Vorwort des Übersetzers

Das Buch Way to the Quran wurde von dem herausragenden islamischen Denker Herrn Khurram Murad verfasst. Zu den wenigen herausragenden islamischen Denkern der modernen Welt, die mit zeitgemäßen Gedanken die Aufmerksamkeit des Ostens wie des Westens auf sich ziehen und in den Herzen und Gedanken der modernen Jugend eine starke Wirkung entfalten konnten, gehört Khurram Murad in besonderem Maße. Sein für die Mitarbeiter der islamischen Bewegung verfasstes Buch „Die gegenseitigen Beziehungen der Mitarbeiter der islamischen Bewegung“ vermag gewiss das Herz jedes Lesers zu berühren. Darüber hinaus stammen viele schöpferische Werke aus seiner Feder. Obwohl er von Beruf ein renommierter Ingenieur und in allgemeiner Bildung ausgebildet ist, hat er sich durch Studium und praktische Beschäftigung ein so tiefes Wissen und eine solche Gelehrsamkeit über den Islam erworben, dass er modernen, allgemein gebildeten Studenten und Jugendlichen als Vorbild dienen kann. Ein herausragendes Merkmal seiner Werke ist die Schönheit, Anmut und Herzlichkeit der Sprache. Seine Schreibkunst ist wahrhaft außergewöhnlich, wenn es darum geht, die Herzen der Menschen zu berühren, sie aufzurütteln und zu neuem Leben zu erwecken.

Als das Buch Way to the Quran in meine Hände gelangte, las ich es natürlich umgehend. Sein auf Englisch verfasstes Buch beeindruckte mich bereits bei der ersten Lektüre zutiefst. Ich gewann die Überzeugung, dass dieses zu Herzen gehende Werk von ihm den Lesern in bengalischer Sprache beim Lesen und Verstehen des Heiligen Edlen Korans sehr hilfreich sein würde. Auch Herr Mir Qasim Ali, der mir das Buch zum Lesen gegeben hatte und mir wie ein älterer Bruder ist, äußerte sich ähnlich. Er sagte: „Es ist notwendig, dieses Buch ins Bengalische zu übersetzen. Davon wird ein großer Teil der jungen, allgemein gebildeten Studentenschaft profitieren können.“ Nachdem ich das Buch ein zweites Mal gelesen hatte, nahm ich allen Mut zusammen und begann mit der bengalischen Übersetzung. Ich habe als ganz gewöhnlicher Mitarbeiter weder die englische noch die bengalische Sprache sicher beherrscht und darüber hinaus keinerlei Befähigung besessen, den Heiligen Edlen Koran aus dem Arabischen zu verstehen. Daher war ich hin- und hergerissen, ob es für jemanden wie mich richtig oder falsch sei, sich an die Übersetzung eines derart wertvollen Buches zu wagen. Letztlich vollendete ich die Übersetzung jedoch aufgrund meines persönlichen Interesses und meiner Zuneigung zu diesem Buch.

Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass dieses Buch einen großen Beitrag dazu leisten kann, das Herz durch die Lehren des Heiligen Korans zu erleuchten sowie die großartigen Lehren des Korans zu verstehen und in die Praxis umzusetzen. Wenn sich die Vorstellung verfestigt, man müsse ein hervorragender Kenner der arabischen Sprache sein, um den Koran zu verstehen und die innere Schönheit des Islam zu erkennen, wird aus Angst niemand wagen, aus Übersetzungen und Tafsir des Korans zu lernen. Doch wenn man der Methode folgt, mit der der Autor dieses Buches aus den Erfahrungen seines persönlichen Lebens zum Studium des Korans ermutigt und dazu angeleitet hat, Nutzen aus dem Koran zu ziehen, wird es, davon bin ich fest überzeugt, sehr viel leichter werden, den Koran kennenzulernen und zu verstehen. Wir müssen außerdem daran denken, dass es unmöglich ist, den Islam zu kennen, ohne den Heiligen Edlen Koran zu verstehen. Und für den Schutz der Menschheit und die Erlösung im Jenseits gibt es keine Alternative zum Islam. Daher müssen wir unbedingt ein ernsthaftes Interesse daran haben, den Koran zu verstehen und kennenzulernen. Besonders wir, die wir aufgrund sprachlicher Schwierigkeiten den Koran nicht unmittelbar aus der ursprünglichen Quelle verstehen können, müssen uns weiterhin bemühen, ihn anhand seiner Übersetzungen und seines Tafsir zu verstehen. Way to the Quran kann bei diesem Bemühen eine große Rolle spielen. Aus diesem Grund habe ich dem Buch nach Abwägung aller Umstände den bengalischen Titel „Hilfsmittel zum Studium des Korans“ gegeben.

Wenn die bengalischsprachigen Leser durch die Lektüre dieses Buches auch nur den geringsten Nutzen daraus ziehen, werde ich meine Mühe als lohnend betrachten. Es ist nicht ungewöhnlich, dass die Übersetzung des Buches durch Unachtsamkeit Fehler enthält. Auch Druckfehler sind durchaus normal. Inschallah werden wir versuchen, das Buch in der nächsten Auflage weiter zu verbessern und fehlerfreier zu gestalten. Möge Allah unsere Bemühungen annehmen. Möge Allah diejenigen belohnen, die mir bei der Veröffentlichung dieser kleinen Übersetzung auf vielfältige Weise geholfen, mich unterstützt und ermutigt haben. Meine Frau Nurunnahar muss ich dabei besonders erwähnen. Ohne ihre Unterstützung wäre es mir neben meinen anderen Verpflichtungen nicht möglich gewesen, die Übersetzung dieses Buches fertigzustellen. Zuletzt bringe ich dem Erhabenen Allah meinen unendlichen Dank dar, durch dessen Gnade die Übersetzung dieses Buches möglich wurde. Möge Allah uns beistehen. Amin.

Muhammad Kamaruzzaman

Datiert: 5.5.91

423, Elephant Road, Bara Moghbazar, Dhaka.

Einleitung

Zunächst halte ich es für meine Pflicht, meine völlige Ungeeignetheit einzugestehen, als ein unwissender Mensch wie ich, der im Glauben und im Gehorsam schwach ist, ein solches Buch zu schreiben. Denn Allah, der Erhabene, hat gesagt: „Wenn Wir diesen Koran auf einen Berg hinabgesandt hätten, hättest du gesehen, wie er sich aus Furcht vor Allah demütig niederwirft und in Stücke zerfällt.“ (Sure al-Haschr, Vers 21)

Wie kann ein Mensch, dessen Wissen begrenzt ist und dessen Seele es an Reinheit mangelt, es wagen, über die Erhabenheit, Barmherzigkeit, Schönheit und Weisheit des großen Buches, des Koran, Wegweisung zu geben? Was mich dazu ermutigt hat, war das beharrliche Drängen vieler meiner Freunde. Sie waren der Ansicht, dass es notwendig sei, viele andere an meinen Gedanken und Überlegungen hierzu teilhaben zu lassen. Mein wahrer Mut und meine Kraft kommen jedoch aus dem Versprechen Allahs, des Herrn der Welten, in dem Er gesagt hat:

„Diejenigen aber, die sich um Unseretwillen abmühen, werden Wir gewiss Unsere Wege führen.“ (Sure al-Ankabut, Vers 69)

Der Ausspruch des ehrwürdigen Propheten (Friede sei mit ihm) lautet:

„Übermittelt von mir, und sei es auch nur ein Vers; und der Beste unter euch ist derjenige, der den Koran lernt und seine Lehre weitergibt.“

Dieser Ausspruch lässt mich in Bezug auf diese meine Pflicht noch unruhiger werden.

Das Ziel, aus dem heraus ich dieses Buch schreibe, ist sehr bescheiden. Es handelt sich nicht um ein gelehrtes Werk. Ich bin weder ein hochgelehrter Mufassir, noch schreibe ich dieses Buch für gelehrte Forscher. Ich maße mir nicht an, Unterricht oder Wegweisung zu geben, denn dazu bin ich nicht befähigt. Ich schreibe insbesondere für jene einfachen, unerfahrenen und ungebildeten Menschen, die den Koran suchen, vor allem für junge Männer und Frauen, die sich wie ich darum bemühen, ihren Wunsch zu erfüllen, den Koran zu verstehen, seine wesentliche Botschaft zu erfassen und ihr Leben nach dem Koran zu führen. Für die Studierenden schreibe ich über ein Thema, das ich selbst gerade lerne. Als Wanderer auf dem einfachen und lohnenden Weg des Korans schreibe ich für einen weiteren Weggefährten des Korans durch dieses Buch all das nieder, was ich trotz all meiner Schwächen auf meinen eigenen Stolperwegen und an den Steigungen und Gefällen dieses Weges erfahren, erkannt und für notwendig erachtet habe. Ich bin überzeugt, dass sie durch ihre tiefe Aufrichtigkeit, Hingabe und Fähigkeit das Geschenk, das ich ihnen mit diesem Buch gemacht habe, weiter verbessern können.

Dieses Buch ist die Frucht einer langen und bis heute andauernden Suche sowie vieler Jahre des Studiums. Als ich vor mehreren Jahrzehnten gerade erst den Kampf begonnen hatte, nach dem Koran zu leben, und mir die Aufgabe übertragen wurde, einer vielversprechenden Gruppe junger Studenten den Weg zum Studium des Korans zu erläutern, sagte ich, dass ich den folgenden Quellen zu Dank verpflichtet sei: Hamiduddin Farahis Tafsir-e Farahi, Sayyid Abul Ala Maududis Tafhim al-Quran, Amin Ahsan Islahiis Tadabbur-e Quran, al-Ghazalis Ihya ulum ad-din, Schah Waliullahs Hujjat Allah al-Baligha und al-Fawz al-Kabir fi usul at-tafsir sowie as-Suyutis al-Itqan fi ulum al-Quran. Mit Dankbarkeit erkenne ich meine Verpflichtung gegenüber diesen Werken an, auch wenn sie für etwaige Fehler meines eigenen Verständnisses oder meiner Darstellung nicht verantwortlich sind. Die erste Gelegenheit, meine Gedanken schriftlich festzuhalten, ergab sich 1977, als ich die kurze Einleitung „Auf dem Weg zum Koran“ zu der von der Islamic Foundation (U.K.) veröffentlichten Übersetzung des heiligen Korans von Allama Yusuf Ali verfasste.

Dieses Buch ist aus einigen festen Überzeugungen heraus entstanden. Im Buch werden diese ebenfalls erläutert. Dennoch halte ich es für unbedingt notwendig, einige ihrer Aspekte hier kurz zu erwähnen.

Erstens: Wenn wir uns nicht nach dem von Allah offenbarten Buch, dem Koran, richten, ist unser Leben bedeutungslos und unausweichlich dem Untergang geweiht.

Zweitens: Der Koran, den der ewig lebende Allah der Menschheit als Wegweisung für alle Zeiten gegeben hat, ist heute genauso gültig wie vor vierzehnhundert Jahren und wird dies auch in alle Ewigkeit bleiben.

Drittens: Wie die ersten Gläubigen des Korans sind auch wir fähig und berechtigt, seinen Segen zu empfangen – vorausgesetzt, wir nähern uns ihm und bemühen uns aktiv darum, Nutzen aus ihm zu ziehen.

Viertens: Jeder Muslim ist verpflichtet, sich dem Studium des Korans zu widmen, sich um sein Verständnis zu bemühen und zu versuchen, ihn auswendig zu lernen.

Fünftens: Im Licht dessen, was der Koran ihm gegeben hat, muss ein Mensch alles Eigene in seinem Handeln und Denken ablegen. Jede Form von Hochmut, Stolz, Eigensinn, Selbstgenügsamkeit, Widerspruch, Gleichgültigkeit oder die Haltung, etwas für unzutreffend zu halten, muss zu einem äußerst schweren Hindernis für das Verständnis des Korans werden und kann sogar die Türen zu seinem Segen verschließen.

Sechstens: Der Weg des Korans ist ein Weg der Hingabe und der Umsetzung. Wenn jemand auch nur einen Vers lernt und danach handelt, ist das besser als tausend Verse, die zwar sehr schön erklärt werden, deren Schönheit sich jedoch in seinem Leben nicht widerspiegelt. Gehorsam ist der wahre Schlüssel.

Dieses Buch besteht aus sieben Kapiteln. Jedes davon beleuchtet verschiedene Aspekte des Weges des Korans. Das erste Kapitel behandelt die Bedeutung und Tragweite eines Lebens nach dem Koran. Zu Beginn des zweiten Kapitels wird erläutert, welche Voraussetzungen in der Tiefe von Herz und Verstand zusammenkommen müssen. Das dritte Kapitel beschreibt, welche Haltung und welche Aktivität für Herz, Verstand und Körper erforderlich sind. Das vierte Kapitel behandelt, welche Regeln beim Studium beachtet werden sollten und wie man verstehen soll. Das sechste Kapitel zeigt, wie ein Mensch sein Leben dem Ziel widmen kann, die Mission des Korans zu verwirklichen. In einem Anhang wurde zusammengestellt, was der Prophet (Friede sei mit ihm) über bestimmte Abschnitte des Heiligen Korans gesagt hat. Ein weiterer Anhang enthält einen Lehrplan für das persönliche und gemeinschaftliche Studium, der vielen von großem Nutzen sein kann. Als Studienhilfe wurden noch einige weitere Dinge hinzugefügt.

Dies ist kein Buch, das man hastig einmal liest und dann beiseitelegt. Wenn es einem nicht gefällt oder man es nicht für notwendig hält, ist das etwas anderes. Denjenigen, die ein solches Buch benötigen und es für sehr nützlich halten, möchte ich ans Herz legen, jedes Kapitel mit besonderer Hingabe und wiederholt zu studieren. Ich bitte sie, dieses Buch zu ihrem ständigen Begleiter zu machen.

Einige Dinge müssen Sie sehr sorgfältig studieren. Manches müssen Sie stets im Gedächtnis behalten, und auf manches werden Sie immer wieder zurückkommen müssen. Doch was Sie einüben, wird für Sie von großem Wert sein. Dieses Werk hat die Grenzen des Weges aufgezeigt und Wegweiser errichtet, damit der Wanderer seinen Weg richtig erkennen kann und die nötige Wegweisung, Warnung, Mahnung oder Verbote erhält. Dennoch müssen Sie sich mit einem Fahrzeug ausrüsten, es mit Treibstoff füllen, auf die Straße gehen und es fahren. Nichts in diesem Buch kann Ihren aufrichtigen Wunsch, Ihre Willenskraft, Ihre Entschlossenheit und Ihre ernsthaften Anstrengungen ersetzen.

Alles, was in dem Buch über die Aufnahme und Anwendung der darin verstreuten Warnungen gesagt wird, ist sehr wichtig. Dabei müssen Sie darauf achten, ob Sie versuchen, den Koran auf eigene Weise zu verstehen, ob Sie einen Lehrplan und ein Studienprogramm verwenden oder ob Sie auf irgendeine andere Weise vorgehen.

Ich habe die Notwendigkeit und Bedeutung eines persönlichen Einsatzes jedes Muslims zum Verständnis des Korans besonders stark betont. Meiner Ansicht nach ist dies die grundlegendste Forderung des Korans. Natürlich bin ich mir auch der Fehler bewusst, die auf diesem Weg begangen werden können, und habe versucht, auf sie hinzuweisen. In diesem Zusammenhang möchte ich, dass Sie sich stets die folgende Aussage unseres Sayyiduna Abu Bakr (möge Allah mit ihm zufrieden sein) vor Augen halten, in der es heißt:

„Die Erde wird mich nicht aufnehmen und der Himmel mich nicht beschützen, wenn ich über die Auslegung des Korans eigenmächtige Worte äußere.“

Diese Aussage hat mich tiefgreifend beeinflusst und mich dazu angespornt, maßvoll und standhaft zu sein; auch Sie sollten daraus Nutzen ziehen.

Wir leben in einer Zeit, in der es äußerst notwendig und unumgänglich geworden ist, unser Leben am Koran auszurichten. Ohne ihn können wir Muslime uns keineswegs selbst entdecken, unserem Ich keine Bedeutung verleihen und in dieser Welt keine wirkliche Macht erlangen. Noch wichtiger ist, dass wir ohne ein am Koran ausgerichtetes Leben unseren Schöpfer und Herrn keineswegs zufriedenstellen können. Darüber hinaus wird auch die Menschheit ohne den Koran in den bodenlosen Abgrund des Verderbens stürzen.

Heute wächst unter den Muslimen in rasantem Tempo das Bewusstsein für diese dringende Notwendigkeit. Der Wunsch, den Qur’an zu verstehen, und das Bestreben, das Leben danach zu führen, sind heute weit verbreitet. Die weltweite Welle der islamischen Erneuerung ist das Ergebnis dieses Wunsches, dieses Bewusstseins und dieses Eifers. Wenn in diesen Krisentagen unserer muslimischen Umma durch meine bescheidenen Bemühungen in den Herzen einiger Menschen der Wunsch erwacht, den Weg des Qur’an zu beschreiten, und dieses Buch sie auf ihrem Lebensweg begleiten kann, dann wird meine Arbeit in hohem Maße sinnvoll und belohnt sein. Für mich wird sie nur dann von Nutzen sein, wenn Allah meine Fehler und Versäumnisse vergibt und diese aufrichtige Bemühung von mir annimmt. Meine einzige Bitte an diejenigen, die aus diesem Buch Nutzen ziehen werden, ist: Vergesst mich nicht, wenn ihr zu Allah betet.

–Khurram Murad

Leicester

15. Schaban 1405 Hidschri

6. Mai 1985

1 : Der Weg durch das Leben

Eine ewige und lebendige Wirklichkeit

Der Qur’an ist das Wort Allahs, des großen, liebevollen Gottes. Der Heilige Qur’an ist als Wegweisung für alle Menschen aller Zeiten herabgesandt worden. Durch den Qur’an hat Allah zu den Menschen gesprochen. Den Qur’an zu lesen bedeutet, Allahs Wort zu achten, mit Ihm zu sprechen und Seinem Weg zu folgen. Es bedeutet, dem Lebensspender im Lebenskampf gegenüberzutreten. Es gibt keine Gottheit außer Allah. Er ist der Ewiglebende und auf niemanden angewiesen (während alle auf Ihn angewiesen sind). Er ist es, der für euch das große Buch mit der vollkommenen Wahrheit als Rechtleitung für die Menschheit herabgesandt hat. (Āl ʿImrān 3:2–3)

Für sie war der Heilige Qur’an eine lebendige Realität – für jene, die das Glück gehabt hatten, diese Botschaft als Erste aus dem Mund des Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu hören. Sie hatten nicht den geringsten Zweifel daran, dass der erhabene Herr, Allah, der Herr der Welten, durch den Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu ihnen selbst sprach. Deshalb waren ihre Herzen und Gemüter vollständig davon erfüllt. Ihre Körper erbebten, und Tränen strömten aus ihren Augen. Jedes Wort des Qur’an erkannten sie in tiefster Weise als mit den Erfahrungen und dem Verständnis ihres Lebens übereinstimmend und machten es vollständig zu einem Teil ihres Lebens. Im persönlichen wie im gemeinschaftlichen Kontakt mit dem Qur’an wurden sie von einer neuen, Leben spendenden Eigenart und Prägung entflammt. Jene Menschen, die einst Schafe hüteten, Kamele hielten und einem bescheidenen Handel nachgingen, nahmen dank dieses großartigen Buches, des al-Qur’an, die Führung der gesamten Menschheit ein.

Derselbe Qur’an liegt heute auch uns vor. Millionen von Exemplaren des Qur’an sind heute verbreitet. Tag und Nacht wird ununterbrochen in Häusern, Moscheen und von Bühnen aus der Qur’an rezitiert. Eine große Fülle erklärender Schriften wurde zusammengetragen, um seine Bedeutung verständlich zu machen. Unaufhörlich sind zahlreiche Abhandlungen erschienen, um die Lehren des Qur’an zu erläutern und das Leben danach auszurichten. Trotz alledem bleiben die Augen heute trocken, und die Herzen werden nicht erleuchtet. Das Gemüt verspürt keine Berührung. Niedergang und Verfall scheinen heute zum geschriebenen Schicksal der Anhänger des Qur’an geworden zu sein. Warum ist es dazu gekommen? Weil wir den Qur’an nicht als lebendige Realität annehmen und studieren. Wir betrachten ihn als ein heiliges Buch aus vergangenen Zeiten, in dem von Muslimen, Kafir, Juden und Christen die Rede ist. Und auch von Menschen, die einst gläubig oder Heuchler waren.

Kann der Qur’an heute noch dieselbe kraftvolle, lebendige und inspirierende Kraft sein, die er vor 1400 Jahren war? Das ist die schwierigste Frage, die wir unbedingt beantworten müssen, wenn wir unser Ziel entsprechend der Wegweisung des Qur’an neu bestimmen wollen.

Es scheint, dass es auf diesem Weg einige Hindernisse gibt. Der Qur’an wurde in einer bestimmten Phase der Geschichte offenbart. Seit jener Zeit haben wir einen langen Weg zurückgelegt. Auf dem Gebiet von Wissenschaft und Technik wurden beispiellose Fortschritte erzielt, und in der Menschheitsgeschichte haben sich bedeutende soziale Veränderungen vollzogen. Darüber hinaus haben wir heute nur geringe Kenntnisse von der lebendigen Sprache des Qur’an. Von uns kann nicht erwartet werden, dass wir über das notwendige Verständnis seiner Ausdrucksweise, Redewendungen und rhetorischen Bilder verfügen, um die Bedeutung des Qur’an tief in uns aufzunehmen und den Weg zu seiner Führung zu finden. Dennoch besitzt die Wegweisung des Qur’an aufgrund ihrer eigenen Eigenschaften, die darauf zurückgehen, dass er das Wort des ewigen Schöpfers ist, eine universale Anziehungskraft für alle Menschen. Gerade deshalb bin ich fest davon überzeugt, dass auch wir den Qur’an wie seine ersten Hörer verstehen, verinnerlichen und annehmen können – wenn auch nicht vollständig, so doch zumindest bis zu einem gewissen Grad. Wir glauben, dass auch wir das Recht und die Möglichkeit haben, Allahs Wegweisung in ihrer vollkommenen Schönheit und Herrlichkeit zu empfangen. Anders gesagt: Obwohl die historische Offenbarung des Qur’an in einer bestimmten Sprache, zu einer bestimmten Zeit und an einem bestimmten Ort stattfand, sollten wir fähig sein, den Qur’an zu verstehen und anzunehmen, weil seine Botschaft ewig und universell ist. Gerade aufgrund der Ewigkeit des großartigen Buches al-Qur’an sollten auch wir, wie die ersten Gläubigen, unser Leben vollständig mit der Botschaft des Qur’an verbinden und in allen Angelegenheiten unbedingt den vom Qur’an bestimmten Weg gehen.

Doch die Frage lautet: Wie ist das möglich? Dazu lässt sich ganz klar sagen, dass wir in den Qur’an so eintreten müssen, als würde Allah gerade heute, in diesem Augenblick, zu uns sprechen. Erst wenn wir unter Erfüllung aller erforderlichen Bedingungen einer solchen Situation gegenüberstehen, wird es möglich sein, den Heiligen Qur’an zu verstehen, zu verinnerlichen und anzunehmen.

Erstens müssen wir, entsprechend dem Eifer, den unser Verständnis davon verlangt, was der Qur’an als Allahs Wort ist und welche Bedeutung der Qur’an für uns hat, mit aller Verehrung, Liebe, Sehnsucht und allem Willen danach handeln.

Zweitens müssen wir den Qur’an so lesen, wie uns zu lesen geboten wurde: so, wie der Überbringer der Botschaft Allahs es angeordnet hat, und so, wie er und seine Gefährten ihn gelesen haben.

Drittens müssen wir jedes Wort des Qur’an über die Hindernisse von Zeit, Kultur und Wandel hinweg mit der Realität, den Erfahrungen und den Problemen unseres Lebens in Beziehung setzen.

Für die ersten Zuhörer des Korans war dies ihr zeitgenössischer Kontext. Die Sprache und der Schreibstil des Korans, seine Argumentation und Rhetorik, seine Redewendungen und Metaphern, seine Vergleiche und bildhaften Vorstellungen, seine Zeit und seine Ereignisse – alles weist einzigartige Besonderheiten auf. Da die Offenbarung des Korans in ihrer eigenen Zeit erfolgte, waren die ersten Zuhörer des Korans einerseits Zeugen davon und andererseits unmittelbare Teilnehmer am damaligen Geschehen. Diese Möglichkeit haben wir nicht. Dennoch kann man sagen, dass dasselbe auch in unserem Fall geschehen muss.

Wenn wir den Koran von unserem eigenen Standpunkt aus verstehen und befolgen, werden wir erkennen, dass er für uns ebenso gegenwärtig und zeitgemäß ist, wie er es für die Menschen früher war. Der grundlegende Grund dafür ist, dass sich das Wesen des Menschen nicht verändert hat und unveränderlich ist. Lediglich sein äußeres Verhalten, seine Erscheinung, seine Formen und seine Technologie haben sich verändert. Die Götzendiener von Mekka gibt es vielleicht nicht mehr, ebenso wenig die Juden von Yathrib oder die Christen von Nadschran; auch die Gläubigen und Ungläubigen von Medina gibt es nicht mehr. Doch wir nehmen überall um uns herum die Existenz derselben Charaktere wahr. Wir sind genau dieselben Menschen wie die ersten Zuhörer. Dennoch ist es für viele von uns sehr schwierig, die tiefgreifende Bedeutung dieser einfachsten Wahrheit zu erfassen.

Wenn Sie diese Wahrheit zu erkennen und ihr zu folgen vermögen und sich dem Koran so nähern, wie sich die ersten Gläubigen ihm näherten, wird er Ihnen genau so erscheinen, wie er ihnen erschien, und Sie werden wie sie zu Teilhabern an den Ereignissen werden. Erst dann wird der Heilige Koran, anstatt lediglich ein heiliges, erhabenes und wundersames Buch des Segens zu sein, zu einer inspirierenden, aufwühlenden, dynamischen, tiefgründigen und höchsten Erfolg bringenden Kraft werden – so wie er es für die Menschen jener Zeit war.

Eine neue Welt winkt

Wenn Sie in die Nähe des Korans gelangen, werden Sie eine neue Welt entdecken. Nichts anderes in Ihrem Leben kann so wertvoll, bedeutend, segensreich und fruchtbar sein wie die Reise zum Koran. Diese Reise des Lebens wird Sie zu einer unendlichen Freude und einem Wohlstand führen, die Ihr Schöpfer und Herr für Sie und die Menschheit bestimmt hat. In diesem Koran werden Sie einen unerschöpflichen Schatz an Wegweisung für das Leben, Wissen und Weisheit finden, um Ihre Denkweise und Ihr Handeln zu veredeln. Darin werden Sie tiefen Weitblick entdecken, der Sie bereichert, und eine belebende Kraft erhalten, die Sie auf dem geraden Weg voranschreiten lässt. Daraus können Sie leuchtende Lichtstrahlen aufnehmen, die die tiefsten Bereiche Ihres Herzens erhellen. In diesem großartigen Buch werden Sie Tränen begegnen, die Ihre Wangen hinabfließen, Wärme, die Ihr Herz schmelzen lässt, und reinen Gefühlen.

Das wird für Sie sehr schwierig sein, denn auf dem Weg des Korans müssen Sie bei jedem Schritt umsichtig vorgehen. Sie müssen Allah Ihre vorbehaltlose Ergebenheit bekunden. Den Koran zu lesen bedeutet Spontaneität, Aufrichtigkeit, tiefe Konzentration und ein Leben in umfassender Verbundenheit mit dem Koran. Ihr Erfolg im gesamten Leben hängt davon ab, wie Sie auf Allahs Ruf antworten. Daher hängen Ihre Existenz sowie die Zukunft des Menschen und der menschlichen Zivilisation davon ab, dass Sie den Weg des Korans beschreiten.

In dieser Ausdrucksweise gibt es Hunderte neuer Wörter.

Jahrhunderte um Jahrhunderte sind in seinen flüchtigen Augenblicken miteinander verbunden.

(Javednama: Allama Iqbal)

Wisse, dies ist der erhabene Koran. Nur dieser Koran kann dich in dieser Welt und im Jenseits zu wahrem Erfolg sowie im Jenseits zu wahrem Erfolg und Ruhm führen.

Was ist der Koran?

Die Bedeutung und Erhabenheit des Korans für den Menschen sind so gewaltig und umfassend, dass es für ihn unmöglich ist, sie zu beschreiben. Dennoch musst du gleich zu Beginn eine Vorstellung davon gewinnen, was der Koran ist und worum es dabei geht, damit du dich angesichts des vom Koran geforderten Versprechens, der vollkommenen Hingabe und der unermüdlichen Anstrengung mit ganzer Begeisterung vollständig in den Koran vertiefen kannst.

Der Koran ist eine große Gunstgabe Allahs für dich. Er ist die Erfüllung des Versprechens, das der erhabene Allah Adam (a.s.) gegeben hat.

Wenn dann von Mir eine Lebensordnung zu euch gelangt und diejenigen, die meiner Ordnung folgen, werden keinen Grund zur Sorge oder zum Kummer haben. (Al-Baqara 2:38)

Er ist die einzige hilfreiche Waffe für deinen vorübergehenden Daseinskampf gegen die Gier und Begehrlichkeiten dieser Welt sowie gegen die satanischen Kräfte. Er ist das einzige Mittel, deine Angst und deine Sorgen zu beseitigen. Er ist das einzige Licht (Nur), das dir in der tiefsten Finsternis den Weg zu Erlösung und Erfolg weist.

Er allein ist die Heilung (Schifa) für deine inneren Krankheiten und für die gesellschaftliche Seuche, die dich ständig zu verschlingen droht. Er ist eine bleibende Erinnerung (Dhikr) an deine Natur, dein Ziel, deine Stellung, deine Pflichten und deinen Untergang.

Den Koran bringt ein mächtiger und vertrauenswürdiger Engel aus dem Paradies, Hazrat Dschibril (a.s.), auf die Erde. Nachdem er ihn von Allah herabgebracht hatte, war die erste Wohnstätte des Korans die heilige und erhabene Seele des geliebten Propheten Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die mit keiner anderen menschlichen Seele vergleichbar ist.

Das Wichtigste aber ist: Dies ist der einzige Weg, die Nähe und Verbundenheit mit dem Schöpfer zu erlangen. Dieses großartige Buch informiert dich über Allah und Seine Eigenschaften. Auch darüber, wie der erhabene Schöpfer das gesamte Universum regiert und welche Beziehung zwischen dir und anderen Menschen sowie zwischen den Menschen und den übrigen Geschöpfen bestehen sollte, hat Er im Koran Aufschluss gegeben.

Die Belohnungen für das Beschreiten des Weges des Korans sind gewiss schon in dieser Welt zahlreich, und im Jenseits gibt es noch viel unermesslichere und ewige Belohnungen. Über das, was Allah, der Erhabene, am Ende dieses Weges versprochen hat, sagte Hazrat Abu Huraira (r.a.): Kein Auge hat es je gesehen, kein Ohr hat es je gehört und kein menschliches Herz hat es je empfunden. Wenn du möchtest, kannst du die Sure as-Sadschda, Vers 17, nachlesen:

Außerdem weiß kein Geschöpf, welche augenkühlenden Dinge ihnen als Vergeltung für ihre Taten verborgen gehalten werden.

Unendliche Barmherzigkeit und Erhabenheit

Das Wichtigste an dem, was im Koran gelesen wird, ist, dass er das Wort Allahs, des erhabenen Herrn der Welten, ist. Aus Seiner Barmherzigkeit, Seinem Erbarmen und Seiner Liebe zu den Menschen hat Er es der Menschheit in menschlicher Sprache geschenkt.

Der Allerbarmer, der den Koran gelehrt hat (ar-Rahman 55:1–2)

Eine Barmherzigkeit von eurem Herrn (ad-Duchan 44:6)

Die Erhabenheit Allahs besitzt eine derart außergewöhnliche Macht, dass kein Mensch sie begreifen kann. Allah selbst hat gesagt:

Wenn Wir diesen Koran auf einen Berg herabgesandt hätten, dann würdest du sehen, wie er sich aus Furcht vor Allah zitternd senkt und in Stücke zerbricht (al-Haschr 59:21).

Diese Barmherzigkeit und Erhabenheit des erhabenen Allah reichen aus, um den Menschen in Staunen zu versetzen, ihn zum höchsten Gipfel der Dankbarkeit zu führen und ihn zu Anstrengungen anzuspornen. Tatsächlich kann kein anderer Besitz für den Menschen wertvoller sein als der Koran.

Wie Allah gesagt hat:

O ihr Menschen! Zu euch ist von eurem Herrn eine Ermahnung gekommen, die eine vollständige Heilung für alle Krankheiten des Herzens ist; und für denjenigen, der sie annimmt, sind Rechtleitung und Barmherzigkeit bestimmt. O Prophet, sprich: Dies ist Allahs Gunst und Seine grenzenlose Barmherzigkeit, dass Er dies herabgesandt hat. Darüber sollten sich die Menschen wahrlich freuen. Es ist besser als all das, was die Menschen sammeln und sich aneignen (Sure Yunus 10:57–58).

Gefahren und Risiken

Allahs Barmherzigkeit, Erhabenheit und Großzügigkeit werden Sie gewiss bewegen und erfreuen. Sie werden in Ihnen Inspiration und Wissbegier wecken. Doch der Koran öffnet die Tore der Rechtleitung für diejenigen, die die Bedeutung dieser Barmherzigkeit Allahs verstehen und sich mit tiefster Herzenssehnsucht, Aufrichtigkeit, hingebungsvoller Ergebenheit sowie Konzentration und Aufmerksamkeit an den Koran wenden. Nur sie können den erhabenen Reichtum des Korans erlangen; und während sie den Koran praktizieren, werden sie bereit, alles aufzugeben, um den Anweisungen des Korans zu folgen, seinen Weg zu beschreiten und ihn anzunehmen.

Es ist durchaus möglich, dass jemand fortwährend den Koran studiert, Seite um Seite umblättert, jedes Wort auf wunderbare Weise rezitiert und ihn wie ein Forscher eingehend untersucht, ohne dennoch Umständen zu begegnen, die sein Leben durch das Licht des Korans bereichern und beleben könnten. Denn nicht alle, die den Koran lesen, können daraus in der Weise Nutzen ziehen, wie sie es sollten. Manche bleiben vom Segen des Korans ausgeschlossen, und manche können sogar verflucht werden.

Auf dem Weg des Qurans gibt es wertvolle und unerschöpfliche Belohnungen, ebenso aber auch Risiken und Gefahren. Obwohl dieses großartige Buch in greifbarer Nähe ist, wenden viele ihm nicht einmal den Blick zu; manche gehen bis zu seiner Tür und kehren wieder um. Viele lesen das Buch immer wieder und kehren mit leeren Händen zurück. Viele lesen es, dringen aber nicht wirklich in die Tiefe des Qurans ein. Manche finden, wonach sie suchen, verlieren es jedoch wieder. Sie vermögen Allah selbst in den Worten Allahs nicht zu hören. Statt Allah hören sie nur ihre eigene Stimme, ihre eigenen Worte. Manche hören Allahs Wort, sind aber nicht in der Lage, den Willen, die Entschlossenheit, den Mut und die Kraft zu erlangen, um auf Allahs Ruf zu antworten und auf Allahs Weg zu gehen. Manche verlieren sogar das, was sie besitzen: Statt die kostbaren Kieselsteine des Lebens zu sammeln, kehren sie mit einem Haufen schwerer, zerschmetternder Steine zurück, von denen sie ihr ganzes Leben lang verletzt werden.

Wenn jemand trotz seiner Zuflucht zum Quran innerlich nicht berührt wird, sein Herz nicht bewegt wird, sein Leben unverändert bleibt, er mit leeren Händen zurückkehrt und genau so wieder fortgeht, wie er gekommen ist – welches noch schmerzlichere Unglück könnte ihm widerfahren?

Die Erhabenheit und der Segen des heiligen Qurans sind grenzenlos. Wie viel jemand davon aufnehmen kann, hängt jedoch vollständig davon ab, wie viel Raum das Gefäß besitzt, in dem er aufgenommen wird. Deshalb muss man sich gleich zu Beginn des Quranstudiums zutiefst darüber bewusst werden, was der Quran ist und was er fordert. Man muss sich fest dazu verpflichten, den Quran angemessen zu studieren, damit man zu denen gehören kann, über die im edlen Quran gesagt wird:

Diejenigen, denen Wir das Buch gegeben haben, lesen es, wie es angemessen gelesen werden soll, und glauben aufrichtig daran (Al-Baqara 2:121).

