Abu Musa al-Aschʿari (r.a.)
Sein Name war Abdullah, seine Kunya Abu Musa. Unter seiner Kunya war er weit bekannter. Sein Vater hieß Qais, seine Mutter Taiyiba. Über sein Leben vor dem Islam ist nicht viel bekannt. Bekannt ist lediglich, dass er aus dem Jemen stammte. Da er dem dort ansässigen Stamm al-Aschʿari angehörte, wurde er als al-Aschʿari bekannt. Nachdem Hadhrat Abu Musa den Islam kennengelernt hatte, kam er aus dem Jemen nach Mekka und leistete dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) den Treueid. Mit dem mekkanischen Stamm Abd Schams knüpfte er freundschaftliche Beziehungen. Nachdem er einige Zeit in Mekka geblieben war, kehrte er in den Jemen zurück, um seine Landsleute zum Islam einzuladen. Hadhrat Abu Musa war einer der einflussreichsten Anführer seiner Sippe. Die Angehörigen seiner Sippe folgten dem Aufruf sehr schnell und in großer Zahl. Mit einer Gruppe von etwa fünfzig Muslimen machte er sich auf dem Seeweg aus dem Jemen auf, um zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu reisen. Das widrige Wetter auf dem Meer trieb diese Gruppe jedoch statt in den Hidschas nach Abessinien. Inzwischen waren Hadhrat Dschaʿfar ibn Abi Talib und seine Gefährten, die sich noch in Abessinien aufhielten, nach Medina aufgebrochen. Abu Musa schloss sich mit seiner Gruppe dieser Karawane an und nahm den Weg nach Medina. Sie erreichten Medina, während das muslimische Heer unter der Führung des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) nach der Eroberung von Chaibar nach Medina zurückkehrte. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) gab Abu Musa und all seinen Gefährten einen Anteil an der Kriegsbeute von Chaibar. Hadhrat Abu Musa nahm an der Eroberung von Mekka und an der Schlacht von Hunain teil. Die Banu Hawazin flohen vom Schlachtfeld von Hunain und sammelten sich im Tal von Awtas. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) entsandte unter der Führung von Hadhrat Abu Amir eine Gruppe, um sie vollständig zu vernichten. Als sie Awtas erreichten, töteten sie den Anführer der Hawazin, Duraid ibn as-Simma, und zerstreuten dessen Leute. Doch Abu Amir wurde durch den Pfeil eines Götzendieners namens Haschimi schwer verletzt. Abu Musa al-Aschʿari verfolgte diesen Götzendiener und tötete ihn. Vor seinem Tod bestimmte Hadhrat Abu Amir Abu Musa zu seinem Nachfolger und bat ihn: „Bruder, überbringe dem Gesandten Allahs meinen letzten Gruß und bitte ihn, für meine Vergebung zu beten.“ Abu Amir tat seinen letzten Atemzug. Abu Musa kehrte mit seinem Heer nach Medina zurück und berichtete dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) von Abu Amirs letztem Wunsch. Der Gesandte Allahs ließ Wasser bringen, vollzog die Gebetswaschung und bat für Abu Amir um Vergebung. Abu Musa sagte: „O Gesandter Allahs, bete auch ein wenig für mich.“ Der Gesandte Allahs betete: „O Allah, vergib Abdullah ibn Qais seine Sünden und gewähre ihm am Tag der Auferstehung einen ehrenvollen Eintritt ins Paradies.“ Im neunten Jahr nach der Hidschra liefen die Vorbereitungen für den Feldzug nach Tabuk. Abu Musas Gefährten schickten ihn zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), damit er Reittiere für sie erbitte. Als Abu Musa eintraf, war der Gesandte Allahs aus irgendeinem Grund aufgebracht. Ohne dies zu bemerken, sagte Abu Musa: „O Gesandter Allahs, meine Gefährten haben mich geschickt, damit du ihnen Reittiere zur Verfügung stellst.“ Der Gesandte Allahs saß gerade. Mit erregter Stimme rief er: „Bei Allah, ich werde euch kein Reittier geben!“ Abu Musa bekam Angst und dachte: „Wer weiß, vielleicht habe ich mich ungebührlich verhalten.“ Mit äußerst betrübtem Herzen kehrte er zu seinen Gefährten zurück und überbrachte ihnen diese schlechte Nachricht. Doch noch bevor er richtig stehen bleiben konnte, kam Bilal herbeigerannt und rief: „Abdullah ibn Qais, wo bist du? Komm, der Gesandte Allahs ruft dich.“ Gemeinsam mit Bilal trat er vor den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Der Gesandte Allahs deutete auf zwei angebundene Kamele in seiner Nähe und sagte: „Bring diese beiden zu deinen Gefährten.“ Hadhrat Abu Musa nahm die beiden Kamele und kehrte zu seinen Stammesleuten zurück. Er sagte: „Der Gesandte Allahs hat euch diese beiden Kamele als Reittiere gegeben. Allerdings müssen einige von euch mit mir zu jemandem gehen, der die vorherigen Worte des Gesandten Allahs gehört hat, damit ihr nicht denkt, ich hätte mir meine erste Aussage ausgedacht.“ Die Leute sagten: „Bei Allah, wir glauben dir und halten dich für wahrhaftig. Aber wenn du sagst, wir sollen gehen, dann gehen wir.“ So nahm er einige von ihnen mit und bewies die Wahrheit seiner früheren Aussage. Eines Tages nach der Rückkehr aus Tabuk gingen zwei angesehene Männer des Stammes al-Aschʿari gemeinsam mit Hadhrat Abu Musa al-Aschʿari zum Gesandten Allahs. Sie äußerten gegenüber dem Gesandten Allahs den Wunsch, irgendein Amt zu erhalten. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) benutzte gerade den Siwak. Als er ihre Worte hörte, hielt er inne. Er wandte sich Abu Musa zu und sagte: „Abu Musa, Abu Musa!“ Abu Musa sagte: „O Gesandter Allahs, ich wusste nicht, was sie im Herzen trugen. Ich wusste nicht, dass sie den Wunsch äußern würden, ein Amt zu erhalten.“ Der Gesandte Allahs sagte: „Wenn jemand selbst nach einem Amt strebt, werde ich ihn niemals mit diesem Amt betrauen. Du aber, Abu Musa, geh in den Jemen. Ich ernenne dich dort zum Wali.“ Seit alter Zeit war der Jemen in zwei Teile geteilt: Jemen al-Aqsa und Jemen al-Adna. Hadhrat Muadh ibn Dschabal wurde die Verantwortung für Jemen al-Aqsa übertragen, Abu Musa die für Jemen al-Adna. Als der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) die beiden verabschiedete, sagte er zu ihnen: „Geht sanft mit den Bewohnern des Jemen um und seid keinesfalls hart. Haltet die Menschen zufrieden und bringt sie nicht gegen euch auf. Lebt miteinander in Eintracht.“ Da der Jemen seine Heimat war, besaß Hadhrat Abu Musa von Anfang an großen Einfluss auf die Bewohner des Jemen. Deshalb erfüllte er seine Aufgabe ordnungsgemäß. Mit dem benachbarten Wali, Hadhrat Muadh, verband ihn persönliche Freundschaft. Von Zeit zu Zeit trafen sie sich an der Grenze und tauschten sich über verschiedene Angelegenheiten aus. Im zehnten Jahr nach der Hidschra vollzog der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) die Hadsch. Hadhrat Abu Musa kam aus dem Jemen und nahm an der Hadsch teil. Der Gesandte Allahs fragte ihn: „Abdullah ibn Qais, bist du zur Hadsch gekommen?“ Er antwortete: „Ja, o Gesandter Allahs!“ Der Gesandte Allahs fragte: „Welche Absicht hattest du?“ Er sagte: „Ich sagte mir: Die Absicht des Gesandten Allahs ist auch meine Absicht.“ Der Gesandte Allahs fragte erneut: „Hast du ein Opfertier mitgebracht?“ Er antwortete: „Nein.“ Der Gesandte Allahs wies ihn an: „Vollziehe den Tawaf und den Saʿi und beende danach den Ihram.“ (Sahih al-Buchari) Es sei darauf hingewiesen, dass der Gesandte Allahs die Hadsch al-Qiran vollzog. Für die Hadsch al-Qiran ist es jedoch erforderlich, ein Opfertier mitzubringen. Nach der Hadsch kehrte Abu Musa in den Jemen zurück. Inzwischen behauptete ein falscher Prophet namens al-Aswad al-Ansi, ein Prophet zu sein, und begann einen Aufstand. Schließlich war Hadhrat Muadh ibn Dschabal gezwungen, nach Marib, der Hauptstadt Abu Musas, zu kommen. Auch dort konnten sie nicht lange bleiben. Schließlich fanden sie Zuflucht in Hadramaut. Obwohl Ibn Maktuh al-Muradi al-Aswad al-Ansi tötete, flammte der Aufstand nach dem Tod des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) erneut auf. Daraufhin entsandte der erste Kalif, Hadhrat Abu Bakr (möge Allah mit ihm zufrieden sein), von Medina aus ein Heer und schlug den Aufstand nieder. Die beiden Walis des Jemen kehrten an ihre jeweiligen Orte und zu ihren Aufgaben zurück. Hadhrat Abu Musa kehrte aus Hadramaut an seinen Dienstort Hadramaut zurück und erfüllte seine Aufgabe während der ersten Zeit des Kalifats des zweiten Kalifen äußerst erfolgreich. Als während des Kalifats von Hadhrat Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) Feldzüge in verschiedenen Gebieten begannen, gab Abu Musa (möge Allah mit ihm zufrieden sein) aus großem Verlangen, am Dschihad teilzunehmen, sein Amt als Wali auf und schloss sich als Soldat dem Heer von Hadhrat Saʿd ibn Abi Waqqas an. Im 17. Jahr nach der Hidschra eroberte er auf Befehl des Befehlshabers Saʿd Nasibin. Im selben Jahr wurde der Wali von Basra, al-Mughira ibn Schuʿba (möge Allah mit ihm zufrieden sein), abgesetzt und Abu Musa an seiner Stelle eingesetzt. Chusistan ist ein Gebiet an der Grenze von Basra. Damals befand es sich noch in iranischer Hand. Im 16. Jahr nach der Hidschra führte Hadhrat al-Mughira (möge Allah mit ihm zufrieden sein) zur Eroberung Chusistans einen Feldzug gegen Ahwaz. Der Anführer von Ahwaz schloss mit al-Mughira einen Friedensvertrag und verpflichtete sich, im Austausch dafür jährlich eine geringe Summe als Steuer zu entrichten. Al-Mughira kehrte zurück. Als Abu Musa im 17. Jahr nach der Hidschra an seine Stelle trat, stellten die Bewohner von Ahwaz die Steuerzahlungen ein und rebellierten. Abu Musa sah sich gezwungen, Truppen zu entsenden, Ahwaz einzunehmen und den Feldzug bis Manadhir fortzusetzen. Der bedeutende Offizier Hadhrat Muhadschir ibn Ziyad (möge Allah mit ihm zufrieden sein) fiel in einem Abschnitt dieses Feldzuges nach Manadhir als Märtyrer. Das feindliche Heer trennte seinen Kopf von seinem Körper und hängte ihn an die Kuppel der Festung. Abu Musa übertrug Hadhrat Rabiʿ, dem Bruder Hadhrat Muhadschirs, die Eroberung von Manadhir. Rabiʿ war bei der Eroberung von Manadhir erfolgreich. Inzwischen belagerte Abu Musa Sus. Die Bewohner suchten Zuflucht in der Festung. Schließlich einigte sich ihr Anführer mit Abu Musa unter der Bedingung, dass einhundert Männer aus seiner Sippe am Leben gelassen würden. Der Anführer führte einen nach dem anderen einhundert Männer vor, und Abu Musa ließ sie gemäß der Vereinbarung frei. Unglücklicherweise vergaß der Anführer, sich selbst zu nennen, und wurde entsprechend den Bedingungen des Friedensvertrags getötet. Nach der Belagerung von Sus belagerte Abu Musa Ramhormuz. Mit den Bewohnern wurde ein Friedensvertrag geschlossen, wonach sie jährlich achthunderttausend Dirham an Steuern zahlen sollten. Der Feldherr des iranischen Schahs, Hormuzan, war von allen Seiten verfolgt worden und hatte in der starken Festung von Schuschtar Zuflucht gesucht. Abu Musa belagerte die Stadt, doch alle Versuche, sie einzunehmen, scheiterten. Eines Tages kam unerwartet ein Mann heimlich aus der Stadt und begab sich in Abu Musas Lager. Er schlug vor, die Stadt zu Fall zu bringen, wenn man ihm Sicherheit garantiere. Seine Bedingung wurde angenommen. Er nahm einen Araber namens Aschras mit sich. Aschras bedeckte Kopf und Gesicht mit einem Tuch und folgte dem Mann wie ein Diener. Sie betraten die Stadt durch den Fluss und geheime unterirdische Gänge, durchquerten Abwasserkanäle und enge Gassen und gelangten zum privaten Palast Hormuzans. Auf diese Weise erkundete Aschras heimlich die gesamte Lage in der Stadt, kehrte ebenso heimlich zu Abu Musa zurück und erstattete ausführlich Bericht. Daraufhin griff Aschras auf Befehl Abu Musas mit zweihundert entschlossenen Soldaten plötzlich an, tötete die Torwachen und öffnete das Tor. Abu Musa befand sich inzwischen mit all seinen Soldaten direkt am Tor. Sobald es geöffnet war, drangen alle Soldaten gemeinsam in die Stadt ein, und in der Stadt brach ein großes Durcheinander aus. Hormuzan floh in die Festung. Als das muslimische Heer die Festung erreichte, stieg Hormuzan auf deren Kuppel und erklärte, er sei zur Kapitulation bereit. Seine Bedingungen wurden angenommen, und man schickte ihn gemeinsam mit Hadhrat nach Medina, dem Sitz des Kalifats. Nach der Eroberung von Schuschtar belagerte das muslimische Heer unter Abu Musas Führung Dschundisapur. Die Belagerung dauerte bereits einige Zeit. Eines Tages öffneten die Bewohner plötzlich die Stadttore. Sie gingen völlig ruhig ihren jeweiligen Beschäftigungen nach. Als das muslimische Heer in die Stadt eindrang und ihre Furchtlosigkeit sah, war es erstaunt. Auf Nachfrage erklärten sie: „Warum sollten wir uns fürchten? Uns wurde doch gegen Zahlung der Dschizya Sicherheit gewährt.“ Nachforschungen ergaben, dass ein Sklave des muslimischen Heeres ohne Wissen aller allein einen Sicherheitsvertrag unterzeichnet hatte. Der Befehlshaber Abu Musa weigerte sich zunächst, diesen Vertrag des Sklaven anzuerkennen. Die Bewohner sagten: „Wir wissen nicht, wer Sklave und wer frei ist.“ Schließlich wurde die Angelegenheit dem Kalifen in Medina vorgetragen. Der Kalif erklärte: „Auch die Sklaven der Muslime sind Muslime. Denen, denen er Schutz und Sicherheit gewährt hat, haben somit alle Muslime Schutz gewährt.“ Auf diese Weise wurden unter der Führung Abu Musas die Grundlagen des Islam in ganz Chusistan gefestigt. Zugleich war sein Dienstort Basra von der Bedrohung durch die Feinde befreit. Nach dem Fall Chusistans bereiteten die Iraner im 21. Jahr nach der Hidschra in Nihawand eine entscheidende Schlacht vor. Der Kalif Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) entsandte Nuʿman ibn Muqarrin mit einem großen Heer nach Nihawand und befahl Abu Musa, ihn zu unterstützen. Auf Befehl des Kalifen traf Abu Musa mit einem großen Heer in Nihawand ein. Auch in dieser Schlacht erlitt das iranische Heer eine schwere Niederlage. Nach der Eroberung Chusistans bat Abu Musa den Kalifen, das eroberte Gebiet Basra anzugliedern. Gleichzeitig forderten auch die Bewohner von Kufa von ihrem Wali Ammar ibn Yasir (möge Allah mit ihm zufrieden sein), das Gebiet Kufa anzugliedern. Der Kalif unterstützte Abu Musas Forderung und gliederte das eroberte Gebiet Basra an. Da die Bewohner von Kufa mit ihrer Forderung keinen Erfolg hatten, erhoben sie sich gegen Ammar. Schließlich setzte der Kalif auf Wunsch der Bewohner von Kufa Ammar ab und ernannte im 22. Jahr nach der Hidschra Abu Musa zum Wali von Kufa. Doch ein Jahr später, im 23. Jahr nach der Hidschra, wurde Abu Musa wieder nach Basra versetzt. In eben diesem Jahr (23 nach der Hidschra) erhob ein Mann namens Dabba beim Kalifen die folgenden Beschwerden gegen Abu Musa:
1. Abu Musa nahm selbst sechzig Söhne von Anführern aus den Kriegsgefangenen an sich.
2. Er übertrug Ziyad ibn Sumayya sämtliche Aufgaben der Verwaltung; tatsächlich war Ziyad nun Herr über alle Angelegenheiten.
3. Dem Dichter Hutaiʾa schenkte er eintausend Dirham.
4. Einer seiner Sklavinnen, namens Aqliyya, wurde zweimal täglich vorzügliches Essen gegeben, während die einfachen Leute solches Essen nicht zu bekommen pflegten.
Hazrat Umar schrieb die Beschwerden eigenhändig auf. Er ließ Abu Musa nach Medina kommen und verhörte ihn. Um die Wahrheit oder Unwahrheit der Beschwerden festzustellen, ließ er die üblichen Nachforschungen anstellen. Die erste Beschwerde erwies sich als falsch. Auf die zweite Beschwerde antwortete Abu Musa, Ziyad sei ein äußerst fähiger Politiker und ein geschickter Verwalter. „Ich habe ihn zu meinem Berater ernannt.“ Der Kalif ließ Ziyad rufen und prüfte ihn. Er befand ihn für geeignet und ordnete an, ihn in seinem Amt zu belassen. Auf die dritte Beschwerde erwiderte Abu Musa: „Damit Hutaiʾa mich nicht beschimpft, habe ich ihm aus meinem eigenen Vermögen ein Geschenk gegeben.“ Auf die vierte Beschwerde konnte er jedoch keine Antwort geben. Hazrat Umar schalt ihn ein wenig und ließ ihn gehen. (At-Tabari)
Noch in diesem Jahr (H. 23) führte Abu Musa einen Feldzug nach Isfahan und gliederte das Gebiet in das islamische Kalifat ein. Nach seiner Rückkehr vom Abschluss der Eroberung Isfahans wurde er noch im selben Jahr von Basra nach Kufa versetzt. Die Bewohner von Basra litten unter großer Wasserknappheit. Die Angelegenheit wurde dem Kalifen vorgetragen. Der Kalif ordnete an, vom Tigris einen Kanal bis zur Stadt Basra zu graben. Unter der Leitung Abu Musas wurde ein zehn Meilen langer Kanal ausgehoben und dadurch die Wasserknappheit der Bewohner von Basra beseitigt. In der Geschichte ist dieser Kanal unter dem Namen Nahr Abi Musa bekannt. Im Jahr 23 nach der Hidschra, im Monat Dhul-Hiddscha, starb Kalif Umar den Märtyrertod. Nachdem Hazrat Uthman die Verantwortung für das Kalifat übernommen hatte, nahm er viele Veränderungen an der Verwaltungsstruktur vor. Abu Musa blieb jedoch bis zum Jahr 29 nach der Hidschra Statthalter von Basra. Im Jahr 29 nach der Hidschra erhoben sich die Kurden zum Aufstand. Abu Musa ging in die Moschee und hielt eine leidenschaftliche Ansprache über den Dschihad gegen sie. In seiner Ansprache schilderte er den Vorzug, auf dem Weg Allahs zu Fuß zu gehen. Daraufhin machten sich einige Mudschaheddin bereit, zu Fuß aufzubrechen, obwohl sie Pferde besaßen. Ein Kritiker Abu Musas sagte zu ihnen: „Wir sollten uns nicht so beeilen. Warten wir ab, wie unser Amir Abu Musa aufbricht.“ Auch Abu Musa kam auf seinem Pferd herausgeritten. Die Mudschaheddin ergriffen den Zügel seines Pferdes und protestierten. Tatsächlich hatte Abu Musas Ansprache nicht bedeutet, dass diejenigen, die Pferde besaßen, diese nicht benutzen sollten. In Wahrheit war dies eine Zeit der Fitna und der Verschwörungen. Die Unruhestifter zogen wegen dieses geringfügigen Vorfalls nach Medina und forderten seine Absetzung. Kalif Uthman enthob ihn seines Amtes. Im Jahr 34 nach der Hidschra ernannte Kalif Uthman Abu Musa erneut zum Statthalter von Kufa, anstelle von Saʿid ibn al-As, dem Statthalter von Kufa. Überall im Kalifat herrschten damals schwere Intrigen und Verschwörungen. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, hatte Abu Musa in Erinnerung behalten. Daher erinnerte Abu Musa die Bewohner von Kufa in seinen Ansprachen stets an diese Prophezeiung und ermahnte sie, sich von jeder Fitna fernzuhalten. Nach dem Märtyrertod Hazrat Uthmans im Jahr 35 nach der Hidschra und der Übernahme des Kalifats durch Hazrat Ali trat diese Fitna offen zutage. Hazrat Aischa, Talha und Zubair machten sich, den Vergeltungsanspruch für das Blut des dritten Kalifen Hazrat Uthman erhebend, von Mekka nach Basra auf. Um ihnen entgegenzutreten, begab sich Kalif Hazrat Ali an einen Ort namens Dhi Qar. Zugleich schickte er Hazrat Hasan zusammen mit Ammar ibn Yasir nach Kufa. Als Hazrat Hasan in Kufa eintraf, hielt Abu Musa al-Aschari gerade in der Moschee von Kufa vor einer großen Menschenmenge eine Ansprache. Darin ermahnte er die Menschen, sich von dieser Fitna fernzuhalten. Hazrat Hasan kam dorthin, und es kam zu einem Wortwechsel zwischen ihm und Abu Musa. Abu Musa stieg schweigend von der Kanzel der Moschee herab und ließ sich, ohne irgendeinen Protest zu erheben, in einem unbekannten Dorf in Syrien nieder. Auf diese Weise verhielt er sich im Bürgerkrieg vollkommen neutral. In Siffin erklärten Hazrat Ali und Hazrat Muʿawiya einen Waffenstillstand unter der Bedingung, dass die Angelegenheit zwei unparteiischen Richtern, je einem von jeder Seite, zur Entscheidung übertragen werde. Beide Seiten sollten sich ihrer gemeinsamen Entscheidung unterwerfen. Die Partei Alis ernannte Abu Musa und die Partei Muʿawiyas Amr ibn al-As zu Richtern. Beide Seiten versammelten sich an einem Ort namens Dumat al-Dschandal. Sie führten lange Gespräche über die Angelegenheit. Schließlich kamen sie zu dem Beschluss, dass Ali und Muʿawiya im Interesse der Umma beide aus dem Amt des Kalifen entfernt werden müssten und dass die Schura einen Dritten zum Kalifen wählen solle. Beide traten vor das Volk, um ihren Beschluss bekanntzugeben. Auf Bitten Amr ibn al-As’ erhob sich Abu Musa zuerst und verkündete den Beschluss; dann wich Abu Musa von seiner früheren Entscheidung ab und erklärte Hazrat Muʿawiya zum Kalifen. Abu Musa war wie vor den Kopf gestoßen.
In Wirklichkeit war Abu Musa von äußerst schlichtem und arglosem Wesen. Er wusste nicht, was Täuschung und politische List waren. Aus diesem Grund hatte Hazrat Ali Bedenken dagegen geäußert, ihn zum Richter zu ernennen. Doch aufgrund des Drucks seiner Anhänger stimmte auch er zu. Nachdem Abu Musa im politischen Netz des Amr ibn al-As besiegt worden war, wurde er von solcher Reue verzehrt, dass er sich in jenem Augenblick auf den Weg nach Mekka machte. Danach nahm er an keiner Angelegenheit seines Lebens mehr teil. Über das Jahr und den Ort seines Todes gibt es unterschiedliche Ansichten. Nach einigen starb er in Mekka, nach anderen in Kufa. Nach der verbreitetsten Ansicht verschied er jedoch in Mekka. Ebenso gibt es mehrere Ansichten über sein Todesjahr: H. 42, 44 oder 52. Nach der verbreitetsten Ansicht starb er im Jahr H. 44. (Tadhkirat al-Huffaz)
Hazrat Abu Musa achtete bis zum Ende seines Lebens äußerst sorgfältig darauf, die Gebote und Verbote des Gesandten Allahs zu befolgen. Selbst als sich sein Zustand verschlechterte und er das Bewusstsein verlor, begannen die Frauen zu weinen und zu klagen. Auch in diesem kritischen Augenblick erlangte er kurz das Bewusstsein wieder und rief: „Von solchen Klageweibern hat der Gesandte Allahs gesagt, dass er frei von jeder Verantwortung ist.“ In seinem frühen Leben war Armut sein ständiger Begleiter. Sein späteres Leben verbrachte er jedoch in Wohlstand. Hazrat Umar setzte für ihn eine regelmäßige Zuwendung fest.
Zu den herausragenden Gefährten, denen das Glück zuteilwurde, die besondere Nähe des Gesandten Allahs (s) zu erlangen, gehörte auch Hazrat Abu Musa (r). Von den sechs Personen, die zu Lebzeiten des Gesandten Allahs (s) die Erlaubnis erhielten, Fatwas zu erteilen, war er einer. (Tadhkirat al-Huffaz) Ein Tabi’i namens Aswad sagte: „In Kufa habe ich niemanden gesehen, der gelehrter gewesen wäre als Hazrat Ali (r) und Hazrat Abu Musa (r).“ Hazrat Ali (r) pflegte zu sagen: „Abu Musa ist vom Kopf bis zu den Füßen in der Farbe des Wissens gefärbt.“ Er hielt sich stets in der Gesellschaft gelehrter Menschen auf und besprach mit ihnen verschiedene Angelegenheiten. Diese Gespräche führten bisweilen sogar zu ausführlichen Debatten und Disputationen. Besonders mit Abdullah ibn Mas’ud und Mu’adh ibn Jabal (r) führte er besondere Diskussionen und Auseinandersetzungen. Einmal kam es zwischen Abdullah ibn Mas’ud (r) und Abu Musa (r) zu einer Debatte über eine Rechtsfrage des Tayammum. Imam al-Bukhari überlieferte diese Debatte im Kapitel über Tayammum. Er war nicht nur wissensdurstig, sondern bemühte sich auch mit ganzer Kraft um die Verbreitung und Vermittlung des Wissens. Er war der Ansicht, dass es Pflicht sei, anderen mitzuteilen, so viel man selbst wisse. Einmal sagte er in einer Ansprache: „Wer von Allah Wissen erhalten hat, soll es seinen anderen Brüdern mitteilen. Über eine Angelegenheit jedoch, von der er nichts weiß, soll er kein einziges Wort aus seinem Mund kommen lassen.“ Auch seine Art des Unterrichtens war vielfältig. Neben dem gewöhnlichen Lehrkreis versammelte er bisweilen Menschen und hielt vor ihnen Ansprachen. Wenn er unterwegs irgendwo einigen Menschen begegnete, übermittelte er ihnen ein oder zwei Aussprüche des Gesandten Allahs (s). Beim Unterrichten verhielt er sich sehr sanftmütig. Wenn jemand aus Unwissenheit eine törichte Frage stellte, wurde er nicht aufgebracht, sondern erklärte es ihm in äußerst mildem Ton.
Die Beziehung Abu Musas zum Heiligen Koran war äußerst tief. Fast jeden Augenblick von Tag und Nacht verbrachte er mit der Koranrezitation und dem Koranunterricht. Als Mu’adh ibn Jabal ihn einmal während seiner Amtszeit als Wali des Jemen fragte: „Wie rezitierst du den Koran?“, antwortete er: „Wann immer ich bei Tag oder Nacht Gelegenheit habe, rezitiere ich ein wenig.“ Er rezitierte den Koran mit einer überaus wohlklingenden Stimme. Der Gesandte Allahs (s) sagte: „Abu Musa hat einen Teil der schönen Stimme Davuds (a) erhalten.“
Der Gesandte Allahs (s) liebte dies sehr. Sobald er seine Koranrezitation hörte, blieb der Gesandte Allahs (s) stehen. Einmal war der Gesandte Allahs (s) mit Hazrat Aischa (r) unterwegs. Unterwegs hörte er Abu Musas Koranrezitation und blieb genau dort stehen. Nachdem er eine Weile zugehört hatte, ging er weiter. Einmal rezitierte Abu Musa beim Nachtgebet den Koran mit lauter Stimme. Als die Mütter der Gläubigen seine wohlklingende Stimme hörten, kamen sie zum Vorhang ihrer Gemächer, legten ihr Ohr daran und hörten der Koranrezitation zu. Als er dies am Morgen erfuhr, sagte er: „Wenn ich davon gewusst hätte, hätte ich mit noch eindrucksvollerer Stimme rezitiert und sie zu Liebhabern des Korans gemacht.“ Gerade wegen seiner außergewöhnlich schönen Rezitation sandte der Gesandte Allahs (s) ihn gemeinsam mit Mu’adh ibn Jabal in den Jemen, damit sie den Neubekehrten den Koran lehrten. Auch im Dienst am Hadith war sein Beitrag neben dem Heiligen Koran keineswegs geringer. In Kufa hatte er einen eigenen Lehrkreis für Hadithe. Durch diesen Unterricht gingen bedeutende Muhaddithun hervor. Die Zahl der von ihm überlieferten Hadithe beträgt 360. Davon sind 50 muttafak alayh; 45 wurden allein von al-Bukhari und 25 allein von Muslim überliefert. Obwohl er den Koran und die Hadithe umfassend beherrschte, war er sich seiner eigenen Fehler und Irrtümer bewusst. Ebenso schätzte er das Wissen anderer. Einmal erteilte er eine Fatwa zu einer Erbschaftsfrage. Derjenige, der nach der Fatwa gefragt hatte, erkundigte sich auch bei Abdullah ibn Mas’ud nach dieser Angelegenheit. Abdullah ibn Mas’ud erteilte eine andere Fatwa. Abu Musa gestand seinen eigenen Fehler ein und sagte: „Solange Abdullah ibn Mas’ud lebt, solltet ihr nicht zu mir kommen.“ Das Leben Hazrat Abu Musas war ein wirkliches Abbild des reinen Lebens des Gesandten. Stets bemühte er sich, jede Handlung, jede Verhaltensweise und jede Rede des Gesandten Allahs (s) genau nachzuahmen und zu befolgen. Einmal war er von Mekka nach Medina unterwegs. Auf dem Weg verrichtete er beim Nachtgebet zwei Rak’a. Danach stand er erneut auf und verrichtete eine Rak’a, indem er hundert Verse aus der Sure an-Nisa rezitierte. Als die Menschen dagegen protestierten, sagte er: „Ich bemühe mich stets, meine Schritte genau dorthin zu setzen, wohin der Gesandte Allahs (s) seine Schritte gesetzt hat, und genau das zu tun, was er getan hat.“
Neben dem Fasten im Ramadan fastete er auch freiwillig, weil der Gesandte Allahs (s) dies getan hatte. Das Fasten am Aschura-Tag hielt er stets ein und forderte auch die Menschen dazu auf. Neben der Sunna hielt er sich auch äußerst gewissenhaft an die Mustahabb-Handlungen. Es ist mustahabb, das Opfertier eigenhändig zu schlachten. Allein aus diesem Grund wies er sogar seine eigenen Töchter an, die Tiere mit eigener Hand zu schlachten.
Der Gesandte Allahs (s) hatte angeordnet, dass jeder, der das Haus eines anderen betritt, zuvor um Erlaubnis bitten soll. Wenn ihm auch nach dreimaligem Bitten keine Erlaubnis erteilt wird, soll er zurückkehren. Einmal ging Abu Musa, um den Kalifen Umar zu besuchen. Er bat dreimal einzeln um Erlaubnis, doch da der Kalif mit einer anderen Angelegenheit beschäftigt war, konnte er nicht antworten. Abu Musa kehrte zurück. Bei einer anderen Gelegenheit fragte der Kalif, warum Abu Musa zurückgekehrt sei. Dieser antwortete: „Ich habe nach dreimaligem Bitten keine Antwort erhalten, deshalb bin ich zurückgekehrt.“ Daraufhin überlieferte er den Hadith des Gesandten Allahs (s) zu diesem Thema. Umar (r) sagte: „Bringe einen Zeugen, der außer dir gehört hat, wie du diesen Hadith überlieferst.“ Zitternd vor Angst begab sich Abu Musa zu einer Versammlung der Ansar. Auch Ubayy ibn Ka’b, der dort anwesend war, hatte den Hadith gehört. Er ging zu Umar (r) und legte Zeugnis ab. Scha’bi sagte: „Wissen wird von sechs Personen übernommen: Umar, Ali, Ubayy, Ibn Mas’ud, Zayd und Abu Musa.“
Der Kalif Umar (r) ernannte ihn zum Wali von Basra und entsandte ihn dorthin. Als er in Basra eintraf und vor der versammelten Bevölkerung eine Ansprache hielt, sagte er: „Der Fürst der Gläubigen hat mich zu euch gesandt. Ich werde euch das Buch eures Herrn und die Sunna Seines Propheten lehren und eure Wege und Straßen zu eurem Wohl sauber und ordentlich halten.“ Die Bevölkerung war von dieser Ansprache völlig erstaunt. Die Menschen zu kultivieren und sie in den Lehren der Religion zu unterweisen, konnte durchaus zu den Aufgaben eines Herrschers gehören. Aber wie konnte er die Verantwortung übernehmen, ihre Wege und Straßen zu reinigen? Die Angelegenheit erschien ihnen äußerst erstaunlich. Daher sagte Hazrat Hasan (r) über ihn: „Für die Bewohner von Basra ist kein besserer Reiter als er gekommen.“ (Rijalun hawla ar-Rasul) Der Gesandte Allahs (s) pflegte über ihn zu sagen: „Abu Musa ist der Anführer der Reiter.“
Das Wohlergehen der Umma war Hazrat Abu Musa das Wichtigste. Deshalb trat er sein ganzes Leben lang alle persönlichen Vorteile und Vergünstigungen mit Füßen. Während des Krieges zwischen Ali (r) und Muawiya (r) sagte Muawiya eines Tages zu Abu Musa: Wenn er Muawiya unterstütze, werde er seine beiden Söhne nacheinander zu Walis von Basra und Kufa ernennen und sich auch um seine Vergünstigungen kümmern. Abu Musa antwortete schriftlich: „Du hast über eine äußerst wichtige Angelegenheit der Umma Muhammads geschrieben. Das, was du mir angeboten hast, benötige ich nicht.“
Schamhaftigkeit ist ein Bestandteil des Glaubens. Dieses Merkmal war in Abu Musa vollkommen ausgeprägt. Selbst wenn er nachts schlafen ging, zog er besondere Kleidung an, damit sein Satr nicht entblößt wurde. Einmal sah er einige Menschen, die nackt im Wasser badeten. Er sagte: „Auch wenn es mir gefällt, immer wieder an das Leben erinnert zu werden, mag ich diese Handlung dennoch nicht.“
Suhaib ibn Sinan ar-Rumi (möge Allah mit ihm zufrieden sein)
Sein Name war Suhaib, seine Kunya Abu Yahya. Sein Vater war Sinan, seine Mutter Salma bint Qa’id. Der Vater stammte aus dem arabischen Stamm Banu Numair und die Mutter aus dem Stamm Banu Tamim. Er wurde ar-Rumi oder der Römer genannt. Tatsächlich war er jedoch kein Römer, sondern ein Araber.
Etwa zwei Jahrzehnte vor dem Prophetentum des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) war sein Vater Sinan ibn Malik als Vertreter des persischen Kaisers Statthalter von Ubulla, einer alten Stadt bei Basra. Suhaib war der Lieblingssohn seines Vaters. Einmal reiste seine Mutter mit Suhaib, einigen weiteren Menschen und einer bewaffneten Begleitung in ein Dorf im Irak namens Saniyya. Eines Nachts griff das römische Heer das Dorf völlig überraschend an und richtete ein großes Blutbad an und plünderte es. Frauen und Kinder wurden gefangen genommen und zu Sklaven gemacht. Unter den Gefangenen befand sich auch der kleine Suhaib. Damals war er höchstens fünf Jahre alt.
Suhaib wurde auf einem Sklavenmarkt in Rom verkauft. Immer wieder wechselte er von der Hand eines Herrn in die eines anderen. Das war das Schicksal der Sklaven in der damaligen römischen Gesellschaft. Auf diese Weise erhielt er die Möglichkeit, tief in die römische Gesellschaft einzudringen und die dort begangene Unmoral und Sündhaftigkeit aus nächster Nähe zu beobachten.
Suhaib wuchs auf römischem Boden auf und trat ins Erwachsenenalter ein. Er vergaß die arabische Sprache oder kam dem Vergessen zumindest sehr nahe. Doch dass er ein Sohn der arabischen Wüste war, vergaß er keinen einzigen Tag. Ständig zählte er die Tage, bis er aus den Fesseln der Sklaverei befreit würde und sich in Arabien wieder mit seinem Stamm vereinigen könnte. Sein Verlangen wurde an dem Tag noch stärker, an dem er aus dem Mund eines christlichen Kahin (Wahrsagers) hörte: „Die Zeit ist nahe, in der in Mekka auf der Arabischen Halbinsel ein Prophet erscheinen wird. Er wird die Gesandtschaft Isa ibn Maryams bestätigen und die Menschen aus der Dunkelheit ins Licht führen.“
Suhaib wartete auf eine Gelegenheit. Und die Gelegenheit kam. Eines Tages entkam er, indem er seinen Herrn täuschte, und gelangte nach Mekka. Wegen seines goldenen Haares und seiner Sprachbehinderung nannten ihn die Bewohner Mekkas Suhaib ar-Rumi. In Mekka schloss er mit dem angesehenen Quraisch-Führer Abdullah ibn Jud’an einen Vertrag und begann, gemeinsam mit ihm Handel zu treiben. Dabei hatte er großen geschäftlichen Erfolg. Einer anderen Überlieferung zufolge kaufte ihn der arabische Stamm Banu Kalb und brachte ihn nach Mekka. Abdullah ibn Juh’an kaufte ihn von ihnen frei und ließ ihn frei.
Trotz der tausend geschäftlichen Verpflichtungen und der großen Betriebsamkeit seines Handels in Mekka vergaß Suhaib keinen Augenblick die Prophezeiung jenes christlichen Kahin. Wann immer er sich daran erinnerte, sagte er im Stillen zu sich: „Wann wird das geschehen?“ So musste er jedoch nicht lange weiterleben.
Eines Tages kehrte er von einer Reise zurück und hörte, dass Muhammad ibn Abdullah das Prophetentum empfangen hatte. Er rief die Menschen dazu auf, an den einen Allah zu glauben, ermutigte sie zu Gerechtigkeit und Güte und gebot ihnen, Ungerechtigkeit und Unmoral zu meiden. Suhaib fragte die Menschen: „Ist dies derjenige, der al-Amin genannt wird?“ Sie antworteten: „Ja.“ Er fragte: „Wo wohnt er?“ Man sagte ihm: „Er hält sich im Haus von al-Arqam ibn Abi al-Arqam in der Nähe des Berges Safa auf. Sei jedoch vorsichtig, damit dich keiner der Quraisch bei ihm sieht. Wenn sie dich bei Muhammad sehen, werden sie dich genauso behandeln, wie sie uns behandeln. Du bist ein Fremder, und hier gibt es niemanden, der dich beschützt. Auch dein Stamm und deine Sippe sind hier nicht.“
Suhaib machte sich äußerst vorsichtig auf den Weg zum Haus von al-Arqam. Als er das Tor von al-Arqams Haus erreichte, sah er dort Ammar ibn Yasir stehen. Er kannte ihn bereits. Nach kurzem Zögern ging er auf ihn zu und fragte: „Ammar, bist du hier?“
Ammar fragte seinerseits: „Nein, du sag lieber, weshalb bist du gekommen?“ Suhaib sagte: „Ich möchte zu diesem Mann gehen und einige seiner Worte hören.“
Ammar sagte: „Das ist auch mein Anliegen.“ Suhaib sagte: „Dann lasst uns im Namen Allahs eintreten.“
Gemeinsam gelangten sie zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) und hörten ihm zu. Ihre Herzen erstrahlten im Licht des Glaubens. Beide streckten zugleich ihre Hände dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) entgegen und sprachen das Glaubenszeugnis. Den ganzen Tag blieben sie in der Gesellschaft des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) und hörten seine weisen Ermahnungen. Als tief in der Nacht der Lärm der Menschen verstummt war, verließen sie heimlich im Dunkeln den Aufenthaltsort des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) und machten sich jeweils auf den Weg zu ihrer Unterkunft. Vor Hadhrat Suhaib hatten bereits mehr als dreißig Sahaba den Islam angenommen. Die meisten von ihnen hielten aus Furcht vor den Quraisch geheim, dass sie den Islam angenommen hatten. Obwohl Suhaib ein Fremder war und in Mekka weder Verwandte noch Freunde hatte, hielt auch er seine Annahme des Islam nicht geheim. Er erklärte offen, dass er den Islam angenommen hatte. Wie Bilal, Ammar, Sumayya, Khabbab und andere wurde auch er zum Opfer der grausamen Verfolgung durch die Quraisch. Mit großer Geduld ertrug er alle Qualen. Er wusste, dass der Weg ins Paradies nicht mit Blumen bestreut ist.
Als der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) die Auswanderung beschloss, erfuhr Suhaib davon. Er war fest davon überzeugt, dass er der „Dritte von Dreien“ sein würde – nämlich der Gesandte (Allahs Segen und Friede seien auf ihm), Abu Bakr und Suhaib. Doch wegen der wachsamen Bewachung durch die Quraisch kam es nicht dazu. Die Quraisch verfolgten ihn, damit er Mekka nicht mit seinem beträchtlichen Vermögen verlassen konnte.
Nach der Auswanderung des Gesandten Allahs wartete Suhaib auf eine Gelegenheit. Auch die Quraisch ließen ihn nicht aus den Augen. Schließlich griff er zu einer List.
In einer bitterkalten Nacht begann er immer wieder hinauszugehen, um seine Notdurft zu verrichten. Kaum war er einmal zurückgekehrt, ging er schon wieder hinaus. Die Wachen der Quraisch sagten zueinander: „Lat und Uzza haben ihm den Magen verdorben.“ Sie fühlten sich einigermaßen beruhigt, kehrten ins Haus zurück und legten sich zu Bett. Diese Gelegenheit nutzte Suhaib, um das Haus zu verlassen und den Weg nach Medina einzuschlagen.
Kaum war Suhaib ein Stück von Mekka entfernt, erfuhren die Wachen davon. Sie bestiegen hastig ihre schnellen Pferde und nahmen die Verfolgung auf. Als Suhaib ihre Anwesenheit bemerkte, stieg er auf einen hohen Hügel, nahm Pfeil und Bogen heraus und rief ihnen zu: „O Quraisch! Ihr wisst, dass ich unter euch der beste Bogenschütze und treffsicherste Schütze bin. Bei Allah, ihr werdet mich nicht erreichen, bevor ich nicht mit jedem einzelnen meiner Pfeile einen von euch getötet habe. Und dann habe ich noch mein Schwert.“ Einer der Quraisch sagte: „Bei Allah, wir werden niemals zulassen, dass du sowohl dein Leben rettest als auch dein Vermögen mitnimmst. Du bist mit leeren Händen nach Mekka gekommen. Kaum warst du hier, bist du zum Besitzer dieses ganzen Vermögens geworden.“
Suhaib sagte: „Wenn ich euch meinen Besitz und mein Vermögen überlasse, werdet ihr mich dann meines Weges ziehen lassen?“ Sie sagten: „Ja.“
Suhaib nahm sie mit zu seinem Haus in Mekka und übergab ihnen seinen Besitz und sein Vermögen. Daraufhin ließen auch die Quraisch ihn seines Weges ziehen. So gab Suhaib um der Religion willen alles auf und kam nach Medina. Wegen des mühsam erworbenen Vermögens, das er zurückgelassen hatte, empfand er nicht die geringste Wehmut. Wann immer er unterwegs müde wurde, erinnerte er sich an die bevorstehende Begegnung mit dem Gesandten Allahs (s.a.w.), schüttelte jede Müdigkeit ab und setzte seine Reise wieder fort. So erreichte er Quba. Der Gesandte Allahs (s.a.w.) befand sich damals im Haus von Kulsum ibn Hidam in Quba. Als der Gesandte Allahs (s.a.w.) ihn kommen sah, rief er voller Freude aus: „Abu Yahya, das Geschäft war gewinnbringend!“ Dies sagte er dreimal. Suhaibs Gesicht begann vor Freude zu strahlen. Er rief: „Bei Allah, o Gesandter Allahs, niemand ist vor mir zu dir gekommen. Gewiss hat Gabriel dir diese Nachricht überbracht.“ Tatsächlich war das Geschäft gewinnbringend gewesen. Zur Bestätigung dessen kam Gabriel (a.s.) mit einer Offenbarung: „Wa minan-nāsi man yaschrī nafsahu ibtighā’a mardātillāh. Wallāhu ra’ūfun bil-ʿibād.“ Es gibt unter den Menschen solche, die ihr eigenes Leben um des Wohlgefallens Allahs willen verkaufen. Allah ist zu Seinen Dienern überaus barmherzig.
In Medina war Suhaib Gast bei Saʿd ibn Chuthayma, und mit Harith ibn as-Simma al-Ansari wurde eine brüderliche Beziehung zwischen ihnen begründet.
Suhaib war ein geschickter Bogenschütze. In allen Schlachten, darunter Badr, Uhud und der Grabenschlacht, war er ein Gefährte des Gesandten Allahs (s.a.w.). Im hohen Alter erzählte er bei Versammlungen die Geschichten dieser Schlachten und Kämpfe auf fesselnde Weise.
Über seine Begleitung des Gesandten Allahs (s.a.w.) sagte er selbst: „Bei jeder Begebenheit und in jeder Situation des Gesandten Allahs (s.a.w.) war ich anwesend. Wann immer er einen Treueeid entgegennahm, war ich dabei. Ich nahm an seinen kleineren Feldzügen teil. In jedem Krieg, den er vom Anfang bis zum Ende führte, kämpfte ich an seiner rechten oder linken Seite. So oft und wo immer die Muslime aus Furcht vor einem Feind hinter ihnen oder vor ihnen Angst bekamen, war ich stets bei ihnen. Niemals ließen wir den Gesandten Allahs (s.a.w.) zwischen uns und dem Feind allein. So ging der Gesandte Allahs (s.a.w.) in die Nähe seines Herrn ein.“ (Rijālun haula ar-Rasūl, S. 130)
ʿUmar (r.a.) hatte eine äußerst hohe Meinung von Suhaib. Er liebte ihn zutiefst. Vor seinem Tod verfügte er testamentarisch, dass Suhaib sein Totengebet leiten solle. Bis die Mitglieder des Schura-Rates den Namen des neuen Kalifen bekannt geben würden, sollte Suhaib weiterhin die Verantwortung des Kalifats übernehmen. Nach dem Tod von ʿUmar (r.a.) erfüllte er diese Aufgabe drei Tage lang mit großer Geschicklichkeit.
Im Jahr 38 nach der Hidschra verstarb er im Alter von 72 Jahren in Medina. Er wurde auf dem Friedhof al-Baqiʿ in Medina beigesetzt.
Suhaib (r.a.) erhielt die Gelegenheit, einen großen Teil seines Lebens in der Gesellschaft des edlen Gesandten Allahs zu verbringen. Er sagte: „Schon vor dem Herabkommen der Offenbarung hatte ich das Glück, die Gesellschaft des Gesandten Allahs (s.a.w.) genießen zu dürfen.“ Daher vereinigten sich in ihm alle guten Eigenschaften. Neben seinem guten Charakter und seinem Selbstwertgefühl verliehen auch seine Geistesgegenwart, sein Humor und andere Eigenschaften seinem Wesen noch mehr Anmut.
Er war gastfreundlich und großzügig. Gegenüber den Armen und Bedürftigen war er freigebig. Manchmal hielten die Menschen ihn für äußerst verschwenderisch. Einmal sagte Hazrat Umar (r.a.) zu ihm: „Ich mag drei Dinge an dir nicht. Erstens lautet deine Kunya Abu Yahya. Es gab einen Propheten mit diesem Namen, doch du hast keinen Sohn dieses Namens. Zweitens bist du sehr verschwenderisch. Drittens behauptest du, ein Araber zu sein.“ Darauf erwiderte er: „Diese Kunya habe ich mir nicht selbst gegeben; sie wurde vom Gesandten Allahs (s.a.w.) ausgewählt. Was zweitens die Verschwendung betrifft, so gründet sich mein Handeln auf die Worte des Gesandten Allahs (s.a.w.): ‚Die Besten unter euch sind diejenigen, die den Menschen zu essen geben und den Friedensgruß erwidern.‘ Die Antwort auf den dritten Vorwurf lautet: Tatsächlich bin ich ein Sohn der Araber. In meiner Kindheit raubten mich die Römer und verschleppten mich, trennten mich von meinem Stamm und machten mich zum Sklaven. Deshalb vergaß ich meinen Stamm und meine Familie.“
Hazrat Suhaib war von mittlerer Statur, weder groß noch klein. Sein Gesicht war strahlend und sein Haar dicht. Im Alter färbte er es mit Henna. Seine Zunge war etwas schwerfällig, und er stotterte. Einmal rief er seinen Diener Yahnas. Es klang, als sage er: „Nas.“ Nas bedeutet „Menschen“. Als Hazrat Umar diesen Ruf hörte, rief er aus: „Warum ruft dieser Mann auf diese Weise ‚Nas‘, also die Menschen?“ Hazrat Umm Salama (r.a.) sagte: „Mit ‚Nas‘ ruft er nicht die Menschen, sondern seinen Diener Yahnas. Wegen seiner schwerfälligen Zunge kann er den Namen nicht richtig aussprechen.“
Ammar ibn Yasir (r.a.)
Sein Name war Ammar, seine Kunya Abu al-Yaqzan. Sein Vater war Yasir und seine Mutter Sumayya. Sein Vater stammte aus dem Stamm Qahtan; seine ursprüngliche Heimat war Jemen. Einer seiner Brüder verschwand. Auf der Suche nach dem vermissten Bruder kam Yasir gemeinsam mit seinen beiden anderen Brüdern Harith und Malik nach Mekka. Während die beiden anderen Brüder in den Jemen zurückkehrten, blieb Yasir allein in Mekka. Er schloss sich dem mekkanischen Stamm Banu Machzum an und heiratete eine Sklavin namens Sumayya, die Abu Hudhaifa al-Machzumi gehörte. Aus dem Schoß dieser Sumayya wurde Hazrat Ammar geboren. Abu Hudhaifa befreite Ammar bereits in dessen Kindheit, und beide bewahrten bis zum Lebensende ein Verhältnis wie Vater und Sohn.
Hazrat Ammar und Hazrat Suhaib ibn Sinan nahmen beide zur selben Zeit den Islam an. Ammar berichtet: „Ich sah Suhaib an der Tür des Hauses von al-Arqam stehen und fragte ihn: ‚Was ist dein Anliegen?‘ Er sagte: ‚Sag du zuerst, was dein Anliegen ist.‘ Ich sagte: ‚Ich möchte Muhammad treffen und einige seiner Worte hören.‘ Er sagte: ‚Das ist auch mein Anliegen.‘ Daraufhin nahmen wir beide gemeinsam den Islam an. Zusammen mit Ammar oder kurz vor beziehungsweise nach ihm nahm auch sein Vater Yasir den Islam an.“
Als Hazrat Ammar den Islam annahm, stellte er fest, dass außer Abu Bakr bereits fünf Männer und zwei Frauen vor ihm den Islam angenommen hatten. Das bedeutet jedoch nur, dass damals gerade diese wenigen ihren Übertritt öffentlich bekanntgegeben hatten. Andernfalls hatten nach authentischen Überlieferungen bereits mehr als dreißig Gefährten vor Ammar den Islam angenommen. Die meisten von ihnen hielten ihren Übertritt aus Furcht vor den Ungläubigen geheim.
Mekka war nicht die Geburtsheimat von Hazrat Ammar. Er hatte dort niemanden, den er sein Eigen nennen konnte. Auch besaß er weder weltliches Ansehen noch Macht. Zudem war seine Mutter Sumayya bis dahin noch nicht aus der Sklaverei der Banu Machzum befreit worden. Unter solchen Umständen nahm er den Islam an und konnte die Angelegenheit in seinem Glaubenseifer nicht einmal einen Tag geheim halten. Er gab es allen bekannt. Als die Götzendiener von Mekka seine Schwäche bemerkten, begannen sie, ihn und seine Familie auf verschiedene Weise zu quälen. In der sengenden Mittagshitze legten sie ihn auf glühende Steine und verbrannten seinen Körper mit glühendem Eisen. Doch angesichts von Ammars Glaubenskraft wurden alle Misshandlungen und Qualen der Götzendiener besiegt.
Abu Jahl, dieser Unmensch, ermordete Hazrat Ammars Mutter, Hazrat Sumayya, grausam mit seinem Speer. In der Geschichte des Islam war Hazrat Sumayya die erste Märtyrerin. Auch Ammars Vater Yasir und sein Bruder Abdullah erlitten durch die Misshandlungen der Götzendiener den Märtyrertod. Eines Tages legten die Götzendiener Ammar auf glühende Kohlen. In diesem Augenblick kam der Gesandte Allahs (s.a.w.) dorthin. Voller Schmerz legte er eine gesegnete Hand auf Ammars Kopf und sagte: „O Feuer, werde für Ammar kühl, wie du es für Ibrahim geworden bist.“ Wann immer der Gesandte Allahs (s.a.w.) am Haus von Ammars Familie vorbeikam und sie in gequältem Zustand sah, spendete er ihnen Trost. Eines Tages sagte er: „O Angehörige der Familie Ammars, für euch gibt es frohe Botschaft: Das Paradies wartet auf euch.“ Einmal beklagte sich Hazrat Ammar beim Gesandten Allahs über diese unerträgliche Unterdrückung und Misshandlung. Der Gesandte (s.a.w.) sagte: „Habt Geduld, habt Geduld.“ Dann sprach er das Bittgebet: „O Allah, vergib den Angehörigen der Familie Yasirs.“
Eines Tages hielten die Götzendiener ihn so lange unter Wasser, dass er das Bewusstsein verlor. In diesem Zustand erzwangen die Feinde durch seinen Mund die von ihnen gewünschte Anerkennung. Als er wieder zu Bewusstsein kam, wurde er von Reue gequält. Weinend begab er sich zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Heil seien auf ihm). Der Gesandte (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) fragte: „Ammar, was ist geschehen?“ Ammar antwortete: „Heute kam ich nicht frei, bevor ich nicht etwas Schlechtes über deine Person und etwas Gutes über ihre Götter gesagt hatte.“ Der Gesandte (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) fragte: „Was sagt dein Herz?“ – „Mein Herz ist vom Glauben erfüllt.“ Der geliebte Prophet (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) wischte ihm voller Mitgefühl die Tränen aus den Augen und sagte: „Das ist kein Schaden. Wenn du wieder einer solchen Situation gegenüberstehst, dann tu es wieder.“ Danach rezitierte er den folgenden Vers aus der Sure an-Nahl: „Wer nach seinem Glauben ungläubig wird – ausgenommen diejenigen, die dazu gezwungen werden, während ihre Herzen im Glauben fest gegründet sind –, auf ihnen liegt keine Schuld.“ (an-Nahl/14)
Einmal fragte Said ibn Dschubair (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) Abdullah ibn Abbas (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm): „Übten die Quraisch tatsächlich so große Gewalt gegen die Muslime aus, dass sie gezwungen waren, ihre Religion aufzugeben?“ Er antwortete: „Bei Allah, ja. Die Quraisch schlugen sie und ließen sie hungern. Sie wurden sogar so schwach, dass sie weder aufstehen noch sich hinsetzen konnten. In diesem Zustand erzwangen sie von ihnen ein Bekenntnis gegen ihr eigenes Herz. Einer dieser gequälten Muslime war Ammar.“
Unter den Sira-Gelehrten besteht Uneinigkeit darüber, ob Ammar (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) nach Abessinien ausgewandert war. Einige sagen, dass er den zweiten Zug nach Abessinien begleitete. Als die Anordnung zur Auswanderung nach Medina erging, wanderte er nach Medina aus und wurde der Gast von Mubashshir ibn al-Mundhir. Der Gesandte (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) stiftete zwischen ihm und Hudhaifa ibn al-Yaman al-Ansari ein Bruderband und schenkte ihm außerdem ein Stück Land, damit er sich dort dauerhaft niederlassen konnte.
Sechs oder sieben Monate nach der Auswanderung wurden die Grundmauern der Moschee von Medina gelegt. Auch der Gesandte (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) beteiligte sich am Bau der Moschee. Hazrat Ammar nahm ebenfalls aktiv daran teil. Er trug Ziegel auf dem Kopf und sprach dabei diesen Vers: „Nahnu al-muslimun nabni al-masajid – Wir sind Muslime, wir bauen Moscheen.“ Abu Said berichtet: „Wir trugen jeweils einen Ziegel, Ammar jedoch trug jeweils zwei.“ Einmal ging Ammar am Gesandten Allahs (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) vorbei. Der Gesandte (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) strich ihm liebevoll den Staub vom Kopf und sagte: „Wehe dir, Ammar! Eine aufständische Gruppe wird dich töten. Du wirst sie zu Allah rufen, sie aber werden dich zum Dschahannam rufen.“ Einmal lud jemand so viel auf seinen Kopf, dass die Menschen zu schreien begannen: „Ammar wird sterben, Ammar wird sterben!“ Der Gesandte (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) ging zu ihm, nahm die Ziegel von Ammars Kopf und warf sie weit weg.
An allen Kriegen von Badr bis Tabuk nahm Ammar teil. Auch in den meisten blutigen Auseinandersetzungen, die sich während der Zeit Abu Bakrs (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) ereigneten, erwies er sich als tapferer Kämpfer. Abdullah ibn Umar berichtet: „In der Schlacht von Yamama wurde Ammar ein Ohr vom Körper abgetrennt und fiel zu Boden, wo es weiterhüpfte. Trotzdem setzte er Angriff auf Angriff fort, ohne sich darum zu kümmern. Überall, wohin er kam, wurden die Reihen der Ungläubigen zerschlagen. Einmal drohte das muslimische Heer beinahe auseinanderzufallen. Ammar stellte sich mitten auf ein weites Feld neben einen Felsen und rief: ‚O muslimische Glaubenskämpfer! Flieht ihr etwa aus dem Paradies? Ich bin Ammar ibn Yasir. Kommt, kommt zu mir!‘ Dieser Ruf wirkte im muslimischen Heer wie Zauberei; sie fassten wieder Fuß und errangen den Sieg.
Im Jahr 20 nach der Hidschra ernannte der zweite Kalif, Hazrat Umar (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm), ihn zum Wali beziehungsweise zum Herrscher von Kufa. Ein Jahr und neun Monate erfüllte er diese Aufgabe mit großer Tüchtigkeit. In dieser Zeit forderten die Bewohner von Basra den Kalifen auf, einige neu eroberte Gebiete Basra zuzuschlagen. Einige führende Männer Kufas baten ihren Emir Ammar, den Kalifen dazu zu bewegen, diese Gebiete Kufa zuzuteilen. Hazrat Ammar wollte sich jedoch nicht in diesen Streit hineinziehen lassen. Die Anführer Kufas gerieten in Zorn. Einer beschimpfte ihn sogar als „Ohrenlosen“. Darauf erwiderte er betrübt: „Wehe dir, du hast mein liebstes und bestes Ohr beleidigt – jenes Ohr, das auf Allahs Weg abgetrennt wurde.“
Aus diesem Anlass erhoben einige führende Männer Kufas gegen ihn den Vorwurf, für die Verwaltung ungeeignet zu sein. Der Kalif enthob ihn seines Amtes. Am Tag nach seiner Entlassung ließ der Kalif ihn zu sich rufen und fragte ihn; die Wahrheit müsse gesagt werden. „Bei meiner Ernennung war ich zuvor nicht froh, und ebenso bin ich jetzt über meine Entlassung nicht unzufrieden.“
Als sich während der Amtszeit des dritten Kalifen, Hazrat Uthmans (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm), überall Unruhen und Unzufriedenheit ausbreiteten, setzte der Kalif im Jahr 35 nach der Hidschra eine Untersuchungskommission ein, um ihre Ursachen zu erforschen. Hazrat Ammar war ebenfalls eines ihrer Mitglieder. Ihm wurde die Untersuchung Ägyptens, des Hauptzentrums der Unruhen, übertragen. Er reiste nach Ägypten.
Die anderen Mitglieder der Kommission kehrten sehr bald zurück und legten den Bericht über ihre jeweiligen Gebiete vor. Doch Hazrat Ammar ließ unerwartet lange auf sich warten. Inzwischen verbreiteten sich in Medina, dem Sitz des Kalifats, allerlei Gerüchte und Vermutungen über ihn. Als er aus Ägypten zurückkehrte, schien er von den Aufständischen und Unruhestiftern beeinflusst worden zu sein. In öffentlichen Versammlungen begann er, die Regierungspolitik Hazrat Uthmans und die verschiedenen Maßnahmen der Provinzgouverneure scharf zu kritisieren. Infolgedessen kam es zu Auseinandersetzungen mit den Leuten des Kalifen. Einmal schlugen die Diener Uthmans (r.a.) ihn derart schwer, dass sein ganzer Körper anschwoll. Eine Rippe wurde dabei schwer verletzt. Mit den Banu Machzum hatte er seit der vorislamischen Zeit ein Schutzbündnis. Sie begaben sich zum Hof des Kalifen und drohten, dass sie unbedingt Vergeltung üben würden, falls Ammar an diesen Verletzungen sterben sollte. (Al-Istiaab) Vorfälle dieser Art nahmen immer weiter zu. Als die Unruhestifter in Medina einfielen, schickte Hazrat Uthman (r.a.) Hazrat Sa’d ibn Abi Waqqas zu Ammar mit der Bitte, seinen Einfluss geltend zu machen und sie zur Umkehr zu bewegen. Doch Ammar lehnte dies ab. (Tabari)
Hazrat Uthman (r.a.) wurde als Märtyrer getötet. Die Verantwortung für das Kalifat wurde Hazrat Ali übertragen. Hazrat Aischa, Talha, Zubair und andere zogen nach Basra, um Vergeltung für Uthmans Blut zu fordern. Hazrat Ali schickte Ammar zusammen mit Imam Hasan nach Kufa, um die Bewohner Kufas für seine Sache zu gewinnen. Als Hazrat Ammar in Kufa eintraf, hielt Hazrat Abu Musa al-Aschari (r.a.) gerade in der großen Moschee von Kufa vor einer Menschenmenge eine Ansprache. Nachdem er ihn von der Kanzel heruntergeholt hatte, hielten zuerst Hazrat Hasan und danach Hazrat Ammar eine Ansprache und konnten die Unterstützung der Bewohner Kufas für Ali (r.a.) gewinnen. Am nächsten Morgen versammelte sich neben Ammar ein Heer von etwa neuneinhalbtausend Soldaten, um auf Alis (r.a.) Seite zu kämpfen.
Im Monat Dschumada al-achira des Jahres 36 nach der Hidschra standen sich die Heere Hazrat Alis und Aischas nahe dem Ort Dhi Qar bei Basra gegenüber. Hazrat Ammar nahm mit dem Heer von Kufa an dieser Schlacht teil. Als Hazrat Zubair zu Beginn der Schlacht sah, dass Ammar auf Alis Seite stand, erinnerte er sich an die Worte des Gesandten Allahs: „Die Wahrheit ist mit Ammar; die aufständische Gruppe wird ihn töten.“ Er erkannte seinen Irrtum, wandte sich vom Kampf ab und zog sich zurück. Hazrat Ammar war in dieser Schlacht fest davon überzeugt, auf der Seite der Wahrheit zu stehen. Daher kämpfte er mit äußerstem Mut und errang den Sieg. In der Geschichte ist diese Schlacht als „Schlacht des Kamels“ bekannt.
Nach der Schlacht des Kamels kam es zwischen Hazrat Ali und Hazrat Muawiya zur Schlacht von Siffin. Auch in dieser Schlacht kämpfte Hazrat Ammar auf der Seite Hazrat Alis. Damals war er einundneunzig, nach anderer Überlieferung dreiundneunzig Jahre alt. Selbst in diesem hohen Alter konnte er sich unter dem Antrieb des Dschihad nicht zu Hause zurückhalten. Er hatte mit Gewissheit erkannt, dass die Wahrheit auf Alis (r.a.) Seite war. Deshalb kämpfte er auch in diesem Alter mit dem Heldenmut eines Löwen. Wohin auch immer er angriff, wurde das gegnerische Lager in die Flucht geschlagen. Einmal fiel sein Blick auf Hazrat Amr ibn al-As, den Fahnenträger des gegnerischen Lagers. Er sagte: „Gegen diesen Fahnenträger habe ich dreimal mit dem Gesandten Allahs gekämpft. Dies ist mein vierter Kampf gegen ihn. Bei Allah, selbst wenn er mich besiegt und bis an einen Ort namens Hadschar zurückdrängt, werde ich dennoch glauben, dass wir auf der Wahrheit und sie auf der Falschheit stehen.“ (Tabaqat 1/185)
Während der Schlacht von Siffin rief er die Menschen dazu auf, sich Alis (r.a.) Seite anzuschließen, und sagte: „O ihr Menschen, zieht mit mir zum Dschihad gegen Leute aus, die behaupten, Vergeltung für Uthmans Blut zu üben. Bei Allah, Vergeltung für sein Blut ist nicht ihr Ziel. Vielmehr genießen sie die Freuden dieser Welt und wollen noch mehr davon genießen. …… Sie haben in der Frühzeit des Islam keine Verdienste erworben, auf deren Grundlage sie die Gefolgschaft der muslimischen Gemeinschaft beanspruchen könnten. Sie haben keinerlei Anspruch auf die Führung der muslimischen Gemeinschaft. In ihren Herzen ist nicht genug Gottesfurcht, um Anhänger der Wahrheit sein zu können. Sie täuschen die Menschen, indem sie von Vergeltung für Uthmans Blut sprechen. Ihr einziges Ziel ist es, despotische Könige zu werden.“ (Ridschalun haula ar-Rasul/216)
Die Schlacht von Siffin dauerte an. Eines Abends trank Hazrat Ammar einige Schlucke Milch und sagte: „Der Gesandte Allahs (s.a.w.) hat mir gesagt, dass Milch meine letzte Nahrung sein wird. Danach werde ich heute meine Freunde treffen; heute werde ich Muhammad (s.a.w.) und seine Gefährten treffen.“ Während er dies sagte, schloss er sich den Reihen der Soldaten an. Danach griff er mit gewaltiger Wucht das Lager des Feindes an. Die Menschen wussten nämlich von der Prophezeiung des Gesandten Allahs (s.a.w.) über Ammar sowie von seiner großen Vorzüglichkeit und seinem hohen Rang. Unter ihnen befanden sich jedoch viele Neubekehrte, die nur wenig über Ammar wussten. Einer von ihnen, Ibn al-Ghabiyya, warf einen Pfeil und brachte Ammar als Erster zu Boden. Danach trennte ein anderer Mann aus Schaam seinen Kopf mit dem Schwert vom Körper.
Nachdem Ammar als Märtyrer gefallen war, begannen die beiden Mörder zu streiten, wobei jeder von ihnen allein den Ruhm für diese Tat beanspruchte. Während sie stritten, kamen sie zu Muawiya (r.a.). Zufällig war auch Hazrat Amr ibn al-As zu dieser Zeit dort anwesend. Als er die Angelegenheit sah, sagte er: „Bei Allah, diese beiden streiten um die Hölle.“ Darüber war Hazrat Amir Muawiya etwas verärgert und sagte: „Amr, was redest du da? Du sagst so etwas über Menschen, die ihr Leben für uns hingeben?“ Amr erwiderte: „Bei Allah, das ist die Wahrheit. Wie viel besser wäre es gewesen, wenn ich vor zwanzig Jahren gestorben wäre.“
Nach dem Märtyrertod Hazrat Ammars (r.a.) war Hazrat Amr ibn al-As zutiefst erschüttert. Er war bereit, sich aus diesem Konflikt zurückzuziehen. Doch Hazrat Muawiya tröstete ihn mit den Worten, dass nicht wir Ammars Mörder seien, sondern in Wirklichkeit diejenigen, die ihn aus seinem Haus herausgeführt und mit auf dieses Schlachtfeld gebracht hätten. (Tabaqat)
Durch das Martyrium Hazrat Ammars wurde zwischen Wahrheit und Falschheit entschieden. Hazrat Khuzaima ibn Thabit (r.a.) nahm an den Schlachten des Kamels und von Siffin teil. Doch für keine der beiden Seiten zog er sein Schwert. Nach dem Martyrium Hazrat Ammars erkannte er, dass es richtig war, sich auf Alis Seite zu stellen. Nun zog er sein Schwert, stürzte sich auf das Heer Hazrat Muawiyas (r.a.) und erlangte das Martyrium. Ebenso legten auch all jene Sahaba, die im Zwiespalt schwankten, ihre Zweifel ab und stellten sich auf Alis (r.a.) Seite.
Als Hazrat Ali (r.a.) vom Martyrium seines geliebten Gefährten Hazrat Ammar (r.a.) hörte, rief er traurig aus: „Möge Allah sich Ammars erbarmen an dem Tag, an dem er den Islam annahm, möge Allah sich seiner erbarmen an dem Tag, an dem er das Martyrium erlitt, und möge Allah sich seiner erbarmen an dem Tag, an dem er wieder zum Leben erweckt wird. Ich sah ihn einst beim Gesandten Allahs, als erst vier oder fünf Sahaba das Glück hatten, ihren Glauben zu bekennen. Keiner der Sahaba der ersten Generation kann an seiner Vergebung zweifeln. Ammar und die Wahrheit sind untrennbar miteinander verbunden. Sein Mörder ist gewiss ein Bewohner der Hölle.“
Danach ordnete Hazrat Ali (r.a.) die rituelle Waschung und Bestattung Hazrat Ammars an. Hazrat Ali verrichtete das Totengebet und ordnete an, Ammar in den von seinem Blut getränkten Kleidern zu bestatten. Dies geschah im Jahr 87 nach der Hidschra. Hazrat Ammar war der erste Gefährte des Gesandten Allahs (s.a.w.), der im Boden von Kufa bestattet wurde.
Hazrat Ammar war außerordentlich gottesfürchtig. Aufgrund seiner Gottesfurcht und Ehrfurcht vor Allah schwieg er stets und sprach nur sehr wenig. Immer wieder suchte er Zuflucht bei Allah vor Fitna und Unruhe. Doch Allah prüfte ihn durch die größte Fitna und machte ihn auf vollkommene Weise zu einem Unterstützer der Wahrheit.
Er war das vollkommene Beispiel für Demut und Bescheidenheit. Die Erde war sein bequemes Bett. Selbst als Gouverneur führte er ein äußerst einfaches Leben. Seine Einkäufe auf dem Markt erledigte er selbst und trug alles eigenhändig auf dem Rücken. Alle Arbeiten verrichtete er mit seinen eigenen Händen. Ibn Abil-Hudhayl, ein Zeitgenosse Hazrat Ammars, berichtet: „Ich sah Ammar, den Gouverneur von Kufa, wie er in Kufa einige Gurken kaufte. Dann band er sie mit einem Seil zusammen, lud sie sich auf den Rücken und machte sich auf den Heimweg.“ (Rijalun Hawlar Rasul, S. 211)
Das zentrale Motiv hinter jeder Handlung Hazrat Ammars (r.a.) war Allahs Wohlgefallen. Auf dem Weg zur Schlacht von Siffin sagte er immer wieder: „O Allah, wenn ich wüsste, dass Du erfreut wärest, wenn ich mein Leben hingäbe, indem ich von einem Berg spränge, ins Feuer spränge oder mich im Wasser ertränkte, würde ich Dich auf diese Weise zufriedenstellen. Ich ziehe in den Krieg. Mein einziges Ziel ist Dein Wohlgefallen. Ich hoffe, dass Du dieses Ziel nicht scheitern lassen wirst.“ (Tabaqat) Über seine charakterliche Größe und die Festigkeit seines Glaubens sagte der Gesandte Allahs (s.a.w.) selbst: „Der Glaube ist mit Ammars Adern und Blutgefäßen so verschmolzen, dass er ein Teil von ihm geworden ist.“ Der Gesandte Allahs (s.a.w.) rühmte sich vor den anderen Sahaba des Glaubens Ammars. Einmal kam es zwischen dem berühmten Heerführer Khalid ibn al-Walid und Ammar in einer Angelegenheit zu einem Missverständnis. Als dies dem Gesandten Allahs zur Kenntnis gelangte, sagte er: „Wer Ammar feindselig gegenübertritt, dem wird Allah feindselig gegenübertreten. Wer Ammar beneidet, den wird auch Allah beneiden.“ In einem anderen Hadith heißt es: „Nach mir sollt ihr Abu Bakr und Umar folgen. Nehmt aus Ammars Weg und seiner Lebensweise Rechtleitung an.“
Hazrat Ammar empfand besondere Freude am Gottesdienst. Die ganze Nacht verbrachte er im Gedenken an Allah. Unter keinen Umständen ließ er ein Gebet aus. Einmal befand er sich auf einer Reise. Es wurde notwendig, die Ganzkörperwaschung vorzunehmen. Trotz vieler Bemühungen fand er kein Wasser. Da erinnerte er sich daran, dass Erde ein Ersatz für Wasser ist. Statt der Ganzkörperwaschung bedeckte er seinen ganzen Körper mit Staub und verrichtete das Gebet. Als er von der Reise zurückkehrte und dem Gesandten Allahs (s.a.w.) davon berichtete, sagte dieser: „In einer solchen Situation genügt der Tayammum.“
Der berühmte Sahabi Hazrat Hudhaifa ibn al-Yaman (r.a.) wurde „Sirr Rasulillah“ – der Bewahrer sämtlichen verborgenen Wissens des Gesandten Allahs (s.a.w.) – genannt. Als er sich an der Schwelle zwischen Leben und Tod befand, wurde er gefragt: „Wem sollen wir uns anschließen, wenn die Menschen in verschiedene Parteien gespalten sein werden?“ Er antwortete: „Bleibt bei Ibn Sumayya. Er wird bis zu seinem Tod niemals von der Wahrheit abweichen.“ Dies waren die letzten Worte des großen Sahabi Hudhaifa. (Rijalun Hawlar Rasul, S. 212)
Von Allahs Gesandtem (s) überlieferte er eine ganze Reihe von Hadithen. Von ihm überlieferten Abu Musa al-Asch’ari, Abdullah ibn Abbas, Abdullah ibn Dschafar und zahlreiche weitere Gefährten sowie viele Tabi’un Hadithe.
Uthman ibn Maz’un (r)
Sein Name war Uthman, seine Kunya Abu Sa’ib. Sein Vater war Maz’un, seine Mutter Sukha ila bint Unais. Selbst in der vorislamischen Zeit besaß er einen äußerst reinen und lauteren Charakter. Damals waren sehr viele Menschen an den Genuss von Alkohol gewöhnt. Doch er rührte ihn kein einziges Mal an. Zu denen, die Alkohol tranken, sagte er: „Welchen Nutzen hat es, etwas zu trinken, wodurch der Verstand des Menschen verlorengeht, man zum Gespött niederer Leute wird und man im Rausch nicht mehr zwischen Mutter und Schwester unterscheiden kann?“
Auch sein Herz war außerordentlich lauter. Die Einladung Allahs Gesandten (s) beeinflusste ihn sehr schnell. Nach Ansicht der Verfasser der Sira nahmen vor ihm nur dreizehn Menschen den Islam an. Er war somit der vierzehnte Muslim. Aus einer Überlieferung Ibn Sa’ds geht hervor, dass Uthman ibn Maz’un, Ubaida ibn al-Harith, Abd ar-Rahman ibn Auf, Abu Salama Abd al-Asad und Abu Ubaida ibn al-Dscharrah gemeinsam den Islam annahmen, noch bevor Allahs Gesandter (s) im Haus al-Arqams Zuflucht suchte. Er war der erste Muhadschir, der in Medina eines natürlichen Todes starb, und der erste Muslim, der auf dem Friedhof Baqi in Medina beigesetzt wurde.
Im fünften Jahr der Prophetenschaft wanderte erstmals eine Gruppe von Muslimen mit der Erlaubnis Allahs Gesandten (s) nach Abessinien aus. Uthman ibn Maz’un war der Anführer dieser Gruppe von Muhadschirun. Auch sein Sohn Sa’ib gehörte zu dieser Gruppe. Nachdem sie einige Zeit in Abessinien verbracht hatten, erhielten sie die Nachricht, der gesamte Stamm Quraisch in Mekka habe den Islam angenommen. Voller Freude machte er sich auf den Weg nach Mekka. Als er sich Mekka näherte und erkannte, dass die Nachricht jeder Grundlage entbehrte, geriet er in große Unruhe. Denn in ein so fernes Land zurückzukehren war ebenso beschwerlich, wie der Eintritt nach Mekka unsicher war. Als nach und nach all seine Gefährten mit Hilfe ihrer jeweiligen nichtmuslimischen Verwandten nach Mekka zurückkehrten, betrat auch er unter dem Schutz von al-Walid ibn al-Mughira die Stadt. Durch den Einfluss al-Walids ibn al-Mughira blieb Hadhrat Uthman ibn Maz’un zwar körperlichen Misshandlungen und Qualen erspart, doch angesichts der Unterdrückung und Verfolgung, denen Allahs Gesandter (s) und die übrigen Gefährten ausgesetzt waren, konnte er keineswegs glücklich sein. Eines Tages machte er sich selbst Vorwürfe und sagte: „Wehe mir! Meine Verwandten, Freunde und Stammesangehörigen ertragen alle möglichen Misshandlungen, während ich mit der Hilfe eines Nichtmuslims ein angenehmes Leben führe. Bei Allah, das ist eine große Schwäche meiner eigenen Person.“
Dieser Gedanke beunruhigte ihn zutiefst. Er begann, unter einem Schuldgefühl zu leiden. Er ging zu al-Walid und sagte: „O Abu Abdi Schams, du hast deine Verantwortung in jeder Hinsicht erfüllt. So lange habe ich unter deinem Schutz gelebt, doch nun halte ich es für besser, unter dem Schutz Allahs und Seines Gesandten zu stehen. Das Vorbild von Allahs Gesandtem und seinen Gefährten genügt mir.“ Al-Walid sagte: „Vielleicht hat dir jemand Leid zugefügt.“ Er erwiderte: „Nein. Die Wahrheit ist, dass ich jetzt niemandes Hilfe außer der Allahs benötige. Komm jetzt mit mir zur Kaaba, und verkünde ebenso den Widerruf deines Schutzes, wie du damals verkündet hast, dass du mir Schutz gewährst.“ Auf sein beharrliches Drängen hin ließ al-Walid im Hof der Kaaba eine öffentliche Versammlung einberufen. Auch Uthman bestätigte dort stehend die Worte al-Walids und sagte: „Meine Freunde, ich habe al-Walid als jemanden kennengelernt, der sein Versprechen hält und barmherzig ist. Da wir nun die Hilfe niemandes außer der Allahs und Seines Gesandten wünschen, habe ich selbst die Last von al-Walids Wohltat beziehungsweise Gefälligkeit von meinen Schultern genommen.“
Nach dieser Erklärung ging Uthman ibn Maz’un mit Labid ibn Rabi’a zu einer Versammlung der Quraisch. Labid war der berühmteste Dichter Arabiens seiner Zeit. Kaum war er eingetroffen, begann der Dichterabend. Labid begann, seine Qasida vorzutragen. Als er zu dem Vers „Ala kullu schai’in ma khalallahu batilun“ – „Wisset: Alles außer Allah ist nichtig“ – gelangte, rief Uthman plötzlich: „Du hast die Wahrheit gesprochen.“ Als Labid jedoch den zweiten Vers vortrug: „Wa kullu na’imin la-mahalata za’ilun“ – „Und jeder Wohlstand wird gewiss vergehen“ –, rief er mit widersprechender Stimme: „Du hast gelogen.“ Alle Anwesenden blickten ihn zornig an. Sie baten Labid, den Vers noch einmal vorzutragen. Labid trug ihn erneut vor, und Uthman erklärte wiederum, der erste Vers sei wahr und der zweite falsch, und sagte: „Du hast gelogen. Die Gaben und Freuden des Paradieses werden niemals vergehen.“ Als Labid dies hörte, wurde er etwas ungehalten und sagte: „Leute des Stammes Quraisch, so war es in eurer Versammlung bisher noch nie.“ Diese aufreizende Bemerkung brachte die gesamte Versammlung zum Überkochen. In diesem Augenblick trat ein Elender auf Uthman zu und schlug ihm mit voller Wucht ins Gesicht. Durch den Schlag wurde eines seiner Augen von Blut unterlaufen und schwarz. Die Leute sagten: „Uthman, unter al-Walids Schutz ging es dir doch sehr gut, und auch dein Auge war vor diesem Leid sicher.“ Er erwiderte: „Der Schutz Allahs ist der sicherste und ehrenvollste. Auch mein noch gesundes Auge sehnt sich danach, am Leid seines Gefährten teilzuhaben.“ Al-Walid fragte: „Willst du wieder unter meinen Schutz kommen?“ Er antwortete: „Jetzt genügt mir Allahs Schutz.“ Seine Empfindungen aus jener Zeit kommen in einer von ihm selbst verfassten Qasida wunderbar zum Ausdruck. Auch Hadhrat Ali hat dieses Ereignis um Uthman in einem Gedicht eindrucksvoll geschildert. (Siehe: Hayat as-Sahaba, Bd. 1.)
So ertrug Hadhrat Uthman lange Zeit geduldig die verschiedenen Formen der Verfolgung und Misshandlung in Mekka. Danach erlaubte Allahs Gesandter (s) allen Gefährten, nach Medina auszuwandern. Hadhrat Uthman ibn Maz’un wanderte gemeinsam mit seinen beiden Brüdern Qudama ibn Maz’un und Abdullah ibn Maz’un, seinem Sohn Sa’ib ibn Uthman sowie allen übrigen Familienangehörigen von Mekka nach Medina aus. Hadhrat Uthman ließ keinen einzigen Angehörigen seiner Familie in Mekka zurück. Nach seiner Ankunft in Medina war er Gast von Hadhrat Abdullah ibn Salama al-Adschlani (r).
Als Rasulullah (s.a.s.) Medina erreichte, schenkte er Hazrat Uthman und seinen Brüdern ein weitläufiges Grundstück zur dauerhaften Ansiedlung und begründete ein brüderliches Verhältnis zwischen ihm und Hazrat Abu al-Haitham ibn at-Taihan.
Der erste Zusammenstoß zwischen Wahrheit und Falschheit ereignete sich in der Ebene von Badr. Er nahm an diesem Feldzug teil. Unmittelbar nach seiner Rückkehr vom Kampf erkrankte er. Trotz der aufopferungsvollen Pflege durch seinen ansarischen Bruder sowie seine Angehörigen
konnten sie ihn nicht vor dem Tod bewahren. Dreißig Monate nach der Hidschra verschied Hazrat Uthman ibn Maz’un in Medina.
Hazrat Umm al-Ala al-Ansariyya, in deren Haus Hazrat Uthman verschied, berichtet: Nachdem er gewaschen und in das Leichentuch gehüllt worden war und die Totenbahre vorbereitet worden war, kam Rasul (s.a.s.) herbei. Ich begann zu sagen: „Abu Saib, Allahs Barmherzigkeit sei über dir! Ich bezeuge, dass Allah dich ehren wird.“ Rasul (s.a.s.) fragte: „Woher weißt du, dass Allah ihn ehren wird?“ Ich antwortete: „O Rasulullah, wenn nicht ihn, wen sonst sollte Er ehren?“ Rasul (s.a.s.) sagte: „Uthman war ein Mann von festem Glauben. Ich hoffe, dass es ihm gut ergehen wird. Doch bei Allah, obwohl ich Allahs Gesandter bin, weiß ich nicht, was mein eigenes Ende sein wird.“
Der Tod von Hazrat Uthman ibn Maz’un erfüllte Rasul (s.a.s.) mit tiefem Schmerz. Er beugte sich dreimal über ihn und küsste seine Stirn. Dabei wurden Uthmans Wangen von den Tränen Rasulullahs (s.a.s.) benetzt. Dann richtete er den Kopf auf und sagte mit tränenerstickter Stimme: „Abu Saib, ich scheide von dir. Allah erweise dir Barmherzigkeit! Du bist auf eine solche Weise aus der Welt geschieden, dass du nichts von ihr genommen hast und auch die Welt nichts von dir nehmen konnte.“
Auch nach Hazrat Uthmans (r.a.) Tod vergaß Rasul (s.a.s.) ihn nicht. Als Hazrat Ruqayya, die Tochter Rasulullahs (s.a.s.), starb, wandte er sich an seine Tochter und sagte: „Geh und schließe dich unserem vortrefflichen Vorangegangenen, Uthman ibn Maz’un, an.“
Als Hazrat Uthman ibn Maz’un starb, gab es in Medina noch keinen bestimmten Friedhof für die Muslime. Nach Uthmans Tod wählte Rasul (s.a.s.) den Ort namens „Baqi“ in Medina als Friedhof aus. Unter den Gefährten Rasulullahs (s.a.s.) wurde er als Erster hier beigesetzt. Rasul (s.a.s.) selbst verrichtete das Totengebet und beaufsichtigte die Beisetzung, während er am Grab stand. Danach stellte er etwas als Kennzeichen auf das Grab und sagte: „Wenn nun jemand stirbt, wird er in dieser Umgebung beigesetzt werden.“
Hazrat Uthman besaß einen äußerst edlen Charakter. Bereits in der Zeit der Dschahiliyya verabscheute er berauschende Getränke. Schamhaftigkeit gehörte zu seinem Wesen.
Er hatte eine starke Neigung zur Ruhbāniyya, also zur Askese. Einmal fasste er den Entschluss, die Wünsche und Begierden seines Triebes zu vernichten und ein Wüstenasket oder ein Weltentsagender zu werden. Doch als der Gesandte (s.a.s.) davon erfuhr, hielt er ihn von diesem Vorhaben ab. Er sagte: „Bin ich für dich nicht das beste Vorbild? Ich verkehre mit meiner Frau, esse Fleisch, faste und breche das Fasten. Das Fasten ist die Kastration beziehungsweise Entmannung meiner Gemeinschaft. Wer sich daher kastriert oder kastrieren lässt, gehört nicht zu meiner Gemeinschaft.“
Gottesdienst und nächtliche Andacht waren seine liebsten Beschäftigungen. Die ganze Nacht hindurch verrichtete er das Gebet. An den meisten Tagen des Jahres fastete er. In seinem Haus hatte er einen Raum für den Gottesdienst bestimmt. Dort vollzog er Tag und Nacht den Iʿtikāf. Eines Tages hielt der Gesandte (s.a.s.) sich an der Schwelle dieses Raumes fest und sagte zwei- oder dreimal: „Usman, Allah hat mich nicht zur Ruhbāniyya oder Askese entsandt. Die einfache und geradlinige hanifitische Religion ist Allah lieber als alle Religionen.
Sein starkes Verlangen nach Gottesdienst machte ihn gegenüber seiner Frau und seinen Kindern gleichgültig. Eines Tages kam seine Frau in das Haus des Propheten. Die Ehefrau des Propheten (s.a.s.) fragte sie, als sie ihre schlichte und ungepflegte Kleidung sah:
„Warum bist du in diesem Zustand? Dein Mann ist doch einer der wohlhabenden Männer der Quraisch.“ Sie erwiderte: „Was verbindet mich schon mit ihm? Er betet die ganze Nacht und fastet am Tag.“ Die Mütter der Gläubigen trugen die Angelegenheit dem Gesandten Allahs (s.a.s.) vor. Darauf eilte der Gesandte (s.a.s.) zum Haus von Usman ibn Maz’un, rief ihn und sagte: „Usman, ist mein eigenes Leben für dich nicht ein Vorbild?“ Usman sagte: „Mögen meine Eltern für dich geopfert werden.“ Der Gesandte (s.a.s.) sagte: „Du verrichtest die ganze Nacht Gottesdienst und fastest an den meisten Tagen.“ Er antwortete: „Ja, so tue ich es.“ Da wurde ihm gesagt: „Tu das nicht. Dein Auge, dein Körper und deine Familie haben ein Recht auf dich. Bete und ruhe dich aus, faste und brich das Fasten.“ Nach dieser Unterweisung kam seine Frau eines Tages wieder in das Haus des Propheten. Diesmal war sie jedoch wie eine frisch verheiratete Braut geschmückt. Von ihrem Körper ging Wohlgeruch aus.
Nach dem Tod von Hadhrat Chadidscha (r.a.) unterbreitete Hadhrat Chawla bint Hakim, die Ehefrau von Hadhrat Usman ibn Maz’un, dem Gesandten Allahs (s.a.s.) den Heiratsvorschlag bezüglich Hadhrat Aischa und Hadhrat Sawda. Im Wesentlichen wurden diese beiden Ehen des Gesandten Allahs (s.a.s.) durch ihre Vermittlung geschlossen. (Hayāt as-Sahāba 2/653)
Abdullah ibn Umar (r.a.)
Sein Name war Abdullah, seine Kunya Abu Abd ar-Rahman. Sein Vater war Umar ibn al-Chattab, seine Mutter Zaynab. Nach der maßgeblichen Überlieferung war er während der Schlacht von Uhud im dritten islamischen Jahr vierzehn Jahre alt. Demnach wurde er im zweiten Jahr der Sendung geboren. Als Hadhrat Umar im sechsten Jahr der Sendung den Islam annahm, war Abdullah ungefähr fünf Jahre alt.
Seit dem Erwachen seines Verstandes sah Abdullah sein eigenes Haus vom Licht des Islam erleuchtet. Er wuchs in einer islamischen Umgebung auf. Nach einigen Überlieferungen nahm er bereits vor seinem Vater den Islam an. Die richtige Ansicht ist jedoch, dass er zur Zeit der Annahme des Islam durch seinen Vater noch jung war. Als minderjähriger Sohn folgte auch er der Religion seines Vaters.
Hazrat Umar (ra) wanderte, von der Verfolgung durch die Ungläubigen bedrängt, gemeinsam mit seiner Familie von Mekka nach Medina aus. Auch Abdullah zog mit seinem Vater nach Medina. Nach der Hidschra kam es auf dem Schlachtfeld von Badr zum ersten Aufeinandertreffen von Wahrheit und Falschheit. Ibn Umar war damals ein dreizehnjähriger Junge. Er bat darum, am Dschihad teilnehmen zu dürfen. Da er noch nicht das erforderliche Alter für den Dschihad erreicht hatte, wies der Gesandte Allahs (s.a.w.s.) seinen Antrag zurück. Ein Jahr später stand erneut die Schlacht von Uhud bevor. Diesmal meldete er sich. Aus demselben Grund erhielt er auch diesmal nicht die Erlaubnis des Gesandten Allahs (s.a.w.s.). Zwei Jahre später, im fünften Jahr nach der Hidschra, fand die Schlacht am Graben statt. Abdullah war fünfzehn Jahre alt. Zum ersten Mal erhielt er die Erlaubnis des Gesandten Allahs (s.a.w.s.), zum Dschihad auszuziehen.
Während des Vertrags von Hudaybiyya im sechsten Jahr nach der Hidschra war er Reisebegleiter des Gesandten Allahs (s.a.w.s.) und erlangte das Glück, an der Baiʿat ar-Ridwan teilzunehmen. Zufällig erlangte er diese Ehre noch vor seinem Vater, Hazrat Umar (ra). An jenem Tag hatte Hazrat Umar (ra) ihn zu einem Ansar geschickt, um ein Pferd zu holen. Kaum war er aufgebrochen, hörte er, dass der Gesandte Allahs (s.a.w.s.) von den Gefährten den Treueid entgegennahm. Er eilte dorthin und leistete als Erster dem Gesandten Allahs (s.a.w.s.) den Treueid.
Auch am Feldzug nach Chaibar nahm er teil. Die Bestimmungen über Erlaubtes und Verbotenes, die der Gesandte (s.a.w.s.) auf dieser Reise verkündete, überlieferte auch er. (Buchari)
Bei der Eroberung von Mekka war Ibn Umar ein zwanzigjähriger junger Mann. Auch an diesem Feldzug nahm er neben den anderen Mudschaheddin teil. Seine Waffen waren ein schnelles Pferd und ein schwerer Speer. Er trug ein einziges Tuch um den Körper. Eines Tages schnitt er gerade eigenhändig Gras für sein Pferd, als der Gesandte (s.a.w.s.) ihn sah und ausrief: „Abdullah, Abdullah!“ Nach der Eroberung Mekkas betrat er hinter dem Gesandten Allahs das Haus der Kaaba. Er berichtet: „Gemeinsam mit dem Gesandten Allahs (s.a.w.s.) betraten zunächst Usama ibn Zaid, Uthman ibn Talha und Bilal ibn Rabah die Kaaba. Danach war ich der Erste, der das Innere der Kaaba betrat.“
Nach der Eroberung Mekkas nahm er auch am Feldzug nach Hunain und an der Belagerung von Taif teil. Gemeinsam mit zahlreichen Muslimen begleitete Ibn Umar den Gesandten Allahs (s.a.w.s.) auf seiner Abschiedswallfahrt und vollzog diese Wallfahrt.
Im neunten Jahr nach der Hidschra wurde der Feldzug nach Tabuk durchgeführt. Der Gesandte (s.a.w.s.) brach mit dreißigtausend Mudschaheddin nach Tabuk auf. Ibn Umar war ebenfalls eines der Mitglieder dieses Heeres. Kurz gesagt: Vom Graben bis zum letzten Tag im Leben des Gesandten Allahs (s.a.w.s.) nahm er an allen wichtigen Feldzügen und Ereignissen teil.
Während der Amtszeit des ersten Kalifen ist Ibn Umar in keiner nennenswerten Tätigkeit zu sehen. Oder falls er daran beteiligt war, findet sich in der Geschichte darüber kaum etwas.
Während der Amtszeit des zweiten Kalifen ist Ibn Umar in einigen Feldzügen als einfacher Soldat anzutreffen. Er nahm an der Schlacht von Nihawand teil und erkrankte. Auch an den Feldzügen nach Syrien und Ägypten nahm er teil und erkrankte. Aus der Geschichte ist bekannt, dass er an den Feldzügen nach Syrien und Ägypten teilnahm. Über einen nennenswerten Beitrag von ihm bei diesen Feldzügen ist jedoch nichts bekannt. Auch in den Verwaltungsangelegenheiten des Staates ist er in dieser Zeit nicht anzutreffen. Der Grund dafür war vermutlich, dass Kalif Umar (ra) nicht wünschte, dass seine nahen Verwandten in besondere Angelegenheiten des Kalifats einbezogen wurden. Trotzdem nahm er, sobald eine Frage nach dem Nutzen oder Schaden für die muslimische Umma aufkam, aus eigenem Antrieb die gesamte Strenge seines Vaters auf sich. Als Beispiel sei genannt: Als Kalif Umar (ra) an der Schwelle des Todes stand, hörte Ibn Umar aus dem Mund seiner Schwester, der Umm al-Mu’minin Hazrat Hafsa (ra), dass Umar (ra) niemanden als seinen Nachfolger einsetzen wollte. Ibn Umar dachte über die künftigen Probleme der Umma nach dem Tod seines Vaters nach. Zitternd vor Angst trat er vor seinen Vater und brachte mutig vor: „Verschiedene Aussagen der Menschen dringen an mein Ohr, und ich bin gekommen, um sie dir mitzuteilen. Sie meinen, dass du niemanden als deinen Nachfolger einsetzen willst.“ Weiter sagte er: „Nehmen wir an, ein Hirte hütet deine Kamele und Ziegen. Wenn er die Herde auf dem Feld zurücklässt und zu dir kommt, wie würde dann sein Ende aussehen? Die Menschen zu hüten, ist gewiss eine noch schwierigere Aufgabe.“ Diese vernünftigen Worte gefielen Kalif Umar. Nach kurzem Nachdenken sagte er: „Allah selbst ist der Hüter seiner Herde.“ Schließlich übertrug er die Aufgabe, den nächsten Kalifen zu wählen, einer Gruppe hochrangiger Gefährten.
Nach dem Tod seines Vaters sieht man Ibn Umar erstmals in der Versammlung zur Wahl des Kalifen. Hadhrat Umar hinterließ die Anweisung, dass Abdullah bei der Wahl des nächsten Kalifen lediglich als Berater fungieren solle. Man dürfe ihn nicht zum Kalifen machen.
Während der Herrschaft des Kalifen Uthman erhielt er die Gelegenheit, an Verwaltungsangelegenheiten mitzuwirken. Doch niemals versuchte er, einen unrechtmäßigen Vorteil zu erlangen. Der Kalif Uthman (r.a.) bot ihm das Amt des Qadi an. Er lehnte ab und sagte: „Ich entscheide weder zwischen zwei Menschen, noch leite ich das Gebet für zwei Menschen.“ Denn der Gesandte (s.a.w.s.) habe gesagt: „Die Richter sind von drei Arten: Erstens ein Unwissender – sein Aufenthaltsort ist die Hölle. Zweitens ein weltlicher Gelehrter – auch er gehört in die Hölle. Drittens diejenigen, die Ijtihad üben und zu einer richtigen Entscheidung gelangen – für sie gibt es weder Strafe noch Belohnung.“ Der Kalif sagte: „Auch dein Vater pflegte Entscheidungen zu treffen.“ Er erwiderte: „Ja, das ist wahr. Doch wenn er auf ein Problem stieß, ging er zum Gesandten Allahs (s.a.w.s.). Und wenn der Gesandte (s.a.w.s.) bei einer Entscheidung nicht weiterwusste, suchte er Zuflucht bei Dschibril. Zu wem aber soll ich jetzt gehen? Um Allahs willen, entbinde mich davon.“ Der Kalif entband ihn von dem Amt. Er nahm ihm jedoch das Versprechen ab, dies niemand anderem mitzuteilen. Denn der Kalif wusste: Wenn die Menschen erführen, dass Ibn Umar sich geweigert hatte, das Amt des Qadi anzunehmen, würde sich für dieses Amt kein weiterer aufrichtiger Mensch finden. Alle würden Ibn Umars Beispiel folgen.
Obwohl er sich von den Verwaltungsaufgaben des Kalifats fernhielt, blieb er dem Dschihad auf dem Weg Allahs niemals fern. Wann immer zum Dschihad aufgerufen wurde, leistete er Folge. Im Jahr 27 nach der Hidschra nahm er am Feldzug nach Afrika (Tunesien, Algerien und Marokko) teil. Im Jahr 30 nach der Hidschra beteiligte er sich gemeinsam mit Said ibn al-As am Feldzug nach Chorasan und Tabaristan. Als jedoch innere Unruhen sowie Fitna und Zwietracht ausbrachen, zog er sich vollständig zurück. An keiner Angelegenheit des Kalifats nahm er mehr teil. Nach dem Märtyrertod Hadhrat Uthmans (r.a.) baten die Menschen ihn, das Kalifat zu übernehmen. Er lehnte dies entschieden ab. Die Menschen drohten ihm mit dem Tod. Doch er blieb ohne die geringste Erschütterung fest bei seiner Entscheidung.
Es besteht Uneinigkeit darüber, wessen Kalifat er von den beiden – Ali und Muawiya (r.a.) – anerkannte. Ibn Hadschar sagt: „Ibn Umar war der Ansicht, dass man niemandem die Bayʿa leisten solle, solange es in Bezug auf eine Person keinen Konsens oder keine Einigkeit der Bevölkerung gebe. Aus diesem Blickwinkel leistete er Ali (r.a.) nicht die Bayʿa. Einer Überlieferung im Mustadrak zufolge leistete er Ali (r.a.) jedoch unter der Bedingung die Bayʿa, dass er sich nicht mit ihm in einen Bürgerkrieg verwickeln würde. Ali billigte diese Bedingung. Durch ihn wurde kein einziger Tropfen muslimischen Blutes vergossen. Dennoch empfand er bis zum Ende seines Lebens ein starkes Schuldgefühl, weil er sich Ali (r.a.) nicht angeschlossen hatte.“
Nach der Schlacht von Siffin wurden Abu Musa al-Aschari und Amr ibn al-As zu den Schiedsrichtern beider Seiten ernannt. Abu Musa schlug seinem Gegenüber Abdullah ibn Umar als Kalifen vor. Doch Amr ibn al-As lehnte diesen Vorschlag ab. Gemeinsam mit anderen Muslimen war auch Ibn Umar in Dumat al-Dschandal anwesend, um die Entscheidung der beiden Schiedsrichter anzuhören.
Nach dem Märtyrertod Hadhrat Alis akzeptierte er das Kalifat Amirs Muawiyas. An den verschiedenen Feldzügen seiner Regierungszeit nahm er teil. Auch am Feldzug gegen Konstantinopel beteiligte er sich.
Nach Amir Muawiya (r.a.) übernahm Yazid die Verantwortung für das Kalifat. Um der Fitna zu entgehen, die aus den gegenseitigen Spaltungen der muslimischen Umma entstanden war, leistete er ihm die Bayʿa. Dazu bemerkte er: „Wenn es gut ist, werden wir uns freuen; und wenn es schlecht ist, werden wir Geduld üben.“ Einige Zeit später widerriefen die Bewohner Medinas ihre Yazid geleistete Bayʿa. Da rief er seine Familienangehörigen zusammen und sagte: „Ich habe Yazid die Bayʿa zum Gehorsam gegenüber Allah und Seinem Gesandten geleistet. …… Keiner von euch soll diese Bayʿa brechen. Wenn jemand sie bricht, wird das Schwert zwischen mir und ihm entscheiden.“ Seiner Ansicht nach bedeutete die Aufhebung oder der Widerruf dieser Bayʿa eine Art Täuschung. Und die Scharia sieht für Täuschung eine harte Strafe vor. Er leistete Yazid die Bayʿa nicht aus irgendeiner Habgier heraus.
Nach Yazids Tod wurde sein Sohn, Muawiya II., Kalif. Nur drei Monate lang führte er die Angelegenheiten des Kalifats. Nach seinem Tod erklärte sich einerseits Abdullah ibn az-Zubair (r.a.) in Mekka selbst zum Kalifen. Die Bewohner des Irak, des Hidschas und des Jemen leisteten ihm die Bayʿa. Andererseits beanspruchte Marwan das Kalifat für sich und nahm die Bayʿa der Syrer entgegen. Obwohl damals die meisten Gebiete des islamischen Kalifats Abdullah ibn az-Zubair unterstützten, schenkte Abdullah ibn Umar seinem Anspruch nicht die geringste Beachtung. Während es wegen des Anspruchs auf das Kalifat zu Zusammenstößen zwischen den beiden rivalisierenden Gruppen kam, sagte ein Mann zu Ibn Umar: „Allah hat befohlen, gegen die Fitna Dschihad zu führen.“ Er erwiderte: „Als es Fitna gab, haben wir Dschihad geführt. Die Ungläubigen erlaubten den Muslimen nicht, Allah anzubeten – das war die Fitna jener Zeit. Dieser heutige Bürgerkrieg ist kein Dschihad, sondern ein selbstzerstörerischer Kampf um die Königsherrschaft.“ Als jedoch Haddschadsch ibn Yusuf in Mekka Abdullah ibn az-Zubair angriff und einen Teil der Kaaba zerstörte, brachte er seine starke Missbilligung und Verurteilung zum Ausdruck.
Als Abd al-Malik die Baiʿa zum Kalifenamt erhielt, sandte auch Ibn Umar eine schriftliche Baiʿa. Der Inhalt seiner Baiʿa lautete: „Ich und mein Sohn geloben dem Befehlshaber der Gläubigen, Abd al-Malik, im Rahmen unserer Möglichkeiten Gehorsam gegenüber Allah und der Sunna des Gesandten.“ Abd al-Malik erwies Ibn Umar große Ehre und folgte ihm bei der Befolgung der Anweisungen der Scharia. Während der Haddschzeit erließ er die Anweisung, Ibn Umar bei der Verrichtung der Riten des Haddsch zu folgen.
Im Jahr 74 nach der Hidschra starb er im Alter von 83 oder 84 Jahren. Während des Haddsch bohrte sich die vergiftete Spitze eines Speers in seinen Fuß. Dieses Gift führte schließlich zu seinem Tod. Allgemein wird angenommen, dass dies nicht bloß zufällig geschah, sondern dass al-Haddschadsch dahintersteckte. Denn Ibn Umar hatte al-Haddschadsch wegen seines Angriffs auf Abd Allah ibn az-Zubair in der Kaaba heftig getadelt. Darüber wurde al-Haddschadsch zornig. Daraufhin verletzte ihn auf seinen Wink hin ein syrischer Soldat auf diese Weise. Ibn Hadschar sagte allerdings, Abd al-Malik habe al-Haddschadsch angewiesen, keinen Konflikt mit Ibn Umar anzufangen. Dieser Befehl war für al-Haddschadsch äußerst quälend. Daher beseitigte er Ibn Umar auf diesem Umweg aus der Welt.
Ibn Saʿd berichtet, dass al-Haddschadsch einmal während seiner Predigt Ibn az-Zubair beschuldigte, das Wort Allahs verfälscht zu haben. Ibn Umar widersprach sofort und rief: „Du hast gelogen. Ibn az-Zubair besitzt nicht die Macht dazu, und auch du hast keinerlei Recht, eine solche Anschuldigung zu erheben.“ Einen derart scharfen Widerspruch in einer öffentlichen Versammlung konnte al-Haddschadsch nicht einfach hinnehmen. Doch er wagte es auch nicht, Ibn Umar öffentlich in irgendeiner Weise unhöflich zu behandeln. Deshalb griff er zu einer solchen geheimen Verschwörung.
In einem anderen Bericht heißt es, dass al-Haddschadsch eines Tages eine so lange Predigt hielt, dass die Zeit für das Nachmittagsgebet knapp wurde. Verärgert rief Ibn Umar: „Die Sonne kann nicht auf dich warten.“ Jedenfalls konnte der tyrannische al-Haddschadsch den Streiter für die Wahrheit, Ibn Umar, aus verschiedenen Gründen nicht ertragen. Daher sorgte er auf diese Weise dafür, ihn aus der Welt zu schaffen.
Als Ibn Umar aufgrund der Giftwirkung ans Bett gefesselt war, besuchte al-Haddschadsch ihn. Nach dem Austausch von Höflichkeiten sagte al-Haddschadsch: „Wenn ich den Schuldigen erkenne, werde ich ihm den Kopf abschlagen.“ Ibn Umar erwiderte: „Du hast doch alles getan. Und dann sagst du, du würdest den Schuldigen töten, sobald du ihn findest.“ Nachdem al-Haddschadsch diese unangenehme Wahrheit direkt ins Gesicht gesagt worden war, verstummte er.
Hazrat Abd Allah ibn Umar hatte den innigen Wunsch, seinen letzten Atemzug in Medina, der Erleuchteten, auszuhauchen. Als sich sein Zustand zu verschlechtern begann, betete er: „O Allah, lass mich nicht in Mekka sterben.“ Er wies seinen Sohn Salim an: „Wenn ich in Mekka sterbe, begrabe mich an einem Ort außerhalb des Heiligtums von Mekka. Es erscheint mir nicht gut, in dem Land begraben zu werden, aus dem ich ausgewandert bin.“ Wenige Tage nachdem er seinen Sohn Salim angewiesen hatte, schied er aus dieser Welt.
Nach seinem Tod wollten die Menschen seinen Leichnam gemäß seiner Anweisung außerhalb des Heiligtums beisetzen. Doch al-Haddschadsch verhinderte dies. Er selbst leitete das Totengebet und ließ ihn auf dem Friedhof namens Fakh beisetzen.
Die Begleitung des Gesandten Allahs unter allen Umständen – auf Reisen und am Aufenthaltsort, zu Hause und unterwegs –, die Unterweisung und Erziehung durch Hazrat Faruq Azam und vor allem sein eigener Wissensdurst hatten ihn zu einem Meer islamischen Wissens gemacht. In den Wissenschaften des Korans, des Hadiths, der Fiqh und anderen Bereichen besaß er umfassendes Wissen. Zu jener Zeit wurden in Medina einige Gelehrte als „Majmaʿ al-Bahrain“, als Zusammenkunft zweier Meere in Wissen und Tat, bezeichnet; Ibn Umar gehörte zu ihnen.
