Einleitung
Geschichte und Sīra
In der vorislamischen Zeit wussten die Araber nicht, was Geschichte war. Für sie bestand Geschichte aus mündlichen Überlieferungen, die sie von ihren Vorfahren übernommen hatten. Die Beschreibung des Wesens und der Natur des arabischen Lebens war der einzige Bestandteil der damals verbreiteten Geschichtsschreibung. Sie war erfüllt von den ruhmreichen Erzählungen über die Heldentaten ihrer Vorväter, deren Freigebigkeit, ihre Treue zum eigenen Stamm und ihre Verlässlichkeit gegenüber gegebenen Versprechen. Diese Geschichte war reich an Stammbäumen sowie an Darstellungen, die Freund und Feind kenntlich machten. Die Geschichte der heiligen Kaaba und ihrer Hüter, der Ursprung des Zamzam-Brunnens, die Lebensgeschichten der Führer von Dschurhum und Quraisch, die Erzählung von der Überschwemmung nach dem Bruch des Dammes von Ma’rib und davon, wie dessen Bewohner infolgedessen in viele Gruppen zerstreut wurden und sich in alle Richtungen verteilten, die Weissagungen der Wahrsager und Priester sowie ihre rhythmische Prosa und Dichtung und Ähnliches – all dies, wodurch sich das Wesen des sozialen, politischen und religiösen Lebens der damaligen Araber erkennen lässt –, bildete den hauptsächlichen Inhalt der Geschichte des arabischen Volkes. Als der Islam durch den Propheten Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, erneut hervortrat, wurden jene auf mündlicher Überlieferung beruhenden Geschichten weiterhin von Mund zu Mund weitergegeben. Darüber hinaus fanden die arabischen Erzähler und Geschichtenerzähler in den Aufrufen zum Islam, den zuvor wahrgenommenen Vorzeichen des Prophetentums, seiner Entwicklung und seinem Heranwachsen, seinem Leben nach Beginn des Prophetentums, den Ereignissen im Leben der Gefährten des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sowie den Geschichten der nominellen Muslime, Christen, Juden und Götzendiener, die dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und seinem vorbildlichen Leben feindselig gegenüberstanden, einen umfassenden und weitreichenden Stoff. Daher verbreiteten sich auch diese neuen Geschichten auf dieselbe Weise durch mündliche Erzählung unter ihnen. Der Heilige Koran, die Hadithe des großen Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und die Äußerungen der Gefährten wurden zu einem umfangreichen Beleg für dieses neue Leben.
Der Heilige Koran war von Anfang an schriftlich festgehalten. Die Hadithe des großen Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, blieben jedoch lange Zeit ungeschrieben, obwohl die Menschen sie als zuverlässige und authentische Überlieferungen kannten. Niemand wagte es, die Hadithe umfassend schriftlich festzuhalten. Wegen der von Abu Sa’id überlieferten Aussage des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – „Schreibt nichts von mir außer dem Koran; und wenn ihr etwas geschrieben habt, dann tilgt es“ –, wagte niemand, sie niederzuschreiben.
Die Bedeutung dieses Verbots ist völlig klar. Während der Offenbarung des Korans bestand die Befürchtung, dass die aufgezeichneten Aussagen des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, mit dem Koran vermischt und mit ihm untrennbar verbunden werden könnten. Es bedarf keiner weiteren Erklärung, dass dieses Verbot ausschließlich mit dem großen Ziel ausgesprochen wurde, eine solche Vermischung zu vermeiden, und dass es auf die Zeit der Offenbarung des Korans begrenzt war.
Dennoch wurde bis zum Beginn der Regierungszeit von Umar ibn Abd al-Aziz nicht umfassend mit der Zusammenstellung der Hadithe begonnen. Er bekleidete das Kalifenamt von 99 bis 101 nach der Hidschra. Es wird berichtet, dass er vierzig Tage lang Istikhara verrichtete, um zu entscheiden, ob er mit der Zusammenstellung der Hadithe beginnen sollte. Schließlich erhielt er von Allah den Hinweis, dass es seine Pflicht sei, damit zu beginnen. Daraufhin beauftragte er Abu Bakr ibn Muhammad ibn Umar ibn Hazm mit der Sammlung der Hadithe. Abu Bakr war Gouverneur und Richter von Medina. Er lebte bis zum Jahr 120 nach der Hidschra. Die Hadithe, die er auswendig kannte, schrieb er in Form eines Buches nieder und sandte es zur Durchsicht in verschiedene Städte. Umar ibn Abd al-Aziz beauftragte auch Muhammad ibn Muslim ibn Schihab az-Zuhri mit der Sammlung der Hadithe. Dieser verfasste ein Hadith-Werk.
Von da an setzten die Muslime die Sammlung der Hadithe fort. Diese Arbeit folgte jedoch keiner bestimmten Ordnungsmethode; jeder sammelte sie auf die Weise, die ihm angemessen erschien. Manche schrieben sie in Form eines Buches unter einem bestimmten Kapitel der Rechtsbestimmungen der Scharia nieder. Danach entwickelte sich diese Art der Buchzusammenstellung weiter. In dieser Phase sehen wir, dass viele die Kapitel der Hadith-Werke ordneten und aus diesen Büchern die Lebensgeschichte des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, herauslösten. In dieser Phase hielten sie seine Geburtsgeschichte, seine Pflege im Haus der Amme und andere Ereignisse aus der Zeit vor dem Prophetentum schriftlich fest. Danach gaben sie eine ausführliche Darstellung seines Aufrufs der Quraisch zur Religion Allahs, seiner Geduld angesichts der von den Quraisch gegen ihn und seine Gefährten verübten Unterdrückung und Verfolgung sowie anderer damit zusammenhängender Ereignisse. Zugleich nahmen sie auch Hadithe über die Ereignisse der Kriege und Schlachten auf.
Die Historiker gingen einen anderen Weg. Sie verfassten umfangreiche Werke über die Geschichte. Darin spiegelte sich ihre islamische Begeisterung wider; deshalb fanden sie in der Persönlichkeit des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ein zweifellos nachahmenswertes Vorbild für die Muslime und eine Quelle der Rechtleitung.
Die bedeutendsten muslimischen Historiker bei der Abfassung von Sira-Werken
Die ersten Verfasser von Sira-Werken waren Urwa ibn az-Zubair ibn al-Awwam (92 n. H.), Abban ibn Uthman (105 n. H.), Wahb ibn Munabbih (110 n. H.), Schurahbil ibn Saʿd (123 n. H.), Ibn Schihab az-Zuhri (124 n. H.) und Abdullah ibn Abu Bakr ibn Hazim (135 n. H.). Fast alle ihrer Werke sind verlorengegangen. Einige Teile fanden jedoch verstreut Aufnahme in verschiedenen Geschichtswerken. In diesem Zusammenhang ist besonders auf at-Tabaris Geschichte hinzuweisen. Ein Teil des Werkes von Wahb ibn Munabbih wird gegenwärtig in der deutschen Stadt Heidelberg aufbewahrt.
Nach ihnen trat eine weitere Gruppe von Verfassern historischer und Sira-Werke hervor. Zu den berühmtesten unter ihnen gehörten Musa ibn Uqba (141 n. H.), Maʿmar ibn Raschid (150 n. H.) und Muhammad ibn Ishaq (152 n. H.). Die bedeutendsten Vertreter der darauffolgenden Generation waren Ziyad al-Buqaʿi (183 n. H.), al-Waqidi, der Verfasser des Maghazi-Werkes – einer Geschichte der unter der Führung des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Heil seien auf ihm, geführten Kriege – (207 n. H.), Ibn Hischam (218 n. H.) und der berühmte Verfasser der Tabakat, Ibn Saʿd (230 n. H.).
Die Sira von Ibn Ishaq
Unter den genannten Sira-Werken ist die Sira von Muhammad ibn Ishaq das berühmteste, am besten belegte und zuverlässigste sowie das bedeutendste Werk. [1. „Muhammad ibn Ishaq ibn Yasar ibn Abd al-Muttalib ibn Abd Manaf war ein freigelassener Sklave. Sein Großvater Yasar war einer der Kriegsgefangenen aus der Stadt Ain at-Tamr, die westlich von Kufa in Richtung Bariya liegt. Als diese Stadt im Jahre 12 nach der Hidschra während des Kalifats des ehrwürdigen Abu Bakr in muslimischen Besitz gelangte, wurde Yasar nach Medina gebracht. Dort wurde sein Enkel Muhammad im Jahre 85 nach der Hidschra geboren. Er verbrachte seine Jugend in Medina. Danach begab er sich auf Reisen in die von Muslimen bewohnten Länder. Im Jahre 115 nach der Hidschra reiste er nach Alexandria, wo er von einer Gruppe ägyptischer Hadithgelehrter Hadithe sammelte und überlieferte. Anschließend reiste er nach al-Dschazira, Kufa, Rai, Buhaira und schließlich nach Bagdad. Dort verstarb er im Jahre 152 nach der Hidschra. Der berühmte Gelehrte Ibn Adi äußerte über ihn: ‚Selbst wenn Ibn Ishaqs einziges Verdienst darin bestünde, die zeitgenössischen Könige davon abzuhalten, törichte Bücher zu verfassen, und sie dazu anzuregen, sich der Niederschrift der bewaffneten Kämpfe des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Heil seien auf ihm, seiner Berufung zum Prophetentum und der Geschichte der Erschaffung der Welt zu widmen, würde er aufgrund dieses Verdienstes dennoch als der führende und größte unter ihnen gelten.‘“] Dieses Werk verfasste er zu Beginn der Abbasidenherrschaft. Es wird berichtet, dass er einst in Bagdad den Hof des Abbasidenherrschers Mansur betrat. Vor Mansur saß dessen Sohn Mahdi. Mansur sagte: „Ibn Ishaq, weißt du, wer dieser ist?“ Ibn Ishaq antwortete: „Ja, der Sohn des Fürsten der Gläubigen (Mansur).“ Darauf sagte Mansur: „Geh und verfasse für ihn ein Buch, in dem alle Ereignisse von der Erschaffung Adams (Friede sei mit ihm) bis zum heutigen Tag beschrieben werden.“ Ibn Ishaq ging daraufhin fort und legte Mansur nach einiger Zeit das betreffende Werk vor. Mansur sagte: „Ibn Ishaq, du hast das Buch übermäßig umfangreich gemacht. Schreibe es nun in gekürzter Form.“ Danach wurde dieses gewaltige Werk in der Schatzkammer des Kalifen aufbewahrt.
Die Sira von Ibn Hischam
Nach Ibn Ishaq kam Ibn Hischam. [2. Abu Muhammad Abd al-Malik ibn Hischam ibn Ayyub al-Himyari. Sein Geburtsort war Basra. Später ging er nach Ägypten und traf dort Imam Schafii. Danach widmeten sich beide intensiv der arabischen Dichtkunst. Neben der gekürzten Zusammenstellung der Sira von Ibn Ishaq verfasste Ibn Hischam auch ein Werk über die Herrscher und die Genealogie des himyarischen Stammes. Außerdem verfasste er ein weiteres Werk, in dem er seltene Gedichte mit Bezug zur Sira erläuterte. Er verstarb im Jahre 218 nach der Hidschra in der Stadt Fustat.] Er legte uns dieses Sira-Werk in gekürzter Form vor. Diese Arbeit vollendete er etwa ein halbes Jahrhundert nach der Abfassung des ursprünglichen Werkes durch Ibn Ishaq. Bei der Erstellung dieser gekürzten Fassung des Werkes von Ibn Ishaq stützte er sich auf die Vermittlung nur eines einzigen Mannes, Ziyad al-Buqaʿi. [3. Der Hadith-Gelehrte Abu Muhammad Ziyad ibn Abd al-Malik ibn at-Tufail al-Buqaʿi al-Amiri al-Kufi. Er wurde al-Buqaʿi genannt, weil er aus Buqa stammte, einem Zweig der Banu Amir ibn Saʿsaʿa. Er kam nach Bagdad und lernte dort von Ibn Ishaq die Berichte über die Feldzüge des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Heil seien auf ihm, sowie von Muhammad ibn Salim die Vorschriften der Scharia; diese lehrte und verbreitete er anschließend. Danach kehrte er nach Kufa zurück. Dort verstarb er während der Herrschaft des Kalifen Harun ar-Raschid im Jahre 183 nach der Hidschra. Dass Ibn Hischam seinen Lehrer angemessen würdigte, belegen die zu Beginn des Werkes angeführten Worte: ‚Ich habe all jene Dinge weggelassen, deren Erwähnung vielen unangenehm sein könnte oder die Buqaʿi uns nicht durch seine eigene Überlieferung als zuverlässig erwiesen hat.‘] Das von Ibn Hischam überlieferte ursprüngliche Werk Ibn Ishaqs legt den Inhalt des vorliegenden Werkes in stark gekürzter und bearbeiteter Form dar. An einigen Stellen fügte er Ergänzungen und kritische Bemerkungen hinzu. Mitunter verglich und überprüfte er auch die Überlieferungen Ibn Ishaqs anhand der Überlieferungen anderer Gelehrter. Eine Darstellung der von ihm bei der Zusammenstellung dieses Werkes befolgten Methode gab er bereits an dessen Anfang. Dennoch hegen wir keinen Zweifel daran, dass Ibn Hischam das Werk Ibn Ishaqs mit vollkommener Aufrichtigkeit, Zuverlässigkeit und Hingabe zusammengestellt hat. Er änderte kein einziges Wort davon. Und überall dort, wo er es für notwendig erachtete, einen Mangel in Ibn Ishaqs Überlieferung aufzuzeigen, eine schwer verständliche Aussage zu erklären oder eine andere, der betreffenden Überlieferung widersprechende Überlieferung anzuführen, leitete er dies mit den Worten „Ibn Hischam sagt“ ein.
Die Kürzung war im Wesentlichen sein Hauptziel bei der Zusammenstellung seines Sira-Werkes. Deshalb ließ er die Geschichte von der Frühzeit der Schöpfung bis zur Geschichte der Nachkommen des ehrwürdigen Ismael sowie alle anderen Erzählungen weg, bei denen er keinen Bezug zur Sira erkennen konnte. Auch jene Gedichte nahm er nicht in das Werk auf, an deren Echtheit er zweifelte.
Wer aus der Zusammenstellung Ibn Hischāms den Inhalt des ursprünglichen Sīra-Werks zu erschließen versucht, wird darin ein Höchstmaß an Aufrichtigkeit und äußerster Zuverlässigkeit erkennen – Eigenschaften, die für die muslimischen Gelehrten jener frühen Zeit kennzeichnend waren.
Die Bedeutung der Sīra Ibn Hischāms
Im Wesentlichen gilt das Sīra-Werk Ibn Isḥāqs für die Leser der Sīra seit der frühesten Zeit bis heute als das wichtigste maßgebliche Werk. Nur wenige, die sich auf die Lebensgeschichte des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, spezialisiert hatten, haben das Sīra-Werk Ibn Isḥāqs nicht als den wichtigsten Wegweiser auf diesem Gebiet angesehen. Eben diese Sīra Ibn Isḥāqs ist unter den Gelehrten seit alter Zeit unter dem Namen „Sīra Ibn Hischām“ bekannt. Denn Ibn Hischām war der Herausgeber und Kürzer dieses Werkes. Ibn Challikān sagt: „Ibn Hischām hat die gesamte Lebensgeschichte des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die Ibn Isḥāq zusammengetragen hatte – einschließlich seiner militärischen und seiner allgemeinen Lebensgeschichte –, zusammengeführt, herausgegeben und gekürzt. Genau dieses Werk liegt der Leserschaft heute unter dem Namen Sīra Ibn Hischām vor.“
Eine beträchtliche Zahl von Kommentatoren und Erklärern machte sich daran, Kommentare zur Sīra Ibn Hischāms zu verfassen. Unter ihnen ist der Kommentar „ar-Rauḍ al-Anif“ von Abū l-Qāsim ʿAbd ar-Raḥmān as-Suhailī (581 n. H.) besonders ausführlich und umfangreich. [4. Abū l-Qāsim ʿAbd ar-Raḥmān ibn ʿAbdallāh ibn Aḥmad ibn al-Chusaimī as-Suhailī al-Andalusī al-Mālikī. Suhail ist der Name eines Tals im Bezirk Kūra in Spanien. Er wurde im Jahr 508 n. H. geboren und lebte dort. Später verbrachte er drei Jahre in Marokko und verstarb dort im Jahr 581 n. H.] Danach widmete sich Abū Dharr al-Chuschānī der eingehenden Untersuchung dieses Werkes. [5. Abū Dharr Muṣʿab ibn Muḥammad ibn Masʿūd al-Dschayyānī al-Chuschānī. Er war nach dem spanischen Dorf Chuschain und dem Stamm Chuschain in Qadāya als al-Chuschānī bekannt. Er wurde im Jahr 533 n. H. geboren und verstarb im Jahr 604 n. H.] Er erklärte die schwierigen Passagen und übte in seinem Werk „Scharḥ Sīrat an-Nabawīya“ auch an einigen Stellen Kritik. Dr. Brunlah veröffentlichte das Werk. Badr ad-Dīn Muḥammad ibn Aḥmad al-ʿAinī vollendete im Jahr 805 n. H. einen Kommentar dazu unter dem Titel „Kaschf al-Lisān fī Scharḥ Sīrat Ibn Hischām“.
Andererseits sehen wir, dass sich einige Verfasser auch der Kürzung dieses Werkes widmeten. Einer von ihnen war Burhān ad-Dīn Ibrāhīm ibn Muḥammad al-Murḥal asch-Schāfiʿī. In seinem in achtzehn Kapitel gegliederten Werk mit dem Titel „adh-Dhachīra fī Muchtaṣar as-Sīra“ kürzte er die Sīra Ibn Hischāms nicht nur, sondern fügte auch einige Inhalte hinzu. Im Jahr 661 n. H. vollendete er die Abfassung dieses Werkes. Danach verfasste Abū l-ʿAbbās Aḥmad ibn Ibrāhīm ibn ʿAbd ar-Raḥmān al-Wāsiṭī im Jahr 711 n. H. ein weiteres gekürztes Werk unter dem Titel „Muchtaṣar Sīrat Ibn Hischām“. Einige Verfasser brachten die Sīra Ibn Hischāms sogar in Gedichtform. Zu ihnen gehörten (1) Abū Muḥammad ʿAbd al-ʿAzīz ibn Muḥammad ibn Saʿīd ad-Dumairī ad-Dairīnī, gestorben 607 n. H., und (2) Abū Naṣr al-Fatḥ ibn Mūsā ibn Muḥammad al-Maghribī, gestorben 793 n. H. Das von Letzterem verfasste Werk trägt den Titel „al-Fatḥ al-Qarīb fī Sīrat al-Ḥabīb“. Das Werk umfasst zehntausend Verse.
Die vorliegende Kurzfassung der Sīra Ibn Hischāms
Zu Beginn meiner Jugend versuchte ich immer wieder, dieses Werk von Anfang bis Ende zu lesen. Doch die Unordnung und mangelnde Abstimmung seiner Darstellungsweise verursachten mir große seelische Belastung und Langeweile. Daher las ich bald ein wenig hier und bald ein wenig dort. Die Süße und Eleganz der Sprache sowie die Erhabenheit des Inhalts zogen mich dazu an, diese verstreuten Abschnitte zu lesen. Diese Abschnitte waren für mich so erfreulich wie ein Blumengarten in einer öden Wüste.
Tatsächlich empfand ich beim Lesen von Büchern über die Sīra dieselbe Art von Gefühl, die das Lesen von Koran und Hadith im Herzen an reiner Hingabe und aufrichtiger Gehorsamkeit weckt. Es scheint, als hätte mich die unwiderstehliche Anziehungskraft eines unbekannten Geheimnisses immer wieder dazu gebracht, dieses Werk lesen zu wollen. Auch mein verstorbener Vater war ein Verfasser auf dem Gebiet der Sīra. Unter dem Titel „Talkhīṣ ad-Durūs al-Awwalīya fī s-Sīra al-Muḥammadīya“ verfasste er ein gekürztes Werk in dreißig Kapiteln. Über lange Zeit war es in den islamischen Bildungseinrichtungen das einzige Lehrbuch. Es versteht sich, dass die Sīra damals eines der Unterrichtsfächer an den Schulen war.
Trotz alledem war ich nicht in der Lage, das Werk Sīrat Ibn Hišām von Anfang bis Ende zu lesen. Wie ich bereits erwähnt habe, liegt der Grund dafür in der mangelnden Ordnung der Darstellungsweise sowie in der zusammenhanglosen und sprunghaften Erzählweise. Dort tritt dem Leser der Sīra plötzlich eine lange Liste in den Weg: die Namen aller Kriegsgefangenen von Badr, die Namen sämtlicher Pferde, die von der muslimischen Armee in Badr eingesetzt wurden, sowie die Namen aller muslimischen Soldaten aus den Reihen der Anṣār und der Quraisch, die an der Schlacht von Badr teilnahmen und als Märtyrer fielen, und aller unter den Götzendienern Getöteten. Ebenso werden die in der Schlacht von Badr vorgetragenen Gedichte, die zum Ruhm der Vorfahren gehaltenen Reden, die unter Erwähnung der Abstammungslinien gehaltenen Ansprachen, die langen, bloß aus einem Zauberwerk der Worte gewobenen Ausführungen und die vom eigentlichen Thema der Sīra losgelösten Darlegungen zu Koranauslegungen, die in ihrer Nähe angeführt werden, zu einem Hindernis für den Leser beim Studium der Sīra. Bei den meisten dieser Darstellungen wird gemäß der üblichen Verfahrensweise der Sīra-Werke die Überlieferungskette beziehungsweise der Isnād genannt, dessen Bedeutung letztlich nur von kritischen Gelehrten anerkannt wird.
Aus diesem Grund habe ich mich bemüht, den Lesern durch die vorliegende gekürzte Fassung diesen Kern der Sīra in einer leicht lesbaren, die Kontinuität des Studiums nicht beeinträchtigenden und in neuer Form ansprechend gestalteten Weise darzubieten. Zugleich habe ich mich nach Kräften darum bemüht, die ursprüngliche Aussage des Grundwerks unverändert zu bewahren, damit die Leser daraus zitieren und sich bei der Gewinnung zuverlässiger Informationen aus dem Originalwerk sicher sein können. Kein einziges Wort des Grundwerks habe ich verändert. Denn ich habe stets daran gedacht, dass es meine Verantwortung und Pflicht ist, die Aussage des Verfassers wortgetreu wiederzugeben. Ich habe es mir zur Regel gemacht und sie fortlaufend befolgt, die Worte Ibn Hišāms korrekt zu zitieren und deshalb gleich zu Beginn eines Abschnitts darauf hinzuweisen: „Ibn Hišām sagte“. Entsprechend den Erfordernissen und dem Zweck der Zusammenstellung habe ich jeweils dort eingegriffen, wo es nötig war. Alles Übrige sind Aussagen Ibn Isḥāqs, die von Ibn Hišām überliefert wurden. Die Namen der Überlieferer habe ich nur dort genannt, wo dies zur Begründung einer Aussage erforderlich war, obwohl Ibn Isḥāq oder Ibn Hišām sie im Grundwerk fast immer erwähnen. Bei allen Zitaten Ibn Hišāms habe ich darauf geachtet, sie geordnet zusammenzustellen, und einige von ihnen, sofern erforderlich, erläutert und analysiert. Dabei musste ich mich auf die Darstellungen der Sīra-Forscher sowie auf zuverlässige Hadith-Werke und Wörterbücher stützen.
Für diejenigen, denen die Möglichkeit zum Studium des Grundwerks verwehrt ist, stellt die vorliegende gekürzte Zusammenstellung einen besonders einfachen Weg dar, dieses Werk zu lesen. Dadurch kann eine angemessene Verbindung zwischen der heutigen jungen Generation und ihrem alten, ruhmreichen Erbe hergestellt werden.
Die Leser können dieses Werk innerhalb weniger Tage zu Ende lesen und daraus rasch wertvolles und segensreiches Wissen erwerben. Hätten sie stattdessen das Grundwerk lesen müssen, das gegenwärtig für praktisch jeden Leser unerreichbar ist, hätte dies viele Monate in Anspruch genommen.
Ich bete zu Allah, dass Er der Gesellschaft durch dieses Werk Nutzen bringen möge. Wenn mein kleiner und unbedeutender Versuch auf dem Gebiet des Wissens Erfolg hat, werde ich mich als reich belohnt betrachten. Die Zufriedenheit Allahs und Seines Gesandten ist das einzige Ziel meines Bemühens.
Abdus Salam Harun
Misr al-Dschadida
Mitte Ramadan
1374 Hidschri
Die aufsteigende Abstammungslinie von Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, bis zu Adam, Allahs Friede sei auf ihm
Abū Muhammad ʿAbd al-Malik ibn Hišām sagt:
In diesem Buch wird das Leben des Gesandten Allahs, des ehrwürdigen Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, behandelt. Seine aufsteigende Abstammungslinie lautet wie folgt:
Sein Vater war ʿAbdullāh, dessen Vater ʿAbd al-Muttalib (ʿAbd al-Muttalibs eigentlicher Name war Šaiba), dessen Vater Hāšim (Hāšims eigentlicher Name war ʿAmr), dessen Vater ʿAbd Manāf (ʿAbd Manāfs eigentlicher Name war al-Mughīra), dessen Vater Quṣayy (Quṣayys eigentlicher Name war Zaid), dessen Vater Kilāb, dessen Vater Murra, dessen Vater Kaʿb, dessen Vater Luʾayy, dessen Vater Ghālib, dessen Vater Fihr, dessen Vater Mālik, dessen Vater an-Naḍr, dessen Vater Kināna, dessen Vater Chuzaima, dessen Vater Mudrika (Mudrikas eigentlicher Name war ʿĀmir), dessen Vater Ilyās, dessen Vater Muḍar, dessen Vater Nizār, dessen Vater Maʿadd, dessen Vater ʿAdnān, dessen Vater ʿUdd, dessen Vater Muqāwim, dessen Vater Nāḥūr, dessen Vater Hīṭa Tāira, dessen Vater Yaʿrūb, dessen Vater Yašǧub, dessen Vater Nābit, dessen Vater Ismāʿīl (Allahs Friede sei auf ihm), dessen Vater Ibrāhīm (Allahs Friede sei auf ihm), dessen Vater Tāriḥ (Tāriḥs anderer Name war Āzar), dessen Vater Nāḥūr, dessen Vater Sārigh, dessen Vater Rāʿū, dessen Vater Fāliḥ, dessen Vater ʿUbaīr, dessen Vater Šāliḥ, dessen Vater Arfachšad, dessen Vater Sām, dessen Vater Nūḥ (Allahs Friede sei auf ihm), dessen Vater Lāmak, dessen Vater Matušālaḫ, dessen Vater Aḫnūḫ (nach Ansicht der Historiker war er der ehrwürdige Idrīs, Allahs Friede sei auf ihm), dessen Vater Yārid, dessen Vater Mahlīl, dessen Vater Qainān, dessen Vater Yānīš, dessen Vater Šīṯ, dessen Vater Adam, Allahs Friede sei auf ihm.
Ibn Hišām sagt:
„So Allah will, werde ich dieses Buch mit der Darstellung von Ismāʿīl, dem Sohn des ehrwürdigen Ibrāhīm, beginnen. Danach werde ich der Reihe nach diejenigen Vorväter Muhammads, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, darstellen, die von Ismāʿīl (Allahs Friede sei auf ihm) abstammen, sowie deren Nachkommen. Auf diese Weise werde ich alle Vorväter von Ismāʿīl, Allahs Friede sei auf ihm, bis zu Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und die über sie überlieferten Geschichten behandeln. Diejenigen Kinder Ismāʿīls (Allahs Friede sei auf ihm) jedoch, die nicht zu den Vorvätern des ehrwürdigen Muhammad (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) gehören, werde ich wegen der gebotenen Kürze des Buches und seiner Beschränkung auf die Darstellung der Sīra nicht behandeln. Ebenso werde ich zur Wahrung der Kürze einige Überlieferungen Ibn Isḥāqs auslassen, die er in diesem Buch niedergeschrieben hatte. In diesen Überlieferungen Ibn Isḥāqs wird der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nicht erwähnt; auch wurde darüber im Qurʾān nichts offenbart, und sie dienen weder als Anlass, Erklärung oder Beleg für irgendeine Aussage dieses Buches. Auch einige Gedichte, die Ibn Isḥāq erwähnt hat, werde ich auslassen, da ich festgestellt habe, dass sie den Kennern der Dichtkunst unbekannt sind. Außerdem musste ich einige anstößige und in der Öffentlichkeit Unmut erregende Äußerungen Ibn Isḥāqs sowie einige von al-Buchārī nicht bestätigte Dinge auslassen. Abgesehen von diesen wenigen Punkten werde ich, so Allah will, alle übrigen Angaben Ibn Isḥāqs vollständig anführen, soweit sie überliefert und anerkannt sind.“
Die Abstammungsfolge der Nachkommen Ismāʿīls, Allahs Friede sei auf ihm
Ismails Nachkommenschaft entstammten zwölf männliche Kinder. Sie waren: Nabit, Qaidar, Adhral, Misch, Masmaʿ, Maschi, Dam, Adhar, Taim, Jatur, Nabash und Qaiyum.
Aus Nabits Nachkommenschaft wurde Jaschjub geboren, aus Jaschjubs Nachkommenschaft Jaʿrub, aus Jaʿrubs Nachkommenschaft Udd und aus Udds Nachkommenschaft Adnan.
Nach Adnan teilten sich die Nachkommen Ismails in verschiedene Stämme auf. Adnan hatte zwei Söhne: Maʿadd und ʿAkk.
ʿAkk ibn Adnan zog in den Jemen, und dort ließen sich seine Nachkommen dauerhaft nieder. ʿAkk heiratete in den Stamm der Banū Aschʿar und lebte fortan unter ihnen, sodass ihr Land und ihre Sprache ein und dasselbe wurden. Die Vorfahren des Stammes der Banū Aschʿar waren: Aschʿar, dessen Vater Nabat, dessen Vater Udd, dessen Vater H Maisa, dessen Vater ʿAmr, dessen Vater ʿUraib, dessen Vater Jaschjub, dessen Vater Zaid, dessen Vater Kahlān, dessen Vater Jaschdschūb, dessen Vater Jaʿrūb und dessen Vater Qahtān.
Maʿadd ibn Adnan, der andere Sohn Adnans, hatte vier Kinder: Nizār, Qudāʿa, Kināna und Iyād. Die Nachkommen Qudāʿas hatten das Glück, bis zu Himyar ibn Sabaʾ fortzubestehen. Nach Ansicht der Genealogen, die sich mit der Abstammung Maʿadds befassen, starben jedoch die übrigen Nachkommen von Kināna ibn Maʿadd aus. Der König von Hira, an-Nuʿmān ibn al-Mundhir, stammte allerdings von ihnen ab.
Der Traum von Rabiʿa ibn Nasr
Unter den Königen war Rabiʿa ibn Nasr, der König des Jemen, ein schwacher und abhängiger Herrscher. Einmal sah er einen schrecklichen Traum und geriet dadurch in große Angst. Alle Wahrsager, Zauberer und ʿĀʾif in seinem Reich
oder Astrologen ließ er versammeln und sagte zu ihnen: „Ich habe einen Traum gesehen, der mich in Angst und Schrecken versetzt hat. Ihr sollt mir sagen, was ich geträumt habe und wie er zu deuten ist.“ Die versammelten Astrologen sagten: „Schildern Sie uns den Traum. Wir werden ihn deuten.“ Der König sagte: „Wenn ich euch den Traum schildere, werde ich durch eure Deutung weder Trost noch Beruhigung finden. Denn diesen Traum kann nur derjenige deuten, der noch vor meiner Schilderung sagen kann, was ich geträumt habe.“ Einer der Astrologen sagte: „O König, wenn Sie die Deutung des Traumes auf diese Weise erfahren wollen, lassen Sie Satih und Schiqq rufen. Denn niemand ist kundiger als sie. Sie allein können Ihnen sagen, was Sie wissen möchten.“
Der König ließ die beiden Wahrsager zu sich rufen. Als Erster erschien Satih vor dem König. Der König sagte zu ihm: „Ich habe einen Traum gesehen, der mich in Angst und Schrecken versetzt hat. Sag mir, was ich geträumt habe. Wenn du den Traum richtig schildern kannst, wirst du auch seine Bedeutung richtig deuten können.“
Satih sagte: „Gut, das werde ich tun. Ihr habt im Traum gesehen, wie aus der Dunkelheit ein Stück Feuer hervorbrach, in die Niederung hinabfiel und alle Lebewesen verschlang, die sich dort befanden.“
Der König sagte: „Bravo! Du hast den Traum tatsächlich richtig geschildert. Nun sag mir, was bedeutet er?“
Er sagte: „Bei allen Schlangen, die in den beiden steinigen Ländern leben, schwöre ich: Die Abessinier werden in euer Land eindringen und ganz Jemen in Besitz nehmen.“ Der König sagte: „O Satih, das ist wahrlich eine äußerst schmerzliche und zorn erregende Angelegenheit.“
Wann wird dies geschehen? Noch während meiner Herrschaft oder erst nach mir?“
Er sagte: „Einige Zeit nach eurer Herrschaft, nachdem mehr als sechzig oder siebzig Jahre vergangen sein werden.“ Der König fragte: „Wird dieses Land für immer in ihrem Besitz bleiben, oder wird ihre gewaltsame Besetzung ein Ende finden?“ Er sagte: „Nachdem etwas mehr als siebzig Jahre vergangen sein werden, wird ihre Herrschaft dort enden. Danach werden sie entweder getötet werden oder fliehen. “ Der König fragte erneut: „Wer wird sie töten oder vertreiben?“ Satih sagte: „Sie werden durch Iram ibn Dhi Yazan getötet oder vertrieben werden. Er wird aus Aden hervorgehen und in Jemen keinen einzigen von ihnen zurücklassen.“
Der König sagte: „Wird Irams Herrschaft von Dauer oder nur vorübergehend sein?“
Satih sagte: „Ihre Herrschaft wird vorübergehend sein.“
Der König sagte: „Durch wessen Hand wird die Herrschaft enden?“
Satiḥ sagte: „Durch die Hand eines frommen und reinen Propheten. Er wird Offenbarung aus der erhabenen Welt empfangen.“
Der König sagte: „Aus welchem Geschlecht wird er stammen?“
Satiḥ sagte: „Er wird aus dem Geschlecht von Ghalib, dem Sohn Fihirs, des Sohnes von Malik, des Sohnes von Nadar, hervorgehen. Sein Volk wird bis zum Augenblick des Untergangs der Welt die Herrschaft innehaben.“
Der König sagte: „Hat die Welt etwa auch ein Ende?“
Er sagte: „Ja, an dem Tag, an dem die ersten und die letzten Menschen der Erde versammelt werden. Diejenigen, die gute Werke vollbringen, werden glücklich sein, und diejenigen, die schlechte Werke vollbringen, werden Leid ertragen.“
Der König sagte: „Ist deine Weissagung wahr?“
Er sagte: „Ja, bei der Dunkelheit der Nacht und dem Licht der Morgendämmerung, bei der wohlgeordneten Morgenröte: Was ich gesagt habe, ist vollkommen wahr.“
Danach kam Schak am Hof des Königs an. Der König sagte ihm dasselbe, was er Sahiḥ gesagt hatte. Doch er ließ ihn nicht erfahren, was Satiḥ gesagt hatte, denn er hielt die Sache geheim, um herauszufinden, ob beide dieselbe oder unterschiedliche Prophezeiungen machten.
Schak sagte: „Ihr habt im Traum gesehen, wie aus der Dunkelheit eine Feuerflamme hervorbrach. Sie fiel zwischen einen Berg und einen Garten und verschlang danach alle Lebewesen dort.“
Der König erkannte, dass ihre Aussagen übereinstimmten. Der einzige Unterschied bestand darin, dass Satiḥ gesagt hatte, das Stück sei in der Ebene niedergegangen, während Schak gesagt hatte, es sei zwischen einem Berg und einem Garten niedergegangen. Darauf sagte er zu Schak: „Du hast die Wahrheit gesagt. Nun sag mir: Was ist seine Deutung?“
Er sagte: „Ich schwöre bei allen Bewohnern des von zwei Bergen umgebenen Landes: Die Sudanesen werden in euer Land einfallen, und alle Schwachen werden gezwungen sein, sich ihrem Fingerzeig zu fügen. Sie werden über das gesamte Gebiet von Abyan bis zum Berg Nadschran ihre Herrschaft ausbreiten.“
Der König sagte: „Das ist äußerst schmerzlich und zorn-erregend. Wann wird dieses Ereignis eintreten? Noch zu meinen Lebzeiten oder erst später?“
Er sagte: „Nachdem nach eurem Tod einige Zeit vergangen sein wird. Danach wird ein mächtiger Mann euch retten, die Eindringlinge äußerst demütigen und erniedrigen und sie vertreiben.“
Der König sagte: „Wer ist dieser mächtige Mann?“
Er sagte: „Ein junger Mann, der weder unbedeutend noch niederträchtig ist. Er wird aus dem Haus von Dhu Yazan hervorgehen. Er wird keinen einzigen der Eindringlinge im Jemen bleiben lassen.“
Der König fragte: „Wird die Herrschaft dieses Mannes von ewiger oder nur von vorübergehender Dauer sein?“
Schaq sagte: „Mit dem Kommen eines gesandten Propheten wird seine Herrschaft enden. Er wird Wahrheit und Gerechtigkeit errichten und in Begleitung frommer und rechtschaffener Menschen kommen. Die Herrschaft seines Volkes wird bis zum Tag der Auferstehung andauern.“
Der König fragte: „Was ist der Tag der Auferstehung?“
Er sagte: „Es ist der Tag, an dem die Herrscher gerichtet werden. Ein Ruf wird vom Himmel erschallen, und alle Lebenden und Toten werden ihn hören. Zur festgesetzten Zeit werden alle Menschen versammelt werden. An jenem Tag werden die maßvollen Menschen Erfolg und Wohlergehen erlangen.“
Der König fragte: „Ist das, was du gesagt hast, wirklich wahr?“
Er sagte: „Ja, bei dem Herrn des Himmels und der Erde und aller ebenen und unebenen Dinge zwischen ihnen schwöre ich: Die Prophezeiung, die ich euch verkündet habe, ist richtig und zweifellos wahr.“
Rabia glaubte den Worten dieser beiden Wahrsager und schickte seine Angehörigen mit der notwendigen Reiseausstattung in den Irak. Danach sandte er dem damaligen persischen Kaiser Schapur ibn Churzad einen Brief. Schapur ließ sie in Herat ansiedeln.
Die Eroberung des Königreichs Jemen und der Angriff auf Yathrib durch Abu Karb Hassan ibn Tubbaʿ Asʿad
Nach Rabias Tod fiel die Herrschaft über den gesamten Jemen in die Hände von Abu Karib Hassan ibn Tubban As’ad. Sein Vater Tubban As’ad war bereits zuvor von Osten her nach Medina (Yathrib) gekommen und hatte so, ohne die Bewohner Medinas zu behelligen, geschickt den Weg zur Errichtung seiner Herrschaft geebnet. Dort setzte er einen seiner Söhne als Statthalter ein. Doch dieser Sohn wurde plötzlich von einem Meuchelmörder getötet. Daraufhin kam Tubban erneut dorthin, mit dem Plan, Medina zu zerstören und seine Bewohner auszurotten. Danach scharte sich unter der Führung von Amr ibn Tallal eine Gruppe von Männern zusammen. Schließlich trat sie mit ihm in den Krieg. Diese Gruppe erweckte den Eindruck, als kämpfe sie tagsüber gegen ihn und gewähre ihm nachts Gastfreundschaft. Tubban war über ihr Verhalten erstaunt und sagte: „Erstaunlich! Dieses Volk ist wahrhaftig höflich und vornehm.“ So ging der Krieg weiter. Eines Tages erfuhren zwei jüdische Gelehrte von seinem Vorhaben, Medina und seine Bewohner zu vernichten, und kamen zu ihm. Sie sagten zu ihm: „O König, tun Sie dies nicht! Selbst wenn Sie darauf bestehen, werden sich Ihnen unüberwindbare Hindernisse in den Weg stellen, sodass Sie Ihren Wunsch nicht verwirklichen können. Außerdem werden Sie schon bald Strafe erleiden.“ Der König sagte: „Aus welchem Grund sollte ich Strafe erleiden?“ Sie antworteten: „Medina ist der Zufluchtsort des Propheten der Endzeit. Er wird von den Quraisch aus dem Heiligtum vertrieben werden und hierher kommen, um sich niederzulassen.“
Als der König dies hörte, ließ er von seinem Vorhaben ab. Er hielt die beiden Männer offenbar für wahrhaftig gelehrte Leute. Ihre Worte beeindruckten ihn. Er verließ Medina und nahm die Religion dieser beiden Gelehrten an.
Tubba, das heißt Tubban As’ad, und die Angehörigen seines Stammes waren Götzendiener. Er brach auf dem Weg durch den Jemen nach Mekka auf. Als er die Gegend zwischen den beiden Orten Usman und Amaj erreichte, sagten einige Männer aus dem Stamm Huzail ibn Mudarraka zu ihm: „O König, möchten Sie ein unbekanntes Haus kennenlernen, das mit wertvollen Schätzen wie Diamanten, Perlen und Smaragden angefüllt ist, von dem Ihre früheren Könige jedoch nichts wussten?“ Der König sagte: „Ja, ein solches Haus möchte ich unbedingt kennenlernen.“ Sie sagten: „In Mekka gibt es ein Haus. Die Bewohner Mekkas verrichten dort ihre Anbetung und beten neben ihm.“
In Wirklichkeit hatten die Angehörigen der Banu Huzail diesen Rat nur gegeben, um Tubban ins Verderben zu stürzen. Denn sie wussten, dass jeder König, der beabsichtigt hatte, die Kaaba in seine Gewalt zu bringen, und jeder, der sie angegriffen hatte, zugrunde gegangen war.
Tubban beabsichtigte, dem Rat der Banu Huzail zu folgen. Bevor er dies jedoch tat, sandte er einen Gesandten zu den beiden jüdischen Gelehrten, um ihre Meinung einzuholen. Die beiden Gelehrten sagten: „Die Banu Huzail wollen Sie und Ihre Truppen vernichten. Wir wissen von keinem Haus Allahs auf der Erde, das irgendjemand außer Allah in seinen Besitz gebracht hätte. Wenn Sie ihrem Rat folgen, werden Sie und Ihre Gefährten vollständig vernichtet werden. Dies ist unvermeidlich und unausweichlich.“ Der König sagte: „Was meinen Sie also, was ich tun sollte, wenn ich zu diesem Haus komme?“ Sie sagten: „Sie sollen dasselbe tun wie die Bewohner Mekkas. Sie sollen das Haus umrunden und es ehren und hochachten. Während Ihres Aufenthalts dort sollen Sie sich das Haupthaar rasieren. Solange Sie sich nicht von diesem Haus verabschiedet haben, sollen Sie sich äußerst demütig verhalten.“ Der König sagte: „Warum tut ihr dies nicht?“ Sie antworteten: „Bei Gott, es ist das von unserem Vater Ibrahim erbaute Haus. Alles, was wir Ihnen über dieses Haus gesagt haben, ist wahr. Doch die Bewohner Mekkas haben den Zugang zu diesem Haus versperrt, indem sie ringsum zahlreiche Götzen aufgestellt haben. Auch dadurch, dass sie in der Nähe dieses Hauses Blutvergießen betreiben, obwohl es verboten ist, hindern sie uns daran, dorthin zu gehen. Sie sind Götzendiener und unrein.“
Tubban nahm den Rat der beiden jüdischen Gelehrten an und setzte ihn um. Danach ging er zu jenen Männern aus dem Stamm Huzail und ließ ihnen Hände und Füße abschlagen. Anschließend ging er nach Mekka, umrundete die heilige Kaaba, schlachtete bei ihr Tiere als Opfer und rasierte sich das Haupthaar. So verbrachte er sechs Tage in Mekka. Während dieser sechs Tage bestand seine wichtigste Beschäftigung darin, Opfertiere zu schlachten, die Bewohner Mekkas zu bewirten und ihnen Honig zu geben. Im Traum sah er, dass er die edle Kaaba mit einer Hülle bedeckte. Daraufhin bedeckte er die Kaaba mit einem groben Stoff namens Chasf.
Er sah erneut im Traum, dass er die Kaaba mit einem noch besseren Stoff bedeckte. Daher verhüllte er die Kaaba später mit kostbarem jemenitischem Stoff. Nach Ansicht der Historiker war dieser Tubba, also Tubban, der Erste, der die edle Kaaba mit einer Hülle versah; außerdem hinterließ er den Verwaltern der Kaaba aus dem Stamm Jurhum die Anweisung, sie weiterhin zu verhüllen. Er war auch der Erste, der anordnete, das Haus der Kaaba zu reinigen, wozu auch seine Befreiung von Götzen gehörte. Er warnte alle davor, in der Nähe der Kaaba Blut zu vergießen sowie Leichname und schmutzige Kleidungsstücke menstruierender Frauen dort liegen zu lassen. Für das Haus der Kaaba ließ er eine Tür anfertigen und stattete sie mit einem Schloss und Schlüsseln aus.
Danach zog Tubba mit seinen Truppen und den beiden jüdischen Gelehrten von Mekka ab und machte sich auf den Weg in den Jemen. Als er im Jemen angekommen war, lud er die dortige Bevölkerung dazu ein, den Götzendienst aufzugeben und seine angenommene Religion anzunehmen. Die Bewohner des Jemen erklärten unmissverständlich, dass sie ihre Religion nicht aufgeben würden, es sei denn, nach ihrer Sitte würde am Feuer ein Urteil eingeholt.
Die Bewohner des Jemen schlichteten Streitigkeiten mithilfe des Feuers. Dieses Feuer verschlang den Unterdrücker, fügte dem Unterdrückten jedoch keinen Schaden zu. Eines Tages begaben sich die Jemeniten mit ihren Götzenbildern und den übrigen Geräten für ihre Religionsausübung an den Ort, aus dem das Feuer hervortrat, und setzten sich dort nieder; die beiden jüdischen Gelehrten hatten ihre himmlischen Schriften über die Schultern gehängt. Das Feuer kam hervor und bewegte sich zunächst auf die Jemeniten zu. Als diese es sahen, bekamen sie Angst und wichen vor dem Feuer zurück. Die Anwesenden tadelten sie und forderten sie auf, geduldig an ihrem Platz sitzen zu bleiben. Sobald sie sich geduldig hingesetzt hatten, umschloss das Feuer sie, verbrannte ihre Götzenbilder und die übrigen religiösen Geräte und machte sie zu Asche. Auch die wenigen Priester des Stammes Himyar, die die religiösen Geräte trugen, wurden zu Asche. Daraufhin nahm der Stamm Himyar die Religion Tubbans an. Von da an fasste die jüdische Religion im Jemen Fuß.
Nach Tubban bestieg sein Sohn Hassan den Thron des Jemen. Gemeinsam mit allen Bewohnern des Jemen begann er einen Eroberungszug mit dem Ziel, die gesamte arabische und nichtarabische Welt zu unterwerfen. Als sie so das Gebiet von Bahrain erreichten, wollten die Stämme Himyar und die übrigen jemenitischen Stämme nicht weiter mit ihm voranschreiten. Sie beschlossen, in ihre Heimat und zu ihren Familien zurückzukehren. Sie teilten diesen Entschluss Amr, einem Bruder Hassans, der an diesem Feldzug teilnahm, mit und sagten: „Töte deinen Bruder Hassan und kehre mit uns in die Heimat zurück. Wir werden dich als König anerkennen.“ Als Amr sich mit den Männern seines Heeres beriet, stimmten alle zu. Nur Dhu Ruʿayn al-Himyari widersetzte sich und untersagte die Ermordung. Doch Amr missachtete sein Verbot. Daraufhin rezitierte Dhu Ruʿayn das folgende Gedicht:
„Seid gewarnt! Wer ist bereit, für seinen Schlaf die Schlaflosigkeit auf sich zu nehmen?
Wer sein glückliches Leben fortführt,
der allein ist wahrhaft vom Glück begünstigt. Doch
er beging Verrat an Himyar. Und für Dhu Ruʿayn blieb eine von Gott anerkannte Entschuldigung bestehen.“
Er schrieb dieses Gedicht auf ein Stück Papier und versiegelte es. Danach brachte er es zu Amr und sagte: „Bewahre diesen von mir geschriebenen Zettel bei dir auf.“ Amr nahm ihn an sich. Danach tötete er seinen Bruder Hassan und kehrte mit seinen Anhängern in den Jemen zurück.
Nach seiner Rückkehr wurde Amr ibn Tubban von schwerer Schlaflosigkeit befallen. Als die Krankheit einen gefährlichen Verlauf nahm, ließ er Ärzte, Wahrsager, die mithilfe von Vögeln die Zukunft deuteten, Astrologen und Zukunftsdeuter zu sich rufen und bat sie um ihre Meinung zur Ursache seiner Krankheit. Einer von ihnen sagte: „Sehen Sie, so wie Sie Ihren Bruder getötet haben, hat jeder, der seinen eigenen Bruder oder einen Blutsverwandten getötet hat, unter einer solchen Schlaflosigkeit leiden müssen.“
Kaum hatte Amr dies gehört, begann er alle einflussreichen Männer im Jemen zu töten, die ihm geraten hatten, seinen Bruder Hassan zu ermorden. Nachdem er sie einen nach dem anderen getötet hatte und zu Dhu Ruʿain kam, sagte dieser: „Der Beweis für meine Unschuld befindet sich bei dir.“ Amr fragte: „Welcher ist das?“ Dhu Ruʿain antwortete: „Ein Stück Papier mit einer von mir verfassten Aufzeichnung, das ich dir gegeben hatte.“ Daraufhin holte Amr es hervor und sah, dass darauf zwei Verszeilen geschrieben standen. Er erkannte, dass Dhu Ruʿain ihm einen guten Rat erteilt hatte. Deshalb tötete er ihn nicht.
Danach starb Amr. Nach seinem Tod brachen in der himyaritischen Herrschaft Anarchie und Unordnung aus, und sie zerfielen. Diese Gelegenheit nutzte ein furchtbarer, gottloser Mann außerhalb der königlichen Familie namens Lakhnia Yasuf Dhu Schanatir, um sich ihnen als Herrscher aufzuzwingen. Er tötete ihre vornehmen Männer und gab sich mit den Angehörigen der Königsfamilie allerlei Vergnügungen hin.
Lakhnias größtes Laster war die Homosexualität. Eines Tages ließ er deshalb Yuraʿ Dhu Nuwas, den Bruder Hassans und Sohn Tubbans, zu sich rufen. Als Hassan getötet wurde, war Yuraʿ noch ein kleiner Junge. Innerhalb weniger Jahre wurde er zu einem kräftigen und klugen jungen Mann. Als Lakhnia einen Boten zu Yuraʿ schickte, durchschaute dieser seine böse Absicht. Er versteckte ein leichtes Messer mit scharfer Klinge unter seinem Fuß in seinem Schuh und ging zu Lakhnia. Lakhnia rief ihn an einen abgelegenen Ort und fiel über Yuraʿ her. Dieser ergriff die Gelegenheit und versetzte ihm unverzüglich mit dem Messer einen heftigen Schlag. Yuraʿ tötete Lakhnia und trat vor das Volk, um voller Stolz seine Tat zu verkünden. Da sagten die Menschen: „Du hast uns von diesem Schurken befreit. Daher bist du als unser Herrscher der geeignetste Mann.“
Mit der Unterstützung des Stammes Himyar und der gesamten Bevölkerung des Jemen errichtete Yuraʿ Dhu Nuwas über ihnen eine lang andauernde und mächtige Herrschaft. Yuraʿ war der letzte Kaiser aus dem Geschlecht Himyars und der Urheber des Geschehens, bei dem Menschen in den Gräben ins Feuer geworfen und verbrannt wurden (aus der Koransure al-Burudsch).
In der jemenitischen Provinz Nadschran lebte damals noch eine Gruppe wahrer Anhänger des Propheten Jesus, Friede sei mit ihm. Sie waren gelehrte Menschen und besaßen eine außerordentliche Standhaftigkeit. Ihr Anführer war Abdullah ibn Samir. Dhu Nuwas führte gegen sie einen Feldzug und lud sie ein, das Judentum anzunehmen. Dabei erklärte er unmissverständlich: „Werdet Juden oder bereitet euch auf den Tod vor.“ Daraufhin wurden für sie Gräben ausgehoben. Schließlich wurden sie grausam im Feuer verbrannt; viele wurden mit Schwertern getötet und ihre Leichen verstümmelt. Auf diese Weise tötete Dhu Nuwas etwa 20.000 Menschen.
Im Zusammenhang mit diesem Dhu Nuwas und seinen Truppen offenbarte Allah, der Erhabene, dem Propheten Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm: „Verdammt seien die Gefährten des Feuergrabens, des lodernden Feuers. Als sie an den Gräben saßen und zusahen, wie sie das Massaker an den Gläubigen verübten. Sie grollten ihnen nur deshalb, weil diese an Allah glaubten, den Allmächtigen und immer Gepriesenen.“
Es wird berichtet, dass der Imam und Anführer dieser Gruppe von Gläubigen, die durch Dhu Nuwas getötet wurden, der ehrenwerte Abdullah ibn Samir war.
Der Jemen unter der Herrschaft der Abessinier
Einer der Gläubigen, die im Feuergraben von Dhū Nawās getötet werden sollten, konnte sich irgendwie retten und fliehen. Dieser Mann namens Dāwūs Dhū Sulubān, der aus dem Stamm Saba stammte, entkam geschickt aus dem Feuergraben, bestieg sein Pferd und jagte in vollem Galopp durch die Wüste, wobei er den Verfolgern von Dhū Nawās entkam. Während er weiterritt, gelangte er zum Hof des römischen Kaisers. Er schilderte ausführlich das grausame Massaker und die Folter, die Dhū Nawās, ein Anhänger des Judentums, und seine Soldaten unter den gläubigen Bewohnern von Nadschrān verübt hatten, und bat den römischen Kaiser um militärische Hilfe gegen die Macht von Dhū Nawās. Der Kaiser sagte: „Dein Land liegt von hier aus sehr weit entfernt. Deshalb werde ich dem König von Abessinien schreiben. Auch er gehört meiner Religion an, und sein Land liegt in der Nähe deines Landes.“ Der Kaiser schrieb dem König von Abessinien und wies ihn nicht nur an, Hilfe zu leisten, sondern auch Vergeltung zu üben. Dāwūs begab sich mit jenem Schreiben des römischen Kaisers zum König von Abessinien, dem Nadschāschī. Der Nadschāschī schickte Dāwūs aus Abessinien ein Heer von siebzigtausend Soldaten mit. Zum Befehlshaber des Heeres wurde ein Mann namens Aryāt ernannt. Als sein Stellvertreter blieb ein anderer Mann namens Abraha al-Aschram bei diesem Heer.
Aryāt landete mit seinem Heer auf dem Seeweg an der Küste des Jemen. Auch Dāwūs Dhū Sulubān war bei ihm. Als Dhū Nawās davon erfuhr, zog er gemeinsam mit Himyar und den übrigen ihm ergebenen jemenitischen Stämmen aus, um Aryāts Soldaten entgegenzutreten. Auf beiden Seiten kam es zu einem heftigen Kampf. Schließlich wurden Dhū Nawās und seine Anhänger besiegt. Als Dhū Nawās dies sah, lenkte er sein Pferd zum Meer. Das Pferd sprang in die See, und Dhū Nawās ertrank. Damit endeten Dhū Nawās und seine jüdische Herrschaft. Aryāt zog in den Jemen ein und bestieg den Thron.
Der Konflikt zwischen Aryāt und Abraha
Aryāt regierte den Jemen lange Zeit. Eines Tages geriet Abraha mit ihm in einen Streit. Er beanspruchte, als Vertreter des Nadschāschī ein größeres Recht auf die Herrschaft über den Jemen zu haben. Die abessinischen Soldaten spalteten sich in dieser Frage in zwei Lager. Als ein Krieg zwischen den beiden Parteien bevorstand, ließ Abraha Aryāt folgende Botschaft zukommen: „Wenn die Abessinier gegeneinander Krieg führen, werden sie sich selbst vernichten, und am Ende wird niemand etwas davon haben. Lasst uns deshalb beide in einem Zweikampf gegeneinander antreten. Wer von uns beiden siegt, dem wird das gesamte Heer gehorchen.“ Aryāt stimmte diesem Vorschlag zu und sagte: „Ja, du hast recht.“ Zwischen Aryāt und Abraha kam es zu einem heftigen Kampf. Abraha war vergleichsweise fromm, beleibt und klein, während Aryāt groß, gut aussehend und von gewaltiger Statur war. Er trug eine Waffe in der Hand. Um seinen Rücken zu schützen, ließ Abraha seinen Sklaven namens ʿAtūdā hinter sich stehen. Aryāt schlug Abraha mit seinem Schwert auf den Kopf, doch der Hieb traf sein Gesicht. Dabei wurden Abrāhas Nase und die Augenbraue seiner Stirn aufgeschlitzt, und seine Lippe und sein Auge wurden verletzt. Deshalb wurde er Abraha al-Aschram, „der mit der aufgeschlitzten Nase“, genannt. Darauf trat ʿAtūdā hinter Abraha hervor, griff Aryāt an und tötete ihn. Danach schlossen sich die abessinischen Soldaten, die Aryāt ergeben gewesen waren, Abrāhas Truppe an, und Abraha regierte den Jemen als der von ganz Abessinien anerkannte Vertreter.
Das Ereignis der Gefährten des Elefanten
Danach errichtete Abraha in Sanʿāʾ eine Kirche namens al-Qullais, für die es in der damaligen Welt kein ebenbürtiges oder ähnliches Bauwerk gab. [7. Dies ist jene historische Kirche, die Abraha als Ersatz für die heilige Kaaba errichten ließ. Sein Wunsch war, dass die Araber diese Kirche anstelle der Kaaba als Zentrum der Pilgerfahrt annähmen und die Pilgerfahrt in ihre Umgebung verlegten.]
Danach schrieb er dem Nadschāschī: „O König, ich habe für dich eine Kirche errichtet, wie es in der Geschichte keine ihresgleichen gibt. Ich werde nicht eher ruhen, als bis ich die Pilgerfahrt der Araber in die Umgebung dieser Kirche verlegt habe.“ Bald erfuhren die Araber von diesem Brief Abrāhas an den Nadschāschī. Sie waren äußerst erzürnt. Im Stamm Banū Kināna gab es eine Gruppe, die an die Praxis glaubte, den Monat, in dem Blutvergießen verboten war, für erlaubt zu erklären. [8. Diese Gruppe wurde Nasāʾa genannt. Für die Araber war es schwierig, die drei Monate Dhū l-Qaʿda, Dhū l-Hiddscha und Muharram ununterbrochen als Monate ohne Blutvergießen einzuhalten. Sie bestritten ihren Lebensunterhalt durch Raub, Plünderung und Ähnliches, wobei sie Menschen töteten. Deshalb wurde ihnen die ununterbrochene Einhaltung von drei verbotenen Monaten lästig. Daher pflegte die betreffende Person, nachdem sie die Pilgerfahrt vollendet hatte, aus Minā hervorzutreten – der verbleibende Teil von 8 …. – und vor den Menschen folgende Erklärung abzugeben: „Ich bin derjenige, an dem kein Makel haftet, dessen Drohung unbeantwortet bleibt und dessen Entscheidung niemand ändern kann.“ Alle riefen einstimmig: „Gewiss! Gewiss!!“ Danach sagten alle erneut: „Verschiebe uns einen der verbotenen Monate nach hinten. Erkläre den Monat Muharram für erlaubt und betrachte stattdessen den Monat Safar als verboten.“ Dies ist der Vorgang der Nasīʾa, also der willkürlichen Verschiebung der heiligen Monate. Es handelt sich um einen Brauch aus der Zeit der Unwissenheit und um eine vollständig unislamische Sitte. – Der Übersetzer]
Einer ihrer hitzköpfigen Männer ging heimlich zu jener Kirche Abrāhas, verrichtete dort seine Notdurft und kehrte anschließend in seine Siedlung zurück.
Zu gegebener Zeit drang die Sache an Abrahas Ohr. Er begann, die Leute zu fragen:
„Wer hat das getan?“ Die Leute erklärten: „Ein Araber hat dies getan. Er gehört zu den Pilgern, die im Heiligtum der Kaaba in Mekka den Haddsch vollziehen. Als er hörte, dass du beabsichtigst, den Haddsch von Mekka hierher zu verlegen, wurde er zornig und tat dies. Damit will er beweisen, dass diese Kirche kein Ersatz für die Kaaba sein kann und nicht geeignet ist, zum Mittelpunkt des Haddsch zu werden.“
Abraha geriet in rasenden Zorn. Er schwor, die Kaaba unter allen Umständen zu zerstören. Er teilte den Abessiniern seine Absicht mit. Die Abessinier halfen ihm, sich mit allen erforderlichen Mitteln und Ausrüstungen vorzubereiten. Zur gegebenen Zeit brach er mit einer Gruppe von Elefanten zum Angriff auf die Kaaba auf. Als die Araber davon erfuhren, waren sie zutiefst bestürzt und gerieten in große Angst. Als sie hörten, dass Abraha die heilige Kaaba, das Haus Allahs, zerstören wollte, erkannten sie, dass es ihre unbedingte Pflicht war, gegen die Angreifer den Dschihad zu führen.
Ein angesehener und einflussreicher Bürger des Jemen namens Dhu Nafr rief die gesamte Bevölkerung des Jemen und die übrigen Araber dazu auf, gegen Abraha in den Kampf zu ziehen, um die Kaaba zu schützen. Diejenigen, die seinem Aufruf folgten, nahm Dhu Nafr mit und kämpfte gegen Abraha. Doch er und sein Heer wurden besiegt, und Dhu Nafr geriet in Gefangenschaft. Danach setzte Abraha seinen Weg zu seinem ersehnten Ziel fort. Als er das Gebiet des Stammes Chath’am erreichte, stellte sich Nufail ibn Habib al-Chath’ami ihm entgegen, begleitet von den beiden chath’amischen Stämmen Schahran und Nahis sowie mehreren anderen ihm gleichgesinnten arabischen Stämmen. Auch Nufail wurde mit seinen Leuten besiegt und gefangen genommen. Als Abraha Nufail freiließ, begleitete dieser ihn als Wegführer. Als Abraha über Taif weiterzog, kam Mas’ud ibn Mu’attib mit einigen Leuten des Stammes Thaqif zu ihm und sagte: „O König, wir sind dir völlig ergeben, gleichsam wie Sklaven. Wir sind nicht deine Gegner. Das Haus, auf das du zuziehst, ist nicht unser Gotteshaus. Du willst das Haus in Mekka angreifen. Nun gut, wir geben dir einen Mann als Wegführer mit. Er wird dir den Weg zur Kaaba zeigen.“ Abraha war ihnen wohlgesinnt und erwies ihnen seine Gunst. Die Bewohner von Taif schickten Abu Righal mit ihm, damit er ihm den Weg nach Mekka zeigte. Als Abraha und seine Leute den Ort Mugammas erreichten, starb Abu Righal. Später pflegten die Araber Steine auf Abu Righals Grab zu werfen, und noch heute werfen die Menschen in Mugammas Steine auf sein Grab.
Während Abraha in Mugammas Rast machte, schickte er einen abessinischen Bürger namens Aswad ibn Maqsud zu Pferd zur Erkundung nach Mekka. Aswad gelangte bis nach Mekka und nahm auf dem Rückweg das Vieh der Quraisch und anderer Stämme mit, das in den Weidegründen des Tals umherging. Zu diesem Vieh gehörten auch zweihundert Kamele von Abd al-Muttalib ibn Haschim. Er war damals der angesehenste Mann und das bedeutendste Oberhaupt unter den Quraisch. Die Quraisch, Kinana und Hudhail dieses Gebietes waren über den Raub des Viehs empört und wollten gegen Abraha in den Krieg ziehen. Als sie jedoch ihre eigene Unfähigkeit erkannten, gaben sie diesen Entschluss auf.
Als Abraha Hunata al-Himyari nach Mekka schickte, wies er ihn an: „Finde zunächst heraus, wer der angesehenste Mann und das Oberhaupt von Mekka ist. Dann sage ihm: Der König ist nicht gekommen, um gegen sie zu kämpfen. Er ist nur gekommen, um das Haus der Kaaba zu zerstören. Wenn ihr euch nicht auf einen Krieg einlasst, um uns daran zu hindern, haben wir nicht die Absicht, euer Blut zu vergießen. Wenn er nicht gegen mich kämpfen will, dann bring ihn zu mir.“
Hunata betrat Mekka und erkundigte sich. Dabei erfuhr er, dass Abd al-Muttalib ibn Haschim der angesehenste Mann und das Oberhaupt von Mekka war. Als er zu Abd al-Muttalib kam, überbrachte er ihm die Botschaft, die der König ihm aufgetragen hatte. Abd al-Muttalib sagte: „Bei Allah, wir wollen nicht gegen ihn kämpfen, und wir sind dazu auch nicht in der Lage. Dies ist das heilige Haus Allahs. Es ist Sein eigenes Haus und eine Angelegenheit Seiner eigenen Ehre. Wenn Er es nicht schützt, können wir nichts ausrichten.“
Da sagte Hunata: „Komm mit mir zum König, denn er hat mir befohlen, dich zu ihm zu bringen.“ Abd al-Muttalib machte sich mit einem seiner Söhne zu Abraha auf. Sobald er bei den Soldaten Abrahas angekommen war, erkundigte er sich nach Dhu Nafr, der sein Freund war. Er traf den gefangenen Dhu Nafr und sagte: „O Dhu Nafr, kannst du uns angesichts des Unglücks, das über uns gekommen ist, irgendwie helfen?“ Dhu Nafr antwortete: „Welche Hilfe kann ein königlicher Gefangener schon leisten, der jeden Augenblick damit rechnet, getötet zu werden? In eurer Not kann ich euch tatsächlich nicht sonderlich helfen. Doch es gibt einen Elefantenführer namens Unais. Er ist mein Freund. Ich werde ihm eine Nachricht schicken, ihn über deine hohe Stellung und deine Rechte informieren und ihn bitten, für dich eine Erlaubnis einzuholen, damit du dem König dein Anliegen vortragen kannst. Ich werde ihn sogar bitten, sich, wenn möglich, für dich einzusetzen.“ Abd al-Muttalib sagte: „Das genügt.“ Darauf sandte Dhu Nafr Unais folgende Nachricht: „Höre! Abd al-Muttalib ist der uneingeschränkte Herrscher der Quraisch und das Oberhaupt der Kaufmannschaft von Mekka. Er ist dafür bekannt, die Menschen im Tal und die wilden Tiere in den Bergen mit Nahrung zu versorgen. Unter den Tieren, die der König in seine Gewalt gebracht hat, befinden sich zweihundert Kamele dieses Abd al-Muttalib. Sorge daher dafür, dass er den König treffen kann, und hilf ihm so gut du kannst.“ Unais sagte: „In Ordnung. Ich werde mein Möglichstes tun.“ Unais sagte zu Abraha: „O König, das Oberhaupt der Quraisch ist an deinem Hof erschienen. Er möchte dich treffen. Er ist das Oberhaupt der Kaufleute in Mekka. Er ist sowohl dafür bekannt, die Menschen im Tal zu ernähren, als auch dafür, die wilden Tiere auf den Berggipfeln mit Nahrung zu versorgen. Gewähre ihm bitte eine Audienz und lass ihn seine Forderungen vortragen.“ Abraha erteilte ihm die Erlaubnis.