Tilāwa des Qurans

Tilāwa ist ein Wort, das im Quran verwendet wird, um die Tätigkeit des Quranlesens zu bezeichnen. In einem einzigen Wort lässt es sich weder ins Englische noch in eine andere Sprache unmittelbar übersetzen. „Folgen“ kommt der ursprünglichen Bedeutung des Wortes am nächsten; das Lesen ist erst die zweite Bedeutungsebene. Denn auch beim Lesen folgt ein Wort dem anderen, eines nach dem anderen, in einer äußerst tiefen, geordneten und bedeutungsvollen Abfolge. Wenn ein Wort dem anderen nicht folgt oder wenn Anordnung und Abfolge beeinträchtigt werden, wird die Bedeutung entstellt.

Daher bedeutet Tilāwa ursprünglich: dicht hinterhergehen, voranschreiten, in ununterbrochener Folge dahinströmen, sich bemühen, das angestrebte Ziel zu erreichen, den Quran als Wegweiser, Führer, Herrn und Vorbild anzunehmen, seine Autorität anzuerkennen, ihn freiwillig anzunehmen, nach ihm zu handeln, auf seinem Weg zu gehen, seine Lebensordnung einzuüben, ihn zu verstehen, dem Träger des Denkens zu folgen oder ihn nachzuahmen. Den Quran lesen, den Quran verstehen, dem Quran folgen – auf diese Weise können diejenigen, die behaupten, an den Quran zu glauben, ihr Leben mit ihm verbinden.

Tilāwa oder Rezitation ist eine Tätigkeit, an der ein Mensch mit seinem Körper, seinem Herzen, seinem Verstand und seiner Sprache – kurz gesagt, mit seiner gesamten menschlichen Existenz – teilnehmen muss. Beim Lesen des Qurans verlieren Körper und Verstand, Vernunft und Gefühl ihre Unterschiede und geben sich ganz hin. Wenn mit der Zunge rezitiert wird, kommen Worte über die Lippen, der Verstand denkt unablässig, das Herz spiegelt wider, die Seele nimmt auf, die Augen werden tränenfeucht, im Herzen entsteht ein Beben und der Körper wird von Schaudern erfasst. Und so geht der Mensch im Licht seines Herrn seinen Weg.

Allah hat die vortrefflichste Rede herabgesandt – ein Buch, dessen Teile miteinander übereinstimmen und in dem dieselbe Botschaft wiederholt wird. Beim Hören bekommen diejenigen, die ihren Herrn fürchten, eine Gänsehaut. Danach werden ihre Körper und ihre Herzen weich und voller Verlangen nach dem Gedenken an Allah. Dies ist Allahs Rechtleitung; durch sie führt Er, wen Er will, auf den Weg der Rechtleitung. Und wem Allah keine Rechtleitung gewährt, für den gibt es keinen Rechtleiter. (az-Zumar 39:23).

Den Koran so zu lesen, wie er gelesen werden sollte, ist keine leichte Aufgabe, aber auch keineswegs allzu schwierig oder unmöglich. Andernfalls wäre der Koran nicht für gewöhnliche Menschen wie uns herabgesandt worden, und niemand könnte die Barmherzigkeit und Rechtleitung erfahren, die der Koran wahrhaftig gewährt. Doch beim Studium des Korans sind zweifellos die Anstrengungen von Herz und Verstand, Körper und Seele unvermeidlich. Außerdem müssen innerlich wie äußerlich bestimmte Bedingungen eingehalten und notwendige Anforderungen erfüllt werden. Noch bevor man die erhabene Welt des Korans betritt, muss man diese Dinge kennen und sich nach Kräften bemühen, sie zu verwirklichen.

Erst dann wird es möglich sein, Nutzen und Gewinn aus dem Wohl und der Erhabenheit zu ziehen, die das großartige Buch, der Koran, für die Menschen bereithält. Erst dann wird sich einem Menschen die Tür des Korans öffnen; erst dann wird er in das Innere des Korans eintreten können, und der Koran wird in ihm tiefes Nachdenken und bewegende Gefühle hervorrufen. Nachdem Sie neun Monate im Mutterleib verbracht und sich aus einem Tropfen Wasser zu einem lebendigen Menschen mit Hör-, Seh- und Denkvermögen entwickelt haben: Können Sie sich vorstellen, wie viel Zeit Ihres Lebens Sie mit dem Koran verbringen können – suchend, hörend, sehend, nachdenkend und ringend – und wie notwendig er für Sie werden kann? Er kann Sie zu einem völlig neuen Menschen machen, vor vielen von ihnen selbst die Engel stolz ihr Haupt neigen würden.

Mit jedem Schritt, den Sie mit dem Koran gehen, und mit jedem Augenblick, den Sie in seiner Gesellschaft verbringen, werden Sie spüren, dass Sie emporsteigen. Die fortwährende Kraft und Schönheit des Korans wird Sie ergreifen, und Sie werden beginnen, sie mit dem Herzen zu erfassen. Von ʿAbdullah ibn ʿAmr ibn al-ʿĀs (möge Allah mit ihm zufrieden sein) wird überliefert, dass der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte:

Dem Gefährten des Korans wird gesagt werden: »Trage vor und steige empor. Steige stetig weiter empor, so wie du den Koran in der Welt fließend vorzutragen pflegtest. Dein endgültiges Ziel ist die Höhe, bis zu der du den letzten Vers vorgetragen hast.« (Abu Dawud, at-Tirmidhi, Ahmad, an-Nasa’i).

2: Grundlegende Voraussetzungen

Für eine erfolgreiche Beziehung zum Koran sind bestimmte grundlegende Zustände und Haltungen von Herz und Verstand unbedingt erforderlich. Entwickeln Sie sie so weit wie möglich. Machen Sie sie zu einem Teil Ihres Bewusstseins und halten Sie sie lebendig und wirksam. Bringen Sie sie in Einklang mit Ihren Taten. Lassen Sie diese Gefühle und Haltungen tief in Ihr Inneres eindringen. Ohne die Unterstützung dieser inneren Ressourcen werden Sie nicht in der Lage sein, den Segen und die Barmherzigkeit des Korans zu empfangen. Auf Ihrem Lebensweg werden sie Ihre unverzichtbaren Begleiter und Freunde sein.

Diese inneren Ressourcen sind nichts Schwieriges, und es ist auch keineswegs unmöglich, sie zu finden. Durch ständige Wachsamkeit, umsichtiges Abwägen sowie richtige Worte und Taten können Sie innere Kraft erwerben und sie mehren. Je mehr Sie dies tun, desto besser werden Sie die Nähe zum Koran erlangen. Und je mehr Nähe zum Koran Sie gewinnen, desto größer wird Ihr Erfolg sein.

Glaube : Allahs Wort

Kommen Sie zunächst mit einem starken und tiefen Glauben an diese Sache zum Koran: Dieser Koran ist das Wort unseres erhabenen Schöpfers und Herrn.

Warum ist ein solcher Glaube eine unerlässliche Voraussetzung? Zweifellos sind die Kraft und die Anziehungskraft des Korans so groß, dass auch jemand, der sich mit ihm beschäftigt, daraus Nutzen ziehen kann, so wie jemand aus einem gewöhnlichen Buch Nutzen ziehen kann, wenn er es mit offenem Herzen liest. Doch dieses Buch ist kein gewöhnliches Buch. Es beginnt mit einer nachdrücklichen Aussage: „Dies ist das Buch Allahs, an dem es keinen Zweifel gibt.“ (al-Baqara 2:2)

Ihr Ziel beim Lesen und Studieren des Korans ist kein gewöhnliches Ziel. Sie suchen darin Führung, die Ihr ganzes Leben verändern wird, die Sie auf den einfachen und geraden Weg, den Sirat al-Mustaqim, bringen und auf ihm führen wird. „Führe uns, o Herr, auf den einfachen und geraden Weg“ (Sure al-Fatiha 1:5). Die Antwort auf diesen flehentlichen Ruf ist der Koran.

Sie können den Koran preisen und sogar vieles aus dem Koran erfahren, doch der Koran kann Sie nicht verändern, solange seine Botschaft Sie nicht aufweckt, ergreift, heilt und verwandelt. Dies kann nicht geschehen, solange Sie sie nicht in dem Sinne annehmen, in dem sie Allahs Wort ist. Ohne Glauben ist es unmöglich, die inneren Mittel und Kräfte zu erwerben, die erforderlich sind, um in die Tiefen des Korans vorzudringen und seine Botschaft zu verinnerlichen. Wenn dieser Glaube sich einmal im Herzen festgesetzt hat, können Sie nicht umhin, mit edlen Eigenschaften geschmückt zu werden: Aufrichtigkeit des Ziels, Demut und Ehrfurcht, Liebe und Dankbarkeit, Vertrauen, Abhängigkeit, Eifer bei harter Arbeit, feste Zuversicht in seine Wahrheit, eine Haltung der Hingabe an seine Botschaft, Gehorsam gegenüber seinen Anweisungen sowie Wachsamkeit gegenüber Hindernissen, die Sie der Schätze des Korans berauben könnten.

Denken Sie über Allahs Großzügigkeit, Erhabenheit und Macht nach, und Sie werden gegenüber Seinem Wort Ehrfurcht, Demut und tiefe Zuneigung empfinden. Bedenken Sie Seine Güte und Barmherzigkeit, und Sie werden feststellen, dass Ihr Herz von Dankbarkeit, Liebe und Sehnsucht nach Seinem Wort erfüllt ist. Lernen Sie Seine Weisheit, Sein Wissen und Seine Barmherzigkeit kennen, und Sie werden eifrig, sehnsüchtig und bereit sein, Seine Anweisungen zu befolgen. Deshalb erinnert der Koran Sie bereits am Anfang vieler Suren immer wieder an diese wichtige Wahrheit.

Und deshalb wurde dem ehrwürdigen Propheten (s.a.w.) befohlen, seinen Glauben zu verkünden: „Sprich: O Gesandter, ich glaube an das Buch, das Allah herabgesandt hat.“ (asch-Schura 42:15)

Der Gesandte glaubte an jene Rechtleitung oder Führung, die von seinem Herrn zu ihm herabgesandt worden war. (al-Baqara 2:285)

Sie müssen sich stets bewusst sein, dass jedes Wort, das Sie lesen, hören, rezitieren oder zu verstehen versuchen, von Allah offenbart worden ist.

Haben Sie diesen Glauben wirklich? Um die Antwort darauf zu finden, müssen Sie nicht weit suchen. Es genügt, Ihr Herz und Ihr Verhalten zu prüfen oder zu beobachten. Wenn Sie diesen Glauben wirklich besitzen, wo sind dann Ihr brennendes Verlangen und Ihre Sehnsucht danach, durch den Koran Hilfe zu erlangen, wo Ihr ernsthaftes Bemühen und Ihre harte Arbeit, den Koran zu verstehen, wo Ihre Hingabe und Ihr Gehorsam gegenüber dieser erhabenen Botschaft?

Wie kann man diesen Glauben erlangen, und wie kann man ihn lebendig erhalten? Dafür gibt es viele Wege. Ich möchte nur einen erwähnen. Der wirksamste Weg ist, den Koran zu rezitieren. Dabei mag es scheinen, als würden wir uns in einem Kreis bewegen. Doch in Wirklichkeit ist es nicht so. Denn wenn Sie den Koran lesen, werden Sie mit Sicherheit erkennen, dass er die Botschaft Allahs ist. Dann wird Ihr Glaube tiefer und fester werden.

Wahre Gläubige sind diejenigen, deren Herzen beim Gedenken an Allah erzittern. Wenn ihnen Seine Verse vorgetragen werden, nimmt ihr Glaube zu. (Al-Anfal 8:2)

Lauterkeit der Absicht

Zweitens: Lesen Sie den Koran ausschließlich, um Allahs Rechtleitung zu erlangen, Seine Nähe zu suchen und Sein Wohlgefallen zu gewinnen.

Was Sie aus dem Koran gewinnen, hängt davon ab, was Sie aus dem Koran gewinnen wollen. Die Absicht ist dabei entscheidend. Zweifellos ist der Koran zu unserer Rechtleitung herabgesandt worden. Wenn Sie den Koran jedoch mit schlechten Zielen und unehrlichen Absichten lesen, können Sie irregeleitet werden. Der Koran ist die Botschaft Allahs. Daher sind für das Studium des Korans genau dieselbe Lauterkeit der Absicht und Erhabenheit des Ziels erforderlich, die auch bei der Anbetung und dem Gottesdienst Allahs notwendig sind.

Studieren Sie den Koran nicht nur zur Befriedigung intellektueller Bedürfnisse und zum Vergnügen. Setzen Sie Ihren Verstand vollständig dafür ein, den Koran zu verstehen und ihn entsprechend in die Tat umzusetzen. Viele Menschen verbringen ihr Leben damit, die Sprache des Korans, seine Stilform, seine Geschichte, Geografie, Rechtswissenschaft und Ethik zu studieren. Dennoch gelangen sie nicht zur eigentlichen Botschaft des Korans oder bleiben von seinem Kerninhalt ausgeschlossen. Der Koran erwähnt an vielen Stellen jene Menschen, die zwar Wissen besitzen, daraus aber keinen Nutzen ziehen können.

Sie sollten den Koran nicht mit dem ausdrücklichen Ziel studieren, Unterstützung für Ihre eigenen Ansichten, Standpunkte und Ideologien zu finden. In diesem Fall hören Sie vielleicht nur das Echo Ihrer eigenen Stimme und nicht die Stimme Allahs. Diese Methode des Verständnisses und der Auslegung des Korans hat der edle Prophet (Friede sei mit ihm) scharf verurteilt:

Wer den Koran nach seiner eigenen Meinung auslegt, dessen Platz wird die Hölle sein. (Tirmidhi).

Nichts kann bedauerlicher sein, als den Koran für weltlichen Ruhm, Ehre, Ansehen und materiellen Gewinn zu benutzen. Sie mögen Einfluss, Ansehen und Reichtum erlangen. Doch damit tauschen Sie einen unschätzbaren Schatz sinnlos ein. Gewiss werden Sie einen unermesslichen Verlust erleiden. Allahs Gesandter (Friede sei mit ihm) sagte: „Wenn jemand den Koran studiert, um damit seinen Lebensunterhalt von den Menschen zu bestreiten, wird sein Gesicht am Tag der Auferstehung wie ein knochenloses Fleischstück sein“ (Bayhaqi). Er sagte ferner:

Wer den Koran aus irgendeinem weltlichen Interesse lernt, rezitiert oder lehrt, wird in das lodernde Feuer der Hölle geworfen. (Muslim)

Sie können aus den Worten des Korans in einigen geringfügigen Dingen Nutzen ziehen, etwa Befreiung von körperlichen Leiden, seelischer Unruhe, Armut und dergleichen. Es ist nicht verboten, dies zu erlangen. Doch dies darf nicht alles sein, was Sie aus dem Koran gewinnen wollen. Es darf auch nicht das Ziel Ihrer Absicht sein. Sie können dies durchaus erlangen. Aber Sie werden einen ganzen Ozean verlieren, den Sie hätten gewinnen können. Für die Rezitation jedes einzelnen Wortes des Korans gibt es eine große Belohnung. Sie müssen auf jede dieser Belohnungen bedacht sein und sie zu einem Teil Ihrer Absicht machen. Denn gerade sie werden Sie dazu anspornen, Zeit mit dem Koran zu verbringen. Vergessen Sie jedoch niemals, dass Ihnen für das Verstehen, Verinnerlichen und Befolgen des Korans in dieser Welt und im Jenseits eine gewaltige Belohnung versprochen wurde. Dies sollte Ihr Ziel sein.

Die Reinheit der Absicht allein genügt nicht. Solange der Koran, seine Botschaften und die Sunna als sein lebendiges Vorbild Ihnen zur Verfügung stehen, dürfen Sie keinesfalls etwas anderes als Quelle der Rechtleitung annehmen. Dies zu tun würde bedeuten, einer Fata Morgana nachzujagen. Es würde einen Mangel an Vertrauen in den Koran und eine Geringschätzung des Korans bedeuten. Es käme einer Spaltung der Loyalität gleich.

Nichts anderes kann Sie Ihrem Herrn so nahebringen wie die Zeit, die Sie mit den Worten Ihres Herrn verbringen. Der Koran ist für Sie jene wunderbare Gunst, durch die Sie die „Stimme“ Ihres erhabenen Herrn unmittelbar an Sie gerichtet hören können. Daher sollte Ihr innerster Wunsch beim Studium des Korans darin bestehen, Allahs Nähe zu erlangen.

Ihr Ziel bei der Absicht sollte es sein, Allahs Wohlgefallen zu erlangen, indem Sie Ihr Herz, Ihren Geist und Ihre Zeit der Rechtleitung widmen, die der erhabene Allah zu Ihnen gesandt hat. Dies ist der Bund, auf dessen Grundlage Sie sich Allah hingeben. „Unter den Menschen gibt es manchen, der sein Leben einzig im Streben nach dem Wohlgefallen Allahs hingibt. Und Allah ist gegenüber diesen Dienern wahrlich überaus gütig.“ (Al-Baqara 2:207)

Absicht und Intention sind wie die Lebenskraft des Körpers, vergleichbar mit der inneren Kraft eines Samens. Viele Samen sehen gleich aus. Doch erst wenn sie wachsen, zu Bäumen werden und Früchte tragen, zeigen sich ihre Unterschiede. Je reiner und edler Ihre Absicht ist, desto größer, wertvoller und fruchtbringender werden Ihre Schritte sein.

Betrachten Sie sich daher stets selbst und fragen Sie sich: Warum lese ich den Koran? Sagen Sie sich immer wieder, warum Sie den Koran rezitieren sollten. Dies ist der beste Weg, Absicht und Intention rein zu bewahren.

Dankbarkeit und Lobpreis

Drittens sollte man sich inmitten grenzenloser Dankbarkeit und allen Lobpreises gegenüber dem erhabenen Allah stets bewusst und wachsam sein, dass Allah Ihnen aus Seiner Gnade Sein größtes Geschenk gemacht und Ihnen zugleich die Möglichkeit gegeben hat, den Koran zu rezitieren und zu studieren.

Wenn Sie einmal empfinden können, welch außergewöhnlicher und unschätzbarer Schatz sich in Ihren Händen befindet, wird Ihr Herz spontan vor Freude frohlocken und tanzen, und Sie selbst werden ausrufen: „Alles Lob gebührt allein Allah, Der uns diesen Weg gewiesen hat. Wir hätten niemals den Weg finden können, wenn Allah uns nicht den Weg gewiesen hätte.“ (Al-Aʿrāf 7:43)

Unter all den Barmherzigkeiten und Segnungen, die Allah der Erhabene über Sie herabgesandt hat, ist nichts mit dem Koran vergleichbar. Selbst wenn jedes Haar Ihres Körpers zu einer Zunge würde, um Allah zu loben und zu preisen, und jeder Tropfen Ihres Blutes sich in Freudentränen verwandelte, könnten Ihr Lob und Ihre Dankbarkeit dennoch nicht mit der Erhabenheit des Korans verglichen werden.

Selbst wenn der Koran nicht auf uns herabgesandt worden wäre, wären seine Heiligkeit, Schönheit, Großzügigkeit und sein strahlender Glanz all unser Lobes würdig. Doch dieses erhabene und heilige Geschenk – das außerordentlich hochrangige Wort unseres Herrn – wurde uns einzig zu unserer Erlösung gegeben.

Daher sollten wir „Allah unseren grenzenlosen Dank und unsere Dankbarkeit“ zum Ausdruck bringen.

Eine solch tiefe Lobpreisung mündet unweigerlich in tiefe Dankbarkeit. Kein anderes Wort vermag Allah so umfassend und tiefgehend zu loben und Ihm zu danken wie das Wort al-hamd. „Alhamdulillāhilladhī hadānā lihādhā __“

Warum sollte Allah dafür gedankt werden, dass Er uns den Qur’an geschenkt hat? Auf diese Weise hat Er uns über den Zweck und die Bedeutung des Lebens unterrichtet und uns den geraden Weg gezeigt. Die Ehre und der Ruhm dieser Welt sind dir eröffnet worden. In diesem Qur’an kannst du mit Allah sprechen.

Allein dadurch, dass du im diesseitigen Leben dem Qur’an folgst, kannst du im Jenseits Vergebung, das Paradies und die Zufriedenheit des Erhabenen Allah erlangen. Dankbarkeit und Freude führen zu Vertrauen, Hoffnung und einer großen Belohnung. Er, der dir den Qur’an geschenkt hat, wird dir gewiss helfen, ihn zu lesen, zu verstehen und zu befolgen. Dankbarkeit und Freude schaffen eine stets frische Lebenskraft, die dir immer wieder mit neuer Begeisterung beim Lesen des Qur’an hilft. Je mehr Dankbarkeit du zum Ausdruck bringst, desto mehr von den Schätzen des Qur’an wird Allah, der Erhabene, dir schenken. Größe bringt Dankbarkeit hervor, und Dankbarkeit macht dich groß – dies ist ein unaufhörlicher Prozess. Das ist auch Allahs Versprechen.

„Wenn ihr dankbar seid, werde Ich euch gewiss noch mehr geben.“ (Ibrāhīm 14:7)

Dass du trotz des Erhalts des Qur’an keine tiefe Dankbarkeit dafür empfindest, kann zwei Dinge bedeuten: Entweder bist du dir des Segens, den der Qur’an gebracht hat, nicht bewusst, oder du hast dem Qur’an keine Bedeutung beigemessen. In jedem Fall musst du sehr gründlich darüber nachdenken, wie deine Beziehung zum Qur’an aussieht. Das Gefühl der Dankbarkeit, das jede Faser deines Herzens und deines Verstandes durchströmt, muss unaufhörlich und begeistert in Worten zum Ausdruck kommen. Danke Allah für jeden Schritt auf deinem Weg, für die Zeit, die du mit dem Qur’an verbringen darfst, für jede Bedeutung, die du aus dem richtigen Lesen des Qur’an gewinnst, und für die Fähigkeit, dem Qur’an zu folgen. Dankbarkeit muss in Taten umgesetzt werden.

Anerkennung und Vertrauen

Viertens: Nimm jedes Wissen und jede Anleitung, die der Qur’an vermittelt, ohne den geringsten Zweifel oder jedes Zögern an und vertraue darauf.

Es steht dir völlig frei, in dieser Angelegenheit die Frage aufzuwerfen, ob der Qur’an das Wort Allahs ist. Du kannst diesen Anspruch auch zurückweisen, wenn du kein vollkommenes Vertrauen oder keine Überzeugung erlangst. Doch sobald du ihn als das Wort Allahs angenommen hast, gibt es keinerlei Berechtigung oder Grundlage dafür, auch nur an einem einzigen seiner Worte zu zweifeln. Das bedeutet, dass du genau das zurückgewiesen hast, was du angenommen hattest. Du musst dich den Lehren des Qur’an vollständig unterwerfen. Deine eigenen Überzeugungen, Meinungen, Urteile, Ansichten und Neigungen dürfen nicht einmal den geringsten Teil der Lehren des Qur’an außer Acht lassen. Der Qur’an betrachtet jene als schuldig, die ihn als ein ererbtes Buch ansehen und sich anschließend als verwirrte, ratlose und zweifelnde Gläubige verhalten.

Diejenigen aber, denen nach den früheren Völkern das Buch als Erbe gegeben wurde, versanken ihretwegen in äußerst quälenden Zweifeln (asch-Schura 42:14).

Der Quran hat wiederholt betont, dass alle Maßnahmen getroffen wurden, um die unverfälschte Übermittlung und Verkündung des Wortes Allahs sicherzustellen.

Vielmehr ist dieser Quran von höchstem Rang und auf einer wohlverwahrten Tafel niedergeschrieben (al-Burudsch 85:21).

Dies ist in Wahrheit die Aussage eines ehrenwerten Gesandten, der beim Besitzer des überaus mächtigen Thrones hoch angesehen ist. Dort wird seinem Befehl gehorcht. Er ist vertrauenswürdig und treu (at-Takwir 81:19–21).

Er befindet sich in den Händen geehrter und rechtschaffener Schreiber (Abasa 80:15–16).

Das sind diejenigen, die, als das Wort der Ermahnung zu ihnen kam, sich weigerten, es anzunehmen. Doch in Wahrheit ist dies ein gewaltiges Buch. Die Falschheit kann weder von vorn noch von hinten zu ihm gelangen. Es ist eine Offenbarung eines Allwissenden und höchst Gepriesenen (Hamim as-Sadschda 41:41–42).

Ferner wurde verkündet:

Wir haben diesen Quran mit der Wahrheit hinabgesandt, und mit der Wahrheit ist er hinabgesandt worden (al-Isra 17:105).

Das Wort deines Herrn ist in Wahrheit und Gerechtigkeit vollendet. (Al-Anʿām 6:115)

Den Quran als wahr und vollkommen wahr anzunehmen und auf ihn zu vertrauen, bedeutet nicht blinden Glauben, eine verschlossene Geisteshaltung oder ein Verständnis ohne jegliche Untersuchung.

Ihr habt das Recht, das, was im Quran enthalten ist, zu untersuchen, zu prüfen, Fragen zu stellen und es zu verstehen. Doch nur weil ihr etwas nicht vollständig verstehen oder begreifen könnt, gibt es keinen Grund, es für unvernünftig oder unwahr zu halten. Wenn ihr glaubt und es erwiesen ist, dass jeder Stein in einer Mine ein unschätzbares Juwel ist, könnt ihr jene Steine nicht wegwerfen, deren Wert eure Augen nicht erkennen können oder den ihr mit dem euch zur Verfügung stehenden Instrument nicht bestimmen könnt.

Ebenso gibt es keinen Anlass, irgendeinen Teil des Qurans als alt, überholt oder als eine Geschichte aus vergangenen Zeiten abzutun. Wenn Allah der Herr aller Zeiten ist, dann ist Sein Wort auch nach vierzehnhundert Jahren gleichermaßen unbestreitbar gültig.

Einige Teile des Qurans anzunehmen und andere zurückzuweisen, bedeutet, den gesamten Quran zurückzuweisen. In Ihrer Beziehung zum Quran gibt es keine Möglichkeit und auch keinen vernünftigen Grund, ihn nur teilweise oder bruchstückhaft anzunehmen. (Al-Baqara 2:85)

Im Herzen und im Geist gibt es viele Krankheiten, die euch daran hindern, die Botschaft des Qurans anzunehmen und euch ihr zu unterwerfen. All dies wird im Quran erklärt. Dazu gehören Neid, Aberglaube, die Befriedigung der eigenen Wünsche sowie die blinde Nachahmung gesellschaftlicher Bräuche und Sitten. Das größte Hindernis auf dem Weg, die eigene Meinung aufzugeben, Allahs Wort anzunehmen und es demütig zu akzeptieren, sind Hochmut und Unwissenheit sowie eine Haltung der Selbstgenügsamkeit.

Ich werde die Blicke derjenigen von Meinen Zeichen abwenden, die sich ohne jedes Recht auf der Erde überheblich gebärden. Welches Zeichen sie auch sehen mögen, sie werden niemals daran glauben. Selbst wenn der gerade Weg vor ihnen erscheint, werden sie ihn nicht annehmen. Wenn sie aber den krummen Weg sehen, werden sie ihn als ihren Weg einschlagen. Denn sie haben Meine Zeichen für Lügen erklärt, sie verleugnet und ihnen keinerlei Beachtung geschenkt. (Al-Aʿrāf 7:146)

Wisset gewiss: Für diejenigen, die Unsere Zeichen für Lügen erklärt und sie verleugnet haben und ihnen gegenüber eine rebellische Haltung eingenommen haben, werden die Tore der Himmel niemals geöffnet werden. Ihr Eintritt ins Paradies ist ebenso unmöglich, wie es unmöglich ist, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr geht. (Al-Aʿrāf 7:40)

Gehorsam und Veränderung

Fünftens: Sie müssen einen festen Willen, Entschluss und die Bereitschaft entwickeln, jede Veränderung anzunehmen, die der Koran in Ihrem Leben, Ihrer Sichtweise und Ihrem Verhalten verlangt. Solange Sie nicht bereit sind, Ihr Denken und Handeln im Licht der Botschaft des Korans neu zu ordnen, werden Ihre Hingabe und Ihre Anstrengungen letztlich vergeblich sein. Rein intellektuelle Beschäftigung und angenehme Erfahrungen können Sie unter keinen Umständen dem wahren Schatz des Korans näherbringen.

Wenn es aufgrund menschlicher Schwäche, von Versuchungen, natürlichen Schwierigkeiten oder äußeren Hindernissen nicht gelingt, den Koran zu befolgen und das Leben entsprechend zu verändern, ist das eine Sache; wenn es jedoch daran scheitert, dass dafür keinerlei Absicht oder Bemühung vorhanden ist, ist das etwas völlig anderes. Unter diesen Umständen können Sie vielleicht den Ruf eines Gelehrten des Korans erlangen, doch dies wird Ihnen niemals die wahre Wahrheit und die eigentliche Bedeutung offenbaren. Der Koran verurteilt in äußerst scharfen Worten jene Menschen, die behaupten, an dieses Buch Allahs zu glauben, aber den Ruf des Korans missachten und sich von ihm abwenden, wenn sie aufgefordert werden, ihn zu befolgen oder wenn eine Entscheidung getroffen werden muss. Sie werden als Kafir, Fasiq und Zalim bezeichnet.

Risiken und Hindernisse

Sechstens: Seien Sie stets darauf vorbereitet, dass Satan, sobald Sie sich dem Studium des Korans widmen, alle möglichen Hindernisse und Schwierigkeiten auf Ihrem Weg schaffen wird, damit Sie nicht in der Lage sind, den großen Schatz des Korans zu erlangen.

Der Koran ist der einzige sichere Führer auf dem Weg zu Allahs Sirat al-Mustaqim. Diesen Weg zu gehen, ist das Schicksal des Menschen. Als Adam (a. s.) erschaffen wurde, wurde der Mensch vor den Hindernissen gewarnt, die er überwinden muss, um sein Schicksal zu erfüllen. Alle Schwächen des Menschen, insbesondere die Schwäche seines Willens, seiner Entschlossenheit und seines Dankbarkeitsgefühls, wurden offengelegt. (Taha 20:115)

Es ist leicht verständlich und klar, wie Satan auf jedem einzelnen Schritt des Weges Hindernisse schaffen wird.

Ich werde ganz gewiss auf dem geraden Weg für diese Menschen auf der Lauer liegen. Dann werde ich sie von allen Seiten umzingeln, von vorn und von hinten sowie von rechts und von links, und Du wirst die meisten von ihnen nicht dankbar finden. (Al-A’raf 7:16–17)

Der Qur’an ist eindeutig eine Rechtleitung von Allah und Ihr stärkster Verbündeter. Dieser Qur’an wird Ihnen im Kampf gegen Satan, im Ringen um den Weg des Qur’an und im Bemühen helfen, auf dem Weg der Rechtleitung Allahs zu leben. Daher wird Satan Ihnen vom Beginn Ihres Qur’an-Studiums bis zum letzten Augenblick Ihres Lebens, in dem Sie danach leben, mit zahlreichen Taktiken und List, Verlockungen und Täuschungen sowie Hindernissen und Widrigkeiten entgegentreten, die Sie überwinden müssen.

Satan kann Ihre Absicht verderben, Sie gegenüber der Bedeutung und Botschaft des Qur’an unaufmerksam machen, Hindernisse zwischen Ihrer Seele und Allahs Welt errichten, Sie in die Falle randständiger Lehren statt der grundlegenden Lehren locken, Sie dazu verleiten, die Befolgung des Qur’an zu unterlassen, oder Sie ganz allgemein in Bezug auf das Studium des Qur’an nachlässig machen. All diese Gefahren werden auch im Qur’an ausführlich erklärt.

Nehmen wir eine ganz gewöhnliche Sache: Wenn man den Qur’an täglich studiert und ihn versteht, erscheint es sehr leicht. Doch versuchen Sie es, und Sie werden sehen, wie schwierig es ist. Die Zeit vergeht, und andere wichtige Aufgaben tauchen auf. Ein konzentrierter Geist und Aufmerksamkeit sind daher genau das, was Sie vermeiden wollen; warum lesen Sie nicht schnell und nur um Segen zu erlangen? Um sich vor dieser Gefahr zu hüten, suchen Sie, wenn Sie den Qur’an lesen, als jemand, der dem Qur’an folgt, Zuflucht bei Allah vor Satan, dem Verwirrten und Verstoßenen (an-Nahl 16:98). Sagen Sie: Aʿūdhu billāhi min asch-schaitānir-radschīm.

Vertrauen und Abhängigkeit

Siebtens: Vertrauen Sie vollkommen auf Allah, damit Er Sie zum vollen Nutzen der Qur’an-Lektüre führt.

Es ist Allahs unendliche Barmherzigkeit, dass der Qur’an Allahs Wort zu Ihnen gebracht und Sie Ihm nahegebracht hat. Daher kann nur Allahs Barmherzigkeit Ihnen bei einer schwierigen Aufgabe helfen. Sie benötigen eine wichtige und wertvolle Unterstützung, die nicht leicht zu erlangen ist. Sie müssen sich einer schweren Gefahr stellen, die nicht leicht zu überwinden ist. Auf wen außer Allah können Sie blicken, der Ihre Hand hält, Ihnen hilft und Ihnen den Weg weist, den Sie gehen sollen?

Ihr Wille und Ihre Schritte sind die notwendigen Mittel. Doch Allahs außergewöhnliche Barmherzigkeit und Unterstützung sind die einzige Garantie, durch die Sie Ihren Weg erfolgreich beschreiten können. In allem, was Ihr Leben betrifft, müssen Sie sich allein Ihm zuwenden. Und was könnte wichtiger sein als der Qur’an?

Brüsten Sie sich niemals mit dem, was Sie für den Qur’an tun und was Sie zu erreichen vermochten. Denn diese Arbeit hat ihresgleichen nicht und hält Sie stets wachsam gegenüber Ihren Mängeln und Grenzen.

Bitten Sie daher demütig den Koran und suchen Sie mit tiefem Vertrauen auf Allah bei jedem Schritt Seine Hilfe und Unterstützung.

Beginnen Sie die Rezitation in einer Haltung des Glaubens, des Lobes und der Dankbarkeit durch das harmonische Zusammenwirken Ihrer Zunge und Ihres Herzens: Bismillāhi r-Raḥmāni r-Raḥīm – Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen. Dieser Vers steht am Anfang jeder der 114 Suren des Korans mit Ausnahme einer einzigen. Der Diener betet und sucht Seine Sicherheit: O Allah! Nachdem Du uns den geraden Weg gezeigt hast, lass in unseren Herzen keine Abweichung oder Verwirrung entstehen. Gewähre uns aus dem Schatz Deiner Barmherzigkeit eine Gnade, denn Du allein bist wahrhaftig der Geber (Āl ʿImrān 3:8).

3 : Aufrichtige Hingabe

Bei der Rezitation und dem Studium des Korans müssen Sie sich mit Ihrem ganzen Körper und Ihrem ganzen Geist vollständig einbringen. Nur so können Sie Ihr eigenes Wesen auf die vom Koran gewünschte Stufe erheben, auf der Sie als wahrhaft Gläubiger bezeichnet werden.

Diejenigen, denen Wir das Buch gegeben haben, lesen es, wie es rechtmäßig zu lesen ist, und glauben aufrichtig an es. Diejenigen, die es verleugnen, sind in Wahrheit die Verlierer. (Al-Baqara 2:121)

Was ist das Herz?

Der wichtigste Teil Ihrer Persönlichkeit ist Ihr inneres Selbst. Dieses innere Selbst bezeichnet der Koran als „Qalb“ oder Herz. Das Herz des Gesandten war der erste Empfänger der Botschaft des Korans.

Dies ist das Werk des Rabb al-ʿĀlamīn. Der treue Geist ist damit in dein Herz hinabgestiegen, damit du zu denen gehörst, die (im Auftrag Allahs für alle Menschen) warnen. (Asch-Schuʿarāʾ 26:192–194)

Erst dann können Sie die volle Freude und den Segen des Koranlesens erfahren, wenn Sie Ihr Herz dieser Aufgabe vollständig widmen können.

Das „Herz“ ist in der koranischen Terminologie nicht bloß ein Fleischklumpen in Ihrem Körper. Vielmehr ist das Herz der Mittelpunkt all Ihrer Gefühle, Empfindungen, Begeisterung, Erinnerungen und Ihrer Aufmerksamkeit.

Es ist dieses Herz, das erschüttert wird (az-Zumar 39:23), hart und verhärtet wird (al-Baqara 2:74), erblindet und die Wahrheit zurückweist (al-Haddsch 22:46) und sich der Vernunft und dem Verstehen öffnet (al-Aʿraf 7:179; al-Haddsch 22:46; Qaf 50:37). Dieses Herz ist die Quelle aller Arten von Krankheiten (al-Ma’ida 5:32), es ist der Aufenthaltsort aller inneren Krankheiten (al-Baqara 2:10), und das Herz ist der Sitz sowohl des Glaubens als auch der Heuchelei (al-Ma’ida 5:41; at-Tauba 9:77). Das Herz ist das Zentrum von Gut und Böse, sei es Zufriedenheit und Ruhe (ar-Ra’d 13:28), Stärke im Umgang mit Leiden (at-Taghabun 64:11), Vergebung (al-Hadid 57:27), brüderliche Liebe (al-Anfal 8:63), Gottesfurcht (al-Hudschurat 49:3; al-Haddsch 22:32) oder Zweifel und Unentschlossenheit (at-Tauba 9:45), Reue (Al-i-‘Imran 3:156) und Zorn (at-Tauba 9:15).

