Einleitung

Bescheidenheit und ein sanftes Herz – das sind zwei der wichtigsten Eigenschaften eines rechtschaffenen Menschen. Nur Menschen mit solchen Eigenschaften sind in der Lage, jede Art von Ermahnung, moralischer Belehrung, Bildung und Unterweisung sowie die Orientierung auf den wahren und richtigen Weg anzunehmen. Ein Blütenblatt neigt sich unter der lautlosen Bewegung der sanften Morgenbrise; doch ein Baum mit starkem Stamm lässt sich selbst von heftigem Sturmwind nicht im Geringsten beugen. Der Blick des Auges durchdringt einen Spiegel wie eine Flamme; doch selbst ein scharfkantiger Pfeil aus Stein kann keine Wirkung erzielen. Beim Menschen verhält es sich genauso. Menschen mit sanftem Wesen und weichem Herzen nehmen jeden Ruf der Wahrheit an; auf Menschen mit hartem Herzen und rauem Gemüt jedoch vermögen selbst große Muʿǧizāt keinerlei Wirkung auszuüben. Vereinzelte Beispiele für solche Unterschiede finden sich überall. Die gesamte Geschichte der Verkündung des Islams ist jedoch von Beispielen dieser Art erfüllt.

Unter den Kāfirūn kennen wir die Namen vieler Unglücklicher, die sich trotz tausendfacher Bemühungen nicht vor Allah, dem Herrn der Welten, niederwarfen. Unter den ehrwürdigen Gefährten hingegen gab es Tausende von Männern, die, sobald sie den Ruf des Tawḥīd hörten, in den Schutzkreis des Islams eintraten. Gemeinsam mit den Gefährten waren auch die Ṣaḥābiyāt, also die weiblichen Gefährten, an dieser Würde beteiligt.

Sie waren nicht nur daran beteiligt, sondern gingen den Männern in manchen Bereichen sogar voraus. Ohne irgendeine Überredung, ein Bemühen oder Zwang nahm Khadīǧa (ra) den Islam an und warf sich vor Allah, dem Herrn der Welten, nieder. Der edle Gesandte (s) sagte:

„Ich empfing am Montag das Prophetentum, und Khadīǧa verrichtete am Ende dieses Tages das Gebet. ʿAlī verrichtete am folgenden Tag, am Dienstag, das Gebet. Danach schlossen sich Zayd ibn Ḥāritha und Abū Bakr dem Gebet an.“

Aus dieser Aussage des Gesandten Allahs (s) geht hervor, dass am ersten Tag, an dem die Sonne der Gesandtschaft aufging, das Licht, das sie über den Horizont dieser Welt verbreitete, das strahlende Herz einer Frau mit sanftem Herzen und reiner Seele durchdrang.

In der Frühzeit des Islams waren für die Verkündung des Islams noch mehr Mut, Furchtlosigkeit und ein starker Wille erforderlich als für dessen Annahme. Trotz der Hindernisse, der Widerstände, der Grausamkeit und der Verfolgung durch die Kāfirūn verkündeten die weiblichen Gefährten neben den männlichen Gefährten mit größtem Mut und unerschütterlicher Festigkeit, dass sie den Islam angenommen hatten.

Die weiblichen Gefährten nahmen den Islam nicht nur sehr leicht an, sondern verkündeten ihn auch ganz ungezwungen. Im Kapitel über Tayammum des Ṣaḥīḥ al-Buḫārī wird berichtet, dass die ehrwürdigen Gefährten auf einem ihrer Feldzüge eine Frau gefangen nahmen und sie vor den Gesandten Allahs (s) brachten. Sie besaß einen mit Wasser gefüllten Wasserschlauch. Die ehrwürdigen Gefährten nahmen sie wegen des benötigten Wassers gefangen. Der Gesandte Allahs (s) nahm ihr Wasser, bezahlte ihr jedoch dessen Preis. Von einer solchen Ehrlichkeit des Gesandten Allahs (s) beeindruckt, nahm die Frau den Īmān an, und unter ihrem Einfluss wurde ihr gesamter Stamm muslimisch. Umm Schuraik (ra) nahm in der ersten Zeit in Mekka den Islam an. Nach ihrer Annahme des Islams wurde ihr bewusst, dass es ihre unbedingte Pflicht war, auch anderen die Wahrheit zu vermitteln, die sie gefunden hatte. Sie ging in verschiedene Häuser Mekkas und überbrachte den Frauen die Daʿwa des Islams. Als die Angelegenheit bekannt wurde, ergriffen die grausamen Quraisch sie und übergaben sie den Angehörigen ihres Stammes. In deren Händen wurde sie unbeschreiblichen Qualen ausgesetzt. Schließlich nahm ihr Stamm durch ihren Einfluss den Islam an.

Zusammen mit den männlichen Gefährten ertrugen auch die weiblichen Gefährten unbeschreibliches Leid, Not und Verfolgung. Sumayya (möge Allah mit ihr zufrieden sein) nahm den Islam an. Die ungläubigen Quraisch von Mekka setzten sie verschiedenen grausamen Folterungen aus. In der glühenden Sonne des Mittags ließen sie sie mit einem eisernen Panzer bekleidet im heißen Sand stehen. Dennoch blieb sie dem Islam standhaft verbunden. Eines Tages legten sie ihr zur Mittagszeit wieder einen eisernen Panzer an und ließen sie mit dem Gesicht nach unten auf dem glühenden Sand liegen. Zu dieser Zeit kam der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) auf diesem Weg vorbei. Zu Sumayya (möge Allah mit ihr zufrieden sein) sagte er: „Habe Geduld; das Paradies wird dein Aufenthaltsort sein.“ Selbst nach all diesen Grausamkeiten waren die Ungläubigen noch nicht zufrieden. Schließlich durchbohrte Abu Dschahl sie mit einem Speer und machte sie zur Märtyrerin.

Die Schwester von Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) nahm den Islam an. Als diese Nachricht ihn erreichte, schlug er sie so erbarmungslos, dass ihr ganzer Körper mit Blut bedeckt war. Dennoch ließ sie sich nicht im Geringsten erschüttern. Sie sagte Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) unverblümt ins Gesicht: „Tu, was du willst; ich habe den Islam angenommen.“ Wegen ihres Übertritts zum Islam schlug Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) die Sklavin Lubayna (möge Allah mit ihr zufrieden sein) so lange, bis er erschöpft innehielt. Dann sagte er: „Ich habe nicht aus Mitleid und Erbarmen mit dir aufgehört, sondern weil ich müde geworden bin.“ Auch Lubayna (möge Allah mit ihr zufrieden sein) war keine Frau, die sich einschüchtern ließ. Sie sagte: „Wenn du den Islam nicht annimmst, wird Allah dich ebenfalls mit einer solchen Strafe bestrafen.“ [Ansab al-Aschraf 1/197; Ibn Hadschar nennt diese Gefährtin Labiba und ihren Beinamen Umm Umais. (Al-Isaba 4/399, 375)]

Ebenso wurde auch Zinnira (die Sklavin seiner Frau) einer harten Folter unterzogen. Umm Schuraik (möge Allah mit ihr zufrieden sein) wurde mit Brot und Honig gefüttert und in der glühenden Mittagssonne auf den heißen Sand gelegt. Ihre Brust trocknete vor Durst aus; sie flehte nach einem einzigen Tropfen Wasser, doch man gab ihr keines.

Als die männlichen Gefährten den Glauben annahmen, wurden alle ihre verwandtschaftlichen Beziehungen zu den Ungläubigen abgebrochen. Dies führte jedoch zu keinerlei Schwächung ihrer Glaubenskraft. Die Lage der weiblichen Gefährten war in dieser Hinsicht noch schwieriger als die der männlichen Gefährten. Obwohl der Mensch auf die Hilfe und Unterstützung all seiner Verwandten und Freunde angewiesen ist, richtet sich die gesamte Abhängigkeit im Leben einer Frau auf ihren Ehemann. Unter keinen Umständen des Lebens kann sie ohne ihre Abhängigkeit von ihrem Ehemann auskommen. Ein Vater kann die Verbindung zu seinem Sohn abbrechen und ein Sohn zu seinem Vater, um sein Leben weiterzuführen. Doch eine Frau wird völlig hilflos, wenn sie von ihrem Ehemann getrennt wird. Trotzdem brachen die weiblichen Gefährten auch eine derart empfindliche Beziehung ab und trennten sich für immer von ihren ungläubigen Ehemännern. Als daher nach dem Vertrag von Hudaibiya dieser Vers –(Arabisch***********)[Sure al-Mumtahana, 10] („Haltet die eheliche Beziehung zu ungläubigen Frauen nicht aufrecht“) – offenbart wurde, wanderten die männlichen Gefährten von ihren ungläubigen Ehemännern nach Medina aus; deshalb sagte Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein): [Buchari: Kitab asch-Schurut; Erwähnung des Friedensvertrags von Hudaibiya. (sieben Seiten)]

„Wir kennen keine einzige ausgewanderte Frau, die den Glauben annahm und danach wieder vom Glauben abfiel.“ Bei den Männern gibt es Beispiele für einen Abfall vom Glauben.

Die Ungläubigen fügten den weiblichen Gefährtinnen verschiedenartige Strafen zu. Doch niemals kam aus dem Mund einer von ihnen irgendeine Aussage des Schirk außer dem Glaubensbekenntnis der Einheit Allahs. Umm Schuraik (möge Allah mit ihr zufrieden sein) nahm den Islam an. Ihre Verwandten stellten sie in der glühenden Sonne auf. Während sie in der Hitze der Sonne brannte, gaben sie ihr zusammen mit Brot etwas kochend Heißes wie Honig zu essen. Sie ließen sie kein Wasser trinken. Als drei Tage unter diesen Umständen vergangen waren, sagten die Unterdrücker: „Gib die Religion auf, der du anhängst.“ Sie hatte ihre Besinnung derart verloren, dass sie die Bedeutung ihrer Worte nicht verstand. Als sie mit dem Finger zum Himmel zeigten und ihr dadurch erklärten, dass sie den Tauhid beziehungsweise die Einheit Allahs verleugnen solle, kamen aus ihrem Mund die Worte: „Bei Allah, ich halte noch immer an diesem Glauben fest.“ [Tabakāt 8/154; Nisā’ Hawla ar-Rasūl 0245]

In allen Ländern und zu allen Zeiten halten Frauen im Allgemeinen fest an alten Sitten und Gebräuchen sowie an überlieferten Glaubensvorstellungen und Aberglauben. Da in Arabien schirkische Denkweisen und Glaubensvorstellungen lange Zeit verbreitet und etabliert gewesen waren, hatten sie sich tief in den Herzen der Menschen verwurzelt. Doch sobald die weiblichen Gefährtinnen den Islam annahmen, wiesen sie alle überlieferten Glaubensvorstellungen und jeden Aberglauben mit größter Entschiedenheit zurück. Die Araber glaubten, dass jemand, der die Mängel und Unzulänglichkeiten der Götzen anprangerte, von einer schweren Krankheit befallen werde. Als daher Hazrat Zinnira (möge Allah mit ihr zufrieden sein) nach ihrer Annahme des Islam erblindete, begannen die Ungläubigen zu sagen, dass al-Lāt und al-ʿUzzā sie blind gemacht hätten. Als sie dies hörte, erklärte sie unmissverständlich: „Weder al-Lāt noch al-ʿUzzā und ihre Anbeter sind zu irgendetwas fähig. Alles, was mir widerfahren ist, kommt von Allah.“ [Usud al-Ghāba, Band 5 (Zinnira)]

In der Zeit der Dschāhilīya legten die Araber Rasiermesser unter die Betten der Kinder. Sie glaubten, dass die Kinder dadurch vor dem Einfluss von Geistern und Dämonen sicher seien. Einmal sah Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) ein Rasiermesser im Bett eines Kindes und forderte dazu auf, dies zu unterlassen. Sie sagte, dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) einen solchen Aberglauben überhaupt nicht gutgeheißen habe. [Adāb al-Mufrad: Bāb at-Tayr]

In Arabien waren die Götzen das wichtigste Mittel und Zentrum des Schirk. In jedem Haus, ja sogar in jedem einzelnen Zimmer, standen Götzen. Doch nachdem die weiblichen Gefährten den Islam angenommen hatten, bekundeten sie bei jeder Gelegenheit und in jedem Augenblick ihre ablehnende Haltung gegenüber den Götzen. Nachdem Hind bint Utba (r.a.) den Glauben angenommen hatte, zertrümmerte sie den Götzen, der sich in ihrem Haus befand. Dann sagte sie zu ihm: „Wir waren in Bezug auf dich einer großen Täuschung erlegen.“ [at-Tabaqat, Band 8 (Hind bint Utba)]

Als der berühmte Gefährte Abu Talha (r.a.) Umm Sulaym (r.a.) einen Heiratsantrag machte, sagte sie: „Abu Talha¹, weißt du, dass das, was du als Gott verehrst, ein aus Holz gefertigter Götze ist? Dieser Baum wuchs aus der Erde, und irgendein abessinischer Sklave fällte ihn und fertigte daraus einen Götzen.“ Abu Talha sagte: „Das ist mir bekannt.“ Umm Sulaym sagte: „Schämst du dich dann nicht, ihn zu verehren?“ Solange Abu Talha den Götzendienst nicht aufgegeben und das Kalimat at-Tawhid ausgesprochen hatte, war Umm Sulaym (r.a.) nicht bereit, ihn zu heiraten. [at-Tabaqat, Band 8 (Umm Sulaym)]

Diese tüchtigen Frauen aus der frühen Zeit des Islam erzogen ihre Kinder zu einer solchen Tüchtigkeit, dass die Menschen auf der ganzen Welt voller Staunen auf ihre Taten blicken. Sie verbreiteten den Islam weltweit und legten Beispiele für die Errichtung des Kalifats, die Staatsführung, die Herstellung von Gerechtigkeit in der Gesellschaft und die Einführung eines ausgewogenen Wirtschaftssystems vor – kurz gesagt in den persönlichen, gesellschaftlichen und staatlichen Bereichen –, die die Menschen bis heute in Erstaunen versetzen. Dazu gehören etwa Asma bint Abi Bakr und ihr Sohn Abdullah ibn az-Zubayr, Fatima bint Asad und ihr Sohn Ali (r.a.), an-Nawwar bint Malik und ihr Sohn Zayd ibn Thabit, Safiyya bint Abd al-Muttalib und ihr Sohn Ja’far, Umm Ayman und ihr Sohn Usama (r.a.) sowie viele andere.

Diese edlen Frauen erfüllten in jener Zeit auch die Pflicht des Amr bil-Ma’ruf und Nahi anil-Munkar (das Gebieten des Guten und das Verbieten des Schlechten).

Auch in der Bildung standen die Frauen den Männern in keiner Hinsicht nach. Es sind die Namen unzähliger gelehrter männlicher Gefährten überliefert. Daneben ist jedoch auch die Zahl der gelehrten Frauen nicht gering. Der siebte der sieben Gefährten, die die meisten Hadithe überlieferten, war eine Frau: die Mutter der Gläubigen, ʿAischa (r.a.). In der Auslegung und Analyse des Korans sowie bei der Ableitung und dem eigenständigen Urteil über die rechtlichen Bestimmungen der Scharia bewiesen die Frauen ebenso wie die Männer ihre Kompetenz.

Als der Islam anordnete, alle Menschen in der Gesellschaft unabhängig von ihrer Schicht gleich zu behandeln, waren es nicht nur die Männer, die dies in die Tat umzusetzen suchten. Vielmehr setzten sich auch die Frauen für seine Verwirklichung ein. In der Schlacht von Uhud brachte Safiyya, die Tante Hamzas (r.a.), zwei Tücher für das Leichentuch ihres Bruders. Sie sah, dass neben Hamzas (r.a.) Bahre die nackte Leiche eines weiteren Mannes von den Ansar lag. Die Werte, die der Islam in Safiyya geschaffen hatte, erlaubten es ihr nicht, die Leiche dieses nackten Ansari zu ignorieren. Sie beschloss, eines der Tücher für das Leichentuch dieses Ansari zu spenden. Doch welches sollte sie geben? Das bestimmte sie durch das Los. So wurde sie zu einem Sinnbild für Gleichheit und Gerechtigkeit. [Al-Mufassal fi Ahkam al-Mar’a wa-l-Bayt al-Muslim, 4/3358, 359; al-Isti’ab, 4/335]

Waren es etwa nur die Männer, die ihr Vermögen für den Dienst am Islam vollständig hingaben? Nein, das ist nicht so. Wir kennen die Spenden von Abu Bakr (r.a.), ʿUthman (r.a.) und anderen. Doch wie könnten wir vergessen, dass die Mutter der Gläubigen, Chadidscha (r.a.), ihr unermessliches Vermögen dem Gesandten Allahs (s.a.w.) zur Verfügung stellte? Eines Tages sprach der Gesandte (s.a.w.) in Medina bei einer Eid-Versammlung über die Bedeutung von Spenden und Wohltätigkeit. Auch Frauen waren bei dieser Versammlung anwesend. Sie nahmen ihre Armreifen, Ohrringe, Halsketten und Fingerringe ab und legten sie in die Hände des edlen Gesandten (s.a.w.). Asma (r.a.) besaß nur eine einzige Sklavin. Sie verkaufte sie und spendete den gesamten Erlös fi سبيل الله. Die Mutter der Gläubigen, Zaynab bint Dschahsch (r.a.), gerbte eigenhändig Leder und verteilte den Erlös daraus unter den Armen und Bedürftigen.

Auch auf den Schlachtfeldern waren einige weibliche Gefährtinnen zu sehen. Sie nahmen sowohl mittelbar als auch unmittelbar am Kampf teil.

Safiyya (r.a.) schnitt einem Juden den Kopf ab und schleuderte ihn fort. Zu diesen Heldinnen zählt auch Umm Sulaym (r.a.). Während der Schlacht von Hunain stand Umm Sulaym (r.a.) mit einem Dolch in der Hand da. Der Gesandte Allahs (s.a.w.) fragte: „Was willst du mit diesem Dolch tun?“ Sie antwortete: „Ich werde damit die Feinde töten.“

Īthār, also die Bedürfnisse anderer den eigenen Bedürfnissen vorzuziehen, gilt bei den Menschen aller Zeiten als die höchste Stufe der Tugend. Diese Eigenschaft zu erlangen, ist keineswegs einfach. Bei den männlichen Gefährten konnten wir beobachten, wie stark sich diese Eigenschaft entwickelte. In den letzten Augenblicken seines Lebens deutet ein Verwundeter an, dass man ihm nicht selbst einen Schluck Wasser geben, sondern es seinem verwundeten Bruder neben ihm reichen solle; dieser deutet wiederum an, es einem anderen zu geben. So wandert das Glas Wasser zu drei Männern, und als es zum ersten zurückkommt, stellt man fest, dass er nicht mehr am Leben ist. Nach und nach ereilt auch die beiden anderen dasselbe Schicksal. Jeder der drei stellte das Leben des anderen über sein eigenes. Dies ist ein Bild aus dem Leben der männlichen Gefährten.

Doch auch die weiblichen Gefährtinnen standen ihnen darin keineswegs nach. Auch unter ihnen entwickelte sich diese Eigenschaft in hohem Maße. Eines Tages fastete ʿAischa (r.a.). Im Haus befand sich zum Fastenbrechen nur ein Stück Brot. Vor dem Fastenbrechen kam eine bedürftige Frau und bat um etwas zu essen. Sie befahl ihrer Dienerin, der Frau das Stück Brot zu geben. Die Dienerin sagte: „Wie werden Sie dann Ihr Fasten brechen?“ Sie erwiderte: „Gib ihr das Stück Brot; über das Fastenbrechen können wir später nachdenken.“

Eines Tages sagte der Gesandte Allahs (s.a.w.): „Wer diesen Mann heute Nacht als Gast aufnimmt, dem wird Allah Barmherzigkeit erweisen.“ Abū Talha (r.a.) nahm ihn mit und kam nach Hause. An diesem Tag gab es im Haus außer dem Essen für die kleinen Kinder keine zusätzliche Nahrung. Daher brachte seine Frau Umm Sulaym (r.a.) die Kinder mit schmeichelnden Worten zum Einschlafen. Dann setzte sie die wenige vorhandene Nahrung dem Gast vor, löschte unter einem Vorwand das Licht und setzte sich mit ihrem Mann hin, ohne selbst zu essen, während der Gast, ohne dies zu bemerken, sich satt aß.

Diese weiblichen Gefährtinnen ließen sich bei der Verkündung der Wahrheit weder von drohenden Blicken noch von Einschüchterungen beeindrucken. Als Muʿāwiya (r.a.), der Begründer des umayyadischen Kalifats, ʿAischa (r.a.) besuchte, tadelte sie ihn wegen einiger seiner Handlungen. Als der despotische Gewaltherrscher al-Haddschādsch ibn Yūsuf, der ʿAbdullāh ibn az-Zubair (r.a.) getötet hatte, Asmāʾ (r.a.) besuchte, rügte sie ihn in äußerst scharfen Worten. Sie bezeichnete ihn sogar als Lügner und Daddschāl. Der mächtige umayyadische Kalif ʿAbd al-Malik verfluchte eines Nachts einen seiner Diener wegen eines Fehlers. Zufällig hielt sich in jener Nacht die berühmte Gefährtin Umm ad-Dardāʾ (r.a.) im Palast des Kalifen auf. Am Morgen rief sie den Kalifen zu sich und sagte: „Letzte Nacht hast du deinen Diener verflucht. Dabei hat der Gesandte Allahs (s.a.w.) streng verboten, jemanden zu verfluchen.“ Der Kalif schämte sich.

Wenn man auf diese Weise die einzelnen Lebensbereiche untersucht, wird deutlich, dass die weiblichen Gefährtinnen in jeder Hinsicht gleichauf mit den Männern vorangeschritten sind. Im sechsten Band von „Das Leben der Gefährten des Gesandten“ haben wir versucht, diese verschiedenen Aspekte ihres Lebens darzustellen.

Wir müssen uns eines vor Augen halten: Das islamische Leben vieler edler Gefährten, Männer wie Frauen, war sehr kurz. Den größten Teil ihres Lebens verbrachten sie im Zeitalter der Dschāhilīya. Daher liegt keine vollständige Geschichte ihres Lebens vor. Selbst vom erstaunlichen Helden der Menschheitsgeschichte, ʿUmar (r.a.), kennen wir – abgesehen von ein oder zwei Begebenheiten aus seinem vorislamischen Leben – kein vollständiges Bild. Wie viel man unter diesen Umständen über das vorislamische Leben der anderen wissen kann, lässt sich daher leicht ermessen.

Tatsächlich konnten wir keine vollständige Lebensgeschichte der weiblichen Gefährtinnen verfassen, weil uns die entsprechenden Informationen nicht vorliegen. Was wir zusammengetragen haben, kann lediglich als ein Ausschnitt aus ihrem Leben bezeichnet werden. Doch diese Bilder gleichen einzelnen Lichtblitzen. Unser Bemühen gilt dem Ziel, dass muslimische Frauen aller Zeiten das Leben der weiblichen Gefährtinnen als Vorbild annehmen und ihnen folgen können. Wenn die Leserinnen und Leser durch diese Schrift auch nur einen kleinen Nutzen daraus ziehen, wird sich unsere Mühe gelohnt haben.

Eine weitere Sache, die unbedingt erwähnt werden muss, ist, dass der Plan, die Lebensgeschichten der Gefährten des Gesandten Allahs zu verfassen, eigentlich von Professor A. K. M. Nazir Ahmad Sahib, dem Direktor des Bangladesh Islamic Center, stammt. Vor einigen Jahren ermutigte er mich, darüber zu schreiben. Seit ich damit begonnen habe, unterstützt er mich bis heute auf vielfältige Weise bei jedem einzelnen Schritt. Ich bete darum, dass Allah, der Erhabene, ihm dafür den besten Lohn gewähren möge.

Abschließend möchte ich die Leserinnen und Leser demütig darum bitten, den Autor zu benachrichtigen, falls ihnen irgendwelche Fehler oder Mängel auffallen. Möge Allah, der Erhabene, uns allen die Fähigkeit verleihen, nach Seinem Willen zu handeln! Amin!

23. Dezember 2004

Muhammad Abdul Mabud

Professor

Arabistik, Universität Dhaka

Zaynab bint Rasulillah ((s.a.w.)


Sayyida Zaynab (r.a.), die Tochter von Muhammadur Rasulullah sallallahu alaihi wa sallam, die auf Allahs Weg den Märtyrertod erlitt. Umm al-Mu’minin Hazrat Aisha (r.a.) überlieferte über sie diese Aussage des Gesandten Allahs (s.a.w.): [Hayatus Sahaba-1/372](Arabisch*******)

„Sie war meine beste Tochter. Gerade weil sie mich liebte, musste sie leiden.“

Die ehrenwerte Mutter von Zaynab (r.a.) war die Umm al-Mu’minin Chadidscha al-Kubra (r.a.). Sie besaß die einzigartige Ehre, als Erste an die Gesandtschaft Muhammads (s.a.s.) zu glauben. Ihre Größe und ihr Rang waren so gewaltig, dass unter den früheren Gemeinschaften nur Maryam (a.s.) damit vergleichbar ist, die ebenfalls die einzigartige Ehre besaß, als Erste an die Gesandtschaft zu glauben. Ihre Größe und ihr Rang waren so gewaltig, dass sie unter den früheren Gemeinschaften nur mit der ehrwürdigen Maryam (a.s.) vergleichbar waren.

Imam adh-Dhahabi sagt: [Siyar A’lam an-Nubala 2/246](Arabisch*******)

„Zaynab war die Tochter des Gesandten Allahs (s.a.s.) und die älteste unter seinen geehrten Schwestern, die ausgewandert waren.“

Abu ‘Amr sagt: Es besteht kein Meinungsunterschied darüber, dass Zaynab (r.a.) die älteste unter den Töchtern ihres Vaters war. Diejenigen, die eine andere Ansicht vertreten, irren sich. Es gibt keinen Grund, ihrer Behauptung Bedeutung beizumessen. Der Meinungsunterschied besteht vielmehr darin, ob Zaynab unter den Söhnen und Töchtern des Gesandten Allahs (s.a.s.) das erste Kind oder al-Qasim war. Nach Ansicht einer Gruppe von Genealogen war al-Qasim das erste und Zaynab das zweite Kind. Ibn al-Kalbi bezeichnete Zaynab (r.a.) als das erste Kind. Nach Ibn Sa’d war Zaynab (r.a.) die älteste der Töchter. [Tabaqat 8/30] Ibn Hischam ordnete die Kinder des Gesandten Allahs (s.a.s.) folgendermaßen an: [as-Sira an-Nabawiyya 1/190](Arabisch*********)

„Der älteste Sohn des Gesandten Allahs (s.a.s.) war al-Qasim, danach der Reihe nach at-Tayyib und at-Tahir. Die älteste Tochter war Ruqayya, danach der Reihe nach Zaynab, Umm Kulthum und Fatima.“

Zaynab (r.a.) wurde zehn Jahre vor dem Beginn der Prophetenschaft ihres Vaters Muhammad (s.a.s.) geboren. Damals war der ehrwürdige Gesandte (s.a.s.) dreißig und ihre Mutter, die ehrwürdige Chadidscha (r.a.), fünfundvierzig Jahre alt. Über Zaynabs (r.a.) Kindheit sind kaum Informationen überliefert. Dieser Abschnitt ihres Lebens liegt vollständig im Dunkeln. Was über ihr Leben bekannt ist, beginnt mit ihrer Heirat.

Unter den Töchtern des Gesandten Allahs (s.a.s.) wurde Zaynab (r.a.) als Erste in jungen Jahren verheiratet. Zu jener Zeit war ihr Vater Muhammad (s.a.s.) noch kein Prophet. Imam adh-Dhahabi konnte diese Ansicht nicht annehmen. Er sagt: [Tabaqat 8/30–31] (arabischer Text======)

Ibn Saʿd hat erwähnt, dass Abū al-ʿĀṣ Zaynab vor Beginn der Prophetenschaft heiratete. Dies ist eine unrealistische Behauptung.

Wie dem auch sei: Zaynabs Ehemann Abū al-ʿĀṣ ibn ar-Rabīʿ ibn ʿAbd al-ʿUzzā war ihr Cousin mütterlicherseits. Er war der Sohn von Hāla bint Chuwailid, der leiblichen jüngeren Schwester ihrer Mutter, Hadhrat Chadīdscha (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr). [Siyar aʿlām an-nubalāʾ 2/246]

Unter den verschiedenen Geschenken, die die Eltern ihrer Tochter zur Hochzeit machten, befand sich auch eine Kette aus jemenitischem Achat. Ihre Mutter Chadīdscha (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) hatte ihr diese Kette geschenkt. [Tabaqāt 8/31]

Ihr Vater Muhammad (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) empfing die Offenbarung und wurde zum Propheten. Seine Tochter Zaynab (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) nahm gemeinsam mit ihrer Mutter den Islam an. Ihr Ehemann Abū al-ʿĀṣ hatte den Islam zu jener Zeit noch nicht angenommen. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) wanderte nach Medina aus. Später wanderte auch Hadhrat Zaynab (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) nach Medina aus, wobei sie ihren Ehemann als Nichtmuslimen in Mekka zurückließ. [ebenda 8/32]

Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) lobte häufig die tiefe Verbundenheit und das vornehme Verhalten zwischen Hadhrat Zaynab (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) und Abū al-ʿĀṣ. [Sunan Abī Dāwūd 1/222]

Da Abū al-ʿĀṣ am Götzendienst festhielt, wäre es nach den islamischen Bestimmungen eigentlich geboten gewesen, die Ehefrau und den Ehemann zu trennen. Doch der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) war zu jener Zeit in Mekka machtlos. Die islamische Kraft war noch nicht fest gegründet. Zudem wogte die Welle der Unterdrückung und Misshandlung durch die Ungläubigen mit großer Heftigkeit. Zugleich schritt die Verbreitung des Islams nur langsam voran und befand sich noch in ihrer Anfangsphase. Aus all diesen Gründen hielt es der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) für angemessen, keine Trennung zwischen den beiden Eheleuten herbeizuführen.

Abū al-ʿĀṣ liebte und ehrte seine Ehefrau Zaynab (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) außerordentlich. Doch er war keineswegs bereit, die Religion seiner Vorfahren aufzugeben und die neue Religion seiner geliebten Ehefrau anzunehmen. Dieser Zustand dauerte an. Unterdessen begannen zwischen dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und den Quraisch heftige Auseinandersetzungen und Konflikte. Die Quraisch sagten untereinander:

„Möge euch das Verderben treffen! Ihr habt die Töchter Muhammads geheiratet und euch dadurch seine Sorgen aufgeladen. Wenn ihr all diese Frauen zu ihm zurückschicken würdet, wäre er statt mit euch mit ihnen beschäftigt.“ Viele von ihnen stimmten dem zu und sagten: „Das ist wahrlich ein hervorragendes Argument.“ Sie gingen gemeinsam zu Abū al-ʿĀṣ und sagten: „Abū al-ʿĀṣ, lass dich von deiner Frau scheiden und schicke sie zu ihrem Vater. Im Gegenzug werden wir dir jede Quraischitische Schönheit, die du dir wünschst, zur Frau geben.“ Abū al-ʿĀṣ sagte: „Bei Allah! Nein, das werde ich nicht tun. Ich kann meine Frau nicht verlassen. Selbst wenn man mir dafür alle Frauen geben würde, wäre mir das nicht lieber.“ Aus diesem Grund hielt der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) seine verwandtschaftliche Beziehung für besonders wertvoll und lobte sie. [at-Tabarī 3/136; Ibn Hischām, as-Sīra 1/652]

Hadhrat Zainab (r.a.) liebte ihren Ehemann Abul ‘As zutiefst. Wie groß ihre Liebe und Aufopferung für ihren Ehemann waren, wird durch den folgenden Vorfall deutlich:

Im 13. Jahr der Sendung des Propheten wanderte der Gesandte Allahs (s.a.w.) von Mekka nach Medina aus. Hadhrat Zainab (r.a.) blieb mit ihrem Ehemann in Mekka. [Ansab al-Aschraf 1/269] Zwischen den Muslimen in Medina und den Quraisch begannen militärische Auseinandersetzungen. Die Quraisch versammelten sich in Badr, um gegen die Muslime zu kämpfen. Obwohl Abul ‘As dies äußerst ungern tat, zog er mit den Quraisch nach Badr. Denn aufgrund seiner Stellung unter den Quraisch hatte er keine andere Möglichkeit. In Badr erlitten die Quraisch eine vernichtende Niederlage. Mehrere ihrer Anführer wurden getötet und zahlreiche Kämpfer gefangen genommen. Die Übrigen flohen und retteten ihr Leben. Welch grausames Spiel des Schicksals! Unter diesen Gefangenen befand sich auch Abul ‘As, der Schwiegersohn des Gesandten Allahs (s.a.w.) und Ehemann von Hadhrat Zainab (r.a.). Ibn Ishaq berichtet, dass Hadhrat ‘Abdullah ibn Zubair ibn Nu‘man (r.a.) ihn gefangen nahm. Nach al-Waqidi hingegen geriet er durch Hadhrat Khirash ibn as-Simmah (r.a.) in Gefangenschaft. [Al-Isaba fi Tamyiz as-Sahaba 4/122]

Je nach gesellschaftlichem Rang der Gefangenen und nach dem Unterschied zwischen Reichen und Armen wurde ein Lösegeld von eintausend bis viertausend Dirham festgesetzt. Die Vertreter der Gefangenen begannen, mit dem festgesetzten Lösegeld zwischen Mekka und Medina hin und her zu reisen. Hadhrat Zainab (r.a.), die Tochter des Propheten, schickte jemanden mit dem Lösegeld für ihren Ehemann Abul ‘As nach Medina. Nach al-Waqidi kam sein Bruder ‘Amr ibn Rabi‘ mit dem Lösegeld für Abul ‘As nach Medina. Hadhrat Zainab schickte statt Dirham als Lösegeld eine Halskette. Diese Halskette hatte ihr ihre Mutter Hadhrat Khadija (r.a.) anlässlich ihrer Hochzeit geschenkt. Als der edle Gesandte Allahs (s.a.w.) die Halskette erblickte, wurde er zutiefst betrübt und bedeckte sein trauriges Gesicht mit einem dünnen Tuch. Die Erinnerung an seine geliebte, im Paradies wohnende Ehefrau und seine innig geliebte Tochter stieg vor seinem geistigen Auge auf.

Nach einiger Zeit sagte der edle Gesandte Allahs (s.a.w.) zu den Gefährten: „Zainab hat diese Halskette als Lösegeld für ihren Ehemann geschickt. Wenn ihr möchtet, könnt ihr ihren Gefangenen freilassen und ihr auch die Halskette zurückgeben.“ Die Gefährten stimmten zu. Sie ließen Abul ‘As frei und gaben ihm zugleich die Halskette zurück, die als sein Lösegeld geschickt worden war. Der Gesandte Allahs (s.a.w.) nahm Abul ‘As jedoch das Versprechen ab, Zainab unverzüglich nach seiner Rückkehr nach Mekka nach Medina zu schicken.

Der Gesandte Allahs (s.a.w.) schickte Hadhrat Zaid ibn Haritha (r.a.) zusammen mit Abul ‘As, um Zainab abzuholen. Er wies ihn an, an einem Ort namens ‘Batan’ oder ‘Jazi’ zu warten. Sobald Zainab (r.a.) aus Mekka dort eingetroffen sei, solle er mit ihr nach Medina aufbrechen. Als Abul ‘As in Mekka ankam und Zainab (r.a.) gerade mit den Vorbereitungen für die Reise beschäftigt war, erschien Hind bint ‘Utba. Als sie die Vorbereitungen sah, sagte sie: „Tochter Muhammads, gehst du zu deinem Vater?“ Zainab (r.a.) antwortete: „Im Augenblick habe ich nicht diese Absicht, doch was Allah in Zukunft will, wird geschehen.“ Als Hind die Sache verstand, sagte sie: „Schwester, warum sollte man das verheimlichen? Wenn du tatsächlich gehst und du unterwegs irgendetwas brauchst, dann sag es offen und ohne Zurückhaltung. Ich stehe bereit, dir zu dienen.“

Unter den Frauen hatte sich damals noch nicht jener giftige Einfluss der Feindschaft ausgebreitet, der sich unter den Männern verbreitet hatte. Deshalb sagte Hadhrat Zainab (r.a.): Hind hatte von Herzen gesprochen. Das heißt, wenn ich etwas gebraucht hätte, hätte sie es mir gewiss besorgt. Doch angesichts der damaligen Umstände lehnte ich ab. [at-Tabari 1/1247; Ibn Hischam 1/653–654]

In den Sira-Werken finden sich unterschiedliche Berichte darüber, wie Hadhrat Zainab (r.a.) von Mekka nach Medina gelangte. Einige davon seien hier angeführt:

Ibn Ishaq berichtet: Nachdem die Reisevorbereitungen abgeschlossen waren, brachte Zainabs (r.a.) Schwager Kinana ibn Rabi‘ ein Kamel und ließ es stehen. Zainab setzte sich in die Sänfte auf dem Rücken des Kamels. Kinana hängte seinen Bogen über die Schulter, nahm das Bündel Pfeile in die Hand und verließ Mekka am helllichten Tag, indem er das Kamel antrieb. Unter den Quraisch brach großer Aufruhr aus. Sie setzten ihnen nach und ergriffen die beiden unweit von Mekka im Tal ‘Dhi-Tuwa’. Kinana geriet über das Verhalten der Quraisch in Zorn, nahm den Bogen von seiner Schulter in die Hand, breitete das Bündel Pfeile vor sich aus und sagte: „Wenn einer von euch versucht, sich Zainab zu nähern, wird seine Brust zum Ziel meiner Pfeile werden.“ Kinana war ein geschickter Bogenschütze. Kein von ihm abgeschossener Pfeil verfehlte gewöhnlich sein Ziel. Als Abu Sufyan ibn Harb diese Drohung hörte, ging er ein wenig auf ihn zu und sagte:

„Neffe, nimm den Pfeil, den du auf uns gerichtet hast, ein wenig herunter. Wir möchten mit dir sprechen.“ Kinana senkte den Pfeil und sagte: „Was wollt ihr sagen? Sagt es.“ Abu Sufyan sagte:

„Was du getan hast, war nicht richtig. Du bist am helllichten Tag offen vor den Augen der Menschen mit Zaynab aufgebrochen, während wir dasaßen und zusahen. Ganz Arabien weiß, welches Unglück uns in Badr widerfahren ist und was für ein Unheil Zaynabs Vater uns zugefügt hat. Wenn du seine Tochter auf diese Weise offen vor unserer Nase fortbringst, werden alle uns für Feiglinge halten und diese Angelegenheit als eine Demütigung für uns betrachten. Bring Zaynab heute wieder nach Hause. Lass sie einige Zeit im Haus ihres Ehemannes bleiben. Wenn die Leute inzwischen zu sagen beginnen, dass wir Zaynab daran gehindert haben, Mekka zu verlassen, dann bring sie eines Tages heimlich zu ihrem Vater.“ [al-Bidāya 3/330; Ibn Hischām 1/654–655]

Kinana folgte Abu Sufyans Worten und kehrte mit Zaynab nach Mekka zurück. Als die Angelegenheit unter den Menschen bekannt geworden war, brach er eines Nachts erneut mit Zaynab aus Mekka auf und übergab sie, wie sein Bruder es ihm aufgetragen hatte, am festgelegten Ort dem Vertreter ihres Vaters. Zaynab (r.a.) gelangte gemeinsam mit Hadhrat Zayd ibn Hāritha (r.a.) nach Medina. [at-Tabarī 1/1249; az-Zurqānī: Scharh al-Mawāhib 3/223]

At-Tabarānī überliefert von ʿUrwa ibn az-Zubair: Als ein Mann mit Zaynab, der Tochter des Gesandten Allahs (s.a.w.), aus Mekka aufbrach, eilten ihm zwei Männer der Quraisch nach. [Einer dieser beiden Männer war Habbār ibn al-Aswad. Er war der Sohn eines Cousins von Hadhrat Chadīdscha (r.a.) und somit Zaynabs Cousin mütterlicherseits. Der zweite war Nāfiʿ ibn ʿAbd Qais oder Chālid ibn ʿAbd Qais.] Wegen ihres derart ungerechtfertigten und maßlosen Vorgehens war der Gesandte (s.a.w.) äußerst verärgert. Daher befahl er: (Arabisch========)

„Wenn ihr Habbār ibn al-Aswad und den Mann, der gemeinsam mit ihm auf Zaynab losging, in eure Gewalt bekommt, werde ich sie verbrennen.“ Doch am folgenden Tag sagte er erneut: (Arabisch=========)

„Ich hatte euch gesagt: Wenn ihr diese beiden Männer ergreifen könnt, sollt ihr sie verbrennen. Doch später dachte ich darüber nach, und niemand außer Allah darf einen Menschen mit Feuer bestrafen. Wenn ihr sie also ergreifen könnt, dann tötet sie.“ Später wurden sie jedoch Muslime, und der Gesandte (s.a.w.) vergab ihnen. (Buchārī, Kitāb al-Dschihād: Bāb lā yuʿadhdhabu biʿadhābillāh; al-Isāba: Habbār ibn al-Aswad, Band 3; Ansāb al-Aschrāf 1/357, 398; Siyar aʿlām an-nubalāʾ 2/247; Ibn Hischām 1/657)] Sie setzten ihnen nach und ergriffen sie. Sie überwältigten den Begleiter Zaynabs (r.a.), stießen Zaynab (r.a.) vom Rücken des Kamels, und als sie auf einen Stein geschleudert wurde, riss ihr Körper

auf, und Blut trat hervor. In diesem Zustand brachten sie Zaynab (r.a.) in Mekka zu Abu Sufyan. Abu Sufyan übergab sie den Töchtern der Banū Hāschim. Später wanderte sie nach Medina aus. Wegen der Verletzung, die sie durch den Sturz vom Kamel erlitten hatte, verspürte sie dort bis zu ihrem Lebensende Schmerzen und starb schließlich an diesen Schmerzen. Deshalb wurde sie als Märtyrerin angesehen. [Hayāt as-Sahāba 1/371]

Hadhrat ʿĀʾima (r.a.) berichtet: Zaynab, die Tochter des Gesandten Allahs (s.a.w.), brach gemeinsam mit Kinana von Mekka in Richtung Medina auf. Die Bewohner Mekkas verfolgten sie. Habbār ibn al-Aswad ergriff Zaynab als Erster. Als er das Kamel, auf dem Zaynab ritt, mit einem Pfeil traf, stürzte sie und wurde verletzt. Sie war schwanger. Durch diese Verletzung verlor sie das ungeborene Kind. Danach begannen die Banū Hāschim und die Banū Umayya ihretwegen einen Streit. Schließlich blieb sie bei Hind bint ʿUtba. Hind sagte ihr häufig: „Dieses Unglück ist nur wegen deines Vaters über dich gekommen.“ [Ibn Hischām 1/654]

Eines Tages sagte der Gesandte Allahs (s.a.s.) zu Zaid ibn Haritha: „Kannst du Zainab holen?“ Zaid erklärte sich bereit. Der Gesandte Allahs (s.a.s.) gab Zaid einen Ring und sagte: „Nimm diesen mit und bringe ihn zu Zainab.“ Mit dem Ring machte sich Zaid auf den Weg nach Mekka. Am Stadtrand von Mekka sah er einen Hirten, der Ziegen hütete. Er fragte ihn: „Wessen Hirte bist du?“ Er antwortete: „Der von Abu al-As.“ Darauf fragte er: „Wem gehören die Ziegen?“ Er antwortete: „Zainab bint Muhammad.“ Zaid ging ein Stück mit dem Hirten. Dann sagte er zu ihm: „Wenn ich dir einen Gegenstand gebe, kannst du ihn Zainab überbringen?“ Der Hirte erklärte sich bereit. Zaid gab ihm den Ring, und der Hirte überbrachte ihn Zainab.

Zainab fragte den Hirten: „Wer hat dir diesen gegeben?“ Er antwortete: „Ein Mann.“ Sie fragte erneut: „Wo hast du ihn zurückgelassen?“ Er antwortete: „An jenem Ort dort.“ Zainab schwieg. In der Dunkelheit der Nacht ging sie heimlich dorthin. Zaid sagte zu ihr: „Steig hinter mein Kamel und setz dich vor mich.“ Zainab sagte: „Nein, setzt Ihr Euch vor mich.“ So saß Zainab hinter Zaid (r.a.) und gelangte nach Medina. Der Gesandte Allahs (s.a.s.) sagte oft: „Meine beste Tochter hat um meinetwillen Leid ertragen.“ (Hayat as-Sahaba 1/371–372) In den Sira-Werken wird die Geschichte von Zainabs (r.a.) Reise von Mekka nach Medina über verschiedene Überlieferungswege in unterschiedlichen Fassungen berichtet.

Da die Beziehung zwischen den beiden außerordentlich gut war, war Abu al-As nach Zainabs (r.a.) Aufbruch nach Medina die meiste Zeit sehr niedergeschlagen. Als er sich einmal auf einer Reise nach Syrien befand, erinnerte er sich an Zainab und rezitierte die folgenden zwei Verse: (at-Tabaqat 8/32; Ansab al-Aschraf 1/398)

„Als ich den Ort namens Arim passierte, erinnerte ich mich an Zainab. Ich sagte: Möge Allah, der Erhabene, denjenigen am Leben erhalten, der im Haram wohnt. Möge Allah, der Erhabene, der Tochter Muhammads (s.a.s.) eine gute Vergeltung gewähren. Jeder Ehemann lobt das, was er am besten kennt.“

Die besondere Eigenschaft der Quraisch von Mekka, die im Qur’an verkündet wurde – „Rihlat asch-Schita’i was-Saif“: Im Winter ziehen ihre Handelskarawanen in Richtung Jemen und im Sommer in Richtung Scham –, war auch bei Abu al-As vollständig ausgeprägt. Zwischen Mekka und Scham verkehrte seine Handelskarawane ständig. Sie bestand aus mindestens hundert Kamelen und zweihundert Männern. Wegen seines Geschäftssinns, seiner Aufrichtigkeit und seiner Vertrauenswürdigkeit übergaben die Menschen ihm ihre Waren bedenkenlos. Ibn Ishaq sagt: „Als wohlhabender, vertrauenswürdiger und geschäftstüchtiger Mann gehörte er zu den wenigen angesehenen Persönlichkeiten Mekkas.“ (Al-Isaba 4/122)

Nach der Trennung von seiner Frau Zainab (r.a.) blieb Abu al-As in Mekka. Im sechsten Jahr der Hidschra

reiste er im Monat Dschumada al-Awwal mit einer Handelskarawane der Quraisch aus 170 Kamelen nach Syrien. Nach Abschluss des Handels befand sich die Karawane auf der Rückreise nach Mekka, als sie in die Nähe von Medina gelangte und der Gesandte Allahs (s.a.s.) davon erfuhr. Er entsandte Zaid ibn Haritha (r.a.) mit einer Truppe von 170 Männern, um die Karawane abzufangen. Am Ort namens Is gelangten die beiden Gruppen aneinander. Die muslimische Truppe nahm die Karawane der Quraisch samt den Handelswaren und allen Männern gefangen und brachte sie nach Medina. Allerdings unternahmen sie keine großen Anstrengungen, Abu al-As gefangen zu nehmen. Er konnte entkommen. (Ansab al-Aschraf 1/377, 399–400; at-Tabaqat 8/33; Siyar A’lam an-Nubala 2/259)

Nach Musa ibn Uqbas Ansicht griffen jedoch Abu Basir und seine Männer die Karawane Abu al-As’ an. Es sei darauf hingewiesen, dass Abu Basir und einige weitere Männer nach dem Vertrag von Hudaybiyya den Islam annahmen. Gemäß den Bedingungen des Vertrags erklärten die Bewohner Medinas jedoch, dass sie ihnen keinen Schutz gewähren könnten. Daraufhin flohen sie aus Mekka und ließen sich in der Gegend an der Küste des Roten Meeres nieder. In geschlossener Formation begannen sie, die Handelskarawanen Mekkas überraschend anzugreifen und zu plündern. Sie wurden für die Quraisch zu einer schweren Bedrohung. Aus Angst vor ihnen drohte der Handel der Quraisch zum Erliegen zu kommen. Schließlich sahen sich die Quraisch von Mekka gezwungen, den Gesandten Allahs (s.a.s.) zu bitten, sie nach Medina zurückzuholen. (Al-Isaba 4/122)

Wie dem auch sei: Als Abū al-ʿĀṣ das Schicksal seiner Karawane sah, ging er nicht nach Mekka, sondern betrat in Angst und Schrecken heimlich im Schutz der Dunkelheit Medina und begab sich direkt zu Zaynab (r.a.), um sie um Schutz zu bitten. Zaynab gewährte ihm Schutz. Niemand erfuhr etwas davon.[Ansāb al-aschrāf 1/377, 399]

Die Nacht verging. Der ehrwürdige Gesandte (s.a.w.s.) ging zum Gebet in die Moschee. Er stellte sich in die Mihrāb, sprach „Allāhu akbar“ und begann das Gebet mit dem Takbīr at-Taḥrīma. Auch die hinter ihm betenden Männer hatten den Takbīr beendet. Da ertönte aus der Reihe der Frauen hinter ihnen die Stimme Zaynabs: „O ihr Menschen, ich bin Zaynab, die Tochter Muhammads (s.a.w.s.). Ich habe Abū al-ʿĀṣ Schutz gewährt; auch ihr sollt ihm Schutz gewähren.“

Nachdem der Gesandte Allahs (s.a.w.s.) das Gebet beendet hatte, wandte er sich den Menschen zu und fragte: „Habt auch ihr gehört, was ich gehört habe?“

Die Menschen antworteten: „Ja, o Gesandter Allahs!“ Der Gesandte Allahs (s.a.w.s.) sagte: „Bei dem Wesen, in dessen Hand mein Leben liegt, ich wusste von dieser Angelegenheit überhaupt nichts. Welch erstaunliche Sache! Selbst ein schwaches Mitglied der Muslime gewährt einem Feind Schutz. Sie hat im Namen aller Muslime Schutz gewährt.“[ebd. 1/399–400; Ṭabaqāt 8/33]

Darauf ging der Gesandte (s.a.w.s.) nach Hause und sagte zu seiner Tochter: „Kümmere dich ehrenvoll um Abū al-ʿĀṣ. Doch wisse, dass du für ihn nicht mehr erlaubt bist, solange er ein Götzendiener bleibt.“ Die ehrwürdige Zaynab (r.a.) bat ihren Vater, die Menschen aus Abū al-ʿĀṣ’ Karawane mitsamt ihrem Besitz freizulassen.

Der Gesandte Allahs (s.a.w.s.) rief die Männer jener Truppe, die die Kamele und die Menschen aus Abū al-ʿĀṣ’ Karawane gefangen genommen hatte, zu sich. Er sagte zu ihnen: „Ihr kennt die Beziehung zwischen Abū al-ʿĀṣ und mir. Ihr habt seine Handelswaren beschlagnahmt. Wenn ihr mir zuliebe freundlich zu ihm seid und ihm seinen Besitz zurückgebt, würde ich mich freuen. Wenn ihr jedoch nicht einverstanden seid, habe ich dagegen nichts einzuwenden. Ihr könnt ihn als Gunst Allahs für euch nutzen. Ihr seid die rechtmäßigsten Besitzer dieses Besitzes.“ Sie sagten: „O Gesandter Allahs! Wir geben ihm alles zurück.“[Ibn Hischām 1/658; Ṭabaqāt 8/33]

Abū al-ʿĀṣ ging mit ihnen, um seinen Besitz in Empfang zu nehmen. Unterwegs sagten sie zu Abū al-ʿĀṣ: „Hör zu, Abū al-ʿĀṣ, du bist unter den Quraisch ein angesehener Mann. Außerdem bist du der Cousin des Gesandten Allahs (s.a.w.s.) und der Ehemann seiner Tochter. Tu Folgendes: Nimm den Islam an und bleib mit diesem Besitz der Bewohner Mekkas in Medina. Du wirst ein sehr bequemes Leben führen.“ Er erwiderte: „Soll ich mein Leben in meiner neuen Religion mit Betrug beginnen?“[ebd.]

Abū al-ʿĀṣ brachte seine Karawane nach Mekka zurück. Nachdem er in Mekka jedem seinen Besitz ausgehändigt hatte, sagte er: „O ihr Angehörigen des Stammes Quraisch! Gibt es noch etwas, das ihr von mir zu fordern habt?“ Sie antworteten: „Nein. Möge Allah dich reichlich belohnen! Wir haben dich als einen hervorragenden Mann kennengelernt, der sein Versprechen erfüllt.“

Abu al-ʿĀs sagte: „Ich habe euch euer Recht vollständig zukommen lassen. Nun erkläre ich: Aschhadu an lā ilāha illallāhu wa anna Muhammadan ʿabduhu wa rasūluhu – ich bezeuge, dass es außer Allah keinen Gott gibt und dass Muhammad (s.a.w.) Sein Diener und Gesandter ist. Während meines Aufenthalts in Medina hätte ich dies erklären können. Doch ich habe es nicht getan, damit ihr nicht annehmt, ich hätte dies nur getan, um mir euer Vermögen anzueignen. Als Allah mir die Möglichkeit gegeben hatte, jedem von euch sein Vermögen zurückzugeben, und ich dadurch von meiner Verantwortung frei geworden war, erklärte ich meinen Übertritt zum Islam.“

Dies war ein Ereignis aus dem Muharram des siebten Jahres nach der Hidschra. Danach wanderte Abu al-ʿĀs (r.a.) aus seiner Heimatstadt Mekka nach Medina aus und begab sich in den Dienst des Gesandten Allahs (s.a.w.). [ebd.]

Der edle Gesandte Allahs (s.a.w.) nahm Abu al-ʿĀs (r.a.) ehrenvoll auf und übergab ihm auch seine Ehefrau Zaynab (r.a.), und zwar auf Grundlage ihres ersten Ehevertrags. [Siyar Aʿlām an-Nubalāʾ 2/249; al-Isāba 4/312]

Zaynab (r.a.) hatte ihren Ehemann Abu al-ʿĀs in dessen polytheistischem Zustand in Mekka zurückgelassen. Daher ist selbstverständlich davon auszugehen, dass ihre Ehe aufgelöst worden war. Als Abu al-ʿĀs später den Islam annahm und nach Medina kam, gab der Gesandte Allahs (s.a.w.) Zaynab an ihn zurück. Nun stellt sich die Frage: Hatte er Zaynab auf Grundlage des ersten Ehevertrags zurückgegeben, oder war ein neuer Ehevertrag geschlossen worden? Dazu finden sich zwei unterschiedliche Überlieferungen. Ibn ʿAbbās (r.a.) sagte: [Ibn Hischām 1/658–659; Tirmidhi (1143); Ibn Māǧa (2009); Siyar Aʿlām an-Nubalāʾ 2/249]

„Der Gesandte Allahs (s.a.w.) gab seine Tochter viele Jahre später auf Grundlage der ersten Ehe an Abu al-ʿĀs zurück und setzte keine neue Brautgabe fest.“

Imām Schaʿbī sagte: [Ṭabaqāt 8/32]

„Zaynab nahm den Islam an und wanderte ebenfalls aus. Danach nahm Abu al-ʿĀs den Islam an. Der Gesandte Allahs (s.a.w.) löste ihre Ehe nicht auf.“

Als Grund dafür wird angegeben, dass der folgende Vers aus der Sura al-Mumtaḥana bis dahin noch nicht offenbart worden war: [Sura al-Mumtaḥana 10]

Dasselbe hat auch Hadhrat Qatada gesagt. Er sagte: (Arabisch========)

„Nach diesem Ereignis wurde die Sure al-Barāʾa offenbart. Wenn danach eine Ehefrau vor ihrem Ehemann den Islam annahm, hatte der Ehemann keinerlei Anspruch mehr auf sie, es sei denn, es wurde ein neuer ʿAqd geschlossen.“

Zuvor jedoch kehrten muslimische Frauen nach dem Übertritt ihrer Ehemänner zum Islam ohne einen neuen ʿAqd zu ihren Ehemännern zurück.

In einer anderen Überlieferung heißt es jedoch: (Arabisch=====)

„Der Prophet (s) gab Zaynab auf der Grundlage einer neuen Eheschließung und eines neuen Mahrs an Abu al-ʿAs zurück.“ Imam Ahmad sagte: „Dies ist ein schwacher Hadith.“

Obwohl die Überlieferung von Ibn ʿAbbas (r) hinsichtlich der Überlieferungskette der anderen Überlieferung vorzuziehen ist, haben die Rechtsgelehrten nach der Überlieferung über den zweiten ʿAqd gehandelt. Obwohl die Überlieferung von Ibn ʿAbbas (r) hinsichtlich der Überlieferungskette der anderen Überlieferung vorzuziehen ist, haben sie nach der Überlieferung über den zweiten ʿAqd gehandelt. Sie haben die Überlieferung von Ibn ʿAbbas (r) dahingehend ausgelegt, dass er den ersten ʿAqd erwähnte, weil Mahr und andere Bedingungen zum Zeitpunkt des zweiten ʿAqd unverändert geblieben waren. Andernfalls ist bei einer solchen Trennung ein erneuter ʿAqd unerlässlich. Auch Imam Suhayli hat sich entsprechend geäußert.

Hadhrat Zaynab (r) liebte sowohl ihren Vater, den Gesandten Allahs (s), als auch ihren Ehemann Abu al-ʿAs (r) zutiefst. Sie trug gerne schöne und kostbare Kleidung. Hadhrat Anas (r) sah sie einmal mit einem Seidenumhang bekleidet. Der Saum des Umhangs war gelb.

Hadhrat Zaynab (r) bekam von Hadhrat Abu al-ʿAs (r) zwei Kinder: einen Sohn und eine Tochter. Der Sohn ʿAli wurde vor der Hidschra in Mekka geboren. Der Gesandte Allahs (s) nahm ihn in seine Obhut und zog ihn auf. Als der Gesandte Allahs (s) am Tag der Eroberung Mekkas in Mekka einzog, ritt ʿAli auf dem Kamel seines Großvaters. Noch vor Erreichen der Volljährigkeit starb er zu Lebzeiten seines Vaters Abu al-ʿAs (r). [Al-Aʿlām 3/36]

Doch aus einer Überlieferung Ibn ʿAsākirs geht hervor, dass ʿAlī bis zur Schlacht von Yarmūk lebte und in dieser Schlacht den Märtyrertod erlitt. [Al-Iṣāba 4/312] Seine Tochter Umāma (ra) erreichte ein hohes Alter.

Hadhrat Zaynab (ra) lebte nach ihrer Wiedervereinigung mit ihrem Ehemann Abū l-ʿĀṣ (ra) nicht mehr lange. Nachdem sie ein Jahr oder etwas länger mit ihrem Ehemann in Medina verbracht hatte, verstarb sie zu Beginn des achten Jahres der Hidschra in Medina. [Ṭabaqāt 8/34; al-Aʿlām 3/67] Über die Ursache und die Umstände ihres Todes schrieb Ibn ʿAbd al-Barr: [al-Istīʿāb (Randnotizen zu al-Iṣāba) 4/312]

„Die Ursache für den Tod Hadhrat Zaynabs (ra) war, dass sie, als sie von Mekka aufbrach, um zu ihrem Vater, dem Gesandten Allahs (s), zu gehen, von Ḥabbār ibn al-Aswad und einem weiteren Mann angegriffen wurde. Einer von ihnen warf sie auf einen Stein. Dadurch erlitt sie eine Fehlgeburt und verlor Blut; anschließend litt sie lange Zeit an einer Krankheit. Schließlich verstarb sie im achten Jahr der Hidschra.“

Hadhrat Umm Ayman (ra), Hadhrat Sawda (ra), Hadhrat Umm Salama (ra) und Hadhrat Umm ʿAtiyya (ra) wuschen Hadhrat Zaynab (ra). [Ansāb al-Aschrāf 1/400] Der Gesandte Allahs (s) verrichtete das Totengebet für sie, stieg selbst in ihr Grab hinab und legte seine geliebte Tochter eigenhändig in das Grab. Das gesegnete Gesicht des Gesandten Allahs (s) wirkte damals äußerst betrübt und bleich. Er sprach für sie folgendes Bittgebet: „O Allah! Löse Zaynabs (ra) Schwierigkeiten und verwandle die Enge ihres Grabes in Weite.“ [Usd al-Ghāba 5/468; Ṭabaqāt 8/34]

Hadhrat Umm ʿAtiyya (ra) berichtet: „Ich war an der Waschung von Zaynab bint Rasūlillāh (s) beteiligt. Der Gesandte Allahs (s) gab selbst die Regeln und Vorgehensweise der Waschung an. Er sagte: ‚Wascht zunächst jedes Körperglied drei- oder fünfmal. Danach tragt Kampfer auf.‘ [Ṭabaqāt 8/34; Siyar aʿlām an-nubalāʾ 2/250] In einer Überlieferung wird auch erwähnt, dass sie siebenmal gewaschen wurde. Der eigentliche Zweck war die Tahāra, also Reinheit und Sauberkeit. Wenn diese nach dreimaligem Waschen erreicht war, musste nicht häufiger gewaschen werden. Andernfalls musste man fünf- oder siebenmal waschen. Umm ʿAtiyya berichtet ferner: [ebd.]

Als wir Zaynab wuschen, sagte der Gesandte (s) zu uns: „Beginnt mit ihrer rechten Seite und den Körperstellen der Gebetswaschung.“

Der edle Gesandte Allahs (s) sagte zu Umm ʿAtiyya (ra) außerdem, sie solle ihm Bescheid geben, sobald die Waschung beendet sei. Als die Waschung beendet war, wurde ihm dies mitgeteilt. Er nahm eines seiner Tücher (Izār) und sagte: „Legt dies als Zeichen zu den Leichentüchern.“ [Buchārī: Bāb ghusl al-mayyit; Siyar aʿlām an-nubalāʾ 2/252] Der Gesandte (s) ordnete an, sie neben ʿUthmān ibn Maẓʿūn (ra), der vor ihr verstorben war, zu bestatten. [Ansāb al-Aschrāf 1/212]

Nur wenige Tage nach dem Tod Hadhrat Zaynabs (ra) verstarb auch ihr Ehemann Abū l-ʿĀṣ (ra). [Usd al-Ghāba 5/468] Al-Balādhurī sagt, dass er nach seiner Annahme des Islam an keinem Feldzug mit dem Gesandten Allahs (s) teilnahm und im zwölften Jahr der Hidschra verstarb. Hadhrat az-Zubayr ibn al-ʿAwwām (ra) war sein Cousin mütterlicherseits. Vor seinem Tod ernannte er ihn zu seinem Nachlassverwalter. [Ansāb al-Aschrāf 1/400]

Ruqayya, die Tochter des Gesandten Allahs (s.a.)


Ruqayya (r.a.) war die zweitälteste Tochter des Gesandten Allahs (s.a.) und der ehrwürdigen Chadidscha (r.a.). Sie wurde sieben Jahre vor der Berufung ihres Vaters Muhammad (s.a.) zum Propheten in Mekka geboren. Az-Zubair und sein Onkel Mus’ab, ein Kenner der Leprakunde, waren der Ansicht, dass Ruqayya (r.a.) die jüngste Tochter des Gesandten Allahs (s.a.) gewesen sei. Al-Dschurdschani schloss sich dieser Auffassung an. Nach der Ansicht der Mehrheit war jedoch Zainab (r.a.) die älteste und Ruqayya die zweitälteste. Ibn Hischam zufolge war Ruqayya die älteste unter den Töchtern.[Sira Ibn Hischam-1/190]

Einer von Muhammad Ibn Ishaq zusammengestellten Überlieferung zufolge wurde die ehrwürdige Zainab (r.a.) geboren, als der Gesandte Allahs (s.a.) dreißig Jahre alt war, und die ehrwürdige Ruqayya (r.a.), als er dreiunddreißig war.[Al-Isti’ab (Randbemerkungen zu al-Isaba)-4/299] Wie dem auch sei, die Experten der Sira kamen zu dem Schluss, dass die ehrwürdige Ruqayya die zweitälteste Tochter des Gesandten Allahs (s.a.) war.

Vor der Berufung des Gesandten Allahs (s.a.) zum Propheten wurde die ehrwürdige Ruqayya erstmals mit Utba, dem Sohn Abu Lahabs, aus Mekka verheiratet.[Tabaqat Ibn Sa’d-8/36] Der Gesandte Allahs (s.a.) wurde zum Propheten berufen. Als der Konflikt zwischen ihm und den Quraisch seinen Höhepunkt erreichte, griffen sie zu allen Mitteln und Wegen, um dem Gesandten Allahs Leid zuzufügen. Sie setzten sich über jede Moral und jeden Anstand hinweg und beschlossen, durch Druck oder Verlockungen auf die Ehemänner der verheirateten Töchter Muhammads hinzuwirken, damit jeder von ihnen seine Frau verstieß und sie anschließend in ihr Elternhaus zurückschickte. Dadurch sollten zumindest Muhammads seelischer Schmerz und seine Sorgen zunehmen, sodass er mit sich selbst beschäftigt wäre.

Wie der Gedanke, so die Tat. Zuerst gingen sie zu Abu al-As Ibn ar-Rabi’, dem Ehemann der ältesten Tochter des Gesandten Allahs (s.a.). Sie forderten ihn auf, seine Frau Zainab, die Tochter Muhammads, zu verstoßen und in ihr Elternhaus zurückzuschicken. Doch er erteilte ihnen rundheraus eine klare Absage. Die schamlosen Führer der Quraisch ließen sich auch durch diese Antwort nicht aufhalten. Sie gingen zu Ruqayyas (r.a.) Ehemann Utba Ibn Abi Lahab und setzten ihn unter Druck, seine Frau zu verstoßen. Zugleich versprachen sie ihm, dass man ihm jede Schönheit aus dem Stamm der Quraisch, die er sich wünsche, zur Frau geben werde. Der gewissenlose Utba nahm ihren Vorschlag an. Als Gegenleistung für Ruqayya äußerte er den Wunsch, die Tochter von Sa’id Ibn al-As[Ansab al-Aschraf-1/401] oder, einer anderen Meinung zufolge, die Tochter von Aban Ibn Sa’id Ibn al-As zu heiraten. Die Führer der Quraisch erfüllten diese Forderung mit Freude. Es gab für sie keinen Grund, dies abzulehnen. Ihr Hauptziel war es schließlich, Muhammad (s.a.) auf jede mögliche Weise und in welchem Ausmaß auch immer körperlich und seelisch zu quälen. Schon jedes kleine Leid Muhammads (s.a.) bereitete ihnen seelische Genugtuung. Der nichtswürdige Utba verstieß seine Ehefrau, die edle Ruqayya (r.a.).[Sira Ibn Hischam-1/652]

Eine andere Überlieferung hierzu besagt jedoch, dass Abu Lahab und seine Frau Umm Dschamil – die Trägerin des Brennholzes – erzürnt zu ihrem Sohn Utba sagten, als die Sure al-Lahab zur Verurteilung von Utbas Eltern offenbart wurde: „Wenn du dich nicht von Ruqayya, der Tochter Muhammads, scheiden lässt und sie fortschickst, haben wir nichts mehr mit dir zu tun.“ Der seinen Eltern gehorsame Sohn verstieß seine Frau Ruqayya, um Vater und Mutter zufriedenzustellen.[Al-Fath ar-Rabbani ma’a Bulugh al-Amani-22/99 (Hadith Nr. 893)] Es sei darauf hingewiesen, dass mit Utba lediglich der Ehevertrag mit Ruqayya geschlossen worden war. Die Scheidung erfolgte, bevor sie als Eheleute zusammenlebten.[Tabaqat-/36]

Die zweite Heirat der ehrwürdigen Ruqayya (r.a.)

Der ehrwürdige Uthman (r.a.) berichtet über seine Annahme des Islam und seine Heirat: „Ich saß mit einigen Freunden im Hof der heiligen Kaaba. Da kam ein Mann zu mir und teilte mir mit, dass der Gesandte Allahs (s.a.) seine Tochter Ruqayya mit Utba Ibn Abi Lahab verheiratet hatte. Da die ehrwürdige Ruqayya wegen ihrer Schönheit, Anmut und beneidenswerten Eigenschaften eine herausragende Stellung einnahm, empfand ich eine gewisse innere Zuneigung zu ihr. Als ich von ihrer Heirat hörte, wurde ich etwas unruhig. Daher stand ich auf und ging geradewegs nach Hause. Damals lebte meine Tante Sa’da in unserem Haus. Sie war außerdem eine Kاهina (Wahrsagerin).[In der Geschichte des vorislamischen Arabien finden sich die Namen vieler Kاهin und Kاهina. Gewöhnlich verkündeten sie in rätselhaften und gleichnishaften Worten wahre und halbe Weissagungen über die Zukunft.] Sobald sie mich sah, begann sie plötzlich, die folgenden Worte zu sprechen: (Arabisch========)

»O ʿUthmān, frohe Botschaft für dich! Dreimal sei dir Heil. Noch einmal dreimal. Danach wiederum dreimal. Schließlich einmal Heil. Damit sind insgesamt zehn Heilsgrüße vollendet. So Allah will, wirst du auf Gutes und Wohlergehen treffen und vom Unheil fernbleiben. Bei Allah, du hast ein sittsames, tugendhaftes und schönes Mädchen geheiratet, gleich einer Blütenknospe. Du bist ein Junggeselle und hast eine jungfräuliche Braut bekommen.«

Über diese ihre Worte war ich zutiefst erstaunt. Ich fragte: »Tante, was sagen Sie da?« Da sagte sie:

»ʿUthmān, ʿUthmān, o ʿUthmān! Du bist mit Schönheit gesegnet, und für dich steht eine wichtige Angelegenheit bevor. Dies ist ein Prophet, bei dem sich Beweise und Belege befinden. Er ist der wahrhaftige und rechte Gesandte. Auf ihn ist der Koran herabgesandt worden. Folge ihm und lass dich nicht durch die Götzen täuschen.«

Auch diesmal sagte ich nichts. Ich bat sie, es mir etwas ausführlicher zu erklären. Da sagte sie:

»Muhammad ibn ʿAbdullāh ist der Gesandte Allahs; er hat den Koran gebracht. Er ruft zu Allah auf. Seine Leuchte ist die wahre Leuchte, und seine Religion ist der Weg zum Erfolg. Wenn erst Kämpfe und Gemetzel beginnen, die Schwerter gezogen und die Speere geschleudert werden, wird Lärm und Geschrei keinerlei Gutes bringen.«

Ihre Worte beeindruckten mich zutiefst. Ich begann, über das nachzudenken, was ich künftig tun sollte. Oft ging ich zu Abū Bakr und setzte mich zu ihm. Als ich zwei Tage später zu ihm ging, war niemand dort. Als er mich in nachdenklicher Stimmung dasitzen sah, fragte er: »Warum wirkst du heute so besorgt?« Er war mein enger Freund, daher erzählte ich ihm den Kern dessen, was meine Tante gesagt hatte. Nachdem er mir zugehört hatte, sagte er: »ʿUthmān, du bist ein vernünftiger Mann. Wenn du nicht zwischen Wahrheit und Lüge unterscheiden kannst, wäre das erstaunlich. Sind die Götzen, die deine Stammesleute verehren, nicht aus Stein gemacht – solche, die nichts hören und nichts sehen können und weder Nutzen noch Schaden zu bewirken vermögen?« ʿUthmān sagte: »Alles, was du gesagt hast, ist vollkommen wahr.«

Abū Bakr sagte: »Was deine Tante gesagt hat, ist wahr. Muhammad ibn ʿAbdullāh ist der Gesandte Allahs. Allah hat ihn gesandt, damit er den Menschen Seine Botschaft übermittelt. Wenn du zu ihm gehst und ihm aufmerksam zuhörst, welchen Schaden könnte das haben?« Nach diesen Worten ging ich zum Gesandten Allahs. Einer anderen Überlieferung zufolge ging der Gesandte selbst zu ʿUthmān, nachdem er von ihrem Gespräch gehört hatte. Der Gesandte sagte: »Höre, ʿUthmān: Allah ruft dich zum Paradies, so antworte diesem Ruf. Ich bin Allahs Gesandter; ich bin zu euch und zur gesamten Schöpfung gesandt worden.«

Allah allein weiß, welche Kraft in diesen seinen Worten lag! Ich verlor die Kontrolle über mich. Unwillkürlich kamen die Worte des Glaubensbekenntnisses über meine Lippen: »Ich bezeuge, dass es keinen Gott außer Allah gibt, und ich bezeuge, dass Muhammad der Gesandte Allahs ist.« [Al-Iṣāba 4/327–328]

Nach diesem Ereignis wurde in Mekka der Ehevertrag zwischen Hazrat Uthman (r.a.) und Hazrat Ruqayya (r.a.) geschlossen.

Hazrat Ruqayya (r.a.) nahm gemeinsam mit ihrer Mutter, der Umm al-Mu’minin Hazrat Chadidscha (r.a.), und ihrer älteren Schwester Hazrat Zaynab den Islam an. [Siyar aʿlam an-nubalaʾ – 2/251] Als die anderen Frauen dem Gesandten Allahs (s.a.w.) den Treueid leisteten, leistete auch sie ihm den Treueid. [Tabaqat – 8/36]

Im fünften Jahr der Prophetie wanderte sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Hazrat Uthman (r.a.) nach Abessinien aus. Hazrat Asma bint Abu Bakr (r.a.) berichtete, dass der Gesandte Allahs (s.a.w.) und Abu Bakr sich in der Höhle von Hira aufzuhalten pflegten und sie ihnen beiden Essen brachte. Eines Tages bat Hazrat Uthman (r.a.) den Gesandten Allahs (s.a.w.) um die Erlaubnis zur Auswanderung, woraufhin er ihm die Erlaubnis gab, nach Abessinien zu gehen. Daraufhin verließen die beiden als Ehepaar Mekka und machten sich auf den Weg nach Abessinien. Als ich ihnen später wieder Essen brachte, fragte der Gesandte (s.a.w.): „Sind Uthman und Ruqayya fortgegangen?“ Ich antwortete: „Ja, sie sind fortgegangen.“ Da sagte er, sodass mein Vater Abu Bakr (r.a.) es hören konnte:

„Wahrlich, diese beiden waren nach Ibrahim und Lut die ersten Auswanderer.“ [Ansab al-aschraf 01/199. Von Hazrat Qatada (r.a.) wird überliefert, dass der Gesandte (s.a.w.) sagte: „Uthman ibn Affan war mit seiner Familie der Erste, der um Allahs willen auswanderte.“ (Hayat as-sahaba – 1/346).]

Nachdem sie einige Zeit in Abessinien verbracht hatten, kehrten sie wieder nach Mekka zurück. Die feindseligen Machenschaften der Ungläubigen von Mekka hatten inzwischen noch zugenommen, sodass der Ort zum Leben ungeeignet geworden war. Daher hielten sie es nicht für angebracht, dort zu bleiben. Sie kehrten erneut nach Abessinien zurück.

Von Hazrat Anas (r.a.) wird berichtet: Uthman ibn Affan (r.a.) brach mit seiner Ehefrau Ruqayya (r.a.) nach Abessinien auf. Es dauerte eine Weile, bis ihre Nachricht den Gesandten Allahs erreichte. Inzwischen kam eine Quraisch-Frau aus Abessinien nach Mekka. Sie sagte: „Muhammad, ich sah, wie Ihr Schwiegersohn mit seiner Frau unterwegs war.“ Der Gesandte (s.a.w.) fragte: „In welchem Zustand hast du sie gesehen?“ Sie sagte: „Ich sah, wie er seine Frau auf einen schwachen Esel setzte und ihn vorantrieb.“ Daraufhin bemerkte der Gesandte (s.a.w.):

„Möge Allah ihr Begleiter sein. Nach Lut, Allahs Friede sei auf ihm, war Uthman der erste Mann, der gemeinsam mit seiner Ehefrau auswanderte.“ [Al-Bidaya – 3/66; Siyar aʿlam an-nubalaʾ – 2/251]

Nachdem sie sich ein zweites Mal geraume Zeit in Abessinien aufgehalten hatten, kehrten sie nach Mekka zurück. Nachdem sie einige Zeit in Mekka verbracht hatten, wanderten sie gemeinsam mit ihren Familienangehörigen endgültig nach Medina aus. [Tabaqat – 8/36]

Während des zweiten Aufenthalts in Abessinien wurde Ḥaḍrat Ruqayya (ra) ein Sohn namens ʿAbdullah geboren. Nach diesem ʿAbdullah erhielt Ḥaḍrat ʿUthmāns Beiname Abū ʿAbdillah. Zuvor war während der ersten Auswanderung nach Abessinien ein Kind in ihrem Mutterleib verstorben. [Prāgukta, Usud al-Ghāba-5/356] Qatāda sagt, dass ʿUthmān (ra) und Ruqayya (ra) keine Kinder hatten. Ibn Ḥadschar sagt, dies sei lediglich Qatādas persönliche Annahme; niemand außer ihm habe dies behauptet. [Al-Istīʿāb-4/300] Nach ʿAbdullah bekam Ḥaḍrat Ruqayya (ra) jedoch keine weiteren Kinder. [Ṭabaqāt-8/36]

Als ʿAbdullah gerade sechs Jahre alt war, pickte eines Tages plötzlich ein Hahn in eines seiner Augen. Daraufhin schwoll sein Gesicht an und das Gift breitete sich in seinem ganzen Körper aus. Infolge dieses Unglücks starb er im Monat Dschumādā al-awwal des vierten Hidschra-Jahres. [Siyar Aʿlām an-Nubalā-2/251] Der Gesandte (sa) leitete sein Totengebet, und Ḥaḍrat ʿUthmān (ra) stieg in das Grab hinab und führte seine Beisetzung durch.

Nach ihrer Ankunft in Medina erkrankte Ḥaḍrat Ruqayya (ra) im zweiten Hidschra-Jahr und wurde bettlägerig. Damals fand die Schlacht von Badr statt. Ḥaḍrat Rasūl-e-Karīm (sa) war mit den Vorbereitungen für den Kampf beschäftigt. Er ließ ʿUthmān (ra) in Medina zurück, damit dieser seine kranke Ehefrau pflegte, und zog selbst nach Badr. Ein Jahr und sieben Monate nach der Hidschra, im gesegneten Monat Ramadan, verstarb Ḥaḍrat Ruqayya. Usāma ibn Zayd (ra) berichtet: Gerade als wir das Grab von Ruqayya, der Tochter des Gesandten Allahs (sa), mit Erde auffüllten und ebneten, traf mein Vater Zayd ibn Ḥāritha mit der frohen Nachricht vom Sieg bei Badr ein. Der Gesandte (sa) hatte mich zusammen mit ʿUthmān in Medina zurückgelassen. [Sīrat Ibn Hischām-1/642–643; Ansāb al-Aschrāf-1/294, 475]

In einer anderen Überlieferung heißt es, dass ʿUthmān (ra), während sie mit der Beisetzung Ruqayyas (ra) beschäftigt waren, aus der Ferne den Ruf des Takbīr hörte und Usāma (ra) fragte, was dies bedeute. Da blickten sie hin und sahen Zayd ibn Ḥāritha (ra), der auf der Kamelstute des Gesandten Allahs (sa) ritt und die Nachricht von der Tötung der Anführer der mekkanischen Quraisch in Badr verkündete. [Al-Iṣāba-4/305]

Weil er bei seiner kranken Ehefrau bleiben musste, konnte Ḥaḍrat ʿUthmān (ra) nicht an einem so bedeutenden Feldzug wie der Schlacht von Badr teilnehmen. Dennoch rechnete der Gesandte (sa) ihn zu den Teilnehmern von Badr und sprach ihm einen Anteil an der Kriegsbeute zu. ʿUthmān (ra) fragte, was mit dem Lohn für den Dschihad sei. Der Gesandte (sa) sagte: „Du wirst auch den Lohn erhalten.“ [Ansāb al-Aschrāf-1/289; Sīrat Ibn Hischām-1/678]

Ibn ʿAbbās sagt, dass der Gesandte (sa) nach dem Tod Ruqayyas sagte: [Al-Iṣāba-4/304] (Arabisch=======)

„Schließe dich unserem Vorgänger ʿUthmān ibn Maẓʿūn an.“ [ʿUthmān ibn Maẓʿūn (ra) war der Onkel mütterlicherseits der Umm al-Muʾminīn Ḥaḍrat Ḥafṣa (ra). Er wanderte zweimal nach Abessinien aus und wanderte schließlich nach Medina aus. Aus dieser Überlieferung geht hervor, dass er vor Ḥaḍrat Ruqayya starb. Nach Balādhurīs Überlieferung kehrte er im Monat Dhū l-Hiddscha des zweiten Hidschra-Jahres nach Medina zurück und starb dreißig Monate nach der Hidschra. (Āṣḥāb-e Rasūl kī Zindagī-2/27) Dass Ḥaḍrat Ruqayya zur Zeit der Schlacht von Badr starb, darüber besteht allgemeiner Konsens. Daher ist die Angelegenheit nicht verständlich.] Die Frauen begannen zu weinen. Da kam ʿUmar (ra), hob seine Peitsche und wollte sie schlagen. Der Gesandte (sa) hielt seine Peitsche mit der Hand fest und sagte: „Lass sie. Sie weinen doch. Was aus dem Herzen und den Augen hervorgeht, kommt von Allah und Seiner Barmherzigkeit. Was sich jedoch durch Hand und Mund äußert, kommt vom Satan.“ Fāṭima (ra) saß am Grab neben dem Gesandten Allahs (sa). Der Gesandte (sa) wischte ihr mit dem Zipfel seines Gewandes die Tränen aus den Augen. [Siyar Aʿlām an-Nubalā-2/262; Ṭabaqāt-8/37] Ibn Saʿd sagt über die oben erwähnte Überlieferung, dass nach Ansicht aller Überlieferer als am zuverlässigsten gilt, dass sich der Gesandte (sa) zur Zeit von Ruqayyas Tod und Beisetzung in Badr befand. Vielleicht handelt es sich hierbei um das Ereignis beim Tod einer anderen Tochter des Gesandten Allahs (sa). Wenn es jedoch der Zeitpunkt von Ruqayyas Tod war, dann war der Gesandte (sa) wahrscheinlich nach seiner Rückkehr aus Badr zum Grab gegangen, und auch die Frauen hatten sich dort versammelt. [In einer Überlieferung im Musnad von Imām Aḥmad heißt es, dass der Gesandte (sa) nach seiner Rückkehr aus Badr zum Grab ging und die Frauen sich dort ebenfalls versammelt hatten. [Ṭabaqāt-8/37]] In einer Überlieferung im Musnad von Imām Aḥmad heißt es, dass aufgrund des Unwillens des Gesandten (sa) anstelle von ʿUthmān (ra) Abū Ṭalḥa (ra) in das Grab hinabstieg und Ruqayya dort niederlegte. Auch hier stellt sich dieselbe Frage: Wie kann das möglich sein? Der Gesandte (sa) befand sich zu jener Zeit doch in Badr. Daher sagten die Muḥaddithūn, dass sich dieses Ereignis bei der Beisetzung Umm Kulthūms (ra) zugetragen habe. Zudem wird in einer anderen Überlieferung der Name Umm Kulthūm (ra) genannt. [Al-Fatḥ ar-Rabbānī maʿa Bulūgh al-Amānī-22/199]

Es sei darauf hingewiesen, dass Umm Kulthūm (ra) die dritte Tochter des Gesandten Allahs (sa) war. Nach dem Tod Ruqayyas (ra) heiratete ʿUthmān (ra) sie. Einige Zeit später verstarb auch sie.

Hazrat Ruqayya (r.a.) war von außergewöhnlicher Schönheit und Anmut. Im Werk „ad-Durr al-Manthur“ heißt es: „Sie war eine überaus schöne Frau. Während ihres Aufenthalts in Abessinien waren einige dortige Taugenichtse beim Anblick ihrer Schönheit sprachlos vor Staunen. Diese Gruppe belästigte sie aufs Äußerste. Sie sprach ein Bittgebet gegen sie, und sie gingen zugrunde.“ [ad-Durr al-Manthur, S. 207; Sahabiyyat, S. 128]

Der frühe Tod seiner geliebten Ehefrau und Gefährtin in Freud und Leid bereitete Hazrat Uthman (r.a.) großen Schmerz. Zwischen den beiden herrschten große Eintracht und innige Liebe. Die Leute pflegten zu sagen – und der Ausspruch wurde gleichsam zum Sprichwort:

„Unter den Ehepaaren, die die Menschen gesehen haben, waren sie und ihr Ehemann Uthman die besten.“ [al-Isaba, 4/305] Aus verschiedenen Überlieferungen ist bekannt, dass Ruqayya eine ihrem Ehemann liebevoll zugewandte und ihm treu ergebene Ehefrau war. Während ihres kurzen Ehelebens waren sie niemals voneinander getrennt. Allen Gefahren, Schwierigkeiten und widrigen Umständen begegneten sie gemeinsam. So wie sie selbst durch die Fürsorge für ihren Ehemann stets versuchte, seine Schmerzen zu lindern, so bemühte sich auch ihr Ehemann Uthman jederzeit darum, ihr das Leben zu erleichtern. Eines Tages ging der Gesandte Allahs (s.a.w.) in Uthmans (r.a.) Haus und sah, wie Ruqayya ihrem Ehemann den Kopf wusch. Er sagte:

„Meine Tochter! Behandle Abu Abdillah (Uthman) gut, denn unter meinen Gefährten gleicht mir keiner in Charakter und Wesen mehr als er.“

Abu Huraira (r.a.) berichtet: Eines Tages ging ich in das Haus von Ruqayya, der Tochter des Gesandten Allahs (s.a.w.) und Ehefrau Uthmans, und sah einen Kamm in ihrer Hand. Sie sagte: „Der Gesandte Allahs (s.a.w.) ist gerade aus meinem Haus gegangen. Er sah, wie ich Uthman das Haar kämmte.“ [Hayat as-Sahaba, 2/542]

Ummu Kulthum Tochter des Gesandten Allahs ((s.a.w.))


Hazrat Ummu Kulthum (r.a.) war die dritte Tochter des edlen Gesandten Allahs (s.a.w.). In dieser Frage bestehen unter den Fachgelehrten der Sira jedoch gewisse Meinungsverschiedenheiten. Imam adh-Dhahabi zählte sie als das vierte Kind unter den Kindern des Gesandten Allahs (s.a.w.). [Siyar a’lam an-nubala, 2/252] Zubair ibn Bakkar sagte, Ummu Kulthum sei älter als Ruqayya und Fatima (r.a.) gewesen. Die meisten Verfasser von Sira-Werken widersprachen jedoch dieser Ansicht. Die richtige und zuverlässige Auffassung ist, dass Hazrat Ummu Kulthum (r.a.) jünger als Hazrat Ruqayya (r.a.) war. [Sira des Ibn Hischam, 1/190] At-Tabari führte die Reihenfolge der Geburt der Töchter des Gesandten Allahs (s.a.w.) folgendermaßen an:

„Zainab, Ruqayya, Ummu Kulthum und Fatima wurden geboren.“

Hazrat Ruqayya (r.a.) war die Ehefrau von Hazrat ‘Uthman (r.a.). Als sie im 2. Jahr nach der Hidschra verstarb, verheiratete der Gesandte (s.a.) Umm Kulthum (r.a.) mit ‘Uthman (r.a.). [Tabakat, 8/35] Wäre Umm Kulthum älter als Ruqayya gewesen, so hätte ‘Uthman (r.a.) zuerst sie und nicht Ruqayya geheiratet. Denn in allen Gesellschaften und Kulturen wird die Heirat der älteren Tochter zuerst arrangiert. Und genau das entspricht der Vernunft und der natürlichen Ordnung.

In den Büchern über die Sira und die Geschichte findet sich keine Angabe zum Geburtsjahr von Hazrat Umm Kulthum (r.a.). Man kann jedoch annehmen, dass sie sechs Jahre vor dem Beginn der Prophetenschaft des Gesandten Allahs (s.a.) geboren wurde. Denn es ist nahezu allgemein anerkannt, dass Ruqayya sieben Jahre und Hazrat Fatima (r.a.) fünf Jahre vor dem Beginn der Prophetenschaft geboren wurden. Ebenso gilt als anerkannt, dass Umm Kulthum (r.a.) jünger als Ruqayya und eine Schwester Fatimas war. Daher muss man die zwischen den beiden liegende Zeit als ihr Geburtsjahr annehmen. Demnach wurde sie sechs Jahre vor dem Beginn der Prophetenschaft geboren. [Sahabiyyat-129]

Wie bei vielen anderen liegt auch die Kindheit von Hazrat Umm Kulthum (r.a.) im Dunkel der Unwissenheit verborgen. Die damalige Zeit in Arabien war so beschaffen, dass man von keiner Person eine vollständige Lebensgeschichte überliefert findet. Daher beginnt ihre Lebensgeschichte erst mit ihrer Heirat.

Vor dem Beginn der Prophetenschaft verheiratete der Gesandte Allahs (s.a.) Ruqayya mit ‘Utba, dem Sohn Abu Lahabs, und Umm Kulthum mit ‘Utayba, seinem zweiten Sohn. Nachdem nach dem Beginn der Prophetenschaft des Gesandten Allahs (s.a.) die Sure al-Lahab zur Verurteilung Abu Lahabs und seiner Frau offenbart worden war, sagte Abu Lahab – nach einer anderen Überlieferung seine Frau – zu den beiden Söhnen: „Wenn ihr euch nicht von seiner [Muhammad (s.a.)] Tochter scheiden lasst und sie fortschickt, werde ich nicht mehr mit euch zusammenleben und keinen Umgang mehr mit euch pflegen.“ [Tabakat-8/37] In der Lebensgeschichte Hazrat Ruqayyas (r.a.) haben wir erwähnt, dass ‘Utba seine Ehefrau Ruqayya aufgrund solcher Worte der Eltern und des gesellschaftlichen Drucks verstieß. Ebenso verstieß ‘Utayba seine Ehefrau Umm Kulthum, um dem Befehl seiner Eltern Folge zu leisten. Somit fielen Zeitpunkt und Grund der Scheidungen bei beiden zusammen. [Usud al-Ghaba-5/12] Beide Schwestern waren zwar verheiratet worden, doch noch bevor sie in das Haus ihrer Ehemänner einzogen, kam es zur Trennung.

Als Ruqayya (r.a.) im zweiten Jahr nach der Hidschra verstarb, wurde Hazrat ‘Uthman (r.a.) aus Trauer um seine Ehefrau sehr niedergeschlagen und bekümmert. Als der Gesandte (s.a.) ihn eines Tages in diesem Zustand sah, sagte er zu ihm: „‘Uthman, ich sehe dich sehr bekümmert. Was ist der Grund?“ ‘Uthman (r.a.) antwortete: „Wie könnte ich nicht bekümmert sein? Mich hat ein Unglück getroffen, wie es wahrscheinlich noch keinen Menschen getroffen hat. Die Tochter des Gesandten Allahs (s.a.) ist verstorben. Dadurch ist mir das Rückgrat gebrochen. Die verwandtschaftliche Beziehung, die ich zum Gesandten Allahs (s.a.) hatte, ist abgerissen. Was soll ich nun tun?“ Noch bevor er seine Worte beendet hatte, sagte der Gesandte (s.a.): „Dschibril (a.s.) hat mir einen Befehl von Allah überbracht, dass ich Umm Kulthum auf Grundlage einer Brautgabe in gleicher Höhe wie derjenigen Ruqayyas mit dir verheiraten soll.“ [Pragukt-5/613] Daraufhin vollzog der Gesandte (s.a.) im Monat Rabi‘ al-Awwal des dritten Jahres nach der Hidschra den Ehevertrag zwischen Hazrat ‘Uthman (r.a.) und Umm Kulthum. [Tabakat-8/37] Zwei Monate nach dem Ehevertrag, im Monat Dschumada ath-Thani, zog sie in das Haus ihres Ehemannes. Hazrat Umm Kulthum wurde keine Mutter. [Ebenda]

Einer Überlieferung zufolge machte ‘Umar ibn al-Khattab (r.a.) nach dem Tod Ruqayyas (r.a.) ‘Uthman (r.a.) einen Heiratsantrag für seine Tochter Hafsa (r.a.). Er gab jedoch keine Antwort und schwieg. Als der Gesandte (s.a.) davon erfuhr, sagte er zu ‘Umar: „Ich werde für Hafsa einen besseren Ehemann als ‘Uthman und für ‘Uthman eine bessere Ehefrau als Hafsa suchen.“ Danach verheiratete er Hafsa und gab Umm Kulthum ‘Uthman zur Ehe. [Ebenda-8/38]

Hazrat Umm Kulthum (r.a.) nahm gemeinsam mit ihrer Mutter, der Mutter der Gläubigen Hazrat Khadidscha (r.a.), den Islam an. Später leistete sie gemeinsam mit ihren anderen Schwestern dem Gesandten Allahs (s.a.) den Treueid. [Ebenda-8/37] Nach der Auswanderung des Gesandten Allahs (s.a.) nach Medina wanderte sie gemeinsam mit den übrigen Familienmitgliedern nach Medina aus. [Siyar A‘lam an-Nubala-2/252, Hayatus-Sahaba-1/369]

Nach dem Tod Hazrat Umm Kulthums (s.a.) sagte der Gesandte (s.a.): „Wenn ich zehn Töchter hätte, würde ich sie alle nacheinander mit ‘Uthman (r.a.) verheiraten.“ [Al-Isti‘ab-793] In einer Überlieferung ist statt von zehn Töchtern von einhundert Töchtern die Rede. Nachdem sie sechs Jahre mit ihrem Ehemann ‘Uthman (r.a.) verbracht hatte, verstarb Hazrat Umm Kulthum (r.a.) im Scha‘ban des neunten Jahres nach der Hidschra. [Siyar A‘lam an-Nubala-2/253] Ansar-Frauen wuschen ihren Leichnam. Zu ihnen gehörte auch Umm ‘Atiyya. Der Gesandte (s.a.) leitete das Totengebet. Hazrat Abu Talha, ‘Ali ibn Abi Talib, Fadl ibn ‘Abbas und Usama ibn Zayd (r.a.) senkten den Leichnam ins Grab. [Tabakat-8/38–39]

In einer Überlieferung heißt es, dass Anas (ra) Umm Kulthum (ra) in einen mit gestreiften Seidenstickereien verzierten Umhang gekleidet gesehen habe. [Bukhari: Bab al-Harir li-n-Nisa; Abu Dawud (2058); Nasa’i 8/197; Ibn Madscha (3598); Tabaqat 8/38]

Der niederträchtige ‘Utayba kam, nachdem er auf Drängen seiner als Feuerflamme der Hölle bezeichneten Vaters Abu Lahab und seiner holzsammlenden Mutter Umm Jamil, der Hamალat al-Hatab, seine Frau Umm Kulthum geschieden hatte, zum Gesandten Allahs (sa) und benahm sich äußerst ungehobelt. An den Gesandten (sa) gewandt, sagte er: „Ich verleugne deine Religion – beziehungsweise: Ich habe deine Tochter geschieden. Du wirst nicht mehr zu mir kommen, und ich werde auch nicht mehr zu dir kommen.“ Damit stürzte er sich wie ein Starrsinniger auf den Gesandten Allahs (sa), wobei dessen Gewand zerriss. Danach brach er zu einer Reise nach Scham auf. Über dieses tierische Verhalten erzürnt, sprach der Gesandte (sa) einen Fluch über ihn aus und sagte: „Ich bitte Allah darum, dass Er einen Seiner Hunde über ihn siegen lässt.“

‘Utayba brach mit einer Handelskarawane der Quraisch nach Scham auf. Als sie an einem Ort namens ‘Az-Zarqa’ übernachteten, begann ein Wolf in der Nähe ihres Lagerplatzes umherzustreifen. Als ‘Utayba ihn sah, erinnerte er sich an den Fluch des Gesandten Allahs (sa) und geriet in Todesangst. Er sagte: „Möge meine Mutter zugrunde gehen! Dieser Wolf wird mich, wie Muhammad gesagt hat, gewiss fressen.“ Die Karawanenleute ließen ihn in ihrer Mitte schlafen und legten sich ebenfalls schlafen. Der Wolf überstieg alle anderen, holte ‘Utayba aus der Mitte heraus, biss und zerfleischte ihn und tötete ihn.

Fatima bint Rasulillah (sa)


Geburt sowie Abstammung von Vater und Mutter

Hazrat Fatima (ra) wurde fünf Jahre vor dem Antritt des Prophetentums des edlen Gesandten Allahs in Umm al-Qura, also in der Stadt Mekka, geboren. Ihr Vater war Sayyid al-Kawnayn, der Gesandte des Herrn der Welten, Abu l-Qasim Muhammad ibn ‘Abdillah ibn ‘Abd al-Muttalib, und ihre Mutter die Anführerin aller Frauen der Welt, die erste Muslimin und Umm al-Mu’minin Khadidscha bint Khuwaylid (ra). Als Fatima geboren wurde, waren die Quraisch von Mekka mit der Renovierung der heiligen Kaaba beschäftigt; dies geschah fünf Jahre vor dem Antritt des Prophetentums des Gesandten Allahs (sa). Über die Geburt Fatimas freuten sich ihre großartigen Eltern außerordentlich. [Siyar a’lam an-nubala 2/119] Fatima war die jüngste Tochter. Obwohl ihre Mutter Khadidscha (ra) für ihre anderen Kinder Ammen hatte, überließ sie Fatima keiner Amme. Sie stillte ihre innig geliebte jüngste Tochter selbst. So wuchs Hazrat Fatima (ra) in einem reinen und heiligen Haus unter der Obhut ihrer großartigen Eltern auf und wurde in der klaren Quelle des Prophetentums gebadet.

Gründe für ihre Vorzüglichkeit

Die Gründe für die Größe, Würde, Vornehmheit und Vorzüglichkeit von Hazrat Fatima (ra), die ihr zugeschrieben werden, lassen sich kurz wie folgt zusammenfassen:

1. Ihr Vater ist unser großer Prophet Muhammad, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, der vorzüglichste Nachkomme des Stammvaters der Menschheit, des ehrwürdigen Adam (a.s.), und die Barmherzigkeit für die Welten.

2. Ihre Mutter ist die Anführerin der Frauen der Welt und die erste Umm al-Mu’minin, die den Islam annahm: Khadidscha bint Chuwailid (r.a.).

3. Ihr Ehemann ist der Führer der Gläubigen in dieser Welt und im Jenseits, der ehrwürdige ʿAli (r.a.).

4. Ihre beiden Söhne, al-Hasan und al-Husain (r.a.), sind die beiden großen Führer unter den Jugendlichen des Paradieses und die duftenden Blumen des Gesandten Allahs (r.a.).

5. Einer ihrer Großväter ist der ehrwürdige Hamza (r.a.), der große Führer der Märtyrer.

6. Ein anderer ihrer Großväter ist der ehrwürdige al-ʿAbbas ibn ʿAbd al-Muttalib (r.a.), der die Ehre und Würde seiner Nachbarn schützte, in Zeiten der Not sein Vermögen für die Menschen ausgab, unbekleideten Menschen Kleidung schenkte und Hungernden und von Entbehrung Geplagten Nahrung gab.

7. Einer ihrer Onkel ist der ehrwürdige Dschaʿfar ibn Abi Talib (r.a.), der große Märtyrerführer und Feldherr.

Gibt es unter den Frauen der Welt noch eine andere, die diese genannten Ehren besitzt?

den Islam annehmen

Nachdem dem geehrten Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) die Offenbarung zuteilgeworden war, war die Mutter der Gläubigen, Hazrat Chadidscha (Allah möge mit ihr zufrieden sein), die Erste, die an ihn glaubte und seine Gesandtschaft als wahr annahm. Zu den Frauen, die in der ersten Phase an den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) glaubten, gehörten vor allem seine edlen und reinen Töchter. Sie waren: Zainab, Ruqayya, Umm Kulthum und Fatima (Allah möge mit ihnen zufrieden sein). Gemeinsam mit ihrer erhabenen Mutter Chadidscha (Allah möge mit ihr zufrieden sein) glaubten sie an das Prophetentum und die Gesandtschaft ihres Vaters.

Ibn Ishaq überlieferte dies nach dem Bericht von Hazrat Aischa (Allah möge mit ihr zufrieden sein). Sie sagte: Als Allah Seinen Propheten mit dem Prophetentum auszeichnete, nahmen Chadidscha und ihre Töchter den Islam an. Auf diese Weise traten die Töchter des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) gemeinsam mit ihrer Mutter schon ganz am Anfang in den Bereich des Islam ein und bekannten sich zur Gesandtschaft ihres Vaters. Bereits vor dem Erlangen des Prophetentums waren sie mit vorzüglichen moralischen Eigenschaften geschmückt. Nach dem Islam wurden diese noch schöner und vollkommener.

Imam az-Zurqani äußerte sich in seinem Werk „Scharh al-Mawahib“ über die Annahme des Islam durch Fatima und ihre Schwestern in der ersten Phase folgendermaßen: „Es besteht keine Notwendigkeit, ihre Töchter eigens zu erwähnen. Denn es besteht kein Zweifel daran, dass sie schon vor dem Prophetentum das Leben und Verhalten ihres Vaters fest befolgten und sich nachdrücklich daran hielten.“ An anderer Stelle äußerte sich az-Zurqani über den Vorrang der Töchter des Propheten bei der Annahme des Islam wie folgt: Zusammengefasst bedarf es keines Beweises dafür, dass sie den Islam früh annahmen. Weil sie im Schoß der wahrhaftigsten und edelsten Vaterschaft sowie der besten und liebevollsten Mutterschaft aufwuchsen, erhielten sie von ihrem Vater die vortrefflichste Charakter- beziehungsweise Sittenlehre und von ihrer Mutter eine Intelligenz, die unter den Frauen früherer und späterer Zeiten ihresgleichen sucht. Somit war der Islam der Familie des Propheten, also seiner Ehefrauen und Töchter, ein Islam, der ihrer reinen Natur entsprach und durch Glauben und Prophetentum genährt wurde. Sie wuchsen auf den Grundlagen von Größe, Würde und vorzüglicher Moral auf. [Taradschim Sayyidati Bait an-Nubuwa, S. 592]

Die Unterstützung des Vaters in Kindheit und Jugend

Dem edlen Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) wurde die Offenbarung zuteil. Gemäß der Anweisung Allahs, des Herrn der Welten, begann er, die Menschen zum Islam aufzurufen, und widmete sich voll und ganz der Verkündigung und Verbreitung des Islam. Dafür begann er, all das zu übergehen, was ihm an Kummer und Leid, Gefahren und Bedrängnissen, Misshandlung und Verfolgung, Zurückweisung, falschen Anschuldigungen und Übertreibungen begegnete. Schließlich gingen die Quraisch mit äußerster Feindseligkeit und Maßlosigkeit gegen den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) vor. Sie verspotteten ihn und begannen, die Menschen gegen ihn aufzuwiegeln. Hazrat Fatima (Allah möge mit ihr zufrieden sein) befand sich damals noch in ihrer Kindheit. Obwohl sie so jung war, verstand die Tochter Fatima, dass ihr Vater eine schwere Zeit in seinem Leben durchmachte. Oft ging sie in seiner Nähe mit ihm hierhin und dorthin. Einmal sah sie, wie der ruchlose Uqba ibn Abi Muait ihren Vater auf so niederträchtige Weise behandelte, dass sie dies ihr ganzes Leben lang nicht vergessen konnte. Dieser Uqba wurde den Quraisch von Mekka zugerechnet. Tatsächlich war seine Abstammung nicht eindeutig. Er wuchs als besonders verdorbener Sünder und Übeltäter auf. Um den Makel seiner Herkunft zu verbergen, beging er stets vorauseilend allerlei üble Taten und versuchte, sich die Gunst der Führer der Quraisch zu erwerben.

Einmal saß Uqba in einer Versammlung der sündhaften, polytheistischen Quraisch von Mekka. Einige Führer der Quraisch sagten: „Seht, Muhammad befindet sich in der Niederwerfung. Wer von den hier Anwesenden kann die verfaulten Eingeweide dieses Kamels nehmen und auf seinen Rücken legen?“ Der niederträchtige Uqba meldete sich voller Eifer für diese Untat und sagte: „Ich gehe.“ Dann ging er schnell zu den faulen Eingeweiden, hob sie auf und warf sie auf den Rücken Muhammads (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), der sich in der Niederwerfung befand. Die Führer der Quraisch, die das Geschehen aus der Ferne beobachteten, brachen in lautes Gelächter aus. Der edle Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) erhob sich nicht aus der Niederwerfung. Sofort gelangte die Nachricht zu Hazrat Fatima (Allah möge mit ihr zufrieden sein) nach Hause. Sie eilte herbei, entfernte mit großer Zärtlichkeit eigenhändig den Schmutz vom Rücken ihres Vaters und reinigte mit Wasser den Schmutz, der an seinem Körper haftete. Danach ging sie auf jene sündhafte Gruppe zu und überschüttete sie mit scharfen Worten. [Al-Bidaya wa-n-Nihaya, 3/44; Hayat as-Sahaba, 1/271]

Nachdem der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) das Gebet beendet hatte, hob er beide Hände und sprach ein Bittgebet: (Arabisch=======)

„O Allah! Ergreife Shayba ibn Rabīʿa! O Allah! Fasse Abū Jahl ibn Hishām! O Allah! Kümmere dich um ʿUqba ibn Abī Muʿayṭ! O Allah, nimm dich Umayya ibn Khalafs an!“

Als die Frevler sahen, wie der Gesandte Allahs (s.a.s.) auf diese Weise die Hände erhob und Bittgebete sprach, verstummte ihr Lachen. Sie wurden von Angst und Schrecken erfüllt. Allah erhörte das Bittgebet Seines geliebten Propheten. Alle vier erwähnten Übeltäter wurden in Badr getötet. [Al-Bayhaqī, Dalāʾil an-Nubuwwa 2/278, 280; Al-Bidāya wa-n-Nihāya 3/44] Erwähnenswert ist, dass ʿUqba in Badr von den Muslimen gefangen genommen wurde. Der Gesandte Allahs (s.a.s.) befahl, ihn zu töten. Da sagte er: „Muhammad! Wer wird für meine kleinen Töchter da sein?“ Er sagte: „Die Hölle.“ Darauf sagte er: „Wirst du mich töten, obwohl ich zu den Quraysh gehöre?“ Er sagte: „Ja.“ Dann wandte er sich an die Gefährten und sagte: „Wisst ihr, wie dieser Mann mich behandelt hat? Eines Tages war ich hinter dem Maqām Ibrāhīm in der Niederwerfung. Da kam er, stellte seinen Fuß auf meinen Nacken und drückte so kräftig zu, dass meine beiden Augen beinahe heraustraten. Ein anderes Mal war ich in der Niederwerfung. Da brachte er irgendwoher Ziegenmist und schüttete ihn über meinen Kopf. Fatima eilte herbei, entfernte ihn und wusch mir den Kopf. Durch die Hand der Muslime fand das Leben dieses frevelhaften ʿUqba sein Ende. [Al-Bidāya wa-n-Nihāya 3/44; Ḥayāt aṣ-Ṣaḥāba 1/271; Nisāʾ Mubashshirāt bi-l-Janna 206]

Als Fatima noch ein junges Mädchen war, ging sie eines Tages an der Hand ihres Vaters zum Hof der Kaaba. Sie sah, dass ihr Vater, sobald er sich dem Schwarzen Stein näherte, von einer Gruppe Götzendiener umringt wurde, die gemeinsam zu ihm sagten: „Bist du nicht derjenige, der solche und solche Dinge sagt?“ Dann zählten sie eines nach dem anderen auf: „Du beschimpfst unsere Vorväter, sprichst von den Fehlern unserer Götter und hältst die klugen und verständigen Menschen für töricht und dumm.“

Er sagte: „Ja, ich bin genau dieser Mann.“

Als das Mädchen Fatima sah, was danach geschah, stockte ihr beinahe der Atem. Vor Angst wurde sie wie gelähmt. Sie sah, wie einer von ihnen das Tuch um den Körper ihres Vaters um seinen Hals wickelte und begann, kräftig daran zu ziehen. Abū Bakr (r.a.) stand vor ihnen und sagte mit äußerst erregter Stimme: „Wollt ihr einen Mann etwa nur deshalb töten, weil er sagt: Allah ist mein Herr und Erhalter?“

Die Männer blickten ihn mit feurigen Augen an. Sie packten ihn am Bart, schlugen ihm den Kopf auf und ließen ihn bluten. [Ibn Hishām, As-Sīra an-Nabawiyya 1/310]

So setzte Abū Bakr (r.a.) an jenem Tag sein eigenes Leben aufs Spiel und befreite Muhammad (s.a.s.) aus den Händen der Frevler. Nachdem er befreit worden war, machte er sich auf den Weg nach Hause. Fatima folgte ihrem Vater. Unterwegs fügten ihm alle, ob Freie oder Sklaven, denen sie begegneten, durch allerlei anstößige Bemerkungen großen Schmerz zu. Der Gesandte Allahs (s.a.s.) ging geradewegs nach Hause und ließ sich in völlig zerschmettertem Zustand auf sein Bett sinken. Das Mädchen Fatima erlebte dieses Geschehen mit eigenen Augen. [Tarājim Sayyidāt Bayt an-Nubuwwa 592]

Fatima im Schiʿb Abī Ṭālib

Die Quraisch wählten einen neuen Weg, um den Gesandten Allahs (s) zu verfolgen. Nun erstreckte sich ihre Verfolgung auch auf die Banū Hāschim und die Banū ʿAbd al-Muttalib. Die Götzendiener von Mekka fassten den festen Entschluss, sie zu boykottieren. Bis der Gesandte Allahs (s) sich ihnen unterwarf, sollten Handel, Gespräche und gesellschaftlicher Umgang mit ihnen eingestellt werden. Mit Ausnahme von Abū Lahab suchten die Banū Hāschim und die Banū ʿAbd al-Muttalib in der Nähe von Mekka im „Schiʿb Abī Tālib“ Zuflucht. Dort wurden sie belagert. Das Leben unter der Belagerung nahm nach einiger Zeit eine schreckliche Wendung an. Selbst außerhalb des „Schiʿb“ waren damals die Klagerufe und das Weinen der hungernden Frauen und Kinder zu hören. Unter den Eingeschlossenen befand sich auch Fātima (r). Diese Belagerung wirkte sich äußerst negativ auf ihre Gesundheit aus. Die Mangelernährung, unter der sie hier litt, trug sie bis an ihr Lebensende. Die Belagerung dauerte fast drei Jahre.[Nisāʾ Mubascharāt bil-Dschanna, S. 206]

Um den Kummer und das Leid des Lebens unter der Belagerung zu vergessen, wurde sie mit einem weiteren großen Schmerz konfrontiert. Ihre liebevolle Mutter, Hadīdscha (r), die sie alle behütet hatte und in aller Stille sämtliche Pflichten des gesegneten Prophetenhauses erfüllt hatte, verstarb. Sie schien dem Gesandten Allahs (s) alle seine Pflichten ihrer Tochter Fātima anzuvertrauen. Mit großer Selbstsicherheit und Entschlossenheit stellte sie sich an die Seite ihres Vaters. Sie erhielt zunehmend mehr Zuneigung und liebevolle Fürsorge von ihm. Bis zur Auswanderung nach Medina wirkte sie in Mekka als Helferin bei den missionarischen Tätigkeiten ihres Vaters mit. Aus diesem Grund erhielt sie den Beinamen „Ummu Abīhā“ („die Mutter ihres Vaters“).[Ebd., S. 207; Usud al-Gāba, 5/250; al-Isāba, 4/450]

Die Auswanderung und Fātima

In der Nacht, in der der Gesandte (s) nach Medina auswanderte, beobachtete Fātima (r) aus nächster Nähe die wagemutige Rolle, die ʿAlī (r) spielte. Unter Einsatz seines Lebens legte sich ʿAlī (r) in das Bett des Gesandten (s), um die ruchlosen Quraisch zu täuschen. In jener schrecklichen Nacht befand sich auch Fātima im Haus. Furchtlos wies sie allen Druck der Quraisch zurück. Danach blieb ʿAlī (r) drei Tage in Mekka, gab die dem Gesandten Allahs (s) anvertrauten Vermögenswerte ihren Eigentümern zurück und machte sich anschließend nach Medina auf.

