Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen

Vorwort

Durch die besondere Gnade Allahs wird „Das Leben der Gefährten des Gesandten, Band 5“ veröffentlicht. Unser vorrangiges Ziel besteht darin, den bengalischsprachigen Lesern in knapper Form die Gefährten des Propheten, möge Allah mit ihnen zufrieden sein, vorzustellen. In den zuvor veröffentlichten vier Bänden haben wir das Leben der männlichen Gefährten behandelt. Im fünften Band wird das Leben von elf „Ummuhāt al-Muʾminīn“ behandelt. Diese elf Frauen waren die „Azواج-e Mutahharāt“, die ehrwürdigen und reinsten Ehefrauen des edlen Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm.

Im Islam werden Männer und Frauen gleich betrachtet. Für beide wurden gleiche Pflichten und gleiche Rechte verkündet. So wie Männer Opfer, Entbehrungen und Beiträge zur Verbreitung und Festigung des Islam in dieser Welt geleistet haben, gilt dies auch für Frauen. So wie Männer Unterdrückung und Verfolgung erdulden mussten und aus ihrer Heimat vertrieben wurden, ertrugen auch Frauen Unterdrückung und Verfolgung und wurden zur Auswanderung gezwungen. Schulter an Schulter mit den Männern kämpften die Frauen gegen die Kräfte, die dem Islam feindlich gegenüberstanden. Kurz gesagt: Um den Islam in dieser Welt zum Sieg zu führen, standen die weiblichen Gefährten den männlichen Gefährten in keiner Hinsicht nach. Vielmehr wurde die Rolle der Frauen in manchen Bereichen zur maßgeblichen. Die erste Person, die an das Prophetentum und die Sendung des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, glaubte, war eine Frau; die erste Person, die das Gebet verrichtete, war ebenfalls eine Frau. Der Beitrag der Frauen zum Islam ist in keiner Hinsicht geringer als der der Männer. Deshalb haben wir beschlossen, den Lesern neben dem Leben und Wirken der männlichen Gefährten auch das Leben und Wirken der weiblichen Gefährten vorzustellen.

In nahezu allen Werken der auf Arabisch verfassten Wissenschaft der „Asmāʾ ar-Rijāl“ (Biografisches Charakterlexikon) werden die Namen und Lebensgeschichten der weiblichen Gefährten behandelt. Ibn Mundah (gest. 395 n. H.), Abū Nuʿaym, Ibn ʿAbd al-Barr (gest. 463 n. H.) und Abū Mūsā al-Isfahānī (gest. 581 n. H.) haben jeweils in ihren eigenen Werken Biografien weiblicher Gefährten behandelt. Ibn ʿAbd al-Barr behandelt in seinem Werk „al-Istīʿāb“ die Biografien von insgesamt 398 weiblichen Gefährten. In Muhammad ibn Saʿds (gest. 233 n. H.) Werk „at-Tabaqāt al-kubrā“ finden sich die Biografien von insgesamt 627 Frauen. Darunter sind auch 93 Frauen, die keine Gefährtinnen waren. Im achten Band seines Werkes sind die Biografien der Frauen zusammengestellt. Der Gelehrte Ibn al-Athīr verfasste unter dem Titel „Tārīkh an-Nisāʾ“ ein Werk über die Biografien von Frauen. Der Titel findet sich auch in verschiedenen später verfassten Werken. Gegenwärtig ist dieses Werk jedoch schwer aufzutreiben. Ein weiteres bedeutendes Werk Ibn al-Athīrs ist „Usd al-Ghāba fī Maʿrifat as-Sahāba“. Ein Band dieses Werkes enthält ausschließlich Lebensgeschichten von Frauen. Darin finden sich die Namen von insgesamt 1.022 weiblichen Gefährten. Ein weiterer berühmter Gelehrter des neunten islamischen Jahrhunderts war der Gelehrte Ibn Hadschar al-ʿAsqalānī (gest. 852 n. H.). Er verfasste zwei umfangreiche Werke mit den Titeln „Tahdhīb at-Tahdhīb“ und „al-Isāba fī Tamyīz as-Sahāba“. Im zwölften Band von „Tahdhīb at-Tahdhīb“ behandelt er die Biografien von 322 Frauen. Darunter befinden sich auch die Biografien einiger Tābiʿiyyāt. Im Werk „al-Isāba“ jedoch finden sich die Lebensgeschichten von 1.545 weiblichen Gefährten. In diesem Werk sind die Namen und Lebensbeschreibungen der meisten weiblichen Gefährten zu finden. Allerdings wiederholen sich unter den oben in verschiedenen Werken genannten Zahlen viele Namen. Die beiden umfangreichen Werke „Siyar Aʿlām an-Nubalāʾ“ und „Tadhkirat al-Huffāz“ stammen von Imam adh-Dhahabī (gest. 748 n. H.). Darin hat er die Biografien vieler weiblicher Gefährten aufgenommen. Die genannten Werke sind im Wesentlichen die grundlegenden Originalwerke, die über die Gefährten verfasst wurden. Alle diese Werke liegen uns vor.

Diejenigen, die den edlen Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in seinem häuslichen Leben umfassend unterstützten und den Menschen die vorbildlichen Grundsätze aus dem Familienleben des Gesandten Allahs übermittelten, waren die „Azواج-e Mutahharāt“. Allah, der Erhabene, erklärte sie zu „Ummuhāt al-Muʾminīn“ (Müttern der Gläubigen). Sie sind Vorbilder und Muster für die muslimischen Frauen. In diesem fünften Band haben wir eben ihr Leben behandelt. Ihre Zahl betrug insgesamt elf. Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, diese Welt verließ, waren es neun.

In der heutigen Zeit, in der wir Muslime stark von der westlichen Lebensauffassung beeinflusst sind und die Glaubensgrundsätze, die Kultur, die Gesetze und alles Übrige im Islam nach deren Maßstäben beurteilen und analysieren, kann insbesondere angesichts der mit großer Wucht unter dem Namen der Frauenfreiheit und des Fortschritts vorangetriebenen islamfeindlichen Aktivitäten selbst im Herzen eines Gläubigen die Frage nach der mehrfachen Eheschließung des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, aufkommen. Wir werden hier nicht versuchen, diese Frage zu beantworten. Denn diese Frage ist nicht neu; vielmehr haben Christen und Juden sie bereits vor langer Zeit aufgeworfen, und muslimische Gelehrte haben ihnen im Laufe der Zeiten auf verschiedene Weise geantwortet. Wir möchten diese Antworten nicht wiederholen. Wir möchten unsere Leser vielmehr an Folgendes erinnern: Ein wahrhaft Gläubiger muss unbedingt davon überzeugt sein, dass das gesamte Leben des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, von Allah, dem Erhabenen, selbst gelenkt und geführt wurde. Aus eigenem Willen tat oder sagte er nichts. Daher tat er alles, was er tat, nach Allahs Willen und auf Seine Anweisung. Zweitens: Ist eine Frage, wie sie durch die Propaganda von Christen und Juden in unseren Herzen aufkommt, jemals im Herzen eines männlichen oder weiblichen Gefährten aufgekommen? Die Geschichte bezeugt dies zumindest nicht. Warum sollten wir also heute verwirrt sein? Tatsächlich ist Allah allein der Besitzer aller Geschöpfe dieser Welt. Ein Besitzer hat das Recht, das, was sich in seinem Besitz befindet, wem und in welchem Maß er will zu geben. So wie in diesem Fall niemand das Recht hat, eine Frage zu stellen, ist es auch hier. Allah erlaubte Seinem Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, elf Ehefrauen zu heiraten, so wie Er einem gläubigen Mann unter bestimmten Bedingungen die Möglichkeit gab, vier Ehefrauen zu haben. Dies war Allahs Weisheit. Im Grunde handelt es sich bei all dem um eine Frage des Glaubens. Unser Glaube muss dem Glauben der edlen Gefährten gleichen. Wenn der Glaube feststeht, dass alle Handlungen und Verhaltensweisen des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, mit Allahs Willen und Erlaubnis geschahen, kann kein Zweifel und keine abwegige Frage im Herzen aufkommen – ebenso wenig, wie dies im Herzen der edlen Gefährten geschah.

Seit dem Tag, an dem die Ehefrauen des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, durch die Ehe mit ihm verbunden wurden und Allah sie zu Müttern der Gläubigen erklärte, haben sie in den Herzen aller Muslime dieser Welt einen besonderen Rang und eine besondere Ehre erlangt. Jeder Muslim und jede Muslimin hat sie stets mit noch größerer Ehre und Achtung betrachtet als die eigene Mutter. Der Rang, den sie bei der muslimischen Umma erlangt haben, hat in der Geschichte der Frauen dieser Welt kein zweites Beispiel.

Als eine Ehefrau des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) verstarb, warf sich Hazrat ʿAbdullah ibn ʿAbbās (Allah sei mit ihm zufrieden) zur Niederwerfung nieder. Die Leute fragten: „Warum verrichtest du gerade jetzt eine Niederwerfung?“ Er sagte: „Wenn ihr ein Zeichen des Jüngsten Tages seht, pflegt ihr euch niederzuwerfen. Welches größere Zeichen des Jüngsten Tages könnte es also geben als den Tod einer der Azwāj-e Muṭahharāt?“ (Abū Dāwūd: Kitāb aṣ-Ṣalāt, Bāb as-Sujūd ʿinda l-Āyāt)

Als Hazrat ʿAbdullah ibn ʿAbbās (Allah sei mit ihm zufrieden) beim Tod von Hazrat Maymūna (Allah sei mit ihr zufrieden) an dem Ort Saraf in der Nähe von Mekka anwesend war, sagte er den Leuten, als sie den Leichnam auf die Bahre hoben: „Dies ist Maymūna. Hebt ihren Leichnam mit Anstand und behandelt ihn nicht grob.“ (An-Nasāʾī: Kitāb an-Nikāḥ, Dhikru Amri Rasūlillāh, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, fi-n-Nikāḥ wa-Azwājihi)

Manche Gefährten liebten die Azwāj-e Muṭahharāt so sehr, dass sie ihnen einen großen Teil ihres eigenen Besitzes als Waqf stifteten. Hazrat ʿAbd ar-Raḥmān ibn ʿAuf (Allah sei mit ihm zufrieden) stiftete ihnen einen großen Garten als Waqf, der für viertausend Dirham verkauft worden war. (At-Tirmidhī: Manāqib ʿAbd ar-Raḥmān ibn ʿAuf)

Jeder der rechtgeleiteten Kalifen erwies den Azwāj-e Muṭahharāt große Wertschätzung und Ehre. Während seiner Kalifenzeit ließ Hazrat ʿUmar (Allah sei mit ihm zufrieden) entsprechend ihrer Anzahl neun Schalen anfertigen. Wenn Früchte oder andere Speisen zu ihm kamen, ließ er neun Schalen davon anfertigen und jeder von ihnen eine schicken. (Muwaṭṭaʾ Imām Mālik: Kitāb az-Zakāt)

Findet sich in der Geschichte irgendwo ein Vergleich zu der Ehre, die Hazrat ʿAlī (Allah sei mit ihm zufrieden) und die übrigen Gefährten der Mutter der Gläubigen, Hazrat ʿĀʾisha (Allah sei mit ihr zufrieden), während der Kamelschlacht erwiesen haben?

Hazrat Zayd ibn Ḥāritha (Allah sei mit ihm zufrieden) heiratete Hazrat Zaynab bint Jaḥsch (Allah sei mit ihr zufrieden). Etwa ein Jahr lang lebten sie zusammen als Ehepaar. Da sie sich nicht miteinander verstanden, kam es zur Trennung. Nach Ablauf der ʿIdda schickte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) eben diesen Zayd zu Zaynab (Allah sei mit ihr zufrieden), um ihr einen Heiratsantrag zu überbringen. Da der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) Zaynab (Allah sei mit ihr zufrieden) einen Heiratsantrag gemacht hatte, empfand Zayd eine solche Verehrung, Hochachtung und Ehrfurcht vor Zaynab (Allah sei mit ihr zufrieden), dass er es nicht vermochte, sie anzusehen. Er wandte das Gesicht ab und sprach mit ihr. Dies sind keine erfundenen Geschichten oder Märchen, sondern alles ist eine wirkliche Tatsache.

Als der Kalif ʿUmar (Allah sei mit ihm zufrieden) im Jahr 23 nach der Hidschra als Amīr al-Ḥajj zur Pilgerfahrt aufbrach, nahm er auch die Azwāj-e Muṭahharāt mit größter Achtung und Ehrerbietung als Reisegefährtinnen mit. Hazrat ʿUthmān (Allah sei mit ihm zufrieden) und Hazrat ʿAbd ar-Raḥmān ibn ʿAuf (Allah sei mit ihnen beiden zufrieden) übertrug er die gesamte Verantwortung für ihren Schutz und ihre Betreuung. Die beiden gingen vor und hinter den Reittieren der Azwāj-e Muṭahharāt und ließen niemanden in ihre Nähe kommen. Wenn sie irgendwo eine Rast einlegten, erlaubten sie niemandem, sich ihren Zelten zu nähern. (Aṭ-Ṭabaqāt: Biografie von ʿAbd ar-Raḥmān ibn ʿAuf)

Nach dem Tod des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) lebten viele der Ummahāt al-Muʾminīn noch lange Zeit. In ihren Biografien haben wir versucht darzustellen, in welchem Maß die muslimische Umma ihnen Ehre und Achtung erwiesen hat. Zusammengefasst ist es die Glaubenspflicht und Verantwortung eines Muslims, ihnen Verehrung, Hochachtung und Ehre entgegenzubringen. Die muslimische Umma hat diese Pflicht und Verantwortung zu keiner Zeit vergessen. Auch wir werden, wenn wir ihre Biografien lesen, in unseren Herzen stets einen heiligen Gedanken und eine ehrfurchtsvolle Haltung ihnen gegenüber bewahren.

Die Idee und der Plan, die Lebensgeschichten der Gefährten des Gesandten Allahs den bengalischsprachigen Lesern nahe zu bringen, stammen hauptsächlich von Professor A. K. M. Nazir Ahmad, dem Direktor des Bangladesh Islamic Centre. Sein Interesse und seine Ermutigung haben mich dazu angespornt, diese Arbeit so weit voranzubringen. Auf vielfältige Weise hilft und unterstützt er mich weiterhin. Dafür spreche ich ihm meinen Dank aus und bete darum, dass Allah ihm dafür eine gute Vergeltung gewähren möge.

Auch von den Lesern haben wir im Hinblick auf das Verfassen der Lebensgeschichten der Gefährten viele wertvolle Hinweise und Ratschläge erhalten. Wir bedauern, dass wir viele dieser Ratschläge nicht annehmen konnten. Wir bemühen uns, die Informationen in diesem Werk zuverlässigen arabischen und urdusprachigen Quellen zu entnehmen. Im Hinblick auf die außerordentlich hohe Ehre und Stellung der Ummahat al-Mu’minin haben wir uns nach Kräften bemüht, eine angemessene Sprache zu verwenden. Sollte den Lesern dennoch irgendeine sachliche oder sprachliche Unstimmigkeit auffallen, bitten wir sie, uns darauf aufmerksam zu machen. Möge Allah der Erhabene diese bescheidene Arbeit über die Ummahat al-Mu’minin für die muslimischen Mütter und Schwestern Bengalens annehmen. Amin\

5. September 1999

21. Bhadra 1406 Muhammad Abdul Mabud

Außerordentlicher Professor

Abteilung für Arabisch

Universität Dhaka

Dhaka–1000.

Khadīǧa bintChuwailid (r.a.)

Die erste Ehefrau des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) war die ehrenwerte Khadīǧa (r.a.). Ihre Beinamen waren „Umm Hind“ und „Umm al-Qāsim“, und ihr Ehrentitel beziehungsweise Laqab war „at-Tāhira“. Ihr Vater, Chuwailid ibn Asad, gehörte dem Clan Banū Asad des Quraisch-Stammes in Mekka an. Über ihren Vorfahren Qusayy waren ihre Abstammung und die des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) miteinander verbunden. Ihre vollständige Abstammung lautete also: Khadīǧa bint Chuwailid ibn Asad ibn ʿAbd al-ʿUzzā ibn Qusayy. Dieser Qusayy war auch der vierte Vorfahr des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Die Mutter der ehrenwerten Khadīǧa (r.a.), Fāṭima bint Zā’id, gehörte ebenfalls dem Quraisch-Stamm an. az-Zubair ibn Bakkār sagt: Bereits in der vorislamischen Zeit trug Khadīǧa den Laqab „at-Tāhira“. Diesen Beinamen erhielt sie wegen ihres keuschen und reinen Charakters, nachdem sie das entsprechende Alter und die nötige Reife erreicht hatte. Zwischen dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und der ehrenwerten Khadīǧa (r.a.) bestand eine entfernte Verwandtschaft als Tante und Neffe. Deshalb brachte die ehrenwerte Khadīǧa (r.a.) den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) nach Beginn seiner Prophetenschaft zu ihrem Cousin Waraqa ibn Nawfal und sagte: „Höre dir die Worte deines Neffen an.“ Wahrscheinlich sagte sie dies aufgrund ihrer verwandtschaftlichen Beziehung.

Die Familie der ehrenwerten Khadīǧa (r.a.) war eine vornehme und wohlhabende Familie Mekkas. Sie wurde fünfzehn Jahre vor dem „Jahr des Elefanten“, entsprechend 68 vor der Hidschra beziehungsweise 556 n. Chr., in der Stadt Mekka geboren. Hakīm ibn Hizām sagt: „Meine Tante Khadīǧa war zwei Jahre älter als ich. Ich wurde dreizehn Jahre vor dem Jahr des Elefanten geboren.“

Der Vater der ehrenwerten Khadīǧa (r.a.), Chuwailid ibn Asad, war ein angesehener Mann seines Clans. Er kam nach Mekka, schloss mit seinem Cousin ʿAbdud-Dār ibn Qusayy ein Schutz- und Bündnisabkommen und ließ sich dort dauerhaft nieder. Hier heiratete er Fāṭima bint Zā’id, eine Frau aus Mekka. Diese Fāṭima war die Mutter der ehrenwerten Khadīǧa, der Mutter der Gläubigen. Chuwailid war der Befehlshaber seines Stammes im Fidschār-Krieg. Er war Vater vieler Kinder. Sein erster Sohn war Hizām. Dessen Sohn, der berühmte Gefährte Hakīm, übernahm in der vorislamischen Zeit die Leitung des Dār an-Nadwa in Mekka. Das zweite Kind war Khadīǧa (r.a.). Das dritte Kind war ʿAwwām, der Vater des berühmten Gefährten az-Zubair (r.a.). Safiyya bint ʿAbd al-Muṭṭalib, die Tante des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und leibliche Schwester des ehrenwerten Hamza (r.a.), war die Ehefrau ʿAwwāms und somit die Mutter az-Zubairs (r.a.). Sie war also die Schwägerin der Khadīǧa (r.a.). Das vierte Kind war Hāla. Sie war die Schwiegermutter der Tochter des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), der ehrenwerten Zainab (r.a.), und somit die Mutter von Abū al-ʿĀṣ ibn ar-Rabīʿ. Abū al-ʿĀṣ war der älteste Schwiegersohn des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Das fünfte Kind war Ruqayya. Außerdem erwähnt al-Balādhurī zwei weitere Töchter namens Chālida und Raqīqa. Chālida heiratete ʿIlāǧ ibn Abī Salama, und Raqīqa heiratete ʿAbdullāh ibn Biǧād. Unter den Geschwistern der ehrenwerten Khadīǧa (r.a.) hatte allein Hāla (r.a.) das Glück, den Islam anzunehmen.

Über die Kindheit und Jugend der ehrenwerten Khadīǧa (r.a.) finden sich in den Sīra-Werken kaum Informationen. Doch auf verschiedene Weise ist bekannt, dass sie in jener Gesellschaft der Jāhiliyya mit äußerst keuschen und vorbildlichen Charaktereigenschaften aufwuchs. Ihr Vater Chuwailid achtete auf diese charakterlichen Eigenschaften seiner Tochter und wählte Waraqa ibn Nawfal, einen angesehenen Kenner der Tora und des Evangeliums im damaligen Arabien, als ihren Ehemann aus. Warum diese Ehe nicht zustande kam, darüber schweigen die Historiker. Schließlich heiratete sie zunächst Abū Hāla, Hind ibn Zurāra at-Tamīmī. Er starb noch in der Zeit der Jāhiliyya. Nach dem Tod Abū Hālas heiratete sie ʿAtīq ibn ʿĀbid, nach einer anderen Überlieferung ʿĀ’iz. Dies berichten Ibn ʿAbd al-Barr und die meisten Sīra-Gelehrten. Nach einer Überlieferung von Qatāda war ihr erster Ehemann jedoch ʿAtīq und danach Abū Hāla. Yūnus ibn Bukair überliefert, dass auch Ibn Isḥāq dieser Ansicht war. Al-Balādhurī sagt, dass ihre Ehe mit ihrem zweiten Ehemann ʿAtīq aufgelöst wurde. Danach heiratete sie den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm).

Über den Zeitpunkt des Todes des Vaters der ehrenwerten Khadīǧa (r.a.) finden sich in den Sīra-Werken zwei verschiedene Überlieferungen. Einer Überlieferung zufolge lebte er noch bis zur Hochzeit seiner Tochter mit dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und starb irgendwann danach. Einige sagen, er sei im Fidschār-Krieg gestorben. Der Historiker al-Wāqidī überliefert, dass der Vater der Khadīǧa (r.a.) vor dem Fidschār-Krieg starb und ihr Onkel ʿAmr ibn Asad sie mit dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) verheiratete. Er sagt außerdem, unter seinen Gefährten bestehe Einigkeit darüber, dass ihr Vater vor dem Fidschār-Krieg gestorben sei. Es gebe diesbezüglich keinen Meinungsunterschied. Auch Imām as-Suhailī hat dies so gesagt.

Ob ihr Vater nun gestorben war, sie von ihrem Ehemann getrennt worden war oder welcher andere Grund auch immer vorlag: Wie viele andere Frauen aus dem Quraisch-Stamm war auch die ehrenwerte Khadīǧa (r.a.) eine äußerst erfolgreiche Geschäftsfrau. Ibn Saʿd berichtet über ihre Geschäfte: „Khadīǧa war eine hochangesehene und wohlhabende Geschäftsfrau. Ihre Handelswaren wurden nach Syrien gebracht, und allein der Umfang ihrer Waren entsprach dem gesamten Warenbestand der Quraisch.“ Durch diese Aussage Ibn Saʿds lässt sich der Umfang der Geschäfte der ehrenwerten Khadīǧa (r.a.) erkennen. Sie kaufte und verkaufte im In- und Ausland Waren, indem sie gegen eine Beteiligung oder einen Lohn geeignete Personen einstellte.

Muhammad, der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), war damals ein junger Mann von vierundzwanzig oder fünfundzwanzig Jahren. Bis dahin hatte er auf einigen Handelsreisen mit seinem Onkel Abū Tālib oder allein umfangreiche Erfahrungen im Handel gesammelt. Auch seine Ehrlichkeit und Vertrauenswürdigkeit im Geschäftsleben waren in Mekka in aller Munde. Bei allen war er damals als „al-Amīn“, der Vertrauenswürdige, bekannt. Sein guter Ruf war auch der ehrenwerten Khadīǧa (r.a.) zu Ohren gekommen. Besonders von ihrer jüngeren Schwägerin Safiyya dürfte sie vieles über „al-Amīn“ Muhammad (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) gehört haben.

Zu dieser Zeit erwog Hadhrat Khadidscha (möge Allah mit ihr zufrieden sein), Waren nach Syrien zu schicken. Deshalb suchte sie nach einer geeigneten Person. Schließlich stellte sie Muhammad ibn Abdillah ein. Hier führen wir einige Berichte darüber an, wie er eingestellt wurde.

Nafisa bint Munya, die Schwester von Ya’la, berichtet: Als der Gesandte Allahs fünfundzwanzig Jahre alt geworden war, rief Abu Talib ihn eines Tages zu sich und sagte: „Mein Neffe! Ich bin ein mittelloser Mann, und auch die gegenwärtige Zeit ist für uns sehr schwierig. Wir sind in große Not geraten. Wir haben weder ein Geschäft noch andere Mittel und Möglichkeiten. Eine Handelskarawane deines Stammes zieht nach Syrien. Khadidscha sucht jemanden, den sie mit ihren Waren schicken kann. Wenn du zu ihr gingest, würde sie dich vielleicht auswählen; sie kennt deine untadelige Charakterfestigkeit. Zwar wünsche ich nicht, dass du nach Syrien gehst, und ich fürchte um dein Leben wegen der Juden, doch es gibt keinen anderen Ausweg.“ Der Gesandte Allahs erwiderte: „Vielleicht wird sie selbst jemanden schicken.“ Abu Talib sagte: „Vielleicht hat sie bereits jemand anderen eingestellt.“ Dieses Gespräch zwischen Onkel und Neffe gelangte an Khadidschas Ohr. Sie schickte einen Boten zum Gesandten Allahs und ließ ihm sagen: „Ich werde dir das Doppelte von dem zahlen, was andere dir geben würden.“

Al-Baladhuri berichtet: Als der Gesandte Allahs zwanzig Jahre alt war, sagte Abu Talib eines Tages: „Mein Neffe! Khadidscha bint Khuwaylid ist eine wohlhabende Geschäftsfrau. Sie braucht jetzt einen ehrlichen, vertrauenswürdigen und charakterfesten Mann wie dich. Wenn ich mit ihr über dich spreche, überträgt sie dir vielleicht eine ihrer Handelsangelegenheiten.“ Der Gesandte Allahs sagte: „Onkel, tu, was du für richtig hältst.“

Abu Talib ging zu Khadidscha und sprach mit ihr darüber, Muhammad mit einem ihrer Handelsgeschäfte zu betrauen. Khadidscha zeigte sich über den Vorschlag erfreut und fasste sehr schnell den Entschluss, ihn nach Syrien zu schicken.

Abdullah ibn Muhammad ibn Aqil berichtet: Abu Talib sagte zu Muhammad: „Mein Neffe! Ich habe gehört, dass Khadidscha den und den als Lohnarbeiter gegen zwei junge Kamele eingestellt hat. Damit werden wir uns in deinem Fall nicht zufriedengeben. Willst du mit ihr sprechen?“ Er erwiderte: „Onkel, tu, was du für richtig hältst.“ Daraufhin ging Abu Talib zu Khadidscha und sagte: „Khadidscha! Möchtest du Muhammad gegen Lohn einstellen? Ich habe gehört, dass du den und den für zwei junge Kamele eingestellt hast. Bei Muhammad werden wir uns mit weniger als vier Kamelen nicht zufriedengeben.“

Aus den erwähnten Berichten wird ersichtlich, dass Hadhrat Khadidscha eine bedeutende Geschäftsfrau war. Zur Führung ihrer Geschäfte stellte sie zahlreiche Arbeiter und Angestellte ein. Außerdem besaß sie ein scharfes Urteilsvermögen. Daher beging sie keineswegs einen Fehler, als sie Muhammad rechtzeitig auswählte und ihm die Verantwortung für ein Handelsgeschäft übertrug. Bei seiner Einstellung spielte Abu Talib die entscheidende Rolle. Nach seiner Einstellung sagte Abu Talib zum Gesandten Allahs: „Dies ist eine Gunst Allahs dir gegenüber.“ Muhammad brach mit Khadidschas Waren und ihrem vertrauenswürdigen Sklaven Maisara als Begleiter nach Syrien auf. Während der Reise wiesen seine Onkel seine Begleiter an, besonders auf ihn zu achten. Die Karawane erreichte Syrien. Unterwegs saß er im Schatten eines Baumes neben einer Kirche. Maisara war in einiger Entfernung mit etwas beschäftigt. Der Priester der Kirche ging auf Maisara zu und fragte: „Wer ist der Mann, der unter dem Baum ruht?“

Maisara sagte: „Ein Mann aus dem Stamm Quraisch, der zu den Bewohnern des Heiligtums von Mekka gehört.“ Der Priester sagte: „Derjenige, der jetzt unter diesem Baum ruht, kann niemand anderes als ein Prophet sein.“ Der Priester fragte weiter: „Sind seine beiden Augen rötlich?“ Maisara antwortete: „Ja. Dieser rötliche Glanz verschwindet niemals.“ Der Priester sagte: „Er ist ein Prophet. Er ist der Letzte der Propheten.“

Der Gesandte Allahs verkaufte gemeinsam mit Maisara die Waren auf dem Markt. Zu einem bestimmten Zeitpunkt geriet er dort mit einem Mann in Streit. Der Mann sagte zum Gesandten Allahs: „Schwöre bei al-Lat und al-Uzza!“ Der Gesandte Allahs erwiderte: „Ich schwöre niemals bei ihnen. Ich weise sie zurück.“ Der Mann sagte: „Du hast recht.“ Danach sagte er zu Maisara: „Bei Allah! Er ist wahrlich ein Prophet.“

Es besteht eine geringfügige Meinungsverschiedenheit darüber, zu welchem Markt der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) mit den Handelswaren von Chadidscha (möge Allah mit ihr zufrieden sein) gereist war. Einer Ansicht zufolge besuchte er den Markt von Busra in Syrien. Allama az-Zirikli erwähnte den Markt von Hauran. At-Tabari überlieferte von Ibn Schihab az-Zuhri, dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) nicht nach Syrien, sondern zu einem abessinischen Markt im Jemen gereist sei. Die Überlieferung von seiner Reise nach Syrien ist jedoch am weitesten verbreitet. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) verkaufte die Waren auf dem syrischen Markt und kaufte, was er kaufen wollte. Danach machte er sich mit Maisara auf den Weg nach Mekka. Unterwegs bemerkte Maisara, dass der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) auf seinem Kamel ritt und zwei Engel in der glühenden Mittagshitze über seinem Kopf Schatten spendeten. Auf diese Weise kehrten sie nach Mekka zurück, wo sie die Waren Chadidschas (möge Allah mit ihr zufrieden sein) verkauften. Der Gewinn aus dem Geschäft war diesmal doppelt oder beinahe doppelt so hoch. Auf dieser Reise ließ Allah, der Erhabene, im Herzen Maisaras tiefe Hochachtung und innige Liebe zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) entstehen. Er schien geradezu zu dessen Diener geworden zu sein. Als sie einen Ort namens Marr az-Zahran unweit von Mekka erreicht hatten, sagte Maisara: „Muhammad (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), geh zu Chadidscha und berichte ihr, wie Allah mit dir verfahren ist.“

Sie kehrten vom Handelsgeschäft nach Mekka zurück. Der Sklave Maisara legte seiner Herrin Chadidscha in aller Aufrichtigkeit und Zuverlässigkeit einen ausführlichen Bericht über sämtliche Handlungen des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) während der Reise, die Bemerkungen des Mönchs, den von den Engeln gespendeten Schatten, den doppelten Gewinn und andere Einzelheiten vor. Maisara sagte auch: „Ich saß mit ihm zum Essen zusammen. Wir wurden satt, und dennoch blieb der größte Teil der Speise übrig.“ Die Ereignisse dieser Reise werden in verschiedenen Büchern unterschiedlich überliefert. Der Inhalt aller Überlieferungen stimmt jedoch in diesen Punkten überein.

Chadidscha (möge Allah mit ihr zufrieden sein) war im damaligen Mekka eine kluge, verständige, entschlossene und angesehene Frau. Die Menschen aller Schichten Mekkas waren von ihrem Vermögen, ihrer Höflichkeit und ihrer gesellschaftlichen Stellung beeindruckt. Aufgrund ihrer vornehmen Abstammung war sie der Mittelpunkt der Quraisch. Viele vornehme junge Männer der Quraisch hofften, sie zur Ehefrau zu gewinnen. Viele von ihnen machten ihr Heiratsanträge und gaben dafür große Summen aus. Sie wies alle diese Anträge zurück und ließ selbst dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) einen Heiratsantrag übermitteln. Warum beschloss Chadidscha (möge Allah mit ihr zufrieden sein), den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu heiraten? Die allgemein gegebene Antwort auf diese Frage lautet, dass sie, nachdem sie aus dem Mund des treuen Sklaven Maisara von den vorzüglichen Charaktereigenschaften und den wunderbaren Ereignissen im Zusammenhang mit dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) gehört hatte, beeindruckt war und den Entschluss zur Heirat fasste. Vielleicht war dies der Hauptgrund. Darüber hinaus werden jedoch weitere Umstände überliefert. Auf der Rückkehr aus Syrien betrat der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) eines Tages auf seinem Weg Mekka. Es war gerade Mittag. Chadidscha (möge Allah mit ihr zufrieden sein) befand sich auf dem Dach ihres Hauses. Von dort aus sah sie ihn stehen: Muhammad saß auf einem Kamel, und zwei Engel spendeten ihm Schatten. Sie zeigte dieses Schauspiel auch den anderen Frauen, die bei ihr waren. Außerdem überlieferte al-Mada’ini über Ibn Abbas (möge Allah mit ihm zufrieden sein) ein weiteres Ereignis. In der Zeit der Dschahiliyya versammelten sich die Frauen Mekkas anlässlich eines Festes an einem Ort. Da erschien in der Ferne ein unbekannter Mann. Als er näher kam, verkündete er mit lauter Stimme: „O Frauen von Mekka, hört gut zu! Sehr bald wird in dieser eurer Stadt Mekka ein Prophet erscheinen. Sein Name wird Ahmad sein. Wer von euch dazu in der Lage ist, soll seine Ehefrau werden.“ Ibn Ishaq überlieferte: Chadidscha (möge Allah mit ihr zufrieden sein) hörte aus dem Mund ihres Sklaven Maisara von den Bemerkungen des Mönchs und davon, dass zwei Engel Muhammad (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) Schatten spendeten, und ging zu Waraqa ibn Nawfal, um ihm davon zu berichten. Nachdem Waraqa Chadidscha zugehört hatte, sagte er: „Chadidscha! Wenn deine Aussage wahr ist, dann ist Muhammad der Prophet dieser Gemeinschaft. Ich weiß, dass sehr bald ein Prophet dieser Gemeinschaft kommen wird. Dies ist seine Zeit.“ Danach wartete Waraqa weiter. Wahrscheinlich trugen all diese erwähnten Ereignisse dazu bei, dass Chadidscha (möge Allah mit ihr zufrieden sein) ihren Entschluss fasste.

Hier ist eine kurze Vorstellung Waraqa ibn Nawfals erforderlich. Denn um das Leben Chadidschas (möge Allah mit ihr zufrieden sein) in seinem richtigen Verlauf zu verfolgen, begegnet er uns immer wieder in der Darstellung. In der Geschichte der Frühzeit des Islams erscheint Waraqa ibn Nawfal ibn Asad ibn Abd al-Uzza wie der goldene Glanz der Morgensonne. Seine Mutter hieß Hind bint Abi Kabir. Er war in den himmlischen Schriften und im Wissen der Menschen bewandert. Er hatte keine Kinder. Er gehörte zu denjenigen, die noch vor dem Auftreten des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) als Prophet an ihn glaubten und starben.

Über die Art und Weise, wie der Heiratsantrag erfolgte, gibt es verschiedene Überlieferungen. Doch nahezu alle Überlieferungen stimmen darin überein, dass Chadidscha (möge Allah mit ihr zufrieden sein) dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) als Erste den Antrag machte.

In einer Überlieferung heißt es, dass Nafisa bint Munya sagte: Nachdem Muhammad aus Syrien zurückgekehrt war, schickte mich Chadidscha (möge Allah mit ihr zufrieden sein), um seine Haltung zu erkunden. Ich sagte zu ihm: „Muhammad, warum heiratest du nicht?“ Er erwiderte: „Ich habe nicht die Mittel, um zu heiraten.“ Ich sagte: „Wenn man dir eine schöne, wohlhabende und angesehene Frau aus vornehmer Abstammung vorschlüge, würdest du zustimmen?“ Er fragte: „Wer ist sie?“ Ich sagte: „Chadidscha.“ Er sagte: „Wie könnte das für mich möglich sein?“ Ich erwiderte: „Darum werde ich mich kümmern.“ Da stimmte er zu.

Ibn Ishaq überlieferte, dass Chadidscha eine kluge und verständige Frau war. Durch einen Boten ließ sie Muhammad (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagen: „O mein Vetter! Deine Vertrauenswürdigkeit, deine Aufrichtigkeit und dein vorzüglicher Charakter haben mich beeindruckt.“ Wahrscheinlich war dieser Bote Nafisa bint Munya.

In einer anderen Überlieferung heißt es, dass Chadidscha (möge Allah mit ihr zufrieden sein) selbst mit dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sprach und ihn bat, den Antrag ihrem Vater vorzutragen. Er lehnte jedoch mit der Begründung ab, dass Chadidschas Vater ihn wegen seiner Armut möglicherweise zurückweisen würde. Schließlich brachte Chadidscha die Angelegenheit selbst bei ihrem Vater vor und erlangte seine Zustimmung.

Manche haben gesagt, dass Khadija zunächst Nafisa entsandte, um die Haltung des Gesandten Allahs zur Heirat in Erfahrung zu bringen. Nachdem sie eine positive Antwort erhalten hatte, sprach sie selbst direkt mit dem Gesandten Allahs. Dies geschah wahrscheinlich deshalb, weil Frauen im damaligen Arabien, insbesondere Frauen aus vornehmen Familien, das Recht hatten, über die Ehe zu verhandeln und Entscheidungen zu treffen. Daher durchlief Khadija selbst alle Phasen der Eheschließung, obwohl ihr Vater oder ihr Onkel noch lebte.

Al-Kalbi berichtet: Khadija ließ dem Gesandten Allahs ausrichten, er solle ihrem Onkel Amr ibn Asad einen förmlichen Heiratsantrag machen. „Mein Vater war damals bereits ein hochbetagter Greis.“ Daraufhin teilte der Gesandte Allahs seinen Onkeln Khadijas Antrag mit. Er ging an einem bestimmten Tag gemeinsam mit seinen beiden Onkeln Abu Talib und Hamza zu Khadijas Haus. Khadija ließ eine Ziege schlachten und bereitete ein Gastmahl vor. Sie lud auch ihren Onkel Amr und die Angehörigen der Familie ein. Sie ließ ihrem Onkel Getränke reichen. Nachdem das Mahl beendet war, sagte Khadija zum Gesandten Allahs: „Bitte Abu Talib, meinem Onkel Amr in meinem Namen den förmlichen Heiratsantrag zu machen.“ Daraufhin hielt Abu Talib die Traurede und vollzog die Eheschließung des Gesandten Allahs mit Khadija. Kurze Zeit nach dieser Hochzeit verstarb Khadijas Onkel.

In diesem Zusammenhang finden sich auch einige Überlieferungen über Khadijas Vater. Imam Ahmad überliefert in seinem Musnad von Ibn Abbas: Khadijas Vater war mit dieser Ehe nicht einverstanden. Eines Tages lud Khadija in ihrem Haus ihren Vater und einige weitere Quraischiten zu einem Mahl ein. Nachdem sie sich satt gegessen und getrunken hatten und betrunken geworden waren, sagte Khadija zu ihrem Vater: „Muhammad hat um meine Hand angehalten. Gib deine Zustimmung zu dieser Ehe.“ Der Vater stimmte zu. Khadija legte ihrem Vater gemäß der Sitte neue Kleidung an. Als er wieder zu sich kam, fragte er: „Warum trage ich diese neue Kleidung?“ Khadija sagte: „Ich werde dich mit diesem Waisen Abu Talibs verheiraten?“ Da rief er: „Bei meinem Leben! Das wird niemals geschehen.“ Khadija erwiderte in herausforderndem Ton: „Willst du dich in meiner Angelegenheit vor den Quraisch als Narr darstellen? Willst du ihnen mitteilen, dass du betrunken warst?“ Aufgrund dieser Worte Khadijas stimmte er zu. Auch al-Amasch überliefert Ähnliches von Jabir ibn Samura. Imam Zuhri erwähnt ebenfalls eine solche Überlieferung.

Abu Mihlas überliefert: Khadijas Vater wurde durch Alkohol betrunken gemacht. Danach wurde Muhammad gerufen, und durch ihn wurde die Eheschließung vollzogen. Anschließend wurde dem Greis gemäß der Sitte neue Kleidung angelegt. Als er wieder nüchtern war, fragte er: „Warum trage ich diese neue Kleidung?“ Die Leute sagten zu ihm: „Diese Kleidung hat dir Muhammad, der Ehemann deiner Tochter, angelegt.“ Da geriet er in rasende Wut und ergriff eine Waffe. Auch die Banu Haschim traten zur Verteidigung bewaffnet hervor. Schließlich kam es zu einem Vergleich und einer Einigung.

In einer anderen Überlieferungskette wird berichtet, dass Khadija ihren Vater durch übermäßigen Alkoholkonsum bewusstlos machte. Sie ließ eine Kuh schlachten, bemalte den Körper ihres Vaters und zog ihm neue Kleidung an. Als er wieder zu sich kam, fragte er: „Warum wurde diese Kuh geschlachtet? Hast du mich mit Muhammad verheiratet – erinnerst du dich daran?“ Er antwortete: „Nein, das habe ich nicht getan. Die vornehmsten Söhne der Quraisch haben um deine Hand angehalten, doch ich habe dem nicht zugestimmt. Und ich sollte dich mit Muhammad verheiratet haben?“ Wie bereits erwähnt, sind sich die Sira-Gelehrten darüber uneinig, ob Khadijas Vater zur Zeit ihrer Eheschließung mit dem Gesandten Allahs noch lebte. Daher besteht auch Uneinigkeit darüber, wer bei dieser Eheschließung Khadijas Vormund (Wali) war. Einige nennen ihren Onkel Amr ibn Asad, andere ihren Bruder Amr ibn Khuwailid. Hadhrat Aischa gab sie dem Gesandten Allahs zur Ehe, weil ihr Vater vor dem Fidschar-Krieg gestorben war. Ibn Abbas fügt hinzu: „Amr war damals bereits ein hochbetagter Greis. Außer ihm lebte kein anderer Sohn Asads mehr. Auch Amr hatte keine Kinder.“ Muhammad ibn Umar sagte ebenfalls, dass Khadijas Vater vor dem Fidschar-Krieg gestorben sei. Alle Überlieferungen, in denen ihr Vater mit Khadijas Eheschließung in Verbindung gebracht wird, seien daher falsch und unbegründet. Ihr Onkel gab sie dem Gesandten Allahs zur Ehe.

Wie dem auch sei, in Anwesenheit der Angehörigen beider Seiten hielt Abu Talib, der Onkel des Gesandten Allahs, förmlich die Traurede. Obwohl sie kurz ist, gilt diese Rede aufgrund ihrer literarischen Vollendung als ein Musterbeispiel der arabischen Prosaliteratur aus der Zeit der Unwissenheit. Arabische Historiker und Liebhaber der Literatur haben die Traurede bewahrt. Zu unserer Leserschaft Information geben wir sie hier wieder.

Es wird auf Arabisch sein.

„Alles Lob gebührt Allah, der uns zu den Nachkommen Ibrahims und zur Nachkommenschaft Ismaels gemacht hat. Er hat uns eine ehrenvolle Stadt und ein von den Menschen aufgesuchtes Haus geschenkt. Er hat uns Autorität über die Menschen verliehen. Wie auch immer Muhammad ibn Abdullah mit einem beliebigen jungen Mann der Quraisch verglichen wird, seine Waagschale wird an Güte, Vorzüglichkeit und Rechtschaffenheit gewiss schwerer wiegen – auch wenn jener hinsichtlich Besitz und Wohlstand der Ärmste ist. Doch Reichtum und Besitz sind nur vergängliche und schwindende Schatten. Er empfindet Zuneigung zu Khadija bint Khuwailid, und auch Khadija empfindet dieselbe Zuneigung zu ihm. Ich übernehme die Verantwortung dafür, die von euch gewünschte Brautgabe zu entrichten.“

Über die Höhe des Brautgeldes bei der Hochzeit des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und Chadidschas (möge Allah mit ihr zufrieden sein) besteht eine gewisse Meinungsverschiedenheit. Einer Überlieferung zufolge wurden auf den Rat des Onkels ʿAmr fünfhundert Goldmünzen festgesetzt. Al-Kalbī sagt: Als Brautgeld wurden zwölf Uqīya Gold festgesetzt. Eine Uqīya entspricht vierzig Dirham. Imam adh-Dhahabī berichtet über die Überlieferungskette von Ibn Isḥāq, dass der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) Chadidscha (möge Allah mit ihr zufrieden sein) „Bil-Bakrāh“ als Brautgeld gab.

Chadidscha (möge Allah mit ihr zufrieden sein) trug selbst sämtliche Kosten beider Seiten. Sie schickte dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zwei Uqīya Gold und Silber und bat ihn, damit die Kleidung für beide sowie das Hochzeitsmahl zu organisieren.

So wurde Chadidscha (möge Allah mit ihr zufrieden sein) zur „Mutter der Gläubigen“. Dies geschah fünfzehn Jahre vor dem Beginn der Prophetie des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Über das Alter der beiden zu jener Zeit besteht unter den Sīra-Gelehrten allerdings Meinungsverschiedenheit.

Al-Kalbī überliefert über Ibn ʿAbbās (möge Allah mit ihm zufrieden sein), dass Chadidscha (möge Allah mit ihr zufrieden sein) achtundzwanzig (28) Jahre alt war, als der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sie heiratete. Die Fachleute hielten diese Überlieferung jedoch wegen ihrer schwachen Überlieferungskette nicht für akzeptabel. Az-Zurqānī erwähnt in seinem Werk „Scharḥ al-Mawāhib“, dass Chadidscha (möge Allah mit ihr zufrieden sein) zum Zeitpunkt der Heirat vierzig Jahre alt war. Imam adh-Dhahabī sagte: Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) war damals fünfundzwanzig Jahre alt, und Chadidscha (möge Allah mit ihr zufrieden sein) war fünfzehn Jahre älter als er. Auch Ḥakīm ibn Ḥizām, der Neffe Chadidschas (möge Allah mit ihr zufrieden sein), sagte dies. Al-Wāqidī überliefert über Nafīsa bint Munya, dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) vierundzwanzig Jahre alt war. In einigen Überlieferungen heißt es, der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sei fünfundzwanzig und Chadidscha (möge Allah mit ihr zufrieden sein) sechsundvierzig Jahre alt gewesen. Ebenso werden dreiundzwanzig und achtundzwanzig Jahre genannt. Die zutreffendste Meinung ist, dass sie fünfundzwanzig beziehungsweise vierzig Jahre alt waren.

Fünfzehn Jahre nach der Heirat wurde dem edlen Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) die Prophetie verliehen. Schon zuvor war Chadidscha (möge Allah mit ihr zufrieden sein) fest davon überzeugt, dass ihr Ehemann Muhammad (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ein Prophet werden würde. Im Kapitel „Der Beginn der Offenbarung“ von Ṣaḥīḥ al-Buchārī findet sich ein Hadith mit einer ausführlichen Darstellung dieses Geschehens. ʿĀ’ischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) hat es auf hervorragende Weise überliefert.

„Die erste Offenbarung an den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) begann mit wahren Träumen im Schlaf. Was immer er im Traum sah, erschien so klar wie das Licht der Morgensonne. Danach liebte er es, sich zurückzuziehen. Er ging mit Proviant zur Höhle Hira. Dort widmete er sich mehrere Tage lang der Anbetung. Wenn die Nahrung aufgebraucht war, kehrte er zu Chadidscha (möge Allah mit ihr zufrieden sein) zurück. Mit Nahrung kehrte er wieder in die Höhle zurück. Eines Tages kam in diesem Zustand die Wahrheit zu ihm. Der Engel packte ihn so fest, dass er Schmerzen verspürte. Dann ließ er ihn los und sagte erneut: Lies! Er sagte wieder: Ich kann nicht lesen. Der Engel behandelte ihn beim zweiten und dritten Mal ebenso wie beim ersten Mal. Schließlich sagte er:

Es wird auf Arabisch heißen

„Lies im Namen deines Herrn, Der erschaffen hat. Der den Menschen aus einem Blutklumpen erschaffen hat. Lies! Dein Herr ist der Allgütige, Der durch den Schreibstift gelehrt hat. Er hat den Menschen gelehrt, was er nicht wusste.“

Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) kehrte zitternd vor Angst nach Hause zurück, rief Chadscha (möge Allah mit ihr zufrieden sein) und sagte: „Bedecke mich mit einer Decke, bedecke mich mit einer Decke.“ Sie bedeckte ihn, und seine Angst legte sich. Er erzählte Chadscha (möge Allah mit ihr zufrieden sein) den ganzen Vorfall und äußerte seine Sorge um sein Leben. Chadscha (möge Allah mit ihr zufrieden sein) sagte:

Der arabische Wortlaut folgt.

„Nein, das kann niemals geschehen. Bei Allah! Er wird dich niemals erniedrigen. Du hältst die Verwandtschaftsbande fest, hilfst den Armen und Bedürftigen, bewirtest Gäste und hilfst den Menschen in Not.“

Daraufhin nahm Chadscha (möge Allah mit ihr zufrieden sein) den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) mit zu ihrem Cousin Waraka ibn Nawfal. In jener Zeit der Dschāhilīya hatte er das Christentum angenommen. Er schrieb das Evangelium in hebräischer Sprache nieder. Damals war er bereits alt und blind. Chadscha (möge Allah mit ihr zufrieden sein) sagte: „Hören Sie, was Ihr Neffe sagt.“ Er fragte: „Mein Neffe, was ist dir widerfahren?“ Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) schilderte den gesamten Vorfall. Nachdem Waraka alles angehört hatte, sagte er: „Das ist derselbe Nāmūs, den Allah zu Mūsā (Friede sei mit ihm) gesandt hat. O wenn ich an jenem Tag noch lebendig und gesund wäre! Dein Volk wird dich an jenem Tag aus deiner Heimat vertreiben.“ Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) fragte: „Werden sie mich aus meiner Heimat vertreiben?“ Er sagte: „Ja. Wann immer jemand mit etwas wie dem, was du gebracht hast, gekommen ist, hat sich die ganze Welt gegen ihn gestellt. Wenn ich diese Zeit noch erlebe und am Leben bin, werde ich dich mit jeder möglichen Hilfe unterstützen.“

Imam al-Zuhrī sagt: Chadscha (möge Allah mit ihr zufrieden sein) war die Erste, die an Allah glaubte. Danach erhielt der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) die Sendung. Nachdem er die Sendung erhalten hatte, grüßte ihn auf seinem Heimweg jeder Stein und jeder Baum. Als er nach Hause kam, sagte er zu Chadscha (möge Allah mit ihr zufrieden sein): „Derjenige, von dem ich dir zu erzählen pflegte, dass ich ihn im Traum sehe, ist Dschibrīl. Er ist mir in sichtbarer Gestalt erschienen. Mein Herr hat ihn zu mir gesandt.“ Danach erzählte er Chadscha (möge Allah mit ihr zufrieden sein) ausführlich alles, was mit der Offenbarung geschehen war. Als Chadscha (möge Allah mit ihr zufrieden sein) dies hörte, sagte sie: „Eine frohe Botschaft! Allah wird dir nichts als Gutes zukommen lassen und dir kein Unheil widerfahren lassen. Nimm an, was von Allah gekommen ist. Es ist gewiss die Wahrheit.“

Danach eilte Chadscha (möge Allah mit ihr zufrieden sein) zu ʿAddās, dem Sklaven von ʿUtba ibn Rabīʿa. Er war ein Christ aus Ninive. Chadscha (möge Allah mit ihr zufrieden sein) schwor bei Allah und fragte ʿAddās: „Weißt du etwas über Dschibrīl?“ ʿAddās sagte: „Heilig, heilig – heilig, heilig!“ Chadscha (möge Allah mit ihr zufrieden sein) sagte: „Erzähle mir bitte alles, was du über ihn weißt.“ ʿAddās sagte: „Dschibrīl ist der vertrauenswürdige Bewahrer, der zwischen Allah und Seinen Propheten vermittelt. Er kam zu Mūsā (Friede sei mit ihm) und ʿĪsā (Friede sei mit ihm).“ Von ʿAddās aus ging Chadscha (möge Allah mit ihr zufrieden sein) zu Waraka. Nachdem sie die Worte der beiden angehört hatte, kehrte sie zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zurück.

Ibn Isḥāq berichtet: Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Nachdem ich die Offenbarung empfangen hatte, trat ich aus der Höhle. Als ich mich in der Mitte des Berges befand, hörte ich eine Stimme aus Richtung des Himmels. Es war, als sagte jemand zu mir: ‚Muhammad, du bist der Gesandte Allahs.‘ Als ich den Kopf hob, sah ich Dschibrīl in Gestalt eines strahlend weißen Mannes stehen. Seine beiden Füße reichten bis zu den beiden Horizonten des Himmels. Er sagte zu mir: ‚Muhammad, du bist der Gesandte Allahs, und ich bin Dschibrīl.‘ Ich blieb stehen und betrachtete dieses Schauspiel. Wohin auch immer ich am Himmel blickte, sah ich dasselbe Bild. Ich blieb im Schatten stehen und schaute weiter. Als Chadscha bemerkte, dass ich mich verspätete, schickte sie Männer aus, um nach mir zu suchen. Sie durchsuchten das gesamte Hochland von Mekka, konnten mich aber nirgends finden und kehrten zu Chadscha zurück. Ich stand jedoch weiterhin unbeweglich an derselben Stelle.“

Nach einiger Zeit verschwand Dschibrīl. Ich kehrte nach Hause zurück und setzte mich dicht neben Chadscha. Chadscha sagte: „Abū l-Qāsim! Wo warst du? Ich hatte Männer ausgesandt, um nach dir zu suchen. Sie hatten das Hochland von Mekka abgesucht, dich aber nirgends gefunden und waren zurückgekehrt.“ Daraufhin erzählte ich ihr den gesamten Vorfall. Als sie meine Worte hörte, sagte Chadscha: „Mein Cousin, bleib standhaft. Bei Demjenigen, in dessen Hand Chadschas Leben liegt! Ich hoffe, dass du der Prophet dieser Gemeinschaft sein wirst.“ Danach bedeckte sie den Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) mit einem Umhang und ging zu Waraka.

Es wird von Ibn Abbas (Allah sei mit ihm zufrieden) überliefert: Eines Tages hielt sich der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) allein im Gebiet von Adschyad in Mekka auf. Da sah er einen Engel am Horizont sitzen, ein Bein über das andere geschlagen. Er rief laut: „O Muhammad! Ich bin Dschibril.“ Der Gesandte (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) kehrte voller Furcht eilig zu Chadidscha (Allah sei mit ihr zufrieden) zurück und sagte: „Ich fürchte, dass ich ein Wahrsager werden könnte.“ Chadidscha (Allah sei mit ihr zufrieden) sagte: „Mein Vetter! Sag so etwas nicht. Das kann nicht sein. Du hältst die Verwandtschaftsbande aufrecht, sprichst die Wahrheit und gibst anvertraute Güter zurück. Dein Charakter ist wahrlich vortrefflich.“

Abu Maisara sagte: In der ersten Zeit, nachdem der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) die Offenbarung erhalten hatte, hörte er, wenn er sich allein an einen abgeschiedenen Ort begab, den Ruf: „O Muhammad!“ Er erschrak. Er erzählte Chadidscha (Allah sei mit ihr zufrieden) davon. Chadidscha (Allah sei mit ihr zufrieden) sagte: „Allah wird dir niemals etwas Schlechtes zufügen.“ Danach schickte sie den Gesandten (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) zusammen mit Abu Bakr (Allah sei mit ihm zufrieden) zu Waraqa.

Es wird von Imam az-Zuhri überliefert: Nach dem ersten Empfang der Offenbarung durch den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) blieb die Offenbarung mehrere Tage lang aus. In der islamischen Terminologie wird diese Zeit „Fatrat al-Wahy“ genannt. Der Gesandte (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) wurde von großer Sorge erfüllt. Er begab sich weiterhin zur Höhle Hira. Eines Tages sah er Dschibril über sich und kehrte voller Angst und Schrecken zu Chadidscha (Allah sei mit ihr zufrieden) zurück. Er sagte: „Bedecke mich mit einer Decke.“ Chadidscha (Allah sei mit ihr zufrieden) bedeckte ihn mit einer Decke. In diesem Zustand wurde die Sure al-Muddaththir offenbart. Auch von Dschabir ibn Abdillah (Allah sei mit ihm zufrieden) wird dasselbe Ereignis überliefert. Er erwähnte jedoch die Offenbarung der Sure al-Muzzammil.

Chadidscha (Allah sei mit ihr zufrieden) wollte ihn eines Tages in dieser Angelegenheit prüfen. Ibn Ishaq berichtet: Eines Tages sagte Chadidscha (Allah sei mit ihr zufrieden) zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm): „Mein Vetter! Kannst du mir Bescheid geben, wenn dein Gefährte (Dschibril, Friede sei mit ihm) zu dir kommt?“ Als Dschibril dann kam, sagte der Gesandte (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) zu Chadidscha (Allah sei mit ihr zufrieden): „Dschibril ist gekommen.“ Chadidscha (Allah sei mit ihr zufrieden) setzte den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) auf ihren rechten Oberschenkel und fragte: „Kannst du ihn jetzt sehen?“ Er sagte: „Ja, ich kann ihn sehen.“ Darauf setzte Chadidscha (Allah sei mit ihr zufrieden) den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) auf ihren linken Oberschenkel und fragte erneut: „Kannst du ihn jetzt sehen?“ Er sagte: „Ja, ich kann ihn sehen.“ Danach legte Chadidscha (Allah sei mit ihr zufrieden) ihr Tuch ab und entblößte ihre Brust. Dann fragte sie: „Kannst du ihn immer noch sehen?“ Er sagte: „Nein, jetzt kann ich ihn nicht sehen.“ Da sagte Chadidscha (Allah sei mit ihr zufrieden): „Frohe Botschaft! Bei Allah, er ist gewiss ein Engel und kein Satan. Denn in diesem Zustand würde ein Engel sich zweifellos schämen.“

Eines Tages ging Chadidscha (Allah sei mit ihr zufrieden) mit Nahrung für den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) in die höher gelegenen Gegenden von Mekka, um nach ihm zu suchen. Unterwegs erschien Dschibril (Friede sei mit ihm) in Gestalt eines unbekannten Mannes und erkundigte sich nach dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm). Chadidscha (Allah sei mit ihr zufrieden) bekam Angst. Sie wurde besorgt bei dem Gedanken, dass der Mann sie vielleicht entführen könnte. Als Chadidscha (Allah sei mit ihr zufrieden) dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) später davon erzählte, sagte er: „Der Mann war Dschibril (Friede sei mit ihm). Er hat mir aufgetragen, dir seinen Friedensgruß auszurichten und dir im Paradies die frohe Botschaft von einem Haus aus Perlen und Edelsteinen zu verkünden.“

Alle zuvor erwähnten Ereignisse ereigneten sich in der Zeit unmittelbar vor dem Islam und in seiner frühen Anfangsphase. Von vielen weiteren Ereignissen ist Kenntnis erlangt worden, in denen sich Chadidschas (Allah sei mit ihr zufrieden) Geduld, Umsicht, ihre starke Zuneigung und ihr Vertrauen zu ihrem Ehemann sowie ihre Bereitschaft zeigen, in jeder Lage an seiner Seite zu stehen. Bei der Betrachtung all dieser Ereignisse wird außerdem deutlich, dass sie bereits vor dem Kommen Dschibrils (Friede sei mit ihm) zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) zu der festen Überzeugung gelangt zu sein schien, dass ihr Ehemann ein außergewöhnlicher Mensch werden würde. Er würde ein Prophet werden. Deshalb empfand sie nicht den geringsten Zweifel oder Verdacht, als der Gesandte (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) zu ihr kam und ihr erstmals mitteilte, dass Dschibril zu ihm gekommen sei und er die Offenbarung erhalten habe. Es war, als hätte sie bereits auf eine solche Nachricht gewartet und sich innerlich darauf vorbereitet. Seine verschiedenen Handlungen und sein Verhalten zu jener Zeit bestätigen und belegen diese Aussagen.

Nach ihrer Annahme des Islam stiftete Chadidscha (Allah sei mit ihr zufrieden) ihr gesamtes Vermögen und ihren ganzen Reichtum für das Ziel der Verkündung der Religion. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) gab Handel und Geschäfte auf und widmete sich der Anbetung Allahs sowie der Verbreitung und Förderung des Islam. Das gesamte Einkommen des Haushalts versiegte. Zugleich nahmen Chadidschas (Allah sei mit ihr zufrieden) Sorgen zu. Mit Geduld und Entschlossenheit begegnete sie allen widrigen Umständen. Ibn Ishaq sagt:

Es soll auf Arabisch heißen

„Den Schmerz, den der Gesandte (sallallahu alaihi wa sallam) wegen der Zurückweisung und des Unglaubens der Polytheisten empfand, nahm Allah durch Khadidscha (ra) von ihm. Denn sie tröstete den Gesandten, stand ihm bei und ermutigte ihn. All seine Worte glaubte sie ohne jedes Zögern. Das gesamte ungehörige Verhalten der Polytheisten schilderte sie dem Gesandten Allahs (sallallahu alaihi wa sallam). Ibn Ishaq sagt weiter:“

Es wird auf Arabisch sein.

„Für den Gesandten Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) war Khadidscha (ra) in religiösen Angelegenheiten ein wahrer und aufrichtiger Beistand. In allen Notlagen pflegte der Gesandte (sallallahu alaihi wa sallam) ihr seine Sorgen und Klagen anzuvertrauen.“ Im siebten Jahr der Sendung, im Monat Muharram, boykottierten die Quraisch die Muslime. Sie suchten Zuflucht im Schiʿb Abi Talib. Auch Hadhrat Khadidscha (ra) wurde dort zusammen mit dem Gesandten Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) eingeschlossen. Fast drei Jahre lang verbrachte Banu Hashim in großer Not und Hungersnot. Ihnen blieb kaum eine andere Möglichkeit zum Überleben, als die Blätter der Bäume zu essen. Hadhrat Khadidscha (ra) ertrug diese Not als Ehefrau ihres Gatten mit einem Lächeln. In diesen schweren Zeiten setzte sie ihren Einfluss ein und sorgte gelegentlich auf verschiedene Weise für etwas Nahrung. Ihre drei Neffen – Hakim ibn Hizam, Abu al-Buchtari und Zumʿa ibn al-Aswad – gehörten allesamt zu den führenden Männern der Quraisch. Obwohl sie keine Muslime waren, spielten sie auf verschiedene Weise eine bedeutende Rolle dabei, den abgesonderten Muslimen Nahrungsmittel zu schicken.

Eines Tages war Hakim ibn Hizam unterwegs und trug auf dem Kopf, den ein Diener trug, etwas Weizen zu seiner Tante Khadidscha (ra). Sie war damals zusammen mit dem Gesandten Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) im Schiʿb Abi Talib eingeschlossen. Unterwegs traf er auf den niederträchtigen Abu Dschahl. Dieser sagte mit zorniger Stimme: „Willst du den Banu Hashim Lebensmittel bringen? Bei Allah, mit diesen Lebensmitteln wirst du dort nicht hinkommen. Wenn du gehst, werde ich dich in Mekka erniedrigen und bloßstellen.“ Da kam Abu al-Buchtari ibn Hashim hinzu. Er sagte: „Warum streitet ihr?“ Abu Dschahl erwiderte: „Er will den Banu Hashim Lebensmittel bringen.“ Abu al-Buchtari sagte: „Diese Lebensmittel gehören doch seiner Tante und waren bei Hakim. Er bringt sie seiner Tante – und du stellst dich ihm dabei in den Weg? Geh aus dem Weg.“ Doch Abu Dschahl schenkte seinen Worten keine Beachtung. Daraufhin kam es zwischen den beiden zu einer heftigen Prügelei. Auf diese Weise schickte Hakim häufig Lebensmittel.

Ein anderes Mal verließ Hadhrat ʿAbbas (ra) den Schiʿb, um einige Lebensmittel zu beschaffen. Abu Dschahl plante, ihm eine Falle zu stellen. Doch Allah beschützte ihn. Als Khadidscha (ra) davon erfuhr, ließ sie ihrem Onkel Zumʿa ibn al-Aswad ausrichten: „Abu Dschahl hindert ihn am Kauf von Lebensmitteln. Weise ihn scharf zurecht.“ Zumʿa tat, was Khadidscha (ra) ihm aufgetragen hatte. Danach unterließ er diese Übergriffe.

Noch bevor das Gebet zur Pflicht erklärt worden war, verrichtete Hadhrat Khadidscha (ra) im Haus heimlich gemeinsam mit dem Gesandten Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) das Gebet. Ibn Ishaq sagt: Eines Tages, als sich der Gesandte Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) im höher gelegenen Teil von Mekka befand, kam Dschibril (a) und schlug an einer Stelle am Rand des Tals auf den Boden, worauf eine Quelle entstand. Zuerst vollzog Dschibril (a) mit diesem Wasser die Gebetswaschung; danach vollzog der Gesandte (sallallahu alaihi wa sallam) die Gebetswaschung ebenso wie er. Dschibril (a) verrichtete das Gebet, und der Gesandte (sallallahu alaihi wa sallam) betete wie er. Anschließend kam der Gesandte (sallallahu alaihi wa sallam) nach Hause, lehrte Khadidscha (ra) die Gebetswaschung und verrichtete mit ihr gemeinsam das Gebet, wodurch er es ihr praktisch beibrachte.

Ibn Ishaq erwähnt ferner, dass ʿAli (ra) eines Tages sah, wie die beiden – der Prophet (sallallahu alaihi wa sallam) und Khadidscha (ra) – das Gebet verrichteten. ʿAli (ra) fragte: „Muhammad, was ist das?“ Daraufhin trug der Gesandte (sallallahu alaihi wa sallam) ʿAli (ra) die Einladung zu der neuen Religion vor und untersagte ihm, irgendjemandem davon zu erzählen. Aus diesem Bericht geht hervor, dass Hadhrat Khadidscha (ra) unter der Umma Muhammads (sallallahu alaihi wa sallam) die Ehre erlangte, als Erste gemeinsam mit dem Gesandten Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) das Gebet zu verrichten.

Ein Mann namens ʿAfif al-Kindi war damals zum Einkaufen nach Mekka gekommen. Er hielt sich im Haus von Hadhrat ʿAbbas (ra) auf. Eines Morgens bemerkte er, wie ein junger Mann zur Kaaba kam und zum Himmel blickte. Dann stellte er sich mit dem Gesicht zur Qibla auf. Ein Junge kam und stellte sich neben ihn. Danach kam eine Frau. Auch sie stellte sich hinter die beiden. Nachdem sie das Gebet beendet hatten, gingen sie fort. ʿAfif al-Kindi beobachtete die Szene und sagte zu ʿAbbas (ra): „Etwas ganz Außergewöhnliches scheint sich anzubahnen!“ ʿAbbas (ra) sagte: „Der Junge ist ʿAli, und die Frau ist Muhammads Ehefrau. Mein Neffe ist der Ansicht, dass seine Religion die Religion des Herrn der Welten ist. Und alles, was er tut, tut er auf dessen Geheiß. Soweit ich weiß, sind sie die einzigen drei Menschen auf der Welt, die dieser neuen Religion folgen.“

Über das genaue Jahr des Todes von Hadhrat Chadidscha (r.a.) besteht eine gewisse Meinungsverschiedenheit. Es wird überliefert, dass sie drei, vier oder fünf Jahre vor der Hidschra in Mekka starb. Imam an-Nawawi sagt, dass die Angabe von vier Jahren vorher zutreffend ist. Ihr Tod ereignete sich drei Tage nach dem Tod von Abu Talib.

Al-Baladhuri sagt: Die Banu Haschim verließen das Tal von Abu Talib im zehnten Jahr der Berufung zum Prophetentum. Nachdem sie es verlassen hatten, starb Abu Talib in jenem Jahr entweder zu Beginn des Monats Dhul-Qa’da oder in der Mitte des Monats Schawwal. Über den zeitlichen Abstand zwischen dem Tod von Abu Talib und dem von Chadidscha (r.a.) gibt es unterschiedliche Angaben: 35, 25, 5 oder 3 Tage. Chadidscha (r.a.) starb zuerst. Sie wurde auf dem Friedhof von Hadsjun in Mekka beigesetzt. Zu jener Zeit war das Totengebet noch nicht eingeführt. Hakim ibn Hizam, der Neffe von Hadhrat Chadidscha (r.a.), sagte: Wir trugen sie aus dem Haus hinaus und bestatteten sie in Hadsjun. Der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) stieg in ihr Grab hinab. Sie starb im zehnten Jahr der Berufung zum Prophetentum, im Monat Ramadan, im Alter von fünfundsechzig Jahren. Auch Ibn al-Dschauzi hat dies gesagt. Von Hadhrat Aischa (r.a.) wird überliefert, dass Chadidscha (r.a.) vor der Verpflichtung zum Gebet starb. Es wird außerdem überliefert, dass sie im Monat Ramadan starb und damals fünfundsechzig Jahre alt war. Sie wurde auf dem hochgelegenen Friedhof Hadsjun in Mekka beigesetzt. Qatada und Urwa sagten, sie sei drei Jahre vor der Hidschra gestorben. Al-Waqidi sagte: Sie wurden drei Jahre vor der Hidschra aus dem Tal der Banu Haschim befreit. Danach starb Abu Talib. Beide starben im selben Jahr. Chadidscha (r.a.) starb jedoch drei Tage nach Abu Talib. Imam adh-Dhahabi sagt, dass Chadidscha (r.a.) bei ihrer Heirat mit dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) vierzig Jahre alt war und vierundzwanzig Jahre mit ihm lebte. Demnach wurde sie vierundsechzig Jahre alt.

Nach dem Tod des hochverehrten Onkels Abu Talib und der geliebten Ehefrau Chadidscha (r.a.) begann im Leben des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ein neuer Abschnitt. Es war der schwierigste Abschnitt überhaupt. Hadhrat Rasul-i Karim (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) selbst bezeichnete das Jahr ihres Todes als „Amul-Huzn“, das Jahr der Trauer und des Kummers. Durch den Tod dieser beiden dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) besonders teuren Menschen wurden die frevelhaften Quraisch völlig hemmungslos. Sie behandelten ihn äußerst grausam. In dieser Zeit, nachdem er gegenüber den Bewohnern Mekkas jede Hoffnung verloren hatte, ging er nach Taif. Wäre Chadidscha (r.a.) noch am Leben gewesen, hätte er ihr wenigstens von seinem eigenen Kummer erzählen können. Ibn Ishaq sagte: Nach dem Hinscheiden von Chadidscha (r.a.) kamen weiterhin ein Unglück nach dem anderen über den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Denn es gab damals keine Persönlichkeiten wie Abu Talib und Chadidscha (r.a.) mehr, die der polytheistischen Macht hätten Widerstand leisten können.

Ibn al-Athir sagt:

Auf Arabisch lautet es:

„Die muslimische Umma ist sich in dieser Angelegenheit darin einig, dass Hadhrat Chadidscha (r.a.) unter allen Geschöpfen Allahs die erste Muslimin war.“

Az-Zuhri, Qatada, Musa ibn Uqba, Ibn Ishaq, al-Waqidi und Said ibn Yahya sagten:

Auf Arabisch lautet es:

„Als Erste glaubten an Allah und Seinen Gesandten – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – Chadidscha, Abu Bakr und Ali – Allahs Wohlgefallen sei mit ihnen.“

Überliefert von Hudhaifa (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm). Der Gesandte Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – sagte:

Es wird auf Arabisch sein.

„Unter allen Frauen der Welt war Chadidscha (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) die Erste, die an Allah und Muhammad glaubte.“

Sa’id ibn al-Musayyib sagte:

Es wird auf Arabisch sein.

– „Unter den Frauen war Chadidscha (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) die erste Muslimin.“

Imam Nawawi sagt: Zuhri und eine große Zahl der Gelehrten haben erwähnt, dass Chadidscha (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) als Erste an Allah und Seinen Gesandten – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – glaubte. Imam Tha’labi überlieferte, dass darüber Einigkeit besteht. Als Chadidscha (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) den Islam annahm, war sie fünfzig Jahre alt. Ihr Übertritt zum Islam wirkte sich auch auf die Menschen aus ihrer väterlichen Familie aus. Zur Zeit des Aufkommens des Islam lebten fünfzehn angesehene Männer aus ihrer väterlichen Sippe, den Banu Asad ibn Abd al-Uzza. Zehn von ihnen nahmen den Islam an. Die übrigen fünf wurden als Ungläubige in der Schlacht von Badr getötet.

Hazrat Chadidscha (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) war die Mutter vieler Kinder. Von ihrem ersten Ehemann Abu Hala wurden zwei Söhne namens Hala und Hind geboren. Beide nahmen den Islam an und erlangten die Ehre, Gefährten des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) zu sein. Hind nahm an der Schlacht von Badr, nach anderer Auffassung an der Schlacht von Uhud, an der Seite des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) teil. Aus al-Baladhuris Überlieferung geht jedoch hervor, dass sie vom ersten Ehemann nur einen Sohn hatte, der Hind hieß. Er wurde nach seinem Vater benannt. Er war ein redegewandter Mann mit fließender Ausdrucksweise. In der Kamelschlacht fiel er als Märtyrer auf der Seite Alis (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm). Von ihrem zweiten Ehemann, Atik aus dem Stamm der Saqif, wurde eine Tochter namens Hindah geboren. Auch sie nahm den Islam an und erlangte die Ehre, eine Gefährtin zu sein. Einer Überlieferung zufolge hatte sie von ihrem ersten Ehemann drei Kinder: die beiden Söhne Hind und Harith sowie eine Tochter namens Zaynab. Harith wurde von einem Ungläubigen in der Nähe der jemenitischen Ecke der Kaaba als Märtyrer getötet. Die Tochter hieß Zaynab. Die Tochter aus ihrer zweiten Ehe trug den Beinamen Umm Muhammad. Sie heiratete Sayfi ibn Umayya. Ihr wurde ein Sohn namens Muhammad geboren. Deshalb wurde sie Umm Muhammad genannt.

Ibn Ishaq sagt, dass alle Kinder des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) mit Ausnahme Ibrahims aus dem Schoß von Hazrat Chadidscha geboren wurden. Sie waren: al-Qasim, at-Tayyib, Zaynab, Ruqayya, Umm Kulthum und Fatima (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr). Ibn Hischam sagt, dass der älteste Sohn des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) al-Qasim war. Danach kamen at-Tayyib und at-Tahir. Die älteste Tochter war Ruqayya, danach folgten Zaynab, Umm Kulthum und Fatima (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr).

Ibn Ishaq sagt ferner, dass al-Qasim, at-Tayyib und at-Tahir bereits in der vorislamischen Zeit starben. Alle Töchter jedoch erlebten die islamische Zeit. Sie nahmen den Islam an und wanderten gemeinsam mit dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) nach Medina aus.

Aus den Überlieferungen von Ibn Ishaq und Ibn Hischam geht hervor, dass at-Tahir und at-Tayyib zwei verschiedene Söhne waren. Dabei sind diese beiden Namen Beiname beziehungsweise Ehrentitel des Sohnes des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm), Hazrat Abdallah. Al-Waqidi sagt, dass Hazrat Chadidscha (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) im Haus des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) zwei Söhne gebar: al-Qasim und Abdallah. Da Abdallah nach dem Empfang des Prophetentums geboren wurde, wurde er at-Tahir genannt. Außerdem wurden vier Töchter geboren. Damit war sie die Mutter von insgesamt sechs Kindern. Das erste Kind war al-Qasim. Er starb vor dem Empfang des Prophetentums durch den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) in Mekka, noch im Säuglingsalter. Nach seinem Namen erhielt der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) seine Kunya beziehungsweise seinen Beinamen Abu al-Qasim. Vor seinem Tod hatte er gerade laufen gelernt. Nach al-Baladhuri war er zum Zeitpunkt seines Todes erst zwei Jahre alt.

Imam as-Suhaili überliefert, dass der Gesandte (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) nach dem Tod al-Qasims zu Chadidscha (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) ging. Weinend sagte sie: „O Gesandter Allahs! Mein kleines gestilltes Kind ist gestorben. Wenn es bis zum Ende der Stillzeit gelebt hätte, wäre mein Kummer nicht so groß gewesen.“ Der Gesandte (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) tröstete sie und sagte: „Wenn du möchtest, kann ich dich seine Stimme aus dem Inneren des Paradieses hören lassen.“ Chadidscha (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) sagte: „Allah und Sein Gesandter wissen es am besten.“ Aus dieser Überlieferung geht hervor, dass al-Qasim nicht in der vorislamischen, sondern in der islamischen Zeit starb.

Das zweite Kind war Hazrat Zaynab (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr), die älteste Tochter des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm). Sie heiratete ihren Cousin Abu al-As ibn ar-Rabi. Die Mutter von Abu al-As war Hala bint Chuwaylid.

Das dritte Kind war Hazrat Abdallah. Er wurde auch at-Tayyib und at-Tahir genannt. Da er nach dem Empfang des Prophetentums geboren wurde, erhielt er diese Bezeichnungen. Er starb als Kind in Mekka. Nach seinem Tod begannen die Ungläubigen, insbesondere As ibn Wa’il, den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) als „Abtar“ oder kinderlos zu verspotten. Daraufhin wurde aus der Sure al-Kawthar dieser Vers offenbart:

Es wird auf Arabisch lauten

– Derjenige, der dein Feind ist, ist abgeschnitten und ohne Nachkommen.

Allerdings wird auch überliefert, dass das erste Kind verstorben sei. Das vierte Kind war Hadhrat Ruqayya (ra). Ihre erste Ehe schloss sie mit Utba ibn Abi Lahab. Aufgrund seiner erbitterten Feindschaft gegenüber dem Islam ließ er sich von Hadhrat Ruqayya scheiden. Danach heiratete sie Hadhrat Uthman (ra). Nach der Hidschra verstarb sie in Medina zu Lebzeiten des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Das fünfte Kind war Hadhrat Umm Kulthum (ra). Ihre erste Ehe schloss sie mit Mu’attab, einer anderen Überlieferung zufolge mit Utayba ibn Abi Lahab. Auch er ließ sich wegen seines heftigen Hasses auf den Islam von seiner Frau Umm Kulthum scheiden. Nach dem Tod ihrer Schwester Ruqayya heiratete sie zum zweiten Mal Hadhrat Uthman (ra). Deshalb erhielt Hadhrat Uthman (ra) den Beinamen „Dhu’n-Nurayn“.

Das sechste Kind, Hadhrat Fatima (ra), war die Ehefrau des vierten Kalifen, Hadhrat Ali (ra), und die Mutter von Hadhrat Imam Hasan und Husain (ra).

Es sei angemerkt, dass Ibrahim ein Kind der Sklavin des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), Hadhrat Maria al-Qibtiyya (ra), war. Diese Maria wurde vom Herrscher Ägyptens, „al-Muqawqis“, als Geschenk zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) geschickt. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Mutter aller Kinder des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) außer Ibrahim Hadhrat Khadijat al-Kubra (ra) war.

Hadhrat Khadija (ra) kümmerte sich mit großer Liebe und Fürsorge um ihre Kinder. Sie verfügte auch über die finanziellen Mittel und stellte Ammen für die Aufzucht und das Stillen der Kinder ein. Noch vor der Geburt eines Kindes traf sie alle Vorkehrungen. Sie stellte Salama, die Sklavin von Safiyya, gegen Lohn zur Betreuung der Kinder ein. Salama stillte und ernährte sie.

Eine Überlieferung macht in gewissem Maß deutlich, wie sehr Hadhrat Khadija (ra) all ihre Kinder liebte und wie sehr sie um ihr Wohlergehen besorgt war. Eines Tages fragte sie den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm): „O Gesandter Allahs! Wo werden im Jenseits die Kinder, die von dir stammen und im Kindesalter gestorben sind, ihren Aufenthaltsort haben?“ Er antwortete: „Im Paradies.“ Sie fragte erneut: „Wohin werden die Kinder gehen, die von meinen polytheistischen Ehemännern stammen und gestorben sind?“ Er antwortete: „In die Hölle.“ Sie fragte: „Ohne irgendeine Tat?“ Er antwortete: „Allah weiß, welche Taten sie vielleicht vollbracht hätten, wenn sie am Leben geblieben wären.“ In dieser Überlieferung kommt ihre Sehnsucht nach ihren Kindern zum Ausdruck. Die Vorzüge, die Erhabenheit und die Würde der Mutter der Gläubigen, Hadhrat Khadija (ra), lassen sich nicht abschließend beschreiben. Mit staunender Bewunderung erkennen wir, wie in jener finsteren Zeit Arabiens eine Frau völlig frei von jedem Zweifel an die Prophetenschaft des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) glaubte. In ihrem Herzen gab es nicht das geringste Misstrauen oder den geringsten Zweifel. Der erste Tag des Empfangs der Offenbarung, ihr Gang zu Waraqa und ihre entschiedene Erklärung ihres Glaubens daran, dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ein Prophet sei – all dies verdient gründliche Betrachtung.

Schon vor dem Empfang der Prophetenschaft durch den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) war Khadija (ra) offenbar fest davon überzeugt, dass er ein Prophet werden würde. Daher zeigte sich nach dem Erscheinen Jibrils (a) auch nicht einen Augenblick lang die geringste Unruhe in ihrem Herzen. Dadurch treten ihre tiefe Weitsicht und ihre scharfe Beobachtungsgabe deutlich hervor. Vor und nach dem Empfang der Prophetenschaft erwies sie dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) stets Ehre und glaubte jedes seiner Worte vorbehaltlos. Während ihrer fünfundzwanzigjährigen Ehe konnte nicht einmal für einen Augenblick irgendein Zweifel in ihrem Herzen Wurzeln schlagen. Auch in jener Zeit der Unwissenheit war sie vollkommen rein. Sie betete niemals Götzen an. Eines Tages sagte der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu ihr: „Ich werde Lat und Uzza niemals anbeten.“ Khadija (ra) sagte: „Lassen Sie Lat und Uzza unerwähnt. Sprechen Sie überhaupt nicht von ihnen.“

Sie war nicht nur die erste, die an die Prophetenschaft Muhammads (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) glaubte, und die Erste, die mit ihm das Gebet verrichtete. Die Kraft, die sie dem Islam in jenen äußerst schweren Tagen verlieh, wird für immer unvergessen bleiben. In jener frühen Phase des Islam war sie in Wahrheit die Ratgeberin des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Nach ihrer Heirat mit dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) übergab sie ihrem Ehemann ihr gesamtes Vermögen. Zayd ibn Haritha (ra) war Khadijas (ra) geliebter Sklave. Auch ihn schenkte sie ihrem Ehemann.

Ibn Hischam berichtet: Hakim ibn Hizam, der Neffe von Khadidscha (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr), brachte vom Markt in Syrien viele Sklaven mit. Einer von ihnen war Zaid ibn Haritha. Seine Tante Khadidscha ging, um ihren Neffen Hakim zu besuchen. Ihr Neffe sagte: „Tante, suchen Sie sich unter diesen Sklaven denjenigen aus, der Ihnen gefällt.“ Khadidscha (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) wählte Zaid aus und nahm ihn mit. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sah Zaid und fand Gefallen an ihm. Als Khadidscha (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) dies bemerkte, schenkte sie ihn dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) befreite ihn aus der Sklaverei und nahm ihn als Adoptivsohn an.

In einer anderen Überlieferung heißt es, dass Hakim Zaid für seine Tante Khadidscha (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) auf dem Markt von Ukaz in Arabien kaufte. Es wird auch berichtet, dass der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), als er mit Maysara die Handelswaren Khadidschas (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) nach Syrien brachte, Zaid auf dieser Reise für Khadidscha kaufte. Nach ihrer Heirat übergab Khadidscha (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) Zaid dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) als Geschenk.

Khadidscha (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) liebte ihren Ehemann, den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), zutiefst. Auch die Freunde und Verwandten ihres Mannes behandelte sie mit Achtung, erkundigte sich nach ihnen und stand ihnen in ihren Nöten und Schwierigkeiten bei. Einmal kam Halima, die Amme des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), zu Besuch. Khadidscha (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) erwies ihr wie einer eigenen Schwiegermutter Achtung und Ehre und kümmerte sich fürsorglich um sie. Halima erzählte dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), dass in ihrer Gegend wegen Dürre und ausbleibenden Regens das Vieh und die Vögel verendet seien und große Not herrsche. Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sprach mit Khadidscha (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) über ihre Schwierigkeiten. Khadidscha (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) schenkte Halima vierzig Ziegen und Kamele, damit sie diese unter ihren Angehörigen verteilen konnte.

Suwaiba, die Sklavin Abu Lahabs, war eine weitere Amme des edlen Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Sie kam gelegentlich zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) erwies ihr Achtung und behandelte sie gut. Auch Khadidscha (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) erwies ihr große Achtung und Ehre. Sie bot Abu Lahab an, Suwaiba zu kaufen, um sie aus der Sklaverei zu befreien; doch er war nicht bereit, sie zu verkaufen.

Obwohl sie eine wohlhabende Frau aus Mekka war, versorgte sie ihren Ehemann eigenhändig. Neben der Erziehung der Kinder übernahm sie selbst alle häuslichen Pflichten. Auch die Sorge für die Mahlzeiten und die Ruhe ihres Mannes oblag ihr persönlich. In einem Hadith von Abu Huraira (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm) heißt es; er berichtet:

Der arabische Wortlaut lautet:

-Eines Tages kam Gabriel (Friede sei mit ihm) zum Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und sagte: „O Gesandter Allahs! Khadidscha kommt gerade mit einem Gefäß, in dem sie für dich etwas Eingemachtes, Nahrung oder ein Getränk trägt. Übermittle ihr den Friedensgruß von ihrem Herrn und von mir und verkünde ihr die frohe Botschaft von einem Haus im Paradies, das aus Perlen erbaut ist.“

Aus diesem Hadith wird deutlich, dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) nicht alle häuslichen Pflichten anderen überließ, sondern sie selbst erfüllte.

Der edle Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) liebte Khadidscha (Allah sei mit ihr zufrieden) zutiefst. Auch nach Khadidschas (Allah sei mit ihr zufrieden) Tod vergaß er ihr Andenken und ihre Verdienste keinen Augenblick lang, solange er lebte. Dies wurde durch viele Handlungen und Äußerungen des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) bewiesen und bestätigt.

Hazrat Aischa (Allah sei mit ihr zufrieden) berichtet:

Es lautet auf Arabisch

– Ich habe Khadidscha (Allah sei mit ihr zufrieden) nicht gesehen. Dennoch war ich auf sie eifersüchtiger als auf jede andere Ehefrau des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Denn der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) gedachte ihrer überaus häufig. Wann immer er eine Ziege schlachtete, schnitt er einen Teil davon ab und schickte ihn zu Khadidschas Freundinnen. Wenn ich sagte, als gäbe es auf der Welt keine andere Frau außer Khadidscha, sagte er: „Khadidscha war so. Durch sie habe ich Kinder erhalten.“

Aischa (Allah sei mit ihr zufrieden) berichtet ferner: Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) erwähnte einmal Khadidscha. Ich sagte etwas abfällig: „Sie war doch eine alte Frau. Außerdem war sie so und so. Allah hat Ihnen eine bessere Frau als sie gegeben.“ Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Allah hat mir keine bessere Frau als sie gegeben. Als die Menschen sich weigerten, mir zu glauben, glaubte sie an mich. Als die Menschen mich entbehrten, teilte sie ihren Besitz mit mir. Allah schenkte mir durch sie Kinder und versagte mir Kinder durch die anderen.“ Ich sagte: „Ich werde Sie ihretwegen nie wieder tadeln.“

In einer weiteren Überlieferung heißt es: Aischa (Allah sei mit ihr zufrieden) berichtet: Nach Khadidschas Tod pflegte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) jedes Mal, wenn in seinem Haus eine Ziege geschlachtet wurde, zu sagen: „Schickt etwas Fleisch zu den Häusern von Khadidschas Freundinnen.“ Eines Tages sagte er, als er Khadidscha erwähnte: „Ich liebe Khadidschas Freundinnen.“ Aischa (Allah sei mit ihr zufrieden) berichtet ferner: Wann immer der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) Khadidscha erwähnte, versäumte er es nicht, sie zu loben. Er verließ nicht einen einzigen Tag das Haus, ohne Khadidscha zu erwähnen. Als Aischa (Allah sei mit ihr zufrieden) eines Tages die Erwähnung Khadidschas (Allah sei mit ihr zufrieden) aus dem Mund des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) hörte, bereute sie es und sagte in Gedanken: „O Allah, wenn Du den Zorn des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) von mir nimmst, werde ich nie wieder etwas Schlechtes über sie sagen.“ Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) erkannte Aischas (Allah sei mit ihr zufrieden) inneren Zustand und sagte: „Wie konntest du so etwas sagen? Als die Menschen mich zurückwiesen, gewährte sie mir Zuflucht.“ Ein anderes Mal sagte der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu Aischa (Allah sei mit ihr zufrieden): „Allah hat die Liebe zu ihr in mein Herz gelegt.“

Abu l-As ibn ar-Rabi war ein aufrichtiger, vertrauenswürdiger und wohlhabender junger Kaufmann aus Mekka. Er war der Sohn von Hala bint Chuwailid, der Schwester Khadidschas (Allah sei mit ihr zufrieden). Seine Tante Khadidscha (Allah sei mit ihr zufrieden) betrachtete ihn wie ihren eigenen Sohn. Sie wollte ihre Tochter Hazrat Zainab (Allah sei mit ihr zufrieden) mit Abu l-As verheiraten. Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) widersetzte sich dem nicht. So fand die Hochzeit statt. Unter den verschiedenen Geschenken, die Hazrat Khadidscha (Allah sei mit ihr zufrieden) ihrer Tochter Zainab (Allah sei mit ihr zufrieden) zur Hochzeit schenkte, befand sich auch eine goldene Halskette.

Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) erhielt die Prophetenschaft. Khadidschas (Allah sei mit ihr zufrieden) Töchter wurden Musliminnen. Abu l-As jedoch blieb Nichtmuslim. Khadidscha (Allah sei mit ihr zufrieden) verließ diese Welt. Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) wanderte nach Medina aus. Seine Tochter Zainab (Allah sei mit ihr zufrieden) blieb in Mekka bei ihrem Ehemann. Abu l-As zog mit den Quraisch von Mekka nach Badr, um gegen die Muslime zu kämpfen. Welch grausames Spiel des Schicksals! Als Gefangener gelangte er in Medina zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), seinem Schwiegervater. Es wurde beschlossen, die Kriegsgefangenen gegen Lösegeld freizulassen. Die Angehörigen der Gefangenen schickten das Lösegeld aus Mekka. Unter den Vermögenswerten, die Zainab (Allah sei mit ihr zufrieden) als Lösegeld für ihren Ehemann schickte, befand sich eine goldene Halskette. Es war genau jene Hochzeitshalskette, die ihre Mutter Khadidscha (Allah sei mit ihr zufrieden) ihr geschenkt hatte. Als der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) die Halskette sah, wurde sein Herz von Schmerz und Trauer erfüllt. Das Andenken an Khadidscha (Allah sei mit ihr zufrieden) stieg vor seinem inneren Auge auf. Er sagte zu den Gefährten: „Wenn ihr könnt, lasst Zainabs Gefangenen frei und gebt ihr auch das Geld zurück.“ Die Gefährten stimmten zu. Sie ließen Abu l-As ohne Lösegeld frei.

Hazrat Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) sagte:

Der arabische Wortlaut lautet:

– Eines Tages bat Hala bint Duwailid, die Schwester von Khadidscha (möge Allah mit ihr zufrieden sein), darum, den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sprechen zu dürfen. Da die Stimmen und die Art, um Erlaubnis zu bitten, bei den beiden Schwestern gleich waren, erschrak der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), als er sich daran erinnerte, wie Khadidscha (möge Allah mit ihr zufrieden sein) um Erlaubnis zu bitten pflegte. Dann rief er, nachdem er sich wieder gefasst hatte: „O Allah! Das ist ja Hala.“ Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) sagte: „Da wurde ich eifersüchtig. Ich sagte: ‚Was erinnerst du dich noch an eine alte, rotwangige Frau unter den alten Frauen der Quraisch, die schon seit langer Zeit dahingegangen ist? Allah hat dir doch eine bessere Ehefrau gegeben als sie.‘“

Von Muhammad ibn Salama wird überliefert: Nach dem Tod von Hazrat Khadidscha (möge Allah mit ihr zufrieden sein) war Hazrat, der edle Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), so tief betrübt, dass man um sein Leben fürchtete. Schließlich heiratete er Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein).

Über die Vorzüge und den hohen Rang von Hazrat Khadidscha (möge Allah mit ihr zufrieden sein) finden sich in den Hadith- und Sira-Werken zahlreiche Aussprüche und Äußerungen des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). In unserer früheren Erörterung haben wir einige davon angeführt. Hier führen wir noch einige weitere Aussprüche an.

Von Hazrat Anas (möge Allah mit ihm zufrieden sein) wird überliefert. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte:

Der arabische Wortlaut lautet:

Unter den Frauen der Welt genügen euch vier.

Von Anas (r.a.) wird ferner überliefert, dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte:

Arabisch wird lauten

– Die besten Frauen der Welt sind: Maryam, Asiya, Khadidscha bint Chuwailid und Fatima (r.a.).

‘Ali (r.a.) sagte: Ich hörte den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagen:

Arabisch wird lauten

– Khadidscha bint Chuwailid war die beste Frau ihrer Zeit. Maryam bint Imrat war die beste Frau ihrer Zeit.

Von ‘Abdullah ibn ‘Abbas (r.a.) wird überliefert, dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte:

Arabisch wird lauten

Nach Maryam, der Tochter Imrans, sind Fatima, Khadija und Asiya, die Frau des Pharao, die Anführerinnen der Frauen im Paradies.

In einem weiteren Hadith, der von ʿAbdullah ibn ʿAbbas (r.a.) überliefert wurde, heißt es: Unter den Frauen, die das Paradies erlangen, sind Khadija, Fatima, Maryam und Asiya die vorzüglichsten. Imam an-Nasa’i hat diesen Hadith überliefert.

Hadhrat ʿAischa (r.a.) sagte: Ich hörte den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) viele Male sagen:

Der arabische Wortlaut lautet:

– Khadija (r.a.) ist die beste Frau der Welt.

Imam adh-Dhahabi sagte über die Stellung und den Rang von Hadhrat Khadija (r.a.): Ihre Vorzüge sind zahlreich. Sie war die Anführerin aller Frauen ihrer Zeit auf der Welt. Sie gehörte zu den Frauen, die in Wissen, Verstand und Umsicht Vollkommenheit erlangt hatten. Sie war eine kluge, hochgeehrte, fromme und sittenreine vornehme Frau. Sie gehörte zu den Bewohnerinnen des Paradieses. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) lobte sie außerordentlich, räumte ihr gegenüber seinen anderen Ehefrauen Vorrang und Vorzüglichkeit ein und erwies ihr überaus große Ehre. Er heiratete weder vor ihr noch zu ihren Lebzeiten eine weitere Frau. Sie war die Mutter mehrerer Kinder des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Sie war die beste Lebensgefährtin des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Nach ihrem Verlust war der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) von Schmerz überwältigt. Sie gab ihr Vermögen für den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) aus, während der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ihre Geschäfte führte. Allah, der Erhabene, ließ ihr durch Seinen Propheten die frohe Botschaft von einem Haus im Paradies aus Juwelen und Perlen überbringen.

In zahlreichen Überlieferungen wird berichtet, dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „O Khadija, Gabriel lässt dich grüßen.“ In einigen dieser Überlieferungen heißt es, dass Gabriel sagte: „O Muhammad, richte Khadija den Gruß von deinem Herrn und von mir aus.“ Darauf erwiderte Khadija:

Der arabische Wortlaut lautet:

In einer Überlieferung von Anas (möge Allah mit ihm zufrieden sein) wird die Antwort von Hazrat Chadidscha (möge Allah mit ihr zufrieden sein) folgendermaßen wiedergegeben:

Auf Arabisch lautet sie

Hazrat Chadidscha (möge Allah mit ihr zufrieden sein) nahm den Propheten Muhammad (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zum Ehemann, stand unerschütterlich an seiner Seite und übergab ihm alles, was sie besaß. So leistete sie der Menschheit einen unschätzbaren Dienst. Wir können die Vorzüge dieser Frau niemals vollständig beschreiben. Wie Allah, der Erhabene, und Dschibril (Friede sei mit ihm) bringen auch wir unzählige Segensgrüße über sie dar und schließen damit unsere Ausführungen.

Sawda bint Zamʿa (möge Allah mit ihr zufrieden sein)

Hazrat Sawda (möge Allah mit ihr zufrieden sein) war jene glückselige Frau, die Hazrat Rasul-e Karim (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) nach dem Tod der Mutter der Gläubigen, Hazrat Chadidscha (möge Allah mit ihr zufrieden sein), heiratete. Etwa drei Jahre oder etwas länger führte er mit ihr allein das Eheleben. Danach nahm er die Mutter der Gläubigen, Hazrat ʿAischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein), in sein Haus auf.

Hazrat Sawda stammte in Mekka aus Banu ʿAmir ibn Luʾayy, einem Zweig des berühmten Stammes der Quraisch. Ihr Vater, Zamʿa ibn Qays, war Quraischit, und ihre Mutter, Schamus bint Qays, gehörte dem berühmten Stamm der Nadschdschār aus Medina an. Auch Salma, die Mutter von ʿAbd al-Muttalib, dem Großvater des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), war eine Tochter dieses Clans der Nadschdschār. Sawdas Großvater mütterlicherseits, Qays ibn ʿAmr, und Salma bint ʿAmr waren Geschwister. Der Beiname von Hazrat Sawda war Umm al-Aswad.

In der Zeit der Dschāhilīya heiratete Hazrat Sawda zum ersten Mal Sakrān ibn ʿAmr. Sakrān war Sawdas Cousin väterlicherseits. Die vier berühmten Gefährten Suhayl ibn ʿAmr, Sahl ibn ʿAmr, Sulayt ibn ʿAmr und Hātib ibn ʿAmr waren Sakrāns Brüder. In der frühen Phase der Berufung von Hazrat Rasul-e Karim (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) nahmen Hazrat Sawda und ihr Ehemann Sakrān den Islam an. Beide gehörten zu den glücklichen Männern und Frauen, die bereits in der ersten Zeit den Islam annahmen. Der Zeitpunkt ihrer Konversion war derselbe. Als die erste Gruppe der schutzlosen Muslime aus Mekka nach Abessinien auswanderte, um den Verfolgungen der Quraisch zu entgehen, blieb diese muslimische Familie noch in Mekka. Als jedoch die Misshandlungen jedes Maß überschritten, bereitete sich eine zweite Gruppe der Muslime aus Mekka auf die Auswanderung nach Abessinien vor. Sawda wanderte gemeinsam mit ihrem Ehemann mit dieser Gruppe nach Abessinien aus. Nachdem sie dort einige Jahre geblieben waren, kehrten sie nach Mekka zurück. Einige Zeit vor der Auswanderung des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) nach Medina starb Sakrān als Muslim in Mekka. Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) bestattete ihn in Mekka.