Letztlich werden wir in Wirklichkeit für das Verhalten unseres Herzens zur Rechenschaft gezogen werden, und nur derjenige wird gerettet werden, der vor seinem Herrn mit einem gesunden Herzen erscheinen kann.

Für Schwüre, die ihr unbedacht ablegt, wird Allah euch nicht bestrafen. Doch für Schwüre, die ihr aufrichtig ablegt, wird Allah euch gewiss zur Rechenschaft ziehen (al-Baqara 2:225). An jenem Tag werden weder Reichtum noch Kinder von Nutzen sein. Nur derjenige wird Nutzen haben, der mit einem ruhigen Herzen zu Allah kommt (asch-Schura 26:88–89).

Daher müssen Sie unbedingt sicherstellen, dass Ihr Herz bei Ihnen ist, solange Sie sich mit dem Koran beschäftigen – nicht bloß ein Fleischklumpen, sondern das, was der Koran „Qalb“ nennt.

Dies wird nicht schwierig erscheinen, wenn Sie sich bestimmter Dinge bewusst sind und einige Tätigkeiten von Herz und Körper beobachten. Die zuvor beschriebenen sieben Voraussetzungen schaffen die Grundlage für die vollständige Beteiligung Ihres Herzens am Studium des Korans. Wenn Sie darüber hinaus noch einige weitere Schritte unternehmen, wird es möglich sein, Ihr Herz noch tiefer und umfassender in diese Aufgabe einzubinden.

Die Dynamik der inneren Konzentration

Sie müssen die Dynamik innerer Aufmerksamkeit gut verstehen. Wie viel Raum nimmt die Wahrheit in Ihrem Herzen ein? Erkennen Sie dies zuerst. Zweitens: Erkennen Sie die Wahrheit als Wahrheit an und nehmen Sie sie als Ihre Lebensweise an. Drittens: Erinnern Sie sich so oft wie möglich an die Wahrheit. Viertens: Verinnerlichen Sie sie, bis sie die tiefsten Winkel Ihres Herzens durchdringt. Wenn die Wahrheit auf diese Weise tief in Ihr Herz eindringt, wird sie sich unweigerlich in Worten und Taten zeigen.

Hier ist es sehr wichtig, sich daran zu erinnern, dass das, was Sie äußerlich mit Ihrer Zunge und Ihren Gliedmaßen tun, eine Reaktion auf Ihre inneren Handlungen ist. Es ist möglich, dass Worte und Taten ein falsches Zeugnis für den inneren Zustand ablegen. Doch der Ausdruck eines inneren Zustands wie des Glaubens wird sich gewiss in Worten und Taten zeigen; diese wiederum werden dazu beitragen, Wissen in Ihr Gewissen einzuprägen und ihn in einen dauerhaften Zustand zu verwandeln.

Die hier gegebenen Ratschläge werden wirksam sein, wenn Sie der oben erörterten Dynamik Aufmerksamkeit schenken und die genannten Grundsätze befolgen.

Zustände der Bewusstheit

Es gibt sieben Zustände der Bewusstheit. Sie müssen sich darum bemühen, diese Bewusstheit zu steigern, indem Sie bestimmte Dinge im Gedächtnis behalten, sie verinnerlichen und sich selbst daran erinnern.

Koranische Maßstäbe für innere Beteiligung

Sagen Sie sich zunächst selbst: Meine Koranrezitation wird keine wirkliche Tilāwa sein, solange meine Seele sich nicht so darauf konzentriert, wie Allah es wünscht. Was wünscht Allah? Wie sollten Sie den Koran aufnehmen? Der Koran selbst hat Ihnen an vielen Stellen ausführlich erklärt, wie der Gesandte Allahs (S), seine Gefährten und jene Menschen, deren Herzen vom Koran durchdrungen waren, den Koran aufgenommen haben. Sie sollten sich diese Verse des Korans merken; und wenn Sie danach den Koran rezitieren, sollten sich diese Verse in Ihnen widerspiegeln. Die Worte jener Verse lauten:

Wahrhaftig gläubig sind nur diejenigen, deren Herzen erbeben, wenn Allah erwähnt wird. Wenn Seine Verse vor ihnen rezitiert werden, nimmt ihr Glaube zu. Und auf ihren Herrn verlassen sie sich und vertrauen Ihm. (Al-Anfāl 8:2) Allah hat die vortrefflichste Rede herabgesandt: ein Buch, dessen Teile einander entsprechen und in dem dieselbe Aussage wiederholt wird. Wenn sie es hören, überläuft ihre Haut diejenigen, die ihren Herrn fürchten, mit Schauer. Danach werden ihre Körper und ihre Herzen weich und von Eifer und Verlangen nach dem Gedenken an Allah erfüllt. Dies ist Allahs Rechtleitung; durch sie führt Er, wen Er will, auf den Weg der Rechtleitung. Und wen Allah nicht rechtleitet, für den gibt es keinen Rechtleiter. (Az-Zumar 39:23)

O Muhammad, sage diesen Menschen: Ob ihr es annehmt oder nicht – wenn es denen vorgetragen wird, denen zuvor Wissen gegeben wurde, fallen sie demütig auf ihr Angesicht nieder. Und sie rufen aus: „Gepriesen sei unser Allah; Sein Versprechen wird gewiss erfüllt werden.“ Weinend fallen sie auf ihr Angesicht nieder, und dadurch, dass sie es hören, nimmt ihre innige Ergebenheit noch zu. (Āl ʿImrān-17:107–109)

Ihr Zustand war so, dass sie, wenn ihnen die Verse des Allerbarmers vorgetragen wurden, weinend niederfielen und sich niederwarfen. (Maryam-19:58)

Wenn sie die dem Gesandten herabgesandte Offenbarung hören, siehst du, wie ihre Augen unter dem Einfluss des Erkennens und Wiedererkennens der Wahrheit von Tränen überströmen. Sie rufen: „Unser Herr, wir glauben; schreibe uns zu den Zeugnis Ablegenden.“ (Al-Māʾida-5:83)

Die Gegenwart Allahs

Zweitens: Sagen Sie sich: Ich bin vor Allah anwesend, in Allahs Gegenwart. Er sieht mich.

Sie müssen sich dieser Tatsache äußerst bewusst sein: Wann immer Sie den Quran studieren, befinden Sie sich in der Gegenwart Dessen, der Ihnen diese Offenbarung übermittelt hat. Denn Allah ist jederzeit bei Ihnen, ganz gleich, wo Sie sich befinden oder was Sie tun; Sein Wissen umfasst alles.

Wie kann man diese Stufe des Bewusstseins erlangen? Hören Sie, was Allah diesbezüglich im Quran gesagt hat. Erinnern Sie sich zu Beginn des Quranstudiums und während des Studiums an jene Verse, schenken Sie ihnen Aufmerksamkeit und betrachten Sie sie eingehend. Was nicht nur beim Quranstudium, sondern noch mehr dabei helfen kann, das gesamte Leben gemäß dem Quran zu führen, ist, sich an diese Tatsache zu erinnern und sie so oft wie möglich tief zu bedenken. Sagen Sie allein oder in Gemeinschaft, leise oder laut, zu Hause oder am Arbeitsplatz, in Ruhe oder während der Beschäftigung, im Herzen oder mit lauter Stimme: Er ist hier, Er ist bei mir, Er sieht, hört und weiß alles und führt Rechenschaft. Und erinnern Sie sich an diese Verse:

Er ist mit euch, wo immer ihr seid, und Er sieht, was immer ihr tut. (Al-Ḥadīd-57:4)

Wir sind ihm näher als seine Halsader. (Qāf-50:16)

Es geschieht niemals, dass drei Menschen ein geheimes Gespräch führen, ohne dass Allah der Vierte unter ihnen ist, oder dass fünf ein geheimes Gespräch führen, ohne dass Allah der Sechste unter ihnen ist. Ob die geheimen Berater weniger oder mehr sind, wo immer sie sich befinden, Allah ist gewiss mit ihnen. (Al-Mudschādala-58:7)

Ich bin mit euch beiden (Mūsā und Hārūn); Ich höre alles und sehe alles. (Ṭā-Hā-20:46)

Gewiss, du bist vor Unseren Augen. (Aṭ-Ṭūr-52:48)

Gewiss werden Wir eines Tages die Toten wieder zum Leben erwecken. Alles, was sie tun, schreiben Wir auf. Auch die Spuren, die sie zurücklassen, bewahren Wir. Jede Sache halten Wir in einem offenliegenden Buch fest. (Yā-Sīn-36:12)

Noch bedeutsamer ist der folgende Vers. In diesem Vers wird nicht nur nachdrücklich gesagt, dass Allah überall gegenwärtig ist und alles sieht, sondern es wird auch ausdrücklich das Studium des Qurʾān erwähnt:

In welchem Zustand du dich auch immer befindest, was auch immer du aus dem Qurʾān vorträgst und was auch immer ihr, o Menschen, tut – in all diesen Zuständen sehen und beobachten Wir euch. Im Himmel und auf der Erde gibt es nicht einmal ein Teilchen, weder klein noch groß, das dem Blick Allahs verborgen wäre und nicht in einem klaren Buch aufgezeichnet wäre. (Yūnus-10:61)

Daher sagt Allah selbst zu uns: Ich bin gegenwärtig, wenn ihr den Qurʾān vortragt; vergesst dies niemals.

Die Rezitation des Korans ist eine gottesdienstliche Handlung. Der Weg zur höchsten Vervollkommnung besteht darin, Allah zu dienen. Diesbezüglich sagte der Gesandte Allahs:

Diene Allah so, als würdest du Allah sehen; auch wenn deine Augen Allah nicht sehen können, siehst du Ihn nicht, doch Er sieht dich (Muslim).

Darüber hinaus muss man sich daran erinnern, dass nicht nur du dich in Seiner Gegenwart befindest: Er gedenkt deiner, solange du den Koran rezitierst.

Gedenkt Meiner, so werde Ich euer gedenken. (Al-Baqara 2:152)

Zweifellos besteht das Gedenken Allahs, der beste Weg des Dhikr, in der Rezitation des Korans.

Von Allah hören

Drittens: Sagen Sie sich: Ich höre von Allah.

Als Teil davon, Ihre innere Seele dem Studium des Korans zu widmen, sollten Sie versuchen, sich vorzustellen, dass Sie den Koran von Allah hören. Der Koran ist die Ansprache des erhabenen Allah. Denn obwohl Er bei Ihnen ist, können Sie Ihn nicht sehen, und Sie können auch nicht die Worte Dessen hören, der diese Ansprache gehalten hat. Lassen Sie die Worte der Druckschrift und die Stimme des Rezitators zurücktreten und kommen Sie dem Sprecher näher. Dieses Gefühl wird in Ihnen das Bewusstsein für Allahs Gegenwart festigen und stärken.

Imam al-Ghazali (möge Allah sich seiner erbarmen) berichtet in seinem Werk Ihya’ ulum ad-din von einem Mann: „Ich lese den Koran, finde aber keinen Genuss darin.“ Daraufhin las ich ihn so, als hörte ich ihn vom Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), als er seinen Gefährten den Koran vortrug. Danach ging ich einen Schritt weiter und las den Koran so, als hörte ich ihn von Gabriel (Friede sei mit ihm), als er ihn Muhammad (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) überbrachte. Wiederum ging ich durch Allahs Gnade einen weiteren Schritt voran und begann, ihn so zu lesen, als hörte ich ihn unmittelbar von Allah, dem Erhabenen.

Eine solche Wahrnehmung wird Sie mit Freude und Zufriedenheit erfüllen, die Ihr Innerstes mit dem Koran überziehen werden.

Allahs unmittelbare Ansprache

Viertens: Sagen Sie sich: Wenn ich den Koran lese, spricht Allah durch den Überbringer der Botschaft unmittelbar zu mir.

Zweifellos wurde der Koran in einer bestimmten Epoche der Geschichte herabgesandt, und Sie haben ihn indirekt von Menschen aus jener besonderen Zeit erhalten. Doch der Koran ist das Wort des ewigen Allah. Er gilt für alle Zeiten. Seine Botschaft richtet sich an jeden Menschen. Lassen Sie daher diese Vermittler für eine Weile beiseite und widmen Sie sich selbst dem Studium des Korans – so, als spräche der Koran unmittelbar zu Ihnen, als einem Menschen Ihrer Zeit oder als Mitglied einer Gemeinschaft. Schon der Gedanke daran, den Koran unmittelbar anzunehmen, wird das Recht des Korans in Ihrem Herzen fest verankern.

Jedes Wort ist für Sie bestimmt

Fünftens: Sagen Sie: Jedes Wort des Korans ist für mich bestimmt.

Wenn der Koran für alle Ewigkeit gültig ist und heute zu Ihnen spricht, müssen Sie jede seiner Aussagen so aufnehmen, als stünde sie in Beziehung zu Ihrem Leben – ganz gleich, ob es sich um einen Wert oder ein Prinzip, eine Wissensaussage, eine Schilderung oder einen Dialog, ein Versprechen oder eine Warnung, ein Gebot oder ein Verbot handelt.

Eine solche Erkenntnis wird Ihr Studium des Korans lebendig, dynamisch und bedeutungsvoll machen. Da zwischen den einzelnen Menschen erhebliche Unterschiede bestehen, kann es einige Schwierigkeiten bereiten, eine an eine Person gerichtete Botschaft auf eine andere Person zu übertragen. Bei aufrichtiger und angemessener Anstrengung ist dies jedoch möglich.

Das Gespräch mit Allah

Sechstens: Sagen Sie sich selbst: Wenn ich den Koran lese, spreche ich mit Allah selbst.

Im Koran finden sich Allahs Worte, die an Sie gerichtet und für Sie bestimmt sind. Auch wenn diese Worte auf Ihren Lippen ausgesprochen und in Ihr Herz eingeprägt sind, handelt es sich dennoch um einen Dialog zwischen Allah und dem Menschen. Dieser Dialog kann viele Formen annehmen. Er kann ausdrücklich beschrieben werden, aber auch implizit sein – in dem Sinne, dass darin eine Antwort von Ihrer oder von Seiner Seite enthalten ist.

Wie findet dieses innere Gespräch oder dieser Dialog statt? Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) hat diesbezüglich in einem Hadith Qudsi ein wunderbares Beispiel gegeben:

„Ich habe das Gebet zwischen Mir und Meinem Diener aufgeteilt: Die eine Hälfte gehört Mir, die andere Hälfte ihm, und Mein Diener wird erhalten, worum er bittet. Wenn der Diener daher sagt: ‚Al-hamdu lillahi rabbil-ʿalamin‘ – ‚Alles Lob gebührt Allah, dem Herrn der Welten‘ –, sagt Allah: ‚Mein Diener hat Mich gepriesen.‘ Wenn der Diener sagt: ‚Ar-Rahmani r-Rahim‘ – ‚dem Allerbarmer, dem Barmherzigen‘ –, sagt Allah: ‚Mein Diener hat Mich in höchstem Maße gepriesen.‘ Wenn der Diener sagt: ‚Maliki yaumid-din‘ – ‚dem Herrscher am Tag des Gerichts‘ –, sagt Allah: ‚Mein Diener hat Mich verherrlicht; dies gehört zu Meinem Anteil.‘ Wenn er sagt: ‚Iyyaka naʿbudu wa iyyaka nastaʿin‘ – ‚Dir allein dienen wir, und Dich allein bitten wir um Hilfe‘ –, sagt Er: ‚Dies ist zwischen Mir und Meinem Diener aufgeteilt. Ihm wird gegeben, worum er bittet.‘ Wenn er sagt: ‚Ihdinas-siratal-mustaqim‘ – ‚Führe uns auf den geraden Weg‘ –, sagt Allah: ‚Dies gehört Meinem Diener, und Mein Diener wird erhalten, worum er bittet.‘“ (Muslim, Tirmidhi, Ahmad)

Später werden Sie sehen, wie der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) auf Allahs Worte und den Inhalt Seiner verschiedenen Verse reagierte und mit dem Schöpfer und Herrn sprach und Zwiesprache hielt. Dieses Bewusstsein wird Ihrem Studium des Korans eine außergewöhnliche Tiefe und Aufrichtigkeit verleihen.

Die Hoffnung auf Allahs Belohnung hegen

Siebtens: Sagen Sie sich: Allah wird mir gewiss alle Belohnungen gewähren, die Er durch Seinen Gesandten für das Studium des Qurans und dessen Befolgung versprochen hat.

Im Quran werden zahlreiche Belohnungen versprochen. Die geistigen Eigenschaften des Lebens werden darin zugesichert, wie etwa Rechtleitung, Vergebung, Wissen, Weisheit, innerer Friede, Erinnerung und Einsicht. Ebenso werden den Anhängern des Qurans Ehre und Ansehen, Wohlstand und Fortschritt, Erfolg und Sieg im diesseitigen Leben sowie ewige Segnungen zuteil – etwa Vergebung (Maghfirah), das Paradies (Jannah) und Allahs Wohlgefallen (Ridwan).

Der Gesandte (Friede sei mit ihm) hat von noch vielen weiteren Belohnungen gesprochen. Sie werden sie finden, wenn Sie die Abschnitte über den Quran in einer beliebigen anerkannten Hadith-Sammlung lesen, etwa in Bukhari, Muslim, Mishkat oder Riyad as-Salihin. Auch in diesem Buch werden Sie einige finden, besonders gegen Ende. Zum Beispiel:

Der Beste unter euch ist derjenige, der den Quran lernt und ihn lehrt. (Bukhari)

Lest den Quran, denn am Tag der Auferstehung wird der Quran als Fürsprecher für seinen Begleiter erscheinen. (Muslim)

Kein Fürsprecher besitzt eine höhere Stellung als der Quran. (Scharhil Yahya)

Am Tag der Auferstehung wird dem Begleiter des Qurans gesagt werden, den Quran zu lesen und aufzusteigen. Je mehr er liest, desto höher wird er aufsteigen. (Abu Dawud)

Für jeden Buchstaben des Qurans, den du liest, wirst du die zehnfache Belohnung erhalten. (Tirmidhi)

Sammeln Sie diese Verheißungen entsprechend dem, was Ihr Gedächtnis vermag, und erinnern Sie sich daran, sooft und woran immer Sie können. Vertrauen Sie auf Allah, hoffen Sie und bitten Sie darum.

Die Einhaltung dessen, was im Hadith als Īmān und Iḥtisāb bezeichnet wird, wird den inneren Wert Ihrer Taten erheblich steigern. In einem Hadith heißt es:

Es gibt vierzig Taten, für die man Lohn erhält. Wenn jemand auch nur eine davon im Vertrauen auf Allahs Verheißung und in der Hoffnung auf Belohnung vollbringt, wird Allah ihm das Paradies gewähren. Die höchste dieser lohnenswerten Taten ist so geringfügig, wie wenn jemand seinem Nachbarn ein wenig Milch schenkt. (Buchārī)

Die Tätigkeiten von Körper und Seele

Es gibt sieben Tätigkeiten von Körper und Seele, die Ihnen und Ihrem Herzen in hohem Maße dabei helfen werden, sich eingehend dem Studium des Qur’an zu widmen. Einige dieser Tätigkeiten führen Sie bereits aus. Doch vielleicht können Sie daraus nicht den vollen Nutzen ziehen, weil Sie sie nicht richtig ausführen oder sich nicht bewusst sind, was durch sie unbedingt erreicht werden muss. Andere Tätigkeiten wiederum haben Sie bisher vielleicht noch nie wahrgenommen. Sie sind äußerst wichtig. Für das Studium des Qur’an müssen Sie sie kennen und erlernen.

Die Ausführung der genannten Tätigkeiten wird keineswegs mehr Zeit in Anspruch nehmen als die Zeit, die Sie derzeit dem Studium des Qur’an widmen. Was diese Tätigkeiten von Ihnen verlangen, sind vielmehr größere Aufmerksamkeit, tiefe Konzentration und ein Bewusstsein für ein richtiges und wirksames Studium.

Die Antwort der Seele

Erstens: Sie müssen Ihre Seele in Bezug auf alles, was der Qur’an sagt, beleben und wachhalten. Lassen Sie jedes Thema, das Sie im Qur’an lesen, in Ihrem Inneren eine Reaktion hervorrufen und ihm neues Leben einhauchen. Lassen Sie Ihr Herz verschiedene Zustände durchlaufen: Hingabe und Lobpreis, Ehrfurcht und Dankbarkeit, Staunen und Schrecken, Liebe und Sehnsucht, Glauben und Geduld, Hoffnung und Furcht, Freude und Schmerz, Ausdruck und Befolgung, Ergebung und Gehorsam sowie ähnliche Zustände. Solange Sie dies nicht tun, wird der Nutzen, den Sie aus dem Studium des Qur’an zu gewinnen hoffen, über das bloße Bewegen Ihrer Lippen nicht hinausgehen.

Zum Beispiel: Wenn Sie die Namen und Eigenschaften Ihres Herrn hören, sollte sich Ihr Herz mit Ehrfurcht, Dankbarkeit, Liebe und anderen angemessenen Gefühlen erfüllen. Wenn Sie von den Propheten und Gesandten Allahs lesen, sollte in Ihnen ein starkes Verlangen entstehen, ihnen zu folgen, und gegenüber jenen, die sich ihnen widersetzt haben, sollten Hass und Abneigung entstehen. Wenn Sie vom Tag des Jüngsten Gerichts lesen, sollte in Ihrem Herzen die Sehnsucht nach dem Paradies erwachen, und Ihre innerste Seele sollte vor der Angst erbeben, auch nur für einen Augenblick in das Feuer der Hölle geworfen zu werden. Wenn Sie von den ungehorsamen Menschen und Völkern lesen, die vernichtet und bestraft wurden, sollten Sie es verabscheuen, wie sie zu sein. Und wenn Sie von den Anhängern des rechten Weges lesen, die Allah liebt und belohnt, sollten Sie selbst danach streben, ihnen gleich zu werden.

Wenn Sie von Allahs Vergebung und Barmherzigkeit, von Ehre und Überfluss in dieser Welt sowie davon lesen, Seine Zufriedenheit und Nähe im Jenseits zu erlangen, sollte auch in Ihrem Herzen der Antrieb entstehen, sehnsüchtig danach zu streben, dafür zu handeln und dessen würdig zu werden. Wenn Sie dagegen von jenen Unglückseligen lesen, die gegenüber dem Koran achtlos sind, sich von ihm abwenden, ihn nicht annehmen und ihr Leben nicht nach seinen Lehren führen, sollten Sie von Furcht und Schrecken erfüllt werden. Nehmen Sie sich vor, keiner von ihnen zu sein, und fassen Sie den Entschluss, es nicht zu werden. Wenn Sie Allahs Aufruf hören, Ihr Versprechen Ihm gegenüber zu erfüllen und auf Seinem Weg zu kämpfen, sollten Sie Ihren Entschluss erneuern, Allahs Ruf zu beantworten, und sich entsprechend Ihren Möglichkeiten in den Kampf auf Allahs Weg stürzen.

Manchmal entsteht im Herzen ganz spontan ein solcher Zustand, wenn ein bestimmtes Wort oder ein Vers im Inneren Ihres Herzens den Funken eines neuen Gefühls entzündet. Bisweilen müssen Sie jedoch bewusste und entschlossene Schritte unternehmen, um Ihr Herz zu beleben. Wenn Sie nicht spontan angemessen reagieren, halten Sie kurz inne und wiederholen Sie weiter, was Sie gerade gelesen haben, bis Sie diese Reaktion verspüren. Wenn Ihr Herz es verlangt, kann in Ihnen ein aufrichtiges Verlangen entstehen, einen bestimmten Vers viele Male zu wiederholen. Wenn Sie ihn jedoch aufmerksam wiederholen, kurz innehalten und tief darüber nachdenken, werden Sie feststellen, dass Ihr Herz schnell darauf reagiert.

Der Erwerb dieser Eigenschaft ist so wichtig, dass der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Lies den Koran weiter, bis dein Herz mit dem Koran eins geworden ist. Solange keine Einheit zwischen deinem Herzen und dem Koran entstanden ist, musst du verstehen, dass du nicht wirklich liest. Steh daher auf und höre auf zu lesen. (Buchari, Muslim)

Die sprachliche Reaktion

Zweitens: Lassen Sie die angemessene Reaktion auf das, was Sie im Koran lesen, in den Worten Ihrer Sprache zum Ausdruck kommen. Auch diese Worte sollten spontan hervorkommen. Denn Ausrufe bringen stets die tiefen Gefühle Ihres Herzens zum Ausdruck, die durch den Koran hervorgerufen werden – etwa Tränen vor Freude und Schmerz, Dankbarkeit, Liebe, Furcht und Sorge sowie andere Empfindungen. Doch auch hier ist erneut zu beachten: Selbst wenn diese Reaktion nicht spontan erfolgt, müssen Sie sich darum bemühen.

Auf diese Weise rezitierte auch der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) den Heiligen Koran. Hudhaifa (möge Allah mit ihm zufrieden sein) berichtet: Eines Nachts betete ich hinter dem Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Er begann, den Koran mit der Sure al-Baqara zu rezitieren. Wenn er Verse rezitierte, in denen der Erhabene Allah Vergebung erwähnt hatte, bat der Prophet um Vergebung. Als er einen Vers über die Bestrafung rezitierte, bat er Allah um Rettung vor der Bestrafung. Als er einen Vers rezitierte, in dem Allahs Erhabenheit und Seine unvergleichlichen Eigenschaften erwähnt wurden, pries er Allah mit den Worten „Subhanallah“. (Muslim)

Eine ähnliche Überlieferung wird von Abdullah ibn Abbas (möge Allah mit ihm zufrieden sein) berichtet. Er verrichtete das Gebet hinter dem Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) im Haus von Maymuna, der Tante von Abdullah ibn Abbas und der Ehefrau des Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). (Buchari, Muslim)

Auf bestimmte Verse sollte man auf diese Weise antworten, wie es der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) gelehrt hat. Wenn man den letzten Vers der Sure at-Tin liest („Ist Allah nicht der gerechteste aller Richter?“), sollte man darauf antworten: „Ja, gewiss, ich bin einer von denen, die dies bezeugen.“ Wer den letzten Vers der Sure al-Mursalat liest („An welches Wort nach diesem Qur’an werden sie denn glauben?“), sollte sagen: „Wir glauben an Allah.“ (Abu Dawud)

Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) berichtete, dass er, wenn er den Dschinn die Sure ar-Rahman vortrug und dabei jedes Mal sagte: „Fa-bi-ayyi ala’i rabbikuma tukadhdhiban“, sie ausriefen: „O unser Herr, nein, wir verleugnen keine deiner Gnaden. Alles Lob gebührt dir.“ (at-Tirmidhi)

Dies sind nur einige wenige Beispiele, aus denen wir die Vorbilder und Lehren unseres Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) kennenlernen können. Im Licht dieser Beispiele ist es für Sie nicht schwierig, Ihre eigenen Antworten auf Lobpreis, Verherrlichung, Zustimmung, Ablehnung und Bittgebete wohlüberlegt zu formulieren, indem Sie „Alhamdulillah“, „Subhanallah“, „Allahu akbar“ oder „La ilaha illallah“ sagen, Reue zeigen, um Vergebung bitten und Allah um das Paradies ersuchen.

Die Tränen Ihrer Augen

Drittens: Lassen Sie als Antwort auf das, was Sie im Qur’an lesen, die „Tränen der Freude und des Schmerzes“ – die Antwort Ihres Herzens – aus Ihren Augen fließen.

Wenn der Zustand Ihres Herzens mit dem Qur’an, den Sie rezitieren, übereinstimmt, muss dies geschehen. Nur wenn Ihr Herz unaufmerksam, tot oder unfruchtbar ist, werden Ihre Augen trocken bleiben. Die Augen werden nicht immer nur aus Furcht vor Allah tränenreich. Vielmehr werden die Tränen auch aus Freude darüber fließen, die Wahrheit zu erkennen, Allahs unermessliche Barmherzigkeit zu begreifen und zu sehen, wie sich Seine Verheißung erfüllt.

Du siehst, wie ihre Augen aufgrund der Erkenntnis und des Erkennens der Wahrheit von Tränen überströmen. (al-Ma’ida 5:83)

Dann fallen sie weinend mit gesenktem Gesicht nieder. (al-Isra 17:109)

Der Prophet Allahs (saw), die ehrwürdigen Gefährten (r.a.) und jene, die wie sie eine enge Verbindung zum Heiligen Quran hatten, brachen beim Rezitieren des Qurans häufig in Tränen aus.

Der Prophet Allahs (saw) sagte: „Gewiss, der Quran wurde mit Trauer herabgesandt. Wenn ihr daher den Quran rezitiert, dann erfüllt eure Herzen mit Trauer.“ (Abu Yaʿla, Abu Nuʿaym.) In einem weiteren Hadith heißt es: „Rezitieren den Quran und weint. Wenn die Tränen nicht von selbst kommen, dann weint trotzdem.“ (Ibn Madscha.)

Wenn Sie einmal tief darüber nachdenken, was der Quran sagt und wozu er Sie auffordert, wird es nicht lange dauern, bis Tränen langsam über Ihre Wangen hinabströmen. Wenn Sie über die frohe Botschaft, die schwere Last der Pflichten und die Warnungen nachdenken, die der Quran Ihnen überbracht hat, können Sie selbst zu weinen beginnen.

Ihr Verhalten

Viertens: Nehmen Sie eine Haltung an, die die Reinheit, Aufrichtigkeit und Hingabe Ihres Herzens gegenüber dem Wort Ihres Herrn widerspiegelt.

Der Quran erwähnt ein solches Verhalten an vielen Stellen: Die wahrhaft Gläubigen „werden mit gesenktem Haupt niederfallen“, „werden selbst ihre Häupter neigen“, „werden den Quran in Stille und aufmerksam anhören, während ihre Körper vor Ehrfurcht erschauern“. Die Verpflichtung, bei der Rezitation bestimmter Verse eine Niederwerfung zu vollziehen, ist ein Hinweis darauf, welche körperliche Reaktion das, was im Quran rezitiert wird, hervorrufen sollte. Warum sind diese körperliche Haltung und dieses Verhalten wichtig? Der körperliche Zustand eines Menschen hat einen tiefgreifenden Einfluss auf seinen geistigen Zustand. Die Existenz des Körpers erhält die Existenz des Herzens. Zwischen dem Lesen eines gewöhnlichen Buches und dem Studium des Qurans muss hinsichtlich der körperlichen Haltung ein großer Unterschied bestehen. Daher wurden viele Regeln und Umgangsformen für die Rezitation des Qurans gelehrt.

Imam al-Ghazali (r.h.) sagt: „Vollziehe zuerst die Gebetswaschung, setze dich ruhig und mit dem Gesicht zur Qibla, halte den Kopf gesenkt und sitze nicht hochmütig, sondern so, als würdest du vor deinem Herrn sitzen.“ Imam an-Nawawi erwähnt in seinem Werk „Kitab al-Adhkar“ noch einiges mehr: „Das Gesicht muss sauber sein, der Sitzplatz muss rein sein, das Gesicht muss zur Qibla zeigen und körperliche Demut muss zum Ausdruck kommen.“

Mit Tartil rezitieren

Fünftens: Rezitieren Sie den Koran mit Tartīl.

Die Bedeutung von Tartīl lässt sich nicht mit einem einzigen Wort der englischen Sprache wiedergeben. Im Arabischen bedeutet es, langsam, mit Unterbrechungen, deutlich, ruhig, in angemessenem Ton und nachdenklich zu lesen, während die vollkommene Harmonie von Sprache, Körper und Herz gewahrt bleibt.

Dies ist die erwünschte Art, den Koran zu rezitieren, die Allah, der Erhabene, von Anfang an gelehrt hat. Und genau dies sollte der Prophet Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) befolgen, als Er ihm befahl, während des größten Teils der Nacht im Gebet zu stehen und den Edlen Koran zu rezitieren (al-Muzzammil 73:4). Über den Grund dafür, dass der Koran langsam und schrittweise herabgesandt wurde, sagt Allah, der Erhabene:

„Damit Wir dadurch dein Herz festigen können.“ (al-Furqān 25:32)

Tartīl ist ein bedeutsames Mittel, um Herz und Koranstudium miteinander zu verbinden und Festigkeit und Tiefe zu schaffen. Im Gegensatz zu einem hastigen Herunterleiern bringt die Rezitation mit Tartīl Staunen und Ehrfurcht zum Ausdruck, hilft beim Verstehen und Nachdenken und kann der Seele einen unauslöschlichen Eindruck einprägen.

ʿAbdullāh ibn ʿAbbās sagte: „Die Suren al-Baqara und Āl ʿImrān mit Tartīl zu rezitieren, halte ich für mich für besser, als den gesamten Koran hastig zu lesen. Oder die Suren az-Zalzala und al-Qāriʿa mit Tartīl zu rezitieren, ist besser als al-Baqara und Āl ʿImrān.“

Tartīl bedeutet nicht nur Stille, Deutlichkeit, Pausen, Nachdenken sowie die Harmonie von Körper und Herz, sondern auch die wiederholte Rezitation bestimmter Wörter und Verse. Wenn ein bestimmter Vers das Herz einmal tief berührt hat, wird man bei jeder weiteren Rezitation neue Freude und neues Vergnügen daraus schöpfen. Durch die wiederholte Rezitation entsteht eine Harmonie zwischen dem Herzen und dem, was man rezitiert.

Über den Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) wird berichtet, dass er einmal „Bismillāhir-Raḥmānir-Raḥīm“ („Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen“) wiederholte. Einmal wiederholte der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) die ganze Nacht hindurch: „Wenn Du sie bestrafst, so sind sie Deine Diener; und wenn Du ihnen vergibst, so bist Du ja der Allmächtige, der Allweise und der Allkundige“ (5:118). Saʿīd ibn Dschubair rezitierte diesen Vers immer wieder: „O ihr Schuldigen, sondert euch heute ab!“ (Yāsīn), während er weinte und ihm Tränen aus den Augen flossen. (Iḥyāʾ ʿulūm ad-dīn)

Erlangung der Reinheit

Sechstens: Reinigen Sie sich so weit wie möglich.

Sie wissen, dass niemand den Koran ohne Reinheit berühren darf. (Al-Wāqiʿa 56:79.) Dieser Vers wird umfassend dahingehend ausgelegt, dass damit die religiöse Reinheit gemeint ist. Das heißt, Sie müssen sich gemäß den religiösen Vorschriften durch die Gebetswaschung reinigen. Dies ist durch zahlreiche Hadithe und den Konsens der Gelehrten vollständig belegt. Doch neben der Reinheit des Körpers, der Kleidung und des Ortes gibt es noch viele weitere Aspekte der Reinheit.

Sie haben auch gesehen, wie groß die Bedeutung der Reinheit der Absicht und des Vorhabens ist. Ebenso wichtig ist, dass Herz und Glieder von jeder Sünde rein bleiben, die den Zorn Allahs hervorrufen kann. Kein Mensch kann vollständig frei von Sünde sein. Doch Sie können Sünden so weit wie möglich meiden. Wenn Sie dennoch eine Sünde begehen, kehren Sie so schnell wie möglich reuevoll zu Allah zurück, tun Sie Buße und bitten Sie um Vergebung. Sie müssen darauf achten, dass Sie beim Lesen des Korans keine verbotenen Speisen zu sich nehmen, keine verbotene Kleidung tragen und nicht von verbotenem Einkommen leben. Je reiner Sie sind, desto mehr wird Ihr Herz bei Ihnen sein; je weiter sich Ihr Herz dem Koran öffnet, desto mehr Verständnis und Nutzen werden Sie daraus gewinnen können. Und Sie werden denjenigen umso ähnlicher sein, die allein dazu berechtigt sind, diesen großartigen Koran zu berühren, der in einem geschützten Buch niedergeschrieben ist. (Al-Wāqiʿa 56:77–78)

Allah um Hilfe bitten (Duʿāʾ)

Siebtens: Wenn Sie den Koran lesen, bitten Sie Allah um Barmherzigkeit, Vergebung, Rechtleitung und Schutz. Darum müssen Sie mit dem Herzen, mit Worten und durch Taten bitten. Wenn Sie im Licht des Korans Ihren Weg gehen wollen, müssen Sie vollkommen auf Allah vertrauen. Sie sollten von diesem Gefühl des Vertrauens nicht übermäßig überwältigt sein, sondern es unbedingt zum Ausdruck bringen. Auf jedem einzelnen Schritt Ihres Weges müssen Sie Ihm begegnen. Sie sollten Ihn um Hilfe bitten, damit Sie Ihr Herz lebendig halten und den Koran verstehen und befolgen können. Bitten Sie Ihn auch um Vergebung für Ihre Schwäche und Unzulänglichkeit.

Wenn Sie Allahs Nähe erlangen wollen, hüten Sie sich davor, sich selbst für unabhängig zu halten und Allah gegenüber Gleichgültigkeit zu zeigen. Dies sind große Sünden. Was Sie brauchen, ist Demut statt Hochmut und Tawakkul statt Selbstständigkeit.