Er hegte eine außergewöhnlich starke Zuneigung zum Rezitieren des edlen Korans. Einen großen Teil seines Lebens widmete er dem Studium der Suren und Verse des Korans. Allein mit dem Studium der Sure al-Baqara verbrachte er vierzehn Jahre. Daran lässt sich ermessen, wie viel Mühe und Zeit er aufwendete, um den Koran zu verstehen. Diese außergewöhnliche Zuneigung zum Koran verlieh ihm eine einzigartige Fähigkeit zur Koranexegese und -auslegung. Die Fähigkeit, den Koran zu verstehen, entwickelte sich bereits zu Beginn seiner Jugend. Deshalb sah man ihn zusammen mit den bedeutendsten Sahaba in den Versammlungen des Gesandten Allahs (s).
Nach dem Koran nimmt der Hadith den nächsten Rang ein. Ibn Umar war einer der herausragenden Hadith-Gelehrten und Bewahrer. Die Zahl der von ihm überlieferten Hadithe beträgt 1.630 (eintausendsechshundertdreißig). Davon wurden 170 als muttafaqun alaihi, das heißt sowohl von al-Buchari als auch von Muslim, überliefert. 81 überlieferte al-Buchari allein und 31 Muslim allein. Er hatte ein starkes Verlangen, jedes Wort und jede Handlung des Gesandten Allahs (s) zu kennen. Wenn er sich zeitweise nicht in der Gesellschaft des Gesandten Allahs (s) aufhielt, erkundigte er sich bei denjenigen, die ihm zu Diensten waren, nach dessen Worten und Handlungen während dieser Zeit und prägte sie sich ein. Sobald er von einem neuen, ihm unbekannten Wort erfuhr, begab er sich unverzüglich zum Gesandten Allahs (s) oder zum ersten Überlieferer, um dessen Echtheit zu überprüfen. Dieser forschende Geist machte Ibn Umar zu einem gewaltigen Meer auf dem Gebiet der Hadith-Wissenschaft. Wenn er sich nicht an jeden einzelnen Buchstaben einer aus dem Mund des Gesandten Allahs (s) hervorgegangenen Aussage erinnerte, überlieferte er sie nicht. Seine Zeitgenossen sagten: „Unter den Sahaba gibt es niemanden, der vorsichtiger wäre als Ibn Umar, wenn es um das Hinzufügen oder Weglassen bei der Überlieferung der Hadithe des Gesandten Allahs (s) geht.“
Durch Hadhrat Ibn Umar wurde ein großer Teil der Hadith-Wissenschaft verbreitet. Nach dem Tod des Gesandten Allahs (s) lebte er noch mehr als sechzig (60) Jahre. Während dieser langen Zeit widmete er sich mit ungeteilter Hingabe dem Studium der religiösen Wissenschaften. Ibn Schihab az-Zuhri sagte: „Keine Angelegenheit des Gesandten Allahs (s) und seiner Sahaba war Ibn Umar unbekannt.“ Aus Furcht, dadurch dieses Studium zu unterbrechen, übernahm er auch damals kein staatliches Amt. Sein ständiger Lehrkreis befand sich in Medina. Während der Hadsch-Saison erteilte er Fatwas. Er besuchte die Menschen auch in ihren Häusern und lehrte sie Hadithe. Es wird überliefert, dass er eines Tages das Haus von Abdullah ibn Mutī besuchte. Abdullah ließ ihn Platz nehmen. Nachdem Ibn Umar sich gesetzt hatte, sagte er: „Ich bin um diese Zeit zu dir gekommen, um dir einen Hadith zu übermitteln.“ Der Gesandte (s) sagte: „Wer sich der Gehorsamkeit gegenüber dem Befehlshaber entzieht, wird am Tag der Auferstehung in einem Zustand auferstehen, in dem er keinen Beweis vorzuweisen hat. Und wer stirbt, nachdem er sich von der Gemeinschaft getrennt hat, der stirbt den Tod der Zeit der Unwissenheit.“
Er fürchtete sehr, bei der Überlieferung der Hadithe des Gesandten Allahs (s) etwas hinzuzufügen oder wegzulassen. Deshalb überlieferte er nur sehr wenige Hadithe. Imam asch-Schaʿbi sagte: „Ich saß ein Jahr lang bei Abdullah ibn Umar, doch in dieser Zeit überlieferte er mir keinen einzigen Hadith.“ Das bedeutet nicht, dass er die Überlieferung von Hadithen missbilligte oder nur wenige überlieferte; vielmehr hielt er sie für eine Notwendigkeit. Veränderungen an den Worten waren ihm nicht genehm.
Wegen seiner äußersten Vorsicht bei der Überlieferung von Hadithen gelten die von ihm überlieferten Hadithe bei den Muhaddithun als besonders zuverlässig. Ibn Schihab az-Zuhri hielt, wenn er einen Hadith von Ibn Umar zu einer Angelegenheit fand, keinen Hadith eines anderen mehr für nötig. Bei der Überlieferungskette „Malik von Nafiʿ von Ibn Umar“ nennen die Muhaddithun diese Kette „Silsilat adh-Dhahab“, also die goldene Kette. Denn Ibn Umar verbrachte etwa fünfzehn Jahre in der Gesellschaft des Gesandten Allahs (s). Die gesamte Zeit von Abu Bakr und Umar erlebte er unmittelbar mit. In Umars Gesellschaft verbrachte er etwa dreißig Jahre. Die zweite Person in dieser Überlieferungskette, Nafiʿ, war Ibn Umars Sklave. Etwa dreißig Jahre diente er seinem Herrn. Die dritte Person der Kette ist Imam Malik. Er hatte die Gelegenheit, zehn bis zwölf Jahre im Lehrkreis seines Lehrers Nafiʿ zu sitzen.
Außer vom Gesandten Allahs (s) erwarb Ibn Umar auch von herausragenden Sahaba wie Abu Bakr, Uthman, Ali, Zaid ibn Thabit, Abdullah ibn Masud, Bilal, Suhaib, Rafiʿ, Aischa und Hafsa (r.a.) Wissen.
Das Leben Hadhrat Abdullah ibn Umars war ein lebendiges Abbild des Lebens des Gesandten Allahs (s). Hadhrat Abu Hudhaifa sagte: „Nach dem Tod des Gesandten Allahs (s) veränderte sich jeder Mensch in irgendeiner Weise, doch bei Umar und seinem Sohn Abdullah trat keinerlei Veränderung ein.“ Nafiʿ, Ibn Umars enger Diener, sagte zu seinen Schülern aus der Generation der Tabiʿun: „Wenn Ibn Umar in dieser Zeit noch leben würde, würdet ihr angesichts seiner Strenge bei der Befolgung der Sunnah des Gesandten Allahs (s) sagen: Dieser Mann ist verrückt.“ Er lebte etwa fünfundachtzig Jahre und leistete bereits in seiner Kindheit dem Gesandten Allahs (s) den Treueeid. Gegen Ende seines Lebens sagte er: „Seit dem Treueeid gegenüber dem Gesandten Allahs (s) bis zu diesem heutigen Tag habe ich ihn weder gebrochen noch daran etwas verändert.“ Er folgte nicht nur in den gottesdienstlichen Handlungen, sondern auch in den menschlichen Tätigkeiten und Gewohnheiten des Gesandten Allahs (s) jedem seiner Verhaltensweisen. Wenn der Gesandte (s) etwa auf einer Hadsch-Reise an bestimmten Orten übernachtete, übernachtete auch er später an denselben Orten. Wo der Gesandte (s) das Gebet verrichtete, verrichtete auch er das Gebet. Er benutzte dieselben Wege, auf denen der Gesandte (s) gegangen war. Sogar an den Orten, an denen der Gesandte (s) die Gebetswaschung oder die Ganzkörperwaschung vorgenommen hatte, tat auch er dasselbe. Kurz gesagt, folgte er jedem Schritt des Gesandten Allahs (s) genau. Die Menschen hielten jedes seiner Worte und jede seiner Handlungen tatsächlich für ein Wort oder eine Handlung des Gesandten Allahs (s). Da die Menschen ihm folgten, erklärte er ausdrücklich, wenn er aus persönlichen Gründen in einer Angelegenheit der Sunnah nicht folgen konnte: „Das ist keine Handlung oder Praxis des Gesandten Allahs (s). Ich habe dies aufgrund eines besonderen Entschuldigungsgrundes getan.“ Dadurch wurde die Verwirrung der Menschen beseitigt. Hadhrat Aischa (r.a.) sagte über seine Befolgung der Sunnah: „Niemand folgt den Spuren des Gesandten Allahs (s) so wie Ibn Umar.“
Die Vertiefung im Verständnis der Religion, Tafaqquh fi d-Din, hatte ihn zur Vollkommenheit geführt. Sein ganzes Leben verbrachte er mit dem Studium des Wissens und dem Erteilen von Fatwas. Er gehörte zu den berühmten Mufti-Sahaba von Medina. Selbst die bedeutendsten islamischen Gelehrten seiner Zeit suchten bei ihm Lösungen für verschiedene Rechtsfragen. Auch herausragende Tabiʿun wie Said ibn Dschubair holten bei ihm Antworten auf verschiedene Rechtsfragen ein. Später wurde die malikitische Rechtsschule im Wesentlichen auf Grundlage dieser Fatwas Ibn Umars entwickelt. Imam Malik sagte: „Ibn Umar ist einer der Imame der Religion. Wenn seine Fatwas gesammelt worden wären, hätten sie ein umfangreiches Buch ergeben.“ Beim Erteilen von Fatwas war er äußerst vorsichtig. Hafiz Ibn Abd al-Barr sagte: „Ibn Umar war sowohl bei seinen Fatwas als auch bei seinen Taten besonders vorsichtig. Wie er erst nach gründlichem Nachdenken sprach, so handelte er ebenfalls erst nach reiflicher Überlegung.
Außer dem religiösen Wissen scheint Ibn Umar kein besonderes Interesse an den damals in Arabien verbreiteten Wissensgebieten wie Dichtung, Astrologie und Beredsamkeit gehabt zu haben. Der mögliche Grund dafür ist, dass er es nicht für angemessen hielt, Zeit mit dem Studium irgendeines anderen Wissens als des religiösen zu verbringen.
Es ist wahr, dass sich der Charakter des Gesandten Allahs (s) allgemein in allen Gefährten widerspiegelte; bei Ibn Umar jedoch war dieser Einfluss noch tiefer. In jedem seiner Worte und jeder seiner Handlungen wurde der Charakter und das Wesen des Gesandten Allahs (s) deutlich erkennbar.
Allah, der Erhabene, sagte zum Lob der Gefährten im Heiligen Koran: „Iza zukirallahu wadschilat kulubuhum“ – wenn Allah vor ihnen erwähnt wird, erzittern ihre Herzen vor Furcht. In Ibn Umar hatte dieser Zustand seine vollkommene Ausprägung erreicht. Einmal wurde in seiner Gegenwart dieser Vers rezitiert: „Fakaifa iza dschi’na min kulli ummatin schahida“ – wie wird es dann sein, wenn Wir aus jedem Volk einen Zeugen herbeibringen? Als Ibn Umar diesen Vers hörte, weinte er so sehr, dass sein Bart von seinen Tränen durchnässt wurde und auch die Menschen in seiner Umgebung davon ergriffen wurden.
Ibn Umar war ein großer Gottesdiener und nächtlicher Beter. Den größten Teil der Nacht verbrachte er im Gottesdienst. Sein Diener Nafi berichtet: Er verrichtete die ganze Nacht hindurch das Gebet. Zur Zeit des ersten Morgengrauens fragte er mich: „Ist der Morgen angebrochen?“ Antwortete ich mit Ja, verbrachte er die Zeit bis zum weiteren Aufhellen des Morgens mit Istighfar. Antwortete ich mit Nein, stellte er sich wieder zum Gebet auf. Beim Rezitieren des Korans empfand er einen überirdischen Genuss. Auch kleine gottesdienstliche Handlungen ließ er nicht aus. Für jedes Gebet vollzog er die Gebetswaschung erneut. Auf dem Weg zur Moschee setzte er seine Füße langsam auf, damit die Zahl seiner Schritte und somit auch sein Lohn größer würde.
Ibn Umar war ein lebendiges Beispiel für Zurückgezogenheit von der Welt und Gottesfurcht. Er war der unvergleichliche Asket und Gottesfürchtige seiner Zeit. Hadhrat Dschabir (r) sagte: Unter uns gab es außer Ibn Umar niemanden, den der Glanz dieser Welt nicht angezogen hätte. Schon seit seiner Kindheit war das Bewusstsein der Gottesfurcht in ihm vorherrschend. Als der Gesandte (s) diese gottesfürchtige Wesensart an ihm sah, sagte er: „Radschul as-Salih“ – ein rechtschaffener Diener.
Er war äußerst großzügig. Stets spendete er das Wertvollste, was er besaß, auf Allahs Weg. Jeden Sklaven und jede Sklavin, die ihm gefielen, ließ er frei. Bei einer einzigen Zusammenkunft verteilte er tausend Dirham. Er ließ so viele Sklaven und Sklavinnen frei, dass ihre Zahl über eintausend betrug. Einmal brach er auf einem sehr schönen Kamel zum Haddsch auf. Der Gang des Kamels gefiel ihm sehr. Plötzlich stieg er ab, ließ das Gepäck von seinem Rücken nehmen und ordnete an, es den Opfertieren beizugeben. Ayyub ibn Wa’il ar-Rasibi berichtet: Eines Tages erhielt Ibn Umar viertausend Dirham und einen Samtumhang. Am nächsten Tag sah Ibn Wa’il Ibn Umar auf dem Markt Futter für sein Reittier auf Kredit kaufen. Daraufhin ging er sofort zum Haus Ibn Umars und fragte dessen Angehörige: „Sind Ibn Umar gestern nicht viertausend Dirham und ein Samtumhang zugekommen?“ Sie antworteten: „Ja.“ Ibn Wa’il sagte: „Heute habe ich ihn auf dem Markt Futter für sein Tier auf Kredit kaufen sehen.“ Sie sagten: „Das alles hat er noch vor Tagesanbruch verteilt.“ Danach ging er mit dem Umhang über der Schulter hinaus. Als er nach Hause zurückkehrte, sah ich, dass auch dieser verschwunden war. Auf meine Frage antwortete er: „Ich habe ihn einem Armen gespendet.“ Als Ibn Wa’il dies hörte, lief er unter Händeklatschen zum Markt. Dort stellte er sich auf eine erhöhte Stelle und rief: „O ihr Kaufleute! Was wollt ihr mit dieser Welt anfangen? Dieser Ibn Umar erhielt viertausend Dirham und verteilte sie. Und am Morgen kaufte er Futter für sein Tier auf Kredit.“
So war er die praktische Auslegung dieses Verses: „Lan tanalul birra hatta tunfiqu mimma tuhibbun“ – niemals werdet ihr Güte erlangen, solange ihr nicht von dem spendet, was ihr liebt. Er aß niemals, ohne zu jeder Mahlzeit ein oder zwei Arme und Bedürftige bei sich zu haben. Oft tadelte er seine Söhne, wenn sie Wohlhabende zum Essen einluden, aber keine Armen und Bedürftigen mit ihnen riefen. Er sagte: „Ihr ladet die Satten ein und lasst die Hungrigen zurück.“
Er war ein erfolgreicher Kaufmann. Außerdem besaß er landwirtschaftlich nutzbares Land. Aus der Staatskasse erhielt er ebenfalls eine Zuwendung. Doch selbst verbrauchte er nur sehr wenig und verteilte alles. Einmal schenkte ihm ein Freund ein gefülltes Gefäß. Er fragte: „Was ist das?“ Der Freund antwortete: „Eine Medizin. Ich habe sie aus dem Irak für dich mitgebracht.“ Er fragte erneut: „Welche Wirkung hat sie?“ Der Freund sagte: „Sie verbessert die Verdauung!“ Dabei hatte ich seit vierzig Jahren keine sättigende Mahlzeit mehr zu mir genommen. War er etwa geizig oder bedürftig? Nein, die Geschichte bestätigt das nicht. Er tat dies lediglich aus Mitgefühl und Anteilnahme gegenüber dem Gesandten Allahs (s) und seinem Vater Umar ibn al-Khattab.
Er empfand eine tiefe Liebe zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Als der geliebte Prophet starb, zerbrach sein Herz in Stücke. Sobald er sich an die Worte des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) erinnerte, begann er schluchzend zu weinen. Wann immer er von einer Reise nach Medina zurückkehrte, ging er zur „Rawda Pak“ und entbot dort den Friedensgruß. Aus Liebe zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) liebte er auch dessen Familie und Angehörige zutiefst. Einmal fragte ihn ein irakischer Beduine nach der Sühne für das Töten einer Mücke. Er sagte zu seinen Gefährten: „Seht euch diesen Mann an. Er fragt nach der Sühne für das Blut einer Mücke, während eben diese Leute Husain, das geliebte Herzstück des Propheten, getötet haben.“ Aus Liebe zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) liebte er auch die Stadt Medina außerordentlich. Trotz aller Sorgen und Schwierigkeiten dachte er niemals daran, Medina zu verlassen.
Hazrat Ibn Umar (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) hielt sich stets von allen Handlungen fern, die unter der muslimischen Umma Zwietracht hervorrufen konnten. Er war wahrhaftig. Wenn er jedoch bisweilen eine Gefahr für die muslimische Umma sah, schwieg er. Einmal erhob Hazrat Amir Muawiya (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) den Anspruch: „Wer außer mir hat ein größeres Recht auf das Kalifat?“ Ibn Umar wollte darauf antworten, tat es aber aus Angst vor Unruhe und Zwietracht nicht. Er schwieg. Ebenso verrichtete er in Mina hinter dem Kalifen Uthman das Gebet mit vier Rakʿa. Dabei war er der Ansicht, dass man dort gemäß der Sunna des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), Abu Bakrs und Umars das Gebet verkürzen müsse. Als er jedoch allein betete, verrichtete er nur zwei Rakʿa. Aus Furcht vor Zwietracht betete er hinter Uthman vier Rakʿa. Er pflegte zu sagen: „Zwietracht zu stiften ist eine schlechte Tat.“ Außerdem sagte er: „Selbst wenn die gesamte Umma Muhammads mich als Kalifen anerkennen würde und nur zwei Personen dies ablehnten, würde ich dennoch keinen Krieg gegen sie führen.“
Aus Furcht vor Zwietracht leistete er allen Kalifen den Treueid. In jener Zeit der Unruhen verrichtete er das Gebet hinter jedem Befehlshaber und entrichtete ihnen die Zakāt. Diese Loyalität blieb jedoch auf die Grenzen der Religion beschränkt. Deshalb betete er zunächst hinter al-Haddschādsch, hörte aber später damit auf, als al-Haddschādsch begann, das Gebet zu verzögern. Er verließ sogar Mekka und zog nach Medina.
Ibn Umar hatte niemals Angst, die Wahrheit auszusprechen. Die Herrscher aus der Umayya-Dynastie kritisierte er offen von Angesicht zu Angesicht. Einmal hielt al-Haddschādsch eine Predigt. Ibn Umar sagte zu ihm: „Dieser Mann ist ein Feind Allahs. Er hat die Heiligkeit des Heiligtums von Mekka verletzt, das Haus Allahs zerstört und die geliebten Diener Allahs getötet.“
Ein anderes Mal hielt al-Haddschādsch eine so lange Predigt, dass das Nachmittagsgebet verspätet wurde. Ibn Umar rief: „Die Zeit des Gebets geht vorüber, beende deine Rede!“ Dreimal sagte Ibn Umar zu den Anwesenden: „Wenn ich aufstehe, werdet ihr dann mit mir kommen?“ Die Leute antworteten: „Ja.“ Ibn Umar stand auf. Daraufhin stieg al-Haddschādsch hastig von der Kanzel herab und leitete das Gebet. Später fragte al-Haddschādsch Ibn Umar: „Warum hast du das getan?“ Er antwortete: „Wir kommen zum Gebet in die Moschee. Wenn die Zeit des Gebets gekommen ist, sollte man es unverzüglich leiten. Danach kannst du so lange schwatzen, wie du willst.“ Wegen seiner unverblümten Offenheit hatten die despotischen Herrscher der Banu Umayya große Angst vor ihm.
Der Islam hat alle Handlungen und Eigenschaften beseitigt, durch die ein Mensch erniedrigt oder grundlos übermäßig geehrt wird. Ibn Umar war ein lebendiges Beispiel für diese islamische Gleichheit. Verhaltensweisen, die diese Gleichheit beeinträchtigen konnten, missbilligte er entschieden. Deshalb setzte er sich nicht dorthin, wo die Menschen zu seiner Ehrung aufstanden. Auch im Umgang mit seinen Dienern und Sklaven achtete er auf diese Gleichheit. Er lehrte sie Selbstachtung und ließ sie mit sich zusammen essen. Er war überzeugt, dass es eine schwere Sünde sei, nicht für die Nahrung und Kleidung der Sklaven zu sorgen. Salem berichtet, dass Ibn Umar in seinem ganzen Leben nur ein einziges Mal einen Sklaven oder eine Sklavin ausgeschimpft habe. Einmal schlug er aus irgendeinem Grund einen Sklaven. Danach empfand er so große Reue, dass er ihn freiließ.
Bescheidenheit und Sanftmut waren besondere Eigenschaften seines Charakters. Er hörte äußerst ungern Lob über sich selbst. Ein Mann warf ihm Erde ins Gesicht. Daraufhin überlieferte er ihm den Hadith des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm): „Wer einen Lobenden sieht, soll ihm Erde ins Gesicht werfen.“ Ohne irgendeine Unterscheidung grüßte er alle, ob jung oder alt. Wenn er auf seinem Weg einmal vergaß, jemanden zu grüßen, kehrte er zurück und grüßte ihn. Selbst äußerst verletzende Worte ertrug er, ohne zu antworten. Ein Mann beschimpfte ihn in grober Sprache. Er erwiderte lediglich: „Mein Bruder und ich stammen aus einer sehr vornehmen Familie.“ Danach schwieg er.
Aus der Biografie Ibn Umars erfahren wir, dass seine finanziellen Verhältnisse äußerst wohlhabend waren. Bei einer einzigen Zusammenkunft verteilte er Tausende von Dirham unter den Armen und Bedürftigen. Doch der Gesamtwert der Einrichtungsgegenstände in seinem eigenen Haus betrug nicht mehr als einhundert Dirham. Maimun ibn Mihran berichtet: „Ich betrat Ibn Umars Haus und berechnete den Preis der Decken, Matratzen, Bettzeug und dergleichen. Alles zusammen betrug nicht mehr als einhundert Dirham.“ Er führte ein derart schlichtes und anspruchsloses Leben. Seine eigenen Arbeiten verrichtete er eigenhändig. Es gefiel ihm nicht, bei seinen persönlichen Angelegenheiten die Hilfe anderer anzunehmen.
Als in der Zeit Hazrat Umars (r.a.) die Bezüge für alle Gefährten festgesetzt wurden, wurde der Bezug für Ibn Umar auf zweitausendfünfhundert Dirham festgelegt. Dagegen wurde der Bezug für Usama ibn Zayd auf dreitausend Dirham festgesetzt. Ibn Umar protestierte bei seinem Vater Umar (r.a.) gegen diese Ungleichbehandlung und sagte: „Da ich ihm in keiner Hinsicht nachstehe und du seinem Vater als Vater nicht nachstehst, worin liegt dann der Grund für diese Ungleichbehandlung?“ Umar (r.a.) sagte: „Du hast die Wahrheit gesagt. Doch der Gesandte Allahs (s.a.) liebte seinen Vater mehr als deinen Vater und ihn mehr als dich.“ Als Ibn Umar (r.a.) diese Antwort hörte, schwieg er.
Seine charakterlichen Eigenschaften und Tugenden lassen sich in diesem kurzen Aufsatz nicht vollständig darlegen. Ein Tabi’i bemerkte über ihn: „Wenn ich für irgendeinen Menschen bezeugen sollte, dass er zu den Bewohnern des Paradieses gehört, dann würde ich dies gewiss für Ibn Umar tun.“
Abdullah ibn Jahash (r.a.)
Sein Name war Abdullah, seine Kunya Abu Muhammad. Sein Vater war Jahash und seine Mutter Umayma. In mehrfacher Hinsicht war er mit dem Gesandten Allahs (s.a.) verwandt. Seine Mutter Umayma bint Abd al-Muttalib war die Tante väterlicherseits des Gesandten Allahs (s.a.). Seine Schwester, die Mutter der Gläubigen, Hazrat Zaynab bint Jahsh, war die Ehefrau des Gesandten Allahs (s.a.). Somit war er zugleich der Cousin väterlicherseits und der Schwager des Gesandten Allahs (s.a.).
Über sein Geburtsjahr findet sich in den Geschichtswerken keine Angabe. Als er im dritten Jahr nach der Hidschra in der Schlacht von Uhud den Märtyrertod erlitt, war er jedoch etwas über vierzig Jahre alt. Auf Grundlage dieser Angabe lässt sich sagen, dass er vierundzwanzig oder fünfundzwanzig Jahre vor dem Empfang der Prophetengabe durch den Gesandten Allahs (s.a.) in Mekka geboren wurde. In der vorislamischen Zeit war er ein Halif, also durch ein Bündnis verbunden, von Harb ibn Umayya. Manche nennen jedoch die Banu Abd Schams als seinen Halif. Im Grunde besteht zwischen diesen beiden Überlieferungen kein Widerspruch, denn Harb ibn Umayya war selbst ein Angehöriger der Banu Abd Schams.
Hazrat Abdullah gehörte zu den „Sabiqun ila Islam“, also zu denjenigen, die früh den Islam annahmen. Er nahm den Islam bereits an, bevor der Gesandte Allahs (s.a.) im Haus von al-Arqam Zuflucht suchte.
Nach seiner Annahme des Islam blieben weder er noch sein Stamm von der Unterdrückung und den Misshandlungen durch die Quraisch verschont. Aus diesem Grund wanderte er zweimal nach Abessinien aus. Bei seiner letzten Auswanderung waren alle Mitglieder seiner Familie bei ihm: seine beiden Brüder Abu Ahmad und Ubaydullah, seine drei Schwestern Zaynab, Umm Habiba und Hamna sowie Umm Habiba bint Abi Sufyan, die Ehefrau Ubaydullahs. Sein Bruder Ubaydullah gab nach seiner Ankunft in Abessinien den Islam auf, nahm das Christentum an und starb dort als Murtadd, also als Abtrünniger.
Da er den Islam aufgegeben hatte, trennte sich seine Ehefrau Umm Habiba von ihm. Später heiratete der Gesandte Allahs (s.a.) sie und verlieh ihr den Rang einer Ehefrau. (Al-Isaba 2/272) Nach einiger Zeit in Abessinien kehrte Hazrat Abdullah mit den übrigen Familienmitgliedern nach Mekka zurück. Bei seiner Rückkehr stellte er fest, dass alle Angehörigen seines Stammes, der Banu Ghanam, den Islam angenommen hatten. Mit der Erlaubnis des Gesandten Allahs (s.a.) nahm er sie alle mit und wanderte nach Medina aus. Vor ihnen war bereits Hazrat Abu Salama nach Medina ausgewandert. Wie bereits erwähnt, hatte sein gesamter Stamm den Islam angenommen. Er nahm alle mit, ohne Unterschied zwischen Jung und Alt, Männern und Frauen, und gelangte mit ihnen nach Medina. Nicht einen einzigen Angehörigen der Banu Ghanam ließ er in Mekka zurück.
Kurz nachdem sie Mekka verlassen hatten, kamen die Führer der Quraisch, darunter Utba und Abu Dschahl, aus ihren Häusern und gingen in das Viertel der Banū Ghānim. Sie wollten sehen, wer aus dem Stamm der Ghānim fortgegangen und wer zurückgeblieben war. Sie sahen, dass das ganze Viertel menschenleer war. Die Türen mancher Häuser standen offen, andere waren verschlossen. Als Utba diesen Zustand sah, sagte er: „Die Häuser der Banū Dschahsch stehen ja völlig leer und verlassen; sie trauern um ihre Bewohner.“ Daraufhin begann Abu Dschahl, das Haus von Abdullah ibn Dschahsch auszurauben. Er nahm die Habseligkeiten nach Belieben an sich. Von allen Häusern des Viertels war Abdullahs Haus das schönste und prächtigste. Als Abdullah dem Gesandten Allahs von Abu Dschahls Plünderung seines Hauses berichtete, tröstete dieser ihn und sagte: „Abdullah, bist du nicht damit zufrieden, dass Allah dir dafür ein Haus im Paradies geben wird?“ Er erwiderte: „Gewiss, o Gesandter Allahs.“ Der Gesandte sagte: „Das wirst du erhalten.“ Abdullah war erfreut.
Nach ihrer Ankunft in Medina nahm der ehrwürdige Asim ibn Thabit al-Ansari Abdullahs gesamte Familie bei sich auf. Später stiftete der Gesandte Allahs zwischen den beiden ein brüderliches Verhältnis, die sogenannte Muʾāchāt.
Im Radschab des zweiten Jahres nach der Hidschra wählte der Gesandte acht Gefährten aus. Zu diesen acht gehörten auch Abdullah ibn Dschahsch und Saʿd ibn Abi Waqqas. Der Gesandte wandte sich an alle und sagte: „Denjenigen unter euch, der Hunger und Durst am geduldigsten erträgt, werde ich zu eurem Amir machen.“ Danach ernannte er Abdullah zum Amir. So erlangte dieser die Ehre, der erste Amir einer Gruppe von Gläubigen zu sein. Der Gesandte erklärte ihm den Reiseweg, übergab ihm einen mit einem Siegel versehenen Brief und sagte: „Öffne diesen Brief nicht vor Ablauf von zwei Tagen. Lies ihn, nachdem du zwei Tage unterwegs gewesen bist, und handle entsprechend den Anweisungen in diesem Brief.“
Der ehrwürdige Abdullah brach mit seinen Gefährten von Medina auf. Nachdem sie zwei Tage unterwegs gewesen waren, öffnete er den Brief und las ihn gemäß der Anweisung. Darin stand, dass sie einen Ort namens Nakhla zwischen Mekka und Taif erreichen und sich über die Bewegungen der Quraisch sowie ihre sonstige Lage informieren sollten. Er nahm diesen Befehl mit größter Hingabe und Ehrfurcht an. Zu seinen Gefährten sagte er: „Freunde, ich werde den Befehl des Gesandten Allahs ausführen. Wer von euch das Martyrium ersehnt, kann mit mir gehen; wer dies nicht wünscht, kann zurückkehren. Ich werde niemanden zwingen.“ Nach dieser Ansprache erklärten alle seine Gefährten, ihn begleiten zu wollen. Als sie Nakhla erreichten, begannen sie, die Bewegungen der Quraisch aufmerksam zu beobachten. Eines Tages zog eine Handelskarawane der Quraisch auf diesem Weg vorüber. Sie bestand aus vier Männern: Amr ibn al-Hadrami, Hakam ibn Kaisan, Uthman ibn Abdullah und dessen Bruder Mugheira. Sie führten Waren wie Leder, Rosinen und andere Handelsgüter mit sich.
Abdullah ibn Dschahsch beriet sich mit seinen Gefährten darüber, ob sie die Karawane angreifen sollten oder nicht. Dieser Tag war der letzte Tag der heiligen Monate. Es sei daran erinnert, dass Dhul-Qaʿda, Dhul-Hiddscha, Muharram und Radschab die vier heiligen Monate sind. Seit alter Zeit betrachteten die Araber Krieg und Blutvergießen in diesen Monaten als verboten. Sie überlegten: Wenn sie die Karawane heute angriffen, würden sie dies in einem heiligen Monat tun. Wenn sie jedoch bis morgen warteten, würde die Karawane den heiligen Bezirk von Mekka erreichen. Der heilige Bezirk von Mekka ist für alle ein sicherer Ort. Ein Angriff dort wäre eine verbotene Handlung. Nach der Beratung beschlossen sie, anzugreifen. In einem überraschenden Angriff töteten sie den Anführer der Karawane, Amr ibn al-Hadrami, nahmen Uthman ibn Abdullah und Hakam ibn Kaisan gefangen, während der vierte Mann entkam. Sie erbeuteten zahlreiche Waren. Abdullah ibn Dschahsch legte ein Fünftel der Beute für Allah und Seinen Gesandten zurück und verteilte die übrigen vier Fünftel gleichmäßig unter seinen Gefährten. Zu jener Zeit gab es noch keine festgelegten Regeln für die Verteilung der Beute. Abdullahs Idschtihad erwies sich jedoch als richtig. Später wurde im Koran zur Bestätigung seiner Entscheidung der Vers über den Chumus (das Fünftel) offenbart.
Der ehrwürdige Abdullah ibn Dschahsch kam mit einem Fünftel der Beute nach Medina zum Gesandten Allahs. Der Gesandte weigerte sich, es anzunehmen. Er sagte: „Ich habe dir doch nicht befohlen, in einem heiligen oder verbotenen Monat Blut zu vergießen.“
Auch andere Muslime tadelten Abdullah wegen dieses Wagemuts und dieses Überschreitens der Grenzen. Die Quraisch verbreiteten den Vorfall ebenfalls lautstark. Sie behaupteten überall: „Die Gefährten Muhammads haben die heiligen Monate für erlaubt erklärt. Durch Tötung und Blutvergießen haben sie diese Monate entweiht.“ Der ehrwürdige Abdullah und seine Gefährten gerieten in große Bedrängnis. Aus Angst, dem Gesandten Allahs ungehorsam gewesen zu sein, wurden sie von Furcht ergriffen. Sie litten unter großer Reue. Schließlich offenbarte Allah, der Erhabene, diesen Koranvers und bekundete damit Seine Zufriedenheit mit ihrer Tat: „Sie fragen dich nach dem Kampf im heiligen Monat. Sprich: In ihm zu kämpfen ist ein großes Vergehen. Doch vom Weg Allahs abzuhalten, Ihn zu verleugnen, vom Heiligtum – der Kaaba – abzuhalten und seine Bewohner daraus zu vertreiben, ist bei Allah ein noch größeres Vergehen. Und Fitna zu stiften ist schlimmer als zu töten.“ (Al-Baqara 2:217)
Nachdem dieser Koranvers offenbart worden war, atmeten sie erleichtert auf. Die Muslime kamen in Gruppen, beglückwünschten sie und schlossen sie in die Arme. Der Gesandte war mit ihnen zufrieden, nahm von ihnen den Anteil der Beute entgegen und ließ die beiden Gefangenen gegen Zahlung eines Lösegeldes frei.
Tatsächlich war das Ereignis um ʿAbdullah ibn Dschahsch und seine Gefährten ein bedeutendes Ereignis im Leben der Muslime. Ihre Beute war die erste Beute des Islam, der von ihnen getötete Mann war der erste Muschrik beziehungsweise Götzendiener, der von Muslimen getötet wurde, und die beiden von ihnen gefangengenommenen Männer waren die ersten Gefangenen in muslimischer Hand. Das ihnen übergebene Banner war das erste Banner, das der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) überreichte, und ʿAbdullah ibn Dschahsch, der Anführer dieser Gruppe, war der erste Anführer, der mit dem Titel „Amir al-Muʾminin“ angesprochen wurde. ʿAbdullah ibn Dschahsch war außerdem der erste, der bei der Beute den Chumus einführte, und Allah der Erhabene bestätigte dies, indem Er eine Offenbarung herabsandte. (Al-Istiʿab)
Hadhrat ʿAbdullah ibn Dschahsch nahm an den Schlachten von Badr und Uhud teil. Hadhrat Saʿd ibn Abi Waqqas berichtet: Einen Tag vor der Schlacht von Uhud beteten ʿAbdullah und ich. Ich sagte: „O Allah, lass den Feind, der morgen gegen uns kämpfen wird, äußerst tapfer und zornig sein, damit ich ihn auf Deinem Weg töten und ihm seine Waffen abnehmen kann.“ Als ʿAbdullah mein Bittgebet hörte, sagte er: „Amin.“ Dann hob er die Hände und betete: „O Allah, gib mir einen Gegner, der überaus tapfer ist und schnell in Zorn gerät. Ich werde auf Deinem Weg gegen ihn kämpfen. Er soll mich töten, mir Nase und Ohren abschneiden und mich entstellen. Wenn ich Dir begegne und Du fragst: ‚ʿAbdullah, wie wurden dir Nase und Ohren abgeschnitten?‘, werde ich sagen: ‚Für Dich und Deinen Gesandten.‘“ Es war, als könne er mit göttlichem Blick sehen, dass sein Wunsch bald erfüllt werden würde. Deshalb schwor er immer wieder und sagte: „O Allah, ich schwöre bei Deinem Namen, dass ich gegen den Feind kämpfen werde und dass er mich töten, mir Nase und Ohren abschneiden und mich entstellen wird.“ (Usd al-Ghaba)
Im Schawwal des dritten Jahres nach der Hidschra begann auf der Ebene von Uhud ein heftiger Kampf. Hadhrat ʿAbdullah ibn Dschahsch griff so heftig an, dass sein Schwert in Stücke zerbrach. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) gab ihm einen Stock aus einem Palmzweig. Lange Zeit kämpfte er damit weiter. Dann erfüllte sich sein Wunsch nach dem Märtyrertod durch einen gewaltigen Hieb von Abu al-Hakam ibn Achnaṣ ath-Thaqafi. Die Muschrikun entstellten seinen Körper. Sie schnitten ihm Nase und Ohren ab und reihten sie an einem Faden wie eine Kette auf. Als Hadhrat Saʿd dies sah, rief er aus: „Bei Allah, ʿAbdullahs Bittgebet war besser als meines.“
Er lebte etwas mehr als vierzig Jahre. Er wurde im selben Grab wie sein Onkel, Hadhrat Hamza, der Sayyid asch-Schuhada, beigesetzt.
Als der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ʿAbdullah zum Anführer ernannte und ihn zum Feldzug nach Nakhla entsandte, sagte er zu seinen Gefährten: „Auch wenn ʿAbdullah ibn Dschahsch nicht der Beste unter euch ist, kann er doch Hunger und Durst am geduldigsten ertragen.“ Die Liebe zu Allah und Seinem Gesandten ließ ihn gegenüber allen weltlichen Dingen gleichgültig werden. Sein einziger Wunsch war, sein kostbares Leben auf Allahs Weg hinzugeben. Dieser Wunsch wurde ihm erfüllt. Er erhielt den ehrenvollen Beinamen „Al-Mudschaddaʿ fi sabilillah“ (derjenige, dessen Ohren auf Allahs Weg abgeschnitten wurden). Im Zusammenhang mit den Gefangenen der Schlacht von Badr beriet sich der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) mit Abu Bakr, Umar und ʿAbdullah ibn Dschahsch.
ʿAbdullah ibn ʿAmr ibn al-ʿAs (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm)
Sein Name war ʿAbdullah, seine Kunyas waren Abu Muhammad, Abu ʿAbdir-Rahman und Abu Nusair. Die beiden zuerst genannten Kunyas waren jedoch am bekanntesten. Sein Vater war der berühmte Heerführer und Diplomat Hadhrat ʿAmr ibn al-ʿAs (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm), seine Mutter Rita bint Munabbih. Es wird überliefert, dass ʿAbdullahs vorislamischer Name al-ʿAs lautete (der Sünder, der Ungehorsame). Abu Zurʿa erwähnt in seiner Geschichte, dass der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ihn bei einer Bestattungszeremonie fragte: „Wie heißt du?“ Als er antwortete: „Al-ʿAs“, sagte der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm): „Nein, von heute an soll dein Name ʿAbdullah sein.“ Von jenem Tag an wurde al-ʿAs zu ʿAbdullah.
Ibn Saʿd sagt, dass ʿAbdullah noch vor seinem Vater ʿAmr ibn al-ʿAs den Islam annahm. Aus verschiedenen Quellen geht hervor, dass sein Vater ʿAmr nur zehn bis zwölf Jahre älter war als sein Sohn ʿAbdullah. Nach al-Waqidi war der Vater jedoch zwanzig Jahre älter als der Sohn. (Tadhkirat al-Huffaz, al-Isaba, al-Istiʿab) Vater und Sohn wanderten beide noch vor der Eroberung Mekkas nach Medina aus. Nach seiner Annahme des Islam verbrachte ʿAbdullah die meiste Zeit in der Gesellschaft und Begleitung des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Alles, was aus dem Mund des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) kam, ob im Zorn oder in ruhigem Zustand, schrieb er auf. Einige Gefährten baten ihn, dies nicht zu tun, und sagten, man solle nicht alles aufschreiben, was aus dem Mund des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) komme, wenn er aufgebracht sei. Er trug diese Angelegenheit dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) vor. Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Du darfst alle meine Worte aufschreiben. Ich sage nichts anderes als die Wahrheit.“ (Musnad Ahmad, al-Istiʿab) Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) liebte ihn mehr als seinen Vater ʿAmr, und bei ihm genoss er ein höheres Ansehen.
Die gesamte zusätzliche Zeit, die Abdullah nach der Zeit, die er in der Gesellschaft des Gesandten Allahs (s.a.s.) verbrachte, hatte, verbrachte er fast vollständig damit, tagsüber zu fasten und nachts Gottesdienst zu verrichten. Allmählich gewöhnte er sich so sehr daran, dass er gegenüber seiner Frau, seiner Familie und allen Dingen dieser Welt gleichgültig wurde. In diesem Zustand begab sich sein Vater zum Gesandten Allahs und beklagte sich über dieses ungewöhnlich asketische Leben. Der Gesandte (s.a.s.) ließ Abdullah rufen und wies ihn an, seinem Vater zu gehorchen. Er sagte: „Abdullah, faste und brich das Fasten, verrichte das Gebet, ruhe dich aus und erfülle auch die Rechte deiner Frau und deiner Familie. Dies ist meine Lebensweise. Wer meine Lebensweise ablehnt, gehört nicht zu meiner Umma.“
Abdullah nahm an allen Kriegen teil, die zur Zeit des Gesandten Allahs stattfanden. Während der Feldzüge kümmerte er sich gewöhnlich um die Beschaffung der Reittiere, und ihm wurde die Verantwortung für den Transport der Ausrüstung übertragen. Einmal fragte ihn jemand: „Abu Muhammad, an dem Ort, an dem wir leben, sind Dirham und Dinar nicht im Umlauf. Unser wichtigster Besitz besteht aus Haustieren und Vieh. Wir kaufen und verkaufen Kamele im Austausch gegen Ziegen. Ist dagegen etwas einzuwenden?“ Er sagte: „Einmal wies der Gesandte Allahs (s.a.s.) an, eine Kamelreitertruppe aufzustellen. Ich verteilte nacheinander alle Kamele, die ich besaß. Dennoch blieben einige Männer ohne Reittier zurück. Ich begab mich zum Gesandten Allahs und sagte: ‚O Gesandter Allahs (s.a.s.), obwohl ich alle Kamele verteilt habe, die ich besaß, ist eine Gruppe von Männern zurückgeblieben.‘ Der Gesandte (s.a.s.) wies mich an: ‚Kaufe einige Kamele und verpflichte dich, für ein Kamel zwei oder drei Kamele als Sadaqa zu geben.‘ Dementsprechend beschaffte ich die erforderlichen Kamele.“ (Darqutni)
In der Schlacht von Jarmuk kämpfte er äußerst tapfer. In dieser Schlacht übergab ihm Amr ibn al-As das Banner seines Oberbefehls.
In Siffin stand Amr ibn al-As auf der Seite von Muawiya. Er zwang seinen Sohn Abdullah, sich Muawiyas Armee anzuschließen. Tatsächlich empfand er tiefen Widerwillen gegen diesen Bürgerkrieg. Obwohl er sich deshalb Muawiyas (r.a.) Seite anschloss, nahm er in Wirklichkeit in keiner Weise am Kampf teil. Wiederholt drängte er seinen Vater, sich von diesem selbstzerstörerischen Krieg fernzuhalten. (Tadhkirat al-Huffaz)
Ammar ibn Yasir (r.a.) schloss sich in Siffin der Seite von Ali (r.a.) an und wurde als Märtyrer getötet. Ammars Märtyrertod erinnerte Abdullah an eine Aussage des Gesandten Allahs (s.a.s.). Er fragte seinen Vater Amr ibn al-As (r.a.): „Hast du den Gesandten Allahs (s.a.s.) nicht sagen hören: ‚Wehe, Ibn Sumayya (Ammar) wird von einer aufrührerischen Gruppe getötet werden‘?“ Als Amr ibn al-As dies hörte, wandte er sich Muawiya zu und sagte: „Hörst du nicht, was Abdullah sagt?“ Muawiya (r.a.) erklärte Abdullahs Worte: „Er bringt immer wieder neue Probleme auf. Haben etwa wir Ammar getötet? Die Verantwortung für seinen Tod tragen vielmehr diejenigen, die ihn aus seinem Haus herausgeführt und hierher mitgebracht haben.“ (Musnad Ahmad)
Zwei Männer griffen Ammar (r.a.) gleichzeitig an und töteten ihn. Sie erschienen bei Muawiya und stritten darum, jeweils allein Anspruch auf diese Tat erheben zu dürfen. Zufällig war Abdullah (r.a.) dort anwesend. Als er ihren Streit hörte, sagte er: „Einer von euch beiden sollte den Anspruch seines Gegners zufrieden annehmen. Denn ich hörte den Gesandten Allahs (s.a.s.) sagen: ‚Ammar wird von einer aufrührerischen Gruppe getötet werden.‘“ In einer anderen Überlieferung heißt es, dass er zu Muawiya sagte: „Verkünde dem Mörder Ammars die frohe Botschaft von der Hölle.“ Als Muawiya (r.a.) dies hörte, sagte er verärgert zu dessen Vater: „Amr, wirst du deinen verrückten Sohn nicht aus meiner Gegenwart entfernen?“ Dann fragte er Abdullah selbst: „Wenn es sich so verhält, warum bist du dann bei mir?“ Abdullah antwortete: „Weil der Gesandte Allahs (s.a.s.) mir befohlen hatte, meinem Vater gehorsam zu bleiben, solange ich lebe.“
Obwohl seine Hände in diesem selbstzerstörerischen Krieg von Siffin nicht befleckt worden waren, wurde er sein Leben lang von Reue darüber gequält, daran teilgenommen zu haben. Oft sagte er: „Ach, wäre ich doch zehn Jahre früher gestorben!“ Weil er Muawiyas Seite unterstützt und das Banner getragen hatte, verbrachte er sein ganzes Leben mit Tawba und Istighfar. (Al-Istīʿāb)
Raja (r.a.) berichtet: Einmal saß ich mit einer Gruppe von Menschen in der Prophetenmoschee. Auch Abdullah ibn Amr und Abu Sa’id al-Khudri waren dort anwesend. Als Abdullah Imam Husain (r.a.) kommen sah, sagte er: „Soll ich euch etwas über diesen Mann erzählen?“ Die Leute sagten: „Warum solltest du das nicht tun?“ Er sagte: „Seit der Schlacht von Siffin habe ich kein Wort mehr mit ihm gesprochen. Dennoch ist seine Zufriedenheit mir lieber als alles in dieser Welt.“ Abu Sa’id al-Khudri sagte: „Möchtest du zu ihm gehen und dich rechtfertigen?“ Er sagte: „Ja!“ Am folgenden Tag ging Abu Sa’id al-Khudri (r.a.) mit ihm zum Haus von Husain (r.a.). Zunächst zögerte Husain (r.a.), ihm eine Begegnung zu gewähren. Auf Abdullahs (r.a.) wiederholtes Drängen hin stimmte er schließlich zu. Abdullah erklärte den Hintergrund seiner Teilnahme an Siffin und sagte: „Gemäß der Anweisung des Gesandten Allahs (s.a.s.) habe ich mein Schwert nicht gezogen; ebenso habe ich niemanden mit einem Speer verwundet und keinen einzigen Pfeil abgeschossen.“ (Usud al-Ghaba)
Unter allen Gefährten nahm Hazrat Abdullah (möge Allah mit ihm zufrieden sein) aufgrund seines Wissens und seines Ansehens eine besondere Stellung ein. Neben seiner Muttersprache Arabisch beherrschte er auch Hebräisch. Die Tora und das Evangelium hatte er eingehend studiert. Er berichtet: „Ich sah im Traum, dass ich in der einen Hand Honig und in der anderen Fett hielt und beides genüsslich ableckte.“ Ich erzählte dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) von diesem Traum. Er sagte: „Du wirst zwei Bücher lesen: die Tora und den Qur’an.“ (Al-Isaba)
Hazrat Abdullah ibn Amr (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sammelte einen großen Teil der Aussprüche, die aus dem Mund des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) hervorgegangen waren. Er gab seiner Sammlung den Namen „Sadiqa“. Wenn man ihn zu einer Angelegenheit befragte und er sich daran nichts aus seinem Gedächtnis erinnerte, schlug er in der genannten „Sadiqa“ nach und gab daraufhin Antwort. (Musnad Ahmad) Diese Sammlung war ihm außerordentlich lieb. Mujahid berichtet: „Einmal nahm ich ein Buch unter seinem Bett hervor und begann, es anzusehen. Er untersagte es mir. Ich sagte: ‚Ihr untersagt mir doch sonst in keiner Angelegenheit etwas. Warum tut Ihr es heute?‘ Er erwiderte: ‚Dies ist das Buch der Wahrheit, das ich allein vom Gesandten Allahs (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) gehört und gesammelt habe.‘ Weiter sagte er: ‚Wenn mir dieses Buch, der Heilige Qur’an und jenes Landgut in Wahaj gegeben würden, bräuchte ich auf dieser Welt nichts anderes mehr.‘
Die Zahl der von Hazrat Abdullah ibn Amr überlieferten Hadithe beträgt siebenhundert. Davon werden siebzehn von al-Buchari und Muslim übereinstimmend überliefert, acht ausschließlich von al-Buchari und zwanzig ausschließlich von Muslim. (Tahdhib)
Der Kreis von Hazrat Abdullahs (möge Allah mit ihm zufrieden sein) Hadith-Unterricht war sehr weit. Menschen kamen aus fernen Gegenden zu seinem Unterricht, um Hadithe zu hören. Außerdem versammelten sich überall, wohin er ging, große Scharen Wissbegieriger um ihn. Ein Scheich aus Nahʿ berichtet: „Einmal verrichtete ich in der Moschee von Iliya das Gebet in Gemeinschaft. Ein Mann stellte sich neben mich. Nach dem Gebet rückten die Menschen von allen Seiten zu ihm heran und setzten sich um ihn. Auf meine Frage hin erfuhr ich, dass es sich um Abdullah ibn Amr ibn al-As handelte.“
Hazrat Abdullah liebte seine Schüler zutiefst. Auch den Gelehrten seiner Zeit begegnete er mit großer Achtung. Einmal kam vor ihm die Rede auf Hazrat Abdullah ibn Masʿud (möge Allah mit ihm zufrieden sein). Da sagte er: „Ihr habt einen Mann erwähnt, den ich seit jenem Tag liebe, an dem der Gesandte (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) sagte: ‚Erwerbt das Wissen über den Qur’an von vier Personen‘ – und als Ersten nannte er Abdullah ibn Masʿud.“
Hazrat Abdullah ibn Amr überlieferte Hadithe von zahlreichen Gefährten, darunter Umar, Abu Darda, Muʿadh, Abd ar-Rahman ibn Auf und seinem Vater Amr. Abu Nuʿaim sagt: „Unter den Gefährten überlieferten Ibn Umar, Abu Umama, al-Miswar, Saʾib ibn Yazid, Abu t-Tufail und zahlreiche bedeutende Tabiʿun Hadithe von ihm.“ (Al-Isaba)
Abdullah ibn Amr war für seine Gottesfurcht, Frömmigkeit und übermäßige Hingabe an die Anbetung besonders bekannt. In der Geschichte wurde er mit Beinamen wie der Betende, der Reumütige und der Gottesdienstleistende geehrt. Während sein Vater Amr ein Meister der Klugheit, der List und der strategischen Geschicklichkeit war, war er selbst eine herausragende Persönlichkeit unter den Frommen, den Asketen und den Freimütigen. Sein ganzes Leben war der Anbetung gewidmet. Er lernte jeweils so viel vom Qur’an auswendig, wie offenbart worden war. Als die Offenbarung des Qur’an abgeschlossen war, war auch er ein Hafiz des gesamten Qur’an. Auf dem Feld des Dschihad sah man ihn stets in der ersten Reihe. War der bewaffnete Dschihad jedoch beendet, sah man ihn in der Moschee – tagsüber fastend und nachts im Gottesdienst. Er war in der Rezitation des Qur’an und des Tasbih oder im Tawba und Istighfar versunken. Kurz gesagt: Wenn nicht zum Dschihad aufgerufen wurde, war er vierundzwanzig Stunden am Tag in Saum, Salat und Rezitation vertieft.
Von Natur aus neigte er zu Ruhbaniyya, also zur Askese. Einmal rief ihn der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) zu sich und sagte: „Abdullah, ich habe erfahren, dass du beschlossen hast, dein ganzes Leben mit Fasten am Tag und Anbetung in der Nacht zu verbringen.“ Er sagte: „Ja, o Gesandter Allahs.“ Der Gesandte (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) sagte: „Dazu hast du nicht die Kraft. Faste, aber brich auch das Fasten, verrichte das Gebet, aber ruhe dich auch aus. Faste nur drei Tage im Monat. Denn jede gute Tat wird zehnfach vergolten.“ Er bat: „Ich habe mehr Kraft als das.“ Der Gesandte (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) sagte: „Faste einen Tag und brich zwei Tage das Fasten.“ Er bat erneut: „Ich habe mehr Kraft als das.“ Der Gesandte (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) sagte: „Faste einen Tag und brich einen Tag das Fasten. Das ist die Lebensweise von Hazrat Dawud (Friede sei mit ihm), und dies ist die beste Art des Fastens.“ Er bat wiederum: „Ich kann noch besser fasten.“ Der Gesandte (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) sagte: „Es gibt kein besseres Fasten als dieses.“ Ein anderes Mal ging der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) zu seinem Haus und sagte: „Dein Körper, deine Augen, deine Familie und deine Freunde haben Rechte dir gegenüber.“
Sein ganzes Leben lang folgte er hinsichtlich des Fastens dem Vorbild Davuds (a.s.) und verbrachte den größten Teil der Nacht im Gottesdienst. Er hatte ein so großes Interesse an der Rezitation des Korans, dass er ihn alle drei Tage einmal vollständig rezitierte. Gegen Ende seines Lebens wurde diese umfangreiche gottesdienstliche Hingabe jedoch beschwerlich für ihn. Manchmal sagte er bedauernd: „O hätte ich doch die von Allahs Gesandtem (s.a.w.) gewährte ‚Rukhsa‘, also die Erlaubnis zur Erleichterung beziehungsweise Verringerung, angenommen.“ (Al-Isaba)
Als sein Vater ʿAmr ibn al-ʿAs sah, wie gleichgültig ʿAbdullah gegenüber der Welt war, beklagte er sich häufig beim Gesandten Allahs. Eines Tages nahm der Gesandte Allahs (s.a.w.) ʿAbdullahs Hand und legte sie in die Hand seines Vaters und sagte: „Tu, was ich dir sage, und gehorche deinem Vater beziehungsweise erweise ihm Gehorsam.“ [Rijalun hawla ar-Rasul (s.a.w.)] ʿAbdullah blieb sein ganzes Leben lang seinem Vater gehorsam. Auf dessen Anweisung hin zog er daher auf Muʿawiyas Seite nach Siffin.
Hadhrat ʿAmr ibn al-ʿAs (r.a.) erbte aus dem väterlichen Nachlass ein gewaltiges Vermögen sowie zahlreiche Sklaven und Sklavinnen. Der Landbesitz namens „Wahaj“ bei Taif, den er erhielt, war etwa eine Million Dirham wert. (Usud al-Ghaba) In seinem Auftrag wurde dort Landwirtschaft betrieben. Einmal kam es wegen dieses Landbesitzes zu einem Streit mit ʿAmbasa ibn Sufyan. Beinahe wäre es auf beiden Seiten zu einem Blutvergießen gekommen. ʿAbdullahs Bruder, Hadhrat Khalid ibn al-ʿAs, kam, um ihn zu beschwichtigen. Er sagte zu Khalid: „Wer getötet wird, während er sein Vermögen schützt oder verteidigt, ist ein Märtyrer – erinnerst du dich nicht an diese Aussage des Gesandten Allahs (s.a.w.)?“ (Musnad Ahmad)
Über das Jahr und den Ort des Todes von Hadhrat ʿAbdullah (r.a.) bestehen unter den Sira-Gelehrten unterschiedliche Auffassungen. Auch darüber, wie alt er bei seinem Tod war, konnten sich die Historiker nicht einigen. Als Orte seines Todes werden ebenso Scham, Mekka, Taif und Ägypten genannt wie die Jahre 65, 68 und 69 nach der Hidschra. Nach der bekanntesten Auffassung verstarb er jedoch im Jahr 65 nach der Hidschra im Alter von 72 Jahren in der Stadt Fustat (Ägypten). Zu jener Zeit tobte ein heftiger Kampf zwischen den Truppen Marwan ibn al-Hakams und ʿAbdullah ibn az-Zubairs; deshalb war es nicht möglich, seinen Leichnam auf den allgemeinen Friedhof zu bringen. Er wurde an seinem Wohnort beigesetzt. (Al-Isaba, Tadhkirat al-Huffaz)
Miqdad ibn ʿAmr (r.a.)
Sein Name war Miqdad, seine Kunyas waren Abu al-Aswad, Abu ʿAmr und Abu Saʿid. Sein Vater war ʿAmr ibn Thaʿlaba. Der ursprüngliche Wohnort seiner Vorfahren war Bahra. Ibn al-Kalbi berichtet: Miqdads Vater ʿAmr tötete einen Mann aus seinem Stamm und floh aus Angst vor Qisas, also Vergeltung, nach Hadramaut, wo er mit den Kinda ein Bündnis schloss. Deshalb wurde er „al-Kindi“ genannt. Er heiratete eine Frau aus Hadramaut, und Miqdad wurde von ihr geboren. In eben diesem Hadramaut wuchs Miqdad auf. Dort geriet er mit einem Mann namens Abu Schammar ibn Hadschar al-Kindi in Streit und trennte ihm mit einem einzigen Schwertstreich ein Bein ab. Danach floh er nach Mekka. Dort lebte er, nachdem er mit al-Aswad ibn ʿAbd Yaghuth ein Schutz- und Bündnisverhältnis eingegangen war. Seine Beziehung zu al-Aswad wurde so herzlich und eng, dass dieser Miqdad als Adoptivsohn annahm. So wurde er als Miqdad ibn al-Aswad, also „Miqdad, der Sohn al-Aswads“, bekannt. Als anschließend der Vers des Heiligen Korans „Udʿuhum li-abaʾihim“ – „Nennt sie nach ihren Vätern“ – offenbart wurde, nahm er anstelle der Bezeichnung al-Aswad den Namen Miqdad ibn ʿAmr, also „Miqdad, der Sohn ʿAmrs“, an. Aus diesem Grund wird er in der Geschichte teils als Miqdad ibn ʿAmr und teils als Miqdad ibn al-Aswad erwähnt. (Al-Isaba, Usud al-Ghaba)
Nicht lange nachdem Miqdad in Mekka Zuflucht gefunden hatte, drang der Ruf des Tauhid an sein Ohr. Die Einladung und Verkündigung des edlen Gesandten Allahs machte ihn erstmals mit dem Islam bekannt. Dies geschah zu einer Zeit, als die erbitterten Feinde des Islam die Muslime grausam folterten. Aus Angst vor ihnen hielten damals viele ihre Annahme des Islam geheim. Miqdad jedoch hielt es nach seinem Eintritt in den Islam nicht für richtig, die Wahrheit zu verbergen. Er war einer der sieben Menschen der ersten Stunde, die in jenem Augenblick äußersten Terrors öffentlich verkündeten, dass sie den Glauben angenommen hatten. Die anderen sechs dieser sieben waren der Gesandte Allahs (s.a.w.), Abu Bakr, ʿAmmar, dessen Mutter Sumayya, Suhaib und Bilal (r.a.). (Hayatus-Sahaba 1/218)
Er heiratete Dubāʿa bint az-Zubair ibn ʿAbd al-Muttalib, die Cousine des Gesandten Allahs (s.a.w.). Es wird berichtet, dass er eines Tages mit ʿAbd ar-Rahman ibn ʿAwf zusammensaß. Plötzlich fragte ʿAbd ar-Rahman: „Miqdad, warum heiratest du nicht?“ Miqdad antwortete unverblümt und ohne zu zögern: „Dann verheirate doch deine Tochter mit mir.“ Darüber fühlte sich ʿAbd ar-Rahman beleidigt. Er geriet in heftige Wut und beschimpfte Miqdad aufs Äußerste. Miqdad kam zum Gesandten Allahs (s.a.w.) und beklagte sich über ʿAbd ar-Rahman. Der Gesandte (s.a.w.) sagte: „Ich selbst werde dich verheiraten.“ Daraufhin verheiratete er Miqdad mit seiner Cousine Dubāʿa. (Al-Isaba)
Nachdem al-Miqdad offen den Islam verkündet hatte, brach großes Leid über ihn herein. Mit der Erlaubnis des Gesandten Allahs (s.a.s.) wanderte er nach Habascha aus. Nachdem er dort einige Zeit geblieben war, kehrte er wieder nach Mekka zurück. Zu jener Zeit hatte die Auswanderung nach Medina bereits in großem Umfang begonnen. Aufgrund besonderer Schwierigkeiten konnte er jedoch nicht nach Medina auswandern. Selbst nach der Auswanderung des Gesandten Allahs nach Medina blieb er in Mekka. Als es zu einem vorübergehenden Zusammenstoß zwischen Mekka und Medina kam, brachen er und Utba ibn Ghazwan als Mitglieder einer vorgeschobenen Aufklärungseinheit der Quraisch nach Medina auf. Anführer dieser Truppe war Ikrima ibn Abi Dschahl. Unterwegs kam es zu einem kleineren Gefecht mit einer Gruppe von Mudschahedin aus Medina. Anführer beziehungsweise Befehlshaber dieser muslimischen Mudschahedin war Hazrat Ubaida ibn al-Harith (r.a.). In einem günstigen Augenblick schlossen sich al-Miqdad und Utba ibn Ghazwan der Gruppe der muslimischen Mudschahedin an und erreichten gemeinsam mit ihnen Medina. Dort waren sie Gäste von Hazrat Kulthum ibn Hidam. (Usud al-Ghaba) Als al-Miqdad auf Bitte von Hazrat Ubayy ibn Ka’b (r.a.) den Wunsch äußerte, in Banu Adila (nach einer anderen Überlieferung: Dschadila) zu wohnen, schenkte ihm der Gesandte (s.a.s.) dort ein Stück Land.
Im zweiten Jahr nach der Hidschra begann die erste direkte militärische Auseinandersetzung zwischen Schirk und Tauhid. In diesem Jahr erreichte das Heer der Quraisch die Ebene von Badr. Für die Gefährten des Gesandten Allahs (s.a.s.) war dies ihre erste Prüfung. Der Gesandte (s.a.s.) wollte ihren Rat einholen und dadurch ihren Glauben prüfen. Hazrat Siddiq-e Akbar, Faruq-e Azam und andere Gefährten hielten Ansprachen und bekundeten ihren Willen, ein beispielloses Beispiel für Opferbereitschaft und Selbstaufopferung zu geben. Auch Hazrat al-Miqdad war bei dieser Versammlung anwesend. Er hielt eine leidenschaftliche Ansprache. Darin versicherte er dem Gesandten (s.a.s.): „O Gesandter Allahs, schreite voran, um den Befehl auszuführen, den Allah dir gegeben hat. Wir stehen an deiner Seite. Bei Allah! Die Kinder Israels sagten zu ihrem Propheten Musa: Geht du und dein Herr beide hin und kämpft, während wir hier sitzen bleiben; wir werden dir nicht so etwas sagen. Vielmehr werden wir dir sagen: Geht du und dein Herr beide hin und kämpft gegen sie, und auch wir werden gemeinsam mit euch gegen sie kämpfen. Bei Dem, Der dich mit der Wahrheit gesandt hat: Wenn du uns bis nach Bark al-Ghimad führst, werden wir mit dir gehen und gegen deinen Feind kämpfen. Wir werden von jeder Seite kämpfen – zu deiner Rechten, zu deiner Linken, vor dir und hinter dir –, bis Allah dir den Sieg schenkt.“ (Ridschalun hawla ar-Rasul) Als der Gesandte Allahs (s.a.s.) diese leidenschaftliche Ansprache hörte, erstrahlte sein gesegnetes Gesicht vor Freude.
Die Schlacht von Badr begann. Unter den muslimischen Mudschahedin gab es in dieser Schlacht nur drei Reiter: Miqdad ibn Amr, Murschid ibn Abi Murschid und Zubair ibn al-Awwam. Alle übrigen waren Fußsoldaten oder ritten auf Kamelen. Nach mehreren Überlieferungen war al-Miqdad in dieser Schlacht jedoch der einzige berittene Mudschahed. Deshalb heißt es: „Miqdad war der Erste, der sein Pferd auf Allahs Weg laufen ließ.“
Außer an Badr nahm er auch an allen wichtigen Schlachten, darunter Uhud und al-Chandaq, teil und zeigte dabei den Gipfel des Heldenmuts. Im zwanzigsten Jahr nach der Hidschra führte Hazrat Amr ibn al-As den Feldzug nach Ägypten. Er ließ aus der Hauptstadt Medina um zusätzliche militärische Unterstützung bitten. Der Kalif Umar (r.a.) entsandte zehntausend Soldaten und vier Offiziere. Einer dieser vier war Miqdad ibn Amr. In einem Brief teilte der Kalif Amr ibn al-As mit: „Jeder dieser vier Männer ist zehntausend Soldaten des Feindes gleich.“ Nach dem Eintreffen dieser Soldaten wurde in sehr kurzer Zeit in ganz Ägypten das Banner des Islam gehisst.
Hazrat Khubaib (r.a.) wurde von den Götzendienern Mekkas gekreuzigt und getötet. Der Gesandte Allahs (s.a.s.) schickte Zubair und al-Miqdad, um Khubaibs Leichnam in der Dunkelheit der Nacht vom Kreuz herabzunehmen. Nachdem sie Khubaibs Leichnam vom Kreuz genommen, auf ein Pferd gehoben und sich auf den Weg gemacht hatten, bemerkten die Quraisch sie und verfolgten sie. (Hayat as-Sahaba)
Hazrat al-Miqdad hatte einen sehr dicken Bauch. Deshalb litt er im Alter große Schmerzen. Um diese Beschwerden zu lindern, führte ein römischer Sklave von ihm einen chirurgischen Eingriff an seinem Bauch durch; doch dieser blieb erfolglos. In diesem Zustand verstarb er im 33. Jahr nach der Hidschra an einem Ort namens Dschuruf, drei Meilen von Medina entfernt. Amir al-Mu’minin Hazrat Uthman (r.a.) leitete sein Totengebet. Sein Leichnam wurde auf dem Friedhof Baqi in Medina beigesetzt. Bei seinem Tod war er ungefähr siebzig Jahre alt.
In Hazrat al-Miqdad entfalteten sich die edelsten charakterlichen Eigenschaften. Die Aufrichtigkeit und die von Wahrhaftigkeit erfüllte Begeisterung, die er während der Schlacht von Badr zeigte, ließ die gesamte Gemeinschaft der Gefährten ihn beneiden. Hazrat Abdullah ibn Umar (r.a.) pflegte zu sagen: „Ach, wäre ich damals nur alt genug gewesen, an der Schlacht von Badr teilzunehmen, und wären al-Miqdads Worte aus meinem Mund hervorgekommen!“ Hazrat Abdullah ibn Masud sagte: „Ich war in der Schlacht von Badr bei al-Miqdad. Mit ihm in dieser Schlacht gewesen zu sein, ist mir so kostbar, dass im Vergleich dazu alles auf der Welt völlig wertlos ist.“ Die äußerste Armut und Not in den Anfangstagen des Islam hatten ihn sehr geduldig und wirklichkeitsnah gemacht. Er sagte: „Als ich nach der Hidschra nach Medina kam, hatte ich keinerlei geregelte Unterkunft oder Verpflegung. Vor Hunger war ich dem Tod nahe. Schließlich gab der Gesandte Allahs (s.a.s.) mir zusammen mit zwei meiner Gefährten Unterkunft im Haus seines Gastgebers Kulthum ibn Hidam. Damals besaß der Gesandte Allahs (s.a.s.) nur vier Ziegen. So viele Menschen lebten davon, die Milch dieser Ziegen zu trinken. Eines Nachts ging der Gesandte Allahs (s.a.s.) irgendwohin hinaus. Seine Rückkehr verzögerte sich. Ich dachte, vielleicht habe ihn ein Ansar zu einem Essen eingeladen, und er werde erst nach dem Essen zurückkehren. Kaum war dieser Gedanke in mir aufgekommen, stand ich auf und trank mit einem einzigen Schluck die Milch, die für den Gesandten Allahs (s.a.s.) aufbewahrt worden war. Doch unmittelbar danach wurde mir bewusst: Wenn meine Vermutung falsch ist, werde ich in große Verlegenheit geraten. Während ich noch zwischen diesen widerstreitenden Gedanken schwankte, kehrte der Gesandte (s.a.s.) zurück und ging geradewegs dorthin, wo die Milch aufbewahrt wurde. Er sah, dass der Becher leer war. Wegen meines Fehlers wurde ich von Scham und Reue gequält. Besonders als er die Hand hob, um etwas zu sagen, kannte meine Angst keine Grenzen. Ich dachte, dass durch ein schlechtes Bittgebet des Gesandten Allahs (s.a.s.) nun mein ganzes diesseitiges und jenseitiges Leben zugrunde gehen würde. Doch ich hörte ihn sagen: ‚O Allah, speise den, der mich gespeist hat, und tränke den, der mir zu trinken gegeben hat.‘ Nachdem ich dieses Bittgebet gehört hatte, fasste ich Mut. Ich stand auf und ging zu den Ziegen, in der Hoffnung, an den Eutern einer von ihnen etwas Milch zu finden. Doch durch Allahs grenzenlose Allmacht fand ich, ganz gleich, welches Ziegeneuter ich berührte, jedes einzelne voller Milch. Ich molk eine große Menge Milch und brachte sie dem Gesandten Allahs (s.a.s.). Er fragte: ‚Habt ihr alle getrunken?‘ Ich erwiderte: ‚O Gesandter Allahs, trink du zuerst, danach werde ich dir alles erzählen.‘ Der Gesandte (s.a.s.) trank sich satt. Als ich an meinen früheren Fehler und meine Reue dachte, begann ich plötzlich zu lachen. Er fragte: ‚Abu al-Aswad, warum lachst du?‘ Ich erzählte ihm alles. Nachdem er alles gehört hatte, sagte er: ‚Dies war Allahs Barmherzigkeit. Warum hast du deine beiden Gefährten nicht aus dem Schlaf geweckt, damit auch sie diese Gunst erhalten hätten?‘“
Hazrat Miqdad war äußerst umsichtig und klug. Seine Umsicht und Intelligenz zeigten sich in vielen Fällen und Ereignissen. Einer seiner Gefährten berichtet: Eines Tages saßen wir bei Miqdad, als ein Tābiʿī zu ihm sagte: „Wie glücklich müssen doch Ihre beiden Augen sein, die dadurch geehrt wurden, den Gesandten Allahs (s) zu sehen! Bei Allah, ich sehne mich sehr danach, alles zu sehen, was Sie gesehen haben, und bei all den Szenen und Ereignissen anwesend zu sein, bei denen Sie anwesend waren.“ Als Miqdad dies hörte, wurde er über den Mann sehr zornig. Die Leute sagten: „Warum regst du dich denn so auf?“ Er erwiderte: „Die Gegenwart außer Acht zu lassen und sich nach der Vergangenheit zu sehnen, ist nutzlos. Denn er weiß nicht, welche Rolle er gespielt hätte, wenn er damals gelebt hätte. Bei Allah, viele Zeitgenossen des Gesandten Allahs fanden wegen ihres Unglaubens im Dschahannam ihr Ende. Weiß er etwa, zu welcher Gruppe er gehört hätte? Sollte er Allah nicht dafür danken, dass Er ihn vor einer solchen Gefahr bewahrt und ihn zu einem Gläubigen an Allah und Seinen Gesandten (s) gemacht hat?“
Eines Tages ernannte der Gesandte Allahs (s) ihn zum Befehlshaber einer Gruppe. Als er zurückkehrte, fragte ihn der Gesandte (s): „Wie hat dir das Amt des Befehlshabers oder die Führung gefallen?“ Darauf sagte er eine große Wahrheit: „Ich hatte das Gefühl, über allen anderen zu stehen und dass die anderen unter mir standen. Bei Dem, Der dich mit der Wahrheit gesandt hat: Nach heute werde ich niemals mehr über zwei Menschen Befehlshaber sein.“ Er versuchte nicht, seine eigene Schwäche zu verbergen oder die Wahrheit zu verschweigen. Stets wiederholte er folgenden Hadith des Gesandten Allahs: „Wer vor der Fitna bewahrt wurde, ist wahrhaft glücklich.“
Den Gesandten Allahs (s) liebte er mehr als sein eigenes Leben. In ihm lebte ein höchstes Verantwortungsgefühl für den Schutz und die Sicherheit des Gesandten Allahs (s). Sobald in Medina irgendein Aufruhr entstand, sah man ihn bewaffnet und zu Pferde vor der Tür des Hauses des Gesandten Allahs (s). Auch bei der korrekten Umsetzung der islamischen Vorschriften war er äußerst streng. Gegenüber den offenen Feinden des Islams war er ebenso wachsam wie gegenüber der geringsten Nachlässigkeit und den kleinsten Fehlern seiner Freunde in Bezug auf den Islam. Einmal zog er mit einer kleinen Truppe auf einen Feldzug. Eine feindliche Truppe umzingelte sie. Der Befehlshaber ordnete an, dass an diesem Tag kein Mitglied der Truppe sein Reittier zum Reiten überlassen dürfe. Doch ein Mudschahid wusste nichts davon und handelte entgegen dem Befehl des Befehlshabers. Dafür erhielt er von ihm eine noch härtere Strafe als die ihm zustehende. Der Mudschahid weinte gerade, als Miqdad an ihm vorbeikam. Er erkundigte sich und erfuhr, was geschehen war. Dann ergriff er ihn an der rechten Hand, zog ihn zum Befehlshaber und zwang diesen durch eine Auseinandersetzung, seinen Fehler einzugestehen. Er sagte zum Befehlshaber: „Befreie dich von der Verantwortung, indem du dem Mann die Möglichkeit gibst, Vergeltung zu fordern.“ Der Befehlshaber nahm Miqdads Worte an. Der Mann jedoch verzieh dem Befehlshaber. So erfüllte Miqdad stets die Rolle eines wachsamen Wächters zum Schutz der Ehre und Würde der Religion. Fast immer sagte er: „Allah hat mir befohlen, dich zu lieben, und mir auch mitgeteilt, dass Er dich liebt.“ So wurde er durch die Liebe Allahs und Seines Gesandten geehrt.
Der Gesandte Allahs (s) sagte: „Jeder Prophet erhielt sieben treue Gefährten und Wesire. Mir jedoch wurden vierzehn gegeben. Sie sind: Hamza, Dschaʿfar, Abu Bakr, Umar, Ali, Hasan, Husain, Abd Allah ibn Masud, Salman, Ammar, Hudhaifa, Abu Dschaʿfar, Miqdad und Bilal.“
Schmeichelei oder Lobpreisungen mochte er überhaupt nicht. Einmal begannen einige Leute am Hofe Hazrat Uthmans (r) in Miqdads Gegenwart, ihn zu loben. Darüber wurde er so zornig, dass er ihnen Erde ins Gesicht warf. Hazrat Uthman (r) rief: „Miqdad, was geschieht hier?“ Er erwiderte: „Der Gesandte Allahs hat uns angewiesen: ‚Werft demjenigen, der Lobpreisungen ausspricht, Erde ins Gesicht.‘“
Sein eigentlicher Beruf war der Handel. Außerdem schenkte der Gesandte Allahs (s) ihm Land in der Gegend von Chaibar. Später kaufte Hazrat Muʿawiya (r) dieses Land von Miqdads Erben für einhunderttausend Dirham.
Dubāʿa, die Ehefrau Hazrat Miqdads, berichtet: Einmal ging Miqdad an einen abgelegenen Ort in al-Baqiʿ, um sich zu erleichtern. Während er sein Geschäft verrichtete, sah er, wie eine Maus aus ihrem Loch einen Dinar hervorholte. Auf diese Weise holte die Maus insgesamt siebzehn Dinar hervor. Er hob sie auf, brachte sie zum Gesandten Allahs (s) und erzählte ihm den ganzen Vorfall. Der Gesandte (s) fragte ihn, ob er seine Hand in das Loch gesteckt habe. Als er antwortete, dass er seine Hand nicht hineingesteckt habe, sagte der Gesandte (s): „Möge Allah deinen Besitz segnen. Auf diesen Besitz ist keine Zakat fällig.“ (Hayāt as-Sahāba 3/645)
Hazrat Miqdad (r) überlieferte vom Gesandten Allahs (s) eine beträchtliche Anzahl von Hadithen, und Gefährten wie Ali, Anas, Ubaidullah ibn Adi, Hammam ibn al-Harith und Abd ar-Rahman ibn Abi Laila überlieferten Hadithe von ihm.
ʿAmr ibn al-ʿĀs (ra)
Sein Name war ʿAmr, seine Kunya Abū ʿAbdullāh und Abū Muḥammad. Sein Vater war al-ʿĀs und seine Mutter Nābiġa. Über seinen Vorfahren Kaʿb ibn Luʾayy war seine Abstammung mit der Abstammung des Gesandten Allahs (s.a.w.) verbunden.
Bereits in der vorislamischen Zeit war der Clan von ʿAmr ibn al-ʿĀs, die Banū Sahm, als angesehener Clan bekannt. Ihm wurde die Aufgabe übertragen, als Schlichter die Streitigkeiten und Auseinandersetzungen der Quraisch beizulegen. Über seine Geburt und seine Kindheit sind keine besonderen Informationen überliefert. Bis zu seiner Annahme des Islams war er ein entschiedener Feind des Islams. Im Bündnis mit den Führern der Quraisch setzte er sich mit großem Eifer gegen den Islam und die Muslime ein.
Es wird berichtet, dass er einer der drei führenden Männer unter den erbitterten Feinden des Gesandten Allahs (s.a.w.) aus den Quraisch war. Gegen diese Männer richtete der Gesandte Allahs (s.a.w.) Bittgebete an Allah, worauf Allah als Antwort diesen Vers offenbarte: „Laysa laka min al-amri shayʾun aw yatūba ʿalayhim aw yuʿadhibahum fa-innahum ẓālimūn.“ (Āl ʿImrān 3:128) – „Du hast in dieser Angelegenheit keinerlei Entscheidungsgewalt. Allah kann ihnen gnädig vergeben oder sie bestrafen. Denn sie sind Ungerechte und Übeltäter.“ Der Gesandte Allahs verstand, dass ihm verboten wurde, Verwünschungen gegen sie auszusprechen. Er überließ die Angelegenheit Allah. Einer dieser drei Männer wurde später der große Heerführer des Islams, einer der herausragendsten Diplomaten Arabiens und der Befreier der Ägypter: ʿAmr ibn al-ʿĀs (ra). (Rijāl ḥawla ar-Rasūl, S. 614)
Unter den eifrigsten Mitgliedern der ersten Gruppe von Muslimen, die nach Abessinien auswanderte, war dieser ʿAmr ibn al-ʿĀs. In Abessinien sprach er mit dem König und verschiedenen Personen am königlichen Hof und unternahm alle möglichen Versuche, sie dazu zu bewegen, die Muslime aus Abessinien auszuweisen. Am Hof des Königs hielt er sogar eine flammende Rede, in der er die Muslime des Abfalls vom Glauben beschuldigte. Doch all seine Bemühungen blieben erfolglos.
Im Grabenkrieg erschienen fast alle Stämme der Arabischen Halbinsel, nachdem sie sich mit den Quraisch verbündet hatten, am Rand von Medina, um die Muslime vollständig zu vernichten. Auch hier war ʿAmr einer der führenden Männer aufseiten der Quraisch. Nach dem Grabenkrieg geschah in ihm gleichsam eine unerwartete Wandlung. Selbst in diesem eingefleischten Feind des Islams vollzog sich eine Veränderung. Er begann, über die Botschaft und die Lehre des Islams nachzudenken. Er sagte selbst: „Durch dieses Nachdenken begann sich mir die grundlegende Wahrheit des Islams allmählich zu erschließen. Nach und nach begann ich, mich vom Widerstand gegen die Muslime zu entfernen. Die Führer der Quraisch bemerkten dies und schickten einen Mann zu mir. Er begann, mit mir zu diskutieren. Ich sagte zu ihm: ‚Sag mir: Sind wir auf der Seite der Wahrheit oder die Perser und Römer?‘ Er sagte: ‚Wir.‘ Ich fragte: ‚Wer besitzt Glück, Reichtum und Wohlstand – sie oder wir?‘ Er sagte: ‚Sie.‘ Ich sagte: ‚Wenn es nach diesem Leben kein weiteres Leben gibt, welchen Nutzen hat dann unser wahrhaftiges Leben? Schon in dieser Welt befinden wir uns im Vergleich zu den Lügnern in elender Lage, und auch im Jenseits haben wir keinerlei Aussicht auf Belohnung. Deshalb erscheint mir die Lehre Muhammads (s.a.w.) – dass es nach dem Tod eine weitere Welt geben wird und jeder Mensch dort die Vergeltung für seine Taten erhält – äußerst richtig und überzeugend.‘“ Nach dem Grabenkrieg war in ihm die feste Überzeugung von der Sieghaftigkeit des Gesandten Allahs (s.a.w.) entstanden. Er erkannte, dass der Islam gekommen war, um siegreich zu sein. Dieser Glaube ermutigte ihn, den Islam anzunehmen.
Er sagte: „Als ich vom Grabenkrieg nach Mekka zurückkehrte, rief ich meine engsten Verwandten und Freunde zusammen und sagte: ‚Wisst, dass Muhammads Sache über alle anderen Angelegenheiten siegen wird – daran besteht kein Zweifel. Ich habe einen wohlüberlegten Vorschlag und möchte wissen, wie ihr darüber denkt.‘ Er sagte: ‚Kommt, lasst uns zum Najaschi gehen und dort bleiben. Wenn Muhammad über uns siegt, werden wir beim Najaschi bleiben. Wenn jedoch unser Volk siegt, sind wir die vornehmste Nation. In diesem Fall wird der Najaschi uns gewiss gut behandeln.‘ Alle stimmten meinem Vorschlag zu. Danach berieten wir, welches Geschenk wir dem Najaschi mitbringen könnten. Der wertvollste Gegenstand, den wir schenken konnten, waren die Lederwaren aus unserer Gegend. Wir nahmen eine beträchtliche Menge Leder mit und erreichten Abessinien.“
Als wir gerade zum Hof des Najaschi gingen, traf auch ʿAmr ibn Umayya ad-Damrī dort ein. Der Gesandte Allahs (s.a.w.) hatte ihn aus einem besonderen Anlass von Medina zu Jaʿfar ibn Abī Ṭālib geschickt. Jaʿfar ibn Abī Ṭālib hielt sich damals noch in Abessinien auf. Nach einiger Zeit verließ ʿAmr den Hof des Najaschi. Wir beschlossen, den Najaschi zu bitten, ʿAmr uns auszuliefern. Wenn er unserer Bitte nachkäme und ʿAmr uns übergäbe, würden wir ihn töten. Auf diese Weise würden die Quraisch erkennen, dass wir Vergeltung geübt und den Gesandten Muhammads getötet hatten. Nachdem dieser Entschluss gefasst war, begab ich mich zum Hof des Najaschi. Wie es der Sitte entsprach, verbeugte ich mich vor ihm und legte unsere Geschenke vor ihn. Die Geschenke gefielen ihm sehr.
Darauf sagte ich: „Der Mann, der soeben Euren Hof verlassen hat, ist der Gesandte unseres erbittertsten Feindes. Wenn Ihr ihn uns ausliefert, werden wir ihn töten.“ Über diese Bitte geriet an-Nadschāschī in heftigen Zorn. Als ich sah, dass die Lage schwierig wurde, sagte ich demütig: „Wenn ich gewusst hätte, dass meine Bitte Euch derart aufbringen würde, hätte ich sie nicht vorgetragen.“ An-Nadschāschī sagte: „Willst du, dass ich euch den Gesandten desjenigen ausliefere, zu dem der ‚größte Namus‘ kam, der auch zu Moses (a.) gekommen ist, damit ihr ihn tötet?“ Ich fragte: „Ist er wirklich ein solcher Mann?“ Er sagte: „ʿAmr, eure Lage ist wahrlich beklagenswert. Hört auf mich und gehorcht ihm. Bei Allah, er ist wahrhaftig. Er wird über seine Widersacher siegen, so wie Moses über den Pharao und dessen Leute und Heerscharen siegte.“ Ich sagte: „Dann leiste ich für ihn den Baiʿa-Eid des Gehorsams.“ Er streckte seine Hand aus, und ich leistete ihm den Baiʿa-Eid auf den Islam. Ich kehrte zu meinen Gefährten zurück; doch inzwischen hatte sich meine Denkweise grundlegend gewandelt. Ich ließ ihnen davon nichts erkennen.
Ich brach aus Abessinien auf, um dem Gesandten Allahs (s.) den Baiʿa zu leisten. Unterwegs traf ich Chālid ibn al-Walīd. Auch er war von Mekka nach Medina unterwegs. Ich fragte ihn: „Abū Sulaimān, wohin gehst du?“ Er sagte: „Bei Allah, ich stehe vor einer gewaltigen Prüfung. Ich bin fest davon überzeugt, dass dieser Mann ein Prophet ist. Nun sollten wir sehr schnell den Islam annehmen. Wie lange sollen diese Zweifel und dieses Zögern noch andauern?“ Ich sagte: „Auch ich bin aus diesem Grund unterwegs.“ Daraufhin begaben wir beide uns gemeinsam zum Dienst des Gesandten Allahs (s.). Als der Gesandte Allahs (s.) uns beide erblickte, erhellte sich sein Gesicht. Er wandte sich an die Sahāba und sagte: „Laqad ramātkum Makka bi-filādhati akbādihā – Mekka hat euch seine schärfsten und kostbarsten Herzensteile entgegengeschleudert.“ (Ridschālun haula r-Rasūl)
Zuerst leistete Chālid ibn al-Walīd dem Gesandten Allahs (s.) den Baiʿa. Dann trat ich etwas näher und sagte: „O Gesandter Allahs! Auch ich möchte den Baiʿa leisten. Doch müsst Ihr mir alle meine früheren Verfehlungen vergeben.“ Er sagte: „ʿAmr, leiste den Baiʿa. Der Islam tilgt alle früheren Sünden, und auch die Hidschra löscht alle früheren Verfehlungen aus.“ Ich leistete dem Gesandten Allahs den Baiʿa und kehrte zurück. Dies geschah zu Beginn des siebten Hidschra-Jahres, sechs Monate vor der Eroberung von Chaibar. (Sīrat Ibn Hischām, Bd. 2, S. 276–278; al-Fath ar-Rabbānī, Bd. 22; Musnad Imām Ahmad; Hayāt as-Sahāba 1/157–160)
Nach seiner Annahme des Islam kehrte er nach Mekka zurück. Nachdem er sich einige Zeit in Mekka aufgehalten hatte, vollzog er erneut die Hidschra nach Medina. ʿAmr ibn al-ʿĀs war sowohl in seinem Zustand des Islam als auch in dem des Kufr ein Extremist. So wie er zuvor entschlossen gewesen war, den Islam auszurotten, war er nach seiner Annahme des Islam auch in Bezug auf Kufr und Schirk kompromisslos. Er sagte: „Als Kāfir war ich der größte Feind des Gesandten Allahs (s.). Wäre ich damals gestorben, wäre die Dschahannam mein Aufenthaltsort gewesen. Nachdem ich Muslim geworden war, konnte der Gesandte Allahs (s.) niemals aus meinen Augen verschwinden.“ Auch nach seiner Annahme des Islam fanden mehrere Schlachten statt; über seine Teilnahme daran ist jedoch nicht viel Näheres bekannt. Aus der Geschichte ist allerdings bekannt, dass mehrere kleinere Feldzüge unter seiner Führung durchgeführt wurden.
Ibn Saʿd berichtet: Nach der Eroberung Mekkas schlossen sich einige Angehörige der Banū Qudāʿa zusammen und planten einen Angriff auf die Muslime. Der Gesandte (s.) entsandte unter der Führung Abū ʿUbaidas ein Heer von dreihundert Mudschāhidīn gegen sie. Der Gesandte (s.) schickte von Medina aus unter der Führung Abū ʿUbaidas ein Heer von zweihundert Mudschāhidīn zu seiner Unterstützung. Zu dieser Gruppe gehörten auch bedeutende Sahāba wie Abū Bakr und ʿUmar. Sie führten den Feldzug allesamt unter der Führung von ʿAmr ibn al-ʿĀs und besiegten die Feinde. In der Geschichte ist dieser Feldzug unter dem Namen „Gazwat Dhāt as-Salāsil“ bekannt.
Nach der Eroberung Mekkas nahm der größte Teil der Stämme der Arabischen Halbinsel den Islam an. Einige Stämme nahmen zwar den Islam an, konnten sich jedoch nicht von den über Generationen gepflegten abergläubischen Vorstellungen lösen. Sie fürchteten sich davor, die Götzen und die Zentren ihrer Verehrung zu zerstören. Deshalb entsandte der Gesandte (s.) mehrere Heere in verschiedene Richtungen, um diese Götzen zu zerbrechen, damit der Name der Götzenverehrungszentren aus den Herzen der neuen Muslime getilgt würde. Eines dieser Zentren hieß „Suʿā“. Als sie dieses Zentrum erreichten, erfuhren die Einheimischen von seinem Vorhaben und sagten: „Ihr könnt dieses Zentrum nicht zerstören. Es wird sich selbst verteidigen.“ ʿAmr sagte: „Sinkt ihr noch immer in solchen irrigen Vorstellungen und abergläubischen Bräuchen? Wie kann etwas, das weder sehen noch hören kann, sich selbst verteidigen?“ Danach zerstörte er das Zentrum vollständig. Als die örtliche Bevölkerung dies sah, wurde ihr Īmān gefestigt.
Nach der Eroberung Mekkas überbrachte der Gesandte (s.) den Herrschern und Königen in der Umgebung der Arabischen Halbinsel einen Brief, in dem er sie zum Islam einlud. Der Herrscher von Oman nahm den Islam an, nachdem er den Brief erhalten hatte. Der Gesandte (s.) ernannte ʿAmr zum Wālī von Oman. Bis zum Tod des Gesandten Allahs blieb ʿAmr in Oman. (Futūh al-Buldān)
Nachdem Hadhrat Abū Bakr (r.) zum Chalīfa geworden war, regten sich auf der Arabischen Halbinsel die Fitna und die Aufstände der falschen Propheten und derer, die die Zakāt verweigerten. ʿAmr ibn al-ʿĀs befand sich damals noch in Oman. Auf Anweisung des Chalīfa zog er von Oman in Richtung Bahrain. Unterwegs war er zu Gast beim Anführer der Banū ʿĀmir, Qurrā ibn Huraira. Qurrā erwies ihm große Gastfreundschaft. Beim Abschied sagte er zu ʿAmr: „Wenn die Zakāt eingetrieben wird, werden die Araber die Herrschaft oder Führung irgendeines Menschen nicht anerkennen. Wenn die Erhebung der Zakāt ausgesetzt wird, werden sie gehorsam und gefügig bleiben. Daher sollte die Zakāt abgeschafft werden.“
ʿAmr sagte: „Qurra, hast du den Islam aufgegeben? Willst du mir etwa mit den Arabern Angst machen? Bei Allah, solche Leute werde ich unter den Hufen meiner Pferde zertrampeln lassen.“ Später wurde Qurra zusammen mit anderen Aufständischen gefangen genommen und nach Medina gebracht; ʿAmr ließ ihn frei. Als ʿAmr von Oman nach Medina kam, entsandte ihn der Kalif Abū Bakr (ra), um den Aufstand der Banū Qudāʿa niederzuschlagen. Durch seine Bemühungen kehrten die Banū Qudāʿa wieder zum Islam zurück. Nachdem der Aufstand niedergeschlagen war, kehrte er erneut nach Oman zurück.
Im Jahre 13 nach der Hidschra entsandte der Kalif Ḥaḍrat Abū Bakr (ra) verschiedene Heere in unterschiedliche Gebiete Syriens. Er schrieb an ʿAmr: „Der Gesandte Allahs (s) hatte dich zum Statthalter von Oman ernannt, deshalb hatte ich dich ein zweites Mal dorthin entsandt. Nun möchte ich dir eine Aufgabe übertragen, die für dein Diesseits und dein Jenseits von Nutzen sein wird.“ ʿAmr antwortete: „Ich bin ein Pfeil Allahs, und du bist ein geschickter Bogenschütze. Du hast das Recht, diesen Pfeil dorthin zu schießen, wohin du willst.“ Der Kalif rief ihn aus Oman zurück und ernannte ihn für den palästinensischen Frontabschnitt.
Die muslimischen Heere rückten von allen Seiten in Syrien vor. Der byzantinische Kaiser entsandte verschiedene Heere, um den muslimischen Streitkräften entgegenzutreten. Schließlich versammelten sich die verschiedenen byzantinischen Heere in Aǧnādayn. ʿAmr ibn al-ʿĀṣ rückte von Palästina aus auf Aǧnādayn vor. Unterdessen erreichten Chālid ibn al-Walīd und Abū ʿUbaida nach Abschluss des Feldzugs gegen Bosra Aǧnādayn, um ʿAmr zu unterstützen. Im Jahre 13 nach der Hidschra kam es dort zu einem heftigen Zusammenstoß zwischen den muslimischen und den byzantinischen Heeren. Der byzantinische Befehlshaber wurde getötet, und sie erlitten eine schmachvolle Niederlage. Der byzantinische Befehlshaber in Aǧnādayn entsandte einen arabischen Spion, um Nachrichten über das muslimische Heer zu sammeln. Nachdem dieser das muslimische Heerlager besichtigt hatte, fragte ihn der Befehlshaber: „Welche Nachricht bringst du?“ Der Spion enthüllte die Wahrheit und sagte: „Diese Männer verbringen die Nacht im Gottesdienst und reiten am Tag auf dem Schlachtfeld. Selbst wenn ihr Prinz ein Vergehen begeht, wird auch an ihm das Gesetz der Scharia vollzogen.“ Als der Befehlshaber dies hörte, bemerkte er: „Wenn sie tatsächlich solche Eigenschaften besitzen, ist es besser, sich in der Erde begraben zu lassen, als gegen sie Krieg zu führen.“
Auch am Feldzug gegen Damaskus nahm ʿAmr gemeinsam mit seinen beiden Gefährten Chālid und Abū ʿUbaida teil und war mit der Belagerung des Tūmā-Tors von Damaskus betraut. Nach Damaskus wurde der Feldzug gegen Faḥl durchgeführt. Auch in diesem Feldzug führte er einen Teil des muslimischen Heeres erfolgreich an.
Durch die aufeinanderfolgenden Angriffe des muslimischen Heeres erlitten die byzantinischen Truppen immer wieder schmachvolle Niederlagen. Schließlich wurde das zerschlagene byzantinische Heer auf Befehl des byzantinischen Kaisers neu organisiert und zu einem gewaltigen Heer von zweihunderttausend Mann formiert. Zur endgültigen Abwehr des muslimischen Heeres versammelte es sich an einem Ort namens Yarmūk. Auch das muslimische Heer traf unter der Führung von Chālid, ʿAmr und Schuraḥbīl ibn Ḥasana in Yarmūk ein. Die Zahl der byzantinischen Soldaten war jedoch viermal so groß wie die des vereinten muslimischen Heeres. In dieser blutigen Schlacht von Yarmūk kämpfte ʿAmr ibn al-ʿĀṣ mit außergewöhnlicher Tapferkeit und Mut. Das byzantinische Heer erlitt eine schmachvolle Niederlage. Über ganz Syrien wurde das Banner des Islam erhoben.
Noch vor Yarmūk hatte ʿAmr ibn al-ʿĀṣ den Eroberungsfeldzug in einigen Gebieten Palästinas abgeschlossen. Nach Yarmūk wandte er sich nun dem Feldzug gegen Īliyā, die größte Stadt Palästinas, auch Bayt al-Maqdis genannt, zu. Er belagerte Bayt al-Maqdis. Auch Abū ʿUbaida unterstützte ihn. Ohne Blutvergießen eroberte er Bayt al-Maqdis. Auf Verlangen der Bewohner von Īliyā kam der Kalif ʿUmar (ra) von Medina nach Bayt al-Maqdis und schloss mit ihnen einen historischen Vertrag. So gelangte diese ruhmreiche Stadt zum ersten Mal in den Besitz der Muslime.
Im selben Jahr, in dem Bayt al-Maqdis erobert wurde, brach in ganz Syrien, im Irak und in Ägypten eine Seuche in Form der Ṭāʿūn, der Pest, aus. Tausende Menschen fielen ihr zum Opfer. ʿAmr ibn al-ʿĀṣ riet dem Befehlshaber Abū ʿUbaida, die Truppen aus Syrien abzuziehen und sie an einen sicheren Ort zu bringen. Doch Abū ʿUbaida, der fest an die göttliche Vorherbestimmung glaubte, wies diesen Rat zurück. Schließlich raffte die Pest auch sein Leben dahin. Vor seinem Tod ernannte er ʿAmr zum Befehlshaber. ʿAmr ibn al-ʿĀṣ zog das Heer aus dem von der Pest befallenen Gebiet ab.
Nach dem Abschluss der Eroberung Syriens bat ʿAmr den Kalifen ʿUmar um Erlaubnis, einen Feldzug nach Ägypten zu unternehmen. In der vorislamischen Zeit war ʿAmr aus geschäftlichen Gründen nach Ägypten gereist und von dort zurückgekehrt. Daher besaß er Erfahrung mit Ägypten. Obwohl der Kalif zunächst zögerte, seinem Antrag stattzugeben, erteilte er ihm schließlich die Erlaubnis. Als ʿAmr mit seinem kleinen Heer nach Ägypten aufbrach, entsandte der Kalif ʿUmar zu seiner Unterstützung ein Heer unter dem Befehl von az-Zubair ibn al-ʿAwwām.
Hadhrat Amr ibn al-As errang in den Schlachten von Bab al-Yun, al-Arisch, Ain Schams, Fustat und anderen Orten einen Sieg nach dem anderen. Danach bat er den Kalifen Umar um die Erlaubnis, gegen Alexandria vorzurücken. Nachdem er die Erlaubnis erhalten hatte, übertrug er Hadhrat Charija ibn Hudhafa die Verantwortung für die eroberten Gebiete und brach zum Feldzug gegen Alexandria auf. Er belagerte Alexandria. Die Truppen des Muqauqis und die Stadtbewohner verschanzten sich in einer befestigten Zitadelle und leisteten Widerstand. Von Zeit zu Zeit kamen sie aus der Zitadelle heraus, führten Überraschungsangriffe durch und kehrten dann wieder in die Zitadelle zurück. Unter diesen Umständen vergingen nahezu zwei Jahre. Der Kalif Umar wurde unruhig. Er schrieb an Amr: »Ihr sitzt nun schon seit zwei Jahren in Belagerung. Noch immer ist kein Ergebnis sichtbar. Es scheint, als wärt auch ihr, wie die Römer, dem Wohlleben verfallen und hättet eure Verantwortung und Pflicht vergessen. Sobald dieser mein Brief deine Hände erreicht, sollst du die Menschen zusammenrufen, vor ihnen eine Ansprache über den Dschihad halten und ihnen diesen meinen Brief vorlesen. Danach sollt ihr am Freitag die feindlichen Truppen angreifen.«
Gemäß den Anweisungen des Kalifen griff er die feindlichen Truppen an, und innerhalb sehr kurzer Zeit gelangte Alexandria in die Gewalt der muslimischen Armee. Er sandte Muawiya ibn Hudhaj nach Medina, um dem Kalifen die Nachricht von diesem Sieg zu überbringen. Als Muawiya Medina erreichte, war es Nachmittag. Er begab sich direkt in die Prophetenmoschee. Als der Kalif davon erfuhr, ließ er ihn sofort zu sich rufen und fragte: »Warum bist du nicht zu meinem Haus gekommen, sondern direkt in die Moschee gegangen?« Muawiya antwortete: »Ich dachte, dass jetzt die Zeit Ihrer Ruhe sei.« Der Kalif sagte: »Kann ich etwa tagsüber schlafen und dadurch die Untertanen zugrunde richten?«
Nach dem Sieg über Alexandria eroberte er nacheinander Barqa, Uwaila, Tripolis, al-Maghrib, Sabra und weitere Gebiete. Nach der Eroberung von Tripolis sandte er dem Kalifen durch einen Boten die frohe Nachricht. Tunesien, Marokko und Algerien waren von dort aus nur neun Tagesreisen entfernt. Er bat den Kalifen um die Erlaubnis, Feldzüge in diese Gebiete zu unternehmen. Da der Kalif um die Ruhe und Ordnung in den eroberten Gebieten besorgt war, ordnete er an, den Feldzug nach Westafrika aufzuschieben. Damit endete der Afrikafeldzug von Amr ibn al-As.
Nach Abschluss der Eroberung Ägyptens ernannte ihn Kalif Umar (r.a.) zum Statthalter von Ägypten. Wenige Tage später wurde Hadhrat Umar als Märtyrer getötet. Auch Kalif Uthman beließ Amr in seinem bisherigen Amt. Zu dieser Zeit erhoben sich die Bewohner Alexandrias, von den Römern aufgewiegelt, zum Aufstand. Amr ibn al-As schlug diesen Aufstand mit äußerster Härte nieder und ließ aus Angst vor künftigen Aufständen die Verteidigungsmauer der Stadt Alexandria niederreißen.
Im Jahr 26 nach der Hidschra enthob Hadhrat Uthman (r.a.) ihn seines Amtes als Statthalter von Ägypten. at-Tabari sagt, dass Kalif Uthman niemanden absetzte, ohne dass konkrete Vorwürfe gegen ihn vorlagen. Als Grund für seine Absetzung wird angegeben, dass Ägypten trotz seiner außerordentlichen Fruchtbarkeit während Amrs Amtszeit nicht die erwarteten Steuereinnahmen erbrachte. Dieser Vorwurf war bereits seit der Zeit Hadhrat Umars gegen ihn erhoben worden. Hadhrat Umar (r.a.) hatte ihm diesbezüglich sogar einen Brief geschrieben. Auch während der Zeit Hadhrat Uthmans wurde dieser Vorwurf gegen ihn erhoben. Hadhrat Uthman (r.a.) schrieb ihm deshalb einen Brief, worauf Amr antwortete: »Eine Kuh kann nicht mehr Milch geben, als sie vermag.« Nach dieser Antwort entband Hadhrat Uthman (r.a.) ihn von der Verantwortung für die Steuereinnahmen und übertrug sie Abdallah ibn Sad. Infolge dieses Ereignisses kam es zwischen Amr und Abdallah zu Meinungsverschiedenheiten, und die Verwaltung Ägyptens geriet weitgehend zum Stillstand. Unter diesen Umständen setzte Hadhrat Uthman (r.a.) Amr ab und ernannte Abdallah zum Statthalter von Ägypten. (at-Tabari, Ibn al-Athir) Einer anderen Überlieferung zufolge wurde Amr bereits vor dem Aufstand Alexandrias abgesetzt. Als der Aufstand ausbrach, beauftragte der Kalif Uthman ihn mit seiner Niederschlagung. Nach der Beseitigung des Aufstands wollte der Kalif ihm lediglich die Verantwortung für die Verteidigung übertragen. Er lehnte diesen Vorschlag des Kalifen ab und sagte: »Ich soll die Hörner halten, während er die Milch melkt – das kann nicht sein.« Nach dieser Überlieferung wurde er im Jahr 25 nach der Hidschra abgesetzt.
Nachdem Hadhrat Amr ibn al-As seines Amtes in Ägypten enthoben worden war, kam er nach Medina. Er war gegenüber Hadhrat Uthman etwas verstimmt. Nach seiner Ankunft in Medina führte er ein Gespräch mit dem Kalifen, in dem diese Verstimmung zum Ausdruck kam. Als er mit dem Kalifen sprach, waren die aus Ägypten übermittelten Steuereinnahmen bereits beim Kalifen eingegangen. Diese Einnahmen waren höher als die von Amr ibn al-As übermittelten. Der Kalif sagte: »Sieh, die Kuh hat mehr Milch gegeben.« Amr erwiderte sofort: »Ja, aber dann wird das Kalb hungrig bleiben.« Trotz dieses Vorfalls blieb Hadhrat Amr ibn al-As (r.a.) dem Kalifen Uthman wie zuvor ein aufrichtiger Ratgeber und treuer Gefolgsmann. Als die Aufständischen aus Ägypten Medina erreichten, sandte Hadhrat Uthman (r.a.) Amr, um auf sie einzuwirken. Dieser nutzte seinen früheren Einfluss und schickte die Aufständischen zurück. Wann immer Hadhrat Uthman (r.a.) vor einem Problem stand, beriet er sich außerdem mit Amr ibn al-As. Dieser erteilte ihm stets äußerst aufrichtig seinen Rat. Als die Verschwörung gegen den Kalifen Hadhrat Uthman (r.a.) ihren Höhepunkt erreichte, berief er eine Sitzung des Schura-Rates ein. Hadhrat Amr ibn al-As war eines der Mitglieder dieser Sitzung. Nach der Beratung mit dem Schura-Rat fragte der Kalif Amr ausdrücklich nach seiner Meinung. Er riet dem Kalifen, dem Beispiel seiner beiden Vorgänger, Abu Bakr und Umar (r.a.), zu folgen – also, wenn nötig, milde und, wenn nötig, streng zu sein.
Nachdem er seines Amtes als Statthalter von Ägypten enthoben worden war, zog er sich im Grunde aus der Politik zurück und ließ sich in Palästina nieder. Gelegentlich reiste er jedoch nach Medina und wieder zurück. Als Kalif Uthman von den Aufständischen belagert wurde, befand sich Amr ibn al-As in Medina. Als er erkannte, dass der Aufstand außer Kontrolle geraten war, verließ er Medina mit den Worten: »Allah wird denjenigen erniedrigen, dessen Hand am Mord Uthmans beteiligt ist, und wer ihm nicht helfen kann, sollte Medina verlassen.« Er verließ Medina und ging nach Syrien. Dennoch ließ er sich stets durch Boten über die Lage in Medina informieren. Danach ereigneten sich das Martyrium Hadhrat Uthmans und die Kamelschlacht; doch er verließ seine Abgeschiedenheit in Syrien nicht. Er mischte sich in keinerlei Angelegenheit ein.
Zwischen Hadhrat Ali und Hadhrat Muawiya begann ein Streit. Hadhrat Ali forderte Hadhrat Muawiya zur Gefolgschaft auf. Muawiya beriet sich mit Amr ibn al-As. Es wird überliefert, dass Amr Muawiya zunächst gesagt habe: »Unter keinen Umständen wird die muslimische Umma Ihnen den Rang Alis zugestehen.« Später zeigte sich jedoch, dass Amr ibn al-As in diesem Streit vollständig auf Muawiyas Seite stand. In der Schlacht von Siffin war Amr der Befehlshaber der Armee Muawiyas (r.a.). Auf Amrs Rat hin ließ Muawiya im Augenblick der drohenden Niederlage in dieser Schlacht den Koran an den Speerspitzen aufhängen, unterbreitete Ali (r.a.) einen Vorschlag zur Schlichtung und zwang ihn, einen Waffenstillstand auszurufen. Danach wurde zur Beilegung des Streits ein aus zwei Mitgliedern bestehendes Schiedsgericht gebildet. In diesem Schiedsgericht war Amr ibn al-As der von Muawiya nominierte Vertreter, während Abu Musa al-Aschari (r.a.) der von Ali (r.a.) nominierte Vertreter war.