Es wird auch überliefert, dass sie gemeinsam mit ihrem Ehemann sowohl mit der ersten als auch mit der zweiten Gruppe nach Abessinien auswanderte. Eine Gruppe von Sīra-Gelehrten, darunter Abu ʿUbayda und Maʿmar, berichtet, dass Sakrān von Abessinien nach Mekka zurückkehrte. Danach kehrte er entweder als Abtrünniger oder nachdem er das Christentum angenommen hatte, wieder nach Abessinien zurück und starb dort. al-Balādhurī sagt, die erste Überlieferung sei richtig.

Ungefähr drei Jahre vor der Auswanderung des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) nach Medina heiratete er nach dem Tod der Mutter der Gläubigen, Hadhrat Khadidscha (möge Allah mit ihr zufrieden sein), Hadhrat Sawda (möge Allah mit ihr zufrieden sein).

Hadhrat Khadidscha (möge Allah mit ihr zufrieden sein) war die erste und geliebteste Ehefrau des edlen Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). In der Unruhe der Einsamkeit, angesichts der Schrecken von Gefahren und Unglück sowie der grausamen Brutalität tyrannischer und unterdrückender Menschen war sie die engste Gefährtin ihres geliebten Ehemannes. In jedem schwierigen Augenblick spendete sie ihm Trost, bekundete Mitgefühl und half ihm durch ihre Unterstützung, alle Hindernisse zu überwinden. Als eine solche vertraute Ehefrau und Freundin aus dem Leben schied, wurde der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zutiefst niedergeschlagen und von Schmerz erfüllt. Der Trennungsschmerz bedrückte ihn so sehr, dass sein Leben selbst in eine kritische Lage geriet. Außerdem war Khadidscha die Mutter der Kinder des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und die Herrin des Hauses. In ihrer Abwesenheit wurde es schwierig, die mutterlosen Kinder aufzuziehen und den Haushalt zu führen. Darüber hinaus nahmen die Belästigungen und Schikanen der Götzendiener zu. Der Zustand des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) bereitete seinen Gefährten große Sorgen.

ʿUthman ibn مظʿun (gest. 2 n. H.) war ein herausragender Gefährte. Eines Tages ging seine Frau Khawla bint Hakim zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Im Laufe des Gesprächs sagte sie schließlich: „O Gesandter Allahs! Heirate doch wieder!“ Er fragte: „Wer ist die Braut?“ Khawla antwortete: „Es gibt sowohl eine Witwe als auch eine Jungfrau. Über diejenige, die du bevorzugst, kann man sprechen.“ Er fragte erneut: „Wer ist die Braut?“ Khawla sagte: „Die verwitwete Braut ist Sawda bint Zamʿa, und die jungfräuliche Braut ist ʿAischa, die Tochter Abu Bakrs.“ Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Frauen sind für die Vermittlung in dieser Angelegenheit besser geeignet.“ Auf diese Weise gab er seine Zustimmung.

Nachdem der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) seine Zustimmung gegeben hatte, ging Khawla zum Haus Sawdas. Sawdas Vater befand sich damals am Ende seines Lebens. Er hatte sich vollständig von allen weltlichen Aktivitäten zurückgezogen. Als Khawla zu ihm kam, begrüßte sie ihn nach vorislamischer Sitte mit den Worten: „Anʿim sabāhan!“ („Guten Morgen!“).

Der alte Mann fragte: „Wer bist du?“ Khawla antwortete: „Ich bin Khawla bint Hakim.“ Der alte Mann hieß Khawla willkommen und ließ sie neben sich Platz nehmen. Khawla überbrachte die Botschaft folgendermaßen: „Muhammad ibn ʿAbdullah ibn ʿAbd al-Muttalib hat um Sawdas Hand angehalten.“ Der alte Mann sagte: „Das ist eine vornehme und passende Verbindung. Was sagt deine Freundin Sawda dazu?“ Khawla antwortete: „Sie ist einverstanden.“ Der alte Mann ließ Sawda rufen. Als Sawda erschien, sagte er: „Meine Tochter! Dieses Mädchen, Khawla, sagt, dass Muhammad ibn ʿAbdullah sie geschickt hat, um um deine Hand anzuhalten. Er ist ein vornehmer Bräutigam. Ich möchte dich mit ihm verheiraten. Bist du einverstanden?“ Sawda antwortete: „Ja, ich bin einverstanden.“ Darauf sagte der alte Mann zu Khawla: „Geh und rufe Muhammad.“ Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) erschien in Bräutigamsgewand, und Sawdas Vater übergab Sawda seiner Obhut.

Einige Überlieferungen lassen erkennen, dass der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) vor der Eheschließung selbst unmittelbar mit Sawda sprach. Möglicherweise hatte Khawla dieses Gespräch arrangiert. Imam Ahmad nahm eine Überlieferung von ʿAbdullah ibn ʿAbbas (möge Allah mit ihm zufrieden sein) auf. Er sagte: Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ließ einer Frau aus seinem Stamm namens Sawda einen Heiratsantrag übermitteln. Sie war geradezu die Verkörperung des Unglücks: Ihr Ehemann war gestorben und hatte fünf oder sechs Kinder zurückgelassen. Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) fragte sie: „Was hindert dich daran, meinen Antrag anzunehmen?“ Sawda sagte: „Bei Allah, o Prophet Allahs! Unter allen Menschen bist du mir der liebste. Nichts hindert mich daran, deinen Antrag anzunehmen. Ich fürchte jedoch, dass meine Kinder dich ständig von morgens bis abends belästigen und mich davon abhalten werden, dir zu dienen.“ Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) fragte: „Gibt es noch ein anderes Hindernis?“ Sawda antwortete: „Nein, es gibt kein weiteres Hindernis.“ Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Möge Allah sich deiner erbarmen. Die besten Frauen sind jene, die rückwärts auf dem Rücken eines Kamels sitzen. Die rechtschaffenen Frauen der Quraisch sind jene, die ihren kleinen Kindern gegenüber liebevoll und ihren Ehemännern gegenüber fürsorglich sind.“

Von Bukayr ibn al-Aschaddsch wird überliefert: Sakran kehrte mit Sawda nach Mekka zurück und starb dort. Nach Ablauf ihrer ʿIdda hielt der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) um ihre Hand an. Sawda sagte: „Übertrage jemandem aus deinem Stamm die Verantwortung, die Eheschließung zu vollziehen.“ Darauf übertrug Sawda diese Aufgabe Hatib ibn ʿAmr al-ʿAmiri. Er verheiratete Sawda mit dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Dieser Hatib (möge Allah mit ihm zufrieden sein) war ein Auswanderer und hatte an der Schlacht von Badr teilgenommen.

Darüber, wer bei der Eheschließung Sawdas mit dem Gesandten Allahs ihr Wali war, gibt es zwei Auffassungen. 1. Sawdas Vater selbst war ihr Wali und verheiratete seine Tochter. 2. Es war Salit ibn ʿAmr oder, einer anderen Auffassung zufolge, Abu Hatib ibn al-ʿAmir al-ʿAmiri. Einige sagen, Sawdas Vater sei möglicherweise durch das Alter geschwächt gewesen. Deshalb habe er Hatib oder Salit zum Wali bestimmt. Ibn Ishaq sagt: Weder Salit noch Abu Hatib befanden sich zur Zeit dieser Eheschließung in Mekka; sie waren in Abessinien. Daher kommt es überhaupt nicht infrage, dass sie ihr Wali gewesen seien. Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) gab Sawda eine Brautgabe von vierhundert Dirham.

Al-Wāqidī berichtet: Die Eheschließung des Gesandten Allahs mit Sawda fand im Ramadan des zehnten Jahres der Prophetenschaft statt. Da die Eheschließungen von Sawda und ʿĀʾischa zeitlich nahe beieinanderlagen, entstand unter den Historikern Uneinigkeit darüber, welche der beiden Ehen zuerst geschlossen wurde. Bei einer Prüfung aller diesbezüglichen Überlieferungen ergeben sich zwei Auffassungen. Erstens: Khawla machte gleichzeitig ʿĀʾischa und Sawda einen Heiratsantrag. Der Gesandte stimmte beiden Vorschlägen zu und erlaubte Khawla, mit den Familien der Bräute zu sprechen. Khawla sprach zuerst mit der Familie ʿĀʾischas und traf die Vorbereitungen für ihre Eheschließung. Danach wurde Sawdas Eheschließung vorbereitet. Imām Ahmad überliefert einen Hadith von ʿĀʾima. Er sagte: Sawda war die erste Frau, die der Gesandte nach mir heiratete. Dies ist auch die Auffassung von ʿAbdullāh ibn Muhammad ibn ʿAqīl.

Nach der Überlieferung von Bukayr ibn al-Aschaddsch heiratete der Gesandte nach Khadīǧa Sawda. Auch Ibn Hibbān sagte dies. ʿAbdullāh ibn Muslim berichtet: Nach dem Tod Khadīǧas und vor seiner Heirat mit ʿĀʾischa heiratete der Gesandte im Ramadan des zehnten Jahres der Prophetenschaft Sawda. In Mekka führte er mit ihr den gemeinsamen Haushalt und wanderte mit ihr nach Medina aus.

Abū Salama ibn ʿAbd ar-Rahmān und Yahyā ibn ʿAbd ar-Rahmān überlieferten beide: Nachdem Khawla die Erlaubnis des Gesandten erhalten hatte, ging sie nacheinander mit dem Heiratsantrag zu Sawda und ʿĀʾischa und arrangierte ihre Eheschließungen. Der Gesandte führte in Mekka mit Sawda den gemeinsamen Haushalt. ʿĀʾischa war damals erst sechs Jahre alt. Nach der Auswanderung nach Medina nahm er sie in seinen Haushalt auf. Dass der Gesandte nach Khadīǧa und vor ʿĀʾischa Sawda heiratete, sagten Ibn Ishāq, Qatāda, Abū ʿUbayda, Ibn Qutayba und viele andere.

Ibn Ishāq überliefert die Reihenfolge der Ehefrauen des Gesandten Allahs wie folgt: 1. Khadīǧa, 2. Sawda, 3. ʿĀʾischa, 4. Hafsa, 5. Zaynab bint Chuzayma, 6. Umm Habība, 7. Umm Salama, 8. Zaynab bint Dschahsch, 9. Dschuwayriya, 10. Safiyya, 11. Maymūna.

Sawdas Bruder ʿAbdullāh ibn Zamʿa war bis zu dieser Eheschließung Nichtmuslim. Zur Zeit der Hochzeit war er nicht zu Hause. Als er nach Abschluss der Eheschließung davon erfuhr, geriet er in heftigen Zorn. Aus Trauer und Empörung begann er, sich den Kopf zu schlagen. Später wurde er ein vorbildlicher Muslim. Bis zu seinem Tod bedauerte er stets sein damaliges unbesonnenes Verhalten. Auch über den Zeitpunkt von Sawdas Eheschließung herrscht unter den Sīra-Gelehrten eine gewisse Meinungsverschiedenheit. In den at-Tabaqāt und verschiedenen anderen Werken wird das zehnte Jahr der Prophetenschaft genannt. Az-Zurqānī (3/460) dagegen nennt das achte Jahr. Der eigentliche Grund für diese Meinungsverschiedenheit liegt in den unterschiedlichen Angaben zum Zeitpunkt von Khadīǧas Tod.

Einige Überlieferungen berichten, dass Sawda zu Lebzeiten ihres ersten Ehemannes zwei Träume hatte und dass die Deutung, die sie ihrem Mann erzählte, sich bewahrheitete. Ibn Saʿd schreibt über Hischām ibn Muhammad: Zu Lebzeiten ihres ersten Ehemannes Sakrān sah Sawda einmal im Traum, dass der Gesandte zu ihr kam und einen Fuß auf ihre Schulter setzte. Als Sawda ihrem Mann von dem Traum erzählte, sagte er: Bei Allah, wenn du diesen Traum wirklich gesehen hast, werde ich sterben und du wirst den Gesandten Allahs heiraten.

Ein anderes Mal sah sie im Traum, dass sie sich an ein Kissen gelehnt hinlegte. Plötzlich brach der Mond vom Himmel herab und fiel auf sie. Als ihr Mann den Traum hörte, sagte er: Ich werde sehr bald sterben, und nach meinem Tod wirst du ein zweites Mal heiraten. Noch an diesem Tag erkrankte er und starb wenige Tage später.

Professor Ahmad ʿAtiyya erklärte in seinem Werk al-Qāmūs al-Islāmī (3/557), ohne eine Quelle anzuführen, den Grund für die Heirat des Gesandten Allahs mit Sawda folgendermaßen: Sawda war eine ältere Witwe. Sie war beleibt und hatte einen schweren Gang. Der Gesandte reichte ihr seine helfende Hand, um sie in ihrem Alter zu unterstützen und einen Teil der Mühsal zu lindern, die sie in ihrem Leben erfahren hatte.

Der ehrwürdige Gesandte Allahs wanderte im dreizehnten Jahr der Prophetenschaft von Makka nach Medina aus. Nachdem er in Medina angekommen war und sich etwas eingerichtet hatte, sandte er Zayd ibn Haritha erneut nach Makka, um Sawda und die anderen zu holen. Aischa (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) berichtet: Als der Gesandte Allahs in Medina angekommen war, schickte er Zayd ibn Haritha und Abu Rafiʿ mit zwei Kamelen und fünfhundert Dirham nach Makka. Danach brachen wir alle nach Medina auf. Zayd und Abu Rafiʿ kehrten mit Fatima, Umm Kulthum, Sawda, Umm Aiman und Usama nach Medina zurück. Beim Abschiedspilgerfest im zehnten Jahr nach der Hidschra war Sawda (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) die Reisebegleiterin des Gesandten Allahs. Er erlaubte ihr, von Muzdalifa nach Mina aufzubrechen, noch bevor die anderen Menschen aufbrachen. Aischa (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) berichtet: In der Nacht von Muzdalifa bat Sawda den Gesandten Allahs um die Erlaubnis, vor dem Gedränge der Menschen nach Mina aufzubrechen. Sawda war eine korpulente Frau und konnte sich nicht schnell bewegen. Der Gesandte Allahs erteilte ihr die Erlaubnis.

Eines Tages saßen alle Ehefrauen des Gesandten Allahs bei ihm. Da fragte eine von ihnen: „O Gesandter Allahs! Wer von uns wird als Erste sterben?“ Er antwortete: „Diejenige, deren Hand am längsten ist.“ Die Anwesenden verstanden diese Aussage zunächst wörtlich. Sie maßen ihre Hände, und Sawdas Hand war die längste von allen. Daher vermuteten sie, dass Sawda als Erste sterben würde. Als jedoch Zaynab bint Chuzayma als Erste starb, wurde klar, dass die Länge der Hand hier Freigebigkeit bedeutete. Spenden war ihre liebste Tätigkeit. Unter den reinen Ehefrauen des Propheten war sie die Erste, die starb. Sawda lebte zu diesem Zeitpunkt noch.

Über den Zeitpunkt von Sawdas Tod bestehen unter den Fachleuten der Sira große Meinungsverschiedenheiten. Al-Waqidi sagt: Nach unserer Auffassung ist es richtig, dass sie im Schawwal des Jahres 54 nach der Hidschra starb. Ibn al-Imad al-Hanbali hielt die Auffassung für am wahrscheinlichsten, dass sie während der Herrschaft des Kalifen Muʿawiya (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm), im Jahr 55 nach der Hidschra, starb. Ibn Hadschar sagt, al-Buchari habe in seinem Geschichtswerk mit einer authentischen Überliefererkette berichtet, dass sie gegen Ende der Regierungszeit von Umar (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) verstarb. Auch Imam adh-Dhahabi betonte, dass ihr Tod gegen Ende der Regierungszeit Umars eintrat. Umar (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) fiel am Ende des Monats Dhul-Hiddscha im Jahr 23 nach der Hidschra als Märtyrer. Daher muss Sawdas Tod noch davor erfolgt sein. Al-Baladhuri sagt, sie sei im Jahr 23 nach der Hidschra gestorben und Kalif Umar habe ihr Totengebet verrichtet. Ibn Hibban sagt, sie sei im Jahr 65 nach der Hidschra gestorben. Außerdem wird berichtet, dass sie während der Herrschaft des Kalifen Uthman (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) im Alter von etwa achtzig Jahren starb. Die meisten Verfasser von Sira-Werken machen keine Angaben zu Sawdas Nachkommen. Bekannt ist jedoch, dass sie während ihrer Ehe mit dem edlen Gesandten Allahs keine Kinder hatte. Von ihrem ersten Ehemann Sakran hatte sie einen Sohn namens Abd ar-Rahman, der in der Schlacht von Dschalula in Persien als Märtyrer fiel.

Unter den Ehefrauen des Gesandten Allahs war niemand größer von Gestalt als Sawda. Aischa (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) sagte: Wer sie einmal gesehen hatte, konnte sie nicht mehr aus den Augen verlieren. Az-Zurqani berichtet, dass ihre Gestalt hochgewachsen war. Allama Schibli Nuʿmani sagte, sie sei von kräftigem Körperbau gewesen. Auch Imam adh-Dhahabi äußerte sich so. Deshalb erhielt sie während des Abschiedspilgerfests vom Gesandten Allahs die Erlaubnis, noch vor dem Gedränge der Menschen von Muzdalifa nach Mina aufzubrechen.

Von Sawda (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) sind lediglich fünf Hadithe überliefert. Von diesen überlieferte Imam al-Buchari nur einen. Unter den Gefährten hörten Abd Allah ibn Abbas, Ibn az-Zubair und Yahya ibn Abd Allah al-Ansari Hadithe von ihr und überlieferten sie weiter.

Etwa drei Jahre vor der Hidschra kam Sawda (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) in das Haus des Gesandten Allahs. Vom Ramadan des zehnten Jahres der Prophetenschaft bis zum Monat Rabi al-awwal des dreizehnten Jahres nach der Hidschra hatte sie etwa dreizehn Jahre lang das Glück, als Ehefrau die Nähe und Gesellschaft des Gesandten Allahs zu genießen. Sawda und Aischa heirateten den Gesandten Allahs ungefähr zu derselben Zeit, die eine etwas früher, die andere etwas später. Nach ihrer Heirat blieb Aischa (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) etwa drei Jahre im Haus ihres Vaters. Während dieser Zeit war Sawda im Wesentlichen die Hausherrin. Sie erfüllte in dieser Zeit in vorbildlicher Weise sämtliche Aufgaben der Haushaltsführung im Haus des Gesandten Allahs. Auch die Verantwortung für die Erziehung und Betreuung seiner Töchter, darunter Fatima, die ihre Mutter verloren hatte, nahm sie auf sich. Wahrscheinlich kümmerte sie sich bis dahin auch um Ali, ein Mitglied der Prophetenfamilie. Kurz gesagt: In einer schwierigen und krisenreichen Phase im Leben des Gesandten Allahs versuchte Sawda (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr), als seine Lebensgefährtin durch die Erfüllung schwerer Pflichten und Verantwortungen die Lücke zu schließen, die Chadidscha (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) hinterlassen hatte.

Als Aischa (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) im ersten Jahr nach der Hidschra in das Haus ihres Ehemannes kam, war Sawda als weitere Ehefrau bereits dort. Unter diesen Umständen hätten sie sich gegenseitig ihren Anteil streitig machen können. Doch ihre Lage war das genaue Gegenteil dieser naheliegenden Annahme. Ihr gesamtes Eheleben war von gegenseitiger Zuneigung, Harmonie und Eintracht geprägt. In den meisten Angelegenheiten des häuslichen Lebens war Sawda Aischas Freundin. Aischa (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) sagte: „Ich habe keine Frau gesehen, bei der ich mir so sehr gewünscht hätte, meine Seele möge in ihrem Körper sein, wie bei Sawda.“

In ihrer Befolgung und Nachahmung des Gesandten Allahs zeichnete sie sich unter allen reinen Ehefrauen des Propheten besonders aus. Beim Abschiedspilgerfest sagte der Gesandte Allahs zu den Müttern der Gläubigen: „Nach mir werdet ihr in euren Häusern bleiben.“ Sawda (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) befolgte diese Anweisung so strikt, dass sie ihr Haus danach nicht einmal mehr zum Zweck der Pilgerfahrt verließ. Abu Huraira (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) berichtet: Nach dem Tod des Gesandten Allahs vollzogen seine anderen Ehefrauen die Pilgerfahrt; Sawda und Zaynab bint Dschahsch jedoch hielten sich streng an die Anweisung des Gesandten Allahs und verließen ihr Haus nicht. Sawda (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) sagte: „Ich habe sowohl die Haddsch als auch die Umra vollzogen. Nun werde ich gemäß Allahs Anweisung zu Hause bleiben.“

Eine herausragende Seite im vorzüglichen Charakter und Wesen des edlen Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) war seine Freigebigkeit. Unter den Gefährten hinterließ diese besondere Eigenschaft umso deutlichere Spuren, je mehr Gelegenheit jemand hatte, ihm nahe zu sein. Seine Ehefrauen hatten in höchstem Maße Gelegenheit, aus der Nähe und Gesellschaft des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu lernen. Daher fand sich diese besondere Eigenschaft zwar allgemein bei ihnen allen, doch außer bei Aisha (möge Allah mit ihr zufrieden sein) war sie bei Sawda am stärksten ausgeprägt. Ibn Sirin berichtet: Einmal schickte der Kalif Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) Sawda (möge Allah mit ihr zufrieden sein) einen Beutel. Sie fragte den Überbringer: „Was ist in dem Beutel?“ Er antwortete: „Dirham.“ Als sie hörte, dass man ihr Dirham in einem Beutel wie Datteln geschickt hatte, verteilte sie die Dirham sofort unter den Menschen.

Auch die Selbstlosigkeit, also anderen den Vorzug vor sich selbst zu geben, war eine glänzende Seite ihres Charakters. Sie und Aisha (möge Allah mit ihr zufrieden sein) begannen ihr Eheleben mit dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ungefähr zur selben Zeit, die eine etwas früher und die andere etwas später. Sie war jedoch älter als Aisha (möge Allah mit ihr zufrieden sein). Deshalb war sie in ihrem Leben früher alt geworden, und ihre Zuneigung zu Männern hatte nachgelassen. Um die Zufriedenheit ihres Ehemannes, des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), zu erlangen, schenkte sie daher ihre eigene Nacht unter den ehelichen Nächten ihrer Nebenfrau Aisha (möge Allah mit ihr zufrieden sein). In diesem Zusammenhang sagte Aisha (möge Allah mit ihr zufrieden sein) einmal zu Urwa: „Mein Neffe! Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) bevorzugte bei der Einteilung der Nächte für seine Ehefrauen keine von ihnen vor einer anderen. Oft kam er zu jeder von uns und ging wieder, ohne eine von ihnen zu berühren. Schließlich verbrachte er die Nacht bei derjenigen Ehefrau, für die diese Nacht bestimmt war. Als Sawda bint Zamʿa alt geworden war und befürchtete, der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) könnte sich von ihr trennen, sagte sie: ‚O Gesandter Allahs! Ich schenke Aisha meine Nacht.‘ Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) nahm ihr Gesuch an.

Hier muss eine Sache klargestellt werden. Dass Sawda (möge Allah mit ihr zufrieden sein) Aisha (möge Allah mit ihr zufrieden sein) die Zeit schenkte, die ihr in der Gesellschaft ihres Ehemannes zustand, wird in Hadith- und Sira-Werken erwähnt. Daneben finden sich jedoch in den Sira-Werken einige Überlieferungen, denen zufolge der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) Sawda, als sie alt geworden war, einmal geschieden habe. Auf ihre demütige Bitte hin habe der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) die Scheidung dann zurückgenommen. Für die Hadith-Gelehrten sind diese Überlieferungen jedoch wegen ihrer außerordentlichen Schwäche bedeutungslos. Richtig ist vielmehr, dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) keine seiner Ehefrauen geschieden hat. Wie könnte man sich vorstellen, dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) eine Frau, die er in einer besonderen Lebensphase zur Ehefrau genommen hatte und die Khadijas (möge Allah mit ihr zufrieden sein) ihre Aufgaben äußerst tüchtig abgenommen hatte, im Alter von sich stoßen würde? Daher glaubten die Hadith-Gelehrten diesen Überlieferungen nicht. In keinem zuverlässigen Hadith-Werk finden sie sich. Aber was macht es schon, dass sie dort nicht zu finden sind? Viele moderne Geschichtsschreiber haben sich über Sawda (möge Allah mit ihr zufrieden sein) unschicklich geäußert. Einige behaupteten, sie habe keine vorbildliche Hausfrau des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sein können.

Bei einer Prüfung der verschiedenen diesbezüglichen Darstellungen wird deutlich, dass Sawda alt geworden war. Sie war nicht mehr in der Lage, ihren Ehemann zufriedenzustellen. Zugleich hatte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) mehrere Ehefrauen. Er aber war ein Inbegriff von Gerechtigkeit und Unparteilichkeit. Allen seinen Ehefrauen erwies er die gleiche Achtung. Die Zeit, die er für seine Ehefrauen aufwandte, teilte er gleichmäßig unter ihnen auf. So erhielten Sawda und einige weitere Ehefrauen gleichermaßen ihren Anteil an der Zeit, in der der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) Ruhe und Erholung fand. Wegen ihres Alters waren sie jedoch im Grunde nicht mehr fähig, dem Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) Ruhe zu schenken. Indem sie ihr Recht freiwillig zugunsten ihrer Nebenfrau Aisha (möge Allah mit ihr zufrieden sein) aufgab, entlastete sie den Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Eine Überlieferung von Aisha (möge Allah mit ihr zufrieden sein) bestätigt dies. Sie sagte: „Sawda war alt geworden. Sie erkannte, welchen Rang ich beim Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) hatte und dass er mich gern häufiger bei sich haben wollte. Sie bekam Angst, dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sich von ihr trennen könnte. Daher sagte sie: ‚O Gesandter Allahs! Ich schenke Aisha meinen Tag. Du bist diesbezüglich von jeder Verpflichtung entbunden.‘ Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) nahm ihren Vorschlag an. Sawda war eine etwas rauhe Frau. Sie genoss die grenzenlose Achtung Aishas (möge Allah mit ihr zufrieden sein). Dennoch sagte diese, Sawda sei sehr schnell zornig geworden. Schon vor der Offenbarung der Anweisung zum Schleier hatte Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) häufig aufgefordert, diesbezüglich eine Anweisung zu erlassen. Da Allah hierzu keine Anweisung offenbarte, schwieg er. Damals gab es in den Häusern Mekkas keine Toiletten. Man hielt es nicht für schicklich, eine Toilette im Haus zu haben. Auch die Frauen gingen damals nachts hinaus auf freies Feld, um ihre Notdurft zu verrichten. Sawda war korpulent und großgewachsen. Selbst in einer großen Menschenmenge konnte man sie erkennen. Eines Nachts ging sie hinaus. Unterwegs fiel sie Umar auf. Er rief laut: ‚Ich habe dich erkannt!‘ Über Umars Verhalten war Sawda ebenso beschämt wie verärgert. Nach ihrer Rückkehr beklagte sie sich beim Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) über Umar. Infolge dieses Ereignisses wurde der Vers über den Schleier offenbart.

Über den Anlass der Offenbarung des Verses über den Schleier herrscht große Meinungsverschiedenheit. Eine Überlieferung wurde bereits oben erwähnt. Eine zweite Überlieferung besagt, dass Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Zu dir kommen Menschen jeder Art, gute wie schlechte. Es wäre besser, wenn du ihnen anordnen würdest, sich zu verhüllen.“ Ibn Jarir überliefert in seinem Tafsir von Mujahid: Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) aß mit seinen Gefährten. Auch Aisha nahm an dem Mahl teil. Ein Mann berührte ihre Hand. Der Vorfall missfiel dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sehr. Nach diesem Ereignis wurde der Vers über den Schleier offenbart. Allgemein bekannt ist jedoch, dass der „Vers über den Schleier“ anlässlich des Essens bei Zaynabs (möge Allah mit ihr zufrieden sein) Hochzeitsmahl offenbart wurde. Ibn Hajar hat diese Überlieferungen folgendermaßen miteinander in Einklang gebracht: Für die Offenbarung des Verses über den Schleier gab es mehrere Gründe. Das Ereignis mit Zaynab war darunter das letzte. Und genau dieses war der Anlass der Offenbarung des Verses, denn eben in diesem Vers wird auf das Ereignis hingedeutet.

Obwohl Sawda (möge Allah mit ihr zufrieden sein) rauh von Wesen war, besaß sie auch eine kindliche Unbefangenheit. Über manche ihrer Äußerungen musste der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) lachen. Eines Tages sagte sie zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm): „Letzte Nacht betete ich mit dir. Du warst so lange in der Verbeugung, dass ich dachte, aus meiner Nase würde Blut zu fließen beginnen. Deshalb hielt ich mir lange die Nase zu.“ Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) lächelte leise über ihre Worte.

Einmal ging sie mit ʿAischa und Hafsa (Allahs Wohlgefallen sei mit ihnen). Aus einer Laune heraus sagten diese: „Hast du etwas gehört?“ Sie fragte: „Wovon?“ Sie antworteten: „Der Daddschal ist erschienen.“ Als sie das hörte, bekam sie große Angst. Gleich nebenan wärmten sich einige Leute in einem Zelt am Feuer. Plötzlich stürzte sie in dieses Zelt hinein. Als Hadhrat Hafsa und Hadhrat ʿAischa (Allahs Wohlgefallen sei mit ihnen) dies sahen, gingen sie lachend zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und erzählten ihm von ihrem Scherz. Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) kam, stellte sich an die Tür des Zeltes und sagte: „Der Daddschal ist noch nicht erschienen.“ Darauf kam Sawda heraus. An ihrem Körper hafteten Spinnweben; draußen entfernte sie diese. Bei vielen gilt die Überlieferungskette dieses Berichts als schwach und der Bericht selbst als zweifelhaft.

Es gibt noch viele weitere Begebenheiten, die von der Arglosigkeit Hadhrat Sawdas (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) zeugen. Hinter dem Umstand, dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) den Genuss von Honig für sich selbst verbot, stand eine heitere Begebenheit aus dem ehelichen Leben. Viele meinen, dass Sawda durch ihre Arglosigkeit ebenfalls in diese Begebenheit verwickelt war. Kurz zusammengefasst verlief sie folgendermaßen:

Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) mochte Süßes. Wenn er zu seiner Ehefrau Zainab bint Dschahsch, nach einer anderen Überlieferung zu Hafsa, ging, trank er Honigsirup. Dadurch empfand ʿAischa ein gewisses Maß an Eifersucht. Sie wollte, dass der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) dort keinen Honig mehr trank. Deshalb schmiedete sie gemeinsam mit Sawda einen Plan. Wenn der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) nach dem Honigtrinken zu ihnen käme, sollten sie alle sagen: „Aus deinem heiligen Mund kommt der Geruch von Mughaffir.“ Vielleicht würde der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) dann aufhören, Honig zu trinken, denn er mochte keinerlei unangenehmen Geruch. Als der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) nach dem Honigtrinken zu ihnen kam, sagten sie gemäß ihrer vorherigen Abmachung alle dasselbe. Das Ergebnis stellte sich schnell ein: Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) verbot sich selbst den Honig. Daraufhin wurden die Verse 1–3 der Sure at-Tahrim offenbart.

Das Herz Hadhrat Sawdas (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) war äußerst weich. Wenn sie das Leid und die Not ihrer Angehörigen sah, geriet sie in Unruhe. Suhail ibn ʿAmr, der Bruder ihres ersten Ehemanns Sakran ibn ʿAmr, wurde in Badr gefangen genommen und nach Medina gebracht. Gegen viertausend Dirham erlangte er seine Freiheit. Ibn Ishaq berichtet hierzu: Als die Gefangenen von Badr nach Medina gebracht wurden, befand sich Sawda im Haus von ʿAuf und Muʿawwidh, den Söhnen von ʿAfrāʾ. Dies geschah vor der Offenbarung der Vorschrift über den Schleier. Zu dieser Zeit wurde die Ankunft der Gefangenen von Badr bekannt gegeben. Sawda kehrte nach Hause zurück und fand dort den Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Plötzlich sah sie in einer Ecke des Zimmers den gefesselten Abū Yazīd, Suhail ibn ʿAmr. Seine beiden Hände waren mit einem Seil fest an seinen Hals gebunden. Beim Anblick dieses Geschehens konnte sie sich nicht beherrschen und rief: „Abū Yazīd! Habt ihr euch auf diese Weise gefangen nehmen lassen? Konntet ihr nicht ehrenvoll sterben?“ Sawda berichtet: Da kam ich durch die Stimme des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) aus meiner Unachtsamkeit zu mir: „Sawda! Hetzt du ihn etwa gegen Allah und Seinen Gesandten auf?“ Sawda sagte: „O Gesandter Allahs! Als ich Abū Yazīd Suhail in diesem Zustand sah, konnte ich mich nicht beherrschen. O Gesandter Allahs! Bitte Allah um Vergebung für mich.“ Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Möge Allah dir vergeben.“

Im 8. Jahr nach der Hidschra starb Zainab bint Rasulullah (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) in Medina. Sawda, Umm Aiman und Umm Salama wuschen ihren Leichnam.

Der edle Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sorgte in Chaibar für Sawdas (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) Lebensunterhalt. ʿAbd ar-Rahman al-Aʿradsch pflegte in verschiedenen Versammlungen in Medina zu sagen: „Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sicherte Sawdas Lebensunterhalt durch 80 Wasq Datteln und 20 Wasq Weizen oder Gerste.“

‘ʿAischa as-Siddīqa (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr)

Die Mutter der Gläubigen, ʿAischa as-Siddīqa (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr), war die geliebteste Ehefrau des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Ihre Kunya, also ihr Beiname, war Umm ʿAbdillah, und ihr Ehrentitel war as-Siddīqa. In einigen Überlieferungen wird als weiterer Ehrentitel al-Humaira genannt. Sie war hellhäutig und schön. Deshalb wurde sie al-Humaira genannt.¹ ʿUrwa berichtet: Einmal kam ʿUjaina ibn Hisn vor der Offenbarung der Vorschrift über den Hidschab, um den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu besuchen. ʿAischa war damals anwesend. ʿUjaina deutete auf ʿAischa und sagte: „O Gesandter Allahs! Wer ist diese al-Humaira (die Schöne)?“ Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) antwortete: „Das ist ʿAischa, die Tochter Abū Bakrs.“² Viele halten diese Überlieferung für unbegründet.³

Abdullah war der Sohn von Asmā, der Schwester von ʿĀischa (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr). In der Geschichte ist er unter dem Namen ʿAbdullah ibn az-Zubair bekannt. Eine Kunya wird gewöhnlich nach dem Namen eines Kindes gebildet. ʿĀischa (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) war kinderlos. Daher hatte sie zunächst keine Kunya. Im damaligen Arabien galt die Kunya als Zeichen von Ehre und Vornehmheit. Angehörige der vornehmen Schichten pflegte man nicht beim Namen zu rufen, sondern mit ihrer Kunya oder ihrem Beinamen anzusprechen. Eines Tages sagte ʿĀischa (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) zu ihrem Ehemann, dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm): „Deine anderen Ehefrauen haben nach den Kindern ihrer früheren Ehemänner Kunyas angenommen. Nach wem soll ich eine Kunya annehmen?“ Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Nach dem Namen deines Neffen ʿAbdullah.“ Von diesem Tag an lautete ihre Kunya Umm ʿAbdillah – „Mutter des ʿAbdullah“.⁴

Es wird auch überliefert, dass ʿĀischa (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) Mutter eines Sohnes wurde, der noch im Säuglingsalter starb. Er wurde ʿAbdullah genannt.⁵ Nach diesem Kind erhielt sie ihre Kunya. Ibn Hadschar al-ʿAsqalānī sagt, dass diese Überlieferung nicht zuverlässig ist.⁶ Außerdem wird in verschiedenen authentischen Hadithen ausdrücklich erwähnt, dass sie kinderlos war.⁷

Der Vater von ʿĀischa (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) war der Statthalter des Gesandten Allahs, as-Siddīq al-Akbar Abū Bakr (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm), und ihre Mutter war Umm Rūmān Zainab bint ʿĀmir, nach anderer Auffassung ʿUmair al-Kinānī. Von väterlicher Seite stammte sie aus dem Clan Banū Taim des Stammes Quraisch und von mütterlicher Seite aus den Banū Kināna. Ihre Mutter war die Tochter von Ghanām ibn Mālik al-Kinānī.⁸ Die Abstammungslinien des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und ʿĀischas (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) treffen väterlicherseits in der siebten beziehungsweise achten Generation und mütterlicherseits in der elften beziehungsweise zwölften Generation zusammen.⁹

Der Vater von ʿĀischa (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr), Abū Bakr (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm), verstarb im Jahr 13 nach der Hidschra. Über ihre Mutter Umm Rūmān schreiben die meisten Historiker, dass sie im fünften oder sechsten Jahr nach der Hidschra starb. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) stieg in ihr Grab hinab, bestattete sie und verrichtete das Totengebet für sie.¹⁰ Doch diese Angabe ist nicht richtig, denn zuverlässige Hadithe belegen, dass sie bis zur Zeit des Kalifats von ʿUthmān (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm) lebte. In sämtlichen Hadithen über das Ereignis der Ifk im sechsten Jahr nach der Hidschra – die Verleumdung ʿĀischas (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) – wird sie erwähnt. Auch zur Zeit des Ereignisses der „Tachjīr“ im neunten Jahr nach der Hidschra, bei dem die Wahl zwischen zwei Möglichkeiten freigestellt wurde, lebte sie noch. Dies ist aus den Überlieferungen in at-Tabaqāt, al-Buchārī, Muslim und dem Musnad Ahmad ersichtlich. Imam al-Buchārī führt ihren Namen in seinem Werk „at-Tārīch as-Saghīr“ unter denjenigen auf, die während des Kalifats von Abū Bakr (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm) starben. Damit weist er die erste Überlieferung zurück. Hafiz Ibn Hadschar beweist in seinem Werk „at-Tahdhīb“ durch eine ausführliche Untersuchung, dass die Überlieferung Imām al-Buchārīs zutreffend ist.¹¹

Umm Rūmān (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr), die Mutter von ʿĀischa (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr), heiratete zuerst ʿAbdullah ibn al-Hārith al-Azdī. ʿAbdullah kam mit seiner Frau Umm Rūmān nach Mekka, schloss mit Abū Bakr ein Schutzbündnis und ließ sich dort nieder. Dies geschah noch vor dem Islam. Ihnen wurde ein Sohn namens at-Tufail geboren. Danach starb ʿAbdullah, und Abū Bakr (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm) heiratete Umm Rūmān.¹² Aus dieser Ehe gingen zwei Kinder hervor: ʿAbdullah und ʿĀischa. Über den genauen Zeitpunkt der Geburt von ʿĀischa (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) findet sich in den Geschichts- und Sīra-Werken kaum etwas. Deshalb bestehen über ihr Geburtsjahr erhebliche Meinungsverschiedenheiten. Sayyid Sulaimān Nadwī sagt: Der Historiker Ibn Saʿd schrieb – und einige Sīra-Gelehrte folgten ihm –, dass ʿĀischa zu Beginn des vierten Jahres der Prophetie geboren worden sei und im zehnten Jahr im Alter von sechs Jahren geheiratet habe. Das kann jedoch keinesfalls richtig sein. Denn wenn sie zu Beginn des vierten Jahres der Prophetie geboren worden wäre, wäre sie im zehnten Jahr nicht sechs, sondern sieben Jahre alt gewesen. Hinsichtlich des Alters von ʿĀischa (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) stehen im Wesentlichen einige Angaben einmütig fest: Sie heiratete drei Jahre vor der Hidschra im Alter von sechs Jahren, zog im Schauwāl des ersten Jahres nach der Hidschra im Alter von neun Jahren in das Haus ihres Ehemannes ein und wurde im Rabīʿ al-Awwal des elften Jahres nach der Hidschra im Alter von achtzehn Jahren Witwe. Demnach fällt ihr genauer Geburtszeitpunkt an das Ende des fünften Jahres der Prophetie, also in den Schauwāl des neunten Jahres vor der Hidschra, entsprechend Juli 614 n. Chr.¹³

Es sei darauf hingewiesen, dass der dreiundzwanzigjährige Zeitraum der Prophetie des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) etwa dreizehn Jahre in Mekka und zehn Jahre in Medina umfasste. Nach der Darstellung von Nadwī Sahib wurde ʿĀischa (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) geboren, als vier Jahre der Prophetie vergangen waren und das fünfte Jahr begonnen hatte. Imam adh-Dhahabī sagt: ʿĀischa (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) war acht Jahre jünger als Fātima. ʿĀischa berichtete, dass sie in Mekka einem alten, blinden Elefantenführer begegnet sei.¹⁴

Über den Zeitpunkt und die Umstände, unter denen ʿĀischa (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) Muslimin wurde, liegen keine besonderen Informationen vor. Es war jedoch ein großes Glück für as-Siddīq al-Akbar (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm), dass das Licht des Islam zuerst in sein Haus einzog. Daher gehörte ʿĀischa zu jenen glücklichen Männern und Frauen, deren Ohren auch nicht einen Augenblick lang die Stimme des Unglaubens und der Beigesellung erreicht hatte. ʿĀischa (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) sagte: „Seit ich meine Eltern bewusst wahrnehme, habe ich sie als Muslime vorgefunden.“¹⁵ Imam adh-Dhahabī sagt lediglich, dass ʿĀischa den Islam annahm.¹⁶ Wann und wie, sagt er jedoch nicht. Ibn Hischām führt diejenigen, die unter der Führung Abū Bakrs (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm) den Islam annahmen, unter einer eigenen Überschrift auf. Dort wird auch der Name ʿĀischas (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) genannt.¹⁷

ʿĀischa (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) wurde von der Ehefrau von Wāil gestillt. Wāils Beiname war Abū al-Fuqaiʿis. Sein Bruder Aflah, der Pflegeonkel von ʿĀischa, kam später gelegentlich zu Besuch zu ʿĀischa (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr). Mit der Erlaubnis des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) trat ʿĀischa zu ihm hinaus. Auch ihr Milchbruder kam gelegentlich zu Besuch.¹⁸

Aischas (möge Allah mit ihr zufrieden sein) Kindheit verlief wie die aller anderen Kinder. Dennoch war sie in gewisser Hinsicht anders. Schon in ihrer Kindheit zeigte sich ihre scharfe Auffassungsgabe und Intelligenz. Wie andere Kinder interessierte sie sich für Spiele. Gleichaltrige Nachbarsmädchen kamen zu ihr, und meistens spielte sie mit ihnen. Doch selbst beim Spielen in diesem Alter achtete der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) auf seine Ehre und Würde. Oft geschah es, dass er mit den anderen Puppen spielte und der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) in ihr Haus kam und plötzlich bei ihnen erschien. Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) versteckte die Puppen schnell, und ihre Gefährtinnen liefen davon, sobald sie den Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sahen. Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) liebte Kinder. Auch ihre Spiele hielt er nicht für schlecht. Er rief die weggelaufenen Kinder und forderte sie auf, mit Aischa zu spielen.¹⁹ Unter den Spielen der Kinder waren zwei ihre liebsten: das Spielen mit Puppen und das Schaukeln.²⁰ Eines Tages spielte Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) mit Puppen, als der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) hereinkam. Unter den Puppen befand sich auch ein Pferd mit zwei Flügeln. Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Ein Pferd hat doch keine Flügel.“ Aischa erwiderte sofort: „Warum nicht? Hatten die Pferde Sulaimans, Friede sei mit ihm, nicht Flügel? Haben Sie das etwa nicht gehört?“ Als der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) diese schlagfertige Antwort Aischas (möge Allah mit ihr zufrieden sein) hörte, lächelte er so, dass seine Zähne sichtbar wurden.²¹

Aus diesem Ereignis lassen sich Aischas (möge Allah mit ihr zufrieden sein) natürliche Schlagfertigkeit, ihre Kenntnis von Geschichte und Überlieferung sowie ihre scharfe Auffassungsgabe erkennen.

Gewöhnlich verblassen die Erinnerungen an die Kindheit aus dem Gedächtnis der Menschen. Doch Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) erinnerte sich an alle Einzelheiten ihrer Kindheit. Als der ehrenwerte Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) von Mekka nach Medina auswanderte, war Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) nicht älter als acht oder neun Jahre. Doch keine andere Gefährtin und kein anderer Gefährte konnte so viele Berichte über das Ereignis der Auswanderung überliefern wie sie.²²

Im Tafsir der Sure al-Qamar überliefert Imam al-Buchari: Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) sagte: Als dieser Vers

auf Arabisch lautet

in Mekka offenbart wurde, war ich ein kleines Mädchen und spielte.²³ In ihrer Kindheit reizte die ehrenwerte Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) ihre Mutter bisweilen. Diese bestrafte ihre Tochter ebenfalls. Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) empfand deswegen Schmerz. Einmal sagte er zu Umm Ruman: „Mir zuliebe bestrafe sie nicht mehr.“ Ein anderes Mal kam der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) in Aischas Elternhaus und sah Aischa weinend an der Türschwelle lehnen. Er sagte zu Umm Ruman: „Sie haben meine Worte nicht ernst genommen.“ Umm Ruman sagte: „O Gesandter Allahs! Dieses Mädchen beschwert sich bei ihrem Vater über mich.“ Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Was auch immer sie tut, füge ihr keinen Kummer zu.“ Allama Sayyid Sulaiman Nadwi überlieferte dieses Ereignis unter Berufung auf al-Mustadrak von al-Hakim.

Die erste Ehefrau des ehrenwerten Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) war die ehrenwerte Chadidscha bint Chuwailid. Zum Zeitpunkt ihrer Heirat war der ehrenwerte Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) fünfundzwanzig und Chadidscha (möge Allah mit ihr zufrieden sein) vierzig Jahre alt. Nachdem sie fünfundzwanzig Jahre mit dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) verheiratet gewesen war, verstarb Chadidscha (möge Allah mit ihr zufrieden sein) im Ramadan des zehnten Jahres der Prophetenschaft, drei Jahre vor der Auswanderung. Damals war der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) fünfzig und Chadidscha fünfundsechzig Jahre alt.

In der Lebensgeschichte Sawdas (möge Allah mit ihr zufrieden sein) haben wir erwähnt, dass Chawla bint Hakim, die Ehefrau von Uthman ibn Mazun, den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), der nach dem Tod Chadidschas (möge Allah mit ihr zufrieden sein) niedergeschlagen war, ansprach: „O Gesandter Allahs! Heiraten Sie wieder.“ Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) fragte: „Wen?“ Chawla sagte: „Es gibt sowohl eine verwitwete als auch eine unverheiratete Kandidatin. Über diejenige, die Ihnen gefällt, kann man sprechen.“ Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) fragte erneut: „Wer sind sie?“ Chawla sagte: „Die verwitwete Kandidatin ist Sawda bint Zamʿa, und die unverheiratete ist Aischa, die Tochter Abu Bakrs.“ Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Gut. Sprich mit ihr darüber.“²⁴

Nachdem Hadhrat Chaula (r. a.) die Zustimmung des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) erhalten hatte, ging sie zunächst zum Haus von Abu Bakr (r. a.) und unterbreitete den Heiratsantrag. Im vorislamischen Arabien war es üblich, dass man die Töchter leiblicher Brüder ebenso wenig heiratete wie die Töchter von Halbbrüdern, Verwandten oder Adoptivbrüdern; eine Heirat mit ihnen galt als unzulässig. Als Abu Bakr den Antrag hörte, sagte er: „Chaula! ʿAischa ist doch die Nichte des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Wie kann er sie heiraten?“ Chaula (r. a.) kehrte zurück und erkundigte sich beim Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) nach dieser Angelegenheit. Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Abu Bakr ist mein Bruder im Glauben. Mit den Töchtern solcher Brüder darf man eine Ehe eingehen.“ Abu Bakr (r. a.) nahm den Antrag an und bat Chaula, den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu ihm zu bringen.25

Noch bevor der Heiratsantrag für ʿAischa (r. a.) seitens des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) gestellt wurde, war bereits über ihre Heirat mit Dschubair ibn Mutʿim ibn ʿAdi gesprochen worden. Daher war es notwendig, auch ihn zu fragen. Hadhrat Abu Bakr (r. a.) ging zu Mutʿim ibn ʿAdi und sagte: „Du hattest um ʿAischas Hand für deinen Sohn angehalten. Sag mir, wie lautet eure Entscheidung?“ Mutʿim fragte seine Frau. Die Familie Mutʿims hatte den Islam zu jener Zeit noch nicht angenommen. Deshalb war seine Frau mit diesem Antrag nicht einverstanden. Da wandte sich Abu Bakr (r. a.) an Mutʿim und fragte: „Was sagt deine Frau?“ Mutʿim erwiderte: „Was sie gesagt hat, ist auch meine Meinung.“ Daraufhin sagte er zu Chaula: „Bringt den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) her.“ Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) kam, und Abu Bakr vollzog die Eheschließung.26 Baladhuri hat hingegen erklärt, dass die Überlieferung über einen Heiratsantrag für ʿAischa durch jemand anderen nicht zutreffend sei.27

Die Eheschließungen von ʿAischa (r. a.) und Sawda (r. a.) fanden zur selben Zeit statt. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) nahm Sawda unmittelbar nach der Heirat in seinen Haushalt auf und lebte drei Jahre nur mit ihr, bevor er ʿAischa (r. a.) in seinen Haushalt aufnahm.28

Diese Eheschließung wurde äußerst schlicht und ohne jeden Prunk vollzogen. ʿAtiyya (r. a.) beschreibt sie folgendermaßen: „ʿAischa spielte mit anderen Mädchen. Ihre Dienerin kam und holte sie ab, und Abu Bakr kam und vollzog die Eheschließung.“

Wie schlicht und frei von Zeremonien diese Eheschließung war, lässt sich aus einer eigenen Aussage ʿAischas (r. a.) erahnen. Sie sagte: „Als ich heiratete, wusste ich überhaupt nichts davon. Ich war verheiratet worden. Danach erklärte mir meine Mutter alles.“29

ʿAischa (r. a.) sagte: „Zur Zeit meiner Heirat war ich noch ein kleines Mädchen. Ich trug ein Kleidungsstück namens Hawf. Nach der Heirat empfand ich trotz meines jungen Alters Schamhaftigkeit.“ Es sei angemerkt, dass ein Hawfa ein Kleidungsstück aus Leder ist, das einer Hose ähnelt und von Kindern um die Körpermitte getragen wird. Über die Höhe des Mahrs, den der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ʿAischa (r. a.) gab, bestehen unterschiedliche Angaben. Aus den Überlieferungen Ibn Saʿds geht hervor, dass der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ʿAischa (r. a.) als Mahr ein Haus gab, dessen Wert fünfzig Dirham betrug.30 Ibn Ishaq überliefert vierhundert Dirham. In einer weiteren Überlieferung Ibn Saʿds, die auf ʿAischa (r. a.) selbst zurückgeht, heißt es: „Der Mahr betrug zwölf Uqiyya und einen Nasch – das entspricht fünfhundert Dirham.“31 In Sahih Muslim wird von ʿAischa (r. a.) überliefert, dass der Mahr der Ehefrauen des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) gewöhnlich fünfhundert Dirham betrug.32 Im Musnad Ahmad wird von ʿAischa (r. a.) überliefert, dass ihr Mahr fünfhundert betrug.

Noch bevor er ʿAischa (r. a.) heiratete, erhielt der edle Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) eine frohe Botschaft. Eines Tages sah er im Traum, wie jemand etwas in ein Stück Seide eingewickelt zeigte und sagte: „Dies gehört dir.“ Als er es öffnete, sah er darin ʿAischa (r. a.).33

ʿAischa (r. a.) sagte: Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Drei Nächte lang sah ich dich im Traum. Ein Engel brachte etwas, das in ein Stück Seide eingewickelt war, und sagte: ‚Dies ist deine Ehefrau.‘ Ich öffnete es von der Kopfseite her und sah dich darin. Da sagte ich: ‚Wenn dies von Allah kommt, dann soll es so sein.‘“34

Imam at-Tirmidhi überliefert, dass Aischa (ra) sagte: Gabriel brachte dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ihr Abbild, in ein Stück grüner Seide gehüllt, und sagte: „Dies wird Ihre Ehefrau in dieser Welt und im Jenseits sein.“35

Über den genauen Zeitpunkt der Heirat Aischas (ra) gibt es einige Meinungsverschiedenheiten. Allama Badruddin al-Ayni schrieb in seinem Kommentar zu Sahih al-Bukhari: „Aischa (ra) wurde zwei Jahre vor der Hidschra geheiratet; es wird auch gesagt, drei Jahre davor, und ebenfalls, dass es eineinhalb Jahre davor geschah.“36 Aus einigen Überlieferungen geht hervor, dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) Aischa (ra) drei Jahre nach dem Tod Khadidschas (ra) heiratete. Einige Sira-Forscher sagen, dass Aischa (ra) in demselben Jahr geheiratet wurde, in dem Khadidscha (ra) starb.37

Sulaiman Nadwi sagt: Anhand des Datums von Khadidschas (ra) Tod hätte sich das genaue Datum von Aischas (ra) Heirat bestimmen lassen. Doch auch über das Datum von Khadidschas (ra) Tod besteht kein Konsens; auch darüber gibt es Meinungsverschiedenheiten. In diesem Fall hätte man eigentlich Aischas (ra) eigene Überlieferung akzeptieren können. Doch in al-Bukhari und im Musnad finden sich von ihr zwei unterschiedliche Überlieferungen. In einer Überlieferung heißt es, dass sie drei Jahre nach Khadidschas (ra) Tod geheiratet wurde.38 Die andere Überlieferung nennt das Jahr von Khadidschas (ra) Tod als das Jahr der Heirat.39

Was die Mehrheit der Forscher und der größte Teil der zuverlässigen Überlieferungen befürworten, ist Folgendes: Khadidscha (ra) starb im zehnten Jahr der Prophetenschaft, drei Jahre vor der Hidschra, im Monat Ramadan, und einen Monat später, im Monat Schawwal, heiratete der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) Aischa (ra). Aischa (ra) war damals sechs Jahre alt. Demnach fand ihre Heirat im Schawwal des dritten Jahres vor der Hidschra, entsprechend dem Mai 620 n. Chr., statt. Ibn Abd al-Barr hat diese Ansicht in seinem Werk al-Isti’ab unterstützt. Tatsächlich fand die Heirat im Todesjahr Khadidschas (ra) statt; die eheliche Gemeinschaft wurde jedoch drei Jahre später aufgenommen, als er sie im Alter von neun Jahren zu sich nahm. Dies wird durch eine von Ibn Sa’d überlieferte Aussage Aischas (ra) deutlich.40

Nach der Heirat blieb Aischa (ra) etwa drei Jahre im Haus ihres Vaters: zwei Jahre und drei Monate in Mekka und sieben bis acht Monate nach der Hidschra in Medina.

Als die Unterdrückung und Verfolgung durch die Götzendiener in Mekka jedes erträgliche Maß überschritten hatte, fasste der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) den Entschluss, nach Medina auszuwandern. Aischa (ra) berichtet, dass der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) jeden Morgen und jeden Abend zum Haus Abu Bakrs kam. Eines Tages erschien er entgegen seiner Gewohnheit am Nachmittag, wobei er Kopf und Gesicht mit einem Tuch bedeckt hatte. Bei Abu Bakr (ra) saßen damals seine beiden Töchter Aischa und Asma. Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Abu Bakr! Bitte lass die Leute, die bei dir sitzen, ein wenig weggehen, denn ich möchte mit dir sprechen.“ Abu Bakr sagte: „O Gesandter Allahs! Hier ist niemand außer den Angehörigen deines Hauses.“ Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) trat ein und teilte seinen Entschluss zur Auswanderung mit. Die beiden Schwestern Aischa und Asma packten gemeinsam die Reiseutensilien. Danach machten sie sich auf den Weg nach Medina. Sie ließen ihre Familien in Mekka unter ihren Feinden zurück.41

Nachdem der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sich in Medina etwas eingerichtet hatte, schickte er Zaid ibn Haritha (ra) und Abu Rafi (ra) nach Mekka, um seine Familie von dort nach Medina zu bringen. Er gab ihnen zwei Kamele und fünfhundert Dirham, die Abu Bakr (ra) dem Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) für dessen Bedarf gegeben hatte. Auch Abu Bakr (ra) schickte Abdullah mit ihnen und trug ihm auf, Aischa, Asma und ihre Mutter Umm Ruman nach Medina zu bringen.

Als diese Menschen von Mekka aufbrachen, schloss sich Talha ibn Ubaidillah ihnen zur Auswanderung an. Bei Abu Rafi und Zaid ibn Haritha waren Fatima, Umm Kulthum, Sawda bint Zam’a, Umm Aiman und Usama ibn Zaid; bei Abdullah ibn Abi Bakr (ra) waren Umm Ruman und seine beiden Schwestern Aischa und Asma.42

Als diese Karawane von Mekka aufbrach und al-Bayda, den Aufenthaltsort der Banu Kinana im Hidschas, erreichte, riss sich das Kamel, auf dem sich Aischa (ra) und ihre Mutter Umm Ruman (ra) befanden, los und stürmte mit ihnen davon. Jeden Augenblick befürchteten sie, samt dem Howdah heruntergeschleudert zu werden. Wie es bei Frauen üblich ist, kümmerte sich die Mutter nicht um ihr eigenes Leben, sondern begann aus Sorge um ihr geliebtes Kind Aischa (ra) unruhig zu weinen. Nach einer langen Strecke wurde das Kamel eingefangen und wieder unter Kontrolle gebracht. Alle waren wohlauf und erreichten Medina sicher. Der edle Gesandte Allahs (sallallahu ‘alaihi wa sallam) ließ damals die Prophetenmoschee und die Häuser in ihrer Umgebung errichten. In einem dieser Häuser wurden Sawda (ra) und die Töchter des Gesandten Allahs (sallallahu ‘alaihi wa sallam) untergebracht.43

Aischa (ra) ließ sich mit ihren Angehörigen im Viertel der Banu Harith ibn Chazradsch in Medina nieder und lebte dort sieben oder acht Monate bei ihrer Mutter. Für die meisten Auswanderer, die von Mekka nach Medina gekommen waren, war das Klima Medinas nicht zuträglich. Viele Männer und Frauen wurden krank. Abu Bakr (ra) wurde von hohem Fieber befallen. Das noch junge Mädchen Aischa (ra) widmete sich der Pflege ihres Vaters. Eines Tages kam sie zum Gesandten Allahs (sallallahu ‘alaihi wa sallam) und berichtete ihm vom Zustand ihres Vaters, woraufhin er für Abu Bakr (ra) ein Bittgebet sprach. Abu Bakr (ra) wurde wieder gesund.

Nachdem ihr Vater wieder gesund geworden war, wurde Aischa (ra) selbst krank und ans Bett gefesselt. Nun kümmerte sich der Vater aufmerksam um seine Tochter. Abu Bakr (ra) ging zum Bett seiner kranken Tochter und rieb ihr voller Zärtlichkeit sein Gesicht an ihrem Gesicht. Die Krankheit war so schwer, dass Aischa (ra) fast alle Haare auf dem Kopf ausfielen.44

Nachdem Abu Bakr (ra) – einer anderen Überlieferung zufolge Umm Ruman (ra) – von den Schwierigkeiten und Krankheiten genesen war, sagte er eines Tages zum Gesandten Allahs (sallallahu ‘alaihi wa sallam): „O Gesandter Allahs! Warum holst du deine Ehefrau nicht zu dir nach Hause?“ Er antwortete: „Ich habe derzeit nicht die Mittel, um die Brautgabe zu entrichten.“ Abu Bakr (ra) sagte: „Nimm mein Geld. Ich leihe es dir.“ Daraufhin lieh sich der Gesandte Allahs (sallallahu ‘alaihi wa sallam) von Abu Bakr (ra) zwölf Uqiyya und eine Nasch (= fünfhundert Dirham) und schickte das Geld zu Aischa (ra).

Medina war gleichsam Aischas (ra) Schwiegerheim. Die Frauen der Ansar kamen zum Haus Abu Bakrs (ra), um die junge Braut willkommen zu heißen. Aischa (ra) spielte gerade mit anderen Mädchen im Hof unter einer Dattelpalme. Ihre Mutter Umm Ruman (ra) rief sie. Sobald sie den Ruf ihrer Mutter hörte, eilte sie keuchend herbei. Dann ging sie in den Raum, in dem die als Gäste gekommenen Frauen auf sie warteten. Als die junge Braut den Raum betrat, riefen die Frauen: „Möge dein Kommen gesegnet und voller Segen sein!“ Sie schmückten die junge Braut. Wenig später erschien der Gesandte Allahs (sallallahu ‘alaihi wa sallam).45

Damals wurde dem Gesandten Allahs (sallallahu ‘alaihi wa sallam) außer einem Becher Milch nichts anderes vorgesetzt. Asma bint Yazid war eine Jugendfreundin Aischas (ra). Sie sagte: „Ich war Aischas Freundin. Ich schmückte sie und führte sie zum Gesandten Allahs (sallallahu ‘alaihi wa sallam). Andere waren ebenfalls bei mir. Außer einem Becher Milch hatten wir damals nichts, was wir dem Gesandten Allahs (sallallahu ‘alaihi wa sallam) hätten vorsetzen können. Der Gesandte Allahs (sallallahu ‘alaihi wa sallam) nahm einen kleinen Schluck Milch aus dem Becher und reichte ihn Aischa. Als ich sah, dass Aischa sich schämte, ihn zu nehmen, sagte ich zu ihr: ‚Weise die Gabe des Gesandten Allahs nicht zurück.‘ Daraufhin nahm sie ihn äußerst schüchtern entgegen, trank ein wenig und wollte ihn dann beiseitestellen. Der Gesandte (sallallahu ‘alaihi wa sallam) sagte zu ihr: ‚Gib ihn deinen Gefährtinnen.‘ Wir sagten: ‚O Gesandter Allahs! Wir haben jetzt keine Lust zu trinken.‘ Er sagte: ‚Lügt nicht. Jede Lüge eines Menschen wird niedergeschrieben.‘ In einer anderen Überlieferung heißt es: ‚Verbindet Hunger nicht mit Lüge.‘ Die Lüge wird niedergeschrieben, selbst wenn es sich um kleine Lügen handelt.46

Auf Grundlage authentischer Überlieferungen ist bekannt, dass Aischa (ra) im Monat Schawwal des ersten Jahres nach der Hidschra in das Haus ihres Ehemannes einzog. Allama Aini schrieb, dass sie im zweiten Jahr nach der Hidschra, nach der Schlacht von Badr, in das Haus ihres Ehemannes ging.47 Eine ähnliche Aussage wird auch von Aischa (ra) überliefert: „Er heiratete mich drei Jahre vor der Hidschra und vollzog die Ehe mit mir im Monat Schawwal, achtzehn Monate nach der Hidschra. Zum Zeitpunkt der Eheschließung war ich ein sechsjähriges Mädchen, und bei der Vollziehung der Ehe war ich neun Jahre alt.“48 Diese Überlieferung kann jedoch nicht richtig sein. Denn ihr zufolge wäre Aischas (ra) Alter zu jener Zeit zehn Jahre gewesen. Alle Bücher über Hadithe und Geschichte stimmen jedoch darin überein, dass sie damals neun Jahre alt war.49

Sowohl Aischas (ra) Eheschließung als auch ihr Einzug in das Haus ihres Ehemannes fanden im Monat Schawwal statt. Deshalb liebte sie es ihr ganzes Leben lang, solche Feiern im Monat Schawwal abzuhalten. Sie sagte: „Sowohl meine Eheschließung als auch mein Einzug in das Haus meines Ehemannes fanden im Schawwal statt. Und wer war in dieser Hinsicht gegenüber ihrem Ehemann glücklicher als ich?“50

Der edle Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) brachte ʿĀischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) in einem kleinen, neben der Prophetenmoschee errichteten Zimmer unter. Das Zimmer, in dem der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) heute ruht, ist ʿĀischas (möge Allah mit ihr zufrieden sein) Zimmer. Später pflegte ʿĀischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) zu sagen: „In dem Zimmer, in dem ich mich jetzt befinde, hat mich der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zum ersten Mal untergebracht. Hier ist er verstorben.“ Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ließ die Tür des Zimmers genau gegenüber einer Tür der Moschee anlegen.51 Aus den vorherigen Berichten kann jeder verstehen, wie schlicht und anspruchslos ʿĀischas (möge Allah mit ihr zufrieden sein) Eheschließung, ihr Einzug in das Haus ihres Ehemannes und überhaupt jede einzelne Feierlichkeit waren. Es gab keinerlei übertriebene Zurschaustellung oder Verschwendung.

Durch die Eheschließung ʿĀischas (möge Allah mit ihr zufrieden sein) wurden viele Aberglauben und schlechte Bräuche im damaligen Arabien abgeschafft. Die Araber hielten es nicht für zulässig, die Tochter irgendeines Bruders zu heiraten, ja nicht einmal die Tochter eines Milchbruders. Als Abū Bakr (möge Allah mit ihm zufrieden sein) daher von Chaulas (möge Allah mit ihr zufrieden sein) Vorschlag hörte, rief er aus: „Ist das zulässig? ʿĀischa ist doch die Nichte des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm).“ Als dies dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu Ohren kam, sagte er: „Abū Bakr ist mein Bruder im Islam. Die Eheschließung mit seiner Tochter ist für mich zulässig.“

Ein weiterer schlechter Brauch bestand darin, dass sie im Monat Schaʿbān keine Hochzeiten feierten. In einem früheren Schaʿbān war in Arabien die Pest ausgebrochen. Deshalb hielten sie diesen Monat für unheilvoll und veranstalteten in ihm keine Hochzeiten.52

Einige Menschen im damaligen Arabien glaubten außerdem, dass die Ehe nicht von Dauer sein und in Trennung enden würde, wenn man die frischvermählte Braut in diesem Monat nach Hause brachte. Die Eheschließung ʿĀischas (möge Allah mit ihr zufrieden sein) setzte diesem Aberglauben einen schweren Schlag. Die Feier, bei der die Braut in das Haus gebracht wurde, fand am Tag statt. Auch dies widersprach den damals verbreiteten Bräuchen.53

Ein weiterer Brauch bestand darin, dass sie vor der Braut Feuer entzündeten. Der erste Blickwechsel zwischen dem frisch vermählten Paar fand auf einer Bühne oder im Inneren eines Gebäudes statt. Durch diese Eheschließung wurden all diese schlechten Bräuche vollständig beseitigt.

Bildung und Erziehung

Im vorislamischen Arabien gab es nicht einmal unter den Männern eine verbreitete Kultur des Lesens und Schreibens; bei den Frauen war daran überhaupt nicht zu denken. Zu Beginn des Islams konnten im gesamten Stamm der Quraisch in Mekka nur 17 Personen lesen und schreiben. Unter ihnen befand sich nur eine Frau: Schifāʾ bint ʿAbdullāh.54 Da der Islam dem Lesen und Schreiben besondere Bedeutung beimaß, verbreiteten sich diese Fähigkeiten sehr schnell.

Unter den Ehefrauen des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) konnten Ḥafṣa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) und Umm Salama (möge Allah mit ihr zufrieden sein) etwas lesen und schreiben. Ḥafṣa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) lernte auf ausdrückliche Anweisung des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) bei Schifāʾ bint ʿAbdullāh (möge Allah mit ihr zufrieden sein) das Lesen und Schreiben.55 Zu jener Zeit erlernten noch einige weitere Frauen aus der Generation der Gefährten das Lesen und Schreiben. Dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) mehrere Ehefrauen nahm, insbesondere ʿĀischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) in noch jungem Alter heiratete, barg vielfältigen Nutzen. Obwohl der Segen seiner Gesellschaft unzählige Männer zu den höchsten Stufen des Glücks führte, waren gewöhnliche Frauen aus natürlichen Gründen nicht in der Lage, dieses Glück unmittelbar zu erlangen. Nur durch die Ehefrauen des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) konnten die Gnaden und Segnungen seiner Gesellschaft und ihre Geheimnisse unter den Frauen der ganzen Welt verbreitet und weitergegeben werden.

Mit Ausnahme von ʿĀ’ischa aṣ-Ṣiddīqa (r.a.) gingen alle anderen reinen Ehefrauen des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) erst nach ihrer Verwitwung oder Scheidung mit ihm die Ehe ein. In dieser Hinsicht war allein ʿĀ’ischa (r.a.) dadurch gesegnet, dass sie ausschließlich am geistigen Einfluss und Segen des Prophetentums teilhatte. Kindheit und Jugend sind die eigentliche Zeit, in der der Mensch Bildung und Erziehung erhält. Glücklicherweise verbrachte sie diese gesamte Zeit in der Ausbildung durch ihren Propheten, sodass sie für die Hälfte der Menschheit zu einer Lichtbringerin werden konnte.

Unter dem gesamten Stamm der Quraisch war Abu Bakr (r.a.) der erfahrenste und gelehrteste Mann in der Astrologie und Dichtkunst. ʿĀ’ischa (r.a.) wurde unter der Obhut eines solchen Vaters erzogen. Daher entwickelte sie von ihrer Abstammung her eine besondere Liebe zu und große Fähigkeiten in diesen beiden Wissensgebieten.

Der ehrenwerte Abu Bakr (r.a.) legte besonderen Wert auf die gute Erziehung und die Vermittlung von Anstand und Charakter an seine Kinder. In bestimmten Fällen war er auch streng. Dafür finden sich Belege in den Hadith- und Sīra-Werken. Einmal wollte er seinen Sohn ʿAbd ar-Raḥmān schlagen, nur weil dieser sich verspätet hatte, den Gästen das Essen zu reichen. Auch nach ihrer Heirat hatte ʿĀ’ischa (r.a.) große Angst vor ihrem Vater, wenn sie einen Fehler begangen hatte.⁵⁶ In vielen Fällen schimpfte ihr Vater sie heftig aus. Bisweilen zögerte er auch nicht, sie körperlich zu bestrafen.⁵⁷ Einmal bewahrte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sie davor.⁵⁸ Ein anderes Mal schlug er ʿĀ’ischa (r.a.) in Gegenwart des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) kräftig gegen die Rippen. Da rief der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm): „Abu Bakr! Möge Allah dir vergeben! Wir wollten dies nicht.“⁵⁹ Die eigentliche Ausbildung und Erziehung der ehrenwerten ʿĀ’ischa (r.a.) begann, nachdem sie in das Haus ihres Ehemannes gezogen war. In dieser Zeit lernte sie zu lesen. Sie rezitierte den Koran, indem sie ihn vom Blatt ablas. In einer Überlieferung heißt es, dass sie nicht schreiben konnte.⁶⁰ In einem Hadith wird berichtet, dass ihr Sklave Dhakwān für sie den Koran niederschrieb.⁶¹ In einigen Überlieferungen heißt es jedoch: „Als Antwort auf jenen Brief schrieb sie dies.“ Wahrscheinlich haben die Überlieferer anstelle von „ließ schreiben“ das Wort „schrieb“ verwendet. Im Allgemeinen verhält es sich so. Wie dem auch sei: Lesen und Schreiben sind die äußerlichen Maßstäbe für das Wissen eines Menschen. Der Maßstab für wahres Wissen liegt auf einer weitaus höheren Stufe. Die Vervollkommnung und Läuterung der Menschlichkeit und Moral, die Kenntnis der notwendigen Angelegenheiten der Religion und der tiefen Geheimnisse der Scharia sowie der Erwerb von Kenntnis über Allahs Wort und die prophetischen Bestimmungen – dies ist die beste Bildung. Die ehrenwerte ʿĀ’ischa (r.a.) war ein Schatzhaus all dieses Wissens. Darüber hinaus verfügte sie über umfassende Kenntnisse in Geschichte, Literatur und Medizin. Die Kenntnisse in Geschichte und Literatur erwarb sie von ihrem Vater.⁶² Das Wissen der Medizin erwarb sie von den Menschen und Abgesandten, die zu verschiedenen Zeiten aus verschiedenen Gegenden und Orten zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) kamen. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) war in den letzten Tagen seines Lebens meist krank. Welche Behandlungsmethoden und Medikamente die Ärzte Arabiens auch immer verordneten, ʿĀ’ischa (r.a.) prägte sie sich ein.

Eines Tages sagte ʿUrwa zu ʿĀ’ischa (r.a.): „Ich bin erstaunt über deine Kenntnisse in Fiqh, Dichtkunst und der Geschichte des alten Arabiens. Denn es war für dich möglich, dieses Wissen zu erwerben. Aber angesichts deiner Kenntnisse in der Medizin, deinem ṭibb, kann ich nicht anders, als erstaunt zu sein. Wie und wo hast du dieses Wissen erworben?“ ʿĀ’ischa (r.a.) sagte: „ʿUrwa! Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) war in seinem späteren Leben krank. Menschen kamen aus verschiedenen Gegenden Arabiens zu ihm. Sie brachten unterschiedliche Behandlungsmethoden und Medikamente mit. Ich behandelte ihn auf diese Weise. Daher habe ich dieses Wissen erworben.“ In einer anderen Überlieferung heißt es, dass ʿUrwa fragte: „Woher hast du dein Wissen über diese Medizin erworben?“ ʿĀ’ischa (r.a.) antwortete: „Ich lernte es aus den Medikamenten und Behandlungsmethoden, die verabreicht wurden, wenn ich oder jemand anderes krank war. Außerdem merkte ich mir die Krankheiten und Medikamente, von denen die Menschen einander erzählten.“⁶³

Für den Erwerb religiösen Wissens gab es keine bestimmte Zeit. Der große Lehrer der Scharia war im eigenen Haus. Tag und Nacht war sie durch seine Gesellschaft gesegnet. Jeden Tag fand in der Prophetenmoschee eine Versammlung statt, in der der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) lehrte und Ermahnungen gab. Unmittelbar an die Moschee grenzte die Kammer der ehrenwerten ʿĀ’ischa (r.a.). Daher nahm ʿĀ’ischa (r.a.) von zu Hause aus an dem teil, was der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) den Menschen draußen lehrte. Wenn sie eine Aussage wegen der Entfernung oder aus einem anderen Grund nicht verstand, fragte sie den Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), sobald er nach Hause kam, und ließ sie sich erklären.⁶⁴ Manchmal ging sie auch in die Nähe der Versammlung.⁶⁵ Außerdem bestimmte der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) auf Bitten der Frauen einen Tag in der Woche für ihre Bildung und Unterweisung.⁶⁶

Tag und Nacht drangen unzählige Gespräche über ʿilm und ḥikma, also über Wissen und Weisheit, an ihr Ohr. Es war auch ihre Gewohnheit, jede Angelegenheit unbefangen vor den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu bringen. Sie gab sich nicht zufrieden, bevor sie Gewissheit erlangt hatte. Einmal sagte der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm):

Es wird auf Arabisch heißen:

Wer am Tag der Auferstehung zur Rechenschaft gezogen wird, wird bestraft werden.

„Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) sagte: O Gesandter Allahs! Allah hat doch gesagt—

Auf Arabisch lautet es:

Das bedeutet, dass ihm eine leichte Abrechnung zuteilwerden wird. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Das ist die Vorlage der Taten. Doch wessen Taten bis ins kleinste Detail geprüft werden, dessen Untergang ist unausweichlich. 67

Einmal sagte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) während einer Ermahnung: Am Tag der Auferstehung werden alle Menschen nackt auferstehen. Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) war darüber beunruhigt und rief: O Gesandter Allahs! Werden Männer und Frauen gemeinsam auferstehen? Werden sie einander dann nicht ansehen? Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Diese Zeit wird äußerst schrecklich sein. Das bedeutet, dass keiner vom anderen auch nur irgendetwas wahrnehmen wird. 68

Eines Tages fragte Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), ob die ungläubigen Götzendiener für die guten Taten, die sie vollbringen, einen Lohn erhalten würden. In Mekka lebte ein Götzendiener namens Abdullah ibn Dschadʿan, der von aufrichtigem Wesen und gütigem Herzen war. In der vorislamischen Zeit versammelte er die Führer der Quraisch zu einer Sitzung, um ihre gegenseitigen Streitigkeiten und Unruhen beizulegen. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) war unter ihnen. Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) fragte: „O Gesandter Allahs! Abdullah ibn Dschadʿan behandelte die Menschen in der Zeit der Dschahiliya freundlich. Er gab den Armen und Hungernden zu essen. Wird ihm diese Tat nicht zugutekommen?“ Er antwortete: „Nein, Aischa. Er hat niemals gesagt: O Allah, vergib mir am Tag der Auferstehung!“

Der Dschihad ist eine der bedeutendsten Pflichten im Islam. Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) war der Ansicht, dass es auch in diesem Fall so sein müsse, wie es bei den anderen Pflichten keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen gibt. Eines Tages fragte sie deshalb den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Sie erhielt die Antwort: Der Hadsch ist der Dschihad der Frauen. 59

An einem anderen Tag fragte sie: O Gesandter Allahs! Der Dschihad ist die beste Tat. Sollen wir Frauen nicht am Dschihad teilnehmen? Er sagte: Nein. Der beste Dschihad ist jedoch ein angenommener Hadsch. 70

Bei einer Eheschließung ist die Zustimmung sowohl des Bräutigams als auch der Braut Voraussetzung. Jungfräuliche Mädchen bringen ihre Zustimmung oft aus Scham nicht ausdrücklich zum Ausdruck. Deshalb fragte Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) eines Tages: O Gesandter Allahs! Bei einer Eheschließung ist doch die Zustimmung des Mädchens erforderlich. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Ja, sie ist erforderlich. Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) sagte: Mädchen schweigen doch aus Scham. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Ihr Schweigen ist ihre Zustimmung. 71

Eines Tages wollte der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), nachdem er das Tahaddschud-Gebet verrichtet hatte, sich etwas zur Ruhe niederlegen, ohne das Witr-Gebet zu verrichten. Da sagte ‘Aischa (r.a.): „O Gesandter Allahs! Du legst dich nieder, ohne das Witr-Gebet zu verrichten?“ Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Meine Augen schlafen zwar, aber mein Herz schläft nicht.“72 Oberflächlich betrachtet scheint eine solche Frage von ‘Aischa (r.a.) unhöflich gewesen zu sein. Doch wenn sie nicht den Mut dazu gehabt hätte, wäre die Umma Muhammads in Unkenntnis über die tiefen Geheimnisse des Prophetentums geblieben.

Im Islam wird von zahlreichen Rechten des Nachbarn gesprochen. Die meisten Gelegenheiten, diese Rechte zu erfüllen, ergeben sich für Frauen. Doch wem soll man den Vorrang geben, wenn es mehrere Nachbarn gibt? Deshalb fragte ‘Aischa (r.a.) eines Tages. Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) antwortete: „Dem Nachbarn, dessen Tür deiner Wohnung am nächsten liegt, ist der Vorrang zu geben.“73 Einmal sagte der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm): „Wer die Begegnung mit Allah liebt, den liebt auch Allah. Und wer die Begegnung mit Allah liebt, den liebt auch Allah. Wer jedoch die Begegnung mit Allah nicht liebt, den liebt auch Allah nicht.“ ‘Aischa (r.a.) sagte: „O Gesandter Allahs! Niemand von uns liebt doch den Tod.“? Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Das ist nicht die Bedeutung meiner Worte. Gemeint ist: Wenn ein gläubiger Mensch von Allahs Barmherzigkeit, Seiner Zufriedenheit und dem Zustand des Paradieses hört, sehnt sich sein Herz nach Allah. Auch Allah erwartet sein Kommen. Wenn aber ein Ungläubiger von Allahs Strafe und Seinem Missfallen hört, möchte er nicht vor Allah treten. Auch Allah missbilligt seine Begegnung.“74

Einmal kam ein Mann, um den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu treffen. Er erteilte ihm die Erlaubnis einzutreten und sagte: „Lasst ihn hereinkommen. Er ist der schlechteste Mann seines Stammes.“ Der Mann kam herein und setzte sich. Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sprach mit ihm äußerst geduldig, aufmerksam und aufrichtig. ‘Aischa (r.a.) war sehr verwundert. Nachdem der Mann gegangen war, sagte sie: „O Gesandter Allahs! Du kanntest den Mann doch gut. Als er jedoch kam, hast du so aufrichtig und freundlich mit ihm gesprochen.“ Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „O ‘Aischa! Der schlechteste Mensch ist derjenige, aus dessen Furcht die Menschen den Umgang mit ihm meiden.“

Einmal kam ein Mann und bat um Hilfe. Auf ein Zeichen der ehrwürdigen ‘Aischa (r.a.) wollte die Dienerin ihm einige Dinge geben. Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „O ‘Aischa! Gib nicht abgezählt. Sonst wird Allah dir ebenfalls abgezählt geben.“75 „Selbst wenn es nur ein Stück ist, bewahre damit den Bettler vor der Hölle. Wenn ein hungriger Mensch es isst, wird es ihm etwas nützen und seinen Magen füllen. Was könnte besser sein als das?“

Ein anderes Mal sprach der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) folgendes Bittgebet: „O Allah! Lass mich in Armut leben, lass mich in Armut sterben und erwecke mich am Tag der Auferstehung unter den Armen.“ ‘Aischa (r.a.) fragte: „Warum, o Gesandter Allahs?“ Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Die Besitzlosen werden vierzig Jahre vor den Wohlhabenden ins Paradies eintreten. O ‘Aischa, weise keinen Bettler zurück, ohne ihm etwas zu geben, und sei es auch nur ein Stück Dattel. Liebe die Armen und lass sie neben dir sitzen.“76

In den Hadith- und Sira-Werken werden zahlreiche Fragen dieser Art von der ehrwürdigen ‘Aischa (r.a.) und ihre Antworten überliefert. Im Grunde waren dies ihre täglichen Lektionen. Neben verschiedenen moralischen Unterweisungen lehrte der edle Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) der ehrwürdigen ‘Aischa (r.a.) mit großer Geduld auch das Gebet, die Hadsch, die Zakat sowie zahlreiche Angelegenheiten der Religion und des weltlichen Lebens. Auch ‘Aischa (r.a.) lernte mit größtem Eifer und setzte das Gelernte mit großer Aufrichtigkeit in die Praxis um.

Die ehrwürdige ‘Aischa (r.a.) hatte ein äußerst starkes Verlangen zu lernen. Selbst in all jenen Augenblicken, in denen der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) möglicherweise ungehalten werden konnte, unterließ sie es nicht zu fragen. Im Grunde kannte sie das Wesen und den Charakter ihres Gatten, des ehrwürdigen Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), sehr gut. Daher konnte sie ihm gegenüber offen und unerschrocken sein. Einmal war der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) aus irgendeinem Grund über seine Ehefrauen verärgert und gelobte, einen Monat lang zu keiner seiner Ehefrauen zu gehen. Neunundzwanzig Tage hielt er dieses Gelübde ein. Zufälligerweise hatte der betreffende Mondmonat neunundzwanzig Tage. Am ersten Tag des folgenden Monats, also am dreißigsten Tag, ging der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu ‘Aischa (r.a.). Äußerlich betrachtet hätte ‘Aischa (r.a.) erfreut sein sollen. Doch wir sehen, dass sie fragte: „O Gesandter Allahs! Du hast gesagt, dass du einen Monat lang nicht zu uns kommen würdest. Wie bist du einen Tag früher gekommen?“ Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „O ‘Aischa! Ein Monat kann auch neunundzwanzig Tage haben.“

Eheleben: Das Haus, in das die ehrwürdige ‘Aischa (r.a.) aus dem Haus ihres Vaters als Braut einzog, war keineswegs ein prächtiger Palast. Rund um die Prophetenmoschee im Viertel der Banu Nadschdschār in Medina gab es einige kleine Lehmhäuser, und in eines davon zog sie ein. Das Haus lag östlich der Moschee. Eine seiner Türen befand sich auf der Westseite und führte in die Moschee. Dadurch wurde die Moschee zum Hof des Hauses. Der ehrwürdige Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) betrat die Moschee durch diese Tür. Wenn er sich in der Moschee zum I‘tikaf zurückzog, streckte er seinen Kopf in das Haus, und ‘Aischa (r.a.) kämmte ihm das Haar.77 Manchmal streckte er, während er in der Moschee saß, die Hand in das Haus und ließ sich von ‘Aischa (r.a.) etwas reichen.78

Die Breite dieses Zimmers betrug mehr als sechs Ellen. Die Wände waren aus Lehm. Das Dach bestand aus Palmblättern und Zweigen. Darüber konnte man zum Schutz vor Regen eine Decke legen. Es war so niedrig, dass ein aufrecht stehender Mensch mit der Hand das Dach erreichen konnte. Es hatte eine einflügelige Tür, doch es bestand niemals die Notwendigkeit, sie zu schließen.⁷⁹ Als Sichtschutz hing eine Decke an der Tür. An dieses Zimmer schloss sich ein weiteres an, das „Maschraba“ genannt wurde. Als der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sich einmal von seinen Ehefrauen fernhielt, verbrachte er dort einen Monat.

Zur Einrichtung des Zimmers gehörten ein Bettgestell, eine Matte, eine Schlafunterlage, ein Kissen, zwei Krüge zur Aufbewahrung von Datteln, ein Wassergefäß und ein Trinkbecher. Mehr gab es nicht. In mehreren Hadithen werden diese Gegenstände an verschiedenen Stellen erwähnt. Die Bewohner waren nachts nicht einmal in der Lage, eine Lampe anzuzünden. ʿĀʾischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) sagte: Ungefähr vierzig Nächte hintereinander vergingen, ohne dass im Haus eine Lampe brannte.

In dem Zimmer lebten insgesamt nur zwei Menschen: der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und ʿĀʾischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein). Einige Zeit später kam eine Sklavin namens Buraira (möge Allah mit ihr zufrieden sein) hinzu. Solange ʿĀʾischa und Sawda seine einzigen beiden Ehefrauen waren, verbrachte der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) jede zweite Nacht im Zimmer von ʿĀʾischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein). Nachdem er weitere Frauen geheiratet hatte und Sawda (möge Allah mit ihr zufrieden sein) ʿĀʾischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) freiwillig ihren eigenen Turnus abgetreten hatte, verbrachte er alle neun Tage zwei Nächte in ʿĀʾischas (möge Allah mit ihr zufrieden sein) Zimmer.⁸¹

Eine besondere Ordnung und Sauberkeit im Haushalt war nicht erforderlich. Nur sehr selten ergab sich die Möglichkeit, Speisen zuzubereiten und zu kochen. ʿĀʾischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) sagte selbst: Nie vergingen drei Tage hintereinander, an denen die Mitglieder des Hauses des Propheten satt gegessen hätten.⁸² Sie sagte außerdem: Monatelang wurde im Haus kein Feuer entzündet.⁸³ In dieser Zeit lebten sie ausschließlich von Datteln und Wasser.⁸⁴ Nach dem Sieg über Chaibar setzte der edle Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) für jede seiner reinen Ehefrauen einen jährlichen Unterhalt fest.⁸⁵ ʿAbd ar-Raḥmān al-Aʿraǧ sagte in seiner Lehrversammlung in Medina: Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) gab ʿĀʾischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) für ihren Lebensunterhalt aus der Ernte von Chaibar achtzig Wasq Datteln und zwanzig Wasq Gerste, einer anderen Überlieferung zufolge Weizen.⁸⁶ Aufgrund ihrer Freigebigkeit reichte diese Menge an Lebensmitteln jedoch niemals für ein ganzes Jahr aus.

Die ehrwürdigen Gefährten (möge Allah mit ihnen zufrieden sein) schickten stets Geschenke und Gaben an das Haus des Propheten. Besonders an den Tagen, an denen der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) im Zimmer von ʿĀʾischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) blieb, schickten die Menschen absichtlich mehr Geschenke.⁸⁷

Oft kam es vor, dass der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) von draußen kam und fragte: „ʿĀʾischa, gibt es etwas?“ Sie antwortete: „O Gesandter Allahs, es gibt nichts.“ Daraufhin fasteten alle gemeinsam.⁸⁸ Manchmal schickten einige Familien der Ansar Milch. Damit stillten sie ihren Hunger und Durst.⁸⁹ Umm Salama (möge Allah mit ihr zufrieden sein) sagte: Zur Zeit des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) bestand unsere Nahrung an den meisten Tagen aus Milch.⁹⁰

Die Verantwortung für die Verwaltung des Haushalts des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) lag bei Bilal (möge Allah mit ihm zufrieden sein). Er teilte die Lebensmittelvorräte für das ganze Jahr ein. Wenn es nötig war, nahm er etwas auf Kredit.⁹¹

Als der edle Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) verstarb, war ganz Arabien unter den Schutz des Islam gelangt. Aus verschiedenen Gebieten trafen große Mengen an Geld und Besitz ein und wurden im Bayt al-Mal angesammelt. Dennoch gab es am Tag, an dem der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) verstarb, im Zimmer von ʿĀʾischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) nicht einmal genug Nahrung für einen einzigen Tag.

Auch während des Kalifats von Abu Bakr as-Siddiq (möge Allah mit ihm zufrieden sein) erhielt Hazrat Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) eine festgelegte Menge Getreide aus den Erträgen von Chaibar. Der Kalif Hazrat Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) führte für alle ein Bargeldstipendium ein. Für jede der Ehefrauen des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) setzte er jährlich zehntausend Dirham fest. Für Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) setzte er jedoch zwölftausend fest. Als Grund dafür pflegte er zu sagen: Aischa war die geliebteste Ehefrau des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm).92 Einer Überlieferung zufolge gab der Kalif Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) ihr zu seiner Zeit die Wahl zwischen einem Anteil an den in Chaibar erzeugten Erträgen und Land. Hazrat Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) entschied sich damals für das Land.93

Alles an Geld und Vermögen, was in ihre Hände gelangte, verteilte sie großzügig unter den Armen und Bedürftigen. Von Kalif Hazrat Uthman (möge Allah mit ihm zufrieden sein) bis hin zu Amir Muawiya (möge Allah mit ihm zufrieden sein) bestand die oben erwähnte Regelung fort. Hazrat Abdullah ibn az-Zubair (möge Allah mit ihm zufrieden sein) war der Neffe von Hazrat Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) und wurde nach Amir Muawiya (möge Allah mit ihm zufrieden sein) Kalif des Hidschas. Er übernahm sämtliche Ausgaben seiner Tante. Doch an den Tagen, an denen das Stipendium nicht aus dem Staatsschatz eintraf, drohte sein Haushalt ohne Nahrung zu bleiben.94

Obwohl Hazrat Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) von Natur aus über scharfen Verstand und großes Auffassungsvermögen verfügte, unterliefen ihr wegen ihres jungen Alters gelegentlich Fehler. Sie mahlte zu Hause Weizen zu Mehl und schlief dann ein; eine Ziege kam und fraß es auf.95 Eines Tages mahlte sie eigenhändig Mehl und backte Brot. Danach wartete sie auf die Ankunft des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Es war Nacht. Schließlich kam der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und stellte sich zum Gebet auf. Hazrat Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) fielen vor Müdigkeit die Augen zu. In diesem Augenblick drang eine Ziege des Nachbarn ins Haus ein und fraß alles auf. Im Vergleich zu den älteren Ehefrauen des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) verstand sie es weniger gut, Speisen zuzubereiten.96

Eheliches Leben

Wir sollten uns ein Bild vom gemeinsamen Leben des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und Aischas (möge Allah mit ihr zufrieden sein) sowie von ihrer innigen Beziehung vor Augen führen. Der Islam hat die Frau weder als übermäßig heilig betrachtet und auf den Thron einer Göttin gesetzt, noch hat er sie lediglich als Objekt männlicher Lust angesehen. Im Grunde war dies die Auffassung der Menschen auf der Welt in alter wie in neuer Zeit von der Frau. Daher hat die Frau zu keiner Zeit und in keiner Gesellschaft die ihr gebührende Stellung erhalten. Nur der Islam hat ihr die richtige Stellung gegeben. Die höchste Würde, die der Islam der Frau verliehen hat, besteht darin, dass die Frau in dieser von Konflikten und Auseinandersetzungen erfüllten Welt die Quelle von Ruhe und Trost für den Mann ist. Der Koran verkündet:

Auf Arabisch lautet es:

Und zu Seinen Zeichen gehört, dass Er für euch aus euch selbst Gattinnen erschaffen hat, damit ihr bei ihnen Ruhe findet, und dass Er zwischen euch Liebe und Barmherzigkeit gesetzt hat.

(Sure ar-Rum 21)

Das praktische Bild dieser Erklärung Allahs des Erhabenen sehen wir im ehelichen Leben des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und Aischas (Allah sei mit ihr zufrieden). Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: 97

Das Arabische wird lauten

– Der Beste unter euch ist derjenige, der zu seiner Frau am besten ist. Ich bin zu meinen Frauen besser als ihr alle.

Ihr neunjähriges Eheleben war von tiefer Liebe, gegenseitigem Mitgefühl, grenzenloser Zuneigung und Hingabe geprägt. Trotz bitterer Armut, Hunger und aller widrigen Umstände zeigte sich in dieser innigen Beziehung nicht einen einzigen Tag lang ein Riss. Es kam zu keinerlei Verbitterung oder Verstimmung.

Der edle Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) liebte Aischa (Allah sei mit ihr zufrieden) zutiefst. Dies war der gesamten Gemeinschaft der Gefährten bekannt. Deshalb schickten die Menschen an den Tagen, an denen der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) in Aischas (Allah sei mit ihr zufrieden) Haus verbrachte, besonders viele Geschenke. Darüber wurden die anderen Ehefrauen ärgerlich. Sie wünschten, der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) möge den Menschen anweisen, ihre Gaben jeweils dorthin zu schicken, wo er sich an dem betreffenden Tag aufhielt. Doch niemand wagte es, dies zu sagen. Daher wählten sie gemeinsam Fatima (Allah sei mit ihr zufrieden), das geliebte Kind des edlen Gesandten, aus, um ihre Gefühle dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) vorzutragen. Nachdem der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) Fatimas (Allah sei mit ihr zufrieden) Worte angehört hatte, sagte er: „Meine Tochter, willst du nicht auch, was ich will?“ Fatima verstand den Wunsch ihres Vaters und kehrte zurück. Die Ehefrauen des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) wollten sie erneut schicken; doch sie war eine ältere, kluge und schlagfertige Frau. In geschickter Weise trug sie dem Gesandten Allahs ihre Gedanken vor. Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte zu ihr: „Umm Salama! Belästigt mich nicht wegen Aischa. Denn außer unter der Decke Aischas ist auf keine meiner Ehefrauen eine Offenbarung zu mir herabgesandt worden.“ 98 Imam adh-Dhahabi sagt, diese Antwort des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zeige, dass einer der Gründe, warum er Aischa (Allah sei mit ihr zufrieden) mehr als die anderen liebte, Allahs Anweisung war. Er liebte Aischa (Allah sei mit ihr zufrieden) so sehr auf Allahs Geheiß. 99

Eines Tages, nachdem Hadhrat Amr ibn al-As (Allah sei mit ihm zufrieden) vom Feldzug von Dhat as-Salasil zurückgekehrt war, fragte er den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm): „O Gesandter Allahs! Wer ist in dieser Welt der Mensch, den du am meisten liebst?“ Er antwortete: „Aischa.“ Da fragte er erneut: „O Gesandter Allahs, ich meine unter den Männern.“ Er antwortete: „Aischas Vater.“ 100

Einmal sagte Umar (Allah sei mit ihm zufrieden), als er seine Tochter, die Mutter der Gläubigen Hafsa (Allah sei mit ihr zufrieden), ermahnte: „Versuche nicht, mit Aischa zu wetteifern. Denn sie ist die Lieblingsfrau des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm).“ 101

Auf einer Reise scheute Aischas (Allah sei mit ihr zufrieden) Kamelstute plötzlich und rannte mit ihr davon. Der edle Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) geriet dadurch so sehr in Aufregung, dass man ihn damals ausrufen hörte: „Wa arusah!“ – „Wehe, meine Braut!“ 102

Während seiner letzten Krankheit fragte der ehrwürdige Gesandte Allahs immer wieder: „Welcher Wochentag ist heute?“ Alle verstanden, dass er auf Aischas Tag wartete. Daher brachte man ihn in Aischas Zimmer. Dort blieb er bis zu seinem Tod. Mit dem Kopf auf Aischas Brust hauchte er seinen letzten Atemzug aus.¹⁰³ Der Gesandte Allahs war dreizehn Tage krank. Davon verbrachte er fünf Tage in den Zimmern der anderen Ehefrauen und acht Tage in Aischas Zimmer.

Später pflegte Aischa zu sagen: „Der Gesandte Allahs verstarb in meinem Zimmer, an meinem Tag und an meiner Brust.“ Im allerletzten Augenblick seines Lebens kam Abd ar-Rahman ibn Abi Bakr mit einem frischen Miswak in der Hand, um den Gesandten Allahs zu besuchen. Der Gesandte Allahs blickte wiederholt auf diesen Miswak. Ich verstand, dass er ihn haben wollte. Ich nahm ihn, wusch ihn, kaute selbst darauf und machte ihn weich, dann gab ich ihn dem Gesandten Allahs. Er reinigte damit seine Zähne auf vollkommene Weise. Danach streckte er die Hand aus, um ihn mir zurückzugeben, doch seine Hand sank herab. Er hauchte seinen letzten Atemzug aus. Lob sei dem erhabenen Allah, der bewirkte, dass sich im letzten Augenblick des irdischen Lebens Seines Gesandten dessen Speichel und mein Speichel vermischten.¹⁰⁴

Viele meinen, der Grund für die starke Zuneigung und Bewunderung des Gesandten Allahs für Aischa liege in ihrer Schönheit und Anmut. Doch diese Vorstellung ist völlig falsch. Unter den Ehefrauen des Gesandten waren Dschuwairiya, Zainab und Safiyya die schönsten. Über ihre Schönheit berichten die Hadith-, Sira- und Geschichtswerke. Über Aischas äußere Schönheit wird jedoch, abgesehen von ein oder zwei Stellen, kaum etwas erwähnt. So machte Umar einmal, als er Hafsa ermahnte, eine Bemerkung über sie. Als der Gesandte Allahs dies hörte, lächelte er ein wenig.¹⁰⁵ Im Grunde beweist Umars Bemerkung lediglich, dass Aischa den Vorrang vor Hafsa verdiente.