ʿAbd al-Muttalib war damals der stattlichste, angesehenste und ehrenvollste Mann. Als Abraha ihn erblickte, war er beeindruckt und überwältigt. Er hielt ʿAbd al-Muttalib für so hoch angesehen, dass er es nicht über sich brachte, selbst auf dem erhöhten Sitz zu bleiben und ihn unter sich Platz nehmen zu lassen. Andererseits wollte er auch nicht, dass die Abessinier ihn auf demselben königlichen Sitz wie den König sitzen sahen. Daher stieg Abraha von seinem königlichen Sitz herab, setzte sich auf einen niedrigeren Teppich und ließ ʿAbd al-Muttalib dort neben sich Platz nehmen. Dann sagte er zum Dolmetscher: „Fordere ihn auf, sein Anliegen vorzubringen.“ Der Dolmetscher gehorchte. ʿAbd al-Muttalib sagte: „Ich bitte darum, dass mir die zweihundert Kamele zurückgegeben werden, die in die Hände des Königs gelangt sind.“ Als der Dolmetscher dies Abraha mitteilte, sagte Abraha durch ihn: „Als ich dich zum ersten Mal sah, war ich von dir beeindruckt. Doch nachdem ich deine Worte gehört habe, empfinde ich nun große Abneigung gegen dich. Es ist äußerst erstaunlich, dass du mit mir über die zweihundert Kamele sprichst, die in meinen Besitz gelangt sind, obwohl du weißt, dass wir gekommen sind, das Heiligtum der Kaaba zu zerstören, das das Zentrum der Religion deiner Vorfahren und deiner eigenen Religion ist, und du darüber kein Wort verlierst.“ ʿAbd al-Muttalib sagte: „Ich bin nur der Herr der Kamele. Der Herr des Hauses der Kaaba ist ein anderer; Er wird Sein Haus schützen.“ Abraha sagte: „Er wird dieses Haus nicht vor meinem Angriff bewahren können.“ ʿAbd al-Muttalib sagte: „Das ist eine Angelegenheit zwischen Euch und dem Herrn des Hauses der Kaaba.“
Abraha gab ʿAbd al-Muttalibs Kamele zurück. ʿAbd al-Muttalib ging zu den Quraisch und berichtete ihnen alles. Er wies sie an, Mekka zu verlassen und in den verborgenen Höhlen der umliegenden Berge Schutz zu suchen, um sich vor möglichen Übergriffen von Abr ahas Soldaten zu bewahren. Danach stellte sich ʿAbd al-Muttalib selbst gemeinsam mit einigen Männern der Quraisch an die Türschwelle der Kaaba, hielt sich daran fest und begann, Allah um Seine Hilfe und um Schutz vor dem Angriff Abrahas und seiner Truppen zu bitten. ʿAbd al-Muttalib hielt sich an der Türschwelle der Kaaba fest und sagte:
„O Allah, selbst ein Diener schützt seine Leute und seine Gefolgschaft. So beschütze Du Deine ergebenen Diener. Lass ihre Macht des Kreuzes nicht über Deine Macht siegen. Wenn Du beschlossen hast, unsere Gebetsrichtung ihrer Gnade zu überlassen, dann tue, was Du willst!“
Danach ließ ʿAbd al-Muttalib die Türschwelle der Kaaba los, und er sowie seine Gefährten von den Quraisch suchten in den Berghöhlen Zuflucht. Von dort aus beobachteten sie, was Abraha tun würde, wenn er in Mekka eindrang.
Am frühen Morgen des nächsten Tages begann Abraha, den Einzug in Mekka vorzubereiten. Er ordnete seine Elefanten- und seine Streitmacht. Sein Elefant hieß Mahmud. Abraha hatte beschlossen, zunächst die Kaaba zu zerstören und danach in den Jemen zurückzukehren. Als er die Elefantenarmee auf Mekka zuführen ließ, trat Nufail ibn Habib vor und stellte sich neben den Elefanten Abrahas. Dann fasste er ihn am Ohr und sagte: „Geh auf die Knie! Andernfalls kehre friedlich dorthin zurück, woher du gekommen bist. Wisse, dass du dich in Allahs heiliger Stadt befindest.“ Sobald er sein Ohr losließ, kniete der Elefant nieder. Nufail schlug den Elefanten brutal und brachte ihn nur mit Mühe den Berg hinauf. Auch nachdem man ihn vielfach geschlagen hatte, war es nicht möglich, ihn zum Aufstehen zu bewegen. Schließlich wurde ein krummer Stock in seinen Rüssel gesteckt und dieser blutig verletzt, damit der Elefant aufstand. Doch auch dann stand er nicht auf. Sobald man ihn jedoch nach hinten in Richtung Jemen zur Rückkehr antrieb, begann er loszulaufen. Auch als man ihn in Richtung Syrien führte, schritt er zügig voran. Sobald man ihn aber in Richtung Mekka lenkte, kniete er nieder. Genau zu dieser Zeit sandte Allah vom Meer her eine Art schwarzer Vögel. Jeder Vogel trug drei kleine Steine: einen im Schnabel und je einen in den beiden Füßen. Die Steine waren so groß wie Linsen und Kichererbsen. Auf wen immer sie fielen, der begann augenblicklich zu sterben. Doch sie trafen nicht jeden. Viele flohen und kehrten in die Richtung zurück, aus der sie gekommen waren. Die Menschen fielen überall am Weg nieder und starben. Sobald ein Stein Abraha traf, starb er augenblicklich. Ibn Ishaq sagt:
Nachdem Allah Muhammad, Allahs Segen und Heil seien auf ihm, als Propheten gesandt hatte, erwähnte Er dieses Ereignis als eine besondere Barmherzigkeit und Gunst gegenüber den Quraisch. Denn dadurch hatte Er sie aus der Gefahr der Unterwerfung durch die Abessinier gerettet, damit ihre eigene Tradition fortbestehen konnte. Allah sagt in der Sure al-Fil:
[Arabisch ***********]
„Hast du nicht gesehen, wie dein Herr mit den Leuten des Elefanten verfuhr? Hat Er nicht ihre List zunichtegemacht? Er sandte gegen sie Scharen von Vögeln, die harte Steine auf sie warfen und sie dadurch wie zerkaute Spreu oder Gras werden ließen?“
Die Nachkommen von Nizar ibn Maʿadd
Nizar ibn Maʿadd hatte drei Söhne: Mudar, Rabiʿa und Anmar. [10. Ibn Hischam nennt als viertes Kind Iyad.]
Mudars zwei Söhne: Ilyas und Aylan
Ilyas’ drei Söhne: Mudrika, Tabikha und Qamaʿa
Mudrikas zwei Söhne: Khuzayma und Hudhail
Khuzaymas vier Söhne: Kinana, Asad, Isdah und al-Haun
K`inanas vier Söhne: Nadar11, Malik, Abdmanah und Milkan
Nadars zwei Söhne: Malik und Yakhlud
Ein Sohn von Mälik: Fihr
Die vier Söhne Fihrs: Ghalib, Muharib, Harith und Asad
Die zwei Söhne Ghalibs: Lu’ayy und Taym
Die vier Söhne Lu’ayys: Ka’b, Amir, Usama und Auf
Die drei Söhne Ka’bs: Murra, Adi und Husays
Die drei Söhne Murras: Kilab, Taym und Yaqazah
Die zwei Söhne Kilabs: Qusayy und Zuhrah
Die vier Söhne Qusayys: Abd Manaf, Abd ad-Dar, Abd al-Uzza und Abd Qusayy
Die vier Söhne von Abd Manāf: Hāschim, ʿAbd Schams, al-Muttalib und Nawfal
Die Nachkommen von Abd al-Muttalib ibn Hāschim
Ibn Hischām sagt:
„Abd al-Muttalib ibn Hāschim hatte zehn Söhne und sechs Töchter. Seine Söhne waren: al-ʿAbbās, Hamza, ʿAbdullah, Abū Tālib, az-Zubair, al-Hārith,
11. Nach Ibn Hischām war Quraisch ein anderer Name für Naḏar. Nur seine Nachkommen wurden als Quraischiten bezeichnet. Wer nicht von ihm abstammte, durfte nicht als Quraischit bezeichnet werden. Andere sagen, Quraisch sei der Name von Fihr ibn Mālik gewesen.
Hadschala, Muqāwim, Dhirā und Abū Lahab (sein eigentlicher Name war ʿAbd al-ʿUzzā). Seine Töchter waren: Safiyya, Umm Hakīm al-Baidā, ʿĀtika, Umaima, Arwā und Barra.“
Die Eltern des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm)
Aus der Verbindung von ʿAbdullah, dem Sohn Abd al-Muttalibs, und im Schoß Āminas, der Tochter Wahabs, wurde Muhammad ibn ʿAbdullah ibn Abd al-Muttalib geboren, der vorzüglichste Nachkomme Adams (Friede sei auf ihm). Möge Allah seiner Familie und seinen Angehörigen unendlichen Frieden, Barmherzigkeit und Segen herabsenden.
Seine Abstammung mütterlicherseits ist wie folgt:
Āmina bint Wahb ibn ʿAbd Manāf ibn Zuhra ibn Kilāb ibn Murra ibn Kaʿb ibn Luʾayy ibn Ghālib ibn Fihr ibn Nāḍir. Āminas Mutter war Barra bint ʿAbd al-ʿUzzā ibn ʿUthmān ibn ʿAbd ad-Dār ibn Quṣayy ibn Kilāb ibn Murra ibn Luʾayy ibn Ghālib ibn Fihr ibn Mālik ibn Nāḍir.
Somit war der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, unter den Nachkommen Adams väterlicher- wie mütterlicherseits der vornehmste, edelste, höchststehende und bedeutendste.
Die Ausgrabung des Zamzam-Brunnens und der dadurch entstandene Streit
Eines Tages erhielt ʿAbd al-Muṭṭalib im Traum den Befehl, den Zamzam-Brunnen auszugraben, während er im Ḥaṭīm der heiligen Kaaba schlief. [12. Damit ist der Teil des Fundaments der Kaaba gemeint, den der edle Ibrāhīm, Friede sei mit ihm, errichtet hatte. Die Quraisch bauten jedoch nichts darauf.] Über dieses Ereignis berichtete ʿAbd al-Muṭṭalib selbst Folgendes: Ich schlief im Ḥaṭīm. Da kam ein unbekannter Fremder zu mir und sagte: „Grabe den heiligen Brunnen aus.“ Ich fragte: „Welchen heiligen Brunnen?“ Der Fremde verschwand, ohne darauf zu antworten. Am nächsten Tag ging ich in mein Schlafgemach und legte mich schlafen. Auch in dieser Nacht kam derselbe Fremde und sagte: „Grabe den verborgenen Brunnen aus.“ Ich fragte: „Welchen verborgenen Brunnen?“ Der Fremde verschwand, ohne zu antworten. Am folgenden Tag ging ich an den genannten Ort, um dort zu schlafen. Wieder kam derselbe Fremde und sagte: „Grabe Zamzam aus.“ Ich fragte: „Was ist Zamzam?“ Er sagte: „Es ist der Brunnen, dessen Wasser niemals weniger wird oder versiegt, der der größtmöglichen Zahl von Pilgern Trinkwasser geben kann und der sich nahe dem Nest einer Krähe mit weißen Flügeln befindet, zwischen Dung und Blut.“ [13. Es wird berichtet, dass ʿAbd al-Muṭṭalib, als er sich daranmachte, den Brunnen auszugraben, an der bezeichneten Stelle einen Ameisenhügel und eine Krähengrube sah. Dung und Blut konnte er jedoch nicht sehen. Daher geriet er in Zweifel. Da sah er plötzlich eine Kuh herbeilaufen. Ein Mann hatte sich anschicken wollen, die Kuh zu schlachten, doch sie war davongelaufen. Der Mann lief ihr hinterher, konnte sie aber nicht fangen. Schließlich gelangte die Kuh in den Bereich der Heiligen Moschee. Als sie an der bezeichneten Stelle stehen blieb, schlachtete der Mann sie dort. So traten aus der Kuh Blut und Dung hervor. Damit wurde die ganze Angelegenheit für ʿAbd al-Muṭṭalib klar, und er begann genau dort mit den Grabungsarbeiten.]
Nachdem der Fremde ihm die Eigenschaften des Zamzam-Brunnens deutlich gemacht, den Ort bezeichnet hatte und keinerlei Zweifel mehr an der Wahrheit des Traumes geblieben war, ging er am nächsten Morgen mit seinem Sohn al-Ḥārith und einer Hacke dorthin. Damals war außer al-Ḥārith noch kein weiterer Sohn von ihm geboren worden. Die Ausgrabung des Zamzam-Brunnens [Anmerkung: Tatsächlich grub ʿAbd al-Muṭṭalib den Zamzam-Brunnen wieder aus. Dieser Brunnen war erstmals im Jahr 1910 v. Chr., im Jahr der Geburt des edlen Ismāʿīl, entstanden. Nach der Hidschra-Zeitrechnung entstand er 2572 Jahre vor der Geburt des Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Später versiegte der Zamzam-Brunnen irgendwann und wurde unter der Erde begraben. Schließlich blieb keine Spur mehr von ihm übrig. Niemand konnte ihn wiederfinden, bis ʿAbd al-Muṭṭalib ihn erneut ausgrub. (Die Geschichte von Mekka, S. 22–24)] schritt voran. Als ʿAbd al-Muṭṭalib den Stein erblickte, aus dem der Brunnen entsprang, rief er in übergroßer Freude: „Allāhu akbar!“ Als die Quraisch diesen Ruf hörten, verstanden sie, dass ʿAbd al-Muṭṭalib das gefunden hatte, wonach er suchte. Sie kamen alle zu ihm und sagten: „O ʿAbd al-Muṭṭalib, das ist doch der Brunnen unseres Vaters Ismāʿīl. Auch wir haben daran ein Anrecht. Mache uns zu Teilhabern an diesem Brunnen!“ ʿAbd al-Muṭṭalib sagte: „Das kann ich nicht. Diese Sache wurde nur mir gegeben, nicht euch.“ Sie sagten: „Fälle ein gerechtes Urteil zwischen uns und dir; andernfalls werden wir dich nicht verlassen, bevor wir keine endgültige Einigung erzielt haben.“ ʿAbd al-Muṭṭalib sagte: „Gut, dann bestimmt, wen ihr wollt, als Schiedsrichter zwischen euch und mir, um diesen Streit zu schlichten. Ich bin bereit, mich seinem Urteil zu fügen.“ Sie sagten: „Im Stamm Banū Saʿd gibt es eine Wahrsagerin namens Ḥuzaym. Sie soll unser Schiedsrichter sein.“ ʿAbd al-Muṭṭalib brach mit einigen Männern aus dem Stamm Banū ʿAbd Manāf dorthin auf. Aus jedem Stamm der Quraisch begleitete ihn ein Mann. Der gesamte Reiseweg führte durch Wüstengebiet. Sobald ʿAbd al-Muṭṭalib und seine Gruppe eine Wüste zwischen dem Hidschāz und Syrien erreicht hatten, ging ihnen das Wasser aus. Ihr Zustand wurde durch den Durst so elend, dass jede Hoffnung auf Rettung schwand. Als sie die mitreisenden Stämme der Quraisch um Trinkwasser baten, weigerten diese sich, es ihnen zu geben. Sie sagten: „Auch wir befinden uns in der Wüste. Wir fürchten, dass es uns ebenso ergehen könnte wie euch.“
Von der Grausamkeit der Quraisch tief verletzt und angesichts ihres möglichen elenden Schicksals fragte ʿAbd al-Muṭṭalib seine Reisegefährten: „Was meint ihr, was wir jetzt tun sollten?“ Die Gefährten sagten einstimmig: „Wir werden nur nach deiner Meinung handeln. Gib uns Anweisung, was du für richtig hältst.“ Er sagte: „Ich meine, dass jeder von uns mit der noch verbliebenen Kraft ein eigenes Grab ausheben sollte. Wenn dann einer stirbt, werden wir, die noch leben, ihn in dieses Grab legen und mit Erde bedecken. Am Ende wird nur noch ein Mann übrig sein. Es ist besser, dass nur die Leiche eines einzigen Mannes verloren geht, als dass die Leichen der gesamten Karawane verlorengehen.“ Alle lobten einstimmig ʿAbd al-Muṭṭalibs Entscheidung und hoben ihre eigenen Gräber aus. Danach saßen sie da und zählten angesichts des unvermeidlichen Todes durch den Durst die Stunden. Nach einiger Zeit sagte ʿAbd al-Muṭṭalib zu seinen Gefährten: „Bei Allah, es ist wahrlich große Feigheit, einfach untätig sitzen zu bleiben, nirgendwohin zu gehen und sich hilflos dem Tod auszuliefern, ohne nach einem Mittel zu suchen, das Leben zu retten. Es kann doch sein, dass Allah an irgendeinem Ort Wasser für uns bereitstellt. Auf, lasst uns weiterreisen.“ Die Vorbereitungen für die Reise wurden getroffen. Die übrigen Quraisch, die sie auf der Reise begleiteten und ihnen das Wasser verweigert hatten, hatten bis dahin all ihre Tätigkeiten beobachtet. ʿAbd al-Muṭṭalib bestieg sein Reittier. Sobald es sich in Bewegung setzte, entsprang unter seinen Hufen eine Quelle mit trinkbarem Wasser. Als ʿAbd al-Muṭṭalib und seine Gefährten das sahen, riefen sie: „Allāhu akbar!“ Danach stiegen ʿAbd al-Muṭṭalib und seine Gefährten von den Reittieren ab, tranken das Wasser und füllten ihre Wasserschläuche damit. Anschließend rief ʿAbd al-Muṭṭalib die Quraisch und sagte: „Kommt her! Allah hat uns Wasser zu trinken gegeben. Trinkt auch ihr und füllt eure Wasserschläuche.“ Sie kamen, tranken Wasser und füllten ihre Wasserschläuche. Danach sagten sie: „O ʿAbd al-Muṭṭalib, bei Allah, deine Vorrangstellung uns gegenüber ist endgültig erwiesen. Wegen Zamzam werden wir niemals wieder mit dir streiten. Wir haben verstanden, dass Derjenige, der dich heute in dieser Wüste trinken ließ, dir auch das Wasser von Zamzam zu trinken gegeben hat. Widme dich daher ohne jedes Zögern wieder deiner großartigen Aufgabe, den Menschen Wasser zu geben.“
ʿAbd al-Muttalib machte sich auf den Rückweg, und auch alle anderen aus dieser Karawane kehrten um. Niemand ging zu der Wahrsagerin, und alle bewahrten auch ʿAbd al-Muttalib davor, zu ihr zu gehen.
Das Gelübde ʿAbd al-Muttalibs, seinen Sohn zu opfern
Als ʿAbd al-Muttalib beim Ausheben des Zamzam-Brunnens seitens der Quraisch auf Widerstand stieß, gelobte er: Wenn ihm zehn Söhne geboren würden und sie zu seinen Lebzeiten erwachsen würden und in der Lage wären, für seinen Unterhalt zu sorgen, werde er einen von ihnen im Namen Allahs neben der Kaʿba opfern. Als die Zahl seiner Söhne nun zehn erreicht hatte und er erkannte, dass sie ihn beschützen konnten, rief er sie alle zusammen und teilte ihnen sein Gelübde mit. Danach forderte er sie auf, dieses Gelübde zu erfüllen. Alle Söhne stimmten zu und fragten: „Was sollen wir tun?“ Er sagte: „Jeder von euch soll einen Pfeil nehmen, seinen Namen darauf schreiben und ihn zu mir bringen.“ Alle taten dies und kamen zu ihm. ʿAbd al-Muttalib ging mit ihnen zu dem Götzen namens Hubal. Damals befand sich Hubal nahe einer Vertiefung in der Mitte der Kaʿba. In dieser Vertiefung wurden alle Dinge gesammelt, die im Namen der Kaʿba dargebracht worden waren.
Bei Hubal befanden sich sieben Pfeile. Auf jedem Pfeil war ein bestimmter Spruch eingraviert. Auf einem Pfeil stand „Blutgeld“. Wenn sie sich darüber stritten, wem das Blutgeld oblag (das heißt: Wer ist mein Mörder?), wurden die sieben Pfeile gezogen. Kam der mit „Blutgeld“ beschriftete Pfeil heraus, musste derjenige, dessen Name gezogen worden war, das Blutgeld zahlen. Auf einem Pfeil stand „Ja“. Wenn jemand beabsichtigte, eine Handlung auszuführen, wurden die Pfeile nach demselben Verfahren gezogen. Kam der mit „Ja“ beschriftete Pfeil heraus, wurde die gewünschte Handlung ausgeführt. Auf einem anderen Pfeil stand „Nein“. Wenn sie beabsichtigten, irgendeine Handlung auszuführen, wurden die Pfeile gezogen. Kam der mit „Nein“ beschriftete Pfeil heraus, führten sie diese Handlung nicht aus. Auf einem weiteren Pfeil stand „zu euch gehörig oder aus eurer Mitte“, auf einem anderen „angegliedert“, auf einem weiteren „außerhalb eurer“ und auf einem anderen „Wasser“. Wenn sie einen Brunnen ausheben wollten, zogen sie einen dieser Pfeile, unter denen sich auch dieser Pfeil befand, und handelten entsprechend dem Ergebnis.
Wenn die Araber jener Zeit einen Jungen beschneiden lassen, eine Tochter verheiraten, einen Verstorbenen bestatten oder klären wollten, ob die Geburt eines Kindes rechtmäßig war, und darüber Zweifel hatten, brachten sie den Betreffenden zu dem Götzen namens Hubal. Dabei nahmen sie hundert Dirham und ein Opfelkamel mit. Das Geld und das Kamel übergaben sie demjenigen, der mit dem Ziehen der Pfeile beauftragt war. Danach stellten sie denjenigen, über den eine Entscheidung getroffen werden sollte, vor den Götzen und sagten: „O unser Gott, er ist der Sohn des Soundso, des Sohnes des Soundso. In seiner Angelegenheit erbitten wir von dir eine Entscheidung in dieser und jener Sache. Lass uns daher wissen, was in seiner Angelegenheit die richtige Entscheidung ist.“ Danach forderten sie den mit dem Ziehen der Pfeile Beauftragten auf, einen Pfeil zu ziehen. Kam der mit „zu euch gehörig“ beschriftete Pfeil heraus, verstanden sie, dass das betreffende Kind ehelich war. Kam der mit „außerhalb eurer“ beschriftete Pfeil heraus, galt das Kind als ihr Verbündeter. Kam der mit „angegliedert“ beschriftete Pfeil heraus, blieb es in diesem Verhältnis unter ihnen; seine Abstammung oder sein Bündnisstatus blieb ungeklärt. Kam bei der Frage nach einer anderen von ihnen gewünschten Handlung der mit „Ja“ beschriftete Pfeil heraus, führten sie diese Handlung sofort aus. Kam jedoch der mit „Nein“ beschriftete Pfeil heraus, verschoben sie die Handlung für dieses Jahr. Im folgenden Jahr suchten sie in derselben Weise eine Entscheidung über diese Handlung. So war die Entscheidung der Pfeile in allen ihren Angelegenheiten die endgültige Entscheidung.
ʿAbd al-Muttalib sagte zu dem mit dem Ziehen der Pfeile beauftragten Mann: „Zieh bitte einen Pfeil für diese meine Söhne.“ Er informierte ihn auch über sein Gelübde. ʿAbdullah war zu jener Zeit der jüngste Sohn ʿAbd al-Muttalibs. Später geborene Söhne, Hamza und al-ʿAbbas (Allahs Wohlgefallen sei auf ihnen), waren noch jünger als ʿAbdullah. Er war ʿAbd al-Muttalibs geliebtester Sohn. Daher beobachtete er voller Sorge, ob der Pfeil an ʿAbdullah vorbeigehen würde. Wenn er an ihm vorbeiging, würde ʿAbdullah ja am Leben bleiben. Als der Mann, der die Pfeile zog, sich anschickte, einen Pfeil zu ziehen, stand ʿAbd al-Muttalib beim Götzen Hubal und rief Allah an. Als der Pfeil gezogen worden war, stellte sich heraus, dass der Pfeil mit ʿAbdullahs Namen herausgekommen war. Daraufhin ging ʿAbd al-Muttalib, ʿAbdullah in der einen Hand und ein großes Messer in der anderen, zu den Götzen Isaf und Naʾila, um ihn dort zu schlachten. Die Quraisch-Anführer, die dort versammelt saßen, standen auf, gingen zu ihm und fragten: „O ʿAbd al-Muttalib, was ist los?“ Er sagte: „Ich werde diesen meinen Sohn schlachten.“ Da riefen die Quraisch und seine Söhne gemeinsam: „Schlachte ihn keinesfalls ohne triftigen Grund. Wenn du einen Sohn auf diese Weise schlachtest, wird dies bis in alle Zukunft fortbestehen. Die Menschen werden weiterhin ihre eigenen Kinder bringen und opfern, und das Menschengeschlecht wird eines nach dem anderen ausgelöscht werden.“ Ein Angehöriger des Stammes der Onkel mütterlicherseits ʿAbdullahs, al-Mughira ibn ʿAbdullah ibn ʿUmar ibn Makhzum, sagte: „Unternimm eine solche Tat nicht, solange du nicht völlig ausweglos bist. Wenn wir ihn durch die Zahlung eines Lösegeldes freikaufen können, sind wir bereit, das Lösegeld zu zahlen.“ Die Quraisch und die Söhne ʿAbd al-Muttalibs sagten dagegen: „Schlachte ihn nicht. Zieh vielmehr mit ihm in den Hidschaz. Dort gibt es eine Wahrsagerin, die einen Dschinn unter ihrer Herrschaft hat. Befrage sie und finde heraus, ob diese Handlung richtig ist. Danach werden wir dich nicht mehr hindern. Du bist frei, zu tun, was du willst. Wenn die Frau dir befiehlt, ihn zu schlachten, dann schlachte ihn; wenn sie dir einen anderen Ausweg nennt, dann folge diesem.“ ʿAbd al-Muttalib und seine Gefährten folgten dem Rat der Quraisch und brachen in Richtung Hidschaz auf. Sie gelangten nach Medina und trafen jene Frau in Chaibar. ʿAbd al-Muttalib erzählte der Frau ausführlich alles über sich und seinen Sohn. Die Frau sagte: „Geht heute fort. Wenn mein dienstbarer Dschinn kommt, werde ich ihn befragen und von ihm Auskunft erhalten.“ Alle verabschiedeten sich von der Frau und kehrten um. Kaum waren sie aufgebrochen, betete ʿAbd al-Muttalib zu Allah. Am nächsten Morgen versammelten sich alle wieder bei der Frau. Sie sagte: „Ich habe die erforderlichen Informationen erhalten. Wie hoch ist in eurer Gesellschaft das festgesetzte Lösegeld?“ Sie antworteten: „Zehn Kamele.“ Die Frau sagte: „Kehrt in euer Land zurück. Bringt dann euren Betreffenden vor den Götzen und opfert zehn Kamele. Danach zieht Pfeile, um das Schicksal der Kamele und eures Betreffenden zu bestimmen. Wenn der Pfeil gegen den Namen eures Mannes ausfällt, gebt weitere Kamele hinzu, bis euer Herr zufrieden ist. Wenn er zugunsten der Kamele ausfällt, wisst ihr, dass euer Herr zufrieden ist und euer Mann freigekommen ist.“
Danach zogen alle nach Mekka. Als sie gemäß den Anweisungen der Frau zum Götzen gingen und bereit waren, ihre Pflicht zu erfüllen, stellte sich ʿAbd al-Muṭṭalib hin und begann, zu Allah zu beten. Dann brachten sie ʿAbdullah und zugleich, wie vorgesehen, zehn Kamele herbei. ʿAbd al-Muṭṭalib stellte sich neben Hubal und begann, zu Allah zu beten. Daraufhin wurden die Lose gezogen. Als das Los auf den Namen ʿAbdullahs fiel, fügten sie weitere zehn Kamele hinzu, sodass die Zahl der Kamele zwanzig betrug. ʿAbd al-Muṭṭalib betete erneut zu Allah. Wieder wurden die Lose gezogen, und auch diesmal fiel das Los auf den Namen ʿAbdullahs. Daher wurden weitere zehn Kamele hinzugefügt, sodass ihre Zahl auf dreißig stieg, und ʿAbd al-Muṭṭalib begann, zu Allah zu beten. Als die Lose erneut gezogen wurden, fiel das Los wiederum auf den Namen ʿAbdullahs. Daraufhin fügte man weitere zehn Kamele hinzu, sodass es vierzig waren, und ʿAbd al-Muṭṭalib betete zu Allah. Auch diesmal wurde das Los gezogen und fiel auf den Namen ʿAbdullahs. Wieder fügte man zehn Kamele hinzu, sodass ihre Zahl fünfzig betrug, und ʿAbd al-Muṭṭalib begann, zu Allah zu beten. Auch diesmal wurde das Los gezogen und fiel auf den Namen ʿAbdullahs. Danach fügte man weitere zehn Kamele hinzu, sodass ihre Zahl sechzig betrug. Als die Lose auf dieselbe Weise gezogen wurden, fiel das Los auch diesmal auf den Namen ʿAbdullahs. Nachdem man erneut zehn Kamele hinzugefügt hatte, sodass ihre Zahl siebzig betrug, wurden die Lose nach derselben Regel gezogen, und wieder fiel das Los auf den Namen ʿAbdullahs. Danach fügte man weitere zehn Kamele hinzu, sodass ihre Zahl achtzig betrug, doch auch diesmal fiel das Los auf den Namen ʿAbdullahs. Als man anschließend weitere zehn Kamele hinzufügte, sodass ihre Zahl neunzig betrug, fiel das Los erneut auf den Namen ʿAbdullahs. Nachdem man schließlich weitere zehn Kamele hinzugefügt hatte, sodass es einhundert waren, betete ʿAbd al-Muṭṭalib nach derselben Weise zu Allah und ließ die Lose ziehen. Diesmal fiel das Los auf die Kamele. Die versammelten Quraisch und alle anderen riefen: „O ʿAbd al-Muṭṭalib, dein Herr ist nun vollkommen zufrieden.“
Nach einer Überlieferung sagte ʿAbd al-Muṭṭalib daraufhin: „Ich werde mich nicht zufriedengeben, bevor ich noch dreimal die Lose gezogen habe.“ Daraufhin wurden Lose für ʿAbdullah und die Kamele gezogen, während ʿAbd al-Muṭṭalib aufrecht dastand und betete. Das Los fiel auf die Kamele. Auf diese Weise fiel es auch beim zweiten und beim dritten Mal auf die Kamele. Schließlich wurden jene einhundert Kamele geopfert. Nach der Opferung ließ man die Tiere so liegen, dass kein Mensch daran gehindert oder davon abgehalten wurde, zu ihnen zu gehen.
Ereignisse während des Aufenthalts des Propheten, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, im Mutterleib Āminas
Aus verbreiteten Überlieferungen ist bekannt, dass Āmina bint Wahb, die Mutter des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, zu sagen pflegte, dass nach dessen Empfängnis ein unbekannter Fremder zu ihr gekommen sei und zu ihr gesagt habe: „Derjenige, den du in deinem Leib trägst, ist der große Führer der Menschheit in diesem Zeitalter. Wenn er geboren wird, dann sprich: Ich stelle dieses Kind vor dem Übel aller Neider unter den Schutz des Einen und Einzigen Herrn. Danach sollst du ihn Muḥammad nennen. [14. Vor dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, wurden nur drei Personen Muḥammad genannt: (1) Muḥammad ibn Sufyān ibn Mujāschi, der Urgroßvater des Dichters al-Farazdaq. (2) Muḥammad ibn Uḥaiḥa ibn al-Jallāḥ. (3) Muḥammad ibn Ḥimrān ibn Rabīʿa. Die Väter jedes dieser drei erfuhren, dass die Zeit des Erscheinens eines Gesandten Allahs näher rückte und dass er im Ḥidschāz geboren werden würde. Als sie dies aus dem Volksmund hörten, wünschte jeder von ihnen, dass er sein eigener Sohn sein möge. Einmal begaben sie sich zu einem König, der über die Schriften des Himmels Bescheid wusste. Dieser teilte ihnen mit, dass ein Prophet namens Muḥammad erscheinen werde. Zu jener Zeit waren sie von ihren Reisen nach Hause zurückgekehrt und hatten ihre jeweiligen Frauen schwanger vorgefunden. Daher beschloss jeder von ihnen sofort, seinen Sohn Muḥammad zu nennen, sobald er geboren würde. Entsprechend diesem Entschluss gaben sie ihren drei Söhnen den Namen Muḥammad.“
Während er sich im Mutterleib befand, sah Āmina im Traum, dass aus ihrem Inneren ein Lichtstrahl hervortrat, durch den sie die Paläste von Busrā im syrischen Gebiet sehen konnte.
Kurz darauf verstarb sein Vater ʿAbdullah, während er sich noch im Mutterleib befand.
Die Geburt des Gesandten Allahs
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, wurde an einem Montag geboren, zu einem gesegneten Zeitpunkt, nachdem die zwölfte Nacht des Rabīʿ al-awwal jenes Jahres vergangen war, in dem sich der Feldzug Abrahas gegen die Kaaba mit dem Elefantenheer ereignete – dem Jahr des Elefanten.
Von Qais ibn Makhrama wird überliefert, dass er sagte: „Ich und der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, wurden im Jahr des Angriffs Abrahas geboren. Daher sind wir gleichaltrig.“
Hassan ibn Thabit sagte:
„Obwohl ich damals erst sieben oder acht Jahre alt war, war ich bereits recht kräftig und groß geworden. Ich war damals schon in der Lage, das zu verstehen, was ich hörte. Plötzlich hörte ich, wie ein Jude auf die Festung von Yasrib (Medina) stieg und laut ausrief: ‚O ihr Juden!‘ Die Leute versammelten sich um ihn und fragten: ‚Was ist mit dir geschehen?‘ Er sagte: ‚Heute Nacht ist der Stern aufgegangen, unter dem unser Geburtszeichen steht.‘“
Als der ehrwürdige Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, geboren wurde, ließ seine Mutter Amina seinem Großvater Abd al-Muttalib mitteilen: „Dir ist ein Enkel geboren worden. Komm und sieh ihn dir an.“ Abd al-Muttalib kam und sah ihn. Da erzählte Amina ihm von den Träumen, die sie während ihrer Schwangerschaft gesehen hatte, von allem, was ihr über das Neugeborene gesagt worden war, und von dem Namen, den man ihm zu geben aufgetragen hatte. Danach nahm Abd al-Muttalib ihn mit aus der Kaaba hinaus, übergab das Kind seiner Mutter und begann, nach einer Amme zu suchen. Schließlich fand man Halima, die Tochter Abu Dhuʾaibs aus dem Stamm der Banu Saʿd ibn Bakr, als Amme.
Halimas Bericht
Halima berichtet, dass sie gemeinsam mit ihrem Ehemann und einem Säugling von ihnen mit einer Gruppe von Frauen aus den Banu Saʿd aufbrach, um nach gestillten Kindern zu suchen. Alle diese Frauen waren mit der Suche nach einem Stillkind beschäftigt. In jenem Jahr herrschte eine schwere Hungersnot. Wir alle waren mit der Suche nach Stillkindern beschäftigt. In jenem Jahr herrschte eine schwere Hungersnot. Wir waren völlig verarmt. Ich machte mich auf dem Rücken eines weißen Esels auf den Weg. Bei uns war auch unser altes Kamel. Es gab keinen einzigen Tropfen Milch. Das Kind, das bei uns war, weinte vor Hunger so sehr, dass wir alle schlaflose Nächte verbrachten. Weder in meiner Brust noch im Euter der Kamelstute war Milch, die seinen Hunger hätte stillen können. Wir sehnten uns nach Regen und besseren Verhältnissen. Unter diesen Umständen stieg ich auf meinen Esel und brach auf. Der Weg war weit, und während wir ununterbrochen weiterzogen, wurde unsere gesamte Karawane müde und erschöpft. Schließlich gelangten wir auf der Suche nach einem Stillkind nach Mekka. Jede von uns wurde gebeten, den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, aufzunehmen. Doch sobald gesagt wurde, dass er vaterlos sei, lehnte jede von uns ab. Denn jede von uns hoffte auf eine gute Vergütung vom Vater des Kindes. Denn jede von uns erwartete eine gute Vergütung vom Vater des Kindes. Wir sagten zueinander: „Ein vaterloses Kind! Was können seine Mutter und sein Großvater schon als Vergütung geben?“ Aus diesem Grund wollten wir ihn alle nur ungern aufnehmen. Inzwischen hatte jede der Frauen, die mit mir gekommen waren, ein Stillkind gefunden. Nur ich hatte keines bekommen. Als ich beschlossen hatte, mit leeren Händen zurückzukehren, sagte ich zu meinem Ehemann: „Bei Gott, es gefällt mir überhaupt nicht, mit all diesen Gefährtinnen mit leeren Händen zurückzukehren. Bei Gott, ich werde zu diesem Waisenkind gehen und es mitnehmen.“ Mein Ehemann sagte: „Du kannst es nehmen. Vielleicht hat Allah gerade in ihm Gutes für uns bestimmt.“
Halima sagt: Danach ging ich hin und holte das Waisenkind. Nur weil ich kein anderes Kind gefunden hatte, war ich gezwungen gewesen, es aufzunehmen. Ich ging mit ihm zur Karawane. Als ich es auf den Arm nahm, füllten sich meine beiden Brüste mit Milch, und der kleine Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, trank davon, bis er satt war. Auch sein Milchbruder trank sich satt. Danach schliefen beide ein. Zuvor hatten wir wegen seines Weinens nicht schlafen können. Als mein Ehemann zu unserer Kamelstute ging, stellte er fest, dass auch ihr Euter voller Milch war. Er molk sie reichlich, und wir beide tranken uns satt. Danach verbrachten wir eine sehr gute Nacht.
Am Morgen sagte mein Ehemann: „Halima, wisse, dass du ein überaus segensreiches Kind mitgebracht hast.“ Ich sagte: „Tatsächlich habe auch ich diesen Eindruck.“
Danach brachen wir auf. Ich bestieg den Esel. Mein Esel ließ die ganze Karawane hinter sich und ging voraus. Kein Esel der Karawanenteilnehmerinnen konnte mit ihm Schritt halten. Meine Reisegefährtinnen begannen zu rufen: „O Tochter des Abu Dhu’aib, warte ein wenig und bleib stehen, damit wir dich einholen können. Ist das nicht derselbe Esel, auf dem du ihn hergebracht hast?“ Ich antwortete ihnen: „Ja, genau der ist es.“ Sie sagten: „Bei Allah, sein Zustand hat sich jetzt völlig verändert.“
Schließlich kamen wir in unseren jeweiligen Häusern im Stamm der Banū Saʿd an. Ich wusste von keinem anderen Ort auf der Welt, der so von Dürre heimgesucht war wie unsere Gegend. Nachdem wir mit dem Kind Muhammad nach Hause gekommen waren, kehrten unsere Ziegen und Schafe jeden Abend satt und mit prall gefüllten Eutern zurück. Wir molken sie ordnungsgemäß und tranken die Milch, während die anderen Leute nicht einmal einen Tropfen Milch melken konnten. An den Eutern ihrer Ziegen und Schafe war nicht ein Tropfen Milch zu finden. Ja, die Leute unseres Stammes begannen sogar zu den Hirten zu sagen: „Bringt eure Herden dorthin, wo die Herde der Tochter des Abu Dhu’aib (Halima) weidet, und lasst sie dort grasen.“ Doch selbst wenn die Hirten dort weideten, wo ich (Halima) meine Schafe weiden ließ, kehrten ihre Herden hungrig zurück. So begann mein Haushalt nach und nach von Wohlstand, Glück und Segen erfüllt zu werden. Unter diesen Umständen vergingen zwei Jahre, und ich entwöhnte das Kind Muhammad (Allahs Segen und Friede seien auf ihm). Er wuchs schneller als die anderen Kinder. Als er zwei Jahre alt war, war er bereits ein gewandter und kräftiger, wohlgenährter Knabe geworden. Wir brachten ihn zu seiner Mutter. Dennoch wollten wir ihn lieber bei uns behalten, denn seit seiner Ankunft waren wir mit großem Segen bedacht worden. Ich sagte zu seiner Mutter: „Es wäre besser, wenn Sie diesen Jungen noch bei mir ließen, bis er kräftiger und wohlgenährt ist. Ich fürchte, er könnte von den Krankheiten oder einer Seuche Mekkas befallen werden.“ Schließlich schickte sie ihn mit uns zurück.
Wir kehrten mit ihm zurück. Nur wenige Monate später hütete er eines Tages zusammen mit seinem Milchbruder auf dem Feld hinter unserem Haus Lämmer. Da kam sein Bruder angerannt und sagte zu mir und seinem Vater: „Zwei Männer in weißen Gewändern kamen, packten meinen Quraischitischen Bruder, legten ihn nieder, schnitten ihm den Bauch auf, holten alles aus seinem Bauch heraus und bewegten darin etwas.“
Sein Vater und ich eilten beide zu ihm, hielten ihn fest und fragten: „Mein Sohn, was ist mit dir geschehen?“ Er sagte: „Zwei Männer in weißen Gewändern kamen zu mir. Sie legten mich nieder und schnitten mir den Bauch auf. Danach suchten sie nach etwas; ich weiß nicht, was es war.“
Danach kehrten wir mit Muhammad (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) zu unserem Haus zurück. Mein Mann sagte: „Halima, ich fürchte, dass diesem Jungen etwas zugestoßen ist. Bring ihn daher zu seiner Familie, bevor ihm etwas geschieht.“
Tatsächlich brachten wir ihn zu seiner Mutter. Seine Mutter sagte: „Meine Milchschwester, du warst doch so begierig darauf, ihn bei dir zu behalten. Was ist geschehen, dass du ihn zurückbringst?“ Ich antwortete: „Allah hat mir die Verantwortung für zwei Jungen übertragen. Ich habe getan, was ich tun musste. Ich befürchte, dass ein Unglück geschehen könnte, und kann deshalb an nichts anderes mehr denken. Darum übergebe ich Ihnen Ihren Sohn wohlbehalten zurück.“ Aminah sagte: „Das, was du sagst, ist nicht der wahre Grund. Sag mir ehrlich, was tatsächlich geschehen ist.“ Sie ließ mich nicht gehen, bis ich ihr die ganze Geschichte erzählt hatte. Nachdem sie sie gehört hatte, sagte Aminah: „Glaubst du etwa, dass er von einem Dschinn besessen ist?“ Ich sagte: „Ja.“ Sie sagte: „Als ich ihn empfing, sah ich im Traum, wie ein Licht aus meinem Körper hervortrat, durch dessen Strahlen die Paläste von Busrā im syrischen Land erleuchtet wurden. Danach begann er in meinem Leib heranzuwachsen. Bei Allah, eine so leichte und mühelose Schwangerschaft habe ich niemals erlebt. Als ich ihn gebar, kam er zur Welt, während er seine Hände auf die Erde stützte und den Kopf zum Himmel erhob. Du kannst ihn guten Gewissens zurücklassen und gehen.“
Das Ereignis der Öffnung der Brust
Ibn Ishaq sagt:
Saur ibn Yazid überlieferte von einigen Gelehrten – meiner Ansicht nach ausschließlich von Chālid ibn Maʿdān al-Kalʿī –, dass einige Gefährten den Gesandten Allahs einmal fragten: „O Gesandter Allahs, erzähle uns etwas über dich selbst.“ Er sagte: „Ja, hört zu. Ich bin das Ergebnis des Bittgebets meines Vaters Ibrāhīm und die Erfüllung der frohen Botschaft meines Bruders ʿĪsā. Nachdem ich empfangen worden war, sah meine Mutter im Traum, dass ein Licht aus ihr hervortrat, durch das die Paläste Syriens erleuchtet wurden. Im Stamm Banū Saʿd ibn Bakr wurde ich als Säugling aufgezogen. Eines Tages ging ich mit einem Milchbruder hinter dem Haus meiner Amme, Halīma, Schafe hüten. Da kamen zwei Männer in weißen Gewändern zu mir. Sie hatten eine goldene Schale bei sich, die mit Schnee gefüllt war. Sie ergriffen mich, spalteten meinen Bauch auf, nahmen mein Herz heraus und spalteten es ebenfalls. Daraus entfernten sie einen schwarzen Blutklumpen und warfen ihn fort. Dann wuschen und reinigten sie mit diesem Schnee meinen Bauch und mein Herz. Danach sagte einer von ihnen zum anderen: ‚Wiege Muhammad gegen zehn Angehörige seiner Gemeinschaft.‘ Er wog mich, und ich war schwerer als zehn von ihnen. Dann sagte er erneut: ‚Wiege ihn gegen hundert Angehörige seiner Gemeinschaft.‘ Ich war auch schwerer als hundert. Darauf sagte er wieder: ‚Wiege ihn gegen tausend Angehörige seiner Gemeinschaft.‘ Als er mich gegen tausend wog, war ich ebenfalls schwerer als sie. Dann sagte er: ‚Lass es gut sein. Bei Allah, selbst wenn er gegen seine gesamte Gemeinschaft gewogen würde, wäre er schwerer als sie alle.‘“
Unter der Obhut des Großvaters
Der Gesandte Allahs stand auch zu Lebzeiten seiner Mutter Āmina bint Wahb und seines Großvaters ʿAbd al-Muttalib ibn Hāschim unter Allahs Fürsorge und Obhut. In dieser Zeit ließ Allah ihn rasch körperlich heranwachsen, damit sich durch ihn das von Allah gewollte Wunderbare offenbare. Als er sechs Jahre alt war, starb seine Mutter an einem Ort namens al-Abwāʾ zwischen Mekka und Medina. Sie war dorthin gereist, um gemeinsam mit dem kleinen Muhammad die Verwandten mütterlicherseits im Stamm Banū ʿAdī ibn an-Nadschār zu besuchen. Auf der Rückkehr nach Mekka starb sie. Nach dem Tod seiner Mutter wuchs der Gesandte Allahs unter der alleinigen Obhut seines Großvaters ʿAbd al-Muttalib auf. Für ʿAbd al-Muttalib wurde im Schatten der Kaaba ein Tuch ausgebreitet. Seine Söhne und Enkel saßen rings um dieses Tuch, bis ʿAbd al-Muttalib erschien; aus Achtung vor ihm setzte sich niemand darauf. Doch der entschlossene junge Muhammad kam und setzte sich sogleich auf das Tuch. Sein Onkel versuchte, ihn zu ergreifen und wegzusetzen. Als ʿAbd al-Muttalib dies sah, sagte er: „Hindert meinen Enkel nicht daran. Bei Allah, er ist ein außergewöhnlicher Junge.“ Dann setzte er ihn neben sich auf das Tuch und strich ihm liebevoll über den Rücken. Alles, was er tat, gefiel ihm. Als der Gesandte Allahs acht Jahre alt geworden war, starb ʿAbd al-Muttalib. Er starb acht Jahre nachdem Abraha mit seinem Elefantenheer die Kaaba angegriffen hatte.
Unter der Obhut seines Onkels Abū Tālib
Nach dem Tod ʿAbd al-Muttalibs wuchs der Gesandte Allahs bei seinem Onkel Abū Tālib auf. Damals lebte im Stamm Banū Lahab ein Mann, der anhand der körperlichen Merkmale der Menschen Wahrsagerei betrieb. Wenn er nach Mekka kam, versammelten sich die Quraisch mit ihren Söhnen bei ihm. Er musterte die Körper der Jungen und sagte ihnen ihre Zukunft voraus. Gemeinsam mit den anderen ging auch Abū Tālib mit dem Gesandten Allahs zu diesem Wahrsager. Der Wahrsager blickte ihn an und begann gleich darauf, nachdenklich zu werden. Eine kurze Zeit lang beachtete er den jungen Muhammad nicht. Nach einer Weile sagte er: „Diesem Jungen muss besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden.“ Als Abū Tālib bemerkte, dass der Wahrsager dem jungen Muhammad besondere Beachtung schenkte, brachte er ihn geschickt außer Reichweite. Da sagte der Wahrsager: „Was soll das? Bringt den Jungen wieder zu mir! Bei Allah, er ist ein außergewöhnlicher Junge.“
Die Geschichte des Mönchs Bahīrā
Einige Zeit später brach Abū Tālib zu Handelszwecken mit einer Karawane nach Syrien auf. Vor der Abreise bat der junge Muhammad darum, ihn begleiten zu dürfen. Sein von Zuneigung erfüllter Onkel konnte diese Bitte nicht ablehnen. Er sagte: „Ich werde ihn mitnehmen; ich werde niemals irgendwohin gehen und ihn zurücklassen.“
Abū Tālib brach gemeinsam mit ihm auf. Als die Karawane das Gebiet von Busra erreichte, machte sie Rast. Dort lebte ein christlicher Mönch namens Bahīrā. Er wohnte in einem Kloster und war in der christlichen Religion äußerst bewandert. In diesem Kloster wurde seit langer Zeit ein himmlisches Buch aufbewahrt, dessen Wissen von Generation zu Generation weitergegeben worden war. Die Angehörigen der Karawane waren schon häufig an Bahīrā vorbeigekommen. Doch er trat vor niemanden hinaus und sprach mit niemandem. In diesem Jahr jedoch, als die Karawane der Quraisch mit Abū Tālib und dem jungen Muhammad an diesem Ort neben Bahīrās Kloster Rast machte, ließ Bahīrā für sie reichlich Essen zubereiten.
Es wird berichtet, dass Bahira, während er in seiner Kirche saß, etwas Erstaunliches bemerkte. Als er die Karawane herankommen sah, stellte er fest, dass allein der junge Muhammad unter der gesamten Karawane von einem Wolkenstück am Himmel beschattet wurde. Als sie anschließend unter einem Baum Rast machten, neigten sich die Wolke und die Äste des Baumes über den Gesandten Allahs und spendeten ihm Schatten. Beim Anblick dieser Szene kam Bahira aus der Kirche und ließ den Leuten der Karawane ausrichten: „O Kaufleute der Quraisch, ich habe für euch Speisen bereitet. Ich bitte alle unter euch – Sklaven und Herren, Jung und Alt –, zu kommen und davon zu essen.“ Einer der Quraisch sagte: „O Bahira, heute bist du mit neuer Würde bekleidet. Wir sind schon viele Male an dir vorbeigezogen, doch niemals hast du uns eine solche Gastfreundschaft erwiesen. Was ist heute der Grund dafür?“ Bahira sagte: „Das stimmt. Früher habe ich dies niemals getan. Doch heute seid ihr meine Gäste. Deshalb möchte ich euch aus eigenem Wunsch bewirten, für euch Speisen zubereiten und euch alle zum Essen einladen.“
Darauf gingen alle zum Essen. Da der Gesandte Allahs jedoch noch jung war, blieb er bei den Lasttieren der Karawane im Schatten des Baumes zurück. Bahira musterte alle zum Essen versammelten quraischitischen Kaufleute sorgfältig, konnte aber keines der vertrauten Merkmale und Verhaltensweisen entdecken, die er an dem jungen Muhammad beobachtet hatte. Daher sagte er: „O Gäste der Quraisch, keiner von euch soll davon abgehalten werden, meine Speisen zu essen.“ Sie antworteten: „O Bahira, alle, die kommen konnten, sind gekommen. Nur ein Junge ist bei den Lasttieren der Karawane geblieben. Er ist der Jüngste unter ihnen.“ Bahira sagte: „Nein, lasst ihn nicht zurück. Ruft auch ihn. Er soll ebenfalls mit euch essen.“ Ein Quraisch sagte: „Bei Lat und Uzza! Der Sohn von Abdallah ibn Abd al-Muttalib soll bei uns sein und doch nicht mit uns essen? Das darf nicht sein. Das wäre für uns beschämend.“ Damit stand er auf, nahm den jungen Muhammad auf den Arm, brachte ihn herbei und setzte ihn zur gemeinsamen Mahlzeit. Währenddessen betrachtete Bahira seine gesamte Gestalt aufmerksam und untersuchte die besonderen Merkmale seines Körpers. Seine Beschreibung hatte er in den früheren himmlischen Schriften gefunden. Als alle versammelten Gäste aufgegessen hatten und einer nach dem anderen hinausgegangen war, kam Bahira zum Gesandten Allahs und sagte: „O mein Sohn, ich beschwöre dich bei Lat und Uzza: Beantworte mir, was ich dich fragen werde.“ Bahira beschwor ihn bei Lat und Uzza, weil er gehört hatte, wie die Quraisch einander im Gespräch bei diesen beiden Götzen schworen. Der Gesandte Allahs sagte: „Befrage mich nicht bei Lat und Uzza. Bei Allah, ich hasse diese beiden Götter am meisten.“ Bahira sagte: „Nun gut, dann beschwöre ich dich bei Allah: Beantworte mir, was ich dich fragen werde.“ Der Gesandte Allahs sagte: „Gut, frag, was du wissen möchtest.“ Darauf fragte Bahira ihn nach verschiedenen Dingen: nach seinem Schlaf, seiner körperlichen Beschaffenheit und anderen Umständen. Die Antworten des Gesandten Allahs stimmten genau mit dem überein, was Bahira wusste. Dann betrachtete er seinen Rücken und sah zwischen seinen beiden Schulterblättern das Siegel der Prophetie eingeprägt. Das Siegel befand sich genau an der Stelle, an der es nach der Beschreibung in den von Bahira gelesenen himmlischen Schriften sein sollte.
Nachdem Bahira dies getan hatte, fragte er Abu Talib: „Was ist der Junge für dich?“ Er antwortete: „Mein Sohn.“ Bahira sagte: „Er ist nicht dein Sohn. Der Vater dieses Jungen kann nicht mehr am Leben sein.“ Abu Talib sagte: „Der Junge ist mein Neffe.“ Bahira fragte: „Was ist mit seinem Vater geschehen?“ Abu Talib antwortete: „Sein Vater starb, während der Junge noch im Mutterleib war.“ Bahira sagte: „Sein Vater starb also, während der Junge noch im Mutterleib war.“ Dann sagte Bahira: „Ja, so muss es sein. Kehre mit deinem Neffen nach Hause zurück. Hüte dich und schütze ihn vor den Juden. Bei Allah, wenn sie diesen Jungen sehen und das Zeichen erkennen, an dem ich ihn erkannt habe, werden sie versuchen, ihm zu schaden. Denn dein Neffe wird schon bald als ein großer Mann von außergewöhnlicher Bedeutung hervortreten.“ Darauf kehrte er mit ihm eilig in seine Heimat zurück.
Der Krieg von al-Fijār
Als der Gesandte Allahs zwanzig Jahre alt war, brach der Krieg von al-Fijār aus. Er wurde so genannt, weil die beiden an diesem Krieg beteiligten Stämme Kināna und Qais ʿAilān jeweils die von ihnen füreinander als unantastbar geltenden Dinge verletzten. Anführer des gemeinsamen Heeres der Quraisch und Kināna war Harb ibn Umayya. In der ersten Tageshälfte besiegte Qais im Kampf Kināna. Gegen Mittag jedoch siegte Kināna. [15. Ibn Hischām erwähnt, dass der Gesandte Allahs mehrere Tage am Krieg von al-Fijār teilnahm. Seine Onkel nahmen ihn mit auf das Schlachtfeld. Der Gesandte Allahs sagte: „Ich wehrte die von den Feinden abgeschossenen Pfeile und geworfenen Speere ab, hob sie auf und reichte sie meinen Onkeln.“ Dies war der letzte Krieg von al-Fijār. Er ist als Fijār al-Barād bekannt. Zuvor hatten drei weitere Kriege von al-Fijār stattgefunden: der erste zwischen Kināna und Hawāzin, der zweite zwischen den Quraisch und Hawāzin und der dritte zwischen Kināna und Hawāzin.]
Die Heirat mit Chadīdscha, möge Allah mit ihr zufrieden sein
Chadīdscha bint Chuwailid war eine angesehene und wohlhabende Geschäftsfrau im damaligen Arabien. Sie beschäftigte Menschen im Handel gegen einen festgelegten Lohn und auf der Grundlage einer Gewinnbeteiligung. Die Quraisch waren als Handelsstamm weithin bekannt. Als sie von der Wahrhaftigkeit, Vertrauenswürdigkeit und charakterlichen Vorzüglichkeit des Gesandten Allahs erfuhr, ließ sie ihm ausrichten, er möge mit ihren Waren nach Syrien reisen; dafür werde sie ihm eine bessere Vergütung zahlen, als sie anderen zu zahlen pflegte. Sie wollte ihm außerdem einen jungen Mann namens Maisara zu seiner Unterstützung mitgeben. Der Gesandte Allahs nahm dieses Angebot an und brach mit Chadīdschas Waren und ihrem Sklaven Maisara nach Syrien auf. Schon bald erreichte er Syrien.
Nach seiner Ankunft in Syrien ruhte er unter einem Baum in der Nähe der Kirche eines Geistlichen. Der Geistliche fragte Maisara: „Wer ist derjenige, der unter dem Baum ruht?“ Maisara antwortete: „Er ist ein Mann aus dem Stamm der Quraisch, ein Bewohner des Heiligtums.“ Der Geistliche sagte: „Unter diesem Baum hat außer einem Propheten noch nie jemand geruht!“
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, verkaufte die von ihm mitgebrachten Waren und kaufte einige neue Dinge. Danach brach er in Richtung Mekka auf. Wann immer es unterwegs Mittag wurde und die Sonne brennend heiß schien, sah Maisara, dass zwei Engel Muhammad Schatten spendeten und ihn vor der Hitze schützten, während er auf dem Rücken eines Kamels weiterritt. Als er Mekka erreichte, übergab er Chadidscha die von ihm gekauften Waren. Chadidscha verkaufte diese Waren und erzielte beinahe den doppelten Gewinn. Maisara berichtete Chadidscha von den Worten des christlichen Priesters sowie davon, dass zwei Engel dem Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Schatten gespendet hatten. Chadidscha war eine kluge und vornehme Frau mit einer starken Persönlichkeit.
Mit der Erhabenheit und Aufrichtigkeit des Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, vertraut zu werden, galt für sie als ein zusätzliches Glück, das ihr allein durch Allahs Willen zuteilwurde. Nachdem Chadidscha von Maisara von diesem wundersamen Ereignis gehört hatte, ließ sie ihn zu sich bitten und sagte zu ihm: „Bruder, ich bin von der angesehenen Stellung, die du unter deinem Stamm einnimmst, von den verwandtschaftlichen Bindungen und vor allem von deinem Ruf für Vertrauenswürdigkeit, edlen Charakter und Wahrhaftigkeit tief beeindruckt.“ Mit diesen Worten machte Chadidscha ihm einen Heiratsantrag. Unter den Quraisch war Chadidscha die Frau aus dem edelsten Geschlecht, von höchstem Ansehen und außerordentlichem Reichtum. Daher wünschten sich, wenn möglich, alle Angehörigen ihres Stammes, sie zu heiraten.
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, teilte seinen Onkeln Chadidschas Heiratsantrag mit. Sein Onkel Hamza suchte Chadidschas Vater, Chuwailid ibn Asad ibn Abd al-Uzza ibn Qusai ibn Kilab ibn Murra ibn Ka’b ibn Lu’ai, auf, machte ihm den förmlichen Antrag, und die Ehe wurde geschlossen. [16. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gab Chadidscha als Brautgabe zwanzig Kamele. Sie war seine erste Ehefrau, und zu ihren Lebzeiten heiratete er keine weitere Frau.]
Alle Kinder des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, mit Ausnahme von Ibrahim wurden von Chadidscha geboren. Sie waren: Qasim, Tahir, Tayyib, Zainab, Umm Kulthum und Fatima. Nach Qasim wurde der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, auch Abu l-Qasim genannt. Qasim und Tahir starben bereits in der Zeit der Unwissenheit. Die Töchter jedoch erlebten alle das Aufkommen des Islam, nahmen den Islam an und wanderten gemeinsam mit ihrem Vater aus. [17. Aus der Darstellung könnte man schließen, dass Tahir und Tayyib zwei verschiedene Personen waren. Tatsächlich sind beide Beinamen von Abdallah. Er wurde mit diesen beiden Namen gerufen.]
Die Aussage Waraqa ibn Nawfals
Waraqa ibn Nawfal ibn Asad ibn Abd al-Uzza, der Cousin Chadidschas, war ein christlicher Gelehrter, der sich in den früheren himmlischen Schriften bestens auskannte. Auch in weltlichem Wissen war er sehr bewandert. Chadidscha berichtete Waraqa, was sie von Maisara über die Äußerung des christlichen Priesters gehört hatte, und auch von dem Anblick, den Maisara selbst gesehen hatte: wie zwei Engel dem künftigen Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Schatten spendeten. Waraqa sagte: „Chadidscha, wenn sich dieses Ereignis tatsächlich zugetragen hat, dann wisse mit Gewissheit, dass Muhammad der Prophet dieser Zeit ist. Ich wusste, dass unter den gegenwärtigen Nachkommen Adams die Ankunft eines Propheten unmittelbar bevorstand und dass man auf ihn wartete. Dies ist die Zeit eben dieses Propheten.“ Danach beklagte Waraqa, dass sich die Ankunft des erwarteten Propheten so sehr verzögerte. Oft sagte er sehnsüchtig wartend: „Wie lange wird es noch dauern?“ Auf diese Weise klagte er und rezitierte das folgende Gedicht:
[Arabisch ************]
„Hartnäckig halte ich an der Erinnerung an eine so bedeutende Angelegenheit fest, die seit langer Zeit viele dazu gebracht hat, schluchzend zu weinen. Nach zahlreichen Berichten über diese Angelegenheit erhielt ich nun auch von Chadidscha einen neuen Bericht. Wahrlich, Chadidscha, mein Warten hat sich sehr lange hingezogen. Ich hoffe, zwischen den Höhen und Niederungen von Mekka deine wirkliche Erscheinung zu erblicken – von jener Sache, von der du berichtet hast, dass ein christlicher Priester sie verkündet habe. Wahrlich, ich mag es nicht, die Worte der Priester zu entstellen.“
[Arabisch ************]
„Muhammad wird schon bald unser Oberhaupt und Anführer sein. Er wird seine Widersacher besiegen und überall im Land Licht verbreiten, durch das er die gesamte Schöpfung erleuchten wird. Diejenigen, die gegen ihn kämpfen, wird er vernichten, und diejenigen, die sich mit ihm versöhnen, werden siegreich sein. Ach, wäre ich doch anwesend, wenn all dies geschieht; dann wäre ich von euch allen der Erste, der sich seiner Partei anschlösse.“
Der Wiederaufbau der heiligen Kaaba
Als Allahs Gesandter fünfunddreißig Jahre alt war, beschlossen die Quraisch, das Gebäude der heiligen Kaaba zu renovieren. Ein wichtiges Ziel dieses Beschlusses war, das Dach der heiligen Kaaba zu errichten, denn ohne ein Dach bestand die Gefahr, dass die Mauern einstürzten. Zu jener Zeit waren die Mauern der Kaaba etwas mehr als dreieinhalb Ellen hoch und lediglich aus aufeinandergeschichteten Steinen errichtet. Es gab kein Mauerwerk. Zufällig wurde zu jener Zeit ein Schiff eines römischen Händlers von der Meeresströmung an die Küste von Dschidda getrieben, wo es aufschlug und in Stücke zerbrach. Die Quraisch nahmen die Planken dieses Schiffes an sich, bearbeiteten sie und machten sie für den Bau des Daches der heiligen Kaaba verwendbar. Zur selben Zeit kam auch ein ägyptischer Maurer nach Mekka. Die Quraisch beschlossen insgeheim, ihn mit einigen Arbeiten bei der Renovierung der heiligen Kaaba zu beauftragen. Damals kam täglich eine Schlange aus einem Brunnen in der Nähe der heiligen Kaaba hervor und sonnte sich auf der Mauer der Kaaba. In den Brunnen, aus dem die Schlange hervorkam, wurden die Dinge geworfen, die täglich für die Kaaba geopfert wurden. Wegen der Schlange waren die Quraisch in Angst, denn sie war so furchterregend, dass sich niemand ihr nähern konnte. Sobald jemand zu ihr ging, breitete sie ihre Haube aus, wand sich unter lautem Reiben ihrer Haut und riss das Maul auf. Eines Tages, als die Schlange sich auf der Mauer der heiligen Kaaba sonnte, schickte Allah dorthin einen Vogel. Der Vogel stieß auf die Schlange herab und trug sie davon. Da waren die Quraisch erleichtert und sagten: „Hoffentlich hat Allah unserem Vorhaben zugestimmt. Heute haben wir einen von uns geschätzten Maurer, das benötigte Holz ist beschafft, und Allah hat uns auch von der Schlange befreit.“
Daraufhin begannen sie, die Mauern der Kaaba abzureißen und sie neu zu errichten. Zu dieser Zeit stand Abu Wahab ibn Amr ibn Aʾidh ibn Imran ibn Machzum auf, löste einen Stein aus der Kaaba und hob ihn in die Hand. Doch der Stein glitt sofort aus seiner Hand und kehrte an seinen ursprünglichen Platz zurück. Als er dieses wundersame Ereignis sah, sagte er: „O Quraisch! Verwendet beim Bau dieses Hauses der Kaaba nur Vermögen, das ihr auf rechtmäßige Weise erworben habt. Gebt kein Vermögen aus, das durch Unzucht, Wucher oder Unterdrückung erworben wurde.“
Danach teilten die Quraisch die Bauarbeiten an der Kaaba unter sich auf. Der Bau des Bereichs am Eingang fiel den Banu Abd Manaf und den Zuhra zu; der Bau des Bereichs zwischen dem Rukn al-Aswad und dem Rukn al-Yamani fiel dem Stamm der Banu Machzum zu, dem sich noch einige weitere Quraisch-Stämme anschlossen; für den Bau des Fußbodens waren die Banu Dschumah und die Banu Sahm zuständig. Der Bereich neben dem Hadschar al-Aswad fiel den Banu Abd ad-Dar, den Banu Qusai, den Banu Asad ibn Abd al-Uzza und den Banu Adi ibn Kaab zu.
Nun war es an der Zeit, mit dem Abriss zu beginnen, doch jeder wurde von einer unbekannten Furcht ergriffen, sobald er Hand an die Arbeit legen wollte. Da verkündete al-Walid ibn al-Mughira: „Ich werde mit dem Abriss beginnen.“ Damit nahm er eine Hacke, schlug an einer Seite des baufälligen Gebäudes zu und sagte: „O Allah, wir sind nicht von Deiner Religion abgewichen, und was wir tun, tun wir in guter Absicht.“ Danach riss er an der Ecke zwischen dem Rukn al-Yamani und dem Rukn al-Aswad einen Teil ab. Die ganze folgende Nacht verbrachten alle in Sorge. Sie sagten: „Warten wir ab, ob al-Walid ein Unglück widerfährt. Falls etwas Derartiges geschieht, werden wir nicht weiter abreißen, sondern den abgerissenen Teil wieder einfügen und den Bau in seinen früheren Zustand versetzen. Andernfalls werden wir wissen, dass Allah mit unserem Vorhaben zufrieden ist, und auch den restlichen Teil abreißen.“ Am nächsten Morgen kehrte al-Walid unversehrt zu seiner begonnenen Arbeit zurück und begann, die Mauern der Kaaba abzureißen. Auch die anderen Leute rissen gemeinsam mit ihm weiter ab. So gelangten sie bis zum von Ibrahim, Friede sei mit ihm, errichteten Fundament und hielten dort an. Danach gingen sie alle, um seltene grüne, buckelförmige Steine zu sammeln, die wie der Höcker eines Kamels waren und von denen einer am anderen haftete. [18. In einigen Überlieferungen heißt es, die Steine seien grün wie Speerspitzen gewesen.]
Danach sammelten die Quraisch-Stämme Steine für den Wiederaufbau der Kaaba. Jeder Stamm sammelte für sich und führte seinen Teil des Wiederaufbaus aus. Als der Bau der Mauern bis zur Stelle des Hadschar al-Aswad abgeschlossen war, begann der Streit darüber, wer ihn an seinen Platz setzen sollte. Jeder sehnte sich danach, die Ehre zu erlangen, den Hadschar al-Aswad aufzunehmen und an seinen vorgesehenen Platz zu setzen. Deshalb schlossen sich die Stämme zusammen und machten sich zum Krieg bereit.
