadithe zu fälschen, konnten sie diesen Weg nicht sehr weit beschreiten. Ihre eigene Aqida und Glaubensüberzeugung erlaubte es ihnen nicht, auf diesem Weg weiter voranzuschreiten.
1. Die Glaubensüberzeugung der Kharidschiten lautete: Wer lügt, ist ein Kafir! Dadurch verschwand die Neigung unter ihnen, Lügen zu erzählen und Hadithe zu fälschen, von selbst.
2. Die Kharidschiten waren Beduinen und von Natur aus hart und grob. Sie waren nicht bereit, irgendeine Aussage anderer Völker oder Stämme anzunehmen. Deshalb konnte keine Aussage der Perser und Juden – die größtenteils die schiitische Auffassung angenommen und gefälschte Hadithe verfasst hatten – bei ihnen irgendeine Bedeutung erlangen.
3. Im Kampf gegen ihre Gegner verließen sich die Kharidschiten in hohem Maße auf ihren eigenen Mut, ihre Stärke und ihre Waffen. Deshalb waren sie niemals bereit, Zuflucht zu Lügen ******************** zu nehmen. Da sie ihre Gegner für Kafirs hielten, sahen sie auch keinen Anlass, auf Lügen zurückzugreifen. Denn sie waren nicht einmal der Ansicht, dass zur Unterwerfung der Kafirs außer dem Gebrauch des Schwertes irgendeine andere Waffe eingesetzt werden könne.
Aus diesen drei Gründen wurden von den Kharidschiten weit weniger gefälschte Hadithe verfasst als von anderen verderbten und Unheil stiftenden Gruppierungen. Und die wenigen Hadithe, die sie fälschten, konnte die in islamischem Wissen bewanderte muslimische Gemeinschaft leicht erkennen und zurückweisen. Daher erwies sich das Ausmaß der Hadithfälschung in dieser Phase nicht als eine nennenswerte Gefahr.
Doch später führten die von der schiitischen Gemeinschaft verfassten Hadithe zu einer ernsten Situation in der muslimischen Gesellschaft. Allerdings sorgte Allahs unermessliche Gnade in dieser Phase auf vortreffliche Weise für den Schutz des Glaubens und der Religion der Muslime. Die Kharidschiten, die Schiiten und andere fehlgeleitete und verderbte Gruppierungen dieser Art standen auf der einen Seite – ganz der Ausrottung des Islams gewidmet; auf der anderen Seite jedoch stand ihnen die fest gefügte muslimische Gesellschaft und die islamische Gemeinschaft wie eine uneinnehmbare Festung gegenüber. Die fehlgeleiteten Lehren und haltlosen Propaganda der Kharidschiten und Schiiten konnten sie nicht im Geringsten beeinflussen. Vielmehr hielten sie mit größter Standhaftigkeit am Koran und an den sahih Hadithen fest. Zugleich widmeten sie sich der umfassenden Vermittlung und Verbreitung der reinen und sahih Hadithe. Bis zu dieser Zeit lebte noch eine große Zahl von Sahaba, und bei ihnen befand sich eine gewaltige Gemeinschaft der von ihnen mit größter Sorgfalt ausgebildeten, in islamischem Wissen geschulten Tabi’un. Sie alle vereitelten gemeinsam sämtliche Versuche, Hadithe zu fälschen, zerrissen alle Netze der Verschwörungen, die im klaren islamischen Gesetz Verwirrung stiften wollten, und stellten die Lügen der Lügner eine nach der anderen in aller Öffentlichkeit klar heraus.
In dieser Zeit wurde die muslimische Gesellschaft bei der Annahme irgendeiner Aussage unter dem Namen „Hadith“ äußerst wachsam und aufmerksam. Sie war keineswegs bereit, eine Aussage allein deshalb als Hadith anzunehmen, weil sie über eine Überlieferungskette überliefert worden war. Vielmehr begann sie, die Überlieferungskette ihres Isnads zu überprüfen, und fing an, die Charaktereigenschaften, die Gottesfurcht, das Wissen und die Gedächtniskraft jeder darin erwähnten Person sowie die gegenseitigen Begegnungen der Überlieferer eingehend zu erforschen.
Imam Muslim zitiert in der Einleitung zu Sahih Muslim [Seite 11] folgende Aussage des Tabi’i Ibn Sirin:
******************************************************
Früher fragten die Muslime nicht nach der Überlieferungskette eines Hadith; als später jedoch Fitna und Unruhen aufkamen, begannen sie zu sagen: Nennt die Namen der Überlieferer. Von denjenigen unter ihnen, die Ahl as-Sunna angehören, werden Hadithe angenommen; die von den Anhängern der Bid’a überlieferten Hadithe werden hingegen zurückgewiesen.
Auf diese Weise erkundigten sich die Hadithgelehrten unter den Tabi’in bei den Sahaba nach den Überlieferern von Hadithen. Das grundlegende Ziel dieser Befragungen bestand darin, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden und nicht blind jede Aussage anzunehmen.
Zu dieser Zeit wurde die gesamte muslimische Gesellschaft in Bezug auf Hadithe äußerst streng und unnachgiebig. Wenn jemand, der Lügen verbreitete, in die Moschee kam und sich zu den Sahaba setzte, um Hadithe zu hören, tadelten ihn die Sahaba mit scharfen Worten und verwiesen ihn aus der Moschee. Oft wurde sogar die Polizei zu Hilfe genommen, um solche Leute hinauszutreiben.
Einmal kam ein Geschichtenerzähler und setzte sich zu Hadhrat Abdullah ibn Umar (r.a.). Dieser forderte ihn auf, aufzustehen und den Ort zu verlassen. Doch er weigerte sich aufzustehen und zu gehen. Daraufhin ließ Hadhrat Ibn Umar (r.a.) die Polizei rufen und ließ ihn mit ihrer Hilfe hinausweisen.
In den Hadithbüchern finden sich viele Berichte über solche Vorfälle. Daraus geht hervor, dass die Personen, die in der Zeit der Sahaba und der Tabi’in Hadithe fälschten, in der Öffentlichkeit bekannt und identifiziert waren. Sie durchschauten deren satanische Machenschaften, sodass die Allgemeinheit niemals in das Netz ihrer Irreführung geriet.
Die Hadithgelehrten jener Zeit begnügten sich nicht damit, das Verschwörungsnetz der Lügner und Hadithfälscher zu zerreißen; vielmehr zeigt die vorangegangene Erörterung dieses Buches, dass sie sich damals zugleich auch der Sammlung und Zusammenstellung der Sahih-Hadithe aus zuverlässigen Quellen voll und ganz widmeten.
Nicht nur das; in dieser Zeit wurden auch feste Maßstäbe für die Kritik, die Überprüfung und die Prüfung eines jeden Hadith festgelegt, bevor er angenommen wurde. Dadurch entstand die Wissenschaft der Hadithkritik.
Die Entstehung der Wissenschaft der Hadithkritik
Zu dem Zweck, der oben erörterten Fälschung von Hadithen entgegenzuwirken, wurde eine eigenständige Hadithwissenschaft geschaffen. Sie wird (******************************************************
) „das Wissen um die Fälschung von Hadithen“ genannt. Zur Definition dieses Wissens schrieb Nawab Siddiq Hasan:
******************************************************
Das Wissen über die Fälschung von Hadithen ist eine Wissenschaft, durch die man erkennen und unterscheiden kann, welcher Hadith gefälscht und welcher nachgewiesen und authentisch ist; durch sie kann man auch den Zustand des Fälschers erkennen, nämlich ob er ihn als Wahrheit oder als Lüge vorgetragen hat. Ziel dieses besonderen Wissens ist es, die Fähigkeit und Befähigung zu erwerben, zwischen wahren und falschen Hadithen sowie zwischen wahrhaftigen und lügnerischen Überlieferern zu unterscheiden. Zweck und Nutzen dieses Wissens bestehen darin, dass man sich mithilfe dessen vor solchen falschen und gefälschten Hadithen schützen kann. Oder man kann zugleich mit der Überlieferung eines Hadith erklären, dass er gefälscht ist. Im Hinblick auf die Hadithe ist dies ein äußerst notwendiges und erforderliches Wissen. Denn der edle Prophet (S) sagte: „Wer mir eine Lüge zuschreibt, soll sich seine Herberge in der Hölle bereiten.“[********************]
Durch die Entstehung eines solchen Wissens wurde es möglich, die muslimische Gesellschaft vor allen Arten gefälschter Hadithe zu bewahren. In dieser Phase stellten die auf dem Gebiet der Hadithkenntnis bewanderten Gelehrten eine beispiellose, höchst notwendige und erstaunliche Geisteskraft unter Beweis. Die Gelehrten formulierten zahlreiche grundlegende (theoretische) Regeln und Grundsätze, anhand derer sich mawduʿ- oder gefälschte Hadithe sehr leicht erkennen lassen. Deshalb bestimmten und kennzeichneten sie bestimmte Merkmale. Bei allen Hadithen, in denen diese Merkmale festzustellen sind, besteht kein Raum mehr für Zweifel daran, dass sie gefälscht sind.
Der zweite Weg ist der praktische – der anwendungsbezogene und konkrete: In dieser Phase legten sie der Öffentlichkeit ausführliche Angaben über die Personen vor, die an die Fälschung von Hadithen gewöhnt waren. Sie machten diese Personen der Bevölkerung ausführlich bekannt und legten allen auch die von ihnen frei erfundenen und als angebliche Hadithe verbreiteten „Hadithe“ vor.
Die Gelehrten verfassten in dieser Phase zahlreiche wertvolle Werke. Diese Werke sind unter dem Namen „Kitab al-Mawduʿat“ bekannt. Einerseits wurden die authentischen Hadithe des ehrwürdigen Gesandten (S) in Hadith-Werken verschiedener Arten – etwa Sahih, Jamiʿ, Sunan und Musnad – zusammengestellt und systematisch gesammelt; andererseits wurden die falschen und erfundenen Hadithe den Hadith-Gelehrten klar erkennbar. Dadurch wurde es sehr leicht, die echten Hadithe und ihren Rang zu erkennen und zu unterscheiden, ob ein Hadith sahih, hasan, daʿif oder mawduʿ ist. Dieser Beitrag der Hadith-Wissenschaftler wird in der Geschichte der islamischen Gelehrsamkeit für immer in hellem Glanz fortbestehen.
Einige Merkmale gefälschter Hadithe
Wie ich bereits gesagt habe, legten die Gelehrten zur Erkennung gefälschter Hadithe Regeln fest, die tatsächlich unfehlbar und in jeder Hinsicht zuverlässig sind. Denn in ihnen waren ein fundiertes und scharfsinniges Wissen sowie eine außerordentliche Begabung für die Kritik, Prüfung und Verifizierung von Hadithen in vollem Maße vorhanden. Hier führen wir einige dieser Regeln an:
1. Bei einem Überlieferer eines gefälschten Hadiths zeigen sich Merkmale, aufgrund derer sich leicht erkennen lässt, dass der Überlieferer eine völlig erfundene Lüge verfasst und sie als Hadith des Gesandten ausgegeben hat.
Hier soll versucht werden, die Sache durch die Anführung von zwei Beispielen gefälschter Hadithe zu verdeutlichen:
(a) Sain ibn Umar at-Tamimi berichtet: Ich war bei Sayad ibn Djarif. In diesem Augenblick kam sein Sohn weinend mit einem Buch in der Hand herein. Er fragte: „Was ist mit dir geschehen?“ Der Sohn antwortete: „Der Lehrer hat mich geschlagen.“ Darauf sagte er: „Heute werde ich ihn gewiss bloßstellen.“ Ikrima überlieferte von Ibn Abbas die folgende Aussage des Gesandten:
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Die Lehrer eurer Knaben sind unter euch die schlimmsten Menschen; gegenüber den Waisenkindern sind sie sehr wenig barmherzig und gegenüber den Bedürftigen äußerst hart.
(b) Jemand fragte Ma’mun ibn Ahmad al-Harawi: „Was denkst du über asch-Schafi’i und seine khurasanischen Anhänger?“ Vom edlen Propheten (s) wird überliefert:
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„In meiner Umma wird es einen Mann geben, dessen Name Muhammad ibn Idris sein wird. Er wird meiner Umma schädlicher sein als Iblis. Und in meiner Umma wird es noch einen anderen Mann geben, dessen Name Abu Hanifa sein wird; er wird für meine Umma wie eine Lampe sein.“
Es ist überhaupt nicht schwer zu erkennen, dass der Überlieferer dieser beiden Hadithe, von Eigeninteresse und Neid getrieben, eine Lüge im Namen des Gesandten als Hadith ausgegeben und verbreitet hat.
2. In dem überlieferten Hadith finden sich Merkmale, die unzweifelhaft beweisen, dass der Hadith gefälscht ist. Dazu gehört etwa, dass im eigentlichen Wortlaut des Hadiths ein Ausdruck vorkommt, dessen Bedeutung äußerst lächerlich ist oder bei dem sowohl Ausdruck als auch Bedeutung voller Geschwätz sind. Allgemein kann man nicht sagen, dass ein Hadith bereits deshalb gefälscht ist, weil lediglich sein Wortlaut lächerlich klingt. Denn möglicherweise ist der Hadith seinem eigentlichen Sinn nach sahih, doch ein späterer Überlieferer hat eine gewisse Änderung am Wortlaut vorgenommen und nach eigenem Belieben einen Ausdruck eingefügt. Ursprünglich kann der Hadith jedoch vom edlen Gesandten (s) überliefert worden sein. Wenn der Überlieferer allerdings behauptet, Sprache und sämtliche Ausdrücke des Hadiths seien vom edlen Gesandten (s) überliefert, bleibt keine andere Möglichkeit, als ihn einen Lügner zu nennen. Denn der edle Prophet (s) war unter den Arabern äußerst sprachgewandt und wohlberedet. Unter solchen Umständen ist jedes Wort des Hadiths, das lächerlich oder seicht klingt, zweifellos gefälscht und unwahr.[********************]
Ein gefälschter Hadith mit einer lächerlichen Bedeutung lautet wie folgt:
******************************************************
„Beschimpft den Hahn nicht, denn er ist mein Freund.“[Obwohl dieser gesamte Hadith gefälscht ist, stammt sein erster Teil tatsächlich vom Gesandten. Abu Dawud hat ihn mit einer guten Überlieferungskette in folgendem Wortlaut überliefert: ******************** Beschimpft den Hahn nicht, denn er weckt zum Gebet. ********************]
Wer könnte nicht verstehen, dass dies kein Wort des edlen Propheten (s) sein kann?
3. Ein Zeichen dafür, dass ein Hadith gefälscht ist, besteht darin, dass er dem natürlichen Verstand und der Vernunft widerspricht. Wenn ein Hadith dem natürlichen Verstand und der Vernunft widerspricht und ihm keine akzeptable Bedeutung gegeben werden kann oder wenn er den allgemeinen Empfindungen und Beobachtungen widerspricht, wird auch er als gefälscht erwiesen. Dazu gehört etwa die Mitteilung, dass zwei entgegengesetzte Dinge miteinander vereint worden seien, oder eine Aussage, die den Schöpfer leugnet. Denn keine Vorschrift der Scharia kann dem natürlichen und gesunden Verstand widersprechen.
Ein gefälschter Hadith lautet folgendermaßen:
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Allah erschuf ein Pferd. Er ließ es laufen, woraufhin es stark schwitzte. Danach erschuf Er sich selbst aus ihm.
Kann ein vernünftiger Mensch überhaupt eine derart lächerliche Aussage machen?
Der zweite lautet folgendermaßen:
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„Die Aubergine ist ein Heilmittel gegen alle Arten von Krankheiten.“
Dies ist eine völlig nichtige und unbegründete Aussage. Denn durch Beobachtung ist nachgewiesen worden, dass Auberginen die Krankheit verschlimmern und ihren Verlauf erschweren. Sobald man diesen Hadith (?) hört, sagt der gesunde Menschenverstand, dass er falsch ist.[********************]
4. Wenn ein Hadith den eindeutigen Bestimmungen des Korans, einem mutawatir-Hadith oder einem unbestreitbaren Konsens widerspricht, muss er als gefälscht oder mawdu betrachtet werden.[********************]
Aus diesem Grund sind diejenigen Hadithe, in denen die verbleibende Lebensdauer der Welt auf siebentausend Jahre festgelegt wird, für falsch erklärt worden. Denn dies widerspricht dem folgenden Vers des Korans. Allah, der Erhabene, hat gesagt:
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O Prophet! Die Menschen fragen dich, wann die Stunde eintreten wird. Sag: Das Wissen darüber liegt allein bei meinem Allah; Er wird sie zu ihrer festgesetzten Zeit enthüllen.[********************]
Der Hadith-Gelehrte hat den nachstehend angeführten Hadith für nichtig und mawdu erklärt.[********************]
******************************************************
Ein uneheliches Kind kann nicht ins Paradies eintreten.
Denn dies widerspricht der folgenden eindeutigen Erklärung des Korans. Allah hat gesagt:
******************************************************
Kein Lasttragender wird die Last eines anderen (an Sünde) tragen.[********************]
Ebenso sind jene „Hadithe“, die den Sinn vermitteln, dass jemand, der Ahmad oder Muhammad heißt, niemals in die Hölle kommen werde. Denn es ist allgemein bekannt, dass allein ein Name, Spitzname oder Ehrentitel niemals die Anforderungen der Befolgung der Religion erfüllen kann. Daher kann niemand allein durch einen Namen, Spitznamen oder Ehrentitel der Hölle entkommen. Der einzige Weg, dadurch gerettet zu werden, besteht in „ʿAmal aṣ-Ṣāliḥ“ – guten Taten.
5. Bei Hadithen, in denen ein Ereignis erwähnt wird, das in Gegenwart einer sehr großen Zahl von Gefährten stattfand, das aber weder zu Lebzeiten der Gefährten weite Verbreitung fand noch von irgendjemandem außer einer kleinen Anzahl von Menschen überliefert wurde, besteht kein Zweifel daran, dass ein solcher Hadith erfunden ist. Auch die folgende Behauptung einer Gruppe von Schiiten gehört zu dieser Kategorie erfundener Hadithe:
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Bei der Rückkehr von der Abschiedswallfahrt habe der ehrwürdige Prophet (s) in Gegenwart von mehr als einhunderttausend Gefährten in Ghadīr Chumm Hazrat Ali (r.a.) das Kalifat übertragen.
Es wird behauptet, dass der hochverehrte Prophet (S) Ḥadrat ʿAlī (R) in Gegenwart einer gewaltigen Zahl von Gefährten – mehr als hunderttausend – das Kalifat übertragen habe; doch im Allgemeinen hätten die Gefährten dem keinerlei Bedeutung beigemessen, und als nach dem Tod des hochverehrten Propheten ein Kalif bestimmt werden sollte, sei keinem einzigen Gefährten diese Angelegenheit in den Sinn gekommen – ein unmögliches Vorkommnis. Daher ist dies vollständig frei erfunden.
6. Wenn in einem Hadith etwas erwähnt wird, das der allgemeinen Vernunft und dem gesunden Menschenverstand widerspricht, ist er als gefälscht anzusehen. So wird etwa in einem als Hadith bekannten Ausspruch zitiert:
******************************************************
Weder ist die Unterdrückung durch die Türken gut, noch die Gerechtigkeit der Araber.
Denn gewaltsame Unterdrückung ist im Allgemeinen verwerflich, ebenso wie Gerechtigkeit unter allen Umständen lobenswert ist.
7. Wenn der Überlieferer eines Hadiths der rafiditischen Lehre anhängt und in dem Hadith die Vorzüge der Angehörigen der Familie des Gesandten geschildert werden, ist zu verstehen, dass er gefälscht ist. Denn die Anhänger der rafiditischen Lehre sind im Allgemeinen daran gewöhnt, aus grundloser Verherrlichung der Angehörigen der Familie des Gesandten derartige Aussagen in dessen Namen in Umlauf zu bringen und Beschimpfungen sowie üble Nachrede über die Gefährten zu verbreiten. Insbesondere hegen sie regelrechten Hass gegen die ersten beiden Kalifen und betrachten sie als diejenigen, die Ḥadrat ʿAlī sein Recht auf das Kalifat entzogen hätten.
8. Wenn das in einem Hadith erwähnte Ereignis im Widerspruch zu einer authentischen, zuverlässigen und belegten Geschichtsschreibung steht, ist zu verstehen, dass er zweifellos gefälscht ist. So heißt es in einem Hadith, die Dschizya sei den Bewohnern von Chaibar aufgrund des Märtyrertodes von Ḥadrat Saʿd ibn Muʿādh erlassen worden. Dies widerspricht der tatsächlichen Geschichte. Denn Ḥadrat Saʿd war in der Schlacht am Graben als Märtyrer gefallen, und dieses Ereignis hatte vor der Schlacht von Chaibar stattgefunden. Zweitens war die Dschizya zur Zeit der Schlacht von Chaibar noch nicht gesetzlich vorgeschrieben; vielmehr war sie den Gefährten vor der Schlacht von Tabūk völlig unbekannt. Drittens wird darin gesagt, dass Muʿāwiya ibn Abū Sufyān dies geschrieben habe. Muʿāwiya hatte jedoch erst zur Zeit der Eroberung von Mekka den Islam angenommen. Zur Zeit der Schlacht von Chaibar war er noch gar kein Muslim.