Tatsächlich sagte der Gesandte Allahs, was er gesagt hatte: Bei der Auswahl einer Braut für die Ehe können vier Eigenschaften maßgeblich sein: 1. Reichtum, 2. Schönheit, 3. angesehene Abstammung, 4. Frömmigkeit. Sucht daher die fromme Frau.¹⁰⁶ Deshalb war unter seinen Ehefrauen jene seine meistgeliebte, durch die der Din am besten gefördert werden konnte. Aischas Verständnis, ihre Überlegung und Reflexion sowie ihre Fähigkeit, religiöse Vorschriften und Rechtsbestimmungen im Gedächtnis zu bewahren, waren im Vergleich zu den anderen Ehefrauen außergewöhnlich ausgeprägt. Im Wesentlichen waren es diese Eigenschaften, die sie zur Lieblingsfrau ihres Ehemannes machten. Der Gelehrte Ibn Hazm hat dies in seinem Werk „Al-Milal wa-n-Nihal“ ausführlich erörtert und nachgewiesen. Dieser Hadith des Gesandten Allahs ist in verschiedenen Hadith-Werken überliefert.¹⁰⁷

Es wird auf Arabisch heißen:

Unter den Männern haben viele Vollkommenheit erlangt; unter den Frauen jedoch haben außer Maryam bint Imran und Asiya, der Frau des Pharaos, keine anderen Vollkommenheit erlangt. Doch Aischas Rang unter allen Frauen gleicht dem Rang des Tharid gegenüber allen anderen Speisen.

Die Bedeutung der besonders großen Liebe des Gesandten Allahs zu Aischa lässt sich durch diesen Hadith verstehen. Seine Bewunderung galt nicht Aischas Jugend, Schönheit und Anmut, sondern vielmehr ihren inneren Eigenschaften und ihrer Vollkommenheit. Hinsichtlich dieser inneren Eigenschaften stand nach Aischa Umm Salama an nächster Stelle. Daher war auch sie, obwohl sie älter war, eine Frau, die der Gesandte Allahs zutiefst liebte. Die ehrwürdige Chadidscha verstarb im Alter von fünfundsechzig Jahren; ihre Liebe war jedoch so tief im Herzen des Gesandten Allahs verwurzelt, dass sogar Aischa ihretwegen Eifersucht empfand.¹⁰⁸

Aischa empfand ihrem Ehemann, dem Gesandten Allahs, gegenüber eine von Herzen kommende, reine Liebe. Wenn jemand Anspruch darauf erhob, diese Liebe mit ihr zu teilen, litt sie darunter. Wenn sie nachts aufwachte und ihren Ehemann nicht neben sich fand, geriet sie manchmal in Unruhe. Eines Tages wachte sie tief in der Nacht auf. Sie fand ihren Ehemann nicht neben sich. Im Zimmer brannte nachts auch keine Lampe. Im Dunkeln tastete sie nach allen Seiten. Schließlich fand sie an einer Stelle die gesegneten Füße ihres Ehemannes. Er lag im Gebet niedergeworfen.¹⁰⁹

Noch einmal ereignete sich dasselbe. Aischa (ra) dachte, er sei vielleicht in das Zimmer einer anderen Ehefrau gegangen. Sie blickte sich suchend um. Da sah sie, dass ihr Ehemann in einer Ecke still und versunken Tasbih sprach. Aischa (ra) schämte sich wegen ihrer unbegründeten Vermutung. Bei sich sagte sie: „Mögen meine Eltern für ihn geopfert sein! In was für einer Vorstellung befand ich mich, und in was für einem Zustand befand er sich!“110

Die Begebenheit einer anderen Nacht: Aischa (ra) wachte mitten in der Nacht auf. Da sie ihren Ehemann neben sich nicht vorfand, suchte sie hier und dort nach ihm und gelangte schließlich zum Friedhof. Dort sah sie ihn mit Bittgebeten und Istighfar beschäftigt. Still kehrte sie wieder zurück. Als sie ihrem Ehemann am Morgen davon erzählte, sagte er: „Ja, in der Nacht schien etwas vor mir vorbeizugehen. Dann musst du es gewesen sein.“

Auf einer Reise waren Aischa (ra) und Hafsa (ra) die Reisebegleiterinnen des Gesandten Allahs (sallallahu alaihi wa sallam). Wenn sie nachts unterwegs waren, saß der Gesandte (sallallahu alaihi wa sallam) auf Aischas (ra) Reittier und ritt neben ihr her, während er sich mit ihr unterhielt.

Eines Tages berieten sich Aischa und Hafsa (ra) und tauschten ihre Kamele. In der Nacht stieg der Gesandte (sallallahu alaihi wa sallam) wie gewöhnlich auf Aischas (ra) Kamel und zog weiter, während er sich mit Hafsa (ra) unterhielt. Aischa (ra) war indes zutiefst betrübt, weil sie der Gesellschaft ihres Ehemannes beraubt war. Als die Karawane am nächsten Rastplatz anhielt, stieg sie von ihrem Reittier herab, versenkte ihre beiden Füße im Gras und sagte vor sich hin: „O Allah! Ich kann ihm nun nichts mehr sagen. Schicke mir doch einen Skorpion oder eine Schlange, damit sie mich sticht!“111

Unter den Ehefrauen des Gesandten Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) gab es Frauen aus verschiedenen gesellschaftlichen Schichten. Einige waren Töchter der vornehmsten arabischen Familien. Das Leben in solch armseligen Verhältnissen an der Seite des Gesandten Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) bereitete ihnen große Schwierigkeiten. Daher baten sie den Gesandten Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) gemeinsam darum, ihren Lebensstandard zu erhöhen. In diesem Zusammenhang wurden die Verse des Heiligen Qurans offenbart. Darin wurde ihnen unmissverständlich gesagt, dass diejenigen, die es wollten, freiwillig die eheliche Beziehung beenden und gehen konnten oder diesen armseligen Zustand annehmen und ihr Leben mit dem Gesandten Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) weiterführen konnten. Da Aischa (ra) noch jung war, teilte der Gesandte (sallallahu alaihi wa sallam) ihr mit, sie solle sich mit ihren Eltern beraten. Sie sagte: „Ich wünsche mir nur den Gesandten Allahs.“ Als Erste traf sie diese Entscheidung und bat den Gesandten Allahs (sallallahu alaihi wa sallam): „O Gesandter Allahs! Erzählen Sie aufgrund meiner Entscheidung niemand anderem davon.“112

Der edle Gesandte (sallallahu alaihi wa sallam) legte sich oft mit dem Kopf auf Aischas (ra) Oberschenkel. Eines Tages ruhte der Gesandte (sallallahu alaihi wa sallam) in dieser Stellung, als Abu Bakr (ra) aus irgendeinem Grund über seine Tochter aufgebracht in ihr Zimmer stürmte und ihr einen Stoß gegen die Seite gab. Aischa (ra) bewegte sich jedoch überhaupt nicht, weil sie befürchtete, dadurch den Schlaf und die Ruhe des Gesandten Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) zu stören.113

Aischa (ra) bewahrte mit größter Sorgfalt die Kleidungsstücke auf, die der edle Gesandte (sallallahu alaihi wa sallam) bei seinem Tod getragen hatte. Einmal zeigte sie einem Gefährten einen Mantel und eine Decke des Gesandten Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) und sagte: „In diesen Kleidern ist er verstorben.“114

Das gesamte Leben des edlen Gesandten ist ein Vorbild für die Menschheit. Deshalb sehen wir auch im Leben von Aischa (ra) und des Gesandten Allahs (sallallahu alaihi wa sallam), wie ein Ehemann sich verhalten soll, um seine Ehefrau glücklich zu machen. Bisweilen sehen wir, dass der Gesandte Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) Aischa (ra) gegenüber äußerst großzügig und ungezwungen war. Selbst über Aischas (ra) ganz unbedeutende Scherze oder Spiele zeigte er seine Freude. Der edle Gesandte Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) zog ein ansarisches Mädchen auf. Als er in das sehr einfache Zimmer kam, sagte er: „Aischa! Gibt es denn keine Gesangsdarbietung?“115

Einmal, am Tag des Festes, führten einige Abessinier akrobatische Ringkampfvorführungen auf, indem sie sich hin und her wiegten. Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) bat ihren Ehemann, ihr dieses Schauspiel ansehen zu dürfen. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) stellte sich schützend vor sie, und Aischa genoss die Vorführung. Solange Aischa nicht müde wurde und sich von selbst zurückzog, stand der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) unbeweglich da. 116

Einmal sprach Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) mit etwas erhobener Stimme mit dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). In diesem Augenblick kam ihr Vater Abu Bakr (möge Allah mit ihm zufrieden sein) herein. Als er diese Ungehörigkeit seiner Tochter sah, wurde er zornig und hob die Hand, um sie zu schlagen. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) stellte sich schnell dazwischen und schützte Aischa. Als Abu Bakr gegangen war, sagte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu Aischa: »Na siehst du, wie ich dich gerettet habe?« 117

Einmal kam der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) mit einem Mädchen zu Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) und fragte: »Kennst du dieses Mädchen?« Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) antwortete: »Nein.« Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: »Sie ist die Sklavin von soundso. Möchtest du ihren Gesang hören?« Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) zeigte Interesse daran. Das Sklavenmädchen sang lange Zeit. Schließlich bemerkte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) über sie: »Der Satan spielt in ihren Nasenlöchern auf einem Instrument.« Damit ist gemeint, dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) diese Art von Gesang nicht mochte. Um Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) zu erfreuen, erzählte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ihr bisweilen auch Geschichten. 118 Manchmal hörte er sich auch geduldig Aischas (möge Allah mit ihr zufrieden sein) Geschichten an. Doch selbst in solchen vertrauten und heiteren Augenblicken ging er sofort hinaus, sobald der Ruf zum Gebet an seine Ohren drang, als kenne er niemanden. 119

Einmal war Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) auf einer Reise die Reisebegleiterin des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Unterwegs wies der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) seine Gefährten an, vorauszugehen. Dann sagte er zu Aischa: »Komm, wir laufen um die Wette. Mal sehen, wer zuerst ankommt.« Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) war schlank und zierlich. Daher kam sie zuerst ans Ziel. Einige Zeit später bot sich erneut eine Gelegenheit zu einem solchen Wettrennen. Aischa erzählt: »Damals war ich kräftiger geworden. Deshalb kam der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) vor mir ans Ziel.« Da sagte er: »Das ist die Vergeltung für jenen Tag.« 120

Wenn der Edle Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) Gelegenheit hatte, mit Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) zu essen und zu trinken, aßen sie gemeinsam von einem Teller auf derselben Tafel. Einmal aßen sie noch vor der Anordnung der Verschleierung zusammen, als Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) eintrat. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) lud ihn zum Essen ein, und die drei aßen gemeinsam. 121 Ihre gegenseitige Zuneigung beim Essen und Trinken war so groß, dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) genau an der Stelle trank, an der Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) ihren Mund angesetzt hatte. 122 Da nachts im Haus keine Lampe brannte, griffen beide beim Essen im Dunkeln bisweilen nach demselben Stück. 123

In den Werken über die Sira und die Hadithe findet sich ein wunderbares Bild von der Zuneigung sowie den kleinen Verstimmungen und Versöhnungen zwischen dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein). Ihr Verhalten zeigt, dass der Islam die natürliche, reine Gefühlswelt des Menschen nicht verleugnet. Bisweilen sieht man sie wie gewöhnliche Menschen von ihren Gefühlen bewegt. Wir dürfen nicht vergessen, dass Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) nicht nur die Ehefrau eines Propheten, sondern auch eine Frau war. Ebenso war der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) nicht nur ein Prophet und Gesandter, sondern auch ein Ehemann. Daher werden in verschiedenen Werken zahlreiche Verhaltensweisen, Worte und Begebenheiten aus ihrem Eheleben sowie ihre kleinen Verstimmungen und Versöhnungen überliefert, die äußerst bemerkenswert und lehrreich sind.

Der Edle Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) gedachte häufig seiner verstorbenen ersten Ehefrau Chadidscha (möge Allah mit ihr zufrieden sein). Einmal sprach er über Chadidscha (möge Allah mit ihr zufrieden sein), worauf Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) ausrief: »O Gesandter Allahs! Warum gedenkst du dieser alten Frau so oft? Allah hat dir doch eine bessere Ehefrau als sie gegeben.« Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) erwiderte: »Allah hat mir durch sie Kinder geschenkt.« 124

In einer anderen Überlieferung heißt es, dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) eines Tages begann, Chadidscha (möge Allah mit ihr zufrieden sein) zu loben, und sie lange Zeit lobte. Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) berichtet: »Dabei brannte es in meinem Inneren. Ich sagte: ›O Gesandter Allahs! Du lobst so lange eine alte Quraisch-Frau, deren Lippen rot waren und deren Tod schon lange zurückliegt. Allah hat dir doch eine bessere Ehefrau als sie gegeben.‹« Als der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) dies hörte, veränderte sich die Farbe seines Gesichts. Er sagte: »Chadidscha war eine solche Ehefrau von mir, dass sie an mich glaubte, als die Menschen sich weigerten, mich als Propheten anzuerkennen. Und als die Menschen mir nicht helfen wollten, stand sie mit ihrem Vermögen und ihrem Besitz an meiner Seite. Durch sie hat Allah mir Kinder geschenkt, während die anderen Ehefrauen mir Kinder versagt haben.« 125

Einmal bekam ʿĀ’ischa (r.a.) Kopfschmerzen. Zu jener Zeit standen beim Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) die ersten Anzeichen seiner letzten Krankheit bevor. Er sagte zu ʿĀ’ischa (r.a.): „Wenn du vor mir sterben würdest, würde ich dich eigenhändig waschen, in ein Leichentuch hüllen und für dich ein Bittgebet sprechen.“ ʿĀ’ischa (r.a.) erwiderte: „O Gesandter Allahs! Du wünschst meinen Tod. Wenn es dazu käme, würdest du gewiss eine neue Ehefrau in dieses Zimmer bringen.“ Als der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) dies hörte, lächelte er.¹²⁶

Nachdem im Zusammenhang mit der „Ifk“-Affäre, dem Vorwurf der Unkeuschheit, durch die Offenbarung die Unschuld ʿĀ’ischas (r.a.) verkündet worden war, sagte ihre Mutter zu ihr: „Geh und bedanke dich bei deinem Ehemann.“ ʿĀ’ischa (r.a.) antwortete sogleich in beleidigtem Ton: „Ich bin niemandem dankbar außer Allah – Er allein hat meine Unschuld verkündet.“

Einmal sagte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm): „ʿĀ’ischa! Ich kann erkennen, wann du mir gegenüber zufrieden oder unzufrieden bist.“ ʿĀ’ischa (r.a.) fragte: „Wie?“ Er sagte: „Wenn du unzufrieden bist, schwörst du: ‚Bei dem Gott Ibrāhīms!‘ Wenn du zufrieden bist, sagst du: ‚Bei dem Gott Muhammads!‘“¹²⁷

Die Betreuung ihres Ehemannes

In verschiedenen Hadithwerken finden sich zahlreiche Berichte über ʿĀ’ischas (r.a.) Fürsorge für ihren Ehemann. Obwohl sich im Haus Bedienstete befanden, verrichtete sie alle Arbeiten eigenhändig. Sie mahlte selbst Mehl, bereitete das Essen zu, machte das Bett, stellte Wasser für die Gebetswaschung bereit, flocht die Halsstricke der Opfertiere, kämmte das Haar ihres Ehemannes, salbte seinen Körper mit Duftstoff ein, wusch die Kleidung und legte ihm nachts beim Zubettgehen den Miswāk und Wasser neben den Kopf. Auch den Miswāk wusch und reinigte sie eigenhändig.

Eines Tages ging der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) mit einer Decke um den Körper gewickelt in die Moschee. Ein Gefährte sagte: „O Gesandter Allahs! Auf der Decke ist doch ein Fleck von Schmutz zu sehen.“ Sofort nahm er die Decke ab und ließ sie durch einen Bediensteten zu ʿĀ’ischa (r.a.) bringen. ʿĀ’ischa ließ Wasser holen, wusch die Decke eigenhändig, trocknete sie und schickte sie anschließend wieder zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm).¹²⁸

Qays al-Ghifārī (r.a.) war eines der Mitglieder der Ahl as-Suffa. Er berichtete: Eines Tages sagte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm): „Geht heute alle zum Haus ʿĀ’ischas.“ Er ging mit uns zu ihrem Haus und sagte: „ʿĀ’ischa! Gib uns allen zu essen.“ ʿĀ’ischa (r.a.) gab uns allen gekochte Speisen sowie Milch und Wasser.¹²⁹ Wahrscheinlich ereignete sich dies vor der Offenbarung der Bestimmung über den Hijāb.

Obwohl ʿĀ’ischa (r.a.) die Lieblingsfrau ihres Ehemannes war, kümmerte sie sich mit größtem Eifer in weit höherem Maß als die anderen um ihn. Sie achtete stets aufmerksam auf sein Wohlbefinden sowie auf seine Wünsche und Abneigungen. Oft musste sein Miswāk gewaschen werden. Diese Aufgabe durfte ausschließlich ʿĀ’ischa (r.a.) übernehmen.¹³⁰

Gehorsam und Folgschaft gegenüber dem Ehemann:

Eine der vorzüglichen Eigenschaften einer Ehefrau im Islam ist der Gehorsam und die Folgschaft gegenüber ihrem Ehemann. Während der langen neun Jahre ihres ehelichen Zusammenlebens widersetzte sich ʿĀ’ischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) nicht ein einziges Mal einer seiner Anweisungen – ganz zu schweigen davon, dass sie sie geringgeschätzt hätte. Wenn er auch nur durch eine Andeutung oder ein Zeichen zu erkennen gab, dass ihm etwas missfiel, mied ʿĀ’ischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) es sofort. Einmal brachte sie mit großer Sorgfalt einen Vorhang mit Bildern an der Tür an. Gerade als der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) das Haus betreten wollte, fiel sein Blick auf den Vorhang. Sofort wurde sein gesegnetes Gesicht blass. Als ʿĀ’ischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) dies sah, verstand sie alles. Sie sagte: „Verzeihen Sie mir! Würden Sie mir bitte sagen, worin mein Vergehen besteht?“ Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Die Engel betreten kein Haus, in dem sich Bilder befinden.“ Nachdem sie dies gehört hatte, riss ʿĀ’ischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) den Vorhang herunter.¹³¹

Während der Lebenszeit ihres Ehemannes gehorchen ihm viele Ehefrauen vollständig und folgen ihm. Doch für den Grad an Gehorsam und Befolgung der Anweisungen ihres Ehemannes, den ʿĀ’ischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) nach seinem Tod zeigte, lässt sich nur schwer ein Vergleich finden. Nach dem Hinscheiden des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) lebte sie noch lange Zeit. Während dieser langen Zeit erfüllte und befolgte sie jeden Befehl und jeden Wunsch ihres Ehemannes ebenso, wie sie es zu seinen Lebzeiten getan hatte.

Der edle Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) lehrte ʿĀ’ischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) Freigebigkeit. Bis zu ihrem Lebensende bewahrte sie diese Eigenschaft mit größter Hingabe. Einmal bat sie den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) um die Erlaubnis, am Dschihad teilzunehmen. Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Der Dschihad der Frauen ist die Pilgerfahrt.“ Nachdem sie diese Aussage gehört hatte, verrichtete sie die Pilgerfahrt mit solcher Konsequenz, dass nur wenige Jahre ihres Lebens ohne eine Pilgerfahrt vergingen.¹³²

Einmal schickte ein Mann ʿĀ’ischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) einige Kleidungsstücke und etwas Geld. Zunächst verweigerte sie die Annahme und schickte alles zurück. Dann ließ sie den Mann noch einmal holen, nahm es an und sagte: „Mir ist gerade etwas eingefallen.“¹³³

Einmal fastete ʿĀ’ischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) am Tag von ʿArafa. Wegen der großen Hitze spritzte sie sich Wasser auf den Kopf. Jemand riet ihr, das Fasten zu brechen. Sie sagte: „Nachdem ich vom Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) gehört habe, dass das Fasten am Tag von ʿArafa die Sünden eines ganzen Jahres tilgt, wie könnte ich es da brechen?“¹³⁴

Nachdem sie den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) das Duha-Gebet hatte verrichten sehen, verrichtete sie dieses Gebet ihr ganzes Leben lang. Sie sagte: „Selbst wenn mein Vater aus dem Grab auferstünde und mir verböte, dieses Gebet zu verrichten, würde ich nicht auf ihn hören.“¹³⁵ Einmal fragte eine Frau ʿĀ’ischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein): „Wie ist es, Henna aufzutragen?“ Sie antwortete: „Mein Geliebter mochte die Farbe von Henna sehr, aber den Geruch mochte er nicht. Es ist nicht verboten. Wenn du möchtest, kannst du es auftragen.“

Das religiöse Leben von Ehemann und Ehefrau im häuslichen Bereich

Aischas (möge Allah mit ihr zufrieden sein) Haus war die Wohnstätte eines Propheten. Dort gab es keinerlei Spur von Wohlstand und Luxus. Nach weltlichem Reichtum hegten sie keinerlei Verlangen. Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) berichtet: Wenn der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) nach Hause kam, pflegte er mit etwas erhobener Stimme wiederholt die folgenden Worte zu sprechen.136

Es folgt auf Arabisch

Wenn die Nachkommen Adams zwei mit Reichtümern gefüllte Täler besäßen, würden sie nach einem dritten verlangen. Nur die Erde kann die Gier ihres Mundes füllen. Allah sagt: Ich habe den Reichtum nur dafür erschaffen, dass das Gebet verrichtet und die Zakat entrichtet wird. Wer sich Allah zuwendet, dem wendet auch Allah sich zu.“

Sein eigentliches Ziel war es, daran zu erinnern, dass die Gier des Menschen kein Ende kennt und worin der eigentliche Zweck des Reichtums besteht.

Der edle Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) kam nach dem Nachtgebet nach Hause. Nachdem er den Miswak benutzt hatte, legte er sich sofort schlafen. Um Mitternacht stand er auf und verrichtete das Tahadschud-Gebet. In der letzten Nachtstunde weckte er Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein). Sie stand auf und nahm gemeinsam mit ihrem Ehemann am Gebet teil. Zuletzt verrichtete er das Witr-Gebet. Nach dem Anbruch der Morgendämmerung verrichtete der reine Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) das Sunna-Gebet des Morgengebets, legte sich anschließend etwas auf die Seite und unterhielt sich eine Weile mit Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein).137 Danach verließ er das Haus, um das Pflichtgebet des Morgens zu verrichten. Manchmal verbrachten der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) die ganze Nacht im Gottesdienst. Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) war der Imam, und Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) folgte ihm im Gebet. Wenn der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) während einer Sonnen- oder Mondfinsternis zum Gebet aufstand, stand auch sie auf. Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) leitete das Gemeinschaftsgebet in der Moschee, während sie ihm von zu Hause aus im Gebet folgte.138

Außer den fünf täglichen Gebeten und dem Tahadschud-Gebet verrichtete sie, dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) folgend, auch regelmäßig das Duha-Gebet. Sie fastete häufig. Manchmal fasteten Ehemann und Ehefrau gemeinsam. In den letzten zehn Tagen des Ramadan pflegte der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sich in der Moschee zum Iʿtikaf zurückzuziehen. Auch Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) nahm daran teil. Sie schlug im Hof der Moschee ein Zelt auf und schirmte es ab. Nach dem Morgengebet kam der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) für eine gewisse Zeit zu ihr.139

Im elften Jahr nach der Hidschra begleitete sie den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) auf seiner Reise zum Abschiedspilgerhajj. Sie fasste die Absicht für Hajj und Umra. Wegen ihrer natürlichen weiblichen Verfassung konnte sie jedoch nicht rechtzeitig den Tawaf vollziehen. Sie litt sehr darunter und begann zu weinen. Als der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) von draußen hereinkam und sie weinen sah, begann auch er zu weinen. Er fragte sie nach dem Grund und erklärte ihr, was sie tun sollte. Gemeinsam mit ihrem Bruder ʿAbdurrahman ibn Abi Bakr (möge Allah mit ihm zufrieden sein) vollendete sie die noch ausstehenden notwendigen Handlungen.140

Im Herzen gewöhnlicher Menschen wie uns könnte die Frage aufkommen, ob der edle Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) während der Ruhe und Erholung im Inneren seines Hauses etwa bei der Erfüllung seiner Aufgabe als Gesandter eine gewisse Nachlässigkeit (Allah behüte) zeigte. Eine solche Vorstellung ist völlig unbegründet. Bereits zuvor haben wir Aischas (möge Allah mit ihr zufrieden sein) Äußerung erwähnt: „Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sprach mit uns. Sobald der Ruf zum Gebet an sein Ohr drang, stand er auf. Damals hatte man das Gefühl, als kenne er uns überhaupt nicht.“ Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) hatte mit großer Sorgfalt einen Vorhang mit Bildern aufgehängt, um den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu erfreuen. Doch statt Zufriedenheit zeigte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) Missfallen.

Einmal erwiderte ʿĀ’ischa (r.a.) einem Juden, der sie mit dem Tod verflucht hatte, mit harten Worten. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) sagte sofort: „ʿĀ’ischa! Allah ist barmherzig. Er liebt Barmherzigkeit und Sanftmut.“ Ein anderes Mal mahlte ʿĀ’ischa (r.a.) eigenhändig Mehl, backte Brot und legte sich schlafen. Währenddessen kam eine Ziege des Nachbarn ins Haus und fraß alles auf. ʿĀ’ischa (r.a.) eilte herbei, ergriff die Ziege und wollte ihr einige Schläge versetzen. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) hielt sie davon ab und sagte: „ʿĀ’ischa! Füge deinem Nachbarn keinen Schaden zu.“

Beziehung zu den Mitfrauen und deren Kindern:

Soweit wir wissen, ist die Existenz einer Mitfrau für eine Frau auf dieser Welt das schwer Erträglichste. ʿĀ’ischa (r.a.) hatte gleichzeitig zwischen einer und acht Mitfrauen. Durch die große Nähe zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) wurde jede Unreinheit aus ihren Herzen entfernt, und ihre Herzen wurden klar und rein. Das Bild, das wir vom Leben ʿĀ’ischas (r.a.) im Umgang mit ihren Mitfrauen und deren Kindern erhalten, ist für die Frauen der ganzen Welt ein unvergleichliches Vorbild.

Obwohl Chadīdscha (r.a.) zu ʿĀ’ischas (r.a.) Lebzeiten nicht mehr lebte, war sie im Herzen des edlen Gesandten (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) stets lebendig. Er erinnerte sich vor ʿĀ’ischa (r.a.) immer wieder an Chadīdscha (r.a.). Deshalb sagte ʿĀ’ischa (r.a.): „Auf keine Frau war ich so eifersüchtig wie auf Chadīdscha. Das lag daran, dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) sich so häufig an sie erinnerte, wie er es bei keiner anderen tat.“ Dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) im Namen Chadīdschas (r.a.) Opfer darbrachte, Geschenke zu ihren Freundinnen schickte und von all ihren Verdiensten in der Frühzeit des Islam berichtete – etwa davon, wie sie ihren Mann tröstete, ihn zur Geduld anhielt und ihn mit allen verfügbaren Mitteln unterstützte –, all dies hat ʿĀ’ischa (r.a.) dieser Umma überliefert. Auch dass der Erhabene Allah Chadīdscha (r.a.) das Paradies verkündet hatte, hat sie überliefert.¹⁴¹ Daran lässt sich die Reinheit und Weite ihres Herzens ermessen.

Über Sawda (r.a.) sagte ʿĀ’ischa (r.a.) lobend: „Außer bei Sawda habe ich bei keiner Frau einen solchen Wunsch empfunden, dass ich mir gewünscht hätte, meine Seele möge in ihrem Körper sein.“ Über Maimūna sagte sie nach deren Tod: „Sie war unter uns die Gottesfürchtigste.“¹⁴² Safiyya (r.a.) konnte ausgezeichnete Speisen zubereiten. Ihre besondere Fähigkeit bestätigte ʿĀ’ischa mit den Worten: „Ich habe niemanden gesehen, der bessere Speisen zubereiten konnte als sie.“ In den Hadith- und Sīra-Werken finden sich viele Berichte über ihr Zusammenleben und ihren Umgang mit den Mitfrauen; daraus tritt ihr Großmut, ihre edle Gesinnung und ihre hohe Moral deutlich hervor. ʿĀ’ischas (r.a.) freundlicher Umgang und ihr gutes Benehmen erfreuten alle. Als sie sich während des Vorfalls der Ifk (Verleumdung) in völliger Verwirrung befand und der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) eine ihrer Mitfrauen, Zaynab (r.a.), nach ihrem Charakter fragte, antwortete diese daher: „Ich weiß von ihr nur Gutes.“¹⁴³

ʿĀ’ischa (r.a.) hatte keine Kinder. Einige der anderen Ehefrauen des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) hatten jedoch mehrere Kinder. Ihre Beziehung zu ihnen war vorbildlich. Zaynab, Ruqayya, Umm Kulthūm und Fātima – diese vier Töchter waren Kinder Chadīdschas (r.a.). Bevor ʿĀ’ischa (r.a.) in das Haus des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) kam, waren alle außer Fātima (r.a.) bereits verheiratet und in die Häuser ihrer jeweiligen Ehemänner gegangen. Im sechsten Jahr nach der Hidschra starb Ruqayya, und im achten beziehungsweise neunten Jahr nach der Hidschra starben Zaynab und Umm Kulthūm. In den Hadith- und Sīra-Werken findet sich kein einziger Bericht über ein gespanntes Verhältnis zwischen ihnen und ʿĀ’ischa (r.a.). Im Gegenteil: Aus den überlieferten Äußerungen und Verhaltensweisen ʿĀ’ischas (r.a.) gegenüber diesen Töchtern wird ihre tiefe Verbundenheit mit ihnen deutlich. Über Zaynab, die auf Allahs Weg den Märtyrertod erlitt, überlieferte ʿĀ’ischa (r.a.) die Worte des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm): „Sie war meine geliebte Tochter; ihretwegen wurde mir aufgrund ihrer Liebe zu mir Leid zugefügt.“ Wie liebevoll und zärtlich der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) Zaynabs Tochter Umāma behandelte, hat ebenfalls ʿĀ’ischa (r.a.) überliefert.

Als ʿĀ’ischa (r.a.) in das Haus ihres Ehemanns kam, lebte die unverheiratete Fātima (r.a.) noch im Haus ihres Vaters. Sie war jedoch fünf oder sechs Jahre älter als ʿĀ’ischa. Etwa ein Jahr oder etwas weniger verbrachten Mutter und Tochter gemeinsam. Im zweiten Jahr nach der Hidschra wurde diese Tochter mit ʿAlī (r.a.) verheiratet. ʿĀ’ischa (r.a.) beteiligte sich gemeinsam mit den anderen Müttern an den Vorbereitungen für diese Hochzeit. Darüber hinaus schenkte sie der Angelegenheit auf Anweisung des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) besondere Aufmerksamkeit. Sie verputzte das Haus, bereitete das Bett, fertigte eigenhändig aus Dattelpalmenfasern ein Kissen an, bot den Gästen Datteln und Rosinen an und stellte eine hölzerne Vorrichtung her, an der Wasserschläuche und Kleidung aufgehängt werden konnten. ʿĀ’ischa (r.a.) berichtete: „Ich habe keine schönere Hochzeit gesehen als die Hochzeit Fātimas.“¹⁴⁴

Zum Lob Fātimas (r.a.) sagte ʿĀ’ischa (r.a.): „Außer ihrem Vater habe ich niemals einen besseren Menschen als Fātima gesehen.“ Einmal fragte ein Tābiʿī ʿĀ’ischa (r.a.): „Wer war dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) am liebsten?“ Sie antwortete: „Fātima.“ ʿĀ’ischa (r.a.) sagte: „Außer Fātima habe ich niemanden gesehen, dessen Gang und Verhalten dem des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) so sehr glichen.“ Wenn Fātima ihren Vater besuchte, stand er sofort auf, küsste sie auf die Stirn und ließ sie an seinem Platz sitzen. Wenn der Vater wiederum ihr Haus betrat, stand sie auf, küsste ihn und führte ihn zu ihrem eigenen Platz, damit er dort Platz nahm.¹⁴⁵

Im Haus ihres Mannes war Fatima (r.a.) etwas ermüdet, weil sie sämtliche Arbeiten selbst verrichtete. Eines Tages kam sie zu ihrem Vater, um ihn um eine Sklavin zu bitten. Zufällig konnte sie ihren Vater nicht antreffen. Sie bat Mutter Aischa, in dieser Angelegenheit mit ihm zu sprechen, und kehrte wieder zurück.146

Aischa (r.a.) berichtet: „Eines Tages saßen wir, alle Ehefrauen, beim Gesandten Allahs (sallallahu ‘alaihi wa sallam). Da kam Fatima von vorn herein. Ihr Gang glich völlig dem des Gesandten Allahs (sallallahu ‘alaihi wa sallam); es gab keinen Unterschied. Der Gesandte Allahs (sallallahu ‘alaihi wa sallam) rief sie voller Rührung zu sich und ließ sie neben sich sitzen. Dann flüsterte er ihr etwas ins Ohr. Fatima begann zu weinen. Als der Gesandte Allahs (sallallahu ‘alaihi wa sallam) ihre Unruhe bemerkte, sagte er ihr erneut etwas ins Ohr. Diesmal begann Fatima zu lachen. Aischa (r.a.) erzählt: Ich sagte: ‚Fatima! Der Gesandte Allahs (sallallahu ‘alaihi wa sallam) spricht unter Ausschluss seiner Ehefrauen ein Geheimnis mit dir, und du weinst?‘ Als der Gesandte Allahs (sallallahu ‘alaihi wa sallam) aufgestanden war, wollte ich von Fatima erfahren, worum es ging. Sie sagte: ‚Ich werde das Geheimnis meines Vaters nicht preisgeben.‘“

Nach dem Tod des Gesandten Allahs (sallallahu ‘alaihi wa sallam) fragte Aischa (r.a.) sie eines Tages erneut danach. Fatima sagte: „Der Grund für mein Weinen war, dass er mir von seinem Tod erzählt hatte. Der Grund für mein Lachen war, dass er zu mir sagte: ‚Fatima! Würde es dir nicht gefallen, die Anführerin der Frauen der ganzen Welt zu sein?‘“147

Aus all diesen oben erwähnten Ereignissen wird deutlich, wie herzlich die Beziehung Aischas (r.a.) zu den Töchtern ihrer Mitfrauen war. Viele weitere Ereignisse dieser Art finden sich in den Hadith- und Sira-Werken.

Kriege und Kämpfe

Imam Buchari überliefert. Anas (r.a.) berichtet im Zusammenhang mit der Schlacht von Uhud: „Ich sah Aischa und Umm Sulaim (r.a.), wie sie auf ihren Schultern mit Wasser gefüllte Lederschläuche herbeibrachten und den Verwundeten Wasser in den Mund gossen. Wenn das Wasser zu Ende war, füllten sie die Schläuche erneut und gossen es ihnen ein.“148 Zur Zeit der Schlacht von Uhud war sie nicht älter als zehn oder elf Jahre. Sie nahm an dieser Schlacht teil und versorgte die Verwundeten.

Imam Buchari sagt, dass die Schlacht von Banu Mustaliq die Schlacht von al-Muraisi‘ war. Hinsichtlich des Jahres, in dem diese Schlacht stattfand, besteht unter den Sira-Fachleuten allerdings eine gewisse Meinungsverschiedenheit. Muhammad ibn Ishaq sagt, sie habe im sechsten Jahr nach der Hidschra stattgefunden. Musa ibn ‘Uqba sagt, es sei im vierten Jahr nach der Hidschra gewesen, während ‘Urwa sagt, es habe sich um ein Ereignis im Scha‘ban des fünften Jahres nach der Hidschra gehandelt.149 Al-Muraisi‘ ist eine Quelle des Stammes Banu Mustaliq. Ihr Anführer war al-Harith ibn Abi Dirar. Er sammelte die Angehörigen seines eigenen Stammes sowie benachbarter Stämme, um gegen den Gesandten Allahs (sallallahu ‘alaihi wa sallam) zu kämpfen. Als der Gesandte Allahs (sallallahu ‘alaihi wa sallam) davon erfuhr, brach er mit einem Heer von Medina auf, um sie niederzuschlagen. An diesem Heer nahm eine große Zahl von Heuchlern teil, wie es bei keinem anderen Feldzug zuvor der Fall gewesen war.150 Schließlich standen sich die beiden Heere bei al-Muraisi‘ gegenüber. Während dieses Feldzugs schmiedeten die Heuchler eine üble Verschwörung gegen Aischa (r.a.). Ich werde den Vorfall nun etwas ausführlicher darlegen.

Im Scha‘ban des fünften oder sechsten Jahres nach der Hidschra erfuhr der edle Prophet (sallallahu ‘alaihi wa sallam), dass die Bewohner in der Nähe von al-Muraisi‘ Vorbereitungen für einen Krieg gegen die Muslime trafen. Sobald der Gesandte Allahs (sallallahu ‘alaihi wa sallam) davon erfahren hatte, brach er mit einem Heer zu diesen Leuten auf. Der Anführer der Heuchler, ‘Abdullah ibn Ubayy, schloss sich dem edlen Propheten (sallallahu ‘alaihi wa sallam) auf diesem Feldzug mit einer großen Zahl von Heuchlern an. Ibn Sa‘d sagt, dass sich zuvor an keinem Krieg eine derart große Zahl von Heuchlern beteiligt hatte. Nach dem Feldzug versuchten diese Heuchler auf verschiedene Weise, Zwietracht unter den Muslimen zu säen. Durch Allahs Gnade sowie die Weitsicht und fähige Führung des Gesandten Allahs (sallallahu ‘alaihi wa sallam) scheiterten alle Intrigen ‘Abdullah ibn Ubayys.

Auf dieser Reise schmiedeten sie eine Verschwörung gegen Umm al-Mu’minin ‘A’ischa (ra). Sie erhoben gegen den tadellosen Charakter von Hadhrat ‘A’ischa (ra) eine äußerst beleidigende und völlig falsche Anschuldigung. Die eigentliche Geschichte wird in den Worten von Hadhrat ‘A’ischa (ra) in verschiedenen Hadith- und Sira-Werken, darunter Sahih al-Bukhari, überliefert. Sie berichtet:

Wenn der Gesandte Allahs (sallallahu ‘alaihi wa sallam) gewöhnlich an einen entfernten Ort aufbrach, bestimmte er durch Losentscheid, welche seiner Ehefrauen ihn begleiten sollte. Während des Feldzugs gegen die Banu al-Mustaliq fiel das Los auf meinen Namen. So wurde ich seine Reisegefährtin. Als wir auf der Rückkehr Medina nahegekommen waren, schlug der Gesandte (sallallahu ‘alaihi wa sallam) nachts an einem Ort sein Zelt auf und blieb dort. Gegen Ende der Nacht begannen die Vorbereitungen zur Weiterreise. Ich erwachte und ging hinaus, um meine Notdurft zu verrichten. Als ich zurückkam und mich dem Lagerplatz näherte, bemerkte ich, dass meine Halskette irgendwo verloren gegangen war. Ich ging zurück, um sie zu suchen. Inzwischen war die Karawane aufgebrochen. Es war üblich, dass ich beim Aufbruch in meine Hawdaj (eine Sänfte auf dem Rücken eines Kamels) stieg; anschließend hoben vier Männer sie an und befestigten sie auf dem Kamelrücken. Wegen der damaligen Armut und des Mangels waren wir Frauen sehr leicht und zierlich. Als die Männer meine Hawdaj anhoben, bemerkten sie daher nicht, dass ich mich nicht darin befand. Unwissentlich setzten sie die Hawdaj auf das Kamel und zogen weiter.

Ich fand inzwischen die Halskette und kehrte zurück, doch dort war niemand mehr zu sehen. Deshalb bedeckte ich meinen ganzen Körper mit meinem Überwurf und legte mich dort nieder. Ich dachte, wenn sie beim Weiterziehen bemerken würden, dass ich fehlte, würden sie zurückkommen, um nach mir zu suchen. In diesem Zustand schlief ich ein. Am Morgen kam Safwan ibn al-Mu‘attal al-Sulami an die Stelle, an der ich schlafend zurückgeblieben war. Als er mich sah, erkannte er mich sofort, denn vor der Offenbarung der Anweisung zur Bedeckung hatte er mich einige Male gesehen. Beim Anblick meiner Person hielt er sein Kamel an, und voller Bestürzung rief er aus: „Inna lillahi wa inna ilaihi raji‘un! Die Gemahlin des Gesandten Allahs ist hier zurückgeblieben.“

Sobald seine Stimme an mein Ohr drang, erwachte ich. Ich setzte mich hastig auf und bedeckte mein Gesicht mit meinem Tuch. Er sprach kein einziges Wort mit mir. Er brachte sein Kamel herbei, ließ es vor mir niederknien und trat dann beiseite. Ich stieg auf den Rücken des Kamels, während er den Zügel ergriff und zu Fuß weiterging. Gegen Mittag holten wir die Karawane ein, die gerade an einem Ort Halt gemacht hatte. Niemand hatte bemerkt, dass ich zurückgeblieben war. Über dieses Ereignis wurde ein Berg falscher Anschuldigungen errichtet. Unter denen, die dabei eine führende Rolle spielten, war ‘Abdullah ibn Ubayy der eifrigste. Doch ich wusste überhaupt nicht, was man gegen mich erzählte.“

In einer anderen Überlieferung heißt es, dass Hadhrat ‘A’ischa (ra), auf Safwans Kamel reitend, im Lager der Soldaten eintraf. Als bekannt wurde, dass sie zurückgeblieben war, schrie ‘Abdullah ibn Ubayy: „Bei Allah! Diese Frau konnte sich nicht selbst retten. Seht, seht! Die Ehefrau eures Propheten hat die Nacht mit einem anderen verbracht und ist nun ganz offen mit ihm hierhergekommen.“

‘A’ischa (ra) berichtet: „Nachdem wir nach Medina zurückgekehrt waren, wurde ich krank. Etwa einen Monat lang blieb ich ans Bett gebunden. In der ganzen Stadt verbreitete sich das Gerücht über diese falsche Anschuldigung. Es dauerte nicht lange, bis es auch die Ohren des edlen Propheten (sallallahu ‘alaihi wa sallam) erreichte. Ich selbst erfuhr jedoch nichts davon. Nur eines beunruhigte mich: Während meiner Krankheit hatte der Gesandte Allahs (sallallahu ‘alaihi wa sallam) mir sonst stets besondere Aufmerksamkeit geschenkt, doch diesmal tat er es nicht. Wenn er ins Haus kam, fragte er die Hausbewohner lediglich: ‚Wie geht es ihr?‘ Mit mir sprach er kein Wort. Dadurch kam in mir der Verdacht auf, dass vielleicht etwas geschehen war. Schließlich bat ich ihn um Erlaubnis und ging zu meiner Mutter, damit sie mich besser pflegen konnte.

Eines Nachts ging ich hinaus, um meine Notdurft zu verrichten. Damals gab es noch nicht in jedem Haus eine Toilette. Für unsere natürlichen Bedürfnisse gingen wir in die freie Natur. Die Mutter von Mistah ibn Uthatha war bei mir; sie war eine Cousine meines Vaters. Auf dem Weg stolperte sie und rief plötzlich aus: ‚Möge Mistah zugrunde gehen!‘ Ich sagte: ‚Was für eine Mutter seid Ihr, dass Ihr den Untergang Eures eigenen Sohnes wünscht? Dabei ist er ein Mann, der sogar am Kampf von Badr teilgenommen hat.‘ Sie erwiderte: ‚Meine Tochter, hast du denn von alledem nichts gehört?‘ Dann erzählte sie mir die ganze Geschichte und berichtete mir alles, was die Verleumder über mich verbreiteten.“

Es sei darauf hingewiesen, dass sich neben den Heuchlern auch einige wenige Muslime an dieser Lügenkampagne beteiligt hatten. Unter ihnen sind insbesondere Mistah ibn Uthatha, der berühmte Dichter des Islam Hassan ibn Thabit, sowie Hamna bint Jahsh, die Schwester von Hadhrat Zaynab (ra), zu nennen. ‘A’ischa (ra) berichtet: „Als ich diese Geschichte hörte, wurde mein Blut gleichsam zu Wasser. Ich vergaß sogar den Grund, aus dem ich hinausgegangen war. Ich kehrte geradewegs nach Hause zurück und weinte die ganze Nacht.“

Während meiner Abwesenheit rief der edle Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ʿAlī und Usāma ibn Zayd (möge Allah mit ihnen zufrieden sein) zu sich und bat sie um ihren Rat in dieser Angelegenheit. Usāma (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sprach zu meinen Gunsten. Er sagte: „O Gesandter Allahs! Ich habe bei deiner Ehefrau niemals etwas anderes als Gutes gesehen. Was auch immer erzählt wird, ist alles Lüge und nichts weiter als eine erfundene Anschuldigung.“ ʿAlī sagte: „O Gesandter Allahs! In unserer Gesellschaft gibt es keinen Mangel an Frauen. Du kannst an ihrer Stelle eine andere Ehefrau nehmen. Wenn du die tatsächliche Angelegenheit erfahren möchtest, kannst du die Dienerin rufen und sie nach dem Sachverhalt fragen.“

Die Dienerin wurde gerufen und befragt. Sie sagte: „Bei Allah, der dich mit der wahren Religion entsandt hat: Ich habe an ihr nichts Schlechtes gesehen, das man beanstanden könnte. Das Einzige, was ich an ihr bemerkt habe, ist, dass ich Mehl knetete, es zurückließ und sagte: ‚Pass bitte ein wenig darauf auf.‘ Doch sie schlief ein, und eine Ziege kam und fraß den zubereiteten Teig.“

An jenem Tag sagte der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) in einer seiner Ansprachen: „O Muslime! Wer unter euch kann mich vor dem Angriff dessen schützen, der mich dadurch verletzt hat, dass er eine falsche Anschuldigung gegen meine Ehefrau erhob? Bei Allah, ich habe weder bei meiner Ehefrau irgendeinen Fehler gesehen noch bei jenem Mann, gegen den diese Anschuldigung erhoben wurde. Während meiner Abwesenheit ist er niemals in mein Haus gekommen.“ Als Hadhrat Usayd ibn Hudayr dies hörte – nach einigen Überlieferungen war es Hadhrat Saʿd ibn Muʿādh (möge Allah mit ihm zufrieden sein) –, erhob er sich und sagte: „O Gesandter Allahs! Wenn der Anschuldiger zu unserem Stamm gehört, werden wir ihn töten. Gehört er jedoch zu unserem Bruder, dem Stamm der Chazradsch, dann werden wir tun, was du sagst.“ Kaum hatte er dies gesagt, erhob sich Saʿd ibn ʿUbāda, das Oberhaupt des Stammes Chazradsch, und sagte: „Du lügst! Du könntest ihn niemals töten. Du sprichst nur deshalb davon, ihn zu töten, weil er zum Stamm der Chazradsch gehört. Wäre er einer von euch, würdest du niemals von seiner Tötung sprechen.“ Darauf wurde ihm erwidert: „Du bist doch ein Heuchler und unterstützt deshalb die Heuchler.“

Durch diesen Wortstreit entstand in der Prophetenmoschee ein großer Tumult. Die Angehörigen der beiden Stämme Aus und Chazradsch waren kurz davor, noch in der Moschee miteinander zu kämpfen. Doch der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) beruhigte sie und stieg anschließend von der Kanzel herab.

Mindestens einen Monat lang verbreiteten sich diese erfundenen Worte der falschen Anschuldigung in der Gesellschaft. Der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) litt weiterhin unter großer seelischer Belastung. Ich begann zu weinen, während meine Eltern ihre Tage in grenzenloser Sorge und Unruhe verbrachten. Schließlich kam der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) eines Tages und setzte sich neben mich. Während dieser langen Zeit hatte er sich kein einziges Mal zu mir gesetzt. Abū Bakr und Umm Rūmān, die Eltern von ʿĀʾischa, dachten, dass heute vielleicht eine entscheidende Erklärung erfolgen würde. Deshalb setzten auch sie sich in die Nähe. Der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „ʿĀʾischa, all diese Dinge über dich sind mir zu Ohren gekommen. Wenn du unschuldig bist, hoffe ich, dass Allah deine Unschuld offenbaren und beweisen wird. Wenn du jedoch tatsächlich irgendeine Sünde begangen hast, dann bereue vor Allah und bitte Ihn um Vergebung. Wenn ein Diener seine Sünde eingesteht und bereut, vergibt Allah.“

Als ich dies hörte, versiegten meine Tränen. Ich sagte zu meinem Vater: „Antworte du auf die Worte des edlen Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm).“ Er sagte: „Meine Tochter! Ich weiß nicht, was ich sagen soll.“ Ich sagte zu meiner Mutter: „Sag du etwas.“ Sie sagte: „Ich weiß nicht, was ich sagen soll.“ Darauf sagte ich: „Ihr habt ein Wort gehört, und es hat sich in eurem Herzen festgesetzt. Wenn ich nun sage: ‚Ich bin unschuldig – Allah ist mein Zeuge, ich bin vollkommen unschuldig‘, werdet ihr mir dennoch nicht glauben. Und wenn ich einfach eine Sache eingestehe, die ich überhaupt nicht getan habe – Allah weiß es –, dann werdet ihr mir glauben. In diesem Augenblick versuchte ich, mich an den Namen Hadhrat Yaʿqūbs (Friede sei mit ihm) zu erinnern, doch er fiel mir nicht ein. Schließlich sagte ich: ‚In einer solchen Lage sehe ich keinen anderen Ausweg, als das zu sagen, was der Vater Hadhrat Yūsufs (Friede sei mit ihm) gesagt hat:‘

Es wird auf Arabisch sein.

Nach diesen Worten drehte ich mich zur anderen Seite und legte mich hin. Ich sagte mir im Herzen: Allah weiß vollständig von meiner Unschuld. Sicherlich wird Er den Menschen den wahren Sachverhalt offenbaren. Doch dass eine Offenbarung zu meiner Verteidigung herabgesandt und bis zum Tag der Auferstehung verlesen werden würde, kam mir niemals in den Sinn. Ich dachte, der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) würde einen Traum sehen, durch den Allah meine Unschuld offenbaren würde. In diesem Augenblick trat beim edlen Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) der Zustand ein, in dem die Offenbarung herabgesandt wurde. Sogar in der strengen Kälte begannen Schweißtropfen von seinem gesegneten Gesicht herabzutropfen. Als wir diesen Zustand sahen, verstummten wir alle. Ich selbst war innerlich vollkommen unbesorgt. Der Zustand meiner Eltern jedoch war äußerst erschütternd. In dem Gedanken, welche große Wahrheit Allah wohl ans Licht bringen würde, waren sie unruhig und voller Sorge. Als der Zustand der Offenbarung vorüber war, sah man den edlen Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) überaus froh. Mit einem Lächeln sagte er als Erstes: „ʿĀʾischa, ich überbringe dir frohe Nachricht: Allah hat eine Offenbarung herabgesandt, in der Er deine Unschuld verkündet.“ Danach rezitierte er ihnen die Verse 11 bis 21 der Sura an-Nūr. Meine Mutter sagte darauf zu mir: „Steh auf und danke dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm).“ Ich sagte: „Ich werde weder ihm danken noch euch beiden. Ich danke Allah, der hinsichtlich meiner Unschuld Verse des Qurʾān herabgesandt hat. Ihr habt diese falsche Anschuldigung ja nicht einmal als unwahr bezeichnet.“151

Die gegen Hadhrat ʿAischa (r.a.) erhobene Anschuldigung wird in der Sprache des Qurʾan als „al-Ifk“ bezeichnet. Durch dieses Wort hat Allah, der Erhabene, diese Anschuldigung vollständig zurückgewiesen. Das Wort „Ifk“ bedeutet, die eigentliche Aussage umzudrehen und etwas zu behaupten, das der tatsächlichen Wahrheit widerspricht. In diesem Sinne wird es für eine völlig falsche und ausgedachte Behauptung verwendet. Wenn dieses Wort im Zusammenhang mit einer Anschuldigung gebraucht wird, bedeutet es: eine offenkundig falsche Anschuldigung, eine falsche Beschuldigung.152

Nachdem die Qurʾanverse offenbart worden waren, die die Unschuld von Hadhrat ʿAischa (r.a.) verkündeten, wurde wegen der eindeutig falschen Beschuldigung gegen zwei Männer und eine Frau die Hadd-Strafe (eine festgelegte Strafe) verhängt. Es waren: Mistah ibn Uthatha, der Dichter Hassan ibn Thabit und Hamna bint Jahsch (r.a.).153

Die Begebenheit der Offenbarung der Tayammum-Verse:

Allah, der Erhabene, hat durch Hadhrat ʿAischa (r.a.) der Menschheit vielfältige Wege zum Guten aufgezeigt. Im Zusammenhang mit der Ifk-Affäre verkündete Er zahlreiche Vorschriften und Strafbestimmungen, um die menschliche Gesellschaft von Unzucht und Obszönität rein zu halten. Ebenso gewährte Er durch sie die Möglichkeit des Tayammum als Ersatz für Wasser zur Erlangung ritueller Reinheit. Ich halte es daher nicht für unangebracht, hier kurz darauf einzugehen.

Auf einer weiteren Reise befand sich ʿAischa (r.a.) in Begleitung des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Nach Ibn Saʿd handelte es sich ebenfalls um die Reise zum Feldzug von al-Muraisi.154 Dieselbe Halskette trug sie auch diesmal. Als die Karawane einen Ort namens Dhat al-Dschaisch oder al-Baida erreichte, riss die Halskette erneut von ihrem Hals und fiel irgendwo zu Boden.155 Aus dem früheren Vorfall hatte sie genügend Erfahrung gewonnen. Deshalb teilte sie dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) die Angelegenheit diesmal sofort mit. Es war nahe am Morgen. Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) befahl, die Reise zu unterbrechen. Doch an dem Ort, an dem die Soldaten ihre Zelte aufgeschlagen hatten, gab es nicht den geringsten Tropfen Wasser. Inzwischen war die Zeit des Fajr-Gebets gekommen. Verängstigt und bestürzt liefen die Menschen zu Hadhrat Abu Bakr (r.a.) und sagten: „ʿAischa (r.a.) hat das Heer in welch eine schwierige Lage gebracht!“ Abu Bakr (r.a.) eilte daraufhin geradewegs zu ʿAischa (r.a.). Er sah, dass der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) seinen Kopf auf ʿAischas (r.a.) Knie gelegt hatte und sich ein wenig ausruhte. Abu Bakr (r.a.) sagte seiner Tochter mit erregter Stimme: „Du bringst den Menschen immer wieder neue Schwierigkeiten!“ Mit diesen Worten versetzte er ihr aus Zorn und Verärgerung einige Stöße in die Seite. Doch ʿAischa (r.a.) bewegte sich nicht im Geringsten, weil sie befürchtete, den Schlaf und die Ruhe des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu stören.

Inzwischen wurde es Morgen. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) wachte auf und erfuhr alles. Eine Besonderheit der islamischen Vorschriften besteht darin, dass sie stets zur passenden Zeit offenbart wurden. Im Islam war die Waschung vor diesem Ereignis für das Gebet vorgeschrieben. Doch zu diesem Zeitpunkt wurde der folgende Vers offenbart, der festlegte, was zu tun ist, wenn kein Wasser gefunden wird:

Es wird auf Arabisch lauten

„Und wenn ihr krank seid oder euch auf einer Reise befindet oder einer von euch vom Abort kommt oder Frauen berührt habt und dann kein Wasser findet, dann vollzieht den Tayammum mit reiner Erde und streicht damit über eure Gesichter und eure Hände. Wahrlich, Allah ist verzeihend.“ (an-Nisa: 43)

Die Bestimmung des Tayammum ist im Grunde ein besonderes Geschenk und ein besonderes Merkmal dieser Umma. Welch große Gunst Allahs des Erhabenen, dass Er für die Reinigung durch Wudu, Ghusl und dergleichen einen Gegenstand zum Ersatz für Wasser gemacht hat, der leichter verfügbar ist als Wasser. Diese einfache Regelung wurde keiner früheren Umma gewährt, sondern ausschließlich der Umma Muhammads.

Wie dem auch sei: Die vor Begeisterung und Erregung übersprudelnde Gruppe muslimischer Glaubenskämpfer, die sich damals wegen des fehlenden Wassers in Bedrängnis wähnte, war über den Empfang dieser Barmherzigkeit Allahs überaus erfreut. Usayd ibn Hudayr, ein bedeutender Gefährte, rief voller Begeisterung aus: „O Angehörige der Familie Abu Bakrs as-Siddiq! Dies ist nicht eure erste Wohltat für den Islam.“156

In einer anderen Überlieferung heißt es, dass Usayd ibn Hudayr zu Aischa (ra) sagte: „Möge Allah es Ihnen mit Gutem vergelten! Wann immer Sie von einem Unglück betroffen waren, das Ihnen missfiel, hat Allah dadurch Ihnen und den Muslimen irgendeine Wohltat zuteilwerden lassen.“157

Abu Bakr as-Siddiq (ra), der noch kurz zuvor ungeduldig gewesen war, seine geliebte Tochter zu belehren, wandte sich nun voller Stolz an sie und sagte: „Du Stück meines Herzens! Ich wusste nicht, dass du so voller Segen bist. Durch dich hat Allah der Erhabene der muslimischen Umma so viel Segen und Erleichterung gewährt.“158

Es sei erwähnt, dass Aischa (ra) diese Halskette von ihrer Schwester Asma geliehen hatte, um sie zu tragen.159 Als danach das Kamel von Aischa (ra) zum Aufbruch der Karawane aufgerichtet wurde, fand man die Halskette unter dem Kamel.160

Das Ereignis von Ila oder Takhyir:

Aus dem Leben von Aischa (ra) gibt es viele bemerkenswerte Ereignisse aus ihrer Zeit mit dem edlen Gesandten. Die beiden bedeutendsten darunter sind das Ereignis der Tahrim sowie das Ereignis von Ila oder Takhyir. Tahrim bezeichnet jenes Ereignis im Zusammenhang mit Honig, das in der Biografie von Hafsa (ra) erwähnt wurde. Auf das andere Ereignis wurde zwar zuvor hier und dort hingewiesen, doch wurde es nicht ausführlich behandelt; daher wird es hier dargestellt.

Dies geschah im 9. Jahr nach der Hidschra, nach einer anderen Ansicht in der Zeit, die mit den Ereignissen von Ahzab und Banu Qurayza zusammenfiel.161 Zu jener Zeit hatte sich die Botschaft des Islam in die entlegensten Teile Arabiens verbreitet. Im Bayt al-Mal des Islam sammelten sich fortwährend Vermögenswerte an. Dennoch wurde bereits zuvor angedeutet, unter welcher Bedürftigkeit und Sparsamkeit die Angehörigen der Familie des edlen Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) lebten. Die Getreidemenge und die Datteln aus Khaybar, die nach dem Sieg über Khaybar den Ehefrauen des Propheten für das ganze Jahr zugeteilt worden waren, waren äußerst unzureichend. Außerdem hatte jede von ihnen die Gewohnheit, Gäste zu bewirten, und war großzügig im Spenden und Wohltätigsein. Daher lag ihr Lebensstandard auf einem sehr niedrigen Niveau. Jeden Tag verbrachten sie in Hunger oder halbem Hunger. Vor ihrer Heirat mit dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) hatten sie im Haus ihrer Väter oder bei ihren früheren Ehemännern ein äußerst luxuriöses Leben geführt. Als sie deshalb den Überfluss an Geld und Besitz in den Händen des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sahen, forderten sie gemeinsam eine Erhöhung der für sie festgesetzten Zuwendungen.

Als diese Nachricht Umar (r.a.) zu Ohren kam, sprach er zunächst mit seiner Tochter Hafsa (r.a.) und erklärte ihr: „Du verlangst eine Erhöhung deines Lebensunterhalts. Was du brauchst, kannst du von mir verlangen.“ Danach ging Umar (r.a.) nacheinander zu den Türen jeder einzelnen Mutter der Gläubigen und sprach mit ihnen. Umm Salama sagte: „Umar! Du mischst dich doch in jede Angelegenheit ein; jetzt hast du auch noch begonnen, dich in die Angelegenheiten der Ehefrauen des Gesandten Allahs einzumischen.“ Als Umar (r.a.) dies hörte, fühlte er sich beschämt und schwieg.

Eines Tages kamen Abu Bakr und Umar (r.a.) gemeinsam zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und sahen, dass seine Ehefrauen ihn umringten und ihn drängten, ihren Lebensunterhalt zu erhöhen. Beide erhoben sich, um ihre jeweiligen Töchter – Aischa und Hafsa – zu schlagen. Doch diese entgingen den Händen ihrer Väter, indem sie versprachen, den Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) künftig nicht mehr durch die Forderung nach einer Erhöhung ihres Lebensunterhalts zu belästigen.

Die anderen Ehefrauen hielten an ihren Forderungen fest. Zu dieser Zeit fiel der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) vom Rücken eines Pferdes, und als er mit seiner Seite gegen eine Baumwurzel prallte, wurde er verletzt.¹⁶²

Neben der Kammer von Aischa (r.a.) befand sich ein weiteres Zimmer, das al-Maschraba genannt wurde. Dort nahm der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) seinen Aufenthalt. Er schwor, einen Monat lang zu keiner seiner Ehefrauen zu gehen. Die Heuchler verbreiteten daraufhin das Gerücht, der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) habe all seine Ehefrauen geschieden. Als die ehrwürdigen Gefährten davon hörten, versammelten sie sich in der Moschee. In jedem Haus herrschte Unruhe. Die Ehefrauen des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) begannen zu weinen. Keiner der Gefährten wagte es, den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) nach der Wahrheit dieser Angelegenheit zu fragen.

Als Umar (r.a.) davon erfuhr, kam er in die Prophetenmoschee und sah, dass die ehrwürdigen Gefährten niedergeschlagen und schweigend dasaßen. Zweimal bat er um Erlaubnis, den edlen Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu sehen, erhielt jedoch keine Antwort. Beim dritten Mal wurde ihm die Erlaubnis erteilt. Als er den Raum betrat, sah er den Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) auf einer Liege liegen; auf seinem heiligen Körper hatten sich die Abdrücke der groben Decke eingeprägt. Umar (r.a.) ließ seinen Blick durch den Raum schweifen und sah, dass sich dort außer einigen Tongefäßen und einem trockenen Wasserschlauch nichts befand. Beim Anblick dieses Zustands traten Umar (r.a.) Tränen in die Augen. Er sagte: „O Gesandter Allahs! Hast du deine Ehefrauen geschieden?“ Er antwortete: „Nein.“ Umar sagte: „Darf ich diese frohe Nachricht unter den Muslimen verbreiten?“ Nachdem er die Erlaubnis des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) erhalten hatte, rief Umar (r.a.) mit voller Stimme: „Allahu akbar!“

Dieser Monat hatte neunundzwanzig Tage. Aischa (r.a.) sagte: „Ich zählte die Tage einzeln. Als neunundzwanzig Tage vollendet waren, kam er aus dem Raum.“ Der edle Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ging zuerst in Aischas (r.a.) Zimmer. Sie fragte: „O Gesandter Allahs! Du hattest doch einen Monat lang zu verzichten gelobt; heute sind es neunundzwanzig Tage.“ Er sagte: „Manche Monate haben auch neunundzwanzig Tage.“¹⁶³

Da die geehrten Ehefrauen des Propheten eine Verbesserung ihres Lebensstandards forderten, während der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sich nicht durch weltlichen Genuss und Luxus beflecken konnte, um seine Ehefrauen zufriedenzustellen, ließ Allah der Erhabene die Verse über die „Wahl“ (Tachjīr) herabsenden. „Tachjīr“ bedeutet, eine Wahlmöglichkeit und Freiheit zu gewähren. Das heißt: Jede der Ehefrauen, die wollte, konnte unter Armut und Entbehrung weiterhin mit dem Gesandten Allahs als Ehefrau zusammenleben. Und wer wollte, konnte ihn verlassen. Der Vers wird im Folgenden angeführt:

Er lautet auf Arabisch:

„O Prophet! Sag deinen Frauen: Wenn ihr das diesseitige Leben und seinen Schmuck begehrt, dann kommt, ich werde euch etwas geben und euch auf schöne Weise entlassen. Wenn ihr aber Allah, Seinen Gesandten und eine Wohnstätte im Jenseits begehrt, dann wisst, dass Allah für diejenigen unter euch, die rechtschaffen sind, einen gewaltigen Lohn bestimmt hat.“ (Al-Ahzab: 29)

In einem im Sahih Muslim überlieferten Hadith berichtet Dschabir ibn Abdillah (ra) über das damalige Geschehen: Eines Tages kamen Abu Bakr und Umar (ra) zum Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und sahen, dass die Ehefrauen des Propheten um ihn herumsaßen, während der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) schweigend dasaß. Er wandte sich an Umar (ra) und sagte: „Du siehst, dass diese Frauen hier um mich herum sitzen; tatsächlich bitten sie mich um Geld für ihren Lebensunterhalt.“ Als die beiden Gefährten dies hörten, wiesen sie ihre jeweiligen Töchter streng zurecht und sagten zu ihnen: „Ihr fügt dem edlen Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) Leid zu und bittet ihn um etwas, das er nicht besitzt.“ Einer anderen Überlieferung zufolge wollten sie sie sogar schlagen. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) hielt sie davon ab.164 Wie groß die finanzielle Not war, in der sich der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) damals befand, wird aus diesem Ereignis deutlich ersichtlich.

Als dieser Vers offenbart wurde, sprach der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zuerst mit Aischa (ra): „Ich möchte dir etwas mitteilen. Antworte nicht voreilig, sondern hole zunächst die Meinung deiner Eltern ein.“ Dann trug der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ihr den erwähnten Vers vor und sagte, dass dieser Befehl von Allah gekommen sei. Sofort sagte Aischa (ra): „Was soll ich diesbezüglich meine Eltern fragen? Ich wünsche mir nur Allah, Seinen Gesandten und den Erfolg im Jenseits.“ Über diese Antwort von Aischa (ra) freute sich der edle Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sehr. Er sagte: „Ich werde die Angelegenheit deinen anderen Ehefrauen genauso vorlegen, wie ich sie dir vorgelegt habe.“ Aischa (ra) sagte: „Bitte teilen Sie meine Entscheidung niemandem mit.“ Doch der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) erfüllte diese Bitte nicht. Er sprach mit seinen anderen Ehefrauen genau so, wie er mit Aischa (ra) gesprochen hatte, und teilte ihnen zugleich mit, dass Aischa (ra) Allah, Seinen Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und das Jenseits gewählt habe.165 Jede von ihnen gab dieselbe Antwort wie Aischa (ra). In den Büchern über die Sira wird dieses Ereignis „Tachjir“ genannt. „Tachjir“ bedeutet, jemandem die Wahl zu geben: Der Ehefrau wird die Möglichkeit eingeräumt, sich dafür zu entscheiden, entweder bei ihrem Ehemann zu bleiben oder sich von ihm zu trennen.

Sayyid Abul Ala Maududi (rah) berichtet unter Berufung auf Ibn al-Arabis Ahkam al-Quran: Zur Zeit der Offenbarung des Verses über den „Tachjir“ waren vier Ehefrauen des edlen Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) am Leben. Es waren Sawda (ra), Aischa (ra), Hafsa (ra) und Umm Salama (ra).166 Allama Ibn Kathir hingegen berichtet über die Überlieferung von Ikrima (ra), dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu jener Zeit insgesamt neun Ehefrauen hatte. Fünf stammten aus dem Stamm der Quraisch: Aischa, Hafsa, Umm Habiba, Sawda und Umm Salama (ra). Die anderen waren Safiyya, Maymuna, Dschuwairiya und Zainab bint Dschahsch al-Asadiyya (ra).167 Dieser Unterschied entstand aufgrund abweichender Ansichten über den Zeitpunkt des Ereignisses.

Der Tod des Ehemannes

Als Aischa (ra) achtzehn Jahre alt war, verstarb ihr Ehemann, der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Eines Tages, noch vor dem Monat Safar des elften Jahres nach der Hidschra, kam der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) in Aischas (ra) Zimmer und sah, dass sie wegen Kopfschmerzen stöhnte. Als er ihren Zustand sah, sagte er: „Wenn du vor mir sterben würdest, würde ich dich eigenhändig waschen, in ein Leichentuch hüllen und bestatten.“ Aischa (ra) erwiderte sofort: „O Gesandter Allahs! Du sagst das nur, damit du eine andere Ehefrau in dieses Zimmer bringen und dort wohnen lassen kannst.“ Darauf legte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) die Hand auf seinen Kopf und rief: „O mein Kopf!“ Es heißt, dass seine Kopfschmerzen im Grunde von diesem Zeitpunkt an begannen.168 Danach ging er in das Zimmer von Maymuna (ra) und wurde bettlägerig. Auch in diesem Zustand verbrachte er an den festgelegten Tagen die Nächte im Zimmer der jeweiligen Ehefrau. Doch jeden Tag fragte er, wo er am folgenden Tag sein werde. Die Ehefrauen verstanden, dass er bei Aischa (ra) bleiben wollte. Daher erteilten sie ihm alle ihre Erlaubnis. Von jenem Tag an blieb er bis zum letzten Augenblick seines irdischen Lebens in Aischas (ra) Zimmer.169

Nun könnte jemand fragen, warum der edle Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) so sehr danach verlangte, zu Aischa (ra) zu gehen. Lag es daran, dass er sie übermäßig liebte?

Die Fachleute sagen: Nein. Allah hatte Aischa (ra) ein Maß an Verstand, Klugheit, Gedächtniskraft, charakterlicher Vollkommenheit und Denkvermögen verliehen, das keine seiner anderen Ehefrauen besaß. Daher ist die Annahme nicht unbegründet, dass es die Absicht des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) war, dass alle Worte, Taten und Verhaltensweisen seiner letzten Lebenstage vollständig bewahrt würden. So ist es tatsächlich geschehen. Der größte Teil der authentischen Überlieferungen über den Tod des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ist durch Aischa (ra) zur gesamten Welt gelangt.

Die Schwere der Krankheit des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) nahm von Tag zu Tag zu. Schließlich war er nicht mehr in der Lage, zum Gebet in die Moschee zu gehen und das Gebet zu leiten. Seine Ehefrauen widmeten sich seiner Pflege. Sie rezitierten einige Duʿās, die sie vom Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) gelernt hatten, und bliesen danach über ihn. Auch ʿĀ’ischa (Allah sei mit ihr zufrieden) rezitierte einige Duʿās und blies über ihn.170

Beim Morgengebet saßen die versammelten Betenden und warteten auf den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Mehrmals versuchte er aufzustehen, wurde jedoch jedes Mal bewusstlos. Schließlich wies er Abū Bakr (Allah sei mit ihm zufrieden) an, das Gebet zu leiten. ʿĀ’ischa (Allah sei mit ihr zufrieden) sagte: „Ich dachte, dass die Menschen jeden, der an die Stelle des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) treten würde, für ungeeignet und unheilbringend halten würden. Deshalb sagte ich: ,O Gesandter Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), Abū Bakr ist ein sehr weichherziger Mann. Er wird diese Aufgabe nicht bewältigen können; er wird anfangen zu weinen. Beauftrage jemand anderen damit.‘“ Doch er wiederholte seine Anweisung ein zweites Mal. Daraufhin bat ʿĀ’ischa (Allah sei mit ihr zufrieden) Ḥafṣa (Allah sei mit ihr zufrieden), dieselben Worte noch einmal zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu sagen. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) bemerkte: „Ihr seid alle wie die Frauen des Yūsuf. Sagt: Abū Bakr soll das Gebet leiten.“171

Vor seiner Erkrankung hatte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) etwas Bargeld bei ʿĀ’ischa (Allah sei mit ihr zufrieden) zurückgelassen und vergessen, es auszugeben. Nun erinnerte er sich während dieser schweren Krankheit daran. Er sagte zu ʿĀ’ischa (Allah sei mit ihr zufrieden): „Wo sind diese Dirham? Gib sie auf Allahs Weg aus. Mit einem schlechten Gedanken soll Muhammad Allah begegnen?“ Daraufhin wurde dieses Geld unverzüglich unter den Bedürftigen verteilt.172

Nun war die letzte Stunde des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) gekommen. ʿĀ’ischa (Allah sei mit ihr zufrieden) saß nahe dem Kopf des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), während er an ihrer Brust lehnte. ʿĀ’ischa (Allah sei mit ihr zufrieden) sprach fortwährend Bittgebete um seine Genesung. Die Hand des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) lag in ihrer Hand. Plötzlich zog er seine Hand mit einem Ruck aus ihrer und rief aus:

Auf Arabisch lautet es: (Allahumma war-Rafīq al-Aʿlā)

Das bedeutet: O Allah, ich wähle den Höchsten Gefährten.173

ʿĀ’ischa (Allah sei mit ihr zufrieden) sagte: „Während er gesund war, pflegte er zu sagen: ,Beim Tod eines jeden Propheten wird ihm die Wahl gegeben, entweder das Leben dieser Welt oder das Leben im Jenseits zu wählen.‘ Nachdem der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) diese Worte ausgesprochen hatte, verstand ich, dass er sich dafür entschieden hatte, uns zu verlassen.174“ Sie sagte: „O Gesandter Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm)! Du leidest wirklich sehr.“ Er sagte: „Der Lohn entspricht dem Maß der Schmerzen.“

ʿĀ’ischa (Allah sei mit ihr zufrieden) saß da und hielt den ehrwürdigen Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) aufrecht. Plötzlich spürte sie, wie sein Körper schwer wurde. Als sie in seine Augen blickte, erkannte sie, dass er nicht mehr lebte. Sie legte seinen ehrwürdigen Kopf behutsam auf das Kissen und brach in Tränen aus.175

Die größte Ehre und Würde von Hazrat ʿAischa (r.a.) besteht darin, dass der heilige Leichnam des edlen Gesandten Allahs (sallallāhu ʿalaihi wa sallam) in ihrem eigenen Haus, an einer Seite, beigesetzt wurde.176

Einmal sah Hazrat ʿAischa (r.a.) im Traum, wie drei Monde einer nach dem anderen in ihr Haus flogen und dort niederfielen. Sie erzählte ihrem Vater, Abu Bakr as-Siddīq (r.a.), von diesem Traum. Als der edle Gesandte Allahs (sallallāhu ʿalaihi wa sallam) in ihrem Haus beigesetzt wurde, sagte Abu Bakr (r.a.) zu seiner Tochter: „Dies ist einer dieser drei Monde und der beste von ihnen.“177 Die späteren Ereignisse bewiesen, dass der zweite und der dritte Mond ihres Traumes Abu Bakr (r.a.) und ʿUmar (r.a.) waren.

Hazrat ʿAischa (r.a.) wurde im Alter von achtzehn Jahren Witwe und verbrachte in diesem Zustand weitere achtundvierzig Jahre ihres Lebens. Solange sie lebte, blieb sie in der Nähe des gesegneten Grabes. Anfangs schlief sie direkt neben dem Grab des Gesandten Allahs (sallallāhu ʿalaihi wa sallam). Nachdem sie den Gesandten Allahs (sallallāhu ʿalaihi wa sallam) eines Tages im Traum gesehen hatte, hörte sie auf, dort zu schlafen. Bis ʿUmar (r.a.) im Zimmer von ʿAischa (r.a.) beigesetzt wurde, kam und ging sie dort ohne Hijab. Denn damals lagen dort zwei Menschen: der eine war ihr Ehemann und der andere ihr Vater. Nachdem ʿUmar (r.a.) neben ihnen beigesetzt worden war, sagte sie: „Jetzt brauche ich einen Hijab, wenn ich dorthin gehe.“

Allah, der Erhabene, erklärte eine zweite Eheschließung für die Azwāj-e Muṭahharāt (die reinen Ehefrauen) für verboten. Von Ibn ʿAbbās (r.a.) wird überliefert, dass er sagte: Ein Mann beabsichtigte, nach dem Tod des Gesandten Allahs (sallallāhu ʿalaihi wa sallam) eine seiner Ehefrauen zu heiraten. Ein Mann fragte Sufyān, einen der Überlieferer in der Überlieferungskette dieses Hadith: „War es ʿAischa (r.a.)?“ Sufyān sagte: „Die Überlieferer haben dies so erwähnt.“ As-Suddī sagte: Der Mann, der diese Absicht hegte, war Talha ibn ʿUbaidillāh. Aus diesem Anlass wurde der folgende Vers offenbart:178

Auf Arabisch lautet er:

„Es ist euch nicht erlaubt, dem Gesandten Allahs Leid zuzufügen oder nach seinem Tod seine Ehefrauen zu heiraten. Dies ist bei Allah ein schwerwiegendes Vergehen.“179

In einem weiteren Vers erklärte Allah, der Erhabene, die Azwāj-e Muṭahharāt zu den Müttern der Muslime.180

Auf Arabisch lautet er:

„Der Prophet steht den Gläubigen näher als sie sich selbst, und seine Ehefrauen sind ihre Mütter.“

Im Kern bedeutet dies: Die ehrwürdigen Ehefrauen des Propheten – die während eines Teils ihres Lebens die Lebensgefährtinnen des erhabenen Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) waren – sollten den Rest ihres Lebens damit verbringen, die Lehren und das Wirken ihres Ehemannes zu praktizieren und zu verbreiten. Sie sind die Mütter der Muslime. Ihre Aufgabe sollte darin bestehen, den Kindern Bildung und Erziehung (Lehre und Schulung) zu vermitteln. Allah selbst hat ihre Verantwortung und Pflichten folgendermaßen dargelegt:¹⁸¹

„O Frauen des Propheten! Ihr seid nicht wie andere Frauen. Wenn ihr Allah fürchtet, sprecht nicht in einer sanften und verführerischen Weise mit fremden Männern, damit nicht jemand, in dessen Herzen Krankheit ist, begehrliche Absichten hegt. Sprecht in angemessener Weise. Bleibt in euren Häusern und stellt euch nicht zur Schau wie in der ersten Zeit der Unwissenheit. Verrichtet das Gebet, entrichtet die Zakāt und gehorcht Allah und Seinem Gesandten. O Angehörige des Hauses des Propheten! Allah will nur die Unreinheit von euch entfernen und euch vollkommen rein halten. Bewahrt im Gedächtnis, was von Allahs Zeichen und weisen Worten in euren Häusern vorgetragen wird. Gewiss, Allah ist feinsinnig und über alles wohlunterrichtet.“

Das weitere Leben der ehrwürdigen ʿĀ’ischa (Allah sei mit ihr zufrieden) war eine praktische Auslegung der oben angeführten Worte Allahs. Nach dem Ableben des ehrwürdigen Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) wurde der angesehene Vater der Mutter der Gläubigen, ʿĀ’ischa (Allah sei mit ihr zufrieden), der ehrwürdige Abū Bakr aṣ-Ṣiddīq (Allah sei mit ihm zufrieden), zum Kalifen gewählt. Einige Tage nachdem man die Angelegenheiten der Einhüllung und Bestattung des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sowie der Wahl des Kalifen hinter sich gelassen hatte, wollten die Ehefrauen des Gesandten Allahs ʿUthmān (Allah sei mit ihm zufrieden) in ihrem Namen zum Kalifen schicken, um die Frage des Erbes endgültig zu klären. Da erinnerte ʿĀ’ischa (Allah sei mit ihr zufrieden) sie daran, dass der edle Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu seinen Lebzeiten gesagt hatte: „Ich werde keinen Erben haben. Alles, was ich hinterlasse, gilt als Sadaqa.¹⁸²“ Als sie dies hörten, schwiegen alle.

Was für Besitztümer hatte der edle Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) denn tatsächlich hinterlassen, die unter seinen Erben hätten aufgeteilt werden können? In einem Hadith heißt es, dass er weder Dirham und Dinar noch Vieh oder Sklaven als Erbe hinterließ.¹⁸³

Als höchster Verantwortlicher des Staates hatte er jedoch einige Gärten und Plantagen unter seiner Verwaltung behalten. Die Einkünfte daraus wurden während des Lebens des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) für verschiedene Zwecke ausgegeben, und auch das rechtgeleitete Kalifat beließ es dabei. Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) bestritt aus diesen Einkünften den Lebensunterhalt seiner Ehefrauen, und auch Abū Bakr (Allah sei mit ihm zufrieden) führte dies fort.¹⁸⁴

Der Tod des Vaters

Der ehrwürdige Abū Bakr (Allah sei mit ihm zufrieden) hatte nur zwei Jahre lang die Möglichkeit, das Kalifat zu führen. Im dreizehnten Jahr nach der Hidschra verstarb er. Als er im Sterben lag, saß seine Tochter ʿĀ’ischa (Allah sei mit ihr zufrieden) an seinem Kopfende. Zuvor hatte er ihr in gesundem Zustand einen Teil seines Besitzes zur Nutzung und Verfügung überlassen. Nun erinnerte er sich daran, dass auch seine anderen Kinder Anspruch auf diesen Besitz hatten, und sagte: „Meine Tochter, du Stück meines Herzens! Wirst du diesen Besitz deinen anderen Geschwistern geben?“ Die Tochter antwortete: „Gewiss werde ich das tun.“ Dann fragte er sie: „Aus wie vielen Tüchern bestand das Leichentuch des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm)?“ Sie antwortete: „Aus drei weißen Tüchern.“ Wieder fragte er: „An welchem Wochentag ist er verstorben?“ Sie antwortete: „Am Montag.“ Wieder fragte er: „Welcher Wochentag ist heute?“ Sie antwortete: „Montag.“ Da sagte er: „Dann werde auch ich heute Nacht gehen müssen.“ Danach betrachtete er sein eigenes Tuch. Es hatte Safranflecken. Er sagte: „Wasche dieses Tuch und hülle mich mit zwei weiteren Tüchern darin ein.“ Seine Tochter sagte: „Aber dieses Tuch ist alt.“ Er erwiderte: „Die Lebenden brauchen neue Kleidung nötiger als die Toten.“¹⁸⁵ Noch in derselben Nacht verstarb er. In der Kammer der ehrwürdigen ʿĀ’ischa (Allah sei mit ihr zufrieden) wurde er neben dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), etwas zu dessen Füßen hin versetzt, bestattet. Dies war der zweite Mond, der in die Kammer der ehrwürdigen ʿĀ’ischa (Allah sei mit ihr zufrieden) einging. Nachdem sie in so jungen Jahren ihren Ehemann verloren hatte, verlor sie nur zwei Jahre später auch ihren Vater.

Das Kalifat al-Fārūqs:

Die Zeit des Kalifats von Hadhrat al-Fārūq al-Aʿẓam (r.a.) war in jeder Hinsicht von höchster Vortrefflichkeit geprägt. Er setzte für jeden Muslim eine regelmäßige Geldzuwendung fest. Einer Überlieferung zufolge gewährte er jeder der Azwāj al-Muṭahharāt jährlich zwölftausend.¹⁸⁶ Einer anderen Überlieferung zufolge gab er jeder der übrigen Azwāj al-Muṭahharāt zehntausend und ʿĀʾischa (r.a.) zwölftausend. Den Grund für diese Bevorzugung nannte ʿUmar (r.a.) selbst: „Ich gebe ihr zweitausend mehr, weil sie die geliebteste Ehefrau des Gesandten Allahs (sallallāhu ʿalaihi wa sallam) war.“

Entsprechend der Zahl der Azwāj al-Muṭahharāt ließ der Kalif ʿUmar (r.a.) neun Schalen anfertigen. Wann immer etwas in seinen Besitz gelangte, ließ er neun verschiedene Schalen zu ihnen allen bringen. Bei der Verteilung von Geschenken und Gaben war er so umsichtig, dass er, wenn ein Tier geschlachtet worden war, ihnen sogar alles vom Kopf bis zu den Füßen schicken ließ.

Während der Eroberung des Irak gelangte eine mit kostbaren Perlen gefüllte Schatulle in die Hände der Muslime. Zusammen mit der übrigen Beute wurde auch sie zum Kalifen gebracht. Die Verteilung dieser Perlen erwies sich für alle als äußerst schwierig. Der Kalif ʿUmar (r.a.) sagte: „Wenn ihr alle einverstanden seid, kann ich diese Perlen zu Umm al-Muʾminīn ʿĀʾischa (r.a.) schicken. Denn sie war die geliebteste Ehefrau des Gesandten Allahs (sallallāhu ʿalaihi wa sallam).“ Die Schatulle wurde zu ʿĀʾischa (r.a.) gebracht. Als sie sie öffnete und sah, sagte sie: „Nach dem Gesandten Allahs (sallallāhu ʿalaihi wa sallam) hat Ibn al-Khaṭṭāb mir sehr große Gunst erwiesen. O Allah, lass mich nicht am Leben, damit ich künftig noch weitere solcher Gunstbeweise von ihm erfahren muss.“

Der Kalif Hadhrat ʿUmar (r.a.) wünschte, in der Kammer von ʿĀʾischa (r.a.) nahe den gesegneten Füßen des Gesandten Allahs (sallallāhu ʿalaihi wa sallam) bestattet zu werden. Doch er konnte dies nicht zur Sprache bringen. Denn obwohl es nach der Scharia nicht notwendig ist, sich vor Männern zu verhüllen, sobald sie unter der Erde liegen, betrachtete er sich aus Gründen des Anstands und der guten Sitte auch nach seiner Bestattung gegenüber ʿĀʾischa weiterhin als Nicht-Mahram. In seinen letzten Augenblicken war er von diesen Gedanken sehr bedrückt. Schließlich schickte er seinen Sohn mit den Worten: „Überbringe Umm al-Muʾminīn meinen Friedensgruß und sage ihr: ʿUmar wünscht, neben seinen beiden Freunden bestattet zu werden.“ ʿĀʾischa (r.a.) sagte: „Obwohl ich diesen Platz für mich selbst freigehalten hatte, räume ich ihm mit zufriedenem Herzen den Vorrang ein.“

Obwohl Umm al-Muʾminīn ʿĀʾischa (r.a.) diese Erlaubnis erteilt hatte, vermachte ʿUmar (r.a.) vor seinem letzten Atemzug: „Bringt meine Bahre zu ihrer Tür und bittet erneut um Erlaubnis. Wenn sie die Erlaubnis erteilt, bestattet mich drinnen. Andernfalls bestattet mich auf dem Friedhof der gewöhnlichen Muslime.“ Nach dem Tod des Kalifen wurde gemäß seiner Anweisung verfahren. ʿĀʾischa (r.a.) erteilte zum zweiten Mal die Erlaubnis, und der Leichnam wurde hineingebracht und dort bestattet.¹⁸⁷

Und so wurde er der dritte Mond im Traum von Hadhrat ʿĀʾischa (r.a.), durch den sich ihr Traum erfüllte.

Dass der Kalif Hadhrat ʿUthmān (r.a.) durch die Hand der Aufständischen den Märtyrertod erlitt, ist ein tragisches Ereignis in der Geschichte des Islam. In diesem Zusammenhang wurde Umm al-Muʾminīn Hadhrat ʿĀʾischa (r.a.) unmittelbar in die damalige Politik verwickelt. In diesem Zusammenhang ereignete sich ein weiteres herzzerreißendes Ereignis: die Kamelschlacht. Wir werden kein Urteil darüber fällen, inwieweit es richtig oder falsch war, dass sie sich auf diese Weise in die Ereignisse nach dem Märtyrertod Hadhrat ʿUthmāns (r.a.) einmischte. Wir werden lediglich glauben, dass all ihre Handlungen und Bemühungen dem Wohl der Religion und der Umma galten. Zum Verständnis all dieser historischen Ereignisse bedarf es einer etwas ausführlicheren Darstellung.

Die Kalifatszeit von Hazrat ‘Uthman (r.a.) dauerte etwa zwölf Jahre. In der ersten Hälfte dieser Zeit herrschte eine friedliche, von allen Arten von Unruhen und Aufruhr freie Atmosphäre. Danach wurden seitens der Bevölkerung allmählich verschiedene Beschwerden erhoben. Hazrat ‘A’ischa (r.a.) überlieferte, dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ‘Uthman (r.a.) ermahnt hatte: Wenn Allah der Erhabene ihm jemals das Gewand des Kalifats anziehe, solle er es nicht freiwillig ablegen.188

Hazrat ‘A’ischa (r.a.) genoss unter der muslimischen Bevölkerung großes Ansehen. Gemäß der Erklärung Allahs des Erhabenen war sie die Mutter der Muslime. Im Hidschas, im Irak, in Ägypten und in jeder anderen Region des Kalifats wurde sie wie eine Mutter angesehen. Die Menschen kamen zu ihr und berichteten ihr von ihren verschiedenen Beschwerden und Schwierigkeiten, woraufhin sie ihnen Rat und Trost spendete.

Bis zur ersten Phase des Kalifats von Hazrat ‘Uthman (r.a.) lebten noch bedeutende, weise Sahaba. In wichtigen Angelegenheiten von nationaler Bedeutung wurde ihr Rat eingeholt. In wichtige Ämter des Kalifats wurden sie entsprechend ihrer Eignung berufen. Während der Amtszeiten der beiden vorangegangenen Kalifen hatte niemand Beschwerden. Die damals ehrgeizigen jungen Männer – etwa ‘Abdullah ibn az-Zubair, Muhammad ibn Abi Bakr, Marwan ibn al-Hakam, Muhammad ibn Abi Hudhaifa und Sa‘id ibn al-‘As – unterstützten die Älteren. Hohe Ämter im Kalifat und in der Statthalterschaft waren für sie damals ein unerreichbarer Wunsch.

‘Abdullah ibn az-Zubair (r.a.) war der Enkel von Hazrat as-Siddiq al-Akbar, der Cousin väterlicherseits des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und der Sohn des Hawari az-Zubair (r.a.). Er hielt sich selbst für einen Anwärter auf das Kalifat.

Muhammad ibn Abi Bakr war der jüngere Sohn des ersten Kalifen, Hazrat Abu Bakr (r.a.), und der Halbbruder der Mutter der Gläubigen, ‘A’ischa (r.a.). Nach dem Tod Abu Bakrs heiratete ‘Ali (r.a.) die Mutter dieses Muhammad. Deshalb wurde er von ‘Ali (r.a.) aufgezogen.189 Und auch ‘Ali (r.a.) betrachtete ihn wie einen Sohn.

Muhammad ibn Abi Hudhaifa wuchs unter der Obhut Hazrat ‘Uthmans (r.a.) auf. Als er erwachsen war, erwartete er vom Kalifen ‘Uthman (r.a.) die Übertragung eines bedeutenden Amtes. Da der Kalif ihn dafür nicht geeignet hielt, war er unzufrieden, verließ Medina und ging nach Ägypten.

Marwan und Sa‘id ibn al-‘As waren beide junge Männer aus dem Stamm der Umaijaden. Nach dem Tod der hoch angesehenen Muhadschirun traten auch deren Söhne mit der Hoffnung hervor, vom Kalifat vieles zu erhalten. Hazrat ‘Uthman (r.a.) gehörte dem Haus der Umaijaden an. Als er daher Männern wie Marwan und Sa‘id ibn al-‘As hohe Ämter verlieh, kam es unter den anderen ehrgeizigen jungen Männern aus dem Haus der Quraisch zu heftigen Reaktionen. Aus diesem Grund beteiligten sich Muhammad ibn Abi Bakr und Muhammad ibn Abi Hudhaifa am stärksten an den Protesten gegen ‘Uthman (r.a.). Außerdem besaßen diese jungen Männer nicht die Gleichheit und Gerechtigkeit, die Aufrichtigkeit, Vertrauenswürdigkeit, Gottesfurcht und Ehrfurcht vor Allah der herausragenden Sahaba. Deshalb gerieten diejenigen unter der Bevölkerung und den Soldaten, die die Sahaba der ersten Generation erlebt hatten, über die Führung und Herrschaft dieser Männer in Zorn.

Das Wichtigste war, dass die Araber von jeher freiheitsliebend waren. In der Wüstenumgebung wuchsen sie in einer Atmosphäre der Freiheit auf. Jeder war seinem eigenen Stamm gegenüber loyal und hielt seinen Stamm für überlegen gegenüber den anderen Stämmen. Das Ideal der islamischen Gleichheit ließ sie ihren gesamten Standesstolz vergessen und brachte sie auf dieselbe Stufe. Während die Sahaba der ersten Generation (r.a.) die Lehre von der islamischen Gleichheit hochhielten, vergaßen die Amtsträger und Würdenträger der nachfolgenden neuen Generation sie ebenso, wie sie auch andere dazu brachten, sie zu vergessen. In ihren Versammlungen und Höfen begannen sie offen ihre Willkür und ihren Stammesstolz zur Schau zu stellen. Die anderen arabischen Stämme nahmen eine solche Haltung von ihnen nicht wohlwollend auf. Sie forderten gleiche Rechte. Andererseits konnten die neu zum Islam bekehrten nichtarabischen Gruppen weder die Herrschaft der Quraisch oder der Banu Umaijad noch die irgendeines anderen arabischen Stammes ertragen. Deshalb beteiligten sie sich mit größtem Eifer an jeder Art von Unruhen innerhalb des Kalifats.

Kufa war eine der Städte, die als Treffpunkt der Araber und Nichtaraber bekannt waren. Von dieser Stadt aus nahm die Fitna im islamischen Kalifat ihren Anfang. Sie war der größte Stützpunkt der arabischen Stämme. Saʿīd ibn al-ʿĀṣ war der Wālī von Kufa. Nachts versammelten sich in seinem Hof die Anführer aller Stämme. Gewöhnlich wurde über die Kriege der Araber und über die Unterschiede im Rang der arabischen Stämme gesprochen. Dabei hielt sich kein Stamm für geringer als ein anderer. Oft entwickelten sich die Gespräche zu Streit, Auseinandersetzungen und sogar Handgreiflichkeiten. Wenn Saʿīd ibn al-ʿĀṣ bei solchen Anlässen stolz betonte, dass er aus dem Stamm Quraisch stamme, wirkte dies wie Öl, das ins Feuer gegossen wird. Sein Vorgehen führte zu Beschwerden unter den Stammesführern. Im Grunde nahm die Angelegenheit die Gestalt einer Fitna an.

Genau zu dieser Zeit trat ein Jude namens Ibn Saba zum Islam über. Bei den Juden gilt es als üblich, dass sie, wenn sie einem Feind als Feind keinen Schaden zufügen können, ihre Gestalt verändern und zu Freunden werden. Danach bringen sie den Feind allmählich durch geheime Verschwörungen endgültig ins Verderben. In der Vergangenheit hatten sie gegenüber dem Christentum ebenso gehandelt.

Der Sohn dieses Juden, Ibn Saba, begann unter den Menschen zu verbreiten, dass ʿAlī (r.a.) in Wirklichkeit der rechtmäßige Anspruchsberechtigte auf das Kalifat sei. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) habe ihm seine Nachfolge als Kalif testamentarisch hinterlassen. Mit aller Kraft verbreitete er diesen irrigen Glauben. Die verschiedenen kleineren politischen Unruhen im Kalifat nahm er zum Vorwand, um sein Netz von Verschwörungen überall auszubreiten. Er durchzog das gesamte Kalifat. In Kufa, Basra, Ägypten und überall dort, wo sich große Militärlager befanden, gewann er einige Anhänger für die Revolution. Ägypten machte er zum Zentrum dieser Revolutionäre und vereinigte die an verschiedenen Orten verstreuten Personen. In der Geschichte wurde diese Bewegung als „Sabāʾiyya“-Bewegung bezeichnet.

Zur Zeit des Kalifen ʿUthmān (r.a.) fanden die meisten Kämpfe in Afrika statt. Deshalb hielt sich dort der größte Teil der Armee auf. Unter dem Vorwand, am Krieg teilzunehmen, konnten Muḥammad ibn Abī Bakr und Muḥammad ibn Abī Ḥudhayfa sich frei unter den Soldaten bewegen und unter ihnen den Samen der Unzufriedenheit säen. So wurde Ägypten innerhalb kurzer Zeit zum Zentrum des Aufstands gegen ʿUthmān (r.a.). Damals war ʿAbdullāh ibn Abī Sarḥ der Wālī von Ägypten. Muḥammad ibn Abī Bakr, Muḥammad ibn Abī Ḥudhayfa und andere begannen auch gegen ʿAbdullāh ibn Abī Sarḥ sowie offen gegen den Kalifen ʿUthmān (r.a.) eine Bewegung zu führen. Auf diese Weise wurden sie in Ägypten zu Anführern einer neuen politischen Partei.

Die Hadsch-Saison kam. Gemäß den gegenseitigen Absprachen und Beschlüssen machte sich aus Kufa, Basra und Ägypten eine Gruppe von eintausend Männern unter dem Vorwand der Hadsch in Richtung Ḥiǧāz auf und schlug ihr Lager in der Nähe von Medina auf. ʿAlī (r.a.) und andere bedeutende Gefährten redeten ihnen zu und bewegten sie zur Umkehr. Nachdem sie ein Stück weitergezogen waren, kehrten sie jedoch wieder zurück und zeigten einen an den Gouverneur von Ägypten gerichteten Brief. Darin befahl der Kalif dem Gouverneur von Ägypten, die Anführer der ägyptischen Aufständischen unmittelbar nach ihrer Rückkehr nach Ägypten zu töten oder festzunehmen. Nach Ansicht der Aufständischen war dieser Brief von der Hand des Sekretärs des Kalifen, Marwān, geschrieben worden. Deshalb umzingelten sie gemeinsam das Haus des Kalifen ʿUthmān (r.a.) und unterbreiteten ihm zwei Forderungen: Entweder sollte er Marwān den Aufständischen ausliefern, oder er selbst sollte zurücktreten. ʿUthmān (r.a.) wies beide Forderungen zurück.

Ḥaḍrat ʿĀʾisha (r.a.) befand sich damals in Medina. Sie ließ ihren Halbbruder Muḥammad ibn Abī Bakr zu sich kommen, redete ihm ins Gewissen und forderte ihn auf, von einer solchen extremen Entscheidung gegen den Kalifen Abstand zu nehmen. Doch er hörte nicht auf die Worte seiner Schwester.

Als in Medina ein derartiger Zustand der Unordnung herrschte, begab sich Ḥaḍrat ʿĀʾisha (r.a.) wie jedes Jahr zur Hadsch nach Mekka. Sie hatte zwar auch Muḥammad ibn Abī Bakr mitnehmen wollen, konnte ihn jedoch nicht dazu bewegen. Danach blieb Ḥaḍrat ʿUthmān (r.a.) einige Zeit in seinem eigenen Haus belagert und erlitt schließlich durch die Hand der Aufständischen den Märtyrertod.