Es wird berichtet, dass damals Abu Umaiya ibn al-Mughira, der älteste Mann des gesamten Stammes Quraisch, folgenden Vorschlag machte: „O Quraischiten, übertragt demjenigen die Verantwortung für die Beilegung dieses Streits, der als Erster durch das Tor dieser heiligen Moschee eintritt.“ Alle stimmten diesem Vorschlag zu. Daraufhin zeigte sich, dass niemand anderes als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, als Erster eintrat. Als sie ihn sahen, riefen alle wie aus einem Mund: „Das ist doch unser al-Amīn (der überaus Vertrauenswürdige), Muhammad! Seinen Schiedsspruch werden wir vorbehaltlos annehmen.“ Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu den Streitenden trat und sie ihm den Gegenstand ihres Streits mitgeteilt hatten, sagte er: „Gebt mir ein Tuch.“ Als man ihm ein Tuch gab, breitete er es aus, legte den Schwarzen Stein in dessen Mitte und sagte: „Jeder Stamm muss eine Seite dieses Tuches ergreifen.“ Alle ergriffen es, hoben es an und brachten es an die richtige Stelle. Danach hob er den Schwarzen Stein eigenhändig an, setzte ihn an seinen Platz und fügte das Mauerwerk darüber hinzu.
Arabische Wahrsager,Prophezeiungen jüdischer Priester und christlicher Geistlicher
Jüdische Priester, christliche Geistliche und arabische Wahrsager hatten bereits vor dem Erscheinen des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, prophezeit, dass die Zeit seines Kommens näher rückte. Die jüdischen und christlichen Geistlichen hatten diese Prophezeiung aufgrund der in ihren jeweiligen himmlischen Schriften beschriebenen Zeichen für das Erscheinen des letzten Propheten und für die Zeit seines Kommens sowie im Hinblick auf die Verheißungen ausgesprochen, die ihre Propheten über ihn hinterlassen hatten. Die Quelle der Prophezeiungen der arabischen Wahrsager hingegen waren Nachrichten von Dschinn, die den Gesprächen der Engel heimlich zuhörten. Damals wurden die Schaitan noch nicht durch Sternschnuppen vertrieben und daran gehindert, heimlich zu lauschen. Diese Schaitan suchten Wahrsagerinnen und Wahrsager auf. Daher gaben sie gelegentlich einige Vorzeichen über das Kommen des letzten Propheten weiter. Die gewöhnlichen Araber schenkten diesen Vorzeichen kaum Beachtung. Doch nachdem der Erhabene erschienen war und sich die angedeuteten Zeichen tatsächlich ereignet hatten, konnten alle davon erfahren und sie verstehen.
Als die Zeit gekommen war, in der der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, das Prophetentum erhalten sollte, wurde den Schaitan das heimliche Lauschen untersagt, und ihre Bewegungen an den Orten, an denen sie zu lauschen pflegten, wurden durch den Abschuss von Sternschnuppen unterbunden. Da verstanden die Dschinn, dass diese Maßnahme ergriffen worden war, um in der Schöpfung eine besondere göttliche Ordnung oder Verfügung in Kraft zu setzen.
Die körperlichen und charakterlichen Eigenschaften des Gesandten Allahs
Ibn Hischam sagt:
Umar, ein freigelassener Sklave von Ghufra, überlieferte von Ibrahim, dem Sohn Muhammads, des Sohnes von Ali ibn Abi Talib, folgende Beschreibung der körperlichen und charakterlichen Eigenschaften des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm:
Wann immer Ali ibn Abi Talib den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, pries, sagte er: „Er war weder besonders groß noch sehr klein, sondern von mittlerer Statur. Sein Haar war weder stark gelockt noch völlig glatt, sondern leicht gewellt. Er war weder sehr beleibt noch korpulent. Sein Gesicht war weder vollkommen rund noch klein. Seine Augen waren schwarz. Seine Augenbrauen waren lang, seine Gelenkknochen und der Knochen zwischen seinen beiden Schultern waren hoch und deutlich ausgeprägt. Der Bereich von seiner Brust bis zu seinem Nabel war mit feinen Härchen bedeckt. Seine Hände und Fußsohlen waren kräftig. Beim Gehen stampfte er nicht mit den Füßen auf; vielmehr schien es, als stiege er einen Abhang hinab. Wenn er sich nach einer Seite umsah, wandte er den ganzen Körper dorthin. Zwischen seinen beiden Schultern war das Siegel oder Zeichen des Prophetentums deutlich zu erkennen. Wahrlich, er war der letzte Prophet, der großzügigste, der tapferste, der wahrhaftigste ohnegleichen, der pflichtbewussteste, der freundlichste und geselligste. Beim ersten Anblick erschraken die Menschen vor ihm.“ Ali, der ihn pries, sagte: „Ich habe weder vor ihm noch nach ihm einen Menschen wie ihn gesehen.“
Die Erwähnung des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) im Evangelium
Ibn Ishaq sagt:
Die Darstellung und Verheißung über den ehrwürdigen Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm), die von Jesus (Friede sei mit ihm) im von seinem Gefährten Johannes zusammengestellten Evangelium überliefert wurde und die Jesus selbst gemäß der von Allah empfangenen Offenbarung niederschreiben ließ, lautet meines Wissens wie folgt:
„Wer mich hasst und mir feindselig gegenübersteht, hasst Allah selbst. Wenn ich ihnen nicht vor euren Augen Taten gezeigt hätte, die niemand zuvor vollbracht hatte, wären sie nicht schuldig gewesen. Doch nun haben sie Allahs Zeichen zurückgewiesen. Sie glaubten, auf diese Weise könnten sie mich und Allah besiegen. Dies geschah, damit die Prophezeiung des göttlichen Buches erfüllt werde. Wahrlich, sie haben mich zu Unrecht gehasst. Wenn ‚Manhamanna‘ – den Allah senden wird – zu euch kommt, wird er für mich Zeugnis ablegen. Er ist der Heilige Geist, der von Allah kommt. Auch ihr werdet gewiss für mich Zeugnis ablegen, denn von Anfang an seid ihr bei mir. Ich habe euch all dies gesagt, damit ihr keinen Anstoß nehmt. [19. Siehe Bibel, Johannes 15:23–36.] In der syrischen Sprache bedeutet ‚Munhamanna‘ Muhammad. Sein entsprechendes Wort in der römischen Sprache ist ‚Baraklitas‘.“
Die Erlangung des Prophetentums
Als Muhammad (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) vierzig Jahre alt wurde, sandte Allah ihn als Barmherzigkeit für die gesamte Welt und als Verkünder froher Botschaft für die ganze Menschheit. Von allen Propheten und Gesandten, die zuvor auf der Erde erschienen waren, nahm Allah das Versprechen entgegen, dass sie an den Propheten (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) glauben, ihn unterstützen und ihm gegen seine Widersacher helfen würden. Auch diejenigen, die an sie glauben und sie unterstützen würden, sollten sie anweisen, diese Aufgabe zu erfüllen. Im Einklang mit diesem Bund wies jeder Prophet seine jeweiligen Anhänger an, Muhammad (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) anzuerkennen und ihm zu gehorchen.
Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) berichtet: „Als Allah der Erhabene beabsichtigte, den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) zu ehren und die Menschheit durch ihn zu begünstigen, begann der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm), als Teil des Prophetentums wahre Träume zu sehen. Jeder Traum, den er sah, wurde bei Tagesanbruch, wenn die Sonne aufging, Wirklichkeit. Zu jener Zeit ließ Allah der Erhabene ihn das Zurückgezogensein lieben. Das einsame Leben in Abgeschiedenheit wurde ihm am liebsten.“
Abd al-Malik ibn Ubaidullah berichtet:
Als Allah, der Erhabene, beschloss, den Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, mit Ehre und Würde auszuzeichnen und die Prophetie mit ihm beginnen zu lassen, pflegte er, wenn er aus irgendeinem Anlass hinausging, die bewohnten Gebiete weit hinter sich zu lassen und sich in die Bergtäler und Ebenen von Mekka zu begeben. Wann immer er an einem Stein oder Baum vorbeikam, rief dieser Stein oder Baum: „Der Friede sei mit dir, o Gesandter Allahs!“ Sobald der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, dies hörte, blickte er sich nach allen Seiten um, nach rechts, links und hinter sich. Einige Zeit verging, und der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, hörte und sah dies weiterhin. Als er sich dann im Monat Ramadan in der Höhle Hira [20. Hira ist der Name einer Höhle in einem Berg, der drei Meilen von Mekka entfernt liegt.] aufhielt, kam Dschibril, Friede sei mit ihm, zu ihm und brachte ihm von Allah eine Botschaft von höchster Ehre und Würde.
Von Ubayd ibn Umair wird überliefert:
Der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, verbrachte jedes Jahr einen Monat in der Höhle Hira. Auch die Quraisch pflegten sich in der Zeit der Unwissenheit auf dieselbe Weise, die Götzenverehrung aufzugeben und sich in einsamer Andacht zu versenken. Jedes Jahr verbrachte er auf diese Weise einen Monat in Abgeschiedenheit mit Gottesdienst. In diesem Monat gab er allen Armen, die zu ihm kamen, zu essen. Nachdem er diesen einmonatigen Rückzug beendet hatte, betrat der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, vor seiner Rückkehr nach Hause zunächst die edle Kaaba und vollzog dort sieben- oder mehrmal den Tawaf; erst danach kehrte er nach Hause zurück. Als nun der Monat nahte, in dem Allah ihn mit höchster Ehre auszeichnen wollte, nämlich der Ramadan des Jahres, in dem er die Prophetie empfing, brach der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, wie gewohnt zu seinem Aufenthalt in Hira auf. Schließlich kam jene gewaltige Nacht, in der Allah, der Erhabene, ihn mit der Sendung zum Gesandten ehrte. Zu dieser Zeit kam Dschibril, Friede sei mit ihm, auf Allahs Geheiß zu ihm.
Der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, sagte: „Ich schlief. In diesem Zustand erschien Dschibril mit einem Stück Seidenstoff. Auf diesem Stück Seide war etwas geschrieben. Dschibril sagte zu mir: ‚Lies!‘ Ich sagte: ‚Ich kann nicht lesen.‘“
Da umarmte er mich so fest, dass ich dachte, ich würde sterben. Nach einer Weile ließ er mich los und sagte: „Lies!“ Ich sagte: „Ich kann nicht lesen.“ Er umarmte mich erneut mit großer Kraft. Auch diesmal befürchtete ich unter dem gewaltigen Druck zu sterben. Wieder ließ er mich los und sagte: „Lies!“ Ich sagte: „Was soll ich lesen?“ Er sagte: „Lies im Namen deines Herrn, der erschaffen hat, der den Menschen aus einem Blutklumpen erschaffen hat. Lies, und dein Herr ist der Edelste. Er ist es, der durch den Schreibgriffel gelehrt hat. Er hat den Menschen gelehrt, was er nicht wusste.“ Der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, sagte: „Daraufhin las ich die Verse, die mir vorgetragen worden waren.“ Nachdem Dschibril sie mir bis zu diesem Punkt vorgelesen hatte, hielt er inne und ging fort. Danach erwachte ich aus dem Schlaf. Es war mir, als hätte ich etwas in meinem Inneren niedergeschrieben. Dann verließ ich die Höhle Hira. Als ich eine Stelle zwischen den Bergen erreicht hatte, hörte ich plötzlich von oben eine Stimme: „O Muhammad, du bist Allahs Gesandter, und ich bin Dschibril.“ Ich blickte zum Himmel empor und sah Dschibril in der Gestalt eines Menschen am äußersten Horizont, mit ausgebreiteten Flügeln, und er sagte: „O Muhammad, du bist Allahs Gesandter, und ich bin Dschibril.“ Ich blieb wie erstarrt stehen und blickte zu ihm. Als ich zu den übrigen Teilen des Himmels sah, erblickte ich ihn überall in derselben Gestalt. Lange Zeit stand ich regungslos so da. Ich war nicht fähig, zurückzuweichen oder voranzugehen. Währenddessen schickte Chadidscha Leute aus, um mich zu suchen. Sie erreichten die höher gelegenen Gebiete von Mekka und kehrten dann zu Chadidscha zurück. Ich aber stand noch immer an derselben Stelle. Danach verschwand Dschibril. Ich machte mich auf den Weg zu meiner Familie. Als ich zu Chadidscha kam, setzte ich mich ganz dicht zu ihr. Sie sagte: „O Abu l-Qasim, wo warst du? Ich hatte Leute ausgesandt, um dich zu suchen. Sie sind im Hochland von Mekka umhergezogen und ohne dich zurückgekehrt.“ Ich erzählte Chadidscha alles, was ich gesehen hatte. Chadidscha sagte: „Nimm dieses Ereignis als ein äußerst gutes Zeichen an und bleibe standhaft. Bei dem, in dessen Hand meine Seele liegt, schwöre ich: Ich bin fest davon überzeugt, dass du als Prophet für die Menschheit dieser Zeit auserwählt worden bist.“
Daraufhin ging Chadidscha, in ihre Kleider gehüllt, zu Waraqa ibn Nawfal. Waraqa war ein Cousin Chadidschas. Er hatte das Christentum angenommen und besaß umfassende Kenntnisse der himmlischen Schriften. Besonders hatte er von den Anhängern der Tora und des Evangeliums viel Wissen erworben. Chadidscha schilderte ihm von Anfang bis Ende alles, was der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, gesehen und gehört hatte. Nachdem Waraqa alles angehört hatte, rief er: „Heilig, heilig! Der hochheilige Engel! Der hochheilige Engel!“ Bei Allah, ich sage dir, o Chadidscha: Glaube mir, zu Muhammad ist wahrlich jener große Gesandte gekommen, der auch zu Mose zu kommen pflegte. Wahrlich, Muhammad ist als Prophet für die Menschheit dieser Zeit auserwählt worden. [21. Suhayli sagt: Obwohl Jesus ihm zeitlich als näherstehender Prophet war, erwähnte Waraqa an seiner Stelle Mose, weil Waraqa damals das Christentum angenommen hatte. Nach dem Glauben der Christen ist Jesus kein Prophet. Vielmehr ist Jesus ihrem Glauben zufolge eine der drei Wesenheiten Allahs, die in der Person Jesu eins geworden sind. Unter den Christen gibt es jedoch über diese Deutung Meinungsverschiedenheiten.] Sag ihm, er solle standhaft bleiben.“
Chadidscha kehrte zum Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, zurück und berichtete ihm, was Waraqa gesagt hatte. Nachdem der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, seinen einmonatigen Gottesdienst in der Höhle Hira beendet hatte, kehrte er nach Mekka zurück und begann wie gewohnt, den Tawaf um die Kaaba zu vollziehen. Da fragte Waraqa ihn: „Mein Neffe, erzähl mir, was du gesehen und gehört hast.“ Der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, berichtete ihm alles. Nachdem Waraqa alles angehört hatte, sagte er: „Wisse mit Gewissheit: Du bist der Prophet der Menschheit dieser Zeit. Jener große Gesandte, der auch zu Mose zu kommen pflegte, ist zu dir gekommen. Wisse ebenso mit Gewissheit, dass man deine Botschaft für eine Lüge erklären und dich verfolgen wird. Man wird dich aus deiner Heimat vertreiben, und man wird gegen dich kämpfen. Wenn ich dann noch lebe, werde ich gewiss offen dabei helfen, Allahs Religion aufzurichten.“ Daraufhin neigte Waraqa seinen Kopf zu ihm und küsste seine Stirn. Nachdem der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, den Tawaf beendet hatte, kehrte er nach Hause zurück.
Der Beginn der Herabsendung des Korans
Im heiligen Monat Ramadan begann die Offenbarung an den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, herabgesandt zu werden. Allah, der Erhabene und Allmächtige, sagt:
„Im Monat Ramadan wurde der Koran als Rechtleitung für die Menschheit herabgesandt, mit klaren Beweisen der Rechtleitung und als Unterscheidung zwischen Wahrheit und Falschheit.“
Allah, der Erhabene, sagt ferner:
„Wahrlich, Wir haben diesen Koran in der Nacht der Bestimmung herabgesandt. Und was lässt dich wissen, was die Nacht der Bestimmung ist? Die Nacht der Bestimmung ist besser als tausend Monate. In dieser Nacht steigen die Engel und Gabriel mit der Erlaubnis ihres Herrn herab, und bis zum Anbruch der Morgendämmerung herrscht Frieden.“ (Sure al-Qadr)
Allah, der Erhabene, sagt ferner:
„Ha-Mim! Bei dem klaren Buch! Wahrlich, Wir haben dieses Buch in einer gesegneten Nacht herabgesandt. Wahrlich, Wir wollten warnen. Es war eine Nacht, in der auf Unseren Befehl hin die wohlbegründeten und weisen Entscheidungen über alle Angelegenheiten getroffen werden. Und Wir wollten einen Gesandten entsenden.“ (Sure ad-Duchan)
Allah, der Erhabene, sagt ferner:
„Wenn ihr an Allah, an Seinen Diener und an das glaubt, was Wir am Tag der Entscheidung, am Tag des Zusammentreffens der beiden Heere, herabgesandt haben …“ Mit dem Tag des Zusammentreffens ist hier der Tag gemeint, an dem die Götzendiener und der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, auf dem Schlachtfeld von Badr aufeinandertrafen.
Die Annahme des Islam durch Chadidscha bint Chuwailid
Chadidscha bint Chuwailid glaubte an den Propheten, Allahs Segen und Heil seien auf ihm. Sie erkannte die Offenbarung, die er von Allah empfangen hatte, als wahr an. Sie unterstützte ihn bei der Erfüllung seiner Aufgabe als Prophet. Tatsächlich war sie die erste Person, die an Allah und Seinen Gesandten glaubte und ihn als wahrhaftig anerkannte.
Auf diese Weise linderte Allah die Sorgen und das Leid Seines Propheten. Wann immer eine unerwünschte Situation entstand und jemand seine Daʿwa zurückwies und ihn der Lüge bezichtigte, war er zutiefst bekümmert. Doch sobald er zu Chadidscha ging, wurde sein Kummer durch Allahs Willen beseitigt. Chadidscha tröstete ihn, erleichterte den Schmerz und die Trauer in seinem Herzen, bestätigte seine Daʿwa voll und ganz als wahr und ermutigte ihn, das Verhalten der Menschen nicht allzu schwer zu nehmen. Möge Allah Seine Barmherzigkeit auf sie herabsenden. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Heil seien auf ihm, sagte: „Deshalb wurde ich beauftragt, Chadidscha die frohe Botschaft von einem Haus im Paradies zu verkünden, das aus einer einzigartig kunstvoll verzierten Perle besteht und in dem es weder Lärm noch Leid und Krankheit geben wird.“
Die Unterbrechung der Offenbarung
Danach blieb die Offenbarung einige Tage lang aus, und dies wurde für den Propheten, Allahs Segen und Heil seien auf ihm, sehr belastend. Dann erschien Dschibrīl (a. s.) bei ihm und brachte ihm die Sure „ad-Duhā“. Der erhabene Herr, der ihn durch die Prophetenschaft geehrt hatte, schwor in dieser Sure, dass Er ihn weder verlassen noch ihm Feindschaft entgegengebracht hatte. Allah, der Erhabene, sagt: „Bei der Vormittagshöhe und bei der Nacht, wenn sie dunkel wird!“
„Dein Herr hat dich weder verlassen noch aufgegeben und ist dir auch nicht feindlich gesinnt.“ Das heißt: Er hat die Beziehung zu dir nicht abgebrochen und dich nicht verlassen; und es ist auch nicht so, dass Er dir nach einer Feindschaft wieder Liebe erwiesen hätte. „Wahrlich, das Jenseitige ist für dich besser als das Diesseitige.“ Das heißt: Was Ich nach deiner Rückkehr zu Mir für dich vorbereitet habe, ist besser als das, was Ich dir im Diesseits gegeben habe. Wahrlich, Er wird dir bald so viel geben, dass du zufrieden sein wirst. Das heißt: Erfolg und Sieg im Diesseits und Vergeltung im Jenseits. „Hat Er dich nicht als Waise vorgefunden und dir dann Obdach gegeben? Und hat Er dich nicht umherirrend vorgefunden und dir den Weg gewiesen, und dich nicht arm vorgefunden und reich gemacht?“ In diesen Versen erinnert Allah, der Erhabene, ihn an die Ehre, die ihm in seinem frühen Leben zuteilgeworden war, sowie daran, welche Barmherzigkeit und Gnade Allah ihm in seiner Lage als mutter- und vaterloser, hilfloser und orientierungsloser Mensch erwiesen und wie Er ihn durch Seine Gunst aus seinem erbärmlichen Zustand errettet hatte. „So unterdrücke die Waise nicht und fahre den Bittenden nicht an.“ Das heißt: Zeige dich gegenüber Allahs schwachen Dienern nicht hochmütig und überheblich und verhalte dich nicht grausam und willkürlich. „Und verkünde die Gunst deines Herrn.“ Das heißt: Teile den Menschen den unvergleichlichen Reichtum und die einzigartige Würde mit, die du durch die von Allah verliehene Prophetenschaft erlangt hast, und rufe sie dazu auf.
Danach widmete sich der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Heil seien auf ihm, ganz im Verborgenen der Verkündung der Religion gegenüber vertrauenswürdigen und zuverlässigen Menschen aus seinem engsten Umfeld. Er begann, von der gewaltigen Gunst zu sprechen, die Allah ihm durch die Verleihung der Prophetenschaft sowohl selbst als auch der gesamten Menschheit erwiesen hatte.
Die ersten, die den Islam annahmen
Der erste Mann, der an den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, glaubte, mit ihm das Gebet verrichtete und die von Allah zu ihm herabgesandte Offenbarung aus tiefstem Herzen annahm, war Ali, der Sohn seines Onkels Abu Talib, möge Allah mit ihm zufrieden sein. Damals war er erst zehn Jahre alt.
An Ali, möge Allah mit ihm zufrieden sein, lässt sich eine besondere Gunst Allahs erkennen. Dass Allah sein Wohlergehen wollte und deshalb für ihn eine passende Vorkehrung getroffen hatte, lässt sich aus den Ereignissen vor seinem Übertritt zum Islam ersehen. Die Quraisch befanden sich damals in großer Not. Da Abu Talib Vater vieler Kinder war, litt er unter schwerer finanzieller Bedrängnis. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, hatte noch einen weiteren Onkel namens Abbas. Er war der wohlhabendste Mann unter den Banu Haschim. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte zu ihm: „O Abbas, dein Bruder Abu Talib ist durch die Last seiner zahlreichen Kinder sehr bedrängt. Du siehst selbst, welch schreckliche Not die Menschen erleiden. Komm, lass uns seine Last durch seine Kinder erleichtern. Ich übernehme die Verantwortung für einen seiner Söhne, und du übernimmst die Verantwortung für einen anderen. So können wir ihn von der Verantwortung für zwei seiner Kinder entlasten.“
Abbas sagte: „Gut, gehen wir.“
Darauf gingen sie beide zu Abu Talib und sagten: „Wir möchten dir die Last deiner Kinder abnehmen, bis die Bewohner des Landes aus der gegenwärtigen finanziellen Not befreit sind.“ Abu Talib sagte: „Lasst Aqil bei mir und nehmt danach mit, wen ihr wollt.“
Darauf nahm der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Ali zu sich und nahm ihn in seine Familie auf. Abbas nahm Dschafar zu sich und nahm auch ihn in seine Familie auf. Ali blieb anschließend bis zum Empfang der Prophetenschaft durch den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, bei ihm. Als dieser die Prophetenschaft empfangen hatte, glaubte Ali an ihn, nahm ihn aus tiefstem Herzen als Propheten an und begann, ihm zu folgen.
Nach Ansicht einiger Historiker begab sich der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, wenn die Zeit des Gebets gekommen war, in eine abgelegene Berghöhle bei Mekka, und Ali ging mit ihm. Sie taten dies jedoch heimlich, ohne dass sein Vater, sein Onkel oder irgendjemand aus seinem Stamm davon wusste. Dort gingen sie beide hin, verrichteten in Zurückgezogenheit das Gebet und kehrten bei Einbruch des Abends nach Hause zurück. So setzten sie diese Tätigkeit mit Allahs Erlaubnis einige Zeit fort. Eines Tages sah Abu Talib die beiden beim Gebet. Nach dem Gebet fragte er den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm: „Neffe, was ist das für eine Religion, der du da folgst?“ Er antwortete: „O Onkel, dies ist die Religion Allahs, die Religion Seiner Engel und die Religion Seiner Propheten und Gesandten. Insbesondere ist es die Religion unseres Vorvaters Ibrahim. Allah hat mich zu einem Gesandten gemacht und mich mit dieser Religion zur Menschheit gesandt. O Onkel, du hast mehr Anspruch darauf, diese Einladung anzunehmen, als all jene, denen ich diese Religion gelehrt und die ich zur Annahme dieser Lebensordnung aufgerufen habe. Und im Vergleich zu all jenen, die meine Einladung angenommen und mich bei meiner Aufgabe unterstützt haben, obliegt es dir noch mehr, diesem Ruf zu folgen und mich zu unterstützen.“
Abu Talib sagte: „Neffe, ich kann die Religion und die Bräuche meiner Vorfahren nicht aufgeben. Doch bei Allah, solange ich lebe, wirst du aufgrund deines Wirkens keiner unangenehmen Lage ausgesetzt sein.“
Danach nahm Zaid ibn Haritha ibn Schurahbil ibn Ka’b ibn Abd al-Uzza den Islam an. Zuvor hatte Hakim ibn Hizam ibn Chuwailid, der Neffe Chadidschas, aus Syrien mehrere Sklaven mitgebracht, darunter Zaid ibn Haritha. Eines Tages kam seine Tante Chadidscha zu ihm. Zu dieser Zeit war Chadidscha bereits mit dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, verheiratet. Hakim sagte: „Tante, such dir unter diesen Sklaven einen beliebigen aus. Welchen Jungen du auch auswählst, den werde ich dir geben.“ Sie wählte Zaid aus und nahm ihn zu sich. Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Zaid bei Chadidscha sah und sein Verlangen äußerte, ihn zu bekommen, schenkte Chadidscha ihn dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, befreite ihn aus der Sklaverei und nahm ihn als Adoptivsohn an. Dies geschah vor dem Empfang der Prophetenschaft.
Danach nahm Abu Bakr ibn Abu Quhafa den Islam an. Sein eigentlicher Name war Atik, und Abu Quhafas wirklicher Name war Uthman. Nachdem Abu Bakr, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, den Islam angenommen hatte, verkündete er dies öffentlich. Er war in seinem Stamm äußerst beliebt, freundschaftlich und liebenswürdig. Unter den Quraisch war er der angesehenste und am besten mit ihrer Abstammung vertraut. Niemand besaß ein so kluges und tiefes Wissen über die guten und schlechten, nützlichen und schädlichen Seiten der Quraisch wie er. Er war ein Kaufmann, großzügig und tugendhaft. Die Angehörigen seines Stammes strömten zu ihm. Wegen seines liebenswürdigen Umgangs, seiner Gelehrsamkeit und seiner kaufmännischen Fähigkeiten schlossen viele Freundschaft und enge Beziehungen zu ihm. Daher begann er diejenigen aus seinem Stamm, die in seine Nähe kamen und ihm besonders vertrauten, zum Islam einzuladen. Auf seine Einladung hin nahmen nacheinander Uthman ibn Affan, az-Zubair ibn al-Awwam, Abd ar-Rahman ibn Auf, سعد ibn Abu Waqqas und Talha ibn Ubaidullah den Islam an. Diese fünf, zusammen mit Abu Bakr, Ali und Zaid – insgesamt also acht Personen – waren die ersten Muslime. Sie waren die Ersten, die das Gebet verrichteten und den Islam von ganzem Herzen annahmen.
Danach nahmen Abu Ubaida ibn al-Dscharrah, Abu Salama ibn Abd al-Asad und al-Arqam ibn Abu al-Arqam den Islam an. 22. Al-Arqams Haus lag auf dem Berg Safa. In diesem Haus lud der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die Quraisch zum Islam ein. Bis die Zahl der Muslime durch den Übertritt von Umar, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, vierzig erreichte, wurden der Aufenthalt und die Einladung zum Islam auf diese Weise geheim fortgesetzt. Nachdem die Zahl von vierzig erreicht war, traten sie öffentlich hervor.
Uthman ibn مظun und seine beiden Brüder Qudama und Abdullah, Ubaida ibn al-Harith, Sa’id ibn Zaid ibn Amr und seine Ehefrau Fatima, die Schwester von Umar ibn al-Khattab, Asma bint Abu Bakr und Aischa bint Abu Bakr (Aischa war damals noch ein junges Mädchen), Khabbab ibn al-Aratt, Umair ibn Abu Waqqas, Abdullah ibn Masud, Masud ibn Qari, Salit ibn Amr, Ayyasch ibn Abu Rabi’a und seine Ehefrau Asma bint Salama, Khuzaima ibn Hudhafa, Amir ibn Rabi’a, Abdullah ibn Dschahsch und sein Bruder Abu Ahmad, Dscha’far ibn Abu Talib und seine Ehefrau Asma bint Umais, Hatib ibn al-Harith und seine Ehefrau Fatima bint Mudschallal, sein Bruder Khutab und dessen Ehefrau Fakiha bint Yasar, Ma’mar ibn al-Harith, Sa’ib ibn Uthman ibn مظun, al-Muttalib ibn Azhar und seine Ehefrau Ramla bint Abu Auf, an-Nahham, das heißt Nu’aim ibn Abdullah, Amir ibn Fuhaira, Khalid ibn Said ibn al-As und seine Ehefrau Amina bint Khalaf, Hatib ibn Amr, Abu Hudhaifa ibn Utba ibn Rabi’a, Waqid ibn Abdullah, Khalid, der Sohn von Bukair ibn Abd Yalil, sowie Amir, Aqil und Yas, ferner Ammar ibn Yasir und Suhaib ibn Sinan ar-Rumi nahmen den Islam an. 23. Suhaib war von Geburt ein Araber. In seiner Kindheit geriet er in die Hände der Römer und wuchs unter ihnen als Sklave auf. Später kaufte ihn ein Mann aus dem Stamm Kalb und brachte ihn nach Mekka, wo er ihn verkaufte. Abdullah ibn Dschud’an kaufte und befreite ihn. In den Hadithen wird Suhaib als der erste Römer erwähnt, der den Islam annahm.
Die öffentliche Einladung zum Islam
Danach begannen die Menschen, Männer wie Frauen, gruppenweise den Islam anzunehmen. So verbreitete sich die Kunde vom Islam in ganz Mekka, und es wurde ausführlich darüber gesprochen. Daraufhin befahl Allah, der Erhabene und Allmächtige, Seinem Gesandten, Seine Botschaft mit lauter Stimme zu verkünden, und wies ihn an, die Menschen öffentlich zum Din Allahs einzuladen. Nach dem Empfang der Berufung zum Prophetentum wurde die geheime Einladung zum Islam drei Jahre lang betrieben, bevor die öffentliche Verkündigung begann. Dann gab Allah folgende Anweisung: „O Prophet, beginne nun, laut zu verkünden, und kümmere dich nicht um die Worte der Götzendiener.“ Er sagte ferner: „O Prophet, warne deine nächsten Verwandten und sei den gläubigen Anhängern, die dir folgen, mitfühlend und gütig. Und sprich: Ich bin ein offenkundiger Warner.“
Wenn die Gefährten des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, beten wollten, gingen sie in abgelegene Bergschluchten und verrichteten dort, vor den Blicken der Menschen verborgen, ihr Gebet. Eines Tages betete eine kleine Gruppe der Gefährten des Gesandten Allahs, darunter Sa’d ibn Abu Waqqas, in einer Berggrotte bei Mekka. Da erschien dort eine Gruppe von Götzendienern aus Mekka. Sie begannen, die Gläubigen heftig zu tadeln und zu beschimpfen, und schließlich griffen sie sie an und wollten sie töten. In diesem Augenblick schlug Sa’d ibn Abu Waqqas mit dem Kieferknochen eines verendeten Kamels so kräftig zu, dass er einem der Götzendiener den Kopf spaltete. Dies war das erste Blutvergießen um des Islam willen.
Obwohl der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gemäß Allahs Anweisung öffentlich zum Islam einlud, wandten sie sich nicht von ihm ab und erhoben sich auch nicht gegen ihn, solange er ihre Götzen nicht kritisierte. Doch als er ihre Götzen kritisierte, erkannten sie seine Bewegung als etwas Furchtbares und Gefährliches. Sie gerieten heftig gegen ihn in Zorn und machten sich entschlossen daran, ihn zu bekämpfen und ihm feindlich entgegenzutreten. Die wenigen Menschen jedoch, die sich noch nicht öffentlich zu ihrem Glauben bekannt hatten, bewahrte er um des Islam willen vor dieser Feindschaft.
Sein Onkel Abu Talib zeigte dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, weiterhin vollstes Mitgefühl und Wohlwollen. Angesichts der Angriffe der Quraisch beschützte er den Gesandten Allahs und stand ihm bei. Dadurch konnte dieser die Verkündung des Din Allahs ungehindert fortsetzen. Als die Quraisch jedoch sahen, dass der Gesandte Allahs ihre heftigen Einwände gegen den Bruch mit ihren Bräuchen und gegen die Kritik an ihren Götzen nicht im Geringsten beachtete und dass sein Onkel ihm weiterhin Schutz gewährte und ihn keinesfalls den Quraisch auslieferte, gingen eines Tages die angesehenen Führer der Quraisch geschlossen zu Abu Talib und sagten: „O Abu Talib, dein Neffe hat unsere Götzen beschimpft, unsere Religion kritisiert, unsere Klugheit als Dummheit bezeichnet und unsere Vorfahren als vom rechten Weg abgeirrt dargestellt. Unter diesen Umständen musst du ihn entweder davon abhalten oder uns die Möglichkeit geben, ihn zur Rechenschaft zu ziehen.“ Abu Talib antwortete ihnen in eindringlichen Worten, überzeugte sie und verabschiedete sie schließlich.
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, setzte seine Arbeit wie gewohnt fort. Er rief die Menschen weiterhin zur Religion Allahs auf und führte seine Verkündigung und Verbreitung unermüdlich fort. Dadurch nahmen der Hass und die Feindseligkeit der Quraisch von Tag zu Tag zu. Sie begannen, den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, heftig zu kritisieren und einander gegen ihn aufzuhetzen.
Daraufhin traten sie erneut vor Abu Talib und sagten: „O Abu Talib, du bist der Älteste und angesehene Führer unter uns. Wir halten dich für einen hochgestellten und verehrten Mann.“
Wir hatten gesagt, du sollest deinen Neffen davon abhalten, doch du hast es nicht getan. Bei Allah, wir können dies nicht länger hinnehmen. Wir können die Dreistigkeit, mit der er uns kritisiert, unsere Götzen verunglimpft und unsere Weisheit als Dummheit bezeichnet, nicht länger ertragen. Entweder hältst du ihn zurück, oder wir werden gegen dich und ihn Krieg führen und nicht eher aufhören, als bis eine der beiden Seiten vernichtet ist.“
Abu Talib ließ den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu sich rufen. Er sagte zu ihm: „Neffe, die Leute deines Stammes sind zu mir gekommen und haben diese Dinge gesagt.“ Daraufhin teilte er ihm mit, was die Führer der Quraisch gesagt hatten. Dann sagte er: „Da die Angelegenheit nun diesen Stand erreicht hat, schone dich selbst und auch mich. Bürde mir nichts auf, was meine Kräfte übersteigt.
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, dachte, sein Onkel habe seine Meinung geändert, wolle ihn im Kampf gegen die Quraisch allein lassen und sei nicht mehr in der Lage, ihn zu unterstützen. Daher sagte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm: „O Onkel, ich schwöre bei Allah: Selbst wenn sie mir die Sonne in meine rechte Hand und den Mond in meine linke Hand brächten und mich im Gegenzug aufforderten, diese Sache aufzugeben, würde ich sie nicht aufgeben. Ich werde diese Sache so lange fortführen, bis Allah Seiner Religion zum Sieg verhilft oder ich bei ihrer Ausübung zugrunde gehe.“ Nachdem er dies gesagt hatte, füllten sich die Augen des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, mit Tränen. Dann erhob er sich und wollte gehen. Als er ein Stück gegangen war, rief Abu Talib ihm zu: „O Neffe, komm näher.“ Er kam näher. Abu Talib sagte: „Neffe, schon gut. Verkünde weiter, was du verkünden willst. Ich werde dich niemals, aus welchem Grund auch immer, ihnen ausliefern.“
Als die Quraisch erfuhren, dass Abu Talib nicht bereit war, den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, angesichts der Demütigungen allein zu lassen, und trotz ihres Bruchs mit ihm und ihrer Feindschaft fest entschlossen war, ihn ihnen nicht auszuliefern, brachten sie einen jungen Mann namens Umāra ibn al-Walīd ibn al-Mughīra zu Abu Talib und sagten: „O Abu Talib, sieh dir diesen jungen Mann an. Sein Name ist Umāra ibn al-Walīd. Unter den Quraisch gibt es keinen jungen Mann, der ihm an Mut, Stärke und gutem Aussehen gleichkommt. Nimm ihn als Sohn an. Du kannst von seiner Klugheit und seiner Hilfe und Unterstützung profitieren. Und übergib uns jenen deinen Neffen, der sich gegen die Religion deiner Vorfahren stellt, in deiner Gemeinschaft Spaltung hervorruft und ihre Weisheit als Dummheit bezeichnet. Übergib ihn uns, damit wir ihn töten. Du erhältst einen Menschen im Austausch gegen einen Menschen.“
Abu Talib sagte: „Bei Allah, ihr bürdet mir eine äußerst abscheuliche Sache auf. Kann ich etwa einem Vorschlag zustimmen, bei dem ihr mir euren Sohn gebt, damit ich ihn ernähre und großziehe, während ich euch meinen Sohn übergebe, damit ihr ihn tötet? Bei Gott, wisst: Das wird niemals geschehen.“
Mutʿim ibn ʿAdī sagte: „O Abu Talib, deine Stammesleute haben dir einen durchaus gerechten Vorschlag gemacht. Sie wollen dich von etwas entbinden, das auch du selbst nicht billigest. Doch es scheint, dass du nicht bereit bist, irgendeinen ihrer Vorschläge anzunehmen.“ Abu Talib sagte zu Mutʿim: „Bei Allah, sie haben mich nicht gerecht behandelt. In Wahrheit bist du entschlossen, mich zu demütigen, und willst deshalb die gesamte Gemeinschaft gegen mich aufhetzen. Nun tu, was du willst.“
Nun geriet die Angelegenheit außer Kontrolle, und eine Kriegssituation zeichnete sich ab. Die Quraisch hetzten einander zum Krieg auf. Jeder Stamm fiel über die wenigen Muslime her, die unter ihm lebten, begann eine grausame Verfolgung und setzte sie massiv unter Druck, den Islam aufzugeben. Einzig der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, blieb von dieser Verfolgung verschont. Allah beschützte ihn durch seinen Onkel Abu Talib.
Als Abu Talib sah, dass die Quraisch den Weg äußerster Gewalt beschritten hatten, nahm er Kontakt zu den Angehörigen der Stämme Banu Hashim und Banu al-Muttalib auf. Er rief alle dazu auf, seine Haltung zu unterstützen und ihm dabei beizustehen, den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, zu schützen und sich jedem unangemessenen Verhalten ihm gegenüber entgegenzustellen. Alle Angehörigen dieser beiden Stämme folgten seinem Aufruf und versicherten ihm ihre Unterstützung. Einzig der verfluchte Feind Allahs, Abu Lahab, verweigerte seine Unterstützung.
Die Äußerungen al-Walid ibn al-Mughiras über den Koran
Eine Gruppe der Quraisch versammelte sich beim angesehenen Führer der Quraisch, al-Walid ibn al-Mughira. Die Hadsch-Saison stand bevor. Al-Walid sagte: „O Quraisch! Die Hadsch-Saison steht bevor. Menschen aus den verschiedenen Gegenden Arabiens werden zu euch kommen. Sie haben bereits von Muhammads Worten gehört. Legt daher eine einhellige Auffassung über ihn fest. Unter euch darf es in dieser Angelegenheit keinerlei Meinungsverschiedenheit geben. Es darf nicht geschehen, dass einer etwas sagt und ein anderer seine Aussage widerlegt. Sonst würde die Aussage des einen durch die Aussage des anderen als Lüge entlarvt.“
Alle sagten: „Dann lege du eine Auffassung fest. Wir werden sie alle gleichermaßen wiederholen.“ Al-Walid sagte: „Sagt ihr es selbst, ich höre zu.“ Die Versammelten sagten: „Wir werden sagen, Muhammad sei ein Wahrsager.“ Al-Walid sagte: „Nein, er ist kein Wahrsager. Wir haben viele Wahrsager gesehen. Muhammads Rede gleicht nicht den rhythmischen, unklaren Worten eines Wahrsagers.“
Alle sagten: „Dann werden wir sagen, Muhammad sei verrückt.“
Al-Walid sagte: „Nein, auch verrückt ist er nicht. Wir haben viele Verrückte gesehen und wissen auch, was Verrücktheit ist. Die Rede eines Verrückten ist von Stocken und Unklarheit geprägt, von der Verzückung heftiger Gefühlsregungen und von Zweifel und Unsicherheit belastet. Doch in Muhammads Worten findet sich nichts davon.“
Alle sagten: „Dann werden wir sagen, er sei ein Dichter.“
Walid sagte: „Nein, auch ein Dichter ist er nicht. Wir kennen alle Arten von Dichtung. Doch die Worte Muhammads gehören zu keiner Art von Dichtung.“
Nun sagten alle: „Dann werden wir sagen, dass er ein Zauberer ist.“ Walid sagte: „Auch ein Zauberer ist er nicht. Wir haben viele Zauberer gesehen und viel über Zauberei erfahren. Doch Muhammad pflegt nicht, wie sie Knoten zu knüpfen und auf sie zu blasen.“ Alle sagten: „Was willst du also sagen?“
Walid sagte: „Zweifellos klingen die Worte Muhammads äußerst süß. Seine Wurzel ist sehr fest und seine Äste und Zweige tragen reiche Früchte. Was auch immer ihr sagt, wird als Lüge erwiesen werden. Am passendsten wäre es jedoch, ihn einen Zauberer zu nennen. Denn er spricht auf eine Weise, die ebenso wirksam wie Zauberei ist, um Zwietracht zwischen Brüdern, zwischen Ehemann und Ehefrau sowie unter Verwandten zu stiften. Daher kann man ihn wahrhaftig einen Zauberer nennen; durch seine Wirkung ist das Volk tatsächlich der Spaltung zum Opfer gefallen.“
Als danach zur Hadschzeit die Menschen einzutreffen begannen, setzten sich die Quraisch in Gruppen an die Wege, auf denen die Leute unterwegs waren. Wann immer jemand an ihnen vorbeikam, sagten sie ihm, er solle sich vor dem Umgang mit Muhammad in Acht nehmen. Sie informierten ihn auch über seine Machenschaften. Aus diesem Anlass offenbarte Allah über Walid ibn al-Mughira:
„Überlass Mir den, den Ich allein erschaffen habe. Nachdem Ich ihn erschaffen hatte, gab Ich ihm großen Reichtum und viele Söhne, die stets bei ihm sind, und Ich ebnete ihm den Weg zu Führung und Ansehen. Dennoch begehrt er, dass Ich ihm noch mehr gebe. Keineswegs! Er ist Meinen Zeichen äußerst feindselig gesinnt.“
Danach erzählten sie jedem, den sie trafen, diese Dinge über den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Als sich die Araber nach dem Ende der Hadschzeit in alle Richtungen zerstreuten, wurde unter ihnen nur noch über den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) gesprochen. So verbreitete sich seine Kunde in jedem Ort Arabiens.
Bericht über die Verfolgung des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm)
Die Quraisch gerieten zunehmend in Wut. Ihre Feindschaft gegenüber dem Gesandten Allahs und seinen Gefährten geriet außer Kontrolle. Sie hetzten dumme und ruchlose Leute auf. Diese Ungebildeten beschimpften ihn als Lügner und fügten ihm auf verschiedene Weise Leid zu. Sie verleumdeten ihn als Wahrsager, Zauberer, Astrologen und Verrückten. Doch der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) blieb unerschütterlich darin, Allahs Religion zu verkünden und zu verbreiten. Zunehmend verkündete er die Botschaft öffentlich. Obwohl die Araber es zutiefst anstößig fanden, dass er ihre nichtigen Bräuche kritisierte, ihre Götzenverehrung zurückwies und sich von ihren kufrischen Glaubenslehren lossagte, tat er dies mit größter Standhaftigkeit. Abdullah ibn Amr ibn al-As sagte:
„Eines Tages, als sich die Anführer der Quraisch beim Schwarzen Stein versammelt hatten, kam auch ich dorthin. Sie erwähnten den Gesandten Allahs – Allahs Segen und Friede seien auf ihm – und sagten: ‚Was wir an Nachsicht gegenüber diesem Mann gezeigt haben, ist beispiellos. Er hat uns zu Narren gemacht und unsere Götter beschimpft. In einer äußerst heiklen und gefährlichen Angelegenheit haben wir ihn geduldet.‘ Während sie sich so unterhielten, erschien plötzlich der Gesandte Allahs – Allahs Segen und Friede seien auf ihm – dort. Er ging ruhigen Schrittes voran und küsste den Schwarzen Stein. Als er an ihnen vorbeiging, äußerten einige von ihnen abfällige Bemerkungen. Ich bemerkte die Reaktion darauf im Gesicht des Gesandten Allahs – Allahs Segen und Friede seien auf ihm. Als er ein zweites Mal an ihnen vorbeiging, machten sie erneut spöttische Bemerkungen. Ich bemerkte deren Wirkung in seinem Gesicht. Als sie beim dritten Vorübergehen wieder ähnliche Bemerkungen äußerten, blieb er dort stehen und sagte: ‚O Quraisch! Hört zu! Bei Dem, in Dessen Hand meine Seele liegt: Ich habe euch den Untergang gebracht, wenn ihr nicht glaubt.‘“
Bei seinen Worten verstummte die Menge wie vom Blitz getroffen und war völlig verblüfft. Selbst derjenige unter ihnen, der noch kurz zuvor mit der größten Wut und den aufreizendsten Worten gegen ihn gesprochen hatte, bemühte sich nun, den Gesandten Allahs – Allahs Segen und Friede seien auf ihm – mit möglichst freundlichen Worten zu beruhigen. Schließlich musste er sogar sagen: „Abul-Qasim, geh. Du bist doch kein Narr.“
Danach ging der Gesandte Allahs – Allahs Segen und Friede seien auf ihm – von dort fort. Am nächsten Tag versammelten sich alle wieder an derselben Stelle. Auch ich war dort. Da begannen sie zueinander zu sagen: „Habt ihr gesehen, wie weit Muhammads Überheblichkeit und seine Unverschämtheit inzwischen gehen? Er hat euch offen ins Gesicht gesagt, was ihr überhaupt nicht hören wollt. Und dennoch habt ihr ihn gehen lassen.“
Genau in diesem Augenblick erschien der Gesandte Allahs – Allahs Segen und Friede seien auf ihm – dort. Und wohin sollte er schon entkommen! Alle stürzten sich gemeinsam auf ihn. Sie umringten ihn und begannen zu sagen: „Du bist es doch, der anstößige Dinge über unsere Religion und unsere Götter sagt.“
Der Gesandte Allahs – Allahs Segen und Friede seien auf ihm – sagte: „Ja, ich bin es, der all das sagt.“ Ich sah, wie einer von ihnen die beiden Seiten des Tuches um den Hals des Gesandten Allahs packte und ihn zu erwürgen und zu töten versuchte. In diesem Augenblick trat Abu Bakr vor und hielt ihn davon ab. Er begann zu weinen und sagte: „Wollt ihr etwa einen Mann töten, nur weil er erklärt hat: ‚Allah ist mein Herr‘?“
Danach ging die Menge fort. Niemals zuvor hatte ich an diesem Tag einen derart heftigen Angriff der Quraisch auf den Gesandten Allahs – Allahs Segen und Friede seien auf ihm – gesehen.“
Hamzas Annahme des Islam
Ein außergewöhnlich gedächtnisstarker Mann aus dem Stamm Aslam erzählte mir:
„Eines Tages begegnete Abu Dschahl dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in der Nähe des Berges as-Safa. Bei dieser Gelegenheit behandelte er ihn schlecht und beschimpfte ihn. Er sagte äußerst beleidigende Dinge zu ihm. Er äußerte sich abfällig über den Islam und schleuderte dem Gesandten Allahs spöttische Worte über seine Einladung und seine Bewegung entgegen. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, erwiderte kein einziges Wort. Eine Sklavin von Abd Allah ibn Dschudʿan hörte diese Beschimpfungen, während sie in ihrem Haus saß. Danach verließ Abu Dschahl den Ort und setzte sich bei der Kaaba in eine Versammlung der Quraisch.“
Kurz darauf kehrte Hamza, der Sohn Abd al-Muttalibs, mit Pfeil und Bogen aus der Jagd zurück. Er war ein guter Jäger. Sowohl im Schießen auf Wild als auch im Aufspüren von Wild war er sehr geschickt. Wenn er von einer solchen Jagd zurückkehrte und unterwegs eine Versammlung oder Ansammlung der Quraisch sah, hielt er dort an, grüßte sie und unterhielt sich mit ihnen. Er war ein angesehener und kräftiger junger Mann unter den Quraisch. Als er an der Sklavin von Abd Allah ibn Dschudʿan vorbeikam, sagte sie zu ihm, nachdem der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, bereits nach Hause zurückgekehrt war: „Wenn du nur sehen könntest, wie Abu al-Hakam, der Sohn Hischams [24. Abu al-Hakam war der Beiname beziehungsweise Titel Abu Dschahls. Sein Name war ʿAmr ibn Hischam ibn al-Mughira ibn Abd Allah ibn ʿUmar ibn Machzum.], sich gerade gegenüber deinem Neffen Muhammad verhalten hat. Muhammad saß hier. Sobald er ihn sah, behandelte er ihn schlecht und beschimpfte ihn. Er ging äußerst beleidigend mit ihm um. Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ging, ohne ein einziges Wort zu sagen.“
Als Hamza dies hörte, geriet er vor Zorn außer sich. Denn Allah wollte ihn mit der Krone des Ruhmes des Islam krönen. Deshalb eilte er auf der Suche nach Abu Dschahl davon. Unterwegs hielt er bei niemandem an. Sein Entschluss war, Abu Dschahl eine Lektion zu erteilen, sobald er ihn fand. Kaum war er in die Heilige Moschee eingetreten, sah er, dass Abu Dschahl dort in einer Versammlung saß. Er ging auf ihn zu. Als er bei ihm angelangt war, schlug er ihn mit dem Bogen heftig und verletzte ihn schwer. Dann sagte er: „Du beschimpfst Muhammad? Dabei habe ich seine Religion angenommen und unterstütze alles, was er sagt. Wenn du kannst, schlag mich doch zurück!“
Sofort eilten einige Männer aus dem Stamm der Banu Machzum herbei, um Abu Dschahl gegen Hamza zu helfen. Doch Abu Dschahl sagte: „Tut Hamza nichts. Denn ich habe seinen Neffen tatsächlich mit den übelsten Worten beschimpft.“
Hamza blieb fest und unerschütterlich im Islam und setzte seine Unterstützung und Hilfe für die Tätigkeit des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, fort. Nachdem Hamza den Islam angenommen hatte, erkannten die Quraisch, dass es nun nicht mehr leicht sein würde, den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu verfolgen und zu erniedrigen. Sobald sie etwas gegen ihn unternehmen würden, würde Hamza sich ihnen entgegenstellen. Daher verringerten sie zunächst das Ausmaß ihrer Verfolgung etwas.
ʿUtbas Intrige zur Verhinderung der Bewegung des Gesandten Allahs
Eine Quelle berichtete mir, dass der angesehene Anführer der Quraisch, ʿUtba ibn Rabiʿa, eines Tages in der Versammlung der Quraisch saß. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, saß damals allein in der Heiligen Moschee. ʿUtba sagte: „O Quraisch! Ich werde zu Muhammad gehen und mit ihm einige Worte sprechen. Ich werde ihm einige Vorschläge unterbreiten. Vielleicht nimmt er einige davon an und stellt seine Verkündigung ein. Was haltet ihr davon?“
Zu dieser Zeit begann die Zahl der Muslime zu wachsen, weil Hamza den Islam angenommen hatte. Daher sagten alle: „Das ist ein sehr guter Vorschlag. Geh und sprich mit ihm.“
ʿUtba ging zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und setzte sich neben ihn. Er sagte: „Neffe, dir ist gewiss nicht unbekannt, welch angesehenen Rang und welch edle Abstammung du unter unserem Stamm besitzt. Du bist mit einer schwerwiegenden Angelegenheit zu deinem Volk gekommen. Deine Einladung hat Zwietracht unter dem Volk verursacht. Du hast sie für töricht erklärt und ihre Vorfahren herabgesetzt. Hör mir zu! Ich möchte dir einige Alternativen vorschlagen. Überlege gut, ob du vielleicht einige davon annehmen kannst.“
Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Gut, sprich. Ich höre zu.“
ʿUtba sagte: „Neffe, falls du durch diese neue Einladung, zu der du begonnen hast aufzurufen, großen Reichtum erlangen möchtest, werden wir für dich Geld sammeln und dich zum wohlhabendsten unter uns machen. Falls du nach Rang und Ansehen strebst, werden wir dich zum König dieses Landes machen. Und falls es so ist, dass Dschinn zu dir kommen und du sie nicht vertreiben kannst, werden wir dich behandeln lassen. Ganz gleich, wie viel Geld es kostet, wir werden dich gesund machen. Denn manchmal überwältigt ein Dschinn einen Menschen, und um ihn zu vertreiben, ist eine Behandlung erforderlich.“
Damit hielt ʿUtba inne. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, hatte ihm aufmerksam zugehört. Als er geendet hatte, sagte er: „Abu al-Walid, bist du mit deinen Worten zu Ende?“ – „Ja.“ Er sagte: „Dann höre nun einige meiner Worte.“ ʿUtba sagte: „Sprich.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, begann, die Sure Ḥā-Mīm as-Sadschda zu rezitieren: „Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen. Ḥā-Mīm! Dies ist ein vom Allerbarmer, dem Barmherzigen, herabgesandtes Buch. Ein in arabischer Sprache offenbartes Buch, der Koran. Seine Verse sind für die Wissenden ausführlich dargelegt worden. Als frohe Botschaft und als Warnung ist er gekommen. Doch die meisten von ihnen haben sich abgewandt; sie wollen nicht hören. Sie sagen: ‚Unsere Herzen sind vor dem, wozu du uns aufrufst, verhüllt.‘“ ʿUtba hörte schweigend zu. Er saß, auf seine Hände nach hinten gestützt, und lauschte äußerst aufmerksam. Während der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, weiter rezitierte, gelangte er in dieser Sure zu dem Vers der Niederwerfung, hielt inne und warf sich nieder. (25. Der Vers lautet: „Zu Seinen Zeichen gehören die Nacht und der Tag, die Sonne und der Mond. Werft euch weder vor der Sonne noch vor dem Mond nieder, sondern werft euch vor Allah nieder, der sie erschaffen hat, wenn ihr nur Ihm allein dient.“) Danach sagte er: „Ihr habt nun gehört, was zu hören war. Tut jetzt, was ihr für richtig haltet.“
Danach stand ʿUtba auf und kehrte zu seinen Gefährten zurück. Als sie ihn sahen, sagten sie zueinander: „ʿUtba war mit einem Gesichtsausdruck hingegangen und kommt nun mit einem ganz anderen zurück.“ Kaum hatte er sich inmitten der Gruppe niedergelassen, fragten ihn alle: „Abu al-Walid, was hast du zu sagen?“
ʿUtba sagte: „Ich habe Worte gehört, wie ich sie noch nie zuvor gehört habe. O Quraisch, wahrlich, es ist weder Dichtung noch die Rede eines Wahrsagers. Hört auf mich und überlasst mir diese Angelegenheit. Lasst diesen Mann tun, was er tun will. Haltet euch von ihm fern. Ich bin überzeugt, dass die Botschaft, deren Verkündung Muhammad betreibt, künftig gewaltiges Aufsehen erregen wird. Wenn die Araber ihn zu Fall bringen, dann seid ihr durch die Hilfe anderer vor ihm geschützt. Wenn er jedoch über die Araber siegt, dann wird seine Herrschaft eure Herrschaft sein. Sein Ansehen wird euer Ansehen begründen. Ihr werdet das glücklichste Volk der Erde sein.“ Darauf riefen alle einstimmig: „Muhammad hat dich jetzt verzaubert.“ ʿUtba sagte: „Das ist meine Ansicht. Tut nun, was ihr für gut haltet.“
Das Gespräch des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) mit den Anführern der Quraisch
Der Islam begann sich unter den Frauen und Männern der Quraisch-Stämme in Mekka allmählich weit auszubreiten. Die Quraisch hielten jeden Muslim fest, dessen sie habhaft werden konnten, und quälten ihn aufs Härteste!
In dieser Lage versammelten sich eines Tages nach Sonnenuntergang die Anführer der Quraisch aus jedem Stamm bei der Kaaba. Zu den Versammelten gehörten Utba ibn Rabiʿa, Schaiba ibn Rabiʿa, Abu Sufyan ibn Harb, Nadr ibn al-Harith, Abu al-Buchtari ibn Hischam, al-Aswad ibn al-Muttalib, Zamʿa ibn al-Aswad, al-Walid ibn al-Mughira, Abu Dschahl ibn Hischam, Abdullah ibn Abu Umaiya, al-As ibn Wa’il, Nubaih ibn al-Haddschadsch, Munabbih ibn al-Haddschadsch und Umaiya ibn Chalaf. Sie begannen, zueinander zu sagen: „Schickt nach Muhammad und sprecht mit ihm, streitet nötigenfalls auch mit ihm. Dann könnt ihr euch vor den Leuten von jeder Schuld freisprechen.“ Tatsächlich wurde ein Bote zu ihm geschickt. Der Bote sagte: „Die Anführer der Quraisch haben sich versammelt, um mit dir zu sprechen. Komm bitte zu ihnen.“
Kaum hatte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, dies gehört, eilte er hastig zu ihnen. Er dachte, sie hätten vielleicht über seine Botschaft an sie nachgedacht und etwas Neues beschlossen. Tatsächlich wünschte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, von ganzem Herzen, dass sie auf den rechten Weg zurückkehrten. Ihre Starrsinnigkeit und ihre Unterdrückung betrübten ihn sehr. Er ging hin und setzte sich neben die Anführer der Quraisch. Sie sagten: „O Muhammad, wir haben dich zu uns rufen lassen, um mit dir einige Worte zu sprechen. Bei Gott, wir kennen keinen Araber, der in seinem Volk eine solche Spaltung verursacht hätte wie du. Du hast unsere Vorfahren getadelt, die überlieferte Religion verurteilt, die Götter beschimpft, die Klugen für töricht erklärt und die Einheit des Volkes zerrüttet. Kurz gesagt, du hast nichts Schlechtes zwischen uns und dir ausgelassen. Wenn du nun mit diesen Worten Reichtum erwerben willst, dann sammeln wir für dich Geld, damit du unter uns der Wohlhabendste wirst. Wenn du dadurch nach Rang und Ansehen strebst, machen wir dich zu unserem Anführer. Wenn du König werden willst, dann komm, wir machen dich zu unserem König. Und wenn der Bote, der zu dir kommt, ein Dschinn oder Dämon ist und dich überwältigt hat, dann sind wir bereit, deine Behandlung zu bezahlen, koste es, was es wolle, damit du gesund wirst und wir uns deinetwegen vor den Leuten nicht verantworten müssen.“
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, antwortete: „Nichts von dem, was ihr sagt, will ich. Ich habe euch diese Botschaft nicht überbracht, weil ich euren Reichtum begehre oder euren Reichtum begehre, unter euch den höchsten Rang einnehmen oder euer König werden möchte. Allah hat mich als Gesandten zu euch geschickt, Er hat mir eine Schrift offenbart und mich beauftragt, euch zu warnen und euch frohe Botschaft zu verkünden. Gemäß Seinem Befehl habe ich euch die Worte meines Herrn übermittelt und euch zum Guten ermahnt. Wenn ihr nun meine Botschaft annehmt, wird sie euch in dieser Welt und im Jenseits Glück bringen. Wenn ihr sie jedoch zurückweist, werde ich Geduld haben, bis Allah über euch und mich Sein endgültiges Urteil fällt.“
Sie sagten: „O Muhammad, wenn keiner der Vorschläge, die wir dir gemacht haben, für dich annehmbar ist, dann höre noch etwas anderes. Du weißt, dass niemand auf der Welt ein so enges Siedlungsgebiet hat wie wir und dass kein anderes Volk auf der Erde ein solch beschwerliches Leben führt wie wir, da es an Wasser und anderen Lebensgrundlagen mangelt. Bitte daher deinen Herrn, der dich als Gesandten geschickt hat, darum, diese Berge von hier zu entfernen, damit unser Siedlungsgebiet weiter wird, und in unserem Land Flüsse fließen zu lassen wie die Flüsse im Irak und in Syrien. Bitte Ihn außerdem, unsere Vorfahren wieder zum Leben zu erwecken; unter diesen wiederbelebten Vorfahren soll auch Qusai ibn Kilab sein, der einer der wahrhaftigsten und gerechtesten Anführer war. Wir werden sie fragen, ob deine Worte wahr oder falsch sind. Wenn sie sagen, dass du wahrhaftig bist, und wenn du entsprechend unserer Forderung handelst, werden wir an dich glauben, deine von Gott verliehene Stellung anerkennen und dich wahrhaftig als den Gesandten Allahs annehmen.“
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte zu ihnen: „Mit diesen Dingen bin ich nicht zu euch gekommen. Außer dem, womit Allah mich gesandt hat, steht nichts in meiner Macht. Was mir aufgetragen wurde, habe ich euch übermittelt. Wenn ihr es annehmt, wird es euch in dieser Welt und im Jenseits die Türen zum Glück öffnen. Wenn ihr es jedoch zurückweist, werde ich Geduld haben, bis Allah zwischen euch und mir eine endgültige Entscheidung trifft.“
Sie sagten: „Wenn auch dieser Vorschlag dir nicht gefällt, dann tu etwas für dich selbst. Bitte deinen Herrn, einen Engel mit dir zu schicken. Er soll vor uns bezeugen, dass deine Worte wahr sind, und in deinem Namen mit uns sprechen. Allah soll dir auch viele Gärten und Paläste errichten und dir große Schätze aus Gold und Silber schenken. Damit würde deine offenkundige Liebe zum Reichtum gestillt, denn du gehst ja wie wir auf dem Markt umher und suchst wie wir deinen Lebensunterhalt. Wenn du all diesen Reichtum besitzt, werden wir erkennen, dass du uns tatsächlich überlegen und bei deinem Herrn angesehen bist. Wenn du nach deiner eigenen Behauptung wirklich ein Gesandter bist, dann zeige uns, dass du all dies tun kannst.“
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Nein, auch das werde ich nicht tun. Ich kann Allah nicht um diese Dinge bitten. Ich bin nicht mit diesen Dingen zu euch gekommen. Allah hat mich lediglich als Verkünder froher Botschaft und als Warner gesandt. Wenn ihr meinem Ruf folgt, wird das für euch in dieser Welt und im Jenseits die Quelle des Glücks sein. Wenn ihr ihn jedoch zurückweist, dann wird geschehen, was Allah bestimmt. Ich werde Geduld haben, bis Er zwischen mir und euch entscheidet.“
Sie sagten: „Dann lass einige Wolkenstücke auf unsere Köpfe herabfallen, so wie du glaubst, dass Allah dies tun kann, wenn Er will. Wenn du das nicht tust, werden wir nicht an dich glauben.“
Der Gesandte Allahs sagte: „Das liegt vollständig in Allahs Hand. Wenn Er will, kann Er es gewiss tun.“
Sie sagten: „O Muhammad, wusste dein Herr etwa nicht, dass wir uns mit dir zusammensetzen und dich um das bitten würden, worum wir dich jetzt gebeten haben? Konnte Er nicht zu dir kommen, dich die Antworten auf die Fragen lehren, die wir dir vorgelegt haben, und dir mitteilen, was Er mit uns tun würde, wenn wir deine Einladung ablehnen? Wir haben erfahren, dass ein Mann namens ar-Rahman, der in al-Yamama lebt, dich diese Dinge lehrt. [26. Dieser Mann war Musailima ibn Habib al-Hanafi. Er war unter dem Namen Musailima al-Kadhdhab (der Lügner) bekannt. Er war bereits betagt und wurde in der vorislamischen Zeit „ar-Rahman“ genannt. (Rawd al-Unuf)]
Bei Allah, wir werden ar-Rahman niemals glauben. Muhammad, wir gestehen dir gegenüber unsere Unfähigkeit ein. Nach dem, was dein Verhalten uns gegenüber erreicht hat, werden wir dich nicht in Ruhe lassen. Entweder wirst du uns zugrunde richten oder wir werden dich zugrunde richten – vorher werden wir nicht aufhören.“ Einer der Versammelten sagte: „Wir beten die Engel an. Die Engel sind Allahs Töchter.“ Ein anderer sagte: „Bring Allah und die Engel vor uns, sonst werden wir nicht an dich glauben.“
Nachdem der Gesandte Allahs dies gehört hatte, ging er von dort fort. Auch sein Cousin mütterlicherseits, Abdallah ibn Abi Umayya ibn al-Mughira, ging mit ihm. Er sagte: „Hör zu, Muhammad! Deine Stammesleute haben dir mehrere Vorschläge gemacht, doch keinen einzigen hast du angenommen. Dann verlangten sie von dir einige Dinge, durch die sie erkennen und verstehen könnten, welchen Rang Allah dir – wie du selbst behauptest – verliehen hat, damit sie dich anerkennen und dir folgen. Doch auch diese Forderungen hast du nicht erfüllt. Sie stellten dir außerdem Forderungen, um zu erfahren, dass du ihnen überlegen bist und dass du Allahs Gesandter bist. Auch darauf bist du nicht eingegangen. Bei Allah, du wirst auf einer Leiter zum Himmel emporsteigen, und ich werde mit eigenen Augen sehen, wie du hinaufsteigst. Danach werden vier Engel mit dir kommen und die Wahrheit deiner Behauptung bezeugen – andernfalls werde ich nicht an dich glauben. Selbst wenn du all dies vollbringen würdest, glaube ich nicht, dass ich an dich glauben würde.“27. Dieser Mann nahm kurz vor der Eroberung Mekkas den Islam an.
Danach entfernte er sich vom Gesandten Allahs. Auch der Gesandte Allahs ließ ihn zurück und kehrte zutiefst bekümmert und traurig nach Hause zurück. Denn als man ihn rief, war er voller Hoffnung eilends zu ihnen gegangen. Als er jedoch in Wirklichkeit sah, dass sie sich noch weiter von ihm entfernten, kannte sein Kummer keine Grenzen.
Das Verhalten Abu Dschahls
Nachdem der Gesandte Allahs fortgegangen war, sagte Abu Dschahl: „O Quraisch, hört! Muhammad ist keineswegs bereit, von seiner Haltung abzulassen. Seine ständige Gewohnheit, unsere Religion zu kritisieren, unsere Vorfahren zu schmähen, unsere Klugheit als Dummheit hinzustellen und unsere Götter und Göttinnen zu beschimpfen, wird er unter keinen Umständen aufgeben. Ich schwöre bei Allah: Morgen werde ich einen so großen Stein, wie ich ihn nur heben kann, in der Hand halten und auf ihn warten. Sobald er sich im Gebet niederwirft, werde ich ihm damit den Kopf zertrümmern. Danach soll geschehen, was geschehen soll. Ob ihr mich dem Gericht übergebt oder mich schützt, das ist eure Sache. Die Banu Abd Manaf sollen tun, was sie für richtig halten.“ Alle sagten: „Bei Allah, wir werden dich auf keinen Fall dem Gericht übergeben. Setze deinen Entschluss in die Tat um!“
Am nächsten Tag setzte sich Abu Dschahl tatsächlich mit einem gewaltigen Stein hin und wartete auf den Gesandten Allahs. Auch der Gesandte Allahs ging wie gewohnt zum Gebet. Obwohl er in Mekka lebte, betete er mit dem Gesicht nach Syrien gewandt. Er stand zwischen der jemenitischen Ecke und dem Schwarzen Stein so zum Gebet, dass die Kaaba zwischen ihm und Syrien lag. Er begann das Gebet. Die Quraisch saßen an ihrem Versammlungsort und zählten voller gespannter Erwartung die Stunden, um zu sehen, was Abu Dschahl tun würde.