9. Wenn jemand behauptet, ein höheres Alter als die von Allah festgelegte gewöhnliche Lebensspanne erreicht zu haben, und verbreitet, er habe eine Person getroffen, die in längst vergangener Zeit gelebt habe, ist zu verstehen, dass dies eine vollständige Lüge ist. So behauptete Ratánhindīs, er habe den hochverehrten Propheten (S) getroffen. Dabei lebte diese Person im sechsten Jahrhundert der Hidschra. Die Vorstellung unwissender Menschen ist, dass diese Person mit dem hochverehrten Propheten zusammengetroffen sei, von ihm Hadithe gehört habe und der Gesandte für ein langes Leben für ihn gebetet habe. Eine solche Behauptung ist in Wirklichkeit völlig unbegründet, denn die meisten Gefährten, die den hochverehrten Propheten (S) getroffen hatten, waren bereits vor dem Jahr 59 der Hidschra verstorben. Damals war nur noch Ḥadrat Abū at-Tufail am Leben. Als auch er starb, weinten die Menschen und sagten:
******************************************************
Unter denjenigen, die den ehrwürdigen Propheten getroffen haben, ist er der Letzte.
10. Auch die Behauptung, die Sufis hätten vom Gesandten Hadithe durch Kashf oder im Traum empfangen, ohne eine fortlaufende Überlieferungskette, ist völlig falsch und jeder Grundlage entbehrend. Alle Gelehrten des Islams sind sich in dieser Angelegenheit völlig einig, dass durch Träume oder Kashf keine Wahrheit der Scharia bewiesen werden kann. Denn dies ist überhaupt nicht zuverlässig. Vielmehr handelt es sich dabei lediglich um eine unbegründete Übertreibung hinsichtlich der grundlegenden Bestimmungen der Scharia. Außer dem Koran und den durch fortlaufende und authentische Überlieferungsketten überlieferten Hadithen gibt es keine dritte Grundlage der Scharia; selbst wenn jemand glaubt, es gebe eine solche, ist sie falsch und zurückzuweisen.[Diese ausführliche Erörterung bis zu diesem Punkt wurde den Seiten 479–485 des Werkes ******************** entnommen, und ******************** wurde als Hilfsquelle herangezogen.]
Die Methode der Hadith-Kritik
Bei der Erörterung der Entstehung der Wissenschaft der Hadith-Kritik haben wir verschiedene Methoden zur Erkennung gefälschter Hadithe erwähnt. Angesichts dieser Situation der Hadith-Fälschung entstand ein dringendes Bedürfnis, die Hadithe anhand feiner und unumstößlicher Maßstäbe zu prüfen und eindeutig festzustellen, welcher gefälscht und welcher authentisch ist. Zu diesem Zweck begann man in großem Umfang, die Überlieferungskette jedes einzelnen Hadiths, jede mit der Kette verbundene Person, ihre gegenseitigen Begegnungen, die Umstände des Hörens und Empfangens des Hadiths, seine ursprüngliche Quelle und dergleichen bis ins Kleinste zu erforschen. Zu dieser Zeit beschlossen die Fachleute der muslimischen Gemeinschaft im Konsens, dass ausschließlich authentische und fehlerfreie Hadithe angenommen werden sollten und kein anderer „Hadith“ angenommen werden sollte. Denn die Annahme eines Hadiths und das Handeln danach sind erst dann möglich, wenn bewiesen ist, dass es sich tatsächlich um ein Wort des Gesandten handelt und keinerlei Zweifel daran besteht, dass es ein Hadith ist. Dieser Beweis für einen Hadith beruht auf der Authentizität seiner Überlieferungskette oder seines Isnads, auf der Vertrauenswürdigkeit jedes in der Kette genannten Überlieferers und darauf, dass keiner von ihnen durch die Schläge der Kritik als „verwundet“ befunden worden ist. Wenn die Überlieferungskette eines Hadiths diese Prüfungen bestanden hat, müssen in der zweiten Stufe die eigenen Eigenschaften des eigentlichen Hadiths geprüft und untersucht werden: die Richtigkeit und Glaubwürdigkeit seines Inhalts. In der Terminologie der Hadith-Wissenschaft wird die erste Methode die Prüfung der „Riwaya“ genannt. Die zweite wird Diraya genannt – die Prüfung des eigentlichen Inhalts am Maßstab der Vernunft und des gesunden Gewissens.
Die Prüfung der Überlieferungskette
Die Prüfung der Wahrheit oder Unwahrheit eines Hadiths unter dem Gesichtspunkt seiner Überlieferungskette ist eine besondere Wissenschaft. Die Fachgelehrten haben sie in folgenden Worten definiert:
******************************************************
Diese Wissenschaft beruht darauf, die Überlieferungskette der Aussagen, Handlungen, Billigungen, Zustimmungen oder Eigenschaften, die vom ehrwürdigen Gesandten, den Gefährten und den Tābiʿūn überliefert werden, äußerst sorgfältig zu prüfen und zu beurteilen.[********************]
Um festzustellen, ob ein Hadith annehmbar ist, muss zunächst seine Überlieferungskette überprüft werden. In diesem Stadium ist es unerlässlich, jeden Hadith-Überlieferer unter verschiedenen Gesichtspunkten zu untersuchen. Was für ein Mensch ist der Überlieferer, und welchen Charakter hat er? Wie umfassend beherrscht er das islamische Wissen und die islamische Gelehrsamkeit? Wie scharf und entwickelt sind sein Verstand und seine Auffassungsgabe, und wie sind seine Begabung und sein Gedächtnis? Sind seine ʿAqīda, sein Glaube, sein Denken und seine Lehrmeinung richtig und mit dem Islam vereinbar, oder gehört er etwa zu den Anhängern von Neuerungen? Verfügt er über einen gesunden Verstand und eine gesunde Denkfähigkeit, oder leidet er etwa an einer geistigen Krankheit? Ist er daran gewöhnt, die Wahrheit genau so wiederzugeben, wie sie ist, oder sagt er gelegentlich auch Unwahres? Ist er rechtschaffen und charakterfest, oder ist er charakterlos und zu Schandtaten geneigt? Solche Fragen stehen in der Wissenschaft der Kritik an jedem Hadith-Überlieferer im Mittelpunkt. Darüber hinaus ist zu klären, wo und bei wem er den Hadith gehört und gelernt hat. Ob er die Person, von der er den Hadith überliefert, tatsächlich getroffen hat, und, falls dies der Fall war, wo und wann die Begegnung stattfand und wie alt er damals war – all diese Fragen müssen bis ins kleinste Detail geprüft werden.
In Wirklichkeit handelt es sich hierbei um eine besondere Wissenschaft, die man nennt: ******************** Im Zusammenhang mit ihrer Definition heißt es:
******************************************************
Es handelt sich um eine Wissenschaft, in der die Hadith-Überlieferer mit bestimmten Fachausdrücken kritisiert und beurteilt werden und zwischen ihnen eine ausgewogene Beurteilung vorgenommen wird.
Daher ist es unerlässlich, tiefgehende und genaue Kenntnisse über die ausführlichen Lebensläufe jedes einzelnen Hadith-Überlieferers zu erwerben. Dieses Wissen nennt man:
******************************************************
Die Wissenschaft und das Wissen über die Namen und die Identität der Menschen.
Dies wurde wie folgt erläutert:
******************************************************
Das heißt: die Kenntnis der im Hadith-Isnad erwähnten Sahāba, Tābiʿūn und aller Überlieferer. Denn diese Kenntnis bildet die Hälfte der Hadith-Wissenschaft.
Über die Notwendigkeit dieser Wissenschaft sagte Sufyān ath-Thaurī:
******************************************************
Die Kenntnis der Überlieferungskette und der mit ihr verbundenen Fragen ist eine besondere Waffe der Gläubigen; wenn er aber keine Waffe besitzt, womit soll er dann kämpfen (sich dem Gegner entgegenstellen)?
Imam asch-Schāfiʿī sagte:
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Wer Hadithe ohne Kenntnis der Überlieferungskette und des damit verbundenen Wissens sucht und annimmt, gleicht einem Holzsammler in der Dunkelheit der Nacht. Er trägt ein Bündel Holz, in dem sich jedoch eine Giftschlange befindet. Sie beißt ihn, aber er bemerkt es überhaupt nicht.
Die kritische Prüfung und Untersuchung der Überlieferer von Hadithen auf allen Ebenen und in allen Rängen sowie die angemessene Würdigung der Vertrauenswürdigen unter ihnen ist im Islam eine äußerst wichtige Aufgabe. Allah, der Erhabene, hat in klaren Worten geboten:
******************************************************
O ihr, die ihr glaubt! Wenn ein Frevler euch eine Nachricht überbringt, dann überprüft ihre Wahrheit. Andernfalls könntet ihr aus Unwissenheit ein Volk ins Unglück stürzen und es anschließend bereuen.
Gerade aufgrund dieser eindeutigen Anweisung übten die ehrwürdigen Gefährten besondere Strenge und Vorsicht bei der Annahme jeder Aussage oder jedes Hadiths. Sie waren nicht bereit, die Aussage oder den Hadith irgendeiner Person ohne unumstößliche Argumente sowie Beweise und Zeugenaussagen anzunehmen. Später legte dies im Bereich der Hadithwissenschaft den Grundstein für die Entstehung der „Wissenschaft der Hadithkritik“. Aus diesem Grund wurde das „Wissen über die Namen der Überlieferer“ verfasst. Diese Wissenschaft ist unerlässlich, um zu entscheiden, welcher Hadith annehmbar ist. Darüber heißt es:
******************************************************
Dass über die kritische Beurteilung und die angemessene Würdigung jedes Hadithüberlieferers gesprochen wurde, ist vom ehrwürdigen Gesandten, von zahlreichen Gefährten und von den Tabi’un überliefert. Auch nach ihnen wurde diese Tätigkeit fortgesetzt. Sie alle hielten sie für rechtmäßig, um die Scharia des Islam vor dem verderblichen Zugriff von Falschheit und Fälschung zu bewahren, nicht aber, um Menschen bloß zu verletzen oder ihnen Schuld nachzuweisen.
Muhammad ibn Sirin, ein Tabi’i, sagte:
******************************************************
Wisset gewiss: Dieses Wissen gehört zu den grundlegenden Angelegenheiten der Religion des Islam. Daher sollt ihr unbedingt sorgfältig prüfen, von wem ihr die Religion annehmt.
Im Zusammenhang mit der Darstellung der Entstehungsgeschichte der Hadithkritik sagte er ferner:
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Früher pflegten die Menschen nicht nach der Überlieferungskette der Hadithe und nach der Identität der Überlieferer zu fragen. Als jedoch die Fitna begann, sagten sie: „Nennt uns die Namen und die Identität eurer Überlieferer.“ Wenn sie zu den Menschen gehörten, die an den echten Hadithen festhielten, wurden die von ihnen überlieferten Hadithe angenommen; gehörten sie jedoch zu den Anhängern von Neuerungen, wurden die von ihnen überlieferten Hadithe nicht angenommen.
Über dieses für die Überprüfung der Hadithe notwendige Wissen – das „ʿIlm asmāʾ ar-rijāl“ – sagte der berühmte Orientalist Dr. Springer:
Nie hat es auf der Welt ein anderes Volk gegeben, das eine derart umfassende und gewaltige Wissenschaft der Biografien wie die muslimische Wissenschaft der Asmāʾ ar-Rijāl hervorgebracht hätte; auch heute gibt es auf der Welt kein anderes Volk, das über eine solche Wissenschaft verfügt. Mithilfe dieser Wissenschaft können heute die ausführlichen Lebensgeschichten von fünfhunderttausend Hadithüberlieferern ordnungsgemäß und zuverlässig nachvollzogen werden. Vorwort zur englischen Übersetzung des Werkes (gedruckt in Kalkutta im Jahr 1853).
Bei der Hadithkritik gingen die Hadithwissenschaftler mit äußerster Sorgfalt vor. Wenn ein gedächtnisstarker Mensch im Alter von sechzig Jahren sein Gedächtnis verlor und von Vergesslichkeit befallen wurde, wurde in seiner Biografie ausdrücklich vermerkt: „Dieser Mann verfügte in der ersten Hälfte seines Lebens über ein gutes Gedächtnis; doch im Alter von sechzig Jahren ist sein Gedächtnis erloschen. Daher können nur jene Hadithe angenommen werden, die er überlieferte, solange sein Gedächtnis noch intakt war; kein Hadith, den er nach diesem Unglücksfall überlieferte, kann von ihm angenommen werden.“ Bei der Abfassung dieser biografischen Werke zeigten die Verfasser keine schwerwiegenden Fehler wie Parteilichkeit, Feindschaft oder Abneigung, eine grundlose Neigung zu einer bestimmten Person oder übermäßiges Lob für jemanden. Bei jeder Person analysierten sie die tatsächlichen Ereignisse auf der Grundlage der vollständigen Wahrheit. Ihr Blick war völlig unparteiisch und frei von jeder Befangenheit. Jedem gaben sie genau den Rang und die Stellung, die ihm zukamen, und zeigten dabei keinerlei Geiz oder Engstirnigkeit. Bei jeder Person analysierten sie die tatsächlichen Ereignisse auf der Grundlage der vollständigen Wahrheit. Ihr Blick war völlig unparteiisch und frei von jeder Befangenheit. Jedem gaben sie genau den Rang und die Stellung, die ihm zukamen, und zeigten dabei keinerlei Geiz oder Engstirnigkeit.
Um eine klare Vorstellung von der Methode der Hadith-Kritik zu vermitteln, werden hier beispielhaft einige Aussagen angeführt. (Eine grundsätzliche Erörterung ist allerdings bereits zuvor erfolgt.)
Der Muhaddith Scheich Abdullah ibn Mubarak lobte bei der Erörterung von Scheich Ubad ibn Kathir dessen Gottesfurcht und Frömmigkeit in höchsten Tönen, erklärte jedoch, dass die von ihm überlieferten Hadithe aus moralischen Gründen nicht angenommen werden könnten.
Ein Mann trug Imam Abdullah ibn Hakim einen Hadith vor. Der Imam fragte ihn: „Von wem und wann hast du diesen Hadith gehört?“ Er antwortete: „Ich habe diesen Hadith von Abd ibn Humayd in einem bestimmten Jahr gehört.“
Darauf wandte sich Imam Abdullah an die vor ihm versammelten Schüler und sagte: „Seht, nach Aussage dieses Mannes hat Abd ibn Humayd ihm den Hadith sieben Jahre nach seinem Tod überliefert.“
Denn Abd ibn Humayd war bereits sieben Jahre vor dem Jahr verstorben, das jener Mann als Zeitpunkt seines Hörens eines Hadith von Abd ibn Humayd angegeben hatte. Das heißt, die Behauptung dieses Mannes, er habe von ihm einen Hadith gehört, ist völlig falsch, und der Hadith ist nicht annehmbar.
Die Juden legten dem muslimischen Kalifen ein vom Gesandten verfasstes Dokument vor und forderten, dass die ihnen auferlegte Dschizya erlassen werde. In dem Dokument stand, dass die Dschizya der jüdischen Bewohner von Chaibar erlassen worden sei. Für den Kalifen und die Verwalter gab es keine andere Möglichkeit, als dies demütig anzunehmen und die Dschizya der Juden aufzuheben. Als jedoch die Hadith-Gelehrten das Dokument lasen, stellten sie fest, dass darin das Zeugnis von Saad ibn Muadh angeführt wurde. Dieser war jedoch bereits vor dem Feldzug von Chaibar verstorben.
Zweitens war in diesem Dokument Muawiya ibn Abu Sufyan als Verfasser genannt, obwohl allgemein bekannt ist, dass Muawiya bis zum Feldzug von Chaibar den Islam noch nicht angenommen hatte.
Drittens war zu dem in jenem Dokument genannten Zeitpunkt das göttliche Gebot über die Dschizya noch gar nicht offenbart worden; es wurde erst lange danach offenbart. Viertens folgt aus diesem Dokument lediglich, dass denjenigen Juden die Dschizya erlassen wurde, die ihre Feindschaft gegenüber dem Islam aufgegeben und dem Islam ihre Ergebenheit gezeigt hatten. Bei jenen hingegen, die von Feindschaft gegenüber dem Islam erfüllt waren, konnte von einem Erlass der Dschizya überhaupt keine Rede sein.
Die Hadith-Gelehrten erklärten auf der Grundlage dieser schlüssigen Beweise, dass dieses Dokument vollständig gefälscht sei. Daher sei es zurückzuweisen.
Dies sind nur einige Beispiele für die praktische Arbeit der Hadithkritik. Auf dem Prüfstein einer solchen Kritik und Überprüfung unterzogen die Hadithwissenschaftler jeden einzelnen Hadith der Kritik, Überprüfung und Prüfung. Die Vollendung dieses gewaltigen und großartigen Werkes wurde ausschließlich durch die Wissenschaft der „Asma ar-Rijal“ ermöglicht. Ihre Grundlage ist auf dem zuvor erwähnten Vers des ehrwürdigen Qur’an errichtet. Die ehrwürdigen Gefährten folgten ihr vollständig. Später unterschieden die Hadith-Gelehrten mithilfe dieses Maßstabs zwischen authentischen und falschen Hadithen.
Die Namen derjenigen, die in den verschiedenen Phasen der Hadithkritik in irgendeiner Weise tätig waren, werden im Folgenden der Reihe nach aufgeführt:
Zur Zeit der Gefährten: 1. Hazrat Abdullah ibn Abbas (gest. 68 n. H.), 2. Ubada ibn as-Samit (gest. 34 n. H.), 3. Anas ibn Malik (gest. 93 n. H.).
Zur Zeit der Tabi’un: Amir asch-Scha’bi (gest. 104 n. H.), Ibn Sirin (gest. 160 n. H.), Sa’id ibn al-Musayyab (gest. 93 n. H.).
Zu den bedeutenden Persönlichkeiten des zweiten Jahrhunderts gehörten Imam Schu’ba (gest. 160 n. H.), Anas ibn Malik (gest. 179 n. H.), Ma’mar (gest. 153 n. H.), Hischam ad-Dastawa’i (gest. 154 n. H.), Imam al-Auza’i (gest. 156 n. H.), Sufyan ath-Thauri (gest. 161 n. H.), Ibn al-Madschischun (gest. 163 n. H.), Hammad ibn Salama (gest. 167 n. H.) und al-Laith ibn Sa’d (gest. 175 n. H.).
In der darauffolgenden Phase waren Abdullah ibn al-Mubarak (gest. 181 n. H.), Huschaim ibn Baschir (gest. 188 n. H.), Abu Ishaq al-Fazari (gest. 185 n. H.), al-Mu’afi ibn Imran al-Musili (gest. 185 n. H.), Bischr ibn al-Mufaddal (gest. 196 n. H.) und Ibn Ujaina (gest. 197 n. H.) bedeutende Persönlichkeiten. In ihrer Phase waren Ibn Ulaiya (gest. 193 n. H.), Ibn Wahb (gest. 197 n. H.) und Uqait ibn al-Dscharrah (gest. 197 n. H.) von Bedeutung.
In dieser Zeit traten zwei außergewöhnlich begabte Persönlichkeiten hervor. Es waren Yahya ibn Sa’id al-Qattan (gest. 189 n. H.) und Abdurrahman ibn Mahdi (gest. 198 n. H.).
Die danach erwähnenswerten Personen sind: Yazid ibn Harun (gest. 206 n. H.), Abu Dawud at-Tayalisi (gest. 204 n. H.), Abd ar-Razzaq ibn Hammam (gest. 211 n. H.) und Asim Nabil ibn Machlad (gest. 212 n. H.).
Danach sind die Verfasser von Werken über die Wissenschaft der Kritik erwähnenswert. In dieser Phase sind vor allem folgende Personen hervorzuheben: Yahya ibn Ma’in (gest. 233 n. H.), Ahmad ibn Hanbal (gest. 241 n. H.), Muhammad ibn Sa’d (gest. 230 n. H.), Abu Chaythama Zubayr ibn Harb (gest. 234 n. H.), Abu Dscha’far Abdallah ibn Muhammad Nabil, Ali ibn al-Madini (gest. 234 n. H.), Muhammad ibn Abdallah Numayr (gest. 234 n. H.), Abu Bakr ibn Abi Schayba (gest. 235 n. H.), Abdallah ibn Amr al-Qawariri (gest. 235 n. H.), Ishaq ibn Rahwayh, der Imam von Chorasan (gest. 237 n. H.), Abu Dscha’far Muhammad ibn Abdallah Ammar al-Musili (gest. 242 n. H.), Ahmad ibn Salih, der Hadith-Gelehrte Ägyptens (gest. 248 n. H.), und Harun ibn Abdallah al-Hammal (gest. 243 n. H.).
Danach sind Ishaq al-Kawsadsch (gest. 251 n. H.), Imam ad-Darimi (gest. 255 n. H.), Imam al-Buchari (gest. 256 n. H.), al-Hafiz al-Adschli, Imam Abu Zur’a (gest. 264 n. H.), Abu Hatim (gest. 277 n. H.), Imam Muslim (gest. 261 n. H.), Abu Dawud as-Sidschistani (gest. 275 n. H.), Baqi ibn Machlad (gest. 276 n. H.) und Abu Zur’a ad-Dimaschqi (gest. 281 n. H.) zu nennen.
Danach ist Abd ar-Rahman Yusuf al-Bagdadi erwähnenswert. Er verfasste auch ein Werk über die Hadith-Kritik. Ibrahim ibn Ishaq al-Harbi (gest. 285 n. H.), Muhammad ibn Adschdschah (gest. 289 n. H.), der Hadith-Gelehrte aus Córdoba, Abu Bakr ibn Abu Asim (gest. 287 n. H.), Abdallah ibn Ahmad (gest. 290 n. H.), Salih al-Dschazara (gest. 293 n. H.), Abu Bakr al-Bazzar (gest. 292 n. H.) und Muhammad ibn Nasr al-Marwazi (gest. 294 n. H.) sind in dieser Phase ebenfalls bedeutende Personen.