Ḥaḍrat ʿUthmān (r.a.) erlitt durch die Hand der Aufständischen den Märtyrertod. Nun war die Zeit gekommen, einen neuen Kalifen zu wählen. Natürlich musste sich die Aufmerksamkeit aller auf jene vier noch lebenden bedeutenden Gefährten richten, die dem von Kalif ʿUmar (r.a.) bestimmten sechsköpfigen Rat zur Wahl des Kalifen angehört hatten. Es waren: Ṭalḥa, az-Zubair, Saʿd ibn Abī Waqqāṣ und ʿAlī (r.a.). Zu dieser Zeit zog sich Saʿd (r.a.) völlig zurück und entzog sich den Blicken der Menschen. Die Einwohner von Basra standen auf der Seite von Ṭalḥa (r.a.). Ein Teil der Ägypter unterstützte az-Zubair (r.a.); der andere Teil sowie die Mehrheit der Revolutionäre standen jedoch auf der Seite von ʿAlī (r.a.). Unter den Unterstützern ʿAlīs (r.a.) spielten al-Aschtar an-Naḫaʿī, ʿAmmār ibn Yāsir und Muḥammad ibn Abī Bakr (r.a.) eine führende Rolle. Auf diese Weise begannen die einzelnen Gruppen und Parteien, die Namen ihrer bevorzugten Kandidaten vorzuschlagen. Auch die Namen von ʿAbdullāh ibn ʿUmar, dem Sohn des zweiten Kalifen ʿUmar (r.a.), von Abān, dem Sohn des dritten Kalifen ʿUthmān (r.a.), und von ʿAbd ar-Raḥmān, dem Sohn des ersten Kalifen Abū Bakr (r.a.), wurden vorgeschlagen. Nach langen Beratungen, Erwägungen und Diskussionen wurde Ḥaḍrat ʿAlī (r.a.) unter dem Druck der Aufständischen und gemäß dem Willen der Bewohner Medinas zum Kalifen gewählt.¹⁹⁰

Während sich in Medina all diese Ereignisse abspielten, träumte der ehrenwerte Muawiya (ra) in Syrien von der Unabhängigkeit, während Muhammad ibn Abi Hudhaifa in Ägypten das Banner der Unabhängigkeit gehisst hatte. Die brutale Ermordung des Kalifen des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) und des Imams der muslimischen Welt auf dem heiligen Boden Medinas und in einem heiligen Monat hinterließ in den Herzen der Menschen aller Schichten einen tiefen Eindruck. Selbst jene, die zuvor die Amtsführung des ehrenwerten Uthman (ra) kritisiert hatten, brachen nun aus Protest gegen diese verabscheuungswürdige Tat auf. Auch die ehrenwerte Aischa (ra) gehörte zu dieser Gruppe. Niemand hatte eine solche Maßlosigkeit gewollt. Vor diesem Ereignis hatte Aschtar an-Nachai eines Tages Aischa (ra) gefragt: „Allah bewahre! Kann ich etwa zur Ermordung des Imams der Imame aufrufen?“ Daraufhin verbreiteten die Unruhestifter das Gerücht, Aischa (ra) habe die Ermordung Uthmans (ra) ebenfalls unterstützt. Ein weiterer Grund für diese Vorstellung der Menschen war, dass ihr jüngerer Halbbruder Muhammad ibn Abi Bakr (ra) einer der Anführer der Aufständischen war.

Wir haben bereits erwähnt, dass die ehrenwerte Aischa (ra) vergeblich ihr Möglichstes getan hatte, ihren Bruder von seinen unbesonnenen Aktivitäten gegen Uthman (ra) abzuhalten. Später sagte die ehrenwerte Aischa (ra) einmal im Zusammenhang mit Uthman (ra): „Bei Allah! Ich wollte niemals, dass Uthman (ra) in irgendeiner Weise entehrt würde. Wenn ich dies gewollt hätte, dann möge mich dasselbe Schicksal ereilen wie ihn. O Ubaidullah ibn Adi! (Adi stand auf der Seite Alis, ra.) Nachdem du dies erfahren hast, soll niemand dich täuschen können. Niemand konnte die Taten der Gefährten des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) so lange entehren, wie unter ihnen keine Zwietracht entstanden war. Wer Uthman kritisiert hat, sagte Dinge, die nicht hätten gesagt werden dürfen. Wir haben ihre Taten eingehend betrachtet und dabei erkannt, dass sie den Taten der Gefährten nicht im Geringsten nahekommen.“ In den Büchern über Geschichte und Sira finden sich viele derartige Aussagen der ehrenwerten Aischa (ra), aus denen hervorgeht, dass sie keinerlei Rolle bei der Ermordung Uthmans (ra) spielte. Die gegen sie erhobenen Vorwürfe waren lediglich eine Verleumdung der Aufständischen.

Dieses herzzerreißende Ereignis in Medina versetzte die gesamte damalige muslimische Umma in tiefe Trauer. Eine kleine Gruppe edler Gefährten, die mitansehen musste, wie der mit ihrem eigenen Blut angelegte Garten verwüstet wurde, konnte nicht untätig bleiben. Sie setzten sich dafür ein, die Angelegenheit zu bereinigen. An der Spitze dieser Gruppe standen drei große Gefährten: die Mutter der Gläubigen, die ehrenwerte Aischa, sowie die ehrenwerten Zubair und Talha (ra). Der ehrenwerte Talha (ra) war ein Mann aus dem Stamm der Quraisch und der Ehemann der Tochter des ersten Kalifen, des ehrenwerten Abu Bakr (ra). Er war ein Muslim aus der Frühzeit des Islam und ein Mudschahid, der an allen Kriegen teilgenommen hatte, die zur Zeit des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) stattfanden. Zubair war ein tapferer Soldat des Islam, ein Cousin mütterlicherseits des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) und der Ehemann der ehrenwerten Asma (ra), der Tochter des ersten Kalifen. Beide gehörten dem von der ehrenwerten Umar (ra), dem zweiten Kalifen, eingesetzten Gremium zur Auswahl des Kalifen an.

Wie bereits erwähnt, reiste die ehrenwerte Aischa (ra) nach Mekka, um wie jedes Jahr die Hadsch zu vollziehen, als der Kalif Uthman (ra) in Medina von Aufständischen aus dem Umland belagert wurde. Als sie nach Abschluss der Hadsch nach Medina zurückkehrte, erhielt sie unterwegs die Nachricht vom Märtyrertod des Kalifen Uthman (ra). Nachdem sie ein kurzes Stück weitergereist war, traf sie die ehrenwerten Talha und Zubair (ra). Diese hatten mit der Erlaubnis des Kalifen, des ehrenwerten Ali (ra), Medina verlassen und waren auf dem Weg nach Mekka. Das Bild, das sie der ehrenwerten Aischa (ra) damals von der Rechts- und Sicherheitslage in Medina schilderten, wird in verschiedenen alten Geschichtswerken, darunter bei Tabari, überliefert. Einige Auszüge daraus lauten wie folgt: 191

„Wir sind aus Medina geflohen, um den Beduinen und dem einfachen Volk zu entkommen. Wir haben die Menschen in einem Zustand zurückgelassen, in dem sie völlig ratlos sind. Sie können weder die Wahrheit erkennen noch die Lüge zurückweisen. Sie sind auch nicht in der Lage, sich selbst zu schützen.“

Die ehrenwerte Aischa (ra) sagte: „Nun sollten wir uns beraten, was zu tun ist.“ Daraufhin trug sie den folgenden Vers vor:

Er lautet auf Arabisch:

– „Wenn die Anführer meines Volkes mir gehorcht hätten, hätte ich sie gewiss vor diesem Unglück bewahren können.“

Sie kehrte erneut nach Mekka zurück. Als sich die Nachricht vom Märtyrertod des Kalifen in Mekka verbreitete, strömten die Menschen von allen Seiten zu ihr. Von ʿUmra bint ʿAbd ar-Rahman wird überliefert, dass die Mutter der Gläubigen zu jener Zeit sagte:¹²⁹ Es gibt kein anderes Volk, das die folgende Bestimmung des Verses ablehnt:¹⁹³

Wird auf Arabisch sein

– Wenn zwei Gruppen der Gläubigen miteinander kämpfen, dann stiftet Frieden zwischen ihnen. Wenn jedoch eine von ihnen die andere angreift, dann kämpft gegen die angreifende Gruppe, bis sie zum Befehl Allahs zurückkehrt. Wenn sie zurückkehrt, dann stiftet zwischen ihnen auf gerechte Weise Frieden und handelt gerecht.

Es war die Zeit der Hadsch. Sobald dies bekannt gegeben wurde, schlossen sich mehrere hundert Menschen aus dem heiligen Bezirk an. ʿAbdullah ibn ʿAmir kam mit einer großen Menge Bargeld aus Basra und schloss sich ʿAischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) an. Yaʿla ibn Munayya brachte aus dem Jemen siebenhundert Kamele und sechshunderttausend Dirham und übergab sie ʿAischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein).¹⁹⁴ Um zu entscheiden, in welche Richtung dieses Heer ziehen sollte, wurde im Wohnhaus von ʿAischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) eine Beratung abgehalten. ʿAischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) war der Ansicht, dass man nach Medina ziehen sollte, weil sich die Sabäer und die Aufständischen dort aufhielten. Wäre ihre Entscheidung an jenem Tag umgesetzt worden, hätte die Geschichte der islamischen Umma vielleicht einen anderen Verlauf genommen. Doch sie kamen zu dem Entschluss, aus Basra und Kufa – wo Talha und az-Zubair (möge Allah mit ihnen zufrieden sein) zahlreiche Anhänger hatten – militärische Unterstützung zu holen, um Vergeltung für das Blut ʿUthmans (möge Allah mit ihm zufrieden sein) zu üben. Daraufhin zog diese Karawane von Mekka in Richtung Basra.

Der ehrenwerte ʿAbdullah ibn ʿUmar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) befand sich damals in Mekka. Auch er wurde gebeten, nach Basra zu gehen. Er lehnte es jedoch ab, mit dieser Karawane nach Basra zu ziehen, und sagte: „Ich bin ein Mann aus Medina; ich werde das tun, was die Menschen von Medina tun.“ Auch die anderen Mütter der Gläubigen, die sich darauf vorbereitet hatten, mit ʿAischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) nach Medina zurückzukehren, gingen nicht mit dieser Karawane nach Basra. Nur Hafsa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) wollte mitgehen, doch weil ihr Bruder ʿAbdullah ibn ʿUmar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sie davon abhielt, ging auch sie nicht. Die übrigen Mütter der Gläubigen und die einfachen Bewohner Mekkas begleiteten die nach Basra ziehende Karawane jedoch bis Dhat al-ʿIrāq. An jenem Tag weinten und klagten sie angesichts der schweren Lage des Islams so sehr, wie man es nie zuvor und nie danach gesehen hatte. Deshalb wird dieser Tag in der Geschichte „Yawm an-Nahīb“, der Tag des Weinens, genannt.¹⁹⁵ Die Mutter der Gläubigen, ʿAischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein), ritt auf einem Kamel mit der Karawane in Richtung Basra. Da dieses Kamel Zeuge einer der größten Tragödien der Geschichte war, erscheint es nicht unangebracht, hier kurz etwas über es zu berichten. Über die Frage, wer der Mutter der Gläubigen das Kamel gab, werden die Namen zweier Männer genannt. Yaʿla ibn Munayya kaufte es für achthundert Dinar und schenkte es ihr. Das Kamel hieß al-ʿAskar. Einer anderen Überlieferung zufolge gehörte es einem Mann aus dem Stamm der ʿUraina. Dieser Mann aus dem Stamm der ʿUraina berichtete:¹⁹⁶ „Ich ritt gerade auf einem Kamel. Da kam ein Reiter zu mir und sagte: ‚Willst du dieses Kamel verkaufen?‘ Ich sagte: ‚Ja, ich kann es verkaufen.‘ Der Mann fragte: ‚Wie viel kostet es?‘ Ich sagte: ‚Tausend Dirham.‘ Er sagte: ‚Bist du verrückt?‘ Ich fragte: ‚Warum? Bei Allah, wann immer ich auf ihm jemanden einholen wollte, gelang es mir; und solange ich auf seinem Rücken saß, konnte mich niemand einholen.‘ Er sagte: ‚Wenn du wüsstest, für wen ich dieses Kamel kaufen möchte! Ich möchte es für die Mutter der Gläubigen, ʿAischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein), kaufen.‘ Ich sagte: ‚Dann schenke ich es dir ohne Bezahlung.‘ Er sagte: ‚Das geht nicht. Komm vielmehr mit mir zur Karawane; wir werden dir dafür ein weibliches Kamel und viel Geld geben.‘ Ich ging mit ihm zur Karawane. Sie gaben mir im Tausch ein weibliches Kamel und vier – einer anderen Überlieferung zufolge sechshundert – Dirham.‘ Dieser Mann aus dem Stamm der ʿUraina wurde als Wegführer in die Karawane aufgenommen.

Als die Menschen unterwegs hörten, dass die Mutter der Gläubigen an der Spitze dieses Heeres stand, schlossen sich viele voller Begeisterung und Eifer an. So war, kaum dass man eine Wegstation zurückgelegt hatte, ein Heer von dreitausend Mann entstanden. Welche bessere Gelegenheit hätten die jungen Männer des Stammes der Banu Umayya, des Stammes ʿUthmans (möge Allah mit ihm zufrieden sein), zur Verbreitung von Zwietracht und Unruhe finden können? Die damalige Lage war für sie so ungünstig, dass sie, von allen Seiten verfolgt, nach Mekka geflohen waren und dort Zuflucht gefunden hatten. Die Erklärung ʿAischas (möge Allah mit ihr zufrieden sein) war für sie eine große Gelegenheit. Sie traten allesamt in ihr Heer ein.

Auch Ibn al-ʿĀs und Marwan ibn al-Hakam von den Banu Umayya zogen mit der Karawane aus. Als sie Marj az-Zahrān – einer anderen Überlieferung zufolge Dhat al-ʿIrāq – erreichten, sagte Saʿīd ibn al-ʿĀs zu seinen Anhängern: „Wenn ihr Vergeltung für die Ermordung ʿUthmans (möge Allah mit ihm zufrieden sein) üben wollt, dann tötet zuerst diese Leute.“ Damit meinte er Talha, az-Zubair und andere angesehene Persönlichkeiten. Denn unter den Banu Umayya war allgemein die Auffassung verbreitet, dass nicht nur diejenigen als Mörder ʿUthmans (möge Allah mit ihm zufrieden sein) galten, die ihn getötet oder sich von außerhalb zum Protest gegen ihn eingefunden hatten, sondern auch alle jene, die zu seinen eigentlichen Gegnern gezählt wurden: diejenigen, die zu verschiedenen Zeiten seine Amtsführung kritisiert hatten, sowie jene, die sich während der Unruhen in Medina aufgehalten, aber nicht für seinen Schutz gekämpft hatten. Marwan sagte: „Wir werden einen von ihnen – Talha, az-Zubair und ʿAli (möge Allah mit ihnen zufrieden sein) – gegen den anderen kämpfen lassen. Wer besiegt wird, ist ohnehin erledigt. Und wer siegt, wird so geschwächt sein, dass wir ihn sehr leicht überwältigen können.“¹⁹⁷

In Wirklichkeit bestand das eigentliche Ziel der Banu Umayya darin, den Aufruf der ehrenwerten ʿAischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) zur Versöhnung und ihre aufrichtigen Bemühungen zunichtezumachen. Darüber hinaus versuchten viele von ihnen, innerhalb dieses Heeres auf unterschiedliche Weise Zwietracht zu säen, als sie sahen, dass unter der Führung ʿAischas eine dritte Macht entstand. Sie warfen die Frage auf: Wer von Talha und az-Zubair würde nach der Niederlage ʿAlis (möge Allah mit ihm zufrieden sein) Kalif werden? Als ʿAischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) davon erfuhr, brachte sie diese Propaganda zum Schweigen. Danach wurde eine weitere Frage aufgeworfen: Die Entscheidung über das Kalifat könne später getroffen werden, aber wer solle im Augenblick das Gebet leiten? ʿAischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) beendete auch diese Zwietracht, indem sie die Söhne Talhas und az-Zubairs (möge Allah mit ihnen zufrieden sein) abwechselnd für je einen Tag mit der Leitung des Gebets betraute.

Als sie auf dem Weg nach Charar in die Nähe eines Gewässers namens Haw’ab’198 gelangten, begannen die Hunde dort angesichts dieser gewaltigen Karawane zu bellen. ‘Aischa (ra) fragte: „Wie heißt dieser Ort?“ Man antwortete: „Haw’ab.“ Da erinnerte sie sich an eine Aussage des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm). Einst hatte er zu seinen Ehefrauen gesagt: „Allah weiß, welche von euch diejenige sein wird, deren Anblick die Hunde von Haw’ab’ zum Bellen bringen wird.“ Als sie sich an diese Prophezeiung erinnerte, beschloss Hazrat Aischa (la) umzukehren. Als sie sich an diese Prophezeiung erinnerte, beschloss Aischa (la) umzukehren. Die Karawane blieb hier einen Tag und eine Nacht.199 Schließlich bezeugten fünfzig Männer aus der örtlichen Bevölkerung, dass dies nicht Haw’ab sei. Daraufhin war sie beruhigt. Außerdem sagte Hazrat Zubair damals: „Sie werden umkehren. Doch vielleicht wird Allah durch Sie diesen Streit schlichten.“200 In manchen Überlieferungen wird dies auch folgendermaßen berichtet: Einige Gefährten von Aischa (ra) sagten: „Gehen Sie weiter, ohne umzukehren. Wenn die Menschen Sie sehen, wird Allah unter ihnen eine Einigung herbeiführen.“ Als sie noch zögerte, weiterzugehen, wurde ihr gesagt: „Gehen Sie schnell weiter; von hinten nähert sich das Heer Alis (ra).“ Aus all diesen Überlieferungen wird deutlich, dass Hazrat Aischas (ra) Ziel ihres Zuges nach Basra ausschließlich die Herstellung von Frieden und Versöhnung war.

Kufa:

Nach Mekka al-Mu’azzama, Medina al-Munawwara und Basra war Kufa die größte und bedeutendste Stadt Arabiens. Hazrat Abu Musa al-Asch’ari (ra) war dort der Wali. Die Vertreter beider Seiten legten ihm die Stichhaltigkeit ihrer jeweiligen Ansprüche dar und baten um seine Unterstützung. Der große Gefährte Hazrat Abu Musa (ra) erkannte die Bedeutung dieses Streits und rief die Bevölkerung durch seinen Einfluss und seine Predigten dazu auf, sich davon fernzuhalten. Hazrat Aischa (ra) sandte den Führern Kufas jeweils eigene Briefe. Vonseiten Hazrat Alis (ra) trafen Hazrat Ammar ibn Yasir und Imam al-Hasan (ra) in Kufa ein. Hazrat Ammar schilderte in einer Ansprache in der Freitagsmoschee von Kufa die damaligen Ereignisse deutlich. Nachdem er in dieser Ansprache die Ehre und Würde Hazrat Aischas (ra) beschrieben hatte, sagte er: „All dies ist richtig. Doch Allah prüft sie in dieser Angelegenheit.“ Diese Ansprache Ammars (ra) hatte eine starke Wirkung auf die Bewohner Kufas. Mehrere tausend Muslime folgten seinem Aufruf. Dennoch blieben die Bewohner Kufas von Zweifel und Unsicherheit erfüllt: Auf der einen Seite stand die Ehefrau des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm), die Mutter der Gläubigen, und auf der anderen Seite der Ehemann und Cousin der Tochter des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) – mit wem von diesen beiden sollte man ziehen?

Inzwischen, als Hazrat Aischa (ra) die Nähe Basras erreicht hatte, sandte sie durch Boten Briefe an jeden einzelnen der arabischen Führer der Stadt. Nachdem sie Basra erreicht hatte, besuchte sie auch die Häuser einiger Führer. Einer der Stadtführer reagierte nicht auf ihren Aufruf. Sie ging persönlich zu seinem Haus und versuchte, ihn zu überzeugen. Er sagte: „Ich schäme mich, dass ich meiner Mutter nicht gehorchen kann.“201

Der Wali Basras war damals vonseiten Hazrat Alis (la) ‘Uthman ibn Hunayf. Um die tatsächliche Lage zu erfahren, schickte er Imran ibn Husain und Abu al-Aswad. Sie begaben sich zu Hazrat Aischa (ra) und erkundigten sich im Namen des Wali nach dem Zweck ihres Kommens. Aischa (ra) sagte zu ihnen: „Bei Allah, Menschen wie ich können ihr Haus nicht verlassen, ohne etwas zu verbergen. Ebenso kann keine Mutter ihren Kindern die tatsächlichen Ereignisse verheimlichen.“ Daraufhin schilderte sie ihnen die tatsächliche Lage in Medina und bekundete ihre Entschlossenheit, die Mörder ‘Uthmans (ra) zu bestrafen und den Streit und Konflikt zu beenden, der unter der Umma entstanden war. Schließlich sagte sie:202 „Es ist meine Aufgabe, euch das Gute zu gebieten und euch vom Schlechten abzuhalten.“ Danach rezitierte sie:203

Auf Arabisch lautet es:

– Der größte Teil ihrer vertraulichen Beratungen enthält nichts Gutes; ausgenommen sind jene Beratungen, die zu einer Spende, einer guten Tat oder zur Versöhnung zwischen den Menschen auffordern.

Diese beiden Männer erhoben sich von Hazrat Aischa (ra) und gingen zu Hazrat Talha und Hazrat Zubair (ra). Nachdem sie sich von ihnen verabschiedet hatten, gingen sie erneut zu Hazrat Aischa (ra). Da sagte sie: „Abu al-Aswad, möge deine Neigung dich nicht in die Hölle führen.“ Danach trug sie ihnen diesen Vers vor:204

Es wird Arabisch sein

„Ihr sollt standhaft bleiben, wenn ihr um Allahs willen gerechtes Zeugnis ablegt.

Der Einfluss von ʿĀʾischas (r.a.) Ansprache war derart, dass sich Imran, eines der beiden Mitglieder der Delegation, aus diesem Streit zurückzog und auch dem Gouverneur von Basra riet, es ihm gleichzutun. Dieser hielt jedoch nicht inne, sondern bemühte sich weiterhin darum, in Basra öffentliche Unterstützung für Hazrat ʿAlī (r.a.) zu gewinnen. Unterdessen riefen Talha, Zubair und ʿĀʾischa (r.a.) durch Ansprachen und Reden die Einwohner Basras dazu auf, ihnen zu Hilfe zu kommen. Eines Tages hielten Talha und Zubair (r.a.) bei einer Versammlung Reden. Als Hazrat ʿĀʾischa (r.a.) unter den Zuhörern Unentschlossenheit und Zweifel bemerkte, trug sie nach einem äußerst ruhigen und ernsten Lobpreis Allahs und Lobgedicht auf den Propheten die folgende Ansprache vor: 205

„Die Menschen protestierten gegen die Handlungen ʿUthmāns (r.a.) und verbreiteten die Fehler und Mängel seiner Beamten und Angestellten. Die Menschen kamen nach Medina und baten uns um Rat und Ermahnung. Sie folgten dem Rat, den wir ihnen zu Versöhnung und gütlicher Beilegung gaben. Wir prüften die gegen ʿUthmān (r.a.) erhobenen Vorwürfe gründlich und fanden ihn als einen unschuldigen, gottesfürchtigen und wahrhaftigen Menschen vor. Die Unruhestifter hingegen erwiesen sich als sündhaft und betrügerisch. In ihren Herzen war eine Sache, auf ihren Lippen aber eine andere. Als ihre Zahl zunahm, drangen sie ohne Grund und ohne Schuld in ʿUthmāns (r.a.) Haus ein. Danach vergossen sie Blut, dessen Vergießen nicht erlaubt war, und raubten Vermögen, dessen Plünderung nicht rechtmäßig war. Auch entweihten und entehrten sie das heilige Land, dessen Würde zu wahren ihnen vorgeschrieben war. Seid gewarnt! Die jetzt zu erfüllende Aufgabe, der man sich nicht widersetzen darf, besteht darin, die Mörder ʿUthmāns (r.a.) festzunehmen und Allahs Gebote und Vorschriften mit Nachdruck durchzusetzen. Allah hat gesagt: 206

Es wird Arabisch sein

– Hast du jene gesehen, die einen Teil der Schrift erhalten haben und denen das Buch Allahs vorgelegt wurde, damit zwischen ihnen entschieden werde? Danach kehrte sich eine Gruppe von ihnen ab und wies es zurück.

Ibn ʿAbd Rabbihi al-Andalusī hat in seinem Werk eine Ansprache Hazrat ʿĀʾischas (r.a.) aus dieser Zeit aufgenommen, die hinsichtlich Sprache und Stil äußerst vortrefflich ist. Hier wird ihre Übersetzung wiedergegeben: 207

„O ihr Leute! Schweigt! Schweigt! Ich habe als eure Mutter einen Anspruch auf euch. Ich habe auch das Recht, euch zu ermahnen. Niemand außer einem gottesfeindlichen Menschen kann mir irgendeinen Vorwurf machen. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ist mit seinem Kopf an meiner Brust ruhend aus dieser Welt geschieden. Ich bin eine der ihm liebsten Ehefrauen. Allah, der Erhabene, hat mich in besonderer Weise vor den anderen Menschen bewahrt. Durch meine Person wurde der Gläubige vom Heuchler unterschieden, und um meinetwillen hat Allah euch die Vorschrift des Tayammum gegeben.

Mein Vater war der dritte Muslim auf dieser Erde und der zweite von zweien in der Höhle am Berg Thawr. Er war der erste, der mit dem Beinamen „as-Siddīq“ geehrt wurde. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) verschied, während er mit meinem Vater zufrieden war und ihm den Mantel des Kalifats umgelegt hatte. Als nach dem Tod des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) das Band des Islam ins Wanken geriet, ergriff mein Vater es mit fester Hand. Er zügelte die Heuchelei, verstopfte die Quelle des Abfalls vom Glauben und ließ das Feuer, das die Juden anfachten, erlöschen. Damals warteten wir mit geschlossenen Augen auf Täuschung, Treulosigkeit und Unruhe und Aufruhr. … Ja, nun bin ich zum Ziel menschlicher Fragen geworden, weil ich mit einem Heer ausgezogen bin. Mein Auszug dient nicht der Suche nach Sünde und Unruhe – vielmehr will ich diese ausrotten. Alles, was ich sage, sage ich in Wahrheit und Gerechtigkeit. Ich sage es, um meine Entschuldigungen und Einwände darzulegen und euch zu unterrichten. Möge Allah, der Erhabene, dem Propheten Muhammad (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) Segen und Frieden senden.“

Die Menschen hörten ihrer Ansprache schweigend und aufmerksam zu. Jedes von ihr ausgesprochene Wort drang wie eine Pfeilspitze auch in die Herzen der Leute der Gegenseite. Viele von ihnen verließen ihre eigene Seite und schlossen sich dem Feldlager von ʿĀ’ischa (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) an.

Nachdem Hadhrat ʿĀ’ischa (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) Basra erreicht hatte, schrieb sie dem Gouverneur von Kufa sowie den angesehenen Persönlichkeiten in der Umgebung von Kufa und Basra Briefe, in denen sie den Zweck ihrer Ankunft und ihre Pflichten darlegte. Es sei erwähnt, dass es vor der endgültigen Konfrontation zwischen ʿAlī (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) und ʿĀ’ischa (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) – die als Kamelschlacht bezeichnet wird – zwischen den Anhängern beider Seiten zu zahlreichen kleineren Zusammenstößen kam, bei denen viele Menschen getötet oder verwundet wurden. Schließlich wurde in Basra die Herrschaft ʿĀ’ischas (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) gefestigt.

Unterdessen bereitete sich Hadhrat ʿAlī (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) darauf vor, von Medina nach Syrien zu ziehen, um Hadhrat Muʿāwiya (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) unter Kontrolle zu bringen. Als er von der Versammlung in Basra erfuhr, musste er seine Entscheidung ändern, um diese Angelegenheit zu regeln. Viele Gefährten und ihre Anhänger, die diesen Bürgerkrieg unter den Muslimen als eine Fitna oder Prüfung betrachteten, waren jedoch nicht bereit, ʿAlī (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) auf diesem Feldzug zu begleiten. Im Rabīʿ ath-Thānī des Jahres 36 nach der Hidschra zog Hadhrat ʿAlī (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) von Medina nach Basra. Da viele Gefährten damals keine aktive Rolle auf ʿAlīs (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) Seite übernahmen, geschah Folgendes: Die Mörder ʿUthmāns (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm), die ʿAlī (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) bei passender Gelegenheit zurückdrängen wollte, drangen in sein kleines Heer ein. Dies wurde einerseits zur Ursache seines schlechten Rufes und brachte andererseits zahlreiche Probleme mit sich. Als sich eines Tages in der Nähe der Stadt Basra die beiden Heere von Umm al-Muʾminīn ʿĀ’ischa (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) und Amīr al-Muʾminīn ʿAlī (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) gegenüberstanden, bemühte sich eine große Gruppe von Menschen, die mit der muslimischen Umma mitfühlten, aufrichtig darum, diese beiden Gruppen von Gläubigen von einem Zusammenstoß abzuhalten. Durch ihre Bemühungen waren die Gespräche über eine Versöhnung bereits weitgehend abgeschlossen. Doch auf der einen Seite befanden sich im Heer ʿAlīs (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) die Mörder ʿUthmāns (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm), die wussten, dass sie bei einer Versöhnung verloren wären; auf der anderen Seite gab es im Heer der Umm al-Muʾminīn Menschen, die beide Gruppen gegeneinander kämpfen lassen und dadurch beide schwächen wollten. Deshalb brachte die im Verborgenen zwischen beiden Seiten lauernde böse Macht den Krieg, den rechtschaffene Menschen mit größtem Eifer zu verhindern versucht hatten, durch eine Verschwörung schließlich doch zum Ausbruch, und die Kamelschlacht fand statt.

Die Kamelschlacht

Hadhrat ʿAlī (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) war mit nur siebenhundert Männern von Medina aufgebrochen. Aus Kufa schlossen sich weitere siebentausend an. Mit einem kleinen Heer erreichte er Basra. Beide Heere standen sich auf dem Schlachtfeld gegenüber. An jenem Tag waren die Angehörigen jedes arabischen Stammes in zwei Gruppen gespalten. Ein Teil des Stammes Mudar stand dem anderen Teil gegenüber. Ebenso stand bei den Azd und allen anderen Stämmen ein Teil gegen den anderen. Wahrlich, es war ein herzzerreißender Anblick. An jenem Tag war, von wenigen Ausnahmen abgesehen, jedes Mitglied beider Gruppen ein Soldat der Wahrheit. Jeder war fest davon überzeugt, auf der Wahrheit zu stehen. Niemand war bereit, auch nur um ein Haar von seiner Position abzuweichen. Einige Stammesführer aus Kufa gingen zu den basrischen Führern ihrer eigenen Stämme in die Moschee und forderten sie auf, sich von diesem Streit fernzuhalten. Doch sie antworteten: „Sollen wir die Umm al-Muʾminīn etwa allein lassen?“

Dennoch waren die Menschen auf beiden Seiten fest davon überzeugt, dass die Angelegenheit nicht bis zum Krieg eskalieren würde und am Ende eine Einigung erzielt werden könne. Ein Stammesführer ging zu Hadhrat ʿAlī (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) und drängte auf eine Versöhnung. Dieser war von Anfang an dazu bereit gewesen. Danach wandte sich der Stammesführer an Talha, Zubair und die Umm al-Muʾminīn und fragte: „Was ist euer Ziel und eure Absicht bei diesem Vorgehen?“ Sie antworteten: „Die Bestrafung der Mörder ʿUthmāns (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) und der Aufruf zur Versöhnung.“ Der Stammesführer sagte: „Umm al-Muʾminīn, denkt doch einmal nach: Für die Bestrafung von fünfhundert Menschen habt ihr das Blut von fünftausend Menschen vergossen, und für diese fünftausend werdet ihr das Blut von Tausenden und Abertausenden vergießen müssen. Was für eine Reform und Verbesserung soll das sein?“ Die Worte des Mannes waren so klar und überzeugend, dass die Umm al-Muʾminīn verstummte. Sie erklärte sich zur Versöhnung bereit, und alle gelangten gemeinsam zu einer Entscheidung.

Nun waren beide Seiten beruhigt. Der Gedanke an Krieg und Kampf war aus ihren Herzen gewichen. Niemand hatte noch Zweifel daran, dass alles ordnungsgemäß beigelegt werden würde. Doch die Übeltäter, die sich in beiden Lagern befanden, erkannten, dass ihre Gefahr grenzenlos wäre, wenn eine Versöhnung zustande käme. Außerdem würden ihre jahrelangen Pläne und Bemühungen zunichtegemacht werden. Daher wurden sie aktiv. Eine große Zahl der Sabäer stand auf der Seite ʿAlīs (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm). Nachdem die Gespräche beendet waren und die Menschen beider Lager in der letzten Nachtwache schliefen, griffen diese Sabäer an. Diese wenigen Frevler entzündeten plötzlich überall Feuer. Jeder, der jäh aus dem Schlaf erwachte, ergriff seine Waffe. Die Anführer jeder Gruppe und jedes Stammes glaubten, die Gegenseite habe die Gelegenheit ihres Schlafes genutzt, den Vertrag gebrochen und angegriffen. Hadhrat ʿAlī (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) versuchte verzweifelt, die Menschen aufzuhalten, scheiterte jedoch.

Das Getümmel dauerte bis zum Morgen an. Angesichts des Lärms fragte Umm al-Mu’minin ʿAischa (ra): „Was ist geschehen?“ Sie erfuhr, dass die Leute miteinander kämpften. Kaʿb ibn Suwar, der Richter von Basra, kam zu Umm al-Mu’minin ʿAischa (ra) und sagte: „Steigen Sie auf das Kamel. Vielleicht gelingt es Ihnen, die Menschen durch Verhandlungen zu versöhnen.“²¹² Er befestigte eine eisenbeschlagene Howdah auf dem Rücken des Kamels, setzte sie hinein und führte es mitten durch die Reihen des Heeres. Unterdessen ließ Hadhrat ʿAli (ra) seine Gegner, Hadhrat Talha und Hadhrat az-Zubair, zu sich rufen. Diese drei großen Gefährten saßen auf ihren Pferden und verweilten einige Zeit an einem Ort. Die drei Kampfgefährten von Badr und Uhud in einer solchen Lage! Wahrlich, es war ein schmerzliches Bild. ʿAli (ra) erinnerte die beiden an eine Prophezeiung des Gesandten Allahs (sallallahu ʿalaihi wa sallam). Auch sie erinnerten sich daran. Sofort verbannte az-Zubair (ra) den Gedanken an den Kampf aus seinem Herzen. Sein Sohn ʿAbdullah stand in der Nähe. Er tadelte seinen Vater und nannte ihn ängstlich und feige. az-Zubair erwiderte: „Die Menschen wissen, dass ich nicht ängstlich bin. Doch ʿAli (ra) hat mich an etwas erinnert, das ich den Gesandten Allahs (sallallahu ʿalaihi wa sallam) sagen hörte. Ich schwöre bei Allah, ich werde nicht mehr gegen ihn kämpfen.“²¹³

Er zog an den Zügeln seines Pferdes, wandte sich um, verließ das Schlachtfeld und machte sich auf den Weg nach Medina. Ein Sabäer namens Ibn Jurmuz folgte ihm und trennte ihm unterwegs mit einem einzigen Schwerthieb, während er sich im Gebet in der Niederwerfung befand, den Kopf vom Körper.

Auch Hadhrat Talha (ra) hatte beschlossen, sich vom Schlachtfeld zurückzuziehen. Dabei geriet er in den Blick Marwans aus dem Stamm der Umayya. Dieser erkannte, dass es für das Haus der Umayya schwierig werden würde, wenn Talha lebend zurückkehrte. Er schoss einen vergifteten Pfeil auf ihn. Der Pfeil drang in seinen Fuß ein. Es war unmöglich, die Blutung zu stoppen. An dieser Verletzung erlitt er den Märtyrertod. Unterdessen rief Umm al-Mu’minin Hadhrat ʿAischa (ra) Kaʿb ibn Suwar zu sich, gab ihm ihre eigene Abschrift des Korans in die Hand und sagte: „Geh und rufe die Menschen, indem du ihnen dies zeigst, zur Versöhnung und Beilegung des Streits auf.“ Er schlug den Koran auf und stellte sich zwischen die beiden Parteien. Die Übeltäter schossen aus der Ferne Pfeile auf ihn. So erlitt auch er den Märtyrertod.

Es war Mittag geworden. Der Angriff erfolgte völlig überraschend. Die Befehlshaber von Hadhrat ʿAischas (ra) Heer zogen sich schließlich aus diesem Aufruhr zurück. Dadurch wurde ihr Heer geschwächt. Eine besondere Eigenschaft dieses Krieges bestand darin, dass die Mehrheit auf beiden Seiten überzeugt war, dass der Gegner ihr muslimischer Bruder sei. Deshalb versuchte jeder, den Gegner an den Händen, Füßen oder anderen Körperteilen zu verwunden. Alle bemühten sich, Kopf und Brust nicht zu treffen. Ihr Ziel war, dass der Betroffene selbst dann am Leben blieb, wenn ihm Hände oder Füße abgetrennt wurden. Aufrichtig wünschten sie, der Krieg möge ein Freundschaftskampf sein. An verschiedenen Stellen des Schlachtfeldes lagen Haufen von Händen und Füßen, die von den Körpern der Kämpfer abgetrennt worden waren.

Die Sabäer wollten ʿAischa (ra), sobald sie sie in ihre Gewalt bekämen, aufs Äußerste erniedrigen. Daher rückten die Kufaner nach dem Märtyrertod von Hadhrat Talha und az-Zubair (ra) vor, um sie anzugreifen.²¹⁴ Auch die Männer aus Hadhrat ʿAischas (ra) Heer zogen sich von allen Seiten zurück. Das Kamel von Umm al-Mu’minin stand weiterhin an derselben Stelle. Von allen Seiten einschlagende Pfeile und Speere trafen ihre von einer Rüstung bedeckte Howdah. Die Männer wehrten die Angriffe von rechts und links sowie von vorn und hinten ab. Damals erklangen auf den Lippen vieler von ihnen die folgenden zwei Verse.²¹⁵

Auf Arabisch lautet es:

„O unsere Mutter, o unsere Mutter, die wir für die Beste halten! Sehen Sie nicht, wie viele tapfere Söhne verwundet werden und ihnen Hände und Köpfe abgeschlagen werden?“

Nun erhob sich von allen Seiten der Ruf, dass dieser blutige Krieg nicht enden werde, solange das Kamel von Umm al-Mu’minin nicht zu Fall gebracht worden sei. Die Banu Dabba hatten das Kamel mit einem Ring umgeben. Jeden, der versuchte, sich dem Kamel zu nähern, ließen sie nicht am Leben. Dabei sangen sie ein von Gefühl und Erregung erfülltes Lied. Seine drei Verse lauteten wie folgt:²¹⁶

Es wird Arabisch sein

– Wir sind die Söhne Dabbas, die Beschützer dieses Kamels. Der Tod ist uns süßer als Honig.

– Wir sind die Söhne des Todes – wenn der Tod kommt. Mit der Klinge von Nizar verkünden wir den Tod Uthmans, des Sohnes Affans.

– Gebt unseren Anführer zurück, dann haben wir keinen Streit mit euch.“

Die Erregung und Aufregung waren so gewaltig, dass einer nach dem anderen von den Banu Dabba vort trat und den Zügel des Kamels ergriff. Wenn ihm durch den Hieb des Gegners die Hand abgetrennt wurde, eilte ein anderer herbei und packte den Zügel mit der Faust. Auf diese Weise wurden an derselben Stelle, während sie den Zügel des Kamels hielten, die Hände von 70 (siebzig) Männern abgetrennt.²¹⁷ Ebenso konnte an jenem Tag keine Hand der Gegnerin der Umm al-Muʾminin, die nach dem Zügel des Kamels ausgestreckt worden war, unversehrt zurückgezogen werden. Hadhrat Abdullah ibn az-Zubair stand ganz in der Nähe. Er sagte: Die abgetrennten Hände schienen damals durch die Luft zu fliegen. Als Hadhrat Ali dies sah, drängte er sich durch die Menge nach vorn. Ashtar an-Nakhaʿi gelangte zu Abdullah ibn az-Zubair. Beide waren tapfere und mutige Männer. Zwischen ihnen begann ein Schwertkampf. Beide wurden verletzt. In diesem Zustand umarmten sie einander. Ibn az-Zubair (ra) rief laut aus:²¹⁸

Es wird Arabisch sein

Das heißt: Töte Malik und mich. Töte zusammen mit mir auch Malik.

Später pflegte Ashtar an-Nakhaʿi zu sagen: Die Leute kannten mich nicht unter dem Namen Malik, deshalb blieb ich an jenem Tag verschont. Andernfalls hätten sie mich in Stücke gerissen.

Einige Männer aus den Banū Dabba standen ebenfalls auf der Seite Alīs (möge Allah mit ihm zufrieden sein). Sie sahen, dass ihr Stamm angesichts der vielen Todesfälle ausgelöscht werden würde, wenn das Kamel nicht aus ihrem Blickfeld gebracht werden konnte. Als dieser Gedanke ihnen in den Sinn kam, kam ein Mann aus dem Stamm Dabba namens Buzair ibn Dalja von hinten heran und versetzte dem Kamel mit seinem Schwert einen solchen Hieb gegen das Bein, dass es vornüberstürzend zu Boden ging. Sofort wichen diejenigen zurück, die um das Kamel herum auf der Seite Āʾischas (möge Allah mit ihr zufrieden sein) gekämpft hatten. Als Āʾischa die Hand sah, nachdem gefragt worden war, ob ʿAlī (möge Allah mit ihm zufrieden sein) irgendeine Verletzung erlitten habe, brüllte sie: „Wessen Hand ist das – die eines Verfluchten?“ ʿĀʾischa sagte: „Nein, du bist nicht Muḥammad (der Gepriesene), du bist Muzammam (der Geschmähte).“ Einer anderen Überlieferung zufolge fragte Āʾischa: „Wer ist da?“ Muḥammad antwortete: „Ihr ergebener Bruder.“ Āʾischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) sagte: „Du bist nicht ergeben, sondern ungehorsam.“ Muḥammad fragte: „Schwester, bist du verletzt worden?“ Āʾischa antwortete: „Was geht dich das an?“

Inzwischen kam Ḥadrat ʿAlī (möge Allah mit ihm zufrieden sein) zum Kamel. Er fragte: „Mutter, wie geht es dir?“ Āʾischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) antwortete: „Gut.“ ʿAlī (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: „Möge Allah dir vergeben.“ Āʾischa sagte: „Möge Allah auch dir vergeben.“ ²¹⁹

Ḥadrat ʿAmmār ibn Yāsir (möge Allah mit ihm zufrieden sein) befand sich in der Nähe. Er sagte: „Mutter, wie hast du den Kampf deiner Kinder beurteilt?“ Āʾischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) antwortete: „Ich bin nicht deine Mutter.“ ʿAmmār (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: „Auch wenn es dir nicht gefällt, bist du meine Mutter.“ Āʾischa sagte: „Du bist stolz darauf, gesiegt zu haben. Du hast die Vergeltung, die du geübt hast, mit dir gebracht. Wisse: Wer sich so verhält, kann niemals siegreich sein.“

Ḥadrat Āʾischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) zog von Basra nach Makka al-Mukarrama. Dort blieb sie bis zur nächsten Pilgerfahrt. Danach kehrte sie nach Medina zurück und lebte dort bis zu ihrem Lebensende. Ihr ganzes Leben lang bedauerte sie die Vorgehensweise, die sie zur Läuterung gewählt hatte. ²²⁵ Ibn Saʿd überliefert, dass Ḥadrat Āʾischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) sagte: „Ach, wäre ich doch ein Baum! Ach, wäre ich doch ein Stein! Ach, wäre ich doch überhaupt nichts!“ ²²⁶ An diesen Worten lässt sich das Ausmaß ihres Bedauerns ermessen.

Einmal kam ein Mann aus Basra, um Āʾischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) zu besuchen. Āʾischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) fragte ihn: „Hast du an unserem Kampf teilgenommen?“ Der Mann antwortete: „Ja.“ Āʾischa fragte: „Kennst du den Mann, der an jenem Tag diesen Vers vortrug?“

Es wird Arabisch sein

Der Mann sagte: „Er ist mein Bruder.“ Der Überlieferer berichtet, dass Ḥadrat Āʾischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) danach so sehr weinte, dass ich den Eindruck hatte, ihr Weinen würde niemals aufhören. Imām al-Buḫārī überliefert, dass sie zum Zeitpunkt ihres Todes verfügte, man solle sie nicht neben dem Grab des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) bestatten, sondern auf dem Friedhof al-Baqīʿ zusammen mit den anderen Ehefrauen des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). ²²⁷ Ibn Saʿd überliefert, dass Āʾischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) bei ihrem Tod sagte: „Nach dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) habe ich eine Neuerung begangen. Deshalb sollt ihr mich zusammen mit den Ehefrauen des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) bestatten.“ ²²⁸ Es wird auch überliefert, dass sie, als sie den Vers … ²²⁹

Es wird Arabisch sein

Wenn sie „Ihr sollt in euren Häusern bleiben“ rezitierte, weinte sie so sehr, dass ihr Schleier von Tränen durchnässt wurde.230 Nach dem Ende der Kamelschlacht sagte Hadhrat Aischa (r.a.) zu al-Qaʿqa ibn ʿAmr: „Bei Allah, wie gut wäre es gewesen, wenn ich zwanzig Jahre vor diesem heutigen Tag gestorben wäre!“ Als Ali (r.a.) dies hörte, äußerte er sich ganz ebenso.231

Ein Mann namens ʿAin ibn Duraiya al-Majashi kam und begann, in die Sänfte hineinzuschlagen. Aischa (r.a.) sagte: „Geh weg! Allahs Fluch sei über dir.“ Der Mann sagte: „Ich möchte Humaira nur einmal sehen.“ Daraufhin verfluchte Hadhrat Aischa (r.a.) den Mann und sagte: „Möge Allah deine Ehre und Würde enthüllen, deine Hand abtrennen und deine Scham entblößen.“ Später wurde der Mann in Basra getötet. All seine Habseligkeiten wurden geplündert. Seine Leiche wurde mit abgetrennten Händen und Füßen und nackt in einer öden Gegend des Stammes Azd gefunden.220

Hadhrat Ali (r.a.) veranlasste unter der Leitung von Muhammad ibn Abi Bakr, dass die Mutter der Gläubigen vom Schlachtfeld in das Haus eines Führers von Basra, ʿAbdullah ibn Khalaf al-Khuzaʿi, der ihre Partei unterstützte, gebracht wurde. Die verwundeten Soldaten aus dem Heer Hadhrat Aischas (r.a.) hatten in jedem Raum des Hauses und an jedem Ort außerhalb Zuflucht gesucht. Danach gingen Hadhrat Ali (r.a.), Hadhrat Ibn Abbas (r.a.) und viele weitere angesehene Personen dorthin, um die Mutter der Gläubigen zu besuchen. Hadhrat Ali (r.a.) grüßte die Mutter der Gläubigen und blieb eine Weile bei ihr. Hadhrat Ali (r.a.) wusste, dass verwundete Soldaten der gegnerischen Seite in diesem Haus Zuflucht gesucht hatten. Doch er erwähnte dies mit keinem Wort.221

Die Mutter der Gläubigen blieb einige Tage in Basra. Danach organisierte Hadhrat Ali (r.a.) ihre Reise in den Hidschas unter angemessener Würde und Ehrerbietung, unter der Obhut von Muhammad ibn Abi Bakr (r.a.) und in Begleitung von vierzig vornehmen Frauen aus Basra. Er gab ihr außerdem zwölftausend Dirham mit.222 Zahlreiche einfache Muslime, darunter Hadhrat Ali (r.a.), begleiteten sie über eine weite Strecke. Imam Hasan (r.a.) zog viele Meilen mit dieser Karawane. Am Samstag, dem 1. Radschab des Jahres 36 nach der Hidschra, brach die Mutter der Gläubigen von Basra auf.223 Während der Abreise sagte sie zu den Menschen: „Bei Allah, zwischen ihm (Ali) und mir bestand keine andere feindselige Beziehung als die, die eine Frau zu ihren Schwiegersöhnen hat. Soweit ich weiß, ist er einer der rechtschaffenen Menschen.“ Darauf erwiderte Ali (r.a.): „O ihr Menschen! Sie hat die Wahrheit gesagt. Zwischen ihr und mir gibt es keine Feindschaft. Sie ist die Ehefrau eures Propheten – in dieser Welt und im Jenseits.“224

Die Kamelschlacht fand am Donnerstag, dem 10. Dschumada ath-Thani, vom frühen Morgen bis zum Nachmittagsgebet statt.232 Die Zahl der Verwundeten in dieser Schlacht war unermesslich. Über die Zahl der Gefallenen sind sich die Experten der Sira uneinig. Ibnul Imam al-Hanbali nennt in seinem Werk „Schadscharat adh-Dhahab“ dreiunddreißigtausend, während andere siebzehntausend angeben. Ibn al-Athir und die meisten Historiker nennen jedoch zehntausend. Die Hälfte davon gehörte zu Alis (r.a.) Seite und die andere Hälfte zu Aischas (r.a.) Seite. Ibn al-Athir erwähnt außerdem, dass allein tausend Männer des Stammes Banu Dabbah getötet wurden und dass in der Nähe des Kamels die Leichen von siebzig (70) Angehörigen der Banu Adi gefunden wurden.233 In dieser Schlacht erlitten viele jener tapferen Männer des Islam den Märtyrertod, die der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) eigenhändig ausgebildet hatte und die zu den bewährtesten Söhnen des Islam gehörten. Talha (r.a.), Zubair (r.a.) und andere zählten zu ihnen. Ihr Tod fügte der muslimischen Umma einen unersetzlichen Verlust zu.

Nachdem Hadhrat Aischas (r.a.) Kamel auf dem Schlachtfeld zu Boden gegangen war, befahl Hadhrat Ali (r.a.) einem Ausrufer, Folgendes bekanntzugeben: „Niemand soll einen Flüchtenden verfolgen, die Habe eines verwundeten Soldaten plündern oder in irgendein Haus eindringen. Besonders in Bezug auf die Frauen gab er folgende Anweisung:234

Der arabische Text wird geschrieben

– „Ihr dürft keinesfalls die Ehre und Würde irgendjemandes entblößen, in kein Haus eindringen und keine Frau angreifen – selbst wenn sie eure Ehre und Würde, eure Führer und die rechtschaffenen Menschen verspottet und beschimpft. Uns wurde verboten, Frauen zu schlagen, als der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) noch unter uns war – selbst wenn diese Frauen Ungläubige waren. Wie könnt ihr also jetzt diese muslimischen Frauen schlagen?“

Nach dem Ende der Schlacht ging ʿAlī (r.a.) zwischen den auf dem Schlachtfeld liegenden Leichen umher und bekundete bei den Leichen von ihm bekannten Personen sein Beileid, ganz gleich, ob sie auf seiner Seite oder auf der Seite von ʿĀʾischa (r.a.) gekämpft hatten. Dann ordnete er an, die Leichen beider Seiten an einem Ort zusammenzutragen. Als Imam verrichtete er für alle das Totengebet und ließ große Gräber ausheben, damit viele von ihnen gemeinsam bestattet werden konnten. Er blieb bei der Leiche von Talha ibn ʿUbaidullāh (r.a.) stehen und sprach:

Der arabische Text wird eingefügt

Dann sagte er: „Bei Allah! Ich hätte es nicht gewollt, irgendeinen Quraischiten auf diese Weise daliegen zu sehen.“ Danach ordnete er an, die von den Soldaten zurückgelassenen Gegenstände einzusammeln und in der Moschee von Basra aufzubewahren, und verkündete: „Jeder kann von dort seine eigenen Sachen wieder an sich nehmen, mit Ausnahme der Waffen. Die Waffen werden in die Schatzkammer gebracht.“235

Nach der Schlacht erkundigte sich ʿĀʾischa (r.a.), wer von beiden Seiten getötet worden war. Wenn man ihr sagte, dass dieser oder jener getötet worden sei, sagte sie: „Allah möge ihm Barmherzigkeit erweisen.“ Über die in dieser Schlacht Gefallenen sagte ʿAlī (r.a.):236

Der arabische Text muss eingefügt werden

– „Ich hoffe gewiss, dass diejenigen unter diesen Menschen, deren Herzen Allah aufrichtig ergeben waren, allesamt ins Paradies eingehen werden.“

Hier muss ein Punkt klargestellt werden: Einige Menschen mit verdorbenem Denken behaupten, der eigentliche Grund für die Kamelschlacht sei ein alter Groll und Hass ʿAlīs (r.a.) gewesen. Im Zusammenhang mit dem Ifk-Ereignis soll ʿAlī (r.a.) zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) gesagt haben: „Wenn du möchtest, kannst du sie verlassen.“ Im Grunde sei ʿĀʾischa (r.a.) deshalb schon seit jener Zeit gegen ʿAlī (r.a.) aufgebracht gewesen, und dieser Konflikt habe schließlich zu diesem blutigen Zusammenstoß geführt. Doch angesichts aller Hadith- und Geschichtsinformationen, die uns vorliegen, gibt es keinerlei Grundlage für eine solche Auffassung. Sie ist völlig unbegründet. In der Geschichte finden sich zahlreiche Informationen, aus denen sich vielmehr ein gegenteiliges Bild ergibt. Da dies zu lang werden würde, führen wir sie hier nicht an. Eine Prüfung aller historischen Informationen zeigt, dass – abgesehen von den Verschwörern – alle Angehörigen beider Seiten vollkommen unschuldig waren. Sie hatten den Konflikt und die Auseinandersetzung nicht verursacht. In diesem Fall war die Verschwörung der Verschwörer in vollem Umfang erfolgreich.

Die Dauer des Kalifats von ʿAlī (r.a.) betrug lediglich vier Jahre. Danach übernahm der Fürst der Gläubigen Muʿāwiya (r.a.) das Kalifat und blieb die folgenden zwanzig Jahre

Er übte die Verantwortung als alleiniger Herrscher der gesamten islamischen Welt aus. Zwei Jahre vor dem Ende seiner Kalifenzeit verstarb Hazrat Aischa (r.a.). Während der Herrschaft Hazrat Muawiyas (r.a.) verbrachte sie achtzehn Jahre ihres Lebens. Abgesehen von ein oder zwei vereinzelten Ereignissen verging diese lange Zeit in völliger Stille.

Einmal kam Hazrat Muawiya (r.a.) nach Medina und besuchte Hazrat Aischa (r.a.). Aischa (r.a.) sagte zu ihm: „Wie konntest du so unbesorgt und allein in mein Haus kommen? Es wäre doch möglich gewesen, dass ich einen Attentäter aufgestellt hätte und er dir beim Eintreten den Kopf abgeschlagen hätte.“ Amir Muawiya (r.a.) sagte: „Dies ist Dar al-Aman (das Haus der Sicherheit); hier hätten Sie so etwas nicht tun können. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) hat gesagt: Der Glaube ist ein Schutz vor heimtückischem Mord.“ Dann fragte Hazrat Muawiya (r.a.): „Wie verhalte ich mich Ihnen gegenüber?“ Sie antwortete: „Gut.“ Darauf sagte Muawiya (r.a.): „Dann überlassen Sie die Angelegenheit zwischen mir und den Banu Haschim Allah; vor Ihm wird die Abrechnung erfolgen.“237

Hujr ibn Adi (r.a.) war ein hochrangiger Gefährte und in Kufa einer der bedeutendsten Anführer der Anhänger Alis (r.a.). Aufgrund der Aussage einiger Personen ließ der Gouverneur von Kufa ihn zusammen mit weiteren Personen festnehmen und nach Damaskus schicken. Hujr gehörte zum Stamm der Kinda. Kufa war damals das Zentrum der großen arabischen Stämme. Dort lebten auch Angehörige des Stammes Kinda. Doch niemand trat vor, um Hujr zu schützen, obwohl er unter den Gefährten zu jener Zeit großen Einfluss und hohes Ansehen besaß. Dennoch erschütterte und empörte die Nachricht von seiner Verhaftung jeden Menschen in allen Regionen des Kalifats. Viele Anführer verschiedener arabischer Stämme baten um seine Freilassung, doch alle ihre Fürsprachen wurden zurückgewiesen. Als diese Nachricht Medina und Hazrat Aischa (r.a.) erreichte, sandte sie einen Boten, um Fürsprache einzulegen. Leider wurde Hujr (r.a.) hingerichtet, bevor der Bote eintraf.238

Als Hazrat Muawiya (r.a.) später nach Medina kam und Hazrat Aischa (r.a.) besuchte, brachte sie als Erstes die Angelegenheit Hujrs (r.a.) zur Sprache. Sie sagte: „Muawiya! Wo waren deine Geduld und deine Umsicht in der Angelegenheit Hujrs? Hast du Allah nicht gefürchtet, als du ihn töten ließest?“ Muawiya antwortete: „Ich trage in dieser Angelegenheit keine Schuld. Schuld haben diejenigen, die gegen ihn ausgesagt haben.“ In einer anderen Überlieferung heißt es, Hazrat Muawiya (r.a.) habe gesagt: „Mutter der Gläubigen! Ich hatte niemanden bei mir, der eine richtige Entscheidung hätte treffen können.“239 Der berühmte Tabi’i Hazrat Masruq (r.h.) überliefert, dass Hazrat Aischa (r.a.) sagte: „Bei Allah! Wenn Muawiya gewusst hätte, dass in Kufa noch etwas von Mut und Ehrgefühl vorhanden war, hätte er Hujr niemals vor deren Augen festnehmen und auf diese Weise töten lassen. Doch dieser Sohn der leberfressenden Hind –240 – hat sehr wohl verstanden, dass jene Leute inzwischen fortgegangen waren. Bei Allah! Kufa war die Heimat tapferer arabischer Anführer voller Ehrgefühl. Labid (r.a.) hat zu Recht gesagt:241

Der arabische Text wird eingefügt.

„Jene Menschen sind fortgegangen – jene, unter deren Schutz man leben konnte. Nun leben wir unter dem Schutz solcher Erben, deren Haut der eines von Räude befallenen Kamels gleicht.“

„Sie sind niemandem von Nutzen, und von ihnen ist auch nichts Gutes zu erwarten. Wer mit ihnen spricht, wird von ihnen lediglich nach Fehlern durchsucht.

Einige Menschen aus dem Irak und aus Ägypten pflegten Hazrat Uthman (r.a.) zu verleumden; ebenso äußerten die Bewohner von Schaam anstößige Worte über Hazrat Ali (r.a.). Die Charidschiten wiederum hielten beide für schlecht. Als Hazrat Aischa (r.a.) vom Zustand dieser Gruppen und Untergruppen erfuhr, sagte sie: „Im Koran hat Allah befohlen, für die Gefährten des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) um Barmherzigkeit und Vergebung zu bitten, doch diese Leute beschimpfen sie.“242

Die Charidschiten trennten sich von der Partei Hazrat Alis (ra) und versammelten sich zunächst an einem Ort namens Harura. Deshalb wurden sie Haruriyya genannt. Einmal kam eine Frau zu Hazrat Aischa (ra) und fragte: „Warum müssen Frauen die Gebete, die sie während bestimmter Tage nicht verrichten, nicht nachholen, so wie sie das Fasten nachholen müssen?“ Aischa (ra) erwiderte äußerst zornig: „Bist du etwa eine Haruriyya!“ 243 Damit brachte sie ihren Hass gegenüber den Haruriyya zum Ausdruck.

Einmal schrieb Hazrat Muawiya (ra) Hazrat Aischa (ra) einen Brief. Darin bat er sie um einen Rat. Hazrat Aischa (ra) antwortete: „Salamun alaiki! Sodann habe ich den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagen hören: Wer Allahs Wohlgefallen sucht, ohne auf das Wohlgefallen der Menschen Rücksicht zu nehmen, den wird Allah vor den Folgen des Missfallens der Menschen bewahren. Wer aber Allah erzürnt, um das Wohlgefallen der Menschen zu erlangen, den wird Allah den Menschen überlassen. Was-Salamu alaiki.“ 244

Hazrat Muawiya (ra) wollte gegen Ende seines Lebens seinen Sohn Yazid zu seinem Nachfolger machen. Marwan war damals sein Gouverneur in Medina. Bei einer öffentlichen Versammlung in der Moschee brachte er den Namen Yazids zur Sprache. Hazrat Aischa (ras) Bruder Abdurrahman ibn Abi Bakr (ra) erhob sich und protestierte. Sofort wollte Marwan ihn festnehmen lassen. Abdurrahman lief in das Haus seiner Schwester Aischa (ra). Marwan wagte nicht, hineinzugehen. Mit zorniger Stimme sagte er: „Das ist derjenige, über den dieser Koranvers offenbart wurde:“

Der arabische Wortlaut lautet:

– „Und derjenige, der zu seinen Eltern sagt: Pfui über euch.“

Hinter dem Vorhang rief Hazrat Aischa (ra): „Außer dem Vers, der meine Unschuld verkündet, hat Allah über uns keinen weiteren Vers offenbart.“ 245 Dieser Protest zeigt, dass die Geschwister die Ernennung Yazids nicht bereitwillig akzeptierten. Im Jahre 49 nach der Hidschra waren im Gemach von Hazrat Amir Muawiya (ra) bereits der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), Abu Bakr (ra) und Umar al-Faruq (ra) beigesetzt worden. In einer Ecke war noch genügend Platz für ein Grab frei. Vor seinem Tod hatte Hazrat Hasan (ra) seinem jüngeren Bruder Hazrat Imam Husain (ra) aufgetragen, ihn an dieser freien Stelle zu beerdigen. Sollte jemand dies verhindern, dürfe er keinen Konflikt oder Kampf beginnen, sondern ihn auf dem Friedhof der gewöhnlichen Muslime beisetzen. Als Hazrat Imam Husain das Vermächtnis seines älteren Bruders erfüllen wollte, gab Hazrat Aischa (ra) bereitwillig ihre Erlaubnis. Sa’id ibn al-As, der zu jener Zeit im Auftrag Hazrat Muawiyas (ra) Gouverneur von Medina war, erhob ebenfalls keinen Einwand. Doch Marwan ibn al-Hakam widersetzte sich mit einigen seiner Anhänger entschieden. Seine Begründung lautete: Als die Aufständischen Hazrat Uthman (ra) hier nicht beisetzen ließen, könne auch niemand sonst die Erlaubnis dazu erhalten. Für Hazrat Imam Husain (ra) kamen die Banu Haschim und auf Marwans Seite die Banu Umaiyya mit Waffen aus ihren Häusern. Ein weiterer blutiger Zusammenstoß drohte. Hazrat Abu Huraira (ra) geriet in große Unruhe.

Er bemühte sich um einen Ausgleich und eine Versöhnung. Zu Marwan sagte er: „Wenn der Enkel neben seinem Großvater beigesetzt werden möchte, warum mischst du dich dann ein?“ Imam Husain (ra) sagte er hingegen: „Auch der verstorbene Imam hatte verfügt, dass ihr keinen Konflikt oder Kampf beginnen sollt, falls jemand dies verhindert.“ Wie dem auch sei, Hazrat Imam Husain (ra) bewahrte Geduld und ließ den Leichnam seines Bruders in Jannat al-Baqi neben dem Grab ihrer Mutter, Hazrat Fatima az-Zahra (ra), beisetzen. 246 In diesem Zusammenhang wird hier eine Überlieferung in derselben Fassung angeführt, wie sie Ibn Abd al-Barr in seinem Werk „Al-Isti’ab“, Ibn al-Athir in „Usd al-Ghaba“ und der Gelehrte as-Suyuti in „Tarikh al-Khulafa“ überliefert haben: 247

– Imam Hasan (ra) sagte: „Ich hatte Aischa (ra) darum gebeten, mir zu erlauben, in ihrem Gemach neben dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) beigesetzt zu werden. Sie hatte ihre Erlaubnis gegeben. Ich weiß jedoch nicht, ob sie diese Erlaubnis aus Scham erteilt hatte. Bitte sie nach meinem Tod erneut um Erlaubnis. Wenn sie bereitwillig zustimmt, dann beerdigt mich dort. Ich glaube, die Menschen werden euch daran hindern. Wenn sie dies tatsächlich tun, dann beginnt deswegen keinen Konflikt oder Kampf mit ihnen. Beerdigt mich auf dem Friedhof Baqi. Nachdem Hazrat Hasan (ra) verstorben war, bat Hazrat Husain (ra) Hazrat Aischa (ra) um Erlaubnis. Sie sagte: ‚Ja, ich erteile meine Erlaubnis aus vollem Herzen.‘ Als die Angelegenheit Marwan zu Ohren kam, sagte er: ‚Husain und Aischa lügen beide. Hasan darf dort niemals beigesetzt werden. Sie haben Uthman nicht einmal erlaubt, auf diesem Friedhof beigesetzt zu werden, und nun wollen sie Hasan in Aischas Gemach beerdigen.‘“

Ableben

Hazrat Aischa (r.a.) verstarb am 17. Ramadan des Jahres 58 nach der Hidschra, entsprechend dem 13. Juni 678 n. Chr., im Alter von 66 Jahren in Medina. Damals befand sich das Kalifat von Hazrat Amir Muʿawiya (r.a.) in seiner letzten Phase. Vor ihrem Tod war sie einige Zeit krank und ans Bett gefesselt. Unzählige Menschen drängten sich an ihrer Tür, um sie zu besuchen. Wenn jemand nach ihrem Befinden fragte, antwortete sie: „Mir geht es gut.“248 Eines Tages bat Hazrat ʿAbdullah ibn ʿAbbas (r.a.) um Erlaubnis, sie zu besuchen. Hazrat Aischa (r.a.) zögerte, ihm den Besuch zu gestatten, weil sie dachte, er werde vielleicht sofort damit beginnen, sie zu loben. Doch die Söhne ihrer Schwester erklärten ihr: „Du bist die Mutter der Gläubigen, und er ist Ibn ʿAbbas. Er ist gekommen, um dich zu grüßen und sich von dir zu verabschieden.“ Darauf sagte sie: „Wenn ihr wollt, dann ruft ihn herein.“ Hazrat Ibn ʿAbbas (r.a.) wurde hereingerufen. Die Vermutung der Mutter der Gläubigen erwies sich als richtig. Kaum hatte sich Ibn ʿAbbas (r.a.) gesetzt, begann er zu sprechen: „Seit jeher trägst du den Namen Mutter der Gläubigen. Du bist die geliebteste Ehefrau des Gesandten Allahs (s.a.w.). Es ist nur noch eine kurze Zeit, bis deine Seele deinen Körper verlässt, damit du dich mit dem Gesandten Allahs (s.a.w.) vereinigst. In jener Nacht, in der deine Halskette verloren ging, suchte der Gesandte Allahs (s.a.w.) nach Wasser, doch die Menschen fanden kein Wasser. Deinetwegen ließ Allah der Erhabene den Vers über die Tayammum-Waschung herab. Dschibril al-Amin (a.s.) brachte vom Himmel die Verse über deine Unschuld und deine Freisprechung von jeder Schuld herab. Diese Verse werden bis zum Tag der Auferstehung in jeder Moschee rezitiert werden.“ Nachdem sie dies gehört hatte, sagte sie: „Ibn ʿAbbas, verschone mich mit diesem Lob. Ich hätte mir nur gewünscht, überhaupt nicht existiert zu haben.“249

Vor ihrem Tod hinterließ sie die Anweisung, man solle sie im Jannat al-Baqiʿ neben den anderen Ehefrauen des Gesandten Allahs (s.a.w.) beisetzen. Sollte sie nachts sterben, solle man sie noch in derselben Nacht beerdigen. Sie verschied nachts nach dem Witr-Gebet. Daher wurde sie sogleich gemäß ihrer Anweisung im Jannat al-Baqiʿ beigesetzt. Als sich die Nachricht von ihrem Tod verbreitete, hallte Medina von Wehklagen wider. Die Ansar kamen aus ihren Häusern. So viele Menschen versammelten sich zum Totengebet, dass die Leute berichteten, eine derart große Menschenmenge habe man nachts zuvor noch nie gesehen. In manchen Überlieferungen heißt es, angesichts der Menge von Frauen habe es wie am Festtag ausgesehen. Hazrat Umm Salama (r.a.) hörte die Stimmen des Weinens und sagte: „Das Paradies ist Aischa (r.a.) gewiss. Sie war die geliebteste Ehefrau des Gesandten Allahs (s.a.w.).

Hazrat Abu Huraira (r.a.) war damals Gouverneur von Medina. Er leitete das Totengebet. Qasim ibn Muhammad ibn Abi Bakr (r.a.), ʿAbdullah ibn ʿAbd ar-Rahman ibn Abi Bakr, ʿAbdullah ibn ʿAtiq, ʿUrwa ibn az-Zubair (r.a.) und ʿAbdullah ibn az-Zubair (r.a.) – diese Söhne ihres Bruders und ihrer Schwester – ließen sie in das Grab hinab. Gemäß ihrer letzten Anweisung wurde sie auf dem Friedhof Jannat al-Baqiʿ beigesetzt.250

Beim Tod der Mutter der Gläubigen waren alle Muslime von tiefer Trauer ergriffen. Der berühmte Tabiʿi Hazrat Masruq (r.h.) sagte: „Wenn ich mich nicht an eine bestimmte Aussage erinnern würde, hätte ich für die Mutter der Gläubigen eine Trauerversammlung abgehalten.“ ʿUbaid ibn ʿUmair fragte einen Mann: „Trauerst du über den Tod von Hazrat Aischa (r.a.)?“ Der Mann antwortete: „Alle, deren Mutter sie war, trauern.“ All dies wurde von Ibn Saʿd überliefert.

Es wurde bereits erwähnt, dass Hazrat Aischa (r.a.) kein Kind gebar. Den Sohn ihrer Schwester Hazrat Asma (r.a.), Hazrat ʿAbdullah ibn az-Zubair (r.a.), zog sie wie ihren eigenen Sohn auf. Auch ʿAbdullah liebte seine Tante mütterlicherseits wie eine Mutter. Nach der Hidschra war dieser ʿAbdullah das erste Kind, das in Medina im Haus eines Muhadschir geboren wurde. Die Ungläubigen und Heuchler von Medina pflegten zu sagen, die muslimischen Frauen seien nach ihrer Ankunft in Medina unfruchtbar geworden. Als er zu dieser Zeit geboren wurde, erfüllte eine Welle der Freude die Muslime. Der Gesandte Allahs (s.a.w.) kaute Datteln und strich ihm eigenhändig etwas davon an die Wange – dies wird Tahnik genannt. Hazrat Aischa (r.a.) zog diesen ʿAbdullah wie ihren eigenen Sohn auf. In einem Hadith wird erwähnt, dass sie ein ansarisches Mädchen aufzog und verheiratete.251 Außerdem wurden Masruq ibn al-Adschdaʿ, ʿUmra bint Aischa bint Talha, ʿUmra bint ʿAbd ar-Rahman al-Ansariyya, Asma bint ʿAbd ar-Rahman ibn Abi Bakr, ʿUrwa ibn az-Zubair, Qasim ibn Muhammad und dessen Bruder, ʿAbdullah ibn Yazid sowie viele weitere Jungen und Mädchen unter ihrer Obhut aufgezogen. Die Töchter von Muhammad ibn Abi Bakr (r.a.) zog sie selbst auf und verheiratete sie.252

Körperbau und Kleidung

Hazrat Aischa (r.a.) gehörte zu den Mädchen, die sehr schnell heranwuchsen. Im Alter von neun oder zehn Jahren war sie bereits weit entwickelt.253 In ihrer Kindheit war sie äußerst zart und schlank. Mit zunehmendem Alter wurde ihr Körper etwas kräftiger.254 Ihre Hautfarbe war eine Mischung aus Weiß und Rot. Sie besaß ein strahlendes Gesicht und große Schönheit. Deshalb wurde sie al-Humaira genannt.255

Aufgrund ihrer Genügsamkeit und Zufriedenheit mit wenig besaß sie nur ein einziges Paar Kleidungsstücke. Daher wusch sie das eine und trug das andere.²⁵⁶ Sie besaß ein Kleid, dessen Wert etwa fünf Dirham betrug. Doch war es damals so wertvoll, dass man es sich auslieh, um die Braut bei Hochzeitsfeiern zu schmücken.²⁵⁷ Mitunter trug sie mit Safran gefärbte Kleidung, gelegentlich auch Schmuck. Eine besondere Halskette aus weißen und schwarzen Perlen jemenitischer Herstellung trug sie um den Hals. An ihrem Finger trug sie einen goldenen Ring.²⁵⁸ Qasim ibn Muhammad berichtet: „Ich sah Hadrat Aischa (r.a.) im Ihram-Zustand einen goldenen Ring und ein gelbes Gewand tragen.“ Mitunter benutzte sie auch ein seidenes Tuch. Später schenkte sie es ‘Abdullah ibn az-Zubair.²⁵⁹

Bei der Kleidung war sie äußerst aufmerksam gegenüber den Vorschriften der Scharia. Einmal kam ihre Nichte Hafsa bint ‘Abdurrahman mit einem dünnen Schleier auf dem Kopf zu ihr. Sie nahm ihn, riss ihn entzwei und sagte: „Weißt du nicht, was Allah, der Erhabene, in der Sure an-Nur gesagt hat?“ Dann ließ sie einen dicken Schleier bringen und gab ihn ihr.²⁶⁰ Einmal hielt sie sich als Gast in einem Haus auf. Die Gastgeber hatten zwei erwachsene Töchter. Sie sah, dass diese ohne ein Tuch zu tragen beteten. Eindringlich sagte sie ihnen, dass künftig kein Mädchen ohne Tuch beten solle.²⁶¹

Gewohnheiten und Charaktereigenschaften

Die Zeit von der Kindheit bis zur Jugend verbrachte Umm al-Mu’minin Hadrat Aischa (r.a.) in der Begleitung einer so reinen Persönlichkeit, die auf diese Erde gekommen war, um die höchsten moralischen Werte zu vollenden. Diese Begleitung erhob sie auf eine solche Stufe der Moral, die als der höchste Gipfel geistiger Vervollkommnung gilt. Daher war ihr sittliches Niveau außerordentlich hoch. Ihr Herz war überaus weit. Außerdem war sie freigebig, genügsam, gottesdienstlich und barmherzig.

Eine Frau und Genügsamkeit – dies scheinen zwei einander widersprechende Dinge zu sein. In einem Hadith wird berichtet, dass Rasulullah (sallallahu ‘alaihi wa sallam) sagte: „Ich sah, dass die meisten Bewohnerinnen der Hölle Frauen waren.“ Man fragte ihn nach dem Grund dafür. Er sagte: „Der Grund ist, dass sie ihren Ehemännern gegenüber keine Dankbarkeit zeigen.“ Doch in der Person Hadrat Aischas (r.a.) waren diese beiden Eigenschaften vereint. Sie führte ihr Eheleben in größter Not und Armut, brachte jedoch niemals auch nur eine Silbe der Klage über ihre Lippen. Schöne Kleidung, kostbarer Schmuck, prächtige Gebäude und wohlschmeckende Speisen – nichts davon fand sie im Haus ihres Ehemannes. Dabei hatte sie mit eigenen Augen gesehen, wie die Reichtümer der Kriegsbeute auf der einen Seite wie eine Flut hereinströmten und auf der anderen wieder hinausflossen. Trotzdem verspürte sie niemals auch nur die geringste Gier oder den geringsten Wunsch, etwas davon zu erhalten. Nach dem Tod Rasulullahs (sallallahu ‘alaihi wa sallam) ließ sie einmal Essen bringen. Dann sagte sie: „Nie habe ich mich satt gegessen, damit ich nicht weinen muss.“ Einer ihrer Schüler fragte: „Warum?“ Sie sagte: „Ich erinnere mich an den Zustand, in dem Rasulullah (sallallahu ‘alaihi wa sallam) diese Welt verließ.“ Bei Allah! Niemals aß er zweimal am Tag Brot und Fleisch, bis er satt war!

Allah, der Erhabene, hatte ihr Kinder versagt. Doch nahm sie sich der Kinder gewöhnlicher Muslime an, insbesondere der Waisen, und zog sie auf. Sie unterrichtete sie und übernahm die Verantwortung dafür, sie zu verheiraten.

Die vollständige Gehorsamkeit gegenüber ihrem Ehemann Rasulullah (sallallahu ‘alaihi wa sallam) und das Streben danach, seine Zufriedenheit zu erlangen – das waren Hadrat Aischas (r.a.) Gedanken und ihr Handeln in jedem Augenblick. Wenn sie sein Gesicht auch nur leicht blass und betrübt sah, wurde sie unruhig. Den Verwandten Rasulullahs (sallallahu ‘alaihi wa sallam) war sie so zugetan, dass sie keine ihrer Bitten unbeachtet ließ. Einmal wurde ihr Neffe ‘Abdullah ibn az-Zubair angesichts der grenzenlosen Freigebigkeit seiner Tante besorgt und sagte, nun müsse sie ihre Hand zurückhalten. Darüber wurde Hadrat Aischa (r.a.) so zornig, dass sie schwor, nicht mehr mit ‘Abdullah zu sprechen. Als jedoch Angehörige des mütterlichen Stammes Rasulullahs (sallallahu ‘alaihi wa sallam) Fürsprache einlegten, konnte sie dies nicht länger zurückweisen.²⁶² Auch die Freunde Rasulullahs (sallallahu ‘alaihi wa sallam) behandelte sie mit größter Ehrerbietung und Achtung und ließ keine ihrer Bitten unbeachtet. Soweit es ihr möglich war, wies sie kein Geschenk zurück.

Muhammad ibn Asch’ath (r.a.) war ein Gefährte. Einmal äußerte er den Wunsch, Hadrat Aischa (r.a.) einen Pelzmantel aus Leder zu schenken, und sagte: „Er ist warm; Sie werden ihn tragen.“ Hadrat Aischa (r.a.) erklärte sich bereit, ihn anzunehmen, und trug ihn häufig.²⁶³

Seit der Offenbarung der Verse über den Hijāb hielt sie sich streng an die Bedeckung. Es gab einen blinden Tābiʿī namens Ishāq. Einmal kam er zu Besuch. Hadhrat ʿĀʾischa (r.a.) zog den Schleier vor. Ishāq sagte: „Du verhüllst dich vor mir? Ich kann dich doch nicht sehen.“ Sie erwiderte: „Was macht es schon, dass du mich nicht sehen kannst? Ich kann dich doch sehen.“ 264 Einmal sagten die anderen Frauen während der Haddsch: „Mutter der Gläubigen, komm, um den Hadschar al-Aswad zu küssen.“ Sie sagte: „Ihr könnt gehen. Ich kann mich nicht in die Menge der Männer begeben.“ 265 Wenn sie tagsüber Tawāf verrichten musste, ließ man die Männer mehrmals aus dem Innenhof entfernen. 266 Nach der Scharia besteht gegenüber den Toten keine Pflicht zur Verhüllung. Doch auch in dieser Angelegenheit war sie äußerst vorsichtig. Nachdem ʿUmar neben dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) beigesetzt worden war, betrat sie diesen Ort nie ohne Schleier.

Hadhrat ʿĀʾischa (r.a.) tratschte niemals über jemanden und äußerte sich auch niemals unangemessen über irgendjemanden. Viele ihrer Aussagen sind in den Hadith-Werken überliefert worden. Doch in keiner einzigen findet sich ein schlechtes Wort über irgendeinen Menschen oder eine Äußerung, durch die die Ehre eines Menschen verletzt würde. Viele Frauen haben die Gewohnheit, ihre Nebenfrauen zu tadeln und schlecht über sie zu reden. Doch wie großzügig sie ihre Nebenfrauen lobte, haben wir bereits zuvor erwähnt. Auch der Dichter Hadhrat Hassān ibn (r.a.), der durch seine Verwicklung in die Ifk-Affäre den Schmerz von Hadhrat ʿĀʾischa (r.a.) verhundertfacht hatte, besuchte ihre Versammlung, und sie erlaubte ihm stets mit großer Freude, Platz zu nehmen. Eines Tages kam Hadhrat Hassān (r.a.) und begann, eine zu ihren Ehren verfasste Qasīda vorzutragen. Die Bedeutung eines ihrer Verse war folgende:

Als sie den Vers hörte, erinnerte sich Hadhrat ʿĀʾischa (r.a.) an die lange zurückliegende Ifk-Affäre. Danach bemerkte sie lediglich: „Aber du bist nicht so.“ 267 Viele der Angehörigen Hadhrat ʿĀʾischas (r.a.) konnten es nicht leicht hinnehmen, dass Hadhrat Hassān (r.a.) auf diese Weise in ihrer Gegenwart erschien. Oft wollten sie Hassān (r.a.) scharfe Worte sagen, doch Hadhrat ʿĀʾischa (r.a.) verbot es ihnen mit großer Entschiedenheit. Hadhrat Masrūq (rah.) berichtet: „Einmal sagte ich zur Mutter der Gläubigen: ‚Warum erlaubst du ihm, auf diese Weise zu dir zu kommen?‘ Sie sagte: ‚Er ist jetzt blind geworden. Und welche größere Strafe könnte es geben als Blindheit? Außerdem verteidigte er im Auftrag des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) diesen gegen die Spottgedichte der polytheistischen Dichter von Makka.‘“ 268

Einmal wurde über einen Mann gesprochen. Bei dieser Gelegenheit äußerte Hadhrat ʿĀʾischa (r.a.) keine gute Meinung über ihn. Die Leute sagten: „Mutter der Gläubigen, dieser Mann ist doch gestorben.“ Sobald sie das hörte, begann sie, für seine Vergebung zu beten. Da sagten die Leute: „Gerade eben hast du noch nichts Gutes über ihn gesagt, und nun betest du um seine Vergebung.“ Sie erwiderte: „Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) hat gesagt: ‚Ihr sollt über die Toten nur Gutes sagen.‘“ 269

Nicht die geringste Spur von Hochmut war in ihr. Sie hielt sich selbst für ganz gewöhnlich und unbedeutend. Sie mochte es überhaupt nicht, wenn jemand sie ihr ins Gesicht lobte. In diesem Zusammenhang haben wir bereits ihr Verhalten gegenüber Hadhrat ʿAbdullāh ibn ʿAbbās (r.a.) auf ihrem Sterbebett erwähnt. Obwohl sie äußerst bescheiden war, besaß sie ein ausgeprägtes Selbstwertgefühl. Daher nahmen manche ihrer Verhaltensweisen gegenüber ihrem Ehemann, dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), die Form der Empfindlichkeit einer Geliebten an. So etwa während der Ifk-Affäre, als der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ihr die Verse über ihre Unschuld vortrug und ihre Mutter sagte: „Meine Tochter, zeige deinem Ehemann deine Dankbarkeit.“ Ihre Antwort brachte einerseits ein starkes Selbstwertgefühl zum Ausdruck und ließ andererseits eine wunderbare Szene gekränkter Empfindlichkeit gegenüber dem Geliebten erkennen. Sie sagte: „Ich werde nur meinem Herrn danken, keinem anderen – Ihm, der mich durch die Verkündung meiner Unschuld und Reinheit geehrt hat.“ 270 Außerdem haben wir bereits erwähnt, dass sie, wenn sie ihrem Ehemann gegenüber verärgert war, nicht mehr bei seinem Namen schwor. All dies war ein einzigartiger Ausdruck der Empfindlichkeit einer Geliebten.

Eine weitere Begebenheit zeigt uns die ausgeprägte Form ihres Selbstwertgefühls. ʿAbdullāh ibn az-Zubair (r.a.), den sie mit mütterlicher Liebe aufgezogen hatte, ehrte und umsorgte seinerseits seine Tante ʿĀʾischa (r.a.) wie eine Mutter. Als er sah, wie maßlos großzügig seine Tante war, bemerkte er einmal, man müsse ihre Hände fesseln. Diese Bemerkung verletzte das Ehrgefühl Hadhrat ʿĀʾischas (r.a.). Sie schwor, niemals wieder etwas von ihrem Neffen anzurühren. Ihr Neffe ʿAbdullāh (r.a.) geriet dadurch in große Bedrängnis. Schließlich wurde sie durch die Fürsprache und Vermittlung angesehener Persönlichkeiten wieder besänftigt. 271

Neben ihrem ausgeprägten Selbstwertgefühl und ihrer starken Persönlichkeit besaß Hadhrat ʿĀʾischa (r.a.) auch einen scharfen Sinn für Gerechtigkeit. Einmal kam ein Mann aus Ägypten zu ihr. Sie fragte ihn, wie sich die damaligen Herrscher dort auf dem Schlachtfeld gegenüber den Menschen verhielten. Der Mann antwortete, er habe von ihnen kein Verhalten gesehen, gegen das man hätte protestieren können. Wenn jemandes Kamel starb, gaben sie ihm ein anderes; wenn jemand keinen Diener hatte, gaben sie ihm einen Diener; und wenn jemand Geld für seinen Lebensunterhalt benötigte, erfüllten sie dieses Bedürfnis. Als Hadhrat ʿĀʾischa (r.a.) diese Antwort hörte, sagte sie: „Wie schlecht auch immer die Ägypter meinen Bruder Muhammad ibn Abī Bakr behandelt haben mögen – ihre schlechte Behandlung kann mich nicht davon abhalten, euch diese Wahrheit zu sagen: Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sprach hier in meinem Haus ein Bittgebet: ‚O Allah, sei streng zu dem, der gegenüber meiner Umma streng ist, und sei gütig zu dem, der ihr gegenüber gütig ist.‘“ 272

Hadhrat ʿĀʾischa (r.a.) war beim Spenden äußerst großzügig. Ihr Herz war ebenfalls sehr freigebig und weit. Auch ihre Schwester Hadhrat Asmāʾ (r.a.) war sehr spendenfreudig. Eine der herausragenden Eigenschaften beider Schwestern war ihre Freigebigkeit. ʿAbdullāh ibn az-Zubair (r.a.) sagte: „Ich habe niemanden gesehen, der freigebiger gewesen wäre als diese beiden.“ Der Unterschied zwischen ihnen bestand jedoch darin, dass Hadhrat ʿĀʾischa (r.a.) nach und nach etwas zurücklegte. Sobald sich etwas angesammelt hatte, verteilte sie alles auf einmal. Hadhrat Asmāʾ (r.a.) dagegen legte nichts zurück, wenn sie etwas erhielt, sondern verteilte es sofort. 273 Meistens war sie verschuldet. Sie nahm bei verschiedenen Menschen Darlehen auf. Wenn die Leute sagten: „Warum musst du dich so sehr verschulden?“, erwiderte sie: „Wer den festen Willen hat, seine Schulden zurückzuzahlen, dem hilft Allah dabei. Ich suche diese Hilfe Allahs.“ 274 Beim Almosengeben machte sie sich keine Gedanken darüber, ob es viel oder wenig war. Was sie gerade besaß, gab sie weg. Einmal kam eine Frau mit zwei kleinen Kindern auf dem Arm und bat um Unterstützung. Zufällig gab es zu jener Zeit im Haus nichts, was sie ihnen hätte geben können. Nach langem Suchen fand sie nur eine einzige Dattel. Sie teilte sie in zwei Hälften und gab jedem der beiden Kinder eine. Als der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) nach Hause kam, erzählte sie ihm davon. 275 Ein anderes Mal kam ein Bettler und bat um Hilfe. Vor Hadhrat ʿĀʾischa (r.a.) lagen einige Weintrauben. Sie nahm eine einzige Beere und legte sie dem Bettler in die Hand. Der Bettler starrte die Beere so an, als wollte er sagen: „Gibt jemand tatsächlich eine einzige Beere?“ Da sagte sie zu ihm: „Schau, wie viele Körner in dieser einen Beere enthalten sind.“ 276 Im Grunde deutete sie damit auf folgenden Vers aus der Sura az-Zalzala hin:

Es wird Arabisch sein.

Das heißt: Wer auch nur eine atomgroße gute Tat verrichtet, wird sie sehen.

Hazrat ʿUrwa (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm) berichtet: Einmal spendete Hazrat ʿA’ischa (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) in seiner Gegenwart siebzigtausend Dirham auf einmal auf Allahs Weg und schüttelte anschließend den Zipfel ihres Umhangs aus. 277 Einmal schickte Hazrat Amir Muʿawiya (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm) Hazrat ʿA’ischa (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) einhunderttausend Dirham. Bis zum Abend war kein einziger Paisa mehr übrig. Sie hatte alles unter den Armen und Bedürftigen verteilt. Zufällig hatte sie an jenem Tag gefastet. Ihre Dienerin sagte: „Es wäre nötig gewesen, etwas für den Kauf des Essens zum Fastenbrechen zurückzulegen.“ Sie sagte: „Wenn du mich doch vorher daran erinnert hättest!“ Ähnliche Begebenheiten gibt es noch weitere. Einmal schickte Hazrat ʿAbdullah ibn az-Zubair (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm) einhunderttausend Dirham, gefüllt in zwei große Säcke. Sie schüttete alles in eine Schüssel und begann, es zu verteilen. Auch an jenem Tag hatte sie gefastet. Am Abend bat sie die Dienerin, etwas zum Fastenbrechen zu bringen. Die Dienerin sagte: „O Mutter der Gläubigen! Hättest du von diesem Geld nicht etwas Fleisch zum Fastenbrechen bringen lassen können?“ Sie sagte: „Jetzt solltest du niemanden tadeln. Warum hast du mich damals nicht daran erinnert?“ 278 Eines Tages fastete sie, und im Haus war außer einem Brot nichts vorhanden. Da kam eine Bettlerin und bat um etwas zu essen. Sie sagte ihrer Dienerin, sie solle ihr das Brot geben. Die Dienerin sagte: „Womit wirst du am Abend dein Fasten brechen, wenn du das Brot gibst?“ Sie sagte: „Gib ihr das Brot jetzt; danach wird man sehen.“ Am Abend schickte jemand Ziegenfleisch. Sie sagte zu ihrer Dienerin: „Siehst du, Allah hat etwas geschickt, das besser ist als dein Brot.“ 279 Sie verkaufte ihr Wohnhaus an Amir Muʿawiya (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm) und spendete den gesamten Erlös auf Allahs Weg. 280

Hazrat ʿA’ischa (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) war von Natur aus furchtlos und mutig. Viele Ereignisse in ihrem Leben bezeugen diesen Mut. Nachts stand sie aus dem Schlaf auf und ging ganz allein zum Friedhof. 281 Sie begab sich auf das Schlachtfeld. Als in der muslimischen Armee während der Schlacht von Uhud Unruhe herrschte, trug sie einen mit Wasser gefüllten Wasserschlauch auf dem Rücken und gab den verwundeten Soldaten zu trinken. 282 Während der Grabenschlacht, als die Götzendiener Medina von allen Seiten belagerten und ein Angriff der Juden aus dem Inneren der Stadt befürchtet wurde, kam sie dennoch furchtlos aus der Festung heraus und beobachtete die Kampfstrategie der muslimischen Glaubenskämpfer. 283 Einmal bat sie den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sogar um die Erlaubnis, am Dschihad teilzunehmen; doch er erteilte ihr diese Erlaubnis nicht. 284 Die Geschicklichkeit, mit der sie in der Kamelschlacht die Soldaten führte, ist ein eindrucksvoller Beweis ihres natürlichen Mutes.

Im Herzen von Hazrat ʿA’ischa (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) herrschte eine tiefe Gottesfurcht. Zugleich war ihr Herz äußerst weich. Sie begann sehr schnell zu weinen. Während der Abschiedswallfahrt konnte sie wegen ihrer weiblichen Natur einige Riten der Wallfahrt nicht vollziehen. Da begann sie aus Sorge über ihr Unglück untröstlich zu weinen. Später beruhigte sie sich durch den Trost des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). 285 Einmal weinte sie sogar voller Unruhe aus Angst vor dem Daddschal. 286 Auch in ihrem späteren Leben weinte sie jedes Mal unruhig, wenn sie sich an die Kamelschlacht erinnerte.

Einmal legte sie wegen einer bestimmten Angelegenheit einen Eid ab. Später musste sie auf Drängen der Menschen ihren Eid brechen und als Sühne vierzig Sklaven freilassen. Doch die Angelegenheit hinterließ einen so tiefen Eindruck in ihrem Herzen, dass ihr Schleiertuch jedes Mal, wenn sie sich daran erinnerte, vom Abwischen ihrer Tränen nass wurde. 287 Wie bereits erwähnt, brach sie in Tränen zusammen, als sie im Zusammenhang mit dem Ifk-Ereignis von den Anschuldigungen der Heuchler erfuhr. Trotz des Trostes ihrer Eltern hörten ihre Tränen nicht auf.

Einmal kam eine arme Frau mit ihren beiden kleinen Kindern zu Hazrat ʿA’ischa (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) und hoffte auf etwas Hilfe. Damals war im Haus kaum etwas vorhanden. Sie gab der Frau drei Datteln. Die Frau gab jedem ihrer beiden Kinder eine Dattel und nahm die dritte in den eigenen Mund. Nachdem die beiden Kinder ihre Datteln gegessen hatten, blickten sie zur Mutter. Da nahm die Frau die Dattel aus ihrem eigenen Mund, teilte sie in zwei Hälften und gab jedem Kind eine Hälfte. Sie selbst aß nichts. Als Hazrat ʿA’ischa (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) diese ergreifende Szene mütterlicher Liebe und die Hilflosigkeit der Frau sah, wurde sie zutiefst gerührt. Tränen liefen ihr aus den Augen. 288

Die meiste Zeit bei Tag und Nacht war sie dem Gottesdienst gewidmet. Regelmäßig verrichtete sie das Duha-Gebet. Sie sagte: „Selbst wenn mein Vater aus dem Grab auferstehen und mir verbieten würde, dieses Gebet zu verrichten, würde ich es dennoch nicht aufgeben.“ 289 Nachts stand sie auf und verrichtete gemeinsam mit dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) das Tahaddschud-Gebet. Auch nach dem Tod des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) war sie diesem Gebet so treu, dass sie früh aufstand und es vor dem Morgengebet verrichtete. Eines Tages verrichtete sie gerade dieses Gebet, als ihr Neffe Qasim eintraf. Er fragte: „Tante, welches Gebet verrichtest du?“ Sie sagte: „In der Nacht konnte ich es nicht verrichten; aber jetzt kann ich es nicht aufgeben.“ 290

Sie fastete den größten Teil des Jahres. In manchen Überlieferungen heißt es, dass sie ständig im Fastenzustand gewesen sei.²⁹¹ Einmal fastete sie im Sommer am Tag von Arafat. Die Hitze und die Sonnenglut waren so stark, dass man ihr Wasser auf den Kopf spritzte. Als ihr Bruder ʿAbdur-Rahman (r.a.) diesen Zustand sah, sagte er: „Welchen Sinn hat es, bei dieser ungeheuren Hitze zu fasten? Brechen Sie das Fasten.“ Sie erwiderte: „Ich habe aus dem Mund des Gesandten Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) gehört, dass demjenigen, der am Tag von Arafat fastet, die Sünden eines ganzen Jahres vergeben werden. Und trotzdem sollte ich mein Fasten brechen?“²⁹²

Sie hielt äußerst streng am Haddsch fest. Nur sehr wenige Jahre vergingen, ohne dass sie den Haddsch vollzog. Gegen Ende seines Lebens schickte der Kalif Hazrat ʿUmar (r.a.) Hazrat ʿUthman (r.a.) und ʿAbdur-Rahman ibn ʿAuf (r.a.) gemeinsam mit den Ehefrauen des Gesandten Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) zum Haddsch.²⁹³ Während des Haddsch waren bestimmte Aufenthaltsorte für sie festgelegt. Zunächst hielten sie sich am Ende des Wadi Namir auf. Als sich dort die Menschenmenge zu vermehren begann, schlugen sie in einiger Entfernung davon an einem Ort namens Araf ein Zelt auf. Manchmal hielten sie sich am Fuß des „Jabal Sabir“ auf. Am Tag von Arafat fasteten sie. Wenn die Menschen begannen, Arafat zu verlassen, brach sie ihr Fasten.²⁹⁴

Sie war gegenüber Sklaven und Sklavinnen sehr gütig. Wann immer sich eine Gelegenheit bot, ließ sie unter verschiedenen Vorwänden Sklaven frei. Einmal befreite sie allein als Sühne für einen einzigen Eid vierzig Sklaven. Insgesamt belief sich die Zahl der von ihr befreiten Sklaven und Sklavinnen auf 67 (siebenundsechzig).²⁹⁵ Sie besaß eine Sklavin aus dem Stamm Tamim. Sie hatte aus dem Mund des Gesandten Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) gehört, dass dieser Stamm von Ismaʿil (a.s.) abstamme. Auf einen Hinweis des Gesandten Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) hin ließ sie die Sklavin frei. In Medina lebte eine Sklavin namens Buraira. Sie hatte mit ihrem Herrn einen Vertrag geschlossen, nach dem sie sich gegen Zahlung eines bestimmten Betrags freikaufen konnte. Danach begann sie, die Menschen um Hilfe zu bitten. Als Hazrat ʿAischa (r.a.) davon erfuhr, zahlte sie allein den gesamten Betrag und ließ sie frei. Einmal wurde sie krank. Die Leute begannen zu sagen, vielleicht habe jemand Zauberei gegen sie angewandt. Sie rief eine Sklavin zu sich und fragte sie: „Hast du Zauberei betrieben?“ Diese gestand es. Sie fragte erneut: „Warum?“ Die Sklavin sagte: „Damit Sie bald sterben und ich frei werde.“ Hazrat ʿAischa (r.a.) ordnete an: „Verkaufe sie an einen schlechten Menschen und kaufe mit diesem Geld einen Sklaven und befreie ihn.“ Dieser Befehl wurde ausgeführt.²⁹⁶ In al-Mustadrak al-Hakims Kapitel über die Medizin wird berichtet, dass sie der Sklavin diese Strafe wegen ihrer schariatswidrigen Handlung auferlegte.