Was immer Sie erbitten, wird Ihnen gegeben werden – stets müssen Sie diese Hoffnung, diesen Glauben und diese Gewissheit in sich tragen. Ohne dies wird Ihr Duʿāʾ für Sie kaum von Nutzen sein. Dies ist eine der grundlegenden Lehren des Korans. Beachten Sie die folgenden Verse:

O Herr, ich bin auf jedes Gute angewiesen, das Du zu mir herabsendest. (Al-Qasas – 28:24)

Nur die Irregegangenen verzweifeln an Allahs Barmherzigkeit. (Al-Hidschr – 15:56)

Euer Herr sagt:

Ruft Mich an, Ich werde eure Bittgebete erhören. Diejenigen, die sich aus Hochmut und Stolz von Meiner Anbetung abwenden, werden gewiss gedemütigt und entehrt in die Hölle eintreten. (Al-Mu’min – 40:60)

Ich bin ihnen sehr nahe. Ich höre den Ruf dessen, der Mich anruft, und antworte ihm. Daher ist es ihre Pflicht, auf Meinen Ruf zu antworten und an Mich zu glauben. Lass sie diese Worte hören. Vielleicht finden sie den Weg zur wahren Rechtleitung. (Al-Baqara – 2:186)

Betrachten wir noch einige weitere Worte, durch die man Allahs Hilfe erbitten sollte.

Allahs Schutz

Ich suche Zuflucht bei Allah vor dem verworfenen Satan. A’udhu billahi min ash-shaytan ir-rajim.

Wir haben bereits dargelegt, wie wichtig es ist, Allah um Schutz vor Satan zu bitten. Tatsächlich ist dies im Koran angeordnet (an-Nahl – 16:98). Sprechen Sie diese Worte nicht bloß als eine rituelle oder magische Formel aus. Sie müssen verstehen, dass Sie bei Ihrer Arbeit auf gewaltige Hindernisse und Schwierigkeiten stoßen werden. Satan ist Ihr größter Feind. Er wird alles tun, was ihm möglich ist, um Sie um die Belohnung Ihrer Anstrengungen zu bringen. Allah, und nur Allah, kann Sie vor den Machenschaften Satans bewahren.

Gelegentlich können Sie zur Bitte um Allahs Schutz Worte aus dem Koran (al-Mu’minun – 23:99) oder Worte verwenden, die der Gesandte (S.a.w.) gelehrt hat, oder die beiden Koransuren al-Falaq und an-Nas rezitieren.

Um Ihr Herz auf den rechten Weg zu führen, sollten Sie sich von Zeit zu Zeit Allah zuwenden.

O unser Herr! Nachdem Du uns auf den geraden Weg geführt hast, lass in unseren Herzen keine Abweichung und keine Verdrehtheit entstehen. Beschenke uns aus den Schätzen Deiner Barmherzigkeit; denn wahrlich, Du bist der beste Geber. (Āl ʿImrān – 3:8)

Obwohl es unerlässlich ist, gleich zu Beginn des Koranstudiums Allah um Schutz zu bitten, erinnert uns die Aussage des Korans daran, dass dies eine fortwährende Aufgabe sein sollte.

Im Namen Allahs

Im Namen Allahs, des Allerbarmerzigen, des Barmherzigen: Über die Bedeutung und Wichtigkeit von „Bismillāhir-Raḥmānir-Raḥīm“ haben wir bereits gesprochen. Dieser Vers steht am Anfang aller 114 Suren des heiligen Korans mit Ausnahme einer einzigen. Im Namen Allahs zu beginnen, bringt zum Ausdruck, dass man Ihm Dank erweist, der jede Art von Hilfe gewährt hat, damit man sich auf den Koran und auf Allah verlassen kann.

Bitte um den Segen des Korans

Es gibt noch einige bestimmte Duʿāʾ, die Sie lernen sollten.

O mein Herr, mehre mein Wissen. (Tā-Hā – 20:114)

Als Allah den Gesandten (s) dazu ermahnte, bei der Aufnahme des Korans geduldig und standhaft zu bleiben, lehrte Er ihn, mit diesen Worten zu beten: „Und übereile dich nicht mit dem Koran; gewiss, seine Offenbarung an dich wird vollendet werden.“ Wenn man an der Bedeutung des Korans festhalten möchte, können nur Geduld im Namen Allahs und Allahs Hilfe die Verwirrung beseitigen, Verwicklungen lösen und jemanden dazu bewegen, die Umsetzung des Korans in Angriff zu nehmen.

Ein weiteres wunderbares Duʿāʾ

O mein Herr! Ich bin Dein Diener, der Sohn Deines Dieners und der Sohn Deiner Dienerin; ich bin Dir vollständig unterworfen, und meine Stirn liegt in Deiner Hand. Jede Deiner Anweisungen ist für mich endgültig. Jede Deiner Entscheidungen ist richtig und gerecht. O Herr! Ich rufe Dich mit all Deinen Namen an: mit jedem Namen, mit dem Du Dich selbst benannt hast, den Du Deine Schöpfung gelehrt hast, den Du in Deinem heiligen Buch offenbart hast oder den Du bei Dir verborgen gehalten hast. O mein Herr! Mache den Koran zur Quelle aller Eingebungen meines Herzens, zum Licht meines Inneren, zur Beseitigung meines Kummers und zur Linderung meiner Sorgen und meines Kummers. (Ahmad, Ruzain)

Das folgende Duʿāʾ wird gewöhnlich nach dem Abschluss der vollständigen Koranrezitation gesprochen. Doch seine Bedeutung ist so umfassend, dass Allah gewiss großen Segen herabsenden wird, wenn man Ihn häufig mit diesen Worten anruft: „O mein Herr! Erweise mir durch den großartigen Koran, das Buch, Barmherzigkeit. Mache den Koran für mich zu einem Führer, einer Leuchte, einem Wegweiser und zu Barmherzigkeit. O Allah! Gewähre mir durch den Koran die Fähigkeit, mich an das zu erinnern, was ich vergessen habe, und lehre es mich. Gewähre mir die Kraft, ihn bei Tag und bei Nacht zu rezitieren. O Herr der Welten! Mache den Koran zu einem Beweis zu meinen Gunsten.“

Bitten Sie Allah vor, während und nach der Koranrezitation um Vergebung, in welcher Sprache und auf welche Weise auch immer Sie es bevorzugen. Im Koran finden Sie hierzu drei Bittgebete: in Sura Āl ʿImrān (3:16), al-Muʾminūn (23:118) und Āl ʿImrān (3:193).

Allgemeines Bittgebet

Neben den oben erwähnten besonderen Duas sollten Sie in Ihrer eigenen Sprache zu Allah, dem Herrn der Welten, beten, damit Sie vom Koran profitieren. Zum Beispiel: „Öffne mir die Augen, gib mir die Fähigkeit, die Wahrheit als Wahrheit und die Lüge als Lüge zu erkennen, schenke mir jene Lichtflamme, durch die ich Deinen Weg erkennen kann, unterstütze meine Bemühungen, mache meinen Willen demütig, gewähre mir die Taufiq, Freude über Deine Vergebung und Rechtleitung zu erlangen, führe mich in meiner Sorge, bei meinen Entscheidungen und in all meinen Angelegenheiten, gib mir Widerstandskraft gegen alle Versuchungen, gib mir die Kraft, alle Pflichten zu erfüllen, beseitige meine Trägheit und Schwerfälligkeit, lass Deine Worte mein Denken und Handeln beleben und jedes meiner Bedürfnisse erfüllen, beruhige mich, wenn ich unruhig bin, schenke mir Frieden, wenn ich bedrängt bin, hilf mir zu lernen und zu verstehen, gewähre mir die Taufiq, Dich und Deine Rechtleitung zu erkennen und zu verstehen, gib mir Geduld, schenke mir Ehre und Würde, gib mir die Kraft, anzunehmen und zu befolgen, gewähre mir die Taufiq, gemäß dem zu leben, was ich lerne, und gib mir die Fähigkeit, die Mission zu vollenden, die der Koran mir übertragen hat.“

Mit Verständnis studieren

Das Verständnis dessen, was Sie lesen, wird Sie dazu bringen, sich eingehend mit dem Koran zu beschäftigen. Dies ist der letzte, keineswegs aber der unwichtigste Aspekt des Studiums des Korans. Es kann der wichtigste und wirksamste Ansatz sein.

Obwohl es für jeden unerlässlich ist, zu verstehen, was der Koran sagt, bevor seine Botschaft tief in das Herz eindringen kann, ist dies keine absolute Voraussetzung, ohne die man vom Koran überhaupt keinen Segen erhalten könnte. Es gibt Menschen, die jedes Wort des Korans verstehen, deren Herzen dem Koran dennoch verschlossen bleiben. Andererseits gibt es Menschen, die kein einziges Wort verstehen und dennoch eine äußerst tiefe Konzentration, eine tiefe Beziehung zu Allah, Liebe und Sehnsucht sowie Allahs Nähe und Gehorsam erlangen. Das liegt daran, dass die Beziehung zum Koran von vielen Faktoren abhängt. Es wird immer unzählige Menschen geben, die niemals Arabisch lernen, keine Übersetzung lesen können oder keine Zeit haben werden, sich darum zu bemühen. Dennoch gibt es für sie keinen Grund zur Verzweiflung. Solange sie sich nach Kräften bemühen, Mittel zu finden, den Koran zu verstehen, und solange sie sich aufrichtig bemühen, nach den Lehren des Korans zu leben, müssen sie den Koran unbedingt lesen, selbst wenn sie seine Bedeutung nicht verstehen, und sie müssen weiterhin hoffen, den Segen des Korans zu erlangen.

Trotz alledem kann die außerordentliche Bedeutung des Verstehens dessen, was der Koran Ihnen sagt, keineswegs auch nur im Geringsten geschmälert werden. Der Begriff „Verstehen“ wird hier im Sinne des unmittelbaren Erfassens dessen verwendet, was im Koran gesagt wird. Auf Nachdenken, die anderen Ebenen der Befolgung, das vollständige Erfassen der Bedeutung, ihre Verbindung mit unserem Denken und Ähnliches werden wir später eingehen.

Warum ist es notwendig, die unmittelbare Bedeutung zu verstehen? Erstens wird es Ihnen in hohem Maße dabei helfen, Ihre Konzentration oder Aufmerksamkeit auf die unmittelbare Bedeutung des Korans zu richten, verschiedene Bewusstseinszustände zu wecken und körperliche und seelische Reaktionen hervorzurufen, die Ihr Innerstes mit dem Koran konfrontieren. Zweitens können Sie nur durch das Verstehen Ihren Glauben vertiefen, was Sie tatsächlich dazu führen wird, im Glauben und gemäß den Lehren des Korans zu leben.

4: Die Methode des Lesens

Eine dauerhafte Verbundenheit mit dem Koran muss die größte Sehnsucht und Aufgabe unseres Herzens sein. Beschäftigen Sie sich daher so viel wie möglich mit dem Koran. Wenden Sie dafür so viel Zeit auf, wie es Ihnen möglich ist – besonders in der Nacht. Auf diese Weise konnten sich der Prophet (Friede sei mit ihm) und die ehrwürdigen Gefährten auf Allahs Weg auf die Erfüllung jener großen und wichtigen Aufgabe vorbereiten, die der Koran ihnen auferlegt hatte. In dieser Hinsicht gibt es einige Leitlinien und Regeln, die Sie stets berücksichtigen müssen.

Wie oft sollten Sie lesen

Sie müssen jeden Tag einen Teil des Korans lesen. Tatsächlich sollte kein einziger Tag vergehen, an dem Sie nicht etwas Zeit für den Koran aufwenden. Regelmäßiges Lesen ist besser, selbst wenn es nur ein sehr kleiner Teil ist, als gelegentlich zu lesen oder jeweils einen großen Abschnitt zu lesen.

Der Gesandte (s.a.w.) sagte: „Allah liebt die Tat, die regelmäßig verrichtet wird, selbst wenn sie gering ist.“ (Buchari, Muslim). Er warnte ausdrücklich davor, dass Sie sich unbedingt regelmäßig dem Studium des Korans widmen müssen. Andernfalls werden Sie leicht Schaden erleiden. Das Gleichnis derer, die dem Koran verbunden sind, ist wie das eines an einem Seil angebundenen Kamels: Solange jemand es festhält, bleibt es in seiner Hand; lässt er es jedoch los, läuft es davon. (Buchari, Muslim).

Wie viel sollten Sie lesen

Darauf gibt es keine bestimmte Antwort. Das Maß wird sich von Person zu Person und je nach den Umständen unterscheiden. Die diesbezügliche Orientierung ergibt sich aus dem, was Allah der Erhabene unter Berücksichtigung aller menschlichen Möglichkeiten und Mittel gesagt hat:

Lies also so viel vom Koran, wie du leicht lesen kannst. (Al-Muzzammil 73:20)

Auch die Praxis der ehrenwerten Gefährten und ihrer Nachfolger war diesbezüglich verständlicherweise unterschiedlich. Einige vollendeten die vollständige Lesung des Korans in zwei Monaten, andere in einem Monat, andere in zehn Tagen, andere in einer Woche und manche sogar an einem einzigen Tag. Wir sollten den folgenden Hadith als maßgebenden Maßstab im Gedächtnis behalten: „Wer den Koran in weniger als drei Tagen vollendet, versteht ihn nicht.“ (Abu Dawud, Tirmidhi)

Als der Gesandte (s.a.w.) einst Hazrat Ibn Umar (r.a.) aufforderte, den Koran innerhalb eines Monats zu vollenden, und Ibn Umar (r.a.) darauf drängte, dies in kürzerer Zeit zu tun, sagte der Gesandte (s.a.w.): „Lies ihn innerhalb von sieben Tagen; gehe darüber nicht hinaus.“ (Buchari). Der Koran ist in 7 Hizb und 30 Para unterteilt. Auch daraus lässt sich ein Hinweis darauf gewinnen, was wünschenswert ist.

In dieser Angelegenheit ist der Rat von Imam Nawawi besonders beachtenswert. Wer den Quran in tiefem Nachsinnen studiert und seine tiefen Bedeutungen und Implikationen entdeckt, sollte weniger lesen. Ebenso kann jemand, der seine Zeit der Bildung, einer staatlichen Tätigkeit oder wichtigen, vom Islam bestimmten Aufgaben widmen muss, weniger lesen. (Kitab al-Adhkar)

Die Menge, die man liest, hängt vom Zweck des Lesens ab. Wenn Sie Ihre Zeit ausschließlich dem Studium des Quran widmen oder sich schnell einen allgemeinen Überblick verschaffen möchten, können Sie schnell und mehr lesen. Wenn Sie jedoch darüber nachdenken und es in die Praxis umsetzen möchten, dann lesen Sie langsam und weniger. Genau das erklärte Imam al-Ghazali (rahimahullah). Er sagt: Manchmal vollende ich den Quran jeden Freitag, manchmal jeden Monat und manchmal jedes Jahr. Und auf eine Weise versuche ich seit dreißig Jahren, den Quran zu vollenden, doch bis jetzt ist es mir nicht gelungen. (Ihya’ ulum ad-din)

Ich denke, dass die meisten von uns unter den gegenwärtigen Umständen versuchen sollten, mindestens einmal in acht Monaten eine allgemeine Lesung des gesamten Quran zu absolvieren. Ob Sie die unmittelbare Bedeutung verstehen oder sie durch eine Übersetzung erfassen, sollte dies keinesfalls mehr als 5–15 Minuten täglich in Anspruch nehmen.

Doch sollten Sie im Laufe Ihres Lebens zumindest einige Male versuchen, den Quran in sieben Tagen zu vollenden. Oder in einem Monat, insbesondere im Ramadan. Bisweilen sollten Sie sich, auch wenn nicht täglich, in tiefem Nachdenken sehr langsam und bedächtig dem Studium des Quran widmen.

Wann soll man lesen?

Keine Zeit des Tages oder der Nacht ist für das Studium des Quran ungeeignet. Ebenso ist dafür keine bestimmte Körperhaltung erforderlich. Allah sagt: „Gedenke des Namens deines Herrn am Morgen und am Abend und während eines Teils der Nacht.“ (Ad-Dahr 76:25)

„Diejenigen, die Allah im Aufstehen, Sitzen und Liegen in allen Zuständen gedenken.“ (Al-Imran 3:191)

Gewiss ist das Studium des Quran der beste Weg, Allah zu gedenken, also Dhikr. Imam Nawawi (rahimahullah) sagt: Die edlen Gefährten und ihre Nachfolger studierten den Quran zu jeder Zeit des Tages oder der Nacht, ganz gleich, wo sie sich aufhielten oder ob sie auf Reisen waren.

Dennoch gibt es bestimmte bevorzugte Zeiten, die vom Koran und vom Propheten (S) empfohlen wurden und in denen das Koranstudium größeren Nutzen bringt. Es gibt also bestimmte geeignete Formen und Haltungen. Die Nacht ist die beste Zeit für die Koranrezitation, und die vorzüglichste Haltung besteht darin, beim Gebet zu stehen. Die anfängliche Sure al-Muzzammil und einige weitere Stellen im Koran sagen uns genau dies. (Āl ʿImrān 3:113, al-Isrāʾ 17:79, az-Zumar 39:9.) Wenn Sie den Koran während des Nachtgebets im Stehen rezitieren, verbindet dies Ihr Herz mit der Rezitation, stärkt Ihren Wunsch, sich Allahs Rechtleitung zu unterwerfen, und hilft Ihnen, die Mission zu erfüllen, die Er Ihnen anvertraut hat.

Dazu müssen Sie (a) einige Teile des Korans auswendig lernen und (b) nachts eine gewisse Zeit wach bleiben. Der Koran erkennt jedoch an, dass dies aus verschiedenen Gründen nicht immer für alle möglich ist. Daher erlaubt der Koran Ihnen, so viel zu rezitieren, wie es Ihnen ohne Schwierigkeiten möglich ist. Das bedeutet: Rezitieren Sie so viele Teile, so lange und in welcher Lage auch immer es Ihnen möglich ist. Das Koranstudium im Nachtgebet ist von großer Bedeutung und bringt außergewöhnlichen Nutzen. Deshalb sollten Sie dafür einige Zeit aufwenden, wie wenig es auch sein mag, selbst wenn es nur wenige Minuten sind. In regelmäßigen Abständen – etwa wöchentlich oder monatlich – müssen Sie sich dafür Zeit nehmen.

Um dem idealen Weg so nahe wie möglich zu kommen, ist zu hoffen, dass Sie den Koran vor oder nach dem Fadschr- und dem Ischāʾ-Gebet oder am Morgen beziehungsweise vor dem Schlafengehen rezitieren. Das Studium des Korans am Morgen wird besonders hervorgehoben (al-Isrāʾ 17:78). Den Koran auf einem Stuhl sitzend, an ein Kissen gelehnt, im Bett liegend oder im Auto zu studieren, ist zwar nicht wünschenswert, aber auch nicht verboten. Tun Sie dies jedoch niemals ohne Grund und machen Sie es nicht zu einer Gewohnheit. Wenn jemand jedoch allein deshalb auf die Koranrezitation verzichtet, weil er nicht in der richtigen Haltung sitzen konnte, entgeht ihm noch vieles, was wertvoller ist.

Richtiges Lesen

Sie müssen den Koran unbedingt korrekt rezitieren. Mindestens die Vokale und die Buchstaben müssen richtig ausgesprochen werden, auch wenn Sie nicht in der Lage sind, die gesamte Kunst des Tadschwīd zu erlernen. Die arabische Sprache ist so beschaffen, dass ein kleiner Fehler bei der Aussprache der Vokale die Bedeutung gravierend verändern und sie oft völlig entstellen kann.

Um auf diesem Gebiet zumindest grundlegende Fertigkeiten zu erwerben, genügt für einen gebildeten Erwachsenen ein Monat kontinuierlichen Lernens mit täglich einer Stunde.

Niemand kann von der aufrichtigen Bemühung entbunden werden, das korrekte Lesen des Korans zu erlernen. Wenn Sie es gelernt haben, es aber nicht beherrschen können, ist das kein Grund, auf die Rezitation zu verzichten. Ein Nichtaraber wird die richtige Rezitationstechnik vielleicht niemals vollständig beherrschen. Oder Sie erhalten möglicherweise keine Gelegenheit, sie zu erlernen.

Ich wurde zu einem Volk gesandt, zu dem Analphabeten, alte Männer und Frauen, Jungen und Mädchen sowie Menschen gehören, die noch nie ein einziges Buch gelesen haben. (Tirmidhi)

Aus dieser Äußerung des edlen Propheten (s.a.w.) an Hadhrat Dschibril (a.s.) wird deutlich, dass er sich dieser Art von Schwierigkeiten bewusst war. Daher sollten Sie sich an seine diesbezüglichen ermutigenden Worte erinnern, auch wenn er diese nicht zu einem Vorwand gemacht hat, Ihren Eifer beim Lernen zu schwächen oder das Lernen zu vermeiden.

Wer im Rezitieren des Qur’an bewandert ist, wird der Gefährte jenes edlen und frommen Engels sein, der die Offenbarung bringt. Wer jedoch beim Rezitieren ins Stocken gerät und dem das korrekte Rezitieren schwerfällt, wird für sein Rezitieren und sein Bemühen mit doppeltem Lohn belohnt. (Buchari, Muslim)

Schön rezitieren

Nachdem man den Qur’an korrekt rezitiert, ist es wünschenswert, die Kunst der Rezitation zu erlernen, damit man den Qur’an mit einer schönen, wohlklingenden, bezaubernden und angenehm anzuhörenden Stimme rezitieren kann. Zahlreiche Hadithe lenken die Aufmerksamkeit darauf:

Verleihe dem Qur’an durch deine Stimme Schönheit. (Abu Dawud)

Allah hört keinem anderen Propheten so zu, wie Er der wohlklingenden Rezitation eines Propheten zuhört (das heißt: Er hört der Rezitation dessen, der deutlich und schön rezitiert, in einer Weise zu, wie Er der Rezitation eines anderen nicht zuhört).

Wer den Qur’an nicht mit wohlklingender Stimme rezitiert, gehört nicht zu uns. (Buchari)

Doch muss man sich daran erinnern, dass wahre Schönheit jene ist, die der Gottesfurcht im Herzen entspringt.

Seine Rezitation und seine Stimme sind so wohlklingend, dass Sie, wenn Sie seine Rezitation hören, empfinden werden, dass er Allah fürchtet. (Darisi)

Aufmerksames Zuhören

Wann immer der Qur’an rezitiert wird, hört aufmerksam zu und bewahrt tiefes Schweigen.

Der Qur’an selbst sagt dazu:

Wenn der edle Qur’an vor euch rezitiert wird, dann hört ihm sehr aufmerksam zu und schweigt. Vielleicht wird auch auf euch Barmherzigkeit herabgesandt. (Al-A’raf 7:204)

Es ist selbstverständlich, dass Sie schweigen müssen, wenn Allah spricht. Doch das arabische Wort, das für „Zuhören“ verwendet wird, bezeichnet nicht nur den natürlichen Vorgang des Hörens, sondern auch eine besondere Stufe der Konzentration und Aufnahmebereitschaft.

Tatsächlich darf nichts getan werden, was dieser Anweisung widerspricht. Während der Rezitation des Qur’an darf weder gesprochen noch eine Ansprache gehalten werden. Es ist nicht erlaubt, eine Aufnahme der Qur’an-Rezitation abzuspielen und sie als Hintergrundmusik zu verwenden, während man etwas anderes tut, etwa spricht oder flüstert. Wenn zu Beginn von Versammlungen und Veranstaltungen der Qur’an rezitiert wird, darf es nicht sein, dass jemand ihm keine Aufmerksamkeit schenkt.

Einige Faqih haben sogar das Gebet an einem nahegelegenen Ort verboten, während der Qur’an laut rezitiert wird.

Eine unerlässliche Konsequenz dieser Regel ist: Wenn die laute Koranrezitation den Menschen in der Nähe die Konzentration auf den Koran erschwert oder es ihnen unmöglich macht, darauf zu reagieren, muss der Rezitierende seine Stimme senken oder leise rezitieren. Gutes Verhalten gegenüber dem Nachbarn ist ein Teil der Pflichten eines Menschen. Wenn jedoch jemand nicht zuhören möchte, ist es unangemessen, ihm das Zuhören des Korans aufzuzwingen.

Es ist sehr wünschenswert, diejenigen, die den Koran korrekt und schön rezitieren können, um eine Rezitation zu bitten und ihr anschließend aufmerksam zuzuhören. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) pflegte seine Gefährten aufzufordern, ihm den Koran zu rezitieren. Man sollte sich daran erinnern, was der Gesandte Allahs hierzu gesagt hat:

Wer einen Vers anhört, dem wird die doppelte Belohnung zuteil. Für denjenigen, der ihn rezitiert, wird er am Tag der Auferstehung als Licht erscheinen (Ahmad).

Die vollständige Rezitation des Korans

Wie oft auch immer Sie den Koran vollständig rezitieren: Jedes Mal, wenn Sie die vollständige Lesung des Korans beenden, ist dieser Augenblick ein Anlass zur Freude, zur Ermutigung und zum Bittgebet. Imam an-Nawawi (möge Allah ihm barmherzig sein) hat hierzu einige von den ehrenwerten Gefährten (möge Allah mit ihnen zufrieden sein) und den Tabi’in praktizierte Handlungen erwähnt. Diese sind zwar wünschenswert, aber nicht verpflichtend. Befolgen Sie sie jedoch, so gut Sie können.

Erstens: Beginnen Sie in der Nacht zum Freitag und beenden Sie die Rezitation in der Nacht zum Donnerstag. Manche zogen es vor, am Montagmorgen zu beginnen. Andere wählten unterschiedliche Zeiten; keine Zeit ist ohne Segen. Jede dieser Zeiten wird am Tag der Auferstehung Zeugnis ablegen.

Zweitens: Rezitieren Sie den letzten Teil im Gebet, wenn Sie beim vollständigen Abschluss allein sind.

Drittens: Rufen Sie beim Abschluss andere herbei und ergeben Sie sich gemeinsam Allah.

Als der Gefährte Anas ibn Malik (r.a.) den Qur’an vollständig rezitiert hatte, versammelte er die gesamte Familie und sprach ein Dua vor Allah (Abu Dawud). Von Hakam ibn Utayba wird überliefert, dass man mich eines Tages zu Mujahid und Ubadah ibn Abi Hudhafa schickte. Sie sagten: „Wir haben dich eingeladen, weil wir den Qur’an vollständig rezitieren und ihn danach mit einem Bittgebet an Allah abschließen möchten.“ In einer anderen Überlieferung heißt es, dass beim vollständigen Rezitieren des Qur’an Allahs Barmherzigkeit herabgesandt wird.

Viertens: Fasten Sie an dem Tag, an dem Sie den Qur’an vollständig rezitieren möchten.

Fünftens: Beginnen Sie unmittelbar nach dem vollständigen Rezitieren des Qur’an erneut mit der Rezitation, um den nächsten vollständigen Durchgang zu beginnen. Lesen Sie also nach dem Abschluss der Sure an-Nas die Sure al-Fatiha und einige Verse aus al-Baqara. Damit wird in gewisser Weise der Aussage des von Anas ibn Malik überlieferten Hadith entsprochen.

„Das Beste ist, anzukommen, zu verweilen und die Reise anzutreten.“ Als er gefragt wurde, was dies bedeute, antwortete er: „Den Qur’an vollständig zu rezitieren und wieder von vorn zu beginnen.“

Sechstens: Übergeben Sie sich beim vollständigen Rezitieren des Qur’an Allah und sprechen Sie ein Dua. Dies ist die Zeit, in der Ihr Dua angenommen und Allahs Barmherzigkeit herabgesandt wird. Es wird besonders dazu angehalten, dies zu praktizieren. Wenn jemand den Qur’an rezitiert und anschließend Allah bittet, sagen vierzigtausend Engel: „Amin.“ (Darimi)

Sprechen Sie Ihr Dua mit Demut, Ehrfurcht, Hoffnung, Bescheidenheit und Standhaftigkeit. Bitten Sie für sich selbst, aber beten Sie gewiss für alles. Beten Sie insbesondere für die wichtigen gemeinschaftlichen Angelegenheiten der Ummah, für die Ehre und Würde der Ummah, für die Rechtschaffenheit ihrer Herrscher, für den Schutz der muslimischen Ummah vor den Händen ihrer Feinde sowie für gegenseitige Unterstützung unter den Muslimen in guten Taten und Taqwa.

Auswendiglernen

Lernen Sie so viel vom Heiligen Qur’an auswendig, wie Sie können. Was die Bewahrung im Gedächtnis betrifft, ist der Qur’an außergewöhnlich. Obwohl das Wort Hifz heutzutage in der eingeschränkten Bedeutung des Auswendiglernens verwendet wird, umfasst Hifz sowohl das Lesen mit Verständnis als auch das Handeln danach. Genau genommen gibt es im Englischen kein Wort, das die richtige und vollständige Bedeutung von Hifz angemessen zum Ausdruck bringen kann.

Hifz ist ein äußerst wichtiges Mittel, durch das der Koran in Sie eindringen kann. Es ist weder eine mechanische noch eine rein gelehrte Tätigkeit. Es ist von großer Bedeutung für eine höhere Spiritualität und Konzentration. Nur durch Hifz können Sie im Gebet den Koran rezitieren und, während Sie vor dem Verkünder des Korans stehen, über seine Bedeutung nachdenken. Außerdem lässt Hifz den Koran in Ihrer eigenen Sprache fließen, sodass er zu Ihrem ständigen Begleiter wird. Je mehr Sie auswendig lernen, desto leichter wird es Ihnen fallen, sich bei der Koranrezitation tief zu konzentrieren und die Bedeutung zu erfassen.

Der Prophet (s) hat dies auf verschiedene Weise betont: „Lernt den Koran auswendig, denn Allah wird die Seele, in der sich der Koran befindet, nicht bestrafen.“ (Scharh as-Sunna)

Wer nichts vom Koran in seinem Herzen trägt, gleicht einem verlassenen oder zerstörten Haus. (Tirmidhi)

Reservieren Sie daher einen Teil Ihrer Zeit für das Koranstudium dafür. Gehen Sie dabei methodisch vor. Setzen Sie sich für einen bestimmten Zeitraum ein Ziel. In Ihre Liste sollten jene Abschnitte aufgenommen werden, die der edle Prophet (s) im Gebet rezitierte oder zu einem bestimmten Teil des Tages oder der Nacht las, die er seine Gefährten zu lesen aufforderte oder deren Vorzüglichkeit er erwähnte. Einige Abschnitte werden Sie während der Koranrezitation ganz spontan ansprechen; auch diese sollten Sie auswendig lernen.

5: Studium und Verständnis

Bedeutung und Notwendigkeit

Sie können den vollständigen und wahren Segen und Reichtum des Korans nicht erlangen, solange Sie sich nicht ganz dem Verständnis der Bedeutung des Korans widmen und nicht erfahren, was Ihr Schöpfer sagt. Dies widerspricht nicht dem, was wir zuvor gesagt haben, dass auch diejenigen, die ihn nicht verstehen, an den Segnungen des Korans teilhaben können. Zweifellos beherrscht die überwältigende Mehrheit der Muslime kein Arabisch, und viele verfügen nicht einmal über eine Übersetzung in ihrer eigenen Sprache. Wenn sie den Koran jedoch mit aufrichtiger Konzentration, Demut und Liebe lesen, werden sie nicht daran gehindert, einen Teil des Reichtums des Korans zu erlangen. Denn wenn Sie die Gesellschaft dessen suchen, den Sie lieben, wird Ihre Beziehung zu ihm gewiss auch dann immer tiefer werden, wenn Sie seine Sprache nicht beherrschen. Doch die Beziehung wird stärker sein, wenn Sie seine Sprache verstehen.

Andererseits kann auch das bloße Verstehen der Bedeutung nutzlos sein. Viele hörten den Koran aus dem Mund des Gesandten (s) und verstanden jedes einzelne Wort, wurden jedoch noch irregeleiteter. Es gibt Millionen von Menschen, deren Sprache Arabisch ist und die den Koran verstanden haben, in deren Leben der Koran jedoch keinerlei Wirkung zeigt. Zahlreiche muslimische und nichtmuslimische Gelehrte verbringen ihr ganzes Leben mit dem Studium und der praktischen Anwendung des Korans, und ihre Gelehrsamkeit ist tadellos; dennoch vermag der Koran ihr Leben nicht zu berühren.

Trotz alledem ist es dringend notwendig, sich dem Verständnis des Korans zu widmen. Der Koran ist gekommen, um Rechtleitung zu geben, zu erinnern, zu warnen und Heilung zu bringen. Er ist nicht lediglich eine Quelle von Lohn, eine heilige Schrift, ein Symbol der Spiritualität, ein Zeichen der Heiligkeit oder eine heilige Magie. Der Koran ist gekommen, um Sie grundlegend zu verändern und Sie zu einem neuen Leben zu führen. Doch das Verständnis des Korans allein ist keine sichere Garantie dafür, neues Leben zu erlangen. Ohne den Koran zu verstehen, wird es jedoch sehr schwierig sein, seinen eigentlichen Zweck zu erfüllen und die Menschheit auf den Weg des Korans zu rufen.

Persönliches Studium

Warum müssen wir uns aus eigener Initiative dem Verständnis des Korans widmen und gründlich über ihn nachdenken und nachsinnen? Reicht es nicht aus, dass wir den Koran bei gelehrten Menschen lesen und ihn hören? Nein, das reicht nicht aus. Dennoch ist dies notwendig. Um zu erfahren, was der Koran zu einer wichtigen Angelegenheit sagt, müssen Sie sich selbst darum bemühen. Der Koran ist nicht bloß ein Buch. Er ist auch keine Sammlung einer Liste dessen, was man tun darf und was man nicht tun darf. Dieses Buch informiert Sie nicht nur über Allah und darüber, was Er von Ihnen möchte. Es will Ihr persönliches Leben beeinflussen, Ihnen ein neues Leben schenken und eine tiefe Beziehung zwischen Ihnen und Allah schaffen. Daher sollte es Sie unablässig dazu anspornen, Ihre Geduld zu vermehren, sich zu läutern, Ihren Charakter zu bilden und Ihr Verhalten zu verbessern, und in Ihnen viel Entwicklung bewirken.

All dies kann erreicht werden, wenn Sie zu einer persönlichen Beziehung des Studiums, der Einübung und des Verständnisses des Korans gelangen. Ohne tief über seine Botschaften nachzudenken, können Ihr Herz, Ihre Gedanken und Ihr Verhalten nicht auf ihn reagieren. Wenn Sie sich nicht in das Nachdenken über die Botschaft des Korans vertiefen, können Sie sie nicht aufnehmen, und jene Botschaften können nicht in Ihr Leben eindringen. Denken Sie ein wenig darüber nach: Wenn Nachdenken und Verstehen nicht erforderlich wären, warum wären Sie dann angewiesen worden, den Koran mit Tartil zu rezitieren? Sie wurden aufgefordert, den Koran mit Pausen zu lesen. Wenn Sie nicht verstehen, was Sie im Koran lesen, wie könnten Sie dann auf das, was der Koran wichtig nimmt, aufrichtig, körperlich und verbal reagieren?

Argumente gegen das Studium

Wenn sich jedoch jemand ohne einen erfahrenen Lehrer und ohne mit allen erforderlichen Mitteln und Hilfsmitteln des Studiums ausgestattet zu sein, selbst dem gefährlichen und risikoreichen Versuch widmet, das Buch Allahs zu verstehen, besteht dann nicht die Gefahr, Fehler zu machen oder in die Irre zu gehen? Ja, diese Gefahr besteht gewiss, besonders wenn Sie sich Ihrer Grenzen und Ihres Ziels nicht eindeutig bewusst sind. Wenn Sie jedoch überhaupt nicht versuchen, den Koran zu verstehen, ist der Schaden für Sie und für die muslimische Umma weitaus größer. Durch einige angemessene Vorsichtsmaßnahmen kann das Risiko des selbstständigen Koranstudiums beseitigt werden. Sie müssen sicherstellen, dass Sie dabei niemals Ihre Grenzen und Ihr Ziel überschreiten. Doch der Schaden, der durch den Verzicht auf ein solches Studium entsteht, kann nicht ausgeglichen werden.

Manche führen als Argument an: Ist der Versuch, die Bedeutung des Korans selbst zu verstehen, nicht ein Verstoß gegen den Hadith des Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm)? Er sagte: „Wer den Koran nach seiner eigenen Neigung auslegt, dessen Platz wird die Hölle sein.“ (Tirmidhi)

Dieser Hadith bezieht sich auf ein Studium, das mit dem Ziel betrieben wird, Beweise oder Bestätigung für eine vorgefasste Vorstellung oder eine persönliche Meinung zu finden, statt Allahs Rechtleitung mit offenem Herzen anzunehmen. Oder er bezieht sich auf die Neigung, Erklärungen zu Dingen zu geben, über die man nicht das notwendige Wissen besitzt. Imam al-Ghazali (Allah erweise ihm Barmherzigkeit) vertrat hierzu mit Nachdruck die Ansicht, dass der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) seine Gefährten andernfalls nicht dazu ermutigt hätte, den Koran zu verstehen; sie hätten auch keine Bedeutungen erschlossen, die sie nicht vom Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) gehört hatten, und untereinander wäre es nicht zu Meinungsverschiedenheiten über die Auslegung des Korans gekommen.