Fātima und ihre Schwester Umm Kulthūm blieben in Mekka. Nachdem der Gesandte (s) sich in Medina etwas eingelebt hatte, sandte er einen Gefährten, um seine Familienangehörigen zu holen. Dies geschah im 13. Jahr der Berufung zum Prophetentum. Fātima (r) war damals achtzehn Jahre alt. Als sie Medina erreichte, sah sie, dass die Auswanderer dort Frieden und Sicherheit gefunden hatten. Inmitten der Einsamkeit in einem fremden Land hatte man Bande der Brüderlichkeit geknüpft. Sie selbst nahm ʿAlī (r) als ihren Bruder im Glauben an.[Ibn Hischām-2/150; al-Istīʿāb-3/198]

Die Eheschließung

Im zweiten Jahr der Hidschra heiratete Fātima (r) ʿAlī (r) nach der Schlacht von Badr. Unter den Sīra-Fachgelehrten gibt es geringfügige Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich des genauen Jahres und Datums der Eheschließung sowie des Alters von Fātima und ʿAlī (r) zum Zeitpunkt ihrer Heirat. Einer Ansicht zufolge fand die Eheschließung nach der Schlacht von Uhud statt. Es wird auch überliefert, dass die Heirat von ʿAlī und Fātima vier Monate nachdem der Gesandte (s) Hadhrat ʿĀ’ischa (r) in seinen Haushalt aufgenommen hatte, stattfand und dass sie neun Monate später ihre Hochzeitsnacht hatten. Fātima (r) war bei der Eheschließung fünfzehn Jahre und fünfeinhalb Monate alt, ʿAlī war einundzwanzig Jahre und fünf Monate alt.[Aʿlām an-Nisāʾ -4/109] Ibn ʿAbd al-Barr erwähnt in seinem Werk „al-Istīʿāb“ und Ibn Saʿd in seinem Werk „at-Tabaqāt“, dass ʿAlī (r) Fātima (r) im Monat Radschab, fünf Monate nach der Ankunft des Gesandten Allahs (s) in Medina, heiratete und dass sie nach der Rückkehr von der Schlacht von Badr ihre Hochzeitsnacht hatten. Fātima war damals achtzehn Jahre alt. In at-Tabarīs „Geschichte“ heißt es, dass die Hochzeitsnacht von ʿAlī und Fātima (r) im zweiten Jahr der Hidschra, im Monat Dhū l-Hiddscha, nach zweiundzwanzig Monaten seit der Auswanderung stattfand. Zum Zeitpunkt der Eheschließung war ʿAlī (r) vier Jahre älter als Fātima.[ebd.; at-Tabaqāt-8/11; Nisāʾ mubaschscharāt bi-l-dschanna-208]

Auch Gefährten von hohem Rang wie Abū Bakr (r) und ʿUmar (r) waren daran interessiert, Fātima (r) zur Ehefrau zu nehmen. Sie unterbreiteten dem Gesandten Allahs (s) ebenfalls einen Heiratsantrag. Doch er lehnte dies mit großer Bescheidenheit und Sanftmut ab. In al-Hākims „al-Mustadrak“ und an-Nasāʾīs „Sunan“ wird berichtet, dass Abū Bakr und ʿUmar (r) gemeinsam um Fātimas Hand anhielten. Der Gesandte (s) sagte zu ihnen: „Sie ist noch jung.“ Einer Überlieferung zufolge machte Abū Bakr den Antrag. Der Gesandte (s) sagte: „Abū Bakr! Warte in dieser Angelegenheit auf Allahs Entscheidung.“ Abū Bakr (r) erzählte dies ʿUmar (r), worauf ʿUmar (r) sagte: „Er hat deinen Antrag doch abgelehnt.“ Darauf sagte Abū Bakr zu ʿUmar (r): „Machen Sie nun selbst dem Gesandten Allahs (s) einen Heiratsantrag für Fātima.“ ʿUmar (r) machte den Antrag. Der Gesandte (s) sagte zu ʿUmar genau dasselbe, womit er Abū Bakr zurückgewiesen hatte. Als ʿUmar (r) Abū Bakr davon berichtete, bemerkte dieser: „ʿUmar, auch deinen Antrag hat er abgelehnt.“ Darauf sagte ʿUmar (r) zu ʿAlī (r): „Sie sind der geeignete Bewerber für Fātima.“ ʿAlī (r) sagte: „Von meinem Besitz habe ich außer diesem einen Panzerhemd nichts.“ Über die Art und Weise, wie die Ehe von ʿAlī und Fātima geschlossen wurde, finden sich mehrere Überlieferungen. Sie stimmen weitgehend miteinander überein. Einige davon werden hier angeführt.

Nach einer Überlieferung in den Werken „ at-Tabaqāt“ von Ibn Saʿd und „Usud al-Ghāba“ ging ʿAlī (r.a.) auf Umars Rat hin zum Gesandten Allahs (s.a.w.) und hielt um Fātimas Hand an. Der Gesandte (s.a.w.) bot daraufhin von sich aus Fātima dem ʿAlī (r.a.) zur Heirat an. Der Gesandte (s.a.w.) verheiratete Fātima von sich aus mit ʿAlī (r.a.). Als diese Nachricht Fātima erreichte, begann sie zu weinen. Daraufhin ging der Gesandte (s.a.w.) zu Fātima und sagte zu ihr: „Fātima! Ich habe dich mit dem gelehrtesten, umsichtigsten und ersten Menschen, der den Islam angenommen hat, verheiratet.“ Einer anderen Überlieferung zufolge sagte der Gesandte (s.a.w.), nachdem ʿAlī (r.a.) um ihre Hand angehalten hatte: „Fātima! ʿAlī gedenkt deiner.“ Fātima blieb ohne jede Antwort still. Daraufhin vollzog der Gesandte (s.a.w.) die Eheschließung.

Eine andere Überlieferung lautet wie folgt: Einige Männer von den Ansār aus Medina sagten zu ʿAlī: „Du hast doch Fātima zur Verfügung.“ Daraufhin ging ʿAlī zum Gesandten Allahs (s.a.w.). Der Gesandte (s.a.w.) sagte: „Was führt den Sohn Abū Tālibs hierher?“ ʿAlī sprach über Fātima. Der Gesandte Allahs (s.a.w.) sagte: „Marhaban wa ahlan“ (Willkommen in der Familie). Mehr sagte er nicht. ʿAlī erhob sich vom Gesandten Allahs (s.a.w.) und ging zu jener wartenden Gruppe der Ansār. Sie fragten: „Was gibt es Neues?“ ʿAlī sagte: „Ich weiß es nicht. Er hat zu mir nichts anderes als ‚Marhaban wa ahlan‘ gesagt.“ Sie erwiderten: „Ist es nicht genug, dass der Gesandte Allahs (s.a.w.) dir dies gesagt hat? Er hat dich als Familienmitglied willkommen geheißen.“ Über die Art und Weise, wie er Fātima heiratete, berichtet ʿAlī (r.a.) Folgendes: Eine Heiratsanfrage um Fātimas Hand war beim Gesandten Allahs (s.a.w.) eingegangen. Da sagte eine meiner Dienerinnen zu mir: „Weißt du, dass beim Gesandten Allahs (s.a.w.) eine Heiratsanfrage um Fātimas Hand eingegangen ist?“

Ich sagte: „Nein.“

Sie sagte: „Doch, es ist eine Heiratsanfrage eingegangen. Warum gehst du nicht zum Gesandten Allahs (s.a.w.)? Wenn du hingehst, wird der Gesandte Allahs (s.a.w.) Fātima gewiss mit dir verheiraten.“

Ich sagte: „Besitze ich denn etwas, womit ich heiraten kann?“

Sie sagte: „Wenn du zum Gesandten Allahs (s.a.w.) gehst, wird er sie gewiss mit dir verheiraten.“

ʿAlī (r.a.) berichtet: „Bei Allah, sie machte mir auf diese Weise immer wieder Hoffnung und sprach mir Mut zu. Schließlich ging ich eines Tages zum Gesandten Allahs (s.a.w.). Nachdem ich vor ihm Platz genommen hatte, war ich wie verstummt. Wegen seiner Erhabenheit sowie der Würde und Ehrfurcht, die in ihm gegenwärtig waren, konnte ich kein Wort hervorbringen. Schließlich fragte er mich selbst: ‚Weshalb bist du gekommen? Hast du ein Anliegen?‘ ʿAlī (r.a.) berichtet: Ich schwieg. Der Gesandte (s.a.w.) sagte: ‚Du bist doch gewiss gekommen, um um Fātimas Hand anzuhalten?‘“

Ich sagte: „Ja.“ Er sagte: „Hast du etwas, womit du sie heiraten kannst?“ Ich sagte: „Bei Allah, o Gesandter Allahs! Nein.“ Er sagte: „Was hast du mit dem Panzerhemd gemacht, das ich dir gegeben hatte?“

Ich sagte: Das habe ich bei mir. Bei dem, in dessen Hand das Leben Alis liegt: Es handelt sich lediglich um eine Hutamī-Rüstung. Ihr Wert beträgt nicht einmal vier Dirham.

Der Gesandte (s.a.w.) sagte: Ich habe dir Fatima im Austausch dafür zur Frau gegeben. Schicke sie ihr und vollziehe damit die Ehe mit ihr.

Ali (r.a.) sagte: Dies war die Mahr von Fatima bint Rasulullah (s.a.w.).[Dalā’il an-Nubuwwa-3/160; Usud al-Ghāba-5/250; Al-Bidāya wa-n-Nihāya-3/346; Tabakāt-8/12]

Ali (r.a.) ging schnell nach Hause und holte die Rüstung. Der Gesandte (s.a.w.) wies ihn an, sie zu verkaufen, um Dinge für die Ausstattung der Braut zu kaufen.[Sahih al-Buchari, Kitab al-Buyu; Sunan an-Nasa’i, Kitab an-Nikah; Musnad Ahmad-1/93, 104, 108] Uthman ibn Affan (r.a.) kaufte die Rüstung für vierhundertsiebzig (470) Dirham. Dieses Geld wurde dem Gesandten Allahs (s.a.w.) übergeben. Er wies Bilal (r.a.) an, davon etwas Parfüm und Duftstoffe zu kaufen, und den Rest Umm Salama (r.a.) zu geben, damit sie davon Dinge für die Ausstattung der Braut kaufen konnte.

Als alles geregelt war, ließ der Gesandte (s.a.w.) die Gefährten rufen. Als sie eingetroffen waren, verkündete er, dass er seine Tochter Fatima Ali (r.a.) für vierhundert Mithqal Silber zur Frau gegeben habe. Danach hielten gemäß der arabischen Sitte der Gesandte (s.a.w.) als Vertreter der Braut und der Bräutigam Ali (r.a.) selbst eine kurze Ansprache. Anschließend wurde den anwesenden edlen Gefährten ein mit Datteln gefülltes Gefäß gereicht.[Tarājim Sayyidāti Bait an-Nubuwwa-607]

Die Ansprache des Gesandten Allahs (s.a.w.) anlässlich der Hochzeit von Fatima und Ali (r.a.):[Dschamharat Chutab al-Arab-3/344] (Arabisch==========)

„Alles Lob gebührt Allah, der aufgrund Seiner Gaben und Gunst gepriesen wird, der durch Seine Macht und Kraft angebetet wird, vor dessen Strafe man sich fürchtet und von dem man sich wegen all dessen, was bei Ihm ist, etwas erhofft. Im Himmel und auf der Erde setzt Er Seinen Befehl durch. Durch Seine Macht und Kraft hat Er diese Schöpfung erschaffen; danach hat Er sie durch Gebote und Verbote voneinander unterschieden, sie durch die Religion gestärkt und sie durch Seinen Propheten Muhammad (s.a.w.) geehrt. Danach hat Allah, der Erhabene, die Eheordnung zu einem Mittel zur Bewahrung der nachfolgenden Generationen und zu einer verbindlichen Pflicht gemacht. Durch sie hat Er die Blutsverwandtschaft miteinander verbunden. Diese Ordnung hat Er der gesamten Schöpfung vorgeschrieben.“

Er, dessen Name überaus gesegnet und dessen Gedenken erhaben ist, hat gesagt: „Er ist es, Der den Menschen aus Wasser erschaffen und ihm dann Blutsverwandtschaft und Verschwägerung gegeben hat. Dein Herr ist allmächtig.“ So schreitet Allahs Befehl seinem endgültigen Ausgang entgegen. Jeder endgültige Ausgang hat eine festgesetzte Frist, und jede festgesetzte Frist hat ein Ende. „Allah löscht aus, was Er will, und bestätigt, was Er will; bei Ihm ist die Urschrift.“

Danach hat mein Herr mir befohlen, Fātima mit ʿAlī zu verheiraten. Und ich habe sie ihm für vierhundert Miṯqāl Silber zur Frau gegeben – sofern ʿAlī damit einverstanden ist.

Nach der Khutba des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) hielt der Bräutigam ʿAlī (Allahs Wohlgefallen sei ihm) gemäß der damaligen arabischen Sitte eine kurze Khutba. Zuerst pries und lobte er Allah und sprach Segenswünsche und Friedensgrüße über den Gesandten. Dann sagte er: [ebd.-3/345] (Arabisch============)

„Diese unsere Versammlung ist von Allah bestimmt worden, und Er ist damit zufrieden. Und die Eheschließung ist etwas, das Allah angeordnet und wozu Er Seine Erlaubnis erteilt hat. Seht, Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, hat mich mit seiner Tochter Fātima gegen einen Brautpreis von vierhundertachtzig Dirham verheiratet. Ich bin damit einverstanden. Fragt ihn daher; Allah genügt als Zeuge.“

Auf diese äußerst einfache und schlichte Weise wurde die gesegnete Eheschließung der Prophetentochter Fātima az-Zahrāʾ mit ʿAlī vollzogen. Mit anderen Worten: Die großartigste und ruhmreichste eheliche Verbindung in der langen Geschichte des Islam wurde begründet.

Das Eheleben

Diese Eheschließung fand im Monat Radschab nach ihrer Ankunft in Medina statt. Im zweiten Jahr der Hidschra, nach der Schlacht von Badr, konnte ʿAlī (Allahs Wohlgefallen sei ihm) ein Haus mieten, um seine Ehefrau dorthin zu bringen. In diesem Haus gab es keinerlei Anzeichen von Wohlstand und Luxus. Es war ein äußerst schlichtes Haus. Dort gab es weder wertvolle Möbel noch Bettgestelle, Matratzen, Teppiche oder sonst etwas. ʿAlī besaß lediglich ein Schaffell; dieses breitete er aus und schlief nachts darauf, während es tagsüber als Wasserschlauch verwendet wurde. Es gab keine Diener. [Aʿlām an-Nisāʾ 4/109; Ṭabaqāt 8/13; Ṣaḥābiyyāt 148] Asmāʾ bint ʿUmaīs (Allahs Wohlgefallen sei ihr), die die Hochzeit von ʿAlī und Fātima sowie die Ausstattung ihres Brautzimmers miterlebt hatte, sagte, dass sie außer Kissen und Bettzeug, die mit Dattelpalmenfasern gefüllt waren, nichts besaßen. Außerdem wird gesagt, dass es zu jener Zeit kein besseres Walīma als das von ʿAlī (Allahs Wohlgefallen sei ihm) gegeben habe. Wie dieses Walīma ausgesehen haben könnte, lässt sich aus folgender Überlieferung erahnen: ʿAlī (Allahs Wohlgefallen sei ihm) verpfändete eine seiner Rüstungen bei einem Juden und besorgte dafür etwas Gerste. [Ṭabaqāt 8/23] Es fällt nicht schwer, sich anhand dieser Überlieferung vorzustellen, wie das Essen in ihrer Hochzeitsnacht ausgesehen haben mag.

Allerdings veranstalteten die Banū ʿAbd al-Muṭṭalib anlässlich dieser Eheschließung ein so prächtiges Festmahl, dass sie zuvor angeblich noch nie ein solches Fest veranstaltet hatten. Den Überlieferungen von aṣ-Ṣaḥīḥain und al-Iṣāba zufolge war es Ḥamza (Allahs Wohlgefallen sei ihm), der sowohl der Onkel von Muhammad (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) als auch von ʿAlī war, zwei alte Kamele schlachtete und damit die Verwandten bewirtete. [Tarājim Bait an-Nubuwwa 607]

Nachdem die Hochzeitszeremonie beendet war, verabschiedeten sich die eingetroffenen Verwandten und Gäste einer nach dem anderen und wünschten dem frisch vermählten Paar Glück und Segen. Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) rief Umm Salama (Allahs Wohlgefallen sei ihr) und bat sie, die Braut zum Haus von ʿAlī zu begleiten. Er sagte ihnen außerdem, sie sollten dort auf sein (des Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) Kommen warten.

Bilal (ra) ließ den Gebetsruf zum ʿIschā-Gebet ertönen. Der Gesandte (sallallahu alaihi wa sallam) leitete als Imam das Gemeinschaftsgebet in der Moschee. Danach ging er zu ʿAlīs (ra) Haus. Er ließ etwas Wasser holen. Als das Wasser gebracht worden war, rezitierte er einige Koranverse und hauchte in das Wasser. Er ließ das Brautpaar etwas davon trinken. Mit dem restlichen Wasser vollzog der Gesandte (sallallahu alaihi wa sallam) die Gebetswaschung in einem darunter gehaltenen Gefäß. Dieses Wasser spritzte er den beiden auf den Kopf. Dann erhob er sich, um unter folgendem Bittgebet fortzugehen: [Aʿlām an-Nisāʾ 4/109] (Arabisch========)

„O Allah! Segne die beiden. O Allah! Schenke den beiden Gutes. O Allah! Gewähre ihrer Nachkommenschaft Wohlstand.“

In einer anderen Überlieferung heißt es, dass er beim Weggehen zu seiner Tochter sagte: „Fātima! Ich habe nichts versäumt, dich mit dem besten Mitglied meiner Familie zu verheiraten.“ [Tabaqāt 8/15, 28]

Fātima konnte ihre Tränen nicht zurückhalten. Der Vater stand einige Zeit schweigend da. Dann sagte er seiner Tochter mit großer Ergriffenheit, um die Stimmung aufzulockern: „Ich vertraue dich dem Mann an, der den stärksten Glauben, das größte Wissen, die besten moralischen Eigenschaften und den edelsten Geist besitzt.“ [Tarājimu Sayyidāti Bait an-Nubuwwah 608]

Der harten Realität der Armut gegenüber

In dem Haus, in das Fātima aus dem Haus ihres Vaters zu ihrem Ehemann zog, gab es keinen Überfluss. Vielmehr ist es angemessen, das dortige Leben als die harte Realität der Armut zu bezeichnen. Im Vergleich dazu war die finanzielle Lage der Ehemänner ihrer anderen Schwestern weitaus besser. Zainab heiratete Abū al-ʿĀs. Die beiden anderen Töchter heirateten die beiden Söhne des großen reichen Mannes von Mekka, ʿAbd al-ʿUzzā ibn ʿAbd al-Muttalib. Nachdem sie sich ihretwegen des Islams getrennt hatten, heirateten beide nacheinander ʿUthmān ibn ʿAffān (ra). Und ʿUthmān (ra) war ein wohlhabender Mann. Im Vergleich zu ihnen war ʿAlī (ra) ein äußerst armer Mensch. Er besaß weder eigenes erworbenes Vermögen noch hatte er etwas geerbt. Sein Vater war der angesehenste Mann Mekkas, verfügte jedoch nicht über großen Reichtum und hatte viele Kinder. Um seine Last zu erleichtern, übernahmen Muhammad (sallallahu alaihi wa sallam) und sein Onkel ʿAbbās die Erziehung von zwei seiner Söhne. Auf diese Weise wurde ʿAlī (ra) Teil der Familie Muhammads (sallallahu alaihi wa sallam).

Hier könnte sich die Frage stellen, warum ein kluger junger Mann aus angesehener mekkanischer Abstammung wie ʿAlī (ra) in solch grenzenloser Armut lebte. Die Antwort findet sich in ʿAlīs (ra) eigenem Leben. Muhammad (sallallahu alaihi wa sallam) wurde zum Gesandten. Unter den Jugendlichen war ʿAlī (ra) der Erste, der an ihn glaubte. Nach der Überlieferung Ibn Isḥāqs war er damals zehn Jahre alt. [a. a. O. 612] Von da an war er eng mit dem Leben des Propheten Muhammad (sallallahu alaihi wa sallam) verbunden. Wo hätte ʿAlī (ra), dessen Leben auf diese Weise begann, die Möglichkeit gehabt, sich in einem Beruf zu etablieren, angesichts der schwierigen Realitäten, mit denen der Prophet (sallallahu alaihi wa sallam) konfrontiert war? Viele Jahre vergingen allein im Ringen mit den Quraisch von Mekka. Er ging mit völlig leeren Händen nach Medina. Dort widmete er sich an einem neuen Ort aufs Neue der Daʿwa-Arbeit. Inzwischen kam die Schlacht von Badr. Er zog in den Krieg. Nach der Schlacht gab ihm der Gesandte (sallallahu alaihi wa sallam) als Anteil an der Kriegsbeute einen Harnisch. Erst da wurde er zum Besitzer eines Vermögensgegenstands.

Fātima wusste, dass ʿAlī (ra) ein äußerst armer Mann war. Wenn al-Balādhurīs Überlieferung zutrifft, erwähnte Fātima daher seine Armut, als der Gesandte (sallallahu alaihi wa sallam) ihr von ʿAlīs Heiratsantrag erzählte. Darauf antwortete der Gesandte (sallallahu alaihi wa sallam):

Er wird in dieser Welt ein Führer sein und im Jenseits einer der Wahrhaftigen. Unter den Gefährten besitzt er das meiste Wissen. Außerdem ist er ein kluger und umsichtiger Mann. Darüber hinaus hat er als Erster den Islam angenommen.“ [ebd.; Hayat as-Sahaba 3/256]

Diese Überlieferung könnte durchaus wahr sein. Denn es ist keineswegs ungewöhnlich, dass in einer solchen Phase einer Eheschließung Armut und Bedürftigkeit berücksichtigt werden.

Fatima (r.a.) zog im Alter von achtzehn Jahren in das Haus ihres Ehemannes. Alle Historiker berichten, dass es dort nicht die geringste Spur von Wohlstand und Luxus gab. In diesem Haus fand sie ein mit Dattelbaumrinde gefülltes Lederkissen, eine Schlafunterlage, ein Paar Handmühlen, zwei Wasserschläuche, zwei Wasserkrüge sowie Duftstoffe und Parfüm vor. Wegen seiner Armut konnte ihr der Ehemann weder für die Unterstützung bei den Hausarbeiten noch für die Erledigung der schwierigeren Arbeiten einen Diener oder eine Dienerin zur Verfügung stellen. Fatima (r.a.) verrichtete alle Arbeiten allein. Vom Drehen der Handmühle bekam sie Schwielen an den Händen, vom Tragen der mit Wasser gefüllten Schläuche bildeten sich Spuren an ihrem Rücken, und vom Fegen des Hauses wurden ihre Kleider schmutzig. [Tabaqat 8/159; al-Isaba 4/450] Ali (r.a.) konnte es nicht ertragen, dass sie sich auf diese Weise abmühte. Doch auch er konnte nichts dagegen tun. Soweit es ihm möglich war, half er ihr selbst bei der Arbeit. Er achtete stets auf Fatimas Gesundheit. Denn durch die Mangelernährung, unter der sie während des Lebens in Mekka infolge verschiedener widriger Umstände gelitten hatte, war ihre Gesundheit sehr geschwächt worden. Während beide auf diese Weise im Haus und außerhalb des Hauses arbeiteten, wurden sie sehr müde. Eines Tages sagte Ali (r.a.) zu seiner Mutter, Fatima bint Asad ibn Haschim: „Hilf der Tochter des Gesandten Allahs (s.a.w.) beim Wasserholen und bei den anderen Arbeiten außerhalb des Hauses, und Fatima wird dir im Haus beim Mahlen des Getreides und beim Brotbacken helfen.“ Zu dieser Zeit kehrte Fatimas Vater, der Gesandte Allahs (s.a.w.), siegreich von einem Feldzug mit reicher Kriegsbeute und zahlreichen Kriegsgefangenen nach Medina zurück. Eines Tages sagte Ali (r.a.): „Fatima! Es tut mir sehr leid, dich in einem solchen Zustand der Mühsal zu sehen. Allah, der Erhabene, hat einige Kriegsgefangene gegeben. Wenn du zu deinem Vater gingest und ihn um einen Sklaven aus den Kriegsgefangenen bätest, der dir dienen könnte!“ Fatima sagte, während sie die Handmühle erschöpft beiseiteschob: „Ich werde gehen, so Allah will.“ Danach ruhte sie sich ein wenig im Hof aus, bedeckte Körper und Kopf mit einem Tuch und ging langsamen Schrittes zum Haus ihres Vaters. Als ihr Vater sie sah, fragte er mit sanfter Stimme: „Meine Tochter, warum bist du gekommen?“ Fatima antwortete: „Ich bin gekommen, um dich zu grüßen.“ Aus Scham konnte sie ihrem Vater ihr Anliegen nicht mitteilen. Sie kehrte nach Hause zurück und erzählte ihrem Ehemann davon. Daraufhin ging Ali (r.a.) gemeinsam mit Fatima zum Gesandten Allahs (s.a.w.). Diesmal brachte Fatima vor ihrem Vater mit gesenktem Gesicht und aus Scham ihr Anliegen vor. Ihr Vater sagte zu ihr: „Bei Allah, ich werde euch nicht einmal einen einzigen Sklaven geben. Die Leute von Ahl as-Suffa leiden schrecklich, weil sie nichts zu essen haben. Für sie kann ich nichts tun. Ich werde diese Dinge verkaufen und den Erlös für sie ausgeben.“

Nachdem sie dies gehört hatten, dankten die beiden Eheleute ihrem Vater und kehrten nach Hause zurück. Doch der liebevolle Vater konnte keineswegs vollkommen ruhig bleiben, nachdem er sie mit leeren Händen zurückgeschickt hatte. Den ganzen Tag über schwebte ihm das Gesicht seiner geliebten, von der Arbeit erschöpften Tochter vor Augen.

Es wurde Abend. Es war auch bitterkalt. Ali und Fatima versuchten, auf einem harten Bett liegend einzuschlafen. Doch kann man bei einer solchen Kälte schlafen? Da war plötzlich ein Klopfen an der Tür zu hören. Kaum hatten sie die Tür geöffnet, sahen sie ihren Vater, Muhammad Mustafa (s.a.w.), dort stehen. Er sah, dass die Decke, mit der sich seine Tochter und sein Schwiegersohn in dieser eisigen Kälte zu bedecken und einzuschlafen versuchten, so klein war, dass die beiden sich nur irgendwie zusammenkauern konnten. Zog man sie zum Kopf, ragten die Füße darunter hervor. Schob man sie dagegen zu den Füßen, blieb der Kopf unbedeckt. Sie beeilten sich, diesen erhabenen Gast willkommen zu heißen. Er sagte ihnen, sie sollten sich nicht bemühen, sondern in ihrer gegenwärtigen Lage bleiben. Er erfasste ihre Situation zutiefst mit seinem Herzen und sagte dann mit sanfter Stimme: „Soll ich euch etwas nennen, das besser ist als das, worum ihr mich gebeten habt?“

Beide riefen zugleich: „Sagt es uns, o Gesandter Allahs!“

Er sagte: „Dschibril hat mich diese Worte gelehrt: Nach jedem Gebet sollt ihr beide zehnmal Subhanallah, zehnmal Alhamdulillah und zehnmal Allahu akbar sprechen. Und wenn ihr nachts zu Bett geht, sollt ihr dreiunddreißigmal Subhanallah, dreiunddreißigmal Alhamdulillah und vierunddreißigmal Allahu akbar sprechen.“ Nachdem er dies gesagt hatte, ging er rasch fort und ließ seine Tochter und seinen Schwiegersohn zurück. [Der Hadith ist in Sahih al-Buchari und Sahih Muslim überliefert. Siehe außerdem Tabaqat 8/25; A’lam an-Nisa 4/111.]

Noch ein Drittel eines Jahrhunderts nach diesem Ereignis hörte man Imam Ali (r.a.) diese vom Gesandten Allahs (s.a.w.) gelehrten Worte erwähnen. Er pflegte zu sagen: „Es wurde gehört, dass der Gesandte Allahs (s.a.w.) diese Worte lehrte.“ Er pflegte zu sagen: „Seit der Gesandte Allahs (s.a.w.) uns diese Worte lehrte, habe ich sie bis heute keinen einzigen Tag ausgelassen.“ Einmal fragte ihn ein Iraker: „Auch in jener furchtbaren Nacht der Schlacht von Siffin nicht?“ Er antwortete mit großem Nachdruck: „Auch in jener Nacht von Siffin nicht.“ [Sahih Muslim; ad-Du’a, Band 4, Hadith Nr. 2091; Tabaqat 8/19]

In diesem Zusammenhang lässt sich noch ein weiteres Ereignis erwähnen. Ali (r.a.) geriet einmal in große Not und Armut. Eines Tages sagte er zu seiner Frau Fatima (r.a.): „Wenn du zum Propheten (s.a.w.) gehen und um etwas bitten würdest, wäre das gut.“ Fatima (r.a.) ging hin. Beim Propheten (s.a.w.) saß gerade Umm Aiman (r.a.). Fatima klopfte an die Tür. Der Prophet (s.a.w.) sagte zu Umm Aiman: „Das ist gewiss Fatimas Klopfen. Sie ist zu einer Zeit zu uns gekommen, zu der sie gewöhnlich nicht zu kommen pflegt.“ Fatima (r.a.) trat ein und sagte: „O Gesandter Allahs! Die Nahrung der Engel besteht aus Tasbih, Tahlil und Tahmid. Was aber ist unsere Nahrung?“ Er sagte: „Bei Dem, Der mich mit der Wahrheit gesandt hat: Im Kochraum der Familie Muhammads brennt seit dreißig Tagen kein Feuer. Einige Ziegen sind zu mir gekommen. Wenn du möchtest, kann ich dir fünf Ziegen geben. Wenn du aber möchtest, kann ich dich stattdessen fünf Worte lehren, die Dschibril mich gelehrt hat.“

Fatima (r.a.) sagte: „Lehre mich lieber jene fünf Worte, die Dschibril dich gelehrt hat.“ Der Prophet (s.a.w.) sagte: „Sag: (Arabisch========)“

Nachdem Fatima (r.a.) diese fünf Worte gelernt hatte, kehrte sie zu Ali (r.a.) zurück. Als Ali (r.a.) Fatima sah, fragte er: „Was gibt es Neues?“ Fatima sagte: „Ich war von dir mit der Erwartung weggegangen, die Welt zu erlangen, aber ich bin mit dem Jenseits zurückgekehrt.“ Ali (r.a.) sagte: „Dieser Tag ist der beste Tag deines Lebens.“[Kanz al-ʿUmmal 1/302; Hayat as-Sahaba 1/43]

Kleinere eheliche Streitigkeiten

Seit ihrer frühen Jugend, nachdem sie ein gewisses Maß an Verstand und Wissen erlangt hatte, bis zu diesem Punkt ihrer Jugend hatte die edle Fatima keine Ahnung, was Freude und Vergnügen waren. Ganz gleich, ob ihr Vater sich in ihrer Nähe oder in der Ferne aufhielt – um ihn war sie stets von Sorge und Unruhe erfüllt. Wenn er in den Krieg zog, verhundertfachte sich diese Sorge noch. Außerdem war in ihr selbst ein kämpferischer Geist entstanden, weil sie ihren Vater schon seit ihrer Kindheit beschützte. Daher eilte sie, sobald sich eine Gelegenheit bot, auf das Schlachtfeld. So sah man sie in der Schlacht von Uhud die verwundeten Kämpfer verbinden, ihre Wunden mit Medizin versorgen und den todgeweihten Märtyrern Wasser zu trinken geben. Wenn sie zu Hause war, wünschte sie sich vom Ehemann liebevolle und sanfte Zuwendung. Doch wenn man Alis (r.a.) Lebensgeschichte betrachtet, wo sollte in ihm Raum für solche Sanftheit sein? Sein ganzes Leben war ein harter Kampf; daher ist es nicht verwunderlich, dass er etwas rau war. Infolgedessen wurde ihre Beziehung bisweilen angespannt. Auch der Vater erfuhr davon. Er eilte herbei und versöhnte die beiden geduldig miteinander.

Es wird berichtet, dass man den Gesandten (s.a.w.) eines Abends sah, wie er etwas hastig zum Haus seiner Tochter ging; Sorge und Unruhe waren in seinem Gesicht zu erkennen. Als er kurze Zeit später von dort herauskam, wirkte er sehr fröhlich. Die ehrwürdigen Gefährten sagten: „O Gesandter Allahs! Wir sahen, wie du in einem Zustand hineingingst, und nun kommst du fröhlich und glücklich heraus!“

Er antwortete: „Wie sollte ich nicht glücklich sein, nachdem ich zwischen den beiden Menschen, die mir am liebsten sind, eine Versöhnung herbeigeführt habe?“[Tabaqat 8/499; al-Isaba 4/368; Aʿlam an-Nisa 4/11]

Ein anderes Mal war Fatima (r.a.) durch Alis (r.a.) raues Verhalten verletzt. Sie sagte: „Ich werde mich beim Gesandten Allahs (s.a.w.) beklagen“, und verließ mit diesen Worten das Haus. Auch Ali (r.a.) folgte ihr. Fatima erzählte ihrem Vater, weshalb sie auf ihren Ehemann verärgert war, und der großartige Vater stimmte sie mit einer sehr sanften Erklärung wieder um. Auf dem Heimweg sagte Ali (r.a.) zu seiner Frau: „Bei Allah, ich werde nie wieder etwas tun, wodurch du unglücklich wirst.“[Tabaqat 8/26; al-Isaba 4/368]

Alis (r.a.) Wunsch, zu Fatimas Lebzeiten eine zweite Ehe einzugehen

Auch gegen ihren Willen ereigneten sich Dinge, die Fatima (r.a.) zutiefst erschütterten. Dass ihr Ehemann eine weitere Ehe eingehen und eine Nebenfrau ins Haus bringen würde, konnte Fatima keineswegs akzeptieren. Ali (r.a.) beabsichtigte, eine weitere Ehe einzugehen. Er rechnete schlicht: Nach den Bestimmungen der Scharia ist eine weitere Eheschließung ja erlaubt. So wie es anderen muslimischen Frauen erlaubt ist, bis zu vier Ehefrauen gleichzeitig zu haben, sei es auch nicht falsch, neben der Tochter des Propheten (s.a.w.) eine weitere Ehefrau ins Haus zu nehmen. Er nahm an, dass Fatima deshalb nicht allzu zornig auf ihn sein würde. Denn in ihrem Elternhaus gab es dafür schließlich ein Vorbild. Aischa, Hafsa und Umm Salama (r.a.) lebten ja ebenfalls gleichzeitig dort. Außerdem hatten die Verwandten einer Frau aus den Banu Machzum einmal durch Usama ibn Zaid beim Gesandten Allahs (s.a.w.) darum ersucht, ihre Strafe wegen Diebstahls zu erlassen. Da sagte der Gesandte (s.a.w.): „Setzt du dich etwa dafür ein, eine von Allah festgesetzte Strafe aufzuheben?“ Danach hielt er vor den anwesenden Menschen eine Ansprache. Darin sagte er: „Viele Völker vor euch gingen nur deshalb zugrunde, weil sie einen angesehenen Menschen, wenn er stahl, laufen ließen. Wenn jedoch ein Schwacher stahl, vollstreckten sie an ihm die Hadd-Strafe, also die festgesetzte Strafe. Bei Allah! Wenn Fatima, die Tochter Muhammads, stehlen würde, würde ich ihr die Hand abschlagen.“[Sahih al-Buchari: al-Anbiya; Muslim: al-Hudud; Tarajimu Sayyidati Bait an-Nubuwa-618] Aufgrund dieser Aussage gelangte Ali zu der Auffassung, dass auch Fatima wie jedes andere muslimische Mädchen sei.

Aufgrund einer solchen einfachen Rechnung dachte Ali (r.a.) daran, eine weitere Ehe einzugehen; dass die Folgen so schwerwiegend sein würden, hatte Ali (r.a.) jedoch nicht einmal in seiner Vorstellung bedacht. Als bekannt wurde, dass er der Tochter von Amr ibn Hischam ibn al-Mughira al-Machzumi einen Heiratsantrag machen wollte, brach Fatima voller Zorn und Aufregung aus. Auch der Gesandte (s.a.w.) wurde zornig. Sobald Fatima von Alis Heiratsantrag an die Tochter von Amr ibn Hischam, also Abu Dschahls Tochter, erfuhr, eilte sie zu ihrem Vater und sagte in vorwurfsvollem Ton: „Die Leute aus deiner Gemeinschaft sind der Meinung, dass du nicht zornig wirst, selbst wenn die Interessen deiner Tochter verletzt werden. Dieser Ali heiratet nun die Tochter Abu Dschahls.“[Nisa’ Mubascharat bil Dschanna-215]

Als der Gesandte (s.a.w.) davon hörte, wurde er tatsächlich sehr zornig. Doch die Angelegenheit war ziemlich kompliziert. Denn hier ging es auch um Alis (r.a.) Recht. Ali konnte, während Fatima mit ihm verheiratet blieb, noch mehrere weitere Ehen eingehen. Dieses Recht hatte Allah ihm gegeben. Wie konnte der Gesandte (s.a.w.) ihn daran hindern? Andererseits war es ebenfalls ein großer Schmerz, seine geliebte Tochter in das Haus einer Nebenfrau geben zu müssen. Daher gab es hier noch eine weitere Seite des Problems: Die von Ali ausersehene Braut war die Tochter Abu Dschahls, also die Tochter von Amr ibn Hischam. Konnten im Haus Alis die Tochter des Gesandten Allahs und die Tochter eines Feindes Allahs gleichzeitig als seine Ehefrauen zusammenleben?

Dieser Abu Dschahl war es, dessen abscheuliche Feindschaft gegenüber dem Islam und dessen erbarmungslose Verfolgung des Propheten (s.a.w.) und der Muslime noch immer nicht aus dem Gedächtnis des Propheten (s.a.w.) und der Muslime getilgt war. Dieser Feind Allahs hatte eines Tages zu den Quraisch gesagt: „O Leute des Stammes Quraisch! Seht ihr nicht, dass dieser Muhammad nicht davon ablässt, unsere Götter zu verleumden, unsere Vorfahren zu beschimpfen und unsere klugen Leute als töricht und einfältig darzustellen? Ich schwöre bei Allah: Morgen werde ich mich mit einem großen Stein hinsetzen, den ich tragen kann. Sobald er sich zur Niederwerfung begibt, werde ich mit diesem Stein seinen Kopf zerschmettern. Dann könnt ihr mich den Banu Abd Manaf ausliefern oder mich vor ihnen schützen – tut, was ihr wollt.“[Ibn Hischam, as-Sira-1/319; Tarajimu Sayyidati Bait an-Nubuwa-619]

Bei den Versammlungen der Quraisch pflegte er den Propheten Muhammad (s.a.w.) zu verspotten und zu sagen: „O Leute des Stammes Quraisch! Muhammad behauptet, dass die Zahl der Soldaten Allahs in der Hölle, die euch bestrafen und gefangen halten werden, nur neunzehn beträgt. Ihr seid ihnen doch zahlenmäßig weit überlegen. Könnt ihr nicht jeweils hundert von euch gegen einen von ihnen aufbringen?“ Daraufhin wurde dieser Koranvers offenbart: (Arabisch=========)

„Ich habe die Engel zu den Wächtern der Hölle gemacht; ihre Zahl habe ich nur als Prüfung für die Ungläubigen genannt.“[Ibn Hischam, as-Sira-1/333, 335]

Dieser Abu Dschahl sagte zu Achnas ibn Muraik, als dieser ihn nach dem Koran fragte, den er von ihm gehört hatte: „Was hast du gehört? Wir und die Banu Abd Manaf stritten miteinander um Ansehen und Rang. Sie speisten die Menschen, und wir speisten sie ebenfalls. Sie übernahmen die Verantwortung für die Menschen, und wir übernahmen sie ebenfalls. Sie gaben den Menschen Almosen, und wir taten es ebenfalls. So waren wir schließlich gleichauf, wie zwei Rennpferde, die nebeneinanderliegen. Da sagten sie: ‚Unter uns gibt es einen Propheten, zu dem die Offenbarung vom Himmel herabkommt.‘ Wie können wir nun einen solchen Propheten bekommen? Bei Allah! Ich werde niemals an ihn glauben und ihn niemals für wahr halten.“[Tarajimu Sayyidati Bait an-Nubuwa-620]

Das ist jener Abu Dschahl, der, sobald er hörte, dass ein angesehener Mann den Islam angenommen hatte, ihn einschüchterte, herabwürdigte und beleidigte. Er sagte: »Du hast deinen Vater verlassen, obwohl er besser war als du? Wir werden deine Klugheit als Dummheit darstellen, deine Ansichten und Entscheidungen als voller Irrtümer hinstellen und deine Ehre und deinen Rang zunichtemachen.«

Und wenn ein Händler den Islam annahm, sagte er zu ihm: »Bei Allah! Wir werden dein Geschäft zugrunde richten und dein Vermögen völlig vernichten.« War derjenige, der den Islam angenommen hatte, schwach, setzte er ihn durch körperliche Bestrafung unter Druck, den Islam wieder aufzugeben.

Das ist jener Abu Dschahl, der während der Belagerung des Viertels Schaʿb Abī Tālib in Mekka Hakim ibn Hizam ibn Chuwailid daran hinderte, ein wenig Nahrung zu seiner Tante Chadidscha (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) zu bringen. Dieser verfluchte Mann versperrte ihm den Weg und sagte: »Bringst du Nahrung für die Banū Hāschim? Bei Allah! Du wirst mit dieser Nahrung nicht weiterkommen. Komm nach Mekka, dort werde ich dich demütigen.« Er weigerte sich, den Weg freizugeben. An jenem Tag kam es zwischen den beiden zu einem heftigen Handgemenge. In diesem Zusammenhang wurde offenbart: [Sure ad-Duchān 43–46; Ibn Hischām, as-Sīra 2/22, 126, 132]

»Wahrlich, der Zaqqum-Baum ist die Speise des Sünders. Wie geschmolzenes Kupfer wird er in ihren Bäuchen brodeln, wie kochendes Wasser.«

Dieser Abu Dschahl traf in Mekka auf eine christliche Delegation aus Nadschran. Sie waren nach Mekka gekommen, nachdem sie von Muhammads (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) Berufung zum Prophetentum gehört hatten, um weitere Informationen über ihn zu erhalten. Nachdem sie den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) getroffen und seine Worte gehört hatten, glaubten sie. Sobald sie die Versammlung des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) verlassen hatten, stellte sich Abu Dschahl vor sie und sagte zu ihnen:

»Möge Allah eure Karawane scheitern lassen! Eure Glaubensgenossen, die ihr zurückgelassen habt, haben euch geschickt, um Informationen über diesen Mann zu bringen. Kaum hattet ihr euch bei ihm hingesetzt, da habt ihr eure Religion aufgegeben und an ihn geglaubt? Keine Karawane ist mir bekannt, die törichter wäre als ihr.« [Ibn Hischām, a. a. O.]

Dieser Abu Dschahl hatte den Quraisch unmittelbar vor der Auswanderung des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) nach Medina vorgeschlagen, aus jedem Zweig des Stammes Quraisch je einen tapferen und gewandten jungen Mann auszuwählen und jedem von ihnen ein scharfes Schwert zu geben. Dann sollten sie gemeinsam Muhammad angreifen und ihn mit einem einzigen Schlag töten, als wären sie ein einziger Mann. Dadurch würde die Verantwortung für sein Blut gleichermaßen auf allen Zweigen des Stammes Quraisch lasten. [Ṭabaqāt 2/15, 17]

In der Nacht wanderte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) nach Medina aus. Am nächsten Morgen machten sich die Quraisch auf die Suche nach ihm. Auch Abu Dschahl war unter ihnen. Sie stellten sich vor die Tür des Hauses von Abu Bakr (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) und begannen laut zu rufen. Abu Bakrs (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) Tochter Asmāʾ (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) kam heraus. Sie fragten: »Wo ist dein Vater?« Sie sagte: »Bei Allah! Ich weiß nicht, wo mein Vater ist.« Da hob Abu Dschahl, der Inbegriff jeder Unzüchtigkeit und jedes schlechten Tuns, seine Hand und versetzte Asmāʾ mit voller Kraft eine Ohrfeige. Ihr Ohrring flog dabei zu Boden.

Als sich in Badr beide Seiten anschickten, in den Kampf zu ziehen, entsandte das Heer der Quraisch einen Mann, um Informationen über die Zahl und Stärke des feindlichen Heeres einzuholen. Er kehrte zurück und warnte davor, in den Kampf zu ziehen. Hakim ibn Hizam ibn Chuwailid begab sich zu Utba ibn Rabi’a und bat ihn, mit seinen Leuten zurückzukehren. Utba zeigte sich zögerlich und schickte Hakim zu Abu Dschahl. Doch Abu Dschahl schenkte Hakims Worten keinerlei Beachtung, die vom Kampf abrieten.

Dieser Abu Dschahl war es, der zu den sieben hartnäckigsten Ungläubigen gehörte, gegen die der Gesandte am Tag von Badr einen Fluch ausgesprochen hatte. In dieser Schlacht wurde er als verfluchter Ungläubiger getötet. Als sein abgeschlagener Kopf vor den Gesandten Allahs gebracht wurde, pries er Allah. [a. a. O.; Tarajim Sayyidati Bait an-Nubuwwah, S. 612] Der Gesandte behielt Abu Dschahls Kamel bei sich. Vier Jahre später, als er zur Umra nach Mekka aufbrach, nahm er das Kamel als Opfertier mit. Auf dem Weg wurde er in Hudaybiyya von den Quraisch aufgehalten und schlachtete das Kamel dort als Opfer. [Tabaqat, Bd. 2, S. 69]

Konnte die Tochter eines solchen Feindes des Islam die Nebenfrau von Fatima, der Tochter des Gesandten Allahs, werden? Deshalb lehnten Allah und Sein Gesandter dies ab. Der Gesandte verließ zornig das Haus und ging zur Moschee; geradewegs stieg er auf die Kanzel. Dann hielt er vor den Anwesenden folgende Ansprache:

„Die Banu Haschim ibn al-Mughira bitten mich um Erlaubnis, ihre Tochter mit Ali zu verheiraten. Ich werde ihnen diese Erlaubnis nicht geben. Ich werde ihnen diese Erlaubnis nicht geben. Ich werde ihnen diese Erlaubnis nicht geben. Wenn Ali jedoch will, kann er meine Tochter scheiden lassen und ihre Tochter heiraten. Denn meine Tochter ist ein Teil von mir. Was sie beunruhigt, beunruhigt auch mich, und was ihr Schmerz bereitet, bereitet auch mir Schmerz. Ich fürchte, dass ihre Religion dadurch in Bedrängnis gerät.

Danach sprach er seinen Schwiegersohn Abu al-As an. Er lobte die verwandtschaftliche Beziehung durch die Ehe mit ihm in höchsten Tönen. Er sagte:

„Er hat mir sein Wort gegeben und sich als wahrhaftig erwiesen. Er hat mir ein Versprechen gegeben und es erfüllt. Ich kann das Erlaubte nicht verbieten. Ebenso kann ich das Verbotene nicht erlauben. Doch die Tochter des Gesandten Allahs und die Tochter eines Feindes Allahs können niemals miteinander unter einem Dach leben.“ [Dieser Hadith ist in Sahih al-Buchari, Muslim, den Sunan von Abu Dawud, den Sunan von Ibn Madscha, den Sunan von at-Tirmidhi und Musnad Ahmad (6/326, 328) sowie in nahezu allen Hadith-Sammlungen überliefert.]

Ali befand sich in der Moschee. Schweigend saß er da und hörte die Worte seines Schwiegervaters an. Danach verließ er die Moschee und machte sich mit langsamen Schritten auf den Heimweg. Schließlich kam er zu Hause an; dort saß Fatima, von Trauer und Schmerz niedergedrückt. Ali setzte sich langsam neben sie. Lange saß er schweigend da. Es schien, als könne er nicht entscheiden, was er sagen sollte. Als er sah, dass Fatima weinte, sagte er leise und in einer Haltung, in der er um Verzeihung bat:

„Fatima! Ich habe mich in Bezug auf dein Recht geirrt. Menschen wie du können verzeihen.“ Eine lange Zeit verging, doch Fatima gab keine Antwort. Schließlich sagte sie: „Möge Allah dir vergeben.“ Nun fühlte Ali sich etwas erleichtert. Danach schilderte er ihr alles, was sich in der Moschee ereignet hatte. Er sagte ihr auch, dass der Gesandte erklärt hatte, die Tochter des Gesandten Allahs und die Tochter eines Feindes Allahs könnten niemals miteinander unter einem Dach leben. Fatimas Augen füllten sich mit Tränen. Danach stand sie zum Gebet auf. [Tarajim Sayyidati Bait an-Nubuwwah, S. 624]

Wann ereignete sich dieser Vorfall, bei dem eine zweite Ehe beabsichtigt war?

Hier bleibt eine Frage offen, nämlich: Wann beabsichtigte ʿAlī (Allahs Wohlgefallen auf ihm), diese zweite Ehe einzugehen? Obwohl die bedeutende erwähnte Ansprache des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) in den Geschichts- und Sīra-Werken überliefert ist, hat niemand ihren genauen Zeitpunkt angegeben. Dabei war dies ein äußerst wichtiges Ereignis für das Leben des Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und seine Familie. Daher sind einige Fachgelehrte nach unterschiedlichen Untersuchungen und Abwägungen zu dem Schluss gelangt, dass es sich um ein Ereignis aus der frühen Phase des Ehelebens von ʿAlī und Fāṭima (Allahs Wohlgefallen auf beiden) gehandelt habe. Genauer gesagt könnte es im zweiten Jahr nach der Hidschra gewesen sein, vor der Geburt ihres ersten Kindes al-Ḥasan im dritten Jahr. Allerdings beruht diese Ansicht vollständig auf Vermutungen; es gibt dafür keinen überlieferten Beleg. (ebd.)

Die Geburt von al-Ḥasan und al-Ḥusain

Die Wolken, die sich über dem Leben von ʿAlī und Fāṭima (Allahs Wohlgefallen auf beiden) zusammengezogen hatten, verzogen sich, und sie bestanden eine schwierige Prüfung ihres Lebens. Ihr von Armut und Not geprägtes Zuhause war wieder von Liebe, Zuneigung und gegenseitigem Mitgefühl erfüllt. Inzwischen wurde im dritten Jahr nach der Hidschra ihr erstes Kind, al-Ḥasan, geboren. Man überbrachte dem Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), dem Vater Fāṭimas, diese frohe Nachricht. Er eilte sogleich herbei, nahm das neugeborene Kind seiner geliebten Tochter Fāṭima mit beiden Händen hoch, sprach ihm den Gebetsruf ins Ohr und betrachtete es eingehend. Ganz Medina schien in Festfreude zu schwelgen. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ließ den Kopf seines Enkels al-Ḥasan rasieren und spendete den Armen und Bedürftigen Silber im Gewicht der abgeschnittenen Haare. Noch bevor das Kind al-Ḥasan etwas älter als ein Jahr geworden war, schenkte Fāṭima (Allahs Wohlgefallen auf ihr) im Schaʿbān des vierten Jahres nach der Hidschra ein weiteres Kind. Dieses Kind war al-Ḥusain. (Ṣaḥīḥ al-Buḫārī, Kitāb al-Manāqib; Muslim, al-Faḍāʾil)

Über den Namen jener Tochter Abū Dschahls besteht Uneinigkeit. Nach der verbreitetsten Ansicht hieß sie „Dschuwaybiya“. Außerdem werden al-ʿAwrāʾ, al-Ḥanqāʾ, Dschahdam und Dschamīla genannt. Sie nahm den Islam an, leistete beim Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) den Treueid und bewahrte einige Hadithe des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) in ihrem Gedächtnis. (Aʿlām an-Nisāʾ, 4/112, Anmerkung 1)

ʿAlī (Allahs Wohlgefallen auf ihm) zog seinen Heiratsantrag zurück, und die Tochter Abū Dschahls wurde von ʿUttāb ibn Usayd geheiratet.

Nach diesem Ereignis blieb Hadhrat Fāṭima (Allahs Wohlgefallen auf ihr) bis zu ihrem Lebensende die einzige Ehefrau ʿAlīs (Allahs Wohlgefallen auf ihm). Bis zu Fāṭimas Tod nahm er keine zweite Ehefrau. Fāṭima war die Mutter von vier Kindern: al-Ḥasan, al-Ḥusain, Umm Kulthūm und Zainab. Während sie das kleine Kind al-Ḥasan auf ihren Händen wiegte, pflegte sie folgende Zeile zu rezitieren: (ebd., 4/113):

„Mein Kind sieht dem Propheten ähnlich, nicht ʿAlī.“

Die liebevolle Zuneigung des Gesandten Allahs (s.a.w.) zu Hasan und Husain

Diese beiden überaus geliebten Enkel des ehrwürdigen Gesandten Allahs (s.a.w.) brachten ebenso Frieden in sein Herz, wie sie den Schoß ihrer Mutter az-Zahra erfüllten. Nach dem Tod Hadhrat Chadidschas (r.a.) erhob der Gesandte (s.a.w.) mehrere Frauen in den Rang von Ehefrauen, doch keine von ihnen konnte ihm ein Kind schenken. Das Gefühl des Mangels an einem Sohn, das er in sich getragen hatte, verschwand, als er diese beiden Enkel erhielt. Durch sie gewann er die Gewissheit, dass seine Nachkommenschaft auf dieser Erde fortbestehen würde. Daher richtete sich auch seine väterliche Zuneigung auf sie. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass er die beiden als seine Söhne bezeichnete. Von Anas ibn Malik wird überliefert, dass der Gesandte (s.a.w.) zu Fatima (r.a.) sagte: „Rufe meine beiden Söhne.“ Wenn sie zu ihm kamen, roch er an ihren Körpern und umarmte sie. (Tarajim Sayyidati Bait an-Nubuwwah, S. 626.) Hadhrat Usama ibn Zaid (r.a.) sagte: „Eines Tages klopfte ich wegen einer Angelegenheit an die Tür des Hauses des Gesandten Allahs (s.a.w.). Er kam heraus, wobei er etwas in seinen Umhang eingewickelt hatte. Ich konnte nicht erkennen, was in den Umhang eingewickelt war. Nachdem ich meine Angelegenheit erledigt hatte, fragte ich: ‚O Gesandter Allahs! Was hast du unter deinem Umhang verborgen?‘

Als er den Umhang öffnete, sah ich Hasan und Husain. Dann sagte er: „Diese beiden sind mein Sohn und meine Tochter. O Allah, ich liebe diese beiden; so liebe auch Du sie, und liebe auch diejenigen, die sie lieben.“ (Siyar Aʿlam an-Nubalaʾ, 3/251)

Allah, der Herr der Welten, hat Fatima az-Zahra große Gnade und Barmherzigkeit erwiesen. Durch sie bewahrte Er die Nachkommenschaft Seines geliebten Propheten Mustafa (s.a.w.). Ebenso ehrte und würdigte Allah ʿAli (r.a.) für alle Zeiten, indem Er ihm durch Fatima die Nachkommenschaft des letzten Propheten schenkte. Im Hinblick auf die Blutsverwandtschaft war ʿAli (r.a.) der nächste Schwiegersohn des Gesandten Allahs (s.a.w.). In seinem Körper floss reines haschemitisches Blut. Die Abstammung des Gesandten (s.a.w.) und ʿAlis (r.a.) vereinigte sich bei ʿAbd al-Muttalib. Beide waren dessen Enkel. Später nahm Muhammad (s.a.w.) ʿAli, den Sohn seines väterlichen Onkels, väterlich liebevoll bei sich auf und gab ihm seine geliebte Tochter zur Frau. Daher waren ʿAlis (r.a.) Stellung und Rang beim Gesandten Allahs (s.a.w.) außerordentlich hoch. Von ʿAli (r.a.) wird überliefert: „Eines Tages fragte ich den Gesandten Allahs (s.a.w.): ‚Wer von uns beiden ist dir lieber – ich oder Fatima?‘ Er sagte: ‚Fatima ist mir lieber als du, und du bist mir ehrenwerter als sie.‘

Diese Antwort machte Fatimas und ʿAlis (r.a.) Stellung und Rang beim Gesandten Allahs (s.a.w.) deutlich. Deshalb eilte er, wann immer sich trotz seiner zahlreichen Verpflichtungen eine Gelegenheit bot, zum Haus dieses ihm liebsten Ehepaares und nahm seine überaus geliebten Enkel auf den Arm, um ihnen liebevoll Zuneigung zu zeigen. Eines Tages kam er zu ihrem Haus und sah, dass ʿAli und Fatima schliefen, während der kleine Hasan vor Hunger weinte. Er wollte ihren Schlaf nicht stören. Er nahm Hasan hoch, ging zu einer im Hof angebundenen Ziege, molk sie eigenhändig und gab Hasan die Milch zu trinken, worauf dieser sich beruhigte.

Ein anderes Ereignis trug sich ebenfalls zu. Der Gesandte (s.a.w.) ging gerade geschäftig am Haus von Fatima und ʿAli (r.a.) vorbei, als der Klang von Husains Weinen an sein Ohr drang. Er betrat das Haus und sagte in tadelndem Ton zu seiner Tochter: „Weißt du denn nicht, dass sein Weinen mir Schmerzen bereitet?“ (Tarajim Sayyidati Bait an-Nubuwwah, S. 627)

Die Geburt der Töchter Zainab und Umm Kulthum

Danach begann die Zahl der Kinder dieses Ehepaares zu wachsen. Im fünften Jahr nach der Hidschra wurde Fatima (r.a.) Mutter einer ersten Tochter. Ihr Großvater, der Gesandte (s.a.w.), gab ihr den Namen „Zainab“. Es sei erwähnt, dass eine leibliche Schwester Fatimas den Namen „Zainab“ getragen hatte und nach der Auswanderung nach Medina verstorben war. Die Erinnerung an jene Zainab lebte im Herzen ihres Vaters und ihrer Schwester fort. Nach dieser Tante wurde Fatimas Tochter benannt. Zwei Jahre später wurde Fatima (r.a.) Mutter einer zweiten Tochter. Auch ihr gab der Gesandte (s.a.w.) den Namen seiner anderen verstorbenen Tochter Umm Kulthum. Auf diese Weise hielt Hadhrat Fatima (r.a.) durch ihre Töchter die Erinnerung an ihre beiden verstorbenen Schwestern lebendig. Der Gesandte (s.a.w.) verließ diese Welt und trat in die Nähe Allahs, des Herrn der Welten, während Fatimas (r.a.) diese vier Kinder noch am Leben hatte.

Alle Kinder Fatimas (r.a.) waren dem edlen Gesandten Allahs (s.a.w.) ein Stück seines Herzens; besonders in Hasan und Husain schien er seine verstorbenen Söhne wiederzufinden. Daher empfand er ihnen gegenüber eine besondere Zuneigung. Eines Tages trug er einen von ihnen auf den Schultern und ging über den Markt von Medina. Als die Gebetszeit eintrat, betrat er die Moschee, setzte ihn voller Zärtlichkeit an eine Seite und stellte sich als Imam zum Gebet auf. Doch er verweilte so lange in der Niederwerfung, dass die hinter ihm betenden Gläubigen vor Verwunderung völlig bestürzt waren. Nach dem Gebet fragte jemand: O Gesandter Allahs! Du hast eine so lange Niederwerfung gemacht, dass wir annahmen, es sei etwas geschehen oder eine Offenbarung herabgesandt worden. Er antwortete: Nein, nichts dergleichen ist geschehen. Die eigentliche Sache ist, dass mein Sohn auf meinen Rücken geklettert war. Ich wollte, dass sein Wunsch erfüllt wird. Deshalb habe ich mich nicht beeilt.[]

Eines Tages saß der Gesandte Allahs (s.a.w.) auf der Kanzel und hielt eine Ansprache. Da sah er die beiden Brüder Hasan und Husain in roten Gewändern schwankend herbeigehen. Er unterbrach seine Ansprache, stieg von der Kanzel hinab, hob die beiden hoch und setzte sie vor sich hin. Dann sagte er zu den Anwesenden: Allah hat wahr gesprochen: [Sure at-Taghabun 15] (Arabisch=========)

„Euer Besitz und eure Kinder sind wahrlich eine Prüfung.“

Ich sah, wie dieses Kind ging und dabei hinfiel. Als ich den Anblick nicht mehr ertragen konnte, unterbrach ich meine Ansprache und hob sie zu mir herauf.

An einem anderen Tag sah man, wie der Gesandte Allahs (s.a.w.) seine Hände auf den beiden Schultern des kleinen Husain liegen hatte und dessen beide Füße auf den Füßen des Gesandten ruhten. Er hielt ihn fest und sagte: Steig nach oben! Während Husain höher und höher kletterte, setzte er schließlich seine Füße auf die Brust seines Großvaters. Nun sagte er zu Husain: Öffne deinen Mund. Er öffnete ihn. Als er ihn auf den Mund küsste, sagte er: O Allah! Ich liebe ihn, und auch er liebt mich. Liebe auch diejenigen, die ihn lieben. [Muslim, al-Fada’il]

Eines Tages ging der Gesandte Allahs (s.a.w.) in Begleitung einiger Gefährten irgendwohin, um an einem Gastmahl teilzunehmen. Unterwegs sah er Husain mit gleichaltrigen Kindern spielen. Der Gesandte Allahs (s.a.w.) breitete beide Hände aus und ging auf ihn zu, um ihn zu fangen. Damit er sich nicht von seinem Großvater fangen ließ, lief er einmal hierhin und einmal dorthin. Der Gesandte Allahs (s.a.w.) stellte sich lachend vor ihn. Schließlich fing er ihn, setzte ihn auf einen seiner Arme, legte die andere Hand unter sein Kinn und küsste ihn. Dann sagte er: Husain ist ein Teil von mir, und ich bin ein Teil von Husain. [Tarajimu Sayyidati Bayt an-Nubuwwah, 630]

Abu Sufyan an der Tür von Fatimas Haus

Die Zeit verging. Im Licht des Islam begann sich die Dunkelheit ganz Arabiens aufzulösen. Schließlich begann der Gesandte Allahs (s.a.w.), die Vorbereitungen für den Feldzug gegen Mekka zu treffen. In Medina löste dies eine große Bewegung aus. Männer und Frauen würden alle an diesem Feldzug teilnehmen. Die Nachricht erreichte Mekka rechtzeitig. Die Herzen der polytheistischen Quraisch begannen zu beben. Sie dachten: Diesmal gibt es kein Entkommen. Nach reiflicher Überlegung schickten sie Abu Sufyan ibn Harb nach Medina, um die Bewohner Medinas von ihrem Vorhaben abzubringen. Denn inzwischen hatte seine Tochter Umm Habiba Ramla (r.a.) den Islam angenommen, und der Gesandte Allahs (s.a.w.) hatte ihr den Rang einer Ehefrau verliehen. Daher konnte diese Aufgabe nur durch sie gelingen.

Ali und Fatima beschlossen, an diesem Feldzug teilzunehmen. In der Nacht vor ihrer Abreise bereiteten sie sich auf die Reise vor. Viele Erinnerungen stiegen vor ihrem geistigen Auge auf. Bisweilen riefen sie sich auch vergangene Ereignisse ins Gedächtnis. War Mekka, das sie vor acht Jahren hinter sich gelassen hatten, noch genauso wie damals? In ihren Erinnerungen erschienen nun die Bilder ihrer Mutter Chadidscha (ra) und ihres Vaters Abu Talib. Inmitten dieser tief bewegten Stimmung klopfte es plötzlich an der Tür. Um zu sehen, wer zu so später Stunde gekommen war, ging Ali (ra) zur Tür. Auch Fatima blickte in diese Richtung. Als sie die Tür öffneten, sahen sie Abu Sufyan ibn Harb vor sich stehen. Es war jener Abu Sufyan, der der Fahnenträger des Götzendienerheeres von Mekka war und der Ehemann von Hind, jener Frau, die dem Märtyrer von Uhud, Hadhrat Hamza (ra), die Brust aufgeschlitzt, seine Leber herausgerissen und darauf herumgekaut hatte.

Abu Sufyan begann zu erzählen, wie und warum er nach Medina gekommen war. Er sagte: Die Bewohner von Mekka hatten ihn entsandt, damit er sie vor einem Angriff Muhammads (sa) bewahre und mit ihm eine Vereinbarung treffe. Er war unter Geheimhaltung seiner Identität nach Medina gelangt und direkt im Haus seiner Tochter, der Umm al-Mu’minin Umm Habiba Ramla (ra), erschienen. Als er sich dort auf das Bett des Gesandten Allahs (sa) setzen wollte, wurde er von seiner eigenen Tochter daran gehindert. Denn er war ein Götzendiener und unrein. Er war nicht würdig, auf dem heiligen Bett des Gesandten Allahs (sa) zu sitzen. Seine Tochter rollte das Bett zusammen. Er sprach offen mit ihr, erhielt jedoch keine Antwort von ihr. Von Abu Bakr (ra) erfuhr er dieselbe Behandlung. Danach ging er zu Umar (ra). Nachdem dieser seine Worte angehört hatte, sagte er: Soll ich etwa für dich beim Gesandten Allahs (sa) Fürsprache einlegen? Bei Allah! Wenn ich auf der Erde nichts anderes als ein kleines Pflänzchen finden sollte, würde ich damit gegen euch kämpfen.[Ibn Hischam, as-Sira 4/38]

Nachdem Abu Sufyan dies gesagt hatte, schwieg er eine Weile. Dann schluckte er und sagte zu Ali (ra): O Ali! Du bist meinem Volk gegenüber am wohlwollendsten. Ich bin wegen einer Angelegenheit zu dir gekommen. So wie ich von den anderen enttäuscht zurückgekehrt bin, möchte ich nicht auch von dir zurückkehren. Lege bitte beim Gesandten Allahs (sa) Fürsprache für mich ein.

Ali (ra) sagte: Abu Sufyan! Wehe dir. Bei Allah! Der Gesandte (sa) hat in dieser Angelegenheit bereits eine Entscheidung getroffen. Wir können dazu nichts sagen.

Nun blickte Abu Sufyan zu Fatima, die schweigend danebenstand, und deutete auf Hasan, der auf dem nebenstehenden Bett gerade aus dem Schlaf erwacht war und auf seine Mutter zuging. Er sagte zu Fatima: O Tochter Muhammads! Willst du deinen Sohn auffordern, vor die Menschen zu treten, die Sicherheit für die Angehörigen seines Stammes auszurufen und für alle Zeiten der Führer ganz Arabiens zu bleiben?

Fatima antwortete: Mein kleiner Sohn ist noch nicht alt genug, vor die Menschen zu treten und jemandem Sicherheit zu gewähren, und niemand kann, am Gesandten Allahs (sa) vorbei, jemandem Sicherheit gewähren.

Völlig bestürzt erhob sich Abu Sufyan, um zu gehen. An der Tür blieb er einen Augenblick stehen. Dann sagte er mit äußerst sanfter Stimme: Abu l-Hasan (Ali)! Es scheint, dass diese Angelegenheit für mich sehr schwierig geworden ist. Gib mir doch einen Rat.

Ali (ra) sagte: Ich kenne keinen Rat, der dir von Nutzen sein könnte. Du bist jedoch ein Führer des Stammes Kinana (eines Zweigs des Stammes Quraisch). Tritt selbst vor die Menschen und bitte um Sicherheit. Danach kehre in deine Heimat zurück.

Abū Sufyān sagte: „Wird mir das irgendwie von Nutzen sein?“ ʿAlī (ra) schwieg eine Weile und sagte dann: „Bei Allah, ich glaube nicht daran. Doch ich sehe für Euch keinen anderen Weg.“

Abū Sufyān ging fort, entschlossen, nach dem Rat ʿAlīs (ra) zu handeln. Das Ehepaar schloss die Tür ihres Hauses und begann, über die unermessliche Macht Allahs, des Herrn der Welten, nachzudenken. Sie dachten an Umm al-Qurā Mekka, die Kaʿba, die Häuser der Quraisch und anderes. [Tarājimu Sayyidāti Bayt an-Nubuwwa, 633]

Fāṭima (ra) beim Feldzug zur Eroberung Mekkas

Der Gesandte (s) zog mit zehntausend muslimischen Gefährten von Medina in Richtung Mekka. Acht Jahre zuvor war er allein mit Abū Bakr aṣ-Ṣiddīq (ra) in der Dunkelheit der Nacht von Mekka nach Medina ausgewandert. Zusammen mit den übrigen Mitgliedern der Prophetenfamilie schloss sich auch Fāṭima dieser Karawane an, um diesen großen, ruhmreichen Sieg und die Rückkehr mitzuerleben. Acht Jahre zuvor hatte sie einst gemeinsam mit ihrer älteren Schwester Umm Kulthūm Mekka verlassen und war nach Medina gezogen. Auch ihre beiden anderen Schwestern Ruqayya und Zaynab waren ausgewandert. Doch heute waren sie nicht in dieser siegreichen Karawane. Sie ruhten für immer im Boden Medinas. Nie wieder würden sie nach Mekka zurückkehren. Während Fāṭima in Erinnerungen an die Vergangenheit schwelgte, zog sie mit der Karawane weiter. Schließlich erreichte die Karawane Marr az-Zahrān und schlug dort ihr Lager auf. Kaum war der Tag zu Ende, erschien in der ersten Nachtwache Abū Sufyān ibn Ḥarb, der Anführer des Götzendienerheeres von Mekka. Um die Entscheidung des Gesandten Allahs (s) über die Mekkaner zu erfahren, wartete er die ganze Nacht vor seiner Tür. Im Morgengrauen trat er vor den Gesandten Allahs (s) und erklärte seinen Übertritt zum Islam. Danach ging er von dort direkt nach Mekka. Als er Mekka erreichte, stellte er sich auf einen hohen Hügel und verkündete mit lauter Stimme: „O Leute des Stammes der Quraisch! Muḥammad kommt mit einem gewaltigen Heer, wie ihr es noch nie gesehen habt. Wer das Haus Abū Sufyāns betritt, ist sicher; wer in seinem eigenen Haus die Tür schließt und darin bleibt, ist sicher; und wer die Moschee betritt, ist sicher.“

Als die Bewohner Mekkas diese Erklärung hörten, flüchteten sie in ihre Häuser und in die al-Masdschid al-Ḥarām. Der Gesandte (s) befand sich in Dhū Ṭuwā auf dem Rücken seines Reittiers, teilte das Heer in verschiedene Abteilungen und bestimmte für jede Abteilung einen Anführer und Fahnenträger. Saʿd ibn ʿUbāda al-Anṣārī (ra) war der Fahnenträger. Er sagte zu ʿAlī (ra): „Diese Fahne wurde bei Khaybar und im Kampf gegen die Banū Quraiẓa vom Gesandten Allahs (s) und in der Schlacht von Uḥud von den Auswanderern getragen.“ [aṭ-Ṭabaqāt, II/27, 77]

Am Tag der Eroberung Mekkas betrat der Gesandte (s) Mekka über den Weg von Adhākhir und stieg im höher gelegenen Teil Mekkas ab. Nicht weit vom Grab der Umm al-Muʾminīn Khadīǧa (ra) wurde für ihn ein Zelt aufgeschlagen. Auch seine Tochter Fāṭima az-Zahrāʾ war bei ihm. An dem Tag, an dem Fāṭima (ra) von Mekka nach Medina aufbrach, hatte al-Ḥuwairith ibn Munqidh sie vom Rücken ihres Reittiers gestoßen und dadurch in Lebensgefahr gebracht. Diese Erinnerung trübte ihre Freude über die Rückkehr in ihre Heimat nach so langer Zeit. Auch der Gesandte (s) hatte dies nicht vergessen. Er teilte das Heer in verschiedene Gruppen und bestimmte jeweils einen Befehlshaber. Dann sagte er: „Selbst wenn diese Leute unter dem Tuch der Kaʿba Zuflucht suchen sollten, werdet ihr sie töten.“ Zu ihnen gehörte auch al-Ḥuwairith ibn Munqidh. Die Verantwortung für seine Tötung wurde Fāṭimas (ra) Ehemann ʿAlī (ra) übertragen. [Tarājimu Sayyidāti Bayt an-Nubuwwa, 635]

Umm Hāniʾ bint Abī Ṭālib, die Cousine des Gesandten Allahs (s) und Ehefrau von Hubaira ibn Abī Wahb aus Mekka, berichtet: Nachdem der Gesandte Allahs (s) im höher gelegenen Teil Mekkas abgestiegen war, flohen zwei Männer der Banū Machzūm, al-Ḥārith ibn Hischām und Zuhair ibn Abī Umayya ibn al-Mughīra, und suchten Zuflucht in meinem Haus. Mein Bruder ʿAlī ibn Abī Ṭālib (ra) kam zu mir, sah sie und geriet in heftige Wut. Er schwor bei Allah und sagte: „Ich werde sie ganz sicher töten.“ Als die Lage kritisch wurde, schloss ich eilig die Tür und lief zum Gesandten Allahs (s). Als ich dort ankam, sah ich, dass er sich mit Wasser aus einem großen Gefäß wusch und Fāṭima dastand und ihn mit einem Tuch abschirmte. Nachdem der Gesandte (s) sich gewaschen hatte, verrichtete er acht Rakʿa des Duḥā-Gebets. Dann wandte er sich mir zu und sagte: „Umm Hāniʾ, weshalb bist du gekommen?“ Ich erzählte ihm, was in meinem Haus geschehen war. Er sagte: „Auch ich gewähre denjenigen Schutz, denen du Schutz gewährt hast. Auch ich gewähre denjenigen Sicherheit, denen du Sicherheit zugesichert hast. ʿAlī wird sie nicht töten.“ [ebd.; Ṣaḥīḥ Muslim: Ṣalāt al-Musāfirīn]

Es ist auch überliefert, wie Fāṭimas (ra) erste Nacht in Mekka verlief. Sie war zutiefst bewegt. Die Erinnerung an ihre geliebte Mutter und an ihre beiden Schwestern Zaynab und Ruqayya stieg vor ihrem inneren Auge auf. Sie erinnerte sich an die grausame Behandlung, die die Bewohner Mekkas ihrem Vater hatten zuteilwerden lassen, sowie an vieles aus ihrer eigenen Kindheit und Jugend in Mekka. Die ganze Nacht konnte sie kein Auge schließen. Bei Tagesanbruch ertönte aus der al-Masdschid al-Ḥarām Bilāls Stimme zum Morgengebet. Als ʿAlī (ra) sich vom Lager erhob und sich anschickte, zum Gebet zu gehen, fragte er einmal: „Mutter von al-Ḥasan, hast du nicht geschlafen?“ Mit tief bewegter Stimme antwortete sie: „Ich möchte bei vollem Bewusstsein diese Rückkehr im Gewand der Sieger genießen. Wenn ich einschliefe, könnte ich am Ende noch glauben, das Ganze sei nur ein Traum gewesen.“

Danach erhob sie sich zum Gebet. Nach dem Gebet schlief sie ein wenig. Als sie aufwachte, wollte sie zu dem Haus gehen, in dem sie geboren worden war. Dieses Haus war die Stätte ihrer eigenen Kindheit und der Kindheit ihres Ehemannes ʿAlī. Doch nach ihrer Auswanderung fiel dieses Haus in den Besitz von ʿAqīl ibn Abī Tālib. Eines Tages während der Eroberung Mekkas fragte Usāma ibn Zayd (r.a.) den Gesandten Allahs (s.a.w.): „In welchem Haus werdet ihr in Mekka absteigen?“ Er antwortete: „Hat ʿAqīl uns etwa irgendeine Unterkunft oder ein Haus übriggelassen?“

Auf dieser Reise blieb sie nicht länger als zwei Monate in Mekka. Im Ramadan des achten Hidschra-Jahres kam sie nach Mekka und kehrte gegen Ende des Monats Dhū l-Qaʿda desselben Jahres nach der Verrichtung der ʿUmra gemeinsam mit ihrem Vater nach Medina zurück. Während dieser Zeit besuchte sie auch das Grab ihrer Mutter, der im Paradies lebenden Khadīdscha (r.a.).

Im neunten Hidschra-Jahr verstarb Umm Kulthūm (r.a.), die dritte Tochter des Gesandten Allahs (s.a.w.) und Ehefrau des ehrenwerten ʿUthmān (r.a.). Im zehnten Hidschra-Jahr verschied auch Ibrāhīm, der Sohn des Gesandten Allahs (s.a.w.) und der von seiner Ehefrau Māriya al-Qibṭiyya geborene Sohn. Nun lebte unter den Kindern des Gesandten Allahs (s.a.w.) niemand mehr außer Fāṭima az-Zahrāʾ.

Der Vater auf dem Sterbebett

Danach kam die Zeit dieses großen Unglücks. Im Monat Safar des elften Hidschra-Jahres erkrankte Fāṭimas (r.a.) erhabener Vater. Die Familie des Propheten und die anderen Muslime nahmen an, es handle sich vielleicht nur um eine leichte Erkrankung und er werde sehr bald wieder genesen. Niemand ahnte, dass dies seine letzte Krankheit war. Der Vater ließ seine Tochter rufen. Sofort folgte sie dem Ruf ihres Vaters und machte sich zu seinem Haus auf. Neben dem Krankenlager des Gesandten Allahs (s.a.w.) saßen damals Hadhrat ʿĀʾischa (r.a.) und die anderen Ehefrauen. Als der Vater seine Tochter Fāṭima ruhig, gefasst und würdevoll näherkommen sah, begrüßte er sie auf diese Weise:

(Arabisch====) Meine Tochter! Willkommen! Dann küsste er sie, ließ sie neben sich Platz nehmen und sagte ihr leise ins Ohr, dass die Zeit seines Todes näher gekommen sei. Fāṭima begann zu weinen. Ihr Weinen hörte auf, als ihr Vater ihr erneut etwas ins Ohr sagte: [Ṭabaqāt 8/16; Buchārī: Bāb ʿAlāmāt an-Nubuwwa; Muslim: Faḍāʾil aṣ-Ṣaḥāba; Kanz al-ʿUmmāl 13/675] (Arabisch======)

„Unter meiner Familie wirst du die Erste sein, die sich mir anschließt. Fāṭima! Bist du nicht damit zufrieden, die Anführerin der gläubigen Frauen zu sein?“ Oder der Gesandte (s.a.w.) sagte: „Bist du nicht damit zufrieden, die Anführerin der Frauen dieser Umma zu sein?“

Sobald Fāṭima dies hörte, erschien ein freudiger Glanz auf ihrem Gesicht. Sie hörte auf zu weinen und lächelte. Hadhrat ʿĀʾischa (r.a.), die neben ihr saß, war über dieses Verhalten erstaunt. Sie bemerkte: (Arabisch=======)

„Nie habe ich eine solche Szene der Freude gesehen, die der Trauer so nahe ist, wie heute.“

Später fragte er Fatima bei einer Gelegenheit: Was hat dein Vater dir ins Ohr geflüstert? Sie antwortete: Ich kann das Geheimnis des Gesandten Allahs nicht preisgeben.[Tabaqāt-8/16]

Als Fatima (ra) den Zustand der Krankheit ihres Vaters sah, kehrte sie an jenem Tag in ihr eigenes Haus zurück. Der Gesandte Allahs (s) hielt sich indessen trotz dieser Krankheit weiterhin gemäß der festgelegten Ordnung abwechselnd in den Häusern der Mütter der Gläubigen auf. An dem Tag, an dem er sich im Haus der Mutter der Gläubigen, Maymūna bint al-Hārith al-Hilāliyya (ra), aufhielt, verschlimmerte sich seine Krankheit noch weiter. Er ließ die anderen Ehefrauen zu sich rufen. Als sie eintrafen, bat er sie um die Erlaubnis, in diesem kranken Zustand im Haus von ʿĀʾischa (ra) zu bleiben, und erhielt ihre Zustimmung.

Fatima (ra), die Tochter des Propheten, pflegte ihren kranken Vater ständig, sogar indem sie nachts wach blieb. Neben ihrer geduldigen Pflege flehte sie in äußerster Demut und Bescheidenheit vor Allah, dem Herrn der Welten, um die Genesung ihres Vaters. Als sich die Krankheit trotz alledem zunehmend verschlimmerte und die Intensität seiner Leiden weiter zunahm, nahm Fatima Wasser in die Hand und strich es mit großer Zärtlichkeit über den Kopf ihres Vaters. Beim Anblick seines Leidens drohte ihr die Stimme vor Weinen zu versagen. Mit tränenerstickter Stimme sagte sie leise: „Vater! Ich kann Ihr Leiden nicht ertragen.“ Der Vater blickte sie liebevoll an und antwortete mit großer Zärtlichkeit: „Nach dem heutigen Tag wird dein Vater kein Leid mehr haben.“[Buchārī: Bāb maradihī wa wafātihī (s): Fatḥ al-Bārī-8/105; Musnad Aḥmad-3/141; Ṭabaqāt-2/2]

Der Vater ließ seine Tochter in einem Meer der Trauer zurück und trat die Reise in die Nähe des Allerhöchsten an. An diesem Tag war Fatima (ra) wahrhaftig zu einer traurigen, vater- und mutterlosen Waise geworden. Vor ihr gab es keinen Weg, in diesem Kummer und Schmerz Trost zu finden.

Nach dem Verlust ihres Vaters versank Fatima (ra) in tiefster Trauer. In diesem Zustand wurde bereits innerhalb von zwei Tagen im Hof von Saqīfa Banū Sāʿida Abū Bakr (ra) als Kalif die Baiʿa geleistet. Fatima (ra) fasste sich ein wenig und begab sich mit langsamen Schritten zum Grab ihres Vaters. Sie nahm eine Handvoll Erde aus dem Grab und strich sie über ihre tränenüberströmten Augen. Dann rezitierte sie, während sie daran roch, die folgenden beiden Verse.[Siyar aʿlām an-nubalāʾ-2/134; Aʿlām an-nisāʾ-4/114] (Arabisch=====)

„Wer den Duft der Erde aus Ahmads Grab riecht, soll sein ganzes Leben lang keinen anderen Duft mehr riechen. Wenn all die Unglücke, die über mich gekommen sind, über den Tag gekommen wären, wäre er zur Nacht geworden.“

Nachdem die ehrwürdigen Gefährten (ra) die Waschung, Einhüllung und Beisetzung des edlen Gesandten Allahs (s) abgeschlossen hatten, kamen sie zu Fatima (ra), um ihr Trost zu spenden. Sie fragte Anas (ra): „Wie konnten eure Herzen es zulassen, den Gesandten Allahs (s) mit Erde zu bedecken?“ Danach rezitierte sie zum Gedenken an den Gesandten Allahs (s) die folgenden Verse: [Usd al-ghāba-5/532; Aʿlām an-nisāʾ-4/113](Arabisch=====)

Der Horizont des Himmels ist staubbedeckt, die Mittagssonne ist verhüllt und das Zeitalter ist in Dunkelheit gehüllt.

Nach dem Tod des Propheten (s.a.s.) war die Erde nicht nur traurig, sondern wurde von der Intensität des Kummers zerrissen.

Der Osten und der Westen weinen um ihn, und der gesamte Stamm von Mudar und Jaman trauert.

Um ihn weinen die großen Berge und Gebirge sowie die gewaltigen, riesigen Bauwerke.

O Siegel der Propheten, möge Allahs Licht auf dich herabgesandt werden; möge der Herabsender des al-Qur’an dir Barmherzigkeit erweisen.“

Viele haben erwähnt, dass die oben angeführten Verse von Hazrat Fatima (r.a.) und die zuvor angeführten Verse von ‘Ali verfasst wurden.[Sahabiyyat-150]

Hazrat Fatima (r.a.) rezitierte, neben dem Grab ihres Vaters stehend, auch diese beiden Verse:[A‘lām an-Nisā’ – 4/114] (Arabisch======)

„Wie man Land und Kamele verliert, haben wir dich verloren. Nach deinem Verschwinden sind Offenbarung und das Buch

Du bist uns entschwunden.

Ach, wenn wir doch vor dir gestorben wären! Dann hätten wir nicht die Nachricht von deinem Tod hören müssen, und auch der Erdhügel hätte nicht zwischen dir und uns gelegen. Auch nach ihrer Heirat kümmerte sich Hazrat Fatima (r. a.) um alle Angelegenheiten im Haushalt ihres Vaters. Häufig mischte sie sich sogar in kleinere Verstimmungen und Meinungsverschiedenheiten ihrer Stiefmütter ein. Der Gesandte Allahs, der Edle (s. a. w. s.), liebte beispielsweise Umm al-Mu’minin ʿAischa zutiefst. Dies war der gesamten Gemeinschaft der Gefährten bekannt. Deshalb schickten sie an den Tagen, an denen der Gesandte (s. a. w. s.) im Haus von ʿAischa (r. a.) übernachtete, besonders viele Geschenke. Darüber wurden die anderen Ehefrauen ärgerlich. Sie wollten, dass der Gesandte (s. a. w. s.) die Menschen anweisen sollte, alles, was sie zu schicken hatten, jeweils dorthin zu senden, wo er sich an dem betreffenden Tag aufhielt. Doch niemand wagte es, dem Gesandten (s. a. w. s.) dies zu sagen. Daher wählten sie gemeinsam Fatima (r. a.), das geliebte Herzstück des Edlen Gesandten (s. a. w. s.), aus, um ihre Gedanken dem Gesandten Allahs (s. a. w. s.) vorzutragen. Nachdem der Gesandte (s. a. w. s.) Fatimas (r. a.) Anliegen angehört hatte, sagte er: »Meine Tochter, willst du nicht auch, was ich will?« Fatima (r. a.) verstand den Wunsch ihres Vaters und kehrte zurück. Ihre Stiefmütter wollten sie erneut schicken, doch sie war nicht einverstanden. [Buchari: Fada’il ʿAischa (r. a.); Muslim: Fada’il as-Sahaba (2441); Das Leben der Gefährten des Gesandten-5/73]

Auf dem Feld des Dschihad

Auf dem Feld des Dschihad spielte Hazrat Fatima (r. a.) eine glänzende Rolle. In der Schlacht von Uhud wurde Hazrat der Edle Gesandte (s. a. w. s.) am Körper und im Gesicht verwundet. Aus seinem heiligen Körper strömte Blut hervor und rann herab. Als sich die Blutung durch nichts stillen ließ, verbrannte Fatima (r. a.) eine Palmblattmatte im Feuer und trug deren Asche auf die Wunde auf. [Ansab al-Aschraf-1/324] In diesem Zusammenhang berichtet Imam al-Baihaqi: Die Frauen der Muhadschirun und der Ansar brachen von ihren Häusern nach Uhud auf. Auf ihrem Rücken trugen sie Wasser und Lebensmittel. Auch Fatima bint Rasulullah (s. a. w. s.) zog mit ihnen aus. Als sie während der Schlacht ihren Vater blutüberströmt sah, umarmte sie ihn und begann, das Blut von seinem Gesicht zu wischen. Aus dem Mund des Gesandten Allahs (s. a. w. s.) wurden damals folgende Worte vernommen:

»Der gewaltige Zorn Allahs treffe jenes Volk, das das Gesicht des Gesandten Allahs (s. a. w. s.) blutig gemacht hat.«

Bei der Schilderung der Rolle Hazrat Fatimas (r. a.) in Uhud sagte der große Gefährte Sahl ibn Saʿd: Der Gesandte (s. a. w. s.) wurde verwundet, sein vorderer Zahn brach ab, und ein Schwert wurde auf seinem Kopf zerbrochen. Fatima bint Rasulullah (s. a. w. s.) begann, das Blut abzuwaschen, während ʿAli (r. a.) mit seinem Schild Wasser darüber goss. Als Fatima (r. a.) sah, dass umso mehr Blut hervortrat, je mehr Wasser darüber gegossen wurde, nahm sie eine Matte, verbrannte sie im Feuer und machte sie zu Asche – dann legte sie diese auf die Wunde. Daraufhin hörte die Blutung auf. [Al-Bidaya wa-n-Nihaya-4/39; Tabaqat-2/48; Buchari: al-Maghazi; Muslim: al-Hudud wa-s-Siyar]

In der Schlacht von Uhud wurde Hazrat Hamza (r. a.), der Onkel des Gesandten Allahs (s. a. w. s.) und der Großvater Fatimas (r. a.), als Märtyrer getötet. Er war es, der anlässlich der Hochzeit Hazrat Fatimas (r. a.) das Walima-Fest veranstaltete und die Menschen bewirtete. Fatima (r. a.) war ihm sehr zugetan. Zeit ihres Lebens besuchte sie das Grab Hazrat Hamzas (r. a.) und flehte unter Tränen im Angesicht Allahs für ihn. [Al-Baihaqi: Dala’il an-Nubuwwa; al-Waqidi: al-Maghazi-2/313]

Auch von der Teilnahme Hazrat Fatimas (r. a.) an anderen Feldzügen ist berichtet. So nahm sie an den Feldzügen von Khandaq und Khaybar teil. Nach dem Sieg über Khaybar bestimmte der Gesandte (s. a. w. s.) für sie 85 Wasq von dem dort erzeugten Weizen. Auch beim Sieg über Mekka begleitete sie den Gesandten Allahs (s. a. w. s.) auf seiner Reise. Zum Feldzug von Mu’ta entsandte der Gesandte (s. a. w. s.) drei Befehlshaber: Zaid ibn Haritha, Jaʿfar ibn Abi Talib und ʿAbdullah ibn Rawaha (r. a.). Einer nach dem anderen wurden alle drei als Märtyrer getötet. Als diese Nachricht Medina erreichte, brach Fatima (r. a.) aus Trauer um ihren geliebten Onkel Jaʿfar (r. a.) unter dem Ruf »Wa ʿammah!« in Tränen aus. Zu dieser Zeit kam der Gesandte Allahs (s. a. w. s.) dorthin und sagte: »Wer weinen möchte, soll um einen Menschen wie Jaʿfar weinen.« [Nisa’ Mubascharat bil Dschanna-214]

Der Rang von Hazrat Fatima (r.a.)

Ihre Größe, ihr Rang und ihre besonderen Vorzüge sind zahlreich. In der Familie des Propheten gibt es noch weitere Personen von hohem Rang. Doch unter ihnen nimmt Hazrat Fatima (r.a.) eine besonders ehrenvolle Stellung ein. Die Offenbarung des Tathir-Verses in der Sure al-Ahzab belegt den besonderen Rang und die besonderen Vorzüge von Hazrat Fatima (r.a.). [Sure al-Ahzab 33]

„O Familie des Propheten! Allah will nur die Unreinheit von euch fernhalten und euch vollständig reinigen.“

Umm al-Mu’minin Hazrat Aischa (r.a.) sagte: [Mukhtasar Tafsir Ibn Kathir 3/94]

„Ich sah den Gesandten Allahs (s.a.w.). Er rief Ali, Fatima, Hasan und Husain (r.a.) zu sich und legte ein Tuch über ihre Köpfe. Dann sagte er: O Allah! Diese gehören zu den Mitgliedern meiner Familie. Entferne die Unreinheit von ihnen und reinige sie vollständig!“

Hazrat Anas ibn Malik (r.a.) berichtet: Nachdem dieser Vers offenbart worden war, sagte der Gesandte (s.a.w.) sechs Monate lang, wenn er auf dem Weg zum Morgengebet an der Tür von Fatimas (r.a.) Haus vorbeikam:

„Das Gebet, o Familie des Propheten! Das Gebet.“

Dann rezitierte er: [Usud al-Ghaba, Biografie Nr. 7175; ad-Durr al-Manthur 6/605; Nisa’ Mubashsharat bil-Jannah 219]

Imam Ahmad (möge Allah mit ihm zufrieden sein) überliefert von Abu Huraira (möge Allah mit ihm zufrieden sein): Der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) blickte auf ʿAlī, Fāṭima, Ḥasan und Ḥusain (möge Allah mit ihnen zufrieden sein) und sagte: Siyar aʿlām an-nubalāʾ, 2/123

„Wer gegen euch Krieg führt, gegen den führe ich Krieg; und mit wem ihr Frieden und einen Vertrag schließt, mit dem schließe ich Frieden.“

Über diese Familie des Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ist in einer weiteren Aussage des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) überliefert: wie zuvor erwähnt(Arabisch**********)

„Wer auch immer dem Ahl al-Bait, also der Familie des Propheten, feindselig gegenübertritt, den wird Allah in die Hölle eintreten lassen.“

Im 9. Jahr nach der Hidschra kam eine christliche Delegation aus Nadschran zum edlen Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), und sie begannen, über den Propheten ʿĪsā (Friede sei mit ihm) unnötig zu streiten. Daraufhin wurde der Vers über die Mubāhala offenbart. Mubāhala bedeutet: Wenn zwischen zwei Parteien in einer Angelegenheit von Wahrheit und Falschheit ein Streit entsteht und durch Argumente keine Einigung erzielt wird, sollen sie sich gemeinsam an Allah wenden und darum bitten, dass diejenige Partei, die in dieser Angelegenheit lügt, vernichtet werde. Ein solches Bittgebet wird Mubāhala genannt. Die Streitenden können sich dazu versammeln und zur Bekräftigung der Angelegenheit auch ihre Familienangehörigen zusammenbringen. Der Vers über die Mubāhala lautet: Sure Āl ʿImrān, 61(Arabisch*********)

„Und wer mit dir darüber streitet, nachdem dir Wissen zuteilgeworden ist, zu dem sage: Kommt, lasst uns unsere Söhne und eure Söhne, unsere Frauen und eure Frauen, uns selbst und euch selbst herbeirufen; dann wollen wir demütig flehen und Allahs Fluch auf die Lügner herabrufen.“

Nachdem dieser Vers offenbart worden war, lud der edle Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) die Delegation zur Mubāhala ein. Er kam selbst mit Fāṭima, ʿAlī, Ḥasan und Ḥusain (möge Allah mit ihnen zufrieden sein) zur Mubāhala bereit und sagte:(Arabisch********)„O Allah! Dies ist meine Familie. Entferne von ihnen die Unreinheit und reinige sie vollständig.“ Nachdem er diese Worte dreimal gesprochen hatte, sagte er: Ṣaḥīḥ Muslim: Faḍāʾil aṣ-Ṣaḥāba; Musnad, 4/107; Mukhtaṣar Tafsīr Ibn Kaṯīr, 1/287–289(Arabisch***********)

„O Allah, schenke der Familie Muhammads Deine Barmherzigkeit und Deine Gunst, wie Du sie der Familie Ibrāhīms erwiesen hast. Wahrlich, Du bist der Lobenswürdige und der Erhabene.“

Der edle Gesandte Allahs (s.a.s.) sagte eines Tages zu Fatima (r.a.): [Tahdhīb at-Tahdhīb 12/442; al-Isāba 4/366](Arabisch********)

„Möge Allah, der Erhabene, sich über deine Freude freuen und über dein Missfallen erzürnt sein.“

Wenn der Gesandte (s.a.s.) von einem Feldzug oder einer Reise zurückkehrte, ging er zuerst in die Moschee und verrichtete zwei Rakʿat Gebet. Danach ging er zum Haus Fatimas, traf sich mit ihr und besuchte anschließend seine Ehefrauen. [Usd al-Gāba 5/535]

Als Fatima (r.a.) einmal krank war, ging der Gesandte (r.a.) zu ihr, um sie zu besuchen. Er fragte: „Tochter, wie geht es dir?“

Fatima sagte: „Tochter, bist du etwa nicht zufrieden damit, dass du die Anführerin aller Frauen der Welt sein wirst?“

Fatima sagte: „Vater, welchen Rang nimmt dann Maryam, die Tochter Imrans, ein?“

Der Gesandte (s.a.s.) erwiderte: „Sie war die Anführerin der Frauen ihrer Zeit, und du wirst die Anführerin der Frauen deiner Zeit sein.“

Bei Allah! Ich habe dich mit einem Anführer der diesseitigen und der jenseitigen Welt verheiratet.“

Der edle Gesandte Allahs (s.a.s.) sagte zu ihr –(Arabisch*********)

„Die Anführerinnen der Frauen im Paradies sind der Reihe nach Maryam, Fatima bint Muhammad (s.a.s.), Chadidscha und Asiya, die Frau des Pharao.“

Einmal zog der Gesandte (s.a.s.) vier Linien auf den Boden und sagte dann: „Wisst ihr, was das ist?“ Alle sagten: „Allah und Sein Gesandter (s.a.s.) wissen es am besten.“ Er sagte: „Fatima bint Muhammad, Chadidscha bint Chuwailid, Maryam bint Imran und Asiya bint Muzahim (die Frau des Pharao). Sie besitzen einen besonderen Rang unter den Frauen des Paradieses.“

Die besondere Auszeichnung, die der Persönlichkeit Hadhrat Fatimas (r.a.) verliehen wurde, wird in diesem Hadith des Gesandten (s.a.s.) deutlich: [Tirmidhi; al-Manāqib](Arabisch********)

„Unter den Frauen der Welt sind Maryam, Chadidscha, Fatima und Asiya, die Frau des Pharao, ausreichend als Vorbilder, denen du folgen kannst.“

Fatima (r.a.) war diejenige, die der edle Gesandte Allahs (s.a.s.) am meisten liebte und der er besonders zugeneigt war. Einmal wurde der Gesandte (s.a.s.) gefragt: „O Gesandter Allahs! Wen lieben Sie am meisten?“ Er antwortete: „Fatima.“ Imam adh-Dhahabi sagt: (Arabisch*****)

„Unter den Frauen war Fatima (r.a.) diejenige, die der Gesandte Allahs (s.a.s.) am meisten liebte, und unter den Männern war es Ali (r.a.).“

Einmal fragte Hadhrat Ali (r.a.) den Gesandten (s.a.s.): „Wen von uns beiden, Fatima und mich, lieben Sie am meisten?“ Er antwortete: „Fatima ist mir lieber als du.“ [Nisāʾ Mubashsharāt bil-Dschannah, S. 216]

Allahs geliebte Auserwählte

Dass Hazrat Fatima auch bei Allah beliebt war, lässt sich durch einige wundersame Ereignisse belegen. In diesem Zusammenhang sei einmal erwähnt, welchen Segen und welche Fülle Allah einer kleinen Menge Nahrung verlieh. Verschiedenen Überlieferungen zufolge trug sich die Begebenheit im Wesentlichen folgendermaßen zu: Eines Tages schickte eine Nachbarin ihr als Geschenk zwei Brote und ein Stück Fleisch. Sie legte beides auf einen Teller und deckte ihn zu. Dann schickte sie ihren Sohn, um den Gesandten Allahs (s.a.w.) zu holen. Der Gesandte Allahs (s.a.w.) kam, und Fatima (r.a.) stellte ihm den Teller vor. Was danach geschah, schilderte Fatima (r.a.) folgendermaßen:

Ich nahm den Deckel vom Teller und sah, dass er mit Brot und Fleisch gefüllt war. Beim Anblick war ich vor Staunen wie betäubt! Ich erkannte, dass dieser Segen von Allah kam. Ich lobte Allah und sprach Segensgebete über Seinen Propheten. Dann stellte ich den mit Essen gefüllten Teller vor den Gesandten Allahs (s.a.w.). Als er ihn sah, lobte er Allah und fragte: „Meine Tochter! Woher kommt dieses Essen?“

Ich sagte: „Vater, es kommt von Allah. Allah versorgt, wen Er will, ohne Maß.“

Der Gesandte Allahs (s.a.w.) sagte: „Meine geliebte Tochter! Lob sei Allah, der dich zur Anführerin der Frauen der Kinder Israels gemacht hat. Wenn Allah ihr Nahrung gab und sie danach gefragt wurde, pflegte sie zu sagen: ‚Dies kommt von Allah. Wahrlich, Allah versorgt, wen Er will, ohne Maß.‘“

Von dieser Speise aßen der edle Prophet (s.a.w.), Ali, Fatima, Hasan, Husain und alle Ehefrauen des Gesandten Allahs (s.a.w.). Sie alle aßen sich satt. Dennoch blieb die Menge der Speise auf dem Teller unverändert. Fatima verteilte die Speise unter den Nachbarn. Allah legte überreichen Segen und viel Gutes in diese Speise. [Al-Bidaya wa-n-Nihaya 6/111; Hayat as-Sahaba 3/628; Tafsir Ibn Kathir 3/360]

Der edle Prophet (s.a.w.) bat einmal darum, dass Allah Fatima nicht hungrig bleiben lasse. Fatima sagte: „Seitdem habe ich nie wieder Hunger verspürt.“ Die Begebenheit war folgende:

Eines Tages ging der Gesandte Allahs (s.a.w.) zu Fatima (r.a.) nach Hause. Sie mahlte gerade Weizen mit einer Handmühle. Sie trug ein aus Kamelhaar gefertigtes Gewand. Als der Vater seine Tochter in diesem Zustand sah, begann er zu weinen und sagte: „Fatima! Schlucke diese Bitterkeit der diesseitigen Welt hinunter, um das Glück und die Freuden des Jenseits zu erlangen.“

Fatima erhob sich und trat vor ihren Vater. Der Vater sah seine Tochter an und bemerkte, dass ihr Gesicht durch den quälenden Hunger blutleer und fahl geworden war. Er sagte: „Fatima, komm näher.“ Fatima trat vor ihren Vater. Er legte eine Hand auf die Schulter seiner Tochter und sprach dieses Bittgebet: [Aʿlām an-Nisāʾ – 4/125] (Arabisch*********)

„O Allah, Der Du den Hungrigen speist und die Not beseitigst, beseitige die Not von Fatima bint Muhammad.“

In jeder Hinsicht – in ihrer Rede, ihrem Verhalten und ihrem Auftreten – war Fatima (r.a.) ein Ebenbild des edlen Gesandten Allahs (s.a.w.s.). ʿAischa (r.a.) sagte: (Arabisch*********)

„Fatima (r.a.) ging. Ihr Gang wich nicht im Geringsten vom Gang des Gesandten Allahs (s.a.w.s.) ab.“ [Siyar aʿlām an-nubalāʾ – 2/130] In Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit war sie ohnegleichen. ʿAischa (r.a.) pflegte zu sagen: [ebd. – 131] (Arabisch********)

„Ich habe niemanden gesehen, der wahrhaftiger sprach als Fatima (r.a.). Doch die Tochter dessen, dessen Tochter sie war (des Propheten, s.a.w.s.), nimmt hierin selbstverständlich eine besondere Stellung ein.“

ʿAischa (r.a.) sagte außerdem: [Abū Dāwūd: Bāb mā jāʾa fil-qiyām (5217); at-Tirmidhī: Manāqib Fātima (3871)] (Arabisch**********)

„Ich habe niemanden gesehen, der dem Gesandten Allahs (s.a.w.s.) in seiner Rede und seinen Gesprächen ähnlicher war als Fatima (r.a.). Wenn Fatima (r.a.) zum Gesandten Allahs (s.a.w.s.) kam, stand er auf, zog sie an sich, küsste sie und hieß sie willkommen. Auch Fatima tat ihrem Vater gegenüber dasselbe.“ Der Gesandte (s.a.w.s.) liebte keines seiner Kinder so sehr wie Fatima (r.a.).

Er sagte (Arabisch*********)

„Fatima ist ein Teil meines Körpers. Wer sie erzürnt, erzürnt mich.“

Imam as-Suhayli sagte auf Grundlage dieses Hadiths: Wer Fatima, möge Allah mit ihr zufrieden sein, beleidigt, wird zum Ungläubigen. Er setzte ihren Unmut mit dem Unmut des Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, gleich. Und wer den Gesandten, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, erzürnt, wird zum Ungläubigen. [Aʿlām an-Nisāʾ – 4/125, Anmerkung 2]

Ibn al-Dschauzi sagte: Fatima, möge Allah mit ihr zufrieden sein, übertraf alle anderen Töchter des Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, und Aischa, möge Allah mit ihr zufrieden sein, alle anderen Ehefrauen an Ehre und Rang. [Ebenda – 4/126]

Von Abu Huraira, möge Allah mit ihm zufrieden sein, wird überliefert, dass der Gesandte, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, sagte: Allah erlaubte einem Engel, mich zu besuchen. Er verkündete mir die frohe Botschaft, dass Fatima die Anführerin aller Frauen meiner Umma sein werde und Hasan und Husain die Anführer der Bewohner des Paradieses sein würden. [Ebenda – 4/127] Bei einer Gelegenheit sagte er zu Ali, möge Allah mit ihm zufrieden sein: „Fatima ist ein Teil meines Körpers. Tu daher nichts, was sie erzürnt.“

Fatimas, möge Allah mit ihr zufrieden sein, Liebe zu ihrem Vater

So wie der edle Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, seine Tochter Fatima, möge Allah mit ihr zufrieden sein, innig liebte, so liebte auch Fatima ihren Vater zutiefst. Wenn ihr Vater von einer Reise zurückkehrte, ging er zunächst in die Moschee und verrichtete das Gebet. Danach ging er zum Haus seiner Tochter Fatima, besuchte sie und begab sich dann in sein eigenes Haus. Das war seine Gewohnheit. Einmal kehrte der Gesandte, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, von einer Reise zurück und ging zu Fatimas Haus. Fatima, möge Allah mit ihr zufrieden sein, umarmte ihren Vater und küsste ihn auf Gesicht und Augen. Dann sah sie in das Gesicht ihres Vaters und begann zu weinen. Der Gesandte, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, fragte: „Warum weinst du?“ Fatima, möge Allah mit ihr zufrieden sein, sagte: „O Gesandter Allahs! Dein Gesicht ist blass geworden und deine Kleidung ist schmutzig und beschmutzt. Beim Anblick dessen muss ich weinen.“ Der Gesandte, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, sagte: „Fatima, weine nicht. Allah hat deinen Vater mit einer Aufgabe gesandt. Er wird sie in jedes Haus der Städte und Dörfer auf der Erde bringen – sei es mit Ehre oder mit Erniedrigung.“ [Kanz al-ʿUmmāl 1/77; Hayāt as-Sahāba 1/65]

Die Zurechtweisung und Warnung des Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden

Obwohl sie beim edlen Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, so sehr geliebt war, scheute er sich nicht, sie zu tadeln, wenn sie auch nur geringes Interesse an weltlichem Wohlstand und Luxus zeigte. Der Gesandte, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, missbilligte weltliche Pracht und äußerlichen Glanz. Was er selbst nicht billigte, konnte er auch bei keinem anderen gutheißen. Einmal schenkte ihr Ehemann Ali, möge Allah mit ihm zufrieden sein, Fatima, möge Allah mit ihr zufrieden sein, eine goldene Halskette. Sie trug die Kette um den Hals. Da kam der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, und bemerkte die Kette. Er sagte: „Fatima! Willst du, dass die Leute sagen: Die Tochter des Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, trägt eine feurige Kette um den Hals?“ Fatima erkannte den Unmut ihres Vaters, verkaufte die Kette und kaufte mit dem Erlös einen Sklaven, den sie anschließend freiließ. Als der Gesandte, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, davon erfuhr, sagte er: [At-Targhīb wa-t-Tarhīb 1/557; Musnad 5/278–279; Nisāʾ Ḥaulādār Rasūl 149](Arabisch*******)

„Alles Lob gebührt Allah, der Fatima vor dem Feuer der Hölle bewahrt hat.“

Eine weitere Begebenheit. Der Gesandte (s) kehrte von einem Feldzug zurück. Wie es seine Gewohnheit war, wollte er das Haus Fatimas (r) aufsuchen. Um ihren Vater zu empfangen, hängte Fatima (r) einen Vorhang an die Haustür und legte ihren beiden Söhnen Hasan und Husain (r) je ein silbernes Armreif an. Sie dachte, dass ihr Großvater, der Gesandte (s), sich darüber freuen würde. Doch das Gegenteil geschah. Der Gesandte (s) betrat das Haus nicht, sondern kehrte um. Die kluge Tochter Fatima (r) verstand, warum ihr Vater das Haus nicht betreten hatte und umgekehrt war. Sofort nahm sie den Vorhang ab und riss ihn entzwei; auch nahm sie ihren beiden Söhnen die Armreifen ab. Weinend gingen sie zu ihrem Großvater. Da sprach der ehrwürdige Gesandte (s): „Sie gehören zu meiner Familie. Ich möchte nicht, dass sie mit weltlichem Schmuck und weltlicher Pracht geschmückt werden.“ [Sahabiyyat, S. 147]

Einmal sagte der Gesandte (s) zu Fatima, Ali, Hasan und Husain (r): „Mit denen, gegen die ihr kämpft, kämpfe auch ich; und mit denen, mit denen ihr Frieden und einen Friedensvertrag habt, habe auch ich Frieden und einen Friedensvertrag.“ Das heißt: Mit denen, über die ihr ungehalten seid, bin auch ich ungehalten, und über diejenigen, über die ihr euch freut, freue auch ich mich.

Der Gesandte (s) machte seiner innig geliebten Tochter Fatima (r) stets unmissverständlich klar, dass sie nicht allein deshalb im Jenseits Erlösung erlangen werde, weil sie die Tochter eines Propheten (s) sei. Dort würden die einzigen Mittel zur Erlösung gute Taten, Gottesfurcht und die Furcht vor Allah sein. Einmal sagte er in einer Ansprache: [Buchari, 6/16 (Tafsīr der Sure asch-Schuʿarā); Nisāʾ Hawlā ar-Rasūl, S. 149](Arabisch********)

„O ihr Angehörigen des Stammes Quraisch! Rettet euch selbst. Bei Allah kann ich nichts für euch tun … O Fatima, Tochter Muhammads! Bitte mich um alles, was du von meinem Besitz möchtest. Doch bei Allah kann ich nichts für dich tun.“

Er sagte außerdem:(Arabisch**********)

„O Fatima, Tochter Muhammads, rette dich selbst vor dem Feuer der Hölle. Ich bin vor Allah weder in der Lage, dir zu nützen, noch dir zu schaden.“

Als eine Frau aus dem Stamm Machzum einen Diebstahl beging, versuchten die Angehörigen ihres Stammes durch die Fürsprache Usama ibn Zayds (r), der beim Gesandten (s) hoch angesehen war, eine Aufhebung der Strafe zu erwirken. Da sagte der Gesandte (s): [Buchari: al-Hudud; Muslim: Bāb qaṭʿ as-sāriq (1688)](Arabisch**********)

„Bei Allah! Wenn selbst Fatima bint Muhammad stehlen würde, würde ich ihr die Hand abhacken.“

Die Forderung nach dem Erbe des Vaters

Der ehrenwerte Gesandte Allahs (s.a.w.) verstarb. Da stellte sich die Frage nach seinem Erbe. Fatima (r.a.) ging direkt zum Kalifen Abu Bakr (r.a.) und bat um die Aufteilung des Erbes ihres Vaters. Abu Bakr (r.a.) überlieferte ihr folgenden Hadith des Gesandten Allahs (s.a.w.): (Arabisch*********)

„Was immer wir hinterlassen, ist Sadaqa; es gibt davon kein Erbe.“ Dann sagte er: „Wie könnte ich es danach verteilen?“ Über diese Antwort wurde Hazrat Fatima (r.a.) etwas ungehalten. [Muslim: Fi l-Dschihad wa s-Sair (1759); Buchari: 6/139, 141; 7/259, Fi l-Maghazi: Kapitel: Der Hadith über Banu an-Nadir; Tabakat-8/18; Siyar aʿlam an-nubala-2/120] Fatima (r.a.) kehrte nach Hause zurück und erkrankte. Es wird auch überliefert, dass Hazrat Fatima (r.a.) über diese Antwort von Abu Bakr (r.a.) traurig wurde und ihm so sehr zürnte, dass sie bis zu ihrem Tod kein Wort mehr mit ihm sprach. Doch aus einer Überlieferung von Imam asch-Schaʿbi (r.h.) geht hervor, dass Abu Bakr (r.a.) Fatima (r.a.) aufsuchte, als sie erkrankt war, und um Erlaubnis für einen Besuch bat. Ali (r.a.) ging zu Fatima (r.a.) und sagte: „Abu Bakr (r.a.) möchte dich besuchen.“ Fatima (r.a.) fragte Ali (r.a.): „Bist du damit einverstanden, dass ich ihm die Erlaubnis zu einem Besuch gebe?“ Ali (r.a.) antwortete: „Ja.“ Da erlaubte Fatima ihm den Eintritt. Nachdem Abu Bakr (r.a.) das Haus betreten und sich nach ihrem Befinden erkundigt hatte, sagte er: „Bei Allah! Ich kann mein gesamtes Vermögen, meine Familie und meinen Stamm aufgeben für die Zufriedenheit Allahs, des Gesandten Allahs (s.a.w.) und von euch, den Ahl al-Bait, den Mitgliedern der Familie des Propheten.“ Durch diese Worte Abu Bakrs (r.a.) verschwand aller Kummer aus dem Herzen Hazrat Fatimas (r.a.), und sie wurde froh. [Tabakat-8/27] Nachdem Imam adh-Dhahabi (r.a.) diese Überlieferung erwähnt hat, bemerkte er, dass Hazrat Fatima (r.a.) die Sunna kannte, nach der eine Frau die Erlaubnis ihres Ehemanns einholen muss, wenn sie in ihrem ehelichen Haus einen fremden Mann empfängt. Dies lässt sich aus diesem Ereignis erkennen. [Siyar aʿlam an-nubala-2/121] Aus dieser hier erwähnten Überlieferung wird ersichtlich, dass etwaige frühere Unzufriedenheit im Herzen Hazrat Fatimas (r.a.) später verschwunden war. Außerdem ist aus einer Überlieferung bekannt, dass Fatima (r.a.) vor ihrem Tod der Ehefrau Abu Bakrs (r.a.) auftrug, sie nach ihrem Tod zu waschen. [Nisaʾ mubascharat bil-dschanna-224; Anmerkung Nr. 1]

Tod

Wie ihre drei anderen Schwestern in ihrer Jugend verstarben, so schied auch Hazrat Fatima (r.a.) acht Monate – nach anderer Auffassung siebzig Tage – nach dem Tod des ehrenwerten Gesandten Allahs (s.a.w.) aus dieser Welt. Manche haben auch gesagt, dass sie zwei, vier oder acht Monate nach dem Tod des Gesandten Allahs (s.a.w.) verstarb. Richtig ist jedoch, dass sie acht Monate nach dem Tod des ehrenwerten Gesandten Allahs (s.a.w.) verstarb. Die Prophezeiung des Gesandten Allahs (s.a.w.) – „Du wirst aus meiner Familie die Erste sein, die sich mir anschließt“ – erfüllte sich. Wenn man annimmt, dass Hazrat Fatima (r.a.) fünf Jahre vor dem Beginn der Prophetie geboren wurde, war sie zum Zeitpunkt ihres Todes 29 Jahre alt. Manche sagen jedoch, Fatima (r.a.) sei ein Jahr nach dem Beginn der Prophetie geboren worden; nach dieser Berechnung wäre sie nicht 29 Jahre alt gewesen. Da die meisten Sira-Fachleute der Ansicht sind, dass Fatima (r.a.) bei ihrem Tod 29 Jahre alt war, muss ihre Geburt somit fünf Jahre vor dem Beginn der Prophetie erfolgt sein. [Siyar aʿlam an-nubala-2/127]

Al-Waqidi sagte, dass Fatima (r.a.) am 3. Ramadan des Jahres 11 nach der Hidschra verstarb. Hazrat Abbas (r.a.) leitete das Totengebet. Hazrat Ali, Fadl und Abbas (r.a.) stiegen in das Grab hinab und vollendeten die Beisetzung. Ihrem Wunsch entsprechend wurde sie nachts beigesetzt. Es wird auch überliefert, dass Ali beziehungsweise Abu Bakr (r.a.) das Totengebet leitete. Ihr Ehemann Ali (r.a.) und Asma bint Umais (r.a.) wuschen sie. [Al-Istiʿab-4/367, 368; Ansab al-aschraf-1/402, 405]

Über die letzte Krankheit Hazrat Fatimas (r.a.) sind kaum Informationen überliefert. Es gibt keine Überlieferung darüber, dass sie an einer schweren Krankheit litt und einige Zeit bettlägerig war. Umm Salama (r.a.) berichtet: Zum Zeitpunkt von Fatimas (r.a.) Tod war Ali (r.a.) nicht bei ihr. Sie ließ mich rufen und sagte: „Bereite Wasser für meine Waschung vor. Hole frische, saubere Kleidung heraus, die ich anziehen werde.“ Ich bereitete Wasser vor und holte neue Kleidung heraus. Sie vollzog gründlich die Waschung und zog die neue Kleidung an. Danach sagte sie: „Bereite mein Bett, ich möchte mich ausruhen.“ Ich bereitete das Bett. Sie legte sich mit dem Gesicht zur Qibla darauf. Dann sagte sie zu mir: „Meine Abreise ist sehr nahe. Ich habe die Waschung vollzogen. Es ist nicht nötig, mich ein zweites Mal zu waschen. Auch meine Kleidung muss nicht ausgezogen werden.“ Danach sank sie in die Arme des Todes.