So traten in jeder Epoche Personen mit besonderer Sachkenntnis hervor, die die Hadithe einer Kritik unterzogen und ihre Authentizität überprüften. Daher konnte zu keiner Zeit ein gänzlich gefälschter und unwahrer Hadith unter dem Namen „Hadith“ bekannt werden, verbreitet werden und als Hadith Bestand haben. Dieser Zustand bestand von der Zeit der Gefährten bis zum achten Jahrhundert der Hidschra fort.
Von den in dieser Phase verfassten Werken werden hier einige bedeutende Werke kurz vorgestellt:
1. Die Tabaqat von Ibn Sa’d. Dies ist ein umfangreiches Werk, das in fünfzehn Bände gegliedert und abgeschlossen ist.
2. Imam as-Suyuti verfasste eine Kurzfassung dieses Werkes. Ihr Titel lautet –
******************************************************
3. Das von Imam al-Buchari verfasste at-Tarich al-Kabir, at-Tarich as-Saghir und at-Tarich al-Ausat.
4. Die von Ibn al-Madini verfasste Geschichte, abgeschlossen in zehn Bänden.
5. Das von Ibn Hibban verfasste *********************, abgeschlossen in zehn Bänden.
6. Kitab at-Takmil – verfasst von Imam Ibn Qasil. Vollständiger Name:
******************************************************
Zwei Methoden der Überlieferung von Hadithen
Für die Überlieferung von Hadithen vom edlen Propheten (s) gibt es zwei Methoden. Viele Hadithe wurden genau so überliefert, wie die aus dem Mund des edlen Propheten gesprochenen Worte lauteten – mit genau den Wörtern, mit denen er die Aussage formuliert hatte. Der Überlieferer nahm keinerlei Veränderung an ihrer Sprache oder ihren Wörtern vor. Eine solche Überlieferung wird Riwayat bil-lafz genannt – die wörtliche Überlieferung oder die Überlieferung mit den vom Gesandten verwendeten Wörtern und in seiner Sprache.
Wenn die ursprüngliche Aussage des Gesandten in eigenen Worten ausgedrückt und überliefert wird, nennt man diese Methode Riwayat bil-maʿna – die sinngemäße Überlieferung oder die Wiedergabe der Kernaussage in eigenen Worten. Dabei besteht jedoch die unerlässliche Bedingung, dass die anstelle der vom Gesandten verwendeten Wörter und Ausdrucksweise gebrauchten Wörter und Ausdrucksweise unbedingt den ursprünglichen Sinn und die ursprüngliche Bedeutung bewahren und zum Ausdruck bringen müssen. Das heißt, das, was der Gesandte sagen wollte, muss in eigenen Worten so wiedergegeben werden, dass die ursprüngliche Aussage genau zum Ausdruck kommt und im Herzen des Zuhörers eben jener Sinn und jene Bedeutung entstehen, die bei denjenigen entstanden waren, die sie als Erste vom Gesandten gehört hatten. Entsteht dabei irgendein Unterschied oder kommt es zu einer Verkürzung oder Erweiterung der ursprünglichen Aussage, kann die Pflicht der Überlieferung nicht ordnungsgemäß erfüllt werden.
Auch nach dieser letztgenannten Methode ist die Überlieferung der Hadithe des Gesandten vollkommen rechtmäßig. Nach Ansicht der meisten Muhaddithun sind die meisten der gegenwärtig überlieferten Hadithe auf diese Weise überliefert worden. Das heißt, die Aussage des Gesandten wurde in eigenen Worten wiedergegeben.
Ein Sahabi trug dem edlen Propheten (s) vor: „Wir hören Ihre Hadithe, sind aber nicht in der Lage, sie wortwörtlich wiederzugeben. Was sollen wir nun tun?“ Der edle Prophet (s) sagte: „Wenn ihr nicht das Erlaubte in Verbotenes und das Verbotene in Erlaubtes verwandelt, sondern lediglich die Kernaussage in eigenen Worten weitergebt, ist daran nichts auszusetzen.“
Klassifizierung der Hadith-Überlieferer
(nach qualitativen Gesichtspunkten)
Die Hadith-Überlieferer sind hinsichtlich ihrer Qualität in vier Klassen eingeteilt. Nach diesem Unterschied zwischen den Klassen werden Rang und Wert der von ihnen überlieferten Hadithe bestimmt.
Die Hadith-Überlieferer der ersten Klasse sind jene, die äußerst gottesfürchtig, der Scharia ergeben, mit einem scharfen Gedächtnis ausgestattet, in den verschiedenen Wissenschaften und Wissensgebieten des Islams bewandert, scharfsinnig, urteilsfähig, vollständige Bewahrer der auswendig gelernten Hadithe und Gegner der Bidʿa sind.
Die Überlieferer der zweiten Klasse sind jene, deren Eigenschaften in jeder Hinsicht denen der Überlieferer der ersten Klasse entsprechen. Nur hinsichtlich des Gedächtnisses stehen sie hinter der ersten Klasse zurück. In dieser Stufe findet man zwei Arten von Menschen. Die eine Art schrieb die Hadithe nieder und verließ sich daher nicht ausschließlich auf das Gedächtnis. Die zweite Art schrieb die Hadithe nicht nieder. Wenn sie daher bei der Überlieferung einzelne Wörter des ursprünglichen Hadiths vergessen hatten, verwendeten sie an deren Stelle sinngleiche Wörter.
Die Überlieferer der dritten Kategorie waren solche, die der Scharia folgten und fromm waren, jedoch hinsichtlich Wissen, Verstand, Auffassungsgabe und innerer Einsicht den Überlieferern der zweiten Kategorie nicht gleichkamen. Was ihnen im Gedächtnis bewahrt geblieben war, bildete ihr gesamtes Kapital; dem, was sie vergessen hatten, schenkten sie keine Beachtung. Die vergessenen Teile ergänzten sie mithilfe ihrer Vorstellungskraft.
Die Überlieferer der vierten Kategorie waren zwar Anhänger der islamischen Religion und Befolger der Scharia, doch hinsichtlich Urteilsvermögen und Weitblick waren sie rückständig. Sie hielten es für zulässig, Hadithe zu erfinden, um die Menschen zu ermahnen, ihnen die Hoffnung auf jenseitigen Frieden zu geben und sie vor der Strafe zu warnen. Diese Leute wiederum gliederten sich in vier Stufen. Zur ersten gehörten diejenigen, die nicht zögerten, Hadithe abzuändern oder neue Hadithe zu erfinden, um weltliches Ansehen und Ehre zu erlangen. Zur zweiten gehörten diejenigen, die zur Unterstützung ihrer Ansichten über Einzelheiten der Masā’il die von ihrem Lehrer eigenmächtig verwendeten Formulierungen in die Hadithe aufnahmen. Zur dritten gehörten diejenigen, die aufgrund ihres geringen Unterscheidungsvermögens die erklärenden Worte ihres Lehrers für einen Teil des eigentlichen Hadiths hielten. Die vierte Gruppe bildeten jene Feinde des Islams, die nicht im Geringsten davor zurückschreckten, Hadithe zu erfinden und zu verbreiten, um in der muslimischen Gemeinschaft Zwietracht, Spaltung und Streit zu schaffen und diese aus eigennützigen Absichten weiter anzufachen.[*********************]
Bedingungen für die Annahme von Hadithen
Um festzulegen, welche Arten von Hadithen angenommen werden können und welche nicht, und um in dieser Angelegenheit Entscheidungen zu treffen, haben die Imame der Hadith-Wissenschaft verschiedene Bedingungen bestimmt. Wie bereits erwähnt, sind sich alle Imame des Hadith darin völlig einig und fest entschlossen, dass außer den sahih Hadithen nichts angenommen werden darf. Doch darüber, aufgrund welcher Eigenschaften ein Hadith als „sahih Hadith“ bezeichnet werden kann, haben die einzelnen Imame des Hadith jeweils eigene Überlegungen und Forschungen angestellt. Da diese Forschung und Beschäftigung sowie die Entwicklung der Hadith-Wissenschaft jedoch weder zur gleichen Zeit noch in gemeinsamer Anwesenheit aller Muhaddithin stattfanden, sondern zu verschiedenen Zeiten in unterschiedlichen Stadien der fortschreitenden Entwicklung der Hadith-Wissenschaft durchgeführt wurden, kam es dabei in den verschiedenen Phasen zu Erweiterungen. Daher scheint es äußerlich, als bestünden diesbezüglich gewisse Meinungsverschiedenheiten. Hier führen wir die von verschiedenen Imamen festgelegten Bedingungen an.
Imam Aʿzam (r.)
Die von Imam Aʿzam Abū Hanīfa (r.) für die Authentizität eines Hadiths aufgestellten Bedingungen erscheinen im Vergleich zu den von anderen Muhaddithin aufgestellten Bedingungen äußerst streng. Tatsächlich war er in dieser Hinsicht von sehr strenger Natur. Scheich Uqai, ein Lehrer Imām Buchārīs, sagte: Wenn allgemein so strenge Bedingungen wie die des Imam Aʿzam auferlegt würden, bestünde die Gefahr, dass die Zahl der sahih Hadithe abnähme.[*********************]
Die Bedingungen von Imam Abū Hanīfa lauten wie folgt:
1. Der Hadith-Überlieferer muss unbedingt zur ersten Kategorie der Überlieferer gehören.
2. Die Überlieferung des Hadith muss wörtlich erfolgen, unter genauer Wiedergabe der vom Gesandten verwendeten Worte (*********************). Wird lediglich die Bedeutung des ursprünglichen Hadith oder eine sinngemäße Wiedergabe in eigenen Worten angeführt (*********************), so darf sie nicht angenommen werden.
3. Wenn diese Zuhörer den Hadith aus dem Mund des mit der lauten Verkündung in der Hadith-Unterrichtssitzung beauftragten Sprechers (*********************) gehört haben, dürfen sie den Hadith gegenüber späteren Überlieferern nicht mit den Worten ********************* (»Jemand hat mir den Hadith überliefert«) überliefern. (Andernfalls wird dieser Hadith nicht angenommen.)
4. Bei den Muhaddithen, bei denen der Hadith-Bestand schriftlich bewahrt ist, darf die mündliche Überlieferung angenommen werden, wenn ihnen jedes einzelne Wort des Hadith im Gedächtnis geblieben ist. Andernfalls muss der betreffende schriftlich aufgezeichnete Hadith vorgelegt werden, während sie ihn überliefern. (Wenn dies nicht geschehen ist, kann dieser Hadith nicht als annehmbar gelten.)
5. Bei den Hadithen, deren Bedeutung und Aussage bis zu diesem Zeitpunkt überliefert worden sind, ohne dass sie wörtlich überliefert wurden, kann der Hadith, sofern ihre Überlieferer in der Fiqh bewandert oder zumindest vertrauenswürdig, zuverlässig, wahrhaftig und umsichtig sind und ihre überlieferte Aussage auch unter dem Gesichtspunkt der Diraya fehlerfrei ist, als „Sahih-Hadith“ angenommen werden.
6. Wenn in Bezug auf alltägliche und gelegentliche Geschäfte, Transaktionen und gottesdienstliche Handlungen ein „Khabar al-Wahid“ überliefert wird, muss zu seiner Unterstützung und Bestätigung eine andere Überlieferungskette oder ein anderer Isnad als Zeuge vorgelegt werden. Wird kein annehmbarer „Zeuge“ gefunden, muss der ursprüngliche Hadith zumindest nach dem Maßstab der Diraya unbedingt authentisch und sahih sein.
Die Bedingungen der Kompilatoren der Sihah Sittah
Auch die Kompilatoren der Werke der „Sihah Sittah“ haben für die Annahme von Hadithen eigenständig zahlreiche wichtige Bedingungen festgelegt. Hier werden die von jedem Einzelnen festgelegten Bedingungen gesondert angeführt.
Imam al-Bukhari (r)
1. Die Abfolge der Überlieferungskette des Hadith (*********************) muss fortlaufend, verbunden und ununterbrochen (*********************) sein. Al-Hakim Abu Abdallah an-Naysaburi (r) schrieb:
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Ein Hadith der ersten Sahih-Klasse ist jener, den ein berühmter Sahabi vom Gesandten Allahs überliefert und für den es mindestens zwei weitere zuverlässige Überlieferer gibt. Danach überliefert ihn von diesem Sahabi ein Tabi’i, der gewöhnlich für die Überlieferung von Hadithen unmittelbar von den Sahaba bekannt ist; auch auf dieser Stufe gibt es dafür zwei zuverlässige Überlieferer. Danach überliefern ihn solche Tabi’ at-Tabi’in, die Hadith-Hafiz sind und äußerste Sorgfalt walten lassen. Sie gehören zu den Überlieferern dieser Stufe. Danach folgt ein Lehrer Imam al-Bukharis – ein Hadith-Hafiz, der für seine Vertrauenswürdigkeit bei der Hadith-Überlieferung bekannt ist.[*********************]
2. Der Hadith-Überlieferer muss lange Zeit in der Gesellschaft seiner Lehrer gelebt haben.
3. Der Überlieferer muss zu den Überlieferern der ersten Klasse gehören sowie berühmt und zuverlässig sein.
4. Es muss nachgewiesen sein, dass diejenigen, die voneinander Hadithe überliefern, einander tatsächlich begegnet sind.
Imam Muslim (r)
Scheich Abu Amr Ibn as-Salah schrieb:
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Imām Muslim stellte in seinem Ṣaḥīḥ-Werk für die Annahme eines Hadith die Bedingung auf, dass die Überlieferungskette des Hadith unbedingt muttaṣil, also lückenlos verbunden und ununterbrochen, sein müsse; ein vertrauenswürdiger Überlieferer müsse von einem anderen vertrauenswürdigen Überlieferer überliefern, und dies müsse vom Anfang bis zum Ende so sein. Außerdem müsse der Hadith frei von schādhdh und ʿilla sein.
2. Derjenige, der einen Hadith überliefert, und derjenige, von dem er ihn überliefert, müssen derselben Epoche und derselben Zeit angehören.
3. Keiner der Überlieferer eines Hadith darf majhūl, also unbekannter Identität, sein. Sie müssen allgemein bekannt sein.
4. Im eigentlichen Hadith darf kein Mangel vorhanden sein.
Zwischen Imām Buḫārī und Muslim bestehen Unterschiede hinsichtlich der Bedingungen für die Annahme eines Hadith. Daher sind viele Hadithe nach Ansicht von Imām Buḫārī ṣaḥīḥ, nach Ansicht von Imām Muslim jedoch nicht ṣaḥīḥ, und umgekehrt. Aus diesem Grund gibt es 625 Scheiche oder Hadith-Lehrer, von denen Imām Buḫārī Hadithe übernahm, Imām Muslim jedoch nicht, beziehungsweise von denen Imām Muslim übernahm, Imām Buḫārī jedoch nicht.
Imām Nasāʾī und Imām Abū Dāwūd (r)
1. Alle Hadithe, die in den beiden wichtigsten Werken über ṣaḥīḥ-Hadithe, Buḫārī und Muslim, aufgenommen wurden, sind hinsichtlich ihrer Überlieferungsketten für diese beiden Imame notwendigerweise annehmbar.
2. Alle Hadithe, die die für die Annahme von Hadithen in den beiden wichtigsten Hadith-Werken angewandten Bedingungen erfüllen, sind annehmbar.
3. Alle Hadithe, die nicht allgemein anerkannt und aufgrund des Konsenses der Muhaddithin verworfen worden sind und deren Überlieferungskette „muttasil“ ist – also eine lückenlose Überlieferungskette ohne das Auslassen irgendeines Überlieferers –, müssen angenommen werden. Auch ein Hadith, dessen ursprünglicher Text sahih ist und der weder „mursal“ (*********************) noch „munqati“ (*********************) ist, ist annehmbar.
4. Auch ein von einem der besten Überlieferer unter den Überlieferern der vierten Rangstufe überlieferter Hadith ist annehmbar.
5. Wenn ein tatsächlich sahih Hadith ihn bestätigt, nimmt Imam Abu Dawud auch einen Hadith an, dessen Überlieferer schwach, unzuverlässig oder unbekannt ist.
Diese Bedingungen werden von Imam an-Nasa’i und Imam Abu Dawud gleichermaßen anerkannt. In einigen Fällen sind jedoch die von Imam an-Nasa’i auferlegten Bedingungen höher entwickelt und strenger als die von Imam Abu Dawud. Bei der Annahme von Hadithen war Imam an-Nasa’i hinsichtlich der Überlieferer besonders vorsichtig. Er hielt es für notwendig, eingehendere Nachforschungen über deren Verhältnisse anzustellen. Gerade deshalb nahm Imam an-Nasa’i die von vielen Überlieferern überlieferten Hadithe nicht an, von denen Imam Abu Dawud und Imam at-Tirmidhi Hadithe angenommen hatten. Hafiz Ibn Hadschar al-Asqalani (r) sagte hierzu, dass auch die von ihnen überlieferten Hadithe annehmbar seien.
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Es gibt viele Überlieferer, von denen Imam Abu Dawud und at-Tirmidhi Hadithe angenommen haben, während Imam an-Nasa’i davon Abstand nahm, die von ihnen überlieferten Hadithe anzunehmen. Vielmehr war Imam an-Nasa’i auch nicht bereit, die Hadithe einer großen Zahl von Überlieferern anzunehmen, deren Hadithe sogar in den Sahih-Werken von al-Bukhari und Muslim angenommen worden waren.[*********************]
Imam at-Tirmidhi (r)
1. Alle Hadithe, die in den ersten beiden Sahih-Werken von al-Buchari und Muslim angeführt sind, sind akzeptabel.
2. Auch alle weiteren Hadithe, die vor allem die von Imam al-Buchari und Imam Muslim aufgestellten Bedingungen erfüllen und als sahih erwiesen sind, sind akzeptabel.
3. Auch die Hadithe, die Imam Abu Dawud und Imam an-Nasa’i angenommen und von deren Mängeln und Fehlern sie bereinigt haben, sind akzeptabel.
4. Auch die Hadithe, nach denen die Fiqh-Gelehrten gehandelt haben, sind akzeptabel.
5. Auch die Hadithe, deren Kernaussage eine Vorschrift bildet, die stets in die Praxis umgesetzt worden ist, sind akzeptabel.
6. Auch die Hadithe derjenigen vertrauenswürdigen Überlieferer, die kritisiert worden sind und über die alles eindeutig offengelegt worden ist, sind akzeptabel.
7. Auch die von denjenigen Überlieferern überlieferten Hadithe, deren Überlieferungen kritisiert worden sind, deren Vertrauenswürdigkeit jedoch erwiesen ist, sind akzeptabel.
Imam Ibn Madscha (r)
1. Die Hadithe, die von den fünf zuvor genannten Muhaddithen angenommen wurden, sind auch für ihn akzeptabel.
2. Auch andere Hadithe, die die von den fünf zuvor genannten Muhaddithen auferlegten Bedingungen erfüllen können, sind akzeptabel.
3. Auch die Hadithe, nach denen vertrauenswürdige und zuverlässige Gelehrte handeln, sind akzeptabel.
4. Auch jene Hadithe, die von guten Überlieferern der vierten Stufe überliefert wurden und sich nach Prüfung und Untersuchung als sahih erwiesen haben, sind akzeptabel.
In der Tat sind sogar die Feinde des Islam gezwungen, die Bedeutung und Stichhaltigkeit der von den Imamen der Hadithwissenschaft auferlegten Bedingungen und der Methoden der Hadithkritik anzuerkennen.[*********************]
Diraya oder die Methode zur Überprüfung des eigentlichen Hadith
Die Methode zur Überprüfung, Bewertung und Untersuchung eines Hadith allein unter dem Gesichtspunkt der Überlieferungskette wurde auf den vorhergehenden Seiten erörtert. Die zweite wirksame und zuverlässige Methode besteht darin, die (*********************)- Authentizität des eigentlichen Hadith zu überprüfen. In der Fachsprache der Hadithwissenschaft wird dies „Diraya“ genannt. Dieses Verfahren hat verschiedene Aspekte. Im Wesentlichen wird dabei jedoch der eigentliche Hadith auf dem Prüfstein der Vernunft gewogen, ohne die Überlieferer des Hadith zu kritisieren und zu überprüfen. Das Verfahren der Überprüfung der „Riwaya“ oder Überlieferungskette beschränkt sich lediglich auf die persönlichen Eigenschaften und den Charakter der Überlieferer sowie auf ihre gegenseitigen Beziehungen. Wenn der Sinngehalt eines Hadith jedoch einen Fehler, eine Unwahrheit, etwas Unwirkliches oder etwas enthält, das dem Koran und sahih Hadithen widerspricht, kann dies bei der Überprüfung und Untersuchung nach dieser Methode nicht erkannt werden. Wenn ein Hadith daher lediglich nach dieser Methode überprüft wurde und sich als zugelassen erwiesen hat, kann er nicht schon deshalb angenommen werden. Aus diesem Grund wird das Verfahren der „Diraya“ angewandt, um den eigentlichen Hadith (*********************)- den Sinngehalt des Hadith anhand des Maßstabs scharfen Verstandes und besonnener Beurteilung zu überprüfen. Bei der Überprüfung und Untersuchung von Hadithen entspricht die Anwendung des Prinzips der „Diraya“ ebenso dem Koran und den Hadithen wie das Prinzip der „Riwaya“. Allah, der Erhabene, selbst hat verboten, die Entscheidung über die Annahme oder Zurückweisung einer „Aussage“ allein auf die „Riwaya“ zu stützen.