Aus Angst vor schrecklichen Folgen verbieten viele religiöse Gelehrte, den Koran selbst in Übersetzung ohne die Hilfe eines sachkundigen Lehrers zu lesen. Oder sie stellen für das eigenständige Studium des Korans solche Bedingungen auf, die nur sehr wenige Menschen nach langjährigen Anstrengungen erfüllen können. Trotz ihrer guten Absichten werden solche Ratschläge Sie letztlich tatsächlich des großen Schatzes des Korans berauben. Ihre Befürchtungen mögen zwar verständlich sein, doch für ihre Verbote gibt es weder eine logische Begründung noch eine Grundlage.

Denken Sie einmal darüber nach: Können sie einem Araber verbieten, die wörtliche Bedeutung des Korans zu verstehen? Warum sollte dann ein Araber keine Übersetzung lesen dürfen? Können sie darüber hinaus irgendjemanden davon abhalten, über ein anderes Thema zu lesen und daraus eine Bedeutung zu verstehen oder nach ihr zu suchen? Warum sollte man dann verbieten, den Koran zu studieren und sich um sein Verständnis zu bemühen? Und was lässt sich über diejenigen sagen, auf die sich die zuerst offenbarten Verse des Korans richteten, unabhängig davon, ob sie Muslime oder Ungläubige waren? Sie waren ungebildete Händler und Beduinen, denen keinerlei Mittel oder Möglichkeiten zum Erwerb von Wissen zur Verfügung standen. Dennoch nahmen viele Ungläubige den Islam an, ohne die Hilfe irgendjemandes, allein dadurch, dass sie zuhörten – ja, sogar nachdem sie ihn zum ersten Mal gehört hatten.

Es ist wahr, dass der Gesandte (S.a.w.) und seine edlen Gefährten (möge Allah mit ihnen zufrieden sein) in ihrem Leben einen außergewöhnlichen und höchstmöglichen Vorteil hatten, die Bedeutung des Korans zu erkennen: Die Gefährten durchliefen auf dem Weg des Korans die harten Prüfungen des Iman, der Daʿwa und des Dschihad. Dennoch sollte dies für uns kein Grund zur Entmutigung sein. Wenn wir in der Lage sind, die erforderlichen Bedingungen zu erfüllen, warum sollte der Koran dann seine Tore nicht auch für uns öffnen? Vielmehr wurde in diesem Zusammenhang wiederholt betont, dass auch wir unser Leben wie die edlen Gefährten auf dem schwierigen Weg des Iman, der Daʿwa und des Dschihad führen müssen.

Die Abhilfe gegen die Gefahr, alle anderen Bemühungen um das Verständnis des Korans außer dem Sitzen zu Füßen eines Lehrers zu verbieten, liegt nicht in einer Warnung vor dieser Irreführung, sondern in der Befolgung der richtigen Anleitung.

Das bedeutet natürlich nicht, den Erwerb der notwendigen Kenntnisse der arabischen Sprache und verschiedener ʿUlūm al-Qurʾān, das Lesen von Tafsīr, das Studium bei sachkundigen und vertrauenswürdigen Lehrern oder die Beherrschung des zeitgenössischen menschlichen Wissens zu leugnen. All dies ist wichtig. Es hängt jedoch davon ab, was Sie vom Koran erhalten möchten. Sie müssen über die für die Verwirklichung Ihres Ziels geeigneten Mittel verfügen. Aber Sie dürfen das Bedürfnis nach dem Studium des Korans nicht deshalb aufgeben, weil Ihnen nicht alle Mittel und Möglichkeiten zur Verfügung stehen oder weil Sie keinen Lehrer aufsuchen können.

Stellen Sie sich vor, Sie befänden sich auf einer Insel, beherrschten die arabische Sprache nicht und hätten auch keine Möglichkeit, sie zu erlernen. Sie hätten keinen guten Lehrer oder keinen guten Tafsīr, oder Sie könnten sich auch keines von beiden beschaffen. Zweifellos sollten Sie unter solchen Umständen anerkennen, dass Sie die Fähigkeit erwerben müssen, den Koran richtig zu verstehen, und dafür alle notwendigen Schritte unternehmen. Dennoch ist der Koran für Sie eine Rechtleitung von Allah.

Glücklicherweise ist keiner von uns Bewohner einer solchen Insel. Die Vorstellung von der Existenz einer solchen Insel ist bei uns hauptsächlich auf unsere Unfähigkeit, unsere Trägheit, Unaufmerksamkeit und Untätigkeit zurückzuführen. Für das Verständnis des Korans ist die Verbundenheit mit dem Koran für unser Herz und unseren Verstand ebenso notwendig wie Nahrung für den Körper. Wichtig ist, sich zu merken, dass selbst dann, wenn tatsächlich jemand auf einer Insel lebte und nur eine einzige Ausgabe des Korans besäße und dessen wörtliche Bedeutung einigermaßen verstünde oder die Gebote des Korans beherrschte, weiterhin die Notwendigkeit und das Bedürfnis bestünden, sich persönlich einem tiefen Nachdenken und Forschen über den Koran zu widmen.

Die Eigenschaften des Korans

Der Qur’an ist für jeden Rechtleitung, Lehrer und weiser Ratgeber. Daher ist es äußerst wichtig, ihn zu verstehen; andernfalls ist er nichts weiter als ein Symbol des Geheimnisvollen. Der Qur’an spricht klar über die zentrale Bedeutung von Anstrengung und persönlichem Bemühen, Herz und Verstand für seinen Ruf zu öffnen. Es bleibt unser Fehler, dass wir unser Herz und unseren Verstand im Hinblick auf das Verständnis des Qur’an verschlossen halten.

Denken sie denn nicht über den Qur’an nach?

Oder sind ihre Herzen verschlossen? (47:24)

Daher findet sich der Aufruf, den Qur’an zu verstehen, beinahe auf jeder Seite des Qur’an. Warum hören Sie nicht? Warum sehen Sie nicht? Warum denken Sie nicht nach? Warum urteilen und erwägen Sie nicht? Warum erfassen Sie es nicht? Warum nehmen Sie es nicht in Ihr Herz auf? Wenn dieser Aufruf nicht an Menschen gerichtet ist, die die Fähigkeit und Kraft zum Hören, Sehen und Nachdenken besitzen, an wen richtet er sich dann?

Es ist ganz klar verkündet worden, dass der Qur’an zum Verstehen herabgesandt wurde.

Dies ist ein gesegnetes Buch, das Wir zu dir herabgesandt haben, o Prophet, damit diese Menschen über seine Verse nachdenken und die verständigen und einsichtigen Menschen daraus Ermahnung annehmen. (Sad 38:29)

Ebenso lobt der Majestätische Qur’an sie als wahre Diener des Allerbarmers:

Diejenigen, denen die Verse ihres Herrn zur Ermahnung vorgetragen werden, verharren ihnen gegenüber nicht blind und taub (Al-Furqan 25:73).

Andererseits tadelt Er jene als niedriger als das Vieh, die ihr Gehör, ihr Augenlicht und ihre Herzen nicht dazu nutzen, den Koran zu hören, zu betrachten und zu verstehen:

Sie haben Herzen, mit denen sie nicht nachdenken; sie haben Augen, mit denen sie nicht sehen; und sie haben Ohren, mit denen sie nicht hören. Sie sind wahrlich wie das Vieh, ja, noch weiter vom rechten Weg abgeirrt. Sie sind völlig achtlos. (Al-Aʿrāf 7:179)

Die wahre Barmherzigkeit und die Schätze des Korans können Sie nicht erlangen, solange Sie nicht seine Bedeutung verstehen, solange Sie nicht verstehen, was Allah Ihnen gesagt hat, und solange Sie sich nicht persönlich damit befassen, dies herauszufinden.

Die Praxis der früheren Generationen

Auch in dem Hadith, der davon abrät, den Koran in weniger als drei Tagen vollständig zu rezitieren, wird die Notwendigkeit eines klaren Verständnisses ausdrücklich zum Ausdruck gebracht. Andernfalls wirst du ihn nicht verstehen können. Für jemanden, der die Bedeutung nicht versteht, hat diese Anweisung keine Bedeutung. Imam al-Ghazālī (r.h.) hat in seinem Werk Iḥyāʾ ʿulūm ad-dīn hierzu viele Beispiele dafür angeführt, wie die Gefährten sich dem Studium und dem Verständnis des Korans widmeten.

Anas ibn Mālik (r.a.) sagte: „Jemand rezitiert häufig den Koran, doch der Koran verflucht ihn, weil er den Koran nicht versteht.“ Nach ʿAbdullāh ibn ʿUmar (r.a.) ist das Zeichen des Imans das Verständnis des Korans. Wir haben lange Zeit verstreichen lassen … Es kam eine Zeit, in der ich einen Mann sehe, dem der gesamte Koran gegeben wurde, noch bevor er den Iman angenommen hat. Er liest alle Seiten vom Anfang der Sura al-Fātiḥa bis zum Ende des Korans, kennt jedoch weder die Gebote des Korans noch seine Warnungen und erkennt auch nicht die Stellen, an denen er demütig sein sollte. Er wirft ihn fort, so wie jemand während seiner Flucht etwas hastig fallen lässt und weiterläuft. ʿĀʾischa (r.a.) hörte eines Tages einen Mann vor dem Koran murmeln und sagte: „Der Mann rezitiert den Koran nicht, aber er schweigt auch nicht.“ ʿAlī (r.a.) sagte: „Es liegt kein Nutzen im Studium des Korans, wenn man nicht über ihn nachdenkt und reflektiert.“ Abū Sulaimān ad-Dārānī sagte: „Ich lese einen Vers und verbringe vier oder fünf Nächte mit ihm. Ich lese den nächsten Vers nicht, solange ich über diesen Vers noch nicht zu Ende nachgedacht habe.“

Wenn der Koran naturgemäß ein Rechtleitungsbuch für alle Menschen ist, dann kann ein Inselbewohner ebenso viel von seiner Rechtleitung aufnehmen wie jemand, der sich dem Streben nach Wissen widmet. Selbst wenn es dafür kein Buch und keinen Lehrer gibt, müssen Sie klar erkennen, dass Sie sich Zeit nehmen müssen, um ihn allein oder gemeinsam zu verstehen, über ihn nachzudenken, nach seiner Bedeutung für Ihr Leben zu suchen und zu erfahren, was der Koran Ihnen sagt.

Die Risiken des persönlichen Studiums

Das Risiko, das mit einem solchen Vorhaben verbunden ist, sollte klar erkannt werden, und es sollten geeignete Maßnahmen ergriffen werden, um es zu vermeiden. Sie können dieses Risiko gewiss vermeiden, wenn Sie einige Richtlinien beachten:

(1) Es muss bedacht werden, dass das Verständnis des Qurans ein umfassender und vielschichtiger Prozess ist. Es gibt verschiedene Arten, Perspektiven, Ausmaße und Ebenen des Verständnisses. Sie sollten sie alle kennen. Zwischen dem Verständnis zur Pflege des Herzens und dem Verständnis zur Ableitung religiöser Rechtsbestimmungen besteht ein großer Unterschied.

(2) Bewerten Sie Ihre eigene Situation und bestimmen Sie Ihre Grenzen und Fähigkeiten äußerst klar. Dazu gehören beispielsweise Ihr Verständnis der Hidaya oder Rechtleitung des Qurans, Ihre Fähigkeit, Arabisch zu verstehen, Ihre Vertrautheit mit den Hadithen und der Lebensgeschichte des Gesandten sowie Ihre Fähigkeit, auf die Quellen zuzugreifen.

(3) Verstehen Sie Ihre Absicht richtig und setzen Sie für Ihr Studium konkrete Ziele. Überschreiten Sie unter keinen Umständen Ihre Grenzen und Fähigkeiten.

Wenn Sie beispielsweise die arabische Sprache nicht beherrschen, betreiben Sie keine eingehende grammatikalische oder lexikalische Forschung, sondern beschränken Sie sich unmittelbar auf die wörtliche Bedeutung. Wenn Sie keine Kenntnisse über Offenbarung und Aufhebung sowie über die Werke der frühen Fuqaha besitzen, sollten Sie weder beginnen, aus dem Quran Ihre eigene Fiqh abzuleiten, noch eine bestimmte Auffassung kritisieren oder unterstützen.

(4) Betrachten Sie nichts, was Sie durch Ihre Untersuchung erkannt haben und was dem allgemeinen Konsens der Ummah widerspricht, als endgültig, und beginnen Sie auch nicht, es zu verbreiten. Dies geschieht nicht, um Sie daran zu hindern, eine bestimmte Auffassung zu vertreten, und auch nicht, um zu behaupten, dass die Meinung gelehrter Menschen nicht falsch sein könne, sondern deshalb, weil man, um einer Auffassung zu widersprechen, zumindest von gleicher Qualifikation sein muss, wenn auch nicht von höherer.

Das darf Sie jedoch weder von der Verantwortung entbinden, das zu tun, was Sie aus dem Quran als richtig erkannt haben, noch davon, das zu meiden, was nicht richtig ist.

(5) Wann immer Sie aufgrund Ihres begrenzten Wissens an Ihren eigenen Schlussfolgerungen zweifeln – und das wird häufig der Fall sein –, bewahren Sie Ihre Auffassung im Zustand des Zweifels, bis Sie ein vollständiges vergleichendes Studium durchgeführt oder sie mit einem vertrauenswürdigen, sachkundigen Gelehrten des Qurans erörtert haben.

Kategorien des Verstehens

Im Großen und Ganzen können wir das Studium des Qur’an in zwei Kategorien einteilen: (1) Tadhakkur und (2) Tadabbur. Wie bereits erwähnt wurde:

damit diese Menschen über seine Verse nachdenken und die mit Verstand und Einsicht Begabten daraus eine Lehre ziehen. (Sad 38:29)

Tadhakkur

Das Wort Tadhakkur wird im Qur’an umfassend verwendet und auf verschiedene Weise übersetzt, etwa als: Ermahnung annehmen, eine Lehre ziehen, sich erinnern, aufmerksam sein und etwas mit dem Herzen aufnehmen. Es handelt sich also um einen Prozess, durch den Sie die allgemeine Botschaft und die Lehren des Qur’an begreifen können. Sie können erkennen, welche Bedeutung diese Botschaft für Sie hat und was sie von Ihnen verlangt. Nehmen Sie all dies mit dem Herzen auf, um eine offene Antwort von Herz und Verstand hervorzurufen. Setzen Sie Ihren Willen entsprechend dem ein, was Sie daraus gewinnen, und bestimmen Sie schließlich, welche Botschaft Sie anderen Menschen vermitteln werden.

Tadhakkur ist eine Art des Verstehens, die ihrer notwendigen Natur nach keine besonders hohe Gelehrsamkeit erfordert. Vielleicht kennen Sie nicht die Bedeutung jedes einzelnen Wortes. Möglicherweise sind Sie nicht in der Lage, die Bedeutung aller wichtigen und grundlegenden Wörter zu erschließen, und vielleicht verstehen Sie auch nicht die Bedeutung jedes einzelnen Verses. Doch Sie sollten die allgemeine, umfassende und besondere Botschaft sowie die Art und Weise, wie Sie Ihr Leben führen sollen, äußerst klar und deutlich kennen.

Tatsächlich waren unter denjenigen, die den Qur’an am tiefsten verstanden und am meisten Nutzen aus ihm zogen, seine ersten Zuhörer die herausragendsten – sie waren rechtschaffene Händler, Bauern, Hirten, Kameltreiber und Beduinen. Ihnen standen weder Wörterbücher oder Tafsir-Werke zur Verfügung noch wissenschaftliche Abhandlungen über Stil, Schreibkunst, Rhythmus und Rhetorik. Ebenso wenig verfügten sie über sämtliche Kenntnisse der Philosophie, Geschichte, Geografie, Archäologie, Anthropologie oder der sozialen und physikalischen Wissenschaften. Dennoch waren sie beim Verstehen des Qur’an am erfolgreichsten. Der Grund dafür ist, dass sie die Botschaft des Qur’an mit dem Herzen aufnahmen und begannen, entsprechend zu leben. Wer in dieser Hinsicht die erforderlichen Bedingungen erfüllt, gelangt zu einer solchen Art des Verstehens, und jeder kann ein solches Verständnis erlangen. In welchem Umfang oder Maß jemand davon aufnehmen kann, hängt von seinem Einsatz und seinen Fähigkeiten ab. Gewiss fügt die wissenschaftliche Ausrüstung diesem Prozess viele neue Aspekte hinzu, steigert seine Bedeutung und schenkt neue Einsichten; notwendig ist dies jedoch nicht unbedingt.

Tadhakkur bedeutet, dass der Qur’an klar darlegt, wie leicht er zu verstehen ist. Er liegt jedem aufrichtig Suchenden in Reichweite, sofern dieser nur begreift, was er liest, und darüber nachdenkt. Tadhakkur bedeutet außerdem, dass der Qur’an diejenigen, die hören, sehen und nachdenken können, dazu aufruft, sich entsprechend von ihm leiten zu lassen. Das bedeutet:

Wir haben diesen Koran leicht zugänglich gemacht, damit man sich ermahnen lässt. Gibt es also jemanden, der sich durch ihn ermahnen lässt? (Al-Qasas 54:17)

O Prophet! Wir haben dieses Buch in deiner Sprache ganz leicht verständlich gemacht, damit diese Menschen sich ermahnen lassen. (Ad-Duchan 44:58)

Wir haben den Menschen in diesem Koran Beispiele und Gleichnisse verschiedener Art und auf vielfältige Weise dargelegt, damit sie zur Besinnung kommen. (Az-Zumar 39:27)

Darin liegt eine höchst lehrreiche Ermahnung für jeden, der ein Herz hat oder aufmerksam zuhört. (Qaf 50:37)

Tadhakkur ist kein Verständnis auf niedrigerer Ebene; es ist der wesentliche Hauptzweck des Korans. Um Licht und Rechtleitung zu erlangen und durch Tadhakkur Heilung zu erfahren, müssen Sie Ihr ganzes Leben lang darum ringen. In diesem Prozess müssen Sie fortwährend danach streben, zahlreiche persönliche Vorteile daraus zu ziehen.

Tadabbur

Tadabbur ist eine andere Art des Verstehens. Es bedeutet, nach der vollständigen Bedeutung jedes einzelnen Wortes, jedes Verses und jeder Sure zu suchen, die inneren Bedeutungen von Wörtern, Gleichnissen, Vergleichen und Metaphern zu erforschen, die Kohärenz und innere Einheit des Ausgangstextes zu entdecken, sein zentrales Thema zu bestimmen, die sprachlichen Schwierigkeiten sowie den Offenbarungsanlass und den historischen Hintergrund eingehend zu untersuchen und ein Programm zum vergleichenden Studium verschiedener Tafsir-Werke aufzunehmen. Danach gilt es, alle Bedeutungen der Beziehungen des Menschen zu seinem Allah, zu anderen ihm nahestehenden Menschen, zu seinem eigenen Wesen und zu seiner ihn umgebenden Welt zu entdecken, Gesetze und ethische Grundsätze für den Einzelnen und die Gesellschaft, Bestimmungen für Staat und Wirtschaft sowie Grundprinzipien der Geschichte und Philosophie abzuleiten und die Bedeutung für den gegenwärtigen Stand des menschlichen Wissens zu erfassen.

Für ein solches Studium sind umfassende und tiefgehende Kenntnisse der verschiedenen Ulum al-Quran erforderlich; außerdem hängt es von Ihrem Ziel und Ihrer Absicht ab.

Tadabbur und Tadhakkur sind weder vollständig voneinander getrennt noch voneinander unabhängige Prozesse zum Verständnis des Korans. Das eine steht in Beziehung zum anderen.

Ihr Ziel

Was sollte Ihr Ziel sein? Natürlich wird das Ziel von Person zu Person verschieden sein und kann sich für ein und dieselbe Person sogar von Zeit zu Zeit ändern. Meiner Ansicht nach ist Tadhakkur für jeden Muslim verpflichtend, der fähig ist, den Koran zu verstehen.

Daher sollte Tadhakkur für einen gewöhnlich gebildeten Muslim, der im Rahmen seiner Fähigkeiten und Einschränkungen darum bemüht ist, seine Verpflichtung gegenüber Allah zu erfüllen, das erste und wichtigste Ziel sein. Sie werden ihm für immer verbunden bleiben und niemals einen Punkt erreichen, an dem Sie auf Tadhakkur verzichten könnten.

Sie müssen sich daran erinnern, dass Sie sich beim Tadhakkur unbedingt um Ihren Verstand und Ihr Herz kümmern, sich um die Vermehrung Ihres Iman bemühen, danach streben werden, die Botschaft des Korans an Sie zu entdecken, sie mit dem Herzen anzunehmen und auswendig zu lernen. Durch all Ihre Anstrengungen sollten Sie fähig werden, die Stimme Allahs zu hören: Was sagt Er Ihnen zu sein oder zu tun?

Stufen und Arten des Verstehens

Ihr Verständnis des Korans kann verschiedene Stufen und verschiedene Arten umfassen.

Erstens: Sie können die einfache und wörtliche Bedeutung eines Buches, das Sie in einer Ihnen bekannten Sprache lesen, so verstehen, wie etwa jemand, der Arabisch beherrscht, den Koran verstehen kann.

Ein solches Verständnis oder eine solche Erkenntnis kann die Mindestanforderung sein. Es wird der Schlüssel sein, um alle anderen Ebenen zu erreichen, doch allein ist es nicht ausreichend.

Zweitens: Finden Sie heraus, wie Gelehrte dies verstanden haben, entweder indem Sie ihre Erläuterungen anhören oder Auslegungen und andere Quellen lesen.

Drittens: Studieren Sie selbstständig und denken Sie nach, um die Bedeutung des Qurʾān zu entdecken und Verinnerlichung sowie Tadhakkur zu erlangen. Wenn Sie über die erforderlichen Fähigkeiten und das entsprechende Bedürfnis verfügen, können Sie auch Tadabbur erlangen.

Viertens: Entdecken Sie seine Bedeutung, indem Sie seiner Botschaft folgen und die Verantwortung, Pflichten und Mission erfüllen, die der Qurʾān Ihnen anvertraut hat.

Grundlegende Voraussetzungen

Damit Ihre Bemühungen erfolgreich sind, sollten Sie einige grundlegende Voraussetzungen erfüllen.

Erstens: Sie sollten so viel Arabisch lernen, dass Sie die Bedeutung des Qurʾān ohne die Hilfe einer Übersetzung verstehen können. Dies ist die grundlegende Ebene und ihre wichtigste Voraussetzung. Es mag wie eine sehr schwierige Aufgabe erscheinen. Doch ich habe erfahren, dass selbst Menschen mit geringer Bildung diese Aufgabe mit großer Hingabe aufgriffen und innerhalb weniger Monate bewältigten. Mit der Unterstützung eines Lehrers oder eines guten Buches sollte es nicht länger als 120 Stunden dauern, genug Arabisch zu lernen, um den Qurʾān zu verstehen.

Doch stellen Sie Ihre Bemühungen um das Studium des Qurʾān nicht ein, bis Sie diese Zeit für das Erlernen des Arabischen aufbringen können. Nehmen Sie eine gute Übersetzung zur Hand und beginnen Sie mit Ihren Bemühungen. Das ist besser, als den Qurʾān zu rezitieren, ohne ihn zu verstehen.

Die Lektüre des gesamten Korans

Zweitens: Lesen Sie zunächst den gesamten Koran vom Anfang bis zum Ende und versuchen Sie, die unmittelbare wörtliche Bedeutung zu verstehen. Wenn Sie kein Arabisch können, verwenden Sie eine Übersetzung.

Sie sollten ein konkretes Vorhaben erstellen, um innerhalb von mindestens einem Monat eine erste Lektüre abzuschließen. Dafür sollten täglich nicht mehr als zwei Stunden erforderlich sein. Danach können Sie einen Plan für eine langsamere Lektüre aufstellen, der für Sie passend ist. Doch Sie müssen diese Art der Lektüre Ihr ganzes Leben lang fortsetzen, ganz gleich, wie sie für Sie am besten geeignet ist, wie Sie bereits aus der Methode des Koranstudiums wissen.

Bevor Sie zu einem vertieften Studium übergehen, ist eine erste Lektüre des gesamten Korans äußerst wichtig. Sie wird Sie mit der Gesamtaussage des Korans vertraut machen und Ihnen ein gewisses Verständnis für seinen Aufbau, seine Ausdrucksweise, seine Argumentation und seine Bildsprache sowie für seine Lehren und Bestimmungen vermitteln. Durch regelmäßige Rezitation werden Sie mit dem Koran vertraut, seine innere Harmonie und Geschlossenheit wahrnehmen und beginnen, ihn als ein zusammenhängendes Ganzes zu betrachten. Dadurch wird die Gefahr geringer, etwas außerhalb des allgemeinen Rahmens des Korans zu erklären. Wer sich dem Koran ohne eine enge Vertrautheit mit seinem Inhalt und seinem Originaltext nach der Reihenfolge eines Inhaltsverzeichnisses nähert, läuft große Gefahr, sich zu irren oder ihn falsch auszulegen.

Eine regelmäßige Verbindung mit dem Originaltext des Korans zu bewahren, ist ein unverzichtbarer Schlüssel zum Verständnis des Korans. Dies wird eine große Hilfe sein, selbst beim Verständnis einzelner Wörter oder Verse. Durch eine lang andauernde und fortgesetzte Begleitung des Korans werden Sie häufig vor einem solchen Originaltext stehen, dass es Ihnen plötzlich vorkommt, als spräche er zu Ihnen und beantworte Ihre Fragen.

Natürlich werden Sie sich irgendwann dem Koran auf unterschiedliche Weise nähern, um verschiedene Ziele zu erreichen. Sie können eine Methode des schnellen Lesens anwenden oder ihn innerhalb eines bestimmten Zeitraums abschließen; oder Sie können Stunden damit verbringen, über die Bedeutung nachzudenken, um die Bedeutung eines Wortes oder eines Verses zu erfassen. Sie können einen Abschnitt wiederholt lesen, manchmal schnell und manchmal langsam. Oder Sie können die Seiten nur überfliegen, um Anleitung zu einem bestimmten Thema zu erhalten, mit dem Sie bereits vertraut sind. Sie können selbstständig weiter nachdenken, was weniger Zeit in Anspruch nehmen wird; oder Sie können ein vergleichendes Studium anhand von vier verschiedenen Tafsīr-Werken durchführen, bei dem selbst ein kleiner Abschnitt viel Zeit beanspruchen kann.

Die Lektüre eines Tafsīr

Drittens: Nachdem Sie den gesamten edlen Koran einmal verständig und aufmerksam vollständig gelesen haben, lesen Sie ihn regelmäßig so langsam, wie es Ihnen möglich ist. Nehmen Sie in diesem Fall einen kurzen, aber zuverlässigen Tafsīr oder eine Übersetzung zur Hand und lesen Sie sie vollständig von Anfang bis Ende. Nur sehr wenige kurze Tafsīr-Werke sind auf Arabisch, Urdu und anderen muslimischen Sprachen erhältlich. In den heutigen englischen und europäischen Sprachen herrscht jedoch ein großer Mangel daran. Was auch immer verfügbar ist, kann dennoch gewinnbringend genutzt werden, wenn es sorgfältig gelesen wird.

Schon die Lektüre eines kurzen Tafsīr kann Ihnen ein weitaus detaillierteres Verständnis des Qurans vermitteln, als Sie es durch das eigene Lesen allein erlangen könnten. Der Tafsīr macht Sie mit vielen wichtigen Aspekten vertraut, etwa mit Sprache, Stil, Argumentation, historischem Hintergrund und ausführlicheren Bedeutungen, die durch eigene Überlegungen nicht erschlossen werden können. Er kann auch einige Ihrer Fehler korrigieren.

Wann immer Sie das Bedürfnis nach einem eingehenden Studium des Qurans verspüren, bemühen Sie sich, sich auf einen kurzen Tafsīr zu beschränken. Zumindest anfangs sollten Sie sich keinesfalls mit langen, ausführlichen wissenschaftlichen Tafsīr-Werken beschäftigen. Ihre langwierigen Erklärungen und Analysen werden oft zu einem Hindernis für Ihre lebendige und unmittelbare Beziehung zu den Worten Allahs. Lesen Sie einen Teil-Tafsīr, wenn kein vollständiger Tafsīr verfügbar ist. Wenn Sie Literatur über den Islam lesen, erstellen Sie während des Studiums oder am Ende ebenfalls eine besondere Notiz über alles, was Sie mit Bezug auf den Quran finden. Auch wenn solche Inhalte weit verstreut und an verschiedenen Stellen zu finden sind, kann eine solche Arbeit zu einer sehr wichtigen Hilfe für Ihr Verständnis des Qurans werden.

Denken Sie daran: Die Nahrung des Īmān und die notwendigen Anweisungen dafür, wie Sie Ihr Leben führen sollen, können Sie auch ohne ausführliche Erklärungen und Analysen erlangen. Die Hilfe Ihres Tafsīr werden Sie nur benötigen, um einige Zweifel auszuräumen, ein großartiges Thema zu erforschen oder komplizierte Verwicklungen zu lösen.

Studium ausgewählter Abschnitte

Viertens: Idealerweise sollten Sie das Studium des Qurans von Anfang an beginnen und bis zum Ende fortsetzen. Eines Tages wird gewiss jemand unter Ihnen die Initiative dazu ergreifen.

Für die meisten von uns liegt ein solcher Tag jedoch in weiter Ferne oder wird vielleicht niemals kommen. In dieser Lage sollten Sie Ihr Studium so bald wie möglich beginnen.

Nehmen Sie dann zu diesem Zweck einen ausgewählten Abschnitt, Absatz, eine Sura oder einen Vers und lesen Sie ihn mit ausführlicher Erläuterung. Bisweilen sind Sie aufgrund Ihrer eigenen Daʿwa-Aktivitäten und zum Zweck Ihrer persönlichen Entwicklung gezwungen, bestimmte Abschnitte zu studieren. Bisweilen kann auch Ihr regelmäßiges Studium Sie zu bestimmten Absätzen führen, die Sie gerne annehmen. Sie können jedoch auch einem wissenschaftlichen und systematischen Lehrplan folgen. Wichtig ist, zu beginnen und zu wissen, wie man studieren soll, nicht, womit man beginnen soll. Am Ende dieses Buches finden Sie als Empfehlung eine Liste einiger Absätze.

Die ausgewählten Absätze, mit denen Sie Ihr Studium beginnen, werden Ihnen auf vielfältige Weise von großem Nutzen sein. Erstens: Statt auf unbestimmte Zeit zu warten, werden Sie durch die Herstellung der äußerst notwendigen Beziehung des Tadabbur den wichtigen Abschnitt Ihrer Reise in der Welt des Qurans betreten und Ihren Fortschritt beginnen. Zweitens: Sie werden wichtige Hinweise, Schlüssel und Methoden erhalten, die Ihnen helfen werden, jene Teile des Qurans zu verstehen, die Sie in absehbarer Zeit nicht ausführlich studieren können. Der Quran bringt seine Aussagen auf unterschiedliche Weise zum Ausdruck. Allah hat das vortrefflichste Wort hinabgesandt. Es ist ein Buch, dessen Teile miteinander übereinstimmen und in dem dieselbe Aussage wiederholt wird (Zumar 39:23). Drittens: Sie müssen ein vollständiges Bild beziehungsweise eine Gesamtdarstellung der qur’anischen Struktur entwickeln, die äußerst notwendig ist, um Ihre Erkenntnis auf dem richtigen Weg zu halten. Viertens: Sie werden bestens dafür ausgerüstet sein, die Botschaft des Qurans anderen zu übermitteln.

Das eingehende Studium bestimmter Abschnitte kann keinesfalls das gewöhnliche Lesen ersetzen. Sein Nutzen ist anderer Art und von großer Bedeutung. Lassen Sie daher weder das regelmäßige Lesen des Korans noch das Lesen längerer Abschnitte aus. Eine eingehende Lektüre bei gleichzeitiger Vernachlässigung des Ganzen kann Sie in Verwirrung stürzen.

Wiederholtes Lesen

Fünftens: Welchen Abschnitt Sie auch immer für Ihr Studium ausgewählt haben, Sie müssen ihn wiederholt lesen. Nehmen Sie dies als allgemeine Regel an und befolgen Sie sie stets. Bleiben Sie bei ihm, richten Sie sich so weit wie möglich danach, denken Sie gründlich darüber nach und lassen Sie ihn mit Ihrem Herzen und Ihrem Verstand tief auf sich wirken. Eine solche dauerhafte Verbundenheit ist eine unerlässliche Hilfe zum Verständnis des Korans. Je tiefer die Aussagen des Korans in Ihrem Herzen verankert sind und je öfter sie über Ihre Lippen kommen, desto leichter wird es Ihnen fallen, sich auf den Koran zu konzentrieren und über ihn nachzusinnen. Dann wird der Koran Ihnen seine Bedeutung nicht nur während der Rezitation oder des Studiums, sondern in jedem Bereich Ihres täglichen Lebens erschließen, wann immer Ihnen ein Vers oder ein Wort in den Sinn kommt.

Ein forschender Geist

Sechstens: Entwickeln Sie einen neugierigen Geist, eine forschende Seele und ein Herz, das sich nach Bedeutung sehnt. Sie wissen, dass der Koran niemals blinden Glauben verlangt; ebenso wenig verlangt er, dass Sie den Koran mit verschlossenen Augen und Ohren lesen. Der Aufruf zum Nachdenken gehört zu seinen wichtigsten und umfassendsten Inhalten.

Fragen zu stellen und sich zu erinnern sind die Schlüssel zu Wissen und Verständnis. Stellen Sie daher so viele Fragen, wie Sie für nötig halten. Zum Beispiel: Was ist die wörtliche Bedeutung dieses Wortes oder Verses? Welche andere Bedeutung könnte es haben? Was ist der historische Hintergrund, und im Zusammenhang mit welchem Ereignis wurde er offenbart? Was ist der ursprüngliche Wortlaut jedes Wortes, jeder Redewendung und jedes Satzes? Wie ist dieser mit dem folgenden Satz verbunden? Wie lassen sich die innere Ordnung und die inhaltliche Einheit erkennen? Was wird gesagt? Warum wird es gesagt? Was sind die allgemeine und die besondere Bedeutung? Was sind die Hauptthemen? Was ist der zentrale Gedanke? Welche Botschaft enthält dies jetzt für mich/für uns? Notieren Sie während des Studiums Ihre Fragen und bemühen Sie sich, ihre Antworten herauszufinden.

Haben Sie keine Angst davor, Fragen zu stellen. Vielleicht finden Sie die Antworten auf Ihre Fragen nicht sofort, vielleicht auch nicht selbst oder mit der richtigen Hilfe eines anderen. Das macht nichts. Welche Antwort Sie auch immer erhalten, sie wird für Sie von Nutzen sein. Nichts davon wird Ihnen schaden, wenn Sie einige Regeln beachten. Erstens: Stellen Sie keine Fragen, die außerhalb der menschlichen Reichweite liegen und zu den Mutaschābihāt gehören (Āl ʿImrān 3:7). Zum Beispiel: Wie ist der Thron? Zweitens: Lassen Sie sich nicht auf Haarspalterei ein. Stellen Sie keine Fragen zu Dingen, die keinen Bezug zu Ihrem Lebensweg haben. Drittens: Versuchen Sie nicht, Antworten zu geben, die nicht auf angemessenem erforderlichem Wissen oder gesunder Vernunft beruhen. Viertens: Es gibt viele Fragen, deren Antworten Sie trotz Ihrer besten Bemühungen nicht finden und die Sie nicht verstehen werden. Lassen Sie diese Fragen eine Zeit lang beiseite und konzentrieren Sie sich auf andere Themen des Korans. Mit der Zeit werden Sie vielleicht einen guten Lehrer oder ein Buch finden, das Ihnen dabei hilft. Oder Sie werden die Antwort irgendwann selbst finden. Im Koran gibt es zahlreiche Belege dafür, wie seine ersten Gläubigen Fragen stellten, sowie einige gleichermaßen bedeutungsvolle und lehrreiche Begebenheiten, in denen der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und seine Gefährten (möge Allah mit ihnen zufrieden sein) zum Fragen, zur Neugier, zum Nachforschen und zum Nachdenken ermutigten.

Eine Hilfe für das Studium

Siebtens: Es gibt einige Hilfsmittel, die Sie für Ihr Studium benötigen werden.

Versuchen Sie, diese so weit zu beherrschen, wie es Ihnen möglich ist.