Nachdem ‘Alī (r.a.) nach Hause gekommen war, erzählte ich ihm all diese Ereignisse. Er hielt Fāṭimas (r.a.) vorherige Waschung für ausreichend und bestattete sie in diesem Zustand. [A‘lām an-Nisāʾ – 4/131] Eine ähnliche Überlieferung findet sich auch von Umm Rāfi‘. In einigen Überlieferungen heißt es, dass ‘Alī (r.a.), nach einer anderen Auffassung Abū Bakr (r.a.), sie wusch. [Ṭabaqāt – 8/17, 18; Siyar A‘lām an-Nubalāʾ – 2/129]

An ihrem Totengebet konnten nur sehr wenige Menschen teilnehmen. Der Grund dafür war, dass sie nachts verstarb und Ḥaḍrat ‘Alī (r.a.) sie gemäß Fāṭimas Vermächtnis noch in der Nacht bestattete. An verschiedenen Stellen der Ṭabaqāt wird dies ebenfalls überliefert. ‘Āʾiša (r.a.) sagte, dass Fāṭima (r.a.) nach dem Propheten (s.a.w.) noch sechs Monate lebte und nachts bestattet wurde. [Siyar A‘lām an-Nubalāʾ – 2/129]

Schamhaftigkeit und Sittsamkeit gehörten zu den hervorstechendsten Eigenschaften von Ḥaḍrat Fāṭima (r.a.). Als ihr Tod näher rückte, sagte sie zu Asmāʾ bint ‘Umaīs (r.a.): „Es gefällt mir nicht, dass die Leichname von Frauen unbedeckt zum Friedhof gebracht werden. Dadurch wird die Schamhaftigkeit verletzt. Bei den Leichnamen von Frauen und Männern wird kein Unterschied gemacht. Dass Männer die Leichname von Frauen unbedeckt tragen, ist eine schlechte Sitte von ihnen.“ Asmāʾ bint ‘Umaīs (r.a.) sagte: „Tochter des Gesandten Allahs! Ich habe in Abessinien eine gute Methode gesehen. Wenn du erlaubst, kann ich sie dir zeigen.“ Daraufhin brachte sie einige Palmzweige und spannte darüber ein Tuch, sodass es wie ein Sichtschutz war. Diese Methode gefiel Ḥaḍrat Fāṭima (r.a.) sehr, und sie war darüber äußerst erfreut.

Der Leichnam von Ḥaḍrat Fāṭima (r.a.) wurde unter einem Sichtschutz bis zum Grab getragen. Im Islam wurde auf diese Weise erstmals ihr Leichnam getragen. Danach wurde auch der Leichnam der Umm al-Muʾminīn Ḥaḍrat Zainab bint Jaḥš auf diese Weise bis zum Grab getragen.

Als Ḥaḍrat ‘Alī (r.a.) die Bestattung und Einhüllung seiner Ehefrau Fāṭima (r.a.) vollendet hatte und nach Hause zurückkehrte, wirkte er sehr traurig und tief betrübt. In seinem Schmerz wiederholte er immer wieder die folgenden Verse: [A‘lām an-Nisāʾ – 4/131](Arabisch*****)

„Ich sehe, dass sich in mir die Krankheiten dieser Welt in großer Zahl eingenistet haben. Und ein Bewohner dieser Welt bleibt bis zu seinem Tod krank.

Nach jeder Begegnung liebender Menschen kommt die Trennung. Die Zeit des Zusammenseins ohne Trennung ist nur äußerst kurz.

Die Trennung von Fāṭima nach Aḥmad (s.a.w.) beweist, dass keine Freundschaft für immer währt.“

Hazrat ʿAlī (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm) besuchte jeden Tag Fātimas (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) Grab, weinte in Erinnerung an sie und rezitierte die folgenden beiden Verse: (Arabisch*********)

„Was ist nur mit mir geschehen, dass ich zum Grab komme, um ihm den Friedensgruß zu entbieten, doch das Grab meiner Geliebten keine Antwort auf meine Frage gibt?“

O Grab! Was ist mit dir geschehen, dass du nicht auf den Ruf deines Rufer antwortest?

Bist du der Liebe deines geliebten Menschen überdrüssig geworden?

Der Ort der Bestattung

Al-Wāqidī berichtet: Ich sagte zu ʿAbd ar-Rahmān ibn Abī al-Mawlā: Die meisten Menschen sagen, dass sich das Grab von Hazrat Fātima (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) auf dem Friedhof Baqīʿ befindet. Was meinen Sie dazu? Er antwortete: Sie wurde nicht in Baqīʿ bestattet. Sie wurde in einer Ecke des Hauses von ʿAqīl bestattet. Zwischen ihrem Grab und der Straße lagen ungefähr sieben Ellen. [Sahābiyyāt, S. 153]

Überlieferung von Hadithen

Hazrat Fātima (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) überlieferte achtzehn Hadithe vom Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien mit ihm). Einer davon ist muttafaq ʿalayhi, das heißt, al-Buchārī und Muslim haben ihn über die Überlieferungskette von Hazrat ʿĀʾischa (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) in ihre Sammlungen aufgenommen. Imam Abū Dāwūd, Ibn Māǧa und at-Tirmidhī nahmen die von Fātima (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) überlieferten Hadithe in ihre jeweiligen Sammlungen auf. Zu denjenigen, die von Fātima (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) Hadithe überlieferten, gehören: ihre beiden geliebten Söhne al-Hasan und al-Husain, ihr Ehemann ʿAlī ibn Abī Tālib, die Mutter der Gläubigen ʿĀʾischa, Salmā Umm Rāfiʿ, Anas ibn Mālik, Umm Salama, Fātima bint al-Husain (Allahs Wohlgefallen sei mit ihnen) und viele andere. Ibn al-Ǧauzī sagt: Außer Fātima (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) ist uns keine andere Tochter des Gesandten Allahs bekannt, die einen Hadith des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien mit ihm) überliefert hätte. [Siyar aʿlām an-nubalāʾ, 2/119; Aʿlām an-nisāʾ, S. 128, Anmerkung 1]

Ummul Fadl bint al-Harith (r.a.)


Ummul Fadl Lubaba al-Kubra, die nur unter dem Namen Ummul Fadl bekannt ist. Nach arabischer Sitte nahm sie die Kunya nach ihrem ältesten Sohn al-Fadl ibn Abbas an. Ihr Vater war al-Harith ibn Huzn al-Hilali und ihre Mutter Hind bint Awf al-Kinaniyya. Diese Hind war auch unter dem Namen Khawla bekannt. [Tabaqat 8/277; al-Isaba 4/398] Der verehrte Onkel des Gesandten Allahs, Hazrat Abbas ibn Abd al-Muttalib (r.a.), heiratete sie. Somit war Ummul Fadl die stolze Tante mütterlicherseits des Gesandten Allahs. Die Kinder Hazrat Abbas’: al-Fadl, Abdullah, Ubaidullah, Maʿbad, Qutham, Abd ar-Rahman sowie die Mutter von Umm Habiba. Imam adh-Dhahabi sagte: „Sie war die Mutter von sechs bedeutenden Söhnen Hazrat Abbas’ (r.a.).“ [Siyar aʿlam an-nubala 2/314; Ansab al-ashraf 1/447] Der arabische Dichter Abdullah ibn Yazid al-Hilali sagte: „Keine angesehene Frau Arabiens hat Kinder geboren, die den sechs Kindern aus dem Schoß Ummul Fadls gleichkämen.“ [Tabaqat 8/277; Randbemerkung zu al-Istiʿab und al-Isaba 4/399]

Sie hatte zahlreiche leibliche, väterlicherseits und mütterlicherseits verwandte Geschwister, von denen viele in verschiedener Hinsicht in der Geschichte bekannt geworden sind. So etwa Maymuna bint al-Harith, die unter dem Namen Lubaba as-Sughra bekannt war und die stolze Mutter des berühmten Gefährten und Heerführers Khalid ibn al-Walid (r.a.) war. Auch Azza bint al-Harith und Huzayla bint al-Harith. Diese zuletzt Genannten drei waren ihre Halbschwestern väterlicherseits. Mahmiya ibn Jazaʿa az-Zubaidi, Sulma, Asma und Salama waren alle ihre Geschwister mütterlicherseits. [Usd al-ghaba 5/539] Somit zeigt sich, dass sie die leibliche Schwester der Mutter der Gläubigen Maymuna und die Tante des Heerführers Khalid ibn al-Walid war. Ihre Schwester Salma war die Ehefrau Hazrat Hamzas (r.a.), und Asma war die Ehefrau des berühmten Heerführers und als Märtyrer gefallenen Gefährten Hazrat Jafar ibn Abi Talib (r.a.), des Bruders Hazrat Alis (r.a.). Nach Jafars Märtyrertod wurde der erste Kalif, Hazrat Abu Bakr as-Siddiq (r.a.), ihr zweiter Ehemann. Nach dem Tod Hazrat Abu Bakrs (r.a.) wurde Hazrat Ali (r.a.) ihr dritter Ehemann. Die Mutter Ummul Fadls war insofern vom Glück begünstigt, als sie die besten Söhne der besten Häuser des damaligen Arabien als Ehemänner für ihre Töchter gewann. In diesem Glück steht ihr keine andere Frau gleich. [Tabaqat 8/278; al-Istiʿab 4/399]

Sie nahm in der frühen Phase des islamischen Aufrufs in Mekka den Islam an. Es wird berichtet, dass sie die erste Frau in Mekka war, die nach Hazrat Khadidscha (r.a.) den Islam annahm. [Tabaqat 8/277] Im Werk al-Isaba wird jedoch auch gesagt, dass sie bereits vor der Hidschra Muslimin wurde. [Siyar aʿlam an-nubala 2/315] Die Hadith-Gelehrten erklärten diese Überlieferung jedoch für schwach und die zuerst genannte Überlieferung für richtig. [Sahabiyyat 174] Imam adh-Dhahabi zählte sie zu den Muslimen der ersten Zeit. [Siyar aʿlam an-nubala 2/315]

Der Diener des Gesandten Allahs, Abu Rafiʿ, sagte: „Ich war der Sklave von Abbas. Der Islam hielt in unserem Hausstand Einzug. Abbas und Ummul Fadl nahmen den Islam an.“ [Hayatus-Sahaba 3/530, 11; Tabaqat 8/278] Richtig ist, dass Abbas bereits in der frühen Zeit den Islam annahm und dies geheim hielt.

Obwohl sie zu den Muslimen der frühen mekkanischen Zeit gehörte, blieb sie trotz zahlreicher Widrigkeiten bis zur Auswanderung ihres Ehemannes Hazrat Abbas (r.a.) nach Medina in Mekka. Hazrat Abbas (r.a.) bekannte sich erst sehr spät zum Islam und wanderte ganz am Ende nach Medina aus. Zu diesem Zeitpunkt wanderte Ummul Fadl gemeinsam mit ihren Kindern nach Medina aus. Daher pflegte ihr Sohn Hazrat Abdullah ibn Abbas (r.a.) später, den 75. Vers der Sure an-Nisa zu rezitieren und zu sagen: „Meine Mutter und ich sind jene Frau und jenes Kind, zu deren Verteidigung in diesem Vers zum Kampf aufgerufen wird.“ [Sahih al-Bukhari, Kitab at-Tafsir, Sure an-Nisa] Die Bedeutung des Verses ist folgende: „Und was ist mit euch, dass ihr nicht auf Allahs Weg kämpft für die schwachen Männer, Frauen und Kinder, die sagen: Unser Herr, führe uns aus dieser Stadt hinaus, deren Bewohner Unterdrücker sind!“ Aus dem Hadith ist ersichtlich, dass sie vor Hazrat Abbas (r.a.) den Islam annahmen und nicht zur Auswanderung fähig waren. Dies sagte Imam adh-Dhahabi. [Siyar aʿlam an-nubala 2/315]

Der Gesandte Allahs (s.a.w.) erklärte Ummul Fadl und ihre anderen Schwestern zu gläubigen Frauen. Einmal wurden vor dem Gesandten Allahs (s.a.w.) die Namen der Schwestern Maymuna, Ummul Fadl, Lubaba as-Sughra, Huzayla, Azza, Asma und Salma erwähnt. Der Gesandte (s.a.w.) sagte: „All diese Schwestern sind Muʾminat, also gläubige Frauen.“ [Tabaqat 8/278; al-Istiʿab 4/401] Aus verschiedenen Ereignissen im Leben des Gesandten Allahs (s.a.w.) ist bekannt, dass er seine Tante Ummul Fadl nicht nur liebte, sondern ihr auch große Bedeutung beimaß. Auch die Tante erwies ihm große Zuneigung. Der Gesandte (s.a.w.) besuchte seine Tante häufig in ihrem Haus und ruhte sich dort mittags eine Zeit lang aus. [Tabaqat 8/277; Usud al-ghaba 5/539]

Al-Ajlah überlieferte über Zayd ibn Ali ibn Husayn. Nach dem Antritt des Prophetentums legte der Gesandte Allahs (s.a.w.) seinen Kopf auf keinen Frauen- außer auf dem Schoß Ummul Fadls; auch war es ihm nicht erlaubt, ihn auf den Schoß einer anderen Frau zu legen. Ummul Fadl legte den Kopf des Gesandten Allahs (s.a.w.) auf ihren Schoß, kämmte ihn und trug ihm Kohl auf die Augen auf. Eines Tages, als sie ihm Kohl auftrug, fiel plötzlich eine Träne aus ihrem Auge auf die Wange des Gesandten Allahs (s.a.w.). Er hob den Kopf und fragte: „Was ist geschehen?“ Ummul Fadl sagte: „Möge Allah dich sterben lassen. Wenn diese Führung und Herrschaft bei uns bleibt oder in die Hände anderer übergeht, so hättest du uns doch sagen sollen, wer von uns dein Nachfolger sein wird.“ Der Gesandte (s.a.w.) sagte: „Nach mir werdet ihr machtlos und schwach sein.“ [Tabaqat 8/278] Aus einer Überlieferung Imam Ahmads ist bekannt, dass sich dieses Ereignis während der letzten Krankheit des Gesandten Allahs (s.a.w.) ereignete. [Hayatus-Sahaba 2/337]

Auch Umm al-Fadl vollzog zusammen mit dem Gesandten Allahs (s.a.s.) die Abschiedswallfahrt. Am Tag des Aufenthalts in ʿArafāt waren die Gefährten unsicher, ob der Gesandte Allahs (s.a.s.) fastete. Schließlich äußerten sie gegenüber Umm al-Fadl ihre Zweifel. Um Gewissheit zu erlangen, reichte Umm al-Fadl dem Gesandten Allahs (s.a.s.) einen Becher Milch, den er trank. Dadurch waren all ihre Zweifel und Bedenken beseitigt. [Ṭabaqāt 8/279;]

Eines Tages sagte Umm al-Fadl (ra) zum Gesandten Allahs (s.a.s.): „Ich habe im Traum gesehen, dass sich ein Teil deines Körpers in meinem Haus befindet.“ Der Gesandte Allahs (s.a.s.) sagte: „Die Traumdeutung wird, so Allah will, gut sein. Fātima wird einen Sohn bekommen, und du wirst ihn stillen. Auf diese Weise wirst du seine Pflegerin sein.“ Entsprechend dieser Prophezeiung gebar Fātima al-Husain (ra), und Umm al-Fadl (ra) stillte ihn ebenfalls. Eines Tages brachte sie al-Husain auf dem Arm zum Gesandten Allahs (s.a.s.). Das Kind al-Husain urinierte auf den Schoß seines Großvaters. Umm al-Fadl schimpfte mit ihm und sagte: „Du hast auf den Schoß des Gesandten Allahs (s.a.s.) uriniert?“ Der Gesandte (s.a.s.) sagte: „Du verletzt mich, indem du das Kind ausschimpfst.“ Danach wurde der Urin mit Wasser abgewaschen. [Ebenda]

Umm al-Fadl (ra) überlieferte dreißig Hadithe vom Gesandten Allahs (s.a.s.). Dies erwähnte Imām adh-Dhahabī unter Berufung auf den Musnad von Baqī ibn Makhlad. Einer dieser Hadithe ist von al-Buchārī und Muslim gemeinsam überliefert worden; drei weitere überlieferte Imām Muslim allein. [Siyar aʿlām an-nubalāʾ 2/315; siehe al-Buchārī 2/204, 4/206; Muslim, Hadith-Nrn. 462, 1123, 1451;]

Zu den bedeutendsten Personen, die von Umm al-Fadl Hadithe überlieferten, gehören: ʿAbdullāh, Tammām, Anas ibn Mālik, ʿAbdullāh ibn al-Hārith, ʿUmair, Kuraib und Fābūs. [Usd al-ghāba 5/540]

Umm al-Fadl (ra) war eine hochrangige ʿĀbida und eine Frau, die der Welt entsagt hatte. Es war ihre Gewohnheit, jeden Montag und Mittwoch zu fasten. Dies berichtete ihr vorzüglicher Sohn, der große Gefährte ʿAbdullāh ibn ʿAbbās (ra). [Ṭabaqāt 8/278; Siyar aṣ-ṣaḥābiyyāt 117] Sie verstarb während des Kalifats des dritten Kalifen, ʿUthmān (ra). Ihr Ehemann al-ʿAbbās (ra) lebte zu dieser Zeit noch. ʿUthmān (ra) leitete das Totengebet für sie. [Siyar aʿlām an-nubalāʾ 2/315; Siyar aṣ-ṣaḥābiyyāt 117]

Ṣafiyya (ra), Tochter des ʿAbd al-Muṭṭalib


Hazrat Ṣafiyya (ra) und der edle Gesandte (s.a.s.) hatten dieselbe Abstammung und dieselben Vorfahren. Denn Hazrat Ṣafiyya (ra) war die Tochter des ʿAbd al-Muṭṭalib und die Tante väterlicherseits des Gesandten Allahs (s.a.s.). Andererseits war Hāla bint Wahab, die Halbschwester der Mutter des Gesandten Allahs (s.a.s.), Ṣafiyyas Mutter. Somit war Ṣafiyyas Mutter mütterlicherseits die Tante des Gesandten Allahs (s.a.s.). [Usd al-ghāba 5/892; al-Iṣāba 4/348] Der Märtyrer von Uḥud, Sayyid asch-Schuhadāʾ Hazrat Ḥamza (ra), war ihr Bruder. Beide waren Kinder derselben Mutter. [Tahdhīb al-asmāʾ wa-l-lughāt 1/349]

In der vorislamischen Zeit heiratete sie al-Ḥārith ibn Ḥarb, den Bruder von Abū Sufyān ibn Ḥarb. Mit ihm bekam sie einen Sohn. Nach dem Tod al-Ḥāriths heiratete sie in zweiter Ehe ʿAwām ibn Khuwaylid. Mit ihm wurde sie zur Mutter von drei Söhnen: az-Zubair, Sāʾib und ʿAbd al-Kaʿba. [Ṭabaqāt 8/42] Erwähnenswert ist, dass dieser ʿAwām der Bruder der Mutter der Gläubigen, Hazrat Khadīǧa al-Kubrā (ra), war. Somit war sie die stolze Mutter von Hazrat az-Zubair ibn al-ʿAwām, einem der Mitglieder der ʿAshara al-Mubashshara, und die Großmutter des berühmten Gefährten ʿAbdullāh ibn az-Zubair, der sich gegen Unterdrückung und Tyrannei erhob und durch die Truppen des despotischen Yazīd den Märtyrertod erlitt.

Hadhrat Safiyya (ra) nahm den Islam an. Unter den Sira-Gelehrten besteht Uneinigkeit darüber, welche der Tanten des Gesandten Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) den Islam annahmen. Hinsichtlich ihrer alleinigen Konversion zum Islam gibt es unter den Fachgelehrten jedoch keinerlei Meinungsverschiedenheit. Ibn Sa’d erwähnte, dass auch Arwa, Atika und andere Tanten den Islam angenommen hätten. Die Wahrheit ist jedoch, dass außer Safiyya keine von ihnen den Islam annahm. Das sagte auch Ibn al-Athir. [Usud al-Ghaba 5/492; Tahdhib al-Asma wa al-Lughat 1/349] Über ihre Hidschra ist lediglich bekannt, dass sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Awwam nach Medina auswanderte. Ibn Sa’d sagte nur: [Tabaqat 8] „(Arabisch*****)„Sie wanderte nach Medina aus.“

Hadhrat Aischa (ra) berichtet: Als dieser Vers in Mekka beim Gesandten Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) offenbart wurde (Arabisch*******) [Sure asch-Schu’ara 26:214], wandte er sich im Stehen folgendermaßen an sie: [Siyar A’lam an-Nubala 2/271]

– „O Fatima, Tochter Muhammads, o Safiyya, Tochter Abd al-Muttalibs, o Nachkommen Abd al-Muttalibs, ich kann bei Allah nichts für euch ausrichten. Bittet mich um alles, was ihr von meinem Besitz wünscht.“

Sie nahm an mehreren Dschihads teil. Während der Schlacht von Uhud wurden die Frauen zum Schutz in die Festung Fari des Dichters Hassan ibn Thabit (ra) gebracht. Diese Festung Fari wurde auch Festung Utum genannt. Auch Hadhrat Hassan befand sich bei ihnen. Zu diesen Frauen gehörte auch Hadhrat Safiyya. Eines Tages sah sie einen Juden in der Umgebung der Festung umherstreifen. Sie erschrak, denn falls er den Aufenthaltsort der Frauen herausfände, könnte großes Unheil hereinbrechen. Denn der Gesandte Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) befand sich damals mit seinem Heer auf dem Schlachtfeld. Hadhrat Safiyya (ra) erkannte die Schwere der Gefahr und sagte zu Hassan: „Töte diesen Juden! Sonst wird er den anderen Juden unseren Aufenthaltsort verraten.“ Hassan (ra) sagte: „Sie wissen, dass ich dazu nicht in der Lage bin. Wenn ich den Mut dazu hätte, wäre ich beim Gesandten Allahs (sallallahu alaihi wa sallam).“ Daraufhin nahm Safiyya selbst einen Zeltpfosten, stürzte sich auf den Juden und tötete ihn. Danach sagte sie zu Hassan (ra): „Geh nun und hole seine Sachen. Da ich eine Frau und er ein Mann ist, kann ich diese Aufgabe nicht übernehmen. Du musst sie erledigen.“ Hassan sagte: „Diese Sachen werden nicht benötigt.“ [Tabaqat 8/41; Kanz al-Ummal 7/99; Sira Ibn Hischam 2/228; al-Aghani 4/164; al-Bidaya 4/108]

In einem anderen Bericht heißt es: Nachdem Safiyya (ra) den Mann getötet hatte, schlug sie ihm den Kopf ab und sagte zu Hassan: „Nimm ihn und wirf ihn unten bei der Festung unter die Juden.“ Er sagte: „Das ist nicht meine Aufgabe.“ Daraufhin warf Safiyya selbst den Kopf unter die Juden, woraufhin diese sich aus Angst zerstreuten. Später pflegte Safiyya (ra) zu sagen: (Arabisch*********)

„Ich bin die erste Frau, die einen Mann getötet hat.“ Dies überlieferte Urwa. [Die Schlacht von Uhud fand vor der Grabenschlacht statt. Auch an dieser Schlacht von Uhud nahm Hadhrat Safiyya teil und gab ein leuchtendes Beispiel für Mut. In einem Abschnitt dieser Schlacht wurden die Muslime durch den Angriff des Quraisch-Heeres auseinandergetrieben und ergriffen die Flucht. Im Grunde war es zu einer Art Niederlage gekommen. Damals schlug Hadhrat Safiyya (ra) mit einem Speer in der Hand auf jeden fliehenden Soldaten ein, den sie vor sich sah, und rief mit erregter Stimme: „Flieht ihr, während ihr den Gesandten Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) zurücklasst?“ Diese Szene wurde dem Gesandten Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) bekannt. Der Gesandte (sallallahu alaihi wa sallam) sagte zu Zubair, er solle Safiyya nicht die Leiche Hamzas sehen lassen, denn die Quraisch behandelten die Toten unmenschlich. Sie verstümmelten die Leichen, indem sie sie zerschnitten. Der Anblick eines solchen Zustands der Leiche ihres Bruders könnte sie die Fassung verlieren lassen – aus diesem Grund gab der Gesandte (sallallahu alaihi wa sallam) Zubair diese Anweisung. Auf Anweisung des Gesandten Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) kam Zubair (ra) zu seiner Mutter und sagte: „Mutter, der Gesandte (sallallahu alaihi wa sallam) bittet dich zurückzukehren.“ Sie erwiderte: „Ich weiß, dass die Leiche meines Bruders verstümmelt wurde. Allah weiß, dass mir eine solche Behandlung der Leiche meines Bruders keineswegs gefällt; dennoch werde ich gewiss Geduld bewahren. Inschallah werde ich mich beherrschen.“ Zubair (ra) berichtete dem Gesandten Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) die Worte seiner Mutter. Daraufhin erlaubte er Safiyya (ra), zur Leiche ihres Bruders zu gehen. Hadhrat Safiyya ging zu der Leiche ihres Bruders und sah die in Stücke zerteilten Körperteile. Sie bewahrte vollkommene Selbstbeherrschung. Sie sprach nur „Inna lillahi wa inna ilaihi raji’un“ aus und betete um seine Vergebung. Nachdem sie gegangen war, ordnete der Gesandte (sallallahu alaihi wa sallam) die Bestattung der Leiche Hadhrat Hamzas (ra) an. [Tabaqat 8/42; Usud al-Ghaba 5/492]

Der Gesandte (sallallahu alaihi wa sallam) sagte an jenem Tag: „Wenn ich nicht befürchtet hätte, Safiyya Kummer zu bereiten, und wenn ich nicht befürchtet hätte, dass dies nach mir zu einer Sitte werden könnte, hätte ich Hamzas Leiche so auf dem Schlachtfeld liegen lassen, damit die Tiere und Vögel sie fressen.“ [Sira Ibn Hischam 2/95]

Für den Lebensunterhalt Hadhrat Safiyyas (ra) setzte der Gesandte (sallallahu alaihi wa sallam) nach dem Sieg über Chaibar jährlich vierzig Wasq Getreide aus den dort erzeugten Erträgen fest. [Tabaqat 8/41]

Während der Regierungszeit von Hadhrat Umar (ra) verstarb sie im Jahr 20 nach der Hidschra im Alter von 73 (dreiundsiebzig) Jahren in Medina. Sie wurde auf dem Friedhof Baqīʿ im Hof von al-Mughīra ibn Schuʿba neben dem Waschplatz beigesetzt. Manche haben gesagt, dass zahlreiche Überlieferungen des Gesandten Allahs (s) von ihr überliefert worden seien.[Pragukt-8/42; Tahdhīb al-Asmāʾ wa-l-Lughāt-1/349; al-Istīʿāb (Randnotizen zu al-Isāba-4/345] Das ist nicht richtig.

Dichterische Begabung

Hadhrat Safiyya (ra) war eine Dichterin aus dem haschimitischen Zweig des Stammes Quraisch und eine redegewandte Frau. Auch für den Dschihad und andere gute Taten erlangte sie Bekanntheit. Sie beherrschte die arabische Sprache sehr gut. Aus ihrem Mund flossen die Verse frei heraus. Diese Verse zeichneten sich durch wunderbare Gedanken, Klarheit und flüssige Ausdrucksweise aus; sie waren von zarten, wahrhaftigen und treffenden Gefühlen sowie von großartigem Heldenmut und Tapferkeit erfüllt. Es wird berichtet, dass aus ihrem Mund ungehindert Verse voller Tapferkeit hervorzuströmen pflegten, wenn sie ihr kleines Kind az-Zubair auf dem Arm wiegte.[Siyar Aʿlām an-Nubalāʾ-1/45]

In den Geschichts- und Sīra-Werken finden sich zahlreiche überlieferte Gedichte von Hadhrat Safiyya (ra). Es besteht kein Zweifel daran, dass sie eine der großen Dichterinnen der Araber war. Besonders bemerkenswert ist ihr Erfolg beim Verfassen von Trauergedichten. Deshalb verliehen manche ihr den Beinamen(Arabisch****) oder bezeichneten sie als „die Khansāʾ des Stammes Quraisch“.[Nisāʾ min ʿasr an-Nubuwwa-419]

Allāma as-Suyūṭī sagte in seinem Werk „ad-Durr al-Manthūr“:[ad-Durar al-Manthūr-261]

„Sie war eine Dichterin mit reiner und klarer Sprache. In ihrer Rede, ihren Taten, ihrer Ehre und ihrem Ansehen sowie in ihrem edlen Stammbaum besaß sie unter sämtlichen Arabern eine besondere Auszeichnung.“

Nach dem Tod von Abd al-Muttalib versammelte Safiyya (ra) ihre Schwestern und die Töchter der Banū Hāschim und veranstaltete etwas wie eine Trauerfeier. Bei dieser Feier trugen viele Frauen selbst verfasste Trauergedichte vor. Dieses Trauergedicht wurde in verschiedenen Werken zusammengetragen.[Siehe: Sīrat Ibn Hischām-1/169–174]

Ihre zwei Verse lauten wie folgt: (Arabisch*************************)

für einen Mann aus dem Hochland erwache ich beim nächtlichen

Klagen einer Trauernden

Danach rollten Tränen über beide meine Wangen

und fielen herab, wie eine Perle einen Abhang hinunterrollt.

Nach dem Tod des Gesandten Allahs verfasste sie ein Trauergedicht. Einige Teile davon sind in verschiedenen Werken überliefert. Einige seiner Verse werden hier wiedergegeben: [Siyar Aʿlām an-Nubalāʾ 2/271; siehe auch: Ḥayāt aṣ-Ṣaḥāba 3/347–348](Arabisch*****)

„O meine Augen! Seid großzügig mit Tränen und nächtlichem Wachbleiben

Zeigt darin Freigebigkeit. Beweint einen vortrefflichsten Verstorbenen,

beklagt den Verlorengegangenen

Klage in tiefstem Schmerz um Muhammad al-Mustafa

in seinem Gedenken. Der Schmerz, der sich im Herzen

vermischt und zu einer Einheit geworden ist, hat ihn, angelehnt sitzend,

wie einen Kranken gemacht.

Mein Leben war in Gefahr geraten –

als sein vorherbestimmter Tod eintrat,

der in einem höchst ehrenvollen Buch niedergeschrieben steht.

Er war sanft zu den Menschen,

Der Barmherzige und beste Wegweiser.

Möge Allah ihm in allen Lebenslagen, im Leben wie im Tod, gnädig sein.

Und möge Allah ihm am ewigen Tag das Paradies schenken.“

Einige Verse aus einer weiteren, zum Gedenken an den edlen Gesandten (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) verfassten Totenklage lauten wie folgt: [Schāʿirāt al-ʿArab-202–205](Arabisch**********)

„O Gesandter Allahs! Sie waren unsere Hoffnung und unser Halt. Sie begegneten uns gütig und waren nicht hart.

Sie waren barmherzig, ein Wegweiser und ein Lehrer. Mögen heute um Ihretwillen meine Mutter, meine Tante, meine väterlichen und mütterlichen Onkel sowie mein Leben und mein Besitz jedem Trauernden geopfert sein.

Wenn der Herr der Menschheit unseren Propheten für immer am Leben erhalten hätte, wären wir glücklich gewesen. Doch Sein Beschluss ist bereits gefasst.

Möge Allahs Friede zu Ihrer Ehre auf Ihnen ruhen! Und mögen Sie frohen Herzens in das ewige Paradies eingehen.“

Als die muslimischen Soldaten im Kampf von Uhud in bedrängter Lage weit vom Gesandten (S) fortgeschleudert wurden, haben wir bereits über den Mut berichtet, den Hadhrat Safiyya bewies. Damals verfasste sie zum Gedenken an Hamza (R) auch ein Gedicht. Darin zeichnete sie ein Bild; ein Vers daraus lautet wie folgt:[Al-Isaba-4/349] (Arabisch*******)

„Und über dich ist ein Tag gekommen, dessen Sonne sich verdunkelt hat, obwohl sie lichtstrahlend war.“

Umm Aiman Baraka (R)


Umm Aiman war die freigelassene Sklavin des Gesandten Allahs (S). Ihr eigentlicher Name war Baraka. Sie war eine Abessinierin. Ihr Vater hieß Tha’laba ibn ‘Amr. Sie war die Sklavin des verehrten Vaters des Gesandten Allahs (S), ‘Abdullah, beziehungsweise – einer anderen Überlieferung zufolge – seiner Mutter Amina.[Ansab al-Aschraf-1/96] Als Erbe befreite der Gesandte (S) sie aus der Sklaverei.[Siyar A’lam an-Nubala-2/223] Sie war die Amme des Gesandten Allahs (S). Zu denen, die den Gesandten Allahs (S) auf dem Arm und im Schoß aufzogen, gehörte auch sie.[Ansab al-Aschraf-1/96, 476] Der Gesandte Allahs (S) besaß sieben Ziegen, die Umm Aiman hütete.[ebd. 1/513]

Als der Gesandte Allahs (S) sechs Jahre alt war, reiste seine Mutter Amina mit ihm nach Medina, um das Grab ihres Ehemannes zu besuchen. Auf dieser Reise waren auch ‘Abd al-Muttalib und Umm Aiman dabei.[ebd.-1/94]

‘Ubaid ibn ‘Amr al-Chazradschi kam aus Yathrib nach Mekka und ließ sich dort nieder. Hier nahm er Umm Aiman in seine Familie auf. Al-Baladhuri sagt, dass diese Ehe zwischen ‘Ubaid und Umm Aiman in der Zeit der Dschahiliyya geschlossen wurde. Im Haushalt des Gesandten Allahs (S) verbrachte sie viele Jahre ihres Lebens als Witwe. Eines Tages sagte der Gesandte (S) in Mekka zu seinen Gefährten: „Wenn einer von euch eine Frau heiraten möchte, die zu den Bewohnerinnen des Paradieses gehört, dann soll er Umm Aiman heiraten.“ Als Zaid ibn Haritha, der Adoptivsohn und besonders geliebte Vertraute des Gesandten Allahs (S), den Wunsch äußerte, sie zu heiraten, ergriff der Gesandte (S) selbst die Initiative und verheiratete ihn mit Aiman. In Zaids Haushalt wurde Usama geboren, der später ein berühmter Heerführer wurde. Nach dem Namen Aiman, dem Sohn ihres ersten Ehemannes, nahm sie gemäß der arabischen Sitte den Beinamen Umm Aiman an und wurde unter diesem Namen in der Geschichte berühmt. Ihr eigentlicher Name war Barakat. Dieser Aiman wurde Muslim und fiel in der Schlacht von Hunain als Märtyrer.[ebd.-1/472–473; at-Tabaqat-8/224; Siyar A’lam an-Nubala-2/224]

Umm Aiman (R) nahm bereits in der frühen Phase des Islam den Islam an. Sie gehörte zu denjenigen, denen die Ehre zuteilwurde, sowohl nach Abessinien als auch nach Medina auszuwandern. Zuerst wanderte sie nach Abessinien aus. Danach kehrte sie nach Mekka zurück und wanderte erneut zusammen mit ihrem Ehemann Zaid ibn Haritha nach Medina aus.[Siyar as-Sahabiyyat-111; Ansab al-Aschraf-1/320] Sie nahm an den Schlachten von Uhud und Chaibar teil. Bei Uhud war sie damit beschäftigt, den Soldaten Wasser zu geben und die Verwundeten zu versorgen.

Al-Baladhuri sagt: Umm Aiman (R), die Amme des Gesandten Allahs (S), gab bei der Schlacht von Uhud zusammen mit den Frauen der Ansar den muslimischen Mudschahidin Wasser. Hibban ibn ‘Araka schoss auf sie einen Pfeil ab. Der Pfeil traf ihren Schild, sodass ein Teil ihres Körpers sichtbar wurde. Als der Schütze dies sah, brach er in schallendes Gelächter aus. Daraufhin legte der Gesandte (S) Sa’d ibn Abi Waqqas den Pfeil in die Hand und sagte: „Schieß ihn ab.“ Sa’d schoss den Pfeil ab, und er traf Hibbans Körper. Sofort fiel er zu Boden und starb. Als der Gesandte (S) dies sah, lachte er so, dass seine Zähne sichtbar wurden.[ebd.-1/320]

Al-Harith ibn Hatib, Thaʿlaba ibn Hatib, Sawad ibn Ghaziyya, Saʿd ibn ʿUthman und einige weitere Personen flohen vom Schlachtfeld von Uhud. Umm Aiman wies sie aufs Schärfste zurecht. Sie begann, ihnen Staub ins Gesicht zu werfen, und sagte zu ihnen: „Geht! Dort steht ein Spinnrad – spinnt Garn!“ [ebd.-1/326]

Umm Aiman (r.a.) blieb ihr ganzes Leben lang mit der Familie des Gesandten Allahs (s.a.w.) verbunden. Gemeinsam mit den Angehörigen des Hauses des Gesandten Allahs (s.a.w.) wanderte sie nach Medina aus. [Al-Isaba-4/450; Al-Istiʿab-4/450; Hayat as-Sahaba-1/369] Auch bei der Hochzeit von ʿAli und Fatima sehen wir Umm Aiman (r.a.) ganz an vorderster Stelle. Der Gesandte (s.a.w.) geleitete seine geliebte Tochter Fatima in ihr Eheleben und eilte bereits am nächsten Morgen zum Haus ihres Schwiegersohns, um Tochter und Schwiegersohn zu sehen. Er klopfte an die Tür. Im Hochzeitshaus waren zahlreiche Frauen versammelt. Als sie die Anwesenheit des Gesandten Allahs (s.a.w.) bemerkten, wurden alle sehr aufmerksam. Als Umm Aiman die Tür öffnete, sagte der Gesandte (s.a.w.) zu ihr: „Ruf meinen Bruder.“ Es sei erwähnt, dass der Schwiegersohn ʿAli (r.a.) der Vetter des Gesandten Allahs (s.a.w.) war. Umm Aiman (r.a.) hatte in jener Nacht im Haus ʿAlis übernachtet. Sie sagte zum Gesandten Allahs (s.a.w.): „O Gesandter Allahs! Warum nennst du ʿAli deinen Bruder? Ist er nicht der Ehemann deiner Tochter?“ [Hayat as-Sahaba-2/668]

Als Zaynab, die Tochter des Gesandten Allahs (s.a.w.), im achten Jahr nach der Hidschra starb, nahm sie gemeinsam mit den anderen Frauen an ihrer rituellen Waschung teil. Zuvor, als Ruqayya, die Tochter des Gesandten Allahs (s.a.w.), während der Schlacht von Badr starb, hatte Umm Aiman sie ebenfalls gewaschen. Al-Kalbi berichtet: Als die Mutter der Gläubigen, Khadija (r.a.), starb, wuschen Umm Aiman und Umm al-Fadl ihren Leichnam. [Ansab al-Aschraf-1/400, 401, 406]

Der edle Gesandte Allahs (s.a.w.) erwies Aiman große Wertschätzung und Ehre. Mitunter pflegte er sie sogar „Mutter“ zu nennen. Er sagte auch: „Sie ist das verbliebene Mitglied dieser Familie.“ [Tabaqat-8/223; al-Hakim-4/63] Umm Aiman (r.a.) war eine etwas schlicht denkende Frau. Der Gesandte (s.a.w.) scherzte gelegentlich ein wenig mit ihr. Eines Tages kam Umm Aiman (r.a.) zum Gesandten Allahs (s.a.w.) und sagte: „O Gesandter Allahs! Sorge dafür, dass ich auf dem Rücken eines Reittiers reiten kann.“ Der Gesandte (s.a.w.) sagte: „Ich werde dich auf dem Rücken eines Fohlens einer Stute reiten lassen.“ Umm Aiman sagte: „Ein Fohlen wird mein Gewicht doch nicht tragen können.“ Der Gesandte (s.a.w.) sagte: „Ich werde dich gewiss auf dem Fohlen reiten lassen.“ In Wirklichkeit scherzte der Gesandte (s.a.w.) ein wenig mit ihr. Es wird in einem Hadith berichtet, dass der Gesandte (s.a.w.) niemals grundlos scherzte. Auch darin lag stets Wahrheit. So verhält es sich auch in diesem Fall, denn jedes Kamel – ob klein oder groß – ist das Fohlen irgendeiner Stute. [Al-Bidaya-6/46; Al-Adab al-Mufrad von al-Bukhari-41; Siyar Aʿlam an-Nubala-2/225]

Umm Aiman (r.a.) konnte nicht alle arabischen Laute aussprechen. [Tabaqat-8/225] Abu Jaʿfar al-Baqir berichtet: Eines Tages ging Umm Aiman (r.a.) zum Gesandten Allahs (s.a.w.) und sprach beim Grüßen die Worte folgendermaßen aus:(Arabisch*****) „Salāmu lā ʿalaikum“. Von jenem Tag an gestattete ihr der Gesandte (s.a.w.) nur noch, „as-salāmu“ zu sagen.(Arabisch***) [ebd.; Siyar Aʿlam an-Nubala-2/225]

Als der Gesandte Allahs (s.a.w.) starb, war Umm Aiman zutiefst betrübt und begann zu weinen. Die Menschen fragten: „Weinst du?“ Sie antwortete: „Bei Allah, ich wusste, dass er sterben würde. Aber ich weine, weil von heute an keine Offenbarung mehr vom Himmel zu uns herabkommen wird.“ Von Anas (r.a.) wird außerdem berichtet: Der Gesandte Allahs (s.a.w.) pflegte Umm Aiman gelegentlich zu besuchen. Da sagte man: „Kommt, lasst auch uns sie einmal besuchen.“ Als die beiden bei Umm Aiman ankamen, begann sie zu weinen. Sie sagten: „Warum weinst du? Was bei Allah ist, ist besser für Seinen Gesandten (s.a.w.).“ Umm Aiman sagte: „Ich weine nicht, weil ich das nicht wüsste. Ich weine, weil keine Offenbarung mehr vom Himmel herabkommt.“ Als Abu Bakr und ʿUmar (r.a.) dies hörten, begannen auch sie beide zu weinen. [Sahih Muslim; Fada’il as-Sahaba (2454); Ibn Madscha: al-Dschana’iz (1635); Kanz al-ʿUmmal-4/48; Al-Bidaya-5/274] Als auch der zweite Kalif, ʿUmar, den Märtyrertod erlitt, sagte sie unter Tränen immer wieder: „Heute ist der Islam schwach geworden.“ [Siyar Aʿlam an-Nubala-2/227]

Nachdem der Gesandte Allahs (s.a.w.) nach Medina ausgewandert war, überließen die Ansar dem Gesandten Allahs (s.a.w.) freiwillig viele ihrer Dattelgärten. Später, als die jüdischen Stämme von Medina, Banu Qurayza und Banu Nadir, aus Medina vertrieben worden waren und all ihr Besitz in die Hände der Muslime gelangt war, begann er, den Ansar jene Gärten zurückzugeben. Darunter befand sich auch ein Anteil von Anas (r.a.). Als Anas (r.a.) zu Umm Aiman ging, um diesen Garten zurückzunehmen, weigerte sie sich, ihn zurückzugeben. Daraufhin schenkte ihr der Gesandte (s.a.w.) anstelle dieses Gartens das Zehnfache. [Sahih al-Bukhari; al-Maghazi-7/316; Muslim; al-Dschihad wa-s-Siyar-2/341]

Eines Tages besuchte der Gesandte Allahs (s.a.w.) das Haus von Umm Aiman. Umm Aiman bot ihm ein Erfrischungsgetränk an. Der Gesandte (s.a.w.) war im Fastenzustand. Deshalb zögerte er, davon zu trinken. Darüber zeigte Umm Aiman großen Unmut. [Muslim-2/341] Wahrscheinlich wusste sie nichts von der Fastenzeit des Gesandten Allahs (s.a.w.). Und der Gesandte Allahs (s.a.w.) hielt es offenbar auch nicht für nötig, ihr dies mitzuteilen.

Auch Hazrat Ummu Aiman (r. a.) überlieferte Hadithe des Gesandten Allahs (s. a. w.). Von ihr sind fünf Hadithe überliefert. [Siyar Aʿlām an-Nubalāʾ-2/227] Zu denjenigen, die über ihre Überlieferungskette Hadithe überlieferten, gehören besonders Anas ibn Mālik, Hanasch ibn ʿAbdullah as-Sanʿānī und Abū Yazīd. [Sahābiyāt-200]

Wie bereits erwähnt, hatte sie aus ihrer ersten Ehe Aiman und aus ihrer zweiten Ehe Usāma, also zwei Söhne. Beide waren Gefährten. Usāma war ein hoch angesehener Gefährte und wurde vom Gesandten Allahs (s. a. w.) besonders geliebt. Aiman hatte einen Sohn namens Haggādsch ibn Aiman. Eines Tages betrat dieser die Moschee, verrichtete Verbeugung und Niederwerfung nur oberflächlich und beendete sein Gebet sehr schnell. Hazrat ʿAbdullah ibn ʿUmar (r. a.) saß in seiner Nähe. Er rief Ibn Aiman (r. a.) zu sich und fragte ihn: „Glaubst du, dass dein Gebet gültig war? Dein Gebet war nicht gültig. Geh und bete noch einmal.“ Nachdem Ibn Aiman gegangen war, fragte Ibn ʿUmar (r. a.) die Leute: „Wer ist dieser Mann?“ Sie antworteten: „Haggādsch ibn Aiman, der Enkel Ummu Aimans.“ Darauf bemerkte Ibn ʿUmar (r. a.): „Wenn der Gesandte Allahs (s. a. w.) ihn sah, pflegte er ihn liebevoll zu behandeln.“ [at-Tabaqāt-8/225; Siyar Aʿlām an-Nubalāʾ-2/226]

Hazrat Ummu Aiman (r. a.) verstarb während des Kalifats des Kalifen Hazrat ʿUthmān (r. a.). Die Aussage Ibn al-Athīrs, sie sei fünf oder sechs Monate nach dem Tod des Gesandten Allahs (s. a. w.) verstorben, ist jedoch nicht richtig. [at-Tabaqāt-8/227; Sahābiyāt-200]

In verschiedenen Sīra-Werken wird von einem Wunder im Zusammenhang mit Ummu Aiman (r. a.) berichtet. Als sie etwa auswandern wollte, wurde es unterwegs an einem Ort Abend, und sie litt unter großem Durst. In der Nähe gab es nirgends Wasser. Da erschien vor ihr vom Himmel ein Eimer Wasser, der an einem weißen Seil herabhing. Sie trank sich an diesem Wasser satt. Die Folge war, dass sie in ihrem ganzen Leben nie wieder unter Durst litt. Sie pflegte zu sagen: „Selbst an einem glühend heißen Mittag verspüre ich beim Fasten keinen Durst.“ [at-Tabaqāt-8/224; Hayāt as-Sahāba-3/618]

at-Tabarānī überliefert: Eine Gruppe von Angehörigen des Stammes al-Ghifār kam nach Medina zum Gesandten Allahs (s. a. w.), um den Islam anzunehmen. Zu dieser Gruppe gehörte auch Dschahdschāh al-Ghifārī. Sie verrichteten in der Moschee gemeinsam mit dem Gesandten Allahs (s. a. w.) das Gebet. Nachdem sie im Gebet den Friedensgruß gesprochen hatten, verkündete der Gesandte (s. a. w.): „Jeder Betende soll den Gast neben sich mitnehmen.“ Dschahdschāh al-Ghifārī sagte: „Alle gingen fort. In der Moschee blieben nur ich und der Gesandte Allahs (s. a. w.) zurück. Ich war ein großgewachsener, korpulenter Mann.“ Der Gesandte (s. a. w.) nahm mich mit in sein Haus und ließ anschließend für mich die Milch einer Ziege melken. Ich trank sie mit einem einzigen Schluck aus. Dann ließ er gekochtes Essen aus einem Topf bringen, und auch das verzehrte ich vollständig. Als Ummu Aiman (r. a.) dies sah, bemerkte sie: „Möge Allah denjenigen heute Nacht hungern lassen, der den Gesandten Allahs (s. a. w.) hungrig gelassen hat.“ Der Gesandte Allahs (s. a. w.) sagte: „Ummu Aiman, schweig. Er hat von seiner Versorgung gegessen, und unsere Versorgung obliegt Allah.“

Die Nacht verging. Am nächsten Tag versammelte sich die gesamte Gruppe. Jeder begann von seinem Essen zu erzählen. Auch Dschahdschāh berichtete von seinem Erlebnis. Der Tag verging, und sie verrichteten gemeinsam mit dem Gesandten Allahs (s. a. w.) das Maghrib-Gebet. Wie am vorherigen Tag verkündete der Gesandte (s. a. w.) dasselbe. Alle gingen mit ihrem jeweiligen Gast fort. Dschahdschāh sagte: „Auch heute blieben ich und der Gesandte Allahs (s. a. w.) zurück. Wegen meiner gewaltigen Leibesfülle zeigte tatsächlich niemand Interesse daran, mich mitzunehmen.“ Der Gesandte Allahs (s. a. w.) nahm mich mit in sein Haus und brachte, nachdem er eine Ziege gemolken hatte, die Milch. Ich trank sie und war davon völlig satt. Als Ummu Aiman (r. a.) meinen heutigen Zustand sah, rief sie erstaunt aus: „O Gesandter Allahs! Ist das nicht derselbe Gast von uns?“ Er sagte: „Ja, es ist derselbe Gast. Doch heute Nacht hat er als Gläubiger aus einem Darm gegessen.“ [Kanz al-ʿUmmāl-1/93; al-Isāba-1/253; Hayāt as-Sahāba-2/197–198]

Hazrat Ummu Aiman (r. a.) bereitete Speisen für den Gesandten Allahs (s. a. w.) zu. Eines Tages siebte sie Mehl und backte aus dem gesiebten Mehl Brot für den Gesandten Allahs (s. a. w.). Als der Gesandte (s. a. w.) das Brot sah, fragte er: „Was ist das?“ Ummu Aiman antwortete: „In unserer Heimat pflegen wir solches Brot zu backen. Deshalb wollte ich Ihnen solches Brot zu essen geben.“ Es sei erwähnt, dass Ummu Aiman (r. a.) aus Abessinien stammte. Der Gesandte (s. a. w.) sagte: „Mischen Sie diese Brote mit der Kleie, die beim Sieben herausgekommen ist. Dann zerdrücken Sie alles und formen wieder einen Teig daraus.“ [at-Targhīb wat-Tarhīb-5/154; Hayāt as-Sahāba-2/273]

Ummu Hānī bint Abī Tālib (r. a.)


In der Geschichte ist sie unter dem Beinamen Umm Hāni bekannt. Ihr eigentlicher Name war Fākhta, nach einer anderen Auffassung Hind. Sie war die Tochter des ehrenwerten Onkels des Gesandten Allahs, Abū Tālib, und seiner verehrten Ehefrau Fātima bint Asad. Sie war die leibliche Schwester von ʿAqīl, Jaʿfar, Tālib und ʿAlī (r). [Sīrat Ibn Hišām, 2/420; Aʿlām an-nisāʾ, 4/14; al-Isīʿāb, 2/772.] Über ihre Kindheit und Jugend ist nicht viel bekannt. Über ihre Heirat finden sich jedoch ein oder zwei Berichte. So soll der Gesandte (s) vor Beginn seiner Prophetenschaft seinen Onkel Abū Tālib um die Hand Umm Hānīs gebeten haben. Zur selben Zeit hielt auch Hubayra ibn ʿAmr ibn ʿĀʾiḏ al-Maḫzūmī um sie an. Der Onkel nahm Hubayras Antrag an und verheiratete Umm Hāni mit ihm. Der Prophet (s) sagte: „Neffe! Wir sind mit ihr eine eheliche Verbindung eingegangen. Ebenbürtig mit den Edlen sind nur die Edlen.“ [Aʿlām an-nisāʾ, 4/14.] Dies ist der gesamte Bericht. Darüber hinaus findet sich in keinem Bericht etwas Weiteres. Dass sie mit Hubayra ibn ʿAmr verheiratet war, ist jedoch auf verschiedene Weise überliefert. [Usd al-ġāba, 5/624.]

Über den Zeitpunkt, zu dem Umm Hāni den Islam annahm, bestehen unter den verschiedenen Berichten gewisse Unterschiede. Imām aḏ-Ḏahabī sagt: [Siyar aʿlām an-nubalāʾ, 2/312.](Arabisch*******)

„Sie nahm den Islam spät an. Sie nahm am Tag der Eroberung Mekkas den Islam an.“

Unter den verschiedenen Berichten über den Gesandten Allahs (s) findet sich jedoch auch ein Bericht von Umm Hāni (r), der in mehreren Werken erwähnt wird. Daraus geht hervor, dass die Miʿrāǧ des Gesandten Allahs (s) vom Haus Umm Hānīs aus stattfand und sie damals bereits Muslimin war. Dies geschah vor der Auswanderung. Sie berichtet: „Die Isrāʾ des Gesandten Allahs (s), also die nächtliche Reise von Mekka nach Bayt al-Maqdis, begann in meinem Haus. In jener Nacht verrichtete er das ʿIschāʾ-Gebet und schlief in meinem Haus. Auch wir schliefen ein. Kurz vor dem Morgengrauen weckte er uns. Dann sagte er: ‚Umm Hāni! Du hast gesehen, dass ich in der vergangenen Nacht in diesem Tal das ʿIschāʾ-Gebet verrichtet habe. Danach ging ich nach Bayt al-Maqdis und verrichtete dort das Gebet. Und nun habe ich mit euch das Fajr-Gebet verrichtet, wie ihr gesehen habt.‘ Danach stand er auf, um hinauszugehen. Ich hielt ihn an einer Ecke seines Umhangs fest, sodass ein Teil seines Bauches sichtbar wurde. Dieser sah wie gefaltetes Leinengewebe aus ägyptischem Qibtī-Stoff aus. Ich sagte: ‚O Prophet Allahs! Erzähle dies niemandem. Sie werden eine solche Sache nicht glauben und dir Schaden zufügen.‘ Er sagte: ‚Bei Allah, ich werde es ihnen gewiss erzählen.‘“

Ich sagte zu meiner abessinischen Sklavin: „Geh dem Gesandten Allahs (s) hinterher und höre, was er den Menschen sagt und was die Leute zu ihm sagen.“ Der Gesandte Allahs (s) ging hinaus und berichtete den Menschen von dieser Angelegenheit. Als die Leute dies hörten, waren sie vor Verwunderung sprachlos. Sie sagten: „Muḥammad! Welchen Beweis hast du für diese Behauptung? So etwas haben wir noch nie gehört.“ Er sagte: „Ich kam in jenem Tal an einer Karawane eines bestimmten Stammes vorbei. Sie hatten ein Kamel verloren, und ich wies ihnen den Weg zu diesem Kamel. Damals war ich in Richtung Schām unterwegs. Danach traf ich in Dajnan auf die Karawane eines bestimmten Stammes. Als ich an ihnen vorbeikam, schliefen sie. Ihr Wassergefäß war mit etwas bedeckt. Ich trank aus dem Gefäß und bedeckte es wieder mit seinem Deckel. Der Beweis für meine Behauptung ist, dass sich diese Karawane jetzt auf dem Weg von al-Bayḍāʾ zur Biegung von Tanʿīm befindet. An ihrer Spitze läuft ein graues Kamel.“ Die Leute eilten sofort in Richtung Tanʿīm und fanden die Karawane. Sie fragten sie nach dem Wassergefäß, das bedeckt worden war, und die Leute bestätigten die Wahrheit dieser Aussage. Als die Karawane, deren Kamel verlorengegangen war, nach Mekka zurückkehrte, befragte man auch sie, und auch sie bestätigte, dass die Aussage wahr war. [Sīrat Ibn Hišām, 1/402–403; Ibn Kaṯīr, as-Sīra an-nabawiyya, 1/295.]

Am Tag der Eroberung Mekkas tritt Umm Hāni auf der Bühne der Geschichte hervor. In den Sīra- und Geschichtswerken werden mehrere Ereignisse berichtet, die sich um sie drehen. So nahm sie an diesem Tag den Islam an, während ihr Ehemann aus Mekka floh und sich in Richtung Naǧrān begab. [Ansāb al-ašrāf, 1/362.] Nachdem er von der Annahme des Islam durch seine Frau Umm Hāni erfahren hatte, verfasste er zu ihrem Tadel ein Gedicht. Teile dieses Gedichts finden sich in verschiedenen Sīra-Werken. [Sīrat Ibn Hišām, 2/420; Usd al-ġāba, 5/628; Ibn Duraid, al-Ištiqāq, 152.] In den folgenden Versen erklärt er seiner Frau den Grund für seine Flucht aus Mekka. [Aʿlām an-nisāʾ, 4/14.](Arabisch********)

„Bei deinem Leben! Ich bin nicht aus Feigheit oder aus Angst vor dem Tod vor Muḥammad und seinen Gefährten geflohen. Vielmehr habe ich gründlich über meine eigene Lage nachgedacht und erkannt, dass meine Pfeile und mein Schwert in diesem Kampf nicht ausreichen würden. Ich hielt an meiner Entscheidung fest. Als ich jedoch befürchtete, dass meine Lage sich verengen würde, kehrte ich zurück, so wie ein Löwe zu seinem Jungen zurückkehrt.“

Viele haben seine Rückkehr als eine Rückkehr zum Islam bezeichnet, doch das ist nicht richtig. Denn er starb, während er am Unglauben festhielt.

Am Tag der Eroberung von Mekka begab sie sich zum Aufenthaltsort des Gesandten Allahs (s.a.w.) und sah, wie er die rituelle Ganzkörperwaschung vollzog und acht Rakʿa des Duha-Gebets verrichtete. An diesem Tag gewährte sie zwei Verwandten in ihrem Haus Zuflucht. Als sie dies dem Gesandten Allahs (s.a.w.) mitteilte, gewährte auch er ihnen Schutz. Im Folgenden werden diese Berichte wiedergegeben.

Am Tag der Eroberung von Mekka suchte al-Harith ibn Hischam Zuflucht im Haus von Ummu Hani. Zu dieser Zeit kam Ummu Hanis Bruder ʿAli (r.a.) dorthin. Sie informierte ʿAli (r.a.) über al-Harith. Sofort nahm ʿAli (r.a.) ein Schwert in die Hand, um ihn zu töten. Ummu Hani sagte zu ihm: „Bruder! Ich habe ihm Schutz gewährt.“ Doch ʿAli (r.a.) schenkte ihren Worten keine Beachtung. Da sprang Ummu Hani auf ihn zu, umfasste fest seine beiden Hände und sagte: „Bei Allah! Du kannst ihn nicht töten. Ich habe ihm Zuflucht gewährt.“ ʿAli (r.a.) konnte keinen Schritt vorankommen. Er versuchte, sich aus ihrem Griff zu befreien, war dazu aber nicht in der Lage.

Zu diesem Zeitpunkt kam der Prophet (s.a.w.) hinzu. Ummu Hani (r.a.) sagte: „O Gesandter Allahs! Ich habe dem und dem Zuflucht gewährt, doch ʿAli will ihn töten.“ Der Gesandte (s.a.w.) sagte: „Wem du Schutz gewährt hast, dem haben auch wir Schutz gewährt. Sei ʿAli nicht böse. Denn wenn ʿAli zornig ist, wird Allah zornig. Lass ihn los.“ Ummu Hani ließ ʿAli frei. Der Gesandte (s.a.w.) sagte: „Eine Frau hat dich besiegt.“ ʿAli sagte: „Bei Allah, o Gesandter Allahs! Ich konnte meinen Fuß nicht vom Boden heben.“ Der Gesandte Allahs (s.a.w.) lachte. [Pragukt-4/15; Musnad Ahmad-5/242]

Ibn Hischam schildert das Ereignis in seiner Sira folgendermaßen: Ummu Hani sagte: „Als der Gesandte Allahs (s.a.w.) im höher gelegenen Teil von Mekka abstieg, flohen zwei Männer aus dem Stamm meines Schwiegervaters, den Banu Machzum, nämlich al-Harith ibn Hischam und ʿAbdullah ibn Abi Rabiʿa, und suchten in meinem Haus Zuflucht. Zu dieser Zeit kam mein Bruder ʿAli und wollte sie töten. Ich schloss die Tür ab und eilte zum Gesandten Allahs (s.a.w.) in den höher gelegenen Teil von Mekka. Er hieß mich willkommen und sagte: ‚Ummu Hani! Aus welchem Grund bist du gekommen?‘ Daraufhin berichtete ich ihm von den beiden Männern und von ʿAli. Er sagte: ‚Denen, denen du Schutz gewährt hast, gewähren auch wir Schutz. Daher darf er sie nicht töten.‘ [Siratu Ibn Hischam-2/411; Hayatus Sahaba-1/182; 3/145, 146]

Ummu Hani sagte: „Am Tag der Eroberung von Mekka ging ich zum Gesandten Allahs (s.a.w.). Ich sah, dass er sich wusch und Fatima ihn mit einem Tuch abschirmte. Ich grüßte ihn. Er fragte: ‚Wer bist du?‘ Ich sagte: ‚Ummu Hani, die Tochter Abu Talibs.‘ Er sagte: ‚Ummu Hani! Sei willkommen und herzlich begrüßt!‘ Nachdem er die Waschung beendet hatte, stellte er sich zum Gebet auf. Er verrichtete acht Rakʿa, wobei er nur ein einziges Tuch trug und um seinen Körper gewickelt hatte. Danach sagte ich: ‚O Gesandter Allahs! Mein leiblicher Bruder ʿAli ist im Begriff, einen Mann zu töten, dem ich Zuflucht gewährt habe.‘ Er sagte: ‚Ummu Hani! Wem du Zuflucht gewährt hast, dem haben auch wir Zuflucht gewährt.‘ Das war das Duha-Gebet. [Sahih al-Buchari-3.43; Bab Salat al-Fadschr fi-s-Safar-6/195, 196; Kitab al-Maghazi; Bab Manzil an-Nabiyyi Yaum al-Fath; Sahih Muslim (336), Bab Salat al-Musafirin wa Qasriha; Bab Istihbab Salat ad-Duha; al-Muwatta-1/152; Bab Salat ad-Duha.]

Ummu Hani (r.a.) empfand gegenüber dem edlen Gesandten Allahs (s.a.w.) große Achtung und Ehrfurcht. Eines Tages während der Eroberung von Mekka ging der Gesandte (s.a.w.) zu ihr nach Hause. Als Ummu Hani (r.a.) ihm ein Erfrischungsgetränk anbot, trank er etwas davon und reichte es Ummu Hani. Ummu Hani hatte an jenem Tag freiwillig gefastet. Sie brach ihr Fasten und trank den Rest des Getränks, von dem der Gesandte Allahs (s.a.w.) getrunken hatte. Als der Gesandte (s.a.w.) sie nach dem Grund für dieses Brechen des Fastens fragte, antwortete sie: „Ich kann nicht auf die Gelegenheit verzichten, von dem Getränk zu trinken, das Ihre Lippen berührt haben.“ Der Gesandte (s.a.w.) liebte sie sehr. Einmal sagte er: „Ummu Hani, nimm eine Ziege an. Dies ist eine äußerst segensreiche Sache.“ [Musnad Ahmad-6/343]

Ummu Hanis (r.a.) Ehemann Hubaira blieb dem Unglauben treu und starb in diesem Zustand. Nachdem Ummu Hani den Islam angenommen hatte, kam es aus religiösen Gründen zur Trennung zwischen den Eheleuten. Danach hielt der Gesandte (s.a.w.) um ihre Hand an. Ummu Hani antwortete: „Bei Allah! Schon in der Zeit der Unwissenheit liebte ich Sie. Nun, in der Zeit des Islams, ist diese Liebe noch tiefer geworden. Doch ich bin jetzt eine Frau in schwierigen Umständen. Ich habe viele kleine Söhne und Töchter. Ich fürchte, dass sie Ihnen Schwierigkeiten bereiten werden.“ Der Gesandte (s.a.w.) sagte: „Unter den Frauen, die auf dem Rücken eines Reittiers sitzen, sind die Frauen der Quraisch die besten. Sie sind ihren Kindern gegenüber besonders liebevoll und achten besonders auf die Rechte ihrer Ehemänner.“ [Siratu Ibn Hischam-2/420; Ansab al-Aschraf-1/459]

In einem anderen Bericht heißt es außerdem, dass sie sagte: „O Gesandter Allahs! Sie sind mir lieber als mein Gehör und mein Augenlicht. Das Recht des Ehemannes ist eine sehr große Angelegenheit. Wenn ich mich meinem Ehemann widme, muss ich vieles von mir selbst und von meinen Kindern aufgeben. Wenn ich mich aber meinen Kindern widme, wird das Recht meines Ehemannes beeinträchtigt.“ Als der Gesandte (s.a.w.) dies hörte, sagte er: „Unter den Frauen, die auf dem Rücken eines Kamels reiten, sind die Frauen der Quraisch die vortrefflichsten. Sie sind ihren kleinen Kindern gegenüber besonders liebevoll und achten ebenso besonders auf die Rechte ihrer Ehemänner.“ Danach äußerte sich der Gesandte nicht weiter zu dieser Angelegenheit. [al-ʿIqd al-Farid-6/89; Siyar Aʿlam an-Nubala-2/314; Ansab-1/459; Aʿlam an-Nisa-4/16]

Einmal berichtete Ummu Hani über Ammar ibn Yasir, seinen Vater Yasir und seinen Bruder Abdullah. [Musnad Ahmad 6/343]

Ummu Hani berichtete, dass Ammar ibn Yasir, sein Vater Yasir, sein Bruder Abdullah ibn Yasir und seine Mutter Sumayya wegen ihres Festhaltens an Allahs Weg gefoltert wurden. Eines Tages kam der Gesandte (s) an ihnen vorbei und sagte: „O Familie Yasirs! Habt Geduld. Euer Aufenthaltsort ist das Paradies.“ Danach starb Yasir infolge der Folter. Sumayya beschimpfte Abu Dschahl in scharfen Worten. Als Abu Dschahl ihr mit einem Speer in den Genitalbereich stach, starb auch sie. Und als er auf Abdullah schoss, sank auch dieser sterbend zu Boden. [Ansab al-Aschraf 1/160]

Auf diese Weise gab Ummu Hani (r) eine kurze Beschreibung davon, wie sie Allahs Gesandten (s) gesehen hatte. Sie sagte: „Ich habe niemandes Zähne gesehen, die schöner waren als die Zähne Allahs Gesandten (s). Beim Anblick des Bauches Allahs Gesandten (s) musste ich an ein gefaltetes Blatt Papier denken. Am Tag der Eroberung Mekkas sah ich, dass das Haar Allahs Gesandten (s) in vier Büschel geteilt war.“ [ebd. 1/393] Auch über die Forderung der Prophetentochter Fatima (r) nach dem Erbe ihres Vaters gegenüber dem ersten Kalifen Abu Bakr (r) nach dem Tod des ehrwürdigen Gesandten Allahs (s) berichtete Ummu Hani (r). [ebd. 1/393]

Hazrat Ummu Hani (r) überlieferte 46 Hadithe vom Gesandten Allahs (s), die in verschiedenen Hadith-Sammlungen zusammengestellt sind. [Buchari 6/195–196: Babu Aman an-Nisa wa Zawajarihinna; Muslim (336): Babu Istihbab Salatid-Duha] Zu den besonders bekannten Überlieferern, die Hadithe über ihre Überlieferungskette überlieferten, gehören: Dschada, Yahya, Harun, Abu Murra, Abu Salih, Abdullah ibn Ayyasch, Abdullah ibn al-Harith ibn Nawfal, Abdurrahman ibn Abi Laila, Scha’bi, Ata, Kuraib, Mudschahid, Urwa ibn az-Zubair, Muhammad ibn Uqba und andere. [Siyar A’lam an-Nubala 2/312; A’lam an-Nisa 4/16]

Das Todesjahr Hazrat Ummu Hanis (r) ist nicht genau bekannt. Aus dem Bericht des Werkes „Al-Isaba fi Tamyiz as-Sahaba“ geht jedoch hervor, dass sie auch nach dem Tod Alis (r) noch lebte. [Siyar A’lam an-Nubala 2/313] Einige ihrer Kinder hießen Amr, Hani, Yusuf und Dschada. Sie alle waren Neffen Hazrat Alis (r). Dschada ernannte Hazrat Ali (r) zum Statthalter von Chorasan. [ebd. 2/312–313; Sahabiyyat 229]

Eine besondere Auszeichnung für Hazrat Ummu Hani (r) besteht darin, dass der ehrwürdige Gesandte Allahs (s) sie um Essen bat, bei ihr aß und es lobte. Eines Tages sagte der Gesandte (s) zu Ummu Hani: „Hast du etwas zu essen bei dir?“

Ummu Hani: „Ich habe nichts außer einigen Stücken trockenen Brotes. Ich schäme mich, sie dir vorzusetzen.“

Der Gesandte (s) sagte: „Bring genau diese her.“

Umm Hani war anwesend und sagte: Der Gesandte (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) zerbrach sie in Stücke und vermischte sie mit Salz und Wasser. Dann fragte er: „Gibt es etwas als Beilage?“ Umm Hani sagte: „O Gesandter Allahs! Ich habe nichts außer etwas Essig.“ Der Gesandte (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) ließ Essig bringen. Er vermischte ihn mit den Brotstücken und aß davon. Danach pries er Allah und sagte: „Essig ist eine vorzügliche Beilage. O Umm Hani! Ein Haus, in dem es Essig gibt, leidet keinen Mangel.“ [As-Sīra al-Halabiyya 3/42; Nisāʾ min ʿasr an-nubuwwa, S. 398]

Halima as-Saʿdiyya (Allah habe Wohlgefallen an ihr)


Im Zeitalter der Unwissenheit war es unter den vornehmen Arabern üblich, ein neugeborenes Kind einer Amme aus einem anderen Stamm zu übergeben. Sie glaubten, dass dies dem Kind vornehme Eigenschaften und sprachliche Reinheit verleihe. Die vornehmen Einwohner Mekkas schickten ihre kleinen Kinder zu den in der Wüste lebenden Beduinen. Dort verbrachten sie die Zeit des Stillens bei beduinischen Ammen. Für ihre Kinder wählten sie Ammen aus, die von Natur aus klug und wohlerzogen waren. Bei dieser Auswahl legten sie besonderen Wert auf die vorzügliche Moral, den kräftigen Körperbau, die reine und klare Sprache sowie das gesellschaftliche Ansehen und den sozialen Rang der Ammen. Eine Frau, die diese Eigenschaften besaß, war als Amme erfolgreich.

Die stillenden Mütter kamen aus der Wüste in verschiedene Städte und Siedlungen, um nach Kindern zu suchen, die sie stillen konnten. Dort nahmen sie gegen eine vereinbarte Vergütung Kinder auf und kehrten mit ihnen in die Wüste zurück. Neben dem Stillen brachten sie den Kindern die Spiele der Beduinen, die Kunst des Zeltaufbaus, gute Sitten und eine reine, klare Sprache bei. Denn er erwähnte, dass er im Stamm Quraisch geboren und bei den Banū Saʿd gestillt und aufgezogen worden war. [Sīrat Ibn Hišām 1/167] Er sagte zu den Gefährten: „Ich bin unter euch derjenige mit der reinsten und klarsten Sprache. Denn ich bin ein Sohn des Stammes Quraisch und wurde bei den Banū Saʿd gestillt und wuchs dort auf.“ Einmal sagte Abū Bakr as-Siddīq (Allah habe Wohlgefallen an ihm): „O Gesandter Allahs! Ich habe niemanden gesehen, der eine reinere und klarere Sprache besitzt als du.“ Er sagte: „Was sollte mich daran hindern? Ich bin ein Sohn des Stammes Quraisch und wurde bei den Banū Saʿd gestillt.“ [Ibn Kaṯīr, As-Sīra an-nabawiyya 1/115; As-Sīra al-Halabiyya 1/146]

Die Halima as-Saʿdiyya (Allah habe Wohlgefallen an ihr), von der wir sprechen, war die glückliche Amme beziehungsweise Milchmutter des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) aus dem Stamm Banū Saʿd. Der Dichter Scheich Yusuf an-Nabhani (Allah erbarme sich seiner) sagte, als er sie vorstellte: [Zitiert in dem Werk „Nisāʾ min ʿasr an-nubuwwa“ nach dem Werk „Hujjatullāh ʿalā al-ʿālamīn“ von an-Nabhani, S. 11](Arabisch********)

„Ihn stillte Halima, die vollends mit Glück Gesegnete, aus einem Stamm, der unter den Stämmen durch seine leuchtenden Kennzeichen hervorsticht.

Bei ihr waren die Lebensmittel knapp. Danach wurde sie zur wohlhabendsten unter den Stadtbewohnern.

Sie war eine Glückselige – durch ihr Glück wurde sie zu einer Glückbringenden.“ [Sīrat Ibn Hišām 1/160]

Diese glückliche Frau war Halima bint ʿAbdullah ibn al-Harith as-Saʿdiyya (r.a.), die Amme des Gesandten Allahs (s.a.w.). Ihr Ehemann hieß al-Harith ibn ʿAbd al-ʿUzza ibn Rifaʿa as-Saʿdi. Ihre Kinder waren: ʿAbdullah, Unaisa und Chuzaima, einer anderen Überlieferung zufolge Hudhafa. Die Letztgenannte war auch unter dem Namen asch-Schaima bekannt. Sie alle waren leibliche Kinder al-Har ext?iths und die Milchgeschwister des Gesandten Allahs (s.a.w.). Der Gesandte Allahs (s.a.w.) und ʿAbdullah wurden gleichzeitig gestillt. Es sei angemerkt, dass dieser al-Harith die Beinamen Dschuwaib und Abu Kabşa trug. [a.a.O.; Ansab al-Aschraf 1/90–91]

Halima war die Amme und Milchmutter von Abu Sufyan ibn al-Harith ibn ʿAbd al-Muttalib, dem Cousin des Gesandten Allahs (s.a.w.). Eine Frau aus dem Stamm der Banu Saʿd war die Amme und Milchmutter von Hamza ibn ʿAbd al-Muttalib, dem Onkel des Gesandten Allahs (s.a.w.). Als der Gesandte Allahs (s.a.w.) bei Halima war, wurde er eines Tages von Hamzas (r.a.) Milchmutter gestillt. Als der Gesandte Allahs (s.a.w.) bei Halima war, ließ ihn eines Tages Hamzas (r.a.) Milchmutter an ihrer eigenen Brust trinken. Zuvor, bevor der Gesandte Allahs (s.a.w.) zu Halima kam, hatte er einige Tage lang die Milch der Sklavin Abu Lahabs, Suwaiba, getrunken. Suwaiba hatte auch Hamza einige Zeit gestillt. Daher war Hamza sowohl durch die Banu Saʿd als auch durch Suwaiba der Milchbruder des Gesandten Allahs (s.a.w.). [Ridschal al-Mubaschirun bi-l-Dschanna 1/7, 2/189; Nisaʾ min ʿasr an-nubuwwa, S. 11; Sirat Ibn Hischam 1/161; Anmerkung Nr. 6]

Halima hatte den Gesandten Allahs (s.a.w.) gestillt. Dadurch erlangte sie in Arabien als Amme größte Berühmtheit. Sie berichtete, wie sie den Gesandten Allahs (s.a.w.) als Säugling aufgenommen hatte. Sie sagte: Es war ein Jahr der Dürre und Hungersnot. Zusammen mit zehn weiteren Frauen aus den Banu Saʿd machte ich mich auf einem schwachen, weißen Esel auf die Suche nach einem Säugling. Bei uns war auch eine alte Kamelstute. Bei Allah! Aus ihrem Euter kam nicht ein einziger Tropfen Milch. Wegen des Weinens unserer Kinder aus Hunger konnten wir nachts überhaupt nicht schlafen. Die Milch aus meiner Brust und aus dem Euter unserer Kamelstute reichte nicht aus, um meinen kleinen Sohn ʿAbdullah satt zu machen. Dennoch hofften wir auf Regen und bessere Verhältnisse. Schließlich erreichten wir Mekka. Jeder von uns wurde der Säugling Gesandter Allahs (s.a.w.) angeboten. Als wir hörten, dass er ein Waisenkind war, zeigte niemand Interesse daran, ihn aufzunehmen. Denn wir hofften, von den Eltern des Kindes eine gute Gegenleistung zu erhalten. Wir sagten untereinander: Das Kind ist ein Waise. Was können seine Mutter und sein Großvater schon geben? Deshalb lehnten wir ihn ab. Inzwischen hatte jede aus der Gruppe außer mir ein stillbares Kind gefunden. Als wir beschlossen, zu unserem Stamm zurückzukehren, sagte ich zu meinem Mann: Bei Allah! Es gefällt mir überhaupt nicht, dass die anderen mit einem stillbaren Kind zurückkehren, während ich mit leeren Händen zurückkehre. Ich werde zu diesem haschimitischen Waisenkind gehen und mit ihm zurückkehren. Er sagte: Ja, tu das. Vielleicht hat Allah darin Segen und Wohlstand für uns bestimmt. Daraufhin ging ich zu seinem Haus und nahm ihn mit. [Ansab al-Aschraf 1/93–94]

In einer anderen Überlieferung heißt es. Halima berichtet: Als ich eintraf, begrüßte mich ʿAbd al-Muttalib und fragte: Wer bist du? Ich antwortete: Eine Frau aus den Banu Saʿd. Er fragte: Wie heißt du? Ich antwortete: Halima.

ʿAbd al-Muttalib lächelte ein wenig und sagte: Bravo! Bravo! Glück und Verstand. Zwei Eigenschaften, durch die ihr Träger das Gute aller Zeitalter und ewige Ehre erlangt. Damit spielte ʿAbd al-Muttalib auf die beiden Wörter Saʿd und Hulm an. Dies sagte er. Er führte Halima in das Haus Amina, der Mutter des Propheten (s.a.w.). Von ihr nahm Halima den kleinen Muhammad entgegen. [a.a.O.; Ibn Kathir, as-Sira 1/112–113; adh-Dhahabi, Tarich al-Islam 1/45–46] Halima erkannte schon zu Beginn auf verschiedene Weise, dass ihr ein glückliches Schicksal beschieden war. So wird in einigen Überlieferungen berichtet, dass ʿAbd al-Muttalib, als Halima mit ihm zum Propheten (s.a.w.) kam, eine Stimme aus dem Verborgenen die folgenden Verse rezitieren hörte: [Nisaʾ min ʿasr an-nubuwwa, S. 12](Arabisch*******************)

„Wahrlich, Muhammad, der Sohn A Minas, ist äußerst vertrauenswürdig, der Beste unter allen Geschöpfen und der Vorzüglichste unter ihnen.

Niemand außer Halima wird ihn stillen. Wie überaus vertrauenswürdig ist er für die Gottesfürchtigen!

Er ist frei von obszönen Mängeln und Fehlern sowie von jeder Sünde und Unreinheit geläutert.

Du darfst ihn nur ihr und niemand anderem anvertrauen. Dieser Befehl und diese Entscheidung sind vom Allmächtigen ergangen.“

Sobald Halima den Propheten (s) aufgenommen hatte, kamen Segen und Wohlstand über sie und ihren Ehemann. Kaum hatte Halima das Kind Muhammad (s) auf den Arm genommen und an ihre Brust gedrückt, da füllte sich ihre vertrocknete Brust mit Milch. Er trank sich satt. Danach gab Halima ihrem eigenen Kind Abdullah die Brust, und auch er trank sich satt. Dann schliefen beide Kinder ein.

Halima und ihr Ehemann waren beide von Hunger und Durst gequält, denn das Euter ihrer Stute war trocken. Wo sollten sie Nahrung oder Milch herbekommen? Doch plötzlich änderte sich ihre Lage. Halima selbst berichtete darüber: „Mein Ehemann ging zu unserer Kamelstute und stellte fest, dass ihr Euter voller Milch war. Er molk sie, und wir tranken beide, bis wir satt waren. Diese Nacht verbrachten wir in vollkommenem Glück. Am Morgen sagte mein Ehemann zu mir: Bei Allah, Halima! Wisse, dass du ein gesegnetes Kind aufgenommen hast.

Ich sagte: Bei Allah, das hoffe ich. Danach machten wir uns auf den Weg zurück in unser Dorf. Ich setzte mich mit dem kleinen Muhammad (s) auf unsere Eselin. Wie erstaunlich! Sie begann so schnell zu laufen, dass kein anderer Esel unserer Gruppe mit ihr mithalten konnte. Nach einiger Zeit sagten meine Begleiterinnen zu mir: Tochter des Duwaib! Sag einmal, ist das wirklich deine Eselin, auf der du hergeritten bist? Ich sagte: Ja, genau diese Eselin ist es. Sie sagten: Bei Allah, dann muss etwas Besonderes geschehen sein.[Sīrat Ibn Hischām 1/164; Usud al-Ghāba 5/427; al-Bidāya wa-n-Nihāya 3/255]

Die Karawane erreichte das Dorf der Banū Saʿd. In jenem Jahr herrschten dort überall Mangel und Armut. Halima begann, den Segen und das Gute dieses Waisenkindes zu erleben. In allem zeigten sich für sie Segen und Wohlstand. Ihre Ziegen und Schafe gingen auf die trockenen Weiden und grasten dort zusammen mit den Ziegen und Schafen der anderen. Wenn sie zurückkehrten, waren ihre Euter voller Milch, während die Tiere der anderen genauso zurückkamen, wie sie aufgebrochen waren. Deshalb sagten die Angehörigen ihres Stammes zu ihren Hirten: Was ist mit euch? Könnt ihr nicht dort weiden, wo der Hirte der Tochter Abū Duwaibs ihre Ziegen weiden lässt? Doch selbst als sie dies taten, stellten sie fest, dass es ihnen nichts nützte.

Auf diese Weise vergingen für Halima zwei Jahre. Jeden Tag durfte sie von Allah Segen und Wohlstand erleben. In dieser Zeit war die Stillzeit des Propheten (s) beendet.

Der Prophet (s) wuchs auf eine Weise heran, wie man es gewöhnlich bei anderen Kindern nicht sieht. Halima meinte, nun sei es an der Zeit, ihn zu seiner Mutter nach Mekka zu bringen. Da sie während dieser zwei Jahre so viel Gutes und Segen an diesem Kind erlebt hatte, wollte sie ihn natürlich noch einige Zeit bei sich behalten. Trotzdem brachte sie ihn nach Mekka.

Mutter Āmina war überglücklich, als sie ihr geliebtes Kind zurückbekam. Besonders als sie sah, dass ihr Sohn so herangewachsen war, als wäre er ein vierjähriges Kind, obwohl er noch keine zwei Jahre alt war. Halima bat Mutter Āmina darum, das Kind noch einige Zeit bei ihr im Dorf behalten zu dürfen. Die Mutter stimmte zu. Freudigen Herzens kehrte Halima mit dem Kind ins Dorf zurück. Auch das Kind war überglücklich, wieder in die ländliche Umgebung zu kommen. So kehrte der Prophet (s) ein zweites Mal zu den Banū Saʿd zurück. Hier ereignete sich dann das erstaunliche Ereignis der Öffnung seiner Brust, als er vier oder fünf Jahre alt war.

Imam Muslim überliefert mit seiner eigenen Überlieferungskette von Anas ibn Mālik (Allahs Wohlgefallen auf ihm): Eines Tages spielte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) mit anderen Kindern, als Dschibrīl (Friede sei mit ihm) zu ihm kam. Dann ergriff er ihn, legte ihn auf den Rücken auf den Boden und öffnete seine Brust. Danach nahm er sein Herz (qalb) heraus, entfernte daraus ein Blutgerinnsel und sagte: „Das ist der Anteil Satans in dir.“ Dann wusch er es in einer goldenen Schale mit Zamzam-Wasser und setzte es wieder an seinen Platz. Die Spielgefährten sahen dies, liefen zu seiner Amme Halīma und sagten: „Muhammad ist getötet worden.“ Alle eilten herbei und sahen ihn bleich vor sich liegen. [Sahīh Muslim 1/101; Ibn Kathīr, as-Sīra 1/13; as-Sīra al-Halabiyya 1/150; al-Bayhaqī, Dalāʾil an-Nubuwwa 1/135]

Nach diesem Ereignis wurde Halīma besorgt. Sie brachte den Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu seiner Mutter zurück.

Ibn Ishāq sagt: Einige Gelehrte berichteten mir, dass Halīma (Allahs Wohlgefallen auf ihr) Muhammad zum zweiten Mal mitnahm, nachdem er das Alter des Abstillens erreicht hatte. Einige Christen aus Abessinien sahen ihn, erkundigten sich nach seiner Herkunft und musterten ihn eingehend. Danach wollten sie ihn in ihr Land zu ihrem König bringen. Sie sagten: „Dieses Kind wird in Zukunft etwas Großes vollbringen. Wir sehen an ihm die entsprechenden Anzeichen.“ Halīma fürchtete, sie könnten ihn stehlen und mitnehmen. Deshalb brachte sie ihn zu seiner Mutter zurück. [Sīrat Ibn Hischām 1/167] Bis zu seinem sechsten Lebensjahr wurde er unter der liebevollen Fürsorge seiner Mutter aufgezogen. Danach verstarb seine Mutter.

Es wird überliefert, dass Halīma, als sie das Kind Muhammad (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zum letzten Mal zu seiner Mutter zurückbrachte, ihn verlor, nachdem sie das Hochland von Mekka erreicht hatte. Später fanden ihn Waraqa ibn Nawfal und ein weiterer Mann aus dem Stamm der Quraisch. Beide brachten ihn zu ʿAbd al-Muttalib und sagten: „Hier ist dein Sohn. Wir sahen ihn im Hochland von Mekka umherirren. Als wir ihn nach seiner Herkunft fragten, sagte er: ‚Ich bin Muhammad ibn ʿAbdullāh ibn ʿAbd al-Muttalib.‘ Deshalb haben wir ihn zu dir gebracht.“ [Ibn Kathīr, as-Sīra 1/15] Danach nahm ʿAbd al-Muttalib ihn auf seine Schultern und umrundete die Kaaba, während er ein Gedicht vortrug. Eine Zeile des Gedichts lautet wie folgt:(Arabisch********)

„Ich suche für ihn Zuflucht bei Allah, dem Schöpfer der Menschen, vor jedem, der auf seinen Schienbeinen und Fußsohlen dahinschreitet.“

Nachdem sie den Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu seiner Mutter zurückgebracht hatte, kehrte Halīma in ihre Heimat zurück. Viele Jahre vergingen. Inzwischen wurde der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) erwachsen und heiratete. Doch die Erinnerung an Mutter Halīma vergaß er nie. Oft erzählte er seiner Ehefrau Chadīdscha (Allahs Wohlgefallen auf ihr) von ihrer Zuneigung und Fürsorge sowie davon, wie sie ihn aufgezogen hatte. Auch in Chadīdschas (Allahs Wohlgefallen auf ihr) Herzen erwachte der Wunsch, Halīma einmal zu sehen. Einmal kam sie in einem Jahr großer Not. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) nahm sie ehrenvoll in seinem Haus auf und bewirtete sie. Halīma berichtete von der Dürre, erzählte vom Verenden der Tiere und schilderte die große Not. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sprach mit Chadīdscha (Allahs Wohlgefallen auf ihr) darüber, sie zu unterstützen. Chadīdscha (Allahs Wohlgefallen auf ihr) schenkte ihr mit größter Ehrerbietung vierzig Ziegen und ein Kamel, um Wasser zu tragen und unterwegs zu sein. Bei dieser Gelegenheit nahm Halīma viele Geschenke für ihre Angehörigen mit. [Ansāb al-Aschrāf 1/95; Nisāʾ mubascharāt bil-dschanna 1/32]

Als Allah, der Erhabene, Muhammad (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zum Propheten und Gesandten für die Menschheit erwählte und ihm befahl, die Menschen zu Allah aufzurufen, nahm Halīma den Islam an. [as-Sīra al-Halabiyya 1/32] Es wird berichtet, dass auch ihr Ehemann und ihre Kinder – ʿAbdullāh, asch-Schaymāʾ und Unaisa – allesamt den Islam annahmen. Der Verfasser von „as-Sīra al-Halabiyya“ sagt: Die meisten Gelehrten haben keinen Zweifel daran, dass sie den Islam annahm. Ibn Hibbān überlieferte einen sahīh Hadith, der ihre Annahme des Islam beweist. Hafiz Mughultāy verfasste über Halīmas Annahme des Islam ein Buch mit dem Titel „at-Tuhfa al-Dschasīma fī Islām Halīma“. [Nisāʾ min ʿasr an-nubuwwa, S. 15]

Der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) war ein sanftmütiger und barmherziger Mensch. Er liebte nicht nur die Menschen in seiner Umgebung, sondern alle, ob nah oder fern, und schickte ihnen Geschenke. Auch seine Amme Halīma war davon nicht ausgenommen. Der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) bewahrte sein ganzes Leben lang die Erinnerung an Halīmas Zuneigung und Fürsorge. Mutter Halīma hatte einen tiefen Platz im Herzen des Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Deshalb hörte man ihn selbst im Alter von über vierzig Jahren „Mutter, Mutter“ zu ihr sagen; man sah ihn seinen eigenen Umhang ausziehen, ihn für sie ausbreiten und ihr einen Sitzplatz bereiten. Darüber hinaus sah man, wie er sich ausführlich ihre guten und schlechten Umstände sowie ihre Bedürfnisse und Beschwerden anhörte. Man sah auch, wie er mit frohem Herzen und lächelnd mit ihr sprach, wie ein seiner Mutter völlig gehorsamer Sohn. [al-Isāba 4/274]

Qadi Iyad erwähnt in seinem Werk „Asch-Schifa“ im Zusammenhang mit der Stellung Halimas und ihrer Angehörigen beim Gesandten Allahs (s.a.w.), dass Abu Tufail berichtet habe: Als ich noch ein Knabe war, sah ich den Propheten (s.a.w.) eines Tages an einem Ort namens „Dschi’rana“[„Dschi’rana“ liegt an der Straße zwischen Taif und Mekka, jedoch nicht in der Nähe von Mekka. (Tahdhib al-Asma wa-l-Lughat 3/59)] Fleisch verteilen. Da kam eine Beduinenfrau und trat ganz nahe an den Propheten (s.a.w.) heran. Der Prophet (s.a.w.) breitete seinen Umhang aus und ließ sie sich setzen. Die Frau setzte sich. Ich fragte die Leute: Wer ist diese Frau? Sie antworteten: Das ist die Mutter des Gesandten Allahs (s.a.w.); sie hat ihn gestillt.[Alam an-Nisa 1/290]

Umar ibn as-Sa’ib berichtet: Eines Tages saß der Gesandte Allahs (s.a.w.), als sein Pflegevater zu ihm kam. Er breitete eine Seite seines Tuches aus, und dieser setzte sich darauf. Wenig später kam Abdallah ibn al-Harith, der Pflegebruder des Gesandten Allahs (s.a.w.). Der Gesandte (s.a.w.) erhob sich, ließ ihn vor sich Platz nehmen.[at-Tabaqat 1/114; al-Isi’ab 4/262; Asch-Schifa 1/260; Usd al-Ghaba 5/428]

Al-Baladhuri berichtet: Seine Milchschwester asch-Schaima wurde von ihm, gemeinsam mit ihrer Mutter Halima, auf dem Arm getragen, und er spielte mit ihr. Diese asch-Schaima geriet im Kampf von Hunain in die Hände des muslimischen Heeres und wurde gefangen genommen. Als man sie hart behandelte, sagte sie: O Leute! Wisst, dass ich die Schwester eures Propheten bin. Als sie zum Gesandten Allahs (s.a.w.) gebracht wurde, sagte sie: Ich bin deine Schwester. Ich nahm dich gemeinsam mit meiner Mutter auf den Arm, und du hast mich gebissen. Der Gesandte (s.a.w.) erkannte sie, breitete seinen Umhang aus und ließ sie sich setzen. Er ließ sie frei und beschenkte sie reichlich, unter anderem mit einem Sklaven und einer Sklavin.[Ansab al-Aschraf 1/93]

Über den Tod der ehrwürdigen Halima (r.a.) sagte Scheich Ahmad Zaini Dahlan, sie habe den Islam angenommen, sei ausgewandert, in Medina gestorben und auf dem Friedhof al-Baqi beigesetzt worden. Ihr Grab sei dort bekannt.[Nisa min Asr an-Nubuwwa, S. 17] Aus einem Bericht al-Baladhuris geht jedoch hervor, dass sie nicht nach Medina ausgewandert sei und vor der Eroberung Mekkas gestorben sei. Der Bericht lautet: Am Tag der Eroberung Mekkas, als sich der Gesandte Allahs (s.a.w.) im Tal von Abtah aufhielt, kamen Halimas Schwester und die Schwester ihres Ehemannes zu ihm. Sie überreichte dem Gesandten einen Behälter Käse und einen Behälter Butterschmalz. Der Gesandte (s.a.w.) erkundigte sich bei ihr nach Halimas Zustand. Sie teilte ihm deren Tod mit. Da füllten sich die Augen des Gesandten (s.a.w.) mit Tränen. Danach erkundigte sich der Gesandte (s.a.w.) nach ihrer Lage. Sie berichteten von Not und Armut. Der Gesandte (s.a.w.) ordnete an, ihr Kleidung, ein Lasttier und zweihundert Dirham zu geben. Beim Weggehen sagte sie zum Propheten (s.a.w.): Du bist sowohl als Kleiner wie auch als Großer ein vortrefflicher Verantwortlicher.[Ansab al-Aschraf, S. 91; Dala’il an-Nubuwwa 1/133] Sie überlieferte Hadithe vom Gesandten Allahs (s.a.w.), und Abdallah ibn Dschafar (r.a.) überlieferte von ihr.[al-Isi’ab 4/262]

Asch-Schaima, die Tochter von al-Harith as-Sa’diyya (r.a.)


Asch-Schaimas eigentlicher Name war Hudhafa, einer anderen Auffassung zufolge Dschadhdhama. Ihre Beinamen waren asch-Schaima und asch-Schamma. Sie war eine Beduinenfrau aus den Banu Sa’d. In ihrem Stamm war sie nur unter ihrem Beinamen bekannt.[Al-Baihaqi, Dala’il an-Nubuwwa 1/132] Wahrscheinlich wurde sie wegen der zahlreichen Muttermale an ihrem Körper so genannt.[Nisa min Asr an-Nubuwwa, S. 337, Anm. 2; al-Isaba 4/335] Es sei darauf hingewiesen, dass es unter den weiblichen Gefährten keine zweite Person namens asch-Schaima gab. Ihr Vater war al-Harith ibn Abd al-Uzza ibn Rifa’a as-Sa’di und ihre Mutter die ehrwürdige Halima as-Sa’diyya (r.a.), die Amme des edlen Propheten (s.a.w.). Ihre wichtigste Bekanntheit verdankt asch-Schaima der Tatsache, dass sie die Milchschwester des edlen Propheten (s.a.w.) war. Es sei erwähnt, dass Abdallah, Unaisa und asch-Schaima, die Kinder der ehrwürdigen Halima (r.a.), die drei Milchgeschwister des Gesandten Allahs (s.a.w.) waren. Asch-Schaima unterstützte ihre Mutter Halima in hohem Maße bei der Betreuung des kleinen Muhammad (s.a.w.).

Nachdem die ehrwürdige Halima (r.a.) das Kind Muhammad (s.a.w.) zwei Jahre lang gestillt und aufgezogen hatte, kehrte sie mit ihrem Pflegekind Muhammad (s.a.w.) mit Zustimmung seiner Mutter von Mekka wieder zu ihrem Stamm zurück. Damals hatte er bereits laufen gelernt und gelernt, mit seinen Milchgeschwistern zu spielen. Wie die Kinder der anderen Beduinen hüteten auch Halimas Kinder Ziegen und Schafe auf den Weideplätzen in der Umgebung ihrer Siedlung. Von Zeit zu Zeit nahmen sie auch ihren Milchbruder, das Kind Muhammad (s.a.w.), mit. In dieser Zeit kümmerte sich asch-Schaima um ihn. Wenn der Weg lang oder die Sonne sehr heiß war, nahm sie ihn auf den Arm. Manchmal setzte sie ihn wieder ab. Mitunter setzte sie sich mit ihm im Schatten nieder, hob ihn mit beiden Händen hoch, wiegte ihn im Takt und sang die folgenden beiden Zeilen:[ebd. 4/336; Ahmad Zaini Dahlan, as-Sira an-Nabawiyya 4/366](Arabisch****)

„O unser Herr, erhalte uns Muhammad am Leben,

Erhalte ihn am Leben, damit wir ihn als jungen Mann sehen können.

Danach können wir ihn als einen angesehenen Anführer erleben, vor dem sich die Häupter seiner feindseligen Widersacher demütig beugen werden.

O Allah, schenke ihm immerwährende Ehre und Würde.“

In manchen Überlieferungen lautet die erste Zeile wie folgt: [Nisāʾ min ʿAṣr an-Nubuwwa – 338] (Arabisch********)

„O unser Herr, erhalte meinen Bruder Muhammad am Leben.“

Was für wunderbare Bittgebete waren das doch, deren jedes einzelne Wort im Angesicht Allahs, des Erhabenen, erhört worden war.

Das in dem kleinen Muhammad (s.a.s.) vorhandene Gute und der Segen wurden von Asch-Schaymāʾ und allen kleinen wie großen Mitgliedern ihrer Familie wahrgenommen. Daher entwickelte jeder eine starke Zuneigung und Liebe zu ihm. Wenn Mutter Halima ihn irgendwohin mitnehmen wollte, warnte sie sie immer wieder, Muhammad (s.a.s.) nicht aus den Augen zu verlieren. Doch auch dadurch war sie nicht beruhigt. Während ihrer Arbeit lief sie immer wieder zu ihm, um nachzusehen, wo Muhammad (s.a.s.) war und was er tat.

Eines Tages ruhte sich Mutter Halima erschöpft von der großen Mittagshitze aus. Kurz darauf bemerkte sie, dass weder Asch-Schaymāʾ noch Muhammad in der Nähe waren. Wohin waren sie in dieser glühenden Sonne gegangen? Sie wurde unruhig und machte sich auf die Suche. Da sah sie, wie Asch-Schaymāʾ unweit des Hauses Muhammad auf dem Arm hielt und ihn wiegte, während sie dieses Lied sang: (Arabisch*****)

„Er ist mein Bruder; meine Mutter hat ihn nicht geboren. Er gehört auch nicht zur Familie meines Vaters oder meines Onkels. O Allah, schenke ihm Wohlstand.“

Mutter Halima sagte in vorwurfsvollem Ton: „Asch-Schaymaʾ, spielst du mit ihm in dieser Sonne?“ Asch-Schaymaʾ antwortete: „Mutter, die Sonne hat meinen Bruder nicht getroffen. Ich sehe, dass eine Wolke seinen Kopf beschattet. Wenn er stehen bleibt, bleibt auch die Wolke stehen, und wenn er geht, geht auch die Wolke mit. So sind wir hierhergekommen.“ Sie blickte erstaunt in das Gesicht des Jungen und fragte:

„Stimmt das wirklich?“ Asch-Schaymaʾ sagte: „Bei Allah, es stimmt! Bei Allah, es stimmt!“ [As-Sīra al-Halabiyya 1/167–168]

Der ehrwürdige Gesandte Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) verbrachte bis zu seinem fünften Lebensjahr bei Mutter Halima in der Siedlung der Banu Saʿd. Während er in der Wüste bei reiner Luft und klarem Licht aufwuchs, eignete er sich auch ihre makellose, reine arabische Sprache und Ausdrucksweise an. Dies erkannte er in seinem späteren Leben offen an. Er sagte:Arabisch********)

„Ich bin unter euch derjenige mit der reinsten und gewandtesten Sprache, denn ich bin ein Nachkomme der Quraisch und bin bei den Banu Saʿd mit Milch aufgezogen worden.“ Die Erinnerung an diese fünf Jahre seiner frühen Kindheit vergaß er sein ganzes Leben lang nie. Sein ganzes Leben lang bewahrte er die Erinnerung an die Fürsorge, Zuneigung und liebevolle Betreuung durch Mutter Halima, seine Schwester Asch-Schaymaʾ und die anderen Mitglieder ihrer Familie.

Die Zeit verging, und das kleine Kind Muhammad von damals wurde erwachsen. Eines Tages wurde ihm das Prophetentum verliehen. Er wanderte nach Medina aus. Er geriet in Kriege und Auseinandersetzungen mit seinen Gegnern. Als die muslimische Armee im Krieg von Hawazin siegte, wurde Asch-Schaymaʾ zusammen mit vielen weiteren Männern und Frauen der Banu Saʿd von der muslimischen Armee gefangen genommen. Bei ihrer Gefangennahme sagte sie zu den muslimischen Mudschahidin: „Bei Allah! Ihr werdet erfahren, dass ich die Milchschwester eures Anführers bin.“ Da sie ihr jedoch nicht glaubten, führten sie sie vor den Gesandten Allahs (sallallahu alaihi wa sallam). Asch-Schaymaʾ sagte: „O Gesandter Allahs! Ich bin deine Milchschwester.“ Der Gesandte (sallallahu alaihi wa sallam) fragte: „Kannst du einen Beweis oder ein Zeichen für deine Behauptung vorbringen?“ Sie sagte: „Eines Tages trug ich dich auf meinem Rücken. Du hast mich gebissen; hier ist die Narbe davon.“ [Ibn Hazm, Dschamharat Ansab al-ʿArab 1/265] Der Gesandte (sallallahu alaihi wa sallam) erkannte das Zeichen. Er breitete ein Tuch aus, ließ sie darauf Platz nehmen und erkundigte sich nach ihrem Wohlergehen. Dann sagte er: „Wenn du möchtest, kannst du bei mir bleiben und wirst mit Zuneigung, Fürsorge und Ehre behandelt. Wenn du möchtest, kannst du zu deinem Stamm zurückkehren.“ Asch-Schaymaʾ sagte: „Ich möchte zu meinem Stamm zurückkehren.“ Daraufhin nahm sie den Islam an und erklärte, an die Sendung des Gesandten Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) zu glauben. Der Gesandte (sallallahu alaihi wa sallam) schickte sie mit einem Sklaven namens Makhaul [Ihre Abstammungslinie besteht fort. (Al-Bidaya wa-n-Nihaya 4/363, al-Isaba 3/435; Ansab al-Aschraf 1/93)], einer Sklavin, zahlreichen Ziegen, Schafen und Kamelen sowie Geschenken zu ihrem Stamm zurück. [Usd al-Ghaba 5/489; Al-Bidaya wa-n-Nihaya 3/363; Tarich at-Tabari 2/171; Ansab al-Aschraf 1/93; Aʿlam an-Nisaʾ 2/317, al-Aʿlam 3/184.] Ibn al-Kalbi berichtet, dass Asch-Schaymaʾ mit einer Gesandtschaft zum Gesandten Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) kam und als Erkennungszeichen die Zahnspur zeigte, die der Gesandte Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) als Kind an ihrem Körper hinterlassen hatte. [Ansab al-Aschraf 1/93]

Der große Prophet der Menschheit zeigte seine Großzügigkeit nicht nur gegenüber seiner Milchschwester Asch-Schaymaʾ; vielmehr umfassten seine Vergebung und Großzügigkeit den gesamten Stamm der Banu Saʿd. Es sei erwähnt, dass die Banu Saʿd ein Unterstamm des großen Stammes Hawazin waren. Als der Stamm Hawazin im achten Jahr der Hidschra in der Schlacht von Hunain besiegt wurde, fielen sein Besitz und Vermögen als Kriegsbeute in die Hände der Muslime, und seine Frauen und Kinder wurden gefangen genommen. Daraufhin kam eine Delegation des Stammes Hawazin zum Gesandten Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) und erklärte ihre Loyalität sowie ihren Übertritt zum Islam. Zu dieser Delegation gehörte auch der Milchonkel des Gesandten Allahs (sallallahu alaihi wa sallam). Sie baten um Vergebung, forderten die Freilassung der Gefangenen und verlangten die Rückgabe ihres beschlagnahmten Besitzes. Der Sprecher dieser Delegation, Zuhayr ibn Surad, erhob sich und hielt eine Ansprache. Ein Teil davon lautet wie folgt:(Arabisch****)

„O Gesandter Allahs! Unter diesen Gefangenen befinden sich auch deine Tanten väterlicher- und mütterlicherseits sowie diejenigen, die dich aufzogen und dich auf Armen und Rücken trugen. Wir haben dich auf Armen und Rücken getragen und dich mit der Milch unserer Brüste ernährt. ….. Ich habe dich als Säugling gesehen. Ich habe nie einen besseren Säugling als dich gesehen. Ich habe dich gesehen, nachdem du abgestillt worden warst. Ich habe nie jemanden gesehen, der besser abgestillt war als du. Danach sah ich dich als jungen Mann. Ich habe nie einen besseren jungen Mann als dich gesehen. In dir erlangten Güte und edler Charakter ihre Vollkommenheit. Trotz alledem sind wir deine Wurzel, deine Herkunft und dein Stamm. Erweise uns daher Barmherzigkeit und Gnade; Allah wird dir Barmherzigkeit erweisen.“ Danach rezitierte er die folgenden Verse:(Arabisch*********)

„O Gesandter Allahs! Erweise uns Barmherzigkeit und Gnade. Du bist jemand, von dem wir hoffen und dessen Gunst wir erwarten.

Erweise jenen Frauen Gnade, deren Milch du getrunken hast, als dein Mund von ihrer reinen und klaren Milch erfüllt war.

Vergib jenen Müttern, deren Milch du getrunken hast. Wahrlich, die Eigenschaft der Vergebung ist etwas, das die gesamte Schöpfung trägt.“

Nachdem der ehrwürdige Gesandte Allahs diese bezaubernde Schilderung und dieses süße Gedicht gehört hatte, sagte er: Alles, was mir und den Banū ʿAbd al-Muṭṭalib gehört, steht euch zur Verfügung.

Die Quraisch riefen: Alles, was wir besitzen, gehört Allah und Seinem Gesandten.

Ibn Kathīr sagt, dass der Gesandte Allahs daraufhin alle Angehörigen des Stammes seines Pflegevaters ehrenvoll freiließ.[Al-Bidāya wa-n-Nihāya-4/363, 364; Tārīkh at-Ṭabarī-2/173; ʿUyūn al-Aṯar-2/223; as-Sīra al-Ḥalabiyya-1/170]

Über das weitere Leben der ehrwürdigen asch-Schaimāʾ (ra) ist nichts bekannt. Auch wann und wo sie verstorben ist, ist völlig unbekannt geblieben. Az-Ziriklī sagt, sie sei nach dem Jahr 8 n. H. bzw. 630 n. Chr. verstorben.[Al-Aʿlām-3/184]

Asmāʾ bint Abī Bakr (ra)


Hadhrat Abu Bakr as-Siddiq (r.a.), der intime Freund des edlen Gesandten Allahs (s.a.w.s.) zu dessen Lebzeiten und nach dessen Tod sein erster Kalif, war der Vater von Hadhrat Asma (r.a.). Ihre Mutter war Qutaila bint Abd al-Uzza. Dieser Abd al-Uzza war ein berühmter und angesehener Anführer des Stammes Quraisch. Abu Kuhafa oder Abu Atik, der ehrenwerte Vater Abu Bakrs (r.a.), war ihr Großvater väterlicherseits. Abdullah ibn Abi Bakr war ihr leiblicher Bruder, und die Umm al-Mu’minin Hadhrat Aischa (r.a.) war ihre Halbschwester. Zubair ibn al-Awwam (r.a.), der Hawari, also der besondere Helfer des Gesandten Allahs (s.a.w.s.), war ihr Ehemann, und der auf dem Weg der Wahrheit und Gerechtigkeit als Märtyrer gefallene Hadhrat Abdullah ibn az-Zubair (r.a.) war ihr Sohn. Sie wurde 27 Jahre vor der Hidschra in Mekka geboren. Damals war ihr Vater, Hadhrat Abu Bakr as-Siddiq (r.a.), etwas über zwanzig Jahre alt. [Tabaqat Ibn Sad-8/449; Usud al-Ghaba-5/372; Siyar Alam an-Nubala-2/297] Dies ist die kurze Vorstellung von Hadhrat Asma bint Abi Bakr. Über sie gibt es noch weitere Angaben. Ihr Ehemann Zubair ibn al-Awwam (r.a.) gehörte zu den zehn Menschen, denen bereits zu ihren Lebzeiten das Paradies verheißen wurde, und ihre Schwiegermutter war die Tante väterlicherseits des Gesandten Allahs (s.a.w.s.), Hadhrat Safiyya bint Abd al-Muttalib (r.a.). Es sei erwähnt, dass sie das älteste Kind Abu Bakrs as-Siddiq (r.a.) war und etwas mehr als zehn Jahre älter als Aischa (r.a.). [Siyar Alam an-Nubala-2/288] Diese weibliche Gefährtin besaß sowohl aufgrund ihrer Abstammung als auch aufgrund des Islam hohe Ehre und Würde. Ihrer Abstammung nach war sie ein Kind des Taim-Zweigs des mekkanischen Stammes Quraisch. Andererseits waren ihr Vater, ihr Großvater, ihre Schwester, ihre Schwiegermutter und ihr Sohn allesamt herausragende Gefährten des Gesandten Allahs (s.a.w.s.). Was könnte es für einen Muslim an größerer Ehre, Würde und Ruhm geben als dies?