Nach langen Beratungen über die Angelegenheit erschienen ʿAmr und Abū Mūsā al-Aschʿarī in Dūmat al-Dschandal, um ihre Entscheidung bekannt zu geben. Doch im Augenblick der Verkündung wich ʿAmr von der zuvor getroffenen Vereinbarung ab und erklärte Muʿāwiya durch einen diplomatischen Schachzug zum Kalifen. Zugleich brachte er seinen Gegenspieler Abū Mūsā (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) dazu, durch dessen eigene Worte auch die Absetzung ʿAlīs (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) zu verkünden.
Die Hoffnung, den selbstzerstörerischen Konflikt der muslimischen Umma durch die Bildung eines Schiedsgerichts beizulegen, war aufgekommen. Nach Ansicht der Historiker scheiterte sie aufgrund der taktischen Machenschaften von Hazrat ʿAmr. Auf beiden Seiten begannen die Auseinandersetzungen und der Krieg erneut. ʿAmr griff Ägypten an, besiegte und tötete Muḥammad ibn Abī Bakr, den von Hazrat ʿAlī eingesetzten Statthalter Ägyptens, und nahm das Land ein.
Daraufhin beschlossen einige Angehörige der extremistischen Charidschiten, dass die Spaltung der muslimischen Umma hauptsächlich auf drei Personen zurückzuführen sei: ʿAlī, Muʿāwiya und ʿAmr. Daher müssten sie aus der Welt geschafft werden. Ibn Mulǧam, Barka ibn ʿAbdullāh und ʿAmr ibn Bakr at-Tamīmī wurden mit dieser Aufgabe betraut. Gemäß dem Beschluss griffen sie die drei Männer am festgelegten Tag und zur festgelegten Zeit an verschiedenen Orten an. Hazrat ʿAlī wurde zum Märtyrer, während Muʿāwiya leicht verletzt überlebte. Da ʿAmr krank war, war Charidscha ibn Hudhāfa an seiner Stelle zum Gebet hinausgegangen. Der Attentäter hielt ihn für ʿAmr ibn al-ʿĀṣ, schlug auf ihn ein und tötete ihn. So blieb auch ʿAmr am Leben.
Amīr Muʿāwiya (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) ernannte ʿAmr zum Statthalter von Ägypten. Während seiner Amtszeit als Statthalter kam es zwischen ihm und Amīr Muʿāwiya zwar zu einigen Missverständnissen, doch durch die Vermittlung einer dritten Partei wurde zwischen beiden ein Abkommen geschlossen, und er blieb in seinem Amt als Statthalter Ägyptens. Während seiner Amtszeit erkrankte er im Jahr 43, nach anderer Überlieferung im Jahr 47 oder 51 nach der Hidschra, und gab jede Hoffnung auf sein Leben auf. In den letzten Tagen seines Lebens wurde er von der Reue über seine früheren Fehler zutiefst gequält.
Als er auf dem Sterbebett lag, kam Ibn ʿAbbās ihn besuchen. Nach dem Friedensgruß fragte er: „Abū ʿAbdullāh, wie geht es dir?“ ʿAmr antwortete: „Wonach fragst du? Meine Welt ist geordnet, aber meine Religion ist zugrunde gegangen. Wäre es nicht so, sondern umgekehrt, dann wäre ich gewiss erfolgreich gewesen. Wenn das, wonach ich am Ende meines Lebens strebe, Erfolg verspräche, würde ich es gewiss anstreben. Wenn es einen Weg zur Flucht gäbe, würde ich fliehen. Doch jetzt hänge ich wie ein Katapultgeschoss zwischen Himmel und Erde. Mit meinen Händen kann ich weder nach oben steigen noch mit meinen Füßen nach unten hinabsteigen. Neffe, gib mir einen Rat, der mir von Nutzen sein kann.“ Ibn ʿAbbās sagte: „Ach, wo ist jetzt noch die Zeit dafür! Nun ist der Neffe alt geworden und dein Bruder geworden. Wenn du mich jetzt zum Weinen aufforderst, kann ich weinen.“ ʿAmr sagte: „Ich bin jetzt etwas über achtzig Jahre alt. Nun lässt du mich an Allahs Barmherzigkeit verzweifeln. O Allah, dieser Ibn ʿAbbās lässt mich an Deiner Barmherzigkeit verzweifeln. Lass mich jetzt eine Strafe erleiden, durch die Du zufrieden wirst.“ Ibn ʿAbbās sagte: „Abū ʿAbdullāh, das, was du genommen hast, ist neu, doch das, was du gibst, ist alt.“ ʿAmr sagte: „Ibn ʿAbbās, was ist mit dir? Du sagst das Gegenteil von dem, was ich sage.“ (Al-Istīʿāb)
ʿAbd ar-Raḥmān ibn Schammāsa berichtet: Er besuchte ʿAmr ibn al-ʿĀṣ auf dem Sterbebett. ʿAmr wandte sein Gesicht zur Wand und begann zu weinen. Sein Sohn ʿAbdullāh sagte: „Vater, warum weinst du? Hat Allahs Gesandter (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) dir nicht dies und jenes als frohe Botschaft verkündet?“ Er antwortete: „Mein größter Besitz ist das Bekenntnis: Es gibt keinen Gott außer Allah, Muḥammad ist Allahs Gesandter. Drei Abschnitte meines Lebens sind vergangen. In einem Abschnitt war ich ein erbitterter Feind. Mein größter Wunsch war, Allahs Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) auf irgendeine Weise zu töten. Dann begann der zweite Abschnitt meines Lebens. Ich legte in der Hand Allahs Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) den Treueid ab und nahm den Islam an. Damals war ich so, dass mir kein Mensch lieber oder angesehener war als Allahs Gesandter (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Aus übergroßer Ehrfurcht und Furcht konnte ich ihn nicht einmal richtig ansehen. Wenn man mich heute fragen würde, wie sein gesegnetes Antlitz aussah, könnte ich nichts darüber sagen. Wäre ich damals gestorben, hätte ich auf das Paradies hoffen dürfen. Danach kam der dritte Abschnitt meines Lebens. In dieser Zeit habe ich vielerlei Taten begangen. Ich weiß nicht, wie mein Zustand nun sein wird. Wenn ich sterbe, sollen die Klageweiber nicht meinem Totengebet folgen. Bei der Beerdigung soll man mich langsam mit Erde bedecken. Danach sollt ihr so lange an meinem Grab bleiben, wie es dauert, ein Tier zu schlachten und sein Fleisch zu verteilen. So kann ich mich in eurer Gegenwart an das Grab gewöhnen und die Fragen der Gesandten Allahs richtig beantworten.“ (Muslim, Kitāb al-Īmān)
Er hinterließ seinem Sohn ʿAbdullāh Anweisungen, wie er nach seinem Tod beerdigt werden sollte. Danach beschäftigte er sich mit dem Gedenken an Allah und sagte: „O Allah, Du hast etwas befohlen, doch ich habe mich Dir widersetzt; Du hast etwas verboten, doch ich habe Dir nicht gehorcht. Ich bin nicht unschuldig, sodass ich eine Entschuldigung vorbringen könnte, und ich bin auch nicht mächtig, sodass ich siegen könnte.“ Danach hauchte er, während er „Es gibt keinen Gott außer Allah“ rezitierte, seinen letzten Atemzug aus. Wahrlich, wir gehören Allah, und zu Ihm kehren wir zurück. Am 1. Schawwāl des Jahres 43 nach der Hidschra, nach dem Festgebet zum ʿĪd al-Fiṭr, leitete sein Sohn ʿAbdullāh das Totengebet für ihn. Er wurde an einem Ort namens al-Muqattam in Ägypten beigesetzt. Neben der ersten von ihm selbst erbauten Moschee Ägyptens, der „Dschāmiʿ ʿAmr ibn al-ʿĀṣ“, ist sein Grab bis heute gekennzeichnet. Zum Zeitpunkt seines Todes war er neunzig Jahre alt.
Nach seinem Übertritt zum Islam verbrachte Hazrat ʿAmr ibn al-ʿĀṣ den größten Teil seines Lebens auf dem Feld des Dschihād. Deshalb hatte er nur wenig Gelegenheit, Wissen zu erwerben und zu pflegen. Bei der Rezitation des Korans empfand er besondere Freude und tiefen Genuss. Er rezitierte ihn außerordentlich schön. Obwohl er sein Leben auf dem Feld des Dschihād verbrachte, nutzte er die Zeit, die ihm blieb, um durch die Suḥba Allahs Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sein Wissen und seine Taten zu vervollkommnen. Er überlieferte 39 Hadithe beziehungsweise Aussprüche Allahs Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Drei davon wurden von al-Buchārī und Muslim gleichermaßen überliefert und gelten als muttafaqun ʿalayhi. Drei überlieferte Muslim allein. Viele Ṣaḥāba und Tābiʿūn überlieferten Hadithe von ihm.
Hadhrat Amr ibn al-As erfüllte trotz seiner Beschäftigung mit dem Dschihad auch die Aufgabe, zu lehren und Ermahnungen zu geben. Nach dem Sieg in der Schlacht von „Dhat as-Salasil“ blieb er dort und unterrichtete und schulte die Neubekehrten. Als nach dem Tod des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) die Zuneigung mancher Menschen zur Welt zunahm, rief er sie in seinen Ansprachen dazu auf, dem Vorbild des Gesandten Allahs zu folgen.
Er war auch ein Kenner und Liebhaber der Literatur. Er war der bedeutendste Prosaschriftsteller seiner Zeit. Der Ausdruck tiefgehender Gedanken mit wenigen Worten, die Verwendung schöner Gleichnisse sowie die kunstvolle Gestaltung von Sätzen und Gedanken waren besondere Merkmale seiner literarischen Werke. In den Geschichtswerken sind zahlreiche Beispiele seiner Literatur bewahrt worden. Besonders der Brief, den der Kalif Umar in dem als „Am ar-Ramadah“ bekannten Jahr – dem Jahr, in dem in Arabien eine schwere Hungersnot herrschte – aus Medina an Amr in Ägypten schrieb, um ihn anzuweisen, Getreide zu schicken, sowie Amrs Antwortbrief darauf sind bis heute als herausragende Beispiele der Literatur überliefert. Darüber hinaus zeigte sich sein literarisches Talent in seinen Ansprachen, Briefen und verschiedenen anderen Schriften.
Wenn man das gesamte Leben von Hadhrat Amr ibn al-As betrachtet, zeigt sich, dass er in seinem Leben verschiedene Prüfungsphasen durchlaufen hat. Nicht in allen Phasen war er gleichermaßen erfolgreich. Insbesondere für einige Ereignisse aus dem letzten Abschnitt seines Lebens als Gefährte lässt sich auf den ersten Blick keine nachvollziehbare Begründung finden. Die Imame der islamischen Umma haben diese Handlungen aus dem letzten Abschnitt seines Lebens als Fehler seines eigenständigen Urteils bewertet. Abgesehen von einigen umstrittenen Ereignissen aus dieser Lebensphase wurde sein gesamtes Leben jedoch, wie das der übrigen Gefährten, durch die Begleitung des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) rein und schön wie eine Blume.
Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) selbst bezeugte die Stärke des Glaubens von Amr ibn al-As (möge Allah mit ihm zufrieden sein). Er sagte: „Die Menschen haben den Islam angenommen, Amr ibn al-As aber hat den Glauben verinnerlicht.“ Bei anderer Gelegenheit sagte er: „Die beiden Söhne al-As’ – Hischam und Amr – haben den Glauben verinnerlicht.“ (Musnad von Imam Ahmad) Die Wahrheit dieser Aussage wird durch ein Ereignis aus seinem Leben deutlich. Einmal ließ der edle Gesandte Allahs (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) Amr ausrichten, er solle bekleidet und bewaffnet unverzüglich erscheinen. Amr erschien dem Befehl entsprechend sofort. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) hatte gerade die Gebetswaschung vollzogen. Er hob den Blick, senkte ihn dann wieder und sagte: „Ich möchte dich zum Befehlshaber ernennen und entsenden. Wenn Allah will, wirst du sicher sein und eine große Kriegsbeute erlangen. Auch du wirst einen Anteil an dieser Beute erhalten.“ Da rief Amr sofort aus: „O Gesandter Allahs (Allahs Segen und Heil seien auf ihm), ich habe den Islam nicht aus Verlangen nach Besitz angenommen, sondern aus innerem Antrieb.“ Der Gesandte (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) sagte: „Reiner Besitz ist für einen aufrichtigen Menschen das Beste.“ Ein anderes Mal sagte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Heil seien auf ihm), Amr ibn al-As gehöre zu den rechtschaffenen Männern der Quraisch. (Musnad Ahmad)
Eines Tages saß er im Schatten der Kaaba-Mauer und überlieferte den Menschen Hadithe. Er sagte: „Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) hat gesagt: ‚Wer einem Imam aufrichtig den Treueid geleistet hat, soll ihn mit all seiner Kraft unterstützen.‘“ Abd ar-Rahman ibn Abd al-Kaaba, der Überlieferer dieses Hadiths, fragte: „Haben Sie diesen Hadith vom Gesandten Allahs (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) selbst gehört?“ Amr deutete auf seine Ohren und sein Herz und sagte: „Diese beiden Ohren haben ihn gehört, und mein Herz hat ihn bewahrt.“ Darauf sagte Abd ar-Rahman: „Ihr Vetter Muawiya befiehlt uns, uns gegenseitig unrechtmäßig unser Vermögen zu nehmen und einander ungerechtfertigt das Leben zu nehmen.“ Als Amr dies hörte, schwieg er. Dann sagte er: „Gehorche in dem, was keinen Ungehorsam gegenüber Allah bedeutet, und gehorche nicht in dem, was Ungehorsam gegenüber Ihm bedeutet.“ Daraus wird deutlich, dass er seinem Wesen nach aufrichtig war.
Der edle Gesandte Allahs (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) liebte Amr ibn al-As (möge Allah mit ihm zufrieden sein) wegen seiner Taten. Hadhrat Hasan (möge Allah mit ihm zufrieden sein) berichtet: Ein Mann fragte Amr ibn al-As: „Ist jemand, den der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) bis zu seinem letzten Atemzug liebte, nicht von edlem Charakter?“ Er antwortete: „Wer könnte an seinem Glück zweifeln?“ Der Mann sagte: „Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) liebte Sie bis zu seinem letzten Atemzug.“
Was Wissen, Intelligenz und politische Weisheit betraf, gehörte er zu den herausragenden Männern Arabiens seiner Zeit. Imam Schaabi sagte: „Im islamischen Arabien gab es vier Diplomaten; Amr ibn al-As war einer von ihnen.“ (Al-Isaba) In der Diplomatie war nur Hadhrat Mug h ira ibn Schuba (möge Allah mit ihm zufrieden sein) ihm ebenbürtig. Seine körperliche Erscheinung, sein Auftreten und seine Redeweise machten deutlich, dass er zum Führen geboren war. Es wird berichtet, dass der Befehlshaber der Gläubigen, Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein), ihn eines Tages kommen sah, zunächst leicht lächelte und dann sagte: „Abu Abdillah sollte auf dieser Erde nicht umhergehen, wenn er nicht Befehlshaber oder Führer ist.“ (Ridschalun haula ar-Rasul, S. 618)
Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) bestätigte seine treffenden Urteile. „Du besitzt im Islam die richtige Auffassung“ – das sagte der Gesandte (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) zu ihm. (Kanz al-Ummal) Wenn Hadhrat al-Faruq al-A’zam (möge Allah mit ihm zufrieden sein) einen schwerfälligen Menschen sah, sagte er verwundert: „Der Schöpfer dieses Mannes und der Schöpfer von Amr ibn al-As sind ein und dasselbe Wesen!“ (Al-Isaba)
Aufgrund der grenzenlosen Klugheit und Kühnheit Hazrat Amrs (ra) übertrug ihm der ehrwürdige Gesandte Allahs (s.a.s.) die Verantwortung für zahlreiche wichtige Feldzüge. In manchen Fällen wurde er sogar über Gefährten von hohem Rang wie Abu Bakr, Umar und Abu Ubaida (ra) zum Befehlshaber eingesetzt. Tatsächlich bewies er in jedem schwierigen Augenblick der muslimischen Umma die Befähigung und den Verstand eines Anführers. Gerade im Hinblick auf seine Fähigkeiten ernannte ihn ein umsichtiger Herrscher wie Umar (ra) zum Statthalter von Palästina, Jordanien und schließlich Ägypten und beließ ihn bis zum letzten Tag seines Kalifats in diesem Amt.
In den Geschichtswerken wird er als „Fātih Misr“ – der Eroberer Ägyptens – bezeichnet. Doch in dem Sinne, in dem man ihn einen Eroberer nennt, war er kein Eroberer. In Wirklichkeit war er der Befreier der Ägypter. Er befreite die Bewohner Ägyptens von der mehrere Jahrhunderte währenden Knechtschaft und den Fesseln der Römer und ebnete in ganz Afrika den Weg für den islamischen Aufruf.
Der Dschihad auf Allahs Weg war das ruhmreichste Kapitel im Leben Hazrat Amrs (ra). In allen Schlachten stand er an der Seite des berühmten Heerführers Hazrat Khalid ibn al-Walid (ra). Er selbst sagte: „Seit jener frühen Zeit hat der Gesandte (s.a.s.) auf dem Schlachtfeld niemanden mir und Khalid gleichgestellt.“ (Al-Mustadrak) Wann immer in Medina die Möglichkeit einer Gefahr aufkam, trat er sofort mit gezogenem Schwert entgegen. Einmal breitete sich aus irgendeinem Grund Schrecken in Medina aus. Salim, der Freigelassene Hazrat Abu Hudhaifas, stellte sich mit dem Schwert in der Hand in die Moschee von Medina. Auch Amr trat mit gezogenem Schwert an seine Seite. Später sagte der ehrwürdige Gesandte Allahs (s.a.s.) in einer Predigt: „Warum sucht ihr nicht Zuflucht bei Allah und Seinem Gesandten und nehmt nicht Amr und Salim zum Vorbild?“ (Al-Isaba)
Hazrat Amr ibn al-As war äußerst freigebig. Auf Allahs Weg gab er großzügig aus. Der Gesandte Allahs (s.a.s.) selbst bestätigte dies mehr als einmal. Alqama ibn Ramtha al-Balawi berichtet: Der Gesandte Allahs (s.a.s.) entsandte Amr mit einem Heer nach Bahrain und brach selbst zu einem anderen Feldzug auf. Auch ich nahm an diesem Feldzug des Gesandten Allahs (s.a.s.) teil. Eines Tages wurde der Gesandte (s.a.s.) ein wenig schläfrig. Als er wieder zu sich kam, sagte er: „Allah möge Amr Barmherzigkeit erweisen.“ Jeder von uns, der Amr hieß, dachte an denjenigen, den er kannte. Auf diese Weise überkam ihn ein zweites und ein drittes Mal der Schlaf, und nach dem Erwachen sagte er jedes Mal dasselbe. Unsere Geduld war erschöpft, und wir fragten: „Von welchem Amr sprecht Ihr?“ Er sagte: „Amr ibn al-As.“ Wir fragten nach dem Grund. Er sagte: „Ich erinnerte mich an den Zeitpunkt, als ich die Menschen um Sadaqa oder eine Spende bat und er eine große Menge Sadaqa brachte. Als ich ihn fragte: ‚Woher hast du so viel Sadaqa gebracht?‘, sagte er: ‚Allah hat sie gegeben.‘“ Ein anderes Mal sagte der Gesandte (s.a.s.) dreimal: „O Allah, vergib Amr ibn al-As. Als ich ihn aufforderte, Sadaqa zu geben, kam er mit Sadaqa zu mir.“
Khalid ibn al-Walid (ra)
Sein Name war Abu Sulaiman Khalid, sein Beiname Saifullah (das Schwert Allahs). Sein Vater war Walid ibn al-Mughira und seine Mutter Lubaba as-Sughra, die Schwester von Lubaba al-Kubra, der Ehefrau der Mutter der Gläubigen Hazrat Maimuna bint al-Harith und von Hazrat Abbas ibn Abd al-Muttalib. Rasulullah (s.a.s.) und Hazrat Abbas (ra) waren seine Onkel mütterlicherseits. (Usud al-Ghaba, 2/93)
Seine Familie gehörte unter den Quraisch des vorislamischen Arabiens zu den überaus angesehenen Familien. Zwei Aufgaben, die Leitung der Soldaten und die Verwaltung der Militärlager, lagen in den Händen seiner Familie. Zur Zeit des Aufkommens des Islams bekleidete Khalid diese Ämter. (Al-Istiab, 1/157) Kurz vor dem Vertrag von Hudaiybia war Khalid der Anführer der Gruppe der Quraisch, die Mekka verlassen hatte, um die Bewegungen der Muslime zu beobachten. In der Schlacht von Uhud kämpfte er tapfer gegen das muslimische Heer und verwandelte die sichere Niederlage der polytheistischen Armee von Mekka in einen Sieg.
Über den Zeitpunkt, zu dem Hazrat Khalid den Islam annahm, gibt es verschiedene Überlieferungen. Am bekanntesten ist jedoch die Ansicht, dass er wenige Tage vor der Eroberung Mekkas den Islam annahm.
Hazrat Amr ibn al-As war von Abessinien nach Medina unterwegs, um den Islam anzunehmen. Unterwegs traf er auf eine weitere Karawane, die nach Medina zog. Auch sie war aus demselben Grund nach Medina unterwegs. Zu dieser zweiten Gruppe gehörte Hazrat Khalid. Hazrat Amr ibn al-As fragte Khalid: „Wohin?“ Khalid antwortete: „Bei Allah, ich bin fest davon überzeugt, dass dieser Mann ein Prophet ist – wie lange sollen wir noch so weitermachen? Komm, lass uns hingehen und den Islam annehmen.“ (Al-Isaba 1/413, Musnad Ahmad) Er begab sich in Medina zum Dienst des Gesandten Allahs (S). Zuerst legte Khalid und danach Amr ibn al-As in die Hand des Gesandten Allahs (S) den Treueeid ab. Amr kehrte nach Mekka zurück, Khalid jedoch blieb in Medina.
Hazrat Khalid berichtet: Nach meiner Annahme des Islam sagte der Gesandte Allahs (S) zu mir: „Ich hatte in dir Anzeichen von Verstand erkannt und gehofft, dass dieser Verstand dich letztlich dem Guten und Wohlergehen zuführen würde.“ Khalid berichtet: Als ich dem Gesandten Allahs den Treueeid leistete, sagte ich: „Bitte bete darum, dass mir alle Sünden vergeben werden, die ich begangen habe, indem ich den Weg Allahs behinderte.“ Der Gesandte (S) sagte: „Der Islam tilgt alle vergangenen Sünden und Verfehlungen.“ Ich sagte: „O Gesandter Allahs, unter dieser Bedingung leiste ich den Treueeid.“ Er sagte: „O Allah, vergib ihm alle Vergehen, die er begangen hat, indem er Deinen Weg behinderte.“ (Rijalun hawla r-Rasul, S. 284–285)
Nach seiner Annahme des Islam nahm der Gesandte Allahs (S) seine Dienste in Anspruch, indem er ihn in seinem aus der vorislamischen Zeit stammenden militärischen Amt beließ. (Usud al-Ghaba 2/93) In seinem vorislamischen Leben war er ein erbitterter Feind der Muslime gewesen; nach seiner Annahme des Islam wurde er für die Götzendiener zu einer äußerst gefährlichen Bedrohung. In zahlreichen Schlachten zerschlug sein Schwert den Zusammenhalt der Götzendiener.
Nach seiner Annahme des Islam nahm Hazrat Khalid erstmals am Feldzug von Muʾta teil. Im Rahmen der Einladung zum Islam entsandte der Gesandte Allahs (S) Hazrat al-Harith ibn Umayr al-Azdi mit einem Brief zum Herrscher von Basra. Shurahbil ibn Amr al-Ghassani ermordete al-Harith am Ort Muʾta. Um dieses Ereignis zu rächen, entsandte der Gesandte Allahs (S) ein Heer von zweitausend Soldaten unter der Führung von Hazrat Zaid ibn Haritha. Die gegnerische römische Armee zählte etwa zweihunderttausend Soldaten. Vor dem Aufbruch des Heeres von Zaid ibn Haritha aus Medina gab der Gesandte Allahs (S) ihnen folgende Anweisung: „Wenn Zaid im Kampf den Märtyrertod stirbt, soll Jaʿfar die Führung übernehmen; und wenn Jaʿfar den Märtyrertod stirbt, soll Abdullah ibn Rawaha die Führung des Heeres übernehmen. Sollte auch Abdullah den Märtyrertod sterben, dann sollt ihr einen von euch zu eurem Anführer ernennen.“
Sie waren zu dritt – Zaid, Jaʿfar und Abdullah. Sie waren die drei Helden des Feldzugs von Muʾta in Syrien. In diesem ungleichen Krieg bewiesen sie beispiellosen Heldenmut und außergewöhnliche Tapferkeit und starben einer nach dem anderen den Märtyrertod. Schließlich übernahm Hazrat Khalid die Führung. Nachdem drei Heerführer nacheinander den Märtyrertod gestorben waren, verlor das muslimische Heer den Mut. Obwohl Khalid die feindlichen Truppen nicht besiegen konnte, rettete er das muslimische Heer vor der Vernichtung.
Hazrat Rasul-e Karim (S) verkündete in Medina den Märtyrertod der drei genannten Heerführer und die Übernahme der Führung durch Khalid folgendermaßen:
„Zaid ibn Haritha kämpfte mit der Fahne in der Hand gegen die feindlichen Truppen und starb den Märtyrertod. Danach nahm Jaʿfar diese Fahne auf, kämpfte ebenfalls und starb als Märtyrer. Danach nahm Abdullah ibn Rawaha diese Fahne in die Hand und starb ebenfalls als Märtyrer. Daraufhin nahm eine der Schwerter Allahs, ‚Sayfun min suyufillah‘, diese Fahne in die Hand, und durch ihn schenkte Allah den Sieg.“ (Rijalun hawla r-Rasul, S. 286) Auf diese Weise erhielt er den Beinamen „Saifullah“ – das Schwert Allahs. Über das Ereignis oder den Zeitpunkt, zu dem er diesen Beinamen erhielt, gibt es allerdings auch abweichende Ansichten. In einer anderen Überlieferung heißt es: Hazrat Rasul-e Karim (S) hielt sich an einem bestimmten Ort auf. Wenn jemand vorbeiging, fragte er: „Wer ist das?“ Zur Antwort wurde jeweils der Name der betreffenden Person genannt. Einmal ging Khalid vorbei. Der Gesandte (S) fragte: „Wer ist das?“ Man antwortete: „Khalid.“ Da sagte er: „Wie vortrefflich ist Khalid, der Diener Allahs! Er ist eines der Schwerter Allahs.“ Dies geschah nach Muʾta. (Usud al-Ghaba 2/94, Al-Isaba 1/413)
Hazrat Khalid nahm unter dem Kommando der drei Heerführer Zaid, Jaʿfar und Abdullah als einfacher Soldat am Feldzug von Muʾta teil. Als der Letzte der drei Genannten den Märtyrertod starb, eilte Hazrat Thabit ibn Aqram zur Fahne und hielt sie in seiner rechten Hand hoch, damit unter den muslimischen Truppen keine Unordnung entstand. Mit erhobener Fahne lief er zu Hazrat Khalid und sagte: „Khudh al-liwaʾa ya Aba Sulayman“ – „O Abu Sulayman, nimm du die Fahne.“ Er wusste sehr wohl, dass ein Neubekehrter wie Khalid kein Recht haben konnte, ein Heer zu führen, in dessen Reihen sich die Muhadschirun und Ansar der ersten Stunde befanden. Mit großer Hochachtung sagte Khalid zu Thabit ibn Aqram: „Nein, ich kann die Fahne nicht übernehmen; du bist der Würdigste dafür. Du bist älter und ein Badr-Kämpfer (das heißt, du hast an der Schlacht von Badr teilgenommen).“ Thabit antwortete: „Nimm sie; im Kampf bist du mir überlegen. Ich habe diese Fahne eigens für dich erhoben.“ Danach wandte sich Hazrat Thabit (R) an das muslimische Heer und fragte: „Seid ihr mit Khalid als Anführer einverstanden?“ Sie antworteten einstimmig: „Ja, wir sind einverstanden.“ (Rijalun hawla r-Rasul, S. 286–287) Khalid berichtet: In der Schlacht von Muʾta zerbrachen in meiner Hand sieben Schwerter. Schließlich blieb ein jemenitisches Schwert unbeschädigt. (Usud al-Ghaba 2/94)
Während der Eroberung Mekkas war er ein Gefährte des Gesandten Allahs (S). Der Gesandte (S) übertrug ihm das Kommando über den südlichen Flügel des muslimischen Heeres. Obwohl Mekka ohne Blutvergießen erobert wurde, kamen an jenem Tag durch Khalids Hand einige Götzendiener ums Leben. Er rückte über die Straße von Qudār nach Mekka vor und stieß unterwegs auf eine Gruppe von Götzendienern aus Mekka. Die Götzendiener begannen, Pfeile abzuschießen. Er erwiderte den Beschuss mit Pfeilen, woraufhin mehrere Götzendiener getötet wurden. Dafür musste er sich vor dem Gesandten Allahs verantworten. Als der Gesandte (S) erfuhr, dass die Götzendiener den Angriff begonnen hatten, nahm er dies als Allahs Willen hin und schwieg.
Er nahm am Feldzug von Hunain teil. Das muslimische Heer wurde aus zwölftausend Soldaten gebildet. Der edle Gesandte Allahs (S) teilte das gesamte Heer nach Stämmen in mehrere Einheiten auf. Der Stamm Banū Sulaim bildete die Vorhut des gesamten Heeres, und ihr Befehlshaber war Hazrat Khalid. In dieser Schlacht zeigte er außerordentlichen Mut und Heldenhaftigkeit. Sein Körper wurde an mehreren Stellen verwundet. Der Gesandte Allahs (S) kam, um ihn zu besuchen, blies auf seine verwundeten Stellen, und er wurde bald wieder gesund. (Usud al-Ghāba 2/95) Beim Feldzug gegen Tā’if war Khalid der Befehlshaber der Vorhut. Im neunten Jahr nach der Hidschra nahm er auch am Feldzug von Tabuk teil. Der Gesandte (S) entsandte ihn in diesem Krieg mit vierhundert Soldaten gegen Ukaidar ibn ʿAbd al-Malik, den Anführer von Dūmat al-Dschandal. Khalid tötete Ukaidars Bruder, nahm Ukaidar gefangen und brachte ihn zum Gesandten Allahs.
Im neunten Jahr nach der Hidschra entsandte der Gesandte Allahs (S) Khalid zum Stamm Banū Dschuzaima, um ihn zum Islam einzuladen. Auf Khalids Einladung hin nahm der Stamm Banū Dschuzaima den Islam an. Da sie dies jedoch aus Unwissenheit nicht in den richtigen Worten ausdrücken konnten, missverstand Khalid sie. Er gab den Befehl zum Angriff. Infolgedessen wurden viele Angehörige dieses Stammes getötet oder verwundet. Als der Gesandte Allahs (S) davon erfuhr, war er zutiefst betrübt. Er hob die Hände und betete: „O Allah, ich bin für das, was Khalid getan hat, völlig frei von Verantwortung.“ Danach schickte er Hazrat Ali und ließ ihnen den gesamten entstandenen Schaden ersetzen. Sogar für ihre getöteten Hunde ließ er Entschädigung zahlen. (Buchari: Kitāb al-Maghāzī; Usud al-Ghāba 2/94)
Als Khalid nach diesem Vorfall nach Medina zurückkehrte, kam es zwischen ihm und ʿAbd ar-Rahman ibn Auf wegen dieser Angelegenheit zu einem Wortgefecht. Schließlich beleidigte Khalid ʿAbd ar-Rahman. Als dies dem Gesandten Allahs (S) zu Ohren kam, wurde er zornig und sagte zu Khalid: „Beleidigt meine Gefährten nicht. Selbst wenn einer von euch Gold im Umfang des Berges Uhud ausgeben würde, könnte er damit nicht einmal das Maß eines Mudd oder die Hälfte davon erreichen, das sie ausgegeben haben.“ (Usud al-Ghāba 2/95)
Im zehnten Jahr nach der Hidschra entsandte der edle Gesandte Allahs (S) Khalid zum Stamm Banū ʿAbd al-Maddān in Nadschran, um ihn zum Islam einzuladen. Da Khalid im Fall von Banū Dschuzaima durch eine voreilige Entscheidung einen schweren Fehler begangen hatte, gab ihm der Gesandte (S) vor seiner Abreise eine besondere Anweisung: „Lade sie ausschließlich zum Islam ein; unter keinen Umständen darfst du das Schwert erheben.“ Diese Anweisung befolgte er buchstäblich. Auf seine Einladung hin nahm der gesamte Stamm ʿAbd al-Maddān den Islam an. So trat ein Soldat des Schlachtfeldes zum ersten Mal in der Gestalt eines wahrhaftigen Dāʿī des Islam, eines Einladers zum Islam, hervor. Er unterrichtete und erzog diese neuen Muslime und brachte sie mit sich zum Hof des Gesandten Allahs (S). Im selben Jahr wurden Ali und Khalid (rA) entsandt, um den Bewohnern des Jemen die Einladung zum Islam zu überbringen. Die Jemeniten nahmen den Islam an, nachdem sie ihrer Einladung gefolgt waren.
ʿUzzā war eines der Zentren des Götzenkults der Quraisch im vorislamischen Arabien. Der Gesandte Allahs (S) schickte Khalid, um dieses Zentrum zu zerstören. Als er dort ankam, riss er es unter dem Vortrag der folgenden Verse bis auf den Grund nieder: „O ʿUzzā, du bist nicht heilig; wir verleugnen dich. Ich habe gesehen, dass Allah dich erniedrigt hat.“ (Usud al-Ghāba 2/94)
Unmittelbar nach dem Tod des edlen Gesandten Allahs (S) erhob sich überall auf der Arabischen Halbinsel eine gefährliche Fitna derjenigen, die den Islam aufgegeben hatten, der falschen Anwärter auf das Prophetentum und der Verweigerer der Zakāt. Um diesen Unruhestiftern das Rückgrat zu brechen, stellte der Kalif Abu Bakr (rA) ein Heer auf und bestieg selbst sein Pferd, um aufzubrechen. Doch die angesehenen Gefährten waren der Ansicht, dass der Kalif zu dieser Zeit in Medina, dem Sitz des Kalifats, bleiben sollte. Hazrat Ali (rA) ergriff den Zügel des Pferdes des Kalifen und fragte: „Kalif des Gesandten Allahs, wohin willst du? Ich sage dir dasselbe, was der Gesandte Allahs (S) zu dir am Tag von Uhud gesagt hat: O Abu Bakr, dein Schwert ist außer Kontrolle geraten; füge uns nicht durch dich selbst Schmerz zu.“ Der Kalif nahm seine Entscheidung zurück und blieb in Medina. Er teilte das gesamte Heer in elf Einheiten und übertrug Khalid das Kommando über eine davon. Als er Khalid aus Medina verabschiedete, sagte er zu ihm: „Ich habe den Gesandten Allahs über dich sagen hören: ‚Khalid ist ein Schwert Allahs, das Allah gegen die Ungläubigen und Heuchler aus der Scheide gezogen hat. Wie vortrefflich ist Khalid als Diener Allahs und wie vortrefflich als Bruder seines Stammes!‘“ (Ridschālun haul ar-Rasūl 291)
Hazrat Khalid brach mit seinem Heer von Medina auf. Vor jedem Feldzug gab er seinem Heer folgende Anweisung: „Behandelt die Bauern nicht schlecht. Lasst sie in Sicherheit leben. Wenn jedoch jemand von ihnen gegen euch in den Krieg zieht, dann kämpft gegen ihn.“
Khalid führte den Feldzug gegen den falschen Propheten Tulaiha. Ein erbitterter Kampf war im Gange. Bei jedem Zusammenstoß erlitten Tulaihas Gefährten eine Niederlage. Eines Tages fragte Tulaiha seine Vertrauten: „Warum erleiden wir solche Niederlagen?“ Sie antworteten: „Weil jeder von uns wünscht, dass sein Gefährte vor ihm stirbt. Diejenigen dagegen, gegen die wir kämpfen, wünschen sich allesamt, vor ihrem Gefährten zu sterben.“ (Hayatus-Sahaba 3/693) Khalid tötete Tulaihas Gefährten und nahm dreißig von ihnen gefangen, die er nach Medina schickte. Er führte auch den Feldzug gegen Musailima al-Kazzab. Der falsche Musailima wurde durch die Hand Wahschis getötet, der Hamza getötet hatte.
Nachdem der Aufruhr der falschen Propheten beseitigt worden war, wandte sich Hadhrat Khalid gegen diejenigen, die die Zahlung der Zakat verweigerten, sowie gegen die Abtrünnigen (die den Islam verlassen hatten). Als Erstes griff er die beiden Stämme Asad und Ghatafan an. Einige von ihnen wurden getötet, einige gefangen genommen, und die übrigen bereuten und kehrten zum Islam zurück. (Tarikh al-Chulafa: as-Suyuti, 72) Bei allen Feldzügen gegen die Abtrünnigen stand Khalid an der Spitze. At-Tabari sagte: „Alle Siege, die in den Feldzügen gegen die Abtrünnigen errungen wurden, sind Khalid und anderen zu verdanken.“
Nachdem er die inneren Unruhen niedergeschlagen hatte, rückte Hadhrat Khalid in Richtung Irak vor. In den Schlachten von Mazar, Kaisar, Alim, Amghischija, Hira, Anbar, Ain at-Tamar, Dumat al-Dschandal, Hasid, Chanafis, Sana und Bischr, Firad und weiteren Schlachten zeigte er unvergleichlichen Mut und großes strategisches Geschick und unterwarf den gesamten Irak. Die letzte Schlacht zwischen Hadhrat Khalid und den Irakern fand bei Firad statt. Am einen Ufer des Euphrat stand das muslimische Heer, am anderen das vereinigte irakische Heer. Die Iraker schlugen vor: „Entweder kommt ihr auf diese Seite, oder lasst uns auf eure Seite kommen.“ Hadhrat Khalid stimmte dem Vorschlag zu und ermöglichte ihnen, auf diese Seite zu kommen. Auf beiden Seiten begann ein erbitterter Kampf. Das muslimische Heer umzingelte das feindliche Heer von drei Seiten. Hinter ihnen befand sich der wogende, aufgewühlte Euphrat. Ihnen blieb kein anderer Ausweg, als beim Rückzug zu ertrinken oder beim Vorrücken den Schwertern der muslimischen Soldaten zum Opfer zu fallen. Hadhrat Khalid brachte das gesamte feindliche Heer in eine solche Zwickmühle und zermalmte es. Nach dieser Schlacht begab sich Hadhrat Khalid heimlich zur Hadsch.
Während Hadhrat Khalid im Irak kämpfte, befand sich in Syrien ein anderes muslimisches Heer im Kampf. Sobald Khalid seinen Feldzug im Irak beendet hatte, erhielt er vom Kalifen den Befehl, sich mit dem in Syrien stationierten Heer zu vereinigen. Khalid gelangte vom Irak aus nach Bosra. Das islamische Heer hatte dort bereits auf Khalid gewartet. Kaum war Khalid eingetroffen, griff er Bosra an. Die Bewohner von Bosra retteten ihr Leben, indem sie einen Friedensvertrag schlossen.
Nach dem Feldzug gegen Bosra gelangten Hadhrat Khalid und Abu Ubaida nach Ajnadain. Hadhrat Amr ibn al-As hielt sich bereits dort auf. Im 13. Jahr nach der Hidschra kam es zu einem erbitterten Kampf. Ajnadain wurde Khalid unterworfen.
Unter der Führung des Befehlshabers Abu Ubaida belagerte das muslimische Heer Damaskus von allen vier Seiten. Hadhrat Khalid war für eine Seite zuständig. Auch nach einer dreimonatigen Belagerung war kein Ergebnis erzielt worden. Zu dieser Zeit wurde dem Pfarrer von Damaskus ein Sohn geboren. Die Bewohner der Stadt tranken bei der Feier anlässlich seiner Geburt Wein und waren von Freude erfüllt. Hadhrat Khalid schlief während des Krieges nachts kaum. In der Nacht war er mit der militärischen Organisation und der Beschaffung von Informationen über den Feind beschäftigt. Er erfuhr vom Zustand der Bewohner von Damaskus und fasste sofort einen Entschluss. Er befahl seinem Heer, beim Erschallen des Takbir-Rufs zu den Toren der Stadtmauer zu eilen und anzugreifen. Unterdessen wählte er einige angesehene Soldaten aus, drang mithilfe von Seilen ins Innere ein, tötete überraschend den Wächter des Tores, zerbrach das Schloss und begann, den Takbir zu rufen. Sobald die draußen wartenden Soldaten den Takbir hörten, drangen sie geschlossen ins Innere ein. Die Bewohner der Stadt lagen zu dieser Zeit bewusstlos im Schlaf. Durch diesen überraschenden Angriff gerieten sie in Angst und Schrecken. Sie fassten rasch einen Entschluss, unterbreiteten dem Befehlshaber Abu Ubaida einen Friedensvorschlag und öffneten eigenhändig die übrigen Tore der Stadtmauer. Während Hadhrat Khalid auf der einen Seite als Sieger einzog, schloss Hadhrat Abu Ubaida auf der anderen Seite einen Friedensvertrag. Obwohl die Stadt zur Hälfte durch Kampf erobert worden war, behandelte Abu Ubaida dennoch alle Bewohner der Stadt entsprechend den Bedingungen des Friedensvertrags gleich. (Tarikh von Ibn al-Athir 6/329)
Auch an der Schlacht von Fahl nahm Khalid teil. In dieser Schlacht war er der Befehlshaber der Vorhut. Die Römer erlitten eine vernichtende Niederlage. Nach Fahl rückten Khalid und Abu Ubaida in Richtung Hims vor. Damals lag die Verwaltung von Damaskus in den Händen von Yazid ibn Abu Sufyan. Die Römer planten, Damaskus erneut einzunehmen. Yazid leistete Widerstand. Ein erbitterter Kampf war im Gange. Da erschien Hadhrat Khalid plötzlich von hinten wie ein Komet. Bis auf wenige Angehörige des römischen Heeres wurden alle von Khalids Heer getötet.
Als der römische Herrscher dort von den Niederlagen des römischen Heeres an den verschiedenen Fronten Syriens hörte, äußerte er schließlich den Wunsch, mit den Muslimen einen Friedensvertrag zu schließen. Doch seine Ratgeber stachelten ihn zum Krieg auf und sagten: „Wir werden den Reitern Abu Bakrs gewiss den Eintritt in unser Land verwehren.“ Unter der Führung des Befehlshabers Mahan versammelten sie in Jarmuk ein gewaltiges Heer von zweihundertvierzigtausend Mann. Auch ihre Priester verließen ihre Klausen und hetzten im Namen der Religion das Volk auf. Als der Kalif Abu Bakr (r.a.) davon hörte, sagte er: „Bei Allah, ich werde durch Khalid dieses Anstacheln ihrer Leidenschaften heilen.“ Ja, Khalid war an jenem Tag für die Römer das wirksame Gegenmittel gegen diese tödliche Krankheit.
Als Hazrat Khalid auf dem Schlachtfeld eintraf, stellte er fest, dass die verschiedenen Befehlshaber der muslimischen Armee jeweils getrennt ihre eigenen Truppen führten. Er hielt eine kurze Ansprache an die muslimischen Kämpfer. Nach dem Lobpreis Allahs und Seines Gesandten sagte er: „Dieser heutige Tag ist einer der Tage Allahs. An diesem Tag sollte man weder Stolz noch Überheblichkeit zeigen. Seid in eurem Dschihad aufrichtig und strebt durch eure Taten nach Allahs Wohlgefallen. Kommt, lasst uns das Imarat beziehungsweise die Führung untereinander aufteilen. Einer von uns soll heute Amir sein, einer morgen und einer übermorgen. Auf diese Weise werdet ihr alle Amir sein. Überlasst mir den heutigen Tag.“ Alle stimmten dem Vorschlag zu. (Rijalun Hawla Rasul, S. 295) Er setzte für die gesamte Armee in insgesamt 38/36 Abteilungen jeweils einen Offizier ein. An jenem Tag ordnete er die muslimische Armee auf eine Weise an, wie die Araber es zuvor wohl noch nie gesehen hatten.
Nachdem die muslimische Armee in Jarmuk ihre jeweiligen Stellungen eingenommen hatte, rief Hazrat Khalid die Frauen zu sich und gab ihnen zum ersten Mal Schwerter in die Hand. Er befahl ihnen: „Ihr werdet hinter den muslimischen Mudschahidin Stellung beziehen. Wenn ihr jemanden seht, der flieht und sich nach hinten zurückzieht, dann tötet ihn mit diesem Schwert.“ (Rijalun Hawla Rasul, S. 295)
Während dieser Vorbereitungen sagte ein muslimischer Mudschahid mit verzweifelter Stimme: „Wie zahlreich die Römer sind und wie wenige wir!“ Khalid erwiderte ihm: „Das ist nicht richtig. Sag vielmehr: Wie wenige die Römer sind und wie zahlreich die Muslime – nicht hinsichtlich der Zahl der Menschen; vielmehr wächst die Zahl der Soldaten durch den Sieg und nimmt durch die Niederlage ab. Bei Allah, wenn der Huf meines Pferdes in gutem Zustand wäre, würde ich ihre Überzahl nicht beachten.“ (Tarikh al-Ummah al-Islamiyya 1/193) Es sei erwähnt, dass der Huf von Hazrat Khalids Pferd ‚Askar‘ auf der langen Reise verletzt worden war.
Kurz vor Beginn der Schlacht von Jarmuk ließ der römische Heerführer ‚Mahan‘ durch einen Gesandten mitteilen, dass er direkt mit Khalid sprechen wolle. Khalid stimmte zu. Auf dem Feld zwischen den beiden Armeen standen sich die beiden Heerführer gegenüber. Der römische Heerführer sagte zu Khalid: „Wir haben erfahren, dass harte Arbeit und Hunger euch aus eurem Land vertrieben und hierhergeführt haben. Wenn ihr wollt, können wir jedem von euch zehn Dinar, ein Gewand und etwas Nahrung geben. Im Gegenzug werdet ihr in eure Heimat zurückkehren. Auch im nächsten Jahr werde ich euch ähnliche Dinge schicken.“ Khalid erkannte die in den Worten des römischen Heerführers verborgene Beleidigung. Wütend knirschte er mit den Zähnen und schleuderte ihm die passende Antwort entgegen. Er sagte: „Der Hunger hat uns nicht aus unserem Land vertrieben und hierhergebracht, wie du gesagt hast. Vielmehr sind wir ein blutrünstiges Volk. Wir haben erfahren, dass es auf der Erde kein Blut gibt, das begehrenswerter und heiliger wäre als das Blut der Römer. Aus Gier nach diesem Blut sind wir gekommen.“ Kaum hatte der große Held Khalid diese Worte ausgesprochen, zog er an den Zügeln seines Pferdes, kehrte geradewegs zu seiner Armee zurück und erklärte mit dem Ruf ‚Allahu akbar, Huyyi riyahal-dschanna‘ den Krieg.
Die römische Armee rückte auf so furchterregende Weise vor, wie die Araber es noch nie zuvor gesehen hatten. Für das Zentrum der muslimischen Armee waren Ikrima ibn Abi Dschahl und Kaka ibn Amr verantwortlich. Khalid befahl ihnen anzugreifen. Unter dem Rezitieren von Liedversen stürzten sich die beiden auf die feindliche Armee. Eine umfassende Schlacht begann. Khalid befahl seiner gesamten Armee den Angriff. Er drang in das Zentrum der römischen Reiterei und Infanterie ein. Wohin er auch kam, wurde die römische Armee auseinandergerissen. Einen ganzen Tag und eine ganze Nacht dauerte der erbitterte Kampf. Am nächsten Morgen sah man Khalid auf der Tribüne des römischen Heerführers. Nach Tabari ertranken in dieser Schlacht zusätzlich zu den auf dem Schlachtfeld Gefallenen 120.000 römische Soldaten unter den nach hinten fliehenden Soldaten im Jordan.
Die Schlacht war zu Ende. Am nächsten Morgen fand man Ikrima und seinen Sohn Amr ibn Ikrima schwer verwundet vor. Khalid legte Ikrimas Kopf auf seinen Oberschenkel und Amrs Kopf auf sein Schienbein, streichelte ihnen über den Kopf und träufelte ihnen Wasser in den Hals, während er sagte: „Ibn al-Hantama“ – das heißt Umar – hatte geglaubt, wir wüssten nicht, wie man den Märtyrertod stirbt. Niemals!“ In dieser Schlacht erlitten dreitausend muslimische Soldaten den Märtyrertod. (Tarikh al-Ummah al-Islamiyya 1/193)
Wie sehr die Persönlichkeit Khalid ibn al-Walids die römische Armee beeinflusst hatte, lässt sich anhand verschiedener Ereignisse erkennen. Die Schlacht von Jarmuk war gerade im Gange. In einem Abschnitt der Schlacht trat ein Befehlshaber der römischen Armee namens ‚Dschardschah‘ aus seinem Lager. Sein Ziel war es, direkt mit Khalid zu sprechen. Khalid gewährte ihm Zeit und Gelegenheit. Dschardschah sagte: „Khalid, sag mir die Wahrheit und lüge nicht. Ein freier und vornehmer Mann lügt nicht. Hat Allah eurem Propheten vom Himmel herab ein Schwert gegeben, das er dir überreicht hat, und sind all jene besiegt worden, gegen die dieses Schwert erhoben wurde?“
Khalid: Nein.
Dschardscha: Warum nennt man Sie dann „Saifullah“ – das Schwert Allahs?
Chalid: Allah sandte Seinen Gesandten zu uns. Einige von uns glaubten an ihn, andere nicht. Zunächst gehörte ich zur letzteren Gruppe. Danach wandte Allah mein Herz. Ich nahm den Iman an Seinen Gesandten an und leistete ihm den Bai’a. Der Gesandte (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) sprach ein Du’a für mich. Er sagte zu mir: „Du bist ein Schwert Allahs.“ So wurde ich zu „Saifullah“.
Dschardscha: Wozu ruft ihr auf?
Chalid: Zur Einheit Allahs und zum Islam.
Dschardscha: Wie denn? Ihr seid uns doch überlegen.
Chalid: Wir standen und saßen mit dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Heil seien auf ihm) zusammen. Wir sahen seine Mu’dschizat und seine wundersamen Taten. Wenn jemand all das gesehen hätte, was wir gesehen haben, und all das gehört hätte, was wir gehört haben, hätte er gewiss ohne Weiteres den Islam annehmen sollen. Ihr aber, die ihr ihn nicht gesehen und seine Worte nicht gehört habt und dennoch an das Verborgene glaubt, werdet einen noch größeren Lohn erhalten, wenn ihr aufrichtig an Allah glaubt.“
Dschardscha ließ sein Pferd laufen, kam neben Chalid zum Stehen und sagte: „Chalid, lehre mich den Islam.“
Dschardscha nahm den Islam an und verrichtete zwei Rak’a Gebet. Diese zwei Rak’a waren das erste und zugleich letzte Gebet seines Lebens. Danach zog dieser neu zum Islam übergetretene Römer mit der muslimischen Armee in der Hoffnung auf Schahada in den Kampf gegen die Römer. Allah, der Erhabene, erfüllte seinen Wunsch. Er wurde zum Schahid (Ridschalun Hawla ar-Rasul, S. 299–301).
Als Herakleios von der verheerenden Niederlage der römischen Armee bei Jarmuk hörte, zog er sich zurück und ließ die Stadt Hims hinter sich. Beim Weggang sagte er: „Salamun alaika ya Suria, salaman la liqā’a ba’dahu“ – o Syrien, ein endgültiger Abschiedsgruß an dich, nach dem es keine Begegnung mehr geben wird. Nach Jarmuk eroberte Hadhrat Khalid „Hadir“.
Nach dem Abschluss des Feldzugs gegen Hadir zog Khalid in Richtung „Qinnasrin“. Die Bewohner von Qinnasrin betraten frühzeitig die Festung, um der muslimischen Armee Widerstand zu leisten, und verschlossen die Tore. Hadhrat Khalid sagte zu ihnen: „Selbst wenn ihr auf den Wolken Schutz sucht, wird Allah mich auch dorthin hinaufsteigen lassen oder euch von dort herabbringen und zu uns führen.“ (Tarikh al-Umma al-Islamiyya 2/4) In Anbetracht des Schicksals der Bewohner von Hims schlossen die Einwohner von Qinnasrin mit Khalid einen Friedensvertrag.
Bayt al-Maqdis wurde belagert. Unter den kommandierenden Offizieren der muslimischen Armee befand sich bei dieser Belagerung auch Khalid. Die christlichen Bewohner von Bayt al-Maqdis wussten keinen Ausweg mehr und boten einen Friedensvertrag an. Sie stellten jedoch die Bedingung, dass der Befehlshaber der Gläubigen, Umar, den Vertrag eigenhändig unterzeichnen sollte. Um ihrer Forderung zu entsprechen, kam Khalid von Medina nach Syrien. Er ließ die in Syrien stationierten Offiziere der muslimischen Armee nach Jabia kommen. Khalid erschien in prächtiger Kleidung. Sobald er dem Kalifen ins Blickfeld kam, stieg dieser vom Pferd, warf Khalid Kieselsteine entgegen und sagte: „Hast du deine Gewohnheiten so schnell geändert?“ Khalid hob seine Waffe und sagte: „Die Gewohnheiten eines Soldaten habe ich jedoch nicht aufgegeben.“ Der Kalif sagte: „Dann ist alles in Ordnung.“ Im Jahre 17 nach der Hidschra schlugen Abu Ubaida und Khalid gemeinsam den Aufstand in Hims nieder. Damit endete zugleich die mehrere Jahrhunderte währende römische Herrschaft in ganz Syrien.
Selbst einen so bedeutenden Feldherrn verschonte der Kalif Hadhrat Umar nicht. Er stufte Khalid vom Rang eines Feldherrn zum einfachen Soldaten herab. Hinsichtlich des Jahres seiner Absetzung gehen die Historiker auseinander. Nach Ansicht mancher wurde er im Jahre 17 nach der Hidschra abgesetzt, nachdem fünf Jahre der Herrschaft Hadhrat Umars vergangen waren. Anderen Überlieferungen zufolge entließ Hadhrat Umar ihn unmittelbar nach seiner Übernahme des Kalifats, während Hadhrat Khalid gerade das Kommando über die Kämpfe auf dem Schlachtfeld von Jarmuk führte.
Verschiedene Personen haben den Vorgang der Absetzung Hadhrat Khalids unterschiedlich überliefert. Einige berichten, dass bei Jarmuk gerade eine erbitterte Schlacht tobte. Da erschien ein Bote des neuen Kalifen Umar aus Medina auf dem Schlachtfeld und brachte einen Brief. Der Brief enthielt zwei Nachrichten: die Nachricht vom Tod Abu Bakrs und die Ernennung Abu Ubaidas anstelle des abgesetzten Khalid. Nachdem Khalid den Brief gelesen hatte, sprach er ein Bittgebet um Vergebung für Abu Bakr und um Erfolg für Umar. Danach bat er den Überbringer, den Inhalt des Briefes niemandem mitzuteilen. So hielt Khalid sowohl die Nachricht von Abu Bakrs Tod als auch Umars Anordnung geheim, führte weiterhin das Kommando und errang den unvermeidlichen Sieg. Anschließend begab er sich zu Abu Ubaida und erwies ihm wie ein einfacher Soldat die gebührende Achtung. Abu Ubaida hielt dies zunächst für einen Scherz. Doch im nächsten Augenblick erkannte er, dass es kein Scherz, sondern Wirklichkeit und Wahrheit war. Khalid legte seine Kleidung ab und vor Abu Ubaida nieder.
Manche haben den erwähnten Vorgang folgendermaßen überliefert: Die Ausgaben Hadhrat Khalids überschritten bisweilen das Maß. Dichtern und Schriftstellern schenkte er große Geldsummen. Dem Dichter Aʿschā ibn Qais schenkte er zehntausend Dirham. Als der Kalif Umar davon erfuhr, wies er Abu Ubaida an, Khalid zu fragen, aus welchem Vermögen er dieses Geld gespendet habe. Hatte er es aus den Mitteln der muslimischen Gemeinschaft gegeben, so hatte er einen Vertrauensbruch begangen; hatte er es aus seinem eigenen Vermögen gegeben, so hatte er verschwenderisch gehandelt. Einige Überlieferungen berichten, dass Abu Ubaida diesen Erlass des Kalifen auf dem Schlachtfeld von Jarmuk erhielt. Als er Khalid danach fragte, antwortete dieser, er habe das Geld aus seinem persönlichen Vermögen gespendet. Daraufhin verlas Abu Ubaida ihm den Erlass des Kalifen und nahm Khalid zum Zeichen seiner Entlassung aus dem Feldherrenamt die Kopfbedeckung ab und ließ den Turban auf seinen Nacken herabfallen. Khalid bemerkte lediglich: „Ich habe den Erlass des Kalifen gehört und angenommen. Auch jetzt bin ich bereit, den Anweisungen meines Vorgesetzten zu folgen und meinen Dienst fortzusetzen.“ Der Kalif ließ ihn nach Medina rufen. Als er dort eintraf, wurde sein Vermögen einer strengen Prüfung unterzogen; man fand jedoch keine Unstimmigkeit. Daraufhin ließ der Kalif Umar überall verkünden: „Ich habe Khalid weder wegen mangelnden Vertrauens noch aus Zorn oder aus einem ähnlichen Grund abgesetzt.“ (Ibn al-Athir 2/418)
Neben dem erwähnten Vorfall gab es noch weitere Gründe für Khalids Absetzung. Khalid war von rauer soldatischer Wesensart. Bei jeder Angelegenheit handelte er nach eigenem Ermessen und hielt es nicht für nötig, den Kalifen zu konsultieren. Auch die Abrechnung über Einnahmen und Ausgaben der Armee übersandte er dem Hof des Kalifen nicht ordnungsgemäß. Unmittelbar nach Abschluss des Feldzugs im Irak zog er ohne die Erlaubnis des Kalifen Abu Bakr nach Mekka, um die Hadsch zu vollziehen. Darüber war Hadhrat Abu Bakr sehr verärgert. Der Kalif warnte ihn wiederholt. Er erwiderte dem Kalifen: „Gebt mir die Möglichkeit, nach meinem eigenen Ermessen zu handeln, andernfalls werde ich selbst von meinem Amt zurücktreten.“ Hadhrat Umar war über Khalids Verhalten bereits seit der Zeit Abu Bakrs unzufrieden. Wiederholt riet er Abu Bakr, Khalid abzusetzen. Abu Bakr antwortete jedes Mal: „Ich kann kein Schwert in die Scheide stecken, das Allah aus der Scheide gezogen hat.“ Nachdem Umar das Kalifat übernommen hatte, versuchte er, Khalid zu bessern; da dies jedoch keinen Erfolg hatte, setzte er ihn ab.
Außerdem wird in der Geschichte als dritter Grund für seine Absetzung genannt, dass sich unter Muslimen wie Nichtmuslimen die Vorstellung und der Glaube verbreitet hatten, der Sieg des Islam hänge im Wesentlichen von Khalids Stärke und Tapferkeit ab. Eine solche unbegründete Vorstellung missfiel dem Kalifen Umar ganz und gar. Durch die Absetzung Khalids bewies er die Haltlosigkeit dieses Glaubens.
Wie auch immer und auf welche Weise sich diese Angelegenheit ereignet haben mag, die Rolle Hazrat Khalids ist in diesem Zusammenhang bemerkenswert. Für das Beispiel an Gehorsam, Aufrichtigkeit und Glauben, das er gab, lässt sich in der Geschichte kein Vergleich finden. Er war dazu fähig, weil er glaubte, dass der Zustand eines Heerführers und der eines gewöhnlichen Soldaten gleichermaßen bedeutsam seien. Unter allen Umständen betrachtete er es als seine unumgängliche Pflicht, Allah, dem Gesandten Allahs und der Religion, an die er glaubte, allen gegenüber seine Verantwortung zu erfüllen. In seinen Augen gab es zwischen einem gehorsamen Heerführer und einem gehorsamen gewöhnlichen Soldaten im Grunde keinen Unterschied. Deshalb zögerte er nicht im Geringsten, sein Amt als Heerführer aufzugeben und gleichermaßen als gewöhnlicher Soldat zu dienen. Aus demselben Grund konnte er in einer Ansprache an die gewöhnlichen Soldaten, nachdem er das Kommando in die Hände Abu Ubaidas gelegt hatte, sagen: „Abu Ubaida, der Amīn oder vollkommen vertrauenswürdige Mann dieser Umma, ist zu eurem Amīr ernannt worden.“
Nachdem der Kalif Hazrat Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) Khalid von seinem Amt als Heerführer abgesetzt hatte, ernannte er ihn in verschiedenen Provinzen zum Wālī. Nach einiger Zeit ließ sich Khalid freiwillig von dieser Aufgabe entbinden und ließ sich dauerhaft in Medina nieder. Im Jahr 21/22 nach der Hidschra starb er in Medina, nachdem er einige Zeit krank gewesen war. Nach Ansicht vieler starb er in Hims; dies scheint jedoch nicht richtig zu sein. Denn in verschiedenen Quellen wird erwähnt, dass der Kalif Hazrat Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) an seinem Totengebet teilnahm. (Usd al-Ghāba 2/96, al-Isāba 1/415)
Nach dem Tod Hazrat Khalids (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte der Kalif Hazrat Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein): „Die Frauen sind unfähig geworden, einen Sohn wie Khalid zu gebären.“ Nach Khalids Tod weinte der Kalif zutiefst aufgewühlt. Später erfuhren die Menschen, dass er nicht nur aus Schmerz über Khalids Verlust so geweint hatte; vielmehr hatte er Khalid erneut zum Heerführer ernennen wollen, weil der Grund für dessen Absetzung weggefallen war. Da der Tod diesem Wunsch im Wege stand, weinte er so sehr. (Rijāl Ḥaul ar-Rasūl, S. 305)
Von Anfang an bis zum Ende seines Lebens verbrachte Hazrat Khalid seine Zeit auf dem Feld des Dschihād. Deshalb hatte er nur sehr wenig Gelegenheit und Zeit, in der Gesellschaft des edlen Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu verweilen. Er selbst sagte: „Die Beschäftigung mit dem Dschihād hat mich daran gehindert, einen großen Teil des Korans zu lernen.“ (al-Isāba 1/415) Dennoch war er keineswegs des Segens und des Wissens beraubt, die aus der Gesellschaft des Propheten hervorgehen. Nach dem Tod des edlen Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) gehörte auch er zu den Gelehrten und Muftis unter den Gefährten in Medina. Wegen seines soldatischen Wesens setzte er sich jedoch nie auf den Sitz der Iftāʾ. Mehr als zwei oder vier seiner Rechtsgutachten sind nicht überliefert. (Aʿlām al-Muwaqqiʿīn) Insgesamt überlieferte er 18 Hadithe. Zwei davon sind muttafaq ʿalayh, das heißt, sie wurden von Buchārī und Muslim überliefert, und einen überlieferte Buchārī allein.
Einmal kam es zwischen Ammār ibn Yāsir (möge Allah mit ihm zufrieden sein) und ihm zu einem Streit. Khalid beschimpfte ihn aufs Heftigste. Auch Ammar brachte beim Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) Klage vor. Nachdem der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) den gesamten Hergang angehört hatte, sagte er: „Wer Ammar gegenüber Feindschaft und Hass hegt, hegt Feindschaft und Hass gegenüber Allah.“ Diese Aussage des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) wirkte so stark auf Khalid, dass er sofort zu Ammar eilte und ihn wieder zufriedenstellte. Khalid selbst sagte: „Nachdem ich vom Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) aufgestanden war, gab es für mich nichts, was mir lieber gewesen wäre, als Ammars Zufriedenheit zu erlangen.“ Hazrat Khalids Verehrung und Liebe zum edlen Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) waren in seinem Herzen so stark, dass er es nicht ertragen konnte, wenn jemand auch nur ein geringfügig ungehöriges Wort über die Würde des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte. Einmal erhielt der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) etwas Gold. Er verteilte es unter den Führern von Nadschd. Einige der Quraisch und der Ansār erhoben dagegen Einwände. Ein Mann sagte: „Fürchte Allah, Muhammad!“ Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Wenn ich Allah ungehorsam wäre, wer würde Ihm dann gehorchen?“ Über diese ungehörigen Worte des Mannes geriet Khalid in Zorn. Er sagte: „O Gesandter Allahs, erlaube mir, seinen Kopf abzuschlagen.“ Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) beruhigte ihn. (Buchārī)
Das glänzendste und ruhmreichste Kapitel im Leben Hazrat Khalids war der „Dschihād fī sabīlillāh“ – der Dschihād auf Allahs Weg. Den größten Teil seines Lebens verbrachte er auf den Schlachtfeldern. Aufgrund seiner heldenhaften Taten und seiner unbezwingbaren Hingabe an den Dschihād verlieh ihm der edle Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) den Beinamen „Saifullāh“. Er nahm an ungefähr 125 Schlachten teil. Wohin er auch ging, kehrte er siegreich zurück. Das Vertrauen des edlen Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) in ihn war so groß, dass er sich sicher fühlte, sobald die Fahne in Khalids Hand gelangte. Eine große Menge an Waffen hatte er als väterliches Erbe erhalten. Nach seinem Übertritt zum Islam stiftete er alles auf Allahs Weg als Waqf. (At-Tabaqāt) Seine Freunde und Feinde sagten über ihn: „Er ist ein Mann, der selbst nicht schläft und auch anderen nicht erlaubt zu schlafen.“ Khalid selbst sagte: „Eine Nacht, die ich mit einer frisch vermählten Frau verbringen könnte, oder eine Nacht, in der mir die frohe Nachricht von der Geburt eines Sohnes überbracht würde – lieber als all das ist mir eine bitterkalte Nacht, in der ich mit einer Gruppe von Muhādschirūn am frühen Morgen einen Angriff auf die Götzendiener führe.“
Eines Tages sagte er auf seinem Sterbebett voller Bedauern: „Ich habe an mehr als hundert Schlachten teilgenommen; an jedem einzelnen Teil meines Körpers befinden sich ein oder zwei Verletzungen durch ein Schwert, einen Pfeil oder einen Speer. Und heute sterbe ich, während ich auf meinem Bett wie ein fieberkrankes Kamel mit den Beinen um mich schlage.“ Während er diese Worte sprach, liefen ihm Tränen aus beiden Augen. (Rijāl Ḥaul ar-Rasūl, S. 305–306; Usd al-Ghāba 2/95)
Kurz vor seinem Tod vermachte er seinen hinterlassenen Besitz zugunsten des Kalifen Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein). Dieser hinterlassene Besitz bestand aus nichts anderem als seinem Pferd und einigen Waffen. Auf diese Weise stiftete er auch nach seinem Tod die beiden Dinge, die ihm zu Lebzeiten am liebsten gewesen waren, auf Allahs Weg als Waqf.
Der edle Gesandte Allahs (s) lobte ihn bei verschiedenen Gelegenheiten wiederholt. Eines Tages, während der Eroberung Mekkas, sah man Khalid in einiger Entfernung. Der Gesandte (s) sagte zu Abu Huraira (r.a.): „Sieh einmal, wer ist das?“ Er antwortete: „Khalid.“ Der Gesandte (s) sagte: „Wie vortrefflich ist doch dieser Diener Allahs!“ Einmal sagte er zu den Gefährten: „Tut Khalid kein Leid an, denn er ist Allahs Schwert, das gegen die Ungläubigen geführt wird.“
Einmal entsandte der Gesandte (s) Umar (r.a.), um die Zakat einzuziehen. Ibn Dschamil, Khalid und Abbas – diese drei verweigerten die Zahlung der Zakat. Als der Gesandte (s) davon erfuhr, sagte er: „Ibn Dschamil war arm, und Allah hat ihn reich gemacht. Das ist seine Vergeltung. Was Khalid betrifft, so seid ihr ihm gegenüber zu weit gegangen. Er hat all seine Waffen und seine gesamte Kriegsausrüstung auf Allahs Weg als Stiftung bestimmt. Wie sollte darauf Zakat anfallen? Und Abbas? Für ihn bin ich verantwortlich. Wisst ihr denn nicht, dass der Onkel väterlicherseits den Rang des Vaters hat?“ (Abu Dawud 1/163)
Hazrat Khalid (r.a.) war nicht nur ein Soldat, sondern auch ein fähiger Da’i des Islam – ein Verkünder des Islam. Als der Gesandte (s) den Schaden erkannte, der durch seine übereilten Entscheidungen in den Angelegenheiten der Banu Dschuzaima und des Malik ibn Nuwaira entstanden war, gab er ihm später, wenn er ihn mit einer Aufgabe entsandte, den Rat: „Lade nur zum Islam ein und erhebe nicht das Schwert.“ Ebenso wies er ihn bei seiner Entsendung in den Jemen an: „Der Beginn des Krieges darf nicht von dir ausgehen.“ Nachdem er diese Rechtleitung erhalten hatte, ist von keinem der Kriege, an denen er teilnahm, bekannt, dass er darin irgendeine Art von Maßlosigkeit gezeigt hätte. Sowohl zu Lebzeiten des Gesandten Allahs (s) als auch nach dessen Hinscheiden erfüllte er seine Aufgabe als Da’i in vorbildlicher Weise. Nach der Eroberung Mekkas entsandte der Gesandte (s) verschiedene Missionen in alle Richtungen, um zum Islam einzuladen; Khalid übernahm die Leitung einiger von ihnen. Die Banu Dschuzaima und die Banu Abd al-Maddan nahmen durch seine Bemühungen den Islam an. Bei der Einladung zum Islam im Jemen war er Hazrat Alis (r.a.) Helfer. Durch seine Bemühungen kehrten die Stämme Banu Hawazin, Banu Sulaim, Banu Amir und andere, die den falschen Propheten Tulaicha al-Asadi unterstützt hatten, wieder zum Islam zurück. Darüber hinaus nahmen zu verschiedenen Zeiten unzählige Menschen auf seine Einladung hin den Islam an. Vor jedem Krieg lud er den Gegner stets gemäß den islamischen Regeln zum Islam ein. Selbst mitten im heftigen Kampf auf dem Schlachtfeld erfüllte er erfolgreich die Rolle eines Da’is. Der römische Soldat Dschardscha in Jarmuk ist dafür ein leuchtender Beweis.
In einem kurzen Aufsatz lässt sich nicht alles aus Khalids Leben darlegen. Wir wiederholen daher die Worte, die der Fürst der Gläubigen, Umar (r.a.), nach Khalids Tod in Trauer sprach: „Rahimallahu Aba Sulaiman, ma inda Allahi khairun mimma kana fih, laqad asha hamidan wa mata sa’idan“ – „Möge Allah Abu Sulaiman Khalid Barmherzigkeit erweisen. Für ihn gibt es bei Allah nichts Besseres als den Zustand, in dem er sich befand. Er lebte gepriesen und starb glücklich.“ (Ridschalun haula ar-Rasul, S. 308)
Abdullah ibn Hudhafa as-Sahmi (r.a.)
Sein Name war Abu Hudhafa Abdullah. Sein Vater hieß Hudhafa. Er stammte aus dem Clan Banu Sahm des Stammes Quraisch. In der frühen Phase der islamischen Einladung nahm er den Islam an und blieb lange Zeit in der Gesellschaft des edlen Gesandten Allahs (s). Gemeinsam mit seinem Bruder Qais ibn Hudhafa wanderte er mit der zweiten Karawane der nach Abessinien auswandernden Muhadschirun nach Abessinien aus. (Al-Isti’ab)
Außer an der Schlacht von Badr nahm er an allen Schlachten an der Seite des Gesandten Allahs (s) teil. Abu Said al-Chudri (r.a.) bezeichnete ihn als „Badri“, also als Teilnehmer der Schlacht von Badr. Musa ibn Uqba, Ibn Ishaq und andere bezeichneten ihn jedoch nicht als „Badri“. (Al-Isti’ab)
Der Gesandte Allahs (s) entsandte ihn als Befehlshaber eines Feldzugs. Vor dem Aufbruch wies der Gesandte (s) die ihm unterstellten Soldaten an, seinem Befehl niemals zuwiderzuhandeln. Als Hazrat Abdullah den bestimmten Ort erreicht hatte, geriet er aus irgendeinem Grund in heftigen Zorn. Er fragte die Soldaten: „Hat der Gesandte (s) euch nicht befohlen, mir zu gehorchen?“ Sie antworteten: „Doch, das hat er.“ Er sagte: „Sammelt Holz, entzündet ein Feuer und springt hinein.“ Die Mudschahidin sammelten Holz und entzündeten ein Feuer. Bevor sie jedoch hineinsprangen, sahen sie einander an. Viele widersprachen und sagten: „Wir sind dem Gesandten Allahs (s) doch gefolgt, um dem Feuer zu entkommen – und nun sollen wir in diesem Feuer unser Leben lassen?“ Während diese Auseinandersetzung andauerte, erlosch das Feuer. Auch Abdullahs Zorn legte sich. Nach ihrer Rückkehr vom Feldzug berichteten sie dem Gesandten Allahs (s) von dem Vorfall. Der Gesandte (s) sagte: „Wenn ihr in dieses Feuer hineingegangen wärt, hättet ihr es niemals wieder verlassen können. Gehorsam ist nur in solchen Angelegenheiten verpflichtend, die Allah erlaubt hat.“ (Buchari: Kitab al-Ahkam, Bab as-Sam’i wa at-Ta’a, Hayat as-Sahaba 1/67)
Das erwähnte Ereignis wird in einigen Überlieferungen anders dargestellt. Nach diesen Überlieferungen war der Befehl Hadhrat Abdullāhs, ins Feuer zu springen, kein ernst gemeinter Befehl. Er hatte lediglich einen kleinen Scherz mit seinen Soldaten gemacht. Hadhrat Abū Saʿīd al-Chudrī (r.a.) schilderte das Ereignis folgendermaßen: Der Gesandte Allahs (s.a.w.) entsandte eine aus den Gefährten zusammengestellte Truppe auf einen Feldzug. Er ernannte Abdullāh ibn Hudhāfa zum Befehlshaber dieser Truppe. Abdullāh war ein humorvoller Mann. Nachdem sie ein Stück Weg zurückgelegt hatten, machten sie an einem Ort Halt. Abdullāh fragte die Mitglieder seiner Truppe: „Ist euch nicht befohlen worden, mir zu gehorchen?“ Sie antworteten: „Ja.“ Er fragte: „Werdet ihr einen Befehl von mir ausführen, wenn ich euch einen gebe?“ Sie antworteten: „Ja.“ Er sagte: „Im Namen meiner Befehlsgewalt und mit dem Anspruch auf euren Gehorsam befehle ich euch, in dieses Feuer zu springen.“ Sobald sie den Befehl erhalten hatten, begannen einige Mitglieder der Truppe, sich darauf vorzubereiten, hineinzuspringen. Da sagte er: „Halt! Ich habe doch nur einen kleinen Scherz mit euch gemacht.“ Nachdem die Truppe nach Medina zurückgekehrt war, erfuhr der Gesandte Allahs (s.a.w.) davon. Er sagte: „Wenn jemand euch befiehlt, Allah ungehorsam zu sein, dann gehorcht ihm nicht.“ (Sīrat Ibn Hischām 2/640)
Im sechsten – nach anderer Auffassung im siebten – Jahr der Hidschra beschloss Hadhrat Rasūl-e-Karīm (s.a.w.), Gesandte mit Briefen, die zur Annahme des Islams aufriefen, zu den Königen und Herrschern der umliegenden Länder zu schicken. Er beschloss auch, Gesandte zu den beiden damaligen Weltmächten, den Kaisern von Rom und Persien, zu entsenden. Doch diese Aufgabe war keineswegs einfach. Der Gesandte (s.a.w.) war sich auch der damit verbundenen Schwierigkeiten bewusst. Die Gesandten waren mit den Sprachen, der Kultur und den Menschen der Länder, in die sie reisen sollten, nicht vertraut. Dort sollten sie die Könige und Herrscher dieser Länder dazu aufrufen, ihre ererbte Religion aufzugeben und den Islam anzunehmen. Zweifellos war eine solche Gesandtschaft eine äußerst gefährliche Aufgabe. Vielleicht würden diejenigen, die dorthin gingen, niemals zurückkehren. Der Gesandte Allahs (s.a.w.) ließ die Gefährten zusammenkommen. Er erhob sich, um eine Ansprache zu halten. Nach Lobpreis und Dankpreisung Allahs sprach er das Glaubensbekenntnis. Dann sagte er: „Amma baʿd! Ich habe beschlossen, einige von euch zu den ajamischen, also nichtarabischen, Königen zu schicken. Widersetzt euch mir nicht, wie die Kinder Israels sich ʿĪsā ibn Maryam widersetzten.“
Die Gefährten sagten: „O Gesandter Allahs, wir werden deinen Wunsch erfüllen. Schicke uns, wohin du möchtest.“
Hadhrat Rasūl-e-Pāk (s.a.w.) wählte sechs Gefährten aus, die Einladungsbriefe zu den Königen und Herrschern Arabiens und der nichtarabischen Länder überbringen sollten. Einer dieser sechs war Abdullāh ibn Hudhāfa. Er wurde ausgewählt, die Botschaft des Gesandten Allahs (s.a.w.) zum persischen Kaiser Kisra zu bringen.
Abdullāh ibn Hudhāfa traf die Vorbereitungen für die Reise, verabschiedete sich von seiner Frau und seinen Kindern und brach auf. Auf abwechslungsreichen Wegen durch hügeliges und ebenes Gelände zog er weiter – völlig allein. Außer dem einen Allah war niemand bei ihm. Nachdem er eine lange Strecke zurückgelegt hatte, erreichte er Persien. Er teilte den Höflingen mit, dass er einen Brief für den Kaiser überbracht habe, und bat um die Erlaubnis, den Kaiser zu sprechen. Die Angelegenheit wurde dem Kaiser mitgeteilt. Er befahl seinen Höflingen, den Audienzsaal herzurichten. Nachdem der Hof vorbereitet worden war, wurden die angesehenen Persönlichkeiten Persiens dorthin gerufen. Dann wurde Abdullāh ibn Hudhāfa der Eintritt gestattet.
Der Gesandte des Gesandten Allahs (s.a.w.), Hadhrat Abdullāh ibn Hudhāfa, betrat den königlichen Hof Kisras in der Kleidung eines gewöhnlichen Beduinen: Er hatte sich ein dünnes „Schamla“ (ein Tuch, das um den Körper gewickelt wird) und eine grobe „ʿAbā“ (ein langes Obergewand) umgelegt. Er war groß, breitschultrig und kräftig gebaut. Er war stolz auf die Erhabenheit des Islams und auf den Glauben.
Kaum sah Kisra Abdullāh eintreten, befahl er einem Höfling, den Brief aus seiner Hand entgegenzunehmen. Doch Abdullāh weigerte sich, den Brief diesem Mann zu übergeben, und sagte: „Nein, der Gesandte Allahs (s.a.w.) hat mir befohlen, den Brief direkt in Ihre Hand zu geben. Ich kann diesem Befehl nicht zuwiderhandeln.“
Kisra sagte zu seinen Leuten: „Lasst ihn in Ruhe und lasst ihn zu mir kommen.“ Abdullāh trat vor und übergab Kisra den Brief. Kisra ließ einen arabischsprachigen Sekretär aus Hira rufen, öffnete den Brief und befahl ihm, ihn vorzulesen. Die Verlesung des Briefes begann:
„Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen. Von Muhammad, dem Gesandten Allahs, an Kisra, den Kaiser von Persien. Salāmun ʿalā man ittabaʿa al-hudā – Friede sei mit denen, die der Rechtleitung folgen.“
Schon als Kisra diesen Teil des Briefes gehört hatte, platzte er vor Zorn; seine Augen und sein Gesicht wurden rot, und die Adern an seinem Hals traten hervor. Denn der Gesandte Allahs (s.a.w.) hatte den Brief mit seinem eigenen Namen begonnen, das heißt, vor Kisras Namen stand „Muhammad, der Gesandte Allahs“. Kisra riss den Brief dem Vorleser aus der Hand und zerriss ihn in Stücke. Er hielt es nicht mehr für nötig, den Inhalt des Briefes kennenzulernen. Laut schrie er: „Er ist mein Sklave, und wagt er es tatsächlich, mir auf diese Weise zu schreiben?“ Dann befahl er, Abdullah aus der Versammlung hinauszuführen. Man führte ihn hinaus.
Abdullah ibn Hudhafa verließ Kisras Hof. Er wusste nicht, was Allah für ihn bestimmt hatte. Würde er getötet oder freigelassen werden? Allerlei Gedanken gingen ihm durch den Kopf. Doch augenblicklich schüttelte er alle Sorgen ab und sagte zu sich selbst: „Bei Allah, nachdem ich den Brief des Gesandten Allahs (s.a.w.) überbracht habe, soll nun geschehen, was mir bestimmt ist. Ich fürchte nichts.“ Darauf bestieg er im Namen Allahs sein Reittier und brach auf. Als Kisras Zorn sich etwas gelegt hatte, befahl er, Abdullah erneut vorzuführen. Doch er war nicht mehr zu finden. Sie suchten überall, konnten aber keine Spur von ihm entdecken. Bei ihren Nachforschungen auf der Straße zur Arabischen Halbinsel erfuhren sie, dass er sich auf den Weg in seine Heimat gemacht hatte. Sie konnten ihn nicht mehr einholen.
Hazrat Abdullah begab sich zum Gesandten Allahs (s.a.w.) und berichtete ausführlich von Kisras Verhalten. Nachdem er alles gehört hatte, sagte der Gesandte (s.a.w.): „Mazzaqahullāhu mulkahū – Möge Allah sein Reich in Stücke reißen.“ (Al-Istīʿāb)
Unterdessen schrieb Kisra seinem Statthalter, dem Herrscher des Jemen, Badhan: „Befiehl, dass man von dort zwei kräftige und starke Männer schickt, die denjenigen, der im Hidschas behauptet, ein Prophet zu sein, festnehmen und zu mir bringen.“ Badhan wählte zwei Männer aus und schickte sie zum Gesandten Allahs (s.a.w.). Sie trugen auch einen an den Gesandten Allahs (s.a.w.) gerichteten Brief bei sich. Darin wurde angeordnet, dass er ohne Verzögerung gemeinsam mit den Überbringern des Briefes an Kisras Hof erscheinen solle. Badhan wies die beiden Männer außerdem an, verschiedene Informationen über den Gesandten Allahs (s.a.w.) zu sammeln und ihm nach ihrer Rückkehr Bericht zu erstatten.
Die beiden Männer reisten aus dem Jemen ab und erreichten nach ununterbrochenem Marsch bei Tag und Nacht Taif. Dort trafen sie auf eine Handelskarawane der Quraisch. Sie befragten deren Angehörige nach Muhammad (s.a.w.). Sie erfuhren, dass Muhammad sich nun in der Stadt Yathrib (Medina) befand. Als die Quraisch den Grund für die Ankunft der beiden Männer erfuhren, kehrten sie hocherfreut nach Mekka zurück. Sie überbrachten den Bewohnern Mekkas die frohe Nachricht: „Freut euch! Kisra hat sich nun gegen Muhammad erhoben. Jetzt werdet ihr von seinem Unheil befreit sein.“
Unterdessen erreichten die beiden Männer Medina. Sie trafen den Gesandten Allahs (s.a.w.), übergaben ihm Badhans Brief und sagten: „Der Großkönig Kisra hat unserem König Badhan geschrieben, er solle Männer schicken, um Sie zu holen. Wir sind auf seinen Befehl gekommen, um Sie mitzunehmen. Wenn Sie unserer Aufforderung Folge leisten, werden wir mit Kisra darüber sprechen, dass dies zu Ihrem Wohl geschieht und er Sie in keiner Weise bestraft. Wenn Sie unserer Aufforderung jedoch nicht Folge leisten, sollten Sie gut überlegen, was Sie tun. Denn Sie kennen seine Macht und Gewalt, Sie und Ihr Volk zu vernichten.“
Nachdem sie zu Ende gesprochen hatten, lächelte der Gesandte Allahs (s.a.w.) leicht und sagte: „Kehrt heute an euren Aufenthaltsort zurück und kommt morgen noch einmal zu mir.“
Am folgenden Tag erschienen sie beim Gesandten Allahs (s) und sagten: „Hast du dich bereitgemacht, mit uns zu gehen, um Kisra zu treffen?“ Der Gesandte (s) sagte: „Ihr werdet Kisra nie wieder zu Gesicht bekommen. Allah hat ihn vernichtet. An diesem und jenem Tag dieses und jenes Monats hat sein Sohn Schirawaih ihn getötet und den Thron an sich gerissen.“ Als sie dies hörten, starrten sie den Gesandten Allahs (s) erstaunt mit weit aufgerissenen Augen an. Sie sagten:
„Hast du bedacht, was du sagst? Sollen wir Bajān davon schriftlich in Kenntnis setzen?“
Der Gesandte Allahs (s) sagte: „Ja. Und ihr sollt ihm auch schreiben, dass meine Religion bis an die Grenzen des Reiches Kisras gelangen wird. Wenn du den Islam annimmst, wird dir die Herrschaft über dein Volk mitsamt allem, was deiner Herrschaft untersteht, übertragen werden.“
Die beiden Männer verließen den Hof des Gesandten Allahs (s), gingen direkt zu Bajān und berichteten ihm alles, was der Gesandte Allahs (s) gesagt hatte. Bajān bemerkte: „Wenn das, was Muhammad gesagt hat, wahr ist, dann ist er gewiss ein Prophet. Wenn es aber nicht wahr ist, werden wir ihm eine angemessene Lektion erteilen.“
Während dieses Gespräch noch andauerte, traf bei Bajān ein Brief von Schirawaih ein. Der Inhalt des Briefes lautete: „Danach habe ich Kisra getötet. Er wurde getötet, um im Namen meines Volkes Rache zu nehmen. … Nachdem dieser mein Brief dich erreicht hat, sollst du von den Menschen in deiner Umgebung den Treueeid auf mich einholen.“
Sobald Bajān den Brief Schirawaihs gelesen hatte, warf er ihn beiseite und erklärte sich selbst zum Muslim. Zusammen mit ihm nahmen alle Perser im Jemen und in seiner Umgebung den Islam an.
Dies ist die kurze Zusammenfassung des Geschehens zwischen Hazrat Abd Allah ibn Hudhafa (r) und dem persischen Kaiser Kisra. Das Geschehen, das sich zwischen ihm und dem römischen Kaiser ereignete, ist noch erstaunlicher. Dieses Ereignis trug sich während der Kalifenherrschaft des zweiten Kalifen, Hazrat Umar, zu.
Im Jahr 19 nach der Hidschra entsandte der Kalif Umar (r) ein Heer gegen die Römer. Zu diesem Heer gehörte auch Abd Allah ibn Hudhafa as-Sahmi. Der Kaiser hörte viele Geschichten über den Glauben und die Tapferkeit der muslimischen Glaubenskämpfer sowie darüber, wie freigebig sie ihr Leben für Allah und den Gesandten hingaben. Er hatte seinen Soldaten befohlen, jeden gefangenen muslimischen Soldaten lebend zu ihm zu bringen. Durch Allahs Willen geriet Hazrat Abd Allah in die Hände der Römer. Die Römer führten ihn ihrem König vor und sagten: „Dieser Mann ist ein Gefährte Muhammads. Er nahm seine Religion bereits ganz am Anfang an. Er ist in unsere Hände gefallen, und wir haben ihn zu Euch gebracht.“
Der römische Kaiser blickte lange auf ʿAbdullah ibn Hudhafa und sagte:
„Ich möchte dir etwas vorschlagen.“ ʿAbdullah: „Worum geht es?“
Der Kaiser: „Ich schlage vor, dass du das Christentum annimmst. Wenn du dies tust, werde ich dich freilassen und dich ehren.“
Der gefangene ʿAbdullah erwiderte sehr schnell und entschlossen:
„Ach! Tausendmal lieber ist mir der Tod als das, wozu du mich aufforderst.“
Der Kaiser: „Ich halte dich für einen klugen Mann. Wenn du meinen Vorschlag annimmst, werde ich dich an meiner Macht teilhaben lassen, dir meine Tochter zur Frau geben und mein Reich mit dir teilen.“
Der gefesselte Gefangene lächelte leicht und sagte: „Bei Allah, selbst wenn mir dein gesamtes Reich und darüber hinaus alles, was die Araber besitzen, gegeben würde und man im Gegenzug von mir verlangte, für einen einzigen Augenblick die Religion Muhammads (s) aufzugeben, würde ich es nicht tun.“
Der Kaiser: „Dann werde ich dich töten.“
Der Gefangene: „Ihr könnt mit mir tun, was Ihr wollt.“
Auf Befehl des Kaisers wurde der Gefangene an einen Pfahl gehängt und festgebunden. Man band ihn an beiden Händen aufhängend fest und bot ihm das Christentum an, doch er lehnte ab. Danach band man ihn an beiden Füßen aufhängend fest und forderte ihn auf, den Islam aufzugeben, doch er wies dies entschlossen zurück.
Der Kaiser befahl seinen Leuten, innezuhalten und ihn vom Pfahl herabzunehmen. Dann ließ er einen gewaltigen Kessel bringen und Öl hineingießen. Das Öl wurde über dem Feuer erhitzt. Als es brodelnd kochte, wurden zwei weitere muslimische Gefangene herbeigebracht. Einer von ihnen wurde in das kochend heiße Öl geworfen. Sobald er hineingeworfen worden war, wurde das Fleisch seines Körpers zerfetzt und löste sich von den Knochen.
Der Kaiser wandte sich Abdullah zu und forderte ihn erneut auf, das Christentum anzunehmen. Diesmal wies Abdullah es noch entschiedener zurück als zuvor. Auf Befehl des Kaisers wurde Abdullah nun zu dem mit kochend heißem Öl gefüllten Kessel gebracht. Da traten Abdullah Tränen in die Augen. Die Leute sagten zum Kaiser: „Der Gefangene weint jetzt.“ Der Kaiser glaubte, der Gefangene sei verängstigt. Er befahl: „Bringt den Gefangenen zu mir.“ Man brachte ihn zu ihm. Auch diesmal wies er das Christentum voller Abscheu zurück. Darauf sagte der Kaiser zu Abdullah: „Fahr zur Hölle! Warum weinst du dann?“ Abdullah antwortete: „Ich weine bei dem Gedanken, dass ich jeden Augenblick in diesen Kessel geworfen werde und mein Leben ein Ende findet. Dabei wünschte ich, ich hätte so viele Leben, wie ich Körperhaare habe, und könnte sie alle auf Allahs Weg in diesem Kessel hingeben.“
Nun sagte der gottfeindliche Kaiser: „Wenn du wenigstens meinen Kopf küsst, werde ich dich freilassen.“
Zunächst lehnte Abdullah auch diesen Vorschlag ab. Dann stellte er eine Bedingung und sagte: „Wenn zusammen mit mir auch die anderen muslimischen Gefangenen freigelassen werden, bin ich einverstanden.“
Der Kaiser sagte: „Ja, auch die anderen werden freigelassen.“
Abdullah berichtet: „Ich sagte mir insgeheim: Es ist nicht falsch, wenn im Gegenzug auch die anderen muslimischen Gefangenen freigelassen werden.“ Er ging auf den Kaiser zu und küsste ihn auf den Kopf. Der römische Kaiser befahl, die muslimischen Gefangenen zusammenzubringen und Abdullah zu übergeben. Insgesamt waren es 80 Gefangene.
Hazrat Abdullah (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) kehrte nach Medina zurück und schilderte dem Kalifen Umar (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) den Vorfall ausführlich. Der Kalif war vor Freude außer sich. Er wandte sich an die anwesenden Gefangenen und sagte: „Jeder Muslim sollte Abdullah ibn Hudhafa auf den Kopf küssen, und ich werde damit beginnen.“ Daraufhin stand er auf und küsste seinen Kopf. (Siehe: Hayatus-Sahaba – 1/302; al-Isaba – 2/296–97; al-Isti’ab; Suwarun min Hayatis-Sahaba – 1/51–56; Usud al-Ghaba – 3/143)
Nach der Eroberung Mekkas sandte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) Khalid ibn al-Walid zum Stamm der Banu Dschadhima, um sie zum Islam einzuladen. Aufgrund eines Missverständnisses griff Khalid sie an, wobei einige von ihnen getötet oder verletzt wurden. Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) war über diesen Vorfall zutiefst betrübt. Er zahlte den Angehörigen der Getöteten Entschädigung und vergab auch Khalid. Ibn Ishaq berichtet, dass Khalid, als er dafür getadelt wurde, sagte: „Ich kämpfte gegen sie nur, weil Abdullah ibn Hudhafa as-Sahmi es befohlen hatte. Er hatte gesagt: Wenn sie den Islam nicht annehmen, hat dir der Gesandte Allahs befohlen, gegen sie zu kämpfen.“ (Sira ibn Hischam – 2/430)
Eines Tages saß der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) auf der Kanzel und verkündete: „Solange ich hier sitze, wird jedem von euch jede Frage beantwortet.“ Abdullah ibn Hudhafa stand auf und fragte: „Wer ist mein Vater?“ Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Dein Vater ist Hudhafa.“ (Al-Isaba – 2/296) Als seine Mutter dies hörte, sagte sie: „Was für eine gefährliche Frage hast du dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) gestellt! Möge Allah verhüten, dass er etwas anderes gesagt hätte – wie wäre es dann um mich bestellt gewesen?“
Abdullah antwortete: „Ich wollte die Wahrheit meiner Abstammung überprüfen. Wenn er mich mit einem abessinischen Sklaven in Verbindung gebracht hätte, hätte ich es akzeptiert.“ (Al-Isti’ab)
Von Hazrat Abdullah ibn Hudhafa wurden mehrere Hadithe überliefert. Einen davon überlieferte al-Buchari. Zu den bedeutenden Überlieferern, die von ihm Hadithe überlieferten, gehören Abu Wa’il, Sulaiman und Ibn Yasar.
Ibn Yunus berichtet, dass Abdullah am Feldzug nach Ägypten teilnahm und während des Kalifats von Hazrat Uthman in Ägypten verstarb. Er wurde in Ägypten beigesetzt. (Al-Isaba – 2/296)
Überliefert von Dschabir. Ein Mann bat den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) um Unterstützung, und er gab ihm etwas. Danach bat ein anderer Mann, und er versprach ihm etwas. Umar ibn al-Chattab stand auf und sagte: „O Gesandter Allahs! Man hat mich um Unterstützung gebeten, und ich habe gegeben. Wieder wurde ich darum gebeten, und ich habe erneut gegeben. Dann wurde ich wieder darum gebeten, und ich habe es versprochen.“ Es schien, als habe dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) diese Aussage nicht gefallen. Da stand Abdullah ibn Hudhafa auf und sagte: „O Gesandter Allahs, gib aus und fürchte bei Dem, Der Herr des Thrones ist, keine Knappheit.“ Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Dazu bin ich angewiesen worden.“ (Hayatus-Sahaba – 2/145)
Ibn Asakir überliefert von az-Zuhri: Beim Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) wurde Abdullah beschuldigt: „Er ist ein scherzhafter und zu Späßen aufgelegter Mensch.“ Er sagte: „Lasst ihn in Ruhe. Denn er hat einen großen Bauch. Er liebt Allah und Seinen Gesandten sehr.“ (Hayatus-Sahaba – 2/321)
Khabbab ibn al-Aratt (r.a.)
Sein Name war Khabbab, seine Kunya Abu Abdillah und der Name seines Vaters al-Aratt. Über seine Abstammung gibt es unterschiedliche Auffassungen. Manche sagten, er sei aus dem Stamm der Banu Tamim, andere, er stamme aus dem Stamm der Banu Khuza’a. Nach der maßgeblichen Auffassung jedoch stammte er aus dem Stamm der Banu Tamim. (Sira Ibn Hischam 1/254) In seiner Kindheit geriet er in die Fesseln der Sklaverei. Die Geschichte seiner Versklavung wird in den Geschichtswerken folgendermaßen überliefert:
Eine Frau namens Umm Anmar aus dem Stamm der Banu Khuza’a ging auf den Sklavenmarkt in Mekka. Sie wollte einen gesunden, kräftigen und wohlgenährten Sklaven kaufen, der all ihre Arbeiten erledigen konnte. Sorgfältig betrachtete sie die Gesichter der Sklaven, die zum Verkauf auf den Markt gebracht worden waren. Schließlich wählte sie einen jugendlichen Sklaven aus, der noch nicht in das Mannesalter eingetreten war. Dennoch war der Sklave bei guter Gesundheit. In seinem Gesicht war seine Intelligenz deutlich zu erkennen. Gerade deshalb hatte sie ihn ausgewählt. Nachdem sie den Preis bezahlt hatte, nahm sie den jungen Sklaven mit sich.
Nachdem sie ein Stück Weg zurückgelegt hatten, wandte sich Umm Anmar dem Sklaven zu und fragte:
Junge, wie heißt du?
Khabbab.
Und der Name deines Vaters?
Al-Aratt.
Wo ist deine Heimat?
Nadschd.
Dann bist du also ein Bewohner Arabiens?
Ja, ich gehöre zum Stamm der Banū Tamīm.
Wie bist du in dieses Sklavenkaufhaus in Mekka gelangt?
Ein Stamm Arabiens griff unseren Stamm an, raubte unser Vieh und Geflügel, tötete die Männer und nahm die Frauen und Kinder gefangen, um sie zu Sklaven zu machen. Ich war eines dieser gefangenen Kinder. Danach wechselte ich mehrmals den Besitzer, gelangte nach Mekka und befinde mich nun in deinem Besitz.
Ummu Anmar übergab ihren Sklaven einem Schmied in Mekka, damit er ihn in der Kunst der Schwertherstellung unterrichte. Innerhalb kurzer Zeit wurde dieser kluge Sklave ein Meister in der Schwertschmiedekunst. Ummu Anmar mietete einen Laden, kaufte die Ausstattung und Werkzeuge einer Schmiedewerkstatt und ließ ihn dort Schwerter herstellen.
Schon bald verbreiteten sich in Mekka seine Aufrichtigkeit, Hingabe, Vertrauenswürdigkeit und sein Geschick in der Schwertherstellung. Die Menschen strömten in seinen Laden, um die von ihm gefertigten Schwerter zu kaufen.
Obwohl Chabbab noch jung war, besaß er die Weisheit der Älteren und das Wissen der Greise. In seinen Mußestunden zwischen der Arbeit dachte er bei sich über die Katastrophe nach, in die die Gesellschaft der Dschahiliya bis über den Kopf versunken war. Er dachte darüber nach, in welch verhängnisvoller Unwissenheit und welch tiefem Irrtum die gesamte arabische Nation versank und dass er selbst eines ihrer niederträchtigsten Opfer war. Er dachte nach und sagte bisweilen unbewusst zu sich: Diese Nacht muss ein Ende haben. Um dieses Ende noch zu erleben, wünschte er sich insgeheim ein langes Leben.
Chabbab musste nicht lange warten. Er hörte, dass aus dem Mund eines jungen Mannes aus dem Clan der Banu Haschim, Muhammad ibn Abdillah, ein Lichtglanz hervorstrahlte. Er eilte dorthin. Er hörte seine Worte und erblickte jenes Licht. Sofort streckte er die Hand aus und sprach: „La ilaha illallahu wa anna Muhammadan abduhu wa rasuluhu.“ So wurde er der sechste Muslim der Welt. Deshalb wurde er „Sādis al-Islām“ genannt. Mujahid berichtet allerdings: Als Erster verkündete der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, den Islam. Danach bekannten sich nacheinander Abu Bakr, Chabbab, Suhaib, Bilal, Ammar und Ammars Mutter Sumayya zum Islam. Nach dieser Überlieferung war Chabbab der dritte Muslim. (Usd al-Ghaba 2/98, al-Isaba 1/426.) Als der edle Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, im Haus von Arqam ibn Abi al-Arqam heimlich zum Islam einlud, nahm Chabbab zu jener Zeit den Islam an.
Von nun an begann das zweite Kapitel in Chabbabs Leben: das Kapitel, für die Wahrheit lächelnd Unterdrückung und Misshandlung zu ertragen und für ihre Verkündung sein Leben aufs Spiel zu setzen. Chabbab verheimlichte niemandem, dass er den Islam angenommen hatte. Schon nach kurzer Zeit erreichte diese Nachricht die Ohren seiner Herrin Ummu Anmar. Vor Zorn geriet sie außer sich. Gemeinsam mit ihrem Bruder Siba ibn Abd al-Uzza und einer Gruppe von Leuten aus den Banu Chuza’a ging sie zu Chabbab. Er war gerade tief konzentriert mit seiner Arbeit beschäftigt. Siba trat ein wenig vor und sagte:
Wir haben etwas über dich gehört, aber wir haben es nicht geglaubt.
Was für etwas?
Wir haben gehört, du seist vom Glauben abgefallen und ein Anhänger eines jungen Mannes aus den Banu Haschim geworden?
Ich bin nicht vom Glauben abgefallen, sondern glaube an den einzigen, beigesellosen Allah. Ich habe euren Götzendienst aufgegeben und bezeuge, dass Muhammad Allahs Diener und Gesandter ist.
Sobald seine Worte ihre Ohren erreichten, stürzten sie sich auf ihn. Sie begannen, ihn mit Fäusten und Schlägen zu traktieren und zu Boden zu drücken. Alle Hämmer, Eisenplatten und Eisenstücke aus seiner Werkstatt schleuderten sie auf ihn. Chabbab verlor das Bewusstsein und stürzte zu Boden; sein Körper war mit Blut bedeckt.
Die Begebenheit eines anderen Tages. Einige Männer der Quraisch gingen zu Chabbab nach Hause, um die Schwerter abzuholen, die sie bei ihm bestellt hatten. Chabbab fertigte Schwerter an und verkaufte sie in Mekka; außerdem lieferte er sie auch nach außerhalb. Wegen seiner geschäftlichen Verpflichtungen war er nur sehr selten nicht zu Hause. Doch sie fanden Chabbab nicht vor. Sie warteten auf ihn. Nach einiger Zeit kam Chabbab nach Hause. Auf seinem Gesicht lag ein strahlendes Fragezeichen. Er erkundigte sich nach dem Befinden der Besucher und setzte sich zu ihnen. Sie fragten: „Chabbab, sind die Schwerter fertig?“
Auf Chabbabs Gesicht lag ein Schimmer der Freude. In Gedanken schien er über etwas nachzudenken. In diesem Augenblick sagte er unbewusst: „Seine Angelegenheit ist höchst außergewöhnlich.“
Sofort fragten die Männer: „Von wem sprichst du? Wir wollen doch wissen, ob die Schwerter fertig sind.“
Chabbab blickte sie eindringlich an und sagte:
„Habt ihr Ihn gesehen? Habt ihr irgendein Wort von Ihm gehört?“
Sie sahen einander erstaunt an. Einer von ihnen fragte mit einem Anflug von Spott: „Hast du Ihn etwa gesehen?“
Chabbab stellte gleichsam rätselnd die Gegenfrage: „Von wem sprichst du?“
Der Mann erwiderte mit erregter Stimme: „Ich spreche von dem, von dem du sprichst.“
Diese Gelegenheit, die Wahrheit zu verkünden, ließ Chabbab nicht ungenutzt. Er sagte: „Ja, ich habe ihn gesehen und auch seine Worte gehört. Ich habe gesehen, wie die Wahrheit von allen Seiten aus ihm hervorströmt und wie das Licht in seinem Gesicht erstrahlt.“
Nun begannen die Besucher, die Angelegenheit zu verstehen. Einer von ihnen fragte laut:
„Du Sklave der Ummu Anmar! Von wem sprichst du?“ Ruhig antwortete Chabbab:
„Meine arabischen Brüder, wer sonst könnte es sein? Wer sonst ist in eurem Volk, aus dem die Wahrheit von allen Seiten hervorströmt und auf dessen Gesicht der Glanz des Lichts erstrahlt?“
„Wir nehmen an, dass du von Muhammad sprichst.“ Chabbab bewegte leicht den Kopf und sagte voller Freude:
„Ja, er ist der von Allah zu uns gesandte Gesandte. Allah hat ihn geschickt, um uns aus der Finsternis ins Licht zu führen.“
Was nach der Äußerung dieser Worte noch über seine Lippen kam oder was zu ihm gesagt wurde, weiß er nicht. Soweit er sich erinnern konnte, waren jene Männer einige Stunden später, als er wieder zu sich kam, verschwunden. Sein Körper war vor Schmerzen taub, und sein ganzer Körper sowie seine Kleidung waren mit Blut durchtränkt. Der Vorfall hatte sich direkt vor seinem Haus ereignet. Mit Mühe stand er auf, ging ins Haus, verband seine verletzten Stellen und begann, sich auf eine neue Prüfung vorzubereiten. (Rijalun Hawla ar-Rasul – 230)
Auf diese Weise erlangte Hazrat Chabbab unter den Menschen, die um ihrer Religion willen Opfer von Unterdrückung und Gewalt wurden, eine besondere Stellung. Obwohl er arm und schwach war, gehörte Chabbab zu den herausragenden Männern unter jenen, die sich gegen den Hochmut und die Entstellungen der Quraisch erhoben hatten.
Wie das Feuer trockener Blätter verbreiteten sich die Nachricht von Khabbābs Annahme der neuen Religion und von den Strafen, die er erlitt, rasch in den Gassen und Winkeln Mekkas. Die Mekkaner waren angesichts von Khabbābs Kühnheit völlig bestürzt. Nie zuvor hatten sie gehört, dass jemand, der Muhammad folgte, dies so offen und herausfordernd vor den Menschen verkündet hatte.
Khabbābs Angelegenheit erschütterte die Führer der Quraisch. Dass dieser schmiedende Sklave der Umm Anmār, ohne Namen, Stammeszugehörigkeit oder jegliche Unterstützung und Mittel, es wagen und die Kühnheit besitzen würde, sich auf diese Weise ihrer Herrschaft zu entziehen und ihre verehrten Götter sowie die Religion ihrer Vorväter zu schmähen, hatten sie nicht erwartet. Sie glaubten, dass er nach einer solchen Tracht Prügel vielleicht zur Ruhe kommen und nie wieder eine solche Dummheit begehen würde.
Die Annahme der Quraisch erwies sich als falsch. Das Gegenteil trat ein. Khabbābs Kühnheit stärkte den Mut seiner Gefährten. Auch sie wurden eifrig darin, öffentlich ihre Annahme des Islam zu verkünden. Einer nach dem anderen begannen sie, das Glaubensbekenntnis der Wahrheit auszurufen.
Die Führer der Quraisch, darunter Abū Sufyān ibn Ḥarb, al-Walīd ibn al-Mughīra und Abū Dschahl, versammelten sich im Vorhof der Kaaba. Sie berieten über Muhammad. Sie stellten fest, dass seine Angelegenheit von Tag zu Tag, ja sogar von Stunde zu Stunde, an Umfang und Bedeutung gewann. Sie beschlossen, entschlossen ihre vollständige Ausrottung zu verkünden, ohne die Sache weiter anwachsen zu lassen: Von diesem Tag an sollte jeder Stamm damit beginnen, die Anhänger Muhammads aus den eigenen Reihen zu bedrücken und zu quälen. Entweder würden sie dadurch ihre neue Religion aufgeben oder den Tod erleiden.
Sibā ibn ʿAbdil-ʿUzzā und seinem Stamm wurde die Aufgabe übertragen, Khabbāb zu züchtigen. Wenn die Erde unter der glühenden Mittagssonne heiß geworden war, schleiften sie Khabbāb in das Tal von Mekka. Sie entblößten seinen Körper vollständig und legten ihm eine eiserne Rüstung an. Unter der unerträglichen Hitze quälte ihn der Durst, doch man gab ihm keinen einzigen Tropfen Wasser. Wenn er sich vor starkem Durst zu winden begann, sagten sie zu ihm:
Was sagst du über Muhammad?
Er pflegte zu sagen: „Er ist Allahs Diener und Gesandter. Er ist mit der wahren und rechten Religion zu uns gekommen, um uns aus der Finsternis ins Licht zu führen.“
Dann schlugen sie erneut auf ihn ein und traktierten ihn mit Schlägen und Fausthieben. Danach fragten sie:
Was ist deine Ansicht über al-Lāt und al-ʿUzzā? Er pflegte zu sagen: Diese beiden taubstummen Götzen besitzen keinerlei Macht, Schaden oder Nutzen zuzufügen.