(1) Besorgen Sie sich eine Übersetzung des Korans in Ihrer eigenen Sprache. Das ist Ihr Mindestbedarf. Sie müssen sie sowohl beim gewöhnlichen Lesen als auch beim Studium verwenden. Dieselbe Ausgabe können Sie zum Auswendiglernen verwenden, wenn sie sich bequem mitführen lässt. Achten Sie jedoch darauf, dass Sie Ihr ganzes Leben lang zum Auswendiglernen dieselbe Ausgabe verwenden. Andernfalls wird das wiederholte Lesen erschwert.

Denken Sie daran, dass keine Übersetzung perfekt oder fehlerlos ist. Jede Übersetzung enthält einen Teil der eigenen Auslegung des Übersetzers. Es gibt keine Übersetzung des Korans, die als maßgeblich anerkannt ist, und eine solche kann es auch nicht geben.

(2) Dieselbe Ausgabe kann eine kurze Erläuterung enthalten, oder Sie können eine solche gesondert anschaffen. Aber eine davon müssen Sie unbedingt besitzen. Eine Übersetzung und ein zuverlässiges Tafsir-Werk sollten für Ihre grundlegenden Hauptziele zunächst ausreichen.

(3) Mehrere Übersetzungen und Tafsir-Werke werden für Sie hilfreich sein, um zu erfahren, welche unterschiedlichen Bedeutungen Gelehrte den Wörtern und den Hauptinhalten gegeben haben, auch wenn ihr Besitz nicht unbedingt erforderlich ist.

(4) Für ein weiterführendes Studium sollten Sie mindestens ein ausführliches Tafsir-Werk besitzen.

(5) Sie sollten ein gutes arabisches Wörterbuch besitzen; noch besser wäre ein Koranwörterbuch, damit Sie tiefer in die Bedeutungen der Wörter eindringen können.

(6) Es sollte ein alphabetisches Verzeichnis der Begriffe oder Themen beschafft werden.

Eine Liste solcher Hilfsmittel für das Studium befindet sich am Ende dieses Buches.

Wie man studieren soll

Im Folgenden wird ein schrittweises Verfahren für das ausführliche Studium des festgelegten Abschnitts dargelegt. Dafür gibt es selbstverständlich keine festen Regeln. Sie können es vielmehr nutzen, um ein eigenes Verfahren zu entwickeln, das Ihren Fähigkeiten und Einschränkungen entspricht. Wichtig ist, dass Sie äußerst wissenschaftlich vorgehen und versuchen, die folgende Reihenfolge einzuhalten.

Lesen Sie zunächst den gesamten Abschnitt auf Ihre eigene Weise. Beraten Sie sich anschließend mit Ihrer Studienhilfe oder lernen Sie seine Bedeutung so weit wie möglich von einem qualifizierten Lehrer. Versuchen Sie schließlich, das Gelernte aus beiden Quellen miteinander zu verbinden und dadurch ein möglichst vollständiges Verständnis zu erlangen.

Erste Stufe: Informieren Sie sich und identifizieren Sie die Probleme.

Schritt 1: Erfassen Sie rasch die grundlegenden Voraussetzungen und überlegen Sie, woran Sie sich aus einer aufrichtigen inneren Beteiligung erinnern können. Machen Sie sich bewusst, dass Allah bei Ihnen ist, und bitten Sie Allah um Hilfe, damit Sie verstehen, was Sie lesen werden.

Schritt 2: Lesen Sie den Abschnitt mindestens dreimal und denken Sie über seine Bedeutung nach. Oder lesen Sie ihn so oft wie nötig, bis Sie sich an seinen wesentlichen Inhalt erinnern können, ohne nachzusehen. Dann werden Sie ihn verinnerlicht haben und jederzeit darüber nachdenken können, wann immer Sie wollen.

Die Regel lautet: Lassen Sie die Wörter und Bedeutungen fließen, bevor Sie beginnen, Erläuterungen nachzuschlagen.

Schritt 3: Notieren Sie die wichtigsten Inhalte, die Sie ohne den Ausgangstext erfassen können. Vergleichen Sie sie später mit dem Ausgangstext und wiederholen Sie sie.

Schritt 4: Notieren Sie das zentrale Thema, selbst wenn Sie nur eines herausarbeiten können.

Schritt 5: Teilen Sie den Text in kurze Absätze auf, die Ihrer Ansicht nach jeweils eine oder mehrere Aussagen enthalten.

Schritt 6: Unterstreichen Sie jene Wörter und Redewendungen, die Ihrer Ansicht nach für das Verständnis der Bedeutung entscheidend sind.

Schritt 7: Stellen Sie Fragen, wie wir es oben erwähnt haben.

Zweite Ebene: Denken Sie über das nach, was Sie gelesen haben. Versuchen Sie, die Fragen selbst zu beantworten, und bemühen Sie sich zu verstehen, was die Bedeutung und die Aussage sind.

Schritt 8: Finden Sie heraus, was die wichtigen Wörter bedeuten.

Schritt 9: Bestimmen Sie die Bedeutung jeder Redewendung oder Aussage.

Schritt 10: Überlegen Sie, wie sie miteinander zusammenhängen, wie eine der anderen folgt oder ihr vorausgeht und welche Einheit oder Kohärenz zwischen ihnen besteht.

Schritt 11: Versuchen Sie, die Bedeutung aus dem unmittelbaren Hauptinhalt des Abschnitts, aus dem umfassenderen Inhalt der Sure und aus dem Gesamthauptinhalt des Korans zu erschließen und zu verstehen.

Schritt 12: Bestimmen Sie, welche verschiedenen Aussagen und Lehren darin enthalten sind.

Schritt 13: Fragen Sie: Welche Botschaft hat dies für mich und für unsere Zeit?

Schritt 14: Überlegen Sie, wie Sie, die Umma und die Menschheit darauf reagieren können.

Dritte Ebene: Setzen Sie sich mithilfe welcher Studienhilfe oder welchen Lehrers auch immer, die bzw. den Sie haben, anhand der Schritte 8–14 der zweiten Ebene mit dem Verständnis der Bedeutung auseinander. Überprüfen Sie Ihr eigenes Verständnis erneut, korrigieren, ergänzen und modernisieren Sie es, bestätigen Sie es als richtig oder verwerfen Sie es.

Vierte Ebene: Halten Sie das auf diese Weise gewonnene Verständnis schriftlich fest oder bewahren Sie es in Herz und Verstand.

Notieren Sie die Fragen, die offenbleiben. Betrachten Sie kein Verständnis als vollständig und endgültig. Je länger Sie weiterstudieren, desto mehr Bedeutungen werden Sie erkennen und desto mehr werden Sie die Bedeutung und Notwendigkeit der Wiederholung des Studiums erkennen.

Wie man die Bedeutung versteht

Um die Grundsätze und Richtlinien, die zum Verständnis des Korans befolgt werden müssen, vollständig und ausführlich zu erörtern, müsste man ein umfangreiches Buch verfassen.

Hier können wir Richtlinien zu einigen äußerst wichtigen Dingen geben, an die man sich bei seinen Bemühungen, den Koran zu verstehen, stets erinnern sollte.

6: Allgemeine Grundsätze

 

Als lebendige Wirklichkeit erfassen

Erstens: Versuchen Sie, jedes Wort des Korans so zu verstehen, als wäre es gerade heute offenbart worden. Als dieses Buch vor 1.400 Jahren erstmals offenbart wurde, war es ebenso relevant und lebendig, wie es auch in der heutigen modernen Zeit angenommen werden muss. Denn es ist ewig, und seine Botschaft vermittelt auch heute keine andere Aussage. Betrachten Sie unter keinen Umständen irgendeine Aussage des Korans als etwas aus der Vergangenheit. Erst dann können Sie die Botschaft des Korans als ewig verstehen – als das Wort des ewig lebendigen Allah, der in jeder Schöpfung stets gegenwärtig ist.

Dies ist für Ihre Seele unerlässlich, um sich auf das Studium des Korans zu konzentrieren; Ihr Herz und Ihre Vernunft sollten stets durch diese Richtlinie angesprochen werden. Dies hat eine große Bedeutung. Es wird Ihnen helfen, das im Koran Enthaltene zu deuten, damit Sie im Licht dessen Ihre Welt verstehen können.

Wenden Sie es dann im Lichte dessen auf die Angelegenheiten an, die mit Ihrem eigenen Leben zusammenhängen. Zeitgenössische Denkfragen, verschiedene Anliegen, Erfahrungen, der Wissensstand und die Technologie Ihrer Zeit – all das wird seine Antwort im Koran finden.

Verstehen Sie es als eine Botschaft an Sie.

Zweitens: Nehmen Sie jede Botschaft des Korans noch ernster und so auf, als sei sie an Sie und Ihre Gemeinschaft gerichtet. Sobald Sie gewisse Fortschritte gemacht haben, sollten Sie versuchen zu verstehen, was jeder Koranvers Sie persönlich lehrt. Sie haben bereits gesehen, wie Sie dies tun sollten, um aus der Tiefe Ihres Herzens Einsicht zu gewinnen. Nun sollten Sie spüren, wie dies Ihr Herz für das Verständnis des Korans öffnet. Einst kam ein Mann zum Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, um den Koran zu lernen. Der Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, lehrte ihn die Sure Az-Zilzal. Als er zu diesem Vers kam: „Wer auch nur das Gewicht eines Stäubchens Gutes tut, wird es sehen, und wer auch nur das Gewicht eines Stäubchens Böses tut, wird es sehen“, sagte der Mann: „Das genügt mir.“ Damit ging er fort. Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, bemerkte: „Dieser Mann kehrte als Faqih zurück.“ (Abu Dawud)

Tatsächlich glaube ich, dass es im Heiligen Koran keinen einzigen Abschnitt gibt, der Ihnen nicht persönlich eine Botschaft vermittelt oder aus dem Sie nicht etwas lernen können. Doch Sie müssen die Einsicht besitzen, dies zu erkennen. Jedes Wort Allahs, des Erhabenen, ruft Sie dazu auf, eine tiefe Beziehung zu Ihm aufzubauen. Jede Schilderung des Jenseits fordert Sie auf, sich darauf vorzubereiten, oder spornt Sie zu dessen Belohnung an, oder fordert Sie auf, um Vergebung für dessen Übel zu bitten. Jeder Dialog bezieht Sie mit ein. Jede Gestalt stellt ein Beispiel dar. Sie müssen ihr entweder folgen oder sie verleugnen und zurückweisen. Jede gesetzliche Bestimmung hat eine Botschaft für Sie, selbst wenn sie auf den ersten Blick in Ihrer gegenwärtigen Lage nicht auf Sie anwendbar zu sein scheint. Eine ganz allgemeine Aussage kann für Sie stets eine besondere Bedeutung haben, während eine sehr spezielle Aussage aufgrund der Ereignisse und Umstände in Ihrem Leben stets eine allgemeine Bedeutung annehmen kann.

Verstehen Sie es als Teil des gesamten Korans.

Drittens: Der gesamte Koran bildet in sich eine Einheit. Er ist eine einzige Offenbarung. Obwohl diese Botschaft auf unterschiedliche Weise und in verschiedenen Formen übermittelt wurde, ist die Botschaft selbst doch eine einzige. Sie besitzt ein Weltbild und eine umfassende Struktur der Rechtleitung. Alle ihre Bestandteile stehen vollkommen miteinander in Einklang. Dies ist ein Zeichen dafür, dass es sich um ein von Allah herabgesandtes System handelt.

„Denken sie denn nicht gründlich über den Koran nach? Wenn er von jemand anderem als Allah käme, würden sie darin gewiss viele Widersprüche finden.“ (An-Nisa 4:82)

Sie sollten versuchen, sich diese eine Botschaft und Struktur vollständig zu eigen zu machen. Dann werden Sie alles als Teil der Botschaft des einen Buches, des Korans, verstehen können, sei es ein einzelnes Wort, ein Vers, ein Abschnitt oder eine Sure. Lösen Sie niemals irgendetwas aus der koranischen Struktur heraus. Andernfalls könnten Sie eine entstellte Bedeutung finden. Welche Bedeutung Sie auch immer gewinnen, überprüfen Sie sie anhand der Gesamtaussage. Wenn Sie einen bestimmten Abschnitt lesen, müssen Sie ihn erläutern, eingehend analysieren und versuchen, jeden Satz und jedes einzelne Wort zu verstehen. Sie dürfen jedoch nicht vergessen, allem gemeinsam eine einheitliche Gestalt zu geben. Und dieses Gesamtbild müssen Sie im Licht der Gesamtaussage des Korans beurteilen. Andernfalls wird Ihre festgelegte Lesart Sie in die entgegengesetzte Richtung führen. Darüber hinaus kann eine solche festgelegte Lesart Sie, statt vom Koran geleitet zu werden, in den Irrtum stürzen, bestimmte Verse zur Unterstützung Ihrer eigenen Sichtweise zu verwenden.

Wenn Sie den Koran auf die Lösung der Probleme Ihrer Zeit anwenden wollen, müssen Sie den gesamten Koran in Ihr Studium einbeziehen. Andernfalls begehen Sie den schwerwiegenden Fehler, den Koran lediglich an zeitgenössische Denkweisen anzupassen, statt ihn aus der Sicht des Korans kritisch zu bewerten.

Vor dem Hintergrund der obigen Ausführungen kann man nicht empfehlen, beim Studium des Korans anhand eines Registers vorzugehen. Sammeln Sie jedoch keine Versregister, um ein bestimmtes Thema zu studieren, ohne den Koran wiederholt gelesen und vollständig verstanden zu haben. Verwenden Sie ein solches Register erst dann, wenn Sie aufgrund Ihres eigenen Studiums das Bedürfnis verspüren, eine entsprechende Stelle nachzuschlagen.

Verstehen Sie ihn als ein zusammenhängendes Ganzes.

Viertens: Obwohl der Koran äußerlich ungeordnet erscheinen mag, weist er in Wirklichkeit ein höchstes Maß an Harmonie und Ordnung auf. Jeder Teil steht mit den anderen in Beziehung, Vers steht mit Vers und Sure mit Sure in Beziehung. Hinter den äußerlichen Wechseln der Themen besteht ein verbindendes Band. Aus diesem Grund wies der Prophet (s.a.w.s.) die Schreiber der Offenbarung an, wo jede Offenbarung ihren Platz erhalten sollte. Sie sollten diese innere Harmonie aufspüren, auch wenn dies beim ersten Lesen vielleicht nicht möglich ist oder lange Zeit erfordern kann. Erst dann werden Sie die vollständige Bedeutung jedes einzelnen Teils verstehen können.

Versuchen Sie, ihn mit Ihrem ganzen Wesen zu verstehen.

Fünftens: Versuchen Sie, den Koran zu verstehen, indem Sie Ihr ganzes Wesen in das Studium einbringen. Herz und Inneres, Gefühle und Weisheit sind allesamt in Ihrer Persönlichkeit vereint. Der Koran ist keine Hülle, die sich mit dem Verstand umhüllen lässt. Er ist auch nicht lediglich eine himmlische Botschaft, die man in höchster Glückseligkeit genießen kann. Es ist nicht richtig, den Koran auf unterschiedliche Weise verstehen zu wollen; beim Studium des Korans sollte man weder die Vernunft noch die Gefühle zurücklassen, sondern beide miteinander verbinden.

Versuchen Sie zu verstehen, was der Koran sagt.

Sechstens: Verstehen Sie nicht, was Sie selbst sagen, sondern was der Koran sagt. Wenden Sie sich niemals an den Koran, um Unterstützung für Ihre Meinung, Bestätigung Ihrer Sichtweise oder einen Beweis für Ihr Anliegen zu finden. Sie müssen sich mit offenem Geist dem Koran nähern. Sie müssen bereit sein, Allahs Wort zu hören und sich ihm zu unterwerfen.

Bleiben Sie innerhalb des Konsenses

Siebtens: Im Studium und Verständnis des Korans sind Sie nicht die Ersten. Vor Ihnen gab es eine lange Reihe von Menschengruppen, die diese Aufgabe erfüllt und ein reiches Erbe hinterlassen haben. Sie dürfen sie nicht außer Acht lassen. Daher sollten Sie auf dem Weg des Korans nicht so voranschreiten, als hätte vor Ihnen niemand etwas Vergleichbares getan. Keine Bedeutung ist gültig, richtig oder annehmbar, wenn sie der Aussage Muhammads (s) widerspricht oder dem widerspricht, worüber die muslimische Umma Konsens erzielt hat. In dieser Hinsicht sollte jede Grundlage für völlig andere und neue Schlussfolgerungen als unser über Jahrhunderte gewachsenes reiches Erbe auf sehr tiefgehender Gelehrsamkeit beruhen.

Verstehen Sie ihn ausschließlich nach koranischen Maßstäben

Achtens: Der Koran ist kein Buch wie irgendein anderes. In jeder Hinsicht ist dieses Buch einzigartig: Der Koran besitzt seine eigene Sprache, seine eigene Terminologie, seinen eigenen Stil, seine eigene Bildsprache, Philosophie und Argumentation. Darüber hinaus besitzt er eine außergewöhnliche Anziehungskraft und Zielsetzung. Der Versuch, ihn anhand außerkoranischer menschlicher Maßstäbe zu verstehen, ist sinnlos.

Sein einziges Ziel besteht darin, die Menschheit, jeden einzelnen Menschen, zu seinem Schöpfer zu führen, eine revolutionäre Veränderung im menschlichen Leben herbeizuführen und eine völlig neue Beziehung zu Allah zu begründen. Alles dient dazu, dieses Ziel zu erreichen, und alles ist im Hinblick auf dieses Ziel festgelegt. Daraus ergeben sich mehrere wichtige Bedeutungen.

Erstens: Obwohl die Tiefen des Ozeans seiner Bedeutungen kein Ende haben, sind diese Bedeutungen für einen gewöhnlichen Wahrheitssuchenden zur Lebensführung dennoch einfach und verständlich. Wenn man eine aufrichtige Haltung einnimmt und auf dem Weg der Wahrheit voranschreiten möchte, lassen sich die Bedeutungen, die für die Rechtleitung ausreichen, leicht verstehen.

Zweitens: Die Sprache des Korans ist so beschaffen, dass gewöhnliche Menschen sie verstehen können. Im Koran werden genau jene Wörter verwendet, die gewöhnliche Menschen im täglichen Leben in ihren Gesprächen gebrauchen. Der Koran verwendet weder neue, unverständliche Fachbegriffe noch die technische und akademische Sprache der Philosophie, der Wissenschaft oder der Logik. Doch gerade mit alten und alltäglich gebrauchten Wörtern bringt er völlig neue Bedeutungen zum Ausdruck.

Drittens: Der Koran ist weder ein Geschichtsbuch noch ein Buch der Wissenschaft. Ebenso ist er kein Werk der Philosophie oder der Logik, obwohl der Koran all diese Bereiche nutzt. Er tut dies jedoch ausschließlich zur Rechtleitung der Menschen. Daher versucht der Koran nicht, durch sich das zeitgenössische menschliche Wissen zu bestätigen. Dieses Wissen ist auch für sein Verständnis nicht unerlässlich, obwohl es dazu beitragen kann, die Fähigkeit zur Erkenntnis zu erweitern.

Verstehen Sie den Koran mithilfe des Korans

Neuntens: Die beste Tafsir des Korans ist der Koran selbst. Auf den ersten Blick scheint es, als würden viele Wörter und Aussagen wiederholt. Doch in Wirklichkeit handelt es sich nicht um eine zwecklose Wiederholung. Durch die Wiederholung eines bestimmten Wortes oder einer bestimmten Aussage wird eine neue Seite ihrer Bedeutung herausgestellt, und sie eröffnet eine neue Perspektive auf ihre Bedeutung. Sie sollten versuchen, diese Bedeutung zu verstehen.

Richten Sie daher, um ein bestimmtes Wort, einen Vers oder einen Abschnitt zu verstehen, Ihren Blick auf den Koran selbst. Beispielsweise können Sie die wichtigen Wörter Rabb, Ilah, Din, عبادت, Kufr, Iman und Dhikr, die an verschiedenen Stellen im Koran verwendet werden, studieren und dadurch besser verstehen.

Verstehen Sie ihn durch Hadithe und Sirat

Zehntens: Eine der Hauptaufgaben des Gesandten (s.a.w.) bestand darin, den Koran zu erklären und auszulegen. Diese Aufgabe erfüllte er, indem er durch seine Worte und Taten Beispiele gab. Daher sind die gesamte Hadith-Wissenschaft und die Sirat eine wertvolle Quelle zum Verständnis des Korans. Nicht nur die Hadithe, die Tafsir enthalten, sondern alle Hadithe sind dabei hilfreich. Beispielsweise werden Hadithe über Iman, Dschihad und Tawbah Ihnen beim Verständnis des Korans eine große Hilfe sein, wenn Sie auf ähnliche Themen stoßen.

Sprache

Elftens: Die Sprache ist der erste Schlüssel zum Koran. Durch die Sprache macht der Koran sich selbst klar, lebendig und verständlich. Sie müssen sich bestimmter Eigenschaften der arabischen Sprache bewusst sein, die im Koran verwendet werden.

Erstens: Der Stil des Korans ist nicht wie geschriebene Sprache, sondern wie eine Rede. In einer Aussage können bestimmte Dinge der arabischen Sprache unausgesprochen bleiben, was für die unmittelbaren Zuhörer kein Hindernis zum Verständnis darstellt. Dies steigert ihre Wirksamkeit und Kraft. Denn die Zuhörer stehen fortwährend in Wechselwirkung mit dem Sprecher, seinen Worten und ihrer Umgebung. Allzu ausführliche Rede macht eine Ansprache langweilig.

Im Koran finden sich plötzliche Wechsel der Zeitform. Sie erhöhen die lebendige Bedeutung des Ausgangstextes. Bei solchen Wechseln müssen Sie aufmerksam sein und feststellen, zu wem was gesagt wird. Häufig gibt es auch plötzliche Unterbrechungen; Sie müssen diese erkennen.

Zweitens: Nicht nur ist die arabische Sprache äußerst knapp und bedeutungsvoll. Oft verwendet sie die dazugehörigen Wörter und Satzteile nicht. Daher gibt es hier Unklarheiten, Auslassungen, Hinzufügungen, Weglassungen, Verschleierungen, die Verwendung von Ersatzwörtern und weitere Besonderheiten. In dieser Hinsicht müssen Sie stets aufmerksam sein. Dies können Sie nur durch Tafsir-Werke und von einem Lehrer lernen.

Drittens: Die direkte Bedeutung der Wörter oder des Ausgangstextes reicht nicht aus, um den Koran zu verstehen. Sie müssen aus der Gesamtsicht, dem Ausdrucksstil des Korans und den literarischen Techniken ein gewisses Verständnis und Empfinden gewinnen. Kenntnisse der arabischen Sprache, wie sie zur Zeit der Offenbarung des Korans verwendet wurde, wären dabei sehr hilfreich. Als Lernender wird dies anfangs jedoch außerhalb Ihrer Reichweite liegen.

Methodische Hinweise

Auf der Grundlage des Rahmens und der allgemeinen Grundsätze der obigen Erörterung können einige methodische Hinweise für Sie sehr nützlich sein.

Wortstudium

Eins: Versuchen Sie zunächst, die Bedeutung jener Wörter herauszufinden, durch die das Verständnis des Ausgangstextes besonders schwierig ist. Ihre ersten Hilfsmittel werden Übersetzungen und kurze Tafsir-Werke sein. Schlagen Sie Wörter im Wörterbuch nach, betrachten Sie jedoch die Wörterbuchbedeutung nicht als maßgeblich. Ihr bester und letztgültiger Leitfaden ist der unmittelbare Kontext des Wortes – also der gesamte Koran und sein Weltbild.

Der Inhalt des Ausgangstextes

Zweitens: Wenn Sie die Wörter und die unmittelbare Bedeutung verstehen, ordnen Sie den Abschnitt in den inhaltlichen Zusammenhang des Ausgangstextes ein und versuchen Sie zu verstehen, was die Bedeutung ist. Lesen Sie den vorausgehenden und den nachfolgenden Ausgangstext und lesen Sie nötigenfalls die gesamte Sure.

Historischer Hintergrund

Drittens: Sammeln Sie so viele notwendige relevante historische Informationen wie möglich. Sie müssen sich jedoch von ihrer Zuverlässigkeit überzeugen.

In diesem Zusammenhang werden Sie auf Hadithe stoßen, die die Gründe für die Offenbarung schildern. Diese Hadithe werden wichtige Informationen liefern. Aber Sie müssen sich zwei Dinge merken.

Erstens: In diesen Überlieferungen werden die historischen Ereignisse zur Zeit der Offenbarung möglicherweise nicht immer genau wiedergegeben. Vielmehr wurde die betreffende Situation als relevant und real betrachtet.

Zweitens: Im Hinblick auf die Offenbarung ist der Beleg des Ausgangstextes wichtiger. Wenn historische Informationen herangezogen werden, sollte dies nicht als eindeutig festgelegt werden.

Drittens: Historische Informationen sollten beim Verständnis der Kernaussage kein Hindernis für das Verständnis des Korans sein.

Die eigentliche Bedeutung

Vier: Nachdem Sie sich die unmittelbare wörtliche Bedeutung angeeignet haben, bemühen Sie sich nach Kräften, sie so zu verstehen, wie die ersten Zuhörer des Korans sie verstanden. Die wörtliche Bedeutung zu verstehen, mag vielleicht leicht sein. Doch 1.400 Jahre später ist es eine schwierige und komplexe Aufgabe, die ursprüngliche Bedeutung in einem anderen zivilisatorischen und sozialen Kontext zu erfassen. Dies ist nicht der Ort, die Schwierigkeiten zu erörtern. Es wurde lediglich zur Vorsicht erwähnt.

Übersetzung im gegenwärtigen Kontext

Fünf: Ihre nächste Aufgabe besteht darin, zu versuchen, den Koran im Kontext Ihrer eigenen Situation zu lesen und zu verstehen. Auch dies ist eine ebenso wichtige Aufgabe wie die Bestimmung der ursprünglichen Bedeutung. Besonders wichtig ist, dass Sie nicht in die Falle geraten, den Koran entsprechend Ihren eigenen Vorstellungen zu lesen. Es ist wiederum nicht möglich, die komplexen Probleme der Auslegung hier zu erörtern. Doch es handelt sich um eine Aufgabe, die Sie weder missachten noch umgehen dürfen. Wenn Sie einem grundlegenden Prinzip Aufmerksamkeit schenken und es beobachten, nähern Sie sich dem Koran mit offenem Geist und sehen davon ab, das, was Sie denken, ohne Weiteres als richtig anzuerkennen. Denn dies ist eine Falle, die Sie vermeiden sollten. Statt sich auf komplizierte rechtliche und ethische Fragen zu konzentrieren, sollten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf die für Ihr Leben wesentlichen Botschaften richten. Es kann möglich und bisweilen sogar notwendig sein, die Sichtweise des Korans zu den Begriffen, Auslegungen und Umständen unserer gegenwärtigen Zeit aufzuzeigen. Dabei müssen Sie jedoch äußerst wachsam und bewusst darauf achten, dass die ursprüngliche Bedeutung und die ursprüngliche Terminologie unter keinen Umständen verloren gehen.

Irrelevante Bedeutung

Sechs: Widmen Sie sich nicht der Entdeckung entfernter, schwer erdachter, bildhafter und verborgener Bedeutungen, die gewöhnliche Menschen nicht verstehen. Sie brauchen nicht über eine Bedeutung nachzudenken, die weder mit Ihrem Leben noch mit der Lebensweise der Gläubigen in der Frühzeit des Korans verbunden war.

Die Ebene von Wissen und Weisheit

Sieben: Versuchen Sie, die Bedeutung auf der Ebene des Wissens und der Weisheit zu verstehen, über die Sie verfügen. Vergessen Sie jedoch nicht die Wissensebene, auf der sich die ersten Zuhörer befanden, damit Sie nicht vom rechten Weg abkommen. Beginnen Sie nicht, im Koran lediglich Ihr eigenes Wissen zu lesen.

Das gegenwärtige menschliche Wissen

Acht:Es besteht kein Zweifel daran, dass jeder Einzelne sein eigenes Wissen einsetzen wird, um den Koran zu verstehen. Dieses Wissen muss jedoch den Maßstäben des Korans standhalten. Um in den verschiedenen aufgeworfenen Fragen Orientierung zu erhalten, sind moderne Maßstäbe erforderlich. Setzen Sie Ihr gesamtes Wissen und Ihre Vernunft dafür ein, den Koran zu verstehen. Stellen Sie den Koran jedoch niemals als Beleg für Ihr zeitgenössisches Wissen dar. Lassen Sie den Koran nicht Vorhersagen über sämtliche wissenschaftlichen Entdeckungen unserer Zeit machen. Seien Sie insbesondere gegenüber wissenschaftlichen Theorien vorsichtig, die wie veränderliche Sandkörner sind. Im Koran nach den Theorien Einsteins, Kopernikus’, Nietzsches oder Bergsons zu suchen, wäre ebenso falsch, wie es falsch war, dort nach den Theorien des Ptolemäus, Aristoteles’ und Platons zu suchen.

was Sie nicht verstehen

Neun:Im Koran gibt es viele Wörter und Sätze, deren Bedeutung Sie trotz vieler Bemühungen nicht verstehen können werden. Das wird entweder daran liegen, dass Ihnen ausreichendes Wissen fehlt, oder daran, dass die betreffende Stelle sehr schwierig ist. Notieren Sie in einer solchen Situation die Schwierigkeit und wenden Sie sich dem weiteren Studium zu. Verschwenden Sie keine Zeit damit, ein Problem zu lösen, das Ihre Fähigkeiten letztlich überfordern würde.

Das Leben des Gesandten (s.)

Kommen Sie dem Propheten (s.), der den Koran als Erster von Allah empfangen hat, so nahe wie möglich, um den Koran zu verstehen und zu verinnerlichen. Sein Leben ist das getreue Abbild der Bedeutung und Botschaft des Korans, ein Zeichen sicherer Rechtleitung und die beste Auslegung. Das Leben des Gesandten (s.) ist ein lebendiger Koran. Wenn Sie den Koran sehen möchten, betrachten Sie statt des bloßen Lesens das Leben Muhammads (s.). Denn ʿĀʾischa (r.) sagte: „Sein Leben war nichts anderes als der Koran.“ Das Leben und der Charakter des Propheten (s.) werden Ihnen beim Verständnis des Korans weitaus hilfreicher sein als die berühmten Korankommentare von Ibn Kathīr, Ibn Ǧarīr, al-Kaššāf und ar-Rāzī. Um die Nähe zum Propheten (s.) zu erlangen, sollten Sie zunächst so viel wie möglich über sein Leben und seinen Charakter lesen. Auch wenn sich keine vollständige Darstellung seiner Lebensgeschichte finden lässt, werden Sie im Koran die beste Beschreibung seines Charakters finden. Zweitens sollten Sie versuchen, seiner Sunna zu folgen. Dadurch werden Sie ihn tatsächlich verstehen können. Dann werden Sie den Koran verstehen können und Allah lieben, und Allah wird Sie lieben. (Āl ʿImrān 3:31)

7: Gemeinsames Studium

 

Bedeutung und Notwendigkeit

Um den Wissensschatz des Korans zu durchstreifen, müssen Sie sich einer Gemeinschaft des Forschens und Studierens anschließen oder sich an ihr beteiligen. Zweifellos werden Sie den Koran persönlich studieren. Wenn Sie sich jedoch anderen Gläubigen und Koranforschern als Mitlernende anschließen, werden Sie vielfach davon profitieren. Die Gemeinschaft wird Ihr Herz weit mehr erfreuen, und viele Menschen, die zusammenkommen, werden die Bedeutung besser und genauer verstehen können. Die Verantwortung und Mission der Religion, die der Koran uns auferlegt, sowie die Art, wie unser Leben sein sollte, können nur gemeinsam mit anderen verwirklicht werden. Nur indem Sie diese Mission erfüllen und tätig werden, können Sie würdig werden, den vollen möglichen Segen des Korans zu empfangen.

Bedeutsamerweise richtet sich die Ansprache des Korans fast immer an die Gemeinschaft. Von dem Augenblick an, als Muhammad (S) begann, Offenbarungen zu empfangen, traf er Vorkehrungen für den Aufbau einer auf dem Koran ausgerichteten Gesellschaft oder Gemeinschaft und widmete dieser Aufgabe jeden Augenblick seines Lebens. Unmittelbar auf den Aufruf „Lies!“ folgten die Anweisungen: „Steh auf!“, „Wache auf!“ und „Warne!“ Gleich nachdem der Befehl ergangen war, die Offenbarung aus dem Buch deines Herrn weiterzulesen, kam die Anweisung—

„O Prophet, trage vor, was dir aus dem Buch deines Herrn als Offenbarung eingegeben wurde. Niemand hat das Recht, Seine Worte abzuändern. Du wirst bei Ihm keine Zuflucht finden, um Ihm zu entkommen. Halte dein Herz im Umgang mit jenen standhaft, die morgens und abends ihren Herrn anrufen und Sein Wohlgefallen suchen.“ (Al-Kahf 18:27–28)

Diese Lehren des Korans stellen auf äußerst klare und nachdrückliche Weise einen Zusammenhang mit der Notwendigkeit her, eine geeinte und starke Gesellschaft zu bilden, die auf dem Koran gegründet ist.

Kein Gebet kann ohne die Rezitation des Korans vollständig sein, und ohne die Gemeinschaft ist das Gebet nicht vollständig, sofern kein triftiger Grund vorliegt. Wenn es nicht notwendig wäre, den Koran zu hören, ihn zu verstehen und tief über ihn nachzudenken, welchen Sinn hätte dann die Koranrezitation im Gebet? Auf diese Weise kann durch die gemeinschaftliche Anstrengung der fünf täglichen Gebete der Zweck der Koranrezitation im Gebet erfüllt werden. Auch die Verantwortung, die Botschaft oder die Worte des Korans der gesamten Menschheit zu übermitteln, ist untrennbar mit seiner Rezitation und einer angemessenen Auslegung verbunden. Wenn das Wort Tilāwa zusammen mit der arabischen Präposition „ʿalā“ verwendet wird, bedeutet es „kommunizieren“, „verkünden“, „Glauben hervorbringen“ und „lehren“. Die Tilāwa ist somit eine der grundlegenden Aufgaben des Prophetentums und folglich auch der Gemeinschaften der Propheten.

„O Allah! Sende zu ihnen einen Gesandten aus ihrer eigenen Mitte, der ihnen Deine Zeichen vorträgt, sie das Buch und die Weisheit lehrt und ihr praktisches Leben läutert und in Ordnung bringt. Wahrlich, Du bist der Allmächtige, der Allweise.“ (Al-Baqara 2:129)

„Wie Wir zu euch einen Gesandten aus eurer Mitte gesandt haben, der euch Unsere Zeichen vorträgt, euer Leben läutert und vervollkommnet, euch das Buch und die Weisheit lehrt und euch das bekannt macht, was euch unbekannt war.“ (Al-Baqara 2:151)

In der Sure al-Dschumuʿa wird das Versagen, Allahs Rechtleitung zu verstehen und das Leben danach zu führen, im Licht des Versagens bei der Teilnahme am Freitagsgebet nachdrücklich hervorgehoben; während des Freitagsgebets sind alle weltlichen Tätigkeiten verboten.

Der folgende Vers lenkt die Aufmerksamkeit auf das Rezitieren des Korans gegenüber der Familie und den Angehörigen des Haushalts.

„Denkt an die Verse Allahs und die weisen Worte, die euch in euren Häusern vorgetragen werden. Wahrlich, Allah ist feinfühlig und allkundig.“ (Al-Ahzab 33:34)

Gesegnet sind diejenigen, die zusammenkommen, um den Koran zu rezitieren und zu studieren. Denn Engel steigen zu ihnen herab und bringen ihnen Allahs unermessliche Barmherzigkeit. Allahs Gesandter (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte:

Wenn Menschen sich in einem Haus Allahs versammeln, um den Koran zu studieren und einander zu lehren, kommt Frieden über sie, sie finden Aufnahme im Schatten von Allahs Vergebung und Barmherzigkeit, die Engel bedecken sie mit ihren Flügeln, und Allah informiert alle in Seiner Umgebung über sie. (Muslim)

Daher sollten Sie sich nicht damit zufriedengeben, den Koran lediglich allein zu lesen und zu studieren. Suchen Sie vielmehr diejenigen auf, die sich für den Koran interessieren und nach Erkenntnis über ihn streben, und laden Sie sie ein, damit alle gemeinsam den Koran studieren können.

Gemeinsames Studium kann von zweierlei Art sein

Erstens: Eine kleine Gruppe kommt vorbereitet zum Studium zusammen, und jeder nimmt aktiv am Prozess der Koran-Schulung teil. Einer von ihnen verfügt über mehr Wissen und Erfahrung und leitet das Studium. Eine solche Form des Studiums können wir als Studienkreis bezeichnen.

Zweitens: Eine größere oder kleinere Gruppe versammelt sich und hört aufmerksam dem Vortrag eines gelehrten Mufassir zu. Die Teilnehmer stellen lediglich Fragen. Eine solche Form des Studiums können wir Dars, Vortrag oder Diskussion nennen.