Als der Gesandte Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – sich zur Niederwerfung niederwarf, hob Abu Dschahl einen Stein auf und ging auf ihn zu. Kaum war er in seine Nähe gekommen, kehrte er mit einem geschlagenen, erschrockenen und verstörten Gesicht zurück. Seine beiden Hände waren wie erstarrt und reglos über dem Stein. Er warf den Stein weit von sich. Daraufhin gingen einige Quraischiten auf ihn zu und fragten: „O Abu al-Hakam, was ist mit dir geschehen?“ Er antwortete: „Ich war zu Muhammad gegangen und wollte den Vorsatz ausführen, den ich euch vergangene Nacht angekündigt hatte. Doch sobald ich mich ihm näherte, stellte sich plötzlich ein gewaltiges und furchterregendes Kamel zwischen ihn und mich. Bei Allah, niemals zuvor habe ich ein Kamel mit einem derart schrecklichen Maul, Hals und Gebiss gesehen. Es war im Begriff, mich zu verschlingen.“
Der Bericht über Nadr ibn al-Harith
Nachdem Abu Dschahl dies gesagt hatte, erhob sich Nadr ibn al-Harith. Er sagte: „O Quraischiten, bei Allah, euch ist ein Unglück widerfahren, für dessen Abwendung ihr bisher keine Lösung gefunden habt. Muhammad war unter euch nur ein junger Knabe. Er war unter euch der beliebteste, der wahrhaftigste und der treueste. Doch kaum hatte er das reife Alter erreicht, trat er mit etwas Neuem hervor. Da nanntet ihr ihn einen Zauberer. Nein, bei Allah, er ist kein Zauberer. Wir haben Zauberer gesehen und ihre Zaubersprüche und Beschwörungen kennengelernt. Ihr nanntet ihn einen Wahrsager. Bei Allah, er ist kein Wahrsager. Wir haben viel von den Tricks und Täuschungen der Wahrsager gehört und gesehen. Die stockende, wirre und von Wahnvorstellungen geprägte Rede eines Verrückten ist in seinen Worten nicht zu finden. O Quraischiten, prüft eure eigene Lage. Bei Allah, euch ist ein schreckliches Unglück widerfahren.“
Nadr ibn al-Harith war einer der verschlagensten und intrigantesten Männer der Quraisch. Es war seine Aufgabe, dem Gesandten Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – auf vielerlei Weise Leid zuzufügen und ihm feindselig gegenüberzutreten. Er hatte einige Zeit in Hira verbracht und dort die Geschichten der persischen Könige kennengelernt. Auch die Erzählungen von Rustam und Isfandiyar kannte er. Wann immer der Gesandte Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – in einer Versammlung saß, die Worte Allahs vortrug und sein Volk warnte, indem er erwähnte, wie die früheren Völker dem Zorn Allahs zum Opfer gefallen und vernichtet worden waren, sagte Nadr, sobald der Gesandte Allahs seine Rede beendet hatte und weggegangen war: „O Quraischiten, ich kann schönere Geschichten erzählen als Muhammad. Kommt, ich werde euch eindrucksvollere Worte hören lassen als seine.“ Danach erzählte er ihnen die Geschichten der persischen Könige sowie die Erzählungen von Rustam und Isfandiyar. Dann sagte er: „Kann Muhammad etwa schönere Worte vorbringen als diese, die ich erzähle?“
Abdullah ibn Abbas – möge Allah mit ihm zufrieden sein – pflegte zu sagen: „Über Nadr ibn al-Harith wurden im Koran acht Verse offenbart.“
Wann immer ihm die Verse vorgetragen wurden, sagte er: „Das sind doch nur Geschichten aus alten Zeiten!“ Dieser Vers sowie alle anderen Verse, in denen die „Geschichten aus alten Zeiten“ erwähnt werden, wurden in Bezug auf eben diesen Nadr ibn al-Harith offenbart.
Die Verfolgung der schwachen Muslime durch die Götzendiener
Die Götzendiener begannen, jene Gefährten, die den Islam angenommen und dem Gesandten Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – gefolgt waren, aufs Äußerste zu verfolgen. Jeder Stamm fiel mit aller Kraft über die Muslime in seiner Mitte her. Man hielt sie mancherorts gefangen, schlug sie und setzte sie unerträglichen Qualen durch Hunger und Durst aus; andernorts legte man sie zur heißesten Mittagszeit auf den glühenden Wüstenboden von Mekka und quälte sie. Die Schwachen unter ihnen wurden auf diese Weise gezwungen, dem Islam abzuschwören. Einige gaben unter dem Druck unerträglicher Folter den Islam auf. Andere erhielten Hilfe und Unterstützung, und so bewahrte Allah sie. Bilal, der Sklave von Abu Bakr – möge Allah mit ihm zufrieden sein –, war einst der Sklave eines Mannes aus dem Stamm Banu Dschumah. Sein Name war Bilal ibn Rabah, und der Name seiner Mutter war Hamama. Er war seit seiner Kindheit unter ihnen aufgewachsen. Er war ein aufrichtiger und reiner Muslim. Umayya ibn Chalaf ibn Wahb ibn Hudhafa ibn Dschumah führte ihn zur glühend heißen Mittagszeit auf das ebene Gelände von Mekka und ließ ihn auf den Rücken legen. Dann ließ er einen gewaltigen Stein auf seine Brust legen. Danach sagte er zu ihm: „Du musst bis zu deinem Tod so liegen bleiben, wenn du nicht bereit bist, Muhammad zu verleugnen und Lat und Uzza anzubeten.“ Selbst während dieser schweren Qual sagte Bilal: „Ahad“, das heißt: „Allah ist Einer, Allah ist Einer.“ Wenn er während der Folter immer wieder „Ahad, Ahad“ ausrief, kam Waraqa ibn Nawfal bisweilen an ihm vorbei. Als Waraqa ibn Nawfal diese Worte Bilals hörte, sagte er ebenfalls sofort: „Bei Allah, o Bilal, wahrlich, Allah ist Einer, Allah ist Einer, Allah ist Einer.“ Danach ging Waraqa zu Umayya ibn Chalaf und zu den übrigen Angehörigen des Stammes Banu Dschumah, die Bilal folterten, und sagte: „Bei Allah, wenn ihr ihn deswegen tötet, werde ich ihn gewiss für einen überaus frommen Menschen halten und den Staub von seinen Füßen nehmen.“ Eines Tages kam Abu Bakr – möge Allah mit ihm zufrieden sein – dort vorbei. Er sah, dass Bilal auf dieselbe Weise gequält wurde. Da sagte er zu Umayya ibn Chalaf: „Fürchtest du Allah denn nicht im Geringsten, wenn du diesen hilflosen Menschen quälst? Wie lange willst du damit noch fortfahren?“
Er sagte: „Du hast ihn doch erst verdorben. Nun befreie du ihn aus dieser Lage.“
Abu Bakr sagte: „Das werde ich tun. Ich habe einen kräftigeren und stärkeren Jungen als ihn; er gehört deiner Religion an. Im Austausch dafür werde ich ihn dir geben.“ Der andere sagte: „Ich bin einverstanden.“ Abu Bakr sagte: „Ich bin einverstanden. Ich überlasse ihn dir.“ Daraufhin übergab er ihn Umayya und nahm Bilāl von Umayya an sich und ließ ihn frei. Vor der Hidschra befreite Abu Bakr insgesamt sieben neu zum Islam übergetretene Sklaven, darunter ʿĀmir ibn Fuḥaira, Umm ʿUbais und Zinnīra. Als er Zinnīra freikaufte, war ihr Augenlicht bereits erloschen. Die Quraisch sahen dies und sagten: „Ihr Augenlicht ist nur durch den Fluch von al-Lāt und al-ʿUzzā erloschen.“ Zinnīra sagte: „Bei Allah, ich werde euch niemals freilassen.“ Zu jener Zeit kam Abu Bakr dort vorbei. Sobald er ihre Worte hörte, sagte er: „O Mutter von soundso, brich deinen Eid.“ Sie sagte: „Was sagst du da? Ich soll meinen Eid brechen? Du hast sie doch erst verdorben. Nun befreie du sie.“ Abu Bakr sagte: „Ich nehme sie an mich! Sie sind frei und unabhängig.“ Zu den beiden Mädchen sagte er: „Gebt der Frau ihr Mehl zurück.“ Die beiden Mädchen sagten: „O Abu Bakr, sollen wir zuerst von der Verpflichtung entbunden werden und danach das Mehl zurückgeben?“ Abu Bakr sagte: „Das steht euch frei.“
Ein anderes Mal kam er an einer neu zum Islam übergetretenen Sklavin der Banū Muʿammal vorbei. ʿUmar ibn al-Chattāb misshandelte sie und setzte sie unter Druck, dem Islam abzuschwören. ʿUmar war damals noch ein Götzendiener. Als er vom Schlagen müde geworden war, sagte er zu ihr: „Ich bitte dich um Entschuldigung; nur weil ich müde geworden bin, kann ich dich nicht weiter schlagen.“ Das Mädchen sagte: „Möge Allah mit dir ebenso verfahren.“ Als Abu Bakr dies sah, kaufte er die Sklavin sofort frei und ließ sie frei.
Abu Bakrs Vater Abu Quḥāfa sagte eines Tages zu ihm: „Mein Sohn, ich sehe, dass du nur schwache Sklaven und Sklavinnen freikaufst. Wenn du kräftige junge männliche Sklaven freikaufen würdest, könnten sie in der Not fest zu dir stehen.“ Darauf sagte Abu Bakr: „O Vater, ich tue dies ausschließlich um des erhabenen Allahs willen.“
Die Angehörigen des Stammes Banū Machzūm führten ʿAmmār ibn Yāsir und seine Eltern zur heißesten Mittagszeit in die glühend heiße Wüste von Mekka und folterten sie. Die gesamte Familie hatte den Islam angenommen. Während sie gefoltert wurden, kam der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, zu ihnen und tröstete sie mit den Worten: „O Familie Yāsirs, seid geduldig. Euch ist das Paradies versprochen.“ Sie schlugen ʿAmmārs Mutter, Sumayya, so lange, bis sie starb. Dennoch gab sie den Islam nicht auf.
Und sobald der ruchlose Abu Dschahl hörte, dass soundso den Islam angenommen hatte, hetzte er die Quraisch gegen ihn auf. Wenn derjenige, der den Islam angenommen hatte, eine angesehene Person war, beleidigte und erniedrigte er ihn dennoch und sagte: „Du hast die Religion deines Vaters aufgegeben, obwohl dein Vater besser war als du. Deshalb werden wir dich zum Narren erklären, beweisen, dass deine Ansichten schlecht und falsch sind, und erst aufhören, wenn wir deine Ehre und dein Ansehen in den Staub getreten haben.“ War er ein Händler, sagte er zu ihm: „Wir werden dein Geschäft zugrunde richten und deine Waren vernichten.“ War er hingegen schwach, schlug er ihn und hetzte andere gegen ihn auf.
Saʿīd ibn Dschubair berichtet: „Ich fragte ʿAbdullāh ibn ʿAbbās, ob die Götzendiener die Gefährten des Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, derart schwer misshandelten, dass man ihnen keinen Vorwurf hätte machen können, selbst wenn sie den Islam aufgegeben hätten.“ Er sagte: „Ja. Sie schlugen sie und quälten sie durch Hunger und Durst. Manche von ihnen wurden durch solche unmenschlichen Folterungen so geschwächt, dass sie nicht einmal mehr aufrecht sitzen konnten.“
Nach einer solchen Folter fragten sie sie: „Gib zu: Sind al-Lāt und al-ʿUzzā neben Allah nicht auch deine Götter?“ Einige sagten: „Ja.“ Sie zeigten sogar auf ein unbedeutendes Insekt und sagten: „Erkennst du neben Allah auch dieses als Gott an?“ Einige sagten, um der unerträglichen Folter zu entgehen und weil sie keinen anderen Ausweg sahen: „Ja.“
Die erste Hidschra der Muslime nach Abessinien
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sah, dass seine Gefährten einerseits unerträglicher Verfolgung ausgesetzt waren, während er andererseits aufgrund der besonderen Gunst Allahs des Erhabenen und der Unterstützung durch Abu Talib ein vergleichsweise sicheres Leben führte. Dennoch konnte er das ihnen widerfahrende Unrecht nicht im Geringsten abwenden. Unter diesen Umständen sagte er zu seinen Gefährten: „Es wäre nicht schlecht, wenn ihr nach Abessinien gehen würdet. Dort gibt es einen König, in dessen Herrschaftsbereich niemandem Unrecht widerfährt. Dieses Land ist ein Zufluchtsort der Wahrheit und der Gerechtigkeit. Bleibt dort, bis Allah euch aus dieser unerträglichen Lage befreit.“ Diesem Rat folgend begaben sich die Gefährten des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, aus Angst, zur Rückkehr zum Unglauben gezwungen zu werden, und aus dem Bestreben, ihre Religion und ihren Glauben zu bewahren, nach Abessinien, um dort Zuflucht bei Allah zu suchen. Dies war die erste Hidschra nach dem Aufkommen des Islam.
Diejenigen, die für diese Hidschra als Erste ihre Heimat verließen, waren Uthman ibn Affan und seine Frau Ruqayya, die Tochter des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, Abu Hudhaifa ibn Utba und seine Frau Sahla bint Suhail, az-Zubair ibn al-Awwam, Musab ibn Umair, Abd ar-Rahman ibn Auf, Abu Salama ibn Abd al-Asad und seine Frau Laila bint Abi Hasma, Abu Sabra ibn Abu Ruhm und Suhail ibn Baida. Diese zehn waren die ersten Muslime, die nach Abessinien auswanderten. (Nach Ibn Hischam war Uthman ibn Mazun der Anführer der Gruppe.) Danach verließ Ja’far ibn Abu Talib, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, seine Heimat. Dann begannen die Muslime einer nach dem anderen dorthin zu gehen und sich dort zu versammeln. Einige mit ihren Familien, andere allein und ohne ihre Angehörigen. So erreichte die Zahl der Muslime, die auswanderten, nach Abessinien gingen und dort zu leben begannen, insgesamt 83. Die kleinen Kinder und Jugendlichen, die mit ihnen dorthin gingen oder nach ihrer Ankunft dort geboren wurden, sind in dieser Zahl jedoch nicht enthalten.
Die Entsendung von Gesandten der Quraisch nach Abessinien, um die Auswanderer zurückzuholen
Als die Quraisch sahen, dass die Gefährten des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, nach Abessinien gegangen waren und dort in Sicherheit und Frieden lebten, beschlossen sie, zwei geeignete Gesandte zum Negus zu schicken. Dadurch sollte der Negus sie von dort zurückschicken, und sie würden die Gelegenheit erhalten, sie wieder vom Islam abzubringen. Sie waren entschlossen, die Muslime um jeden Preis aus ihrem sicheren und ungestörten Zufluchtsort herauszuholen. Zu diesem Zweck schickten sie Abd Allah ibn Abi Rabi’a und Amr ibn al-As ibn Wa’il. Die Quraisch sammelten zahlreiche Geschenke, die der Negus durch die beiden Gesandten erhalten sollte. Danach schickten sie sie zum Negus.
Umm Salama bint Abu Umayya ibn al-Mughira, die Ehefrau des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, berichtet: Nachdem wir in Abessinien angekommen waren, fanden wir einen vortrefflichen Nachbarn. Er war der Negus selbst. Wir genossen vollständige Sicherheit in Bezug auf unsere Religion und konnten Allah ungehindert dienen. Niemand behandelte uns unangenehm, und wir mussten kein missliebiges Wort anhören. Als die Quraisch davon erfuhren, beschlossen sie, zwei erfahrene Gesandte in unserer Angelegenheit zum Negus zu schicken und ihm seltene und wunderschöne Waren aus Mekka als Geschenke zu senden. Unter den Waren, die aus Mekka zum Negus gelangten, galten die dortigen Lederwaren als die wertvollsten. Daher sammelten die Quraisch für ihn große Mengen Leder und schickten sie. Sie ließen keinen einzigen Beamten oder Höfling des Negus aus, ohne ihm ein Geschenk zu geben. Mit all diesen Geschenken schickten sie Abd Allah ibn Abi Rabi’a und Amr ibn al-As und wiesen sie in ihre Aufgabe ein. Sie sagten zu ihnen: „Bevor ihr mit dem Negus über die Auswanderer sprecht, sollt ihr jedem Höfling und jedem Beamten ein Geschenk geben und ihn darum bitten, dass er dem Negus nahelegt, die Auswanderer euch auszuliefern und vor deren Auslieferung nicht mit ihnen zu sprechen.“
Danach brachen sie auf und gelangten zum Negus. Zu jener Zeit lebten wir bei dem vortrefflichen Nachbarn in einer vortrefflichen Unterkunft. Bevor sie mit dem Negus sprachen, gaben sie jedem Höfling und jedem Beamten ein Geschenk. Zu jedem von ihnen sagten sie: „Einige törichte junge Männer aus unserem Land haben im Reich des Königs Zuflucht gesucht. Sie haben die Religion ihres Volkes aufgegeben, ohne eure Religion anzunehmen. Sie haben eine neue, absurde Religion geschaffen. Diese Religion ist euch und uns völlig unbekannt. Die angesehensten Männer ihres Volkes haben uns zum König geschickt, damit er sie zu ihrem eigenen Volk zurückschickt. Wenn wir mit dem König sprechen, dann ratet ihm, sie zurückzuschicken und nicht mit ihnen zu sprechen. Denn ihr eigenes Volk kennt ihre Verfehlungen am besten.“ Alle Höflinge stimmten dem zu. Danach gaben sie dem Negus ihre Geschenke, und er nahm sie an. Anschließend begannen sie, mit ihm zu sprechen. Sie sagten: „O König, einige törichte junge Männer aus unserem Land haben in deinem Land Zuflucht gesucht. Sie haben die Religion ihres Volkes aufgegeben und auch deine Religion nicht angenommen. Sie haben eine absurde Religion erfunden, die euch und uns unbekannt ist. Die angesehensten Männer ihres Volkes haben uns in dieser Angelegenheit als Gesandte zu dir geschickt. Sie sind deren Älteste und Verwandte. Wir sind mit der Bitte gekommen, sie zurückzuschicken. Ihre Ältesten und Verwandten wissen am besten, welche Verfehlungen sie begangen haben.“
Umm Salama berichtet: Für Abd Allah ibn Abi Rabi’a und Amr ibn al-As war es höchst unerwünscht, dass der Negus die Aussage der Auswanderer anhören sollte. Die Höflinge des Königs sagten zum König: „O König, diese beiden haben die Wahrheit gesagt. Ihr eigenes Volk kennt ihre Verfehlungen am besten. Übergib sie daher diesen beiden Gesandten, damit sie sie in ihre Heimat und zu ihrem eigenen Volk zurückbringen.“
An-Nadschāschī geriet in heftigen Zorn. Er sagte: „Nein, unter diesen Umständen werde ich sie diesen beiden Gesandten nicht ausliefern. Eine Gruppe von Menschen lebt in meiner Nähe. Sie sind Gäste in meinem Land geworden. Sie haben es vorgezogen, zu mir zu kommen, statt anderswohin zu gehen. Ich werde sie rufen und auch ihre Aussage zu den Behauptungen dieser beiden Fremden anhören. Wenn ich feststelle, dass die Schutzbefohlenen tatsächlich so sind, wie diese beiden sagen, werde ich sie ihnen ausliefern und zu ihrem Volk zurückschicken; andernfalls werde ich sie nicht zurückschicken. Solange sie bei mir bleiben wollen, werde ich sie gastfreundlich aufnehmen.“
Umm Salama berichtet: Danach ließ An-Nadschāschī die Gefährten des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu sich rufen. Als der Bote An-Nadschāschīs zu den Auswanderern ging, um sie zu rufen, setzten sich alle zur Beratung zusammen. Sie fragten einander, was sie dem König sagen sollten. Alle sagten einstimmig: „Wir werden nur das sagen, was wir wissen und was unser Prophet uns aufgetragen hat. Was auch immer daraus folgt, soll geschehen.“
Sie kamen zum Hof. An-Nadschāschī hatte bereits die Geistlichen rufen und herbeibringen lassen. Sie hatten das Evangelium vor dem König aufgeschlagen. Der König fragte sie: „Ist dies eure Religion, durch deren Annahme ihr euch von eurem eigenen Volk getrennt habt, ohne meine Religion oder irgendeine andere Religion anzunehmen?“
Dschaʿfar ibn Abī Tālib antwortete: „O König, wir waren ein unwissendes Volk. Wir beteten Götzen an, aßen das Fleisch verendeter Tiere und gaben uns schändlichen und schlechten Taten hin. Wir brachen die Beziehungen zu unseren nahen Verwandten ab, verachteten unsere Nachbarn, und der Starke unter uns nahm dem Schwachen sein Recht. In dieser Lage sandte Allah einen Mann aus unserer Mitte als Propheten zu uns. Wir kannten ihn als einen Mann von edler Abstammung und wahrhaftig und erlebten ihn als vertrauenswürdig und von vorzüglichem Charakter. Er rief uns dazu auf, allein Allah anzubeten und an Seine Einheit zu glauben. Er forderte uns auf, die Anbetung all jener Dinge außer Allah aufzugeben, die wir verehrten, etwa Steine und Götzen. Er gebot uns, die Wahrheit zu sagen, das anvertraute Gut zu bewahren, gut zu unseren Verwandten und freundlich zu unseren Nachbarn zu sein sowie verbotene Taten und Blutvergießen zu meiden. Er verbot uns, schändliche Taten zu begehen, Lügen zu sagen, das Eigentum von Waisen zu veruntreuen und unschuldige Frauen zu verleumden. Er forderte uns auf, den einen Allah anzubeten und Ihm nichts beizugesellen. Er gebot uns, das Gebet zu verrichten und die Zakāt zu entrichten.“ Auf diese Weise führte Dschaʿfar nacheinander die Vorschriften des Islam an.
Dschaʿfar fuhr fort: „Wir folgten diesem Aufruf, bekundeten unseren Glauben an ihn und begannen, die Vorschriften zu befolgen, die er von Allah überbrachte. Wir begannen, den einen Allah anzubeten, und gesellten Ihm niemanden bei. Was immer er für ḥarām erklärte, mieden wir, und was immer er für ḥalāl erklärte, erkannten wir als ḥalāl an. Daraufhin wurde unser Volk zu unserem Feind. Sie begannen, uns zu verfolgen, und schmiedeten Pläne, um uns von der Anbetung des einen Allah zur Götzenverehrung zurückzuführen. Sie setzten uns unter Druck, damit wir die abscheulichen Missetaten wieder für ḥalāl hielten. Als sie uns auf diese Weise überwältigten, unser Leben durch Unterdrückung und Verfolgung unerträglich machten und uns daran hinderten, unsere erwählte Religion zu praktizieren, kamen wir in dein Land und suchten dort Zuflucht. Wir hielten dich für besser als alle anderen und wünschten, deine Nachbarn zu sein. O König, unsere Hoffnung ist, dass wir bei dir keiner Ungerechtigkeit ausgesetzt sein werden.“
An-Nadschāschī sagte zu ihm: „Hat dein Prophet, der die Offenbarung Allahs brachte, etwas davon bei dir?“ Dschaʿfar sagte: „Ja, das habe ich.“ An-Nadschāschī sagte: „Lies es mir vor.“ Dschaʿfar rezitierte ihm einige Verse vom Anfang der Sura Maryam. Als An-Nadschāschī die Verse hörte, begann er zu weinen. Sein Bart wurde von Tränen benetzt. Ebenso weinten die Geistlichen, bis ihre Evangelien von Tränen durchnässt waren. Danach sagte An-Nadschāschī: „Ich bin gewiss, dass diese Offenbarung und die Offenbarung, die zu ʿĪsā kam, beide aus derselben Quelle stammen. O ihr beiden Gesandten der Quraisch, geht! Ich werde sie unter keinen Umständen euch ausliefern. Sie werden hierbleiben.“
Umm Salama berichtet: Als wir den Hof verließen, sagte ʿAmr ibn al-ʿĀṣ: „Bei Allah, morgen werde ich wieder zu An-Nadschāschī gehen. Dann werde ich ihm etwas sagen, wodurch er den muslimischen Schutzbefohlenen gegenüber weniger nachsichtig sein wird.“ Er sagte: „Tu das nicht. Obwohl sie unsere Gegner sind, dürfen wir nicht so weit gehen, denn sie haben viele Blutsverwandte.“ ʿAmr ibn al-ʿĀṣ sagte: „Ich werde An-Nadschāschī mitteilen, dass die Muslime ʿĪsā ibn Maryam lediglich für einen Diener Allahs halten.“
Am folgenden Tag erschienen wir erneut am Hof des An-Nadschāschī und sagten zu ihm: „O König, die Schutzbefohlenen äußern sich über ʿĪsā ibn Maryam auf äußerst anstößige Weise. Lass sie rufen und frage sie, was sie über ʿĪsā (Friede sei mit ihm) denken.“
Der König ließ die Muslime erneut vor sich kommen, um sie nach ihrer Auffassung über Jesus (Friede sei mit ihm) zu fragen. Umm Salama sagte: „Diesmal standen wir vor der härtesten Prüfung. Die muslimischen Auswanderer versammelten sich erneut zur Beratung. Vor ihnen stand nun die neue Frage: Was sollten wir antworten, wenn der König uns nach Jesus, Friede sei mit ihm, fragte? Schließlich beschlossen alle, genau das zu sagen, was Allah gesagt hatte und was unser Prophet als die Wahrheit über ihn gelehrt hatte. Was auch immer daraus entstehen würde, sollte geschehen.“
Als die Auswanderer vor dem König erschienen waren, fragte er sie: „Welche Auffassung habt ihr über Jesus, den Sohn Marias?“ Jaʿfar ibn Abū Tālib sagte: „Wir glauben an das, was unser Prophet über ihn gelehrt hat. Er sagte, dass Jesus (Friede sei mit ihm) Allahs Diener, Sein Gesandter, ein Geist von Ihm und Sein Wort ist, das Er Maria, der Jungfrau und von Männern Unberührten, eingegeben hat.“
Als der Nadschaschi dies hörte, schlug er voller Begeisterung mit der Hand auf den Boden, nahm ein kleines Stück Holz und sagte: „Bei Allah, zwischen dem, was du gesagt hast, und dem, was Jesus, der Sohn Marias, ist, besteht nicht einmal der Unterschied, den dieses Holzstück ausmacht.“
Während der König dies sagte, flüsterten die anwesenden Höflinge aus Zorn irgendetwas. Der König hörte es und sagte: „Ihr mögt noch so viel flüstern, meine Haltung wird unverändert bleiben. Ihr Auswanderer, kehrt nun in eure Unterkünfte zurück. Lebt in meinem Reich vollkommen sicher und unbesorgt. Wer euch beschimpft, wird mit einer Geldstrafe belegt. Selbst wenn ich durch das Zufügen von Leid auch nur einem von euch einen Berg aus Gold gewinnen könnte, würde ich dies nicht wünschen. Ihr Beamten, gebt die Geschenke zurück, die diese beiden Gesandten überreicht haben. Ich benötige sie nicht.“
Umm Salama sagte: „Darauf kehrten die beiden mit der Schande äußerster Erniedrigung beladen zurück. Auch die von ihnen mitgebrachten Geschenke wurden zurückgegeben. Wir lebten bei ihm in einer äußerst unbeschwerten Umgebung und in der Gesellschaft eines vortrefflichen Nachbarn.“
Umm Salama sagte: „Wir lebten in dieser unbeschwerten Umgebung. Da geriet plötzlich ein Mann aus Abessinien mit dem Nadschaschi in einen Streit um das Recht auf seine Herrschaft. Nie zuvor waren wir in eine solche Sorge geraten wie damals. Wir befürchteten, dass dieser Mann, sollte er über den Nadschaschi siegen, uns möglicherweise nicht wie der Nadschaschi Schutz gewähren und unsere berechtigten Ansprüche nicht anerkennen würde. Der Nadschaschi zog gegen seinen Widersacher in den Krieg. Zwischen den beiden Gegnern lag der Nil. Die ausgewanderten Gefährten des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagten: ‚Gibt es hier jemanden, der während dieses Krieges der Abessinier auf dem Schlachtfeld anwesend sein, das Ergebnis des Kampfes in Erfahrung bringen und es uns mitteilen kann?‘ Zubair ibn al-Awwam sagte: ‚Ich werde gehen.‘ Alle stimmten dem Wunsch dieses jüngsten Gefährten zu.“
Man füllte einen Lederschlauch mit Luft und gab ihn az-Zubair mit. Er legte ihn auf seine Brust und schwamm, darauf gestützt, bis zum Ufer des Nils. Dann ging er zu Fuß zum Schlachtfeld.“
Umm Salama sagte: „Während dieser Zeit beteten wir zu Allah, dass der Nadschaschi über seinen Feind siegen und seine Herrschaft über das Land behaupten möge. Als wir sehnsüchtig auf die Nachricht über den Ausgang des Kampfes warteten, erblickten wir plötzlich az-Zubair. Er kam herbeigerannt, schwenkte ein Tuch und rief: ‚Hört die frohe Nachricht: Der Nadschaschi hat gesiegt! Allah hat seinen Feind vernichtet und seine Herrschaft in Abessinien bewahrt.‘ Danach war seine Herrschaft in Abessinien gefestigt. Wir lebten dort an einem ausgezeichneten Ort. Schließlich kehrten wir zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, zurück. Er hielt sich damals noch in Mekka auf.“
Umar ibn al-Chattab nimmt den Islam an
Als Amr ibn al-As und Abdallah ibn Abi Rabi’a nach Mekka zu den Quraisch zurückkehrten, erfuhren die Quraisch, dass sie es nicht nur nicht geschafft hatten, die Gefährten des Gesandten Allahs ﷺ zurückzubringen, sondern dass an-Nadschaschi sie zudem nach unangenehmen Worten verabschiedet hatte. Zu dieser Zeit nahm auch Umar den Islam an. Er war eigensinnig und wagemutig. Selbst in seiner Abwesenheit wagte niemand, etwas gegen ihn zu sagen oder zu unternehmen. Mit zwei Helden wie Hamza und Umar an ihrer Seite erlangten die Gefährten des Gesandten Allahs ﷺ weitgehend Schutz vor der Unterdrückung durch die Ungläubigen. Genau genommen übertrafen sie die Quraisch sogar an Stärke und Macht.
Abdallah ibn Mas’ud (r.a.) sagte: „Solange Umar, der Sohn al-Chattabs, den Islam nicht angenommen hatte, konnten wir nicht zum Haus der Kaaba gehen und dort beten. Nachdem Umar den Islam angenommen hatte, forderte er die Quraisch heraus, ging zur Kaaba und verrichtete dort das Gebet, und wir beteten gemeinsam mit ihm. Umar (r.a.) nahm den Islam an, nachdem einige der Gefährten nach Abessinien [Äthiopien] ausgewandert waren.“
Die Geschichte von Umars Annahme des Islam verlief folgendermaßen: Seine Schwester Fatima bint al-Chattab und ihr Ehemann Sa’id ibn Zaid hatten damals bereits Zuflucht im Islam gefunden. Beide hielten dies vor Umar geheim. Auch Nu’aim ibn Abdallah an-Nahham aus dem Stamm der Banu Adi ibn Ka’b hielt aus Furcht vor den Stammesangehörigen seine Annahme des Islam geheim. Er gehörte demselben Stamm wie Umar an. Ein weiterer Gefährte, Chabbab ibn al-Aratt, kam gelegentlich zu Fatima bint al-Chattab, um ihr den edlen Koran beizubringen. Eines Tages machte sich Umar mit dem Schwert in der Hand auf die Suche nach dem Gesandten Allahs ﷺ und einigen seiner Gefährten. Er hatte zuvor erfahren, dass der Gesandte Allahs ﷺ sich mit vierzig männlichen und weiblichen Gefährten in einem Haus nahe dem Berg Safa versammelt hatte. Bei ihm befanden sich Hamza ibn Abd al-Muttalib (r.a.), Abu Bakr as-Siddiq (r.a.), Ali ibn Abi Talib (r.a.) sowie jene Muslime, die nicht nach Abessinien gegangen, sondern in Mekka zum Gesandten Allahs ﷺ geblieben waren. Nu’aim stellte sich Umar (r.a.) in den Weg und fragte: „Wohin gehst du, Umar?“
Umar sagte: „Ich bin auf der Suche nach diesem Ungläubigen Muhammad, der unter den Quraisch Zwietracht gestiftet, sie zu Narren erklärt, ihre Religion geschmäht und ihre Götter beschimpft hat. Ich werde ihn töten.“
Nu’aim sagte zu ihm: „Umar, du bist sicherlich einer Selbsttäuschung erlegen. Glaubst du etwa, dass die Banu Abd Manaf dich nach der Ermordung Muhammads in Ruhe lassen und du dich frei bewegen könntest? Kümmere dich lieber um dein eigenes Haus.“
Umar sagte: „Warum? Was hat jemand aus meiner Sippe getan?“
Nu’aim sagte: „Dein Schwager und Cousin Sa’id ibn Zaid ibn Amr und deine Schwester Fatima. Bei Allah, sie beide haben den Islam angenommen. Sie folgen der Religion Muhammads. Kümmere dich also zuerst um sie, wenn du kannst.“[28. Sein Ziel war es, Umars Aufmerksamkeit abzulenken, weil er um das Leben des Gesandten Allahs ﷺ fürchtete. Zwar bestand dadurch die Möglichkeit, dass Fatima und ihr Ehemann misshandelt würden, doch war dies im Vergleich zur Gefahr für das Leben des Gesandten Allahs ﷺ ein weitaus geringeres Übel.“]
Sobald Umar dies hörte, eilte er zum Haus seiner Schwester und seines Schwagers. Auch Khabbab ibn al-Aratt befand sich dort. Er besaß einige Teile des Heiligen Qurans und lehrte sie dem Ehepaar Sa’id. In diesem Abschnitt war die Sure Ta-Ha niedergeschrieben. Sie bemerkten, dass Umar kam. Khabbab versteckte sich sofort in einem kleinen Raum. Fatima verbarg den Abschnitt des Qurans. Als Umar das Haus betrat, hatte er zuvor gehört, wie Khabbab den Quran las und ihn den beiden vortrug. Kaum war er eingetreten, sagte er: „Was habt ihr da gelesen? Das habe ich gehört.“ Sa’id und Fatima erwiderten beide: „Du hast nichts gehört.“ Umar sagte: „Bei Allah, ich habe es gehört. Ihr habt Muhammads Religion angenommen und folgt ihr.“ Damit versetzte er seinem Schwager Sa’id eine Ohrfeige. Fatima stand auf und versuchte, ihren Mann vor seinen Schlägen zu schützen. Umar schlug Fatima so heftig, dass sie verletzt wurde.
Angesichts dieses rücksichtslosen Verhaltens Umars sagten sie beide: „Ja, wir haben den Islam angenommen und an Allah und Seinen Gesandten geglaubt. Nun kannst du tun, was du willst.“ Als Umar das Blut am Körper seiner Schwester sah, bereute er sein Verhalten.
Dann sagte er in reumütigem Ton zu seiner Schwester: „Nun gut, gib mir doch das Buch, in dem ihr gelesen habt. Ich möchte ein wenig darin lesen und sehen, welche Botschaft Muhammad verkündet.“ Hier sei angemerkt, dass Umar lesen und schreiben konnte.
Seine Schwester sagte: „Wir befürchten, dass du es zerstörst, wenn wir es dir geben.“
Umar schwor bei den Götzen und sagte: „Hab keine Angst. Ich werde es dir gewiss zurückgeben, nachdem ich darin gelesen habe.“ Als seine Schwester dies hörte, schöpfte sie Hoffnung, dass er vielleicht den Islam annehmen würde. Daher sagte sie: „Lieber Bruder, da du ein Götzendiener bist, bist du unrein. Um dieses Buch jedoch zu berühren, muss man sich reinigen.“ (29. Über die Voraussetzung der rituellen Reinheit zum Berühren des Heiligen Qurans bestehen unterschiedliche Auffassungen. Manche sagen, sie sei verpflichtend; nach Ansicht anderer ist sie nicht verpflichtend, sondern empfohlen.)
Umar ging sofort fort, vollzog die Ganzkörperwaschung und kehrte gereinigt zurück. Nun gab Fatima ihm den Heiligen Quran. Als er ihn aufschlug, sah er zunächst die Sure Ta-Ha. Nachdem er einige Verse daraus gelesen hatte, sagte er: „Wie schöne Worte! Was für eine erhabene Botschaft!“ Als Khabbab dies aus seinem Versteck hörte, kam er heraus und sagte: „Umar, offenbar hat Allah das Bittgebet Seines Propheten erhört und dich für den Islam auserwählt. Gestern hatte er gebetet: ‚O Allah, stärke den Islam durch Abu al-Hakam ibn Hischam oder Umar ibn al-Khattab.‘ O Umar, antworte dem Ruf Allahs, antworte dem Ruf Allahs!“
Da sagte Umar: „O Khabbab, zeige mir, wo Muhammad ist. Ich möchte zu ihm gehen und den Islam annehmen.“ Khabbab sagte: „Er hält sich mit einigen Gefährten in einem Haus nahe dem Berg Sakha auf.“
Umar hängte sich sein Schwert über die Schulter und machte sich auf die Suche nach Allahs Gesandtem, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und dessen Gefährten. Als er den betreffenden Ort erreichte, klopfte er an die Tür. Als er die Stimme hörte, stand einer der Gefährten auf, ging zum Fenster und sah ihn. Er sah Umar dort mit dem Schwert in der Hand stehen. Voller Angst kehrte er zu Allahs Gesandtem, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zurück und sagte: „O Gesandter Allahs, Umar steht mit einem Schwert an der Tür.“ Hamza, Allah möge mit ihm zufrieden sein, sagte: „Lasst ihn herein. Wenn er mit guter Absicht gekommen ist, werden wir ihn unterstützen; wenn er jedoch mit böser Absicht gekommen ist, werden wir ihn mit seinem eigenen Schwert töten.“
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagte: „Lasst ihn hereinkommen.“ Er erlaubte Umar, einzutreten. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, erhob sich, ging auf Umar zu und empfing ihn im Raum. Er packte ihn fest mit der Faust an der Stelle, an der die Schnur seiner Hose gebunden war, oder dort, wo die beiden Enden des Umhangs an seinem Hals zusammenkamen. Dann sagte er: „O Sohn al-Chattabs, aus welchem Grund bist du gekommen? Bei Allah, ich glaube nicht, dass du dich zurückhalten wirst, bis ein schweres Unglück von Allah über dich kommt.“
Umar sagte: „O Gesandter Allahs, ich bin gekommen, um an Allah, Seinen Gesandten und die von Allah herabgesandte Gesetzgebung zu glauben.“
Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, dies hörte, rief er so laut „Allah ist größer!“, dass alle Gefährten des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, erkannten, dass Umar den Islam angenommen hatte. Nachdem Hamza den Islam angenommen hatte, stärkte auch Umars Islamannahme den Mut der Gefährten des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, gewaltig. Sie waren überzeugt, dass diese beiden nun in der Lage sein würden, die Misshandlungen und Verfolgungen der Götzendiener gegen den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, abzuwehren, und dass sie alle mit ihrer Unterstützung den Feinden der Muslime entgegentreten könnten. Danach gingen die Gefährten von jenem Ort an ihre jeweiligen Plätze zurück.
Umar, Allah möge Wohlgefallen an ihm haben, berichtet: In derselben Nacht, nachdem ich den Islam angenommen hatte, begann ich darüber nachzudenken, wer unter den Einwohnern Mekkas der erbittertste Feind des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sei. Ich wollte zu ihm gehen und ihm mitteilen, dass ich den Islam angenommen hatte. Ich entschied, dass Abu Dschahl der größte Feind sei. Daraufhin ging ich sofort zu seinem Haus und klopfte an die Tür. Abu Dschahl kam heraus und trat vor mich. Er sagte: „Neffe, herzlich willkommen. Umar, Allahs Mutter, Hantama bint Hischam, war die Schwester Abu Dschahls.
„Was führt dich her?“ Ich sagte: „Ich bin gekommen, um dir mitzuteilen, dass ich an Allah und Seinen Gesandten Muhammad glaube und die von ihm überbrachte Gesetzgebung und Botschaft angenommen habe.“ Sobald er dies hörte, schlug er mir die Tür vor dem Gesicht zu und sagte: „Möge Allah dich und die Nachricht, die du gebracht hast, erniedrigen!“
Darstellung des Vertrags
Die Quraisch sahen, dass die Gefährten des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, an einem sicheren und ungestörten Ort Zuflucht gefunden hatten und dass der Nadschaschi die Verantwortung für den Schutz derer übernommen hatte, die bei ihm Zuflucht gesucht hatten. Sie sahen auch, dass Umar den Islam angenommen hatte.
Dadurch waren Männer wie Umar und Hamza in die Reihen der Gefährten des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, eingetreten, und der Islam begann, sich unter den Stämmen in der Umgebung Mekkas auszubreiten. Als sie all dies sahen, kamen sie erneut zusammen und beschlossen, einen Vertrag zu unterzeichnen, wonach die übrigen Quraisch von nun an mit den Stämmen Banu Haschim und Banu Abd al-Muttalib weder Eheschließungen eingehen noch Handel treiben würden.
Sie beriefen eine Versammlung ein, setzten diese Vereinbarung auf und unterzeichneten sie. Danach hängten sie das Schriftstück im Inneren der Kaaba auf, damit seine Bedeutung und Wirkung in ihren Augen größer sei.
Mansur ibn Ikrima schrieb diese Vereinbarung nieder, und aufgrund des Fluchs des Gesandten Allahs wurden mehrere seiner Finger gelähmt.
Nachdem diese Vereinbarung abgeschlossen worden war, suchten die Angehörigen des Stammes Banu Abd al-Muttalib Zuflucht bei Abu Talib. Sie versammelten sich allesamt bei ihm und zogen gemeinsam mit Abu Talib in sein Tal ein. Abu Lahab hingegen verließ den Stamm Banu Haschim, schloss sich den feindseligen Quraisch an und unterstützte deren Seite. Er sagte: „Muhammad erzählt mir Dinge, die ich nicht sehen kann. Er sagt, dass es nach dem Tod ein neues Leben geben wird. Wenn ich das glaube, was bleibt mir dann noch?“ Danach blies er auf seine beiden Hände und sagte: „Möget ihr beide zugrunde gehen! (Das heißt: seine beiden Hände.) Nichts von dem, was Muhammad sagt, sehe ich bei euch.“ (Wahrscheinlich wollte er damit die Vorstellung verspotten, dass einem die Aufzeichnung der Taten in die Hände gegeben werde. Anmerkung des Übersetzers.) In diesem Zusammenhang offenbarte Allah folgenden Vers:
[Arabisch *************]
„Mögen Abu Lahabs beide Hände zugrunde gehen, und möge auch er selbst zugrunde gehen.“
Die Belagerung und das Leben im Tal der beiden Stämme Banu Abd al-Muttalib und Banu Haschim dauerten zwei oder drei Jahre an. Während dieser Zeit erlitten sie unbeschreibliche Not. Ohne die heimliche Unterstützung einiger wohlgesinnter quraischitischer Verwandter gelangte nichts zu ihnen.
[31. Nach Ansicht einiger lautet der Anlass für die Offenbarung der Sure al-Lahab folgendermaßen: Als Allah dem Gesandten Allahs befahl, seine engsten Verwandten zum Islam einzuladen, bestieg er eines Tages den Berg as-Safa und rief alle Bewohner Mekkas zusammen. Als sie sich versammelt hatten, sagte er: „Wenn ich euch sagen würde, dass sich auf der anderen Seite des Berges in der Ebene ein Heer verborgen hält, um euch anzugreifen, würdet ihr mir dann glauben?“ Da sagten alle einstimmig: „Wir haben dich noch nie eine Lüge sagen hören.“ Darauf sagte er: „Ich warne euch vor einer schweren Strafe.“ In diesem Augenblick sagte Abu Lahab: „Mögest du sterben! Dafür hast du uns zusammengerufen?“ Als Antwort darauf wurde die Sure al-Lahab offenbart.]
Die Verfolgung des Gesandten Allahs durch die Quraisch
Aufgrund des besonderen Schutzes Allahs konnten sie angesichts des wirksamen Widerstands seines Onkels sowie der Stämme Banū ʿAbd al-Muṭṭalib und Banū Hāschim keinen körperlichen Angriff gegen ihn führen. Daher sahen sie sich gezwungen, ihn zu beschimpfen, zu verspotten, lächerlich zu machen und zu verhöhnen sowie Streit und Auseinandersetzungen mit ihm zu beginnen. Der Qurʾān wurde weiterhin mit ausführlichen Darstellungen und Analysen über diese Handlungen der Quraisch und ihr feindseliges Verhalten gegenüber dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, offenbart. Einige derjenigen, die sich so verhielten, werden im Qurʾān namentlich erwähnt. Die Namen der anderen werden nicht genannt; sie werden allgemein in die Beschreibung der Kāfirūn einbezogen.
Zu den Personen aus den Reihen der Quraisch, deren Namen im Qurʾān erwähnt werden, gehört auch Abū Lahab ibn ʿAbd al-Muṭṭalib. Seine Frau, UmmǦamīl bint Ḥarb ibn Umayya, wird als „Ḥammālat al-ḥaṭab“, also als „Brennholzträgerin“, bezeichnet. Denn sie sammelte Dornen und streute sie auf dem Weg aus, den der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu gehen pflegte. Deshalb offenbarte Allah über die beiden diese Sura:
[Arabisch *************]
„Zugrunde gegangen sind die beiden Hände Abū Lahabs, und er ist zugrunde gegangen. Sein Vermögen und alles, was er erworben hat, haben ihm nichts genützt. Gewiss wird er in ein Feuer mit Flammen geworfen werden, und ebenso seine Frau, die Brennholzträgerin. Um ihren Hals wird ein Seil aus Palmfasern sein.“
Ibn Isḥāq sagt: Ich habe gehört, dass Umm Ǧamīl, als sie von dieser Sura des Qurʾān hörte, die über sie und ihren Mann offenbart worden war, mit einem Stein in der Faust zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, kam. Zu jener Zeit saß er zusammen mit Abū Bakr aṣ-Ṣiddīq, möge Allah mit ihm zufrieden sein, in der al-Masǧid al-Ḥarām neben der Kaʿba. Als sie zu den beiden kam und vor ihnen stehen blieb, ließ Allah den Gesandten Allahs vor ihren Augen verschwinden. So konnte sie außer Abū Bakr niemanden sehen. Sie sagte: „O Abū Bakr, wo ist dein Gefährte? Ich habe gehört, dass er mich verleumdet. Bei Allah, wenn ich ihn fände, würde ich ihm diesen Stein ins Gesicht schleudern.“ Damit ging sie fort. Abū Bakr, möge Allah mit ihm zufrieden sein, sagte: „O Gesandter Allahs, meinst du, dass sie dich gesehen hat?“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Sie hat mich nicht gesehen. Allah hatte ihr die Fähigkeit genommen, mich zu sehen.“
Auch Umayya ibn Ḫalaf ibn Wahb ibn Ḥuḏāfa ibn Ǧumaḥ beschimpfte den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, jedes Mal laut und verleumdete ihn mit leiser, undeutlicher Stimme, sobald er ihn sah. Allah offenbarte über ihn die Sura al-Humaza:
[Arabisch *************]
„Verderben sei jedem, der anderen ins Gesicht beleidigende Worte sagt, hinter ihrem Rücken über sie lästert und Vermögen anhäuft und es immer wieder zählt. Er meint, sein Vermögen werde ihn ewig am Leben erhalten. Keineswegs! Er wird gewiss in al-Ḥuṭama geworfen werden. Und was lässt dich wissen, was al-Ḥuṭama ist? Es ist Allahs Feuer, das angezündet wurde und bis zu den Herzen vordringen wird. Gewiss wird es über ihnen eingeschlossen werden, in hohen Säulen.“
Ein weiterer war ʿĀs ibn Wāʾil as-Sahmī. Einer der Gefährten des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, Chabbāb ibn al-Aratt, war ein Schmied. Er hatte Schwerter verkauft, und deshalb schuldete ihm ʿĀs noch einen beträchtlichen Geldbetrag. Als er ihn zur Zahlung aufforderte, sagte ʿĀs: „O Chabbāb, glaubt euer Mann Muhammad, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, nicht, dass diejenigen, die ins Paradies eingehen, dort so viel Gold, Silber, Kleidung und Diener und Bedienstete erhalten, wie sie wünschen? Ist es nicht so?“ Chabbāb sagte: „Ja.“ ʿĀs sagte: „Dann gewähre mir, o Chabbāb, Aufschub bis zum Tag der Auferstehung. Ich werde deine Forderung im Paradies begleichen. O Chabbāb, ich schwöre bei Allah: Weder du noch dein Gefährte Muhammad, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, werdet bei Allah mir gegenüber bevorzugt sein noch glücklicher als ich sein.“ In diesem Zusammenhang offenbarte Allah über ʿĀs:
[Arabisch *************]
„Hast du denjenigen gesehen, der Meine Zeichen verleugnet und sagt: ,Mir werden gewiss weiterhin Reichtum und Kinder gegeben werden.‘ Hat er etwa Kenntnis vom Verborgenen erlangt oder ein Versprechen beim Allerbarmer eingeholt? Keineswegs! Wir werden aufschreiben, was er sagt, und seine Strafe noch vermehren. Und das, wovon er an Kindern und Reichtum spricht, wird letztlich Uns gehören, und er wird allein zu Uns kommen.“ (Sure Maryam)
Aus einer anderen Überlieferung ist bekannt, dass Abū Dschahl ibn Hischām den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, aufsuchte und zu ihm sagte: „O Muhammad, du musst aufhören, unsere Götter zu beschimpfen. Andernfalls werde ich deinen Gott beschimpfen.“ In diesem Zusammenhang offenbarte Allah diesen Vers:
[Arabisch *************]
„Beschimpft nicht diejenigen, die sie anstelle Allahs anrufen, sonst werden sie aus Feindschaft und Unwissenheit Allah beschimpfen.“ (Sure al-Anʿām)
Nadr ibn al-Hārith ibn Kalada ibn ʿAbd Manāf ibn ʿAbd ad-Dār ibn Qusai war ein weiterer solcher Mann. Wann immer der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, in einer Versammlung die Menschen zu Allah aufrief, den Qurʾān rezitierte, den Quraisch die Geschichte der untergegangenen Völker der Vergangenheit darlegte und sie davor warnte, ein ähnliches Ende zu erleiden, und den Zuhörern dieser Versammlung die Geschichten der persischen Helden Rustam und Isfandiyār erzählte, sagte er anschließend: „Muhammad kann keine besseren Geschichten erzählen als ich. Muhammads Geschichten sind nichts anderes als Geschichten aus alter Zeit. So wie Muhammad sie aufgeschrieben hat, habe auch ich sie aufgeschrieben.“ Über ihn offenbarte Allah:
[Arabisch *************]
„Sie sagen: Das sind Geschichten aus alten Zeiten, die Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, hat aufschreiben lassen. Sie werden ihm jeden Morgen und Abend gelehrt. O Prophet, sprich: Diese Botschaft hat derjenige herabgesandt, der alle verborgenen Geheimnisse der Himmel und der Erde kennt. Wahrlich, Er ist vergebend und barmherzig.“ (Der Koran)
[Arabisch *************]
„Wann immer dem Ungläubigen Meine Zeichen vorgetragen werden, sagt er sogleich: Das sind doch nur Geschichten aus alten Zeiten.“ (Al-Qalam)
Ferner wurde offenbart:
[Arabisch *************]
„Verderben sei über jeden lügnerischen Sünder, der, obwohl ihm die Zeichen Allahs vorgetragen werden, hochmütig darauf beharrt und so tut, als hätte er sie nicht gehört. Verkünde ihm daher die frohe Botschaft einer schmerzhaften Strafe.“ (Al-Dschathiya)
Ein weiterer Mann war al-Akhnas ibn Schuraiq ibn Amr ibn Wahb al-Thaqafi. Er war ein angesehener Mann. Er beleidigte den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, auf vielfältige Weise und äußerte unflätige Worte. Über ihn sagt Allah in der Sure Al-Qalam:
[Arabisch *************]
„Gehorche nicht einem, der übermäßig schwört, der nichts gilt, der übermäßig beschimpft und Verleumdungen verbreitet, der Gutes verhindert, Grenzen überschreitet, sich der Sünde hingibt, überaus frevelhaft und ungerecht ist und schließlich von unbekannter Herkunft ist.“
Walid ibn al-Mughira sagte: „Während es im Stamm der Quraisch einen Anführer wie mich und im Stamm der Thaqif Abu Masʿud ʿAmr ibn ʿUmair ath-Thaqafi gibt, wurde die Offenbarung auf Muhammad herabgesandt? Sind etwa wir, die beiden bedeutendsten Männer der beiden Städte, übergangen worden?“
Als Antwort darauf offenbarte Allah einen Vers aus der Sure az-Zuchruf,
[Arabisch *************]
„Sie sagten: ‚Wäre der Qur’an doch auf einen bedeutenden Mann aus einer der beiden Städte [32. das heißt Mekka und Taif] herabgesandt worden! Sind sie es etwa, die die Barmherzigkeit deines Herrn verteilen? Im irdischen Leben haben Wir ihren Lebensunterhalt unter ihnen verteilt und einige von ihnen über andere gestellt, damit die einen die anderen dienstbar nehmen können. Doch die Barmherzigkeit deines Herrn ist besser als das, was sie anhäufen.‘“
Uqba ibn Abu Muʿayt und Ubayy ibn Khalaf waren enge Gefährten. Einmal saß Uqba in der Versammlung des Gesandten Allahs und hörte ihm zu. Als Ubayy davon erfuhr, kam er zu Uqba und sagte: „Glaubst du, ich hätte nicht gehört, dass du in Muhammads Versammlung gesessen und ihm zugehört hast?“ Dann legte er einen schweren Eid ab und sagte: „Wenn du in Muhammads Versammlung gesessen und ihm zugehört hast und ihm nicht ins Gesicht gespuckt hast, dann sei es mir verboten, dein Gesicht anzusehen.“ Allahs Fluch über Uqba! Der Unglückselige führte tatsächlich gemäß der Anweisung Ubayys, des Feindes Allahs, die Tat aus.
Diesbezüglich offenbarte Allah:
[Arabisch *************]
„An dem Tag wird der Ungerechte sich in die Finger beißen und sagen: ‚O weh! Hätte ich doch dem Gesandten beigestanden! O weh! Hätte ich doch den und den nicht zu meinem engen Freund genommen! Er hat mich in die Irre geführt, nachdem die Rechtleitung zu mir gekommen war.‘ Wahrlich, der Satan ist äußerst geschickt darin, den Menschen zu erniedrigen.“
Eines Tages ging Ubayy ibn Khalaf mit einem fast zerfallenen alten Knochen zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und sagte: „O Muhammad, glaubst du etwa, dass Allah diesen zerfallenen Knochen wieder zum Leben erwecken wird?“ Dann zermahlte er ihn auf seiner Hand, blies darauf und ließ ihn in Richtung des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, davonfliegen. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Ja, ich sage: Allah wird diesen Knochen und auch dich, nachdem ihr beide zerfallen seid, wieder zum Leben erwecken. Danach wird Er dich in die Hölle werfen.“ Diesbezüglich offenbarte Allah einen Vers:
[Arabisch *************]
„Er führt Mich als Beispiel an und vergisst seine eigene Erschaffung. Er sagt: ‚Wer wird diese Knochen wieder zum Leben erwecken, wenn sie völlig zerfallen sind?‘ Sag: ‚Sie wird Derjenige wieder zum Leben erwecken, Der sie zum ersten Mal erschaffen hat. Und Er weiß über jede Schöpfung Bescheid. Er ist es, Der für euch aus dem grünen Baum Feuer hervorbringt, und daran entzündet ihr euer Feuer.‘“ (Yā-Sīn)
Eines Tages, als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die Kaaba umrundete, umringten ihn al-Aswad ibn al-Muttalib ibn Khalaf und ʿĀs ibn Wāʾil as-Sahmī. Sie waren allesamt angesehene ältere Männer ihrer jeweiligen Stämme. Sie sagten: „O Muhammad, komm, lass uns deinen Allah anbeten und du sollst unsere Götter anbeten. Auf diese Weise beteiligen wir uns gegenseitig an der Angelegenheit des anderen. Wenn dein Gott besser ist als unsere Götter, haben wir an seiner Anbetung teilgenommen. Und wenn unsere Götter besser sind als dein Gott, dann hast auch du an ihnen Anteil erhalten.“ Daraufhin offenbarte Allah:
[Arabisch *************]
„O Prophet, sag: O ihr Ungläubigen, ich diene nicht dem, dem ihr dient. Und ihr dient nicht Dem, Dem ich diene. Ich werde nicht dem dienen, dem ihr dient, und ihr werdet nicht Dem dienen, Dem ich diene. Euch eure Religion und mir meine Religion.“ (Al-Kāfirūn)
Als Allah den Ungläubigen zur Warnung den Zaqqum-Baum erwähnte, sagte Abu Dschahl ibn Hischām: „O Quraisch, wisst ihr, was der Zaqqum-Baum ist, mit dem Muhammad euch droht?“ Sie sagten: „Nein.“ Da sagte er: „Datteln aus Medina, die mit Butter gegessen werden. Bei Allah, wenn ich die Möglichkeit bekäme, in Medina zu leben, würde ich davon essen, bis ich satt wäre.“ Diesbezüglich offenbarte Allah:
[Arabisch *************]
„Der Zaqqum-Baum wird die Nahrung des Sünders sein; er wird in seinem Bauch so aufwallen wie siedendes Wasser brodelt.“ (Ad-Duchān)
Das heißt: Was Abū Dschahl über den Zaqqum-Baum zu sagen pflegte, entspricht in Wirklichkeit nicht der Wahrheit.
Einmal traf al-Walīd ibn al-Mughīra mit dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Heil seien auf ihm, zusammen. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Heil seien auf ihm, begann, mit ihm zu sprechen. Er schöpfte Hoffnung, dass al-Walīd den Islam annehmen würde. In diesem Augenblick kam der blinde Gefährte Ibn Umm Maktūm dorthin. Er begann, mit dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Heil seien auf ihm, zu sprechen, und bat ihn, ihm diesen Qurʾān vorzutragen. Das Kommen und die Worte Ibn Umm Maktūms erschienen dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Heil seien auf ihm, lästig, weil er dem Gespräch mit al-Walīd nicht seine volle Aufmerksamkeit widmen konnte. Dadurch drohte die Hoffnung, die er hinsichtlich dessen Annahme des Islam gehegt hatte, zunichtezumachen. Als er sah, dass die Worte ʿAbdullāh ibn Umm Maktūms übermäßig zunahmen, wandte er sich verärgert ab und schenkte ihm keine Beachtung. Deshalb offenbarte Allah, der Erhabene, über ihn:
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„Er runzelte die Stirn und wandte sich ab, weil der Blinde zu ihm kam. Und was lässt dich wissen, vielleicht hätte er sich geläutert oder die Ermahnung angenommen, und die Ermahnung hätte ihm genützt. Was aber denjenigen betrifft, der kein Interesse zeigt: Ihm widmest du deine ganze Aufmerksamkeit. Doch was kümmert es dich, wenn er sich nicht läutert? Und demjenigen, der zu dir geeilt kam und das Fürchten vor dem Ausgang hatte, zeigst du Desinteresse. Und demjenigen, der zu dir geeilt kam und das Fürchten vor dem Ausgang hatte, zeigst du Desinteresse. Keineswegs! Dies ist eine Ermahnung; wer will, möge sie annehmen. In ehrenvollen Schriften niedergeschrieben, die hoch angesehen und rein sind.“ (Sure ʿAbasa)
Das heißt: Allah sagt: Ich habe dich als Überbringer froher Botschaft und als Warner für alle entsandt und dich nicht nur zu einer bestimmten Person gesandt. So versage demjenigen, der etwas begehrt, dieses nicht. Und bemühe dich nicht um denjenigen, der kein Interesse zeigt.
Diejenigen, die den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Heil seien auf ihm, schon im unmittelbaren Umkreis seines Hauses Unannehmlichkeiten zufügten, waren Abū Lahab, al-Hakam ibn Abū al-ʿĀs, ʿUqba ibn Abū Muʿayt, ʿAdī ibn Ḥamrāʾ as-Saqafī und Ibsul Asda al-Hadhālī. Sie alle waren seine Nachbarn. Keiner von ihnen nahm den Islam an, außer al-Hakam ibn Abū al-ʿĀs. Es wird überliefert, dass diese Leute, wenn der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Heil seien auf ihm, betete, Ziegeninnereien auf ihn warfen. Einige von ihnen warfen diese Innereien auch in die Töpfe, die in seinem Haus zum Kochen aufgestellt waren. Schließlich sah sich der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Heil seien auf ihm, gezwungen, sich hinter einer Mauer zu verstecken und dort zu beten. Wenn sie Innereien auf seinen Körper warfen, hob der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Heil seien auf ihm, sie auf die Spitze eines Stocks, ging damit aus dem Haus und sagte an der Tür des betreffenden Mannes: „O Söhne des ʿAbd Manāf, was ist das für ein nachbarschaftliches Verhalten von euch?“ Danach warf er die Innereien auf die Straße.
Die Rückkehr der Auswanderer, nachdem sie aus Mekka die Nachricht von der Annahme des Islam durch die Mekkaner gehört hatten
Die Gefährten des Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, die nach Abessinien ausgewandert waren, hörten, dass die Bewohner Mekkas den Islam angenommen hätten. Als sie dies hörten, machten sie sich auf den Weg nach Mekka. Als sie in die Nähe der Stadt Mekka gelangten, erfuhren sie, dass die Nachricht, die sie gehört hatten, die Mekkaner hätten den Islam angenommen, nicht stimmte. Daher betrat niemand die Stadt, außer mit dem Schutz eines Mekkaners oder heimlich. Insgesamt kehrten 33 Gefährten aus Abessinien zurück. Uthman ibn مظعون betrat Mekka unter dem Schutz von Walid ibn al-Mughira, und Abu Salama ibn Abd al-Asad unter dem Schutz von Abu Talib und dessen Mutter Rabah bint Abd al-Muttalib.
Die Geschichte von der Aufhebung des Vertrags
Eine Gruppe der Quraisch ergriff schließlich die Initiative, den Vertrag aufzuheben, den die Quraisch unterzeichnet hatten, um Banu Hashim und Banu al-Muttalib in der Schlucht zu belagern. Das größte Verdienst daran gebührt Hisham ibn Amr. Denn er war der Halbbruder mütterlicherseits von Nadla ibn Hisham ibn Abd Manaf. Hisham ging zu den belagerten Banu Hashim und Banu al-Muttalib und versorgte sie mit Lebensmitteln, die er auf dem Rücken von Kamelen herbeischaffte. Wenn er zum Eingang der Schlucht kam, nahm er den Helm von seinem Kopf und schlug damit heftig gegen eine Seite. Dann betrat er die Schlucht. Er kam erneut und brachte Kleidung. Auf diese Weise versorgte er sie zu verschiedenen Zeiten mit den Dingen, die sie benötigten.
Eines Tages ging er zu Zuhair ibn Abu Umayya ibn al-Mughira. Dieser war der Sohn von Atika, der Tochter Abd al-Muttalibs. Er sagte: „O Zuhair, du selbst lebst in Wohlstand, isst und trinkst und bist mit deiner Frau und deiner Familie glücklich, obwohl du weißt, wo und in welchem Zustand sich deine Onkel befinden. Sie stehen unter einem Boykott. Niemand treibt mit ihnen Handel und niemand heiratet sie. Wie kannst du diesen Zustand hinnehmen? Ich schwöre bei Allah: Wenn sie die Onkel von Abu al-Hakam ibn Hisham (Abu Dschahl) wären und du ihn bitten würdest, sie auf diese Weise zu boykottieren, würde er deiner Bitte niemals nachkommen.“ Zuhair sagte: „Genug, es reicht. Sag nichts mehr. Hör zu, Hisham, was kann ich allein tun? Wenn ich noch einen Mann bei mir hätte, würde ich die Aufhebung dieses Vertrags in die Wege leiten.“ Hisham sagte: „Einen Mann habe ich bereits gefunden.“ Zuhair sagte: „Wer ist er?“ Hisham sagte: „Ich selbst.“ Zuhair sagte: „Finde noch einen weiteren Mann.“
Hisham ging zu Mut’im ibn Adi und sagte zu ihm: „O Mut’im, wenn zwei Männer aus Banu Abd Manaf vor Hunger dahinsiechen und sterben, wirst du dann dieses Schauspiel schweigend ansehen, nur um die Quraisch zufriedenzustellen? Wenn du den Quraisch weiterhin eine solche Gelegenheit gibst, werden sie sich bald auch gegen euch wenden.“ Mut’im sagte: „Ich verstehe. Was kann ich allein tun?“ Hisham sagte: „Du hast doch bereits einen weiteren Mann gefunden.“ Mut’im sagte: „Wer ist er?“ Hisham sagte: „Ich selbst bin dieser Mann.“ Mut’im sagte: „Wir müssen einen dritten Mann finden.“ Hisham sagte: „Auch einen dritten Mann habe ich gefunden.“ Mut’im sagte: „Wer ist es?“ Hisham sagte: „Zuhair ibn Abu Umayya.“ Mut’im sagte: „Finde noch einen vierten Mann.“
Daraufhin ging er zu Abu al-Bukhtari ibn Hisham. Bei ihm wiederholte er genau das, was er Mut’im gesagt hatte. Abu al-Bukhtari sagte: „Wenn wir dies tun, wird es dann jemanden geben, der uns unterstützt?“ Er sagte: „Ja.“ Abu al-Bukhtari sagte: „Wer?“ Hisham sagte: „Zuhair, Mut’im und ich selbst.“ Abu al-Bukhtari sagte: „Finde noch einen fünften Mann.“
Daraufhin ging er zu Zum’a ibn al-Aswad ibn al-Muttalib. Er sprach mit ihm darüber und wies dabei auf dessen Verwandtschaft und seine Ansprüche gegenüber den Belagerten hin. Zum’a sagte: „Steht noch jemand hinter der Sache, zu der du mich aufforderst?“ Er sagte: „Ja.“ Danach nannte er ihm alle Beteiligten.
Danach legten sie einen Termin fest, an dem sie sich am Fuß des Berges namens Hajjūn im höher gelegenen Teil Mekkas versammeln wollten. Zur festgesetzten Zeit versammelten sie sich dort und beschlossen, mit den Bemühungen zu beginnen, den Vertrag aufheben zu lassen. Zuhair sagte: „Ich selbst werde in dieser Angelegenheit vorangehen und die Verantwortung dafür übernehmen, mit allen zu beraten und zu sprechen.“
Am nächsten Morgen begaben sie sich alle zu den Versammlungsorten der Quraisch und versammelten sich dort. Zuhair erschien in prächtiger Kleidung, vollzog siebenmal den Tawāf um die Kaaba, trat dann vor die versammelte Menge und sagte: „O Bewohner von Mekka, wir essen und trinken, während die Banū Hāschim in ihrer Einschließung langsam dahinsiechen und sterben und niemand mit ihnen Handel treiben darf – wie kann das angehen? Bei Allah, ich werde nicht ruhen, bevor ich diesen Vertrag, der die Verwandtschaft zerstört und zur Unterdrückung anstiftet, zerrissen habe.“
Abū Dschahl, der in einer Ecke der Heiligen Moschee saß, rief: „Du lügst. Bei Allah, er wird nicht zerrissen werden.“ Da sagte Zamaʿa ibn al-Aswad: „Bei Allah, du selbst bist der größte Lügner. Als dieser Vertrag niedergeschrieben wurde, waren wir mit dieser Bestimmung nicht einverstanden.“ Abū al-Buchtarī sagte: „Zamaʿa hat recht. Wir billigen und anerkennen nicht, was in diesem Vertrag geschrieben steht.“ Mutʿim ibn ʿAdī sagte: „Ihr beide habt recht. Wer das Gegenteil behauptet, ist ein Lügner. Vor Allah erklären wir unsere Lossagung von diesem Vertrag und weisen zurück, was darin geschrieben steht.“ Auch Hischām ibn ʿAmr äußerte sich entsprechend. Nachdem Abū Dschahl dies alles gehört hatte, sagte er: „Diese Angelegenheit wurde im Schutz der Nacht beschlossen, und darüber wurde anderswo beraten.“ Während Abū Dschahl dies sagte, saß Abū Tālib in einer Ecke der Moschee. Mutʿim ging vor, um den Vertrag zu zerreißen. Als er ihn jedoch in die Hand nahm, stellte er fest, dass die Termiten den gesamten Vertrag aufgefressen hatten, bis auf die Worte „Bismika Allāhumma“ („In deinem Namen, o Allah“).