Dann erhitzten sie erneut einen Stein im Feuer und legten ihn darauf. Chabbāb berichtet: Eines Tages nahmen sie mich mit. Sie entzündeten ein Feuer und erhitzten einen Stein. Dann legten sie mich auf diesen Stein, und einer von ihnen stellte einen Fuß auf meine Brust und drückte mich damit fest. (Hayāt as-Sahāba 1/292) So lag er dort, während das Fett von seinen beiden Schultern schmolz und herabfloss. Imam Schaʿbī sagte: Das Fleisch von seinem Rücken löste sich ab.
Seine Herrin Ummu Anmār stand ihrem Bruder Sībā in Grausamkeit in nichts nach. Eines Tages sah sie den Propheten Muhammad (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) in Chabbābs Laden stehen und mit ihm sprechen, worauf sie wie ein tollwütiger Hund wurde. Sie kam jeden zweiten Tag zu Chabbābs Laden, erhitzte mit Chabbābs Blasebalg Eisenplatten und drückte sie an seinen Kopf. Unter den heftigen Schmerzen wand er sich und verlor schließlich das Bewusstsein.
Eines Tages, gerade als ein erhitztes Eisen an Chabbābs Kopf gedrückt wurde, kam der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) auf diesem Weg irgendwohin. Als er Chabbāb in diesem Zustand sah, blieb er stehen. Sein Herz wurde davon tief ergriffen. Doch was konnte er schon tun? Außer für Chabbāb zu beten und ihn zu trösten, konnte er nichts unternehmen. Er hob beide Hände zum Himmel und sagte voller Anteilnahme: „Allāhumma unsur Chabbāban – o Allah, hilf Chabbāb!“ (Rijālun haul ar-Rasūl 331)
Allah, der Erhabene, erhörte Chabbābs Fluchgebet gegen Ummu Anmār. Noch vor der Auswanderung von Mekka nach Medina konnte sie mit eigenen Augen dessen Folgen sehen. Plötzlich begannen so starke Schmerzen in Ummu Anmārs Kopf, dass sie ständig wie ein Hund bellte. Ihre Söhne suchten verschiedene Ärzte auf. Alle Ärzte sagten: Für diese Schmerzen gibt es keine Medizin. Wenn man jedoch Eisen im Feuer erhitze und ihren Kopf damit wärme, könne dies etwas Linderung bringen. Man begann, eine Eisenplatte zu erhitzen und ihren Kopf damit zu wärmen.
Eines Tages, während des Kalifats des Kalifen Umar (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm), ging Chabbāb zu ihm. Der Kalif setzte ihn mit größter Ehrerbietung auf ein erhöhtes Polster und sagte: „Außer Bilāl gibt es niemanden, der würdiger wäre als du, auf diesem Platz zu sitzen.“ Chabbāb sagte: „Wie könnte er mir gleichkommen? Selbst unter den Götzendienern hatte er viele Unterstützer; doch außer Allah gab es niemanden, der mit mir Mitgefühl hatte.“ Der Kalif wollte erfahren, welche Qualen er durch die Quraisch erlitten hatte. Chabbāb scheute sich jedoch, davon zu erzählen. Nach wiederholtem Drängen des Kalifen nahm er seinen Umhang ab und entblößte seinen Rücken. Als der Kalif den schrecklich entstellten Zustand seines Rückens sah, erschrak er und fragte: „Wie ist das geschehen?“
Chabbāb sagte: „Die Götzendiener entzündeten ein Feuer. Als es zu glühenden Kohlen geworden war, zogen sie mir die Kleidung vom Körper. Dann zerrten sie mich gewaltsam dorthin und legten mich mit dem Rücken darauf. Das Fleisch löste sich von den Knochen meines Rückens. Das geschmolzene Fett meines Rückens war es, das dieses Feuer löschte.“ Dadurch war die Haut auf seinem Rücken wie bei einem Aussätzigen geworden. (Hayāt as-Sahāba 1/292, al-Mustadrak, Sīrat Ibn Hischām, Anmerkung 1/343)
Neben den körperlichen Misshandlungen verspotteten, verhöhnten und verlachten die Quraisch ihn. Auch das Geld, das ihm geschuldet wurde, eigneten sie sich an. Ibn Ishāq berichtet: Ein mekkanischer Ungläubiger namens al-ʿĀs ibn Wāʾil as-Sahmī kaufte von ihm einige Schwerter und schuldete ihm dafür noch einen Geldbetrag. Chabbāb ging zu ihm, um die Schuld einzufordern. Er sagte: „O Chabbāb, glaubt dein Freund Muhammad, dessen Religion du folgst, etwa, dass die Bewohner des Paradieses alles erhalten werden, was sie an Gold, Silber, Kleidung oder Dienern wünschen?“ Chabbāb sagte: „Ja, das glaubt er.“ Er sagte: „O Chabbāb, gib mir bis zum Tag der Auferstehung etwas Zeit; ich werde dorthin gehen und deine Schuld begleichen. Bei Allah, weder dein Freund Muhammad noch du seid Allah lieber als ich, und ihr werdet kein größeres Glück erlangen als ich.“ Nach diesem Ereignis offenbarte Allah, der Erhabene, die folgenden Verse: „Hast du denjenigen gesehen, der Unsere Zeichen verleugnet und sagt: ›Mir werden ganz gewiss Vermögen und Kinder gegeben werden‹? Hat er etwa Kenntnis vom Verborgenen oder ein Versprechen beim Allerbarmer erhalten? Keineswegs! Wir werden aufschreiben, was er sagt, und seine Strafe immer weiter vermehren. Und das, wovon er spricht, wird Uns verbleiben, und er wird allein zu Uns kommen.“ (Sure Maryam 77–80)
Eines Tages begab sich Khabbab zusammen mit einigen weiteren seiner wie er selbst verfolgten Freunde zum Gesandten Allahs (s.a.w.) und berichtete ihm von ihrem Leid und ihrer Not. Khabbab berichtet: Als wir ihm von unserer Lage erzählten, lag er im Schatten der Kaaba, den Kopf auf einen gestreiften Umhang gelegt. Wir sagten: „O Gesandter Allahs, wirst du Allah nicht um Hilfe und Vergebung für uns bitten?“
Als der Gesandte Allahs (s.a.w.) unsere Worte hörte, wurde sein gesegnetes Gesicht rot. Er setzte sich auf und sagte: „Viele Menschen vor euch wurden ergriffen, eine Hälfte ihres Körpers wurde in eine Grube eingegraben und dann wurde ihr Kopf mit einer Säge von der Mitte aus gespalten. Mit eisernen Kämmen wurde ihnen das Fleisch bis auf die Knochen abgerissen. Dennoch wichen sie nicht im Geringsten von ihrer Religion ab. Allah, der Erhabene, wird diese Religion gewiss zur Vollendung bringen. Es wird ein Tag kommen, an dem ein Reisender von Sanʿa bis Hadramaut unterwegs sein wird und auf dieser langen Reise niemanden außer Allah fürchten wird. Dann wird der Wolf die Schafherde bewachen. Doch ihr seid zu ungeduldig.“ (Rijālūn Ḥawla r-Rasūl, S. 231; Usud al-Ghāba 2/98)
Khabbab und seine Freunde hörten den Worten des Gesandten Allahs (s.a.w.) aufmerksam zu. Sie beschlossen, den Grad an Standhaftigkeit und Opferbereitschaft – an Geduld und Aufopferung – aufzubringen, den Allah und Sein Gesandter von ihnen liebten. Dadurch wurde ihr Glaube noch stärker.
Bis Umm Anmar Khabbab freiließ, setzte sie ihn unmenschlichen Qualen aus. Imam Schaʿbi sagt: „Trotz hundertfacher Folter bewahrte Khabbab Geduld. Durch die Misshandlungen der Ungläubigen wurde sein Rückgrat nicht im Geringsten geschwächt.“ Während seines Aufenthalts in Mekka widmete er seine gesamte Zeit der Anbetung und der Verkündung der Religion. Denjenigen, die damals aus Furcht ihren Islam noch nicht öffentlich bekannt hatten, brachte er heimlich in ihren Häusern den Quran bei. Fatima und Saʿid, der Schwester und dem Schwager Hadhrat Umars (r.a.), erteilte er heimlich Quranunterricht. An dem Tag, als Umar (r.a.) mit der Absicht aufbrach, den edlen Gesandten Allahs zu töten, unterwegs von Nuʿaim ibn Abdillah vom Islam seiner Schwester und seines Schwagers erfuhr und zu ihrem Haus kam, unterrichtete Khabbab (r.a.) sie gerade im Quran. Als Khabbab die Ankunft Umars (r.a.) bemerkte, verbarg er sich in einer Ecke von Fatimas Haus. Nachdem sich Umar (r.a.) durch das Lesen des Qurans innerlich gewandelt hatte und sagte: „Bringt mich zu Muhammad“, trat Khabbab aus seinem Versteck hervor. Er sagte zu Umar (r.a.): „O Umar, ich hoffe, dass das Bittgebet des Propheten Allahs für dich erhört worden ist. Gestern hörte ich den Gesandten Allahs (s.a.w.) beten: ‚O Allah, stärke den Islam durch einen dieser beiden Männer: Abu l-Hakam oder Umar ibn al-Khattab.‘“ Umar sagte: „Khabbab, sag mir bitte, wo Muhammad jetzt ist. Ich möchte zu ihm gehen und den Islam annehmen.“ Khabbab sagte: „Er hält sich jetzt mit einigen seiner Gefährten in einem Haus nahe dem Berg Safa auf.“ (Sīrat Ibn Hischam 1/343, 345; Hayāt as-Sahāba 1/297)
Eines Tages kamen die beiden Anführer der Quraisch, Aqraʿ ibn Habis und ʿUjaina ibn al-Fazari, zum Gesandten Allahs (s.a.w.) und sahen, dass er mit den Sklaven und schwachen Gläubigen ʿAmmar, Suhaib, Bilal, Khabbab und anderen zusammensaß. Die beiden Anführer ignorierten alle Anwesenden, baten den edlen Gesandten Allahs (s.a.w.), ein Stück beiseitezutreten, und sagten: „Die führenden Vertreter der Araber kommen zu dir. Wir können nicht gemeinsam mit diesen Sklaven sitzen. Schicke sie ein wenig fort.“ Der Gesandte (s.a.w.) stimmte ihnen zu. Sie sagten: „Dann soll diese Angelegenheit jetzt schriftlich festgehalten werden.“ Der Gesandte (s.a.w.) ließ Ali rufen und Papier und Schreibzeug bringen. Khabbab berichtet: Wir saßen damals etwas abseits. Da kam Gabriel (a.s.) mit diesen Versen: „Weise diejenigen nicht zurück, die ihren Herrn morgens und abends anrufen und Sein Wohlgefallen suchen. Du bist nicht dafür verantwortlich, Rechenschaft über ihre Taten abzulegen, sodass du sie fortschicken müsstest; andernfalls würdest du zu den Ungerechten gehören.“ (Sure al-Anʿam 52–53)
Khabbab berichtet: Unmittelbar nachdem die oben genannten Verse offenbart worden waren, warf der edle Gesandte Allahs (s.a.w.) Papier und Schreibzeug beiseite und rief uns zu sich. Als wir näher kamen, grüßte er uns. Wir setzten uns so hin, dass unsere Knie seine Knie berührten. Sofort offenbarte Allah, der Erhabene, diesen Vers:
„Halte dich geduldig zu denen, die morgens und abends ihren Herrn anrufen und Sein Wohlgefallen suchen, und wende deine Augen nicht von ihnen ab, indem du den Schmuck des diesseitigen Lebens begehrst.“ (Sure al-Kahf 28)
Khabbab berichtet: Seitdem stand der Gesandte Allahs (s.a.w.) jedes Mal, wenn wir bei ihm saßen, nicht auf, bevor wir aufgestanden waren. (Hayāt as-Sahāba 2/475)
Khabbab ertrug lange Zeit geduldig die grenzenlose Verfolgung durch die Quraisch von Mekka und hielt sich am Boden Mekkas fest. Schließlich gewährte Allah, der Erhabene, die Erlaubnis zur Hidschra, und er wanderte nach Medina aus. Er wanderte nicht aus, um der Unterdrückung zu entkommen, sondern vielmehr mit dem Ziel, Allahs Wohlgefallen und Zufriedenheit zu erlangen. Er pflegte zu sagen: „Ich bin nur um Allahs willen gemeinsam mit dem Gesandten Allahs ausgewandert.“ Nach seiner Ankunft in Medina begründete der edle Gesandte Allahs seine Muʾāchāt, das heißt die religiöse Bruderschaft, mit Ḫirāsch ibn Sammā, nach anderer Auffassung mit Dschabr ibn ʿUtaik. (Usd al-Ghāba 2/99)
Nach seiner Ankunft in Medina kehrten in das Leben von Khabbab etwas Ruhe und Sicherheit ein – jene Ruhe und Sicherheit, deren er zeitlebens beraubt gewesen war. Hier erhielt er die Gelegenheit, in engster Nähe beim edlen Gesandten zu sein. Er nahm an allen Schlachten teil, darunter Badr und Uhud, und kämpfte an der Seite des Gesandten Allahs. In der Schlacht von Uhud wurde er mit eigenen Augen Zeuge des Schicksals von Sibaʿ, dem Bruder von Umm Anmār. An diesem Tag wurde jener durch die Hand von Hamza getötet.
Das gesamte Leben von Khabbab war von den Schlägen der Armut gezeichnet. Vor dem Islam und noch einige Zeit danach bestritt er seinen Lebensunterhalt mit der Herstellung von Schwertern. Im letzten Abschnitt seines Lebens gelangte er zu beträchtlichem Wohlstand. Als während des Kalifats von Umar und Uthman für alle Gefährten entsprechend ihrem jeweiligen Rang Unterhaltszahlungen festgesetzt wurden, erhielt Khabbab von da an eine hohe Zuwendung. Daraufhin sammelte sich viel Geld in seinen Händen an. Doch sein Umgang mit diesem Geld war ungewöhnlich. Er legte seine Dirham und Dinar an einem frei zugänglichen Ort nieder. Bedürftige und arme Menschen konnten sich dort nach Belieben und entsprechend ihrem Bedarf nehmen, was sie benötigten. Dafür war keine Erlaubnis erforderlich. Trotz alledem war er stets von dem Gedanken erfüllt, dass Allah ihn vielleicht für dieses Vermögen zur Rechenschaft ziehen und ihn deswegen bestrafen würde.
Eine Gruppe seiner Gefährten berichtet: „Wir besuchten Khabbab während seiner letzten Krankheit. Er deutete auf eine Seite seines baufälligen Hauses und sagte zu uns: ‚An dieser Stelle befinden sich achtzigtausend Dirham. Bei Allah, niemals habe ich den Zugang zu diesem Ort verschlossen und keinen Bedürftigen daran gehindert, etwas davon zu nehmen.‘ Nach diesen Worten begann er heftig zu weinen. Seine Freunde fragten ihn: ‚Warum weinst du?‘ Er sagte: ‚Meine Gefährten sind aus dieser Welt gegangen, ohne irgendeine Belohnung für ihre Taten zu erhalten. Ich bin am Leben geblieben und Besitzer eines solchen Vermögens geworden. Ich fürchte, dass dieses Vermögen die Belohnung für meine guten Taten ist. Deshalb weine ich unruhig.‘ Dann liefen ihm Tränen über beide Wangen, als er auf das teure Leichentuch deutete, das er für sich gekauft hatte, und sagte: ‚Seht, dies ist mein Leichentuch. Als jedoch der Onkel des Gesandten Allahs, Hamza, in Uhud den Märtyrertod erlitt, fand man für sein Leichentuch keinen anderen Stoff als ein einziges Tuch. Wenn man damit seinen Kopf bedeckte, blieben seine Füße unbedeckt, und wenn man seine Füße bedeckte, lag sein Kopf frei.‘“
Im Jahr 37 nach der Hidschra erkrankte er in Kufa. Trotz der Behandlung verschlimmerte sich seine Krankheit von Tag zu Tag. Lange Zeit litt er unter den Schmerzen der Krankheit. In diesem Zustand pflegte er bisweilen zu sagen: „Wenn der Gesandte Allahs nicht verboten hätte, sich den Tod zu wünschen, würde ich um den Tod beten.“ (Al-Isāba 1/416, Usd al-Ghāba 2/99) Unter den Verfassern der Sīra herrscht Uneinigkeit über sein Todesjahr, seinen Sterbeort und sein Alter zum Zeitpunkt seines Todes. Nach der bekanntesten Auffassung starb er im Jahr 39 nach der Hidschra, nach der Schlacht von Siffin, im Alter von 72 Jahren in Kufa. Wegen seiner Krankheit konnte er nicht an der Schlacht von Siffin teilnehmen. Ali erfuhr auf der Rückkehr von der Schlacht von Siffin von seinem Tod und leitete selbst das Totengebet. Die Bewohner Kufas pflegten ihre Toten gewöhnlich innerhalb der Stadt zu bestatten. Vor seinem Tod verfügte Khabbab, dass man ihn außerhalb der Stadt bestatten solle. Seiner Verfügung entsprechend wurde er außerhalb der Stadt Kufa beigesetzt. Er war der erste Gefährte, der außerhalb der Stadt Kufa bestattet wurde. (Usd al-Ghāba 2/100)
Nachdem Khabbab bestattet worden war, stand der Befehlshaber der Gläubigen, Ali, an seinem Grab und sprach: „Möge Allah Khabbab Barmherzigkeit erweisen. Er nahm den Islam voller Eifer an, wanderte gehorsam aus und verbrachte sein Leben als Mudschahid. Allah lässt diejenigen, die Gutes tun, nicht scheitern.“
Khabbab hatte ein starkes Verlangen danach, die Worte und Taten des Gesandten Allahs kennenzulernen. Bisweilen blieb er nachts heimlich wach, beobachtete, ohne dass der Gesandte Allahs es wusste, seine Art und Weise der Anbetung und fragte ihn am Morgen danach. Einmal betete der Gesandte die ganze Nacht, und Khabbab beobachtete ihn heimlich. Am Morgen kam er zum Gesandten Allahs und sagte: „Mögen meine Eltern dir zum Opfer gebracht werden, o Gesandter Allahs. In der vergangenen Nacht hast du ein Gebet verrichtet, wie du es zuvor noch nie verrichtet hattest.“ Er sagte: „Ja, es war ein Gebet der Hoffnung und der Furcht. Ich bat Allah um drei Dinge; zwei davon gewährte Er, eines jedoch nicht. Eines war, dass Allah meine Gemeinschaft nicht durch eine Hungersnot zugrunde gehen lassen möge. Dies wurde erhört. Ein weiteres war, dass Er keinen fremden Feind über meine Gemeinschaft siegen lassen möge. Auch dies erhörte Allah. Das dritte war, dass nicht ein Teil meiner Gemeinschaft durch die Grausamkeit eines anderen Teils zum Opfer fallen möge. Dies wurde nicht erhört.“ (Usd al-Ghāba 2/99)
Er überlieferte dreiunddreißig (33) Hadithe vom Gesandten Allahs. Drei davon sind von al-Buchari und Muslim gemeinsam überliefert worden; zwei überlieferte al-Buchari allein und einen Muslim allein. Zu den bedeutenden Persönlichkeiten unter den Gefährten und den Tabiʿun, die von ihm Hadithe überlieferten, gehören: sein Sohn Abdullah, Abu Umama al-Bahili, Abu Maʿmar, Abdullah ibn Schuchair, Qais ibn Abi Hazim, Masruq ibn al-Adschdaʿ, Alqama ibn Qais und andere.
Die Tochter von Hazrat Khabbab ibn al-Aratt berichtete: „Mein Vater zog einmal zum Dschihad. Zum Abschied ließ er uns eine einzige Ziege zur Sicherung unseres Lebensunterhalts zurück und sagte: Wenn ihr die Ziege melken müsst, bringt sie zu den Leuten der Suffa. Wir brachten die Ziege zu ihnen. Dort sahen wir den Gesandten Allahs (s.a.s.) sitzen. Er band die Ziege fest und melkte sie. Dann sagte er: ‚Bringt mir das größte Gefäß aus eurem Haus.‘ Ich brachte das Gefäß, in dem wir den Teig kneteten. Er molk die Ziege hinein, und es füllte sich vollständig. Er gab uns das mit Milch gefüllte Gefäß und sagte: ‚Nehmt es mit, trinkt selbst davon und gebt auch euren Nachbarn davon. Und wann immer ihr es braucht, bringt die Ziege zu mir und lasst sie melken.‘ Wir brachten die Ziege häufig und ließen sie von der Hand des Gesandten Allahs (s.a.s.) melken. Mein Vater kehrte vom Dschihad zurück. Als er die Ziege melken wollte, versiegte die Milch. Meine Mutter sagte: ‚Du hast die Ziege verdorben! Früher bekamen wir dieses Gefäß voll Milch.‘ Er fragte: ‚Wer hat sie gemolken?‘ Meine Mutter antwortete: ‚Der Gesandte Allahs (s.a.s.).‘ Da sagte er: ‚Hast du mich etwa ihm gleichgestellt? Wessen Hand besitzt mehr Segen als seine?‘“ (Hayatus-Sahaba 3/637)
Mughira ibn Schuʿba (r.a.)
Sein Name war Abu Abdillah Mughira, sein Vater Schuʿba ibn Abi Amir. Neben Abu Abdillah waren Abu Muhammad und Abu Isa seine Kunya. Er stammte aus dem Stamm der Banu Thaqif. Seine Mutter, Umama bint Afqam, war eine Tochter aus dem Stamm der Banu Nasr ibn Muʿawiya. Im fünften Jahr nach der Hidschra, im Jahr der Grabenschlacht, nahm er den Islam an. Noch im selben Jahr wanderte er von Mekka nach Medina aus und blieb in der Gesellschaft des Gesandten Allahs (s.a.s.). (Al-Isaba 3/452, Usud al-Ghaba 4/406, Al-Istiʿab)
Al-Bayhaqi überliefert eine Begebenheit darüber, wann Mughira erstmals mit dem edlen Gesandten Allahs (s.a.s.) zusammentraf. Mughira sagte: „An dem Tag, an dem ich den Gesandten Allahs zum ersten Mal kennenlernte, ging ich gemeinsam mit Abu Dschahl durch eine kleine Gasse in Mekka. Da trafen wir auf den Gesandten Allahs (s.a.s.). Der Gesandte (s.a.s.) sagte zu Abu Dschahl: ‚O Abu al-Hakam, komm zu Allah und Seinem Gesandten!‘ Abu Dschahl sagte: ‚O Muhammad! Wirst du etwa nicht davon ablassen, unsere Götter und Gottheiten zu beschimpfen? Willst du nur, dass wir bezeugen, dass du die Botschaft überbracht hast? Nun, wir bezeugen, dass du sie überbracht hast. Bei Allah, wenn ich wüsste, dass das, was du sagst, wahr ist, würden wir dir folgen.‘
Der Gesandte Allahs (s.a.s.) ging weiter. Abu Dschahl wandte sich an mich und sagte: „Bei Allah! Ich weiß ganz sicher, dass das, was Muhammad sagt, wahr ist. Doch was mich daran hindert, es anzunehmen, ist Folgendes: Die Banu Qusayy beanspruchten: ‚Die Hidschaba gehört uns.‘ Das heißt, die Schlüssel der Kaaba befinden sich bei ihnen, und ohne ihre Erlaubnis kann niemand das Innere der Kaaba betreten. Wir sagten: ‚Ja.‘ Sie sagten: ‚Die Siqaya gehört uns.‘ Das heißt, die Versorgung der Pilger mit Wasser. Wir sagten: ‚Ja.‘ Sie sagten: ‚An-Nadwa gehört uns.‘ Das heißt, die Verantwortung für die Ratsversammlung. Wir sagten: ‚Ja.‘ Dann sagten sie: ‚Al-Liwa, die Kriegsfahne, gehört uns.‘ Wir sagten: ‚Ja.‘ Sie speisen die Menschen, und auch wir speisten sie. Als wir ihnen in dieser Hinsicht gleichgestellt waren, sagten sie: ‚Wir haben einen Propheten.‘ Bei Allah, das kann ich nicht akzeptieren.“ (Hayatus-Sahaba 1/84)
Auf dem Feldzug nach Hudaybiyya begleitete er den Gesandten Allahs (s.a.s.) und nahm am Treueid von Ridwan teil. Die Quraisch verhinderten den Eintritt in Mekka. Vonseiten der Quraisch kam Urwa ibn Masud ath-Thaqafi, um mit dem Gesandten Allahs (s.a.s.) zu verhandeln. Nach der allgemeinen arabischen Sitte streckte er während des Gesprächs immer wieder die Hand nach dem gesegneten Bart des Gesandten Allahs (s.a.s.) aus. Dieses ungehobelte Verhalten gegenüber den Muslimen erregte ihn. Jedes Mal, wenn Urwa die Hand ausstreckte, legte Mughira ganz selbstverständlich die Hand auf den Griff seines Schwertes. Schließlich riss ihm der Geduldsfaden. In drohendem Ton sagte er: ‚Vorsicht! Halte deine Hand unter Kontrolle.‘ Urwa drehte den Kopf und blickte zurück. Als er ihn erkannte, sagte er: ‚Du Betrüger! Habe ich nicht für dich gehandelt?‘ Es sei angemerkt, dass Urwa der Onkel Mughiras war. In der Zeit der Dschahiliyya hatte Mughira mehrere Menschen getötet. Dieser Urwa ibn Masud hatte für die Getöteten die Diya, also das Blutgeld, entrichtet. Urwa spielte auf dieses Ereignis an. (Buchari: Kitab asch-Schuruʿ fi al-Dschihad wal-Musaliha; Usud al-Ghaba 4/406; Hayatus-Sahaba 1/102)
Nach Hudaybiyya erwarb er sich die Ehre, an mehreren Feldzügen teilzunehmen. Der Gesandte Allahs (s.a.s.) entsandte ihn gemeinsam mit Abu Sufyan und einer besonderen Truppe nach Taif. Sie besiegten die feindlichen Streitkräfte mit Tapferkeit und Mut.
Der Stamm der Banu Thaqif nahm den Islam an und kam nach Medina, um dem Gesandten Allahs (s.a.s.) den Treueid zu leisten. Mughira hütete am Stadtrand von Medina Kamele; die Angehörigen des Stammes Thaqif trafen zuerst auf ihn. Sobald Mughira sie sah, lief er los, um dem Gesandten Allahs (s.a.s.) diese frohe Nachricht zu überbringen. Unterwegs traf er Abu Bakr (r.a.) und teilte ihm die Nachricht mit. Dieser bat Mughira unter Eid: ‚Überbringe dem Gesandten Allahs (s.a.s.) diese frohe Nachricht nicht vor mir. Ich möchte der Erste sein, der den Gesandten Allahs (s.a.s.) davon unterrichtet.‘ Mughira respektierte seine Bitte. So war Abu Bakr (r.a.) der Erste, der die frohe Nachricht an das Ohr des Gesandten Allahs (s.a.s.) brachte. Danach ging Mughira zum Stamm der Thaqif und lehrte dessen Angehörige, wie man den Gesandten Allahs (s.a.s.) auf islamische Weise begrüßt. (Hayatus-Sahaba 1/184)
Er war nach dem Tod des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) bei dessen Bestattung und den damit verbundenen Riten anwesend. Nachdem die Menschen den heiligen Leichnam des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ins Grab hinabgelassen hatten und wieder heraufgestiegen waren, ließ er plötzlich absichtlich seinen eigenen Ring in das Grab fallen. Hadhrat Ali (möge Allah mit ihm zufrieden sein) forderte ihn auf, den Ring wieder heraufzuholen. Er stieg in das Grab hinab und berührte mit der Hand die heiligen Füße des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Als man dann nach und nach Erde aufschüttete, stieg er aus dem Grab. Er hatte dies getan, um die Ehre und den Ruhm dessen zu erlangen, der sich als Letzter vom Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) verabschiedet hatte. Oft sagte er den Menschen voller Stolz: „Ich war der Letzte von euch allen, der sich vom Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) trennte.“ (At-Tabaqat)
Nach dem Tod des ehrenvollen Gesandten war er während der Regierungszeit der ersten beiden Kalifen in den meisten Schlachten aktiv beteiligt. Auf Befehl Hadhrat Abu Bakrs (möge Allah mit ihm zufrieden sein) zog er zuerst auf den Feldzug nach Bahira. Auch an der Vernichtung der Abtrünnigen von Yamama nahm er teil.
Nach der Niederschlagung des Aufstands der falschen Propheten nahm er am Feldzug in den Irak teil. Nachdem das muslimische Heer nach dem Sieg bei Buwaib in Richtung Qadisiyya vorrückte, schlug der berühmte persische Feldherr Rustam Verhandlungen vor und bat darum, einen Vertreter der Muslime zu entsenden. Seinem Vorschlag entsprechend kamen mehrere Gesandte nacheinander zu ihm. Schließlich wurde diese Aufgabe Hadhrat Mughira übertragen.
Um den muslimischen Gesandten einzuschüchtern und in Angst zu versetzen, schmückten die Perser Rustams Hof äußerst prachtvoll. Alle Offiziere des persischen Heeres trugen kostbare Seidengewänder. Rustam selbst saß stolz auf der Tribüne und trug eine goldverzierte Krone auf dem Haupt. Der gesamte Hof war mit wertvollen Teppichen bedeckt. Als Hadhrat Mughira den Hof erreichte, stieg er furchtlos direkt auf die Tribüne und setzte sich neben Rustam. Als Rustams Räte ihn so mutig sitzen sahen, wurden sie äußerst ungehalten. Sie packten Mughira am Arm, zogen ihn herab und setzten ihn unterhalb der Tribüne hin. Mughira sagte:
„Wir sind Araber; bei uns gibt es keine Ordnung, nach der einer von uns Gott ist und die anderen ihn anbeten. Wir sind alle gleich. Du hast uns hergerufen, wir sind nicht unaufgefordert hierhergekommen. Ist ein solches Verhalten von euch vernünftig? Wenn eure Lage so bleibt, werdet ihr sehr bald verschwinden. Ich erkenne, dass eure Herrschaft aus den Fugen geraten ist, eure Niederlage unausweichlich ist und kein Reich, das von solcher Vernunft regiert wird, Bestand haben kann.“
Die Menschen aus den unteren Schichten des Hofes bemerkten: „Dieser Araber hat die Wahrheit gesagt.“
Die Iraner waren mit einer solchen Gleichheit nicht vertraut. Mughiras Worte ließen sie etwas kleinlaut werden. Auch Rustam schämte sich ein wenig. Er sagte, dies sei ein Fehler der Diener. Dann zog er, um Mughira zu erfreuen, einen Pfeil aus dessen Köcher und fragte ihn scherzhaft: „Wozu soll das gut sein?“ Mughira antwortete: „Auch wenn der Funke klein ist, ist er doch Feuer.“ Nun deutete Rustam auf Mughiras Schwert und sagte: „Dieses Schwert von dir ist doch schon sehr alt.“ Mughira erwiderte: „Auch wenn der Griff alt ist, besitzt es noch eine scharfe Klinge.“ Danach begann die Erörterung der eigentlichen Angelegenheit.
Rustam verwies auf die Tapferkeit, die Stärke und die Macht seines eigenen Volkes sowie auf die Niedrigkeit und Armut der Araber und sagte: „Ihr seid unsere Nachbarn, und wir behandeln euch gut. Wir werden euch auch keine Not und kein Unglück widerfahren lassen. Außerdem werden wir jedem eurer Soldaten entsprechend seinem Rang ein Geschenk geben.“
Al-Mughira sagte:
„Diese Welt ist nicht unser Ziel; unser einziges Ziel und unser einziger Zweck ist das Jenseits. Allah hat uns einen Propheten gesandt. Allah sagte zu ihm: ‚Ich werde diese Gruppe über diejenigen siegen lassen, die Meine Religion nicht annehmen, und durch sie Vergeltung an ihnen üben. Solange sie sich an die Religion halten, werde Ich sie siegreich machen. Die Erniedrigten werden diese Religion ablehnen, die Geehrten aber werden sich an ihr festhalten.‘“
Rustam: „Was ist das für eine Religion?“
Al-Mughira: „Die Grundlage dieser Religion ist die Schahada – das Bekenntnis oder Zeugnis des Wortes ‚La ilaha illallah – Es gibt keine Gottheit außer Allah‘ – und die Anerkennung all dessen, was von Allah gekommen ist.“
Rustam: „Das ist wirklich ein wunderbarer Gedanke! Was noch?“
Al-Mughira: „Jeder Mensch ist ein Nachkomme Adams, und wir alle sind Brüder.“
Rustam: „Wie wunderbar! Wenn wir eure Religion annehmen, werdet ihr dann in euer Land zurückkehren?“
Al-Mughira: „Bei Allahs Schwur, wir werden zurückkehren. Danach werden wir uns eurem Land nicht mehr nähern, außer wegen Handel und Geschäften oder eines anderen notwendigen Anliegens.“
Rustam: „Sehr gut!“
Der Erzähler berichtet: Nachdem al-Mughīra gegangen war, beriet sich Rustam mit seinen führenden Männern über den Islam. Sie weigerten sich, den Islam anzunehmen. Möge Allah sie ins Verderben stürzen und sie erniedrigen.
In einer anderen Überlieferung heißt es, dass Rustam im Verlauf des Gesprächs sagte: „Wir werden euch töten.“
Al-Mughīra sagte: „Wenn ihr uns tötet, werden wir ins Paradies eintreten; und wenn wir euch töten, wird eure Wohnstätte die Hölle sein, und dann werdet ihr zur Zahlung der Dschizya verpflichtet sein.“ Als sie das Wort Dschizya hörten, schrien sie auf.
Al-Mughīra sagte: „Wenn ihr euch weigert, die Dschizya zu zahlen, wird das Schwert die endgültige Entscheidung zwischen euch und uns bringen.“ Auf diese harte Antwort hin geriet Rustam in rasende Wut. Er sagte: „Bei der Sonne! Noch vor Sonnenaufgang morgen wird euer Heer vollständig vernichtet sein.“
Al-Mughīra sagte: „Werdet ihr den Fluss überqueren und zu uns kommen, oder sollen wir zu euch kommen?“
Rustam: „Wir werden den Fluss überqueren und zu euch kommen.“
Nach diesem Gespräch kehrte al-Mughīra ins Lager zurück. Die muslimischen Soldaten wichen ein wenig zurück und ermöglichten dem persischen Heer, den Fluss zu überqueren. An dieser Schlacht nahm Hadhrat al-Mughīra teil, und das persische Heer erlitt eine schmähliche Niederlage. (Hayāt as-Sahāba 1/220, 222–223; 3/687–692; Tārīkh al-Umma al-Islāmiyya 1/209).
Im neunzehnten Jahr der Hidschra nahmen die Bewohner von Rayy, Qawmas und Isfahan Kontakt zu Schahanshah Yazdegerd auf und stellten gegen die Muslime ein Heer von sechzigtausend Soldaten auf. Hazrat Ammar ibn Yasir informierte den Kalifen Umar (r.a.) dringend darüber. Der Kalif äußerte den Wunsch, selbst mit dem Heer aufzubrechen; doch angesichts der inneren Ruhe und Ordnung gab er diesen Gedanken auf. Er wies die beiden Statthalter von Basra und Kufa an, mit ihren jeweiligen Heeren in Richtung Nihawand vorzurücken. Er ernannte Nu’man ibn Muqarrin zum Befehlshaber und wies ihn an: „Falls du den Märtyrertod erleidest, soll Hudhaifa ibn al-Yaman dein Nachfolger werden. Sollte Hudhaifa den Märtyrertod erleiden, soll Jarir ibn Abdillah al-Bajali sein Nachfolger werden; und sollte auch er den Märtyrertod erleiden, soll Mugira ibn Schu’ba das Banner übernehmen.“
Nachdem die muslimischen Soldaten in der Nähe von Nihawand ihr Lager aufgeschlagen hatten, schlugen die Iraner erneut Verhandlungen vor und baten darum, einen Gesandten zu schicken. Da Mugira bereits einmal erfolgreich als Gesandter tätig gewesen war, wurde er auch für diese zweite Mission ausgewählt. Als er als Gesandter am Hof der Iraner erschien, stellte er fest, dass die Lage unverändert war. Der iranische Heerführer saß mit einer goldverzierten Krone auf einer Tribüne. Die übrigen Soldaten und Wachen des Hofes standen mit glänzenden Schwertern über den Schultern in würdevoller, ernster Haltung da. Im gesamten Hof herrschte tiefe Stille. Ohne jemanden auch nur eines Blickes zu würdigen, trat Mugira geradewegs ein. Unterwegs wollten die Wachen ihn aufhalten. Er sagte zu ihnen: „Ein Gesandter darf nicht auf diese Weise behandelt werden.“ Die Verhandlungen begannen. Der persische Heerführer Marwanschah sagte: „Ihr seid Bewohner Arabiens; auf der Welt gibt es kein zweites Volk, das elender, von Armut geplagter und unreiner wäre als ihr. Unsere Soldaten hätten euch schon längst vollständig vernichtet; doch ihr seid so erbärmlich, dass wir euch verschonen werden. Andernfalls werdet ihr auf dem Schlachtfeld eure Leichen zuckend daliegen sehen.“
Nach dem Lobpreis Allahs und dem Lob auf den Propheten sagte Hazrat Mugira: „So, wie du es dir vorstellst, waren wir gewiss einmal. Doch unser Gesandter (s.a.w.) hat unser Wesen und unsere Gestalt verändert. Nun ist unser Weg nach allen Seiten frei. Solange unsere Leichen nicht auf dem Schlachtfeld zuckend daliegen, können wir nicht davon ablassen, eure Throne und Kronen an uns zu nehmen.“
Die Gesandtschaft scheiterte. Auf beiden Seiten begannen die Kriegsvorbereitungen. Hazrat Mugira wurde mit dem Kommando über den linken Flügel betraut. In dieser Schlacht von Nihawand wurde Hazrat Nu’man ibn Muqarrin schwer verwundet und erwartete seinen Tod. Doch an der Stärke, dem Mut und der Entschlossenheit des muslimischen Heeres änderte sich nichts. Das persische Heer wurde besiegt. Nach der Schlacht ging Hazrat Maqil zu Hazrat Nu’man ibn Muqarrin. Dieser atmete noch, und auch sein Sehvermögen funktionierte noch. Er fragte: „Wer?“ Maqil stellte sich vor. Nu’man fragte: „Wie ist der Ausgang der Schlacht?“ Maqil antwortete: „Allah hat uns den Sieg geschenkt.“ Er sagte: „Al-hamdu lillah – alles Lob gebührt Allah. Informiere Umar.“ Nachdem er diese Worte gesprochen hatte, tat er seinen letzten Atemzug.
Nach Nihawand wurden umfassende Feldzüge durchgeführt, indem verschiedene Heere in unterschiedliche Gebiete entsandt wurden. Hazrat Mugira wurde die Gesamtleitung des Feldzugs gegen Hamadan übertragen. Mit großem Erfolg besiegte er die Bewohner Hamadans und zwang sie, einen Friedensvertrag zu schließen. Auch an der Schlacht von Yarmuk nahm er teil. In dieser Schlacht erlitt er eine schwere Verletzung am Auge. (Al-Isaba 3/453, Usud al-Ghaba 4/401)
Nachdem die Stadt Basra gegründet worden war, ernannte Hazrat Umar (r.a.) ihn zu ihrem Statthalter. Während seiner Amtszeit als Statthalter von Basra führte er viele Regelungen und Verfahrensweisen ein. Für die Auszahlung von Sold, Vergütungen und Ähnlichem an die Soldaten richtete er in Basra als Erster ein eigenes „Diwan“ oder Amt ein. (Al-Isaba 3/453) Einige Zeit später entließ der Kalif Umar (r.a.) ihn wegen einer schweren Anschuldigung gegen seinen Charakter aus dem Amt des Statthalters. Nach der Untersuchung wurde er für unschuldig befunden. (Usud al-Ghaba 4/406) Als ein Gefährte des Gesandten Allahs (s.a.w.) von der gegen ihn erhobenen niederträchtigen Anschuldigung freigesprochen wurde, war Hazrat Umar (r.a.) überaus erfreut und pries Allah. Nach diesem Vorfall ernannte Hazrat Umar (r.a.) ihn anstelle von Ammar ibn Yasir (r.a.) zum Statthalter von Kufa. Er blieb bis zum Ende des Kalifats von Hazrat Umar in diesem Amt. Hazrat Uthman (r.a.) enthob ihn dieses Amtes. (Usud al-Ghaba – 4/407)
Er unterstützte den Kalifen Hazrat Uthman (r.a.) stets mit aufrichtigem Rat. Imam Ahmad überliefert von Mugira: Als Hazrat Uthman unter Hausarrest stand, besuchte Mugira ihn eines Tages. Er sagte zum Kalifen: „Du bist der Imam und Anführer des Volkes. Du siehst selbst, was über dich gekommen ist. Ich werde dir drei Möglichkeiten nennen; wähle eine davon. 1. Verlasse dein Haus und erkläre den Aufständischen den Dschihad. 2. Verlasse das Haus heimlich durch die Hintertür, besteige ein Reittier und reite geradewegs nach Mekka. Dort wird man dir keinen Schaden zufügen. 3. Geh nach Syrien, denn dort ist Muawiya.“ Darauf erwiderte der Kalif Uthman: „Erstens möchte ich nicht derjenige sein, der unter der Umma des Gesandten Allahs (s.a.w.) als Erster Blut vergießt. Zweitens habe ich den Gesandten Allahs (s.a.w.) sagen hören: Ein Quraisch-Mann wird in Mekka begraben werden, und über ihn wird die Hälfte der Strafe der Welt kommen. Ich möchte keinesfalls dieser Mann sein. Drittens bin ich nicht bereit, Dar al-Hidschra und die Nähe des Gesandten Allahs – den Ort der Auswanderung und die Nähe des Gesandten Allahs (Madinah) – zu verlassen und nach Syrien zu gehen.“ (Hayat as-Sahaba 2/396)
Zwischen Hazrat Ali (r.a.) und Hazrat Muawiya (r.a.) kam es zu einem Streit. Zu Beginn stand Hazrat Mugira (r.a.) auf der Seite Hazrat Alis (r.a.). Er trat vor Ali (r.a.) und gab ihm offen den Rat: „Wenn du dein Kalifat stärken willst, dann ernenne Talha und Zubair jeweils zu Statthaltern von Kufa und Basra. Lass Amir Muawiya vorläufig in seinem bisherigen Amt; sobald du deine vollständige Herrschaft errichtet hast, kannst du tun, was du willst.“ Hazrat Ali (r.a.) antwortete ihm: „Über Talha und Zubair werde ich nachdenken; doch solange Muawiya seine gegenwärtigen Aktivitäten nicht einstellt, werde ich ihn weder irgendwo zum Statthalter ernennen noch irgendeine Unterstützung von ihm annehmen.“ Diese Antwort erzürnte Mugira. (Al-Istiaab) Nach der Ermordung Hazrat Uthmans (r.a.) kam es zwischen den beiden miteinander verfeindeten Parteien der muslimischen Umma zu Auseinandersetzungen und Kämpfen. Er hielt sich von diesen Konflikten gewissenhaft fern. Nach Siffin war auch er in Dumat al-Dschandal anwesend, um den Schiedsspruch anzuhören. Nachdem das Schiedsverfahren in Dumat al-Dschandal gescheitert war, schloss er sich Hazrat Muawiya (r.a.) an und leistete ihm den Treueid. Danach begann er offen, sich Hazrat Ali (r.a.) entgegenzustellen. (Al-Isaba 3/453, Mustadrak 3/450)
Die Unterstützung und Hilfe von Hadrat Mugīra (r.a.) erwies sich für Hadrat Muʿāwiya als von besonderem Nutzen. Viele große Probleme löste er mit Hilfe seines scharfen Verstandes sehr schnell. Im Zusammenhang mit dem Kalifat traten vor Amīr Muʿāwiya (r.a.) derart schwierige Probleme auf, dass Hadrat Muʿāwiya einer äußerst schweren Krise hätte gegenüberstehen müssen, wenn Mugīras Verstand und Klugheit nicht zum Einsatz gekommen wären. Ziyād war einer der bedeutendsten unter den äußerst gerissenen und taktisch versierten Männern Arabiens. Er war im Auftrag Hadrat ʿAlīs (r.a.) Statthalter von Persien und ein erbitterter Gegner Hadrat Muʿāwiyas (r.a.). Selbst nachdem Hadrat ʿAlī (r.a.) den Märtyrertod erlitten hatte, Hadrat Hasan (r.a.) auf den Anspruch auf das Kalifat verzichtet hatte und Hadrat Muʿāwiya (r.a.) der alleinige Kalif der gesamten muslimischen Welt geworden war, erkannte Ziyād ihn nicht als Kalifen an. Hadrat Mugīra machte selbst diesen unversöhnlichen Feind zu einem Gefolgsmann Hadrat Muʿāwiyas (r.a.) und rettete Muʿāwiya vor einer tödlichen Gefahr.
Im Jahre 41 nach der Hidschra ernannte Hadrat Amīr Muʿāwiya Hadrat Mugīra als Belohnung für seine besonderen Verdienste zum Statthalter von Kūfa. Als im Jahre 33 nach der Hidschra die Chāriǧiten von Kūfa eine Rebellion ausriefen, schlug er diesen Aufstand mit außerordentlichem Geschick nieder. Auf diese Weise spielte er eine herausragende Rolle bei der Festigung des Kalifats Hadrat Muʿāwiyas (r.a.).
Über das Todesjahr Hadrat Mugīras bestehen unterschiedliche Auffassungen. Manche sagen, er sei im Jahre 50 nach der Hidschra an der Pest gestorben, die damals in Kūfa ausgebrochen war. Andere wiederum sagen, er sei im Jahre 49 beziehungsweise 51 nach der Hidschra gestorben. Zum Zeitpunkt seines Todes war er 70 (siebzig) Jahre alt.
Obwohl Hadrat Mugīra (r.a.) ein erfahrener Diplomat und Soldat war, hatte er sich auch beträchtliche Kenntnisse in den religiösen Wissenschaften angeeignet. Wegen seines tiefen Wissens genoss er unter seinen Altersgenossen eine besondere Stellung. In verschiedenen Hadith-Werken finden sich 133 von ihm überlieferte Hadithe. Davon sind neun muttafāq ʿalaihi; einen überlieferte al-Buchārī allein und zwei Muslim allein. Viele Sahāba und Tābiʿūn überlieferten Hadithe von ihm. Dazu gehörten seine drei Söhne ʿUrwa, Hamza und ʿAqqār sowie unter anderen Zubair ibn Yahyā, Miswar ibn Machrama, Qais ibn Abī Hāzim, Masrūq ibn al-Aǧdaʿ, Nāfiʿ ibn Hubaīra, ʿUrwa ibn Zubair und ʿAmr ibn Wahb.
Obwohl er in religiösem Wissen bewandert war, bewegte er sich statt auf dem Lehrstuhl für Wissen und Rechtsgutachten auf dem schwierigen Feld der Politik und Diplomatie. Auf diesem Gebiet entfalteten sich seine Begabung und seine Fähigkeiten vollständig. Er wird zu den größten Diplomaten Arabiens gezählt. Imām Schaʿbī sagte: „Die vier gerissensten Männer Arabiens sind Muʿāwiya ibn Abī Sufyān, ʿAmr ibn al-ʿĀs, Mugīra ibn Schuʿba und Ziyād.“ (Usud al-Gāba 4/407, al-Isāba 3/453.) Ibn Saʿd sagt, dass die Menschen ihn wegen seines außergewöhnlichen Verstandes und seiner Klugheit „Mugīrat ar-Raʾy“, das heißt „Mugīra, der Mann der Meinung und Entscheidung“, nannten. (Al-Istīʿāb.) Aufgrund all dieser außergewöhnlichen Eigenschaften ernannte Hadrat ʿUmar (r.a.) ihn zu vielen hohen Ämtern. Er erlangte sogar die seltene Ehre, als Gesandter an den persischen Hof entsandt zu werden.
Qabīsa ibn Jābir berichtet: „Ich verbrachte lange Zeit in der Gesellschaft Mugīras. Er war so umsichtig und klug, dass Mugīra, wenn eine Stadt acht Tore gehabt hätte, aus deren jedem man nur durch List und Geschick hätte entkommen können, in der Lage gewesen wäre, durch jedes einzelne dieser Tore hinauszugelangen. Im Entwirren komplizierter Angelegenheiten war er ein Meister.“ At-Tabarī sagt: Wenn er in einer Angelegenheit eine Entscheidung äußerte, hielt er sich stets auch einen Weg offen, von ihr wieder abzurücken. Wann immer zwei Dinge zweifelhaft waren, erwies sich seine richtige Einschätzung in Bezug auf eines von ihnen gewiss als zutreffend. (Al-Isāba 3/453.)
In der Geschichte finden sich viele amüsante Begebenheiten über Hadrat Mugīras List und diplomatisches Geschick. Hadrat ʿUmar (r.a.) ernannte ihn zum Statthalter von Bahrain. Die Bewohner Bahrains erhoben beim Kalifen Beschwerde gegen ihn. Hadrat ʿUmar entließ ihn daraufhin. Damit er nicht ein zweites Mal zum Statthalter dort ernannt würde, schmiedete der dortige Dihqān, also der Anführer, eine gefährliche Verschwörung. Er sammelte einhunderttausend Dirham, hinterlegte sie beim Kalifen und sagte: „Mugīra hat dieses Geld aus dem Bayt al-Māl veruntreut und bei mir hinterlegt.“ Hadrat ʿUmar begann, ihn äußerst streng zu verhören. Die Angelegenheit war äußerst heikel. Auf der einen Seite stand ein Gefährte des Gesandten Allahs (s.a.w.), auf der anderen Seite gab es zahlreiche Menschen, die gegen ihn aussagten, und auch das veruntreute Geld war vorhanden. Für den Nachweis seiner Schuld bedurfte es keines weiteren Zeugen oder Beweises. Selbst in dieser Lage bewahrte Mugīra seine Geistesgegenwart. Mit äußerster Ruhe sagte er: „Der Dihqān, also der Anführer, hat gelogen. Ich hatte bei ihm vielmehr zweihunderttausend hinterlegt; eine Million? Nein, einhunderttausend hat er davon unterschlagen.“ Als der Dihqān dies hörte, sank er vor Angst in sich zusammen. Nun musste er tatsächlich zweihunderttausend in den Bayt al-Māl einzahlen. Freimütig gestand er seine Machenschaften ein. Immer wieder schwor er und sagte: „Mugīra hat bei mir überhaupt kein Geld hinterlegt.“ So kam die Wahrheit ans Licht. Er hatte die erfundene Geschichte ersonnen, um Mugīras Ruf zu schädigen. Nachdem die Angelegenheit beigelegt war, fragte Hadrat ʿUmar (r.a.) Mugīra: „Warum hast du die zweihunderttausend erwähnt?“ Er antwortete: „Er hatte mich zu Unrecht beschuldigt; außer auf diese Weise hatte ich keine Möglichkeit, mich an ihm zu rächen.“ (Al-Isāba 3/453.)
Der berühmte Sahābī Nuʿmān ibn Muqarrin sagte einmal zu Mugīra: „Bei Allah, du bist wahrlich ein Mann von Verstand, guter Beratung und richtiger Einschätzung“ – also: „Wallāhi innaka la-dhū manāqib.“ (Hayāt as-Sahāba 1/512.)
Abdurrahman ibn Abi Bakr (r.a.)
Sein vorislamischer Name war Abd al-Kaʿba, einer anderen Auffassung zufolge Abd al-Uzza. Nachdem er den Islam angenommen hatte, gab ihm der Gesandte Allahs (s.a.w.) den Namen Abdurrahman. Er hatte drei Beinamen beziehungsweise Kunyas: Abu Abdillah, Abu Muhammad – nach seinem Sohn Muhammad – und Abu Uthman. Am bekanntesten war jedoch Abu Abdillah. Sein Vater war der erste Kalif, Hazrat Abu Bakr as-Siddiq (r.a.), und seine Mutter Umm Ruman oder Umm Rumman. Er war das älteste Kind seines Vaters und der leibliche Bruder der Mutter der Gläubigen, Hazrat Aischa (r.a.). (Usd al-Ghaba 3/304–305)
Obwohl alle Kinder Hazrat Abu Bakr as-Siddiqs schon früh den Islam annahmen, blieb Abdurrahman lange Zeit dem Islam fern. In der Schlacht von Badr schloss er sich den Quraisch aus Mekka an. Inmitten der Schlacht trat er ein wenig vor und rief den Muslimen herausfordernd zu: „Hal min mubāriz – Gibt es jemanden, der den Mut hat, mit mir zum Zweikampf anzutreten?“ Als sein Vater Abu Bakr (r.a.) diese Herausforderung hörte, wurden seine Augen und sein Gesicht rot vor Zorn. Er äußerte den Wunsch, mit ihm in den Zweikampf zu treten, doch der edle Gesandte Allahs (s.a.w.) hielt ihn davon ab. Auch in der Schlacht von Uhud kämpfte er aufseiten der Quraisch aus Mekka. In dieser Schlacht gehörte er zu den Bogenschützen der Quraisch. (Usd al-Ghaba 3/305) Eines Tages sagte Abdurrahman später zu seinem Vater Abu Bakr (r.a.): „Auf dem Feld von Uhud sah ich dich, doch ich ging dir aus dem Weg.“ Abu Bakr (r.a.) erwiderte: „Wenn ich dich gesehen hätte, hätte ich dich nicht verschont.“ (Hayat as-Sahaba 2/313)
Zur Zeit des Vertrags von Hudaibiya nahm Hazrat Abdurrahman den Islam an. Danach wanderte er nach Medina aus und lebte bei seinem Vater Abu Bakr (r.a.). Er kümmerte sich um sämtliche Angelegenheiten und Geschäfte Hazrat Abu Bakrs (r.a.). Eines Nachts lud Hazrat Abu Bakr (r.a.) einige Männer aus den Leuten der Suffa ein. Er sagte zu Abdurrahman: „Ich gehe zum Dienst des Gesandten Allahs (s.a.w.). Bevor ich zurückkehre, wirst du den Gästen zu essen geben.“ Entsprechend der Anweisung seines Vaters brachte Abdurrahman den Gästen zur vorgesehenen Zeit das Essen. Doch sie weigerten sich, in Abwesenheit des Gastgebers zu essen. Zufällig kehrte Hazrat Abu Bakr (r.a.) an jenem Tag spät zurück. Als er erfuhr, dass die Gäste noch immer hungrig waren, wurde er äußerst erregt und sagte zu Abdurrahman: „Bei Allah, ich werde dir kein Essen geben!“ Aus Angst saß Abdurrahman zusammengeduckt in einer Ecke des Hauses. Nach einiger Zeit fasste er Mut und sagte: „Fragt die Gäste bitte, ob ich sie nicht zum Essen aufgefordert habe.“ Die Gäste bestätigten Abdurrahmans Aussage. Auch sie schworen und sagten: „Wir werden nicht essen, solange du Abdurrahman nicht zu essen gibst.“ So legte sich Abu Bakrs Zorn, und alle setzten sich gemeinsam zum Essen. Abdurrahman berichtet: „An jenem Tag lag so viel Segen in unserem Essen, dass wir aßen, es aber überhaupt nicht weniger wurde. Ich nahm etwas von diesem Essen für den Gesandten Allahs (s.a.w.) mit. Der Gesandte Allahs (s.a.w.) aß davon gemeinsam mit mehreren Gefährten.“ (Buchari)
Von Natur aus war Hazrat Abdurrahman äußerst mutig. Er war ein geschickter Bogenschütze. An jeder Schlacht, die vom Vertrag von Hudaibiya an bis zum letzten Tag im Leben des Gesandten Allahs (s.a.w.) stattfand, nahm er teil und gab ein Beispiel an Tapferkeit und Mut. Beim Feldzug von Chaibar begleitete er den Gesandten Allahs (s.a.w.) und erhielt aus der Kriegsbeute von Chaibar vierzig Wasq Getreide. (Sira ibn Hischam 2/352) Auch bei der Abschiedswallfahrt war er ein Reisegefährte des Gesandten Allahs (s.a.w.). Der edle Gesandte Allahs (s.a.w.) schickte ihn gemeinsam mit Hazrat Aischa (r.a.) nach Tanʿim, damit sie dort erneut den Ihram anlegte. Es sei erwähnt, dass Hazrat Aischa (r.a.) auf dieser Reise wegen ihrer Menstruation einige verpflichtende Riten der Hadsch aufschob und den Ihram ablegte. Nachdem sie wieder genesen war, begab sie sich auf Anweisung des Gesandten Allahs (s.a.w.) nach Tanʿim, legte erneut den Ihram an und vollzog die aufgeschobenen Riten. (Sira ibn Hischam 2/602)
Nach dem Tod des Gesandten Allahs (s.a.w.) spielte er gemeinsam mit anderen eine aktive Rolle bei der Niederschlagung der Aufstände, die überall auf der Arabischen Halbinsel ausbrachen. In der blutigen Schlacht von Yamama gegen den Lügenpropheten Musailima al-Kazzab bewies er äußerste Tapferkeit. In dieser Schlacht tötete er allein sieben berühmte Krieger der gegnerischen Seite. An einer Stelle der Festung des Gegners in Yamama war durch einen Riss ein kleiner Durchgang entstanden. Die muslimischen Glaubenskämpfer versuchten wiederholt, durch diese Öffnung ins Innere zu gelangen, scheiterten jedoch. Denn ein tapferer Soldat der gegnerischen Seite namens Mahkam ibn Tufail bewachte den Durchgang unbeweglich. Hazrat Abdurrahman zielte auf seine Brust und schoss einen Pfeil ab; durch den Treffer sank er zu Boden. Sofort drangen die muslimischen Glaubenskämpfer ins Innere ein, wobei sie die Füße ihrer Gefährten zertraten, und öffneten das Tor der Festung. So fiel die Festung. In der Kamelschlacht, die nach dem Märtyrertod Hazrat Uthmans aufgrund eines Missverständnisses zwischen Hazrat Ali und Hazrat Aischa (r.a.) stattfand, kämpfte Abdurrahman auf der Seite seiner Schwester. (Al-Isaba 2/408)
Hazrat Amir Muawiya (r.a.) begann bereits zu seinen Lebzeiten, seinen Sohn Yazid zu seinem Nachfolger zu machen. Er wies Marwan, den Statthalter von Medina, an, den Menschen in Medina Yazid als seinen designierten Nachfolger zur Huldigung beziehungsweise zum Treueid vorzuschlagen. Er ordnete außerdem an, diese Weisung den in der Moschee von Medina versammelten Menschen vorzulesen. Marwan führte den Befehl Muawiyas (r.a.) ordnungsgemäß aus. Er versammelte die Bewohner Medinas in der Moschee und verlas Amirs Muawiyas Anweisung. Kaum hatte er seine Verlesung beendet, sprang Hazrat Abdurrahman ibn Abi Bakr auf, erhob sich und brach das Schweigen der Versammlung mit donnernder Stimme: „Bei Allah! Ihr verwandelt das Kalifat, ohne die Meinung der Umma Muhammads zu berücksichtigen, in ein heraklisches System. Wenn ein Heraklios stirbt, wird ein anderer Heraklios sein Nachfolger.“ Einer anderen Überlieferung zufolge sagte Marwan: „Dies ist doch das von Abu Bakr und Umar eingeführte Verfahren.“ Abdurrahman widersprach: „Nein, es ist das Verfahren des Heraklios und des Kaisers: das Verfahren, den Sohn nach dem Vater auf den Thron zu setzen.“ Auch Abdullah ibn az-Zubair und Husain ibn Ali unterstützten Abdurrahman nachdrücklich. (Al-Isaba 2/408, Usd al-Ghaba 3/306)
Darauf sagte Marwan in äußerst erregtem Ton, auf Abdurrahman deutend: „Freunde! Dies ist derjenige, über den dieser Vers des Korans offenbart wurde: ‚Derjenige, der zu seinen Eltern sagt: Pfui über euch!‘“ Das heißt, Allah hat ihn dafür getadelt, dass er seinen Eltern nicht gehorchte – Sure al-Ahqaf 17. Die Mutter der Gläubigen, Hazrat Aischa (r.a.), hörte diese Worte aus ihrem Gemach. Erregt rief sie: „Bei Allah, nein, dieser Vers wurde nicht wegen Abdurrahman offenbart. Wenn ihr wollt, kann ich euch sagen, wegen welcher Person dieser Vers offenbart wurde.“ (Al-Isaba 4/408, Usd al-Ghaba 3/306)
Hazrat Abd ar-Rahman erkannte an jenem Tag, dass die muslimische Umma einer schwerwiegenden Zukunft entgegensehen würde, falls Muʿawiyas (ra) Wunsch in Erfüllung ginge. Er war sich sicher, dass dies eine Verschwörung war, das islamische Kalifatssystem zu beseitigen und der muslimischen Umma eine kaiserliche Herrschaft aufzuzwingen.
Hazrat Abd ar-Rahman begann, lautstark gegen diesen Schritt Hazrat Muʿawiyas zu protestieren. Hazrat Muʿawiya (ra) schlug nun einen anderen Weg ein. Um Abd ar-Rahman zum Schweigen zu bringen, schickte er einen Gesandten mit hunderttausend Dirham zu ihm. Abd ar-Rahman, der Sohn von Hazrat Abu Bakr as-Siddiq, warf den Beutel mit den Dirham weit von sich und sagte zu dem Gesandten: „Geh zurück. Sag Muʿawiya: Abd ar-Rahman wird seine Religion nicht für die Welt verkaufen.“ (Al-Istiʿab, Usud al-Ghaba 3/306, Hayat as-Sahaba 2/254, Rijalun hawla ar-Rasul, S. 528)
Als Hazrat Abd ar-Rahman nach diesem Ereignis erfuhr, dass Hazrat Muʿawiya (ra) aus Syrien nach Medina kam, verließ er Medina sofort und ging nach Mekka. Dort ließ er sich an einem Ort namens „Habschi“ nieder, zehn Meilen von der Stadt entfernt, und verstarb nach der zuverlässigsten Ansicht im Jahr 53 nach der Hidschra, noch vor dem Treueid auf Yazid. Sein Tod kam völlig unerwartet. Am Tag seines Todes legte er sich, vollkommen gesund, wie gewöhnlich zum Schlafen nieder; doch er erwachte nicht mehr aus diesem Schlaf. Hazrat Aischa hegte einen leichten Verdacht, dass ihn vielleicht jemand durch Gift getötet haben könnte. Einige Zeit später kam eine gesunde, kräftige Frau zu Hazrat Aischa (ra) und starb während der Niederwerfung im Gebet. Danach schwand ihr Zweifel. Die Gefährten Hazrat Abd ar-Rahmans brachten seinen Leichnam nach Mekka und bestatteten ihn.
Als Hazrat Aischa (ra) vom Tod ihres Bruders erfuhr, ging sie zum Hadsch nach Mekka und brach am Grab in Tränen aus. Unter Tränen wiederholte sie immer wieder einen Vers aus einem von dem Dichter Mutammim ibn Nuwayra verfassten Trauergedicht. Danach sagte sie zur Seele ihres Bruders: „Bei Allah! Wenn ich bei deinem Tod anwesend gewesen wäre, würde ich jetzt nicht auf diese Weise weinen, und ich hätte dich dort bestattet, wo du gestorben bist.“ (Mustadrak 3/476, Al-Isaba 2/408)
Hazrat Abd ar-Rahman (ra) überlieferte mehrere Hadithe vom Gesandten Allahs (sa). Viele Gefährten und Tabiʿun überlieferten Hadithe von ihm.
Abu Hudhaifa ibn Utba (ra)
Sein Name war Abu Hudhaifa Hashim, nach einer anderen Überlieferung Haschim; sein Vater war Utba, seine Mutter Fatima bint Safwan und sein Beiname Umm Safwan. Er stammte aus dem Stamm der Quraisch.
Abu Hudhaifa gehörte zu den Sabiqun al-Islam, also zu denjenigen, die bereits in der ersten Phase den Islam annahmen. Sein Vater Utba war eine führende Persönlichkeit unter den Oberhäuptern der Quraisch, den erbittertsten Feinden des Islam. Er hatte sein Leben dem Kampf gegen den Islam gewidmet. Doch wie wunderbar ist Allahs Ratschluss: Sein eigener Sohn Abu Hudhaifa zögerte nicht im Geringsten, die Einladung zum Islam anzunehmen. Noch bevor der Gesandte Allahs (sa) in Mekka im Haus von Hazrat al-Arqam ibn Abi al-Arqam Zuflucht nahm, hatte er die Ehre erlangt, den Islam anzunehmen, und wurde wie viele andere von den Quraisch unmenschlich gefoltert. (Usud al-Ghaba 5/170) Ibn Ishaq sagt, dass er nach dreiundvierzig (43) weiteren Personen den Islam annahm. (Al-Isaba 4/42)
Abu Hudhaifa (ra) nahm an beiden Auswanderungen nach Abessinien teil. Nach der ersten Auswanderung kehrte er wieder nach Mekka zurück. Später ging er erneut nach Abessinien. Bei seiner Auswanderung nach Abessinien begleitete ihn auch seine Frau, Hadrat Sahla bint Suhail. Ihr Sohn Muhammad ibn Abi Hudhaifa wurde während dieses Aufenthalts in der Fremde in Abessinien geboren. (Usud al-Ghaba – 5/170).
Als er zum zweiten Mal aus Abessinien nach Mekka zurückkehrte, stellte er fest, dass unter den in Mekka verbliebenen Muslimen ein regelrechter Aufbruch zur Auswanderung nach Medina eingesetzt hatte. Gemeinsam mit seinem Sklaven Salim gelangte auch er nach Medina und wurde Gast von Hadrat Abbad ibn Bishr al-Ansari. Der edle Gesandte Allahs (s) stiftete zwischen den beiden eine „Mu’akhāt“, also eine Bruderschaft. (Usud al-Ghaba – 5/170).
Er nahm an allen Kriegen, die zu Lebzeiten des Gesandten Allahs (s) stattfanden, mit außerordentlichem Mut teil. Besonders die Schlacht von Badr war für ihn und alle Muslime äußerst lehrreich. In dieser Schlacht kämpfte er auf der einen Seite, während auf der anderen Seite sein Vater Utba tapfer kämpfte. Die Liebe zur Wahrheit und zur Gerechtigkeit ließ die Muslime an jenem Tag die Beziehungen zu Verwandten und Fremden vergessen. An jenem Tag forderte Abu Hudhaifa seinen eigenen Vater, den tapferen und kühnen Krieger Utba auf der Gegenseite, lautstark zum Zweikampf heraus. Als seine leibliche Schwester Hind bint Utba diesen Aufruf hörte, tadelte und verurteilte sie ihn in einem Gedicht aufs Heftigste. Im Werk Usud al-Ghaba sind zwei Verse dieses Gedichts überliefert.
In der Schlacht von Badr wurden die meisten Anführer der Quraisch, darunter Abu Hudhaifas Vater Utba, von der muslimischen Armee getötet. Die Leichen von ihnen allen wurden in einen Brunnen von Badr geworfen und mit Erde bedeckt. Der edle Gesandte Allahs (s) stand an diesem Brunnen, rief die getöteten Anführer der Quraisch einzeln beim Namen und sagte: „O Utba, o Schaiba, o Umaiya ibn Chalaf, o Abu Dschahl! Habt ihr das Versprechen Allahs als wahr befunden? Ich habe mein Versprechen als wahr befunden.“ (Buchari) Ibn Ishaq berichtet, dass Abu Hudhaifa zu jener Zeit sehr niedergeschlagen und bekümmert wirkte. Als der Gesandte Allahs (s) seinen Zustand bemerkte, fragte er: „Abu Hudhaifa, wahrscheinlich bedrückt dich der Tod deines Vaters.“ Abu Hudhaifa sagte: „Bei Allah, nein. Ich bin nicht traurig über seinen Tod. Doch ich hatte geglaubt, dass er ein kluger, umsichtig urteilender und entscheidungsfähiger Mann sei. Daher hatte ich gehofft, dass ihm das Glück des Glaubens zuteilwerden würde. Als jedoch der Gesandte (s) bestätigte, dass er im Zustand des ‚Kufr‘ gestorben war, bedauerte ich meine vergebliche Hoffnung.“ Daraufhin sprach der Gesandte Allahs (s) ein Bittgebet für Abu Hudhaifa. (Sira Ibn Hischam – 1/638–641, Usud al-Ghaba – 5/171)
Nach dem Tod des edlen Gesandten Allahs (s), während der Amtszeit des ersten Kalifen, Hadrat Abu Bakr as-Siddiq (ra), begannen auf der Arabischen Halbinsel die Verwirrung und die Umtriebe einiger falscher Propheten. Auch Musailima al-Kadhdhab von Yamama war einer dieser falschen Propheten. Der Kalif entsandte ein Heer gegen ihn. Hadrat Abu Hudhaifa (ra) gehörte ebenfalls diesem Heer an. Er kämpfte tapfer gegen das Heer des falschen Propheten Musailima und fiel auf dem Schlachtfeld von Yamama als Märtyrer. Zum Zeitpunkt seines Todes war er 53 oder 54 Jahre alt.
Es wird von Hadrat Abbas (ra) überliefert: Der Gesandte Allahs (s) sagte eines Tages während der Schlacht von Badr zu den Gefährten: „Ich habe erfahren, dass einige Angehörige der Banu Haschim und einiger anderer Stämme zur Teilnahme an dieser Schlacht gezwungen wurden. Wir brauchen nicht gegen sie zu kämpfen. Wenn jemand von euch einem Angehörigen der Banu Haschim begegnet, soll er auch ihn nicht töten. Wenn jemand Abu al-Bachtari ibn Hisam begegnet, soll er ihn nicht töten, denn er ist gezwungen hierhergekommen.“ Sofort rief Abu Hudhaifa aus: „Wir sollen unsere Väter, Söhne und Brüder töten, aber Abbas verschonen? Bei Allah, wenn ich ihm begegne, werde ich ihn mit meinem Schwert in Stücke hauen.“ Als der Gesandte Allahs (s) dies von Hudhaifa hörte, sagte er: „O Abu Hafs (Umar), soll der Onkel des Gesandten Allahs mit dem Schwert getötet werden?“ Umar sagte: „O Gesandter Allahs! Erlaube mir, ihn mit meinem Schwert zu enthaupten. Bei Allah, er ist ein Heuchler.“ Abu Hudhaifa sagte: „Seit jenem Wort, das ich an diesem Tag gesprochen habe, fühle ich mich nicht sicher und bin ständig voller Angst, bis ich seine Sühne durch das Martyrium geleistet habe.“ Indem er in der Schlacht von Yamama als Märtyrer fiel, leistete er diese Sühne. (Hayat as-Sahaba – 2/364–365).
Salim, der Mawla von Abu Hudhaifa (ra)
Der edle Gesandte Allahs (s) wies die Gefährten eines Tages an: „Lernt den Koran von vier Personen: Abdullah ibn Masud, Salim, dem Mawla von Abu Hudhaifa, Ubayy ibn Ka’b und Muadh ibn Dschabal.“ Wer war dieser Salim, der Mawla von Abu Hudhaifa, den der Gesandte Allahs (s) auf dem Gebiet des Koranunterrichts als vertrauenswürdig bezeichnet hatte?
Sein Name war Salem, seine Kunya Abu Abdallah. Über den Namen seines Vaters besteht Uneinigkeit. Ibn Mundah sagte: „Ubaid ibn Rabīʿa.“ Nach der Ansicht mancher anderer war es Maʿqal. Er stammte aus iranischer Herkunft. Istachr in Persien war die Heimat seiner Vorfahren. Er kam als Sklave von Hazrat Subaita bint Yuʿar al-Ansariyya nach Medina. Hazrat Subaita war die Ehefrau von Abu Hudhaifa. Als Subaita ihn bedingungslos freiließ, nahm Abu Hudhaifa ihn als Sohn an. Er wurde als Salem ibn Abu Hudhaifa bekannt, so wie Zaid ibn Muhammad bekannt geworden war. Manche erwähnten ihn als den Sklaven Abu Hudhaifas. Aus diesen Gründen wird er zu den Muhadschirun gezählt. Andererseits wurde er als freigelassener Sklave Hazrat Subaitas auch Ansari genannt. Da er ursprünglich persischer Abstammung war, bezeichneten ihn manche außerdem als ʿAdschami oder als Nichtaraber.
Hazrat Salem lebte in Mekka bei Hazrat Abu Hudhaifa. Dieser Abu Hudhaifa war der Sohn von Utba, dem Anführer der Quraisch in Mekka und erbitterten Feind des Islam. Zu denjenigen, die bereits zu Beginn der islamischen Daʿwa mit „Labbayk“ antworteten, gehörten auch Abu Hudhaifa und sein Adoptivsohn Salem. Beide, Vater und Sohn, dienten ihrem Herrn still und demütig und bewiesen angesichts der grausamen Verfolgung durch die Quraisch grenzenlose Geduld. Eines Tages wurde ein Koranvers offenbart, der die Praxis der Adoption abschaffte: „Nennt sie nach ihren Vätern.“ Jeder Adoptivsohn wurde fortan unter dem Namen seines leiblichen Vaters bekannt. So wurde aus Zaid ibn Muhammad Zaid ibn Haritha. Salems Abstammung von seinem Vater war jedoch unbekannt. Daher wurde er als „Salem, Mawla Abu Hudhaifas“ bekannt – als Salem, der Freund, Gefährte, Bruder oder freigelassene Sklave Abu Hudhaifas.
Der Islam schaffte die Praxis der Adoption ab. Vielleicht wollte der Islam damit sagen, dass ihr Blutsverwandtschaft, Abstammung oder irgendeiner anderen Beziehung nicht mehr Bedeutung beimessen sollt als der islamischen Bruderschaft. Eure Beziehungen sollten vielmehr auf dem Glauben oder der ʿAqida gründen. Die Muslime der ersten Generation hatten dies sehr gut verstanden. Deshalb gab es für sie nach Allah und Seinem Gesandten nichts, was ihnen lieber gewesen wäre als ihre Glaubensbrüder. Das haben wir bei den Ansar und den Muhadschirun gesehen. Ebenso sehen wir es in der Beziehung zwischen dem vornehmen Quraisch Abu Hudhaifa und seinem unbekannten und unberühmten Sklaven Salem, dessen väterliche Abstammung nicht bekannt war.
Hazrat Salems Īmān war wie der Īmān der Siddiqīn, und auf Allahs Weg schritt er wie die Muttaqīn. Darauf, welchen Rang er in der Gesellschaft einnahm oder welcher Herkunft er war, gab er nichts. Die neue Gesellschaft, die der Islam geschaffen hatte, erhob ihn wegen seiner Taqwa und seines Ikhlas auf den höchsten Rang. In dieser großartigen, gesegneten neuen Gesellschaft war Abu Hudhaifa stolz darauf, denjenigen, der erst gestern sein Sklave gewesen war, als Bruder oder Freund anzunehmen. Ja, er verheiratete sogar seine Nichte Fatima bint al-Walid mit ihm und verlieh damit seiner eigenen Familie Ehre und Ansehen. In einer Gesellschaftsordnung, die jede Form von Unrecht und Unterdrückung beseitigt und jeden falschen Anspruch auf Vornehmheit für ungültig erklärt hatte, machten Salems Īmān, Aufrichtigkeit und Standhaftigkeit ihn zu einer Persönlichkeit der ersten Reihe.
Noch vor der Hidschra des ehrwürdigen Gesandten wanderte er gemeinsam mit seinem Glaubensfreund Abu Hudhaifa nach Medina aus. In Medina war er der Gast von Hazrat ʿAbbad ibn Bishr. In Mekka stiftete der Gesandte Allahs zwischen ihm und Abu Ubaida ibn al-Dscharrah eine Glaubensbruderschaft. In Medina wurde seine Bruderschaft jedoch mit Hazrat Muʿadh ibn Maʿiz al-Ansari begründet.
Unter den Gefährten gehörte Salem zu jenen, die in der Kunst der Kira’a als Imame angesehen wurden. Er besaß eine so wohlklingende Stimme, dass die Zuhörer voller Bewunderung lauschten, sobald er mit der Rezitation des Korans begann. Eines Tages verspätete sich Umm al-Muʾminin Hazrat ʿAischa beim Besuch des Gesandten Allahs. Der Gesandte Allahs fragte: „Warum hast du dich verspätet?“ Aischa antwortete: „Ein Qari rezitierte den Koran mit einer wohlklingenden Stimme, deshalb hörte ich ihm zu.“ Sie beschrieb die Schönheit seiner Rezitation. Nachdem der Gesandte Allahs ihre Schilderung gehört hatte, nahm er seinen Mantel, trat hinaus und stellte fest, dass jener Qari kein anderer war als Salem, der Mawla Abu Hudhaifas. Nachdem er Salems Rezitation gehört hatte, bemerkte der Gesandte Allahs: „Al-hamdu lillāh, alladhī jaʿala fī ummatī mithlaka“ – „Alles Lob gebührt Allah, der in meiner Umma einen Menschen wie dich erschaffen hat.“ (Usd al-Ghaba, 2/246).
Wegen seiner wohlklingenden Stimme und weil er große Teile des Korans auswendig bewahrt hatte, genoss Salem unter den edlen Gefährten außerordentliche Achtung und hohes Ansehen. Hazrat ʿAbdullah ibn Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) berichtet: „Bevor der Gesandte Allahs nach Medina auswanderte, leitete Salem in der Quba-Moschee das Gebet für diejenigen, die bereits nach Medina ausgewandert waren.“ (Buchari) Bedeutende Gefährten wie Hazrat Abu Bakr und Hazrat Umar (möge Allah mit ihnen zufrieden sein) verrichteten das Gebet ebenfalls hinter ihm.
Bei allen Schlachten, darunter Badr, Uhud und der Grabenschlacht, war er beim ehrwürdigen Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). (Usd al-Ghaba, 2/246.) In der Schlacht von Badr tötete er den ungläubigen Umair ibn Abi Umair eigenhändig. (Ibn Hischam, 1/708.)
Nach der Eroberung Mekkas sandte der Gesandte Allahs (s.a.w.) mehrere Missionsdelegationen in die Dörfer und zu den Stämmen rund um Mekka. Er sagte ihnen: „Ihr werdet nicht als Kämpfer, sondern als Daʿis, also als Aufrufer, entsandt.“ Der Anführer einer solchen Delegation war Hadhrat Khalid ibn al-Walid. Als Khalid sein Ziel erreicht hatte, ereignete sich etwas, woraufhin er sein Schwert zog und der Gegenseite schwere Verluste zufügte. Als diese Nachricht den Gesandten Allahs (s.a.w.) erreichte, bat er Allah lange Zeit mit den Worten um Entschuldigung: „O Allah, ich bitte Dich, mich von jeder Verantwortung für das freizusprechen, was Khalid getan hat.“ Bei diesem Feldzug war Hadhrat Salem Khalids Begleiter. Salem nahm Khalids Tat nicht schweigend hin, sondern protestierte heftig dagegen. Angesichts seines Protests war der große Krieger Khalid bisweilen sprachlos, manchmal versuchte er, sich zu rechtfertigen und Argumente vorzubringen, und zuweilen geriet er mit Salem in einen heftigen Wortstreit. Salem blieb jedoch bei seiner Meinung. Aus Furcht vor Khalid schwieg er an jenem Tag nicht, sondern sprach die Wahrheit aus.
Salem, der noch wenige Tage zuvor ein Sklave in Mekka gewesen war, nahm heute auf Khalid, einen vornehmen quraischitischen Heerführer Mekkas, keinerlei Rücksicht. Auch Khalid empfand keinerlei Ärger. Denn der Islam hatte ihnen beiden den gleichen Rang verliehen. Salem akzeptierte an jenem Tag Khalids Fehler nicht aus einer übertriebenen Verehrung und Ehrfurcht vor dem Anführer. Vielmehr erhob er als Mitverantwortlicher Einspruch. Er tat dies weder zur eigenen Befriedigung noch um sich einen Namen zu machen; vielmehr hatte er den Gesandten Allahs (s.a.w.) immer wieder sagen hören: „Ad-din an-nasihah“ – der andere Name der Religion ist aufrichtiger Rat. Diesen Rat erteilte er an jenem Tag Khalid.
Als die Nachricht von Hadhrat Khalids Übertreibung den Gesandten Allahs (s.a.w.) erreichte, fragte er: „Hat denn niemand gegen seine Tat protestiert oder sie verurteilt?“ Der Zorn des edlen Gesandten legte sich, als er hörte: „Doch, Salem hatte protestiert. Es war zu einem Streit mit ihm gekommen.“
Der edle Gesandte Allahs (s.a.w.) war in die Nähe Allahs eingegangen. Das Kalifat Hadhrat Abu Bakrs sah sich der Verschwörung der Abtrünnigen und Religionsabtrünnigen gegenüber. Mit ihnen kam es zur furchtbaren Schlacht von Yamama. Eine derart schreckliche Schlacht hatte es zuvor in der Geschichte des Islam noch nicht gegeben. Das muslimische Heer zog von Medina nach Yamama aus. Salem und sein Glaubensbruder Abu Hudhaifa brachen gemeinsam mit den anderen auf. In der ersten Phase der Schlacht geriet das muslimische Heer etwas in Bedrängnis. Dadurch erkannten sie, dass ein Krieg ein Krieg und eine Verantwortung eine Verantwortung ist. Hadhrat Khalid ibn al-Walid organisierte sie neu und stellte das Heer auf beispiellose Weise auf. Als sich das muslimische Heer zunächst zurückzog, rief Hadhrat Salem: „Ach, so war unsere Lage zur Zeit des Gesandten Allahs doch nicht!“ Er grub für sich eine Grube und stellte sich unbeweglich hinein. (Usud al-Ghaba 2/246)
In der Schlacht von Yamama befand sich das Banner des muslimischen Heeres zunächst in den Händen Hadhrat Zaid ibn al-Khattabs. Als er den Märtyrertod starb, fiel das Banner zu Boden. Sofort hob Salem es auf. Einige erhoben Einwände dagegen, dass er das Banner trug, und sagten: „Wir befürchten, dass der Feind von deiner Seite aus angreifen könnte.“ Salem sagte: „Dann wäre ich ja der schlechteste Träger des Qurʾans.“ (Hayat as-Sahaba 1/535)
Bevor sie die feindlichen Truppen angriffen, umarmten sich die beiden Glaubensbrüder Abu Hudhaifa und Salem und gelobten, auf dem Weg der wahren Religion den Märtyrertod zu erlangen. Dann stürzten sie sich beide auf die feindlichen Truppen. Abu Hudhaifa rief auf der einen Seite: „O ihr Träger des Qurʾans, schmückt den Qurʾan durch eure Taten!“ und schlug zugleich mit seinem Schwert auf die Truppen des Lügenpropheten Musailima ein. Auf der anderen Seite rief Salem: „Ich werde der schlechteste Träger des Qurʾans sein, wenn der Feind von meiner Seite aus angreift.“ Während er dies mit seinen Lippen sprach, schlug er mit beiden Händen seine Schwerter auf die Nacken der feindlichen Soldaten.
Der heftige Hieb mit dem Schwert eines Abtrünnigen traf seine rechte Hand. Die Hand wurde abgetrennt. Er hob das Banner mit der linken Hand empor. Als auch seine linke Hand durch den Schlag des Feindes abgetrennt wurde, hielt er das Banner um seinen Hals geschlungen fest. In diesem Zustand sprach er weiter den folgenden Qurʾanvers: „Wa ma Muhammadun illa rasul, wa kaʾayyin min nabiyyin qatala maʿahu ribbiyyuna kathir.“ … „Muhammad ist nichts anderes als ein Gesandter Allahs. Vor ihm haben so viele Gottesfürchtige gemeinsam mit den Propheten gekämpft. Wegen all des Unheils und der Leiden, die sie auf Allahs Weg trafen, wurden sie weder schwach noch gaben sie auf. Allah liebt die Geduldigen.“ Dies war sein Schlachtruf in den Augenblicken vor seinem Tod.
Schon nach kurzer Zeit umzingelte eine Gruppe der Abtrünnigen Salem. Der große Held Salem stürzte zu Boden. Noch war der Lebensfunke in seinem Körper nicht erloschen. Mit der Tötung des Lügenpropheten Musailima endete die Schlacht mit dem Sieg der Muslime und der Niederlage der Abtrünnigen. Die Muslime begannen, nach den Verwundeten und Gefallenen zu suchen. Sie fanden Salem im letzten Stadium seines Lebens. In diesem Zustand fragte Salem sie: „Wie geht es Abu Hudhaifa?“
– Er erlitt den Märtyrertod.
– Wie steht es um denjenigen, der von meiner Seite aus einen Angriff der feindlichen Truppen befürchtete?
– Er ist als Märtyrer gefallen.
– Legt mich mitten zwischen sie.
– Die beiden sind zu deiner Rechten und zu deiner Linken als Märtyrer gefallen.
Hazrat Salem lächelte zum letzten Mal nur ein wenig. Er sagte kein weiteres Wort. Salem und Abu Hudhaifa erlangten beide, wonach sie sich aufrichtig gesehnt hatten. Sie nahmen gemeinsam den Islam an, lebten gemeinsam und erlitten am selben Ort gemeinsam den Märtyrertod.
Die Geschichte von Hazrat Salem gleicht der von Bilal und unzähligen anderen hilflosen Sklaven. Der Islam warf das Joch der Sklaverei von den Schultern all dieser Menschen und setzte sie in der wahrhaftigen und heilsamen Gesellschaft auf die Plätze von Imamen, Führern und Leitern. In ihm vereinigten sich sämtliche Tugenden des erhabenen Islam. Seine herausragendste Eigenschaft war, dass er offen aussprach, was er als wahr erkannt hatte, und niemals davon Abstand nahm, es zu sagen. Seine gläubigen Freunde nannten ihn „Salem min as-Salihin“ – Salem aus den Reihen der Wahrhaftigen.
Hazrat Umar ibn al-Khattab (möge Allah mit ihm zufrieden sein) war voll des Lobes für Salem. Vor seinem Tod sagte er im Zusammenhang mit der Wahl des Kalifen: „Wenn Salem heute noch lebte, würde ich ihm das Kalifat anvertrauen, ohne den Rat der Schura einzuholen.“ (Usud al-Ghaba 2/246).
Hazrat Salim hatte keine Kinder. Daher hinterließ er für den Fall seines Todes ein Testament bezüglich seines zurückgelassenen Vermögens: ein Drittel für die Freilassung von Sklaven und andere islamische Werke und ein Drittel zugunsten seines früheren Herrn, Hazrat Subaita. Als Hazrat Abu Bakr (möge Allah mit ihm zufrieden sein) gemäß dem Testament ein Drittel an Subaita schickte, weigerte dieser sich, es anzunehmen, und sagte: „Ich habe ihn bedingungslos freigelassen und keinerlei Gegenleistung erwartet.“ Später hinterlegte der Kalif Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) es im Bayt al-Mal. (Al-Istiʿab, Usud al-Ghaba 2/247).
Von Hazrat Salim wurden Hadithe des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) überliefert. Viele Sahaba überlieferten wiederum Hadithe von ihm.
Hattib ibn Abi Balta’a
Sein Name war Hattib, seine Kunya Abu Muhammad und Abu Abdillah. Der Name seines Vaters war Abu Balta’a Amr. Über seine Abstammung und darüber, wie er nach Mekka gelangte, gehen die Verfasser der Sira unterschiedlicher Meinung auseinander. Nach der am häufigsten vertretenen Ansicht lag der ursprüngliche Wohnsitz seiner Vorfahren im Jemen. Als Verbündete der Banu Asad und später des Zubair ibn al-Awwam ließen sie sich in Mekka nieder. Andere sagen, er sei der Sklave von Ubaydullah ibn Humayd gewesen. Durch die Zahlung eines vereinbarten Betrags auf Grundlage einer Mukataba erlangte er seine Freiheit aus der Sklaverei. (Usud al-Ghaba 1/361).
Al-Marzubani sagt in seinem Werk Muʿjam asch-Schuʿara: „Im Zeitalter der Dschahiliyya war er einer der berühmtesten Reiter und Dichter der Quraisch.“ (Al-Isaba 1/300)
Er nahm vor der Hidschra den Islam an und begab sich, nachdem Medina als Zentrum des Islam etabliert worden war, in Begleitung seines Sklaven Saʿd dorthin. Dort war er Gast von Hazrat Mundhir ibn Muhammad al-Ansari, und mit Hazrat Khalid ibn Rakhbala (möge Allah mit ihm zufrieden sein) wurde eine Muwakhat, also ein brüderliches Verhältnis, begründet.
Musa ibn Uqba und Ibn Ishaq berichten, dass er gemeinsam mit dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) an der Schlacht von Badr teilnahm. Auch beim Vertrag von Hudaybiyya war er anwesend. (Usud al-Ghaba 1/361). Darüber hinaus nahm er verschiedenen Überlieferungen zufolge an allen Schlachten teil, die gemeinsam mit dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) geführt wurden, darunter Uhud und al-Chandaq.
Nach seiner Rückkehr von Uhud entsandte ihn der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) im sechsten Jahr nach der Hidschra als Verkünder und Missionar des Islam an den Hof von al-Muqauqis, dem Herrscher von Ägypten. Der Brief, den er im Auftrag des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu al-Muqauqis brachte, hatte folgenden Inhalt:
„Danach lade ich Sie zum islamischen Aufruf ein. Wenn Sie den Islam annehmen, werden Sie in Sicherheit sein, und Allah wird Ihnen doppelten Lohn gewähren. Wenn Sie ihn jedoch zurückweisen, wird die Sünde aller Kopten auf Ihnen lasten. O ihr Besitzer der himmlischen Schrift! Kommt zu einem Wort, das für uns und euch gleichermaßen gilt: dass wir nur dem einen Allah dienen, Ihm nichts beigesellen und nicht einander an die Stelle Allahs setzen.“
Hazrat Hatib ibn Abi Balta’a begab sich zum Hof des Muqawqis in Ägypten und übergab ihm den oben erwähnten Brief des Gesandten Allahs. Zwischen den beiden entwickelte sich folgendes Gespräch:
Hatib: Vor Ihnen herrschte hier einst ein Herrscher, der sich für einen Gott hielt. Allah der Erhabene ließ ihn in der Strafe dieser Welt und des Jenseits versinken und nahm auf diese Weise beispielhaft Vergeltung an ihm. Auch Sie sollten aus dem Schicksal anderer eine Lehre ziehen. Es ist nicht wünschenswert, dass Sie selbst zu einem warnenden Beispiel werden.
Muqawqis: Wir folgen einer Religion. Solange sich keine andere Religion als dieser überlegen erweist, können wir sie nicht verlassen.
Hatib: Wir laden Sie zum Islam ein, der besser und vollkommener ist als alle anderen Religionen. Als dieser Prophet die Menschen zu dieser Religion einlud, leisteten die Quraisch heftigen Widerstand. Die Juden zeigten sich zudem am feindseligsten. Im Vergleich dazu waren die Christen jedoch nachsichtiger. Bei Allah! So wie Mose die frohe Botschaft von Jesus verkündet hatte, so verkündete auch Jesus die frohe Botschaft von Muhammad. So wie Sie die Juden zum Evangelium einladen, laden auch wir Sie zum Qur’an ein. Alle Völker und Nationen, die zum Zeitpunkt des Erscheinens eines Propheten auf der Erde leben, gehören zur Gemeinschaft dieses Propheten, und ihm zu gehorchen ist ihnen verpflichtend. Da Sie in der Zeit eines Propheten leben, ist es Ihre unabdingbare Pflicht, an ihn zu glauben. Wir wenden Sie nicht von der Religion des Messias ab, sondern wollen Sie vielmehr auf die richtige Weise dorthin führen.
Muqawqis: Ist Muhammad wirklich ein Prophet?
Hatib: Warum sollte er es nicht sein?
Muqawqis: Als die Quraisch ihn aus seiner Heimatstadt vertrieben, warum sprach er dann keinen Fluch über sie aus?
Ḥātib: Glaubt ihr, dass Jesus (Friede sei mit ihm) Allahs Gesandter ist? Wenn dem so ist, warum habt ihr dann, als er gekreuzigt wurde, nicht gegen die Menschen seines Volkes gebetet?
Auf diese unmittelbare, das Herz durchdringende Antwort hin entfuhr al-Muqauqis unwillkürlich ein anerkennender Ausruf. Er sagte weiter: „Gewiss seid ihr ein außerordentlich gelehrter Mann und seid von einem außerordentlich gelehrten Mann entsandt worden.“ (Usud al-Ghāba 1/361). „Soweit ich darüber nachgedacht habe, befiehlt dieser Prophet nichts Nutzloses und hält auch von keiner wünschenswerten Sache ab. Ich kann ihn weder einen irregeleiteten Zauberer noch einen lügenden Wahrsager nennen. In ihm sind viele Zeichen des Prophetentums vorhanden. Ich werde die Angelegenheit bald eingehend überdenken.“ Nachdem er dies gesagt hatte, nahm er den heiligen Brief des edlen Gesandten Allahs (s.a.s.), legte ihn in eine Schatulle aus Elfenbein, versiegelte sie und übergab sie einer anwesenden Sklavin zur Aufbewahrung.
Al-Muqauqis verabschiedete Ḥātib mit außerordentlicher Ehrerbietung und schickte dem Gesandten Allahs wertvolle Geschenke: drei Sklavinnen, ein Maultier namens Duldul sowie verschiedene Stoffe. (Zād al-Maʿād 257). Eine der drei von al-Muqauqis gesandten Sklavinnen war Māriya al-Qibṭiyya. Der edle Gesandte Allahs (s.a.s.) behielt sie für sich; von ihr wurde sein Sohn Ibrāhīm geboren. Die zweite Sklavin war Māriyas Schwester Sīrīn. Der Gesandte Allahs (s.a.s.) schenkte sie dem berühmten Dichter Ḥassān ibn Thābit (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm); von ihr wurde ʿAbd ar-Raḥmān ibn Ḥassān geboren. Die dritte Sklavin schenkte der Gesandte Allahs (s.a.s.) Abū Jahm ibn Ḥudhāfa al-ʿAdawī. (Ḥayāt as-Saḥāba 1/140–141, Usud al-Ghāba 1/362).
Im achten Jahr nach der Hidschra begannen die Vorbereitungen zur Eroberung Mekkas. Damit die gegnerischen Quraisch in Mekka nichts davon erfuhren, warnte der Gesandte Allahs (s.a.s.) alle eindringlich. Obwohl Ḥātib nicht in Mekka lebte, war er wegen seiner alten Freundschaft mit den Quraisch ihnen gegenüber schwach geworden. Er schickte eine Frau aus dem Stamm Muzaina mit einem Brief nach Mekka, der Nachrichten über die geheimen Vorbereitungen der Bewohner Medinas enthielt. Als Gegenleistung vereinbarte er mit ihr, ihr einen festgelegten Lohn zu zahlen. Die Frau versteckte den Brief in ihrem Haargeflecht und machte sich auf den Weg nach Mekka. Durch die Offenbarung erfuhr der Gesandte Allahs (s.a.s.) inzwischen von allem. Sofort wies er ʿAlī, az-Zubair und al-Miqdād an, die Frau zu verfolgen und den Brief zurückzuholen. Die drei ritten eilends hinter ihr her und holten sie an einem Ort namens „Chalīqa“, nach anderer Auffassung „Rauḍat Chāch“, ein. Zunächst durchsuchten sie ihr Reittier, fanden aber nichts. Darauf sagte ʿAlī (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm) zu der Frau: „Ich schwöre bei Allah: Dem Gesandten Allahs (s.a.s.) wurde keine falsche Nachricht übermittelt, und auch wir wurden nicht belogen. Entweder du holst den Brief selbst heraus, oder wir werden dich nackt durchsuchen.“ Als die Frau ihre Härte sah, sagte sie: „Tretet ein wenig zurück.“ Sie traten zurück. Darauf löste sie ihr Haargeflecht, holte den Brief daraus hervor und übergab ihn ihnen. Die drei nahmen den Brief und begaben sich zum Gesandten Allahs (s.a.s.). Nachdem er den Brief gelesen hatte, fragte der Gesandte Allahs (s.a.s.) erstaunt: „O Ḥātib, warum hast du so etwas getan?“ Ḥātib sagte: „O Gesandter Allahs, triff über mich keine voreilige Entscheidung. Zwar gehöre ich nicht zu den Quraisch, doch hatte ich in der Zeit der Unwissenheit enge Beziehungen zu ihnen aufgebaut. Da alle Auswanderer ihre in Mekka lebenden Verwandten und Freunde unterstützen, wollte auch ich meinen Verwandten wenigstens einen Teil dessen vergelten, was die Quraisch ihnen an guter Behandlung erwiesen hatten. Ich habe dies weder getan, weil ich vom Glauben abgefallen oder den Islam aufgegeben hätte, noch weil ich dem Unglauben den Vorrang vor dem Islam geben wollte.“ (Ṣaḥīḥ al-Buchārī, Kitāb al-Maghāzī).
In einer anderen Überlieferung heißt es, Ḥātib habe gesagt: „O Gesandter Allahs! Meine Familie befindet sich unter ihnen. Ich schrieb den Brief nur in dem Glauben, dass dadurch Allah und Seinem Gesandten kein Schaden entstehen würde. Seit ich den Islam angenommen habe, ist in meinem Herzen kein Zweifel an Allah aufgekommen. Doch in Mekka war ich ein Fremder, und dort befinden sich meine Mutter, meine Brüder und meine Söhne.“ (Al-Iṣāba 1/300; Ḥayāt as-Saḥāba 2/425).
Nachdem der edle Gesandte Allahs (s.a.s.) Ḥātibs Aussage gehört hatte, wandte er sich an die anwesenden Gefährten und sagte: „Er hat die Wahrheit offen ausgesprochen. Deshalb soll ihn niemand beschimpfen.“ ʿUmar (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm) bat: „O Gesandter Allahs! Er hat Allah, Seinem Gesandten und den Muslimen gegenüber Misstrauen gezeigt. Erlaubt mir, diesen Heuchler zu enthaupten.“ Der Gesandte Allahs (s.a.s.) sagte: „Hat er nicht an der Schlacht von Badr teilgenommen? Allah hat den Kämpfern von Badr verziehen und ihnen gesagt: Tut, was ihr wollt; das Paradies ist euch gewiss.“ Bei dieser außergewöhnlichen Großzügigkeit des barmherzigen Propheten, der eine Barmherzigkeit für alle Welten ist, füllten sich ʿUmars Augen mit Tränen. (Ṣaḥīḥ al-Buchārī, Faḍl man schahida Badran).
Im Zusammenhang mit diesem Ereignis wurde folgender Vers des edlen Korans offenbart:
„O ihr, die ihr glaubt, nehmt nicht Meine Feinde und eure Feinde zu Freunden. Ihr erweist ihnen Freundschaft, obwohl sie die Wahrheit verleugnet haben, die zu euch gekommen ist. (Sure al-Mumtaḥina 1).
Nach dem Tod des ehrwürdigen Gesandten Allahs (s.a.w.) schickte der erste Kalif, der ehrwürdige Abu Bakr (r.a.), ihn ein zweites Mal zum Hof des Makukus und schloss mit Makukus einen Friedensvertrag. Dieser Vertrag blieb zwischen beiden Seiten bis zur Eroberung Ägyptens durch den ehrwürdigen Amr ibn al-As (r.a.) in Kraft. (Al-Istīʿāb).
Im Jahr 30 nach der Hidschra verstarb er im Alter von 65 Jahren in Medina. Der ehrwürdige Uthman (r.a.) leitete das Totengebet, und unter der Anwesenheit einer großen Menschenmenge wurde seine Beisetzung vollzogen. (Al-Istīʿāb).
Das Einhalten von Versprechen, das Erwidern von Wohltaten und eine klare Ausdrucksweise gehörten zu den herausragenden Eigenschaften seines Charakters. Gegenüber Verwandten und Freunden empfand er grenzenloses Mitgefühl. Der Brief, den er vor der Eroberung Mekkas schrieb, entstand im Wesentlichen aus diesem Mitgefühl heraus. Der Gesandte (s.a.w.) erkannte dies und verzieh ihm. Sein Wesen war etwas rau. Zu seinen Sklaven verhielt er sich streng. Deshalb tadelten ihn der Gesandte (s.a.w.) und die späteren Kalifen bisweilen, um ihn zu bessern. Einmal kam einer seiner Sklaven zum Dienst des ehrwürdigen Gesandten Allahs (s.a.w.), beklagte sich über seine Härte und sagte: „O Gesandter Allahs, gewiss wird Hatib in die Hölle kommen.“ Der Gesandte (s.a.w.) sagte: „Du lügst. Wer an Badr und Hudaibiyya teilgenommen hat, kann nicht in die Hölle kommen.“ (Al-Istīʿāb).
Während der Kalifenzeit des ehrwürdigen Umar (r.a.) beschwerten sich seine Sklaven oftmals beim Kalifen über seine Härte. Einmal schlachtete einer seiner Sklaven das Kamel eines Mannes aus dem Stamm der Muzaina. Als Strafe dafür legte er für diesen Sklaven eine harte Strafe fest. Als der Kalif davon erfuhr, ließ er ihn zu sich rufen und sagte: „Ich habe erfahren, dass du deine Sklaven hungern lässt.“ Der Kalif warnte ihn eindringlich.
Der Handel war die wichtigste Quelle seines Lebensunterhalts. Mit einem Lebensmittelgeschäft verdiente er beträchtliche Summen. Bei seinem Tod hinterließ er viertausend Dinar und zahlreiche Häuser. Manche sagen, dass von Hatib drei Hadithe des Gesandten Allahs (s.a.w.) überliefert sind, andere sagen, es seien zwei Hadithe.
‘„Utba ibn Ghazwan (r.a.)
Sein Name war Utba, sein Beiname Abu Abdillah. Sein Vater war Ghazwan ibn Dschabir. In der vorislamischen Zeit stand sein Stamm in einem Bündnis mit den Banu Naufal ibn Abd Manaf. Utba gehörte zu denjenigen, die in der Frühzeit des Islams dem Ruf zum Tauhid folgten. Einmal erklärte er in einer Ansprache, dass er der siebte Muslim gewesen sei. (Usd al-Ghaba-3).
Von den Verfolgungen durch die Ungläubigen in Mekka bedrängt, nahm er an der zweiten Auswanderung nach Abessinien teil. Damals war er 40 Jahre alt. Nachdem er einige Zeit in Abessinien geblieben war, kehrte er wieder nach Mekka zurück und ließ sich dort nieder. Der ehrwürdige Gesandte Allahs (s.a.w.) befand sich zu jener Zeit noch in Mekka. (Al-Istīʿāb, Usd al-Ghaba-3/364).
Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nach Medina auswanderte und der militärische Konflikt zwischen dem Unglauben und dem Islam begann, zogen Utba und al-Miqdad mit einem Quraisch-Heer in Richtung Medina. Ikrima ibn Abi Dschahl war der Anführer dieses Heeres. Unterwegs kam es zwischen diesem Heer und einer kleinen Gruppe muslimischer Glaubenskämpfer aus Medina zu einem kurzen Gefecht. Anführer dieser Gruppe war Hadhrat Ubaida ibn al-Harith. Utba und al-Miqdad warteten auf eine Gelegenheit. Bei passender Gelegenheit schlossen sie sich der Gruppe der Glaubenskämpfer an. Nach seiner Ankunft in Medina wurde Utba Gast von Hadhrat Abdullah ibn Salama al-Adschlani, und mit Hadhrat Abu Dschudschana al-Ansari wurde ein brüderliches Verhältnis begründet. (At-Tabaqat von Ibn Sa’d, 3/69).
Hadhrat Utba ibn Ghazwan war ein geschickter Bogenschütze. Neben den Schlachten von Badr, Uhud und dem Grabengefecht nahm er an allen Schlachten teil, an denen der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, persönlich teilnahm, und spielte dabei eine äußerst mutige Rolle. Auch der von Abdullah ibn Dschahsch geleiteten Aufklärungsgruppe, die der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in Richtung Nakhla entsandte, gehörte er an. (Hayatus-Sahaba, 2/350).
Im Jahre 14 nach der Hidschra übertrug der zweite Kalif, Hadhrat Umar, möge Allah mit ihm zufrieden sein, ihm die Durchführung eines Feldzugs in den Gebieten um Ubulla, den Seehafen des Irak, Maysan und dessen Umgebung und entsandte ihn von Medina aus mit einem Heer. Das Ereignis wird in verschiedenen Büchern folgendermaßen beschrieben: „Der Befehlshaber der Gläubigen, Hadhrat Umar ibn al-Khattab, möge Allah mit ihm zufrieden sein, legte sich nach dem Nachtgebet zur kurzen Ruhe auf sein Bett, um später in der Nacht zu einem Rundgang durch die Stadt aufzubrechen. Doch kein Schlaf kam über seine Augen. Ein Bote hatte die Nachricht gebracht, dass sich das besiegte persische Heer aus seinem zersplitterten Zustand für einen Gegenangriff wieder gesammelt hatte. Dem Kalifen wurde ferner mitgeteilt, dass die nahe Basra gelegene Stadt Ubulla die wichtigste Quelle für Geld und Nachschub an Männern des besiegten persischen Heeres sei. Der Kalif beschloss, einen Feldzug gegen Ubulla zu unternehmen, um diese Quelle des persischen Heeres zu unterbrechen. Doch die unzureichende militärische Stärke stand der Umsetzung seines Beschlusses im Wege. Denn damals waren in Medina bis auf wenige Menschen nahezu alle an Feldzügen an verschiedenen Fronten beteiligt. Da beschloss Kalif Umar, möge Allah mit ihm zufrieden sein, seine bewährte Methode anzuwenden: den Mangel an Soldaten durch die Entsendung einer starken und fähigen Führung auszugleichen. Er dachte über die Befehlshaber des Heeres nach. Nach einer Weile sagte er vor sich hin: ‚Ich habe ihn gefunden. Ja, ich habe ihn gefunden.‘ Während er dies sagte, legte er sich zu Bett. Er war der Glaubenskämpfer, den Schlachten wie Badr, Uhud und der Grabenschlacht kannten. Auch Yamama war Zeuge seiner Fähigkeiten und seines Einsatzes. In keiner Schlacht war sein Schwert stumpf geworden, und kein einziger seiner Pfeile hatte sein Ziel verfehlt. Außerdem war er einer, der zwei Auswanderungen vollzogen hatte; auf der Erde war er der siebte Muslim.“
Am Morgen sagte er: „Ruft mir jemanden, der Utba ibn Ghazwan holt.“ Der Kalif übertrug ihm den Befehl über ein Heer von etwas mehr als dreihundert Mann und versprach außerdem, ihn mit weiteren nachrückenden Soldaten zu unterstützen.