Sie sollten wissen, wie man einen Studienkreis leitet und wie man einen Dars hält. Hier können wir eine allgemeine Orientierung geben. Es muss jedoch darauf hingewiesen werden, dass es dafür keinen festgelegten Maßstab und kein dauerhaft verbindliches Verfahren geben kann. Jeder muss seine eigene Methode weiterentwickeln, und sie wird von den jeweiligen Umständen, der verfügbaren Zeit und dem Umfeld jedes Einzelnen abhängen. Die folgenden Anweisungen hierzu sind lediglich Empfehlungen. Sie müssen entsprechend Ihren Bedürfnissen und Fähigkeiten angewandt werden.

Vier Grundprinzipien

Für den Erfolg jeder gemeinsamen Lerneinheit gibt es vier Grundsätze.

Erstens: Um Ihrer Verantwortung gerecht zu werden, müssen Sie stets alle erforderlichen Vorbereitungen treffen. Diese Aufgabe darf nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Die Vorbereitung muss bis zum letzten Augenblick fortgesetzt werden. Es reicht nicht aus, den Text nur hastig zu überfliegen. Sprechen Sie niemals über den Koran, ohne gründlich darüber nachgedacht zu haben. Es ist stets am besten, sich Notizen zu dem zu machen, was Sie studiert haben und sagen möchten.

Zweitens: Ganz gleich, ob Sie Lernender sind oder bereits einiges an Wissen erworben haben, ob Sie einen Dars halten oder an der Diskussion eines Studienkreises teilnehmen – in jedem Fall müssen Sie einen Plan für Ihr persönliches Studium des betreffenden Abschnitts gemäß dem besprochenen Vorgehen haben.

Drittens: Bewahren Sie stets eine aufrichtige und richtige Niyya. Ihre Aufrichtigkeit der Absicht ist unerlässlich, wenn es darum geht, den Koran zu verstehen, Ihr Leben danach auszurichten und Allahs Wohlgefallen zu erlangen.

Viertens: Studieren Sie den Koran nicht bloß zum Vergnügen, um Ihre intellektuelle Neugier zu befriedigen oder um zu argumentieren und zu diskutieren. Ihr Koranstudium muss Sie unbedingt dazu ermutigen, dem Koran zu folgen; außerdem müssen Sie darauf achten, dass Sie die Mission erfüllen können, die der Koran Ihnen übertragen hat.

Studienkreis

Die folgenden Regeln können Ihnen dabei helfen, das Gruppenstudium wirksam zu gestalten.

Teilnehmer

Erstens: Die Zahl der Teilnehmer kann zwischen 3 und 10 liegen. Sie sollten hinsichtlich ihres Wissens und ihrer intellektuellen Fähigkeiten gleichwertig oder annähernd gleichwertig sein. Sind es zu wenige, kann daraus ein Zwiegespräch werden. Sind es hingegen zu viele, kann die aktive Beteiligung aller erschwert werden.

Zweitens: Der Schwerpunkt muss stets auf der zentralen Botschaft, dem Inhalt sowie der Anleitung und den Lehren liegen, die daraus gewonnen werden sollen. Man darf sich niemals von einem noch so wunderbaren Inhalt hinreißen lassen, der im praktischen Leben keinerlei Nutzen hat.

Drittens: Alle Mitglieder müssen sich ihrer Ziele, ihrer Grenzen und des Vorgehens vollkommen bewusst sein.

Viertens: Die Mitglieder des Zirkels müssen dem Studium und seiner Umsetzung aufrichtig und hingebungsvoll verpflichtet sein. Dazu sind tiefe Konzentration und harte Arbeit erforderlich. Besonders wichtig sind regelmäßige Vorbereitung und Anwesenheit.

Fünftens: Sie müssen wissen, wie sie auf dem Weg des Korans voranschreiten und sich im Koran einen Weg bahnen können. Die Lektüre dieses Buches kann ihnen dabei in gewissem Maße helfen.

Sechstens: Sie sollten nicht wie Fremde sprechen. Vielmehr sollten sie als gläubige Brüder sprechen, die entschlossen sind, den Koran zu verstehen und zu befolgen.

Wie man vorgehen muss

Erstens: Ein Mitglied stellt zunächst ein Ergebnis seines Studiums vor, das heißt, was es nach dem Lesen eines bestimmten Abschnitts verstanden hat.

Zweitens: Die anderen nehmen dann an der Diskussion teil. Sie geben ausführlichere Erklärungen, bringen Korrekturen und Ergänzungen vor, stellen Fragen oder beantworten diese.

Drittens: Wenn alle Mitglieder studieren sollen, ist es hilfreich, wenn Sie im Voraus festlegen, wer die erste Diskussion präsentieren wird. Dadurch wird die Qualität der Präsentation besser. Oder Sie können irgendjemanden zur Diskussion oder Präsentation auffordern. Bei diesem Vorgehen werden alle aufmerksam bleiben und sich angestrengt bemühen.

Viertens: Wenn mindestens ein Mitglied über größere Kenntnisse verfügt und fähig und in der Lage ist, auf die Primärquellen zurückzugreifen, wird das sehr fruchtbar sein. Falls es der Diskussion des Hauptvortragenden an etwas mangelt, kann dieses Mitglied dies ergänzen. Es kann auch den Verlauf und das Tempo der Diskussion mitbestimmen.

Fünftens: Wenn jemand anwesend ist, der Erfahrung mit dem Koran hat, sollte er nicht gleich zu Beginn in die Diskussion eingreifen. Vielmehr sollte man den Teilnehmern erlauben, das zu sagen, was sie in der Diskussion sagen möchten. Wenn sich nach ihren Ausführungen zeigt, dass ihre Diskussion Fehler enthält, sollte man sie sehr höflich und freundlich darauf aufmerksam machen oder sie korrigieren beziehungsweise die eigenen Erfahrungen zu ihrer Diskussion hinzufügen. Seine Art zu diskutieren sollte nicht von Streit geprägt sein, sondern aus Beratung und Fragen bestehen.

Sechstens: Am Ende des Lesekreises sollte am besten eines der Mitglieder, der Leiter oder der Lehrer eine kurze Schlussfolgerung zu den umfassenden Inhalten der Diskussion ziehen. Es sollte erwähnt werden, was der zentrale Inhalt und die wesentliche Aussage der betreffenden Diskussion sind.

Dars

Ein Dars kann wirksam sein, wenn die folgenden Anweisungen befolgt werden.

Vorbereitung

Erstens: Sie müssen sich ein klares Bild von den Zuhörern machen. Sie müssen ihren Wissensstand, ihre Intelligenz, den Zustand ihres Iman, ihre Sorgen und Gedanken sowie ihre Bedürfnisse und Wünsche kennen.

Zweitens: Legen Sie den für den Dars bestimmten Abschnitt fest, indem Sie den Zustand der Zuhörer berücksichtigen und ihn vor Augen haben, anstatt sich danach zu richten, was Sie selbst gerne sagen möchten.

Drittens: Die Art Ihrer Präsentation, Ihre Sprache und Ihre Ausdrucksweise müssen der Eigenart der Zuhörer entsprechen.

Viertens: Bitten und beten Sie zu Allah, damit Sie den Zuhörern die wahrhaftige Botschaft des Qur’an vermitteln können.

Fünftens: Lesen Sie den Abschnitt und machen Sie sich Notizen. Was möchten Sie sagen? Wie und in welcher Reihenfolge möchten Sie es sagen? Wie möchten Sie beginnen und enden?

Sechstens: Sie müssen die Ihnen zur Verfügung stehende Zeit gebührend achten. Überschreiten Sie die Zeit unter keinen Umständen. Vielleicht haben Sie viele schöne Punkte oder Dinge zu sagen und verspüren auch den Wunsch, all dies vorzutragen. Doch denken Sie daran: Die Aufnahmefähigkeit Ihrer Zuhörer ist sehr gering und begrenzt. Sie mögen Ihre Gelehrsamkeit bewundern, aber sie werden von Ihnen nicht viel lernen können.

Viele lange Abschnitte können kurz dargelegt werden, während viele kurze Abschnitte ausführlich besprochen werden können. All dies hängt von einer Sache ab: von der Botschaft, die Sie im Kontext Ihres Studiums vermitteln möchten.

Siebtens: Sie müssen diesem Punkt volle Aufmerksamkeit schenken: Ihre Botschaft muss äußerst klar sein. In der Darlegung muss klar erkennbar sein, was Sie den Zuhörern zur Aufnahme und Umsetzung vermitteln möchten. Sie muss mit der Kernaussage des Abschnitts übereinstimmen, nicht mit dem, was Sie sich selbst wünschen.

Wie soll man es vermitteln?

Erstens: Sie haben nur zwei Ziele:

Erstens: Allahs Wohlgefallen zu erlangen, indem Sie Ihre Pflicht erfüllen, anderen Allahs Wort zu übermitteln. Zweitens: Allahs Botschaft im Quran klar und wirksam zu vermitteln.

Zweitens: Denken Sie daran, dass es vollständig von Allah abhängt, ob Ihre Darlegung die Zuhörer wirksam erreicht und ihre Herzen und Gedanken beeinflusst. Das bedeutet jedoch nicht, dass Sie von der Verantwortung entbunden sind, mögliche Antworten vorzubereiten, die Botschaft wirksam zu vermitteln, Allahs Botschaft für sie lebendig und bewegend zu machen und einen Bezug zu ihren Sorgen herzustellen.

Ihre Darlegung mag nicht auf hohem Niveau, besonders redegewandt oder rhetorisch brillant sein. Vielleicht ist sie ganz schlicht. Doch Ihre Absicht und Ihr Einsatz sind das Entscheidende.

Drittens: Zunächst werden Sie den Quran rezitieren und seine Übersetzung vortragen. Danach können Sie zur Erläuterung übergehen, indem Sie jeden Vers lesen oder nicht lesen und die Übersetzung wiederholen oder nicht wiederholen. Oder Sie können nach einer kurzen Einleitung einen Vers nach dem anderen beziehungsweise mehrere Verse gemeinsam erläutern. Welche Methode Sie anwenden, hängt von den Umständen und der verfügbaren Zeit ab.

Denken Sie daran, dass es nicht immer notwendig ist, zu Beginn den gesamten Abschnitt zu rezitieren, besonders wenn die Zeit knapp ist. Stattdessen können Sie diese Zeit darauf verwenden, eine Atmosphäre zu schaffen, in der die Zuhörerschaft Ihrer Darlegung aufmerksam zuhört.

Vier: Soweit wie möglich können Sie eine Kombination verschiedener Perspektiven verwenden, die sich auf jeden einzelnen Vers oder auf mehrere Verse beziehen. Wenn der Vers kurz und klar ist, können Sie ihn zunächst rezitieren und anschließend ausführlich erläutern. Vor und nach der Erläuterung können Sie die Kernaussage darlegen.

Was Sie unbedingt sicherstellen müssen, ist Folgendes: Jeder Zuhörer soll ein zusammenhängendes Gefühl der Einheit erfahren. Jede Aussage muss so dargelegt werden, dass zwischen dem Vorhergesagten und dem Folgenden ein Zusammenhang gewahrt bleibt.

Fünf: Am Ende der Besprechung müssen Sie unbedingt eine Zusammenfassung des zentralen Inhalts geben und hervorheben, welche lehrreiche Botschaft darin enthalten ist. Wenn Zeit bleibt, können Sie den gesamten Text oder auch nur die Übersetzung noch einmal vorlesen. Indem Sie zum Abschluss den Originaltext oder die Übersetzung vorlesen, können Sie Ihre Zuhörer in unmittelbaren Kontakt mit dem Koran bringen. So können sie selbst erfassen, was sie im Licht Ihrer Darlegung verstanden haben.

Sechs: Sie müssen stets darauf achten, dass nicht Sie sprechen, sondern der Koran. Für diejenigen, die die Sprache des Korans und den Überbringer seiner Botschaft kannten, war der Koran auch ohne jede Erläuterung oder Analyse wirksam. Das ist er bis heute. Sie können die Aussage des Korans nicht nur dadurch beeinträchtigen, dass Sie ihm übermäßig Ihre eigene Meinung auferlegen, sondern auch durch eine allzu lange und ausführliche Erklärung. Wenn Sie Ihre lange Erklärung und Analyse beendet haben, könnten Ihre Zuhörer bereits vergessen haben, was im Koran gesagt wurde. Kürzen Sie daher erstens Ihre Darlegung so weit wie möglich. Wenn sie zweitens aus notwendigem Grund länger ausfallen muss, sollten Sie so oft wie möglich zum Originaltext zurückkehren. Keinesfalls darf eine Distanz zwischen Ihren Zuhörern und dem Koran entstehen – weder in Bezug auf die Bedeutung noch in Bezug auf das Hören.

Sieben: Gestalten Sie Ihre eigene Erläuterung nach dem Stil des Korans. Das könnte ein wirksames Mittel sein, um den Erfolg sicherzustellen.

Das mag Ihnen zunächst sehr schwierig erscheinen. Doch je näher Sie dem Koran allmählich kommen, ihn immer wieder lesen und auswendig lernen, desto mehr wird er zu einem Bestandteil Ihres eigenen Stils.

Sie müssen unbedingt daran denken, dass der koranische Darstellungsstil einige Merkmale aufweist: Erstens richtet sich der Appell des Korans sowohl an die Vernunft als auch an die Gefühle. Zweitens ist der Koran kurz, präzise, unmittelbar, persönlich und dazu geeignet, Erinnerungen zu wecken. Drittens stellt der Koran seine Zuhörer vor Entscheidungen und Wahlmöglichkeiten und weckt in ihnen den Antrieb zum Handeln. Viertens ist seine Sprache so kraftvoll, dass die Botschaft des Korans tief in Ihr Inneres eindringt. Fünftens sind seine Argumente so gestaltet, dass die Zuhörer sie verstehen können. Der Koran nimmt Beispiele aus ihrem täglichen Leben und findet darin stets einen Widerhall. Er ist weder abstrakt und rein rational noch abgehoben.

Acht: Tragen Sie keine abstrakten Aussagen vor. Und zerstören Sie nicht die dynamische Wirkung des Korans zugunsten einer Verfremdung und Systematisierung. Eine richtige Auffassung und eine wissenschaftliche Darlegung sind jedoch für die Vermittlung der zentralen Botschaft des Korans äußerst wichtig, sofern sie in einer einfachen und klaren Sprache so präsentiert werden, dass die Zuhörer sie verstehen können. Der Aufruf zum Handeln und die Verpflichtung dazu müssen unbedingt wesentliche Bestandteile Ihres Dars sein. Ob es sich um Natur oder Geschichte, um eine Mitteilung, Erklärung, einen Dialog oder eine Rede handelt – in jedem Fall sollte es einen Appell zur Reaktion, einen Aufruf zum Voranschreiten, einige Entscheidungen sowie Hinweise auf bestimmte Handlungen und Schritte geben.

Neun: Verwenden Sie den Koran nicht dazu, Ihre eigenen Ansichten darzulegen. Entwickeln Sie sich vielmehr zu einem Verkünder oder Ausleger des Wortes Allahs.

Zehn: Lassen Sie den Koran in die Herzen Ihrer Zuhörer eindringen, lassen Sie ihn in ihren Herzen seinen Platz finden. Lassen Sie ihn Ihr Verständnis, Ihre Liebe, Ihre Dankbarkeit und Ihre Sorge erhellen. Danach sollte Ihr Dars streben.

Elf: Sie müssen stets aufmerksam auf die Reaktionen Ihrer Zuhörer achten. Wenn Sie den Eindruck haben, dass ein bestimmtes Argument Ihre Zuhörer nicht anzieht oder sie nicht zu begeistern vermag, können Sie es, wie wertvoll es auch sein mag, kürzen oder fallen lassen. Je nach Situation oder wenn es die Erfordernisse nahelegen, können Sie jederzeit neue Inhalte oder einen neuen Stil einbringen.

8: Nach dem Koran leben

Gehorsam gegenüber dem Koran

Wenn Sie Ihr Leben nicht von Anfang an durch Ihre vollständige Hingabe an Allah gemäß dem von Allah gegebenen Koran neu gestalten und verändern, wird die Koranlektüre Ihnen keinen Nutzen bringen; vielmehr kann sie Schaden und Not verursachen. Ohne den festen Willen und das ernsthafte Bemühen, danach zu handeln, werden Ihnen weder die Empfindungen des Herzens und der Seele noch Gefühlsüberschwang oder intellektueller Reichtum etwas nützen. Wenn sich kein Einfluss des Korans in Ihrem Handeln zeigt, wenn Sie die Anweisungen des Korans nicht befolgen und das von ihm Verbotene nicht meiden, können Sie keine Nähe zum Koran erlangen.

Auf jeder Seite des Korans findet sich ein Aufruf zur Hingabe, zur Veränderung und zum Handeln. Auf jeder Stufe wird der Leser vor Entscheidungen und Verpflichtungen gestellt. Diejenigen, die dem Aufruf des Korans nicht folgen und es versäumen, sich Allah zu unterwerfen, werden als Kafir, Zalim und Fasiq bezeichnet (al-Māʾida 5:44–47).

Diejenigen, denen dieses große Wort Allahs gegeben wurde, es aber weder verstehen noch danach handeln, werden mit Eseln verglichen, die Lasten tragen, aber nicht wissen, was sie tragen, und daraus keinen Nutzen ziehen können. Sie sind jene Unglückseligen, gegen die der Gesandte Allahs am Tag des Gerichts Anklage erheben wird:

„O mein Allah, mein Volk hat diesen Koran zum Gegenstand des Spottes gemacht.“ (al-Furqan 25:30)

Den Koran zu meiden, ihn aufzugeben und beiseitezulegen bedeutet, ihn nicht zu lesen, ihn nicht zu verstehen, das Leben nicht nach ihm auszurichten und ihn als irrelevant und als etwas Vergangenes zu betrachten.

Der Gesandte (s.a.w.) hat großen Nachdruck darauf gelegt und dazu aufgefordert, sich an den Koran zu halten.

Unter den Lesern des Korans wird es viele Heuchler aus meiner Umma geben. (Ahmad)

Derjenige ist wahrlich kein Gläubiger, der das für erlaubt hält, was der Koran für verboten erklärt hat. (at-Tirmidhi)

Lies den Koran, damit du die Fähigkeit erlangst, dich von verbotenen Handlungen fernzuhalten. Wenn er dich nicht von verbotenen Handlungen abhält, musst du verstehen, dass du den Koran in Wahrheit gar nicht gelesen hast. (at-Tabarani)

Für die Gefährten des Gesandten (s.a.w.) bedeutete das Erlernen des Korans, den Koran zu lesen, tief über ihn nachzudenken und seine Lehren in die Praxis umzusetzen.

Es wird überliefert:

Diejenigen, die sich dem Studium des Korans widmeten, sagten, dass Menschen wie Hazrat Uthman ibn Affan, Abdullah ibn Affan und Abdullah ibn Masud (möge Allah mit ihnen zufrieden sein), die einmal zehn Verse gelernt hatten, nicht weitergingen, bis sie diese verstanden und in ihrem Leben umgesetzt hatten. Sie sagten, dass sie den Koran und das Wissen gleichzeitig erlernt hätten. Auf diese Weise benötigten sie oft Jahre, um nur eine einzige Sure zu lernen. (Al-Itqan fi Ulum al-Quran, as-Suyuti)

Al-Hasan al-Basri sagte: Du hast die Nacht wie ein Kamel genommen, auf dem du reitest, um die verschiedenen Ebenen des Korans zu durchqueren. Diejenigen, die vor dir waren, betrachteten ihn als das Wort ihres Herrn. In der Nacht dachten sie darüber nach, und am Tag lebten sie danach. (Yahya)

Das Studium des Korans sollte den Glauben in deinem Herzen stärken, und dieser Glaube wird deinem Leben eine besondere Gestalt verleihen. Es handelt sich nicht um einen schrittweisen, in einzelne Abschnitte geteilten Prozess, bei dem du die ersten Jahre mit dem Lesen des Korans verbringst, danach einige Jahre darauf verwendest, ihn zu verstehen und den Glauben zu stärken, und ihn erst dann umsetzt. Das Ganze ist ein einziger Prozess. Alles geschieht gleichzeitig. Wann immer du den Koran hörst oder rezitierst, entzündet er den Glauben in deinem Inneren. Und sobald der Glaube in deinem Herzen entsteht, beginnt die Veränderung in deinem Leben.

Was du unbedingt bedenken musst, ist Folgendes: Die Voraussetzung dafür, gemäß dem Koran zu leben, besteht darin, eine grundlegende Entscheidung für dein Leben zu treffen. Ganz gleich, welche Denkweise dich umgibt, was deine Gesellschaft dir auch vorschreibt oder was andere tun mögen – du musst den Verlauf deines Lebens vollständig ändern. Diese Entscheidung erfordert ein sehr großes Opfer. Solange du als jemand, der an den Koran als das Wort Allahs glaubt, nicht bereit bist, Opfer zu bringen, werden die Ergebnisse nicht sehr gut sein, ganz gleich, wie viel Zeit du mit dem Koran verbringst.

Von Anfang an, bereits beim ersten Schritt, wird deutlich gemacht, dass der Koran nur für diejenigen eine Rechtleitung ist, die bereit sind, sich vor dem Schaden des Ungehorsams gegenüber Allah zu bewahren, die sich vor Allahs Missfallen schützen wollen und das Ende fürchten; sie sind die Muttaqi (Al-Baqara 2:1–5). Der Koran erkennt keinen Gegensatz zwischen Wissen und Handeln sowie zwischen Iman und guten Taten an.

Die Vollendung der koranischen Mission

Ein wesentlicher und wichtiger Aspekt eines Lebens gemäß dem Koran besteht darin, die Botschaft des Korans den Menschen in deinem Umfeld zu übermitteln. Tatsächlich erkannte der Prophet Muhammad (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) in dem Augenblick, als die erste Offenbarung auf ihn herabgesandt wurde, die wichtige Verantwortung und Pflicht, sie seinem Volk zu übermitteln. Die zweite Offenbarung kam mit der Anweisung: „Erhebe dich und warne!“ (Al-Muddaththir 74:2). Danach wurde dem Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu verschiedenen Zeitpunkten klargemacht, dass es seine grundlegende Verantwortung und die Mission seines Lebens war, den Koran anderen mitzuteilen, ihn sie hören zu lassen und ihn zu erklären. (Al-An’am 6:19, Al-Furqan 25:1, Al-An’am 19:97, Al-A’raf 7:157).

Als seine Anhänger und als Besitzer des Buches Allahs wurde uns ebenfalls dieselbe Verantwortung und Mission übertragen. Den Koran zu lesen bedeutet, verpflichtet zu sein, ihn anderen mitzuteilen; den Koran zu hören bedeutet, ihn andere hören zu lassen. Wir müssen ihn der Menschheit unbedingt mitteilen, und der Koran darf nicht verborgen gehalten werden.

„Erinnere diese Leute der Schrift an das Versprechen, das Allah ihnen abgenommen hat: Ihr müsst die Lehren und die Botschaft der Schrift unter den Menschen verbreiten und dürft sie nicht verheimlichen. Doch sie haben die Schrift hinter sich geworfen und sie für einen geringen Preis verkauft. Wie schlecht ist doch, was sie tun!“ (Āl ʿImrān 3:187)

Wenn sich in deinem Herzen und in deiner Hand eine Lampe befindet, wird sie gewiss Licht verbreiten. Wenn sich in deinem Inneren Feuer befindet, wird es gewiss aufflammen. Diejenigen, die dies wegen eines geringen weltlichen Vorteils nicht tun, füllen in Wirklichkeit ihre Bäuche mit Feuer.

„Wahrlich, diejenigen, die die Gebote und Verbote des von Allah gegebenen Buches verheimlichen und es für einen geringen weltlichen Vorteil preisgeben, füllen in Wirklichkeit ihre Bäuche mit Feuer. Am Tag der Auferstehung wird Allah niemals mit ihnen sprechen und sie auch nicht für rein erklären. Für sie ist eine schmerzhafte Strafe bestimmt.“ (Al-Baqara 2:174) Und sie verdienen Allahs Fluch:

„Diejenigen, die unsere offenbaren Leitbilder und unsere Lebensordnung verheimlichen, obwohl Wir sie in Unserem Buch für die Rechtleitung aller Menschen deutlich dargelegt haben – wisse gewiss: Allah verflucht sie, und auch alle anderen, die Flüche aussprechen, schleudern ihnen ihren Fluch entgegen.“ (Al-Baqara 2:159)

Bis sie ihre Verantwortung erfüllen:

„Außer denjenigen, die von diesem unerwünschten Verhalten ablassen, ihr Handeln verbessern und beginnen, das offenzulegen, was sie verheimlicht hatten. Ihnen werde Ich vergeben. Wahrlich, Ich bin Allvergebend, nehme die Reue an und bin barmherzig.“ (Al-Baqara 2:160)

Wenn sie jedoch in diesem Zustand sterben, werden sie von allen verflucht sein:

„Auf diejenigen, die den Unglauben angenommen haben und im Zustand des Unglaubens sterben, wird der Fluch Allahs, der Engel und aller Menschen kommen.“ (Al-Baqara 2:161)

Allah wird sie nicht einmal ansehen:

„Diejenigen aber, die ihre Verpflichtungen und ihre Eide für einen geringen, wertlosen Preis verkaufen, werden im Jenseits keinen Anteil haben. Am Tag der Auferstehung wird Allah weder mit ihnen sprechen noch sie ansehen noch sie läutern; vielmehr erwartet sie eine harte, schmerzhafte Strafe. (Āl ʿImrān 3:77)

Blickt auf euch selbst, blickt auf die heutigen Muslime. Warum verändert sich unsere Lage nicht, obwohl Millionen von Menschen Tag und Nacht den Koran rezitieren? Entweder lesen wir den Koran und verstehen ihn nicht, oder, wenn wir ihn verstehen, nehmen wir ihn nicht an und handeln nicht entsprechend. Oder wir lesen ihn vollständig und befolgen nur einen Teil davon; dann machen wir uns des schwersten Verbrechens schuldig: ihn zu verbergen und sein Licht nicht vor die Menschen der Welt zu bringen.

„Unter ihnen gibt es eine weitere Gruppe, die ungebildet ist und keinerlei Wissen über Allahs Buch besitzt. Ihre einzige Grundlage sind haltlose Hoffnungen, Wünsche und Begierden, und sie lassen sich von unbegründeten Vorstellungen und Überzeugungen leiten. Gewiss ist daher der Untergang jener Menschen, die mit eigenen Händen Vorschriften der Scharia verfassen und dann den Leuten sagen, dass sie dafür einen geringen Vorteil erlangen werden. In Wahrheit ist gerade das, was ihre Hände geschrieben haben, die Ursache ihres Untergangs, und alles, was sie dadurch erwerben, ist ein Mittel zu ihrem Untergang.“ (Al-Baqara 2:77–78)

„Glaubt ihr also an einen Teil des Buches und leugnet einen anderen Teil? Wisst, dass diejenigen unter euch, die sich so verhalten, keine andere Strafe verdienen, als dass sie im diesseitigen Leben gedemütigt und erniedrigt werden und im Jenseits in die härteste Strafe geworfen werden. Allah ist keineswegs unwissend über das, was ihr tut.“ (Al-Baqara 2:85)

Es besteht für uns nicht der geringste Zweifel daran, dass unsere Verpflichtung gegenüber dem Koran nicht erfüllt werden kann, solange wir uns nicht zu der wichtigsten Verantwortung verpflichten, die uns durch das Studium des Korans auferlegt wurde: als Zeugen des Korans Zeugnis abzulegen. Die Schande, Ehrlosigkeit, Demütigung und Rückständigkeit, die zu unserem Schicksal geworden sind, haben ihren einzigen Grund in unserem Verhalten gegenüber dem Koran und seiner Mission.

Durch dieses Buch wird Allah einige Menschen ehren und andere erniedrigen. (Muslim)

Wie gut wäre es doch gewesen, wenn sie die Tora, das Evangelium und die anderen Bücher, die Allah ihnen herabgesandt hat, befolgt hätten; dann wäre ihnen Versorgung vom Himmel und von der Erde zuteilgeworden. (Al-Māʾida 5:66)

Wie viel Wissen wir uns auch über den Koran aneignen mögen: Solange wir uns nicht nach ihm richten, werden wir nicht erfolgreich darin sein, seine vollständige Bedeutung und seine richtige Tragweite zu verstehen und zu entdecken. Der Prophet Allahs (s.a.w.) sagte zu seinen edlen Gefährten:

Unter euch wird es Menschen geben, deren Gebet ihr mit eurem Gebet, deren Fasten ihr mit eurem Fasten und deren gute Taten ihr mit euren guten Taten vergleichen werdet, sodass ihr euch selbst als sehr gering ansehen werdet. Sie werden den Koran lesen, aber er wird nicht über ihre Kehlen hinausdringen. (Buchari)

Sich zu unterwerfen und sich danach zu richten, dient nicht nur dazu, die eigentliche Mission des Korans zu erfüllen. Es ist ein sicherer Schlüssel zum Verständnis des Korans. Die Bedeutung, die Sie durch die Befolgung der Anweisungen des Korans entdecken können, lässt sich nicht allein durch Nachdenken erschließen. Dann werden Sie den Koran unmittelbar erfahren können. Darüber schrieb Sayyid Abul A’la Maududi (r.h.) in unvergesslichen Worten, die niemals vergessen werden können.

„Doch trotz all dieser Bemühungen, den Koran zu verstehen, kann niemand mit dem innersten Wesen des Korans vollständig vertraut werden, solange er nicht tatsächlich und praktisch das tut, wozu der Koran mit seinen Geboten und Anweisungen auffordert. Er ist nicht bloß ein Buch über eine Weltanschauung und eine Denkweise. Deshalb kann man nicht erwarten, alle seine Aussagen zu verstehen, wenn man dieses Buch bequem im Lehnstuhl liest. Nach dem in der Welt verbreiteten religiösen Denken ist er nicht bloß eine religiöse Schrift. Es ist nicht möglich, alle seine Geheimnisse und tiefen Wahrheiten zu erfassen, indem man in einer Madrasa oder einer Chānaqāh sitzt. In der Einleitung wurde bereits gesagt, dass er ein Buch der Daʿwa und der Bewegung ist. Er kam und führte einen stillen, aufrichtigen und wahrheitsliebenden Menschen aus dem abgeschiedenen und einsamen Bereich des Lebens heraus und stellte ihn der Allah feindlichen Welt gegenüber. Er verlieh seiner Stimme den kraftvollen Klang des Protests gegen das Falsche. Er verwickelte ihn in einen heftigen Kampf gegen die Bannerträger des Unglaubens, der Frevelhaftigkeit und der Irreführung seiner Zeit. Er suchte charaktervolle Menschen aus jedem Haushalt hervor und versammelte sie unter dem Banner des Rufers zur Wahrheit. Er brachte die Unruhestifter und Urheber von Unheil in jedem Gebiet des Landes auf und erregte sie, sodass sie gegen die Anhänger der Wahrheit Krieg führten. Ausgehend vom Ruf eines einzigen Menschen leitete dieses Buch volle dreiundzwanzig Jahre lang, bis zur Errichtung des göttlichen Kalifats, diese große und gewaltige islamische Bewegung. Während dieses langen und zermürbenden Kampfes zwischen Wahrheit und Falschheit lehrte es auf jeder Etappe und an jedem Abschnitt einerseits die Methoden des Niederreißens und legte andererseits den Plan zum Aufbau vor. Sagen Sie nun: Wenn Sie überhaupt nicht am Kampf zwischen Islam und Dschāhilīya sowie zwischen der Religion und dem Unglauben teilnehmen, wenn es Ihnen nicht vergönnt ist, die Etappen dieses Konflikts und dieser Auseinandersetzung zu durchlaufen – wie sollten sich dann allein durch das Lesen der Worte des Korans all seine Wahrheiten vor Ihnen enthüllen?“

Den Koran vollständig zu begreifen ist erst dann möglich, wenn Sie selbst mit der Botschaft des Korans aufstehen, beginnen, die Menschen zu Allah zu rufen, und Ihre Schritte so setzen, wie dieses Buch den Weg weist. Erst dann werden Sie in der Lage sein, die Erfahrungen aus der Zeit der Offenbarung des Korans zu erlangen. Sie werden auch die Etappen von Makka, Abessinien (dem heutigen Äthiopien) und Tāʾif sehen. Die Etappen von Badr und Uhud bis hin zu Hunain und Tabuk werden vor Ihnen erscheinen. Sie werden Abu Dschahl und Abu Lahab gegenübertreten. Sie werden auch Munāfiqūn und Juden begegnen. Vom hingebungsvollen Muʾmin der Frühzeit des Islam bis zum schwachen Muʾmin werden Sie allen begegnen. Dies ist eine Art von „Übung“; ich nenne sie „koranische Übung“. Auf diesem Übungsweg entfaltet sich ein einzigartiges Bild. Während Sie die verschiedenen Etappen durchlaufen, werden in jeder einzelnen Etappe von selbst einige Verse und Suren des Korans vor Ihnen erscheinen. Sie werden Ihnen sagen: In dieser Etappe wurden wir offenbart und dort brachten wir diese Bestimmungen. Zu jener Zeit mögen einige Erkenntnisse aus der Lexik, Grammatik und Rhetorik dem Übenden verborgen bleiben; doch dass der Koran zögern könnte, ihm sein innerstes Wesen zu eröffnen, ist niemals möglich. Nach dieser allgemeinen Regel wird der Mensch die Bestimmungen des Korans, seine moralischen Lehren, seine wirtschaftlichen und kulturellen Vorschriften sowie die von ihm aufgestellten Grundsätze, Regeln und Gesetze für die verschiedenen Seiten und Bereiche des Lebens ebenfalls nicht verstehen können, solange er sie nicht tatsächlich in seinem eigenen Leben umsetzt. Wer in seinem persönlichen Leben dem Koran nicht folgt, kann ihn nicht verstehen. Ebenso kann ein Volk, dessen gesamte gesellschaftlichen Einrichtungen nicht dem vom Koran beschriebenen Weg und Handlungsprinzip folgen, mit ihm nicht vertraut werden.

Was der Gesandte (r.a.) ausdrücklich las oder hervorhob

Im Heiligen Koran gibt es einige Suren und Verse, von denen berichtet wird, dass der Prophet (s.a.w.) diese Suren und Verse in bestimmten Gebeten oder unter besonderen Umständen häufig rezitierte oder sie besonders hoch pries, indem er ihre wunderbaren Eigenschaften und Vorzüge erläuterte. Er pries diese Suren und Verse besonders hoch, indem er ihre wunderbaren Eigenschaften und Vorzüge erläuterte. Sie sollten diese Suren und Verse kennen.

Der folgende Hadith wird nicht angeführt, um zu beweisen, dass ein Teil des Korans besser sei als ein anderer. Sie sollten nicht den übrigen Teil des Korans vernachlässigen und sich stattdessen darauf beschränken, diesen bestimmten Teil zu lesen oder auswendig zu lernen. Diese ausgewählten Teile sind deshalb notwendig, weil es niemandem möglich ist, alles täglich auswendig zu lernen und zu rezitieren. Außerdem kann sich jemand gewöhnlich daran gewöhnen, regelmäßig einen bestimmten Teil zu lesen. Was könnte besser sein, als dem Gesandten (s.a.w.) zu folgen und auf die von ihm versprochene Belohnung zu hoffen?

Es ist sehr wichtig, daran zu denken, dass der Gesandte () es gewohnt war, den gesamten Koran im Monat Ramadan mindestens einmal zu rezitieren. In den nächtlichen Gebeten rezitierte er auch lange Abschnitte wie die Suren al-Baqara und Āl ʿImrān in nur einer Rakʿa.

Was der Gesandte (s.a.w.) in verschiedenen Gebeten zu rezitieren pflegte

Von Dschābir ibn Samura (r.a.) wird überliefert, dass der Gesandte (s.a.w.) die Sure Qāf (50) und ähnliche Suren zu rezitieren pflegte. (Muslim)

Er rezitierte die Sure al-Wāqiʿa (56). (at-Tirmidhi)

ʿAmr ibn Hurais (r.a.) sagte: Ich hörte ihn die Sure at-Takwīr (81) rezitieren. (Muslim)

ʿAbdullah ibn as-Sāʾib (r.a.) sagte: Als er sich in Mekka aufhielt, rezitierte er bis zum fünfundvierzigsten oder fünfzigsten Vers der Sure al-Muʾminūn. (Muslim)

Abū Huraira (r.a.) sagte, dass er die Suren al-Kāfirūn (109) und al-Ichlāṣ (112) zu rezitieren pflegte. (Muslim)

ʿUqba ibn ʿĀmir (r.a.) sagte, dass er die Suren al-Falaq (113) und an-Nās (114) zu rezitieren pflegte. (Ahmad, Abū Dāwūd)

Abdullah ibn Abbas (Allahs Wohlgefallen sei ihm) sagte: Er rezitierte Teile aus der Sure al-Baqara (2:136) und der Sure Āl ʿImrān (3:64). (Muslim)

Es wird überliefert, dass Abu Bakr (Allahs Wohlgefallen sei ihm) die Sure al-Baqara rezitierte. (al-Muwaṭṭaʾ)

Uthman ibn Affan (Allahs Wohlgefallen sei ihm) rezitierte häufig die Sure Yusuf (12). (al-Muwaṭṭaʾ)

Umar ibn al-Khattab (Allahs Wohlgefallen sei ihm) rezitierte die Sure Yusuf (12) und die Sure al-Hadsch (22).