Nachdem Hadhrat Rasul al-Karim (s.a.w.s.) in Mekka mit der islamischen Da’wa und der Verkündigung begonnen hatte, begannen die dortigen polytheistischen Gegner, ihn zu verfolgen und zu misshandeln. Tag für Tag nahm das Ausmaß dieser Verfolgung zu. Schließlich beschlossen sie, den Gesandten Allahs (s.a.w.s.) zu töten. Daraufhin beschloss er, Mekka zu verlassen. Zu jener Zeit gehörte Abu Bakr (r.a.) zu denjenigen, die in Mekka den Islam angenommen hatten. Er war ein äußerst vertrauter und enger Gefährte des Gesandten Allahs (s.a.w.s.). Eines Nachts verließ der Gesandte Allahs (s.a.w.s.) heimlich und unbeobachtet gemeinsam mit Abu Bakr (r.a.) Mekka und suchte in einer Höhle des Berges Thaur am Stadtrand von Mekka Zuflucht. Deshalb wurde Abu Bakr (r.a.) „Rafiq al-Ghar“, der Gefährte der Höhle, genannt. Die Polytheisten von Mekka gelangten auf der Suche nach ihnen sogar bis zum Eingang dieser Höhle am Berg, doch Allah beschützte Seinen geliebten Propheten (s.a.w.s.) durch besondere Maßnahmen. Zu dieser Zeit gehörte Hadhrat Asma (r.a.) zu denjenigen, die heimlich den Kontakt zu ihnen aufrechterhielten und sie unterstützten. Jede Nacht ging sie allein in der Dunkelheit von ihrem Haus zur Höhle, brachte ihnen Nahrung, ließ sie essen und kehrte anschließend wieder zurück.

Hadhrat Asmas (r.a.) Bruder Abdullah (r.a.), der den Islam damals noch nicht angenommen hatte, ging den ganzen Tag in Mekka hierhin und dorthin, erkundigte sich nach den Plänen und Absichten der Polytheisten und überbrachte sie dem Gesandten Allahs (s.a.w.s.) in der Dunkelheit der Nacht. Der Name des vertrauenswürdigen Hirten Hadhrat Abu Bakrs as-Siddiq (r.a.) war Amir. Er ließ in der Umgebung des Berges Thaur Ziegen weiden, führte die Herde bis zum Eingang der Höhle und molk dort die Ziegen, um ihnen die Milch zu geben. Indem er die Ziegenherde dorthin führte, verwischten sich die Spuren von Asma (r.a.) und Abdullah (r.a.), die hin und her gingen. So konnten die Polytheisten sie keinesfalls aufspüren.

Als die Polytheisten von Mekka trotz größter Anstrengungen keinerlei Spur von ihnen fanden, verkündeten sie, dass demjenigen, der sie ausfindig machen würde, einhundert Kamele als Belohnung gegeben würden. In dieser Lage brachte Hadhrat Asma in der dritten Nacht Nahrung für sie. Da sagte der Gesandte Allahs (s.a.w.s.): Du sollst zurückgehen und Ali (r.a.) sagen, dass er in der kommenden Nacht mit drei Kamelen und einem Führer zu dieser Höhle kommen soll. Wie angeordnet erschien Ali (r.a.) mit drei Kamelen und einem Wegführer. Auch Hadhrat Asma (r.a.) kam mit Proviant für zwei oder drei Tage. Der Gesandte Allahs (s.a.w.s.) wies sie an, die Reise unverzüglich vorzubereiten. Es wurde notwendig, die Bündel mit dem Proviant und die Öffnung des Wasserschlauchs zu verschnüren. In der Eile war kein Seil zur Hand zu finden. Da nahm Asma (r.a.) ihren „Nitaq“, ihren Hüftgürtel, ab und teilte ihn in zwei Stücke. Mit dem einen band sie die Proviantbündel zusammen und mit dem anderen die Öffnung des Wasserschlauchs. Als der Gesandte Allahs (s.a.w.s.) dies sah, sprach er:(Arabisch**********)

„Möge Allah dir im Paradies für diesen einen Nitaq zwei Nitaqs geben.“

Auf diese Weise erhielt sie den Beinamen „Dhat an-Nitaqain“ – „die Besitzerin der zwei Hüftgürtel“. [Tabaqat-8/450; al-Istiab-4/229; Usud al-Ghaba-5/372 (6698); al-Baihaqi, Dala’il an-Nubuwwa-2/472; Tahdhib al-Asma wa al-Lughat-2/597] Diesen aus dem heiligen Mund des Gesandten Allahs (s.a.w.s.) ausgesprochenen Beinamen nahm Allah an. Deshalb ist sie auch heute, nach beinahe anderthalbtausend Jahren, bei den Menschen der ganzen Welt unter diesem Beinamen bekannt.

Über den Grund dafür, dass Asma den Beinamen „Dhat an-Nitaqain“ erhielt, gibt es noch einige weitere Ansichten. Manche sagen, sie habe einen Hüftgürtel über einem anderen getragen und deshalb diesen Beinamen erhalten. Andere sagen, sie habe zwei Nitaqs oder Hüftgürtel besessen. Einen band sie sich um die Hüfte, und mit dem anderen verschnürte sie die für den Gesandten Allahs (s.a.w.s.) benötigte Nahrung und brachte sie zur Höhle. Deshalb erhielt sie diesen Beinamen. Es sei angemerkt, dass das Tragen eines Hüftgürtels bei den arabischen Frauen üblich ist. [Nisa min Asr an-Nubuwwa-238, Anmerkung 1]

Ibn Hadschar (r.) sagt: Sie riss ihren Nitaq in zwei Stücke. Mit dem einen band sie den Proviant für den Gesandten Allahs (s.a.w.s.) und Abu Bakr (r.a.) zusammen, während sie das andere als ihren eigenen Hüftgürtel verwendete. Von da an wurde sie „Dhat an-Nitaq“ oder „Dhat an-Nitaqain“ genannt, das heißt: die Besitzerin eines Hüftgürtels oder zweier Hüftgürtel. [Banat as-Sahaba-50]

Es gibt unterschiedliche Überlieferungen darüber, ob sich dieser Vorfall mit dem „Nitaq“ in der Höhle auf dem Berg Thaur oder im Haus Abū Bakrs (ra) ereignete, als der Gesandte (sa) und Abū Bakr (ra) Mekka verließen. Aus einer Überlieferung in Imām Buchārīs Werk und in der Sīra Ibn Isḥāqs geht hervor, dass dies geschah, als sie nachts im Schutz der Dunkelheit das Haus Abū Bakrs (ra) in Mekka verließen.

So wird beispielsweise überliefert, dass die bedrängten und verfolgten Muslime Mekkas, nachdem Allah den Muslimen Mekkas die Erlaubnis zur Hidschra von Mekka nach Medina gegeben hatte, in Gruppen Mekka verließen und nach Medina zogen. Als die Götzendiener begannen, sie daran zu hindern, verließen die Muslime Mekka heimlich, einzeln oder in kleinen Gruppen. Alle waren sich der außerordentlichen Vorzüglichkeit der Hidschra bewusst und schienen daher miteinander um das Erlangen dieses Glücks zu wetteifern. Eines Tages ging Hadhrat Abū Bakr (ra) zum geliebten Propheten (sa) und bat um die Erlaubnis zur Hidschra. Der Prophet (sa) sagte:(Arabisch***** )„Übereilen Sie sich nicht; Allah wird Ihnen einen Gefährten geben.“ Abū Bakr (ra) verstand, dass der Gefährte auf seiner Reise kein anderer als der Prophet (sa) selbst sein würde. Vor Freude war Abū Bakrs (ra) Herz ganz erfüllt. Er sollte der Reisegefährte des Gesandten Allahs (sa) auf dessen Reise nach Medina, dem Dār al-Hidschra, sein – was konnte es Größeres geben als diese Freude?

Nachdem Abū Bakr (ra) diese bedeutungsvolle Andeutung des Gesandten Allahs (sa) gehört hatte, erzählte er sie seinen beiden Töchtern, Asmāʾ und ʿĀʾischa (ra). Auch sie waren überglücklich, als sie erfuhren, dass ihr Vater der Reisegefährte des Gesandten Allahs (sa) auf seiner Hidschra sein würde. Von da an verbrachten sie ihre Zeit damit, auf diesen segensreichen Augenblick zu warten.

Eines Tages gewährte Allah Seinem Propheten die Erlaubnis zur Hidschra nach Medina. Der Prophet (sa) machte sich genau zur Mittagszeit auf den Weg zu Abū Bakr (ra), wobei er den Blicken sämtlicher Wachen der götzendienerischen Quraisch entging. Asmāʾ (ra) sah ihn als Erste vom Inneren des Hauses aus und lief zu ihrem Vater mit den Worten: „Vater! Sieh, der Gesandte Allahs (sa) kommt mit verhülltem Kopf und Gesicht auf unser Haus zu. Zu dieser Zeit kommt er sonst nie.“ Abū Bakr (ra) sagte: „Mögen meine Eltern für ihn geopfert werden! Bei Allah, gewiss ist er zu dieser Zeit nur wegen einer besonders wichtigen Angelegenheit gekommen.“

Abū Bakr (ra) eilte herbei, um den Propheten (sa) zu begrüßen. Dieser bat um Erlaubnis, das Haus betreten zu dürfen. Nachdem Abū Bakr (ra) die Erlaubnis erteilt hatte, trat er ein. Er sagte zu Abū Bakr (ra): „Bitte lass diejenigen, die sich in deiner Nähe befinden, kurz hinausgehen.“ Dort waren Asmāʾ und ʿĀʾischa. Abū Bakr (ra) sagte: „O Gesandter Allahs! Das sind meine beiden Töchter.“

Der Prophet (sa) sagte: „Mir wurde die Erlaubnis gegeben, aufzubrechen, also die Hidschra anzutreten.“ Abū Bakr (ra) weinte vor übergroßer Freude. Er sagte: „O Gesandter Allahs! Wird mir die Ehre zuteil, dein Gefährte zu sein?“ Er sagte: „Ja.“ ʿĀʾischa (ra) sagte: „Bei Allah, bis zu jenem Tag hatte ich nie gedacht, dass jemand vor übergroßer Freude weinen könne. An jenem Tag sah ich Abū Bakr weinen.“ [Musnad Aḥmad 6/348; Ṣaḥīḥ al-Buḫārī, Hadith Nr. 3905; Ṭabaqāt 8/25]

ʿĀʾischa (ra) berichtete außerdem über den Vorfall mit „Dhāt an-Nitāq“: „Wir beiden Schwestern bereiteten den für sie notwendigen Reiseproviant vor. Wir legten die benötigten Dinge in einen Ledersack. Dann schnitt Asmāʾ ihren Nitāq entzwei und band damit die Öffnung des Sacks zu. Dadurch erhielt sie den Beinamen ‚Dhāt an-Nitāq‘.“ [Ṣaḥīḥ al-Buḫārī, Hadith Nr. 3905]

Aus der obigen Überlieferung wird ersichtlich, dass sich der Vorfall, bei dem Hadhrat Asmāʾ (ra) ihren „Nitāq“ entzwei riss und den Beinamen „Dhāt an-Nitāqain“ erhielt, im Haus Hadhrat Abū Bakrs (ra) ereignete, als der Gesandte (sa) und Abū Bakr (ra) zum Berg Thaur aufbrachen.

Asmas Sohn, ʿAbdullah ibn az-Zubair (r.a.), geriet später in einen Konflikt mit den umaijadischen Kalifen und zog in den Krieg. Damals verspotteten ihn die Bewohner Syriens als den Sohn der „Zāt an-Nitāqain“. Als diese Worte Asma zu Ohren kamen, sagte sie zu ihrem Sohn: „Verspotten sie dich?“ Er antwortete: „Ja.“ Asma (r.a.) sagte: „Bei Allah! Was sie sagen, ist wahr.“ Als al-Haddschādsch ibn Yusuf danach zu einem Besuch bei Asma kam, sagte sie zu ihm: „Wie könnt ihr versuchen, ʿAbdullah als ‚Zāt an-Nitāqain‘ zu beschimpfen? Ja, ich hatte nur einen Nitāq, und einen solchen müssen Frauen ohnehin haben. Mit einem anderen Nitāq jedoch band ich die Lebensmittel des Gesandten Allahs (s.a.w.) zusammen.“ (Aʿlām an-Nisāʾ, 1/47)

Heirat und Annahme des Islam

Asma (r.a.) war das älteste Kind von Abū Bakr (r.a.). In der Anfangsphase der islamischen Daʿwa in Mekka nahm Abū Bakr (r.a.) als erster Mann den Islam an. Es ist nur natürlich, dass er seinen Familienangehörigen den Islam dargelegt haben wird und dass auch sie die Daʿwa annahmen. Daher kann man davon ausgehen, dass Asma (r.a.) unter den Kindern der Gefährten als Erste den Islam annahm. Da sie 27 Jahre vor der Hidschra geboren wurde, dürfte sie damals Mitte ihres zweiten Lebensjahrzehnts gewesen sein. Sie war damals erst ein junges Mädchen. Imam an-Nawawī (r.a.) sagt: Tahdhīb al-Asmāʾ wa-l-Lughāt, 2/597; Banāt as-Sahāba, 40(Arabisch*******)

„Asma (r.a.) nahm schon sehr früh, nach siebzehn Menschen, den Islam an.“ Ibn ʿAbd al-Barr (r.a.) sagt: al-Istīʿāb, 12/196.

‘(Arabisch*****)„Ihre Annahme des Islam erfolgte schon früh in Mekka.“ Ibn ʿAsākir erwähnt, dass Asma (r.a.) zehn Jahre älter als ʿĀischa (r.a.) war. Anschließend sagte er bei der Erörterung der Annahme des Islam durch die Muhādschirūn: Tārīkh Madīnat Dimashq, Tarādschim an-Nisāʾ, 10

(Arabisch********)

„Danach nahmen einige Menschen aus den arabischen Stämmen den Islam an. Zu ihnen gehörte auch Asma bint Abī Bakr (r.a.). Sie war damals noch jung. Die Reihenfolge der Frauen, die zuerst den Islam annahmen, war jedoch folgende: Chadīdscha, Umm Aiman al-Habaschiyya, Umm al-Fadl, die Ehefrau von ʿAbbās, und Fātima bint al-Chattāb (r.a.), die Schwester von ʿUmar (r.a.).“ Banāt as-Sahāba, 41

Während sich die Daʿwa des Islam in Mekka rasch verbreitete, das Maß der Verfolgung und Misshandlung durch die polytheistischen Quraisch weiter zunahm und die verfolgten Muslime auf Anweisung des Gesandten Allahs (s.a.w.) einer nach dem anderen aus Mekka auswanderten, sandte zu jener Zeit Zubair ibn al-ʿAwwām (r.a.), der Cousin mütterlicherseits des ehrenwerten Gesandten Allahs (s.a.w.), Asma (r.a.) einen Heiratsantrag.

Az-Zubair gehörte zu den jungen Männern, die in der frühen Phase des Islams dem Aufruf Hazrat Abu Bakrs (r.a.) folgten und den Islam annahmen. Nach seiner Annahme des Islams widmete er sich, wie die anderen Muslime der ersten Generation, ganz dem Dienst am Islam. Die verschiedenen Arten von Verfolgung und Misshandlung durch die gegnerischen Götzendiener ertrug er mit einem Lächeln. Deshalb erlangte er den Ruf als besonderer Gefährte und Reiter des Gesandten Allahs (s.a.w.).

Az-Zubair (r.a.) war ein mutiger junger Mann. Er stellte die Religion über das Diesseits und gab dem Leben im Jenseits den Vorrang vor dem weltlichen Leben. Als er jedoch um die Verbindung durch Heirat mit einer wohlhabenden und angesehenen Familie wie derjenigen Abu Bakrs (r.a.) ersuchte, besaß er außer einem einzigen Pferd keinerlei Vermögen. Abu Bakrs (r.a.) Familie stimmte dem Antrag zu, und die Ehe zwischen Asma und Az-Zubair wurde geschlossen.

Asmas Klugheit und Geschicklichkeit

Als Hazrat Abu Bakr as-Siddiq (r.a.) den Islam annahm, besaß er in Mekka ungefähr hunderttausend Dirham. Nach seiner Annahme des Islams übergab er sein gesamtes Vermögen dem Gesandten Allahs (s.a.w.), damit der Islam verbreitet und die neuen Muslime unterstützt würden. Daher nahm er bei der Hijra das gesamte Geld mit, das er damals besaß – etwa anderthalb, nach anderer Auffassung fünf oder sechs tausend – und ließ seine Kinder und Angehörigen in Allahs Obhut zurück. Nachdem Asma (r.a.) den Gesandten Allahs (s.a.w.) und Abu Bakr (r.a.) vom Berg Thaur verabschiedet hatte, kehrte sie nach Hause zurück. Abu Bakrs (r.a.) Vater Abu Quhafa, Asmas Großvater, der den Islam noch nicht angenommen hatte, war durch sein hohes Alter sehr schwach geworden und hatte sein Augenlicht verloren. Als er am Morgen aus den Erzählungen der Leute vom Fortgang seines Sohnes hörte, kam er zum Haus seines Sohnes und sagte voller Trauer: „Ach! Abu Bakr ist selbst fortgegangen, hat all sein Vermögen mitgenommen und seine Kinder in Schwierigkeiten zurückgelassen.“ Hazrat Asma (r.a.) rief sofort: „Nein, Großvater, er hat für uns viel Geld zurückgelassen.“

Daraufhin füllte Asma (r.a.) zur Beruhigung des alten Mannes einen Beutel mit Steinen, band ihn zu und legte ihn an die Stelle, an der Abu Bakr (r.a.) sein angespartes Geld aufzubewahren pflegte. Dann bedeckte sie ihn mit einem Stück Stoff. Anschließend nahm sie den Großvater an der Hand und führte ihn zu diesem Geldversteck. Sie legte seine Hand auf den mit Steinen gefüllten Beutel und ließ sie sanft darüber gleiten. Der alte Mann war beruhigt, da er glaubte, dort befinde sich genügend Geld. Hazrat Asma (r.a.) sagte: „Ich tat dies nur, um ihn zu beruhigen. Bei Allah! Er hatte nichts für uns zurückgelassen.“ [Al-Fath ar-Rabbani (Scharh al-Musnad) 20/282; Sira Ibn Hischam 1/448; Nihayat al-Abir 16/332]

Die Ohrfeige des Pharaos dieser Umma, Abu Jahl

Als sich am Morgen in den Gassen und Straßen Mekkas verbreitete, dass Muhammad (s.a.w.) und Abu Bakr (r.a.) in der Dunkelheit der Nacht Mekka verlassen hatten, schienen die Götzendiener den Verstand zu verlieren. Abu Jahl, der Pharao dieser Umma, und die anderen Anführer der Götzendiener in Mekka begannen, die Häuser der Banu Haschim und ihrer Unterstämme in den höher und tiefer gelegenen Teilen Mekkas gründlich zu durchsuchen. Eine Gruppe von Quraisch umstellte unter der Führung des verfluchten Übeltäters Abu Jahl das Haus Abu Bakrs (r.a.). Abu Jahl, der Anführer der Gruppe, trat vor und klopfte an die Tür. Im Haus befanden sich damals außer Asma, ihrer Schwester Aischa und Aischas (r.a.) Mutter Umm Ruman (r.a.) niemand. Asma (r.a.) berichtet: „Ich öffnete die Tür und trat zu ihnen hinaus. Sie sagten: ‚Tochter Abu Bakrs, wo ist dein Vater?‘“

Ich sagte: „Bei Allah! Ich weiß nicht, wo mein Vater ist.“ Sofort hob Abu Jahl eine seiner Hände. Er war ein niederträchtiger und übeltätiger Mensch. Er versetzte mir eine kräftige Ohrfeige auf die Wange, woraufhin mein Ohrring davonflog. [Tarikh Madinat Dimashq (Tarajim an-Nisa), S. 3]

Wie niederträchtig und sündhaft Abū Dschahl war, lässt sich anhand dieses Ereignisses zumindest teilweise ermessen. In dem Haus, in dem sich dieses Ereignis zutrug, befand sich damals kein einziger Mann. Asmāʾ (r.a.) war zu jener Zeit schwanger, und ihr edler Ehemann az-Zubair ibn al-ʿAwwām (r.a.) war abwesend. Er war bereits vor diesem Ereignis nach Medina ausgewandert. [Banāt as-Sahāba, S. 53] Dieser az-Zubair (r.a.) war einer der bedeutendsten tapferen Reiter und Krieger Arabiens jener Zeit. In seiner Gegenwart hätte kein Unmensch aus Mekka den Mut gehabt, auch nur den Blick zu seiner Frau zu erheben – geschweige denn, die Hand gegen sie zu erheben.

Die Auswanderung und das erste Kind der Auswanderer

Nachdem der edle Prophet (s.a.w.) und Abū Bakr as-Siddīq (r.a.) Medina erreicht, die anfänglichen Schwierigkeiten am neuen Ort überwunden und etwas Ruhe gefunden hatten, beschlossen sie, die Abholung der Frauen aus Mekka zu organisieren. Es sei erwähnt, dass der Ehemann von Asmāʾ, az-Zubair (r.a.), bereits vor dem Propheten (s.a.w.) in Medina eingetroffen war. Der Prophet (s.a.w.) sandte Zaid ibn Hāritha (r.a.) und seinen Diener Rāfiʿ nach Mekka. Abū Bakr (r.a.) seinerseits sandte einen Mann.

ʿAbdullāh, der Sohn Abū Bakrs (r.a.), machte sich mit seiner Mutter, seinen beiden Schwestern Asmāʾ und ʿĀʾischa sowie einigen Frauen der Familie auf den Weg nach Medina. Asmāʾ (r.a.) stand damals kurz vor der Entbindung. Nachdem sie das Dorf Qubāʾ bei Medina erreicht hatten, wurde das ungeborene Kind ʿAbdullāh geboren. [at-Tabāqāt, 8/123; Usud al-Ghāba, 5/392]

Asmāʾs (r.a.) Überlieferung hierzu lautet folgendermaßen:

„Damals war ich hochschwanger. In diesem Zustand erreichte ich Medina und ließ mich in Qubāʾ nieder. Danach gebar ich ʿAbdullāh. Ich nahm ihn mit und legte ihn in den Schoß des Gesandten Allahs (s.a.w.). Er ließ eine Dattel bringen, kaute sie und gab seinen Speichel in seinen Mund. So war nach seiner Geburt der Speichel des Gesandten Allahs (s.a.w.) das Erste, was in seinen Magen gelangte.

Der Gesandte (s.a.w.) sprach außerdem ein Bittgebet für sein Wohlergehen und seinen Segen. [Sahīh al-Buchārī, 1/555] Er war das erste Kind, das im Hause der Auswanderer von Medina geboren wurde. Da kein Ehepaar unter den Auswanderern Medinas ein Kind bekam, sagten die Leute, die Juden hätten sie verzaubert und deshalb würden sie keine Kinder bekommen. Als ʿAbdullāh zur Welt kam und damit den Feinden zum Trotz erschien, brach unter den Auswanderern eine Welle der Freude aus. Mit Takbīr-Rufen widersprachen sie der üblen Propaganda der Juden. [Sahīh al-Buchārī, Hadith Nr. 3909, 5467; at-Tabarī, Tārīkh al-Umam wa-l-Mulūk, 2.10; Als später Hadhrat ʿAbdullāh (r.a.) durch die Truppen al-Haddschādschs den Märtyrertod erlitt, stießen die Bewohner von asch-Schām beim Hören dieser Nachricht voller Freude Takbīr-Rufe aus. Der berühmte Gefährte Hadhrat ʿAbdullāh ibn ʿUmar (r.a.) hörte diese Takbīr-Rufe und fragte: „Weshalb wird der Takbīr ausgerufen?“ Man antwortete: „Die Bewohner von asch-Schām rufen voller Freude den Takbīr, weil sie von der Tötung ʿAbdullāhs (r.a.) gehört haben.“ Er sagte: „Jene, die beim Hören von seiner Geburt den Takbīr ausriefen, sind besser als diese, die heute beim Hören von seinem Tod den Takbīr ausrufen.“ (al-ʿIqd al-Farīd, 4/419; Wafayāt al-Aʿyān, 3/73, 75)] Der Gesandte (s.a.w.) wies den Großvater mütterlicherseits des Kindes, Abū Bakr (r.a.), an, ihm in beide Ohren den Adhān zu sprechen. Er tat dies. Der Gesandte (s.a.w.) gab dem Kind den Namen ʿAbdullāh und verlieh ihm als Kunya beziehungsweise Rufnamen den Namen seines Großvaters: Abū Bakr. Später sagte Hadhrat ʿAbdullāh ibn az-Zubair (r.a.) mit einigem Stolz:(Arabisch******) „Ich habe die Auswanderung vollzogen, während ich noch im Bauch meiner Mutter war.“ Er sagte außerdem: „Meine Mutter wanderte mit mir in ihrem Bauch aus. All die Mühsal und den Hunger, die sie ertragen musste, habe auch ich ertragen.“ [al-Isāba, 5/229; Nasab Quraisch, 237]

Hadhrat Asmāʾ (r.a.) zog dieses Kind, ʿAbdullāh, mit grenzenloser Liebe und Zuneigung auf, damit er später zu einem der besten Söhne des Islams werden möge. Der Traum von Asmāʾ (r.a.) ist wahr geworden. In die Reihe jener Menschen, die ihr Leben für die Verwirklichung von Wahrheit und Schönheit auf dieser Welt hingaben, konnte auch dieses Kind von Asmāʾ (r.a.) seinen Namen eintragen. Sie wiegte das Kind auf ihrem Arm und rezitierte Gedichtzeilen, in denen sie es mit einem weißen, strahlenden Schwert verglich. Einige Zeilen dieses Gedichts lauten wie folgt: [Anbāʾ Nujabāʾ al-Abnāʾ, 85; Aʿlām an-Nisāʾ, 1/49; Banāt as-Sahāba, 55]

(Arabisch*******)

Zwischen seinem Vater, dem Hawārī des Gesandten Allahs (s.a.w.), und seinem Großvater Abū Bakr as-Siddīq wird er so weiß und leuchtend sein wie ein scharfes, glänzendes Schwert.

Das ist meine Vorstellung von ihm. Und viele Vorstellungen werden Wirklichkeit. Allah ist der Besitzer von Würde und derjenige, der Macht verleiht.

Er wird ihn in Redekunst und Beredsamkeit so geschickt machen, dass er selbst die großen Redner sprachlos machen und die Nöte der Hilflosen und Unfähigen beseitigen wird. Wenn neben den Pupillen Augenbrauen wachsen und die Pferde einzeln und in Gruppen dahinjagen.“

Aus der Ehe von Ḥaḍrat az-Zubayr ibn al-ʿAwwām (r.a.) und Asmāʾ gingen folgende Kinder hervor: die Söhne ʿAbdullāh, al-Mundhir, ʿUrwa, ʿĀṣī und al-Muhādschir sowie die Töchter Chadīǧat al-Kubrā, Umm al-Ḥasan und ʿĀʾischa. [Ḥilyat al-Awliyāʾ 2/255]

Fester Glaube

Nachdem sie das islamische Leben angenommen hatte, wurde ihr Glaube in ihrem Herzen so fest verwurzelt, dass sie nicht im Geringsten mit Schirk und Kufr nachsichtig war. Sie brach sogar den Kontakt zu ihren engsten nichtmuslimischen Angehörigen ab, weil sie befürchtete, dies könne Allah und seinem Gesandten (s.a.w.) missfallen. Als der Vater von Asmāʾ (r.a.) ihre Mutter verstieß, brach ihre Beziehung bereits in jener Zeit der Jāhilīya ab. Asmāʾs gesamte Familie wurde zu einer islamischen Familie. Eines Tages kam Asmāʾs (r.a.) Mutter, um ihre Tochter zu besuchen. Da fragte Asmāʾ den Gesandten Allahs (s.a.w.), ob sie zu ihrer muschrikischen Mutter eine gute Beziehung aufrechterhalten dürfe. Daraufhin wurde dieser Vers offenbart: [Sura al-Mumtaḥina 8](Arabisch********)

Daraufhin wies der Gesandte (s.a.w.) sie an, ihre muschrikische Mutter gut zu behandeln, und sagte: „Ja, pflege eine gute Beziehung zu deiner Mutter.“ [Tafsīr al-Qurṭubī 10/239; Musnad Aḥmad 6/344, 347, 355] ʿĀmir ibn ʿAbdullāh überlieferte von seinem Vater ʿAbdullāh ibn az-Zubayr (r.a.): Einst kam Qutaila bint ʿAbd al-ʿUzzā mit einigen Geschenken wie Rosinen, Butterschmalz und Käse zum Haus ihrer Tochter Asmāʾ. Asmāʾ (r.a.) weigerte sich, diese anzunehmen. Sie ließ sie nicht einmal das Haus betreten. ʿĀʾischa (r.a.) informierte den Gesandten (s.a.w.) darüber und fragte ihn nach seiner Meinung. Daraufhin wurde der oben erwähnte Vers aus der Sura al-Mumtaḥina offenbart. Da nahm Asmāʾ (r.a.) ihre Mutter freundlich auf, ließ sie ins Haus kommen und setzte sie dort hin; auch nahm sie ihre Geschenke an. [Musnad Aḥmad 6/344; ad-Durr al-Manthūr 8/131]

Hadhrat Asma (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) war ein äußerst bescheidener und anspruchsloser Mensch. Sie scheute sich nicht, alle Arbeiten im Haushalt eigenhändig zu erledigen. Hadhrat Asma (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) selbst erzählte uns auf folgende Weise von der finanziellen Not und Bedürftigkeit im Haushalt ihres Ehemannes Hadhrat az-Zubair (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) sowie davon, wie sie alle Pflichten und Verantwortlichkeiten dieses Haushalts eigenhändig erfüllte:

Als ich ʿUmar ibn al-ʿAwwām heiratete, besaß er keinerlei Vermögen. Auch hatte er keinen Sklaven, der körperliche Arbeiten verrichten konnte. Er war ein äußerst armer und bedürftiger Mann. Sein einziger Besitz waren ein Pferd und ein Kamel. Ich selbst kümmerte mich um sie. In einer Entfernung von drei Farsach vom Zentrum Medinas hatte der ehrwürdige Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) az-Zubair ein Stück Dattelgarten geschenkt. Von dort sammelte ich die Dattelkerne auf, füllte sie in einen Beutel, trug ihn auf dem Kopf nach Hause und zermahlte sie anschließend eigenhändig, um Kamel und Pferd damit zu füttern. Ich schöpfte Wasser mit einem Eimer aus dem Brunnen, füllte es in einen Wasserschlauch und brachte es nach Hause. Außerdem verrichtete ich alle Arbeiten im Haushalt eigenhändig. Da ich kein gutes Brot backen konnte, knetete ich das Mehl und ließ es zu Klumpen geformt liegen. Neben unserem Haus wohnten die Frauen der Ansar. Sie waren äußerst schlicht und gutmütig. Sie liebten uns sehr und freuten sich ungemein, wenn sie anderen helfen konnten. Sie bereiteten mein Brot zu und buken es für mich. Jeden Tag musste ich mich all diesen Realitäten stellen.

Eines Tages, wie gewöhnlich, kehrte ich mit einer Last Dattelkerne aus dem Garten nach Hause zurück, als ich unterwegs dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) begegnete. Bei ihm waren damals noch einige Gefährten. Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ließ sein Kamel niederknien und forderte mich auf, hinter ihm aufzusteigen. Im Hinblick auf die Ehre und den Rang meines Ehemannes az-Zubair schämte ich mich jedoch. Als er meine Scham bemerkte, ging er weiter. Zu Hause erzählte ich az-Zubair davon. Er bemerkte: „Bei Allah, dass du eine solche Last auf dem Kopf nach Hause trägst, ist für mich schmerzhafter, als wenn du hinter dem Gesandten auf dem Rücken seines Reittiers sitzen würdest.“ Einige Zeit nach diesem Ereignis schickte mein Vater Abu Bakr (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) mir einen Sklaven. Dadurch wurde ich von der Betreuung des Pferdes befreit und erlangte zumindest teilweise Erleichterung von all diesen Mühen. [at-Tabaqat 8/250; Siyar aʿlam an-nubala 2/290; Musnad Ahmad 6/352]

Wegen Armut und finanzieller Not war sie bei der Bestreitung der Haushaltsausgaben äußerst sparsam. Sie gab alles genau nach Bedarf und wohlabgemessen aus. Als der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) davon erfuhr, untersagte er ihr, auf diese Weise so abgemessen auszugeben. Er sagte: „Gib nicht so abgemessen aus. Sonst wird Allah dir genau diese Menge geben.“ Danach gab sie diese Gewohnheit auf.

In einer Phase ihres Lebens wurde Hadhrat Asma (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) Besitzerin großen Vermögens. Dieser Überfluss konnte jedoch keinerlei Einfluss auf ihre schlichte und schmucklose Lebensweise nehmen. Bis an ihr Lebensende trug sie grobe Kleidung, sättigte sich mit trockenem Brot und führte ein völlig genussfeindliches Leben. Als ihr Sohn al-Mundhir nach der Eroberung des Irak nach Hause zurückkehrte, brachte er einige hochwertige, dünne, weiche und gemusterte Frauenkleider mit und übergab sie seiner Mutter. Aufgrund ihres Alters hatte Hadhrat Asma (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) damals ihr Augenlicht verloren. Daher strich sie mit den Händen über die Stoffe, um ihre Qualität zu erkennen. Als sie merkte, dass sie von außergewöhnlich guter Qualität waren, weigerte sie sich, sie anzunehmen. Als al-Mundhir grobe Kleidung brachte, nahm sie diese an und freute sich. Dann sagte sie: „Mein Sohn, gib mir nur grobe Kleidung zum Anziehen.“ [at-Tabaqat 8/250]

Freigebigkeit

Zu den herausragenden Eigenschaften von Hadhrat Asma (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) gehörte ihre Freigebigkeit. Diese Eigenschaft erwarb sie durch ihren festen Glauben an Allah und durch ihre familiäre Tradition. Die drei Töchter ihres Vaters Abu Bakr (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) – Asma, ʿAischa und Umm Kulthum (Allahs Wohlgefallen sei auf ihnen) – verkörperten seine Eigenschaft der Freigebigkeit vollständig. Diese Tugend entfaltete sich in ihrem Wesen in vollem Maße. Zu ihrer Zeit wurden sie in dieser Hinsicht sogar zu Vorbildern. Hadhrat ʿAbdullah ibn az-Zubair (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) berichtet folgendermaßen über die Freigebigkeit seiner Mutter und seiner Tante: [Tarikh al-Islam wa tabaqat al-mashahir wal-aʿlam 3/135; Siyar aʿlam an-nubala 2/292](Arabisch********)

„Ich habe keine Frau gesehen, die freigebiger gewesen wäre als meine Mutter Asma und meine Tante ʿAischa (Allahs Wohlgefallen sei auf ihnen). Ihre Art der Freigebigkeit unterschied sich jedoch etwas voneinander. Meine Tante ʿAischa pflegte zunächst verschiedene Dinge zu sammeln. Wenn sie sah, dass sich eine ausreichende Menge angesammelt hatte, verteilte sie eines Tages plötzlich alles. Meine Mutter Asma (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) hingegen war anders. Sie bewahrte nichts bis zum nächsten Tag bei sich auf.“

Wahrscheinlich folgte Asma (r.a.) in dieser Freigebigkeit dem Rat des Gesandten Allahs (s.a.w.) an sie. Er verbot Asma, etwas zurückzuhalten und ihre Ausgaben genau abzuzählen, und sagte: „Wenn du dies tust, wird Allah dir gegenüber ebenso verfahren. Die Quellen deines Lebensunterhalts werden versiegen.“ Der Gesandte (s.a.w.) sagte: [Sahih al-Buchari, al-Hiba (2590, 2591), az-Zakat (1433, 1434)](Arabisch*******)

„O Asma! Zähle nicht nach, sonst wird Allah dir gegenüber bei den Spenden ebenfalls abrechnen.“

Asma (r.a.) sagte: Seit dem Rat des Gesandten Allahs (s.a.w.) habe ich nicht mehr nachgerechnet, was ich ausgegeben habe und was mir zugekommen ist. Was auch immer ich ausgegeben habe, Allah hat es mir ersetzt.[Tarich Madinat Dimashq (Taradschim an-Nisa) – 19; Nisa min Asr an-Nubuwwa – 357]

Sie pflegte ihre Söhne und Töchter mit den Worten zu ermahnen: „Vermögen ist dazu bestimmt, anderen zu helfen und ihnen Gutes zu tun, nicht dazu, es anzuhäufen. Wenn du dein Vermögen nicht für die Diener Allahs ausgibst und geizig bist, wird Allah dich ebenfalls von Seiner Gnade ausschließen. Was immer du spendest oder ausgibst, wird in Wahrheit dein Vorrat sein; dieser Vorrat wird niemals weniger werden oder verloren gehen.“[Tarich Madinat Dimashq – 16; Tabaqat – 8/357]

Wenn Asma (r.a.) einmal krank wurde, pflegte sie alle Sklaven, die sich in ihrem Besitz befanden, freizulassen.[Tabaqat – 8/283] Die Mutter der Gläubigen, Aischa (r.a.), hinterließ bei ihrem Tod ein Stück Land, das Asma (r.a.) als Erbe erhielt. Sie verkaufte dieses Land für einhunderttausend Dirham und verteilte den gesamten Betrag unter ihren Verwandten und Angehörigen.[Sahih al-Buchari, Kapitel: Die Schenkung eines Einzelnen an eine Gemeinschaft]

Asmas (r.a.) Ehemann, Zubair (r.a.), war ein ziemlich rauer Mensch. Deshalb fragte Asma (r.a.) den Gesandten (s.a.w.) einmal: „Darf ich aus dem Vermögen meines Mannes ohne seine Erlaubnis den Armen und Bedürftigen etwas spenden?“ Er sagte: „Ja, das darfst du.“[Musnad – 6/353]

Einmal kam Asmas (r.a.) Mutter in Medina zu ihr und bat um finanzielle Unterstützung. Wie es ihre Gewohnheit war, eilte sie zum Gesandten (s.a.w.) und fragte: „Meine Mutter ist eine Muschrik (Götzendienerin) und bittet mich um finanzielle Hilfe. Darf ich ihr helfen?“ Der Gesandte (s.a.w.) sagte: „Sie ist deine Mutter.“[Sahabiyyat – 160] Das bedeutet: Du darfst ihr helfen. Muhammad ibn al-Munkadir (gest. 130 n. H.), ein bedeutender Tabi’i, sagte: „Asma war eine freigebige und großzügige Frau.“[Tabaqat – 8/353]

Missverständnisse mit der Schwiegermutter

Die Schwiegermutter von Hazrat Asma (r.a.) war Safiyya bint ʿAbd al-Muttalib (r.a.), die Tante väterlicherseits des Gesandten Allahs (s.a.w.). Sie war eine der bedeutendsten Dichterinnen und erlangte im islamischen Leben auch Berühmtheit für ihren Mut und ihre Tapferkeit. Ihrem Wesen haftete jedoch eine gewisse Rauheit an. Wenn sie zornig wurde, überschritt ihr Zorn leicht jedes Maß. Aus diesen Gründen kam es zwischen ihr und ihrer Schwiegertochter Asma (r.a.) häufig zu Missverständnissen. Dies führte auch zu Spannungen und gegenseitigen Verstimmungen zwischen der Mutter und ihrem Sohn. Einen solchen Vorfall überliefert Ibn ʿAsakir über die Überlieferungskette von ʿUrwa ibn az-Zubayr. Einmal kam es zwischen Safiyya und ihrem Sohn az-Zubayr wegen einer Angelegenheit, die Asma betraf, zu heftigen Worten. Khadija, die kleine Tochter von Asma und az-Zubayr, hielt sich stets bei ihrer Großmutter auf. Sie hörte, was ihr Vater und ihre Großmutter sagten, ging zu ihrer Mutter und sagte: „Mutter, warum hast du Großmutter ausgeschimpft? Sie hat sich bei Vater über dich beschwert.“ Die Sache wurde bekannt. Safiyya war über ihren Sohn außerordentlich verärgert, weil sie dachte, er habe ihre Worte seiner Frau weitererzählt. Deshalb tadelte sie ihn. Az-Zubayr (r.a.) sagte zu seiner Mutter: „Mutter, ich habe es ihr nicht gesagt.“ Daraufhin wurde seine Mutter noch zorniger. Sie dachte, ihr Sohn verberge die Wahrheit vor ihr. Tatsächlich wusste auch az-Zubayr nicht, von wem Asma die Angelegenheit erfahren hatte. In ihrem Zorn richtete Safiyya (r.a.) daraufhin mehrere tadelnde Verse an ihren Sohn. Schließlich klärte sich die Sache auf. Az-Zubayr (r.a.) sagte: „Mutter, Khadija hat es Asma gesagt.“ Safiyya sagte: „Wirklich? Dann soll sie nie wieder mein Haus betreten.“ [Tarikh Madinat Dimashq (Tarajim an-Nisaʾ), S. 17–18.] Es sei angemerkt, dass Hazrat Safiyya (r.a.) die Kinder von Asma und az-Zubayr (r.a.) sehr liebte. ʿAbdullah ibn az-Zubayr nahm sie sogar auf den Arm, wiegte ihn und rezitierte ihm melodisch Gedichtzeilen. [Banat as-Sahaba, S. 62, Anm. 1]

Gottesfurcht und Wissen

So wie das Aufopfern von allem auf Allahs Weg, Freigebigkeit und vorzügliche Charaktereigenschaften ihren Charakter verschönerten, so machten Wissen, Gottesfurcht, Klugheit und ihre besondere Gelehrsamkeit in der islamischen Rechtswissenschaft ihre Persönlichkeit noch erhabener. Bei der Überlieferung von Hadithen des Gesandten Allahs (s.a.w.), bei der Teilnahme am Dschihad und bei ähnlichen Tätigkeiten ist eine gleichberechtigte Beteiligung mit ihm festzustellen. Sie widmete sich dem Gottesdienst in Demut und Bescheidenheit und rezitierte den Qurʾan mit voller Konzentration. Wenn sie einen bestimmten Vers rezitierte, wiederholte sie ihn mit bewegtem Herzen immer wieder. Ihr Ehemann berichtete: Eines Tages betrat ich Asmas (r.a.) Zimmer und sah, dass sie im Gebet stand und diesen Vers aussprach [Sure at-Tur, 27](Arabisch*****)

„Danach hat Allah uns Gnade erwiesen und uns vor der Strafe des Feuers bewahrt.“

Er rezitierte es. Dann blies er und sprach: „Ich suche Zuflucht bei Allah.“ Ich blieb stehen, doch er weinte und rezitierte weiterhin: „Ich suche Zuflucht bei Allah.“ Nachdem ich lange Zeit dort gestanden hatte, ging ich zum Markt. Als ich meine Arbeit erledigt hatte und dorthin zurückkehrte, sah ich, dass er immer noch weinte und „Ich suche Zuflucht bei Allah“ rezitierte. [Hilyat al-Awliyāʾ 2/55; ad-Durr al-Manṯūr 7/635]

Ibn al-Dschauzi (r.a.) erwähnte, dass zu jener Zeit eine Gruppe von Qurʾan-Rezitatoren und -Zuhörern auftrat, die sich beim Rezitieren oder Anhören des Qurʾans auf ungewöhnliche Weise verhielt. Dazu gehörten etwa das In-Ohnmacht-Fallen, das Zerreißen der eigenen Kleidung durch Ziehen daran sowie das Schlagen und Ohrfeigen des Kopfes und Gesichts und Ähnliches. Sie waren der Ansicht, dass sie dadurch Allahs Schutz und Zuflucht suchten. Außerdem glaubten sie, dass die Gefährten des Gesandten Allahs (s.a.w.), die das reinste Herz und die vorzüglichsten Werke besaßen, sich ebenso verhalten hätten und dass sie lediglich deren Beispiel folgten. [Al-Qussām wa-l-Mudhak kirīn, S. 40] Der berühmte Hadith-Gelehrte aus Kufa, Husayn ibn ʿAbd ar-Rahman as-Sulamī (gest. 136 n.H.), sagte: Einmal fragte ich Asma bint Abī Bakr (r.a.): „Was taten die Gefährten des Gesandten Allahs (s.a.w.) während der Qurʾan-Rezitation?“ Sie antwortete: „Allah hat sie so beschrieben, dass ihre Augen von Tränen überströmen und ihre Haut erschauert.“ Ich sagte: „Hier gibt es Menschen, die in Ohnmacht fallen, wenn der Qurʾan in ihrer Gegenwart rezitiert wird.“ Hadhrat Asma (r.a.) sagte: „(Arabisch******)

Ich suche Zuflucht bei Allah vor dem verfluchten Satan.“ [Al-Bahr al-Muhīt 9/196; Tarīkh madīnat Dimashq (Tarādschim an-nisāʾ 20)]

Im Grunde verwies Hadhrat Asma (r.a.) auf zwei Verse des Qurʾans, in denen der Zustand der edlen Gefährten während der Qurʾan-Rezitation geschildert wird. Diese beiden Verse lauten: [Sure al-Māʾida 5:83] (Arabisch******)

„Wenn sie hören, was zum Gesandten herabgesandt wurde, wirst du sehen, wie ihre Augen von Tränen überströmen, weil sie die Wahrheit erkennen.“

(Arabisch*****************)

„Allah hat das beste Wort herabgesandt: ein Buch, das in sich wohlgefügt ist und wiederholt vorgetragen wird. Davon erschauern diejenigen, die ihren Herrn fürchten; danach werden ihre Körper und Herzen sanft und neigen sich der Erwähnung Allahs zu.“ [Sure az-Zumar 23]

Die frommsten und tugendhaftesten Menschen dieser Umma waren die edlen Sahāba (ra). Sie erlangten das richtige Wissen über den Islam unmittelbar vom ehrwürdigen Gesandten Allahs (sa). Daher ist es keineswegs zulässig, im Namen der Anbetung etwas zu tun, was sie nicht getan haben. Genau das wollte Hadrat Asma (ra) durch das Sprechen von „Aʿūdhu billāh“ verdeutlichen. Sie wollte außerdem deutlich machen, dass das, was jene Leute tun, im Grunde das Werk des Satans ist. Aufrichtigkeit und Hingabe lagen im Wesen Hadrat Asmas (ra). Für die gesamte Menschheit empfand sie Mitgefühl. Einmal verrichtete der ehrwürdige Gesandte Allahs (sa) das Gebet anlässlich einer Sonnenfinsternis. Das Gebet dauerte sehr lange. Asma (ra) bekam Angst und blickte erschöpft um sich. Plötzlich fiel ihr Blick auf zwei Frauen, die in ihrer Nähe standen. Eine der beiden war etwas beleibt, die andere eher zierlich und schwach. Als sie sah, dass die beiden im Gebet standen, schöpfte sie Mut und Kraft. Sie änderte ihren Entschluss, den Platz zu verlassen, und sagte sich innerlich: „Ich sollte länger stehen als sie.“ [Musnad Ahmad 3/349] Wie sie es sich vorgenommen hatte, so tat sie es auch. Sie blieb bis zum Ende des Gebets unbeweglich stehen. Das Gebet dauerte mehrere Stunden. Sie blieb standhaft stehen, konnte sich jedoch schließlich nicht mehr halten. Sie war nahe daran, das Bewusstsein zu verlieren, und man musste ihr Wasser auf den Kopf spritzen. [Sahih al-Buchari 1/144]

Hadrat Asma (ra) war in jener Zeit eine Quelle vielfältigen Wissens. Sie war auch eine versierte Traumdeuterin. Al-Waqidi sagte: [Tahdhib al-Asma wa-l-Lughat 2/598]

(Arabisch***************)

„Saʿid ibn al-Musayyib (rah) war einer der bedeutendsten Traumdeuter. Dieses Wissen erlangte er von Asma bint Abi Bakr. Und Asma erlangte es von ihrem Vater Abu Bakr (ra).“

Hadrat Asma (ra) hatte viele Verehrer und Anhänger. Voller Verehrung und Hochachtung kamen sie, um sie zu besuchen. Ihre lautere Reinheit war weithin bekannt. Die Menschen kamen, um ihren Bittgebet zu erbitten. Besonders in Zeiten von Not und Unglück kamen sie, damit sie für sie betete. Wenn einmal eine an Fieber erkrankte Frau zu ihr kam, spritzte sie Wasser auf deren Brust und sagte: „Der Gesandte (sa) hat gesagt: Fieber ist das Feuer der Hölle; kühlt es daher mit Wasser.“ [Sahih Muslim, Kitab as-Salam 2211; Buchari, Kitab at-Tibb 5724]

Umm al-Mu’minin Hazrat Aischa (r.a.) hinterließ Hazrat Asma (r.a.) beim Tod einen Umhang des ehrenwerten Gesandten Allahs (s.a.w.s.). Wenn jemand aus Asmas (r.a.) Haushalt krank wurde, ließ sie ihn Wasser trinken, in dem dieser Umhang gewaschen worden war. [Muslim, Kitab al-Libas wa-z-Zina (2069); Tabaqat 1/454; Musnad 6/348]

Hazrat Asma (r.a.) vollzog mehrmals die Hadsch. Zum ersten Mal vollzog sie sie gemeinsam mit dem ehrenwerten Gesandten Allahs (s.a.w.s.).

Das Auswendiglernen und Überliefern von Hadithen

Hazrat Asma (r.a.) übertraf bei der Bewahrung und Überlieferung der Hadithe des ehrenwerten Gesandten Allahs (s.a.w.s.) viele Töchter der edlen Gefährten (r.a.). Unter den Frauen der Familie Abu Bakrs (r.a.) nahm sie jedoch den zweiten Rang ein. In dieser Hinsicht übertraf Hazrat Aischa (r.a.) sie. Diejenigen männlichen oder weiblichen Gefährten, von denen weniger als hundert Hadithe überliefert wurden, werden „Ashabul Aschara“ genannt.

[Zu den weiblichen Gefährtinnen, die zu den „Ashabul Aschara“ gezählt werden, gehören unter anderem:

1. Asma bint Yazid (r.a.). Zahl der überlieferten Hadithe: 81

2. Maymuna bint al-Harith, Umm al-Mu’minin (r.a.). Zahl der überlieferten Hadithe: 76

3. Umm Habiba, Umm al-Mu’minin (r.a.). Zahl der überlieferten Hadithe: 60

4. Asmāʾ bint ʿUmais (r.a.). Anzahl der überlieferten Hadithe: 65

5. Asmāʾ bint Abī Bakr (r.a.). Anzahl der überlieferten Hadithe: 58

6. Umm Hānī bint Abī Tālib (r.a.). Anzahl der überlieferten Hadithe: 46

7. Fāṭima bint Qais (r.a.). Anzahl der überlieferten Hadithe: 34

8/ Umm al-Faḍl bint al-Ḥārith (r.a.). Anzahl der überlieferten Hadithe: 30

9. Umm Qais bint Miḥṣan (r.a.). Anzahl der überlieferten Hadithe: 24

10. ar-Rubaiyiʿ bint Muʿāwiḏ (r.a.). Anzahl der überlieferten Hadithe: 21

(Banāt as-Saḥāba-Pr, 65; Anmerkung 1]

Auch ihr Ehemann Zubayr (r.a.) gehörte zu dieser Gruppe von Überlieferern. Sie überlieferte jedoch zwanzig Hadithe mehr als ihr Ehemann. Während sie 58 – einer anderen Auffassung zufolge 56 – Hadithe überlieferte, beträgt die Zahl der von ihrem Ehemann überlieferten Hadithe 38.

Die von Hadhrat Asma überlieferten Hadithe wurden in verschiedenen Werken der Sunan und Musnad-Sammlungen, einschließlich der Sahihayn, zusammengetragen. Vierzehn Hadithe wurden in Sahih al-Bukhari und Sahih Muslim aufgenommen. Darüber hinaus überlieferte al-Bukhari vier Hadithe allein und Muslim ebenfalls vier Hadithe allein.[Aʿlam an-Nisaʾ 1/49; al-Isaba 4/230; Banat as-Sahaba 65, 66]

Zu den besonders erwähnenswerten Personen, die von Hadhrat Asma (r.a.) Hadithe überlieferten, gehören: ihre beiden Söhne Abdullah und Urwa, ihr Enkel Abdullah ibn Urwa, ihr freigelassener Sklave Abdullah ibn Qaysan, Ibn Abbas, Muhammad ibn al-Munkadir, Wahab ibn Qaysan und viele andere. Unter den Frauen waren es: Fatima bint Shayba, Umm Kulthum, die Mawla der al-Hajaba, und viele andere.[Siyar Aʿlam an-Nubala 2/292; Tahdhib al-Asmaʾ wa-l-Lughat 2/597; Tahdhib at-Tahdhib 10/451]

Hadhrat Asma (r.a.) besaß auch dichterisches Talent. Außerdem war sie eine redegewandte Frau. Die von ihr verfassten Trauergedichte nach dem Märtyrertod ihres Ehemanns Zubayr (r.a.) und ihres Sohnes Abdullah (r.a.) finden sich in verschiedenen Werken.[Aʿlam an-Nisaʾ 1/49]

Scheidung

In verschiedenen Sira-Werken wird kurz erwähnt, dass Hadhrat Zubayr (r.a.) Hadhrat Asma (r.a.) geschieden habe. In keinem Werk wird jedoch ein Grund dafür genannt. Ibn al-Athir nannte allerdings zwei mögliche Gründe. Der erste war, dass Hadhrat Asma (r.a.) das hohe Alter erreicht hatte und ihr aufgrund ihres Alters auch das Augenlicht zu schwinden begonnen hatte.[Usud al-Ghaba 5/393;] Deshalb habe Hadhrat Zubayr (r.a.) sie von sich fernhalten wollen. Der zweite Grund war, dass sich – aus welchem Anlass auch immer – Bitterkeit in der Beziehung der beiden entwickelt habe. Dies habe schließlich das Ausmaß einer Scheidung, also einer Trennung, erreicht. Der erste Grund ist keineswegs plausibel. Kann man sich angesichts der Stellung von Hadhrat Zubayr (r.a.) vorstellen, dass er seine Frau, die Mutter vieler Kinder, wegen ihres hohen Alters verlassen hätte? Und das auch noch, als sie erblindet war? Der zweite angeführte Grund ist hingegen durchaus nachvollziehbar. Aus diesem Grund wäre eine Scheidung möglich gewesen. Hadhrat Zubayr (r.a.) war von eher rauer und harter Wesensart. Dadurch verschlechterte sich die gegenseitige Beziehung, bis es schließlich zur Trennung kam. Eine weitere Überlieferung von Ibn al-Athir bestätigt dies. Einmal geriet Hadhrat Zubayr (r.a.) wegen einer Äußerung in heftigen Zorn über seine Frau, Hadhrat Asma (r.a.). Die Angelegenheit eskalierte sogar bis zu Handgreiflichkeiten. Asma (r.a.) rief ihren Sohn Abdullah (r.a.) zu Hilfe. Als Zubayr (r.a.) ihn kommen sah, sagte er: „Wenn du hierherkommst, scheide ich deine Mutter.“ Abdullah (r.a.) sagte: „Haben Sie meine Mutter zum Gegenstand Ihres Eides gemacht?“ Dann befreite er seine Mutter gewaltsam aus der Hand seines Vaters. Daraufhin trennte sich Asma von ihm.[Siyar Aʿlam an-Nubala 2/292; Tarikh al-Islam wa-Tabaqat al-Mashahir wa-l-Aʿlam 3/134] Nimm Hisham ibn Urwa zu dir.[Tabaqat 8/253; Usud al-Ghaba 5/393] Wie dem auch sei, nach der Scheidung ging Asma (r.a.) zu ihrem Sohn Abdullah (r.a.) und blieb fortan bei ihm. Hadhrat Abdullah (r.a.) diente seiner Mutter bis zu seinem Tod als gehorsamer und folgsamer Sohn. Die Zufriedenheit seiner Mutter war das einzige Ziel seines Lebens.

Aus weiteren Überlieferungen ist bekannt, dass Hadhrat Zubayr (r.a.) Hadhrat Asma (r.a.) gegenüber hart auftrat. So ging Asma (r.a.) eines Tages zu ihrem Vater Abu Bakr (r.a.) und beklagte sich bei ihm über Zubayrs (r.a.) harte Behandlung. Nachdem Abu Bakr (r.a.) Asmas (r.a.) Worte angehört hatte, lobte er zunächst Zubayr (r.a.) und bezeugte seine Befähigung in verschiedenen Angelegenheiten. Dann gab er ihr folgenden Rat: „Meine Tochter, sei geduldig. Wenn eine Frau einen rechtschaffenen Ehemann hat, der vor ihr stirbt, und sie danach nicht wieder heiratet, werden sie im Paradies wieder vereint sein.“[Aʿlam an-Nisaʾ 2/48; Banat as-Sahaba 59]

Tapferkeit und Mut sowie Geduld und Standhaftigkeit

Seit frühester Zeit gehören Tapferkeit und Mut zu den besonderen Eigenschaften und Tugenden der Araber. Daher erlangte Hazrat Asma (r.a.) nicht nur als freigebige Frau Berühmtheit, sondern wurde auch als mutige Heldin bekannt. Als sich während der Zeit von Sa’id ibn al-As (r.a.) die öffentliche Ordnung in Medina verschlechterte und sich in der Stadt weitgehend Anarchie ausbreitete, schlief Hazrat Asma (r.a.) mit einem scharfen Dolch unter ihrem Kopfkissen. Als man sie nach dem Grund dafür fragte, sagte sie: „Wenn ein Dieb, Räuber oder Übeltäter ins Haus eindringt und mich angreift, werde ich ihm den Bauch aufschlitzen.“ [Nisa Hawla ar-Rasul, S. 184] Sie war bei az-Zubair (r.a.) und wurde Zeugin der berühmten Schlacht von Jarmuk. [Banat as-Sahaba, S. 69.]

Als ‘Abdullah (r.a.), der Sohn von Hazrat Asma (r.a.), das Erwachsenenalter erreicht hatte, widersetzten sich die Menschen in Hidschas, Ägypten, Irak und Chorasan sowie in weiten Teilen Syriens den umayyadischen Kalifen, anerkannten ihn als Kalifen und leisteten ihm den Treueid (Bai’a). Hazrat Mu’awiya (r.a.), der Begründer des umayyadischen Kalifats, ernannte vor seinem Tod seinen Sohn Yazid zu seinem Nachfolger im Kalifat und begründete damit in der islamischen Geschichte die erste Monarchie. Doch die Bevölkerung in den verschiedenen Gebieten des islamischen Kalifats konnte weder Yazids monarchische Machtübernahme noch seine unislamische Lebensweise akzeptieren. Auch Hazrat ‘Abdullah (r.a.) weigerte sich, Yazid den Treueid zu leisten. Er erklärte Mekka zur Hauptstadt des islamischen Kalifats und ließ sich dort nieder. Von allen Seiten kamen die Menschen in Gruppen und leisteten ihm den Treueid. In den von ihm kontrollierten Gebieten führte er die Regierungsgeschäfte. Als ‘Abd al-Malik ibn Marwan die Verantwortung für das Kalifat übernahm, beschloss sein Wesir al-Hajjaj ibn Yusuf, Hazrat ‘Abdullah (r.a.) entgegenzutreten. Mit einer gewaltigen Streitmacht belagerte er am 1. Dhul-Hiddscha des Jahres 72 nach der Hidschra Mekka. Mekka wurde vollständig von jeder Verbindung zur Außenwelt abgeschnitten. Sechs Monate lang dauerte der Krieg zwischen beiden Seiten ununterbrochen an. Infolge der langen Belagerung wurden die Lebensbedingungen der Menschen in Mekka immer schwieriger. Die Zahl der Unterstützer von Hazrat ‘Abdullah (r.a.) nahm von Tag zu Tag ab. Da sie keine Aussicht auf den Sieg sahen, zogen sie sich nach und nach zurück. Mit einer kleinen Zahl seiner letzten Anhänger bezog er im Haram Scharif der Kaaba Stellung. Kurz vor dem endgültigen Zusammenstoß mit dem umayyadischen Heer ging er hier ein letztes Mal zu seiner Mutter Asma (r.a.). Hazrat Asma (r.a.) war zu jener Zeit von der Last des Alters gezeichnet und blind. Die Geschichte konnte vieles aus dem ereignisreichen Leben von Hazrat Asma (r.a.) nicht bewahren. Doch die scharfe Klugheit, charakterliche Standhaftigkeit, Festigkeit im Glauben, äußerste Opferbereitschaft, sein Vertrauen auf Allah und seine unerschütterliche Treue zur Wahrheit, die sie bei diesem letzten Treffen zwischen Mutter und Sohn zeigte, werden in der Geschichte für immer unvergessen bleiben. Das Gespräch zwischen Mutter und Sohn verlief folgendermaßen:

‘Abdullah: Mutter, as-salamu alaikum wa rahmatullahi wa barakatuhu.

Asma: ‘Abdullah! Wa alaika as-salam. Die Katapulte des Heeres von al-Hajjaj schleudern Steine auf deine im Haram Scharif stationierten Truppen und lassen die Häuser von Mekka erbeben. Was ist der Grund für dein Kommen in diesem äußerst kritischen Augenblick?

‘Abdullah: Ich bin gekommen, um dich um Rat zu fragen.

Asma: Um Rat? In welcher Angelegenheit?

‘Abdullah: Aus Angst vor al-Hajjaj oder durch seine Versprechungen haben mich meine Gefährten in dieser Gefahr im Stich gelassen und sind fortgegangen; sogar meine Kinder und meine Familienangehörigen haben mich verlassen. Jetzt sind nur noch wenige Menschen bei mir. Wie groß ihre Geduld und ihr Mut auch sein mögen, sie werden keinesfalls länger als ein oder zwei Stunden standhalten können. Unterdessen schicken die Umayyaden ein Angebot: Wenn ich Malik ibn Marwan als Kalifen anerkenne, die Waffen niederlege und ihm den Treueid leiste, werden sie mir alles geben, was ich an weltlichem Wohlstand und Vergnügen wünsche. Was rätst du mir in dieser Lage?

Asma (r.a.) sagte mit etwas erhobener Stimme: „Die Angelegenheit liegt ganz bei dir. Und du weißt selbst am besten über deine eigene Lage Bescheid. Wenn du fest davon überzeugt bist, dass du auf der Seite der Wahrheit stehst und die Menschen zur Wahrheit aufrufst, dann bleib ebenso standhaft wie jene, die unter deinem Banner standhaft blieben und den Märtyrertod erlitten. Wenn du jedoch nach den Freuden und dem Wohlstand dieser Welt verlangst, dann bist du der niedrigste aller Menschen. Du richtest dich selbst und deine Leute zugrunde. Kämpfe wie ein Mann und ertrage aus Angst um dein Leben keine Demütigung. Es ist weit besser, in Ehren durch den Hieb eines Schwertes zu sterben, als ein entehrendes Leben zu führen! Ich werde froh sein, wenn du den Märtyrertod erleidest. Wenn du aber nach dieser vergänglichen Welt verlangst, wer wäre dann niedriger als du? Wenn du glaubst, dass du allein zurückgeblieben bist und es außer der Kapitulation keinen anderen Ausweg gibt, dann ist dieses Vorgehen eines ehrenhaften Menschen nicht würdig. Wie lange wirst du noch leben? Stirb mit einem guten und ruhmreichen Namen. Dann werde ich Trost finden.“

ʿAbdullāh: Dann werde ich heute gewiss getötet werden.

Asmāʾ: Es ist besser, im Kampf getötet zu werden, als sich freiwillig al-Haddschādsch zu ergeben und zuzulassen, dass die jungen Männer der Banū Umaiya mit deinem Kopf spielen.

ʿAbdullāh: Mutter, ich fürchte den Tod nicht. Ich fürchte, dass sie mich auf verschiedene Weise bestrafen werden. Sie werden mir Hände und Füße abschlagen, meine Gliedmaßen abtrennen und mich verstümmeln.

Asmāʾ: Mein Sohn! Nach dem Tod gibt es für den Menschen nichts zu fürchten. Eine geschlachtete Ziege empfindet auch keinen Schmerz, wenn man ihr das Fell abzieht.

Als ʿAbdullāh (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) diese Worte seiner Mutter hörte, erstrahlte sein Gesicht noch heller. Er sagte: Meine gesegnete Mutter, möge Ihre erhabene Würde noch mehr gesegnet werden. In diesem entscheidenden Augenblick war ich zu Ihnen gekommen, nur um diese Worte aus Ihrem Mund zu hören. Allah weiß, dass ich keine Angst bekommen und nicht nachgelassen habe. Er ist Zeuge, dass ich nicht aus Gier, Verlangen oder Liebe nach irgendeinem weltlichen Glück, Besitz oder Ansehen kämpfe. Vielmehr kämpfe ich aus tiefem Hass und Abscheu dagegen, das Verbotene für erlaubt zu erklären. Ich gehe nun genau zu der Tat, die Sie gutgeheißen haben. Wenn ich den Märtyrertod erlange, seien Sie nicht traurig um mich und überlassen Sie alles, was Sie haben, Allah.

Asmāʾ: Wenn du wegen einer Lüge und eines Unrechts getötet würdest, wäre ich traurig.

ʿAbdullāh: Mutter, seien Sie überzeugt, dass Ihr Sohn niemals eine ungerechte, obszöne oder unanständige Tat begangen, Allahs Gesetz verletzt, das Vertrauen eines Menschen gebrochen oder einem Muslim oder einem Schutzbefohlenen Unrecht zugefügt hat. Und nichts auf dieser Welt ist ihm lieber als Allahs Wohlgefallen. Damit möchte ich nicht behaupten, rein und sündlos zu sein; denn Allah weiß über mich am besten Bescheid. Dann hob er sein Gesicht zum Himmel und sagte mit äußerster Demut: Mein Gott, Du weißt sehr wohl, dass ich meiner Mutter all dies nur gesagt habe, um sie zu trösten, damit sie beim Anblick meines Zustands nicht traurig wird.

Asmāʾ sagte: –(Arabisch****************)

„Aller Lobpreis gebührt Allah, der dich in dem fest bleiben ließ, was Ihm und mir gefällt.“ Mein Sohn! Ich hoffe, dass meine Geduld in Bezug auf dich eine beispiellose Geduld sein wird. Wenn du vor meinen Augen getötet wirst, wird dies für mich ein Anlass zu Lohn sein. Wenn du siegreich bist, wird dies für mich ein Grund zur Freude sein. Geh nun im Namen Allahs voran. Mein Sohn! Komm noch ein wenig zu mir, damit ich zum letzten Mal den Duft deines Körpers einatme und dich noch einmal berühre. Denn dies ist das letzte Zusammentreffen in diesem irdischen Leben zwischen dir und mir.“

ʿAbdullah (r.a.) beugte sich hinab und bedeckte die Hände und Füße seiner Mutter mit Küssen. Die Mutter wiederum legte Nase und Mund an den Kopf, das Gesicht und die Schultern ihres Sohnes, roch an ihm und küsste ihn; anschließend strich sie mit ihren beiden Händen liebevoll über seinen Körper. Als sie ihn zum Abschied an ihre Brust drücken wollte, stieß sie ihn wieder von sich und sagte dabei: „ʿAbdullah! Was hast du da angezogen?“

– Mutter, das ist doch mein Panzer.

– Mein Sohn, das ist nicht die Kleidung derer, die sich nach dem Märtyrertod sehnen.

– Mutter, ich habe dieses Gewand angezogen, um dich zufriedenzustellen und deinem Herzen Ruhe zu schenken.[Das Lebensbild der Gefährten des Gesandten – 1/211–212]

– Zieh es aus. Für deine Erscheinung, deinen Mut und deinen Angriff ist dies das Angemessene. Außerdem wird es deine Tätigkeit, deine Bewegungen und dein Vorankommen erleichtern. Zieh stattdessen eine lange Pluderhose an. Dann bleibt dein Satr auch dann bedeckt, wenn du zu Boden geworfen wirst.

Auf die Worte seiner Mutter hin zog ʿAbdullah seinen Panzer aus, zog eine Pluderhose an und machte sich mit den Worten in Richtung der Heiligen Moschee auf, um sich dem Kampf anzuschließen: „Mutter, vergiss nicht, für mich Duʿā zu machen – sowohl vor meinem Tod als auch danach.“

– Ich werde niemals vergessen, bei Allah für dich zu beten. Manche kämpfen für das Falsche, doch dein Kampf gilt der Wahrheit. Dann hob sie beide Hände zum Himmel und sprach ein Bittgebet: „O Allah, erweise ihm Barmherzigkeit für seine lange Anbetung und sein lautes Weinen, während er nachts wach blieb, wenn die Menschen in der Dunkelheit der Nacht tief und bewusstlos schliefen. O Allah, erweise ihm Gnade für den Hunger und Durst zur Mittagszeit, während er in Mekka und Medina fastete. O Allah, überschütte ihn mit Barmherzigkeit für seine Güte gegenüber seinen Eltern. O Allah, ich habe ihn Dir anvertraut. Mit jeder Entscheidung, die Du für ihn triffst, bin ich zufrieden. Gewähre mir dafür den Lohn der Geduldigen.“

Die Worte seiner Mutter Hazrat Asma (r.a.) brachten Hazrat ‘Abdullah (r.a.) inneren Frieden. Er zog hinaus, kämpfte mit außerordentlicher Geduld und starb als Märtyrer. Vor seinem Tod sprach er die folgenden zwei Verse: [Hayatus-Sahaba-1/574; Banat as-Sahaba-70] (Arabisch***************)

Meine Mutter Asma! Weine nicht um mich, wenn ich getötet werde. Außer meiner edlen Herkunft und meiner Frömmigkeit ist mir nichts geblieben. Geblieben ist nur ein scharfes Schwert, durch dessen fortwährenden Gebrauch meine rechte Hand schwach geworden ist.“

Noch vor Sonnenuntergang dieses Tages begegnete Hazrat ‘Abdullah (r.a.) seinem erhabenen Herrn. Nach seiner Tötung ließ al-Haddschādsch seinen Leichnam aufhängen. Seine Mutter Asma (r.a.) kam mit einer Dienerin, um den Leichnam ihres Sohnes zu sehen. Sie sah, dass der Leichnam mit dem Kopf nach unten aufgehängt worden war. Sie stellte sich neben ihn und sagte ganz ruhig und entschlossen: „Ist für diesen Reiter des Islam noch immer nicht die Zeit gekommen, vom Rücken des Pferdes abzusteigen?“ Um sie fortzuschaffen und die Menge zu zerstreuen, schickte al-Haddschādsch Leute. Sie weigerte sich zu gehen. Darauf ließ er ihr erneut durch Boten mitteilen, dass man sie, wenn sie nicht sofort komme, an ihren Haaren herbeiziehen werde. Hazrat Asma (r.a.) ließ sich nicht durch die Furcht vor al-Haddschādsch einschüchtern. Seine Drohung beachtete sie überhaupt nicht.

Die Wahrheit auszusprechen, war das leuchtendste Merkmal im Charakter Hazrat Asmas (r.a.). Vor einem mörderischen Tyrannen wie al-Haddschādsch sprach sie mit äußerst kraftvoller Stimme die Wahrheit aus. Ihm von Angesicht zu Angesicht gab sie eine vernichtende Antwort und zerschmetterte seinen Hochmut. Nach dem Märtyrertod Hazrat ‘Abdullahs (r.a.) kam al-Haddschādsch zu Hazrat Asma (r.a.) und sagte: „Dein Sohn hat im Hause Allahs eine religionswidrige Tat begangen und den Atheismus verbreitet. Deshalb ließ Allah ihn eine schwere Strafe kosten.“

Asma (r.a.) erwiderte mit fester Stimme: „Du bist ein Lügner. Mein Sohn war kein Atheist. Er hielt das Sawm ein und war seinen Eltern gegenüber gehorsam und folgsam. Doch ich habe aus dem Mund des edlen Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) gehört, dass im Stamm Thaqif ein lügnerischer Betrüger und ein Tyrann hervorgebracht werden würden. Den Lügner, al-Muchtār ath-Thaqafī, habe ich bereits erlebt. Und der Tyrann bist du – genau der, den ich jetzt vor mir sehe.“ Als al-Haddschādsch diese Worte von Hazrat Asma (r.a.) hörte, geriet er in heftige Erregung und stand von seinem Sitz auf. Doch er verlor den Mut, irgendetwas zu sagen, und blieb schweigend stehen.[Sahih Muslim, Fada’il as-Sahaba, Hadith Nr. 2545; Tabaqat-8/254; Musnad Ahmad-6/351; Siyar A’lam an-Nubala-2/296]

In einer anderen Überlieferung heißt es: Al-Haddschādsch sagte zu Asma (r.a.): „Sag mir, wie habe ich mit ‘Abdullah, dem Feind Allahs, verfahren?“ Asma (r.a.) antwortete: „Du hast sein diesseitiges Leben zerstört, und er hat dein jenseitiges Leben zerstört. Ich habe gehört, dass du ihn spöttisch den Sohn der ‚Besitzerin der beiden Gürtel‘ genannt hast. Bei Allah, ich bin die Besitzerin der beiden Gürtel. Mit dem einen Gürtel band ich die Speise des Gesandten Allahs (r.a.) und Abu Bakrs (r.a.) zusammen. Den anderen Gürtel trage ich noch immer um meine Hüfte.“[Tabaqat-8/254; Tarikh al-Islam wa Tabaqat al-Mashahir wal-A’lam-3/136] Ferner wird überliefert, dass al-Haddschādsch zu Asma (r.a.) kam und sagte: „Mutter, der Befehlshaber der Gläubigen hat mich beauftragt, mich nach deinem Befinden zu erkundigen. Hast du irgendein Anliegen?“ Asma (r.a.) erwiderte äußerst scharf: „Ich bin nicht deine Mutter. Ich bin die Mutter des Mannes, der am Straßenrand am Kreuz aufgehängt wurde. Ich habe kein Anliegen.“[Siyar A’lam an-Nubala-2/294]

Eines Tages nach dem Märtyrertod Hazrat ‘Abdullahs (r.a.) wurde Hazrat ‘Abdullah ibn ‘Umar (r.a.) gesagt: „Asma (r.a.) sitzt in einer Ecke der Moschee.“ Er wandte sich ihr leicht zugeneigt zu und sagte: „Dieser leblose Körper ist nichts. Die Seele ist bereits zu Allah gelangt. Fürchte Allah und übe dich in Geduld.“ Asma (r.a.) sagte: „Was hat mich je daran gehindert?“ Auch der Kopf des Propheten Yahya ibn Zakariya (r.a.) war einer Prostituierten der Kinder Israels zum Geschenk gemacht worden.[Ebenda-2/295; Tahdhib al-Asma’ wal-Lughat-2/330]

Es sei erwähnt, dass Yahya sich dem Vorhaben des Herrschers von Palästina, Herodian, widersetzte, seine Tante Herodias zu heiraten. Denn nach ihrer Religion war die Ehe zwischen Tante und Neffe nicht erlaubt. Doch Herodias’ Tochter und ihre Mutter stimmten zu. Sie stellten Herodian die Bedingung: „Wenn du den Kopf Yahyas abschlägst und ihn auf einem Teller vor mich bringst, wird diese Ehe stattfinden.“ Das tat er. Hazrat Asma (r.a.) spielte auf dieses Ereignis an.[Siyar A’lam an-Nubala-2/295; Anmerkung-1; Qasas al-Anbiya-369]

Während der Leichnam Hadhrat ʿAbdullahs mehrere Tage aufgehängt blieb, pflegte Hadhrat Asma (r.a.) zu Allah zu beten: „O Allah! Lass mich nicht sterben, bevor ich ʿAbdullah gewaschen und seine Einhüllung und Bestattung veranlasst habe.“ Nachdem der Leichnam abgenommen worden war, ließ Asma (r.a.) ihn zu sich bringen und wusch ihn unter großen Schwierigkeiten mit Zamzam-Wasser. [Zād al-Maʿād 1/140; Tārīkh al-Islām wa-Ṭabaqāt al-Mashāhīr wa-l-Aʿlām 1/503; al-Fākihī sagt: Aus Segensgründen pflegten die Bewohner Mekkas ihre Verstorbenen mit Zamzam-Wasser zu waschen. (Nisāʾ Mubashsharāt fī l-Janna 266)] Das Fleisch war bereits verfault und zerfallen. Obwohl Asma (r.a.) den Zustand ihres eigenen Sohnes sah, brach sie keineswegs zusammen. Sie bewahrte Geduld und dankte Allah.

Ibn Mulayka sagt: Auch ich gehörte zu denen, denen die Waschung übertragen worden war. Wir ergriffen jeweils ein Körperglied, und es kam uns dabei in die Hände. Wir wuschen es, legten es auf das Leichentuch und ergriffen dann ein weiteres Körperglied. Auf diese Weise vollendeten wir seine Waschung. Danach stand seine Mutter Asma auf und verrichtete das Totengebet. Sie bestatteten ihn auf dem Friedhof al-Muʿallāt in Mekka. [Aʿlām an-Nisāʾ 1/52; Banāt aṣ-Ṣaḥāba 71]

Hadhrat ʿAbdullah ibn az-Zubayr (r.a.) starb am Dienstag, dem 17. Dschumādā al-Awwal des Jahres 73 nach der Hidschra, als Märtyrer. Einige Tage später, im Jahr 73 nach der Hidschra, verschied auch Hadhrat Asma (r.a.) in Mekka. Sie war damals einhundert Jahre alt. Unter den männlichen und weiblichen Gefährten, die ausgewandert waren, war sie die Letzte, die starb. [Siyar Aʿlām an-Nubalāʾ 2/296; Aʿlām an-Nisāʾ 1/52–53] Während dieses langen Lebens verlor sie keinen einzigen Zahn, und auch nicht die geringste geistige Beeinträchtigung zeigte sich bei ihr. Sie wurde in Mekka neben ihrem Sohn ʿAbdullah (r.a.) bestattet. [Banāt aṣ-Ṣaḥāba 72]

Vor ihrem Tod hinterließ sie folgende Anweisung: „Ihr sollt meine getragenen Kleidungsstücke über dem Rauch wohlriechenden Holzes erwärmen und anschließend meinen Körper parfümieren. Bringt jedoch keinen Duft auf mein Leichentuch auf, folgt dem Leichnam nicht mit Feuer und bestattet mich nicht während der Nacht.“ [Tahdhīb al-Asmāʾ wa-l-Lughāt 2/598]

Ummu Sulaim bintMilhan (r.a.)


Ihr Beiname war Ummu Sulaim. Über ihren eigentlichen Namen bestehen erhebliche Meinungsverschiedenheiten. Genannt werden: Sahla, Rumaila, Mulaika, al-Ghumaisāʾ und ar-Rumaisāʾ. Sie war eine bekannte weibliche ansaritische Gefährtin aus dem Stamm Banū Nadschdschār. Sie war die stolze Mutter des berühmten Gefährten und vom Gesandten Allahs besonders geliebten Dieners Hadhrat Anas. Ihr Vater hieß Milhan ibn Chālid und ihre Mutter Mulaika bint Mālik ibn ʿAdī ibn Zayd ibn Manāt. In einer anderen Überlieferung wird sie ʿUnaika genannt. [al-Iṣāba 4/461–462; Ṭabaqāt 3/504] Ihr Bruder war der Gefährte Hadhrat Harām ibn Milhan, einer der Gefährten, die bei dem historischen Ereignis von Biʾr Maʿūna als Märtyrer fielen. [Hayāt aṣ-Ṣaḥāba (arabisch) 1/528] In der Geschichte ist sie unter dem Namen Ummu Sulaim bekannt.

In der ersten Zeit ihres Lebens während der Dschāhilīya heiratete sie Mālik ibn an-Naḍr. Zehn Jahre vor der Auswanderung des Gesandten Allahs (s.a.w.) nach Medina wurde ihr von ihm ihr Sohn Anas geboren. Sie gehörte zu denjenigen unter den Ansār, die früh den Islam annahmen. Weil sie den Islam angenommen hatte, brach ihr Ehemann Mālik die Beziehung zu ihr ab, ließ sie und ihr Kind zurück und wanderte aus. [al-Iṣāba 4/461] Über diesen Vorfall wird von Anas berichtet: Eines Tages kam Ummu Sulaim zu ihrem Ehemann Mālik und sagte: „Heute bringe ich eine Nachricht, die dir nicht gefallen wird.“ Mālik sagte: „Du bringst mir ja immer nur unliebsame Nachrichten von diesem Beduinen.“ Sie widersprach den Worten ihres Mannes und sagte: „Ja, er ist ein Beduine, doch Allah hat ihn auserwählt und zu einem Propheten gemacht.“ Mālik fragte: „Welche Nachricht hast du heute gebracht? Lass mich hören.“ Sie sagte: „Der Wein ist für harām erklärt worden.“ Mālik sagte: „Dann ist unsere Beziehung hiermit beendet.“ Daraufhin verließ er Haus und Familie, Frau und Sohn, und ging nach Syrien, wo er als Götzendiener starb. [Hayāt aṣ-Ṣaḥāba 2/590; al-Iṣāba 4/461; Tārīkh Ibn ʿAsākir 6/5]

Aus der oben genannten Überlieferung lässt sich verstehen, dass ihre Trennung von Mālik erst lange nach der Ankunft des Gesandten Allahs (r.a.) in Medina erfolgte, als der Wein verboten wurde. Aus den verschiedenen Überlieferungen über ihre zweite Heirat mit Hadhrat Abū Ṭalḥa (r.a.) hingegen lässt sich verstehen, dass ihre Trennung bereits vor der Ankunft des Gesandten Allahs (s.a.w.) in Medina erfolgt war. Einige Überlieferungen lassen erkennen, dass sie Abū Ṭalḥa bereits vor der Ankunft des Gesandten Allahs (s.a.w.) in Medina als zweiten Ehemann annahm. Andere Überlieferungen berichten wiederum, dass Abū Ṭalḥa in Medina durch den Gesandten Allahs (s.a.w.) selbst den Islam annahm und Ummu Sulaim ihn daraufhin heiratete. Es gibt verschiedene Überlieferungen dieser Art. Anerkannt ist jedoch, dass Ummu Sulaim bereits vor der Ankunft des Gesandten Allahs (s.a.w.) in Medina den Islam annahm. Im Folgenden führe ich ein oder zwei Überlieferungen über ihre zweite Heirat mit Abū Ṭalḥa an. Von Anas wird überliefert: Bevor Abū Ṭalḥa den Islam annahm, hielt er um die Hand Ummu Sulaims an. Ummu Sulaim antwortete: „Abū Ṭalḥa, weißt du nicht, dass die Gottheit, die du anbetest, aus Erde gemacht ist?“ Er sagte: „Das stimmt.“ Ummu Sulaim sagte erneut: „Schämst du dich nicht, einen Baum anzubeten? Wenn du den Islam annimmst, habe ich keinen Einwand dagegen, dich zu heiraten. In diesem Fall werde ich außer deinem Islam keine andere Brautgabe von dir verlangen.“ Abū Ṭalḥa ging mit den Worten fort: „Ich werde darüber nachdenken.“ Nach einiger Zeit kehrte er zurück und sprach: „Ich bezeuge, dass es keine Gottheit außer Allah gibt und dass Muhammad der Gesandte Allahs ist.“

Daraufhin rief Umm Sulaym ihren Sohn Anas und sagte: „Anas! Sorge für die Heirat von Abu Talha.“ Anas verheiratete seine Mutter mit Abu Talha. Dieses Ereignis ist in verschiedenen Werken mit unterschiedlichen Überlieferungsketten berichtet worden.[Hayāt as-Sahāba-1/196; al-Isāba-4/461; at-Tabaqāt-3/504; Tārīkh Ibn ʿAsākir-6/5]

In einer anderen Überlieferung heißt es, dass Anas sagte: Als Abu Talha um ihre Hand anhielt, sagte Umm Sulaym zu ihm: „Ich glaube an diesen Mann und bezeuge, dass er Allahs Gesandter ist. Wenn du ihm folgst, kann ich dich heiraten.“ Abu Talha sagte: „Gut, dann nehme auch ich deine Religion an.“ Daraufhin heiratete Umm Sulaym ihn. Der Islam Abu Talhas war die Brautgabe für diese Ehe. In dieser Überlieferung wird ebenfalls berichtet, dass Umm Sulaym, als Abu Talha um ihre Hand anhielt, sagte: „Ich werde nicht zum zweiten Mal heiraten, bevor Anas die Geschlechtsreife erreicht hat und geeignet ist, an verschiedenen Versammlungen teilzunehmen.“ Anas sagte: „Möge Allah meiner Mutter von meiner Seite vergelten. Sie hat mich vortrefflich erzogen.“ Als Abu Talha Umm Sulayms Worte hörte, sagte er: „Anas hat doch bereits an Versammlungen teilgenommen und gesprochen.“ Daraufhin verheiratete Anas seine Mutter.

In einer weiteren Überlieferung heißt es, dass Abu Talha, als Umm Sulaym seinen Heiratsantrag zurückwies, zu ihr sagte: „Bei Allah, das kann doch nicht dein wahrer Wunsch sein.“ Sie fragte zurück: „Wünschst du etwa Gold und Silber?“ Umm Sulaym erklärte daraufhin: „Ich erkläre dich und Allahs Propheten zu Zeugen: Wenn du den Islam annimmst, bin ich bereit, dich eben im Austausch für deinen Islam zu heiraten.“ Als Abu Talha dies hörte, sagte er: „Wer kann mir dabei helfen?“ Umm Sulaym sagte zu ihrem Sohn Anas: „Anas, geh mit deinem Onkel.“ Er erhob sich. Anas sagte: „Abu Talha legte seine Hand auf meine Schulter, und so gingen wir weiter. Als wir uns Allahs Gesandtem näherten, hörte er unser Gespräch und rief: ‚Da ist ja Abu Talha! Zwischen seinen Augen erstrahlen bereits die Ehre und der Ruhm des Islam.‘ Abu Talha grüßte den Propheten und sagte: ‚Ich bezeuge, dass es keinen Gott außer Allah gibt und dass Muhammad Sein Diener und Sein Gesandter ist.‘ Daraufhin verheiratete der Gesandte Allahs ihn im Austausch für seinen Islam mit Umm Sulaym.

Von Umm Sulayms erstem Ehemann stammte Anas; mit ihrem zweiten Ehemann, dem verehrten Abu Talha, bekam sie zwei Söhne: (1) Abu ʿUmair und (2) ʿAbdullah. Abu ʿUmair starb im Kindesalter. Durch die beiden anderen wurde die Nachkommenschaft fortgeführt.

Die Geduld, die Umm Sulaym beim Tod Abu ʿUmairs bewies, ist für die Menschheit lehrreich. Als Abu ʿUmair starb, hatte er gerade erst laufen gelernt. Wenn er mit kleinen Schritten umherging, blickten seine Eltern ihn unablässig an. Da nahm der Erhabene Allah ihn aus dieser Welt zu Sich. Der Junge war Abu Talha sehr lieb und teuer.

Abu Talha war wegen einer Angelegenheit außer Haus gegangen und hatte seinen kranken Sohn zu Hause zurückgelassen. Währenddessen starb der Junge. Umm Sulaym wies die übrigen Hausbewohner an, Abu Talha nichts davon zu sagen. Als Abu Talha zurückkehrte, erkundigte er sich nach dem Zustand seines kranken Sohnes. Umm Sulaym sagte: „Er ist in einem besseren Zustand, als er zuvor war.“ Aufgrund der Worte seiner Frau meinte Abu Talha, der Junge sei gesund geworden. Er aß und trank wie gewöhnlich und legte sich zu Bett. Auch Umm Sulaym erledigte ihre Arbeit, machte sich zurecht, parfümierte sich und ging zu Bett. Die Eheleute kamen sich innig nahe. Danach teilte Umm Sulaym ihrem Mann den Tod des Sohnes folgendermaßen mit: „Abu Talha, wenn jemand dir etwas anvertraut und später kommt, um es zurückzunehmen, würdest du dich dann weigern, es zurückzugeben?“ Abu Talha antwortete: „Niemals.“ Umm Sulaym sagte: „Dann sage ich dir: Du musst im Hinblick auf unseren Sohn Geduld bewahren. Er ist aus dieser Welt geschieden.“ Abu Talha fragte: „Wo ist er jetzt?“ Sie antwortete: „Dort, in der verborgenen Kammer.“ Abu Talha betrat sie, hob das Tuch vom Gesicht des Jungen und sprach: „Wir gehören Allah, und zu Ihm kehren wir zurück.“ Einer anderen Überlieferung zufolge bestattete Umm Sulaym den verstorbenen Jungen bereits, bevor Abu Talha zurückkehrte.

Danach begab sich Abu Talha zum Gesandten Allahs und berichtete ihm vom Tod seines Sohnes und vom Verhalten Umm Sulayms. Nachdem der Gesandte alles gehört hatte, sagte er: „Allah, der Erhabene, hat diese Nacht für euch beide gesegnet. Bei Demjenigen, Der mich mit der Wahrheit gesandt hat: Allah hat in ihren Mutterleib einen männlichen Nachkommen gelegt. Deshalb konnte sie beim Tod ihres Sohnes eine solch große Geduld aufbringen.“[Hayāt as-Sahāba-2/590; Muslim-2/342; al-Isāba-4/461] Aus ihrer Vereinigung in dieser Nacht wurde ein Sohn geboren. Er war ʿAbdullah ibn Talha. Allah schenkte ihm viele Kinder und Nachkommen.[al-Isāba-4/461; siehe: Āṣhāb ar-Rasūl-er Jībanakathā, Band 3, S. 115] In einer weiteren Überlieferung heißt es, dass der Gesandte an jenem Tag für dieses Ehepaar folgendes Bittgebet sprach: „O Allah, lege Segen und Gutes in diese ihre Nacht.“

Danach gebar Umm Sulaym das Kind. Als der Gesandte davon erfuhr, sagte er zu Anas: „Geh zu deiner Mutter und sage ihr, dass sie dem Kind nach dem Durchtrennen der Nabelschnur nichts in den Mund geben soll, sondern es zu mir schicken soll.“ Anas sagte: „Meine Mutter hob den Jungen von mir auf, und ich brachte ihn zum Gesandten Allahs.“ Daraufhin bat der Gesandte Anas, drei ʿAdschwa-Datteln zu holen. Als Anas sie brachte, entfernte er deren Kerne, steckte die Datteln in den Mund und kaute sie gründlich. Dann öffnete er den Mund des Kindes und gab etwas davon hinein. Das Kind bewegte seinen Mund und begann zu saugen. Als der Gesandte dies sah, bemerkte er: „Meine Ansār lieben Datteln.“ Dann gab er das Kind Anas und sagte: „Bring es zu deiner Mutter.“ Der Gesandte gab dem Kind den Namen ʿAbdullah und sprach für es das Bittgebet, Allah möge es zu einem rechtschaffenen und gottesfürchtigen Menschen machen. Einer der Ansār sagte: „Ich habe neun Söhne dieses ʿAbdullah gesehen, und sie alle waren herausragende Koranrezitatoren.“[Hayāt as-Sahāba-2/590–591; Tārīkh Ibn ʿAsākir-6/6]

Kurz nach der Ankunft des Gesandten Allahs (s.a.w.) in Medina nahm Umm Sulaim den kleinen Anas an der Hand, brachte ihn zum Gesandten Allahs (s.a.w.) und sagte: „O Gesandter Allahs! Hier ist Anas. Er wird dir dienen.“ Anas war damals erst zehn Jahre alt. Von da an diente Anas dem Gesandten Allahs (s.a.w.) bis zu dessen Tod. Deshalb erlangte er den Beinamen „Khadim an-Nabi“ (Diener des Propheten) [Al-Isaba 4/462]. In einer anderen Überlieferung heißt es, dass sie außerdem sagte: „O Gesandter Allahs! Sprich doch ein Bittgebet für ihn.“ Der Gesandte (s.a.w.) sprach daraufhin ein Bittgebet für ihn [Muslim 2/944; Buchari 2/302]. Der edle Gesandte Allahs (s.a.w.) begründete in Medina ein brüderliches Verhältnis zwischen den Muhadschirun und den Ansar. Einer Überlieferung zufolge fand diese Zusammenkunft im Haus von Umm Sulaim statt. Umm Sulaim nahm mit großem Eifer an den großen Feldzügen teil und führte dabei Umm Sulaim und einige andere Frauen der Ansar mit. Sie gaben den Soldaten Wasser und versorgten die Verwundeten [Muslim 2/103; Hayatus Sahaba 1/592–593]. Auch at-Tirmidhi überlieferte diesen Hadith. Selbst in der Schlacht von Uhud, als das muslimische Heer eine schwere Niederlage erlitt, erfüllte sie ihre Aufgabe mit großem Mut. Anas (r.a.) sagte: „Ich sah Aischa und Umm Sulaim, wie sie mit Wasser gefüllte Schläuche herbeibrachten und die Verwundeten trinken ließen. Wenn die Schläuche leer waren, füllten sie sie erneut und ließen die Verwundeten wieder trinken“ [Buchari, Kitab al-Maghazi 2/581].

Auch im siebten Jahr nach der Hidschra nahm sie am Feldzug nach Chaibar teil. In Chaibar oder auf dem Rückweg von Chaibar fand die gesegnete Hochzeit und der Beischlaf des edlen Gesandten Allahs (s.a.w.) mit Safiyya (r.a.) statt. Sie war es, die Safiyya das Haar band, sie schmückte und sie dem Gesandten Allahs (s.a.w.) zuführte [Sahih Muslim 1/546; Sira Ibn Hischam 2/340; Al-Isaba 4/462].

Überliefert von Abd Allah ibn Abi Bakr (r.a.): In der Schlacht von Hunain stand Umm Sulaim mit einem Dolch in der Hand da. Während der Schlacht fiel sie einmal dem Gesandten Allahs (s.a.w.) ins Auge. Sie hatte damals ein Tuch um ihre Hüfte geschlungen und stand neben ihrem Ehemann Abu Talha. Abd Allah ibn Abi Talha befand sich auf ihrem Bauch. Bei ihnen war Abu Talhas Kamel. Um das Kamel zu bändigen, hielten sie dessen Kopfhaar und Zügel fest. Der Gesandte (s.a.w.) rief: „Umm Sulaim?“ Sie antwortete: „Ja, o Gesandter Allahs! Mögen meine Eltern dir geopfert sein! So wie du diejenigen tötest, die gegen dich kämpfen, werde auch ich diejenigen töten, die dich verlassen und vom Schlachtfeld fliehen. Denn sie verdienen den Tod.“ Nachdem der Gesandte (s.a.w.) dies gehört hatte, sagte er: „Umm Sulaim! Genügt dir Allah in dieser Angelegenheit nicht?“ Umm Sulaim hielt damals einen Dolch in der Hand. Darauf deutend fragte Abu Talha: „Umm Sulaim, warum hast du diesen Dolch in der Hand?“ Sie antwortete: „Wenn ein Götzendiener in meine Reichweite kommt, werde ich ihm damit den Bauch aufschlitzen.“ Darauf sagte Abu Talha: „O Gesandter Allahs! Hast du gehört, was Umm Sulaim ar-Rumaisa sagt?“ Da lächelte der Gesandte (s.a.w.) sanft [Muslim 2/].

Im fünften Jahr nach der Hidschra heiratete der Gesandte Allahs (s.a.w.) die Mutter der Gläubigen, Zainab (r.a.). Aus diesem Anlass fertigte Umm Sulaim eigenhändig ein wunderschön besticktes Wollgewand an und schickte es durch ihren Sohn Anas. Sie wies Anas auch nachdrücklich an, dem Gesandten (s.a.w.) zu sagen, er möge dieses kleine Geschenk von ihr annehmen.

Umm Sulaim (r.a.) pflegte bisweilen Speisen für den Gesandten Allahs (s.a.w.) zuzubereiten und sie ihm zu schicken. Wenn sie in ihrem eigenen Haus etwas Gutes zubereitete, schickte sie davon auch etwas für den Gesandten Allahs (s.a.w.). Überliefert von Abu Hatim: Anlässlich der ersten ehelichen Vereinigung des Gesandten Allahs (s.a.w.) mit einer seiner Ehefrauen bereitete Umm Sulaim „Hais“ zu, eine Speise aus Datteln, Aqit und Fett, und gab sie in ein Gefäß aus Messing oder Holz. Dann rief sie ihren Sohn Anas und sagte: „Bring dies zum Gesandten Allahs (s.a.w.) und sag ihm: Dies ist ein kleines Geschenk von unserer Seite.“ Anas berichtet: „Die Menschen litten damals unter großer Nahrungsknappheit. Ich nahm das Gefäß, ging hin und sagte: ‚O Gesandter Allahs! Umm Sulaim hat dir dies geschickt. Sie lässt dir auch den Friedensgruß ausrichten und sagt: Dies ist ein kleines Geschenk von unserer Seite.‘ Der Gesandte (s.a.w.) blickte auf das Gefäß und sagte: ‚Stell es in eine Ecke des Hauses und rufe den und den herbei.‘ Er nannte die Namen vieler Menschen. Außerdem sagte er: ‚Jeden Muslim, dem du auf dem Weg begegnest, sollst du mitbringen.‘ Anas berichtet: ‚Diejenigen, deren Namen er genannt hatte, lud ich ein. Ebenso lud ich alle Muslime ein, denen ich auf dem Weg begegnete. Als ich zurückkam, sah ich, dass das gesamte Haus des Gesandten Allahs (s.a.w.) – die Suffa und die Hujra – voller Menschen war.“

Der Überlieferer fragte Anas: „Wie viele Menschen waren es?“ Er sagte: „Ungefähr dreihundert.“ Anas berichtet: „Der Gesandte (s.a.w.) forderte mich auf, das Speisegefäß zu bringen. Ich brachte es herbei. Er legte seine Hand darauf und sprach ein Bittgebet. Dann sagte er: ‚Setzt euch zu je zehn Personen hin, sagt Bismillah und jeder soll von der Seite vor sich essen.‘ Auf Anweisung des Gesandten Allahs (s.a.w.) aßen alle, bis sie satt waren. Danach sagte er zu mir: ‚Heb das Gefäß hoch.‘ Anas berichtet: „Ich trat vor und hob das Gefäß hoch. Als ich hineinsah, konnte ich nicht sagen, dass sich darin, als ich es hingestellt hatte, mehr befunden hätte als in dem Augenblick, als ich es anhob.“[Hayatus-Sahaba 2/660–661]

Eine andere Begebenheit überlieferte Anas von seiner Mutter. Seine Mutter besaß eine Ziege. Aus ihrer Milch stellte sie Ghee her und füllte es in ein Ledergefäß. Eines Tages gab sie das Gefäß Rabiba und sagte: „Bring dies zum Gesandten Allahs (s.a.w.), damit er es als Beilage isst.“ Rabiba nahm es und ging zum Gesandten Allahs (s.a.w.). Sie sagte: „O Gesandter Allahs! Umm Sulaim hat ein Uqqa- oder Gefäß voll Ghee geschickt.“ Der Gesandte (s.a.w.) sagte zu den Menschen: „Gießt das Ghee aus und gebt ihr das Gefäß zurück.“ Das leere Gefäß wurde ihr zurückgegeben. Sie hängte es an einen Pfosten. Als Umm Sulaim nach Hause kam, sah sie, dass das Ghee aus dem Gefäß überlief. Sie sagte: „Ich habe doch nur eure Anweisung befolgt. Wenn du es nicht glaubst, komm mit mir und frag den Gesandten Allahs (s.a.w.).“ Umm Sulaim ging mit Rabiba zum Gesandten Allahs (s.a.w.) und sagte: „O Gesandter Allahs! Ich hatte mit diesem Gefäß ein Gefäß voll Ghee geschickt.“ Der Gesandte (s.a.w.) sagte: „Ja, sie hat es gebracht.“ Darauf sagte Umm Sulaim: „Bei Dem, Der dich mit der Wahrheit und der wahren Religion gesandt hat: Das Gefäß ist noch immer voller Ghee, und es läuft über.“ Als der Gesandte (s.a.w.) dies hörte, sagte er: „Umm Sulaim!“

„Möge Allah dich speisen, so wie du Seinen Propheten gespeist hast. Bist du darüber etwa erstaunt? Iss selbst davon und speise auch andere.“ Umm Sulaim berichtet: „Ich kehrte nach Hause zurück und teilte es auf mehrere Gläser auf. Wir aßen davon ein oder zwei Monate lang.“[Al-Bidaya 6/102; Hayatus-Sahaba 2/635]

Imam Muslim berichtet noch ein weiteres Ereignis. Anas sagte: Eines Tages sagte Abu Talha zu meiner Mutter Ummu Sulaym: „Heute habe ich die Stimme des Gesandten Allahs (s.a.w.) etwas schwach gehört. Mir scheint, dass er hungrig ist. Hast du etwas zu essen?“ Meine Mutter sagte: „Ja.“ Sie wickelte einige Brotstücke in mein Gewand und schickte mich zum Gesandten Allahs (s.a.w.). Sobald er mich sah, fragte der Gesandte (s.a.w.): „Hat Abu Talha dich geschickt?“ Ich sagte: „Ja.“ Er fragte: „Wegen des Essens?“ Ich sagte: „Ja.“ Der Gesandte (s.a.w.) sagte zu den Menschen, die bei ihm waren: „Steht auf!“ Sie standen auf, und ich ging ihnen voraus. Als Abu Talha alle sah, rief er seine Frau und sagte: „Ummu Sulaym, sieh nur: Der Gesandte (s.a.w.) ist mit Leuten gekommen. Wir haben doch nicht genug zu essen, um alle zu bewirten.“ Ummu Sulaym sagte: „Allah und Sein Gesandter (s.a.w.) wissen das am besten.“ Abu Talha ließ die Gäste Platz nehmen. Der Gesandte (s.a.w.) trat ein und sagte: „Bringt her, was vorhanden ist.“ Es wurde die geringe Menge an Essen gebracht, die vorhanden war. Er sagte: „Lasst zunächst zehn Personen hereinkommen.“ Zehn Männer traten ein, aßen sich satt und gingen wieder hinaus. Danach kamen weitere zehn. Auf diese Weise aßen insgesamt siebzig oder achtzig Menschen von diesem Essen, bis sie satt waren. [Buchari 2/342; Muslim 2/178; Al-Bidaya 9/105; Hayatus-Sahaba 2/193–194]

Er liebte den edlen Propheten (s.a.w.) grenzenlos. Auch der edle Prophet (s.a.w.) besuchte häufig das Haus von Ummu Sulaym und ruhte sich dort mittags aus. Bei dieser Gelegenheit sammelte Ummu Sulaym den Schweiß des Gesandten Allahs (s.a.w.) und die Haare, die ihm ausfielen. [Buchari 2/929]

Anas (r.a.) sagte: Eines Tages kam der Gesandte (s.a.w.) mittags zu uns nach Hause, ruhte sich aus und geriet ins Schwitzen. Meine Mutter brachte eine Flasche und begann, seinen Schweiß darin aufzufangen. Als der Gesandte (s.a.w.) erwachte, sagte er: „Ummu Sulaym, was machst du da?“ Meine Mutter sagte: „Dieser Schweiß von dir ist für uns ein Parfüm.“ Anas sagte: „In meinem ganzen Leben habe ich keinen Moschus oder Amber gerochen, der wohlriechender gewesen wäre als der Duft des Schweißes des Gesandten Allahs (s.a.w.).“ [Tarikh Ibn Asakir 3/144–145] Anas sagte ferner: Der Sohn meiner Mutter Ummu Sulaym von Abu Talha, Abu Umair, war damals noch ein kleiner Junge. Wenn der Gesandte (s.a.w.) zu uns nach Hause kam, scherzte er ein wenig mit ihm. Eines Tages sah er Abu Umair mit bedrückter Miene dasitzen. Der Gesandte (s.a.w.) sagte: „Abu Umair, warum sitzt du so niedergeschlagen da?“ Meine Mutter sagte: „Sein Spielgefährte, der Nugair, ist gestorben.“ Von da an sagte der Gesandte (s.a.w.) jedes Mal, wenn er ihn sah, scherzhaft in Versform:

„O Abu Umair, was hat dein Nugair gemacht?“ Der Nugair ist, wie erwähnt, ein kleiner Vogel, eine Art Spatz mit rotem Schnabel. [Ebenda 3/139; Hayatus-Sahaba 2/570–571; Tabaqat 3/506]

Anas (r.a.) sagte: Außer den Häusern seiner Ehefrauen besuchte der Gesandte (s.a.w.) kein Haus so regelmäßig wie das Haus von Ummu Sulaym. Als er einmal nach dem Grund dafür gefragt wurde, sagte er: „Ich empfinde Mitleid mit ihr. Ihr Vater und ihr Bruder sind an meiner Seite als Märtyrer gefallen.“ [Muslim 2/341; Al-Isaba 4/461] Ibn Hadschar sagte: Der Grund dafür, dass der Gesandte Allahs (s.a.w.) das Haus von Ummu Haram und ihrer Schwester Ummu Sulaym betrat, ist, dass die beiden im selben Haus lebten und Ummu Sulaym den Gesandten Allahs (s.a.w.) auf den Dschihad begleitete. [Al-Isaba 4/461]

Ummu Sulaym war die Tante mütterlicherseits des Gesandten Allahs (s.a.w.). Die Abstammung von Salma bint Amr, der Mutter des Großvaters des Gesandten Allahs (s.a.w.), Abd al-Muttalib, trifft bei Amir ibn Ghanam mit der mütterlichen Abstammung von Anas zusammen. [Usud al-Ghaba 1/127; Asahhus-Siyar 606] Sie liebte den Gesandten (s.a.w.) von ganzem Herzen und erwies ihm Verehrung und Achtung. Auch der Gesandte (s.a.w.) vergaß sie niemals. Dieser geehrten Frau verkündete der Gesandte (s.a.w.) zudem die frohe Botschaft vom Paradies. [Daira-i-Maarif-i-Islamiyya (Urdu) 3/402]

Ummu Sulaym besaß große Ehre und hohen Rang. Der Gesandte (s.a.w.) sagte: „Als ich ins Paradies ging, hörte ich die Stimme einer Frau. Ich fragte: Wer ist diese Frau? Mir wurde gesagt: Sie ist Ghumaisa bint Milhan, die Mutter von Anas.“ [Muslim 2/342]

Ummu Sulaym überlieferte viele Hadithe vom Gesandten Allahs (s.a.w.). Anas ibn Malik, Ibn Abbas, Zaid ibn Thabit, Abu Salama ibn Abd ar-Rahman und viele weitere Sahaba überlieferten Hadithe von ihr. Die Menschen fragten sie nach wichtigen religiösen Angelegenheiten. Als einmal ein Streit zwischen Abd Allah ibn Abbas und Zaid ibn Thabit entstand, akzeptierten beide sie als Richterin. [Musnad 6/431; Al-Isaba 4/362]

Sie schämte sich nicht, den Gesandten Allahs (s) nach religiösen Angelegenheiten zu fragen. Aischa (r.a.) sagte: „Wie vortrefflich sind die Frauen der Ansar! Ihre Scham hält sie nicht davon ab, nach religiösen Angelegenheiten zu fragen und die Religion kennenzulernen.“ Imam Ahmad überlieferte von Ummu Sulaym. Sie sagte: „Ich befand mich neben Ummu Salama, der Ehefrau des Gesandten Allahs (s). Ich fragte: ‚O Gesandter Allahs! Muss eine Frau, wenn sie im Schlaf sieht, dass sie mit ihrem Ehemann Geschlechtsverkehr hat, die Ganzkörperwaschung vornehmen?‘ Als Ummu Salama die Frage hörte, rief sie: ‚Ummu Sulaym, mögen deine Hände mit Staub bedeckt sein! Du hast die gesamte Frauenwelt vor dem Gesandten Allahs (s) beschämt.‘ Sulaym erwiderte: ‚Allah schämt sich nicht, die Wahrheit zu offenbaren. Es ist besser, den Gesandten Allahs (s) zu fragen, als über eine Angelegenheit im Unklaren zu bleiben.‘ Der Gesandte (s) antwortete: ‚Ummu Sulaym, mögen deine Hände mit Staub bedeckt sein! Für sie wird die Ganzkörperwaschung verpflichtend, wenn sie nach dem Erwachen Flüssigkeit vorfindet.‘ Ummu Sulaym fragte erneut: ‚O Gesandter Allahs! Haben auch Frauen Flüssigkeit?‘ Der Prophet (s) sagte: ‚Wenn es keine Flüssigkeit gäbe, wie könnte das Kind ihr ähneln? Sie sind den Männern ebenbürtig.‘ [Hayatus-Sahaba-3/221, 222]

Von Anas (r.a.) wird überliefert, dass er sagte: Einmal nahm mich meine Mutter zum Gesandten Allahs (s) mit und sagte: „O Gesandter Allahs! Sprich bitte ein Gebet für diesen kleinen Diener von dir.“ Der Gesandte (s) sprach das Bittgebet: „O Allah! Segne ihn mit Reichtum und Kindern. Lass ihn lange leben und vergib ihm seine Sünden.“ Gegen Ende seines Lebens sagte Anas: „Ich habe von meinen Kindern und Nachkommen allein 98 – nach anderer Auffassung 102 – zu Grabe getragen. In meinem Garten blühen die Blumen zweimal im Jahr. Ich habe ein so langes Leben erhalten, dass ich des Lebens überdrüssig geworden bin. Und auf die Erfüllung des vierten Wunsches, nämlich die Vergebung der Sünden, hoffe ich noch.“ [ebd.-3/347, 633]

Anas (r.a.) pflegte täglich dem Gesandten Allahs (s) zu dienen und mittags nach Hause zurückzukehren. Eines Tages war er mittags auf dem Heimweg. Unterwegs sah er Jungen in seinem Alter spielen. Das Spiel gefiel ihm, und er blieb stehen, um zuzusehen. Nach einiger Zeit sah er, dass der Gesandte (s) auf sie zukam. Er nahm Anas an der Hand und schickte ihn in einer Angelegenheit fort. Als Anas zurückkehrte, ging der Gesandte (s) nach Hause. Weil Anas verspätet heimkam, fragte seine Mutter Ummu Sulaym: „Warum bist du so spät?“ Er antwortete: „Ich war im Auftrag des Gesandten Allahs (s) unterwegs. Deshalb habe ich mich verspätet.“ Die Mutter dachte, ihr Sohn verheimliche vielleicht die Wahrheit, und fragte deshalb: „Was war es für eine Angelegenheit?“ Anas antwortete: „Es ist ein Geheimnis, das niemandem verraten werden darf.“ Seine Mutter sagte: „Dann bewahre es als Geheimnis und verrate es niemandem.“ [Al-Fath ar-Rabbani-22/204; Hayatus-Sahaba-1/343; 2/503] Anas (r.a.) bewahrte dieses Geheimnis sein ganzes Leben lang.

So finden sich in verschiedenen Büchern verstreut viele Berichte aus dem Leben Ummu Sulayms, die äußerst lehrreich sind. Über ihr Todesjahr liegen keine zuverlässigen Angaben vor.

Ummu Haram bint Milhan ((r.a.))