Kurz bevor Utba mit seinem Heer von Medina aufbrach, ermahnte Kalif Umar den Heerführer Utba mit folgenden Worten:
„Im Vertrauen auf Allahs Barmherzigkeit und Segen brich mit deinen Gefährten in Richtung der äußersten Grenze Arabiens und des an die nichtarabischen Reiche angrenzenden Gebietes auf. Übe dich so weit wie möglich in Gottesfurcht und bedenke, dass ihr in feindliches Gebiet zieht. Ich hoffe, dass Allah dir helfen wird. Ich habe an al-Ala ibn al-Hadrami geschrieben und Arfadschah ibn Harthama entsandt, damit er dich unterstützt. Er ist im Kampf gegen den Feind ein tatkräftiger Glaubenskämpfer. Er wird dir als Ratgeber zur Seite stehen. Du sollst die Nichtaraber zu Allah aufrufen. Denjenigen, die diesem Aufruf Folge leisten, sollst du Sicherheit gewähren. Diejenigen aber, die ihn ablehnen, sollst du dazu verpflichten, unter Entrichtung der Dschizya ein Leben unter eurer Herrschaft zu führen. Andernfalls sollst du die Entscheidung mit dem Schwert herbeiführen. Ermutige auf deinem Weg die arabischen Stämme, an denen du vorbeikommst, zum Kampf gegen den Feind, und fürchte Allah unter allen Umständen. (Usd al-Ghaba, 3/364).“
Utba ibn Ghazwan brach mit seinem Heer auf. Zusammen mit diesem Heer zogen neben seiner Frau noch fünfzehn weitere Frauen der anderen Soldaten mit. Sie gelangten in ein Gebiet namens Kasba, in dem eine bestimmte Wasserpflanze wuchs, unweit der Stadt Ubulla. Damals besaßen sie nichts, womit sie ihren Hunger hätten stillen und am Leben bleiben können. Als sie von quälendem Hunger befallen wurden, wies Utba einige Mitglieder seines Heeres an, nach etwas Essbarem zu suchen. Mit dieser Suche nach Nahrung ist eine erstaunliche Geschichte verbunden. Einer von ihnen berichtet:
„Wir drangen auf der Suche nach Nahrung in einen dichten Dschungel ein. Dort sahen wir zwei Säcke liegen. Einer war mit Datteln gefüllt, der andere mit einer Art weißer Körner, deren Oberfläche mit einer goldenen Schicht bedeckt war. Wir zogen die beiden Säcke in die Nähe unseres Feldlagers. Einer von uns blickte auf den mit Körnern gefüllten Sack und sagte: ‚Das ist Gift; die Feinde haben es zurückgelassen. Niemand soll sich ihm nähern.‘ Wir begannen, die Datteln zu essen. Inzwischen lief unser Pferd davon, steckte den Kopf in den Sack mit den Körnern und begann, davon zu fressen. Wir hatten beinahe beschlossen, es noch vor seinem Tod zu schlachten, damit wir sein Fleisch essen konnten.“
Daraufhin sagte der Besitzer des Pferdes zu uns: „Warten wir ein wenig und bewachen wir das Pferd heute Nacht. Wenn sich herausstellt, dass es tatsächlich im Sterben liegt, kann man es schlachten.“ Doch am Morgen zeigte sich, dass das Pferd vollkommen gesund war. Da sagte meine Schwester zu mir: „Bruder, ich habe gehört, wie mein Vater sagte, dass Gift seine Wirkung verliert, wenn man es im Feuer erhitzt und kocht.“ Dann nahm sie einige Getreidekörner, legte sie in einen Topf und begann, sie zu kochen. Nach einer Weile rief sie uns und sagte: „Seht, wie rot sie geworden sind.“ Sie schälte die Körner und holte die weißen Körner heraus. Wir legten sie in ein Gefäß. Utba sagte: „Esst sie und sagt vorher Bismillah.“ Wir aßen davon und fanden, dass sie ausgezeichnet schmeckten. Später erfuhren wir, dass diese Getreidekörner „Reis“ genannt wurden.
Dieses „Ubulla“ lag am Ufer des Tigris und war eine stark befestigte Stellung des feindlichen Heeres. Utba eroberte diese Stellung mit nur sechshundert Kriegern und einigen Frauen. Auch ihre Waffen waren äußerst einfach: Pfeile, Schwerter, Speere und dergleichen. Doch mithilfe seines Verstands, seiner Klugheit und seines Mutes vollbrachte er das scheinbar Unmögliche.
Utba fertigte für die Frauen zahlreiche Fahnen an und band sie an die Spitzen von Speeren. Er wies sie an, diese hinter den muslimischen Mudschahidin hochzuhalten. Außerdem sagte er ihnen: „Wenn wir uns der Stadt Ubulla nähern, müsst ihr sehr viel Staub aufwirbeln, sodass die ganze Umgebung im Staub verdunkelt wird.“
Als das muslimische Heer sich Ubulla näherte, kam das persische Heer aus der Stadt heraus und sah eine bis zum Horizont reichende Staubwolke sowie unzählige sich bewegende Fahnen. Sie sagten zueinander: „Das ist nur die Vorhut. Hinter ihr befinden sich unzählige Soldaten, die diesen Staub aufwirbeln.“ Furcht erfüllte ihre Herzen, und in ihrer Panik gerieten sie völlig außer sich. Sie nahmen alles, was sie zur Hand hatten, und begannen, miteinander darum zu wetteifern, die auf dem Tigris vor Anker liegenden Boote zu erreichen und zu fliehen. Utba betrat Ubulla, ohne auch nur ein einziges Mitglied seines Heeres zu verlieren. Danach unterwarf er die am Tigrisufer gelegenen Städte und Dörfer und ließ das Banner des Islam hoch aufragen.
In Ubulla erbeutete das muslimische Heer unzählige Beutestücke. Als ein Soldat des muslimischen Heeres nach Medina kam, fragten ihn die Bewohner Medinas, wie es den Muslimen in Ubulla gehe. Er sagte: „Wonach fragt ihr eigentlich? Bei Allah, als ich sie zurückließ, wogen sie Gold und Silber auf Waagen.“ Als die Bewohner Medinas dies hörten, machten sie sich auf ihren Reittieren nach Ubulla auf.
Nach der Eroberung Ubullas überlegte Hadhrat Utba, dass seine Soldaten, wenn sie in diesem fremden Land zusammen mit den einheimischen Bewohnern der Stadt lebten, sehr bald an die fremden Sitten und Gebräuche gewöhnt würden und ihre eigene Identität verlören. Er teilte dies dem Kalifen Umar, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, mit und bat um die Erlaubnis, an einem Ort namens Basra eine Militärstadt zu errichten. Basra lag nahe dem Hafen von Ubulla, wo die Schiffe aus Indien und Persien, die den Persischen Golf befuhren, vor Anker gingen. Hadhrat Utba, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, begab sich als Erster mit achthundert Männern an diesen Ort und legte den Grundstein für die Stadt Basra. Für jeden Stamm bestimmte er ein eigenes Viertel. Mit dem Bau der Freitagsmoschee beauftragte er Hadhrat Mihdschan ibn al-Adra. Die Häuser der Stadt wurden zunächst aus Holz und Steinen errichtet. Deshalb wurde auch die Freitagsmoschee aus Holz errichtet. Für sich selbst ließ er jedoch keinen Palast bauen. Er lebte in einem Zelt aus Stoff. (Usd al-Ghaba, 3/364.)
Hadhrat Utba, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, wurde zum ersten Statthalter dieser neuen Stadt ernannt und erfüllte seine Aufgabe sechs Monate lang äußerst erfolgreich. Doch seine asketische und weltabgewandte Haltung gegenüber weltlichem Wohlstand und Besitz bewog ihn, von seinem Amt zurückzutreten. Außerdem erschrak er, als er das luxuriöse Leben der Muslime in Basra beobachtete. Diejenigen, die noch vor kurzer Zeit keine bessere Nahrung als gekochten Reis gekannt hatten, hatten sich nun an die vornehmen Speisen Persiens gewöhnt. Er begann, um die Religion besorgt zu sein. Zu dieser Zeit hielt er vor den in der Moschee versammelten Menschen eine historische Ansprache. Ein Teil davon lautet wie folgt:
„Freunde! Die Welt ist in Bewegung und vergeht. Der größte Teil von ihr ist bereits vergangen. Ihr werdet gewiss von dieser Welt an einen Ort übersiedeln, der nicht zugrunde geht. Warum nehmt ihr dann nicht den besten Reiseproviant mit? Mir wurde gesagt: Wenn ein Steinbrocken vom Rand der Hölle hinabgeworfen würde, könnte er selbst nach siebzig Jahren noch nicht ihren Grund erreichen. Doch bei Allah! Ihr werdet sie vollständig füllen. Was ist, staunt ihr? Bei Allah, mir wurde gesagt, dass die Tore des Paradieses so weit sein werden, dass man vierzig Jahre brauchen wird, um diese Entfernung zu durchqueren. Doch ein Tag wird kommen, an dem dort ein gewaltiges Gedränge herrschen wird. Als ich den Glauben annahm, waren beim Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nur sechs Personen. Wir lebten in äußerster Bedürftigkeit und Armut, sodass die Blätter der Bäume unser wichtigstes Mittel zum Lebensunterhalt waren. Vom Essen dieser Blätter bekamen unsere Lippen Wunden. Eines Tages fand ich einen Umhang. Ich zerriss ihn und fertigte daraus für mich und Sa’d ibn Abi Waqqas einen Lendenschurz an. Doch heute ist ein Tag gekommen, an dem jeder von uns Statthalter irgendeiner Stadt geworden ist. Ich suche Zuflucht bei Allah vor einem Zustand, in dem ich mich selbst für groß halte, obwohl ich bei Allah der Niedrigste bin. Die Prophetenschaft ist beendet. Schließlich wird die Königsherrschaft errichtet werden, und schon bald werdet ihr andere Statthalter auf die Probe stellen. (Musnad Ahmad ibn Hanbal, 4/174.)
Danach beauftragte Hadhrat Utba (r.a.) Hadhrat Majashi ibn Masud mit einem Feldzug in die Gebiete am Euphrat und ernannte Hadhrat Mughirah ibn Shu’bah zu seinem Stellvertreter. Anschließend reiste er zur Verrichtung der Hadsch nach Mekka. Auch der Befehlshaber der Gläubigen, Hadhrat Umar (r.a.), befand sich dort. Dort bat er den Kalifen um seine Entlassung aus dem Amt, doch der Kalif wies sein Gesuch zurück. Er bat wiederholt darum, und auch der Kalif wies seine Bitte immer wieder zurück. Der Kalif befahl ihm, nach Basra zurückzukehren und sein Amt erneut zu übernehmen. Obwohl er dies nicht wollte, fügte er sich dem Befehl des Kalifen. Während der Reise von Mekka nach Basra, unmittelbar bevor er auf das Kamel stieg, sprach er in äußerster Demut das Bittgebet: „Allahumma la taruddani ilaiha, Allahumma la taruddani ilaiha“ – „O Allah, führe mich nicht nach Basra zurück; o Allah, führe mich nicht dorthin zurück.“ Allah, der Erhabene, erhörte sein Bittgebet. Unterwegs fiel er plötzlich vom Rücken des Kamels und verstarb im Alter von fünfundsiebzig Jahren an einem Ort namens Ma’dan Salim. Sein Todesjahr war nach einer Meinung das 17., nach einer anderen das 20. Jahr der Hidschra. In Sahih Muslim und anderen Sunan-Werken werden Hadithe von Utba ibn Ghazwan überliefert.
Amir ibn Fuhaira (r.a.)
Sein Name war Amir, sein Beiname Abu Amr. Sein Vater hieß Fuheira; nach einer anderen Ansicht war Fuheira der Name seiner Mutter. Ibn Hischam sagt: „Amir ibn Fuhaira war ein nichtarabischer schwarzer Sklave der Banu Asad. Hadhrat Abu Bakr as-Siddiq kaufte ihn frei und schenkte ihm die Freiheit.“ (Sira ibn Hischam, 1/259.) Einer anderen Überlieferung zufolge war Amir der Sklave von Tufail ibn Abdillah aus dem Stamm der Azd, dem Halbbruder von Hadhrat Aischa. Hadhrat as-Siddiq al-Akbar (r.a.) befreite Amir ibn Fuhaira vor der Hidschra als siebten von denjenigen, die er aus der Sklaverei freiließ. (Sira ibn Hischam, 1/318.)
Noch bevor der ehrwürdige Gesandte Allahs (s.a.w.) in Mekka im Haus von Hadhrat Arqam Zuflucht nahm, nahm Amir ibn Fuhaira bereits in jener frühen Zeit des Islams die Einladung zum Tauhid an. Er war einerseits ein hilfloser Sklave und hatte andererseits den Islam angenommen; so brach ein Berg von Not über ihn herein. Verschiedene Arten der Folter wurden an ihm angewandt. Doch angesichts all dieser Grausamkeiten blieb er standhaft wie ein Berg. Schließlich wurde er durch die Großzügigkeit von Hadhrat as-Siddiq al-Akbar (r.a.) von den Ketten der Sklaverei befreit. (Usd al-Ghaba, 3/191.)
Als der ehrwürdige Gesandte Allahs (s.a.w.) gemeinsam mit Abu Bakr as-Siddiq (r.a.) von Mekka nach Medina aufbrach und sich in der Höhle des Berges Saur verbarg, ließ Amir ibn Fuhaira den ganzen Tag Abu Bakrs (r.a.) Ziegen auf den Weideplätzen in der Umgebung des Berges Saur weiden. Er sorgte dafür, dass der Gesandte Allahs (s.a.w.) und Abu Bakr (r.a.) Milch bekamen und trinken konnten. Währenddessen kam Hadhrat Abu Bakrs Sohn Abdullah jede Nacht heimlich zur Höhle des Berges Saur, um dem Gesandten Allahs (s.a.w.) und as-Siddiq al-Akbar über die Lage in Mekka zu berichten. Wenn er morgens nach Hause zurückkehrte, folgte Amir ihm mit der Ziegenherde, sodass dessen Fußspuren verwischt wurden und niemand Verdacht schöpfte. (Sira ibn Hischam, 1/486; Sahih al-Buchari, Kitab al-Maghazi.)
Danach verließen der Gesandte Allahs (s.a.w.) und Abu Bakr (r.a.) die Höhle des Berges Saur und machten sich auf den Weg nach Medina. Abu Bakr (r.a.) ließ Amir hinter sich auf seinem Reittier Platz nehmen. So vollzog Amir die Hidschra nach Medina. In Medina war er bei Hadhrat Sa’d ibn Chuzaima (r.a.) zu Gast, und mit Hadhrat Harith ibn Aus wurde zwischen ihnen eine Mu’akhāt, also eine religiöse Bruderschaft, begründet. (Tabaqat ibn Sa’d, 3/164.)
Amir gehörte zu denjenigen, deren Gesundheit sich anfangs nicht an das Klima Medinas gewöhnte, nachdem sie von Mekka nach Medina gekommen waren. Er wurde sehr krank. Ibn Ishaq überliefert, dass Hadhrat Aischa (r.a.) sagte: Als der Gesandte Allahs (s.a.w.) nach Medina auswanderte, war Medina das fieberreichste Gebiet auf Allahs Erde. Die Gefährten des Gesandten Allahs (s.a.w.) erkrankten dort in großer Zahl an Fieber. Abu Bakr (r.a.) wohnte mit seinen beiden freigelassenen Sklaven – Amir ibn Fuhaira und Bilal – in einem Zimmer. Sie alle erkrankten an Fieber. Ich besuchte sie. Dies geschah vor der Vorschrift über den Schleier. Wegen des heftigen Fiebers waren sie damals bewusstlos. Nachdem ich mich zunächst nach Abu Bakrs Befinden erkundigt hatte, ging ich zu Amir ibn Fuhaira und fragte: „Amir, wie fühlen Sie sich?“ Er antwortete, indem er zwei Gedichtzeilen vortrug: „Noch bevor ich den Geschmack des Todes gekostet habe, bin ich ihm begegnet; gewiss, der Tod des Feiglings kommt plötzlich von oben. Jeder Mensch versucht entsprechend seiner Fähigkeit zu leben, so wie das Vieh mit seinen Hörnern seine Haut schützt.“
Hadhrat Aischa (r.a.) sagte: „Bei Allah, Amir selbst weiß nicht, was er sagt.“ Danach erkundigte sich Hadhrat Aischa (r.a.) nach Bilals Befinden, kehrte zum Gesandten Allahs (s.a.w.) zurück und berichtete ihm von ihrem Zustand. Daraufhin sprach der Gesandte Allahs (s.a.w.) das Bittgebet: „O Allah, lass Medina in unseren Augen ebenso liebenswert und beliebt werden wie Mekka oder noch mehr. Segne für uns seine Lebensmittel und entferne seine Krankheiten an einen Ort namens Mahya.“ (Sira ibn Hischam, 1/588–589; Sahih al-Buchari, Kapitel über die Hidschra des Propheten und seiner Gefährten.)
Das Bittgebet des Gesandten Allahs (s.a.w.) wurde erhört, und sie alle wurden wieder gesund.
Hazrat ʿĀmir ibn Fuhaira (r.a.) nahm an den Schlachten von Badr und Uhud teil. Nach der Schlacht von Uhud kam ein Mann namens Abū Barā ʿĀmir ibn Mālik nach Medina, um dem Gesandten Allahs (s.a.w.) seine Aufwartung zu machen. Der edle Gesandte Allahs (s.a.w.) unterbreitete ihm die Einladung zum Islam; doch er nahm sie weder an noch lehnte er sie ab. Er sagte: »O Muhammad, wenn du einige deiner Gefährten zu den Bewohnern von Nadschd schicken würdest und sie diesen deine Einladung vortrügen, würden sie, wie ich glaube, deine Einladung annehmen.« Der Gesandte Allahs (s.a.w.) sagte: »Ich fürchte, dass die Leute von Nadschd sie angreifen könnten.« Abū Barā sagte: »Für sie übernehme ich die Verantwortung. Schicke diese Männer, damit sie zu deiner Religion einladen.« Im Vertrauen auf seine Worte wählte der edle Gesandte Allahs (s.a.w.) vierzig – einer anderen Überlieferung zufolge siebzig – Männer aus und bildete eine Gruppe. Zu dieser Gruppe gehörte auch Hazrat ʿĀmir ibn Fuhaira (r.a.). Auf Anweisung des Gesandten Allahs (s.a.w.) brach diese Gruppe im vierten Monat nach dem Ende der Schlacht von Uhud, im Jahr 4 nach der Hidschra, von Medina auf und schlug an einem Ort namens Biʾr Maʿūna zwischen Banū ʿĀmir und Harra Banū Sulaim ihr Lager auf.
Daraufhin schickten sie durch Harām ibn Milhān einen Brief des Gesandten Allahs (s.a.w.) an ʿĀmir ibn Tufail. Ohne den Brief zu lesen, tötete ʿĀmir ibn Tufail den Gesandten Harām ibn Milhān. Danach griff er mit Unterstützung von Banū Sulaim, Riʿl und Dhakwān die Gruppe überraschend an und tötete alle bis auf Kaʿb ibn Zaid – einer anderen Überlieferung zufolge ʿAmr ibn Umayya ad-Damrī (r.a.). Hazrat Kaʿb überlebte schwer verwundet nur knapp. Später erlitt er in der Grabenschlacht den Märtyrertod. (Sīrat Ibn Hischām 1/183–186.)
Als der Speer des verräterischen Dschabbār ibn Salmā die Brust von Hazrat ʿĀmir ibn Fuhaira (r.a.) durchbohrte, kam es ohne jedes Zögern über seine Lippen: »Fuztu, wallāh – bei Allah, ich habe Erfolg errungen.« Sein Leichnam sprang empor zum Himmel. Die Engel hüllten ihn in ein Leichentuch und bestatteten ihn. Für seine reine Seele wurde das Tor zu den höchsten Stufen von ʿIlliyyūn geöffnet. Als der Mörder Dschabbār ibn Salmā dieses wundersame Geschehen sah, war er vor Staunen wie betäubt und wurde so tief beeindruckt, dass er den Islam annahm. Nach diesem herzzerreißenden Ereignis von Biʾr Maʿūna sprach der edle Gesandte Allahs (s.a.w.) vierzig Tage lang beim Morgengebet das »Qunūt an-Nāzila« und sprach Verwünschungen gegen diese Mörder aus. Danach kam ʿĀmir ibn Tufail nach Medina und fragte den Gesandten Allahs (s.a.w.): »O Muhammad, wer war jener Mann, der unmittelbar nach seiner Verwundung durch einen Pfeil zum Himmel emporgehoben wurde?« Der Gesandte Allahs (s.a.w.) sagte: »Er war ʿĀmir ibn Fuhaira.« (Anmerkung: Sīrat Ibn Hischām 1/186; Ṭabaqāt Ibn Saʿd – al-Maghāzī.)
Die äußere Hautfarbe von Hazrat ʿĀmir ibn Fuhaira war schwarz wie die der schwarzen Bewohner Abessiniens, und der größte Teil seines vierunddreißigjährigen Lebens war in der Knechtschaft und Sklaverei unter grausamen Herren vergangen. In seinem Charakter jedoch war er edel. Die Geduld und Standhaftigkeit, die er in verschiedenen Gefahren und Bedrängnissen zeigte, ließen die Schönheit seines Charakters auf wunderbare Weise erstrahlen. Er war so vertrauenswürdig, dass der Gesandte Allahs (s.a.w.) sich in zahlreichen schwierigen Situationen auf ihn verlassen hatte. Sein glühender Wunsch nach dem Märtyrertod hatte ihn der Welt gegenüber gleichgültig gemacht. Als ihm daher in der Auseinandersetzung von Biʾr Maʿūna ein Speer in die Brust gestoßen wurde, kamen ohne jedes Zögern die Worte über seine Lippen: »Fuztu, wallāh – bei Allah, ich habe Erfolg errungen.«
ʿAbdullāh ibn Suhail (r.a.)
Sein Name war ʿAbdullāh, sein Beiname beziehungsweise seine Kunya Abū Suhail. Sein Vater war Suhail und seine Mutter Fākhta bint ʿĀmir.
Er nahm in der Frühzeit des Islam den Glauben an und wanderte mit der zweiten Karawane, die nach Abessinien aufbrach, nach Abessinien aus. Nachdem er sich einige Zeit in Abessinien aufgehalten hatte und nach Mekka zurückgekehrt war, nahm sein Vater ihn gefangen und misshandelte ihn grausam. Da ʿAbdullāh die Misshandlungen nicht ertragen konnte, tat er so, als habe er den Islam aufgegeben und sei wieder zum Leben unter den Polytheisten beziehungsweise zum Götzendienst zurückgekehrt. Seine Eltern und die Polytheisten von Mekka waren aufgrund seines äußeren Verhaltens beruhigt und überzeugt, dass er den Islam aufgegeben habe.
Inzwischen verließ der ehrwürdige Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Mekka und zog nach Medina. Zwischen Mekka und Medina begannen militärische Auseinandersetzungen. Die Mekkaner nahmen Abdallah als ihren Kampfgefährten mit, damit er bei Badr gegen die Muslime kämpfe. Doch sie wussten nicht, dass in ein Herz, in das einmal das Licht des Glaubens eingedrungen ist, niemals die Dunkelheit des Schirk eindringen kann. Tatsächlich hatte Abdallah den Islam niemals aufgegeben. Er hatte lediglich auf eine Gelegenheit gewartet. Bei Badr schloss er sich dem muslimischen Heer an.
Bei einem unerwarteten Ereignis geriet Abdallahs Vater in Wut. Um sich dafür zu rächen, griff er mit großer Wucht an. Doch es nützte nichts. Abdallah war nun frei und kämpfte Seite an Seite mit seinen Glaubensbrüdern tapfer gegen das Heer seines Vaters. Schließlich errangen die Muslime den Sieg. Nach Badr kämpfte der ehrwürdige Abdallah, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, in allen bekannten Schlachten tapfer an der Seite des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Auch am Vertrag von Hudaybiyya und am Treueid von Ridwan nahm er teil. (Al-Isaba 2/323).
Auch bei der Eroberung Mekkas war der ehrwürdige Abdallah, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, der Reisegefährte des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Sein Vater Suhail lebte damals noch als Ungläubiger in Mekka. Der ehrwürdige Abdallah, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, bat den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, um Aman, also Sicherheit, für seinen Vater. Darüber berichtete sein Vater Suhail: Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in Mekka einzog, ging ich in mein Haus und verschloss die Tür. Dann schickte ich meinen Sohn Abdallah zu Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, um für meine Sicherheit zu bitten. Denn ich war keineswegs davon überzeugt, dass ich nicht getötet werden würde. Abdallah ging zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und sagte: „O Gesandter Allahs, gewährst du meinem Vater Aman oder Sicherheit?“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Ja. Ihm ist in Allahs Schutz Aman oder Sicherheit gewährt. Er soll sich zeigen.“ Danach sagte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu den Menschen in seiner Umgebung: „Niemand soll Suhail ibn Amr geringschätzen. Bei Allah, er ist ein ehrenhafter und kluger Mann. Ein solcher Mensch kann der Schönheit des Islam niemals unwissend gegenüberstehen. Nun hat er erkannt, dass das, dem er geholfen hat, keinen Nutzen besitzt.“
Der ehrwürdige Abdallah, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, ging zu seinem Vater, überbrachte ihm die Anweisung des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und verkündete ihm die frohe Botschaft. Von der glücklichen Lage seines Sohnes gerührt, rief der Vater aus: „Bei Allah, du warst sowohl als Kind als auch als Erwachsener in beiden Lebensabschnitten rechtschaffen.“ Nach dieser Zusicherung des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, erschien Suhail, noch zwischen Zweifel und Unentschlossenheit schwankend, bei ihm. Er brach gemeinsam mit dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, von Mekka auf, um am Feldzug von Hunain teilzunehmen. Unterwegs, an einem Ort namens Dschi’rana unweit von Mekka, nahm er den Islam an. Der ehrwürdige Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, schenkte ihm aus der Beute von Hunain hundert Kamele. (Hayatus-Sahaba 1/173–174).
Während des Kalifats des Kalifen Abu Bakr as-Siddiq, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, erhoben sich auf der Arabischen Halbinsel diejenigen, die die Zakat verweigerten, sowie falsche Propheten. Der ehrwürdige Abdallah, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, spielte bei der Niederschlagung dieses Aufstands eine aktive Rolle. In der blutigen Auseinandersetzung mit dem falschen Propheten Musailima auf dem Feld von Yamama im Jahr 12 nach der Hidschra erlitt Abdallah dort den Märtyrertod. Nach der bekanntesten Auffassung war er zum Zeitpunkt seines Todes erst achtunddreißig Jahre alt.
Abdallahs Vater Suhail lebte damals noch in Mekka. Nach diesem Ereignis kam der Kalif, der ehrwürdige Abu Bakr, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, zum Hadsch nach Mekka. Er besuchte Abdallahs Vater und versuchte, ihn zu trösten. Abdallahs Vater sagte zum Kalifen: „Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, hat gesagt: Ein Märtyrer wird Fürsprache für siebzig (70) Angehörige seiner Familie einlegen. Ich hoffe, dass mein Sohn mich zu jener Zeit nicht vergessen wird.“
Zaid ibn al-Chattab, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm
Sein Name war Zaid, sein Beiname Abu Abd ar-Rahman. Sein Vater war Chattab ibn Nufail, seine Mutter Asma bint Wahab. Er war der Halbbruder des ehrwürdigen Umar ibn al-Chattab und älter als der ehrwürdige Umar. (Usud al-Ghaba 2/228).
Obwohl das Haus al-Chattabs wegen Umars Übergriffen in der frühen Phase des Islams von Angst erfüllt war, nahm Zaid dennoch noch vor Umar den Islam an und wanderte mit der ersten Karawane der Muhadschirun nach Medina aus. Nachdem Hadhrat Rasul-e Karim, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nach Medina gekommen war, stiftete er zwischen ihm und Ma’n ibn Adi al-Adschlani eine Mu’akhāt, also eine brüderliche Verbindung.
Nach seiner Ankunft in Medina nahm er als Erstes an der Schlacht von Badr teil. Danach beteiligte er sich auch an Uhud. Er war außerordentlich tapfer. In jeder Schlacht sehnte er sich noch mehr nach dem Märtyrertod, als dass er den Sieg begehrte. In Uhud kämpfte er mit unermesslichem Mut. Da bemerkte sein Bruder Umar, dass Zaids Rüstung abgefallen war und er dies überhaupt nicht beachtete. Er stürzte sich mit ungeschütztem Körper mitten unter die feindlichen Truppen. Umar liebte seinen Bruder sehr. Er rief ihm laut zu: „Khudh dir’ī, yā Zaid, fa qātil bihā“ – „Zaid, nimm meine Rüstung und kämpfe damit!“
Zaid erwiderte: „Innī urīdu min ash-shahādati mā turīduhu yā Umar“ – „O Umar, auch ich möchte wie du den süßen Trank des Märtyrertodes kosten.“ Danach kämpften beide ohne Rüstung. ( at-Tabaqāt von Ibn Sa’d, 3/275; Hayāt as-Sahāba, 1/515; Rijālun hawla ar-Rasūl, S. 344).
Er war beim Ereignis von Hudaibiyya anwesend und leistete dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, den Treueid. Außerdem nahm er aktiv an den Schlachten von Khandaq, Hunain, Awtas und anderen teil. Auch bei der Abschiedswallfahrt war er ein Reisegefährte des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Auf dieser Reise hörte er folgende Worte des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm: „Gebt euren Sklaven und Sklavinnen von dem zu essen und zu tragen, was ihr selbst esst und tragt. Wenn sie ein Vergehen begehen und ihr ihnen nicht vergeben könnt, dann verkauft sie.“ (at-Tabaqāt, 3/274).
Während des Kalifats von Hadhrat Abu Bakr as-Siddiq, möge Allah Wohlgefallen an ihm haben, beteiligte sich Hadhrat Zaid gemeinsam mit anderen an verschiedenen Schlachten, um die damals aufkommende Fitna beziehungsweise Unruhe der Abtrünnigen zu beseitigen, und tötete eigenhändig viele Abtrünnige. Den berühmten Abtrünnigen Nahar ibn Unfuh, dessen Abfall vom Islam der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, bereits zu dessen Lebzeiten vorausgesagt hatte, tötete Hadhrat Zaid eigenhändig. In der Schlacht von Yamama gegen Musailima al-Kadhdhab wurde ihm die Aufgabe übertragen, das Banner des Islams zu tragen. Während der Schlacht führte Banu Hanifa einmal einen derart heftigen Angriff durch, dass das muslimische Heer an den Rand einer Niederlage geriet. Einige Soldaten flohen sogar vom Schlachtfeld. Dadurch wuchs Zaids Mut noch weiter. Er rief seinen Gefährten laut zu: „O Leute, beißt die Zähne zusammen und fahrt mit der Vernichtung des Feindes fort. Bleibt standhaft. Bei Allah, ich werde kein Wort sagen, bis Allah sie besiegt oder ich Allah begegne. Wenn ich Allah begegne, werde ich dort selbst für mich sprechen.“ (Rijālun hawla ar-Rasūl, S. 345). Danach bat er Allah weiterhin um Vergebung für den Fehler seiner Gefährten und sagte: „Allāhumma innī a’tadhiru ilaika min firāri as’hābī“ – „O Allah, ich bitte Dich um Vergebung dafür, dass meine Gefährten geflohen sind.“ (Hayāt as-Sahāba, 1/534–535). In diesem Zustand schwang er das Banner, durchbrach die Reihen des feindlichen Heeres und zog weiter, während er mit seinem Schwert kämpfte, bis er den Märtyrertod starb. Nach seinem Märtyrertod nahm Salim, möge Allah Wohlgefallen an ihm haben, das Banner auf. Hadhrat Zaid starb im Jahr 12 nach der Hidschra. (al-Isāba, 1/565).
Hadhrat Zaid war einer der von Hadhrat Umar, möge Allah Wohlgefallen an ihm haben, am meisten geliebten Menschen. Sein Tod erfüllte Hadhrat Umar mit tiefer Trauer. Wann immer ihn ein Unglück heimsuchte, sagte er: „Ich habe den Schmerz über Zaids Tod erfahren und Geduld bewahrt.“ Als Umar, möge Allah Wohlgefallen an ihm haben, den Mörder Zaids sah, sagte er: „Mögest du zugrunde gehen! Du hast meinen Bruder getötet. Die östliche Morgenbrise bringt seine Erinnerung mit sich.“ (Hayāt as-Sahāba, 2/592). Doch trotz der Trauer über den Tod dieses geliebten Bruders verlor er nicht den Kopf. In Medina empfing er gemeinsam mit dem Kalifen Abu Bakr, möge Allah Wohlgefallen an ihm haben, die aus Yamama zurückkehrenden Soldaten. Als er von ihnen die Nachricht vom Märtyrertod seines Bruders hörte, rief er aus: „Sabaqānī ilā al-husnain, aslama qablī wa istashhada qablī“ – „In zwei guten Taten ist er mir vorausgegangen: Er nahm vor mir den Islam an und starb vor mir als Märtyrer.“ (al-Isāba, 1/565).
Genau zu dieser Zeit wurde auch ein Bruder des damals berühmten arabischen Dichters Mutammim ibn Nuwayra in einer Schlacht von Khalid ibn al-Walid getötet. Der Dichter Mutammim liebte seinen Bruder sehr. Zum Gedenken an seinen verstorbenen Bruder verfasste er eine so ergreifende Totenklage, dass den Zuhörern beim Hören die Tränen aus den Augen liefen. Zufällig begegnete der Dichter Hadhrat Umar, möge Allah Wohlgefallen an ihm haben. Umar fragte ihn: „Wie groß war deine Trauer über den Tod deines Bruders?“ Der Dichter antwortete: „Aufgrund einer Krankheit begann aus einem meiner Augen eine Träne zu fließen, und bis heute hat sie nicht aufgehört.“ Als Hadhrat Umar dies hörte, bemerkte er: „Das ist die höchste Stufe von Trauer und Schmerz. Niemand empfindet für einen Verstorbenen einen solchen Schmerz.“ Dann sagte er: „Möge Allah Zaid vergeben. Wenn ich ein Dichter wäre, würde ich eine Totenklage für ihn verfassen.“ Daraufhin rief der Dichter Mutammim aus: „O Amir al-Mu’minin, wenn mein Bruder wie Ihr Bruder den Märtyrertod gefunden hätte, hätte ich niemals Tränen vergossen.“ Diese Worte des Dichters trösteten Hadhrat Umar, möge Allah Wohlgefallen an ihm haben, einigermaßen. Danach sagte er: „Niemand hat mir je einen besseren Trost zugesprochen als diesen.“ Verschiedene Personen überlieferten Hadithe von Hadhrat Zaid ibn al-Chattab.
Schurahbil ibn Hasana, möge Allah Wohlgefallen an ihm haben
Sein Name war Schurahbil, seine Kunya beziehungsweise sein Beiname Abu Abdillah oder Abu Abdirrahman. Sein Vater war Abdullah ibn al-Mutaʿ, seine Mutter Hasana. Nach Abu Amr war Hasana jedoch der Name seiner Tochter. Wie dem auch sei: Nachdem Schurahbils Vater gestorben war, heiratete seine Mutter Hasana zum zweiten Mal Sufyan al-Ansari. Deshalb wurde er nach seiner Mutter statt nach seinem Vater bekannt. Hinsichtlich der Abstammung dieser Hasana bestehen unterschiedliche Auffassungen. Einige sagten, sie habe dem Stamm Kindah angehört, andere dem Stamm Tamim, während viele der Ansicht waren, sie habe dem Stamm Banu Dschumah angehört. Er nahm in der frühen Phase des Islam in Mekka den Islam an und wanderte gemeinsam mit den übrigen Familienangehörigen nach Abessinien aus. Danach zog er von dort nach Medina weiter. (Sira Ibn Hischam 2/364, 369).
Schurahbil erlangte bereits in der frühen Phase des Islam die Ehre, Muslim zu werden, und wanderte mit der ersten Karawane, die von Mekka nach Abessinien zog, nach Abessinien aus. Danach kam er direkt von Abessinien nach Medina und ließ sich bei dem Stamm Banu Churaiq nieder, mit dem er mütterlicherseits verbunden war. Über sein Leben von seiner Ankunft in Medina bis zum Tod des Gesandten Allahs ist in der Geschichte keine nennenswerte Nachricht überliefert. Wahrscheinlich kam er erst wenige Tage vor dem Tod des Gesandten Allahs nach Medina. Seine bedeutende Laufbahn im Dienst des Islam begann während des Kalifats des Kalifen Abu Bakr.
Im Jahr 12 nach der Hidschra wählte der Kalif Abu Bakr die vier besten Kämpfer des muslimischen Heeres zu Befehlshabern. Sie waren: 1. Amr ibn al-As, 2. Yazid ibn Abu Sufyan, 3. Abu Ubaida ibn al-Dscharr||||aha und 4. Schurahbil ibn Hasana. Er stellte für jeden von ihnen Soldaten zusammen und legte auch fest, auf welchem Weg jeder vorrücken sollte. Ebenso bestimmte er, wer nach dem Sieg Statthalter welches Gebietes werden sollte: Amr von Palästina, Yazid von Damaskus und Schurahbil von Jordanien. (Tarich al-Umma al-Islamiyya 1/190–191). In einigen Überlieferungen werden allerdings fünf Befehlshaber des Heeres genannt. Von den vier oben genannten werden drei erwähnt; anstelle Abu Ubaidas werden Ch||||alid ibn al-Walid und Iyaz ibn Ghanim al-Fihri genannt. (H||||ayat as-S||||ah||||aba 3/684, 1/213). Ibn al-Barqi sagt, dass der Kalif Umar Schurahbil zum Herrscher über ein Viertel von Scham ernannte. (Al-Isaba 2/143).
Im Feldzug nach Syrien war Schurahbil in der Schlacht von Bosra ein Befehlshaber. Vor Beginn der Schlacht kam es zu einem Gespräch zwischen ihm und dem Anführer seiner Gegner, Romanus. Da dieses jedoch zu keinem Ergebnis führte, begann er, seine Truppen zu ordnen und vorzurücken. In diesem Augenblick traf Ch||||alid ein. Ch||||alid übernahm das Kommando über das gesamte Heer, und unter seiner Führung stimmten die Gegner der Zahlung der Dschizya zu. (Futuh al-Buldan 119).
Nach Bosra versammelten sich die Römer bei Ajnadain. Ch||||alid rückte vor, um sie zurückzuschlagen. Nachdem er bereits ein Stück vorgerückt war, schloss sich auch Schurahbil ihm an. Gemeinsam stellten sie sich dem römischen Heer entgegen, und nach einem furchtbaren, blutigen Zusammenstoß errang das muslimische Heer den Sieg. Im Feldzug gegen Damaskus war er Befehlshaber der Infanterie und während der Belagerung mit der Bewachung eines Tores betraut. Diese Aufgabe erfüllte er bis zum Abschluss des Sieges.
Nach dem Sieg über Damaskus rückte das muslimische Heer auf dem Weg nach Fahl in Richtung Baisan vor. Wegen einer Überschwemmung musste es unterwegs in Fahl Halt machen. Auch Schurahbil befand sich bei diesem Heer. Durch seine Wachsamkeit wurde das muslimische Heer vor einer schweren Gefahr bewahrt. Die Römer hatten nämlich einen Damm am Meer durchbrochen und dadurch das Gebiet zwischen Fahl und Baisan überschwemmt. Das muslimische Heer legte eine Rast ein und schlug in Fahl sein Lager auf. In dieser schwierigen Lage blieb Schurahbil die ganze Nacht wach und bewachte das Lager, damit die Römer keinen Überraschungsangriff durchführen konnten. Tatsächlich griffen die Römer eines Tages plötzlich von hinten an, doch aufgrund von Schurahbils Weitsicht und Wachsamkeit wurden sie besiegt.
Nach Fahl rückten Schurahbil und Amr ibn al-As in Richtung Baisan vor. Die Bewohner von Baisan hatten das Schicksal von Fahl miterlebt. Statt sich einer offenen Schlacht zu stellen, schlossen sie die Tore der Festung. Kaum war Schurahbil in Baisan eingetroffen, belagerte er die Festung. Die Belagerung dauerte lange an. Eines Tages kamen einige Männer aus der Festung heraus und versuchten anzugreifen, woraufhin sie getötet wurden. Schließlich schlossen sie Frieden zu den Bedingungen von Damaskus. Danach schickten die Bewohner von Tiberias eine Delegation zu Schurahbil und schlossen einen Vertrag. Anschließend brachte Hadhrat Schurahbil das Gebiet von Jordanien und alle umliegenden Städte nahezu ohne Widerstand und ohne Blutvergießen unter islamische Herrschaft.
Im Feldzug von Jarmuk zog sich das muslimische Heer aus allen Teilen Syriens zurück und versammelte sich bei Jarmuk. Auch Hadhrat Schurahbil kam dorthin. Er und Yazid ibn Abu Sufyan bezogen am selben Ort Stellung. Ch||||alid war der Heerführer beziehungsweise Oberbefehlshaber dieses Feldzugs. Er teilte das gesamte Heer nach einer völlig neuen Methode in sechsunddreißig Einheiten auf und unterstellte jede Einheit einem Offizier. Der Befehl über den rechten und den linken Flügel wurde Hadhrat Amr ibn al-As beziehungsweise Schurahbil ibn Hasana übertragen. Als sich in dieser Schlacht die Lage des muslimischen Heeres bereits beim ersten Angriff der Römer ins Wanken geriet und viele Männer vom Schlachtfeld flohen, blieb Schurahbil dennoch standhaft. In dieser Schlacht kämpfte er unter Einsatz seines Lebens.
Im 18. Jahr nach der Hidschra war das muslimische Heer im Feldzug nach Syrien eingesetzt. Zu dieser Zeit brach im Irak, in Syrien und in Ägypten die Pest epidemieartig aus. ʿAmr ibn al-ʿĀs sagte: „Diese Pest ist eine Strafe Allahs. Zerstreut euch daher über verschiedene Täler und Bergpässe.“ Als Schurahbīl dies hörte, wurde er äußerst zornig. Er sagte: „ʿAmr hat nicht die Wahrheit gesagt. Selbst als ich noch der Gefährte des Gesandten Allahs war, war ʿAmr verirrter als die Kamele seiner Familie. Diese Pest ist gewiss ein Gebet eurer Propheten, eine Barmherzigkeit des Herrn, und durch sie sind viele wahrhaftige Menschen aus früheren Zeiten gestorben.“ (Ḥayāt as-Saḥāba 2/581). Er war ein Mensch, der sich ganz auf Allah verließ. Daher hielt er es nicht für richtig, aus Angst vor der Krankheit den Ort zu verlassen. Er verließ ihn nicht. Es wird berichtet, dass der ehrwürdige Muʿādh ibn Dschabal, Abū ʿUbaida, Schurahbīl ibn Ḥasana und Abū Mālik al-Aschʿarī – Allahs Wohlgefallen sei auf ihnen – am selben Tag von der Pest befallen wurden. (Ḥayāt as-Saḥāba 2/582). Bei dieser Pest von ʿAmwās verstarb der ehrwürdige Schurahbīl ibn Ḥasana zusammen mit vielen anderen im Alter von 67 Jahren. Ibn Yūnus sagt allerdings, dass der Gesandte Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – Schurahbīl nach Ägypten entsandt habe und dass er dort starb. (Al-Iṣāba 2/143).
Die Ansicht Ibn Yūnus’ scheint aus verschiedenen Gründen nicht überzeugend zu sein.
Obwohl das gesamte Leben des ehrwürdigen Schurahbīl im Exil in Abessinien und später auf den Schlachtfeldern des Dschihad verging, stand er bei der Überlieferung von Hadithen des Gesandten Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – niemandem nach. Er überlieferte eine beträchtliche Anzahl von Hadithen.
Überliefert von Schifāʾ bint ʿAbdullāh. Sie sagte: „Ich ging zum Gesandten Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm –, um um eine Spende zu bitten. Doch er erklärte, dass er nicht in der Lage sei, eine Spende zu geben, während ich weiterhin darauf drängte. Inzwischen kam die Zeit des Gebets. Ich verließ den Gesandten Allahs und ging zum Haus meiner Tochter. Die Frau von Schurahbīl ibn Ḥasana ist meine Tochter. Ich fand Schurahbīl zu Hause vor. Ich sagte zu ihm: ‚Die Zeit des Gebets ist gekommen, und du sitzt zu Hause?‘ Ich begann, ihn zu tadeln. Da sagte er: ‚Tadeln Sie mich nicht. Ich habe nur ein einziges Kleidungsstück, und auch dieses hat sich der Gesandte Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – ausgeliehen.‘ Ich sagte: ‚Mögen mein Vater und meine Mutter für ihn geopfert werden! Den ganzen heutigen Tag habe ich mit dem Gesandten Allahs gestritten, ohne seine schwierige Lage auch nur im Geringsten zu verstehen.‘ Schurahbīl sagte: ‚Der Gesandte Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – besitzt nur ein einziges Kleidungsstück; wir haben es geflickt.‘“ (Ḥayāt as-Saḥāba 1/326).
Abū al-ʿĀṣ ibn Rabīʿ – Allahs Wohlgefallen sei auf ihm
Über den eigentlichen Namen Abū al-ʿĀṣ’ gibt es in der Geschichtsschreibung zahlreiche unterschiedliche Ansichten. Genannt werden beispielsweise Laqīṭ, Hischām, Mihschām, Yāsir und Yāsim. Sein Kunya- oder Beiname war jedoch Abū al-ʿĀṣ, unter welchem er in der Geschichte bekannt ist. Sein Vater war Rabīʿ ibn ʿAbd al-ʿUzzā, seine Mutter war Hāla bint Chuwailid, die leibliche Schwester der ehrwürdigen Chadīdscha – Allahs Wohlgefallen sei auf ihr. Da er aus dem Clan ʿAbd Schams des Stammes Quraisch stammte, wurde er kurz „Abschamī“ genannt. Abū al-ʿĀṣ ging im Haus seiner Tante, der ehrwürdigen Chadīdscha, und seines Onkels, des Gesandten Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm –, ungehindert ein und aus. Er war der Liebling seiner Tante und seines Onkels. Allmählich trat Abū al-ʿĀṣ ins Jugendalter ein. Sein anziehendes Gesicht gewann die Herzen aller. Wegen seiner edlen Abstammung, seines arabischen Mutes, seines ausgeprägten Ehrgefühls und anderer Eigenschaften nahm er unter den jungen Männern von Makka eine besondere Stellung ein. Außerdem entfaltete sich in ihm jene besondere Eigenschaft der Quraisch, von der im Qurʾān berichtet wird – „die Reise im Winter und im Sommer“ –, nämlich dass ihre Handelskarawanen im Winter in Richtung Jemen und im Sommer in Richtung Schām zogen. Seine Handelskarawanen verkehrten ständig zwischen Makka und Schām. Zu einer solchen Karawane gehörten mindestens zweihundert Männer und hundert Kamele. Wegen seines kaufmännischen Verstandes, seiner Ehrlichkeit und seiner Vertrauenswürdigkeit übergaben die Menschen ihm ihre Waren bedenkenlos. Ibn Isḥāq sagt: „Was Reichtum, Vertrauenswürdigkeit und Handel betrifft, gehörte er damals zu den wenigen angesehenen Männern von Makka.“ (Al-Iṣāba 4/122).
Die Zeit verging ihren Lauf. Inzwischen wuchs Zainab, die älteste Tochter Muhammads – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm –, heran. Die vornehmen jungen Männer von Makka sehnten sich danach, sie als Lebensgefährtin zu gewinnen. Und warum sollten sie sich nicht danach sehnen? Zainab war die Tochter aus dem edelsten Zweig des Stammes Quraisch in Makka. Von väterlicher und mütterlicher Seite war sie höchst angesehen, und ebenso war sie hinsichtlich ihres Charakters, ihrer guten Umgangsformen und ihrer Sitten die reinste aller Frauen. Wird denn jeder, der auf eine solche Braut hofft, mit ihr gesegnet? Schließlich wurde Abū al-ʿĀṣ ibn Rabīʿ, ihr Cousin mütterlicherseits und ein junger Mann aus Makka, mit dieser Ehre beglückt.
Einige Jahre nachdem Zainab – Allahs Wohlgefallen sei auf ihr – Abū al-ʿĀṣ geheiratet hatte, erhielt Muhammad – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – die Prophetenschaft. Er wurde mit der wahren Religion und der Rechtleitung entsandt. Ihm wurde aufgetragen, seinen nahen Verwandten die Einladung zur Religion zu übermitteln. Die ehrwürdige Chadīdscha – Allahs Wohlgefallen sei auf ihr – und ihre Töchter, nämlich Zainab, Ruqayya, Umm Kulthūm und Fāṭima – Allahs Wohlgefallen sei auf ihnen –, glaubten an den Gesandten Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Fāṭima war damals allerdings noch sehr jung. Abū al-ʿĀṣ, der Schwiegersohn des Gesandten Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm –, liebte und ehrte seine Frau Zainab sehr. Doch er war nicht bereit, die Religion seiner Vorfahren aufzugeben und die neue Religion seiner geliebten Frau anzunehmen. Dieser Zustand dauerte an. Inzwischen begann ein heftiger Konflikt zwischen dem Gesandten Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – und den Quraisch. Die Quraisch sagten untereinander:
„Möge Verderben über euch kommen! Ihr heiratet die Töchter Muhammads und ladet euch dadurch seine Sorgen auf. Wenn ihr all diese Mädchen zu ihm zurückschicken würdet, könnte er euch in Ruhe lassen und sich um sie kümmern.“ Viele von ihnen stimmten dem zu und sagten: „Das ist ein ganz hervorragendes Argument!“ Sie gingen alle zu Abu l-As und sagten: „Abu l-As, wir werden dir die Quraischitin, die du dir wünschst, zur Frau geben.“ Abu l-As sagte: „Bei Allah! Nein, das geht nicht. Ich kann meine Frau nicht verlassen. Selbst wenn man mir dafür alle anderen Frauen gäbe, wäre mir das nicht lieber.“
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, schickte seine beiden anderen Töchter Ruqayya und Umm Kulthum aus den Häusern ihrer Ehemänner zurück zu ihrem Vater. Der edle Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, war sehr erfreut, dass seine Töchter als von ihren Ehemännern verlassene Frauen zurückgekehrt waren. Insgeheim wünschte er, Abu l-As möge Zaynab ebenso wie die beiden anderen Schwiegersöhne zurückschicken. Da der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, jedoch nicht die Macht hatte, Zaynab Abu l-As zu entreißen, und die Heirat gläubiger Frauen mit den Götzendienern noch nicht für verboten erklärt worden war, schwieg er.
Die Zeit verging schnell. Der edle Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, wanderte nach Medina aus. Der militärische Konflikt mit den Quraisch begann. Die Quraisch versammelten sich in Badr, um gegen die Muslime zu kämpfen. Obwohl Abu l-As dies äußerst ungern tat, zog er mit den Quraisch nach Badr, denn aufgrund seiner Stellung unter den Quraisch hatte er keine andere Möglichkeit. In Badr erlitten die Quraisch eine schwere Niederlage. Mehrere ihrer Anführer wurden getötet, zahlreiche Kämpfer gerieten in Gefangenschaft, und die übrigen flohen, um ihr Leben zu retten. Welch grausames Spiel des Schicksals: Unter diesen Gefangenen befand sich auch Abu l-As, der Schwiegersohn des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Ibn Ishaq sagt, dass ihn in Badr Abd Allah ibn az-Zubayr ibn an-Nuʿman, möge Allah mit ihm zufrieden sein, gefangen nahm. Nach al-Waqidi hingegen geriet er in die Hände von Khirash ibn Simma, möge Allah mit ihm zufrieden sein. (Al-Isaba 4/122)
Die Muslime beschlossen hinsichtlich der Gefangenen von Badr, sie gegen Lösegeld freizulassen. Je nach gesellschaftlichem Rang und danach, ob der Gefangene reich oder arm war, wurde ein Lösegeld von eintausend bis viertausend Dirham festgesetzt. Die Vertreter der Gefangenen begannen, mit dem festgesetzten Lösegeld zwischen Mekka und Medina hin und her zu reisen. Zaynab, die Tochter des Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, schickte einen Gesandten nach Medina, um das Lösegeld für ihren Ehemann Abu l-As zu entrichten. Nach al-Waqidi kam sein Bruder Amr ibn ar-Rabiʿ mit Abu l-As’ Lösegeld nach Medina. Zaynab schickte anstelle des Lösegeldes in Dirham eine Halskette. Diese Halskette hatte ihr ihre Mutter Khadidscha, möge Allah mit ihr zufrieden sein, zu ihrer Hochzeit geschenkt. Als der edle Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die Halskette sah, wurde er tief betrübt und bedeckte sein trauriges Gesicht mit einem dünnen Tuch. Die Erinnerungen an seine geliebte Ehefrau und seine Tochter stiegen vor seinem geistigen Auge auf.
Nach einiger Zeit wandte sich der edle Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, an die Gefährten und sagte: „Zaynab hat diese Halskette als Lösegeld für ihren Ehemann geschickt. Wenn ihr wollt, könnt ihr ihren Gefangenen freilassen und ihr auch diese Halskette zurückgeben.“ Die Gefährten sagten: „O Gesandter Allahs, zu deiner Zufriedenheit werden wir das tun.“ Die Gefährten stimmten zu. Bevor der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Abu l-As freiließ, nahm er ihm jedoch das Versprechen ab, nach Mekka zurückzukehren und Zaynab unverzüglich nach Medina zu schicken.
Sobald Abu l-As nach Mekka zurückgekehrt war, begann er, die Einhaltung seines Versprechens vorzubereiten. Er wies seine Ehefrau Zaynab an, sich auf die Reise vorzubereiten. Er sagte Zaynab außerdem, dass die Gesandten ihres Vaters nicht weit von Mekka entfernt auf sie warteten, um sie abzuholen. Nachdem Abu l-As die Reisevorbereitungen seiner Ehefrau abgeschlossen hatte, rief er seinen Bruder Amr – nach einer anderen Überlieferung Kinana – und beauftragte ihn, Zaynab zu begleiten und sie den wartenden Gesandten zu übergeben.
Ibn Ishaq sagt: Als die Reisevorbereitungen abgeschlossen waren, brachte Zaynabs Schwager Kinana ibn ar-Rabiʿ ein Kamel und ließ es stehen. Zaynab setzte sich in die Sänfte auf dem Rücken des Kamels. Kinana hängte seinen eigenen Bogen über die Schulter, nahm das Bündel Pfeile in die Hand und verließ mitten am Tag Mekka. Unter den Quraisch brach großer Aufruhr aus. Sie nahmen die Verfolgung auf und ergriffen die beiden schon wenig später im Tal „Dhu Tuwa“. Über dieses Ereignis finden sich in den Sira-Werken verschiedene Berichte. Einige davon seien hier erwähnt. Kinana ibn ar-Rabiʿ war über das Verhalten der Quraisch erzürnt, nahm den Bogen von seiner Schulter, legte das Bündel Pfeile vor sich aus und sagte: „Wenn einer von euch versucht, sich Zaynab zu nähern, wird seine Brust zum Ziel meiner Pfeile.“ Kinana war ein geschickter Bogenschütze, und keiner seiner abgeschossenen Pfeile verfehlte gewöhnlich sein Ziel. Als Abu Sufyan ibn Harb dies hörte, ging er auf ihn zu und sagte: „Neffe, senke den Pfeil, den du auf uns gerichtet hältst, ein wenig; wir möchten mit dir sprechen.“ Abu Sufyan sagte: „Du hast nicht richtig gehandelt. Du bist mit Zaynab offen vor den Augen der Menschen aufgebrochen, während wir tatenlos zusehen. Alle Bewohner Arabiens wissen, welches Unglück uns in Badr widerfuhr und welches Unheil der Vater dieser Zaynab über uns gebracht hat. Wenn du seine Tochter auf diese Weise offen direkt vor unserer Nase fortbringst, werden alle uns für Feiglinge halten, und jeder wird diese Tat als eine Demütigung für uns betrachten. Bring Zaynab wieder nach Hause. Sie soll noch einige Zeit im Haus ihres Ehemannes bleiben. Wenn die Leute dann zu sagen beginnen, wir hätten Zaynab daran gehindert, Mekka zu verlassen, bringst du sie heimlich zu ihrem Vater.“
Kinana beziehungsweise Amr stimmte dem zu, und Zaynab kehrte nach Mekka zurück. Einige Zeit später verließ er nachts erneut mit Zaynab Mekka und übergab sie, wie sein Bruder es angeordnet hatte, am vereinbarten Ort den Gesandten ihres Vaters.
At-Tabarānī überliefert von ʿUrwa ibn az-Zubair: Ein Mann brach gemeinsam mit Zainab, der Tochter des Gesandten Allahs, auf. Zwei Männer aus Quraisch verfolgten sie und holten sie ein. Sie überwältigten den Begleiter Zainabs und stießen sie vom Rücken des Kamels. Zainab stürzte auf einen Felsen. Ihr Körper wurde verletzt und begann zu bluten. In diesem Zustand brachten sie Zainab zu Abū Sufyān. Abū Sufyān übergab sie den Töchtern der Banū Hāschim. Später wanderte sie nach Medina aus. Wegen der Verletzung, die Zainab durch den Sturz vom Kamel erlitten hatte, verspürte sie bis zu ihrem Lebensende Schmerzen und starb schließlich an diesen Schmerzen. Deshalb hielten die Menschen sie für eine Märtyrerin. (Hayāt as-Sahāba 1/371).
Überliefert von ʿĀischa, Allahs Wohlgefallen sei auf ihr: Zainab, die Tochter des Gesandten Allahs, brach gemeinsam mit Kināna von Mekka nach Medina auf. Die Bewohner Mekkas verfolgten sie. Habbār ibn al-Aswad ergriff Zainab als Erster. Nachdem er ihr Kamel mit einem Pfeil getroffen hatte, stürzte Zainab und verletzte sich. Sie war schwanger. Durch diese Verletzung verlor sie ihr ungeborenes Kind. Danach begannen die Banū Hāschim und die Banū Umaiya, um Zainab zu streiten. Schließlich hielt sie sich bei Hind bint ʿUtba auf. Hind sagte häufig zu ihr: „Dieses Unglück ist nur wegen deines Vaters über dich gekommen.“
Eines Tages sagte der Gesandte Allahs zu Zaid ibn Hāritha: „Kannst du Zainab holen?“ Zaid erklärte sich bereit. Der edle Gesandte Allahs gab Zaid einen Ring und sagte: „Nimm diesen mit. Er wird Zainab erreichen.“ Mit dem Ring machte sich Zaid auf den Weg nach Mekka. Am Stadtrand von Mekka sah er einen Hirten, der Ziegen hütete. Er fragte den Hirten: „Wessen Hirte bist du?“ Der Hirte antwortete: „Der Hirte von Abū al-ʿĀs.“ Er fragte erneut: „Wem gehören die Ziegen?“ Der Hirte sagte: „Zainab, der Tochter Muhammads.“ Zaid ging ein Stück mit dem Hirten weiter. Dann sagte er zu ihm: „Wenn ich dir etwas gebe, kannst du es Zainab überbringen?“ Der Hirte erklärte sich bereit. Zaid gab ihm den Ring, und der Hirte überbrachte ihn Zainab.
Zainab fragte den Hirten: „Wer hat dir diesen gegeben?“ Er antwortete: „Ein Mann.“ Sie fragte erneut: „Wo hast du ihn zurückgelassen?“ Er sagte: „An jenem Ort.“ Zainab schwieg. In der Dunkelheit der Nacht ging sie heimlich dorthin. Zaid sagte zu ihr: „Steig auf mein Kamel und setz dich vor mich.“ Zainab lehnte ab und sagte: „Nein, setzt du dich vor mich.“ So saß Zainab hinter Zaid und gelangte nach Medina. Der edle Gesandte Allahs sagte häufig: „Meine beste Tochter hat meinetwegen gelitten.“ (Hayāt as-Sahāba 1/371–372).
Nach der Trennung von seiner Frau Zainab verbrachte Abū al-ʿĀs einige Jahre in Mekka. Kurz vor der Eroberung Mekkas reiste er mit einer Handelskarawane nach Syrien. Nach Abschluss des Handels kehrte er nach Mekka zurück. Die Karawane bestand aus einhundert Kamelen und ungefähr einhundertsiebzig Männern. Als sie sich einem Ort nahe Medina näherten, griff eine kleine, von Zaid ibn Hāritha aus Medina entsandte Patrouilleneinheit sie überraschend an, nahm alle Männer mitsamt den Kamelen gefangen und brachte sie nach Medina. Abū al-ʿĀs jedoch gelang die Flucht.
Nach der Ansicht von Mūsā ibn ʿUqba griff allerdings Abū Basīr mit seinen Männern die Karawane Abū al-ʿĀs’ an. Es sei erwähnt, dass dieser Abū Basīr und einige weitere Männer nach dem Vertrag von Hudaybiyya den Islam annahmen. Gemäß den Bedingungen des Vertrags weigerten sich die Bewohner Medinas jedoch, sie aufzunehmen. Daher flohen sie aus Mekka und ließen sich in der Küstenregion des Roten Meeres nieder. Sie begannen, die Handelskarawanen aus Mekka überraschend anzugreifen. Aus Angst vor ihnen drohte der Handel der Quraisch von Mekka zum Erliegen zu kommen. Die Quraisch von Mekka sahen sich gezwungen, den Gesandten Allahs zu bitten, sie nach Medina zurückzuholen. (Al-Isāba 4/122).
Wie dem auch sei: Abū al-ʿĀs floh nicht nach Mekka, sondern betrat in großer Angst und heimlich in der Dunkelheit der Nacht Medina und begab sich direkt zu Zainab, um Schutz zu erbitten. Zainab gewährte ihm Schutz.
Die Nacht verging. Als der edle Gesandte Allahs zum Morgengebet in die Moschee ging, stellte er sich in die Gebetsnische, sagte „Allāhu akbar“ und begann mit der Eröffnungstakbīr. Auch die hinter ihm Betenden hatten die Eröffnungstakbīr beendet. Da ertönte aus der Reihe der Frauen hinter ihm Zainabs Stimme: „Ihr Menschen, ich bin Zainab, die Tochter Muhammads. Ich habe Abū al-ʿĀs Schutz gewährt; gewährt auch ihr ihm Schutz.“
Nachdem der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) den Friedensgruß beendet hatte, wandte er sich den Menschen zu und fragte: „Habt ihr auch gehört, was ich gehört habe?“
Die Menschen antworteten: „Ja, o Gesandter Allahs!“ Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Bei Dem, in dessen Hand mein Leben liegt, ich wusste von dieser Angelegenheit überhaupt nichts. Sie hat ihm im Namen aller Muslime Sicherheit gewährt.“ Danach ging er nach Hause und sagte zu seiner Tochter: „Behandle Abu al-As ehrenvoll. Doch wisse: Du bist für ihn nicht mehr halal.“ Dann rief der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) die Männer jener Truppe, die die Kamele und die Menschen aus Abu al-As’ Karawane gefangen genommen und mitgebracht hatten, und sagte zu ihnen: „Ihr kennt die Stellung dieses Mannes (Abu al-As) unter uns. Ihr habt seine Handelswaren an euch genommen und mitgebracht. Wenn ihr ihm zuliebe seine Güter zurückgebt, würde ich mich freuen. Wenn ihr nicht einverstanden seid, habe ich dagegen keinen Einwand. Ihr könnt diese Güter als eine Gunst Allahs für euch behalten. Ihr seid ihrer am meisten berechtigt.“ Sie sagten alle: „Hör zu, Abu al-As! Du bist unter den Quraisch ein angesehener Mann, der Vetter des Gesandten Allahs und sein Schwiegersohn. Tu Folgendes: Nimm den Islam an und bleibe mit diesen Gütern der Bewohner von Makka in Medina. Du wirst ein bequemes Leben führen.“ Abu al-As sagte: „Was ihr sagt, ist ein äußerst schlechter Vorschlag. Soll ich mein Leben in meiner neuen Religion mit Betrug beginnen?“
Abu al-As brachte seine Karawane frei nach Makka. Nachdem er jedem in Makka seine jeweiligen Güter zurückgegeben hatte, sagte er: „O Angehörige des Stammes Quraisch! Steht euch von mir noch irgendetwas zu?“ Sie antworteten: „Nein. Möge Allah dir die beste Belohnung geben. Wir haben dich als einen hervorragenden Erfüller von Versprechen kennengelernt.“
Abu al-As sagte weiter: „Ich habe euch euer Recht vollständig entrichtet. Nun erkläre ich: Aschhadu an la ilaha illallahu wa anna Muhammadan rasulullah – ich bezeuge, dass es keinen Gott außer Allah gibt und dass Muhammad wahrlich der Gesandte Allahs ist.“
Während meines Aufenthalts in Medina hätte ich diese Erklärung abgeben können. Doch ich tat es nicht, damit ihr nicht annehmen würdet, ich hätte dies nur getan, um eure Güter nach ihrer Rückgabe zu unterschlagen. Als Allah mir die Fähigkeit verliehen hatte, jedem von euch seine jeweiligen Güter zurückzugeben, und ich von meiner Verantwortung frei war, erklärte ich den Islam.“
Danach verließ Abu al-As Makka und begab sich nach Medina zum Gesandten Allahs. Der edle Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) empfing ihn ehrenvoll und übergab ihm auch seine Frau Zaynab. Der edle Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte über ihn oft: „Was er mir gesagt hat, war die Wahrheit; er gab mir ein Versprechen und hielt es auch.“
Nach seiner Annahme des Islam hatte Abu al-As (möge Allah mit ihm zufrieden sein) keine Gelegenheit, an einem Feldzug mit dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) teilzunehmen. Er starb im Monat Dhul-Hiddscha des Jahres 12 nach der Hidschra, während der Kalifenzeit von Abu Bakr. Nach Ibn Mundah jedoch erlitt er in der Schlacht von Yamama den Märtyrertod. (Al-Isaba 4/123, Al-Istiʿab).
Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) liebte Umama, die Tochter von Zaynab und Abu al-As, sehr. Es wird überliefert, dass er sie während des Gebets auf seine Schultern nahm.
ʿUmair ibn Wahb, möge Allah mit ihm zufrieden sein
Sein Name war ʿUmair, seine Kunya beziehungsweise sein Beiname Abū Umaiya. Sein Vater war Wahb, seine Mutter Ummu Sachīla. Er war einer der tapferen Anführer der Quraisch. In seinem vorislamischen Leben war er ein erbitterter Feind des Islams und des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Er war eine Persönlichkeit mit scharfem und tiefgründigem Blick sowie ausgeprägter Auffassungsgabe.
Er schloss sich in der Schlacht von Badr dem Heer der Quraisch aus Mekka an. Kurz vor Beginn der Schlacht beauftragte ihn das Heer der Quraisch damit, die Stärke des muslimischen Heeres einzuschätzen. Er ließ sein Pferd laufen, ritt um das muslimische Heer herum und kehrte dann zum Lager der Quraisch zurück. Dort berichtete er: „Es sind etwa dreihundert. Es können etwas weniger oder auch etwas mehr sein.“ Seine Einschätzung war zutreffend. Die Quraisch fragten ihn: „Besteht die Möglichkeit, dass ihnen von hinten Verstärkung zu Hilfe kommt?“ Er antwortete: „Ich habe nichts Derartiges festgestellt. Doch, ihr Quraisch! Ich habe gesehen, dass ihre Kamele den sicheren Tod tragen. Außer ihren Schwertern haben sie nichts, womit sie sich verteidigen könnten, und keinen Ort, an den sie sich zurückziehen könnten. Bei Allah, mir schien, dass, wenn ihr einen von ihnen tötet, auch einer von euch fallen wird. Welchen Nutzen hätte es dann, wenn ebenso viele von euch getötet würden wie von ihnen? Überlegt nun, was ihr tun wollt.“ Um die Quraisch vom Kampf abzuhalten, sagte er außerdem: „Die Bewohner Medinas haben Gesichter wie Schlangen; selbst bei äußerstem Durst werden sie nicht schwach. Sie sind in der Lage, mit uns zu kämpfen und Rache zu nehmen. Menschen mit so strahlenden Gesichtern wie ihr sollten nicht gegen sie in den Kampf ziehen.“
Viele der Anführer der Quraisch ließen sich von seinen Worten beeinflussen. Sie waren beinahe im Begriff, die Entscheidung zu treffen, nach Mekka zurückzukehren. Doch Abū Dschahl stellte sich ihrer Entscheidung entgegen. Sein Herz brannte im Feuer des Neides und des Krieges. Nach Allahs Willen wurde Abū Dschahl zum ersten Anstifter dieses Krieges. Zusammen mit vielen anderen wurde auch Wahb, der Sohn ʿUmairs, vom muslimischen Heer gefangen genommen.
ʿUmair ibn Wahb kehrte von Badr nach Mekka zurück, nachdem er seinen Sohn Wahb als Gefangenen in den Händen der Muslime zurückgelassen hatte und selbst mit dem Leben davongekommen war. Er fürchtete, dass man wegen der Misshandlungen, die er in Mekka dem Gesandten Allahs und seinen Gefährten zugefügt hatte, nun an seinem gefangenen Sohn Vergeltung üben könnte. Eines Morgens nach seiner Rückkehr nach Mekka verließ er sein Haus und ging zur Kaaba, um den Umlauf zu vollziehen und sich vor den Götzen niederzuwerfen. Dort sah er Ṣafwān ibn Umaiya im Hof der Kaaba sitzen. Er ging zu Ṣafwān und sagte:
„O Anführer der Quraisch, einen guten Morgen!“
„Abū Wahb, einen guten Morgen! Setz dich, lass uns ein wenig reden. Beim Reden vergeht die Zeit etwas.“ ʿUmair setzte sich neben Ṣafwān. Sie sprachen über die Lage in Badr und über das Unglück, das Badr heimgesucht hatte, und zählten auf, wer in Badr von Muhammad und seinen Gefährten gefangen genommen worden war. Sie trauerten um die Anführer der Quraisch, die in Badr getötet, in den Brunnen al-Qalīb geworfen und mit Erde bedeckt worden waren.
Inmitten der aufgewühlten Gefühle sagte Ṣafwān ibn Umaiya schließlich: „Bei Allah, nachdem sie auf diese Weise getötet wurden, macht mir nichts mehr Freude.“ ʿUmair sagte:
–Du hast die Wahrheit gesagt. Nach kurzem Schweigen fuhr er fort: „Bei dem Herrn der Kaaba schwöre ich: Wenn ich nicht die Last meiner Schulden und die Verantwortung für meine Familie zu tragen hätte, würde ich sofort nach Medina gehen, Muhammad erledigen und all seinen Übeltaten ein Ende setzen.“ Dann senkte er die Stimme etwas und sagte: „Mein Sohn Wahab ist dort in ihrer Gefangenschaft. Wenn ich dorthin gehe, wird niemand Verdacht schöpfen.“
Safwan ibn Umayya ließ diese Gelegenheit nicht ungenutzt. Er blickte Umayr an und sagte: „Umayr, ich übernehme die Verantwortung für all deine Schulden, ganz gleich, wie hoch sie sind. Und solange ich lebe und auch deine Familie lebt, werden sie bei mir bleiben. Mir fehlt es nicht an Vermögen. Sie werden ein glückliches Leben führen.“
Umayr sagte:
–Unser Gespräch soll geheim bleiben; niemand darf davon erfahren.
Safwan sagte:
–So soll es sein.
Umayr erhob sich vom Kaaba-Hof und ging nach Hause. Sein Herz brannte vor Rachedurst an Muhammad. Er begann, die Verwirklichung seines Entschlusses vorzubereiten. Niemand schöpfte auch nur den geringsten Verdacht wegen seiner Reisevorbereitungen. Denn zu jener Zeit eilten Delegationen mit Lösegeld zwischen Mekka und Medina hin und her, um die Gefangenen von Badr freizukaufen.
Umayr schärfte sein Schwert und tauchte es in starkes Gift. Sein Reittier wurde bereitgemacht. Er bestieg es und brach in Richtung Medina auf. Sein Herz brannte vor Hass und Feindschaft und war gleichsam zu Kohle verbrannt.
Nachdem Umair Medina erreicht hatte, ging er geradewegs zur Moschee. In der Nähe des Tores der Moschee stieg er von seinem Reittier ab.
Unterdessen saßen am Tor der Moschee Umar ibn al-Chattab und einige Gefährten und besprachen die Ereignisse von Badr. Sie unterhielten sich ausführlich darüber, wie die Quraisch getötet worden waren, wer auf welche Weise gefangen genommen worden war und welcher der Muhadschirun und Ansar welchen Mut und welche Tapferkeit gezeigt hatte.
Plötzlich fiel Umar der Blick auf Umair. Er kam, nachdem er von seinem Reittier abgestiegen war, geradewegs auf die Moschee zu. Über seiner Schulter hing sein Schwert. Umar rief erschrocken: „Das ist doch dieser Hund, der Feind Allahs, Umair ibn Wahb. Bei Allah, er führt nichts Gutes im Schilde. In Mekka hetzte er die Ungläubigen ständig gegen uns auf. Vor der Schlacht von Badr war er der Spion von Mekka.“ Dann wandte er sich an seine Gefährten und sagte:
„Geht zum Gesandten Allahs (s) und bleibt in seiner Nähe, damit dieser Frevler ihn nicht irgendwie täuschen kann.“
Umar eilte zum Gesandten Allahs (s) und sagte: „O Gesandter Allahs, dieser Feind Allahs, Umair, ist gekommen, mit einem Schwert über der Schulter. Ich glaube nicht, dass er ohne irgendwelche bösen Absichten gekommen ist.“
Der Gesandte Allahs (s) sagte:
„Bringt ihn zu mir.“
Umar (r) ging auf Umair zu, packte ihn mit einer Hand am Gewand an seinem Hals und drückte mit der anderen seinen Nacken gegen den Griff seines Schwertes. So führte er ihn zum Gesandten Allahs (s). Als der Gesandte Allahs (s) ihn in diesem Zustand sah, befahl er Umar, ihn loszulassen. Umar ließ ihn los. Auf Anweisung des Gesandten Allahs (s) trat Umar auch von ihm zurück. Der Gesandte Allahs (s) wandte sich an Umair und sagte: „Umair, komm ein wenig näher.“
ʿUmair trat etwas näher heran und sagte: „Guten Morgen.“
Im vorislamischen Arabien begrüßten die Menschen einander auf diese Weise.
Der Gesandte Allahs (s.a.) sagte: „ʿUmair, Allah hat uns geehrt, indem Er uns eine bessere Begrüßung als deine gelehrt hat. Durch den Salām hat Allah unsere Würde erhöht. Dieser Salām ist die Begrüßung der Bewohner des Paradieses.“
ʿUmair sagte: „Auch unsere Begrüßung ist dir nicht unbekannt.“
Der Gesandte Allahs (s.a.) fragte: „Zu welchem Zweck bist du gekommen?“
– Ich bin gekommen, um den Gefangenen freizubekommen, der sich in euren Händen befindet. Schließlich gehörst auch du unserem selben Haus und unserem selben Stamm an. Erweise mir seinetwegen einen Gefallen.
– Warum hängt dann dieses Schwert an deinem Hals?
– Möge Allah dieses Schwert zum Unheil gereichen lassen. Welchen Nutzen hat uns dieses Schwert bei Badr gebracht?
Beim Absteigen vom Reittier habe ich vergessen, es von meinem Hals abzunehmen. So ist es geblieben.
– Umair, sag mir die Wahrheit: Warum bist du gekommen?
– Ich bin nur gekommen, um die Gefangenen freizubekommen. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Welche Abmachung hast du mit Safwan getroffen?“
Bei dieser Frage bekam Umair große Angst. Er fragte seinerseits: „Welche Abmachung soll ich getroffen haben?“
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Du und Safwan ibn Umayya habt im Hof der Kaaba über die getöteten Quraisch-Führer gesprochen, die in den Brunnen von Qalib geworfen worden waren. Du hast gesagt: Wenn ich nicht die Last meiner Schulden und die Verantwortung für meine Familie zu tragen hätte, würde ich nach Medina gehen und Muhammad töten. Unter der Bedingung, dass du mich tötest, hat Safwan die Verantwortung für all deine Angelegenheiten übernommen. Allah hat sich zwischen dich und dein Vorhaben gestellt.“
Umair war einige Augenblicke lang völlig benommen. Dann kam er wieder zu sich und rief: „Aschhadu annaka rasulullah – ich bezeuge, dass du wahrhaftig Allahs Gesandter bist. O Gesandter Allahs, wir leugneten all die Nachrichten über den Himmel, die du uns überbrachtest, und die Offenbarung, die auf dich herabgesandt wurde. Doch von dem Gespräch zwischen Safwan und mir wusste außer ihm und mir niemand. Bei Allah, ich bin überzeugt, dass nur Allah dir diese Nachricht gegeben haben kann. Al-hamdulillah, alles Lob gebührt Allah, der mich zu dir geführt hat, damit ich rechtgeleitet werde.“ Danach wiederholte er: „Aschhadu an la ilaha illallah wa anna Muhammadan rasulullah.“
Der ehrwürdige Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, wies die Gefährten an: „Lehrt euren Bruder Umair die Religion, lehrt ihn den Koran und lasst seinen Gefangenen frei.
Vor seiner Annahme des Islam war der ehrwürdige Umair einer der „Satane“ oder Anführer der Quraisch. Nachdem er Muslim geworden war, wurde er zu einem herausragenden Helfer und Gefährten des Islam. Nach seiner Annahme des Islam sagte der ehrwürdige Umar ibn al-Khattab, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm: „Bei dem, in dessen Hand mein Leben liegt: Als Umair in Medina erschien, war mir nicht einmal ein Schwein lieber als er. Heute ist er mir lieber als jedes meiner Kinder.“ (Rijalun hawla ar-Rasul, S. 325)
Nach seiner Annahme des Islam war Umayr damit beschäftigt, sich durch die islamische Lehre zu läutern und sein Herz mit dem Licht des Korans zu erfüllen. Er vergaß beinahe Mekka und diejenigen, die er dort zurückgelassen hatte.
Safwan ibn Umayya hingegen sah jeden Tag in seiner Vorstellung farbenprächtige Träume. Er ging zu den verschiedenen Versammlungsorten der Quraisch in Mekka und sagte immer wieder: „Bald wird eine großartige Freudenbotschaft bei euch eintreffen. Dadurch werdet ihr über die Niederlage von Badr hinweggetröstet werden.“
Safwans Warten zog sich immer länger hin. Zunächst machte er sich einige Sorgen, später wurde er unruhig. Jeden Karawanenzug und jeden Reiter, der aus Richtung Medina kam, hielt er an und begann, nach Umayr zu fragen. Doch niemand konnte ihm eine zufriedenstellende Antwort geben. Da traf er auf einen Reiter, der aus Medina kam. In seiner übergroßen Neugier fragte Safwan ihn sogleich: „Ist in Medina etwa nichts Neues geschehen?“ Der Mann antwortete: „Doch, ein gewaltiges Ereignis ist geschehen.“ Safwans Gesicht begann zu strahlen, und sein Herz und Gemüt drohten vor Freude und Jubel zu bersten. Sofort fragte er weiter: „Erzähl mir bitte ausführlich, was geschehen ist.“ Der Mann sagte: „Umayr hat den Islam angenommen. Dort lernt er die neue Religion kennen und den Koran.“ Safwans ganze Welt schien sich auf den Kopf zu stellen. Es war, als wäre ein Blitz in seinen Kopf eingeschlagen. Er hatte geglaubt, dass Umayr niemals den Islam annehmen würde, selbst wenn alle Menschen auf der Welt Muslime würden.
Unmittelbar nach seiner Annahme des Islam erkannte Umayr die Verantwortung, die diese Religion mit sich brachte, in vollem Umfang. Er begriff, dass er im Dienst dieser Religion genau so viel Kraft aufwenden musste, wie er zuvor für ihren Widerstand eingesetzt hatte. So viel Verleumdung und Propaganda, wie er gegen diese Religion verbreitet hatte, so eifrig musste er nun zu ihr aufrufen. Durch Aufrichtigkeit, Dschihad und Gehorsam musste er beweisen, wie sehr er Allah und Seinen Gesandten liebte.
Nachdem Umayr einige Zeit in Medina islamische Unterweisung und Erziehung erhalten hatte, begab er sich eines Tages zum Dienst des Gesandten Allahs und sagte: „O Gesandter Allahs, einen großen Teil meines Lebens habe ich damit verbracht, das Licht Allahs auszulöschen und die Anhänger des Islam zu misshandeln und zu unterdrücken. Mein Wunsch ist es – wenn du mir die Erlaubnis gibst –, nach Mekka zu gehen und die Quraisch zu Allah und Seinem Gesandten aufzurufen. Wenn sie meine Daʿwa annehmen, wäre das eine äußerst gute Tat. Sollten sie sie jedoch zurückweisen, werde ich ihnen ebenso viel Leid zufügen, wie ich es zuvor den Gefährten des Gesandten Allahs zugefügt habe.“
Der Gesandte Allahs erteilte ihm die Erlaubnis. Eines Tages kehrte Umayr, das Schwert über der Schulter und in Kriegsausrüstung gekleidet, nach Mekka zurück. In Mekka traf er als Erstes Safwan ibn Umayya und sagte: „O Safwan, du bist einer der Anführer Mekkas und einer der größten Gelehrten der Quraisch. Hältst du es etwa für eine Religion, dass ihr Steine anbetet und im Namen von Götzen Tiere schlachtet? Ich jedoch bezeuge, dass es keinen Gott außer Allah gibt und dass Muhammad der Gesandte Allahs ist.“ Safwan wollte sich auf Umayr stürzen. Doch Umayrs Schwert hielt ihn wirksam davon ab. In Wut und Schmerz schleuderte Safwan einige unaussprechliche Beschimpfungen in Umayrs Ohren und ging davon.
So kehrte Umayr als Muslim nach Mekka zurück. Als derjenige, der wenige Tage zuvor als Götzendiener Mekka verlassen hatte, nun wieder in Mekka einzog, glich sein Auftreten genau dem, das Umar am Tag seiner Annahme des Islam gezeigt hatte. Nach seiner Annahme des Islam hatte Umar ausgerufen: „Ich schwöre bei Allah: An jedem Ort, an dem ich im Zustand des Unglaubens gesessen habe, werde ich auch im Zustand des Glaubens sitzen.“
In dieser Hinsicht nahm Umayr Umar offenbar als Vorbild. Tag und Nacht rief er in den Gassen und Straßen Mekkas zur Daʿwa auf. Innerhalb weniger Wochen nahmen durch Umayr zahlreiche Menschen den Glauben an. Vor der Schlacht von Uhud kehrte er mit dieser Gruppe von Gläubigen wieder nach Medina zurück. An allen Feldzügen – einschließlich Uhud, der Grabenschlacht und der Eroberung Mekkas – nahm er gemeinsam mit dem Gesandten Allahs teil.
Am Tag der freudigen Eroberung Mekkas vergaß Umayr seinen Freund und Gefährten Safwan nicht. Nachdem der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in Mekka eingetroffen war, floh Safwan aus Angst um sein Leben aus Mekka und gelangte auf dem Weg in den Jemen nach Dschidda. Als Umayr davon erfuhr, war er zutiefst betrübt. Er fasste den festen Entschluss, Safwan aus den Händen des Satans zu retten. Er eilte zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und sagte: „O Prophet Allahs! Safwan ibn Umayya ist ein Anführer seines Volkes. Aus Furcht vor dir ist er aus Mekka geflohen. Er wird sich ins Meer stürzen. Gewähre ihm durch mich Schutz.“ Der Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Er ist in Sicherheit.“ Umayr sagte: „O Gesandter Allahs, gib mir ein Zeichen, an dem man erkennen kann, dass du ihm Schutz gewährt hast.“ Da schenkte ihm der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, das Tuch, das er bei seinem Einzug in Mekka auf dem Kopf getragen hatte.
Umayr ibn Zubayr berichtet:
„Umayr nahm das Tuch und machte sich auf den Weg. Als er Safwan erreichte, bereitete dieser sich gerade darauf vor, das Meer zu überqueren. Er sagte: „Safwan, mögen meine Eltern für dich geopfert werden! Richte dich nicht auf diese Weise zugrunde. Hiermit bringe ich dir die Schutzgarantie des Gesandten Allahs.
Safwan sagte:
– „Mögest du zugrunde gehen! Geh weg von mir. Sprich nicht mit mir.“ Umayr sagte: „Safwan, mögen meine Eltern für dich geopfert werden! Wahrlich, der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ist der beste aller Menschen. Er ist auch der gottesfürchtigste und geduldigste aller Menschen. Seine Ehre ist deine eigene Würde.“ Safwan sagte: „Ich fürchte um mein Leben.“ Umayr sagte: „Er ist noch nachsichtiger und ehrenvoller als das.“
Umayr, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, brachte Safwan mit sich zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Safwan sagte: „Dieser Mann ist der Ansicht, dass du mir Schutz gewährt hast.“
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Er hat die Wahrheit gesagt.“
Safwan sagte: „Gewähre mir eine Frist von zwei Monaten.“
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagte: „Dir werden vier Monate Frist gewährt.“
Schon nach wenigen Tagen nahm Safwan, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, den Islam an. (Rijalun haular-Rasul, S. 325; Hayatus-Sahaba, Bd. 1)
Während des Kalifats von Abu Bakr, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, unterstützte Umair, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, den Kalifen in allen wichtigen Angelegenheiten. Während des Kalifats von Umar, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, führte Amr ibn al-As, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, den Feldzug nach Ägypten. Als sich die Eroberung Alexandrias verzögerte, entsandte Umar, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, aus Medina zu seiner Unterstützung zehntausend Soldaten unter dem Kommando von vier hervorragenden Heerführern. Einer dieser vier Heerführer war Umair ibn Wahb, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm.
Umar wies Amr ibn al-As hinsichtlich dieser vier Befehlshaber an, sie während des Angriffs an die vorderste Front zu stellen. Durch ihre Bemühungen war der Feldzug zur Eroberung Alexandrias erfolgreich. Nach der Eroberung Alexandrias unterwarf er auf Amrs Anweisung zahlreiche Gebiete Ägyptens. Gegen Ende des Kalifats von Umar, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, verstarb er.
Salama ibn al-Akwa, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm
Sein Name war Sinan, sein Vater war Amr ibn al-Akwa. Hinsichtlich seiner Kunya, also seines Beinamens, gibt es unterschiedliche Auffassungen. Genannt werden: Abu Muslim, Abu Iyas, Abu Amir und andere. Aufgrund des Namens seines Sohnes Iyas war jedoch der Beiname Abu Iyas am bekanntesten. (Al-Istiab)
Die Sira-Gelehrten äußern sich nicht dazu, wann Salama den Islam annahm. Historisch steht jedoch fest, dass er bereits vor dem sechsten Jahr nach der Hidschra den Islam annahm und ebenfalls nach Medina auswanderte. Die meisten Muhadschirun wanderten mit ihren Familien aus; Salama jedoch ließ um Allahs willen seine Frau und seine Kinder zurück und wanderte allein aus.
Nach seiner Ankunft in Medina nahm er an fast allen Schlachten teil. Im Zusammenhang mit dem Friedensvertrag von Hudaybiyya kommt der „Baiʿat ar-Ridwan“ oder „Baiʿat asch-Schadscharah“ in der islamischen Geschichte eine besondere Bedeutung zu. Als sich im sechsten Jahr nach der Hidschra während des Ereignisses von Hudaybiyya der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, die Nachricht vom Märtyrertod Uthmans, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, durch die Hand der Ungläubigen von Mekka anhörte und von den Muslimen, die gemeinsam mit dem Gesandten Allahs nach Hudaybiyya gekommen waren, den Treueid bis zum Tod entgegennahm, leistete Salama dem Gesandten Allahs dreimal den Baiʿat. Er berichtete: „Unter dem Baum von Hudaybiyya leistete ich dem Gesandten Allahs den Treueid bis zum Tod. Danach ging ich beiseite. Als die Menge etwas kleiner geworden war, sah mich der Gesandte Allahs und sagte: ,Salama, was ist mit dir geschehen? Du hast doch keinen Baiʿat geleistet.‘ Ich sagte: ,O Gesandter Allahs, ich habe doch den Baiʿat geleistet.‘ Der Gesandte sagte: ,Was macht das schon? Leiste ihn noch einmal.‘ Also leistete ich erneut den Baiʿat. Zu diesem Zeitpunkt schenkte der Gesandte Allahs ihm einen Schild. Danach fiel er dem Gesandten Allahs erneut auf. Er fragte: ,Salama, wirst du keinen Baiʿat leisten?‘ Salama erwiderte: ,O Gesandter Allahs, ich habe doch bereits zweimal den Baiʿat geleistet.‘ Er sagte: ,Leiste ihn noch einmal.‘ Salama leistete zum dritten Mal den Baiʿat. Daraufhin fragte ihn der Gesandte Allahs: ,Salama, was hast du mit dem Schild gemacht?‘ Er sagte: ,Mein Onkel war völlig ohne Waffen, deshalb habe ich ihn ihm gegeben.‘ Als der Gesandte Allahs dies hörte, lachte er und sagte: ,Dein Beispiel gleicht demjenigen, der bittet: O Allah, schenke mir einen Freund, der mir lieber ist als mein eigenes Leben.‘
Während in Hudaybiyya gerade der Treueid unter der Hand des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) geleistet wurde, kam es inzwischen zu einem Friedensabkommen zwischen den Muslimen und den Bewohnern von Mekka. Die Muslime atmeten erleichtert auf und begannen, einander zu umarmen. Salama lag sorglos unter einem Baum. Da kamen vier Muschrik (Götzendiener) und setzten sich neben ihn. Sie begannen, über den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) Dinge zu besprechen, die er nicht hören wollte. Er stand auf und setzte sich unter einen anderen Baum. Nachdem er sich entfernt hatte, legten sich die vier Muschrik nieder, nachdem sie ihre Waffen abgelegt hatten. Da schrie plötzlich jemand: „Ihr Muhadschirun, kommt schnell, Ibn Dhanīm ist getötet worden.“ Sobald Salama diese Stimme hörte, nahm er seine Waffe und stürzte auf die vier Muschrik zu. Sie lagen noch immer da. Salama nahm ihre Waffen an sich und sagte: „Wenn ihr Gutes wollt, kommt geradewegs mit mir. Bei Allah, wenn einer von euch den Kopf hebt, werde ich ihm die Augen ausstechen.“ Er brachte sie zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Auch Salamas Onkel brachte etwa siebzig oder einundsiebzig gefangene Muschrik mit. Der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ließ sie alle frei. Im Zusammenhang mit diesem Ereignis wurde folgender Vers des Qur’an offenbart:
„Und Er ist es, der euch, nachdem Er euch über die Ungläubigen im Land von Mekka den Sieg verliehen hatte, ihre Hände von euch und eure Hände von ihnen zurückhielt.“ (Sure al-Fath/3).
Auf der Rückkehr der muslimischen Karawane nach Medina schlug man nahe einem Berg ein Zelt auf. Die Muschrik hegten einige üble Absichten. Der edle Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) erfuhr davon. Er sah die Notwendigkeit, das Zelt bewachen zu lassen. Er bat um Vergebung für denjenigen, der auf diesem Berg sitzen und Wache halten würde. Diese Ehre wurde Salama zuteil. Die ganze Nacht hindurch stieg er immer wieder auf den Berg, um auf die Schritte des Feindes zu lauschen.
Einige Kamele des edlen Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) weideten auf der Weide von Dhi Qarawa. Eines Tages griffen Männer vom Stamm der Banu Ghatafan, anderen Berichten zufolge von den Banu Fazara, überraschend an, töteten den Hirten und raubten die Kamele. Salama ibn al-Akwa befand sich ganz in der Nähe des Tatorts. In der letzten Nachtwache war er aufgebrochen, als ihm der Sklave von Abd ar-Rahman ibn Auf mitteilte, dass die Kamele des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) geraubt worden seien. Salama schickte den Sklaven von Abd ar-Rahman nach Medina, um dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) Nachricht zu geben. Dann stieg er auf den Gipfel eines Berges und rief so laut „Ya Sabahah!“ (der Warnruf vor einem feindlichen Angriff), dass seine Stimme von einem Ende Medinas bis zum anderen reichte. Allein nahm er die Verfolgung der Räuber auf. Die Räuber suchten gerade nach Wasser, als er sie erreichte. Er war ein geschickter Bogenschütze. Er legte präzise an und schoss seine Pfeile ab, während er leise vor sich hin wiederholte:
„Ich bin der Sohn des al-Akwa
Heute ist der Tag der Vernichtung der Niederträchtigen.“
Das heißt: Ich bin der Sohn des al-Akwa – heute ist der Tag der Vernichtung der Niederträchtigen. Er griff so heftig an, dass die Räuber die Kamele zurückließen und flohen. In ihrer Verwirrung ließen sie sogar ihre Umhänge zurück. Inzwischen traf der edle Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) mit weiteren Männern dort ein. Salama sagte: „O Gesandter Allahs, ich habe sie nicht einmal Wasser trinken lassen. Wenn wir sie jetzt verfolgen, können wir sie einholen.“ Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Nachdem du sie besiegt hast, vergib ihnen.“ (Buchari, Kitab al-Maghazi, Kapitel über den Feldzug von Dhi Qarawa; Sira von Ibn Hischam 2/281–282; Hayat as-Sahaba 1/559–561). Dieses Ereignis wird in den verschiedenen Werken unterschiedlich überliefert.
Im Krieg von Chaibar bewies er außerordentlichen Heldenmut. Nach dem Sieg über Chaibar kehrte er nach Medina zurück, indem er Hand in Hand mit dem edlen Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ging.
Nach Chaibar nahm er am Kampf gegen die Thaqīf und Hawāzin teil. Während dieses Feldzugs kam ein Mann auf einem Kamel in das Lager der muslimischen Armee, band sein Kamel fest und setzte sich unauffällig zum Frühstück zu den muslimischen Soldaten. Dann ließ er seinen wachsamen Blick nach allen Seiten schweifen, schätzte die Stärke der Muslime ein, bestieg wieder sein Kamel und machte sich eilig davon. Da er auf diese Weise gekommen und wieder gegangen war, vermuteten die Muslime, dass er ein Spion sei. Ein Mann nahm die Verfolgung auf. Auch Salama folgte ihm, überholte ihn im Lauf, ergriff ihn und tötete ihn mit einem einzigen Schwerthieb. Danach kehrte er mit dem Reittier des Getöteten zurück. Allahs Gesandter (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) fragte: „Wer hat den Mann getötet?“ Die Leute antworteten: „Salama.“ Der Gesandte Allahs verkündete: „All seine Habseligkeiten sollen demjenigen gehören, der ihn getötet hat.“ Im siebten Jahr nach der Hidschra entsandte der ehrwürdige Gesandte Allahs unter dem Befehl Abū Bakrs ein Heer gegen die Banū Kilāb. Auch Salama gehörte diesem Heer an. In diesem Feldzug tötete er allein sieben Männer. Viele Frauen derjenigen, die geflohen waren, nahm er gefangen und brachte sie mit. Unter diesen Gefangenen befand sich auch ein schönes Mädchen. Abū Bakr übergab das Mädchen der Obhut Salamas. Salama brachte das Mädchen nach Medina. Allahs Gesandter sagte: „Übergib mir das Mädchen in meine Obhut.“ Salama übergab sie der Obhut des Gesandten Allahs. Im Austausch gegen dieses Mädchen befreite der Gesandte Allahs die Muslime, die sich in den Händen der Ungläubigen als Gefangene befanden.
Nach seiner Annahme des Islam nahm Hadhrat Salama ibn al-Akwaʿ (möge Allah mit ihm zufrieden sein) an beinahe allen Kriegen teil, die gegen die Ungläubigen geführt wurden. Einigen Überlieferungen zufolge nahm er insgesamt an vierzehn Kriegen teil: an sieben als Gefährte des Gesandten Allahs und an den übrigen sieben an verschiedenen Feldzügen, die der Gesandte Allahs entsandt hatte. Einer Überlieferung im Mustadrak zufolge betrug die Zahl der Kriege, an denen er teilnahm, insgesamt sechzehn. Einmal sagte er: „Ich nahm an sieben Kriegen mit dem Gesandten Allahs und an neun mit Zaid ibn Hāritha teil.“ (Rijāl Ḥawla ar-Rasūl, S. 555.)
Unter den Angehörigen der Infanterie, die mit Pfeil und Speer kämpften, war Salama einer der Geschicktesten. Wenn die feindlichen Soldaten angriffen, zog er sich zurück. Wenn sich die Feinde jedoch zurückzogen oder Rast machten, führte er einen Überraschungsangriff durch. Das war seine Kriegstaktik. Mit dieser Taktik schlug er allein bei der Schlacht von Dhū Qarad am Stadtrand von Medina das Heer, das unter dem Befehl von ʿUyayna ibn Ḥiṣn al-Fazārī stand. Allein nahm er ihre Verfolgung auf, griff sie an und wehrte ihre Angriffe ab. Auf diese Weise trieb er sie über eine weite Strecke von Medina fort.
In Tapferkeit und Mut, besonders im schnellen Laufen, nahm Salama unter den Gefährten eine herausragende Stellung ein. Der Verfasser von al-Iṣāba schrieb: „Er war einer der Tapfersten und schneller als ein Pferd.“ Während des Waffenstillstands von Hudaybiyya – nach einer anderen Auffassung während des Feldzugs von Dhū Qarad – sagte der ehrwürdige Gesandte Allahs zu seinem Lob: „Der Beste unserer Fußkämpfer ist Salama ibn al-Akwaʿ.“ (Rijāl Ḥawla ar-Rasūl, S. 555.)
Hadhrat Salama war ein äußerst kräftiger Mann. Es schien, als wüsste er nicht, was Kummer und Schmerz waren. Doch während der Schlacht von Chaibar stand er neben dem Leichnam seines Bruders – nach anderer Auffassung seines Onkels –, Hadhrat ʿĀmir ibn al-Akwaʿ, und summte ein trauriges Lied. Seine letzte Zeile lautete: „O Allah, sende Frieden auf uns herab und gib unseren Füßen Standhaftigkeit, wenn wir dem Feind gegenüberstehen.“
In dieser Schlacht von Chaibar schlug sein Bruder ʿĀmir mit dem Schwert mit großer Wucht nach einem Götzendiener. Doch der Hieb ging fehl und traf seinen eigenen Körper, woran er den Märtyrertod erlitt. Danach bemerkten einige Muslime: „Der unglückliche ʿĀmir – ihm wurde das Glück des Märtyrertodes versagt.“ Erst an diesem Tag, als auch in Salamas Herzen wie in denen der anderen die Vorstellung entstand, sein Bruder sei des Lohnes für Dschihad und Märtyrertod beraubt worden, wurde er zutiefst betrübt und niedergeschlagen. Er lief zum Gesandten Allahs und fragte:
„O Gesandter Allahs, sind all die guten Taten ʿĀmirs vergeblich gewesen – stimmt das?“
Der Gesandte Allahs sagte:
– Er ist als Mudschahid gefallen. Ihm stehen zwei Belohnungen zu. Jetzt schwimmt er in den Flüssen des Paradieses. (Rijalun Hawla ar-Rasul, S. 555–556).
Hazrat Salama blieb nach dem Tod des edlen Gesandten Allahs bis zum Märtyrertod Hazrat Uthmans in Medina. Nach der Ermordung Hazrat Uthmans erkannte dieser tapfere Mudschahid, dass sich unter den Muslimen das Tor zu Fitna und gegenseitigem Streit geöffnet hatte. Ein Mann, der sein ganzes Leben gemeinsam mit seinen Brüdern gegen die Ungläubigen gekämpft hatte, durfte nun nicht gegen diese Brüder zu den Waffen greifen. Es war keineswegs recht, die Geschicklichkeit, für die er im Kampf gegen die Götzendiener vom Gesandten Allahs gelobt worden war, gegen einen Gläubigen einzusetzen oder mit dieser Geschicklichkeit einen Muslim zu töten.
Nach dieser Erkenntnis lud er seine Habseligkeiten auf den Rücken eines Kamels, verließ Medina und ging direkt nach Rabza. Dort blieb er bis zu seinem Lebensende. In eben dieses Rabza war zuvor auch Hazrat Abu Dharr al-Ghifari, möge Allah mit ihm zufrieden sein, aus Medina gekommen; dort hatte er auch seinen letzten Atemzug getan.
Hazrat Salama verbrachte den Rest seines Lebens in diesem Rabza. Einige Tage vor seinem Tod erwachte plötzlich ein starkes Verlangen in ihm, nach Medina zu gehen. Er ging nach Medina. Nachdem er dort zwei Tage verbracht hatte, starb er am dritten Tag unerwartet. So wurde er im heiligen Land seines Geliebten neben den Märtyrern und wahrhaft treuen Gefährten beigesetzt. (Rijalun Hawla ar-Rasul, S. 556–557).
Über das Todesjahr sind sich die Historiker uneinig. Nach der zutreffenden Ansicht starb er im Jahr 74 nach der Hidschra. Einer anderen Ansicht zufolge war sein Todesjahr 64 nach der Hidschra. Waqidi und seine Anhänger waren der Auffassung, dass er achtzig Jahre alt wurde. Ibn Hadschar sagt, dass diese Auffassung Waqidis hinsichtlich des Todesjahres nach der ersten Ansicht nicht zutrifft. Denn demnach wäre er bei der Bai’a von Hudaybiyya ungefähr zehn Jahre alt gewesen. In diesem Alter kann niemand den Treueid des Todes leisten. Außerdem habe ich bei Ibn Sa’d gesehen, dass er gegen Ende der Regierungszeit Hazrat Muawiyas, möge Allah mit ihm zufrieden sein, verstarb. Auch Baladhuri erwähnt dies. (Al-Isaba, 2/67).
Hazrat Salama hatte die Gelegenheit, die enge Gesellschaft des Gesandten Allahs zu genießen. Auch die Ehre, ihn auf zahlreichen Feldzügen zu begleiten, wurde ihm zuteil. Diese Gelegenheit nutzte er in angemessener Weise. Außerdem überlieferte er Hadithe von Abu Bakr, Umar, Uthman und Talha, möge Allah mit ihnen zufrieden sein. Die Zahl der von ihm überlieferten Hadithe beträgt siebenundsiebzig (77). Sechzehn davon sind muttafaq alayh, das heißt, sie wurden sowohl von al-Bukhari als auch von Muslim überliefert. Fünf überlieferte al-Bukhari allein und neun Muslim allein. (Tahdhib al-Kamal, 148). Zu den besonders erwähnenswerten Personen, die von ihm Hadithe überlieferten, gehören Yas ibn Salama, Yazid ibn Ubayd, Abd ar-Rahman ibn Abdullah, Muhammad ibn al-Hanafiyya und andere.
Hazrat Salama war großzügig, wenn es darum ging, auf Allahs Weg zu spenden. Wenn jemand um Allahs willen um etwas bat, ließ er ihn nicht mit leeren Händen gehen. Er pflegte zu sagen: „Wenn man nicht um Allahs willen gibt, wem soll man dann geben?“ Doch er mochte es nicht, um Allahs willen zu bitten.
Er hielt das Gut der Sadaqa für sich selbst für verboten. Wenn er den Verdacht hatte, dass etwas aus Sadaqa-Mitteln stammte, hielt er sich davon fern. Deshalb wollte er auch nichts, was er selbst als Sadaqa gegeben hatte, später erneut gegen Geld kaufen.
Er war in Fragen des Verbotenen und Erlaubten so vorsichtig, dass er die Kinder kein Spiel spielen ließ, das Ähnlichkeit mit Glücksspiel hatte.
Salama, möge Allah mit ihm zufrieden sein, war einer derjenigen Gefährten, die in Medina Fatwas erteilten. Ibn Saʿd überliefert von Ziyad ibn Mina. Er berichtet: Ibn Abbas, Ibn Umar, Abu Saʿid al-Chudri, Abu Huraira, Abdullah ibn Amr ibn al-As, Dschabir ibn Abdullah, Rafiʿ ibn Chadidsch, Salama ibn al-Akwaʿ und weitere Gefährten erteilten in Medina Fatwas. (Hayatus-Sahaba, 3/254).
Imam al-Buchari überliefert in seinem Werk „Al-Adab al-Mufrad“ (S. 144) von Abdurrahman ibn Rasin. Er berichtet: Wir kamen an Rabdha vorbei. Man sagte uns, dass sich Salama ibn al-Akwaʿ hier aufhalte. Ich ging zu ihm und grüßte ihn. Er streckte seine beiden Hände hervor, zeigte sie uns und sagte: „Mit diesen beiden Händen habe ich dem Gesandten Allahs den Treueid geleistet.“ Dann streckte er eine seiner Handflächen hervor. Die Handfläche war von einer solchen Größe, als wäre sie die Pranke eines Kamels. (Hayatus-Sahaba, 2/498–499).
Salama, möge Allah mit ihm zufrieden sein, wurde einmal gefragt: „Unter welcher Zusage habt ihr am Tag von Hudaibiya dem Gesandten Allahs den Treueid geleistet?“ Er antwortete: „Mawt, das heißt: auf den Tod.“ (Al-Istiʿab, Hayatus-Sahaba, 1/249).
Salamas Sohn Yas hat die Vorzüglichkeit und die besonderen Eigenschaften seines Vaters mit einem einzigen Satz auf wunderbare Weise zum Ausdruck gebracht. Er sagte: „Ma kadhiba abi qattu“ – „Mein Vater hat niemals gelogen.“ (Ridschalun haula ar-Rasul, 554).
Diese eine Eigenschaft allein genügt, damit ein Mensch unter den wahrhaftigen Menschen den höchsten Rang erlangt. In jeder Phase seines Lebens gab er ein Beispiel für diese Wahrhaftigkeit.
Abu Umar Yusuf al-Qurtubi, der Verfasser des Werkes „Al-Istiʿab fi asmaʾil-ashab“, erwähnt über Salama eine außergewöhnliche Begebenheit, die er über Ibn Ishaq überliefert. Ibn Ishaq sagt: „Ich habe gehört, dass Salama derjenige war, mit dem ein Wolf gesprochen hatte. Salama berichtet: Ich sah einen Wolf, der ein Reh erlegt hatte. Ich verfolgte ihn und nahm ihm das Reh aus dem Maul. Da sagte der Wolf: ‚Was ist mit dir? Ich möchte nur von der Versorgung essen, die Allah mir gegeben hat. Es ist auch nicht dein Eigentum, sodass du es mir aus dem Maul reißen dürftest.‘ Salama berichtet: Ich sagte: ‚O Diener Allahs, seht euch dieses außergewöhnliche Ereignis an: Ein Wolf spricht!‘ Als der Wolf meine Worte hörte, sagte er: ‚Noch erstaunlicher ist, dass Allahs Gesandter euch zur Anbetung Allahs aufruft, während ihr dies leugnet und zur Anbetung von Götzen eilt.‘ Salama berichtet: Danach begab ich mich zum Gesandten Allahs und nahm den Islam an. Allah weiß am besten, wer dieser Wolf war.“ (Al-Istiʿab).
Abu Salama ibn Abd al-Asad, möge Allah mit ihm zufrieden sein
Sein Name war ʿAbdullah, seine Kunya oder sein Beiname Abu Salama. Sein Vater war ʿAbd al-Asad und seine Mutter Barra bint ʿAbd al-Muttalib. Er war der Cousin mütterlicherseits des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Nach der zuverlässigeren Überlieferung war er außerdem sein Milchbruder. Suwaiba, die Sklavin Abu Lahabs, stillte den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Hamza und Abu Salama. (Sīrat Ibn Hischām 2/96).
Er schloss sich der Gemeinschaft der Gläubigen an, noch bevor der edle Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, im Haus von Arqam ibn Abi al-Arqam Aufenthalt nahm. Nachdem Abu Bakr, möge Allah mit ihm zufrieden sein, den Islam angenommen hatte, lud er als Erste ʿUthman ibn ʿAffan, Talha ibn ʿUbaidillah, az-Zubair ibn al-ʿAwwam und Saʿd ibn Abi Waqqas zum Islam ein. Er brachte sie alle zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Sie nahmen gemeinsam den Islam an. Am folgenden Tag brachte er ʿUthman ibn مظʿun, Abu ʿUbaida ibn al-Dscharrāh, ʿAbd ar-Rahman ibn ʿAuf, Abu Salama und al-Arqam ibn Abi al-Arqam zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Auch sie nahmen gemeinsam den Islam an. (Al-Bidāya 3/29.) Seine Ehefrau, Umm Salama, möge Allah mit ihr zufrieden sein, folgte ihm ebenfalls. (Usd al-Ghāba 5/281).
Er wanderte gemeinsam mit der ersten Gruppe der Auswanderer nach Abessinien aus; auch seine Ehefrau Umm Salama wanderte mit ihm aus. Auf dem Boden Abessiniens wurde ihre Tochter Zainab bint Abi Salama geboren. (Sīrat Ibn Hischām 1/322, 326.) Einige Zeit später verließ er Abessinien und betrat unter dem Schutz von Abu Talib ibn ʿAbd al-Muttalib Mekka. Einige Männer aus den Banū Machzūm kamen zu Abu Talib und sagten vorwurfsvoll: „O Abu Talib, du hast deinen Neffen Muhammad vor uns beschützt. Und nun gewährst du erneut einem unserer eigenen Leute Schutz?“ Abu Talib erwiderte: „Er hat mich um Schutz gebeten. Außerdem ist er der Sohn meiner Schwester. Wenn ich den Sohn meiner Schwester nicht beschützen kann, kann ich auch den Sohn meines Bruders nicht beschützen.“ Schließlich stand Abu Lahab auf und sagte: „O Leute des Stammes Quraisch! Ihr geht mit diesem alten Mann zu weit. Wenn ihr damit nicht aufhört, werden wir uns an die Seite dieses alten Mannes stellen.“ Aufgrund dieser Worte Abu Lahabs zogen sich die Männer der Banū Machzūm zurück. (Sīrat Ibn Hischām 1/369, 371.) Ein zweites Mal wanderte er mit seiner Ehefrau nach Abessinien aus. Nach seiner letzten Rückkehr aus Abessinien nach Mekka ging er nach einiger Zeit erneut nach Medina.