Als die Heuchler von Medina Verleumdungen über Hadhrat Aisha (RA) verbreiteten, ließen sich auch einige Muslime davon beeinflussen. Da sprach Allah, der Erhabene, sie an und sagte:
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Als ihr diese Sache gehört hattet, warum sagtet ihr dann nicht sofort, dass es für uns in keiner Weise angemessen sei, eine solche Aussage zu machen? Damals hätte man sagen sollen: „Allah ist heilig und erhaben; dies ist nichts anderes als eine offenkundige Lüge und eine ungeheuerliche Verleumdung.“ (Es ist keineswegs möglich, dass dies wahr ist.)[*********************]
Das heißt, schon beim bloßen Hören der ursprünglichen Nachricht hätte man denken müssen, dass sie eine völlige Lüge sei. Daher hätte man ihre Verbreitung und Weitergabe sofort unterbinden müssen. Dieses göttliche Gebot, die „Verleumdung“ unmittelbar nach ihrem Hören als Lüge zurückzuweisen, ist eine Anweisung zur Anwendung der Dirāya-Methode.
Tatsächlich ist die Dirāya-Methode bei der Überprüfung von Hadithen ein äußerst überlegenes und besonders scharf geschliffenes Instrument. In diesem Stadium werden die folgenden Punkte berücksichtigt:
1. Wenn ein Ereignis vor Hunderten oder Tausenden von Menschen stattgefunden hat – ein Ereignis, das zum Zeitpunkt seines Geschehens zwangsläufig einer großen Zahl von Menschen bekannt geworden sein muss –, und dieses Ereignis oder ein ähnliches Ereignis nur von einem einzigen Überlieferer berichtet wird, entsteht naturgemäß Zweifel an seiner Wahrhaftigkeit. Solange ein solches Ereignis nicht von zahlreichen Sahāba überliefert worden ist, kann die Überlieferung dieser einen Person keineswegs als „sahīher Hadith“ betrachtet und bedenkenlos angenommen werden.
2. Wenn ein Ereignis von Personen überliefert wird, die keinen Grund hatten oder denen es unmöglich war, mit dem eigentlichen Ereignis oder dem Ort seines Geschehens in Berührung zu kommen, und diese Überlieferung weder durch die Berichte von Personen bestätigt wird, die in enger Beziehung zum eigentlichen Ereignis und zum Ort des Geschehens standen, noch von ihnen eine entgegengesetzte Überlieferung vorliegt, kann der von den erstgenannten Überlieferern berichtete Hadith nicht als „sahīher Hadith“ angenommen werden. Stattdessen kann der von Personen überlieferte Hadith angenommen werden, die in engerer Beziehung zum eigentlichen Ereignis standen. Wenn beispielsweise ein Hadith über das eheliche und familiäre Leben des edlen Propheten zunächst von einer Person überliefert wird, die in keiner Weise mit dem Familienleben des Propheten vertraut war und auch keinen Hadith von einer sachkundigen Person gehört hatte, kann die von ihr überlieferte Aussage nicht angenommen werden. Wird ein solcher Hadith jedoch von einer Person überliefert, die in irgendeiner Hinsicht mit diesem Lebensbereich des Gesandten verbunden war – etwa von einer seiner Ehefrauen oder einem nahen Verwandten –, oder wird er nach dem Hören von einer solchen Person überliefert, so kann er durchaus angenommen werden.
3. Der von einem Überlieferer berichtete Hadith, der mit dem praktischen Wert von Hadithen vertraut ist, ist eher anzunehmen als der von einem Überlieferer berichtete Hadith, der mit dem praktischen Wert anderer Arten von Hadithen nicht vertraut ist. Nach der Auffassung mancher Gelehrter ist sogar derjenige Hadith gemäß dem oben genannten Grundsatz anzunehmen, den ein rechtskundiger Tābiʿī direkt vom Gesandten überliefert, ohne den Namen eines Sahābī zu nennen. Zur Zeit der Sahāba waren die Regeln und Bestimmungen dieser Dirāya-Methode zur Überprüfung von Hadithen noch nicht ausführlich niedergeschrieben. Dennoch sollen nun einige Beispiele für die Überprüfung von Hadithen nach diesem Verfahren aus jener Zeit angeführt werden:
1. Ein von Abū Huraira (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) überlieferter Hadith:
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Ich hörte den Gesandten (s) sagen: „Verrichte die Gebetswaschung, nachdem du etwas gegessen hast, das durch Feuer erhitzt wurde.“
Als Hadhrat ʿAbdullah ibn ʿAbbas (r. a.) diesen Hadith hörte, rief er aus: „Dann müsste man also selbst nach der Verwendung von heißem Wasser erneut die Gebetswaschung verrichten, obwohl man sich bereits im Zustand der Gebetswaschung befindet?“ [Tirmidhi – Kitāb at-Tahāra] Mit anderen Worten: Durch das Verfahren der Dirāya erweist sich dieser Hadith nicht als sahih.
2. In einem anderen Hadith wird überliefert:
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Am Freitag gibt es einen Zeitpunkt, in dem Allah einem Muslim, der während des Gebets Allah um etwas Gutes bittet, dies in besonderer Weise gewährt.
Die Sahāba waren besonders daran interessiert, genau zu erfahren, wann dieser besondere Zeitpunkt eintritt. Hadhrat ʿAbdullah ibn Salam (r. a.) erfuhr, dass dieser besondere Zeitpunkt in der letzten Stunde des Freitags liegt. Als Hadhrat Abū Huraira (r. a.) dies hörte, sagte er: „Wie kann das sein? Der Gesandte hat doch gesagt: Wenn jemand Allah in aufrechter Haltung während des Gebets bittet, wird Er seine Bitte erhören. In der letzten Stunde des Tages ist es jedoch nicht erlaubt, ein Gebet zu verrichten. Daher ist es nicht vernünftig, aus diesem Hadith einen solchen Zeitpunkt abzuleiten.“ [Abū Dāwūd – Kitāb as-Salāt]
Beim zuerst genannten Hadith wurde die Richtigkeit seiner Kernaussage auf Grundlage der Dirāya überprüft, während beim zweiten Hadith die Überprüfung einer besonderen Auslegung des Hadith vorgenommen wurde.
Hazrat Aischa verfügte über besondere Fähigkeiten und großes Talent bei der Überprüfung von Hadithen auf der Grundlage der „Dirayat“. Auf dieser Grundlage erhob sie Einwände gegen einige Hadithe, und aufgrund ihrer Einwände konnten einige Grundprinzipien der Dirayat festgelegt werden. Zum Beispiel:
Als ihr folgende Aussage als ein Wort des Gesandten vorgetragen wurde:
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Dem Verstorbenen wird wegen des Weinens seiner Angehörigen Qual auferlegt.
Da sagte sie: Dies kann nicht als wahr anerkannt werden. Denn der Edle Koran verkündet in unmissverständlichen Worten:
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Kein Mensch wird die Last der Sünde eines anderen tragen.
Daraus wurde als Grundsatz für die Überprüfung von Hadithen unter dem Gesichtspunkt der Dirayat erwiesen, dass kein Hadith angenommen werden kann, der einer eindeutigen Aussage des Korans widerspricht.
2. Zur Zeit der Gefährten verbreitete sich unter der Bevölkerung dieser Hadith, dass der edle Prophet (s) in der Nacht der Miʿrādsch die unmittelbare Begegnung mit Allah erlangt habe. Als Hadhrat ʿĀischa (r.a.) dies hörte, sagte sie: „Der Überlieferer dieses Hadith ist ein offenkundiger Lügner. Denn der edle Qurʾān sagt ausdrücklich:“
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Keine Schöpfung kann Allah erfassen; Er aber umfasst die gesamte Schöpfung.
Die aus der vorangegangenen ausführlichen Erörterung hervorgehenden Grundprinzipien des Verfahrens der Dirāya werden hier zusammenfassend aufgeführt:
1. Ein Hadith darf einem eindeutigen Beweis aus dem Qurʾān nicht widersprechen.
2. Ein Hadith darf nicht der durch eine mutawātir-Überlieferungskette erwiesenen Sunna widersprechen.
3. Ein Hadith darf nicht dem eindeutigen und unanfechtbaren Idschmāʿ der ehrenwerten Gefährten widersprechen.
4. Ein Hadith darf dem klaren gesunden Verstand nicht widersprechen.
5. Ein Hadith darf den von der Scharia stets bestätigten und allgemein anerkannten Grundsätzen nicht widersprechen.
6. Ein Hadith darf einem als authentisch und zweifelsfrei angenommenen Hadith nicht widersprechen.
7. Die Sprache eines Hadith darf nicht gegen die Regeln und Gepflogenheiten der arabischen Sprache verstoßen. Denn der edle Prophet (s) hat keine Aussage in einer Sprache gemacht, die den Regeln und Gepflogenheiten des Arabischen widerspricht.
8. Ein Hadith darf keine Bedeutung vermitteln, die äußerst lächerlich ist oder die Würde des Propheten verletzt.
In den Werken über Usul al-Hadith werden an dieser Stelle noch viele weitere Grundsätze erwähnt.
Unter den Hadith-Gelehrten besteht Uneinigkeit darüber, wie die beiden oben beschriebenen Methoden – Riwāya und Dirāya – zur Überprüfung eines Hadith und zur Feststellung anzuwenden sind, ob er authentisch oder nicht authentisch ist. Eine Gruppe legt ausschließlich Wert auf das Riwāya-Verfahren beziehungsweise auf die Prüfung der Überlieferungskette. Ihrer Auffassung nach kann ein Hadith zweifellos angenommen werden, wenn die Überlieferungskette in Ordnung ist und ihre Kontinuität sowie ihre Unversehrtheit und Authentizität ordnungsgemäß gewahrt sind. Andere hingegen meinen, dass es wichtiger sei, dass der eigentliche Hadith vernünftig ist und die Prüfung des Dirāya-Verfahrens besteht, als dass die Überlieferungskette lediglich korrekt ist. Wenn ein Hadith diese Prüfung nicht ordnungsgemäß besteht, kann er ihrer Ansicht nach nicht angenommen werden. Selbst wenn die Überlieferungskette korrekt und der Hadith aufgrund ihrer Prüfung als annehmbar erwiesen ist, darf er nicht angenommen werden.
Nach Ansicht eines wahrhaft forschenden Gelehrten sind beide Methoden, wenn sie jeweils allein angewandt werden, jedoch unausgewogen. Die eine stützt sich ausschließlich auf die Überlieferungskette; außer ihr wird dort nichts beurteilt. Ist die Überlieferungskette korrekt und zuverlässig, gilt der betreffende Hadith als unbedingt anzunehmen. Die zweite ist uneingeschränkt verstandesbasiert. Wird der eigentliche Hadith nach allgemeinem Verstand und logischer Erwägung als annehmbar beurteilt, erscheint eine Prüfung seiner Überlieferungskette überhaupt nicht erforderlich. Tatsächlich kann jedoch die Überlieferungskette allein nicht ausreichen, um eine Aussage als wahr und richtig zu beweisen; ebenso wenig genügen allein Verstand und logische Prüfung! Daher ist es unerlässlich, zwischen diesen beiden Verfahren vollständige Übereinstimmung herzustellen und das Gleichgewicht zu wahren.
Ausgewogene Grundsätze der Hadith-Kritik
Welcher ausgewogene Weg zur Überprüfung eines Hadiths eingeschlagen werden kann, bedarf in der Tat gründlicher Forschung. Die wohlüberlegte Ansicht hierzu lautet, dass zunächst die Überlieferungskette überprüft werden muss und anschließend der eigentliche Wortlaut des Hadiths ********************* untersucht werden muss. Ist die Überlieferungskette zuverlässig und besteht auch der eigentliche Hadith die Maßstäbe der „Diraya“, so ist dieser Hadith in jeder Hinsicht annehmbar.
Es gibt jedoch viele Hadithe, deren Überlieferungskette zuverlässig ist, deren eigentlicher Inhalt aber dem gewöhnlichen Verstand unzugänglich erscheint. In diesem Fall ist lediglich zu prüfen und zu erwägen, ob er nicht dem Koran widerspricht; ob der Hadith nicht etwas für verboten erklärt, was der Koran erlaubt hat, oder etwas Entgegengesetztes beweist. Denn jeder weiß, dass die Hadithe über den Miʿradsch von 25 Gefährten und dreihundert Tābiʿūn überliefert worden sind, obwohl dieser Gegenstand für den gewöhnlichen Verstand schwer begreiflich ist. Dennoch muss er unbedingt als wahrer und authentischer Hadith angenommen werden. Denn er ist weder etwas Unmögliches noch steht er im völligen Widerspruch zum Koran. Vielmehr ist er eine Erklärung für Dinge, die im Koran unklar oder nur allgemein erwähnt sind.
Ebenso lässt sich durch die Prüfung der Wörter und der Sprache der Hadithe mit Sicherheit feststellen, ob es sich tatsächlich um ein Wort des ehrwürdigen Gesandten handelt. Wenn ein Hadith einen in der Zeit des Gesandten nicht gebräuchlichen Fachausdruck enthält, kann er kein Hadith des Gesandten sein. Zum Beispiel:
a) In den Hadith-Büchern findet sich folgende Überlieferung:
******************************************************
Die Qadariten sind die Feueranbeter dieser Umma, und die Rafiditen sind die Juden dieser Umma.
Seine Sprache und seine Wörter beweisen eindeutig, dass dies keinesfalls ein Wort des Gesandten sein kann. Zweitens weisen Wörter wie „al-Qadarī“ und „Rāfidī“ auf bestimmte Fachbegriffe hin. Da diese Ausdrucksweise in der Zeit des ehrwürdigen Gesandten überhaupt nicht gebräuchlich war, kann von einer Verwendung durch den Gesandten keine Rede sein.
b) Auch der folgende Ausspruch wird als „Hadith“ bezeichnet:
******************************************************
Wer glaubt, dass der Koran erschaffen sei, ist ein Kafir.
Ob der Koran „erschaffen“ sei oder nicht – darüber entbrannte im Abbasidenzeitalter unter den damaligen Gelehrten ein heftiger Streit. Zur Zeit des edlen Gesandten konnte man sich eine solche Aussage nicht einmal vorstellen. Daher kann man unmöglich glauben, dass eine solche Aussage jemals aus dem Mund des Gesandten hervorgegangen sei.
Im Folgenden werden die von dem Hadith-Gelehrten Allama Ibn al-Dschauzi erwähnten Grundsätze und Methoden zur Anwendung der „Dirāya“-Methode bei der Überprüfung von Hadithen angeführt:
******************************************************
Hadithe, die dem gesunden Menschenverstand widersprechen oder den allgemeinen Grundprinzipien zuwiderlaufen, soll man als Mawdu- oder erfundene Hadithe betrachten. Danach besteht keine Notwendigkeit mehr, ihre Überlieferer zu überprüfen. Ebenso sind jene Hadithe Mawdu, die sich nach allgemeinem Empfinden und allgemeiner Beobachtung als falsch erwiesen haben. Was dem Koran, einem Mutawatir-Hadith oder einem unumstößlichen Idschma widerspricht und sich in keiner Weise erklären lässt, ist ebenfalls Mawdu. Ebenso sind jene Hadithe Mawdu, in denen für gewöhnliche und belanglose Aussagen eine harte Bestrafung angedroht oder für geringfügige Taten eine gewaltige Belohnung versprochen wird. Solche Hadithe finden sich gewöhnlich in den Überlieferungsketten von Predigern und Sufis.
Darüber hinaus müssen Hadithe auch anhand eines psychologischen Maßstabs überprüft werden. Wer die Hadithe des Gesandten umfassend und ununterbrochen studiert, sie übt und mit tiefem, scharfem Blick erforscht, in dessen Innerem wird ein intensives, klares Licht aufleuchten. Er wird leicht erkennen können, welcher Hadith tatsächlich vom Gesandten stammt und welcher nicht; welche Art von Worten der Gesandte sagen konnte und welche Art von Taten nicht, welche Art von Worten oder Taten von ihm gebilligt werden konnte und welche nicht. …………….. Dies zu erfassen, wird ihm nicht im Geringsten schwerfallen.
Die abschließende Einschätzung in dieser Frage lautet daher: Die endgültige Entscheidung darüber, ob ein Hadith angenommen werden kann oder nicht, muss auf einer angemessenen und äußerst sorgfältigen Überprüfung sowohl der Überlieferungskette als auch des eigentlichen Hadithtextes (Matn) beruhen.
Anhang 2
Die Hadithwissenschaft auf dem indischen Subkontinent
Die Ankunft der Gefährten auf dem indischen Subkontinent
Die Handelsbeziehungen zwischen dem indischen Subkontinent und den arabischen Ländern sind äußerst alt. Daher war es ganz natürlich, dass im sechsten christlichen Jahrhundert die erste Welle jener Revolution, die sich an der Westküste des Arabischen Meeres – in den arabischen Ländern – ereignet hatte, den an der Ostküste gelegenen indischen Subkontinent erreichte. Aus zuverlässigen historischen Quellen geht hervor, dass in den ersten Jahren der islamischen Revolution – zwar nicht zur Zeit des Prophetentums und des ersten Kalifen, wohl aber während des Kalifats des zweiten Kalifen, Hadhrat Umar al-Faruq (r.a.) – einige Gefährten des Propheten der gesamten Menschheit auf diesen Subkontinent kamen. Von den Gefährten, deren Ankunft in Indien zu dieser Zeit nachgewiesen werden kann, sind dies: (1) Hadhrat Abdullah ibn Abdullah ibn Utban, (2) Hadhrat Asim ibn Amr at-Tamimi, (3) Hadhrat Suhar ibn al-Abdi, (4) Hadhrat Suhaib ibn Adi und (5) Hadhrat al-Hakam ibn Abil-As as-Saqafi (r.a.). [Siehe Siyar-us-Sahaba, Band 6.]
Auch während der Herrschaft von Hadhrat Uthman, Hadhrat Ali und Amir Muawiya setzte sich die Ankunft der Gefährten in Indien fort. Aus dieser Zeit sind jedoch nur drei Gefährten bekannt, die nach Indien kamen. Die beiden Gefährten, die während des Kalifats von Hadhrat Uthman nach Indien kamen, waren: (1) Hadhrat Ubaidullah ibn Mamʿar at-Tamimi und (2) Hadhrat Abdurrahman ibn Samura ibn Habir ibn Abd Shams. Während der Herrschaft von Amir Muawiya kam Hadhrat Sinan ibn Salama ibn al-Muhabbiq al-Hudhali. Der damalige Statthalter des Irak, Ziyad, entsandte ihn als Statthalter an der indischen Grenze dorthin.
Die Ankunft der Tabiʿun auf dem indischen Subkontinent
Aus der Geschichte geht hervor, dass nach den Gefährten zahlreiche Tabiʿun nach Indien kamen. Der erste Tabiʿi, der während der Herrschaft von Amir Muawiya nach Indien kam, war Muhallab ibn Abu Safra. Im Jahr 44 nach der Hidschra betrat er diesen Ort als Befehlshaber eines Heeres gemeinsam mit dem Gefährten Hadhrat Abdurrahman ibn Samura. Er überquerte die Grenzen von Sistan und Kabul und gelangte nach Lahore.
Die Verbreitung der Hadithe auf dem indischen Subkontinent
Die ehrwürdigen Gefährten waren die allerersten Träger der Verbreitung der Hadith-Wissenschaft. Sie waren lebendige Vorbilder und Wegbereiter für die Verbreitung der Religion des Islam. Wohin auch immer sie gingen, widmeten sie sich dort der Verbreitung des Islam sowie des Korans und der Hadithe. Daher kann kein Zweifel daran bestehen, dass sie auch in diesem Land neben dem Koran die Hadithe verbreiteten. Aus diesem Grund kann man davon ausgehen, dass in der ersten Hälfte des ersten islamischen Jahrhunderts die Strahlen der Hadith-Wissenschaft in diesem Gebiet erstrahlten, auch wenn es keine Möglichkeit gibt, ihre ausführliche Geschichte zu erfahren.
Die Hadith-Wissenschaft im Sindh
In den Grenzgebieten dieses Subkontinents wurden mehrere Jahre lang ununterbrochen muslimische Feldzüge durchgeführt. Sinan ibn Salama eroberte Qusdar. Danach ließ Huri ibn Huri al-Bahili durch einen umfassenden Feldzug die Flagge des Islam über dem größten Teil des Sindh wehen. [Siehe al-Baladhuri, S. 439 und 440.]
Im Jahr 93 nach der Hidschra vollendete Muhammad ibn al-Qasim die Eroberung des Sindh und machte ihn zu einer Provinz des islamischen Staates. In Orten wie Multan, Mansura, Alor, Debal, Sindan, Qusdar und Kandabil gründete er arabische Siedlungen. Mit Muhammad ibn al-Qasim waren dauerhaft fünfzigtausend Reiter stationiert. Zu dieser Zeit kamen zahlreiche Araber zum Handel und zur dauerhaften Ansiedlung in dieses Land. Infolgedessen wurden an all diesen Orten Zentren islamischer Bildung – für den Unterricht im Koran und in den Hadithen – eingerichtet. Unter diesen Arabern befanden sich auch viele, die den Koran und die Hadithe auswendig kannten. Durch ihre Anstrengungen und ihre Fürsorge verbreitete sich die Lehre des Korans und der Hadithe in diesem Gebiet weit. Einige derjenigen unter ihnen, die sich besonders der Verbreitung der Hadithe widmeten, werden hier mit Namen und biografischen Angaben erwähnt:
1. Musa ibn Yaqub al-Thaqafi. Er war im Sindh als Richter (Qadi) eingesetzt. In der Hadith-Wissenschaft besaß er besondere Sachkenntnis.