Umar (Allahs Wohlgefallen sei ihm) schrieb Abu Musa (Allahs Wohlgefallen sei ihm), er solle die Tiwāl al-Mufaṣṣal, das heißt von der Sure Muhammad (47) bis zur Sure al-Burudsch, rezitieren. (at-Tirmidhi)

Abu Huraira (Allahs Wohlgefallen sei ihm) sagte: In den zwei Gebetseinheiten vor dem Fadschr-Gebet rezitierte der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) die Sure al-Kafirun und die Sure al-Ichlas. (Ibn Madscha)

Das Fadschr-Gebet

Abu Huraira (Allahs Wohlgefallen sei ihm) sagte: Im Fadschr-Gebet am Freitag rezitierte er in der ersten Gebetseinheit die Sure as-Sadschda (32) und in der zweiten die Sure ad-Dahr (76).

Zuhr- und Asr-Gebet

Nach der Überlieferung von Hazrat Dschabir ibn Samura (r.a.) pflegte er im Zuhr- und Asr-Gebet die Sure al-Lail (92) und einer anderen Überlieferung zufolge al-Aʿla (87) zu rezitieren. (Muslim)

Der Überlieferung Dschabir ibn Samuras zufolge rezitierte der Gesandte (s.a.w.) die Suren al-Burudsch (85), at-Tariq (86) und ähnliche Suren.

Hazrat Umar (r.a.) schrieb an Abu Musa (r.a.): »Lies den mittleren Teil der Mufassal-Suren, also von der Sure al-Burudsch (85) bis zur Sure al-Bayyina (98).« (Tirmidhi)

Maghrib-Gebet

Umm al-Fadl (r.a.) sagt: »Im Maghrib-Gebet hörte ich den Gesandten (s.a.w.) die Sure al-Mursalat (77) rezitieren.« (Buchari, Muslim)

Dschabir ibn Mutʿim sagt: »Ich hörte ihn die Sure at-Tur (52) rezitieren.« (Buchari, Muslim)

Abdullah ibn Umar (r.a.) sagt: »Er pflegte al-Kafirun (109) und al-Ichlas (112) zu rezitieren.« (Ibn Madschah) Dschabir ibn Samura (r.a.) sagt: »Insbesondere in der Freitagnacht.« (Scharh as-Sunna)

Abdullah ibn Utba (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: Er rezitierte die Sure ad-Duchan. (an-Nasa’i)

Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) sagte: Er rezitierte die Sure al-A’raf (7). (an-Nasa’i)

Abdullah ibn Masʿud (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: In den beiden Rakʿa nach dem Maghrib-Gebet rezitierte er die Sure al-Kafirun (109) und al-Ichlas (112). (at-Tirmidhi)

Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) schrieb an Abu Musa (möge Allah mit ihm zufrieden sein): „Rezitiere die kurzen Mufassal-Suren, das heißt von der Sure al-Bayyina (98) bis an-Nas (114).“ (at-Tirmidhi)

Das Ischa-Gebet

Dschabir (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: Er wies Muʿadh ibn Dschabal an, die Sure asch-Schams (91), ad-Duha (93), al-Lail (92), al-Aʿla (87) sowie Suren zu rezitieren, die länger als die Sure al-Baqara waren. (al-Buchari, Muslim)

Al-Bara (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: Ich hörte ihn die Sure at-Tin (95) rezitieren. (al-Buchari, Muslim)

Das Freitagsgebet und das Eid-Gebet

Hadhrat Abu Huraira (ra) sagte: Beim Freitagsgebet hörte ich ihn in der ersten Rakʿa die Sure al-Dschumʿa (62) und in der zweiten Rakʿa die Sure al-Munāfiqūn (63) rezitieren. (Muslim)

Hadhrat Nuʿmān ibn Baschīr (ra) sagte: Der Gesandte (sas) rezitierte sowohl im Freitags- als auch im Festgebet die Sure al-Aʿlā (87) und al-Ghāschiya (88); und wenn Freitag und Fest auf denselben Tag fielen, rezitierte er in beiden Gebeten dieselben Suren. (Muslim)

Hadhrat Wāfiq al-Laithī (ra) sagte: Er rezitierte beim Fest des Opferns und beim Fest des Fastenbrechens die Sure Qāf (50) und die Sure al-Qamar (54). (Muslim)

9: Was der Prophet (sas) zu verschiedenen Zeiten rezitierte

Tahadschdschud

Hadhrat ʿAbdullāh ibn ʿAbbās (ra) sagte: Nachdem er aus dem Schlaf erwacht war, blickte er zum Himmel und rezitierte von „Innā fī khalqis …“ bis zum Ende der Sure (Āl ʿImrān 3:190–200; Buchārī).

Morgens und abends

Hadhrat ʿAbdullāh ibn az-Zubair (ra) sagte: Rezitiere morgens und abends jeweils dreimal die Sure al-Ichlās (9112), al-Falaq (113) und an-Nās (114). Das genügt dir für jedes Anliegen. (Tirmidhī, Abū Dāwūd)

Hadhrat Abu Huraira (ra) sagte: Wer am Morgen Ayat al-Kursi und Ha-Mim al-Masir (al-Mu’min 40:2–3) rezitiert, den wird Allah bis zum Abend beschützen; und wer sie am Abend rezitiert, den wird Allah bis zum Morgen beschützen. (Tirmidhi).

Hadhrat Maqil ibn Yasar (ra) sagte: Wenn jemand am Morgen die letzten drei Verse der Sure al-Haschr (59:22–24) rezitiert, bitten 70.000 Engel bis zum Abend bei Allah um Vergebung für ihn. Wenn er sie am Abend rezitiert, bitten die Engel bis zum Morgen um Vergebung für ihn. (Tirmidhi)

Hadhrat Abdullah ibn Abbas (ra) sagte: Wenn jemand am Morgen drei Verse der Sure ar-Rum (30:17–19) rezitiert, wird er dafür belohnt, selbst wenn er tagsüber eine gute Tat versäumt; und wenn er sie am Abend rezitiert, wird er dafür belohnt, selbst wenn er nachts eine gute Tat versäumt. (Abu Dawud)

Vor dem Schlafengehen oder in der Nacht

Hadhrat Abu Huraira (ra) berichtet in einem langen Hadith über seine Begegnung mit dem Satan: Rezitiere beim Schlafengehen Ayat al-Kursi. Dann wird von Allah ein Wächter für dich eingesetzt, und der Satan wird bis zum Morgen nicht zu dir kommen können. (Buchari)

Hadhrat Aischa (ra) sagte: Wenn er schlafen gehen wollte, legte er seine beiden Hände zusammen, rezitierte darin die Suren al-Ichlas, al-Falaq und an-Nas und hauchte hinein. Danach strich er mit seinen Händen so weit wie möglich über seinen Kopf, sein Gesicht und die Vorderseite seines Körpers. Dies tat er dreimal. (Buchari, Muslim)

Abdullah ibn Masud (ra) sagte: Lies die letzten beiden Verse der Sure al-Baqara. Für denjenigen, der diese beiden Verse in der Nacht liest, sind sie ausreichend. (Buchari, Muslim)

Wenn du den letzten Abschnitt der Sure Ali Imran (3:190–200) rezitierst, wird er dich wie ein wachsamer Nachtwächter belohnen. Hadhrat Abu Huraira (ra) sagte: Wenn man die Sure ad-Duchan rezitiert, werden 70.000 Engel bis zum Morgen Allah um Vergebung für dich bitten. (Tirmidhi)

Al-Irbad ibn Sariya (r.a.) sagte: „Rezitiert die Musabbihat/Al-Isra (17), Al-Hadid (57), Al-Haschr (59), As-Saff (61), Al-Dschumu’a (62), At-Taghabun (64) und Al-A’la (87).“ Er pflegte diese Suren vor dem Schlafengehen zu rezitieren und sagte: „Ein Vers aus ihnen ist besser als tausend Verse.“ (Abu Dawud, Tirmidhi)

Hazrat Dschabir (r.a.) sagte, dass er nicht schlafen ging, ohne As-Sadschda (32) und Al-Mulk (67) zu rezitieren. (Ahmad, Tirmidhi)

10: Was der Gesandte (s.a.w.) über die Vorzüge verschiedener Suren gesagt hat

Sure al-Fatiha

Abu Sa’id al-Mu’alla (r.a.) sagte: „Soll ich euch nicht eine Sure lehren, die die großartigste im Koran ist?“ Der Gesandte (s.a.w.) sagte dies und lehrte anschließend die Sure al-Fatiha. Er sagte: „Sie ist das, was mir als die sieben wiederholten Verse (Sab’ al-Mathani) und der erhabene Koran gegeben wurde.“ (Buchari)

Überliefert von Abdullah ibn Abbas (r.a.): Ein Engel sagte zum Propheten (s.a.w.): „Freue dich über zwei Lichter, die dir gegeben wurden und keinem anderen Propheten gegeben worden sind.“ Das eine ist die Sure al-Fatiha und das andere sind die letzten Verse der Sure al-Baqara (2:285–286). (Muslim)

Hazrat Abu Huraira (r.a.) sagte: „Bei Allah, in dessen Hand meine Seele liegt: Nichts, das der Sure al-Fatiha gleicht, wurde in der Tora, im Injil, im Zabur oder im Koran herabgesandt.“ (Tirmidhi)

Abdul-Malik ibn Umair (r.a.) sagte: „Sie ist eine Heilung für jede Krankheit.“ (Darimi)

Die Suren al-Falaq und an-Nas

Uqba ibn Amir sagt: Etwas Vergleichbares wurde niemals gesehen. (Muslim)

Kein Schutzsuchender kann mit etwas anderem als diesen beiden Suren in gleicher Weise Schutz suchen. (Abu Dawud)

Abu Sa’id al-Chudri (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) sagt: Kann jemand von euch in einer Rakʿa ein Drittel des Korans rezitieren? Er fragte dies und wies an: Rezitiert die Sure al-Ichlas, denn sie entspricht einem Drittel des Korans. (Buchari, Muslim)

Nach einer Überlieferung von Aischa (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) sagte der Gesandte Allahs über denjenigen, der diese Sure in jedem Gebet rezitiert: Sag ihm, dass Allah ihn liebt. (Buchari, Muslim)

Die Sure al-Kafirun

Abdullah ibn Abbas (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) und Anas ibn Malik (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) sagen: Sie entspricht einem Viertel des Korans. (Tirmidhi)

Die Sure an-Nasr

Anas (r.a.) sagte: Dies ist ein Viertel des Korans. (at-Tirmidhi)

Sure at-Takāthur

ʿAbdullah ibn ʿUmar (r.a.) fragte: „Kann keiner von euch an einem Tag tausend Verse rezitieren?“ Danach sagte er: „Kann keiner von euch die Sure at-Takāthur rezitieren?“ (al-Bayhaqī)

Sure az-Zalzala

ʿAbdullah ibn ʿAbbās (r.a.) und Anas ibn Mālik (r.a.) sagten: Sie entspricht der Hälfte des Korans. (at-Tirmidhi)

Āyat al-Kursī (Sure al-Baqara 2:255)

Überliefert von Ubayy ibn Kaʿb (r.a.): Er fragte: „Wisst ihr, welcher Vers im Buch Allahs der großartigste ist?“ Als daraufhin gesagt wurde, dass es Āyat al-Kursī sei, bestätigte er dies. (Muslim)

Āmanar-Rasūl (al-Baqara 2:285–286)

Abdullah ibn Abbas (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) sagte: Kein Prophet vor ihm brachte ein Licht wie dieses. (Muslim)

Nuʿman ibn Baschir (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) sagte: In welches Haus auch immer sie rezitiert wird, Satan kann sich ihm drei Nächte lang nicht nähern. (Tirmidhi)

ʿAifa ibn Abd al-Qilai (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) sagte: Sie ist aus dem Schatz Seiner Barmherzigkeit unter Allahs Thron hervorgegangen, den Er dieser Gemeinschaft gegeben hat; es gibt kein Gutes im Diesseits und im Jenseits, das nicht in ihr enthalten wäre. (Darimi)

Abu Dharr (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) sagte: Lernt sie und lehrt sie eure Frauen und Kinder, denn sie ist ein Segen, eine Rezitation und eine Fürsprache. (Hakim)

Die Suren al-Baqara und Āl ʿImrān

Abu Umama (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) sagte: Rezitiert die beiden strahlenden, leuchtenden Suren. Denn am Tag der Auferstehung werden sie, während sie für ihre Gefährten Fürsprache einlegen, wie zwei Wolkenstücke, zwei Schatten oder zwei Scharen von Vögeln herbeischweben. (Muslim)

Nawas ibn Samʿan (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) sagte: Am Tag der Auferstehung wird der Koran zusammen mit seinen Gefährten gebracht werden. Vor denjenigen, die gemäß dem Koran gehandelt haben, werden die Suren al-Baqara und Āl ʿImrān sein. Sie werden wie zwei schwarze Wolkenstücke oder zwei lichtspendende Gebilde oder wie zwei Scharen von Vögeln erscheinen und für ihre Gefährten Fürsprache einlegen. (Muslim)

Sure al-Baqara (2)

Hadhrat Abu Huraira (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: Verwandle dein Haus nicht dadurch in einen Friedhof, dass du die Rezitation des Korans aufgibst. Der Satan flieht aus dem Haus, in dem die Sure al-Baqara rezitiert wird. (Muslim)

Hadhrat Abu Umama (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: Rezitiert die Sure al-Baqara, denn an ihr festzuhalten ist ein Segen, und sie aufzugeben ist ein Verlust. (Muslim)

Hadhrat Abu Huraira (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: Alles hat eine Schatzkammer, und die Schatzkammer des Korans ist die Sure al-Baqara. (Muslim)

Sure al-An’am (48)

Jabir (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: Bei der Offenbarung dieser Sure stiegen so unzählige Engel herab, dass durch sie der Horizont des Himmels bedeckt wurde. (Hakim)

Sure al-Kahf (18)

Hadhrat Abu Darda (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: Wer die ersten zehn Verse der Sure al-Kahf lernt, sie auswendig bewahrt und aufrichtig danach handelt, wird vor dem Dajjal geschützt werden. (Muslim)

Sure Ya-Sin (48)

Hazrat Anas (r.a.) sagte: Jede Sache hat ein Herz, und das Herz des Qurans ist die Sure Ya-Sin. Wer sie rezitiert, dem wird Allah den Abschluss von zehn Quranen anrechnen. (Tirmidhi)

Maqil ibn Yamar (r.a.) sagte: Wer die Sure Ya-Sin rezitiert und Allahs Wohlgefallen anstrebt, dem vergibt Allah seine vergangenen Sünden. Deshalb rezitiert sie auch in der Zeit des Sterbens. (Bayhaqi)

Sure al-Fath (48)

Hazrat Umar (r.a.) sagte: Ich liebe sie mehr als alles andere auf der Erde. (Bukhari)

Sure ar-Rahman (55)

Hazrat Abdullah ibn Masud (r.a.) sagte: Jede Sache hat eine Zierde, und die Zierde des Qurans ist die Sure ar-Rahman. (Bayhaqi)

Sure al-Waqia (56)

Wer jede Nacht die Sure al-Waqia rezitiert, wird keinen Mangel leiden.

Sure al-Mulk (67)

Abu Huraira (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: Die 30 Verse dieser Sure treten für einen Menschen ein, bis ihm seine Sünden vergeben werden. (Ahmad, at-Tirmidhi, Abu Dawud)

Abdullah ibn Abbas (möge Allah mit ihm zufrieden sein) berichtet, dass der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Ich wünsche mir, dass diese Sure im Herzen jedes Gläubigen ihren Platz findet. (al-Hakim)

Sure al-Aʿla (87)

Ali (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte, dass er diese Sure liebt. (Ahmad)

11: Lehrplan für das Studium des Qurʾan

 

Es ist eine sehr schwierige Aufgabe, einen Lehrplan für Qurʾan-Abschnitte zum persönlichen Studium oder für einen Studienkreis zu entwerfen. Was soll man zunächst aufnehmen? Eine ausreichende und zufriedenstellende Auswahl aus dem gesamten Qurʾan zu treffen, ist nahezu unmöglich. Jeder Teil des Qurʾan enthält zusätzliche und neue Aussagen. Selbst wiederholt vorkommende und ähnliche Abschnitte haben jeweils eigene, ihnen zugrunde liegende Gedankengänge. Eine bestimmte Anzahl von Abschnitten kann nur eine bestimmte Anzahl von Gedankengängen aufnehmen. Daher wird jeder Lehrplan den Mangel aufweisen, dass vieles Gleichwertige oder vieles Wichtige ausgelassen wird. Außerdem wird jeder festgelegte Ansatz zwangsläufig nicht regelkonform sein. Er wird nicht den Qurʾan, sondern lediglich die persönliche Sichtweise sowie die Vorlieben und Abneigungen des Auswählenden widerspiegeln – oder es liegt zumindest nahe, dass dies geschieht. Es ist sehr wichtig, diese Einschränkungen im Gedächtnis zu behalten, wenn Sie den hier vorgestellten Lehrplan verwenden. Sie müssen sich bewusst sein, dass auch das Ausgelassene gleich wertvoll ist und dass Sie von einem gewöhnlichen Menschen angeleitet werden, der nicht frei von Fehlern und Mängeln ist.

Zweitens: Wo soll man beginnen, wo soll man enden, und welcher Linie soll man folgen? Die einzig zufriedenstellende Abfolge ist die Abfolge des Qurʾan, so wie er von Allah herabgesandt wurde. Doch ein Lehrplan kann es nicht vermeiden, diese Abfolge zu verändern. Nach welchem Maßstab? Auch das wird zwangsläufig nicht regelkonform sein. Jede beliebige Abfolge kann zuweilen eine Alternative unter den erforderlichen Abfolgen darstellen. Sie können auch folgendermaßen vorgehen: Etablieren Sie zunächst den Rang des Qurʾan als Offenbarung Allahs. Machen Sie den Leser anschließend mit den Zeichen im Universum vertraut. Danach folgen die Vertrautheit mit der eigenen Person und der Geschichte, der Glaube an Allah, das Jenseits und den Gesandten, persönliche und gemeinschaftliche Würde, Ziel und Zweck des muslimischen Lebens, der Aufruf zu Iman und Dschihad sowie die Erfüllung der Versprechen und Eide gegenüber Allah. Oder man kann, wenn man möchte, mit den grundlegenden Glaubensinhalten beginnen. Was ich hier erwähnt habe, kann sich je nach den Umständen ändern. Gleich zu Beginn muss der Leser an die Segnungen des Islam erinnert werden. Er muss an das Ziel seines Lebens und an seine Eide gegenüber Allah erinnert werden. Dies beruht auf meinem Verständnis davon, wie Allah, der Erhabene, in der Sure al-Baqara zu den geschädigten Muslimen gesprochen hat.

Jeder Studienzyklus beginnt mit der Erörterung, wie man den Koran liest und versteht. Dieses Buch sollte dabei hilfreich sein.

Eine besondere Anmerkung zur Sure al-Fātiha. Diese Sure nimmt im edlen Koran einen herausragenden Platz ein. Sie enthält alles, was an wesentlichen Bedeutungen des Korans notwendig ist. Sie lesen sie täglich viele Male. Daher sollte sie Bestandteil jedes Lehrplans sein. Um jedoch wirklich von ihrem Studium zu profitieren, braucht ein Anfänger die Hilfe eines guten Lehrers oder eines Tafsir-Werks. Wo immer eine solche Hilfe erhältlich ist, muss sie in den Lehrplan aufgenommen werden, selbst wenn dafür ein festgelegter Beitrag zu entrichten ist.

Auch die kurzen Suren am Ende des edlen Korans, die Sie im täglichen Gebet rezitieren, sind sehr wichtig. Um diese Verse richtig zu verstehen, wird Hilfe erforderlich sein. Sobald geeignete Mittel und Möglichkeiten vorhanden sind, müssen diese Suren studiert werden.

Hier werden zwei Lehrpläne vorgestellt. Der Kurzlehrplan, für den 12 Abschnitte ausgewählt wurden, ist für einen einjährigen Studienzyklus oder ein intensives Studium in kürzerer Zeit gedacht. Wenn ein Lehrer zur Verfügung steht und ausreichend Zeit zum Studieren vorhanden ist, kann er auch für zwölf Wochen oder ein vierzehntägiges Bildungslager geeignet sein. Er kann sogar dazu dienen, einen noch kürzeren Lehrplan, etwa für fünf bis sieben Tage, zu entwickeln.

Für jeden ausgewählten Abschnitt werden einige wesentliche Gesichtspunkte genannt, über die Sie nachdenken können. Es werden einige koranische Leitlinien angegeben, anhand derer Sie nachdenken können. Diese Verweise beruhen auf meinem eigenen Verständnis und sind keineswegs umfassend. Im weiteren Verlauf werden Sie feststellen, dass nur sehr wenige Verweise angegeben sind. Denn es ist zu hoffen, dass Sie selbst die Initiative ergreifen können und bis dahin mit ihnen vertraut geworden sind. Der ausführliche Lehrplan ist für einen wöchentlichen Studienkreis über ein Jahr hinweg konzipiert.

12: Kurzlehrplan: 12 festgelegte Abschnitte

Ein einjähriger Kurs für einen monatlichen Studienkreis

(1) Sure al-Hadsch 22:77–78

Denken Sie nach: Das Leben der Dienerschaft und des Gehorsams findet im Dschihad seine Vollendung und ist auf die Mission der Schahādat ausgerichtet; der Zweck des Muslimseins sowie die Mittel des Gebets, der Zakāt und des Fastens.

(1.1) Rukū und Suǧūd: Handlungen der Anbetung und des Gehorsams; das Gebet, insbesondere das nächtliche Gebet; die Verfassung des Herzens, das Verhalten, im Privaten und in der Öffentlichkeit – 2:125, 16:49, 1:43, 76:26, 39:9, 77:48, 5:55, 96:19, 9:112, 48:29, 2:58.

(1.2) Anbetung: als Zweck der Schöpfung; Allahs grundlegende Botschaft; vollständiger Gehorsam und vollständige Hingabe, die das gesamte Leben durchdringen; Abkehr von allem Falschen und Rückkehr zu Allah – 51:56, 16:36, 21:25, 4:36, 39:11, 40:66, 12:40.

(1.3) Das Gute: vom Herzen aus in alle Lebensbereiche – 8:70, 2:269, 2:180, 73:20, 99:7.

(1.4) Dschihad: seine Forderungen – 49:15, 8:74, 3:142, 9:19–22, 4:95–96, 61:11, 9:41–45, 9:24.

(1.5) Über die Erwählung zur Verbindung mit der Schahādat – 2:128–129, 2:143, 6:161–164, 3:65–68.

(1.6) Das Beispiel des Hazrat Ibrāhīm hinsichtlich des Tauhīd, des Gehorsams und des Opfers – 6:79, 60:4, 2:131

(1.7) Dīn – 5:3–6, 2:185, 4:26–28.

(1.8) Die Mission des Zeugnisses – 2:213, 33:45, 5:67, 48:8, 3:187, 4:41, 2:159–163, 174–176.

(1.9) Das Gebet: seine Bedeutung sowie die inneren und äußeren Voraussetzungen für seine Verrichtung – 2:3, 19:59, 70:23, 34:2, ******, 102:3, 2:239, 29:45, 7:29, 23:2, 4:43, 17:78, 4:142, 2:34, 7:31, 62:9–11, 19:55, ******, 22:41.

(1.10) Die Zakat: ihre Bedeutung und Tragweite – 41:6–7, 9:5, 30–39, 9:103.

(1.11) Das Fasten – 3:101, 31:22, 26:77–82.

(2) Sure al-Baqara 2:40–7

Denken Sie nach: Erinnern Sie sich an die Segnungen der Rechtleitung und an anderes, an die Erfüllung des Versprechens gegenüber Allah, die Erneuerung des Glaubens, das Geschäft, für einen geringen Vorteil Allahs Wort einzutauschen, die Vermischung und Verfälschung der Wahrheit mit der Lüge, das Verbergen der Wahrheit, das Gebet, die Zakat, das gemeinschaftliche Leben in der Anbetung und außerhalb davon, Heuchelei und eine doppelzüngige Haltung sowie Geduld und das Gebet als moralische Kraft.

(2.1) Regelmäßigkeit – in der Rechtleitung, der Natur und der Geschichte – 5:3, 2:150, 5:7, 16:8, 3:103, 8:26, 5:10.

(2.2) Das Versprechen – 7:11, 48:8–10, 7:172, 36:60, 33:21–24, 5:12–13, 3:76–86.

(2.3) Das Verhandeln seitens Allahs im Diesseits und im Jenseits – 3:1–39, 24:55, 5:66, 4:66–69.

(2.4) Der Aufruf zur Erneuerung des Glaubens – 4:136–139, 57:7–16, 4:60–61.

(2.5) Weltlicher Gewinn im Austausch für den Glauben – 5:44, 2:174–176.

(2.6) Die Wahrheit mit Falschheit bedecken – 2:75, 78, 79, 40, 41, 91, 94, 102, 111, 113, 5:18.

(2.7) Die Wahrheit verbergen – 2:157–163, 174–186.

(2.8) Die Bedeutung des Gebets; das gemeinschaftliche Gebet in der Moschee ist der Kern der islamischen Gemeinschaft – 18:28, 9:16–17, 24:36, 2:114, 9:107–108.

(2.9) Unstimmigkeit zwischen Worten und Taten, insbesondere im Bereich der Daʿwa-Arbeit – 61:2–3, 63:1–4.

(2.10) Die wichtigste Grundlage für die Einhaltung des Versprechens gegenüber Allah sind Geduld und Gebet – 2:153–157, 41:35, 46:35, 7:107, 8:43, 3:125, 8:65–66.

(2.11) Warnung und Gewissheit hinsichtlich der Rückkehr zu Allah – 52:48.

(3) Sure al-Muzzammil 73:1–10 und 20

Bedenken Sie: die Koranrezitation im Nachtgebet, Dhikr, Tabattul, Tawakkul, Geduld, Salah, Zakat, Gerechtigkeit und Istighfar.

(3.1) Qiyam al-Layl – 32:15–16, 39:9–23, 51:15–19, 17:78–82.

(3.2) Tasbih – 20:24–33

(3.3) Der zentrale Schlüssel der Tazkiya ist der Dhikr – unter allen Umständen und auf verschiedene Weise: im Herzen, mit der Zunge, körperlich, in den Taten, in der Daʿwa und im Dschihad – 87:15, 3:191, 13:28, 39:22–23, 62:9, 2:150–155.

(3.4) Tawakkul: Bedeutung und Notwendigkeit – 8:2–4, 65:3, 11:123, 12:67, 25:58, 14:12.

(3.5) Verschiedene Formen von Yafʿalūn – 34:8, 21:5, 25:4–5, 7, 68:8–15, 17:90–93, 10:15, 17:73.

(3.6) Qard hasan und Ausgaben auf Allahs Weg – 57:11–16, 92:18–21, 23:60, 2:264–274, 3:92, 4:38, 57:10, 63:11, 35:29.

(3.7) Istighfar, der zentrale Kern der Botschaft Allahs, Wachsamkeit, Unterscheidung, Rechenschaft, Eingeständnis von Fehlern, Rückkehr sowie Belohnung im Diesseits und im Jenseits – 4:110, 3:15–17, 3:133–136, 3:146–148, 71:7–12, 39:53, 64:17.

(4) Sure al-Hadid 57:1–7

Den Koran bedenken: Alles verkündet Allahs Herrlichkeit, die gesamte Herrschaft gehört Ihm, Er ist der Herr über Leben und Tod, Seine Macht umfasst alle, Sein Wissen umfasst alles, Seine Souveränität und Herrschaft erstrecken sich über alle und über die Zeit, und auch was sich in den Herzen der Menschen befindet, weiß Er; im Lichte dessen der Aufruf zum Glauben und zum Ausgeben auf Allahs Weg.

(4.1) Die Eigenschaften Allahs – 22:18, 17:44, 10:31,6, 59:61, 3:154, 28:70–72, 2:255, 59:22–24, 3:25–26.

(5) Sure an-Nahl 16:1–22

Den Koran bedenken: Beweise für Tauhid, Risala und das Jenseits in der Welt und in einem selbst. Der Mensch, die Erde, das Paradies, der Zweck der Erschaffung der Lebewesen, der Regenfall, das Hervorbringen der Ernte, Nacht und Tag, Sonne, Mond, Sterne, verschiedene Farben, Nahrung und Reichtümer im Meer sowie die Orientierung durch die Sterne.

(5.1) Beweise in verschiedenen Abschnitten – 30:17–27, 27:59–68, 10:1–10, 31:6.

(6) Sure Yasin 36:50–65

Denken Sie über den Weg durch die verschiedenen Lebensabschnitte nach: den Tod und die letzten Augenblicke des Lebens, den Tag der großen Vernichtung oder des Jüngsten Gerichts, die Auferweckung sowie Gericht, Belohnung und Bestrafung.

(6.1) Das Jenseits – 50:16–35, 75:20–30, 18:47–49, 20:100–112, 22:1–7, 23:99–118, 43:66–80, 44:40–59, 51:1–27.

(7) Sure al-Hadid 57:20–25

Denken Sie über die Wirklichkeit und das Wesen des gegenwärtigen Lebens nach. Der Einsatz von Kraft für Allah und den Gesandten.

(7.1) Das gegenwärtige und das zukünftige Leben – 3:14–15, 105, 10:24, 18:45, 4:134, 17:18–19, 42:19–20.

(7.2) Die Herstellung von Billigkeit und Gerechtigkeit – 4:135, 61:9–14.

(8) Sure al-Ankabut 28:1–10

Denken Sie über die Notwendigkeit von Prüfungen und dem Ertragen von Leid zur Prüfung des Glaubens und zum Erlangen von Erfolg nach.

(8.1) Siehe: 2:155, 2:214, 3:140–142, 3:179, 47:29–31.

(9) Sure al-Anfal 8:72–75

Denken Sie über den engen Zusammenhang zwischen dem Glauben, der Hidschra und dem Dschihad nach. Die Notwendigkeit der Gemeinschaftlichkeit für den Dschihad.

(10) Sure at-Tauba 9:19–24

Bedenken Sie: Die Grundlage des gemeinschaftlichen Lebens für die Vollendung der Mission Allahs besteht im Gehorsam und darin, dem Ruf des Propheten zu folgen.

(10.1) Siehe: 8:20–28, 49:1–5, 58:11–13, 9:42–57, 9:62–66, 9:81–82, 62:9–11.

(11) Sure Al-i-Imran 3:190–200

Eine vollständige Zusammenfassung: Allah, das Jenseits, die Gesandtschaft, die Erschaffung des Paradieses und der Erde, die Beweise für den Wechsel von Tag und Nacht, die Gestaltung des Lebens in ständiger Erinnerung an Allah, das Jenseits als letztendliches Ziel, Vertrauen und Glaube an den von Allah gesandten Propheten, die Bedeutung von Kampf und Prüfungen sowie die Rechtleitung für das gemeinschaftliche Leben.

Es wird vorausgesetzt, dass der oben genannte Lehrplan als Teil eines größeren Kurses studiert wird. Deshalb wurden darin keine Inhalte über die persönlichen und gemeinschaftlichen Eigenschaften des muslimischen Lebens aufgenommen. Falls dies nicht der Fall ist, wäre es sehr hilfreich, die folgenden Abschnitte hinzuzufügen: Al-Isra – 17:23–39, Al-Furqan – 25:63–77, Luqman – 31:12–19, Al-Hudschurat – 49:10–14.

13: Langer Lehrplan: 40 Abschnitte

Ein einjähriger Kurs für den wöchentlichen Studienkreis

(1) Sure al-Haddsch – 22:77–78: Das Leben des Dschihad und der Hingabe, die Mission des Märtyrertums.

(2) Sure at-Tauba – 9:111–112: Der Bund des Glaubens, das Leben der Hingabe.

(3) Sure an-Nisa – 4:131–137: Das Zeugnis für Gerechtigkeit, der Ruf zum Glauben.

(4) Sure Al Imran – 3:102–110: Der Zweck der Umma.

(5) Sure al-Fath – 48:4–11: Das Versprechen, die Mission des Propheten fortzusetzen.

(6) Sure al-Baqara – 2:40–46: Der Aufruf, das Versprechen zu erfüllen.

(7) Sure al-Muzzammil – 73:1–10, 20: Eine Beziehung zu Allah aufbauen.

(8) Sure al-Isra – 17:23–39: Individuelle und gesellschaftliche Ethik.

(9) Sure an-Nahl – 16:1–11: Beweise für den Tauhid, die Gesandtschaft und das Jenseits.

(10) Sure an-Nahl – 16:12–22: Beweise für den Tauhid, die Gesandtschaft und das Jenseits.

(11) Sure Yunus – 10:31–3: Beweise für den Tauhid und Rechtleitung.

(12) Sure al-Hadsch – 21:1–7: Beweise für das Jenseits.

(13) Sure al-Kahf – 18:1–18: das Jenseits.

(14) Sure al-Mu’minun – 99:1–118: das Jenseits.

(15) Sure Ya-Sin – 36:50–65: das Jenseits.

(16) Sure Qaf – 50:19–35: das Jenseits.

(17) Sure az-Zumar – 39:53–56: Vorbereitung auf das Jenseits.

(18) al-Haschr – 59:18–24: Vorbereitung auf das Jenseits und die Eigenschaften Allahs.

(19) al-Hadid – 57:1–7: die Eigenschaften Allahs, der Glaube und der Aufruf, auf Allahs Weg auszugeben.

(20) al-Hadid – 57:12–17: der Glaube und Infaq.

(21) Al-Hadid – 57:20–25: das gegenwärtige Leben, Infaq, die Errichtung von Gerechtigkeit.

(22) Sure As-Saff – 61:9–14: die Mission des Propheten, der Aufruf zum Iman und zum Dschihad.

(23) Sure Al-Anfal – 8:72–75: Iman, Hidschra, Dschihad, Gemeinschaft.

(24) Sure An-Nisa – 4:95–100: Hidschra und Dschihad.

(26) Sure At-Tauba – 9:19–24: Dschihad, die höchste gottesdienstliche Handlung, alles aufzugeben.

(27) Sure At-Tauba – 9:38–45: Dschihad.

(28) Sure Al-Imran – 3:169–175: im Wege Allahs zu sterben.

(29) Sure Al-Baqara – 2:261–266: Gerechtigkeit auf Allahs Weg.

(30) Sure al-Baqara – 2:267–72: Gerechtigkeit auf Allahs Weg.

(31) Sure al-Anfal – 8:20–9: Gemeinschaftliches Leben, Gehorsam.

(32) Sure an-Nisa – 4:60–7: Gemeinschaftliches Leben, Gehorsam.

(33) Sure an-Nur – 24:47–52, 62–4: Reaktion des gemeinschaftlichen Lebens und Gehorsam.

(34) Sure al-Hujurat – 49:1–9: Gemeinschaftliches Leben, Beziehung zur Führung.

(35) Sure al-Mujadala – 58:7–13: Gemeinschaftliches Leben, Regeln und Pflichten.

(36) al-Hujurat – 49:10–15: Gemeinschaftliches Leben, zwischenmenschliche Beziehungen.

(37) al-Mursalat – 41:30–6: Daʿwa und notwendige Eigenschaften.

(38) Al-Baqara 2:150–63: Die Mission und ihre Verantwortung.

(39) Aal Imran 3:185–92: Zusammenfassung.

(40) Aal Imran 3:193–200: Zusammenfassung.

Für 52 Wochen wurden 40 Abschnitte festgelegt. Es wurde davon ausgegangen, dass keine Wochen ausfallen und dass für den Abschluss mancher Abschnitte mehrere Wochen benötigt werden.

Wie dem auch sei, wenn sie leicht zugänglich sind, kann man sich auf die historischen Abschnitte des Korans konzentrieren, die ich hier nicht aufgenommen habe. In diesem Zusammenhang kann jede Woche ein Prophet, etwa Noah (a.s.) oder Hud (a.s.), zum Studium herangezogen werden. Auf der Grundlage der einzelnen Abschnitte der Sure al-A’raf müssen in diesem Zusammenhang die belegten Verse des Korans erörtert werden.

1. Al-A’raf 7:59–64

2. Al-A’raf 7:65–72

3. Al-A’raf 7:73–9

4. Al-A’raf – 7:40–4

5. Al-A’raf – 7:45–93

6. Al-A’raf – 7:94–102

7. Sure Hud – 11:116–23

— Ende —