Es wird berichtet, dass die Hand von Mansūr ibn ʿIkrima, dem Schreiber des Vertrags, gelähmt wurde.
Der Verkauf eines Kamels an Abū Dschahl durch einen Mann aus dem Stamm der Irāsch
Ibn Ishāq berichtet: ʿAbd al-Malik ibn ʿAbdallāh ibn Abū Sufyān ath-Thaqafī, der über ein außergewöhnliches Gedächtnis verfügte, teilte mir mit:
Ein Mann aus dem Stamm der Irāsch kam einmal mit einem seiner Kamele nach Mekka. Abū Dschahl kaufte ihm das Kamel ab. Doch wegen der Bezahlung begann er, sich herauszureden und sie hinauszuzögern.
Der Mann aus Irāsch sah sich schließlich völlig ratlos und begab sich zu einer Versammlung der Quraisch. Er wandte sich an alle Anwesenden und sagte: „O Quraisch, kann jemand von euch meine Forderung von Abū al-Hakam ibn Hischām eintreiben?“
„Seht, ich bin ein fremder Reisender. Er hält mich für schwach und zögert deshalb, mir meine Forderung zu begleichen.“ Zu dieser Zeit saß der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) an einer Seite der Moschee. Die anwesenden Quraisch zeigten auf den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) und sagten: „Siehst du den Mann dort sitzen? Geh zu ihm und sprich mit ihm. Er wird dir deine Forderung begleichen.“ In Wirklichkeit sagten sie dies nur spöttisch. Ihnen war das feindselige Verhältnis zwischen Abu Dschahl und dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) wohlbekannt.
Der Kamelverkäufer aus Irasch kam zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) und sagte zu ihm: „O Diener Allahs, Abu al-Hakam ibn Hischam zögert unter Berufung auf seine Macht, mir meine Forderung zu begleichen. Ich bin ein fremder Reisender. Ich fragte diese Leute, wer mir zu meinem Recht verhelfen könne, und sie alle verwiesen mich auf dich. Begleiche meine Forderung bei ihm. Möge Allah sich deiner erbarmen.“
Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) sagte: „Komm mit mir.“ Damit ging er gemeinsam mit ihm los. Als die Quraisch sahen, dass er diesen Mann begleitete, schickten sie jemanden hinter ihnen her und sagten: „Geh und sieh nach, was Muhammad (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) tut.“
Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) ging zum Haus Abu Dschahls. Dort angekommen, klopfte er an die Tür. Dieser fragte von innen: „Wer ist da?“ Er antwortete: „Ich bin Muhammad. Komm ein wenig heraus!“ Sofort kam er heraus. Er war so erschrocken, dass ihm beinahe die Seele aus dem Leib fuhr, und sein Gesicht war blass geworden. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) sagte zu ihm: „Gib diesem Mann, was ihm zusteht.“ Er antwortete sogleich: „Ja, warte kurz, ich werde ihm seine Forderung begleichen.“ Damit ging er ins Haus. Nach einer Weile kam er wieder heraus und beglich die Forderung des Kamelverkäufers.
Danach kehrte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) zurück. Er sagte zu dem Kamelverkäufer: „Nun geh wieder deinen Geschäften nach.“ Dieser ging zu jener Versammlung der Quraisch und sagte zu den Anwesenden: „Möge Allah ihn reichlich belohnen. Er hat mir meine Forderung beglichen.“ Zu dem Mann, den sie hinter ihnen hergeschickt hatten, sagte er: „Nun, was hast du gesehen?“ Er antwortete: „Das war eine erstaunliche Sache! Er musste überhaupt nichts tun. Er ging nur hin und klopfte an die Tür, und schon kam jener wie ein Erschrockener heraus. Er sagte zu ihm: ‚Gib diesem Mann, was ihm zusteht.‘ Jener sagte: ‚Ja, warte kurz. Ich gebe es ihm sofort.‘ Damit ging er hinein, holte unverzüglich das Geld und gab es ihm.“ Nach kurzer Zeit kam Abu Dschahl dort an. Da sagten alle zu ihm: „Was ist los? Was ist mit dir geschehen? Eine solche Tat wie die, die du heute begangen hast, haben wir dich noch nie tun sehen!“ Abu Dschahl sagte: „Es stimmt, dass Muhammad nichts anderes getan hat, als an meine Tür zu klopfen. Kaum hörte ich seine Stimme, bekam ich Angst und trat im nächsten Augenblick vor ihn. Da sah ich über seinem Kopf ein Kamel von furchterregender Gestalt. Ein Kamel mit einem solchen Höcker, Hals und Gebiss hatte ich noch nie gesehen. Bei Allah, wenn ich mich geweigert hätte, hätte es mich gewiss aufgefressen.“
Die Nachtreise (Isrāʾ)
Eines Nachts wurde der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) von der al-Haram-Moschee zur al-Aqsa-Moschee, das heißt nach Bait al-Maqdis, gebracht. [33. Suhaili sagt: Einige haben erwähnt, dass sich dieses Ereignis ein Jahr vor der Auswanderung nach Medina ereignet habe.] Zu dieser Zeit hatte sich der Islam unter den Quraisch und auch unter Angehörigen anderer Stämme bereits weit verbreitet. Abd Allah ibn Masʿud pflegte zu sagen: Dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) wurde der Burāq gebracht. Er ist ein vierfüßiges Tier. Auch die früheren Propheten wurden auf diesem Tier reiten gelassen. Es ist so schnell, dass es mit jedem Schritt bis an den äußersten Rand des Blickfeldes gelangt. Er bestieg dieses Tier, und sein Begleiter (Dschibril) brach mit ihm auf. Während er die unzähligen Zeichen im Himmel und auf der Erde betrachtete, zog er weiter. So gelangte er schließlich nach Bait al-Maqdis und hielt dort an. Dort sah er eine große Versammlung von Propheten. Unter ihnen sah er auch Ibrahim (Friede sei mit ihm), Musa (Friede sei mit ihm) und Isa (Friede sei mit ihm). Er verrichtete mit ihnen allen gemeinsam das Gebet. Danach wurden ihm drei Gefäße gebracht: eines mit Wasser, eines mit Wein und eines mit Milch. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) sagte: „Nachdem diese drei Gefäße vor mich gestellt worden waren, hörte ich jemanden sagen: ‚Wenn Muhammad (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) das Gefäß mit Wasser nimmt, wird er irregehen und seine Gemeinschaft wird untergehen. Wenn er das Gefäß mit Wein nimmt, wird er irregehen und seine Gemeinschaft wird ebenfalls irregehen. Wenn er aber das Gefäß mit Milch nimmt, wird er selbst rechtgeleitet werden und auch seine Gemeinschaft wird rechtgeleitet werden.‘“ Als ich dies hörte, nahm ich das Gefäß mit Milch und trank davon. Darauf sagte Dschibril (Friede sei mit ihm) zu mir: „O Muhammad! Du bist rechtgeleitet worden, und auch deine Gemeinschaft.“
Überliefert von Hasan (möge Allah mit ihm zufrieden sein). Er sagte: Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) sagte: „Ich schlief am Schwarzen Stein. Plötzlich kam Dschibril und kniff mich. Ich setzte mich auf, sah jedoch nichts und legte mich wieder hin. Er kam erneut und kniff mich. Wieder setzte ich mich auf, sah nichts und legte mich wieder hin. Ein drittes Mal kam er und kniff mich erneut. Als ich mich diesmal aufsetzte, ergriff er meinen Arm und zog mich. Dort sah ich ein weißes Tier. Es war von der Größe her zwischen einem Maultier und einem Esel. An seinen beiden Schenkeln hatte es zwei Flügel. Mit deren Hilfe bewegte es seine Beine, und seine beiden Vorderbeine setzte es bis an den äußersten Rand des Blickfeldes. Er ließ mich auf diesem Tier reiten und brach anschließend mit mir auf. Wir gingen so dicht nebeneinander, dass keiner von uns den anderen verlieren konnte.“ Hasan (möge Allah mit ihm zufrieden sein) berichtet in seiner Überlieferung weiter: Danach zog der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) weiter, und auch Dschibril zog mit ihm weiter. In Bait al-Maqdis machten sie Halt. Dort sahen sie eine Gruppe von Propheten versammelt, unter ihnen auch Ibrahim, Musa und Isa (Friede sei mit ihnen). Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) leitete das Gebet und betete mit ihnen. Danach wurden ihm zwei Gefäße gebracht: eines mit Wein und das andere mit Milch. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) nahm das Gefäß voller Milch, trank etwas davon und wies das Gefäß mit Wein zurück. Als Dschibril dies sah, sagte er: „O Muhammad! Du selbst bist auf den Weg des Islam geführt worden, und auch deine Gemeinschaft ist auf den Weg des Islam geführt worden. Der Wein ist euch verboten worden.“ Danach kehrte er mit dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) nach Mekka zurück. Am nächsten Morgen ging er zu den Quraisch und berichtete ihnen von dem nächtlichen Ereignis. Die meisten Menschen sagten, nachdem sie dies gehört hatten: „Bei Allah, das ist eine erstaunliche und unglaubwürdige Sache. Von Mekka nach Syrien ziehen viele Karawanen. Für den Hinweg brauchen sie einen Monat und für die Rückkehr ebenfalls einen Monat. Und Muhammad soll diese weite Strecke in nur einer Nacht zurückgelegt und anschließend auch noch nach Mekka zurückgekehrt sein!“
Hasan (r.a.) berichtet: „Als sie diese Begebenheit hörten, kehrte eine große Zahl von Muslimen dem Islam den Rücken. Die Leute gingen zu Abu Bakr (r.a.) und sagten zu ihm: ‚O Abu Bakr, glaubst du deinem Freund? Er behauptet, er sei in der vergangenen Nacht nach Bayt al-Maqdis gegangen, habe dort gebetet und sei danach nach Mekka zurückgekehrt!‘“
Abu Bakr sagte: „Glaubt ihr ihm etwa nicht?“ Alle sagten: „Ja, genau das sagen die Leute dort in der Moschee.“ Abu Bakr (r.a.) sagte: „Bei Allah, wenn er das gesagt hat, dann hat er die Wahrheit gesagt. Was findet ihr daran so erstaunlich? Er sagt mir doch, dass er Offenbarung von Allah empfängt. Die Offenbarung gelangt in nur einem Augenblick vom Himmel zur Erde. Auch das glaube ich ihm. Das, worüber ihr so erstaunt seid, ist noch erstaunlicher als dies.“ Danach ging er zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, und trat vor ihn. Er fragte ihn: „O Prophet Allahs, hast du den Menschen gesagt, dass du in der vergangenen Nacht Bayt al-Maqdis besucht hast?“ Er sagte: „Ja.“ Abu Bakr (r.a.) sagte: „O Gesandter Allahs, beschreibe mir Bayt al-Maqdis, denn ich bin dort gewesen.“ Der Gesandte Allahs (s.a.w.) sagte: „In diesem Augenblick wurde Bayt al-Maqdis vor mich gestellt, und ich betrachtete es.“ Daraufhin begann der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, Abu Bakr (r.a.) seine Gestalt zu beschreiben. Während er zuhörte, sagte Abu Bakr (r.a.): „Du hast die Wahrheit gesagt. Ich bezeuge, dass du zweifellos der Gesandte Allahs bist.“ Als die Beschreibung beendet war, sagte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, zu Abu Bakr: „O Abu Bakr, du bist as-Siddiq.“ An jenem Tag verlieh er Abu Bakr (r.a.) den Beinamen as-Siddiq, das heißt: „der überaus Wahrhaftige“.
Saʿid ibn al-Musayyab (r.h.) berichtet: „Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, beschrieb seinen Gefährten die körperliche Gestalt der Propheten Ibrahim, Musa und Isa, Allahs Friede sei mit ihnen. Er hatte sie in jener Nacht gesehen. Er sagte: ‚Hinsichtlich der körperlichen Gestalt ähnelt der Prophet Ibrahim (a.s.) eurem Gefährten, das heißt dem Gesandten Allahs selbst, am meisten. Musa, Allahs Friede sei mit ihm, war ein hochgewachsener, schlanker, gut gebauter und schönnasiger Mann von bräunlicher Hautfarbe. Er sah aus wie jemand aus dem Stamm der Schanua. Isa (a.s.) war von mittlerer Größe, rötlicher Hautfarbe, mit weichem, glattem Haar und zahlreichen Schönheitsmalen im Gesicht. Es schien, als liefen Wassertropfen von seinem Haar herab, als wäre er gerade aus dem Badehaus gekommen. Von euch ähnelt ihm ʿUrwa ibn Masʿud ath-Thaqafi am meisten.‘“
Das Ereignis der Miʿradsch
Ibn Ishaq berichtet: Ich habe aus zuverlässiger Quelle erfahren, dass Abu Saʿid al-Khudri, Allahs Wohlgefallen sei mit ihm, gesagt hat: Ich hörte den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagen: „Nachdem die Riten von Bayt al-Maqdis beendet waren, wurde mir eine Leiter zum Aufstieg in die oberen Himmel gebracht. Nie zuvor hatte ich etwas so Schönes gesehen. Wenn der Tod naht, sehen die Menschen genau diese Leiter und starren mit weit geöffneten Augen zu ihr hinauf. Mein Gefährte, Dschibril, ließ mich diese Leiter hinaufsteigen und hielt mit mir an einem Tor des Himmels an. Dieses Tor wird ‚Bab al-Hafaza‘, das Tor der Wächter, genannt. Dort ist ein Engel namens Ismail diensthabend. Ihm unterstehen zwölftausend Engel, und jedem dieser Engel unterstehen wiederum jeweils zwölftausend Engel.“ Während der Überlieferung dieses Hadiths rezitierte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, folgenden Vers aus dem Quran:
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„Niemand kennt die Zahl der Heerscharen deines Herrn außer Ihm.“ (Sure al-Muddaththir)
„Als er mich danach hineinführte, fragte jener Engel: ‚O Dschibril, wer ist dieser?‘ Er sagte: ‚Das ist Muhammad.‘ Der Engel fragte erneut: ‚Ist er ein Prophet?‘ Dschibril sagte: ‚Ja.‘ Daraufhin betete er für mein Wohlergehen.“
Nachdem ich den ersten Himmel betreten hatte, sah ich einen Mann dasitzen. Die Seelen aller Verstorbenen wurden zu ihm gebracht. Wenn manche von ihnen zu ihm gebracht wurden, freute er sich sehr und sagte lobend: „Dies ist eine reine Seele, die einem reinen Körper entstammt.“ Wenn andere zu ihm gebracht wurden, zeigte sich Abneigung auf seinem Gesicht, und er sagte: „Oh! Dies ist eine unreine Seele, die einem sündigen, befleckten Körper entstammt.“ Ich fragte Dschibril: „O Dschibril, wer ist dieser Mann?“ Dschibril sagte: „Das ist dein Vater Adam (Friede sei mit ihm). Ihm werden die Seelen seiner Nachkommen vorgeführt. Wenn er die Seele eines Gläubigen sieht, freut er sich und sagt: ‚Dies ist eine reine Seele, die einem reinen Körper entstammt.‘ Wenn er jedoch die Seele eines Ungläubigen sieht, stößt er einen Schmerzensschrei aus, empfindet Abneigung gegen sie und sagt voller Missfallen: ‚Dies ist eine sündige Seele, die einem sündigen Körper entstammt.‘“
Danach sah ich einige Menschen. Ihre Lippen glichen den Lippen von Kamelen, und in ihren Fäusten hielten sie kleine, glühend heiße Steinbrocken. Sie steckten sie in den Mund, und gleich darauf kamen sie durch den After wieder heraus. Ich fragte: „O Dschibril, wer sind diese?“ Er sagte: „Das sind diejenigen, die das Vermögen der Waisen veruntreuen.“
Danach sah ich noch einige Menschen. Niemals zuvor hatte ich Bäuche von so abscheulicher Gestalt gesehen wie ihre. Ich sah, dass sie auf dem Weg standen, auf dem die Anhänger des Pharaos in die Hölle geführt wurden (34. Im Koran wird erwähnt, dass die Anhänger des Pharaos die härteste Strafe der Hölle erleiden werden.). Sie zappelten wie durstige Kamele. Die dem Pharao in die Hölle folgenden Anhänger zertraten sie mit den Füßen, doch sie waren nicht einmal in der Lage, sich ein wenig von diesem Ort wegzubewegen. Ich fragte: „O Dschibril, wer sind diese?“ Er sagte: „Das sind diejenigen, die Zinsen nehmen.“
Danach sah ich eine weitere Gruppe von Menschen. Vor ihnen lag hochwertiges, kräftiges Fleisch, und direkt daneben lag verdorbenes Fleisch mit äußerst üblem Geruch. Dennoch aßen sie das verdorbene Fleisch und ließen das gute Fleisch liegen. Ich fragte: „O Dschibril, wer sind diese?“ Er sagte: „Das sind diejenigen, die sich trotz einer rechtmäßigen Ehefrau verbotenen Frauen zuwenden.“
Danach sah ich einige Frauen, die an Seilen aufgehängt waren, die an ihren Brüsten befestigt waren. Ich fragte: „O Dschibril, wer sind diese?“ Er sagte: „Das sind jene Frauen, die durch Ehebruch ein von einem anderen gezeugtes Kind den Kindern ihres Ehemannes zurechnen.“
Danach ließ er mich in den zweiten Himmel aufsteigen. Dort begegnete ich den beiden Cousins Isa (Friede sei mit ihm) und Yahya ibn Zakariya (Friede sei mit ihm).
Danach ließ mich Dschibril (Friede sei mit ihm) in den dritten Himmel aufsteigen. Dort sah ich einen Mann. Sein Gesicht leuchtete wie der Vollmond. Ich sagte: „O Dschibril, wer ist dieser?“ Er sagte: „Das ist Yusuf (Friede sei mit ihm), der Sohn Yaqubs (Friede sei mit ihm).“
Danach stieg ich in den vierten Himmel auf und sah dort einen weiteren Mann. Dschibril erklärte mir: „Das ist Idris (Friede sei mit ihm).“ Danach stieg ich in den fünften Himmel auf. Dort sah ich einen alten Mann mit weißen Haaren und langem Bart. Niemals zuvor hatte ich einen so schönen alten Mann gesehen. Ich fragte: „O Dschibril, wer ist dieser?“ Er sagte: „Das ist Harun ibn Imran (Friede sei mit ihm), der bei seinem Volk beliebt ist!“ Danach erreichte ich den sechsten Himmel. Dort sah ich einen hochgewachsenen Mann mit brauner Hautfarbe und langer Nase, der einem Angehörigen des Stammes Schanua glich. Ich sagte: „O Dschibril, wer ist dieser?“ Dschibril sagte: „Das ist dein Bruder Musa ibn Imran (Friede sei mit ihm).“
Danach ließ er mich zum siebten Himmel emporsteigen. Dort sah ich einen alten Mann auf einem Stuhl nahe dem Tor von al-Bayt al-Maʿmur sitzen. Euer Gefährte – das heißt Muhammad selbst – ähnelt ihm am meisten. Täglich betreten siebzigtausend Engel al-Bayt al-Maʿmur, und sie kehren nicht wieder zurück. So wird es bis zum Tag der Auferstehung weitergehen. Ich fragte: „Wer ist dieser Mann?“ Er sagte: „Das ist dein Vater Ibrahim.“
Danach führte er mich ins Paradies. Dort sah ich eine außergewöhnlich schöne junge Frau mit leicht dunklen Lippen. Ich fragte sie: „Für wen bist du bestimmt?“ Sie antwortete: „Für Zayd ibn Haritha.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, verkündete Zayd ibn Haritha diese frohe Botschaft.
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Danach kehrte ich zurück. Auf dem Rückweg begegnete ich Musa ibn Imran. Wahrlich, er ist einer eurer besten Freunde. Er fragte mich: ‚Wie viele Gebete sind dir täglich vorgeschrieben worden?‘ Ich antwortete: ‚Fünfzig Gebete am Tag.‘ Musa sagte: ‚Sieh, das Gebet ist eine sehr schwere Angelegenheit, und deine Umma ist äußerst schwach. Kehre zu Allah zurück und bitte Ihn, die Verpflichtung für deine Umma zu erleichtern.‘ Ich kehrte zu Allah zurück und bat Ihn, die Verpflichtung für mich und meine Umma zu erleichtern. Daraufhin verringerte Allah die Zahl der Gebete um zehn. Danach kehrte ich zurück und begegnete wieder Musa. Er sagte erneut dasselbe wie zuvor. Ich ging wieder zu Allah und bat Ihn, die Zahl der Gebete zu verringern. Allah verringerte sie um weitere zehn Gebete. So fuhr er fort, mir immer wieder Rat zu geben.
Jedes Mal, wenn ich zu ihm zurückkehrte, sagte er: ‚Geh und bitte Ihn, sie noch weiter zu verringern.‘ Durch diese fortwährende Verringerung blieben schließlich fünf Gebete am Tag übrig. Als ich nun erneut zu Musa zurückkehrte, riet er mir, sie noch weiter verringern zu lassen. Ich sagte: ‚Ich bin schon viele Male zu Allah zurückgekehrt und habe Ihn gebeten, sie zu verringern. Ich schäme mich; deshalb kann ich nicht noch einmal zurückkehren.‘
Wer also diese fünf täglichen Gebete im Glauben und mit Achtsamkeit verrichtet, wird den Lohn für fünfzig vorgeschriebene Gebete erhalten.“
Das Hinscheiden von Abu Talib und Chadidscha
Danach verstarben noch im selben Jahr Abu Talib und Chadidscha, möge Allah mit ihr zufrieden sein. Infolgedessen kamen immer neue Prüfungen und Unglücksfälle über den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Chadidscha, möge Allah mit ihr zufrieden sein, war seine äußerst aufrichtige Ratgeberin. Er pflegte ihr all seine Sorgen und Leiden anzuvertrauen. Sein Onkel Abu Talib hingegen war seine Stütze und sein Schutzschild. Er wehrte die Übergriffe der Quraisch ab und unterstützte ihn mit ganzer Kraft. Chadidscha und Abu Talib starben drei Jahre vor der Auswanderung nach Medina.
Nach dem Tod Abu Talibs begannen die Quraisch, den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, auf eine Weise zu verfolgen, wie sie es zu Abu Talibs Lebzeiten nicht gewagt hatten. Eines Tages versperrte ihm sogar ein äußerst niederträchtiger und törichter Mann aus den Quraisch den Weg und warf ihm Staub auf den Kopf. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ging mit staubbedecktem Kopf nach Hause. Als seine Tochter ihn so sah, eilte sie zu ihm, wischte ihm unter Tränen den Staub vom Kopf und säuberte ihn. Da sagte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu ihr: „Meine Tochter, weine nicht! Allah wird deinen Vater beschützen.“ Daraufhin sagte er: „Solange Abu Talib noch lebte, konnten die Quraisch mir keinerlei Unrecht zufügen.“
Als Abu Talib erkrankte und seine Krankheit ihr schwerstes Stadium erreicht hatte, berieten sich die Quraisch eines Tages und sagten: „Seine Krankheit ist ernst geworden, Hamza und Umar haben den Islam angenommen, und der Islam hat sich unter allen Stämmen der Quraisch verbreitet. Unter diesen Umständen sollten wir zu Abu Talib gehen. Wir sollten ihn aufsuchen und durch seine Vermittlung ein Abkommen mit Muhammad schließen. Andernfalls könnten seine Anhänger uns sogar unser Vermögen wegnehmen.“ Abdallah ibn Abbas berichtet: „Die führenden Männer der Quraisch – darunter Utba und Schaiba ibn Rabia, Abu Dschahl, Umaiya ibn Chalaf und Abu Sufyan ibn Harb – begaben sich zu Abu Talib. Sie sagten zu ihm: ‚O Abu Talib, dir ist gewiss nicht unbekannt, welch hohes Ansehen du bei uns genießt. Heute bist du von einer schweren Krankheit befallen, und wir fürchten um dein Leben. Auch die Art unserer Beziehung zu deinem Neffen ist dir bekannt. Darum rufe ihn zu dir und schließe vor deinem Tod einen Vergleich zwischen uns und ihm. Nimm von uns ein Versprechen in Bezug auf ihn entgegen und verlange auch von ihm ein Versprechen in Bezug auf uns, damit wir ihm kein Unrecht zufügen und er uns ebenfalls kein Unrecht zufügt. Wir werden weder ihn noch seine Religion antasten, und auch er wird weder uns noch unsere Religion antasten.‘“
Abu Talib ließ den Gesandten Allahs zu sich rufen. Als er kam, sagte er zu ihm: „Neffe, diese Männer sind die führenden Persönlichkeiten deines Volkes. Sie sind gekommen, um von dir ein Zugeständnis zu erlangen und dir im Gegenzug ein Versprechen zu geben.“ Der Gesandte Allahs sagte: „Ja. Wenn ihr von mir nur ein einziges Wort annehmt, werdet ihr Herren über ganz Arabien sein, und alle Nichtaraber werden sich euch unterwerfen.“ Abu Dschahl sagte: „Gut! Dann bin ich nicht nur bereit, ein Wort anzunehmen, sondern sogar zehn.“ Der Gesandte Allahs sagte: „Bezeugt, dass es keine Gottheit außer Allah gibt, und hört auf, all die anderen Götzen zu verehren.“ Darauf klatschten sie alle in die Hände. Dann sagten sie: „O Muhammad, willst du etwa, dass wir anstelle all der anderen Götter nur einen einzigen verehren? Das ist wirklich eine abwegige Forderung von dir.“ Danach begannen sie untereinander zu sagen: „Seht! Dieser Mann wird euch niemals das geben, was ihr von ihm erwartet. Geht daher fort und haltet an der Religion eurer Vorfahren fest, bis Allah über ihn und euch entscheidet.“
Nachdem alle von dort weggegangen waren, sagte Abu Talib zum Gesandten Allahs: „Neffe, ich glaube nicht, dass du von ihnen etwas Unrechtes verlangt hast.“
Als der Gesandte Allahs dies aus dem Mund Abu Talibs hörte, keimte in ihm die Hoffnung auf, dass dieser den Islam annehmen würde. Deshalb drängte er Abu Talib immer wieder und sagte: „Onkel, sprich es nur einmal aus. Dann wird es mir am Tag der Auferstehung erlaubt sein, für dich Fürsprache einzulegen.“
Als Abu Talib sah, wie sehr der Gesandte Allahs darauf hoffte, sagte er: „Neffe, nach meinem Tod wirst du und werden deine Geschwister gedemütigt werden, und die Quraisch werden glauben, ich hätte nur aus Todesfurcht den Glauben angenommen. Wenn diese Befürchtung nicht bestünde, würde ich das Glaubensbekenntnis sprechen und den Glauben annehmen. Ich sage dies nur, um dich zufriedenzustellen.“
Als Abu Talibs letzter Augenblick näher rückte, sah Abbas, dass Abu Talib seine Lippen bewegte. Er beugte sein Ohr zu seinem Mund. Dann sagte er zum Gesandten Allahs: „Neffe, dein Bruder hat das Glaubensbekenntnis gesprochen, zu dessen Aussprechen du ihn aufgefordert hattest.“ Der Gesandte Allahs sagte: „Ich habe es nicht gehört.“
Abdallah ibn Abbas (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) berichtet: Über die Männer der Quraisch, die zu Abu Talib gekommen waren, offenbarte Allah, der Erhabene, diesen Vers:
[Arabisch *************]
„Ṣād. Bei dem Koran voller Ermahnung! Doch die Ungläubigen verharren in Hochmut und Widerspenstigkeit. Wie viele Völker habe Ich vor ihnen schon vernichtet! Da schrien sie auf, doch dann gab es keine Möglichkeit mehr zu entrinnen. Diese Menschen wunderten sich darüber, dass aus ihrer Mitte ein Warner hervorgetreten war, und die Ungläubigen sagten: ‚Dieser Mann ist wahrlich ein Zauberer und ein Lügner. Hat er etwa alle Götter zu einem einzigen Gott gemacht? Das ist wirklich etwas höchst Erstaunliches!‘ Ihre Anführer gingen davon und sagten: ‚Geht und haltet an euren Göttern fest! Das ist gewiss beabsichtigt. Solches haben wir von keiner Religion der jüngsten Zeit gehört. Das ist sicherlich nichts anderes als eine erdichtete Behauptung.‘“ (Sure Ṣād)
Mit der „Religion der jüngsten Zeit“ ist das Christentum gemeint, dessen Anhänger sagten, Allah sei der Dritte von dreien. Danach starb Abu Talib.
Die Hilfe suchend beim Stamm Banū Thaqīf
Nachdem Abu Talib gestorben war, begannen die Quraisch, dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, schwere Leiden zuzufügen, was sie zu Lebzeiten seines Onkels Abu Talib nicht vermocht hatten. Daher begab er sich nach Taif zum Stamm Banū Thaqīf, in der Hoffnung, Hilfe und Unterstützung zu erhalten, um sich gegen die Übergriffe der Quraisch zu wehren. Er hoffte, dass sie vielleicht den Islam annehmen würden, und ging deshalb allein dorthin.
Als er in Taif angekommen war, suchte er die drei angesehensten Männer des Stammes Banū Thaqīf auf. Es waren die drei Brüder ʿAbd Yālīl, Masʿūd und Ḥabīb. Ihr Vater hieß ʿAmr ibn ʿUmair. Einer von ihnen hatte eine Frau aus dem Quraisch-Unterstamm Banū Jumah geheiratet. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, setzte sich zu ihnen, lud sie zum Islam ein und bat sie, ihn bei der Verbreitung des Islam zu unterstützen. Er bat sie, ihn angesichts des Widerstands der Quraisch zu unterstützen. Einer von ihnen sagte: „Wenn Allah dich als Gesandten geschickt hat, dann soll Er doch die Hülle der Kaaba abnehmen.“ [Damit ist wahrscheinlich gemeint, dass die Würde der Kaaba dadurch verletzt worden sei, dass er ihn als Gesandten geschickt hatte. Denn für sie war es unvernünftig, einen hilflosen Mann wie ihn zum Gesandten zu machen. – Der Übersetzer] Ein anderer sagte: „Hat Allah denn außer dir niemanden gefunden, den Er zum Gesandten machen konnte?“ Der dritte sagte: „Ich werde kein Wort mit dir sprechen. Wenn du tatsächlich, wie du behauptest, ein Gesandter bist, dann wäre es gefährlich, deinen Worten zu widersprechen. Wenn du aber ein Lügner bist, dann wäre es unangemessen, mit dir zu sprechen.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, erhob sich, ohne weiter zu sprechen, und ging von dort fort. Vor seinem Abschied bat er sie: „Da ihr meine Einladung nicht angenommen habt, verbreitet meine Worte bitte nicht weiter.“ Er tat dies aus Sorge, dass sie anderen von ihm erzählen und die Leute gegen ihn aufbringen könnten. Doch sie hielten sich nicht an diese Bitte. Stattdessen hetzten sie die Unwissenden, Dummen und Sklaven des Stammes gegen ihn auf. Sie stürmten von allen Seiten herbei, beschimpften den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und machten großen Lärm. Eine große Menschenmenge umringte ihn. Schließlich sah er sich gezwungen, in einem von Mauern umgebenen Obstgarten der beiden Brüder ʿUtba und Schaiba ibn Rabīʿa Zuflucht zu suchen. Die beiden Brüder befanden sich zu jener Zeit ebenfalls im Garten. Die Männer aus dem Stamm Thaqīf, die ihn verfolgt hatten, kehrten daraufhin um.
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, setzte sich im Schatten eines Weinstocks nieder. ʿUtba und Schaiba hatten die unsäglichen Misshandlungen, die die Bewohner von Taif ihm zufügten, bis dahin schweigend mitangesehen. Inzwischen begegnete der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, jener Frau aus dem Unterstamm der Quraisch. Er sagte zu ihr: „Du hast doch gesehen, wie deine Schwäger mit mir umgegangen sind, nicht wahr?“
Nachdem der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sich etwas beruhigt hatte, sprach er folgendes Bittgebet zu Allah:
[Arabisch *************]
„O Allah, wegen meiner Schwäche, meiner Unfähigkeit, meines Mangels an Mitteln und Umsicht sowie meiner Bedeutungslosigkeit und der Geringschätzung und Missachtung durch die Menschen flehe ich Dich allein an. O Barmherzigster der Barmherzigen, Du bist der Herr der Schwachen und Verachteten. Du bist auch mein Herr. Der Barmherzigkeit und Gnade wessen überlässt Du mich? Dem Fremden, der mich grausam behandelt, oder dem Feind, der – als Fremder, der mich grausam behandelt – über mich Macht und Herrschaft erlangt hat? Wenn Du mir Ruhe und Sicherheit gewährst, so ist dies für mich gewiss ein Grund zur Beruhigung. Ich suche Zuflucht bei jenem Licht von Dir, durch dessen Erscheinen alle Finsternis erstrahlt und durch dessen Hilfe alle Angelegenheiten dieser Welt und des Jenseits gelöst werden. Ich bin bereit, jede Deiner Zurechtweisungen demütig hinzunehmen. Ohne Deine Hilfe ist es auf keine andere Weise möglich, Kraft und Stärke zu erlangen.“
Als die Brüder Utba und Shaiba den beklagenswerten Zustand des Gesandten Allahs und die Misshandlungen sahen, denen er so lange ausgesetzt gewesen war, wurden sie beim Gedanken an ihre verwandtschaftliche Verbindung zu ihm unruhig. Addas führte den Befehl aus. Er nahm das Gefäß voller Trauben, stellte es vor den Gesandten Allahs und sagte zu ihm: „Iss.“ Der Gesandte Allahs begann zu essen, nachdem er „Im Namen Allahs“ gesagt hatte.
Addas blickte dem Gesandten Allahs ins Gesicht und sagte: „So etwas – das heißt, ‚Im Namen Allahs‘ – habe ich die Menschen dieses Landes nicht sagen hören.“ Der Gesandte Allahs sagte: „O Addas, aus welchem Land stammst du? Und welcher Religion gehörst du an?“ Er sagte: „Ich bin Christ. Ich bin aus Ninive.“ Der Gesandte Allahs sagte: „Er ist mein Bruder. Er war ein Prophet, und auch ich bin ein Prophet.“ Kaum hatte Addas dies gehört, beugte er sich zum Gesandten Allahs hinab und begann, seinen Kopf, seine Hände und seine Füße zu küssen.
Als die beiden Söhne Rabias dies sahen, sagten sie zueinander: „Seht nur! Er hat den Jungen offenbar verdorben.“ Addas kam zu Utba und Shaiba zurück. Sie sagten zu ihm: „Was ist mit dir, Addas? Was hat dich dazu gebracht, den Kopf, die Hände und die Füße dieses Mannes zu küssen?“ Er sagte: „O meine Herren, es gibt auf der Welt keinen besseren Menschen als ihn. Er hat mir etwas mitgeteilt, das niemand außer einem Propheten wissen kann.“ Sie sagten: „O Addas, was redest du für Unsinn! Lass dich durch ihn nicht dazu verleiten, deine Religion aufzugeben, denn deine Religion ist besser als seine Religion.“
Die Geschichte der Dschinn von Nasibin
Enttäuscht von den Banū Thaqīf machte sich der Gesandte Allahs von Taif auf den Rückweg nach Mekka. Unterwegs erreichte er das Tal von Nakhlah [die Bezeichnung für zwei Täler, die zwei Tage und zwei Nächte von Mekka entfernt liegen. Das eine heißt Nakhlat al-Yamāniyya, das andere Nakhlat al-Schāmiyya]. Dort betete er um Mitternacht. Zu dieser Zeit kamen sieben Dschinn von Nasibin an diesem Ort vorbei. Sie hörten, wie der Gesandte Allahs den Koran rezitierte. Nachdem das Gebet beendet war, kehrten sie nach Nasibin [eine Stadt oder Siedlung von Abbar auf dem Weg von Mosul nach Syrien] zurück und überbrachten ihrem Volk die Botschaft des Korans, an den sie sogleich nach dem Hören unterwegs geglaubt hatten. In den Suren al-Dschinn und al-Ahqāf des Heiligen Korans hat Allah dem Propheten die Geschichte dieser Dschinn berichtet. Einige Verse aus der Sure al-Ahqāf lauten: „Und gedenke der Zeit, als Wir eine Schar der Dschinn zu dir führten, damit sie den Koran hören sollten. Als sie dort eintrafen, sagten sie zueinander: ‚Hört schweigend zu.‘ Nachdem sie das Hören des Korans beendet hatten, kehrten sie zu ihrem Volk zurück und begannen, es zu warnen. Sie sagten: ‚O unser Volk, wir haben die Rezitation einer Schrift gehört, die nach Moses als Bestätigung seines Buches (der Tora) herabgesandt wurde und zur Wahrheit und zu einem geraden Weg führt. O unser Volk, erhört den Ruf des Rufers zu Allah und glaubt an ihn, dann wird Er euch eure Sünden vergeben und euch vor einer schmerzhaften Strafe bewahren.‘“
In der Sure al-Dschinn hat Allah, der Erhabene, gesagt: „O Prophet, sprich: Mir ist durch die Offenbarung mitgeteilt worden, dass eine Schar der Dschinn die Botschaft des Korans gehört hat“ … Die gesamte Sure ist auf diese Weise von der Erörterung der Dschinn erfüllt.
Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) begab sich zu allen Stämmen, um die Einladung zum Islam zu überbringen
Danach traf der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Heil seien auf ihm, in Mekka ein. Mit Ausnahme einiger weniger Angehöriger der schwachen Schichten, die bereits an ihn geglaubt hatten, war die gesamte Quraisch-Gemeinschaft zu seinen erbittertsten Feinden geworden. Unter diesen Umständen begab sich der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Heil seien auf ihm, während der Hadsch zu den Angehörigen verschiedener Stämme, die nach Mekka gekommen waren. Er rief sie zu Allah und sagte: „Ich bin der von Allah zu euch gesandte Prophet. Unterstützt mich und schützt mich vor dem Unrecht, dann werde ich euch die Botschaft, die Allah mir gesandt hat, vortragen und erläutern.“
Rabiʿa ibn ʿAbbad berichtet:
Ich war damals gerade erst ein junger Mann. Ich war mit meinem Vater nach Mina gegangen. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Heil seien auf ihm, ging damals zu den Lagern verschiedener arabischer Stämme, die von außerhalb Mekkas gekommen waren, und hielt folgende Ansprache: „O Nachkommen des soundso, ich bin der von Allah zu euch gesandte Gesandte. Allah hat euch befohlen, allein Ihn anzubeten und Ihm niemanden beizugesellen. Er hat euch verboten, diese Götzen anzubeten. Er hat euch befohlen, mich zu unterstützen, an mich zu glauben und mich vor dem Unrecht zu schützen, damit ich euch Allahs Botschaft übermitteln kann.“ Während dieser Zeit folgte ihm hinterher ein Mann mit schielenden Augen, zwei Zöpfen auf dem Kopf und Kleidung aus der Gegend von ʿAdn. Sobald der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Heil seien auf ihm, seine Einladungspredigt beendet hatte, sagte er: „O Nachkommen des soundso, dieser Mann (Muhammad) fordert euch auf, die Anbetung von al-Lat und al-ʿUzza aufzugeben und das Bündnis mit den Banu Malik ibn Uqaisch zu beenden. [35. Uqaisch bedeutet ein nicht abgerichtetes Kamel, das aus Furcht vor allem, was es sieht, davonläuft. Banu Malik ibn Uqaisch ist der Name eines Stammes der Dschinn.] Er erhebt eine neue und irreführende Behauptung und versucht, die Menschen in die Irre zu führen. Darauf zielt sein Aufruf ab. Hört nicht auf ihn und folgt ihm nicht.“ Ich fragte meinen Vater: „Wer ist der Mann, der Muhammad, Allahs Segen und Heil seien auf ihm, nachgeht und versucht, seine Einladung zu widerlegen?“ Er sagte: „Das ist Muhammads Onkel Abu Lahab, ʿAbd al-ʿUzza ibn ʿAbd al-Muttalib.“
Ibn Ishaq sagte: Ibn Schihab az-Zuhri berichtete mir, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Heil seien auf ihm, persönlich jedes Lager der Angehörigen des Stammes Kinda aufsuchte und sie zum Din Allahs einlud. Doch alle wiesen ihn zurück, einschließlich ihres Anführers Mulaih.
Er ging auch zu den Angehörigen des Stammes Banu ʿAmir ibn Saʿsaʿa, rief sie zu Allah und bot sich ihnen an. Darauf sagte ein Mann namens Baihara ibn Firas: „Wenn ich diesen jungen Quraischiten für mich gewinne, kann ich mit seiner Hilfe das gesamte arabische Land erobern.“ Danach kam es zwischen ihm und dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Heil seien auf ihm, zu folgendem Gespräch:
Baihara: „Nun gut, wenn wir dir gehorchen, dich bei deinem Vorhaben unterstützen und Allah dir anschließend zum Sieg verhilft, wirst du uns dann Macht und Herrschaft überlassen?“
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Heil seien auf ihm: „Macht und Herrschaft liegen in Allahs Hand. Er verleiht sie, wem Er will.“
Baihara: „Welchen Sinn hätte es dann, nur deinetwegen vor der gesamten arabischen Nation unsere Brust hinzuhalten? Wenn du siegst, wird die Macht doch in die Hände anderer übergehen. Es besteht für uns kein Grund, uns an diesem Vorhaben zu beteiligen.“
So wies auch der Stamm Banū ʿĀmir ihn zurück. Nach dem Haddsch verließen die Menschen Mekka und machten sich auf den Weg in ihre jeweiligen Gebiete. Auch die Angehörigen des Stammes Banū ʿĀmir kehrten zu ihrem Stamm zurück und begaben sich zu einem hochbetagten Mann unter ihnen. Wegen seines hohen Alters konnte er nicht am Haddsch teilnehmen. Jedes Jahr gingen sie nach ihrer Rückkehr vom Haddsch zu diesem alten Mann und berichteten ihm von den Ereignissen dort. Auch als sie dieses Jahr zurückkehrten, fragte der Alte sie nach den Ereignissen ihres Festes. Sie sagten: „Dieses Mal kam ein junger Mann aus Quraisch zu uns. Ein weiterer Mann aus dem Stamm Banū ʿAbd al-Muṭṭalib folgte ihm. Dieser junge Mann behauptete, ein Prophet zu sein. Er bat uns, ihn vor Verfolgung zu schützen, ihn zu unterstützen und ihn in unser Gebiet zu bringen.“ Als der Alte dies hörte, legte er beide Hände auf seinen Kopf und sagte: „O Banū ʿĀmir, überlegt, ob ihr vielleicht zurückgewinnen könnt, was ihr verloren habt. Denn kein Nachkomme Ismāʿīls hat jemals fälschlich behauptet, ein Prophet zu sein. Bei Allah, was dieser junge Mann gesagt hat, ist vollkommen wahr. Konntet ihr denn keine richtige Entscheidung treffen?“
ʿAbdullāh ibn Kaʿb sagte: „Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, suchte auch die Angehörigen des Stammes Banū Ḥanīfa in ihrem Lager auf, überbrachte ihnen den Ruf zu Allahs Religion und bat sie, ihn zu unterstützen. Doch sie wiesen ihn auf die niederträchtigste Weise zurück.“
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, setzte sein Wirken auf diese Weise fort. Sobald sich anlässlich des Haddsch oder aus einem anderen Anlass Menschen in Mekka versammelten, ging er zu ihnen. So überbrachte er jedem Stamm den Ruf zum Islam. Er forderte sie auf, die göttliche Barmherzigkeit und Rechtleitung anzunehmen, die ihm zuteilgeworden waren. Sobald er erfuhr, dass ein angesehener und einflussreicher Araber nach Mekka gekommen war, ging er zu ihm und rief ihn zu Allahs Religion auf.
Als Suwaid ibn Ṣāmit aus dem Stamm Banū ʿAmr ibn ʿAwf anlässlich des Haddsch oder der ʿUmra nach Mekka kam und davon hörte, suchte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ihn auf und rief ihn zu Allah und zur Religion des Islam auf. Suhail sagte: „Ich habe auch etwas, das deiner Botschaft ähnelt.“ Der Gesandte Allahs sagte: „Welche Botschaft hast du?“ Er antwortete: „Eine Schriftrolle mit den Aussprüchen Luqmāns.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Diese Botschaft ist sehr schön. Doch die Botschaft, die ich habe, ist noch besser. Es ist der Qurʾān, den Allah auf mich herabgesandt hat. Er ist eine Quelle der Rechtleitung und des Lichts.“ Danach rezitierte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Suwaid den Qurʾān vor und rief ihn zum Islam auf. Suwaid wies diesen Ruf nicht zurück. Er sagte: „Die Worte des Qurʾāns, die du mir vorgetragen hast, sind wahrhaftig wunderbar.“ Danach verabschiedete sich Suwaid vom Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und kehrte zu seinem Stamm nach Medina zurück. Einige Zeit später wurde er von Angehörigen des Stammes Khazradsch getötet. Die Angehörigen des Stammes Banū ʿAmr pflegten zu sagen: „Wir glauben, dass Suwaid als Muslim gestorben ist.“ Suwaid wurde noch vor der Schlacht getötet, die zwischen den Stämmen Aus und Khazradsch an einem Ort namens Buʿāth in der Nähe von Medina stattfand.
Der Beginn der Ausbreitung des Islam in Medina
Schließlich kam die Zeit, in der Allah beschloss, Seine Religion mit dem Siegeskranz zu schmücken, Seinen Propheten auf einen noch angeseheneren Rang zu erheben und die ihm gegebene Verheißung zu erfüllen. Wieder begann der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die zum Haddschfest gekommenen Menschen zum Islam aufzurufen und die arabischen Stämme zu bitten, ihn als den Ihren anzunehmen. Dieses Mal traf er einige Bewohner Medinas. Sie gehörten zum Stamm Khazradsch in Medina. Er begegnete ihnen an einem Ort in der Nähe von al-ʿAqaba [36. Der Name eines Ortes, der zwei Meilen von Mekka entfernt liegt. Er befindet sich zwischen Mekka und Mina. Von hier aus werden Steine geworfen; dies ist eine der Riten des Haddsch.]. Dieses Ereignis geschah, weil Allah beschlossen hatte, dieser Gruppe Gutes zu erweisen. [37. Dieses Ereignis fand im elften Jahr der Prophetenschaft statt.] Sobald er ihnen begegnet war, fragte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm: „Wer seid ihr?“ Sie antworteten: „Wir gehören zum Stamm Khazradsch.“ Er fragte erneut: „Gehört ihr zu jenen, die mit den Juden ein Bündnis geschlossen haben?“ Sie sagten: „Ja.“ Er sagte: „Wollt ihr euch kurz setzen? Ich möchte mit euch sprechen.“ Sie sagten: „Gut, sprich.“ Daraufhin setzten sie sich in die Gesellschaft des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, rief sie auf, legte ihnen den Islam dar und rezitierte ihnen den Qurʾān.
Der Erhabene Allah hatte bereits eine Situation geschaffen, die ihnen die Annahme des Islam erleichterte. In Medina lebten Juden in ihrer Umgebung. Sie besaßen eine himmlische Schrift und verfügten daher über göttliches Wissen. Khazradsch und die anderen arabischen Stämme waren Götzendiener, also Anbeter von Götzen. Zuvor hatten die Juden diese polytheistischen Araber in Angriffskriegen besiegt, ihr Gebiet eingenommen und sich dort niedergelassen. Wann immer es zwischen den Götzendienern und den Juden zu einer unangenehmen Situation kam, drohten und schüchterten die Juden die Götzendiener mit den Worten ein: „Die Ankunft des Propheten dieser Zeit steht unmittelbar bevor. Wenn dieser Prophet kommt, werden wir euch unter seiner Führung ebenso niedermetzeln, wie das Volk ʿĀd und Iram in großer Zahl abgeschlachtet wurde.“
Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, mit der Gruppe aus dem Stamm Khazradsch gesprochen und sie zu Allahs Religion aufgerufen hatte, begannen sie zueinander zu sagen: „Bei Allah, dies ist gewiss der Prophet, mit dem uns die Juden drohen und einschüchtern. Nun dürfen wir den Juden auf keinen Fall die Möglichkeit geben, vor uns den Islam anzunehmen.“ Unter diesem Eindruck folgten sie sofort dem Ruf des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und nahmen den Islam an. Sie sagten: „Wir haben unser Volk der Feindschaft eines furchtbaren Feindes schutzlos ausgesetzt zurückgelassen. Wir hoffen, dass Allah unser gesamtes Volk zu euren Unterstützern machen wird. Wir werden zu ihnen zurückkehren und ihnen ebenfalls deinen Ruf überbringen. Wenn Allah sie zu deinen Unterstützern macht, wird niemand angesehener und mächtiger sein als du.“
Nachdem sie auf diese Weise den Glauben angenommen und den Islam als wahr anerkannt hatten, kehrten sie in ihr Heimatgebiet zurück. Soweit bekannt ist, bestand diese Gruppe aus dem Stamm der Chazradsch aus sechs Männern. Nach ihrer Ankunft in Medina legten sie ihrem Stamm die Worte des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, dar und riefen ihn zum Islam auf. So erreichte allmählich die Einladung zum Islam jedes Haus in Medina. Es blieb kein einziges Haus übrig, in dem nicht über die Worte des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gesprochen wurde.
Der erste Treueid von al-ʿAqaba
Im folgenden Jahr kamen zwölf weitere Männer anlässlich der Hadsch nach Mekka. Sie trafen den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, bei al-ʿAqaba. Sie gelobten ihm, den Islam anzunehmen und unislamische Handlungen aufzugeben. Diese Zeremonie der Abnahme des Treueids wird der erste Treueid von al-ʿAqaba genannt. Sie wurde nach der Methode abgehalten, die bei der Huldigung der muslimischen Frauen angewandt worden war und die am Tag nach der Eroberung von Mekka unmittelbar nach der Huldigung der Männer auf dem Berg as-Safa stattfand. Der erste Treueid von al-ʿAqaba wurde vollzogen, bevor die Anweisung erging, gegen die Ungläubigen Krieg zu führen. Zu den Teilnehmern an diesem Treueid gehörten Asʿad ibn Zurāra, Rāfiʿ ibn Mālik, ʿUbāda ibn as-Sāmit und Abū al-Haitham ibn at-Taihan.
ʿUbāda ibn as-Sāmit sagte: „Ich war beim ersten Treueid von al-ʿAqaba anwesend. Wir waren zwölf Männer. Unser Treueid wurde nach der Methode der Huldigung der Frauen abgelegt, und dies geschah vor der Anweisung zum Krieg. Wir gelobten dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, dass wir Allah niemanden beigesellen, weder stehlen noch Raub begehen, keinen Ehebruch begehen, unsere Kinder nicht töten, niemanden zu Unrecht verleumden und dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in einer gerechten Angelegenheit nicht ungehorsam sein würden.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Wenn ihr diese Versprechen erfüllt, steht euch das Paradies offen. Wenn ihr jedoch eines davon brecht, liegt euer Schicksal in Allahs Hand. Wenn Er will, wird Er euch bestrafen, und wenn Er will, wird Er euch vergeben.“
Ibn Ishāq sagte: Als diese Gruppe aus Medina zu ihrem Volk zurückkehrte, schickte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Musʿab ibn ʿUmair mit ihnen, damit er ihnen den Koran vortrug, sie im Islam unterrichtete und ihnen die Einzelheiten der islamischen Vorschriften erklärte. Er wurde als Lehrer Medinas bezeichnet. Er leitete auch das Gebet für die Muslime Medinas, denn die beiden Stämme Aus und Chazradsch wollten nicht, dass ein Angehöriger des einen Stammes das Gebet für Angehörige des anderen Stammes leitete.
Der zweite Treueid von al-ʿAqaba
Einige Zeit später kehrte Musʿab ibn ʿUmair nach Mekka zurück. Einige der Neubekehrten aus Medina reisten zusammen mit ihren heidnischen Stammesangehörigen zur Hadsch nach Mekka. Sie versprachen dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sich in der Mitte der Ayyām at-Taschriq bei al-ʿAqaba zu versammeln. [38. Die drei Tage nach dem zehnten Dhū l-Hiddscha werden Ayyām at-Taschriq genannt. Taschriq bedeutet, Häute in der Sonne zu trocknen. Die Araber trockneten in dieser Zeit die Häute der Opfertiere.] Selbstverständlich wurde dieser zweite Treueid vollzogen, als der von Allah bestimmte Zeitpunkt gekommen war, um die Stellung und den Sieg des Gesandten Allahs zu erhöhen, den Islam und die Muslime zu stärken und den Götzendienst sowie die Götzendiener zu Fall zu bringen.
Kaʿb ibn Mālik sagte: Wir brachen zusammen mit den polytheistischen Pilgern unseres Stammes nach Mekka auf. Inzwischen hatten wir uns an das Gebet gewöhnt und die islamischen Vorschriften gelernt. Unser ehrwürdiger Ältester und Stammesoberhaupt Barā ibn Maʿrūr war ebenfalls unser Reisegefährte. Als wir uns auf die Reise gemacht und Medina verlassen hatten, sagte Barā: „Hört zu! Ich habe mich zu einer Ansicht entschlossen, weiß aber nicht, ob ihr mir darin zustimmen werdet.“
Wir sagten: „Was ist das?“ Er sagte: „Ich habe beschlossen, nicht mit der Kaaba im Rücken zu beten, sondern beim Gebet das Gesicht der Kaaba zuzuwenden.“ Wir sagten zu ihm: „Wir wissen doch, dass unser Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, mit dem Gesicht nach Syrien, das heißt nach Bayt al-Maqdis, betet. Wir können ihm nicht widersprechen.“ Er sagte: „Dann werde ich der Kaaba und Bayt al-
Maqdis gleichermaßen das Gesicht zuwenden und beten.“ Wir sagten: „Das werden wir jedoch nicht tun.“ Wenn die Gebetszeit kam, beteten wir daher mit dem Gesicht nach Bayt al-Maqdis, während er mit dem Gesicht zur Kaaba betete. So kamen wir nach Mekka. Weil er auf seiner Ansicht beharrt hatte, tadelten wir ihn auf dem ganzen Weg. Doch er gab seinen Eigensinn keineswegs auf. Nach unserer Ankunft in Mekka sagte er zu mir: „Neffe, bring mich zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Ich werde ihn fragen, ob es richtig war, wie ich den ganzen Weg über gebetet habe. Dadurch, wie ich euch gegen mich handeln sah, sind in mir Zweifel aufgekommen.“
Kaʿb ibn Malik berichtet: „Danach machten wir uns auf die Suche nach dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Wir kannten ihn nicht und hatten ihn zuvor nie gesehen. Als wir einem Mann aus Mekka begegneten, fragten wir ihn: „Wo befindet sich der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm?“ Er fragte: „Kennt ihr den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm?“ Wir sagten: „Nein.“ Er sagte: „Kennt ihr seinen Onkel Abbas ibn Abd al-Muttalib?“ Wir sagten: „Ja.“ Wir kannten Abbas bereits. Er kam geschäftlich durch unsere Gegend. Der Mann aus Mekka sagte: „Wenn ihr die al-Haram-Moschee betretet, dann ist derjenige, den ihr bei Abbas sitzen seht, der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm.“ Wir betraten die al-Haram-Moschee und sahen, dass Abbas dort saß und der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, bei ihm saß. Wir grüßten ihn und setzten uns zu ihm. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, fragte Abbas: „Kennst du diese beiden Männer?“ Er sagte: „Ja, ich kenne sie. Dieser ist der Stammesführer Bara ibn Maʿrur, und dieser ist Kaʿb ibn Malik.“ Was der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, daraufhin über mich sagte, werde ich nie vergessen. Er sagte: „Etwa der Dichter Kaʿb ibn Malik?“ Ich sagte: „Ja.“ Da sagte Bara: „O Prophet Allahs, noch bevor ich zu dieser Reise aufbrach, gewährte Allah mir die Gnade, den Islam anzunehmen. Danach begann ich, mit dem Gesicht zur Kaaba zu beten. Doch meine Gefährten missbilligten meine Haltung. Deshalb bin ich unsicher geworden. O Gesandter Allahs, was hältst du für richtig?“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Du hättest in Richtung einer Gebetsrichtung beten und geduldig dieser Gebetsrichtung folgen sollen; das wäre besser gewesen.“
Danach akzeptierten sie die Gebetsrichtung des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und beteten gemeinsam mit uns mit dem Gesicht nach Bayt al-Maqdis. Später brachen wir zur Hadsch auf. In der Mitte der Tage des Taschriq vereinbarten wir, den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in al-Aqaba zu treffen. Die Nacht nach dem Tag, an dem die Hadsch-Riten beendet waren, war die Nacht, in der wir uns vereinbarungsgemäß mit dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, treffen sollten. Damals war auch Abd Allah ibn Amr ibn Haram, Abu Dschabir, bei uns. Er war einer der angesehensten Anführer der Gemeinschaft. Auch ihn nahmen wir mit. Doch unseren mitreisenden Stammesangehörigen, den Götzendienern, ließen wir nicht einmal im Geringsten wissen, wer bei uns war und was wir vorhatten. Wir sagten zu Abu Dschabir: „O Abu Dschabir, du bist einer unserer angesehenen Anführer. Die Lebensweise, der du folgst, ist in unseren Augen äußerst ehrenvoll. Wir möchten nicht, dass du im Jenseits in das Feuer der Hölle geworfen wirst.“ Danach luden wir ihn zum Islam ein und teilten ihm mit, dass wir uns an diesem Tag in al-Aqaba mit dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, treffen sollten. Abu Dschabir nahm sofort den Islam an und nahm gemeinsam mit uns an der Huldigung von al-Aqaba teil. Danach wurde er zu einem Verkünder.“
In jener Nacht schliefen wir gemeinsam mit den Leuten unseres Volkes in der Karawane. Nachdem ein Drittel der Nacht vergangen war, brachen wir entsprechend unserer Zusage an den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nach al-Aqaba auf. Wir machten uns äußerst vorsichtig und heimlich davon, wie nachtaktive Vögel. Unterwegs versammelten wir uns in einer Schlucht nahe al-Aqaba. Insgesamt waren wir dreiundsiebzig Männer. Bei uns waren auch zwei Frauen: Musʿab bint Kaʿb und Asma bint Amr ibn Adi. [39. Ibn Ishaq sagt: Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, berührte niemals die Hände von Frauen. Er nahm von ihnen nur das mündliche Versprechen entgegen. Wenn sie das Versprechen abgelegt hatten, sagte er: „Geht; eure Huldigung ist vollzogen.“]
Kaʿb ibn Malik berichtet: Wir versammelten uns in der Schlucht und warteten auf den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Schließlich kam er gemeinsam mit seinem Onkel Abbas ibn Abd al-Muttalib dorthin. Abbas hatte den Islam noch nicht angenommen. Er war nur gekommen, um die wichtige Angelegenheit seines Neffen persönlich mitzuerleben und sich von dessen Sicherheit zu überzeugen. Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sich setzte, sprach zunächst Abbas zu uns. Er sagte: „O Angehörige des Stammes Chazradsch, ihr wisst sicherlich, welchen Rang Muhammad unter uns besitzt. Bis heute haben wir ihn vor der Unterdrückung und Verfolgung durch die Leute seines Volkes geschützt. Unter seinem Volk hat er eine einzigartige Stellung erlangt. Daher genießt er bei seinem Volk und in seiner Heimat Ehre und Sicherheit. Trotzdem hegt er ein unermessliches Verlangen nach euch und ist entschlossen, unter euch zu bleiben. Überlegt nun, ob ihr das Versprechen, mit dem ihr ihn einladet, einhalten könnt und ob ihr ihn vor seinen Feinden schützen könnt. Wenn ihr dazu fähig seid, dann macht euch eure Verantwortung gründlich bewusst. Wenn ihr aber meint, dass ihr ihn künftig seinen Feinden ausliefern und ihn, nachdem ihr ihn mitgenommen habt, dennoch der Erniedrigung preisgeben werdet, dann übernehmt diese Verantwortung jetzt nicht. Denn gegenwärtig lebt er bei seinem eigenen Volk und in seiner Heimat in Ehre und Sicherheit.“ Nachdem wir diese Worte Abbas’ gehört hatten, sagten wir: „Wir haben deine Worte gehört. O Gesandter Allahs, nun sprich du und nimm jedes Versprechen entgegen, das du möchtest!“
Nun sprach der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Zuerst rezitierte er den Koran, dann lud er alle zum Islam ein und ermutigte sie, am Islam festzuhalten. Danach sagte er: „Ich möchte von euch das Versprechen, dass ihr mich ebenso vor Gefahren schützt, wie ihr eure Frauen und Kinder zu schützen pflegt.“
Sofort ergriff Bara ibn Maʿrur die Hand des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und sagte: „Ja. Bei dem Erhabenen, der dich als Propheten mit der wahren Religion gesandt hat: Wir werden dich ebenso schützen, wie wir unsere Verwandten sowie unsere Frauen und Kinder vor Gefahren schützen. O Gesandter Allahs, wir schwören dir Gehorsam. Bei Allah, wir sind inmitten von Krieg und Waffen aufgewachsen. Von Generation zu Generation sind wir ein Volk von Kriegern.“
Kaum hatte Bara sein Gespräch mit dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, beendet, sagte Abu al-Haitham ibn at-Taihan: „O Gesandter Allahs, zwischen uns und den Juden besteht ein Bündnis, und wir werden es nun auflösen. Wenn Allah dir danach den Sieg schenkt, wirst du uns dann verlassen und zu deinem eigenen Stamm zurückkehren?“ Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, dies hörte, lächelte er und sagte: „Vielmehr werde ich euch auf ewig in Leben und Tod, in Glück und Leid begleiten. Euer Blutvergießen werde ich als mein eigenes Blutvergießen betrachten. Ich werde für immer bei euch bleiben, und ihr werdet für immer zu mir gehören. Gegen wen auch immer ihr kämpft, gegen den werde auch ich kämpfen.“
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte ferner: „Wählt aus eurer Mitte zwölf Naqīb, also Anführer, und schickt sie zu mir, damit sie die Angehörigen ihrer jeweiligen Stämme in dieses Versprechen aufnehmen können.“ Daraufhin wählten sie zwölf Anführer. Neun von ihnen gehörten zum Stamm der Chazradsch und drei zum Stamm der Aus. [40. Die neun Anführer der Chazradsch waren: Asad ibn Zurara, Saʿd ibn Rabiʿa, Rafiʿ ibn Malik, Bara ibn Maʿrur, ʿAbdullah ibn ʿAmr ibn Haram, ʿUbada ibn as-Samit, Saʿd ibn ʿUbada und Mundhir ibn ʿAmr ibn Churais. Die drei Anführer des Stammes Aus waren: Usaid ibn Hudair, Saʿda ibn Chaisama und Rifaʿa ibn Mundhir. Ibn Hischam sagt: Die maßgeblichen Historiker nennen anstelle von Rifaʿa Abu al-Haitham ibn at-Taihan als Anführer.]
Der Erste, der dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die Hand reichte und den Treueid leistete, war Bara ibn Maʿrur. Danach nahm er seinen eigenen Stamm in diesen Treueid auf. Sobald unsere Treueidzeremonie mit dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, beendet war, stieß Satan vom Gipfel des Berges al-ʿAqaba einen derart lauten Schrei aus, dass ich niemals zuvor einen so schrecklichen Schrei gehört hatte. Er rief: „O Bewohner von Mina, habt ihr nicht bemerkt, wie sich die Ungläubigen mit Mudzammam, das heißt dem Verachteten, verschworen haben? [41. Mudzammam bedeutet „verachtet“ oder „geschmäht“. Es ist das Gegenwort zum Namen Muhammads („der Gepriesene“), des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Die Götzendiener nannten ihn so. Diejenigen, die den Islam annahmen, nannten sie Sabi, das heißt Abtrünnige oder Gottlose.] Sie planen, gegen euch Krieg zu führen!“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Das ist der Schrei des Satans von al-ʿAqaba, ʿAẕib ibn ʿUẕaib.“
Danach sagte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm: „Kehrt in eure jeweiligen Karawanen zurück.“
ʿAbbas ibn ʿUbada ibn Nadala sagte: „O Gesandter Allahs, bei Allah, der dich mit der wahren Offenbarung gesandt hat: Wenn du willst, werden wir bereits morgen mit unseren Schwertern die in Mina Anwesenden angreifen.“
Danach gingen wir zu Bett und schliefen bis zum Morgen. Sobald es hell wurde, umzingelte uns eine große Gruppe der Quraisch. Sie sagten: „O Angehörige des Stammes Chazradsch, wir haben erfahren, dass ihr gekommen seid, um Muhammad aus unserer Mitte fortzuführen und euch mit ihm zu verschwören, um gegen uns Krieg zu führen. Um die Wahrheit zu sagen: Wir würden lieber gegen jeden anderen arabischen Stamm Krieg führen als gegen euch.“ Als unsere dort anwesenden Götzendiener dies hörten, begannen sie bei Allah zu schwören: „Eine solche Verschwörung hat hier überhaupt nicht stattgefunden, und wir wissen von nichts Derartigem.“
Tatsächlich sagten sie die Wahrheit. Sie wussten in Wirklichkeit von nichts. Während sie die Quraisch bei Allah schwörend davon überzeugten, dass dies alles nicht geschehen sei, blickten wir einander ins Gesicht. Nachdem die Menschen Mina verlassen hatten, stellten die Quraisch eingehendere Nachforschungen an. Schließlich erfuhren sie, dass die Sache tatsächlich wahr war. Daraufhin begannen sie überall nach Angehörigen der Stämme Aus und Chazradsch zu suchen. An einem Ort namens Adhakhir in der Nähe von Mekka trafen sie Saʿd ibn ʿUbada und Mundhir ibn ʿAmr. Mundhir konnten sie nicht festnehmen, doch Saʿd wurde gefangen genommen. Saʿd hatte sehr langes Haar. Sie ergriffen ihn, banden ihm mit einem Kamelstrick beide Hände eng an den Nacken und brachten ihn nach Mekka, während sie ihn schlugen und an den Haaren hinter sich herzogen.
Saʿd selbst berichtet darüber Folgendes: Ich befand mich in ihrer Gewalt und war gefangen. In diesem Zustand kam eine Gruppe von Quraisch zu mir. Unter ihnen sah ich einen äußerst hellhäutigen, schönen, schlanken und großen Mann mit einem angenehmen Gesicht – einen ausgesprochen stattlichen Mann. Ich sagte mir: Wenn man von irgendjemandem in dieser großen Menge eine gute Behandlung erwarten kann, dann von diesem Mann. Doch kaum war dieser Mann zu mir gekommen, verpasste er mir als Erstes eine heftige Ohrfeige. Da sagte ich mir: Wenn ich schon von diesem Mann so behandelt werde, kann ich von keinem anderen mehr eine gute Behandlung erwarten. So schleppten sie mich weiter mit sich. Ich war völlig hilflos. Da erbarmte sich plötzlich ein Mann aus der Menge meiner und sagte: „Ach, wie bedauernswert ist deine Lage! Gibt es unter den Quraisch denn niemanden, den du kennst oder mit dem du geschäftliche Beziehungen hast?“ Ich antwortete: „Doch, den gibt es. Einst gewährte ich den Handelsvertretern von az-Zubair ibn Mutʿim ibn ʿAdī Schutz und verteidigte sie, wenn jemand in unserer Gegend gegen sie Unrecht verüben wollte. Außerdem half ich auch den Handelsvertretern von al-Harith ibn Harb ibn Umaiya.“ Der Mann sagte: „Dann rufe laut die Namen dieser beiden aus und erwähne die Beziehung, die zwischen dir und ihnen besteht.“ Sofort rief ich die Namen dieser beiden aus. Der Mann eilte unverzüglich auf der Suche nach az-Zubair und al-Harith davon und fand sie in der Nähe der Kaaba in der al-Masdschid al-Harām.