Der eigentliche Name von Ummu Haram (r.a.) ist nicht bekannt. Dies war ihr Beiname, und unter diesem Namen ist sie in der Geschichte berühmt. Sie war eine Tochter des Nadschdschār-Zweigs des berühmten Stammes der Chazradsch aus Medina. Ihr Vater war Milhan ibn Chālid. Von mütterlicher Seite war sie die Schwester von Ummu Sulaym (r.a.) und die Tante des berühmten Gefährten Anas ibn Mālik, des Dieners des Gesandten Allahs (s). Durch das Stillen war sie außerdem die Tante des edlen Gesandten Allahs (s). [As-Sīra al-Halabiyya-3/73]

Die Familie Milhans aus dem Nadschdschār-Clan von Medina war eine außerordentlich gesegnete Familie. Zu Beginn der islamischen Einladung in Medina suchten die Mitglieder dieser Familie Zuflucht im Schatten des Islam. Die tiefe Liebe zu Allah und Seinem Gesandten (s) schlug in den Herzen aller Familienmitglieder feste Wurzeln. Männer und Frauen dieser Familie leisteten bedeutende Beiträge zu segensreichen Werken wie Dschihad, Wissenserwerb, der Hingabe ihres Lebens im Dienst des Islam und Großzügigkeit. Milhans zwei Söhne, Haram und Sulaym (r.a.), waren Kämpfer in Badr und Uhud. Beide gehörten zu den bedeutenden Mitgliedern von Biʾr Maʿūna und erlangten dort das Martyrium. Eine große Leistung im Leben von Haram ibn Milhan (r.a.) bestand darin, dass es ihm gelang, seinen Mörder Dschabbār ibn Sulamī zum Islam zu führen, als(Arabisch**************)

er ausrief und zu Boden stürzte. Der Satz bedeutete: „Beim Herrn der Kaaba, ich habe Erfolg gehabt“ – das heißt, ich habe durch das Martyrium Erfolg gehabt. Als der Mörder Dschabbār die Bedeutung des Wortes(Arabisch *****)erfuhr, änderte sich seine Haltung. Er bereute, trat zum Islam über und wurde Muslim. Der letzte Ausspruch im Leben von Haram ibn Milhan (r.a.) wurde somit zum Grund für die Annahme des Islam durch Dschabbār ibn Sulamī (r.a.). [Buchari: Bāb ar-Radschī; Nisāʾ min Āthār an-Nubuwwa-42]

Zu den vornehmen Frauen Medinas, die in der Gesellschaft des ehrwürdigen Gesandten Allahs (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) ihre charakterliche Vorzüglichkeit noch weiter vervollkommneten, gehörten auch die beiden Töchter Milhāns, Umm Sulaim und Umm Harām. Lediglich der Verfasser von „at-Tahdhīb“ erwähnt, dass ʿAmr ibn Qais al-Anṣārī der erste Ehemann Umm Harāms (Allah habe Wohlgefallen an ihr) gewesen sei. [at-Tahdhīb 12/46]. In den meisten Büchern wird jedoch der Name ihres Ehemannes als der des berühmten Gefährten ʿUbāda ibn aṣ-Ṣāmit angegeben. Nach Ibn Saʿds Auffassung war ʿUbāda ibn aṣ-Ṣāmit ihr erster Ehemann und ihr zweiter Ehemann ʿAmr ibn Qais. [aṭ-Ṭabaqāt 8/268]. Durch zuverlässige Sīra-Werke ist jedoch bekannt, dass ʿUbāda ibn aṣ-Ṣāmit (Allah habe Wohlgefallen an ihm) ihr letzter Ehemann war. [Ṣaḥābiyyāt 210]. Dieser ʿUbāda (Allah habe Wohlgefallen an ihm) war ein großer ansārischer Gefährte der frühen Zeit, ein Teilnehmer an al-ʿAqaba, ein Naqīb, ein tapferer Mudschāhid von Badr, Uḥud und al-Chandaq sowie Teilnehmer an allen bedeutenden Ereignissen, darunter auch der Baiʿat ar-Riḍwān. Er verstarb im Jahr 34 nach der Hidschra in Ramla in Palästina. [Tahdhīb al-Asmāʾ wa-l-Lughāt 1/256–257; al-Aʿlām 3/258.]

Die Moschee, die der ehrwürdige Gesandte Allahs (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) zwei Meilen vom Zentrum Medinas entfernt (Muʿdscham al-Buldān 4/302) auf dem Fundament der Gottesfurcht und Frömmigkeit errichten ließ, ist die Moschee von Qubā. Über diese Moschee wurde folgender Vers offenbart: [Sūrat at-Tauba 108; as-Sīra al-Ḥalabiyya 3/73](Arabisch***********)„Eine Moschee, deren Grundmauern vom ersten Tag an auf der Gottesfurcht errichtet wurden, ist würdiger, dass du darin dein Gebet verrichtest.“

Diese Moschee besitzt in der Geschichte des Islams eine außerordentliche Bedeutung. Ibn ʿUmar (Allah habe Wohlgefallen an ihm) sagte: „Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) kam zu dieser Moschee entweder reitend oder zu Fuß und verrichtete dort zwei Rakʿa Gebet.“ [Ṣaḥīḥ Muslim 4/127] Neben dieser heiligen Moschee von Qubā befand sich der Wohnsitz der Familie Umm Harāms. Der Gesandte (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) erwies Ḥarām (Allah habe Wohlgefallen an ihm) große Ehre und Bedeutung. Bisweilen besuchte er dessen Haus und ruhte sich dort auch mittags aus. [Usd al-Ghāba 5/574; al-Istīʿāb 4/424; adh-Dhahabī: Tārīch 3/317; al-Iṣāba 4/441]. Manchmal verrichtete er dort auch das Gebet. Anas (Allah habe Wohlgefallen an ihm) berichtet: „Eines Tages kam der Prophet (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) zu uns. Im Haus waren damals nur ich, meine Mutter Umm Sulaim und meine Tante Umm Harām. Er wandte sich an uns und sagte: ‚Kommt, ich werde mit euch das Gebet verrichten.‘ Zu dieser Zeit war keine Gebetszeit. Er verrichtete mit uns das Gebet und bat für alle Mitglieder unserer Familie um alles Gute dieser Welt und des Jenseits.“ (Ṣaḥīḥ Muslim 2/128). Einmal kam der Gesandte (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) in das Haus Umm Harāms (Allah habe Wohlgefallen an ihr), worauf sie Essen zubereitete und es ihm vorsetzte. Nach dem Essen ruhte er sich etwas aus, während Umm Harām (Allah habe Wohlgefallen an ihr) sein Haar kämmte und nach Läusen suchte. In diesem Zustand überkam den Gesandten (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) ein leichter Schlaf. Als er wenig später erwachte, lächelte er sanft und verkündete Umm Harām (Allah habe Wohlgefallen an ihr) den Märtyrertod als frohe Botschaft. Von jenem Tag an wurde sie „asch-Schahīda“ (die Märtyrerin) genannt. Die andere Frau, der der Gesandte (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) die frohe Botschaft des Märtyrertodes verkündete, war Umm Waraqa al-Anṣāriyya (Allah habe Wohlgefallen an ihr). Es sei erwähnt, dass die Mutter von ʿAbd al-Muṭṭalib, dem Großvater des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Heil seien auf ihm), eine Tochter der Banū Nadschdschār war. Daher war Umm Harām (Allah habe Wohlgefallen an ihr) als Verwandte mütterlicherseits des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) eine Mahram-Verwandte. Deshalb durfte sie den Kopf des Gesandten (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) berühren und nach Läusen suchen. [Nisāʾ min ʿAṣr an-Nubuwwa 44]

Imam at-Tirmidhī hat einen Bericht von Anas ibn Mālik überliefert. Er sagte: „Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) pflegte in das Haus Umm Harāms zu kommen, und sie gab dem Gesandten (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) zu essen. Umm Harām war die Ehefrau von ʿUbāda ibn aṣ-Ṣāmit. Eines Tages kam der Gesandte (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) und sie gab ihm zu essen. Danach begann sie, das Haar des Gesandten (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) zu kämmen und nach Läusen zu suchen. Der Gesandte (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) schlief ein. Wenig später erwachte er und lächelte sanft. Umm Harām fragte: ‚O Gesandter Allahs! Warum hast du gelächelt?‘ Er sagte: ‚Im Schlaf wurde mir gezeigt, dass einige Menschen aus meiner Gemeinschaft an Bord von Schiffen gegangen waren, um das Meer für den Dschihād auf Allahs Weg zu überqueren.‘ Umm Harām bat: ‚O Gesandter Allahs! Bitte Allah für mich, dass Er mich ebenfalls zu ihnen zählen möge.‘

Danach legte der Gesandte (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) seinen Kopf nieder und schlief wieder ein. Nach einiger Zeit erwachte er lächelnd. Umm Harām fragte erneut: „O Gesandter Allahs! Warum lächelst du?“ Der Gesandte (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) wiederholte als Antwort seine vorherigen Worte. Auch Umm Harām bat ihn wie zuvor darum. Darauf sagte der Gesandte (Allahs Segen und Heil seien auf ihm):(Arabisch**********) Du gehörst zur ersten Gruppe.“

Die Zeit verging. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) verstarb. Die ersten beiden Kalifen, Abū Bakr und ʿUmar (Allah habe Wohlgefallen an ihnen), schieden nacheinander aus dieser Welt. Die Grenzen des islamischen Kalifats dehnten sich gewaltig aus. Der dritte Kalif, ʿUthmān (Allah habe Wohlgefallen an ihm), saß auf dem Thron des Kalifats. Der Statthalter von Syrien, Muʿāwiya ibn Abī Sufyān (Allah habe Wohlgefallen an ihm), bat den Kalifen um die Erlaubnis zu einem Feldzug gegen die Meeresinsel Qubrus (Zypern). Zu jener Zeit stand Qubrus unter der Herrschaft der byzantinischen Römer. Bis dahin hatten die Muslime weder eine Seestreitmacht noch Erfahrung mit Feldzügen auf dem Seeweg. Daher berief ʿUthmān (Allah habe Wohlgefallen an ihm) auf Muʿāwiyas (Allah habe Wohlgefallen an ihm) Gesuch eine Sitzung des Schūrā-Rates ein. Nach langen Beratungen und Überprüfungen wurde beschlossen, eine Seestreitmacht zu bilden und auf dem Seeweg gegen Qubrus vorzugehen. Dies war der erste Feldzug der Muslime auf dem Seeweg. Daher ging man mit äußerster Vorsicht vor.

Gemäß dem Beschluss des Schūrā-Rates befahl ʿUthmān (Allah habe Wohlgefallen an ihm) im Jahr 27 nach der Hidschra den Feldzug gegen Qubrus über das Meer. Muʿāwiya (Allah habe Wohlgefallen an ihm) stellte eine Seestreitmacht auf. In diese Seestreitmacht nahm er zahlreiche hochrangige Gefährten auf, darunter Abū Dharr al-Ghifārī (Allah habe Wohlgefallen an ihm), Abū d-Dardāʾ (Allah habe Wohlgefallen an ihm) und ʿUbāda ibn aṣ-Ṣāmit (Allah habe Wohlgefallen an ihm).

An dem Tag, an dem der Gesandte (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) Umm Harām die Teilnahme an einem Seekrieg prophezeite, und an dem sie aus dem Mund des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) Folgendes hörte:(Arabisch***********) „Die erste Heerschar meiner Gemeinschaft wird auf dem Seeweg kämpfen und sich dadurch das Paradies verpflichtend machen. Umm Harām, auch du wirst zu ihnen gehören. [Buchārī: al-Dschihād; Ḥilyat al-Awliyāʾ wa-Ṭabaqāt al-Maschāhīr wa-l-Aʿlām 2/61; Tārīch Dimashq 486 [Tarādschim an-Nisāʾ]

Seit jenem Tag wartete Ummu Haram (r.a.) auf eine solche Seefahrt. Nach langer Zeit bot sich diese Gelegenheit. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Ubadah ibn as-Samit (r.a.) zog sie zum Dschihad aus. Das muslimische Heer überquerte das von Wellen aufgewühlte Meer, landete auf Zypern, vertrieb die römischen Truppen und hisste dort die islamische Fahne. Im Grunde wurde Zypern ohne Kampf, lediglich durch einen Friedensvertrag, erobert.

Nachdem Zypern erobert worden war und das Heer sich auf die Rückkehr zum Festland vorbereitete, fiel Ummu Haram (r.a.) eines Tages beim Aufsteigen auf das Reittier. Sie erlitt schwere Verletzungen und verstarb dort an den Folgen. Sie wurde auf dem Boden der Mittelmeerinsel Zypern beigesetzt. [Sunan at-Tirmidhi, Hadith Nr. 1645; Dala’il an-Nubuwwa 2/712; Nasab Quraisch, 124–125]

Hisham ibn al-Ghaz sagt: Das Grab von Ummu Haram bint Milhan befindet sich auf Zypern. Die Einheimischen sagen: Dies ist das Grab einer rechtschaffenen Frau. [Tarikh Dimashq, 496 (Taradschim an-Nisa)] Er sagte ferner: Im Jahr 91 nach der Hidschra sah ich ihr Grab an der Küste des Bakaqis-Meeres und stand daneben. Noch heute versammeln sich dort unzählige Menschen aus verschiedenen Kontinenten. [Nisa min Asr an-Nubuwwa, 47]

Ummu Haram (r.a.) war in der Geschichte des Islam die erste weibliche Seekriegerin. Sie war die erste Sahabiyya in der Marine, die zu Kriegszwecken das Weiße Meer überquerte.

Überlieferung von Hadithen

Ummu Haram (r.a.) überlieferte Hadithe des Gesandten Allahs (s.a.w.s.). Insgesamt wurden von ihr fünf Hadithe überliefert. Diese Hadithe wurden von zahlreichen bedeutenden Sahaba und Tabi’in überliefert, darunter Anas ibn Malik (r.a.), Amr ibn al-Aswad (r.a.), Ubadah ibn as-Samit (r.a.), Ata ibn Yasar, Ya’la ibn Shaddad ibn Aws (r.a.) und weitere angesehene Persönlichkeiten.

Sie hinterließ drei Söhne: Qais, Abdallah und Muhammad. Die ersten beiden stammten von ihrem ersten Ehemann, der letzte von Ubadah ibn as-Samit (r.a.). [Tabaqat 8/318; al-Isaba 4/442]

Fatima bint Qais al-–Fihrijja ((r.a.))


Der Vater von Hadhrat Fatima (ra) war Qais ibn Khalid und ihre Mutter Umaima bint Rabi’a. Ihr Bruder war Dahhak ibn Qais. Fatima war zehn Jahre älter als Dahhak. Fatimas Mutter Umaima war eine Tochter der Banu Kinana. Ihre erste Ehe schloss sie mit Abu Amr Hafs ibn al-Mughira. [Al-Isti’ab-4/383 (Randnotiz zu Al-Isaba); Tabaqat-8/273] In der ersten Phase des islamischen Aufrufs in Mekka nahm sie den Islam an, und als die Frauen begannen, von Mekka auszuwandern, wanderte auch sie aus. [Usud al-Ghaba-5/526]

Im Jahr 10 nach der Hidschra wurde unter der Führung von Hadhrat Ali (ra) ein Heer in Richtung Jemen entsandt. Fatimas Ehemann Abu Amr gehörte ebenfalls diesem Heer an. Amr hatte Fatima bereits zweimal geschieden. Nun ließ er ihr bei der Abreise aus Medina durch ihren Ehebevollmächtigten Ayyash ibn Rabi’a (ra) die Nachricht von der dritten Scheidung übermitteln. Zugleich sandte er ihr fünf Saʿ Gerste und fünf Saʿ Datteln als Lebensunterhalt. Als Fatima von Ayyash Unterhalt und eine Unterkunft verlangte, sagte er: „Dein Ehemann hat nur diese Datteln und diese Gerste geschickt. Darüber hinaus haben wir nichts. Auch das, was dir gegeben wurde, geschah lediglich aus Güte und Mitgefühl. Andernfalls hast du bei uns keinerlei Anspruch auf etwas.“

Fatima konnte Ayyashs Worte nicht hinnehmen. Sie packte ihre Kleidung zusammen und begab sich direkt zum Gesandten Allahs (sallallahu alaihi wa sallam). Auch Khalid ibn al-Walid und einige andere Personen waren dort anwesend. Fatima schilderte ihr gesamtes Erleben. Der Gesandte (sallallahu alaihi wa sallam) fragte: „Wie oft hat Abu Amr dich geschieden?“ Sie antwortete: „Dreimal.“ Der Gesandte (sallallahu alaihi wa sallam) sagte: „Dann ist Abu Amr nun nicht mehr dafür verantwortlich, für deinen Lebensunterhalt und deine Unterkunft zu sorgen. Bleibe jetzt bei Schuraik und vollende dort deine ʿIdda.“ Da sich jedoch im Haus von Umm Schuraik ihre Verwandten und Angehörigen aufhielten, sagte er weiter: „Ibn Maktum ist ein blinder Mann und dein Cousin väterlicherseits. Daher ist es besser, wenn du bei ihm deine ʿIdda vollendest.“

Hadhrat Fatima blieb entsprechend der Anweisung des Gesandten Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) im Haus von Ibn Maktum. Nach Vollendung ihrer ʿIdda trafen von allen Seiten Heiratsanträge ein. Darunter waren auch die Anträge von Muʿawiya ibn Abi Sufyan, Abu Jahm und Usama ibn Zaid. Fatima (ra) beriet sich mit dem Gesandten Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) über diese Anträge. Der Gesandte (sallallahu alaihi wa sallam) sagte: „Muʿawiya ist mittellos und besitzt nicht viel, und Abu Jahm ist ein streitsüchtiger und grobherziger Mann. Usama ibn Zaid ist besser als diese beiden. Heirate ihn.“ Fatima glaubte, dass der Gesandte (sallallahu alaihi wa sallam) selbst ihr die Stellung einer Ehefrau geben würde. Deshalb zögerte sie, Usama zu heiraten. Als der Gesandte (sallallahu alaihi wa sallam) ihren Zustand bemerkte, sagte er zu ihr: „Was hindert dich daran, ihn zu heiraten? Gehorche Allah und Seinem Gesandten (sallallahu alaihi wa sallam). Darin liegt Gutes für dich.“ Aufgrund dieser Worte des Gesandten Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) heiratete Fatima (ra) Usama ibn Zaid. Später pflegte Fatima (ra) zu sagen: „Nach dieser meiner Heirat wurde ich zum Gegenstand des Neides der Menschen.“ [Sahih Muslim-1/483; Musnad-6/411–414; Tabaqat-8/274–275]

Nach dem Tod des Kalifen Hadhrat Umar (ra) im Jahr 23 nach der Hidschra fanden die Sitzungen des Schura-Rats im Haus von Fatima (ra) statt. [Al-Isti’ab-4/383; Usud al-Ghaba-5/527] Im Jahr 54 nach der Hidschra starb ihr Ehemann Usama (ra). Der Schmerz über die Trennung von ihrem Ehemann belastete sie sehr. Als Witwe verbrachte sie den Rest ihres Lebens im Haushalt ihres Bruders Dahhak. Später, als Yazid ibn Muʿawiya (ra) während seines Kalifats Dahhak ibn Qais zum Statthalter des Irak ernannte, zog Fatima zu ihm nach Kufa und blieb dort. [Usud al-Ghaba-5/526] Das genaue Todesjahr ist nicht bekannt. Sie lebte jedoch noch während des Kalifats von Abdullah ibn az-Zubair (ra). [Sahih Muslim-1/485]

Sie war eine schöne Frau. [Al-Isaba-4/384] Zugleich war sie eine Frau von außergewöhnlicher Intelligenz und Klugheit, von hohem kulturellem Geschmack sowie von ausgewogenem Urteil und reifem Denken. [Usud al-Ghaba-5/526]

Die Tochter von Hadhrat Saʿid ibn Zaid war die Ehefrau von Abdullah ibn Amr ibn Uthman. Fatima (ra) war die Tante mütterlicherseits dieses Mädchens. Abdullah sprach die dreifache Scheidung gegenüber seiner Frau aus. Fatima forderte das Mädchen auf, zu ihr zu kommen. Als Marwan davon erfuhr, schickte er Qubaisa zu ihr. Qubaisa kam zu Fatima und sagte: „Wie können Sie eine Frau aus dem Haus weisen, bevor sie ihre ʿIdda vollendet hat?“ Sie antwortete: „Weil der Gesandte (sallallahu alaihi wa sallam) mich genau dazu angewiesen hatte.“ Danach schilderte sie das Ereignis aus ihrem eigenen Leben und rezitierte zur Unterstützung den folgenden Vers aus dem Koran.(Arabisch**********)[Sure at-Talaq, Verse 1–2] Nachdem sie diesen Abschnitt rezitiert hatte, sagte sie: „Bis hierhin bezieht es sich auf den Fall einer widerruflichen Scheidung, also einer Scheidung, bei der die Ehefrau zurückgenommen werden kann. Unmittelbar danach heißt es:(Arabisch*********)„Wenn ihr Frauen scheiden wollt, dann scheidet sie unter Beachtung ihrer ʿIdda und berechnet die ʿIdda. Fürchtet Allah, euren Herrn. Weist sie nicht aus ihren Häusern aus, es sei denn, sie begehen eine offenkundige schändliche Tat. Wenn sie dann das Ende ihrer ʿIdda erreichen, dann behaltet sie in angemessener Weise oder trennt euch in angemessener Weise von ihnen.“

Auf Grundlage dieses zuletzt genannten Verses bleibt nach einer dreifachen Scheidung unter keinen Umständen eine Möglichkeit bestehen. Danach sagte sie: „Da es nach unserer Auffassung in diesem Fall nicht angebracht ist, der Ehefrau Unterhalt zu gewähren, wenn sie nicht schwanger ist, gibt es keinen Sinn darin, sie weiterhin festzuhalten.“ [Sahih al-Bukhari-9/421–422; Sahih Muslim, Kapitel über die Scheidung, Hadith Nr. 1480; Abu Dawud, Hadith über die Scheidung, Nr. 2284; at-Tirmidhi, Nikah, Hadith Nr. 1135; Muwatta von Imam Malik-1/98; Musnad-6/415–416]

Hazrat Fatima bint Qais (ra) überlieferte einige Hadithe des Gesandten Allahs (s.a.w.s.). Zu den bedeutendsten Personen, die diese Hadithe von ihr hörten und überlieferten, gehören: Qasim ibn Muhammad, Abu Bakr ibn Abu Jahm, Abu Salama, Sa’id ibn al-Musayyab, Urwa, Abdullah ibn Abdullah, Aswad, Sulaiman ibn Yasar, Abdullah al-Bahi, Muhammad ibn Abd ar-Rahman ibn Thawban, Scha’bi, Abd ar-Rahman ibn Asim und Tamim. [Siyar a’lam an-nubala-2/319; al-Isti’ab-4/383; Sahabiyyat-180]

Hazrat Fatima (ra) war eine äußerst kultivierte, geschmackvolle und höfliche Frau. Der berühmte Tabi’i-Imam Scha’bi war ihr Schüler. Einmal besuchte er Fatima. Fatima (ra) gab ihm Datteln zu essen und bereitete ihm ein Getränk aus geröstetem Mehl zu. [Sahih Muslim-1/484]

Fatima bint Khattab (ra)


Der Vater von Hazrat Fatima (ra) war al-Khattab ibn Nufayl, ein Nachkomme des al-Adawi-Zweigs des Quraisch-Stammes von Mekka. Ihre Mutter, Hantama bint Hashim ibn al-Mughira, war eine Tochter des al-Makhzumi-Zweigs des Quraisch-Stammes. [Ibn Sa’d, Tabaqat-8/267; al-Isaba-4/370] Fatimas (ra) herausragendste Eigenschaft war, dass sie die leibliche Schwester von Hazrat Umar ibn al-Khattab (ra) und die Ehefrau von Hazrat Sa’id ibn Zayd (ra) war. Ihr Beiname war Umm Dschamil. [Usd al-Ghaba-5/519; al-Isti’ab-4/370] In jener frühen Phase des Islam in Mekka gehörten Fatima (ra) und ihr Ehemann zu den wenigen Männern und Frauen, die den Islam annahmen, noch bevor der Gesandte Allahs (s.a.w.s.) im Haus von al-Arqam ibn Abi al-Arqam (ra) Aufenthalt nahm. [Tabaqat-8/267; Nisa min asr an-nubuwwa-462]

Fatima war eine äußerst kluge, weitsichtige Frau mit klarem Wesen und reinem Herzen. Ihr Glaube war so fest, dass nicht die geringste Spur von Zweifel darin Raum finden konnte. Es wird überliefert, dass nach Hazrat Chadidscha (ra) unter den Frauen zunächst Umm al-Fadl, die Ehefrau von Abbas ibn Abd al-Muttalib (ra), Asma (ra), die Tochter von Hazrat Abu Bakr (ra), und Fatima, die Tochter von Khattab (ra), den Islam annahmen. [as-Sira al-Halabiyya-1/445] Nachdem Ibn Hischam die Namen von acht Personen erwähnt hatte, die in der frühen mekkanischen Phase den Islam annahmen, führt er unter den zehn Männern und Frauen, deren Annahme des Islam er anschließend bespricht, auch Sa’id ibn Zayd und seine Ehefrau Fatima (ra) auf. [Sira Ibn Hischam-1/252–254]

Die polytheistischen Quraisch von Mekka quälten die Muslime auf vielerlei Weise. Umar ibn al-Khattab (ra) ließ auch seine Schwester Fatima (ra) wegen ihrer Annahme des Islam misshandeln. Er misshandelte auch andere Muslime. Doch seine Schwester Fatima erweckte in ihm Reue und führte ihn zum Islam.

Noch vor dem Aufkommen des Islam wurde Fatima (ra) mit Sa’id ibn Zayd ibn Amr ibn Nufayl aus dem Quraisch-Stamm von Mekka verheiratet. Sa’id wanderte nach Medina aus und nahm an allen Feldzügen, einschließlich der Schlacht von Badr, an der Seite des Gesandten Allahs (s.a.w.s.) teil. Er war einer der zehn Glückseligen, denen der Gesandte Allahs (s.a.w.s.) die frohe Botschaft vom Paradies verkündete. Er starb im Jahr 51 nach der Hidschra in Medina. [al-A’lam-3/146; Siyar a’lam an-nubala-1/124] Es wird überliefert, dass die beiden Ehepartner gemeinsam den Islam annahmen. Ebenso wird überliefert, dass Fatima vor ihrem Ehemann Muslimin wurde. [al-Isti’ab, Randnotiz zu al-Isaba-4/383]

Die Annahme des Islam durch Fatima und Umar (ra)

In zuverlässigen frühen Quellen ist der ausführliche Bericht über den Übertritt Hadhrat Umars (r.a.) zum Islam in verschiedenen Überlieferungen überliefert. Hier wird die zusammengefasste Darstellung dieser Überlieferungen wiedergegeben.

Umar war wegen seines rauen Temperaments, seines harten Wesens und seiner äußerst feindseligen Haltung gegenüber dem Gesandten Allahs (s.a.w.) bekannt. Eines Tages verließ er das Haus mit einem Schwert über der Schulter, um den Gesandten Allahs (s.a.w.) zu töten.

Unterwegs traf er Nuʿaym ibn ʿAbdullah an-Nahhām. Dieser fragte: „Umar, wohin gehst du?“ Umar antwortete: „Ich gehe, um Muhammad zu töten.“ Nuʿaym sagte: „Wenn du Muhammad tötest, werden Banū Hāschim und Banū Zuhra dich dann verschonen?“ Umar sagte: „Es scheint, dass auch du die Religion deiner Vorfahren aufgegeben hast und ein Ungläubiger geworden bist.“ Nuʿaym sagte: „Umar, soll ich dir etwas höchst Erstaunliches erzählen? Deine Schwester und ihr Ehemann haben beide den Islam angenommen und die Religion aufgegeben, der du folgst.“ Als Umar (r.a.) dies hörte, machte er sich wütend und aufgebracht zum Haus seiner Schwester und seines Schwagers auf. Dort befand sich gerade Hadhrat Khabbāb ibn al-Aratt (r.a.). Bei sich hatte er ein Heft, in dem die Sure Tā-Hā niedergeschrieben war. Er lehrte den beiden diese Sure. Als sie bemerkten, dass Umar (r.a.) gekommen war, versteckte sich Khabbāb (r.a.) in einer Ecke des Hauses. Fātima verbarg das Heft. Umar (r.a.) hatte, als er sich dem Haus näherte, gehört, dass Khabbāb ihnen den Qurʾān lehrte. Deshalb fragte er unmittelbar nach seinem Eintreten: „Was war das für ein murmelndes Geräusch, das ich hier bei euch gehört habe?“ Sie antworteten: „Wir haben uns miteinander unterhalten.“ Umar sagte: „Wahrscheinlich seid ihr vom Glauben abgefallen. Ich habe erfahren, dass ihr Anhänger der Religion Muhammads geworden seid.“ Sein Schwager Saʿīd (r.a.) sagte: „Umar, was wirst du tun, wenn die Wahrheit außerhalb deiner eigenen Religion zu finden ist?“ Nun konnte Umar (r.a.) sich nicht mehr beherrschen. Er stürzte sich auf Saʿīd, schlug ihn mit Fäusten und Tritten zu Boden und trat auf ihn ein. Fātima zog Umar, der auf ihrem Ehemann saß, von ihm weg. Doch Umar (r.a.) schlug Fātima (r.a.) so heftig ins Gesicht, dass ihr Gesicht mit Blut bedeckt war. Darauf sagte Fātima: „Umar, die Wahrheit liegt außerhalb deiner Religion. Ich bezeuge, dass es keinen Gott außer Allah gibt. Und ich bezeuge, dass Muhammad (s.a.w.) der Gesandte Allahs ist. Ich habe den Islam bereits angenommen. Jetzt gibt es aus Angst vor dir keine Möglichkeit mehr, ihn wieder zu verlassen.“

Als Umar (r.a.) das blutverschmierte Gesicht seiner Schwester sah, erschrak er. Er schämte sich und bereute es. Er sagte: „Gut, gebt mir bitte das Heft, das ihr gelesen habt, damit ich es mir ansehe.“ Umar konnte lesen und schreiben. Seine Schwester war sehr darauf bedacht, dass ihr Bruder Umar den Islam annahm. Sie sagte: „Du bist ein unreiner Mensch, und niemand außer reinen Menschen darf es berühren. Geh und bade dich, dann komm zurück.“ Wie ein gehorsamer Knabe stand Umar auf, wusch sich und kehrte zurück. Dann nahm er das Heft in die Hand und las: (Arabisch*********) „Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen.“ Nachdem er dies gelesen hatte, sagte er: „Wie schön und heilig sind diese Namen.“ Dann las er: (Arabisch *********) bis zu diesem Vers: [Sure Tā-Hā 14] (Arabisch******) „Ich bin Allah. Es gibt keinen Gott außer Mir. So diene Mir und verrichte das Gebet zu Meinem Gedenken.“

Danach rief er voller Freude aus: „Das sind ja höchst wunderbare und erhabene Worte! Wo ist Muhammad? Führt mich zu ihm.“

Als Khabbāb ibn al-Aratt (r.a.) diesen Ausruf Umars (r.a.) hörte, eilte er zu ihm. Er sagte zu Umar: „Umar, frohe Botschaft für dich! Ich hoffe, dass das Bittgebet, das der Gesandte Allahs (s.a.w.) am vergangenen Donnerstag gesprochen hat, in deinem Fall erhört worden ist. Dieses Bittgebet lautete: (Arabisch**************) „O Allah, stärke den Islam durch Umar ibn al-Khattāb oder durch Abū Dschahl ibn Hischām.“ Khabbāb (r.a.) teilte ihm außerdem mit, dass der Gesandte Allahs (s.a.w.) sich nun im Haus al-Arqams am Fuß des Berges Safā aufhielt.

Daraufhin begab sich Umar (r.a.) zum Haus al-Arqams nahe dem Berg Safā und erklärte vor dem Gesandten Allahs (s.a.w.) seinen Übertritt zum Islam. [Für eine ausführliche Darstellung des Ereignisses siehe: Sīrat Ibn Hischām 1/343–345; at-Tabaqāt 3/267–268; Usud al-Ghāba 4/52–53; Sifat as-Safwa 1/269–271; Aʿlām an-Nisāʾ 4/50; adh-Dhahabī, Tārīkh 1/174–175]

Fātima (r.a.) war überglücklich, dass sie ihren Bruder trotz der Schläge, die sie durch seine Hand erlitten hatte, zum Islam hatte führen können. Als der Befehl zur Auswanderung von Mekka nach Medina erging, zogen Fātima und ihr Ehemann Saʿīd ibn Zayd (r.a.) in der ersten Gruppe der Auswanderer nach Medina. [Al-Istīʿāb 2/553] Dort beteiligte sie sich nach Kräften gemeinsam mit den anderen muslimischen Frauen am Aufbau der islamischen Gesellschaft.

Ibn al-Dschauzi (r.h.) sagte, dass Fatima (r.a.) Hadithe vom Gesandten Allahs (s.a.w.) überliefert habe. Wie viele es waren, lässt sich jedoch nicht feststellen. In den authentischen Hadith-Sammlungen findet sich kein von ihr überlieferter Hadith. [Nisa min asr an-nubuwwa – 468] Ibn Hadschar (r.h.) überlieferte diesen Hadith von ihr. (Arabisch****************)[Al-Isaba – 4/381]

„Ich hörte den Gesandten Allahs (s.a.w.) sagen: Solange sich unter meiner Umma keine Liebe zur Welt durch sündige Gelehrte, Unwissende und tyrannische Herrscher zeigt, werden sie in Gutem und Wohlergehen bleiben. Wenn sich jedoch unter ihnen die Liebe zur Welt zeigt, befürchte ich, dass Allah dann eine umfassende Strafe über sie verhängen wird.“

Im Werk „ad-Durr al-Manthur“ wird ihre Größe und ihr Rang folgendermaßen beschrieben: (Arabisch*******) [ad-Durr al-Manthur – 364]

„Sie war eine äußerst redegewandte, gebildete und kluge Frau. Bei ihrem Tod hinterließ sie vier Söhne. Sie liebte das Gute und Wohltätige, verabscheute das Böse und Schlechte, gebot das Rechte und verbot das Unrechte.“

Sie starb während des Kalifats von Umar (r.a.). Bei ihrem Tod hinterließ sie vier Söhne. Sie hießen: Abdallah, Abd ar-Rahman, Azyad und Aswad. [ebenda]

Fatima bint al–Asad ((r.a.))


Sie war eine herausragende Sahabija, die den Gesandten Allahs (s.a.w.) so beschützte, wie die Brust eines Menschen sein Herz und die Wimpern seine Augen schützen. Sie liebte den Gesandten Allahs (s.a.w.) so, wie eine fürsorgliche Mutter ihr einziges Kind liebt. Ihr Name gehört zu den Namen jener herausragenden Frauen, deren Verdienste in der Geschichte der frühen islamischen Zeit in goldenen Lettern verzeichnet wurden. Sie besaß große Vorzüglichkeit und Würde. Nach dem Tod von Abd al-Muttalib, dem Großvater unseres geliebten Propheten Muhammad (s.a.w.), wurde ihr die Ehre zuteil, für seine Erziehung und Betreuung zu sorgen. Sie war die stolze Mutter von Ali ibn Abi Talib (r.a.), dem vierten Kalifen des Islam und einem der herausragendsten berittenen Helden und Krieger unter den Gefährten des Gesandten Allahs (s.a.w.). Sie war die Großmutter von Hasan und Husain (r.a.), den beiden Anführern der Jugendlichen des Paradieses. Sie war die Mutter von Dschaʿfar at-Tayyar (r.a.), einem der drei Märtyrer der großen Schlacht von Mu’ta. Vor allem aber war sie die Schwiegermutter von Fatima az-Zahra (r.a.), der geliebten Tochter des Gesandten Allahs (s.a.w.) und Mutter von Hasan und Husain (r.a.). Imam Schams ad-Din adh-Dhahabi (r.h.) stellte sie folgendermaßen vor: (Arabisch*************) [Siyar aʿlam an-nubala – 2/118]

Fatimas Vater hieß Asad. Ihr Großvater war Haschim und ihr Urgroßvater Abd Manaf ibn Kusai. Sie war eine Tochter aus dem haschimitischen Zweig des Stammes Quraisch und die Mutter von Ali ibn Abi Talib. Bei Haschim trifft ihre Abstammung mit der Abstammung des Gesandten Allahs (s.a.w.) zusammen. Abd al-Muttalib, der Großvater des Gesandten Allahs (s.a.w.), war einerseits ihr Schwiegervater und andererseits ihr Onkel. Sie gehörte zu den Frauen, die in der frühen Zeit von Mekka nach Medina auswanderten.

Als ʿAbd al-Muttalib, der Großvater des Gesandten Allahs (s.a.), erkannte, dass sich das Ende seines Lebens näherte, ließ er seinen Sohn Abū Tālib zu sich rufen und übertrug ihm die Fürsorge für seinen verwaisten Neffen Muḥammad ibn ʿAbdullāh. Er wünschte, dass sein verwaister Enkel unter der unmittelbaren Obhut von Abū Tālib und dessen Frau Fāṭima bint Asad aufwachsen sollte. Er ermahnte sie, Muḥammad besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Von da an gehörte der junge Muḥammad zum Haushalt seines Onkels und seiner Tante, Abū Tālib und Fāṭima (r.a.). Fāṭima widmete sich gemeinsam mit ihrem Ehemann der Betreuung und Erziehung Muḥammads. Nachdem der junge Muḥammad in ihre Familie aufgenommen worden war, stellte sie fest, dass das Essen ihrer Kinder außerordentlich gesegnet war, wenn sie gemeinsam mit Muḥammad aßen. Abū Tālib hatte viele Söhne und Töchter. Er war ein äußerst armer Mann. Die Nahrung, die jedes Mal für seine Familie bereitgestellt wurde, reichte nicht aus, um alle satt zu machen, wenn sie gemeinsam oder auch einzeln davon aßen. Doch wenn Muḥammad mit ihnen aß, wurden alle satt. Deshalb pflegte Abū Tālib, wenn seine Kinder sich zum Essen setzten, zu sagen: „Wartet ein wenig, bis mein Sohn Muḥammad kommt.“ Er kam, aß mit ihnen, und ihr Essen blieb übrig. Wenn er zuerst aus einem Becher Milch trank, waren alle von ihnen satt, obwohl einer allein den ganzen Becher hätte austrinken können. Deshalb sagte Abū Tālib zu ihm: „Du bist ein überaus gesegneter Junge.“

Gewöhnlich sind Kinder und Jugendliche zerzaust und staubbedeckt, doch Muḥammad (s.a.) war stets gepflegt und hatte Öl und Kohl aufgetragen. [Sīrat Ibn Hišām-1/120] Fāṭima bint Asad beobachtete all dies. Dadurch wuchsen ihre Zuneigung und mütterliche Liebe zu Muḥammad (s.a.) noch mehr, und sie kümmerte sich noch fürsorglicher um ihn. So zog sie ihn von seiner Kindheit bis zu seiner Jugend, ja bis zu seiner Heirat mit Ḫadīǧa (r.a.), mit größerer Zuneigung und Liebe auf als ihre eigenen Kinder. Sie behütete ihn, als würde sie ihn in den Saum ihres Gewandes vor jedem Unheil und Übel verbergen. Deshalb sah der Prophet (s.a.) sein ganzes Leben lang in seiner Tante Fāṭima bint Asad das Ebenbild seiner eigenen Mutter Āmina bint Wahb. Er betrachtete sie nach seiner leiblichen Mutter als seine zweite Mutter.

Fāṭima bint Asad (r.a.) hörte aufmerksam allem zu, was die Menschen über Muḥammad (s.a.) sagten, insbesondere den Worten ihres Ehemannes Abū Tālib, der häufig sagte: [as-Sīra al-Ḥalabiyya-1/189; Nisāʾun Mubaššarāt bil-Ǧanna-41] „Mein Neffe wird ein Mann von großer Ehre werden.“ Aus dem Mund ihres Ehemannes hörte sie außerdem den Bericht über die wundersamen Ereignisse, die sich während der Reise nach Syrien um den jungen Muḥammad (s.a.) ereignet hatten. Darüber hinaus hörte sie den Bericht Maisaras, des Dieners Ḫadīǧas, über das, was er während seiner Reise nach Syrien mit dem jungen Muḥammad (s.a.) selbst erlebt hatte. Was sie selbst an Muḥammad (s.a.) beobachtet und was sie aus dem Mund anderer über ihn gehört hatte, beeindruckte und begeisterte sie so sehr, dass sie nicht das geringste Zögern oder Bedenken hatte, ihren Augapfel ʿAlī seiner Obhut anzuvertrauen.

Aus nächster Nähe hatte sie in Muḥammad (s.a.) die Gestalt eines liebevollen Vaters gesehen. Sie hatte beobachtet, wie groß Muḥammads (s.a.) Interesse und Eifer für ʿAlī seit dessen Geburt waren. Es wird berichtet, dass sie sagte: Nach der Geburt ʿAlīs nahm Muḥammad etwas Speichel aus seinem eigenen Mund und gab ihn in dessen Mund. Dann schlief ʿAlī ein, während er an Muḥammads Zunge saugte. Am nächsten Morgen ließen wir eine Amme für ʿAlī holen. Doch keine Brust nahm er an. Ich rief Muḥammad. Er gab etwas Milch auf seine Zunge, und ʿAlī schlief ein, während er daran saugte. So ging es weiter, solange Allah es wollte. [as-Sīra al-Ḥalabiyya-1/432; ebenda] Als Fāṭima bint Asad dies alles sah und hörte, nahmen ihre Zuneigung und Verehrung für Muḥammad von Tag zu Tag zu. Sie ermahnte ihren Sohn ʿAlī, Muḥammads (s.a.) ständiger Begleiter zu sein.

Als der Gesandte (s.a.) anfangs im Hof der Kaʿba das Gebet verrichtete, maßen die Quraisch dem keine große Bedeutung bei. Als er später regelmäßig zu beten begann, bewachten ihn ʿAlī und Zayd. Schließlich kam es dazu, dass die beiden den Gesandten (s.a.) ständig begleiteten, sobald er das Haus verließ. Eines Tages war ʿAlī (r.a.) gemeinsam mit dem Gesandten Allahs (s.a.) aus dem Haus gegangen, und Abū Tālib konnte ihn nicht finden, als er ihn rief. ʿAlīs Mutter Fāṭima sagte: „Ich habe gesehen, wie er mit Muḥammad gegangen ist.“ Während Abū Tālib nach ihnen suchte, fand er sie in Šiʿb Abī Ṭālib. Muḥammad (s.a.) stand im Gebet, und ʿAlī (r.a.) bewachte ihn. [Ansāb al-Ašrāf-1/111]

Muḥammad (s.a.) wurde zum Propheten berufen. Ihm wurde befohlen, seinen eigenen Stamm sowie seine Verwandten und Freunde zum Islam aufzurufen. Allah offenbarte:(Arabisch *******)[Sūrat aš-Šuʿarāʾ-214] „Warne deine nächsten Verwandten.“

Der Prophet (s.a.) erfüllte den Befehl seines Herrn. Er rief seine nächsten Verwandten zum Wohl in dieser Welt und im Jenseits auf. Er forderte sie auf, an Allah und Seinen Gesandten zu glauben. Unter den wenigen Frauen, die in dieser allerersten Phase des Islam an Allah und Seinen Gesandten glaubten und Muslime wurden, war Fāṭima bint Asad eine der herausragenden. An jenem Tag war ihr Ehemann Abū Tālib nicht in der Lage, auf den Aufruf seines Neffen Muḥammad (s.a.) zu antworten, doch ihr jugendlicher Sohn ʿAlī (r.a.) glaubte an Allah und Seinen Gesandten.

Von hier an begann der zweite Abschnitt im Leben dieser großen Ṣaḥābiyya, Fāṭima bint Asad (r.a.). Die Quraisch erhoben sich mit aller Entschlossenheit gegen Muḥammad und seine Religion, den Islam. Sie gerieten in Streit mit den Banū Hāšim. Als sie sahen, dass Abū Tālib und seine Frau Muḥammad (s.a.) unterstützten und ihm Schutz gewährten, forderten sie, dass Muḥammad ihnen ausgeliefert werde. Doch der Onkel und die Tante blieben fest an der Seite ihres Neffen Muḥammad (s.a.). Sie beugten sich keinem Druck. Die Forderung, Muḥammad (s.a.) ihnen auszuliefern, wiesen sie entschieden zurück. Daraufhin wurden sie gegenüber all jenen, die gläubig geworden und Muḥḥammads (s.a.) Anhänger waren, rachsüchtig.

Als der Prophet (s.a.w.s.) sah, dass die Quraisch bei der Verfolgung und Misshandlung seiner Anhänger jedes Maß überschritten, erlaubte er ihnen, nach Abessinien auszuwandern. Zu der Gruppe von Muslimen, die als Erste nach Abessinien auswanderten, um der Verfolgung durch die Quraisch zu entkommen, gehörten auch Jaʿfar ibn Abī Tālib (r.a.), das geliebte Kind Fātimas bint Asad, und seine Frau Asmā bint ʿUmaīs (r.a.). Bei seiner Abreise glich dieser Sohn seiner Mutter Fātima (r.a.) in Aussehen, Charakter und Benehmen dem Edlen Propheten (s.a.w.s.). Die fünf Männer aus den Quraisch, die nach Ansicht der Menschen dem Gesandten Allahs (s.a.w.s.) ähnlich sahen, waren: Jaʿfar ibn Abī Tālib, Quthām ibn al-ʿAbbās, as-Sāʾib ibn ʿUbaid ibn ʿAbd Yāzīd ibn Hāschim ibn ʿAbd al-Muttalib, Abū Sufyān ibn al-Hārith ibn ʿAbd al-Muttalib und al-Hasan ibn ʿAlī ibn Abī Tālib (r.a.). [Nisāʾun Mubaschirāt bil-Dschanna-42]

Als die Quraisch sahen, dass die Angelegenheit allmählich ihre Macht überstieg, beschlossen sie, alle Männer und Frauen, Kinder, Jugendlichen und Alten der Banū Hāschim und der Banū ʿAbd al-Muttalib im Tal „Schiʿb Abī Tālib“ unter Belagerung zu halten. Fātima bint Asad (r.a.) nahm diese Belagerung gemeinsam mit den anderen Frauen auf sich, um Allahs Wohlgefallen zu erlangen. Wie die anderen war auch sie während dieser drei Jahre des Lebens unter Belagerung grenzenlosem Hunger und Entbehrung ausgesetzt und konnte ihr Leben nur notdürftig durch das Essen von Blättern erhalten. Schließlich wurde die Belagerung nach drei Jahren, im zehnten Jahr der Prophetie, aufgehoben. Gemeinsam mit den anderen Muslimen kehrte auch Fātima (r.a.) in ein Leben in Freiheit zurück. Während dieser drei Jahre bewiesen die Frauen äußerste Geduld und Standhaftigkeit.

Nachdem sie aus „Schiʿb Abī Tālib“ befreit worden waren, verstarben im zehnten Jahr der Prophetie innerhalb nur weniger Tage zwei Menschen, die dem Gesandten Allahs (s.a.w.s.) besonders nahestanden. Zuerst schied seine geliebte Ehefrau, die Mutter der Gläubigen, Hadīdscha bint Chuwailid (r.a.), aus dieser Welt, und danach sein Onkel Abū Tālib. Bis dahin waren diese beiden im Leben des Gesandten Allahs (s.a.w.s.) wie ein Schutzschild gewesen. Nun begannen die tyrannischen Quraisch in ihrer Abwesenheit, den Propheten (s.a.w.s.) und seine Anhänger noch heftiger zu unterdrücken und zu verfolgen. Schließlich erlaubte Allah, der Erhabene, dem Edlen Propheten (s.a.w.s.) und den Muslimen, nach Medina auszuwandern.

Der Gesandte (s.a.w.s.) und seine Gefährten wanderten nach Medina aus. Auch Fātima bint Asad (r.a.) verließ gemeinsam mit den anderen Mekka und begab sich nach Medina. Zubair ibn Bakkār sagt über ihren Islam und ihre Auswanderung:(Arabisch*****************) [al-Istīʿāb-4/370] „Sie nahm den Islam an und wanderte zu Allah und Seinem Gesandten aus.“

Ihre Stellung und ihr Rang

Der herausragende Tābiʿī-Imam asch-Schaʿbī sagt über ihren Islam und ihre Auswanderung:(Arabisch*****************) [Usd al-Ghāba-(7168); al-Isāba-4/380] „Fātima bint Asad ibn Hāschim, die Mutter von ʿAlī ibn Abī Tālib (r.a.), nahm den Islam an und wanderte nach Medina aus.“

Über die Stellung und Bedeutung Fātima bint Asads (r.a.) beim Gesandten Allahs (s.a.w.s.) sagt Ibn Saʿd:(Arabisch***********) [at-Tabaqāt-8/222; Sifat as-Safwa-2/54; al-Isāba-4/380] „Fātima bint Asad nahm den Islam an. Sie war eine rechtschaffene Frau. Der Gesandte Allahs (s.a.w.s.) besuchte sie und nahm in ihrem Haus die Mittagsruhe ein.“

Wegen ihrer Wahrhaftigkeit und Frömmigkeit erwies ihr der Gesandte (s.a.w.s.) außerordentliche Verehrung und Hochachtung. Als Gegenleistung dafür, dass sie ihn aufgezogen, ihn gutes Benehmen und gute Charakterzüge gelehrt und ihn freundlich behandelt hatte, behandelte auch der Gesandte (s.a.w.s.) sie stets gut. Ihr Sohn ʿAlī (r.a.) heiratete Fātima (r.a.), die Tochter des Gesandten Allahs. Damals erwies sie sich als liebevolle Mutter und vorbildliche Schwiegermutter. Ihr Leben war keineswegs von Wohlstand und Luxus geprägt. Alle Arbeiten mussten sie selbst verrichten. Nachdem ʿAlī (r.a.) Fātima, die Tochter des Propheten, zu sich nach Hause geholt hatte, sagte er zu seiner Mutter: „Ich werde Fātima bint Rasūlullāh beim Wasserholen und, wenn nötig, bei ihren Wegen hierhin und dorthin helfen; du aber sollst ihr bei der Hausarbeit, beim Mahlen des Getreides und beim Kneten des Mehls helfen.“ [Sifat as-Safwa-2/54; adh-Dhahabī, Tārīch al-Islām-3/621; Usd al-Ghāba-5/517]

Aufgrund der außerordentlichen Verehrung und Hochachtung, die der Gesandte Allahs (s) für Fatima bint Asad empfand, schickte er ihr gelegentlich verschiedene Geschenke und Gaben. Dschaʿda ibn Hubaira überlieferte von Ali. Er sagte: Einmal schickte uns der Gesandte (s) ein Paar äußerst hochwertiger neuer Stoffe. Zugleich ließ er ausrichten: „Fertigt daraus Niqab-Stoffe an und verteilt sie unter den Fatimas.“ Ich teilte sie in vier Stücke. Ein Stück gab ich Fatima bint Rasulillah, ein Stück Fatima bint Asad und ein weiteres Stück Fatima bint Hamza (ra). Wem er das vierte Stück gab, erwähnte er jedoch nicht. Ibn Hadschar (rah) sagte: Wahrscheinlich gab er es Fatima bint Schaiba, der Ehefrau von Aqil ibn Abi Talib. [Usud al-Ghaba-5/517; al-Isaba-4/380] Es sei erwähnt, dass es vierundzwanzig weibliche Gefährtinnen mit dem Namen Fatima gab. [Nisa’un min asr an-nubuwwa-22; Nisa’un mubascharat bil-dschanna-44]

Ibn al-Athir sagte, Fatima bint Asad sei die erste haschimitische Frau gewesen, die ein Kind aus dem haschimitischen Geschlecht gebar. [Al-Istiʿab-2/774; Siyar aʿlam an-nubala-2/118] Sie war die erste Haschimitin, in deren Schoß ein Kalif geboren wurde. Danach wurde al-Hasan ibn Ali (ra) von Fatima bint Rasulillah (s) geboren. Später wurde im Schoß Zubaidas, der Ehefrau des Kalifen Harun ar-Raschid, der Kalif al-Amin geboren. [Nisa’un mubascharat bil-dschanna-45]

Auch in den Herzen der edlen Gefährten nahm Fatima bint Asad (ra) einen ehrenvollen Platz ein, insbesondere bei den Gefährtendichtern. Nachdem Dschafar ibn Abi Talib (ra) in Muʾta den Märtyrertod gefunden hatte, pries der Dichter Hassan ibn Thabit (ra) in dem zu seinem Gedenken verfassten Gedicht auch seine Mutter Fatima ausführlich. [Sira Ibn Hischam-2/151]

Ebenso pries der Dichter al-Haddschadsch ibn ʿIlat as-Sulami die Mutter von Ali (ra), als er dessen Tapferkeit und Mut in der Schlacht von Uhud lobte. [Al-Bidaya wan-Nihaya-7/336; Nisa’un mubascharat bil-dschanna-45]

Viele sind der Ansicht, dass sie vor der Hidschra verstorben sei. Das ist jedoch nicht richtig. Imam as-Samhudi erwähnte in seinem Werk „Al-Wafa bi achbar Dar al-Mustafa“, dass sie in Medina starb und auf dem Friedhof „ar-Rauha“ beigesetzt wurde. [Al-Isaba-4/380]

Im Herzen des edlen Propheten (s) nahm Fatima bint Asad (ra) einen besonderen Ehrenplatz ein. Deshalb vergaß der Gesandte (s) auch nach ihrem Tod nicht, ihr Ehre zu erweisen. Er hüllte Fatima in sein eigenes Gewand und legte sich in ihrem Grab neben sie. Außerdem pries er sie, indem er ihre guten Taten erwähnte. [Usud al-Ghaba-5/517] As-Samhudi erwähnte, dass der Gesandte Allahs (s) außer diesen fünf Gräbern in kein weiteres Grab hinabgestiegen sei. Von diesen fünf gehörten drei Frauen und zwei Männern. Eines davon befand sich in Mekka und vier in Medina. Die in Medina waren: 1. das Grab des Sohnes von Chadidscha (ra), der im Haus des Gesandten Allahs (s) und unter seiner Obhut gelebt hatte; 2. das Grab von Abdullah al-Muzani (ra), bekannt als „Dhu al-Bidschadain“ (der Besitzer der beiden Tücher); 3. das Grab von Umm Ruman (ra), der Mutter der Umm al-Mu’minin Aischa (ra); 4. das Grab von Fatima bint Asad (ra). [Wafa al-Wafa-3/897; Nisa’un min asr an-nubuwwa-23]

Der Tod von Fatima bint Asad (ra) hinterließ im Herzen des Gesandten (s) und der Gefährten tiefe Trauer. Der Gesandte (s) sprach für sie ein Bittgebet, pries sie und hüllte sie in sein eigenes Gewand. Dschabir ibn Abdullah (ra) sagte: Wir saßen beim Gesandten Allahs (s), als jemand kam und sagte: „O Gesandter Allahs! Die Mutter von Ali, Dschafar und Aqil ist gestorben.“ Der Gesandte Allahs (s) sagte: „Geht alle zu meiner Mutter.“ Wir erhoben uns und gingen so still, als säße auf dem Kopf eines jeden von uns ein Vogel. Als wir die Haustür erreichten, zog der Gesandte (s) sein Gewand aus, gab es den Angehörigen und sagte: „Wenn ihr mit ihrer Waschung fertig seid, legt dieses unter ihr Leichentuch.“

Als die Menschen den Leichnam zur Beisetzung hinaustrugen, legte der Gesandte (s) einmal seine Schulter unter die Bahre, ging einmal vor der Bahre und einmal hinter ihr. So gelangte er bis zum Grab. Dann stieg er in das Grab hinab, wälzte sich darin und kam wieder heraus. Danach sagte er: „Im Namen Allahs und auf dem Namen Allahs hinab mit ihr in das Grab.“ Nachdem die Beisetzung beendet war, richtete er sich auf und sagte: „Meine Mutter und meine Erzieherin! Möge Allah dich reichlich belohnen. Du warst eine ausgezeichnete Mutter und eine ausgezeichnete Erzieherin für mich.“ Dschabir sagte: Wir fragten: „O Gesandter Allahs! Du hast hier zwei Dinge getan, bei denen wir dich noch nie gesehen haben.“ Er sagte: „Welche zwei Dinge?“ Wir antworteten: „Dass du dein Gewand ausgezogen und dich im Grab gewälzt hast.“ Er sagte: „Was das Gewand betrifft, so wollte ich, dass sie – wenn Allah will – niemals vom Feuer der Hölle berührt wird. Und indem ich mich im Grab wälzte, wollte ich, dass Allah ihr Grab erweitert.“ [Kanz al-Ummal-13/636; Siyar aʿlam an-nubala-2/118]

In einer anderen Überlieferung heißt es, dass der Prophet (s) sich im Grab von Fatima bint Asad auf den Rücken legte. Danach sprach er dieses Bittgebet:(Arabisch****************)„O Allah, Du, der Du Leben und Tod gibst. Du bist der Lebendige, der niemals stirbt. Vergib meiner Mutter Fatima bint Asad und lehre sie ihre Beweisführung. Erweitere ihr Grab aufgrund Deines Propheten und der Propheten vor mir. Du bist der Barmherzigste aller Barmherzigen.“

Danach sprach er viermal den Takbīr. Der Gesandte (s), al-ʿAbbās und Abū Bakr as-Siddīq (r) ließen den Leichnam in das Grab hinab. [Nisāʾun Mubashsharāt bil-Dschanna-47]

Hazrat ʿAbdullāh ibn ʿAbbās (r) berichtet: Als Fātima (r), die Mutter von ʿAlī (r), starb, zog der Prophet ihr eines seiner Hemden an und legte sich zu ihr. Die Menschen sagten: „O Gesandter Allahs (s)! Wir haben dich noch nie etwas Derartiges tun sehen.“ Er sagte: „Nach Abū Tālib hat mir niemand mehr Güte erwiesen als sie. Ich zog ihr mein Hemd an, damit sie mit der Kleidung des Paradieses bekleidet werde, und ich legte mich zu ihr, damit ihr die Behandlung erleichtert werde.“ [Aʿlām an-Nisāʾ-4/33; Siyar aʿlām an-nubalāʾ-2/118]

Aus dieser Überlieferung wird ersichtlich, dass Fātima bint Asad (r) gewiss ins Paradies eintreten wird. Imam al-Qurtubī sagte: Allah, der Erhabene, verlieh Seinem Propheten Muhammad (s) die besondere Eigenschaft, dass im Grab keine Grabespressung über ihn kommen würde. Da er im Grab von Fātima bint Asad lag, wurde Fātima (r) durch seinen Segen von der Grabespressung befreit. [as-Sīrat al-ʿalawiyya-2/673]

Hazrat Anas ibn Mālik (r) sagte: Als Fātima bint Asad (r), die Mutter von ʿAlī (r), starb, ging der Gesandte (s) zu ihrem Haus und stellte sich an ihren Kopf. Er sagte: „O meine Mutter, möge Allah sich deiner erbarmen! Nach meiner Mutter hast du mich satt gemacht, während du selbst hungrig bliebst; du hast mich bekleidet, während du selbst nichts zum Anziehen hattest, und du hast mir gute Speisen zu essen gegeben, während du selbst nichts Gutes aßest. Damit erhofftest du Allahs Wohlgefallen und das Jenseits.“ [Madschmaʿ az-zawāʾid-9/256; Nisāʾun Mubashsharāt bil-Dschanna-48]

Der edle Gesandte Allahs (s) war ein so außerordentlich großmütiger Mensch, dass er niemals vergaß, wenn jemand ihm auch nur die geringste Güte und Wohltat erwies. Stets bekundete er ihm durch Worte und Taten seine Dankbarkeit. Wie hätte er also Fātima bint Asad (r) vergessen können, die im Leben des Propheten (s) die Rolle einer Mutter eingenommen, um Allahs und Seines Gesandten willen die Hidschra vollzogen und ihr ganzes Leben lang um das Wohl des Gesandten besorgt gewesen war? Er erwies ihr die Behandlung, die ihr gebührte.

Von Hazrat Fātima bint Asad (r) wurden sechsundvierzig (46) Hadithe vom Gesandten Allahs (s) überliefert. Einer davon ist muttafaq ʿalayh (in al-Buchārī und Muslim mit derselben Überliefererkette überliefert). [Aʿlām an-Nisāʾ-4/33]

Ihre Söhne waren: Tālib, ʿAqīl, Dschāʿfar und ʿAlī (r), und ihre Töchter waren: Hammād und Rīta. [Tabaqāt-8/161]

Sumayya bint Khubbat ((r.a.))


Die ehrwürdige Sumayya (r.a.), die erste Märtyrerin des Islam, war eine weibliche Gefährtin. Über ihre Abstammung ist nicht viel bekannt. Ibn Saʿd nennt den Namen ihres Vaters „Khubbat“ [Tabaqat-8/267], während al-Baladhuri ihn „Khayyat“ nennt. [Ansabul Ashraf-1/157] Sie war die Mutter des berühmten Märtyrer-Gefährten ʿAmmar ibn Yasir (r.a.) und die Sklavin des Makk­aners Abu Hudhaifa ibn al-Mughira al-Makhzumi. [Tabaqat-8/268]

Al-Waqidi und eine Gruppe von Genealogen berichten, dass Yasir, der Vater des ehrwürdigen ʿAmmar (r.a.), aus dem ʿAnsi-Zweig des jemenitischen Stammes Madhhaj stammte. Sein Sohn ʿAmmar jedoch war ein freigelassener Sklave der Banū Makhzum von Makka. Yasir kam zusammen mit seinen beiden Brüdern al-Harith und Malik nach Makka, um nach ihrem verschollenen vierten Bruder zu suchen. Al-Harith und Malik kehrten in ihre Heimat Jemen zurück, Yasir jedoch blieb in Makka. Gemäß dem Brauch von Makka schloss er mit Abu Hudhaifa ibn al-Mughira al-Makhzumi ein Schutz- und Bündnisabkommen und ließ sich bei ihm nieder. Abu Hudhaifa verheiratete seine Sklavin Sumayya mit Yasir, und ihnen wurde ihr Sohn ʿAmmar geboren. Abu Hudhaifa befreite ʿAmmar aus der Sklaverei und behielt ihn bei sich. Solange Abu Hudhaifa lebte, blieb ʿAmmar bei ihm. [Sirat Ibn Hisham-1/261; Anmerkung-4; Ansabul Ashraf-1/157] Es sei erwähnt, dass dieser Abu Hudhaifa der Onkel des niederträchtigen Abu Jahl war. [Al-Aʿlam-3/140] Als die ehrwürdige Sumayya (r.a.) im Alter schwach geworden war, begann in Makka der islamische Aufruf. Schon in der ersten Zeit nahm sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Yasir und ihrem Sohn ʿAmmar heimlich den Islam an. Einige Zeit später bekannten sie sich öffentlich dazu. In Makka hatten sie keine Verwandten oder Freunde, die sie vor der Grausamkeit der Quraisch hätten schützen können. Daher ließen diese nichts unversucht, ihnen maßlose Folter zuzufügen.

Imam Ahmad und Ibn Majah überliefern, dass ʿAbdullah ibn Masʿud (r.a.) sagte: Die Ersten, die den Islam verkündeten, waren sieben: der Gesandte Allahs (s.a.w.), Abu Bakr, ʿAmmar, ʿAmmars Mutter Sumayya, Suhaib, Bilal und al-Miqdad (r.a.). Allah der Erhabene gewährte dem Gesandten Allahs (s.a.w.) durch dessen Onkel Schutz und Abu Bakr durch seinen Stamm. Die anderen jedoch legten die Götzendiener in eiserne Rüstungen und ließen sie in der sengenden Sonne stehen. [Al-Bidaya-3/28; Kanz al-ʿUmmal-7/14; Al-Isaba-4/335; Hayatus Sahaba-1/288]

Hazrat Jabir (r.a.) berichtet: Eines Tages, als die Götzendiener ʿAmmar und seine Angehörigen folterten, ging der Gesandte Allahs (s.a.w.) gerade an diesem Weg entlang. Als er ihren Zustand sah, sagte er: „O Angehörige Yasirs! Freut euch! Euch ist die frohe Botschaft gewiss. Euch ist das Paradies versprochen.“ [Hayatus Sahaba 1/291]

ʿAbdullah ibn Jaʿfar (r.a.) berichtet: Als der Gesandte (s.a.w.) sie in diesem hilflosen Zustand sah, sagte er: „O Angehörige Yasirs, habt Geduld! Euch ist das Paradies bestimmt.“ [Siratu Ibn Hischam 1/320; Ansabul Aschraf 1/160; Hayatus Sahaba 1/291] In der Überlieferung von Ibn Abbas (r.a.) heißt es außerdem, dass Abu Jahl Sumayya (r.a.) mit einem Speer tötete. Yasir starb infolge der Misshandlungen und der Folter, und ʿAbdullah ibn Yasir wurde von einem Pfeil getroffen; daran starb er.

Uthman (r.a.) berichtet: Eines Tages ging ich mit dem Gesandten Allahs (s.a.w.) durch das Tal von al-Batha. Da sah ich, wie der Vater ʿAmmars den Gesandten (s.a.w.) erblickte und ausrief: „O Gesandter Allahs! Ist der Lauf der Zeit wirklich so?“ Der Gesandte (s.a.w.) sagte: „O Angehörige Yasirs, habt Geduld! O Allah, vergib den Angehörigen Yasirs!“ [Tabaqat 3/177; Kanz al-Ummal 7/72]

Nachdem sie den ganzen Tag auf diese Weise die Folter ertragen hatten, wurden sie am Abend freigelassen. Eines Tages kehrte Hazrat Sumayya nach erduldeter Folter wie gewöhnlich am Abend nach Hause zurück. Der erbarmungslose Abu Jahl begann, sie mit obszönen Worten zu beschimpfen. Schließlich überschritt seine Bestialität jedes Maß. Er schleuderte einen Speer auf Sumayya; dieser drang in ihre Geschlechtsteile ein, und daran erlitt sie den Märtyrertod. [Tabaqat 8/265; al-Bidaya 3/59; Sifatus Safwa 2/32] Wahrlich, wir gehören Allah, und zu Ihm kehren wir zurück.

Der Schmerz des Sohnes Ammar über den hilflosen Tod seiner Mutter kannte keine Grenzen. Er kam zum Gesandten Allahs (s.) und sagte: „O Gesandter Allahs! Das Unrecht und die Tyrannei haben nun jedes Maß überschritten.“ Der Gesandte (s.) riet ihm, Geduld zu bewahren. Dann sagte er: „O Allah, bestrafe niemanden aus der Familie Yasirs mit dem Feuer der Hölle.“ [Sīrat Ibn Hišām-1/319; Anmerkung-5]

Das Martyrium der verehrten Sumayya (r.a.) ereignete sich vor der Hidschra. Daher war sie die erste Märtyrerin des Islam. Der verehrte Mudschahid (r.h.) sagte: Die erste Märtyrerin des Islam war Sumayya, die Mutter Ammars. [Ṭabaqāt-8/265; al-Bidāya-3/59; Ṣifāt aṣ-Ṣafwa-2/32]

Als der niederträchtige Abu Dschahl in der Schlacht von Badr getötet worden war, sagte der Gesandte (s.) zu Ammar: „Allah hat den Mörder deiner Mutter getötet.“ [al-Iṣāba-4/335] Das Martyrium der verehrten Sumayya (r.a.) ereignete sich im Jahr 615 n. Chr. [al-Aʿlām-3/140]

Ummu Umara ((r.a.))


Sie war eine ansarische Frau aus Medina. Unter dem Beinamen Ummu Umara ist sie in der Geschichte bekannt. Ihr eigentlicher Name war Nusaiba. Ihr Vater hieß Kaʿb ibn Amr. Sie war eine Angehörige des Nadschar-Zweigs des berühmten medinensischen Stammes der Chasradsch. [Siyar aʿlām an-nubalāʾ-2/278] Sie wurde etwa vierzig Jahre vor der Auswanderung des Gesandten Allahs (s.) nach Medina in Medina geboren. [Sahābiyāt-204] Sie war die Schwester des berühmten Badr-Kämpfers, des verehrten Abdullah ibn Kaʿb al-Māzinī. [Siyar aʿlām an-nubalāʾ-2/278]

Ummu Umara heiratete zunächst Zayd ibn Asim ibn Amr. Dieser Zayd war ihr Cousin. Nach seinem Tod heiratete sie Gāziya ibn Amr. Aus ihrer ersten Ehe hatte sie Abdullah und Habib, aus ihrer zweiten Ehe Tamim und Chaula; insgesamt war sie die Mutter von vier Kindern. [Ṭabaqāt-8/412; al-Iṣāba-4/479]

Ganz am Anfang des Islam verkündete der edle Gesandte Allahs (s.) in Mekka und den umliegenden Siedlungen die Botschaft des Islam und sah sich von Tag zu Tag einem immer härteren Widerstand gegenüber. Obwohl bisweilen Verzweiflung und Angst in seinem Herzen aufkamen, setzte er seine Verkündigungstätigkeit im festen Vertrauen auf Allahs Barmherzigkeit sowie Seine Hilfe und Unterstützung fort. In einer solchen Phase des mekkanischen Lebens des Gesandten Allahs (s.) kamen sechs Männer aus Yathrib nach Mekka, trafen den Gesandten Allahs (s.), hörten ihm zu, nahmen den Islam an und kehrten nach Yathrib zurück. Im folgenden Jahr reisten sie zur Hadschzeit mit weiteren sechs Männern nach Mekka, trafen den Gesandten Allahs (s.) heimlich und leisteten ihm den Treueid. Dies wird der erste Treueid von Aqaba genannt. Auf ihre Bitte hin und mit dem Ziel, den Islam in Yathrib, also Medina, zu verkünden und zu verbreiten, sandte der Gesandte (s.) Musʿab ibn Umair (r.a.) als Verkünder mit ihnen nach Medina. Diese kleine Gruppe widmete sich im folgenden Jahr umfassend der Verbreitung des Islam in Medina. Sie arbeiteten so aufrichtig, dass innerhalb von nur einem Jahr die Botschaft des Islam jedes Haus in Medina erreichte. In dieser Zeit nahmen viele bedeutende Führer Medinas sowie Männer und Frauen aus angesehenen Familien die Einladung zum Islam an. Das Ergebnis war, dass Musʿab in der folgenden Hadschzeit mit einer großen Gruppe von dreiundsiebzig, nach anderer Überlieferung fünfundsiebzig, Personen nach Mekka reiste und in Aqaba den Gesandten Allahs (s.) heimlich traf. Dort fand der zweite Treueid von Aqaba statt. Unter den Frauen und Männern Medinas, die vor der Auswanderung des Gesandten Allahs (s.) nach Medina durch die Verkündigung des verehrten Musʿab den Islam annahmen, war auch Ummu Umara (r.a.). Nicht nur sie, sondern ihre gesamte Familie nahm in dieser Zeit den Islam an. So war sie eine der ansarischen Musliminnen der ersten Stunde. [Sahābiyāt-204]

Ein bedeutendes Ereignis im Leben der verehrten Ummu Umara war ihre Teilnahme am Treueid von Aqaba. Am zweiten Treueid von Aqaba nahmen fünfundsiebzig Muslime teil. Unter ihnen waren zwei Frauen. Eine von ihnen war Ummu Umara (r.a.). Die andere Frau war Ummu Mani (r.a.). [Sīrat Ibn Hišām-1/441] Nach dem Treueid der Männer rief der Ehemann Ummu Umaras, der verehrte Gāziya ibn Amr, die beiden Frauen, führte sie zum Gesandten Allahs (s.) und sagte: „O Gesandter Allahs! Auch diese beiden Frauen sind mit uns erschienen, um den Treueid zu leisten.“ Er sagte: „Ich nehme ihren Treueid auf Grundlage desselben Versprechens entgegen, auf dessen Grundlage ich euren Treueid entgegengenommen habe. Ein Händedruck ist nicht erforderlich. Ich schüttle Frauen nicht die Hand.“ [Ansāb al-ašrāf-1/250; al-Iṣāba-4/479; Sīrat Ibn Hišām-1/466]

Im zweiten Jahr nach der Hidschra fand die Schlacht von Uhud statt. Umm Umara (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) nahm an dieser Schlacht teil. In dieser Schlacht wurden neben dem verehrten Onkel des Gesandten Allahs, Hamza (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm), viele Muslime zu Märtyrern. Al-Waqidi berichtet: [Siyar Aʿlam an-Nubala-2/278] Umm Umara nahm gemeinsam mit ihrem Ehemann Ghaziyya ibn Amr und ihren beiden Söhnen aus erster Ehe, Abdallah und Habib [in einigen Überlieferungen steht anstelle von Habib „Hubayb“], an der Schlacht von Uhud teil. Eigentlich war sie mit einem alten Wasserschlauch dorthin gegangen, um den Kämpfern Wasser zu geben. Doch im Verlauf der Schlacht geriet sie unmittelbar in den Kampf. Sie zeigte eine hervorragende Kriegskunst. Ihr Körper wurde von zwölf, nach einer anderen Auffassung dreizehn, Schlägen des Feindes verwundet. [Tabaqat-8/412; Siyar Aʿlam an-Nubala-2/279] In einigen Überlieferungen heißt es, dass sie in dieser Schlacht zwölf polytheistische Soldaten mit Pfeilen und Speeren verwundete. [Ansab al-Aschraf-1/325]

In einer Phase der Schlacht von Uhud brach durch den Gegenangriff des feindlichen Heeres die Kampfmoral des muslimischen Heeres zusammen. Mit Ausnahme einiger weniger todesmutiger Mudschahedin zerstreuten sich alle vom Schlachtfeld und ließen den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien mit ihm) zurück. Zu den wenigen Mudschahedin, die unter Einsatz ihres Lebens für die Sicherheit des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien mit ihm) sorgten, gehörten Umm Umara, ihr Ehemann Ghaziyya und ihre beiden Söhne Abdallah und Habib.

Noch bevor die Lage auf dem Schlachtfeld so kritisch wurde, als das muslimische Heer den Feind noch mit großer Entschlossenheit bekämpfte und kurz vor dem Sieg stand, saß Umm Umara (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) keineswegs untätig da. Sie füllte ihren Wasserschlauch und gab den Mudschahedin zu trinken. Da sah sie, dass alle das Schlachtfeld verließen und flohen. Nur wenige Mudschahedin waren noch beim Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien mit ihm). Auch sie ging vor und stellte sich unter Einsatz ihres Lebens unerschütterlich an die Seite des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien mit ihm). Ihr Ehemann und ihre beiden Söhne nahmen ebenfalls neben ihr Stellung. Einerseits wehrte sie die Angriffe der Ungläubigen auf den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien mit ihm) ab, andererseits griff sie sie heftig an und schlug viele von ihnen nieder.

Umm Umara schilderte diese schwere Phase der Schlacht von Uhud folgendermaßen: „Ich sah, wie die Menschen den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien mit ihm) verließen und flohen. Nur eine kleine Gruppe, die nicht einmal aus zehn Personen bestand, war noch beim Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien mit ihm). Ich, meine beiden Söhne und mein Ehemann standen beim Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien mit ihm) und beschützten ihn. Währenddessen zogen die anderen Mudschahedin, besiegt, am Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien mit ihm) vorbei. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien mit ihm) sah, dass ich keinen Schild in der Hand hatte. Er sah einen Mann, der floh und einen Schild bei sich hatte. Er sagte zu ihm: ‚Wirf deinen Schild jemandem zu, der kämpft!‘ Der Mann warf den Schild, und ich hob ihn auf. Mit diesem Schild schützte ich weiterhin den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien mit ihm). An jenem Tag setzten uns die berittenen Kämpfer sehr zu. Wären sie wie wir zu Fuß gewesen, hätten wir dem Feind großen Schaden zufügen können.“

Sie sagte weiter: „Ein Reiter kam auf uns zu und schlug mit seinem Schwert nach mir, doch ich wehrte diesen Schlag mit dem Schild ab. Er konnte mir nichts anhaben. Als er sich gerade umdrehen und zurückweichen wollte, versetzte ich dem Hinterbein seines Pferdes einen Schwerthieb. Das Pferd stürzte mitsamt seinem Reiter zu Boden. Da rief der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien mit ihm) meinen Sohn und sagte: ‚O Sohn Umm Umaras, hilf deiner Mutter!‘ Er eilte herbei und half mir. So schickte ich ihn zum Tod.“ [Tabaqat-8/413; Siyar Aʿlam an-Nubala-2/279]

Der Sohn Umm Umaras berichtete. Er sagte: „Ich nahm an der Schlacht von Uhud teil. Als die muslimischen Mudschahedin vom Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien mit ihm) getrennt worden waren, gingen meine Mutter und ich zu ihm und begannen, ihn vor den Angriffen der Ungläubigen zu schützen. Da sagte der Gesandte (Allahs Segen und Friede seien mit ihm) zu mir: ‚Bist du der Sohn Umm Umaras?‘ Ich sagte: ‚Ja.‘ Er sagte: ‚Wirf etwas auf den Feind!‘ Ich warf einen Stein auf einen Mann vor mir. Der Mann saß auf einem Pferd. Der geworfene Stein traf eines der Augen des Pferdes. Das Pferd geriet in Panik und stürzte mitsamt seinem Reiter zu Boden. Ich begann, den Mann mit Steinen zu bewerfen. Als der Gesandte (Allahs Segen und Friede seien mit ihm) dies sah, lächelte er leicht.“ [Siyar Aʿlam an-Nubala-2/280]

Am Tag von Uhud nahm Umm Umara (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) eine furchterregende Gestalt an. Der Großvater von Damra ibn Saʿid, der an Uhud teilgenommen hatte, berichtete, dass Umm Umara sich an jenem Tag ein Tuch um die Hüfte band und den Feind heftig angriff. In dieser Schlacht wurde ihr Körper an dreizehn Stellen schwer verwundet. [Tabaqat-8/413]

Zu dieser Zeit wurde dem edlen Gesandten Allahs durch den Schlag eines Ungläubigen ein Zahn ausgeschlagen. Der ruchlose Ibn Qamiʿa führte einen Schwerthieb gegen den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien mit ihm), doch dieser ging fehl. Augenblicklich wandte sich Umm Umara (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) um. Sie stürzte sich auf das Ungeheuer Ibn Qamiʿa. Da jedoch sein ganzer Körper von einer Rüstung bedeckt war, hatte ihr Angriff keine nennenswerte Wirkung. Daraufhin führte er seinerseits einen gezielten Hieb gegen Umm Umara, der ihre Schulter traf. Dadurch wurde sie schwer verletzt. [ebd.-8/424; Ibn Hischam-2/81–82]

Ibn Kamia rettete sich durch die Flucht. Doch Umm ʿUmāras Verletzung war äußerst schwer. Ihr ganzer Körper war mit Blut bedeckt. Ihr Sohn ʿAbdullah berichtete: Meine Mutter wurde an jenem Tag schwer verletzt. Die Blutung wollte einfach nicht aufhören. Der Gesandte (s.a.) sagte zu ihr: Verbinde deine Wunde. In einer anderen Überlieferung heißt es, dass der Gesandte (s.a.), als er sah, dass sie verwundet worden war, ihren Sohn ʿAbdullah rief und sagte: Kümmere dich um deine Mutter, kümmere dich um deine Mutter. Verbinde ihre Wunde. O Allah, mache sie alle im Paradies zu meinen Gefährten. [Siyar aʿlām an-nubalāʾ 2/281] Umm ʿUmāra sagte: „Was immer für Leid und Unglück mir in dieser Welt widerfahren ist, kümmert mich nicht.“ [Ṭabaqāt 8/414–415] An jenem Tag stand der Gesandte (s.a.) selbst dabei und ließ ihre Wunde verbinden. Dabei nannte der Gesandte (s.a.) die Namen einiger tapferer Gefährten und sagte: Umm ʿUmāras heutige Taten waren weitaus bedeutender als deren Taten. Danach wurde ihre Wunde fast ein Jahr lang behandelt. [Ebd. 8/412; Siyar aʿlām an-nubalāʾ 2/279]

Bei diesem heftigen Angriff in Uhud wurde auch Umm ʿUmāras Sohn ʿAbdullah schwer verletzt. ʿAbdullah berichtete: An jenem Tag wurde ich schwer verwundet. Die Blutung wollte nicht aufhören. Als der Gesandte (s.a.) das sah, sagte er: Verbinde deine Wunde. Nach einer Weile eilte meine Mutter mit zahlreichen Verbänden in den Händen zu mir und verband meine Wunde. Der Gesandte (s.a.) stand dabei. Nachdem sie den Verband angelegt hatte, sagte meine Mutter zu mir: Mein Sohn, steh auf! Schlage den feindlichen Soldaten die Köpfe ab. Da sagte der Gesandte (s.a.): O Umm ʿUmāra, wo findet man jemanden, der über so viel Kraft und Fähigkeit verfügt wie du?

ʿAbdullah berichtete ferner: Zu dieser Zeit sah man in einiger Entfernung den feindlichen Soldaten, der mich verwundet hatte. Der Gesandte (s.a.) sagte zu meiner Mutter: Das ist der Mann, der deinen Sohn verwundet hat. Meine Mutter sagte: Ich werde ihm gegenübertreten und ihm die Schienbeine brechen. Nach diesen Worten schlug sie ihn nieder. Als der Gesandte (s.a.) das sah, lachte er, und ich konnte seine vorderen Zähne sehen. Danach sagte er: Umm ʿUmāra, du hast Vergeltung geübt. Dann schickten wir beide ihn mit Schlag auf Schlag an den Ort, der für ihn die Hölle war. Darauf sagte der Gesandte (s.a.): Umm ʿUmāra, alles Lob gebührt Allah, der dich geheilt hat. [Ebd.]

Die Schlacht von Uhud war beendet. Die Glaubenskämpfer begaben sich auf den Heimweg. Der Gesandte (s.a.) kehrte erst nach Hause zurück, nachdem er ʿAbdullah ibn Kaʿb al-Māzinī geschickt und sich nach Umm ʿUmāras Zustand erkundigt hatte.

Einige Tage nach dem Ende der Schlacht von Uhud rief der Gesandte Allahs (s.a.) die Glaubenskämpfer von Medina dazu auf, nach Ḥamrāʾ al-Asad [ein Ort acht Meilen entfernt auf der linken Seite der Straße von Medina in Richtung Dhū l-Ḥulaifa] aufzubrechen. Umm ʿUmāra wickelte sich ein Tuch um und machte sich bereit, dorthin zu gehen. Doch wegen der Blutung aus ihrer Wunde war sie dazu nicht imstande. [Ṭabaqāt 8/413]

Außer an der Schlacht von Uhud nahm sie auch an vielen anderen Schlachten teil. Nach der Überlieferung Ibn Saʿds nahm sie an Uhud, al-Ḥudaibiyya, Chaibar, der Verrichtung der Qaḍāʾ-ʿUmra, Ḥunain und an der Schlacht sowie den Feldzügen von Yamāma teil. Nach al-Ḥākim und Ibn al-Mundhir nahm sie auch an Badr teil. Doch Imām adh-Dhahabī sagt, dass die Angabe ihrer Teilnahme an Badr nicht zutrifft. [Siyar aʿlām an-nubalāʾ 2/278–282] Außer über ihre Teilnahme an der Schlacht von Yamāma sind jedoch keine ausführlichen Informationen über ihre Teilnahme an anderen Schlachten und Feldzügen bekannt. Auch Umm ʿUmāras Schwester nahm gemeinsam mit ihr an den Kämpfen teil. [Ibn Hišām 1/466]

Nach dem Tod des Gesandten Allahs (s.a.) wurde Musailima al-Kadhdhāb, der Einwohner und Anführer von Yamāma, zum Abtrünnigen. Er war ein grausamer und tyrannischer Mann. Zu seinem Stamm gehörten etwa vierzigtausend kampffähige Männer. Sie alle unterstützten ihn. In seinem Hochmut über seine Macht behauptete er, ein Prophet zu sein, und zwang alle seine Anhänger, dies anzuerkennen. Diejenigen, die sich weigerten, seinen falschen Anspruch auf das Prophetentum anzuerkennen, ließ er auf unterschiedliche Weise misshandeln. Umm ʿUmāras (r.a.) Sohn Ḥabīb ibn Zaid wurde auf dem Weg von Oman nach Medina von Musailima gefangen genommen. Musailima sagte zu ihm: Du bezeugst doch, dass Muhammad der Gesandte Allahs ist. Ḥabīb sagte: Ja, das bezeuge ich. Darauf sagte Musailima: Nein, du musst bezeugen, dass Musailima der Gesandte Allahs ist. Ḥabīb wies seine Forderung entschieden zurück. Der falsche Prophet Musailima schnitt Ḥabīb eine Hand ab. Dann verlangte er von Ḥabīb erneut dasselbe Bekenntnis. Dieser verweigerte es wie zuvor. Der steinerne Musailima schnitt ihm daraufhin die zweite Hand ab. Kurz gesagt: Der niederträchtige Musailima blieb bei seiner Forderung, und Ḥabīb blieb fest in seinem starken Glauben. Der brutale Musailima trennte Ḥabīb eines nach dem anderen die Glieder vom Körper ab. Dieser Diener Allahs hielt es für leicht, sein Leben hinzugeben, doch eine auch nur haarbreite Abweichung von seinem Glauben hielt er nicht für vertretbar. Als Umm ʿUmāra (r.a.) davon erfuhr, fasste sie sich ein Herz und beschloss in ihrem Inneren, dass sie, sollte das muslimische Heer jemals einen Feldzug gegen diesen falschen Propheten führen, ebenfalls daran teilnehmen und diesen Tyrannen, so Allah wollte, eigenhändig an den Ort schicken würde, der für ihn die Hölle war. [Ebd.; Ṣaḥābiyyāt 207; Siyar aʿlām an-nubalāʾ 2/281]

Die Nachricht von Musailimas solchem Übermut und seinen Ausschreitungen erreichte den Kalifen Abū Bakr (r.a.). Um die Wurzel dieser Glaubensauflehnung auszurotten, entsandte er Ḫālid ibn al-Walīd (r.a.) mit viertausend Soldaten. Umm ʿUmāra betrachtete dies als goldene Gelegenheit, ihren Entschluss umzusetzen. Sie bat den Kalifen um die Erlaubnis, an diesem Feldzug teilzunehmen. Der Kalif erteilte ihr die Erlaubnis. Umm ʿUmāra zog mit dem Heer von Ḫālid ibn al-Walīd (r.a.) nach Yamāma. Es kam zu einer heftigen Schlacht. Zwölfhundert Glaubenskämpfer fielen als Märtyrer. Nach den Berichten der Historiker wurden auf der anderen Seite acht- bis neuntausend Soldaten Musailimas getötet. Schließlich errang das muslimische Heer durch die Tötung Musailimas den Sieg.

Ein heftiger Kampf tobt. Ummu ʿUmāra (r.a.) wartet auf eine Gelegenheit. Ihr einziges Ziel ist Musailima al-Kadhdhāb, der erbarmungslose Mörder ihres Sohnes. Schließlich durchbricht sie, in der einen Hand den Speer und in der anderen das Schwert führend, die Reihen des feindlichen Heeres und gelangt zu Musailima. Bis dahin wird ihr Körper an elf Stellen von Speer- und Schwertschlägen verletzt. Darüber hinaus wird ihr eine Hand vom Arm abgetrennt. Doch auch dadurch wird sie nicht in ihrem Entschluss erschüttert; sie verliert keineswegs die Geduld. Sie geht noch einen Schritt weiter. Gerade als sie Musailima mit dem Schwert treffen will, treffen plötzlich zwei Schwertschläge zugleich Musailima. Er wird getroffen und stürzt vom Rücken seines Pferdes. Mit erstaunt aufgerissenen Augen blickt sie hin und sieht ihren Sohn ʿAbdullāh neben sich stehen. Sie fragt: „Hast du ihn getötet?“ ʿAbdullāh antwortet: „Der eine Schlag war von mir, der andere von Wahschī. Ich kann nicht erkennen, durch wessen Schlag er getötet wurde.“ Ummu ʿUmāra ist überglücklich und vollzieht sogleich die Niederwerfung des Dankes. [Ibn Hischām-1/466; Sahābiyāt-208]

Die Verletzungen von Ummu ʿUmāra (r.a.) waren äußerst schwer. Außerdem war ihr eine Hand abgetrennt worden. Deshalb war sie sehr schwach geworden. Der Heerführer Chālid ibn al-Walīd war ein großer Bewunderer ihres Mutes und ihrer Tapferkeit. Er erwies ihr auch große Ehre. Unter seiner persönlichen Aufsicht veranlasste er ihre Pflege und Behandlung. Er achtete ständig darauf, dass bei ihrer Behandlung kein Fehler geschah. Nachdem sie genesen war, brachte sie Chālid deshalb ihr ganzes Leben lang ihre Dankbarkeit zum Ausdruck. Zu seinem Lob sagte sie, er sei ein mitfühlender, hochgesinnter und bescheidener Anführer. Er habe sich mit großer Aufrichtigkeit um ihre Pflege und Behandlung gekümmert. Nach ihrer Rückkehr nach Medina besuchte der Kalif Abū Bakr (r.a.) sie häufig. [Tabakāt-8/416]

Ummu ʿUmāra (r.a.) war eine tapfere Kriegerin. Die erstaunliche Wirklichkeit ihres Mutes und ihrer Tapferkeit haben wir auf verschiedenen Schlachtfeldern erlebt. Das Bild ihrer Kampfesbereitschaft, das wir in den Schlachten von Uhud und Yarmūk sehen, findet sich nur selten in der Geschichte der Welt. Der edle Gesandte Allahs (s.a.w.) war der Mensch, den sie am meisten liebte. Den Beweis ihrer Liebe erbrachte sie auf dem Schlachtfeld von Uhud. Der Gesandte (s.a.w.) besuchte gelegentlich ihr Haus. Eines Tages kam der Gesandte (s.a.w.) zu ihr. Sie bot ihm etwas zu essen an. Der Gesandte (s.a.w.) forderte sie auf, ebenfalls mit ihm zu essen. Ummu ʿUmāra sagte: „Ich faste.“ Der Gesandte (s.a.w.) sagte: „Wenn in der Gegenwart eines Fastenden etwas gegessen wird, bitten die Engel für ihn um Segen.“ [ebd.; Musnad Ahmad-6/439; Tirmidhī-785; Ibn Māǧa-1748]

Auch der Kalif ʿUmar (r.a.) achtete aufmerksam auf die Ehre und den Rang von Ummu ʿUmāra (r.a.). Während seiner Kalifenzeit traf einmal eine Anzahl von Umhängen aus der Beute ein. Einer davon war besonders schön und kostbar. Einige sagten, er solle der Ehefrau von ʿAbdullāh (r.a.), dem Sohn des Kalifen, gegeben werden. Andere schlugen vor, ihn Kulthūm bint ʿAlī (r.a.), der Ehefrau des Kalifen, zu geben. Der Kalif schenkte den Worten niemandes Beachtung. Er sagte: „Ich halte Ummu ʿUmāra für diejenige, die diesen Umhang am meisten verdient. Ich werde ihn ihr geben. Denn ich hörte den Gesandten Allahs (s.a.w.) am Tag von Uhud über sie sagen: ‚Wohin ich auch blickte, ich sah nur Ummu ʿUmāra kämpfen.‘“ Daraufhin ließ er den Umhang zu ihr bringen. [Tabakāt-8/415; Siyar aʿlām an-nubalāʾ-2/281; Ansāb al-aschrāf-1/326]

Über ihre Überlieferungskette wurden mehrere Hadithe des Gesandten Allahs (s.a.w.) überliefert. Diese Hadithe wurden von ʿUbbād ibn Tamīm ibn Zayd, al-Hārith ibn ʿAbdullāh ibn Kaʿb, ʿIkrima und Laylā von ihr überliefert. [al-Isāba-4/480]

Das Todesjahr von Ummu ʿUmāra (r.a.) ist nicht genau bekannt. Sicher ist, dass sie bis zum Krieg gegen Musailima lebte. Doch niemand konnte mit Gewissheit sagen, wie lange sie danach noch lebte.

Ummu ʿUmāra (r.a.) nahm stets an den Versammlungen des Gesandten (s.a.w.) teil und hörte seinen Worten aufmerksam zu. Auf diese Weise wurde ihr Glaube von Tag zu Tag fester und ihr Wissen nahm zu. Eines Tages sagte sie zum Gesandten Allahs: „Ich sehe, dass alles nur für die Männer bestimmt ist; für die Frauen wird nichts erwähnt.“ Damit forderte sie, dass im Koran die Frauen ebenso erwähnt werden sollten, wie die Männer erwähnt werden. Infolge dieser Forderung wurde der 35. Vers der Sūrat al-Ahzāb offenbart. [Tirmidhī-4/116; ebd.-4/479]

Ummu Waraq ibn Nawfal ((r.a.))


Auf dieser Welt gibt es viele Frauen, die vom Lauf der Zeit verborgen gehalten wurden und über die auch die Geschichte geschwiegen hat. Dennoch hat Allah, der Erhabene, in ihrem Leben Ereignisse geschaffen, durch die ihre Lebensgeschichten bekannt geworden sind. Und als der angesammelte Staub und Schmutz von ihrem Andenken und ihrer Erinnerung entfernt worden war, wurden ihre Bilder hell und strahlend. Eine von ihnen war Umm Waraqa al-Ansariyya (ra). Unter diesem Beinamen ist Umm Waraqa in der Geschichte bekannt. In keinem der biografischen Nachschlagewerke über die Gefährten wird ihr eigentlicher Name erwähnt. Der Gesandte Allahs (sa) verlieh ihr den Beinamen „asch-Schahīda“ (die Märtyrerin). [al-Isāba-4/481] Ihre Abstammung lautet: Umm Waraqa bint Abdillah ibn al-Harith ibn Uwaymir ibn Nawfal. Im Werk „Usud al-Ghāba“ steht jedoch anstelle von „Uwaymir“ der Name „Umair“. Da sie nach einem ihrer Vorfahren namens „Nawfal“ benannt wurde, war sie auch als Umm Waraqa bint Nawfal bekannt. [Usud al-Ghāba-5/626; Tahdhīb at-Tahdhīb-12/482] Das Jahr ihrer Geburt und ihres Todes ist nicht genau bekannt. Es besteht jedoch weitgehend allgemeine Übereinstimmung darüber, dass sie während des Kalifats des Kalifen Umar ibn al-Khattab (ra) starb. Daraus lässt sich schließen, dass sie sowohl die Lebenszeit des Gesandten Allahs (sa) als auch die gesamte Regierungszeit des Kalifen Abu Bakr (ra) und einen Teil der Regierungszeit Umars (ra) erlebte. Wahrscheinlich erlitt sie im Jahre 22 nach der Hidschra den Märtyrertod. [at-Tabaqāt-9/165; Nisā’ Rā’idāt, S. 108]

Umm Waraqa war eine Frau aus den Ansār. Sie gehörte zu jenen Frauen, die unmittelbar nach der Auswanderung des Gesandten Allahs (sa) nach Medina an ihn glaubten und ihm den Treueid leisteten. [Aʿlā an-Nisāʾ-5/284; at-Tabaqāt-8/457] Sie nahm den Islam auf vortreffliche Weise an und erwarb tiefes Wissen über Allahs Religion. Sie studierte den Koran und memorierte den größten Teil davon. Einer Überlieferung zufolge trug sie den gesamten Koran zusammen. [al-Isāba-4/505] Es wird überliefert, dass Hadhrat Abu Bakr (ra), als er den Koran zusammentrug und kompilierte, auch auf die Sammlung dieser Umm Waraqa zurückgriff. Sie bewahrte einige Sahīfas (Hefte) auf, in denen verschiedene Suren des Korans niedergeschrieben waren. [Nisāʾ Rā’idāt-108] Auch wenn sich bei ihr nicht der gesamte Koran befand, war doch der größte Teil davon in schriftlicher Form bewahrt. Sie war eine gläubige Frau mit einem scharfen Gedächtnis und verfügte über Fachkenntnis in den Vorschriften der Religion. Der Gesandte (sa) besuchte sie gelegentlich in ihrem Haus. Sie gehörte zu den wenigen Frauen, deren Häuser der Gesandte (sa) aufsuchte, um sie zu besuchen. Er maß ihr dies jedoch nicht wegen ihres Vermögens oder ihrer hohen gesellschaftlichen Stellung bei, sondern besuchte sie wegen ihres Glaubens an Allah, ihrer festen Glaubensüberzeugung, ihrer Kenntnisse der religiösen Vorschriften sowie ihrer Anbetung und Frömmigkeit. Im zweiten Jahr nach der Hidschra beschloss der Gesandte (sa), in Badr gegen die Götzendiener aus Mekka zu kämpfen. Diese Nachricht erreichte Umm Waraqa. Sie bestand darauf, am Feldzug teilzunehmen. Die vielfältigen Pflichten des Haushalts und der Kindererziehung konnten sie nicht von der Pflicht des „Dschihad fī sabīlillāh“ (Dschihad auf Allahs Weg) abhalten. Sie eilte zum Gesandten Allahs (sa) und bat um die Erlaubnis, am Kampf teilzunehmen. Sie erläuterte ihr Vorhaben und sagte, sie werde die Verwundeten verbinden, die Kranken versorgen, für ihre Verpflegung sorgen und während des Kampfes den Bedürfnissen der Kämpfer nachkommen. Sie werde dort Aufgaben übernehmen, deren Bedeutung den Aufgaben der Kämpfer in keiner Weise nachstehe. Vielleicht werde Allah ihr sogar dadurch, dass sie mit ihnen hinausziehe, den Märtyrertod schenken. In der Überlieferung von al-Isāba werden ihre Worte folgendermaßen wiedergegeben: [al-Isāba-4/505]

O Gesandter Allahs! Wenn du mir die Erlaubnis gibst, würde ich mit euch in den Kampf ziehen. Ich würde eure Kranken versorgen und den Verwundeten Medizin verabreichen. Dadurch könnte Allah, der Erhabene, mir auch den Märtyrertod schenken. Der Gesandte (sa) erwiderte: O Umm Waraqa! Bleibe in deinem Haus. Wahrlich, Allah wird dir in deinem Haus den Märtyrertod bestimmen. In einer anderen Überlieferung heißt es: „Allah wird dir den Märtyrertod schenken.“ [at-Tabaqāt-8/457; al-Istīʿāb-4/481; Sunan Abī Dāwūd-1/97; as-Sīra al-Halabiyya-2/357] Im Grunde bezeichnete der Gesandte (sa) sie von diesem Tag an als Märtyrerin. Er nahm gelegentlich Gefährten mit zu ihrem Haus, um sie zu besuchen. Er sagte:(Arabisch**********) [Abū Nuʿaym, Hilyat al-Awliyāʾ-2/63; Usud al-Ghāba-5/626 (7718)]

„Kommt mit mir, wir wollen diese Märtyrerin kurz besuchen.“ Mit solchen Worten des Gesandten (sa) wurde darauf hingewiesen, dass diese Frau den Märtyrertod erleiden würde.

In der Geschichte des Islam sind mehrere Bereiche bekannt, in denen Umm Waraqa eine Vorreiterin war. Zum Beispiel:

1. Sie war die erste Frau, in deren Haus der Gebetsruf eingerichtet wurde.

2. Sie führte als Erste in Medina das Gemeinschaftsgebet der Frauen ein und leitete diese Gebetsgemeinschaft als Imamin.

3. Sie war die erste Frau im Islam, der der Gesandte (sa) den Beinamen „Schahīda“ verlieh.

4. In der Geschichte des Islam war sie die erste Frau, derentwegen ein Sklave und eine Sklavin wegen Mordes auf einen Pfahl gespießt und getötet wurden.[Nisa ar-Radiyat-1/110]

Ummu Waraqa bat den Gesandten Allahs (s) um Erlaubnis, in ihrem eigenen Haus einen Gebetsraum einzurichten und einen Mu’adhdhin zu ernennen, der zu jeder Gebetszeit den Adhan ausrufen sollte. Der Gesandte (s) bestimmte einen Mu’adhdhin, der in ihrem Haus den Adhan ausrufen sollte. Er rief zu jeder Gebetszeit den Adhan aus. Diese Regelung bestand bis zum Tod Ummu Waraqas fort.[Abu Dawud-1/97; Nisa min Athar an-Nubuwwah-297] Sie war die erste Frau, der diese Gunst und Ehre zuteilwurde. Ein Augenzeuge berichtete: „Ich sah den Mu’adhdhin Ummu Waraqas. Er war ein sehr alter Mann. Sein Name war Abd ar-Rahman.“[Nisa’ Mubashsharat bil-Dschanna-293]

Der Gesandte (s) wusste von ihrer scharfen Auffassungsgabe, ihrem außerordentlichen Gedächtnis und ihrem tiefen Wissen über die Vorschriften der Religion. Daher erlaubte er Ummu Waraqa, nach dem Adhan des Mu’adhdhins in ihrem eigenen Haus mit den Frauen aus der Nachbarschaft das Gemeinschaftsgebet zu verrichten und es zu leiten. Diese Regelung bestand während des Kalifats von Umar ibn al-Khattab (r), also bis zum Tod Ummu Waraqas, fort. In der Geschichte des Islam war sie die erste Frau, in deren Haus eine Moschee für Frauen eingerichtet wurde. [ebd.; Sahabiyyat-216]

Ummu Waraqa wurde älter. Die Söhne und Töchter wuchsen heran. Die Töchter heirateten und zogen eine nach der anderen in die Häuser ihrer Ehemänner. Auch die Söhne waren aufgrund ihrer eigenen Pflichten gezwungen, sich von ihrer Mutter zu entfernen. Ummu Waraqas Haus war nun fast völlig leer.

Sie nahm einen Sklaven und eine Sklavin auf, die ihr dienen und sich um den Haushalt kümmern sollten. Sie behandelte sie sehr gut. Sie versprach ihnen, dass sie nach ihrem Tod von selbst freigelassen würden, also aus der Sklaverei entlassen wären. Der Sklave und die Sklavin konnten jedoch schon bald keinerlei Anzeichen für Ummu Waraqas Tod erkennen. Sie konnten sich nicht länger gedulden. In ihrer Abwesenheit verschworen sie sich in dem leeren Haus, sie zu ermorden. Eines Nachts wickelten sie bei passender Gelegenheit ein Tuch um sie, erstickten sie damit und flohen in dem Glauben, nun von der Sklaverei befreit zu sein.

Umar ibn al-Khattab (r) hörte täglich den Adhan und die Vorbereitungen zum Gemeinschaftsgebet der Frauen im Haus Ummu Waraqas (r). Eines Tages sagte er: „Nun höre ich seit gestern doch nicht mehr die Stimme von Tante Ummu Waraqa beim Rezitieren des Qur’an. Was ist mit ihr geschehen?“ Um nach ihr zu fragen, schickte er jemanden. Der Mann kam zurück und berichtete, das Haus sei von außen verschlossen gewesen und auf sein Klopfen habe es von innen keine Antwort gegeben. Umar (r) wurde misstrauisch. Diesmal ging er selbst hin. Da er niemanden im Haus sah, trat er ein. Kaum war er eingetreten, sah er ihren in ein Tuch gehüllten Leichnam auf dem Boden liegen. Laut rief er: „Allahu akbar!“ Dann bemerkte er: „Als der Gesandte (s) ihr den Beinamen ‚asch-Schahida‘ gab, sprach er wahrlich die Wahrheit.“[Al-Isaba-4/505]

Danach stieg Umar (r) auf die Kanzel der Moschee und verkündete, dass Ummu Waraqa den Märtyrertod erlitten habe. Ihr Sklave und ihre Sklavin hätten sie erstickt und seien geflohen. Er befahl, sie ausfindig zu machen, festzunehmen und herbeizubringen. Augenblicklich schwärmte die Menge auf der Suche nach ihnen in alle Richtungen aus. Sie wurden auf der Flucht gefasst und in Medina vor den Kalifen Umar (r) gebracht. Sie wurden verhört. Zunächst wollten sie ihre Beteiligung an dem Mord leugnen, doch später gestanden sie, sie beide gemeinsam getötet zu haben. Darauf wiederholte Umar (r) seine früheren Worte und sagte: „Der Gesandte Allahs (s) hat die Wahrheit gesprochen, als er sagte:(Arabisch*****************) ‚Kommt mit mir, lasst uns diese Märtyrerin besuchen.‘ Auf diese Weise wurde Ummu Waraqa (r) die erste Frau im Islam, die den Beinamen ‚asch-Schahida‘ erhielt.

Die Bestrafung der beiden Sklaven war unausweichlich. Umar ibn al-Khattab (r) ordnete an, sie auf einen Pfahl zu spießen und zu töten. Sie wurden auf einen Pfahl gespießt und getötet. Diese beiden Sklaven waren die ersten beiden Menschen in Medina, die auf einen Pfahl gespießt wurden; Ummu Waraqa aber war die erste Frau im Islam, derentwegen ein Sklave und eine Sklavin wegen Mordes auf einen Pfahl gespießt und hingerichtet wurden.[Abu Dawud-1/97; Tabaqat-8/457; Al-Isti’ab-4/482]

Weil Ummu Waraka (r.a.) die Bedeutung der Religion zutiefst erfasst und die Verantwortung für die Unterweisung der Nachbarschaft sowie der Frauen, die zu ihr kamen, auf ihre eigenen Schultern genommen hatte, wurde sie zu einer Anführerin der muslimischen Frauen. Ihr Ansehen und ihre Würde verhundertfachten sich dadurch, dass sie gegenüber dem Gesandten Allahs (s.a.w.) ihren Wunsch äußerte, in der Hoffnung auf das Martyrium am Dschihad teilzunehmen.

Im Tod Ummu Warakas (r.a.) liegt eine Lehre für jeden Menschen, der sich völlig auf Sklaven, Sklavinnen und Bedienstete verlässt, insbesondere wenn diese Sklaven, Sklavinnen und Bediensteten Nichtmuslime sind. In der Welt sind viele Sklaven, Sklavinnen und Bedienstete bekannt, die im Leben ihrer Herren viel Unheil verursacht haben. Bei nahezu allen Völkern und Volksgruppen der Erde hört man den Ausspruch: Hüte dich vor dem Schaden dessen, dem du Gutes getan hast. Ummu Waraka hatte ihre Sklaven und Sklavinnen gut behandelt und ihnen die Zusicherung ihrer Freilassung gegeben; als Folge davon musste sie durch deren Hand ihr Leben verlieren. Für die muslimischen Frauen der heutigen Zeit enthält dieses Ereignis eine große Lehre und Ermahnung.

Ummu Waraka (r.a.) überlieferte Hadithe vom Gesandten Allahs (s.a.w.). Und ihre Enkel überlieferten von ihr.[Nisāʾ Rāʾidāt-113]

Ummu Hakīm bint al–Hārith ((r.a.))


Nach der Berufung zum Prophetentum rief der edle Gesandte Allahs (s.a.w.) mehr als zwanzig Jahre lang in Mekka und später in Medina die Araber, insbesondere die Bewohner Mekkas, zum Islam auf. Er lud sie zur Wahrheit, zum Guten und zum Wohlergehen ein, doch die Bewohner Mekkas verhielten sich wie Blinde und Taube. Ihr Verhalten war folgendes: (Arabisch***********) [Sure Hā-Mīm as-Sadschda-5]

„Sie sagen: Unsere Herzen sind gegenüber dem, wozu du uns aufrufst, von Hüllen bedeckt, in unseren Ohren ist Taubheit, und zwischen dir und uns liegt eine Schranke. So handle du nach deinem Tun, und wir handeln nach unserem Tun.“

Sie vergolten Liebe und Zuneigung mit Feindschaft und Gutes und Wohltaten mit Unheil und Schaden; ihr Verhalten war folgendes: (Arabisch ***************) [Sure al-Qamar-3]

„Sie leugnen die Wahrheit und folgen ihren eigenen Wünschen, und jede Angelegenheit wird ihr Ziel erreichen.“

Sie brachen alle Beziehungen zum edlen Gesandten Allahs (s) ab und vertrieben ihn aus Mekka. Doch auch damit waren sie nicht zufrieden. Immer wieder zogen sie in den Krieg und fielen über ihn her. Sie nutzten jede sich bietende Gelegenheit, um das Licht des Islam auszulöschen.

Daraufhin gewährte Allah, der Herr der Welten, ihnen den Sieg. Mekka wurde erobert. Als die weite Welt für sie eng geworden war und sie überall nur noch Dunkelheit sahen, zeigte der Gesandte Allahs (s) ihnen gegenüber Großzügigkeit. Er vergab ihnen all ihr früheres Verhalten. Die Bewohner Mekkas nahmen freiwillig, in Scharen, den Islam an. Ummu Hakim, ihr Vater, ihre Mutter und ihr Ehemann nahmen am Tag der Eroberung Mekkas allesamt den Islam an. Es sei darauf hingewiesen, dass alle vier erbitterte Feinde des Islam und des Gesandten Allahs (s) gewesen waren. Von den Anfängen des Islam bis kurz vor ihrer Annahme des Glaubens hatten sie zwanzig Jahre lang eine maßlose Feindschaft bekundet.

Ummu Hakim stammte aus dem al-Machzumi-Zweig des mekkanischen Stammes Quraisch. Ummu Hakim war ihr Beiname. Ihr eigentlicher Name ist dahinter verloren gegangen und nicht mehr bekannt. Die Familie Ummu Hakims war innerhalb des Stammes Quraisch eines der Zentren von Ehre, Ansehen und Führung. Ihr Vater, al-Harith ibn Hischam ibn al-Mughira al-Machzumi, war der Bruder des nichtswürdigen Abu Dschahl. Er nahm am Tag der Eroberung Mekkas den Islam an. Er war ein höflicher und einflussreicher Mann. Damit er auf dem Islam fest blieb, schenkte ihm der Gesandte (s) aus der Kriegsbeute des Feldzugs von Hunain einhundert (100) Kamele. Er wurde ein guter Muslim. Später zog er als Mudschahid nach Scham und starb dort, nachdem er an der Krankheit „Aun“ erkrankt war. (Adh-Dhahabi, Tarich al-Islam 2/183–184.)

Ihre Mutter Fatima bint al-Walid ibn al-Mughira al-Machzumiya war die Schwester des berühmten Heerführers Khalid ibn al-Walid (r). Sie nahm am Tag der Eroberung Mekkas den Islam an. Sie überlieferte einen Hadith vom Gesandten Allahs (s). Auch auf dem Feldzug ihres Ehemanns al-Harith nach Scham begleitete sie ihn. Mit al-Harith hatte sie einen Sohn namens Abd ar-Rahman und eine Tochter namens Ummu Hakim. (Tarich Dimashq, Biografien der Frauen, 305–307.)

Der Ehemann von Ummu Hakim, Ikrima ibn Abi Dschahl al-Machzumi, war einer der bedeutendsten Anführer des vorislamischen Mekka. Nach der Eroberung Mekkas kam er zum Gesandten Allahs (s), bekannte sich zum Islam und wurde später ein äußerst guter Muslim. Er zog in den Feldzug nach Scham und fiel im Jahre 13 nach der Hidschra als Märtyrer in der Schlacht von Adschna­dain, nach anderer Auffassung in der Schlacht von Jarmuk. Ummu Hakims Onkel mütterlicherseits war der „Schwert Allahs“, Khalid ibn al-Walid (r).

In einer solchen Familie und einem solchen Umfeld wuchs Ummu Hakim auf. Sie heiratete ihren Cousin Ikrima. Der Prophet (s) trat in Mekka als Gesandter auf. Von dem Tag an, an dem er die Bewohner Mekkas zum Islam aufrief, stellte sich diese Familie als entschiedene Widersacherin des Propheten (s) und des Islam auf. Bis zur Eroberung Mekkas spielten die genannten Personen bei allen Verschwörungen, die geschmiedet wurden, um den Islam zurückzuhalten, und bei allen Kriegen, die geführt wurden, um ihn vollständig auszurotten, eine führende Rolle. In der Schlacht von Uhud nahmen al-Harith, seine Frau Fatima, Ikrima, dessen Frau Ummu Hakim und Khalid ibn al-Walid gemeinsam mit dem Heer der Quraisch teil.

Keine Gelegenheit ließen sie ungenutzt, um sich dem Islam entgegenzustellen und den Muslimen Schaden zuzufügen. Zu denjenigen, die der edle Gesandte Allahs (s) zu Schwerverbrechern erklärt und deren Tötung er selbst dann angeordnet hatte, wenn man sie unter dem Tuch der Kaaba gefunden hätte, gehörte auch Ikrima, der Ehemann von Ummu Hakim.

Die Haltung, die der edle Gesandte Allahs (s) nach der Eroberung Mekkas einnahm, ist in der Geschichte der Menschheit als einzigartiges Vorbild verzeichnet. An jenem Tag umschlossen seine Barmherzigkeit und sein Erbarmen alle – Feinde und Freunde, Gläubige und Ungläubige. Seine umfassende Vergebung und Barmherzigkeit an jenem Tag brachte denjenigen, die lange Zeit blinden Hass und Feindschaft gegen ihn gehegt hatten, tiefen Frieden in ihre steinernen Herzen. Im Nu erwachten ihre Herzen, zerrissen die Fesseln des Irrtums und ergaben sich wie Motten dem Licht. Ummu Hakim selbst nahm für ihren Ehemann die Gelegenheit zu dieser Vergebung wahr. Gemeinsam mit anderen Frauen des Stammes der Quraisch, etwa Fatima bint al-Walid, Hind bint Utba und Fakhita bint al-Walid, ging sie zum Gesandten Allahs (s), bekannte sich zum Islam und leistete den Treueid. Seit ihrem Übertritt zum Islam betrachtete der Gesandte (s) sie mit großer Achtung. Deshalb erlangte sie unter den Frauen eine besondere angesehene Stellung.