Umm Salama, die Ehefrau Abu Salamas, möge Allah mit ihr zufrieden sein, berichtet über ihre Auswanderung nach Medina: Nachdem Abu Salama beschlossen hatte, nach Medina auszuwandern, bereitete er sein Kamel vor. Er setzte mich auf den Rücken des Kamels und gab mir unseren Sohn Salama auf den Schoß. Dann nahm er den Zügel des Kamels und führte es fort. Die Männer meines väterlichen Stammes, der Banū Mugīra, versperrten ihm den Weg und sagten: „Was dich selbst betrifft, kannst du tun, was du willst. Aber wir werden diese unsere Tochter nicht mit dir in ein fremdes Land ziehen lassen.“ Sie rissen mich an sich. Darüber geriet Abu Salamas Stamm, die Banū ʿAbd al-Asad, in Zorn. Sie sagten: „Wenn ihr eure Tochter fortgenommen habt, werden wir unser Kind, nämlich Salama, nicht bei seiner Mutter lassen.“ Sie nahmen mir meinen Sohn weg. So war ich eine Gefangene in den Händen meines väterlichen Stammes, der Banū Mugīra, mein Säugling Salama war bei seinem väterlichen Stamm, den Banū ʿAbd al-Asad, und mein Ehemann Abu Salama war in Medina. Auf diese Weise trennten sie uns voneinander.
Jeden Tag ging ich in das Tal al-Abtah bei Mekka, setzte mich dort hin und weinte nur. Fast ein Jahr lang vergoss ich Tränen. Schließlich bekam eines Tages ein Mann aus meinem väterlichen Stamm Mitleid, als er mich in diesem Zustand sah. Er sagte zu den Banū Mugīra: „Wollt ihr diese Unglückliche nicht aus Mekka fortgehen lassen? Warum quält ihr sie, indem ihr sie von ihrem Ehemann und ihrem Kind trennt?“ Darauf sagten die Banū Mugīra zu mir: „Wenn du möchtest, kannst du zu deinem Ehemann gehen.“ Auch die Banū ʿAbd al-Asad gaben mir meinen Sohn zurück. Ich bestieg ein Kamel und machte mich auf den Weg nach Medina zu meinem Ehemann. Kein einziger Diener Allahs war bei mir. Als ich Tanʿīm erreichte, traf ich ʿUthman ibn Talha. Er fragte mich: „Tochter Abu Umaiyyas, wohin gehst du?“ Ich antwortete: „Zu meinem Ehemann nach Medina.“ Er fragte: „Ist niemand bei dir?“ Ich sagte: „Niemand außer dem Einen Allah.“ Er nahm den Zügel meines Kamels und ging zu Fuß weiter. Er brachte mich bis zur Siedlung der Banū ʿAmr ibn ʿAuf in Quba, am Stadtrand von Medina, und sagte: „Dein Ehemann wohnt hier.“ Danach machte er sich wieder auf den Weg nach Mekka. Hier traf ich mit meinem Ehemann zusammen. Dieser ʿUthman ibn Talha nahm nach dem Friedensvertrag von Hudaibiya den Islam an. (Hayāt as-Sahāba 1/358–359).
Abu Salama, möge Allah mit ihm zufrieden sein, wanderte ein Jahr vor dem Treueid der Bewohner Yathribs gegenüber dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in al-ʿAqaba nach Medina aus. (Sīrat Ibn Hischām 1/468.) Nach einer Überlieferung bei al-Buchari war er der erste Muhāǧir, der nach Medina ging. In einer anderen Überlieferung wird jedoch Musʿab ibn ʿUmair als erster Muhāǧir nach Medina bezeichnet. Um diese beiden Überlieferungen miteinander in Einklang zu bringen, sagte der ehrenwerte Ibn Hadschar, Allah erbarme sich seiner: Als Abu Salama aus Abessinien nach Mekka zurückkehrte, begannen die Götzendiener von Mekka erneut, ihn zu verfolgen. Daraufhin ging er aus Furcht vor den Quraisch nach Medina, jedoch nicht mit der Absicht, sich dort dauerhaft niederzulassen. Musʿab ibn ʿUmair hingegen ging nach Medina, nachdem der Befehl zur Auswanderung ergangen war. Demnach besteht zwischen den beiden Überlieferungen im Grunde kein Widerspruch. (Fath al-Bāri 7/203).
Der Tag, an dem Abu Salama in Medina eintraf, war der zehnte Muharram. Der Clan der Banū ʿAmr ibn ʿAuf gewährte ihm volle zwei Monate lang Gastfreundschaft. Als der edle Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nach Medina kam, stiftete er zwischen dem ehrwürdigen Chuzaima al-Ansari und ihm eine Muʾāchāt, eine brüderliche Verbindung, und schenkte ihm außerdem ein Grundstück, auf dem er getrennt wohnen konnte.
In den Schlachten von Badr und Uhud spielte er eine mutige Rolle. In der Schlacht von Uhud traf ihn ein Pfeil von Abu Usama al-Dschuschami am Arm. Nach einer einmonatigen Behandlung schien die Wunde äußerlich verheilt zu sein, doch im Inneren bildete sich eine Verletzung. In diesem Zustand wurde ihm das Kommando über den Feldzug nach Qatan übertragen.
„Qatan“ ist der Name eines Berges. Hier lebten die Banū Asad. Der edle Gesandte Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) erfuhr, dass Tulaiha und Asad ibn Khuwaylid ihren eigenen Stamm sowie andere Stämme, die unter ihrem Einfluss standen, gegen Medina zum Krieg aufwiegelten. Der edle Gesandte Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) beschloss, diese Aktivitäten zu unterbinden. Er stellte aus den Muhādschirūn und den Ansār ein gemeinsames Heer von einhundertfünfzig Mudschāhidūn zusammen und befahl ihm im Monat Muharram/Safar des Jahres 4 nach der Hidschra, unter der Führung von Abū Salama in Richtung „Qatan“ aufzubrechen. Als der Gesandte Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) Abū Salama das Banner übergab, sagte er: „Brich auf! Zerstreue sie, bevor die Banū Asad sich vereinigen können.“
Hazrat Abū Salama rückte auf einem wenig bekannten Weg vor und erschien plötzlich im Gebiet der Banū Asad. Durch diesen überraschenden Angriff völlig ratlos geworden, begannen sie zu fliehen. Abū Salama teilte sein Heer in drei Gruppen und befahl ihnen, die Flüchtenden zu verfolgen. Sie jagten sie über eine weite Strecke und erbeuteten eine große Zahl an Kamelen sowie Ziegen und Schafen als Beute. Die gesamte Beute brachten sie in Medina zum Gesandten Allahs (sallallahu alaihi wa sallam).
Hazrat Abū Salama kehrte vom Feldzug nach „Qatar“ nach Medina zurück. Inzwischen begann sich die durch einen Pfeil verursachte Wunde aus der Schlacht von Uhud erneut zu entzünden. Nachdem er einige Zeit krank gewesen war, verstarb er am 3. Tag des Monats Dschumādā al-Āchira im Jahr 4 nach der Hidschra – nach einer anderen Überlieferung im Jahr 3. Zufällig kam der edle Gesandte Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) kurz vor seinem letzten Atemzug, um ihn zu besuchen. Nachdem seine Seele aus seinem Körper geschieden war, schloss der Gesandte Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) mit seinen gesegneten Händen seine beiden geöffneten Augen und sagte: „Wenn die Seele eines Menschen genommen wird, bleiben seine beiden Augen geöffnet, um ihr zu folgen.“ (Ṭabaqāt Ibn Saʿd, 3/172).
Währenddessen begannen die Frauen hinter dem Vorhang zu klagen. Der Gesandte Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) hielt sie davon ab und sagte: „Jetzt ist die Zeit des Bittgebets. Denn auch die Engel, die vom Himmel zum Verstorbenen herabkommen, sagen gemeinsam mit den Bittenden ‚Āmīn‘ zu deren Bittgebeten.“ Dann sprach der Gesandte Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) für ihn folgendes Bittgebet: „O Allah, mache sein Grab weit und erleuchte es. Vergib ihm seine Sünden und erhöhe seinen Rang unter den rechtgeleiteten Menschen.“ (Ibn Saʿd, 3/172).
Hazrat Abū Salama verstarb an einem Ort namens al-ʿĀliya am Stadtrand von Medina. Er war von Qubāʾ hierhergekommen und hatte sich an diesem Ort niedergelassen. Mit dem Wasser aus dem Brunnen der Banū Umayya ibn Zāʾid – „Yasīra“ – wurde er gewaschen, und auf dem gesegneten Boden Medinas wurde er beigesetzt.
Unter den Gefährten besaß Hazrat Abū Salama (möge Allah mit ihm zufrieden sein) einen besonderen Rang. Als er erkrankte, besuchte ihn der edle Gesandte Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) häufig.
Hazrat Umm Salama (möge Allah mit ihr zufrieden sein) berichtet: Eines Tages kehrte Abū Salama sehr erfreut aus der Gegenwart des Gesandten Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) nach Hause zurück. Immer wieder sagte er: „Heute hat mich eine Aussage des Gesandten Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) sehr glücklich gemacht.“ Er sagte: „Wenn ein Muslim, der von einem Unglück getroffen wurde, sich in seinem Unglück Allah zuwendet und sagt: ‚O Allah, hilf mir in diesem Unglück und gewähre mir dafür den besten Lohn‘, dann erhört Allah sein Bittgebet.“ Als ich nach dem Tod Abū Salamas sehr traurig war, sprach auch ich dieses Bittgebet. Doch sogleich dachte ich: Wer könnte ein besserer Ersatz für Abū Salama sein? Als nach Ablauf meiner ʿIdda der Gesandte Allahs (sallallahu alaihi wa sallam) selbst um meine Hand anhielt, erkannte ich, dass Allah für einen besseren Ersatz gesorgt hatte. (Musnad von Ahmad ibn Hanbal, 4/127). Auf diese Weise wurde Umm Salama zur Umm al-Muʾminīn.
Hazrat Abū Salama hinterließ zwei Söhne, Salama und ʿUmar, sowie zwei Töchter, Zaynab und Durra.
Als der Kalif Umar, möge Allah mit ihm zufrieden sein, während seiner Kalifenzeit für jeden eine Zuwendung festsetzte, ordnete er an, den Kindern derjenigen Muhadschirun und Ansar, die an der Schlacht von Badr teilgenommen hatten, zweitausend zu geben. Als die Angelegenheit Umar, dem Sohn Abu Salamas, zur Sprache kam, sagte er: „Gebt ihm tausend mehr.“ Muhammad ibn Abdillah, dessen Vater Abdillah ibn Dschahsch in Uhud den Märtyrertod erlitten hatte, protestierte und sagte: „Sein Vater besitzt keinen besonderen Vorrang vor unseren Vätern.“
Der Kalif sagte: „Für seinen Vater Abu Salama gebe ich ihm zweitausend und für seine Mutter Umm Salama zusätzlich tausend. Hättest du eine Mutter wie seine, würde ich auch dir tausend mehr geben.“ (Hayatus-Sahaba 1/216–217).
ʿAqil ibn Abi Talib, möge Allah mit ihm zufrieden sein
Sein Name war ʿAqil, sein Beiname Abu Yazid. Sein Vater war Abu Talib ibn Abd al-Muttalib und seine Mutter Fatima. Er stammte aus dem haschemitischen Zweig des Stammes Quraisch. Er war der Halbbruder des vierten Kalifen, ʿAli, und zwanzig Jahre älter als ʿAli.
ʿAqil wurde bei seinem Vater Abu Talib aufgezogen. Vor dem Beginn der Prophetenschaft des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, herrschte in Mekka einmal große Not. Unter den Quraisch war die Lage des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und diejenige von Abbas vergleichsweise etwas besser. Eines Tages sagte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu Abbas: „Onkel, du kennst doch die Lage deines Bruders Abu Talib. Er hat viele Kinder. Lass uns die Verantwortung für einige seiner Kinder übernehmen.“ Die beiden gingen zu Abu Talib und erklärten ihm ihre Absicht. Abu Talib sagte: „Ihr könnt jeden mitnehmen, den ihr möchtet, außer ʿAqil.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nahm ʿAli mit, und Abbas nahm Dschaʿfar mit. (Hayatus-Sahaba 2/530).
ʿAqils Herz war von Anfang an dem Islam und den Muslimen zugeneigt. Aus Furcht vor den Quraisch konnte er den Islam jedoch nicht öffentlich annehmen. Obwohl er dies nicht wollte, nahm er gemeinsam mit den Anführern der Götzendiener an der Schlacht von Badr teil und wurde wie viele andere von der muslimischen Armee gefangen genommen. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, beauftragte ʿAli herauszufinden, welche Angehörigen seiner Familie gefangen genommen worden waren. ʿAli erkundigte sich und sagte: „Nawfal, Abbas und ʿAqil sind gefangen genommen worden.“ Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, dies hörte, ging er selbst zu ihnen und blieb neben ʿAqil stehen. Er sagte: „Abu Dschahl ist getötet worden.“ ʿAqil sagte: „Nun gibt es in der Region Tihama keinen Gegner der Muslime mehr.“ ʿAqil war mittellos. Abbas bezahlte sein Lösegeld und erwirkte seine Freilassung. In Badr war er von Hudhaifa ibn Aus gefangen genommen worden. (Sira ibn Hischam 1/687).
Nach seiner Befreiung aus der Gefangenschaft kehrte er nach Mekka zurück. Im Jahr der Eroberung Mekkas – nach anderer Auffassung nach dem Vertrag von Hudaybiyya – nahm er ordnungsgemäß den Islam an und wanderte zu Beginn des achten Jahres nach der Hidschra nach Medina aus. (Al-Isaba 2/494).
Nach seiner Teilnahme am Feldzug von Muʾta kehrte er wieder nach Mekka zurück und erkrankte. Deshalb konnte er weder an der Eroberung Mekkas noch an den Feldzügen nach Taif und Hunain teilnehmen. (Usd al-Ghaba 3/422). Nach einigen Überlieferungen nahm er jedoch an der Schlacht von Hunain teil. Als die muslimische Armee in dieser Schlacht zu Beginn kurz vor der Niederlage stand und sogar die Muhadschirun und Ansar zu fliehen begannen, war er einer von denen, die standhaft blieben. (Al-Isaba 2/494).
Ibn Hischam berichtet: Am Tag der Schlacht von Hunain betrat Aqil ibn Abi Talib mit einem blutbefleckten Schwert in der Hand das Zelt seiner Frau Fatima bint Schaiba ibn Rabia. Seine Frau sagte: Ich habe verstanden, dass du gekämpft hast. Doch was hast du als Beute (Kriegsbeute) für mich mitgebracht? Aqil sagte: Hier, nimm diese Nadel; du kannst damit Kleidung nähen. Er gab die Nadel seiner Frau. In diesem Augenblick war die Stimme des Ausrufers des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu hören. Er rief aus: Wer etwas an sich genommen hat, soll es zurückgeben. Selbst wenn jemand eine Nadel und einen Faden an sich genommen hat, soll er beides zurückgeben. Aqil wandte sich an seine Frau und sagte: Auch deine Nadel ist nun fort. Damit nahm er die Nadel aus der Hand seiner Frau und warf sie auf den Haufen der Beutegüter. (Sira Ibn Hischam, 2/492).
Von dem Tod des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), also seit der Schlacht von Hunain, bis zum Ende des Kalifats des Kalifen Uthman findet sich in der Geschichte kaum etwas über die Rolle und die Aktivitäten des ehrwürdigen Aqil. Während des Kalifats des ehrwürdigen Umar jedoch, als sich im Bait al-Mal große Geldsummen ansammelten, beriet er sich mit den angesehenen Gefährten über dieses Geld. Der ehrwürdige Ali (möge Allah mit ihm zufrieden sein) schlug vor, das gesamte Geld unter der Bevölkerung zu verteilen. Der ehrwürdige Uthman sagte: Es ist sehr viel Geld, und jeder soll etwas erhalten. Wenn wir jedoch nicht festhalten, wer etwas erhalten hat und wer nicht, wird die Angelegenheit in Unordnung geraten. Darauf sagte Walid ibn Hischam ibn al-Mughira: O Fürst der Gläubigen, ich war in Scham. Dort habe ich Könige gesehen; sie führen Diwane, in denen sie alles getrennt verzeichnen. Der Kalif fand seinen Vorschlag gut. Er beauftragte Aqil, Machrama und Zubair ibn Mut’im damit, entsprechend ihrem Rang eine Liste der Bürger anzufertigen. Diese drei waren herausragende Genealogen der Quraisch. Sie fertigten die Liste an. (Hayat as-Sahaba, 220).
Während des Konflikts zwischen dem ehrwürdigen Ali (möge Allah mit ihm zufrieden sein) und dem ehrwürdigen Muawiya (möge Allah mit ihm zufrieden sein) erscheint der ehrwürdige Aqil wieder auf den Seiten der Geschichte. Obwohl er Alis Bruder war, unterhielt er aus eigener Bedürftigkeit Beziehungen zum Fürsten Muawiya (möge Allah mit ihm zufrieden sein). Während des Konflikts zwischen Ali und Muawiya verließ er Medina und ging zu Muawiya nach Scham. Als Grund dafür wird in der Geschichte angeführt, dass Aqil ein verschuldeter und bedürftiger Mann war und Geld benötigte. Die Schatzkammer des Fürsten Muawiya (möge Allah mit ihm zufrieden sein) stand ihm offen. Armut und Bedürftigkeit zwangen ihn, sich auf die Seite des ehrwürdigen Muawiya zu stellen.
Als der Konflikt zwischen dem ehrwürdigen Muawiya (möge Allah mit ihm zufrieden sein) und dem ehrwürdigen Ali (möge Allah mit ihm zufrieden sein) seinen Höhepunkt erreicht hatte, ging Aqil einmal in der Hoffnung, seine Schulden begleichen zu können, zu Ali. Ali empfing ihn mit großer Ehrerbietung. Er beauftragte seinen Sohn Hasan mit seiner Betreuung. Hasan sorgte äußerst aufmerksam für seine Ruhe. Am Abend wurde eine Tafel ausgebreitet und zum Essen gerufen. Als Aqil kam, sah er auf der Tafel etwas trockenes Brot, Salz und ein wenig Gemüse. Aqil sagte: Ist das alles, was es zu essen gibt? Ali sagte: Ja. Darauf brachte Aqil sein Anliegen vor und sagte: Begleiche bitte meine Schulden. Ali fragte: Wie hoch sind sie? Er sagte: Vierzigtausend Dirham. Ali sagte: Woher soll ich so viel Geld nehmen? Warte ein wenig; wenn meine Zuwendung viertausend beträgt, kann ich es dir geben. Aqil sagte: Wo liegt dein Problem? Das Bait al-Mal steht doch unter deiner Hand. Wie lange willst du mich hinhalten, indem du mich auf die Erhöhung deiner Zuwendung warten lässt? Ali sagte: Ich bin lediglich ein Treuhänder des Geldes der Muslime. Willst du, dass ich dieses Geld dir gebe und dadurch Verrat begehe? Nach dieser Antwort ging Aqil direkt nach Scham zum Fürsten Muawiya. Muawiya (möge Allah mit ihm zufrieden sein) fragte Aqil: Wie hast du Ali und seine Gefährten vorgefunden? Aqil sagte: Sie sind die wahrhaftigen Gefährten des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Ihnen fehlt nur eines: Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ist nicht mehr unter ihnen. Du aber und deine Gefährten seid genau wie die Gefährten Abu Sufyans. Trotz dieses Vergleichs ließ der Fürst Muawiya (möge Allah mit ihm zufrieden sein) Aqil am nächsten Tag zu sich rufen und übergab ihm fünfzigtausend Dirham. (Usd al-Ghaba, 423).
Nach der Ankunft des ehrwürdigen Aqil in Scham pflegte der ehrwürdige Muawiya (möge Allah mit ihm zufrieden sein) ihn als Beweis anzuführen und zu sagen: Wenn ich nicht auf der Wahrheit wäre, wie hätte Aqil dann seinen Bruder Ali verlassen und sich auf meine Seite gestellt? Einmal führte Muawiya in Gegenwart des ehrwürdigen Aqil vor den Menschen ein Argument an. Da widersprach Aqil und sagte: Mein Bruder ist gut für die Religion, du aber für das Diesseits. Es ist nur so, dass ich dem Diesseits den Vorrang vor der Religion gegeben habe. Was aber das Jenseits betrifft, so bitte ich Allah um einen guten Ausgang für ihn. (Usd al-Ghaba, 3/423).
Der ehrwürdige Aqil starb gegen Ende des Kalifats des ehrwürdigen Muawiya (möge Allah mit ihm zufrieden sein) oder zu Beginn der Herrschaft Yazids. (Al-Isaba, 2/494).
Nach seiner Annahme des Islam war ihm die Möglichkeit zu einer langen Begleitung des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) verwehrt. Deshalb erlangte er trotz seiner engen Verwandtschaft und großen Nähe zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) nicht die Gelehrsamkeit, die von ihm auf diesem Gebiet zu erwarten gewesen wäre. Dennoch finden sich in den Hadith-Sammlungen zwei oder vier von ihm überlieferte Hadithe. Muhammad, Hasan al-Basri, Ata und andere Angehörige der zweiten Generation überlieferten Hadithe von ihm. Neben religiösem Wissen war er auch in verschiedenen Wissensgebieten der vorislamischen Zeit bewandert. In Ilm al-Ansab und Ayyam al-Arab – der Genealogie und der Geschichte der Kriege und Schlachten des alten Arabien – war er äußerst sachkundig. Menschen kamen zu ihm, um sich in diesen Bereichen Wissen anzueignen. Nach dem Gebet in der Prophetenmoschee sprach er über diese Themen, und die Menschen saßen da und hörten ihm zu.
Hischam al-Kalbi sagt: Zu diesen vier Männern der Quraisch – Aqil, Machrama, Huaitib und Abu Dschahm – gingen die Menschen, damit sie ihre Streitigkeiten und Auseinandersetzungen schlichteten. (Al-Isaba, 2/494).
Der edle Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, liebte ihn zutiefst. Er sagte: „Abū Zayd, ich liebe dich aus zwei Gründen doppelt: wegen unserer Verwandtschaft und weil mein Onkel dich liebte.“
In Freud und Leid und unter allen Umständen war ʿAqīl, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, ein getreuer Befolger der Sunna des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Einmal hatte er geheiratet. Am Morgen kamen die Nachbarn, um ihm Glück zu wünschen. Sie beglückwünschten ihn mit zwei im vorislamischen Zeitalter gebräuchlichen Worten. Diese beiden Worte enthielten zwar nichts dem Islam Widersprechendes. Da es jedoch eine islamische Form des Glückwunsches gab, korrigierte er sie und sagte: „Nicht so, sondern sagt: Bārakallāhu lakum wa bārakallāhu ʿalaikum. Uns wurde aufgetragen, es so zu sagen.“ Der edle Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, bestimmte für seinen Lebensunterhalt jährlich 140 Wasq Getreide aus der Ernte von Chaibar. (Sīrat Ibn Hischām 2/350).
Ḥakīm ibn Ḥizām, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm
Sein Name war Ḥakīm, sein Beiname Abū Khālid. Sein Vater war Ḥizām ibn Khuwaylid, seine Mutter Zaynab, nach anderer Auffassung Ṣafiyya. Ḥakīm selbst berichtet: „Ich wurde dreizehn Jahre vor dem Jahr des Elefanten, also vor Abrahas Angriff auf die Kaaba, geboren.“ Al-Wāqidī sagt: Ḥakīm wurde fünf Jahre vor der Geburt des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, geboren. Sein Vater Ḥizām starb im Fidschar-Krieg. Auch er selbst nahm an diesem Krieg teil. Zubair ibn Bakkār sagt: Ḥakīm wurde im Inneren der Kaaba geboren. (Al-Iṣāba 1/349).
Die Geschichte berichtet, dass er das einzige Kind in Arabien war, das im Inneren der Kaaba geboren wurde. Seine Mutter betrat gemeinsam mit einigen Freundinnen das Innere der Kaaba. An jenem Tag war deren Tür aus einem besonderen Anlass geöffnet. Zu jener Zeit war seine Mutter schwanger. Nach Allahs Willen setzten dort ihre Wehen ein, und sie hatte keine Zeit mehr hinauszugehen. Eine Lederunterlage wurde ausgebreitet, und sie gebar einen Sohn. Man gab ihm den Namen Ḥakīm ibn Ḥizām. Die Mutter der Gläubigen, Khadīja bint Khuwaylid, war seine Tante.
Ḥakīm wuchs in einer wohlhabenden, angesehenen Familie in Mekka auf. Er war äußerst höflich und klug. Die Quraisch erkannten ihn als Führer an. Im vorislamischen Arabien nannte man diejenigen, die sich um die nach Mekka kommenden Pilger kümmerten und sie mit Nahrung versorgten, „Muṭʿim“, das heißt: jemand, der Nahrung gibt. Auch Ḥakīm war einer der bedeutendsten „Muṭʿim“ Mekkas. (Sīrat Ibn Hischām 1/664–665).
Im vorislamischen Zeitalter half er denjenigen, die zum Besuch des Hauses Allahs nach Mekka kamen und dort in Not gerieten, aus seinem eigenen Vermögen. Vor dem Beginn der Offenbarung war er ein enger Freund des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Obwohl er älter war als der Gesandte Allahs, liebte er ihn und hielt seine Gesellschaft für wertvoll. Ebenso liebte ihn der Gesandte Allahs und pflegte ihn zu begleiten.
Danach führten die Heirat des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, mit Khadīja bint Khuwaylid und die Verwandtschaftsbeziehung zwischen dem Gesandten Allahs und Ḥakīm zu einer familiären Verbindung. Dadurch wurde ihre alte Beziehung noch stärker. Doch äußerst erstaunlich ist, dass er trotz derart tiefer Verbundenheit bis zum Tag vor der Eroberung Mekkas nicht an den Gesandten Allahs glaubte. Als er den Glauben annahm, waren seit dem Beginn der Sendung des Gesandten Allahs bereits zwanzig Jahre vergangen.
Angesichts des Wissens, der Klugheit und der Verwandtschaft mit Rasulullah (sallallahu alaihi wa sallam), die Allah, der Erhabene, Hakim verliehen hatte, wäre es nur folgerichtig gewesen, dass gerade er als Erster auf dessen Einladung reagierte und den Iman annahm. Doch durch Allahs Willen geschah dies nicht. Darüber staunen wir ebenso wie er selbst über sein eigenes Verhalten staunte. Nach seiner Annahme des Islam wurde er bis zu seinem Tod von Reue über seine früheren Taten verzehrt. Eines Tages sah ihn sein Sohn nach seiner Annahme des Islam dasitzen und weinen. Er fragte:
„Vater, warum weinst du?“
„Mein Sohn, es gibt viele Gründe für mein Weinen.“
„Erstens habe ich den Islam verspätet angenommen. Dadurch habe ich viele große gute Taten verpasst. Selbst wenn ich nun Gold im Wert der ganzen Welt auf Allahs Weg ausgeben würde, könnte ich dadurch niemals den gleichen Rang erreichen.“
„Zweitens hat Allah mich in Badr und Uhud am Leben gelassen. Damals nahm ich mir insgeheim vor, den Quraisch niemals wieder gegen Rasulullah (sallallahu alaihi wa sallam) zu unterstützen und Mekka nicht mehr zu verlassen. Doch unmittelbar danach wagte ich es erneut, die Quraisch zu unterstützen.“
„Drittens richtete ich jedes Mal, wenn ich über die Annahme des Islam nachdachte, meinen Blick auf die älteren, angesehenen Führer der Quraisch. Sie hielten fest an ihren Bräuchen und Sitten aus der Zeit der Dschahiliya. Auch ich folgte ihnen. Ach, hätte ich ihnen doch nicht gefolgt! Die Nachahmung meiner Vorfahren und Anführer hat mich zugrunde gerichtet. Mein Sohn, warum sollte ich jetzt nicht weinen?“
So wie wir und er selbst über Hakims so späte Annahme des Islam staunten, staunte auch Rasulullah (sallallahu alaihi wa sallam) nicht weniger darüber. Rasulullah (sallallahu alaihi wa sallam) wünschte, dass andere kluge Menschen wie er sich schnell dem Islam anschließen würden.
In der Nacht vor der Eroberung Mekkas sagte Rasulullah (sallallahu alaihi wa sallam) zu den Sahaba: „Es missfiel mir, dass vier Männer aus Mekka Muschrik blieben. Ich wünschte, dass sie den Islam annehmen würden.“
Man fragte: »Wer sind sie?« Er antwortete: »Attab ibn Usaid, Zubair ibn Mut’im, Hakim ibn Hizam und Suhail ibn Amr.« Durch Allahs Gnade nahmen sie alle den Islam an. Als der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zusammen mit seinen Gefährten im Schi’b Abi Talib in Mekka belagert wurde, pflegte Hakim, obwohl er noch ein Götzendiener war, seiner Tante Chadidscha heimlich Lebensmittel zu schicken. Eines Tages wurde er, als er Weizen brachte, von dem niederträchtigen Abu Dschahl gesehen. Abu Dschahl hinderte ihn daran. Abul-Bachtari ibn Hischam war in der Nähe. Er trat vor und sagte zu Abu Dschahl: »Er schickt seiner Tante nur ein wenig Nahrung. Willst du ihn daran hindern?« Schließlich kam es zwischen ihnen zu einer heftigen Prügelei. (Sira ibn Hischam 1/353–354).
Als trotz des Widerstands der Quraisch die Zahl der Unterstützer des Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) innerhalb und außerhalb Mekkas zunahm, wurden die Quraisch immer unruhiger. Sie versammelten sich im Haus Dar an-Nadwa in Mekka, um eine endgültige Entscheidung in Bezug auf den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu treffen. An dieser Versammlung nahm Hakim neben den anderen Führern der Quraisch ebenfalls teil. Auch Iblis war in der Gestalt eines alten Mannes aus Nadschd anwesend. (Sira ibn Hischam 1/480–481).
Nachdem die Quraisch bei Badr ihr Lager aufgeschlagen hatten, gingen einige von ihnen zum Brunnen des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), um Wasser zu trinken. Unter ihnen war auch Hakim. Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) untersagte seinen Gefährten, sie am Trinken des Wassers zu hindern. Alle, die von diesem Wasser getrunken hatten, wurden in Badr getötet – mit Ausnahme von Hakim. (Sira ibn Hischam 1/622).
Nachdem die Quraisch bei Badr ihr Lager aufgeschlagen hatten, schickten sie Umair ibn Wahb aus, um die Zahl der Soldaten des muslimischen Heeres zu ermitteln. Umair umrundete das muslimische Lager und sagte: »Es könnten dreihundert oder etwas weniger oder mehr sein.« Umair sprach sich dafür aus, dass die Quraisch nicht in den Kampf ziehen sollten. Als Hakim ibn Hizam dies hörte, ging er durch die Menge zu Utba ibn Rabia und sagte: »Abul-Walid! Du bist der Anführer und das Oberhaupt der Quraisch. Du bist eine angesehene Persönlichkeit unter den Quraisch. Willst du nicht, dass dein guter Ruf für immer unter ihnen in Erinnerung bleibt?« Utba sagte: »Hakim, warum sagst du das?« Hakim antwortete: »Du wirst die Leute nach Mekka zurückführen.« Utba schickte Hakim zu Abu Dschahl. Hakim sagte: »Als ich zu Abu Dschahl kam, sah ich, dass er seinen Schild ölte. Ich sagte: ›Abul-Hakam! Utba hat mich aus diesem Grund zu dir geschickt.‹ Abu Dschahl sagte: ›Bei Allah! Er ist angesichts Muhammads und seiner Gefährten feige geworden.‹«
»Wir werden nicht zurückkehren, bis Allah zwischen Muhammad und uns entschieden hat. Und Utba wird gewiss so etwas sagen. Sein Sohn befindet sich schließlich bei ihnen. Deshalb will er euch Angst machen.« So wurden die Bemühungen von Hakim und Utba, einen Zusammenstoß zu vermeiden, durch Abu Dschahls Starrsinn vereitelt. Nach Allahs Willen war Abu Dschahl das erste Opfer von Badr. (Sira ibn Hischam 1/622–624).
Über die Niederlage bei Badr berichtete Hakim später: »Wir hörten ein Geräusch, als wäre etwas vom Himmel auf die Erde gefallen. Es klang wie ein Stein, der auf eine Schale fällt. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) hatte diesen Stein geworfen. Wir wurden besiegt.« (Hayat as-Sahaba 3/550).
Mit dem Ziel, Mekka zu erobern, war der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) bis nach Marr az-Zahran gelangt und hatte dort sein Lager aufgeschlagen. Um im Auftrag der Quraisch heimlich Informationen zu sammeln, brachen Abu Sufjan ibn Harb, Hakim ibn Hizam und Budail ibn Warqa aus Mekka auf. Als sie einen Ort namens Arak in der Nähe von Mekka erreichten, hörten sie das Getöse von Kamelen, Pferden und Menschen. Sie gingen weiter und drangen eines Nachts in der Dunkelheit in das Gebiet der Muslime ein. Muslimische Wachen ergriffen sie. Umar (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) versetzte Abu Sufjan mehrere Faustschläge in den Nacken. Abu Sufjan schrie vor Angst und rief Abbas um Hilfe. Abbas eilte herbei und befreite ihn aus Umars Händen. Hakim und Budail wurden gefangen genommen und dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) vorgeführt; daraufhin nahmen sie freiwillig den Islam an. Auch Abu Sufjan nahm den Islam an. (Hayat as-Sahaba 1/163, 170–172; Sira ibn Hischam 2/400).
Am Tag der Eroberung Mekkas zog der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) siegreich in Mekka ein. Er bekundete seine Absicht, Hakim ibn Hizam zu ehren. Er ließ folgende Erklärung verkünden:
1. Es gibt keinen Gott außer Allah. Er ist Einer und hat keinen Teilhaber, und Muhammad ist Sein Diener und Gesandter – wer dies bezeugt, ist sicher.
2. Wer seine Waffen niederlegt und sich im Bereich der Kaaba niederlässt, ist sicher.
3. Wer die Tür seines Hauses schließt und darin sitzen bleibt, ist sicher.
4. Wer im Haus Abu Sufyans Zuflucht sucht, ist sicher.
5. Auch wer im Haus Hakim ibn Hazims Zuflucht sucht, ist sicher.
Das Haus Hakim ibn Hazims lag im tiefer gelegenen Teil Mekkas, während das Haus Abu Sufyans im höher gelegenen Teil lag.
Hakim ibn Hazim nahm den Islam mit äußerster Aufrichtigkeit an. Nach seinem Übertritt zum Islam gelobte er, im islamischen Leben dieselbe Rolle zu übernehmen und dieselbe Summe aufzuwenden, wie er sie in seinem vorislamischen Leben bei der Feindschaft gegen den Islam und den Gesandten gespielt beziehungsweise ausgegeben hatte.
Dar an-Nadwa in Mekka war ein Haus. Dort versammelten sich die Quraisch, um sich zu beraten und Entscheidungen zu treffen. Qusayy, ein hochrangiger Mann des Stammes der Quraisch, ließ dieses Haus erbauen. Nach mehreren Besitzerwechseln wurde Hakim in vorislamischer Zeit sein Eigentümer. Nach seinem Übertritt zum Islam verkaufte er es während der Herrschaft Muawiyas für hunderttausend Dirham. Muawiya tadelte ihn und sagte: „Hast du die Ehre und das Ansehen deiner Vorväter verkauft?“ Hakim erwiderte: „Alle Ehre und alles Ansehen sind bis auf Taqwa, die Gottesfurcht, vergangen. In der Zeit der Dschahiliyya kaufte ich dieses Haus im Austausch für einen Krug Wein. Heute habe ich es für hunderttausend Dirham verkauft. Ich teile dir außerdem mit, dass dieses gesamte Geld auf Allahs Weg ausgegeben werden wird. Wo liegt also der Verlust?“ (Sira Ibn Hischam 1/125)
Nach seiner Annahme des Islam vollzog Hakīm ibn Hizām einmal die Hadsch. Er führte einhundert Kamele edelster Rasse, die mit kostbaren Tüchern geschmückt waren, vor sich her. Alle opferte er in der Hoffnung auf Allahs Wohlgefallen.
Ein anderes Mal vollzog er die Hadsch. Als er sich in ʿArafāt aufhielt, waren einhundert Sklaven bei ihm. Um den Hals jedes Einzelnen hing eine silberne Tafel, auf der stand: „Ein von Hakīm ibn Hizām um Allahs willen freigelassener Sklave.“ Er ließ sie alle frei. Bei einer weiteren Hadsch nahm er eintausend Ziegen und Schafe mit. Alle opferte er in Minā und bewirtete mit ihrem Fleisch die armen und bedürftigen Muslime.
Nach der Schlacht von Hunain bat Hakīm ibn Hizām den Gesandten Allahs (s.a.w.) um einen Anteil an der Beute. Der Gesandte Allahs (s.a.w.) gab ihm etwas. Er bat erneut, und der Gesandte Allahs (s.a.w.) gab ihm abermals etwas. So erhielt er an jenem Tag allein einhundert Kamele. Damals war er erst seit kurzer Zeit Muslim. (Sīrat Ibn Hischām, S. 2493).
Daraufhin sagte der Gesandte Allahs (s.a.w.) zu ihm:
„O Hakīm, dieser Besitz ist wahrlich süß und begehrenswert. Wer ihn in Zufriedenheit annimmt, dem wird darin Segen verliehen. Wer ihn jedoch aus Gier annimmt, dem wird darin kein Segen verliehen. Er gleicht einem Menschen, der isst, aber nicht satt wird. Die obere Hand ist besser als die untere Hand. Das heißt: Die gebende Hand ist besser als die empfangende Hand.“
Als Hakīm diese Worte aus dem Mund des Gesandten Allahs (s.a.w.) hörte, sagte er: „O Gesandter Allahs (s.a.w.), ich schwöre bei Dem, Der dich wahrhaftig gesandt hat: Von heute an werde ich in meinem Leben niemals wieder jemanden um irgendetwas bitten. Ich werde von niemandem irgendetwas annehmen.“ Hakīm hielt seinen Schwur gewissenhaft ein.
Während des Kalifats von Abū Bakr forderte der Kalif Hakīm mehrfach auf, seine Zuwendung aus dem „Bayt al-Māl“ anzunehmen. Hakīm lehnte dies wiederholt ab. Dann wurde ʿUmar (r.a.) Kalif. Auch er forderte Hakīm immer wieder auf, seinen Anteil anzunehmen. Schließlich sagte ʿUmar (r.a.) und nahm die Menschen zu Zeugen: „O ihr Muslime! Merkt euch: Ich habe Hakīm aufgefordert, seinen Anteil anzunehmen, doch er lehnt dies weiterhin ab.“ So nahm Hakīm bis zu seinem Tod nichts mehr an, indem er jemand anderen um etwas bat. ʿUmar (r.a.) sagte häufig: „O Allah, ich nehme Dich zum Zeugen: Ich habe Hakīm aufgefordert, seinen Anteil anzunehmen, doch er hat dies abgelehnt.“ (Hayāt as-Sahāba, 2/250–251).
Einmal reiste Hakīm ibn Hizām, damals noch ein Götzendiener, in den Jemen. Dort kaufte er einen Umhang des jemenitischen Königs Dhū Yazan und reiste nach Medina, um ihn dem Gesandten Allahs (s.a.w.) zu schenken. Doch der Gesandte Allahs (s.a.w.) lehnte ihn ab und sagte: „Ich nehme kein Geschenk von einem Götzendiener an.“ Als Hakīm den Umhang verkaufte, kaufte ihn der Gesandte Allahs (s.a.w.), zog ihn an und betrat damit die Moschee. Hakīm sagte: „Ich habe niemals jemanden in diesem Gewand gesehen, der schöner aussah. Der Gesandte Allahs (s.a.w.) schien wie der Vollmond zu sein.“ Unwillkürlich kam damals ein Gedicht zum Lob des Gesandten Allahs (s.a.w.) über meine Lippen. (Hayāt as-Sahāba, 2/243–244).
Einmal schickte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Hakim mit einem Dinar auf den Markt, um eine Opferziege zu kaufen. Auf dem Markt kaufte er für einen Dinar eine Ziege und verkaufte sie anschließend für zwei Dinar. Danach kaufte er für einen Dinar eine Ziege und kam mit dem anderen Dinar zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sprach ein Bittgebet für den Segen in seinem Lebensunterhalt und wies ihn an, den Gewinn-Dinar als Almosen zu spenden. (Hayatus-Sahaba 3/345)
Über das Todesjahr des ehrwürdigen Hakim bestehen unterschiedliche Auffassungen. Imam al-Buchari erwähnt in seinem Werk „at-Tarikh“, dass er im Jahr 60 nach der Hidschra im Alter von 120 Jahren verstarb. Nach Urwa hingegen starb er im zehnten Jahr des Kalifats des ehrwürdigen Muʿawiya, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm.
Naufal ibn al-Harith, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm
Sein Name war Naufal, seine Kunya beziehungsweise sein Beiname Abu al-Harith. Sein Vater war al-Harith ibn Abd al-Muttalib und seine Mutter Ghaziyya. Er entstammte dem haschemitischen Zweig des Stammes Quraisch. Er war ein Cousin des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm.
Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, seine Einladungstätigkeit begann, wurden sogar seine nächsten Verwandten zu seinen Feinden und setzten sich mit aller Kraft für seinen Widerstand ein. Doch in Naufals Herzen war stets Liebe zu seinem Bruder vorhanden. Deshalb konnte er den Widerstand gegen den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, selbst während er noch Götzendiener war, innerlich nicht gutheißen. Unter dem Druck der Götzendiener von Mekka war er gezwungen, nach Badr zu ziehen, um gegen die Muslime zu kämpfen. Doch damals wiederholte er immer wieder diese Verse:
„Gegen Ahmad zu kämpfen ist mir verboten; Ahmad betrachte ich als meinen nächsten Verwandten.“
Als das götzendienerische Heer von Mekka bei Badr besiegt wurde, geriet auch er zusammen mit den anderen in Gefangenschaft. Während dieser Gefangenschaft nahm er den Islam an. Da sagte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu ihm: „Naufal, befreie dich durch Zahlung des Lösegeldes.“ Naufal sagte: „Ich bin nicht in der Lage, das Lösegeld zu zahlen.“ Naufal rief aus: „Bei Allah, niemand außer dem Einen Allah weiß von den Pfeilen in Dschidda. Ich bezeuge, dass du der Gesandte Allahs bist.“ In Dschidda besaß er eintausend Pfeile. Nach einer anderen Überlieferung nahm er jedoch im Jahr der Grabenschlacht den Islam an und zog nach Medina. (Anmerkung: Sira Ibn Hischams 2/3; al-Isaba 3/577).
Naufal war ein guter Dichter. Seine eigenen Empfindungen über die Annahme des Islam brachte er in vielen Gedichten zum Ausdruck. Einige seiner Verse lauten wie folgt:
»Geht fort, geht fort, ich gehöre nicht mehr zu euch.
Mit der Religion der Führer der Quraisch habe ich nichts zu tun.
Ich bezeuge, dass Muhammad gewiss ein Prophet ist.
Er ist von seinem Herrn mit Rechtleitung und göttlicher Erkenntnis gekommen.
Er ist der Gesandte Allahs – er ruft zur Gottesfurcht auf,
Der Gesandte Allahs ist kein Dichter.
In diesem Glauben werde ich leben.
Auch im Grab werde ich auf diesem Glauben ruhen.
„Mit diesem Glauben werde ich am Tag der Auferstehung wieder auferstehen.“
Kurz vor dem Grabenkrieg oder der Eroberung Mekkas reiste er erneut gemeinsam mit Hadhrat al-Abbas nach Medina. Als sie al-Abwa erreichten, äußerte Rabiʿa ibn al-Harith ibn ʿAbd al-Muttalib den Wunsch, wieder nach Mekka zurückzukehren. Nawfal sagte zu ihm: „Wohin willst du in jenes heidnische Land zurückkehren, dessen Bewohner gegen Allahs Gesandten kämpfen und ihn verleugnen? Nun hat Allah Seinem Gesandten Ehre verliehen, und auch die Zahl seiner Gefährten ist gewachsen. Komm mit uns.“ Daraufhin zog die Karawane auf der Hidschra nach Medina und erreichte die Stadt.
Schon vor ihrer Annahme des Islam bestand zwischen Nawfal und al-Abbas eine enge Beziehung. Deshalb begründete der Gesandte Allahs zwischen ihnen beiden eine religiöse Bruderschaft und wies ihnen auch zwei Häuser zum Wohnen zu. Eines der beiden Häuser lag in der Nähe der Prophetenmoschee am Ort Rahbat al-Qada, das andere am Markt an der Straße nach Saniyyat al-Wida.
Nach seiner Ankunft in Medina nahm er als Erster an der Eroberung Mekkas teil. Er beteiligte sich an verschiedenen Feldzügen, darunter in Taif und Hunain, und bewies dabei besondere Fähigkeiten und Tapferkeit. Besonders in Hunain zeigte er äußersten Mut. Als das muslimische Heer auseinanderbrach und kurz vor der Niederlage stand, blieb er dem Feind gegenüber dennoch wie ein Berg standhaft. In dieser Schlacht leistete er dem muslimischen Heer große Hilfe. Am Vorabend des Aufbruchs übergab er dem Gesandten Allahs dreitausend Pfeile. Der Gesandte Allahs sagte: „Ich sehe geradezu, wie deine Pfeile die Rücken der Götzendiener durchbohren.“ (Anmerkung: Sīrat Ibn Hischām 2/3.)
Hadhrat Nawfal, möge Allah mit ihm zufrieden sein, verstarb im Jahr 15 nach der Hidschra in Medina, und der Kalif Hadhrat Umar leitete sein Totengebet. Er wurde auf dem Friedhof al-Baqiʿ in Medina beigesetzt.
Der edle Gesandte Allahs erkundigte sich stets nach Nawfal. Er verheiratete ihn mit einer Frau aus Medina. Damals gab es in seinem Haus keinerlei Nahrung. Der Gesandte Allahs gab seine Rüstung Abu Rafiʿ und Abu Ayyub und schickte sie damit zu einem Juden. Sie hinterlegten die Rüstung bei diesem Juden als Pfand und kauften mit dem dafür erhaltenen Geld dreißig Saʿ Gerste, die sie zum Gesandten Allahs brachten. Er schenkte sie Nawfal.
Abu Rafiʿ, möge Allah mit ihm zufrieden sein
Über den eigentlichen Namen von Hadhrat Abu Rafiʿ, möge Allah mit ihm zufrieden sein, gibt es zahlreiche unterschiedliche Auffassungen. Genannt werden unter anderem Ibrahim, Aslam, Sinan, Yasar, Salih, Abd ar-Rahman, Karman, Yazid, Thabit und Hurmuz. Von diesen ist der Name Aslam am weitesten verbreitet. (Al-Isaba 4/67.) Abu Rafiʿ ist seine Kunya, also sein Beiname. Für die Vornehmheit seiner Abstammung genügt es vollauf, dass ihm das Glück zuteilwurde, dem edlen Gesandten Allahs zu dienen. Der Gesandte Allahs nahm ihn in seine eigene Familie auf. Eine größere familiäre Ehre kann einem Menschen nicht zuteilwerden. Tatsächlich war er ein abessinischer Sklave.
Hazrat Abu Rafiʿ war zunächst der Sklave von Hazrat al-Abbas, möge Allah mit ihm zufrieden sein. Dieser schenkte ihn dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Später ließ der edle Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Abu Rafiʿ aus Freude über die Annahme des Islam durch Hazrat al-Abbas, möge Allah mit ihm zufrieden sein, frei.
Über seinen Übertritt zum Islam wird berichtet, dass er zu jenen gehörte, die durch den Glanz des heiligen Antlitzes des edlen Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zum Islam hingezogen wurden. Abu Rafiʿ selbst berichtet darüber: Einmal schickten mich die Quraisch in einer Angelegenheit zu Allahs Gesandtem, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Sobald ich ihn sah, neigte sich mein Herz dem Islam zu. Ich sagte: „O Gesandter Allahs, ich werde nicht mehr zurückkehren.“ Er sagte: „Ich halte keinen Gesandten zurück und breche kein Versprechen. Kehre jetzt zurück. Wenn die Begeisterung für den Islam in deinem Herzen auch nach einigen Tagen noch anhält, dann komm wieder.“ Daraufhin kehrte er zunächst zurück und kam nach einigen Tagen wieder, um den Islam anzunehmen.
Aus Furcht vor der tyrannischen Macht der Quraisch hielt Hazrat Abu Rafiʿ seinen Übertritt zum Islam bis zur Schlacht von Badr geheim. Eines Tages, kurz nach dem Ende der Schlacht von Badr, saß er in dem Raum am Zamzam-Brunnen neben der Kaaba und fertigte Pfeile an. Die Frau von Hazrat al-Abbas saß neben ihm. Da kam der niederträchtige Abu Lahab und setzte sich dort nieder. Abu Lahab begann, ihn nach dem Verlauf der Schlacht von Badr zu fragen. Es sei erwähnt, dass Abu Lahab nicht selbst an der Schlacht von Badr teilnahm, sondern ʿAs ibn Hischam als seinen Stellvertreter schickte. Auf Abu Lahabs Frage antwortete Abu Sufyan: „Was fragst du? Die Muslime haben unsere gesamte Macht zerschmettert, viele getötet und zahlreiche Menschen gefangen genommen.“ In diesem Zusammenhang wird eine erstaunliche Begebenheit berichtet: Der Raum zwischen Erde und Himmel sei mit Reitern in weißen und schwarzen Gewändern erfüllt gewesen. Als Abu Rafiʿ dies hörte, rief er plötzlich: „Das waren Engel!“ Da schlug Abu Sufyan Abu Rafiʿ mit aller Kraft ins Gesicht. Abu Rafiʿ fing den Schlag ab und stellte sich ihm entgegen, doch er war schwach. Abu Lahab warf ihn zu Boden, setzte sich auf seine Brust und schlug ihn aufs Heftigste. Die Frau von Hazrat al-Abbas konnte dieses Unrecht nicht ertragen. Sie nahm einen Pfosten und versetzte dem Unmenschen Abu Lahab einen kräftigen Schlag auf den Kopf. Der Kopf des ruchlosen Abu Lahab platzte auf. Da sagte die Frau von Hazrat al-Abbas: „Du schlägst Abu Rafiʿ, weil du ihn in Abwesenheit seines Herrn für schwach hältst?“ Eine Woche nach diesem Ereignis starb Abu Lahab an einer Krankheit namens „Adasi“ (Pocken). (Hayatus-Sahaba 3/530–531.)
At-Tabarani überliefert von Ibn Abbas, dass dieser sagte: „Im fünften Jahr nach der Hidschra trafen wir mit dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zusammen. Das war zur Zeit der Schlacht von Ahzab. Ich war mit meinem Bruder Fadl ibn Abbas zusammen. Bei uns war auch unser Sklave Abu Rafiʿ. Als wir Medina erreichten, fanden wir den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, im Graben vor.“ Aus diesem Bericht geht hervor, dass Abu Rafiʿ im fünften Jahr der Hidschra von Mekka nach Medina auswanderte. (Hayatus-Sahaba 1/373.)
Ibn Hischam überliefert jedoch auch einen Bericht von Aischa, möge Allah mit ihr zufrieden sein. Aischa, möge Allah mit ihr zufrieden sein, sagte: Einige Zeit nach der Auswanderung des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nach Medina, als er sich dort etwas eingerichtet hatte, schickte er Zayd ibn Haritha und Abu Rafiʿ von Medina nach Mekka, damit sie uns abholten. (Sira Ibn Hischam.)
Aus diesem Bericht geht hervor, dass Abu Rafiʿ bereits vor dem fünften Jahr der Hidschra Medina erreichte. In Medina lebte er fortan beim edlen Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm.
Über die Schlacht von Badr allein berichtet Abu Rafiʿ: „Wir zogen unter der Führung Alis nach Chaibar. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, übergab Ali sein eigenes Banner und schickte ihn nach Chaibar. Als wir uns der Festung näherten, kamen die Bewohner der Festung heraus und begannen, gegen uns zu kämpfen. Ali riss ein Tor der Festung heraus und benutzte es als Schild. Bis zum Ende des Kampfes hielt er es in der Hand. Danach legte er es nieder. Wir acht versuchten mit aller Kraft, es umzustürzen, konnten es jedoch nicht.“ (Hayatus-Sahaba 1/546.)
Im siebten Jahr der Hidschra reiste der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gemäß dem Abkommen von Hudaybiyya nach Mekka und vollzog die Umrat al-Qada. Auch auf dieser Reise war Abu Rafiʿ sein Begleiter. Während dieses Aufenthalts in Mekka wurde die gesegnete Eheschließung des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, mit Hazrat Maymuna vollzogen. Als die Aufenthaltsdauer in Mekka endete, ließ der edle Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Abu Rafiʿ in Mekka zurück und reiste nach Sarif. Später brachte Abu Rafiʿ Hazrat Maymuna, möge Allah mit ihr zufrieden sein, nach Sarif, und dort wurde die Hochzeitszeremonie abgeschlossen. Danach kehrten alle nach Medina zurück. (Sira Ibn Hischam 2/372.)
Abu Rafiʿ gehörte zu dem Heer, das der edle Gesandte Allahs (s.a.w.) unter der Führung von ʿAli (r.a.) in den Jemen entsandte. ʿAli (r.a.) übertrug Abu Rafiʿ während seiner Abwesenheit die Führung des Heeres.
Abu Rafiʿ ist ein leuchtendes Beispiel für die Möglichkeiten, die der Islam den Sklaven und damit den Angehörigen der schwachen Schichten zu ihrem Aufstieg eröffnete. Er war ein Sklave, stand jedoch hinsichtlich Ansehen und Befähigung den freien Menschen gleich. In den Hadith-Sammlungen finden sich 68 von ihm überlieferte Hadithe. Einen davon überlieferte Imam al-Buchari allein, drei weitere überlieferte Imam Muslim allein.
Auch nach seiner Befreiung aus der Sklaverei gab er die Ehre, dem edlen Gesandten Allahs (s.a.w.) zu dienen, nicht auf. Daher wusste er viel über die täglichen Tätigkeiten und Gewohnheiten des Gesandten (s.a.w.). Bedeutende Gefährten kamen in großer Zahl zu ihm, um ihn hierzu zu befragen. Ibn ʿAbbas (r.a.) kam mit einem Schreiber zu ihm und fragte: „Was tat der Gesandte (s.a.w.) an diesem oder jenem Tag?“ Abu Rafiʿ antwortete, und der Schreiber schrieb es auf. (Al-Isaba 4/92.)
Obwohl der Gesandte Allahs (s.a.w.) ihn freigelassen hatte, blieb er weiterhin freiwillig im Dienst des Gesandten (s.a.w.). Als der Gesandte (s.a.w.) ihn freiließ, liefen Abu Rafiʿ Tränen über beide Wangen. Die Leute sagten zu ihm: „Du wirst aus der Sklaverei befreit – warum weinst du deswegen?“ Er erwiderte: „Heute entgeht mir eine Möglichkeit zu einer guten Tat.“ Von da an war er zwar rechtlich frei, hielt jedoch weiterhin fest an der Ehre, dem Gesandten (s.a.w.) zu dienen. Wenn der Gesandte (s.a.w.) auf Reisen war, errichtete Abu Rafiʿ selbst sein Zelt. Die Beziehung der Dienerschaft zum Gesandten (s.a.w.) war ihm so angenehm und teuer, dass er sich bis zu seinem Lebensende als Sklave und Diener des Gesandten (s.a.w.) bezeichnete.
Der edle Gesandte Allahs (s.a.w.) verheiratete einen Gefährten namens Nawfal ibn al-Harith mit einer Frau. Nach der Hochzeit bat er ihn um etwas zu essen, doch er hatte nichts. Daraufhin gab der Gesandte (s.a.w.) seine Rüstung Abu Rafiʿ und Abu Ayyub und schickte sie, um sie zu verkaufen. Sie verpfändeten seine Rüstung bei einem Juden und brachten für den Erlös dreißig Saʿ Gerste zum Gesandten (s.a.w.). Der Gesandte (s.a.w.) übergab die Gerste Nawfal. Nawfal berichtet: „Wir aßen ein halbes Jahr lang von dieser Gerste. Danach wogen wir sie und stellten fest, dass sie überhaupt nicht weniger geworden war, sondern noch genauso dalag wie zuvor.“ Als sie dies dem Gesandten (s.a.w.) erzählten, bemerkte er: „Wenn ihr sie nicht gewogen hättet, hättet ihr euer ganzes Leben davon essen können.“ (Hayat as-Sahaba 3/630.)
In einem Abschnitt seines Lebens geriet Abu Rafiʿ in große Armut und finanzielle Not. Er nahm sogar Almosen und Hilfe an, indem er die Menschen darum bat. Doch niemals nahm er mehr an, als er benötigte. Über diese Lebensphase hatte der Gesandte (s.a.w.) eine Prophezeiung ausgesprochen. Abu Rafiʿ berichtet: Eines Tages fragte ihn der Gesandte Allahs (s.a.w.): „O Abu Rafiʿ, wie wird es sein, wenn du arm geworden bist?“ Abu Rafiʿ fragte: „Werde ich in diesem Zustand Almosen annehmen?“ Der Gesandte (s.a.w.) sagte: „Ja.“ Er fragte: „Wann wird meine Armut eintreten?“ Er sagte: „Nach meinem Tod.“ Der Überlieferer Abu Sulaym berichtet: „Ich sah ihn in Armut. Am Wegesrand sitzend sagte er: ‚Wer möchte einem blinden Greis ein Almosen geben? Wer möchte demjenigen etwas spenden, von dem der Gesandte Allahs (s.a.w.) gesagt hat, dass er künftig arm sein werde?‘ Er hatte außerdem gesagt: ‚Für einen Reichen ist es nicht erlaubt, Almosen anzunehmen, und auch für einen Gesunden ist es nicht erlaubt.‘“ Abu Sulaym berichtet weiter: „Ich sah einen Mann, der Abu Rafiʿ vier Dirham gab. Doch er gab ihm einen Dirham zurück. Der Mann sagte: ‚Abdullah, du darfst meine Spende nicht zurückweisen.‘ Abu Rafiʿ sagte: ‚Der Gesandte (s.a.w.) hat mir verboten, überschüssiges Vermögen anzusammeln.‘“ Abu Sulaym berichtet ferner: „Bis zum Ende sah ich Abu Rafiʿ als wohlhabenden Mann und hörte ihn sagen: ‚Ach, wäre Abu Rafiʿ doch in Armut gestorben!‘“ (Hayat as-Sahaba 2/253–254.) Nach al-Waqidi starb er während des Kalifats von ʿAli in Medina. (Al-Isaba 4/67.)
ʿUbaida ibn al-Harith (s.a.)
Sein Name war ʿUbaida, seine Kunya Abu al-Harith oder Abu Muʿawiya. Sein Vater war al-Harith und seine Mutter Sukhaila. Sein Großvater war ʿAbd al-Muttalib ibn ʿAbd Manaf. Er stammte aus dem Stamm der Quraisch.
Ubaida ibn al-Harith, Abu Salama ibn Abd al-Asad, al-Arqam ibn Abi al-Arqam und Uthman ibn Maz’un nahmen auf Abu Bakrs Einladung hin gemeinsam den Glauben an. Der edle Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) hatte damals noch keine Zuflucht im Haus al-Arqam ibn Abi al-Arqams gesucht. Als Hazrat Ubaida den Islam annahm, war er ein Anführer der Banu Abd Manaf. In Mekka nahm er Hazrat Bilal als seinen Glaubensbruder an.
Dann erging der Befehl zur Auswanderung nach Medina. Hazrat Ubaida machte sich gemeinsam mit seinen beiden Brüdern Tufail und Husain sowie Mistah ibn Usasa auf den Weg nach Medina. Unterwegs wurde Mistah völlig unfähig zu gehen. Als die Menschen der vorausgeeilten Karawane davon erfuhren, kehrten sie zurück, hoben ihn auf und brachten ihn nach Medina. In Medina empfing Hazrat Abd ar-Rahman al-Aslami, möge Allah mit ihm zufrieden sein, sie und bewirtete sie mit großer Fürsorge. Kurz nach der Ankunft des edlen Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) in Medina wurde Hazrat Ubaida mit Hazrat Umair ibn Humam al-Ansari als Bruder verbunden. Damit er unabhängig wohnen konnte, schenkte ihm der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) außerdem ein Stück Land. Seine gesamte Familie ließ sich dort nieder.
Acht Monate nach der Auswanderung entsandte ihn der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) mit einer Gruppe von sechzig Muhadschirun unter seiner Führung in Richtung Rabigh, um die Bewegungen der Götzendiener von Mekka zu beobachten. In der Geschichte des Islam war dies der zweite Feldzug. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) übergab Ubaida das Banner dieser Truppe. Als sie in die Nähe von Rabigh gelangten, kam es zu einem kleinen Zusammenstoß mit einer von Abu Sufyan angeführten Truppe von zweihundert Götzendienern. Die Angelegenheit weitete sich jedoch nicht zu einem Krieg mit Blutvergießen aus, sondern beschränkte sich auf den Austausch einiger Pfeile und Speere.
Nach diesem Ereignis nahm er an der Schlacht von Badr teil, dem ersten Zusammenstoß zwischen Wahrheit und Falschheit. Nachdem die Heere sich in Reihen aufgestellt hatten, traten vonseiten der Götzendiener Utba, Schaiba und Walid hervor und riefen: „Ist jemand da, der gegen uns kämpfen will?“ Einige junge Ansar gingen aus dem islamischen Heer auf sie zu. Da schrien sie: „Muhammad, wir können nicht gegen Unkundige kämpfen. Schickt uns ebenbürtige Gegner!“ Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) befahl Ali, Hamza und Ubaida vorzutreten. Sie hatten bereits auf diesen Befehl gewartet. Sobald diese drei Helden den Befehl erhielten, gingen sie, ihre jeweiligen Speere schwingend, auf die drei Gegner zu. Zwischen Hazrat Ubaida und Walid dauerte der Kampf lange an. Beide wurden schwer verwundet. Ali und Hamza hatten ihre Gegner jedoch bereits zu Boden geworfen. Gemeinsam stürzten sie sich auf Walid, töteten ihn und trugen Hazrat Ubaida verwundet vom Schlachtfeld.
Hazrat Ubaidas eines Bein wurde unterhalb des Knies abgetrennt. Er war von Kopf bis Fuß mit Blut bedeckt. Um ihn zu trösten, legte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) seinen eigenen Kopf auf Ubaidas Knie. In diesem Zustand sagte Ubaida: „O Gesandter Allahs, wenn Abu Talib jetzt noch lebte und meinen Zustand sähe, wäre er überzeugt, dass ich mehr als jeder andere berechtigt bin, diese Worte zu sprechen.“ Daraufhin rezitierte er folgende Zeile aus einem Gedicht Abu Talibs: „Wir werden Muhammad beschützen, selbst wenn wir ringsum tot niederliegen und unsere Kinder und Frauen vergessen müssen.“ (Sira Ibn Hischam, Bd. 2)
Nach dem Ende der Schlacht machte sich der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) gemeinsam mit ihm auf den Weg nach Medina. Er war schwer verwundet worden. Unterwegs verstarb er im Alter von 63 Jahren an einem Ort namens Safra. Er wurde im Sand von Safra beigesetzt.
Er besaß beim edlen Gesandten Allahs ein hohes Ansehen. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) erwies ihm große Ehre. Einmal ließ der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) bei seinem Grab in Safra ein Zelt aufschlagen. Die Gefährten sagten: „O Gesandter Allahs, von hier kommt der Duft von Moschus.“ Er sagte: „Hier befand sich doch das Grab Abu Muawiyas. Was ist also daran verwunderlich?“
Nach dem Tod Hazrat Ubaidas, möge Allah mit ihm zufrieden sein, verfassten zahlreiche Dichter, darunter Hind bint Usasa und Ka’b, Trauergedichte. (Sira Ibn Hischam, Bd. 2, S. 24, 25, 41)
ʿUkāša ibn Miḥṣan (r.a.)
Sein Name war ʿUkāša oder ʿUkkaša, seine Kunya beziehungsweise sein Beiname Abū Miḥṣan. Sein Vater war Miḥṣan ibn Ḥurṯān. In der Zeit der Dschāhilīya war er ein Ḥalīf, also ein Verbündeter, der Banū ʿAbd Schams. Noch vor der Hidschra nahm er den Islam an und zog gemeinsam mit den anderen von Mekka nach Medina. (Usd al-Gāba 4/2).
In der Schlacht von Badr erwarb er sich durch seine Tapferkeit großen Ruhm. In dieser Schlacht zerbrach das Schwert in seiner Hand in Stücke. Der Gesandte Allahs (s.a.w.s.) schenkte ihm einen Palmzweig, mit dem er wie mit einem spitzen Dolch gegen den Feind vorging. Bis zum Ende der Schlacht kämpfte er mit diesem Zweig. (Al-Istīʿāb) Ibn Saʿd berichtet von Zaid ibn Aslam und anderen: Am Tag von Badr zerbrach der Säbel von ʿUkāša ibn Miḥṣan. Der Gesandte Allahs (s.a.w.s.) gab ihm einen Holzstock. In seiner Hand verwandelte er sich in ein hell glänzendes, hartes Eisenschwert mit scharfer Klinge. (Ḥayāt aṣ-Ṣaḥāba 3/658).
Er nahm an allen bekannten Schlachten, darunter Uḥud und al-Chandaq, teil und zeigte dabei äußerste Tapferkeit und Mut. Im Monat Rabīʿ al-auwal des siebten Hidschra-Jahres wurde ihm die Aufgabe übertragen, die Banū Asad zu vernichten. Die Siedlung der Banū Asad lag am Brunnen von Gamār an der Straße nach Medina. Mit einer Truppe von vierzig Männern eilte er dorthin und traf dort bald ein. Doch die Angehörigen der Banū Asad hatten den Ort aus Angst schon vorher verlassen und waren anderswohin geflohen. Da ʿUkāša niemanden vorfand, trieb er ihre zurückgelassenen zweihundert Kamele sowie einige Ziegen und Schafe zusammen und kehrte nach Medina zurück.
Im zwölften Hidschra-Jahr wies der erste Kalif, Abū Bakr (r.a.), Chālid ibn al-Walīd an, den Aufstand des falschen Propheten Ṭulaiḥa al-Asadī niederzuschlagen. ʿUkāša und Ṯābit ibn Arqam waren zwei Vorreiter in Chālids Heer. Sie zogen weit vor der Armee her. Plötzlich stießen sie mit feindlichen Soldaten zusammen. Zu diesen feindlichen Kämpfern gehörten Ṭulaiḥa selbst und sein Bruder Salāma. Ṭulaiḥa griff ʿUkāša an, während Salāma sich auf Ṯābit stürzte. Ṯābit erlitt den Märtyrertod. Da schrie Ṭulaiḥa: „Salāma, hilf mir schnell! Er bringt mich um.“ Salāma war mit seinem Gegner bereits fertig. Er eilte Ṭulaiḥa zu Hilfe, und die beiden Brüder griffen ʿUkāša gemeinsam an und streckten ihn nieder. So wurde ʿUkāša zum Märtyrer.
Als das islamische Heer die Leichname dieser beiden Märtyrer erreichte, war es zutiefst von Trauer erfüllt. Am Körper von ʿUkāša waren Spuren schwerer Verletzungen zu sehen. Sein ganzer Körper war von Wunden übersät. Der Heerführer Chālid stieg von seinem Pferd und befahl dem Heer, eine Rast einzulegen. Anschließend begruben sie die beiden Märtyrer in ihren blutgetränkten Kleidern im Sand dieser Wüste.
Was Rang und besondere Vorzüge betraf, gehörte er zu den führenden Gefährten.
(Usd al-Gāba 4/3)
Der edle Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte einmal: „Siebzigtausend Menschen werden ohne Abrechnung ins Paradies eintreten.“ ʿUkāša fragte: „O Gesandter Allahs, auch ich?“ Er sagte: „Auch du gehörst zu ihnen.“ Daraufhin fragte ein anderer Mann nach sich selbst. Da sagte der Gesandte Allahs: „ʿUkāša ist dir zuvorgekommen.“ Nach diesem Ereignis wurde dieser Ausspruch des Gesandten Allahs zu einem Sprichwort. Wenn jemand einen anderen in irgendeiner Sache übertrifft, sagt man: „Der und der ist wie ʿUkāša vorausgegangen.“
Schammās ibn ʿUthmān, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm
Sein Name war Schammās, sein Vater hieß ʿUthmān und seine Mutter Ṣafiyya. Er stammte aus dem Clan Banū Machzūm des Stammes Quraisch. Von Hišām al-Kalbī wird überliefert, dass sein eigentlicher Name ʿUthmān war. Der Grund für die Namensgebung Schammās war folgender: Einst kam in der vorislamischen Zeit ein überaus schöner christlicher Mann nach Mekka. Von seinem Gesicht schienen gleichsam Sonnenstrahlen auszugehen. Die Menschen waren angesichts seiner außergewöhnlichen Schönheit voller Staunen und Bewunderung.
Schammās’ mütterlicher Onkel ʿUtba ibn Rabīʿa behauptete damals, er kenne einen Menschen, von dessen Gesicht noch mehr Sonnenstrahlen ausgingen. Zum Wettstreit stellte er Schammās vor. Von jenem Tag an wurde ʿUthmān zu Schammās. Schammās bedeutet: „einer, der übermäßig viele Sonnenstrahlen ausstrahlt“. (Usd al-Gāba, 3/375). az-Zubair ibn Bakkār sagt: „Er war einer der gutaussehendsten Männer Mekkas.“ (Al-Iṣāba, 1/155).
Schammās und seine Mutter Ṣafiyya bint Rabīʿa, Allahs Wohlgefallen sei auf ihnen beiden, nahmen bereits in der frühen Phase den Islam an, indem sie dem Aufruf des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, folgten.
Da er die Verfolgung durch die Götzendiener nicht ertragen konnte, wanderte er nach Abessinien aus. Seine Mutter Ṣafiyya nahm er mit. Von dort kehrte er nach Mekka zurück und wanderte anschließend erneut nach Medina aus. In Medina war er Gast von al-Mubaššir ibn al-Mundhir. Mit Ḥanẓala ibn Abī ʿĀmir al-Anṣārī wurde eine Muʾāchāt, also ein brüderliches Verhältnis, begründet.
In den Schlachten von Badr und Uhud kämpfte Schammās, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, tapfer und unter Einsatz seines Lebens. Als sich in der Schlacht von Uhud der Sieg der Muslime plötzlich in eine Niederlage verwandelte und bis auf wenige sich selbst aufopfernde Mujāhidūn alle das Schlachtfeld verließen, war Schammās einer jener wenigen, die in diesem entscheidenden Augenblick an der Seite des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, blieben und die Angriffe der Ungläubigen abwehrten. Der Gesandte Allahs sagte: „Außer mit einem Schild kann ich Schammās mit nichts vergleichen.“ Wohin der Gesandte Allahs an jenem Tag auch nach rechts oder links blickte, überall sah er nur Schammās. An jenem Tag machte er sich selbst zum Schild des Gesandten Allahs. Sein ganzer Körper wurde von Wunden bedeckt. Nach der Schlacht stellte man fest, dass nur noch ein schwacher Lebensfunke in ihm war. In diesem Zustand wurde er nach Medina gebracht. Umm Salama wurde mit seiner Pflege betraut. Doch da befand er sich bereits in der letzten Phase seines Lebens. Einen Tag später hauchte er sein Leben aus. Der edle Gesandte Allahs ordnete an, ihn in seinen blutbefleckten Kleidern und ohne Totengebet auf dem Friedhof der Märtyrer von Uhud zu bestatten. Man brachte ihn erneut nach Uhud und bestattete ihn dort. Der Historiker al-Wāqidī sagt jedoch, dass er auf dem Friedhof al-Baqīʿ in Medina bestattet wurde. Außer ihm wurde kein weiterer Märtyrer von Uhud auf dem Friedhof al-Baqīʿ beigesetzt. (Al-Iṣāba, 2/155).
Ḥassān, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, verfasste zu seinem Tod ein Trauergedicht. Als er starb, war er erst vierunddreißig Jahre alt.
Schudschā ibn Wahab, möge Allah mit ihm zufrieden sein
Sein Name war Schudschā, seine Kunya Abū Wahab und sein Vater hieß Wahab. In der vorislamischen Zeit war seine Sippe Banū ʿAbd Schamsࢮdurch ein Schutzbündnis verbunden. (Usud al-Gāba 2/386).
Schudschā gehörte zu denjenigen, die bereits in der frühen Phase des Islams den Islam annahmen. Aufgrund der Verfolgung durch die Götzendiener von Mekka wanderte er mit der zweiten Gruppe der Auswanderer nach Abessinien aus. (Al-Isāba 3/138).
Während ihres Aufenthalts in Abessinien verbreitete sich dort das Gerücht, alle Bewohner Mekkas hätten die Gefolgschaft des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, angenommen. Wie viele andere zog auch ihn daraufhin die Liebe zur Heimat nach Mekka zurück. Als er dort ankam, stellte er fest, dass die Nachricht völlig falsch war. Nachdem er einige Zeit in Mekka geblieben war, wanderte er sicher nach Medina aus. Dort wurde er mit Hadhrat Aus durch eine religiöse Bruderschaft verbunden.
Er nahm an allen bekannten Schlachten teil, darunter Badr und Uhud. Im Rabīʿ al-auwal des achten Jahres nach der Hidschra wurde ihm der Auftrag erteilt, eine Gruppe der Banū Hawāzin zu vernichten. Diese Banū Hawāzin hatten an einem Ort namens ar-Rassī, fünf Tagesreisen von Medina entfernt, ihr Lager aufgeschlagen. Hadhrat Schudschā machte sich mit vierundzwanzig tapferen Mudschāhidūn auf den Weg. Tagsüber bewegten sie sich heimlich und nachts offen und selbstbewusst fort, bis sie eines Tages plötzlich dort eintrafen. Nachdem sie das feindliche Heer besiegt hatten, nahmen sie eine große Zahl von Kamelen, Schafen und Ziegen als Beute und brachten sie nach Medina. Das Ausmaß der Beute lässt sich daran ermessen, dass auf jeden Mudschāhid neben den übrigen Gütern fünfzehn Kamele entfielen.
Nach der Rückkehr von Hudaibiyya entsandte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Gesandte mit Schreiben zu den meisten Königen und Herrschern der damaligen Welt. Er schickte Schudschā mit einem Schreiben zu al-Hārith ibn Abī Schimr al-Ghassānī – einer anderen Überlieferung zufolge zu al-Mundhir ibn al-Hārith ibn Abī Schimr al-Ghassānī. (Hayāt as-Sahāba 1/127)
Dieser al-Hārith war der Herrscher über das Gebiet Ghūta in der Nähe von Damaskus. Die ersten Sätze des Schreibens, das der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, an ihn richtete, lauteten: „Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen. Von Muhammad, dem Gesandten Allahs, an al-Hārith ibn Abī Schimr. Friede sei über denen, die der Rechtleitung folgen, glauben und die Wahrheit anerkennen. Ich lade dich ein, an Allah zu glauben, der Einer ist und keinen Teilhaber hat. Unter dieser Voraussetzung wird deine Herrschaft bestehen bleiben.“
Al-Hārith wies diese Einladung zurück. Sein Wesir Murai jedoch nahm den Islam an und ließ durch Hadhrat Schudschā heimlich Grüße an den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, übermitteln.
Aus einem von Imam Zuhri überlieferten Hadith geht hervor, dass Schuja ibn Wahab der Gesandte des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, am Hof des persischen Kisra war. Er selbst überreichte Kisra den Brief des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. (Hayatus-Sahaba 1/136)
Während der Herrschaft des ersten Kalifen, Abu Bakr, fiel Hadhrat Schuja auf dem Schlachtfeld von Yamama im Kampf gegen den falschen Propheten Musailima al-Kadhdhab als Märtyrer. (Al-Isaba 2/138) Zum Zeitpunkt seines Todes war er etwas älter als vierzig Jahre.
Mihras ibn Nadla, möge Allah mit ihm zufrieden sein
Sein Name war Mihras, und seine Kunya beziehungsweise sein Beiname war Abu Fadala. Bekannt war er jedoch vor allem unter dem Beinamen Akhram al-Asadi.
Es ist nicht genau bekannt, wann und wie er den Islam annahm. Die Sira-Fachgelehrten sind jedoch überzeugt, dass er bereits in der ersten Zeit den Islam annahm. Nach seiner Auswanderung von Mekka nach Medina schloss er sich durch ein Schutzbündnis dem Stamm Abd al-Aschal an, und mit Hadhrat Ammar ibn Hazim, möge Allah mit ihm zufrieden sein, wurde eine Muwakhat, also ein brüderliches Verhältnis, begründet.
Musa ibn Uqba, Ibn Ishaq und andere führten ihn in der Liste der an der Schlacht von Badr beteiligten Gefährten auf.
Waqidi überlieferte von Ayyub ibn Nu’man. Er sagte: In Badr wurde Abu Aziz ibn Umair, der Bruder von Musab ibn Umair, gefangen genommen. Er wurde der Obhut von Mihras ibn Nadla übergeben. Musab sagte zu Mihras: „Binde seine Hände etwas fester.“ In Mekka hat er eine wohlhabende Mutter. Abu Aziz sagte: „Bruder, weist du mich etwa so an?“ Musab erwiderte: „An deiner Stelle ist Mihras mein Bruder.“ Für die Freilassung von Abu Aziz schickte seine Mutter viertausend Dirham. (Hayatus-Sahaba 2/315)
Auch in den Schlachten von Uhud und am Graben kämpfte er tapfer und setzte dabei sein Leben aufs Spiel. Die letzte und bedeutendste Schlacht seines Lebens war die Schlacht von Dhu Qarad. Im sechsten Jahr nach der Hidschra griffen die Banu Fazara eine Weide in der Nähe von Medina an, töteten die Hirten und raubten die Kamele des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Hadhrat Salama ibn al-Akwa befand sich ganz in der Nähe des Tatorts. Er schickte den Diener des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, namens Rabah – einer anderen Überlieferung zufolge einen Diener von Abd ar-Rahman ibn Auf – nach Medina, um Nachricht zu überbringen. Er selbst stieg auf den Gipfel eines Berges und rief so laut „Ya Sabahah!“ – einen Warnruf vor Gefahr –, dass sein Ruf von einem Ende Medinas bis zum anderen drang. Lange Zeit stellte er sich allein mit Pfeilen und Steinen dieser Räuberbande entgegen. Währenddessen war zwischen den Bäumen die heranstürmende Armee des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu sehen. An ihrer Spitze befand sich Hadhrat Mihras ibn Nadla. Hinter ihm ritten Hadhrat Abu Qatada al-Ansari und Miqdad ibn al-Aswad, möge Allah mit ihnen zufrieden sein. Hadhrat Salama ibn al-Akwa ergriff den Zügel des Pferdes von Hadhrat Akhram beziehungsweise Mihras und sagte: „Akhram, rücke nicht voraus. Ich fürchte, dass die Räuber dich umzingeln und verhindern werden, dass du zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und seinen Gefährten gelangst.“ Er antwortete: „Salama, wenn du an Allah und den Jüngsten Tag glaubst und weißt, dass das Paradies und die Hölle Wirklichkeit sind, dann hindere mich nicht daran, das Martyrium zu erlangen.“ Er sprach diese Worte mit solcher Leidenschaft, dass Hadhrat Salama, möge Allah mit ihm zufrieden sein, den Zügel seines Pferdes losließ. Mihras trieb sein Pferd an, stellte sich Abd ar-Rahman ibn Farazi in den Weg und versetzte ihm mit dem Schwert einen so gewaltigen Hieb, dass sein Pferd in zwei Teile zerschnitten wurde. Doch auch der von Abd ar-Rahman geschleuderte Speer verfehlte sein Ziel nicht. Hadhrat Mihras wurde zum Märtyrer und stürzte zu Boden. Abd ar-Rahman sprang auf Mihras’ Pferd und setzte sich darauf. Direkt hinter ihm befand sich Hadhrat Abu Qatada. Er versetzte Abd ar-Rahman sofort einen heftigen Schlag. So schickte Qatada, möge Allah mit ihm zufrieden sein, Abd ar-Rahman in die Hölle und nahm damit Rache für die Ermordung seines Freundes. Zum Zeitpunkt seines Martyriums war Hadhrat Mihras siebenunddreißig oder achtunddreißig Jahre alt.
Das oben erwähnte Ereignis ist ein deutlicher Beweis für seine Festigkeit im Glauben und sein starkes Verlangen nach dem Märtyrertod. Einige Tage vor seinem Märtyrertod sah er im Traum, dass die Tore des Himmels für ihn geöffnet worden waren. Während er durch die höchste Welt reiste, gelangte er zum Sidrat al-Muntahā. Dort wurde ihm gesagt: „Dies ist dein Aufenthaltsort.“
Hadhrat Abū Bakr as-Siddīq (ra.) war sehr bewandert in der Deutung und Bedeutung von Träumen. Hadhrat Mihraz erzählte ihm am folgenden Tag seinen Traum. Er sagte: „Akhram, ich verkünde dir die frohe Botschaft deines Märtyrertodes.“ Einige Zeit nach diesem Ereignis erfüllte sich sein Traum während des Feldzugs von Dhū Qarad in der Wirklichkeit, und er gelangte zu seinem dauerhaften Aufenthaltsort, dem Sidrat al-Muntahā.
Shukrān Sālih (ra.)
Sein Name war Sālih, sein Laqab beziehungsweise Beiname „Shukrān“. Sein Vater hieß ʿAdī. Er war ein aus abessinischem Geschlecht stammender Sklave von Hadhrat ʿAbdur-Rahmān ibn ʿAuf (ra.). Doch auch in seiner Sklaverei war ihm die Führungsrolle bestimmt. Der edle Gesandte Allahs (s.a.w.) wählte ihn für seine persönlichen Aufgaben aus. Er kaufte ihn von ʿAbdur-Rahmān gegen Geld frei. Nach manchen Überlieferungen schenkte Hadhrat ʿAbdur-Rahmān ihn dem Gesandten Allahs (s.a.w.) ohne irgendeine Gegenleistung. Über sein Leben ist nichts Ausführliches bekannt. Auch darüber, wann und wie er den Islam annahm, finden sich in den Sīra-Werken kaum Informationen.
In den meisten Kriegen wurde Hadhrat Shukrān mit der Bewachung der Kriegsbeute und der Gefangenen betraut. Deshalb erhielt er im Krieg einerseits einen Anteil an der Beute und andererseits von denjenigen, deren Gefangene er zu betreuen hatte, eine Vergütung. Abū Maʿshar berichtet, dass er als Sklave am Feldzug von Badr teilnahm. Aus diesem Grund wurde ihm kein Anteil an der Beute gegeben. Doch jeder schenkte ihm für die Betreuung der Gefangenen in Badr etwas Geld. Dadurch erhielt er sogar mehr als diejenigen, die einen Anteil an der Beute bekommen hatten. Der Gesandte Allahs (s.a.w.) war von seiner Umsicht und Tüchtigkeit bei der Erfüllung seiner Aufgabe in der Schlacht von Badr so beeindruckt, dass er ihn aus der Sklaverei freiließ.
Im Krieg von Marra Yasī wurde er damit beauftragt, das von der besiegten feindlichen Armee zurückgelassene Geld und Vermögen, Waffen, Ziegen und Schafe sowie ihre sonstigen Gegenstände einzusammeln. Der edle Gesandte Allahs (s.a.w.) war ihm so wohlgesonnen, dass er auf seinem Sterbebett anordnete, Shukrān gut zu behandeln. Hadhrat Shukrān (ra.) wurde die Ehre zuteil, gemeinsam mit den Angehörigen des Hauses des Propheten, den Ahlu l-Bait, an der Waschung und Bestattung des Gesandten Allahs teilzunehmen. Ibn Isḥāq überliefert von ʿAlī ibn al-Ḥusain, dass ʿAlī ibn Abī Ṭālib, Faḍl ibn ʿAbbās, Qutham ibn ʿAbbās, Shukrān, der Mawlā des Gesandten Allahs, und Aus ibn Chaula in das Grab hinabstiegen und den Gesandten Allahs dort niederlegten. (Al-Iṣāba 2/664).
Darüber, ob Hadhrat Shukrān (ra.) nach dem Ableben des Gesandten Allahs (s.a.w.) in Medina blieb oder sich in Basra niederließ, bestehen unterschiedliche Auffassungen. Denn in Basra besaß er ein Haus. Auch das Jahr und der Ort seines Todes sind nicht genau bekannt. In der Geschichtsschreibung ist er als Shukrān, der Mawlā des Gesandten Allahs – Shukrān, der freigelassene Sklave des Gesandten Allahs –, bekannt.
ʿUmair ibn Abī Waqqāṣ (ra.)
Sein Name war Umayr, sein Vater Abu Waqqas und seine Mutter Hamna bint Sufyan. Er war der leibliche Bruder des Eroberers Irans, Sa’d ibn Abi Waqqas (r.a.).
Der ältere Bruder von Umayr (r.a.), Sa’d ibn Abi Waqqas, nahm bereits in der frühen Phase des Islams den Islam an. Obwohl Umayr damals noch jung war, folgte er den Fußspuren seines älteren Bruders. Im Alter von gerade einmal vierzehn Jahren wanderte er nach Medina aus. Der Gesandte Allahs (s.a.w.) begründete mit ihm eine religiöse Bruderschaft mit Amr ibn Mu’adh, dem jüngeren Bruder von Sa’d ibn Mu’adh (r.a.), dem Anführer des Stammes Abd al-Aschhal in Medina. Beide waren ungefähr gleich alt.
Im zweiten Jahr nach der Hidschra liefen die Vorbereitungen für die Schlacht von Badr. Der edle Gesandte Allahs (s.a.w.) wählte die Soldaten aus. Auch Umayr (r.a.) war bei der Versammlung erschienen. Sein Bruder Sa’d ibn Abi Waqqas bemerkte, dass Umayr seinem Blick auswich und unruhig hin und her ging. Er fragte ihn: „Umayr, was ist mit dir?“ Er antwortete: „Bruder, auch ich möchte am Kampf teilnehmen. Vielleicht schenkt Allah mir das Martyrium. Aber ich fürchte, dass der Gesandte Allahs (s.a.w.) mich zurückweisen könnte, weil er mich für zu jung hält.“
Als alle nacheinander vor dem Gesandten Allahs (s.a.w.) erschienen, erfüllte sich Umayrs Befürchtung. Er achtete auf Umayrs Alter und sagte: „Geh zurück.“ Als Umayr dies hörte, brach er in Tränen aus. Der Gesandte Allahs (s.a.w.) war angesichts seines Weinens, seiner Begeisterung für den Dschihad und seines glühenden Wunsches nach dem Martyrium tief bewegt. Umayr erhielt die Erlaubnis, am Kampf teilzunehmen. Der Gesandte Allahs (s.a.w.) hängte ihm eigenhändig sein Schwert um.
Umayr (r.a.) war damals ein sechzehnjähriger Junge. Er wusste noch nicht einmal richtig mit Waffen umzugehen. Sein älterer Bruder brachte ihm bei, ein Schwert zu führen. Von heftiger Begeisterung und dem Wunsch nach dem Martyrium erfüllt, durchbrach er die Reihen der Ungläubigen, drang in sie ein und kämpfte lange Zeit mit äußerster Tapferkeit. In diesem Zustand erfüllte ein gewaltiger Hieb mit dem Schwert von Amr ibn Abd Wudd seinen Wunsch nach dem Martyrium. Wahrlich, wir gehören Allah, und zu Ihm kehren wir zurück. Im Alter von gerade einmal sechzehn Jahren erlitt er das Martyrium. (Hayatus-Sahaba 1/599) In der Schlacht am Graben tötete Ali (r.a.) den Mörder Amr ibn Abd Wudd. (Al-Isaba 3/70).
Abu Sufyan ibn al-Harith (r.a.)
Die Beziehung zwischen Muhammad, dem Gesandten Allahs (s.a.w.), und Abu Sufyan ibn al-Harith war so tief und eng, wie sie nur mit sehr wenigen Menschen bestand. Die beiden wurden zur selben Zeit in derselben Familie geboren. Sie waren miteinander Cousins väterlicherseits. Abu Sufyans Vater, al-Harith ibn Abd al-Muttalib, war der ältere Onkel des Gesandten Allahs (s.a.w.). Er starb in der vorislamischen Zeit. (Anmerkung: Sirat Ibn Hischam 1/163).
Der Gesandte Allahs (s.a.w.) und Abu Sufyan waren Milchbrüder. Halima as-Sa’diyya stillte sie beide. Bis zur Berufung des Gesandten Allahs (s.a.w.) hatten die beiden eine enge Beziehung. Auch ihre Gesichtszüge ähnelten einander sehr. Nach Ibn al-Mubarak, Ibrahim ibn Mundhir und anderen lautete Abu Sufyans eigentlicher Name al-Mughira, während Abu Sufyan seine Kunya beziehungsweise sein Beiname war. (Al-Isaba 4/90, Sirat Ibn Hischam 1/647).
Aufgrund der tiefen Verbundenheit zwischen den beiden in vielerlei Hinsicht wäre es nur natürlich gewesen, dass Abu Sufyan bereits zu Beginn der Berufung des Gesandten Allahs zum Propheten an ihn glauben und seiner Einladung folgen würde. Doch statt des Natürlichen geschah das Gegenteil. Sobald der Gesandte Allahs in Mekka begann, zum Islam aufzurufen, verwandelten sich Abu Sufyans Freundschaft und Verwandtschaft in Neid, Hass, Feindschaft und Ungehorsam.
Als der Gesandte Allahs begann, zur Religion aufzurufen, war Abu Sufyan ein berühmter Reiter und Krieger der Quraisch sowie ein herausragender Dichter. Seine Zunge und seine Pfeile setzte er gegen den Gesandten Allahs und dessen Botschaft ein. Im Kampf gegen den Islam und die Muslime vereinte er all seine Kräfte. Jeden Kriegsplan, den die Quraisch gegen den Gesandten Allahs schmiedeten, stachelte Abu Sufyan an. An den vielfältigen Leiden, die die Muslime durch die Quraisch erdulden mussten, hatte er einen großen Anteil. Seine dichterische Kraft setzte er dazu ein, den Gesandten Allahs zu schmähen. Gegen den Gesandten Allahs verfasste er sogar ein unanständiges Gedicht. In einer Zeile einer berühmten Kasida von Hassān ibn Thābit sagte der Gesandte Allahs: „Du hast Muhammad geschmäht, und ich habe geantwortet; dafür gibt es bei Allah Vergeltung.“ Diese Zeile richtete sich im Grunde gegen Abu Sufyan. (Al-Isāba 4/90)
Diese Feindschaft Abu Sufyans gegenüber dem edlen Gesandten Allahs dauerte volle zwanzig Jahre. Während dieser langen Zeit betrieb er jede Art von Verschwörung, die gegen die Muslime möglich war. In den Sīra-Werken findet sich über ihn im Zusammenhang mit der Schlacht von Badr eine erstaunliche Überlieferung. Abū Rāfiʿ berichtet: „Nach der Schlacht von Badr saß ich in Mekka in der Nähe des Zamzam-Brunnens und fertigte Pfeile an. Da kam Abū Lahab und setzte sich neben mich. Aus irgendeinem Grund hatte er nicht selbst an Badr teilgenommen, sondern einen anderen an seiner Stelle geschickt. Danach kam Abu Sufyan ibn al-Hārith ibn ʿAbd al-Muttalib. Abū Lahab ließ ihn neben sich sitzen und bat ihn, ihm ausführlich von den Ereignissen bei Badr zu berichten. Abu Sufyan sagte: ‚Bei Allah, sie waren eine Gruppe, der wir unsere Schultern ausgeliefert hatten. Sie führten uns nach ihrem Willen und nahmen uns nach ihrem Willen gefangen. Bei Allah, trotz alledem tadle ich unsere Leute nicht, denn wir sahen zwischen Himmel und Erde einige blendend weiße Reiter auf schwarzen und weißen fliegenden Pferden. Bei Allah, nichts wird ihnen standhalten können.‘ Abū Rāfiʿ rief sofort aus: ‚Bei Allah, das können nur Engel gewesen sein!‘ Daraufhin versetzte Abū Lahab Abū Rāfiʿ eine Ohrfeige. (Sīrat Ibn Hischām 1/646–647, Hayāt as-Sahāba 3/530)
Schließlich endete Abu Sufyans Feindschaft mit dem Islam am Vorabend der Eroberung Mekkas. Die Geschichte seiner Annahme des Islam wird in der Geschichte folgendermaßen überliefert: Abu Sufyan sagte: „Als der Islam stark geworden war und sich die Nachricht verbreitet hatte, dass der Gesandte Allahs zum Sieg über Mekka vorrückte, begann ich überall Dunkelheit zu sehen. Ich fragte mich: Wohin soll ich jetzt gehen, mit wem soll ich gehen und bei wem soll ich mich aufhalten?“
Nach diesen Überlegungen ging ich zu meiner Frau und meinen Söhnen und Töchtern und sagte: „Macht euch bereit, Mekka zu verlassen. Der Zeitpunkt, an dem Muhammad in Mekka einziehen wird, ist nahe. Sobald die Muslime mich finden, werden sie mich töten.“
Sie sagten zu mir: „Du siehst doch jetzt, dass Araber und Nichtaraber gleichermaßen Muhammads Gehorsam anerkennen und seine Religion annehmen. Und du beharrst noch immer auf deiner Feindschaft ihm gegenüber? Dabei hättest gerade du als Erster zu seiner Unterstützung und Hilfe voranschreiten müssen.“ So begannen sie, mich für Muhammads Religion zu begeistern und mich für sie zu gewinnen. Schließlich öffnete Allah, der Erhabene, die Türen meines Herzens.
Sofort stand ich auf und wies meinen Sklaven Masqūr an, ein Kamel und ein Pferd vorzubereiten. Auch meinen Sohn Dschafar nahm ich mit. Wir machten uns schnell in Richtung al-Abwāʾ auf, das zwischen Mekka und Medina liegt. Ich hatte bereits erfahren, dass Muhammad dort eingetroffen war. Als ich mich al-Abwāʾ näherte, verkleidete ich mich, damit mich niemand erkannte und tötete, sobald er mich vor dem Gesandten Allahs vorfand, bevor ich den Islam verkünden konnte. Aus einer Entfernung von ungefähr einer Meile ging ich zu Fuß weiter. Dabei sah ich, wie die Vorhutgruppen der Muslime eine nach der anderen in Richtung Mekka zogen. Aus Angst und Sorge, jemand könnte mich erkennen, ging ich etwas abseits ihres Weges weiter. Plötzlich erblickte ich inmitten dieser Menschenmenge den Gesandten Allahs. Ich eilte zu ihm, trat vor ihn und nahm meine Gesichtsbedeckung ab. Sobald er mich erkannte, wandte er sein Gesicht von mir ab. Ich ging um ihn herum und trat erneut vor ihn. Wieder wandte er sein Gesicht ab. Dies tat er mehrere Male.
Ich war überzeugt, dass der Gesandte Allahs sich über meine Annahme des Islam sehr freuen würde. Doch als die Muslime sahen, dass der Gesandte Allahs sein Gesicht von mir abwandte, wandten auch sie mit finsteren Mienen ihre Gesichter von mir ab. Abū Bakr wandte sein Gesicht bei meinem Anblick äußerst hart von mir ab. Völlig hilflos blickte ich zu ʿUmar ibn al-Chattāb. Auch er wandte sein Gesicht noch strenger ab als sein Gefährte. Vielmehr stachelte er einen Ansārī gegen mich auf. Dieser Ansārī sagte zu mir: „Du Feind Allahs! Du hast Allahs Gesandten und seinen Gefährten Leid zugefügt.“ Der betreffende Ansārī tadelte und beschimpfte mich mit lauter Stimme, während die Muslime sich um mich drängten und diesem Anblick äußerst erbarmungslos zuhörten und ihn genossen.
Da sah ich meinen Onkel Abbas. Ich ging ein wenig auf ihn zu und sagte: „Onkel, ich hatte gehofft, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, aufgrund meiner Verwandtschaft mit ihm und meines Ansehens unter meinem Volk erfreut über meinen Übertritt zum Islam sein würde. Sprich bitte mit dem Gesandten Allahs über mich und bringe ihn dazu, mir gegenüber etwas wohlwollender zu sein.“ Er sagte: „Nachdem ich gesehen habe, wie er sein Gesicht von dir abgewandt hat, kann ich beim Gesandten Allahs kein einziges Wort über dich sagen. Wenn sich jedoch irgendwann eine Gelegenheit ergibt, werde ich es tun. Denn so sehr ich den Gesandten Allahs auch ehre, fürchte ich ihn zugleich.“
Ich sagte: „Onkel, in wessen Obhut lässt du mich dann zurück?“
Er sagte: „Mehr, als du gerade von mir gehört hast, kann ich nicht tun.“ Sorge und Kummer erfüllten mein Herz. Plötzlich sah ich meinen Cousin Ali ibn Abu Talib. Ich erzählte ihm die Angelegenheit. Auch er gab mir dieselbe Antwort wie mein Onkel Abbas. Darauf ging ich wieder zu meinem Onkel Abbas und sagte: „Onkel, wenn du das Herz des Gesandten Allahs mir gegenüber nicht milde stimmen kannst, dann kümmere dich wenigstens darum, denjenigen zurückzuhalten, der mich verleumdet und beschimpft und die Menschen gegen mich aufhetzt.“ Er sagte: „Wie sieht der Mann aus? Beschreibe ihn mir.“ Ich beschrieb ihn. Er sagte: „Das ist Nuʿayman ibn al-Harith an-Najjarī.“ Er ging zu Nuʿayman und sagte: „Hör zu, Nuʿayman! Abu Sufyan ist der Cousin des Gesandten Allahs und mein Neffe. Auch wenn der Gesandte Allahs heute über ihn ungehalten ist, wird er eines Tages wieder zufrieden mit ihm sein. Demütige ihn daher nicht auf diese Weise.“ So redete er wiederholt auf ihn ein. Schließlich willigte Nuʿayman ein und sagte: „Von diesem Augenblick an werde ich kein hartes Wort mehr zu ihm sagen.“
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, machte an einem Ort namens al-Dschuhfa auf dem Weg von Mekka nach Medina Halt. Ich setzte mich an den Eingang des Zeltes des Gesandten Allahs, und mein Sohn Dschafar blieb neben mir stehen. Als der Gesandte Allahs herauskam, sah er mich und wandte sein Gesicht ab. Doch auch dadurch verlor ich nicht die Hoffnung. Sooft er irgendwo Halt machte, ging ich mit meinem Sohn zum Eingang seines Zeltes und setzte mich dort hin. Und der Gesandte Allahs setzte sein Verhalten fort. Das ging einige Zeit so weiter. Ich begann sehr zu leiden. Die Welt wurde für mich eng.
Ibn Ishaq berichtet: Abu Sufyan ibn al-Harith und Abdullah ibn Abi Umayya baten an einem Ort namens „Niʿq al-ʿUqab“ (auf dem Weg von Mekka nach Medina) erneut um eine Unterredung mit dem Gesandten Allahs. Umm Salama sagte zu ihm: „O Gesandter Allahs, deine beiden Vettern, dein Cousin väterlicherseits und dein Cousin mütterlicherseits, sind gekommen, um dich zu sehen.“ Der Gesandte Allahs sagte: „Ich habe mit ihnen nichts mehr zu besprechen. Mein Cousin väterlicherseits hat meine Ehre verletzt, und mein Cousin mütterlicherseits – er hat mir in Mekka alles Mögliche gesagt.“ Bei Abu Sufyan war auch sein Sohn Dschafar. Als diese Worte des Gesandten Allahs Abu Sufyan zu Ohren kamen, sagte er: „Bei Allah, entweder wird er mir die Erlaubnis geben, ihn zu sehen, oder ich werde die Hand meines Sohnes nehmen und mit ihm gehen, wohin auf der Erde ich will, und an Hunger und Durst sterben.“ Als der Gesandte Allahs dies hörte, wurde er etwas milder und erlaubte ihnen, ihn zu sehen. Beide traten vor den Gesandten Allahs und bekannten sich zum Islam. (Sīrat Ibn Hischām, 2/400–401.)
Abu Sufyan berichtet: „Der Gesandte Allahs zog in Mekka ein, und ich zog mit ihm und seiner Karawane in Mekka ein. Als er aufbrach, um zur Moschee zu gehen, ging ich mit ihm. Ich wich ihm keinen Augenblick von der Seite.“
Dann rückte der Zeitpunkt des Feldzugs von Hunain näher. Die gesamte arabische Bevölkerung vereinigte sich und bereitete sich auf den Krieg gegen die Muslime vor. Dieses Mal wollten sie dem Islam und den Muslimen unbedingt einen schweren Schlag versetzen. Der Gesandte Allahs zog mit seinem Heer aus, um ihnen entgegenzutreten. Auch ich zog mit. Als ich das gewaltige Heer der Ungläubigen sah, sagte ich mir: „Bei Allah, heute werde ich all meine frühere Feindschaft gegenüber dem Gesandten Allahs wiedergutmachen. Heute werde ich den Gesandten Allahs durch meine Taten erfreuen.“
Die beiden Heere standen einander gegenüber. Unter dem heftigen Angriff der Ungläubigen konnten die Muslime nicht standhalten und begannen, das Schlachtfeld zu verlassen und zu fliehen. Da sah ich den Gesandten Allahs mitten auf dem Schlachtfeld, einem Berg gleich unbeweglich auf seinem Maultier „Sahba“. Mit gewaltiger Kraft führte er sein Schwert und verteidigte sich und seine Gefährten in seiner Umgebung. Damals erschien er wie ein Löwe an Mut. Als ich dies sah, sprang ich von meinem Pferd und lief mit gezogenem Schwert auf den Gesandten Allahs zu. Allah allein weiß, dass ich damals hoffte, vor dem Gesandten Allahs zu sterben. Mein Onkel Abbas hielt den Zügel des Maultiers des Gesandten Allahs und stand auf dessen einer Seite, während ich auf der anderen stand. Mit meiner linken Hand hielt ich das Reittier des Gesandten Allahs fest und führte mit der rechten Hand das Schwert zu heftigen Angriffen. Als der Gesandte Allahs dies sah, fragte er meinen Onkel Abbas: „Wer ist das?“ Mein Onkel sagte: „Dein Bruder, der Sohn deines Onkels – Abu Sufyan ibn al-Harith. O Gesandter Allahs, sei mit ihm zufrieden.“ Der Gesandte Allahs sagte: „Ich bin mit ihm zufrieden. Allah hat ihm all seine Feindschaft gegen mich vergeben.“
Ich geriet vor Freude außer mir und küsste die Füße des Gesandten Allahs. Er wandte sich mir zu und sagte: „Mein Bruder, geh voran und greife an.“ Diese Worte des Gesandten Allahs verliehen mir neuen Mut. Ich führte einen heftigen Angriff und drängte das feindliche Heer von seiner Stellung zurück. Auch die anderen Muslime griffen gemeinsam mit mir an. Wir schlugen sie in die Flucht und verfolgten sie fast eine Farsach weit.“
Abu Sufyan ibn al-Harith wurde auf diesem Schlachtfeld von Hunain mit der Zufriedenheit und der Gesellschaft des Gesandten Allahs geehrt. Doch in seinem ganzen Leben blickte er nie wieder mit erhobenem Blick zum Gesandten Allahs auf. Wenn er an sein früheres Verhalten dachte, war er von Scham und Reue erfüllt und wagte es nicht, das gesegnete Antlitz des Gesandten Allahs anzusehen.
Nach seiner Annahme des Islam wurde Abu Sufyan von Reue gequält, wenn er über die Taten und das Verhalten seines früheren Lebens in der Dschahiliyya sowie darüber nachdachte, dass er dem Buch Allahs ferngeblieben war. Den Rest seines Lebens verbrachte er Tag und Nacht ausschließlich mit der Rezitation des Korans und dem Nachdenken über seine Gebote, Bestimmungen und Ermahnungen. Fern von allen Freuden und Besitztümern dieser Welt wandte er sich mit Leib und Seele Allah zu. Eines Tages betrat er die Moschee. Als der Gesandte Allahs ihn sah, rief er Aischa und sagte: „Aischa, kennst du diesen Mann?“ Aischa sagte: „Nein, o Gesandter Allahs.“ Der Gesandte Allahs sagte: „Das ist mein Cousin Abu Sufyan ibn al-Harith. Sieh: Er betritt die Moschee als Erster und verlässt sie als Letzter. Sein Blick weicht niemals von den Schnürsenkeln seiner Schuhe ab.“
Nach dem Tod des edlen Gesandten Allahs weinte Abu Sufyan heftig, wie eine Mutter, die ihr Kind verloren hat. In einer Kasida brachte er diesen Schmerz über den Verlust auf besonders eindrucksvolle Weise zum Ausdruck. Nach seiner Annahme des Islam trug Abu Sufyan dem Gesandten Allahs eine selbst verfasste Kasida vor, in der er seine damaligen Gefühle ausdrückte und um Vergebung bat. Als er in einer Zeile der Kasida sagte: „Er zeigte mir den Weg der Wahrheit, den ich vertrieben hatte“, schlug der Gesandte Allahs ihm auf die Brust und rief: „Du warst es, der mich vertrieben hat.“ (Sira von Ibn Hischam 2/400–401)
Während der Kalifatszeit Umars spürte Abu Sufyan, dass sich das Ende seines Lebens näherte. Eines Tages grub er mit eigener Hand ein Grab. Drei Tage später schied er aus dieser Welt. Es war, als hätte er mit dem Tod einen Vertrag geschlossen. Vor seinem Tod sagte er zu seiner Frau, seinen Kindern und den Angehörigen seiner Familie: „Weint nicht um mich. Bei Allah, seit ich den Islam angenommen habe, habe ich keine Sünde begangen.“ Nachdem er dies gesagt hatte, tat er seinen letzten Atemzug. Der Kalif Umar leitete sein Totengebet. Sein Todesjahr war nach einer Überlieferung 15, nach einer anderen 20 nach der Hidschra. Hischam ibn Urwa überliefert von seinem Vater Urwa, dass der Gesandte Allahs sagte: „Abu Sufyan ist der Anführer der jungen Männer unter den Bewohnern des Paradieses.“ (Al-Isaba 4/90).
Buraida ibn al-Husain (Allah sei mit ihm zufrieden)
Sein Name war Buraida, seine Kunya beziehungsweise sein Beiname Abu Abdillah. Sein Vater hieß Husain ibn Abdillah. Er war das Oberhaupt des Stammes der Banu Aslam. Buraida nahm zur Zeit der Hidschra des Gesandten Allahs den Islam an. Als der edle Gesandte Allahs von Mekka nach Medina aufbrach und einen Ort namens Gamim erreichte, begab sich Buraida zum Gesandten Allahs. Der Gesandte Allahs trug ihm den Islam vor, und er nahm ihn ohne Zögern an. Es sei angemerkt, dass dieses Gamim zwei Tagesreisen von Mekka entfernt liegt. Dort nahmen gemeinsam mit ihm weitere achtzig Männer aus den Banu Aslam den Islam an. Der Gesandte Allahs verrichtete dort das Nachtgebet, und Buraida sowie seine Gefährten verrichteten das Gebet hinter dem Gesandten Allahs. (Hayatus-Sahaba 1/3) Nach seiner Annahme des Islam blieb er bei seinem eigenen Stamm und kam nach den Schlachten von Badr und Uhud nach Medina. Hinsichtlich des Zeitpunkts seiner Annahme des Islam und seiner Ankunft in Medina finden sich in den Geschichtswerken allerdings auch unterschiedliche Angaben.
Vor dem sechsten Jahr nach der Hidschra wanderte er nach Medina aus. Als er erstmals am Vertrag von Hudaybiyya teilnahm, erlangte er das Glück, den Treueid von Ridwan zu leisten. Im siebten Jahr nach der Hidschra nahm er am Feldzug gegen Chaibar teil. In diesem Zusammenhang berichtet er: „Wir belagerten Chaibar. Am ersten Tag nahm Abu Bakr das Banner, doch es kam nicht zum Sieg. Am zweiten Tag war es ebenso. Die Menschen begannen, die Hoffnung zu verlieren. Da sagte der Gesandte Allahs: ‚Morgen werde ich das Banner einem Mann übergeben, der Allah und Seinem Gesandten besonders lieb ist.‘ Die Menschen freuten sich sehr bei dem Gedanken, dass die Angelegenheit bereits am nächsten Tag entschieden werden würde. Am folgenden frühen Morgen verrichtete der Gesandte Allahs das Morgengebet und befahl, das Banner zu bringen. Die Menschen standen in Reihen aufgestellt. Er rief Ali und übergab ihm das Banner. An diesem Tag wurde Chaibar durch Ali erobert.“
Im 8. Jahr nach der Hidschra begleitete Buraidah den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, bei seinem Feldzug gegen Mekka und zog mit dem Banner einer Abteilung in Mekka ein. (Hayatus-Sahaba 1/167).