Arme und Bedürftige sollten entsprechend ihrer Würde unterstützt werden. Hazrat ʿAischa (r.a.) achtete stets darauf. Einmal kam ein gewöhnlicher Bettler zu ihr. Sie gab ihm ein Stück Brot und verabschiedete ihn. Danach kam ein Bettler in etwas besserer Kleidung. Er machte den Eindruck eines angesehenen Mannes. Sie ließ ihn Platz nehmen, bewirtete ihn und verabschiedete ihn. Die Anwesenden wollten den Grund für die unterschiedliche Behandlung der beiden Bettler erfahren. Sie sagte: „Der Gesandte Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) hat gesagt, dass man die Menschen entsprechend ihrer Würde behandeln soll.“²⁹⁷

Sie maß selbst den ganz gewöhnlichen Geboten und Verboten der Scharia größte Bedeutung bei. Auch kleine verbotene Handlungen vermied sie. Wenn sie unterwegs das Läuten einer Glocke hörte, blieb sie sofort stehen, damit es nicht an ihr Ohr drang.²⁹⁸ In einem ihrer Häuser wohnte ein Mieter. Er spielte Schach. Sie teilte ihm mit: „Wenn du diese Tätigkeit nicht aufgibst, werde ich dich aus dem Haus hinauswerfen.“²⁹⁹

ʿAischa bint Talha berichtet: Ein Dschinn pflegte immer wieder das Haus von Hazrat ʿAischa (r.a.) zu betreten. Sie verbot ihm wiederholt, auf diese Weise ins Haus zu kommen, und drohte ihm sogar mit dem Tod. Dennoch kam er weiterhin. Eines Tages schlug sie den Dschinn mit einem eisernen Dolch und tötete ihn. Danach sah sie im Traum jemanden, der zu ihr sagte: „Du hast den und den getötet; doch er hatte an der Schlacht von Badr teilgenommen. Außer wenn du dich im Zustand der Verschleierung befandest, betrat er dein Haus nicht. Er kam zu dir, um die Hadithe des Gesandten Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) zu hören.“ Hazrat ʿAischa (r.a.) erzählte ihrem Vater von diesem Traum. Dieser forderte sie auf, als Blutgeld zwölftausend Dirham als Sadaqa zu geben. Imam adh-Dhahabi überliefert dieses Ereignis in seinem Werk Siyar Aʿlam an-Nubala. Imam Ahmad sagt bei der Überlieferung dieses Ereignisses in seinem Musnad, dass der Dschinn in Gestalt einer Schlange zu kommen pflegte und Hazrat ʿAischa (r.a.) als sein Blutgeld einen Sklaven freiließ.

Die Stellung und der Rang von Hazrat ʿAischa (r.a.)

In Sahih Muslim, im Kapitel „Al-Fada’il“, wird berichtet, dass der Gesandte Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) sagte: „Ich hinterlasse euch zwei gewaltige Dinge: das Buch Allahs und die Ahl al-Bait (oder die Familienangehörigen).“ Fachleute haben gesagt: Die Bedeutung dieser Aussage des Gesandten Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) ist, dass das Buch Allahs zwar aufgrund seiner einfachen und klaren Sprache und Darstellung leicht zu verstehen und umzusetzen ist, dass es jedoch auf der Welt stets Menschen geben wird, die seine Geheimnisse enthüllen und seine wissenschaftliche und praktische Auslegung darlegen können. Nach dem Gesandten Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) sollte man solche Menschen unter den Ahl al-Bait suchen.

Über den hochgeehrten Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sind zahlreiche Aussagen und Worte über Hadhrat ʿĀʾischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) überliefert. Auch ʿĀʾischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) hatte sich durch ihre Gemeinschaft mit dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und durch seine Unterweisung entsprechend vervollkommnet. Vor allem aber hatte sie sich durch ihren von Natur aus scharfen Verstand und ihre Fähigkeiten in besonderer Weise geschult. Daher besteht kein Zweifel daran, dass sie unter den Angehörigen des Hauses des Propheten eine herausragende Stellung innehatte. Auf dieser Grundlage lässt sich sagen: Wer hätte das Buch Allahs und die Sunna des Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, besser auslegen und erläutern und die islamischen Rechtsbestimmungen besser lehren können als sie? Die Menschen konnten den Propheten nur außerhalb des Hauses sehen; den Propheten im Inneren des Hauses bekamen sie nicht zu Gesicht. Hadhrat ʿĀʾischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) hingegen hatte das Glück, den Propheten sowohl außerhalb als auch innerhalb des Hauses und in allen Lebenslagen zu sehen. Deshalb sagte der Prophet Allahs:300

Es wird auf Arabisch folgen.

– ʿĀʾischas (möge Allah mit ihr zufrieden sein) Vorzug gegenüber allen Frauen ist wie der Vorzug des Tharīd gegenüber allen Speisen. Durch einen wahrhaftigen Traum erhielt der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die frohe Nachricht, dass er ʿĀʾischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) zur Ehefrau nehmen werde. Außer in ihrem Bett empfing der Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in keinem anderen Bett einer seiner Ehefrauen Offenbarungen. Der erhabene Engel Dschibrīl, der Vertrauenswürdige, übermittelte ihr den Friedensgruß. Sie hatte zweimal das Glück, Dschibrīl zu sehen. Allah, der Herr der Welten, offenbarte Verse, in denen ihre Reinheit verkündet wurde. Auch hat der Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, verkündet, dass sie im Jenseits seine Ehefrau sein werde. All dies ist im Kapitel über die Ehre und den Vorzug ʿĀʾischas in Sahīh al-Buchārī überliefert.

Hadhrat ʿĀʾischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) sagte: „Ich sage dies nicht aus Stolz, sondern schildere lediglich die tatsächlichen Tatsachen. Allah, der Erhabene, hat mir einige besondere Vorzüge verliehen, die Er niemand anderem verliehen hat: (1) Ein Engel zeigte dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, mein Bild im Traum. (2) Der Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, heiratete mich, als ich sieben Jahre alt war. (3) Im Alter von neun Jahren zog ich in das Haus meines Ehemannes. (4) Ich war die einzige jungfräuliche Ehefrau des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. (5) Selbst wenn er in meinem Bett lag, empfing er Offenbarungen. (6) Ich war seine geliebteste Ehefrau. (7) Verse des Korans wurden offenbart, die meine Unschuld verkündeten. (8) Ich habe Dschibrīl (Friede sei mit ihm) mit eigenen Augen gesehen. (9) Der Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, hauchte seinen letzten Atemzug aus, während sein Kopf auf meinem Schoß lag. (10) Ich bin die Tochter seines Kalifen und seines Siddīq. (11) Ich wurde rein erschaffen. (12) Mir wurden Vergebung und eine gute Versorgung im Paradies versprochen. (13) Im letzten Augenblick des irdischen Lebens des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, vermischte sich mein Speichel mit seinem Speichel. (14) In meinem Haus wurde er bestattet.“ Weitere solche Vorzüge und Ehren hat sie selbst erwähnt, und auch viele andere Gefährten haben davon berichtet. Sie sind in den Hadith- und Sīra-Werken überliefert.301

Angesichts all dieser Vorzüge und besonderen Eigenschaften Hadhrat ʿĀʾischas (möge Allah mit ihr zufrieden sein) meinten einige Gelehrte, sie habe sogar einen höheren Rang als ihr Vater Abū Bakr (möge Allah mit ihm zufrieden sein) besessen. Imam adh-Dhahabī sagt, diese Auffassung sei nicht anzunehmen. Er sagt: „Allah, der Erhabene, hat jedem Ding seine besonderen Vorzüge verliehen. Wir bezeugen vielmehr, dass sie im Diesseits und im Jenseits die Ehefrau des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ist. Gibt es für sie eine größere Ehre als diese? Dennoch besaß Hadhrat Chadīdscha besondere Eigenschaften, die niemand sonst erlangen konnte. Ja, ich glaube, dass Chadīdscha (möge Allah mit ihr zufrieden sein) aus vielen Gründen einen weit höheren Rang als sie besaß.“302

Wenn wir Hadhrat ʿĀʾischa as-Siddīqa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) in ihrer gesegneten Lebensgeschichte vergleichend und analytisch betrachten, finden wir bei ihr – nicht nur im Vergleich zu allen weiblichen Gefährten, sondern auch zu vielen bedeutenden männlichen Gefährten – vor allem folgende herausragende Eigenschaft: Sie war von Geburt und Wesen her mit einem scharfen, nachdenklichen und besonnenen Verstand ausgestattet. Ihr Rang war außerordentlich hoch hinsichtlich ihres tiefen Verständnisses der Bedeutung der Religion, ihrer Fähigkeit und Kraft zum Idschtihād, ihrer Methoden der Kritik und Prüfung, ihres angemessenen Verständnisses der Ereignisse, ihres tiefen Einblicks sowie ihrer Fähigkeit, richtige und zutreffende Entscheidungen und Meinungen zu äußern.

Alles, was sie sagte und an Erklärungen und Auslegungen darlegte, stand vollkommen im Einklang mit Weisheit und Verstand. Es dürfte schwer sein, unter ihren Überlieferungen eine zu finden, für deren Bestätigung der menschliche Verstand und die Weisheit allerlei Taʾwīl oder Auslegungen benötigen würden. Gewiss hatte sie als eine dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, besonders nahestehende Person eine hervorragende Gelegenheit, all seine Worte und Taten zu studieren. Wenn wir jedoch bedenken, dass es neben ihr viele weitere Menschen gab, deren Nähe zu ihm in keiner Weise geringer war als ihre, wird die Überlegenheit von Hadhrat ʿĀʾischas (möge Allah mit ihr zufrieden sein) Verstand und geistiger Fähigkeit deutlich. Immer wieder führt uns dies zu derselben Feststellung: Die aus dem Mund des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, hervorgegangenen Worte hörten außer ʿĀʾischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) auch viele andere. Doch zu den Schlussfolgerungen, zu denen sie gelangte, und zum eigentlichen inneren Gehalt, den ihr Verstand und ihre geistige Auffassungskraft zu erfassen vermochten, waren die anderen nicht fähig.

Die Umm al-Muʾminīn Hadhrat ʿĀʾischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) war eine der herausragendsten und begabtesten Schülerinnen in der Lehrstätte des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Umfang und Tiefe ihres Wissens waren unübertroffen. Ihre Überlegenheit auf dem Gebiet des Wissens beschränkte sich nicht nur auf die Frauen ihrer Zeit, auf sämtliche Ummahāt al-Muʾminīn, die Ehefrauen des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und Mütter aller Gläubigen, oder auf einen Teil der Gefährten; vielmehr erstreckte sie sich – abgesehen von einigen herausragenden Gefährten – auf alle Gefährten. Hadhrat Abū Mūsā al-Aschʿarī (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte:303 „Wir Gefährten Muhammads, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, standen niemals vor einer schwierigen Frage, über die wir ʿĀʾischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) befragten, ohne bei ihr Wissen darüber zu finden.“

Hazrat Abu Musa al-Asch’ari (möge Allah mit ihm zufrieden sein) war ein Sahabi von außerordentlich hohem Rang. Seine oben angeführten Worte vermitteln einen Eindruck vom Umfang und der Breite des Wissens von Hazrat Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein). Der berühmte Tabi’i Hazrat Ata ibn Abi Rabah, dem die Gunst zuteilwurde, Schüler vieler Sahaba zu sein, sagte:304

Hazrat Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) war unter den Menschen die größte Faqiha, die Gelehrteste und besaß unter der Allgemeinheit die trefflichste Urteilskraft.

Der als Imam der Tabi’in bekannte Hazrat Imam Zuhri, der unter der Obhut mehrerer hochrangiger Sahaba aufgewachsen war, sagte:305

– Hazrat Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) war der größte Gelehrte unter den Menschen. Viele der bedeutendsten Sahaba des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) fragten sie um Rat.

Abu Salama, der angesehene und hochgeehrte Sohn des berühmten Sahabi Hazrat Abd ar-Rahman ibn Auf (möge Allah mit ihm zufrieden sein) und selbst ein Tabi’i von sehr hohem Rang, sagte:306

‘Was das Wissen über die Sunna des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), die Abgabe eines Urteils in einer Angelegenheit, wenn dies erforderlich ist, die Anlässe der Offenbarung der Verse und die Angelegenheiten der religiösen Pflichten betrifft, habe ich niemanden gesehen, der Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) an Sachkenntnis und Sicherheit des Urteils übertroffen hätte.

Eines Tages fragte Hazrat Amir Muawiya (möge Allah mit ihm zufrieden sein) einen Mann an seinem Hof: „Nun, sagen Sie mir: Wer ist gegenwärtig der größte Gelehrte?“ Der Mann antwortete: „Amir al-Mu’minin! Sie.“ Hazrat Amir Muawiya (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: „Nein. Ich beschwöre Sie bei Allah, sagen Sie die Wahrheit.“ Da antwortete der Mann: „Wenn das so ist, dann ist es Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein).“

Hazrat Urwa ibn az-Zubair (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte:

Auf Arabisch lautet es:

– Ich habe niemanden gesehen, der in Halal und Haram, in der Gelehrsamkeit, in der Dichtkunst und in der Medizin bewanderter gewesen wäre als Umm al-Mu’minin Aischa (r.a.).

In einer anderen Überlieferung werden die Worte von Hazrat Urwa folgendermaßen wiedergegeben:

Auf Arabisch lautet es:

– Ich habe niemanden gesehen, der in der Kenntnis des Korans, der Erbanteilslehre, von Halal und Haram, der Fiqh, der Dichtkunst, der Medizin, der Geschichte und der Genealogie der Araber gelehrter gewesen wäre als Aischa (r.a.).

Der berühmte Tabi’i Hazrat Masruq (r.a.), der unter der Anleitung von Hazrat Aischa (r.a.) erzogen und ausgebildet worden war, wurde einmal gefragt: Beherrschte Umm al-Mu’minin Aischa (r.a.) auch die Erbanteilslehre? Er antwortete:

Auf Arabisch lautet es:

– Ich schwöre bei Dem, in Dessen Hand mein Leben liegt! Ich habe die bedeutendsten Gefährten des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) gesehen, wie sie sie zu Fragen der Erbanteilslehre befragten. Auch die anderen Ehefrauen des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) erfüllten die Verantwortung und Pflicht, die Hadithe und Sunna des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu bewahren, zu überliefern und zu verbreiten. Doch keine von ihnen konnte die Stufe von Hazrat Aischa (r.a.) erreichen. In diesem Zusammenhang bemerkte Mahmud ibn Labid:

Arabisch lautet

-Die Ehefrauen des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) hatten sich viele Hadithe eingeprägt. Doch niemand konnte die gleiche Stellung wie ʿAischa (r.a.) und Umm Salama (r.a.) erreichen.

Imam Zuhri (r.a.) bezeugt dies mit folgenden Worten:

Arabisch lautet

-Wenn man das Wissen aller Menschen und der Ehefrauen des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zusammengetragen hätte, wäre das Wissen von ʿAischa (r.a.) unter ihnen umfassender und weitreichender gewesen.

Nach einer anderen Überlieferung sagte Imam Zuhri: „Wenn man das Wissen der gesamten weiblichen Menschheit und das Wissen von ʿAischa (r.a.) zusammengetragen hätte, wäre das Wissen von ʿAischa (r.a.) das überlegene gewesen.“

Im Zusammenhang mit den oben angeführten Überlieferungen sagt ʿAllāma Dhahabī: „Sie war eine gewaltige Schatzkammer des Wissens.“ Er sagt außerdem: „In der Gemeinschaft Muhammads und unter den Frauen im Allgemeinen gibt es niemanden, der gelehrter wäre als sie.“

Einige Hadith-Gelehrte führen bei der Darlegung der Vorzüge von ʿAischa (r.a.) einen Hadith des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) an:

Arabischer Text folgt

– Nehmt einen Teil eurer Religion von Humayra. In Wissen und Ijtihad, also in Erkenntnis und Forschung, konnte Hadhrat ʿAischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) nicht nur unter den Frauen, sondern auch unter den Männern eine herausragende Stellung einnehmen. Ihre Stellung und ihr Rang in der Kenntnis des Korans, der Sunna, der Fiqh und der religiösen Rechtsbestimmungen waren so hoch, dass ihr Name ohne Weiteres neben denen von ʿUmar (möge Allah mit ihm zufrieden sein), ʿAli (möge Allah mit ihm zufrieden sein), ʿAbdullah ibn Masʿud (möge Allah mit ihm zufrieden sein), ʿAbdullah ibn ʿAbbas (möge Allah mit ihm zufrieden sein) und anderen genannt werden kann. Hier geben wir kurz einen Überblick über den Umfang und die Tiefe ihres Wissens in verschiedenen Wissenschaftsgebieten.

Der edle Koran

Wir wissen, dass der heilige Koran über einen Zeitraum von dreiundzwanzig Jahren offenbart wurde. Hadhrat ʿAischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) kam im vierzehnten Jahr der Koranoffenbarung im Alter von gerade neun Jahren in das Haus des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Die Zeit ihres Zusammenlebens mit dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) betrug nicht mehr als zehn Jahre. Der größte Teil der Zeit der Koranoffenbarung verging, bevor ihr Wissen gewachsen und sie zur Reife gelangt war. Doch eine Persönlichkeit mit einer solch außergewöhnlichen Begabung und Geisteskraft ließ auch ihre Kindheit nicht ungenutzt verstreichen. In Mekka kam der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu verschiedenen Zeiten in das Haus von Hadhrat Siddiq al-Akbar (möge Allah mit ihm zufrieden sein). Auch Siddiq al-Akbar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) hatte in seinem Haus eine Moschee errichtet. Dort saß er und rezitierte den heiligen Koran mit äußerster Demut und Ehrfurcht.

Aufgrund des außergewöhnlichen Gedächtnisses von Hadhrat ʿAischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) war es unmöglich, dass sie aus all diesen Umgebungen und Umständen keinen Nutzen zog. Daher hören wir sie den dritten Vers der Sure al-Qamar

Arabischer Text folgt

darüber sagen:

Arabischer Text folgt

Dieser Vers wurde in Mekka auf Muhammad (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) herabgesandt. Ich war damals noch ein kleines Mädchen und spielte.

Als sich der Vorfall der Ifk-Verleumdung ereignete, war Hadhrat ʿĀʾischas (möge Allah mit ihr zufrieden sein) Alter etwa dreizehn oder vierzehn Jahre. Bis dahin hatte sie noch keinen großen Teil des Korans auswendig gelernt. Sie selbst sagte:

Es wird Arabisch sein

—Damals war ich noch ein junges Mädchen und hatte nicht sehr viel Koran gelesen. Trotzdem pflegte ich schon zu jener Zeit Koranverse anzuführen.

Hadhrat ʿĀʾischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) hatte einen Sklaven namens Abū Yūnus. Er konnte lesen und schreiben. Sie ließ durch diesen Abū Yūnus für sich eine Abschrift des Korans anfertigen.

Aufgrund des Umgangs mit Nichtarabern zeigten sich die größten Abweichungen in der Koranrezitation im Irak.

Einmal kam ein Mann aus dem Irak, um Hadhrat ʿĀʾischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) zu besuchen. Er sagte: „Mutter der Gläubigen! Zeigen Sie mir bitte Ihre Koranhandschrift.“ Als Hadhrat ʿĀʾischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) nach dem Grund fragte, sagte er: „Bei uns halten die Menschen bis heute keine bestimmte Reihenfolge bei der Koranrezitation ein. Ich möchte meine Koranhandschrift entsprechend Ihrer anordnen.“ Sie sagte: „Es schadet nichts, wenn die Anordnung der Suren vor- oder zurückgestellt ist.“ Dann holte sie ihre eigene Koranhandschrift hervor und ließ ihn die Verse jeder einzelnen Sure vorlesen und niederschreiben.

Während ihres Ehelebens mit dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) pflegte Hadhrat ʿĀʾischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein), wenn ihr die Bedeutung eines Verses nicht verständlich war, ihren Ehemann, den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), zu fragen und sich von ihm aufklären zu lassen. In den authentischen Hadithen wird berichtet, dass sie den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu zahlreichen Versen befragte. Außerdem erging seitens Allahs an die Ehefrauen des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), die Mütter der Gläubigen, folgende Anweisung:

Auf Arabisch lautet es:

– O Mitglieder des Hauses des Propheten! Gedenkt der Zeichen Allahs und der weisen Worte, die in euren Häusern verlesen werden.

Sie handelten entsprechend dieser Anweisung, jeder nach seiner Befähigung und seinen Möglichkeiten. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) rezitierte im Tahadschud-Gebet die langen Suren des Korans mit größter Hingabe sowie in Demut und Bescheidenheit. Bei diesen Gebeten betete auch Hadhrat Aischa (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) hinter dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Außer im Bett von Hadhrat Aischa (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) wurde bei keiner anderen Ehefrau des Propheten eine Offenbarung des Korans empfangen. Daher erreichte der erste Klang der offenbarten Verse stets ihre Ohren. Sie berichtet: „Als die Suren al-Baqara und an-Nisa offenbart wurden, war ich beim Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm).

Kurz gesagt erlangte Hadhrat Aischa (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) aufgrund all dieser Umstände und Bedingungen vollständige Befähigung hinsichtlich der Rezitationsweise jedes Koranverses, seiner Tragweite und Bedeutung sowie der Methoden zur Ableitung der rechtlichen Bestimmungen. Deshalb wandte sie sich bei jeder Frage zunächst dem Heiligen Koran zu. Neben den Glaubensgrundlagen, der Rechtswissenschaft und den rechtlichen Bestimmungen versuchte sie auch, die Lebensweise und den Charakter des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sowie alles, was mit der grundlegenden Geschichte zusammenhing, durch den Heiligen Koran zu verstehen. Einmal kamen einige Menschen zu ihr. Sie sagten: „Mutter der Gläubigen! Erzählt uns etwas über den Charakter des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm)!“ Sie erwiderte: „Lest ihr denn nicht den Koran? Sein Charakter war der Koran.“ Sie fragten erneut: „Wie war die Art und Weise der nächtlichen Anbetung des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm)?“ Sie antwortete: „Habt ihr nicht die Sure al-Muzzammil gelesen?“

Von den ehrenwerten Gefährten ist nur sehr wenig Koranauslegung mit zuverlässiger Überlieferungskette überliefert worden. Unter dem, was überliefert wurde, sind die auslegungsbezogenen Überlieferungen von Hadhrat Aischa (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) keineswegs unbedeutend. Hier werden einige davon kurz angeführt:

Das Laufen zwischen den beiden Bergen Safa und Marwa ist eine der wichtigsten Handlungen der Hadsch. Dazu ist im Edlen Koran folgender Vers offenbart worden:

Auf Arabisch lautet es:

– Wahrlich, Safa und Marwa gehören zu den Zeichen Allahs, des Erhabenen. Wer daher am Haus der Kaaba die Hadsch oder die Umra vollzieht, für den ist es kein Fehl, diese beiden zu umrunden.

Eines Tages sagte ʿUrwa: „Meine Tante mütterlicherseits! Die Bedeutung dieses Verses ist doch, dass es keine Sünde ist, wenn jemand die Umrundung von Safa und Marwa nicht vollzieht.“ ʿAischa (Allahs Wohlgefallen auf ihr) sagte: „Mein Neffe, das hast du nicht richtig gesagt. Wenn die Bedeutung des Verses tatsächlich das wäre, was du verstanden hast, dann hätte Allah es so gesagt:“

Auf Arabisch lautet es:

– das heißt: Es ist keine Sünde, wenn sie die Umrundung nicht vollziehen. Dieser Vers wurde ursprünglich im Zusammenhang mit den Ansar offenbart. Die Angehörigen der medinensischen Stämme Aus und Chazradsch verehrten in ihrem vorislamischen Leben die Göttin Manat. Das Standbild der Manat befand sich in der Nähe von Qudaid auf dem Berg Muschallal. Deshalb hielten sie die Umrundung von Safa und Marwa für etwas Schlechtes. Nach ihrem Übertritt zum Islam fragten sie den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm): „Vor dem Islam haben wir dies so getan; welche Bestimmung gilt nun dafür?“ In diesem Zusammenhang sagte Allah: „Vollzieht die Umrundung von Safa und Marwa; darin liegt keine Sünde.“ Danach sagte sie: „Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) hat Safa und Marwa umrundet. Nun hat niemand das Recht, dies zu unterlassen.“

Das grundlegende Prinzip, das sich aus der Auslegung von ʿAischa (Allahs Wohlgefallen auf ihr) ergibt, lautet: Um den Koran zu verstehen, muss man ihn auf Grundlage der arabischen Satzregeln und des von den Arabern verwendeten Wortgebrauchs verstehen.

Im 110. Vers der Sure Yusuf sagt Allah, der Erhabene:

Auf Arabisch lautet es:

– Als schließlich die Gesandten jede Hoffnung verloren hatten und die Leute dachten, den Gesandten sei eine falsche Zusicherung gegeben worden, kam Unsere Hilfe zu ihnen.

Der hochgeehrte ʿUrwa fragte die hochgeehrte ʿAischa (Allahs Wohlgefallen auf ihr): „Auf Arabisch lautet es?“

(d. h. den Gesandten wurde etwas Falsches versprochen) soll es heißen, nicht: Es soll auf Arabisch heißen.

(d. h. sie wurden als Lügner bezeichnet) soll es heißen? „Aischa (r.a.) sagte: Es soll auf Arabisch heißen.“

(Sie wurden als Lügner bezeichnet.) ‘Urwa sagte: Die Gesandten waren doch fest davon überzeugt, dass sie als Lügner bezeichnet worden waren und ihre Landsleute ihren Anspruch auf das Prophetentum für eine Lüge erklärt hatten. Was bedeutet dann die Formulierung „Sie meinten oder vermuteten“? Deshalb ist die Lesart „Ihnen wurde ein falsches Versprechen gegeben“ die richtige. ‘Aischa (r.a.) sagte: Allah bewahre! Können Allahs Propheten und Gesandten etwa eine solche Meinung über Allah hegen, dass ihnen falsche Versprechungen hinsichtlich Seiner Hilfe gemacht worden seien? Da wollte ‘Urwa wissen: Welche Bedeutung hat der Vers dann? Sie sagte: Diese Aussage bezieht sich auf die Anhänger der Gesandten. Als sie gläubig wurden und deren Prophetentum als wahr anerkannten, fügten ihre Landsleute ihnen großes Leid und Verfolgung zu. Zu jener Zeit meinten sie, dass sich Allahs Hilfe verzögere. Schließlich verzweifelten sogar die Gesandten daran, dass die Ungläubigen unter ihren Landsleuten den Glauben annehmen würden. Sie befürchteten, dass die Gläubigen wegen dieser Verzögerung der Hilfe Allahs uns nicht etwa als Lügner bezeichnen würden. Da kam plötzlich Allahs Hilfe.

Wenn eine Ehefrau eine Beschwerde gegen ihren Ehemann hat, lautet die Anweisung des Korans:

soll es auf Arabisch heißen

– Wenn eine Ehefrau das schlechte Benehmen und die Vernachlässigung ihres Ehemannes befürchtet, ist es kein Vergehen, wenn beide eine gütliche Einigung anstreben; und eine gütliche Einigung ist besser.

Eine gütliche Einigung zur Beseitigung der Unzufriedenheit zu erzielen, ist doch eine ganz gewöhnliche Angelegenheit. Warum musste Allah, der Erhabene, dafür eine besondere Anordnung offenbaren? Hadhrat ‘Aischa (r.a.) sagte: Dieser Vers wurde über eine Ehefrau offenbart, deren Ehemann nicht häufig zu ihr kommt. Oder er wurde über eine Ehefrau offenbart, deren Ehemann nicht häufig zu ihr kommt. Oder über eine Ehefrau, die wegen ihres fortgeschrittenen Alters nicht in der Lage ist, ihren Ehemann zufriedenzustellen. Wenn die Ehefrau in einer solchen besonderen Situation keine Scheidung wünscht und, während sie Ehefrau bleibt, auf ihre eigenen Rechte gegenüber ihrem Ehemann verzichtet, die ihr zustehen, dann ist eine solche gütliche Einigung nicht schlecht. Vielmehr ist sie besser, als sich voneinander zu trennen.

Allah, der Erhabene, hat im 238. Vers der Sure al-Baqara gesagt:

Der arabische Wortlaut lautet:

—Seid gewissenhaft in Bezug auf alle Gebete, insbesondere auf das mittlere Gebet. Unter den ehrenwerten Gefährten herrschte Uneinigkeit darüber, welches Gebet mit dem „mittleren Gebet“ gemeint ist. Nach der Auffassung von Zaid ibn Thabit (r.a.) und Usama (r.a.) ist damit das Zuhr-Gebet gemeint. Einige Gefährten waren der Ansicht, es sei das Fajr-Gebet. ʿAischa (r.a.) sagte, mit dem mittleren Gebet sei das ʿAsr-Gebet gemeint. Sie war von der Richtigkeit dieser ihrer Auslegung so überzeugt, dass sie den arabischen Wortlaut in die Randnotiz ihres Mushafs eintragen ließ. Abu Yunus, der Diener ʿAischas (r.a.), sagte: Sie wies mich an, einen Koran abzuschreiben, und sagte: „Wenn du zu diesem Vers gelangst, gib mir Bescheid.“ Als ich zu diesem Vers gelangt war, ließ sie den arabischen Wortlaut von mir niederschreiben.

Dann sagte sie: „So habe ich es vom Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) gehört.“

Im Grunde ist der arabische Wortlaut kein Koranvers, sondern seine Auslegung. In Sure al-Baqara, Vers 284, sagt Allah, der Erhabene:

der arabische Wortlaut lautet:

—Ob ihr offenlegt, was in euren Herzen ist, oder es verbergt, Allah wird euch dafür zur Rechenschaft ziehen. Dann wird Er vergeben, wem Er will, und bestrafen, wen Er will.

Aus diesem Vers lässt sich verstehen, dass Allah den Menschen für alle Gedanken und Vorstellungen zur Rechenschaft ziehen wird, die auch nur für einen Augenblick in seinem Inneren aufkommen. Wenn Allah jedoch auch die unwillkürlich aufkommenden Einflüsterungen und Vorstellungen bestrafen würde, wäre die Erlösung der Menschen unmöglich. ʿAli (r.a.) und Ibn ʿAbbas (r.a.) sagten, die Bestimmung dieses Verses sei durch den 286. Vers derselben Sure aufgehoben worden. Der Vers lautet sinngemäß:

„Allah erlegt niemandem eine Last auf, die seine Fähigkeiten übersteigt. Ihm kommt zugute, was er erworben hat, und ihn trifft, was er getan hat.“

Auch Hadhrat ʿAbdullah ibn ʿUmar (ra) vertrat die oben erwähnte Auffassung. Einst fragte ein Mann Hadhrat ʿAischa (ra) nach der Bedeutung des oben genannten Verses. Zugleich führte er den 123. Vers der Sure an-Nisāʾ an. Die Bedeutung dieses Verses lautet: „Wer Böses tut, dem wird es vergolten.“ Der Fragende sagte: Wenn dies die Sachlage ist, wie kann der Diener dann Allahs Vergebung und Barmherzigkeit erlangen, und wie kann er überhaupt auf Erlösung hoffen? Hadhrat ʿAischa (ra) sagte: Nachdem ich den Gesandten Allahs (sallallāhu ʿalaihi wa sallam) nach der Auslegung dieses Verses gefragt hatte, bist du der Erste, der mir diese Frage stellt. Das Wort Allahs ist wahr. Doch Allah, der Erhabene, vergibt Seinen Dienern ihre kleinen Fehler und Verfehlungen durch verschiedene Arten von Leid und Prüfungen. Wenn ein gläubiger Mensch krank wird oder ein Unglück über ihn hereinbricht, wenn er etwa etwas verlegt und vergisst, wo er es hingelegt hat, und bei der Suche danach unruhig wird – all dies wird für ihn zu einem Mittel und Anlass, Allahs Vergebung und Barmherzigkeit zu erlangen. Schließlich erreicht der Zustand einen solchen Punkt, dass der gläubige Mensch ebenso rein und geläutert aus dieser Welt scheidet, wie Gold durch das Brennen im Feuer ganz rein wird.

Im sechsten Vers der Sure an-Nisāʾ wird über das Vermögen der Waisen gesagt:

Arabisch folgt

— Die Wohlhabenden sollen sich gewiss davon enthalten, das Vermögen der Waisen zu verbrauchen. Wer jedoch bedürftig ist, darf in angemessenem Maß davon essen.

Die Anweisung dieses Verses bezieht sich auf die Vormünder der Waisen. Hadhrat Ibn ʿAbbās (ra) überliefert, dass die Bestimmung des genannten Verses durch den folgenden zehnten Vers der Sure an-Nisāʾ aufgehoben wurde:

Arabisch folgt

— Diejenigen, die das Vermögen der Waisen zu Unrecht verzehren, füllen ihre Bäuche wahrlich mit Feuer.

Im folgenden Vers wird jedoch die Strafe für diejenigen erwähnt, die das Vermögen der Waisen zu Unrecht verzehren. Deshalb sagt Hadhrat ʿAischa (ra), dass der Vers, in dem die Erlaubnis zum Verzehr enthalten ist, für diejenigen gilt, die sich um das Vermögen und die geschäftlichen Angelegenheiten der Waisen kümmern. Wenn ein solcher Vormund wohlhabend ist, sollte er keine Vergütung annehmen. Ist er jedoch arm, darf er entsprechend seinem angemessenen Bedarf etwas annehmen. Aufgrund dieser Auslegung von Hadhrat ʿAischa (ra) besteht zwischen der Bedeutung der beiden Verse im Grunde kein Widerspruch. Ebenso wie die oben zitierten Verse sind zahlreiche weitere Verse in den Hadith- und Tafsir-Werken von Hadhrat ʿAischa (ra) überliefert worden.

Die Hadithe:

Die reale Person des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ist im Wesentlichen der Gegenstand der Hadithwissenschaft. Deshalb war niemand dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) so nahe wie jene Person, die die größte Möglichkeit zu seiner Nähe hatte – und diese Möglichkeit war ʿĀʾischa (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr). Sie wurde drei Jahre vor der Hidschra mit dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) verheiratet, blieb jedoch nach der Hidschra sechs Monate lang vom Anblick ihres Mannes getrennt. Wenige Tage nach ihrer Ankunft in Medina zog sie in das Haus ihres Mannes und blieb von da an ununterbrochen bei ihm. Die erste Phase des Islams verbrachte sie bereits in ihrer Kindheit. Doch ihre natürliche Begabung und ihr hervorragendes Gedächtnis machten diesen Nachteil wieder wett. Unter den Ehefrauen des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) war nur Ḥazrat Sawda (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) älter als ʿĀʾischa (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) und hatte länger mit ihm zusammengelebt. Ihre körperlichen und geistigen Kräfte begannen nachzulassen. Bereits einige Jahre vor dem Tod des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) war sie nicht mehr in der Lage, ihrem Mann zu dienen. ʿĀʾischa (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) dagegen war eine junge Frau im aufstrebenden Alter. In dieser Lebensphase nahmen ihre Intelligenz und ihre Weisheit von Tag zu Tag zu. Bis zum letzten Augenblick des irdischen Lebens des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) hatte sie die Möglichkeit, ihm zu dienen. Daher war sie über seinen gesamten Zustand und alle Bestimmungen der Scharia besser informiert als jeder andere.

Mit Ausnahme von Ḥazrat Sawda (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) heirateten die übrigen Ehefrauen ʿĀʾischa (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) nach dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Da Ḥazrat Sawda (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) wegen ihres hohen Alters ihren ihr zugeteilten Tag ʿĀʾischa (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) schenkte, hatte ʿĀʾischa zwei Tage, während die anderen Ehefrauen alle acht Tage nur einen Tag die ausschließliche Nähe des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) genießen konnten. Die Moschee, die das allgemeine Bildungszentrum des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) war, lag glücklicherweise direkt neben dem Haus ʿĀʾischas (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr). Aus all diesen Gründen konnte keine der Ehefrauen ʿĀʾischa (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) in ihrer Kenntnis der Hadithe und der Lebensweise des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) gleichkommen.

Die Zahl der von ʿĀʾischa (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) überlieferten Hadithe ist so groß, dass außer den Ehefrauen des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), den Gefährtinnen und lediglich vier oder fünf weiteren männlichen Gefährten niemand Anspruch darauf erheben kann, ihr gleichzukommen. Große Gefährten wie Ḥazrat Abū Bakr aṣ-Ṣiddīq (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm), Ḥazrat ʿUmar (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm), Ḥazrat ʿUthmān (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm) und Ḥazrat ʿAlī (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm) standen ʿĀʾischa (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) hinsichtlich ihres Ranges weit über ihr, aufgrund ihrer langen engen Gemeinschaft mit dem Propheten, ihres scharfen Verstands, ihrer Geisteskraft und anderer Vorzüge. Doch was eine Ehefrau naturgemäß innerhalb eines Monats über ihren Mann erfahren kann, können Verwandte und Freunde selbst in vielen Jahren nicht erfahren. Andererseits waren die genannten hochrangigen Gefährten unmittelbar nach dem Tod des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) mit der Übernahme der Aufgaben des Kalifats äußerst beschäftigt. Deshalb hatten sie nur sehr wenig Zeit und Gelegenheit, Hadithe des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu überliefern. Die von ihnen überlieferten oder bewahrten Hadithe beziehen sich jedoch auf Rechtsurteile und Bestimmungen. Sie bilden die Grundlage unserer Fiqh-Wissenschaft. Die Hauptaufgabe der Hadithüberlieferung wurde im Wesentlichen von jenen erfüllt, die von der Leitung des Kalifats entbunden waren.

Außerdem gibt es noch einen weiteren Grund dafür, dass die Zahl der von diesen hochrangigen Gefährten überlieferten Hadithe so gering ist. Ihre Zeit war vollständig die Zeit der Gefährten. Damals bestand nur selten die Notwendigkeit, dass einer den anderen nach den Worten oder Taten des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) fragte. Daher gab es nur sehr wenige Gelegenheiten zur Überlieferung von Hadithen. Die nachfolgende Generation, die den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) nicht gesehen und seine Zeit nicht erlebt hatte, waren die Tābiʿūn. Ihre Zeit begann im Wesentlichen zwanzig bis fünfundzwanzig Jahre nach dem Tod des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Sie wollten sich eingehend über das Leben des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) informieren. Doch zu jener Zeit waren jene hochrangigen Gefährten bereits aus dieser Welt geschieden. Die jüngeren Gefährten hingegen waren inzwischen in die mittlere oder letzte Phase ihres Lebens gelangt. Sie stillten den Wissensdurst der Tābiʿūn über das Leben und die Taten des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Deshalb waren die Gefährten, deren Namen in den Hadithsammlungen als zahlreiche Hadithüberlieferer erscheinen, fast alle bei dessen Tod noch junge Gefährten.

Die Gefährten, die mehr als eintausend Hadithe überliefert haben, waren nur sieben an der Zahl. Im Folgenden werden ihre Namen und die Zahl der von ihnen überlieferten Hadithe genannt:

1. Ḥazrat Abū Huraira (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm) 5364

2. Ḥazrat ʿAbdullāh ibn ʿAbbās (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm) 2660

3. Hadhrat ‘Abdullah ibn ‘Umar (r.a.) 2630

4. Hadhrat Jabir ibn ‘Abdullah (r.a.) 2540

5. Hadhrat Anas ibn Malik (r.a.) 2686

6. Hadhrat Abu Sa‘id al-Chudri (r.a.) 2270

7. Hadhrat ‘Aischa Siddiqah (r.a.) 2210

Nach der Zahl neben den oben genannten Namen steht Hadhrat ‘Aischa (r.a.) als Überlieferin von Hadithen an siebter Stelle. Diese Liste ist allerdings nicht allgemein anerkannt. Nach Ansicht vieler hat außer Hadhrat Abu Huraira (r.a.) und Hadhrat ‘Abdullah ibn ‘Abbas (r.a.) niemand mehr Hadithe überliefert als Hadhrat ‘Aischa (r.a.). Ihrer Ansicht nach steht Hadhrat ‘Aischa (r.a.) unter denjenigen, die die meisten Hadithe überliefert haben, an dritter Stelle.

Die meisten derjenigen, deren Namen hier als umfangreiche Hadith-Überlieferer genannt wurden, lebten auch nach dem Ableben der Umm al-Mu’minin ‘Aischa (r.a.) noch weiter. Daher setzte sich die Überlieferung ihrer Hadithe noch einige Zeit fort. Im Vergleich zu den Männern unterlag Hadhrat ‘Aischa (r.a.) einigen zusätzlichen Einschränkungen. So war sie eine Frau, die den Schleier wahrte. Sie konnte nicht wie die männlichen Überlieferer an jeder Versammlung teilnehmen, und die Studierenden konnten nicht nach Belieben jederzeit zu ihr kommen. Anders als die anderen hatte sie keine Gelegenheit, in die großen Städte des damaligen islamischen Kalifats zu reisen. Wenn sie wie die männlichen Überlieferer alle Möglichkeiten und Vorteile hätte nutzen können, hätte sie unter allen den ersten Rang eingenommen.

Aus der vorhergehenden Erörterung ist bekannt, dass die Gesamtzahl der von Hadhrat ‘Aischa (r.a.) überlieferten Hadithe zweitausendzweihundertzehn (2210) beträgt. Davon wurden 286 Hadithe in den Sahihain – Bukhari und Muslim – aufgenommen. 174 werden von beiden überliefert, 53 nur von Bukhari und 69 ausschließlich von Muslim. Demnach finden sich insgesamt 228 Hadithe bei Bukhari und 243 bei Muslim. Außerdem wurden die übrigen Hadithe von Hadhrat ‘Aischa (r.a.) mit ihren Überlieferungsketten in verschiedenen Werken gesammelt. Im sechsten Band des Musnad von Imam Ahmad (r.a.) (Ägypten) sind alle von Hadhrat ‘Aischa (r.a.) überlieferten Hadithe zusammengestellt. Das hohe Ansehen und die große Ehre, die Hadhrat ‘Aischa (r.a.) bei der muslimischen Umma genießt, beruhen nicht auf der großen Zahl ihrer Hadith-Überlieferungen; vielmehr sind ihr tiefes und feinsinniges Verständnis der Bedeutung der Hadithe sowie ihr Erfassen ihrer grundlegenden Sinnrichtung der entscheidende Grund. Unter den Sahaba gibt es viele, deren Zahl überlieferter Hadithe sehr gering ist. Dennoch gehören sie zu den hochrangigen Faqih-Sahaba. Diejenigen, die den eigentlichen Sinn der Worte des Gesandten Allahs (sallallahu ‘alaihi wa sallam) nicht erfassten und alles überlieferten, was sie gehört hatten, haben eine große Zahl von Überlieferungen. Wir sehen, dass von allen Sahaba, die als umfangreiche Hadith-Überlieferer bekannt sind, nur Hadhrat ‘Abdullah ibn ‘Abbas (r.a.) und Hadhrat ‘Aischa (r.a.) als Faqih und Mujtahid anerkannt wurden. Es heißt, dass ein Viertel sämtlicher Rechtsbestimmungen der Scharia von ihr überliefert wurde. Daher sagte Allama Dhahabi:

Arabisch folgt

– Die gelehrten Gefährten des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) wussten dies von ihm. Eine Gruppe von Menschen erlangte unmittelbar bei ihm tiefgehende Kenntnisse der Religion.

Hazrat ʿAischa (r.a.) verfügte neben der Fülle ihrer Überlieferungen über ein tiefes Verständnis der Bedeutung der Religion sowie über eine ausgeprägte Fähigkeit, Rechtsurteile und Bestimmungen abzuleiten. Eine besondere Eigenschaft ihrer Überlieferungen besteht darin, dass sie bei der Darstellung von Rechtsurteilen und Ereignissen in den meisten Fällen auch deren Gründe erläuterte. Um die Besonderheiten ihrer Überlieferungen deutlich hervorzuheben, wird hier ein kurzer Vergleich mit den Überlieferungen anderer Überlieferer angestellt.

Über das Baden am Freitag finden sich im Sahih al-Buchari Überlieferungen von Hazrat ʿAbdullah ibn ʿUmar (r.a.), Hazrat Abu Saʿid al-Chudri (r.a.) und Hazrat ʿAischa (r.a.). Hier werden Beispiele für die Überlieferungen dieser drei Personen gegeben. Hazrat ʿAbdullah ibn ʿUmar sagte:

Arabisch folgt

– Ich hörte den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagen: Wer von euch zum Freitagsgebet kommt, soll unbedingt vorher baden.

Hazrat Abu Saʿid al-Chudri (r.a.) sagte:

Arabisch folgt

– Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Für jeden Erwachsenen ist die Ganzkörperwaschung am Freitag verpflichtend.

Eine Überlieferung von Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) zu demselben Thema lautet folgendermaßen:

Die arabische Fassung lautet:

– Die Menschen kamen aus ihren Häusern und aus Siedlungen außerhalb von Medina. Sie kamen durch Staub und Sand. Dadurch waren sie völlig mit Schweiß und Staub bedeckt. Einmal hielt sich der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) gerade bei mir auf, als einer dieser Menschen zu ihm kam. Da sagte der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm): Es wäre besser für euch gewesen, wenn ihr an diesem Tag gebadet hättet.

Eine andere Überlieferung von Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) lautet folgendermaßen:

Die arabische Fassung lautet:

– Die Menschen arbeiteten mit ihren eigenen Händen. Wenn sie zum Freitagsgebet gingen, waren sie noch in diesem Zustand. Da wurde ihnen gesagt: Es wäre besser für euch gewesen, wenn ihr gebadet hättet.

Wir haben oben drei Überlieferungen zu demselben Thema betrachtet. Den Grund, aus dem der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) die Ganzkörperwaschung am Freitag anordnete, hat Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) ausdrücklich genannt – in den beiden anderen Überlieferungen findet sich dies nicht.

Einmal ordnete der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) an, dass das Fleisch des Opfertiers innerhalb von drei Tagen vollständig verzehrt werden müsse. Es dürfe nicht länger als drei Tage aufbewahrt werden. Hazrat ʿAbdullah ibn ʿUmar (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) und Hazrat Abu Saʿid al-Khudri (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) sowie viele weitere Gefährten hielten diese Anweisung für dauerhaft gültig. Viele von ihnen pflegten den Menschen genau dies zu sagen. Hazrat ʿAischa (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) betrachtete sie jedoch nicht als dauerhaft oder endgültig. Sie war überzeugt, dass es sich um eine vorübergehende Anweisung handelte.

Sie überliefert die Angelegenheit folgendermaßen:

Der arabische Text folgt

—Wir pflegten, das Fleisch des Opfertiers einzusalzen und aufzubewahren. In Medina brachten wir dieses Fleisch vor den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), damit es gegessen werde. Er sagte: „Esst dieses Fleisch nicht länger als drei Tage.“ Dies war kein endgültiges Verbot. Vielmehr wollte er, dass die Menschen auch anderen etwas von diesem Fleisch zu essen geben.

In einem anderen Hadith von Hazrat ʿAischa (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr), den Imam at-Tirmidhi überliefert hat, nannte sie den eigentlichen Grund für dieses Verbot. Ein Mann fragte: „Mutter der Gläubigen! Ist es verboten, das Fleisch des Opfertiers länger als drei Tage zu essen?“ Sie sagte:

Der arabische Text folgt

—Nein. Zu jener Zeit gab es jedoch nur wenige Menschen, die Opfer darbrachten. Deshalb wollte er, dass auch diejenigen von diesem Fleisch zu essen bekommen, die kein Opfer darbringen konnten.

Imam Ahmad überliefert den Hadith folgendermaßen:

Es wird auf Arabisch lauten:

– Es ist nicht richtig, dass man das Opferfleisch nach drei Tagen nicht mehr essen darf. Vielmehr konnten damals nur sehr wenige Menschen ein Opfer darbringen. Daher gab er die Anweisung, dass diejenigen, die ein Opfer darbringen, auch diejenigen mit Fleisch versorgen sollen, die kein Opfer darbringen konnten.

Imam Muslim überlieferte diesen Hadith in Form eines Berichts. In einem Jahr herrschte nämlich in der Umgebung von Medina und in den ländlichen Gebieten eine Notlage. Damals erließ er diese Anordnung. Als im darauffolgenden Jahr keine Notlage mehr herrschte, hob er diese Anordnung wieder auf. Auch von Salama ibn al-Aqwa (ra) ist eine ähnliche Überlieferung überliefert.

An einer Seite des Kaaba-Gebäudes ist hinter der Mauer ein Bereich freigelassen worden, der al-Hatim genannt wird. Beim Tawaf muss man den Hatim mit in den Umkreis einschließen. Im Herzen der Menschen kann die Frage aufkommen, warum man auch um etwas Tawaf machen muss, das nicht Teil der Kaaba ist. Vielleicht haben viele Sahaba den Gesandten Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) nach der Antwort auf diese Frage gefragt. In den Hadith-Werken findet sich jedoch keine entsprechende Überlieferung von ihnen. Die Antwort auf diese Frage erfahren wir aus der Überlieferung von Aischa (ra). Sie berichtet: Ich fragte: „O Gesandter Allahs! Gehört diese Mauer ebenfalls zum Kaaba-Gebäude?“ Er sagte: „Ja!“ Ich sagte: „Warum haben die Menschen sie dann beim Bau nicht in das Gebäude einbezogen?“ Er sagte: „Dein Volk hatte nicht genügend finanzielle Mittel. Deshalb ließ es diesen Teil aus.“ Ich fragte erneut: „Warum befindet sich die Tür der Kaaba so hoch?“ Er sagte: „Damit er jeden, den er will, hineinlassen und jeden, den er will, daran hindern kann.“

Umar (ra) sagte: Wenn Aischas (ra) Überlieferung richtig ist, wird klar, dass der Gesandte Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) auch die beiden Säulen auf jener Seite aus diesem Grund nicht küsste. Doch die Frage ist: Als der Gesandte Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) wusste, dass das Kaaba-Gebäude nicht vollständig auf seinem ursprünglichen Fundament errichtet war, bestand kein Zweifel daran, dass er dies wusste – als der die Scharia Ibrahims (as) erneuernde Nachfolger und Prophet, Muhammad, der Gesandte Allahs (sallallahu alaihi wa sallam). Daher antwortete er auf Aischas (ra) Frage: „Aischa! Wenn dein Volk nicht erst vor kurzer Zeit dem Unglauben entwachsen wäre, würde ich die Kaaba abreißen und sie erneut auf dem ursprünglichen Fundament Ibrahims errichten.“ Da die gewöhnlichen Araber erst vor kurzer Zeit den Islam angenommen hatten, hätten sie sich möglicherweise empört, wenn das Kaaba-Haus erneut errichtet worden wäre. Aus dieser Befürchtung heraus wurde dies nicht getan. Dieser Hadith zeigt, dass es nicht tadelnswert ist, die Umsetzung einer Angelegenheit der Scharia zugunsten eines größeren Nutzens aufzuschieben. Voraussetzung ist jedoch, dass die Scharia ihre Umsetzung nicht unmittelbar verlangt.

Auf Grundlage dieser Überlieferung von Aischa (ra) erweiterte ihr Neffe, Abdullah ibn az-Zubair (ra), während seiner Kalifatszeit das Kaaba-Gebäude und errichtete es auf dem ursprünglichen Fundament Ibrahims (as). Nach dem Märtyrertod Ibn az-Zubairs (ra) erlangte der Kalif Abd al-Malik erneut die Herrschaft über Mekka. In der Annahme, Abdullah (ra) habe dies aus eigenem Idschtihad getan, ließ er es abreißen und nach dem früheren Zustand wiederaufbauen. Als er jedoch erfuhr, dass Abdullah (ra) nicht aufgrund eines eigenen Idschtihad, sondern auf Grundlage dieser Überlieferung der Mutter der Gläubigen gehandelt hatte, schämte er sich zutiefst für sein Vorgehen und bereute es sehr.

Nach dem Tod des edlen Gesandten Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) kam es unter den herausragenden Sahaba zu unterschiedlichen Ansichten darüber, wo er beigesetzt werden sollte. Einer Überlieferung zufolge sagte Abu Bakr (ra) damals: „Die Propheten werden dort beigesetzt, wo sie ihren letzten Atemzug getan haben.“ Deshalb wurde der edle Gesandte Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) in Aischas (ra) Zimmer beigesetzt, wo er verstorben war. Der eigentliche Grund dafür findet sich jedoch in Aischas (ra) Überlieferung. Sie berichtet:

Es wird auf Arabisch lauten:

– Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) sagte während seiner letzten Krankheit: „Allah möge die Juden und die Christen verfluchen! Sie haben die Gräber ihrer Propheten zu Gebetsstätten gemacht.“ ‘Ā’ischa (Allah sei mit ihr zufrieden) sagte: „Wenn diese Befürchtung nicht bestanden hätte, wäre das Grab des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) auf freiem Feld. Doch er befürchtete, dass man das Grab zu einer Moschee machen könnte.“

Gerade aufgrund dieser Befürchtung des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) wurde er an dem Ort beigesetzt, an dem er seinen letzten Atemzug tat.

Ebenso findet sich eine klare Erklärung der Hidschra in einem von al-Buchārī überlieferten Hadith von ‘Ā’ischa (Allah sei mit ihr zufrieden). Gewöhnlich verstand man unter Hidschra, den eigenen Geburtsort zu verlassen und nach Medina zu ziehen, um dort zu leben. Doch sie sagte: „Heute gibt es keine Hidschra mehr. Die Hidschra bestand damals darin, dass die Menschen aus Furcht um ihr Leben zu Allah und Seinem Gesandten kamen, um ihre Religion zu bewahren. Dieser Zustand besteht heute nicht mehr. Daher wird es auch keine eigentliche Hidschra mehr geben.“ Aus diesem Grund sagte Ibn ‘Umar (Allah sei mit ihm zufrieden): „Nach der Eroberung Mekkas gibt es keine Hidschra mehr.“

Nach Ansicht der Muhaddithūn sowie der Fachgelehrten der Wissenschaft von al-Dscharh wa’t-Ta‘dīl (Kritik und Bewertung) finden sich in den von Hadhrat ‘Ā’ischa (Allah sei mit ihr zufrieden) überlieferten Hadithen vergleichsweise sehr wenige Fehler. Dafür gibt es einen besonderen Grund. Gewöhnliche Gefährten hörten vielleicht einmal eine Aussage des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) oder sahen ihn eine Handlung ausführen und gaben diese Aussage oder Handlung anschließend wortgetreu an andere weiter. Hadhrat ‘Ā’ischa (Allah sei mit ihr zufrieden) hingegen pflegte nichts weiterzugeben, bevor sie eine Aussage oder ein Ereignis nicht gründlich verstanden hatte. Wenn sie eine Aussage oder ein Verhalten des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) nicht verstehen konnte, stellte sie wiederholt Fragen, bis sie es verstanden hatte. In den Hadith-Sammlungen werden viele solcher Fragen von ihr überliefert. Die anderen hatten diese Möglichkeit jedoch nur sehr selten.

Bei der Überlieferung jener Hadithe, die sie nicht unmittelbar, sondern durch andere gehört hatte, ging sie äußerst sorgfältig vor. Erst nachdem sie sie eingehend geprüft, untersucht und sich nach ihnen erkundigt hatte und vollkommenes Vertrauen gewonnen hatte, überlieferte sie sie. Einmal erzählte ihr der berühmte Gefährte Hadhrat ‘Abdullah ibn ‘Amr ibn al-‘Ās (Allah sei mit ihm zufrieden) einen Hadith. Als er ein Jahr später wiederkam, schickte Hadhrat ‘Ā’ischa (Allah sei mit ihr zufrieden) einen Mann zu ihm, damit dieser den Hadith noch einmal von ihm hörte. ‘Abdullah (Allah sei mit ihm zufrieden) überlieferte den Hadith genau wie zuvor, ohne die geringste Abweichung. Als der Mann zurückkam und ‘Ā’ischa (Allah sei mit ihr zufrieden) den Hadith vortrug, sagte sie: „Bei Allah, ich erinnere mich an die Worte Ibn ‘Amrs.“

Auf der Grundlage dieses Prinzips schickte sie, wenn sie eine Überlieferung von jemandem übernommen hatte und jemand zu ihr kam, um sie zu hören, diesen zu dem ursprünglichen Überlieferer. Ihr Ziel war es, die Überlieferungskette des Hadiths so weit wie möglich zu verkürzen und sie in eine höhere Überlieferungskette umzuwandeln. So pflegte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm), nachdem er das ‘Asr-Gebet in der Moschee verrichtet hatte, nach Hause zu kommen und dort ein freiwilliges Gebet zu verrichten. Dabei lautete die abschließende Anweisung, dass es nach dem ‘Asr-Gebet kein weiteres Gebet gibt. Einige Menschen schickten einen Mann zu Hadhrat ‘Ā’ischa (Allah sei mit ihr zufrieden), um herauszufinden, wie die Wirklichkeit dieses Hadiths sei, der über ihre Überlieferungskette überliefert wurde. Sie sagte: „Geht zu Umm Salama und fragt sie. Sie ist die eigentliche Überliefererin dieses Hadiths.“ Ein anderes Mal fragte sie ein Mann nach dem Masah über die Ledersocken, worauf sie sagte: „Geht zu ‘Alī (Allah sei mit ihm zufrieden). Er begleitete den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) auf Reisen.“

So wie Hadhrat ‘Ā’ischa (Allah sei mit ihr zufrieden) ihre eigenen Überlieferungen von jeder Art von Fehlern und Irrtümern freihielt, korrigierte sie in vielen Fällen auch die Überlieferungen anderer. Selbst die geringsten Fehler und Abweichungen in den Überlieferungen ihrer Zeitgenossen griff sie mit großer Strenge auf und berichtigte sie. In der Terminologie der Muhaddithūn wird dies als „Idrāk“ bezeichnet.

Hadhrat ‘Ā’ischa (Allah sei mit ihr zufrieden) war der Ansicht, dass eine Überlieferung nicht richtig sein könne, wenn sie dem Wort Allahs widerspreche. Später nahmen die Hadith-Gelehrten dies als eines der grundlegenden Prinzipien für die Prüfung und Bewertung von Hadithen an. Auf Grundlage dieses Prinzips weigerte sich Hadhrat ‘Ā’ischa (Allah sei mit ihr zufrieden), viele Überlieferungen anderer als richtig anzuerkennen. Ihrem Wissen entsprechend erläuterte sie die eigentliche Bedeutung und den tieferen Sinn dieser Überlieferungen. So überlieferten beispielsweise Hadhrat ‘Abdullah ibn ‘Abbās (Allah sei mit ihm zufrieden), Hadhrat ‘Abdullah ibn ‘Umar (Allah sei mit ihm zufrieden) und einige weitere Gefährten:

Der arabische Wortlaut lautet:

Das heißt: Der Verstorbene wird wegen des Weinens seiner Familienangehörigen bestraft.“

Als man Hadhrat Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) diese Überlieferung vortrug, weigerte sie sich, sie anzuerkennen. Sie sagte: „Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) hat so etwas niemals gesagt. Es verhielt sich vielmehr so: Eines Tages ging der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) an der Leiche eines Juden vorbei und sah, dass dessen Angehörige laut schrien und zu klagen begonnen hatten. Da sagte er: ‚Sie weinen, während er bestraft wird.‘ Die Aussage Aischas (möge Allah mit ihr zufrieden sein) bedeutet, dass der Grund für die Strafe nicht das Weinen ist. Vielmehr klagen diese Menschen, während der Verstorbene dort wegen seiner in der Vergangenheit begangenen Taten bestraft wird. Denn das Weinen ist ja die Handlung eines anderen. Warum sollte der Verstorbene für die Tat eines anderen büßen? Deshalb sagte sie: ‚Der Qur’an genügt euch.‘ Allah hat gesagt:

Der arabische Wortlaut lautet.

Niemand wird die Last eines anderen tragen.

Der Überlieferer Ibn Abi Mulaika berichtet: Als Hadhrat Ibn Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) von einer solchen Überlieferung und Schlussfolgerung Hadhrat Aischas (möge Allah mit ihr zufrieden sein) hörte, konnte er darauf keine Antwort geben.

Imam Buchari (möge Allah ihm barmherzig sein) bemühte sich in einem gesonderten Abschnitt seines Sahih-Werks im Kapitel al-Dschana’iz, die beiden Überlieferungen von Hadhrat Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) und Ibn Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) miteinander in Einklang zu bringen. Er sagt: Wenn Weinen und Klagen zu den Gewohnheiten des Verstorbenen zu dessen Lebzeiten gehörten und er seine Angehörigen zu Lebzeiten nicht davon abgehalten hatte, so wird er wegen ihrer Klage bestraft werden. Denn zu seinen Lebzeiten nahm er seine Verantwortung für ihre Erziehung und Unterweisung nicht wahr. Allah sagt:

Der arabische Wortlaut lautet

– O ihr Gläubigen! Bewahrt euch selbst und eure Familien vor dem Feuer der Hölle.

Wenn die Familienangehörigen trotz angemessener Unterweisung zu Lebzeiten nach dem Tod eines Verstorbenen Totenklage halten, dann ist in diesem Fall die Ansicht von ʿĀʾischa richtig. Denn Allah hat gesagt: »Niemand wird die Last eines anderen tragen.« Er hat ferner gesagt:

Der arabische Text folgt.

– Wenn jemand einen anderen auffordert, seine schwere Last zu tragen, wird sie niemand tragen – selbst wenn es ein naher Verwandter wäre.

Der berühmte Imam und Hadith-Gelehrte ʿAbdullāh ibn al-Mubārak vertrat ebenfalls die Ansicht Imām al-Buḫārīs. Einige haben jedoch al-Buḫārīs Versuch, beide Aussagen miteinander in Einklang zu bringen, folgendermaßen hinterfragt: Wenn jemand zu Lebzeiten seine Pflicht, seine Familienangehörigen richtig zu unterweisen und zu erziehen, nicht erfüllt hat, dann wird er nach seinem Tod für die Sünde bestraft, diese Pflicht nicht erfüllt zu haben. Warum sollte er für die Sünde der Lebenden bestraft werden? Unter den Mudschtaḥids folgten in dieser Rechtsfrage Imām aš-Šāfiʿī, Imām Muḥammad und Imām Abū Ḥanīfa der Ansicht von ʿĀʾischa.

Von Ibn ʿAbbās wird überliefert, dass der Gesandte Allahs den Herrn der Welten zweimal gesehen habe. Masrūq fragte ʿĀʾischa: »Mutter, hat Muḥammad den Erhabenen Allah gesehen?« ʿĀʾischa sagte: »Du hast etwas gesagt, bei dem sich jedes Haar an meinem Körper sträubt. Wer dir sagt, Muḥammad habe Allah gesehen, der lügt.« Dann rezitierte sie folgenden Vers:

Der arabische Text folgt.

– Die Blicke können Ihn nicht erfassen, doch Er erfasst die Blicke. Er ist der Feinfühlige, der Allkundige.

Dann rezitierte er diesen Vers:

Der arabische Wortlaut lautet:

Keinem Menschen steht es zu, dass Allah zu ihm spricht, außer durch Offenbarung oder hinter einem Vorhang oder indem Er einen Gesandten schickt.

Auch in einigen anderen Hadithen findet sich eine Bestätigung der Aussage von Hazrat ʿĀʾischa (r.a.). Aus einem im Sahih Muslim überlieferten Hadith geht hervor, dass der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Er ist doch Licht oder Strahlenglanz. Wie könnte ich Ihn sehen?“

Die Mutʿa-Ehe, also eine Ehe auf bestimmte Zeit, war bis zu einem bestimmten Zeitpunkt sowohl in der vorislamischen Zeit als auch seit Beginn des Islam bis zum 7. Jahr der Hidschra verbreitet. Zur Zeit der Eroberung von Chaibar wurde diese Art der Ehe für verboten erklärt. Danach hielten Hazrat Ibn ʿAbbās (r.a.) und einige andere diese Ehe weiterhin für erlaubt. Die Mehrheit der Sahaba jedoch war der Ansicht, dass sie verboten sei. Eines Tages fragte ein Schüler von Hazrat ʿĀʾischa (r.a.) sie nach der Zulässigkeit dieser Mutʿa-Ehe. Hazrat ʿĀʾischa (r.a.) beantwortete seine Frage nicht mit einem Hadith. Sie sagte: „Zwischen mir und euch steht das Buch Allahs.“ Dann rezitierte sie diesen Vers:

Der arabische Wortlaut lautet

und diejenigen, die ihre Scham hüten, außer gegenüber ihren Ehefrauen oder den Sklavinnen, die sich in ihrem Besitz befinden; dann sind sie nicht zu tadeln.

Aus diesem Grund ist außer diesen beiden Möglichkeiten keine andere zulässig. Es sei darauf hingewiesen, dass eine durch Mutʿa erlangte Frau weder Ehefrau noch Sklavin ist.

Hazrat Abu Huraira (möge Allah mit ihm zufrieden sein) überlieferte: „Der uneheliche Sohn ist der Schlechteste unter den dreien (den Eltern und dem Kind).“

Als Hazrat Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) davon hörte, sagte sie: „Das ist nicht richtig. Es verhielt sich so: Ein Heuchler pflegte den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu beschimpfen. Eines Tages sagten die Leute: ‚O Gesandter Allahs! Der Mann ist außerdem ein unehelicher Sohn.‘ Da sagte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm): ‚Er ist der Schlimmste unter den dreien.‘ Das heißt: Seine Eltern hatten zwar nur eine Missetat begangen, aber sie hatten den Gesandten Allahs nicht beschimpft. Doch dieses Kind, das aus ihrer Missetat hervorgegangen ist, beschimpft den Gesandten Allahs. Deshalb ist es schlimmer als sie. Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) sagte: ‚Diese Äußerung des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) bezog sich auf einen besonderen Vorfall und nicht auf alle Fälle. Denn Allah hat gesagt: „Niemand trägt die Last eines anderen.“ Die Schuld liegt also bei den Eltern. Warum sollte das Kind dafür verantwortlich sein?‘

Alle Ungläubigen, die in der Schlacht von Badr getötet worden waren, wurden noch in Badr gemeinsam begraben. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) stand dort und wandte sich an die Begrabenen:

Es wird auf Arabisch lauten

„Habt ihr das Versprechen eures Herrn als wahr befunden?“ Die Gefährten fragten: „O Gesandter Allahs! Sprechen Sie die Toten an?“ Ibn Umar überlieferte von seinem Vater Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein), und Anas ibn Malik von Abu Talha (möge Allah mit ihm zufrieden sein), dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) darauf antwortete:

Es wird auf Arabisch lauten

„Ihr hört nicht besser als sie. Doch sie können nicht antworten.“

Als Hazrat Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) diese Überlieferung vorgetragen wurde, sagte sie: „Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) hat dies nicht gesagt, sondern vielmehr Folgendes gesagt:“

Auf Arabisch:

– Jetzt haben sie gewiss erkannt, dass alles, was ich ihnen zu sagen pflegte, wahr war.

Danach rezitierte Hazrat ʿAischa (r.a.) diese beiden Verse aus dem Koran:

Auf Arabisch:

– »Du kannst die Toten nicht hören lassen.«

»Du kannst diejenigen, die in den Gräbern liegen, nicht hören lassen.«

Später akzeptierten die Hadith-Gelehrten Hazrat ʿAischas (r.a.) Argumentation und bemühten sich, die beiden Überlieferungen miteinander in Einklang zu bringen. Der berühmte Tabiʿi Hazrat Qatada (r.a.) sagte: Allah hatte den bei Badr Getöteten für eine gewisse Zeit das Leben zurückgegeben. Als ein Wunder des Gesandten Allahs (s.a.w.) war ihnen für diese Zeit auch das Hörvermögen zurückgegeben worden.

Die Unterschiede in den Überlieferungen der Gefährten zu manchen Fragen beruhen zum Teil auf Unterschieden in ihrem Verständnis.

Diese von Allah verliehene Fähigkeit zum Verstehen und diese Geisteskraft hatte ʿĀʾischa (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) in außergewöhnlichem Maße entwickelt. Ihre unvergleichliche Auffassungsgabe und Fähigkeit zum Verständnis setzte sie bei der Überlieferung und Erklärung von Hadithen ein. Hier führen wir einige Begebenheiten an, in denen sich die Schärfe ihres Verstandes und ihre Klugheit deutlich zeigen.

Als sich das Lebensende von Abū Saʿīd al-Chudrī (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) näherte, ließ er sich neue Kleidung bringen und zog sie an. Als er den Grund dafür erklärte, sagte er: „Ein Muslim wird in dem Gewand, in dem er stirbt, auch auferweckt werden.“ Als ʿĀʾischa (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) davon erfuhr, sagte sie: „Möge Allah Abū Saʿīd Barmherzigkeit erweisen. Mit dem Wort ‚Gewand‘ wollte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) die Taten und Werke eines Menschen ausdrücken. Andernfalls hat der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) doch ausdrücklich gesagt, dass die Menschen am Tag der Auferstehung mit unbekleidetem Körper, nackten Füßen und unbedecktem Kopf auferstehen werden.“

Die islamische Anweisung lautet, dass eine geschiedene Frau ihre ʿIdda im Haus ihres Ehemannes verbringen soll. Eine Sahābiyya namens Fāṭima, die dieser Anweisung widersprach, pflegte eine Begebenheit aus ihrem eigenen Leben zu überliefern. Sie sagte, der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) habe ihr während der ʿIdda erlaubt, das Haus ihres Ehemannes zu verlassen und anderswohin zu gehen. Zu verschiedenen Zeiten führte sie diese Begebenheit vor vielen Sahāba als Beweis an. Einige nahmen ihre Überlieferung an, doch die meisten Sahāba weigerten sich, sie zu akzeptieren. Als Marwān Gouverneur von Medina war, wurde schließlich ein solcher Fall vorgebracht. Eine Partei führte Fāṭimas Überlieferung als Beweis an. Als ʿĀʾischa (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) davon erfuhr, wies sie Fāṭima in scharfen Worten zurecht. Sie sagte, an Fāṭimas Darstellung dieses Vorfalls sei nichts Gutes. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) habe ihr während der ʿIdda gewiss erlaubt, das Haus ihres Ehemannes zu verlassen und anderswohin zu gehen. Dies habe jedoch daran gelegen, dass sich das Haus ihres Ehemannes an einem unsicheren und beängstigenden Ort befunden habe.

Aus mehreren authentischen Hadithen ist bekannt, dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) das Fleisch von Ziegenkeulen besonders gern hatte. Ibn Masʿūd (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) sagte, dass der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) Keulenfleisch am liebsten mochte. In eben dieses Keulenfleisch war ihm Gift verabreicht worden.

Auch Abū ʿUbaid sagte: „Der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) mochte Keulenfleisch am liebsten.“ Doch in dieser Angelegenheit sagte ʿĀʾischa (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr):

Es wird Arabisch sein.

—Es war nicht so, dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) Keulenfleisch besonders liebte. Vielmehr war es tatsächlich so, dass er nur in großen Abständen Gelegenheit hatte, Fleisch zu essen. Deshalb wurde ihm Keulenfleisch serviert, weil dieses Fleisch schnell gar wird und weich ist. Wie viel auch immer ein langjähriger, äußerst enger und vertrauter Freund über einen Menschen wissen mag, eine Ehefrau kennt ihn noch weit besser. Der gesamte Körper des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), von seinem Kopfhaar bis zu den Zehennägeln, war in jedem Augenblick ein Beispiel und Vorbild. Deshalb erlangte jede einzelne seiner Handlungen in jedem Abschnitt seines Lebens den Rang einer gesetzlichen Regel und Vorschrift. Somit lässt sich sagen, dass die Möglichkeit, ihn persönlich kennenzulernen, die seine Ehefrauen hatten, für andere unmöglich war. Es gibt einige Rechtsfragen, bei denen sich zeigt, dass andere ehrwürdige Sahāba auf Grundlage ihres eigenen Idschtihād oder einer Überlieferung entschieden hatten, ʿĀʾischa (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) dies jedoch aufgrund ihrer persönlichen Erfahrung zurückwies. Bis heute wird in diesen Rechtsfragen ihre Aussage als Beweis anerkannt. Zur Kenntnis der Leser werden hier einige solcher Rechtsfragen angeführt.

ʿAbdullāh ibn ʿUmar (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) erteilte die Rechtsauskunft, dass Frauen beim Vollbad ihre Haarflechten lösen und das Haar vollständig benetzen müssten. Als ʿĀʾischa (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) dies hörte, sagte sie: „Warum weist er die Frauen nicht gleich an, ihre Haarflechten abzuschneiden?“ Ich pflegte vor dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) das Vollbad zu nehmen, ohne mein Haar zu lösen.

Hazrat Ibn Umar (ra) pflegte zu sagen: Wenn man seine Frau im Zustand der rituellen Waschung küsst, wird die Waschung ungültig. Als Aischa (ra) dies hörte, sagte sie: „Der Gesandte Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) pflegte nach einem Kuss keine rituelle Waschung vorzunehmen.“ Damit lächelte sie sanft.

Hazrat Abu Huraira (ra) überlieferte, dass das Gebet eines Mannes ungültig wird, wenn eine Frau, ein Esel oder ein Hund vor ihm vorbeigeht, während er betet. Als Hazrat Aischa (ra) dies hörte, wurde sie zornig. Sie sagte: „Ihr habt uns Frauen also mit Eseln und Hunden gleichgesetzt. Ich pflegte vor dem Gesandten Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) mit ausgestreckten Beinen zu liegen, während er im Gebet stand. Wenn er sich zur Niederwerfung begab, stupste er mich mit der Hand an, und ich zog meine Beine an. Wenn er wieder aufstand, streckte ich meine Beine erneut aus. Wenn es nötig war, zog ich mich auch zusammen und ging vor ihm vorbei.“

Hazrat Abu Huraira (ra) berichtete eines Tages während einer Predigt: Wenn jemand an einem Fastentag am Morgen eine Ganzkörperwaschung benötigt, soll er an diesem Tag nicht fasten. Die Leute gingen zu Hazrat Aischa (ra) und Hazrat Umm Salama (ra), um sich nach der Richtigkeit dieser Aussage zu erkundigen. Aischa (ra) sagte: „Die Handlungsweise des Gesandten Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) war das Gegenteil davon.“ Daraufhin gingen die Leute erneut zu Abu Huraira (ra) und wiesen ihn darauf hin. Schließlich nahm er seine frühere Rechtsauskunft zurück.

Hazrat Abdullah ibn Abbas (ra) erteilte die Rechtsauskunft, dass für jemanden, der nicht zur Hadsch pilgert, sondern lediglich ein Opfertier in das Schutzgebiet von Mekka schickt, bis zur Schlachtung dieses Tieres dort dieselben Bestimmungen gelten wie für einen Hadsch-Pilger. Als Hazrat Aischa (ra) dies hörte, sagte sie: „Mit meiner eigenen Hand habe ich die Bänder für die Opfertiere des Gesandten Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) geflochten, und er selbst hat diese Bänder den Opfertieren um den Hals gelegt. Danach brachte mein Vater sie nach Mekka. Trotzdem war alles erlaubt. Nichts Erlaubtes wurde bis zur Opferung verboten.“

Wir haben bereits erwähnt, dass Hazrat Aischa (ra) über außergewöhnliche Geistesgaben und ein hervorragendes Gedächtnis verfügte. Im Grunde ist das Gedächtnis eine Gunst Allahs. Sie wurde in vollem Umfang mit dieser Gunst bedacht. Die Verse des Qurans, die sie als kleines Mädchen beim Spielen gehört hatte, bewahrte sie ihr ganzes Leben lang im Gedächtnis. Auf diesem Gedächtnis und dieser Auswendiglern-Fähigkeit beruht die Zuverlässigkeit der Hadith-Wissenschaft. Die täglichen Ereignisse aus der Zeit des Prophetentums im Gedächtnis zu bewahren, sie immer wieder wortgetreu zu überliefern und die Worte, die man aus dem Mund des Gesandten Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) in einer bestimmten Form gehört hat, ebenso an andere weiterzugeben – das ist die größte Verantwortung und Pflicht eines erfolgreichen Muhaddith. Bei den Fehlern, die Hazrat Aischa (ra) bei ihren Zeitgenossen aufdeckte, und bei ihrer Kritik an ihnen spielte insbesondere der Unterschied und die Verschiedenheit ihrer Gedächtnis- und Auswendiglern-Fähigkeiten eine Rolle. Hier werden einige Ereignisse angeführt, durch die sich die außergewöhnliche Stärke ihres Gedächtnisses erweisen wird.

Hazrat سعد ibn Abi Waqqas (ra) verstarb. Hazrat Aischa (ra) wünschte, dass der Leichnam in die Moschee gebracht würde, damit auch sie am Totengebet teilnehmen konnte. Die Leute protestierten. Hazrat Aischa (ra) sagte: „Wie schnell die Menschen vergessen! Der Gesandte Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) hatte das Totengebet für Suhail ibn Baida (ra) in der Moschee verrichtet.“

Die Leute fragten Hazrat Abdullah ibn Umar (ra): „Wie oft hat der Gesandte Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) die Umra vollzogen?“ Er antwortete: „Viermal. Eine davon war im Monat Radschab.“ Urwa (ra) rief laut: „Tante, hast du nicht gehört, was er sagt?“ Sie fragte: „Was sagt er?“ Urwa sagte: „Er sagt, dass der Gesandte Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) vier Umras vollzogen habe, von denen eine im Monat Radschab stattfand.“ Darauf sagte sie: „Möge Allah Abu Abdir-Rahman (der Beiname Ibn Umars) Barmherzigkeit erweisen. Der Gesandte Allahs hat keine Umra vollzogen, an der ich nicht teilgenommen hätte. Im Monat Radschab hat er keine Umra vollzogen.“

Die angesehenen Muhaddithun haben die Sahaba hinsichtlich der Anzahl ihrer Hadith-Überlieferungen in fünf Rangstufen eingeteilt, und beinahe in jeder Stufe finden sich neben männlichen auch weibliche Sahaba. 1. Stufe: Sahaba, die eintausend oder mehr Hadithe überliefert haben. Hazrat Aischa (ra) gehört dieser Stufe an. 2. Stufe: Sahaba, deren Überlieferungen fünfhundert oder mehr, aber weniger als eintausend betragen. In dieser Stufe gibt es keine weibliche Sahabiya. 3. Stufe: Sahaba, deren Überlieferungen einhundert oder mehr, aber weniger als fünfhundert betragen. Hazrat Umm Salama (ra) gehört dieser Stufe an. 4. Stufe: Sahaba, deren Anzahl an Überlieferungen zwischen vierzig und einhundert liegt. In dieser Stufe gibt es mehrheitlich weibliche Sahabiyat, etwa Umm al-Muminin Hazrat Umm Habiba (ra), Umm Atiyya (ra), Umm al-Muminin Hazrat Hafsa (ra), Asma bint Abi Bakr (ra), Umm Hani (ra) und andere. 5. Stufe: Sahaba, deren Anzahl an Überlieferungen vierzig oder weniger beträgt. Die Mitglieder dieser Stufe sind überwiegend Frauen, etwa Hazrat Umm Qais (ra), Hazrat Fatima bint Qais (ra), Hazrat Rabi bint Ma’us (ra), Hazrat Subra bint Safwan (ra), Hazrat Kulthum bint Husain al-Ghifariyya (ra), Hazrat Dschada bint Wahab (ra) und andere.

Durch die obige Erörterung dieser Stufen ist uns deutlich geworden, welchen Rang oder welche Stellung Hadhrat ʿAischa (Allah sei mit ihr zufrieden) in der Hadith-Wissenschaft einnimmt. Wir haben gesehen, dass ihre Stellung die höchste ist.

Umm al-Muʾminin Hadhrat ʿAischa (Allah sei mit ihr zufrieden) überlieferte Hadithe unmittelbar vom Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Darüber hinaus überlieferte sie Hadithe über ihren Vater Hadhrat Abu Bakr (Allah sei mit ihm zufrieden), über ʿUmar (Allah sei mit ihm zufrieden), Fatima (Allah sei mit ihr zufrieden) und Saʿd (Allah sei mit ihm zufrieden). Andererseits war die Zahl derjenigen, die von Hadhrat ʿAischa (Allah sei mit ihr zufrieden) Hadithe hörten und überlieferten, sehr groß. Unter ihnen befanden sich sowohl Gefährten als auch Angehörige der Generation der Tabiʿun. Der Gelehrte adh-Dhahabi nannte die Namen von beinahe zweihundert Personen und sagte danach: „Außerdem gibt es noch viele weitere.“

Die Überlieferung der Aussagen der Gefährten sowie das Niederschreiben und die Zusammenstellung der Hadithe in Büchern begannen etwa in der Mitte des ersten islamischen Jahrhunderts. Gegen dessen Ende bestieg der umayyadische Kalif Hadhrat ʿUmar ibn ʿAbd al-ʿAziz (Allah habe Erbarmen mit ihm) den Thron des Kalifats. Zu seiner Zeit war der historisch bekannte Abu Bakr ibn ʿAmr ibn Hazm al-Ansari der Richter von Medina. Er besaß eine umfassende Gelehrsamkeit in Koran und Hadith. Hinter dieser Gelehrsamkeit stand vor allem der Beitrag seiner Tante mütterlicherseits, Hadhrat ʿUmra. Diese ʿUmra war eine Schülerin Hadhrat ʿAischas (Allah sei mit ihr zufrieden) und war unter ihrer Obhut aufgezogen worden. Der Kalif ʿUmar ibn ʿAbd al-ʿAziz wies Abu Bakr an, die Überlieferungen der ʿUmra niederzuschreiben und ihm zuzusenden.

ʿIlm al-Fiqh und Qiyas

Der edle Koran und der edle Hadith beziehungsweise die Sunna sind Beleg und Beweis, während Fiqh ihre Schlussfolgerung und ihr Ergebnis ist. Die auf Grundlage des Korans und des Hadiths getroffenen Entscheidungen bilden Fiqh und Qiyas. Wie außerordentlich bewandert Hadhrat ʿAischa (Allah sei mit ihr zufrieden) in dieser Wissenschaft des Fiqh und Qiyas war, ist durch die vorangegangene Erörterung ihrer Gelehrsamkeit im edlen Koran und im edlen Hadith bereits teilweise deutlich geworden. Hier soll kurz erörtert werden, welche Usul oder Grundsätze sie im Fiqh und Qiyas befolgte.

Zu Lebzeiten des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) war er selbst der Mittelpunkt sämtlicher Rechtsgutachten und Entscheidungen. Wenn ein Problem auftrat, gab er selbst dessen Lösung an. Nach dem Ableben des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) traten hochrangige Gefährten an seine Stelle, die mit der tiefen Bedeutung der Scharia und der islamischen Rechtsbestimmungen vertraut waren. Wenn vor Hadhrat Abu Bakr (Allah sei mit ihm zufrieden) oder Hadhrat ʿUmar (Allah sei mit ihm zufrieden) ein neues Problem auftrat, versammelte er die gelehrten Gefährten und bat sie um eine Entscheidung. Wenn einer von ihnen einen besonderen Hadith kannte, überlieferte er ihn. Andernfalls trafen sie durch Qiyas, also durch Analogieschluss, auf Grundlage einer anderen Bestimmung aus Koran und Hadith eine Entscheidung. Bis zum dritten Kalifen des rechtgeleiteten Kalifats war diese Fiqh-Akademie auf Medina konzentriert. Während des Kalifats Hadhrat ʿUthmans (Allah sei mit ihm zufrieden) nahmen Unordnung und Unruhe überhand, und viele Menschen verließen Medina und ließen sich in Mekka, Taif, Damaskus, Basra und anderen Orten nieder. Danach wurde Hadhrat ʿAli (Allah sei mit ihm zufrieden) zum Kalifen. Er machte Kufa zum Dar al-Khilafa, zum Sitz des Kalifats. Aus diesen Gründen verließen viele der begabten Schüler aus dem Lehrhaus des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) Medina und zogen in andere Städte. Dadurch erweiterten sich zwar der Kreis und der Umfang der wissenschaftlichen Beschäftigung noch weiter, doch ihre gemeinsame Gestalt und ihr einheitlicher Charakter gingen verloren. Was davon erhalten blieb, befand sich nur noch in Medina.

Nach den hochrangigen Gefährten widmeten sich in Medina vier Personen größtenteils dem Fiqh und der Erteilung von Fatwas: Hadhrat ʿAbdullah ibn ʿUmar, Hadhrat ʿAbdullah ibn ʿAbbas, Hadhrat Abu Huraira und Hadhrat ʿAischa (Allah sei mit ihnen zufrieden). Wo es keine eindeutige Bestimmung aus Koran und Sunna gab, unterschieden sich die Grundsätze dieser vier. Die Vorgehensweise von ʿAbdullah ibn ʿUmar und Abu Huraira (Allah sei mit ihnen zufrieden) bestand darin, dass sie bei einer anstehenden Rechtsfrage eine entsprechende Bestimmung aus Koran und Sunna oder eine Handlung der früheren Kalifen anführten, sofern es eine solche gab. Wenn es nichts Derartiges gab, schwiegen sie. Hadhrat ʿAbdullah ibn ʿAbbas (Allah sei mit ihm zufrieden) fällte in solchen Fällen nach seinem Verständnis und seiner Vernunft eine Entscheidung, indem er einen Analogieschluss zu den im Koran und in der Sunna sowie zur Zeit der früheren Kalifen gelösten Rechtsfragen zog. Das Prinzip Hadhrat ʿAischas (Allah sei mit ihr zufrieden) bestand hingegen darin, zunächst im Koran nach der Lösung des Problems zu suchen. Wenn sie dort nichts fand, wandte sie sich der Sunna zu. Wenn sie auch dort nicht fündig wurde, zog sie nach Maßgabe ihrer eigenen Vernunft einen Analogieschluss. Über die Methode und Vorgehensweise von Hadhrat ʿAischas (Allah sei mit ihr zufrieden) bei Ijtihad und Istinbat (Forschung und Entscheidungsfindung) haben wir bereits einiges erörtert. Hier führen wir noch einige weitere Beispiele an.

Im Koran heißt es:

Es wird Arabisch sein.

„Geschiedene Frauen sollen drei Qurūʾ lang warten.“ Das heißt, die Dauer ihrer ʿIdda beträgt drei Qurūʾ. Über die Bedeutung von „Qurūʾ“ besteht Meinungsverschiedenheit. Der Ehemann einer Nichte von Hazrat ʿĀʾischa (r.a.) ließ sich von ihr scheiden. Als drei Ṭuhūr, das heißt drei Zeiträume der Reinheit, vergangen waren und der neue Monat begann, forderte sie die Frau auf, das Haus ihres Mannes zu verlassen. Einige Leute wandten gegen dieses Vorgehen ein, es widerspreche der Vorschrift des Qurʾān. Zur Stützung ihrer Ansicht führten sie den oben erwähnten Qurʾānvers als Beweis an. Darauf erwiderte die Umm al-Muʾminīn: „Drei Qurūʾ“ ist richtig. Wisst ihr jedoch, was „Qurūʾ“ bedeutet? „Qurūʾ“ bedeutet „Ṭuhr“ (Reinheit). Alle Rechtsgelehrten Medinas folgten in dieser Frage Hazrat ʿĀʾischas (r.a.). Die Iraker hingegen verstanden unter „Qurūʾ“ die Menstruation (die besonderen Tage der Monatsblutung).

Hazrat Zaid ibn Arqam (r.a.) kaufte von einer Frau auf Kredit eine Sklavin für achthundert Dirham. Er vereinbarte, den Preis bei Erhalt der Zahlung zu entrichten. Noch bevor er den Preis bezahlt hatte, verkaufte er dieselbe Sklavin an jene Frau für sechshundert Dirham in bar zurück. Die Frau informierte Hazrat ʿĀʾischa (r.a.) über dieses Kauf- und Verkaufsgeschäft. Hazrat ʿĀʾischa (r.a.) sagte zu der Frau: „Du hast ebenso eine schlechte Tat begangen wie Zaid ibn Arqam. Du sollst ihm mitteilen, dass der Lohn, den er durch den Dschihad an der Seite des Gesandten Allahs (sallallāhu ʿalaihi wa sallam) erworben hatte, zunichtegeworden ist. Wenn er jedoch bereut …“

In diesem besonderen Fall entschied Hazrat ʿĀʾischa (r.a.), dass die zusätzlichen zweihundert Dirham als Zins zu betrachten seien. In verschiedenen Hadith-Werken wird überliefert, dass Hazrat ʿĀʾischa (r.a.) diese Entscheidung auf Grundlage des 275. Verses der Sure al-Baqara traf.

Wenn ein Ehemann seiner Frau die Befugnis zur Scheidung überträgt und die Frau diese Befugnis an den Ehemann zurückgibt und ihn daraufhin wieder als ihren Ehemann annimmt, tritt dann für diese Frau dennoch eine Scheidung ein? Nach der Ansicht von Hazrat ʿAlī (r.a.) und Hazrat Zaid (r.a.) tritt eine Scheidung ein. Hazrat ʿĀʾischa (r.a.) hingegen sagt, dass nicht einmal eine Scheidung eintritt. Zur Stützung ihrer Ansicht führt sie das Ereignis des Taḫyīr des Gesandten Allahs (sallallāhu ʿalaihi wa sallam) an. Sie sagt: Der Gesandte (sallallāhu ʿalaihi wa sallam) hatte seinen Frauen die Wahl beziehungsweise die Freiheit gegeben, ihn zu verlassen und weltliches Glück und Wohlstand zu erlangen oder bei ihm zu bleiben und Armut und Hunger auf sich zu nehmen. Alle entschieden sich für die zweite Möglichkeit. Ist dadurch über sie eine Scheidung ausgesprochen worden?

Wenn jemand einen Sklaven freilässt, entsteht nach islamischem Recht zwischen dem Freilassenden und dem freigelassenen Sklaven eine besondere Beziehung, die in der islamischen Terminologie al-Walāʾ (Schutzherrschaft) genannt wird. Dadurch kann der freilassende Herr Erbe des Vermögens des freigelassenen Sklaven werden, und der freigelassene Sklave wird rechtlich als Angehöriger der Sippe seines früheren Herrn anerkannt. Deshalb ist die Beziehung des al-Walāʾ von außerordentlicher Bedeutung. Ein freigelassener Sklave kam einst zu Hazrat ʿĀʾischa (r.a.) und sagte: „Ich war der Sklave von ʿUtba ibn Abī Lahab. Das Ehepaar verkaufte mich unter der Bedingung, dass er Anspruch auf mein al-Walāʾ haben sollte, sobald ich freigelassen würde. Nun bin ich frei. Mit wem besteht nun meine Beziehung des al-Walāʾ – mit ʿUtba ibn Abī Lahab oder mit demjenigen, der mich freigelassen hat?“ Hazrat ʿĀʾischa (r.a.) sagte: „Auch bei der Sklavin namens Barīra lag derselbe Fall vor. Der Gesandte Allahs (sallallāhu ʿalaihi wa sallam) sagte mir: Kaufe Barīra und befreie sie. Du wirst Anspruch auf ihr al-Walāʾ haben, ganz gleich, welche Bedingungen der Verkäufer entgegen Allahs Anordnung festlegt.“

Hazrat Barīra (r.a.) war eine Sklavin. Ihr Herr wollte sie unter der Bedingung verkaufen, dass er nach ihrer Freilassung Anspruch auf ihr al-Walāʾ haben sollte. Hazrat Barīra (r.a.) kam zu Hazrat ʿĀʾischa (r.a.) und berichtete ihr von ihrer Lage. Hazrat ʿĀʾischa bekundete den Wunsch, sie zu kaufen, war jedoch nicht bereit, die Bedingung ihres Herrn bezüglich des al-Walāʾ anzuerkennen. Als der Gesandte Allahs (sallallāhu ʿalaihi wa sallam) nach Hause kam, informierte sie ihn über die Angelegenheit. Der Gesandte (sallallāhu ʿalaihi wa sallam) sagte zu ʿĀʾischa (r.a.): „Du kannst sie ohne Bedenken kaufen und freilassen. Eine Bedingung, die dem Buch Allahs widerspricht, wird selbstverständlich ungültig.“ Barīra (r.a.) wurde aus der Sklaverei befreit. Den Mann, mit dem sie als Sklavin verheiratet worden war, nahm sie nach ihrer Freilassung nicht mehr als Ehemann an. Die Leute gaben ihr Almosen. Von diesen Almosen gab sie dem Gesandten (sallallāhu ʿalaihi wa sallam) einige Nahrungsmittel, und er nahm sie an.

Aus dem Ereignis von Barīra (r.a.) leitete Hazrat ʿĀʾischa (r.a.) mehrere rechtliche Bestimmungen der Scharia ab. Sie sagte: Durch Barīra sind drei Bestimmungen des Islam bekannt. Diese sind:

  1. Derjenige, der die Freilassung bewirkt, hat Anspruch auf al-Walāʾ.
  2. Wenn ein Sklave und eine Sklavin während ihrer Versklavung miteinander verheiratet werden und die Ehefrau später freigelassen wird, während der Ehemann weiterhin in den Fesseln der Sklaverei bleibt, erhält die Ehefrau die Wahl, den Sklaven als Ehemann anzunehmen oder nicht.
  3. Wenn eine Person, die zum Empfang von Almosen und Sadaqa berechtigt ist, etwas als Almosen oder Sadaqa erhält und davon einem Menschen, der zum Empfang von Sadaqa nicht berechtigt ist, etwas als Geschenk gibt, ist es diesem Menschen erlaubt, es anzunehmen.

An der Abschiedspilgerfahrt nahmen ungefähr hunderttausend Muslime teil. Alle hochrangigen Gefährten begleiteten den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) auf dieser Reise. Es ist anzunehmen, dass alle Einzelheiten dieser Reise bekannt waren. Auch Hadhrat ʿĀʾischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) bewahrte die Ereignisse, die sie selbst erlebt hatte, in ihrem Gedächtnis. In verschiedenen Hadithen wurden sie auch wortgetreu überliefert. Die Überlieferungen von Hadhrat ʿĀʾischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) wurden jedoch zu Grundsätzen für die Rechtsgelehrten und die Mujtahids. Während Hadhrat ʿĀʾischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) gerade die Riten der Hadsch vollzog, bekam sie aufgrund ihrer Menstruation Schwierigkeiten und konnte einige Riten der Hadsch nicht vollziehen. Dies bereitete ihr großes Leid. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) tröstete sie, und auf seine Anweisung hin legte sie in Tanʿīm erneut den Ihrām an und vollzog den Tawāf um die Kaaba. Nachdem Hafiz Ibn Qayyim (möge Allah mit ihm zufrieden sein) diesen Bericht von Hadhrat ʿĀʾischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) überliefert hatte, sagte er:

Es wird Arabisch sein

Aus diesem Hadith der verehrten ʿĀʾischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) wurden einige äußerst wichtige Grundsätze des Hadsch abgeleitet, zum Beispiel:

  1. Für jemanden, der zusammen mit dem Hadsch die Absicht zur Umra fasst, das heißt den Hadsch des Qirān, genügt ein einziger Tawāf und Saʿī.
  2. Bei Frauen entfällt aufgrund ihres besonderen körperlichen Zustands der Tawāf al-Qudūm.
  3. Wenn bei Frauen ihre besondere Situation eintritt, ist es zulässig, nach dem Haddsch die Absicht zur ‘Umra zu fassen.
  4. Während ihrer besonderen Situation dürfen Frauen alle Riten des Haddsch verrichten, außer dem Tawaf um die Kaaba.

5. „Tan‘im“ gehört nicht zum „Haram“, sondern liegt außerhalb des Haram-Gebiets.

6. Die ‘Umra kann innerhalb eines Jahres und sogar innerhalb eines Monats zweimal verrichtet werden.

  1. Der alleinige Vorfall mit Hadhrat ‘Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) beweist, dass Menschen von außerhalb Mekkas in Mekka selbst, nämlich in Tan‘im, den Ihram anlegen und die ‘Umra verrichten dürfen.

Hier bedarf es einer kurzen Erörterung des Qiyas ‘Aqli, also der auf Einsicht und Verstand beruhenden Schlussfolgerung. Qiyas ‘Aqli bedeutet nicht, dass jeder aufgrund seines eigenen Verstandes und seiner eigenen Einsicht über eine Bestimmung der Scharia ein Urteil fällen darf. Vielmehr bedeutet es, dass bei Gelehrten, die mit den tiefen Geheimnissen der Scharia und den religiösen Wissenschaften vertraut sind, durch das Studium und die Erforschung von Qur’an und Sunna sowie deren Umsetzung in ihrem eigenen Leben eine solche Fähigkeit entsteht, dass sie, wenn ihnen ein neuer Rechtsfall vorgelegt wird, aufgrund dieser Fähigkeit erkennen können, welche Antwort der Schari‘, also der Gesetzgeber – das heißt der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) –, gegeben hätte, wenn er noch am Leben wäre. Als Beispiel kann man einen erfahrenen Rechtsanwalt anführen, der die Urteile zahlreicher Verfahren eines bestimmten Gerichts gelesen hat. Wenn er dann aufgrund seiner Erfahrung in Bezug auf einen ähnlichen Fall, indem er auf Grundlage jener Urteile schlussfolgert, sagt: „Wenn dieser Fall vor dieses Gericht käme, würde das Urteil so lauten“, dann wird dies Qiyas ‘Aqli genannt. Wie umfassend Hadhrat ‘Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) über Präzedenzfälle und Entscheidungen – also Beispiele und Urteile – in der islamischen Scharia informiert war, ist aus unserer bisherigen Erörterung völlig klar geworden. Daher ist es nur natürlich, dass die Möglichkeit von Fehlern in ihrem Qiyas sehr gering war. Hier führen wir ein Beispiel für den Qiyas ‘Aqli von Hadhrat ‘Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) an.

Zu Lebzeiten des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) kamen Frauen im Allgemeinen in die Moschee und nahmen am Gemeinschaftsgebet teil. Hinter den Männern standen die Kinder und Jugendlichen in Reihen, und hinter ihnen reihten sich die Frauen ein. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) untersagte, Frauen den Besuch der Moschee zu verbieten.

Sie sagte:

Arabisch wird lauten

Nach dem Tod des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) veränderten sich aufgrund des Umgangs der Araber mit Angehörigen verschiedener Völker und Gruppen, des kulturellen Austauschs und des materiellen Wohlstands das Verhalten, der Schmuck und die Kleidung der Frauen. Als sie diesen Zustand sah, sagte Hadhrat ʿAischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein): „Wenn der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) heute noch lebte, würde er den Frauen verbieten, in die Moschee zu kommen.“ Ihre Aussage lautet wie folgt:

Arabisch wird lauten

Überliefert von ʿAmāra. Hadhrat ʿAischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) sagte: „Wenn der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) zu dieser Zeit noch lebte, würde er den Frauen wegen all dessen, was sie heutzutage an neuen Worten und Taten hervorbringen, den Besuch der Moscheen untersagen, so wie dies den jüdischen Frauen untersagt worden war.“

Obwohl Hadhrat ʿAischas (möge Allah mit ihr zufrieden sein) Entscheidung damals nicht umgesetzt wurde, beruhte sie auf jenem rationalen Analogieschluss. Aufgrund ihrer Lebenserfahrung hatte sie verstanden, wie in diesem Fall das schariatischen Urteil hätte lauten können.