Der Ehemann von Umm Hakim, Ikrima, war ein erbitterter Feind des Islam und galt in den Augen des Propheten als ein schwerer Verbrecher. Daher erließ der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) seinen Todesbefehl. Nach der Eroberung Mekkas floh er aus Angst um sein Leben in den Jemen. Durch die Bemühungen seiner Frau Umm Hakim kehrte er nach Mekka zurück und nahm den Islam an. Nachdem Umm Hakim (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) den Islam angenommen hatte, stand sie auf und sagte: „O Gesandter Allahs! Aus Angst, dass du Ikrima töten könntest, ist er in Richtung Jemen geflohen. Gewähre ihm Sicherheit, so wird Allah dir Sicherheit gewähren.“ Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Er ist in Sicherheit.“

In diesem Augenblick machte sich Umm Hakim auf die Suche nach ihrem Ehemann Ikrima. Sie nahm einen ihrer römischen Sklaven mit. Die beiden machten sich auf den Weg. Unterwegs erwachte im Herzen des Sklaven ein unehrliches Verlangen nach seiner Herrin. Er wollte mit ihr verkehren, doch sie hielt ihn mit allerlei Ausflüchten hin. So gelangten sie zu einem arabischen Stamm. Umm Hakim bat ihn um Hilfe, und die Stammesangehörigen versprachen, ihr zu helfen. Sie überließ ihnen den Sklaven und machte sich allein auf den Weg. Schließlich traf sie Ikrima an der Meeresküste in der Gegend von Tihama. Er sprach dort mit einem Fährmann, damit dieser ihn übersetzte, während der Fährmann zu ihm sagte:

— Sei aufrichtig.

Ikrima sagte: „Wie soll ich aufrichtig sein?“

Der Fährmann sagte: „Sprich:(Arabisch ************)

‚Ich bezeuge, dass es keinen Gott und keinen Anbetungswürdigen außer dem einen Allah gibt und dass Muhammad der Gesandte Allahs ist.‘

Ikrima sagte: „Nur aus diesem Grund bin ich geflohen.“

Mitten in diesem Gespräch zwischen den beiden traf Umm Hakim ein. Sie wandte sich an ihren Ehemann und sagte: „O mein Cousin! Ich komme gerade vom besten, vortrefflichsten und reinsten aller Menschen. Ich habe ihn um Aman (Sicherheit) für dich gebeten, und er hat dir Aman gewährt. Zerstöre dich also nicht selbst, nachdem dies geschehen ist.“

Ikrima wollte wissen: »Hast du selbst mit ihm gesprochen?« Sie sagte: »Ja, ich selbst habe mit ihm gesprochen, und er hat dir Amān gewährt.« Immer wieder versicherte sie ihm, dass er unter seinem Schutz stehe. Schließlich war er beruhigt und kehrte mit seiner Frau zurück. [ʿAlām an-Nisāʾ 1/281]

Während sie unterwegs waren, erzählte Ummu Hakim ihrem Mann von den schlechten Absichten ihres Sklaven. Auf dem Rückweg tötete Ikrima den Sklaven, noch bevor er den Islam annahm. Unterwegs übernachteten sie in einem Haus. Ikrima wollte mit seiner Frau allein sein und intim werden. Doch seine Frau lehnte dies entschieden ab und sagte: »Ich bin eine muslimische Frau, während du noch ein Muschrik bist.« Als Ikrima das hörte, war er sehr erstaunt. Er sagte: »Das, was zwischen dir und mir steht und unserer Vereinigung im Wege ist, ist wahrlich eine gewaltige Angelegenheit.«

Als Ikrima sich auf diese Weise Mekka näherte, sagte der Gesandte Allahs (s) zu seinen Gefährten: »Sehr bald wird Ikrima den Unglauben verlassen und als Muʾmin zu euch kommen. Beschimpft nicht seinen Vater. Wenn man einen Verstorbenen beschimpft, bereitet dies den Lebenden Schmerz, erreicht aber den Verstorbenen nicht.«

Kurz darauf erschien Ikrima gemeinsam mit seiner Frau Ummu Hakim beim Gesandten Allahs (s). Als der Gesandte (s) ihn sah, stand er voller Freude auf und ging auf ihn zu, ohne sich seinen Umhang umzulegen. Danach setzte sich der Gesandte (s). Ikrima blieb vor ihm stehen und sagte:

»O Muhammad! Ummu Hakim hat mir gesagt, dass du mir Amān gewährt hast.« Der Prophet sagte: »Sie hat die Wahrheit gesagt. Du bist in Sicherheit.« Ikrima sagte: »Muhammad, wozu rufst du auf?«

Der Gesandte (s) sagte: »Ich rufe dich dazu auf, zu bezeugen, dass es keine Gottheit außer Allah gibt und dass ich (Muhammad) Allahs Diener und Gesandter bin. Danach sollst du das Gebet verrichten und die Zakāt entrichten.« Auf diese Weise erläuterte er alle Säulen des Islam.

Ikrima sagte: »Bei Allah! Du rufst wahrhaftig nur zur Wahrheit auf und sprichst vom Guten.« Dann fuhr er fort:

»Schon vor diesem Aufruf warst du unter uns der Wahrhaftigste und der Rechtschaffenste.« Dann streckte er, während er sprach: »Ashhadu an lā ilāha illallāhu wa ashhadu annaka ʿabduhu wa rasūluhu«, dem Gesandten Allahs (s) die Hand entgegen.

Der Gesandte Allahs (s.a.w.s.) sagte: „Sag: ‚Ushhidullah wa ush-hidu man hadara annī muslimun mudschāhidun muhādschirun‘ – Ich nehme Allah und alle Anwesenden zu Zeugen, dass ich ein Muslim, ein Mudschahid und ein Muhadschir bin.“

Ikrima sprach diese Worte aus. Danach sagte der Gesandte Allahs (s.a.w.s.) zu ihm: „Wenn du mich heute um etwas bittest, das ich keinem anderen gebe, werde ich es dir geben.“

Ikrima sagte: „Ich wünsche, dass du Allah für mich um Vergebung bittest für jede Feindschaft, die ich dir gegenüber gezeigt habe, für jeden Krieg, in dem ich dir gegenüberstand, und für jedes Wort, das ich vor dir oder hinter deinem Rücken gegen dich gesprochen habe.“

Der Gesandte Allahs (s.a.w.s.) sprach für ihn ein Bittgebet: „O Allah! Vergib ihm jede Feindschaft, die er mir gegenüber gezeigt hat, und jeden Weg, den er zurückgelegt hat, um auf dem Schlachtfeld zu erscheinen und deinen Nur auszulöschen. Vergib ihm auch jedes herabwürdigende Wort, das er in meiner Gegenwart oder in meiner Abwesenheit über mich gesprochen hat.“

Ikrimas Gesicht erstrahlte vor Freude, und er sagte: „O Gesandter Allahs, ich schwöre bei Allah! Was immer ich aufgewendet habe, um den Weg Allahs zu behindern, werde ich nun in doppeltem Maß auf Allahs Weg aufwenden, und jeden Krieg, den ich geführt habe, um den Weg Allahs zu behindern, werde ich nun in doppeltem Maß auf Allahs Weg führen.“ [At-Tabari, Tarikh 2/160; Al-Bidaya wan-Nihaya 4/297; Al-A’lam 2/269; Usd al-Ghaba 5/577; Das Leben der Gefährten des Gesandten Allahs 1/205–208]

Von diesem Tag an schloss er sich der kämpferischen Karawane an, die sich für die Errichtung der Religion Allahs auf Allahs Erde einsetzte, und erfüllte durch sein Märtyrertum in der Schlacht von Jarmuk das Allahs Gesandtem (s.a.w.s.) gegebene Versprechen buchstäblich.

Umm Hakim (r.a.) zog gemeinsam mit ihrem Ehemann Ikrima (r.a.) nach Scham, um gegen die Byzantiner zu kämpfen. Auf dem Schlachtfeld von Jarmuk standen sich die byzantinischen und muslimischen Heere gegenüber, und es kam zu einer heftigen Schlacht. In diesem Krieg übertrafen die Frauen der Quraisch im Umgang mit dem Schwert sogar die männlichen Kämpfer. Umm Hakim war eine von ihnen. In dieser Schlacht von Jarmuk verlor Umm Hakim (r.a.) ihren Ehemann. Ikrima (r.a.) fiel in dieser Schlacht als Märtyrer. [Siyar a’lam an-nubala 1/324; Al-Isaba 4/426] Nach Ablauf ihrer Wartezeit von vier Monaten und zehn Tagen machten ihr viele Männer einen Heiratsantrag. Auch Yazid ibn Abi Sufyan (r.a.) gehörte zu ihnen. Sie enttäuschte sie alle und nahm den Antrag von Khalid ibn Sa’id ibn al-As (r.a.) an. Die Ehe wurde gegen eine Brautgabe von vierhundert Dinar geschlossen. Obwohl der Ehevertrag bereits geschlossen war, begannen noch vor der Brautnacht die Vorbereitungen für die Schlacht von Marj as-Safar, die südlich von Damaskus stattfinden sollte. Die muslimischen Soldaten zogen dorthin. Hadhrat Khalid (r.a.) wollte die Brautnacht mit seiner Frau verbringen, bevor er in den Krieg zog. Seine Frau Umm Hakim sagte: „Wir sollten warten, bis diese Versammlung des feindlichen Heeres zerschlagen ist.“

Khalid (r.a.) sagte: „Mein Herz sagt mir, dass ich in diesem Krieg als Märtyrer fallen werde.“ Umm Hakim (r.a.) erhob keinen weiteren Einwand. In Marj as-Safar wurde in einem Zelt neben einer Brücke ihr Brautlager bereitet, und dort verbrachten sie die Nacht.

Später wurde diese Brücke „Qantaratu Umm Hakim“ genannt – die Brücke von Umm Hakim. Am Morgen wurde auch das Hochzeitsmahl abgehalten. Kaum war das Mahl beendet, begann der Krieg mit den Römern. Khalid (r.a.) stürzte sich auf das feindliche Heer, kämpfte wie ein Held und erlitt den Märtyrertod. Umm Hakim (r.a.) trug noch immer das Gewand einer frisch Vermählten. An ihren Händen war Henna, und ihr Körper war mit Duft bekleidet. Sie riss einen Pfosten aus dem Zelt, in dem sie ihre Hochzeitsnacht verbracht hatte, und nahm ihn in die Hand. Direkt neben diesem Zelt kämpfte sie gegen die römischen Soldaten und erschlug an jenem Tag mit diesem Pfosten sieben römische Soldaten. [Al-Istiʿab 4/425; Tarikh Dimashq 506; Usud al-Ghaba 5/577; Aʿlam an-Nisa 1/281; Al-Isaba 4/426]

Umm Hakim (r.a.) kehrte erneut als Witwe nach Medina zurück. Der Kalif Umar (r.a.) heiratete sie; dort gebar sie eine Tochter namens Fatima bint Umar. Diese Fatima heiratete den Sohn von Zaid ibn al-Khattab, dem Onkel ihres Vaters. [At-Tabari, Tarikh 2/564; Adh-Dhahabi, Tarikh 3/274; Nasab Quraish 303]

Aus verschiedenen Ereignissen lässt sich schließen, dass Umm Hakim (r.a.) noch zu Lebzeiten ihres Ehemannes Umar (r.a.) und während seiner Kalifenzeit verstarb. Der Gelehrte Zirikli nennt ausdrücklich das Jahr 14 nach der Hidschra. [Nisa min Athar an-Nubuwwa 489]

Umama bint Abil As ((r.a.))


Die bedeutendste Eigenschaft von Umama (r.a.) war, dass sie die Enkelin des edlen Gesandten Allahs (s.a.w.) war. Ihr Vater war Abul As (r.a.) ibn ar-Rabi, und ihre Mutter war Zainab (r.a.), die Tochter des Gesandten Allahs (s.a.w.). Umama wurde zu Lebzeiten ihres Großvaters in Mekka geboren. Lange vor ihrer Geburt war ihre Großmutter, die Mutter der Gläubigen Khadidscha al-Kubra (r.a.), verstorben. Umamas Großmutter väterlicherseits war Hala bint Khuwaylid, die jüngere Schwester von Khadidscha (r.a.). Im 8. Jahr nach der Hidschra verstarb Umamas Mutter, und im 12. Jahr ihr Vater. [Tarajim Sayyidat Bayt an-Nubuwwa 536–537]

Ihr Großvater, der edle Gesandte Allahs (s.a.w.), liebte die kleine Umama sehr. Er hielt sie stets bei sich. Sogar während des Gebets behielt er sie in seiner Nähe. Manchmal setzte der Gesandte (s.a.w.) sie auf seine Schultern und begann so das Gebet. Wenn er sich zur Verbeugung niederbeugte, setzte er sie von seinen Schultern ab. Dann setzte er sie während der Niederwerfung auf seinen Kopf und nahm sie beim Aufstehen aus der Niederwerfung wieder auf seine Schultern. Auf diese Weise beendete er sein Gebet. An diesem Verhalten lässt sich in gewissem Maße erkennen, wie groß seine Zuneigung zu Umama war.

Der Gefährte des Gesandten Allahs (s.a.w.), Abu Qatada (r.a.), berichtet: Eines Tages, nachdem Bilal den Gebetsruf ertönen ließ, warteten wir auf das Zuhr-Gebet – nach anderer Auffassung auf das Asr-Gebet –, als der Gesandte (s.a.w.) mit Umama bint Abil As auf seinen Schultern zu uns kam. Der Gesandte (s.a.w.) stellte sich zum Gebet auf, und auch wir stellten uns hinter ihm zum Gebet auf. Umama saß weiterhin in gleicher Weise auf der Schulter ihres Großvaters.

Als der Gesandte (s.a.w.) sich zur Verbeugung niederbeugte, setzte er sie von seinen Schultern ab und stellte sie auf den Boden. Nachdem er die Verbeugung und die Niederwerfung beendet hatte und aufstand, nahm er sie wieder und setzte sie auf seine Schultern. Das tat er in jeder Gebetseinheit und beendete auf diese Weise sein Gebet. [Sunan an-Nasa’i 2/45, 3/10; Tabaqat 8/232; Al-Isaba 4/236; Hayat as-Sahaba 2/482]

Umm al-Mu’minin ʿAischa (r) überlieferte: Der Negus von Abessinien, an-Nadschaschi, sandte dem Gesandten Allahs (s) einige goldene Schmuckstücke als Geschenk, darunter auch einen goldenen Ring. Der Gesandte (s) gab ihn Umama. [Nisā min ʿAsr an-Nubūwa, S. 289]

Wie groß die Zuneigung des Gesandten Allahs (s) zu Umama war, lässt sich auch aus einem anderen Ereignis erahnen. Einmal erhielt der Gesandte Allahs (s) eine mit Perlen besetzte goldene Halskette. Er nahm die Halskette in die Hand, kam zu seinen Gemächern, zeigte sie seinen Frauen und sagte: „Seht einmal, wie findet ihr sie?“ Alle sagten: „Wunderbar! Eine schönere Halskette haben wir noch nie gesehen.“ Der Gesandte (s) sagte: „Ich werde sie derjenigen aus meiner Familie umlegen, die mir am liebsten ist.“ ʿAischa (r) dachte bei sich: „Hoffentlich legt er sie nicht einer anderen Frau um, statt sie mir zu geben.“ Auch die anderen Frauen vermuteten, dass sie wohl ʿAischa (r) zuteilwerden würde. Währenddessen spielte das kleine Mädchen Umama unweit von ihrem Großvater und ihren Großmüttern auf dem Boden. Der Gesandte (s) ging auf sie zu und legte ihr die Halskette um. [al-Istiʿāb 4/238; Usud al-Ghāba 5/400; as-Sīra al-Halabiyya 2/452; Durr as-Sahāba fī Manāqib al-Qarāba wa-s-Sahāba, S. 535; Aʿlām an-Nisā 1/77]

Umamas Vater, Abū al-ʿĀs ibn ar-Rabīʿ (r), verstarb im Jahr 12 nach der Hidschra. Vor seinem Tod äußerte er den Wunsch, Umama mit seinem Cousin az-Zubair ibn al-ʿAwwām zu verheiraten. Inzwischen verstarb auch Umamas Tante mütterlicherseits, Fātima (r). Vor ihrem Tod bat sie ihren Ehemann ʿAlī, Umama nach ihrem Tod zu heiraten. Schließlich erreichte Umama das heiratsfähige Alter. Az-Zubair ibn al-ʿAwwām (r) bemühte sich, den letzten Wunsch Fātimas (r) zu erfüllen. Durch seine Vermittlung wurde Umama mit ʿAlī (r) verheiratet. Damals fiel dies in die Zeit des Kalifats des Befehlshabers der Gläubigen, ʿUmar (r).

Bis zum Jahr 40 nach der Hidschra führte sie mit ʿAlī (r) ein eheliches Leben. In dieser Zeit gingen zahlreiche Stürme und Unruhen über ʿAlīs (r) Leben hinweg. Schließlich wurde er im Jahr 40 nach der Hidschra von einem Attentäter schwer verletzt. An dieser Verletzung hauchte er sein Leben aus. Vor seinem Tod sagte er zu seiner Frau Umama: „Wenn du nach meinem Tod einen Mann brauchst, kannst du al-Mughīra ibn Nawfal heiraten.“ Auch al-Mughīra bat er, Umama nach seinem Tod zu heiraten. Er befürchtete, dass Muʿāwiya (r) Umama nach seinem Tod einen Heiratsantrag machen würde. Diese Befürchtung erfüllte sich. Er verstarb. Umama wartete die vorgeschriebene Wartezeit, die ʿidda, ab. Hadrat Muʿāwiya (r) ließ keine Zeit verstreichen. Er schrieb Marwān: „Richte Umama in meinem Namen einen Heiratsantrag aus und gib zu diesem Anlass tausend Dinar aus.“ Diese Nachricht gelangte zu Umama (r). Sofort ließ sie al-Mughīra ausrichten: „Wenn Sie mich heiraten möchten, kommen Sie schnell.“ Er kam, und durch die Vermittlung von al-Hasan ibn ʿAlī (r) wurde die Eheschließung vollzogen. [al-Isāba 4/237] Während sie die Ehefrau dieses al-Mughīra war, verstarb sie zur Zeit des Kalifats Muʿāwiyas (r). Mit ʿAlī (r) hatte Umama (r) keine Kinder. Im Hause al-Mughīras wurde sie jedoch Mutter eines Sohnes, den sie Yahyā nannte. Deshalb erhielt al-Mughīra den Beinamen Abū Yahyā. [ebd.; Usud al-Ghāba 5/400; Aʿlām an-Nisā 1/77] Einige sagten jedoch, dass sie auch im Hause al-Mughīras keine Kinder bekam. Sie vertreten die Auffassung, dass unter den Töchtern des Gesandten Allahs (s) außer Fātima (r) die Abstammungslinie keiner von ihnen fortbestand. Es ist möglich, dass sie von al-Mughīra ein Kind namens Yahyā gebar, das jedoch bereits im Kindesalter starb. Mit Umamas Tod erlosch die Nachkommenschaft der Prophetentochter Zainab (r), denn ihr Sohn ʿAlī war bereits vor ihr verstorben. [Tarādschim Sayyidāti Bait an-Nubūwa, S. 538; Nisā min ʿAsr an-Nubūwa, S. 280]

Khawla bint Hakīm ((r))


Hadrat Khawla (r) war die Tochter von Hakīm ibn Umayya aus dem Stamm Banū Sulaim in Mekka. Ihr Beiname war Ummuraik. [at-Tabaqāt 8/158; al-Istiʿāb 4/281; Usud al-Ghāba 5/444; Tahdhīb at-Tahdhīb 12/415] Ihre wichtigste Bekanntheit beruht darauf, dass sie die Ehefrau des berühmten Gefährten Hadrat ʿUthmān ibn Mazʿūn (r) war. Dieser ʿUthmān (r) gehörte zu den führenden Persönlichkeiten unter den Auswanderern, die nach Medina ausgewandert waren. Er verstarb nach der Schlacht von Badr in Medina. Der Gesandte (s) verrichtete für ihn das Totengebet und ließ ihn auf dem Friedhof al-Baqīʿ in Medina beisetzen. Er war der erste Gefährte, der auf dem Friedhof al-Baqīʿ beigesetzt wurde. Khawla (r) war mit dem Gesandten Allahs, dem Edlen (s), mütterlicherseits verwandt. [Musnad Ahmad 6/409]

Sie gehörte zu den wenigen Frauen und Männern, die in der Anfangszeit der islamischen Daʿwa in Mekka früh den Islam annahmen. Noch vor ihrer Annahme des Islam heiratete sie ʿUthman ibn Mazʿun (ra). Wahrscheinlich nahmen die beiden Eheleute gleichzeitig den Islam an. Nach ihrer Annahme des Islam kostete sie den köstlichen Geschmack des Glaubens in vollem Maße aus, und das Licht der Wahrheit zerriss alle Schleier vor ihren Augen. Sie begab sich in die Gesellschaft und Nähe des Gesandten Allahs (sa) und widmete sich seinem Dienst. Da sie mit dem Gesandten Allahs (sa) verwandt war, fiel ihr diese Aufgabe noch leichter. In Mekka erkundigte sie sich täglich nach allen Angelegenheiten des Haushalts des Gesandten Allahs (sa), einschließlich dessen Vorzügen und Schwierigkeiten. Auch nachdem sie nach Medina gegangen war, setzte sie diese Aufgabe bis zu ihrem Lebensende fort. Ihre Verbindung mit mehreren bedeutenden Ereignissen im Leben des Gesandten Allahs (sa) verlieh ihr eine besondere Stellung. Ibn ʿAbd al-Barr sagte über sie, als er sie vorstellte:(Arabisch*****************)„Sie war eine rechtschaffene und tugendhafte Frau.“ Auch Umar ibn Abd al-Aziz (rh) bezeichnete sie als rechtschaffen. Bei der Überlieferung eines bestimmten Anlasses erwähnte er sie folgendermaßen:(Arabisch**************)[al-Isaba 4/293]

„Die rechtschaffene Frau Khawla bint Hakim, die Ehefrau von ʿUthman ibn Mazʿun, nahm an.“

Auf diese Weise bezeichneten viele Sira-Gelehrte sie als eine rechtschaffene Frau.

Hazrat Khadidscha (ra) war die erste und geliebteste Ehefrau des edlen Gesandten Allahs (sa). In allen Prüfungen des mekkanischen Lebens des Gesandten Allahs (sa) war sie seine engste Gefährtin. In jedem schwierigen Augenblick tröstete sie ihren Ehemann, bekundete ihr Mitgefühl und half ihm durch ihre Anwesenheit, alle Hindernisse zu überwinden. Als eine solche vertraute Ehefrau und Freundin von ihm schied, wurde der Gesandte (sa) zutiefst niedergeschlagen und von Schmerz erfüllt. Außerdem war Khadidscha die Mutter der Kinder des Gesandten Allahs und führte den Haushalt. In ihrer Abwesenheit wurde es schwierig, die mutterlosen Kinder zu versorgen und den Haushalt zu führen. Darüber hinaus nahmen die Belästigungen und Schikanen der Götzendiener zu. Der Zustand des Gesandten Allahs (sa) bereitete seinen Gefährten große Sorgen.

In einer solchen schweren Zeit im Leben des edlen Gesandten Allahs (sa) ging Khawla eines Tages zu ihm und sagte, als sie ihn niedergeschlagen sah: „O Gesandter Allahs! Ich habe den Eindruck, dass du seit dem Tod Khadidschas von Schmerz erfüllt bist und sie vermisst.“ Der Gesandte (sa) sagte: „Ja, das ist richtig. Sie war die Mutter meiner Kinder und die Herrin des Hauses.“ Im Verlauf des Gesprächs sagte Khawla schließlich mit großer Ehrerbietung: „O Gesandter Allahs! Heirate wieder.“ Der Gesandte (sa) fragte: „Wer ist die Braut?“ Khawla sagte: „Es gibt sowohl eine Witwe als auch ein junges unverheiratetes Mädchen. Über diejenige, die du bevorzugst, kann man sprechen.“ Er fragte erneut: „Wer ist die Braut?“ Khawla sagte: „Die verwitwete Braut ist Sawda bint Zamʿa, und die unverheiratete ist Aischa, die Tochter Abu Bakrs.“ Der Gesandte (sa) sagte: „Ja, Frauen sind dafür geeigneter, eine solche Angelegenheit zu vermitteln. [Tabaqat 8/57; Sira von Aischa (ra), S. 24] Geh und unterbreite ihnen beiden meinen Heiratsantrag.“

Es besteht eine gewisse Meinungsverschiedenheit darüber, ob Khawla nach der Zustimmung des Gesandten Allahs (sa) zuerst zum Haus Aischas oder zu dem Sawdas ging. Jedenfalls ging sie in Sawdas Haus und rief beim Anblick Sawdas aus: „Welche Güte und welchen Segen hat Allah dir wohl verliehen?“ Sawda fragte: „Warum sagst du das?“ Sie antwortete: „Der Gesandte Allahs (sa) hat mich mit einem Heiratsantrag an dich geschickt.“ Sawda sagte: „Ich möchte, dass du mit meinem Vater sprichst.“

Sawdas (ra) Vater stand damals am Ende seines Lebens. Er hatte sich vollständig von allen weltlichen Beschäftigungen zurückgezogen. Khawla trat vor ihn und begrüßte ihn nach der Sitte der Dschahiliyya mit den Worten „Anʿim sabahan“ („Guten Morgen“).

Der alte Mann fragte: „Wer bist du?“ Khawla antwortete: „Ich bin Khawla bint Hakim.“ Der alte Mann hieß sie willkommen und ließ sie neben sich Platz nehmen. Khawla unterbreitete den Heiratsantrag mit den Worten: „Muhammad ibn Abdillah ibn Abd al-Muttalib hat um Sawdas Hand angehalten.“ Der alte Mann sagte: „Das ist eine vornehme und ebenbürtige Verbindung. Was sagt deine Freundin Sawda dazu?“ Khawla antwortete: „Sie ist einverstanden.“ Der alte Mann ließ Sawda rufen. Als Sawda erschien, sagte er: „Meine Tochter! Dieses Mädchen – Khawla – sagt, dass Muhammad ibn Abdillah sie mit einem Heiratsantrag an dich geschickt hat. Er ist ein vornehmer Bräutigam. Ich möchte dich mit ihm verheiraten. Bist du einverstanden?“ Sawda sagte: „Ja, ich bin einverstanden.“ Darauf sagte der alte Mann zu Khawla: „Geh und hole Muhammad.“ Der Gesandte (sa) kam in Bräutigamskleidung, und Sawdas Vater übergab ihm Sawda. [at-Tabari: Tarikh 2/211; al-Bidaya wa-n-Nihaya 2/130; adh-Dhahabi: Tarikh 1/166; Ansab al-Aschraf 1/408; Musnad Ahmad 6/210; Tabaqat 8/53]

Nachdem Khawla (ra) die Zustimmung des edlen Gesandten Allahs (s) erhalten hatte, ging sie zum Haus Abu Bakrs und traf Umm Ruman (ra), die Mutter Aischas (ra). Sie sagte: „Umm Ruman! Welche Segnungen und welcher Wohlstand sind von Allah über eurem Haus ausgegossen worden?“ Sie erwiderte: „Warum sagst du das?“ Khawla sagte: „Der Gesandte Allahs (s) hat mich mit einem Heiratsantrag für Aischa zu euch geschickt.“ Umm Ruman sagte: „Warte ein wenig; Abu Bakr wird jeden Augenblick zurückkommen.“ Abu Bakr kehrte nach Hause zurück, und Khawla trug ihm den Antrag vor. Es sei erwähnt, dass es im vorislamischen Arabien üblich war, die Heirat mit den Kindern des eigenen Bruders ebenso wenig als zulässig anzusehen wie mit den Kindern von Halbbrüdern, Verwandten oder Wahlbrüdern. Als Abu Bakr den Antrag hörte, sagte er daher: „Khawla! Aischa ist doch die Nichte des Gesandten Allahs (s). Wie kann diese Ehe also zustande kommen?“ Khawla kehrte zurück und erkundigte sich beim Gesandten Allahs (s) nach der Angelegenheit. Der Gesandte (s) sagte: „Abu Bakr ist mein Glaubensbruder. Mit den Kindern solcher Brüder darf man eine eheliche Verbindung eingehen.“ Abu Bakr (ra) nahm den Antrag an und bat Khawla, den Gesandten Allahs (s) zu ihm zu bringen. Daraufhin ging Khawla mit dem Gesandten Allahs (s) zu ihm, und die Eheschließung wurde vollzogen. [Sahih al-Buchari, Babu Taswidsch as-Sighar min al-Kibar; Ibn Kathir, as-Sira an-Nabawiyya 1/316; Ashab-e Rasul ki Jibon Katha 5/56]

Khawlas (ra) Ehemann, Uthman ibn Ma’zun (ra), war einer der ersten Muslime in Mekka. Er wurde von den Götzendienern auf vielfältige Weise verfolgt und misshandelt. Auch wanderte er nach Abessinien aus und kehrte nach einiger Zeit wieder nach Mekka zurück. Über eine Auswanderung Khawlas nach Abessinien findet sich keine Nachricht. Falls Khawla bereits in der Frühzeit des Islam mit Uthman ibn Ma’zun (ra) verheiratet war, muss auch sie als Mitglied von Uthmans Familie unter der Tyrannei und Verfolgung der Quraisch schwer gelitten haben. Darüber liegen jedoch keine Informationen vor. Bekannt ist allerdings, dass sie gemeinsam mit ihrem Ehemann nach Medina auswanderte.

Uthman ibn Ma’zun (ra) neigte von seinem Wesen her stark zur Ruhbaniyya, also zur Askese. Gottesdienst und nächtliche Andacht waren seine liebsten Beschäftigungen. Die ganze Nacht hindurch verrichtete er das Gebet. Die meiste Zeit des Jahres fastete er ebenfalls. In seinem Haus hatte er einen Raum für den Gottesdienst bestimmt. Dort hielt er sich Tag und Nacht im I’tikaf auf. Schließlich wurde er seiner Ehefrau und seines Kindes völlig gleichgültig. Khawla (ra) pflegte zum Haus des Propheten zu kommen und sich nach den Frauen des Gesandten Allahs (s) zu erkundigen. Eines Tages kam sie wieder dorthin. Die Ehefrauen des Propheten (s) sahen ihre schmutzige und vernachlässigte Kleidung und fragten sie: „Warum siehst du so aus? Dein Ehemann ist doch einer der wohlhabenden Männer der Quraisch.“ Sie antwortete: „Was habe ich noch mit ihm zu tun? Er fastet am Tag und betet in der Nacht.“ Die Frauen berichteten dem Gesandten Allahs (s) davon. Sofort eilte er zum Haus Uthman ibn Ma’zuns und rief ihm zu: „Uthman! Ist mein Leben etwa kein Vorbild für dich?“ Uthman sagte: „Möge ich für dich geopfert werden, meine Eltern seien dir hingegeben! Warum sagst du so etwas?“ Der Gesandte (s) sagte: „Du fastest am Tag und verbringst die ganze Nacht im Gebet.“ Er erwiderte: „Ja, so pflege ich es zu tun.“ Da erging die Weisung: „Tu das nicht mehr. Deine Augen, dein Körper und deine Familie haben ein Recht auf dich. Bete, ruhe dich aus, faste und brich das Fasten.“ Nach dieser Unterweisung kam seine Ehefrau Khawla eines Tages wieder zum Haus des Propheten. An jenem Tag war sie wie eine frisch verheiratete Braut geschmückt, und von ihrem Körper strömte Wohlgeruch aus. [Siyar A’lam an-Nubala 1/157–158; Nisa min Asr an-Nubuwwa 16]

Khawla (ra) war eine redegewandte Frau. Sie sprach in reiner und klarer Sprache. Sie besaß ein zartes und empfindsames Gemüt. Es gibt Belege dafür, dass sie sich auch mit Dichtkunst beschäftigte. Nach dem Tod ihres Ehemannes Uthman (ra) verfasste sie eine Totenklage; einige ihrer Verse lauten wie folgt:(Arabisch *****************) [Nisa min Asr an-Nubuwwa 169; Hayat as-Sahaba 2/611]

„O mein Auge! Vergieße unaufhörlich Tränen

über das große Unglück Uthman ibn Ma’zuns.

Für einen solchen Mann, der die Nacht zur Zufriedenheit seines Schöpfers verbrachte,

frohe Botschaft für jenen begrabenen Verstorbenen.“

Für ihn hat sie eine Wohnstätte in Baqīʿ errichtet, und die Bäume spendeten Schatten,

sein Land wurde erleuchtet, nachdem es als steiniger Boden dagelegen hatte,

das Herz mit einem Schmerz belastet, dessen Ende erst der Tod ist.

Die Adern meiner Tränenströme werden unfähig werden, seinetwegen noch Tränen zu vergießen.“

Nachdem Khawla (r.a.) im zweiten Jahr der Hidschra verwitwet war, heiratete sie kein zweites Mal. Sie war stets bedrückt. Aus den Überlieferungen in den Hadith- und Sīra-Werken geht hervor, dass sich mehrere Frauen aus eigenem Antrieb dem Propheten (s.a.w.) zur Heirat angeboten hatten. Hazrat ʿĀʾischa (r.a.) sagte: Khawla war eine von ihnen. ʿUrwa ibn az-Zubair (r.a.) sagte: Wir pflegten zu sagen, dass Khawla sich dem Gesandten Allahs (s.a.w.) selbst angeboten habe. Sie war eine rechtschaffene Frau. Ibn ʿAbbās (r.a.) sagte: Er nahm keine der Frauen an, die sich dem Gesandten Allahs (s.a.w.) angeboten hatten, obwohl Allah dem Propheten (s.a.w.) die Erlaubnis gegeben hatte, eine solche Frau anzunehmen. Diese Erlaubnis war ausschließlich ihm erteilt worden. Allah sagt:(Arabisch *****************)Sure al-Ahzāb, 50

„Und wenn eine gläubige Frau sich dem Propheten anbietet und der Prophet sie heiraten möchte, so ist auch sie ihm erlaubt.“ Tafsīr al-Qurtubī und Tafsīr Ibn Kathīr – Sure al-Ahzāb, Verse 50–51; al-Bidāya wa-n-Nihāya 5/259; at-Tabaqāt 8/158; al-Baihaqī, Dalāʾil an-Nubuwwa 7/287

In dem oben genannten Vers hat Allah, der Herr der Welten, solche Frauen als gläubige Frauen bezeichnet. Das ist für sie ein großer Anlass zu Stolz, Ehre und Erfolg. Auch Hazrat Khawla gehört zu denen, die diesen Stolz und diese Ehre besitzen.

Sie erlangte auch die Ehre, gemeinsam mit dem Gesandten Allahs (s.a.w.) am Dschihad teilzunehmen. Sie nahm am Feldzug gegen Tāʾif teil. Zu dieser Zeit bat sie den Gesandten Allahs (s.a.w.): „O Gesandter Allahs! Wenn Tāʾif erobert wird, wirst du mir dann den Schmuck von Bādiya bint Ghaylān oder von Fāriʿa bint ʿAqīl schenken?“ Es sei erwähnt, dass der Schmuck dieser beiden Frauen der schönste und wertvollste unter den Frauen des Stammes Thaqīf war. Der Gesandte (s.a.w.) sagte zu ihr: „Mir wurde hinsichtlich dieser beiden noch keine Erlaubnis erteilt, und ich glaube nicht, dass wir sie schon jetzt besiegen werden.“ Khawla (r.a.) kam vom Gesandten Allahs (s.a.w.) zurück und erzählte dies ʿUmar ibn al-Khattāb (r.a.). ʿUmar (r.a.) ging zum Gesandten Allahs (s.a.w.) und sagte: „O Gesandter Allahs! Was ist es mit der Aussage, die Khawla gemacht hat und von der sie meint, du habest sie gemacht?“ Der Gesandte (s.a.w.) sagte: „Ich habe es gesagt.“ ʿUmar (r.a.) fragte: „Soll ich den Aufbruch ausrufen?“ Der Gesandte (s.a.w.) sagte: „Ja, tu es.“ ʿUmar (r.a.) rief den Aufbruch aus. Ibn Hischām, as-Sīra 2/484; Usd al-Ghāba 5/444; al-Isāba 4/291; as-Sīra al-Halabīya 3/81–82

Hazrat Khawla (r.a.) bewahrte ebenfalls einige Hadithe des edlen Gesandten Allahs (s.a.w.) auf. Über ihre Überlieferungskette wurden insgesamt fünfzehn (15) Hadithe überliefert. Imam Muslim, at-Tirmidhi, an-Nasa’i und Ibn Madscha nahmen sie in ihre Sammlungen auf. Hazrat Saʿd ibn Abi Waqqas (r.a.), Saʿid ibn al-Musayyib, Bisr ibn Saʿid, Urwa (r.h.) und viele andere überlieferten Hadithe von ihr.[Nisaʾ min Athar an-Nubuwwah-170; Sahabiyyah-251]

Khawla bint Tha‘laba ((r.a.))


Der Name von Hazrat Khawlas (r.a.) Vater war Thaʿlaba ibn Asram. Ibn Hadschar nennt den Namen ihres Vaters Malik und den ihres Großvaters Thaʿlaba.[Al-Isaba-4/289] Sie stammte aus dem Stamm der Banu Auf vom Stamm der Chazradsch in Medina. Manche nannten sie statt Khawla auch Chuwaila.[Tabaqat-8/387; Tahdhib at-Tahdhib-12/414; Usd al-Ghaba-5/442] Sie nahm in der frühen Phase der Verkündung des Islams in Medina den Islam an. Nachdem der Gesandte Allahs (s.a.w.) nach Medina gekommen war, leistete sie ihm den Baiʿa-Eid, also das Treuegelöbnis. Ihre Familie war eine islamische Familie. Ihre drei Brüder Bahhas, Abdullah und Yazid (r.a.) waren allesamt berühmte Gefährten aus den Ansar. Sie hatten in der ersten Phase der Verkündung des Islams in Medina den Islam angenommen. Ihr Ehemann war Aus ibn as-Samit (r.a.), der Bruder von Ubada ibn as-Samit (r.a.), dem Anführer des Stammes Chazradsch in Medina. Dieser Aus (r.a.) nahm zusammen mit dem Gesandten Allahs (s.a.w.) an allen Schlachten teil, darunter an Badr, Uhud und am Graben. Er war ein Dichter. Im Jahr 32 nach der Hidschra starb er im Alter von 72 Jahren in Ramallah in Palästina.[Tabaqat-3/547; Tahdhib al-Asma wa al-Lughat-1/129]

Abdullah ibn Abbas (r.a.) sagte, dass der Fall des Zihar im islamischen Zeitalter erstmals durch Aus ibn as-Samit vorgekommen sei.[Ibn Qutaiba, al-Maʿarif-255] Seine Ehefrau war Khawla bint Thaʿlaba (r.a.).

Bei den Arabern der vorislamischen Zeit kam es häufig vor, dass ein Ehemann, wenn es zwischen ihm und seiner Ehefrau zu einer kleinen Verstimmung, einem Streit oder einer Auseinandersetzung kam, zornig sagte: (Arabisch **********)– Die wörtliche Bedeutung dieses Satzes lautet: „Du bist für mich wie der Rücken meiner Mutter.“ Die klare Bedeutung einer solchen Aussage ist, dass er seine Ehefrau nun nicht mehr als Ehefrau betrachtet, sondern sie zu den Frauen zählt, die für ihn Mahram sind. Eine solche Aussage wird in der Terminologie der islamischen Rechtswissenschaft als ZiharArabisch******) bezeichnet. In der arabischen Sprache Arabisch****)das Wort (Arabisch******)stammt von. Seine gebräuchliche Bedeutung ist ein Reittier, auf dem man reitet. Ein Tier, das als Reittier dient, wird im Arabischen „Zahr“ genannt, weil man auf seinem Rücken reitet. Die Araber der vorislamischen Zeit sagten mit der Absicht, ihre Ehefrau für sich unerlaubt zu machen: „Dich zu meinem Reittier zu machen ist für mich ebenso unerlaubt, wie meine eigene Mutter zu meinem Reittier zu machen.“ Deshalb wurde das Aussprechen solcher Sätze oder Aussagen in ihrer Terminologie Zihar genannt. In der vorislamischen Zeit wurde eine solche Aussage bei den Arabern als gleichbedeutend mit der Erklärung angesehen, die eheliche Beziehung zu beenden – ja, mit einer noch stärkeren Trennung. Denn für sie bedeutete dies, dass der Ehemann nicht nur die Ehebeziehung zu seiner Frau beendete, sondern sie sich auch wie seine Mutter für sich selbst unerlaubt machte. Daher gab es in der arabischen Gesellschaft selbst nach einer Scheidung eine Möglichkeit, die Ehefrau wieder aufzunehmen; nach dem Zihar jedoch blieb kein Weg mehr offen.[Tafhim al-Qur’an, Tafsir, Sure al-Mudschadala-16/183]

Die Hadith-Gelehrten haben den Vorfall des Zihar von Hazrat Aus anhand der Überlieferungen verschiedener Überlieferer ausführlich dargestellt. Die Zusammenfassung und der Kern dieser Überlieferungen ist, dass Aus (r.a.) im hohen Alter etwas reizbar geworden war. In einigen Überlieferungen heißt es, bei ihm sei ein Zustand des Wahnsinns aufgetreten. Um dies zu erklären, verwendeten die Hadith-Überlieferer folgenden Ausdruck: (Arabisch************). In der arabischen Sprache bedeutet dieses(Arabisch******) Wort nicht völligen Wahnsinn, sondern bezeichnet einen Zustand, den wir mit den Worten beschreiben würden: „Der und der ist vor Zorn verrückt geworden.“ Aufgrund dieses Zustands seines Wesens und Charakters hatte er zuvor bereits mehrmals gegenüber seiner Ehefrau Zihar ausgesprochen. Doch nachdem er den Islam angenommen hatte, kam es wegen eines Streits mit seiner Ehefrau erneut zu einem solchen Vorfall.

Daraufhin begab sich seine Ehefrau Khawla (r.a.) zum edlen Gesandten Allahs (s.a.w.), schilderte ihm den gesamten Vorfall und fragte: O Gesandter Allahs! Gibt es unter diesen Umständen eine Möglichkeit, mein Leben und das Leben meiner Kinder vor einem schweren Unglück zu bewahren?

Was der edle Prophet (s.a.w.) zur Antwort gegeben hatte, wurde von verschiedenen Überlieferern in unterschiedlichen Worten überliefert. In einigen Überlieferungen lautete seine Antwort: „Bis jetzt wurde mir diesbezüglich kein Befehl gegeben.“ In einer anderen Überlieferung heißt es: „Ich glaube, dass du für deinen Ehemann unerlaubt geworden bist.“ In einer weiteren Überlieferung sagte er: „Du bist für ihn unerlaubt geworden.“ Als Hazrat Khawla (r.a.) diese Antworten hörte, begann sie sehr zu weinen, zu klagen und flehentlich zu bitten.

wiederholt zum Propheten (s.a.s.) sagte: „Er hat nicht das Wort ‚Scheidung‘ ausgesprochen. Nenne mir bitte einen Weg, durch den meine Kinder und das Leben meines betagten Ehemannes vor einer schweren Notlage bewahrt werden können.“ Doch jedes Mal gab der edle Prophet (s.a.s.) ihr dieselbe oder eine gleichartige Antwort. Schließlich erhob Khawla (r.a.) die Hände und begann zu beten: „O Allah! Ich klage Dir mein großes Leid und den brennenden Schmerz über die Trennung von meinem Ehemann. O Allah! Lass durch den Mund Deines Propheten (s.a.s.) ein Wort ergehen, das für uns gut ist.“ ʿĀischa (r.a.) berichtet: „Da entstand eine solche Szene, dass ich und alle Anwesenden angesichts von Khawlas flehentlichem Bitten und ihren Klagerufen zu weinen begannen.“

Zu dieser Zeit zeigte sich beim edlen Gesandten Allahs (s.a.s.) der Zustand des Empfangens einer Offenbarung. ʿĀischa (r.a.) sagte erfreut zu Khawla (r.a.): „Khawla, sehr bald wird Allah eine Entscheidung in deiner Angelegenheit herbeiführen.“ Dies war für sie eine äußerst schwere Zeit. Zwischen Hoffnung und Verzweiflung hin- und hergerissen, geriet sie in große Unruhe. Es entstand die Befürchtung, dass eine Trennung angeordnet werden könnte und sie vor Kummer darüber ihr Leben verlieren würde. Doch als sie zum Gesandten Allahs (s.a.s.) blickte und sein lächelndes Gesicht sah, schöpfte sie neue Hoffnung. Vor Freude sprang sie auf. Da sagte der Gesandte (s.a.s.): „Khuwayla! Allah hat deinetwegen und wegen deines Gefährten eine Offenbarung herabgesandt.“ Dann trug er vor: (Arabisch ********************)[Sure al-Mudschādala, 1–4]

„Allah hat gewiss die Worte jener Frau gehört, die mit dir über ihren Ehemann disputiert und bei Allah Klage führt. Allah hört euer beider Gespräch. Gewiss, Allah ist allhörend und allsehend. Diejenigen unter euch, die ihre Ehefrauen für ihre Mütter erklären, deren Ehefrauen sind nicht ihre Mütter. Ihre Mütter sind nur jene, die sie geboren haben. Wahrlich, sie äußern ein verwerfliches und unwahres Wort. Gewiss, Allah ist verzeihend und nachsichtig. Diejenigen, die ihre Ehefrauen für ihre Mütter erklären und dann ihre Aussage zurücknehmen, haben als Sühne einen Sklaven zu befreien, bevor sie einander berühren. Das ist eine Ermahnung für euch. Allah ist wohlunterrichtet über das, was ihr tut. Wer dazu nicht imstande ist, soll zwei aufeinanderfolgende Monate fasten, bevor sie einander berühren. Wer auch dazu nicht fähig ist, soll sechzig Bedürftige speisen. Dies ist, damit ihr an Allah und Seinen Gesandten glaubt. Das sind die von Allah festgelegten Grenzen. Und für die Ungläubigen gibt es eine schmerzhafte Strafe.“

Nachdem diese Verse herabgesandt worden waren, sagte der Gesandte (s.a.s.) zu Khawla: „Fordere deinen Ehemann auf, einen Sklaven freizulassen.“ Khawla sagte: „O Gesandter Allahs! Er ist nicht dazu in der Lage, einen Sklaven freizulassen.“ Der Prophet (s.a.s.) sagte: „Dann muss er zwei aufeinanderfolgende Monate fasten.“ Khawla sagte: „Er ist doch alt; wie sollte er die Kraft zum Fasten haben? Wenn er nicht zwei- oder dreimal am Tag isst und trinkt, beginnt sein Sehvermögen nachzulassen.“ Der Prophet (s.a.s.) sagte: „Dann muss er sechzig Bedürftige speisen.“

Khawla sagte: „Dafür besitzt er nicht die nötigen finanziellen Mittel. Wenn du jedoch hilfst, kann es getan werden.“ Daraufhin schenkte der edle Prophet (s.a.s.) die erforderliche Menge an Lebensmitteln, um sechzig Bedürftige zweimal am Tag zu speisen. In einigen Überlieferungen heißt es, dass Khawla ihrem Ehemann aus ihrem eigenen Besitz genau die Menge gab, die der edle Prophet (s.a.s.) gegeben hatte, damit er seine Sühneleistung erbringen konnte. [Al-Isāba, 4/290]

Die Ehefrau Khawla war zum Gesandten Allahs (s.a.s.) gegangen, um die Entscheidung über den Zihār zu erfahren. Ihr Ehemann Aws (r.a.) stand inzwischen unruhig an der Haustür und wartete auf ihre Rückkehr. Seine Brust bebte vor Ungewissheit und Sorge, welche Entscheidung sie wohl mitbringen würde. Als er Khawla schließlich in der Ferne erblickte, rief er unruhig: „Khawla, was ist geschehen?“

Khawla sagte: „Gut. Du hast Glück gehabt.“ Dann berichtete sie ihm von der Entscheidung des Gesandten Allahs (s.a.s.), und er entrichtete diese Sühneleistung. [At-Tabaqāt, 8/379–380; Schazarāt adh-Dhahab, 1/138–139; Ansāb al-Aschrāf, 1/251; Tafhīm al-Qurʾān, 16/185–186]

Allah, der Erhabene, ehrte Khawla (r.a.) und sandte als Antwort auf ihre Klage die oben erwähnten Verse der Sure al-Mudschādala herab. Darin legte Er nicht nur die Bestimmungen über den Zihār dar und sorgte dafür, ihr Leid und ihre Qual zu lindern, sondern sagte zu ihrer Beruhigung gleich zu Beginn: „Ich habe die Worte jener Frau gehört, die mit dir über ihren Ehemann disputierte.“ ʿĀischa as-Siddīqa (r.a.) sagte: „Gepriesen sei jenes Wesen, das jede Stimme und jede Klage hört.“ Als Khawla bint Thaʿlaba beim Gesandten Allahs (s.a.s.) über ihren Ehemann Klage führte, war ich anwesend. Doch obwohl ich so nahe war, konnte ich manche ihrer Worte nicht hören. Allah jedoch hatte alles gehört. [Tafsīr al-Qurtubī und Tafsīr Ibn Kathīr, Auslegung der Sure al-Mudschādala, Verse 1–4] Nach der Herabsendung dieser Verse wurde Khawlas (r.a.) Beiname „al-Mudschādila“ („die Disputierende).“

Khawla war eine der redegewandtesten Frauen unter den Ansar. Sie verstand es meisterhaft, in kunstvoll geschmückter Sprache und auf eindrucksvolle Weise maßgebliche Worte zu sprechen. Als sie in dieser Angelegenheit beim Gesandten Allahs (s.a.w.) gegen ihren Ehemann Beschwerde erhob, tat sie dies in einer Sprache und Ausdrucksweise, von denen hier einige Beispiele angeführt werden können. Sie sagte: (Arabisch*************************) [Nisā min Athār an-Nubuwwa-405; Hayāt as-Sahāba-3/31]

„O Gesandter Allahs! Er hat mein Vermögen aufgebraucht und meine Jugend genossen und erschöpft. Ich habe meinen Schoß für ihn hingegeben. Und nun, da ich alt geworden bin und keine Kinder mehr bekommen kann, hat er den Ẓihār gegen mich ausgesprochen.“

Eine kurze Schilderung, die jedoch kunstvoll gestaltet ist und die Fähigkeit besitzt, Aufmerksamkeit zu erregen. Dass ihr Hilferuf bei Allah erhört und angenommen wurde und unverzüglich eine für sie günstige Anordnung von Allah erging, war der Grund dafür, dass ihr in der Gemeinschaft der Gefährten eine besondere Ehre und Stellung zuerkannt wurde. In einem von Ibn Abī Hātim und al-Bayhaqī überlieferten Hadith heißt es, dass Umar (r.a.) einmal mit einigen Gefährten unterwegs war. Unterwegs versperrte ihm eine Frau den Weg. Umar (r.a.) blieb stehen, senkte den Kopf und hörte ihr lange zu. Er blieb stehen, bis sie ihre Rede beendet hatte. Einer seiner Gefährten sagte: „Wegen dieser alten Frau lässt du die führenden Männer des Stammes Quraisch hier stehen.“ Umar (r.a.) erwiderte: „Wisst ihr, wer diese Frau ist? Sie ist Khawla bint Thaʿlaba. Sie ist eine Frau, deren Klage über dem siebten Himmel erhört wurde. Bei Allah! Wenn sie mich bis zur Nacht hätte stehen lassen, wäre ich stehen geblieben. Nur für die Gebetszeiten hätte ich sie um Erlaubnis gebeten.“ [Tafhīm al-Qurʾān-16/182]

Ibn Abd al-Barr überliefert in seinem Werk „al-Istīʿāb“ eine Überlieferung von Qatāda (r.h.). Als diese Frau, Khawla, Umar (r.a.) unterwegs begegnete, grüßte er sie. Nachdem sie den Gruß erwidert hatte, begann sie zu sagen: „Ach, Umar! Es gab eine Zeit, da sah ich dich auf dem Markt von Ukāẓ. Damals nannten dich alle Umair; du hütetest Ziegen mit einem Stock in der Hand. Schon nach einigen Tagen begannen die Leute, dich Umar zu nennen. Und nach einiger weiterer Zeit begann man dich „Amīr al-Muʾminīn“ zu nennen. Ich sage dir: Fürchte Allah ein wenig hinsichtlich der einfachen Leute. Bedenke: Wer Allahs Fluch fürchtet, dem wird selbst ein fernstehender Mensch wie ein naher Verwandter. Und wer den Tod fürchtet, bei dem besteht die Gefahr, dass er gerade das verliert, was er zu bewahren sucht.“

Als er dies hörte, sagte Jarūd al-Abdī, ein Gefährte Umars (r.a.): „O Frau! Du sprichst äußerst ungehörig mit dem Amīr al-Muʾminīn.“

Umar (r.a.) sagte: „Lass sie reden. Weißt du, wer sie ist? Ihre Worte wurden sogar über dem siebten Himmel erhört; Umar (r.a.) muss ihnen erst recht zuhören.“ [Izālat al-Khafā-1/51; al-Istīʿāb-4/283; al-Isāba-4/283; Kanz al-Ummāl-1/385; Hayāt as-Sahāba-2/436]

Dies ist Khawla bint Thaʿlaba (r.a.), eine gläubige Frau aus den Ansar, über deren Angelegenheit ein Koranvers offenbart wurde. Durch sie wurde eine wichtige Bestimmung der islamischen Scharia eingeführt und die Ehre und Würde muslimischer Frauen erhöht.

Das genaue Jahr und Datum ihres Todes sind nicht bekannt. Aus verschiedenen Ereignissen lässt sich jedoch erkennen, dass sie während des größten Teils des Kalifats der rechtgeleiteten Kalifen lebte und in dieser Zeit starb.

Hawa bint Yazid (r.a.)


Hawas Vater hieß Yazid ibn Sinan. Sie war eine Angehörige des Stammes Abd al-Aschhal in Medina. Sie war die Ehefrau von Qais ibn Chutaim aus Medina. Der große ansarische Gefährte Saʿd ibn Muʿadh (r.a.) war der leibliche Bruder von Hawas Mutter, Aqrab bint Muʿadh. Somit war der berühmte Gefährte Saʿd Hawas Onkel mütterlicherseits. Der große Gefährte von Badr, Rafiʿ ibn Yazid (r.a.), war ihr leiblicher Bruder. Hawa nahm in der Anfangszeit der Verkündung des Islams in Medina, noch vor der Auswanderung des Gesandten Allahs (s.a.w.) von Mekka nach Medina, den Islam an. Sie gehörte zu den Frauen, die der Gesandte (s.a.w.) mit Achtung und Ehrerbietung behandelte. Hawa dürfte zwischen dem ersten und dem zweiten Treueid von al-ʿAqaba den Islam angenommen haben. [al-Isaba 4/277; Nisa min Asr an-Nubuwwa 91]

Hawa gehörte zu den wenigen Frauen aus Medina, die sich als Erste zum Gesandten Allahs (s.a.w.) begaben und ihm den Treueid leisteten. Umm ʿAmir, eine Frau aus dem Stamm Abd al-Aschhal, berichtet: „Eines Tages begaben ich, Laila bint al-Hutaim und Hawa bint Yazid – wir drei – uns in der Zeit zwischen Maghrib und ʿIscha zum Gesandten Allahs (s.a.w.), wobei wir unsere gesamten Körper mit unseren Umhängen bedeckt hatten. Wir grüßten ihn mit dem Friedensgruß. Er fragte uns nach unseren Namen. Wir stellten uns vor. Er hieß uns willkommen und fragte: Warum seid ihr gekommen?“

Wir sagten: „O Gesandter Allahs! Wir sind zu dir gekommen, um dir den Treueid zum Islam zu leisten. Wir haben an dich geglaubt und bezeugen, dass das, was du gebracht hast, wahr ist.“

Der Gesandte (s.a.w.) sagte: „Alles Lob gebührt Allah, der euch zum Islam rechtgeleitet hat. Ich nehme euren Treueid an.“ Umm ʿAmir (r.a.) berichtet: „Danach trat ich ein wenig näher an den Gesandten Allahs (s.a.w.) heran. Da sagte er: Ich gebe Frauen nicht die Hand. Was ich zu tausend Frauen sage, gilt ebenso für eine einzige Frau.“

Umm ʿAmir sagte: „Wir waren die Ersten, die dem Gesandten Allahs (s.a.w.) den Treueid leisteten.“ [at-Tabaqat 8/12; al-Isaba 4/276]

Hawa gehörte zu jenen, die wegen des Islams Unterdrückung und Misshandlung erlitten. Ihr Ehemann Qais ibn Chutaim war ein berühmter Dichter des medinensischen Stammes Aus. Obwohl er an der Vielgötterei festhielt, nahm seine Ehefrau ohne sein Wissen den Islam an. Als er davon erfuhr, begann er, sie zu misshandeln, um sie vom Islam abzuhalten. Er verspottete und verhöhnte sie und stieß sie zu Boden, wenn sie sich während des Gebets zur Niederwerfung niederwarf. [al-Isaba 4/276] Hawa ertrug all diese Misshandlungen schweigend. Der Gesandte (s.a.w.) befand sich damals in Mekka. Durch die Muslime, die von Medina nach Mekka kamen, erfuhr er von den Zuständen in Medina. Von ihnen erfuhr er auch von der Misshandlung Hawas. Einmal, kurz vor seinem Tod, begab sich Qais zum Markt von „Dhu l-Madschaz“ in Mekka. Als der Gesandte (s.a.w.) davon erfuhr, ging er zu seinem Aufenthaltsort. Als Qais den Gesandten sah, zeigte er seine Freude und erwies ihm große Achtung und Gastfreundschaft. Der Gesandte (s.a.w.) lud ihn ein, den Islam anzunehmen. Qais bat um Bedenkzeit und sagte, er wolle nach Medina zurückkehren und noch etwas darüber nachdenken. Der Gesandte stimmte dem zu. Dann wechselte er das Thema und sagte: „Deine Ehefrau Hawa bint Yazid hat den Islam angenommen. Du hast ihr auf vielerlei Weise Leid zugefügt. Ich möchte, dass du ihr von nun an keinerlei Leid mehr zufügst. Fürchte Allah und erinnere dich in dieser Angelegenheit an meine Worte.“ [at-Tabaqat 3/324; 8/23; Aʿlam an-Nisa 1/304]

Qais sagte: „Abu l-Qasim! Aus Achtung vor dir werde ich ihr kein Leid mehr zufügen.“ Nachdem er dem Gesandten (s.a.w.) sein Wort gegeben hatte, kehrte er nach Medina zurück. Zu seiner Ehefrau sagte er: „Dein Freund hat mich besucht und mich gebeten, dir keinerlei Leid zuzufügen. Deshalb werde ich von nun an nichts mehr zu dir sagen. Du kannst deine Religion frei praktizieren.“ [Ibn Sallam, Tabaqat asch-Schuʿara 192–193]

In einer anderen Überlieferung heißt es, dass er zu seiner Frau sagte: „Du kannst deine Religion so praktizieren, wie du möchtest. Ich werde dich in keiner Weise mehr daran hindern. Bei Allah! Ich habe keinen Menschen gesehen, der ein schöneres Gesicht und eine schönere Gestalt hatte als er.“ [Al-Bayhaqī, Dalāʾil an-Nubuwwa 2/456; Aʿlām an-Nisāʾ 1/304]

Daraufhin offenbarte Hawā (r.a.) ihrem Mann alles, was sie über den Islam vor ihm geheim gehalten hatte. Sie begann, den Islam offen zu praktizieren. Qays hinderte sie überhaupt nicht mehr daran. Wenn Nachbarn und Freunde zu ihm sagten: „Du hältst noch immer am Götzendienst fest, aber deine Frau ist eine Anhängerin Muhammads (s.a.w.s.) geworden“, erwiderte er: „Ich habe Muhammad versprochen, dass ich ihm kein Leid mehr zufügen werde, und ich werde mein gegebenes Wort halten.“ Als dem Gesandten Allahs (s.a.w.s.) bekannt wurde, dass Qays dieses Versprechen einhielt und seine Frau nicht misshandelte, bemerkte er:(Arabisch*********)„Der Mann mit den teils zusammengewachsenen und teils getrennten Augenbrauen hat sein Wort gehalten.“ [Usud al-Ghāba 5/431; Nisāʾ min ʿAsr an-Nubuwwa 94]

So konnte Hawā ungehindert ein islamisches Leben führen. Inzwischen war der Gesandte (s.a.w.s.) nach Medina ausgewandert. Hawā begab sich bereits zu Beginn gemeinsam mit einigen anderen Frauen der Ansār zum Gesandten Allahs (s.a.w.s.) und leistete den Treueid.

Qays nahm den Islam nicht an. Doch seine beiden von Hawā (r.a.) geborenen Söhne, Yazīd und Thābit, nahmen beide den Islam an und erlangten die Ehre, Gefährten des Gesandten Allahs (s.a.w.s.) zu sein. Yazīd nahm an der Schlacht von Uhud an der Seite des Gesandten Allahs (s.a.w.s.) teil und erlitt Verletzungen an zwölf Stellen seines Körpers. An diesem Tag kämpfte er mit dem Schwert in der Hand heftig vor dem Gesandten Allahs (s.a.w.s.). Da rief der Gesandte (s.a.w.s.) ihn mit dem Namen „Jāsir“ an und gab ihm folgende Anweisungen:(Arabisch ************)„O Jāsir! Geh voran. Jāsir! Zieh dich zurück.“

Dieser Yazīd fiel als Märtyrer in der unter der Führung von Abū ʿUbayda (r.a.) geführten Schlacht von Jasr. [ebd.] Was Thābit betrifft, so sagte Ibn ʿAbd al-Barr in seinem Werk al-Istīʿāb, dass er unter den Gefährten erwähnt worden sei. Er verstarb während des Kalifats von Muʿāwiya (r.a.). [Nisāʾ min ʿAsr an-Nubuwwa 92]

Es sei erwähnt, dass die beiden Schwestern von Qays ibn Khutaym, Laylā und Lubnā, den Islam annahmen und dem Gesandten Allahs (s.a.w.s.) den Treueid leisteten. Über das spätere Leben von Hawā ist nichts bekannt. Die Geschichte schweigt darüber, wann, wo und wie sie starb. Doch alle historischen Quellen berichten, dass sie eine gute Muslimin werden konnte. [Al-Isāba 4/276]

Schifā bint ʿAbdallāh ((r.a.))


Die ehrenwerte Schifā (r.a.) war die Tochter eines Angehörigen des ʿAdī-Zweigs des Quraysh-Stammes in Mekka. Ihr Beiname war Umm Sulaymān. Ihr Vater war ʿAbdallāh ibn ʿAbd Schams, ihre Mutter Fāṭima bint Abī Wahab, eine Nachfahrin des ʿAmr-ibn-Machzūm-Zweigs desselben Stammes. [Usud al-Ghāba 5/486; al-Isāba fī Tamyīz as-Sahāba 4/333] Schifā heiratete Abū Ḥuthma ibn Ḥudhayfa al-ʿAdawī. [Ṭabaqāt 8/268; al-Istīʿāb 4/332] Manche sagen, ihr eigentlicher Name sei Laylā gewesen und der ihr später verliehene Beiname asch-Schifā sei zu ihrem bekannten Namen geworden. [Nisāʾ min ʿAsr an-Nubuwwa, Anmerkung 1, S. 159]

Sie nahm noch vor der Hidschra in Mekka den Islam an und gehörte zu den Frauen, die in der ersten Phase von Mekka nach Medina auswanderten. [Al-Isāba 4/333] Sie gehörte zu den Frauen unter den Gefährtinnen, die dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) den Treueid leisteten. [Nisā min Athar an-Nubuwwa, S. 159] Sie hegte eine tiefe Verehrung und Liebe für den ehrwürdigen Gesandten. Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) maß dieser Verehrung und Liebe große Bedeutung bei. Bisweilen ging er zum Haus Schifās und ruhte sich dort aus. Schifa (Allah sei mit ihr zufrieden) bewahrte in ihrem Haus eigens ein Bett und ein vollständiges Gewand für den Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) auf. Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) benutzte sie. Nach Schifās Tod bewahrten ihre Kinder diese Gegenstände mit größter Sorgfalt auf. Doch der umayyadische Kalif Marwan ibn al-Hakam (gest. 65 n. H.) nahm sie ihnen gewaltsam weg. So gingen sie der Familie Schifās verloren. [Tahdhīb al-Asmā wa-l-Lughāt 2/87; al-Istīʿāb 4/358]

Umar (Allah sei mit ihm zufrieden) betrachtete Schifa mit besonderer Hochachtung. Er maß ihrer Meinung außerordentlich große Bedeutung bei und brachte ihr besondere Wertschätzung entgegen. Er übertrug ihr einige Aufgaben bei der Überwachung und Verwaltung des Marktes. [Dschamharat al-Ansāb al-ʿArab 1/150; al-Isāba 4/333]

Der ehrwürdige Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) schenkte ihr ein Haus. In diesem Haus lebte sie mit ihrem Sohn Sulayman. [Nisā min Athar an-Nubuwwa, S. 161]

Einmal ließ der Kalif Umar (Allah sei mit ihm zufrieden) sie zu sich rufen und schenkte ihr einen Umhang. Der ebenfalls gerade anwesenden Atiqa bint Usayd schenkte er einen etwas besseren Umhang. In vorwurfsvollem Ton sagte Schifa zum Kalifen: „Mögen deine Hände staubbedeckt sein! Du hast ihr einen besseren Umhang geschenkt als mir. Dabei bin ich vor ihr Muslimin geworden und deine Cousine. Außerdem bin ich gekommen, weil du mich hast rufen lassen, während sie von selbst gekommen ist.“ Umar (Allah sei mit ihm zufrieden) erwiderte: „Ich hätte dir den besseren Umhang gegeben; doch da sie gekommen war, musste ich ihr den Vorzug geben, denn ihrer Abstammung nach steht sie dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) näher.“ [Al-Istīʿāb 4/358; Usd al-Ghāba 5/497; Sahābiyyāt, S. 240]

Auch Schifa (Allah sei mit ihr zufrieden) war eine große Bewunderin Umars (Allah sei mit ihm zufrieden). Wann immer sich Zeit und Gelegenheit boten, stellte sie den Menschen Umars Vorbild vor Augen. Eines Tages sah sie einige junge Männer vor ihr vorübergehen, die sich äußerst langsam bewegten und mit gedämpfter Stimme redeten, und fragte: „Warum sind sie in diesem Zustand?“ Die Leute antworteten: „Das sind ʿĀbid – Menschen, die mit der Anbetung Allahs beschäftigt sind.“ Da sagte Schifa (Allah sei mit ihr zufrieden) in etwas ärgerlichem Ton:(Arabisch***********) [Tārīkh at-Tabarī 2/571; Tabakāt 3/290]

„Bei Allah! Wenn Umar sprach, sprach er mit lauter Stimme; wenn er ging, ging er schnell; und wenn er jemanden schlug, fügte er ihm äußerst großen Schmerz zu. Bei Allah! Er allein war ein wahrhaftiger ʿĀbid.“

Umar (Allah sei mit ihm zufrieden) ging bisweilen zu Schifas (Allah sei mit ihr zufrieden) Haus, um sie zu besuchen und sich nach ihr zu erkundigen. Er fragte nach dem Wohlergehen ihres Mannes und ihrer Kinder und gab ihnen in verschiedenen Angelegenheiten Rat und Anleitung. Schifa (Allah sei mit ihr zufrieden) berichtet: Eines Tages kam Umar (Allah sei mit ihm zufrieden) in mein Haus und sah dort zwei Männer schlafen. Es sei erwähnt, dass es sich bei den beiden um ihren Mann und ihren Sohn Sulayman handelte. Umar fragte: „Was ist mit diesen beiden? Haben sie am Morgen nicht mit uns das Gemeinschaftsgebet verrichtet?“ Ich sagte: „O Befehlshaber der Gläubigen! Sie haben das Gemeinschaftsgebet verrichtet. Sie haben die ganze Nacht gebetet, anschließend am Morgen das Fadschr-Gebet in der Gemeinschaft verrichtet und sich dann schlafen gelegt.“ Es sei erwähnt, dass damals der Ramadan war. Umar sagte: „Das Fadschr-Gebet in der Gemeinschaft zu verrichten ist mir lieber, als die ganze Nacht zu beten und das Fadschr-Gemeinschaftsgebet zu versäumen.“ [Kanz al-Ummāl 4/243; Hayāt as-Sahāba 3/123]

Sie beherrschte einige Heilbeschwörungen und konnte schreiben. In der Dschāhiliyya wurden diese beiden Dinge mit großer Hochachtung betrachtet. Einmal kam sie zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und sagte bescheiden: „Im Zeitalter der Dschāhiliyya kannte ich einige Heilbeschwörungen. Wenn du es mir erlaubst, kann ich sie vortragen.“ Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) erlaubte es ihr und hörte sich die Beschwörung an. Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Du darfst mit dieser Beschwörung weiterhin Heilungen vornehmen. Lehre sie auch Hafsa (die Mutter der Gläubigen).“

In einer anderen Überlieferung heißt es, dass der Gesandte (s) zu ihr sagte: (Arabisch**************)

„Lehre Hafsa den Spruch gegen die Namla, so wie du ihr das Schreiben beigebracht hast.“ Aus dieser Überlieferung geht hervor, dass sie Hadhrat Hafsa (r) das Schreiben beigebracht hatte.[Al-Isaba-4/333] Es sei darauf hingewiesen, dass die „Namla“ nach Ansicht moderner Mediziner eine Art Hautkrankheit in Form eines Ekzems ist.[Aʿlam an-Nisa-2/201] Mit der Erlaubnis des Gesandten Allahs lehrte sie diesen Spruch auch den Frauen.[Nisa min Athr an-Nubuwwah, S. 160]

Hadhrat Schifa (r) überlieferte einige Hadithe unmittelbar vom Gesandten Allahs (s) sowie von Umar (r). Zu denjenigen, die von ihr überlieferten, zählen insbesondere ihr Sohn Sulayman, ihre Enkel Abu Salama, Abu Bakr und Uthman sowie Abu Ishaq und die Mutter der Gläubigen, Hadhrat Hafsa (r).[Tahdhib at-Tahdhib-12/428; Al-Istiʿab-4/333] Die Zahl der von ihr überlieferten Hadithe beträgt zwölf.[Al-Isaba-4/333]

Von ihren zwei Kindern ist berichtet: ihr Sohn Sulayman und eine Tochter, die die Ehefrau von Shurahbil ibn Hasana (r) war. Sulayman war ein gelehrter, gottesfürchtiger und rechtschaffener Mann. Unter den muslimischen Gelehrten nahm er eine besondere Stellung ein.[Tabaqat-8/268]

Das Todesjahr von Hadhrat Schifa (r) ist nicht bekannt. Viele nennen jedoch einen Zeitpunkt um das Jahr 20 nach der Hidschra während des Kalifats von Hadhrat Umar (r).[Aʿlam an-Nisa-2/163]

Zu den bedeutenden von Hadhrat Schifa überlieferten Hadithen gehört folgender: (Arabisch************) [Usd al-Ghaba-5/487; Al-Isaba-4/333]

„Der Gesandte Allahs (s) wurde nach der besten Tat gefragt. Er sagte: Der Glaube an Allah, der Dschihad auf Allahs Weg und der Haddsch Mabrur, also ein von Allah angenommener Haddsch.“

At-Tabarani und al-Bayhaqi überlieferten einen bemerkenswerten Hadith von Hadhrat Schifa (r). Schifa (r) berichtet: Eines Tages ging ich zum Gesandten Allahs (s) und bat um etwas Almosen. Er erklärte immer wieder, dass er dazu nicht in der Lage sei, während ich weiterhin darauf drängte. Inzwischen war die Zeit des Gebets gekommen. Ich ging hinaus und begab mich in das Zimmer meiner Tochter. Der Ehemann meiner Tochter war Shurahbil ibn Hasana. Als ich Shurahbil zu dieser Zeit im Haus sah, sagte ich: „Das Gebet steht kurz bevor, und du bist jetzt zu Hause?“ Ich begann, ihn zu tadeln. Er sagte: „Tante, tadle mich nicht. Ich habe nur ein einziges Kleidungsstück, und selbst dieses hat sich der Gesandte (s) geliehen.“ Ich sagte: „Derjenige, den ich tadle, befindet sich in einer solchen Lage, während ich davon überhaupt nichts weiß.“ Shurahbil sagte: „Ich besitze nur ein einziges geflicktes Kleidungsstück.“[Kanz al-Ummal-4/41; Hayat as-Sahaba-1/326]

Hamna bint Dschahasch ((ra))


Hazrat Hamna (ra) war eine nahe Verwandte des edlen Gesandten Allahs. Sie war die Tochter seiner verehrten Tante Umaima bint Abd al-Muttalib. Einerseits war sie die Cousine des Gesandten Allahs, andererseits auch seine Schwägerin. Sie war die leibliche Schwester der Mutter der Gläubigen, Hazrat Zaynab bint Dschahasch. [Ansab al-Aschraf-1/231; Nisaun mubascharat bil-dschanna-1/243] Der berühmte Gefährte Musʿab ibn Umair (ra), der erste von Allahs Gesandtem nach Medina entsandte Gesandte und Daʿi (Prediger des Islam), war ihr erster Ehemann. [Dschamharat al-ansab al-arab-1/191; Tabaqat-8/241; al-Istiʿab-4/262]

Der Ehemann von Hazrat Hamna (ra), Musʿab ibn Umair (ra), war ein gutaussehender junger Mann aus einer wohlhabenden Familie in Mekka. Seine Mutter, Hunas bint Malik, besaß ein beträchtliches Vermögen. Von Kindheit an wuchs er in Wohlstand auf. Seine Mutter kleidete ihn stets in äußerst kostbare Gewänder. In Mekka benutzte niemand ein teureres Parfüm als er. An den Füßen trug er Schuhe aus Hadramaut. Später pflegte der Gesandte (sa), wenn er sich an Musʿab erinnerte, zu sagen:(Arabisch*************)

„Ich habe in Mekka niemanden gesehen, der schönere Locken, einen weicheren Umhang oder ein luxuriöseres Leben hatte als Musʿab.“

Als dieser junge Mann hörte, dass der Gesandte (sa) sich im Haus von al-Arqam ibn Abi al-Arqam aufhielt und dort heimlich die Menschen zum Islam einlud, begab er sich eines Tages dorthin und nahm den Islam an. Von da an wurde er Schüler der Propheten-Madrasa. Unter der unmittelbaren Aufsicht des Propheten (sa) erhielt er Bildung und Ausbildung. In sehr kurzer Zeit gewann er ein solches Vertrauen seines Lehrers, dass dieser ihn als Gesandten und Daʿi nach Medina entsandte. So wurde er der erste Gesandte und Daʿi in der Geschichte des Islam. [Nisa min asr an-nubuwwa, S. 50]

Hamna gehörte zu den Frauen, die in der Frühzeit des Islam in Mekka den Islam annahmen und die Ehre erlangten, die Gesellschaft und Nähe des Gesandten Allahs (sa) zu erfahren. Hamnas gesamte Familie war muslimisch. Als die Verfolgung durch die Quraisch in Mekka ein unerträgliches Ausmaß annahm, wanderten sie alle, Männer wie Frauen, nach Medina aus. Die ausgewanderten Männer waren: Abdullah ibn Dschahasch, sein Bruder Abu Ahmad, Ukascha ibn Mihsan, Schudschaʿ, Uqba, die beiden Söhne Wahabs und Irbad; die Frauen waren: Zaynab bint Dschahasch, Ummu Habiba bint Dschahasch, Dschuzama bint Dschandal, Ummu Qais bint Mihsan, Ummu Habib bint Sumama, Umaiya bint Ruqais, Sachbar bint Tamim und Hamna bint Dschahasch (ra). [Sira ibn Hischam-1/472; Durr as-Sahaba-556]

Nach ihrer Ankunft in Medina widmete sich Hazrat Hamna (ra), wie auch andere gläubige Frauen, dem Streben nach Allahs und Seines Gesandten (sa) Wohlgefallen. Durch den Erwerb islamischen Wissens beim Propheten (sa) und bei ihrem Ehemann bildete sie sich weiter. Auch ihren moralischen Charakter vervollkommnete sie. Dadurch erlangte sie in der Gesellschaft Medinas eine ehrenvolle und angesehene Stellung. Hier wurde ihre Tochter Zaynab bint Musʿab geboren. [Tabaqat-3/116; Ansab al-Aschraf-1/437]

Als im medinensischen Leben des edlen Gesandten Auseinandersetzungen, Kämpfe und Konflikte mit den Gegnern begannen, war Hamnas (ra) Wirken äußerst lobenswert und vorbildlich. In der Schlacht von Uhud schloss sich Hamna (ra) gemeinsam mit einigen anderen muslimischen Frauen den Mudschahidin an. An jenem Tag spielten sie eine wichtige Rolle. Hazrat Kaʿb ibn Malik (ra), ein Soldat und Augenzeuge dieser Schlacht, berichtet: „Am Tag der Schlacht von Uhud sah ich Ummu Sulaim bint Milhan und die Mutter der Gläubigen, Aischa (ra), wie sie jeweils einen Wasserschlauch auf dem Rücken trugen. Hamna bint Dschahasch sah ich den Durstigen Wasser zu trinken geben und die Verwundeten versorgen. Ummu Aiman sah ich den Verwundeten Wasser zu trinken geben.“ [al-Waqidi, al-Maghazi-1/249–250; Durr as-Sahaba-556]

In der Schlacht von Uhud fanden neben Musʿab ibn Umair (ra) siebzig muslimische Mudschahidun den Märtyrertod. Nach der Schlacht ging Hamna (ra) zum Gesandten Allahs (sa). Der Gesandte (sa) sagte zu ihr: „Hamna! Zähle.“ Hamna: „Wen?“ Der Gesandte (sa): „Deinen Onkel Hamza.“ Hamza:(Arabisch**********) Allah möge ihm vergeben, ihm Barmherzigkeit und Gnade erweisen und ihm das Paradies schenken!“

Der Prophet (sa) sagte erneut: „Zähle noch einen anderen.“

Hamna: „Wen?“

Der Prophet (sa): „Deinen Ehemann Musʿab ibn Umair.“

Hamna stieß einen lauten Schrei aus und rief: „O mein Leid!“

Als der Gesandte (sa) ihren Zustand sah, bemerkte er: „Der Ehemann nimmt im Herzen einer Frau einen Platz ein, den niemand sonst einnimmt.“ Dies sagte er, als er sah, dass Hamna beim Tod ihres Onkels und ihres Bruders gefasst geblieben war, aber beim Hören vom Tod ihres Ehemanns zusammenbrach.

Der Gesandte (sa) fragte Hamna: „Warum hast du dich so verhalten, als du vom Tod deines Ehemanns hörtest?“ Hamna sagte: „Ich dachte daran, dass seine Kinder zu Waisen geworden waren, und geriet aus Sorge außer Kontrolle.“ [Sīrat Ibn Hišām-2/98; Ansāb al-ašrāf-1/438]

Der Gesandte (sa) sprach ein Bittgebet für Hamna, dass Allah ihren Kindern anstelle von Musʿab jemanden Besseren schenken möge. Danach heiratete Hamna (ra) den berühmten Gefährten Talha ibn ʿUbaidullāh (ra). Es sei erwähnt, dass dieser Talha zu den zehn Männern gehörte, denen noch zu ihren Lebzeiten das Paradies verheißen wurde. Mit diesem Talha bekam Hamna einen Sohn, Muhammad ibn Talha. Er war den Kindern Hamnas (ra) gegenüber außerordentlich liebevoll. [al-Iṣāba-2/221; Ansāb al-ašrāf-1/88; Sunan Abī Dāwūd, Hadith Nr. 1590]

Hamna (r.a.) nahm weiterhin an den Feldzügen nach der Schlacht von Uhud teil. Auch nach Chaibar ging sie mit dem Gesandten Allahs (s.a.w.) dorthin, und nach dem Sieg bestimmte der Gesandte (s.a.w.) für sie dreißig Wasaq von den dort erzeugten Erträgen. [Tabaqat-8/241; Sira Ibn Hischam-2/352]

Nach der Geburt von Hadrat Hamnas (r.a.) Sohn Muhammad ibn Talha nahm sie ihn auf den Arm, brachte ihn zum Gesandten Allahs (s.a.w.) und bat: „O Gesandter Allahs! Gib ihm bitte einen Namen.“ Der Gesandte (s.a.w.) strich ihm über den Kopf, gab ihm den Namen Muhammad und die Kunya Abu l-Qasim. Raschid ibn Hafs az-Zuhri sagte: „Unter den Söhnen der Gefährten habe ich nur vier gefunden, die allesamt Muhammad hießen und die Kunya Abu l-Qasim trugen. Es waren: 1. Muhammad ibn Abi Bakr (r.a.), 2. Muhammad ibn Ali ibn Abi Talib (r.a.), 3. Muhammad ibn Sa’d ibn Abi Waqqas (r.a.), 4. Muhammad ibn Talha (r.a.).“ [Al-Isaba-3/357]

Dieser Sohn Hadrat Hamnas (r.a.), Muhammad ibn Talha, wurde später zu einem weltentsagenden und wahrhaftigen Anbeter. Wegen seiner häufigen Niederwerfungen erhielt er den Beinamen „Sajjad“. Im Monat Dschumada al-awwal des Jahres 36 nach der Hidschra erlitt er gemeinsam mit seinem Vater Talha in der Kamelschlacht den Märtyrertod. Hamna (r.a.) gebar Talha noch einen weiteren Sohn. Sein Name war Imran ibn Talha (r.a.). [Tabaqat-5/166; Dschamharatu Ansab al-Arab-1/138; Ansab al-Aschraf-1/437]

Hadrat Hamna (r.a.) besaß große Vorzüglichkeit und Würde. Sie überlieferte Hadithe vom edlen Propheten (s.a.w.), und ihr Sohn Imran ibn Talha überlieferte von ihr. Sie war die Schwester der Mutter der Gläubigen, Hadrat Zainab. Es wird berichtet, dass Zainab (r.a.), als ihr Lebensende näher rückte, zu ihrer Schwester Hamna (r.a.) sagte: „Ich habe mein Leichentuch vorbereitet. Nach meinem Tod könnte der Kalif Umar (r.a.) mein Leichentuch schicken. Wenn er es schickt, dann spende eines von beiden als Sadaqa.“ Zainab (r.a.) starb. Umar (r.a.) schickte fünf Stoffbahnen. Daraus wurde ihr Leichentuch gefertigt. Das von Zainab (r.a.) vorbereitete Leichentuch aber spendete Hamna als Sadaqa. [Ansab al-Aschraf-1/435; Al-Isaba-4/308] Dieses Ereignis deutet darauf hin, dass Hadrat Hamna (r.a.) auch nach dem Jahr 20 nach der Hidschra noch lebte. Denn die Mutter der Gläubigen, Hadrat Zainab (r.a.), verstarb im Jahr 20 nach der Hidschra. [Nisa min Asr an-Nubuwwa-54] Durch ein lobenswertes Leben in Gottesdienst und Hingabe an Allah und Seinen Gesandten (s.a.w.) ging sie ins Jenseits ein.

An dem Vorfall, bei dem der makellose Charakter der Mutter der Gläubigen, Hadrat Aischa (r.a.), verleumdet wurde, waren auf verschiedene Weise Abdullah ibn Ubayy, Zaid ibn Rifa’a, Mistah ibn Uthatha, Hassan ibn Thabit und Hamna bint Dschahsch beteiligt. Die ersten beiden waren Heuchler, die übrigen drei Gläubige. Die drei Gläubigen waren aufgrund menschlicher Schwächen und Irrtümer in diese Fitna hineingeraten. [Tafhim al-Qur’an, Band 3, Sure an-Nur, S. 138; Hayat as-Sahaba-1/588]

Nachdem die Verse des Korans offenbart worden waren, die die Keuschheit Hadrat Aischas (r.a.) bestätigten, ließ der Gesandte (s.a.w.) gegen alle Beteiligten die für die Erhebung einer falschen Verleumdung festgelegte Strafe vollstrecken. [Al-Bidaya wan-Nihaya-4/160; Ansab al-Aschraf-1/343; Hayat as-Sahaba-1/590] Über den Grund, warum Hadrat Hamna (r.a.) in eine solche Handlung verwickelt wurde, sagte Hadrat Aischa (r.a.): „Unter meinen Nebenfrauen gab es außer ihrer Schwester Zainab keine, die Anspruch auf Gleichrangigkeit mit mir erheben konnte. Daher nahm sie zum Wohl ihrer Schwester die Rolle meiner Gegnerin ein und geriet in die Fitna.“ [Sira Ibn Hischam-2/300]

Chanса bint Amr ibn asch–Scharid ((r.a.))


Der eigentliche Name von Ḫansāʾ war Tumāḍir. Wegen ihres lebhaften, gewandten und temperamentvollen Wesens sowie ihres bezaubernden Aussehens wurde sie Ḫansāʾ genannt. Ḫansāʾ bedeutet Wildkuh und Gazelle. Schließlich geriet ihr eigentlicher Name völlig in Vergessenheit, und sie erlangte unter dem Namen Ḫansāʾ Berühmtheit in der Geschichte. [Sahābiyyāt, S. 181] Ihr Vater hieß ʿAmr ibn Scharīd. Er war ein Angehöriger des Clans Sulaym aus dem Stamm Qays. [Usud al-Gāba 5/441; al-Iṣāba 4/287] Die Banū Sulaym lebten nördlich des Hidschāz und Nadschd. [Dr. ʿUmar Farrūch: Tārīch al-ādāb 1/317]

Duraid ibn aṣ-Ṣimma war ein berühmter Anführer des alten Arabien. Als Ḫansāʾ das heiratsfähige Alter erreicht hatte, sah Duraid sie eines Tages, wie sie mit großer Sorgfalt eine ihrer Kamelinnen mit Arznei behandelte und sich anschließend selbst pflegte. Davon war Duraid beeindruckt und ließ ihr einen Heiratsantrag übermitteln. Ḫansāʾ wies seinen Antrag mit den folgenden Worten zurück: [Ibn Qutayba: asch-Schiʿr wa-sch-Schuʿarāʾ, S. 160]

„Möchtest du, dass ich meine Vettern zurücklasse, als wären sie der obere Teil eines Pfeils und der verlassene Greis der Banū Dschuscham?“

Nachdem Duraid zurückgewiesen worden war, trug er ein Gedicht vor, von dem Teile in verschiedenen Werken überliefert sind. Zwei seiner Verse lauten wie folgt: [al-Iṣāba 4/287](Arabisch*******************)

„Meine Gefährten und Freunde, heißt Tumāḍir willkommen und wartet auf mich. Denn euer Verweilen ist mein Halt. Hat die Gazelle eure Herzen liebeskrank gemacht, und seid ihr durch ihre Liebe erkrankt?“

Nachdem sie Duraids Antrag abgelehnt hatte, heiratete Ḫansāʾ den jungen Mann aus ihrem eigenen Stamm, Rawāḥa ibn ʿAbd al-ʿUzzā. Von ihm bekam sie einen Sohn namens Schadscharat ʿAbdullāh. Einige Zeit später starb Rawāḥa, und sie heiratete Mirdās ibn Abī ʿAmr. Aus dieser zweiten Ehe gingen zwei Söhne, Yazīd und Muʿāwiya, sowie eine Tochter namens ʿUmra hervor. [as-Suyūṭī: ad-Durr al-manṯūr, S. 110; asch-Schiʿr wa-sch-Schuʿarāʾ, S. 160]

Als in Mekka die Sonne der Gesandtschaft aufging und ihr Licht die ganze Welt erhellte, leuchteten die beiden Augen von Ḫansāʾ (r.a.) im Glanz des Glaubens. Gemeinsam mit einigen Angehörigen ihres Stammes eilte sie nach Medina zum Gesandten Allahs (s.a.w.s.) und bekannte sich zum Islam. Bei dieser Begegnung trug sie dem Gesandten Allahs (s.a.w.s.) selbst verfasste Gedichte vor. Der Gesandte (s.a.w.s.) hörte ihrer Rezitation lange und geduldig zu und zeigte sich von der Reinheit und dem künstlerischen Ausdruck ihrer Sprache beeindruckt; zugleich äußerte er den Wunsch, noch mehr zu hören. [Usud al-Gāba 5/441; al-Iṣāba 4/550]

Ḫansāʾ (r.a.) war Dichterin. In der ersten Phase ihres dichterischen Lebens verfasste sie jedoch nur gelegentlich zwei oder vier Verse. In dem Krieg, den ihr Stamm gegen den berühmten arabischen Stamm Asad führte, wurde ihr leiblicher Bruder Muʿāwiya getötet, und ihr Halbbruder Ṣachr wurde durch den Speer eines Mannes aus dem gegnerischen Lager namens Abū Ṯaur al-Asadī schwer verletzt. Fast ein Jahr lang versuchte sie unter unermesslichen Mühen und Leiden, ihren Bruder wieder gesund zu machen. Doch all ihre Bemühungen blieben erfolglos. Die Wunde war äußerst schwer. Eines Tages verließ er diese Welt und stürzte damit seine geliebte Schwester in ein Meer des Kummers. [al-Istīʿāb (Randglossen zu al-Iṣāba) 4/296]

Khansā (möge Allah mit ihr zufrieden sein) liebte ihre beiden verstorbenen Brüder zutiefst. Besonders Sakhr hatte wegen seiner Gelehrsamkeit, seines Verstandes, seiner Geduld, seines Mutes, seiner Freigebigkeit, seines ansehnlichen Aussehens und anderer Eigenschaften einen ganz besonderen Platz im Herzen von Khansā (möge Allah mit ihr zufrieden sein). Daher empfand sie über seinen Tod grenzenlosen Schmerz. Von jenem Tag an begann sie, zum Gedenken an Sakhr unvergleichliche Marāthī (Klagegedichte) zu verfassen. [Usud al-Ghāba 5/441] Ibn Qutayba sagt: [asch-Schiʿr wa-sch-Schuʿarāʾ, S. 161](Arabisch********)

„Vom Weinen um Sakhr wurde sie blind.“

Es gab einen Grund dafür, dass sie Sakhr so tief liebte. Khansā (möge Allah mit ihr zufrieden sein) hatte einen großzügig lebenden, vornehmen jungen Mann geheiratet. Er verschwendete sein gesamtes Vermögen für unnütze Dinge und wurde mittellos. Khansā ging zu ihrem Bruder Sakhr und beklagte sich über ihren Ehemann. Sakhr jedoch übergab seiner Schwester die Hälfte seines Vermögens. Damit kehrte sie in das Haus ihres Mannes zurück. Der leichtsinnige Ehemann hatte auch dieses Geld innerhalb kurzer Zeit aufgebraucht und war wieder völlig verarmt. Khansā (möge Allah mit ihr zufrieden sein) ging erneut zu Sakhr. Auch diesmal teilte Sakhr sein Vermögen in zwei gleiche Teile und gab seiner Schwester den besseren Teil. [Dr. Umar Farrukh 1/317] Auf diese Weise errichtete Sakhr im Herzen seiner Halbschwester einen tiefen und dauerhaften Platz. In den zum Gedenken an Sakhr verfassten Klagegedichten brachte Hadhrat Khansā (möge Allah mit ihr zufrieden sein) ihre heftigen Schmerzen und ihr Leid in derart herzerweichenden Worten zum Ausdruck, dass niemand sie hören oder lesen kann, ohne erschüttert zu werden. Jedem Menschen treten dabei Tränen aus den Augen. Über die darin enthaltenen Gefühle und Empfindungen sagte Professor R. A. Nicholson:

„Es ist unmöglich, die ergreifende und lebendige Gefühlsintensität, die leidenschaftliche Kraft und die edle Schlichtheit des Stils zu übersetzen, welche die Dichtung der Khansā auszeichnen.“ [A Literary History of the Arabs, S. 126]

Im Folgenden werden einige Verse aus einem ihrer Klagegedichte zitiert, damit man seine künstlerische Gestaltung, seine rhetorischen Schmuckmittel und seinen Stil unmittelbar erkennen kann.

(Arabisch**********)

„O meine beiden Augen, seid freigebig und nicht geizig. Wollt ihr nicht um den freigebigen Sakhr weinen? Wollt ihr nicht um einen mutigen und schönen Mann wie ihn weinen? Wollt ihr nicht um einen jungen Anführer wie ihn weinen?

Der Griff seines Schwertes war sehr lang [ein langer Schwertgriff bedeutet, dass er von großer Statur war], und der Aschehaufen war gewaltig [er war ein äußerst gastfreundlicher Mann, weshalb sich in seinem Haus ein riesiger Aschehaufen ansammelte]. Er führte seinen Stamm bereits in jungen Jahren.

Wenn sein Stamm nach einer ehrenvollen und ruhmreichen Tat griff, stürzte auch er sich unverzüglich darauf. So ist er mit Ehre und Glück dahingegangen.

Du wirst sehen, dass Ehre und Ansehen den Weg zu seinem Haus weisen. Selbst die höchste Würde hält es für geboten, ihn zu preisen.

Wenn von Ehre und Vornehmheit die Rede ist, wirst du ihn sehen, in den Mantel der Würde gehüllt.“

Gemäß den Sitten und Bräuchen der Frauen im alten Arabien pflegte Khansā (r.a.) morgens und abends am Grab ihres Bruders zu sitzen, um ihn zu gedenken, zu klagen und ihre selbstverfassten Elegien vorzutragen. Einige Auszüge aus diesen Elegien lauten wie folgt: [Sahābiyyāt-184]

(Arabisch*******************************)

„Jeder Sonnenaufgang erinnert mich an Sakhr, und bei jedem Sonnenuntergang gedenke ich seiner. Wenn es in meiner Umgebung nicht so viele Klageweiber gäbe, die um ihre jeweiligen Verstorbenen weinen, würde ich Selbstmord begehen.“ [ebd.]

(Arabisch******************)

„O Sakhr, was macht es schon, wenn du meine beiden Augen zum Weinen gebracht hast? Du hast mich doch lange Zeit zum Lachen gebracht.

Ich habe um dich inmitten einer Schar laut klagender Trauernder geweint. Doch ich bin eher als jene, die laut klagen, dazu berechtigt, laut zu klagen.

Während deines Lebens habe ich durch dich viele Unheile und Widrigkeiten abgewendet. Wer wird nun dieses große Unglück abwenden?

Wenn es schlecht ist, um einen Getöteten zu klagen, dann halte ich das Weinen um dich für eine sehr gute Tat.“

Bei der Beschreibung Sakhrs Ansehen und Würde sagte sie: [Asch-Schir wa asch-Schu’ara-162]

(Arabisch**************)

„Große und führende Männer folgen Sakhr. Sakhr ist wie ein Berg, auf dessen Gipfel ein Feuer brennt.“

Das heißt: So wie die Araber im Licht des auf dem Berggipfel lodernden Feuers ihren Weg finden, finden sie ihren Weg auch, indem sie Sakhr folgen. Zum Gedenken an Sakhr verfasste sie außerdem die folgende Totenklage: [Al-Iqd al-Farid-3/268]

Arabisch*****************)

O mein Auge, was ist mit dir geschehen, o, was ist mit ihr geschehen? Sie hat ihr Gewand mit Tränen durchnässt. Ist die Erde nach dem Tod von Sakhr, dem Nachkommen al-Sch arids, von ihrer Last befreit worden? (Die Araber sagen, dass ein verwegener Reiter für die Erde eine ungeheure Last ist. Durch seinen Tod oder seine Tötung wird die Erde von dieser Last befreit.) Danach habe ich geschworen, einem zugrunde gegangenen Menschen mein Beileid zu bekunden. Und während ich weine, frage ich: Was ist mit ihm geschehen?

Er selbst hat beschlossen, alle Sorgen und Leiden zu tragen. Daher sind die besseren Leiden für mich selbst angemessener.

Ich werde mich auf eine bestimmte Weise verhalten – vielleicht gegen ihn oder für ihn.

Einmal wurde al-Chansāʾ gebeten: „Nennen Sie uns einige Eigenschaften Ihrer beiden Brüder.“ Sie sagte:(Arabisch ***************)

„Bei Allah, Sakhr war ein Schild aus vergangener Zeit und die giftige rote Spitze eines fünf Ellen langen Speers. Und bei Allah, Muʿāwiya war ebenso redegewandt wie tatkräftig.

Wieder wurde sie gefragt: „Wer von den beiden besitzt höheren Rang und größeren Ruhm?“ Sie sagte:Arabisch**********)

„Sakhr ist die Wärme des Winters, und Muʿāwiya ist die Kühle des Windes.“ Wieder wurde sie gefragt: „Wessen Schmerz ist heftiger?“ Sie sagte:Arabisch***************)

„Sakhr ist das Zittern des Herzens, und Muʿāwiya ist das Fieber des Körpers.“ Danach rezitierte sie die folgenden zwei Verse:(Arabisch**********************)

„Sie beide waren zwei kühne Löwen mit blutroten Pranken, zwei Meere in rauer, zorniger Zeit, zwei Monde in Versammlungen und Zusammenkünften, überragend an Ehre und Würde, Anführer gleich Bergen und frei.“ [ebd., 3/267]

Durch solche hier angeführten, herzergreifenden Trauergedichte und Äußerungen wurde Hadhrat Khansā (r.a.) im gesamten vorislamischen Arabien als unübertroffene Verfasserin von Trauergedichten berühmt.

Nach dem Ableben des Gesandten Allahs (s.a.w.) besuchte Hadhrat Khansā (r.a.) gelegentlich die Mutter der Gläubigen, Hadhrat ʿĀʾischa (r.a.). Nach dem Brauch der damaligen Araber band sie sich als Zeichen der Trauer ein schwarzes Tuch um den Kopf. Einmal sagte Hadhrat ʿĀʾischa (r.a.) zu ihr: Es ist im Islam verboten, auf diese Weise ein Trauerzeichen zu tragen. Auch ich habe nach dem Tod des Gesandten Allahs (s.a.w.) kein solches Trauerzeichen getragen. Khansā (r.a.) sagte: Ich wusste nicht, dass es verboten ist. Doch ich habe einen besonderen Grund dafür, dieses Zeichen zu tragen. ʿĀʾischa (r.a.) fragte nach diesem Grund.

Khansā (r.a.) sagte: Der Mann, den mein Vater mit mir verheiratet hatte, war ein Anführer seines Stammes, jedoch ein äußerst verschwenderischer Mensch. Er verspielte beim Glücksspiel all sein und mein Vermögen. Als wir völlig mittellos geworden waren, teilte mein Bruder Sakhr sein gesamtes Vermögen in gleiche Teile und gab mir den besseren Anteil. Mein Ehemann verschwendete auch diesen innerhalb kurzer Zeit. Als Sakhr meine Notlage sah, bekundete er sein Bedauern und teilte erneut sein gesamtes Vermögen in zwei gleiche Teile; er forderte mich auf, den besseren Anteil auszuwählen. Da sagte seine Frau: Einmal zuvor hast du Khansā die Hälfte deines Vermögens gegeben, und dazu noch den besseren Anteil; nun forderst du sie wieder auf, den besseren Anteil auszuwählen. Wie lange soll das noch so weitergehen? Der Zustand ihres Ehemannes ist doch derselbe wie zuvor. Er wird beim Glücksspiel alles verspielen und zurückkehren. Darauf trug Sakhr seiner Frau die folgenden zwei Verse vor: [ebd.; al-Isāba, 4/296]

(Arabisch**********************)

„Bei Allah, ich werde ihr nicht den schlechtesten Teil meines Vermögens geben. Sie ist eine keusche und tugendhafte Frau; Erniedrigung und Schande für mich sind genug. Wenn ich sterbe, wird sie aus Trauer um mich ihren Schleier zerreißen und aus ihrem Haar ein Trauerband flechten.“ Mutter der Gläubigen, deshalb trage ich dieses Trauerzeichen in seinem Andenken. [asch-Schiʿr wa-sch-Schuʿarāʾ, 161]

Zu irgendeiner Zeit während des Kalifats des zweiten Kalifen, Hadhrat ʿUmar, begab sich Khansā (r.a.) zum Hof des Kalifen. Sie war damals fünfzig Jahre alt und trauerte noch immer um ihren verstorbenen Bruder. Aus ihren beiden Augen strömten Tränen, bis sie Spuren auf ihren Wangen hinterließen. Der Kalif fragte: Khansā, was sind das für Spuren auf deinem Gesicht? Sie antwortete: Das sind die Spuren jahrelangen Weinens um meine beiden Brüder. Der Kalif sagte: Warum trauerst du so sehr um sie? Sie sind doch in die Hölle gegangen. Khansā (r.a.) erwiderte:(Arabisch*********)[Dr. ʿUmar Fārūq, 1/317]

„Das ist der größte Grund, um ihretwegen zu trauern. Früher weinte ich wegen der Vergeltung für ihr Blut, nun aber weine ich wegen des Feuers ihrer Hölle.“

Nach der Überlieferung Ibn Qutaybas sagte Khansā (ra.): Arabisch*****************)[Asch-Schir wa-sch-Schuʿarāʾ, S. 161; al-ʿIqd al-Farīd, Bd. 3, S. 266]

„Früher weinte ich, weil Sachr getötet worden war. Jetzt aber weine ich, wenn ich an seine Strafe in der Hölle denke.“

Nach ihrem Übergang vom vorislamischen Leben zum islamischen Leben wurde Hadhrat Khansā (ra.) in ihren Sitten und Gebräuchen sowie in ihrem Denken und Glauben zu einer aufrichtigen Muslimin. Sie erkannte, dass der unablässige Dschihad die heilige Verantwortung und Pflicht eines wahrhaftigen Muslims ist. Deshalb zögerte sie nicht, das Liebste, was sie besaß, zu opfern.

Im sechzehnten Jahr der Hidschra fand während des Kalifats des Kalifen Umar (ra.) die historische Schlacht von Qādisiyya statt. In dieser Schlacht trat das gewaltige persische Heer der muslimischen Armee mit äußerstem Mut und großem Geschick entgegen. Auf beiden Seiten gab es zahlreiche Tote und Verwundete. Hadhrat Khansā (ra.) nahm gemeinsam mit ihren vier Söhnen an dieser Schlacht teil. Die aufmunternde und anspornende Ansprache, die sie ihren vier Söhnen in der Nacht vor der entscheidenden Schlacht, als sie sie versammelt vor sich hatte, hielt, ist in der Geschichte überliefert. Wir legen den Lesern einen Teil davon vor: [Khazānat al-Adab, Bd. 1, S. 395; Dschamhara(t) al-Khutab al-ʿArab, Bd. 1, S. 231; al-Isāba, Bd. 4, S. 288]

(Arabisch*********************************************)

„Meine geliebten Söhne! Ihr habt den Islam gehorsam angenommen und seid freiwillig ausgewandert. Bei Allah, außer dem es keinen Gott gibt: Ihr seid wahrlich die Söhne desselben Mannes, so wie ihr die Söhne derselben Frau seid. Ich habe euren Vater nicht verraten, eure mütterliche Verwandtschaft nicht der Schande ausgesetzt und euren Herkunft und eurem Ansehen keinerlei Makel zugefügt. Ihr wisst, welch großen Lohn Allah, der Erhabene, den Muslimen für den Dschihad gegen die Ungläubigen bestimmt hat. Wisset wohl, dass das ewige Leben im Jenseits besser ist als das vergängliche Leben dieser Welt. Allah, der Majestätische, der Herr der Welten, sagt: ‚O ihr, die ihr glaubt! Übt euch in Geduld und seid im Kampf standhaft. Und fürchtet Allah, auf dass ihr euer Ziel erreichen möget.‘ (Āl ʿImrān 200) Morgen früh werdet ihr mit Umsicht zur Vernichtung der Feinde vorstoßen. Im Kampf gegen die Feinde Allahs werdet ihr Seine Hilfe erflehen.“

Die gehorsamen Söhne hörten aufmerksam auf die Worte ihrer Mutter. Die Nacht verging. Im Morgengrauen gingen sie gemeinsam zum Schlachtfeld und trugen dabei einige Verse arabischer Dichtung vor. [Al-Qurtubī und Ibn Hadschar haben viele dieser Verse in ihren Werken zusammengestellt. (al-Istīʿāb, Bd. 4, S. 296; al-Isāba, Bd. 4, S. 288)] Schließlich kämpften sie mit äußerstem Heldenmut und großer Tapferkeit und erlangten allesamt das Martyrium. Es ist bemerkenswert, welche Worte Mutter Khansā (ra.) sprach, nachdem sie von ihrem Martyrium erfahren hatte. Sie sagte: (Arabisch***********************)[Usd al-Ghāba, Bd. 5, S. 442; Dschamhara(t) al-Khutab al-ʿArab, Bd. 1, S. 231]

„Alles Lob gebührt Allah, der mich dadurch geehrt hat, dass Er ihnen das Martyrium verliehen hat. Und ich hoffe von meinem Herrn, dass Er mich im Jenseits mit ihnen unter dem Schatten Seiner unendlichen Barmherzigkeit vereinen wird.“

Die Frau, die im Zeitalter der Dschāhilīya durch das Verfassen von Trauergedichten und das Bekunden ihrer Trauer über den Tod eines einzigen leiblichen Bruders ihr ganzes Leben lang in ganz Arabien Berühmtheit erlangte, war es, die auf diese Weise, als sie zugleich die Nachricht vom Märtyrertod ihrer vier Söhne vernahm, Allah ihre Dankbarkeit bekundete. Es ist nicht bekannt, dass sie um sie getrauert, Trauergedichte verfasst oder irgendein Zeichen der Trauer getragen hätte. Wie fest muss der Glaube sein, damit so etwas möglich ist?

Der Kalif Umar (r.a.) gewährte jedem seiner Söhne zu deren Lebzeiten eine monatliche Zuwendung von einhundert Dirham. Auch nach ihrem Märtyrertod ließ er diese Zuwendung unter dem Namen Hazrat Khansās (r.a.) weiter auszahlen. Sie nahm diese Zuwendung bis zu ihrem Lebensende an. [Al-Isāba-4/288; Chazānat al-Adab-1/395, Dr. Umar Farrūch-1/318]

Dichterin als Hazrat Khansā (r.a.) Rang


In nahezu allen Bereichen der arabischen Dichtung zeigt sich Khansās (r.a.) Wirken. Doch in der Verfassung von Trauergedichten ist sie ohnegleichen. Allāma Ibn al-Athīr schrieb: Arabisch **************) [Usd al-Ghāba-5/441]

„Die Gelehrten der arabischen Dichtkunst sind sich darin einig, dass vor und nach Khansā keine größere Dichterin als sie geboren wurde.“

Djarīr (gest. 110 n. H.) war einer der bedeutendsten arabischen Dichter der umayyadischen Epoche. Einmal wurde er gefragt: Wer ist der größte Dichter Arabiens? Darauf antwortete er: Arabisch**********)[ad-Durr al-Manthūr-110]

„Wenn Khansā da wäre, dann wäre ich es.“

Baschschār ibn Burd war einer der bedeutendsten arabischen Dichter der abbasidischen Epoche. Er sagte: Wenn ich die Gedichte der Dichterinnen gründlich untersuche, stelle ich bei jeder von ihnen den einen oder anderen Fehler und eine Schwäche in ihrer Dichtung fest. Die Leute fragten: Ist es bei Khansās Dichtung ebenso? Er antwortete: Sie steht sogar über den männlichen Dichtern. [Tabaqāt asch-Schuʿarā-271]

Alle arabischen Dichter betrachteten Layla al-Ukhayliyya aus der umayyadischen Epoche – mit Ausnahme von al-Khansa (ra) – als die Krone der arabischen Dichterinnen. Der moderne ägyptische Gelehrte Dr. Umar Farrukh bewertete das dichterische Talent und die Dichtung von Hazrat al-Khansa folgendermaßen: (Tarikh al-Adab al-Arabi, 1/318)

(Arabisch ******************)

„Al-Khansa ist insgesamt die größte arabische Dichterin. Ihre Gedichte sind sämtlich kurze Einzelstücke. Sie sind äußerst rein, klar, fein und von fester Struktur sowie mit hervorragenden Einleitungen versehen. In ihrer Dichtung nehmen Ruhmesgedichte nur einen sehr geringen Raum ein. Soweit wir gesehen haben, überwiegen die Marsiyes bei Weitem, insbesondere wegen des schmerzlichen Leids, das sie durch den Tod ihrer beiden Brüder erlitt. Der Sinn ihrer Marsiyes ist klar, fein und sanft; sie sind ein zutreffender Ausdruck ihrer Gefühle und Empfindungen. Trotz des übermäßigen Schmerzes und Kummers sowie der Übertreibungen im Lob ihrer beiden Brüder entsprechen sie in Methode und Stil der beduinischen Art.“

Im Zeitalter der Jahiliyya war es in verschiedenen Teilen Arabiens üblich, Jahrmärkte, Ausstellungen und Versammlungen abzuhalten. Sie dienten dem gegenseitigen Gedankenaustausch sowie der Darstellung und dem Wettbewerb in Kunst, Literatur und Kultur. Menschen aller Schichten nahmen daran teil, Männer ebenso wie Frauen. Die gesamte arabische Bevölkerung eilte aus weit entfernten Gegenden zu diesen Märkten. Sie begannen im Monat Rabi al-awwal. Am ersten Tag dieses Monats wurde in Dumat al-Dschandal der erste Jahrmarkt des Jahres abgehalten. Nach dessen Ende zogen sie zum Markt von Hidschr, dann nach Oman und von dort nach Hadramaut. Danach hielten sie sich in der Umgebung von San’a im Jemen an manchen Orten zehn, an anderen zwanzig Tage auf. Nachdem sie ganz Arabien bereist hatten, wurde zur Zeit kurz vor der Hadsch im Monat Dhu al-Qada wenige Meilen von Mekka entfernt auf dem Markt von Ukaz der letzte Jahrmarkt des Jahres abgehalten. Ukaz lag zwischen Nakhlah und Taif. Dort fand gewöhnlich ein Handelsmarkt statt. Dieser Markt wurde im Jahr 540 n. Chr. gegründet und blieb bis zu seiner Plünderung durch die Kharidschiten im Jahr 129 nach der Hidschra bestehen. Aus Furcht vor den Kharidschiten wurde der Jahrmarkt von Ukaz danach geschlossen und ist bis heute nicht wieder eröffnet worden. Nach Ukaz wurden auch die alten Märkte Arabiens, etwa Madschanna und Dhu al-Madschaz, allmählich geschlossen. Der letzte Markt dieser Art in Mekka wurde im Jahr 197 nach der Hidschra zerstört. (Al-Azraqi: Akhbar Makkah, 121–122). Dieser Jahrmarkt war der größte und bedeutendste in Arabien. Angehörige aller arabischen Stämme, insbesondere die Stammesführer, nahmen unbedingt daran teil. Wenn ein Stammesführer aus irgendeinem Grund nicht kommen konnte, entsandte er einen Vertreter. Auf diesem Markt trafen die Araber endgültige Entscheidungen über die Wahl ihrer Stammesführer, die Beilegung stammesübergreifender Streitigkeiten sowie die Beendigung gegenseitiger Tötungen und Auseinandersetzungen und über ähnliche Angelegenheiten. Bei diesem Jahrmarkt genoss der Stamm der Quraisch aus Mekka das höchste Ansehen und die größte Würde. Sobald alle Angelegenheiten entschieden waren, trugen die Dichter jedes Stammes ihre selbstverfassten Gedichte vor. Die Themen dieser Gedichte waren Scharfsinn und Tapferkeit, Großzügigkeit, Gastfreundschaft, die Tapferkeit und Stärke der Vorfahren, Ruhm, Jagd, Freude und Festlichkeiten, Blutvergießen, Kriege und Kämpfe, Frieden und Friedensschlüsse, Liebe und Trennung sowie Trauer und andere Dinge. Hier wurden Rang und Ansehen der arabischen Dichter bestimmt.

Auch die Dichterin al-Khansa nahm an all diesen Märkten und Versammlungen teil, und in Ukaz wurden ihre Marsiyes als unübertroffen anerkannt. Wenn sie auf einem Kamel reitend eintraf, drängten sich die anderen Dichter um sie. Alle warteten ungeduldig darauf, ihre Gedichte zu hören. Schließlich erfreute sie alle, indem sie ihnen ihre Marsiyes vortrug.