In diesem Zusammenhang berichtet er, dass er am Tag der Eroberung Mekkas mit einer einzigen Gebetswaschung mehrere Gebete verrichtete.
Zur Zeit des Feldzugs von Tabuk schickte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Männer zu verschiedenen Stämmen, um die Menschen aus Mekka und anderen Gebieten zur Teilnahme am Feldzug zu ermutigen. Zu dieser Zeit sandte er Buraidah zum Stamm der Aslam und wies ihn an, sich an dem zwischen Mekka und Medina gelegenen Ort Furʿa einzufinden. (Tarikh Ibn Asakir 1/110).
Nach der Eroberung Mekkas entsandte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, unter dem Befehl von Khalid ibn al-Walid ein Heer in den Jemen. Auch Buraidah gehörte diesem Heer an. Später wurde ein weiteres Heer unter dem Befehl Alis dorthin geschickt und das Oberkommando über das gesamte Heer Ali, möge Allah mit ihm zufrieden sein, übertragen. Nach dem Ende des Feldzugs nahm Ali, möge Allah mit ihm zufrieden sein, aus der Kriegsbeute eine Sklavin für sich. Buraidah konnte dies nicht akzeptieren. Nach seiner Rückkehr nach Medina brachte er die Angelegenheit beim Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, vor. Nachdem dieser alles angehört hatte, sagte er: „Buraidah, hegst du etwa Groll gegen Ali?“ Buraidah verneinte. Da sagte der edle Gesandte: „Bewahre in deinem Herzen keinerlei Hass gegen Ali. Er erhält aus dem Fünftel der Kriegsbeute sogar mehr als dies.“ (Sahih al-Bukhari – Kapitel: Die Entsendung Alis in den Jemen).
In einer anderen Überlieferung heißt es, dass sich nach Buraidahs Äußerung die Farbe des gesegneten Antlitzes des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, veränderte. Er sagte: „Buraidah, habe ich nicht größeren Anspruch auf die Gläubigen als sie auf sich selbst?“ Buraidah antwortete: „Doch, o Gesandter Allahs!“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Wessen Mawla (Herr beziehungsweise Schutzherr) ich bin, dessen Mawla ist auch Ali.“ Buraidah berichtet: „Nachdem ich diese Worte aus dem heiligen Mund des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gehört hatte, verschwanden alle meine Beschwerden gegen Ali. Und die tiefe Liebe, die von jenem Tag an in meinem Herzen für ihn entstand, empfand ich niemals für jemand anderen.“ (Musnad des Imam Ahmad ibn Hanbal).
Im letzten Abschnitt des Lebens des edlen Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, wies er Usama an, einen Feldzug nach Syrien zu führen. Buraidah trug das Banner dieses Heeres. Usama war von Medina aufgebrochen, hatte am Stadtrand von Medina ein Lager errichtet und bereitete sich auf den Abmarsch vor, als er vom kritischen Zustand des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, erfuhr. Er verschob den Abmarsch und eilte zum Krankenlager des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Zusammen mit den anderen kehrte auch Buraidah mit dem Banner in der Hand nach Medina zurück und pflanzte es vor der Tür des Hauses des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in den Boden. Nach dem Tod des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, übernahm Abu Bakr, möge Allah mit ihm zufrieden sein, das Kalifat. Auf Befehl des Kalifen nahm Buraidah das Banner wieder auf, zog nach Syrien und nahm am Feldzug teil. Nach dessen Ende kehrte er erneut mit dem Banner in der Hand nach Medina zurück und pflanzte es vor Usamas Haus in den Boden. Dort blieb das Banner bis zum letzten Tag von Usamas Leben. (Hayatus-Sahaba 1/425–426).
Nach seiner Annahme des Islams nahm Hadhrat Buraidah an allen Feldzügen teil, die zu Lebzeiten des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, stattfanden. In den beiden Sahih-Werken wird von ihm überliefert, dass er insgesamt an 16 Feldzügen des Gesandten Allahs teilnahm. (Al-Isabah 1146, Tabaqat Ibn Sad – Kapitel über die Feldzüge 136).
Zu Lebzeiten des edlen Gesandten Allahs lebte Buraidah in Medina. Als während des Kalifats von Umar, möge Allah mit ihm zufrieden sein, die Stadt Basra gegründet wurde, ließ er sich dort dauerhaft nieder. In den Adern und kleinsten Blutgefäßen von Buraidah brodelte das Blut des Dschihad. Zu den Menschen sagte er: „Die Freude des Lebens liegt doch darin, Pferde anzutreiben.“ Wegen dieser Begeisterung und seines Überschwangs verließ er auch im Zeitalter der Kalifen sein Haus als Soldat, um an verschiedenen Feldzügen teilzunehmen. Während des Kalifats Uthmans nahm er am Feldzug nach Chorasan teil, zog nach Merv und blieb dort. Obwohl Buraidah ein tapferer Mudschahid war, blieb sein Schwert während des Zeitalters der Kalifen bei den gegenseitigen Streitigkeiten der Muslime stets in der Scheide. An keinem der Bürgerkriege, die zu Lebzeiten des zweiten und dritten Kalifen stattfanden, nahm er teil. Aus äußerster Vorsicht äußerte er sich nicht einmal über diejenigen beider Seiten, die in diesen Konflikt verwickelt waren. In diesem Zusammenhang berichtet ein Mann aus den Banu Bakr ibn Wa’il: „Einmal hielt ich mich mit Buraidah al-Aslami in Sidschistan auf. Eines Tages erwähnte ich Ali, Uthman, Talha und Zubair, um Buraidahs Meinung über sie zu erfahren. Sofort setzte sich Buraidah mit dem Gesicht in Richtung Qibla, hob beide Hände und begann zu beten: ‚O Allah, vergib Uthman. Vergib auch Ali, Talha und Zubair.‘ Der Überlieferer berichtet: Danach wandte er sich mir zu und sagte: ‚Willst du etwa mein Mörder werden?‘ Ich sagte: ‚Warum sollte ich Ihr Mörder werden wollen? Ich habe Sie doch nur danach gefragt.‘ Buraidah sagte: ‚Sie waren eine Gruppe von Menschen, über die Allahs Wille bereits festgelegt ist. Wenn Er will, kann Er ihnen vergeben, oder Er kann sie bestrafen. Ihre Abrechnung obliegt Allah.‘ (Ibn Sad 4/176, Hayatus-Sahaba 3/388).
Einmal ging er zu Amir Muʿāwiya. Muʿāwiya saß gerade mit einem Mann zusammen und unterhielt sich mit ihm. Buraida sagte: „Muʿāwiya, würdest du auch mir Gelegenheit geben, ein wenig zu sprechen?“ Muʿāwiya sagte: „Ja.“ Er hatte wohl angenommen, dass Buraida wie die anderen etwas sagen würde. Doch Buraida sagte: „Ich hörte den Gesandten Allahs sagen: ‚Ich hoffe, am Tag der Auferstehung für so viele Menschen Fürsprache einzulegen, wie es Bäume, Steine und Sandkörner auf der Welt gibt. Muʿāwiya, du hoffst auf diese Fürsprache, aber ʿAlī darf nicht auf sie hoffen?‘“ (Musnad des Imām Aḥmad 4/347; Ḥayāt aṣ-Ṣaḥāba 3/49.) Wahrscheinlich hatte der erste Mann Ḥazrat ʿAlī kritisiert, und Muʿāwiya erwartete, dass er dies aus dem Mund Buraidas hören würde. Die Wahrheit zu sagen, war eine seiner besonderen Eigenschaften. In dieser Hinsicht fürchtete er selbst bedeutende Persönlichkeiten nicht.
Unter den Ṣaḥāba genoss Buraida besondere Ehre und hohes Ansehen. Er bewahrte viele Hadithe des Gesandten Allahs in seinem Gedächtnis. Die Zahl der von ihm überlieferten Hadithe beträgt etwa 164. Davon überlieferten zwei al-Buḫārī und elf Muslim allein; einige sind muttafaq ʿalayhi. Alle von ihm überlieferten Hadithe gehen unmittelbar auf die Worte des Gesandten Allahs zurück. Zu seinen Schülern gehörten besonders seine Söhne ʿAbdullāh und Sulaimān sowie unter den anderen ʿAbdullāh ibn Ḫāziʿī, aš-Šaʿbī und Māliḥ ibn Usāma.
Der edle Gesandte Allahs verkehrte mit ihm auf äußerst ungezwungene und einfache Weise. Einmal war Buraida unterwegs, als er dem Gesandten Allahs auf dem Weg begegnete. Der Gesandte Allahs nahm Buraidas Hand und begann, mit ihm gemeinsam weiterzugehen.
Von Buraida wird überliefert. Er sagte: „Wir saßen beim Gesandten Allahs, als ein Mann aus dem Stamm Quraisch kam. Der Gesandte Allahs rief ihn zu sich und ließ ihn neben sich Platz nehmen. Als der Mann sich erhob, um zu gehen, sagte der Gesandte Allahs zu mir: ‚Buraida, kennst du diesen Mann?‘ Ich sagte: ‚Ja. Was seine Abstammung und seinen Rang betrifft, gehört er zu den mittleren Schichten der Quraisch. Doch er besitzt das größte Vermögen.‘ Diese Aussage wiederholte ich dreimal. Dann sagte ich: ‚O Gesandter Allahs, ich habe dir über ihn nur das mitgeteilt, was ich weiß. Du weißt jedoch mehr als ich.‘ Der Gesandte Allahs sagte: ‚Am Tag der Auferstehung wird diese Eigenschaft bei Allah keinerlei Bedeutung haben.‘“
Was er einmal aus dem Mund des Gesandten Allahs hörte, bemühte er sich genau so umzusetzen. Einmal saß er beim Gesandten Allahs. Der Gesandte Allahs sagte: „Völker mit breiten, schildähnlichen Gesichtern und kleinen Augen werden meine Umma dreimal vertreiben. Sie werden sie so lange verfolgen, bis sie sie in al-Ǧazīrat al-ʿArab einschließen. Beim ersten Angriff werden diejenigen, die fliehen, gerettet werden. Beim zweiten Angriff werden einige entkommen und einige getötet werden! Beim dritten Angriff jedoch werden alle getötet werden.“ Die Leute fragten: „O Gesandter Allahs, wer sind sie?“ Er sagte: „Die Türken.“ Weiter sagte er: „Bei Dem, in dessen Hand mein Leben liegt! Diese Leute werden ihre Pferde an die Säulen der Moscheen der Muslime binden.“
Nach dieser schrecklichen Prophezeiung hielt Buraida stets zwei oder drei Kamele, Reiseproviant und ein Gefäß für Trinkwasser bereit, damit er, sobald diese Zeit käme, vor dieser Heimsuchung fliehen konnte. (Musnad des Imām Aḥmad 5/347.)
Ḥazrat Buraida war das Oberhaupt des Stammes Aslam. Ḥazrat Rabīʿa al-Aslamī war ein mittelloser Diener des Gesandten Allahs. Als er heiratete, wies der Gesandte Allahs Buraida an, für die Entrichtung seiner Brautgabe zu sorgen. Buraida sammelte hierfür Beiträge und erfüllte diesen Auftrag.
Er starb im Jahr 63 nach der Hidschra während des Kalifats von Yazīd ibn Muʿāwiya in Marw in Persien. Er hinterließ zwei Söhne namens ʿAbdullāh und Sulaimān.
ʿUqba ibn ʿĀmir al-Dschuhanī, möge Allah mit ihm zufrieden sein
Sein Name war ʿUqba, sein Beiname Abū ʿAmr, und sein Vater hieß ʿĀmir. Er gehörte zum Stamm Banū Dschuhaina. Als der ehrwürdige Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nach Medina kam, hütete ʿUqba weit entfernt von Medina Ziegen. Die Nachricht von der Ankunft des Gesandten Allahs verbreitete sich in den Gassen Medinas sowie in den Wüstengebieten und Oasen ringsum. Wie es zu ʿUqbas erster Begegnung mit dem Gesandten Allahs kam, soll aus ʿUqbas eigenem Mund berichtet werden:
„Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nach Medina kam, weidete ich außerhalb Medinas meine Ziegen. Nachdem die Nachricht mich erreicht hatte, ließ ich alles zurück und machte mich auf, um ihn zu treffen. Ich begab mich zum Dienst des Gesandten Allahs und sagte: O Gesandter Allahs, wirst du mich den Treueeid leisten lassen? Er fragte, um meine Identität zu erfahren: Wer bist du? Ich antwortete: ʿUqba ibn ʿĀmir al-Dschuhanī. Er fragte: Welcher Treueeid ist dir lieber: der Treueeid der sesshaften Beduinen oder der Treueeid der Auswanderung? Ich sagte: der Treueeid der Auswanderung. Darauf ließ er mich den Treueeid auf jene Sache leisten, auf die er die Auswanderer den Treueeid leisten ließ. Nachdem ich dem Gesandten Allahs den Treueeid geleistet hatte, blieb ich eine Nacht bei ihm und kehrte dann wieder zu meinen Ziegen in die Wüste zurück.“
Wir waren zwölf Muslime. Wir hüteten in einiger Entfernung von Medina Ziegen. Einige von uns sagten: Wenn wir nicht jeden zweiten Tag zum Gesandten Allahs kommen, um die Religion zu lernen und zu erfahren, was ihm offenbart wird, dann liegt kein Segen in unserem Leben. Jeden Tag sollte einer von uns abwechselnd nach Medina gehen, während die anderen seine Ziegen hüteten. Ich sagte: Geht abwechselnd jeweils einer von euch, und ich übernehme die Verantwortung für seine Ziegen. Ich wollte meine Ziegen nicht jemandem überlassen und nach Medina gehen.
Meine Gefährten gingen abwechselnd nach Medina zum Gesandten Allahs, während ich ihre Ziegenherden hütete. Wenn sie zurückkehrten, hörte ich mir alles an, was sie gehört oder gelernt hatten, und lernte es ebenfalls. So ging es einige Zeit weiter. Inzwischen kam mir der Gedanke: Mögest du zugrunde gehen! Wegen der Ziegen wirst du des Umgangs und der Gesellschaft des Gesandten Allahs sowie des Glücks beraubt, seine Worte unmittelbar aus seinem Mund zu hören! Nach diesem Gedanken ließ ich meine Ziegen zurück und machte mich nach Medina auf, um dauerhaft neben dem Gesandten Allahs in der Prophetenmoschee zu wohnen.
Ich kam in Medina an. Als ich mich in der Prophetenmoschee eingefunden hatte, hörte ich als Erstes einen Mann sagen: Der Gesandte Allahs hat gesagt: „Wer die Gebetswaschung vollständig vollzieht, wird von all seinen Sünden so rein, wie er an dem Tag war, an dem seine Mutter ihn gebar.“ Diese Worte gefielen mir sehr. Da sagte ʿUmar ibn al-Chattāb: Du würdest dich noch mehr freuen, wenn du die erste Aussage hören würdest. Ich bat ihn, sie zu wiederholen. Er sagte: Der Gesandte Allahs hat gesagt: „Wenn jemand stirbt, ohne Allah etwas beizugesellen, öffnet Allah ihm alle Tore des Paradieses. Es sind acht Tore des Paradieses; durch jedes von ihnen darf er eintreten, durch welches er möchte.“ In diesem Augenblick trat der Gesandte Allahs zu uns. Ich setzte mich ihm gegenüber. Er wandte sein Gesicht von mir ab. Mehrmals tat er dies. Beim vierten Mal sagte ich: O Prophet Allahs, mögen mein Vater und meine Mutter dir geopfert sein! Warum wendest du dein Gesicht so von mir ab? Darauf wandte er sich mir aufmerksam zu und sagte: Ist dir einer lieber als zwölf? (Ḥayāt aṣ-Ṣaḥāba 3/214–215; Ṣuwar min Ḥayāt aṣ-Ṣaḥāba 4/144).
ʿUqba kämpfte gemeinsam mit dem Gesandten Allahs erstmals bei Uhud gegen die Ungläubigen. Danach nahm er an allen Kriegen, die zu Lebzeiten des Gesandten Allahs stattfanden, aktiv teil. Während des Kalifats des zweiten Kalifen, ʿUmar, nahm er als Mudschaahid am Feldzug nach Syrien teil. Am Tag der Eroberung von Damaskus bewies er außerordentliches Geschick und großen Mut im Bogenschießen. Nach dem Sieg über Damaskus schickte ihn der Befehlshaber Abū ʿUbaida ibn al-Dscharrāḥ nach Medina, damit er dem Kalifen schnell diese Nachricht überbringe. In nur acht Tagen erreichte er Medina und überbrachte dem Kalifen die Nachricht, nachdem er Tag und Nacht ununterbrochen von einem Freitag bis zum nächsten gereist war. In der Schlacht von Ṣiffīn nahm er auf der Seite von Amīr Muʿāwiya teil. Nach der Eroberung Ägyptens ernannte Muʿāwiya ihn eine Zeit lang zu dessen Statthalter oder Herrscher. Abū ʿAmr al-Kindī berichtet: Muʿāwiya übertrug ihm die Verantwortung für die Erhebung der Chراج-Steuer Ägyptens und für die Leitung des Gebets. Als er ihn später absetzen wollte, befahl er ʿUqba, Rhodos anzugreifen. Während ʿUqba auf Rhodos vorrückte, erfuhr er, dass Maslama an seiner Stelle eingesetzt worden war. Darauf bemerkte er: Erst weit fortschicken und dann absetzen? Dies geschah im Jahr 47 nach der Hidschra. Nach seiner Absetzung zog er sich vom Feldzug zurück. Über das Todesjahr ʿUqbas besteht Uneinigkeit. Nach der zutreffenden Überlieferung starb er im Jahr 58 nach der Hidschra während des Kalifats von Muʿāwiya in Ägypten. Er wurde am Fuß des Berges Muqaṭṭam südlich des heutigen Kairo beigesetzt. (Al-Iṣāba 3/489; Tadhkirat al-Ḥuffāẓ 1/43).
Im Hinblick auf Wissen und Rang war ʿUqba eine bemerkenswerte Persönlichkeit. Im Koran, in den Hadithen, der Fiqh, der Erbrechtslehre und der Dichtkunst nahm er eine besondere Stellung ein. Der Gelehrte adh-Dhahabī sagt: „Er war zugleich ein Faqīh, ein Gelehrter, ein Koranrezitator des Buches Allahs, ein Kenner der Erbrechtswissenschaft, ein gewandter Redner und ein hochrangiger Dichter.“ (Tadhkirat al-Ḥuffāẓ 1/43).
Er hatte ein besonderes Interesse daran, die Rezitation des Heiligen Qurans zu erlernen. Mit großer Begeisterung und großem Eifer lernte er die Rezitation des Heiligen Qurans. Einige Suren lernte er sogar unmittelbar vom Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Einmal fiel er dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu Füßen und bat: „O Gesandter Allahs, lehre mich bitte ein wenig von der Sure Hud und der Sure Yusuf.“ Dieser glühende Eifer machte ihn zu einem berühmten Qari.
Er besaß eine außerordentlich wohlklingende Stimme. Mit einer melodischen Stimme rezitierte er den Quran. Wenn sich tief in der Nacht die Stille herabsenkte, begann er mit ergreifender Stimme den Quran zu rezitieren. Die Gefährten des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, lauschten dieser Rezitation aufmerksam. Aus Furcht vor Allah wurden ihre Herzen erweicht und ihre Augen füllten sich mit Tränen. Der Kalif Umar, möge Allah mit ihm zufrieden sein, sagte einmal zu ihm: „Uqba, lass uns etwas aus dem Quran hören.“ Uqba begann zu rezitieren. Als Umar, möge Allah mit ihm zufrieden sein, diese Rezitation hörte, brach er in Tränen aus, und sein Bart wurde von seinen Tränen durchnässt. Uqba fertigte eigenhändig eine Abschrift des Heiligen Qurans an. Bis zum neunten Jahrhundert nach der Hidschra wurde diese Abschrift in der Moschee in Ägypten, die „Dschami Uqba ibn Amir“ genannt wurde, aufbewahrt. Am Ende der Abschrift stand geschrieben: „Uqba ibn Amir al-Dschuhani hat dies geschrieben.“ Sie war die älteste auf der Welt aufgefundene Abschrift des Qurans. Doch das unglückselige muslimische Volk hat, wie vieles andere, auch diesen kostbaren Schatz verloren. (Tahdhib at-Tahdhib 7/243, Suwar min Hayat as-Sahaba 4/148–149, Muhadschirin 2/236)
Auch bei der Überlieferung der Hadithe des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, stand er keineswegs zurück. Die Gesamtzahl der von ihm überlieferten Hadithe beträgt fünfundfünfzig. Davon sind sieben von al-Buchari und Muslim gemeinsam überliefert, eines überlieferte al-Buchari allein und sieben überlieferte Muslim allein. Viele bedeutende Gefährten reisten weite Strecken, um von ihm Hadithe zu hören. Abu Ayyub reiste eigens wegen eines einzigen Hadiths von Medina nach Ägypten und machte sich, nachdem er den Hadith gehört hatte, sofort wieder auf den Weg nach Medina. Auch der „Gelehrte der Umma“, Abdallah ibn Abbas, möge Allah mit ihm zufrieden sein, erwarb Wissen von ihm. Darüber hinaus schöpften viele berühmte Tabiun aus seinem Wissensschatz. Ibn Asakir überliefert von Ibrahim ibn Abd ar-Rahman ibn Auf. Dieser sagte: „Bei Allah, vor seinem Tod ließ Umar ibn al-Chattab die Gefährten des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, – Abdallah ibn Hudhafa, Abu Darda, Abu Dharr und Uqba ibn Amir – aus verschiedenen Orten herbeirufen und sagte zu ihnen: ‚Was sind das für Hadithe, die ihr in solcher Zahl vom Gesandten Allahs überliefert?‘ Sie sagten: ‚Verbietest du uns etwa, Hadithe zu überliefern?‘ Er sagte: ‚Nein. Doch ihr werdet bei mir bleiben. Solange ich lebe, dürft ihr mich nicht verlassen und irgendwohin gehen.‘ Solange Umar lebte, entfernten sie sich nicht von ihm und gingen nirgendwohin. (Hayat as-Sahaba 3/240–241)
Auch in der Rechtswissenschaft besaß Uqba umfassendes Wissen. In den unmittelbar mit der Religion verbundenen Wissensgebieten, nämlich in der Khitaba (Predigt und Ansprache), der Dichtkunst und Ähnlichem, verfügte er über große Sachkenntnis. Obwohl Uqba, möge Allah mit ihm zufrieden sein, ein hochrangiger Gefährte war, hatte er große Angst davor, religiöse Pflichten zu übernehmen. Eine Zeit lang versah er in Ägypten das Amt des Imams, später jedoch vermied er es, das Gebet zu leiten. Abu Ali al-Hamadani berichtet: „Einmal sagten die Menschen während einer Reise zu ihm: ‚Da du ein Gefährte des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, bist, wirst du das Gebet leiten.‘ Er sagte: ‚Nein. Ich hörte den Gesandten Allahs sagen: Wenn jemand das Gebet leitet und es zur richtigen Zeit und in der richtigen Weise verrichtet, erhalten sowohl der Imam als auch die Betenden hinter ihm Lohn. Wenn jedoch ein Fehler geschieht, muss der Imam Rechenschaft ablegen, während den Betenden hinter ihm keinerlei Verantwortung trifft.‘
Der Dienst am ehrwürdigen Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, war sein einziges Bestreben. Auf Reisen übernahm er häufig die Aufgabe, das Maultier des Gesandten Allahs, „asch-Schahba“, am Zügel zu führen. Während dieser Zeit des Dienstes und der Gefährtenschaft ließ er keine Gelegenheit verstreichen, religiöses Wissen zu erwerben. Er berichtet: „Einmal begleitete ich den Gesandten Allahs auf einer Reise. Während ich sein Reittier führte, sagte er: ‚Uqba, soll ich dir von zwei vorzüglichen Suren erzählen, die man rezitieren kann?‘ Ich bat ihn: ‚Bitte, sag es mir.‘ Er sagte: ‚Die beiden Suren sind: „Sag: Ich suche Zuflucht beim Herrn des anbrechenden Tages“ und „Sag: Ich suche Zuflucht beim Herrn der Menschen.“‘
Er verehrte den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, so sehr, dass er es bereits als Respektlosigkeit betrachtete, auf dessen Reittier zu sitzen. Einmal erfüllte er während einer Reise seinen ihm zugewiesenen Dienst, als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, das Reittier anhielt und sich setzte. Er stieg vom Rücken des Reittiers herab und sagte: „Uqba, steig auf das Reittier.“ Uqba sagte: „Subhanallah, o Gesandter Allahs, soll ich auf deinem Reittier reiten?“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, wiederholte seine Anweisung. Uqba gab dieselbe Antwort. Schließlich stieg Uqba nach wiederholtem Drängen auf das Reittier, um den Befehl auszuführen, während der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, das Tier am Zügel führte. Deshalb wurde er Radifu Rasulillah genannt – derjenige, der hinter dem Reittier des Gesandten Allahs reitet. Das Verbergen der Fehler anderer war eine besondere Eigenschaft Uqbas. Er hielt es für äußerst verwerflich, die Fehler eines Menschen bekannt zu machen. Einmal kam sein Sekretär und sagte: „Unsere Nachbarn trinken Wein.“ Er sagte: „Lass sie, aber erzähle es niemandem.“ Der Sekretär sagte: „Soll ich die Polizei verständigen?“ Er sagte: „Wie bedauerlich! Geh darüber hinweg. Ich hörte den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagen: Wer den Fehler eines Menschen verbirgt, ist, als hätte er einen Toten zum Leben erweckt.“ (Hayat as-Sahaba 2/423)
Für die Kriegskunst, insbesondere für das Bogenschießen, hegte er ein besonderes Interesse. Andere ermutigte er ebenfalls, diese Kunst zu erlernen. Einmal ließ er Chalid ibn al-Walid zu sich rufen und sagte: „Ich hörte den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagen: Allah wird für einen einzigen Pfeil drei Menschen ins Paradies eintreten lassen – denjenigen, der den Pfeil herstellt, denjenigen, der ihn auf Allahs Weg trägt, und denjenigen, der ihn abschießt. Er sagte außerdem: Von allen Arten des Spiels sind nur drei erlaubt: Bogenschießen, Reit- und Reitkampftraining sowie Scherzen mit der eigenen Ehefrau. Wer die Kunst des Bogenschießens erlernt und sie dann wieder vergisst, hat in Wahrheit einen gewaltigen Schatz verloren.“ (Musnad Imam Ahmad 4/148) Er sammelte zahlreiche Waffen für den Krieg. Nach seinem Tod wurde sein hinterlassenes Vermögen untersucht, und man stellte fest, dass sich in seinem Haus etwas mehr als siebzig Bögen befanden. Zu diesen Bögen kamen zahlreiche Pfeile und Pfeilspitzen. All dies vermachte er auf Allahs Weg. (Suwar min Hayat as-Sahaba 4/150–151)
Uqba, möge Allah mit ihm zufrieden sein, war ein wohlhabender Mann. Er hatte auch Diener. Trotzdem verrichtete er alle seine Arbeiten eigenhändig.
Hazrat Uqba, möge Allah mit ihm zufrieden sein, lag in Ägypten im Sterben. In diesem Zustand rief er seine Kinder zu sich und gab ihnen folgenden Rat: „Meine Kinder! Ich verbiete euch drei Dinge; merkt sie euch gut. 1) Nehmt die Hadithe des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, von niemandem außer einer zuverlässigen und vertrauenswürdigen Person an. 2) Auch wenn ihr Aba tragt (ein vorne offenes, weites, grobes Gewand), verschuldet euch niemals. 3) Schreibt keine Gedichte. Denn dadurch werden eure Herzen den Koran verlassen und sich mit dieser Beschäftigung befassen.“ (Hayatus-Sahaba 3/201).
Kurz gesagt: Das verborgene Talent, das in Hazrat Uqba, dem Ziegenhirten, lag, entfaltete sich durch seine kurze Begleitung des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in höchstem Maße. Später wurde er unter den Gefährten zu einem der größten Gelehrten, einem der besten Koranrezitatoren, einem der erfolgreichsten siegreichen Heerführer und einem der bedeutendsten Herrscher. Als er das Hüten der Ziegen aufgab und sich in den Dienst des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, begab, wusste er nicht im Geringsten, dass er eines Tages an der Spitze des Heeres stehen würde, das Damaskus eroberte, und ein Haus am „Bab Tuma“ in Damaskus besitzen würde. An dem Tag, an dem er beschloss, nach Medina zurückzukehren, kam ihm nicht ein einziges Mal der Gedanke, dass er eines Tages einer der Anführer bei der Eroberung Ägyptens und dessen Statthalter sein und ein Haus auf dem Berg „Muqattam“ in Kairo besitzen würde. Der Islam entfaltete sein verborgenes Talent so sehr, dass er vom Ziegenhirten zu all dem wurde.
Abu Barza al-Aslami, möge Allah mit ihm zufrieden sein
Über den eigentlichen Namen von Abu Barza besteht unter den Gelehrten der Rijal-Wissenschaft erhebliche Uneinigkeit. Nach der meistbeachteten Ansicht lautet sein Name Nadla ibn Ubaid, während Abu Barza seine Kunya beziehungsweise sein Beiname ist. (Al-Isaba 4/19)
Er nahm bereits in der frühen Phase des Beginns der islamischen Daʿwa in Mekka den Islam an. Nach seinem Übertritt zum Islam war er bei allen Auseinandersetzungen mit den Ungläubigen an der Seite des edlen Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Am Tag der Eroberung Mekkas vergab der edle Gesandte Allahs sogar seinem erbittertsten Feind. Einige Übeltäter jedoch, die die Grenzen der Feindschaft und Rebellion überschritten hatten, wurden an jenem Tag getötet. Abd ar-Rahman ibn Chatal war einer von ihnen. Dieser Mann hatte zunächst den Islam angenommen. Doch nachdem er einen seiner muslimischen Sklaven getötet hatte, wurde er zum Murtadd (jemandem, der den Islam verlässt), um der islamischen Strafe des Qisas zu entgehen, und floh nach Mekka. Er hatte zwei Sklavinnen. Sie zogen auf den Märkten von Mekka umher und sangen Schmähgesänge gegen Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Am Tag der Eroberung Mekkas klammerte sich der nichtswürdige Ibn Chatal, da er keinen anderen Ausweg sah, in der Hoffnung auf Sicherheit an die Kiswa der Kaaba und blieb dort liegen. Die Gefährten sagten zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm: „Ibn Chatal befindet sich unter dem Schutz der Kiswa der Kaaba.“ Der Gesandte Allahs befahl, ihn zu töten. Sobald Abu Barza diesen Befehl erhielt, eilte er herbei und tötete ihn. (Abu Dawud, Kitab al-Dschihad; Sira Ibn Hischam 2/410)
Bis zum Tod des edlen Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, lebte Abu Barza in Medina. Während des Kalifats von Hazrat Umar, möge Allah mit ihm zufrieden sein, ließ er sich in Basra nieder. In der Schlacht von Siffin kämpfte er auf der Seite von Hazrat Ali, möge Allah mit ihm zufrieden sein, und in Nahrawan gegen die Charidschiten. Am Feldzug nach Chorasan nahm er als Mudschahid teil.
Über den Zeitpunkt des Todes von Hazrat Abu Barza, möge Allah mit ihm zufrieden sein, besteht Uneinigkeit. Nach manchen starb er im Jahr 60 nach der Hidschra, nach anderen im Jahr 65. Die zweite Ansicht scheint zutreffender zu sein. Denn er lebte noch zur Zeit des Konflikts zwischen Marwan und Abdullah ibn az-Zubair, möge Allah mit ihm zufrieden sein, und pflegte zu sagen: „Sie streiten um alle Angelegenheiten dieser Welt.“ (Hayatus-Sahaba 2/407). Bei seinem Tod hinterließ er seinen einzigen Sohn Mugīra.
Hazrat Abu Barza, möge Allah mit ihm zufrieden sein, hatte die Gelegenheit, den edlen Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, lange zu begleiten. Deshalb bewahrte er eine beträchtliche Anzahl von Hadithen des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in seinem Gedächtnis. Die Zahl der von ihm überlieferten Hadithe beträgt 64. Davon sind 27 von al-Buchari und Muslim übereinstimmend überliefert. Zwei überlieferte al-Buchari allein und vier Muslim allein.
Hazrat Abu Barzah zeichnete sich von Natur aus durch eine Haltung der Weltentsagung aus. Er trug keine teuren Kleider und ritt auch keine Pferde. Er ging umher, wobei er seine Scham mit zwei safranfarbenen Tüchern bedeckte. Einer seiner Zeitgenossen unter den Gefährten war Aiz ibn Umar. Er trug ebenso kostbare Kleidung, wie er Pferde ritt. Ein Mann kam zu Hazrat Aiz und sagte in der Absicht, Zwietracht zwischen den beiden zu säen: „Sehen Sie sich Abu Barzah an! In Kleidung und Auftreten widerspricht er Ihnen. Sie tragen teure Khuzz-Stoffe und reiten Pferde, während er beides meidet.“ Doch die brüderliche Verbundenheit der Gefährten war weit tiefer und fester als ihre äußerliche Kleidung und ihr Auftreten. Hazrat Aiz erwiderte dem Mann: „Möge Allah Abu Barzah barmherzig sein. Wer unter uns ist heute ihm ebenbürtig?“ Enttäuscht ging der Mann von dort zu Abu Barzah und sagte zu ihm: „Sehen Sie sich Aiz einmal an. Ihr Auftreten gefällt ihm nicht. Er reitet umher, und kostbare Khuzz-Kleidung schmückt seinen Körper.“ Doch auch hier erhielt der Mann dieselbe Antwort. Abu Barzah sagte zu ihm: „Möge Allah Aiz barmherzig sein. Wer unter uns ist ihm an Rang ebenbürtig?“
Einmal richtete ein Mann harte Worte an Hazrat Abu Bakr as-Siddiq. Sofort rief Abu Barzah: „Soll ich ihm den Kopf abschlagen?“ Abu Bakr wies ihn scharf zurecht und sagte: „Nach dem Gesandten Allahs ist eine solche Strafe bei niemandem zulässig.“ (Kanz al-Ummal 2/161, Hayatus-Sahaba 2/638)
Die Fürsorge für arme und bedürftige Menschen war eine besondere Eigenschaft Abu Barzahs. Vom Morgen bis zum Abend gab er den Armen und Bedürftigen zu essen. Hasan ibn Hakim überliefert dies von seiner Mutter.
Abu Barzah gab Witwen, Waisen und Bedürftigen morgens und abends Sarid (eine bei den Arabern beliebte Speise) zu essen. (Hayatus-Sahaba 2/194–195)
Über den ehrwürdigen Gesandten Allahs duldete er keinerlei Spott, Scherze oder Scherzworte. Ubaidullah ibn Ziyad wollte etwas über den Hawd al-Kawthar erfahren. Er fragte die Leute: „Wer kann über den Hawd al-Kawthar berichten?“ Die Leute verwiesen auf Abu Barzah. Ubaidullah ließ ihn holen. Er kam. Als Ubaidullah ihn kommen sah, sagte er in spöttischem Ton: „Ist das etwa euer Muhammadi?“ Höchst erzürnt erwiderte Abu Barzah: „Allah sei Dank! Ich lebe in einer Zeit, in der die Würde der Gefährtenschaft geringgeschätzt wird.“ Während er dies sagte, setzte er sich äußerst verärgert hin. Ubaidullah stellte seine Frage, worauf Abu Barzah antwortete: „Wer den Hawd al-Kawthar leugnet, wird nicht einmal in seine Nähe gelangen, und Allah wird ihn auch nicht daraus trinken lassen.“ Damit stand er auf und ging fort.
Von Hazrat Abu Barzah wird überliefert. Er sagte: „In einem Feldzug – nach anderer Überlieferung in Khaybar – griffen wir das Heer der Götzendiener an und trieben es von seinen Geräten zur Brotherstellung fort. Danach nahmen wir diese Dinge in Besitz und begannen, davon zu essen. In der Zeit der Unwissenheit hatten wir gehört, dass diejenigen, die Weißbrot essen, dick werden. Nachdem wir ihr zurückgelassenes Brot gegessen hatten, blickten einige von uns auf die eigene Schulter, um zu sehen, ob sie dick geworden waren oder nicht.“ (Hayatus-Sahaba 1/323) Dieser Vorfall zeigt, dass die edlen Gefährten gewöhnlich kein weißes, fein gemahlenes Mehl verwendeten.
Fadl ibn Abbas
Sein Name war Fadl, und sein Beiname war Abu Muhammad. Sein Vater war der berühmte Gefährte Hazrat Abbas ibn Abd al-Muttalib, und seine Mutter war Lubaba bint al-Harith al-Hilaliyya. Er war der Cousin des Gesandten Allahs. Er war das älteste Kind seines Vaters. Deshalb wurde sein Vater Abbas Abu al-Fadl, „der Vater des Fadl“, genannt, und seine Mutter Lubaba wurde Umm al-Fadl, „die Mutter des Fadl“, genannt.
Noch vor der Schlacht von Badr nahm er zusammen mit den übrigen Angehörigen seiner Familie den Islam an, verbarg dies jedoch aus Furcht vor den Ungläubigen von Mekka. Wenige Tage vor der Eroberung Mekkas wanderte er gemeinsam mit seinem Vater, dem verehrten al-Abbas, und seinem jüngeren Bruder Abd Allah – möge Allah mit ihnen zufrieden sein – nach Medina aus. Zum Zeitpunkt der Auswanderung war er dreizehn Jahre alt, Abd Allah war acht Jahre alt. (Hayatus-Sahaba 1/373.) Nach seiner Auswanderung nach Medina nahm er als Erster am Feldzug nach Mekka teil. Danach schloss er sich auch dem Feldzug von Hunain an. Als das muslimische Heer in der ersten Phase des Angriffs an den Rand einer Niederlage geriet und zu fliehen begann, blieb er dennoch gemeinsam mit dem verehrten Gesandten Allahs – Allah segne ihn und schenke ihm Frieden – standhaft auf dem Schlachtfeld. Bei der Abschiedswallfahrt saß er auf demselben Reittier wie der Gesandte Allahs – Allah segne ihn und schenke ihm Frieden. Deshalb erhielt er von jenem Tag an den Beinamen „Rādif ar-Rasūl“. Zu dieser Zeit kamen ein junger Mann und eine schöne junge Frau aus dem Stamm Chath’am zum Gesandten Allahs – Allah segne ihn und schenke ihm Frieden –, um ihn nach verschiedenen Fragen der Hadsch zu fragen. Da es Frauen während der Hadsch nicht erlaubt ist, einen Nikab zu tragen, war das Gesicht der Frau unbedeckt. al-Fadl war ein gutaussehender junger Mann. Die Frau begann, ihn verstohlen anzusehen, und auch al-Fadl sah sie an. Der verehrte Gesandte Allahs – Allah segne ihn und schenke ihm Frieden – wandte al-Fadls Gesicht mehrmals von ihr ab. Der Gesandte Allahs – Allah segne ihn und schenke ihm Frieden – sagte: „Wer heute seine Augen, Ohren und Zunge beherrschen kann, dem werden alle seine Sünden vergeben.“ (Ibn Sa’d 4/37; al-Isaba 3/208.) Auch in Sahih al-Buchari wird dies im Kapitel Bāb hajj al-mar’a erwähnt.
Während der Steinigung in Mina hielt er seinen Umhang hoch und spendete so dem Gesandten Allahs – Allah segne ihn und schenke ihm Frieden – Schatten. In Medina verheiratete ihn der Gesandte Allahs und entrichtete selbst seine Brautgabe.
Der verehrte al-Fadl – möge Allah mit ihm zufrieden sein – wurde dadurch geehrt, die Gelegenheit zum letzten Dienst am Gesandten Allahs – Allah segne ihn und schenke ihm Frieden – während dessen irdischen Lebens zu erhalten. Während seiner letzten Krankheit hielt der Gesandte Allahs – Allah segne ihn und schenke ihm Frieden – seine letzte Ansprache. Einer der beiden glückseligen Männer, auf deren Hilfe er sich stützte, als er zur Ansprache das Haus verließ, war al-Fadl. Und al-Fadl verkündete den Menschen auch, dass der Gesandte Allahs eine Ansprache halten werde. (Al-Isaba 3/208.) Nach dem Ableben des Gesandten Allahs – Allah segne ihn und schenke ihm Frieden – gehörte al-Fadl – möge Allah mit ihm zufrieden sein – zu den wenigen glückseligen Menschen, denen die Ehre zuteilwurde, seinen heiligen Körper zu waschen. Der verehrte Ali – möge Allah mit ihm zufrieden sein – nahm die Waschung vor, al-Fadl goss Wasser darüber, der Gesandte Allahs hielt das Tuch fest, und ein Ansari namens Aus ibn Chauli reichte das Wasser. (Al-Isti’ab; Hayatus-Sahaba 2/341.) Al-Waqidi sagt: Der verehrte al-Fadl starb während des Kalifats des verehrten Umar an der Pestepidemie von Amwas. Andere haben gesagt, dass er während des Kalifats des verehrten Abu Bakr in der Schlacht von Ajnadain oder in der Schlacht von Yamama den Märtyrertod erlitt. Wieder andere sagen, dass er im Jahre 15 nach der Hidschra in der Schlacht von Yamama als Märtyrer fiel. Über das Jahr seines Todes bestehen erhebliche Meinungsverschiedenheiten. Imam al-Buchari hielt jedoch die Auffassung über Ajnadain für die annehmbarste. (Al-Isaba 3/209.)
Vom verehrten al-Fadl – möge Allah mit ihm zufrieden sein – sind 24 Hadithe überliefert worden. Bedeutende Gefährten wie Ibn Abbas und Abu Huraira überlieferten Hadithe von ihm. Außerdem überlieferten die Tabi’un Quraib, Qutham ibn Abbas, Abbas ibn Ubaidillah, Rabi’a ibn Harith, Umair, Abu Sa’id, Sulaiman ibn Yasar, Scha’bi, Ata ibn Abi Rabah und andere Hadithe von ihm. (Al-Isaba 3/209.)
Tul aib ibn Umair – möge Allah mit ihm zufrieden sein –
Sein Name war Tulaib, sein Beiname Abu Adi. Sein Vater war Umair ibn Wahb, seine Mutter Arwa bint Abd al-Muttalib, die Tante mütterlicherseits des Gesandten Allahs. Er war ein Nachkomme des Clans Banu Adi aus dem Stamm der Quraisch. (Ansab al-Aschraf 1/88.)
Über die Geburt des verehrten Tulaib und sein Leben vor dem Islam ist nur sehr wenig bekannt. Aus der Geschichte geht hervor, dass er sich bereits in der Anfangszeit des Islams einer Gruppe anschloss. Einige in der Geschichte überlieferte Ereignisse lassen erkennen, dass er für seinen Cousin Muhammad und dessen Religion grenzenlose Hingabe und Liebe empfand. Über das feindselige Verhalten der Quraisch gegenüber dem Gesandten Allahs – Allah segne ihn und schenke ihm Frieden – war Tulaib stets erzürnt. Auf das grobe Verhalten der Quraisch gegenüber dem Gesandten Allahs – Allah segne ihn und schenke ihm Frieden – gab er ihnen bisweilen eine harte Antwort. Bei all diesen Angelegenheiten unterstützte ihn seine fromme Mutter stets.
Al-Harith at-Taimi berichtet: Während sich der Gesandte Allahs – Allah segne ihn und schenke ihm Frieden – im Dar al-Arqam, also im Haus al-Arqams in Mekka, aufhielt, nahm Tulaib ibn Umair den Islam an. Nach seiner Konversion verließ er den Ort und begab sich direkt zu seiner Mutter Arwa bint Abd al-Muttalib. Er sagte zu ihr: „Mutter, ich bin Muhammad gefolgt und habe mich Allah ergeben.“ Seine Mutter sagte: „Derjenige, der am ehesten dazu geeignet ist, dir zu helfen und dich zu unterstützen, ist der Sohn deiner Tante mütterlicherseits. Wenn ich die Kraft und Stärke eines Mannes besäße, würde ich ihn gewiss vor den Händen der Menschen schützen.“ Tulaib sagte: „Mutter, was hindert dich daran, den Islam anzunehmen und sein Gefolgsmann zu werden? Dein Bruder Hamza – er hat doch den Islam angenommen.“ Seine Mutter sagte: „Ich warte darauf, was meine anderen Schwestern tun. Ich werde mich ihnen unmittelbar anschließen.“
Tulaib sagte: „Solange du nicht zu ihm gehst, ihn grüßt und bezeugst, dass es keinen Gott außer Allah gibt, werde ich bei Allah für dich beten.“ Die glückliche Mutter konnte die Bitte ihres Sohnes nicht zurückweisen. Sie erklärte: „Ich bezeuge, dass es keinen Gott außer Allah gibt und dass Muhammad Allahs Gesandter ist.“ Von diesem Tag an begann sie, den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, mit ihrer Zunge auf jede Weise zu unterstützen, und sie wies ihren Sohn Tulaib an, unter allen Umständen an der Seite des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu stehen. (at-Tabaqāt 3/123; al-Isāba 2/233–234).
Diejenigen, die in der ersten Phase des Islams in Mekka den Islam annahmen, wurden von den Quraisch auf vielfältige Weise verfolgt. Eines Tages verrichteten Tulaib und Hātib ibn Amr im mekkanischen Gebiet „Asf Iyād al-Asghar“ das Gebet. Zwei der damaligen größten Gewalttäter Mekkas, Ibn al-Asadā und Ibn al-Gaytala, bemerkten sie. Sie griffen Tulaib und Hātib an, indem sie Steine nach ihnen warfen. Hātib und Tulaib wehrten diesen Angriff etwa eine Stunde lang ab und entkamen schließlich nur knapp mit dem Leben. (Ansāb al-Aschrāf 1/117).
Uqba ibn Abī Muʿait aus Mekka war ein erbitterter Feind des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Außerdem war er von äußerst niederer Gesinnung. Auf vielerlei Weise fügte er dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Leid zu. Eines Tages kam er mit einem Korb voller Unrat und begann, ihn vor der Tür des Hauses des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, auszuschütten. Tulaib bemerkte dies. Er eilte herbei, riss Uqba den Korb aus der Hand und drehte ihm beide Ohren. Uqba geriet in große Wut, folgte Tulaib zu dessen Mutter und beschwerte sich bei ihr mit den Worten: „Siehst du nicht, dass dein Sohn Partei für Muhammad ergriffen hat?“ Die glückliche Tochter ʿAbd al-Muttalibs antwortete: „Nun sag du selbst: Wer wäre geeigneter als Tulaib, für ihn Partei zu ergreifen? Muhammad ist doch sein Cousin mütterlicherseits. Unser Vermögen und unser Leben sind Muhammad gewidmet.“ Dann trug sie einen Vers vor, dessen Bedeutung lautet: „Tulaib hat seinem Cousin geholfen und mit ihm in Bezug auf sein Blut und sein Vermögen Mitgefühl gezeigt.“
Es sei erwähnt, dass dieser Uqba in der Schlacht von Badr von den Muslimen gefangen genommen und auf besondere Anweisung des Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, getötet wurde. (Ansāb al-Aschrāf 1/147).
Der verehrte Tulaib, möge Allah mit ihm zufrieden sein, blieb nach seinem Übertritt zum Islam noch einige Zeit in Mekka und widerstand dort allen Verfolgungen und Misshandlungen durch die Quraisch. Als die Verfolgung jedoch ein extremes Ausmaß annahm und ein Verbleib in Mekka völlig unmöglich wurde, wanderte er mit der zweiten Gruppe, die nach Abessinien zog, nach Abessinien aus. Nachdem er dort einige Zeit verbracht hatte, gehörte Tulaib zu jenen, die aufgrund des Gerüchts, alle Bewohner Mekkas hätten den Islam angenommen, aus Abessinien nach Mekka zurückkehrten. (Sīrat Ibn Hischām 1/324, 366).
Nach seiner Rückkehr aus Abessinien blieb er einige Zeit in Mekka. Danach wanderte er erneut nach Medina aus. In Medina war er Gast des verehrten ʿAbdullah ibn Salama al-Adschlānī. Der Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, begründete zwischen ihm und Mundhir ibn Amr as-Sāʿidī eine Muwāchāt, also eine islamische Bruderschaft.
Nach dem Bericht Muhammad ibn Umars nahm der verehrte Tulaib an der Schlacht von Badr teil. At-Tabarī sagt: Seine Teilnahme an der Schlacht von Badr ist eine erwiesene Tatsache. Allerdings erwähnen Mūsā ibn ʿUqba, Muhammad ibn Ishāq und Abū Maschar den Namen Tulaibs nicht in ihren Listen derjenigen, die an der Schlacht von Badr teilnahmen. (at-Tabaqāt 3/123)
Von der Schlacht von Badr bis zu seinem Tod finden sich in den Sīra-Werken keine weiteren Informationen über seine Aktivitäten. Es ist jedoch anzunehmen, dass ein so tatkräftiger Mann wie er niemals untätig hätte bleiben können. Bis zu seinem Tod nahm er an allen Feldzügen teil.
Im 13. Jahr nach der Hidschra fiel er im Monat Dschumada al-Ula in der Schlacht von Ajnadain als Märtyrer. Musab ibn Abdallah berichtet jedoch, dass er in der Schlacht von Jarmuk den Märtyrertod erlitt. Er war zum Zeitpunkt seines Todes 53 Jahre alt. Er hinterließ keine Kinder. (Tabakat 3/124, al-Istiab).
Sauban ibn Nadschdah, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm
Sein Name war Sauban, der Name seines Vaters Nadschdah, und seine Kunya beziehungsweise sein Beiname Abu Abdillah. Er stammte aus dem berühmten Stamm Himyar im Jemen. (Asahh as-Siyar, S. 599.) Aus einem nicht näher bekannten Grund geriet er in die Sklaverei. Der edle Gesandte Allahs kaufte ihn und schenkte ihm anschließend die Freiheit. Bei seiner Freilassung sagte er zu Sauban: „Wenn du möchtest, kannst du zu deinen Stammesangehörigen zurückkehren oder bei mir bleiben. Wenn du bei mir bleibst, wirst du als Mitglied meiner Familie betrachtet.“ Sauban hielt es für besser, in der Gesellschaft des Gesandten Allahs zu bleiben, als zu seinem eigenen Stamm zurückzukehren.
Nach dem Tod des edlen Gesandten Allahs blieb er noch kurze Zeit in Medina. Ohne den Gesandten Allahs wurde Medina für ihn unerträglich. Er verließ Medina und ließ sich an einem Ort in Syrien namens Ramla nieder. Er nahm am Feldzug nach Ägypten teil und ließ sich, nachdem er Ramla verlassen hatte, in Hims nieder. In diesem Hims verstarb er im Jahr 54 nach der Hidschra.
Sauban war ein besonderer Diener des Gesandten Allahs. Er hatte in jeder Situation, innerhalb wie außerhalb, Gelegenheit, die Gesellschaft des Gesandten Allahs zu genießen. Daher erlangte er ganz natürlich besondere Kenntnisse in den „ulum an-nabawiyya“, den Wissenschaften des Propheten. Von ihm wurden 127 Hadithe des Gesandten Allahs überliefert. Neben dem Auswendiglernen der Hadithe erfüllte er auch die Aufgabe, sie zu verkünden und zu verbreiten. Allama Ibn Abd al-Barr sagte: Sauban gehörte zu jenen Menschen, die neben dem Auswendiglernen der Hadithe auch deren Verbreitung betrieben.
Da Sauban eine große Zahl von Hadithen auswendig kannte, kamen unzählige Menschen zu ihm, um sie von ihm zu hören. Als die Menschen einmal ihr Interesse bekundeten, von ihm Hadithe zu hören, sagte er: „Wenn ein Muslim sich für Allah einmal niederwirft, erhöht Allah dadurch seinen Rang um eine Stufe und vergibt ihm seine Sünden.“ (Musnad des Imam Ahmad ibn Hanbal 5/276.)
Die berühmten Hadithgelehrten aus Saubans Zeit überprüften bei ihm die Authentizität der Hadithe, die sie von anderen gehört hatten. Ein Hadithgelehrter von so hohem Rang wie Sad ibn Talha hörte einen Hadith von Abu ad-Darda und überprüfte dessen Authentizität bei Sauban. Nach dem Tod des edlen Gesandten Allahs galt er als einer der bedeutendsten Mudschtahids unter den Gefährten in Medina. (Alam al-Muwaqqiin 1/15.)
Auch der Kreis der Schüler Saubans war sehr groß. Sad ibn Talha, Raschid ibn Sad, Dschubair ibn Nudar, Abd ar-Rahman ibn Ganam und Abu Idris gehörten zu seinen bedeutenden Schülern.
Seine Verehrung und sein Respekt gegenüber dem edlen Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) waren so groß, dass er kein einziges Wort aus dem Mund eines Nichtmuslims ertragen konnte, das auch nur den geringsten Ausdruck von Respektlosigkeit gegenüber dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) enthielt. Einmal kam ein Jude zum Gesandten (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) und sagte: „Der Friede sei mit dir, o Muhammad.“ Sofort geriet Sauban in Zorn. Er stieß den Juden so heftig, dass der Arme beim Fallen nur mit Mühe das Gleichgewicht halten konnte. Nachdem der Mann sich etwas gefasst hatte, wollte er wissen, warum Sauban so zornig geworden war. Sauban sagte: „Warum hast du nicht ‚O Gesandter Allahs‘, sondern ‚O Muhammad‘ gesagt?“ Der Mann erwiderte: „Was ist daran falsch? Ich habe doch nur seinen Familiennamen ausgesprochen.“ Der Gesandte (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) stimmte ihm zu und sagte: „Ja, mein Familienname ist Muhammad.“
Die Würde des Prophetentums ist wahrlich eine gewaltige Angelegenheit. Wenn jemand auch die Beziehung seiner Knechtschaft oder Dienerschaft zum Gesandten (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) geringschätzig oder nachlässig betrachtete, wies er ihn zurecht. Während seines Aufenthalts in Hims wurde er einmal krank. Als ʿAbdullah ibn Qarat al-Iyadi, der damalige Statthalter von Hims, nicht kam, um ihn zu besuchen, schrieb er ihm in einem Brief: „Wenn sich bei dir ein Diener von Musa und Isa befände, würdest du dich nach seiner Krankheit erkundigen oder ihn besuchen gehen.“ Nachdem der Statthalter diesen Brief erhalten hatte, verließ er sein Haus in solcher Hast, dass die Leute glaubten, etwas Großes müsse geschehen sein. In diesem Zustand erreichte er das Haus von Sauban und saß lange Zeit an seiner Seite.
Er war bei der Befolgung der Anweisungen des edlen Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) so gewissenhaft, dass er jede Anweisung, die er einst vom Gesandten (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) erhalten hatte, sein ganzes Leben lang befolgte und niemals etwas tat, bei dem auch nur die geringste Gefahr bestand, eine Anweisung zu missachten. At-Tabarani überliefert von Abu Umama (Allah möge mit ihm zufrieden sein), dass dieser sagte: Der Gesandte (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) sagte: „Wer wird den Treueid leisten?“ Sauban sagte: „O Gesandter Allahs, wir haben doch bereits den Treueid geleistet.“ Der Gesandte (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) sagte: „Leistet den Treueid unter der Bedingung, von niemandem etwas zu erbitten.“ Sauban fragte: „Wofür, o Gesandter Allahs?“ Er sagte: „Für das Paradies.“ Sauban leistete unter dieser Bedingung den Treueid. Abu Umama sagte: „Ich sah ihn in Mekka, während er sich inmitten der Menschenmenge auf seinem Reittier befand. Dabei fiel die Peitsche aus seiner Hand. Wahrscheinlich fiel sie auf den Nacken eines Mannes, der sie aufhob. Danach wollte er sie Sauban in die Hand geben; doch dieser nahm sie nicht an, sondern stieg von seinem Reittier und hob sie selbst auf.“ (Hayatus-Sahaba 1/242).
In einer anderen Überlieferung heißt es, dass der Gesandte (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) sagte: „Wer mir zusichert, die Menschen nicht um etwas zu bitten, dem sichere ich das Paradies zu.“ Als Sauban dies hörte, rief er: „Ich sichere es zu.“ Danach bat er niemanden mehr um irgendetwas. (Al-Isaba 1/204).
Yusuf ibn ʿAbd al-Hamid überlieferte: Sauban erzählte mir, dass der Gesandte (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) einmal für seine Ahl, also seine Familienangehörigen, betete. Ich sagte: „Auch ich gehöre doch zu den Ahl al-Bait, also zu deinen Familienangehörigen.“ Beim dritten Mal sagte er: „Ja, du gehörst zu meiner Familie. Doch bis dahin sollst du weder an einer verschlossenen Tür stehen bleiben noch zu einem Emir gehen, um ihn um etwas zu bitten.“ (Al-Isaba 1/204).
Nach all diesen Anweisungen hat er, wie aus der Geschichte bekannt ist, in seinem Leben nie wieder jemanden um irgendetwas gebeten.
ʿAmr ibn ʿAbasa (Allah möge mit ihm zufrieden sein)
Sein Name war ʿAmr, Abu Nadschih war seine Kunya oder sein Beiname. Sein Vater war ʿAbasa ibn ʿAmir und seine Mutter Ramla bint al-Waqiʿa. Er war der Halbbruder mütterlicherseits des berühmten Gefährten Abu Dharr al-Ghifari (Allah möge mit ihm zufrieden sein). (Al-Isaba 3/5).
Von Anfang seines Lebens an war Amr ein aufrichtig gesinnter Mensch. Selbst im Zeitalter der Unwissenheit, als ganz Arabien dem Götzendienst verfallen war, verabscheute er diese Praxis und hielt die Götzendiener für irregeleitet. Er beanspruchte, der vierte Muslim beziehungsweise ein Viertel des Islams zu sein. Als man ihn fragte, worauf er diesen Anspruch gründe, sagte er: „Im Zeitalter der Unwissenheit hielt ich die Menschen für irregeleitet. Die Götzen hatten für mich keinerlei Bedeutung. Ich wusste, dass sie weder schaden noch nützen konnten, denn die Menschen verehrten steinerne Götzen. Zu jener Zeit fragte ich einen Angehörigen der Leute der Schrift, also einen Menschen, der an eine göttliche Religion glaubte, nach der besten Religion. Er sagte: ‚In Mekka wird ein Mann auftreten. Er wird die Menschen dazu aufrufen, die Gottheit seines eigenen Volkes zu verlassen und sich einer anderen Gottheit zuzuwenden. Er wird die beste Religion bringen. Wenn du von seinem Auftreten hörst, dann folge ihm.‘“
Amr berichtet: „Zu jener Zeit erhielt ich eine Nachricht aus Mekka. Ich wagte es nicht, irgendjemanden zu fragen, ob sich in Mekka etwas Neues ereignet hatte. Schließlich erreichte ich auf dem Rücken eines Tieres reitend Mekka. Als ich dort einen Reiter fragte, sagte er: ‚Hier ist ein Mann aufgetreten, der die Gottheit seines Volkes, also seiner Stammesangehörigen, verabscheut.‘ Ich traf den Gesandten Allahs heimlich, denn seine eigenen Stammesangehörigen leisteten ihm damals erbitterten Widerstand. Einer anderen Überlieferung zufolge begegnete Amr dem Gesandten Allahs auf dem Jahrmarkt von Ukaz. Ihr Gespräch bei der ersten Begegnung verlief folgendermaßen: Amr fragte: ‚Wer bist du?‘“
– Ich bin Allahs Prophet.
– Hat Allah dich gesandt?
– Ja.
– Womit hat Er dich gesandt?
– Damit du an Allahs Einzigkeit glaubst, Ihm nichts beigesellst, die Götzen zerbrichst und die Verwandtschaftsbande pflegst.
– Hat jemand diese Einladung angenommen?
– Ja, einer war ein Freigelassener und einer ein Sklave.
Amr sagte: Diese beiden waren Abu Bakr und Bilal. Darauf bat ich ihn: „Nimm auch mich in die Reihen der Diener Allahs auf. Ich werde bei dir bleiben.“ Der Gesandte Allahs sagte: „Wie kannst du bei mir bleiben, wo ich doch von allen Seiten bekämpft werde? Kehre jetzt in deine Heimat zurück. Wenn ich beginne, öffentlich zur Botschaft aufzurufen, dann komm zu mir.“ Amr sagte: „Auf diese Weise nahm ich den Islam an und betrachtete mich als ein Viertel des Islams.“ (Al-Isaba 3/6; Hayatus-Sahaba 1/71–72).
Auf Anweisung des Gesandten Allahs nahm Amr den Islam an und kehrte zu seinem Stamm zurück. Durch Menschen, die zwischen Mekka und anderen Orten hin- und herreisten, erkundigte er sich jedoch ständig nach dem Gesandten Allahs. Nach dessen Auswanderung nach Medina kamen einige Bewohner von Yathrib, also Medina, zu Amrs Stamm. Er fragte sie: „Wie geht es dem Mann, der von Mekka nach Medina gekommen ist?“ Sie antworteten: „Die Menschen strömen in Scharen zu ihm. Seine eigenen Landsleute hatten geplant, ihn zu töten, konnten dies jedoch nicht tun. Jetzt ist er in Medina.“
Als Amr diese Nachricht von ihnen erhielt, brach er nach Medina auf. Als er beim Gesandten Allahs in Medina erschien und sich vorstellte, sagte dieser: „Ja, ich erinnere mich an dich. Du bist mir in Mekka begegnet.“ Von da an ließ sich Amr dauerhaft in Medina nieder.
Über den Zeitpunkt von Amrs Ankunft in Medina gibt es unterschiedliche Auffassungen. Einer Ansicht zufolge kam er vor der Schlacht von Badr nach Medina und nahm an Badr teil. Nach der verbreiteteren Auffassung kam er jedoch nach der Schlacht von Chaibar und vor der Eroberung Mekkas nach Medina. (Al-Isaba 3/5).
Die verschiedenen Schlachten, darunter Badr, Uhud, Hudaibiya und Chaibar, waren bereits beendet, während er noch in seiner Heimat lebte. Am Feldzug zur Eroberung Mekkas nahm er erstmals teil. Überliefert ist auch, dass er am Feldzug nach Taif beteiligt war. Er selbst berichtete: Während der Belagerung von Taif sagte der ehrwürdige Gesandte Allahs: „Wer auf Allahs Weg einen Pfeil abschießt, dem wird ein Tor des Paradieses geöffnet.“ Nachdem ich diese frohe Botschaft gehört hatte, schoss ich sechzehn Pfeile ab. Über seine Teilnahme an weiteren Schlachten nach dem Feldzug von Taif ist nichts Genaues bekannt. Es ist jedoch bekannt, dass er an einigen weiteren Schlachten teilnahm. Der genaue Zeitpunkt des Todes von Amr ibn Abasa ist nicht bekannt. Die Sira-Gelehrten sagten auf Grundlage von Vermutungen, dass er gegen Ende des Kalifats des Kalifen Uthman starb. Daher gab der Verfasser des Werkes „Al-Isaba fi Tamyiz as-Sahaba“, der Gelehrte Ibn Hadschar al-Asqalani, allein aufgrund dieser Vermutung das Ende des osmanischen Kalifats als seinen Todeszeitpunkt an – weil er während des Konflikts zwischen Ali und Muawiya und während des Kalifats des Fürsten Muawiya nirgends erwähnt wird. (Al-Isaba 3/6). In einer Überlieferung im Musnad des Imam Ahmad ibn Hanbal wird jedoch berichtet, dass zwischen dem Fürsten Muawiya und den Römern ein Vertrag geschlossen wurde. Aufgrund dieses Vertrags durfte der Fürst Muawiya die Römer bis zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht angreifen. Muawiya fasste jedoch den Plan, dass sein Heer die Grenze der Römer erreichen und zugleich die Vertragsfrist ablaufen würde. Danach sollte sein Heer sofort den Angriff eröffnen. Zu dieser Zeit rief Amr ibn Abasa laut aus: „Haltet das Versprechen! Begeht keinen Verrat!“ Aus der genannten Überlieferung lässt sich schließen, dass er bis in die Zeit des Kalifats des Fürsten Muawiya lebte. Wenn jedoch die Auffassung des Verfassers von „Al-Isaba“ als richtig angenommen wird, ereignete sich dies während des osmanischen Kalifats, als der ehrwürdige Muawiya Statthalter von Scham war. Auch damals kam es zu Auseinandersetzungen mit den Römern.
Der ehrwürdige Amr ibn Abasa hatte nicht sehr viele Gelegenheiten, die Nähe und Gesellschaft des Gesandten Allahs zu genießen. Doch das Wenige, das ihm zuteilwurde, versuchte er vollständig zu nutzen. Einen Beleg dafür finden wir bei seiner ersten Begegnung mit dem Gesandten Allahs in Medina. Er bat ihn: „Allimni ma allamakallahu“ – „Lehre auch mich etwas von dem, was Allah dich gelehrt hat.“ Obwohl er also nur kurze Zeit in seiner Gesellschaft verbrachte, finden sich in den Hadith-Sammlungen insgesamt 48 von ihm überlieferte Hadithe.
Unter den Gefährten überlieferten Ibn Masud, Abu Umama al-Bahili und Sahl ibn Sad Hadithe von ihm; unter den Tabiun überlieferten dies Schurahbil ibn Simat, Sadan ibn Abi Talha, Sulaym ibn Amir, Abdurrahman ibn Amir, Dschubair ibn Nufair, Abu Salam und andere. (Al-Isaba 3/5).
Abu Nuʿaim überlieferte von Kaʿbs Mawlā, einem freigelassenen Sklaven, folgenden Vorfall. Er sagte: Eines Tages ging ʿAmr ibn ʿAbasa hinaus, um Tiere zu hüten. Gegen Mittag machte ich mich auf, um nach ihm zu suchen. Ich sah, dass ʿAmr an einem Ort schlief und eine Wolke ihn beschattete. Ich weckte ihn. Als er erwachte, sagte er zu mir: „Lass diese Angelegenheit zwischen dir und mir geheim bleiben. Wenn du sie jemand anderem mitteilst, wird es dir nicht gut ergehen.“ Zu seinen Lebzeiten erzählte ich dies niemandem. (Al-Iṣāba 3/6)
Walīd ibn al-Walīd ibn al-Mughīra (r.a.)
Sein Name war Walīd, sein Vater war al-Walīd ibn al-Mughīra. Er stammte aus dem Clan Banū Machzūm des Stammes Quraisch. Er war der Bruder des berühmten Ṣaḥābī und Heerführers Chālid ibn al-Walīd sowie von Hischām ibn al-Walīd. Einer Überlieferung zufolge war er Hischāms leiblicher und Chālids Halbbruder. Während des mekkanischen Lebens des ehrwürdigen Gesandten Allahs (s.a.w.) nahm Walīd den Islam nicht an. Über sein Verhalten gegenüber den Muslimen in dieser Zeit findet sich in den Sīra-Werken kaum etwas. Es ist jedoch bekannt, dass er sich dem Heer der Quraisch von Mekka anschloss, in der Schlacht von Badr gegen die Muslime kämpfte und nach der Niederlage von dem ehrwürdigen ʿAbdullāh ibn Dschahsch – einer anderen Auffassung zufolge von Sulayṭ ibn Qais (r.a.) – gefangen genommen wurde. (Ansāb al-Aschrāf 1/302)
Die beiden anderen Brüder Walīds, Chālid ibn al-Walīd und Hischām ibn al-Walīd, kamen, um ihn freizukaufen. ʿAbdullāh ibn Dschahsch forderte ein Lösegeld von viertausend Dirham. Als es um die Zahlung dieser beträchtlichen Summe ging, zeigte Chālid Zögern. Daraufhin wurde Hischām sehr zornig und sagte zu Chālid: „Was ist mit dir? Bist du etwa nicht mehr sein Bruder? Selbst wenn ʿAbdullāh noch mehr fordert, muss er freigekauft werden.“ Der Historiker al-Wāqidī berichtet: „Walīd wurde gefangen genommen, während er noch der Religion seines Volkes angehörte, und gegen viertausend Dirham freigelassen.“ Einer anderen Überlieferung zufolge verlangte der ehrwürdige Gesandte Allahs (s.a.w.) als Gegenleistung für Walīds Freilassung den Schild, die Rüstung und das Schwert seines Vaters. Seine Brüder erfüllten diese Forderung und kauften ihn frei. (Ansāb al-Aschrāf 1/210)
Nach seiner Freilassung machte sich Walīd mit seinen Brüdern auf den Weg nach Mekka. Als sie den Ort Dhū l-Ḥulayfa erreichten, floh er vor seinen Brüdern und kehrte erneut nach Medina zum Gesandten Allahs (s.a.w.) zurück, wo er den Islam annahm. Seine Brüder kehrten um, trafen ihn wieder und sagten: „Wenn du den Wunsch hattest, Muslim zu werden, warum hast du es dann nicht getan, bevor das Lösegeld bezahlt wurde? Du hast die Erinnerungsstücke unseres Vaters völlig umsonst zerstört.“ Walīd erwiderte: „Wie die anderen Quraisch wollte auch ich durch die Zahlung des Lösegelds freikommen. Vor meiner Freilassung bekannte ich mich deshalb nicht zum Islam, damit die Quraisch nicht sagen konnten, ich hätte aus Angst vor der Zahlung des Fidya- oder Lösegelds den Islam angenommen.“
Nach seiner Konversion zum Islam machte er sich erneut mit seinen Brüdern auf den Weg nach Mekka. Unterwegs sagten seine Brüder nichts Besonderes. Doch als sie Mekka erreichten, nahmen sie ihn wie die anderen misshandelten Muslime gefangen und sperrten ihn zusammen mit anderen Gefangenen wie ʿAyyāsch ibn Rabīʿa, Hischām ibn al-ʿĀṣ und Salama ibn Hischām in einem Raum ein.
Historiker berichten, dass die Quraisch diese Gefangenen unmenschlich folterten. Ihnen wurde auch mit ihrer Tötung gedroht.
Al-Kalbī sagt: „Eine schwache Gemeinschaft, die über keine Stammesmacht und keine ausreichende Zahl von Anhängern verfügte, wurde wegen der Annahme des Islam bestraft. Viele von ihnen gaben die Religion auf, während Angehörige angesehener Familien den Islam annahmen und Prüfungen ausgesetzt wurden. Dazu gehörten beispielsweise Salama ibn Hischām ibn al-Mughīra, Walīd ibn al-Walīd ibn al-Mughīra und ʿAyyāsch ibn Rabīʿa.“ (Ansāb al-Aschrāf 1/19)
Ibn Ishaq berichtet: Als al-Walid ibn al-Walid ibn al-Mughira den Islam annahm, begab sich eine Gruppe von Männern aus den Banu Machzum zu seinem Bruder Hischam ibn al-Walid ibn al-Mughira, als Hischam ibn al-Walid ibn al-Mughira den Islam annahm, und bat ihn, al-Walid auszuliefern, damit sie ihn töten könnten. Ihre Begründung lautete, dass sie hinsichtlich der anderen in Sicherheit sein könnten, wenn sie ihn töteten. Hischam wies ihre Forderung mit äußerster Härte zurück und trug ein Gedicht vor. Außerdem drohte er ihnen, dass er, sollte jemand seinen Bruder al-Walid töten, aus Rache den angesehensten Mann unter ihnen töten werde. Angesichts dieser äußersten Drohung gaben sie die Hoffnung auf, al-Walid zu töten, und gingen fort. (Sīrat Ibn Hischām 1/321).
Vor der Schlacht von Badr pflegte der ehrwürdige Gesandte Allahs (Friede sei mit ihm) bei Allah um die Befreiung von ʿAyyāsch ibn Rabīʿa, Salama ibn Hischām, Hischām ibn ʿĀs und anderen zu bitten. Nachdem al-Walid nach der Schlacht von Badr gefangen genommen worden war und sich ihnen angeschlossen hatte, begann der Gesandte Allahs (Friede sei mit ihm), auch namentlich für ihn zu beten. Al-Bazzār überliefert von Abū Huraira (möge Allah mit ihm zufrieden sein), dass der Gesandte Allahs (Friede sei mit ihm) nach dem Friedensgruß im Gebet den Kopf hob und, der Qibla zugewandt, sagte: „O Allah, befreie Salama ibn Hischām, ʿAyyāsch ibn Rabīʿa, al-Walid ibn al-Walid und jene schwachen Muslime, die keine Möglichkeit haben, eine List anzuwenden und keinen Ausweg kennen.“ Einer anderen Überlieferung zufolge sprach der Gesandte Allahs (Friede sei mit ihm) dieses Bittgebet im Fadschr-Gebet. (Hayāt as-Sahāba 3/348).
Er verbrachte einige Zeit in Gefangenschaft. Eines Tages nutzte er eine Gelegenheit und floh nach Medina. Der ehrwürdige Gesandte Allahs (Friede sei mit ihm) erkundigte sich bei ihm nach dem Zustand von ʿAyyāsch und Salama. Al-Walid sagte, dass sie gefoltert würden. An ihren beiden Füßen sei eine gemeinsame Fessel angebracht worden. Der ehrwürdige Gesandte Allahs (Friede sei mit ihm) sagte zu ihm: „Geh noch einmal nach Mekka. Dort hat ein Schmied den Islam angenommen. Gehe zunächst zu ihm und halte dich bei ihm auf. Dann triff dich heimlich mit ʿAyyāsch und Salama und sage ihnen: ,Ich bin ein Gesandter von mir; kommt mit mir.‘“
Al-Walid gelangte entsprechend der Anweisung des Gesandten Allahs (Friede sei mit ihm) nach Mekka, traf ʿAyyāsch und Salama und übermittelte ihnen die Botschaft des Gesandten Allahs (Friede sei mit ihm). Wie geplant flohen sie aus Mekka und machten sich auf den Weg nach Medina. Chālid ibn al-Walid nahm ihre Verfolgung auf; da es ihm jedoch nicht gelang, sie einzuholen, kehrte er nach Mekka zurück.
Unterdessen wurde al-Walid zusammen mit seinen beiden Gefährten durch die ununterbrochene Reise und die ungewisse Furcht vor Erschöpfung ganz kraftlos. In dieser Zeit wiederholte er immer wieder einen Vers: „O meine beiden Füße! Bringt mich zu meinem Volk. Nach dem heutigen Tag werdet ihr mich nie wieder untätig sehen.“
Als er an einem Ort namens Adschbās stürzte, wurde einer seiner Zehen schwer verletzt und begann zu bluten. An seinen verletzten Zeh gerichtet, wiederholte er einen Vers: „O du, du bist nichts weiter als ein Zeh, aus dem Blut geflossen ist.
Was immer du erlangt hast, ist gänzlich auf Allahs Weg. (Ansāb al-Aschrāf 1/209–210)
Gemäß dem Vertrag von Hudaybiyya reiste der ehrwürdige Gesandte Allahs (Friede sei mit ihm) im siebten Jahr nach der Hidschra nach Mekka, um die im Vorjahr versäumte ʿUmra nachzuholen. Al-Walid war zu dieser Zeit ein Reisegefährte des Gesandten Allahs (Friede sei mit ihm). Sein Bruder Chālid ibn al-Walid hatte den Islam damals noch nicht angenommen. Darüber berichtet Chālid ibn al-Walid: „Nachdem der Waffenstillstand von Hudaybiyya geschlossen worden war und ich unter einem schweren inneren Konflikt und großer Unentschlossenheit litt, betrat der ehrwürdige Gesandte Allahs (Friede sei mit ihm) im siebten Jahr nach der Hidschra, im Monat Dhū l-Qaʿda, Mekka, um die ,Umrat al-Qadāʾ‘ zu vollziehen. Aus Angst, einem von ihnen zu begegnen, hielt ich mich verborgen. Ich begegnete keinem von ihnen. Mein Bruder al-Walid ibn al-Walid begleitete den Gesandten Allahs (Friede sei mit ihm) auf dieser Reise. Da er mich nicht finden konnte, schrieb er mir einen Brief. Der Inhalt des Briefes war folgender: ,Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen. Danach: Wegen deiner ablehnenden Haltung gegenüber dem Islam bist du mir als ein äußerst erstaunlicher Mensch erschienen. Dabei bist du ein Mann von großer Klugheit und Weisheit. Kann jemand wie du über den Islam unwissend sein? Der Gesandte Allahs (Friede sei mit ihm) fragte mich nach dir: „Wo ist Chālid?“ Ich antwortete: „Allah wird ihn bald herbringen.“ Darauf sagte er: „Kann jemand wie er über den Islam unwissend sein? Wenn seine Klugheit und sein Einsatz den Muslimen zugutekämen, würde ihm das zum Wohl gereichen, und ich würde ihm mehr Ehre erweisen als den anderen. Bruder, komm jetzt und schließe dich dem guten Werk an, das dir entgangen ist.“‘ Im Wesentlichen fasste der ehrwürdige Chālid aufgrund dieses Briefes den Entschluss, den Islam anzunehmen, und machte sich wenig später auf den Weg nach Medina. (Hayāt as-Sahāba 1/160; Usd al-Ghāba 5/93).
Über den Zeitpunkt des Todes von Hadhrat Walid ibn al-Walid liegen zwei Überlieferungen vor. Einer Überlieferung zufolge starb er wenige Tage, nachdem er Ayyasch und Salama befreit hatte und nach Medina zurückgekehrt war. Dieser Überlieferung zufolge begab er sich nach seiner Ankunft in Medina unmittelbar zum Gesandten Allahs (s.a.w.) und sagte: „O Gesandter Allahs (s.a.w.), ich bin tot; hülle mich in ein wenig von deiner abgelegten Kleidung.“ Danach starb er, und der Gesandte Allahs (s.a.w.) hüllte ihn in seine eigene Kleidung. (Al-Isaba 3/640, Ansab al-Aschraf 1/210–211).
Doch die oben erwähnte Überlieferung scheint nicht richtig zu sein. Denn aus mehreren Überlieferungen geht hervor, dass er im siebten Jahr nach der Hidschra gemeinsam mit dem Gesandten Allahs (s.a.w.) die „Umrat al-Qada“ vollzog. Allama Ibn Abd al-Barr schrieb: „Es ist richtig, dass er gemeinsam mit dem Gesandten Allahs (s.a.w.) an der ‚Umrat al-Qada‘ teilnahm.“ Die Umrat al-Qada fand gegen Ende des siebten Jahres nach der Hidschra statt. Aus der ersten Überlieferung hingegen geht hervor, dass er zwei Jahre vor der Umrat al-Qada, im fünften Jahr nach der Hidschra, verstorben sei.
Außerdem sagte al-Waqidi: „Manche sind der Ansicht, dass Walid aus Mekka floh und sich der Gruppe von Abu Basir anschloss.“ Es sei erwähnt, dass dieser Abu Basir nach dem Vertrag von Hudaybiyya nach Medina kam. Der Gesandte Allahs (s.a.w.) schickte ihn gemäß den Bedingungen des Vertrages nach Mekka zurück. Unterwegs tötete er jedoch einen seiner Begleiter und kehrte anschließend wieder zum Gesandten Allahs (s.a.w.) nach Medina zurück. Dieser wies Abu Basir an, Medina zu verlassen. Abu Basir verließ Medina und begab sich in die Küstenregion des Roten Meeres. Danach schlossen sich ihm weitere junge Männer aus Mekka an, die erst vor Kurzem den Islam angenommen hatten. Sie griffen die Handelskarawanen der Quraisch an und plünderten sie. Dadurch drohte der Handel der Quraisch nahezu vollständig zum Erliegen zu kommen. Schließlich baten die Quraisch, da sie keinen anderen Ausweg sahen, den Gesandten Allahs (s.a.w.), diese Gruppe nach Medina zurückzuholen. Der Gesandte Allahs (s.a.w.) ließ sie nach Medina rufen. (Ansab al-Aschraf 1/210–211).
Al-Baladhuri hielt diese Überlieferung jedoch nicht für richtig. Wie dem auch sei, in den Sira-Werken findet sich kein Beleg dafür, dass er nach dem achten Jahr nach der Hidschra noch am Leben war.
Die Umm al-Mu’minin, Hadhrat Umm Salama, war die Cousine von Walid ibn al-Walid. Nach Walids Tod sagte sie zum Gesandten Allahs (s.a.w.): „O Gesandter Allahs (s.a.w.), er ist fern der Heimat gestorben. Hier gibt es niemanden, der um ihn trauert.“ Der Gesandte Allahs (s.a.w.) gestattete ihr, um ihn zu trauern. Nachdem Umm Salama die Erlaubnis des Gesandten Allahs (s.a.w.) erhalten hatte, bereitete sie Speisen zu und rief die anderen Frauen aus der Nachbarschaft herbei. Hadhrat Umm Salama (r.a.) begann, eine Marsiya, also ein Trauergedicht, vorzutragen. Zwei seiner Verse lauten wie folgt:
„O Auge, weine um Walid ibn Walid ibn al-Mughira. Unter uns war er in Zeiten der Dürre wie Regen und Barmherzigkeit. An Ansehen und Ruhm glich er seinem Vater. Für seinen Stamm war er allein schon ausreichend.“
Sobald Hadhrat der edle Gesandte Allahs (s.a.w.) das Trauergedicht hörte, sagte er: „Umm Salama, sage nicht dies, sondern sage vielmehr: Wahrlich, die Qualen des Todes werden kommen. Und gerade davon habt ihr stets Befreiung erbeten.“ (Sure Qaf 50:19). (Ansab al-Aschraf 1/210–211; Al-Isaba 3/640).
Ibn Hischam sagt: Über Mujahid ist mir Folgendes überliefert worden. Er sagte, dass der folgende Vers aus der Sure al-Fath über Walid ibn al-Walid, Salama ibn Hischam, Ayyasch ibn Rabia, Abu Jandal ibn Suhail und andere wie sie offenbart wurde: „Euch wäre befohlen worden zu kämpfen, wenn es nicht gläubige Männer und Frauen gäbe, die ihr nicht kennt und die ihr unbewusst niedergetreten hättet. Dadurch hättet ihr ihretwegen Schaden erlitten.“
(Sure al-Fath 25) (Sīrat Ibn Hischām 2/321).
Salama ibn Hischām, möge Allah mit ihm zufrieden sein
Sein Name war Salama, sein Beiname Abū Hāschim. Sein Vater war Hischām ibn al-Mughīra und seine Mutter Dābāya bint ʿĀmir. Er war der Bruder Abū Dschahls, eines erbitterten Feindes des Islam.
Dr. Muhammad Hamidullah hat eine erstaunliche Geschichte aus dem vorislamischen Leben von Salamas Mutter Dābāya bint ʿĀmir überliefert. Al-Haitham und Ibn al-Kalbī überlieferten: Mutallib ibn Abī Wadāʿa sagte zu Ibn ʿAbbās: Dābāya bint ʿĀmir war die Ehefrau von Hāwja ibn ʿAlī. Als Hāwja starb, erbte Dābāya als Erbin ein beträchtliches Vermögen. Daraufhin kehrte sie zu ihrem väterlichen Stamm zurück. Dort schickte ʿAbdullāh ibn Dschudʿān at-Taimī ihrem Vater einen Heiratsantrag für sie. Ihr Vater stimmte zu und verheiratete sie mit ʿAbdullāh.
Da sagte Dābāyas Vater: „Ich habe sie doch mit Ibn Dschudʿān verheiratet.“ Darauf schwor Huzn: „Wenn Dābāya zu Ibn Dschudʿān geht, werde ich sie vor den Augen ihres Ehemannes töten.“
Dābāyas Vater teilte Ibn Dschudʿān den Vorfall mit. Ibn Dschudʿān ließ seinerseits ausrichten: Wenn er entsprechend der Forderung von Dābāyas Cousin handele, werde auf dem Markt von ʿUkāz gegen ihn das Banner des Vorwurfs des Vertragsbruchs erhoben. Als Dābāyas Vater die Angelegenheit ihrem Cousin schilderte, wurde dieser nachgiebig und zog seine Forderung zurück. Dābāya wurde zu Ibn Dschudʿān geschickt. Sie blieb dort, solange es Allahs Wille war. Dābāya war eine außerordentlich schöne junge Frau. Während ihres Ehelebens mit Ibn Dschudʿān vollzog sie eines Tages in Mekka den Tawāf um die Kaaba und fiel dabei Hischām ibn al-Mughīra auf. Hischām war von Dābāyas Schönheit beeindruckt. Sie unterhielten sich eine Weile im Bereich der Kaaba. Schließlich sagte Hischām: „Dābāya! Mit dieser Schönheit und Jugend lebst du im Haus eines alten Mannes? Wenn du dich von ihm scheiden lassen kannst, werde ich dich heiraten.“
Als Dābāya nach Hause zurückkehrte, sagte sie zu ihrem Ehemann Ibn Dschudʿān: „Ich bin eine junge Frau, und du bist ein alter Mann.“ Ibn Dschudʿān sagte: „Warum sagst du das? Ich habe erfahren, dass Hischām während des Tawāf mit dir gesprochen hat. Ich werde dich nicht scheiden lassen, solange du mir nicht versprichst, Hischām nicht zu heiraten. Außerdem musst du versprechen, dass du, falls du ihn heiratest, diese Bedingungen von mir erfüllst: 1. Du wirst die Kaaba nackt umrunden. 2. Du wirst so viele Kamele opfern. 3. Du wirst eine solche Menge Wolle zu Garn spinnen.“
Dābāya teilte Hischām diese Bedingungen mit. Hischām sagte: „Was die erste Bedingung betrifft, werde ich mit den Quraisch sprechen und den Bereich der Kaaba vollständig räumen lassen. Du wirst in der Dunkelheit der letzten Nachtstunde allein nackt den Tawāf vollziehen. Niemand wird die Gelegenheit haben, dich zu sehen. Die Kamele werde ich an deiner Stelle opfern. Was das Spinnen des Garns betrifft: Das ist keine Religion. Die Quraisch haben es erfunden. Meine Nachbarinnen werden diese Arbeit für dich erledigen.“ Nachdem Dābāya Hischāms Versprechen erhalten hatte, sagte sie zu ihrem Ehemann Ibn Dschudʿān: „Ich bin mit deinen Bedingungen einverstanden. Wenn ich Hischām heirate, werde ich diese Bedingungen erfüllen.“ Auf diese Weise ließ sich Dābāya von Ibn Dschudʿān scheiden und heiratete Hischām. Nachdem Hischām mit den Quraisch gesprochen und den Bereich der Kaaba hatte räumen lassen, vollzog Dābāya nackt den Tawāf um die Kaaba. Al-Kalbī sagte: Mutallib ibn Abī Wadāʿa berichtete: „Ich war damals noch ein Junge. Ich schaute durch eine Tür der Moschee hinein und beobachtete. Ich sah, wie Dābāya ihre Kleidung ablegte. Eine Woche lang vollzog sie den Tawāf und rezitierte dabei einen Vers.“ Auch die beiden anderen Bedingungen erfüllte Hischām. Von diesem Hischām empfing Dābāya Salama ibn Hischām. Später wurde dieser Salama ein bewährt guter Muslim. Während Dābāyas Ehe mit Hischām starb ihr früherer Ehemann ʿAbdullāh ibn Dschudʿān. Als Dābāya von seinem Tod hörte, sagte sie: „Er war ein wunderbarer Ehemann einer arabischen Frau.“ Einige Zeit später starb Hischām, und Dābāya wurde zur Witwe.
Später nahm Dabaʿa den Islam an. Inzwischen war auch ihr Sohn Salama erwachsen geworden und hatte den Islam angenommen. Der ehrwürdige Gesandte Allahs unterbreitete Salama den Heiratsantrag, seine Mutter zu heiraten. Salama beriet sich mit seiner Mutter, bemerkte ihre Abneigung und teilte dies dem Gesandten Allahs mit. Daraufhin zog der Gesandte Allahs seinen Antrag zurück. (Anṣāb al-ašrāf, herausgegeben von Dr. Hamidullah, Bd. 1, Anmerkung Nr. 3, S. 460–461).
Salama nahm bereits in der Anfangsphase der islamischen Daʿwa in Mekka den Islam an. Er wanderte nach Abessinien aus. Nachdem er sich einige Zeit dort aufgehalten hatte, kehrte auch er zusammen mit vielen anderen Muhādschirūn nach Mekka zurück. Viele kehrten später wieder nach Abessinien zurück. Auch Salama wollte dorthin zurückkehren, doch Abū Dschahl hinderte ihn daran. Man begann, ihn zu misshandeln. Er wurde ausgehungert und auch geschlagen. Doch all ihre Bemühungen blieben erfolglos. Bis dahin hatte der Islam noch keine nennenswerte Stärke erlangt. Der Gesandte Allahs war ebenfalls nicht in der Lage, ihm irgendeine Hilfe zu leisten. Nach dem Gebet pflegte er jedoch für Salama und andere, die wie er verfolgt wurden, mit folgenden Worten zu beten: „O Allah, befreie al-Walīd ibn al-Walīd, Salama ibn Hišām und ʿAyyāš ibn Rabīʿa von der Härte der Götzendiener von Mekka.“ In der Biografie al-Walīds werden die Befreiung Salamas und seine Auswanderung nach Medina ausführlich geschildert.
Während er in Mekka in der Gewalt der Ungläubigen gefangen gehalten wurde, endete die Schlacht von Badr. Nach der Schlacht von Badr, nach einer anderen Überlieferung erst nach der Schlacht am Graben, kam er nach Medina. Nach seiner Ankunft in Medina nahm er an allen danach stattfindenden Schlachten teil. In der Schlacht von Muʾta gehörte auch er zu denen, die angesichts des heftigen Angriffs der feindlichen Truppen vom Schlachtfeld flohen. Aus Scham und Reue darüber mied er es für den Rest seines Lebens beinahe vollständig, sein Haus zu verlassen. Ibn Isḥāq überliefert von der Mutter der Gläubigen, Umm Salama: Sie fragte die Ehefrau Salama ibn Hišāms: „Was ist mit Salama geschehen? Warum sehe ich ihn nicht am Gemeinschaftsgebet mit dem Gesandten Allahs und den Muslimen teilnehmen?“ Salamas Ehefrau antwortete: „Bei Allah, er kann überhaupt nicht hinausgehen. Sobald er hinausgeht, sehen ihn die Menschen und rufen laut: ›O ihr Flüchtlinge! Ihr seid auf Allahs Weg geflohen!‹“ Aus diesem Grund blieb er zu Hause und ging nirgendwohin nach draußen. (Sīrat Ibn Hišām, Bd. 2, S. 382–383).
Der ehrwürdige Gesandte Allahs pflegte ihn als „Karrār“, also als den heftig angreifenden Kämpfer, anzureden. (Al-Iṣāba, Bd. 2, S. 69).
Während des Kalifats Abū Bakr aṣ-Ṣiddīqs nahm er am Feldzug nach Syrien, nach aš-Schām, teil. Im Verlauf dieses Feldzugs fiel er als Märtyrer in der Schlacht namens „Marǧ aṣ-Ṣufr“ oder „Marǧ ar-Rūm“, die im Monat Muḥarram des Jahres 14 nach der Hidschra während des Kalifats ʿUmars stattfand. Nach ʿUrwa, Mūsā ibn ʿUqba und Abū Zurʿa ad-Dimašqī fiel er jedoch als Märtyrer in der Schlacht von Aǧnādayn. (Al-Iṣāba, S. 269).
Dabaʿa, Salamas Mutter, sagte in einem Gedicht: „O Herr der ehrenvollen Kaaba, es gibt keinen Grund zur Sorge. Verleihe Salama den Sieg über jeden Feind. In unsicheren Unternehmungen hat er zwei Hände: Die eine tritt hervor, die andere ist freigebig.“ (Anṣāb al-ašrāf, Bd. 1, S. 208).
ʿĀmir ibn Rabīʿa
Sein Name war ʿĀmir, seine Kunya Abū ʿAbdullāh und sein Vater Rabīʿa. Seine Familie war mit Ḫaṭṭāb, dem Vater des ehrwürdigen ʿUmar, durch ein Schutz- oder Vertragsverhältnis verbunden. Ḫaṭṭāb liebte ihn so sehr, dass er ihn als Sohn annahm. Deshalb war ʿĀmir in seiner frühen Lebenszeit als ʿĀmir ibn al-Ḫaṭṭāb, also „ʿĀmir, der Sohn Ḫaṭṭābs“, bekannt. Als der Koran jedoch diesen Brauch abschaffte und jedem Menschen auftrug, sich nach seinem leiblichen Vater zu benennen, wurde auch der ehrwürdige ʿĀmir nicht mehr nach Ḫaṭṭāb, sondern nach seinem leiblichen Vater Rabīʿa benannt.
Aufgrund der erwähnten verwandtschaftlichen Beziehung bestand zwischen Hadhrat ʿĀmir und Hadhrat ʿUmar bis zum Ende ihres Lebens ein äußerst herzliches Verhältnis. Als Hadhrat ʿUmar nach Bayt al-Maqdis reiste, war Hadhrat ʿĀmir sein Reisegefährte. In dem Jahr, in dem Hadhrat ʿUmar Hadhrat ʿUthmān zu seinem Nachfolger bestimmt hatte und zur Hadsch aufbrach, war auch ʿĀmir bei ihm.
Hadhrat ʿĀmir gehörte zu den Glückseligen, die in der frühen Phase des Islams dem Ruf des Gesandten Allahs ﷺ folgten und den Islam annahmen, noch bevor Hadhrat Rasūl-e-Karīm ﷺ im Haus von Hadhrat al-Arqam ibn Abī al-Arqam Zuflucht suchte. Wegen des Konflikts und der Auseinandersetzung zwischen Schirk und Tauhīd sowie der Unterdrückung und Verfolgung durch die Ungläubigen konnte auch er nicht in Frieden in Mekka leben. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Hadhrat Laylā wanderte er auf der Suche nach Frieden und Sicherheit zweimal nach Abessinien aus. Ibn Ishāq berichtet: Die Ehefrau ʿĀmirs sagte: „Wir bereiteten uns auf die Auswanderung nach Abessinien vor. ʿĀmir war wegen einer Angelegenheit aus dem Haus gegangen. Da kam ʿUmar zu mir und blieb vor mir stehen. Zu jener Zeit hielt er noch am Schirk fest. Wir wurden von ihm bedrängt. ʿUmar sagte zu mir: ‚Mutter von ʿAbdullāh, was ist das? Bereitet ihr euch darauf vor, fortzugehen?‘ Ich antwortete: ‚Ja, wir werden von einem Land Allahs in ein anderes Land ziehen. Ihr habt uns große Qualen zugefügt und uns Unrecht getan. Nun wollen wir sehen, ob Allah einen Ausweg für uns eröffnet.‘ ʿUmar sagte: ‚Möge Allah euren Tag segnen.‘ Die Ehefrau ʿĀmirs sagte: ‚An jenem Tag sah ich ʿUmar so sanft wie nie zuvor.‘ ʿUmar ging fort. Unsere Auswanderung bereitete ihm großen Kummer. Als ʿĀmir nach Hause zurückkehrte, sagte ich zu ihm: ‚Vater von ʿAbdullāh, wenn du nur sehen könntest, wie traurig ʿUmar gerade war und wie viel Mitgefühl er für uns zeigte!‘ ʿĀmir sagte: ‚Hoffst du etwa, dass er den Islam annimmt?‘ Ich sagte: ‚Ja.‘ Er erwiderte: ‚Der Esel des Khattāb könnte den Islam annehmen; doch derjenige, den du gesehen hast, wird ihn nicht annehmen.‘“ (Hayāt as-Sahāba 1/356).
Hadhrat ʿĀmir رضي الله عنه kehrte aus Abessinien nach Mekka zurück und wanderte anschließend gemeinsam mit seiner Ehefrau erneut nach Medina aus. Ibn Ishāq sagt: Unter den Auswanderern kamen nach Abū Salama als Erste ʿĀmir ibn Rabīʿa und ʿAbdullāh ibn Jahsch nach Medina. (Hayāt as-Sahāba 1/363.) Nach Ansicht vieler ist dies jedoch nicht richtig. Vor ihnen erreichten noch einige andere Personen Medina. Richtig ist allerdings, dass seine Ehefrau Hadhrat Laylā die erste Frau war, die von Mekka nach Medina auswanderte.
Er war bei allen Schlachten, darunter Badr, Uhud und der Grabenschlacht, an der Seite des Gesandten Allahs ﷺ. Außerdem nahm er an zahlreichen kleineren Feldzügen teil. Unter Einsatz seines Lebens erfüllte er erfolgreich die Aufgabe, Allahs Botschaft beziehungsweise das Glaubensbekenntnis zu verkünden. Seinem Sohn ʿAbdullāh ibn ʿĀmir erzählte er häufig voller Stolz von seinen ruhmvollen Taten. Einmal sagte er im Verlauf eines Gesprächs: „Der Gesandte Allahs ﷺ schickte uns auf Feldzüge. Wegen unserer Armut gab er uns als Reiseproviant nur wenige Datteln. Anfangs erhielten wir jeweils eine Handvoll; dann wurde es immer weniger, bis wir schließlich bei nur einer einzigen Dattel angelangt waren.“ Hadhrat ʿAbdullāh fragte erstaunt: „Wie konntet ihr mit einer einzigen Dattel auskommen?“ Er antwortete: „Mein lieber Sohn, sag so etwas nicht. Wenn die Datteln aufgegessen waren, sehnten wir uns sogar nach dieser einen Dattel.“
Als gegen Ende des Kalifats Hadhrat ʿUthmāns die Fitna und die inneren Streitigkeiten ihren Höhepunkt erreichten, zog sich Hadhrat ʿĀmir رضي الله عنه in die Abgeschiedenheit zurück. Tag und Nacht war er mit Fasten, Gebet und Gottesdienst beschäftigt. Eines Nachts war er bis tief in die Nacht hinein im Gottesdienst versunken und wurde dabei ein wenig schläfrig. Im Traum sah er jemanden, der zu ihm sagte: „Steh auf und bete zu Allah, dass Er dich vor dieser Fitna bewahrt, so wie Er Seine anderen frommen Diener bewahrt hat.“ Hadhrat ʿĀmir setzte sich sofort auf. Nach diesem Ereignis nahm sein Rückzug und sein Gottesdienst noch weiter zu. Von da an sah ihn niemand mehr das Haus verlassen. In diesem Zustand wurde er krank und verstarb wenige Tage nach dem Märtyrertod Hadhrat ʿUthmāns. Wegen seines übermäßigen Rückzugs wusste niemand, wann er erkrankt oder wann er gestorben war. Als die Menschen plötzlich sein Totengebet sahen, waren sie erstaunt.
Musʿab ibn az-Zubair sagt: ʿĀmir starb im Jahr 32 nach der Hidschra. Nach Abū ʿUbaida fiel sein Todesjahr in das Jahr 37 nach der Hidschra. Al-Wāqidī sagt, dass er kurze Zeit nach dem Märtyrertod Hadhrat ʿUthmāns starb. (Al-Isāba 2/249).
Über Hadhrat ʿAbdullāh ibn ʿUmar, ʿAbdullāh ibn az-Zubair, Abū Umāma ibn Sahl und andere überlieferte er Hadithe des Gesandten Allahs ﷺ, die in verschiedenen Hadith-Sammlungen, darunter denen von Buchārī und Muslim, überliefert wurden.
Es wird von ʿĀmir ibn Rabīʿa berichtet: Ein Araber kam zu ihm. ʿĀmir erwies ihm große Ehre. Der Mann erzählte dies dem Gesandten Allahs ﷺ. Anschließend kam er zurück und sagte zu ʿĀmir: „Ich habe den Gesandten Allahs ﷺ um den Besitz eines Tals gebeten, für das es in Arabien kein besseres zweites gibt. Ich beabsichtigte, Ihnen einen Teil davon zu schenken, damit er Ihnen und Ihren Nachkommen von Nutzen sei.“ ʿĀmir sagte: „Ich habe keinen Bedarf an diesem Land von dir.“ Aus diesem Anlass wurde folgender Koranvers offenbart: „Die Abrechnung der Menschen ist nahegerückt, doch sie wenden sich weiterhin achtlos ab und weisen sie zurück.“ (Sure al-Anbiyāʾ, 1.) ʿĀmir sagte: „Dieser Vers löst unsere innere Bindung an die Welt.“ (Al-Isāba 2/251–252).
Uthman ibn Talha (möge Allah mit ihm zufrieden sein)
Sein Name war Uthman, der Name seines Vaters Talha ibn Abi Talha und der Name seiner Mutter Umm Sa’id Salama. Er stammte aus dem Zweig Banu Amr des mekkanischen Stammes Quraisch. In der vorislamischen Zeit war er der Hajib, also der Aufseher der heiligen Kaaba, und verwahrte ihren Schlüssel. Auch in der islamischen Zeit übte er diese Aufgabe aus. (Usud al-Ghaba, 3/372).
Uthmans ibn Talhas Vater Talha, seine drei Brüder Musafih, Kilab und Harith sowie sein Onkel Uthman ibn Abi Talha wurden in der Schlacht von Uhud als Ungläubige von den Muslimen getötet. Sein Vater Talha kämpfte gegen Hazrat Ali (möge Allah mit ihm zufrieden sein). Ali (möge Allah mit ihm zufrieden sein) schickte ihn mit einem einzigen Schwerthieb in die Hölle. (Sira Ibn Hischam, Band 1, Anmerkung Nr. 3, S. 470).
Über Uthman ibn Talhas Leben vor dem Islam ist nur sehr wenig bekannt. Auch darüber, ob er sich vor seiner Annahme des Islam in Mekka an der Verfolgung und Misshandlung der Muslime beteiligte, finden sich in der Geschichte kaum Angaben. Eine Begebenheit ist bekannt: Nachdem Hazrat Musab ibn Umair (möge Allah mit ihm zufrieden sein) in Mekka im Dar al-Arqam heimlich den Islam angenommen hatte, verrichtete er seine Gebete im Verborgenen. Eines Tages bemerkte Uthman ibn Talha dies und berichtete es seiner Mutter und seinem Stamm. Daraufhin nahmen sie Musab gefangen und misshandelten ihn. (Hayat as-Sahaba, 1/301).
Bei der Erörterung der Auswanderung von Hazrat Umm Salama (möge Allah mit ihr zufrieden sein) von Mekka nach Medina erwähnen die Sira-Gelehrten immer wieder den Namen Uthman ibn Talhas. Der Vorfall verlief kurz zusammengefasst so: Als Hazrat Umm Salama (möge Allah mit ihr zufrieden sein), nachdem sie den Händen der Quraisch in Mekka entkommen war, allein nach Medina aufgebrochen war, um zu ihrem Ehemann Abu Salama (möge Allah mit ihm zufrieden sein) zu gelangen, und Tan’im unweit von Mekka erreicht hatte, trat dieser Uthman ibn Talha auf sie zu und fragte: „Tochter des Abu Umayya, wohin willst du?“ Sie antwortete: „Zu meinem Ehemann nach Medina.“ Uthman fragte: „Ist sonst niemand bei dir?“ Umm Salama antwortete: „Außer meinem kleinen Kind Salama ist niemand bei mir.“ Daraufhin nahm Uthman den Strick von Umm Salamas Kamel und ging zu Fuß weiter, bis er sie zur Siedlung der Banu Amr ibn Auf in Quba am Stadtrand von Medina brachte. Dort sagte er zu Umm Salama: „Tritt im Namen Allahs ein; dein Ehemann ist hier.“ Danach machte sich Uthman wieder auf den Weg nach Mekka. (Sira Ibn Hischam, 1/469–470).
Als Hazrat Umm Salama (möge Allah mit ihr zufrieden sein) nach Medina auswanderte, war Uthman noch kein Muslim.
Über den Zeitpunkt, zu dem Uthman ibn Talha den Islam annahm, gibt es unterschiedliche Auffassungen. Nach einer Meinung geschah dies zur Zeit des Friedensvertrags von Hudaybiyya, nach einer anderen im achten Jahr der Hidschra und nach einer weiteren am Tag der Eroberung Mekkas. In einigen Überlieferungen heißt es, dass er noch vor der Eroberung Mekkas, im achten Jahr der Hidschra, gemeinsam mit Hazrat Khalid ibn al-Walid und Hazrat Amr ibn al-As nach Medina ging. Als ich den Entschluss fasste, den Islam anzunehmen, dachte ich bei mir: Mit wem soll ich zum Gesandten Allahs gehen? Ich besprach die Angelegenheit mit Safwan ibn Umayya. Er wies meinen Vorschlag entschieden zurück und sagte: „Selbst wenn niemand bei mir bleibt, werde ich ihm niemals folgen.“ Danach ging ich zu Ikrima ibn Abi Dschahl und sagte ihm dasselbe. Auch er antwortete wie Safwan. Dann traf ich Uthman ibn Talha und sagte: „Unsere Lage gleicht jetzt der eines Schakals, der sich in einer Höhle befindet, während Wasser in diese Höhle gegossen wird. Früher oder später muss er herauskommen.“ Uthman verstand meine Worte, stimmte mir zu und äußerte denselben Wunsch wie ich. Ich sagte: „Morgen früh breche ich nach Medina auf.“ Daraufhin beschlossen wir, am nächsten Morgen getrennt voneinander einen Ort namens Yazuj, drei Meilen von Mekka entfernt, zu erreichen und von dort gemeinsam weiterzureisen. Wer zuerst einträfe, sollte auf den anderen warten. Noch vor Tagesanbruch erreichten wir Yazuj und brachen auf. Als wir den Ort Hadda erreichten, trafen wir Amr ibn al-As. Im Gespräch erfuhren wir, dass auch er aus demselben Grund aufgebrochen war. Daraufhin kamen wir drei gemeinsam in Medina an und begaben uns zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm). Zuerst ich, dann Uthman und Amr leisteten dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) den Treueid. Es war der Monat Safar im achten Jahr der Hidschra. (Hayat as-Sahaba, 1/161–162). Der Dichter Abdullah ibn az-Zibara verfasste damals zur Begrüßung Talhas Annahme des Islam eine Kasida. Einen Teil davon nahm Ibn Hischam in sein Sira-Werk auf (Sira, 2/278). Einer anderen Überlieferung zufolge nahm Uthman zur Zeit des Friedensvertrags von Hudaybiyya den Islam an und ging gemeinsam mit Khalid und Amr nach Medina. (Al-Isaba, 3/460). Andererseits lassen verschiedene Überlieferungen über die Eroberung Mekkas erkennen, dass Uthman am Tag der Eroberung Mekkas den Schlüssel der Kaaba vom Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) erhielt und an jenem Tag den Islam annahm. Dadurch könnte zunächst die Frage entstehen, ob der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) nach der Eroberung Mekkas einem Nichtmuslim den Schlüssel der Kaaba übergeben konnte. Die Übergabe des Schlüssels scheint darauf hinzudeuten, dass er den Islam bereits zuvor angenommen hatte. Doch auch dann stellt sich die Frage: Der Schlüssel der Kaaba befand sich schon vor der Eroberung Mekkas bei Uthman. Wäre es möglich gewesen, dass sich der Schlüssel der Kaaba vor der Eroberung Mekkas in den Händen eines Muslims befand und die Quraisch dies akzeptierten? Diese Fragen könnten folgendermaßen beantwortet werden: Er ging bereits zuvor gemeinsam mit Khalid und Amr nach Medina, bekannte sich zum Islam und kehrte anschließend nach Mekka zurück. Die Bewohner Mekkas wussten davon jedoch möglicherweise nichts. (Asahh as-Siyar, 304–306).