Darauf sagte er zu ihnen: „Auf der Ebene unweit von Mekka wird gerade ein Mann aus dem Stamm der Chazradschis heftig geschlagen. Während er geschlagen wird, nennt er eure beiden Namen und sagt, dass ihr ihn kennt.“ Az-Zubair und al-Harith fragten: „Wer ist dieser Mann?“ Er antwortete: „Saʿd ibn ʿUbāda.“ Sie sagten: „Er hat die Wahrheit gesagt. Wenn unsere Händler in sein Gebiet kamen, gewährte er ihnen Schutz und bewahrte sie vor Unrecht.“ Daraufhin kamen beide und befreiten Saʿd aus den Händen der Menge. Danach ging Saʿd fort.
Die letzte Bayʿa von al-ʿAqaba und ihre Bedingungen
Die letzte Bayʿa von al-ʿAqaba wurde vollzogen, nachdem Allah die Erlaubnis zum bewaffneten Kampf erteilt hatte. Daher waren die Bedingungen dieser Bayʿa – abgesehen vom Kriegsversprechen – denen der ersten Bayʿa ähnlich. Die erste Bayʿa entsprach der Bayʿa der Frauen bei der Eroberung Mekkas, denn zur Zeit der ersten Bayʿa hatte Allah Seinem Gesandten – Allahs Segen und Friede seien auf ihm – noch keine Erlaubnis zum Kampf erteilt. Nachdem diese Erlaubnis ergangen war, nahm der Gesandte Allahs – Allahs Segen und Friede seien auf ihm – bei der letzten Bayʿa von al-ʿAqaba von den Gläubigen hinsichtlich des Krieges das Versprechen entgegen, dass sie gegen alle Ungläubigen der Welt kämpfen würden. Er legte ihnen im Namen Allahs die Bedingungen dieses Versprechens auf und verkündete, dass ihnen das Paradies zuteilwerde, wenn sie das Versprechen unter Einhaltung dieser Bedingungen erfüllten.
ʿUbāda ibn as-Sāmit (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) berichtet: „Wir schlossen mit dem Gesandten Allahs – Allahs Segen und Friede seien auf ihm – ein Versprechen zum Kampf. Die Bedingungen dieses Versprechens waren folgende: Ob die Lage schwierig oder normal ist, wir werden stets für Wahrheit und Gerechtigkeit eintreten und uns in Bezug auf Allahs Religion vor dem Tadel keines Tadelnden fürchten.“
Die Erlaubnis zum bewaffneten Kampf
Vor der Bayʿa von al-ʿAqaba war dem Gesandten Allahs – Allahs Segen und Friede seien auf ihm – weder der Krieg noch gegebenenfalls das Vergießen von Blut erlaubt worden. Bis dahin war ihm nur befohlen worden, zum Glauben an Allahs Religion aufzurufen, angesichts von Unrecht und Verfolgung Geduld zu üben und unwissende Menschen zu vergeben. Die Quraisch verübten gegen jene Menschen, die dem Gesandten Allahs – Allahs Segen und Friede seien auf ihm – folgten und ihre Häuser verlassen mussten, äußerste und grausame Verfolgung. Einige waren aufgrund der unerträglichen Verfolgung sogar gezwungen, den Islam aufzugeben. Die Quraisch vertrieben eine beträchtliche Zahl von Gläubigen aus dem Land. So wurden einige Muslime unmenschlich verfolgt, andere gaben den Islam auf und wieder andere verließen das Land. Viele von ihnen wanderten nach Abessinien aus, andere nach Medina. Als die Muslime somit in jeder Hinsicht gedemütigt und mittellos waren, die Quraisch den äußersten Punkt ihrer Auflehnung gegen Gott erreicht hatten und Sein Prophet zurückgewiesen worden war, erteilte Allah Seinem Gesandten die Erlaubnis, bewaffneten Kampf zu führen und die ungerechten Widersacher Gottes zu besiegen. Nach dem, was ich von ʿUrwa ibn az-Zubair und anderen Überlieferern erfahren habe, waren die ersten Verse, die zur Festigung der Bestimmungen Allahs und zur Verteidigung der Gläubigen offenbart wurden und den bewaffneten Kampf sowie das Vergießen von Blut für rechtmäßig erklärten, folgende:
[Arabisch *************]
„Denjenigen, gegen die gekämpft wird, ist die Erlaubnis zum Kämpfen gegeben worden, weil ihnen Unrecht widerfahren ist. Wahrlich, Allah ist durchaus fähig, ihnen zu helfen. Es sind diejenigen, die zu Unrecht aus ihren Häusern vertrieben wurden, nur weil sie sagten: ‚Unser Herr ist Allah.‘ Und wenn Allah nicht dafür gesorgt hätte, dass die einen Menschen durch die anderen zurückgehalten werden, wären wahrlich Klöster, Kirchen, Gebetsstätten und Moscheen, in denen Allahs Name häufig erwähnt wird, zerstört worden. Allah wird gewiss demjenigen helfen, der Ihm hilft. Wahrlich, Allah ist stark und allmächtig. Es sind diejenigen, denen Wir, wenn Wir ihnen auf der Erde Macht und Gelegenheit geben, die Verrichtung des Gebets, die Entrichtung der Zakāt, die Durchsetzung von Recht und Wahrheit sowie die Verhinderung von Unrecht und Falschheit anvertrauen. Bei Allah liegt der endgültige Ausgang aller Dinge. (Sure al-Haddsch 39–41)
Das heißt: Nur aufgrund der ihnen und den Gefährten des Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zugefügten Ungerechtigkeit und Verfolgung habe Ich ihnen den bewaffneten Kampf erlaubt. Sie hatten gegenüber den Menschen kein Verbrechen und keine Sünde begangen. Sobald sie siegreich sein würden, würden sie das Gebet verrichten, die Zakāt entrichten, zum Guten auffordern und das Böse verhindern. Danach offenbarte Allah erneut:
[Arabisch *************]
„Kämpft gegen sie weiter, damit kein Gläubiger mehr gezwungen wird, seine Religion aufzugeben, und damit allein der Gehorsam gegenüber Allah bestehen bleibt.“ (Sure al-Baqara) Das heißt: dass nur Allah allein angebetet und gedient wird und keinem anderen.
Die Erlaubnis zur Auswanderung der Muslime nach Medina
Als Allahs Gesandtem, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, von Allah die Erlaubnis zum Kampf erteilt worden war und die erwähnte Gruppe der Bewohner Medinas sich dazu verpflichtet hatte, die islamischen Vorschriften zu befolgen und dem Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sowie seinen Anhängern umfassende Hilfe und Unterstützung zu leisten, wies der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, jene Muslime an, nach Medina auszuwandern und zu ihren Brüdern, den Ansār, zu gehen. Er sagte zu ihnen: „Allah, der Erhabene, hat für euch eine sichere Heimat und einige Brüder bereitgestellt.“ Daraufhin begannen die Muslime, gruppenweise auszuwandern. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, selbst blieb jedoch in Mekka und wartete auf Allahs Anweisung, Mekka zu verlassen und nach Medina auszuwandern.
Bericht über die nach Medina ausgewanderten Muslime
Der erste Auswanderer unter den Quraisch-Gefährten des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, war Abu Salama ibn Abd al-Asad aus dem Stamm Banū Machzūm. Er wanderte ein Jahr vor dem Treueid von Aqaba nach Medina aus. Zuvor war er aus Abessinien nach Mekka zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gekommen. Zu dieser Zeit begannen die Quraisch, ihn zu verfolgen. Er hörte, dass die Bewohner Medinas den Islam angenommen hatten, und wanderte mit ihm nach Medina aus. Nach Abu Salama wanderten ʿĀmir ibn Rabīʿa und seine Frau in Medina, Laylā bint Abī Hathma, nach Medina aus. Danach wanderte ʿAbdullah ibn Dschahsch zusammen mit seiner Familie und seinem Bruder ʿAbd ibn Dschahsch aus. Sein Bruder war auch unter dem Namen Abu Ahmad bekannt. Sein Sehvermögen war schwach. Dennoch bewegte er sich ohne fremde Hilfe in den hochgelegenen und ebenen Gegenden Mekkas umher. Er war ein Dichter.
Danach wanderten Umar ibn al-Chattab (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) und Ajasch ibn Abi Rabia al-Machzumi nach Medina aus. Anschließend setzten die Muslime ihre Auswanderung nach Medina in großer Zahl fort.
Die Auswanderung des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm
Nachdem die Gefährten ausgewandert und nach Medina gegangen waren, blieb der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, in Erwartung Allahs Anweisung bezüglich der Auswanderung zurück. Zu dieser Zeit waren außer Ali ibn Abi Talib, Abu Bakr as-Siddiq und einigen wenigen Gefährten niemand mehr in Mekka. Die anderen, die sich dort befanden, waren entweder in den Händen der Ungläubigen gefangen oder gezwungen worden, den Islam aufzugeben. Abu Bakr (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) bat den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, häufig um die Erlaubnis auszuwandern. Doch der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagte zu ihm: „Übereile nichts. Vielleicht wird Allah dir einen Gefährten geben.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, wurde tatsächlich sein Begleiter bei der Auswanderung. Dies hatte sich Hadhrat Abu Bakr as-Siddiq (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) seither gewünscht. Als die Quraisch sahen, dass viele Menschen außerhalb ihres Stammes anderswo Anhänger des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, geworden waren und seine Gefährten zu ihnen auswanderten, erkannten sie, dass der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, und seine Gefährten eine sichere Heimat gefunden hatten. Daher wurden sie hinsichtlich des Weggangs des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, besonders wachsam. Sie dachten, dass er seine Vorbereitungen für einen Kampf gegen sie vollständig abgeschlossen habe.
Um sich in dieser Angelegenheit zu beraten, versammelten sie sich im Beratungshaus Dar an-Nadwa. Dieses Haus gehörte Qusai ibn Kilab. Wann immer die Quraisch eine Entscheidung treffen wollten, versammelten sie sich dort. Diesmal setzten sie sich aus Furcht vor dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, zusammen, um darüber zu beraten, was gegen ihn zu unternehmen sei. Abdullah ibn Abbas (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) berichtet: An dem festgesetzten Tag versammelten sie sich dort, um eine endgültige Entscheidung über den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, zu treffen. Dieser Tag wird „Tag der allgemeinen Versammlung“ genannt. Auf dem Weg zu ihrem Beratungshaus trat Iblis in Gestalt eines in eine Decke gehüllten alten Mannes vor sie. Er stand genau vor der Tür. Als sie ihn sahen, fragten alle: „Wer ist dieser alte Mann?“ Er antwortete: „Ich bin ein Bewohner von Nadschd. 42. Nach Suhaili liegt der Grund dafür, dass der Satan sich als Bewohner von Nadschd ausgab, darin, dass die Quraisch zuvor angekündigt hatten, niemanden aus der Region Tihama in diese Beratung aufzunehmen. Denn sie glaubten, die Bewohner Tihamas seien Unterstützer Muhammads, des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm. Deshalb erschien Iblis in Gestalt eines alten Mannes aus Nadschd.“
Ich habe gehört, aus welchem Anlass ihr euch heute versammelt habt. Deshalb bin ich gekommen, um eure Gespräche anzuhören. Ich hoffe, dass ihr auch auf meinen Rat und meine Beratung nicht verzichten werdet.“ Als sie dies hörten, erlaubten sie ihm mit größter Hochachtung, einzutreten. Er trat gemeinsam mit ihnen ein. Bis dahin hatten die großen Anführer und Häuptlinge der Quraisch bereits ihre Plätze eingenommen. Danach begannen sie, über den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, miteinander zu sprechen: „Ihr alle wisst, welches Ausmaß die Aktivitäten dieses Mannes inzwischen angenommen haben. Es ist ungewiss, wann er mit seinen Anhängern von außerhalb über uns herfallen wird. Vor seinem Angriff sind wir jetzt nicht sicher. Deshalb müssen wir gemeinsam eine endgültige Entscheidung über ihn treffen.“
Die Beratung ging weiter. Schließlich sagte einer von ihnen: „Fesselt ihn mit eisernen Ketten und sperrt ihn in eine verriegelte Kammer ein. Wartet dann auf dasselbe Schicksal, das zuvor Dichtern wie ihm widerfuhr, nämlich einen jämmerlichen Tod. Zuhair, Nabigha und andere Dichter wie sie ereilte dieses Schicksal.“ Da sagte der alte Mann: „Nein, diese Entscheidung ist nicht richtig. Wenn ihr ihn gefangen nehmt, wird die Nachricht von seiner Gefangenschaft in der verschlossenen Kammer seine Anhänger außerhalb erreichen. Dann könnten sie euch angreifen und ihn euch entreißen. Danach würde ihre Zahl wachsen, und eines Tages würden sie euch besiegen. Eure Entscheidung ist daher nicht richtig. Überlegt, ob ihr eine andere Entscheidung treffen könnt.“
Danach wurde die Beratung erneut fortgesetzt. Einer sagte: „Wir werden ihn aus dem Land vertreiben. Danach brauchen wir uns um ihn keine Sorgen mehr zu machen. Sobald er uns verlassen hat, werden wir uns nicht darum kümmern, wohin er gegangen ist oder wo er sich aufhält. Wenn er fort ist, werden wir von seinen Schwierigkeiten befreit sein. Danach können wir unsere gegenseitige Eintracht und Freundschaft sowie alle anderen Angelegenheiten selbst wieder in Ordnung bringen und normalisieren.“
Der alte Mann aus Nadschd sagte: „Nein, auch das ist keine richtige Entscheidung. Habt ihr nicht seine einzigartige Ausdrucksweise, seine süße Sprache, seine überzeugenden Worte und die den Verstand benebelnden Dinge gesehen, die er angeblich durch die Offenbarung erhalten hat? Wenn ihr diesen Schritt unternehmt, könnte es geschehen, dass er zu einem anderen arabischen Stamm geht, dort erscheint und durch seine süßen und herzergreifenden Worte die Oberhand über sie gewinnt, sodass sie ihm folgen. Danach wird er mit ihnen über euch herfallen, euer Land erobern und euch die Herrschaft entreißen. Trefft daher eine andere Entscheidung und verwerft diese.“
Nun sagte Abu Dschahl: „Ich habe einen Vorschlag, der bisher keinem von euch in den Sinn gekommen ist.“ Alle sagten: „Dann sag uns, Abu al-Hakam, was ist dein Vorschlag?“
Er sagte: „Wir müssen aus jedem Stamm einen starken, angesehenen jungen Mann auswählen. Dann geben wir jedem von ihnen ein scharfes Schwert. Diese jungen Männer werden gemeinsam Muhammad angreifen und ihn töten. Auf diese Weise können wir uns seiner entledigen. Wenn sie alle gemeinsam diese Tat begehen, wird die Verantwortung für Muhammads Ermordung zu einem gewissen Teil auf jedem Stamm lasten. Daher wird der Stamm Abd Manaf nicht in der Lage sein, gegen die gesamte Nation zu kämpfen, um den Mord zu rächen. Er wird gezwungen sein, sich mit dem Blutgeld zufriedenzugeben. Wir alle, die Stämme gemeinsam, werden ihnen das Blutgeld zahlen.“
Der Alte aus Nadschd sagte: „Das ist die richtige Entscheidung. Ich glaube nicht, dass es eine bessere Entscheidung geben kann.“
Nachdem diese Entscheidung getroffen worden war, wurde die Beratungssitzung beendet, und alle gingen in ihre jeweiligen Häuser zurück.
Sofort kam Dschibril zu Allahs Gesandtem und sagte zu ihm: „Schlafe heute Nacht nicht in dem Bett, in dem du gewöhnlich schläfst.“ Als ein Drittel der Nacht vergangen war, kamen die auserwählten Mörder zur Tür des Hauses von Allahs Gesandtem, versammelten sich dort und lauerten ihm auf. Sie warteten darauf, dass er einschlief. Ihr Vorhaben war, ihn im Schlaf anzugreifen. Als Allahs Gesandter ihre Anwesenheit bemerkte, sagte er zu Ali ibn Abi Talib: „Schlafe in meinem Bett und bedecke dich vom Kopf bis zu den Füßen mit dieser grünen hadramautischen Decke. Sei gewiss, dass dir von ihrer Seite kein Schaden widerfahren wird.“ Wenn Allahs Gesandter schlafen ging, hüllte er sich in diese Decke.
Muhammad ibn Kaʿb al-Qurazi berichtet: Auch Abu Dschahl gehörte zu der Mördergruppe. Als sich die Mörder an der Tür des Hauses von Allahs Gesandtem versammelt hatten, sagte Abu Dschahl zu ihnen: „Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagt, dass euch, wenn ihr ihm folgt, für euch alle – für die Araber ebenso wie für die Nichtaraber – zahllose Gärten wie die Gärten Jordaniens geschaffen werden. Wenn ihr ihm jedoch nicht folgt, werdet ihr zugrunde gehen und ausgelöscht werden. Nach dem Tod werdet ihr wieder zum Leben erweckt und ins Feuer geworfen werden.“
Genau in diesem Augenblick trat Allahs Gesandter heraus und kam vor sie. Er nahm eine Handvoll Staub. Dann wandte er sich an Abu Dschahl und sagte: „Ja, das sage ich, und auch du gehörst zu denen, die ins Feuer geworfen werden.“ Zu diesem Zeitpunkt nahm Allah ihnen die Sehkraft, sodass sie ihn nicht sehen konnten. Er begann, den Staub über ihre Köpfe zu streuen. Dabei rezitierte er die folgenden Verse aus der Sure Ya-Sin:
„Ya-Sin! Bei dem weisen Quran: Wahrlich, du bist einer der Gesandten. Du befindest dich auf einem geraden Weg. Dies ist eine Offenbarung des Allmächtigen, des Barmherzigen, damit du ein Volk warnst, dessen Vorfahren nicht gewarnt wurden; deshalb leben sie in Unwissenheit versunken. Gegen die meisten von ihnen hat sich das Wort bezüglich der Strafe Allahs bewahrheitet, daher glauben sie nicht. Wir haben ihnen Fesseln um den Hals gelegt, die bis zu ihren Kinnbacken reichen, sodass ihre Köpfe hoch erhoben sind. Und Wir haben vor ihnen eine Mauer und hinter ihnen eine Mauer errichtet und sie damit bedeckt, sodass sie nicht sehen können.“ Während er diese Verse rezitierte, warf er jedem von ihnen Staub auf den Kopf. Danach ging er in die Richtung, die er selbst wünschte.
Nach einiger Zeit kam ein Mann von außerhalb zu ihnen und fragte: „Warum wartet ihr hier?“ Sie sagten: „Wir warten auf Muhammad.“ Er sagte: „Allah hat euch scheitern lassen. Muhammad ist doch direkt vor euren Augen hinausgegangen. Könnt ihr nicht sehen, was sich auf euren Köpfen befindet?“ Da legte jeder die Hand auf seinen Kopf und stellte fest, dass er mit Staub bedeckt war.
Daraufhin begannen sie, das Haus zu durchsuchen. Als sie ʿAlī (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) auf dem Bett liegen sahen, in das Tuch des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) gehüllt, sagten sie: „Da ist Muhammad; er liegt dort und ist mit seinem Tuch bedeckt.“ Daher warteten sie bis zum Morgengrauen. Als ʿAlī am Morgen vom Bett aufstand, riefen alle, als sie ihn sahen: „Der Mann hat also tatsächlich die Wahrheit gesagt, dass Muhammad fortgegangen ist.“
Ibn Ishāq sagt: Abū Bakr war ein sehr wohlhabender Mann. Als er den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) um die Erlaubnis zur Auswanderung bat, sagte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu ihm: „Übereile dich nicht. Vielleicht hat Allah dir diesbezüglich bereits etwas mitgeteilt.“ Deshalb hatte er schon damals zwei Kamele gekauft und sie bei sich zu Hause gehalten. Er hatte dies als Vorbereitung auf die Auswanderung getan.
ʿĀʾischa (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) berichtete: Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) versäumte es nicht, mindestens einmal am Tag das Haus Abū Bakrs zu besuchen, sei es am Morgen oder am Abend. Dann kam der Tag, an dem dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) erlaubt wurde, seine Stammesangehörigen in Mekka zu verlassen und auszuwandern. An jenem Tag kam er zur Mittagszeit zu uns nach Hause. Zu dieser Zeit pflegte er niemals zu kommen. Als Abū Bakr ihn sah, sagte er: „Gewiss ist etwas geschehen, sonst wäre der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu dieser Zeit nicht gekommen.“ Als er das Haus betrat, waren im Haus Abū Bakrs außer mir und meiner Schwester Asmāʾ bint Abī Bakr niemand. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Schickt alle anderen, die sich hier befinden, von mir weg.“ Abū Bakr (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) sagte: „O Gesandter Allahs, außer meinen beiden Töchtern ist niemand hier. Mögen mein Vater und meine Mutter für dich geopfert werden. Was ist mit dir geschehen? Sag es mir.“ Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Allah hat mir erlaubt, Mekka zu verlassen und auszuwandern.“ Abū Bakr sagte: „Darf auch ich dich begleiten?“ Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Ja, auch du darfst mich begleiten.“ ʿĀʾischa (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) sagte: „Vor jenem Tag wusste ich nicht, dass ein Mensch auch aus übergroßer Freude weinen kann. Ich sah an jenem Tag, wie Abū Bakr (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) weinte.“ Danach sagte Abū Bakr (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm): „O Gesandter Allahs, sieh, diese beiden Kamele habe ich genau für diesen Zweck vorbereitet.“ Daraufhin mieteten sie ʿAbdullāh ibn Urayqiṭ als Führer und nahmen ihn mit. Er war ein Götzendiener. Die beiden Kamele ließen sie bei ihm zurück. Er kümmerte sich bis zum vereinbarten Zeitpunkt um sie und versorgte sie.
Ibn Ishāq sagt: Als der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) Mekka verließ, wusste außer ʿAlī ibn Abī Tālib (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm), Abū Bakr aṣ-Ṣiddīq (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) und den Angehörigen Abū Bakrs niemand von seinem Fortgang aus Mekka. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) selbst hatte ʿAlī davon unterrichtet. Er wies ihn an, noch einige Zeit in Mekka zu bleiben. Die Menschen in Mekka pflegten dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) verschiedenste Dinge zur Aufbewahrung anzuvertrauen. Wer es nicht für sicher hielt, etwas bei sich selbst aufzubewahren, hinterlegte es beim Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Denn seine Aufrichtigkeit und Vertrauenswürdigkeit waren allen bekannt. Deshalb übertrug der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ʿAlī (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) nach seiner Auswanderung die Aufgabe, diese anvertrauten Dinge zurückzugeben, und wies ihn an, noch einige Zeit in Mekka zu bleiben.
Nun war es an der Zeit, das Haus Abū Bakrs (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) zu verlassen. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) fasste den Entschluss aufzubrechen und kam zu Abū Bakr (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm). Danach verließen die beiden das Haus durch das hintere Fenster von Abū Bakrs Zimmer. Anschließend gingen sie zu einer Höhle am Berg Thawr, der im unteren Teil von Mekka liegt, und betraten sie. Abū Bakr wies seinen Sohn ʿAbdullāh an, tagsüber aufmerksam darauf zu hören, ob die Leute etwas über sie sagten, und ihnen am Abend zu berichten, was er gehört hatte. Seinem Diener ʿĀmir ibn Fuhayra, einem freigelassenen Sklaven, der später freiwillig gegen Lohn arbeitete, gab er den Auftrag, tagsüber seine Schafherde zu weiden, sie danach in die Nähe jener Berghöhle am Thawr zu treiben und sie am Abend dort zu treffen. Asmāʾ bint Abī Bakr brachte ihnen jeden Abend Nahrung. [43. Ibn Hischām überliefert von al-Ḥasan al-Baṣrī: Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und Abū Bakr (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) erreichten die Höhle am Berg Thawr nachts. Bevor der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) eintrat, betrat Abū Bakr (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) die Höhle. Er untersuchte sie gründlich, um festzustellen, ob sich darin ein wildes Tier oder eine Schlange befand. Er nahm dieses Risiko auf sich, um den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) vor jeder Gefahr zu schützen.] Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) blieb gemeinsam mit Abū Bakr (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) drei Tage in der Höhle am Berg Thawr. Inzwischen setzten die Quraisch eine Belohnung von hundert Kamelen für die Ergreifung des ihnen entkommenen Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) aus. ʿAbdullāh ibn Abī Bakr hielt sich den ganzen Tag unter den Quraisch auf, hörte ihre Beratungen und auch alles, was sie über die beiden sagten. Am Abend ging er zu ihnen und berichtete ihnen alles, was sich tagsüber ereignet hatte. Der Diener ʿĀmir ibn Fuhayra ließ seine Schafherde gemeinsam mit den Viehherden der Bewohner von Mekka weiden. Sobald es jedoch Abend wurde, trieb er sie in die Nähe der Höhle am Berg Thawr und ließ sie dort frei. Dann molken die beiden die Schafe oder schlachteten eines. Wenn ʿAbdullāh ibn Abī Bakr am Morgen die Höhle am Berg Thawr verließ und nach Mekka ging, folgte ʿĀmir ibn Fuhayra ihm mit seiner Schafherde, damit er seine Fußspuren verwischte. Nachdem auf diese Weise drei Tage vergangen waren, legte sich der Aufruhr der Bewohner von Mekka über sie allmählich. Da kam ʿAbdullāh ibn Urayqiṭ auf einem Kamel reitend zur Höhle am Berg Thawr und brachte die beiden Kamele des Gesandten Allahs und Abū Bakrs (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) mit sich. Asmāʾ bint Abī Bakr kam mit Reiseproviant zu ihnen. Sie hatte jedoch vergessen, ein Seil mitzubringen, an dem sie die Nahrung hätte aufhängen können. Die beiden brachen auf. Asmāʾ versuchte, die Nahrung aufzuhängen, stellte aber fest, dass kein Seil da war. Da löste sie ihren Hüftgürtel, riss ihn entzwei, fertigte daraus ein Seil an, band die Nahrung daran und hängte sie auf. Deshalb wurde Asmāʾ bint Abī Bakr „Dhāt an-Niṭāqayn“, die Besitzerin der beiden Hüftgürtel, genannt. [44. Ibn Hischām sagt: Ich habe von mehreren Gelehrten gehört, dass sie „Dhāt an-Niṭāqayn“, also „die Besitzerin der beiden Hüftgürtel“, genannt wurde. Zur Erklärung heißt es: Als Asmāʾ das Gefäß mit der Nahrung festbinden und aufhängen wollte, teilte sie ihren Gürtel in zwei Teile. Mit dem einen band sie es fest, mit dem anderen hängte sie es auf.]
Abu Bakr brachte die beiden Kamele zum Gesandten Allahs, überließ ihm das beste der beiden und sagte: „O Gesandter Allahs! Mögen mein Vater und meine Mutter für dich geopfert werden. Steig auf dieses hier.“ Der Gesandte Allahs sagte: „Ich werde kein Kamel besteigen, das nicht mir gehört.“ Er sagte: „O Gesandter Allahs, dieses gehört dir. Mögen mein Vater und meine Mutter für dich geopfert werden.“ Der Gesandte Allahs sagte: „Nein, sag mir vielmehr, für welchen Preis du es gekauft hast.“ Abu Bakr nannte den Preis des Kamels. Der Gesandte Allahs sagte: „Ich nehme das Kamel für diesen Preis.“ Abu Bakr sagte: „Ich schenke dir sowohl das Kamel als auch seinen Preis.“
Danach bestiegen beide die Kamele und machten sich auf den Weg. Abū Bakr as-Siddīq, möge Allah mit ihm zufrieden sein, ließ seinen Diener ʿĀmir ibn Fuhayra hinter sich aufsitzen, damit dieser sie unterwegs mit dem Nötigen versorgte.“
Asma bint Abi Bakr berichtet: Nachdem Abu Bakr, möge Allah mit ihm zufrieden sein, und der Gesandte Allahs aufgebrochen waren, kam eine Gruppe der Quraisch, unter ihnen Abu Dschahl. Sie stellten sich vor die Tür Abu Bakrs, möge Allah mit ihm zufrieden sein. Ich ging zu ihnen. Sie sagten: „Wo ist dein Vater?“ Ich sagte: „Ich weiß nicht, wo mein Vater ist.“ Da gab mir der niederträchtige, ruchlose Abu Dschahl eine so kräftige Ohrfeige, dass mein Ohrring davonflog.
Danach gingen sie fort. Inzwischen waren drei Tage vergangen. Es gab keinerlei Nachricht darüber, in welche Richtung der Gesandte Allahs aufgebrochen war. Plötzlich kam aus dem tiefer gelegenen Teil Mekkas ein Dschinn singend herbei. Die Menschen konnten ihn nicht sehen, doch sie folgten ihm, nachdem sie seine Stimme gehört hatten. Bald hatte er den höher gelegenen Teil Mekkas hinter sich gelassen und war weitergezogen. Das Lied, das er sang, lautete:
[Arabisch *************]
„Möge Allah, der Herr der Menschen, jene beiden Gefährten aufs Beste belohnen, die im Haus der Umm Maʿbad [45. Der eigentliche Name Umm Maʿbads war ʿĀtika bint Chālid. Sie war eine Frau aus dem Stamm Banū Kaʿb. Der Gesandte Allahs, Abu Bakr, ʿĀmir ibn Fuhayra und ʿAbdullah ibn Urayqit legten im Haus dieser Frau eine Rast ein. Sie wollten von ihr etwas Fleisch und Datteln kaufen, doch dort gab es weder das eine noch das andere. Der Gesandte Allahs sah in einer Ecke des Hauses von Umm Maʿbad eine Ziege. Die Ziege gab keine Milch. Er bat die Frau um Erlaubnis, sie zu melken. Als er daraufhin mit seiner Hand über ihr Euter strich, füllte es sich mit Milch. Als die Frau dies sah, nahm sie sofort den Islam an]
Zuflucht gesucht haben. Sie machten dort großzügig Rast und zogen danach wieder weiter. Wer der Gefährte Muhammads geworden ist, der hat Erfolg erlangt. Möge der gesamte Stamm Banū Kaʿb dazu beglückwünscht werden, dass sich die junge Frau aus Banū Kaʿb dort aufhielt und saß, um die Versorgung der Muslime zu beaufsichtigen.“
Als wir dies hörten, verstanden wir, dass der Gesandte Allahs in Richtung Medina aufgebrochen war.“
Surāqa ibn Mālik ibn Juʿshum berichtet: Der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, verließ Mekka auf dem Weg nach Medina. Die Quraisch setzten eine Belohnung von hundert Kamelstuten für seine Ergreifung und Auslieferung aus. Eines Tages saß ich in der Ratsversammlung meines Stammes, als ein Mann aus unserem Stamm zu uns kam und stehen blieb. Er sagte: „Bei Allah, ich habe gerade eine Gruppe von drei Männern vorbeiziehen sehen. Ich glaube, es müssen Muhammad und seine beiden Gefährten sein.“ Ich gab ihm durch ein Augenzwinkern zu verstehen, dass er schweigen solle, und sagte dann: „Das sind Leute aus dem und dem Stamm. Sie haben ein Tier verloren und suchen danach.“ Er sagte: „Vielleicht ist es so.“
Er sagte nichts weiter. Nachdem ich noch kurze Zeit dort verweilt hatte, ging ich nach Hause, machte mein Pferd und meine Waffen bereit und traf Vorbereitungen zum Aufbruch. Auch meine Wahrsagelose nahm ich mit. Dann brach ich in Kriegskleidung auf. Unterwegs kam ich an einen Ort und befragte die Lose. Das Los verkündete genau das, was mir überhaupt nicht gefiel, nämlich: „Muhammad wird kein Schaden widerfahren.“ In Wirklichkeit wollte ich ihn ergreifen, den Quraisch ausliefern und die Belohnung von hundert Kamelstuten erhalten. Ich folgte ihren Fußspuren und trieb mein Pferd rasch voran. Kaum hatte das Pferd begonnen, mit großer Geschwindigkeit zu galoppieren, stolperte es. Ich wurde aus dem Sattel geschleudert und fiel auf die Straße. Da sagte ich mir: „Was ist denn los?“ Wieder zog ich die Wahrsagelose hervor und befragte sie. Wieder erhielt ich dasselbe Ergebnis: „Ihm wird kein Schaden widerfahren.“ Doch ein solches Ergebnis war nicht das, was ich mir wünschte. Trotzdem war ich hartnäckig.
Ich war keineswegs bereit aufzuhören. Wieder folgte ich den Fußspuren und trieb mein Pferd kräftig an. Muhammad und seine Gefährten kamen in Sichtweite, und ich konnte sie deutlich sehen. Plötzlich stolperte das Pferd wieder. Ich wurde abgeworfen und sagte mir: „Was ist denn los?“ Wieder zog ich die Lose hervor und befragte sie. Erneut kam das unerwünschte Ergebnis: „Ihm wird kein Schaden widerfahren.“ Doch auch diesmal ließ ich mich nicht entmutigen. Ich setzte ihnen weiter nach. Wieder konnte ich sie deutlich sehen. Kaum hatte ich sie erblickt, stolperte das Pferd erneut; diesmal sanken seine beiden Vorderbeine in den Boden ein, und ich wurde abgeworfen. Als ich seine beiden Beine herauszog, begann sich an dieser Stelle wirbelnder Rauch zu erheben. Nun erkannte ich, dass Muhammad vor meiner Hand geschützt worden war und unbesiegbar war. Daraufhin rief ich ihnen zu: „Ich bin Surāqa, der Sohn des Juʿshum. Haltet bitte kurz an, ich möchte mit euch sprechen. Bei Allah, mein Zweifel hinsichtlich eurer Angelegenheit ist gewichen. Von mir habt ihr kein unerwünschtes Verhalten zu befürchten.“ Der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, sagte zu Abū Bakr: „Frag ihn, was er von uns möchte.“ Ich sagte: „Schreib mir eine Urkunde. Diese Schrift soll zwischen euch und mir als Beweis dienen.“ Der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, bat Abū Bakr, etwas für mich zu schreiben.
Abū Bakr, möge Allah mit ihm zufrieden sein, schrieb eine Urkunde auf einen Knochen (oder auf ein Stück Stoff oder auf eine Scherbe eines zerbrochenen Tongefäßes) und warf sie mir zu. Ich hob das Stück auf, steckte es in den Köcher meiner Pfeile und kehrte zurück. Danach erzählte ich niemandem mehr von diesem Ereignis. Als der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, Mekka erobert und die Feldzüge von Ḥunayn und Ṭāʾif beendet hatte, ging ich mit jener Schrift zu ihm. Ich traf ihn in Jiʿrāna, zwischen Mekka und Ṭāʾif. Ich kam zu einer Abteilung der Anṣār. Sie stießen mich mit ihren Speeren leicht an und sagten: „Verschwinde, verschwinde! Was willst du hier?“ Ich ging zum Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, der damals auf einem Kamel saß. Noch jetzt sehe ich vor mir, wie der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, seine beiden Füße, weiß und glänzend wie Fett, auf die Steigbügel setzte und dasaß. Ich hob das beschriebene Stück hoch und sagte: „O Gesandter Allahs! Dies ist der Gegenstand, auf den du eine Urkunde geschrieben hast. Ich bin Surāqa, der Sohn des Juʿshum.“ Der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, sagte: „Heute ist der Tag, an dem ein Versprechen erfüllt und Höflichkeit erwiesen wird. Komm näher.“ Ich trat zu ihm und nahm den Islam an. Danach fiel mir eine Frage ein, die ich dem Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, stellen wollte, doch heute erinnere ich mich nicht mehr daran. Ich sagte: „O Gesandter Allahs, ich fülle ein Wasserbecken für meine eigenen Kamele mit Wasser. Doch die verirrten Kamele anderer Leute kommen darüber her und trinken das Wasser aus. Erhalte ich dafür eine Belohnung, wenn ich diese Kamele auf diese Weise trinken lasse?“ Er sagte: „Für die Befriedigung des Bedürfnisses jedes Lebewesens gibt es eine Belohnung.“ Danach kehrte ich zu meinem Stamm zurück und schickte meine Sadaqa-Tiere zum Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden.
Ibn Isḥāq sagt: Der Wegführer ʿAbdullāh ibn Urayqiṭ zog mit dem Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, und Abū Bakr, möge Allah mit ihm zufrieden sein, durch das Tiefland von Mekka weiter. Danach gelangte er in die Küstenregion. Von dort zog er durch das Tiefland der Gegend von ʿUsfān weiter, überschritt Qudayd und gelangte zu einem Ort namens al-Kharrār. Anschließend überschritt er Lakf und Madlaja Lakf und erreichte den Ort Madlaj Maḥāj. Von dort zog er über Marjaḥ Maḥāj, Marjaḥ Dhū l-Ghaḍāwayn, dann über Baṭn Dhī Kashr und Jadājid nach Aĵrād. Danach überschritt er Madlaja Tiḥīn, das feindliche Gebiet Dhū Salām, sowie ʿAbābid und anschließend al-Fajja.
Ibn Hischām sagt: Danach gelangte er mit ihnen zu einem Ort namens al-Arj. Dort warteten einige Bewohner dieser Gegend auf sie. Ein Mann aus dem Stamm Aslam namens Aws ibn Ḥajar gelangte zu diesem Ort. Auch dort warteten einige Bewohner auf sie. Ein Mann aus dem Stamm Aslam namens Aws Ḥajar ließ den Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, auf seinem Kamel namens Ibn ar-Riḍā reiten und sorgte so für seine Weiterreise nach Medina. Auch einen seiner Diener namens Masʿūd ibn Hunayda schickte er mit ihm. Danach verließ der Wegführer mit ihnen beiden al-Arj. Sie zogen rechts an ar-Ruqūba vorbei, über den Bergpass ath-Thaniyyat al-ʿĀʾir, und gelangten nach Baṭn Rim. Von dort erreichten sie auf direktem Weg die Siedlung des Stammes Banū ʿAmr ibn ʿAwf in Qubāʾ. Es war der sengend heiße Mittag des zwölften Tages des Monats Rabīʿ al-Awwal. Die Sonne stand beinahe senkrecht über ihnen.
Die Ankunft in Qubāʾ
ʿAbd ar-Rahman ibn ʿUwaymi ibn Saʿida überliefert folgende Aussage einer großen Zahl von Gefährten aus seinem Stamm: Als wir hörten, dass der Gesandte Allahs – Allah segne ihn und schenke ihm Frieden – Mekka verlassen hatte und wir jeden Tag mit seiner Ankunft in Medina rechneten, warteten wir jeden Tag nach dem Morgengebet auf freiem Gelände am Rand unseres Ortes auf den Gesandten Allahs – Allah segne ihn und schenke ihm Frieden. Wir gingen erst fort, wenn die Hitze der Sonne unerträglich wurde. Wenn es keinen Schatten mehr gab, kehrten wir zurück. Es war eine Zeit großer Hitze. An dem Tag, an dem der Gesandte Allahs – Allah segne ihn und schenke ihm Frieden – tatsächlich eintraf, saßen wir wie gewöhnlich auf dem freien Gelände und warteten. Als die Sonne über uns stand und kein Schatten mehr übrig war, gingen wir in unsere Häuser. Kaum waren wir eingetreten, traf der Gesandte Allahs – Allah segne ihn und schenke ihm Frieden – ein. Ein Jude hatte den Gesandten Allahs – Allah segne ihn und schenke ihm Frieden – als Erster erblickt. Er hatte gesehen, wie wir auf ihn warteten. Deshalb rief er laut: „O Nachkommen Qaylas, [46. Damit sind alle Ansar gemeint. Qayla war eine angesehene Urgroßmutter der Ansar.]
Euer Glücksschatz ist eingetroffen.“
Wir trafen den Gesandten Allahs – Allah segne ihn und schenke ihm Frieden – im Schatten einer Dattelpalme. Abu Bakr, der ungefähr gleich alt war wie er, war bei ihm. Die meisten von uns hatten den Gesandten Allahs – Allah segne ihn und schenke ihm Frieden – bis dahin noch nicht gesehen. Eine große Menschenmenge versammelte sich, um ihn zu sehen, doch niemand konnte erkennen, wer Abu Bakr und wer der Gesandte Allahs – Allah segne ihn und schenke ihm Frieden – war. Als der Schatten von seinem Körper wich, begann Abu Bakr, ihn mit seinem Umhang zu beschatten. Da erkannten wir alle den Gesandten Allahs – Allah segne ihn und schenke ihm Frieden.
Ibn Ishaq sagt: Nach Ansicht vieler wurde der Gesandte Allahs – Allah segne ihn und schenke ihm Frieden – zuerst bei Kulthum ibn Hidam zu Gast aufgenommen, nach anderer Ansicht bei Saʿd ibn Khaythama. Diejenigen, die sagen, er sei bei Kulthum ibn Hidam zu Gast gewesen, erklären, dass er zwar in Kulthums Haus wohnte, sich aber in das Haus des unverheirateten Saʿd ibn Khaythama begab und dort saß, um die Menschen zu empfangen. Auch die unverheirateten Auswanderer wohnten in diesem Haus. Abu Bakr as-Siddiq war bei Habib ibn Isaf zu Gast, nach anderer Ansicht bei Chabidscha ibn Zayd.
ʿAli ibn Abu Talib blieb drei Tage in Mekka. Während dieser Zeit erfüllte er die Aufgabe, die dem Gesandten Allahs – Allah segne ihn und schenke ihm Frieden – anvertrauten Wertgegenstände ihren Eigentümern zurückzugeben. Danach wanderte er aus und begab sich zum Gesandten Allahs – Allah segne ihn und schenke ihm Frieden. Auch er war bei Kulthum ibn Hidam zu Gast.
Der Gesandte Allahs – Allah segne ihn und schenke ihm Frieden – blieb in Quba bei den Banu ʿAwf vier Tage lang, am Montag, Dienstag, Mittwoch und Donnerstag. Während dieser Zeit errichtete er dort eine Moschee.
Die Ankunft in Medina
Danach verließ er am Freitag, dem Willen Allahs folgend, Quba. Er begab sich in die Siedlung der Banu Salim ibn ʿAwf und verrichtete dort das Freitagsgebet. Er verrichtete es in der Moschee von Batn al-Wadi. Ein anderer Name für Batn al-Wadi ist Wadi ar-Ranuna. Hier verrichtete er in Medina zum ersten Mal das Freitagsgebet.
Eine Gruppe von Männern aus den Banū Sālim ibn ʿAuf, darunter ʿItbān ibn Mālik und ʿAbbās ibn ʿUbāda ibn Nāḍla, kam zum Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, und sagte: „O Gesandter Allahs, bei all unseren verfügbaren Männern, Hilfsmitteln und Schutzvorkehrungen: Sei damit zufrieden und lass dich dauerhaft bei uns nieder.“ Der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, zeigte auf seine Kamelstute und sagte: „Lasst sie ihres Weges ziehen. Ihr ist von Allah aufgetragen worden, mich an den für mich bestimmten Ort zu bringen.“ Alle taten dies. Die Kamelstute ging nach eigenem Willen weiter. Als sie in die Nähe der Siedlung des Stammes Banū Bayāḍa kam, erschien eine Gruppe dieses Stammes unter der Führung von Ziyād ibn Labīd und Farwa ibn ʿAmr beim Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, und sagte: „O Gesandter Allahs, komm zu uns und lass dich bei all unseren verfügbaren Männern, Hilfsmitteln und Schutzvorkehrungen nieder.“ Er sagte: „Lasst diese Kamelstute ihres Weges ziehen. Ihr ist aufgetragen worden, mich an den für mich bestimmten Ort zu bringen.“ Die Kamelstute ging weiter. Als sie die Siedlung der Banū Sāʿida erreichte, versperrte ihr eine Gruppe aus den Banū Sāʿida unter der Führung von Saʿd ibn ʿUbāda und Mundhir ibn ʿAmr den Weg. Auch sie wiederholten dieselbe Bitte wie die Banū Bayāḍa und die Banū Sālim. Der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, sagte zu den Banū Sāʿida dasselbe, was er zu den Banū Bayāḍa und den Banū Sālim gesagt hatte. Die Kamelstute ging weiter. Als sie an den Häusern der Familie Banū al-Ḥārith des Stammes Chazradsch vorbeikam, versperrten Saʿd ibn Rabīʿ, Chabīza ibn Zāʾid und ʿAbdullāh ibn Rawāḥa gemeinsam mit weiteren Angehörigen der Familie Banū al-Ḥārith dem Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, den Weg. Sie luden ihn ein, sich bei ihrer Familie niederzulassen und auf ihre Männer, Hilfsmittel und Schutzvorkehrungen zu vertrauen. Der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, sagte: „Lasst die Kamelstute weitergehen. Ihr ist aufgetragen worden, mich an den geeigneten Ort zu bringen.“ Alle machten den Weg frei, und die Kamelstute ging weiter. Während sie voranschritt, passierte sie die Häuser der Banū ʿAdī ibn an-Nadschdschār, der Familie der Onkel mütterlicherseits des Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden. Daraufhin traten Sālit ibn Qais und Abū Sālit Usaira ibn Abī Chabīza zusammen mit einigen Männern der Banū ʿAdī ibn an-Nadschdār vor den Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden. Sie sagten: „O Gesandter Allahs, komm zu uns und vertraue auf all unsere Männer, Hilfsmittel und Schutzvorkehrungen.“ Er sagte: „Lasst die Kamelstute nach ihrem eigenen Willen weitergehen. Ihr ist aufgetragen worden, mich an den geeigneten Ort zu bringen.“ Es sei hier erwähnt, dass Salāma bint ʿAmr, die Mutter ʿAbd al-Muṭṭalibs, eine Tochter der Banū ʿAdī ibn an-Nadschdār war.
Als die Kamelstute in die Nähe der Wohnstätten der Banū Mālik ibn an-Nadschdār kam, kniete sie nieder. Genau an der Stelle, an der sie sich niederließ, wurde später der Eingang zur Prophetenmoschee errichtet. Damals war dieser Ort der Platz, an dem zwei Waisenkinder der Banū Nadschdār Datteln trockneten. Die beiden Kinder waren Sahl und Suhail, die Söhne ʿAmrs. Māʿiz ibn ʿAqrā kümmerte sich um ihre Erziehung. Obwohl die Kamelstute niederkniete, stieg der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, nicht von ihrem Rücken. Er blieb ruhig sitzen. Nach kurzer Zeit ging die Kamelstute ein kleines Stück weiter. Der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, hielt ihre Zügel weiterhin fest. Danach blickte die Kamelstute zurück und kehrte erneut zu ihrem ersten Halteplatz zurück. Dort kniete sie wieder nieder. Dieses Mal bewegte sie sich und gab Laute von sich. Sie ließ ihre Brust und den unteren Teil ihres Halses den Boden berühren. Der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, stieg vom Rücken der Kamelstute. Abū Ayyūb Chālid ibn Zayd nahm sein Gepäck ab und brachte es in sein eigenes Haus. Der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, wurde Abū Ayyūbs Gast. Er fragte ihn: „Wem gehört der Platz zum Trocknen der Datteln?“ Māʿiz ibn ʿAqrā sagte: „O Gesandter Allahs, er gehört Sahl und Suhail, den Söhnen ʿAmrs. Sie sind Waisenkinder in meiner Obhut. Ich werde ihre Zustimmung einholen. Baue hier eine Moschee.“ Der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, erhielt den Auftrag, an dieser Stelle eine Moschee zu errichten. Bis seine Moschee und seine Wohnräume fertiggestellt waren, blieb der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, im Haus Abū Ayyūbs. Am Bau dieser Moschee beteiligte sich der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, selbst, damit auch die Muslime dazu angespornt würden. Daher beteiligten sich sowohl die Auswanderer als auch die Ansār mit größtem Eifer an dieser Arbeit. Dazu trug ein Muslim ein von ihm selbst verfasstes Gedicht vor:
„Wenn wir sitzen bleiben, während der Prophet arbeitet, wäre das ein Zeichen unserer äußersten Verfehlung.“ Während des Baus der Moschee trugen die Muslime von Zeit zu Zeit voller Begeisterung Gedichte vor, zum Beispiel: „Das Leben hat außer dem Leben im Jenseits keine Bedeutung. O Allah, schenke den Ansār und den Auswanderern Deine Barmherzigkeit.“ Und der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, stimmte in ihre Stimmen ein und sagte: „Das Leben hat außer dem Leben im Jenseits keine Bedeutung. O Allah, schenke den Ansār und den Auswanderern Deine Barmherzigkeit.“
Als die Moschee und die Wohnräume fertiggestellt waren, zog der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, aus dem Haus Abū Ayyūbs in seine eigene Wohnung und begann dort zu wohnen.
Abū Ayyūb sagte: Als der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, in meinem Haus zu Gast war, wohnte er im unteren Stockwerk, während meine Frau und ich oben wohnten. Ich sagte: „O Gesandter Allahs, ich empfinde es als äußerst unangenehm und ungehörig, dass ich oben wohne, während du unten wohnst. Wohne daher du oben, und wir werden nach unten ziehen.“ Der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, erwiderte: „Dass wir unten wohnen, ist für uns und für diejenigen, die uns besuchen, bequemer.“
Deshalb wohnte der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, im unteren Stockwerk, während wir oben wohnten. Einmal zerbrach ein mit Wasser gefüllter Krug. Wir hatten nur eine Decke und weder eine Steppdecke noch ein anderes wärmendes Kleidungsstück. Aus Angst, das Wasser könne auf den Körper des Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, tropfen und ihm Unannehmlichkeiten bereiten, wischten meine Frau und ich das Wasser mit ebenjener Decke auf.
Wir bereiteten für den Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, das Abendessen zu und schickten es ihm. Wenn er die Reste dieses Essens zurückschickte, aßen meine Frau und ich in der Hoffnung auf Segen von den Stellen, die seine Hand berührt hatte. Eines Abends schickten wir ihm auf diese Weise Essen. Wir hatten diesem Essen auch etwas Zwiebel oder Knoblauch beigefügt. Der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, schickte es zurück. Wir konnten darin keinerlei Spuren der Berührung durch die Hand des Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, feststellen. Daher geriet ich in Unruhe und ging zu ihm. Ich sagte: „O Gesandter Allahs, mögen mein Vater und meine Mutter für dich geopfert werden. Du hast das Essen zurückgeschickt, doch ich konnte darin keinerlei Spuren der Berührung deiner Hand finden. Immer wenn du Essen zurückschicktest, aßen meine Frau und ich in der Hoffnung auf Segen von der Stelle, die deine Hand berührt hatte.“
Der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, sagte: „
Der Gesandte Allahs sagte: „Ich habe im Essen den Geruch jener Pflanze wahrgenommen. Da ich mit vielen Menschen von Angesicht zu Angesicht sprechen muss, habe ich nicht davon gegessen. Ihr aber könnt davon essen.“ Danach aßen wir von diesem Essen. Später schickten wir dem Gesandten Allahs niemals wieder Zwiebeln oder Knoblauch. Ibn Ishaq sagt: Danach begannen die Auswanderer, einer nach dem anderen auszuwandern und zum Gesandten Allahs zu kommen. Nur diejenigen, die gefangen gehalten wurden oder durch schwere Misshandlungen gezwungen worden waren, dem Islam abzuschwören, blieben in Mekka zurück. Abgesehen von einigen wenigen Familien war die Lage aller Familien so, dass sie nicht alle ihre Angehörigen und ihren Besitz nach Medina bringen konnten. Die wenigen Familien, die mit all ihren Mitgliedern auswandern konnten, waren die Familie der Banu Maʿzun aus dem Stamm der Banu Dschumah, die Banu Dschahsch ibn Riyab, Verbündete der Banu Umaiya, sowie die Familie der Banu Bukair aus den Banu Saʿd ibn Laith, die Verbündete der Banu Kaʿb waren. Nach der Auswanderung standen ihre Häuser völlig verlassen und verriegelt da.
Eine Ansprache in Medina und der Abschluss eines Vertrages
Der Gesandte Allahs traf im Monat Rabīʿ al-awwal in Medina ein und blieb dort bis zum Monat Safar des folgenden Jahres. In dieser Zeit wurden für ihn eine Moschee und ein Wohnhaus errichtet. Außerdem breitete sich der Islam durch die Annahme des Islam durch diesen Stamm der Ansar von Medina, die Banu Malik ibn an-Naddschār, weit aus. Außer den vier Familien Chathma, Wāqid, Wāʾil und Umaiya hielt nur eine Gruppe des Stammes Aus am Götzendienst fest.
Abu Salama ibn Abd ar-Rahman überlieferte mir, dass der Gesandte Allahs bei seiner ersten Ansprache in Medina zunächst vor den Menschen stand und Allah in gebührender Weise pries. Dann sagte er Folgendes:
„O Menschen, legt einen Vorrat an guten Taten für das Jenseits an. Wisst, dass jemand von euch plötzlich sterben kann, ohne dass jemand da sein wird, der seine Schafherde hütet. Danach wird sein Herr ihn befragen. Auch wird dort kein Dolmetscher anwesend sein. Er wird sagen: ‚Ist nicht Mein Gesandter zu dir gekommen? Habe Ich dir nicht reichlich Besitz geschenkt? Wie viel davon hast du für das Jenseits vorausgeschickt?‘ Dann wird er nach rechts und links schauen, aber nichts sehen. Er wird nach vorn schauen und dort nichts außer der Hölle sehen. Wer sich vor der Hölle schützen kann, soll sich darum bemühen, sich vor ihr zu schützen, selbst wenn es nur durch ein Stück einer Dattel geschieht. Wer nicht einmal dazu in der Lage ist, soll sich wenigstens durch ein gutes Wort vor der Hölle schützen. Denn jede gute Tat wird mit dem Zehnfachen bis zum Siebenhundertfachen belohnt. As-salamu alaikum wa rahmatullah.“
Ein weiteres Mal hielt er folgende Ansprache:
„Alles Lob gebührt Allah. Ich preise Ihn und bitte Ihn allein um Hilfe. Bei Ihm suchen wir Zuflucht vor den Einflüsterungen unserer Triebe und vor schlechten Taten. Wen Allah rechtleitet, den kann niemand in die Irre führen; und wen Allah in der Irre gehen lässt, den kann niemand rechtleiten. Ich bezeuge, dass es keinen Gott außer Allah gibt. Er ist einzig und hat keinen Teilhaber. Wahrlich, Allahs Buch ist das beste Wort. Wer in dessen Herzen Er den Qurʾan liebenswert gemacht hat, wem Er nach dem Versinken im Unglauben die Annahme des Islam ermöglicht hat und wer den Qurʾan anstelle der Worte der Menschen angenommen hat, der ist erfolgreich. Denn es gibt kein schöneres und kunstvolleres Wort als den Qurʾan. Liebt, was Allah liebt. Liebt Allah mit eurem ganzen Herzen. Seid nicht nachlässig im Umgang mit Allahs Wort und in Seinem Gedenken, und lasst das Herz nicht hart werden. Denn Allah erwählt aus jeder Seiner Schöpfungen einige; aus ihren Taten hat Er einige als auserwählt bestimmt, und aus Seinen Dienern hat Er einige Diener erwählt. Er liebt das gute Wort. Unter dem, was den Menschen gegeben wurde, gibt es sowohl Erlaubtes als auch Verbotenes. So dient Allah und setzt Ihm nichts zur Seite. Fürchtet Ihn, wie es Ihm gebührt. Seid Allah gegenüber aufrichtig, indem ihr von all den Worten, die ihr mit eurem Mund sprecht, das beste in die Tat umsetzt, und lasst durch Allahs Gnade Liebe zwischen euch entstehen. Wenn ein mit Allah geschlossener Bund gebrochen wird, wird Er zornig. Friede sei mit euch.“
Danach schloss der Gesandte Allahs zwischen den Ansar und den Auswanderern eine Urkunde. Durch dieses Dokument versprach und gewährte er den Juden ein friedliches Zusammenleben, erkannte ihre Freiheit zur Ausübung ihrer Religion und ihr Eigentum an ihrem Besitz an und vereinbarte mit ihnen einige Bedingungen. Diese Urkunde lautet wie folgt:
„Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen.“
Dies ist eine Übereinkunft von Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, im Namen der gläubigen Muslime aus Quraisch und Yathrib sowie all jener, die ihnen später als Anhänger folgen, sich ihnen anschließen und gemeinsam mit ihnen am Dschihad teilnehmen werden. Sie bilden unter allen Menschen eine eigenständige Umma. Die aus Quraisch stammenden Auswanderer bleiben in ihrer bisherigen Ordnung der gegenseitigen Unterstützung bestehen; ihre bisherige Regelung zur Zahlung von Entschädigungen bleibt untereinander bestehen, und die Gläubigen jeder Sippe werden weiterhin Gefangene gegen Lösegeld freikaufen. Auch die Banu Saʿida bleiben in ihrer bisherigen Ordnung bestehen. Unter den Gläubigen jeder ihrer Gruppen sollen Gefangene gegen Lösegeld freigelassen werden. Die Banu al-Harith bleiben in ihrer bisherigen Ordnung bestehen. Ihre bisherige Regelung zur Zahlung von Entschädigungen bleibt untereinander bestehen, und unter den Gläubigen jeder ihrer Gruppen wird weiterhin die Sitte gelten, Gefangene gegen Lösegeld freizukaufen. Auch die Banu Dschuscham bleiben in ihrer bisherigen Ordnung bestehen. Ihre bisherige Regelung zur Zahlung von Entschädigungen bleibt bestehen, und unter den Gläubigen jeder ihrer Gruppen bleibt der gerechte Freikauf von Gefangenen gegen Lösegeld gewährleistet. Auch die Banu an-Nadschdschār bleiben in ihrer bisherigen Ordnung bestehen; unter den Gläubigen jeder ihrer Gruppen wird der gerechte Freikauf von Gefangenen gegen Lösegeld fortgeführt. Die Banu ʿAmr ibn ʿAuf bleiben in ihrer bisherigen Ordnung bestehen. Ihre bisherige Regelung zur Zahlung von Entschädigungen wird fortgeführt, und unter den Gläubigen jeder ihrer Gruppen werden Gefangene weiterhin auf gerechte Weise gegen Lösegeld freigelassen. Die Banu Nabīt bleiben in ihrer bisherigen Ordnung bestehen. Ihre bisherige Regelung zur Zahlung von Entschädigungen bleibt bestehen, und unter den Gläubigen jeder ihrer Gruppen wird der gerechte Freikauf von Gefangenen gegen Lösegeld fortgeführt. Die Banu Aus bleiben in ihrer bisherigen Ordnung bestehen. Unter den Gläubigen jeder ihrer Gruppen werden Gefangene weiterhin auf gerechte Weise gegen Lösegeld freigelassen. Die Gläubigen werden jedem unter ihnen, der verschuldet ist oder eine große Familie zu versorgen hat, angemessene finanzielle Unterstützung bei der Zahlung von Entschädigungen und Lösegeld leisten. Kein Gläubiger darf sich gegen den Schutzherrn eines anderen Gläubigen stellen. Die gottesfürchtigen Gläubigen werden wirksam gegen jeden unter ihnen vorgehen, der rebelliert, großes Unrecht begeht, Verbrechen verübt, den Interessen der muslimischen Gemeinschaft schadet oder Unheil stiftet; alle werden sich gegen einen solchen Übeltäter gemeinsam einsetzen, selbst wenn er der Sohn eines von ihnen wäre. Kein Gläubiger wird einen anderen Gläubigen zugunsten eines Ungläubigen töten, und kein Gläubiger wird einem Ungläubigen gegen einen Gläubigen Beistand leisten. Die Rechte eines loyalen Nichtmuslims im muslimischen Staat sind gleichermaßen geschützt. Auch einem noch so unbedeutenden Nichtmuslim werden die Muslime unter vollständiger Gewährleistung seiner Sicherheit Schutz gewähren. Die Gläubigen bleiben untereinander Verbündete; dies gilt jedoch nicht gegenüber den anderen. Und jeder unter den Juden, der uns folgt und sich uns gegenüber loyal verhält, erhält die gleichen Rechte und die gleiche Unterstützung wie wir. Gegen solche Menschen darf kein Unrecht zugelassen werden, und niemandem darf geholfen werden, sie anzugreifen. Der Schutz der Gläubigen gilt für alle gleichermaßen und ist einheitlich. Wenn im Interesse des Islam ein Krieg stattfindet, wird kein Muslim mit einem Nichtmuslim einen Waffenstillstand oder Vergleich schließen, außer auf Grundlage von Gleichheit und Gerechtigkeit. Jede Kriegergruppe unter uns wird den anderen Kriegergruppen folgen. Ein Gläubiger darf einen anderen Gläubigen nur als Vergeltung für einen Mord und gemäß Allahs Gesetz töten. Die gottesfürchtigen Gläubigen folgen dem vorzüglichsten und festesten Weg. Kein Götzendiener von Medina darf für einen Angehörigen der Quraisch Schutz oder Bürgschaft hinsichtlich seines Lebens und Besitzes übernehmen, und er darf keinem Gläubigen Schaden zufügen. Wer einen Gläubigen tötet, obwohl dieser kein mit der Todesstrafe zu ahndendes Verbrechen begangen hat, und dies ordnungsgemäß bewiesen wird, wird mit dem Tod bestraft. Wenn er jedoch den Erben des Getöteten auf andere Weise zufriedenstellt, wird die Todesstrafe nicht vollstreckt. Dennoch werden alle Gläubigen in jedem Fall gegen diesen muslimischen Mörder stehen, und keinem Gläubigen ist es erlaubt, Partei für ihn zu ergreifen. Für keinen Gläubigen, der diese Übereinkunft anerkennt und fest an Allah und das Jenseits glaubt, ist es erlaubt, jemandem zu helfen oder ihm Schutz zu gewähren, der Neuerungen in die islamische Ordnung einführt. Wer einem solchen Menschen hilft oder ihm Schutz gewährt, auf dem wird Allahs Fluch liegen, und am Tag der Auferstehung wird Allahs Zorn über ihn kommen. Für ihn wird weder Fürsprache angenommen noch ein Lösegeld. Wenn ihr in irgendeiner Angelegenheit miteinander uneins seid, dann wendet euch zur Entscheidung darüber an Allah und Seinen Gesandten.
Solange die Gläubigen im Krieg stehen, werden die Juden sich an der Bereitstellung ihrer Kriegsausrüstung beteiligen. Die Juden der Banū ʿAwf gelten als eine Gemeinschaft mit den Gläubigen, ebenso sie selbst und ihre Verbündeten. Doch die Muslime und die Juden werden jeweils ihre eigene Religion ausüben. Wer jedoch Unrecht, Unterdrückung oder eine verbrecherische Handlung begeht, zieht dadurch lediglich den Untergang seiner eigenen Familie und Angehörigen auf sich. Die Rechte der Juden der Banū an-Naǧǧār sind denen der Juden der Banū ʿAwf gleich. Ebenso sind die Rechte der Juden der Banū al-Ḥāriṯ, der Banū Sāʿida, der Banū Ǧušām, der Banū Aws, der Banū Ṯaʿlaba und der Banū Šuṭayba denen der Juden der Banū ʿAwf gleich. Wer sich jedoch an Unrecht, Unterdrückung oder Sündhaftigkeit beteiligt, richtet nur sich selbst und seine Familie zugrunde. Alle äußeren Angelegenheiten der Ṯaʿlaba sollen ebenso unantastbar sein wie ihre inneren Angelegenheiten und wie ihr eigenes Leben. Treue und Vertragstreue sollen alle vor Sündhaftigkeit bewahren. Die Verbündeten der Ṯaʿlaba haben dieselben Rechte wie sie selbst. Die inneren Angelegenheiten der Juden sollen ebenso unantastbar sein wie ihr eigenes Leben. Niemand von ihnen darf ohne die Erlaubnis Muḥammads, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Medina verlassen. Jeder soll wissen, dass man durch keinerlei Streit oder Verhör dem Feuer entkommen kann. Wer einen Menschen tötet, nimmt dessen Leben im Austausch für den Untergang seiner selbst und seiner Familie. Etwas anderes gilt nur, wenn der Getötete ein Verbrecher war. Allah, der Erhabene, liebt in dieser Angelegenheit größere Nachsicht. Die Juden tragen ihre eigenen Ausgaben, und auch die Ausgaben der Muslime tragen sie selbst. Diejenigen, die diese Urkunde angenommen haben, sind verpflichtet, jeden ihrer Vertragspartner, der sich im Krieg befindet, nach Kräften zu unterstützen; untereinander sollen sie in einem Verhältnis von Wohlwollen, gutem Rat und Großzügigkeit stehen und sich nicht an einer sündigen Handlung beteiligen. Dem eigenen Verbündeten Schaden zuzufügen, ist ein furchtbares und beispielloses Verbrechen. Alle sind verpflichtet, den Unterdrückten zu helfen. Solange die Gläubigen im Krieg stehen, werden die Juden sie finanziell unterstützen. [47. Das heißt: Allah und die Gläubigen haben nichts dagegen, ihre Unterstützung anzunehmen.] Für die Vertragspartner dieser Urkunde ist das Gebiet innerhalb von Yathrib vollständig sicher. Wenn ein Nachbar kein Verbrecher ist und sich nicht an schädlichen Handlungen beteiligt, genießt sein Leben, sein Besitz und seine Ehre denselben vollständigen Schutz wie das eigene Leben, der eigene Besitz und die eigene Ehre. Niemand darf ein Haus ohne die Erlaubnis seines Eigentümers betreten. Was immer unter denjenigen, die diese Urkunde angenommen haben, an unerfreulichen Vorfällen, Streit oder Auseinandersetzungen geschieht, zur Entscheidung darüber müssen sie sich an Allah und Muḥammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, wenden. Allah wünscht, dass diese Urkunde mit größter Wachsamkeit und Aufrichtigkeit umgesetzt wird. [48. Bemerkenswert ist, dass bei der Annahme dieser Urkunde noch keine Dschizya auferlegt worden war und die Muslime schwach waren. Wenn die Juden damals auf der Seite der Muslime kämpften, hatten sie einen Anteil an der Kriegsbeute. Diese Urkunde verpflichtete sie, sich an den Kriegskosten zu beteiligen.] Man muss wissen, dass Quraisch und ihre Verbündeten keinen Schutz erhalten dürfen. Die Unterzeichner dieser Urkunde werden den Angreifer auf Medina gemeinsam abwehren. Wenn jedoch zum Abschluss eines Friedens und eines Bündnisses aufgerufen wird, werden sie mit demjenigen, der dazu aufruft, Frieden schließen und ein Bündnis eingehen. Wenn sie zu einem solchen Frieden oder Bündnis aufgerufen werden, ist dessen Annahme auch für die Gläubigen verpflichtend. Wer jedoch an einem Krieg gegen die Religion teilnimmt, erhält seinen zustehenden Anteil von der Partei, die ihn in ihr Heer aufgenommen hat. Die Rechte und Pflichten der Juden von Aws und ihrer Verbündeten sind dieselben wie die Rechte und Pflichten der Unterzeichner dieser Urkunde, und sie sollen sie von den Unterzeichnern der Urkunde vollständig und gerecht erhalten. Wenn jemand den Weg der Aufrichtigkeit einschlägt, soll man seine früheren Sünden verzeihlich betrachten. Wer eine schlechte Tat begeht, schadet damit nur sich selbst. Allah wünscht in Bezug auf die Treue zu dieser Urkunde größtmögliche Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit. Diese Urkunde ist kein Schutzschild für einen Unterdrücker oder Verbrecher. Wer nicht an Unrecht oder einem Verbrechen beteiligt ist, soll innerhalb der Grenzen Medinas Sicherheit genießen, auch wenn er den Krieg verlässt oder untätig sitzen bleibt. Wer auf dem Weg der Aufrichtigkeit und Gottesfurcht standhaft bleibt, dessen Beschützer und Beistand werden Allah und Muḥammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sein.