Bei all diesen Versammlungen wurde als Zeichen der besonderen Würde und Ehre al-Khansas an der Tür ihres Zeltes eine Fahne gehisst, und darauf stand:(Arabisch*****)der Ausdruck. Das bedeutet: die größte Verfasserin von Marsiyes in Arabien. Ibn Qutayba sagt:(Arabisch*******) (Ash-Shi’r wa ash-Shu’ara, 161; Sifat Dschazirat al-Arab, 263)

Sie hielt sich auf diesen saisonalen Märkten auf. Ihre Sänfte wurde besonders gekennzeichnet. Die Araber betrachteten das Unglück des Todes ihres Vaters Amr und ihrer beiden Brüder Sakhr und Muawiya als etwas sehr Bedeutsames. Sie trug Gedichte vor, und die Menschen weinten. Im vorislamischen Arabien wurden viele große Dichter geboren. An-Nabigha adh-Dhubyani (gestorben 604 n. Chr.) war einer dieser großen Dichter. Sein dichterischer Ruhm ist bis heute weltweit bekannt. Sein eigentlicher Name war Ziyad ibn Muawiya, und sein Beiname war Abu Umama. Abu Ubaida schrieb über ihn:(Arabisch ***************) (Sahabiyyat, 186)

„Er war einer der herausragenden Dichter ersten Ranges und stand an der Spitze aller Dichter.“ Wegen der großen Zahl hochwertiger Gedichte, die er verfasste, wurde er An-Nabigha genannt. Auf dem Jahrmarkt von Ukaz wurde ausschließlich für ihn ein rotes Zelt errichtet. Dies war ein seltenes Zeichen von Ehre und Würde, das man nur ihm zuerkannt zu haben glaubte. Für niemand anderen durfte ein solches rotes Zelt errichtet werden. Der Grund dafür war, dass man nur denjenigen für würdig erachtete, diese Auszeichnung zu erhalten, der auf dem Gebiet der Dichtkunst allgemeine Anerkennung genoss. Ibn Qutayba sagt:(Arabisch *****) (Ash-Shi’r wa ash-Shu’ara, 160)

„Für an-Nābigha wurde in ʿUkāẓ ein rotes Lederzelt aufgeschlagen. In diesem Zelt kamen die Dichter zu ihm und trugen ihm ihre Gedichte vor.“

Anlässlich des Marktes von ʿUkāẓ fand eine Dichterversammlung unter dem Vorsitz des Dichters an-Nābigha statt. Die bedeutendsten Dichter Arabiens nahmen an dieser Versammlung teil und erlangten Anerkennung, indem sie ihre eigenen Gedichte vortrugen. Einmal nahmen an einer solchen Versammlung die drei herausragendsten Dichter Arabiens jener Zeit teil: al-Aʿshā Abū Baṣīr, Ḥassān ibn Thābit und al-Khansāʾ. Zuerst trug al-Aʿshā seine Gedichte vor, danach Ḥassān. Zuletzt trug al-Khansāʾ ihre Gedichte vor. Nachdem sie geendet hatte, sagte der Vorsitzende an-Nābigha zu ihr: (Arabisch ***********)

„Bei Allah! Wenn Abū Baṣīr mir nicht gerade eben seine Gedichte vorgetragen hätte, würde ich sagen, dass du unter Dschinn und Menschen die größte Dichterin bist.“

Als der Dichter Ḥassān diese Bemerkung an-Nābighas hörte, wurde er äußerst zornig. Er erwiderte: „Bei Allah! Ich bin ein größerer Dichter als du, dein Vater und dein Großvater.“ An-Nābigha ergriff Ḥassāns Hand und sagte: „Neffe, kannst du einen besseren Vers als diesen meinen vortragen? (Arabisch***********)

„Gewiss bist du wie jene Nacht, die mich umfängt, obwohl ich angenommen hatte, dass die Entfernung zwischen dir und mir sehr groß sei.“ Das heißt: Du umgibst mich wie die Nacht, ganz gleich, wie weit entfernt ich auch sein mag. Dann sagte er zur Khansāʾ: „Trag ihm deine Gedichte vor.“ Khansāʾ trug noch einige weitere Verse vor. Danach bemerkte an-Nābigha: (Arabisch ****)

„Bei Allah! Ich habe niemanden mit zwei Brüsten gesehen, der eine größere Dichterin wäre als du.“ Das heißt: Ich habe keine Dichterin gesehen, die größer wäre als du.“ Sofort korrigierte al-Khansāʾ an-Nābighas Worte: (Arabisch************)

„Nein, bei Allah! Auch unter denen mit zwei Hoden nicht.“ Das heißt: Nicht nur unter den Frauen, sondern auch unter den Männern hast du keinen größeren Dichter als mich gesehen. [Abū l-Faraǧ al-Iṣfahānī: Kitāb al-Aġānī 11/6; ash-Shiʿr wa-sh-Shuʿarāʾ, S. 160]

In einigen Überlieferungen heißt es, dass Ḥassān als Antwort auf die Frage an-Nābighas den folgenden Vers vortrug: Arabisch ********)

„Bei uns gibt es große, durchsichtige und glänzende Gefäße, die am Vormittag funkeln. Und unsere Schwerter sind so beschaffen, dass aus ihren Griffen Tropfen für Tropfen Blut herabtropft.“ Der Dichter Hassān wollte in seinem Vers seine Bewirtung der Gäste sowie seine Tapferkeit und seinen Mut zum Ausdruck bringen. Doch der Dichter an-Nābigha, anderen Überlieferungen zufolge al-Khansāʾ, kritisierte Hassāns Vers scharf, wies auf seine Mängel hin und wies dessen Anspruch zurück. [Qudāma ibn Jaʿfar: Naqdusch-schiʿr, S. 62; al-Aghānī 9/340]

Kurz gesagt, hinsichtlich dichterischer Kraft und Begabung nahm al-Khansāʾ unter den arabischen Dichtern ihrer Zeit aus der zweiten Rangstufe eine sehr hohe Stellung ein. Ein Dīwān ihrer Gedichte wurde 1888 von einem Verlag in Beirut erstmals im Druck veröffentlicht. 1889 wurde der Dīwān ins Französische übersetzt. [Sahābiyyāt 188]

Über das Todesjahr von al-Khansāʾ besteht Uneinigkeit. Einer Auffassung zufolge starb sie zu Beginn der Kalifatszeit ʿUthmāns im Jahr 24 n. H. / 644–645 n. Chr. Nach einer anderen Auffassung wird das Jahr 42 n. H. / 663 n. Chr. genannt. [Dr. ʿUmar Farrūkh 1/318]

Asmāʾ bint Yazīd al-Anṣāriyya (ra)


Asmāʾ (ra) war eine weibliche Gefährtin aus den Anṣār. Ihr Vater war Yazīd ibn as-Sakan und ihre Mutter Ummu Saʿd ibn Zays ibn Masʿūd. Ihr Ehemann war Saʿīd ibn ʿAmāra, der unter dem Namen Abū Saʿīd al-Anṣārī bekannt war. [Siyar aʿlām an-nubalāʾ 2/296; al-Iṣāba 4/89] Asmāʾs Beiname war Ummu Salama, nach einer anderen Auffassung Ummu ʿĀmir. Sie stammte aus dem Zweig Banū ʿAbd al-Aschhal des in Medina bekannten Stammes der Aus. Sie war die Nichte mütterlicherseits des berühmten Gefährten Muʿādh ibn Jabal (ra). [Nisāʾ min ʿaṣr an-nubuwwa, S. 78] Ibn Ḥaǧar bezeichnete sie als Cousine von Muʿādh ibn Jabal. [Al-Iṣāba 4/225]

Über die Geburt und Kindheit von Asmāʾ (ra) sind nur wenige Informationen erhalten. Über ihren Übertritt zum Islam ist lediglich bekannt, dass sie nach der Auswanderung des Gesandten Allahs (s) nach Medina Muslimin wurde. Sie besaß zahlreiche herausragende Eigenschaften. Sie war eine sprachgewandte Frau mit reiner Ausdrucksweise und großer Redekunst. Auch für ihre Intelligenz, Gottesfurcht, ihren Gottesdienst und ihre Überlieferung von Hadithen war sie bekannt. Eine weitere ihrer großen Auszeichnungen war, dass sie eine tapfere Kämpferin war. Weil sie im Namen der Frauen zum Gesandten Allahs (s) zu sprechen pflegte, wurde sie als Sprecherin der Frauen bezeichnet. Einer Überlieferung zufolge nahm sie am letzten Treueid von al-ʿAqaba teil. [Ḥayāt aṣ-ṣaḥāba 1/597; Anmerkung 4]

Der edle Gesandte Allahs (s) war nach Medina gekommen. Eines Tages saß er, von den geehrten Gefährten umgeben. Da kam Asmāʾ und hielt folgende kurze Ansprache an den Gesandten Allahs (s):

„O Gesandter Allahs! Ich bin im Namen einer Gruppe muslimischer Frauen gekommen, um einige ihrer Anliegen vorzutragen. Allah, der Erhabene, hat dich als Wegweiser für beide Geschlechter, Männer und Frauen, gesandt. Wir Frauen haben an dich geglaubt und sind dir gefolgt. Doch wir stellen einen großen Unterschied zwischen Frauen und Männern fest. Wir sind auf den häuslichen Bereich beschränkt. Wir befriedigen die sexuellen Bedürfnisse der Männer und tragen ihre Kinder aus. Ihr Männer hingegen könnt am Freitagsgebet, am Gemeinschaftsgebet und am Totengebet teilnehmen. Ihr geht zur Pilgerfahrt. Und das Wichtigste ist, dass ihr zum Dschihad auf dem Weg Allahs auszieht. Währenddessen ziehen wir eure Kinder groß, bewahren euer Vermögen und spinnen Garn am Spinnrad, um Kleidung herzustellen. Unsere Frage lautet: Werden wir nicht an eurem Lohn teilhaben? Die Frauen, die ich zurückgelassen habe, vertreten dieselbe Auffassung und äußern dieselben Worte wie ich.“

Nachdem der Gesandte (s) Asmas Worte gehört hatte, wandte er sich den Gefährten zu und sagte: „Habt ihr je von einer Frau gehört, die nach einer noch besseren Kenntnis der Religion fragt als dieser?“ Sie sagten: „Wir hätten niemals gedacht, dass eine Frau eine solche Frage stellen könnte.“ Dann sagte der Gesandte (s) zu Asma: „Wenn eine Frau ihren Ehemann gut behandelt, sich um seine Zufriedenheit bemüht, ihm in seinen Wünschen und Abneigungen gehorcht und die Pflichten und Rechte des ehelichen Lebens erfüllt, erhält auch sie denselben Lohn wie ein Mann. Geh und teile dies den anderen Frauen mit, die du zurückgelassen hast.“

Als Asma diese frohe Botschaft aus dem Mund des Gesandten Allahs (s) hörte, kehrte sie freudig zurück und rezitierte dabei „Lā ilāha illallāh“ und „Allāhu akbar“.[Al-Istīʿāb-4/233; Usud al-Ghāba-5/398; as-Sīra al-Halabiyya-1/149. At-Tūsī schrieb dieses Ereignis Asmāʾ bint ʿUbaid al-Anṣāriyya zu. Ibn Mundah und Abū Nuʿaim betrachteten Asmāʾ bint Yazīd ibn as-Sakan und sie als zwei verschiedene Frauen. Ibn ʿAbd al-Barr erklärte die beiden zuvor genannten Frauen für ein und dieselbe und meinte, dass diese Frau mit dem Gesandten Allahs (s) gesprochen habe. Auch Imam Ahmad vertrat diese Ansicht. (Aʿlām an-Nisāʾ-1/67; Anmerkung 1)]

Zu der Gruppe von Frauen, die Hadhrat Asmaʾ vertrat, gehörte auch ihre Tante mütterlicherseits. Diese trug goldene Armreifen und einen goldenen Ring. Der Gesandte (s) fragte: „Wird für diesen Schmuck Zakāt entrichtet?“ Sie antwortete: „Nein.“ Der Gesandte (s) sagte: „Gefällt es dir, dass Allah dir Armreifen und einen Ring aus Feuer anlegt?“ Darauf sagte Asmaʾ zu ihrer Tante: „Tante, nimm diese ab.“ Sofort nahm sie den gesamten Schmuck ab und warf ihn weg. Dann sagte Asmaʾ: „O Gesandter Allahs! Wenn wir keinen Schmuck tragen, verlieren wir doch bei unseren Ehemännern an Bedeutung.“ Er sagte: „Lasst Schmuck aus Silber anfertigen und färbt ihn mit Safran, sodass der Glanz von Gold sichtbar wird.“ An diesem Punkt des Gesprächs war die Zeit für die Baiʿa gekommen. Der Gesandte (s) ließ sie einige Gelöbnisformeln sprechen. Da sagte Asmaʾ: „O Gesandter Allahs! Strecke eine deiner Hände aus, damit wir sie berühren und unsere Baiʿa vollenden können.“ Der Gesandte (s) sagte: „Ich schüttle Frauen nicht die Hand.“[Musnad Ahmad-6/453, 454, 458, 46 0, 461] In einigen Quellen wird der Vorfall mit dem Schmuck als von Asmaʾ selbst überliefert.[Sahābiyyāt 302]

Hadhrat Asmaʾ (r) hielt sich stets in der Nähe des edlen Gesandten Allahs (s) auf. Eines Tages sprach der Gesandte (s) in ihrer Gegenwart über den Daddschāl. Sie begann zu weinen. Der Gesandte (s) stand in diesem Zustand auf und ging fort. Als er zurückkehrte, sah er, dass Asmaʾ noch immer weinte. Er fragte: „Warum weinst du?“ Asmaʾ sagte: „Unsere Lage ist so: Eine Dienerin setzt sich hin, um Mehl zu kneten, während wir bereits Hunger bekommen. Noch bevor sie mit der Zubereitung des Essens fertig ist, werden wir ungeduldig und verlangen nach dem Essen. Wie sollen wir zur Zeit des Daddschāl, wenn Mangel herrscht, Geduld bewahren?“ Der Gesandte (s) sagte: „An jenem Tag werden Tasbīh und Takbīr vor dem Hunger schützen. Es besteht kein Grund für so viel Weinen und Klagen. Wenn ich dann noch lebe, werde ich euch als Schutzschild dienen. Andernfalls wird Allah nach mir jeden Muslim beschützen.“[Musnad Ahmad-6/453]

Kurz nachdem Hadhrat ʿAischa (r) mit den übrigen Mitgliedern ihrer Familie von Mekka nach Medina ausgewandert war, zog sie offiziell aus dem Haus ihres Vaters in das Haus ihres Ehemannes. Auch Hadhrat Asmaʾ war bei dieser Feier anwesend. Asmaʾ gehörte zu denjenigen, die ʿAischa (r) als Braut schmückten. Nachdem sie hergerichtet worden war, setzte man ʿAischa (r) auf einen Sitz und ließ ihrem Ehemann, dem Gesandten (s), Nachricht zukommen. Er kam und setzte sich neben ʿAischa (r). Eine der Frauen reichte dem Gesandten Allahs (s) einen Becher Milch. Er trank etwas davon und gab ihn ʿAischa (r). Sie senkte aus Scham den Kopf. Da sagte Asmaʾ in tadelndem Ton: „Nimm an, was der Gesandte Allahs (s) dir gibt.“ Hadhrat ʿAischa (r) nahm den Becher Milch aus der Hand des Gesandten Allahs (s), trank etwas und gab ihn ihm zurück. Er reichte den Becher Asmaʾ. Asmaʾ drehte den Becher, um genau an der Stelle zu trinken, an der der Gesandte (s) seinen Mund angesetzt und getrunken hatte. Der Gesandte (s) sagte: „Gib auch den anderen Frauen davon.“ Doch die anwesenden Frauen sagten: „Wir haben jetzt keine Lust zu trinken.“ Darauf sagte der Gesandte (s): „Zusammen mit dem Hunger auch noch Lügen?“, das heißt: „Macht ihr Hunger und Lügen zu ein und derselben Sache?“[Ebenda-6/458, 461]

Unter den Namen der heldenhaften Mujāhidāt, die man in der Geschichte des Islam findet, nimmt der Name Hadhrat Asmaʾ einen herausragenden Platz ein. Das ist nur angemessen. Denn sie entstammte einer Familie, deren Mitglieder allesamt ihr Leben für die Sicherheit des Gesandten Allahs opferten. In jedem kritischen Augenblick des medinensischen Lebens des Gesandten Allahs (s), einschließlich der Schlacht von Uhud, gewährleisteten die Angehörigen dieser Familie um den Preis ihres Lebens die Sicherheit des Gesandten Allahs.

Von Anas ibn Mālik (r) wird überliefert: Am Tag der Schlacht von Uhud wurde der Gesandte (s) zusammen mit insgesamt neun Mujāhidīn – sieben aus den Reihen der Ansār und zwei Quraischiten – von der Hauptstreitmacht getrennt. Irgendwann wurde der Gesandte (s) durch die Angriffe des Feindes verwundet. Da sagte der Gesandte (s) zu diesen wenigen Mujāhidīn, die bei ihm waren: „Wer sie von uns fernhalten kann, für den ist das Paradies bestimmt.“ Oder er sagte: „Er wird mein Gefährte im Paradies sein.“

Ein Mann aus den Ansār trat vor, kämpfte und fiel als Märtyrer. Der Gesandte (s) wiederholte dieselben Worte wie zuvor. Wieder trat ein Mann aus den Ansār vor, kämpfte und fiel als Märtyrer. So fielen einer nach dem anderen alle sieben Männer aus den Ansār als Märtyrer.[Sahīh Muslim: Bāb Ghazwāt Uhud.] Der siebte von ihnen war Asmas Bruder ʿAmmāra ibn Yazīd ibn as-Sakan. Als er durch die Schläge des Feindes schwer verwundet zu Boden fiel, kam gerade eine Gruppe von Mujāhidīn hinzu. Sie vertrieben das Heidenheer und befreiten ʿAmmāra aus dessen Gewalt. Der Gesandte (s) rief ihnen zu: „Bringt ihn zu mir.“ Der Gesandte (s) legte ihn so hin, dass sein Kopf auf seinen eigenen Füßen ruhte. Als er in diesem Zustand starb, stellte man fest, dass sein Gesicht auf den Füßen des Gesandten Allahs (s) lag. In dieser Schlacht von Uhud fielen Asmas Vater Yazīd, ihr anderer Bruder ʿĀmir und ihr Onkel Ziyād ibn as-Sakan (r) als Märtyrer.[Nisāʾ min ʿAṣr an-Nubuwwah-80]

Die Art und Weise, wie die Mitglieder ihrer Familie das Martyrium erlitten hatten, weckte in Asmā’ das Interesse am Dschihad. Zu den Ereignissen, an denen sie teilnahm, gehörten unter anderem die Baiʿat ar-Riḍwān, die Eroberung Mekkas und der Feldzug von Chaibar. Die Überlieferer sind sich darin einig, dass Asmā’ (ra) im Jahre 15 nach der Hidschra an der Schlacht von Jarmūk teilnahm und allein neun römische Soldaten erschlug, indem sie sie mit Zeltstangen niederschlug. [Siyar aʿlām an-nubalāʾ 2/297; al-Iṣāba 4/229; Aʿlām an-nisāʾ; Madschmaʿ az-zawāʾid 9/260; Ḥayāt aṣ-ṣaḥāba 1/597]

Ḥaḍrat Asmā’ (ra) verbrachte von ihrer Annahme des Islams bis zum Ableben des Gesandten Allahs (sa) lange Zeit in seiner Gesellschaft und Nähe. Sie hielt sich ständig in seiner Umgebung auf. Keine noch so geringe Gelegenheit, dem Gesandten Allahs (sa) zu dienen, ließ sie ungenutzt. Sie lauschte all seinen Worten aufmerksam und behielt sie im Gedächtnis. Zu jeder Zeit fragte sie den Gesandten Allahs (sa) nach verschiedenen Angelegenheiten und erfuhr von ihm darüber. Deshalb erlangte sie unter den Frauen der Anṣār den Ruhm, die meisten Hadithe überliefert zu haben. Sie überlieferte 81 (einundachtzig) Hadithe vom Gesandten Allahs (sa). [Aʿlām an-nisāʾ 1/67; Nisāʾ min ʿaṣr an-nubuwwa 80]

Zu denjenigen, die Hadithe von Ḥaḍrat Asmā’ (ra) überlieferten, gehören: Maḥmūd ibn ʿAmr al-Anṣārī (ihr Neffe), Abū Sufyān, der Mawlā von Ibn Aḥmad, ʿAbd ar-Raḥmān ibn Thābit aṣ-Ṣāmit al-Anṣārī, Mudschāhid ibn Dschubair, Muhādschir ibn Abī Muslim und Schahr ibn Ḥauschab.

Ihre Hadithe wurden in den Werken von Abū Dāwūd, at-Tirmiḏī, an-Nasāʾī, Ibn Mādscha und anderen gesammelt. [Aʿlām an-nisāʾ 1/67; Siyar aṣ-ṣaḥābiyyāt 166] Imām al-Buḫārī nahm sie auch in sein Werk „al-Adab al-Mufrad“ auf. [Nisāʾ min ʿaṣr an-nubuwwa 81]

Durch die von Ḥaḍrat Asmā’ (ra) überlieferten Hadithe erhält man im Wesentlichen Kenntnis vom Anlass und den Umständen der Offenbarung verschiedener Koranverse, von verschiedenen Bestimmungen der Scharia, den Eigenschaften des Gesandten Allahs (sa), Schlachten und Kriegen, seinem Lebenslauf und ähnlichen Themen. So sagte sie über die Umstände der Offenbarung der Sure al-Māʾida: „Ich hielt den Zügel der Kamelstute al-ʿAḍbāʾ des Gesandten Allahs (sa). Der Gesandte (sa) saß damals auf ihrem Rücken. In diesem Zustand schien es, als würden die Vorderbeine der Kamelstute brechen und zerbrechen.“ [Tafsīr Ibn Kaṯīr 2/2; al-Bidāya wa-n-nihāya 3/22]

Das Hemd war die bevorzugte Kleidung des Gesandten (sa). Asmā’ (ra) beschrieb dieses Hemd folgendermaßen: „Die Ärmel des Hemdes des Gesandten Allahs (sa) reichten bis zu seinen Handgelenken.“ [Ḥayāt aṣ-ṣaḥāba 2/705]

Auch dieser Hadith wurde von Asmā’ (ra) überliefert: Der Gesandte Allahs (sa) starb, während seine Rüstung bei einem Juden als Pfand für etwas Nahrung hinterlegt war. Über die Tatsache, dass Abū Ḏarr al-Ġifārī (ra) nach dem Ableben des edlen Gesandten Allahs (sa) die Herrscher scharf kritisieren und deshalb von Ort zu Ort vertrieben werden würde, überlieferte sie ebenfalls einen Hadith. [Ibn Mādscha (2838); at-Tirmiḏī (1765); Ḥayāt aṣ-ṣaḥāba 2/67]

In den Werken über Hadith, Sīra und Geschichte werden ebenso viele Berichte über die Anteilnahme, Großzügigkeit und die Eigenschaft der medinensischen Anṣār, anderen den Vorzug zu geben, überliefert, wie darüber, dass durch die Hände des Gesandten Allahs (sa) viele Wunder zutage traten. Ibn ʿAsākir überlieferte in seinem „Tārīḫ“, ausgehend von Asmā’, durch ihre Worte von einem Wunder des Gesandten Allahs (sa). Asmā’ sagte: „Eines Tages sah ich, wie der Gesandte Allahs (sa) in unserer Moschee das Maghrib-Gebet verrichtete. Ich ging nach Hause, nahm etwas Fleisch mit Knochen und Brot, stellte es vor ihn und sagte: ‚Mögen mein Vater und meine Mutter für dich hingegeben sein! Iss dies als Abendessen.‘ Er rief seine Gefährten und sagte: ‚Beginnt im Namen Allahs zu essen.‘ Der Gesandte Allahs (sa) aß von dieser geringen Menge an Nahrung, seine Gefährten aßen, und alle Anwesenden aßen ebenfalls. Bei dem, in dessen Hand mein Leben liegt! Nachdem insgesamt vierzig Menschen gegessen hatten, sah ich, dass noch der größte Teil des Fleisches und Brotes übrig war. Danach trank der Gesandte (sa), indem er seinen Mund an einen unserer Wasserschläuche setzte, und verabschiedete sich. Wir bewahrten diesen Wasserschlauch auf. Wenn jemand erkrankte, gab man ihm Wasser aus diesem Schlauch zu trinken; bisweilen trank man auch daraus, um Segen zu erlangen.“ [Nisāʾ min ʿaṣr an-nubuwwa 82]

Sie war äußerst gastfreundlich. Einmal kam Schahr ibn Hawschar zu ihr nach Hause. Ihm wurde Essen vorgesetzt, doch er zeigte keine Lust zu essen. Da erzählte Asmāʾ (ra) ihm eine Begebenheit über den Gesandten Allahs (sa) und sagte: „Jetzt wirst du doch sicher keine Abneigung mehr gegen das Essen zeigen.“ Schahr sagte: „Mutter! So etwas wird nicht noch einmal vorkommen.“[Al-Istīʿāb-3/726; Musnad Ahmad-6/458]

Nach dem Tod des Gesandten Allahs (sa) verließ Hadhrat Asmāʾ (ra) Medina und ging nach Schām. Zu dieser Zeit nahm sie an der Schlacht von Jarmūk teil. Danach ließ sie sich in Damaskus nieder und begann dort, Hadithe zu überliefern. Dies überlieferte Ibn ʿAsākir über Abū Zurʿa.

Das genaue Todesjahr von Hadhrat Asmāʾ (ra) ist nicht bekannt. Der Gelehrte adh-Dhahabī (rh) sagte, dass sie bis zur Regierungszeit von Yazīd ibn Muʿāwiya (ra) lebte.[Nisāʾ min ʿAsr an-Nubuwwa-83]

Es sei darauf hingewiesen, dass Yazīd am 14. Rabīʿ al-awwal des Jahres 64 nach der Hidschra starb. Adh-Dhahabī sagte außerdem, dass Asmāʾ (ra) in Damaskus lebte und ihr Grab sich in Bāb as-Saghīr in Damaskus befindet.[Siyar aʿlām an-nubalāʾ -2/220, 296] Dies wird auch durch die Aussage Ibn Kathīrs bestätigt. Sie wurde in Bāb as-Saghīr in Damaskus beigesetzt, unter denjenigen, die im Jahr 69 nach der Hidschra starben. Seiner Aussage zufolge verstarb Hadhrat Asmāʾ während des Kalifats von ʿAbd al-Malik ibn Marwān.[Nisāʾ min ʿAsr an-Nubuwwa-83] Über ihre Nachkommen sind keine Informationen bekannt.

Ummu Rūmān, Tochter desʿĀmir (ra)


Die Abstammung von Hadhrat Ummu Rūmān (ra) ist folgende: Ummu Rūmān bint ʿĀmir ibn ʿUwaymir ibn ʿAbd Schams ibn ʿIttāb ibn ʿUẓayna an-Nināniyya.[Usud al-ghāba-5/583; Ansāb al-aschrāf-1/409; Siyar aʿlām an-nubalāʾ -2/135] In den Geschichtswerken finden sich zwei unterschiedliche Aussprachen dieses Namens: Ummū Rūmān und Ummu Rāwmān. Ibn Isḥāq sagte, ihr eigentlicher Name sei „Zaynab“ gewesen, während andere „Dāʿād“ genannt haben.[Al-Isāba-4/433; ar-Rawḍ al-unuf-4/12] In der Geschichte ist sie unter dem Beinamen Ummu Rūmān bekannt.

In der Region „as-Sarāt“ der Arabischen Halbinsel(Arabisch****)[Maʿǧam al-buldān-3/204–205; .] wurde Ummū Rūmān geboren und wuchs dort auf. Als sie das heiratsfähige Alter erreichte, bekam sie einen Sohn namens ʿAbdullāh. Dies geschah in der vorislamischen Zeit der Jāhiliyya. Damals herrschten in ganz Arabien Unsittlichkeit und Unruhe. Soweit auf der Arabischen Halbinsel Frieden und Sicherheit bestanden, waren sie so gut wie ausschließlich in der Stadt Makka, Umm al-Qurā, vorhanden.[Sūrat Ibrāhīm -35](Arabisch*********)

„Als Ibrāhīm sagte: O mein Herr, mache diese Stadt zu einer Stadt des Friedens und der Sicherheit …“ Im Zentrum dieser geehrten und ruhmreichen Stadt befand sich das Haus Allahs, des Herrn der Welten, die Kaʿba. Im Laufe der Zeiten wollten die Menschen in diese Stadt des Friedens und der Sicherheit kommen und sich in der Nähe der Kaʿba niederlassen. Auch der Ehemann von Ummu Rūmān, ʿAbdullāh ibn al-Hārith, träumte davon, als Nachbar dieser heiligen Kaʿba zu leben. Um diesen Traum zu verwirklichen, brach er eines Tages mit seiner Frau Ummu Rūmān und seinem Sohn at-Tufayl aus seiner Heimat as-Sarāt nach Makka auf. Nach seiner Ankunft in Makka schloss er gemäß dem damaligen arabischen Brauch mit Abū Bakr, einem Bewohner der Stadt, einen Schutzvertrag. So begann er, unter dem Schutz Abū Bakrs mit seiner Familie in Makka zu leben. Nach kurzer Zeit starb er. Die verwitwete Ummu Rūmān geriet mit ihrem Sohn in der Fremde in eine äußerst hilflose Lage.

Inmitten dieser Bedrängnis erblickte Umm Rūmān einen Hoffnungsschimmer. Ihr Schutzherr Abū Bakr war eine entschlossene Persönlichkeit und besaß Großzügigkeit und Freigiebigkeit. Es lag in seiner Natur, Menschen in ihrer Not beizustehen. Als die polytheistischen Kräfte Mekkas nach seiner Annahme des Islams begannen, Abū Bakr (Allahs Wohlgefallen auf ihm) übermäßig zu bedrängen, beabsichtigte er, das Land zu verlassen. Damals prangerte Ibn ad-Dughanna die Quraisch an; in den Worten, die er dabei sprach, wurden die vorzüglichen Eigenschaften Abū Bakrs (Allahs Wohlgefallen auf ihm) auf eindrucksvolle Weise geschildert. Er sagte: [Nisāʾ min ʿAṣr an-Nubuwwah, S. 269–270](Arabisch********)

„Ihr vertreibt einen Mann aus dem Land, der den Bedürftigen hilft, die Verwandtschaftsbande pflegt, die Lasten anderer trägt, den Gästen zu essen gibt und den Menschen in Notlagen beisteht?“ Wie könnte ein solcher Mann eine hilflose Witwe mit ihrem Kind, die unter seinem Schutz stand, von sich weisen? Er reichte Umm Rūmān die Hand zur Hilfe, heiratete sie und nahm sie zusammen mit ihrem Sohn in seine eigene Familie auf. So erhielt Umm Rūmān (Allahs Wohlgefallen auf ihr) ein vortreffliches Zuhause und Familienleben. Während ihres Ehelebens mit Abū Bakr (Allahs Wohlgefallen auf ihm) schenkte sie ihm einen Sohn und eine Tochter – ʿAbd ar-Raḥmān und ʿĀʾischa (Allahs Wohlgefallen auf ihnen). [Ebenda; Nisāʾ Ḥawla Rasūl, S. 264] Diese ʿĀʾischa (Allahs Wohlgefallen auf ihr) erlangte später die ehrenvolle Stellung als „Mutter der Gläubigen“.

Hier ist es nicht unangebracht zu erwähnen, dass Abū Bakr (Allahs Wohlgefallen auf ihm) in der vorislamischen Zeit Qutaila bint ʿAbd al-ʿUzzā al-ʿĀmiriyya heiratete. Von ihr wurden sein Sohn ʿAbdullāh und seine Tochter Asmāʾ (Allahs Wohlgefallen auf ihr) geboren. Da Qutaila den Islam nicht annahm, trennte sich Abū Bakr (Allahs Wohlgefallen auf ihm) von ihr. Im islamischen Leben heiratete Abū Bakr Asmāʾ bint ʿUmais (Allahs Wohlgefallen auf ihr). Von ihr wurde sein Sohn Muḥammad ibn Abū Bakr (Allahs Wohlgefallen auf ihm) geboren. Er heiratete auch Ḥabība bint Khadīja; als seine Tochter Umm Kulthūm sich noch im Mutterleib befand, verstarb Abū Bakr. [Nisāʾ mubashshirāt bil-janna, S. 84]

Die Annahme des Islams

Alle zuverlässigen Überlieferungen bestätigen, dass Abū Bakr aṣ-Ṣiddīq (Allahs Wohlgefallen auf ihm) unter den freien Männern als Erster den Islam annahm. Wer für die Verbreitung und Förderung des Islams alles opferte, wird naturgemäß unmittelbar nach seiner Annahme des Islams seinen engsten Angehörigen die Einladung zum Islam ausgesprochen haben. Es ist bekannt, dass er seine Mutter Umm al-Khair Salmā bint Ṣakhr (Allahs Wohlgefallen auf ihr) an der Hand nahm und sie zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) brachte. Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) führte sie zum Islam. Er lud auch seine Ehefrau Umm Rūmān zum Islam ein, und sie erlangte die einzigartige Ehre, Mitglied der Gruppe derjenigen zu werden, die den Islam annahmen. ʿĀʾischa (Allahs Wohlgefallen auf ihr) sagte: [Tahdhīb al-Asmāʾ wa-l-Lughāt, 2/183]

(Arabisch**********)

„Seit ich meinen Vater kenne, habe ich gesehen, dass diese beiden sich zu dieser Religion bekannten.“

Ibn Saʿd sagt:(Arabisch*********)

„Umm Rūmān nahm bereits lange zuvor in Mekka den Islam an, leistete den Treueid und wanderte ebenfalls aus.“ [Ṭabaqāt 8/276]

Nach ihrer Annahme des Islam bemühte sie sich nach Kräften, sich selbst und ihre Familie mit ganzem Herzen und ganzer Seele nach den Lehren des Islam zu formen. Die Größe des Islam und sein praktisches Abbild erkannte sie im Wesen des Gesandten Allahs (s.a.w.s.). Wenn es die islamische Daʿwa erforderte, besuchte der Gesandte (s.a.w.s.) zu jeder Zeit das Haus Abū Bakrs (r.a.). Über solche gesegneten Besuche des Gesandten Allahs (s.a.w.s.) freuten sich alle im Hause Umm Rūmāns sehr. Sie bewirtete diesen erhabenen Gast nach besten Kräften. Umm Rūmān (r.a.) besaß ein klares Gemüt und ein von Zuneigung erfülltes Herz, das von festem Glauben erfüllt war. Auch verfügte sie über unerschöpfliche Kraft, in schwierigen Zeiten Geduld zu bewahren. Das grausame Vorgehen der Götzendiener gegen die schwachen Muslime in Mekka bereitete ihr großen Schmerz. Sie sah, wie der Gesandte (s.a.w.s.) seine Gefährten zur Geduld anhielt. Es erfreute sie, ihren Ehemann Abū Bakr (r.a.) an der Seite der schwachen Muslime stehen und Sklaven mit seinem eigenen Geld kaufen und freilassen zu sehen. Sie ermutigte ihn zu seinen edlen Taten.

Neben den häuslichen Pflichten kümmerte sie sich mit größter Sorgfalt um ihren Sohn ʿAbd ar-Raḥmān und ihre Tochter ʿĀʾischa (r.a.). Sie bemühte sich, ihre Kinder auf Gottesfurcht und auf der Liebe zu Allah und Seinem Gesandten aufzubauen. Ihr reines Herz sagte ihr von Anfang an, dass ihre Tochter ʿĀʾischa künftig eine besondere Rolle für den Islam spielen würde. Der Gesandte (s.a.w.s.) kam morgens, mittags und abends – zu jeder Zeit – in ihr Haus und ging wieder fort. Gelegentlich gab er Umm Rūmān auch Anweisungen hinsichtlich der Erfüllung der häuslichen Pflichten und der Erziehung der Kinder.

Als ʿĀʾischa (r.a.) noch klein war, brachte sie ihre Mutter gelegentlich auf. Die Mutter bestrafte ihre Tochter dann auch. Der Gesandte (s.a.w.s.) empfand darüber Kummer. Einmal sagte er zu Umm Rūmān: [ebd.](Arabisch*****)

„Umm Rūmān! Behandle ʿĀʾischa gut und erinnere dich in Bezug auf sie an meine Worte.“

Eines Tages kam der Gesandte (s.a.w.s.) in das Haus Abū Bakrs (r.a.) und sah ʿĀʾischa (r.a.) weinend an den Türpfosten gelehnt. Er sagte zu Umm Rūmān: „Sie haben meine Worte nicht ernst genommen.“ Umm Rūmān erwiderte: „O Gesandter Allahs! Dieses Mädchen beklagt sich bei ihrem Vater über mich.“ Der Gesandte (s.a.w.s.) sagte: „Was auch immer sie tut, bereiten Sie ihr keinen Kummer.“ [Das Leben der Gefährten des Gesandten 5/57]

Ihre liebevolle Zuneigung zu den Kindern, ihre tiefe Liebe und Ergebenheit gegenüber ihrem Ehemann und vor allem ihr scharfer Verstand machten Umm Rūmān und ihre Familie zu einem Vorbild. Ohne Rücksprache mit ihrem Ehemann traf sie keine wichtigen Entscheidungen. Umm Rūmāns Rolle bei der Heiratswerbung für ihre Tochter ʿĀʾischa (r.a.) an den Gesandten Allahs (s.a.w.s.) ist dafür ein hervorragendes Beispiel.

Drei Jahre vor der Auswanderung verstarb die Mutter der Gläubigen, Ḥaḍrat Chadīdscha (r.a.). Der Gesandte (s.a.w.s.) war von Trauer überwältigt. Eines Tages sah ihn Chawla bint Ḥakīm (r.a.), die Ehefrau von ʿUthmān ibn Maẓʿūn, bedrückt und sagte: „O Gesandter Allahs! Heirate wieder.“ Der Gesandte (s.a.w.s.) fragte: „Wen?“ Chawla sagte: „Es gibt sowohl verwitwete als auch jungfräuliche Frauen; über diejenige, die du bevorzugst, kann man sprechen.“ Der Gesandte (s.a.w.s.) fragte erneut: „Wer sind sie?“ Chawla sagte: „Die Witwe ist Sawda bint Zamʿa, und die Jungfrau ist ʿĀʾischa, die Tochter Abū Bakrs.“ Der Gesandte (s.a.w.s.) sagte: „Gut. Sprich mit ihr über diese Angelegenheit.“

Nachdem Hadhrat Chaula (r.a.) die Zustimmung des Gesandten Allahs (s.a.w.) erhalten hatte, ging sie zum Haus Abu Bakrs und sagte Umm Ruman (r.a.) in äußerst bewegtem Ton: „Umm Ruman! Warum hat Allah, der Erhabene, eurem Haus so viel خير und Segen (Wohlergehen und Wohlstand) geschenkt?“ Umm Ruman sagte: „Warum, was ist geschehen, Chaula?“

Mit vor Freude strahlendem Gesicht sagte Chaula (r.a.): „Der Gesandte Allahs (s.a.w.) hat von Aischa gesprochen (er hat um ihre Hand angehalten).“

Umm Ruman (r.a.) schien einen Augenblick über etwas nachzudenken. Nach und nach begann ihr Gesicht zu erstrahlen. Sie sagte: „Chaula! Setz dich bitte; Abu Bakr wird jeden Augenblick kommen.“

Abu Bakr (r.a.) kam. Als Umm Ruman (r.a.) ihm die Angelegenheit mitteilte, sagte er: „Mut’im ibn Adi hatte Aischa die Heirat mit seinem Sohn Dschubair vorgeschlagen, und ich hatte ihm mein Wort gegeben. Ich kann mein Versprechen doch nicht brechen.“ Abu Bakr (r.a.) ging zu Mut’im ibn Adi und sagte: „Du hattest die Heirat Aischas mit deinem Sohn vorgeschlagen. Wie lautet nun eure Entscheidung? Sag es mir.“ Mut’im fragte seine Frau. Mut’ims Familie hatte den Islam noch nicht angenommen. Deshalb sagte seine Frau: „Wenn dieses Mädchen in unser Haus kommt, wird unser Sohn vom Glauben abfallen. Ich bin mit diesem Vorschlag nicht einverstanden.“ Abu Bakr (r.a.) wandte sich an Mut’im und sagte: „Und wie ist deine Meinung?“ Mut’im sagte: „Meine Meinung ist dieselbe wie ihre.“ Abu Bakr (r.a.) kehrte nach Hause zurück und sagte zu Chaula: „Bring den Gesandten Allahs (s.a.w.) her.“ Der Gesandte (s.a.w.) kam, und die Eheschließung wurde vollzogen. [Musnad Ahmad 6/210–211; Tabakat 8/58; adh-Dhahabi: Tarich 1/280–281; Siyar a’lam an-nubala 2/149] Atiyya (r.a.) schilderte diese Eheschließung folgendermaßen: Aischa (r.a.) spielte mit anderen Mädchen. Ihre Dienerin kam und holte sie, und Abu Bakr (r.a.) vollzog die Eheschließung. Wie schlicht diese Eheschließung war, lässt sich aus einer Überlieferung Aischas (r.a.) ermessen. Sie sagte: „Als ich verheiratet wurde, verstand ich überhaupt nichts. Meine Eheschließung war vollzogen. Erst als meine Mutter mir zu verbieten begann, nach draußen zu gehen, begriff ich, dass ich verheiratet worden war. Danach erklärte mir meine Mutter alles.“ [Tabakat 8/59–60] Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Umm Ruman (r.a.) ihre Tochter Aischa (r.a.) zu einer künftigen Mutter der Gläubigen und zur Herrin des Hauses des Propheten erzog und sie so befähigte, dass in ihrem Haus Offenbarung herabgesandt werden konnte.

Die Hidschra

Abu Bakr (r.a.) brach gemeinsam mit dem Gesandten Allahs (s.a.w.) in der Dunkelheit der Nacht nach Medina auf. Sie hielten sich drei Tage lang in einer Höhle am Berg Thaur verborgen. Umm Ruman konnte vor Sorge und Unruhe nicht schlafen. Einerseits machte sie sich Sorgen, dass Abu Bakr (r.a.) kein Geld für die Kinder zu Hause zurückgelassen hatte, andererseits fürchtete sie um die Sicherheit des geliebten Propheten (s.a.w.) und ihres Ehemannes. Doch sie blieb äußerst ruhig und standhaft, verdrängte alle Sorgen aus ihrem Herzen und betete zu Allah, dass der Gesandte Allahs (s.a.w.) sicher Medina erreichen möge.

Nachdem der Gesandte Allahs (s.a.w.) sich in Medina etwas eingerichtet hatte, schickte er Zaid ibn Haritha (r.a.) und Rafi nach Mekka, um seine Angehörigen aus Mekka nach Medina zu bringen. Auch Abu Bakr (r.a.) schickte mit ihnen seinen Sohn Abdullah und ließ ihm ausrichten, er solle Asma, Aischa und ihre Mutter Umm Ruman nach Medina bringen. Als diese Menschen von Mekka aufbrachen, schloss sich ihnen Talha ibn Ubaidullah (r.a.) auf der Hidschra an. Bei Abu Rafi und Zaid ibn Haritha (r.a.) befanden sich Umm Kulthum, Fatima, die Mutter der Gläubigen Sawda bint Zam’a, Umm Aiman und Usama ibn Zaid (r.a.); und bei Abdullah ibn Abu Bakr (r.a.) waren Umm Ruman, Asma und Aischa. [Ansab al-aschraf 1/269–270]

Als diese Karawane von Mekka aufgebrochen war und al-Baida, den Wohnort der Banu Kinana im Hidschaz, erreichte, wurde das Kamel, auf dem Aischa (r.a.) und ihre Mutter Umm Ruman (r.a.) saßen, scheu und begann, in hohem Tempo davonzulaufen. Jeden Augenblick befürchteten sie, samt der Howdah herabgeschleudert zu werden. Wie es Müttern eigen ist, dachte sie nicht an ihr eigenes Leben; um ihre geliebte Tochter Aischa (r.a.) jedoch wurde sie unruhig und begann zu weinen. Sie rief immer wieder:(Arabisch******)

„Rettet die neue Schwiegertochter, rettet meine Tochter!“

Hadrat ‘Ā’ischa (ra) berichtet: Zu dieser Zeit hörte ich jemanden sagen: (Arab****)

„Lockere den Zügel des Kamels.“ Ich lockerte den Zügel. Durch Allahs Willen wurde das Kamel ruhig und blieb stehen. [Al-Bidāya wa-n-Nihāya 3/211; Al-Istīʿāb 4/4343]

Sie waren in Sicherheit und erreichten ebenfalls sicher Medina.

Hadrat Umm Rūmān (ra) ließ sich mit ihren Söhnen und Töchtern im Viertel der Banū al-Hārith ibn Chazradsch in Medina nieder und lebte dort sieben oder acht Monate. Es sei erwähnt, dass ‘Ā’ischa (ra) bei ihrer Mutter blieb. Für die meisten aus Mekka eingewanderten Muhādschirūn war das Klima Medinas nicht zuträglich. Viele Männer und Frauen erkrankten. Abū Bakr (ra) erkrankte. Abū Bakr (ra) erkrankte. Durch die unermüdliche Pflege von Mutter und Tochter wurde er wieder gesund. Nachdem ihr Ehemann genesen war, wurde ihre Tochter ‘Ā’ischa (ra) bettlägerig. Ihre Krankheit war so schwer, dass ihr fast alle Haare ausfielen. [Sahīh al-Buchārī: Bāb al-Hidschra; Tabāqāt 8/63] Durch die Pflege ihrer Mutter wurde sie wieder gesund. Nachdem Mutter Umm Rūmān (ra) von all diesen Nöten und Schwierigkeiten befreit worden war, sagte sie eines Tages zum Gesandten Allahs (s): „O Gesandter Allahs! Warum holst du deine Ehefrau nicht zu dir nach Hause?“ Sie hatte damals nicht genügend Geld, um die Brautgabe zu bezahlen. Abū Bakr (ra) sagte: „Nimm mein Geld. Ich leihe es dir.“ Daraufhin lieh sich der Gesandte (s) von Abū Bakr (ra) einen Betrag in Höhe der Brautgabe und schickte ihn zu ‘Ā’ischa (ra).

Im sechsten Jahr nach der Hidschra schmiedeten die Heuchler auf dem Rückweg vom Feldzug von al-Muraisīʿ eine gefährliche Verschwörung gegen die Familie des Propheten. Auf dieser Reise war Hadrat ‘Ā’ischa (ra) beim Gesandten Allahs (s). Auf dem Rückweg von dieser Reise verbreitete eine üble Gruppe anlässlich eines Vorfalls verleumderische Gerüchte, um den Ruf Hadrat ‘Ā’ischas (ra) zu beflecken. Fast einen ganzen Monat lang schwirrten diese falschen Anschuldigungen in der Gesellschaft Medinas umher. Der Prophet selbst (s) und die Familie Abū Bakrs (ra) gerieten dadurch in eine äußerst bedrückende Lage. Als Umm Rūmān (ra) von der Verleumdung ihrer Tochter erfuhr, verlor sie das Bewusstsein und fiel zu Boden. [Aʿlām an-Nisāʾ 1/472] Doch gleich darauf kam sie wieder zu sich, nahm sich zusammen und überließ alles Allah und Seinem Gesandten. Was die Leute anfangs erzählten, wurde ‘Ā’ischa (ra) verheimlicht. Als sie später davon erfuhr, schalt sie ihre Mutter heftig dafür, dass diese es ihr verschwiegen hatte. [Nisā Hawla ar-Rasūl, S. 267] Nach ihrer Rückkehr von der Reise nach Medina wurde ‘Ā’ischa (ra) etwas krank und ging deshalb zu ihrer Mutter. Den gesamten Monat dieser schweren Krise blieb sie dann bei ihrer Mutter. In dieser Zeit sah man Umm Rūmān (ra) als eine vorbildliche Mutter an der Seite ihrer Tochter. Sie riet ihrer Tochter stets zu Geduld und ermahnte sie, auf Allah, den Herrn der Welten, zu vertrauen. Eines Tages kam der Gesandte (s) in das Elternhaus von ‘Ā’ischa (ra). Abū Bakr und Umm Rūmān (ra) dachten, dass es heute vielleicht zu einer entscheidenden Erklärung kommen würde. Deshalb setzten sie sich beide in ihrer Nähe nieder. Der Gesandte (s) sagte zu ‘Ā’ischa (ra): „‘Ā’ischa, diese Dinge über dich haben meine Ohren erreicht. Wenn du unschuldig bist, hoffe ich, dass Allah dies offenlegen und beweisen wird. Wenn du jedoch tatsächlich eine Sünde begangen hast, dann wende dich reumütig an Allah und bitte um Vergebung. Wenn ein Diener seine Sünde eingesteht und bereut, vergibt Allah ihm.“

‘Ā’ischa (ra) berichtet: Bei den Worten des Gesandten Allahs (s) versiegten meine Tränen. Ich sagte zu meinem Vater: „Antworte du auf die Worte des edlen Gesandten (s).“ Er sagte: „Meine Tochter! Ich weiß nicht, was ich dem Gesandten Allahs (s) sagen soll.“ Ich sagte zu meiner Mutter: „Antworte du dem Gesandten Allahs (s).“ Sie sagte: „Ich weiß nicht, was ich dem Gesandten Allahs (s) sagen soll.“ [Tafsīr Ibn Kathīr, Tafsīr al-Qurtubī: Sūrat an-Nūr, Verse 11–21; Buchārī 6/127; Tafsīr zu Sūrat an-Nūr]

Inzwischen trat beim Gesandten (s) der Zustand ein, in dem die Offenbarung herabkam. Sogar in der strengen Kälte begannen Schweißtropfen von seinem gesegneten Gesicht herabzutropfen. Als wir diesen Zustand sahen, verstummten wir alle. Ich selbst war völlig furchtlos. Doch der Zustand meines Vaters Abū Bakr und meiner Mutter Umm Rūmān war äußerst beklagenswert. In Sorge darüber, welche große Wahrheit Allah wohl offenbaren würde, waren sie unruhig und bekümmert. Als der Zustand der Offenbarung vorüber war, sah man den edlen Gesandten (s) äußerst erfreut. Das Erste, was er mit einem Lächeln sagte, war: „‘Ā’ischa, ich überbringe dir frohe Botschaft. Allah hat eine Offenbarung herabgesandt, in der Er deine Unschuld verkündet.“ Danach rezitierte er die Verse 11 und 12 der Sūrat an-Nūr. Meine Mutter sagte zu mir: „Steh auf und danke dem Gesandten Allahs (s).“

Die Angst und Unruhe, die nach der Verleumdung der geliebten Tochter ʿĀʾischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) über die Familie von Umm Rūmān (möge Allah mit ihr zufrieden sein) gekommen waren, wichen nach der Offenbarung. Das Ansehen und die Bedeutung, die diese Familie schon zuvor bei den Menschen besessen hatte, vervielfachten sich noch um das Hundertfache. Als Mutter kannte Umm Rūmān (möge Allah mit ihr zufrieden sein) keine Grenzen ihrer Freude.

Im Zusammenhang mit dem Vorfall um die Mutter der Gläubigen, ʿĀʾischa, wurde Umm Rūmān (möge Allah mit ihr zufrieden sein) körperlich und seelisch einer gewaltigen Belastung ausgesetzt. Nachdem sie dies bewältigt hatte, wurde sie selbst krank und musste das Bett hüten. Ihre Tochter ʿĀʾischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) bemühte sich nach Kräften, sie wieder gesund zu machen. Alle Bemühungen blieben erfolglos. Im Monat Dhū l-Ḥiǧǧa des sechsten Jahres nach der Hidschra verstarb sie in Medina. [Aʿlām an-nisāʾ 1/472]

Umm Rūmān war eine fromme Frau. Das Wohlgefallen Allahs und Seines Gesandten (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) war ihr einziges Ziel. Sie übernahm alle häuslichen Pflichten ihres Ehemannes auf sich und ermöglichte ihm dadurch, noch mehr Zeit dem Dienst am Islam zu widmen. Eines Tages kam ihr Ehemann Abū Bakr (möge Allah mit ihm zufrieden sein) mit einigen Gästen des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) nach Hause. Sie mussten ihnen am Abend zu essen geben. Doch dann erging eine dringende Aufforderung vom Gesandten Allahs (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) an ihn. Er sagte zu Umm Rūmān (möge Allah mit ihr zufrieden sein), dass sich seine Rückkehr verzögern werde und sie den Gästen zu essen geben solle. Wie vereinbart ließ Umm Rūmān (möge Allah mit ihr zufrieden sein) rechtzeitig durch ihren Sohn ʿAbd ar-Raḥmān das Essen vor den Gästen auftragen; doch diese weigerten sich, in Abwesenheit des Gastgebers zu essen. Als Abū Bakr (möge Allah mit ihm zufrieden sein) tief in der Nacht zurückkehrte und erfuhr, dass die Gäste hungrig geblieben waren, wurde er über Umm Rūmān und seinen Sohn ʿAbd ar-Raḥmān äußerst zornig. Er wollte sogar seinen Sohn schlagen. Schließlich beruhigte er sich durch die Vermittlung der Gäste. Das Essen wurde den Gästen vorgesetzt. Nachdem alle sich satt gegessen hatten, sagte Umm Rūmān, dass noch die dreifache Menge dessen übrig sei, was ursprünglich zubereitet worden war. Abū Bakr (möge Allah mit ihm zufrieden sein) ließ dieses Essen zum Haus des Gesandten Allahs schicken. (Buchārī 1/84–85)

Sie war eine ʿābida, eine Frau, die sich dem Gottesdienst hingab. Ihr Ehemann lehrte sie die Regeln und die richtige Weise des Gottesdienstes. Eines Tages stand sie im Gebet und ließ ihren Blick seitwärts schweifen. Abū Bakr (möge Allah mit ihm zufrieden sein) bemerkte dies und tadelte sie so heftig, dass sie beinahe ihr Gebet abgebrochen hätte. Danach sagte er: Ich hörte den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) sagen: [Ḥayāt aṣ-ṣaḥāba 3/137](Arabisch*********)

„Wenn einer von euch zum Gebet aufsteht, soll er seinen Blick fest halten. Er soll ihn nicht wie die Juden hierhin und dorthin wenden. Die Festigkeit des Blicks gehört zur Vollkommenheit des Gebets.“

Der edle Gesandte Allahs (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) hegte gegenüber Umm Rūmān (möge Allah mit ihr zufrieden sein) große Achtung, sowohl weil sie seine Schwiegermutter war als auch wegen ihres Beitrags zum Dienst am Islam. Wenn daher Tochter und Schwiegersohn in ihrer Gegenwart miteinander sprachen, hörte sie schweigend zu. Bisweilen vermittelte sie auch bei den süßen, liebevollen Auseinandersetzungen zwischen Tochter und Schwiegersohn. Der edle Gesandte Allahs (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) sprach häufig über seine erste Ehefrau, die Mutter der Gläubigen, Ḫadīǧa al-Kubrā (möge Allah mit ihr zufrieden sein), und erwähnte ihre vielen Vorzüge. Dies erregte den weiblichen Naturell ʿĀʾischas (möge Allah mit ihr zufrieden sein). Eines Tages sagte sie: Es scheint, als gäbe es auf der Welt außer Ḫadīǧa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) keine andere Frau. Über eine solche Reaktion ʿĀʾischas (möge Allah mit ihr zufrieden sein) war der Gesandte (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) ziemlich betrübt. Nun trat Umm Rūmān als Mutter hervor. Sie wandte sich an ihren Schwiegersohn und sagte: Was ist zwischen ʿĀʾischa und dir geschehen? Sie ist noch jung; von einem Mann wie dir kann sie Vergebung erwarten. [as-Sīra al-Ḥalabiyya 3/401]

Die Familie von Umm Rūmān (möge Allah mit ihr zufrieden sein) bat den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) stets um Bittgebete. Eines Tages gingen Abū Bakr (möge Allah mit ihm zufrieden sein) und Umm Rūmān (möge Allah mit ihr zufrieden sein) zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Heil seien auf ihm). Er sagte: Warum seid ihr gekommen? Sie sagten: O Gesandter Allahs! Sprich vor uns ein Bittgebet, in dem du um Vergebung für ʿĀʾischa bittest. Der Gesandte (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) sagte:(Arabisch****)

„O Allah! Vergib ʿĀʾischa, der Tochter Abū Bakrs, all ihre äußeren und inneren Sünden, sodass keine Sünde von ihr übrig bleibt.“

Nach diesem Bittgebet sah der Gesandte (s) seine Schwiegereltern sehr erfreut und sagte: „Dies ist das Bittgebet für alle Muslime meiner Umma von dem Tag an, an dem Allah mich zum Propheten entsandt hat, bis zum heutigen Tag.“[Tuhfat as-Siddiq fi Fada’il Abi Bakr as-Siddiq-97; Siyar a’lam an-nubala-2/158]

Wie ihre Tochter ‘Aischa (ra) und die übrigen Angehörigen waren auch ihr Schwiegersohn, der edle Gesandte (s), über den Tod der geehrten Umm Ruman (ra) tief betrübt. Wie er ihr zu Lebzeiten tiefe Achtung entgegengebracht hatte, erwies er auch nach ihrem Tod ihren sterblichen Überresten dieselbe Ehrerbietung.

Es wird überliefert, dass der Gesandte (s) nur in die Gräber von fünf Personen hinabstieg und sie darin bestattete. Unter ihnen waren drei Frauen und zwei Männer. In Mekka stieg er in das Grab der Mutter der Gläubigen, Chadidscha, hinab. Und in Medina gehörte Umm Ruman (ra) zu den übrigen vier. Auf dem Friedhof Baqi legte der edle Gesandte (s) Umm Rumans (ra) Leichnam ins Grab und sprach dieses Bittgebet:[Al-Isti’ab-4/431; Al-Isaba-4/433; Wafa al-Wafa-3/897](Arabisch*****)

„O Allah! Dir ist nicht verborgen, was Umm Ruman auf dem Weg zu Deiner Zufriedenheit und der Zufriedenheit Deines Gesandten ertragen hat.“

Dann sagte er zu den Anwesenden:[Tabaqat-8/277; Kanz al-Ummal-12/146; Ansab al-Aschraf-1/420; Ar-Rawd al-Unuf-4/21]

„Wenn jemand von euch sich an einer großäugigen Huri aus dem Paradies erfreuen möchte, dann möge er Umm Ruman anschauen.“

Da (Arabisch*****0) nur im Paradies sein wird, lässt sich aus dieser Aussage des Gesandten Allahs (s) verstehen, dass Umm Ruman (ra) gewiss zu den Paradiesbewohnerinnen gehören wird. Diese Aussage ist eben jene frohe Botschaft.

Über Umm Ruman (ra) wurde ein Hadith des Gesandten Allahs (s) überliefert. Imam al-Buchari (ra) hat diesen Hadith in seine Sammlung aufgenommen.

Ummu Atiyya bint al-Harith (r.a.)


Ummu Atiyya (r.a.) war eine Frau aus den Ansar. Ihr Vater hieß al-Harith. [Tahdhib al-Asma wa-l-Lughat 2/364; Tahdhib at-Tahdhib 12/455; Usud al-Ghaba 5/603] Sie war eine herausragende Sahabiya. Ummu Atiyya war ihr Beiname. Unter diesem Namen ist sie in der Geschichte bekannt. Ihr eigentlicher Name war Nusaiba bint al-Harith. [Al-Qamus al-Muhit, Stichwort „Nasab“] Es sei angemerkt, dass keine zweite Sahabiya bekannt ist, die zugleich den Namen Nusaiba und den Beinamen Ummu Atiyya trug.

Wahrscheinlich nahm sie den Islam bereits vor der Auswanderung des Gesandten Allahs (s.a.w.) nach Medina an. Daher überliefert Ummu Atiyya die Bay’a, die der Gesandte (s.a.w.) nach seiner Ankunft in Medina neben den Männern auch den Frauen abnahm, folgendermaßen:

Als der Gesandte Allahs (s.a.w.) nach Medina kam, versammelte er die Frauen der Ansar in einem Haus. Dann schickte er Umar ibn al-Khattab (r.a.) dorthin. Er stellte sich auf die andere Seite der Tür, grüßte, und die Frauen erwiderten den Gruß. Dann sagte er: „Ich bin als Vertreter des Gesandten Allahs (s.a.w.) zu euch gekommen.“ Wir sagten: „Willkommen dem Gesandten Allahs (s.a.w.) und seinem Vertreter.“ Er sagte: „Leistet den Treueid darauf, dass ihr Allah nichts beigesellt, nicht stehlt, keine Unzucht begeht, eure Kinder nicht tötet, niemanden fälschlich beschuldigt und bei keiner guten Sache ungehorsam seid.“

Wir sagten: „Ja, wir stimmen zu.“ Darauf streckte Umar (r.a.) von außerhalb der Tür seine Hand aus, und auch die Frauen im Haus streckten jeweils ihre Hände aus. (Dieses Ausstrecken der Hände war lediglich ein symbolisches Zeichen der Bay’a. Keine der Frauen berührte Umars (r.a.) Hand.) Dann sagte Umar (r.a.): „O Allah, sei Zeuge!“ Ummu Atiyya (r.a.) berichtet weiter: „Uns wurde befohlen, dass unsere menstruierenden Frauen und jungen Mädchen an den beiden Eiden zum Gebetsplatz gehen; uns wurde verboten, Begräbnissen zu folgen, und wir wurden vom Freitagsgebet befreit.“ An diesem Tag fragte Ummu Atiyya nach der Bedeutung der beiden Ausdrücke „jemanden fälschlich beschuldigen“ und „bei einer guten Sache ungehorsam sein“. [Hayat as-Sahaba 1/251–252]

Der ehrwürdige Gesandte Allahs (s.a.w.) erlaubte den Frauen, am Jihad teilzunehmen. Tatsächlich nahmen viele Frauen der Muhadschirun und Ansar, ja sogar einige Ehefrauen des Gesandten Allahs (s.a.w.), am Jihad teil. So nahm die Mutter der Gläubigen Aischa (r.a.) an den Schlachten von Uhud und Banu al-Mustaliq teil, und die Mutter der Gläubigen Umm Salama (r.a.) am Feldzug von Chaibar und an der Eroberung von Mekka.

Auf dem Schlachtfeld waren die Frauen gewöhnlich mit unterstützenden Aufgaben beschäftigt, etwa mit der Pflege der Verwundeten, dem Verabreichen von Medikamenten, der Zubereitung von Speisen und dem Austeilen von Wasser. Auch Ummu Atiyya zog mit dem Gesandten Allahs (s.a.w.) in den Krieg. Sie selbst sagte: [At-Taj al-Jami li-l-Usul 4/344; Tabaqat 8/455; al-Isaba 4/455; al-Isaba 4/455; al-Maghazi 2/685; Sirat Ibn Hischam 2/342](Arabisch*********)

„Ich nahm an sieben Kriegszügen mit dem Propheten (s.a.w.) teil. Ich blieb hinter ihnen im Zeltlager, bereitete für sie Speisen zu, verabreichte den Verwundeten Medikamente und kümmerte mich um die Kranken.“ Während des Feldzugs von Chaibar verließ Ummu Atiyya (r.a.) gemeinsam mit einer Gruppe von zwanzig Frauen ihr Haus, um den Lohn für den Jihad zu erlangen.

Hazrat Ummu Atiyya (ra) stand in enger Beziehung zur Familie des Propheten. Besonders herzlich war ihre Beziehung zu Umm al-Mu’minin Hazrat Aischa (ra). Von Zeit zu Zeit schenkte sie Hazrat Aischa (ra) Geschenke. Eines Tages kam der Gesandte (sa) zu Aischas (ra) Haus und fragte: „Hast du etwas zu essen?“ Aischa (ra) antwortete: „Nein. Allerdings war Ummu Atiyya Nusaiba etwas Fleisch von einem Sadaqa-Schaf geschickt worden, und sie hat uns wiederum etwas davon geschickt.“ Der Gesandte (sa) sagte: „Es ist an dem Ort angekommen, an den es bestimmt war.“ [Al-Isaba-4/455]

Hazrat Ummu Atiyya (ra) stand auch mit den Töchtern des ehrwürdigen Gesandten (sa) in Beziehung. Ein Beweis dafür ist, dass Ummu Atiyya (ra) Hazrat Zainab (ra) wusch, als diese zu Beginn des achten Jahres der Hidschra verstarb. Sie überlieferte den Bericht folgendermaßen: [Muwatta al-Imam Malik: al-Dschana’iz; Tabakat-8/34, 35; Usud al-Ghaba-5/603; adh-Dhahabi: Tari ch-2/520](Arabisch********)

„Als Zainab bint Rasulillah (sa) starb, sagte der Gesandte (sa): ‚Wascht sie ungerade oft, drei- oder fünfmal. Gebt beim letzten Mal Kampfer oder etwas Kampferähnliches hinzu. Informiert mich, wenn ihr mit der Waschung fertig seid.‘ Als wir mit ihrer Waschung fertig waren, gab uns der Gesandte (sa) einen seiner Lendenschurze und sagte: ‚Wickelt ihn um ihren Körper.‘“

Als Umm Kulthum (ra), eine weitere Tochter des Gesandten Allahs (sa), verstarb, wusch Ummu Atiyya (ra) auch sie. [At-Tabari: Tarich-2/192; Ibn Madschah, Hadith Nr. 1458; Tabakat-8/38; Al-Isaba-4/466] Auf diese Weise erfüllte sie während der Zeit des Gesandten Allahs (sa) lediglich ihre Pflichten.

Während der Zeit der rechtgeleiteten Kalifen zog ein Sohn von Hazrat Ummu Atiyya (ra) in irgendeinen Krieg und wurde in schwer erkranktem Zustand nach Basra gebracht. Als Mutter Ummu Atiyya (ra) davon erfuhr, eilte sie unverzüglich dorthin. Doch ihr Sohn starb einen Tag vor ihrer Ankunft. Sie bezog in Basra den Palast der Banu Chalaf und ging von dort nirgendwohin mehr. Am dritten Tag nach dem Tod ihres Sohnes ließ sie Duftstoff bringen, rieb ihn auf ihren Körper und sagte:

 (Arabisch*******)[Sahihan: at-Talaq; Tafsir al-Chazin-1/239]

„Eine Frau darf um keinen Verstorbenen außer ihrem Ehemann länger als drei Tage trauern. Um ihren Ehemann soll sie vier Monate und zehn Tage trauern.“

Sie bemühte sich, die Gebote und Verbote des Gesandten Allahs (sa) genau einzuhalten. Als das Klagen und Wehgeschrei um Verstorbene stets verboten wurde, sagte sie: „Die Angehörigen dieses und jenes Stammes kamen zu mir und beklagten sich weinend. Daher sollte auch ich im Gegenzug um einen ihrer Verstorbenen weinen gehen.“ Aufgrund dieser Äußerung nahm der Gesandte (sa) diesen Stamm vom Geltungsbereich des Verbots aus. [Sahih Muslim-1/401; Musnad-/407]

Unter den anṣārischen Frauen, die über ein außerordentlich gutes Gedächtnis verfügten, war Ummu ʿAtiyya (r.a.) eine der herausragenden. Sie behielt zahlreiche Hadithe des Gesandten Allahs (s.a.w.s.) im Gedächtnis und überlieferte sie. Imam an-Nawawī (r.h.) erwähnt, dass vierzig Hadithe des Gesandten Allahs (s.a.w.s.) über Ummu ʿAtiyya (r.a.) überliefert wurden. Sechs davon sind sowohl bei al-Buchārī als auch bei Muslim überliefert. Außerdem überlieferten beide Gelehrte jeweils einen Hadith davon nur in ihrem eigenen Werk. [Tahdhīb al-Asmāʾ wa-l-Lughāt 2/364] Ihre Hadithe sind auch in den Sunan al-Arbaʿa gesammelt.

Viele bedeutende Tābiʿūn hörten diese Hadithe von ihr und überlieferten sie, darunter auch der Gefährte Anas ibn Mālik (r.a.). Dazu gehörten beispielsweise Ḥafṣa bint Sīrīn (gest. 101 n. H.), ihr Bruder Muḥammad ibn Sīrīn, ʿAbd al-Malik ibn ʿUmair, ʿAlī ibn al-Aqmar, Ummu Schurāḥī (r.h.) und andere. [Siyar Aʿlām an-Nubalāʾ 2/318; Tahdhīb at-Tahdhīb 12/455]

Imam adh-Dhahabī zählte Ummu ʿAtiyya (r.a.) zu den gelehrten Gefährtinnen. Die Wahrheit dieser Einschätzung wird schon durch die folgende Überlieferung von ihr bestätigt. Er sagte: (arabischer Text: ********)

„Uns wurde verboten, einem Begräbniszug zu folgen. Dieses Verbot wurde jedoch nicht mit Nachdruck ausgesprochen.“ Er wollte damit sagen, dass Frauen verboten wurde, hinter dem Leichnam herzugehen. Dieses Verbot ist jedoch nicht so streng wie andere Verbote. Daher erreicht es nicht die Stufe des Ḥarām, sondern die des Makrūh. [Nisāʾ min ʿAṣr an-Nubuwwa 121, Anmerkung 1]

Ibn ʿAbd al-Barr betrachtete Ummu ʿAtiyya (r.a.) als Einwohnerin von Basra. Auch die berühmte Tābiʿiyya Ḥafṣa bint Sīrīn (r.h.) sagte dies. [Ebenda] Verschiedene historische Angaben lassen erkennen, dass sie nach ihrem Weggang aus Medina nicht mehr dorthin zurückkehrte. Sie blieb bis zu ihrem Lebensende in Basra. Sie genoss die tiefe Achtung und Liebe der in Basra lebenden Gefährten (r.a.), Tābiʿūn und einfachen Menschen. Ihre gute Beziehung zu den Ahl al-Bait, also zur Familie des Propheten, blieb ihr ganzes Leben lang bestehen. ʿAlī (r.a.) pflegte in ihrem Haus zu essen und sich auszuruhen. [aṭ-Ṭabaqāt 8/456; al-Iṣāba 4/455]

In Basra erlangte sie den Ruf einer gelehrten Gefährtin. Nachdem ihr Verständnis der Hadithe, ihr tiefes Wissen über die Bestimmungen der Scharīʿa und ihre Nähe zum Gesandten Allahs (s.a.w.s.) bekannt geworden waren, wurde sie bei Menschen aller Schichten zu einer hoch angesehenen Persönlichkeit. Da sie die beiden Töchter des Gesandten Allahs (s.a.w.s.) gewaschen hatte und darüber berichtete, kamen die in Basra lebenden Gefährten sowie hochrangige gelehrte Tābiʿūn wie Muḥammad ibn Sīrīn zu ihr, um von ihr die Regeln und Vorgehensweisen bei der Waschung eines Verstorbenen und weitere einschlägige Fragen zu lernen. [al-Istīʿāb 4/452; al-Iṣāba 4/455]

Es wird angenommen, dass sie gegen Ende des Jahres 70 nach der Hidschra in Basra verstarb. [Siyar Aʿlām an-Nubalāʾ 2/318]

Zaynab bintAbī Muʿāwiya (r.a.)


Damals war der Name Zainab in Arabien sehr verbreitet. In den Sira-Werken findet man viele Frauen mit diesem Namen. Unsere Zainab war eine jener Zainabs, die sich durch Glauben und gute Taten einen Platz in den Geschichtsbüchern erwarben. Sie war die Tochter des berühmten Stammes Thaqif. Ihr Vater war ʿAbdullah Abu Muʿawiya ibn ʿUttab. Ihr Ehemann war der berühmte Gefährte ʿAbdullah ibn Masʿud (r). [Ṭabaqāt 8/290; al-Istīʿāb 4/310; Usd al-Ghāba 5/470; Tahdhīb at-Tahdhīb 12/422]

Sie war Kunsthandwerkerin. Sie verkaufte die von ihr selbst hergestellten Dinge und bestritt damit den Lebensunterhalt ihrer Kinder und ihrer Familie. Sie nahm gemeinsam mit anderen den Islam an und leistete zusammen mit anderen Frauen dem Gesandten Allahs (s) den Treueid. Sie nahm am Feldzug von Khaybar teil. [Majmaʿ az-Zawāʾid 6/10]

Zainab (r) gehörte zu den Gefährtinnen, die die Hadithe des Gesandten Allahs (s) auswendig bewahrten und überlieferten. Von ihr sind acht Hadithe überliefert. Sie überlieferte Hadithe unmittelbar vom Gesandten (s) sowie über ihren Ehemann ʿAbdullah ibn Masʿud und ʿUmar ibn al-Khattab (r). [Nisāʾ min ʿAsr an-Nubuwwa 72] Die folgenden Personen überlieferten diese Hadithe über sie:

Abu ʿUbaida, ʿUmar ibn al-Harith, Bisr ibn Saʿid, ʿUbaid ibn Sabbak, ein Neffe von ihr, dessen Name nicht bekannt ist, und weitere Personen. [al-Isāba 4/313]

Zainab (r) überlieferte, dass der ehrwürdige Gesandte Allahs (s) den Frauen verboten hatte, beim Verlassen des Hauses irgendein Parfüm zu benutzen. Eines Tages sagte der Gesandte Allahs (s) zu ihr: „Wenn du das Haus verlässt, um das ʿIschāʾ-Gebet zu verrichten, dann berühre kein Parfüm.“ [Ṭabaqāt 8/290; al-Istīʿāb 4/310; al-Isāba 4/313]

Der Ehemann von Zainab (r), der ehrwürdige ʿAbdullah ibn Masʿud (r), war ein hochrangiger Gefährte. Er folgte den Worten und Taten des ehrwürdigen Gesandten Allahs (s) buchstabengetreu. Er konnte sich nicht einmal die geringste Abweichung vorstellen. Er bemühte sich nach Kräften, auch seine Familienangehörigen entsprechend zu erziehen. Als Ehefrau lernte Zainab (r) von ihm vieles über islamische Vorschriften und die Lebensführung.

Imam Ahmad hat eine Überlieferung von Zainab (r) zusammengestellt. Sie sagte: „Wenn ʿAbdullah (ihr Ehemann) nach der Erledigung seiner Arbeit außerhalb des Hauses nach Hause kam, blieb er an der Tür stehen, räusperte sich und hustete, damit er uns nicht in einer Lage sah, die ihm missfiel. Eines Tages kam er zurück und räusperte sich. Damals saß eine alte Frau bei mir und sprach Beschwörungen über mich, um mich von der Krankheit al-Humra zu heilen. Schnell ließ ich sie unter das Bett kriechen. Nachdem er hereingekommen war und sich neben mich gesetzt hatte, sah er, dass ein Faden von meinem Hals herabhing. Er fragte: ‚Was ist das?‘

Ich sagte: ‚Darüber wurde eine Beschwörung gesprochen und darauf geblasen.‘ Er packte ihn, zerriss ihn und machte ihn in Stücke. Dann sagte er: ‚Die Familie ʿAbdullahs ist nicht auf Schirk angewiesen. Ich hörte den Gesandten Allahs (s) sagen: Beschwörungen, Amulette und Zauberei sind Schirk.‘

Ich sagte zu ihm: Warum sagen Sie so etwas? Einst trat etwas aus meinem Auge aus, und ich ging zu einem bestimmten Juden. Wenn er in mein Auge einen Zauber sprach und hineinblies, wurde es geheilt.

Er sagte: Das ist das Werk des Satans. Er stach mit seiner Hand in dein Auge. Wenn er den Zauberspruch sprach und hineinblies, hörte der Satan auf zu stechen. Für dich genügt das, was der Prophet (s.a.w.s.) gesagt hat: (Arabisch****************)

„O Herr der Menschen! Nimm dieses Leid von mir. Du bist der Heiler, so heile mich. Es gibt keine Heilung außer Deiner Heilung. Gewähre eine Heilung, nach der keine Krankheit zurückbleibt.[Buchari; At-Tibb, Kapitel über das Ruqya-Gebet des Propheten; Muslim: Kapitel über das Ruqya-Gebet für den Kranken; Abu Dawud (3883); Ibn Madscha (3530); Tafsir Ibn Kathir 4/494]

Islamische Fiqh-Gelehrte sagen: Wenn für die Ehefrau die Zakat verpflichtend ist, sollte sie ihrem Ehemann Zakat geben. Denn nicht die Ehefrau, sondern der Ehemann trägt die Verantwortung für den Unterhalt der Familie. Gibt sie daher das Zakat-Geld ihrem Ehemann statt einer anderen Person, wird sie größeren Lohn erlangen.

Ein solches Ereignis geschah auch mit der verehrten Zainab (r.a.). Eines Tages hörte sie den Gesandten Allahs (s.a.w.s.) eine Ansprache halten, in der er die Frauen dazu ermunterte, Sadaqa zu geben und Allahs Nähe zu erlangen. Als sie nach Hause zurückkehrte, sammelte sie all ihren Schmuck zusammen, um ihn zu spenden. Ihr Ehemann, ‘Abdullah ibn Mas‘ud (r.a.), fragte: Wohin gehst du mit diesem Schmuck?

Sie sagte: Damit möchte ich Allahs und Seines Gesandten (s.a.w.s.) Wohlgefallen und Nähe erlangen.

Er sagte: Gib ihn mir und meinen Söhnen und Töchtern. Ich bin dessen würdig.[Hilyat al-Auliyā wa-Ṭabaqāt al-Aṣfiyā 2/69]

Die folgende Begebenheit überlieferte Imam Buchari über die Überlieferung von Abu Sa‘id al-Chudri (r.a.) folgendermaßen:

Zainab, die Ehefrau von Ibn Masʿud, sagte: O Gesandter Allahs! Du hast heute zur Sadaqa aufgefordert. Ich besitze etwas Schmuck und möchte ihn als Sadaqa geben. Ibn Masʿud (mein Ehemann) meint jedoch, dass er und sein Sohn gegenüber anderen eher berechtigt sind, davon zu profitieren. Der Prophet (s) sagte: Ibn Masʿud hat recht. Dein Ehemann und dein Sohn sind gegenüber anderen eher berechtigt, von deiner Sadaqa zu profitieren.

Der Vorfall wurde auch von ʿAmr ibn al-Harith folgendermaßen überliefert:

Zainab, die Ehefrau von ʿAbdullah ibn Masʿud (r), sagte: Der Gesandte Allahs (s) sagte:(Arabisch************)

„O Frauen! Gebt Sadaqa, sei es auch euer Schmuck.“

Zainab sagte: Als ich dies hörte, kehrte ich zu ʿAbdullah zurück. Ich sagte zu ihm: Du bist ein wenig bemittelter Mann. Der Gesandte Allahs (s) hat uns Frauen zur Sadaqa aufgefordert. Geh zu ihm und frage, ob es dir erlaubt ist, Sadaqa zu geben. Falls es nicht erlaubt ist, werde ich sie anderen geben.

Ich ging hin. Ich sah, dass eine weitere ansarische Frau an der Tür des Gesandten Allahs (s) stand. Es sei angemerkt, dass auch diese Frau Zainab hieß und die Ehefrau von Abu Masʿud al-Ansari war. Ihr Anliegen war dasselbe wie meines. Bilal (r) kam von innen heraus. Wir sagten zu ihm: Geh bitte zum Gesandten Allahs (s) und sage ihm, dass zwei Frauen, die an der Tür stehen, wissen möchten, ob es erlaubt ist, ihrem Ehemann und ihren kleinen Kindern Sadaqa zu geben. Sage ihm nicht, wer wir sind.

Bilal (r) ging zum Gesandten Allahs (s) und fragte ihn nach der Angelegenheit. Doch der Gesandte Allahs (s) fragte: Wer sind sie? Bilal (r) sagte: Eine ansarische Frau und Zainab.

Der Gesandte (s) fragte erneut: Welche Zainab? Bilal sagte: Die Ehefrau von ʿAbdullah ibn Masʿud. Der Gesandte Allahs (s) sagte: Sie werden zwei Belohnungen erhalten: die Belohnung für die Verwandtschaftspflege und die für die Sadaqa.[Buchari: az-Zakat, Kapitel über die Zakat für Verwandte; Muslim: az-Zakat, Kapitel über den Vorzug der Ausgaben für nahe Verwandte, Ehefrauen und Kinder; Usud al-Gaba 5/470–471; al-Isaba 4/313]

Der Ehemann der verehrten Zainab (r.a.), der verehrte ʿAbdullah ibn Masʿud (r.a.), verstarb im Jahre 32 nach der Hidschra. In seinem letzten Zustand hinterließ er zugunsten von az-Zubair ibn al-ʿAwwam und ʿAbdullah ibn az-Zubair (r.a.) ein Testament, in dem er ihnen eine gewisse Befugnis übertrug, für seine Frau und seine Töchter zu sorgen sowie Entscheidungen über ihre Heiraten zu treffen. [at-Tabakāt 3/159] Es liegen keine eindeutigen Informationen darüber vor, wann und wo die verehrte Zainab (r.a.) verstarb. Es wird jedoch angenommen, dass sie nach dem Tod ihres Ehemannes noch einige Zeit lebte und gegen Ende des rechtgeleiteten Kalifats verstarb. [Nisāʾ min ʿasr an-nubuwwa, S. 76]

ar-Rubaiyya bint Muʿawwidh (r.a.)


ar-Rubaiyya war eine Tochter aus der Familie der ʿAdī ibn an-Najjār in Medina. Ihre Familie gehörte zu jenen Ansar-Familien, die eine herausragende Rolle im Dienst des Islam spielten. In der Anfangszeit leistete diese Familie einen ruhmreichen Beitrag zum Dienst am Gesandten Allahs (s.a.w.), am Islam und an den aus Mekka eingewanderten Muslimen. Ihr großartiger Vater war Muʿawwidh; ihre Brüder waren Iyās, ʿĀqil, Chālid und ʿĀmir. Ihre Mutter war ʿAfraʾ bint ʿUbaid al-Ansāriyya an-Najjāriyya (r.a.). Der Vater ihrer ersten drei Kinder war al-Hārith ibn Rifāʿa an-Najjārī. Doch sie waren unter dem Namen ihrer Mutter ʿAfraʾ (r.a.) bekannter als unter dem Namen ihres Vaters. In der Geschichte sind sie(Arabisch***********)als „die Söhne ʿAfraʾs“ bekannt. Der Vater der übrigen vier war al-Bukair ibn ʿAbd Yalīl al-Laithī. Alle sieben Söhne ʿAfraʾs (r.a.) nahmen gemeinsam mit dem edlen Gesandten (s.a.w.) an der Schlacht von Badr, dem ersten Krieg des Islam, teil. Unter den sechs Männern aus Medina, die nach Mekka gingen, dort als Erste heimlich den Gesandten Allahs (s.a.w.) trafen und den Islam annahmen, war auch ʿAuf, der Onkel der Rubaiyya. Er war ebenfalls ein ʿAqabī, das heißt, ein Teilnehmer an den beiden Treueiden von al-ʿAqaba. Sein Vater Muʿawwidh und sein anderer Onkel Muʿādh (r.a.) nahmen am ersten Treueid von al-ʿAqaba teil.

Ihre Großmutter ʿAfraʾ bint ʿUbaid nahm in der Anfangszeit, als die Botschaft des Islam Medina erreichte, den Islam an. Nach der Ankunft des Gesandten Allahs (s.a.w.) in Medina leistete auch sie gemeinsam mit den anderen Frauen der Ansar den Treueid. Ihre sieben Söhne nahmen unter dem Banner des Gesandten Allahs (s.a.w.) an der Schlacht von Badr teil, und zwei von ihnen erlitten den Märtyrertod. Gibt es unter den muslimischen Frauen noch eine zweite, die ein solches Glück besaß wie sie? Die Mutter von ar-Rubaiyya, Ummu Yazīd bint Qais, war ebenfalls eine Tochter des Stammes ʿAdī ibn an-Najjār in Medina.

Abū Dschahl, der als der Pharao dieser Umma bezeichnet wurde, wurde in Badr von den beiden Söhnen ʿAfraʾs getötet, und der Gesandte Allahs (s.a.w.) sprach für sie ein segensreiches Bittgebet: [Ansāb al-aschrāf 1/299; Ahmad Zainī Dahlān, as-Sīra an-nabawiyya 1/389](Arabisch******)

„Möge Allah den beiden Söhnen ʿAfraʾs Barmherzigkeit und Gnade erweisen, die an der Tötung des Pharaos dieser Umma, Abū Dschahls, beteiligt waren.“

Die Mutter von ar-Rubaiyya, Ummu Yazīd bint Qais, war eine Tochter des Stammes an-Najjār in Medina. Ihre Schwester war Furaiʿa bint Muʿawwidh. Auch sie war eine hochrangige Sahābiyya. Weil ihre Bittgebete bei Allah außerordentlich erhört wurden,(Arabisch******) nannte man sie „Mujābatud-duʿāʾ“. [al-Istīʿāb 4/375]

Wie bereits erwähnt, waren die Väter und Onkel von ar-Rubaiyya heldenhafte Kämpfer in der Schlacht von Badr. An jenem Tag legten sie durch ihren Einsatz ihres Lebens den Grundstein für die späteren Siege des Islam. An diesem Tag trat der heldenhafte Kämpfer der Quraisch, Abū al-Walīd ʿUtba ibn Rabīʿa, gemeinsam mit seinem Bruder Schaiba und seinem Sohn al-Walīd ibn ʿUtba aus dem Heer der Götzendiener hervor, ging auf das muslimische Heer zu und forderte es zum Zweikampf heraus. Sofort gingen die drei Söhne ʿAfraʾs, Muʿawwidh, Muʿādh und ʿAuf, bewaffnet auf sie zu. Sie fragten: „Wer seid ihr?“ Sie antworteten: „Wir gehören zu den Ansar.“ Darauf sagten sie: „Wir wollen nicht gegen euch kämpfen.“ Der Gesandte (s.a.w.) befahl ihnen, zurückzukehren, und ordnete ihren Stammesgenossen Hamza, ʿAlī und ʿUbaida (r.a.) an, vorzutreten. Sie gingen vor und griffen gemeinsam an, worauf sie diesem Teufel den Kopf vom Körper trennten.

Die Angehörigen der Familie von ar-Rubaiyya wussten, dass Abu Dschahl, der Pharao dieser Umma, das größte Hindernis für die Verkündung und Festigung des Islams war. Er war von so niederträchtigem Charakter, dass er den Gesandten Allahs quälte und beschimpfte. Er misshandelte die schwachen Muslime und tötete sie. Deshalb fassten ar-Rubaiyyas Vater Mu’awwidh und ihr Onkel Mu’adh (r.a.) den Entschluss, diesen Schurken zu töten, sobald sie ihn zu fassen bekämen. Sie gelobten, ihn entweder zu töten oder selbst als Märtyrer zu fallen. Die ersehnte Gelegenheit kam. Die sieben Brüder zogen in die Schlacht von Badr. Was danach geschah, schilderte der berühmte Muhadschir-Gefährte Hazrat Abdurrahman ibn Auf (r.a.) auf eindrucksvolle Weise. Er sagte:³[Sahih al-Bukhari: Fi Fard al-Chumus (3141), Fi al-Maghazi (3964, 3988); Muslim: Fi al-Dschihad (1752); Siyar a’lam an-nubala-1/250; Banat as-sahaba-66](Arabisch*******)

„Am Tag von Badr stand ich in der Reihe und blickte nach rechts und links. Da sah ich zu meiner Rechten und Linken zwei junge Männer von geringem Alter. Ihre Anwesenheit gab mir keineswegs ein Gefühl von Sicherheit für mich selbst. Da flüsterte mir einer von ihnen, so leise, dass sein anderer Gefährte es nicht hören konnte, zu: Onkel! Zeig mir bitte Abu Dschahl. Ich fragte: Neffe, was willst du mit ihm? Er antwortete: Ich habe Allah ein Versprechen gegeben: Wenn ich ihn sehe, werde ich ihn entweder töten oder selbst getötet werden. Der andere sagte mir auf dieselbe Weise dasselbe.“

Abdurrahman ibn Auf sagte: „Wie glücklich war ich damals, dass ich zwischen den beiden stehen konnte! Ich deutete mit der Hand auf Abu Dschahl und zeigte ihn ihnen. Sofort stürzten sie sich wie zwei Falken auf Abu Dschahl und töteten ihn. Es waren die beiden Söhne von Afra.“

Nach der Tötung Abu Dschahls stürzten sie sich mit heldenhaftem Mut auf den Feind. In dieser Schlacht von Badr erlitt auch ar-Rubaiyyas ehrenwerter Vater Mu’awwidh (r.a.) den Märtyrertod.[Al-Istibsar-66] Als der Gesandte (s.a.w.) über die Tötung Abu Dschahls befragt wurde, fragte man ihn: Wer war außer den beiden noch an seiner Tötung beteiligt? Er antwortete: Die Engel; und Abdullah ibn Mas’ud versetzte ihm den letzten Schlag. Nach der Tötung Abu Dschahls sagte der Gesandte (s.a.w.): Kann jemand nachsehen, wie es Abu Dschahl ergangen ist? Ibn Mas’ud (r.a.) sagte: O Gesandter Allahs, ich gehe. Er ging hin und sah, dass die beiden Söhne von Afra ihm solche Schläge versetzt hatten, dass er völlig reglos geworden war.[Uyun al-athar-1/315; as-Sira al-Halabiyya-2/433]

Ar-Rubaiyya (r.a.) nahm noch vor der Auswanderung des ehrwürdigen Gesandten (s.a.w.) nach Medina den Islam an. Damals war sie noch ein junges Mädchen. Der Gesandte (s.a.w.) kam von Makka nach Kuba und nahm dort Quartier. Nachdem er dort drei Tage verweilt hatte, begab er sich in Richtung des Zentrums von Medina und wohnte im Haus von Hazrat Abu Ayyub al-Ansari (r.a.) neben der Prophetenmoschee. Bei seiner gesegneten Ankunft tanzte und sang ganz Medina vor Freude und hieß ihn willkommen. Eine Zeile ihres Begrüßungsliedes lautete:

(Arabisch*****)

„Wir sind die jungen Männer und Mädchen der Banu an-Nadschdschار. Wie herrlich! Muhammad ist unser Nachbar.“

Der Gesandte (s.a.w.) wandte sich an sie und sagte: „Liebt ihr mich?“ Sie antworteten: „Ja.“ Er sagte: „Allah weiß, dass mein Herz euch liebt.“ Viele Gelehrte sagen, dass auch ar-Rubaiyya unter diesen jungen Männern und Mädchen war.[Nisa min asr an-nubuwwa-150,151] Mit zunehmendem Alter band sie sich auf vielfältige Weise in den Kampf für den Gesandten (s.a.w.) und für die Verkündung und Festigung des Islams ein. In verschiedenen Situationen ist sie anwesend zu sehen. Wegen der beispiellosen Opfer, die diese Familie für den Islam erbrachte, betrachtete der Gesandte (s.a.w.) ihre Mitglieder mit besonderer Wertschätzung. Sie erkundigten sich stets nach den Wünschen und Abneigungen sowie dem Wohlergehen und den Bedürfnissen des ehrwürdigen Gesandten (s.a.w.). Der Gesandte (s.a.w.) aß gern frische Datteln zusammen mit jungen Gurken. Ar-Rubaiyya berichtet: Mein Vater Mu’awwidh ibn Afra (r.a.) schickte mich mit einer Schale zum Gesandten Allahs (s.a.w.). Darin befand sich ein Sa’ frischer Datteln, auf die einige junge Gurken gelegt worden waren. Er mochte Gurken. Zu jener Zeit waren aus Bahrain einige Schmuckstücke zum Gesandten (s.a.w.) gekommen. Er nahm eine Handvoll davon und gab sie mir. In einer anderen Überlieferung ist von Gold die Rede. Dann sagte er: „Schmücke dich damit.“ Oder er sagte: „Lass dir daraus Schmuck anfertigen und trage ihn.“[Bukhari, Fi al-At’ima-9/495; Muslim, Fi al-Aschriba (2043); Tirmidhi (1845) und Ibn Madscha (3325), Fi al-At’ima; Madschma’ az-zawa’id li-l-Haythami-9/13]

Als sie das heiratsfähige Alter erreichte, heiratete sie den berühmten muhāǧirischen Gefährten Ibn al-Bukayr al-Laythī, und aus dieser Ehe wurde ihr Sohn Muhammad ibn Iyās geboren. Die besondere Bedeutung und Würde dieser Heirat bestand darin, dass der Gesandte (s.a.) am Morgen des Hochzeitstages zu ihrem Haus kam und sich auf ihr Bett setzte. Im späteren Leben erzählte ar-Rubayyiʿ (r.a.) dies mit großem Stolz folgendermaßen: [Buchārī, Fī an-Nikāḥ (5147); Fī al-Maġāzī (4001); Tirmiḏī 1090; Ṭabaqāt 8/328; Tahḏīb al-Asmāʾ wa-l-Luġāt 2/609](Arabisch******)

„Am Morgen meines Hochzeitstages kam der Gesandte Allahs (s.a.) zu unserem Haus, betrat mein Zimmer und setzte sich auf das Bett. Unsere kleinen Mädchen schlugen die Rahmentrommel und sangen Loblieder auf meine Väter und Onkel, die in der Schlacht von Badr gefallen waren. Eine von ihnen sang: ‚Unter uns ist ein Prophet, der weiß, was die Zukunft bringt.‘ Da sagte der Gesandte (s.a.) zu ihr: ‚Lass das. Sag vielmehr, was du zuvor gesagt hast.‘ In einer anderen Überlieferung heißt es:

„Sag das nicht. Sag vielmehr, was du zuvor gesagt hast.“ Er sagte dies im Grunde, um davon abzuhalten, ihm Wissen über das Verborgene und die Zukunft zuzuschreiben.

Imam aḏ-Ḏahabī schilderte dieses Ereignis folgendermaßen: [Siyar Aʿlām an-Nubalāʾ 3/198](Arabisch*******)

„Der Prophet (s.a.) besuchte sie am Morgen ihres Hochzeitstages aufgrund der verwandtschaftlichen Beziehung zu ihr.“

Die Anwesenheit des Gesandten Allahs (s.a.) am Hochzeitstag ar-Rubayyiʿs diente vermutlich dazu, ihr und ihrer Familie Ehre zu erweisen. Denn die Opfer und Aufwendungen, die diese Familie für den Islam erbracht hatte, konnte der Gesandte (s.a.) nicht außer Acht lassen. Diese Familie hatte für den Islam ihr Vermögen eingesetzt, gegen die Feinde gekämpft und sogar ihr Leben geopfert. Wie hätte der Gesandte (s.a.) also am Freudentag dieses vaterlosen Mädchens fernbleiben können, dessen Vater Abū Ǧahl getötet hatte und der bei Badr den Märtyrertod erlitten hatte?

Auf dem Schlachtfeld hatte ar-Rubayyiʿs Vater durch seine Teilnahme an der Schlacht von Badr den Dschihad begonnen; als seine Tochter setzte sie diese Tradition fort. Das Blut ihres Vaters floss durch ihre Adern. Daher besaß sie einen unbezähmbaren Drang, am Dschihad teilzunehmen. Sie erkannte die grenzenlose Bedeutung des Dschihad vollständig. Deshalb nahm sie zur Erlangung des Wohlgefallens Allahs an mehreren Feldzügen mit dem Gesandten Allahs (s.a.) teil. Ibn Kaṯīr (r.h.) sagte: Sie zog mit dem Gesandten Allahs (s.a.) in den Dschihad. Sie versorgte die Verwundeten mit Medizin und gab den Verletzten Wasser. Sie selbst sagte: [Ṣifat aṣ-Ṣafwa 2/71; at-Tāǧ al-Ǧāmiʿ li-l-Uṣūl 4/344](Arabisch******)

„Wir zogen mit dem Gesandten Allahs (s.a.) in den Dschihad. Wir gaben den Mudschahedin Wasser, versorgten sie und brachten die Verwundeten und Gefallenen nach Medina.“

Im Monat Dhu l-Qaʿda des 6. Jahres nach der Hidschra war auch sie unter den vierzehnhundert Mujāhidūn, die an dem in Hudaybiyya mit den Götzendienern von Mekka geschlossenen Friedensvertrag des Gesandten Allahs (s.a.w.) beteiligt waren. Dort leistete auch sie den Treueid in der Hand des Gesandten Allahs (s.a.w.), durch den sie sich verpflichteten, im Kampf gegen die Götzendiener ihr Leben einzusetzen. Dieser Treueid wird Baiʿat ar-Riḍwān und auch Baiʿat asch-Schadschar genannt. In der Geschichte des Islam kommt diesem Treueid eine außerordentliche Bedeutung zu. Aus den Worten des Qurʾān und der Hadithe geht eindeutig hervor, dass Allah, der Herr der Welten, und Sein Gesandter (s.a.w.) diesen Treueid sehr geschätzt haben. So sagt Allah: [Sure al-Fath, 10](Arabisch*******)

„Wahrlich, diejenigen, die dir den Treueid leisten, leisten in Wirklichkeit Allah den Treueid. Allahs Hand ist über ihren Händen. Wer danach den Eid bricht, der bricht ihn nur zu seinem eigenen Schaden; und wer den Bund, den er mit Allah geschlossen hat, erfüllt, dem wird Er gewiss eine gewaltige Belohnung geben.“

In diesem Vers wird das Leisten des Treueids, indem man dem Gesandten Allahs (s.a.w.) die Hand reicht, dem Leisten des Treueids, indem man Allah die Hand reicht, gleichgesetzt. Daraus wird die außerordentliche Bedeutung dieses Treueids ersichtlich.

Der ehrwürdige Gesandte (s.a.w.) sagte über die Bedeutung dieses Treueids: [Muslim (2496); Ṭabaqāt, 2/100–101](Arabisch******)

„Keiner von denen, die unter dem Baum den Treueid leisteten, wird die Hölle betreten.“

An jenem Tag sagte der Gesandte (s.a.w.) zu denjenigen, die den Treueid geleistet hatten: [Buchārī: Kapitel über den Feldzug zur Eroberung](Arabisch*****)

„Heute seid ihr die besten Menschen unter den Bewohnern der Erde.“

Eine freimütige Frau

Der Stolz ar-Rubayyiʿus (ra) auf ihren erhabenen Vater, den Mörder Abū Dschahls, kannte keine Grenzen. Dies wird durch ein Erlebnis belegt, das sie mit Asmāʾ bint Makhrama, der Mutter Abū Dschahls, hatte. Ar-Rubayyiʿu berichtet:

Eines Tages, während des Kalifats von ʿUmar ibn al-Chattāb (ra), ging ich mit einigen Frauen aus den Ansār zu Asmāʾ bint Makhrama, der Mutter Abū Dschahls. ʿAbdullāh ibn Abī Rabīʿa, der Halbbruder Abū Dschahls mütterlicherseits, war ihr anderer Sohn. Er schickte seiner Mutter Asmāʾ Parfüm aus dem Jemen nach Medina, und sie verkaufte es. Auch wir kauften bei ihr Parfüm. An jenem Tag füllte sie Parfüm in mein Fläschchen und wog es ab, wie sie auch das Parfüm meiner Begleiterinnen gewogen hatte. Dann sagte sie: „Wie viel schuldet jede von euch? Lasst es aufschreiben.“ Ich sagte: „Schreibt die Schuld von ar-Rubayyiʿu bint Muʿāwidh auf.“

Sobald Asmāʾ meinen Namen hörte, rief sie aus:(Arabisch***)– Halaka. Das Wort enthält einen Fluch; es bedeutet: „Mögest du an einer Halskrankheit sterben.“ Dann sagte sie: „Bist du die Tochter des Mörders des Anführers der Quraisch?“

Ich sagte: „Nicht des Anführers, sondern die Tochter des Mörders seines Sklaven.“

Sie sagte: „Bei Allah, ich werde dir nichts verkaufen.“

Auch ich sagte: „Bei Allah, ich werde auch nie wieder etwas bei dir kaufen. Dein Parfüm hat keinen Wohlgeruch.“ Einer anderen Überlieferung zufolge sagte sie auch: „Außer deinem Parfüm habe ich in keinem anderen Parfüm einen fauligen Geruch wahrgenommen.“ Nachdem ich dies gesagt hatte, stand ich auf und ging. Tatsächlich hatte ich dies aus Erregung gesagt. Im Grunde hatte ich niemals ein wohlriechenderes Parfüm als ihres gerochen. [Al-Maghāzī li-l-Wāqidī 1/89; Ṭabaqāt 8/300–301; Ansāb al-Aschrāf 1/298; Siyar aʿlām an-nubalāʾ 3/199]

Hadith-Überlieferung

Ihr starkes Interesse galt nicht nur der Teilnahme am Dschihād; ebenso sehr war sie daran interessiert, verschiedene Angelegenheiten der Scharīʿa kennenzulernen, die Aussagen des Gesandten Allahs (s) zu hören und sein Verhalten zu beobachten. Zu diesem Zweck besuchte sie häufig die Mutter der Gläubigen, ʿĀʾischa (ra). Daher sind von ihr etliche Eigenschaften und Besonderheiten des Gesandten Allahs (s) überliefert. Imam adh-Dhahabī sagte: Sie genoss die Begleitung des Gesandten Allahs (s) und überlieferte ebenso seine Hadithe. Von ihr sind 21 Hadithe des Gesandten Allahs (s) überliefert worden. Diese Hadithe wurden in den Sammlungen der Ṣaḥīḥ- und Sunan-Werke aufgenommen. Einer davon ist muttafaq ʿalayhi. [Jawāmiʿ as-Sīra an-nabawiyya 282; Banāt as-Saḥāba 167–168]

Viele hochrangige gelehrte Tābiʿūn hörten bei ihr Hadithe und überlieferten sie auch von ihr. Einige dieser berühmten Tābiʿūn waren:

Sulaymān ibn Yasār und Abū Salama ibn ʿAbd ar-Raḥmān. Diese beiden gehörten zu den sieben herausragenden gelehrten Tābiʿūn der ersten Generation. Außerdem gehörten dazu Abū ʿUbayda Muḥammad ibn ʿAmmār ibn Yāsir, Nāfiʿ, der freigelassene Sklave von Ibn ʿUmar (r.a.), ʿUbāda ibn al-Walīd ibn ʿUbāda ibn aṣ-Ṣāmit (r.a.), Khālid ibn Dhakwān, ʿAbdullāh ibn Muḥammad ibn ʿAqīl, ʿĀʾischa bint Anas ibn Mālik und andere. [Al-Istīʿāb 4/302; Tahdhīb at-Tahdhīb 12/418; Siyar aʿlām an-nubalāʾ 3/198]

Die ehrenwerten Gefährten (r.a.) haben viele wunderbare Beschreibungen vom Glanz und der Schönheit des Antlitzes des edlen Gesandten Allahs (s.a.w.) überliefert. In manchen ihrer Überlieferungen bezaubern einzelne Sätze den Leser und Zuhörer durch ihre unvergleichliche Ausdruckskunst. So etwa ein Satz von Abū Huraira (r.a.): [Musnad Aḥmad 2/350, 380; Banāt aṣ-ṣaḥāba 166;](Arabisch*****)

„Ich habe niemals etwas Schöneres gesehen als den Gesandten Allahs (s.a.w.). Es war, als würde die Sonne aufgehen.“ Um die Schönheit des Antlitzes des Gesandten Allahs (s.a.w.) zu beschreiben, sagte er: [Dalāʾil an-nubuwwa li-l-Bayhaqī 1/200; Usud al-ghāba 5/455;](Arabisch****)

„Mein Sohn, wenn du ihn gesehen hättest, würdest du gesagt haben: Die Sonne geht auf.“ Wahrlich, dies ist eine wunderbare Beschreibung.

Einmal vollzog der Gesandte Allahs (s.a.w.) in ar-Rubayyiʿs Haus die Gebetswaschung. ar-Rubayyiʿ (r.a.) beobachtete, wie er die Gebetswaschung vollzog. Später pflegte sie davon zu berichten. Viele Menschen kamen zu ihr, um diesen Bericht zu hören. Einmal kam ʿAbdullāh ibn ʿAbbās (r.a.) zu ihr und bat sie, die Art und Weise der Gebetswaschung des Gesandten Allahs (s.a.w.) zu beschreiben. [Tafsīr al-Qurṭubī 6/89] Ihre Überlieferung wurde in verschiedenen Hadith-Werken aufgenommen. [Abū Dāwūd: Fī aṭ-ṭahāra – Bāb ṣifati wuḍūʾi n-nabiyy (s.a.w.); at-Tirmidhī: Aṭ-ṭahāra (33); Ibn Māǧa (418)]

So natürlich, wie es für einen Mann und eine Frau auf dieser Welt ist, als Ehepaar zu leben, so natürlich sind in diesem Leben auch Missverständnisse, Streit und Trennung. Auch im Leben von ar-Rubayyiʿ (r.a.) geschah dies. Nachdem sie lange mit ihrem Ehemann Yās ibn al-Bukayr zusammengelebt hatte, entstand zwischen ihnen ein solcher Konflikt, dass ein weiteres Zusammenleben auf keine Weise mehr möglich war. Sie schilderte die Angelegenheit folgendermaßen: „Eines Tages kam es zwischen mir und meinem Cousin, also meinem Ehemann, zu einem Streit. Ich sagte zu ihm: Nimm alles, was ich besitze, und trenne dich von mir. Er sagte: Gut, genau das habe ich getan. ar-Rubayyiʿ (r.a.) berichtet: Bei Allah! Er nahm alles von mir, sogar das Bett. Ich ging zu ʿUthmān (r.a.) und erzählte ihm alles. Er befand sich damals in Belagerung. Er sagte: Die Bedingungen müssen erfüllt werden. Zu Yās gewandt sagte er: Du könntest von ihr alles nehmen, was sie besitzt, sogar das Haarband. [Al-Iṣāba 4/294; Siyar aʿlām an-nubalāʾ 3/300] Diese Trennung ereignete sich im Jahr 35 nach der Hidschra.

Es ist bekannt, dass Ḥaḍrat ar-Rubayyiʿ (r.a.) ein langes Leben hatte. Das genaue Jahr ihres Todes ist jedoch nicht bekannt. Imām adh-Dhahabī (r.h.) sagte, dass sie nach dem Jahr 70 nach der Hidschra, während der Herrschaft von ʿAbd al-Malik ibn Marwān, starb. [Siyar aʿlām an-nubalāʾ 3/300] Eine Quelle erwähnt allerdings, dass sie im Jahr 45 nach der Hidschra starb. ʿAllāma az-Ziriklī sagte, dass sie bis zur Regierungszeit von Ḥaḍrat Muʿāwiya (r.a.) lebte. [Al-Aʿlām 3/39]

Hind bint ʿUtba


Hind war die Tochter von ʿUtba ibn Rabīʿa ibn ʿAbd Manāf ibn ʿAbd Schams. Ihre Mutter war Safiyya bint Umayya ibn Hāritha as-Sulamiyya. Sie stammte aus der vornehmen Quraisch-Familie von Mekka. [Ṭabaqāt-8/235; Tahḏīb al-Asmāʾ wa-l-Luġāt-2/35; al-Iṣāba fī Tamyīz aṣ-Ṣaḥāba-4/409] Sie war eine der Frauen, die sowohl im vorislamischen als auch im islamischen Arabien Berühmtheit erlangten. Ihre größte Bekanntheit besteht darin, dass sie die ruhmreiche Mutter des geehrten Muʿāwiya ibn Abī Sufyān (möge Allah mit ihm zufrieden sein), des Begründers des umayyadischen Kalifats, war.

Hinds erste Ehe wurde mit dem jungen Quraischiten al-Fākih ibn al-Muġīra al-Maḫzūmī geschlossen, doch diese Ehe hatte keinen Bestand. Sie wurde geschieden. Hinter dieser Scheidung verbirgt sich eine erstaunliche Geschichte, die in den alten Quellen der arabischen Literatur überliefert ist. Die Begebenheit war folgende:

Hind heiratete al-Fākih ibn al-Muġīra, einen jungen Mann aus dem al-Maḫzūm-Zweig des mekkanischen Stammes Quraisch. Er war gastfreundlich. Für die Unterbringung seiner Gäste besaß er ein Gästehaus. Fremde gingen dort ständig ein und aus, ohne um Erlaubnis zu bitten. Eines Tages machte al-Fākih dort mit seiner Frau Hind eine Mittagsruhe. Nach einiger Zeit verließ er den Raum, während Hind schlief. In diesem Augenblick kam ein Besucher. Als er eine Frau schlafend vorfand, kehrte er bereits von der Tür aus um. Auf dem Rückweg begegnete der Mann al-Fākih, der Verdacht schöpfte. Er betrat den Raum und fragte Hind: „Wer war der Mann, der gerade von dir herauskam?“ Hind sagte: „Ich weiß von nichts. Ich habe niemanden gesehen.“ Al-Fākih glaubte ihr nicht. Er forderte Hind auf, in das Haus ihres Vaters zurückzukehren. Die Angelegenheit wurde unter den Leuten bekannt. Hinds Vater ʿUtba sagte zu seiner Tochter: „Erzähle mir die Wahrheit über deine Angelegenheit. Wenn al-Fākihs Aussage wahr ist, werde ich ihn durch einen gedungenen Mörder töten lassen. Dadurch wird dein schlechter Ruf für immer beseitigt sein. Sollte er jedoch ein Lügner sein, werde ich ihn vor einen berühmten Kāhin im Jemen bringen.“ Hind sagte: „Vater, er ist ein Lügner.“

ʿUtba ging zu al-Fākih und sagte zu ihm: „Du hast meine Tochter schwer verleumdet. Entweder wirst du die Wahrheit offenlegen, oder du musst mit uns zum Kāhin im Jemen gehen, damit er zwischen uns richtet.“ Er sagte: „Gut, so soll es sein.“ So brach al-Fākih mit einer Gruppe von Männern und Frauen aus den Banū Maḫzūm von Mekka in Richtung Jemen auf, und ebenso brach ʿUtba mit einer Gruppe von Männern und Frauen aus den Banū ʿAbd Manāf auf.

Als sie sich dem Haus des Kāhin näherten, veränderte sich Hinds Gesichtsausdruck, und sie wurde bedrückt. Als ihr Vater dies bemerkte, sagte er zu ihr: „Als wir Mekka verließen, sah dein Gesicht doch nicht so aus.“ Sie sagte: „Vater! Mein Gesicht sieht nicht deshalb so aus, weil ich etwas Schlechtes getan hätte. Vielmehr mache ich mir Gedanken: Derjenige, zu dem ihr geht, ist doch nur ein Mensch. Er kann sowohl richtig als auch falsch urteilen. Vielleicht beschuldigt er mich, und diese Beschuldigung wird dann für immer von Mund zu Mund unter den Arabern weitergetragen.“ Ihr Vater sagte: „Du hast recht.“

Schließlich kamen sie zum Kāhin. Die Frauen stellten sich in einer Reihe auf. Der Kāhin ging zu jeder Einzelnen, legte ihr die Hand auf den Kopf und sagte: „Geh! Verrichte dein Werk.“ Schließlich ging er zu Hind, legte ihr die Hand auf den Kopf und sagte:(Arabisch****)

„Geh! Du hast keine Unzucht begangen und bist auch keine Ehebrecherin. In Zukunft wirst du einen König gebären, dessen Name Muʿāwiya sein wird.“

Als Hind aus dem Haus des Wahrsagers herauskam, ergriff al-Fakih ihre Hand. Doch Hind entzog sie ihm mit aller Kraft und sagte zu al-Fakih: „Bei Allah! Ich wünsche, dass das Kind, das ich in meinem Schoß tragen werde, von einem anderen Mann gezeugt wird.“ Danach heiratete Abu Sufyan sie und wurde der Vater von Muʿawiya.

Es wird berichtet, dass Hind, nachdem sie sich von al-Fakih getrennt hatte, zu ihrem Vater sagte: „Vater! Du hast mich ohne meine Zustimmung mit diesem Mann verheiratet. Dann kam es, wie es kommen musste. Verheirate mich nun mit niemandem, ohne mir zuvor die Wesenszüge eines Mannes ausführlich zu schildern.“ Daraufhin brachten Suhail ibn ʿAmr und Abu Sufyan ibn Harb den Heiratsantrag folgendermaßen vor:(Arabisch*****)

„O Hind, du Frauengeschlecht! Abu Sufyan, der Sohn von Suhail und Harb, ist zu dir gekommen. Sie beide hegen Zuneigung zu dir und sind mit dir zufrieden.

Durch ihre Gunst und ihr Wohlwollen kann man ein Leben führen. Sie können sowohl schaden als auch nützen.

Sie beide sind großmütig und freigebig. Sie beide sind tapfere Helden mit strahlenden Gesichtern.