2. Yazid ibn Abi Kabsha al-Dimaschqi (gest. 97 n. H.). Er war ein Tabi’i. Von den Gefährten Hazrat Darda, Scharahbil ibn Awf und Marwan ibn al-Hakam sowie anderen erlernte er eine große Anzahl von Hadithen. Auch als zuverlässiger Hadith-Überlieferer war er anerkannt.
3. Mufaddal ibn al-Muhallab ibn Abi Safra (gest. 102 n. H.), ein Tabi’i. Bei der Überlieferung von Hadithen spielte er eine bedeutende Rolle. Er überlieferte Hadithe vom Gefährten Hazrat Nuʿman ibn Baschir; und von ihm überlieferten (sein Sohn) Hajib, Thabit al-Bunani und Jarir ibn Hazim Hadithe.
4. Abu Musa Isra’il ibn Musa al-Basri (gest. 155 n. H.), al-Siddhi. Er kam aus Basra aus geschäftlichen Gründen nach Indien. Er war ein zuverlässiger Hadith-Überlieferer. Zu seinen Schülern gehörten die berühmten Hadith-Gelehrten Sufyan al-Thawri (gest. 161 n. H.), Sufyan ibn Uyayna (gest. 198 n. H.) und Yahya ibn Saʿd al-Qattan (gest. 198 n. H.). Wie hoch Abu Musas Rang in der Hadith-Wissenschaft war, wird durch diese Darstellung eindeutig belegt. Imam al-Bukhari überlieferte in seinem Hadith-Werk zahlreiche Hadithe über die Überlieferungskette von Abu Musa.
5. ʿAmr ibn Muslim al-Bāhilī kam unter dem Kalifen ʿUmar ibn ʿAbd al-ʿAzīz als Provinzgouverneur nach Sind. Er überlieferte Hadithe von Yaʿlā ibn ʿUbayd.
6. Rabīʿ ibn Sabīḥ as-Saʿdī al-Baṣrī (gest. 170 n. H.). Er überlieferte zahlreiche Hadithe und stellte auch eine Hadith-Sammlung zusammen. Im Jahr 160 n. H. betrat er Indien.
Verbreitung der Hadithe in den arabischen Siedlungen
Debal
In der unter arabischer Herrschaft stehenden Stadt Debal (Provinz Sind) wurden die Hadithe besonders eifrig studiert und verbreitet. Dadurch traten hier mehrere namhafte Hadith-Überlieferer hervor. Im Folgenden sollen die Namen und einige Angaben zu einigen von ihnen erwähnt werden:
1. Abū Jaʿfar al-Dabalī (gest. 322 n. H.). Er überlieferte Hadithe von Mūsā ibn Hārūn al-Bazzāz (gest. 294 n. H.) und Muḥammad ibn ʿAlī as-Saif (gest. 291 n. H.).
3. Aḥmad ibn ʿAbdallāh ad-Dabalī (gest. 346 n. H.). Er war ein Schüler des Hadith-Gelehrten Abū Jaʿfar. Er war dafür bekannt, im vierten Jahrhundert eine große Zahl von Hadithen verbreitet zu haben.
4. Muḥammad ibn Muḥammad ibn ʿAbdallāh ad-Dabalī (gest. 346 n. H.). Er erlernte die Hadithe bei dem Kalifen Abū al-Qāḍī (gest. 305). Der berühmte Gelehrte al-Ḥākim an-Nīsābūrī war sein Schüler.
5. al-Hasan ibn Muhammad ibn Asad Dewlī (gest. 350 n. H.). Im Jahr 340 n. H. überlieferte er Hadithe in Damaskus. Seine Überlieferungskette begann beim Gefährten Dschābir ibn ʿAbdallāh (r. a.).
6. Khalaf ibn Muhammad Dewlī (gest. 360 n. H.). Zunächst studierte er in Dewlī bei ʿAlī ibn Mūsā Dewlī Hadithe. Später ging er nach Bagdad und begann dort, Hadith-Unterricht zu erteilen.
7. Ahmad ibn Muhammad ibn Hārūn Dewlī (gest. 370 n. H.). In Bagdad studierte er bei Dschāʿfar ibn Muhammad al-Fārijābī Hadithe. Auch in der Stadt Kufa studierte er bei Ahmad ibn Scharīf Hadithe.
8. Hasan ibn Hamīd Dewlī (gest. 407 n. H.). Er war ein bedeutender Kaufmann und widmete sich neben seinem Geschäft auch dem Studium der Hadithe, worin er beträchtliche Gelehrsamkeit erlangte. ʿAlī ibn Muhammad ibn Saʿīd al-Mūschilī (gest. 359 n. H.), Dālaǧ (gest. 351 n. H.), Muhammad an-Naqqāsch (gest. 351 n. H.) und Abū ʿAlī at-Tummārī (gest. 360 n. H.) waren seine Lehrer. Wenn er Hadithe überlieferte, wurde sein Herz von solcher Ergriffenheit erfüllt und bewegt, dass er zu weinen begann.
9. Abū l-Qāsim Schuʿaib ibn Muhammad Dewlī (gest. 400 n. H.). Er war unter dem Namen Abū Qatān bekannt. Er reiste nach Ägypten, gründete dort eine Vereinigung und erteilte weiterhin Hadith-Unterricht.
al-Mansūra
Al-Mansūra lag 47 Meilen nordöstlich vom heutigen Sindh-Hyderabad. Seit der Zeit der ersten muslimischen Herrschaft war diese Stadt von islamischem Gedankengut erfüllt. Die meisten ihrer Einwohner folgten den Hadithen. Daher kann man annehmen, dass die Hadith-Wissenschaft in dieser Stadt eine außerordentliche Blüte erlebte. In verschiedenen Moscheen wurde Hadith-Unterricht erteilt. Gelehrte widmeten sich der Abfassung von Hadith-Werken. Unter ihnen erlangte der Qādī Abū l-ʿAbbās al-Mansūrī besondere Berühmtheit als Hadith-Lehrer und -Sammler.
Die Namen und Einzelheiten zu den übrigen Hadith-Gelehrten, die in dieser Stadt wirkten, werden im Folgenden erwähnt:
1. Ahmad Abu al-Abbas al-Mansuri. Er studierte Hadithe bei Abu al-Abbas ibn Asram (gest. 336 n. H.) in Fars und bei Ahmad al-Hijjani (bekannt als Abu Rawq, gest. 332 n. H.) in Basra.
2. Ahmad ibn Muhammad al-Mansuri (gest. 380 n. H.). Er studierte Hadithe sowohl in Fars als auch in Basra. Im vierten Jahrhundert erlangte er als Muhaddith Berühmtheit.
3. Abu Abdallah ibn Ja’far Murra al-Mansuri (gest. 390 n. H.). Er war ein Schüler von Hasan ibn al-Mukarram. Als Lehrer von al-Hakim an-Naysaburi erlangte er Bekanntheit.
Kasdar
Der heute im Staat Kalat gelegene Ort Khoshdar war damals unter dem Namen Kasdar bekannt. Hier befindet sich das Grab von Sinan ibn Salama al-Hudhali. Während der arabischen Herrschaft war es die Hauptstadt des Reiches Turan. Als Handelszentrum erlangte es außerordentliche Bedeutung. In der Hadith-Gelehrsamkeit nahm diese Stadt einen besonderen Platz ein. Einige Hadith-Gelehrte dieser Stadt sollen hier genannt werden:
1. Ja’far ibn Khattab al-Kasdari (gest. 450 n. H.). Er war unter dem Namen Abu Muhammad bekannt. Später ließ er sich in der Stadt Balch nieder. Er wurde als zuverlässiger Hadith-Überlieferer anerkannt. Abu al-Futuh Abd al-Ghafur al-Kaschgari (gest. 474 n. H.), ein Hafiz der Hadithe, überlieferte Hadithe von ihm. Im fünften Jahrhundert erlangte er als Muhaddith Berühmtheit.
2. Sibawaih ibn Ismail al-Kasdari (gest. 463 n. H.). Abu al-Qasim Ali ibn Muhammad al-Husayni, Yahya ibn Ibrahim und Raja ibn Abd al-Wahid waren seine Hadith-Lehrer. Er reiste nach Mekka und begann dort, Hadith-Unterricht zu erteilen. Abu al-Fityan Amr ibn Hasan ar-Rawasi (gest. 503 n. H.) überlieferte Hadithe von ihm.
Die Hadith-Gelehrsamkeit in Nordindien
Bis zur Mitte des zweiten islamischen Jahrhunderts stand Sind unter der Herrschaft der zentralen arabischen Regierung. Danach kam es in diesem Land zu Aufständen, Unruhen und politischen Umwälzungen. Damals zerfiel die gesamte Provinz in mehrere kleine, einheimische unabhängige Fürstentümer. Im dritten Jahrhundert gingen auch diese Fürstentümer unter. Danach gewann in dieser Region der Einfluss der Bāṭiniten an Stärke. Infolgedessen war die Verbindung zu den zentralen muslimischen Herrschern eine Zeit lang unterbrochen.
Im Jahre 413 nach der Hidschra griff Sultan Mahmud von Ghazni über den Khyberpass den Punjab an und eroberte Lahore. Dadurch wurden die Beziehungen zwischen den Muslimen und dem indischen Subkontinent erneut hergestellt. Danach breitete sich bis zum siebten islamischen Jahrhundert die muslimische Herrschaft über den gesamten Subkontinent aus und festigte sich. Delhi wurde zur Hauptstadt der Muslime bestimmt. Anschließend kamen aus den Regionen des asiatischen Turkestan, Chorasan, Afghanistans und anderen Gebieten über den Khyberpass Scharen von Muslimen nach Indien. Die beiden erstgenannten Länder – das asiatische Turkestan und Chorasan – waren im dritten islamischen Jahrhundert zu Zentren der ʿilm al-hadīth geworden. Die Verfasser der Werke der Ṣiḥāḥ as-sitta stammten aus diesen Regionen. Infolge des Zustroms einer großen Zahl von Menschen aus diesen Ländern begann sich in Indien die islamische Bildung und die ʿilm al-hadīth weit zu verbreiten. Besonders Lahore entwickelte sich in dieser Zeit zu einem Zentrum des Hadith-Studiums.
Die ʿilm al-hadīth in Lahore
Wenn von der Verbreitung der ʿilm al-hadīth in Lahore die Rede ist, muss an erster Stelle der Name Scheich Muhammad Ismail Lahori (gest. 448 n. H.) genannt werden. Er kam im Jahre 395 nach der Hidschra aus Buchara nach Indien und begann, in Lahore zu leben. Hier legte er bei der Verbreitung der islamischen Lehre besonderen Nachdruck auf die ʿilm al-hadīth und beschritt wirksame Wege zu ihrer umfassenden Verbreitung. Infolgedessen bildeten sich im Laufe der folgenden hundert Jahre in Lahore unzählige Muhaddithūn heraus.
Hier sollen die Namen und kurzen Angaben zu einigen Muhaddithūn genannt werden, die in dieser Zeit in Lahore lebten:
1. Saiyid Murtaza (gest. 589 n. H.). Er war in der Hadith-Wissenschaft bewandert und trat in das Heer Sultan Schihab ad-Din Ghوریs ein.
2. Abu al-Hasan Ali ibn Umar Lahori (gest. 529 n. H.). Er war ein bedeutender Muhaddith und erlernte die Hadithe bei dem Hadith-Gelehrten Abu al-Muzaffar Saʿidi.
3. Abu al-Fath Abd as-Samad ibn Abd ar-Rahman Lahori (gest. 550 n. H.). Er hielt in Samarqand Hadith-Unterricht.
4. Abū l-Qāsim Muhammad ibn Chalaf al-Lāhūrī (gest. 540 n. H.). Später begab er sich nach Isfrain. Er war ein hochrangiger Hadithgelehrter.
Hadithgelehrte des indischen Subkontinents im siebten Jahrhundert
Hier sollen die Namen und kurzen Angaben zu einigen der Hadithgelehrten erwähnt werden, die im siebten islamischen Jahrhundert an verschiedenen Orten des indischen Subkontinents lebten:
1. Scheich Bahāʾ ad-Dīn Zakariyyā al-Multānī (gest. 666 n. H.). Er war ein Nachkomme des Sahābī Ḥabbān ibn al-Aswad. In Mekka und Medina studierte er Hadith und erlangte darin besondere Gelehrsamkeit.
2. Qāḍī Mihāj as-Sirāj al-Jūzjānī (gest. 668 n. H.). Er kam nach Lakhnauti in Bengalen.
3. Burhān ad-Dīn Maḥmūd ibn Abū l-Chair Asad al-Balchī (gest. 687 n. H.). Er war ein Schüler des Hadithgelehrten Ṣaghānī und erhielt von ihm eine Überlieferungserlaubnis für das Hadithwerk „Maschāʾich al-Anwār“.
4. Kamāl ad-Dīn Zāhid (gest. 684 n. H.). Sein eigentlicher Name war Muhammad ibn Ahmad ibn Muhammad. Er erlangte als Hadithlehrer von Scheich Nizām ad-Dīn Auliyāʾ Bekanntheit.
5. Raḍī ad-Dīn Badāyūnī (gest. 700 n. H.). Er war unter seinen Zeitgenossen ein äußerst angesehener Hadithgelehrter.
6. Scharafuddin Abu Tawwama al-Buchari al-Hanbali (gest. 700 n. H.). Zu Beginn des siebten Jahrhunderts kam er aus Buchara nach Delhi. Danach begab er sich nach Sonargaon in Bengalen (im Distrikt Dhaka) und ließ sich dort dauerhaft nieder. Mit besonderer Aufmerksamkeit widmete er sich dem Studium der Hadithwissenschaft. Durch seine Bemühungen wurde Sonargaon schon bald zu einem Zentrum des Hadithstudiums. Bedauerlicherweise liegt eine ausführliche Darstellung der Hadithpflege in Sonargaon noch immer im Dunkel der Ungewissheit.
Die Hadithpflege auf dem Subkontinent im achten Jahrhundert
Im achten islamischen Jahrhundert begann in Pak- und Hindustan eine neue Phase der fortschreitenden Entwicklung der Hadithwissenschaft. Der Bahmani-Sultan des Dekkans, Mahmud Bahmani (780–799 n. H.), widmete der Verbreitung der Hadithwissenschaft besondere Aufmerksamkeit. Für Hadithstudenten richtete er Stipendien ein (der Historiker Firishta). Obwohl sich zu dieser Zeit in fast ganz Indien der Einfluss des Studiums der Fiqh, der Philosophie und des Tasawwuf bemerkbar machte, wurde der Hadithunterricht keineswegs wesentlich beeinträchtigt. Im Gegenteil: Bedeutende Sufis widmeten sich der Verbreitung der Hadithwissenschaft. Vor allem entstanden unter der Leitung von vier berühmten Sufis die folgenden vier Hadithbildungszentren.
1. Unter der Leitung von Nizamuddin Auliya begann in Delhi ein umfassender Hadithunterricht.
2. Unter der Leitung und durch den Unterricht von Scharafuddin al-Maniri begann in der Region Bihar das Hadithstudium.
3. Unter der Leitung von al-Hamdani begann in Kaschmir der Hadithunterricht.
4. Unter der Leitung von Zakariya Multani wurde in Multan die Hadithwissenschaft verbreitet.
Aus den genannten Zentren gingen zahlreiche Hadithgelehrte hervor. Im Folgenden werden einige Hadithgelehrte nach Zentren geordnet genannt:
Das Zentrum von Nizamuddin Auliya
1) Shamsuddin Muhammad ibn Yahya Udhī (gest. 747 n. H.)
2) Fakhruddin Jarubadi (gest. 748 n. H.)
3) Ziyauddin ibn Muayyid al-Mulk Barani
4) Mahiuddin ibn Jalaluddin bin Qutbuddin Kashani (gest. 719 n. H.)
5) Nizamuddin Allani Jafarabadi (gest. 735 n. H.)
6) Shaykh Nasiruddin Chiragh-i Dilli (gest. 757 n. H.)
7) Sayyid Muhammad Gesu Daraz (gest. 825 n. H.)
8) Scheich Wajihuddin
9) Qadi Schihabuddin Daulatabadi (gest. 849 H.)
10) Maulana Khadschegi Qurabi (gest. 878 H.)
Das Zentrum von Scharafuddin al-Maniri
1) Scheich Muzaffar Balkhi (gest. 786 H.)
2) Husain ibn Mu’izz Bihari (gest. 845 H.)
3) Ahmad Langare Darya ibn Hasan ibn Muzaffar Bihari (gest. 891 H.)
Das Zentrum von Ali Hamdani
Ali Hamadani brachte als Erster das Wissen über die Hadithe nach Kaschmir. Er traf im Jahr 774 nach der Hidschra hier ein. Er und seine Schüler verbreiteten als Erste den Islam in diesem Land. Er verfasste außerdem zwei Werke über die Hadithe. Die beiden Werke heißen:
a) As-Sabʿīn fī Faḍāʾili Amīril-Muʾminīn
b) Arbaʿīn-e Amīrīya
Das Zentrum von Scheich Zakariya in Multan
Scheich Bahāʾuddīn Zakariya war der Wegbereiter für die Verbreitung des Hadithunterrichts in Multan. Aus diesem Zentrum gingen Jamāluddīn Ulūchī und der Makhdūm-e Dschahānīya, Sayyid Dschalāluddīn Buchārī, als Hadithgelehrte hervor.
Die Renaissance des Hadithwissens auf dem indischen Subkontinent
Im neunten Jahrhundert begann auf dem indischen Subkontinent die Renaissance des Hadithwissens. Ahmad Schah, der Herrscher von Gujarat, öffnete die Seehandelsroute zwischen Arabien und Indien erneut. Infolgedessen kamen zahlreiche Hadithgelehrte aus den arabischen Ländern nach Indien. Die Regierung des benachbarten Iran nahm zu dieser Zeit die schiitische Glaubensrichtung an. Aus diesem Grund sah sich eine große Gemeinschaft, die sich in der Hadithwissenschaft auskannte, gezwungen, von dort nach Indien auszuwandern. Sie brachten eine große Fülle an Hadithgut mit hierher. Andererseits entstand auch in Ägypten zu dieser Zeit eine Flut des Hadithwissens, und von dort kamen bedeutende Hadithgelehrte nach Indien. Unter den Hadithgelehrten, die zu dieser Zeit nach Indien kamen, sind zunächst die folgenden beiden besonders erwähnenswert:
1. Badruddīn Muhammad ibn Abī Bakr ad-Damāyīnī (gest. 827 n. H.). Er war Hadithprofessor an der Dschāmiʿ von Zabīd im Jemen. Dort verfasste er einen Kommentar zur Sahīh al-Buchārī. Er trägt den Namen „Masābīḥ al-Dschāmiʿ“ (*********************). Im Schabān des Jahres 820 kam er nach Gujarat in Indien. Hier verfasste er die folgenden drei Werke: a) Taʿlīq al-Farāʾiḍ (*********************) b) „Tuhfat al-Gharīb, Scharh al-Mughnī al-Labīb“ und c) „ʿAin al-Hayāt fī Chulāsat Hayāt al-Hayawān“.
2. Abū Futūḥ Nūr ad-Dīn Aḥmad ibn ʿAbdallāh Schīrāzī Ṭūsī (gest. 850 n. H.).
Er kam vermutlich in den Jahren 814–844 nach Gujarat. Er war Schüler von Madsd ad-Dīn Fīrūzābādī, Schams ad-Dīn Dschazarī, Sayyid Scharīf Dschurdschānī und Bābā Yūsuf Harāwī.
Unter denjenigen, die aus dem von Ibn Ḥadschar al-ʿAsqalānī in Ägypten gegründeten Hadith-Lehrzentrum nach Indien kamen, sind die folgenden beiden Muḥaddithūn bemerkenswert:
1. Yaḥyā ibn ʿAbd ar-Raḥmān ibn Abū al-Chair Hāschimī (gest. 843 n. H.)
2. Aus dem von Chwāja ʿImād Sachāwī gegründeten Hadith-Zentrum kamen die folgenden Muḥaddithūn nach Indien:
1) Abū al-Fatḥ ar-Rāzī al-Makkī (gest. 886 n. H.)
2) Aḥmad ibn Ṣāliḥ Malwī
3) ʿUmar ibn Muḥammad Dimaschqī (gest. 900 n. H.)
4) Abd al-Aziz ibn Mahmud Tusi (gest. 910 n. H.)
5) Wajih al-Din Muhammad Maliki (gest. 919 n. H.)
6) Husain ibn Abdallah ibn Awliya Kirmani (gest. 930 n. H.)
7) Dschamal al-Din Muhammad ibn Umar Hadschrani (gest. 930 n. H.)
8) Rafi al-Din Saqawi (gest. 954 n. H.)
Namen der Muhaddithen, die aus dem von Zakariya al-Ansari gegründeten Zentrum kamen:
1) Abd al-Muti Hadschrani (gest. 989 n. H.)
2) Schihab al-Din Abbasi (932 n. H.)
Namen der Hadithgelehrten, die aus dem von Ibn Hadschar al-Haytamī gegründeten Zentrum kamen:
1) Scheich Ibn Abdullāh al-Aydarūsī (gest. 991 n. H.)
2) Abū Saʿādāt Muhammad al-Faqīhī (gest. 992 n. H.)