Hadhrat Abū Huraira (möge Allah mit ihm zufrieden sein) erteilte die Fatwa, dass jemand, der einen Verstorbenen wäscht, ebenfalls die Ganzkörperwaschung vornehmen müsse. Wer jedoch die Bahre eines Verstorbenen trägt, müsse die Gebetswaschung wiederholen. Als dies Hadhrat ʿAischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) zu Ohren kam, sagte sie:

Arabisch wird lauten

„Wird etwa auch der Leichnam eines Muslims unrein? Und was geschieht einem, wenn er Holz trägt?“

Unter den Gefährten entstand eine Meinungsverschiedenheit darüber, ob für die Verpflichtung der Ganzkörperwaschung der Austritt von Samenflüssigkeit erforderlich sei. Hadhrat Dschābir (möge Allah mit ihm zufrieden sein) pflegte zu sagen: „Wasser für Wasser.“ Das bedeutet: Nur wenn Samenflüssigkeit austritt, ist die Verwendung von Wasser erforderlich, andernfalls nicht. Hadhrat ʿĀ’ischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) überlieferte einen Hadith, der dieser Ansicht widersprach, und sagte: „Wenn jemand Unzucht begeht und ihr ihn sogar dann steinigt, wenn kein Wasser ausgetreten ist, warum sollte dann die Ganzkörperwaschung nicht verpflichtend sein?“

Unter den geehrten Gefährten betrachtete Hadhrat Ibn ʿUmar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) jede Handlung des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) als Sunna und handelte entsprechend. Die von den Rechtsgelehrten vorgenommene Einteilung der Sunna in gottesdienstliche und gewohnheitsmäßige Handlungen nahm er nicht vor. Er war überzeugt, dass jede Handlung des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm), unabhängig vom Grund, aus dem er sie tat, Sunna sei. Ihre Befolgung sei verpflichtend. Deshalb folgte er dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) auch hinsichtlich der Rastplätze auf Reisen. Das heißt: Wo immer der Gesandte (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) während einer Reise verweilt hatte, verweilte Ibn ʿUmar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) später genau dort. Wenn der Gesandte (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) an einem Rastplatz zufällig die rituelle Reinigung vollzogen hatte, vollzog auch er dort ohne besonderen Anlass die rituelle Reinigung. Hadhrat ʿĀ’ischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) und Hadhrat Ibn ʿAbbās (möge Allah mit ihm zufrieden sein) waren jedoch Vertreter der oben genannten Unterscheidung hinsichtlich der Sunna des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm). Sie unterstützten nicht die Ansicht Ibn ʿUmars (möge Allah mit ihm zufrieden sein). Während der Hadsch hatte der Gesandte (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) im Tal von al-Abtah sein Zelt aufgeschlagen und dort verweilt. ʿĀ’ischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) betrachtete dies jedoch nicht als Sunna. In Sahih Muslim und dem Musnad von Ahmad wird überliefert:

Auf Arabisch lautet es:

„Das Verweilen im Tal von al-Abtah ist keine Sunna. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) verweilte dort, weil es für ihn von dort aus leichter war aufzubrechen.“

Hadhrat ʿĀ’ischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) vertrat in zahlreichen fiqhbezogenen Rechtsfragen eine andere Ansicht als ihre Zeitgenossen. In späterer Zeit richteten sich die Rechtsgelehrten des Hidschas in den meisten Fällen nach ihrer Ansicht. Einen bedeutenden Teil dieser Ansichten und Handlungen Hadhrat ʿĀ’ischas (möge Allah mit ihr zufrieden sein) hat Imam Mālik (möge Allah mit ihm zufrieden sein) in seinem Werk al-Muwattaʾ zusammengestellt.

Lehre und Erteilung von Rechtsgutachten (Unterrichten und Wahrnehmung der Verantwortung für die Erteilung von Fatwas)

Der Islam betrachtet die Weitergabe von Wissen an andere als einen der Dienste am Wissen. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) hat angewiesen:

Auf Arabisch lautet es:

„Der Anwesende soll die Botschaft unbedingt dem Abwesenden übermitteln.“ Wie gewissenhaft Hazrat Aischa (r.a.) diese Verantwortung erfüllte, ist aus unseren bisherigen Ausführungen deutlich geworden. Hier möchten wir dies noch etwas ausführlicher erörtern.

Nach dem Tod des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zerstreuten sich die ehrwürdigen Sahaba (r.a.) über die verschiedenen Städte und Gebiete des islamischen Kalifats, um die islamische Da’wa und das Wissen zu verbreiten. In den großen Städten und Orten wie dem ehrwürdigen Mekka, Taif, Bahrain, Jemen, Damaskus, Ägypten, Kufa und Basra hielten sich jeweils kleine Gruppen dieser großen Lehrer auf. Nach 27 Jahren wurde das Zentrum des Kalifats und der Regierung von Medina zunächst nach Kufa verlegt. Das Zentrum des Kalifats und der Regierung wurde nach 27 Jahren von Medina zunächst nach Kufa und später nach Damaskus verlegt. Dennoch nahm Medinas geistiger und wissenschaftlicher Vorrang keinerlei Schaden. Auch damals bestanden in Medina noch die jeweils eigenen Lehrstätten von Hazrat Ibn Umar (r.a.), Hazrat Abu Huraira (r.a.), Hazrat Ibn Abbas (r.a.), Hazrat Zaid ibn Thabit (r.a.) und anderen. Die größte Lehrstätte aber befand sich an jenem besonderen, mit Hazrat Aischas (r.a.) Gemach verbundenen Ort in der Prophetenmoschee.

Medina war das Herzstück des islamischen Kalifats. Menschen strömten aus allen Richtungen dorthin, um den Besuch und den Segen zu erlangen. Wer kam, stattete gewiss zumindest einmal der Tür des Gemachs der Mutter der Gläubigen einen Besuch ab. Sie übermittelten den Friedensgruß. Sie erwies den Besuchern die gebührende Ehre. Gespräche, Begrüßungen, Fragen zu religiösen Angelegenheiten und deren Beantwortung fanden allesamt hinter dem Vorhang statt. Männer und Frauen aus den Gebieten Irak, Ägypten, Syrien und anderen Regionen kamen zu ihr und baten in verschiedenen Angelegenheiten um ihre Meinung und um Fatwas. Diese Besucher bemühten sich auch, die Studenten zufriedenzustellen, die sich ständig im Dienst der Mutter der Gläubigen aufhielten. Eine solche Studentin, Aischa bint Talha, berichtet:

Es wird Arabisch sein

„Menschen kamen aus jeder Stadt zu Hazrat Aischa (r.a.). Wegen meiner Beziehung zu ihr kamen die älteren Menschen, um mich zu besuchen. Die jungen Männer entwickelten mit mir ein brüderliches Verhältnis. Die Menschen schickten mir Geschenke und schrieben mir Briefe aus verschiedenen Städten. Ich legte sie Hazrat Aischa (r.a.) vor und sagte: ,Tante, dies ist der Brief und das Geschenk von soundso.‘ Sie sagte: ,Meine Tochter, antworte darauf und schicke ihm im Gegenzug ebenfalls etwas.‘“

Natürlich drängten sich mehr Frauen als Männer. Sobald sie Fragen zu Angelegenheiten der Frauen beantwortet hatte, sagte sie ihnen: „Ihr sollt auch die Männer darüber informieren.“ Einmal kamen einige Frauen aus Basra. Sie ermahnte sie und sagte: „Ihr sollt die Männer darüber informieren. Ich schäme mich, ihnen vieles zu sagen. Sagt ihnen, sie sollen sich mit Wasser reinigen.“

Frauen, unmündige Jungen und Männer, vor denen Hazrat Aischa (r.a.) sich nicht zu verhüllen brauchte, saßen alle in der Moschee innerhalb des Gemachs; die anderen saßen außerhalb des Gemachs in der Prophetenmoschee. An der Tür war ein Vorhang angebracht. Sie selbst setzte sich hinter den Vorhang. Die Menschen stellten Fragen, und sie antwortete. Bei manchen religiösen Fragen kam es zwischen der Lehrerin und den Schülern zu Diskussionen und Debatten. Manchmal erläuterte sie eine Frage selbst ausführlich, und die Menschen hörten ihr schweigend aufmerksam zu. Sie achtete auch sorgfältig auf die Sprache, die Ausdrucksweise und die richtige Aussprache ihrer Schüler. Einmal kamen zwei ihrer Neffen. Sie waren Söhne zweier verschiedener Mütter. Einer von ihnen sprach nicht sehr korrekt; in seiner Sprache gab es zahlreiche Fehler. Hazrat Aischa (r.a.) wies ihn auf seinen Fehler hin und sagte: „Warum sprichst du nicht so wie dieser Neffe, wie wir sprechen? Ja, jetzt verstehe ich: Ihn hat seine Mutter unterrichtet und dich deine Mutter.“ Es sei erwähnt, dass die Mutter desjenigen, dessen Sprache nicht korrekt war, eine Sklavin gewesen war.

Außer den oben erwähnten vorübergehenden Schülern nahm sie auch kleine Jungen und Mädchen aus verschiedenen Familien sowie Waisenkinder unter ihre Obhut, zog sie auf und unterrichtete sie. Manchmal erlaubte sie nicht nur Kindern, sondern auch erwachsenen Jungen den Eintritt in ihr Haus, weil sie ihre Milchbrüder oder Milchneffen waren. Die nicht-mahram Männer, denen der Eintritt in ihr Haus nicht gestattet war, sagten bedauernd: „Uns ist eine gute Gelegenheit zum Erwerb von Wissen verwehrt.“ Qubaisa sagte: „Der Grund dafür, dass Urwa mir an Wissen vorausging, war, dass er das Innere von Aischas (r.a.) Haus betreten durfte.“ Auch der im Irak allgemein anerkannte Imam Nakhai erhielt als Kind die Gelegenheit, Hazrat Aischa (r.a.) nahe zu sein. Deshalb beneideten ihn seine Zeitgenossen.

Hadhrat ʿAischa (r.a.) unternahm jedes Jahr die Hadsch. Ihr Zelt wurde an der Stelle zwischen den beiden Bergen Hira und Sabir aufgeschlagen. Wissensdurstige Menschen aus nah und fern versammelten sich neben diesem Zelt. Manchmal setzte sie sich auch im Hof der Kaaba unter dem Dach von Zamzam nieder, und die Wissensdurstigen sammelten sich vor ihr. Wenn sie unterwegs war, umringten Frauen sie von allen Seiten. Wie ein Imam ging sie vorneweg, während die anderen hinter ihr gingen. Die Menschen baten um Lösungen für verschiedene Masʾalas und wollten ihre Zweifel und Bedenken ausräumen; sie legte ihnen die Lösungen dar und beseitigte ihre Zweifel. Sie ermutigte die Menschen, jede Art von Frage zu stellen. Sie sagte: „Ihr könnt mich alles fragen, was ihr eure Mutter fragen könnt.“ Einmal sagte sie dies auch zu Hadhrat Abu Musa al-Aschʿari (r.a.). Sie pflegte zu sagen: „Ich bin eure Mutter.“ Tatsächlich unterrichtete sie ihre Schüler wie eine Mutter. Sie erteilte ʿUrwa, Qasim, Abu Salama, Masruq und Safiyya in mütterlicher Zuneigung Unterricht und Erziehung. Kleine Jungen und Mädchen nahm sie wie ihre eigenen Kinder an und trug auch alle ihre Kosten selbst. Mit manchen Schülern verhielt sie sich so mütterlich, dass selbst ihre Angehörigen darüber eifersüchtig wurden. Hadhrat ʿAbdullah ibn az-Zubair (r.a.) war der von Hadhrat ʿAischa (r.a.) sehr geliebte Neffe. Einmal sagte er zu Aswad, einem Schüler seiner Tante: „Erzähle auch mir einige der Geheimnisse, die die Umm al-Muʾminin dir anvertraute.“

Die Schüler von Hadhrat ʿAischa (r.a.) erwiesen ihr großen Respekt. Hadhrat ʿAmara war die Tochter eines Ansari. Sie nannte Hadhrat ʿAischa (r.a.) „Tante“. Imam asch-Schaʿbi sagt: „ʿAischa (r.a.) nahm Masruq ibn al-Adjaʿ als ihren Sohn an.“ Unzählige Menschen schöpften aus dem Wissensschatz Hadhrat ʿAischas (r.a.). Im Folgenden werden einige von denen kurz vorgestellt, die seit ihrer Kindheit unter ihrer unmittelbaren Obhut aufwuchsen und später bei den Muhaddithun als wahre Überlieferer des Wissens ʿAischas (r.a.) hohes Ansehen genossen:

1. ʿUrwa: Sein Vater war az-Zubair (r.a.), seine Mutter Asma bint Abi Bakr (r.a.). Sein Großvater mütterlicherseits war Hadhrat Abu Bakr (r.a.) und seine Tante mütterlicherseits Hadhrat ʿAischa (r.a.). Seine Tante zog ihn mit großer Liebe und Fürsorge auf. Er gehörte zu den herausragenden Gelehrten und angesehenen Persönlichkeiten Medinas. Imam az-Zuhri und viele andere waren seine Schüler. Er gilt als Imam der Sira und der Maghazi. Imam az-Zuhri sagt: „Ich sah in ihm ein unerschöpfliches Meer.“ In der Kenntnis der Überlieferungen Hadhrat ʿAischas (r.a.) sowie des Fiqh und der Fatwas gab es in jener Zeit niemanden, der ihm überlegen war. Er verstarb im Jahr 94 nach der Hidschra.

  1. Qasim ibn Muhammad: Sein Großvater war Hadhrat Abu Bakr as-Siddiq (r.a.) und seine väterliche Tante Hadhrat ʿAischa (r.a.). Von frühester Kindheit an wuchs er unter der liebevollen Fürsorge seiner Tante auf und erhielt bei ihr seine Ausbildung. Im Erwachsenenalter wurde er zu einem Imam des Fiqh von Medina. Er gehörte dem aus sieben Mitgliedern bestehenden Kreis der Fuqaha in Medina an. Abu Ziyad sagt: „Wie ich keinen größeren Faqih als Qasim gesehen habe, so habe ich auch niemanden gesehen, der im Wissen um die Sunna gelehrter gewesen wäre.“ Ibn ʿUjaina sagt: „Qasim war der größte Gelehrte seiner Zeit.“ Er verstarb im Jahr 106, nach einer anderen Meinung im Jahr 107 nach der Hidschra.
  2. Abu Salama: Er war der Sohn des berühmten Gefährten Hadhrat ʿAbd ar-Rahman ibn ʿAuf (r.a.). Nach dem Tod seines Vaters in jungen Jahren wuchs er unter der liebevollen Fürsorge Hadhrat ʿAischas (r.a.) auf. Er war einer der bedeutendsten Gelehrten Medinas seiner Zeit. Imam Muhrī sagt: „Ich habe vier Menschen wie Meere gefunden. Es waren ʿUrwa ibn az-Zubair, Ibn al-Musayyab, Abu Salama und ʿUbaidullah ibn ʿAbdillah.“ Er verstarb im Jahr 94, nach einer anderen Meinung im Jahr 104 nach der Hidschra.
  3. Masruq ibn al-Adjaʿ: Sein Vater war ein berühmter Reiter aus Jemen. Der berühmte arabische Held ʿAmr ibn Maʿdikarib war sein Onkel mütterlicherseits. Imam adh-Dhahabi überliefert auf Schuʿbis Autorität, dass Hadhrat ʿAischa (r.a.) Masruq als ihren Sohn annahm. Ibn Saʿd berichtet, dass sie, als Masruq sie einmal, die Umm al-Muʾminin ʿAischa (r.a.), besuchte, anwies, für Masruq ein Getränk zuzubereiten. Sie sagte: „Bereitet für meinen Sohn ein Getränk zu.“ Die von ihm überlieferten Hadithe von ʿAischa (r.a.) sind größtenteils im Musnad von Imam Ahmad und im al-Dschamiʿ-Werk von Imam al-Buchari überliefert. Ich kenne niemanden, der wissensdurstiger gewesen wäre als er. Er war ein größerer Mufti als Qadi Schuraih. Qadi Schuraih pflegte seinen Rat einzuholen. Masruq hingegen hatte Qadi Schuraihs Rat nicht nötig. Er war als Richter von Kufa tätig, nahm dafür jedoch kein Entgelt. Er war ein außergewöhnlich frommer Anbeter. Abu Ishaq sagt: „Einmal ging er zur Hadsch. Von seinem Aufbruch von zu Hause bis zu seiner Rückkehr schlief er nur dann, wenn er sich in der Niederwerfung befand.“ Seine Frau sagte: „Während er im Gebet stand, schwollen seine Füße an.“ Er verstarb im Jahr 63 nach der Hidschra.

5. ʿAmara bint ʿAbd ar-Rahman: Sie war die Enkelin des berühmten ansarischen Gefährten Asʿad ibn Zurara (r.a.). Unter den Frauen war sie das herausragendste Beispiel für die Unterweisung und Erziehung durch Hadhrat ʿAischa (r.a.). Die Muhaddithun erwähnen ihren Namen mit großer Verehrung und Achtung. Ibn Hibban sagte über sie: „Sie besaß unter den Frauen das umfassendste Wissen über die Hadithe von ʿAischa (r.a.).“ Sufyan ath-Thauri sagt: „Die Hadithe von ʿAmara, Qasim und ʿUrwa sind die stärksten und zuverlässigsten Hadithe von ʿAischa (r.a.).“ Die Umm al-Muʾminin schätzte und ehrte sie. Nach einer Überlieferung von Imam al-Buchari war sie die Sekretärin der Umm al-Muʾminin. Die Menschen übermittelten durch sie Geschenke und Briefe an Hadhrat ʿAischa (r.a.).

  1. Safiyya bint Schaiba: Safiyya war die Tochter von Schaiba, dem erblichen Hüter der Kaaba. In fast allen Hadith-Werken sind die von ihr überlieferten Hadithe gesammelt. In den Überlieferungsketten wird sie als „Safiyya, die Tochter Schaibas und besondere Schülerin ʿAischas (r.a.)“ oder als „eine Gefährtin ʿAischas (r.a.)“ vorgestellt. Menschen kamen zu ihr, um sie zu verschiedenen Masʾalas und zu den Hadithen Hadhrat ʿAischas (r.a.) zu befragen. Abu Dawud sagt:

Wird auf Arabisch sein

„Ich brach gemeinsam mit ʿAdī ibn ʿAdī al-Kindī zur Hadsch auf. Nachdem wir Mekka erreicht hatten, schickte er mich zu Safiyya bint Schaiba. Sie hatte Hadithe gehört, die von Hadhrat ʿAischa (ra) überliefert worden waren, und sie auswendig gelernt.“

7. ʿAischa bint Talha (ra): Sie war die Tochter des berühmten Gefährten Hadhrat Talha. Hadhrat Abu Bakr as-Siddiq (ra) war ihr Großvater mütterlicherseits und Hadhrat ʿAischa (ra) ihre Tante mütterlicherseits. Sie wuchs unter der Obhut ihrer Tante auf. Abu Zurʿa ad-Dimaschqi sagt: Die Menschen überlieferten von ihr Hadithe, weil sie ihre Ehre, ihren Rang und ihre guten Umgangsformen sahen.

  1. Muʿādha bint ʿAbdillah al-ʿAdawiyya: Sie war eine Frau aus Basra. Sie hatte die Ehre, Schülerin von Hadhrat ʿAischa (ra) zu sein. Viele Hadithe überlieferte sie genau in den Worten Hadhrat ʿAischas (ra). Sie war eine hochrangige Asketin und Gottesdienerin. Nach dem Tod ihres Mannes schlief sie keinen einzigen Tag mehr in einem Bett. Hier wurden nur die Namen und kurzen Lebensbeschreibungen einiger weniger erwähnt. Daneben gab es noch viele weitere.

Obwohl bereits an verschiedenen Stellen etwas über Hadhrat ʿAischas (ra) Interesse und ihre Fähigkeiten in Medizin, Geschichte, Literatur, Dichtung sowie Redekunst und Rhetorik gesagt wurde, halte ich eine gesonderte weitere Erörterung für notwendig. Die Schüler und Jünger Hadhrat ʿAischas (ra) überlieferten, dass sie Geschichte, Redekunst und Rhetorik, Literatur und Dichtung sehr gut beherrschte. In der Medizin besaß sie hingegen nur grundlegende Kenntnisse. Hischam ibn ʿUrwa überliefert:

Wird auf Arabisch sein

„Ich (ʿUrwa) habe niemanden gesehen, der in der Kenntnis des Korans, der Erbanteile, des Erlaubten und Verbotenen (Fiqh), der Dichtung, der Geschichte der Araber und der Nasab-Wissenschaft (Genealogie) sachkundiger gewesen wäre als ʿAischa (ra).“

ʿUrwa sagte außerdem: „Ich habe niemanden gefunden, der in der Medizin erfahrener gewesen wäre als ʿAischa (ra).“ Im damaligen Arabien wurde die Medizin nicht in angemessener Weise praktiziert und war nicht weit verbreitet. Der bedeutendste Arzt jener Zeit war al-Harith ibn Kalada. Darüber hinaus gab es in ganz Arabien noch viele kleinere Ärzte. Was in einer Analphabetengesellschaft an medizinischer Praxis üblich ist, darunter verstand man in jener Zeit die Medizin in der arabischen Gesellschaft: einige Kenntnisse über die Eigenschaften von Pflanzen und Kräutern sowie über bestimmte bei Kranken erprobte Heilmittel und Ähnliches. Ein Mann fragte Hadhrat ʿAischa (ra): „Dass du Dichtung vorträgst, akzeptiere ich; du bist schließlich die Tochter Abu Bakrs (ra) und kannst es daher. Aber wie hast du dir diese medizinischen Kenntnisse angeeignet?“ Sie antwortete: „Der Gesandte Allahs (sallallahu ʿalaihi wa sallam) war gegen Ende seines Lebens häufig krank. Die Ärzte Arabiens kamen zu ihm. Ich merkte mir die Heilmittel, von denen sie sprachen.“ Wir können daraus erkennen, auf welchem Niveau sich ihre medizinischen Kenntnisse befanden. Außerdem hatte sie sich die Verordnungen für einige weitere Kranke gemerkt. In jener Zeit zogen muslimische Frauen gemeinsam mit dem Gesandten Allahs (sallallahu ʿalaihi wa sallam) in den Krieg; sie legten den verwundeten Soldaten Verbände an und pflegten sie. Auch ʿAischa (ra) versorgte in der Schlacht von Uhud verwundete Soldaten. Daraus lässt sich schließen, dass die muslimischen Frauen jener Zeit über so viele Kenntnisse in diesem Fach verfügten, wie zur Deckung ihrer grundlegenden Bedürfnisse erforderlich waren.“

Hazrat Abu Bakr (ra) war ein äußerst kundiger Kenner der Geschichte des alten Arabien, der Bräuche und Sitten der Dschāhilīya sowie der Abstammung der verschiedenen arabischen Stämme und Sippen. Hazrat ʿĀischa (ra) war seine Tochter. Man kann sagen, dass sie das Wissen ihres Vaters durch Erbschaft erlangte. Daher hörten wir Hazrat ʿUrwa sagen: „Ich habe niemanden gesehen, der die Geschichte Arabiens und die Genealogie besser kannte als ʿĀischa (ra).“ Sie überlieferte viele wichtige Einzelheiten über die Bräuche und Sitten sowie die gesellschaftlichen Zustände im vorislamischen Arabien, die in den Hadith-Werken zusammengestellt wurden. Zum Beispiel, welche Arten von Ehen es in Arabien gab, wie die Scheidung vollzogen wurde, was bei Hochzeiten gesungen wurde, an welchen Tagen sie fasteten, wo die Quraisch während der Hadsch Aufenthalt nahmen, welche Worte sie beim Anblick der Körperhaltung eines Verstorbenen äußerten und dergleichen. Ihre diesbezüglichen Überlieferungen finden sich unter anderem in Sahih al-Buchari, at-Tirmidhi und dem Musnad Ahmad.

Ebenso überlieferte ʿĀischa (ra) den Bericht über den blutigen Krieg der Ansar von Medina in vorislamischer Zeit, den Krieg von Buʿāth⁴⁰¹, und sprach auch über die religiösen Überzeugungen der Medinenser und ihre Götter und Göttinnen. So verehrten sie beispielsweise ein Götzenbild auf dem Berg „Muschallal“.⁴⁰² Sie überlieferte der Reihe nach auch einige äußerst wichtige Ereignisse der islamischen Geschichte: die Anfänge der Offenbarung, wie die Offenbarung erfolgte, in welchem Zustand sich der Gesandte Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) während der Offenbarung befand, verschiedene Ereignisse aus der Frühzeit des Prophetentums, die Hidschra, das Ereignis der Ifk in ihrem eigenen Leben und anderes.⁴⁰³ Das Interessante ist, dass die älteren Menschen, die an diesen Ereignissen beteiligt waren oder sie selbst miterlebt hatten, ihre Berichte mit wenigen kurzen Sätzen wiedergaben, während der Bericht Hazrat ʿĀischas (ra) in den Hadith-Werken mehrere Seiten umfasst. Dabei war sie zur Zeit vieler dieser Ereignisse noch ein Kind oder höchstens eine Jugendliche. Sie überlieferte, wie der Koran herabgesandt wurde, in welcher Reihenfolge dies geschah und wie das Gebet verrichtet wurde.⁴⁰⁴ Außerdem erfuhren die Menschen durch sie ausführliche Einzelheiten über den Zustand des Gesandten Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) zum Zeitpunkt seines Todes, die Vorbereitungen für Waschung und Bestattung sowie Anzahl und Maße der Leichentücher.⁴⁰⁵ Nicht nur das: Sie berichtete uns auch über die Zustände auf dem Schlachtfeld. Wir hören aus ihrem Mund vom Geschehen bei Badr,⁴⁰⁶ vom Zustand bei Uhud, von einigen Ereignissen bei der Grabenschlacht und bei den Banū Quraiza,⁴⁰⁷ vom Gebet des Schreckens während des Feldzugs von Dhāt ar-Riqāʾ, von der Huldigung der Frauen bei der Eroberung Mekkas, von einem Teil der Ereignisse der Abschiedswallfahrt und anderem. Sie berichtete uns vom nächtlichen Gottesdienst des Gesandten Allahs (sallallahu alaihi wa sallam), von seinem häuslichen Leben, seinem Adab und Ahlāq sowie seinem Wesen und Verhalten. Sie sagte sogar, welcher der schwierigste Tag im Leben des Gesandten Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) gewesen war.⁴⁰⁸ Kurz gesagt, stellte sie uns ein klares und zutreffendes Bild des Lebens des Propheten vor Augen. Auch über das Kalifat Hazrat Abu Bakrs (ra), die Forderungen und Ansprüche Hazrat Fātimas (ra) und der anderen Ehefrauen des Gesandten Allahs (sallallahu alaihi wa sallam), die Baiʿa und anderes berichtete sie.⁴⁰⁹

Es steht fest, dass ihr Wissen über die Geschichte des Islam aus eigener Erfahrung erwachsen war. Vieles hatte sich vor ihren Augen ereignet. Doch von wem hatte sie von den Zuständen im vorislamischen Arabien erfahren? Gewiss hatte sie davon aus dem Mund ihres Vaters Abu Bakr (ra) gehört.

Literatur

Aus zahlreichen Überlieferungen ist bekannt, dass Hazrat ʿĀischa (ra) eine beredsame Frau war. Ihre Rede war äußerst klar, korrekt und flüssig. Mūsā ibn Talha war einer ihrer Schüler. Imam at-Tirmidhi hat im Kapitel „Menschlichkeit“ seine folgende Äußerung überliefert:

Arabisch folgt

Er überlieferte. Das bedeutet: „Ich habe niemanden gesehen, der klarer und korrekter sprach als ʿĀischa (ra).“ Im Mustadrak des Hakim wird eine Äußerung von Ahnaf ibn Qais überliefert. Er sagte: „Ich habe nie bessere Worte gehört als die wundervolle Ausdrucksweise und die kraftvolle Rede ʿĀischas (ra).“ Unter den Hunderten von Hadithen, die von Hazrat ʿĀischa (ra) überliefert wurden, sind auch viele Äußerungen in ihrer eigenen Sprache bewahrt worden. Liest man sie, erkennt man darin eine wundervolle künstlerische Gestaltung. In ihnen zeigt sich ein treffender Gebrauch von Metaphern, Vergleichen und bildhaften Übertreibungen. So sagte sie beispielsweise bei der Beschreibung der Herabsendung der Offenbarung auf den Gesandten Allahs (sallallahu alaihi wa sallam):⁴¹⁰

Arabisch folgt

Das heißt: „Zu Beginn empfing der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) die Offenbarung durch wahre Träume im Schlaf. Welchen Traum er auch sah, er erstrahlte wie das Licht des Morgens.“ Hadhrat ‘A’ischa (ra) verglich die wahren Träume des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) mit dem Licht und dem Glanz des Morgens. Wenn der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) die Offenbarung empfing, sammelte sich Schweiß auf seinem gesegneten Antlitz. Diese Schweißtropfen verglich sie mit glänzenden Perlen. Als die Heuchler üble Nachrede über ihn verbreiteten und seinen Charakter verleumdeten, waren jene Tage unerträglich geworden. Eine eindrucksvolle Schilderung davon finden wir in ihrer Überlieferung. Als sie den Zustand einer Nacht aus jener Zeit seines Lebens beschrieb, sagte sie:⁴¹¹

Auf Arabisch wird es lauten:

Das heißt: „Die ganze Nacht weinte ich; bis zum Morgen versiegten meine Tränen nicht, und ich legte mir keinen Schlaf-Kohl auf die Augen.“ Sie verbrachte jene Nacht schlaflos und unter Tränen. Statt dies unmittelbar zu sagen, brachte sie es durch ein schönes Bild zum Ausdruck. Das Einschlafen verglich sie damit, sich Kohl auf die Augen zu legen. Nur wer die Sprache vollkommen beherrscht, kann sich auf diese Weise ausdrücken. Einmal fragte sie den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm): „O Gesandter Allahs! Wenn es zwei Weiden gäbe, von denen auf der einen das Vieh geweidet hätte und die andere vollständig unberührt geblieben wäre – welche würdest du wählen?“ Im Grunde wollte sie wissen, welche Frau er bevorzugte: eine, die bereits die Gesellschaft eines Ehemannes genossen hatte, oder eine, die dies noch nicht getan hatte. Eigentlich wollte sie erfahren, was der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) in Bezug auf sie selbst wünschte. Doch statt dies direkt auszusprechen, erklärte sie es auf wunderbare Weise durch ein Gleichnis. Es sei darauf hingewiesen, dass unter den Ehefrauen des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) nur ‘A’ischa (ra) Jungfrau war. Alle anderen waren entweder Witwen oder von ihren Ehemännern geschiedene Frauen.

Hadhrat ‘A’ischa (ra) kannte auch viele Volkserzählungen aus dem alten Arabien und konnte sie auf schöne Weise wiedergeben. In einigen Hadith-Werken sind ein oder zwei von ihr erzählte Geschichten überliefert. Eines Tages erzählte sie ihrem Ehemann, dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), eine lange Geschichte über elf Schwestern aus Arabien. Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) hörte ihrer Geschichte mit großer Geduld zu.⁴¹² In dieser Geschichte sind ihre hervorragende Ausdrucksweise und ihre kunstvolle Erzählweise deutlich zu erkennen. Es finden sich darin zahlreiche Wort- und Satzfiguren.

Redekunst und Ansprachen:

Nur beredsame und redegewandte Menschen können Reden und Ansprachen halten. Dies ist eine von Gott verliehene Gabe. Es ist eine außergewöhnliche Kunst, Menschen für die eigene Meinung zu gewinnen und sie zu beeinflussen. Von den frühesten Zeiten bis zur Gegenwart findet sich diese Kunst bei allen Völkern und Volksgruppen der Welt. Bei den alten Arabern wurde sie umfassend gepflegt. In der Geschichte finden sich Berichte über die großen Redner des vorislamischen Arabien und ihre Ansprachen und Reden. Aus verschiedenen Gründen und aufgrund verschiedener Erfordernisse entwickelte sich die Kunst der Ansprache in der islamischen Zeit umfassend weiter. Sie verbreitete sich über den Kreis der Männer hinaus auch unter den Frauen. Hadhrat ‘A’ischa (ra) war eine der bedeutendsten Rednerinnen. In den alten Quellen der arabischen Literatur sind zahlreiche Ansprachen und Reden von Hadhrat ‘A’ischa (ra) überliefert. Die Ansprachen, die sie während des Aufruhrs in der Zeit der Kamelschlacht hielt, sind in at-Tabaris Geschichte überliefert. Ibn ‘Abd Rabbihi hat einige davon in seinem berühmten Werk al-‘Iqd al-Farid wiedergegeben.⁴¹³

So wie Beredsamkeit und sprachliche Reinheit zu den wesentlichen Eigenschaften eines guten Redners gehören, sind auch deutliche Aussprache, eine kräftige Stimme und Würde des Ausdrucks für ihn unerlässlich. Eine solche Stimme hatte Hadhrat ‘A’ischa (ra). At-Tabari berichtet:⁴¹⁴

Auf Arabisch wird es lauten:

„Hazrat Aischa (r.a.) hielt eine Ansprache. Ihre Stimme war laut. Der Klang ihrer Stimme beeindruckte die meisten Menschen. Sie klang wie die Stimme einer vornehmen Dame.“

Ahnaf ibn Qais war ein berühmter Tabi‘i. Wahrscheinlich hatte er in Basra Gelegenheit, eine Ansprache von Hazrat Aischa (r.a.) zu hören. Er bemerkte: „Ich habe die Ansprachen von Hazrat Abu Bakr (r.a.), Hazrat Umar (r.a.), Hazrat Uthman (r.a.), Hazrat Ali (r.a.) und allen Kalifen bis zu dieser Zeit gehört; doch die wortgewandte Schönheit und Kraft, die in den Worten aus dem Mund Aischas (r.a.) lag, fand ich in den Worten keines anderen.“ Allama Sayyid Sulaiman Nadwi führt dieses Urteil von Ahnaf ibn Qais an und sagt: „Meiner Ansicht nach ist diese Aussage von Ahnaf ibn Qais nicht frei von Übertreibung. Doch es besteht kein Zweifel daran, dass Aischa (r.a.) eine redegewandte und sprachlich korrekte Rednerin war.“⁴¹⁵

Hazrat Amir Muawiya (r.a.) und Musa ibn Talha äußerten sich genau wie Ahnaf. Die emotionale Kraft und Hitze, die in den Ansprachen zu spüren war, die sie während der Kamelschlacht hielt, waren nahezu beispiellos. Bereits im Zusammenhang mit der Erörterung der Kamelschlacht haben wir die Übersetzung einer ihrer Ansprachen vorgelegt. Hier wollen wir diese Erörterung mit einem kurzen Zitat aus einer weiteren Ansprache aus jener Zeit abschließen.

Als Hazrat Aischa (r.a.) zusammen mit Hazrat Talha und Zubair (r.a.) in Basra eintraf, versammelten sich die Einwohner Basras in al-Mirbad. Zuerst hielten Talha (r.a.) und danach Zubair (r.a.) eine Ansprache an die versammelte Menge. Zuletzt sprach Hazrat Aischa (r.a.). Zunächst pries sie Allah und sprach dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) Segenswünsche und Friedensgrüße zu. Dann sagte sie:⁴¹⁶

Arabisch lautet:

„Die Menschen sprachen über Uthmans (r.a.) Vergehen und erhoben Vorwürfe gegen seine Bediensteten und Beamten. Sie kamen nach Medina, teilten uns verschiedene Informationen über sie mit und baten um Rat. Wir prüften die Angelegenheiten. Wir sahen Uthman (r.a.) als einen reinen, gottesfürchtigen und seinen Verpflichtungen treuen Mann. Die Ankläger hingegen erschienen uns als sündige, betrügerische und lügnerische Menschen. Sie versuchten, das Gegenteil von dem zu tun, was sie mit ihren Mündern sagten. Als sie stark genug waren, sich zu messen, erhoben sie sich geschlossen gegen ihn. Sie griffen ihn in seinem eigenen Haus an. Das Blutvergießen, das verboten war, erklärten sie für erlaubt, und die Plünderung von Eigentum sowie die Entwürdigung der Stadt, die verboten waren, erklärten sie ohne Zögern und ohne jeden Grund für erlaubt. Hört! Was jetzt getan werden muss und ohne das ihr nichts anderes tun dürft, ist, die Mörder Uthmans (r.a.) festzunehmen und an ihnen das Urteil des Buches Allahs zu vollstrecken.“ Danach rezitierte sie den 23. Vers der Sure Al-i Imran:

„Hast du nicht jene gesehen, denen ein Teil der Schrift gegeben wurde? Sie wurden zum Buch Allahs aufgerufen, damit es zwischen ihnen richte; doch dann kehrte sich eine Gruppe von ihnen ab und wandte sich davon ab.“

In Basra hielt sie eine weitere feurige Ansprache. Zuvor wurde bereits ein Teil davon übersetzt. Jedes Wort und jeder Satz dieser langen Ansprache schien die Zuhörer durch die Vermittlung heftiger Gefühle und Begeisterung zu fesseln. Hier werden einige Zeilen in ihrer ursprünglichen Sprache wiedergegeben.⁴¹⁷

Wird auf Arabisch sein

„O Leute, schweigt, schweigt! Gewiss, ich habe ein Anrecht einer Mutter auf euch und das Recht, euch zu ermahnen. Niemand kann mir einen Makel vorwerfen – außer demjenigen, der sich seinem Herrn widersetzt hat. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) ist mit seinem Kopf an meiner Brust verschieden. Im Paradies werde ich eine seiner Ehefrauen sein. Mein Herr hat mich für ihn bewahrt und von den anderen rein gehalten. Durch meine Person hat Allah eure Heuchler von euren Gläubigen unterschieden. Durch mich hat Allah euch auf dem Boden von Abwāʾ die Möglichkeit zum Tayammum gegeben. Danach war mein Vater in der Höhle des Berges Thawr der Zweite von zweien, während Allah der Dritte war. Er war der Erste, der den Beinamen as-Siddīq erhielt. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) ist aus dieser Welt geschieden, während er mit ihm zufrieden war … Ja, nun bin ich zum Mittelpunkt der Frage der Menschen geworden, wie ich mit einem Heer auszog. Damit beabsichtigte ich weder das Verlangen nach einer Sünde noch die Suche nach Unruhe und Verderben …“

Briefe

In den zuverlässigen alten Sammlungen der arabischen Literatur finden sich zahlreiche bedeutende Briefe von ʿĀ’ischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein). Diese Briefe schrieb sie zu verschiedenen Zeiten an verschiedene bedeutende Persönlichkeiten. Nun stellt sich die Frage, ob sie diese Briefe eigenhändig geschrieben hat; jedenfalls gibt es keinen Beweis dafür, dass Gedanken und Sprache nicht von ʿĀ’ischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) stammten. Daher haben die Gelehrten der frühen arabischen Literatur diese Briefe von ʿĀ’ischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) unter literarischen Gesichtspunkten gewürdigt und ihnen in ihren eigenen Werken einen Platz eingeräumt. Im vierten Band der berühmten Sammlung al-ʿIqd al-Farīd von Ibn ʿAbd Rabbih al-Andalusī sind viele ihrer Briefe zusammengestellt. So schrieb sie beispielsweise, nachdem sie Basra erreicht hatte, an einen dortigen Anführer, Zayd ibn Suhān:⁴¹⁸

Wird auf Arabisch sein

„Von der Mutter der Gläubigen ʿĀ’ischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) an ihren ergebenen Sohn Zayd ibn Suhān. Salāmun ʿalaika. Dein Vater war in der vorislamischen Zeit ein Anführer, und auch in der islamischen Zeit. Du befindest dich deinerseits in der Stellung eines Masbūq-Beters, von dem man sagen kann, dass er beinahe oder sicher noch aufgeholt hat. Du hast erkannt, welches Unheil im Islam durch die Ermordung von ʿUthmān ibn ʿAffān entstanden ist. Sobald dieser mein Brief dich erreicht, sollst du die Menschen davon abhalten, sich auf die Seite von ʿAlī ibn Abī Tālib zu stellen. Bleibe in deinem Haus, bis mein Befehl dich erreicht. Wa-s-salām.“

Die Antwort, die Zayd ibn Suhān auf den oben genannten Brief der Mutter der Gläubigen ʿĀ’ischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) gab, ist durchaus beachtenswert. Wir geben diesen Brief wieder und schließen damit dieses Thema ab. Zayd ibn Suhān schreibt:⁴¹⁹

Wird auf Arabisch sein

„Von Zaid ibn Suhan an die Mutter der Gläubigen, ʿAischa (r.a.). Friede sei mit dir. Danach: Dir wurden bestimmte Aufgaben auferlegt, uns jedoch andere. Dir wurde befohlen, im Haus zu bleiben, und uns wurde befohlen, gegen die Menschen zu kämpfen, bis die Fitna beseitigt ist. Du hast aufgegeben, was dir zu tun befohlen wurde. Und du hast geschrieben, um uns davon abzuhalten, das zu tun, was uns befohlen wurde. Und Friede sei mit dir.“

Die Liebe der ehrwürdigen ʿAischa (r.a.) zur Dichtkunst

Die Araber der vorislamischen Zeit waren ein Volk, das die Dichtkunst liebte. Im Leben des Einzelnen und der Gesellschaft war der Einfluss von Dichtern und Dichtung außerordentlich groß. Bei ihnen nahm der Dichter den höchsten Rang ein. Sie betrachteten Wahrsager und Propheten als Menschen derselben Kategorie. Daher bezeichneten sie sogar den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) als Dichter. Ibn Raschiq al-Qairawani sagte, als er die Stellung und das Ansehen des Dichters im vorislamischen Arabien beschrieb:⁴²⁰

Auf Arabisch:

„Wenn in einem arabischen Stamm ein Dichter Berühmtheit erlangte, kamen die Angehörigen anderer Stämme und beglückwünschten diesen Stamm. Verschiedene Speisen wurden zubereitet. Wie bei einer Hochzeitsfeier versammelten sich die Mädchen und spielten Musikinstrumente. Männer sowie Kinder und Jugendliche kamen und brachten ihre Freude zum Ausdruck. Der Grund dafür war, dass der Dichter ihr Ansehen und ihre Ehre schützte, die Verteidigung ihres Stammes übernahm und für ihren Namen und Ruhm warb.“

Liest man die Geschichte der alten arabischen Literatur, so gewinnt man den Eindruck, dass sich im vorislamischen Arabien eine Flut von Dichtung ergoss. Man findet die Namen unzähliger Dichter, deren Zahl sich nicht vollständig erfassen lässt. Ibn Qutaiba sagte:⁴²¹

Auf Arabisch:

„Die Dichter – jene, die in der vorislamischen wie auch in der islamischen Zeit durch ihre Dichtung in ihrer Gesellschaft und ihrem Stamm Berühmtheit erlangten – waren so zahlreich, dass niemand sie zählen kann.“

Er sagte außerdem:⁴²²

Auf Arabisch heißt es:

„Diejenigen, die keine Gedichte verfasst haben, sind äußerst wenige; wollten wir ihre Namen aufzählen, könnten wir die Namen der meisten Menschen nennen.“

Der berühmte Gefährte Anas ibn Mālik (ra), der Diener des Gesandten Allahs (sallallāhu ʿalaihi wa sallam), sagte:⁴²³

Auf Arabisch heißt es:

Das bedeutet: „Als der Gesandte Allahs (sallallāhu ʿalaihi wa sallam) zu uns kam, wurden in jedem Haus der Ansār Gedichte vorgetragen.“

Kurz gesagt: Ein arabischer Dichter konnte durch seine Gedichte hier ein Feuer entfachen und dort ebenso den Regen des Lebens herabströmen lassen. Diese Fähigkeit war nicht ausschließlich den Männern eigen; vielmehr besaßen auch Frauen sie. Vor dem Islam und noch hundert Jahre danach war diese besondere Eigenschaft der Araber unter den Muslimen in vollem Maße vorhanden. Aus jener Zeit sind zahlreiche Frauen bekannt, die beim Verfassen von Gedichten und Musik eine solche Meisterschaft zeigten, dass ihr Andenken zu einer einzigartigen Zierde der arabischen Dichtkunst geworden ist.

Umm al-Muʾminīn ʿĀʾischa (ra) wurde in einer solchen Epoche der Kulturgeschichte Arabiens geboren. Auch in ihrer eigenen Familie wurde Dichtkunst gepflegt. Ihr Vater Abū Bakr (ra) war ein Dichter.⁴²⁴ Der berühmte Tābiʿī Saʿīd ibn al-Musayyib sagte:⁴²⁵

Auf Arabisch lautet es

„Abu Bakr (ra) war ein Dichter. ʿUmar (ra) war ein Dichter. Und ʿAli (ra) war der beste Dichter von den dreien.“

Daher kann man sagen, dass er die Kenntnis der Dichtkunst von seinem Vater erlangte. Seine Kommentare und Ansichten über Form, Inhalt, Bildsprache und andere Aspekte der Dichtung beweisen die Tiefe seines Wissens auf diesem Gebiet. Einer seiner von ihm zutiefst beeindruckten Schüler, al-Miqdad ibn al-Aswad, sagte: 426

Auf Arabisch lautet es

„Unter den Gefährten des Gesandten Allahs (sallallahu ʿalaihi wa sallam) kenne ich niemanden, der mehr Wissen über Dichtung und die Wissenschaft der Erbanteile besaß als ʿAischa (ra).“

Auch der ehrwürdige ʿUrwa ibn az-Zubair äußerte sich genau in diesem Sinne. 427 Ein anderer seiner Schüler sagte: „Ich bin nicht erstaunt über ʿAischas (ra) Wissen über Dichtung, denn sie ist die Tochter Abu Bakrs (ra).“

Die ehrwürdige ʿAischa (ra) war selbst eine Dichterin. Einige Teile der Trauerode, die sie nach dem Tod ihres Vaters verfasste, hat der Gelehrte al-Alusi im zweiten Band seines Werkes Bulugh al-Arib zusammengestellt.

Imam al-Buchari überlieferte in seinem Werk al-Adab al-Mufrad eine Aussage des ehrwürdigen ʿUrwa. Er sagte, dass ʿAischa (ra) eine vollständige Qasida des ehrwürdigen Kaʿb ibn Malik (ra) auswendig kannte. Eine Qasida umfasste ungefähr vierzig Verse. 428 Die ehrwürdige ʿAischa (ra) sagte: 429

Auf Arabisch lautet es:

„Lehrt eure Kinder Gedichte; dadurch wird ihre Sprache wohlklingend sein.“

Viele Gedichte der Dichter des vorislamischen und des islamischen Zeitalters kannte Aischa (r.a.) auswendig. Diese Gedichte oder Teile davon trug sie je nach Zeit und Gelegenheit als Zitate vor. Viele der von ihr überlieferten Gedichte oder Verse sind in verschiedenen Hadith-Werken überliefert worden. Ein Mann fragte Aischa (r.a.), ob der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) jemals Gedichte rezitiert habe. Sie antwortete: Ja, er rezitierte einige Verse von Abd Allah ibn Rawaha, zum Beispiel:430

Auf Arabisch lautet es:

„Derjenige, den du ohne Reiseproviant fortschickst, wird mit vielen Nachrichten zu dir kommen.“

Eines Tages hörte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm), wie Aischa (r.a.) die folgenden beiden Verse des Dichters Zuhair ibn Janab rezitierte:431

Auf Arabisch lautet es:

„Du hebst deinen Schwachen empor, dessen Schwäche niemals gegen dich kämpfen wird. Danach wird er die Folgen dessen erfahren, was er erworben hat.

Er wird dir vergelten oder dich loben. Wer deine Tat lobt, ist wie jemand, der dir vergolten hat.“

Nachdem der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) diese beiden Verse gehört hatte, sagte er: „Aischa! Er hat die Wahrheit gesprochen. Wer den Menschen nicht dankbar ist, ist auch Allah nicht dankbar.

Abu Kabir al-Hudhali war ein Dichter der Dschahiliya. Er verfasste ein Gedicht zum Lob seines Stiefsohnes, des Dichters Ta’abbata Scharran. Zwei seiner Verse lauten wie folgt:432

Arabisch folgt

„Er ist frei von allen Unreinheiten aus dem Schoß seiner Mutter und von allen Krankheiten seiner Amme. Wenn du die kräftigen Adern und Blutgefäße in seinem Gesicht betrachtest, wirst du sehen, wie sie wie ein Blitz bei heftigem Regen aufleuchten.“

Eines Tages trug Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) die beiden oben genannten Verse vor und sagte: „O Gesandter Allahs, Sie sind doch viel eher dieser beiden Verse würdig.“ Über diese Worte freute sich der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm).

Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) pflegte häufig die folgenden beiden Verse als Beispiel anzuführen:433

Arabisch folgt

„Wenn der Lauf der Zeit mit all seinen Gefahren und Schicksalsschlägen über ein Volk hinwegzieht, kommt er schließlich bei unserem Letzten zum Stillstand. Sagt denen, die sich über unser Unglück freuen: Seid auf der Hut! Sehr bald werdet auch ihr damit konfrontiert werden, so wie wir es wurden.“

‘Abd ar-Rahman ibn Abi Bakr (ra), der Bruder von ‘A’ischa (ra), starb in der Nähe von Mekka und wurde in Mekka beigesetzt. Als ‘A’ischa (ra) später nach Mekka kam, stellte sie sich an das Grab ihres Bruders und rezitierte die folgenden beiden Verse: 434

Auf Arabisch lautet es

„Wir beide lebten lange Zeit miteinander wie die beiden Gefährten des Königs Dschadhima. Die Menschen sagten über uns sogar, dass wir uns niemals trennen würden.

Doch als wir schließlich getrennt wurden, waren Malik und ich, obwohl wir so lange zusammengelebt hatten, als hätten wir keine einzige Nacht gemeinsam verbracht.“

Die Körper der Auswanderer aus Mekka waren anfangs nicht an das Klima Medinas gewöhnt. Abu Bakr (ra), ‘Amir ibn Fuhayra (ra), Bilal (ra) und viele andere, ja sogar ‘A’ischa (ra) selbst, erkrankten nach ihrer Ankunft in Medina an starkem Fieber. Im Fieberwahn kamen damals vielen von ihnen Verse aus Gedichten über die Lippen. Einige dieser Verse waren ‘A’ischa (ra) im Gedächtnis geblieben, und sie überlieferte sie. So pflegte Abu Bakr (ra), wenn das Fieber ihn befiel, den folgenden Vers zu rezitieren: 435

Auf Arabisch lautet es

„Jeder Mensch beginnt den Tag im Kreis seiner Familie, während der Tod ihm näher ist als die Schnürsenkel seiner Schuhe.“

Hadhrat Bilal (r.a.) rief im Fieberwahn laut die folgenden zwei Verse aus:

Arabischer Text folgt

„Ach, wenn ich doch wüsste, dass ich eines Nachts im Tal von Mekka übernachten und rings um mich herum Hadhkhir- und Jalil-Gras finden würde! Oder dass ich eines Tages am Wasserbecken von Majanna umherstreifen könnte oder eines Tages die beiden Berge Schama und Tufail erblicken würde!“

Wenn Hadhrat Amir ibn Fuhaira (r.a.) nach seinem Befinden gefragt wurde, pflegte er diesen Vers zu rezitieren:⁴³⁶

Arabischer Text folgt

„Ich bin dem Tod begegnet, bevor ich die Süße des Lebens kosten konnte. Der Tod eines feigen Feiglings kommt von oben über ihn.“

In der Schlacht von Badr wurden viele bedeutende Anführer der Quraisch getötet und in den Brunnen von Badr geworfen. Die Dichter der Quraisch verfassten zu ihrem Gedenken viele von tiefen Gefühlen erfüllte Trauergedichte. Viele Verse dieser Gedichte waren Hadhrat Aischas (r.a.) Gedächtnis gegenwärtig, und sie überlieferte sie auch. Auch die beiden folgenden Verse überlieferte sie.⁴³⁷

Arabischer Text folgt

„Wie steht es um die zahlreichen Tänzerinnen und vornehmen Weintrinker, die im Brunnen von Badr liegen? Umm Bakr wünscht ihnen Frieden und Sicherheit. Kann nach dem Tod der Angehörigen meines Stammes auch für mich Frieden einkehren?“

Hazrat Saʿd ibn Muʿādh (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) pflegte während des Grabenkrieges eine Zeile aus einem Lied im arabischen Rajaz-Versmaß zu rezitieren. Auch Hazrat ʿĀʾischa (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) hatte sie sich gemerkt. Sie überlieferte sie folgendermaßen:

Auf Arabisch lautet es:

„O wenn das Kamel doch binnen kurzer Zeit das Schlachtfeld erreichen könnte! Wenn der Tod naht, wie schön ist dann dieser Tod.“

Wie die muslimischen Dichter von Medina den Gedichten der Dichter von Mekka, die den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) verspotteten, Antwort gaben, erfahren wir ebenfalls durch Hazrat ʿĀʾischa (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr). Sie überlieferte: Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Verfasst Gedichte, in denen ihr die Quraisch verspottet. Diese Gedichte werden gegen sie wirksamer sein als Schwertschläge.“ Hazrat ʿAbdullah ibn Rawāha (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) war ein Dichter. Er verfasste ein Gedicht, doch dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) gefiel es nicht besonders. Er beauftragte den Dichter Kaʿb ibn Mālik (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm), als Antwort an die Quraisch ein Gedicht zu verfassen. Schließlich kam die Reihe an Hazrat Hassān ibn Thābit. Er trat vor und sagte: „O Gesandter Allahs! Bei Dem, Der dich als wahren Propheten gesandt hat! Ich werde sie so vollständig zugrunde richten, wie man Leder bearbeitet.“ Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Es besteht kein Grund zur Eile. Abū Bakr kennt innerhalb des gesamten Stammes der Quraisch die Abstammungslinien der Quraisch am besten.“ Darauf ging er zu Abū Bakr (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm), ließ sich die verschiedenen Verzweigungen und Feinheiten der Abstammung erklären und kehrte anschließend zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zurück und sagte: „O Gesandter Allahs! Ich werde sie auf solche Weise bloßstellen, wie man Haare aus einem Klumpen Teig zieht.“ Danach trug Hassān (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) eine Qasīda vor, deren eine Zeile lautete:

Auf Arabisch lautet es:

„Der Enkel Makhzūms ist der Gipfel von Ehre und Würde der Familie Hāschim. Doch dein Vater war ein Sklave.“

Hazrat ʿĀʾischa (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) sagte: Ich hörte den Gesandten Allahs sagen: „Hassān! Solange du Allah und Seinen Gesandten verteidigst, wirst du die Unterstützung des Rūḥ al-Qudus erhalten.“ Sie überlieferte ferner: Ich hörte den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) auch sagen: „Hassān hat ihm durch seine Antwort Erleichterung von Kummer und Sorge verschafft.“ Nach dieser Überlieferung trug uns die Mutter der Gläubigen auch diese Qasīda von Hassān vor:⁴³⁸

Arabisch folgt

Du hast Muhammad geschmäht, und ich habe darauf geantwortet. Für diese meine Tat liegt die Belohnung bei Allah.

Du schmähst Muhammad, der rechtschaffen, gottesfürchtig und Allahs Gesandter ist. Die Einhaltung von Versprechen und Gelübden ist seine natürliche Eigenschaft.

Meine Vorfahren und meine Ehre und Würde insgesamt sind allesamt ein Schutzschild, um Muhammads Ansehen und Ehre vor euren Angriffen zu bewahren.

Ob jemand unter euch den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) schmäht, lobt oder unterstützt – für ihn ist all das gleich.

Dschibril ist unter uns. Er ist Allahs Überbringer der Botschaft und der reine Geist – niemand ist ihm ebenbürtig.“

Als er vom chaotischen Zustand Medinas nach dem Märtyrertod Uthmans (möge Allah mit ihm zufrieden sein) erfuhr, wurden die folgenden Zeilen aus seinem Mund vorgetragen:439

Arabisch folgt

„Wenn die Anführer meines Volkes auf mich gehört hätten, hätte ich euch vor dieser Falle und diesem Untergang bewahren können.“

Nach seiner Ankunft in Basra hörte man ihn die folgenden zwei Verse rezitieren:

Arabisch folgt

„Verlasst den Aufenthaltsort der Unterdrücker – selbst wenn dort das Wasser rein ist – und zieht weiter, wie die Furchtsamen weiterziehen.

Wählt die Weide und grast danach in der grünen Ebene von Damad in der Sonne.“

Wir haben bereits erwähnt, dass sich Hadhrat ʿAischas (ra) die beiden Verse eingeprägt hatte, die einige tapfere Männer während der Kamelschlacht im Rajaz-Versmaß rezitiert hatten. Einmal rezitierte sie die beiden Verse und weinte sehr. Diese beiden Verse lauten:

Arabisch folgt

„O unsere Mutter, die wir als die beste aller Mütter kennen! Siehst du nicht, wie viele Helden verwundet worden sind und wie viele Köpfe und Hände wie Gras abgetrennt wurden?“

Hischam ibn ʿUrwa überlieferte von seinem Vater ʿUrwa. ʿAischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) sagte: „Möge Allah dem Dichter Labīd Barmherzigkeit und Gnade erweisen.“

Er pflegte zu sagen:⁴⁴⁰

Arabisch wird es sein

„All jene, in deren Gesellschaft man leben konnte, sind dahingegangen. Nun lebe ich unter Nachfolgern wie die Haut eines räudigen Kamels.“

Dann sagte ʿAischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein):

„Wenn er unseren heutigen Zustand gesehen hätte, was hätte er wohl gesagt! Ich kann tausend Verse dieser Art von Labīd aufsagen. Allerdings ist das verschwindend gering im Vergleich zu der Zahl der Verse anderer Dichter, die ich aufsagen kann.“

Aus dieser Äußerung von ʿAischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) können wir ermessen, wie sehr sie die Dichtkunst liebte, wie umfassend ihre Kenntnisse auf diesem Gebiet waren und wie viele Hunderte arabischer Verse sie auswendig kannte. Als wir über ihren Beitrag zur Hadith-Wissenschaft sprachen, sahen wir, welch außergewöhnliches Zeugnis ihres Talents sie dort hinterlassen hat! Dasselbe Bild zeigt sich auch im Bereich der arabischen Dichtung.

Viele Dichter trugen ʿAischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) ihre eigenen Gedichte vor, da sie einen solchen Geschmack für Dichtung und eine solche Fähigkeit besaß, den künstlerischen Genuss zu würdigen. H̱assan ibn Thabit (möge Allah mit ihm zufrieden sein) war unter den Ansar ein anerkannter Meister der Dichtkunst. Da er in den Vorfall der Verleumdung verwickelt gewesen war, war es natürlich, dass ʿAischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) ihm gegenüber Unmut empfand. Dennoch kam er zu ʿAischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) und trug ihr seine Gedichte vor.⁴⁴¹ ʿAischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) lobte ihn und schilderte seine verschiedenen Vorzüge. Außerdem erwähnte sie bei passender Gelegenheit auch die Namen der beiden anderen herausragenden Dichter aus der Versammlung des Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm): Kaʿb ibn Malik (möge Allah mit ihm zufrieden sein) und ʿAbdullah ibn Rawaha (möge Allah mit ihm zufrieden sein).⁴⁴²

Grundsätzlich ist das Dichten weder gut noch schlecht. Auch die Dichtung ist eine Art von Rede. Ob eine Rede gut oder schlecht ist, hängt nicht vom Versmaß ab, sondern vielmehr vom Inhalt. Wenn der Inhalt nicht schlecht ist, gibt es an dieser Dichtung keinen Makel. Bei der Prosa ist es genau dasselbe. Gut oder schlecht hängt vom Inhalt ab.

Über das Gute und Schlechte in der Dichtung hat Hadhrat ʿĀʾischa (r) genau dies gesagt:⁴⁴³

Auf Arabisch lautet es:

„Manche Gedichte sind gut, manche Gedichte sind schlecht. Nimm das Gute an und verwerfe das Schlechte.“

Sie überlieferte vom Gesandten Allahs (Allahs Segen und Heil seien auf ihm): „Der größte Sünder ist jener Dichter, der einen ganzen Stamm schmäht.“ Das heißt: Wegen der schlechten Taten eines oder zweier Menschen einen ganzen Stamm zu verurteilen, ist lediglich ein moralischer Fehltritt und ein Missbrauch der dichterischen Begabung.

Abschließend möchten wir sagen, dass Hadhrat ʿĀʾischa (r) eine derart erstaunliche Begabung besaß, dass ihre Beschreibung und Würdigung in einem kurzen Rahmen nicht möglich ist. Für die Darstellung ihres Lebens und ihrer vielseitigen Begabungen wäre ein umfangreiches Buch erforderlich. In unserer Abhandlung haben wir versucht, den Lesern einige Aspekte ihrer Persönlichkeit vorzustellen.

Hafsa bint ʿUmar ibn al-Chattāb (r)

Umm al-Muʾminīn Hafsa (r) war die Tochter des zweiten Kalifen ʿUmar ibn al-Chattāb (r). Ihre Mutter, Zaynab bint Maẓʿūn, war eine Frau aus dem Stamm Chuzāʿa und die leibliche Schwester des berühmten Gefährten ʿUthmān ibn Maẓʿūn. Auch sie selbst war eine Gefährtin. ʿAbdallāh ibn ʿUmar und Hafsa (r) waren leibliche Geschwister.¹ Hafsa war sechs Jahre älter als ʿAbdallāh.² Sie wurde fünf Jahre vor der Berufung des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) in Mekka geboren. ʿUmar (r) sagte: Die Quraisch von Mekka waren damals mit dem Wiederaufbau der Kaaba beschäftigt.³

Als sie das heiratsfähige Alter erreicht hatte, verheiratete ihr Vater ʿUmar ibn al-Chattab (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sie zum ersten Mal mit Chunais ibn Hudhafa, einem Angehörigen des Stammes Banū Sahm. Dieser Chunais gehörte zu den ersten Menschen, die in Mekka den Islam annahmen. Zusammen mit der zweiten Gruppe der Auswanderer wanderte er nach Abessinien aus.⁴ Allerdings erwähnen Mūsā ibn ʿUqba und Abū Maʿschar seine Auswanderung nach Abessinien nicht.⁵ Von dort kehrte er nach Mekka zurück und wanderte anschließend erneut nach Medina aus. Nach seiner Ankunft in Medina fand er im Haus von Rifāʿa ibn ʿAbd al-Mundhir vom Stamm Banū ʿAmr ibn ʿAuf in Qubāʾ Zuflucht.⁶

Über den Zeitpunkt, zu dem Hafsa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) den Islam annahm, ist nichts Genaues bekannt. Sicher ist jedoch, dass die Angehörigen seines eigenen Stammes und seiner Familie unmittelbar nach ʿUmars Übertritt zum Islam ebenfalls den Islam annahmen. Wahrscheinlich nahm auch Hafsa zu jener Zeit gemeinsam mit den Familienangehörigen den Islam an.⁷

Sie wanderte mit ihrem Ehemann nach Medina aus. Nur kurze Zeit nach ihrer Ankunft in Medina wurde sie zur Witwe. Sie war damals noch keine zwanzig Jahre alt.⁸ Über den Zeitpunkt von Chunais’ Tod besteht eine gewisse Meinungsverschiedenheit. Nach Ansicht der meisten Sīra-Gelehrten nahm er an den Schlachten von Badr und Uhud teil. In Uhud wurde er an mehreren Stellen seines Körpers verwundet und starb nach der Rückkehr nach Medina an diesen Verletzungen.⁹ Nach einer anderen Ansicht war er bei Badr beim Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Dort erkrankte er oder wurde verwundet, und nachdem der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) von Badr nach Medina zurückgekehrt war, starb er im zweiten Jahr nach der Hidschra.¹⁰

Nachdem seine Tochter Witwe geworden war, begann ihr Vater ʿUmar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) über ihre zweite Heirat nachzudenken. Zufällig verstarb zu jener Zeit Ruqayya (möge Allah mit ihr zufrieden sein), die Tochter des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und Ehefrau von ʿUthmān (möge Allah mit ihm zufrieden sein). ʿUmar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) suchte zunächst ʿUthmān auf und äußerte den Wunsch, Hafsa mit ihm zu verheiraten. ʿUthmān bat um Bedenkzeit. Einige Tage später antwortete er: „Ich möchte derzeit nicht heiraten.“ Daraufhin ging ʿUmar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) zu Abū Bakr (möge Allah mit ihm zufrieden sein) und sagte: „Ich möchte Hafsa mit dir verheiraten.“ Abū Bakr (möge Allah mit ihm zufrieden sein) schwieg und gab keine Antwort. ʿUmar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) war über das Verhalten Abū Bakrs (möge Allah mit ihm zufrieden sein) noch enttäuschter als über die Antwort ʿUthmāns (möge Allah mit ihm zufrieden sein). ʿUmar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) begab sich zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und brachte seinen Kummer vor.¹¹ Ibn al-Athīr sagt, dass ʿUmar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) zunächst Abū Bakr (möge Allah mit ihm zufrieden sein) den Antrag unterbreitete und, als dieser keine Antwort gab, ʿUthmān (möge Allah mit ihm zufrieden sein) den Antrag machte.¹²

Durch die Heirat mit ʿĀʾischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) entstand zwischen Abū Bakr (möge Allah mit ihm zufrieden sein) und dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) eine enge verwandtschaftliche Beziehung. Mit ʿUmar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) bestand jedoch keine solche Verwandtschaft. Dass durch die Heirat mit Hafsa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) auch eine solche Beziehung entstand, war Allahs Wille. Als der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) von ʿUmars Kummer hörte, sagte er: „Hafsa wird ein Mann heiraten, der besser ist als ʿUthmān, und ʿUthmān wird eine Frau heiraten, die besser ist als Hafsa.“¹³ In einer anderen Überlieferung heißt es, dass der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Soll ich dir nicht einen besseren Schwiegersohn als ʿUthmān und ʿUthmān einen besseren Schwiegervater als dich nennen?“ ʿUmar sagte: „O Gesandter Allahs, gewiss!“ Darauf sagte der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm): „Verheirate deine Tochter Hafsa mit mir, und ich verheirate meine Tochter Umm Kulthūm mit ʿUthmān.“¹⁴ Auf diese Weise wurde die Heirat endgültig vereinbart. Hafsas Vater ʿUmar selbst übernahm als ihr Vormund den Abschluss der Eheschließung. Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) setzte für Hafsa eine Brautgabe von vierhundert Dirham fest.¹⁵

Der Grund dafür, dass ʿUthmān und Abū Bakr (möge Allah mit ihnen zufrieden sein) auf ʿUmars (möge Allah mit ihm zufrieden sein) Antrag nicht eingingen, war, dass sie den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) Hafsa erwähnen gehört hatten. Sie verstanden, dass er aus Rücksicht auf ʿUmars (möge Allah mit ihm zufrieden sein) Ehre daran interessiert war, Hafsa zu heiraten. Sie wagten jedoch nicht, dies ʿUmar zu sagen, aus Furcht, sich irren zu können.¹⁶ Daher traf Abū Bakr (möge Allah mit ihm zufrieden sein) eines Tages, nachdem die Heirat Hafsas mit dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) vollzogen worden war, ʿUmar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) und sagte: „Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) hatte eines Tages Hafsa erwähnt, und ich wollte sein Geheimnis nicht preisgeben. Abgesehen davon gab es keinen anderen Grund dafür, dass ich auf deinen Antrag nicht antwortete.“¹⁷

Über den Zeitpunkt der Heirat Hafsas mit dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) besteht unter den Sīra-Gelehrten eine gewisse Meinungsverschiedenheit. Diese unterschiedliche Auffassung entstand hauptsächlich aufgrund der unterschiedlichen Angaben zum Zeitpunkt des Todes ihres Ehemanns. Ibn al-Athīr sagt, dass diese Heirat nach Ansicht der meisten Gelehrten im dritten Jahr nach der Hidschra stattfand.¹⁸ Nach Abū ʿUbaida fand sie im zweiten Jahr nach der Hidschra statt; dies ist auch die Ansicht Ibn ʿAbd al-Barrs. Ibn Hadschar bezeichnet in seinem Werk al-Isāba die Auffassung vom dritten Jahr als wahrscheinlicher, weil ihr erster Ehemann in Uhud den Märtyrertod erlitt. Manche sagen, die Heirat habe 25 beziehungsweise 30 Monate nach der Hidschra stattgefunden. In einigen Überlieferungen werden sogar 20 Monate genannt! Die Schlacht von Uhud fand jedoch erst mehr als 30 Monate nach der Hidschra statt. Ibn Saʿd betont, dass ihr erster Ehemann nach seiner Rückkehr von Badr starb. Ibn Sayyid an-Nās sagt, dass die Heirat 30 Monate nach der Hidschra, im Monat Schaʿbān, stattfand.²⁰

Über das Todesjahr Hafsas (möge Allah mit ihr zufrieden sein) besteht unter den Sīra-Gelehrten eine gewisse Meinungsverschiedenheit. Nach der bekanntesten Ansicht verstarb sie im Schaʿbān des Jahres 45 nach der Hidschra in Medina. Dies geschah während des Kalifats von Amir Muʿāwiya (möge Allah mit ihm zufrieden sein); der damalige Gouverneur von Medina war Marwān. Er leitete das Totengebet, begleitete den Leichnam bis zum Friedhof al-Baqīʿ und blieb dort, bis die Bestattung abgeschlossen war. Von dem Haus der Familie al-Hazm bis zum Haus al-Mughīras trug er die Bahre auf seinen Schultern; dort übernahm Abū Huraira (möge Allah mit ihm zufrieden sein) seinen Platz und trug sie bis zum Grab. Hafsas (möge Allah mit ihr zufrieden sein) Bruder ʿAbdullah ibn ʿUmar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) und ihre Söhne ʿĀsim, Sālim, ʿAbdullah und Hamza senkten den Leichnam in das Grab. So wurde sie auf dem Friedhof al-Baqīʿ beigesetzt. Diese Auffassung überlieferte al-Wāqidī über Maʿmar, az-Zuhrī und Sālim.²¹ Ibn al-Athīr neigt jedoch zu der Ansicht, dass Hafsa zu der Zeit verstarb, als Hasan ibn ʿAlī (möge Allah mit ihm zufrieden sein) ʿAmir Muʿāwiya (möge Allah mit ihm zufrieden sein) den Treueid leistete. Das war im Dschumādā al-awwal des Jahres 41 nach der Hidschra. Dieses Jahr wird „Jahr der Einheit“ genannt.

In einer anderen Überlieferung heißt es, dass sie im Jahr 27 nach der Hidschra während der Amtszeit Uthmans (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm) als Kalif starb. Grundlage dieser Ansicht ist die Aussage von Wahab ibn Malik, dass sie in dem Jahr starb, in dem Afrika erobert wurde. Die Eroberung Afrikas erfolgte im Jahr 27 nach der Hidschra. Dies ist jedoch ein schwerwiegender Irrtum, denn Afrika wurde zweimal erobert. Die erste Eroberung erfolgte im Jahr 27 nach der Hidschra, die zweite während der Amtszeit Muʿawiyas (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm) als Kalif. Derjenige, dem der Ruhm dieser Eroberung gebührt, war Muʿawiya ibn Chudaydscha (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm).22 Zum Zeitpunkt ihres Todes war Hafsa (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) 63 oder 59 Jahre alt.

Vor ihrem Tod gab sie ihrem Bruder ʿAbdullah ibn ʿUmar (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm) denselben Rat, den ihr Vater ʿUmar (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm) ihr auf seinem Sterbebett gegeben hatte. Das Grundstück, das ihr ihr Vater in al-Ghaba hinterlassen hatte, stiftete sie als Waqf auf Allahs Weg.23 Hafsa (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) hinterließ keine Kinder.24

Obwohl Hafsa (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) keine Kinder hatte, hinterließ sie viele geliebte Schülerinnen und Schüler, die von ihr Hadithe gehört und diese auch überliefert hatten. Zu den bedeutendsten von ihnen gehören: ʿAbdullah ibn ʿUmar, Hamza ibn ʿAbdullah, Safiyya bint Abi ʿUbayda (die Ehefrau ʿAbdullahs), al-Muttalib ibn Abi Wadaʿa, Umm Mubashshir al-Ansariyya, ʿAbd ar-Rahman ibn al-Harith ibn Hischam, ʿAbdullah ibn Safwan ibn Umayya, Schutayr ibn Schakal, Sawwa al-Chuzaʿi, al-Musayyib ibn Rafiʿ, al-Madschlaz und viele andere.25

Von Hafsa (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) wurden insgesamt 60 Hadithe überliefert. Diese hatte sie selbst vom Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und von ihrem Vater ʿUmar (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm) gehört.26 Vier der von ihr überlieferten Hadithe sind von al-Buchari und Muslim übereinstimmend überliefert worden, und sechs Hadithe überlieferte al-Buchari allein.27

Hafsa (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) hatte, wie alle anderen Frauen und Männer im damaligen Arabien, keine formale Schulbildung. Doch wer hätte ein größerer Lehrer sein können als ihr Vater ʿUmar (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm) und ihr Ehemann, der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm)? Unter ihrer Erziehung und Anleitung entwickelte sie ein starkes Verlangen nach Wissen und einem Verständnis der Religion. Ihr tiefes Wissen in religiösen Angelegenheiten wird durch verschiedene Begebenheiten deutlich. Einmal sagte der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm): „Ich hoffe, dass diejenigen, die an Badr und al-Hudaybiyya teilgenommen haben, nicht in die Hölle kommen werden.“ Hafsa (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) rief: „Allah hat doch gesagt:“

Auf Arabisch lautet es:

„Es gibt keinen unter euch, der nicht dorthin gelangen wird.“

Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Ja, das ist richtig. Doch hat Allah nicht auch gesagt:“

Auf Arabisch lautet es:

„Danach werde Ich die Gottesfürchtigen retten und die Ungerechten dort kniend zurücklassen.“ (Sure Maryam 71–72)28

Als der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) Hafsas (r.a.) ausgeprägtes Interesse am Lernen und Wissen bemerkte, war er stets darum bemüht, sie in verschiedenen Dingen zu unterweisen. Schifā bint ʿAbdullāh war eine weibliche Sahābiyya. Sie konnte schreiben und lesen. Hadhrat Hafsa lernte bei ihr das Schreiben. Schifā behandelte mit diesem Wissen die Namla29, eine Art Wundgeschwür, durch Beschwörung. Eines Tages kam sie zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) und sagte: „Ich pflegte in der Zeit der Dschāhiliyya Beschwörungen durchzuführen. Wenn du mir die Erlaubnis gibst, möchte ich sie dir vortragen.“ Nachdem der Gesandte (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) sie angehört hatte, sagte er: „Lehre diese Beschwörung auch Hafsa.“ In einer anderen Überlieferung heißt es, dass der Gesandte (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) zu Schifā sagte: „Willst du Hafsa nicht das Bittgebet gegen die Namla lehren, so wie du ihr das Schreiben beigebracht hast?“30 Hafsa (r.a.) verrichtete zu Lebzeiten des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) und auch danach ausgiebig Gottesdienste. Sie fastete ständig und verbrachte überaus viele Nächte im Gebet. Dschibrīl (a.s.) sagte über sie zum Gesandten (Allahs Segen und Friede seien auf ihm): „Sie ist eine besonders viel Fastende und verrichtet nachts sehr viel Gottesdienst.“31 In einer anderen Überlieferung heißt es, dass Dschibrīl (a.s.) sagte: „Sie ist eine rechtschaffene Frau.“32 Über sie wird berichtet, dass sie im Zustand des Fastens starb.33

Sie missbilligte jede Art von Meinungsverschiedenheit. Als nach der Schlacht von Siffīn die Frage des Schiedsgerichts in Dūmat al-Dschandal aufkam, wollte ihr Bruder ʿAbdullāh ibn ʿUmar (r.a.) nicht aus seinem Haus kommen, da er dies für eine Quelle von Fitna und Unruhe hielt. Hafsa sagte jedoch zu ihm: „Deine Teilnahme wird dir zwar keinen persönlichen Nutzen bringen, doch du solltest teilnehmen, denn die Menschen werden auf deine Meinung warten. Es ist sogar möglich, dass deine Abwesenheit unter ihnen Streit hervorruft.“34 In einer anderen Überlieferung heißt es, dass sie sagte: „Es ziemt sich nicht, sich von einer Angelegenheit fernzuhalten, durch die eine Versöhnung innerhalb der Umma Muhammads erreicht werden kann. Du bist der Schwager des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) und der Sohn von ʿUmar ibn al-Chattāb.“35

Nach dem Ableben des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) sprach Hafsa (r.a.) bei den Kalifen, insbesondere bei ihrem Vater, dem zweiten Kalifen ʿUmar (r.a.), im Namen der Menschen wegen verschiedener Anliegen vor. Oft nahmen auch die Kalifen den Rat ihrer Tochter an. Einige derartige Begebenheiten finden sich in den Sīra-Werken.

Auch nachdem ʿUmar (r.a.) Kalif geworden war, bestritt er seinen Lebensunterhalt mit der während der Amtszeit des ersten Kalifen Abū Bakr (r.a.) für ihn festgesetzten Zuwendung. Als sie jedoch sahen, dass sein Haushalt damit nicht ausreichend geführt werden konnte, versammelten sich namhafte Sahāba wie ʿUthmān, ʿAlī, Talha und az-Zubair (r.a.) und berieten darüber. Sie beschlossen, mit dem Kalifen ʿUmar (r.a.) darüber zu sprechen. Doch wer würde dem Stier die Glocke um den Hals binden? Keiner von ihnen hatte den Mut, mit dem Kalifen über die Angelegenheit zu sprechen. Schließlich wandten sie sich an Hafsa und baten sie, mit dem Kalifen zu sprechen. Hafsa (r.a.) sprach mit ihm, doch der Kalif erinnerte sie an die schlichte und anspruchslose Lebensweise des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) und verabschiedete sie.36

Ein anderes Mal bat sie ihren Vater, den Kalifen ʿUmar (r.a.), die Qualität seiner Kleidung und Nahrung zu verbessern, und sagte: „Allah, der Erhabene, hat den Lebensunterhalt der Muslime inzwischen weiter gemacht als zuvor.“ ʿUmar (r.a.) erinnerte seine Tochter an die harten Lebensumstände des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) und weinte bitterlich.37

Einmal erhielt der Kalif ʿUmar (r.a.) etwas Geld und Vermögen. Hafsa kam zu ihm und sagte: „O Befehlshaber der Gläubigen! Allah, der Erhabene, hat hinsichtlich der nahen Verwandten eine Verfügung erlassen. Deine nahen Verwandten haben an diesem Vermögen einen Anspruch.“ Als der Kalif dies von seiner Tochter hörte, sagte er: „Das Recht meiner nahen Verwandten liegt bei meinem Vermögen. Dieses Vermögen aber gehört den Muslimen. Tochter, du führst deinen Vater in die Irre. Steh auf und geh von hier fort.“ Daraufhin verließ Hafsa hastig den Ort, als sie nach dem Saum ihres Umhangs greifen wollte.38 Von Ibn Dschuraidsch wird überliefert, dass der Kalif ʿUmar (r.a.) eines Nachts, während er die Kaʿba umrundete, eine Sklavin hörte, die in klagendem Ton ein Trennungslied sang. Es hatte etwa die folgenden zwei Verse:

Es lautet auf Arabisch:

– Diese Nacht ist lang und weit geworden, und ringsum ist alles von tiefer Dunkelheit bedeckt. Einsam bin ich wach, ohne einen geliebten Menschen an meiner Seite, mit dem ich Liebesworte wechseln könnte.

– Allah, der Unvergleichliche! Wenn nicht die Furcht vor Ihm wäre, würde die Umgebung dieses Bettes gewiss erzittern.

Der Kalif Umar (ra) ging zu der Frau und fragte sie: „Was ist mit dir geschehen?“ Die Frau antwortete: „Seit mehreren Monaten ist mein Mann von mir fort. Das Verlangen, ihn bei mir zu haben, ist in mir immer stärker geworden.“ Darauf ging Umar (ra) zu seiner Tochter Hafsa und sagte: „Ich möchte dich zu einer wichtigen Angelegenheit befragen. Hilf mir dabei. Nach welcher Zeit wird bei Frauen, wenn sie von ihren Ehemännern getrennt sind, das Verlangen, sie wieder bei sich zu haben, stark?“ Hafsa senkte beschämt den Kopf. Umar sagte: „Allah scheut sich nicht, die Wahrheit offenzulegen.“ Da zeigte Hafsa mit den Fingern drei oder vier Monate an. Darauf ordnete Umar (ra) an, keinen Soldaten länger als vier Monate zurückzuhalten.39

Al-Bayhaqi (9/29) überliefert von Ibn Umar (ra): Eines Tages ging ich (ra) nachts auf einem Rundgang durch die Stadt und hörte eine Frau, die die beiden oben erwähnten Verse sang. Danach fragte er Hafsa: „Wie lange können Frauen höchstens ohne ihre Ehemänner bleiben?“ Hafsa antwortete: „Sechs oder vier Monate.“ Umar (ra) sagte: „Ich werde keinen Soldaten länger als diese Zeit zurückhalten.“40

Hafsa (ra) war Umars (ra) Tochter. Wie ihr Vater hatte auch sie ein etwas scharfes Temperament. Bisweilen erwiderte sie die Worte des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), wodurch es im ehelichen Leben beinahe zu Verstimmungen kam. Über diese Angelegenheit wird unter anderem in al-Buchari berichtet. Umar (ra) sagte einmal zu Ibn Abbas (ra): „In der Zeit der Unwissenheit waren die Frauen der Quraisch den Männern gehorsam und gefügig. Wir maßen ihnen nicht den geringsten Wert bei. Der Islam verlieh ihnen Würde. Nachdem viele Verse über sie offenbart worden waren, erkannten wir ihre Stellung und Würde. Als wir nach Medina kamen, sahen wir, dass die Frauen in Medina ihre Männer gehorsam und gefügig gemacht hatten. Allmählich begannen unsere Frauen, von ihnen zu lernen. Mein Haus lag in der Siedlung der Banu Umaiya ibn Zaid in den Awali. Eines Tages wurde ich sehr zornig auf meine Frau. Doch auch sie ließ sich nichts gefallen und erwiderte jedes meiner Worte. Ihre Antwort gefiel mir überhaupt nicht. Da sagte sie: ‚Es gefällt dir nicht, dass ich dir so antworte, und doch erwidern auch die Ehefrauen des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) seine Worte. Manche von ihnen halten sich bis zum Abend von ihm fern.‘ In einer anderen Überlieferung heißt es, dass er sagte: ‚Deine Tochter Hafsa schleudert dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) die Antwort ins Gesicht. Dadurch ist es so, dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) den ganzen Tag bedrückt bleibt.‘

Umar (ra) sagte: „Als ich dies hörte, eilte ich zu Hafsa und fragte sie: ‚Erwidert ihr die Worte des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm)?‘ Hafsa antwortete: ‚Ja, das tun wir.‘ Ich fragte: ‚Bleibt eine von euch bis zur Nacht von ihm fern?‘ Hafsa antwortete: ‚Ja.‘ Ich sagte: ‚Wer von euch so handelt, wird keinen Erfolg haben, sondern Schaden erleiden. Hat eine von euch sich etwa sicher vor Allahs Zorn gefühlt, obwohl sie den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) erzürnt hat? Möge diejenige, die schöner ist als du und dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) lieber ist, dich nicht täuschen.‘42

In einer anderen Überlieferung heißt es, Umar (ra) habe zu Hafsa gesagt: „Nimm dich in Acht! Tu so etwas nicht. Ich warne dich vor Allahs Frieden. Lass dich nicht von der Eitelkeitsfalle jener täuschen, deren Schönheit den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) bezaubert hat.“ (Das heißt, Aischa (ra).)43 In einer weiteren Überlieferung heißt es, dass er zu Hafsa (ra) sagte: „Erwidere nicht die Worte des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Du besitzt weder Zaynabs Schönheit noch Aischas Glück.“44 At-Tirmidhi überliefert: Eines Tages saß die Mutter der Gläubigen, Safiyya, weinend da. Als der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ins Haus kam und sie weinen sah, fragte er sie nach dem Grund ihres Weinens. Safiyya sagte: „Hafsa hat mich eine Jüdin genannt.“ Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte zu Hafsa: „Fürchte Allah!“ Dann sagte er zu Safiyya: „Du bist die Tochter eines Propheten, dein Onkel ist ebenfalls ein Prophet, und du bist die Ehefrau eines Propheten. In welcher Hinsicht kann Hafsa sich dir gegenüber rühmen?“45 Ein anderes Mal sagten Hafsa und Aischa (ra) zu Safiyya: „Bei dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) besitzen wir beide einen höheren Rang als du. Wir sind seine Ehefrauen und darüber hinaus seine Cousinen.“ Diese Worte verletzten Safiyya sehr. Sie sagte zu ihnen: „Warum habt ihr ihnen nicht gesagt, dass ihr niemals einen höheren Rang als ich besitzen könnt? Denn mein Ehemann ist Muhammad, mein Vater ist Harun und mein Onkel ist Musa.“46

Aischa und Hafsa waren zwar miteinander verheiratete Frauen desselben Mannes, doch ihre Beziehung war wie die von Schwestern. In den meisten Angelegenheiten unterstützten sie einander. Aischa sagte über Hafsa: „Hafsa ist ganz die Tochter ihres Vaters. So wie ihr Vater in jedem Wort und jeder Handlung entschlossen ist, so ist auch Hafsa.“⁴⁷ Unter den Ehefrauen des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) war allein Hafsa meiner ebenbürtig.⁴⁸ Wir beide waren wie eine einzige Hand.⁴⁹

Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) lag im Sterbebett. Er war an der Grenze des Lebens angelangt. Die Zeit des Gebets war gekommen. Er sagte: „Befiehl Abu Bakr, die Menschen im Gebet zu leiten.“ Aischa sagte: „Abu Bakr ist ein sanftmütiger Mann. Wenn er an die Stelle des Gesandten Allahs tritt und den Qur’an rezitiert, wird er vor Weinen sprachlos werden, und die Menschen werden nichts hören können.“ Diese Worte sagte sie zu Hafsa und bat sie, den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) zu ersuchen, an seiner Stelle mich mit dieser Aufgabe zu betrauen. Als Hafsa entsprechend Aischas Worten zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) sprach, bemerkte er: „Ihr alle seid wie die Gefährtinnen des Yusuf.“⁵⁰

Obwohl Aischa und Hafsa in ihrer Wesensart wunderbar übereinstimmten und einander sehr zugetan waren, kam bisweilen die natürliche Neigung von Frauen in ihnen zum Vorschein. Wenn es um die Gesellschaft und Zuneigung ihres Ehemannes ging, wurden sie von Eifersucht ergriffen. Einmal begleiteten sie beide den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) auf einer Reise. Nachts ritt der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) auf Aischas Kamel und legte den Weg zurück, während er sich mit ihr unterhielt. Eines Tages sagte Hafsa zu Aischa: „Wenn du heute Nacht auf meinem Kamel reitest und ich auf deinem, wird sich eine andere Szene ergeben.“ Aischa stimmte zu. Der Gesandte (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) reiste daraufhin mit Hafsa auf ihrem Reittier weiter. Als Aischa am Rastplatz den Gesandten (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) nicht vorfand, steckte sie ihre beiden Füße in das Idhkhir-Gras und begann zu sagen: „O Allah, wenn mich doch eine Schlange oder ein Skorpion gestochen hätte!“⁵¹

Aischa und Hafsa waren die Töchter von Abu Bakr bzw. Umar (Allahs Wohlgefallen sei mit ihnen). Diese beiden großen Persönlichkeiten standen dem edlen Gesandten (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) äußerst nahe. Deshalb bildeten Aischa und Hafsa im Familienleben des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) gegenüber den übrigen reinen Ehefrauen des Propheten eine gemeinsame Front. Dieses Bündnis wirkte hinter vielen Ereignissen im Familienleben des heiligen Propheten (Allahs Segen und Friede seien auf ihm).

Wir müssen uns eines merken: Alle kleinen und großen Ereignisse im Leben des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) sind nicht bloß gewöhnliche Ereignisse wie im Leben anderer Menschen. In jedem einzelnen Ereignis liegt eine Lehre für die Menschheit. Allah, der Erhabene, wollte durch diese Ereignisse der Menschheit praktische Unterweisung in verschiedenen Vorschriften und Verhaltensweisen geben. Andernfalls hätte Er diese Ereignisse auch im Leben Seines Propheten nicht eintreten lassen müssen. Jedes Ereignis im Leben unseres geliebten Propheten muss in diesem Licht betrachtet werden.

Im neunten Jahr der Hidschra wurde die Sure at-Tahrim offenbart. Anlass ihrer Offenbarung war ein Ereignis aus dem Familienleben des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm). Süßigkeiten und Honig waren die Lieblingsspeisen des edlen Gesandten (Allahs Segen und Friede seien auf ihm). Gewöhnlich besuchte er nach dem Asr-Gebet die Häuser all seiner Ehefrauen. Eines Tages verspätete er sich bei Zainab etwas über die gewöhnliche Zeit hinaus. Darüber war Aischa verstimmt. Sie erfuhr, dass eine Frau Zainab etwas Honig als Geschenk geschickt hatte. Der Gesandte (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) hatte diesen Honig bei Zainab getrunken. Deshalb war sein Aufenthalt in ihrem Haus länger gewesen. Aischa und Hafsa schlossen sich zusammen. Aischa sagte zu Hafsa: „Wenn der Gesandte (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) zu mir oder zu dir kommt, sagen wir zu ihm: ‚Aus deinem Mund kommt der Geruch von Maghafir.‘“ (Maghafir ist der Plural von Maghfur, einer Pflanzenblüte, aus der die Bienen Honig gewinnen.) Aischa brachte auch Safiyya bei, dasselbe zu sagen. Als der Gesandte (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) zu ihnen kam, sagten sie gemäß der vorherigen Absprache dasselbe. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) empfand schlechten Geruch als äußerst unangenehm. Als er danach wieder zu Zainab ging, sagte er zu ihr: „Das ist nicht nötig.“ Daraufhin erklärte er für sich selbst den Genuss von Honig für verboten. Als Aischa von dieser Entscheidung des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) erfuhr, sagte sie in bedauerndem Ton zu Hafsa: „Wir haben eine verhängnisvolle Tat begangen. Wir haben den Gesandten Allahs um etwas gebracht, das er liebte.“ Aus Anlass dieses Ereignisses wurde der folgende Vers der Sure at-Tahrim offenbart:⁵²

„O Prophet, warum erklärst du dir selbst für verboten, was Allah dir erlaubt hat, um deine Ehefrauen zufriedenzustellen?“ (at-Tahrim 1)

In verschiedenen Überlieferungen werden unterschiedliche Personen als diejenige genannt, die dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) den Honig servierte. In einigen Überlieferungen wird Hafsa genannt. In diesem Fall verbündete sich Aischa mit Sawda und Safiyya. Auch aus einer Überlieferung von Ibn Saʿd lässt sich dies erkennen.⁵³ In einigen Überlieferungen wird ebenfalls Umm Salama genannt.⁵⁴

Der edle Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) beschloss, keinen Honig mehr zu trinken, um seine Ehefrauen zufriedenzustellen, und wies sie an, diese Angelegenheit geheim zu halten, damit die Frau, die den Honig servierte, nicht verletzt würde. Nach den meisten Überlieferungen hatte der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) dieses Geheimnis Hafsa (r.a.) anvertraut. Hafsa konnte es jedoch nicht geheim halten und verriet es Aischa. Genau darauf weist Allah im dritten Vers der Sure at-Tahrim hin: „Als der Prophet einer seiner Frauen im Geheimen etwas anvertraute, sie es aber weitergab und Allah ihn davon in Kenntnis setzte, teilte der Prophet ihr einen Teil davon mit und verschwieg einen anderen Teil. Als er ihr dies mitteilte, fragte sie: ‚Wer hat dich davon in Kenntnis gesetzt?‘ Er sagte: ‚Der Allwissende und Allkundige hat mich davon in Kenntnis gesetzt.‘

Über den Anlass der Offenbarung der Sure at-Tahrim berichten neben al-Waqidi auch viele andere Kenner der Sira eine andere Begebenheit. Eines Tages war Hafsa (r.a.) nicht zu Hause. Da kam der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) in ihr Gemach und rief die Sklavin Maria al-Qibtiyya zu sich und verbrachte Zeit mit ihr. Inzwischen kehrte Hafsa zurück und erklärte aus Unzufriedenheit den Umgang mit dieser Sklavin für sich selbst für verboten. Der Gesandte bat sie außerdem, diese Angelegenheit geheim zu halten. Doch sie konnte sie nicht geheim halten und verriet sie Aischa. Daraufhin wurde die Sure at-Tahrim offenbart. Nafi sagte: „Ist es etwa nicht richtig, dass der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) seine Sklavin für sich selbst verboten hatte und Allah, der Erhabene, ihm daraufhin befahl, für den Bruch seines Eides eine Sühneleistung zu entrichten?“55

Über diese beiden Frauen, die durch solche Vorfälle den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) in eine schwierige Lage gebracht hatten, offenbarte Allah den vierten Vers der Sure at-Tahrim: „Wenn ihr beide reumütig zu Allah zurückkehrt, so ist es besser, denn eure Herzen sind vom Unrecht abgewichen. Wenn ihr einander aber gegen den Propheten beisteht, dann wisst, dass Allah, Gabriel und die rechtschaffenen Gläubigen sein Beistand sind.“56 Diese beiden Frauen waren Aischa (r.a.) und Hafsa (r.a.). Über die Identität dieser beiden Frauen gibt es in Sahih al-Bukhari eine ausführliche Überlieferung von Ibn Abbas (r.a.). Er berichtet: Seit einiger Zeit hatte ich den Wunsch, Umar (r.a.) nach den beiden Frauen zu fragen, über die es im Quran heißt: „Wenn ihr beide reumütig zu Allah zurückkehrt …“ Als er schließlich zur Hadsch aufbrach, schloss ich mich ihm bei dieser Gelegenheit als Reisegefährte an. Eines Tages, als er unterwegs die Gebetswaschung vollzog und ich ihm Wasser darüber goss, fragte ich: „Wer sind die beiden Frauen, über die es im Quran heißt: ‚Wenn ihr beide reumütig zu Allah zurückkehrt‘?“ Umar antwortete: „Es ist erstaunlich, dass du das nicht weißt! Es sind Hafsa und Aischa (r.a.).“57

Dieser geringfügige Streit innerhalb der Familie des Propheten war keineswegs eine gewöhnliche Angelegenheit. Die Heuchler waren ständig darauf aus, zwischen der Familie des Propheten selbst und seinen besonderen Verwandten und Freunden irgendeinen Keil zu treiben. Als sie von diesem geringfügigen Streit unter den ehrwürdigen Ehefrauen des Propheten erfuhren, wollten sie ihn vielleicht noch weiter anfachen. Sie dachten, nun könnten sie Abu Bakr und Umar (r.a.), die Väter von Aischa und Hafsa, gegen den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) aufbringen. Sie wussten jedoch nicht, dass diese beiden unter den Füßen des Gesandten Allahs nicht nur ihre Töchter, sondern sogar ihr eigenes Leben zu opfern bereit waren. Als Umar (r.a.) daher keine Erlaubnis erhielt, Hafsa zu sehen, rief er aus: „Wenn ich die Erlaubnis bekäme, würde ich Hafsas Kopf abschlagen.“58 Darauf wird im vierten Vers der Sure at-Tahrim hingewiesen. Das heißt: Selbst wenn Aischa und Hafsa eine Verschwörung schmiedeten und die Heuchler sie ausnutzten, würde Allah Seinem Propheten helfen. Und mit Allah sind Gabriel, die Engel und alle gläubigen Männer und Frauen der ganzen Welt.59

Es wird berichtet, dass der edle Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) Hafsa (r.a.) nach dem oben erwähnten Vorfall die Scheidung aussprach und sie anschließend wieder zurücknahm. Dies sagte Asim ibn Umar.60 Nach der Scheidung kam Gabriel (a.s.) zum Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und sagte: „Hafsa fastet sehr häufig und verrichtet nachts sehr viele Gebete. Im Paradies wird sie deine Ehefrau sein.“ Aufgrund dieser Worte Gabriels nahm der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sie wieder zurück.61

Ibn سعد überliefert eine Überlieferung von Qudama ibn Yazid und Ibn Sirin. Der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sprach Hafsa (r.a.) eine einmalige Scheidung aus. Danach besuchten Hafsas beiden Onkel mütterlicherseits, Qudama und Uthman ibn مظعون, Hafsa. Unter Tränen sagte Hafsa zu ihnen: „Bei Allah! Er hat mich nicht wegen einer schlechten Tat geschieden.“ In diesem Augenblick kam der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) hinzu und sagte: „Gabriel hat mir gesagt, ich solle Hafsa zurücknehmen, denn sie fastet sehr häufig und verrichtet viele Gebete. Im Paradies wird sie deine Ehefrau sein.“62

Umar ibn al-Khattab (r.a.) berichtet: „Einmal hielt sich der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) von seinen Ehefrauen fern. Unter den Leuten verbreitete sich das Gerücht, er habe all seine Ehefrauen geschieden. Dies geschah vor der Anordnung des Hijab. Ich ging zu Aischa und sagte: ‚Tochter Abu Bakrs! Hast du gehört, dass die Leute sagen, du hättest den Gesandten Allahs verletzt?‘ Aischa sagte: ‚O Sohn al-Khattabs, was hast du mit mir zu tun? Du kannst woanders hingehen.‘

Danach ging ich zu Hafsa und sagte: „Bei Allah, ich weiß, dass er dich nicht liebt. Wenn ich nicht da wäre, hätte er dich gewiss geschieden.“ Als Hafsa dies hörte, begann sie heftig zu weinen. Ich fragte: „Wo ist der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm)?“ Sie antwortete: „Er ist in einem Raum nebenan.“ Dort sah ich den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sitzen. Sein Mantel hing an der Tür. Durch ihn bat ich um eine Begegnung mit dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Nachdem ich eine Weile an der Tür gewartet hatte, erhielt ich die Erlaubnis. Ich sagte zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm): „Wenn du mir die Erlaubnis gibst, werde ich Hafsa den Kopf abschlagen.“ Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) gab mir mit der Hand ein Zeichen, dass ich mich beruhigen solle. Ich fragte ruhig: „O Gesandter Allahs! Hast du deine Ehefrauen geschieden?“ Er antwortete: „Nein.“ Darauf stellte ich mich an die Tür der Moschee und verkündete mit lauter Stimme: „Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) hat seine Ehefrauen nicht geschieden.“ Danach wurde der 83. Vers der Sure an-Sirar offenbart.63 In verschiedenen Quellen wird dieses Ereignis unterschiedlich überliefert.