Ich habe sie dir vorgestellt. Du selbst sollst wählen, denn du bist eine weitsichtige und kluge Frau. Greife nicht zu Täuschung und Betrug; denn wer betrügt, wird selbst betrogen.“

Hind sagte: „Vater! Ich möchte all das nicht hören. Erkläre mir bitte etwas die Wesenszüge dieser beiden Männer. Dann kann ich entscheiden, wer für mich geeigneter ist.“ ʿUtba begann nun, Suhail zu beschreiben, und sagte: „Der eine ist ein Mann von hohem Rang in seinem Stamm und wohlhabend. Wenn du ihm gehorchst, wird er dir gehorchen. Wenn du ihm abgeneigt bist, wird er sich dir unterwerfen. Dann wirst du in Bezug auf Familie und Vermögen über ihn bestimmen. Der andere ist wegen seiner vornehmen Abstammung und seiner richtigen Entscheidungen bei allen bekannt. Er ist die Ehre und das Ansehen seines Stammes. Er besitzt ein ausgeprägtes Ehrgefühl, ist äußerst umsichtig, schläft nicht achtlos über seine Schätze, und seine Rute nimmt er niemals von seiner Familie.“ Hind sagte: „Vater! Der erste Mann wird eine freie Frau zugrunde richten. Wenn diese Frau rebellisch ist, wird sie sich nicht unterwerfen. Im Schatten ihres Ehemannes wird sie im Grunde alles tun. Wenn der Ehemann ihr gehorcht, wird die Ehefrau ihn durch Zeichen und Andeutungen lenken. Die Angehörigen der Familie werden in Angst vor ihm leben. Dann wird es ihnen sehr schlecht ergehen. Sollte sie unter diesen Umständen ein Kind gebären, wird dieses Kind töricht sein. Sprich mit mir nicht über diesen Mann und erwähne seinen Namen mir gegenüber nicht. Der andere hingegen ist geeignet, der Ehemann einer keuschen, freien und jungfräulichen Frau zu werden. Ich bin diesbezüglich überzeugt, dass sein Stamm seine Entscheidung nicht ändern kann und keine Furcht oder Drohung ihm zu schaden vermag. Ein Mann mit solchen Wesenszügen ist als mein Ehemann geeignet. Verheirate mich mit ihm.“ ʿUtba verheiratete Hind mit Abu Sufyan. Von ihm gebar Hind einen Sohn namens Muʿawiya. Suhail ibn ʿAmr war zutiefst verletzt, weil er Hind nicht bekam, und brachte seinen Kummer in einem Gedicht zum Ausdruck. Darin versuchte er auch, Abu Sufyan ein wenig herabzusetzen. Abu Sufyan antwortete ihm in einem Gedicht.

Was danach geschah: Suhail heiratete eine andere Frau, und sie gebar ihm einen Sohn. Als der Junge herangewachsen war, ging Suhail eines Tages mit ihm spazieren. Unterwegs sah er einen Mann, der auf einer weiblichen Kamelstute ritt und Ziegen hütete. Der Junge sagte zu seinem Vater: „Vater! Sind diese Kleinen die Jungen des Großen?“ Als der Vater seine Frage hörte, kam Suhail wie ein Selbstgespräch über die Lippen: „Möge Allah Hind Barmherzigkeit und Gnade erweisen.“ Mit dieser Bemerkung erinnerte er sich an Hinds Weitsicht.[Tarikh Dimashq, Biografien der Frauen, 440–441; al-ʿIqd al-Farid, 6/89; as-Sira al-Halabiyya, 6/86–78; Majmaʿ az-Zawaʾid, 9/267–268;]

Ibn Saʿd berichtet jedoch, dass Hind als ersten Ehemann Hafs ibn al-Mughīra ibn ʿAbdullāh hatte und dass ihm Hind einen Sohn namens Abān gebar. (Ṭabaqāt, 8/235)

Hind liebte Musāfir ibn Abī ʿAmr. Auch Musāfir liebte sie zutiefst. Dieser Musāfir war unter den jungen Männern der Quraisch hinsichtlich Schönheit, dichterischer Begabung und Freigebigkeit der herausragendste. Eines Tages sagte Hind zu ihm: »Da du arm bist, wird meine Familie nicht bereit sein, mich mit dir zu verheiraten. Geh zu einem benachbarten König, werde dort Besitzer einiger Reichtümer, kehre zurück und heirate mich dann.« In der Hoffnung, die Mittel für Hinds Brautgabe zu erlangen, ging Musāfir zum König von al-Hīra, an-Nuʿmān ibn al-Mundhir. Einige Zeit später begab sich Abū Sufyān ibn Harb – einer anderen Überlieferung zufolge ein anderer Mann – von Mekka nach al-Hīra. Musāfir erkundigte sich bei ihm nach den Umständen in Mekka und fragte, ob es dort irgendwelche neuen Nachrichten gebe. Abū Sufyān antwortete: »Es gibt keine besondere neue Nachricht. Allerdings habe ich Hind bint ʿUtba geheiratet.« Musāfir begann, die folgenden beiden Verse zu rezitieren: (Aʿlām an-nisāʾ, 5/242)(Arabisch****)

»O Hind, sie ist dir nun verboten geworden und zum abscheulichsten der verbotenen Dinge geworden. Sie ist einem schlechten Menschen gleich geworden, der sein Schwert aus der Scheide zieht und Pfeil und Bogen mit beiden Händen prüfend hin und her wendet.«

Eines Tages ging in Mekka der Islam auf.

Zwanzig Jahre lang schenkte Hind dem Ruf zum Islam keinerlei Beachtung. Vielmehr verging diese lange Zeit in maßloser Feindschaft und erbittertem Widerstand gegen Allahs Gesandten, den Islam und die Muslime. Keine Gelegenheit, ihre Feindschaft zu zeigen, ließ sie verstreichen. Frauen empfinden von Natur aus eine starke Zuneigung zu Gold und Schmuck. Unter keinen Umständen wollen sie diese beiden Dinge aus der Hand geben. Doch Hind scheute selbst im Austausch dafür keinerlei Aufwand, um die Verbreitung und Ausbreitung des Islam zu verhindern. Am Tag der Eroberung Mekkas erklärte der Gesandte (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) das Haus Abū Sufyāns zum Zufluchtsort und sagte: »Wer im Haus Abū Sufyāns Zuflucht sucht, wird sicher sein.« Als Abū Sufyān nach dieser Erklärung sein Haus betreten wollte, wies Hind ihn zurecht und sagte: »Möge Allah dir Unheil zufügen! Du bist ein abscheulicher Eindringling.« (adh-Dhahabī, Tārīkh al-Islām wa-ṭabaqāt al-mashāhīr wa-l-aʿlām, 3/298) Wegen ihrer maßlosen Feindschaft erklärte der Gesandte (Allahs Segen und Friede seien auf ihm), dass sie getötet werden solle. Diese derart islamfeindliche Frau bekannte sich bei der Eroberung Mekkas zum Islam.

Hind war eine der schönsten und klügsten Frauen der Quraisch. (Ebenda) Sie besaß auch eine hervorragende dichterische Begabung. Zum Gedenken an die in Badr Gefallenen, insbesondere an ihren Vater ʿUtba, ihren Bruder al-Walīd ibn ʿUtba, ihren Onkel Shayba ibn Rabīʿa und andere, verfasste sie zahlreiche Trauergedichte.

ʿUmar Riḍā Kaḥḥāla beschrieb Hind folgendermaßen: (Aʿlām an-nisāʾ, 5/242)(Arabisch*******)

Hind bint ʿUtba besaß Schönheit, Anmut, Urteilsvermögen, Entschlusskraft, Verstand und Weisheit, sprachliche Reinheit und Ausdruckskraft, literarische und dichterische Begabung, Tapferkeit und Mut sowie Selbstachtung.

Es wird berichtet, dass der Gesandte (s.a.), als ihm aufgetragen worden war, den Islam zu verkünden, die Angehörigen des Stammes Quraisch versammelte und ihnen die Einladung zum Islam vortrug, von Abu Lahab widersprochen wurde. Dieser trat hervor, nachdem er sich geweigert hatte, sie anzunehmen. Danach kam er zu Hind bint ʿUtba und sagte: „Tochter ʿUtbas! Ich habe mich von Muhammad getrennt und mich geweigert, das anzunehmen, was er nach eigener Behauptung gebracht hat. Ich habe al-Lāt und al-ʿUzzā unterstützt, und weil er diese beiden zurückgewiesen hat, bin ich Muhammad zornig.“ Hind bemerkte: „Vater ʿUtbas! Möge Allah dich dafür reichlich belohnen.“ [Sīrat Ibn Hišām 1/654]

Hind hegte einen heftigen Hass und eine starke Feindschaft gegenüber dem Islam. Dennoch besaß sie viele gute Eigenschaften. In der Geschichte wird ein Ereignis überliefert, in dem ihr ausgeprägtes Selbstwertgefühl sowie ihr tiefes Mitgefühl und ihre Anteilnahme gegenüber den Frauen deutlich werden. Abū l-ʿĀṣ ibn Rabīʿ (r.a.), der Ehemann Zaynabs (r.a.), der Tochter des Gesandten Allahs (s.a.), zog mit dem Heer der Quraisch nach Badr, um gegen die Muslime zu kämpfen. Zu seinem Unglück geriet er in die Gefangenschaft des muslimischen Heeres. Während seines Aufenthalts in Mekka wurde er durch die Bemühungen seiner Ehefrau Zaynab (r.a.) und die Großzügigkeit der Muslime freigelassen und kehrte nach Mekka zurück. Als er jedoch von Medina aufbrach, hatte er dem Gesandten Allahs (s.a.) versprochen, Zaynab nach seiner Ankunft in Mekka ehrenvoll nach Medina zu bringen. Nach seiner Rückkehr nach Mekka forderte er seine Ehefrau Zaynab (r.a.) auf, sich auf die Reise vorzubereiten. Zaynab begann heimlich mit den Vorbereitungen. Diese Nachricht gelangte zu Hind. Heimlich ging sie in der Dunkelheit der Nacht zu Zaynab und sagte: „O Tochter Muhammads! Ich habe gehört, dass du zu deinem Vater gehen willst?“ Zaynab (r.a.) sagte: „Ich habe noch keine Entscheidung getroffen.“ Hind dachte, Zaynab verheimliche ihr vielleicht die Angelegenheit, und sagte deshalb: „Meine Cousine! Verheimliche es nicht. Wenn du etwas brauchst, das dir auf der Reise nützlich sein kann, oder wenn du in Geldnot bist, sag es mir, und ich werde dir helfen. Du brauchst dich vor mir nicht zu schämen. Die Zwietracht und der Streit unter den Männern haben keinerlei Einfluss auf die Frauen.“ Später sagte Zaynab (r.a.): „Ich war überzeugt, dass sie tun würde, was sie sagte. Dennoch hatte ich Angst vor ihr. Daher leugnete ich, etwas Derartiges vorzuhaben.“ [ebd.]

Eines Tages brach Zaynab (r.a.) von Mekka nach Medina auf. Die Quraisch hinderten sie daran und brachten sie wieder nach Mekka zurück. Als Hind davon erfuhr, nahm sie eine furchterregende Gestalt an, trat aus dem Haus und ging zu jenen Übeltätern, um sie wegen dieser schändlichen Tat scharf zu tadeln. Ihnen gegenüber trug sie auch den folgenden Vers vor: [ebd. 1/656; Nisāʾ min ʿaṣr an-nubuwwa 4/472](Arabisch*****)

„In Zeiten des Waffenstillstands und des Friedens kannst du dich wie ein harter und unnachgiebiger Esel verhalten, doch auf dem Schlachtfeld nimm die Gestalt einer menstruierenden Frau an.“

Die ruchlosen Quraisch brachten Zaynab (r.a.) in Mekka zu Abū Sufyān. Es sei angemerkt, dass Zaynab (r.a.) schwanger war. Da die Ruchlosen sie vom Rücken des Kamels hinabwarfen, erlitt sie auch erhebliche Verletzungen. Die Frauen der Banū Hāschim und der Banū Umaiya begannen darüber zu streiten, wer sie pflegen und umsorgen dürfe. Schließlich nahm Hind sie zu sich und pflegte sie gesund. In dieser Zeit sagte Hind häufig zu ihr: „Dein Unglück ist nur wegen deines Vaters über dich gekommen.“

Im zweiten Jahr nach der Hidschra zog ein großes Heer der Götzendiener von Mekka aus, um eine von Abū Sufyān aus Syrien nach Mekka geführte Handelskarawane ungehindert passieren zu lassen und die Muslime ein für alle Mal auszurotten. An der Spitze dieses Heeres standen die auserlesenen Männer und Anführer der Quraisch. Sie beschlossen, in Badr Kamele zu schlachten, ein üppiges Mahl zu halten, Wein zu trinken und sich zu vergnügen. Danach wollten sie die Muslime mit samt ihren Wurzeln ausrotten, damit niemand in Arabien es jemals wieder wagen würde, sich gegen sie zu erheben.

In diesem götzendienerischen Heer aus Mekka befanden sich Hinds Vater, ihr Bruder, ihr Onkel und ihr Ehemann. Bemerkenswert waren jedoch Ibn ʿUtba (r.a.) und sein freigelassener Sklave Sālim (r.a.). In der Schlacht von Badr spielten dieser Abū Hudhaifa ibn ʿUtba (r.a.) und sein freigelassener Sklave Sālim (r.a.) eine Rolle. In der Schlacht von Badr hatte Abū Hudhaifa (r.a.) eine ehrenvolle Aufgabe.

In dieser Schlacht forderte er seinen Vater ʿUtba zum Zweikampf heraus. Hind sprach zur Verurteilung des Verhaltens ihres Bruders die folgenden zwei Verse: [Siyar aʿlām an-nubalāʾ 1/166; Nisāʾ min ʿaṣr an-nubuwwa 4/472](Arabisch******)

„Abū Hudhaifa, der schielende Augen, schiefe Zähne und ein beklagenswertes Schicksal hat, ist in religiösen Angelegenheiten der schlechteste Mensch.“

„Wirst du deinem Vater, der dich von klein auf aufgezogen hat und durch den du ohne jede Abweichung zu einem voll ausgereiften jungen Mann geworden bist, nicht deine Dankbarkeit erweisen?“

Zu Beginn des Krieges wurden Hindas Vater, ihr Bruder und ihr Onkel getötet. Darüber hinaus fielen siebzig ausgewählte Soldaten des Götzendienerheeres. Die übrigen ließen ihre Leichen in Badr zurück und flohen auf dem Weg nach Mekka. An der Spitze dieser Flüchtenden befand sich Hindas Ehemann Abū Sufyān. Während die Muslime über diesen Sieg außerordentlich erfreut waren, waren Männer und Frauen in Mekka gleichermaßen fassungslos, als die Nachricht vom Heer der Quraisch dort eintraf. Zunächst konnten viele diese Nachricht nicht glauben. Als die Besiegten nach Mekka zurückzukehren begannen, blieb kein Zweifel mehr an ihrer Richtigkeit. Angesichts der Schrecken des Geschehens schien den Mekkanern der Himmel auf den Kopf zu fallen. Abū Lahab legte sich aus Kummer und Trauer zu Bett und trat sieben Tage später von dort aus den Weg zur Hölle an. Damit endete sein Leben. Die Frauen der Quraisch hielten zum Gedenken an ihre Gefallenen einen Monat lang Trauer. Sie schlugen sich an die Brust, rissen sich die Haare aus und klagten laut. Sie versammelten sich neben dem Reittier oder Pferd eines gefallenen Soldaten und hielten Totenklage. Außer Hinda ließ keine Frau in Mekka diese Trauer und Totenklage aus. Ja, Hinda zeigte keinerlei Trauer. Eines Tages kamen einige Frauen der Quraisch zu Hinda und fragten sie: „Hast du nicht ein wenig um deinen Vater, deinen Bruder, deinen Onkel und die Angehörigen deiner Familie geweint?“ Sie antwortete: „Wenn ich um sie weine, wird diese Nachricht Muhammad erreichen.“

„Dann werden sie und die Frauen des Stammes Chazradsch sich freuen. Bei Allah! Öl und Parfüm sind für mich verboten, bis ich an Muhammad und seinen Gefährten Rache genommen habe. Wenn ich wüsste, dass Weinen und Klagen meinen Kummer und Schmerz lindern würden, würde ich weinen. Doch ich weiß, dass der Schmerz in meinem Herzen erst verschwinden wird, wenn ich die Rache für meine Lieben genommen habe.“

Hinda rührte weder Öl noch Parfüm an und hielt sich auch vom Bett Abū Sufyāns fern. Bis zum späteren Krieg von Uhud hetzte sie die Mekkaner weiterhin gegen die Muslime auf. Außerdem verfasste sie zahlreiche Trauergedichte zum Gedenken an die in Badr Gefallenen. Einige Verse dieser Trauergedichte lauten wie folgt: [Schāʿirāt al-ʿArab, S. 468; Aʿlām an-Nisāʾ, 5/243](Arabisch*******)

„Ich weine um den Tod des Anführers der beiden Täler von al-Abtah und um denjenigen, der ihn vor den bösen Absichten jedes Aufständischen beschützte.“

„Möge dein Untergang kommen! Wisse: Ich weine um den tugendhaften ʿUtba, um Schaiba und um dessen Sohn, der dem Stamm Sicherheit gewährte. Sie alle waren hoch angesehen unter den Nachkommen Ghālibs. Ihre Ehre und ihr Ansehen waren groß.“

In der Schlacht von Badr wurden Hindas Vater ʿUtba, ihr Onkel Schaiba und ihr Bruder getötet. Hinda begann, zu ihrem Gedenken Trauergedichte vorzutragen. Al-Chansāʾ war damals eine der bedeutendsten Dichterinnen Arabiens. In einem Krieg während der vorislamischen Zeit wurden ihre beiden Brüder Sachr und Muʿāwiya getötet. Al-Chansāʾ weinte und klagte ihr ganzes Leben lang um sie und verfasste zahlreiche ergreifende Trauergedichte, wodurch sie ganz Arabien an ihrer Trauer teilhaben ließ. Deshalb wurde beim Markt von ʿUkāz ihre Sänfte besonders kenntlich gemacht, indem man vor ihrer Sänfte und ihrem Zelt eine Fahne aufstellte. Sie sagte: „Ich bin der von den größten Unglücken heimgesuchte Mensch in Arabien.“ Als Hinda davon erfuhr, sagte sie: „Ich bin noch schwerer heimgesucht als al-Chansāʾ.“ Daraufhin ordnete auch sie an, ihre Sänfte in besonderer Weise zu kennzeichnen, und begab sich nach ʿUkāz. Sie sagte: „Bring mein Kamel in die Nähe des Kamels von al-Chansāʾ.“ So geschah es. Als sie in die Nähe von al-Chansāʾ kamen, sagte diese: „Schwester, wer bist du?“ Sie antwortete: „Ich bin Hinda, die Tochter ʿUtbas, der von den größten Unglücken heimgesuchte Mensch in Arabien. Ich habe erfahren, dass du dich bei den Arabern als den am schwersten heimgesuchten Menschen dargestellt hast. Was ist dein Unglück?“ Sie antwortete: „Der Tod meines Vaters ʿAmr und meiner Brüder Sachr und Muʿāwiya.“

Er fragte Hind daraufhin: „Was ist denn Ihr Unglück?“ Sie antwortete: „Der Tod meines Vaters ʿUtba und meines Bruders al-Walīd.“ Al-Chansāʾ fragte: „Gibt es sonst noch jemanden?“ Danach trug sie zum Gedenken an Abū ʿAmr, Muʿāwiya und Sachr ein Trauergedicht vor. [Aʿlām an-Nisāʾ, 5/234]

Die Vorbereitungen für Uhud

Seit der Schlacht von Badr fanden die Quraisch keinen Frieden. Ihre Frauen trauerten weiterhin um ihre getöteten Söhne, Väter, Ehemänner oder andere geliebte Menschen. Der Schmerz in ihren Herzen war groß. Daraufhin beschlossen die Götzendiener von Mekka, für Badr angemessene Vergeltung zu üben. Diesmal bestanden auch die Frauen darauf, mit den Männern in den Krieg zu ziehen. Safwān ibn Umayya und einige weitere Reiter und Fußsoldaten waren jedoch nicht bereit, die Frauen mitzunehmen. Hind trat aus ihrem Haus und stellte sich vor sie. An Safwān ibn Umayya gewandt, sagte sie: „Du bist doch nach Badr lebend davongekommen und sicher zu deiner Frau zurückgekehrt. Ja, diesmal werden wir mitziehen und am Kampf teilnehmen. Auf dem Weg nach Badr habt ihr die Frauen bei al-Dschuhfa zurückgeschickt; diesmal wird niemand sie zurückschicken können. Damals haben sie ihre geliebten Menschen verloren.“

Das Heer der Quraisch brach von Mekka auf und zog in Richtung Medina. Unter der Führung Hinds begleiteten sie auch fünfzehn Frauen. [Ansāb al-Aschrāf, 1/312–313; Zu den weiteren Frauen, die von Mekka aus nach Uhud zogen, gehörten: Barzāz bint ʿUmūd al-Thaqafī, die Frau Safwān ibn Umayyas; Salāma bint Saʿd, die Frau Talha ibn Abī Talhas; Fātima bint al-Walīd ibn al-Mughīra, die Frau al-Hārith ibn Hischāms; und Hind bint Munabbih, die Frau ʿAmr ibn al-ʿĀs. (al-Wāqidī, al-Maghāzī, 1/202–203)] In ihren Herzen loderte das Feuer der Rache. In Badr hatte Hamza ibn ʿAbd al-Muttalib, der Onkel des Propheten Muhammad (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), Hinds geliebtesten Menschen getötet. Deshalb erregte und ermutigte Hind den abessinischen Sklaven Wahschī mit allerlei Versprechen. Wenn es ihm gelänge, Hamza zu töten, würde sie ihm reichlich Gold, Schmuck und Geld geben. Es sei erwähnt, dass dieser Wahschī der Sklave Dschubayr ibn Mutʿims war.

Als die beiden Heere auf dem Feld von Uhud einander gegenüberstanden, stellten sich beide Seiten zum Kampf auf. Die Quraisch erinnerten sich an Badr und an die dort Getöteten. Die Frauen der Quraisch unter Hinds Führung begannen, vor ihren in Reihen aufgestellten Soldaten im Kreis umherzugehen, während sie auf Rahmentrommeln schlugen und das folgende Lied sangen. [Aʿlām an-Nisāʾ, 5/244; In verschiedenen Überlieferungen weist das Lied einige Unterschiede auf.](Arabisch***********)

„Wir sind die Töchter der Sterne, mit anmutigem Gang. Wenn ihr voranschreitet, werden wir euch an unsere Brust drücken. Doch wenn ihr euch zurückzieht, werden wir uns für immer von euch trennen.“ Die Muslime hingegen gedachten Allahs, des Erhabenen, und Seiner Hilfe. Der ehrwürdige Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) stellte einige geschickte Bogenschützen an einem bestimmten Ort auf dem Berg auf und ordnete das gesamte Heer so an, dass der Sieg mit Allahs Willen gewiss war, sofern niemand einen Fehler machte.

Der Kampf begann. Zu Beginn schien die Niederlage des Götzendienerheeres unausweichlich. Das muslimische Heer stand kurz vor dem Sieg. Das Heer der Quraisch geriet in Unordnung. Die Frauen der Quraisch waren kurz davor, erniedrigt und gedemütigt zu Kriegsgefangenen zu werden. In einer solchen Phase des Kampfes beschäftigten sich einige muslimische Soldaten damit, die von der Gegenseite zurückgelassenen Gegenstände einzusammeln, während einige der auf dem Berg aufgestellten Bogenschützen ihren Platz verließen und dabei den Befehl des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) vergaßen. Im Nu änderte sich der Verlauf des Kampfes. Das fliehende Götzendienerheer nutzte diese Schwäche der Muslime aus. Es machte kehrt und ging zum Gegenangriff über. Das muslimische Heer war bestürzt. Der Kampf begann von Neuem. Unter zahlreichen Verlusten endete die Schlacht mit dem Märtyrertod von siebzig (70) muslimischen Soldaten. Der ehrwürdige Hamza (möge Allah mit ihm zufrieden sein) fiel durch die Hand Wahschīs als Märtyrer.

Die Quraisch brachen in Freude und Jubel aus. Sie waren selbstzufrieden, weil sie glaubten, für Badr harte Vergeltung geübt zu haben. Am glücklichsten war Hind. Mit der Ermordung Hamzas (möge Allah mit ihm zufrieden sein) konnte sie sich nicht zufriedengeben. Gemeinsam mit den Frauen der Quraisch stürzte sie sich auf die getöteten muslimischen Soldaten und verstümmelte deren Leichen auf grausamste Weise, indem sie ihnen unter anderem Nasen, Ohren, Hände und Füße abschnitt.

Al-Baladhuri berichtet über die Grausamkeit Hindis: „Wahschi tötete Hamza, schlitzte ihm die Brust auf, nahm seine Leber heraus und brachte sie Hind. Hind kaute auf dieser Leber herum und spuckte sie wieder aus. Dann ging sie selbst hin, verstümmelte Hamzas (r) Körper und schnitt beide Handgelenke, den Magen und beide Beine von seinem Körper ab. Danach kehrte sie zurück, nahm von ihrem eigenen Körper den mit kostbaren Edelsteinen besetzten Goldschmuck ab – die Fußreifen, die Halskette und die Ohrringe – und übergab ihn Wahschi. Auch die goldenen Ringe, die sie an den Zehen trug, nahm sie ab und gab sie ihm. Denn dieser Hamza hatte in der Schlacht von Badr ihren Vater ʿUtba getötet. [Ansab al-Aschraf 1/322]

Als der ehrwürdige Gesandte Allahs (s) davon hörte, dass Hind Hamzas (r) Leber gekaut hatte, sagte er: „Wenn Hind Hamzas Leber gekaut und verschluckt hätte, hätte das Feuer der Hölle sie nicht berührt. Allah, der Herr der Welten, hat es dem Höllenfeuer verboten, Hamzas Fleisch zu berühren.“ [Alusi, an-Nisaʾ 5/245]

Es war eine derart grausame und unmenschliche Tat, dass selbst der Quraisch-Anführer Abu Sufyan sich weigerte, die Verantwortung dafür zu übernehmen. Zu einem Muslim sagte er: „Bei Allah! Ich bin weder erfreut noch missgestimmt über das, was euch an Verstümmelung angetan wurde. Ich habe niemanden davon abgehalten, aber auch niemanden dazu aufgefordert.“ Nachdem alles beendet war, stellte sich Hind auf einen hohen Felsen und rief die folgenden Verse aus: [adh-Dhahabi, Tarikh 2/205] (Arabisch**********)

„Wir haben euch für Badr Vergeltung geleistet. Auf einen Krieg folgt ein weiterer Krieg, ein feuriger. Wegen meines Vaters ʿUtba, meines Bruders, meines Onkels und meiner Stammesangehörigen war ich vor Kummer außer mir. Ich habe mein Herz geheilt und mein Versprechen erfüllt. O Wahschi! Du hast mein Herz von seiner Krankheit geheilt.“

Nachdem die Quraisch den Verlust, die Demütigung und die Schande von Badr weitgehend wettgemacht hatten, kehrten sie voller Freude im Herzen zurück. Hind begann damals zu singen: [Sira Ibn Hischam 2/168] (Arabisch**********)

„Ich kehre zurück, doch in meinem Herzen sind viele angesammelte Schmerzen. Es ist mir nicht gelungen, einen Teil dessen zu erreichen, was ich beabsichtigt hatte. Dennoch habe ich etwas erreicht. Es ist nicht so gekommen, wie ich es hinsichtlich meines Ziels und auf meinem Weg erwartet hatte.“

Mehrere Jahre vergingen für die Quraisch in Konflikten und Auseinandersetzungen mit den Bewohnern Medinas.

Die Schlacht am Graben, der Vertrag von Hudaybiyya und schließlich die Eroberung Mekkas. Da er keinen anderen Ausweg sah, ging Abu Sufyan, der Ehemann Hindis und Anführer der Quraisch, am Tag vor dem Einzug des Gesandten Allahs (s) in Mekka zu ihm, um über die Sicherheit der Bewohner Mekkas zu sprechen. Dort nahm er den Islam an, kehrte nach Mekka zurück und verkündete: „O Gemeinschaft der Quraisch! Hört, ich habe den Islam angenommen. Nehmt auch ihr den Islam an. Denn Muhammad ist mit einer solchen Macht und Stärke zu euch gekommen, wie ihr sie euch nicht einmal vorstellen könnt.“ Sofort packte Hind ihn heftig am Kopf und sagte: „Du bist ein nichtswürdiger Anführer der Gemeinschaft.“ Danach rief Hind die Bewohner Mekkas dazu auf, starken Widerstand zu leisten und Muhammad (s) zu töten. [Aʿlam an-Nisaʾ 5/245]

Annahme des Islam und die Baiʿa

Alle Überlieferungen stimmen darin überein, dass Hind am Tag der Eroberung Mekkas den Islam annahm, nachdem ihr Ehemann Abū Sufyān den Islam angenommen hatte. Sie wurde eine sehr gute Muslimin. Fasst man die aus verschiedenen Quellen über ihre Annahme des Islam überlieferten Informationen zusammen, ergibt sich folgendes Bild:

Hind sagte zu Abū Sufyān: Ich habe beschlossen, eine Anhängerin Muhammads zu werden.

Abū Sufyān: Noch gestern habe ich gesehen, dass du diese Sache zutiefst missbilligst.

Hind: Bei Allah! Mir scheint, dass in dieser Moschee bis zur vergangenen Nacht noch nie zuvor Allah aufrichtig gedient worden war. Sie waren dorthin gekommen, um das Gebet zu verrichten – mit Qiyām, Rukūʿ und Suǧūd.

Abū Sufyān: Du hast ja bereits getan, was du tun wolltest. Wenn du zu ihm gehst, nimm jemanden aus deinem Stamm mit. [Am Tag der Eroberung Mekkas nahm der Gesandte Allahs sechs Männer und vier Frauen von der Amnestie aus und befahl, sie zu töten, sobald man ihrer habhaft wurde. Die Männer waren: ʿIkrima ibn Abī Ǧahl, Ḥabbāb ibn al-Aswad, ʿAbdullāh ibn Saʿd ibn Abī Sarḥ, Muqayyis ibn Ṣubāba und al-Ḥuwairiṯ ibn Nuqaiḏ. Die Frauen waren: Hind bint ʿUtba, Sabā, die Sklavin von ʿAmr ibn Hāschim ibn ʿAbd al-Muṭṭalib, sowie Fartāna und Arnā, die beiden Sängerinnen von Hilāl ibn ʿAbdullāh. Diese beiden Sängerinnen pflegten Spottlieder über den Gesandten Allahs zu singen. (Ansāb al-Aschrāf 1/257; Nisāʾ min ʿAṣr an-Nubūwa, S. 486.) Ibn Ḥaǧar führt darüber hinaus noch die Namen einiger weiterer Frauen und Männer an. (Fatḥ al-Bārī 8/11–12)]

Daraufhin ging Hind zu ʿUṯmān – nach einer anderen Auffassung zu ʿUmar. Damals waren einige Frauen bei Hind, die bereits zuvor den Islam angenommen hatten. ʿUṯmān ging und holte beim Gesandten Allahs die Erlaubnis für eine Begegnung ein. Hind befürchtete, dass der Gesandte Allahs sie wegen ihres Verhaltens gegenüber Ḥamza festnehmen könnte. Daher betrat sie mit bedecktem Kopf und verhülltem Gesicht in der Gestalt einer Unbekannten den Raum des Gesandten Allahs.

Mit ihr gingen noch viele weitere Frauen. Ihr Ziel war es, dem Gesandten Allahs die Baiʿa zu leisten. Als sie beim Gesandten Allahs ankamen, saßen bei ihm bereits seine beiden Ehefrauen, seine Tochter Fāṭima und viele weitere Frauen aus dem Banū ʿAbd al-Muṭṭalib. Hind sagte mit bedecktem Kopf und verhülltem Gesicht zum Gesandten Allahs: Weil ich in der Schlacht von Uḥud die Leber von Ḥamza gekaut habe, empfinde ich heute große Scham und Reue. Mit bedecktem Kopf und verhülltem Gesicht sagte sie:

O Gesandter Allahs! Lob sei Allah, der die von Ihm erwählte Religion zum Sieg geführt hat. Aufgrund des verwandtschaftlichen Bandes zwischen Ihnen und mir hoffe ich auf Ihre wohlwollende Behandlung. Nun bin ich eine gläubige und überzeugte Frau.“ Mit diesen Worten nahm sie ihren Gesichtsschleier ab und gab sich zu erkennen: „O Gesandter Allahs! Ich bin Hind bint Utba.“ Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Willkommen!“ Hind sagte: „Bei Allah! Früher gab es auf der Erde für mich kein Haus, das mir lieber gewesen wäre als Ihr Haus, um es zu erniedrigen und zu demütigen. Doch jetzt gibt es für mich kein angeseheneres Haus als Ihr Haus.“ [Das Leben der Gefährten des Gesandten Allahs 1/205]

Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Noch viel mehr.“ Danach rezitierte er ihnen den Qur’an und nahm ihr Treuegelöbnis entgegen. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Gelobt, dass ihr Allah nichts beigesellen werdet.“

Hind sagte: „Sie nehmen uns ein Gelöbnis ab, das Sie von den Männern nicht verlangen. Trotzdem geben wir Ihnen dieses Versprechen.“

Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm): „Ihr werdet nicht stehlen.“

Hind: „Bei Allah! Manchmal nehme ich etwas aus dem Vermögen Abu Sufyans. Ich weiß nicht, ob mir das erlaubt oder verboten ist.“

Der neben ihr sitzende Abu Sufyan rief: „Was du in der Vergangenheit genommen hast, war für dich halal.“ Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Du bist doch Hind bint Utba.“

Hind: „Ja, ich bin Hind bint Utba. Verzeihen Sie mir mein vergangenes Verhalten. Möge Allah Ihnen vergeben.“

Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Ihr werdet keinen Ehebruch begehen.“

Hind: O Gesandter Allahs! Würde irgendeine freie, unabhängige Frau Unzucht treiben?

Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm): Ihr sollt eure Kinder nicht töten.

Hind sagte: Wir haben sie doch als Kinder großgezogen. Du hast ihre Erwachsenen in Badr getötet. Daher weißt du – und wissen sie – über diese Angelegenheit besser Bescheid.

Als Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) dies hörte, musste er lachen.

Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm): Ihr sollt niemanden fälschlich beschuldigen.

Hind: Jemanden zu beschuldigen, ist eine äußerst schlechte Tat.

Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm): Ihr sollt mir in keiner guten Sache ungehorsam sein.

Hind: Würden wir, nachdem wir in dieser Versammlung Platz genommen haben, Ihnen in irgendeiner guten Sache ungehorsam sein?

Der Gesandte (s.a.w.s.) sagte zu ʿUmar: „Nimm von diesen Frauen den Treueeid entgegen und bete bei Allah um Vergebung für sie.“

ʿUmar (r.a.) nahm ihren Treueeid entgegen. Der Gesandte (s.a.w.s.) schüttelte den Frauen nicht die Hand. Er berührte keine Frau außer einer, die ihm rechtmäßig oder eine Mahram war. Ebenso ließ er nicht zu, dass sie ihn berührten. Als Hind daher sagte: „O Gesandter Allahs! Wir möchten dich berühren“, sagte er: „Ich schüttle Frauen nicht die Hand. Was ich einer Frau zu sagen habe, ist dasselbe, was ich hundert Frauen zu sagen habe.“

Danach bestätigte der Gesandte (s.a.w.s.) die frühere Ehe von Abu Sufyan und Hind. [Ṭabaqāt 8/236–237; at-Tabarī, Taʾrīkh 2/161–162; al-Istīʿāb 4/411; Usd al-Ghāba 4/4/409; as-Sīra al-Ḥalabiyya 3/46–47; außerdem wird dieses Ereignis mit einigen Abweichungen in verschiedenen Werken wie denen von Buchārī, Muslim, Abū Dāwūd und Nasāʾī überliefert.]

Unter den Frauen zeichnete sich Hinds Persönlichkeit durch besondere Eigenschaften aus. Nachdem der Islam in ihr eingezogen war, beseitigte er alle Unreinheiten aus ihrem Inneren, und sie trat in der Gemeinschaft der Ṣaḥābiyyāt als eine einzigartige Frau hervor. Allah, der Erhabene, entfernte den Schleier ihrer Unwissenheit und all die Unwahrheiten und Nichtigkeiten, die ihr Gewissen und Bewusstsein bedeckt hatten, und machte sie rein und lauter. Nach ihrer Annahme des Islam beugte sie sich nie wieder einem falschen Glauben. Sie setzte den islamischen Glauben in die Tat um. Vor dem Islam befand sich in ihrem Haus ein wertvolles Götzenbild. Nach ihrer Rückkehr, nachdem sie den Islam angenommen hatte, zertrümmerte sie es mit einer Axt, während sie sagte: „Wir waren in Bezug auf dich einer Täuschung erlegen.“ [Tahdhīb al-Asmāʾ wa-l-Lughāt 2/357; Ṭabaqāt 8/237; Ansāb al-Ashrāf 1/360]

Daraus wird deutlich, dass Hind mit Höflichkeit und guten Umgangsformen ausgezeichnet war. Nachdem sie den Islam angenommen und die Sendung des Gesandten Allahs (s.a.w.s.) als wahr anerkannt hatte, schickte sie dem Gesandten Allahs (s.a.w.s.) ein Geschenk. Der Gesandte (s.a.w.s.) sprach ein Bittgebet für sie. Ibn ʿAsākir berichtet hierzu: Nach ihrer Annahme des Islam schickte Hind durch ihre Dienerin zwei gebratene Zicklein und einen Wasserschlauch zum Gesandten Allahs (s.a.w.s.). Der Gesandte (s.a.w.s.) hielt sich damals im Tal von al-Abṭaḥ auf. Bei ihm waren Umm Salama, Maymūna und einige weitere Frauen aus Banū ʿAbd al-Muṭṭalib. Nachdem die Dienerin die Speisen vor dem Gesandten Allahs (s.a.w.s.) aufgestellt hatte, sagte sie: „Diese kleine Gabe hat meine Herrin geschickt und zugleich demütig entschuldigt: Gegenwärtig werfen unsere Ziegen nur selten Junge.“ Der Gesandte (s.a.w.s.) sagte: „Möge Allah eure Ziegen segnen und ihre Zahl vermehren.“

Als die Dienerin zurückkehrte und Hind vom Bittgebet des Gesandten Allahs (s.a.w.s.) berichtete, war sie überglücklich. Später pflegte die Dienerin zu sagen: „Wir sahen, dass die Zahl unserer Ziegen und ihrer Muttertiere so stark zunahm, wie es zuvor niemals geschehen war.“ Hind sagte: „Das geschah durch das Bittgebet und den Segen des Gesandten Allahs (s.a.w.s.). Alles Lob gebührt Allah, der uns zum Islam rechtgeleitet hat.“ Danach erzählte sie von diesem Traum: „Ich hatte im Traum gesehen, dass ich für alle Ewigkeit in der Sonne stand. Der Schatten war ganz in meiner Nähe, doch ich konnte ihn nicht erreichen. Als der Gesandte (s.a.w.s.) zu uns kam, sah ich, dass ich gleichsam in den Schatten eintrat.“ [Taʾrīkh Dimashq, Tarājim an-Nisāʾ, 456–457]

Hinds weise Aussprüche

Viele weise Aussprüche stammen aus Hinds Mund und sind beinahe zu Sprichwörtern geworden. Ihre Worte sind so zauberhaft und ihr Inhalt so erhaben, dass sie ihre scharfe Intelligenz sowie ihre wunderbare Fähigkeit zum Denken und Nachsinnen erkennen lassen. Dadurch werden auch ihre umfassende Erfahrung mit der Bühne dieses Lebens, ihre Standhaftigkeit in Entscheidungen, ihre Weitsicht, ihre Fähigkeit, die Wahrheit anzunehmen, und weitere solcher Eigenschaften deutlich. Deshalb beschrieb Ibn al-Athīr sie folgendermaßen: [Usd al-Ghāba 5/563](Arabisch********)

„Sie war eine Frau voller Lebenskraft, mit ausgeprägtem Selbstbewusstsein, fähig, eigenständig Entscheidungen zu treffen, und ausgestattet mit Verstand und Weisheit.“

So sagte er: „Eine Frau ist eine Fessel. Sie braucht unbedingt einen Hals. Bevor du sie um deinen Hals legst, sieh genau hin, wen du da trägst.“ Er sagte ferner: „Frauen sind Fesseln. Jeder Mann muss eine Fessel für seine Hand tragen.“ [Al-Bayān wa-t-Tabyīn 3/267; al-Aʿlām 8/98]

Ein späteres Ereignis: Während der Regierungszeit des Kalifen ʿUmar floss in Mekka vor der Tür des Hauses von Abū Sufyān (r.a.) Wasser entlang. Wenn die Pilger dort vorbeigingen, rutschten sie aus. ʿUmar (r.a.) forderte ihn auf, dieses Auslaufen des Wassers zu beenden. Abū Sufyān (r.a.) nahm ʿUmars (r.a.) Worte jedoch nicht ernst. Eines Tages ging ʿUmar (r.a.) daraufhin diesen Weg entlang. Genau an der nassen Stelle vor jener Tür rutschte er aus. Er hob seine Peitsche über Abū Sufyāns (r.a.) Kopf und sagte: „Habe ich dich nicht aufgefordert, dieses Auslaufen des Wassers zu beenden?“ Abū Sufyān bedeckte daraufhin sofort mit seinem Zeigefinger seinen Mund. Da sagte ʿUmar (r.a.): „Alles Lob gebührt Allah, der mich sogar erleben ließ, dass ich Abū Sufyān im Tal von al-Bathāʾ in Mekka schlage, obwohl er keinen Helfer hat, dass ich ihm befehle und er dies ausführt.“ Als Hind diese Bemerkung ʿUmars hörte, rief sie: „O ʿUmar! Lobe ihn. Wenn du ihn lobst, wird dir etwas sehr Großes gegeben werden.“

Als der ehrwürdige ʿUmar ibn al-Chattāb (r.a.) Yazīd ibn Abī Sufyān (r.a.) zum Statthalter von Syrien ernannte, ging Muʿāwiya (r.a.) gemeinsam mit Yazīd nach Syrien. Eines Tages sagte Abū Sufyān (r.a.) damals zu Hind (r.a.): „Wie findest du es, dass dein Sohn Muʿāwiya nun meinem Sohn Yazīd unterstellt sein wird?“ Hind sagte: „Wenn unter den Arabern Unruhe in ihrer Einigkeit entsteht, dann wirst du sehen, welche Stellung mein Sohn und welche dein Sohn einnehmen wird.“ Es sei angemerkt, dass Yazīd (r.a.) der Sohn einer anderen Ehefrau Abū Sufyāns (r.a.) war. Nicht lange danach starb Yazīd (r.a.) in Syrien. ʿUmar (r.a.) ernannte Muʿāwiya (r.a.) an seiner Stelle. Nach dieser Ernennung sagte Hind zu Muʿāwiya (r.a.): „Mein Sohn! Bei Allah, nur wenige freie arabische Frauen haben einen Sohn wie dich geboren. Dieser Mann hat dich großgezogen. Deshalb wirst du, ob es dir gefällt oder nicht, nach seinem Willen handeln.“ Aus den entsprechenden Äußerungen und ihrem Verhalten zu verschiedenen Zeiten wird ersichtlich, dass Hind großen Respekt vor ʿUmar (r.a.) hatte. Sie betrachtete ihn stets mit Achtung und Ehrerbietung.

Einmal ging Hind zum Kalifen ʿUmar (r.a.) und bat um ein Darlehen von viertausend Dirham aus dem Bayt al-Māl. Sie sagte: „Damit werde ich Handel treiben und es nach und nach zurückzahlen.“ Der Kalif gewährte ihr das Darlehen. Mit diesem Geld begab sie sich in das Gebiet des Stammes Kalb und begann dort, Waren zu kaufen und zu verkaufen. Inzwischen erfuhr sie, dass Abū Sufyān und sein Sohn ʿAmr ibn Abī Sufyān zu Muʿāwiya (r.a.) gekommen waren. Sofort begab sie sich zu Muʿāwiya (r.a.).

Es sei angemerkt, dass sich bereits zuvor eine Entfremdung zwischen ihr und Abū Sufyān (r.a.) entwickelt hatte.

Muʿāwiya (r.a.) fragte nach dem Grund für Hindʿs Kommen. Hind sagte: „Ich bin gekommen, um dich im Auge zu behalten. ʿUmar handelt nur um Allahs willen. Nun ist dein Vater zu dir gekommen. Ich fürchte, dass du ihm alles in die Hand gibst. Die Menschen werden nicht wissen können, woher du ihm diese Dinge gibst. Später wird ʿUmar dich zur Rechenschaft ziehen.“ Muʿāwiya (r.a.) gab seinem Vater und seinem Bruder Kleidung und Reittiere sowie hundert Dinar. Sein Bruder ʿAmr hielt diese Gabe für ausreichend.

Abū Sufyān sagte: „Halte dies nicht für eine große Gabe. Diese Gabe wurde nicht ohne Hinds Wissen gegeben. Und diese schönen Kleidungsstücke hier hat Hind mitgebracht.“ Danach kehrten sie alle nach Medina zurück. Einmal fragte Abū Sufyān Hind: „Hast du beim Handel Gewinn gemacht?“ Hind sagte: „Allah weiß es am besten. Ich habe in Medina noch einige Geschäfte.“ Nachdem sie nach Medina gekommen war, verkaufte Hind ihre Waren und teilte ʿUmar (r.a.) mit, dass sie beim Handel Verlust gemacht hatte. ʿUmar sagte: „Wenn das Geld, das dir gegeben wurde, mein eigenes wäre, würde ich es dir erlassen. Doch dieses Geld gehört den Muslimen. Und die schönen Kleidungsstücke, die du Abū Sufyān gegeben hast, befinden sich noch bei ihm.“ Daraufhin ließ ʿUmar (r.a.) Abū Sufyān festnehmen. Er ließ die von Hind geschuldete Summe eintreiben und setzte ihn frei. ʿUmar (r.a.) fragte Abū Sufyān (r.a.): „Wie viel Bargeld hat Muʿāwiya dir gegeben?“ Abū Sufyān sagte: „Einhundert Dinar.“ [Aʿlām an-Nisāʾ 5/249]

Im Werk „Al-ʿIqd al-Farīd“ heißt es: Abū Sufyān kam von Muʿāwiya nach Medina und ging zu ʿUmar (ra) und sagte: „Gib mir etwas.“ ʿUmar (ra) erwiderte: „Ich habe nicht viel, was ich dir geben könnte.“ ʿUmar (ra) gab einem Mann seinen Siegelring und schickte ihn zu Hind. Er wies ihn an: „Sag ihr, Abū Sufyān habe dich gebeten, ihm die beiden Gefäße zu schicken, die du mitgebracht hast.“ Nach kurzer Zeit wurden die beiden Gefäße zu ʿUmar (ra) gebracht. Sie enthielten zehntausend Dirham. ʿUmar (ra) schickte die Dirham samt den Gefäßen an das Bayt al-Māl. Nach ʿUmar (ra) wurde ʿUthmān (ra) Kalif. Er wollte dieses Geld Abū Sufyān (ra) zurückgeben. Doch Abū Sufyān weigerte sich mit den Worten: „Das Geld, für das ʿUmar mich getadelt hat, werde ich keinesfalls annehmen.“[Ebenda; Al-ʿIqd al-Farīd-1/49]

Hind und Muʿāwiya

Während Hind den Sohn von Hind, Muʿāwiya (ra), noch stillte, bemühte sie sich, ihren Sohn zu einem Menschen mit Selbstachtung, Großzügigkeit, Höflichkeit und zahlreichen anderen Tugenden zu erziehen. Wenn sie ihren Sohn als kleines Kind auf dem Arm hielt und wiegte, rezitierte sie die folgenden Verse in melodischem Ton. [Nisāʾ min ʿAṣr an-Nubūwa-480]

(Arabisch***********)

„Mein Sohn stammt aus edler Herkunft und vornehmer Familie. In seiner Familie ist er hochgeschätzt und klug. Er ist weder ein Mann, der obszöne Taten begeht, noch von niederer Gesinnung. Er ist weder feige noch ein Schwächling und auch kein Sinnbild von Unheil und Unglück. Er ist der Anführer der Banu Fihr, ihres Stammes. Er lässt die Vorstellungen und Annahmen der Menschen nicht zur Lüge werden und flieht auch nicht aus Angst.“

Als Muʿāwiya (ra) noch ein kleines Kind war, sah ihn eines Tages ein Mann und bemerkte: „Ich glaube, dieser Junge wird sein Volk eines Tages führen.“[Al-ʿIqd al-Farīd-2/287; ʿUyūn al-Aḫbār-1/224]

Nach dem Tod von Yazīd ibn Abī Sufyān begannen viele zu sagen: „Wir hoffen, dass Muʿāwiya ein würdiger Nachfolger Yazīds sein wird.“ Als Hind dies hörte, bemerkte sie: „Ein Mann wie Muʿāwiya wird nicht zum Nachfolger irgendeines anderen.“ Bei Allah! Wenn man das gesamte arabische Land vereinen und ihn in seine Mitte werfen würde, könnte er an jeder Stelle, die er sich wünscht, wieder herauskommen.[Al-ʿIqd al-Farīd-3/14] Einmal sagte man zu ihr: „Wenn Muʿāwiya am Leben bleibt, wird er sein Volk regieren.“ Hind sagte: „Möge er zugrunde gehen, wenn er nicht andere als nur sein eigenes Volk regiert.“ Einmal reiste sie mit dem kleinen Muʿāwiya nach Ṭāʾif. Muʿāwiya saß auf dem Kamel vorne in der Sänfte. Als ein arabischer Beduine ihn sah, sagte er zu Hind: „Halte das Kind mit beiden Händen gut fest und erziehe es fürsorglich. Denn dieses Kind wird künftig ein großer Führer und ein Mann sein, der die Verwandtschaftsbande pflegt.“ Hind widersprach ihm und sagte: „Nein, vielmehr wird er ein hochangesehener König und ein großzügiger Mann werden.“[Aʿlām an-Nisāʾ-5/250]

Ḥazrat Muʿāwiya (ra) sagte, als er die Abstammung seiner Mutter darstellte: „Hind war in der vorislamischen Zeit eine der bedeutendsten Frauen der Quraisch und in der islamischen Zeit eine angesehene, erfahrene Frau. Ḥazrat Muʿāwiya (ra) war einer der herausragendsten klugen, intelligenten, begabten und fähigen Menschen Arabiens. All seine Eigenschaften erwarb er in größerem Maße von seiner Mutter als von seinem Vater. Später im Leben führte Ḥazrat Muʿāwiya (ra) seine eigenen Vorzüge und Eigenschaften offen stets auf seine Mutter zurück. Als Antwort auf die Kritik seiner Gegner sagte er häufig stolz: ‚Ich bin Hinds Sohn.‘[Al-Bayān wa-t-Tabyīn-2/92

Hind (r.a.) blieb bis zu ihrem Lebensende dem Versprechen gegenüber dem Gesandten Allahs (s.a.w.) treu und erfüllte es buchstäblich. Sie nahm an der Schlacht von Jarmuk teil und feuerte auf dem Schlachtfeld die Soldaten zum Kampf gegen die Römer an. Während des Kalifats von ‘Umar (r.a.) ging sie zu ihrem Sohn Mu‘awiya (r.a.). [Tarīch Dimashq, Tarājim an-Nisā’ – 437; al-A‘lām – 8/98]

Hind (r.a.) überlieferte mehrere Hadithe vom Gesandten Allahs (s.a.w.). Über sie überlieferten Mu‘awiya und die Mutter der Gläubigen, ‘A’ischa (r.a.). Einer der von ihr überlieferten Hadithe lautet: [Überliefert in fünf der sechs kanonischen Hadith-Werke, mit Ausnahme von at-Tirmidhi. Musnad Ahmad – 6/39; at-Tabaqāt – 8/237;](Arabisch********)

„Ich sagte zum Propheten (s.a.w.): ‚Abu Sufyan ist ein geiziger Mann. Er gibt weder meinem Sohn noch mir etwas, außer dem, was ich ohne sein Wissen aus seinem Vermögen nehme. Begehe ich dadurch eine Sünde?‘ Er sagte: ‚Nimm auf angemessene Weise so viel, wie zur Deckung des Bedarfs deines Sohnes und deines eigenen Bedarfs ausreicht.‘“

Ibn al-Dschauzi sagte jedoch in seinem Werk „Al-Mudschtana“, dass uns nicht bekannt sei, dass Hind direkt etwas vom Gesandten Allahs (s.a.w.) überliefert habe. [A‘lām an-Nisā’ – 5/250]

Aus verschiedenen Überlieferungen ist bekannt, dass Hind (r.a.) im Jahr 14 nach der Hidschra, entsprechend 635 n. Chr., während des Kalifats des Kalifen ‘Umar (r.a.) starb. Am selben Tag, an dem sie starb, verstarb auch Abu Quhafa (r.a.), der Vater von Abu Bakr as-Siddiq (r.a.). [Usd al-Ghāba – 563; Tahdhīb al-Asmā’ wa-l-Lughāt – 2/357] Es wird jedoch auch überliefert, dass nach dem Tod Abu Sufyans (r.a.) während des Kalifats von ‘Uthman (r.a.) ein Mann Mu‘awiya (r.a.) einen Heiratsantrag für Hind überbrachte. Dieser lehnte ihn höflich mit den Worten ab, sie sei inzwischen unfruchtbar geworden und benötige keine Heirat mehr. [Al-Isāba – 4/426; Sahābiyāt – 271]

Durra (r.a.), die Tochter von Abu Lahab


Nachdem der ehrenwerte Gesandte Allahs (s.a.w.) zum Propheten berufen worden war, verbreitete er drei Jahre lang in Mekka heimlich die Botschaft des Islam. Viele folgten seinem Aufruf und glaubten an Allah und Seinen Gesandten. Obwohl bei vielen bekannt wurde, dass sie den Glauben angenommen hatten, blieb dies bei den meisten aus Angst vor der Verfolgung durch die Quraisch geheim. Zu Beginn maßen die Quraisch der Verkündigung des Gesandten (s.a.w.) keine große Bedeutung bei. Nach drei Jahren kam der ehrenwerte Dschibril (a.s.) zum Gesandten (s.a.w.) und forderte ihn auf, offen zum Islam aufzurufen. Zugleich teilte er ihm mit, dass er ein öffentlicher Warner sei. Ibn ‘Abbas (r.a.) sagte: Als dieser Vers –(Arabisch*********)

„Warne deine nächsten Verwandten“ [Sure asch-Schu‘ara – 214] – offenbart wurde, stieg der Gesandte (s.a.w.) auf den Gipfel des Berges Safa und begann mit lauter Stimme zu rufen: „O ihr Leute des Stammes Fihr, o ihr Leute des Stammes ‘Adi!“

Als sie diese Stimme hörten, versammelten sich alle führenden Männer der Quraisch. Wer nicht kommen konnte, schickte einen Vertreter, um herauszufinden, worum es ging. Als die Quraisch eintrafen, war auch Abū Lahab bei ihnen. Darauf sagte er: „Sagt mir: Wenn ich euch mitteilen würde, dass sich jenseits dieses Berges eine Gruppe Reiter verborgen hält und euch angreifen will, würdet ihr mir glauben?“ Alle sagten: „Ja, wir würden dir glauben, denn wir haben dich niemals lügen hören.“ Der Prophet (s.a.) sagte: „So hört denn: Ich bin entsandt worden, um euch vor einer schrecklichen Strafe zu warnen.“ Abū Lahab sagte: „Mögest du zugrunde gehen! Hast du uns etwa deshalb hierher gerufen?“

Nachdem Abū Lahab dies gesagt hatte, ließ Allah, der Erhabene, die Sūrat al-Lahab herab. Darin heißt es:(Arabisch*******)

„Mögen die beiden Hände Abū Lahabs zugrunde gehen, und möge auch er selbst zugrunde gehen.“ [Sahih Muslim 1/114; Sahih al-Buchārī 2/706; Tafsīr al-Chāzin 7/311; Tafsīr Ibn Kathīr: Sūrat al-Masad]

Durra (r.a.) war die Tochter dieses Abū Lahab, und ʿAbd al-Muttalib war ihr Großvater. Sie stammte aus dem haschimitischen Zweig des Quraisch-Stammes von Mekka und war eine Cousine des ehrwürdigen Gesandten Allahs (s.a.). [Usd al-Ghāba 5/449; al-Istīʿāb 4/290; Siyar aʿlām an-nubalāʾ 2/275] Bevor wir auf Durras (r.a.) Leben eingehen, ist eine kurze Darstellung ihrer Eltern nicht unangebracht.

Abū Lahab war ein Onkel des Gesandten Allahs (s.a.). Sein eigentlicher Name war ʿAbd al-ʿUzzā ibn ʿAbd al-Muttalib ibn Hāschim. Gegenüber seinem Neffen Muhammad (s.a.) hegte er großen Hass und Feindschaft. Seine Gedanken und Bemühungen, ihm Leid zuzufügen und seine Religion und seine Person herabzusetzen, kannten keine Grenzen. Wegen seiner körperlichen Schönheit und des Glanzes seines Antlitzes wurde er „Abū Lahab“ (Feuerflamme) genannt. Für den Besitzer eines strahlenden Antlitzes (Abū n-Nūr)(Arabisch****) oder (Arabisch****)(Abū d-Diyāʾ) wäre jedoch eine angemessene Bezeichnung gewesen; doch da seine künftige Bleibe die Hölle sein würde, ließ Allah die Menschen ihn von Anfang an Abū Lahab nennen. [Tafsīr Ibn Kathīr; Sūrat al-Lahab]

Obwohl Abū Lahab der Onkel des ehrwürdigen Gesandten Allahs (s.a.) war, empfand er nicht das geringste Maß an Barmherzigkeit oder Zuneigung für seinen Neffen. Sobald dieser den Anspruch auf das Prophetentum erhob und öffentlich begann, zum Islam aufzurufen, verschlechterte sich ihr Verhältnis erheblich. Er setzte seinem Neffen nach, um ihn zu erniedrigen und zu beschimpfen. Keine Gelegenheit, ihm Leid zuzufügen, ließ er ungenutzt. Auf Märkten und bei verschiedenen Versammlungen folgte er ihm, um ihn als Lügner hinzustellen. Imām Ahmad (r.a.) überliefert über Abū z-Zinād: Abū z-Zinād sagte: „Ein Mann namens Rabīʿa ibn ʿAbbād, der später den Islam annahm, erzählte mir: Ich sah den Propheten (s.a.) einmal auf dem Markt von Dhū l-Majāz, wie er die Menschen ansprach und sagte:(Arabisch******)

„O ihr Menschen! Sagt: Es gibt keinen anderen Gott außer Allah. Ihr werdet Erfolg haben.“ Eine Menschenmenge versammelte sich um ihn. Ihm folgte ein Mann mit strahlendem Antlitz, der zu den Menschen sagte: „Dieser ist ein religionsabtrünniger Lügner.“ Als ich die Leute nach der Identität dieses Mannes fragte, sagten sie: „Er ist sein Onkel Abū Lahab.“ [ebd.; Nisāʾ min āthār an-nubuwwa 191]

Aus dem Bericht von Tāriq ibn ʿAbdillāh al-Muhāribī geht hervor, dass Abū Lahab nicht nur damit beschäftigt war, die Worte des Propheten (s.a.) als Lüge hinzustellen, sondern ihn auch mit Steinen bewarf. Dadurch wurden die Fersen des Propheten (s.a.) blutig. [Tafhīm al-Qurʾān 6/522; Fī zilāl al-Qurʾān 3/282]

Nur das? Er glaubte, dass sein Vermögen ihn vor aller Demütigung, Schande und Strafe in dieser Welt und im Jenseits bewahren würde. Es wird überliefert, dass Abū Lahab, als der Gesandte (s) seine Gemeinschaft zum Glauben an Allah aufrief, sagte: Wenn das, was mein Neffe sagt, wahr ist, werde ich mich am Tag der Auferstehung durch mein Vermögen und meine Kinder freikaufen können. Damit ignorierte er diese Verkündung Allahs: [Sure asch-Schuʿarāʾ 88–89](Arabisch*******)

„An jenem Tag werden weder Vermögen noch Kinder von Nutzen sein. Nur derjenige wird Nutzen haben, der mit einem reinen Herzen zu Allah kommt.“

Vor der Berufung des Gesandten Allahs (s) zum Prophetenamt hatte Abū Lahab seine beiden Söhne ʿUtba und ʿUtayba mit den beiden Töchtern des Gesandten (s), Ruqayya und Umm Kulthūm, verheiratet. Doch nachdem der Gesandte (s) zum Propheten berufen worden war und begonnen hatte, zum Islam aufzurufen, zwang Abū Lahab seine beiden Söhne, sich von den beiden Töchtern des Propheten scheiden zu lassen. [Tafhīm al-Qurʾān 6/522; Fī Ẓilāl al-Qurʾān 3/282]

Nachdem der zweite Sohn des edlen Gesandten Allahs (s), ʿAbdullāh, verstorben war, freute sich Abū Lahab so sehr, dass er zu seinen Freunden lief und mit vor Freude bebender Stimme sagte: „Muhammad ist kinderlos geworden.“ [Tafhīm al-Qurʾān 6/490]

Die Ehefrau Abū Lahabs, die Mutter Durras (r), hieß mit ihrem eigentlichen Namen Arwā, bekannt als Umm Jamīl. Sie war die Tochter von Ḥarb ibn Umayya und die Schwester von Abū Sufyān (r). In ihrer Feindschaft gegenüber dem edlen Gesandten Allahs (s) stand sie ihrem Ehemann in nichts nach. Auf dem Weg, den der Gesandte (s) zu gehen pflegte, und vor seiner Tür streute sie Dornen aus. Sie war äußerst obszön in ihrer Ausdrucksweise und überaus streitsüchtig. Den Propheten (s) zu beschimpfen, Intrigen zu spinnen, aus den verschiedensten Vorwänden Streit anzufangen sowie Unruhe, Zwietracht und konfliktreiche Situationen zu schaffen, war ihre Beschäftigung. Kurz gesagt, sie war eine Frau von schmutzigem Charakter. Deshalb sagte Allah, der Erhabene, in Bezug auf ihre Verurteilung im Koran:

(Arabisch*******)– und seine Frau, die Brennholz trägt. [Sīrat Ibn Hišām 1/355]

Als diese Umm Jamīl erfuhr, dass Verse über die Verurteilung ihrer selbst und ihres Ehemannes offenbart worden waren, kam sie auf der Suche nach dem Gesandten Allahs (s) zur Kaaba; der Gesandte (s) befand sich gerade dort. Bei ihm war auch Ḥadrat Abū Bakr aṣ-Ṣiddīq. Die Ehefrau Abū Lahabs hielt eine Handvoll Steine in der Hand. Als sie in die Nähe des Gesandten (s) kam, nahm Allah ihr die Sehkraft. Daher konnte sie den Gesandten (s) nicht sehen, während sie Abū Bakr (r) sehen konnte. Sie trat vor Abū Bakr (r) und fragte: „Wo ist dein Gefährte? Ich habe gehört, dass er mich verurteilt hat. Bei Allah! Wenn ich ihn finde, werde ich ihm diese Steine ins Gesicht schleudern. Sieh, bei Allah! Auch ich bin eine Dichterin.“ Danach trug sie die folgenden beiden Verse vor(Arabisch****)

„Ich habe Muzammam den Gehorsam verweigert, seine Sache geleugnet und seine Religion mit Hass und Verachtung zurückgewiesen.“

Es sei angemerkt, dass die Götzendiener des damaligen Mekka den edlen Propheten nicht Muhammad (s), sondern „Muzammam“ nannten. Muhammad bedeutet „der Gepriesene“, während „Muzammam“ „der Verhasste“ bedeutet. Danach ging Umm Dschamil fort. Abu Bakr as-Siddiq (r.a.) sagte zum Propheten (s): „O Gesandter Allahs! Hat sie dich etwa nicht gesehen?“ Er sagte: „Nein, sie hat mich nicht gesehen. Allah, der Erhabene, hatte ihr den Blick von mir genommen.“ [ebd.-1/356]

Ibn Ishaq sagt, dass Abu Lahab, Hakam ibn Abu al-As ibn Umaiya, Uqba ibn Abi Mu’ait, Adi ibn Hamra, Saqafi ibn al-Asda’ und andere zu denjenigen gehörten, die den Gesandten (s) in seinem Haus quälten. Sie alle waren Nachbarn des Gesandten (s). [Ar-Rahiq al-Makhtum, 103]

Es ist wissenswert, welches Ende dieser erbitterte Feind des edlen Gesandten (s) nahm. Zur Zeit der Schlacht von Badr befand er sich in Mekka. Nachdem er die Nachricht vom Sieg der Muslime in der Schlacht gehört hatte, erkrankte er an einer pestähnlichen(Arabisch***) Krankheit namens al-Adasa und starb daran. Drei Tage lang lag seine Leiche im Haus. Aus Angst vor Ansteckung näherte sich niemand ihr. Als sie zu verwesen begann und sich der Gestank ausbreitete, warf einer seiner Söhne aus der Ferne Wasser auf sie und wusch die Leiche. Niemand aus dem Stamm Quraisch ging zu der Leiche. Danach wickelte man sie in ein Tuch, trug sie in das höher gelegene Gelände von Mekka, lehnte sie an eine Mauer und bedeckte sie mit Steinen. Dies war das schändliche irdische Ende eines erbitterten Feindes Allahs und Seines Gesandten (s). [Nisa min Asr an-Nubuwwa, 192]

In eine solch schmutzige und schreckliche Familie wurde Durra bint Abi Lahab hineingeboren und wuchs dort auf. Schon seit ihrer Kindheit sah sie die derartigen schmutzigen und geschmacklosen Taten ihrer Eltern, konnte deren Handlungen und Verhalten jedoch nicht gutheißen. Im Inneren lehnte sie diese abscheulichen Taten ihrer Eltern ab.

Allmählich erfasste sie die Botschaft des Islam. Der Islam nahm in ihrem Herzen seinen Platz ein. Eines Tages schüttelte sie die Dunkelheit des Götzendienstes ab und erstrahlte im Licht des Glaubens. (Arabisch****)(Er bringt das Lebendige aus dem Toten hervor.) So wie Allah, der Herr der Welten, das Lebendige aus dem Toten hervorbringt, kann man sagen, dass es sich auch bei Durras Annahme des Islam so verhielt.

Hazrat Durra (r.a.) nahm in Mekka den Islam an. [Az-Zirikli: Al-A’lam-2/338] Wann genau dies geschah, ist jedoch nicht zuverlässig bekannt. Sie wanderte nach Medina aus. [Siyar a’lam an-nubala-2/275] Ihr erster Ehemann war al-Harith ibn Nawfal ibn al-Harith ibn Abd al-Muttalib. Er zog auf der Seite der Quraisch in die Schlacht von Badr und fiel als Götzendiener. Mit ihm hatte Durra (r.a.) drei Söhne: Uqba, al-Walid und Abu Muslim. Nach ihrer Ankunft in Medina wurde sie zum zweiten Mal verheiratet, und zwar mit dem berühmten Gefährten Hazrat Dihya al-Kalbi (r.a.). [Tabaqat Ibn Sa’d-8/50; Nisa min Asr an-Nubuwwa-193] Dieser Dihya al-Kalbi (r.a.) war ein großer Gefährte, der den Islam in der frühen Zeit angenommen hatte. Nach Badr nahm er an allen Schlachten gemeinsam mit dem Gesandten Allahs (s) teil. Er überbrachte den Brief des Gesandten Allahs (s) an den römischen Kaiser Heraklius und begab sich zu dessen Hof. Er war außerordentlich stattlich. Dschibril (a.s.) nahm seine Gestalt an und kam bisweilen zum Gesandten Allahs (s). Er lebte bis zur Zeit des Kalifats von Hazrat Muawiya (r.a.). [Tahdhib al-Asma’ wal-Lughat-1/185]

Nachdem Hazrat Durra (r.a.) auf der Hidschra nach Medina gekommen war, erhielt sie zwar reichlich Zuneigung, Ehre und Ansehen, doch einige muslimische Frauen konnten sie nicht ohne Weiteres annehmen. In Erinnerung an das Verhalten ihrer Eltern gegenüber dem Gesandten Allahs (s) begannen sie, auf sie herabzusehen. Durra (r.a.) geriet in eine äußerst peinliche Lage. Der Gesandte (s) befreite sie aus dieser Situation. Fasst man die Überlieferungen verschiedener Quellen hierzu zusammen, ergibt sich Folgendes: „Durra bint Abi Lahab wanderte nach Medina aus und stieg im Haus von Rafi ibn al-Mu’alla az-Zurqi (r.a.) ab. Frauen aus dem Stamm Banu Zuraiq kamen zu ihr, um sie zu treffen, und sagten: Du bist doch die Tochter jenes Abu Lahab, über den offenbart wurde: “(Arabisch*********)

Wo liegt dann der Nutzen deiner Hidschra?

Mit zutiefst betrübtem Herzen kam Durra (r.a.) zum Gesandten Allahs (s.a.w.) und berichtete ihm von den Äußerungen der Frauen des Stammes Zuraiq. Der Gesandte (s.a.w.) beruhigte sie und sagte: „Setz dich.“ Danach verrichtete er das Mittagsgebet, setzte sich auf die Kanzel und schwieg eine Weile. Dann sagte er: (Arabisch*******)

„O Menschen! Warum wird mir wegen meiner Familie Leid zugefügt? Bei Allah! Meine nahen Verwandten werden am Tag der Auferstehung meine Fürsprache erlangen. Sogar die Stämme Sudā, Hakam und Sah­l1āb aus dem Jemen werden sie gewiss erlangen.[Aʿlām an-Nisāʾ-1/409; Usud al-Gāba-5/450; al-Isāba-4/490; Hayāt as-Sahāba-1/372]

In einer anderen Überlieferung heißt es, dass der Gesandte (s.a.w.) auf Durras (r.a.) Rang und Würde hinwies und sagte: (Arabisch********)

„Wer dich erzürnt, der erzürnt Allah.“[asch-Schaukānī, Durūs as-Sahāba-542;]

Hazrat Durras (r.a.) Beziehung zur Familie des Propheten war nicht fern. Deshalb besuchte sie häufig die Mutter der Gläubigen, ʿĀischa (r.a.), und erwarb von ihr Kenntnisse über verschiedene Angelegenheiten des Islam. Oft kam es sogar vor, dass beide miteinander wetteiferten, dem Gesandten Allahs zu dienen. Einen solchen Vorfall schilderte sie eines Tages folgendermaßen: Ich saß bei ʿĀischa (r.a.), als der Gesandte (s.a.w.) das Haus betrat und sagte: „Gib mir Wasser für die Gebetswaschung.“ ʿĀischa und ich liefen beide zum Wassergefäß. Ich ergriff es noch vor ʿĀischa. Nachdem der Gesandte Allahs (s.a.w.) mit diesem Wasser die Gebetswaschung vollzogen hatte, sah er mich an und sagte:

(Arabisch*****) Du gehörst zu meiner Familie, und ich gehöre zu deiner Familie.[Imam asch-Schaukānī sagte: Imam Ahmad hat diesen Hadith überliefert. Alle Überlieferer in der Überlieferungskette von Durra sind „thiqā“, also vertrauenswürdig. (Durūs as-Sahāba-543)]

Hazrat Durra (r.a.) war eine der bedeutendsten Dichterinnen der Quraisch. Sie überlieferte auch Hadithe. Insgesamt überlieferte sie drei Hadithe, teils direkt vom Propheten (s.a.w.) und teils über ʿĀischa (r.a.). Einer ihrer überlieferten Hadithe wird im Folgenden angeführt: (Arabisch******)

„Durra (r.a.) berichtet: Der Gesandte (s.a.w.) befand sich auf der Kanzel, als ein Mann aufstand und fragte: „O Gesandter Allahs! Welcher Mensch ist der beste?“ Der Gesandte (s.a.w.) sagte: „Derjenige ist der beste, der am meisten Koran rezitiert, die größte Gottesfurcht und Frömmigkeit besitzt, am häufigsten zum Guten auffordert, am häufigsten vom Schlechten abhält und die Verwandtschaftsbande am meisten pflegt.“

Der zweite von ihr überlieferte Hadith lautet: (Arabisch********)

„Keinem Lebenden darf wegen eines Verstorbenen Leid zugefügt werden.“[Al-Istiʿāb-4/291; Al-Iṣāba-4/291; Al-Aʿlām-2/338]

Sie besaß ein ausgeprägtes dichterisches Talent und widmete sich der Dichtkunst. In verschiedenen Werken finden sich unter ihrem Namen einige Gedichte von bemerkenswerter Gedankenfülle. Einige Verse aus einem ihrer Gedichte über den Fidschar-Krieg lauten wie folgt: [Aʿlām an-Nisā-1/409; Schāʿirāt al-ʿArab-120; Nisā min ʿAṣr an-Nubūwa-196] (Arabisch*********)

„Im Morgengrauen des Tages der Furcht und des Schreckens begegnen sie einem standhaften Heer, fest wie ein Berg, unter dem sich auch Anführer in der Kriegskleidung der Banū Fihr befinden.

Wenn das riesige Heer, erregt wie ein Wahnsinniger und stumm, sichtbar wird, wirst du meinen, es sei eine aufgewühlte Woge des Meeres.

Die Reiterei stürzt sich wie jagende Falken mit gezückten Schwertern vor das graue Heer.

Das tödliche Gift dieser Schwerter, einem Todesstoß gleich, erregt selbst den Kältesten unter ihnen und bringt den Heißblütigsten zum Hervorströmen.

Sie sind ein solches Volk: Wenn sich ihnen ein Stein als Hindernis in den Weg stellt, werden auch sie hart und machen selbst harten Stein weich.“

Hazrat Durra bewahrte lebenslang die Ehre und den Rang, die sie beim edlen Gesandten (s) erlangt hatte. Sie schied aus dieser Welt, während der Gesandte (s) mit ihr zufrieden war. Durra (ra) verstarb im Jahre 20 nach der Hidschra während des Kalifats des Kalifen Hazrat Umar (ra). [Nisa min ‘Asr an-Nubuwwah, 1/196]

Es sei angemerkt, dass die Geschichte drei weibliche Sahabiyyat namens Durra kennt: Durra bint Abi Sufyan, Durra bint Abi Salama und Durra bint Abi Lahab, möge Allah mit ihnen zufrieden sein.

 Umm Kulthum (ra), Tochter des Uqba


Umm Kulthum war eine Tochter aus dem Quraisch-Stamm von Mekka. Dies war ihr Beiname; ihr eigentlicher Name ist nicht bekannt. Ihr Vater war Uqba ibn Abi Mu’ayt al-Umawi und ihre Mutter Arwa bint Qurayz. [Usud al-Ghaba, 5/614; Tahdhib al-Asma’ wal-Lughat, 2/365; Siyar A’lam an-Nubala’, 2/276] Es sei angemerkt, dass insgesamt sieben weibliche Sahabiyyat namens Umm Kulthum bekannt sind. [Siehe Usud al-Ghaba, 5/612–615] Sie war die Halbschwester mütterlicherseits von Hazrat Uthman ibn Affan (ra), einem der zehn, denen das Paradies verheißen wurde, und dem dritten Kalifen des Islam. Denn Arwa bint Qurayz war auch die Mutter von Hazrat Uthman (ra). Umm Kulthums (ra) leibliche Brüder al-Walid und Umara nahmen bei der Eroberung Mekkas den Islam an. [Nisa’ min ‘Asr an-Nubuwwah, 3/383]

Der Vater von Hazrat Umm Kulthum (ra) war während des mekkanischen Lebensabschnitts des Propheten (s) ein erbitterter Feind des Edlen Propheten. Wegen seiner maßlosen Verfolgung des Propheten (s) und der schwachen Muslime in Mekka ist er in der Geschichte bekannt geworden. In der Schlacht von Badr geriet er in die Hände des muslimischen Heeres und wurde auf Anweisung des Gesandten Allahs (s) getötet. Umm Kulthum (ra) befand sich damals in Mekka. Die Historiker berichten, dass ihr nach der Nachricht von der Tötung ihres grausamen Vaters keine einzige Träne aus den Augen fiel.

Umm Kulthum (ra) nahm in jungen Jahren, während sie im Haus ihres Vaters in Mekka lebte, den Islam an und leistete dort noch vor der Auswanderung des Gesandten Allahs (s) zu seinen Händen den Treueid. Sie gehörte zu denjenigen, die in Richtung beider Qiblas beteten. [Siehe oben]

Sie war die erste Muhadschira, die floh und sich allein auf den Weg nach Medina machte.

Sie wurde in einer zutiefst islamfeindlichen Familie in Mekka geboren. Als bekannt wurde, dass sie den Islam angenommen hatte, sah sie sich äußerst schwierigen Umständen gegenüber. Sie wurde Unrecht und Verfolgung ausgesetzt. Man hielt sie im Haus gefangen, damit sie nicht gemeinsam mit den nach Medina auswandernden Muhadschirin auswandern konnte. In dieser Lage musste sie lange Zeit verbringen.

Ibn ʿAbd al-Barr (gest. 463 n. H.) berichtet, dass Umm Kulthum (r.a.) bis zum siebten Jahr nach der Hidschra nicht auswandern konnte. Unmittelbar nach dem Friedensvertrag von Hudaybiyya ergab sich in ihrem Leben die Möglichkeit zur Auswanderung nach Medina, und sie floh aus Mekka und gelangte nach Medina. Eine Bedingung des Friedensvertrags von Hudaybiyya lautete, dass jeder aus Mekka, der den Islam annahm und nach Medina ging, zurückgeschickt werden sollte. Zwei Tage nachdem Umm Kulthum (r.a.) Medina erreicht hatte, kamen ihre beiden leiblichen Brüder al-Walid und ʿUmara ibn ʿUqba nach Medina zum Gesandten Allahs (s.a.w.), um ihre Rückgabe zu fordern. Daraufhin wurde der zehnte Vers der Sure al-Mumtahana offenbart, in dem verboten wurde, die aus Mekka kommenden Frauen, die ausgewandert waren, zurückzuschicken. Nach der Offenbarung dieses Verses weigerte sich der Gesandte (s.a.w.), Umm Kulthum (r.a.) ihrem Bruder zu übergeben.[Al-Bayhaqi, Dalāʾil an-nubuwwa 4/171; al-Istīʿāb 4/465; Nasab Quraisch 145] Er sagte zu ihnen: “(Arabisch*******)

„Die Bedingung bezog sich auf die Männer, nicht auf die Frauen.“[Tafhīm al-Qurʾān, Bd. 17, S. 72; Der in Tafhīm al-Qurʾān angeführte Hadith wird unter Berufung auf Imam ar-Rāzīs Tafsīr al-Kabīr und Ibn al-ʿArabīs Ahkām al-Qurʾān erwähnt.]

Die Geschichte der Auswanderung von Umm Kulthum (r.a.) nach Medina ist höchst bemerkenswert und erstaunlich. Aus verschiedenen historischen Quellen ist bekannt, dass sie allein aus Mekka aufbrach und unterwegs einen Mann aus dem Stamm der Khuzāʿa als Begleiter gewann. Sie erreichte Medina zu Fuß, einer anderen Überlieferung zufolge auf dem Rücken eines Kamels. Ibn Saʿd (gest. 230 n. H.) sagt: Außer Umm Kulthum (r.a.) ist uns keine andere Quraisch-Frau bekannt, die allein im Zustand des Islam zu Allah und Seinem Gesandten ausgewandert wäre.[Tabaqāt 8/230]

Hören wir nun aus ihrem eigenen Mund die Geschichte und die Vorgehensweise bei ihrer Auswanderung von Mekka nach Medina:

Ein Teil meiner Familie lebte auf dem Land (in einer Oase). Ich ging allein dorthin, blieb drei oder vier Tage dort und kehrte dann wieder nach Mekka zurück. Niemand hinderte mich daran, dorthin zu gehen. Schließlich beschloss ich, nach Medina zu ziehen. Eines Tages brach ich von Mekka aus in Richtung Land auf. Diejenigen, die gekommen waren, um mich ein Stück zu begleiten, gingen ein Stück mit mir und kehrten dann um. Ich war allein unterwegs, als ich einem Mann aus dem Stamm der Khuzāʿa begegnete. Er fragte: Wohin willst du gehen?

Ich fragte: Warum stellst du diese Frage, und wer bist du?

Er sagte: Ich gehöre zum Stamm der Khuzāʿa.

Als er sagte, dass er zum Stamm der Khuzāʿa gehörte, war ich beruhigt. Denn dieser Stamm hatte mit dem Gesandten Allahs (s.a.w.) einen Friedens- und Schutzvertrag geschlossen. Ich nannte ihm meine Herkunft und sagte:

Ich bin eine Frau aus dem Stamm der Quraisch und möchte zum Gesandten Allahs (s.a.w.) gehen, aber ich kenne den Weg nicht.

Er sagte: „Ich werde dich nach Medina bringen.“

Dann brachte er mir ein Kamel. Ich stieg auf seinen Rücken.

Schließlich erreichten wir Medina. Er war ein vortrefflicher Begleiter. Möge Allah ihn reichlich belohnen. Ich ging zu Umm al-Muʾminīn Umm Salama (r.a.), stellte mich vor und erzählte ihr, wer ich war. Sie nahm mich in die Arme und sagte: „Bist du um Allahs, des Erhabenen, des Herrn der Welten, und Seines Gesandten (s.a.w.) willen ausgewandert?“

Ich sagte: „Ja. Doch ich fürchte, dass man mich zurückschicken könnte.“

Wenig später kam der Gesandte (s.a.w.) zu Umm Salama (r.a.). Als Umm Salama (r.a.) ihm von mir berichtete, hieß er mich mit den Worten „Marḥaban wa-ahlan“ willkommen.

Ich sagte: „Ich bin um meiner Religion willen zu dir geflohen. Gewähre mir Schutz. Schicke mich nicht zurück. Wenn du mich zurückschickst, werden sie mich mit einer Strafe belegen, die ich nicht ertragen kann.“

Der Gesandte (s.a.w.) sagte: „Der Erhabene Allah hat die Vereinbarung in Bezug auf Frauen für ungültig erklärt. Wie bereits erwähnt, waren in der Klausel des Vertrags von al-Hudaibiya, die die Rückgabe der Bewohner Mekkas vorsah, nur Männer genannt; über Frauen war darin nichts gesagt. Danach rezitierte der Gesandte (s.a.w.) die folgenden beiden Verse: [Sure al-Mumtaḥina, 10–11].(Arabisch**********)

„O ihr Gläubigen! Wenn gläubige Frauen zu euch auswandern, dann prüft sie; Allah weiß am besten über ihren Glauben Bescheid. Wenn ihr erkennt, dass sie gläubig sind, dann schickt sie nicht zu den Ungläubigen zurück. Die gläubigen Frauen sind den Ungläubigen nicht erlaubt, und die Ungläubigen sind den gläubigen Frauen nicht erlaubt. Erstattet ihnen, was die Ungläubigen ausgegeben haben. Es ist kein Vergehen für euch, sie zu heiraten, wenn ihr ihnen ihre Mahr gebt. Haltet nicht an der ehelichen Beziehung zu ungläubigen Frauen fest. Fordert zurück, was ihr ausgegeben habt, und die Ungläubigen sollen zurückfordern, was sie ausgegeben haben. Dies ist Allahs Gesetz; Er richtet zwischen euch. Allah ist allwissend und weise. Wenn eine eurer Frauen euch entkommt und bei den Ungläubigen bleibt und ihr dann die Gelegenheit dazu habt, dann zahlt denen, deren Frauen ihnen entkommen sind, einen Betrag in gleicher Höhe dessen, was sie ausgegeben haben. Fürchtet Allah, an den ihr glaubt.“

Danach prüfte der Gesandte Allahs (s.a.w.) Umm Kulthum (r.a.) und alle Frauen, die nach ihr nach Medina kamen, im Lichte dieses Verses. Ibn Abbas wurde gefragt: Wie prüfte der Gesandte Allahs (s.a.w.) die Frauen? Er sagte: Er ließ die nach Medina gekommenen Frauen wie folgt schwören: „Bei Allah! Ich bin nicht aus Hass und Abneigung gegen meinen Ehemann aus dem Haus gegangen. Bei Allah! Ich bin nicht aus Sehnsucht nach einem anderen Land aus einem Land in ein anderes gegangen. Bei Allah! Ich habe das Haus nicht aus irgendeiner weltlichen Gier oder Begehrlichkeit verlassen. Bei Allah! Ich habe das Haus nur aus Liebe zu Allah und zu Seinem Gesandten (s.a.w.) verlassen.“ [Mukhtasar Tafsir Ibn Kathir 3/485; Tafsir al-Chazin ma’a Haschiya al-Baghawi 7/78; Sira Ibn Hischam 2/325; Siyar A’lam an-Nubala’ 2/276; adh-Dhahabi: Tarich 2/400; Zad al-Ma’ad 3/300]

Durch das oben erwähnte Ereignis werden Umm Kulthums (r.a.) scharfer Verstand und ihr fester Glaube deutlich. Allah, der Herr der Welten, erließ ihretwegen zahlreiche besondere Bestimmungen der islamischen Scharia. Dies war eine besondere Auszeichnung für sie.

Während ihres medinensischen Lebens nahm Umm Kulthum (r.a.) unter den weiblichen Gefährten eine besonders ehrenvolle Stellung ein. Der edle Gesandte Allahs (s.a.w.) betrachtete sie mit Achtung und maß ihrer Aufrichtigkeit im Glauben große Bedeutung bei. Er nahm sie zu einigen Feldzügen mit und beauftragte sie mit der Versorgung der Verwundeten. Auch an der Kriegsbeute ließ er sie teilhaben. [Nisa min ‘Asr an-Nubuwwa 386]

Heirat

Bis zur Auswanderung heiratete Umm Kulthum (r.a.) nicht. Nach ihrer Ankunft in Medina hielten vier angesehene Gefährten um ihre Hand an. Es waren az-Zubair ibn al-Awwam, Zaid ibn Haritha, Abd ar-Rahman ibn Auf und Amr ibn al-As (r.a.). Sie beriet sich mit ihrem Halbbruder Uthman ibn Affan (r.a.). Uthman (r.a.) riet ihr, den Gesandten Allahs (s.a.w.) um Rat zu fragen. Sie ging zum Gesandten Allahs (s.a.w.) und bat ihn um seinen Rat, damit sie eine Entscheidung treffen könne. Der Gesandte (s.a.w.) sagte zu ihr: „Heirate Zaid ibn Haritha. Das wird gut für dich sein.“ Sie heiratete Zaid.

Zaid (r.a.) fiel als Märtyrer in der Schlacht von Mu’ta. Danach heiratete az-Zubair ibn al-Awwam (r.a.) sie. Az-Zubairs (r.a.) Wesen war etwas rau. Gegenüber seinen Ehefrauen verhielt er sich ziemlich streng.

Aus diesem Grund beantragte Umm Kulthum (r.a.) die Scheidung, und er ließ sich von ihr scheiden. Nachdem sie sich auf diese Weise getrennt hatten, heiratete Abd ar-Rahman ibn Auf (r.a.) sie. Abd ar-Rahman erkrankte und starb. Daraufhin heiratete Amr sie. Abd ar-Rahman erkrankte und starb. Zu jener Zeit war Amr ibn al-As (r.a.) der Statthalter von Ägypten. Er heiratete Umm Kulthum (r.a.), und sie starb in seinem Haus. [Tahdhib al-Asma wa-l-Lughat 2/365; Tahdhib at-Tahdhib 12/477; Ansab al-Aschraf 1/471; Siyar A’lam an-Nubala’ 2/277] Zu jener Zeit war das Kalifat des vierten Kalifen, Ali (r.a.), im Gange.

Kind

Im Hause von Hazrat az-Zubair ibn al-ʿAwwam (r.a.) wurde Zainab geboren, und im Hause von ʿAbdur-Rahman ibn ʿAuf (r.a.) wurden Ibrahim, Muhammad und Ismaʿil geboren. Im Hause von Hazrat Zaid und ʿAmr ibn al-ʿAs (r.a.) wurde kein Kind geboren. Im Hause von Hazrat Zaid und ʿAmr ibn al-ʿAs (r.a.) wurde kein Kind geboren. Unter ihren Kindern wurde Humayd ein Tabiʿi und ein bedeutender Faqih-Gelehrter. Er überlieferte zahlreiche Hadithe. Bereits in jungen Jahren hörte er Hadithe von seinem Onkel mütterlicherseits, Hazrat ʿUthman (r.a.). Ibn al-ʿImad al-Hanbali sagte: „Er war ein berühmter und angesehener Gelehrter.“ Er starb im Jahre 95 nach der Hidschra. [Schadharat adh-Dhahab 1/386–387]

Zu jener Zeit, als Lesen und Schreiben kaum verbreitet waren, gehörte Umm Kulthum (r.a.) zu den wenigen Frauen der Quraisch, die etwas lesen und schreiben konnten. Sie konnte lesen und schreiben. Vom Gesandten Allahs (s.a.w.) überlieferte sie zehn Hadithe. Zu denjenigen, die von ihr Hadithe überlieferten, gehörte ihr Sohn Humayd ibn Nafiʿ; auch überlieferten sie durch ihre Überlieferungskette. [Al-Istiʿab 2/794] Ihre Hadithe wurden in den beiden Sahih-Werken, Buchari und Muslim, gesammelt. Ein Hadith ist von beiden übereinstimmend überliefert. Mit Ausnahme von Ibn Madscha wurden ihre Hadithe auch in den übrigen Werken der Sihah Sitta gesammelt. [Sahabiyyat 243; Nisaʾ min ʿAsr an-Nubuwwa 388]

 Asmaʾ bint ʿUmais (r.a.)


Asmaʾ war die Tochter eines Mannes aus dem arabischen Stamm Chathʿam. Ihr Vater war ʿUmais ibn Maʿad und ihre Mutter Chawla bint ʿAuf. Ihre Mutter Chawla, auch unter dem Namen Hind bekannt, war eine Tochter des Stammes Kinana. Asmas Kunya war Umm ʿAbdillah. [Siyar Aʿlam an-Nubala 2/282] Sie war die Halbschwester der Umm al-Muʾminin Hazrat Maymuna (r.a.). [Sira Ibn Hischam 1/257; Anmerkung 7; Siyar Sahabiyyat 141] Sie heiratete Dschaʿfar ibn Abi Talib (r.a.), den älteren Bruder von Hazrat ʿAli ibn Abi Talib. [Tabaqat Ibn Saʿd 8/280; Ibn Qutaiba; Al-Maʿarif 171, 173] Sie war die leibliche oder Halbschwester einer Gruppe berühmter weiblicher Sahaba. Ihre Zahl betrug neun oder zehn. [Al-Isaba 4/231]

Sie nahm den Islam an, noch bevor der Gesandte Allahs (s.a.w.) in Mekka im Dar al-Arqam Aufenthalt nahm. [Tabaqat 8/280]

Ungefähr zu dieser Zeit nahm auch ihr Ehemann, Hazrat Dschaʿfar (r.a.), den Islam an. [Sira Ibn Hischam 1/136] Nach ihrem Übertritt zum Islam wanderte sie gemeinsam mit ihrem Ehemann nach Abessinien aus. Dort wurden ihre drei Söhne ʿAbdullah, Muhammad und ʿAun geboren. [Ebenda 1/323, 2/359; Ansab al-Aschraf 1/198; Siyar Aʿlam an-Nubala 2/283; Dschamhara Ansab al-ʿArab 390]

Nachdem sie einige Jahre in Abessinien geblieben war, gelangte sie im siebten Jahr nach der Hidschra zur Zeit der Eroberung von Chaibar direkt von Abessinien nach Medina. [Ansab al-Aschraf 1/198; Sira Ibn Hischam 2/359, 269] Nach ihrer Ankunft in Medina ging sie zum Haus der Umm al-Muʾminin Hazrat Hafsa (r.a.). Damals kam Hazrat ʿUmar (r.a.) dorthin. Er fragte: „Wer ist diese Frau?“ Man antwortete: „Asmaʾ bint ʿUmais.“ ʿUmar (r.a.) sagte: „Ja, jene Abessinierin, jene Frau vom Meer!“ Asmaʾ sagte: „Ja, genau diese.“ ʿUmar (r.a.) sagte: „Durch die Auswanderung haben wir euch hinsichtlich des Ranges übertroffen.“ Asmaʾ sagte: „Ja, das ist richtig. Ihr wart beim Gesandten Allahs (s.a.w.). Er gab euren Hungrigen zu essen und lehrte eure Unwissenden. Wir aber waren fern unserer Heimat in hilfloser Lage um Allahs und Seines Gesandten willen zurückgeblieben. Mit Geduld und Standhaftigkeit stellten wir uns immer schwereren Prüfungen und Heimsuchungen. Wir werden sehen, wenn der Gesandte Allahs (s.a.w.) zurückkehrt; dann werden wir ihm die Angelegenheit mitteilen.“ Mit einigem Unmut sprach Asmaʾ diese Worte. Inzwischen kam der Gesandte Allahs (s.a.w.) und erschien vor ihnen. Asmaʾ (r.a.) berichtete ihm alles ausführlich. Der Gesandte Allahs (s.a.w.) sagte: „Sie haben nur eine Auswanderung vollzogen, ihr aber habt zwei Auswanderungen vollzogen. In dieser Hinsicht gebührt euch der größere Rang.“ [Fath al-Bari 7/317; al-Maghazi – Kapitel über den Feldzug von Chaibar; Muslim, Hadith Nr. 2503; Fi Fadaʾil as-Sahaba; Kanz al-ʿUmmal 8/333]

Von ʿĀmir wird überliefert: Asmāʾ beklagte sich mit folgenden Worten: „O Gesandter Allahs! Diese Leute meinen, wir seien keine Auswanderer.“ Der Gesandte (s.a.s.) erwiderte: „Wer so etwas sagt, lügt. Ihr seid zweimal ausgewandert: Einmal seid ihr zum Nadschāschī ausgewandert und ein weiteres Mal zu mir.“ [aṭ-Ṭabaqāt 8/281; al-Iṣāba 4/231]

Als sich diese frohe, aus dem Mund des Gesandten Allahs (s.a.s.) verkündete Nachricht unter den Menschen verbreitete, waren die nach Abessinien Ausgewanderten überaus erfreut. Sie kamen zu Asmāʾ, um sich von ihr die Wahrheit dieser frohen Nachricht bestätigen zu lassen. [Buchārī 2/607–608; aṭ-Ṭabaqāt 8/281]

Die berühmte Schlacht von Muʾta fand im achten Jahr nach der Hidschra statt. Asmāʾs (r.a.) Ehemann Dschaʿfar (r.a.) war einer der Befehlshaber in dieser Schlacht. Er fiel dort als Märtyrer. Nachdem diese Nachricht den Gesandten Allahs (s.a.s.) erreicht hatte, eilte er zu Asmāʾs (r.a.) Haus und sagte: „Bringt mir Dschaʿfars Söhne.“ Asmāʾ wusch die Jungen, machte sie sauber und ordentlich und brachte sie vor den Gesandten Allahs (s.a.s.). Die Augen des Gesandten Allahs (s.a.s.) füllten sich mit Tränen. Er nahm die Jungen in die Arme und küsste sie. Asmāʾ fragte: „Habt ihr Nachricht von Dschaʿfar erhalten?“ Der Gesandte (s.a.s.) antwortete: „Ja, er ist als Märtyrer gefallen.“ Kaum hatte Asmāʾ dies gehört, schrie sie auf, und im Haus begann eine Totenklage. Die Nachbarinnen versammelten sich bei ihr und sagten zu ihr, der Gesandte (s.a.s.) verbiete es, sich auf die Brust zu schlagen. Darauf erhob sich der Gesandte (s.a.s.), kehrte in sein Haus zurück und sagte: „Bereitet Essen für Dschaʿfars Söhne zu, denn ihre Mutter Asmāʾ ist von Trauer und Schmerz überwältigt.“ [Musnad 6/370; Ansāb al-Aschrāf 1/380]

Danach ging der Gesandte (s.a.s.) mit betrübtem Herzen und niedergeschlagenem Gesicht zur Moschee, setzte sich dort nieder und verkündete die Nachricht vom Märtyrertod des ehrwürdigen Dschaʿfar (r.a.). Genau zu dieser Zeit kam ein Mann zum Gesandten Allahs (s.a.s.) und sagte: „Dschaʿfars Frau hat mit der Totenklage begonnen und weint.“ Er sagte zu dem Mann: „Geh und verbiete ihnen, dies zu tun.“ Nach einiger Zeit kam der Mann zurück und sagte: „O Gesandter Allahs, sie hören nicht auf.“ Er schickte ihn erneut mit derselben Anweisung fort. Doch auch das blieb wirkungslos. Da sagte der Gesandte (s.a.s.): „Füllt ihr den Mund mit Erde.“ In Ṣaḥīḥ al-Buchārī wird ebenfalls berichtet, dass ʿĀʾischa (r.a.) zu jenem Mann sagte: „Bei Allah! Wenn ihr dies nicht tut – ihr den Mund mit Erde zu füllen –, wird der Gesandte (s.a.s.) nicht von seinem Kummer befreit werden.“ Am dritten Tag ging der Gesandte (s.a.s.) zu Asmāʾs Haus und verbot ihr, die Totenklage zu halten. [Musnad 6/369]

Die zweite Ehe

Sechs Monate nach dem Märtyrertod ihres Ehemannes Dschaʿfar (r.a.), im Monat Schawwāl des achten Jahres nach der Hidschra, zur Zeit der Schlacht von Ḥunain, heiratete Asmāʾ in zweiter Ehe den ehrwürdigen Abū Bakr. Der Gesandte Allahs (s.a.s.) selbst vollzog die Eheschließung. [al-Iṣāba 4/231] Zwei Jahre nach dieser Eheschließung, im Monat Dhū l-Qaʿda des zehnten Jahres nach der Hidschra, wurde Abū Bakrs (r.a.) Sohn Muḥammad ibn Abī Bakr geboren. Asmāʾ befand sich damals auf dem Weg nach Mekka und war dem Tross des Gesandten Allahs (s.a.s.) zur Abschiedswallfahrt angeschlossen. Nachdem sie Dhū l-Ḥulaifa erreicht hatte, brachte sie Muḥammad zur Welt. Nun war sie unsicher, wie sie die Wallfahrt vollziehen sollte. Auch ihr Ehemann Abū Bakr (r.a.) wollte sie nach Medina zurückschicken. Schließlich wurde der Gesandte Allahs (s.a.s.) um seine Meinung gebeten. Der Gesandte (s.a.s.) sagte: „Sagt ihr, sie solle die Ganzkörperwaschung vornehmen und den Weihezustand für die Wallfahrt annehmen.“ [aṭ-Ṭabaqāt 8/282; Musnad 6/369; Muslim 3/185–186]

Als ihr erster Ehemann Dschaʿfar im achten Jahr nach der Hidschra starb, war der ehrwürdige Asmāʾ (r.a.) zutiefst schmerzerfüllt. Doch in der Hoffnung, Allahs und Seines Gesandten Wohlgefallen zu erlangen, verwandelte sie diese Trauer und diesen Schmerz in Geduld und Dankbarkeit. Als jedoch ihr zweiter Ehemann, der ehrwürdige Abū Bakr (r.a.), im 13. Jahr nach der Hidschra starb, wurde sie erneut von Trauer überwältigt. Durch Geduld und Standhaftigkeit überwand sie auch diese Trauer. Vor seinem Tod vermachte Abū Bakr (r.a.), dass seine Ehefrau Asmāʾ ihn waschen solle. Asmāʾ wusch ihn. [al-Muwaṭṭaʾ 1/223; aṭ-Ṭabaqāt 8/283] Nach Beendigung der Waschung sagte sie zu den anwesenden Auswanderern: „Ich faste, und außerdem ist der Tag sehr kalt. Muss auch ich eine Ganzkörperwaschung vornehmen?“ Sie sagten: „Nein.“ [al-Muwaṭṭaʾ 1/222–223; Siyar aʿlām an-nubalāʾ 2/286]

Als der ehrwürdige Abū Bakr (r.a.) starb, war Muḥammad, das in Asmāʾs Schoß von ihm gezeugte Kind, ungefähr drei Jahre alt. [aṭ-Ṭabaqāt 8/284] Später wurde dieser Muḥammad zu einem der bedeutenden Zeugen oder Akteure dieser schweren Tragödie, der Ermordung des dritten Kalifen, des ehrwürdigen ʿUṯmān (r.a.).

Nach dem Tod ihres zweiten Ehemannes Abu Bakr (r.a.) nahm Hazrat Asmaʾ Hazrat Ali (r.a.) als ihren dritten Ehemann an. Das Kind Muhammad ibn Abi Bakr zog mit seiner Mutter in den Haushalt seines Stiefvaters Ali (r.a.) und wuchs unter dessen liebevoller Fürsorge und Aufsicht auf. Es sei erwähnt, dass der eigentliche Grund dafür, dass später viele Menschen Hazrat Ali (r.a.) die Verantwortung für die Ermordung Hazrat Uthmans (r.a.) zuschieben wollten, im Verhalten dieses Stiefsohnes Muhammad lag.

Die Leser werden bemerkt haben, dass die beiden Söhne Hazrat Asmas Muhammad hießen: Muhammad ibn Jaʿfar und Muhammad ibn Abi Bakr. Eines Tages begannen die beiden Jungen, vor dem jeweils anderen ihre Vornehmheit und Überlegenheit herauszustellen, und sagten: „Ich bin angesehener als du. Mein Vater ist angesehener als dein Vater.“ Ihre Auseinandersetzung dauerte geraume Zeit an. Hazrat Ali (r.a.) sagte zu ihrer Mutter Asma: „Du selbst sollst diesen Streit zwischen ihnen entscheiden.“ Asma sagte: „Unter den jungen Männern der Araber habe ich niemanden gefunden, der besser war als Jaʿfar, und unter den älteren Männern habe ich niemanden gesehen, der besser war als Abu Bakr.“ Ali (r.a.) sagte: „Du hast mir nichts mehr zu sagen übrig gelassen. Wenn du etwas anderes als das gesagt hättest, was du gesagt hast, wäre ich unzufrieden gewesen.“ Darauf sagte Asma: „Was die guten Menschen betrifft, so sind Sie der Dritte unter diesen drei.“ [Al-Ṭabaqāt, 8/285; Siyar aʿlām an-nubalāʾ, 2/287]

Hazrat Asma gebar von Hazrat Ali (r.a.) einen Sohn namens Yahya. Ibn Saʿd überliefert jedoch in seinem Werk Aṭ-Ṭabaqāt über Muhammad ibn Umar, dass Asma von Ali (r.a.) zwei Söhne, Yahya und Awn, gebar. Die erste Überlieferung scheint die richtige zu sein, da die meisten Sīra-Gelehrten eben diese Ansicht vertreten. Allama Ibn al-Athir erklärte die letztere Ansicht für falsch. Er schrieb, dies sei eine Erfindung Ibn al-Kalbis gewesen, der ein bekannter Lügner war. [Usd al-ghāba, 5/395; Siyar aṣ-ṣaḥābiyyāt, 144; Al-Istīʿāb, 2/745] Somit hatte Hazrat Asma aus ihren drei Ehen insgesamt fünf Kinder. Im Haushalt Hazrat Jaʿfars hatte sie Muhammad, ʿAbdullah und Awn, im Haushalt Abu Bakrs (r.a.) Muhammad und im Haushalt Alis (r.a.) Yahya. [Ansāb al-ashrāf, 1/447] Alle fünf waren Söhne.

Wie bereits angedeutet wurde, geriet Muhammad ibn Abi Bakr während der Herrschaft des Kalifen Uthman in Aufruhr und Unruhen. In diesem Zusammenhang wurde er im Jahr 38 nach der Hidschra in Ägypten getötet. Sein Leichnam wurde in eine Es ausgewachsener? Eselshaut gesteckt, verbrannt und auf äußerst grausame Weise Rache an ihm genommen. Natürlich war seine Mutter Asma über ein solch tragisches Ende ihres Sohnes zutiefst betrübt. Doch sie bewahrte Geduld, ohne zusammenzubrechen. Nachdem sie diese schmerzliche Nachricht gehört hatte, breitete sie ihren Gebetsteppich aus und begann zu beten. [Al-Iṣāba, 4/231; Ṣaḥābiyyāt, 173]

Während ihres Aufenthalts in Abessinien erwarb Hazrat Asma Kenntnisse über dort verbreitete einfache Hausmittel. Als der Gesandte Allahs (s.a.w.) auf dem Krankenbett seiner letzten Krankheit lag und sich am Ende seines irdischen Lebens befand, diagnostizierten Umm Salama und Asma (r.a.) gemeinsam seine Krankheit als „Dhāt al-janb“ und wollten ihm ein Arzneimittel verabreichen. Der Gesandte (s.a.w.) lehnte jede Einnahme von Arznei ab. Genau zu diesem Zeitpunkt wurde er kurz bewusstlos. Die beiden Frauen sahen darin eine Gelegenheit. Sie öffneten seinen Mund ein wenig und gossen ihm die Arznei ein. Als seine Bewusstlosigkeit nach einiger Zeit vorüber war, fühlte er sich etwas erleichtert und sagte: „Dieses Heilmittel muss wohl von Asma verabreicht worden sein.“ [Bukhari, 2/851; Ansāb al-ashrāf, 1/545]

Von Hazrat Asma (r.a.) sind sechzig Hadithe überliefert worden. Zu den bedeutendsten Personen, die bei ihr Hadithe hörten und überlieferten, gehören ʿAbdullah ibn Jaʿfar, Ibn ʿAbbas, Qasim ibn Muhammad, ʿAbdullah ibn Shaddad ibn al-Had, ʿUrwa, Saʿid ibn al-Musayyib, Umm Awn bint Muhammad ibn Jaʿfar, Fatima bint Ali und Abu Yazid al-Madani. [Ad-Durr al-manthur, 35; Siyar aʿlām an-nubalāʾ, 2/278] Sie erwarb unmittelbar vom Gesandten Allahs (s.a.w.) Wissen über verschiedene Angelegenheiten. Der Gesandte (s.a.w.) lehrte sie ein Duʿa, das sie in Zeiten von Not und Bedrängnis sprechen sollte. Asma pflegte es zu rezitieren. [Musnad, 6/369; Kanz al-ʿummāl, 1/299]

Sie verstand sich gut auf die Traumdeutung. Deshalb ließ Umar (r.a.) gewöhnlich von ihr seine Träume deuten. [Kanz al-ʿummāl, 3/153; Al-Iṣāba, 4/231; Ḥayāt aṣ-ṣaḥāba, 3/450]

Hazrat Asmas (r.a.) dritter Ehemann, Ali (r.a.), starb im Jahr 40 nach der Hidschra als Märtyrer. Hazrat Asma verstarb einige Zeit später ebenfalls. [Tahdhīb at-tahdhīb, 12/399; Shajarāt adh-dhahab, 1/15, 48]

Eines Tages sah der Gesandte Allahs (s.a.w.s.) die drei Söhne von Asmas erstem Ehemann Jaʿfar sehr mager und schwach und fragte: „Warum sind sie in einem solchen Zustand?“ Asma sagte: „Sie sind dem bösen Blick in ungewöhnlichem Maße ausgesetzt.“ Der Gesandte Allahs (s.a.w.s.) sagte: „Warum vollziehst du dann keine Ruqya für sie?“ Hazrat Asma kannte eine Beschwörung. Sie trug sie dem Gesandten Allahs (s.a.w.s.) vor. Nachdem er sie gehört hatte, sagte er: „Ja, das ist richtig.“ [Muslim 2/223]

Hazrat Asma (r.a.) war während des Lebens des Gesandten Allahs (s.a.w.s.) eng mit seiner Familie verbunden. In manchen Überlieferungen wird berichtet, dass sie bei der Hochzeit von Hazrat Fatima (r.a.) sehr tatkräftig mitwirkte. Als Vertreterin der Brautseite ging sie zum Haus ihres Schwiegersohns ʿAli (r.a.). [Hayatus-Sahaba 2/667–668]

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42. Saʿīd Anṣārī: Siyar al-ṣaḥābiyyāt, (Azgar, 1341)

43. Sayyid Sulaymān Nadwī: Sīrat ʿĀʾiša (r.a.), (Karatschi: Urdu-Akademie Sindh)

44. Dr. ʿAbd al-Karīm Zaydān: al-Mufaṣṣal fī aḥkām al-marʾa wa-l-bayt fī al-šarīʿa al-islāmiyya, (Beirut: Muʾassasat al-Risāla, 3. Auflage, 1997)

45. al-Bāqillānī: Iʿǧāz al-Qurʾān, (Beirut: Muʾassasat al-Kutub al-Ṯaqāfiyya, 1. Auflage, 1991)

46. as-Suyūṭī: ad-Durr al-Manṯūr, (Beirut: Dār al-Maʿrifa)

47. ʿAbd al-Qādir al-Baġdādī: Ḫizānat al-adab, (Beirut: Dār Ṣādir)

48. Muḥammad ʿAlī aš-Šawkānī: Durr as-saḥābī fī manāqib al-qurabā wa-ṣ-ṣaḥāba, (Damaskus: Dār al-Fikr, 1. Auflage, 1984)

49. ʿAlī ibn Burhān ad-Dīn al-Ḥalabī: as-Sīra al-Ḥalabiyya, (Ägypten: 1. Auflage, 1964)

50. Al-Bayhaqi: Dalāʾil an-nubuwwa, (Beirut: Dār al-Kutub al-ʿIlmiyya, 1. Auflage, 1985)

51. Ahmad Khalil Jumuʿa: Nisāʾ mubashsharāt bi-l-janna, (Beirut: Dār Ibn Kathīr, 4. Auflage, 2001)

52. Muhibb ad-Dīn at-Tabarī: ar-Riyāḍ an-nāḍira fī manāqib al-ʿashara, (Beirut: Dār al-Kutub al-ʿIlmiyya, 1. Auflage, 1984)

53. Ahmad Zaynī Dahlan: as-Sīra an-nabawiyya, (Beirut: Ahliyya li-n-nashr wa-t-tawzīʿ, 1983)

54. Abū Nuʿaym al-Iṣfahānī: Ḥilyat al-awliyāʾ, (Beirut: Dār al-Kitāb al-ʿArabī, 2. Auflage, 1967)

55. Khalil Jumuʿa: Banāt aṣ-ṣaḥāb, (Beirut: al-Yamāma, 1. Auflage, 1999)

56. as-Samhūdī: Wafāʾ al-wafāʾ, (Beirut: Dār Iḥyāʾ at-Turāth al-ʿArabī, 4. Auflage, 1984)

57. Ibn ʿAsākir: Tārīkh Dimashq, (Damaskus: Dār Fikr)

58. al-Haythami: Majmaʿ az-Zawāʾid wa-Manbaʿ al-Fawāʾid, (Beirut: Muʾassasat al-Maʿārif, 19856)

59. Musʿab az-Zubayri: Nasab Quraysh, (Ägypten: Dār al-Maʿārif, 3. Auflage)

60. Ibn Qayyim: Zād al-Maʿād, (Beirut: Muʾassasat ar-Risāla, 2. Auflage, 1982)

61. Ibn Qayyim: Zād al-Maʿād, (Beirut: Muʾassasat ar-Risāla, 2. Auflage, 1982)

61. al-Wāqidi: al-Maghāzi, (Beirut: ʿĀlam al-Kutub)

62. Ibn Sayyid an-Nās: ʿUyūn al-Athar fī Funūn al-Maghāzi wa-s-Siyar, (Muʾassasat ʿIzz ad-Dīn)

63. Ibn Qutayba: ʿUyūn al-Akhbār, (Dār al-Kutub, 1963)

64. Ibn Qutayba: al-Maʿārif, (Ägypten: Dār al-Maʿārif, 4. Auflage, 1977)

65. Mansur Ali Nasif: At-Al-Dschami’ li-l-Usul, (Ägypten: Matba’at al-Babi al-Halabi, 4. Ausgabe)

66. At-Tabari: Tarich al-Umam wa-l-Muluk, (Beirut: Dar al-Kutub al-Ilmiyya, 2. Ausgabe, 1988)

67. Abd al-Badi’ Sakar: Scha’irat al-Arab, (Al-Maktab al-Islami, 1. Ausgabe, 1967)

68. Ahmad Chalil Dschum’a: Nisa’ min at-Tarich, (Damaskus: Dar al-Yamama, 1. Ausgabe, 1997)

70. Dr. Aischa Abd ar-Rahman: Taradschim Sayyidat Bayt an-Nubuwa, (Kairo: Dar ad-Dayyan li-t-Turath, 1. Ausgabe, 1988)

71. Ibn Duraid: Al-Ischtikak, (Kairo, 1958)

72. Ibn Qudama al-Maqdisi: Al-Istibsar fi Nasab as-Sahaba min al-Ansar, (Beirut: Dar al-Fiqh)

73. Imam al-Buchari: Al-Adab al-Mufrad, (Dhaka: Ahsan Publication, 2001)

74. ʿAbd ar-Raʾūf Dānāpūrī: Asah as-Sīra, (Karatschi)

75. Dr. ʿAbd al-Maʿbūd: Das Lebensbild der Gefährten des Gesandten, Bände 1–5, (Dhaka: Bangladesh Islamic Center)

76. Dr. Muḥammad ʿAbd al-Maʿbūd: Die dichterische Begabung der Gefährten des Gesandten, (Dhaka: Ahsan Publication, 1. Auflage, 2003)

77. Verschiedene Hadith-Werke