3) Mīr Murtadā Scharīf Schīrāzī (gest. 974 n. H.)
4) Mīr Kallā, der Hadithgelehrte aus Akbarābād (gest. 983 n. H.)
Mullā ʿAlī Qārī, der Verfasser des berühmten Kommentars „Mirqāt“ zu Mischkāt Scharīf, war der Schüler dieses Kallā.
Danach entstanden an den folgenden Orten in Pak-Indien Zentren des Hadithstudiums.
1) Im Dekkan – hier kamen zahlreiche Hadithgelehrte an. (2) Gujarat (3) Malwa (4) Khandesch (5) Sindh – nach fünfhundert Jahren begannen hier im zehnten Jahrhundert nach der Hidschra erneut die Lehre und Verbreitung des Hadithwissens. (6) Lahore – unter der Leitung von Maulānā Muhammad (gest. 1000 n. H.) wurde diese Stadt zu einem Zentrum des Hadithstudiums. (7) Jhansi und Kalpi – ein Hadithgelehrter aus Bagdad namens Sayyid Muhammad Ibrāhīm kam im zehnten Jahrhundert nach der Hidschra hierher und begann, Hadithe zu lehren. (8) Agra – hier wurden gleichzeitig drei Hadithzentren gegründet: a) die Madrasa von Rafīʿuddīn Safawī, b) die Madrasa von Hādschī Ibrāhīm, dem Hadithgelehrten aus Akbarābād (gest. 1010 n. H.), und c) die Madrasa von Sayyid Schāhmīr (gest. 1000 n. H.). (9) Lucknow – in der zweiten Hälfte des zehnten Jahrhunderts wurde diese Stadt zu einem Zentrum der Hadithwissenschaft, als Scheich Ziyāʾuddīn, ein Hadithgelehrter aus Medina, hierherkam, sich niederließ und begann, Hadithe zu lehren. (10) Jaunpur – vermutlich wurde der Hadith hier durch Muhadhdhab Jaunpūrī, einen Schüler Imām Sachāwīs, verbreitet. (11) Bihar – im achten Jahrhundert gelangte das Hadithwissen durch Sayyid Minhājuddīn Rāstī, einen Schüler Scharafuddīn Munīrīs, nach Phulwārī Scharīf in Bihar. Im zehnten Jahrhundert erfuhr es dort eine Blüte und Weiterentwicklung.
Auslandsreisen der Menschen des indischen Subkontinents zum Studium der Hadithe
Zwischen 820 und 992 nach der Hidschra (entsprechend 1417–1584 n. Chr.) setzte mit der Ankunft ausländischer Hadithgelehrter auf dem indischen Subkontinent eine neue Welle auf dem Gebiet des Hadithstudiums ein, und von da an begannen die wissensbegeisterten und erkenntnishungrigen Menschen dieses Landes, zum erhabenen Zweck des Hadithstudiums ins Ausland zu reisen. Ihre Auslandsreisen blieben nicht auf Indien beschränkt – sie reisten bis ins weit entfernte Mekka und Medina, um eine höhere Ausbildung in der Hadithwissenschaft zu erlangen. Auch in dieser Epoche scheuten sie nicht im Geringsten davor zurück und fürchteten sich nicht, die Gefahren einer Fahrt über das von tosenden Wellen bewegte Meer auf sich zu nehmen. Nahezu alle Hadithgelehrten dieser Epoche, von dem Hadithgelehrten ʿAbd al-Awwal al-Husainī (gest. 986 n. H.) bis zu Schah Walī Allāh ad-Dihlawī (gest. 1172 n. H.), unternahmen solche Reisen zum Studium der Hadithe.
Bis zu dieser Zeit unternahm Jamālullāh Gulbāgī als Erster diese beschwerliche Reise. Er studierte Hadithe in Mekka. Danach begaben sich noch viele weitere Menschen zum Studium der Hadithe nach Mekka und Medina, und solche Reisen wurden fortgesetzt, bis die ersten Hadithbildungsstätten Indiens, die Madrasas von Deoband und Saharanpur, gegründet wurden.
Zu dieser Zeit erlangten die folgenden Personen besondere Kenntnisse in der Hadithwissenschaft:
1. Abū Bakr ibn Muḥammad al-Bahrūjī (gest. 915 n. H.). Er verfasste eine persische Übersetzung und einen Kommentar zu dem von al-Dschazarī zusammengestellten Werk „Ḥisn-i Ḥaṣīn“. Auch das Werk des Qāḍī ʿIyāḍ mit dem Titel „ʿAin al-Wafā fī Tarǧama-yi Schifā“ übersetzte er ins Persische.
2. Mīr Saiyid ʿAbd al-Awwal al-Ḥusainī al-Gudscharātī al-Dschawnpūrī (gest. 986 n. H.). Er war ein Zeitgenosse des Hadithgelehrten Abū al-Fatḥ. In Mekka und Medina erwarb er Hadithkenntnisse. Für eine höhere Ausbildung im Hadith nahm er besondere Mühen und Anstrengungen auf sich und verfasste zwei Werke mit den Titeln „Faiḍ al-Bārī fī Scharḥ al-Buḫārī“ und „Muntaḫab-i Kitāb-i Safar as-Saʿādat“. Zu Beginn der Regierungszeit Akbars, des Khān-i Khānān, wurde er aus Gujarat nach Delhi eingeladen.
3. Chwadscha Mubārak ibn Maḫdūm ar-Rādschānī al-Banārasī (gest. 981 n. H.). Er stellte ein Hadithwerk mit dem Titel „Madāriǧ al-Aḫbār“ zusammen.
4. Scheich Wiqārī Kākūrī (890–981 n. H.). Sein eigentlicher Name war Niẓām ad-Dīn ibn Aram Saif ad-Dīn. Er war ein berühmter Hadithgelehrter. Bei Ḥāfiẓ Saḫāwī hörte und studierte er Hadithe. Er widmete sein Leben dem Dienst an den Hadithen. Das gesamte Ṣaḥīḥ al-Buḫārī hatte er auswendig gelernt.
6. Jamāl ad-Dīn Muḥammad ibn Ṭāhir ibn ʿAlī al-Fattānī (gest. 914 n. H.). Er war unter dem Namen „Malikul-Muḥaddithīn“ (König der Hadith-Gelehrten) bekannt. Im Hadith-Lehrzentrum von ʿAlī al-Muttaqī in Mekka schrieb er sich im Jahr 944 n. H. zum Hadith-Studium ein und studierte dort sechs lange Jahre Hadithe. Durch die folgenden seiner Werke wird er für immer in Erinnerung bleiben.
a) Majmaʿ al-Biḥār al-Anwār (********************)
b) Tadhkirat al-Mawḍūʿāt
c) Qānūn al-Mawḍūʿāt wa-ḍ-Ḍaʿīf
d) Asmāʾ ar-Rijāl
e) al-Mughnī fī Ḍabṭ ar-Rijāl
7. Scheich Ṭayyib Sindhī (gest. 999 n. H.). Er verfasste ein Werk mit dem Titel „Taʿlīqāt-i Miškāt al-Maṣābīḥ“.
8. Scheich ʿAbdullāh al-Anṣārī as-Sultānpūrī (gest. 990 n. H.). Während der Herrschaft Kaiser Akbars war er der bedeutendste Hadith-Gelehrte Indiens. Die Titel seiner zwei bemerkenswerten Werke lauten wie folgt:
9) Sharh ʿalā Shamāʾil an-Nabī Gangūhī (gest. 990 n. H.). Er erwarb seine Hadith-Kenntnisse bei Ibn Ḥaǧar al-Haytamī. Während der Herrschaft Akbars spielte er eine revolutionäre Rolle für den Islam.
Die folgenden seiner Werke über die Hadithe sind besonders erwähnenswert:
a) Sunan al-Hudā fī Mutābaʿat al-Muṣṭafā
b) ʿAẓāʾif al-Yaum al-Lail
10. Scheich Waǧīhud-Dīn ʿAlawī Gujarātī (gest. 990 n. H.). Er verfasste mindestens 23 Werke. Sharḥ al-Ǧāmī, Tafsīr al-Baiḍāwī und Nuẓhat an-Naẓar fī Sharḥ Nuḫbat al-Fikar gehören zu seinen berühmten Schriften.
11. Scheich Ṭāhir ibn Yūsuf Sindī Burhānpūrī (gest. 1004 n. H.). Die Zahl seiner verfassten Werke beträgt vier:
a) Talkhīṣ Sharḥ Asmāʾ ar-Riǧāl al-Buḫārī Kirmānī
b) Mulakkat Ǧāmiʿ al-Ǧawāmiʿ
c) Scharḥ al-Buchārī
d) Riyāḍ as-Sālikīn
12. Scheich Ibn Hasan Saifī Kaschmīrī (gest. 1003 H.). Er war der Lehrer von Scheich Ahmad Sirhindī, dem Mudschaddid Alf-i-Sānī. Seine Werke sind:
a) Scharḥ Ṣaḥīḥ al-Buchārī
b) Tafsīr al-Qurʾān
c) Risāla-yi Adhkār
d) Maghāzī an-Nubuwwa.
13. Hādschī Muhammad Kaschmīrī (gest. 1006 H.). Von seinen Werken über Hadithe sind die folgenden besonders erwähnenswert:
a) Scharḥ Schamā’il an-Nabawī
b) Scharḥ Maschāriq al-Anwār
c) Kitāb Chulāṣat al-Dschāmiʿ fī Dschāmiʿ al-Ḥadīth
d) Scharḥ Ḥiṣn Ḥaṣīn
15. Schaich Munawwar ibn ʿAbd al-Madschīd ibn ʿAbd asch-Schakūr al-Lāhūrī (gest. 1010 n. H.). Während der Regierungszeit Akbars nahm er die Rolle eines revolutionären Gelehrten ein. Deshalb war er sogar gezwungen, eine Gefängnisstrafe zu verbüßen. Während seines Aufenthalts im Gefängnis vollendete er sein Werk „Durr an-Nadschm fī Tartīb al-Awāʾil wa-s-Suwar al-Karīm“ und lernte den Tafsīr von Qāḍī Schihāb ad-Dīn mit dem Titel „al-Baḥr al-Mawāʿiẓ“ auswendig. Er verfasste auch Kommentare zu Saghānīs „Maschāriq al-Anwār“ und Dschazarīs „Ḥiṣn Ḥaṣīn“.
16. Muḥyī ad-Dīn ʿAbd al-Qādir ibn Schaich ibn ʿAbdallāh (gest. 1037 n. H.). Er verfasste zahlreiche Werke. Von seinen Werken über den Ḥadīth sind fünf besonders bemerkenswert:
a) al-Minḥ al-Bārī bi-Chatm Ṣaḥīḥ al-Buchārī
b) ʿIqd al-Lail fī Faḍāʾil al-Layāl
g) Risala fi Manaqib al-Buchari
d) Al-Qawl al-Dschami fi Bayan Ilm al-Nafi
e) Kitab al-Anfus al-Latif fi Ahli Badr al-Scharif.
17. Abd an-Nabi Schattari (gest. 1039 H.). Von seinen folgenden fünf Büchern über die Hadithe sind besonders erwähnenswert:
a) Dschahriyat an-Nadschat fi Scharh al-Mischkat (eine Erläuterung der Mischkat Scharif)
b) Scharh-e Nuchbat al-Fikr
c) Scharh der Hadithe ********************
d) Scharh der Hadithe ********************
ঙ) Lawāmiʿ al-Anwār fī Manāqib as-Sādāt al-Aṭhār.
Die Epoche des Mujaddid Alf-e Sani
Der Name des Mujaddid Alf-e Sani war Scheich Ahmad ibn Abd al-Ahad al-Fārūqī as-Sirhindī (gest. 1034 n. H.). Er erlernte die Hadithe bei Scheich Yaʿqūb Saifī und erhielt die Erlaubnis, Buchārī Scharīf, die Mischkāt von Tirmidhī und al-Dschāmiʿ as-Saghīr von as-Suyūtī zu unterrichten. Von Qādī Bahlūl al-Badachschānī erhielt er die Erlaubnis, die Sihāh Sitta zu überliefern. Außer dem Werk „Hadīth-e Arbaʿīn“ hinterließ er kein weiteres Werk über Hadithe. Auf Grundlage des Korans und der Hadithe leitete er eine gewaltige Bewegung zur Reform und Verbesserung der muslimischen Gesellschaft. In seinem Werk „Maktūbāt“ legte er besonderen Nachdruck auf das Studium des Korans und der Hadithe. Dadurch wurden viele Menschen dazu ermutigt und angeregt, das Wissen über die Hadithe zu erlernen und darin Kenntnisse zu erlangen. Einige Hadithgelehrte dieser Zeit seien hier genannt:
1. Scheich Saʿīd ibn Ahmad Sirhindī (gest. 1070 n. H.)
2. Farūch Schāh, der Sohn von Scheich Saʿīd (gest. 1112 n. H.)
3. Sirādsch Ahmad Mudschaddidī (gest. 1230 n. H.). Drei seiner Werke sind bemerkenswert:
a) die persische Übersetzung von Muslim Scharīf
b) die persische Übersetzung von Dschāmiʿ at-Tirmidhī
c) Eine Sammlung der Hadithe über Speisen und Getränke.
4. Scheich Maʿsum ibn Ahmad Sirhindi (gest. 1080 n. H.)
5. Chwadscha Aʿzam ibn Saifuddin Sirhindi (gest. 1114 n. H.).
Er war während der Herrschaft von Kaiser Alamgir ein berühmter Muhaddith. Unter dem Titel „Faiz al-Bari Scharh Sahih al-Buchari“ verfasste er einen Kommentar zu Bucharis Werk.
6. Schah Abu Saʿid ibn Safiyul Qadr Mudschaddidi (gest. 1250)
7. Schah Abd al-Ghani ibn Saʿid Mudschaddidi (gest. 1296 n. H.)
Er verfasste ein Werk über den Hadith von Ibn Madschah unter dem Titel „Injah al-Hadschah Scharh Ibn Madschah“.
Die Epoche von Scheich Abd al-Haqq Muhaddith Dehlawi
Scheich Abd al-Haqq studierte in Mekka bei Scheich Abd al-Wahhab Muttaqi (gest. 1010 n. H.) Hadith und erhielt von ihm eine „Erlaubnis“ bezüglich der Sihah Sitta. Auf dem Gebiet des Hadith sind die folgenden Werke sein bleibender und äußerst wertvoller Beitrag:
a) „Attarīqul Kāwīm fī Scharh-e Sīratil Mustaqīm“ – eine persische Erläuterung des Werkes „Safarus Saʿādat“.
b) Aschratul-Lumʿāt fil-Mischkāt (eine persische Erläuterung der Mischkāt Scharīf).
c) „Lamʿātut-Tanqīh fī Scharh-e Mischkātil-Masābīh“.
d) Al-Ikamāl fī Asmāʾir-Ridschāl
e) Dschāmiʿul-Barakāt, eine Auswahl aus der Erläuterung der Mischkāt
f) „Mā Sabata bis-Sunnah fī Ayyāmis-Sanah
g) „Al-Hadīṯul-Arbaʿīn“
j) „Tarjumat al-Ahādīth al-Arbaʿīn“
jh) „Dastūr-e Fayz an-Nūr“
10. „Dhikr al-Ijāzāt al-Hadīth fī al-Qadīm al-Hadīth“
Durch seine gewaltige Beschäftigung mit der Hadith-Wissenschaft und seinen unvergesslichen Beitrag zur Welt der Bücher begann auf dem Gebiet der Hadith-Ausbildung in diesem Land eine neue Ära.
Der Verfasser des Werkes „Tarikh-e Ulama-ye Hind“ schrieb über ihn:
******************************************************
Er war der Erste, der in Indien den Samen der Hadith-Wissenschaft aussäte.
Er widmete sich dauerhaft dem Unterricht in Hadith. Unter seinen Nachkommen erlangten viele Personen das Anrecht auf die Würde herausragender Muhaddithūn. Hier sollen einige ihrer Namen genannt werden:
1. Scheich Nurul Haq (gest. 1073 n. H.). Er erwarb seine Hadithkenntnisse bei seinem Vater. Seine Werke über Hadithe sind zwei:
a) Taysīr al-Qārī fī Scharḥ Ṣaḥīḥ al-Buḫārī
b) Scharḥ Schamāʾil an-Nabawī
2. Hafiz Abdus Samad Fakhruddin ibn Muhibbullah (gest. 1160 n. H.). Seine Werke sind folgende:
a) Manbaʿ al-ʿIlm fī Scharḥ Ṣaḥīḥ Muslim. Im Wesentlichen handelt es sich um ein von seinem Vater verfasstes Werk; er hat es lediglich herausgegeben.
b) Scharḥ ʿAin al-ʿIlm
c) Scharḥ Ḥiṣn Ḥaṣīn
3. Scheich al-Islam ibn Hafiz Fakhruddin (gest. 1180 n. H.). Seine Hadith-Werke sind drei:
a) Scharh Sahih al-Buchari
b) Risala Kaschf al-Ghita amma lazima lil-mauta wal-ahja (ein Kommentar zum Muwatta-Werk).
Risala Tard al-Awham an Athar al-Imam al-Humam.
4. Salamullah ibn Schaich al-Islam Muhaddith (gest. 1229). Er ist unter dem Namen „Muhaddith von Rampur“ bekannt. Von seinen bemerkenswerten Werken über die Hadithe sind folgende zu nennen:
1) Al-Muhalla bi-Asrar al-Muwatta.
2) Eine persische Übersetzung des Sahih al-Buchari
3) Eine persische Übersetzung des Schamail an-Nabawi
4) Risala fi Usul al-Hadith
5. Scheich Saifullah ibn Nurullah bin Nur al-Haqq. Während der Regierungszeit des Kaisers Alamgir verfasste er ein Werk mit dem Titel „Aschraf al-Asa’il fi Scharh asch-Schama’il“.
Die Schüler von Scheich Abd al-Haqq
1) Chwaja Charend Mu’in ad-Din (gest. 1085 n. H.), 2) Chwaja Haidar Patlu (gest. 1057 n. H.), 3) Baba Daud al-Muschtaki al-Kaschmiri, 4) Scheich Inayatullah, der Hadith-Gelehrte aus Kaschmir (gest. 1195 n. H.) – er hielt 36 Jahre lang Hadith-Unterricht. 5) Mir Sayyid Mubarak Bilgirami (gest. 1115 n. H.) – er verfasste persische Kommentare zu Schama’il an-Nabi und Hisn al-Hasin. 6) Mir Abd al-Dschalil Bilgirami (gest. 1138 n. H.) – er war ein versierter Hadith-Gelehrter auf dem Gebiet von Asma ar-Ridschal. 7) Mir Azad Bilgirami (gest. 1200 n. H.) – die Titel seiner Werke über Hadithe lauten:
a) Adsch-Dschuyuddarari, ein Kommentar zu Sahih al-Buchari
b) Schamamat al-Anbar fi ma urida fi l-Hind min Sayyid al-Baschar
c) Subhat al-Murdschan fi athar Hindustan.
d) Machdum Sayyad fi husn chatimat as-siyada.
Die folgenden Hadith-Gelehrten erlangten von der Mitte des 11. bis zur Mitte des 12. Jahrhunderts nach der Hidschra Berühmtheit:
1) Muhammad Siddiq ibn Sharif (gest. 1040 n. H.), 2) Shaykh Husain al-Husayni (gest. 1043 n. H.), 3) Sayyid Ja’far Badr-e Alam (gest. 1085 n. H.) – er verfasste zwei Werke mit den Titeln „Al-Faiz al-Tari fi Sharh Sahih al-Bukhari“ und „Rawdat ash-Shah“, 4) Abu al-Majd Mahbub-e Alam (gest. 1111 n. H.) – er verfasste ein Werk mit dem Titel „Zinat an-Nukat fi Sharh al-Mishkat“, 5) Shaykh Yaqub Banani Lahori (gest. 1098 n. H.) – er verfasste die folgenden drei Werke:
a) Al-Khayr al-Jari fi Sharh Sahih al-Bukhari
b) Al-Mu’allim fi Sharh Sahih Muslim
c) Kitab al-Musaffa fi Sharh al-Muwatta
6) Mawlana Na’im Siddiqi (gest. 1120 n. H.) – er verfasste einen Kommentar zur Mishkat al-Masabih, 7) Shaykh Muhammad Akram ibn Abd ar-Rahman (gest. 1130 n. H.), 8) Shaykh Yahya ibn Amir al-Abbasi (gest. 1114 n. H.) – er verfasste unter anderem die Werke „Yan’at al-Qari Sharh Mulassiyat al-Bukhari“, „Arba’in“ und „Tadhkirat al-Ashab“, 9) Shaykh Muhammad Fakhr Allahabadi (gest. 1164 n. H.) – er verfasste die folgenden vier Werke über die Hadithe: a) „Qurrat al-‘Ayn fi Ithbat Raf’ al-Yadayn“, b) „Risala-yi Najatiyya dar ‘Aqa’id-i Hadithiyya“, c) „Nazm-i Ibrat-i Safar as-Sa’ad“, d) „Mathnawi dar Ta’rif-i Hadith“. 10) Mawlana Amin ad-Din Muhammad Umari (gest. 1145 n. H.), 11) Mawlana Nur ad-Din ibn Salih Ahmadabadi (gest. 1155 n. H.) – er verfasste einen Kommentar zum Sahih al-Bukhari mit dem Titel „Nur al-Qari Sharh Sahih al-Bukhari“, 12) Mirza Muhammad ibn Rustam Badakhshi (gest. 1195 n. H.). Von seinen Hadith-Werken sind die folgenden besonders erwähnenswert:
a) Miftah an-Naja fi Manaqib al-Aba
b) Tarajim al-Huffaz
c) Nuzul al-Abrar bima Sahha min Manaqib Ahl al-Bayt al-Athar
d) Tuhfatul Muhibbin fi Manaqib-i Khulafa-i Raschidin.