Durch die Berichte über die Spannungen und die Scheidung in der Familie des Propheten sind mir viele Eigenschaften und Vorzüge Hafsas (möge Allah mit ihr zufrieden sein) sowie einige Bestimmungen der Scharia deutlich geworden. Zum Beispiel:

  1. Die Scheidung ist eine zulässige Handlung. Wenn sie aus einem bestimmten Bedürfnis oder zum Wohl gereicht, steht sie der Vollkommenheit nicht entgegen.⁶⁴
  2. Allah, der Erhabene, hat Hafsa dafür gelobt, dass sie häufig fastete und viele Gebete verrichtete.
  3. Auch im Paradies wird sie das Glück haben, die Ehefrau des Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu sein.
  4. Um sie zufriedenzustellen, erklärte der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zwei erlaubte Dinge für sich selbst als verboten.
  5. Aus der Aussage Aischas (möge Allah mit ihr zufrieden sein) ist bekannt, dass sie wie ihr Vater war.“

6. Kleinere Spannungen im Eheleben sind etwas Natürliches. In dieser Hinsicht ist das Vorbild des Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) für uns richtungsweisend.

Hafsa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) hatte große Angst vor dem Daddschal. In Medina lebte ein Mann namens Ibn Sayyad. Viele der Zeichen oder Merkmale des Daddschal, die der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) beschrieben hatte, waren bei diesem Mann vorhanden. Selbst der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) war sich in Bezug auf ihn nicht sicher. Eines Tages begegneten Hafsa und Abdullah ibn Umar (möge Allah mit ihnen beiden zufrieden sein) diesem Mann unterwegs. Als Ibn Umar etwas zu ihm sagte, geriet er so sehr in Zorn, dass er sich aufblähte und den Weg versperrte. Ibn Umar wollte ihn schlagen. Hafsa bekam Angst und sagte zu Ibn Umar: „Was geht dich das an? Weißt du nicht, dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) gesagt hat: Der Zorn des Daddschal wird der Grund für sein Hervorkommen sein?“⁶⁵

Die Ehre und der Rang der Umm al-Muʾminīn Hafsa (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) lassen sich nicht in einem kurzen Aufsatz vollständig darlegen. So wie sie in dieser Welt mit der Sīra des Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) völlig eins geworden war, wird sie, wie Allah kundgetan hat, auch im Leben des Jenseits mit ihm vereint bleiben.

Zaynab bint Chuzayma (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr)

Hadrat Zaynab bint Chuzayma ibn al-Harith al-Hilālīya war eine Tochter der Banū Bakr ibn Hawāzin. Ihr Beiname beziehungsweise Laqab war Umm al-Masākīn. Als ihr Ehemann in der Schlacht von Uhud den Märtyrertod starb, heiratete sie der edle Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) noch im selben Jahr, und sie erlangte die unvergleichliche Würde einer Umm al-Muʾminīn.

Über die Identität des ersten Ehemanns von Hadrat Zaynab bint Chuzayma (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) besteht Uneinigkeit. Nach al-Balādhurī, Ibn al-Kalbī und dem Genealogen Abū al-Hasan ʿAlī al-Dschurdschānī war ihr erster Ehemann vor ihrer Heirat mit dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) Tufayl ibn al-Hārith. Tufayl ibn al-Hārith. Nachdem Tufayl ihr die Scheidung gegeben hatte, heiratete sie sein Bruder ʿUbayda ibn al-Hārith. In Badr wurde er verwundet und starb in as-Safraʾ. ʿUbayda war damals 64 Jahre alt. Danach heiratete der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sie im Ramadan des dritten Jahres nach der Hidschra. Dies berichten al-Balādhurī und Ibn Saʿd.¹

Yūnus ibn Muhammad berichtet über die Überlieferungskette von Ibn Ishāq, dass sie zuvor die Ehefrau von al-Husayn ibn al-Hārith ibn ʿAbd al-Muttalib oder von dessen Bruder at-Tufayl ibn al-Hārith gewesen sei.² Ibn Hischām sagt: Vor ihrer Heirat mit dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) war sie die Ehefrau von ʿUbayda ibn al-Hārith. Vor ʿUbayda war sie die Ehefrau von Dschahm ibn ʿAmr ibn al-Hārith. Dieser Dschahm war ihr Cousin.³

Nach Ibn ʿAbd al-Barr und Ibn al-Athīr war sie unmittelbar vor ihrer Heirat mit dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) die Ehefrau von ʿAbdullāh ibn Dschahsch.⁴ Dieser ʿAbdullāh erlitt im dritten Jahr nach der Hidschra in der Schlacht von Uhud den Märtyrertod. Die Ungläubigen schnitten ihm die Gliedmaßen ab und verstümmelten seinen Leichnam. Er war der Sohn von Umayma bint ʿAbd al-Muttalib, der Tante väterlicherseits des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Über den derartigen Tod ihres Ehemannes war Hadrat Zaynab (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) zutiefst schmerzerfüllt. Auch Imam Zuhri berichtet dies.⁵

Zu Beginn des Ramadan im dritten Jahr nach der Hidschra heiratete der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sie und gab ihr als Mahr zwölf Uqiyya Gold. Ibn Hischām sagt, dass der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sie für einen Mahr von vierhundert Dirham heiratete.⁶ Diese Heirat wurde von Qubaysa ibn ʿAmr al-Hilālī (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm) vermittelt.⁷ Nach ihrer Heirat mit dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) lebte sie einigen Überlieferungen zufolge noch zwei oder drei Monate.⁸ Al-Balādhurī sagt, sie sei gegen Ende des Monats Rabīʿ ath-Thānī gestorben.⁹ Diese Ansicht scheint die richtige zu sein. Zum Zeitpunkt ihres Todes war sie dreißig Jahre alt. Unter den Ehefrauen des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) war sie zu seinen Lebzeiten nach Hadrat Chadīdscha die Erste, die Bewohnerin des Paradieses wurde. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) verrichtete ihr Totengebet und ließ sie auf dem Friedhof Baqīʿ in Medina beisetzen.¹¹

Ibn Hadschar (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm) sagt, dass der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) nach Hadrat Hafsa (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) Zaynab bint Chuzayma (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) in seinen Haushalt aufnahm. In einer Überlieferung von Hadrat Umm Salama (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) heißt es, dass der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sie nach dem Tod von Zaynab bint Chuzayma heiratete und sie in deren Gemach einziehen ließ.¹²

Einige haben gesagt, dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) mit dieser Aussage

Auf Arabisch lautet es:

(Diejenige unter euch, deren Hand am längsten ist, wird sich nach meinem Tod am schnellsten mit mir vereinen.) Damit sei auf Zainab bint Chuzaima hingewiesen worden. Der Ausdruck „lange Hand“ wurde im übertragenen Sinne verwendet. Er bedeutet Freigebigkeit. Da Zainab sehr viel Almosen und Wohltätigkeit zu geben pflegte, wurde mit „lange Hand“ auf sie hingewiesen.

Doch diese Auffassung ist völlig falsch. Tatsächlich ist mit diesem Hadith Zainab bint Dschahsch (r.a.) gemeint. Sie starb nach dem Tod des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), noch vor den übrigen Müttern der Gläubigen. Die Hadith-Gelehrten sind sich jedoch darin einig, dass Zainab bint Chuzaima (r.a.) noch zu Lebzeiten des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) verstarb.13

Ibn Hischam sagt:14

Auf Arabisch lautet es:

-Aufgrund ihres Mitgefühls, ihrer Barmherzigkeit und ihres Beistands gegenüber den Armen und Bedürftigen wurde sie „Umm al-Masakin“, also „Mutter der Bedürftigen“, genannt.

Hafiz Ibn Hadschar (r.a.) sagt:15

wird auf Arabisch sein

Sie versorgte die Armen und Bedürftigen mit Nahrung und spendete ihnen Almosen; deshalb wurde sie „Mutter der Bedürftigen“ genannt.“

Ibn ʿAbd al-Barr und al-Balādhurī sagen, dass sie bereits in der vorislamischen Zeit so genannt wurde.16

Umm Salama bintAbī Umayya (ra)

Der eigentliche Name der Umm al-Muʾminīn Umm Salama (ra) war „Hinda“. „Umm Salama“ war ihr Beiname, und unter diesem Namen ist sie bekannt.1 Manche nannten sie „Ramla“, doch die Hadith-Gelehrten hielten dies für unbegründet.2 Tatsächlich war „Ramla“ der Name der Umm al-Muʾminīn Umm Habība (ra). Umm Salamas (ra) Vater war Abū Umayya ibn al-Mughīra ibn ʿAbdullāh ibn ʿAmr ibn al-Makhzūm. Der eigentliche Name Abū Umayyas war Hudhayfa. Doch er war unter dem Namen Abū Umayya bekannt.3 Sein Beiname war „Zād ar-Rakb“. „Zād ar-Rakb“ bedeutet Reiseproviant für eine Karawane. Unter den großzügigen und gastfreundlichen Menschen Mekkas nahm er eine herausragende Stellung ein. Wenn er mit einer Karawane irgendwohin aufbrach, übernahm er die gesamte Verantwortung für die Karawane, einschließlich ihrer Verpflegung und Bewirtung. Von seiner solchen Großzügigkeit und Freigebigkeit beeindruckt, verliehen ihm die Araber jener Zeit diesen Beinamen.4 Es sei erwähnt, dass es unter den Quraisch zu jener Zeit insgesamt drei Personen gab, die den Beinamen „Zād ar-Rakb“ trugen: Abū Umayya ibn al-Mughīra, al-Aswad ibn ʿAbd al-Muttalib und Musāfir ibn Abī ʿAmr.5

Hishām, der Vater von Abū Jahl aus Mekka; Hāshim, der Großvater mütterlicherseits von ʿUmar ibn al-Khaṭṭāb (ra); al-Walīd ibn al-Mughīra, der Vater von Khālid ibn al-Walīd (ra); Abū Hudhayfa al-Makhzūmī; Abū Rabīʿa, der Vater von ʿAyyāsh ibn Rabīʿa; Fākihā; Ḥafṣ, der erste Ehemann von Hind bint ʿUtba; und ʿAbd Schams – sie alle waren Söhne von al-Mughīra al-Makhzūmī, Brüder von Abū Umayya und väterliche Onkel der Umm Salama (ra). Umm Ḥarmala bint Hishām, die Mutter von ʿAmr ibn al-ʿĀṣ (ra), und Khantama bint Hāshim, die Mutter von ʿUmar ibn al-Khaṭṭāb (ra), waren beide Cousinen der Umm Salama (ra). Khālid ibn al-Walīd, al-Walīd ibn al-Walīd, ʿAyyāsh ibn Abī Rabīʿa, Salama ibn Hishām, Abū Jahl ibn Hishām, Khālid ibn Hishām und al-Ḥārith ibn Hishām waren allesamt ihre Cousins.6

Der Name der Mutter der Umm Salama (ra) war ʿĀtika bint ʿĀmir ibn Rabīʿa ibn Mālik al-Kināniyya.7 Einige Verfasser waren der Ansicht, dass Umm Salamas (ra) Mutter ʿĀtika, eine Tochter von ʿAbd al-Muttalib, gewesen sei. Demnach wäre Umm Salama (ra) eine Cousine des Gesandten Allahs (ra) gewesen.8 Tatsächlich war diese ʿĀtika mit Umm Salamas (ra) Vater verheiratet, und aus dieser Ehe gingen drei Kinder hervor: ʿAbdullāh, Umm Zuhayr und Qarība. Doch diese ʿĀtika war nicht die Mutter der Umm Salama (ra). Ihre Mutter war ʿĀtika, die Tochter von ʿĀmir ibn Rabīʿa.9

Erste Ehe

Hazrat Umm Salamas (ra) heiratete zunächst ʿAbdullah ibn ʿAbd al-Asad al-Makhzumi. Sein Beiname war Abu Salama, und unter diesem Namen war er bekannt. Abu Salamas (ra) Großvater väterlicherseits, Hilal, und Umm Salamas (ra) Großvater väterlicherseits, Mugira, waren Brüder. Abu Salamas Vater ʿAbdullah war der Schwager des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Heil seien auf ihm). Er heiratete Burra, die Tante väterlicherseits des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Heil seien auf ihm). Ihr Sohn war Salama (ra). Hazrat Abu Talib, Hazrat Hamza (ra) und Hazrat Abbas (ra) waren die angesehenen Onkel mütterlicherseits Abu Salamas.¹⁰ Andererseits war Abu Salama der Milchbruder des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Heil seien auf ihm).¹¹

Beide, Mann und Frau, gehörten zu jenen Menschen, die als Qadim al-Islam, also als diejenigen bezeichnet werden, die bereits in der ersten Zeit den Islam annahmen. In der frühen Phase des Islam, als die Menschen zwischen der Entscheidung, den Islam anzunehmen oder nicht, hin- und hergerissen waren und die richtige Entscheidung eine äußerst schwierige Angelegenheit war, hatten diese beiden Ehepartner das Glück, den Islam anzunehmen.¹² Ibn al-Athir schrieb: Abu Salama ibn ʿAbd al-Asad, Abu ʿUbaida ibn al-Harith, al-Arqam ibn Abi al-Arqam und ʿUthman ibn Mazʿun nahmen alle gemeinsam den Islam an. Nach ihnen wurden ʿAbdullah ibn Masʿud, Saʿid ibn Zaid und andere Muslime.¹³

Nachdem er den Islam angenommen hatte, begann Banu Machzum, Hazrat Abu Salama (ra) grausam zu verfolgen und zu misshandeln. Schließlich floh er und suchte bei Hazrat Abu Talib Zuflucht. Die Angehörigen von Banu Machzum sagten: „Abu Talib! Bis jetzt hast du deinem Neffen geholfen und ihn unterstützt; warum übergibst du nun auch den Sohn unseres Bruders, der bei dir Zuflucht gefunden hat, nicht unseren Händen?“ Abu Talib sagte: „Denjenigen, den ich vor der Gefahr schütze, die meinem Bruder droht, schütze ich vor derselben Gefahr, die dem Sohn meiner Schwester droht.“ Als der Befehl zur Hidschra erging, wanderte er nach Abessinien aus. Ibn Ishaq sagt, dass er als Erster gemeinsam mit seiner Frau nach Abessinien auswanderte.¹⁴

Hidschra

So wie beide gemeinsam beschlossen hatten, den Islam anzunehmen, waren sie auch hinsichtlich der Hidschra einer Meinung und gingen gemeinsam vor. Zweimal hintereinander wanderten sie nach Abessinien aus.¹⁵ Nachdem sie dort einige Zeit verbracht hatten, kehrten sie wieder nach Mekka zurück. Danach machten sie sich erneut in Richtung Medina auf. Das herzzerreißende Ereignis, dem Hazrat Umm Salama (ra) während der Hidschra nach Medina begegnete, hat Ibn al-Athir in seinem Werk mit ihren eigenen Worten überliefert. Er sagt:

„Als Abu Salama beschloss, nach Medina auszuwandern, besaß er nur ein Kamel. Er setzte mich und seinen Sohn Salama auf dieses Kamel und begann selbst, das Kamel am Zügel zu führen. Die Männer aus meiner väterlichen Familie, Banu Mugira, hielten Abu Salama auf und sagten: ‚Wir werden unsere Tochter nicht in einem solchen elenden Zustand fortgehen lassen.‘ Sie rissen Abu Salama den Zügel aus der Hand und nahmen mich mit sich. Inzwischen kamen die Angehörigen der Familie meines Mannes, Abu ʿAbd al-Asad, und nahmen meinen Sohn Salama in ihre Obhut. Sie sagten zu Banu Mugira: ‚Wenn ihr eure Tochter nicht zu ihrem Mann gehen lasst, werden wir unser Kind nicht bei eurer Tochter lassen.‘ So wurden ich, mein Mann und mein Kind — drei Menschen — in drei verschiedene Richtungen auseinandergerissen. Der Schmerz über die Trennung von meinem Mann und meinem Kind setzte mir sehr zu. Da der Befehl zur Hidschra ergangen war, gelangte Abu Salama nach Medina. Ich aber war allein in Mekka. Jeden Morgen verließ ich das Haus und setzte mich auf einen Hügel im Tal von Abtah, wo ich bis zum Abend weinte. So vergingen etwa sieben oder acht Tage.

Eines Tages bekam ein wohlwollender Mann aus Banu Mugira großen Kummer, als er meine verzweifelte Lage sah. Er versammelte die Leute von Banu Mugira, ermahnte sie und sagte: ‚Warum lasst ihr dieses hilflose Mädchen nicht frei? Warum haltet ihr sie von ihrem Mann und ihrem Kind getrennt? Lasst sie frei und ermöglicht ihr, sich mit ihrem Mann und ihrem Kind zu vereinen.‘ Er brachte diese Worte mit solcher Anteilnahme vor, dass in den Herzen der Menschen aus meiner väterlichen Sippe Mitleid und Barmherzigkeit erwachten. Sie erlaubten mir, zu meinem Mann zu gehen. Als Banu ʿAbd al-Asad davon erfuhr, schickten auch sie mein Kind zu mir. Nun setzte ich mich in die Sänfte auf dem Kamel, nahm Salama auf den Schoß und machte mich auf den Weg. Ich verließ Mekka allein und gelangte nach Tanʿim. Dort begegnete ich ʿUthman ibn Talha ibn Abi Talha, dem Hüter der Schlüssel der Kaaba. Nachdem er von meinem Vorhaben erfahren hatte, fragte er mich, ob noch jemand bei mir sei. Ich sagte: ‚Nein, niemand außer mir und diesem meinen kleinen Kind.‘ Daraufhin ergriff er fest den Zügel meines Kamels, zog daran und ging vor dem Kamel her.

Allah weiß, dass ich in ganz Arabien keinen besseren und höflicheren Menschen als Talha gefunden habe. Wenn wir an einem Rastplatz ankamen und Ruhe benötigten, ließ er das Kamel niederknien und ging in einiger Entfernung hinter einen Baum. Wenn es wieder Zeit zum Aufbruch war, machte er das Kamel bereit, kam zu mir und sagte: ‚Setz dich auf das Kamel.‘ Nachdem ich bequem auf dem Rücken des Kamels Platz genommen hatte, ging er voran und führte es am Zügel. Die gesamte Reise verlief auf diese Weise. Als wir Quba, die Siedlung von Banu ʿAmr ibn Auf bei Medina, erreichten, sagte ʿUthman ibn Talha zu mir: ‚Dein Mann befindet sich in dieser Siedlung.‘ Abu Salama hielt sich dort auf. Im Vertrauen auf Allah betrat ich die Siedlung und fand Abu Salama. Auf diese Weise brachte ʿUthman ibn Talha mich zu Abu Salama und machte sich anschließend wieder auf den Weg nach Mekka.¹⁶

Frau Umm Salama (Allahs Wohlgefallen sei ihr gewährt) bewahrte die Erinnerung an Uthman ibn Talhas Mitgefühl und Anteilnahme ihr ganzes Leben lang. Sie pflegte oft zu sagen:

Arabisch folgt

– „Ich habe niemals einen höflicheren Gefährten als Uthman ibn Talha gesehen.“

In dieser Zeit der Prüfung waren die Muslime überall Verfolgung und Unterdrückung ausgesetzt, und ihre Sorgen und Ängste schienen kein Ende zu nehmen. Die Bedrängnisse, die Umm Salama während der Hidschra erdulden musste, waren nur ein Teil davon. Sie selbst war sich dessen bewusst. Wenn später die Hidschra zur Sprache kam, sagte sie daher mit ein wenig Stolz: „Ich weiß nicht, ob irgendjemand aus dem Haushalt des Propheten solche Leiden um des Islam willen erdulden musste wie die Familie Abu Salamas.“17

Wie Umm Salama (Allahs Wohlgefallen sei ihr gewährt) durch andere Vorzüge vor den übrigen Ehefrauen des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) ausgezeichnet war, so besaß sie auch diese besondere Eigenschaft: Sie war die erste verschleierte Frau, die von Mekka nach Medina auswanderte.18

Umm Salama (Allahs Wohlgefallen sei ihr gewährt) war eine Frau mit ausgeprägtem Selbstwertgefühl. Ihr Vater Abu Umaiyya war ein angesehener und würdevoller Mann der Quraisch. Als Umm Salama in Kuba eintraf, wollten die Menschen ihre Herkunft erfahren. Wenn sie den Namen ihres Vaters nannte, wollte ihr zunächst niemand Glauben schenken. Denn selbst in jener Zeit reiste eine vornehme Frau wie sie nicht allein auf diese Weise. Umm Salama empfand eine tiefe Liebe zum Islam und war überzeugt, dass die Befolgung der Gebote Allahs unerlässlich sei. Deshalb reagierte sie auf niemandes Äußerungen und ertrug alles schweigend. Die Zeit der Hadsch kam. Als einige Menschen von Kuba aus zum Hadsch nach Mekka aufbrachen, gab sie ihnen die Adresse ihres Vaters in Mekka. Da glaubten alle an ihre edle Herkunft und vornehme Abstammung. In den Herzen aller gewann sie einen Platz höchsten Respekts und großer Wertschätzung.19

Die schmerzlichen Erinnerungen an die Mühen und Demütigungen der Hidschra waren noch nicht aus ihren Herzen verschwunden, und sie hatten noch nicht lange die Gelegenheit gehabt, gemeinsam als Ehepaar mit ihren Kindern zu leben, da erging bereits der Ruf zur Schlacht von Uhud. Abu Salama (Allahs Wohlgefallen sei ihm gewährt) folgte diesem Ruf und zog in den Kampf. Im Kampf wurde sein Arm von einem Pfeil verwundet, den der gleichnamige Gegner Abu Salama al-Haschimi abgeschossen hatte, doch nach einem Monat Behandlung genas er wieder.20 Einige Zeit später entsandte ihn der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) auf den Feldzug nach Qatan, wo er 29 Tage verbrachte. Am achten oder neunten Tag des Monats Safar im vierten Jahr nach der Hidschra kehrte er nach Medina zurück. Da brach seine alte Wunde erneut auf, und es bestand Lebensgefahr. Im selben Jahr, am neunten Tag des Monats Dschumada ath-Thani, verstarb er.21 Umm Salama (Allahs Wohlgefallen sei ihr gewährt) kam zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm), um ihm vom Tod ihres Ehemannes zu berichten. Der Gesandte (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) begab sich in das Haus Umm Salamas. Umm Salama war von Trauer überwältigt. Immer wieder sagte sie nur: „Ach, welch einen Tod musste er fern der Heimat erleiden!“ Der Gesandte (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) ermahnte sie zur Geduld und sagte: „Bittet um Vergebung für ihn und sprecht:“

Arabisch folgt

„O Allah, schenke mir einen besseren Ersatz als ihn.“

Danach begab sich der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zum Leichnam Abu Salamas und verrichtete mit größter Sorgfalt das Totengebet für ihn. In diesem Gebet sprach er neun Takbīre. Die Menschen dachten, vielleicht habe er sich geirrt. Daher sagten sie: „O Gesandter Allahs, habt Ihr Euch nicht geirrt?“ Er sagte: „Dieser Mann war neun Takbīre würdig.“ Zum Zeitpunkt seines Todes waren Abu Salamas Augen geöffnet. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) schloss ihm mit seinen beiden heiligen Händen die Augen und sprach ein Bittgebet um seine Vergebung.²²

Die zweite Ehe:

Als Hadhrat Abu Salama (Allah sei mit ihm zufrieden) verstarb, war Hadhrat Umm Salama schwanger. Nach der Geburt des Kindes machte Hadhrat Abu Bakr Siddīq (Allah sei mit ihm zufrieden) ihr im Hinblick auf ihre Einsamkeit und ihren Kummer einen Heiratsantrag. Hadhrat Umm Salama (Allah sei mit ihr zufrieden) lehnte diesen Antrag ab.²³

In einer Überlieferung heißt es außerdem, dass auch Hadhrat ʿUmar (Allah sei mit ihm zufrieden) ihr einen Heiratsantrag machte. Der Verfasser von „Al-Isāba“ ist jedoch der Ansicht, dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) durch ʿUmar (Allah sei mit ihm zufrieden) um ihre Hand anhielt. Das aufopferungsvolle Verhalten Hadhrat Abu Salamas sowie die hilflose Lage und Einsamkeit Hadhrat Umm Salamas (Allah sei mit ihr zufrieden) müssen die Gefühle des edlen Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zutiefst berührt haben. Nachdem sie den Antrag Hadhrat Abu Bakrs (Allah sei mit ihm zufrieden) abgelehnt hatte, ließ der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) daher auf Allahs Geheiß durch Hadhrat ʿUmar (Allah sei mit ihm zufrieden) um ihre Hand anhalten. Hadhrat Umm Salama (Allah sei mit ihr zufrieden) nannte mehrere Gründe, aus denen sie sich außerstande erklärte, den Antrag des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) anzunehmen. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) erklärte sich jedoch mit all ihren Bedingungen einverstanden. Daraufhin stimmte Umm Salama (Allah sei mit ihr zufrieden) zu. Die Gründe, die Umm Salama (Allah sei mit ihr zufrieden) für ihre Bedenken gegen die Annahme des Antrags des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) anführte, waren folgende: (a) Ich bin eine Frau mit starkem Selbstwertgefühl, (b) ich habe mehrere Kinder, (c) ich bin eine ältere Frau, (d) ich habe keinen Vormund. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Die Verantwortung für deine Kinder liegt bei Allah und Seinem Gesandten. Allah wird dein ausgeprägtes Selbstwertgefühl beseitigen. Was den Vormund betrifft, so gibt es unter ihnen niemanden, der nicht zustimmen würde. Und was dein Alter betrifft: Du bist zwar älter, aber ich bin älter als du.“

Dann sagte sie zu ihrem Sohn ʿUmar: „Geh und arrangiere meine Heirat mit dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm).“²⁴

Gegen Ende des Monats Shawwāl im vierten Jahr nach der Hidschra wurde die Ehe mit dem edlen Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) geschlossen. Auf diese Weise wurde der Kummer, den sie durch den Tod ihres Ehemannes Abu Salama (Allah sei mit ihm zufrieden) erlitten hatte, beseitigt, und sie erhielt einen besseren Ersatz als ihn. Allah, der Erhabene, verwandelte ihren Kummer für alle Ewigkeit in Freude.

Ahmad ibn Ishaq al-Hadramī überlieferte über die Vermittlung von Ziyād ibn Marʿiyārim: Einmal sagte Abu Salama, der Ehemann Umm Salamas, zu ihr: „Ich habe erfahren, dass Allah einer Frau, deren Ehemann nach seinem Tod ins Paradies gelangt und die danach nicht erneut heiratet, ebenfalls einen Platz mit ihrem Ehemann im Paradies gewährt. Wenn dies auch für einen Mann gilt, dann lasst uns versprechen, dass du nach mir nicht wieder heiratest und auch ich nach dir nicht wieder heirate.“ Abu Salama sagte: „Wirst du auf mich hören?“ Umm Salama erwiderte: „Welche Freude hätte ich denn, wenn nicht darin, auf dich zu hören?“ Abu Salama sagte: „Wenn ich vor dir sterbe, wirst du wieder heiraten.“ Dann sprach Abu Salama ein Bittgebet: „O Allah, schenke Umm Salama nach meinem Tod einen besseren Ehemann als mich.“ Hadhrat Umm Salama (Allah sei mit ihr zufrieden) sagte: „Als Abu Salama starb, dachte ich bei mir: Wer könnte besser sein als Abu Salama? Doch schon einige Zeit später wurde ich mit dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) verheiratet.“²⁵

Durch diese überlieferte Darstellung erfahren wir sowohl von der innigen Beziehung zwischen diesem Ehepaar als auch davon, wie tiefgreifend der Einfluss der richtigen und reinen islamischen Lehre war. Dadurch war ein Ehemann in der Lage, all seine Gefühle zu beherrschen und seiner geliebten Ehefrau zu Lebzeiten den Rat zu geben, nach seinem Tod erneut zu heiraten.

Der ehrenwerte Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) gab Umm Salama (ra) ein Paar Mühlsteine, zwei Wasserschläuche sowie ein mit einem Lederbezug versehenes und mit Dattelpalmenfasern gefülltes Kissen. All diese Dinge hatte er auch den anderen Ehefrauen gegeben.26

Als Hazrat ʿAischa (ra) von der Schönheit und Anmut Umm Salamas erfuhr, nachdem der ehrenwerte Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) Umm Salama geheiratet hatte, empfand sie ein wenig Eifersucht. Sie kam, um Umm Salama (ra) zu sehen. Nachdem sie sie aufmerksam betrachtet hatte, erkannte sie, dass Umm Salama (ra) noch schöner war, als man sie beschrieb. Sie erzählte Hazrat Hafsa (ra) von ihrer Schönheit. Hafsa (ra) erklärte ʿAischa (ra), die Leute würden etwas übertreiben. Danach sah auch Hazrat Hafsa (ra) sie und sagte dasselbe. Hazrat ʿAischa (ra) betrachtete Umm Salama (ra) erneut eindringlich und glaubte, dass Hafsas (ra) Einschätzung richtig war.27 Wie dem auch sei, aus dieser und vielen ähnlichen Überlieferungen geht hervor, dass Hazrat Umm Salama (ra) ein ausgesprochen schönes Gesicht hatte.

Hazrat Umm Salama (ra) war eine schamhafte Frau mit ausgeprägtem Selbstwertgefühl. Nach ihrer Heirat mit dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) war es anfangs so, dass sie jedes Mal, wenn der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu ihr kam, begann, ihre noch gestillte Tochter Zainab zu stillen. Als der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) dies sah, ging er wieder fort. Hazrat Ammar ibn Yasir (ra) war ihr Milchbruder. Als er davon hörte, wurde er wütend und nahm das Mädchen zu sich. Danach kam der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) in Umm Salamas Zimmer und blickte sich um. Als er das kleine Mädchen nicht sah, fragte er: „Wo ist Zainab? Was hast du mit ihr gemacht?“ Sie antwortete: „Ammar ist gekommen und hat sie mitgenommen.“ Von diesem Tag an blieb der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) bei ihr.28

Allmählich verschwand dieser Zustand, und sie gewöhnte sich daran, so zu leben wie die anderen Ehefrauen. Später wurde ihre Beziehung zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) so eng, dass ihr Rang unmittelbar nach dem von Hazrat ʿAischa (ra) festgelegt wurde.

Unter den Ereignissen im Zusammenhang mit der Heirat von Hazrat Umm Salama (ra) mit dem ehrenwerten Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ist besonders bemerkenswert, dass sie an dem Tag, an dem sie in das Haus des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) kam, eigenhändig Essen zubereitete. Hazrat Zainab bint Chuzaima (ra) war erst wenige Tage zuvor verstorben. Umm Salama wurde in ihr Haus gebracht. Die Haushaltsgegenstände waren bereits vorbereitet. Hazrat Umm Salama (ra) nahm aus einem Krug etwas Gerste und aus einem anderen Gefäß etwas Fett. Sie gab das Fett in einen Topf und stellte ihn aufs Feuer. Dann mahlte sie die Gerste auf den Mühlsteinen, vermischte sie mit dem Fett und bereitete eine Speise daraus zu. Das war die Mahlzeit in der Hochzeitsnacht des ehrenwerten Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und seiner Ehefrau.29

Die Ehefrauen des ehrenwerten Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) waren in zwei Gruppen aufgeteilt. Zur einen Gruppe gehörten Hazrat ʿAischa (ra), Hazrat Hafsa (ra), Hazrat Safiyya (ra) und Sawda (ra). Zur anderen Gruppe gehörten Hazrat Umm Salama (ra) und die übrigen Ehefrauen. ʿAischa (ra) war die Lieblingsfrau des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Die Menschen wussten dies. Deshalb schickten sie an den Tagen, an denen der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) in ʿAischas (ra) Haus weilte, Geschenke. Die Ehefrauen aus Umm Salamas (ra) Gruppe sagten: „Auch wir möchten wie ʿAischa Geschenke erhalten. Daher sollen die Leute ihre Geschenke dorthin schicken, wo der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sich gerade aufhält, ganz gleich, in welchem Haus er weilt.“ Sie bestimmten Umm Salama zur Sprecherin, die dem Gesandten Allahs ihre Forderung vortragen sollte.

Hazrat Umm Salama (ra) trug dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) diese Bitte zweimal hintereinander vor. Er schenkte ihr keine Beachtung. Als sie es ein drittes Mal ansprach, sagte er: „Fügt mir wegen ʿAischa keinen Kummer zu. Denn unter euch gibt es außer ihr niemanden, in dessen Decke mir Offenbarung zuteilwurde.“

Umm Salama (möge Allah mit ihr zufrieden sein) sagte darauf:

Auf Arabisch lautet es:

– O Gesandter Allahs, ich bitte Allah um Vergebung dafür, dass ich Ihnen Kummer bereitet habe.

Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) führte, obwohl er die Entbehrungen und Armut des Lebens hinnahm, zufrieden mit ihr sein Leben. Einmal kamen Hadhrat al-Irbad, Dschu’al ibn Surāqa und Abdullah ibn Mughaffal (möge Allah mit ihnen zufrieden sein) von einer Reise zurück und suchten den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) auf. Sie waren hungrig. Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ging zu Umm Salama (möge Allah mit ihr zufrieden sein), um ihnen etwas zu essen zu geben, und bat um Nahrung. Doch in ihrem Haus fand er nichts, was man hätte essen können.⁳⁰

Al-Muttalib ibn Abdillah berichtet: Umm Salama, die Witwe eines Arabers, kam in der ersten Hälfte des Abends als Braut in das Haus des Sayyid al-Muslimin und begann in der letzten Hälfte der Nacht, Gerste zu mahlen.³¹

Im fünften Jahr nach der Hidschra schickte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) während der Belagerung des jüdischen Stammes der Banū Quraiza in Medina Abu Lubaba (möge Allah mit ihm zufrieden sein), um mit ihnen zu verhandeln. Im Verlauf des Gesprächs gab er ihnen durch eine Handbewegung zu verstehen, dass sie getötet werden würden. Doch als er dies als Verrat eines Geheimnisses gegenüber dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) erkannte, bereute er es zutiefst. Daraufhin band er sich an eine Säule der Moschee. Viele Tage blieb er in diesem Zustand, bis seine Reue angenommen wurde. An jenem Tag befand sich der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) im Haus von Umm Salama (möge Allah mit ihr zufrieden sein).

Am Morgen wachte der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) im Haus von Umm Salama (möge Allah mit ihr zufrieden sein) auf und lächelte leise. Als Hadhrat Umm Salama (möge Allah mit ihr zufrieden sein) dies sah, sagte sie: „Möge Allah Sie stets lächeln lassen. Was ist der Grund für Ihr Lächeln zu dieser Zeit?“ Er sagte: „Die Reue Abu Lubabas ist angenommen worden.“ Hadhrat Umm Salama bat ihn um die Erlaubnis, ihm diese frohe Nachricht zu überbringen. Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Ja, wenn du möchtest, kannst du es ihm sagen.“ Das Haus von Umm Salama lag der Prophetenmoschee so nahe, dass man es von der Moschee aus hören konnte, wenn jemand vom Haus aus rief. Nachdem sie die Erlaubnis erhalten hatte, trat sie an die Tür ihrer Kammer, stellte sich dort hin und rief laut: „Abu Lubaba! Ich gratuliere dir! Deine Reue ist angenommen worden.“ Sobald diese Stimme die Ohren der Menschen erreichte, schien ganz Medina vor Freude und Aufregung zu bersten.³²

Dies geschah vor der Offenbarung der Anordnung über den Hidschab.

In jenem Jahr wurde der Vers über den Hijab (Schleier) offenbart. Bis zur Offenbarung dieses Verses traten die Ehefrauen des Gesandten Allahs (sallallahu ‘alaihi wa sallam) vor einige etwas weiter entfernte Verwandte. Nun wurde ihnen befohlen, sich vor allen außer bestimmten Verwandten und nahestehenden Angehörigen zu verhüllen. Hadhrat Ibn Umm Maktum war ein hoch angesehener blinder Gefährte aus dem Stamm Quraisch. Er war auch der Mu’adhdhin des Gesandten Allahs (sallallahu ‘alaihi wa sallam). Da er blind war, durfte er sich auch in den inneren Gemächern des Gesandten Allahs (sallallahu ‘alaihi wa sallam) aufhalten. Eines Tages betrat er nach der Offenbarung des Hijab-Verses wie gewohnt den Raum. Der Gesandte (sallallahu ‘alaihi wa sallam) sagte zu Hadhrat Umm Salama (ra) und Hadhrat Maymuna (ra): „Verhüllt euch vor ihm.“ Sie sagten: „Aber er ist doch ein blinder Mann.“ Der Gesandte (sallallahu ‘alaihi wa sallam) sagte: „Ihr seid doch nicht blind. Ihr könnt ihn sehen.“33

Am Kampfgraben nahm er nicht teil. Dennoch war er dem Gesandten Allahs (sallallahu ‘alaihi wa sallam) so nahe, dass er jedes seiner Worte deutlich hören konnte. Er sagte: „Ich erinnere mich sehr gut an jene Zeit, als Staub auf der heiligen Brust des Gesandten Allahs (sallallahu ‘alaihi wa sallam) lag. Er hob den Menschen Ziegelsteine auf den Kopf und rezitierte Gedichte. Plötzlich fiel sein Blick auf Ammar ibn Yasir, und er sagte: ‚O Ibn Sumayya, eine aufständische Gruppe wird dich töten.‘“34

Während des Waffenstillstands von Hudaybiyya gab Hadhrat Umm Salama (ra) dem Gesandten Allahs (sallallahu ‘alaihi wa sallam) einen richtigen Rat. In Sahih al-Bukhari wird berichtet, dass der Gesandte (sallallahu ‘alaihi wa sallam) nach Abschluss des Abkommens sagte, die Menschen sollten in Hudaybiyya ihre jeweiligen Opfertiere schlachten. Da die Bedingungen des Abkommens den Muslimen scheinbar zuwiderliefen, waren die Muslime im Allgemeinen enttäuscht und niedergeschlagen. Selbst nachdem der Gesandte (sallallahu ‘alaihi wa sallam) dreimal den Befehl erteilt hatte, zeigte niemand Anstalten, ihn auszuführen. Der Gesandte (sallallahu ‘alaihi wa sallam) kehrte in sein Zelt zurück und erzählte Umm Salama (ra), was geschehen war. Da sagte Umm Salama: „Sage niemandem etwas. Geh hinaus, bringe dein eigenes Opfertier dar und schneide dir zum Beenden des Ihram die Haare ab.“ Der Gesandte (sallallahu ‘alaihi wa sallam) handelte nach ihrem Rat. Als die Menschen sahen, dass der Gesandte (sallallahu ‘alaihi wa sallam) selbst entsprechend seinem Befehl handelte, brachten sie alle ihre Opfertiere dar und beendeten ihren Ihram. Daraufhin begann geradezu ein Wettstreit unter ihnen, ihre Opfertiere darzubringen und den Ihram zu beenden.35

Der Rat von Hadhrat Umm Salama (ra) war äußerst zeitgemäß und realistisch. Er löste ein schwieriges Problem im Handumdrehen.

Zur Zeit des Ereignisses von Ila und Takhyir im neunten Jahr nach der Hidschra erteilten Hadhrat Abu Bakr (ra) und Hadhrat Umar (ra) jeweils ihren Töchtern einen Rat. Hadhrat Umar (ra) kam zu Umm Salama und sprach mit ihr. Hadhrat Umm Salama (ra) sagte mit etwas scharfem Ton zu ihm:

Auf Arabisch lautet es

„Ibn al-Khattab! Es ist erstaunlich, dass du dich in jede Angelegenheit einmischst. Du hast sogar begonnen, dich in die ganz persönlichen Angelegenheiten des Gesandten (sallallahu ‘alaihi wa sallam) und seiner Ehefrauen einzumischen.“36

In „Das Leben von Hadhrat Aisha (ra)“ haben wir dieses Thema ausführlich behandelt. Die Antwort von Hadhrat Umm Salama (ra) war sehr scharf. Daher stand Hadhrat Umar (ra) schweigend auf und ging fort. Unterdessen verbreitete sich während der Nacht die Nachricht, dass der edle Gesandte Allahs (sallallahu ‘alaihi wa sallam) seine Ehefrauen geschieden habe. Am Morgen begab sich Hadhrat Umar (ra) zum Gesandten Allahs (sallallahu ‘alaihi wa sallam) und berichtete ihm alles, was geschehen war. Als er von Umm Salamas (ra) scharfer Antwort hörte, lächelte er sanft.37

Zur Zeit der Eroberung Mekkas begleitete Umm Salama (r.a.) den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) auf seiner Reise. Als sich die Karawane in der Nähe von Mekka an einem Ort namens Marr az-Zahran, nach anderer Auffassung Naqīl al-ʿUqāb, befand, kamen Abu Sufyan ibn al-Harith ibn Abd al-Muttalib und Abdullah ibn Abi Umayya ibn al-Mughira aus Mekka in der Dunkelheit der Nacht zum Lager der Muslime und wollten den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) treffen. Daraufhin gab Umm Salama (r.a.) dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) folgenden Rat:

Es wird auf Arabisch sein

„O Gesandter Allahs! Der eine ist der Sohn deines Onkels, und der andere ist der Sohn deiner Tante väterlicherseits und dein Schwager.“ Es sei angemerkt, dass Abu Sufyan der Sohn von al-Harith, dem älteren Onkel des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), war, während Abdullah der Sohn von Atika, der Tante väterlicherseits des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), und zugleich der Bruder Umm Salamas (r.a.) war.³⁸

Während des Feldzugs nach Taif befand sich Umm Salama (r.a.) beim Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm).³⁹ Im zehnten Jahr nach der Hidschra war Umm Salama (r.a.) während der Abschiedswallfahrt krank. Da sie jedoch keinerlei Nachlässigkeit bei der Erfüllung einer religiösen Pflicht duldete, begleitete sie den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) trotz ihres berechtigten Entschuldigungsgrundes auf der Reise. Hinsichtlich des Tawaf sagte der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu ihr: „Umm Salama! Wenn die Zeit des Fadschr-Gebets naht, besteige dein Kamel und vollziehe den Tawaf.“ Das tat sie auch.⁴⁰ Im elften Jahr nach der Hidschra erkrankte der ehrwürdige Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) in den letzten Tagen seines Lebens und hielt sich im Haus von Aischa (r.a.) auf. Umm Salama (r.a.) kam häufig, um den Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu besuchen. Eines Tages war der körperliche Zustand des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sehr schlecht. Er konnte sich nicht beherrschen und stieß plötzlich einen Schrei aus. Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) untersagte dies und sagte: „Das entspricht nicht dem Verhalten der Muslime.“

Eines Tages verschlimmerte sich zu dieser Zeit die Krankheit des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Seine Ehefrauen wollten ihm Milch zu trinken geben, doch er lehnte ab, weil er keine Lust dazu hatte. Als er jedoch etwas benommen geworden war, öffneten Umm Salama und Umm Habiba (r.a.) gewaltsam seinen Mund und flößten ihm ein wenig davon ein.

Eines Tages sprachen Umm Salama (r.a.) und Umm Habiba (r.a.) beim Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) darüber, dass die Christen von Abessinien in ihren Gotteshäusern Bilder von Menschen aufstellten. Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Wenn unter ihnen ein rechtschaffener Mensch stirbt, machen sie sein Grab zu einem Gotteshaus und stellen darin ihre Statuen auf. Am Tag der Auferstehung werden diese Menschen bei Allah die verwerflichsten Geschöpfe sein.“

Im Zusammenhang mit dem Märtyrertod Husains (r.a.) hatte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) Umm Salama (r.a.) eine Prophezeiung gemacht. Gerade als Husain (r.a.) tapfer und mutig gegen Y azids Heer kämpfte, sah Umm Salama (r.a.) im Traum, dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) gekommen war. Er war äußerst aufgewühlt; sein gesegneter Kopf und sein Bart waren mit Staub bedeckt. Umm Salama (r.a.) fragte: „O Gesandter Allahs! Warum bist du in diesem Zustand?“ Er antwortete: „Ich komme vom Ort des Märtyrertods Husains zurück.“ Da wachte sie auf. Tränen liefen ihr aus den Augen. In diesem Zustand sprach sie: „Die Iraker haben Husain getötet. Möge Allah sie vernichten! Sie haben Husain gedemütigt; Allahs Fluch komme über sie.“⁴¹

Kinder

Alle Söhne und Töchter von Umm Salama (ra) stammten von ihrem ersten Ehemann. Mit dem Gesandten Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) hatte sie keine Kinder. In Al-Isaba, Usud al-Ghaba und At-Tabaqat werden zwei Söhne, Salama und Umar, sowie eine Tochter namens Zaynab erwähnt. In Sahih al-Bukhari wird außerdem eine Tochter namens Durra erwähnt. Demnach hatte Umm Salama (ra) insgesamt vier Kinder. Im Folgenden werden sie kurz vorgestellt:

Salama: Er wurde in Abessinien geboren.⁴² Als Umm Salama nach Medina auswanderte, befand er sich in ihren Armen. Der Gesandte Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) verheiratete Umama, die Tochter von Hamza (ra), mit Salama.⁴³

Umar: Zum Zeitpunkt des Todes des Gesandten Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) war er neun Jahre alt. Sein Beiname war Abu Hafs. Er überlieferte einige Hadithe des Gesandten Allahs (sallallahu alaihi wa sallam). Während der Regierungszeit von Abd al-Malik ibn Marwan starb er in Medina. Unter der Obhut dieses Umar wurde die Ehe seiner Mutter Umm Salama mit dem Gesandten Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) geschlossen. Während des Kalifats von Ali (ra) wurde er zum Statthalter von Fars und Bahrain ernannt. Seine Mutter schickte ihn im Kamelschlachtzug mit Ali (ra). Er sagte zu Ali (ra): „Ich habe dir meinen Sohn geschickt, der mir lieber ist als mein eigenes Leben. Er wird bei dir bleiben; danach wird geschehen, was Allah will. Wenn es nicht dem Befehl des Gesandten Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) widerspräche, würde auch ich mit dir ausziehen, so wie Aischa (ra), Talha und Zubair ausgezogen sind.“⁴⁴

Durra: In Sahih al-Bukhari wird sie erwähnt. Eines Tages sagte Umm Habiba (ra) zum Gesandten Allahs (sallallahu alaihi wa sallam): „Ich habe gehört, dass du Durra heiraten möchtest?“ Der Gesandte (sallallahu alaihi wa sallam) sagte: „Wie wäre das möglich? Selbst wenn ich sie nicht aufgezogen hätte, wäre sie mir keinesfalls erlaubt gewesen, denn sie ist die Tochter meines Milchbruders.“⁴⁵

Zaynab: Ihr ursprünglicher Name war Barra. Doch der Gesandte Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) gab ihr den Namen Zaynab. Alle ihre Kinder nahmen den Islam an und erlangten den Rang von Sahabiyyat.⁴⁶

Charakter

Das gesamte Leben von Umm Salama (ra) war ein praktisches Beispiel für Askese und Gottesfurcht. Den weltlichen Genüssen und dem Glanz dieser Welt schenkte sie nur sehr wenig Beachtung. Einmal legte sie eine Halskette an. Die Kette enthielt nur eine geringe Menge Gold. Als der Gesandte (sallallahu alaihi wa sallam) sein Missfallen darüber äußerte, legte sie sie ab.⁴⁷

Sie fastete jeden Monat insgesamt drei Tage: montags, donnerstags und freitags.⁴⁸ Die Kinder ihres ersten Ehemanns waren bei ihr. Sie zog sie mit größter Fürsorge auf. Einmal fragte sie den Gesandten Allahs (sallallahu alaihi wa sallam): „Werde ich dafür irgendeinen Lohn erhalten?“ Er sagte: „Ja, du wirst ihn erhalten.“⁴⁹ Gegenüber den Geboten und Verboten der Scharia war sie äußerst gewissenhaft. Einmal ließen einige Leute die empfohlene Zeit für das Gebet verstreichen. Umm Salama warnte sie und sagte: „Der Gesandte (sallallahu alaihi wa sallam) verrichtete das Mittagsgebet früh, und ihr verrichtet das Nachmittagsgebet früh?“⁵⁰

Eines Tages verrichtete eine Nichte von Umm Salama (möge Allah mit ihr zufrieden sein) in ihrer Gegenwart ein Gebet von zwei Rakʿa. Da sich an der Stelle der Niederwerfung Staub und Schmutz befanden, hob sie nach der Niederwerfung den Kopf und wischte sich die Erde von der Stirn. Umm Salama untersagte es ihr und sagte, dies widerspreche dem Verhalten des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Einmal hatte ein Sklave des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) dasselbe getan. Da sagte er zu ihm:

Auf Arabisch lautet es:

Möge dein Gesicht um Allahs willen staubbedeckt sein.

Sie selbst war ebenso großzügig und ermunterte auch andere zur Freigebigkeit. Einmal kamen mehrere Bedürftige zu ihrem Haus und baten um Hilfe. Umm al-Husain saß bei ihr und schimpfte sie aus. Doch Umm Salama hielt sie zurück und sagte: „Uns ist nicht befohlen, so zu handeln.“ Dann wies sie ihre Dienerin an: „Gib ihnen etwas und verabschiede sie. Wenn nichts vorhanden ist, dann gib ihnen eine Dattel in die Hand.“

Einmal sagte der ehrenwerte ʿAbd ar-Rahman ibn ʿAuf (möge Allah mit ihm zufrieden sein) zu ihr: „Mutter! Bei mir hat sich so viel Vermögen angesammelt, dass ich meinen Untergang befürchte.“ Sie sagte: „Mein Sohn, gib es aus! Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) hat gesagt: Es gibt viele Gefährten, die mich nach meinem Tod niemals wiedersehen werden.“⁵¹

Sie achtete sehr darauf, dass es anderen gut ging, und war, soweit es ihr möglich war, bei guten Werken nicht geizig. Als Andenken an ihre Liebe zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) bewahrte sie ein Haar von seinem Körper bei sich auf. In Sahih al-Buchari wird berichtet, dass sie ein silbernes Gefäß besaß, in dem sie das gesegnete Haar aufbewahrte. Wenn einen der Gefährten ein Kummer oder Schmerz befiel, brachte man einen Becher Wasser und stellte ihn vor sie; sie tauchte das gesegnete Haar in dieses Wasser. Durch den Segen dieses Wassers wurden all seine Sorgen und Leiden beseitigt. ʿAbdullah ibn Mauhab sagte: „Ich war der Sklave von Umm Salama (möge Allah mit ihr zufrieden sein). Sie holte ein Haar des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) hervor, das in Hinna und Qatam aufbewahrt wurde.“⁵²

An den Tagen, an denen der ehrenwerte Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) die Nacht im Haus von Umm Salama (möge Allah mit ihr zufrieden sein) verbrachte, breitete sie vor dem Gebetsteppich ein Bett aus. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) verrichtete das Gebet, während sie auf diesem Bett lag.⁵³

Sie achtete so sehr auf das Wohlbefinden des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), dass sie ihren Sklaven Safina unter der Bedingung freiließ, dass er ihm dienen müsse, solange der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) lebte.⁵⁴

Einmal sagte Hadhrat Umm Salama (ra): „O Gesandter Allahs (sallallahu ‘alaihi wa sallam), warum werden wir Frauen im Qur’an nicht erwähnt?“ Nach dieser Frage stieg der Gesandte (sallallahu ‘alaihi wa sallam) auf die Kanzel in der Moschee und rezitierte den 35. Vers der Sure al-Ahzab:

Auf Arabisch lautet er:

– „Gewiss, die muslimischen Männer und muslimischen Frauen, die gläubigen Männer und gläubigen Frauen, die gehorsamen Männer und gehorsamen Frauen, die wahrhaftigen Männer und wahrhaftigen Frauen, die geduldigen Männer und geduldigen Frauen, die demütigen Männer und demütigen Frauen, die spendenden Männer und spendenden Frauen, die fastenden Männer und fastenden Frauen, die ihre Scham bewahrenden Männer und Frauen sowie die Allah häufig gedenkenden Männer und Frauen – für sie hat Allah Vergebung und einen großartigen Lohn bereitet.“ Aufgrund ihrer tiefen Verbundenheit und Liebe zum edlen Gesandten Allahs (sallallahu ‘alaihi wa sallam) fasste Hadhrat Umm Salama (ra) den Mut, eine solche Frage zu stellen.

Die Größe und der Rang von Hadhrat Umm Salama (ra).

Unter den Ehefrauen des Gesandten Allahs (sallallahu ‘alaihi wa sallam) nahm Hadhrat Umm Salama (ra) hinsichtlich Größe und Rang unmittelbar nach Hadhrat Aischa (ra) den zweiten Platz ein. Ibn Hadschar sagt:

Auf Arabisch lautet er:

– „Umm Salama war mit unvergleichlicher Schönheit, vollkommener Weisheit und der Fähigkeit zu richtigen Entscheidungen ausgestattet.“

Sie überlieferte Hadithe von Abu Salama, Fatima az-Zahra und dem Gesandten Allahs selbst (sallallahu ‘alaihi wa sallam). Zu den bedeutenden Personen, die Hadithe über die Überlieferung von Umm Salama weitergaben, gehören: Umar, Zaynab (Sohn und Tochter), ihr Bruder Amir, der Sohn ihres Bruders Musab ibn Abdullah, Abdullah ibn Rafi, Nafi ibn Safin, Abu Kathir, Khadra, Safiyya bint Schaiba, Hindi ibn al-Musayyib, Humaid, Urwa, Abu Bakr ibn Abd ar-Rahman, Sulaiman ibn Yasar sowie weitere Prophetengefährten und Tabiun.⁵⁵ In den Hadithwerken finden sich 378 von ihr überlieferte Hadithe. Dreizehn davon sind muttafaqun alaihi. Imam al-Buchari überlieferte drei davon allein, und Imam Muslim überlieferte dreizehn allein. Demnach gehört sie zur dritten Rangstufe der Hadith überliefernden Prophetengefährten. Unter den Frauen, die Hadithe überlieferten, stand außer Hadhrat Aischa (ra) niemand über ihr.⁵⁶

Hazrat Umm Salama (r.a.) hatte ein starkes Verlangen, Hadithe zu hören. Eines Tages ließ sie sich gerade einen Zopf flechten. In diesem Augenblick bestieg der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) die Kanzel der Moschee, um eine Predigt zu halten. Er hatte gerade nur gesagt: »O ihr Menschen!«, da sagte Umm Salama zu der Frau, die ihr die Haare flocht: »Binde mir die Haare.« Diese fragte: »Warum diese Eile? Er hat doch gerade erst gesagt: ›O ihr Menschen!‹« Umm Salama erwiderte: »Sind wir etwa nicht unter den Menschen?« Dann band sie sich selbst die Haare, eilte hinauf und hörte im Stehen die vollständige Predigt des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm).57

Dieses Ereignis bezeugt ihr starkes Verlangen nach dem Erwerb von Wissen.

Die Hadithe von Hazrat Umm Salama (r.a.) sind im Musnad von Imam Ahmad, Band 6, auf den Seiten 289 bis 324, zusammengestellt. Über die Stellung und den Rang von Hazrat Umm Salama (r.a.) sagte Mahmud ibn Labid:

Auf Arabisch lautet es:

– Die Ehefrauen des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) hatten viele Hadithe auswendig gelernt. Doch Hazrat Aischa und Hazrat Umm Salama (r.a.) hatten keine ihresgleichen.58

Allama Ibn al-Qayyim sagte: Wenn man ihre Fatwas zusammentragen würde, könnten sie den Umfang einer kleinen Schrift erreichen.59

Imam al-Haramayn sagte: »Keine Frau, die zu treffenderen Entscheidungen fähig ist als Hazrat Umm Salama (r.a.), ist mir bekannt.

Marwan ibn al-Hakam pflegte Hazrat Umm Salama (r.a.) nach religiösen Rechtsfragen zu fragen und erklärte öffentlich:60

Auf Arabisch lautet es:

—Wie können wir andere fragen, solange sich unter uns die Ehefrauen des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) befinden?

Hazrat Abu Huraira (möge Allah mit ihm zufrieden sein) und Hazrat Ibn Abbas (möge Allah mit ihm zufrieden sein), die als die Städte des Wissens bezeichnet werden, suchten ebenfalls die Tür von Hazrat Umm Salama (möge Allah mit ihr zufrieden sein) auf, um Wissen zu erlangen. Eine große Zahl von Tabi’un erwarb Wissen von ihr.⁶¹

Hazrat Umm Salama (möge Allah mit ihr zufrieden sein) konnte den Quran sehr schön rezitieren. Sie rezitierte nach der Weise und Methode des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Einmal fragte sie jemand, wie der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu rezitieren pflegte. Sie antwortete: „Er rezitierte jeden einzelnen Vers getrennt.“ Danach trug sie selbst einige Verse vor.⁶²

Sie besaß eine außerordentliche Umsicht. Hazrat Rasul-e-Karim (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte seiner Tochter Fatima vor seinem Tod heimlich etwas. Selbst seine mit allen Vorzügen ausgestattete Ehefrau Hazrat Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) wollte Fatima sofort danach fragen, um es zu erfahren. Fatima (möge Allah mit ihr zufrieden sein) weigerte sich jedoch, es zu sagen, worauf Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) beschämt war. Umm Salama (möge Allah mit ihr zufrieden sein) bemühte sich dagegen nicht hastig darum, dieses Geheimnis zu erfahren. Sie wartete geduldig und fragte erst nach dem Tod des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) danach.

Der 33. Vers der Sure al-Ahzab, der als Ayat at-Tathir bezeichnet wird, wurde im Haus von Hazrat Umm Salama (möge Allah mit ihr zufrieden sein) offenbart. Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) hielt sich in ihrem Gemach auf. Der Vers lautet:

Auf Arabisch lautet es:

—O Mitglieder des Hauses des Propheten! Allah will nur die Unreinheit von euch entfernen und euch vollständig rein und lauter machen.

Nach der Offenbarung dieses Verses ließ der Gesandte Allahs Fatima, Ali, Hasan und Husain zu sich rufen und sagte: „Dies sind meine Ahl al-Bait, also die Mitglieder meiner Familie.“ Umm Salama fragte: „O Gesandter Allahs! Gehöre auch ich zu den Ahl al-Bait?“ Er sagte: „Ja, so Allah will.“⁶³ In der Jamiʿ at-Tirmidhi wird ebenfalls überliefert, dass der Gesandte Allahs die oben genannten Personen zu sich rief, eine Decke über ihre Köpfe breitete und sagte: „O Allah! Dies sind meine Ahl al-Bait. Reinige sie!“ Als Umm Salama dieses Bittgebet hörte, fragte sie: „O Gesandter Allahs, gehöre auch ich zu ihnen?“ Er sagte: „Du bleibst an deinem Platz und bist auf einem guten Weg.“⁶⁴

Eines Tages saß Umm Salama neben dem Gesandten Allahs. Da kam der Engel Dschibril und begann, mit ihm zu sprechen. Nachdem er gegangen war, fragte der Gesandte: „Kennst du ihn?“ Umm Salama antwortete: „Das war Dihya al-Kalbi.“ Als Umm Salama den Vorfall jedoch später anderen Menschen erzählte, erfuhr sie, dass der Mann nicht Dihya, sondern Dschibril gewesen war. Die Hadith-Gelehrten sind der Ansicht, dass sich dieser Vorfall vor der Offenbarung der Anordnung zur Verschleierung ereignete.⁶⁵

Wie sehr sie sich in der islamischen Scharia auskannte, wird durch zahlreiche Ereignisse aus ihrem Leben und durch ihre Aussagen deutlich. Hier seien einige Beispiele erwähnt: Abu Huraira sagte, wenn jemand im Ramadan in den Zustand der rituellen Unreinheit gerate, müsse er sich vor dem Aufkommen des Morgengrauens unverzüglich einer Ganzkörperwaschung unterziehen. Andernfalls werde sein Fasten ungültig.

Ein Mann erkundigte sich bei Aischa und Umm Salama nach der Richtigkeit der Aussage Abu Hurairas. Beide widersprachen ihm und sagten, sie hätten den Gesandten Allahs selbst in einem Zustand der rituellen Unreinheit fasten sehen. Als Abu Huraira davon erfuhr, bereute er dies sehr. Er sagte: „Was soll ich tun? Fadl ibn Abbas hatte es mir so gesagt.“ Doch offensichtlich waren Umm Salama und Aischa in dieser Angelegenheit besser informiert.⁶⁶

Einmal baten einige Gefährten Umm Salama, ihnen etwas über das Privatleben des Gesandten Allahs zu erzählen. Sein öffentliches und sein privates Leben seien gleichermaßen vorbildlich. Nachdem sie dies gesagt hatten, bekam Umm Salama das Gefühl, sie könnte ein Geheimnis aus dem Leben des Gesandten Allahs preisgegeben haben, und bereute es. Als der Gesandte Allahs nach Hause kam, erzählte sie ihm alles. Der Gesandte sagte: „Du hast sehr gut gehandelt.“⁶⁷

Abdullah ibn az-Zubair pflegte nach dem Nachmittagsgebet zwei Gebetseinheiten zu verrichten.

Eines Tages fragte Marwan: „Warum verrichtest du dieses Gebet?“ Er antwortete: „Der Gesandte Allahs pflegte es zu verrichten.“ Da Abdullah ibn az-Zubair diesen Hadith über Aischa erfahren hatte, schickte Marwan jemanden zu Aischa, um seine Richtigkeit zu überprüfen. Der Mann ging zu Aischa und teilte ihr Abdullahs Aussage mit. Sie sagte: „Möge Allah Aischa vergeben! Er hat meine Worte falsch verstanden. Habe ich ihm etwa nicht gesagt, dass der Gesandte Allahs dieses Gebet zu verrichten verboten hat?“⁶⁸

Einmal erklärte sie einem Mann die Lösung einer Rechtsfrage. Der Mann war damit nicht zufrieden. Er erhob sich und ging von ihr weg zu den anderen Ehefrauen des Gesandten. Alle gaben ihm dieselbe Antwort. Als der Mann zurückkam, berichtete er Umm Salama davon. Sie sagte zu ihm: „Ja, warte. Ich möchte dich zufriedenstellen. Ich habe zu dieser Angelegenheit einen Hadith vom Gesandten Allahs gehört.“⁶⁹

Dass Hadhrat Umm Salama (möge Allah mit ihr zufrieden sein) eine äußerst schamhafte Frau war, wird durch viele in den Hadithen überlieferte Ereignisse belegt. Einmal fragte Hadhrat Umm Sulaim (möge Allah mit ihr zufrieden sein) den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm): Wenn eine Frau im Traum sieht, dass ihr Mann Geschlechtsverkehr mit ihr hat, muss sie dann die Ganzkörperwaschung vornehmen? Hadhrat Umm Salama (möge Allah mit ihr zufrieden sein) saß daneben. Sie rief: „Umm Sulaim! Mögen deine Hände mit Staub bedeckt sein! Du hast vor dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) die gesamte weibliche Welt in Verlegenheit gebracht.“ Darauf sagte der ehrwürdige Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm): „Wenn sie Flüssigkeit feststellt, muss sie die Ganzkörperwaschung vornehmen.“ Da fragte Umm Salama (möge Allah mit ihr zufrieden sein): „O Gesandter Allahs! Welche Flüssigkeit ist das?“⁷⁰

Nach dem Kalifat der rechtgeleiteten Kalifen äußerten die Herrscher der Umayyaden-Dynastie und ihre fanatischen Anhänger allerlei anstößige Bemerkungen über die Familie des Propheten, insbesondere über Hadhrat Ali (möge Allah mit ihm zufrieden sein). Viele beschimpften ihn. Die Mutter der Gläubigen, Umm Salama (möge Allah mit ihr zufrieden sein), lebte damals noch. Sie verabscheute diese Menschen und protestierte oft gegen sie. Hadhrat Abu Abdillah al-Jadali (möge Allah mit ihm zufrieden sein) berichtet: „Eines Tages ging ich zu Hadhrat Umm Salama. Sie fragte mich: ‚Wird der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) unter euch beschimpft?‘ Ich sagte: ‚Möge Allah davor bewahren!‘ Da sagte sie: ‚Ich hörte den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagen: Wer Ali beschimpft, beschimpft damit mich.‘“

In einer anderen Überlieferung heißt es, Umm Salama (möge Allah mit ihr zufrieden sein) habe gesagt: „Werden nicht Ali und diejenigen, die ihn lieben, beschimpft, obwohl der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ihn liebte?“

Diese Überlieferung zeigt, wie tief seine Liebe und sein Mitgefühl für die Mitglieder der Familie des Propheten waren.⁷¹

Hadhrat Umm Salama (möge Allah mit ihr zufrieden sein) überlieferte viele Bittgebete und regelmäßige Andachten des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) für Tag und Nacht. So berichtete sie, dass der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) nach dem Salat al-Fadschr dieses Bittgebet sprach:⁷²

Auf Arabisch lautet es

– O Allah! Ich bitte Dich um reine Versorgung, nützliches Wissen und angenommene Werke.

Sie überlieferte außerdem, dass der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) beim Verlassen des Hauses zu sagen pflegte:⁷³

Arabisch folgt

–Im Namen Allahs, ich vertraue auf Allah. O Allah! Wir suchen Zuflucht bei Dir davor, auszugleiten, abzuirren, Unrecht zu tun, Unrecht zu erleiden, gegenüber jemandem maßlos zu handeln oder dass man uns gegenüber maßlos handelt.

Er sagte ferner, dass der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) häufig zu sagen pflegte:⁷⁴

Arabisch folgt

–O Wender der Herzen! Festige mein Herz in Deiner Religion.

Von ihm wird ferner überliefert, dass der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu sagen pflegte:⁷⁵

Arabisch folgt

–O Herr! Vergib mir, sei mir barmherzig und leite mich auf den geraden Weg.

Tod

Über ihr Todesjahr herrscht Uneinigkeit. Al-Wāqidī meint, dass sie im Schawwāl des Jahres 59 nach der Hidschra starb und Hadhrat Abū Huraira (möge Allah mit ihm zufrieden sein) das Totengebet für sie leitete. Ibn Hibbān sagt, dass sie gegen Ende des Jahres 61 nach der Hidschra, nach dem Märtyrertod von Husain ibn Alī (möge Allah mit ihm zufrieden sein), verstarb. Nach Abū Chaythama starb sie gegen Ende des Jahres 60 nach der Hidschra während der Herrschaft von Yazīd ibn Muʿāwiya. Am überzeugendsten ist jedoch die Ansicht, dass sie im Jahr 63 nach der Hidschra starb. Damals ereignete sich der Vorfall von Harra: Das Heer Yazīds belagerte in Mekka das Heer von Hadhrat ʿAbdullāh ibn az-Zubair (möge Allah mit ihm zufrieden sein) und griff Mekka an.⁷⁶

Zum Zeitpunkt ihres Todes war Hadhrat Umm Salama (möge Allah mit ihr zufrieden sein) 84 Jahre alt. Hadhrat Abū Huraira (möge Allah mit ihm zufrieden sein) leitete ihr Totengebet.⁷⁷ Üblicherweise leitete damals der Gouverneur von Medina das Totengebet. Walīd ibn ʿUtba war zu jener Zeit der Gouverneur von Medina. Dieser Walīd war der Enkel von Abū Sufyān (möge Allah mit ihm zufrieden sein). Vor ihrem Tod hinterließ Hadhrat Umm Salama (möge Allah mit ihr zufrieden sein) das Testament, Walīd solle außerhalb Medinas in Richtung des Waldes gehen und Hadhrat Abū Huraira (möge Allah mit ihm zufrieden sein) schicken, damit er das Totengebet leite. Imām adh-Dhahabī führt jedoch eine Überlieferung an, wonach die Leitung des Gebets durch Abū Huraira (möge Allah mit ihm zufrieden sein) nicht als erwiesen gilt, da er vor Umm Salama (möge Allah mit ihr zufrieden sein) gestorben sei. Hadhrat Umm Salama (möge Allah mit ihr zufrieden sein) wurde auf dem Friedhof al-Baqīʿ in Medina beigesetzt.⁷⁸

Zainab bint Dschahsch (möge Allah mit ihr zufrieden sein)

Der Beiname der Mutter der Gläubigen, Hadhrat Zainab, war Umm Hakīm. Ihr Vater war Dschahsch ibn Rabāb al-Asadī aus dem Stamm Banū Asad ibn Chuzayma, und ihre Mutter war Umaima bint ʿAbd al-Muttalib, die Tante väterlicherseits des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Somit war sie die Cousine väterlicherseits des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Die beiden Brüder Hadhrat Zainabs (möge Allah mit ihr zufrieden sein), ʿUbaidullāh ibn Dschahsch und Abū Ahmad ibn Dschahsch, heirateten nacheinander Umm Habība und Fāriʿa, die beiden Töchter von Hadhrat Abū Sufyān (möge Allah mit ihm zufrieden sein). Ihr weiterer Bruder, ʿAbdullāh ibn Dschahsch (möge Allah mit ihm zufrieden sein), fiel in der Schlacht von Uhud als Märtyrer. Die Ungläubigen schnitten ihm den Bauch auf und verstümmelten seinen Leichnam. Gemeinsam mit seinem Onkel mütterlicherseits, Hadhrat Hamza (möge Allah mit ihm zufrieden sein), wurde er auf dem Schlachtfeld von Uhud in demselben Grab beigesetzt. Hamna bint Dschahsch und Umm Habība bint Dschahsch waren die beiden Schwestern Hadhrat Zainabs. Beide litten an Istihāda, einer weiblichen Erkrankung. Sie fragten den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) häufig nach verschiedenen diesbezüglichen Rechtsfragen. Deshalb werden sie in den Hadithen erwähnt.

Hadhrat ʿAbdullāh ibn Dschahsch und alle seine anderen Geschwister nahmen bereits in der Frühzeit den Islam an. Sie wurden Muslime, noch bevor der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zum Haus al-Arqam ging. Danach wanderten sie alle nach Abessinien aus. Dort wurde ihr Bruder ʿUbaidullāh zum Christen, während seine Ehefrau, Hadhrat Umm Habība (möge Allah mit ihr zufrieden sein), am Islam festhielt. Später heiratete der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sie durch Vermittlung des Nadschāschī. Danach kehrten sie alle nach Mekka zurück. Einige Zeit später wanderten ʿAbdullāh ibn Dschahsch und Abū Ahmad ibn Dschahsch mit ihren Familien und Schwestern nach Medina aus.

Hadhrat Zainab (möge Allah mit ihr zufrieden sein) nahm bereits in der Frühzeit des Islam den Islam an. Ibn al-Athīr sagt:

Auf Arabisch lautet es

Er gehörte zu den Muslimen der ersten Zeit.

Heirat

Der ehrwürdige Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) verheiratete sie mit Zayd ibn Haritha, seinem freigelassenen Sklaven und Adoptivsohn. In der Geschichte gibt es unzählige Beispiele dafür, wie der Islam auf der ganzen Welt die Lehren von Gleichheit und Ebenbürtigkeit verwirklichte und Menschen aller Schichten in dieselbe Reihe stellte. Doch die Heirat der ehrwürdigen Zaynab (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) war ein grundlegendes Beispiel für die praktische Verwirklichung von Gleichheit und Ebenbürtigkeit. Deshalb erlangte sie Vorrang und besondere Bedeutung gegenüber allen anderen Beispielen dieser Art.

Die Quraisch, insbesondere die Banu Haschim, genossen in ganz Arabien als Diener der heiligen Kaaba eine so hohe Stellung und ein solches Ansehen, dass sich kein damaliger König des Jemen erdreistet hätte, eine gleichwertige Stellung zu beanspruchen.

Der Islam erklärte jedoch Taqwa und Gottesfurcht zum Maßstab für Ehre und Ansehen und verkündete, dass jede Art von Hochmut, Standesdünkel und vornehmem Geburtsstolz ein Kennzeichen der Dschahiliyya sei. Auf dieser Grundlage galt der ehrwürdige Zayd, obwohl er äußerlich ein Sklave war, als vorzüglicher als Tausende freier Menschen, weil der Islam durch ihn grenzenlose Stärke erlangt hatte. Neben der praktischen Vermittlung der islamischen Gleichheit hatte diese Heirat noch einen weiteren Zweck. Ibn al-Athir schilderte ihn folgendermaßen:

eine Araberin sein

Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) verheiratete sie mit Zayd, damit Zayd sie im Buch Allahs und in der Sunna des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) unterweise und erziehe.

Die Quraisch prahlten mit ihrer Abstammung. Ihr Stolz auf ihre Herkunft kannte keine Grenzen. Doch der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) verheiratete Zaynab bint Jahsch mit Zayd ibn Haritha. Zayd war ein vom Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) geliebter Mensch. Zu der Zeit, als die ehrwürdige Chadidscha (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) und der ehrwürdige Abu Bakr (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm) Muslime wurden, nahm auch Zayd den Islam an.

Bei den meisten Feldzügen ernannte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ihn zum Befehlshaber über die Anführer der Quraisch. Zaid wurde dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) so nahe, dass er als Zaid ibn Muhammad bekannt wurde. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) erwies ihm besondere Gunst. Trotz all dieser Vorzüge und Eigenschaften war er ein Sklave. Zainab hingegen besaß eine vornehme Abstammung. Von Anfang an war Zainab mit dieser Ehe nicht einverstanden. Sie sagte dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) offen:

Es wird auf Arabisch lauten

Ich habe ihn für mich nicht als Ehemann gewählt. Doch schließlich stimmte sie auf Anweisung des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu. Denn damals wurde dieser Vers aus der Sure al-Ahzab offenbart:

Es wird auf Arabisch lauten

Das heißt: Wenn Allah und Sein Gesandter in einer Angelegenheit eine Entscheidung treffen, haben gläubige Frauen und Männer keinerlei Entscheidungsfreiheit.

Nach der Heirat lebten die beiden ein Jahr lang zusammen, doch es entwickelte sich keine liebevolle Beziehung. Tag für Tag wurde ihre Beziehung immer verbitterter. Der ehrwürdige Zaid (möge Allah mit ihm zufrieden sein) kam zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), beklagte sich und äußerte den Wunsch, sich scheiden zu lassen.

wird Arabisch sein

– Zaid kam zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und sagte: „O Gesandter Allahs! Zainab verwundet mich mit ihren harten Worten. Ich möchte mich von ihr scheiden lassen.“

Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) versuchte, Hazrat Zaid davon abzuhalten, sich scheiden zu lassen. Im Heiligen Koran wird dieser Versuch folgendermaßen geschildert:

Der arabische Text lautet:

– Als du zu demjenigen sagtest, dem Allah und du Gunst erwiesen hatten: „Behalte deine Frau und fürchte Allah.“

Trotz aller Bemühungen des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) konnte die Ehe zwischen Hazrat Zainab und Hazrat Zaid (Allahs Wohlgefallen sei auf ihnen) nicht aufrechterhalten werden. Hazrat Zaid (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) ließ sich schließlich von ihr scheiden.

Wie ich bereits erwähnt habe, wurde die Ehe von Hazrat Zaid (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) und Hazrat Zainab (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) auf Wunsch des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) geschlossen. Zainab war mit dieser Ehe überhaupt nicht einverstanden. Zainab war die Schwester des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zog sie auf, bis sie reif und verständig war. Als die beiden sich dann trennten, begann der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), den Wunsch zu hegen, sie selbst zu heiraten, um sie glücklich zu machen. Doch da die Bräuche und Vorstellungen der vorislamischen Zeit noch immer teilweise in den Herzen und Gedanken der Muslime fortbestanden, unterdrückte er seinen eigenen Wunsch. Denn Zaid war sein Adoptivsohn. Die vorislamische Gesellschaft machte keinen Unterschied zwischen dem leiblichen Sohn und dem Adoptivsohn. Zainab war die geschiedene Frau des Adoptivsohnes des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), Zaid. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) befürchtete, dass die Heuchler und Ungläubigen einen Aufruhr entfachen könnten, wenn er sie heiratete. Da jedoch der Brauch, die geschiedene Frau eines Adoptivsohnes nicht zu heiraten, lediglich ein vorislamischer Aberglaube war und Allah und Sein Gesandter (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) dessen vollständige Beseitigung wollten, offenbarte Allah der Erhabene den damaligen Wunsch des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) folgendermaßen:

Der arabische Text lautet:

– Du verbirgst in deinem Herzen etwas, das Allah offenlegen wird. Und du fürchtest die Menschen, obwohl es für dich angemessener wäre, Allah zu fürchten.“

Imam at-Tirmidhi sagt: Wenn der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) etwas von der Offenbarung verborgen hätte, dann wäre es sicherlich dieser Vers gewesen. Denn Allah hat in diesem Vers einen verborgenen Wunsch des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) offenbart.

In Sahih Muslim wird von Anas (möge Allah mit ihm zufrieden sein) überliefert: Nachdem die ‘Idda von Zaynab (möge Allah mit ihr zufrieden sein) beendet war, schickte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) Zayd (möge Allah mit ihm zufrieden sein) zu ihr und sagte: „Überbringe ihr meinen Heiratsantrag.“ Zayd ging hin und sah, dass Zaynab (möge Allah mit ihr zufrieden sein) Teig knetete. Zayd berichtet: Als mein Blick auf sie fiel, empfand ich in meinem Herzen eine tiefe Ehrfurcht vor ihr. Ich verlor den Mut, sie anzusehen, denn der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) hatte ihr seinen Heiratsantrag übermitteln lassen. Daher trat ich ein wenig zurück. In einer anderen Überlieferung heißt es, dass Zayd (möge Allah mit ihm zufrieden sein) mit dem Rücken zur Tür von Zaynabs (möge Allah mit ihr zufrieden sein) Haus stand und sagte: „Zaynab! Ich bin mit dem Heiratsantrag des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) gekommen.“ Zaynab antwortete: „Ich bin gerade beschäftigt. Ohne Istikhara kann ich Allah gegenüber nichts sagen.“ Mit diesen Worten ging sie in Richtung der Moschee. Daraufhin offenbarte Allah, der Erhabene, dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) diesen Vers:

Der arabische Wortlaut lautet

„Als Zayd dann seinen Wunsch an ihr erfüllt hatte, verheirateten Wir sie mit dir, damit für die Gläubigen hinsichtlich der Frauen ihrer Adoptivsöhne keine Bedrängnis besteht, wenn diese ihre Wünsche an ihnen erfüllt haben. Allahs Befehl muss vollzogen werden.“ Durch diesen Vers machte Allah, der Erhabene, Seinem Propheten unmissverständlich klar: Ich selbst habe die Eheschließung mit Zaynab arrangiert. Deshalb wurde Zaynab zur Ehefrau des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Zaynabs eigener Wille oder Unwille spielte in dieser Angelegenheit keine Rolle. Ibn Ishaq sagte, dass Abu Ahmad ibn Dschahsch (möge Allah mit ihm zufrieden sein) die Eheschließung von Zaynab (möge Allah mit ihr zufrieden sein) mit dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) vollzog. Es ist möglich, dass die Ehe später auch gesellschaftlich bekannt gemacht wurde und Abu Ahmad ibn Dschahsch diese Aufgabe übernahm. In Sahih Muslim wird jedoch eindeutig berichtet, dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) nach der Offenbarung des oben genannten Verses ohne vorherige Erlaubnis zu Zaynab (möge Allah mit ihr zufrieden sein) ging. In einer Überlieferung der beiden Sahih-Werke heißt es, dass Zaynab (möge Allah mit ihr zufrieden sein) gegenüber ihren Nebenfrauen stolz zu sagen pflegte: „Euch haben eure Vormünder verheiratet, mich aber hat Allah, der Erhabene, verheiratet.“ Die Eheschließung des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) mit ihr fand im Monat Dhu l-Qaʿda des fünften Jahres nach der Hidschra statt.

Im 37. Vers der Sure al-Ahzab sagt Allah: „Wir haben sie [Zaynab, die geschiedene Frau,] mit dir verheiratet.“ Aus diesen Worten und der verwendeten Ausdrucksweise wird eindeutig ersichtlich, dass der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) diese Ehe nicht aus eigenem Wunsch oder persönlichem Verlangen einging, sondern ausschließlich auf den Befehl Allahs, des Erhabenen.

Aus dem genannten Vers wird eindeutig ersichtlich, dass Allah, der Erhabene, Seinen Propheten diese Handlung vollziehen ließ, um einen besonderen Zweck zu erfüllen und einen Nutzen zu verwirklichen, der auf keinem anderen Weg hätte erreicht werden können. In Arabien hatte sich hinsichtlich der sogenannten Adoptivverwandtschaft ein äußerst schwerwiegender falscher Brauch eingebürgert, der über Generationen hinweg mit voller Macht fortbestand. Es gab nur einen wirksamen und erfolgreichen Weg, ihn zu beseitigen: Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) musste selbst vorangehen und ihn samt seinen Wurzeln ausreißen. Daher ist klar, dass Allah, der Erhabene, diese Ehe nicht schließen ließ, um die Zahl der Ehefrauen im Haus des edlen Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu vermehren. Er ließ sie vielmehr im Hinblick auf eine äußerst große und dringend notwendige Aufgabe schließen.

Die Ehe des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) mit Zaynab (möge Allah mit ihr zufrieden sein) war also geschlossen. Doch die Feinde des Islam machten großen Lärm und heizten die öffentliche Stimmung an, indem sie sagten: „Muhammad (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) hat die Ehefrau seines Sohnes geheiratet, obwohl nach dem von ihm selbst vorgelegten Gesetz der Scharia die Heirat der Ehefrau des Sohnes für den Vater verboten ist.“ Als Antwort darauf offenbarte Allah, der Erhabene, den 40. Vers der Sure al-Ahzab:

Der arabische Wortlaut lautet

„O ihr Menschen! Muhammad ist nicht der Vater irgendeines eurer Männer, sondern Allahs Gesandter und das Siegel der Propheten. Und Allah weiß über alle Dinge Bescheid.“

„Muhammad ist nicht der Vater eines eurer Männer.“ Das bedeutet: Der Mann, dessen geschiedene Frau Muhammad (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) geheiratet hatte, war überhaupt kein Sohn des Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Daher war es für den Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) niemals verboten, seine geschiedene Frau zu heiraten. Ihr wisst selbst, dass der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) tatsächlich keinen leiblichen Sohn hatte.

Die zweite Frage der Widersacher lautete: Selbst wenn ein Adoptivsohn kein leiblicher Sohn ist, könnte die Heirat mit seiner geschiedenen Frau allenfalls erlaubt sein. Doch es bestand keine Notwendigkeit, dass er sie unbedingt heiratete. Darauf wurde erwidert: „Darüber hinaus ist er der Gesandte Allahs.“ Das bedeutet: Da es die Pflicht des Gesandten Muhammad (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ist, alle Irrtümer und falschen Vorstellungen in Bezug auf jene erlaubten und rechtmäßigen Handlungen auszurotten, die aufgrund eurer falschen Bräuche grundlos als verboten betrachtet wurden, musste er dies tun. Außerdem ist er der letzte Prophet. Nach ihm wird nicht nur kein Gesandter mehr kommen, sondern nicht einmal ein Prophet. Wenn daher zu seinen Lebzeiten ein Gesetz oder eine gesellschaftliche Verbesserung unwirksam bliebe und nicht umgesetzt würde, könnte keinesfalls ein späterer Prophet deren Verwirklichung vollenden. Die Abschaffung dieses üblen Brauchs der Unwissenheit wurde somit zu einer unabweisbaren Pflicht, die er selbst erfüllen musste. Um die Bedeutung dieser Angelegenheit noch stärker hervorzuheben, heißt es anschließend: „Allah weiß über alle Dinge Bescheid.“ Das bedeutet: Allah weiß sehr wohl, dass es unerlässlich ist, diesen üblen Brauch jetzt durch den letzten Propheten abzuschaffen. Andernfalls würde es nach ihm niemanden mehr auf der Welt geben, durch den ein derart fest verwurzelter übler Brauch beseitigt werden könnte.

Die Walima-Feier

Nachdem der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) Zainab (r.a.) als Ehefrau in sein Haus aufgenommen hatte, veranstaltete er eine Walima. Das bedeutet nicht, dass er ein königliches Bankett ausrichtete. Doch die Walima von Zainab (r.a.) war vergleichsweise etwas prächtiger. Die Feier fand, einer anderen Überlieferung zufolge, am Mittag oder in der Nacht statt. Anas (r.a.) berichtet: „Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) bewirtete uns alle mit Brot und Fleisch.“ Für unseren edlen Gesandten war dies tatsächlich eine königliche Bewirtung. Denn für eine Familie, deren Angehörige tagelang lediglich von Milch leben mussten, war es durchaus prächtig, für dreihundert Menschen Fleisch und Brot bereitzustellen. Deshalb pflegte Zainab (r.a.) später vor ihren Nebenfrauen stolz zu sagen: Nur bei meiner Hochzeit veranstaltete der edle Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) eine Walima mit Fleisch und Brot. Ibn Saʿd beschrieb die Besonderheit dieser Walima folgendermaßen:

Auf Arabisch lautet es

„Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) veranstaltete für keine seiner anderen Ehefrauen eine Walima in der Weise, wie er die Walima für Zainab (r.a.) veranstaltete. Für Zainab (r.a.) richtete er eine Walima mit Ziegenfleisch aus.“ Anas (r.a.) berichtet: Bei keiner seiner anderen Ehefrauen hatte er eine so gute und so reichhaltige Bewirtung veranstaltet.

Umm Sulaim (r.a.), die geehrte Mutter von Anas (r.a.) und eine Tante mütterlicherseits des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), schickte zur Walima von Zainab (r.a.) einige Speisen in das Haus des Propheten. Nachdem die Speisen zubereitet waren, schickte der edle Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) den Diener Anas (r.a.), um die Menschen einzuladen. Es fanden sich dreihundert Gäste ein. Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ließ sie in Gruppen von jeweils zehn Personen bewirten. Die Menschen kamen in Gruppen, aßen und gingen wieder. Die eingeladenen Gäste aßen sich satt.

Überliefert von Abu Hatim: Als der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zum ersten Zusammensein mit einer seiner Ehefrauen ein Gericht namens Hais zubereitete – eine Speise aus Datteln, Aqit und Fett –, ließ Umm Sulaim es in eine Schüssel aus Messing oder Holz füllen. Dann rief sie ihren Sohn Anas und sagte: „Bring dies zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und sage ihm, es sei ein kleines Geschenk von uns.“ Anas berichtet: Die Menschen litten damals unter großer Nahrungsmittelknappheit. Ich nahm die Schüssel, ging hin und sagte: „O Gesandter Allahs! Umm Sulaim hat dir dies geschickt. Sie lässt dich auch grüßen und sagt, dies sei ein kleines Geschenk von uns.“ Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) blickte auf die Schüssel und sagte: „Stell sie in eine Ecke des Hauses und rufe den und den herbei.“ Er nannte die Namen vieler Menschen. Außerdem sagte er: „Nimm jeden Muslim mit, dem du unterwegs begegnest.“ Anas berichtet: Ich lud diejenigen ein, deren Namen er genannt hatte. Als ich zurückkehrte, sah ich, dass das ganze Haus des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), die Suffa und die Gemächer voller Menschen waren. Der Überlieferer fragte Anas: „Wie viele Menschen waren es?“ Er antwortete: „Ungefähr dreihundert.“ Anas berichtet: Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) forderte mich auf, die Schüssel mit dem Essen zu holen. Ich brachte sie zu ihm. Er legte seine Hand darauf und sprach ein Bittgebet. Dann sagte er: „Setzt euch in Gruppen von jeweils zehn Personen, sagt Bismillah und esst jeder von der Seite, die vor euch liegt.“ Alle aßen nach der Anweisung des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), bis sie satt waren. Danach sagte er zu mir: „Heb die Schüssel weg.“ Anas berichtet: Ich trat vor und hob die Schüssel hoch. Ich blickte hinein, konnte aber nicht sagen, ob mehr darin gewesen war, als ich sie hingestellt hatte, oder als ich sie wegnahm. Dies geschah zur Zeit der Walima von Zainab (r.a.).

Allah, der Erhabene, möchte die Muslime zu einer hochkultivierten Gemeinschaft machen. Daher wurde anlässlich eines Ereignisses bei der Walīma von Zaynab (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) der folgende Vers des Heiligen Qurans offenbart, um einige der barbarischen und unzivilisierten Bräuche abzuschaffen, die unter den Menschen des Zeitalters der Unwissenheit verbreitet waren.

Es wird Arabisch sein

O ihr, die ihr glaubt! Betretet nicht die Häuser des Propheten, ohne dazu die Erlaubnis erhalten zu haben, und wartet auch nicht auf die Zubereitung des Essens, ohne eingeladen worden zu sein. Wenn ihr jedoch zum Essen eingeladen werdet, dann kommt. Wenn ihr gegessen habt, dann geht sogleich auseinander und bleibt nicht in Gesprächen vertieft sitzen. Ein solches Verhalten belästigt den Propheten, doch er scheut sich, es euch zu sagen. Allah aber scheut sich nicht, die Wahrheit zu sagen.“

Im oben genannten Vers werden einige schlechte Bräuche der Araber zurückgewiesen.

1. In früherer Zeit betraten die Araber ohne jede Zurückhaltung die Häuser anderer Menschen. Wenn jemand einen anderen aufsuchen wollte, war niemand verpflichtet, an der Tür des Hauses zu stehen, anzuklopfen und erst nach Erlaubnis einzutreten. Stattdessen betrat man das Haus und fragte die Frauen und Kinder, ob der Hausherr zu Hause sei. Dieser Brauch aus dem Zeitalter der Unwissenheit führte zu vielerlei Fehlern und Mängeln. Oft gab er Anlass zu verschiedenen unerwünschten Ereignissen, die den moralischen Verfall förderten. Deshalb wurde zunächst die Regel verkündet, dass weder ein nahestehender Freund noch ein entfernter Verwandter das Haus des edlen Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ohne Erlaubnis betreten dürfe. Später wurde diese Regel durch die Sure an-Nur allgemein für die Häuser aller Muslime eingeführt.

2. Unter den Arabern war noch ein weiterer schlechter Brauch und eine üble Sitte verbreitet. Sie erschienen zur Essenszeit im Haus eines Freundes oder eines Bekannten oder kamen in ein solches Haus und blieben dort bis zur Essenszeit sitzen. Natürlich geriet der Hausherr dadurch in eine äußerst unangenehme Lage. Deshalb gebot Allah, der Erhabene, in diesem Vers, diese schlechte Gewohnheit aufzugeben. Es wurde angeordnet, dass man zum Essen nur dann in das Haus eines anderen gehen solle, wenn der Hausherr dazu eingeladen habe. Dieses Gebot galt nicht nur für das Haus des edlen Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), sondern sollte allgemein zu einer üblichen Regel in den Häusern aller Muslime werden. Zu diesem Zweck wurde lediglich beispielhaft das Haus des Gesandten erwähnt.

3. In diesem Vers wird noch ein weiterer schlechter Brauch zurückgewiesen. In der Gesellschaft gibt es Menschen, die zum Essen in das Haus eines anderen eingeladen werden und auch nach dem Ende des Essens ohne jeden Grund sitzen bleiben. Sie beginnen eine so endlose Folge von Gesprächen miteinander, dass sie scheinbar überhaupt nicht zum Ende kommen wollen. Sie bedenken keineswegs, welche Unannehmlichkeiten dies dem Hausherrn und den Bewohnern des Hauses bereitet. Manche brachten sogar den edlen Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) in Bedrängnis. Wegen seiner grenzenlosen Höflichkeit und Bescheidenheit ertrug er solche Belästigungen stillschweigend. Schließlich brachte sich am Tag der Walīma von Zaynab (Allahs Wohlgefallen sei mit ihr) ein solcher Vorfall bis zum äußersten Maß der Belastung des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Dieser Vorfall war im Wesentlichen der Anlass für die Offenbarung des Verses.

Der besondere Diener des edlen Gesandten Allahs, Anas (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm), berichtet: Diese Walīma fand nachts statt. Die gewöhnlichen Gäste aßen, verabschiedeten sich und gingen. Doch zwei oder drei Männer blieben sitzen und beschäftigten sich unbeirrt mit allerlei Gesprächen.

Der edle Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) erhob sich schließlich voller Bedrängnis und ging einmal zu den Frauen in den inneren Gemächern. Als er zurückkehrte, stellte er fest, dass die Leute weiterhin unbeirrt dasaßen. Er ging wieder hinein und setzte sich in das Gemach von ʿĀʾischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein). Erst nachdem viel Zeit in der Nacht vergangen war und er erfahren hatte, dass die Leute gegangen waren, begab er sich in Zaynabs (möge Allah mit ihr zufrieden sein) Gemach. Nach diesem Ereignis wurde es notwendig, dass Allah, der Erhabene, die Leute selbst vor dieser schlechten Gewohnheit warnte. Nach der Überlieferung von Anas wurde der hier behandelte Vers genau in Bezug auf dieses Ereignis offenbart.

Nach dem oben erwähnten Ereignis ließ der edle Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) Vorhänge an den Türen des Hauses anbringen und untersagte den Menschen, das Haus zu betreten. Dies geschah im Monat Dhū l-Qaʿda des fünften Jahres nach der Hidschra.

Die Ehe von Zaynab (möge Allah mit ihr zufrieden sein) weist einige Besonderheiten auf, die nirgendwo sonst zu finden sind. Zusammengefasst sind sie folgende:

  1. Der Irrtum, wonach ein Adoptiv- oder Ziehsohn einem leiblichen Sohn gleichgestellt wurde, wurde beseitigt.
  2. Die bergähnliche Rangkluft zwischen einem Sklaven und einem freien Menschen wurde beseitigt, und in dieser Ehe wurde ein praktisches Beispiel für die islamische Gleichheit geschaffen. Der Sklave Zayd wurde dem arabischen Stamm Banū Hāschim, dem vornehmsten und angesehensten Geschlecht Arabiens, im Rang gleichgestellt.
  3. Im Zusammenhang mit dieser Ehe wurde die Vorschrift des Hidschāb offenbart; oder man kann sagen, dass diese Ehe den Anlass für die Offenbarung der Vorschrift des Hidschāb bildete.
  4. Für diese Ehe wurde eine Offenbarung herabgesandt.
  5. Das Hochzeitsmahl dieser Ehe wurde prachtvoll ausgerichtet.

Aus all diesen Gründen pflegte Hadhrat Zainab (r.a.) vor ihren Nebenfrauen stolz aufzutreten. Eines Tages sagte sie sogar zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm): „O Gesandter Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), ich bin nicht wie irgendeine deiner anderen Ehefrauen. Unter ihnen gibt es keine, deren Ehe nicht von ihrem Vater, ihrem Bruder oder einem anderen Vormund aus ihrer Familie geschlossen wurde. Nur meine Ehe wurde von Allah, dem Erhabenen, im Himmel mit dir geschlossen. Dein Großvater und mein Großvater sind ein und dieselbe Person, und in meiner Angelegenheit war Dschibril (a.s.) der Gesandte.“

Imam adh-Dhahabi sagte: Arabisch folgt.

„Allah verheiratete Zainab ohne Vormund und ohne Zeugen mit Seinem Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm).“

Unter den Ehefrauen des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) gehörte Hadhrat Zainab (r.a.) zu denjenigen, die den Anspruch erheben konnten, Hadhrat Aischa (r.a.) ebenbürtig zu sein. Hadhrat Aischas (r.a.) eigene Äußerung hierzu lautete folgendermaßen:

Arabisch folgt

„Unter den Ehefrauen des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) war nur sie meine ebenbürtige Rivalin.“

Hadhrat Zainabs (r.a.) Anspruch war auch berechtigt. Denn sie war die Cousine väterlicherseits des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und mit Schönheit und Anmut gesegnet. Auch der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) wollte sie stets zufriedenzustellen. Hadhrat Zainab (r.a.) besaß in ihrem Charakter einige Eigenschaften, die nur bei sehr wenigen Frauen zu finden waren. Im Hinblick auf die Nähe zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) herrschte zwischen Hadhrat Aischa (r.a.) und ihr insgeheim eine Haltung des Wettbewerbs. Entsprechend der weiblichen Natur nahm diese die Form einer Art heilsamer Eifersucht an, die in der Terminologie der Scharia „Ghibta“ genannt wird. Ich verwende den Ausdruck „heilsame Eifersucht“ deshalb, weil aus den in den Hadith- und Sira-Werken überlieferten Ansichten, Meinungen und Äußerungen der beiden übereinander keineswegs eine verderbliche Eifersucht hervorgeht; in den überlieferten Ansichten, Meinungen und Äußerungen findet sich keinerlei Spur verderblicher Eifersucht. Denn echte Eifersucht macht den Menschen blind. Er kann am Gegenüber nichts Gutes sehen und es auch nicht ertragen. Doch keine von ihnen war so. Durch den Segen der heiligen Gesellschaft des edlen Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) waren sie so großzügig und großmütig geworden, dass jede von ihnen die guten Eigenschaften der anderen offen anerkannte. Ihr ganzes Leben lang verkündeten sie dies den Menschen. Solches können nur wahrhaft große Menschen tun. In diesem Zusammenhang kann als Beispiel die Begebenheit des Ifk angeführt werden. Auch Hadhrat Hamna bint Dschahsch, die Schwester Hadhrat Aischas (r.a.), war darin verwickelt. Sie meinte, wenn sie bei dieser Gelegenheit ihre Schwester Zainabs (r.a.) Nebenfrau und Rivalin Aischa (r.a.) überwältigen könnte, würde ihre Schwester Zainab unangefochten sein. Aus guter Absicht gegenüber ihrer Schwester ließ sie sich auf diese schmutzige Verschwörung ein.