Von der vorislamischen Zeit bis zur Eroberung Mekkas oblagen Uthman die Aufsicht über die Kaaba und die Verwahrung ihres Schlüssels. Am Tag der Eroberung Mekkas bat Hazrat der edle Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) ihn um den Schlüssel, um das Innere der Kaaba zu betreten. Als Uthman nach Hause ging und seine Mutter um den Schlüssel bat, weigerte sie sich, ihn herauszugeben. Wahrscheinlich hatte auch Uthmans Mutter zu jener Zeit den Islam noch nicht angenommen. Uthman hob sein gezogenes Schwert und zwang seine Mutter, ihm den Schlüssel zu geben; anschließend überreichte er ihn Hazrat dem edlen Gesandten Allahs. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) öffnete die Tür und betrat das Innere der Kaaba. Uthman war ebenfalls bei ihm. Die Tür wurde von innen verschlossen. Nachdem die Kaaba gereinigt und von allem Unreinen gesäubert worden war, kam der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) wieder heraus. Danach setzte sich der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) in die Moschee. Ali (möge Allah mit ihm zufrieden sein) kam mit dem Schlüssel der Kaaba in der Hand, trat vor und sagte: „O Gesandter Allahs, übergib uns den Schlüssel zur Verwahrung. Übertragt von nun an sowohl die Siqaya als auch die Hijaba – die Versorgung der Pilger mit Wasser und die Betreuung der Kaaba – den Banu Haschim.“
Saʿīd ibn al-Musayyib berichtet: An jenem Tag versuchte al-ʿAbbās ibn ʿAbd al-Muṭṭalib, den Schlüssel zur Kaaba an sich zu nehmen, und einige weitere Angehörige der Banū Hāschim unterstützten ihn dabei. Die Verantwortung für die Versorgung mit Wasser, die Siqāya, war bereits zuvor al-ʿAbbās übertragen worden.
Angesichts dieser Forderung der Banū Hāschim sagte der ehrwürdige Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm: „Wo ist ʿUthmān ibn Ṭalḥa?“ Als ʿUthmān gerufen wurde, übergab ihm der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nach einer anderen Überlieferung ʿUthmān und seinem Cousin Schaiba den Schlüssel und sagte: „Hier ist dein Schlüssel. Von nun an wird dieser Schlüssel für immer in euren Händen bleiben. Wer versucht, ihn euch aus den Händen zu reißen, wird ein Unterdrücker sein.“ (Sīrat Ibn Hišām, 2/411–412)
Ibn Saʿd schreibt: Der Schlüssel zur Kaaba war bereits zuvor der Verantwortung von ʿUthmān ibn Ṭalḥa anvertraut. Jeden Montag und Donnerstag öffnete er die Tür der Kaaba. Einmal bat ihn der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die Tür an einem anderen Tag zu öffnen. Doch er lehnte dies mit großer Entschiedenheit ab. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte an jenem Tag: „O ʿUthmān, es wird ein Tag kommen, an dem dieser Schlüssel in meiner Verfügungsgewalt sein wird und ich ihn demjenigen anvertrauen werde, dem ich will.“ ʿUthmān sagte: „Wahrscheinlich wird an jenem Tag die gesamte Quraisch-Sippe ausgelöscht sein.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, wies seine Worte zurück und sagte: „Nein, vielmehr wird jener Tag der Tag der wahren Würde und Ehre der Quraisch sein.“ Als daher am Tag der Eroberung von Mekka ʿUthmān den Schlüssel aus der Hand des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nahm und fortging, rief er ʿUthmān erneut zurück und erinnerte ihn an jenes frühere Ereignis. Da sagte ʿUthmān: „O Gesandter Allahs, gewiss bist du der Gesandte Allahs.“
Noch heute befindet sich der Schlüssel zur Kaaba in den Händen von Angehörigen des Schaibī-Stammes in Mekka. Dieser Schaibī-Stamm stammt von Schaiba ibn ʿUthmān ibn Abī Ṭalḥa ab, dem Cousin des ehrwürdigen ʿUthmān ibn Ṭalḥa, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm. Dieser Schaiba ibn ʿUthmān nahm während der Schlacht von Hunain den Islam an. Sein Vater, ʿUthmān ibn Abī Ṭalḥa, wurde in der Schlacht von Uhud als Ungläubiger von den muslimischen Streitkräften getötet. Seine Mutter war Umm Ǧamīl Hind bint ʿUmair, die Schwester des bekannten Gefährten Musʿab ibn ʿUmair, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, der in der Schlacht von Uhud den Märtyrertod erlitt. Nach einer Überlieferung des Historikers al-Wāqidī übergab der ehrwürdige Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, am Tag der Eroberung von Mekka den Schlüssel zur Kaaba Schaiba und ʿUthmān gemeinsam. Damals befand sich der Schlüssel in den Händen von ʿUthmān ibn Ṭalḥa ibn Abī Ṭalḥa. Nach seinem Tod nahm ihn sein Cousin Schaiba ibn ʿUthmān ibn Abī Ṭalḥa entgegen. Seit jener Zeit befindet sich der Schlüssel zur Kaaba in den Händen seiner männlichen Nachkommen. (Aṣaḥḥ as-Siyar, S. 305)
Nach der Eroberung von Mekka zog der ehrwürdige ʿUthmān ibn Ṭalḥa, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, nach Medina und blieb dort bis zum Tod des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Nach dem Tod des Gesandten Allahs kehrte er wieder nach Mekka zurück, um die Verantwortung für die Aufbewahrung des Schlüssels zur Kaaba zu übernehmen, und starb dort im Jahr 42 nach der Hidschra. Nach einer anderen Überlieferung erlitt er jedoch zu Beginn der Kalifenzeit des ehrwürdigen ʿUmar, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, in der Schlacht von Aǧnādayn den Märtyrertod. (Sīrat Ibn Hišām, 1, Anmerkung 3, S. 470)
Ein Beweis für den Anstand, die Höflichkeit und die edle Moral des ehrwürdigen ʿUthmān ibn Ṭalḥa findet sich im Zusammenhang mit der Auswanderung der ehrwürdigen Umm Salama. Bei seinem Lob sagte Umm Salama: „Bei Allah, ich habe in Arabien niemals einen höflicheren Menschen als ihn gesehen. Wenn er mit mir einen Rastplatz erreichte, ließ er das Kamel sich für mich zum Absteigen niederknien und trat zurück. Nachdem ich aus der Sänfte des Kamels ausgestiegen und mich ein wenig entfernt hatte, kehrte er zurück, band das Kamel an einen Baum und legte sich unter einem Baum etwas von mir entfernt nieder. Wenn es wieder Zeit zur Weiterreise war, bereitete er das Kamel vor, führte es in meine Nähe und trat zurück, wobei er sagte: ‚Steig auf das Kamel.‘ Nachdem ich richtig auf dem Rücken des Kamels Platz genommen hatte, kehrte er zurück, ergriff den Zügel und setzte sich in Bewegung. Auf diese Weise brachte er mich nach Medina.“ (Sīrat Ibn Hišām, 1/469–470; Ḥayāt aṣ-Ṣaḥāba, 1/358–359) Dies war die praktische Ausprägung der moralischen Haltung des ehrwürdigen ʿUthmān ibn Ṭalḥa, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, in seinem Leben vor dem Islam.
Ḥaǧǧāǧ ibn ʿIlāṭ, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm
Sein Name war Ḥaǧǧāǧ, seine Kunya beziehungsweise sein Beiname Abū Qilāba, nach einer anderen Überlieferung Abū Muḥammad und Abū ʿAbdullāh. Sein Vater war ʿIlāṭ ibn Ḫālid. Er stammte aus dem Stamm Banū Sulaim.
Ibn Saʿd berichtet: Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in Chaibar war, kam er zu ihm, nahm den Islam an und ließ sich anschließend in Medina nieder. Von Ibn Schihāb wird überliefert: Er war der erste, der die Wahrhaftigkeit der Prophetenschaft des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, anerkannte und ihm jemanden sandte. (Al-Isāba 1/313)
Über seine Annahme des Islam findet sich in der Geschichte eine erstaunliche Begebenheit. Ibn Abī ad-Dunyā überliefert sie in seinem Werk „Hawātif al-Dschinn“, und Ibn ʿAsākir überliefert sie von Wāthila ibn al-Asqaʿ, möge Allah mit ihm zufrieden sein. Er berichtet: Die Annahme des Islam durch Haddschādsch ereignete sich folgendermaßen: Er war mit einer Karawane auf dem Weg nach Mekka. Als es in einem einsamen, unheimlichen Tal Nacht wurde, gerieten sie in große Angst. Haddschādschs Gefährten baten ihn: „Abū Kilāb, bleib die Nacht über wach und sitzend, und bete um Sicherheit für dich und deine Gefährten.“ Haddschādsch übernahm die Wache und wiederholte im Wachzustand die folgenden Worte:
Uʿīdh nafsī wa-uʿīdhu ṣaḥbī,
min kulli dschinniyyin bihādhā an-naqbī,
ḥattā awba sāliman wa-rakbī.
Ich suche für mich und meine Gefährten Schutz vor allen Dschinn dieses Gebirgspasses, damit ich und meine Karawane sicher zurückkehren können.
Während er diese Worte wiederholte, hörte er plötzlich aus dem Unsichtbaren die Stimme jemandes, der die folgenden Verse des Korans rezitierte:
„O ihr Dschinn und Menschen! Wenn ihr die Grenzen der Himmel und der Erde überschreiten könnt, dann überschreitet sie! Doch ihr werdet es ohne eine Macht nicht können.“ – Sure ar-Rahmān, 33.
Als sie Mekka erreichten, erzählten sie den Quraisch in deren Versammlungsstätte von dem Vorfall. Die Quraisch sagten: „Abu Kilab, wie wir sehen, bist auch du vom Glauben abgefallen. Das sind doch genau jene Worte, die nach Muhammads Behauptung auf ihn herabgesandt werden.“ Hajjaj erwiderte: „Bei Allah, genau diese Worte haben meine Gefährten und ich gehört.“ Während dieses Gesprächs erschien ʿĀṣ ibn Wāʾil. Die Leute sagten zu ihm: „Abu Hischām, hast du gehört, was dieser Abu Kilab sagt?“ Als er nach der Sache fragte, informierten sie ihn darüber. Nachdem er alles gehört hatte, sagte er: „Was ist daran verwunderlich? Sie haben es von Muhammad gehört und sprechen es durch dessen Mund aus.“ (Hayāt as-Sahāba 3/576–577).
Hajjajs Ehefrau lebte zu jener Zeit noch in Mekka, und auch sein gesamtes Vermögen befand sich dort. Nach seiner Annahme des Islam sah er sich veranlasst, dieses Vermögen nach Medina zu bringen. Andernfalls würden die Quraisch, sobald sie von seiner Konversion erfuhren, alles an sich nehmen. Auch die Götzendiener von Mekka waren ihm gegenüber misstrauisch. Sein Geld und seine Besitztümer ließen sich zudem nicht ohne Weiteres aus Mekka fortschaffen. Deshalb ging Hajjaj nach Mekka und verbreitete das Gerücht, Muhammad (s.a.w.) sei in Chaibar besiegt worden.
Innerhalb kürzester Zeit verbreitete sich die Nachricht in der ganzen Stadt. Um die Götzendiener von Mekka auf diese Weise zu erfreuen, sagte er: „Das gesamte Hab und Gut Muhammads (s.a.w.) wird verkauft. Ich möchte es kaufen, bevor die anderen Händler eintreffen. Viele Menschen in Mekka schulden mir Geld. Wenn ihr euch ein wenig bemüht, lässt es sich leicht eintreiben.“ Die Bewohner Mekkas machten sich für diese gute Sache mit aller Kraft ans Werk. Durch ihre Bemühungen und ihre Vermittlung trieben sie seine ausstehenden Forderungen ein. Der geehrte Onkel des Gesandten (s.a.w.), Abbas (r.a.), befand sich damals in Mekka. Er hörte in seinem Haus alles mit an. Derart schmerzte ihn die Nachricht, dass er sein Haus nicht einmal verließ, um ihre Wahrheit oder Falschheit zu überprüfen. Er ließ Hajjaj durch einen Jungen zu sich rufen. Als Hajjaj kam, eröffnete er Abbas (r.a.) die wahre Sachlage. Er sagte: „Ich habe diese Nachricht verbreitet, um meine ausstehenden Forderungen einzutreiben. Ich selbst habe den Islam angenommen. Wenn die Bewohner Mekkas davon erfahren, werden sie mir nicht einmal eine einzige Münze von dem geben, was mir zusteht. Durch Allahs Willen befindet sich der Gesandte (s.a.w.) in Sicherheit. Das muslimische Heer hat Chaibar besiegt, und der Gesandte (s.a.w.) hat die Tochter des Anführers von Chaibar, Huyayy ibn Akhtab, geheiratet und lebt mit ihr als Ehefrau zusammen. Veröffentlichen Sie diese geheime Nachricht niemandem gegenüber, bis ich mich dem Machtbereich der Quraisch entzogen habe.“
Gemäß seinem Versprechen schwieg Abbas (r.a.) drei volle Tage. Am vierten Tag, als er sicher war, dass Hajjaj sich außerhalb der Reichweite der Bewohner Mekkas befand, wechselte er seine Kleidung, ging zu Hajjajs Haus und teilte dessen Ehefrau den wahren Sachverhalt mit. Danach begab er sich zum Bereich der Kaaba. Dort wurde bereits über diese Angelegenheit gesprochen. Er sagte zu den Leuten: „Muhammad (s.a.w.) hat Chaibar erobert, und die Tochter Huyayy ibn Akhtabs ist nun seine Ehefrau. Die Anführer der Banū Abī al-Huqayq, also die Anführer Yathribs, sind enthauptet worden. Hajjaj hat euch getäuscht und sich mit seinem Geld und Besitz davongemacht.“ Die Leute fragten: „Von wem haben Sie diese Dinge gehört?“ Er antwortete: „Von Hajjaj.“ Als die Leute Hajjajs Ehefrau fragten, bestätigte auch sie dies. Am fünften Tag traf auch aus Medina die Nachricht ein. Doch nun konnten sie nichts mehr unternehmen. Die Beute war außerhalb ihrer Reichweite. Sie verstummten. (Ibn Saʿd 4/2, S. 14–15).
Hajjaj nahm den Islam wenige Tage vor der Schlacht von Chaibar an. In dieser Schlacht schloss er sich erstmals dem muslimischen Heer an. Zur Zeit der Eroberung Mekkas befand er sich außerhalb Medinas. Der edle Gesandte Allahs (s.a.w.) fasste den Entschluss zum Feldzug und ließ ihn nach Medina rufen. Am Tag der Eroberung Mekkas zog der ehrwürdige Chālid ibn al-Walīd (r.a.) mit einem Heer von eintausend Soldaten auf dem Weg der Banū Sulaym in Mekka ein. In diesem Heer trugen ʿAbbās ibn Mirdās, Chufāf ibn Nudba und Hajjaj ibn ʿIlāt jeweils eines von drei Bannern. (Hayāt as-Sahāba 1/167).
Hajjaj war ein wohlhabender Mann. Es gelang ihm sogar, sein gesamtes Vermögen aus Mekka fortzuschaffen. In Medina ließ er für sich ein Haus und eine Moschee errichten. (Al-Isāba 327).
Über den Zeitpunkt seines Todes gibt es zwei Überlieferungen. Einer Ansicht zufolge starb er zu Beginn des Kalifats von Umar al-Fārūq (r.a.). Einer anderen Ansicht zufolge fiel er als Märtyrer in der Kamelschlacht, die zwischen Ali (r.a.) und ʿĀʾischa stattfand. Die erste Überlieferung ist zuverlässiger. In der Kamelschlacht fiel nicht Hajjaj, sondern sein Sohn als Märtyrer.
Qudāma ibn Maẓʿūn (r.a.)
Sein Name war Qudama, seine Kunya beziehungsweise sein Beiname Abu Umar. Sein Vater war Majun ibn Habib und seine Mutter Sukha ila bint al-Anbas. (Anmerkung: Sīrat Ibn Hischām 1/253).
Er stammte aus dem Clan Banū Dschumah des Stammes der Quraisch. Safiyya bint al-Chattab, die Schwester von Umar, war seine Ehefrau.
Qudama nahm bereits in der Frühzeit des Islam den Islam an. Zu denjenigen, die auf den Aufruf von Abu Bakr as-Siddiq zum Islam übertraten, gehörten unter anderem Uthman ibn Mazun und dessen beide Brüder Qudama und Abdullah. Er gehörte zu denjenigen, die zwei Hidschras vollzogen. Nach seinem Übertritt zum Islam wanderte er zunächst gemeinsam mit seinen beiden Brüdern nach Abessinien aus. Später hörten viele von ihnen ein falsches Gerücht, wonach alle Bewohner Mekkas den Islam angenommen hätten, und kehrten aus Abessinien nach Mekka zurück. Zu diesen Rückkehrern gehörte auch Qudama. (Sīrat Ibn Hischām 1/367).
Nach seiner Rückkehr aus Abessinien ließ Qudama sich in Mekka nieder. Vor der Schlacht von Badr wanderte er erneut nach Medina aus und erhielt das Glück, an Badr teilzunehmen. Danach nahm er an allen Schlachten teil, darunter Uhud und der Grabenkampf.
Der Kalif Umar ernannte Qudama zum Statthalter von Bahrain. Während seiner Amtszeit wurde er des Weintrinkens beschuldigt, und gegen ihn wurde die vorgeschriebene Strafe für Weintrinken, der Had, verhängt. Vor Umar gestand er sein Vergehen nicht ein. Obwohl seine Verteidigung als Gefährte von Badr glaubwürdig war, wurde sein Vergehen für Umar aufgrund von Zeugenaussagen und Beweisen erwiesen. Deshalb vollzog der Kalif an ihm den Had. Der Bericht über das Ereignis besagt, dass eines Tages Dscharud, der Anführer der Banū Abd al-Qais, vor Umar erschien und Qudama des Weintrinkens beschuldigte. Der Kalif fragte Dscharud: „Gibt es außer dir noch einen Zeugen für dieses Ereignis?“ Dscharud benannte Abu Huraira als Zeugen. Umar ließ Abu Huraira rufen und befragte ihn. Abu Huraira sagte: „Ich habe Qudama nie Wein trinken sehen, aber ich habe gesehen, wie er sich in betrunkenem Zustand erbrach.“ Umar sagte: „Allein durch diese Aussage ist das Vergehen nicht erwiesen.“ Zur weiteren Untersuchung ließ er Qudama aus Bahrain nach Medina rufen. Qudama traf in Medina ein. Dscharud forderte den Kalifen erneut auf, den Had an Qudama zu vollziehen. Umar fragte ihn: „Bist du Zeuge oder Kläger?“ Dscharud antwortete: „Zeuge.“ Der Kalif sagte: „Du hast deine Pflicht erfüllt; nun schweige.“ Darauf drängte Dscharud den Kalifen erneut, den Had zu vollziehen. Wegen dieses übermäßigen Drängens kamen Umar Zweifel. Er sagte zu Dscharud: „Zügle deine Zunge, sonst warne ich dich.“ Dscharud erwiderte dem Kalifen: „Umar, dein Cousin hat Wein getrunken, und du weist stattdessen mich zurecht – das ist wahrlich keine Gerechtigkeit.“ Darauf sagte Abu Huraira zum Kalifen: „O Befehlshaber der Gläubigen, wenn du an unserer Zeugenaussage zweifelst, kannst du Qudamas Ehefrau, Hinda, die Tochter von al-Walid, rufen und befragen.“ Umar ließ sie rufen. Auch sie legte gegen ihren Ehemann Zeugnis ab.
Nun kamen Umars Aufrichtigkeit und sein Gerechtigkeitssinn zum Vorschein. Er sagte zu Qudama: „Qudama, mach dich bereit, die Strafe entgegenzunehmen.“ Qudama erwiderte: „Selbst wenn man aufgrund ihrer Zeugenaussagen annimmt, dass ich Wein getrunken habe, hast du dennoch kein Recht, den Had an mir zu vollziehen.“ Umar fragte: „Warum nicht?“ Qudama rezitierte ihm den elften Vers der Sure al-Maida aus dem Heiligen Koran. Allah sagt: „Diejenigen, die glauben und rechtschaffene Werke tun, trifft keine Sünde wegen dessen, was sie gegessen haben, wenn sie gottesfürchtig sind, glauben und rechtschaffene Werke tun.“ (Sure al-Maida 11).
Umar sagte: „Qudama, du verdrehst die Bedeutung dieses Verses. Wenn du Allah gefürchtet hättest, hättest du dich gewiss von Verbotenem ferngehalten.“ Qudama war damals krank. Deshalb beriet sich der Kalif mit den anderen Gefährten und setzte die Vollstreckung des Had beziehungsweise die Bestrafung für einige Zeit aus. Doch nachdem das Vergehen erwiesen war, war es für Umar unerträglich, den Had aufzuschieben. Er beriet sich ein zweites Mal mit den Gefährten. Auch diesmal sprachen sich alle dafür aus, den Had aufzuschieben. Der Kalif Umar sagte jedoch: „Dass ich Allah begegne und diese Last auf meinen Schultern liegt, ist mir weniger lieb, als dass er unter den Peitschenhieben stirbt.“ Er zögerte nicht länger. Noch während Qudama krank war, vollzog er an ihm den Had und brach alle Beziehungen zu ihm ab.
Einige Zeit nach diesem Ereignis verrichteten die beiden gemeinsam die Haddsch. Auf dem Rückweg nach Medina schlief Umar an einem Ort ein und erhielt im Traum die Anweisung, seine Beziehung zu Qudama wieder zu normalisieren. Sobald er erwachte, ließ er Qudama zu sich rufen. Qudama weigerte sich jedoch zu kommen. Umar schickte ein zweites Mal jemanden zu ihm und ließ ihm sagen: „Wenn du nicht freiwillig kommst, wirst du gewaltsam herbeigebracht.“ Qudama kam. Der Kalif begann das Gespräch. Danach normalisierte sich die Beziehung zwischen den beiden wieder.
Es wird berichtet, dass nach dem Tod des ehrwürdigen Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, außer Qudama kein einziger Gefährte von Badr wegen des Vorwurfs des Weintrinkens bestraft wurde. (Al-Isaba 3/229).
Über das Todesjahr des ehrwürdigen Qudama gibt es unterschiedliche Auffassungen. Nach der verbreitetsten Ansicht verstarb er im Jahr 36 nach der Hidschra, im Alter von 68 Jahren, während des Kalifats des ehrwürdigen Ali. Einer anderen Auffassung zufolge war sein Todesjahr das Jahr 56 nach der Hidschra.
Hischam ibn al-As, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm
Sein Name war Hischam, seine Kunya beziehungsweise sein Beiname Abu al-As und Abu Mutī. Ibn Hibban sagt: In der vorislamischen Zeit lautete Hischams Kunya Abu al-As, das heißt „Vater des Ungehorsamen“. Nach seiner Annahme des Islams änderte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sie in Abu Mutī – „Vater des Gehorsamen“. (Al-Isaba 2/604.) Sein Vater war al-As ibn Wa’il. Er gehörte dem Clan Banu Sahm des Stammes Quraisch an. Er war der jüngere Bruder des berühmten Gefährten Amr ibn al-As, des Eroberers Ägyptens.
Glück oder Unglück hängt nicht vom Altersunterschied ab. Obwohl Hischam jünger als Amr war, war er glückseliger als sein älterer Bruder. Während Amr noch in der Finsternis des Götzendienstes versank, strahlte auf Hischams Stirn bereits das Licht des Islams. Schon in der Anfangszeit der islamischen Verkündigung in Mekka nahm er den Islam an und zog, bedrängt durch die Verfolgung der Mekkaner, mit einer Karawane der Auswanderer nach Abessinien. Nachdem er dort einige Zeit geblieben war, hörte er das falsche Gerücht, die Mekkaner hätten den Islam angenommen. Daraufhin kehrte auch er mit vielen anderen nach Mekka zurück. Von dort aus plante er erneut die Auswanderung nach Medina, wurde jedoch von seinem Vater und den Angehörigen seiner Familie gefangen genommen.
Über dieses Ereignis wird in verschiedenen Sira-Werken eine Überlieferung von Umar ibn al-Chattab angeführt. Er sagte: „Wir beschlossen, nach Medina auszuwandern. Ich, Ayyasch ibn Rabi’a und Hischam ibn al-As vereinbarten bei dem Brunnen namens Udāt der Banu Ghifar im Tal Tandub, sechs Meilen von Mekka entfernt, dass jeder von uns am nächsten Morgen hier eintreffen sollte. Wer ausbliebe, würde gewiss gefangen genommen werden. Ayyasch und ich erschienen pünktlich; Hischam jedoch wurde gefangen genommen und misshandelt. Wir erreichten Medina und wurden Gäste bei den Banu Amr ibn Awf in Quba. Unterdessen kamen Abu Dschahl ibn Hischam und al-Harith ibn Hischam nach Medina, um Ayyasch zurückzuholen. Beide waren Ayyaschs Cousins väterlicherseits und stammten alle von derselben Mutter ab. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, befand sich damals in Mekka. Sie sagten zu Ayyasch: ‚Deine Mutter hat geschworen, dass sie ihr Haar nicht kämmen und keinen Schatten aufsuchen werde, bevor sie dich nicht gesehen hat. Komm mit uns zurück.‘ Ayyaschs Herz wurde weich gegenüber seiner Mutter.
Umar sagte: Ich bat ihn wiederholt, nicht mit ihnen zurückzugehen. Doch schließlich machte sich Ayyasch mit ihnen auf den Weg nach Mekka. Nachdem sie ein Stück Weg zurückgelegt hatten, fesselten sie Ayyasch und brachten ihn unter Misshandlungen nach Mekka. Dort wurde er gefangen gehalten.
Umar sagte: Damals pflegten wir in Medina zu sagen, dass Allah die Reue derjenigen, die sich auf diese Weise einer Gefahr ausgesetzt hatten, nicht annehmen werde. Danach kam der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, nach Medina, und folgender Koranvers wurde offenbart:
Sprich: O Meine Diener, die ihr gegen euch selbst Unrecht begangen habt! Verzweifelt nicht an Allahs Barmherzigkeit. Allah wird alle Sünden vergeben. Wahrlich, Er ist der Allvergebende, der Barmherzige.
Umar sagt: Ich schrieb den Vers auf und sandte ihn heimlich nach Mekka zu Hischam. Hischam sagt: Ich pflegte diesen Vers am Ort „Dhi-Tuwa“ in Mekka zu lesen, verstand jedoch nichts davon. Schließlich bat ich Allah im Duʿa darum, mir das Verständnis dafür zu gewähren. Dann verstand ich, dass dieser Vers ihretwegen offenbart worden war. Danach gelangte ich in Medina zum Gesandten Allahs (s). (Hayatus-Sahaba-1/345–346; Sīrat Ibn Hischam-1/474–476; al-Isaba-3/604).
Ibn Hischam sagt: Ein vertrauenswürdiger Mann berichtete mir, dass der Gesandte Allahs (s) eines Tages in Medina sagte: „Wer von euch kann mir in der Angelegenheit von Ayyasch ibn Rabi’a und Hischam ibn al-As helfen?“ Walid ibn al-Walid ibn al-Mughira sagte: „O Gesandter Allahs, ich werde dir in ihrer Angelegenheit helfen.“ Daraufhin brach er nach Mekka auf. Heimlich betrat er Mekka und sah eine Frau, die Essen trug. Er fragte sie: „O Dienerin Allahs, wohin gehst du?“ Sie antwortete: „Ich gehe zu diesen beiden Gefangenen“, nämlich zu Ayyasch und Hischam. Walid folgte der Frau und machte so den Ort des Gefängnisses ausfindig. Die beiden waren in einem Raum ohne Dach gefesselt. Als es Nacht wurde, überstieg Walid die Mauer, gelangte zu ihnen und durchtrennte ihre Fesseln mit einem Stein. Danach kamen alle drei gemeinsam heraus, bestiegen Walids Kamel und flohen nach Medina. Als ihr einziges Reittier stolperte, wurde Walids Finger verletzt und mit Blut besudelt. Er rezitierte, an seinen Finger gerichtet, folgenden Vers: „Hal anti illa usbuʿin damaiti wa fi sabīlillāhi mā lāqīti.“
O du, du bist doch nur ein Finger, der mit Blut besudelt wurde. Was dir widerfahren ist, geschah auf Allahs Weg. (Sīrat Ibn Hischam-1, 476)
Die Schlachten von Badr, Uhud und dem Graben endeten während Hischams Gefangenschaft in Mekka. Nach der Schlacht am Graben kam er nach Medina. An allen Kämpfen gegen die Ungläubigen, die nach der Grabenschlacht stattfanden, nahm er aktiv teil. Waqidi sagt: Vor der Eroberung Mekkas, im Monat Ramadan, entsandte der Gesandte Allahs (s) Hischam auf einen Feldzug. (Al-Isaba-3/604)
Die Führung von Truppen sowie die Bewährung in Tapferkeit und Mut waren besondere Eigenschaften von Hischams Familie. Die Kinder dieser Familie wuchsen gleichsam im Schatten der Schwerter auf. Nach dem Tod des Gesandten Allahs zeigte sich während des Kalifats des ehrwürdigen Abu Bakr ein Teil dieser Eigenschaft. Einigen Überlieferungen zufolge entsandte der erste Kalif, der ehrwürdige Abu Bakr (r), ihn gemeinsam mit Nuʿaym ibn Abdullah und einigen weiteren Personen zum Hof des römischen Kaisers Herakleios, um ihn zum Islam einzuladen. Dazu sagt Hischam: „Ich wurde gemeinsam mit einigen Männern zu Herakleios entsandt. Wir erreichten die Gegend Ghuta beziehungsweise Damaskus und begaben uns zum Haus von Jabala ibn Aiham al-Ghassani. Er sandte einen Boten, der mit uns sprechen sollte. Wir sagten: ‚Wir wurden zum Kaiser entsandt; wir werden nicht mit einem Boten sprechen. Wenn er uns die Erlaubnis gibt, werden wir mit ihm selbst sprechen.‘ Schließlich gestattete Jabala uns, zu ihm zu gehen.“
Jabala sagte zu uns: „Was ist eure Botschaft?“ Hischam sagt: „Ich trug ihm die Einladung zum Islam vor. Damals trugen er und seine Höflinge schwarze Kleidung. Ich fragte ihn: ‚Warum tragt ihr diese Kleidung?‘ Er sagte: ‚Wir haben diese Kleidung angelegt und geschworen, sie nicht abzulegen, bis wir euch aus Syrien vertrieben haben.‘ Ich sagte: ‚Bei Allah! Wir werden, so Allah will, deinen Thron und das Reich eures Kaisers an uns nehmen. Unser Prophet Muhammad (s) hat dies so vorausgesagt.‘ Jabala sagte: ‚Nicht ihr; vielmehr sind diejenigen dessen würdig, die tagsüber fasten und nachts im Gottesdienst stehen. Wie ist euer Fasten?‘ Ich schilderte ihm die Art unseres Fastens. Da wurde Jabala im Gesicht schwarz. Danach sandte er uns gemeinsam mit einem Boten zu Kaiser Herakleios.
Hischam sagt: „Wir gingen mit dem Boten weiter. Als wir uns der Stadt näherten, sagte unser Begleiter: ‚Eure Reittiere dürfen die Stadt des Kaisers nicht betreten. Wenn ihr wollt, kann ich euch türkische Pferde und Maultiere besorgen.‘ Wir sagten: ‚Wir werden die Stadt unter keinen Umständen anders als auf diesen Tieren reitend betreten.‘ Als man dem Kaiser von unserer Unnachgiebigkeit berichtete, gestattete er uns, nach unserem Wunsch einzutreten. Wir hängten unsere Schwerter über die Schultern und gelangten bis zu den Gemächern des Kaisers.“
So beobachtete der Kaiser Hischam ibn al-As und seine Gefährten, als sie außerhalb des königlichen Hofes von den Rücken ihrer jeweiligen Reittiere stiegen. Während sie „Es gibt keinen Gott außer Allah, und Allah ist größer“ ausriefen, zitterten sie wie die Blätter von Dattelpalmen, die vom Wind bewegt werden. Der Kaiser ließ ihnen durch einen Boten ausrichten, dass sie nicht das Recht hätten, die Religion auf diese Weise laut zu verkünden. Daraufhin gingen sie zum Kaiser.
Der Kaiser saß auf dem Thron, während die römischen Heerführer auf ihren jeweiligen Plätzen saßen. Der Kaiser sagte ihnen lächelnd: Warum habt ihr mich nicht so begrüßt, wie ihr euch untereinander mit Salām und Grußworten begrüßt? Neben dem Kaiser saß ein Mann, der fließend Arabisch sprach. Sie erwiderten: Unser Gruß ist dir gegenüber nicht zulässig, und auch euren Gruß auszusprechen ist für uns nicht angemessen. Der Kaiser fragte: Wie begrüßt ihr euch gegenseitig und euren König? Sie antworteten: „As-salāmu ʿalaika.“ Der Kaiser fragte erneut: Was ist euer erhabenster Ausspruch? Sie sagten: „Es gibt keinen Gott außer Allah, und Allah ist größer“ – es gibt keinen Gott außer Allah, und Allah ist der Größte. Danach erläuterten sie dem Kaiser verschiedene Aspekte der islamischen Religion, darunter Salāt, Sawm, Haddsch und Zakāt. Diese Gesandtschaft blieb drei Tage als Gast des Kaisers bei ihm und kehrte anschließend nach Medina zurück. In verschiedenen Sīra-Werken finden sich ausführliche Berichte über diese Daʿwa-Mission. (Al-Isāba 2/471; Hayāt as-Sahāba 1/204, 405; 3/557–562.) In einigen Überlieferungen heißt es allerdings, dass nicht dieser Hischam, sondern ein anderer Hischam mit einer Tablīgh-Mission zum Hof des Kaisers Herakleios gegangen sei. (Al-Isāba 3/704.)
Während der Herrschaft des Kalifen Abu Bakr sammelten die Römer nach einigen Gefechten bei Adsch nādain ein großes Heer und bereiteten sich auf den Kampf vor. Im Monat Dschumādā al-ūlā des Jahres 13 nach der Hidschra begann die Schlacht. Al-Wāqidī berichtet nach Umm Bakr bint al-Miswar: Als Hischam in dieser Schlacht bei einigen muslimischen Soldaten Anzeichen von Fluchtbereitschaft bemerkte, warf er seinen Gesichtsschutz ab, drang mitten in die Reihen des Feindes vor und rief laut: Ihr muslimischen Soldaten, ich bin Hischam ibn al-As. Kommt mit mir! Flieht ihr etwa aus dem Paradies?
Diese unbeschnittenen Leute können euren Schwertern nicht standhalten. Das muslimische Heer schloss sich Hischam an und griff das römische Heer heftig an. Die römischen Truppen sammelten sich am Eingang eines engen Durchgangs. Hischam griff sie von der gegenüberliegenden Seite des Durchgangs an. Die Römer griffen ihn gemeinsam an, töteten ihn und flohen über seinen Leichnam hinweg. Als die muslimischen Soldaten dort eintrafen, zögerten sie aus Furcht, den zerschmetterten Leichnam Hischams unter ihren Füßen zu zertrampeln, den Feind zu verfolgen. Da kam sein älterer Bruder Amr und sagte: Ihr Leute, Allah hat ihm das Martyrium geschenkt, seine Seele zu sich genommen, und sein Körper liegt hier. Daraufhin überquerten die muslimischen Soldaten den engen Durchgang über seinen Leichnam hinweg und nahmen die Verfolgung des feindlichen Heeres auf. Amr ibn al-As sammelte die verstreuten Teile des Leichnams und bestattete ihn. (Al-Isāba 3/604.)
Nach Ibn al-Mubārak erlitt er jedoch während der Herrschaft des Kalifen Umar in der Schlacht von Jarmūk den Märtyrertod. (Al-Istīʿāb, Anmerkungen zu Al-Isāba 3/593–595.)
Obwohl Hischam ibn al-As jünger war als sein Bruder Amr ibn al-As, war er rechtschaffener als sein älterer Bruder. Einige Quraisch saßen einst nach Hischams Märtyrertod hinter der Kaaba und sprachen über die beiden Brüder. Als sie Amr beim Umrunden der Kaaba sahen, fragten sie ihn: Wer ist der Bessere von euch beiden – du oder dein Bruder Hischam? Er sagte: Ich spreche für mich und für ihn. Seine Mutter war die Tochter von Hāschim ibn al-Mughīra, während meine Mutter eine Sklavin war. Unser Vater liebte ihn mehr als mich. Ihr kennt ja die Voreingenommenheit jedes Vaters gegenüber seinen Kindern. Wir beide wetteiferten in guten Taten, und er besiegte mich stets. Sowohl er als auch ich zogen in den Krieg und beteten die ganze Nacht zu Allah um den Märtyrertod. Allah erhörte sein Gebet, während mein Gebet unerfüllt blieb. (Al-Isāba 1/604.)
Der edle Gesandte Allahs bezeugte die Festigkeit ihres Glaubens. Er sagte: „Hischam und Amr, die beiden Söhne von al-As, sind gläubig.“
Als Umar al-Fārūq vom Märtyrertod Hischams hörte, bemerkte er: „Möge Allah seine Barmherzigkeit auf ihn herabsenden. Er war ein vortrefflicher Diener des Islam.“
Dhūschimālain ʿUmair ibn ʿAbd ʿAmr, Allahs Wohlgefallen auf ihm.
Sein eigentlicher Name war ʿUmair, seine Kunya Abū Muḥammad und sein Beiname beziehungsweise Ehrentitel Dhūschimālain. Sein Vater hieß ʿAbd ʿAmr. Er stammte aus dem Stamm Chuzāʿa. Da er alle Arbeiten mit beiden Händen verrichtete, wurde Dhūschimālain – „der Besitzer zweier rechter Hände“ – zu seinem Beinamen. Sein Vater ʿAbd ʿAmr ibn Nadla kam nach Mekka, schloss mit ʿAbd ibn Hārith ibn Nadla ibn Zahba ein Schutzbündnis und ließ sich dort dauerhaft nieder. ʿAbd verheiratete seine eigene Tochter Nuʿm, die Tochter des ʿAbd, mit ihm. Aus dieser Ehe gingen der Sohn Dhūschimālain und die Tochter Rāiṭa hervor. (Ṭabaqāt Ibn Saʿd 3/167).
Es sei darauf hingewiesen, dass in den Sīra-Werken von einer oder zwei Personen mit den beiden Beinamen beziehungsweise Ehrentiteln Dhūschimālain, also „der Besitzer zweier rechter Hände“, und Dhūl-Yadain, also „der Besitzer zweier Hände“, berichtet wird. Unter den Sīra-Gelehrten besteht Uneinigkeit darüber, ob diese beiden Beinamen ein und dieselbe Person oder zwei verschiedene Personen bezeichnen. Nach der Auffassung der meisten handelt es sich bei beiden Beinamen um ein und dieselbe Person. So überschrieb Ibn Saʿd ein Kapitel seines Werkes Ṭabaqāt mit: „Dhūl-Yadain, auch Dhūschimālain genannt“, das heißt: Dhūl-Yadain ist derselbe, der Dhūschimālain genannt wird. (Ṭabaqāt 3/167).
Diese Auffassung ist jedoch für viele nicht akzeptabel. Ihrer Ansicht nach handelte es sich tatsächlich um zwei verschiedene Personen. Auch die Hadithe liefern dafür einen Beleg. Eine Begebenheit mit einem Mann namens Dhūl-Yadain wird in den Ṣaḥīḥ-Werken von al-Buchārī und Muslim von Abū Huraira, Allahs Wohlgefallen auf ihm, überliefert. Einmal verrichtete der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, anstelle von vier nur zwei Gebetseinheiten und beendete das Gebet mit dem Friedensgruß. Alle Gefährten waren völlig verblüfft, doch niemand wagte es, eine Frage zu stellen. Dhūl-Yadain war sehr mutig und fragte: „O Gesandter Allahs! Wurde das Gebet verkürzt, oder hast du dich geirrt?“ Der Gesandte Allahs überprüfte bei den Gefährten, ob seine Aussage zutraf. Alle bestätigten Dhūl-Yadain und sagten: „Du hast nur zwei Gebetseinheiten verrichtet.“ Nachdem er sich davon überzeugt hatte, verrichtete er die beiden verbleibenden Gebetseinheiten und vollzog anschließend die Niederwerfung wegen des Vergessens (sudschūd as-sahw). (Al-Buchārī: Kapitel über den Gebetsruf, Abschnitt: Soll der Imam im Falle eines Zweifels die Aussage der Mitbetenden annehmen?)
Der Überlieferer dieses Hadiths war Abū Huraira, Allahs Wohlgefallen auf ihm. Er nahm im siebten Jahr nach der Hidschra während des Feldzugs von Chaibar den Islam an. Dhūschimālain hingegen erlitt bereits etwa fünf Jahre zuvor in der Schlacht von Badr den Märtyrertod. Daher können Dhūl-Yadain und Dhūschimālain nicht ein und dieselbe Person gewesen sein. Außerdem unterschieden sich auch ihre Namen: Der eine hieß Chirbāq, der andere ʿUmair. (Siyar aṣ-Ṣaḥāba, al-Muhādschirūn 2/327). Abū ʿUmar sagt: „Dhūschimālain wurde bei Badr als Märtyrer getötet; er war nicht Dhūl-Yadain.“ (Al-Iṣāba 3/33).
Es liegen keine Informationen darüber vor, wann und wie Hazrat Dhūschimālain den Islam annahm. Nach seiner Konversion wanderte er nach Medina aus und wurde Gast von Hazrat Saʿd ibn Chaiṯama. Der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, begründete zwischen ihm und Yazīd ibn Hārith ein Muʾāchāt- beziehungsweise Bruderschaftsverhältnis. Nach seiner Konversion lebte er nicht mehr lange. Nach seiner Ankunft in Medina nahmen er und sein Glaubensbruder Yazīd an der großen Schlacht von Badr teil. Dies war der erste und zugleich letzte Krieg seines Lebens. In dieser Schlacht erlitt er durch die Hand des ungläubigen Abū Usāma Zuhair ibn Muʿāwiya al-Dschuschamī den Märtyrertod. Zum Zeitpunkt seines Todes war er erst dreißig Jahre alt. Auch sein Glaubensbruder Yazīd fiel in dieser Schlacht als Märtyrer. (Ṭabaqāt 3/168; Ansāb al-Aschrāf 1/295).
Muʿaikib ibn Abī Fāṭima, Allahs Wohlgefallen auf ihm
Muʿaikib stammte aus dem Stamm Daus. Aus einem unbekannten Grund geriet er jedoch in die Sklaverei und gelangte in Mekka in den Besitz von Saʿīd ibn al-ʿĀṣ. (Ansāb al-Aschrāf 1/200).
Nach einer anderen Überlieferung gehörte er zum Stamm der Azd und war ein Ḥalīf, also ein Schutz- und Vertragsverbündeter der Banū ʿAbd Schams in Mekka. Bereits in der Frühzeit der islamischen Daʿwa nahm er den Islam an und wanderte mit der zweiten Gruppe der Auswanderer nach Abessinien aus. Von Abessinien kam er zur Zeit des Feldzugs von Chaibar nach Medina. Einer Überlieferung zufolge kam er zusammen mit Abū Mūsā al-Aschʿarī von Mekka nach Medina und nahm am Feldzug von Chaibar teil. In einigen anderen Überlieferungen wird berichtet, dass er an der Schlacht von Badr und am Baiʿat ar-Riḍwān teilnahm. Daraus ist zu schließen, dass er vor dem Feldzug von Chaibar nach Medina kam. Nach ihrer Auffassung war er nicht nach Abessinien ausgewandert. Al-Wāqidī jedoch sagt: „Von denen, die behaupten, er sei nach Abessinien ausgewandert, habe ich gehört, dass Muʿaiqīb von Abessinien aus zusammen mit Ǧaʿfar ibn Abī Ṭālib direkt nach Medina weiterzog.“ (Ansāb al-aschrāf 1/200).
Richtig ist jedoch, dass er erst nach dem Feldzug von Chaibar nach Medina kam. An Badr und Chaibar konnte er nicht teilnehmen. Auch Ibn Saʿd führte ihn in der Liste jener Gefährten auf, die zwar in der Frühzeit den Islam angenommen hatten, denen jedoch das Glück der Teilnahme an Badr versagt blieb.
Zu Lebzeiten des edlen Gesandten Allahs stand das Siegel der Prophetenschaft in seiner Obhut. Deshalb erwiesen ihm der edle Abū Bakr und der edle ʿUmar nach dem Tod des Gesandten Allahs besondere Ehre. Während der Kalifate dieser beiden Männer war er mit der Überwachung sämtlicher finanzieller Angelegenheiten und mit der Verwahrung des Bayt al-Māl betraut.
Der Kalif ʿUmar liebte ihn sehr. Im hohen Alter erkrankte er an Lepra. Der Kalif unternahm alle möglichen Anstrengungen, ihn behandeln zu lassen. Wann immer er irgendwo von einem guten Arzt hörte, ließ er ihn holen und ihn behandeln. Doch es trat keine Besserung ein. Immerhin wurde die Befürchtung zerstreut, dass die Krankheit künftig noch schlimmer werden könnte. Gewöhnlich meiden die Menschen den Umgang und das gemeinsame Essen und Trinken mit Leprakranken; ʿUmar jedoch setzte sich mit ihm an dieselbe Tafel und aß mit ihm. Einmal wurde dem Kalifen ʿUmar und seinen Gefährten das Abendessen serviert. Der Kalif trat aus dem Haus und rief Muʿaiqīb ibn Abī Fāṭima, damit er mit ihnen esse. Die Anwesenden erschraken. ʿUmar sagte zu Muʿaiqīb: „Setz dich zu mir. Bei Allah, wäre diese Krankheit jemand anderem als dir widerfahren, hätte ich nicht mit ihm aus einer Schüssel gegessen. Iss du von deiner Seite mit Freude.“ Muʿaiqīb setzte sich zu ihnen und aß aus derselben Schüssel. (Ḥayāt aṣ-Ṣaḥāba 2/458.) Nach einer anderen Überlieferung sagte ʿUmar: „Wäre er kein Gefährte des Gesandten Allahs gewesen, hätte ich nicht mit ihm gegessen.“ (Ansāb al-aschrāf 1/200).
Nach dem Kalifen ʿUmar behandelte ihn auch der Kalif ʿUthmān in gleicher Weise. Das Siegel des Gesandten Allahs blieb bis zuletzt in seiner Obhut. Dieses Siegel fiel aus seiner Hand in den Brunnen von Biʾr Maʿūna, den sogenannten Brunnen Maʿūna. Gegen Ende des Jahres, in dem das Siegel hineinfiel, starb er. Al-Balādhurī sagt: Er starb in dem Jahr, in dem während der Herrschaft des Kalifen ʿUthmān der Feldzug nach Afrika unternommen wurde. (Ansāb al-aschrāf 1/200).
In den Geschichtswerken findet sich ein Sohn von ihm namens Muḥammad ibn Muʿaiqīb. Auch er überlieferte Hadithe von seinem Vater Muʿaiqīb.
Auf dem Gebiet der Bildung war er keine herausragende Persönlichkeit. Im Lesen und Schreiben war er jedoch versiert. Als der edle ʿUmar sein Eigentum als Waqf stiftete, verfasste Muʿaiqīb die entsprechende Waqf-Urkunde. Auch in den Hadithen des Gesandten Allahs war er bewandert. In den Hadith-Werken finden sich zahlreiche von ihm überlieferte Hadithe. Zwei davon wurden von al-Buchārī und Muslim übereinstimmend überliefert, während einen weiteren ausschließlich Imām Muslim überlieferte.
Abān ibn Saʿīd ibn al-ʿĀṣ (r.a.)
Der Name von Hazrat Abans Vater war Abu Uhaiha Sa’id ibn al-As und der Name seiner Mutter Hind bint al-Mughira. Im fünften Vorfahren über ihm, Abd Manaf, vereinigte sich seine Abstammungslinie mit der Abstammungslinie des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. (Usud al-Ghaba 1/35)
Sein Vater Sa’id war ein angesehener Mann unter den Quraisch. Er starb im zweiten oder dritten Jahr der Hidschra als Ungläubiger in Ta’if und wurde dort auch begraben. (Ansab al-Aschraf 1/142, 368).
Er hatte mehrere tüchtige Söhne. Zu Beginn des Islams nahmen Khalid und Amr unter ihnen den Islam an und wanderten nach Abessinien aus. (Al-Isaba 1/13).
Aban blieb zusammen mit seinen beiden anderen Brüdern Ubaida und al-As bei der Vielgötterei. Die Annahme des Islams durch seine beiden Brüder Khalid und Amr schmerzte ihn zutiefst. Ausdruck dieses Schmerzes fand in einer von ihm verfassten Qasida. Einer ihrer Verse lautet:
O weh! Wenn doch die Toten von Jariba gesehen hätten, was Amr und Khalid in Glaubenssachen als Lüge bezeichnet haben! (Al-Isaba 1/13) (Usud al-Ghaba 1/35).
Aban setzte gemeinsam mit seinen beiden anderen Brüdern seinen Widerstand gegen den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und die Muslime fort. Um in der Schlacht von Badr gegen die Muslime zu kämpfen, zog er mit Ubaida und al-As von Mekka aus. Ubaida und al-As wurden von den Muslimen auf erbärmliche Weise getötet. Aban kehrte nur mit knapper Not lebend nach Mekka zurück.
Ibn Hischam erwähnt eine Begebenheit aus Abans vorislamischem Leben: In der vorislamischen Zeit verheiratete der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, einige seiner Töchter mit jungen Männern aus Mekka. Als der Konflikt zwischen dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und den Quraisch begann, forderten die Führer der Quraisch dessen Schwiegersöhne auf, sich von seinen Töchtern scheiden zu lassen. Ruqayya, die Tochter des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, war die Ehefrau von Utba ibn Abi Lahab. Die Quraisch sagten zu Utba: »Scheid dich von der Tochter Muhammads.« Er erklärte sich unter der Bedingung bereit, dass er sich von Ruqayya scheiden werde, wenn sie ihn mit der Tochter von Aban ibn Sa’id oder der Tochter von Sa’id ibn al-As verheiraten könnten. Sie gingen auf Utbas Forderung ein, verheirateten ihn mit der Tochter von Sa’id ibn al-As und lösten Ruqayya aus seiner Ehe mit ihm. (Sira ibn Hischam, S. 625).
Kurz vor dem Vertrag von Hudaiبiyya sandte der ehrwürdige Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Hazrat Uthman mit seiner Botschaft zu den Quraisch von Mekka. Hazrat Uthman, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, war auf dem Weg nach Mekka durch das Tal von Balda. Die Quraisch fragten ihn: »Wohin gehst du?« Uthman sagte ihnen genau das, was ihm der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, aufgetragen hatte. Da trat Aban ibn Sa’id aus den Reihen der Quraisch hervor und hieß Uthman willkommen. Schon zuvor hatte er ein enges Verhältnis zu Uthman gehabt. Aban ließ sein Pferd bereitmachen, setzte Uthman darauf und übernahm dessen Schutz. Anschließend brachte Aban Uthman nach Mekka. (Hayatus-Sahaba 1/156).
Nachdem Uthman zu Abans Haus gekommen war, sagte Aban zu ihm: „Warum ist deine Kleidung in diesem Zustand?“ Uthmans Gewand reichte bis zwischen die Knie und die Knöchel. Aban sagte weiter: „Warum lässt du dein Gewand nicht wie die Leute deines Volkes lang herabhängen?“ Uthman erwiderte: „So trägt unser Prophet sein Gewand.“ Aban sagte: „Vollziehe den Tawaf um die Kaaba.“ Uthman antwortete: „Wir können nichts tun, bevor unser Prophet es nicht getan hat. Wir folgen nur seinen Fußspuren.“ (Hayatus-Sahaba 2/358–359; al-Istiʿab 35; Sira Ibn Hischam 2/315).
Obwohl Aban lange Zeit dem Islam und dem Propheten des Islam feindselig gegenübergestanden hatte, hörte er in dieser Zeit keineswegs auf, nach der Wahrheit zu suchen. Damals befragte er gelehrte Männer über die Prophetenschaft des Gesandten Allahs. In jener Zeit war Scham oder Syrien ein Zentrum gelehrter, angesehener und erfahrener Männer. Aban reiste im Rahmen seiner Handelsgeschäfte dorthin. Einmal sagte er im Gespräch zu einem christlichen „Rahib“ von dort: „Ich bin ein Angehöriger des Quraisch-Stammes aus dem Hidschas. Ein Mann aus diesem Stamm behauptet, von Allah auserwählt zu sein. Er sagt, Allah habe auch mich, wie Isa und Musa, als Propheten gesandt.“ Der Rahib fragte nach dem Namen des Mannes. Aban sagte: „Er heißt Muhammad.“ Der Rahib erklärte entsprechend den Beschreibungen in den himmlischen Büchern das Alter, die Abstammung und anderes hinsichtlich des Erscheinens eines Propheten. Nachdem Aban seine Worte gehört hatte, sagte er: „All dies ist doch in jenem Mann vorhanden.“ Darauf sagte der Rahib: „Bei Allah, dann wird dieser Mann, nachdem er die Herrschaft über ganz Arabien errungen hat, seinen Einfluss über die ganze Welt ausdehnen. Wenn du zurückkehrst, richte diesem frommen Diener Allahs meinen Friedensgruß aus.“ Der Name dieses Rahib oder Priesters aus Scham war Yaqqa. Als Aban nun aus Scham zurückkehrte, war von seiner früheren Haltung nichts mehr übrig. Seine Kraft, sich dem Islam und den Muslimen entgegenzustellen, war erloschen. (Usud al-Ghaba 1/35; al-Isaba 1/13).
Aus Rücksicht auf die Religion seiner Vorväter und aus Angst vor der Verurteilung und dem Spott seiner Altersgenossen schwieg Aban einige Zeit völlig. Doch die in ihm entstandene Sehnsucht nach der Wahrheit konnte er nicht lange unterdrücken. Inzwischen hielten seine Brüder Amr und Khalid, die aus Abessinien zurückgekehrt waren, weiterhin Kontakt zu Aban. Daraufhin nahm er noch vor dem Feldzug von Chaibar den Islam an und wanderte nach Medina aus. Die drei Brüder nahmen gemeinsam mit dem Gesandten Allahs am Feldzug von Chaibar teil. (al-Isaba 1/13).
Einer anderen Überlieferung zufolge ernannte der edle Gesandte Allahs Aban nach dessen Ankunft in Medina zum Befehlshaber einer kleinen Truppe und entsandte ihn in Richtung Nadschd. Als er nach erfolgreichem Abschluss dieses Feldzugs nach Medina zurückkehrte, war Chaibar bereits erobert worden. Genau zu dieser Zeit kam Abu Huraira zusammen mit den anderen Auswanderern aus Abessinien nach Medina. Die beiden gingen gemeinsam zum Gesandten Allahs. Der Gesandte Allahs gab ihnen einen Anteil an der Kriegsbeute von Chaibar. Neben dem Feldzug nach Nadschd erhielt er vom Gesandten Allahs auch bei mehreren weiteren kleinen Feldzügen die Führung oder das Kommando.
Aban nahm gemeinsam mit dem edlen Gesandten Allahs am Feldzug nach Taif teil. Als Abu Siddiq das Grab von Abans Vater in Taif sah, rief er aus: „Allahs Fluch oder Verwünschung komme über den Bewohner dieses Grabes. Er war ein Widersacher Allahs und des Gesandten.“ Aban und sein Bruder Amr widersprachen Abu Bakr sofort und äußerten einige abfällige Worte über dessen Vater Abu Quhafa. Darauf sagte der Gesandte Allahs: „Beschimpft die Toten nicht. Wenn ihr die Toten beschimpft, fügt ihr den Lebenden Leid zu.“ (Ansab al-Aschraf 1/142, 368).
Der edle Gesandte Allahs ernannte Aban anstelle von Ala ibn al-Hadrami zum Statthalter von Bahrain. Dieses Amt übte er bis zum Tod des Gesandten Allahs aus. Als er von dessen Tod erfuhr, kehrte er nach Medina zurück. (al-Istiʿab 1/35).
Der edle Aban versah für den Gesandten Allahs auch die Aufgabe eines Katib oder Schreibers. (Ansab al-Aschraf 1/532).
Nach dem Tod des Gesandten Allahs wurde Abu Bakr zum Kalifen gewählt. Auch nachdem die allgemeine Baiʿa auf seine Hand abgeschlossen war, gehörte Aban zu den Quraisch, die sich noch einige Zeit von der Baiʿa fernhielten. Als die Angehörigen der Banu Haschim die Baiʿa leisteten, war sein Einwand ausgeräumt, und auch er leistete die Baiʿa.
Der Kalif Abu Bakr, möge Allah mit ihm zufrieden sein, setzte keinen der vom Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, eingesetzten Herrscher oder Beamten ab. Auch Aban war ein vom Gesandten Allahs eingesetzter Herrscher. Abu Bakr, möge Allah mit ihm zufrieden sein, bat Aban, in sein Amt zurückzukehren. Doch Aban lehnte die Bitte des Kalifen ab. Einigen Überlieferungen zufolge übernahm er schließlich auf wiederholtes Bitten des Kalifen doch das Amt des Statthalters im Jemen.
Ibn Saʿd berichtet: Als Aban die Bitte des Kalifen abgelehnt hatte, sagte Umar, möge Allah mit ihm zufrieden sein, eines Tages zu ihm: „Er hätte seinen Dienstposten nicht einfach ohne die Erlaubnis des Imams oder Anführers verlassen dürfen. Nun weigert er sich auch noch, auf dessen Anweisung dorthin zurückzukehren.“ Aban sagte: „Bei Allah! Nach dem Gesandten Allahs werde ich für niemanden mehr arbeiten. Wenn ich es doch täte, wäre ich aufgrund der Stellung Abu Bakrs und seines Vorrangs im Islam sein ʿāmil, also sein Beamter.“ Daraufhin beriet sich Abu Bakr, möge Allah mit ihm zufrieden sein, mit den Gefährten darüber, wen er nach Bahrain entsenden könne. Uthman sagte: „Da al-ʿAlā ibn al-Hadramī zuvor dort war, soll er dorthin geschickt werden.“ Umar sagte: „Aban soll gezwungen werden, wieder dorthin zu gehen.“ Doch Abu Bakr weigerte sich, dies zu tun. Er sagte: „Ich kann denjenigen nicht zwingen, der sagt: Ich werde nach dem Gesandten Allahs für niemanden mehr arbeiten.“ Danach ernannte er al-ʿAlā ibn al-Hadramī zum Statthalter von Bahrain. (Ḥayāt as-Saḥāba 2/59).
Über den Zeitpunkt des Todes von Aban bestehen unter den Sīra-Fachgelehrten unterschiedliche Auffassungen. Nach Musa ibn ʿUqba und der Mehrheit der Genealogen fiel er gegen Ende des Kalifats von Abu Bakr, im Jahr 13 nach der Hidschra, auf dem Schlachtfeld von Aǧnādayn als Märtyrer. Nach Ibn Isḥāq starb er in der Schlacht von Yarmūk, während andere sagen, dass er am Tag von Marǧ aṣ-Ṣaffar den Märtyrertod erlitt. Einer weiteren Überlieferung zufolge starb er im Kalifat Uthmans im Jahr 27 nach der Hidschra und beaufsichtigte die Zusammenstellung des uthmanischen Muṣḥaf durch Zayd ibn Thābit. Es gibt jedoch hinreichende Gründe, die zuerst genannte Auffassung für richtig zu halten.
ʿAmr ibn Umayya, möge Allah mit ihm zufrieden sein
Sein Name war ʿAmr, seine Kunya beziehungsweise sein Beiname Abū Umayya. Sein Vater hieß Umayya. Er stammte aus dem Stamm Banū Kināna. Ibn Hischām bezeichnet ihn als einen der klügsten Männer des vorislamischen Arabien in der Zeit nahe dem Beginn der Prophetenschaft des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und berichtet dazu auch eine Begebenheit. (Sīrat Ibn Hischām 1/204, 207). In den Schlachten von Badr und Uhud kämpfte er aufseiten der Götzendiener von Mekka mit großer Tapferkeit und Kühnheit gegen die Muslime. Unmittelbar nach Uhud nahm er den Islam an und wanderte nach Medina aus.
Nach seiner Annahme des Islam nahm er als Erstes am Ereignis von Biʾr Maʿūna teil. Es verhielt sich folgendermaßen: Im vierten Monat nach der Schlacht von Uhud kam Abū Barāʾ ʿĀmir ibn Mālik ibn Ǧaʿfar, genannt Mulāʿib al-Asinna, das Oberhaupt des Stammes Banū Kilāb aus Naǧd, nach Medina zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Der Gesandte Allahs unterbreitete ihm die Einladung zum Islam. Ohne eine Reaktion zu zeigen, weder Annahme noch Ablehnung, sagte er: „Wenn du einige deiner Gefährten zu den Banū Kilāb in Naǧd schicken würdest, würden sie vielleicht den Islam annehmen.“ Der Gesandte Allahs sagte: „Ich bin wegen der Leute von Naǧd besorgt.“ Da Abū Barāʾ jedoch die volle Verantwortung für die Sicherheit der entsandten Gruppe übernahm, schickte der Gesandte Allahs unter der Führung von al-Mundhir ibn ʿAmr eine Gruppe von vierzig – nach anderer Auffassung siebzig – Männern aus. Sie erreichten den Ort Biʾr Maʿūna, schlugen dort ihre Zelte auf und ließen den Brief des Gesandten Allahs mit der Einladung zum Islam durch Ḥarām ibn Milḥān zu ʿĀmir ibn aṭ-Ṭufayl bringen.
ʿĀmir ibn aṭ-Ṭufayl tötete den Gesandten Ḥarām und rief die Stämme ʿAṣiyya, Riʿl, Dhakwān und andere dazu auf, unverzüglich zum Kampf gegen die muslimische Gruppe auszurücken. Sie versammelten sich. Als die Muslime bemerkten, dass Ḥarām sich verspätete, machten sie sich auf die Suche nach ihm. Schon nach kurzer Strecke trafen sie auf die Stämme Riʿl, Dhakwān und andere. Diese griffen die muslimische Gruppe gemeinsam an und töteten alle. Nur ʿAmr ibn Umayya blieb am Leben. Er geriet in die Gefangenschaft des feindlichen Heeres. Man führte ihn zu ʿĀmir ibn aṭ-Ṭufayl. Als dieser erfuhr, dass ʿAmr ibn Umayya zum Stamm Muḍar gehörte, ließ er ihn mit den Worten frei: „Meine Mutter hatte gelobt, einen Sklaven freizulassen.“ Zum Zeichen der Demütigung schnitt er ihm jedoch das vordere Haar ab. (Sīrat Ibn Hischām 2/184–185).
Bei diesem Ereignis von Biʾr Maʿūna erlitt auch der berühmte Gefährte ʿĀmir ibn Fuhayra den Märtyrertod. Als man ʿAmr ibn Umayya gefangen genommen und vor ʿĀmir ibn aṭ-Ṭufayl gebracht hatte, deutete dieser auf den Leichnam von ʿĀmir ibn Fuhayra und fragte ihn: „Wer ist dieser Mann?“ ʿAmr ibn Umayya antwortete: „ʿĀmir ibn Fuhayra.“ Daraufhin sagte ʿĀmir ibn aṭ-Ṭufayl: „Ich sah, wie sich sein Leichnam nach seiner Tötung hoch in die Luft und weit zum Himmel erhob und danach wieder herabkam.“ (Ḥayāt as-Saḥāba 3/595).
Als Amr ibn Umaiya, nachdem er den Feinden von Bi’r Ma’una entkommen war, auf dem Weg nach Medina den Ort Qarqura erreichte, traf er auf zwei Männer, die aus der entgegengesetzten Richtung kamen. Die beiden setzten sich ebenfalls in den Schatten des Baumes, unter dem er sich ausruhte. Im Gespräch mit ihnen erfuhr Amr ibn Umaiya, dass sie zum Stamm der Banu Amir gehörten, und schwieg. Als sie eingeschlafen waren, griff Amr sie an und tötete beide. Er dachte, dies sei eine Vergeltung für das, was die Banu Amir den Gefährten des Gesandten Allahs angetan hatten. Als Amr Medina erreichte und dem Gesandten Allahs von dem Vorfall berichtete, sagte dieser: „Amr, du hast zwei Menschen getötet, für die ich unbedingt das Blutgeld entrichten muss.“ Es sei darauf hingewiesen, dass der Gesandte Allahs bereits vor diesem Vorfall einen Vertrag mit den Banu Amir geschlossen hatte. (Sīrat Ibn Hischām 2/186.) Daraufhin entrichtete der Gesandte Allahs ihr Blutgeld. (Sīrat Ibn Hischām 1/564.)
Im sechsten Jahr nach der Hidschra wies der ehrwürdige Gesandte Allahs Amr ibn Umaiya an, mit einem Brief, der zur Annahme des Islams aufrief, nach Abessinien zu reisen. In diesem Brief empfahl der Gesandte Allahs dem Negus, die in Abessinien lebenden Auswanderer gastfreundlich aufzunehmen, und übermittelte ihm seinen Heiratsantrag an Umm Habiba bint Abi Sufyan, die sich damals noch dort bei den Auswanderern aus Mekka aufhielt. Es sei erwähnt, dass Umm Habiba die Ehefrau von Ubaidullah ibn Dschahsch war. Sie hatte in der frühen Zeit in Mekka den Islam angenommen und war mit ihrem Ehemann nach Abessinien ausgewandert. Als ihr Ehemann Ubaidullah dort den Islam aufgab und das Christentum annahm, wurde ihre Beziehung beendet. Nachdem der Negus diesen Aufrufbrief erhalten hatte, nahm er durch Dschafar ibn Abi Talib den Islam an und schrieb als Antwort auf den Brief des Gesandten Allahs einen Brief. Darin erwähnte er seinen Übertritt zum Islam, seine Grüße an den Gesandten Allahs und seine Gastfreundschaft gegenüber den Auswanderern sowie weitere Angelegenheiten. Dem Brief des Gesandten Allahs entsprechend machte der Negus selbst in dessen Namen Umm Habiba einen Heiratsantrag. Er wurde selbst zum Vertreter des Gesandten Allahs und entrichtete nach der Eheschließung in dessen Namen eine Morgengabe von vierhundert Dinar. (Sīrat Ibn Hischām 1/224, 324.) (Hayāt as-Sahāba 1/158, 3/596–597.)
Als dieser Amr ibn Umaiya als Gesandter des Gesandten Allahs beim Negus eintraf, befand sich dort auch Amr ibn al-As, einer der erbittertsten Feinde des Islams jener Zeit. Er bat den Negus eindringlich, Amr ibn Umaiya ihm auszuliefern, damit er ihn töten, Rache nehmen und dadurch sein Ansehen bei den Quraisch steigern könne. (Sīrat Ibn Hischām 2/276–277.)
Amr ibn Umaiya brachte die Auswanderer, die sich in Abessinien aufhielten, auf zwei Schiffen während des Feldzugs von Chaibar nach Medina. (Sīrat Ibn Hischām 2/359.)
Nach seiner Rückkehr nach Medina von dieser diplomatischen Mission in Abessinien wurde ihm die Aufgabe übertragen, eine der Missetaten Abu Sufyans zu vergelten. Der Vorfall war folgender: Abu Sufyan ermutigte einige Leute, den Gesandten Allahs zu ermorden. Ein Mann übernahm diese Aufgabe, und Abu Sufyan versorgte ihn mit den nötigen Mitteln. Er kam nach Medina und begab sich direkt in die Moschee zum Gesandten Allahs. Der Gesandte Allahs erkannte seine Absicht und sagte ihm auf den Kopf zu, mit welchem Vorhaben er gekommen sei. Der Mann war gerade im Begriff, den Gesandten Allahs anzugreifen, als der ehrwürdige Usaid ibn Hudair ihn plötzlich fest packte. Unter der Kleidung des Mannes kam ein Dolch zum Vorschein. Das Verbrechen lag offen zutage, und es bedurfte keines Zeugen. Doch der Barmherzige für alle Welten vergab ihm. Daraufhin enthüllte er die gesamte Verschwörung Abu Sufyans.
Da Abu Sufyan der Hauptverantwortliche für diesen Vorfall war und seinetwegen zwischen den Quraisch von Mekka und den Bewohnern Medinas ständig ein Kriegszustand herrschte, schickte der ehrwürdige Gesandte Allahs Amr ibn Umaiya und Salama ibn Aslam – nach einer anderen Überlieferung Dschabbar ibn Sachr al-Ansari – auf eine geheime Mission nach Mekka. Er wies sie an, den Urheber dieser Unruhe, falls sich eine Gelegenheit böte, für immer aus der Welt zu schaffen.
Amr und Salama gelangten heimlich nach Mekka, doch Muawiya bemerkte sie, während er die Kaaba umrundete. Die Nachricht verbreitete sich unter den Quraisch. Sie sagten zueinander, dass ihr Kommen gewiss nicht ohne Grund sei und sie bestimmt etwas Unheilvolles vorhätten. Als Amr und Salama bemerkten, dass ihre Ankunft unter den Quraisch bekannt geworden war, verließen sie Mekka. Unterwegs trafen sie auf Ubaidullah ibn Malik und einen Mann aus den Banu Hudhail. Amr tötete Ubaidullah, und Salama tötete den anderen Mann.
Unterdessen entsandten die Quraisch Spione in die Umgebung von Mekka, um nach ihnen zu suchen. Amr und Salama trafen auf zwei solcher Spione. Sie töteten einen der beiden und nahmen den anderen gefangen, um ihn nach Medina zum Gesandten Allahs zu bringen. (Sīrat Ibn Hischām 2/633–634.)
Aus einer Überlieferung von Ahmad und at-Tabarānī ist bekannt, dass Chubaib ibn Adī durch die Hände der ungläubigen Mekkaner den Märtyrertod erlitt und sein Leichnam an einem Holzstück aufgehängt wurde. Der ehrwürdige Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, entsandte eine geheime Mission nach Mekka, um Chubaibs Leichnam zu bergen. Der Mann gelangte heimlich nach Mekka, kletterte an dem Holz empor und durchtrennte das Seil, worauf Chubaibs Leichnam zu Boden fiel. Da bemerkten ihn die Quraisch, setzten ihm nach, und er floh, wobei er den Leichnam zurückließ. Einer anderen Überlieferung zufolge wurden al-Miqdād ibn al-Aswad und az-Zubair ibn al-Awwām mit dieser Aufgabe betraut und führten diesen Einsatz durch. (Ḥayāt as-Saḥāba 3/596–597).
Nach dem Tod des ehrwürdigen Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, lebte ʿAmr ibn Umayya noch lange. Über sein späteres Leben sind in der Geschichte jedoch keine besonderen Einzelheiten überliefert. Während der Herrschaft des ehrwürdigen Amīr Muʿāwiya, möge Allah mit ihm zufrieden sein, starb er vor dem Jahr 60 nach der Hidschra in Medina. In den Hadith-Werken finden sich zwanzig Hadithe, die von ʿAmr ibn Umayya überliefert wurden. Zu seinen bedeutenden Schülern gehörten ʿAbdullah, Jaʿfar, al-Faḍl, Zabārqān, asch-Schaʿbī, Abū Salama ibn ʿAbd ar-Raḥmān, Abū Qilāba al-Dschurmī und Abū al-Muhādschir.
Er war einer der tapfersten und mutigsten Männer Arabiens jener Zeit. Deshalb übertrug der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ihm die Leitung waghalsiger Unternehmungen. Bei seinem Tod hinterließ er drei Söhne namens Jaʿfar, ʿAbdullah und al-Faḍl.
Mistah ibn Usāsa, möge Allah mit ihm zufrieden sein
Sein eigentlicher Name war ʿAuf, sein Kunya Abū ʿAbbād und sein Beiname beziehungsweise Ehrentitel Mistah. Sein Vater war Usāsa ibn ʿAbbād, und seine Mutter war die Tante mütterlicherseits von Abū Bakr, beziehungsweise nach einer anderen Auffassung seine Cousine mütterlicherseits. Beide Eltern nahmen bereits in der Frühzeit des Islams den Islam an. (Al-Iṣāba 3/408)
Mistah nahm bereits in der Frühzeit der islamischen Einladung den Islam an. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, stiftete zwischen ihm und Zaid ibn Muʿāzzin ein brüderliches Verhältnis. Über den Zeitpunkt seiner Hidschra ist nichts Sicheres bekannt. Er wanderte jedoch noch vor der Schlacht von Badr nach Medina aus, und in den Geschichts- und Sīra-Werken wird berichtet, dass er an der Schlacht von Badr teilnahm. Auch an der Schlacht gegen die Banū al-Muṣṭaliq nahm er teil. Auf dem Rückweg von dieser Schlacht ereignete sich der Vorfall des Ifk, also die Verleumdung der Mutter der Gläubigen, ʿĀʾischa, möge Allah mit ihr zufrieden sein. Als die Heuchler diese Verleumdung verbreiteten, wurden auch einige aufrichtige gläubige Gefährten darin verwickelt. Mistah war einer von ihnen.
Auf den berühmten Vorfall, der als „Ereignis des Ifk“ bekannt ist, wird im edlen Qurʾān, unter anderem in mehreren Versen der Sura an-Nūr, einschließlich Vers 11, hingewiesen. Kurz gesagt war es folgendermaßen: Die Mutter der Gläubigen, ʿĀʾischa, möge Allah mit ihr zufrieden sein, befand sich im Feldzug gegen die Banū al-Muṣṭaliq (im 6. Jahr nach der Hidschra) beim Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Auf dem Rückweg nach Medina schlugen sie an einem Ort ihr Lager auf. ʿĀʾischa entfernte sich vom Lager, um ihre Notdurft zu verrichten. Als ihre Halskette dort zu Boden fiel, suchte sie danach. Inzwischen brach die Karawane auf, da man wegen der mit einem Vorhang verschlossenen Sänfte annahm, sie befinde sich darin. Der zurückgebliebene Wächter Ṣafwān, möge Allah mit ihm zufrieden sein, erblickte sie, ließ sie auf seinem Kamel Platz nehmen und führte das Kamel am Seil zu Fuß, bis er die Karawane einholte. Aus diesem Vorfall heraus begann der Anführer der Heuchler, ʿAbdullah ibn Ubayy, allerlei Verleumdungen zu verbreiten. In den Versen der Sura an-Nūr wird ʿĀʾischas, möge Allah mit ihr zufrieden sein, Unschuld verkündet und eine strenge Strafe für die Verleumder angekündigt.
Nach der Rückkehr vom Feldzug erzählte Mistah den Vorfall seiner Mutter. Eines Nachts ging Mistahs Mutter wegen einer Angelegenheit zum Haus von ʿĀʾischa, möge Allah mit ihr zufrieden sein. ʿĀʾischa befand sich damals im Haus ihres Vaters bei ihrer Mutter. Zu jener Zeit gab es in den Häusern Arabiens gewöhnlich keinen festen Ort für das Urinieren und den Stuhlgang. Die Frauen gingen nachts meist hinaus in die Wüste, um ihre Notdurft zu verrichten. ʿĀʾischa ging gemeinsam mit Mistahs Mutter aus dem Haus, um ihre Notdurft zu verrichten. Unterwegs stolperte Mistahs Mutter, als sie sich in ihrem Tuch verfing. Nach dem Stolpern entfuhr ihr gemäß der arabischen Sitte der Ausruf: „Mistah soll zugrunde gehen!“ ʿĀʾischa erhob dagegen Einwand und sagte: „Verfluchst du etwa einen muslimischen Auswanderer, der an Badr teilgenommen hat?“ Darauf sagte Mistahs Mutter: „Tochter Abū Bakrs, hast du denn nichts gehört?“ Dann erzählte Mistahs Mutter ihr den gesamten Vorfall. (Sīrat Ibn Hischām 1/299–300; Ḥayāt as-Saḥāba 1/587).
Der arme Mistah war ein Cousin mütterlicherseits von Abu Bakr, möge Allah mit ihm zufrieden sein. Abu Bakr, möge Allah mit ihm zufrieden sein, behandelte ihn stets gut und unterstützte ihn finanziell. Als er erfuhr, dass Mistah in den Vorfall des Ifk verwickelt war, und der Koran ihre Verleumdung als falsche Anschuldigung bezeichnete, stellte Abu Bakr seine Unterstützung für Mistah ein. Er erklärte: „Von nun an werde ich keinen einzigen Heller mehr für Mistah ausgeben.“ Daraufhin wurde der folgende Vers aus der Sure an-Nur offenbart: „Diejenigen unter euch, die über Vorzüglichkeit und Wohlstand verfügen, sollen nicht schwören, ihren Verwandten und Bedürftigen sowie denjenigen, die um Allahs willen ihre Heimat verlassen haben, nichts zu geben. Sie sollen ihnen vergeben und ihre Fehler übersehen. Wollt ihr nicht, dass Allah euch vergibt? Und Allah ist vergebend und überaus barmherzig.“ (Sure an-Nur 22).
Nach der Offenbarung dieses Verses begann Abu Bakr, möge Allah mit ihm zufrieden sein, wieder wie zuvor Unterstützung zu leisten. In einem langen Hadith, der von Aischa, möge Allah mit ihr zufrieden sein, bei al-Buchari und Muslim überliefert wird, finden sich ausführliche Einzelheiten hierzu. (Al-Isaba 3/408).
Da er jedoch in den Vorfall verwickelt gewesen war, in dem eine keusche und tugendhafte Frau verleumdet wurde, und der Koran für sie folgende Strafe vorgeschrieben hatte: „Diejenigen, die keusche Frauen verleumden und nicht vier Zeugen beibringen, sollt ihr mit achtzig Peitschenhieben bestrafen.“ (Sure an-Nur 4), wurde auch er zusammen mit den anderen dieser Strafe unterzogen. Die weiteren aufrichtigen und berühmten Gefährten, die gemeinsam mit Mistah bestraft wurden, waren Hassan ibn Thabit und Hamna bint Dschahsch, die Schwester der Mutter der Gläubigen, Zainab bint Dschahsch, möge Allah mit ihr zufrieden sein. (Sira Ibn Hischam 1/302; Hayat as-Sahaba 1/590).
Wir müssen uns daran erinnern, dass die aufrichtigen Gefährten, die wie Mistah, möge Allah mit ihm zufrieden sein, in den Vorfall des Ifk verwickelt wurden, lediglich Opfer der Propaganda der Heuchler waren. Andernfalls hätte sich ein Mann wie Mistah nicht absichtlich darin verwickeln können. Außerdem bereuten sie und nahmen die Strafe demütig auf sich. Allah, Allahs Gesandter, die Mutter der Gläubigen Aischa, Abu Bakr und die gesamte muslimische Umma haben ihnen vergeben. Daher wäre es heute dem Glauben zuwider, ihnen gegenüber irgendeinen Groll zu hegen. Die größte Würdigung von Mistah, möge Allah mit ihm zufrieden sein, kommt in der Aussage der verehrten Aischa, möge Allah mit ihr zufrieden sein, zum Ausdruck: Er gehörte zu denjenigen, die bereits in der frühen Zeit den Islam annahmen, als Auswanderer ihre Heimat verließen und als Mudschahid am Kampf von Badr teilnahmen. Wie viele Verse des heiligen Korans wurden doch zu ihrem Lob offenbart!
Es besteht Uneinigkeit darüber, wann der verehrte Mistah starb. Einer Ansicht zufolge starb er im Jahr 34 nach der Hidschra während des Kalifats des verehrten Uthman. Einer anderen Ansicht zufolge starb er im Jahr 37 nach der Hidschra, nachdem er in jenem Jahr bei Siffin auf der Seite des verehrten Ali gekämpft hatte. Zum Zeitpunkt seines Todes war er 56 Jahre alt. (Usd al-Ghaba 4/355; Al-Isaba 3/408; Tabaqat 3/52).
Marsad ibn Abi Marsad al-Ghanawi, möge Allah mit ihm zufrieden sein
Der Vater von Marsad hieß Abu Marsad Kannaz ibn Husain. Vater und Sohn nahmen bereits in der frühen Phase des Beginns der islamischen Einladung in Mekka den Islam an und wanderten noch vor der Schlacht von Badr nach Medina aus. In Mekka war Marsad mit Hamza ibn Abd al-Muttalib verbündet. Nach seiner Auswanderung nach Medina ließ ihn der Gesandte, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, eine brüderliche Verbindung, die Mu’achāt, mit Aus ibn Samit eingehen, dem Bruder des berühmten ansarischen Gefährten Ubada ibn Samit. (Tabaqat 3/48; Al-Isaba 3/398).
Der verehrte Marsad und sein Vater Abu Marsad Kannaz waren tapfere Kämpfer in der Schlacht von Badr. In dieser Schlacht ritt Marsad auf einem Pferd namens Sabal und kämpfte an der Seite des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, mit außerordentlichem Mut. Auch an der Schlacht von Uhud nahm er teil. (Tabaqat 3/48; Sira Ibn Hischam 1/666).
In der vorislamischen Zeit hatte Marsad eine Beziehung zu einer Prostituierten namens ʿInāq in Mekka. Nachdem der Islam Unzucht verboten hatte, brach er diese Beziehung ab. Er war äußerst stark und mutig. Deshalb übertrug der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, ihm die Aufgabe, jene Muslime, die in Mekka von den Ungläubigen gefangen gehalten und gefoltert wurden, heimlich von Mekka nach Medina zu bringen. Zu diesem Zweck begab er sich einmal nach Mekka. Es war eine mondhelle Nacht. Er ging heimlich durch eine Gasse in Mekka. Da entdeckte ihn seine frühere Geliebte ʿInāq und rief nach ihm. Er blieb stehen. Sie begrüßte ihn in äußerst schmeichelndem Ton und verlockte ihn, die Nacht bei ihr zu verbringen. Marsad sagte: „ʿInāq, Allah hat Unzucht nun verboten.“ Über diese kühle Antwort war ʿInāq zutiefst verletzt. Von Rachsucht erfüllt, geriet sie außer sich. Sie ließ die Menschen wissen, dass Marsad gekommen war. Acht Männer verfolgten ihn. Er verbarg sich an einem sicheren Ort. Als die Verfolger ihn nicht finden konnten und zurückkehrten, kam er aus seinem Versteck hervor und machte sich direkt auf den Weg nach Medina. Nach seiner Ankunft in Medina begab er sich zum Gesandten Allahs und bat: „O Gesandter Allahs! Verheirate mich mit ʿInāq.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, schwieg, ohne zu antworten. Daraufhin wurde folgender Vers aus der Sure an-Nur offenbart:
„Ein Unzüchtiger heiratet nur eine unzüchtige Frau oder eine Götzendienerin, und eine unzüchtige Frau heiratet nur einen Unzüchtigen oder einen Götzendiener. Den Gläubigen ist dies verboten.“ (Sure an-Nur: 2)
Einige Angehörige der Stämme ʿUdal und al-Qāra kamen nach der Schlacht von Uhud nach Medina. Sie erschienen beim Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, und baten: „Einige Angehörige unseres Stammes haben den Islam angenommen. Schicke mit uns einige Männer, die sie die Religion und den Qurʾan lehren können.“ Nach der Überlieferung Ibn Ishaqs entsandte der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sechs Männer unter der Führung von Marsad ibn Abi Marsad. In al-Buchari wird jedoch überliefert, dass der Gesandte Allahs unter der Führung von ʿĀsim ibn Thābit zehn Männer entsandte. Marsad war einer von ihnen. Als die Gruppe den Ort ar-Radschīʿ, eine Wasserstelle der Banū Hudhail, erreichte, begannen die Männer von ʿUdal und al-Qāra auf verräterische Weise laut zu schreien. Die Männer der Banū Hudhail kamen mit gezückten Schwertern herbeigestürmt und umzingelten die Gruppe. Die Gefährten saßen auf ihren Pferden. Sie machten sich zum Kampf bereit. Doch die Banū Hudhail sagten: „Wir wollen euch nicht töten. Unser einziges Ziel ist es, von den Mekkanern im Austausch gegen euch Geld zu erlangen. Kommt freiwillig zu uns; wir versprechen es euch.“
Marsad, Chālid und ʿĀsim sagten: „Wir glauben dem Versprechen der Götzendiener nicht.“ Daraufhin kämpften sie und erlangten den Märtyrertod. Ihre drei anderen Gefährten, Chubaib, Zaid und ʿAbdullah ibn Tāriq, gaben sich hingegen etwas nachgiebig und ließen sich gefangen nehmen. Als die Feinde begannen, ihnen Hände und Füße zu fesseln, protestierte ʿAbdullah: „Das ist euer erster Verrat.“ Daraufhin steinigten sie ʿAbdullah am Ort Dschahrān zu Tode. Danach brachten sie Chubaib und Zaid nach Mekka. Bei den Quraisch befanden sich zwei Männer aus den Banū Hudhail in Gefangenschaft. Im Austausch gegen diese beiden ließen die Quraisch jene beiden frei. ʿUqba ibn al-Hārith ibn ʿĀmir nahm Chubaib an sich, um den Tod seines Vaters al-Hārith zu rächen. Hadhrat Chubaib hatte al-Hārith in der Schlacht von Badr getötet. Safwān ibn Umaiya nahm seinerseits Zaid an sich, um den Tod seines Vaters Umaiya ibn Chalaf zu rächen. So wurden beide Opfer des Rachedurstes der Quraisch und erlitten in Mekka unter äußerster Hilflosigkeit und grausam den Märtyrertod. In der Geschichte wird dieses Ereignis als „Wāqiʿat Yawm ar-Radschīʿ“ bezeichnet. Ibn Saʿd sagt, dass sich dieses Ereignis von ar-Radschīʿ im Monat Safar, sechsunddreißig Monate nach der Auswanderung des Gesandten, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, nach Medina ereignete. (at-Tabaqāt 3/48).
Asāḥus-Siyar, S. 160; Sīrat Ibn Hischām, S. 169–174).
Für die Befähigung und den Rang von Hadhrat Marsad, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, genügt bereits dieses Ereignis: Der Gesandte Allahs selbst, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, erwählte ihn als Lehrer der Religion. Da er noch zu Lebzeiten des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, starb, erhielt er keine Gelegenheit, seine wissenschaftliche Befähigung zu zeigen. Dennoch sind die Hadith-Werke keineswegs frei von Überlieferungen, die von ihm stammen. Ahmad ibn Sinān al-Qattān überlieferte in seinem Musnad, Imam al-Baghawi und al-Hākim in ihren Mustadrak-Werken und at-Tabarāni in seinem al-Awsat einen Hadith von Marsad. (Al-Isāba 3/398).
Abu Ahmad ibn Dschahsch, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm
Sein eigentlicher Name war ʿAbd, beziehungsweise nach einer anderen Auffassung ʿAbdullah; sein Beiname war Abu Ahmad. Sein Vater war Dschahsch ibn Riyāb und seine Mutter Umaima bint ʿAbd al-Muttalib. Einerseits war er der Cousin mütterlicherseits des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, andererseits der leibliche Bruder von dessen Ehefrau, der Mutter der Gläubigen, Hadhrat Zainab bint Dschahsch. (Ansāb al-Aschrāf 1/88; Al-Isāba 4/3).
In der Anfangsphase der islamischen Daʿwa des Gesandten Allahs in Mekka nahm Ahmad gemeinsam mit seinen beiden Brüdern ʿAbdullah und ʿUbaydullah den Islam an. Sie hatten den Islam bereits angenommen, bevor der Gesandte Allahs in Mekka im Haus von al-Arqam ibn Abi al-Arqam Zuflucht suchte. al-Baladhuri sagte, dass seine beiden Brüder ʿAbdullah und ʿUbaydullah nach Abessinien auswanderten, er selbst jedoch nicht. Er sagte ferner, dass alle Überlieferungen, in denen von seiner Auswanderung nach Abessinien die Rede ist, haltlos seien. (Ansab al-aschraf 1/199).
Ibn Ishaq berichtet über die Person Abu Ahmads und seine Auswanderung nach Medina: ʿAbdullah ibn Dschahsch gehörte zu den Ersten, die nach Abu Salama nach Medina kamen. Er brachte seine Familie sowie einen weiteren Bruder, Abu Ahmad, mit. Dieser Abu Ahmad war blind. Er bewegte sich ohne fremde Hilfe durch das unebene Gelände Mekkas. Farwa, die Tochter Abu Sufyans, war seine Ehefrau. Seine Mutter war Umayma, die Tochter ʿAbd al-Muttalibs.
Als sie ihre Häuser verließen und nach Medina zogen, gingen ʿUtba ibn Rabiʿa, al-ʿAbbas ibn ʿAbd al-Muttalib und Abu Dschahl ibn Hischam eines Tages an ihren verlassenen Häusern vorbei in Richtung des höher gelegenen Teils von Mekka. ʿUtba deutete auf das leere Haus, trug einen Vers des Dichters Abu Duʾad al-Iyadi vor und sagte voller Wehmut: „Das Haus der Banu Dschahsch ist völlig leer geworden.“ Abu Dschahl erwiderte: „Das ist eben die Folge dessen, was der Sohn unseres Bruders getan hat. Er hat unsere Einigkeit gespalten, alles von uns durcheinandergebracht und uns voneinander getrennt.“ … In Medina lebten Abu Salama ibn ʿAbd al-Asad, ʿAbdullah ibn Dschahsch und Abu Ahmad in der Siedlung der Banu ʿAmr ibn ʿAuf bei Kuba. (Sira Ibn Hischam 1/470–472).
Nach seiner Ankunft in Medina war er zunächst Gast von Mubaschschir ibn ʿAbd al-Mundhir. In Mekka gab es eine Gruppe von Menschen, deren ständige Beschäftigung darin bestand, gegen den Islam zu intrigieren und die Muslime zu quälen. An der Spitze dieser Gruppe standen zwei Männer: Abu Sufyan und Abu Dschahl. Da Abu Ahmad frühzeitig ausgewandert war und sich ihrem Zugriff entzogen hatte, blieb er von ihren direkten Schikanen verschont. Abu Sufyan verkaufte jedoch ihr verlassenes Haus unrechtmäßig an ʿAmr ibn ʿAlqama. (Sira Ibn Hischam 1/499)
Vermutlich war Farwa, die Tochter Abu Sufyans, die Schwiegertochter dieses Hauses und verkaufte es aufgrund dieses Anspruchs. (Sira Ibn Hischam 1/500). Nach der Eroberung Mekkas im achten Jahr nach der Hidschra brachte Abu Ahmad die Angelegenheit ihres Hauses beim Gesandten Allahs zur Sprache. Die Leute hielten ihn zurück und sagten: „Abu Ahmad, was ihr auf Allahs Weg verloren habt, solltet ihr jetzt nicht zurückfordern – der Gesandte Allahs mag das nicht.“ Einer anderen Überlieferung zufolge ließ der ehrwürdige Gesandte Allahs Abu Ahmad nach dessen Forderung durch ʿUthman etwas ausrichten. ʿUthman flüsterte ihm diese Worte ins Ohr. Danach äußerte er bis kurz vor seinem Tod kein einziges Wort mehr über das Haus. Später erfuhren seine Kinder, dass der ehrwürdige Gesandte Allahs ihn aufgefordert hatte, auf die Forderung nach dem Haus zu verzichten, und ihm dafür die frohe Botschaft von einem Palast im Paradies verkündet hatte.
Dennoch verfasste er ein feuriges Gedicht an Abu Sufyan. Einige seiner Verse lauten: „Sagt Abu Sufyan, dass das Ergebnis dessen, was er getan hat, Schande und Reue ist. Du hast die Häuser deiner Vettern verkauft und damit deine eigenen Schulden beglichen.“
Beim Allah, dem Herrn der Menschen, habe ich einen festen Eid geschworen. Geh, nimm es mit; ich habe dieses Geld zu einer Kette um deinen Hals gemacht, wie eine Kette um den Hals einer Taube – eine Kette, die niemals abgerissen werden kann und von der du dich niemals wirst lösen können. (Sira Ibn Hischam 2/644).
Als die Ehe des Gesandten Allahs mit Zayd ibn Haritha, seinem freigelassenen Sklaven, und Zaynab bint Dschahsch geschieden wurde, war es Abu Ahmad, der sie mit dem Gesandten Allahs verheiratete. (Sira Ibn Hischam 2/644) Der ehrwürdige Abu Ahmad starb in Medina. (Ansab al-aschraf 1/199).
Über den Zeitpunkt seines Todes gibt es jedoch erhebliche Meinungsverschiedenheiten. Ibn al-Athīr erklärte mit Nachdruck: Er starb nach seiner Schwester Zaynab bint Dschahsch, also nach dem Jahr 20 n. H. Denn Zaynab starb im Jahr 20 n. H. Ibn Hadschar unterstützte diese Ansicht nicht. Er sagt, es gebe auch eine Überlieferung, wonach seine Schwester Zaynab nach dem Tod Abū Ahmads Parfüm bringen ließ und es auf seinen Körper auftrug. In al-Buchārī und Muslim wird von Zaynab bint Umm Salama überliefert, dass sie sagte: „Als ein Bruder von Zaynab bint Dschahsch starb, ging ich zu Zaynab. Sie ließ Parfüm bringen und trug es auf seinen Körper auf.“ Ibn Hadschar sagt, dies müsse sich beim Tod Abū Ahmads ereignet haben. Denn Zaynabs andere beiden Brüder, ʿAbdullāh, fielen noch zu Lebzeiten des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in Uhud als Märtyrer, während ʿUbaydullāh als Abtrünniger in Abessinien starb. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, heiratete dessen Frau Umm Habība. (al-Isāba 4/4).
ʿAmr ibn Saʿīd ibn al-ʿĀs, möge Allah mit ihm zufrieden sein
ʿAmrs Beiname war Abū ʿUqba. Sein Vater war Saʿīd ibn al-ʿĀs. Er stammte aus dem umayyadischen Zweig des Stammes Quraisch. Seine Mutter war eine Tochter aus dem Stamm Banū Machzūm. ʿAmr war ein Cousin mütterlicherseits von Chālid ibn al-Walīd. (Usd al-Gāba 4/106). (al-Isāba 2/539).
Saʿīd ibn al-ʿĀs hatte fünf Söhne: Chālid, Abān, Saʿīd, ʿAbdullāh und ʿAmr. Sie alle nahmen zu unterschiedlichen Zeiten den Islam an. az-Zubair ibn Bakkār berichtet: Abū Uḥaiha Saʿīd ibn Saʿīd, ein Sohn Saʿīd ibn al-ʿĀs’, fiel während der Belagerung von Tāʾif als Märtyrer. Der frühere Name ʿAbdullāh ibn Saʿīds war al-Hakam. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, änderte ihn in ʿAbdullāh. ʿAmr ibn Saʿīd fiel in der Schlacht von Adschnādayn als Märtyrer. Danach nahmen Chālid und ʿAmr den Islam an. Ibn Ishāq sagt, ʿAmr habe keine Nachkommen gehabt. Abān, der andere Sohn Saʿīd ibn al-ʿĀs’, nahm als Letzter den Islam an. Abān war über den Übertritt seiner Brüder, insbesondere Chālids und ʿAmrs, zutiefst erzürnt. Chālid, ʿAmr und Abān waren allesamt Dichter. Nachdem seine beiden Brüder Chālid und ʿAmr den Islam angenommen hatten, verfasste er zudem ein Gedicht, in dem er sie tadelte. Chālid und ʿAmr antworteten ihm ebenfalls in Gedichtform. In Werken wie al-Isāba, der Sīra Ibn Hišāms und Usd al-Gāba sind einige Teile dieser Gedichte überliefert. Eine Zeile aus dem Gedicht, das Abān zum Tadel seiner Brüder verfasste, lautet: „O weh! Wenn doch der Verstorbene von Dschabīra sehen könnte, welche Lüge ʿAmr und Chālid in religiösen Angelegenheiten auf sich genommen haben!“
Ihr Vater Saʿīd ibn al-ʿĀs war an einem Ort namens Dschabīra bestattet. Darauf wird hier angespielt. ʿAmr antwortete in einem Gedicht. Eine Zeile daraus lautet: „Lasst nun jene Toten beiseite, die ihres Weges gegangen sind. Kommt nun zu jener Wahrheit, deren Wahrhaftigkeit völlig offenkundig ist.“ (al-Isāba 2/539). (Sīrat Ibn Hišām 2/360).
Zwei Jahre nach der Auswanderung Chālid ibn Saʿīds nach Abessinien wanderte ʿAmr ibn Saʿīd mit der zweiten Gruppe, die nach Abessinien auswanderte, gemeinsam mit seiner Frau Fātima bint Safwān dorthin aus. Fātima bint Safwān starb in Abessinien. (Sīrat Ibn Hišām 2/360). ʿAmr erreichte von Abessinien aus während des Feldzugs von Chaibar zusammen mit einer muslimischen Karawane auf dem Seeweg Medina. Nach seiner Ankunft in Medina nahm er gemeinsam mit dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, an der Eroberung Mekkas sowie an den Feldzügen von Hunain, Tāʾif, Tabūk und weiteren teil.
Der edle Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ernannte die drei Söhne Saʿīds, Abān, Chālid und ʿAmr, zu Statthaltern dreier Gebiete. Chālid war Statthalter des Jemen, Abān von Bahrain und ʿAmr der westlichen Region von Medina, nämlich von Tabūk, Chaibar, Fadak und anderen Gebieten. Sie alle erfüllten ihre Aufgaben bis zum Tod des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, äußerst gewissenhaft. Nach seinem Tod begaben sie sich nach Medina. Nachdem der edle Abū Bakr, möge Allah mit ihm zufrieden sein, das Kalifat übernommen hatte, bat er sie, auf ihre früheren Posten zurückzukehren, und sagte: „Ich sehe niemanden, der für die Verwaltung dieser Gebiete geeigneter wäre als euch.“ (al-Isāba 2/539).
Doch die Söhne Saʿīd ibn al-ʿĀs’ lehnten die Bitte des Kalifen mit den Worten ab: „Nach dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, werden wir niemandes Verwalter oder Statthalter mehr sein.“
Nachdem Hazrat Abu Bakr die Verantwortung des Kalifats übernommen hatte, beschloss er, ein Heer gegen die Römer nach Syrien zu entsenden. Bei einer Versammlung bedeutender Gefährten wurde dieses Thema ausführlich erörtert und ihre Meinung eingeholt. Einer nach dem anderen äußerten alle ihre Ansicht, während manche schwiegen. Da sagte Hazrat Umar eines Tages, um alle anzuspornen: Würdet ihr nur dann ausziehen, wenn Aussicht auf einen baldigen Erfolg bestünde oder die Reise nahe bevorstünde? Über diese Äußerung Umars reagierte Amr ibn Sa’id verärgert und sagte: Hast du ein Beispiel, das auf die Heuchler angewandt wurde, auf uns angewandt? Warum sitzt du selbst schweigend da? Fang du doch als Erster an! Darauf kam es zwischen ihm und Umar zu einem heftigen Wortwechsel. Schließlich sagte der Kalif Abu Bakr: In Wirklichkeit bezweckt Umars Äußerung, euch zu inspirieren und anzuspornen. Sofort erhob sich Amrs Bruder Khalid und hielt eine Rede zur Unterstützung der Aussage des Kalifen. Auf diese Weise wurde die Angelegenheit entschieden. (Hayatus Sahaba-1440)
Amr lehnte das Amt eines Statthalters ab und nahm als einfacher Mudschahid am Feldzug nach Syrien teil. Im Jahr 13 nach der Hidschra fand die Schlacht von Adschnada’in statt. Er kämpfte äußerst tapfer. Sobald er eine gewisse Schwäche im muslimischen Heer bemerkte, rief er laut und versuchte auf verschiedene Weise, die Moral zu stärken. Einmal sagte er voller Gefühl: Auf dem Schlachtfeld kann ich die Schwäche meiner Gefährten überhaupt nicht ertragen. Jetzt werde ich selbst hineingehen. Mit diesen Worten durchbrach er die Schlachtreihe in der Mitte des feindlichen Heeres und drang ins Innere vor. Während er mit äußerstem Wagemut kämpfte, erlangte er das Martyrium. Nach der Schlacht wurde seine Leiche geborgen; man stellte fest, dass sein ganzer Körper von unzähligen Wunden durchsiebt war. Bei der Zählung wurden insgesamt dreißig Verletzungen festgestellt. Nach Ansicht von Ibn Ishaq und Musa ibn Uqba erlangte Amr allerdings in der Schlacht von Marj as-Safar das Martyrium. (Al-Isaba-2/539)
Waqid ibn Abdullah
Sein Name war Waqid, sein Vater Abdullah. Er stammte aus dem hanẓalischen, yarbuʿischen Zweig des Stammes Banu Tamim. In der vorislamischen Zeit war er mit Khattab ibn Nufail durch ein Schutz- und Bündnisverhältnis verbunden. (Tabaqat-3/390, Al-Isaba-3/628).
Noch bevor Hazrat Rasul-e Karim in Mekka zu Beginn der islamischen Einladung das Haus von Hazrat Arqam ibn Abi al-Arqam betrat, nahm Waqid den Islam an. Nachdem der Befehl zur Hidschra ergangen war, wanderte er nach Medina aus und wurde Gast von Hazrat Rifa’a ibn Abd al-Mundhir. In Medina stiftete der Gesandte Allahs zwischen ihm und Bishr ibn al-Bara ibn Ma’rur eine Mu’akhāt, also ein brüderliches Verhältnis. (Tabaqat-3/390).
Der siebzehnte Monat nach der Auswanderung von Hazrat Rasul-e Karim nach Medina war der Monat Radschab. In diesem Monat entsandte er unter der Führung von Hazrat Abdullah ibn Dschahsch ein Kontingent von zwölf, nach anderer Auffassung neun, Männern nach Nakhla, um die Bewegungen der Quraisch zu beobachten. Auch Waqid ibn Abdullah gehörte dazu. Sie erreichten Nakhla und legten sich dort in einen Hinterhalt. Da erblickten sie eine kleine Handelskarawane der Quraisch. Es war der allerletzte Tag des Radschab. Der Monat Radschab war einer der vier Monate, in denen die Araber den Krieg verboten hatten. Daher berieten sich die Mitglieder des muslimischen Heeres darüber, ob zu dieser Zeit ein Angriff zulässig sei. Schließlich wurde der Angriff beschlossen.
Waqid ibn Abdullah schoss einen Pfeil ab. Der von ihm abgeschossene Pfeil tötete Amr ibn al-Hadrami auf Seiten des Feindes, und zwei Männer namens Uthman und Hakam wurden gefangen genommen.
Da sich das Blutvergießen in einem heiligen Monat ereignet hatte, begannen die Quraisch, allerlei Propaganda gegen den Gesandten Allahs und die Muslime zu verbreiten. Sie sagten: Achten Muhammad und seine Anhänger etwa nicht auf die Heiligkeit der heiligen Monate, die seit jeher eingehalten werden? Sogar der Gesandte Allahs selbst konnte den Vorfall nicht akzeptieren. Er rief die Männer des Heeres zu sich und sagte: Ich habe euch doch keine Erlaubnis zum Kämpfen gegeben; warum habt ihr dann gekämpft? In diesem Zusammenhang wurde der folgende Vers aus der Sure al-Baqara offenbart:
„O Muhammad, sie fragen dich nach dem Kämpfen im heiligen Monat. Sag ihnen: In ihm zu kämpfen ist eine große Sünde. Doch vom Weg Allahs abzuhalten, Ihn zu verleugnen, die Menschen daran zu hindern, in der Heiligen Moschee zu beten, und ihre Bewohner von dort zu vertreiben, ist bei Allah eine noch größere Sünde als das Kämpfen in diesem Monat. Und Unruhe und Verderben zu stiften ist eine schwerwiegendere Sünde als Töten. (Sure al-Baqara 2:217).“
(Al-Isaba 3/628), Asahus-Siyar 128).
Wie dem auch sei: ʿAmr ibn al-Hadrami war der erste Ungläubige, der durch die Hand eines Muslims getötet wurde; ʿUthman und Hakam waren die ersten beiden Gefangenen in der Geschichte des Islam, und die von der Karawane der Quraisch erbeuteten Güter waren die erste Kriegsbeute des Islam. (Asahus-Siyar 128).
Nach diesem Ereignis pflegten die Banu Yarbu stolz zu verkünden, dass einer der Ihren in der Geschichte des Islam als Erster einen Götzendiener getötet habe. ʿUmar ibn al-Khattab sagte in Versen: „In Nakhla ließen wir unsere Pfeile das Blut Ibn al-Hadramis trinken, als Waqid das Feuer des Krieges entfachte. (Al-Isaba 3/628)
Nach Nakhla nahm er an allen Schlachten teil, darunter Badr, Uhud und der Grabenschlacht. Er starb zu Beginn der Regierungszeit des zweiten Kalifen, ʿUmar. Er hatte keine Nachkommen. In den Hadith-Sammlungen finden sich ein oder zwei von ihm überlieferte Hadithe.
ʿAbdullah ibn Makhrama, Allahs Wohlgefallen sei ihm
Sein vollständiger Name war Abu Muhammad ʿAbdullah. Sein Vater war Makhrama ibn ʿAbdil-ʿUzza und seine Mutter Bahsana bint Safwan. Er stammte aus dem ʿAmiri-Zweig des Stammes Quraisch. (Al-Isaba 2/365).
Zu Beginn der islamischen Verkündigung nahm er in Mekka den Islam an. Gemeinsam mit der zweiten Gruppe, die mit Jaʿfar ibn Abi Talib, Allahs Wohlgefallen sei ihm, nach Abessinien aufbrach, wanderte er nach Abessinien aus. Von dort ging er direkt nach Medina und war Gast im Haus von Kulthum ibn Hidam. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, stiftete zwischen ihm und Farwa ibn ʿAmr al-Bayadi, Allahs Wohlgefallen sei ihm, eine religiöse Bruderschaft. Nach seiner Ankunft in Medina nahm er als Erstes an der Schlacht von Badr teil und erlangte die große Ehre, zu den Badr-Gefährten zu gehören. Damals war er dreißig Jahre alt. Nach Badr nahm er gemeinsam mit dem Gesandten, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, an allen Schlachten teil, darunter auch Uhud.
Hazrat ʿAbdullah hegte einen so glühenden Wunsch nach dem Märtyrertod, dass er stets danach verlangte, jedes einzelne Haar seines Körpers mit Blut zu färben. Er pflegte zu beten: „O Allah, nimm mich nicht aus dieser Welt, solange nicht jedes Gelenk meines Körpers durch wiederholte Schläge verwundet und zerschunden ist.“ Dieses Gebet wurde erhört, und schon bald bot sich ihm auch die Gelegenheit dazu.
Während des Kalifats von Hazrat Abu Bakr as-Siddiq kam es zu einer Welle des Abfalls vom Glauben, der Ridda. Er schloss sich dem Feldzug gegen sie als Mujahid an. Gegen die Abtrünnigen kämpfte er so unerbittlich, dass sein ganzer Körper von Wunden durchlöchert wurde. Es war der gesegnete Monat Ramadan, und er fastete. Als bei Sonnenuntergang auch der Abend seines Lebens herannahte, kam Hazrat ʿAbdullah ibn Makhrama, um sich nach ihm zu erkundigen. ʿAbdullah ibn Makhrama bat ihn: „Bringt auch für mich etwas Wasser.“ Als er mit dem Wasser zurückkehrte, sah er dessen leblosen Körper daliegen. Er fiel in der Schlacht von Yamama als Märtyrer. Bei seinem Tod war er erst einundvierzig Jahre alt. (Al-Isaba, 2/365).
In Bezug auf Wissen, Taten, Gottesfurcht und Frömmigkeit besaß er besondere Vorzüge. Der Verfasser von Usud al-Ghaba schrieb, er sei ein gottesdienstlich dienender Mann von großer Würde gewesen.
Quellenangaben:
1. Ibn Saʿd: Tabaqat
2. Ibn Hadschar al-ʿAsqalani: Al-Isaba
3. Ibn Hadschar al-ʿAsqalani: Tahdhib at-Tahdhib
4. Ibn al-Athir: Usud al-Ghaba
5. Ibn Athir: Tajrid Asma as-Sahaba
6. al-Baladhuri: Ansab al-Ashraf
7. adh-Dhahabi: Tadhkirat al-Huffaz
8. adh-Dhahabi: Tarikh al-Islam
9. Ibn Kathir: al-Bidaya wa-n-Nihaya
10. Ibn Asakir: at-Tarikh al-Kabir
11. az-Zirikli: al-A’lam
12. al-Qurtubi: al-Isti’ab (Randglosse zu al-Isaba)
13. Ibn Hischam: As-Sira
14. at-Tabari: Tarich al-Umam wa-l-Muluk
15. Maulana Yusuf Kandhalawi: Hayatus Sahaba
16. Muinuddin Ahmad Nadwi: Muhadschirin
17. Dr. Abd ar-Rahman Ra’fat al-Bascha: Suwar min Hayat as-Sahaba
18. Chalid Muhammad Chalid: Ridschal haul ar-Rasul
19. Muhammad Chudri Bek: Tarich al-Umma al-Islamiyya
20. Daira-e-Maarif-e-Islamiyya (Urdu)
21. Verschiedene Hadith-Werke.