(13) Mirza Jan Dschalandhari Biraki (gest. 1100 n. H.) – er verfasste ein Werk mit dem Titel „Nadschmud-Durar al-Mardschan“.
(14) Muhammad Siddiq Lahori (gest. 1193 n. H.) – er verfasste ein Werk mit dem Titel „Izalatul Fasadat fi Scharhi Manaqibis-Sajadat“.
(15) Scheich Haschim ibn Abd al-Ghafur Sindhi. Er ordnete und arrangierte Sahih Buchari Scharif auf neue Weise entsprechend der aufeinanderfolgenden Generationenfolge der Gefährten.
Die Epoche von Schah Waliullah Dehlawi
In der Epoche von Schah Waliullah Dehlawi begann auf dem indischen Subkontinent ein Abschnitt des außergewöhnlichen Aufblühens der Hadith-Wissenschaft. In dieser Zeit erlangte sie den Rang einer fortgeschrittenen Wissenschaft. Dahinter war der Beitrag des Epochen-Imams Schah Waliullah unermesslich und unvergleichlich. Er wurde am 14. Schawwal des Jahres 1114 nach der Hidschra geboren. Sein Tod erfolgte im Jahr 1176 nach der Hidschra. Zum Erwerb einer höheren Ausbildung in der Hadith-Wissenschaft reiste er nach Mekka und Medina. Die folgenden seiner Werke über den Hadith sind besonders erwähnenswert:
a) Huddschatullah al-Baligha
b) Arba’in
g) Asīqat al-Aḫyār
d) ad-Durr as-Samīn fī Mubashshirāt an-Nabiyy al-Amīn
e) al-Faḍl al-Mubīn fī al-Musalsal min Ḥadīṯ an-Nabiyy al-Amīn
f) al-Iršād ilā Muhimmāt al-Isnād
ch) Tarāǧim al-Buḫārī
j) Šarḥ-e Tarāǧim-e Abwāb al-Buḫārī
jh) Muṣaffā, Šarḥ-e Muwaṭṭaʾ
ñ) Musawwā, Šarḥ-e Muwaṭṭaʾ
ṭ) Āthār al-Muḥaddithīn.
Die Namen der Hadith-Gelehrten, die unter dem Einfluss von Schāh Walīullāh hervortraten, werden im Folgenden aufgeführt:
1) Qāḍī Thanāullāh Pānīpatī (gest. 1225 n. H.). Er verfasste ein Hadith-Werk mit dem Titel „Al-Lubāb“.
2) Schāh ʿAbd al-ʿAzīz ibn Walīullāh Dihlawī (gest. 1236 n. H.). Er widmete sich fast sechzig Jahre lang dem Unterricht in Hadith. Infolgedessen wurden seine zahlreichen Schüler an verschiedenen Orten Indiens mit dem Unterricht und der Verbreitung des Hadith betraut. Einige ihrer Namen seien hier genannt:
1) Schāh Rafīʿ ad-Dīn Dihlawī (gest. 1249 n. H.) (2), Schāh Muḥammad Ismāʿīl Schahīd (Märtyrertod: 1246 n. H.) (3) Schāh Muḥammad Maqṣūdullāh (gest. 1273 n. H.) (4) Munshī Ṣadr ad-Dīn Dihlawī (gest. 1258 n. H.) (5) Ḥasan ʿAlī, der Hadith-Gelehrte aus Lakhnau, (6) Ḥusain Aḥmad (gest. 1275 n. H.) (7) Schāh Raʾūf Aḥmad Mujaddidī (gest. 1249 n. H.) (8) Schāh Faḍl ar-Raḥmān Ganj Murādābādī (gest. 1315 n. H.), (9) Khurram ʿAlī Balhārī (gest. 1271 n. H.). Er übersetzte „Mushāriq al-Anwār“ von as-Saghīnā sowie „Al-Arbaʿīn“ von Schāh Walīullāh ins Urdu. (10) Schāh Abū Saʿīd (gest. 1250 n. H.) (11) Muḥammad Shakūr (gest. 1300 n. H.) (12) Schāh Ẓuhūr al-Ḥaqq Phulwārī, (13) Aulād Ḥusain, (14) Karamullāh, der Hadith-Gelehrte aus Dihlawī (gest. 1258 n. H.) (15) ʿAlāmatullāh Badāyūnī.
Die Hadith betreffenden Werke von Schāh ʿAbd al-ʿAzīz beschränken sich auf zwei. Sie sind folgende:
a) Bustān al-Muḥaddithīn (Persisch), b) Ījāla-yi Nāfiʿa.
3) Schāh Isḥāq ibn Afḍal Fārūqī Dihlawī (gest. 1262) – er widmete sich zwanzig Jahre lang dem Unterricht in Hadith. Seine Schüler verbreiteten sich über ganz Indien. (4) Madhhab Nānūtawī (gest. 1320). (5) Aḥmad ʿAlī Sahāranpūrī (gest. 1297) – er erhielt eine höhere Ausbildung in Mekka und Medina. Er verfasste unter anderem Taʿlīqāt-i Bukhārī, Muqaddama-yi Bukhārī und eine Ḥāschiya (Randbemerkungen) zu Tirmidhī Scharīf. (6) Maulānā Qāsim Nānūtawī (gest. 1297) (7) Miyān Sahib Saiyid Naẓīr Ḥusain (gest. 1320). (8) Maulawī Nawāb Muḥammad Quṭb ad-Dīn, der Hadith-Gelehrte aus Dihlawī – er erlernte die Hadith-Wissenschaft bei Schāh Isḥāq Dihlawī. Danach reiste er nach Mekka und Medina und erlangte eine höhere Überlieferungskette im Hadith. Die folgenden beiden seiner Werke über Hadith sind besonders erwähnenswert:
a) Mazāhir-e Ḥaqq – Urdu-Übersetzung und -Kommentar zu Mishkat Sharif; b) Übersetzung von Hisn-e Hasin.
Nach Shah Ishaq Sahib entstanden verschiedene Zentren für den Unterricht in Hadith. Die Schüler der zuvor genannten Gelehrten begannen an verschiedenen Orten in Pak-Indien eigenständig mit dem Unterricht und der Verbreitung der Hadith-Wissenschaft. Bei Shah Abdul Ghani, dem Nachfolger von Shah Abu Sa’id al-Mujaddidi, erwarben zahlreiche Menschen Hadith-Kenntnisse. Danach erlangten die folgenden Personen als herausragende Kenner der Hadith-Wissenschaft Berühmtheit.
1) Mawlana Abdul Hayy Lakhnawi (gest. 1304), Mawlana Rashid Ahmad Gangohi, Mawlana Qasim, Mawlana Yaqub, Mawlana Abdul Haq Ilahabadi, Shaykh Habibur Rahman Rudawlawi, Mawlana Muhammad Husayn Ilahabadi, Shaykh Muhammad Ma’sum Mujaddidi, Mawlana Jafari, Mawlana Alimuddin Balkhi, Shaykh Manzur Ahmad Hindi.
Der verstorbene Mawlana Abdul Hayy richtete in Firangi Mahal ein Zentrum für den Hadith-Unterricht ein. Die bei ihm ausgebildeten Menschen erlangten beträchtliche Fachkenntnis in der Hadith-Wissenschaft. Einige Muhaddithun dieser Epoche seien hier genannt:
(1) Mawlana Zahir Ahmad „Schauq“. Er verfasste ein Hadith-Werk mit dem Titel Āsār as-Sunan. (2) Mawlana Abdul Hadi Azimabadi (3) Mawlana Muhammad Husayn Ilahabadi, (4) der Hadith-Gelehrte Mawlana Idris Sasrami (5) Mawlana Abdul Ghafur Ramzanpuri (6) Mawlana Abdul Karim Punjabi (7) Shah Sulayman Phulwari – er war einst leitender Mawlana der Calcutta Alia-Madrasa. (8) Mawlana Abdul Hayy (9) Mawlana Abdul Wahhab Bihari (10) Mawlana Abdul Bari – er verfasste eine Erläuterung zu dem Werk Āsār as-Sunan.
Durch Mawlana Sayyid Nazir Husayn Dehlawi (gest. 1320 n. H.) fand die Hadith-Wissenschaft auf dem indischen Subkontinent weite Verbreitung. Er war der Führer der Ahl-e-Hadith-Gemeinschaft. Hunderttausende Schüler erlernten bei ihm die Hadith-Wissenschaft und verbreiteten sich anschließend in verschiedenen Teilen des Subkontinents. Aus den Muhaddithun dieser Epoche seien einige genannt:
(1) Mawlana Shamsul Haq Dahanwi. Er verfasste ein Werk mit dem Titel Ghāyat al-Maqsūd. (2) Mawlana Ashraf Ali. Er verfasste ein Werk mit dem Titel Ayn al-Ma’būd. (3) Mawlana Abdur Rahman Mubarakpuri – er schrieb ein umfangreiches kommentierendes Werk zu Tirmidhi Sharif mit dem Titel Tuhfat al-Ahwazi. (4) Mawlana Sayyadat Husayn – er war Dozent für Hadith-Wissenschaft an der Calcutta Alia-Madrasa. (5) Mawlana Amir Ali Malihabadi – er verfasste eine Glosse zur Hidāya (einem Werk des Fiqh). (6) Mawlana Jamil Ansari – er erteilte an der Calcutta Alia-Madrasa Hadith-Unterricht. (7) Mawlana Ahmadullah (gest. 1362) – er war Shaykh al-Hadith der Rahmaniyya-Madrasa in Delhi. (8) Mawlana Alam Ali Naginawi; in Rampur traten bei der Vermittlung des Hadith-Unterrichts Sayyid Abu Muhammad Barkat Ali Shah, Mawlana Hasan Shah, Mawlana Munawwar Ali sowie sein Schüler Mawlana Wilayat Husayn und andere bedeutende Muhaddithun hervor.
Mawlana Muhammad Qasim und Mawlana Rashid Ahmad, Schüler von Mawlana Shah Abdul Ghani, gründeten die Deoband-Madrasa. Im Laufe der vergangenen Jahrhunderte verbreiteten sich von dieser Institution mehrere tausend Muhaddithun in allen Teilen Pak-Indiens. Mawlana Khalil Ahmad Sahib war ein bedeutender Muhaddith dieser Epoche. Er verfasste unter dem Titel Badh al-Majhud einen hochrangigen, gelehrten Kommentar zu Abu Dawud Sharif.
Maulana Mahmudul Hasan (Scheich al-Hind) war lange Zeit der führende Hadith-Gelehrte der Deoband-Madrasa, und viele Hunderte von Menschen erwarben bei ihm Kenntnisse in der Hadith-Wissenschaft. Maulana Anwar Schah Kaschmiri war einer der bedeutendsten Hadith-Gelehrten seiner Zeit. Die Vorträge, die er beim Unterricht von Sahih al-Buchari und Sahih at-Tirmidhi hielt, wurden von seinen Schülern niedergeschrieben und anschließend unter den Titeln „Fayḍ al-Bārī“, ein Kommentar zu Sahih al-Buchari, beziehungsweise „al-ʿArf asch-Schādhī“, ein Kommentar zu Sahih at-Tirmidhi, veröffentlicht.
Nachdem sie bei Maulana Ahmad Ali Saharanpuri Hadithe studiert hatten, widmeten sich viele Menschen dem Hadith-Unterricht in Bengalen und Assam. Unter seinen Schülern erlangten Mufti Abdullah Tungi und Maulana Nazir Hasan Deobandi den größten Bekanntheitsgrad. In den Gebieten Ostbengalens und Assams erwarben auch ihre Schüler sowie die besonderen Lehrer des Verfassers dieses Buches, Maulana Muhammad Husain Sylheti und Maulana Mumtazuddin, große Berühmtheit.[Eine systematische Darstellung dieser Epoche findet sich nicht in besonders vielen Büchern. Sämtliche Werke für diese Darstellung wurden den folgenden Schriften entnommen: (1) dem Forschungswerk Indian’s Contribution to the Study of Hadith Literature von Herrn Dr. Ishaq, (2) dem von Maulana Mufti Amimul Ihsan verfassten ********************, (3)********************, (4)********************, sowie unter anderem dem Vorwort zu ********************, zusammengestellt von Maulana Abdul Ghaffar Hasan. Der berühmte Hadith-Gelehrte Scheich Makhdoomul Mulk aus „Maner“ studierte bei ihm volle 22 Jahre lang ununterbrochen Hadith-Wissenschaften sowie andere Wissensgebiete. (Manaqib al-Asfiya) (Islamic Culture, Bd. XXVII, Nr. 1]
Die Hadith-Wissenschaft in Bengalen
Gaur und Pandua
Alauddin Husain Schah ibn Sayyid Aschraf Makki regierte von 900 bis 924 nach der Hidschra über Bengalen. Er förderte als Erster die Entwicklung der bengalischen Sprache und Literatur. Darüber hinaus ist sein Verdienst um die umfassende Verbreitung des Unterrichts von Koran und Hadith in den von ihm beherrschten Gebieten unvergesslich. Er lud aus nahen und fernen Gegenden Menschen, die in den islamischen Wissenschaften bewandert waren, ein, in sein Reich zu kommen und sich hier niederzulassen. Im Jahr 907 nach der Hidschra (1502 n. Chr.) gründete er in Gaur an einem Ort namens Gurban-e Schahid (heute zum Distrikt Maldah gehörig) eine fortschrittliche Madrasa. Auch in Pandua errichtete er ein College. In diesen Bildungseinrichtungen wurde Hadith-Wissenschaft unterrichtet. Im Jahr 911 nach der Hidschra (1503 n. Chr.) fertigte Muhammad ibn Yazdan Bakhsch, bekannt unter dem Namen Khwajagir Schirwani, eine Abschrift von Sahih al-Buchari in drei Bänden an. Sie wird in der Orientalischen Bibliothek in Bakipur aufbewahrt.
Sonargaon
Wie bereits erwähnt, kam der Hadith-Gelehrte Scharafuddin Abu Tawama Buchari Hanbali (gest. 700 n. H.) im siebten Jahrhundert nach Sonargaon im Distrikt Dhaka und richtete hier umfassende Einrichtungen für den Hadith-Unterricht ein. Dadurch wurde dieser Ort zu einem Zentrum der Hadith-Wissenschaft. Auch nach seinem Tod bestand dieser Zustand noch einige Zeit fort. Zu jener Zeit herrschte in dieser Gegend die Sayyid-Dynastie (900–945 n. H.). Als Hauptstadt Ostbengalens versammelten sich in Sonargaon zahlreiche Hadith-Gelehrte, und auch an diesem Ort erlangten viele Menschen durch das Studium der Hadith-Wissenschaft Gelehrsamkeit. In jener Epoche war die Beschäftigung mit Hadith in dieser Gegend so weit verbreitet, dass zahlreiche Moscheen und Khanqahs diesem Zweck gewidmet wurden. Durch die Bemühungen des berühmten Hadith-Gelehrten Taqiuddin Ainuddin (929 n. H.) wurde hier eine Moschee errichtet. Damals regierte Nusrat ibn Husain Schah. Daher kann mit Nachdruck gesagt werden, dass Sonargaon gerade während der Herrschaft der Sayyid-Dynastie zu einem Zentrum des Hadith-Unterrichts wurde. Wahrscheinlich blieb dieser Ruhm bis zur letzten Phase der muslimischen Herrschaft in Ostbengalen bestehen und ungeschmälert erhalten. Doch während der anschließenden britischen Herrschaft erlosch der goldene Glanz Sonargaons vollständig.
Seit der Gründung Pakistans wurde in einer beträchtlichen Zahl großer Madrasas im damaligen Ostpakistan (dem heutigen Bangladesch) eine höhere Ausbildung in der Hadith-Wissenschaft eingerichtet. Infolgedessen erwarben jedes Jahr zahlreiche Menschen Hadith-Kenntnisse und wurden mit einem der wichtigen Grundpfeiler der Religion des Islam vertraut. Aufgrund von Mängeln im Bildungssystem waren sie jedoch nicht in der Lage, ebenso großen Nutzen daraus zu ziehen und eine vergleichbare Gelehrsamkeit zu erlangen wie die Hadith-Studierenden früherer Zeiten.
Die Zusammenstellung von Hadith-Werken auf dem indischen Subkontinent
In der Zeit nach der Unabhängigkeit des indischen Subkontinents scheint den Gelehrten die umfassende Verbreitung des Studiums des Ilm al-Hadith besondere Aufmerksamkeit gewidmet zu haben. Insbesondere wurden einige Anstrengungen unternommen, um die Bevölkerung mit den ursprünglichen Quellen und Grundlagen des Islam vertraut zu machen. Auch die erneute Zusammenstellung von Hadith-Werken sowie die Übersetzung und Kommentierung von Hadithen in Urdu und Bengali haben begonnen. Es ist zu hoffen, dass dies in naher Zukunft größere Ausmaße annehmen wird. [Verfasst auf Grundlage von Dr. Ishaqs Indian’s Contribution to the Study of Hadith Literatur und daraus zusammengestellt.]
Der Ilm al-Hadith und nichtmuslimische Gelehrte
Hadithe sind für die Muslime ein unschätzbarer Schatz. Seit dem ersten Kapitel der islamischen Geschichte wurde ihnen höchste Bedeutung beigemessen, und geeignete Vorkehrungen für ihre Bewahrung, Verbreitung und Vermittlung wurden von Anfang an fortgesetzt. Die Muslime konnten die hohe Stellung der Hadithe unmittelbar nach dem Koran niemals vergessen. Unter nichtmuslimischen Gelehrten hingegen sind unterschiedliche Reaktionen auf die Hadithe entstanden. Einige Gelehrte betrachteten sie mit aufgeschlossener Haltung und zögerten nicht im Geringsten, ihre Bedeutung auf dem Gebiet von Wissen und Wissenschaft zu erkennen und sie offen anzuerkennen.
Einige europäische Denker konnten jedoch die Bedeutung der Hadithe nicht anerkennen. Es gibt sogar viele Menschen, die, gerade weil es unmöglich ist, die Bedeutung der Hadithe zu leugnen, mit aller Kraft versucht haben, in ihnen verschiedene Arten von Mängeln und Fehlern zu entdecken.
Im vorliegenden Artikel möchten wir einige Äußerungen von Angehörigen beider Gruppen vorlegen. Zugleich werden wir auf ihre Aussagen antworten, sofern sie den Ilm al-Hadith, seine Sammlung und die Methoden der Muhaddithen zur Prüfung und Bewertung von Hadithen in irgendeiner Hinsicht kritisiert haben.
Europäische Gelehrte zur Unterstützung der Hadithe
1. Der berühmte europäische Historiker Edward Gibbon schrieb: „Durch die Lebensbeschreibung des Gründers jeder Nation erlangt das von ihm hinterlassene Wissensgut seine Vollständigkeit. Die Hadithe Hazrat Muhammads sind eine vollständige Unterweisung in wahrer Rede sowie ein lebendiges Sinnbild seiner Taten, seiner Aufrichtigkeit und seiner guten Werke.“(********************)
2. In der ägyptischen Zeitung „Watan“ schrieb ein christlicher Gelehrter: „Wenn die Muslime über den Koran und die Hadithe forschen, werden sie darin eine vortreffliche Ordnung zur Erfüllung ihrer religiösen und weltlichen Bedürfnisse finden können.
3. Der berühmte russische Philosoph Tolstoi veröffentlichte zur moralischen Besserung seines Landes und seines Volkes eine Sammlung von Hadithen in seiner eigenen Sprache.
(******************************************************)
4. Haitinger veröffentlichte eine sehr umfangreiche Liste der moralischen Regeln und Vorschriften, die unter den Muslimen aufgrund der Hadithe verbreitet sind. Seiner Ansicht nach kann es kein besseres Verfahren geben, um die Menschen praktisch zu guten Taten anzuspornen und sie von Sünden abzuhalten.(********************)
5. Sir William Muir schrieb:
„Was konnte in der Frühzeit für die Muslime ein anregenderes Gesprächsthema sein als die Worte und Taten des größten aller Menschen? …………. Dieser herausragende Mensch allein war der Grund für die Existenz und den Aufstieg dieses welterobernden Volkes. Er hatte den Muslimen die Schlüssel sowohl zu dieser Welt als auch zum Jenseits übergeben. Deshalb drehten sich die meisten Gespräche unter den Anhängern Hazrat Muhammads um ihn. Aufgrund all dieser Umstände entwickelte sich die Hadith-Wissenschaft beträchtlich weiter. (Life of Muhammad)
Als Hadith bezeichnet man die aus dem Mund des ehrwürdigen Gesandten hervorgegangenen Worte, die Berichte über seine Handlungen sowie jedes Wort, jede Tat oder jedes Verhalten, das seine Zustimmung erhalten hatte. Die Zuverlässigkeit und Unwiderlegbarkeit dieser Hadithe hängen naturgemäß davon ab, dass sie zur richtigen Zeit und nach einer fehlerfreien Methode gesammelt wurden. Durch unwiderlegbare Argumente und Beweise ist jedoch klar und unbestreitbar geworden, dass die Hadithe tatsächlich bereits zu Lebzeiten des Gesandten entsprechend seiner Weisung niedergeschrieben zu werden begannen. Niemand, der mit der Geschichte der Hadith-Wissenschaft vertraut ist, kann dies leugnen. Doch die Haltung mancher westlicher Gelehrter in dieser Angelegenheit ist entmutigend. Da sie über die wahre Geschichte der Hadithe nicht richtig informiert waren, machten sie Äußerungen, die bei unkundigen Lesern äußerste Verwirrung darüber hervorrufen können, ob die Hadithe zur richtigen Zeit und nach einer zuverlässigen Methode niedergeschrieben und bewahrt wurden.