Für uns ist nun von Bedeutung, welche Rolle Hadhrat Zainab (r.a.) zu dieser Zeit spielte. Es war eine großartige Gelegenheit, die rivalisierende Nebenfrau zu Fall zu bringen und den Dorn aus dem Weg zu räumen. Es ist nicht bekannt, dass irgendeine Nebenfrau auf der Welt eine derart günstige Gelegenheit hätte verstreichen lassen. Doch wie könnte man sich vorstellen, dass jemand wie Hadhrat Zainab (r.a.), die eine solche Stufe der Moral und Spiritualität erreicht hatte, eine derart schmutzige Verschwörung ausnutzen würde! Daher fragte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) an jenem Tag des Unglücks für Hadhrat Aischa (r.a.) Hadhrat Zainab (r.a.) nach ihrer Meinung über Aischa (r.a.). Hadhrat Zainab (r.a.) sagte in äußerst klaren Worten:

Auf Arabisch:

„Ich weiß nichts von ihr außer Gutem.“ Danach wurden zehn Verse des Al-Koran offenbart, die die Unschuld Hadhrat Aischas (r.a.) verkündeten. Zugleich wurden die Wahrhaftigkeit und die vorzügliche Sittlichkeit Hadhrat Zainabs (r.a.) bewiesen und bestätigt. Hadhrat Aischa (r.a.) gedachte dieser Schuld Hadhrat Zainab (r.a.) gegenüber ihr ganzes Leben lang. Ihr ganzes Leben lang erzählte sie den Menschen davon. Alle Vorzüge, die sie an Zainab (r.a.) wahrgenommen hatte, teilte sie den Menschen freimütig mit. Ibn Hadschar al-Asqalani (Allah erbarme sich seiner) schrieb:

Auf Arabisch:

– Hadhrat Aischa (r.a.) lobte Hadhrat Zainab (r.a.) überschwänglich, als sie das Geschehen der Ifk-Affäre schilderte.

Wenn eine so scharfsinnige, gelehrte und herausragende Frau wie Hadhrat Aischa (r.a.) Hadhrat Zainab (r.a.) in höchsten Tönen lobt, scheint keine weitere Erklärung nötig zu sein, um zu ermessen, welchen Rang und welche Stellung sie innehatte. Denn Hadhrat Aischa (r.a.) hatte Hadhrat Zainab (r.a.) mit ihrem von Allah verliehenen scharfen Verstand aus nächster Nähe gründlich beobachtet und studiert. Gerade in den zahlreichen Äußerungen Hadhrat Aischas (r.a.), die in den Hadith-Werken überliefert sind, tritt der wahre Rang Hadhrat Zainabs (r.a.) deutlich hervor. Hadhrat Aischa (r.a.) sagte:

Auf Arabisch:

– „Ich habe keine Frau gesehen, die frommer, gottesfürchtiger, wahrhaftiger, großzügiger, freigebiger und rechtschaffener war als Zainab (r.a.) oder sich eifriger um Allahs Wohlgefallen bemühte als sie. Nur ihr Temperament war bisweilen etwas scharf. Dafür empfand sie jedoch sehr schnell Reue.“

Der Gelehrte Ibn Abd al-Barr überlieferte über Hadhrat Zainab (r.a.) die folgende Äußerung Hadhrat Aischas (r.a.):

Auf Arabisch lautet es:

– Was die Religion betrifft, habe ich niemals eine bessere Frau als Zainab (r.a.) gesehen.

Ibn Saʿd hat die folgende Äußerung von Hazrat ʿAischa (r.a.) überliefert:

Auf Arabisch lautet es:

– Möge Allah Zainab bint Dschahsch gnädig sein! Wahrlich, sie erlangte in dieser Welt eine unvergleichliche Ehre und hohe Stellung. Allah selbst verheiratete sie mit Seinem Propheten, und ihretwegen wurden einige Verse des Qurʾan offenbart.

Hazrat ʿAischa (r.a.) sagte ferner: „Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) verkündete ihr die frohe Botschaft, dass sie im Jenseits als Erste mit ihm zusammentreffen und seine Ehefrau im Paradies sein werde.“

Hazrat Umm Salama (r.a.) sagte über sie:

Auf Arabisch lautet es:

Das heißt, sie war besonders rechtschaffen, fastete häufiger und verrichtete besonders viele Gebete.

Dass Zainab (ra) beim Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) eine besondere Stellung innehatte, wird durch verschiedene Begebenheiten bestätigt. Einmal schickten die „Azwaj al-Mutahharat“ (die reinen Ehefrauen) in einer Angelegenheit Fatima (ra) als Gesandte zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), um ihn umzustimmen. Doch sie kehrte zurück, ohne ihre Gesandtschaft erfüllt zu haben. Daraufhin wählten alle einmütig Zainab (ra) für diese Aufgabe aus. Denn in den Augen aller war nur sie dafür geeignet. Sie erfüllte diese Aufgabe mit großem Mut. Sie ging zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und wollte mit großer Nachdrücklichkeit beweisen, dass Aischa (ra) dieser Stellung nicht würdig sei. Aischa (ra) saß schweigend daneben und hörte ihrer Rede zu, während sie verstohlen zum gesegneten Gesicht des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) hinübersah. Als Zainab (ra) ihre Rede beendet hatte, stand Aischa (ra) mit der Erlaubnis des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) auf und hielt eine so überzeugende Rede, dass Zainab (ra) verstummte. Darauf sagte der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm): „Wie könnte es anders sein? Sie ist doch die Tochter Abu Bakrs.“

Zainab (ra) war eine äußerst freigebige, großzügige und auf Allah vertrauende Frau, die mit wenig zufrieden war. Sie galt als Zufluchtsort und Hoffnung für Waisen, Bedürftige und Notleidende. Ihre Barmherzigkeit und ihr Mitgefühl gegenüber den Armen und Unglücklichen kannten keine Grenzen. Ibn Saʿd überliefert:

Arabisch folgt

– „Zainab bint Dschahsch hinterließ weder Dirham noch Dinar. Alles, was in ihre Hände gelangte, spendete sie. Sie war eine Zuflucht für die Armen und Bedürftigen.“

Zainab (ra) war eine Kunsthandwerkerin. Mit ihren eigenen Händen gerbte und verarbeitete sie auf ihre eigene Weise Leder, und alles, was sie damit verdiente, spendete sie den Bedürftigen.

Eine weitere Überlieferung von Aischa (ra) berichtet: Zainab (ra) spann mit der Hand Garn und gab es den Kriegsgefangenen des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Diese webten daraus Stoff. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) verwendete ihn für Kriegszwecke. Ihre Hand war so freigebig, dass der Kalif Umar (ra) für sie ein jährliches Stipendium von zwölftausend Dirham festsetzte; doch sie nahm es niemals an. Einmal ließ Umar (ra) ihr den Unterhalt für ein Jahr schicken. Zainab bedeckte die Dirham mit einem Stück Stoff. Dann wies sie Basrah ibn Rafiʿ an, die Dirham unter ihren Verwandten sowie unter den armen und bedürftigen Menschen zu verteilen. Basrah fragte: „Haben auch wir daran einen Anteil?“ Sie erwiderte: „Was sich unter dem Stoff befindet, gehört dir.“ Als er es aufsammelte und zählte, waren es fünfzig – nach einer anderen Überlieferung fünfundachtzig – Dirham. Nachdem sie alle Dirham verteilt hatte, sprach sie folgendes Bittgebet:

Arabisch folgt

„O Allah! Möge mich dieses Geld künftig nicht mehr erreichen. Denn es ist eine Prüfung.“

Diese Nachricht erreichte Hadhrat ʿUmar (möge Allah mit ihm zufrieden sein). Er bemerkte:

Arabisch lautet:

„Sie ist eine solche Frau, von der man nur Gutes erwarten kann.“ Danach blieb Hadhrat ʿUmar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) eine Weile an ihrer Tür stehen und ließ ihr den Friedensgruß ausrichten. Er sagte zu Zaynab (möge Allah mit ihr zufrieden sein): „Ich habe alles erfahren, was du getan hast.“ Nach seiner Rückkehr schickte er ihr weitere eintausend Dirham für ihren Lebensunterhalt. Auch diese gab sie wie zuvor aus. Die Historiker berichten, dass das oben erwähnte Bittgebet Hadhrat Zaynabs (möge Allah mit ihr zufrieden sein) erhört wurde und sie noch in jenem Jahr verstarb.

Dass Hadhrat Zaynab in höchstem Maße gottesfürchtig, demütig und eine fromme Gottesdienerin war, bezeugte der Gesandte Allahs selbst (Allahs Segen und Friede seien auf ihm). Einmal verteilte der Gesandte (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) die Beute unter den Muhadschirun. Währenddessen sagte Hadhrat Zaynab etwas zu ihm. Sofort wies Hadhrat ʿUmar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sie scharf zurecht. Der Gesandte (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) sagte zu ʿUmar (möge Allah mit ihm zufrieden sein): „Sag ihr nichts. Sie ist eine große fromme Gottesdienerin und Asketin.“

Tod:

Hadhrat Zaynab (möge Allah mit ihr zufrieden sein) verstarb im Jahre 20 nach der Hidschra während des Kalifats des Kalifen Hadhrat ʿUmar (möge Allah mit ihm zufrieden sein). In jenem Jahr wurde auch Ägypten erobert. Nach Ansicht des Hafiz Ibn Hadschar lebte sie dreiundfünfzig Jahre. Dies ist auch die Ansicht der meisten Historiker. Der Historiker al-Waqidi hingegen ist der Ansicht, dass Hadhrat Zaynabs (möge Allah mit ihr zufrieden sein) gesamtes Lebensalter fünfzig Jahre betrug, was der Ansicht der Mehrheit widerspricht. Al-Waqidi sagte ferner, dass sie bei ihrer Heirat mit dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) fünfunddreißig Jahre alt gewesen sei, während andere der Ansicht sind, sie sei achtunddreißig gewesen.

Bis zum letzten Augenblick ihres Lebens bewahrte sie ihre Gewohnheit des Gebens. Für ihr eigenes Leichentuch sorgte sie selbst. Ihren Angehörigen sagte sie jedoch: „Nach meinem Tod kann ʿUmar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) möglicherweise Stoff für ein Leichentuch schicken. Sollte dies geschehen, so verteilt eines der beiden Leichentücher unter den Armen und Bedürftigen.“ Hadhrat ʿUmar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) schickte fünf Stoffstücke, und daraus wurde ihr Leichentuch gefertigt. Den Stoff, den Hadhrat Zaynab (möge Allah mit ihr zufrieden sein) hinterlassen hatte, spendete ihre Schwester Hafsa. Sie hinterließ außerdem die Anweisung, dass auch sie auf derselben Bahre getragen werden solle, auf der der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) zum Grab gebracht worden war. Sie war die erste Frau, die nach Hadhrat Abu Bakr (möge Allah mit ihm zufrieden sein) auf diese Bahre gelegt wurde. Beide ihre Anweisungen wurden befolgt. Die anderen Ehefrauen des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) wuschen ihren Leichnam.

Der Kalif Hazrat ʿUmar (ra) verrichtete ihr Totengebet, und sie wurde auf dem Friedhof al-Baqīʿ beigesetzt.

Rabīʿa ibn ʿAbdullah berichtet: „Ich sah ʿUmar (ra), während an einer seiner Schultern eine Peitsche hing. In diesem Zustand trat er vor und leitete mit vier Takbīrāt das Totengebet für Zaynab (ra). Er blieb am Grab, bis Wasser über das Grab gesprengt worden war.“

Hazrat ʿAbdullah ibn Abī Sulayt (ra) berichtet: „Ich sah Abū Ahmad ibn Jahsh [Zaynabs (ra) Bruder], wie er unter Tränen die Bahre mit Zaynabs (ra) Leichnam trug. Er war blind. Ich hörte, wie ʿUmar (ra) zu ihm sagte: ‚Abū Ahmad, tritt von der Bahre zurück, damit du nicht unter dem Druck der Menschen leidest.‘ Abū Ahmad sagte: ‚O ʿUmar, durch sie haben wir all das Gute erlangt. Dieses Weinen lindert das heftige Brennen in meinem Inneren.‘ ʿUmar sagte: ‚Gut, bleib nur, bleib.‘

Gerade als Hazrat Zaynab (ra) beigesetzt wurde, erschien ein junger Quraisch, in zwei farbige ägyptische Tücher gekleidet und mit gekämmtem Haar. ʿUmar (ra) hob seinen Stock über dessen Kopf und sagte: „So, wie du gekommen bist, könnte man meinen, wir würden hier ein Spiel treiben. Hier begraben die Ältesten ihre Mutter.“ Es war ein überaus heißer Tag. An der Stelle, an der das Grab ausgehoben wurde, ließ Hazrat ʿUmar (ra) ein Zelt aufstellen. Es heißt, dies sei das erste Zelt gewesen, das über einem Grab in al-Baqīʿ aufgestellt wurde. Als der Leichnam ins Grab hinabgelassen werden sollte, fragte Hazrat ʿUmar (ra) die anderen Ehefrauen des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm), wer in ihr Grab hinabsteigen solle. Sie antworteten: „Diejenigen, die zu ihren Lebzeiten zu ihr ein- und ausgingen, sollen hinabsteigen.“ Daraufhin stiegen auf Anweisung Hazrat ʿUmars (ra) Muhammad ibn ʿAbdullah ibn Jahsh, Usāma ibn Zayd, ʿAbdullah ibn Abī Ahmad ibn Jahsh und Muhammad ibn Talha (ra) in das Grab hinab. Sie alle waren Verwandte Hazrat Zaynabs (ra).

Hazrat ʿĀʾischa (ra) war über den Tod Hazrat Zaynabs (ra) zutiefst erschüttert. Sie brachte ihre damaligen Gefühle folgendermaßen zum Ausdruck:

Es wird auf Arabisch heißen:

„Sie ging in einem gepriesenen und unvergleichlichen Zustand von uns. Sie hinterließ Waisen und Witwen in Verzweiflung.“ An dem Tag, an dem Hazrat Zaynab (ra) starb, begannen die armen, mittellosen und bedürftigen Menschen in Medina aus Trauer zu klagen.

Der edle Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) bestimmte für Hazrat Zaynab (ra) aus der in Khaybar erzeugten Ernte hundert Wasq Getreide.

Hazrat Zainab (ra) hinterließ als Erbe lediglich ein Haus. Während seiner Regierungszeit kaufte der umayyadische Kalif al-Walid ibn Abd al-Malik dieses Haus von ihren nächsten Angehörigen für fünfzigtausend Dirham und gliederte es an die Prophetenmoschee an.

Hazrat Zainab (ra) überlieferte nur sehr wenige Hadithe. In den Hadith-Werken sind lediglich elf von ihr überlieferte Hadithe zusammengestellt. Zwei davon sind von al-Buchari und Muslim gemeinsam überliefert. Zu denjenigen, die von ihr Hadithe überlieferten, gehören besonders hervorzuheben: Hazrat Umm Habiba (ra), Zainab bint Abi Salama, Muhammad ibn Abdillah ibn Dschahsch, Kulthum bint Talak und der erwähnte Sklave.

Der ehrwürdige Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte einmal, kurz vor seinem Tod, zu seinen Ehefrauen:

Auf Arabisch lautet es:

– „Diejenige unter euch wird sich mir am schnellsten anschließen, deren Hand am längsten ist.“ Mit der Länge der Hand meinte er bildlich die Freigebigkeit. Die geehrten Ehefrauen verstanden dies jedoch wörtlich. Deshalb kamen sie zusammen und maßen gegenseitig ihre Hände, um festzustellen, wessen Hand länger war. Zainab (ra) war von kleiner Statur. Bis zum Tod von Zainab bint Dschahsch (ra) pflegten sie dies zu tun. Als sie jedoch als Erste starb, verstanden sie nach eingehendem Nachdenken die Bedeutung der Worte des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Daher sagte Hazrat Aischa (ra) zur Erklärung dieses Hadiths:

Auf Arabisch lautet es:

– Diejenige unter uns mit der längsten Hand war Zainab. Denn sie arbeitete mit ihren eigenen Händen, verdiente dadurch und spendete es.

Viele haben angenommen, dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) mit dieser Aussage Hazrat Zainab bint Chuzayma (ra) gemeint habe. Diese Annahme ist jedoch nicht richtig. Denn Hazrat Zainab bint Chuzayma (ra) verstarb bereits vor dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm).

Aus den Überlieferungen in den Hadith- und Sira-Werken lässt sich entnehmen, dass Hazrat Zainab (möge Allah mit ihr zufrieden sein) eine äußerst schöne Frau war. Einmal, als Hazrat Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) seiner Tochter Hazrat Hafsa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) einen Rat gab, sagte er:

Auf Arabisch:

– Du sollst den Worten des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) nicht widersprechen. Denn du besitzt weder Zainabs Schönheit noch die eheliche Zuneigung, die Aischa genoss.

Nach dem Tod des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) verrichteten die anderen Ehefrauen zwar den Haddsch, doch Hazrat Sauda (möge Allah mit ihr zufrieden sein) und Hazrat Zainab (möge Allah mit ihr zufrieden sein) unternahmen keinen weiteren Haddsch. Beide verließen ihr Haus nicht mehr. Sie verstanden die Anweisung Allahs und Seines Gesandten (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) auf diese Weise.

Hazrat Dschuwairiya bint al-Harith (möge Allah mit ihr zufrieden sein)

Die Umm al-Mu’minin Hazrat Dschuwairiya (möge Allah mit ihr zufrieden sein) war die Tochter des Zweigs al-Mustaliq des berühmten arabischen Stammes Chuza’a. Ihr Vater al-Harith ibn Dirar war der Anführer der Banu al-Mustaliq.¹

Hazrat Dschuwairiya (möge Allah mit ihr zufrieden sein) wurde zunächst mit einem Mann aus ihrem eigenen Stamm namens Musafi ibn Safwan (Dhu Schufar) verheiratet. Er war der Cousin väterlicherseits von Hazrat Dschuwairiya (möge Allah mit ihr zufrieden sein) und unter dem Namen Dhu asch-Schufar bekannt.² Ihr Vater al-Harith und ihr Ehemann Musafi waren beide erbitterte Feinde des Islam. Später begab sich ihr Vater zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) und nahm den Islam an.³

Der Krieg gegen die Banu al-Mustaliq:

„Musṭaliq“ war der Beiname eines Mannes namens Juzayma ibn Saʿd aus dem Stamm Banū Chuzāʿa. Der Name eines Wasserbrunnens des Stammes Banū Chuzāʿa lautet „al-Muraisīʿ“. Während des Feldzugs gegen Banū Musṭaliq schlug der ehrwürdige Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) mit seinem Heer an diesem Brunnen sein Lager auf. Daher ist dieser Feldzug in der Geschichte als „Feldzug gegen Banū Musṭaliq“ oder als „Schlacht von al-Muraisīʿ“ bekannt. Dieser Feldzug fand im Schaʿbān des fünften Jahres nach der Hidschra statt. Einige nennen allerdings auch das sechste Jahr.⁴ Das scheint jedoch nicht richtig zu sein.

Im fünften Jahr nach der Hidschra erfuhr der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), dass al-Hārith ibn Dirār, der Anführer von Banū al-Muṣṭaliq, auf Anstiften der Quraisch von Mekka begonnen hatte, mit einem aus seinen eigenen Leuten und Angehörigen anderer arabischer Stämme gebildeten Heer einen Angriff auf Medina vorzubereiten. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) entsandte Burayda ibn al-Ḥuṣayb al-Aslamī (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm), um die Wahrheit dieser Nachricht zu überprüfen. Als dieser dort eintraf und unmittelbar mit al-Hārith sprach, erkannte er, dass die Nachricht zutraf. Sofort kehrte er zurück und berichtete dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) von der tatsächlichen Lage. Ohne Zeit zu verlieren, befahl der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) den Gefährten, sich für den Feldzug zu rüsten.

Das Heer wurde bereitgestellt. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) setzte Zayd ibn Hāritha (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm), nach anderer Auffassung Abū Dharr al-Ghifārī, als seinen Stellvertreter in Medina ein und zog selbst an der Spitze des Heeres los. In einigen Überlieferungen wird auch berichtet, dass Numayla ibn ʿAbdallāh al-Laythī als Statthalter in Medina zurückgelassen wurde. Jedenfalls brach er am 2. Schaʿbān des fünften Jahres nach der Hidschra von Medina auf und machte Halt bei al-Muraisīʿ, neun Tagesmärsche von Medina entfernt.

Alle Nachrichten erreichten das unter der Führung al-Hāriths versammelte Heer der Ungläubigen. Sie gerieten in Angst. Die anderen arabischen Stämme zerstreuten sich angesichts des Widerstands jeder in ihre Richtung. Nur die Angehörigen seines Stammes blieben bei al-Hārith. Sie stellten sich in Reihen auf und hielten das muslimische Heer lange Zeit auf, indem sie Pfeile und Speere schossen. Schließlich griff das muslimische Heer plötzlich geschlossen an und besiegte das feindliche Heer. Der Anführer al-Hārith floh.

Elf ungläubige Soldaten wurden getötet, während alle übrigen gefangen genommen wurden. Kein Soldat des muslimischen Heeres erlitt den Märtyrertod. Allerdings wurde versehentlich ein Mann namens Hischām ibn Ṣubāba durch ʿUbāda ibn aṣ-Ṣāmit (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) getötet. Insgesamt wurden etwa 600 Männer, Frauen und Kinder der Gegenseite gefangen genommen. Außerdem erbeutete das muslimische Heer zweitausend Kamele und fünftausend Ziegen und Schafe als Ganīma (Kriegsbeute).⁵

Unter diesen Kriegsgefangenen befand sich auch Juwayriya (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr). Ibn Isḥāq hat dies überliefert, und ihre Überlieferung wurde auch in einigen Hadith-Werken aufgenommen. Alle Kriegsgefangenen wurden zu Sklaven und Sklavinnen erklärt und unter den am Feldzug beteiligten Soldaten verteilt. Juwayriya (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) fiel Sābit ibn Qays (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm), nach anderer Auffassung dessen Cousin, zu. Sie war die Tochter des Stammesführers. Außerdem besaß sie ein ausgeprägtes Ehrgefühl, ein sanftes Wesen sowie Schönheit und Anmut. Das Leben als Sklavin konnte sie nicht akzeptieren. Sie bat Sābit ibn Qays (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) um einen Mukātaba-Vertrag. Sābit (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) schloss mit ihr gegen neun Uqiyya Gold einen „Mukātaba“- oder Freilassungsvertrag. Doch woher sollte Juwayriya (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) eine solche Summe aufbringen? Sie beschloss, die nötige Summe zu sammeln, indem sie die Menschen um Hilfe bat.

Nachdem der ehrwürdige Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) die Beute verteilt hatte, trat Juwayriya (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) vor ihn und sagte: „O Gesandter Allahs! Ich komme zu dir, nachdem ich den Islam angenommen habe. Aschhadu an lā ilāha illallāhu wa aschhadu annaka rasūluhu. Ich bin die Tochter des Stammesführers al-Hārith ibn Dirār. Ich wurde vom muslimischen Heer gefangen genommen und fiel Sābit ibn Qays zu. Sābit hat mit mir einen Mukātaba-Vertrag geschlossen. Doch ich bin nicht in der Lage, die vereinbarte Summe zu bezahlen. Ich bin mit der Hoffnung zu dir gekommen, dass du mir hilfst, die vertraglich festgelegte Summe zu entrichten.“ Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) fragte: „Hoffst du nicht auf etwas Besseres als das?“ – „Was ist das?“, fragte sie. Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Ich bezahle die gesamte vertraglich vereinbarte Summe für dich und heirate dich.“ Über diesen unerwarteten Antrag war Juwayriya (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) überaus glücklich und erklärte sich einverstanden. Daraufhin ließ der ehrwürdige Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) Sābit holen, übergab ihm die vertraglich vereinbarte Summe und befreite Juwayriya (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) aus der Sklaverei. Danach heiratete er sie und verlieh ihr den Rang einer freien Ehefrau. Ibn Isḥāq hat das Ereignis so überliefert.⁶

In einer anderen Überlieferung heißt es, dass Juwayriyas (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) Vater al-Hārith einer der bedeutendsten Anführer Arabiens war. Als seine Tochter vom muslimischen Heer gefangen genommen wurde, kam er zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und sagte: „Meine Tochter kann keine Sklavin werden. Mein Rang steht weit über der Sklaverei. Befreie sie bitte.“ Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Wäre es nicht besser, die Angelegenheit Juwayriyas eigener Entscheidung zu überlassen?“ Al-Hārith ging zu seiner Tochter Juwayriya und sagte: „Muhammad hat dir die Entscheidung freigestellt. Sieh zu, dass du mich nicht beschämst.“ Juwayriya sagte zu ihrem Vater: „Ich ziehe es vor, beim Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu bleiben.“ Daraufhin heiratete der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sie.⁷

Ibn Saʿd erwähnt in seinem Werk at-Tabaqāt außerdem, dass ihr Vater selbst ihr Lösegeld entrichtete. Als sie vollständig frei geworden war, heiratete der Gesandte Allahs (صلى الله عليه وسلم) sie mit ihrer Zustimmung.

Als sich die Nachricht von der Heirat unter den muslimischen Glaubenskämpfern verbreitete, sagten sie: „Banū al-Mustaliq sind nun die geehrten Schwiegerverwandten des Gesandten Allahs (صلى الله عليه وسلم). Menschen aus einer Familie, in die der Gesandte Allahs (صلى الله عليه وسلم) eingeheiratet hat, können niemals Sklaven und Sklavinnen sein.“ Danach berieten sie sich und ließen gemeinsam sämtliche Gefangenen frei.⁸

Ibn al-Athīr schrieb, dass bei dieser Gelegenheit alle Gefangenen aus einhundert Häusern der Banū al-Mustaliq freigelassen wurden. Imām Abū Dāwūd und Imām Aḥmad überlieferten von ʿĀʾischa (رضي الله عنها). Sie sagte:⁹

Es wird auf Arabisch sein.

„Ich habe keine Frau gesehen, die für ihr Volk segensreicher gewesen wäre als Juwayriya.“

Ibn Isḥāq sagte, „einhundert Häuser“ bedeute nicht einhundert Menschen. Denn ihre Zahl betrug mehr als siebenhundert. „Einhundert Häuser“ bedeutet vielmehr die Menschen aus einhundert Häusern.¹⁰

Ibn al-Athīr und andere haben das Ereignis auch folgendermaßen überliefert: Juwayriya (رضي الله عنها) hatte begonnen, als Ehefrau des Gesandten Allahs (صلى الله عليه وسلم) mit ihm zusammenzuleben. Ihr Vater Hārith wusste davon nichts. Um seine Tochter freizukaufen, belud er mehrere Kamele mit Lösegeld und Wertgegenständen und machte sich auf den Weg nach Medina. Unterwegs erreichte er das ʿAqīq-Tal und ließ die Kamele zum Weiden frei. Unter diesen Kamelen waren zwei, die er besonders liebte. Deshalb versteckte er die beiden an einem geheimen Ort. Danach gelangte er nach Medina zum Hof des Gesandten Allahs (صلى الله عليه وسلم) und sagte: „

„Sie haben meine Tochter gefangen genommen und hierher gebracht. Hier ist ihr Lösegeld; geben Sie ihr die Erlaubnis, mit mir zu gehen.“

Daraufhin begann er, alles, was er an Geld, Vermögen, Kamelen und dergleichen mitgebracht hatte, eines nach dem anderen vorzulegen. Da fragte ihn der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm): „Wo sind jene beiden Kamele, die du im Tal von Aqīq zurückgelassen hast?“

Über diese Mitteilung des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) war al-Hārith zutiefst erstaunt. Sofort sprach er das Glaubensbekenntnis und wurde Muslim. Dann erfuhr er, dass diejenige, zu deren Befreiung er herbeigeeilt war, inzwischen zum Schmuck des Hauses des Propheten geworden war. Über dieses Glück seiner Tochter war er überaus erfreut und besuchte sie mit großer Freude. Danach machte er sich frohen Herzens mit ihr auf den Weg zum Wohngebiet seines eigenen Stammes.¹¹

Al-Wāqidī überlieferte dies über ʿUrwa. Juwayriya (möge Allah mit ihr zufrieden sein) sagte: „Drei Tage vor der Ankunft des Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sah ich im Traum, wie der Mond aus Richtung Yasrib herbeieilte und in meinen Schoß fiel. Ich hielt es nicht für angebracht, irgendjemandem davon zu erzählen. Danach kam der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Als ich gefangen genommen wurde, hoffte ich, dass mein Traum sich erfüllen würde. Dann befreite und heiratete mich der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Ich erzählte niemandem aus meinem Stamm von diesem Traum. Ich wusste überhaupt nichts von der Ankunft des Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), bis eine meiner Cousinen mir davon berichtete. Danach pries ich Allah, den Erhabenen.¹² Imām Muslim nahm eine Überlieferung von Ibn ʿAbbās (möge Allah mit ihm zufrieden sein) auf. Er sagte:¹³

Auf Arabisch lautet es:

– „Der ursprüngliche Name von Juwayriya (möge Allah mit ihr zufrieden sein) war Barra. Nach der Heirat änderte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ihren Namen in Juwayriya.“ Da der ursprüngliche Name einen gewissen Anschein von Selbstlob enthielt, sah der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) darin einen Hinweis auf etwas Unheilvolles und Schlechtes. Deshalb missbilligte er ihn. In einer Überlieferung von Ibn ʿAbbās (möge Allah mit ihm zufrieden sein) heißt es:¹⁴

Auf Arabisch lautet es:

– „Er missbilligte es, dass sie Barra genannt wurde. Daher ging er von ihr fort.“

Allah, der Erhabene, hat im Heiligen Qurʾān gesagt:

Auf Arabisch heißt es:

– „Haltet euch nicht selbst für rein.“ Im Grunde änderte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ihren Namen gerade im Hinblick auf diesen Vers.

Ibn Saʿd sagte über die Brautgabe von Juwayriya (möge Allah mit ihr zufrieden sein):15

Auf Arabisch heißt es:

– Die Freilassung jedes einzelnen Gefangenen der Banū al-Muṣṭaliq wurde als ihre Brautgabe festgesetzt.

Als Juwayriya (möge Allah mit ihr zufrieden sein) den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) heiratete, war sie gerade einmal zwanzig Jahre alt. ʿĀʾisha (möge Allah mit ihr zufrieden sein) hielt sie bereits beim ersten Anblick für ausgesprochen schön und empfand ihre Art und ihr Auftreten als besonders liebenswürdig. Als ʿĀʾisha (möge Allah mit ihr zufrieden sein) ihre Schönheit beschrieb, sagte sie:16

Auf Arabisch heißt es:

– Juwayriya vereinte Liebenswürdigkeit und Anmut in sich. Jeder, der sie sah, gewann sie sofort lieb.

Imam adh-Dhahabi sagt:17

Auf Arabisch lautet es

„Sie war eine der schönsten Frauen.“

Sie war eine Frau von sehr ausgeprägter Persönlichkeit. Sie besaß ein grenzenloses Selbstwertgefühl. Der Beweis dafür war ihre Unruhe und ihr unermüdliches Bemühen, sich aus der Sklaverei zu befreien. Den weltlichen Genüssen und dem Luxus gegenüber war sie unbeteiligt, während sie sich ganz der Anbetung Allahs widmete. Aus mehreren Überlieferungen des Hadith ist bekannt, dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu ihr kam und sie mit Tasbih und Tahlil beschäftigt vorfand.

Als der Kalif Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) die Stipendien einführte, setzte er für alle Ehefrauen des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) mit Ausnahme von Safiyya (möge Allah mit ihr zufrieden sein) und Juwayriya (möge Allah mit ihr zufrieden sein) jeweils zwölftausend fest. Für diese beiden setzte er jeweils sechstausend fest. Er tat dies, weil sie zu einem Abschnitt ihres Lebens Sklavinnen gewesen waren. Doch sie reagierten empört auf Umars (möge Allah mit ihm zufrieden sein) Verhalten und erklärten, dass sie das Stipendium nicht annehmen würden. Sie forderten Gleichbehandlung. Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) musste ihrer Forderung nachkommen. In einer anderen Überlieferung wird auch Maymuna (möge Allah mit ihr zufrieden sein) erwähnt; außerdem ist dort von zehntausend statt zwölftausend die Rede.18

Eines Morgens sah der edle Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), dass Juwayriya (möge Allah mit ihr zufrieden sein) in der Moschee saß und Bittgebete sprach. Er ging fort. Als er gegen Mittag zurückkam und sie noch immer im selben Zustand vorfand, sagte er: „Befindest du dich immer in diesem Zustand?“ Sie antwortete in derselben Haltung: „Ja.“ Darauf sagte der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm): „Soll ich dich nicht einige Worte lehren, die besser und bedeutender sind als diese freiwillige Anbetung von dir?“ Dann lehrte er sie dieses Bittgebet:19

Auf Arabisch lautet es

Allerdings gibt es in verschiedenen Überlieferungen auch einige Abweichungen.

In einer Überlieferung von Ibn Saʿd heißt es: An einem Freitag kam der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu Juwayriya (r.a.). An jenem Tag fastete Juwayriya (r.a.). Da er es nicht mochte, dass jemand nur an einem einzigen Tag fastete, fragte er sie: „Hast du gestern gefastet?“ Sie antwortete: „Nein.“ Er fragte erneut: „Beabsichtigst du, morgen zu fasten?“ Sie antwortete: „Nein.“ Da sagte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm): „Dann brich dein Fasten und iss.“20

Der ehrwürdige Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) liebte sie zutiefst. Er kam ständig zu ihr nach Hause und ging wieder fort. Einmal kam er zu ihr und fragte: „Gibt es etwas zu essen?“ Sie antwortete: „Meine Dienerin hatte mir etwas Fleisch von einer Almosenspende gegeben; das ist alles, was ich habe. Außerdem gibt es nichts.“ Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Bring es her. Denn die Almosenspende ist bei demjenigen angekommen, für den sie bestimmt war.“21

Juwayriya (r.a.) überlieferte sieben Hadithe vom Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Von diesen überlieferte Imam al-Buchari einen und Muslim zwei Hadithe.22 Zu den bedeutendsten Personen, die von ihr Hadithe hörten, gehören Ibn Abbas, Jabir, Ibn Umar, Ubaid ibn as-Sabbaq, Tufail, Abu Ayyub al-Muraghi, Mujahid, Kuraib, Kulthum ibn Mustaliq, Abdallah ibn Schaddad ibn al-Had und andere.23

Als Juwayriya (r.a.) im fünften Jahr der Hidschra den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) heiratete, war sie zwanzig Jahre alt. Nach der zutreffenden Ansicht verstarb sie im Monat Rabi al-awwal des Jahres 50 nach der Hidschra in Medina. Sie war damals 65 Jahre alt. Marwan, der damalige Gouverneur von Medina, leitete das Totengebet. Ihr Grab befindet sich auf dem Friedhof al-Baqiʿ in Medina. Nach einer Überlieferung von Muhammad ibn Umar starb sie im Jahr 56 nach der Hidschra.24

Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) bestimmte für den Lebensunterhalt von Juwayriya (r.a.) achtzig Wasq Datteln aus den Erträgen von Chaibar sowie zwanzig Wasq Gerste – nach einer anderen Auffassung Weizen.25

Jabir (r.a.) überlieferte: Einmal sagte Juwayriya (r.a.) zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm): „Ich möchte diesen Sklaven freilassen.“ Er sagte: „Gib ihn deinem Onkel mütterlicherseits, der auf dem Land lebt. Er wird sich um ihn kümmern. Dafür wirst du größeren Lohn erhalten.“26

Nach dem Tod des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) lebte Juwayriya (r.a.) noch lange weiter. Über ihre Tätigkeiten in dieser Zeit ist jedoch nichts Ausführlicheres bekannt.

Umm Habiba (r.a.)

Umm al-Mu’minin Hazrat Umm Habiba (r.a.) war die Tochter des Quraisch-Führers Hazrat Abu Sufyan (r.a.). Vor dem Islam waren in Mekka drei Männer unter den Quraisch besonders einflussreiche Führer: ‘Utba, Abu Dschahl und Abu Sufyan. Das militärische Banner der Quraisch, „Uqab“ genannt, befand sich in Abu Sufyans Besitz. Er war ein bedeutender Kaufmann. Er entsandte Handelskarawanen nach Scham, Rom und in das persische Reich. Bisweilen reiste er selbst mit den Karawanen. Der eigentliche Name dieses Abu Sufyan war Sakhr ibn Harb.¹

Eine Tochter Abu Sufyans war Zaynab. Sie heiratete Daud ibn ‘Urwa ibn Mas’ud ath-Thaqafi aus Ta’if.² Die beiden anderen Töchter heirateten die beiden Brüder der Umm al-Mu’minin Hazrat Zaynab bint Dschahsch (r.a.). Fari’a heiratete Abu Ahmad ibn Dschahsch, und Umm Habiba heiratete Ubaidullah ibn Dschahsch. Ein Sohn Abu Sufyans war Hazrat Mu’awiya (r.a.), mit dem es zu Auseinandersetzungen und Kämpfen mit dem Befehlshaber der Gläubigen Hazrat Ali (r.a.) kam. Yazid, der Sohn dieses Mu’awiya (r.a.), ließ den Enkel des Gesandten Allahs (s.a.w.), Hazrat Imam Husain (r.a.), in Kerbela als Märtyrer töten. Mu’awiya (r.a.) begründete das umayyadische Kalifat.

Abu Sufyans Ehefrau Hind bint ‘Utba biss auf dem Schlachtfeld von Uhud die Leber des Onkels des Gesandten Allahs (s.a.w.), Hazrat Hamza (r.a.). Hind war die Mutter von Hazrat Mu’awiya (r.a.). Eine andere Ehefrau Abu Sufyans, Safiyya bint Abil-‘As, war die Mutter der Umm al-Mu’minin Hazrat Umm Habiba (r.a.). Mu’awiya (r.a.) war der Halbbruder von Umm Habiba (r.a.). Umm Habibas Mutter Safiyya war die Tante väterlicherseits des dritten Kalifen, Hazrat Uthman ibn Affan (r.a.). Umm Habiba (r.a.) wurde siebzehn Jahre vor dem Beginn der Prophetenschaft des Gesandten Allahs (s.a.w.) in Mekka geboren.³

Abu Sufyan, seine Ehefrau Hind und die meisten Angehörigen seiner Familie nahmen bei der Eroberung Mekkas den Islam an. Doch Abu Sufyan konnte damals noch kein aufrichtiger Muslim werden. Er gehörte zu den Mu’allafat al-qulub. Einige Gelehrte schreiben, dass er später ein guter Muslim wurde.⁴

Obwohl die Familie väterlicherseits bis zur Eroberung Mekkas dem Islam feindlich gegenüberstand, nahmen die Familien der Ehemänner von Umm Habiba (r.a.) und Fari’a (r.a.) bereits in der Frühzeit des Islam den Islam an. Auch sie nahmen gemeinsam mit ihren Ehemännern den Islam an.

Hazrat Umm Habiba (r.a.) wanderte gemeinsam mit ihrem Ehemann Ubaidullah ibn Dschahsch nach Abessinien aus, um den Misshandlungen durch die Götzendiener von Mekka zu entgehen. Auf dem Boden Abessiniens wurde Ubaidullahs Tochter Habiba geboren. Ibn Sa’d überliefert jedoch nach einer Quelle von al-Waqidi, dass Habiba bereits vor der Auswanderung nach Abessinien in Mekka geboren wurde.⁵ Nach dieser Tochter erhielt sie den Beinamen Umm Habiba. Ihr eigentlicher Name Ramla geriet in Vergessenheit, und sie wurde unter diesem Beinamen berühmt.⁶

Einige Zeit nach ihrer Ankunft in Abessinien sagte ihr Ehemann Ubaidullah dem Islam ab und nahm das Christentum an. Vor seinem Abfall vom Glauben sah Hazrat Umm Habiba (r.a.) ihren Ehemann einmal im Traum in einer entsetzlichen Gestalt. Sie erschrak und dachte bei sich, dass ihm gewiss ein schlimmes Schicksal bevorstehe. Am nächsten Morgen sagte Ubaidullah zu ihr: „Umm Habiba! Ich habe gründlich über die Religion nachgedacht. Keine Religion erschien mir besser als das Christentum. Obwohl ich Muslim geworden war, werde ich nun Christ.“ Hazrat Umm Habiba (r.a.) tadelte ihren Ehemann eindringlich wegen seines Abweichens vom rechten Weg und erzählte ihm auch von ihrem Traum. Doch nichts half. Er blieb Christ. So kam es zur Trennung zwischen ihnen. Ubaidullah begann nun, ein zügelloses Leben zu führen. Eines Tages starb er, nachdem er im Zustand starken Rausches gestürzt war. Einer anderen Überlieferung zufolge ertrank er betrunken im Meer.⁷ Umm Habiba (r.a.) berichtete außerdem: „Ich sah, dass jemand mich mit ‚O Mutter der Gläubigen!‘ anrief. Ich erschrak. Ich deutete dies dahin, dass der Gesandte Allahs (s.a.w.) mich heiraten würde.“⁸

Nach der Trennung lebte Hazrat Umm Habiba (r.a.) mit ihrer Tochter Habiba weiterhin in Abessinien. Diese Nachricht erreichte in Medina den Gesandten Allahs (s.a.w.). Nachdem Umm Habibas (r.a.) Wartefrist abgelaufen war, sandte der Gesandte Allahs (s.a.w.) von Medina aus ‘Amr ibn Umayya ad-Damri (r.a.) mit einem Brief und vierhundert Dinar als Brautgabe zu an-Nadschaschi, dem Herrscher von Abessinien. In dem Brief schrieb er an an-Nadschaschi: „Schließe für mich die Eheschließung mit Umm Habiba.“ Sobald an-Nadschaschi den Brief erhalten hatte, schickte er seine Dienerin Abraha zu Umm Habiba, um ihr den Heiratsantrag zu überbringen. Er ließ ihr außerdem ausrichten: „Der Gesandte Allahs (s.a.w.) hat mir geschrieben, ich solle deine Heirat arrangieren. Bestimme nun für die Durchführung dieser Eheschließung einen Vertreter deiner Seite.“ Hazrat Umm Habiba (r.a.) schenkte Abraha für die Überbringung dieser frohen Nachricht zwei silberne Armreifen, Ohrringe und einen verzierten Ring. Ihren Cousin Khalid ibn Sa’id ibn Abil-‘As ernannte sie zu ihrem Vertreter und schickte ihn zu an-Nadschaschi.⁹

Am Abend ließ der Nadschaschi den in Abessinien lebenden Hadhrat Dschafar ibn Abi Talib und die übrigen ehrwürdigen Gefährten zu sich an den Hof rufen und vollzog die Eheschließung in ihrer aller Anwesenheit.¹⁰ Der Nadschaschi selbst hielt die Traupredigt und übergab die Brautgabe von vierhundert Dinar im Namen des Gesandten Allahs an Khalid ibn Said. Als die Anwesenden nach der Zeremonie gerade aufzubrechen im Begriff waren, hielt Khalid ibn Said sie zurück und sagte: „Es gehört zur Sunna beziehungsweise zum Brauch der Propheten, nach der Eheschließung ein Mahl zu geben.“ Danach bewirtete er alle und verabschiedete sie.¹¹ Über die Höhe der Brautgabe bei dieser Eheschließung gibt es verschiedene Überlieferungen. In einer Überlieferung des Mustadrak ist von viertausend Dinar die Rede. In einer Überlieferung von Abu Dawud werden viertausend Dirham genannt. Ibn Abi Chaythama überlieferte von Imam Zuhri vierzig Uqiyya. Allama Zurqani erklärte jedoch die Überlieferung von vierhundert Dinar für glaubwürdiger.¹²

Als die Brautgabe Hadhrat Umm Habiba erreichte, wollte sie ihrer Sklavin Abraha fünfzig Dinar davon geben. Abraha lehnte jedoch ab und sagte: „Der Nadschaschi hat mir verboten, dies anzunehmen.“ Auch alles, was Umm Habiba ihr zuvor gegeben hatte, gab sie zurück. Nach der Eheschließung schickte der Nadschaschi Umm Habiba zahlreiche Dosen Moschus, Ambra, Parfüm und andere Dinge als Geschenke. Diese Ereignisse überlieferte Hadhrat Umm Habiba selbst. Sie überlieferte außerdem, dass Abraha damals ihren Übertritt zum Islam bekanntgab und sie bat, dem Gesandten Allahs von ihrem Übertritt zum Islam zu berichten und ihm ihren Friedensgruß zu übermitteln. Umm Habiba sagte: „Als ich in Medina ankam, berichtete ich dem Gesandten Allahs alles über die Eheschließung, informierte ihn über all das Verhalten Abrahas und übermittelte ihm ihren Friedensgruß.“ Er lächelte sanft und sagte:

Es wird Arabisch sein.¹³

Diese Eheschließung von Umm Habiba mit dem Gesandten Allahs fand im Jahr 6, nach anderer Auffassung im Jahr 7 nach der Hidschra, statt. Damals war die Mutter der Gläubigen Umm Habiba vermutlich 36 oder 37 Jahre alt. Nach der Eheschließung schickte der Nadschaschi Umm Habiba zusammen mit einer Gruppe von Auswanderern unter der Führung von Shurahbil ibn Hasana, nach anderer Auffassung von Dschafar ibn Abi Talib,¹⁴ per Schiff nach Medina. Als diese Karawane Medina erreichte, hielt sich der Gesandte Allahs in Chaibar auf.¹⁵

Ibn Hazm behauptete, hinsichtlich der in Abessinien erfolgten Eheschließung Umm Habibas bestehe Konsens. Die Kenner der Sira seien sich in dieser Frage einig. In einer Überlieferung von Hadhrat Qatada und Imam Zuhri heißt es jedoch, dass diese Eheschließung Umm Habibas in Medina unter der Verwaltung von Uthman ibn Affan stattfand.¹⁶

Bei dieser Eheschließung wurde ein Walima veranstaltet, bei dem er den Gästen Fleisch zu essen gab. Einige Kenner der Sira sagten, möglicherweise seien nach ihrer Ankunft in Medina noch einmal eine Eheschließung und ein Walima veranstaltet worden.

In einer Überlieferung von Sahih Muslim heißt es, dass die Menschen Abu Sufyan, der nach der Eroberung von Mekka den Islam angenommen hatte, nicht wohlwollend betrachteten und auch seinen Umgang nicht schätzten. Daher bat er den Gesandten Allahs um drei Dinge. Der Gesandte Allahs gewährte ihm seine Bitten. Eines dieser drei Dinge war: Abu Sufyan sagte: „Für mich ist Umm Habiba das schönste Mädchen Arabiens. Heirate sie.“ Der Gesandte Allahs freute sich.¹⁷

Aus dieser Überlieferung wird ersichtlich, dass Umm Habiba bis zur Annahme des Islam durch Abu Sufyan noch nicht mit dem Gesandten Allahs verheiratet gewesen sei. Die Kenner der Sira sind der Ansicht, dass dies lediglich eine Vermutung des Überlieferers war. Daher wiesen Ibn Sad, Ibn Hazm, Ibn al-Dschauzi, Ibn al-Athir, Baihaqi, Abd al-Azim al-Mundhiri und andere Hadith-Gelehrte die oben angeführte Überlieferung von Muslim zurück. Viele erklärten diese Überlieferung dahingehend, dass Abu Sufyan im Grunde davon sprach, die Eheschließung ein zweites Mal förmlich zu vollziehen.¹⁸

Wir haben bereits erwähnt, dass unter den Sīra-Gelehrten Einigkeit darüber besteht, dass der Ehevertrag von Ummu Habība (ra) in Abessinien geschlossen wurde. Darüber hinaus ist in den Sīra-Werken ein weiteres Ereignis überliefert, das dies bestätigt. Gemäß einer Bestimmung des Friedensvertrags von al-Hudaibiyya schloss sich der in der Nähe von Mekka ansässige Stamm Chuzāʿa den Muslimen von Medina an. Daraufhin brachen die Quraisch diesen Vertrag und begannen, sie zu verfolgen. Die Angehörigen von Chuzāʿa baten den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) um Hilfe. Dadurch gerieten die Quraisch von Mekka in Sorge. Um den Friedensvertrag aufrechtzuerhalten, entsandten sie in ihrem Namen Abū Sufyān nach Medina. Als Abū Sufyān in Medina eintraf, ging er zunächst zu seiner Tochter, der Mutter der Gläubigen, Ummu Habība (ra). Als sie ihren Vater sah, faltete sie das Bett des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zusammen, sodass er sich nicht darauf setzen konnte. Abū Sufyān fragte seine Tochter: „Meine Tochter! Hast du das Bett zusammengefaltet, weil du es nicht für geeignet hältst, dass ich darauf sitze, oder weil du mich nicht für würdig hältst, auf dem Bett zu sitzen?“ Sie antwortete: „Dies ist das Bett des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Du aber bist ein Muschrik (Götzendiener) und unrein. Deshalb wollte ich nicht, dass du dich auf das Bett des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) setzt.“ Nachdem Abū Sufyān diese Worte seiner Tochter gehört hatte, stand er auf, ging zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und setzte sich zu ihm. Dann sagte er zu seiner Tochter:

Der arabische Wortlaut lautet:

„Seit ich dich verlassen habe, ist viel Schlechtes in dich eingedrungen.“19

Aus dem oben genannten Ereignis wird deutlich, dass Ummu Habība (ra) bereits lange vor dem Übertritt Abū Sufyāns zum Islam den Rang der Ehefrau des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) erlangt hatte. Außerdem wird in einer Überlieferung von Ibn Saʿd berichtet, dass die Nachricht von der Heirat Ummu Habības (ra) in Mekka Abū Sufyān erreichte. Damals war er ein Gegner und Feind des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Dennoch missbilligte er diese Heirat nicht. Er bemerkte:

Der arabische Wortlaut lautet:

„… eine so vornehme Verbindung, die man nicht zurückweisen kann.“20

Ummu Habība (ra) verstarb während der Herrschaft ihres Bruders, des Kalifen Amīr Muʿāwiya (ra), im Jahr 44, nach anderer Auffassung im Jahr 42 nach der Hidschra, in Medina. Sie wurde in Medina beigesetzt. Zum Zeitpunkt ihres Todes war sie 73 Jahre alt. Marwān leitete das Totengebet. Daher stiegen die Söhne ihrer Brüder und Schwestern in das Grab hinab und bestatteten sie.21 Über ihr Grab ist lediglich bekannt, dass es sich im Haus von ʿAlī (ra) befand. Von Imām Zain al-ʿĀbidīn (ra) wird überliefert, dass er sagte: „Einmal grub ich eine Ecke des Hauses von ʿAmr um. Dort fand ich eine Steininschrift. Darauf stand:“

Der arabische Wortlaut lautet:

„Das ist das Grab von Ramla bint Sakhr.“ Ich legte sie wieder dort ab. Aus dieser Überlieferung geht hervor, dass sich ihr Grab im Haus von Ali (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) befand.²² Sie reiste nach Damaskus, um ihren Bruder Hadrat Muʿawiya (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) zu besuchen. Es wird berichtet, dass sie dort starb und auch dort beigesetzt wurde. Imam adh-Dhahabi sagt jedoch, dies sei eine haltlose Behauptung; ihr Grab befinde sich in Medina.²³

Vor ihrem Tod ließ sie Hadrat ʿAischa (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) und Hadrat Umm Salama (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) zu sich rufen. Sie sagte zu ihnen: „Zwischen mir und euch bestand eine Beziehung, wie sie zwischen den Nebenfrauen eines Mannes besteht. Da ihr es so gewollt habt, habe auch ich es so bevorzugt. Betet für meine Vergebung.“ Als Hadrat ʿAischa (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) für ihre Vergebung betete, sagte sie erfreut:

Arabisch wird folgen

– Du hast mich erfreut; möge Allah dich erfreuen.²⁴

Mit ihrem ersten Ehemann hatte sie zwei Kinder, ʿAbdullah und Habiba. Habiba wuchs im Haus des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) unter seiner Obhut auf. Sie heiratete einen bedeutenden Führer des Stammes Thaqif.

Hadrat Umm Habiba (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) war außerordentlich schön. In Sahih Muslim wird die Aussage ihres Vaters Abu Sufyan folgendermaßen überliefert:

Arabisch wird folgen

Für mich ist Umm Habiba die schönste und anmutigste Tochter Arabiens.

In verschiedenen Hadith-Sammlungen sind fünfundsechzig (65) Hadithe von Hazrat Ummu Habiba (r.a.) überliefert. Davon sind zwei Hadithe von beiden Imamen als authentisch anerkannt, und zwei weitere hat Imam Muslim allein überliefert.25 Die Zahl der Überlieferer, die über ihre Überlieferungskette Hadithe überliefert haben, ist ebenfalls keineswegs gering. Zu den bedeutendsten unter ihnen zählen: Habiba (ihre Tochter), Muʿawiya, ʿUtba (die beiden Söhne Abu Sufyans), ʿAbdullah ibn ʿUtba, Abu Sufyan ibn Saʿid as-Saqafi, Salim ibn Sawwar, Abul-Dscharrāh, Safiyya bint Schaiba, Zainab bint Ummu Salama, ʿUrwa ibn az-Zubair, Abu Salih as-Sammān, Schahr ibn Hauschab, ʿAnbasa, Schutair ibn Schakal, Abul-Malih ʿAmir al-Hudschali und andere.26

Umm al-Muʾminin Hazrat Ummu Habiba (r.a.) war eine Frau von außerordentlich starkem Glauben. Wenn man bedenkt, welche Geduld, Standhaftigkeit und Umsicht sie gemessen an der Zeit, in der sie lebte, bewies, kann man nur staunen. Schon zu Beginn des Islam erkannte sie durch ihren Verstand und ihre Klugheit die Wahrheit und hielt an ihr fest. Was viele äußerst kluge Menschen jener Zeit nicht vermochten oder wofür sie lange Zeit benötigten, konnte sie ohne Weiteres vollbringen. Um der Wahrheit willen verließ sie ihre Eltern, ihre Geschwister und alle Verwandten und Freunde und wanderte aus. Der Ehemann, auf den sie sich stützte und für den sie alles aufgegeben hatte, verließ sie in der Fremde. Doch sie wich nicht im Geringsten von der Wahrheit ab. An ihrem Glauben hielt sie wie ein Berg fest. Wie groß muss die Kraft des Glaubens sein, die einen Menschen zu all dem befähigt? Wahrscheinlich verlieh Allah, der Erhabene, ihr gerade wegen dieses starken Glaubens als Belohnung in dieser Welt die erhabene Stellung der Umm al-Muʾminin.

Neben ihrem starken Glauben trug sie in ihrem Herzen auch eine grenzenlose Liebe zum Gesandten Allahs. Wie hoch und heilig sie den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) achtete, zeigt sich daran, dass sie ihrem polytheistischen Vater nicht erlaubte, sich auf das Bett des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu setzen. Sie sagte ihrem Vater offen ins Gesicht: „Du bist ein Polytheist und unrein. Ich möchte nicht, dass du dich auf das Bett des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) setzt und es verunreinigst.“ Das ist wahrer Glaube, das ist Liebe zu Allah und zu Seinem Gesandten.

So streng sie selbst die Hadithe des ehrwürdigen Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) befolgte, so nachdrücklich hielt sie auch andere dazu an, sie zu befolgen. Ihr Neffe Abu Sufyan ibn Saʿid ibn al-Mughira kam einmal zu Besuch. Er aß Sattu und spülte sich nur den Mund aus. Da sagte Umm al-Muʾminin: „Du solltest die Gebetswaschung vollziehen, denn der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) hat gesagt: Wenn man etwas isst, das über dem Feuer zubereitet wurde, muss man die Gebetswaschung vollziehen.“27

Drei Tage nach dem Tod ihres Vaters Abu Sufyan (r.a.) ließ sie sich Parfüm bringen, strich es sich auf die Stirn und sagte:

Der arabische Wortlaut folgt

– Ich hörte den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagen: „Es ist keiner Frau, die an Allah und den Jüngsten Tag glaubt, erlaubt, um irgendeinen Verstorbenen länger als drei Tage zu trauern – ausgenommen um ihren einzigen Ehemann. Um ihren Ehemann soll sie vier Monate und zehn Tage trauern.“28

Einmal hörte sie den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagen: „Wer jeden Tag zwölf Rakʿat freiwilliges Gebet verrichtet, für den wird im Paradies ein Haus errichtet.“ Ummu Habiba sagte: „Seitdem verrichte ich es stets.“ Das hatte zur Folge, dass ihr Schüler und Bruder ʿUtba, ʿUtbas Schüler ʿAmir ibn ʿUwais und dessen Schüler Nuʿman ibn Salim dieses Gebet jeweils in ihrer eigenen Zeit stets verrichteten.

Von Natur aus war sie wahrhaftig. Einmal sagte sie zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm): „Heirate meine Schwester.“ Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) fragte: „Wünschst du das?“ Sie antwortete: „Warum sollte ich es nicht wünschen? Was für ein Schaden könnte daraus entstehen? Weder ich noch eine meiner Schwestern sollte daran gehindert werden, die andere in guten Verhältnissen zu sehen.“

Allāma adh-Dhahabī sagt über ihre Vorzüglichkeit: Keine der Ehefrauen des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) war ihm hinsichtlich der Abstammung näher als sie. Keine seiner Ehefrauen hatte eine höhere Brautgabe als sie. Und keine seiner Ehefrauen heiratete er, während sie sich weiter von ihm entfernt aufhielt als sie.29

Hadhrat Ibn ʿAbbās (r.a.) sagte: Als der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) Hadhrat Umm Habība (r.a.) heiratete, wurde der folgende Vers offenbart:30

Wird auf Arabisch lauten

– „Vielleicht wird Allah zwischen euch und denen, die euch feindlich gesinnt sind, Freundschaft entstehen lassen.“ (Sure al-Mumtahina, 7)

Maymūna bint al-Hārith (r.a.)

Nach Umm al-Muʾminīn Hadhrat Hafsa (r.a.) heiratete der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) Hadhrat Maymūna bint al-Hārith al-Hilāliyya (r.a.). Sie war diejenige Frau, die der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) als Letzte heiratete – dies berichtet Ibn Saʿd. Ihr Vater war al-Hārith ibn Hayn und ihre Mutter Hind bint ʿAwf.1

Hadhrat Maymūna (r.a.) war eine Tochter des Stammes Quraisch. Sie war mit vielen angesehenen und vornehmen Familien Arabiens verwandt. Ihre Schwester Umm al-Fadl Lubāba al-Kubrā war die Ehefrau von Hadhrat ʿAbbās (r.a.). Ihre sechs Söhne – al-Fadl, ʿAbdullāh, ʿUbaydullāh, Maʿbad, Qutham und ʿAbd ar-Rahmān – waren berühmte Kinder des Islams. Ihre zweite Schwester Lubāba as-Sughrā war die Mutter von Hadhrat Khālid ibn al-Walīd (r.a.). Ihre dritte Schwester Bayḍāʾ war die Mutter von Yazīd ibn al-Aṣamm. Der Name ihrer vierten Schwester Umm Hafīd war Huzayla. Im Werk al-Muwaṭṭaʾ berichtet Imām Mālik (möge Allah ihm barmherzig sein) ausführlich, während al-Bukhārī und Muslim dies etwas kürzer überliefern, dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) einmal das Haus von Hadhrat Maymūna (r.a.) besuchte. Dort waren Hadhrat ʿAbdullāh ibn ʿAbbās (r.a.) und Hadhrat Khālid ibn al-Walīd anwesend. Vor ihm wurde das Fleisch einer Wüstenwaran-Echse aufgetragen. Maymūna (r.a.) sagte: „Dieses Fleisch wurde von meiner Schwester Huzayla bint al-Hārith geschickt.“ Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) aß das Fleisch der Wüstenwaran-Echse nicht; die anderen jedoch aßen davon mit seiner Erlaubnis. Aus einer von Imām aṭ-Ṭaḥāwī überlieferten Überlieferung geht hervor, dass auch Hadhrat Maymūna (r.a.) nicht davon aß, weil der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) es nicht gegessen hatte.

Alle oben erwähnten Schwestern waren Halbgeschwister väterlicherseits. Im Werk „Mawahib al-Ladunniyya“ wird berichtet, dass Asma bint Umays, die Ehefrau von Jaʿfar ibn Abi Talib, seine Halbschwester mütterlicherseits war. Mit Jaʿfar ibn Abi Talib hatte sie drei Söhne namens Abdallah, Muhammad und Aun. Nachdem Jaʿfar ibn Abi Talib in der Schlacht von Muʾta den Märtyrertod erlitten hatte, heiratete Abu Bakr as-Siddiq sie; aus dieser Ehe wurde Muhammad ibn Abi Bakr geboren. Nach dem Tod Abu Bakrs heiratete Ali ibn Abi Talib Asma. Aus dieser Ehe gingen zwei Söhne namens Yahya und Aun hervor. Eine weitere Halbschwester mütterlicherseits von Maymuna, Salma bint Umays, war die Ehefrau von Hamza. Ihre andere Halbschwester, Salama bint Umays, blieb Nichtmuslimin.²

Heirat

Maymuna heiratete zuerst Masʿud ibn Amr ibn Umair ath-Thaqafi. Diese Überlieferung findet sich in den Tabaqat, bei Zurqani und in anderen Werken. Ibn Hadschar, der Verfasser von al-Isaba, erörtert jedoch nicht, wer ihr erster Ehemann war. Er sagt lediglich, dass sie vor ihrer Ehe mit dem Gesandten Allahs die Ehefrau von Abu Ruhm ibn Abd al-Uzza gewesen sei. Jedenfalls geht aus verschiedenen Überlieferungen hervor, dass sie nach ihrer Trennung von Masʿud ibn Amr Abu Ruhm heiratete. Als Abu Ruhm im siebten Jahr nach der Hidschra starb, erlangte sie den Rang einer Ehefrau des Gesandten Allahs. Sie war die letzte Ehefrau des Gesandten Allahs. Nach ihr erhob der Gesandte Allahs keine weitere Frau in den Rang einer Ehefrau.³

Die Ehe von Maymuna mit dem Gesandten Allahs wurde unter der Vormundschaft von Abbas ibn Abd al-Muttalib geschlossen. Als der Gesandte Allahs sich im siebten Jahr nach der Hidschra zur Verrichtung der Umrat al-Qadaʾ nach Mekka aufmachte, schickte er Jaʿfar ibn Abi Talib mit dem Heiratsantrag zu Maymuna, die sich in Mekka aufhielt. Sie ernannte ihren Schwager Abbas ibn Abd al-Muttalib zu ihrem Bevollmächtigten. Viele sind der Ansicht, dass Abbas selbst den Gesandten Allahs zu dieser Heirat ermutigte.⁴

Nach der Überlieferung Ibn Hischams überließ Maymuna die Entscheidung über ihre Heirat ihrer Schwester Umm al-Fadl. Diese überließ die Aufgabe ihrem Ehemann Abbas.⁵

Wie dem auch sei, während des Ihram-Zustands dieser Umra heiratete der edle Gesandte Allahs Maymuna im Monat Dhu al-Qaʿda des siebten Jahres nach der Hidschra gegen eine Brautgabe von fünfhundert – einer anderen Überlieferung zufolge vierhundert – Dirham.⁶ ⁷ Nach der Verrichtung der Umra machten sie auf dem Rückweg nach Medina an einem Ort namens Sarif Halt, sechs bis zwölf Meilen von Mekka entfernt. Unterdessen traf der Diener des Gesandten Allahs, Abu Rafiʿ, dort mit Maymuna ein. In dem für den Gesandten Allahs errichteten Zelt in Sarif vollzog Maymuna ihre Ehe mit dem Gesandten Allahs.⁸

Aus einer Überlieferung von Ibn Abbas geht hervor, dass Maymuna den Gesandten Allahs während der Verrichtung der Umra in Mekka heiratete. Anlässlich der Umra blieben sie dort drei Tage. Am dritten Tag kam Huwaytib ibn Abd al-Uzza mit einigen weiteren Quraischiten zum Gesandten Allahs und sagte: „Gemäß dem Vertrag von Hudaybiyya endet heute die Frist Ihres Aufenthalts. Verlassen Sie Mekka.“ Der Gesandte Allahs sagte: „Was wäre euch geschehen, wenn ihr mir noch etwas Zeit gewährt hättet? Ich hätte unter euch mit Maymuna die Ehe vollzogen und für euch ein Hochzeitsmahl bereitet.“ Sie erwiderten: „Wir benötigen dieses Essen von Ihnen nicht. Verlassen Sie Mekka.“⁹ Deshalb verließ der Gesandte Allahs Mekka eilig, begab sich nach Sarif und blieb dort. Dort verbrachte er seine Hochzeitsnacht mit Maymuna.

Der edle Gesandte Allahs heiratete Maymuna während der Zeit der Umrat al-Qadaʾ. Darin sind sich alle Experten der Sira einig. Unter den Rechtsgelehrten besteht jedoch eine heftige Meinungsverschiedenheit darüber, ob der Gesandte Allahs zum Zeitpunkt der Eheschließung im Ihram-Zustand oder bereits im erlaubten Zustand war.¹⁰

Ibn Hadschar (möge Allah ihm barmherzig sein) versuchte, diese unterschiedlichen Auffassungen miteinander in Einklang zu bringen, und sagte: Die Eheschließung fand im Ihram-Zustand statt, der eheliche Verkehr jedoch erst nach der Verrichtung der ʿUmra, als sie sich wieder im erlaubten Zustand befanden.¹¹

Als Hazrat ʿAischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) die charakterlichen Eigenschaften von Hazrat Maimuna (möge Allah mit ihr zufrieden sein) beschrieb, bemerkte sie:

Wird auf Arabisch sein

„Unter uns hatte Maimuna die größte Gottesfurcht und pflegte die Verwandtschaftsbande am gewissenhaftesten.“¹²

Sie war eine Frau mit einem äußerst reinen Glauben und lauteren Vorstellungen. Durch verschiedene Ereignisse wurde ihre klare Denk- und Glaubensweise deutlich. Einmal legte eine Frau, während sie krank war, ein Gelübde ab: Wenn Allah sie gesund machen würde, würde sie nach Bait al-Maqdis gehen und dort das Gebet verrichten. Durch Allahs Willen wurde sie gesund. Nun wollte sie ihr Gelübde erfüllen und nach Bait al-Maqdis reisen. Zu diesem Zweck kam sie zu Hazrat Maimuna (möge Allah mit ihr zufrieden sein), um sich zu verabschieden. Hazrat Maimuna (möge Allah mit ihr zufrieden sein) erklärte ihr, dass der Lohn für das Gebet in der Prophetenmoschee tausendmal größer sei als in anderen Moscheen. Daher solle sie nicht dorthin gehen, sondern hierbleiben.¹³

Von Zeit zu Zeit nahm sie Darlehen auf. Einmal hatte sie sich etwas mehr Geld geliehen. Da fragte jemand: „Wie willst du eine so große Schuld zurückzahlen?“ Sie antwortete: „Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) hat gesagt: Wer den festen Willen hat, eine Schuld zurückzuzahlen, dem begleicht Allah sie selbst.“¹⁴ Hazrat Maimuna (möge Allah mit ihr zufrieden sein) hatte ein starkes Verlangen danach, Sklaven freizulassen. Als sie einmal eine Sklavin freiließ, sagte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm): „Damit hast du großen Lohn erworben.“¹⁵

Bei den Geboten und Verboten der Scharia war sie äußerst streng. In dieser Hinsicht zeigte sie keinerlei Nachsicht. Einmal kam ein naher Verwandter von ihr zu Besuch. Aus seinem Mund roch es nach Alkohol. Sie wies ihn scharf zurecht und sagte ihm unmissverständlich, dass er nie wieder zu ihr kommen solle.¹⁶

Eine Sklavin von Hazrat Maimuna (möge Allah mit ihr zufrieden sein) ging einmal zum Haus von Hazrat Ibn Abbas (möge Allah mit ihm zufrieden sein) und sah, dass die Betten von ihm und seiner Frau ziemlich weit voneinander entfernt standen. Die Sklavin dachte, zwischen dem Ehepaar sei wahrscheinlich eine gewisse Verstimmung entstanden. Auf Nachfrage erfuhr sie jedoch, dass dies nicht der Fall war; vielmehr schlief Ibn Abbas (möge Allah mit ihm zufrieden sein) während der Menstruation seiner Frau in einem getrennten Bett. Die Sklavin kehrte zurück und berichtete der Mutter der Gläubigen, Maimuna (möge Allah mit ihr zufrieden sein), alles. Diese sagte zu ihr: „Geh und sag ihm: Warum missachtest du die Sitte und das Beispiel des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) so sehr? Er pflegte doch stets in unseren Betten zu ruhen.“¹⁷

Einmal kam Hadhrat Ibn Abbas (ra), um seine Tante Hadhrat Maimuna (ra) zu besuchen. Als sie sah, dass sein Kopfhaar und sein Bart ungeordnet waren, fragte sie ihn: „Mein Junge, warum siehst du so aus?“ Ibn Abbas antwortete: „Umm Ammar hat gegenwärtig ihre Menstruation. Sie pflegt mein Haar und macht es ordentlich.“ Hadhrat Maimuna (ra) sagte: „Oh, sehr gut! Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) pflegte mit seinem Kopf in unserem Schoß zu liegen und den Quran zu rezitieren, wenn wir uns in diesem besonderen Zustand befanden. In diesem Zustand hoben wir die Matte auf und brachten sie in die Moschee. Mein Junge, hast du etwas in der Hand?“18

Die Zahl der von Hadhrat Maimuna (ra) überlieferten Hadithe beträgt 46, nach einer anderen Meinung 76. Sieben davon sind von al-Bukhari und Muslim gemeinsam überliefert worden. Einen überlieferte al-Bukhari allein und fünf überlieferte Muslim allein. Die übrigen wurden in verschiedenen Hadith-Sammlungen zusammengetragen. Einige von ihr überlieferte Hadithe geben Aufschluss über ihr tiefes Wissen hinsichtlich der subtilen Wahrheiten der Scharia.

Zu denjenigen, die Hadithe von Hadhrat Maimuna (ra) hörten und überlieferten, gehören unter den bedeutendsten insbesondere:

Hadhrat Ibn Abbas (ra), Abdullah ibn Shaddad ibn al-Had, Abd ar-Rahman ibn as-Sa’ib, Yazid ibn Asam (sie alle waren die Söhne ihrer Schwester), Ubaydullah al-Khaulani, Nadba (eine Sklavin), Ata ibn Yasar, Musayman ibn Yasar, Ibrahim ibn Abdullah ibn Ma’bad ibn Abbas, Kuraib, Ubayda ibn Sibak, Ubaydullah ibn Abdullah ibn Utba, Aliya bint Subay und andere.19

Über das Todesjahr von Hadhrat Maimuna (ra) besteht erhebliche Meinungsverschiedenheit. In verschiedenen Überlieferungen werden die Jahre 51, 61, 63 und 66 nach der Hidschra genannt. Ibn Hadschar und die meisten Experten der Sira haben jedoch die Ansicht vertreten, dass das Jahr 51 nach der Hidschra die richtige Angabe ist.20 Zu den bemerkenswerten Ereignissen ihres Lebens gehört auch, dass sie etwa 44 Jahre, nachdem sie an dem Ort namens Sarif erstmals als Ehefrau des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) mit ihm zusammengekommen war, dort verstarb. Genau an dem Ort, an dem sie ihre Hochzeitsnacht mit dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) verbracht hatte, wurde sie auch bestattet.21

Es wird auch überliefert, dass sie zur Verrichtung der Hadsch nach Mekka ging. Nach Abschluss der Hadsch verstarb sie dort. Auf Anweisung von Hadhrat Ibn Abbas (ra) wurde ihr Leichnam auf den Schultern nach Sarif gebracht und dort bestattet.22

Hadhrat Ibn Abbas (ra) leitete das Totengebet. Ibn Abbas (ra), Abd ar-Rahman ibn Khalid ibn al-Walid, Abdullah ibn Shaddad ibn al-Had, Abdullah al-Khaulani und Yazid ibn al-Asamm senkten den Leichnam ins Grab. Als der Leichnam auf der Bahre getragen wurde, sagte Hadhrat Ibn Abbas (ra): „Vorsicht! Sie ist die Ehefrau des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm). Schüttelt sie nicht zu sehr. Tragt sie mit Achtung, denn sie ist eure Mutter.“23

Safiyya bintHuayy ibn Akhtab (ra)

Die Umm al-Mu’minin, Hadhrat Safiyya (möge Allah mit ihr zufrieden sein), Tochter von Huyayy ibn Akhtab, stammte über die Linie von Levi ibn Yaqub von Hadhrat Harun ibn Imran (Friede sei mit ihm) ab. Deshalb wurde sie Safiyya bint Huyayy al-Isra’iliyya genannt. Ihr Vater Huyayy ibn Akhtab gehörte dem berühmten jüdischen Stamm Banu an-Nadir in Medina an, und ihre Mutter Barra bint Samawal war eine Angehörige des jüdischen Stammes Banu Qurayza.¹

Der eigentliche Name von Hadhrat Safiyya (möge Allah mit ihr zufrieden sein) war Zaynab. Da sie nach der Schlacht von Khaybar als Kriegsbeute in den Besitz der Muslime gelangte und bei der Aufteilung dem Anteil des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zufiel – und man im damaligen Arabien die Kriegsbeute, die dem Anteil eines Anführers oder Königs zukam, „Safiyya“ nannte –, wurde Zaynab von da an unter dem Namen Safiyya bekannt, während ihr eigentlicher Name in Vergessenheit geriet. Der Verfasser des Werkes „Siyar as-Sahabiyyat“ hat dies nach al-Zurqani berichtet.²

Sowohl der Vater als auch der Großvater mütterlicherseits von Hadhrat Safiyya (möge Allah mit ihr zufrieden sein) waren hoch angesehene Anführer ihrer jeweiligen Familien. Unter den seit frühester Zeit im nördlichen Arabien lebenden Juden galten ihre beiden Familien – Banu Qurayza und Banu an-Nadir – als angesehener und würdevoller als alle anderen arabischen jüdischen Familien. Jeder Angehörige der Familie Ibn Akhtab wurde mit grenzenloser Achtung und Ehre betrachtet. Die arabischen Mitglieder des Stammes folgten seinen Befehlen und seiner Führung ohne jede Frage. Ihr Großvater Samawal war auf der gesamten Arabischen Halbinsel für seine Tapferkeit und seinen Mut berühmt. Kurz gesagt, Hadhrat Safiyya (möge Allah mit ihr zufrieden sein) besaß sowohl väterlicherseits als auch mütterlicherseits eine äußerst vornehme Abstammung.³

Heirat:

Salam ibn Mashkam von den Banu Qurayza war ein berühmter Dichter und Anführer. Mit ihm ging Hadhrat Safiyya (möge Allah mit ihr zufrieden sein) ihre erste Ehe ein. Diese Ehe hielt nicht. Nach der Scheidung heiratete sie Kinana ibn Abi al-Huqayq, den Neffen von Abu Rafi’, einem berühmten Kaufmann des Hidschas und einem der Anführer von Khaybar. Hinsichtlich Ansehen und Einfluss stand Kinana Salam in nichts nach. Er war der Anführer der äußerst berühmten Festung al-Qamus in Khaybar und ein bedeutender Dichter.⁴ Mit seiner Familie lebte er in dieser Festung. Als Khaybar nach einem heftigen, blutigen Krieg in den Besitz der Muslime gelangte und die Festung al-Qamus fiel, wurde Kinana, der Ehemann von Hadhrat Safiyya (möge Allah mit ihr zufrieden sein), im Inneren der Festung getötet, und Safiyya sowie die übrigen Mitglieder seiner Familie gerieten in muslimische Gefangenschaft. Unter ihnen befanden sich auch zwei Cousinen von Safiyya (möge Allah mit ihr zufrieden sein). Ibn Ishaq sagte, Safiyya (möge Allah mit ihr zufrieden sein) sei Kინanas junge Ehefrau gewesen. Ihre Hochzeit hatte erst wenige Tage zuvor stattgefunden.⁵

Dieser Krieg war für die Juden von Khaybar so verheerend, dass all ihre Hoffnungen und ihr Vertrauen wie Kampfer zerstoben und sie jede Fähigkeit verloren, künftig wieder aufzustehen. In diesem Krieg wurden all ihre namhaften und angesehenen Anführer getötet. Unter den Getöteten befanden sich auch der Vater und der Bruder von Hadhrat Safiyya (möge Allah mit ihr zufrieden sein). Deshalb war sie unter allen Kriegsgefangenen besonders des Mitleids und der Gunst würdig.

Als gemäß der Regel die Ghanīma (Kriegsbeute, also Kriegsbesitz und Sklaven) für die Verteilung unter den Mudschahidin vorbereitet und zu diesem Zweck alle Gefangenen versammelt worden waren, teilte Dihya al-Kalbi dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) mit, dass er eine Sklavin benötige. Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) erlaubte ihm, unter den gefangenen Frauen eine auszuwählen. Dihya (möge Allah mit ihm zufrieden sein) wählte Safiyya (möge Allah mit ihr zufrieden sein). Da Hadhrat Safiyya (möge Allah mit ihr zufrieden sein) hinsichtlich Rang und Ansehen über Dihya (möge Allah mit ihm zufrieden sein) stand, sagten einige Gefährten: „O Gesandter Allahs! Safiyya (möge Allah mit ihr zufrieden sein) ist die Anführerin der Banu an-Nadir und der Banu Qurayza. Sie ist deiner würdig.“ Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) nahm diesen Rat an. Er ließ Dihya al-Kalbi zusammen mit Safiyya zu sich rufen, forderte ihn auf, sich eine andere Sklavin auszuwählen, und behielt Safiyya (möge Allah mit ihr zufrieden sein) bei sich. Später befreite er sie aus der Sklaverei und heiratete sie.⁶ In Sahih al-Bukhari wird berichtet, dass ihre Befreiung aus der Sklaverei als ihre Mahr festgelegt wurde.

Es wird Arabisch sein

Imam asch-Schafiʿi berichtet in seinem Werk „Kitāb al-Umm“ über al-Wāqidī, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Dihya al-Kalbī anstelle von Safiyya, möge Allah mit ihr zufrieden sein, die Schwester ihres Ehemannes Kināna schenkte. Ibn Ishāq berichtet, dass der Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ihm Safiyyas Cousine schenkte. In Sahīh Muslim wird berichtet, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Safiyya, möge Allah mit ihr zufrieden sein, von Dihya im Austausch gegen sieben Gefangene erwarb.⁸ Allāma az-Zurqānī sagt, dass das Wort „erwerben“ hier nicht in seiner eigentlichen Bedeutung zu verstehen ist.⁹

Dies geschah im siebten Jahr nach der Hidschra. In einer Überlieferung von al-Buchārī heißt es, dass der Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, auf dem Rückweg von der Expedition nach Chaibar an einem Ort namens Sahbā Halt machte. Dort kämmte Umm Sulaim, möge Allah mit ihr zufrieden sein, die Mutter von Anas, möge Allah mit ihm zufrieden sein, Safiyyas, möge Allah mit ihr zufrieden sein, Haare, wechselte ihre Kleidung und parfümierte ihren Körper. Danach schickte sie sie zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Dort wurde die Ehe vollzogen, und dort fand auch das Hochzeitsmahl statt. Einige brachten Datteln, andere Fett, wieder andere Hais, also was immer sie an Lebensmitteln besaßen. Als alles zusammengetragen war, setzten sich alle gemeinsam zum Essen nieder. Das war im Wesentlichen das Hochzeitsmahl. Dieses Hochzeitsmahl wird in den beiden Sahīh-Werken von Anas, möge Allah mit ihm zufrieden sein, überliefert.¹⁰ In Sahbā verbrachte der Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, drei Tage mit Safiyya, möge Allah mit ihr zufrieden sein. In der ersten Nacht, in der die Ehe vollzogen wurde, hielt Abū Ayyūb al-Ansārī, möge Allah mit ihm zufrieden sein, ohne das Wissen des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die ganze Nacht mit einem gezückten Schwert in der Hand Wache am Eingang seines Zeltes. Als der Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ihn am Morgen nach dem Grund fragte, sagte er: „Der Vater, der Ehemann, der Bruder und alle nahen Verwandten dieser Frau sind getötet worden. Deshalb befürchtete ich, dass sie etwas Schlimmes tun könnte.“ Als der Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, dies hörte, lächelte er leicht und sprach ein Bittgebet für ihn.¹¹

Als er von Sahbā aufbrach, nachdem er Safiyya, möge Allah mit ihr zufrieden sein, auf sein Kamel gesetzt hatte, wussten die Menschen nicht, ob der Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ihr den Rang einer Ehefrau verliehen oder sie als Sklavin in seinen Besitz genommen hatte. Als der Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, diese Haltung der Menschen bemerkte, ließ er einen Vorhang anbringen und Safiyya, möge Allah mit ihr zufrieden sein, den Blicken der Menschen entziehen. Mit diesem Vorhang machte er im Grunde deutlich, dass Safiyya, möge Allah mit ihr zufrieden sein, keine Sklavin war, sondern den ehrwürdigen Rang einer Ehefrau erlangt hatte.¹² In manchen Überlieferungen heißt es, dass der Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, mit seinem eigenen Umhang einen Vorhang bildete. Auf dem Weg von Sahbā stolperte das Kamel, das den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und Safiyya, möge Allah mit ihr zufrieden sein, trug. Dadurch stürzten die beiden Reiter vom Rücken des Kamels. Allah der Erhabene bewahrte sie vor Verletzungen. Sofort sprang Abū Talha, möge Allah mit ihm zufrieden sein, von seinem Reittier und eilte zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und sagte: „O Prophet Allahs! Hast du dich verletzt?“ Er antwortete: „Nein. Kümmere dich um die Frau.“ Daraufhin bedeckte Abū Talha sein Gesicht mit einem Tuch, ging auf Safiyya, möge Allah mit ihr zufrieden sein, zu und warf ihr ein Tuch über. Safiyya, möge Allah mit ihr zufrieden sein, stand auf. Abū Talha machte sein Kamel bereit, und der Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, bestieg es mit Safiyya, möge Allah mit ihr zufrieden sein.

Beim Aufbruch von Sabā setzte die edle Safiyya, möge Allah mit ihr zufrieden sein, ihren Fuß auf das Knie des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und bestieg so den Rücken des Kamels.¹⁴

Jābir, möge Allah mit ihm zufrieden sein, sagte: „Als Safiyya, möge Allah mit ihr zufrieden sein, in das Zelt des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gebracht wurde, waren wir dort anwesend. Der Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: ‚Steht von eurer Mutter auf.‘ Am Abend gingen wir wieder hin. Der Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, kam zu uns. In seinem Umhang befanden sich damals etwa zwei Muddʿ Ajwa-Datteln. Er sagte zu uns: ‚Esst vom Hochzeitsmahl eurer Mutter.‘“¹⁵ Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Medina erreichte, brachte er Safiyya, möge Allah mit ihr zufrieden sein, im Haus des berühmten Gefährten al-Hārith ibn Nuʿmān, möge Allah mit ihm zufrieden sein, unter. Hārith, möge Allah mit ihm zufrieden sein, war ein aufopferungsvoller Gefährte des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Allah hatte ihm auch großen Reichtum geschenkt. Er dachte stets an die Bedürfnisse des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und eilte bei Bedarf unverzüglich zu Hilfe. Auch Safiyya überließ er sein Haus bereitwillig zum Wohnen. Nach dem Bericht von Umm Sinān as-Sulamiyya kamen, als die Ansar-Frauen von Safiyyas, möge Allah mit ihr zufrieden sein, Schönheit und Anmut hörten, Zaynab bint Dschahsch, Hafsa und Yāsar mit den Frauen der Ansar, um sie zu sehen. Auch ʿĀ’ischa, möge Allah mit ihr zufrieden sein, kam mit den Frauen der Ansar und zog dabei den Niqāb über ihr Gesicht. Als sie zurückging, folgte ihr der Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und fragte sie:

„O ʿĀ’ischa! Wie hast du sie gefunden?“

ʿĀ’ischa, möge Allah mit ihr zufrieden sein, sagte: „Ich habe sie gesehen; sie ist doch eine Jüdin.“ Der Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Sag so etwas nicht. Sie hat den Islam angenommen und ist eine gute Muslimin geworden.“¹⁶

Die Mutter der Gläubigen Safiyya, möge Allah mit ihr zufrieden sein, war eine äußerst standhafte Frau. Es ist nicht bekannt, dass sie in ihrem Leben jemals die Geduld verlor. Als die Festung al-Qamūs fiel und über ganz Chaibar die Fahne des Islam gehisst wurde, führte Bilāl, möge Allah mit ihm zufrieden sein, Safiyya, möge Allah mit ihr zufrieden sein, und ihre Cousinen zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Sie gingen dabei an den Leichen der Juden vorbei. Eine solche Situation ist gewöhnlich zutiefst erschütternd. Selbst das Herz eines überaus standhaften Menschen erzittert dabei. Deshalb stießen auch die Frauen, die sie begleiteten, beim Anblick dieser schrecklichen Szene Schreie aus. Sie rissen sich die Haare aus und hielten eine Totenklage. Doch seht den Zustand von Safiyya, möge Allah mit ihr zufrieden sein: Als Gefangene ging sie an der Leiche ihres geliebten Ehemannes vorbei, ohne auch nur im Geringsten erschüttert zu sein. Keine Regung war an ihr zu erkennen. Mit festen Schritten ging sie weiter. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, tadelte Bilāl, möge Allah mit ihm zufrieden sein, später dafür, dass er sie auf diese Weise an den Leichen ihrer Väter und Brüder vorbeigeführt hatte.¹⁷

Hadhrat Safiyyas Liebe zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) war grenzenlos. Als der Gesandte (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) im Haus von Hadhrat Aischa (Allah sei mit ihr zufrieden) auf dem Krankenbett seiner letzten Krankheit lag, versammelten sich eines Tages Safiyya (Allah sei mit ihr zufrieden) und die anderen Ehefrauen, um ihren Gatten zu besuchen und ihn zu pflegen. Eine Zeit lang sagte Hadhrat Safiyya (Allah sei mit ihr zufrieden) mit zutiefst schmerzerfülltem Herzen: „O Prophet Allahs! Ich wäre glücklich, wenn ich all diese Leiden an deiner Stelle ertragen könnte.“ Als die anderen Ehefrauen dies hörten, blickten sie einander auf eine Weise an, als hegten sie wegen ihrer Worte Zweifel an ihr. Da sagte der Gesandte (Allahs Segen und Heil seien auf ihm): „Bei Allah! Sie hat die Wahrheit gesagt.“18

So verhielt es sich auch mit der Liebe des edlen Gesandten Allahs (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) zu Hadhrat Safiyya (Allah sei mit ihr zufrieden). Er schätzte ihre Gesellschaft und bemühte sich stets, sie glücklich zu machen. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) brach gemeinsam mit Safiyya und einigen anderen Ehefrauen zu einer Haddsch-Reise auf. Unterwegs erkrankte das Reitkamel von Safiyya (Allah sei mit ihr zufrieden) und ging zu Boden. Safiyya (Allah sei mit ihr zufrieden) bekam Angst und begann zu weinen. Als der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) davon erfuhr, kam er und wischte ihr mit seiner gesegneten Hand die Tränen aus den Augen. Doch auch danach hörte sie nicht auf zu weinen, sondern weinte noch stärker. Da ihm kein anderer Ausweg blieb, legte der Gesandte (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) mit allen eine Rast ein. Am Abend sagte der Gesandte (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) zu seiner Ehefrau Hadhrat Zaynab bint Dschahsch (Allah sei mit ihr zufrieden): „Zaynab, gib Safiyya ein Kamel.“ Hadhrat Zaynab (Allah sei mit ihr zufrieden) erwiderte: „Soll ich dieser Jüdin dein Kamel geben?“ Über diese Antwort war der Gesandte (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) äußerst ungehalten und mied zwei oder drei Monate lang jedes Gespräch und jeden Umgang mit Hadhrat Zaynab (Allah sei mit ihr zufrieden). Schließlich konnte Hadhrat Aischa (Allah sei mit ihr zufrieden) durch ihre Vermittlung mit großer Mühe den Unmut des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) beseitigen.19

Als Hadhrat Aischa (Allah sei mit ihr zufrieden) einmal eine Bemerkung über den Körperbau von Hadhrat Safiyya (Allah sei mit ihr zufrieden) machte, sagte der Gesandte (Allahs Segen und Heil seien auf ihm): „Du hast ein Wort gesagt, das, wenn man es ins Meer werfen würde, sich mit ihm vermischen und sogar dessen Wasser trüben würde.“20

Nachdem sie den Islam angenommen und dadurch Läuterung erlangt hatte, litt sie sehr, wenn jemand sie als Jüdin verspottete. Eines Tages ging der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) in ihr Gemach und sah, dass sie weinte. Auf die Frage nach dem Grund ihres Weinens sagte sie: „Aischa (Allah sei mit ihr zufrieden) und Zaynab (Allah sei mit ihr zufrieden) behaupten, dass sie besser seien als die anderen Ehefrauen, weil sie nicht nur deine Ehefrauen, sondern auch deine Cousinen sind.“

Um sie zu trösten, sagte der Gesandte (Allahs Segen und Heil seien auf ihm): „Warum hast du ihnen nicht gesagt: Mein Vater ist Aaron (Allahs Frieden sei auf ihm), mein Onkel ist Mose (Allahs Frieden sei auf ihm) und mein Ehemann ist Muhammad (Allahs Segen und Heil seien auf ihm). Wie könnt ihr deshalb besser sein als ich?“21

Hadhrat Safiyya (Allah sei mit ihr zufrieden) war von Natur aus äußerst großzügig und freigebig. Ibn Saʿd schreibt, dass sie das Haus, in dem sie lebte, noch zu Lebzeiten verschenkte. Aus dem Bericht von Allama Zurqani geht hervor, dass sie nach ihrer Ankunft in Medina als Umm al-Muʾminin ihre beiden goldenen Ohrringe unter Hadhrat Fatima (Allah sei mit ihr zufrieden) und den anderen reinen Ehefrauen des Propheten aufteilte.22

Im Jahre 35 nach der Hidschra belagerten die Aufständischen den dritten Kalifen, Hadhrat Uthman (Allah sei mit ihm zufrieden), in seinem Haus in Medina. Damals reichte Hadhrat Safiyya (Allah sei mit ihr zufrieden) dem Kalifen helfend die Hand. Als die Aufständischen jegliche Versorgung und Verbindung mit dem Haus des Kalifen unterbanden und es rundum bewachen ließen, ritt Hadhrat Safiyya eines Tages auf einem Maultier zum Haus des Kalifen. Ein Sklave begleitete sie. Sie geriet in den Blick von Aschtar an-Nachaʿi. Um sie am Weiterreiten zu hindern, begann Aschtar, das Maultier zu schlagen. Hadhrat Safiyya (Allah sei mit ihr zufrieden) sagte: „Ich muss mich nicht demütigen lassen. Ich kehre um. Lass mein Maultier los.“ Darauf kehrte sie nach Hause zurück und beauftragte Hadhrat Hasan (Allah sei mit ihm zufrieden) damit, die Verbindung zum Haus des Kalifen aufrechtzuerhalten. Er brachte aus dem Haus der Umm al-Muʾminin Safiyya (Allah sei mit ihr zufrieden) Nahrung und Wasser zum Haus des Kalifen.23

Als der Kalif ʿUmar (Allah sei mit ihm zufrieden) die staatlichen Zuwendungen einführte, setzte er für jede der anderen Ehefrauen des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) zwölftausend fest, für Hadhrat Dschuwairiya und Hadhrat Safiyya (Allah sei mit ihnen zufrieden) jedoch sechstausend. Nachdem sie dagegen protestiert hatte, wurde auch für sie zwölftausend festgesetzt.24

Alle Gelehrten der Sīra haben die moralischen Tugenden von Hadhrat Safiyya (ra) uneingeschränkt gelobt. Allama Ibn ʿAbd al-Barr schrieb:

Arabisch wird eingefügt

– „Safiyya (ra) war eine geduldige, kluge und gelehrte Frau.“25

Ibn al-Athīr sagte:

Arabisch wird eingefügt

– „Sie war eine der klügsten Frauen.“26

Allama adh-Dhahabī sagte:

Arabisch wird eingefügt

– „Hazrat Safiyya (r.a.) war eine höfliche, intelligente, hochgeborene, schöne und fromme Frau.“27

Wie die anderen Ehefrauen des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) war auch Hazrat Safiyya (r.a.) ein Zentrum des Wissens und der Gotteserkenntnis. Oft stellten die Menschen ihr Fragen zu verschiedenen Angelegenheiten und waren mit ihren Antworten zufrieden. Eine Frau namens Suhayra bint Haykar kam einst nach der Verrichtung der Hadsch nach Medina, um Hazrat Safiyya (r.a.) zu besuchen. Als sie zu Hazrat Safiyyas (r.a.) Haus kam, sah sie dort viele Frauen aus Kufa sitzen, die ihr verschiedene Fragen stellten. Und sie beantwortete ihre Fragen auf sehr schöne Weise.

Auch Suhayra war aus demselben Grund gekommen. Durch die Frauen aus Kufa wollte sie nach der religiösen Bestimmung über Nabidh fragen. Als Hazrat Safiyya (r.a.) die Frage hörte, sagte sie: „Die Iraker fragen häufig nach dieser Angelegenheit.“28

Von Hazrat Safiyya (r.a.) wurden zehn Hadithe überliefert. Diese wurden unter anderem von Imam Zayn al-Abidin, Ishaq ibn Abdullah ibn Harith, Muslim ibn Safwan, Kinana und Ayazid ibn Mu’attab überliefert. Einer dieser zehn Hadithe ist muttafaq ʿalayh.29

Hazrat Safiyya (r.a.) verstarb im Ramadan des Jahres 50 nach der Hidschra im Alter von 60 Jahren in Medina. Hazrat Sa’id ibn al-As (r.a.) leitete ihr Totengebet. Einer anderen Überlieferung zufolge leitete Hazrat Mu’awiya (r.a.) das Gebet, da er sich damals nach der Verrichtung der Hadsch in Medina aufhielt.30 Sie wurde auf dem Friedhof al-Baqi’ beigesetzt.31 Vor ihrem Tod verfügte sie testamentarisch, dass ihr Neffe ein Drittel ihres hinterlassenen Vermögens erhalten solle.32

Ibn Sa’d berichtet über al-Waqidi, dass sie einhunderttausend Dirham hinterließ. Ibn Hisham sprach von dreißigtausend. Der Neffe von Hazrat Safiyya (r.a.) war Jude. Daher zögerten die Menschen, ihr Testament umzusetzen. Als Hazrat Aisha (r.a.) davon erfuhr, ließ sie den Menschen ausrichten: „O ihr Menschen! Fürchtet Allah. Setzt Safiyyas (r.a.) Testament um!“ Schließlich wurde es umgesetzt.33

Ibn Sa’d überliefert auf Grundlage der Überlieferungskette von al-Waqidi, dass Hazrat Safiyya sagte: „Als ich zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) kam, war ich noch keine siebzehn Jahre alt.“34 Al-Waqidi sagte außerdem, dass sie im Jahr 52 nach der Hidschra verstarb. In einer anderen Überlieferung von ihm wird das Jahr 50 nach der Hidschra genannt. Ibn Hajar hielt die Überlieferung über das Jahr 50 für die zutreffendere. Ibn Mundah und Ibn Hibban gaben das Jahr 36 nach der Hidschra als ihr Todesjahr an. Ibn Hajar sagte jedoch, dies sei völlig falsch, denn Ali ibn Husayn (r.a.) war im Jahr 36 nach der Hidschra noch nicht einmal geboren. Dennoch wurden in den Werken von al-Bukhari und Muslim von ihm überlieferte Hadithe von Hazrat Safiyya (r.a.) aufgenommen.35 Hazrat Safiyya (r.a.) konnte sehr schmackhafte Speisen zubereiten. Auch wenn der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sich in den Gemächern seiner anderen Ehefrauen aufhielt, ließ sie ihm bisweilen Speisen bringen. Einmal schickte sie während seines Aufenthalts im Haus von Hazrat Aisha (r.a.) eine Speise. Der Bericht darüber findet sich unter anderem in al-Bukhari und an-Nasa’i.

Einmal sagte Hazrat Safiyya (r.a.): „O Gesandter Allahs! Alle deine anderen Ehefrauen außer mir haben Verwandte. Wenn dir etwas zustoßen sollte, bei wem soll ich Zuflucht suchen?“ Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Bei Ali (r.a.).“36 Umm al-Mu’minin Hazrat Safiyya (r.a.) berichtete: Einmal hielt sich der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) während des I’tikaf in den letzten zehn Tagen des Ramadan in der Moschee auf. Eines Tages ging sie zu ihm in die Moschee, um ihn zu besuchen. Nachdem sie eine Weile mit dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) gesprochen hatte, stand sie auf, um nach Hause zurückzukehren. Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) begleitete sie bis zur Tür der Moschee nahe der Tür von Umm Salama. Zu dieser Zeit gingen zwei Männer von den Ansar auf diesem Weg vorbei. Sie grüßten den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte zu ihnen: „Wartet kurz, dies ist Safiyya bint Huyayy.“ Als sie das hörten, sprachen sie „Subhanallah“ und riefen den Takbir. Daraufhin sagte der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm): „Der Satan kann jeden Blutstrom und jede Ader des Menschen erreichen. Ich fürchtete, dass er in eure Herzen etwas Schlechtes einflößen könnte.“37

Eine Sklavin von Hazrat Safiyya (möge Allah mit ihr zufrieden sein) beklagte sich einmal beim Kalifen Hazrat Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) darüber, dass in ihr noch immer eine jüdische Gesinnung vorhanden sei. Denn sie halte weiterhin den Samstag ein und pflege ihre Beziehungen zu den Juden. Um die Wahrheit der Aussage der Sklavin zu überprüfen, ließ Hazrat Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) Hazrat Safiyya (möge Allah mit ihr zufrieden sein) durch einen Boten zu dieser Anschuldigung befragen. Sie antwortete: „Seit Allah mir den Freitag anstelle des Samstags gegeben hat, besteht für mich keine Notwendigkeit mehr, den Samstag einzuhalten. Was meine fortbestehenden Beziehungen zu den Juden betrifft, so lautet meine Erklärung: Dort leben meine Verwandten. Ich muss darauf achten, die verwandtschaftlichen Beziehungen zu ihnen aufrechtzuerhalten.“ Danach rief sie die Sklavin und fragte sie, wer sie dazu ermutigt habe, diese Anschuldigung vorzubringen. Die Sklavin antwortete: „Der Satan.“ Hazrat Safiyya (möge Allah mit ihr zufrieden sein) schwieg, ließ die Sklavin aus der Sklaverei frei und schenkte ihr die Freiheit.³⁸

Vor ihrer Heirat mit Rasulullah (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) träumte Hazrat Safiyya eines Nachts, dass der Mond vom Himmel herabstürzte und in ihren Schoß fiel. Als sie ihrer Mutter – einer anderen Überlieferung zufolge ihrem Ehemann – von dem Traum erzählte, versetzte diese ihr eine Ohrfeige und sagte: „Du streckst deinen Hals nach Muhammad, dem König der Araber, aus.“ Bis zu dem Zeitpunkt, als sie zu Rasulullah (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) kam, war die Spur dieser Ohrfeige noch auf ihrer Wange zu sehen. Als Rasulullah (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sie fragte, woher die Spur stamme, erzählte sie ihm das ganze Ereignis.³⁹