Alfreds Zweifel
In diesem Zusammenhang möchten wir aus dem Werk Alfred Guillame-Fr Islam ein Zitat anführen. Auf Seite 89 seines genannten Werkes schrieb er:
Wann genau Aufzeichnungen über die Worte und Taten des Propheten erstmals niedergeschrieben wurden, wissen wir nicht; tatsächlich steht die frühe Überlieferung gerade in diesem Punkt im Widerspruch zu sich selbst. Einige sagen, der Prophet habe die Niederschrift seiner Aussagen erlaubt; andere behaupten, er habe sie verboten.
Wann genau die Worte und Taten des Propheten erstmals niedergeschrieben wurden, wissen wir nicht. Tatsächlich widersprechen sich die Überlieferungen der frühen Zeit in dieser Frage. Einige sagen, der Gesandte habe die Niederschrift seiner Worte erlaubt. Andere wiederum behaupten, er habe sie verboten.
In dem angeführten Zitat werden zugleich mehrere anstößige Andeutungen gemacht. Mit der Aussage: „Wir wissen nicht, wann genau die Hadithe niedergeschrieben wurden“, wird versucht, in den Menschen Zweifel an der Authentizität der Hadithe zu wecken. Zweitens wird dadurch, dass zwischen dem „Verbot“ und der „Erlaubnis“ des Gesandten kein tatsächlicher Zusammenhang hergestellt wird, äußerste Unentschlossenheit und Zweifel hervorgerufen. Die einschlägige Erörterung in diesem umfangreichen Werk beweist jedoch, dass die Niederschrift der Hadithe lediglich in der allerfrühesten Phase der islamischen Verkündigung verboten worden war, und zwar nur zu dem Zweck, zu verhindern, dass durch eine Vermischung von Koran und Hadith eine verhängnisvolle Situation entstand. Doch schon bald wurde dieses Verbot in eine Anordnung umgewandelt, und die Gefährten begannen, Hadithe ohne jedes Zögern niederzuschreiben. Zugleich muss man bedenken, dass zwar die Niederschrift der Hadithe dadurch zum Stillstand kam, dass in der allerersten Zeit neben der Niederschrift des Korans auch die Niederschrift der Hadithe verboten wurde, dass aber ihre mündliche Überlieferung sowie ihr gegenseitiges Lernen und Erörtern nicht im Geringsten aufhörten. Denn verboten war lediglich das Niederschreiben. Es war nicht verboten, sie einander mündlich zu überliefern.
Darüber hinaus versuchten auch zwei bekannte Orientalisten namens Goldziher und Sprenger, in dieser Phase Zweifel in den Köpfen der Menschen zu wecken. Goldziher versuchte im zweiten Band seines Werkes Muhammadanische Studim auf den Seiten 241–250 anhand zahlreicher Belege nachzuweisen, dass die Hadithe zu Beginn des zweiten islamischen Jahrhunderts zusammengestellt worden seien. Zwar schrieb er im ersten Teil desselben Werkes auf den Seiten 10–12 auch einiges, was darauf hindeutet, dass bereits zur Zeit des Gesandten einige Hadith-Sammlungen in Form von Sahīfas zusammengestellt worden seien. Doch kurz darauf stellte er zahlreiche Theorien auf, die Zweifel an der Authentizität dieser Sahīfas hervorrufen sollten.
Hinter einem solchen Vorgehen verbargen sich zwei Ziele. Das erste Ziel bestand darin, den Beweiswert der Hadithe und der Sunna dadurch zu schwächen, dass man behauptete, sie seien lediglich auswendig bewahrt worden, und die Menschen in eine verhängnisvolle Verwirrung zu stürzen, indem man sagte, die Hadithe seien erst im zweiten islamischen Jahrhundert niedergeschrieben worden. Das zweite Ziel bestand darin, die gesamten Hadithe und die Sunna als unbrauchbar und nicht unterstützungswürdig erscheinen zu lassen, indem man behauptete, die Sammler der Hadithe hätten diese zur Unterstützung ihrer eigenen Vorstellungen und Ansichten sowie zur Verwirklichung ihrer eigennützigen Absichten erfunden. Dieser Orientalist betrieb seine Forschungen nicht mit dem Ziel, die erforderlichen Belege für die Geschichte der Hadith-Sammlung zusammenzutragen und dafür Mühen auf sich zu nehmen. Tatsächlich kann eine solche Arbeit nur von ausgesprochen eigennützigen und von Absichten geleiteten Personen betrieben werden.
Sprenger versuchte in seinem Werk Dao Traditious wesen dei den Arabern 1856, 1-17 Dans nachzuweisen, dass die Vorstellung, die Hadithe seien zuverlässig vom Gesandten überliefert worden, falsch sei. Im Hinblick auf die Hadith-Sammlung versuchte er zu beweisen, dass die Hadithe nicht aus der Lebenszeit des Gesandten stammten, sondern im zweiten islamischen Jahrhundert zusammengestellt worden seien. Im Grunde waren auch die Absichten dieses Orientalisten nicht wohlwollend.
Dozy räumte zwar ein, dass eine große Zahl von Hadithen des Gesandten auswendig bewahrt und auf dieser Grundlage in Buchform zusammengestellt worden sei. Er behauptete jedoch, dass darunter auch viele erfundene und falsche „Hadithe“ enthalten seien. Eine solche Äußerung Dozys kann in den Herzen vieler Menschen Zweifel an der Authentizität der Hadithe wecken. Hinter seiner Äußerung verbarg sich jedoch keinerlei gute Absicht. Vielmehr bestand sein Ziel darin, bei den Menschen – insbesondere bei denen, die die zuverlässige Geschichte der Hadith-Sammlung nicht kennen – Zweifel an den Hadithen und der Sunna zu wecken.
An diesem Punkt lautet unsere Aussage: Zur Feststellung der Wahrheit über unsere Vergangenheit und die frühe Geschichte der muslimischen Kultur sind wir keineswegs bereit, den zusammenhanglosen Äußerungen und unbegründeten Behauptungen der sogenannten Orientalisten irgendeine Beachtung zu schenken. Ob die westlichen Gelehrten anerkennen, dass zu Lebzeiten des Gesandten Hadithe niedergeschrieben und gesammelt wurden, oder nicht – für die Muslime ändert das nichts. Denn „die Bewohner des Hauses wissen über dessen Zustand am besten Bescheid“: Dass Hadithe vor den Augen des edlen Propheten niedergeschrieben und ein gewaltiger Schatz an Hadithen in Form von Sahīfas und persönlichen Notizbüchern gesammelt wurde, ist aus unanfechtbar belegten und zuverlässigen Werken unbestreitbar erwiesen. Es besteht kein Zweifel daran, dass der gesamte damals gesammelte Hadith-Bestand in späterer Zeit in Buchform zusammengestellt und erweitert wurde. Als Beispiel sei angeführt, dass in Imām Ahmad ibn Hanbals Werk „Musnad“ die umfangreichen Hadith-Sahīfas, die ʿAbdullāh ibn ʿAmr ibn al-ʿĀs und Hadhrat Abū Huraira zusammengestellt hatten, vollständig aufgenommen wurden.
Die Orientalisten sind der Ansicht, dass all die überlieferten Aussagen und Äußerungen über das Niederschreiben und Sammeln der Hadithe oder über das Verbot dessen infolge einer bestimmten Auffassung der Hadith-Gelehrten und Fiqh-Gelehrten verfasst worden seien. Angeblich hätten diese Hadithe sie in gegenseitigem Streit verfasst, um ihre jeweiligen Ansichten und Urteile zu stützen und den Sieg davonzutragen.
Doch dies ist eine völlig falsche und irreführende Behauptung. Der Hauptverantwortliche für diese Irreführung ist Goldziher. Denn der vor ihm lebende Orientalist Sprenger entdeckte 1855 das von al-Khatīb al-Baghdādī verfasste ******************** und schrieb einen Aufsatz mit dem Titel „Ursprung und Fortgang des Schreibens“ (origin and progress of writing). (Asiatic Sociaty of Bangal XXV, 303–329.) In diesem Aufsatz gelangte er auf Grundlage des in der arabischen Gesellschaft verbreiteten Schreibens und der diesbezüglichen Belege zu dem Schluss, dass zur Zeit des Gesandten eine große Zahl von Hadithen niedergeschrieben und gesammelt worden sein müsse. Goldziher hingegen erklärte all diese Darstellungen für unwahr und wies sie zurück; er verbreitete, widersprüchliche Personen hätten diese Aussagen erst in späterer Zeit verfasst.
In Wirklichkeit wurde diese falsche Propaganda aus bloßer Böswilligkeit und aus Feindseligkeit gegenüber der Entwicklung der islamischen Kultur betrieben. Andernfalls kann eine solche Behauptung bei einer Betrachtung der tatsächlichen Verhältnisse keinerlei Grundlage haben. Es ist eine unanfechtbare Tatsache, dass zahlreiche Gefährten bereits zu Lebzeiten des edlen Propheten der Niederschrift und Sammlung von Hadithen besondere Aufmerksamkeit widmeten. Es versteht sich von selbst, dass es keinerlei Grund gibt, in dieser Angelegenheit irgendeinen Zweifel zu hegen. Allerdings trifft es zu, dass die Zahl der damals niedergeschriebenen und gesammelten Sahīfas nicht sehr groß und nicht besonders umfangreich war. Doch gibt es keinerlei Anlass, daran zu zweifeln, dass Hadithe niedergeschrieben und gesammelt wurden.
Die Äußerung von Mr. Muir
Sir William Muir hat in seinem Werk „Life of Muhammad“ eine unbegründete Behauptung über die Methode der Hadith-Gelehrten zur Überprüfung von Hadithen aufgestellt. Er sagte:
Es ist deutlich, welcher Art die Hadith-Kritik und -Prüfung der Hadith-Gelehrten war. Sie war derart streng, dass sie im Durchschnitt neunundneunzig Prozent der Hadithe als nicht annehmbar betrachteten.
Tatsächlich entbehrt auch diese Aussage von Mr. Muir jeder sachlichen Grundlage. Wäre er mit der Methode der Hadith-Gelehrten zur Prüfung und Beurteilung von Hadithen richtig vertraut gewesen, hätte er eine solche Behauptung niemals aufgestellt. Imām Buchārī verfasste aus den sechshunderttausend Hadithen, die er gesammelt hatte, „Sahīh al-Buchārī“, ein Werk mit mindestens neuntausend Hadithen; genau daraus entstand offenbar die oben erwähnte Vorstellung Mr. Muirs. Doch nachdem Imām Buchārī sein Werk vollendet hatte, sagte er, dass viele Tausende authentischer Hadithe nicht in dieses Werk aufgenommen werden konnten. Dies bedeutet eindeutig, dass die Hadithe, die er nicht in sein Werk aufnahm, nicht etwa unecht oder unannehmbar sind und dass neben den in seinem Werk enthaltenen Hadithen noch viele Tausende authentischer Hadithe vorhanden sind. Mr. Muir schloss daraus fälschlicherweise, dass Imām Buchārī alle Hadithe, die nicht in das Werk Buchārīs aufgenommen worden waren, offenbar für „unecht“ und „unannehmbar“ hielt. Wären tatsächlich alle von Imām Buchārī nicht aufgenommenen Hadithe unannehmbar gewesen, hätte er niemals gesagt, dass sich unter ihnen noch „authentische Hadithe“ befänden. In Wirklichkeit sammelt jeder Verfasser für sein Werk eine große Menge geeigneter Informationen; daraus folgt jedoch keineswegs, dass alles, was er letztlich nicht in sein Werk aufnimmt, deshalb „unecht“ wird. Diese Tatsache scheint Mr. Muir unbekannt geblieben zu sein. Vermutlich wusste er auch nicht, aus welchen Gründen ein Hadith-Gelehrter einen Hadith für unannehmbar erklärt. Jeder einzelne Hadith gelangt über zahlreiche Überlieferungswege zum Verfasser; dieser prüft und untersucht jeden dieser Überlieferungswege nach seinen eigenen Maßstäben bis ins kleinste Detail. Die Überlieferungswege, die er als zuverlässig befand, nahm er für den betreffenden Hadith an; diejenigen, auf die er sich nicht verlassen konnte oder die überflüssig waren, ließ er beiseite. Dadurch wird jedoch der in verschiedenen Überlieferungswegen überlieferte ursprüngliche Hadith niemals unannehmbar. Tatsächlich wird die Zahl der Hadithe nicht nach ihrem Matn, also ihrem Wortlaut, gezählt, sondern nach den Überlieferungsketten. Aus diesem Grund lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, wie viele ursprüngliche Hadithe Imām Buchārī gesammelt hatte und über wie viele Überlieferungswege sie zu ihm gelangt waren.
Kritik an Dr. Sprenger
Dr. Sprenger hat insbesondere die Methode Imam al-Buchārīs zur Prüfung von Hadithen scharf kritisiert. In seinem Werk Life of Muhammad schrieb er:
„Die von ihm (Imam al-Buchārī) befolgten Grundsätze und Methoden können nicht als ‚Hadith-Kritik‘ bezeichnet werden. Er prüfte lediglich, ob die Kontinuität der Überlieferungskette der Überlieferer gewahrt war oder ob sie irgendwo unterbrochen wurde. Darüber hinaus beurteilte er auch das Verhalten und den Charakter der Hadith-Überlieferer. Denn sein Grundsatz war, dass er einen Hadith zurückwies, wenn dieser seiner von ‚Abneigung geprägten‘ Auffassung nicht entsprach. Daher kann die Zurückweisung eines Hadith durch ihn keineswegs bedeuten, dass dieser Hadith tatsächlich nicht annehmbar ist. Sein Jāmiʿ-Werk unterschied sich jedoch insofern von anderen Musnad-Werken, als es nicht einer bestimmten Fiqh-Richtung folgte, sondern vielmehr auf der Zuverlässigkeit der Überlieferer beruhte.“
Bei einer Prüfung dieser Aussage Dr. Sprengers wird ganz deutlich, dass er ebenso wenig mit den Fachbegriffen der Hadith-Wissenschaft vertraut ist, wie er über die Arbeitsweise und den Zustand der Muhaddithen keinerlei Erfahrung besitzt. Darüber hinaus hat er auch keine klare Vorstellung von den verschiedenen Bedingungen der Hadith-Wissenschaft.
Die Muhaddithen prüften die Hadithen zunächst nach dem Maßstab des Dirāya-Grundsatzes. Dieser Grundsatz wurde gerade aus der von ihnen befolgten Arbeitsweise im Qurʾān, in den Hadithen und in der Praxis der ehrwürdigen Gefährten übernommen. Er ist für alle zwingend zu befolgen. Da es sich dabei um einen allgemeinen und weithin anerkannten Grundsatz handelt, bestand für die Muhaddithen keine Notwendigkeit, ihn eigens darzulegen. Denn allen ist bekannt, dass die Muhaddithen die Hadithen auf Grundlage all dieser Prinzipien unbedingt geprüft und untersucht haben. Sollte jemand bei dieser Prüfung und Untersuchung einen Fehler gemacht haben, ist das eine völlig eigenständige Angelegenheit. Jeder Muhaddith hat sich mit größtem Forschungsaufwand und größter Anstrengung darum bemüht, die Überlieferungsketten der von ihm selbst gesammelten Hadithen korrekt und frei von Mängeln zu halten. Ohne dies waren sie überhaupt nicht bereit, irgendeinen Hadith anzunehmen. Deshalb überprüfte und untersuchte jeder Muhaddith die Hadith-Überlieferer, errichtete eine eigene Überlieferungskette und nahm die durch diese Kette überlieferten Hadithen vorbehaltlos an.
Es scheint, dass Dr. Sprenger nicht einmal genau weiß, welcher Art das Ṣaḥīḥ al-Buchārī ist – ein Jāmiʿ oder ein Musnad. Denn er hielt das Ṣaḥīḥ al-Buchārī für ein Werk vom Typus eines Musnad.
Dr. Sprenger hat Imam al-Buchārī der Eifersucht und Feindseligkeit beschuldigt. Das ist völlig unbegründet. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass Imam al-Buchārī von Eifersucht und Feindseligkeit erfüllt gewesen sei. Tatsächlich war er davon in jeder Hinsicht rein und frei. Gerade deshalb sehen wir, dass er, obwohl er kein Schiit war, in seinem einzigartigen Hadith-Werk Hadithe schiitischer Überlieferer annahm und aufnahm. Außerdem gehörte er der schafiitischen Rechtsschule an, doch scheute er sich in seinem zusammengestellten Werk nicht, zahlreiche Hadithe anzunehmen, die der schafiitischen Auffassung widersprachen. Es scheint, dass Dr. Sprenger all dies völlig unbekannt ist.
Weitere Aussagen von Mr. Muir
In diesem Zusammenhang sind noch einige weitere Äußerungen von Herrn Muir erwähnenswert. An einer Stelle seines Werkes Life of Muhammad äußerte er sich spöttisch über die Methode der Hadith-Prüfung und schrieb:
Für die Muhaddithun galt die Erwähnung des eigentlichen Inhalts eines Hadith ******************** nicht als erforderlich, damit dieser Hadith angenommen werden konnte. Es genügte, lediglich die Namen der Überlieferer des Hadith anzuführen.
Auch aus dieser Äußerung von Herrn Muir geht hervor, dass er mit der Terminologie der Hadith-Wissenschaft und den Methoden der Hadith-Prüfung nicht hinreichend vertraut ist. Denn zur Prüfung der Hadithe sind in der Hadith-Welt die beiden Methoden der „Riwaya“ und der „Diraya“ festgelegt und allgemein bekannt. Es kann keine bessere Methode der Hadith-Prüfung geben als diese. Bei der Methode der „Riwaya“ wird die Überlieferungskette des Hadith geprüft; dabei ist es überhaupt nicht erforderlich, den eigentlichen Hadith anzuführen. Bei der Methode der „Diraya“ hingegen wird lediglich die Richtigkeit des eigentlichen Wortlauts des Hadith ******************** geprüft; dann erübrigt sich die Prüfung des Zustands der Überlieferer.
Herr Muir hat noch eine weitere schwerwiegende falsche Behauptung aufgestellt. Er sagte, unter den Muhaddithun habe hinsichtlich der Grundsätze und Methoden der Erforschung, Prüfung und Bewertung der Hadithe kein gegenseitiges Vertrauen und keine gegenseitige Großzügigkeit geherrscht. Deshalb habe jeder Muhaddith Hadithe nach seiner eigenen Methode angenommen oder verworfen. Diese Aussage über die Muhaddithun ist unbegründet. Eine solche Behauptung kann nur jemand aufstellen, der von den islamischen Geistes- und Religionswissenschaften nicht die geringste Kenntnis oder Achtung besitzt oder fest entschlossen ist, Feindschaft gegenüber dem Islam zu zeigen. Auch die Meinungsverschiedenheiten in dieser Angelegenheit nach dem Prinzip des Ijtihad möchte Herr Muir als gegenseitiges Misstrauen und gegenseitige Missachtung bezeichnen. In Wirklichkeit handelt es sich jedoch keineswegs um Misstrauen. Es handelt sich lediglich um Unterschiede in den Grundsätzen des Ijtihad sowie um unterschiedliche Ansichten oder Urteile. Daher sehen wir, dass Imam Muslim bestimmte Ansichten oder Methoden von Imam al-Bukhari kritisierte, ohne auch nur das geringste Zögern zu empfinden, ihn als „Sayyid al-Muhaddithin – den herausragendsten Muhaddith“ anzuerkennen und ihm Ehre zu erweisen. Tatsächlich entsteht gerade aufgrund der Meinungsverschiedenheiten die Notwendigkeit, die Überlieferungsketten oder Isnade der Hadithe zu prüfen.
Als Beispiel für die Meinungsverschiedenheiten unter den Muhaddithun kann angeführt werden, dass Imam al-Bukhari auf der Notwendigkeit eines unmittelbaren Zusammentreffens und eines langjährigen Zusammenseins zwischen „demjenigen, von dem jemand einen Hadith überliefert“ ******************** und dem Überlieferer größtes Gewicht legt. Imam Muslim hingegen ist der Auffassung, dass es genügt, wenn beide Zeitgenossen waren und derselben Epoche angehörten. Imam al-Bukhari war dafür, nur die Hadithe solcher Überlieferer anzunehmen, über deren „Thiqah“ – Vertrauenswürdigkeit und Zuverlässigkeit – alle übereinstimmten. Imam an-Nasa’i nahm jedoch auch Hadithe an, die von Personen überliefert wurden, deren „Thiqah“-Status nicht von allen anerkannt wurde. Tatsächlich entstand diese Situation weder aufgrund gegenseitigen Misstrauens noch aufgrund von Neid und Feindschaft; vielmehr handelt es sich lediglich um Meinungs- und Urteilsverschiedenheiten, und um nichts anderes. Wenn die Muhaddithun später eine neue zuverlässige Quelle der Hadith-Überlieferungskette entdeckten, nahmen sie einen Hadith nach dem von einem der „sechs Imame der Hadith-Wissenschaft“ festgelegten Grundprinzip an. Dies ist ein Zeichen für die Weite und Offenheit ihres Vorgehens.
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