Begründung eines brüderlichen Verhältnisses zwischen den Ansār und den Muhāǧirūn
Ibn Isḥāq sagt: Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, stiftete zwischen den Muhāǧirūn und den Ansār brüderliche Bande. Ich suche Zuflucht bei Allah davor, ihm etwas zuzuschreiben, was er nicht gesagt hat. Ich habe erfahren, dass er jeweils zwischen zwei Männern ein brüderliches Verhältnis begründete. Dann nahm er ʿAlī ibn Abī Ṭālib an der Hand und sagte: „Das ist mein Bruder.“ So wurden er, der Anführer der Propheten, das Vorbild der Gottesfürchtigen und der Gesandte des Herrn der Welten, der seinesgleichen in der Welt nicht hat, und ʿAlī, der Sohn Abū Ṭālibs (r.a.), erneut zu Brüdern verbunden. Ebenso wurden Ḥamza ibn ʿAbd al-Muṭṭalib, der Löwe Allahs und Seines Gesandten sowie der Onkel des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und Zayd ibn Ḥāriṯa zu Brüdern gemacht. Vor seinem Aufbruch zur Schlacht von Uḥud hatte Ḥamza testamentarisch verfügt, dass Zayd ibn Ḥāriṯa im Falle seines Todes sein Vermögen erben solle. Ǧaʿfar aṭ-Ṭayyār, der Sohn Abū Ṭālibs, und Muʿāḏ ibn Ǧabal aus dem Stamm der Banū Salama wurden miteinander zu Brüdern verbunden. ʿUmar ibn al-Ḫaṭṭāb und ʿItbān ibn Mālik wurden Brüder. Abū ʿUbayda ibn al-Ǧarrāḥ und Saʿd ibn Muʿāḏ, ʿAbd ar-Raḥmān ibn ʿAwf und Saʿd ibn Rabīʿ, az-Zubayr ibn al-ʿAwwām und Salama ibn Salāma, ʿUṯmān ibn ʿAffān und Aws ibn Ṯābit, Ṭalḥa ibn ʿUbaydallāh und Kaʿb ibn Mālik, Saʿīd ibn Zayd und Ubayy ibn Kaʿb, Muṣʿab ibn ʿUmayr und Abū Ayyūb Ḫālid, Abū Ḥuḏayfa ibn ʿUtba ibn Kaʿb, Masʿab ibn ʿUmayr und Abū Ayyūb Ḫālid, Abū Ḥuḏayfa ibn ʿUtba und ʿAbbād ibn Bišr, ʿAmmār ibn Yāsir und Ḥuḏayfa ibn al-Yamān sowie Abū Ḏarr al-Ġifārī und Munḏir ibn ʿAmr begründeten untereinander brüderliche Beziehungen. Außerdem wurden Ḥāṭib ibn Abī Baltaʿa und ʿUwaym ibn Sāʿida, Salmān al-Fārisī und Abū ad-Dardāʾ sowie Bilāl, der freigelassene Sklave Abū Bakrs (r.a.), und Abū Ruwayḥa zu Brüdern verbunden.
Von den Gefährten, zwischen denen der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, brüderliche Bande stiftete, habe ich nur die Namen der genannten Gefährten erfahren.
Der Beginn des Gebetsrufs
Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in Medina alle seine muhādschirischen Brüder bei sich hatte und die geeinte Unterstützung und Hilfe der Ansar genoss, atmete er erleichtert auf; da wurde der Islam zu einer gefestigten Macht. Unverzüglich wurden Vorkehrungen für die regelmäßige Verrichtung des Gebets getroffen, Zakāt und Fasten wurden verpflichtend, und Gesetze zur Bekämpfung von Verbrechen wurden eingeführt. Auch die Bestimmungen über Erlaubtes und Verbotenes traten in Kraft. So wurde der Islam unter ihnen vollständig etabliert. Dieser Stamm der Ansar hatte sich nach der Annahme des Glaubens hier als dauerhafte ansässige Bevölkerung niedergelassen. Nachdem der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nach Medina gekommen war, versammelten sich die Muslime von selbst bei ihm, sobald die Gebetszeit eintrat; man musste sie nicht rufen. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, fasste den Entschluss, ebenfalls ein Horn blasen zu lassen, so wie die Juden die Menschen durch das Blasen eines Horns zum Gebet versammelten. Doch gleich darauf gefiel ihm dieser Gedanke nicht, und er ließ ihn fallen. Danach erwog er, die Muslime durch das Läuten einer Glocke zum Gebet zu rufen.
Während diese Überlegungen noch im Gang waren, sah ʿAbdullah ibn Zayd im Traum, wie man die Menschen rufen und versammeln sollte. Er begab sich zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und sagte: „O Gesandter Allahs, heute Nacht sah ich im Traum einen unbekannten Mann, der grüne Kleidung trug und mit einer Glocke in der Hand umherging. Als der Mann an mir vorbeikam, sagte ich zu ihm: ‚O Diener Allahs, wirst du diese Glocke verkaufen?‘ Er sagte: ‚Was willst du mit der Glocke tun?‘ Ich sagte: ‚Ich werde die Menschen zum Gebet rufen.‘ Er sagte: ‚Soll ich dich etwas Besseres als das lehren?‘ Ich sagte: ‚Was ist es? Sag es mir.‘ Er sagte: ‚Allāhu akbar, Allāhu akbar, Allāhu akbar, Allāhu akbar; aschhadu an lā ilāha illallāh, aschhadu an lā ilāha illallāh; aschhadu anna Muhammadan rasūlullāh, aschhadu anna Muhammadan rasūlullāh; hayya ʿalaṣ-ṣalāh, hayya ʿalaṣ-ṣalāh; hayya ʿalal-falāh, hayya ʿalal-falāh; Allāhu akbar, Allāhu akbar; lā ilāha illallāh.‘“ Kaum hatte er dem Gesandten Allahs von seinem Traum berichtet, sagte dieser: „So Allah will, ist dieser Traum wahr. Geh mit Bilāl an einen Ort und stell dich dort auf. Lehre ihn diese Worte, und er soll den Adhān ausrufen, denn seine Stimme ist lauter als deine.“ Bilāl rief den Adhān aus. ʿUmar hörte ihn, während er zu Hause saß. Sofort eilte er, seinen Umhang überwerfend, zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und sagte: „O Gesandter Allahs, bei Allah, auch ich habe genau das gesehen, was ʿAbdullah ibn Zayd gesehen hat.“ Darauf pries der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Allah und brachte mit den Worten „al-hamdu lillāh“ seine Dankbarkeit zum Ausdruck.
Bericht über die Erkrankung einiger Gefährten
ʿĀischa, Allahs Wohlgefallen sei auf ihr, berichtet:
In Medina herrschte das Fieber besonders stark. Viele der Gefährten des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, erkrankten. Allah, der Erhabene, bewahrte Seinen Propheten davor. Abū Bakr und seine beiden Diener Bilāl und ʿĀmir ibn Fuhayra lebten im selben Haus. Sie alle erkrankten am Fieber. Ich ging zu ihnen, um nach ihnen zu sehen. Die Vorschrift der Verschleierung war damals noch nicht offenbart worden. Die Kranken litten unbeschreibliche Qualen. Zuerst ging ich zu Abū Bakr und fragte ihn: „Vater, wie fühlst du dich?“ Er antwortete mit einem Gedicht:
„Jeder Mensch hält sich bei seinen Angehörigen auf, doch der Tod ist ihm ganz nahe.“
Ich verstand es und sagte mir insgeheim: „Vater redet sicherlich im Fieberwahn.“
Danach ging ich zu ʿĀmir ibn Fuhayra und sagte: „ʿĀmir, wie fühlst du dich?“
Auch er antwortete mit einem Gedicht: „Noch bevor ich den Geschmack des Todes kosten konnte, fand ich den Tod,
der Tod des Feiglings liegt ihm stets über dem Haupt,
jeder Mensch kämpft im Dschihad mit all seiner Kraft, so wie der Stier mit seinen Hörnern seine Haut schützt.“
Ich verstand, dass er das Bewusstsein verloren hatte und im Fieber delirierte.
Wenn Bilals Fieber besonders stark wurde, ging er in den Hof des Hauses und legte sich dort nieder.
Dann rezitierte er mit lauter Stimme Gedichte und sagte:
„Ach! Werde ich eine Nacht in Fakhkh, zwischen Idhkhir und Rosen, verbringen können?
Und werde ich noch einen Tag die Gelegenheit haben, in das Wasserbecken von Majanna hinabzusteigen? Werde ich die beiden Berge Schāma und Tafīl noch einmal sehen können? (49. Fakhkh: der Name eines Ortes außerhalb von Mekka. Idhkhir: der Name einer wohlriechenden Pflanze. Majanna: ein Markt im tiefer gelegenen Gebiet von Mekka.) (50. Schāma und Tafīl sind die Namen zweier Berge von Mekka.)
Was ich von ihnen hörte, berichtete ich dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm. Ich sagte: „Wegen der Heftigkeit des Fiebers reden sie alle im Delirium. Sie verstehen selbst nicht, was sie sagen.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagte: „O Allah, mache Medina für uns ebenso liebenswert wie Mekka oder noch liebenswerter. Segne für uns die Früchte, die hier wachsen. Entferne von hier jede Krankheit und bringe sie nach Mahiyaya [51. Mahiyaya ist ein anderer Name für Dschuhfa, den Ort, an dem die Pilger aus Syrien den Ihram anlegen.].“
Das Datum der Hidschra
Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, Medina erreichte, war es kurz vor dem von der Sonne erhitzten Mittag. Es war Montag, der 12. Rabi al-awwal. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, war damals 53 Jahre alt. Dies geschah im dreizehnten Jahr nach Beginn der Prophetenschaft. Danach blieb er den Rest des Monats Rabi al-awwal sowie in den Monaten Rabi ath-thani, Dschumada al-awwal, Dschumada ath-thani, Radschab, Schaban, Ramadan, Schawwal, Dhul-Qaʿda, Dhul-Hiddscha und Muharram in Medina. [Das heißt: Nach der Hidschra nach Medina verließ er Medina während dieses Zeitraums nicht: – der Herausgeber.]
Der erste Feldzug
Genau zwölf Monate nach seiner Ankunft in Medina, im Monat Safar, brach er zum Feldzug nach Waddan, also nach Abwa, auf. Auf der Suche nach den Quraisch und den Banu Damra ibn Bakr erreichte er Waddan. Dort unterwarfen sich die Banu Damra seiner Herrschaft. Danach kehrte er sicher nach Medina zurück, ohne irgendeiner Verschwörung ausgesetzt gewesen zu sein. Den Rest des Monats Safar und den Anfang des Monats Rabi al-awwal verbrachte er dort.
Der Feldzug unter der Führung von Ubaida ibn al-Harith
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, hatte selbst das Banner für diesen Feldzug gebunden.
Während der Zeit, in der der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, in Medina blieb, entsandte er Ubaida ibn al-Harith mit einer Reitertruppe von 60 oder 80 Männern. Sie waren allesamt Muhadschirun. Kein einziger Ansar war bei ihnen. Als die Gruppe bei einem Wasserbecken im Tiefland von Saniyat al-Murra eintraf, stieß sie auf eine große Abteilung der Quraisch. Doch es kam zu keinem Kampf. Nur Saʿd ibn Abi Waqqas schoss einen Pfeil ab. Dies war der erste Pfeilschuss des islamischen Heeres. Danach kehrte die Gruppe zurück. Die Muslime waren damals sehr begeistert.
Feldzug unter Hamzas Führung in Richtung Meeresküste
Zu dieser Zeit entsandte der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, unter der Führung Hamzas eine Gruppe von 30 berittenen Auswanderern über Īs in Richtung Meeresküste. Auch bei diesem Feldzug entsandte er keinen einzigen Ansār. Nun traf das muslimische Heer auf ein Heer von 300 Reitern aus Mekka unter der Führung Abū Jahls. Durch die Bemühungen von Madschi ibn Amr al-Dschuhanī kam es auch diesmal zu keinem Zusammenstoß. Er hielt beide Seiten voneinander fern. Daraufhin kehrten beide Heere getrennt voneinander zurück. Auch diesmal fand kein Kampf statt.
Der Feldzug von Buwāt
Im Monat Rabīʿ al-auwal brach der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, zu einem Feldzug gegen die Quraisch auf und erreichte einen Ort namens Buwāt. Er gelangte dorthin über die Richtung von Ridwā. Ohne Kampf kehrte er nach Medina zurück. Dort verbrachte er die verbleibenden Tage des Rabīʿ ath-thānī und den ersten Teil des Dschumādā al-ūlā. [52. Während dieses Feldzugs wurde Sāʾib ibn ʿUthmān ibn Mazʿūn (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) mit der Betreuung Medinas beauftragt. Buwāt: der Name eines Berges im Gebiet des Stammes Dschuhaina nahe Yanbuʿ.]
Der Feldzug von Uschaira
Der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, führte erneut einen Feldzug gegen die Quraisch. [53. Zu dieser Zeit wurde Abū Salama ibn ʿAbd al-Asad (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) mit dem Schutz Medinas beauftragt.] Er zog mit dem Heer durch den Gebirgspass von Banū Dīnār und anschließend durch die Wüste von Hābir, erreichte das Tal von Ibn Adhhar und legte unter dem Schatten eines Baumes eine Rast ein. Dort verrichtete er das Gebet. Deshalb befindet sich dort eine Moschee. Als dort für ihn Essen zubereitet wurde, aß er gemeinsam mit allen anderen. Der Platz, an dem dort die Kochtöpfe abgestellt wurden, ist noch heute deutlich zu erkennen. Man ließ ihn aus der Quelle namens Muschtarāb dort Wasser trinken. Danach brach er auf, wobei er den Ort namens Chalāʾiq zu seiner Linken ließ, und überquerte den Gebirgspass von ʿAbdullāh. Anschließend bog er nach links ab, erreichte die Ebene namens Yaljāl und legte am Zusammenfluss von Yaljāl und Dabūʿa eine Rast ein; dort trank er Wasser aus einem Brunnen. Danach zog er durch die Ebene von Farsh Milāl. Schließlich erreichte er den Weg durch die kleinen Bergregionen von Yamāma. Diesem Weg folgend gelangte er über die Ebene von Yanbuʿ nach Uschaira und legte dort eine Rast ein. Dort blieb er einige Tage im Dschumādā al-ūlā und im Dschumādā ath-thāniya. Dort forderte er die Banū Madlidsch und ihre Stammesverbündeten von den Banū Damra dazu auf, sich zu unterwerfen. Danach kehrte er sicher nach Medina zurück.
Feldzug unter der Führung von Saʿd ibn Abī Waqqās
Danach entsandte der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, ein Heer unter der Führung von Saʿd ibn Abī Waqqās. Dieses Heer aus acht Auswanderern gelangte zu einem Ort im Hidschāz namens Chazzār. Danach kehrte es sicher nach Medina zurück.
Expedition nach Safwān: die erste Expedition nach Badr
Weniger als zehn Tage nach der Rückkehr von der Expedition nach al-Uschaira griff eines Tages Kurz ibn Dschābir al-Fihrī die Tiere an, die in der Umgebung von Medina freigelassen worden waren, sowie anderes Vieh, um es zu plündern. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nahm unverzüglich die Verfolgung auf. [54. Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu diesem Feldzug aufbrach, betraute er Zaid ibn Hāritha mit der Verantwortung für die Verwaltung Medinas.] Er erreichte ein Tal an einer Seite des Badr-Gebiets, das Safwān genannt wurde. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, konnte Kurz ibn Dschābir jedoch nicht einholen. Dieses Ereignis wird die erste Expedition nach Badr genannt. Danach kehrte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nach Medina zurück und verbrachte dort die verbleibenden Tage des Monats Dschumādā ath-Thāniya sowie die Monate Radschab und Schaʿbān.
Militärische Expedition unter der Führung von ʿAbdullāh ibn Dschahsch
Im Monat Radschab entsandte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, unter der Führung von ʿAbdullāh ibn Dschahsch eine aus acht Männern bestehende Einheit von Muhādschirūn, die von der ersten Expedition nach Badr zurückgekehrt waren. Keinen einzigen Ansār nahm er in ihre Reihen auf. Er gab ʿAbdullāh ibn Dschahsch einen Brief und sagte ihm, er solle diesen Brief erst öffnen und lesen, nachdem sie zwei Tage unterwegs gewesen seien, nicht vorher. Nachdem er den Brief gelesen habe, solle er nach den darin enthaltenen Anweisungen handeln, jedoch keinem seiner Gefährten irgendetwas aufzwingen.
Nachdem sie zwei Tage unterwegs gewesen waren, öffnete ʿAbdullāh ibn Dschahsch den Brief und las ihn. Darin stand: „Sobald du diesen meinen Brief gelesen hast, brich auf und begib dich zu dem Ort Nakhlah zwischen Mekka und Tāʾif und lege dort eine Rast ein. Halte dort nach den Quraisch Ausschau, und wenn du irgendwelche Informationen erhältst, teile sie mir mit.“
Kaum hatte ʿAbdullāh ibn Dschahsch den Brief gelesen, sagte er: „Ich habe es angenommen und bin gehorsam.“ Danach sagte er zu seinen Gefährten: „Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, hat mir befohlen, nach Nakhlah zu gehen, dort den Quraisch aufzulauern und ihm jede Nachricht mitzuteilen, die ich erhalte. Zugleich hat er mir verboten, irgendjemandem von euch in dieser Angelegenheit eine verpflichtende Aufgabe aufzuerlegen. Wer von euch den Märtyrertod erlangen möchte, soll mitkommen. Wer dies nicht möchte, soll umkehren. Ich aber werde den Befehl des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ausführen.“ Nachdem ʿAbdullāh ibn Dschahsch dies gesagt hatte, brachen alle gemeinsam mit ihm auf. Niemand kehrte um. Er betrat den Hidschāz. An einem Ort namens Bahrān verloren Saʿd ibn Abī Waqqās und ʿUtbah ibn Ghazwān ihre Kamele. Sie waren den beiden Tieren gefolgt. Deshalb blieben sie zurück, um die Kamele zu suchen, während ʿAbdullāh ibn Dschahsch und seine Gefährten ihre Reise fortsetzten. Schließlich erreichten sie Nakhlah und legten dort eine Rast ein. Zu dieser Zeit zog in ihrer Nähe eine Karawane der Quraisch vorbei, die Rosinen und Leder sowie weitere Handelswaren der Quraisch mit sich führte. Zu dieser Gruppe gehörten ʿAmr ibn al-Hadramī, ʿUthmān ibn ʿAbdullāh, dessen Bruder Nawfal ibn ʿAbdullāh, und al-Hakam ibn Kaisān. Als die Gruppe des ʿAbdullāh ibn Dschahsch sie erblickte, geriet sie in Unruhe, denn sie waren ihnen sehr nahe gekommen. ʿUkkāschah ibn Mihsān ging auf sie zu. Sein Kopf war geschoren. Als die Quraisch ihn sahen, waren sie beruhigt und sagten: „Das sind Einheimische. Von ihnen droht keine Gefahr.“ Unterdessen berieten sich die Muslime über die Quraisch. Es war der letzte Tag des Monats Radschab. Alle waren der Ansicht, dass die Karawane der Quraisch heute freigelassen werden solle; danach würden sie nämlich in das Gebiet des Heiligtums eintreten und vor uns sicher sein. Wenn sie dagegen heute getötet würden, wären sie des Blutvergießens in einem heiligen Monat schuldig. So gerieten sie in Zweifel und zögerten, etwas gegen die Karawane der Quraisch zu unternehmen. Doch schon kurze Zeit später legten sie ihre Zweifel ab und einigten sich entschlossen darauf, jeden zu töten, den sie töten konnten, und alles an sich zu nehmen, was sich bei ihnen befand. Wāqid ibn ʿAbdullāh at-Tamīmī tötete ʿAmr ibn al-Hadramī mit einem Speerstich. ʿUthmān ibn ʿAbdullāh und al-Hakam ibn Kaisān nahmen sie gefangen. Nawfal ibn ʿAbdullāh floh und rettete sich; es war unmöglich, ihn einzuholen. Danach begab sich ʿAbdullāh ibn Dschahsch mit den übrigen Angehörigen der Karawane und den beiden Gefangenen nach Medina und erschien beim Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm.
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Ich habe euch doch nicht befohlen, in einem heiligen Monat zu kämpfen.“ Danach hielt er die Karawane und die Gefangenen zurück und lehnte es ab, ihr Vermögen anzunehmen. Durch diese Äußerung des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, stand ʿAbdullāh ibn Dschahsch vor allen bloß und wusste nichts zu erwidern. Die Angehörigen seiner Gruppe glaubten, sie seien zugrunde gegangen. Die Muslime tadelten sie wegen dieser Tat. Die Quraisch hingegen sagten: „Muhammad und seine Gefährten haben die Heiligkeit des heiligen Monats verletzt. Sie haben in einem heiligen Monat Blut vergossen, fremdes Vermögen an sich genommen und Menschen gefangen genommen.“ Einer der Muslime, die sich damals noch in Mekka aufhielten, erwiderte: „Was die Muslime getan haben, haben sie im Monat Schaʿbān getan.“ [Der Grund für diese Aussage war, dass der Monat Schaʿbān nach dem Sonnenuntergang am letzten Tag des Monats Radschab begonnen hatte. – Der Herausgeber]
Als diese Kampagne der öffentlichen Verleumdung ein immer größeres Ausmaß annahm, offenbarte Allah dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, folgenden Vers:
[Arabisch *************]
„Sie fragen dich nach dem Kämpfen im heiligen Monat. Sprich: In diesem Monat zu kämpfen ist Unrecht. Doch noch größeres Unrecht ist es in den Augen Allahs,
Menschen vom Weg Allahs abzuhalten, ungläubig zu sein, sie am Betreten der heiligen Moschee zu hindern und die Bewohner der heiligen Moschee daraus zu vertreiben. Menschen durch Verfolgung vom rechten Weg abzubringen, ist ein größeres Verbrechen als Töten. Sie werden unablässig gegen euch kämpfen, damit sie euch, wenn sie dazu imstande sind, von eurer Religion abbringen können.“ (Al-Baqara)
Das heißt: Selbst wenn ihr im heiligen Monat einen Übergriff begangen habt, so haben sie euch doch vom Weg Allahs abgehalten, waren zudem ungläubig und hinderten euch daran, die heilige Moschee zu betreten. Und obwohl ihr Bewohner der heiligen Moschee seid, ist es in den Augen Allahs ein schwereres Verbrechen, euch daraus zu vertreiben, als einen eurer Ungläubigen zu töten. Dass sie die Muslime verfolgten, sie zum Abfall von ihrer Religion zwangen und zum ungläubigen System zurückführten, war schlimmer als Töten. Diese höchst verwerfliche Ungerechtigkeit begingen sie weiterhin unablässig an euch, ohne davon abzulassen oder Reue zu zeigen.
Als diese Wegweisung im Koran erging und Allah den Muslimen ihre Furcht und Sorge nahm, übernahm der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, offiziell die beschlagnahmte Karawane und die Gefangenen. Die Quraisch sandten ihm eine Nachricht und baten darum, Uthman und Hakim gegen Lösegut freizulassen. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, antwortete ihnen: „Wir werden die Gefangenen nicht freilassen, bis unsere beiden Männer, Saʿd ibn Abi Waqqas und Utba ibn Ghazwan, zurückgekehrt sind. Denn wir befürchten, dass ihr beider Leben durch euch gefährdet sein könnte.“ Bald darauf kehrten Saʿd und Utba zurück, und der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ließ sie gegen Lösegut frei. Einer der beiden Gefangenen, Hakim ibn Kaisan, nahm jedoch den Islam an und wurde ein aufrichtiger Muslim. Danach blieb er beim Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Später fiel er beim Ereignis von Biʾr Maʿuna als Märtyrer. Uthman ibn Abd Allah ging nach Mekka und starb als Ungläubiger.
Die Änderung der Gebetsrichtung
Es wird berichtet, dass die Gebetsrichtung im Monat Schaʿban geändert wurde, achtzehn Monate nachdem der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in Medina eingetroffen war.
Die Schlacht von Badr
Eines Tages erfuhr der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, dass eine große Karawane der Quraisch unter der Führung von Abu Sufyan ibn Harb aus Richtung Syrien herankam. In dieser Karawane befanden sich zahlreiche Vermögenswerte und Handelswaren der Quraisch. Zur Karawane gehörten außerdem Makhrama ibn Nawfal, Amr ibn al-As sowie dreißig oder vierzig weitere Männer quraischitischer Abstammung. Er sandte die Muslime gegen sie aus und sagte: „Das ist die Karawane der Quraisch. Sie führt großen Reichtum mit sich. Zieht dorthin. Vielleicht wird Allah euch diese Güter in die Hände geben.“ Die Muslime beschlossen, aufzubrechen, um die Karawane abzufangen. Einige machten sich sofort bereit, während andere sich etwas Zeit ließen und sich verspäteten, weil sie nicht angenommen hatten, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, einem Krieg entgegenging.
Als Abu Sufyan in die Nähe des Hidschas kam, schöpfte er Verdacht. Jeden Reisenden, dem er begegnete, begann er zu befragen, denn er war wegen der Vorbereitungen der Muslime voller Angst. Schließlich teilten ihm einige Reisende ganz offen mit, dass Muhammad mit seinen Gefährten im Begriff sei, dich und deine Karawane anzugreifen. Daher ging Abu Sufyan vorsichtig weiter. Sofort schickte er Damdam ibn Amr al-Ghifari gegen Bezahlung nach Mekka. Er trug ihm auf, zu den Quraisch zu gehen, sie zu bitten, bewaffnete Männer auszusenden, um ihr Vermögen sicher zurückzubringen, und ihnen mitzuteilen, dass Muhammad mit seinen Leuten im Begriff sei, sie anzugreifen. Damdam brach unverzüglich nach Mekka auf.
Drei Tage bevor Damdam Mekka erreichte, hatte Atika, die Tochter Abd al-Muttalibs, einen schrecklichen Traum. Sie erzählte ihrem Bruder Abbas davon und sagte: „Bruder, ich habe heute einen schlechten Traum gesehen. Ich fürchte, dass deine Gemeinschaft von einem Unglück heimgesucht werden könnte. Deshalb erzähle niemandem, was ich dir sage.“
Abbas sagte: „Was hast du im Traum gesehen?“
Atika sagte: „Ich sah, wie ein Reiter in der Ebene nahe Mekka abstieg. Dann rief er mit lauter Stimme: ‚O Quraisch, macht euch innerhalb von drei Tagen auf den Tod gefasst! Seid auf der Hut!‘ Danach bestieg sein Kamel mit ihm den Gipfel des Berges Abu Qubais. Dort rief er erneut und verkündete dasselbe. Anschließend rollte er von dort einen großen Felsbrocken hinab. Als der Stein hinunterrollte und am Fuß des Berges ankam, zerbrach er in Stücke, und irgendeines seiner Stücke fiel in jedes Haus von Mekka.“
Abbas sagte: „Das ist ein ernster Traum. Erzähle ihn niemandem. Bewahre ihn vollständig geheim.“
Als Abbas danach hinausging, begegnete er seinem Freund Walid ibn Rabi’a. Er erzählte ihm von dem Traum und warnte ihn, ihn niemandem weiterzuerzählen. Walid berichtete die Sache seinem Vater Utba. So verbreitete sich die Nachricht in ganz Mekka. Die Quraisch begannen, bei jeder Versammlung und jeder Zusammenkunft darüber zu sprechen.
Abbas berichtet: Am folgenden Tag ging ich zur Kaaba, um den Tawaf zu vollziehen. Abu Dschahl sprach dort mit einer Gruppe von Quraisch über Atikas Traum. Sobald Abu Dschahl mich sah, sagte er: „Abbas, komm nach Beendigung des Tawaf hierher.“ Nachdem ich den Tawaf beendet hatte, ging ich zu ihnen und setzte mich. Abu Dschahl sagte zu mir: „O Sohn Abd al-Muttalibs, wann hat diese weibliche Prophetin euch diese Dinge mitgeteilt?“
„Wovon sprichst du?“, fragte ich.
Abu Dschahl sagte: „Von dem Traum, den Atika gesehen hat.“
„Was hat sie geträumt?“, fragte ich.
Abu Dschahl sagte: „O Sohn Abd al-Muttalibs, eure Männer haben sich so lange als Propheten aufgespielt, bis nun offenbar auch eure Frauen damit angefangen haben. Atika soll im Traum gesehen haben, dass jemand gesagt habe: ‚Macht euch innerhalb von drei Tagen bereit.‘ Wir werden drei Tage auf euch warten. Wenn diese Aussage wahr ist, dann wird geschehen, was geschehen soll. Wenn jedoch drei Tage vergehen, ohne dass etwas geschieht, werden wir eine schriftliche Erklärung über euch herausgeben, dass es in ganz Arabien keine verlogenere Familie gibt als eure.“
Abbas berichtet: Auf Abu Dschahls Äußerung zeigte ich keine besondere Reaktion. Ich beließ es dabei, sie zu leugnen. Ich sagte: „Atika hat überhaupt keinen Traum gesehen.“ Danach gingen wir jeder seiner Arbeit nach. Am Nachmittag kam jede der Frauen aus der Familie Abd al-Muttalibs einzeln zu mir und sagte: „Warum ertragt ihr diesen niederträchtigen Schurken nur so lange? So lange hat er unseren Männern alles Mögliche gesagt. Jetzt beginnt er auch noch, unseren Frauen alles Mögliche zu sagen. Du hörst dir das an, ohne dass dein Ehrgefühl erwacht?“ Ich sagte: „Bei Allah, ich schäme mich zutiefst. Ich habe keine besondere Reaktion gezeigt. Aber ich werde es ihm heimzahlen. Soll er es noch einmal sagen; dann werde ich für euch gewiss tun, was getan werden muss.“
Am dritten Tag nach Atikas Traum ging ich dorthin. Ich kochte vor Zorn und Wut. Ich dachte: Ich konnte diesem Schurken nicht die Behandlung zuteilwerden lassen, die er verdient hätte. Wenn ich noch einmal Gelegenheit bekäme, würde ich nachholen, was ich damals nicht tun konnte. Ich betrat die Moschee und sah ihn dort. Ich ging auf ihn zu und wartete darauf, dass er nur einen Teil dessen wiederholte, was er an jenem Tag gesagt hatte; dann würde ich mich auf ihn stürzen. Abu Dschahl war schlank und schmächtig, doch sein Blick war scharf und seine Worte schneidend. Plötzlich eilte er auf das Tor der Moschee zu. Ich sagte mir: Allahs Fluch über ihn! Was ist mit ihm geschehen? Warum ist sein ganzes Wesen so von Furcht erfüllt? Fürchtet er etwa meine Zurechtweisung? Da begriff ich plötzlich, dass er den lauten Ruf von Damdam ibn Amr al-Gifarī gehört hatte, den ich noch nicht vernommen hatte. Damdam war in die Wüste von Mekka gekommen und rief, auf seinem Kamel sitzend: „O Quraischiten, eine gewaltige Gefahr! Eine gewaltige Gefahr! Euer Besitz befindet sich bei Abu Sufyan. Muhammad hat seine Gefährten hinter diesem Besitz hergeschickt. Es sieht so aus, als könntet ihr ihn nicht mehr retten. Eilt zu Hilfe! Eilt zu Hilfe!“ Noch bevor der Gifarī dies schreiend verkündete, hatte er bereits eine unglaubliche Szene veranstaltet: Er hatte die Nase seines Kamels aufgeschlitzt, die Sänfte umgestürzt und sein eigenes Hemd zerrissen.
Wegen dieses schrecklichen Ereignisses konnten wir uns um nichts anderes mehr kümmern. Die Leute machten sich unverzüglich bereit. Sie sagten: „Haben Muhammad und seine Gefährten etwa geglaubt, wir seien so hilflos wie die Karawane Ibn al-Hadramīs? [55. Gemeint ist Amr ibn al-Hadramī, der von den Truppen Abdallah ibn Dschahschs getötet wurde.] Keineswegs! Diesmal werden sie gewiss eine andere Erfahrung machen. Damals konnten sie sich nur gegenüber zwei Männern eine solche Unverschämtheit herausnehmen – und dazu waren es Männer, die entweder das Schlachtfeld verlassen oder jemand anderen an ihrer Stelle schicken wollten. Heute hat sich der gesamte Stamm Quraisch für den Krieg gerüstet. Kein angesehener Mann der Quraisch ist heute zurückgeblieben. Nur Abu Lahab ist nicht mitgekommen; an seiner Stelle hat er Asī ibn Hischām ibn al-Mughīra geschickt.“ Abu Lahab war bei diesem Mann Gläubiger über viertausend Dirham. Dieser konnte die Schuld wegen seiner Armut nicht begleichen. Deshalb schickte Abu Lahab ihn an seiner Stelle in den Krieg und ließ ihn die Schuld damit abtragen.
Auch Umayya ibn Chalaf hatte beschlossen, nicht in den Krieg zu ziehen. Er war ein beleibter, würdevoll wirkender alter Mann. Uqba ibn Abī Muʿayt kam zu ihm. Umayya saß gerade mit den Leuten in der Heiligen Moschee. Uqba gab ihm ein Parfüm aus Sandelholz und sagte: „Nimm das und parfümiere dich damit, denn du bist ja eine Frau.“ Umayya sagte: „Verschwinde von hier! Möge Allah dich hässlich machen.“ Beschämt machte sich der alte Umayya schließlich für den Krieg bereit.
Die Vorbereitungen waren abgeschlossen, und alle waren fest entschlossen, ins Kampfgebiet zu ziehen. Da erinnerten sie sich an den Krieg, der einst mit den Banū Bakr ibn ʿAbd Manāt stattgefunden hatte, und sagten: „Wir befürchten, dass sie uns von hinten angreifen könnten.“ Diese Befürchtung ließ sie hinsichtlich des Aufbruchs in den Krieg zögern. Da erschien Iblīs vor ihnen in der Gestalt von Surāqa ibn Mālik ibn Dschashʿam al-Mudladschī. Er sagte: „Ich werde über euch wachen, damit der Stamm Kināna euch nicht von hinten angreifen kann.“ Nachdem sie diese Zusicherung erhalten hatten, verließen sie eilig Mekka.
Unterdessen brach Allahs Gesandter gemeinsam mit seinen Gefährten zu diesem Feldzug auf. Einige Tage des Monats Ramadan waren vergangen. Er beauftragte ʿAmr ibn Umm Maktūm damit, das Gebet zu leiten. In die Hand von Musʿab ibn ʿUmair gab er ein weißes Banner. Vor Allahs Gesandtem wurden zwei schwarze Banner getragen. Eines befand sich bei ʿAlī, dem Sohn Abū Tālibs, und hieß „Adler“. Das andere befand sich bei einem der Ansār. An jenem Tag besaßen die Gefährten Allahs Gesandten insgesamt siebzig Kamele. Sie ritten abwechselnd auf ihnen. Allahs Gesandter, ʿAlī ibn Abū Tālib und Murschid ibn Abū Murschid ritten abwechselnd auf einem Kamel. Auf einem anderen ritten Hamza ibn ʿAbd al-Muttalib und die beiden Diener Allahs Gesandten, Zaid ibn Hāritha und Abū Kabadscha, abwechselnd. Ein weiteres Kamel teilten sich Abū Bakr, ʿUmar und ʿAbd ar-Rahmān ibn ʿAuf. Allahs Gesandter zog von Medina auf dem Weg nach Mekka weiter und erreichte den Gebirgspass außerhalb Medinas. Danach gelangte er nacheinander nach ʿAqīq, Dhū l-Hulaifa, Aulāt al-Dschaisch, Turbām, Malal, nach Gamīth al-Hammām bei Marʿīn, nach Saiyāla im steinigen Gebiet von Yamāma, nach Faddsch ar-Rauḥā und von dort nach Schanūkā. Als er von dort einen Ort namens Arqāz Dhariyya erreichte, traf er einen Beduinen. Er fragte ihn, ob er irgendwelche Leute gesehen habe. Doch der Beduine wusste nichts zu berichten. Die Gefährten sagten zu dem Mann: „Grüße Allahs Gesandten.“ Er fragte: „Ist Allahs Gesandter etwa unter euch?“ Alle sagten: „Ja.“ Darauf sagte er zu Allahs Gesandtem: „Wenn du tatsächlich Allahs Gesandter bist, dann sag mir, was sich im Bauch dieses meiner Kamelstute befindet.“ Salama ibn Sulama ibn Waqsch sagte zu ihm: „Frag Allahs Gesandten nicht danach. Komm zu mir, ich sage dir, was sich in ihrem Bauch befindet. Du hast dich mit dieser Kamelstute gepaart; deshalb befindet sich in ihrem Bauch ein von dir gezeugtes Zicklein.“ Allahs Gesandter wies Salama sofort zurecht und sagte: „Schweig! Du sprichst obszön mit dem Mann!“ Danach wandte er sich einer anderen Sache zu.
Allahs Gesandter machte am Brunnen namens „Sajsādsch“ bei Rauḥā Halt. Von dort brach er wieder auf. Nach einer kurzen Strecke verließ er den Weg nach Mekka und nahm den rechten Weg in Richtung Nadschiya. Sein Ziel war Badr. Als er einen Ort in der Nähe von Badr erreichte, durchquerte er ein Tal namens Ruhqān. Dieses Tal liegt zwischen den Pässen Nadschīra und Safrā. Von dort stieg er zum Gebirgspass hinauf. Danach stieg er wieder hinab und gelangte in die Nähe von Safrā. Dort angekommen, schickte er Basbās ibn ʿAmr al-Dschuhanī und ʿAdī ibn Abū Zaghbā al-Dschuhanī in das Gebiet von Badr, um nach Abū Sufyān ibn Harb und den anderen zu suchen. Nachdem er die beiden vorausgeschickt hatte, brach Allahs Gesandter in Richtung Badr auf.
Unterwegs erfuhr er, dass die Quraisch mit ihrer gesamten Streitmacht von Mekka aufgebrochen waren, um ihre Handelskarawane zu schützen. Allahs Gesandter teilte den Gefährten diese Nachricht mit und beriet sich mit allen darüber, was sie in diesem Augenblick tun sollten. Als Erster erhob sich Abū Bakr as-Siddīq und brachte seine Meinung auf ausgezeichnete Weise zum Ausdruck. Danach erhob sich Miqdād ibn ʿAmr und sagte: „O Gesandter Allahs, zieh in die Richtung weiter, in die Allah dich gewiesen hat. Bei Allah, wir werden dir nicht wie die Kinder Israels zu Mūsā sagen: ,Geh du und dein Herr und kämpft; wir bleiben hier sitzen.‘ Vielmehr sagen wir: Geh du und dein Herr und kämpft, und auch wir werden an eurer Seite kämpfen. Bei Dem, Der dich mit der Wahrheit gesandt hat: Wenn du mit uns bis nach Barq al-Ghimād im fernsten Jemen ziehen würdest, würden wir dich auch dorthin begleiten.“ Allahs Gesandter dankte Miqdād und betete für ihn.
Danach wandte sich Allahs Gesandter an die Ansār und sagte: „Gebt mir euren Rat.“ Der Grund dafür, dass er den Ansār eine solche Bedeutung beimaß, war, dass sie die Unterstützer der Muslime waren. Als sie ihm in al-ʿAqaba den Treueid geleistet hatten, hatten sie gesagt: „O Gesandter Allahs, solange du nicht in unser Wohngebiet kommst, können wir nicht die Verantwortung für dich übernehmen. Wenn du zu uns kommst, wirst du unter unserer Verantwortung stehen. Wir werden dich genauso vor jeder Gefahr schützen, wie wir unsere Kinder, unsere Töchter und unsere Frauen schützen.“ Deshalb befürchtete Allahs Gesandter, dass die Ansār vielleicht meinen könnten, ihre Pflicht, ihm zu helfen und ihn zu beschützen, trete nur dann ein, wenn Allahs Gesandter in Medina von einem Feind angegriffen werde. Sie könnten gedacht haben, dass es nicht ihre Pflicht sei, Allahs Gesandten zu begleiten, wenn er sie zu einem Feldzug gegen einen Feind außerhalb ihres Wohngebiets führen wolle. Als er sich daher an die Ansār wandte, sagte Saʿd ibn Muʿādh: „O Gesandter Allahs, du möchtest vermutlich unsere Meinung erfahren.“ Allahs Gesandter sagte: „Ja.“ Saʿd sagte: „Wir haben an dich und an die Offenbarung geglaubt, die du gebracht hast, und sie für die reine Wahrheit erkannt. In dieser Überzeugung haben wir dir gegenüber das Versprechen und den Eid abgelegt, dass wir deinen Anweisungen folgen und dir gehorchen werden. O Gesandter Allahs, tu also, was du für richtig hältst. Wir stehen an deiner Seite. Bei Allah, Der dich mit der vollkommenen Wahrheit gesandt hat: Wenn du dieses Meer vor uns überqueren und in seine unergründlichen Wasser hinabsteigen würdest, würden auch wir mit dir hinabsteigen. Nicht ein Einziger von uns wird hinter dir zurückbleiben. Wenn du morgen mit uns dem Feind gegenübertreten willst, haben wir ebenfalls nichts dagegen. Wir sind im Krieg standhaft und dem Feind gegenüber entschlossen. Wir hoffen, dass Allah dir Gelegenheit geben wird, von uns einen solchen Einsatz zu sehen, dass dein Auge daran Freude findet. Zieh im Vertrauen auf Allahs Barmherzigkeit mit uns weiter.“
Allahs Gesandter freute sich über Saʿds Worte und war sehr ermutigt. Dann sagte er: „Brecht auf! Allah hat mir versprochen, dass wir eine der beiden Karawanen bezwingen werden. Eine davon ist die Handelskarawane mit Abū Sufyān und ʿAmr ibn al-ʿĀs, die andere das gewaltige, kampfbereit ausgerüstete Heer unter der Führung Abū Dschahls. Bei Allah, ich sehe die Quraisch bereits jetzt einen jämmerlichen Tod erleiden.“
Danach schlug der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in der Nähe der Ebene von Badr sein Zelt auf. Anschließend brach er selbst mit einem Gefährten auf, um Kundschaft zu betreiben. Nach einer kurzen Strecke trafen sie auf einen alten Araber. Er fragte ihn, ob er etwas über die Quraisch wisse oder Nachrichten über Muhammad und seine Gefährten gehört habe. Der Alte sagte: „Sagt mir, wer ihr seid, sonst werde ich nichts sagen.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Beantworte zuerst, was wir wissen wollen. Danach werden wir uns zu erkennen geben.“ Der Alte sagte: „Ich habe gehört, dass Muhammad und seine Gefährten an dem und dem Tag aufgebrochen sind. Wenn das stimmt, müssten sie sich jetzt an dem und dem Ort befinden. Und über die Quraisch habe ich gehört, dass sie an dem und dem Tag aufgebrochen sind. Wenn das stimmt, müssten sie heute an dem und dem Ort angekommen sein.“ Der Alte nannte genau den Ort, an dem sich beide Heere tatsächlich befanden. Danach fragte er: „Woher kommt ihr?“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Aus dem Wasser.“ Der Alte fragte: „Was bedeutet ‚aus dem Wasser‘? Aus dem Wasser des Irak etwa?“ (57. Dies ist Abu Bakr as-Siddiq, möge Allah mit ihm zufrieden sein.)
Danach kam der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nachts zu seinen Gefährten. Er schickte eine Gruppe von Gefährten, darunter Ali ibn Abi Talib, az-Zubair ibn al-Awwam und Sa’d ibn Abi Waqqas, zu einem Wasserbecken nahe der Ebene von Badr, um nach den Quraisch zu erkunden. Dort sahen sie eine Herde Kamele der Quraisch beim Trinken und trafen unter ihnen auf deren Diener Aslam aus dem Stamm der Banu al-Hajjaj sowie Arid Abu Jasar, den Diener der Banu As ibn Said. Sie brachten die beiden Diener mit sich. Zu jener Zeit verrichtete der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, das Gebet. Man fragte sie: „Wer seid ihr?“ Sie antworteten: „Wir sind die Wasserträger der Quraisch. Sie haben uns geschickt, um für sie Trinkwasser zu holen.“ Die Muslime glaubten ihnen nicht. Sie vermuteten, dass die beiden zu Abu Sufyan gehörten. Daraufhin wurden sie geschlagen, bis sie unter den Schlägen zugeben mussten, dass sie zu Abu Sufyan gehörten. Danach ließen die Muslime sie frei. Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sein Gebet beendet hatte, sagte er: „Als sie die Wahrheit sagten, habt ihr sie geschlagen; und als sie logen, habt ihr sie freigelassen. Was ist das für ein Verhalten von euch? Sie haben die Wahrheit gesagt. Sie gehören zu den Quraisch. Erzählt mir, was ihr über die Quraisch wisst.“ Sie sagten: „Bei Allah, sie befinden sich direkt hinter jener Sanddüne, die ihr dort in der Ferne seht.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, fragte: „Wie viele sind sie?“ Aslam und Arid sagten: „Wir wissen es nicht.“ Er fragte: „Wie viele Tiere schlachten sie jeden Tag?“ Sie antworteten: „An manchen Tagen zehn, an manchen neun.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Dann müssen es zwischen neunhundert und tausend sein.“ Danach fragte er: „Welche Anführer der Quraisch sind gekommen?“ Sie antworteten: „Utba ibn Rabi’a, Schaiba ibn Rabi’a, Abu al-Buchtari ibn Hischam, Hakim ibn Hizam, Nawfal ibn Chuwailid, al-Harith ibn Amir ibn Nawfal, Tu’aimah ibn Adi ibn Nawfal, an-Nadr ibn al-Harith, Zum’a ibn al-Aswad, Abu Dschahl ibn Hischam, Umaiya ibn Chalaf, die beiden Söhne von Huddschadsch, Nabih und Munabbih, Suhail ibn Amr und Amr ibn Abd Wudd.“ Nachdem der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, diese Auskunft erhalten hatte, ging er zu den Muslimen und sagte: „Makka hat euch seine bedeutendsten Söhne entgegengeschickt.“
Zuvor waren Basbas ibn Amr und Adi ibn Abu Zaghba auf Kundschaft bis zur Ebene von Badr gelangt. Sie stiegen bei einem Berg nahe dem Wasserbecken von ihren Kamelen ab und füllten einen Wasserschlauch. Mujdi ibn Amr al-Dschuhani befand sich damals am Rand des Wasserbeckens. Unter den Menschen, die zum Wasserbecken gekommen waren, befanden sich zwei Sklavinnen. Eine von ihnen verlangte von der anderen die Begleichung ihrer Schuld. Die verschuldete Sklavin sagte: „Die Karawane wird morgen oder übermorgen eintreffen. Dann werde ich für die Karawane arbeiten und dir deine Forderung bezahlen.“ Mujdi sagte: „Du hast recht.“ Danach schlichtete er zwischen den beiden. Adi und Basbas kehrten, nachdem sie dieses Gespräch gehört hatten, zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zurück und berichteten ihm, was sie gehört hatten. Abu Sufyan ibn Harb kam, um Vorsicht walten zu lassen, der Karawane voraus. Als er das Wasserbecken erreichte, fragte er Mujdi ibn Amr: „Hast du jemanden kommen oder gehen sehen?“ Dieser antwortete: „Ich habe niemanden Verdächtigen gesehen. Ich sah nur zwei Reiter auf Kamelen, die bei jenem Berg von ihren Kamelen abstiegen, ihre Wasserschläuche füllten und wieder fortgingen.“ Abu Sufyan begab sich zu der Stelle, an der Basbas und Adi von ihren Kamelen abgestiegen waren. Dort fand er etwas Dung ihrer beiden Kamele, hob ihn auf und zerbröselte ihn. Darin fand er einige Kerne. Als er diese sah, sagte er: „Bei Allah, das ist Viehfutter aus Yathrib.“ Eilig lief er zu seiner Karawane zurück. Er führte sie auf einen anderen Weg, ließ die Ebene von Badr links liegen und zog rasch am Meeresufer entlang weiter.
Als Abu Sufyan sicher war, dass er seine Karawane gerettet hatte, schickte er dem Heer der Quraisch folgende Nachricht: „Ihr seid ausgezogen, um eure Handelskarawane, eure Leute und euer Vermögen zu schützen. Allah hat sie gerettet. Kehrt daher nach Makka zurück.“ Abu Dschahl erwiderte: „Wir werden keinesfalls umkehren, bevor wir den Jahrmarkt von Badr erreicht haben. Wir werden hier drei Tage bleiben, Tiere schlachten und ein großes Festmahl veranstalten, Wein trinken und die Sängerinnen auf ihren Instrumenten spielen und singen lassen. Wir werden den Arabern von unserem Feldzug und davon erzählen, wie wir ein Heer aufgestellt haben. Auf diese Weise wird sich die Furcht vor uns für immer in ihren Herzen festsetzen. Also lasst uns zum Jahrmarkt ziehen.“ Es sei erwähnt, dass in der Ebene von Badr jedes Jahr ein Jahrmarkt stattfand, der zu den berühmtesten Jahrmärkten Arabiens gehörte.
Danach setzten die Quraisch ihre Vorbereitungen und ihre Ausrüstung fort. Sie schlugen ihre Zelte auf der anderen Seite einer vergleichsweise weit entfernten, wüstenartigen Anhöhe der Ebene von Badr auf. Allah ließ heftigen Regen niedergehen. Der Boden der Ebene war nicht völlig unfruchtbar, sondern etwas feucht. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und seine Gefährten erhielten so viel Regen, dass der Boden an ihrem Aufenthaltsort nass wurde. Dadurch wurde ihr Fortbewegen jedoch nicht erschwert. Der Boden am Aufenthaltsort der Quraisch hingegen wurde so schlammig, dass sie sich kaum noch fortbewegen konnten. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, verlegte das muslimische Heer an einen Ort, an dem sich noch mehr Wasser gesammelt hatte.
Hubab ibn al-Mundhir sagte: „O Gesandter Allahs, hast du diesen Ort auf Allahs Anweisung hin ausgewählt, sodass wir keinen Schritt davon abweichen dürfen? Oder ist dies deine eigene strategische Einschätzung?“ Er sagte: „Es ist lediglich eine strategische Entscheidung und meine eigene Einschätzung.“ Hubab sagte: „O Gesandter Allahs, es war nicht richtig, diesen Ort auszuwählen. Zieh daher mit allen von hier fort und schlagt eure Zelte an einem Ort auf, an dem weniger Wasser vorhanden ist. Danach werden wir die Brunnen in der Umgebung dieses Ortes verschließen. Darüber werden wir ein Becken errichten und es mit Wasser füllen. Dann werden wir gegen den Feind kämpfen. So werden wir ausreichend Trinkwasser haben, während sie keines haben werden.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Du hast recht.“ Danach brach der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, mit allen auf. Sie kamen an einen Ort, an dem sich nur wenig Wasser gesammelt hatte, und schlugen dort ihre Zelte auf. Anschließend ordnete er an, die Wasserbrunnen zu verschließen, und dies wurde getan. Danach wurde über dem Brunnen ein Becken errichtet und mit Wasser gefüllt. Auch wurden Wassergefäße hineingelegt.
Saʿd ibn Muʿādh sagte: „O Gesandter Allahs, erlaube uns, für dich einen geschützten Unterstand zu errichten. Du wirst dich darin aufhalten, und wir werden dich tragen. Danach werden wir dem Feind entgegentreten. Wenn Allah uns den Sieg schenkt, wird unsere Hoffnung erfüllt sein. Sollte es jedoch nicht dazu kommen, werden wir dich forttragen und du wirst dich den übrigen Muslimen anschließen. O Prophet Allahs, eine große Zahl von Muslimen konnte nur deshalb nicht mit dir kommen, weil sie nicht wusste, dass du in den Krieg ziehen würdest. Sie lieben dich nicht weniger als wir. Wenn sie gewusst hätten, dass du in den Krieg ziehst, hätten sie sich keinesfalls davon abhalten lassen, mitzukämpfen. Durch sie würde Allah dich schützen, und sie würden dir wohlgesinnt sein und als deine Verbündeten kämpfen.“
Der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, freute sich über Saʿds Worte, lobte ihn und betete für sein Wohlergehen. Danach wurde für den Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, ein geschützter Unterstand errichtet, in dem er sich aufhielt.
Am Morgen kamen die Quraisch über die Sandhügel herab. Als der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, sie hinabsteigen sah, betete er: „O Allah, dies sind die Quraisch, die heute voller Stolz und Hochmut gegen Dich rebelliert und Deinen Gesandten verleugnet haben. O Allah, die Zeit für die Hilfe, die Du mir versprochen hast, ist gekommen. O Allah, vernichte sie noch an diesem Morgen.“
Als alle das Schlachtfeld betreten hatten, rückte eine Gruppe der Quraisch vor und gelangte zu dem Wasserbecken, das der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, hatte anlegen lassen. Zu dieser Gruppe gehörte auch Hakīm ibn Hizām. Der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, sagte zu den Gefährten: „Hindert sie nicht daran.“ Tatsächlich wurde an jenem Tag jeder getötet, der aus diesem Becken getrunken hatte. Die einzige Ausnahme war Hakīm ibn Hizām; er wurde nicht getötet. Später nahm er den Islam an und wurde ein guter Muslim. Er erinnerte sich sein ganzes Leben lang an dieses Ereignis. Wenn er sogar einmal besonders nachdrücklich schwören wollte, sagte er: „Bei dem Erhabenen, der mich am Tag der Schlacht von Badr gerettet hat.“
Als die Muslime ruhig und gefasst waren, schickten die Quraisch Umayr ibn Wahb al-Dschumahī, um die Zahl der Gefährten des Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, zu ermitteln. Er ritt auf einem Pferd einmal um das Heer herum, kehrte zurück und sagte: „Es sind etwas mehr oder etwas weniger als dreihundert. Gebt mir jedoch noch etwas Zeit, damit ich nachsehe, ob sie irgendwo einen versteckten Stützpunkt oder Verbündete haben.“ Danach durchstreifte er das gesamte Gelände, konnte aber nichts entdecken. Als er zurückkehrte, sagte er: „Ich habe nichts gefunden. Doch ihrem Auftreten nach scheinen sie gekommen zu sein, um bis zum Tod zu kämpfen. Die Kamelstuten aus Yathrib haben gewiss den Tod gebracht. Sie sind eine Gruppe, deren einzige Stütze und einziger Schutz die Schwerter sind. Bei Allah, ich bin sicher: Wenn einer von ihnen getötet wird, wird dafür einer von euch getötet werden. Wenn sie unter den Quraisch ebenso viele Männer töten, wie sie selbst zählen, wird das für uns keine erfreuliche Nachricht sein. Überlegt es euch also noch einmal.“
Als Hakīm ibn Hizām dies hörte, ging er zu den Männern des Heeres der Quraisch. Zuerst ging er zu ʿUtba ibn Rabīʿa und sagte: „O Vater al-Walīds, du bist einer der angesehenen Führer der Quraisch, und alle folgen deinem Wort. Bist du bereit, etwas zu tun, durch das du für alle Zeiten in Erinnerung bleiben wirst?“ Er fragte: „Hakīm, was willst du damit sagen?“ Hakīm erwiderte: „Führe das Heer der Quraisch zurück und übernimm die Verantwortung dafür, die Angelegenheit um die Tötung deines Verbündeten ʿAmr ibn al-Hadramī beizulegen.“ ʿUtba sagte: „Dazu bin ich bereit. In dieser Sache werde ich deiner Bitte entsprechen. Al-Hadramī war mein Verbündeter, und ich bin bereit, sein Blutgeld zu zahlen und den finanziellen Schaden zu ersetzen. Geh zu Abū Dschahl. Ich glaube, dass außer ihm niemand gegen einen Rückzug der Quraisch Einwand erheben wird.“ Daraufhin stand ʿUtba ibn Rabīʿa auf und sagte zu den Quraisch: „O Quraisch, es bringt uns keinen Nutzen, gegen Muhammad und seine Gefährten zu kämpfen. Selbst wenn es uns heute gelänge, ihn zu töten, würde zwischen uns niemals wieder Eintracht entstehen. Keiner von uns würde das Gesicht des anderen gern sehen, denn er würde als der Mörder seines Cousins mütterlicher- oder väterlicherseits oder eines anderen Verwandten gelten. Lasst uns also umkehren und Muhammad und seine Anhänger ihres Weges ziehen lassen. Überlassen wir ihre Angelegenheit den Arabern. Wenn alle Araber ihn töten, ist unser Ziel erreicht. Sollten sie es jedoch nicht tun, werden wir gegenüber Muhammad wenigstens unschuldig dastehen.“
Hakīm sagte: Danach ging ich zu Abū Dschahl und sah, dass er seine Kriegsausrüstung schärfte. Ich sagte zu ihm: „O Abū al-Hakam, ʿUtba hat mich zu dir geschickt.“ Dann berichtete ich ihm, was ʿUtba gesagt hatte. Er erwiderte sofort: „ʿUtba ist der Verstand abhandengekommen. Muhammad hat ihn gewiss verzaubert. Das kommt überhaupt nicht infrage. Wir werden nicht umkehren, bis Allah zwischen uns und Muhammad endgültig entschieden hat. Was ʿUtba gesagt hat, entspricht nicht seinen wahren Gedanken. Da Muhammad und seine Anhänger zahlenmäßig sehr gering sind und sich unter ihnen auch sein Sohn befindet, hat er dies nur gesagt, weil er befürchtet, dass sein Sohn im Falle eines Kampfes in Lebensgefahr gerät.“ Danach ließ er dem Bruder des getöteten ʿAmr ibn al-Hadramī, ʿĀmir ibn al-Hadramī, ausrichten: „Dein Verbündeter ʿUtba will die Quraisch zurückführen, obwohl du die Gelegenheit zur Rache mit eigenen Augen zum Greifen nahe siehst. Erinnere deshalb die Quraisch daran, dass sie versprochen haben, den Tod deines Bruders zu rächen.“ ʿĀmir ibn al-Hadramī stand auf, riss sein Brustgewand auf und begann unter den Rufen „Wehe, ʿAmr! Wehe, ʿAmr!“ laut zu klagen. Sofort ertönten die Kriegstrommeln. Die Quraisch gerieten in Kampfesrausch. Den guten Plan, den ʿUtba gefasst hatte, machte ʿĀmir in einem Augenblick zunichte.
Aswad ibn ʿAbd al-Asad al-Machzūmī war unter den Quraisch ein äußerst niederträchtiger und frecher Mann. Er begann mit seinem abscheulichen Vorhaben. Er erklärte: „Ich werde aus dem Wasserbecken der Muslime trinken oder es zerstören. Selbst wenn ich dabei sterben sollte, kümmert mich das nicht.“ Als er daraufhin das Schlachtfeld betrat, trat ihm Hamza ibn ʿAbd al-Muttalib entgegen. Während beide einander angriffen und Gegenangriffe führten, versetzte Hamza Aswad einen Schwerthieb gegen das Bein. Sein Bein wurde abgetrennt. Zu diesem Zeitpunkt befand er sich direkt am Becken. Er stürzte auf den Rücken, und aus seinem Bein schoss das Blut hervor. Dann kroch er erneut auf das Becken zu und drang, um sein Versprechen zu erfüllen, in den Bereich innerhalb des Beckens ein. Hamza setzte ihm nach und tötete ihn noch innerhalb des Beckens.
Dann trat Utba ibn Rabi’a auf das Schlachtfeld. Sein Bruder Shayba und sein Sohn Walid kamen mit ihm. Er verließ die Reihen der Quraisch, trat nach vorn und forderte mit lautem Gebrüll zum Zweikampf auf. Daraufhin traten aus den Reihen der Ansar drei junge Männer gegen ihn vor: Awf und Mu’awwidh ibn al-Harith, zwei Brüder, sowie Abdullah ibn Rawaha. Die Quraisch fragten: „Wer seid ihr?“ Sie antworteten: „Wir sind die Ansar.“ Da sagten sie: „Wir haben mit euch nichts zu schaffen.“ Darauf schrie einer von ihnen: „O Muhammad, schicke uns diejenigen aus unserem Volk, die uns ebenbürtig sind.“ Da entsandte der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, Ubayda ibn al-Harith, Hamza und Ali. Als sie sich vorstellten, freuten sich ihre Gegner und sagten: „Gut. Jetzt haben wir ehrenhafte Gegner gefunden.“ Der jüngste Kämpfer des muslimischen Heeres, Ubayda, begann gegen Utba ibn Rabi’a zu kämpfen, Hamza gegen Shayba und Ali gegen Walid ibn Utba. Hamza und Ali ließen Shayba beziehungsweise Walid keine Gelegenheit zu einem Gegenangriff. Mit ihrem ersten Schlag machten sie ihnen den Garaus. Ubayda und Utba dagegen tauschten jeweils einen Schlag aus und wurden beide schwer verwundet. Hamza und Ali (r.a.) eilten herbei und töteten Utba mit ihren eigenen Schwertern. Danach nahmen sie Ubayda auf ihre Schultern und brachten ihn zum muslimischen Heer.
Danach rückten beide Seiten gemeinsam aufeinander zu und kamen einander nahe. Der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, wies die Gefährten an, keinen Angriff zu beginnen, bevor er ihnen den Befehl dazu gab. Er sagte: „Wenn die Quraisch euch einkreisen, dann treibt sie mit Pfeilschüssen zurück.“ Zu dieser Zeit stellte der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, das muslimische Heer in Reihen auf und nahm zusammen mit Abu Bakr as-Siddiq in seinem bühnenähnlichen Unterstand Platz. Dort war niemand sonst. Er flehte Allah an, die Hilfe zu senden, die Er ihm versprochen hatte. Er sagte: „O Allah, wenn diese kleine Schar von Muslimen heute vernichtet wird, wird niemand mehr übrig sein, der Dich anbetet.“ Abu Bakr (r.a.) sagte: „O Gesandter Allahs, bitte Allah. Allah wird gewiss erfüllen, was Er dir versprochen hat.“ Eine Zeit lang wurde der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, in seinem Unterstand schläfrig und döste ein. Dann kam die Hilfe. „Sieh nur, Gabriel kommt und führt ein Pferd am Zügel. In den Falten seiner Kleidung hat sich überall eine Staubschicht angesammelt.“ Gleich darauf trat der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, hinaus auf das Schlachtfeld und spornte die Kämpfer mit den Worten zum Kampf an: „Bei Dem, in Dessen Hand das Leben Muhammads liegt: Wer heute geduldig und aufrichtig gegen die Ungläubigen kämpft, nur vorwärtsgeht und unter keinen Umständen den Rückzug antritt, dem wird Allah das Paradies schenken.“ Umayr ibn Humam (r.a.) aus dem Stamm der Banu Salama aß gerade einige Datteln, die er in der Hand hielt. Als er die Worte des Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, hörte, sagte er: „Ausgezeichnet! Dann steht meinem Eintritt ins Paradies offenbar nur noch der Märtyrertod im Weg.“ Damit warf er die Datteln aus seiner Hand und zog mit seinem Schwert gegen die Ungläubigen in den Kampf. Schon kurze Zeit später erlitt er den Märtyrertod.
Danach ging der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, mit einer Handvoll Staub in der Hand auf die Quraisch zu. Dann blies er darauf und verstreute ihn mit den Worten: „Mögen ihre Gesichter entstellt werden.“ Danach befahl er den Gefährten: „Greift mit aller Kraft an.“ Schon nach kurzer Zeit erlitten die Quraisch eine vernichtende Niederlage. Viele ihrer bedeutendsten Anführer wurden getötet oder gefangen genommen.
Ibn Abbas (r.a.) berichtet: Der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, sagte an jenem Tag zu den Gefährten: „Ich habe erfahren, dass einige Männer aus den Banu Hashim gegen ihren Willen und unter Zwang in den Krieg gebracht worden sind. Sie haben kein Bedürfnis, gegen uns zu kämpfen. Wenn euch also jemand aus den Banu Hashim begegnet, dann tötet ihn nicht. Wenn euch Abu al-Bukhtari ibn Hisham begegnet, dann tötet auch ihn nicht, denn auch er wurde unter Zwang hierhergeschleppt.“ Da sagte ein Mann aus dem muslimischen Heer, Abu Hudhaifa: „Wir werden unsere Väter, Brüder, Söhne und Verwandten töten, und warum sollten wir Abbas verschonen? Wenn er mir begegnet, werde ich ihn mit meinem Schwert schlagen.“ Als der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, dies hörte, rief er Umar ibn al-Khattab (r.a.) und sagte: „O Umar, kann man das Gesicht des Onkels des Gesandten Allahs mit einem Schwert schlagen?“ Umar sagte: „O Gesandter Allahs, erlaube mir, seinen Hals mit dem Schwert abzuschlagen. Ich bin sicher, dass Abu Hudhaifa zum Heuchler geworden ist.“ Später sagte Abu Hudhaifa: „Der Umstand, dass ich jene Worte am Tag der Schlacht von Badr gesprochen habe, beunruhigt mich. Diese Sorge wird erst verschwinden, wenn sie durch den Märtyrertod gesühnt ist.“ Später erlitt er in der Schlacht von Yamama den Märtyrertod.
An vielen Tagen des Unheils für die Muslime haben die Engel geholfen. Er befahl jedoch, nachzusehen, ob sich unter den Gefallenen die Leiche Abu Dschahls befand. Ibn Mas’ud berichtet: Ich schlug ihm den Kopf ab und brachte ihn zum Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden. Ich sagte: „O Gesandter Allahs, dies ist der Kopf des Feindes Allahs, Abu Dschahl.“ Der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, sagte: „Ist es wirklich so?“ Ich sagte: „Bei Allah, ja.“ Ibn Mas’ud berichtet: Der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, hatte sich vorgenommen, Abu Dschahl zu töten. Danach legte ich seinen Kopf vor den Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden. Er pries Allah und brachte Ihm seine Dankbarkeit zum Ausdruck.
Später befahl der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, die Leichen der Anführer der Quraisch in den Brunnen zu werfen. Alle Leichen außer der von Umayya ibn Khalaf wurden hineingeworfen. Umayyas Leiche war in seiner Rüstung aufgequollen und festgeklebt. Als die Gefährten versuchten, sie aus der Rüstung zu lösen, begann sein Fleisch auseinanderzureißen. Als sie dies sahen, ließen sie ihn so, wie er war, liegen und bedeckten ihn mit Erde und Steinen. Nachdem die Leichen in den Brunnen geworfen worden waren, stellte sich der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, dort auf. Es war Mitternacht. Die Gefährten hörten, wie der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, jeden Einzelnen der in den Brunnen geworfenen Männer beim Namen ansprach und sagte: „O Bewohner des Brunnens, o Utba, Shayba, Umayya und Abu Dschahl! Habt ihr das, was Allah euch versprochen hatte, tatsächlich erhalten? Ich habe die Verheißung meines Herrn wahrhaftig erfüllt vorgefunden.“ Die Muslime sagten: „O Gesandter Allahs, sprichst du zu Menschen, die gestorben und verwest sind?“ Der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, sagte: „Sie hören meine Worte ebenso, wie ihr sie hört. Nur können sie nicht antworten.“
Darauf befahl der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die Kriegsbeute, die sich bei der muslimischen Armee befand, zusammenzutragen. Die Muslime gerieten darüber in Streit. Diejenigen, die diese Güter gesammelt hatten, sagten: „Diese Güter stehen uns zu.“ Diejenigen, die gegen den Feind gekämpft hatten, sagten: „Diese Güter stehen uns zu, denn wenn wir nicht gekämpft hätten, hättet ihr keine Gelegenheit gehabt, sie zu sammeln. Da wir in den Kampf mit den Quraisch verwickelt waren, konnten wir uns euch beim Sammeln der Kriegsbeute nicht anschließen; deshalb konntet ihr sie sammeln.“ Diejenigen, die zu seiner Bewachung eingesetzt worden waren, aus Sorge, der Feind könne ihn auf einem anderen Weg angreifen, sagten: „Bei Allah, ihr seid dessen nicht mehr würdig als wir. Auch wir hatten den Feind in unserer Gewalt und wollten ihn töten. Nichts hinderte uns daran, diese Güter ebenfalls zu sammeln, und wir wollten sie auch sammeln. Doch aus Sorge, der Feind könne einen erneuten Angriff auf den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, unternehmen, wurden wir zu seiner Bewachung eingesetzt. Daher habt ihr an diesen Gütern keinen größeren Anspruch als wir.“
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, entsandte ʿAbdullah ibn Rawāha in das höher gelegene Gebiet von Medina und Zayd ibn Hāritha in das tiefer gelegene Gebiet, um den Muslimen die Siegesnachricht zu überbringen. Danach brach er mit seinem Gefolge und den gefangenen Polytheisten in Richtung Medina auf. Unter den Gefangenen befanden sich auch ʿUtba ibn Abū Muʿayṭ und an-Naḍr ibn al-Hārith. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nahm auch die von den Polytheisten erbeuteten Güter mit. Er übertrug ʿAbdullah ibn Kaʿb ibn ʿAmr ibn ʿAuf die Verantwortung für die Bewachung der Kriegsbeute.
Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, den Pass von Ṣafrā verlassen hatte und den Sandhügel zwischen dem Pass und an-Nāziya erreichte, setzte er sich dort nieder und verteilte die Kriegsbeute gleichmäßig unter den Muslimen. Danach setzte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, seine Reise fort. Als er Rauḥāʾ erreichte, begannen die dortigen Muslime, den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und seine Gefährten zu dem großen Sieg zu beglückwünschen, den Allah ihnen verliehen hatte. Da sagte Salama ibn Sulāma (möge Allah mit ihm zufrieden sein): „Wozu beglückwünscht ihr uns? Wir haben doch nur gegen einige alte, erfahrene Männer gekämpft. Sie waren kraftlos wie gefesselte Kamele. Deshalb haben wir sie abgeschlachtet.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, lächelte leicht und sagte: „Neffe, gerade sie waren die maßgeblichen Anführer.“
Als sie den Pass von Ṣafrā erreichten, wurde der Kriegsgefangene an-Naḍr ibn al-Hārith getötet. ʿAlī, der Sohn Abū Ṭālibs, tötete ihn. Danach rückten sie weiter vor. Als sie Arkuz az-Zarīya erreichten, wurde auch ʿUqba ibn Abū Muʿayṭ getötet. Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, seinen Tod befahl, sagte ʿUqba: „Wer wird sich um die Kinder kümmern, o Muḥammad?“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte kurz und bündig nur: „Das Feuer!“ Daraufhin tötete ʿĀṣim ibn Thābit ibn Abū al-Aflaḥ al-Anṣārī ʿUqba ibn Muʿayṭ. Dann setzte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, seine Reise fort. Er erreichte Medina einen Tag, bevor die Kriegsgefangenen eintrafen. Als die Kriegsgefangenen ankamen, wurden sie unter den Gefährten untergebracht. Danach sagte er: „Begegnet den Kriegsgefangenen mit Mitgefühl.“
Unterdessen erreichte Haythamān ibn ʿAbdullah als Erster Mekka mit der beschämenden Nachricht von der schmählichen Niederlage der Quraisch. Die Quraisch begannen, um ihre Gefallenen zu klagen. Dann fassten sie sich und sagten zueinander: „Klagt nicht auf diese Weise. Wenn Muḥammad und seine Gefährten davon erfahren, werden sie vor Freude in die Hände klatschen. Und beeilt euch nicht, die Gefangenen freizukaufen, damit Muḥammad und seine Gefährten keine Gelegenheit bekommen, bei der Einforderung des Lösegelds Druck auf euch auszuüben.“ Aswad, der Sohn ʿAbd al-Muṭṭalibs, hatte seine drei Söhne verloren. Sie hießen Zamʿa, ʿAqīl und al-Ḥārith. Er verspürte den Wunsch, um seine Söhne zu klagen. In dieser Zeit der tiefen Nacht hörte er die Stimme einer trauernden Frau weinen. Der blinde Aswad sagte zu einem seiner Sklaven: „Geh und finde heraus, ob lautes Klagen erlaubt worden ist. Sieh nach, ob die Quraisch um ihre Gefallenen weinen. Dann werde ich um Zamʿa weinen, denn mein Herz ist verbrannt.“ Der Sklave kehrte zurück und berichtete: „Eine Frau klagt, weil sie ihr Kamel verloren hat.“ Daraufhin trug Aswad das folgende Gedicht vor: „Wie kommt es, dass diese Frau die ganze Nacht wegen eines Kamels so weint? In Wahrheit weint sie nicht wegen eines jungen Kamels, sondern wegen eines Vollmonds, dessen Glück nur kurz bemessen war. Wegen jenes Vollmonds weinen die Banū Ḥuṣayṣ, die Makhzūm und der Stamm Abū al-Walīds. Wenn ich weine, gibt es viele Menschen, die um ʿAqīl und um den tapferen Löwen al-Ḥārith weinen. Diese unzähligen Weinenden aufzuzählen ist nicht möglich. Wahrlich, Zamʿa hat seinesgleichen nicht.“
Danach trafen die Quraisch Vorbereitungen, um die Kriegsgefangenen gegen Lösegeld freizukaufen. Zuerst baten sie um Zustimmung zur Freilassung Suhayl ibn ʿAmrs. Darauf sagten die Muslime: „Nun zahlt das Lösegeld.“ al-Miqrāz sagte: „Haltet mich anstelle Suhayls fest und lasst ihn frei, damit er gehen und das Lösegeld für ihn schicken kann.“ Sie stimmten dem zu, ließen Suhayl frei und hielten dafür al-Miqrāz als Gefangenen zurück. Zuvor hatte ʿUmar ibn al-Khaṭṭāb, möge Allah mit ihm zufrieden sein, zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gesagt: „O Gesandter Allahs, erlaube mir, Suhayls Vorderzähne auszuschlagen, damit seine Zunge beim Sprechen hervortritt und er nie wieder Reden gegen dich halten kann.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Ich werde sein Gesicht nicht entstellen, denn dann würde Allah, obwohl ich ein Prophet bin, mein Gesicht entstellen.“
Einer der Kriegsgefangenen war der Schwiegersohn des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Abū al-ʿĀṣ ibn ar-Rabīʿ ibn ʿAbd al-ʿUzzā, der Ehemann seiner Tochter Zaynab. Aufgrund Zaynabs Annahme des Islam kam es zur Trennung von Abū al-ʿĀṣ, doch der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, war faktisch nicht in der Lage, ihre Trennung herbeizuführen. Deshalb lebte Zaynab trotz ihres Islams weiterhin im Haushalt ihres polytheistischen Ehemannes. In diesem Zustand wanderte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, aus. Später, als die Quraisch in die Schlacht von Badr zogen, schloss sich auch Abū al-ʿĀṣ ihnen an. So wurde er zu den Kriegsgefangenen gezählt und nach Medina zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gebracht.
Danach begannen die Bewohner Mekkas, Lösegeld zu schicken, um die Kriegsgefangenen freizukaufen. Auch Zaynab schickte etwas Geld als Lösegeld für Abū al-ʿĀṣ ibn ar-Rabīʿ sowie die Halskette, die Khadīja ihr zur Hochzeit geschenkt hatte. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, geriet beim Anblick der Halskette in tiefe Bewegung. Er sagte zu den Gefährten: „Wenn ihr es für gut haltet, könnt ihr das von Zaynab geschickte Lösegeld zurückgeben und ihren Gefangenen freilassen.“ Die Gefährten ließen ihn frei und gaben das als Lösegeld gesandte Geld sowie die Halskette zurück.
Abū al-ʿĀṣ ging nach Mekka, während Zaynab nach Medina kam und beim Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu leben begann. Der Islam führte zu ihrer Trennung. Kurz vor der Eroberung Mekkas reiste Abū al-ʿĀṣ geschäftlich nach Syrien. Er hatte das Geld für seine eigene und die Handelsgeschäfte der Quraisch als anvertrautes Gut bei sich; es war ihm als Handelskapital übergeben worden. Nachdem er seine Geschäfte abgeschlossen hatte und zurückkehrte, nahm eine vom Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, entsandte Truppe seine Waren an sich, während Abū al-ʿĀṣ floh und sich in Sicherheit brachte. Als die Truppe bei Zaynab, der Tochter des Gesandten, eintraf und um Schutz bat, gewährte Zaynab ihm Schutz. Er war gekommen, um seine Sachen zurückzufordern. Am Morgen ging der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zum Gebet und stellte sich mit den Gefährten zum Gebet auf. Da rief Zaynab aus dem Frauengemach: „O ihr Menschen, hört: Ich habe Abū al-ʿĀṣ ibn ar-Rabīʿ Schutz gewährt.“ Nachdem der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, den Friedensgruß beendet hatte, wandte er sich allen zu und sagte: „O Muslime, habt ihr auch gehört, was ich gehört habe?“ Alle sagten: „Ja, wir haben es gehört.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Bei Allah, bevor ich diese Erklärung hörte, wusste ich nichts von dieser Angelegenheit. Gemäß dem Schutzvertrag kann jeder bei den Muslimen Schutz suchen.“ Danach ging der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu seiner Tochter und sagte zu ihr: „Zaynab, behandle Abū al-ʿĀṣ gut. Doch soll er nicht allein zu dir kommen, denn du bist jetzt nicht mehr halal für ihn.“
ʿAbdullāh ibn Abū Bakr berichtet, dass er der Truppe, die Abū al-ʿĀṣ’ Besitz erbeutet hatte, folgende Botschaft sandte: „Ihr wisst, in welcher Beziehung er zu uns steht. Ihr habt einige seiner Sachen an euch genommen. Wenn ihr ihm aus Güte seine Sachen zurückgebt, wäre uns das lieber. Wenn ihr sie jedoch nicht zurückgeben wollt, dann sind sie Beute, die Allah euch gegeben hat; ihr allein seid die rechtmäßigen Eigentümer dieses Besitzes.“ Sie sagten: „O Gesandter Allahs, wir werden ihm seine Sachen vielmehr zurückgeben.“ Daraufhin brachte einer einen Eimer, ein anderer seinen alten Wasserschlauch, ein weiterer sein Ledergefäß, und manche gaben sogar einen kleinen hölzernen Griff zurück. So erhielt er all seine Sachen vollständig zurück. Nichts davon blieb zurück. Danach brachte er diese Sachen nach Mekka und gab jedem Quraischiten dessen Besitz zurück. Dann sagte er: „O Quraisch, steht bei irgendjemandem von euch noch etwas aus, das er zurückerhalten muss?“ Sie sagten: „Möge Allah dir die beste Vergeltung geben. Uns steht nichts mehr zu. Du hast dich uns gegenüber wie ein wahrhaft treuer und edler Mann verhalten.“ Da sagte er: „Dann bezeuge ich, dass es keine Gottheit außer Allah gibt und dass Muhammad Sein Diener und Sein Gesandter ist. Bei Allah, ich habe beim Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nur aus der Befürchtung heraus den Islam nicht angenommen, dass ihr vielleicht denken würdet, ich hätte dies nur getan, um euren Besitz zu unterschlagen. Als Allah dafür gesorgt hatte, dass ich euch diese Dinge überbringen konnte, und ich von dieser Verpflichtung frei war, nahm ich den Islam an.“ Danach begab sich Abū al-ʿĀṣ zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm.
Unter den Kriegsgefangenen von Badr, die aus Gnade ohne Lösegeld freigelassen wurden, waren: Abū al-ʿĀṣ ibn ar-Rabīʿ, al-Muṭṭalib ibn Ḥanṭab, Ṣayfī ibn Abū Rifāʿa und Abū ʿAzza ʿAmr ibn ʿAbdullāh ibn ʿUthmān. Abū ʿAzza war arm und mit der Versorgung vieler Töchter belastet. Er ging zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und sagte: „O Gesandter Allahs, du weißt, über welche Vermögensmittel ich verfüge. Ich bin äußerst arm und durch die Last vieler Kinder bedrängt. Erweise mir daher Gnade.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, erließ ihm sein Lösegeld und nahm ihm das Versprechen ab, niemals wieder Waffen gegen den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu erheben. Abū ʿAzza kehrte zu seinem Stamm zurück und trug zum Lob des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, folgendes Gedicht vor:
„Wer wird dem Gesandten Muhammad meine folgende Botschaft überbringen?
Du bist wahrhaftig und der Herrscher der Welt, dem alles Lob gebührt.
Du bist derjenige, der zur Wahrheit und zur Gerechtigkeit aufruft,
vonseiten des Erhabenen Allahs hochgeehrt und von hohem Rang,
und von unserer Seite hochgeehrt und von hohem Rang,
Wen du bekämpfst, der ist äußerst unglücklich,
und wer mit dir Frieden schließt, der ist überaus glücklich.“
Das von den Götzendienern geforderte Lösegeld betrug pro Gefangenem zwischen eintausend und viertausend Dirham. Bedürftigen wurde jedoch Gnade erwiesen und sie wurden ohne Lösegeld freigelassen. Insgesamt nahmen 83 Muhadschirun, 161 Ansar aus dem Stamm der Aus und 170 Ansar aus dem Stamm der Chazradsch am Kampf von Badr teil, und der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gab ihnen Anteile an der Kriegsbeute. Die Zahl der am Kampf von Badr teilnehmenden Muslime belief sich unter den Ansar und Muhadschirun insgesamt auf 314. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gewährte ihnen allen einen Anteil an der Kriegsbeute und eine Vergütung. Die Schlacht von Badr fand am Morgen des 17. Ramadan, einem Freitag, statt.
Der Feldzug gegen die Banu Sulaym
Nach seiner Rückkehr von der Schlacht von Badr blieb der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sieben Tage in Medina. Danach führte er einen Feldzug gegen den Stamm der Banu Sulaym. Er führte ihn selbst an und nahm dort eine Wasserstelle namens Qadr in Besitz. Dabei stieß er auf keinen Widerstand. Die restlichen Tage des Schawwal und den gesamten Monat Dhu l-Qaʿda verbrachte er in Medina. Während dieser Zeit ließ er die meisten Gefangenen der Quraisch gegen Lösegeld frei. [58. Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu diesem Feldzug aufbrach, setzte er Siba ibn Arq in al-Ghifari als Verwalter von Medina ein. Manche sagen, er habe Ibn Umm Maktum mit der Verantwortung für Medina betraut.]
Der Sawiq-Feldzug
Noch im Monat Dhu l-Hiddscha führte Abu Sufyan ibn Harb den Sawiq-Feldzug durch. In diesem Jahr waren die Götzendiener in den Krieg gezogen, ohne den Haddsch zu verrichten. Denn Abu Sufyan und die anderen Männer der Quraisch hatten nach ihrer von der Niederlage bei Badr überschatteten Rückkehr nach Mekka geschworen, sich erst dann nach einer durch Geschlechtsverkehr verursachten Unreinheit mit Wasser über dem Kopf zu waschen, wenn sie einen weiteren Angriff gegen Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, geführt und angemessene Vergeltung geübt hätten. [59. Wie der Haddsch und die Eheschließung war auch dieses Bad in der Zeit der Dschahiliyya üblich.] Um diesen Eid zu erfüllen, brach Abu Sufyan mit zweihundert Reitern auf. Nachdem er Nadschdiyya durchquert hatte, schlug er sein Lager bei einer Quelle nahe einem Berg namens Sa’ib auf, der nicht weit von Medina entfernt lag. Danach erreichte er mitten in der Nacht das Haus von Huyayy ibn Akhtab aus den Banu n-Nadir und klopfte an die Tür. Huyayy war beunruhigt und weigerte sich, die Tür zu öffnen. Daraufhin ging Abu Sufyan zu Sallam ibn Mischkam. Dieser war damals das Oberhaupt der Banu n-Nadir und der Hüter ihres für Notlagen zurückgelegten Vermögens. Als Abu Sufyan um Einlass in sein Haus bat, gewährte er ihn ihm. Er bewirtete ihn auch. Sallam informierte ihn über die inneren Verhältnisse in Medina. Danach kehrte Abu Sufyan noch in derselben Nacht zu seinen Gefährten zurück. Er schickte einige Männer aus dem Heer der Quraisch nach Medina. Sie gelangten an einen Ort namens Uraib in der Nähe von Medina. In den dortigen Dattelgärten legten sie Feuer. Dort trafen sie auf einem gemeinsamen landwirtschaftlichen Gut einen Ansari und einen seiner Verbündeten und töteten beide. Danach verschwanden sie in der Richtung, aus der sie gekommen waren. Die Bewohner Medinas bemerkten ihre Machenschaften. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, brach zu ihrer Verfolgung auf und ließ Baschir ibn Abd al-Mundhir mit der Verantwortung für Medina zurück. Als er den Ort namens Qarqarat al-Qadr erreichte und keine Spur von Abu Sufyan und seinen Leuten fand, kehrte er zurück. Im Inneren des landwirtschaftlichen Guts sah er einige von ihnen zurückgelassene Gegenstände. Um leichter und schneller fliehen zu können, hatten sie diese weggeworfen. [60. Bei den von den Quraisch zurückgelassenen Dingen handelte es sich größtenteils um Weizen- oder Gerstenmehl, das man mit Milch, Honig und Ghee oder mit Wasser verzehren kann. Dieses Mehl wird auf Arabisch Sawiq genannt. Daher erhielt dieser Feldzug den Namen „Sawiq-Feldzug“.] Da sie ohne Kampf zurückgekehrt waren, fragten die Muslime den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm: „O Gesandter Allahs, wird dies als unser Dschihad gerechnet?“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, antwortete: „Ja.“
Der Feldzug von Dhu Amar
Nachdem der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, vom Feldzug von Sawiq zurückgekehrt war, verbrachte er die gesamte oder nahezu die gesamte verbleibende Zeit des Monats Dhul-Hiddscha in Medina. Danach führte er einen Feldzug gegen den Stamm Ghatafan in Nadschd. Dieser Feldzug wird auch der Feldzug von Dhū Qar genannt. Den gesamten oder nahezu den ganzen Monat Safar hielt er sich in Nadschd auf. Den gesamten Monat Rabi al-awwal oder bis auf wenige Tage verbrachte er in Medina.
Der Feldzug von Furū in Bahrān
Nun führte er erneut einen Feldzug gegen die Quraisch. Er durchquerte den Hidschāz und gelangte über die Gegend von Furū nach Bahrān. Dort verbrachte er die Monate Rabī ath-thānī und Dschumādā al-ūlā. Danach kehrte er sicher nach Medina zurück.
Die Schlacht von Banū Qaynuqā
Der eigentliche Anlass der Angelegenheit von Banū Qaynuqā war folgender: Eine arabische Frau brachte einige Waren zum Verkauf auf den Markt des Stammes Banū Qaynuqā. Dort setzte sie sich in der Nähe des Ladens eines Goldschmieds nieder. Die Leute im Laden forderten sie auf, ihr Gesicht zu enthüllen. Die Frau weigerte sich jedoch. Daraufhin nahm der Goldschmied eine Ecke ihres Gewandes, band sie an ihrem Rücken fest und die Frau bemerkte es nicht. Als sie aufstand, wurde sie augenblicklich entblößt. Die Leute auf dem Markt sahen dies und brachen in lautes Gelächter aus. Die Frau schrie sofort auf. Ein Muslim griff den Goldschmied an und tötete ihn. Der Goldschmied war Jude. Daher schlossen sich die Juden zusammen und töteten den Muslim. Daraufhin flehten die Angehörigen des getöteten Muslims die Muslime um Hilfe an. Als diese aus Zorn einen Angriff unternahmen, kam es zum Krieg zwischen den Muslimen und Banū Qaynuqā.
Unter den Juden Medinas waren Banū Qaynuqā die Ersten, die den zwischen dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und ihnen geschlossenen Vertrag brachen. Daraufhin belagerte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sie und zwang sie, sich zu günstigen Bedingungen zu ergeben. Nachdem der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sie mit Allahs Hilfe niedergezwungen hatte, kam ʿAbdullāh ibn Ubayy ibn Salūl zu ihm und sagte: „O Muhammad, behandelt meine Verbündeten mit Güte.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, antwortete ihm darauf nicht. Er sagte erneut: „O Muhammad, behandelt meine Verbündeten freundlich.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, wandte sich ab. Da griff er in die Öffnung des Harnischs des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, worauf dieser sagte: „Lass mich los.“ Zu diesem Zeitpunkt war der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, so zornig, dass sein Gesicht sich rötete. Dann sagte er zu ihm: „He, lass mich doch los.“ Er erwiderte: „Nein, gib mir zuerst die Zusicherung, dass du meine Verbündeten freundlich behandeln wirst; dann lasse ich dich los. Glaub mir: Vierhundert unbedeckte und dreihundert gepanzerte Krieger haben mich vor allen Menschen der Welt sicher gemacht. Und nun willst du sie an einem einzigen Tag vernichten. Ohne sie bin ich keinen Augenblick sicher.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Gut, meinetwegen. Ich überlasse sie dir und deinem Willen.“
Danach erschien ʿUbāda ibn as-Sāmit (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) beim Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Auch er hatte ein Bündnisverhältnis mit Banū Qaynuqā. Doch ohne darauf Rücksicht zu nehmen, überließ er sie dem Willen des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und erklärte vor Allah und Seinem Gesandten, dass er sich von der Verantwortung für den mit ihnen geschlossenen Vertrag lossage. Er sagte: „O Gesandter Allahs, meine Verbündeten und Freunde sind nur Allah, der Gesandte und die Gläubigen. Von der Freundschaft mit diesen Ungläubigen bin ich völlig losgesagt.“
Über ʿUbāda ibn as-Sāmit und ʿAbdullāh ibn Ubayy wurden die folgenden Verse aus der Sure al-Māʾida offenbart,
„O ihr Gläubigen, nehmt die Juden und die Christen niemals zu Freunden und Verbündeten. Sie sind untereinander Verbündete. Wer von euch sie zu Verbündeten nimmt, der gehört zu ihnen. Wahrlich, Allah weist die Ungerechten nicht den rechten Weg. Du wirst diejenigen, in deren Herzen eine Krankheit ist, sehen, wie sie in der Angelegenheit der Juden und Christen zu ihnen eilen und sagen: »Wir befürchten, dass uns ein Unglück oder eine Katastrophe befällt.« Allah kann den Sieg gewähren oder von sich aus ein anderes Ereignis eintreten lassen. Dann werden sie das bereuen, was sie in ihrem Inneren verborgen hielten. Die Gläubigen sagen: »Ist dies etwa der Zustand jener, die bei Allah hoch und heilig schworen und langatmige Reden führten und behaupteten, sie stünden zu euch?« Ihre guten Taten sind zunichtegeworden, und so sind sie zu Verlierern geworden. O ihr Gläubigen, wenn jemand von euch von seiner Religion abfällt, dann ist der Tag nicht fern, an dem Allah ein Volk hervorbringen wird, das Er liebt und das Ihn liebt, das sich den Gläubigen gegenüber demütig und den Ungläubigen gegenüber streng zeigt, das auf Allahs Weg kämpft und die Vorwürfe und den Tadel niemandes fürchtet. Dies ist eine besondere Gunst Allahs. Er gewährt sie, wem Er will. Wahrlich, Allahs Gunst ist überall eine besondere Gunst. Er gewährt sie, wem Er will. Wahrlich, Allah ist überall gegenwärtig und allwissend. Euer Freund und Verbündeter ist einzig Allah, Sein Gesandter und diejenigen Gläubigen, die das Gebet verrichten, die Zakāt entrichten und Allah gehorsam sind. Wer Allah, Seinen Gesandten und die Gläubigen zu Freunden und Verbündeten nimmt, der gehört zur Partei Allahs; und er soll wissen, dass die Partei Allahs endgültig siegreich ist.“
Der Feldzug von Zaid ibn Hāritha nach Qarada
Qarada ist eine Wasserstelle in Nadschd. Der Grund für diesen Feldzug war, dass die Quraisch nach dem Ereignis von Badr ihre herkömmliche Route nach Syrien als gefährlich betrachteten und begonnen hatten, über den Weg durch den Irak zu reisen. Eine Handelskarawane unter der Führung von Abū Sufyān brach auf diesem Weg nach Syrien auf. Ihre wichtigste Handelsware bestand aus einer großen Menge Silber. Furāt ibn Hayyān von den Banū Bakr ibn Wā’il war ihr gedungener Wegführer. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, entsandte Zaid ibn Hāritha, um diese Karawane anzugreifen. Als er nach Qarada gelangte, holte er die Karawane ein. Die Männer der Karawane flohen aus Angst um ihr Leben, woraufhin er die gesamte Karawane samt ihren Waren zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, brachte.
Die Schlacht von Uhud
Als die ungläubigen Quraisch mit der Schande ihrer Niederlage aus der Schlacht von Badr nach Mekka zurückkehrten und Abū Sufyān mit seiner Karawane nach Mekka gelangt war, begab sich eine Gruppe der Quraisch, darunter ʿAbdullāh ibn Abī Rabīʿa, ʿIkrima ibn Abī Dschahl und Safwān ibn Umayya, deren Väter, Söhne oder Brüder im Kampf getötet worden waren, zu Abū Sufyān. Der Gewinn, den Abū Sufyān damals mit jener Karawane erzielt hatte, befand sich noch bei ihm. Sie sagten: „O Quraisch, Muhammad hat euch großen Schaden zugefügt und eure bedeutendsten Männer getötet. Unterstützt uns nun mit dem gesamten Vermögen dieser Karawane, dann werden wir hoffentlich angemessene Vergeltung für unsere Verstorbenen üben können.“ Alle stimmten zu.
Daraufhin erklärte sich Abū Sufyān bereit, zusammen mit den Nicht-Quraischiten, die zu seiner Karawane gehörten, insbesondere denjenigen aus dem Stamm Kināna und den Bewohnern von Tihāma, die den Quraisch treu ergeben waren, in den Krieg zu ziehen. Da beschlossen auch die Quraisch, gegen Muhammad in den Krieg zu ziehen. Um den Rachedrang anzustacheln und die Krieger an der Flucht zu hindern, nahmen die Quraisch auch einige Frauen mit. Der Heerführer Abū Sufyān nahm seine Ehefrau Hind bint ʿUtba mit, ʿIkrima ibn Abī Dschahl Umm Hakīm bint al-Hārith, al-Hārith ibn Hischām Fātima bint al-Walīd, Safwān ibn Umayya Barza bint Masʿūd und ʿAmr ibn al-ʿĀs Barīta bint Munabbih. Danach rückten sie in Richtung Medina vor. Bei den beiden Quellen, die aus dem Graben am Eingang des vor Medina gelegenen Tals entsprangen, schlugen sie nahe dem Berg Batn as-Subcha ihre Zelte auf. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, und die Muslime erfuhren, dass sie sich dort niedergelassen hatten. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, wandte sich an die Muslime und sagte: „Ich habe einen guten Traum gesehen. Ich sah, dass eine meiner Kühe geschlachtet wurde. Und ich sah, dass die scharfe Spitze meines Schwertes gleichsam einen Riss bekommen hatte. Außerdem sah ich, dass ich meine Hand in einen schützenden Panzer gesteckt hatte.[61. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagte: „Die Bedeutung des Schlachtens der Kuh ist, dass einige meiner Gefährten getötet werden. Der Riss, den ich an der scharfen Spitze meines Schwertes sah, ist ein Zeichen dafür, dass ein Angehöriger meiner Familie getötet wird.“] Mit diesem Panzer meinte ich Medina. Wenn ihr meint, in Medina zu bleiben und die Quraisch, solange sie an ihrem derzeitigen Aufenthaltsort bleiben, zum Kampf herauszufordern, dann könnt ihr das tun. Wenn sie dennoch dort bleiben, wird sich dieser Aufenthaltsort für sie als äußerst schlecht erweisen. Sollten sie jedoch nach Medina eindringen, werden wir sie in Medina selbst bekämpfen.“
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, wollte eigentlich nicht Medina verlassen. Auch ʿAbdullāh ibn Ubayy ibn Salūl war dagegen, außerhalb Medinas in den Krieg zu ziehen. Doch diejenigen unter den Muslimen, die nicht an der Schlacht von Badr hatten teilnehmen können und denen Allah das Glück bestimmt hatte, an Uhud und anderen Schlachten teilzunehmen, sagten: „O Gesandter Allahs, führe uns hinaus aus Medina, damit wir dem Feind entgegentreten. Sie sollen nicht glauben, wir seien schwach oder feige geworden.“
Abdullah ibn Ubayy ibn Sulul sagte: „O Gesandter Allahs, bleibe in Medina und geh nicht hinaus. Bei Allah, wenn wir Medina verlassen, werden die Feinde uns größeren Schaden zufügen können. Wenn die Feinde jedoch in Medina eindringen und einen Angriff führen, werden wir ihnen eine viel schwerere Niederlage zufügen können. Deshalb, o Gesandter Allahs, lass die Ungläubigen dort, wo sie sind. Wenn sie dort bleiben, wird dieser Ort für sie zu einem äußerst schlechten Belagerungsplatz. Wenn sie aber in Medina eindringen, werden unsere Männer ihnen im offenen Kampf entgegentreten, während Frauen und Kinder von oben Steine auf sie werfen werden. Und wenn sie umkehren, werden sie ebenso zurückkehren, wie sie gekommen sind.“ Die Muslime, die beim Gesandten Allahs den Wunsch hegten, außerhalb Medinas gegen die Quraisch zu kämpfen, begannen dagegen, ihren Wunsch zu äußern. Inzwischen betrat der Gesandte Allahs sein Haus und legte seine Kriegsausrüstung an. Es war ein Freitag. Am selben Tag starb ein Ansar namens Malik ibn Amr. Der Gesandte Allahs verrichtete das Totengebet für ihn. Danach trat er vor die muslimische Gemeinschaft. Die Muslime bereuten, dass sie geglaubt hatten, er habe in Medina bleiben und den Quraisch dort entgegentreten wollen. Sie sagten: „O Gesandter Allahs, wir haben deine Ansicht nicht gutgeheißen; das war nicht richtig von uns. Wenn du in Medina bleiben möchtest, dann tu es.“ Der Gesandte Allahs sagte: „Nein, das geht nicht. Nachdem ein Prophet seine Kriegskleidung angelegt hat, steht es ihm nicht zu, sie wieder abzulegen, ohne gekämpft zu haben.“ Danach zog der Gesandte Allahs mit eintausend Gefährten aus. Als sie Schaut erreichten, einen Ort zwischen Medina und Uhud, trennte sich Abdullah ibn Ubayy ibn Sulul mit ungefähr einem Drittel der Männer von ihnen. Er sagte: „Der Gesandte Allahs hat auf sie gehört, aber nicht auf mich. Leute, ich weiß nicht, wofür wir so viele Menschenleben opfern sollen.“
Er trennte sich zusammen mit den Heuchlern seines Stammes und seinen zweifelnden Anhängern vom muslimischen Heer. Abdullah ibn Amr ibn Haram ging ihnen nach und sagte: „Ich beschwöre euch bei Allah: Überlasst eure muslimischen Brüder und den Propheten Allahs nicht dem Angriff des gegenwärtigen Feindes.“ Sie sagten: „Wenn wir glaubten, dass es zum Kampf kommen würde, hätten wir euch nicht verlassen. Wir meinen, dass es keinen Kampf geben wird.“ Als sie sich unter keinen Umständen bereit erklärten, zum Schlachtfeld zurückzukehren, sagte Abdullah: „O Feinde Allahs, möge Allah euch entfernen! Allah wird Seinen Gesandten nicht auf euch angewiesen sein lassen. Allah genügt ihm.“
Die Ansar sagten: „O Gesandter Allahs, wäre es gut, unsere jüdischen Verbündeten um Hilfe zu bitten?“ Er sagte: „Mit ihnen ist nichts anzufangen.“ Der Gesandte Allahs setzte die Vorbereitungen für den Kampf fort. In einem Tal nahe dem Berg Uhud nahm er Stellung. Er stellte die Soldaten am Fuß des Berges auf und blieb mit dem Berg im Rücken stehen. Er sagte zu den Soldaten: „Niemand soll den Kampf beginnen, bevor ich den Befehl dazu gebe.“ Die Quraisch hatten inzwischen all ihre Kamele und Pferde auf dem fruchtbaren, von den Bächen der Muslime bewässerten Land von Schamga unweit von Uhud freigelassen. Als ein Ansar deshalb das Verbot des Gesandten Allahs hörte, den Kampf zu beginnen, sagte er: „Wir haben unseren Anteil an den Feldern von Aus und Chazradsch noch nicht eingetrieben. Wie können wir unter diesen Umständen dulden, dass dort Tiere weiden?“
Danach rüstete der Gesandte Allahs seine siebenhundert Soldaten für den Kampf aus. Abdullah ibn az-Zubair setzte er als Befehlshaber einer Bogenschützeneinheit von fünfzig Männern ein. Diese war durch ein weißes Tuch gekennzeichnet. Der Gesandte Allahs sagte zu ihm: „Vertreibt die feindlichen Reiter, indem ihr sie mit Pfeilen beschießt. Ganz gleich, ob wir im Kampf siegen oder besiegt werden: Lass niemanden von hinten herankommen. Bleibt fest auf eurer Stellung, damit wir nicht von eurer Seite angegriffen werden.“ Der Gesandte Allahs legte zwei Panzerhemden übereinander an und übergab das Banner an Musʿab ibn Umair.
Den fünfzehnjährigen Samura ibn Dschundub und Rafiʿ ibn Chadidscha nahm der Gesandte Allahs an jenem Tag zunächst nicht als Kämpfer auf. Später sagten viele Gefährten: „O Gesandter Allahs, Rafiʿ ist ein guter Bogenschütze.“ Als der Gesandte Allahs dies hörte, erlaubte er ihm die Teilnahme. Nachdem Rafiʿ die Erlaubnis erhalten hatte, sagten einige andere: „O Gesandter Allahs, Samura kann Rafiʿ im Ringkampf besiegen.“ Daraufhin erlaubte er auch Samura die Teilnahme. Usama ibn Zaid, Abdullah ibn Amr, Zaid ibn ثابت, al-Bara ibn ʿAzib und Usaid ibn Zuhair erteilte er jedoch keine Erlaubnis. Später wurde ihnen die Teilnahme am Grabenkrieg gestattet. Damals waren sie fünfzehn Jahre alt.
Die Quraisch rüsteten ihr Heer von dreitausend Kämpfern für den Kampf aus. Bei ihnen waren zweihundert Pferde. Auf der rechten Seite dieser Reitereinheit wurde Khalid ibn al-Walid aufgestellt und auf der linken Seite ʿIkrima ibn Abu Dschahl.
Der Gesandte Allahs zeigte sein eigenes Schwert und sagte: „Wer ist bereit, diesem Schwert sein Recht zu erweisen?“ Viele traten vor. Er gab das Schwert jedoch keinem von ihnen.
Abu Dujana trat vor und sagte: „O Gesandter Allahs, worin besteht das Recht dieses Schwertes?“ Der Gesandte Allahs sagte: „Mit diesem Schwert muss man den Feind so heftig schlagen, dass es sich krümmt.“ Abu Dujana sagte: „O Gesandter Allahs, ich werde es nehmen und ihm sein Recht erweisen.“ Da gab er Abu Dujana das Schwert. Abu Dujana war in der Tat ein äußerst mutiger und tapferer Kämpfer. Im Kampf schritt er mit sehr stolzer Haltung dahin. Er besaß ein rotes Stirnband. Wenn er sich damit auf den Körper schlug, wussten die Leute, dass er sogleich in den Kampf ziehen würde. Nachdem er das Schwert vom Gesandten Allahs entgegengenommen hatte, holte er das Stirnband hervor und schlug sich damit auf den Kopf. Danach begann er, sich in stolzer Haltung wiegend durch die Reihen der Soldaten zu bewegen. Als der Gesandte Allahs dies sah, sagte er: „Diese Art zu gehen ist Allah äußerst verhasst, außer auf dem Schlachtfeld.“
Unterdessen sagte Abu Sufyan, um die Männer der Banu Abdud-Dar, die die Fahne seiner Armee trugen, zum Kampf anzuspornen: „O Banu Abdud-Dar, ihr habt in der Schlacht von Badr unsere Fahne getragen. Doch ihr habt gesehen, welches Ende unsere Sache in jener Schlacht nahm. Merkt euch: Die Angriffe auf die Soldaten kommen stets von der Seite der Fahne. Wenn die Fahne fällt, werden die Soldaten besiegt. Haltet also entweder die Fahne fest oder zieht euch zurück. Wir selbst können sie tragen.“ Daraufhin wandten die Fahnenträger ihre Aufmerksamkeit der Fahne zu und gelobten Abu Sufyan: „Wir überlassen dir unsere Führung. Wenn wir morgen in den Kampf ziehen, wirst du sehen, wie wir kämpfen.“ Genau diese Entschlossenheit wollte Abu Sufyan in ihnen wecken.
Als am nächsten Tag der Kampf begann, zog Hind, die Tochter Utbas, gemeinsam mit den sie begleitenden Frauen hinter den Männern her, schlug die Trommeln und spornte sie mit den Worten an:
„Ausgezeichnet, o Banu Abdud-Dar,
ausgezeichnet ist euer Einsatz, o ihr Wächter des rückwärtigen Bereichs!
Schlagt mit jedem scharfen Schwert zu!“
Sie riefen außerdem: „Wenn ihr vorwärtsstürmt, werden wir euch umarmen und weiche Polster für euch ausbreiten,
doch wenn ihr zurückweicht,
werden wir uns von euch trennen.“
Ihr werdet unsere Liebe nicht erhalten.“
Damit die Gefährten sich in der Schlacht von Uhud gegenseitig erkennen konnten, brachte ihnen der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, einen Erkennungsruf bei: „Amit, Amit!“ Das bedeutet: „Versetzt den tödlichen Schlag! Versetzt den tödlichen Schlag!“
Allmählich nahm die Schlacht heftige Ausmaße an. Abu Dujana kämpfte mit solch unbändiger Tapferkeit, dass er jeden, den er vor sich fand, tötete und weiter vorrückte. Zubair ibn al-Awwam berichtet: „Ein Mann von den Götzendienern begann, jeden unserer Soldaten zu töten, den er erblickte. Abu Dujana und dieser Mann rückten immer näher aufeinander zu. Ich betete, Allah möge die beiden zusammenführen. Bald standen sie sich gegenüber und begannen, einander Schläge zu versetzen. Der Mann von den Götzendienern schlug Abu Dujana. Abu Dujana wehrte den Schlag mit seinem Lederschild ab. Das Schwert drang in den Schild ein und blieb darin stecken. Da versetzte Abu Dujana ihm einen Gegenangriff und tötete ihn. Danach sah ich, wie er sein Schwert über den Kopf von Hind bint Utba erhob. Doch im nächsten Augenblick senkte er das Schwert wieder. [62. Abu Dujana berichtet: Auf dem Schlachtfeld sah ich jemanden, der die Ungläubigen anfeuerte. Ich ging auf ihn zu, um ihn aufzuhalten. Als ich mein Schwert erhob, stieß er einen Angstschrei aus. Da sah ich, dass es eine Frau war. Ich hielt inne, weil ich meinte, es wäre eine Entwürdigung des Schwertes des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, wenn ich damit eine Frau schlüge.]
Hamza ibn Abd al-Muttalib, möge Allah mit ihm zufrieden sein, tötete im Kampf Artah ibn Abd Shurahbil. Dieser war eines der Mitglieder der Fahnenträgergruppe. Gleich darauf sah er, wie Siba ibn Abd al-Uzza an ihm vorbeiging. Er forderte ihn zum Kampf heraus und sagte: „He, Sohn der Beschneiderin, komm her zu mir!“ Sibaʼs Mutter verdiente in Mekka ihren Lebensunterhalt mit dem Beschneiden.“
Wahshi, der Sklave von Jubair ibn Mut’im, berichtet: Ich hatte Hamza im Blick. Ich sah, wie er sein Schwert gegen die Feinde erhob und sie im Handumdrehen niedermachte. Niemanden, der vor ihm stand, ließ er am Leben. Während er kämpfte, war sein ganzer Körper vom Staub bedeckt und hatte die Farbe eines grauen Kamels angenommen. In diesem Augenblick ging Siba ibn Abd al-Uzza vor mir vorbei und kam in die Nähe Hamzas. Als Hamza ihn sah, stieß er einen Kampfschrei aus: „He, Sohn der Beschneiderin, komm zu mir, ich werde dir zeigen, was Spaß ist!“ Mit diesen Worten schlug er nach ihm. Doch offenbar traf der Schlag seinen Kopf nicht. Ich richtete meinen Speer auf Hamza. Als ich sicher war, dass ich richtig gezielt hatte, schleuderte ich ihn auf ihn. Der Speer drang in seinen Unterleib ein und trat zwischen seinen beiden Schenkeln wieder aus. Selbst in diesem Zustand kam er noch auf mich zu. Doch gleich darauf verlor er seine Kräfte und stürzte zu Boden. Ich ließ ihm eine kurze Weile. Er sank in die Arme des Todes. Dann ging ich hin und zog meinen Speer heraus.
Danach kehrte ich zu den Reihen des Quraisch-Heeres zurück. Auf dem Schlachtfeld hatte ich kein anderes Ziel, als Hamza zu töten. Ich tötete ihn, weil ich wusste, dass ich freikommen würde, wenn es mir gelang, ihn zu töten. Sobald ich nach Mekka zurückkehrte, wurde ich freigelassen. Danach lebte ich in Mekka. Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Mekka eroberte, floh ich nach Taif und ließ mich dort nieder. Doch als eine Delegation aus Taif zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, kam, um den Islam anzunehmen, geriet ich völlig in Verwirrung. Ich wusste nicht, wohin ich gehen sollte. Ich dachte daran, nach Syrien oder in den Jemen zu gehen, denn dort könnte ich in Sicherheit leben. Inzwischen sagte ein Mann zu mir: „Wenn jemand den Islam annimmt und das Glaubensbekenntnis spricht, tötet Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, niemanden.“ Als ich das hörte, ging ich zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Als er sah, wie ich in seiner Gegenwart vor ihm stand und mich dem wahren Din anschloss, war er vor Erstaunen überwältigt. Er hob den Blick, sah mich einmal an und sagte: „Setz dich. Erzähl mir, wie du Hamza getötet hast.“ Ich schilderte ihm den ganzen Vorgang von Anfang bis Ende. Nachdem der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, alles gehört hatte, sagte er: „Komm mir niemals vor das Gesicht. Ich möchte dich nicht sehen.“ Solange der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, lebte, wich ich zur Seite aus, sobald ich zu ihm ging, damit er mein Gesicht nicht sehen musste.
Mus’ab ibn Umair, möge Allah mit ihm zufrieden sein, kämpfte heldenhaft zum Schutz des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und fiel als Märtyrer. Getötet wurde er von Ibn Qumay’a al-Laythi. Dieser glaubte, den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, selbst getötet zu haben. Deshalb kehrte er zu den Quraisch zurück und sagte: „Ich habe Muhammad getötet.“ Nachdem Mus’ab getötet worden war, übergab der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Ali ibn Abu Talib die Fahne. Daraufhin stürzten sich Ali, möge Allah mit ihm zufrieden sein, und die anderen tapferen muslimischen Löwen in die Schlacht.
Als die Schlacht von Uhud eine furchterregende Gestalt annahm, setzte sich der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, unter die Fahne der Ansar. Durch einen Boten befahl er Ali, möge Allah mit ihm zufrieden sein: „Rücke mit der Fahne vor.“ Ali ging vor, stieß einen Kampfschrei aus und sagte: „Ich bin der Vater des Schreckens.“ [63. Abu Sa’d von den Quraisch hatte ausgerufen: „Ich bin der Schreckenverbreiter. Wer ist bereit, gegen mich zu kämpfen? Komm!“ Als Antwort darauf stieß Ali, möge Allah mit ihm zufrieden sein, diesen Kampfschrei aus.] Abu Sa’d trat vor und sagte zu ihm: „He, Vater des Schreckens, hast du etwa Lust zu kämpfen?“ Ali erwiderte: „Ja, habe ich.“ Daraufhin begann der Kampf zwischen den beiden. Schläge und Gegenschläge wurden ausgeteilt. Schließlich brachte Ali ihn mit einem einzigen Schlag zu Fall. Nachdem er ihn zu Boden geworfen hatte, zog sich Ali, möge Allah mit ihm zufrieden sein, von dort zurück und versetzte ihm nicht den tödlichen Schlag. Alis Gefährten fragten ihn: „Warum bist du weggegangen, ohne ihm den entscheidenden Schlag zu versetzen?“ Er antwortete: „Abu Sa’d hat mir sein Geschlechtsteil gezeigt. Da empfand ich Mitleid und Erbarmen mit ihm, und aus diesem Erbarmen entfernte ich mich von ihm. Doch ich erkannte, dass Allah selbst ihn getötet hatte.“
ʿĀsim ibn Thābit ibn Abū al-Aqlaḥ (möge Allah mit ihm zufrieden sein) zog in den Kampf und tötete Musāfiʿ ibn Ṭalḥa sowie dessen Bruder Julās ibn Ṭalḥa. Er stach nacheinander mit seinem Speer auf beide ein. Jeder von ihnen begab sich verwundet zu seiner Mutter Sulāfa und legte den Kopf in ihren Schoß. Sulāfa fragte ihren Sohn: „Mein lieber Junge, wer hat dich verwundet?“ Er antwortete: „Ibn Abū al-Aqlaḥ.“ Daraufhin gelobte Sulāfa, dass sie, sollte es ihr gelingen, ʿĀsim ibn Thābit ibn Abū al-Aqlaḥ zu töten, Wein aus seinem Schädel trinken werde.
Ḥanẓala ibn Abū ʿĀmir, der Ghassīl [weil die Engel ihn gewaschen hatten, wurde ihm nach seinem Tod der Beiname Ghassīl verliehen], zog gegen Abū Sufyān in den Kampf. Eine Zeit lang gewann Ḥanẓala die Oberhand über Abū Sufyān. Als der Quraisch-Krieger Shaddād ibn Aswad dies sah, griff er Ḥanẓala überraschend an und tötete ihn. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte zu den Gefährten: „Die Engel waschen euren Gefährten Ḥanẓala.“ Später erfuhr man von seiner Ehefrau, dass die Ganzkörperwaschung für ihn verpflichtend gewesen war. Nachdem er den Aufruf zum Dschihād gehört hatte, hatte er keine Gelegenheit mehr, sich zu waschen, und war sofort zum Schlachtfeld geeilt.
Danach sandte Allah den Muslimen Hilfe herab und erfüllte Sein Versprechen, das Er ihnen gegeben hatte. Dadurch waren sie in der Lage, die Quraisch-Truppen in großer Zahl zu töten und zu vernichten. Da die Ungläubigen dem Angriff der muslimischen Armee nicht standhalten konnten, waren sie gezwungen zu fliehen und erlitten eine schwere Niederlage.
Az-Zubair (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: „Bei Allah, ich sah Hind, die Tochter ʿUtbas, und ihre Gefährtinnen Hals über Kopf fliehen. Ich sah keine größere oder kleinere Gruppe der Götzendiener herankommen, um sie vor der Gefangennahme zu bewahren. Als der Sieg beinahe vollständig war, verließ plötzlich die Bogenschützentruppe ihre Stellung, verfolgte die fliehenden Quraisch und ließ den Pass hinter uns offen. Wir wurden von hinten angegriffen. Genau zu diesem Zeitpunkt rief jemand: „Muḥammad ist getötet worden.“ In unserer Ausweglosigkeit kehrten wir zum Schlachtfeld zurück, und auch die Quraisch stürzten sich erneut auf uns. Dabei hatten wir sogar ihre Fahnenträger überwältigt und sie derart kampfunfähig gemacht, dass niemand zu ihrer zu Boden gefallenen Fahne gelangen konnte. Schließlich nahm eine Frau namens ʿAmra bint al-Ḥārithiyya sie auf und brachte sie zu den Quraisch. Daraufhin sammelten sie sich erneut um diese Fahne und machten sie zu ihrem Halt.
Die Muslime zerstreuten sich. Diese Gelegenheit nutzten die Feinde, drangen in ihre Reihen ein und führten einen umfassenden Angriff aus. So wurde jener Tag zu einem Tag harter Prüfung und Läuterung. Allah ehrte eine beträchtliche Zahl von Muslimen mit dem Märtyrertod. Die Feinde gelangten sogar bis zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Er wurde an einer Seite seines Körpers getroffen. Dabei brach ihm ein Zahn ab, und sein Gesicht sowie seine Lippen wurden verletzt. ʿUtba ibn Abī Waqqāṣ hatte ihm diese Verletzung zugefügt. Sein ganzes Gesicht war mit Blut bedeckt. Während er das Blut mit der Hand abwischte, sagte er: „Wie kann eine Nation Erfolg haben, die das Gesicht ihres Propheten blutig macht, obwohl er sie zu Allah, dem Erhabenen, ruft?“ Als Antwort auf diese Worte ließ Allah, der Erhabene, den folgenden Vers offenbaren:
[Arabisch *******]
„(O Prophet!) Du hast keinerlei Befugnis über die endgültige Entscheidung. Die Befugnis liegt bei Allah. Er kann ihnen vergeben oder sie bestrafen. Denn sie sind ungerecht.“ (Āl ʿImrān)
Nach einer Überlieferung von Abū Saʿīd al-Khudrī (möge Allah mit ihm zufrieden sein) brach der Speerhieb von ʿUtba ibn Abī Waqqāṣ dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, den unteren Zahn auf der rechten Seite ab und verletzte seine Unterlippe. ʿAbdullāh ibn Schihāb az-Zuhrī verletzte seine Stirn. Ibn Qumʾa schlug auf den oberen Teil seines Kiefers. Dadurch brachen zwei Teile des Helms des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ab und drangen in seinen Kiefer ein. Anschließend fiel er in eine der Gruben, die Abū ʿĀmir ausgehoben hatte, um die Muslime unbemerkt hineinzustoßen und zu töten. Da kam ʿAlī (möge Allah mit ihm zufrieden sein) und ergriff seine Hand, während Ṭalḥa ibn ʿUbaidullāh (möge Allah mit ihm zufrieden sein) ihn emporhob. Mit ihrer Hilfe konnte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, wieder aufstehen. Mālik ibn Sinān, der Vater von Abū Saʿīd al-Khudrī, saugte das Blut aus dem Gesicht des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Als der Gesandte Allahs dies bemerkte, sagte er: „Das Blut dessen, dessen Blut sich mit meinem Blut vermischt hat, wird das Feuer der Hölle nicht berühren können.“
Als das Heer der Götzendiener den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, von allen Seiten umzingelte, sagte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm: „Wer ist bereit, sein Leben für unsere Verteidigung zu opfern?“ Daraufhin erhoben sich fünf ansarische Gefährten, darunter Ziyad ibn Sakan, und begannen, einer nach dem anderen für den Schutz des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu kämpfen und als Märtyrer zu sterben. Der Letzte war entweder Ziyad ibn Sakan oder Ammara ibn Yazid ibn Sakan. Auch er kämpfte äußerst tapfer und wurde schwer verwundet. Inzwischen kehrte eine Gruppe von Muslimen dorthin zurück, kämpfte zur Unterstützung dieses verwundeten Gefährten und schlug den Feind in die Flucht. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, deutete auf den verwundeten Gefährten und sagte: „Bringt ihn zu mir.“ Die Muslime brachten ihn zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Er legte dessen Kopf auf sein Knie. In diesem Zustand verschied der betreffende Gefährte.
Abu Dujana begann, seinen eigenen Körper als Schild zu benutzen, um den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu schützen. Pfeile bohrten sich in seinen Rücken, während er sich schützend vor den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, beugte und über ihn gebeugt dastand. So wurde sein Körper von unzähligen Pfeilen getroffen. Auch Saʿd ibn Abi Waqqas begann, zur Verteidigung des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Pfeile abzuschießen. Saʿd sagte: „Ich sah Abu Dujana, wie er mir einen Pfeil nach dem anderen reichte und sagte: ‚Mögen mein Vater und meine Mutter für dich geopfert werden. Schieß weiter.‘ Bisweilen gab er mir sogar Pfeile ohne Spitzen und sagte: ‚Schieß!‘“
Nachdem die Niederlage eingetreten war und sich das Gerücht verbreitet hatte, der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sei als Märtyrer gefallen, erkannte Kaʿb ibn Malik ihn als Erster. Kaʿb sagte: „Die Augen des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, glänzten unter seinem Helm, und daran erkannte ich ihn. Sofort rief ich: ‚O Muslime, eine frohe Botschaft! Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, lebt. Er ist hier.‘“ Daraufhin gab ihm der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ein Zeichen und sagte: „Sei still.“
Nachdem die Muslime den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, erkannt hatten, gingen sie alle mit ihm zum Engpass des Berges. Zu dieser Zeit waren unter anderem Abu Bakr as-Siddiq, Umar al-Faruq, Ali ibn Abi Talib, Talha ibn Ubaidallah und Zubair ibn al-Awwam sowie eine Gruppe von Muslimen beim Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm.
Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, am Engpass des Berges ruhte, traf Ubayy ibn Khalaf dort ein. Er sagte: „O Muhammad, selbst wenn du diesmal mit dem Leben davonkommst, wirst du mir nicht entkommen.“ Die Muslime sagten: „O Gesandter Allahs, ist es einem von uns angemessen, diesem Mann gegenüber Nachsicht zu zeigen?“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Lasst ihn kommen.“ Als er zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, kam, nahm dieser einen Speer von al-Harith ibn Simma. Einigen Überlieferungen zufolge führte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nachdem er den Speer genommen hatte, ein derart furchterregendes Manöver aus, dass wir, ebenso erschrocken und verwirrt wie ein Schwarm giftiger Wespen, der auseinanderfliegt, wenn sich ein Kamel heftig bewegt, auseinanderstoben und uns weit vom Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, entfernten. Danach ging der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, auf ihn zu und versetzte ihm einen Speerhieb in den Nacken. Von dem Schlag getroffen, stürzte Ubayy ibn Khalaf vom Rücken seines Pferdes und überschlug sich mehrmals.
Schon zuvor hatte Ubayy ibn Khalaf den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in Mekka getroffen und zu ihm gesagt: „O Muhammad, ich habe ein Pferd namens ʿAwj. Ich füttere es jeden Tag mit einem Faraq Mais (40 Kilogramm). Auf diesem Pferd werde ich dich töten.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, pflegte zu antworten: „Wenn Allah will, werde ich vielmehr dich töten.“
Die Wunde, die der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Ubayy an der Schulter zugefügt hatte, war zwar nicht besonders schwer, blutete jedoch. In diesem Zustand kehrte er zu den Quraisch zurück und sagte: „Bei Allah, Muhammad hat mich getötet.“ Die Quraisch sagten: „In Wirklichkeit bist du übermäßig verängstigt. Du hast nichts zu befürchten.“ Er sagte: „Als wir noch in Mekka waren, sagte Muhammad zu mir: ‚Ich werde dich töten.‘ Nun fürchte ich, dass ich sogar sterben werde, wenn er mich nur anspuckt.“ Die Quraisch brachen mit ihm in Richtung Mekka auf. Unterwegs, an einem Ort namens Sarif, endete das Leben dieses Feindes Allahs.
Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, am Eingang des Bergpasses angekommen war, machte sich Ali ibn Abi Talib auf die Suche nach Wasser. Er füllte einen Wasserschlauch mit Wasser aus dem nahe Uhud gelegenen Teich beziehungsweise dem von Felsen umgebenen See namens „Mehras“ und brachte es dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zum Trinken. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, bemerkte einen üblen Geruch im Wasser und trank es nicht. Stattdessen wusch er mit diesem Wasser das Blut aus seinem Gesicht und goss etwas davon über seinen Kopf, während er sagte: „Wer das Gesicht des Propheten Allahs mit Blut befleckt hat, wird Allahs furchtbarem Zorn ausgesetzt sein.“
Danach machte sich der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, daran, einen Hügel des Berges zu besteigen. Doch er war sehr schwach geworden und zeigte seine Kraft nur mithilfe zweier Rüstungen. Als er den Aufstieg auf den Hügel nicht schaffte, trug Talha ibn Ubaidallah (r.a.) ihn auf seinen Schultern hinauf. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Durch die gute Tat, die Talha dem Gesandten erwiesen hat, ist ihm das Paradies gewiss.“
Unter den im Kampf von Uhud Gefallenen war auch Muchairiq aus dem Stamm der Banu Thaʿlaba. Am Tag der Schlacht von Uhud sagte er zu seinen jüdischen Stammesgenossen: „O Juden, ihr wisst ganz gewiss, dass es eure Pflicht ist, Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu helfen.“ Die Juden sagten: „Aber heute ist Samstag.“ Er sagte: „Die Ausrede mit dem Samstag ist für euch nicht stichhaltig.“ Daraufhin zog er mit seinem Schwert und seiner Ausrüstung in den Kampf. Er sagte: „Wenn ich getötet werde, gehört mein gesamtes Vermögen Muhammad. Er soll darüber verfügen, wie er will.“ Danach begab er sich zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und fiel im Kampf an seiner Seite. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Muchairiq war der Beste unter den Juden.“
Abu Huraira (r.a.) pflegte zu sagen: „Sagt mir, wer ist derjenige, der ins Paradies eingehen wird, obwohl er kein Gebet verrichtet hat?“ Da die Leute darauf keine Antwort geben konnten, fragten sie: „Wer ist dieser glückliche Mensch?“ Er sagte: „Usairim, ʿAmr ibn Thabit ibn Waqasch von den Banu ʿAbd al-Aschhal.“ Husain ibn Abd ar-Rahman sagte: „Ich fragte Mahmud ibn Asad: ‚Was für ein Mensch war Usairim?‘ Er sagte: ‚Zuvor hatte er sich geweigert, den Islam anzunehmen. Doch an dem Tag, an dem der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nach Uhud zum Kampf aufbrach, erkannte er die Wahrheit des Islam und nahm ihn an. Dann nahm er sein eigenes Schwert und eilte davon, bis er das Schlachtfeld erreichte. Er begann zu kämpfen und blieb, schwer verwundet, reglos liegen. Später fanden ihn die Leute der Banu ʿAbd al-Aschhal, als sie auf dem Schlachtfeld nach den Leichen ihrer Leute suchten. Als sie ihn erkannten, sagten sie zueinander: „Wie ist Usairim hierhergekommen? Er pflegte doch, den Islam abzulehnen.“ Darauf fragten ihn alle: „O ʿAmr, warum bist du hierhergekommen, um zu kämpfen? Aus Stammesverbundenheit oder aus Anziehung zum Islam?“ Er sagte: „Aus Anziehung zum Islam. Ich habe an Allah und Seinen Gesandten geglaubt und bin Muslim geworden. Danach kam ich mit meinem Schwert zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und wurde im Kampf verwundet.“ Kurz darauf starb Usairim vor ihren Augen. Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, von seinem Schicksal erfuhr, sagte er: „Er gehört zu den Bewohnern des Paradieses.“‘“
ʿAmr ibn Dschamuh war ein äußerst hinkender Mann. Er hatte vier Söhne, die Löwen glichen. Sie zogen mit dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in verschiedene Schlachten. Am Tag der Schlacht von Uhud wollten sie ihren Vater ʿAmr zurückhalten. Sie sagten: „Allah hat dich von der Pflicht, in den Kampf zu ziehen, befreit.“ ʿAmr ging zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und sagte: „Meine Söhne wollen mich nicht mit dir in diesen Kampf ziehen lassen. Bei Allah, ich hoffe, mit diesem hinkenden Bein ins Paradies einzugehen.“
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Es stimmt, dass Allah dich von der Pflicht des Dschihad befreit hat.“ Zu seinen Söhnen sagte er jedoch: „Ihr könnt euren Vater am Hinausziehen in den Kampf hindern, müsst es aber nicht. Es ist durchaus möglich, dass Allah für ihn den Märtyrertod bestimmt hat.“ Daraufhin kämpfte ʿAmr bei Uhud und erlitt den Märtyrertod. Unterdessen begannen Hind, die Tochter ʿUtbas, und ihre Gefährtinnen, die Leichname der getöteten Gefährten des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu verstümmeln. Sie schnitten ihnen Nasen und Ohren ab. Hind fertigte daraus Fußreifen beziehungsweise Knöchelspangen und eine Halskette an und schenkte diese Knöchelspangen, die Kette und die Ohrringe Wahschi, dem Sklaven von Zubair ibn Mutʿim. Sie holte Hamzas Leber heraus und kaute darauf, konnte sie jedoch nicht hinunterschlucken und spuckte sie wieder aus.
Halīs ibn Dschabbān war an jenem Tag der Befehlshaber der abessinischen Soldaten im Heer der Quraisch. Er ging an Abu Sufjan vorbei und sah, wie Abu Sufjan Hamza mit der Spitze seines Speers ans Kinn schlug und sagte: „Du Ungehorsamer! Jetzt koste den Spaß aus.“ Halīs konnte angesichts dieses Anblicks nicht länger schweigen. Die Leute der Banu Kinana waren ganz in der Nähe. Er rief sie und sagte: „O Banu Kinana, seht euch den Anführer der Quraisch an! Seht, wie er mit seinem eigenen verstorbenen Cousin umgeht.“ Abu Sufjan sagte verlegen: „Was für ein Missgeschick – das war ein Fehltritt von mir. Sagt es niemandem.“
Danach beschloss Abu Sufjan, vom Schlachtfeld nach Hause zurückzukehren. Unmittelbar vor seinem Aufbruch bestieg er den Berg und rief mit lauter Stimme: „Die Tatkräftigen haben den ihnen gebührenden Lohn erhalten. Sieg und Niederlage im Krieg wechseln einander ab: An einem Tag ist diese Seite siegreich und am anderen Tag die andere. O Hubal, sei mächtig – das heißt: Lass deine Religion siegen.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, beauftragte Umar, (r.a.) diesen Ruf zu beantworten, und sagte: „Sag: Allah ist der Größte und der Höchste. Wir und ihr sind nicht gleich. Unsere Gefallenen sind Bewohner des Paradieses, eure Gefallenen aber Bewohner der Hölle.“ Als Umar Abu Sufjan mit diesem Gegenruf antwortete, sagte Abu Sufjan: „Umar, komm ein wenig hierher.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte zu Umar: „Geh hin und höre, was er sagen will.“ Umar ging zu ihm. Abu Sufjan sagte: „O Umar, ich beschwöre dich bei Allah: Sag die Wahrheit! Haben wir Muhammad getötet?“ Umar sagte: „Bei Allah, nein. Er hat sogar in diesem Augenblick deine Worte gehört.“ Abu Sufjan sagte: „Ich halte dich für ehrlicher und wahrhaftiger als Ibn Qumʿa.“ Es sei erwähnt, dass Ibn Qumʿa zu den Quraisch gesagt hatte: „Ich habe Muhammad getötet.“
Danach wandte sich Abu Sufjan an Umar und sagte: „Einige Leichname eurer Gefallenen sind verstümmelt worden. Glaubt mir, ich habe weder dazu befohlen noch es verboten. Ebenso bin ich über diese Tat weder erfreut noch missmutig.“
Als Abu Sufyan das Schlachtfeld verließ, forderte er sie mit den Worten zu einem künftigen Kampf heraus: „Wir werden uns im kommenden Jahr auf dem Feld von Badr wiedersehen.“ Unmittelbar darauf ließ ein Gefährte auf Befehl des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Abu Sufyan wissen, dass auch sie bereit seien, ihm im kommenden Jahr entgegenzutreten.
Nachdem das Heer der Quraisch das Schlachtfeld verlassen hatte und aufgebrochen war, schickte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Ali mit den Worten hinter ihnen her: „Beobachte sie und finde heraus, wohin sie gehen und was sie tun. Wenn sie die Reiter nach Süden führen und auf Kamelen reiten, musst du davon ausgehen, dass sie nach Mekka ziehen. Wenn sie jedoch zu Pferde reiten und die Kamele hinter sich herführen, musst du davon ausgehen, dass sie nach Medina unterwegs sind. Bei Allah, selbst wenn sie Medina angreifen wollten, würde ich ihnen mit einem Heer entgegentreten und Widerstand leisten.“ Ali, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, sagte: „Ich folgte ihnen. Ich sah, dass sie die Reiter nach Süden führten, auf Kamelen ritten und nach Mekka zogen.“
Nun machten sich die Muslime auf die Suche nach den Gefallenen. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Sucht nach Saʿd ibn ar-Rabiʿ und stellt fest, ob er tot oder noch am Leben ist.“ Ein Gefährte aus den Ansar begann, nach ihm zu suchen. Schließlich fand er ihn unter den Gefallenen, schwer verwundet und im Sterben liegend. Er sagte zu ihm: „Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, hat mich beauftragt festzustellen, ob du noch lebst oder gefallen bist.“ Saʿd sagte: „Betrachte mich als tot. Überbringe dem Gesandten Allahs meinen Friedensgruß und sage ihm: ‚O Gesandter Allahs, Saʿd ibn ar-Rabiʿ hat Allah darum gebeten, uns deinetwegen den besten Lohn zu gewähren, den Allah einem Propheten für seine Gemeinschaft gewähren kann.‘ Überbringe auch den Muslimen meinen Friedensgruß und sage ihnen: ‚Saʿd ibn ar-Rabiʿ sagt: Wenn die Feinde den Propheten erreichen können, solange auch nur einer von euch noch am Leben ist, werdet ihr vor Allah keine Entschuldigung vorbringen können.‘“ Wenige Augenblicke nachdem er dies gesagt hatte, starb Saʿd. Danach ging Muhammad ibn Maslama zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und berichtete ihm von Saʿd. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, machte sich selbst auf die Suche nach Hamza ibn Abd al-Muttalib, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm. Er fand ihn mitten auf dem Schlachtfeld. Er sah, dass man seinen Bauch aufgeschlitzt und seine Leber herausgenommen hatte und dass seine Leiche durch das Abschneiden von Nase und Ohren entstellt worden war. Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, dies sah, sagte er: „Wenn Safiyya nicht traurig wäre und ich nicht befürchten müsste, dass daraus ein dauerhafter Brauch entsteht, würde ich Hamza hier liegen lassen und seine Leiche den Tieren und Vögeln zum Fraß überlassen. Wenn Allah mich in einem weiteren Kampf gegen die Quraisch siegreich macht, werde ich die Leichen von dreißig von ihnen auf diese Weise entstellen und verstümmeln.“ Als die Muslime sahen, wie zutiefst betrübt der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und wie außer sich vor Empörung über die brutale Behandlung seines Onkels er war, gelobten auch sie, dass sie im Falle eines Sieges über die Quraisch deren Leichen auf eine Weise entstellen würden, für die es in der Geschichte Arabiens kein Beispiel gäbe.
Abdullah ibn Abbas sagte: Im Zusammenhang mit diesem Gelübde des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und seiner Gefährten offenbarte Allah folgenden Vers:
[Arabisch *******]
„Wenn ihr jemanden bestraft, dann bestraft ihn in dem Maß, in dem ihr selbst bestraft worden seid. Wenn ihr jedoch Geduld und Nachsicht zeigt, so ist das für die Geduldigen besser. Übe dich in Geduld und Nachsicht. Deine Geduld und Nachsicht soll allein um Allahs willen sein. Sei wegen ihres Verhaltens nicht bekümmert und lass dich durch ihre bösen Absichten nicht bedrängen.“
Unter dem Einfluss dieser beiden Verse vergab der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, den Götzendienern und forderte alle auf, davon abzusehen, Leichen zu entstellen.
Danach bedeckte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Hamzas Leiche mit einem Tuch. Dann verrichtete er das Totengebet für ihn. Anschließend wurde Hamzas Leiche neben die anderen Leichen gelegt, und er verrichtete für jeden von ihnen das Totengebet. Auf diese Weise verrichtete er das Totengebet für Hamza zweiundsiebzigmal.
Ibn Ishaq berichtet: Safiyya, die Tochter von Abd al-Muttalib, kam, um Hamza zu sehen. Hamza war ihr leiblicher Bruder. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte zu Safiyyas Sohn Zubair ibn al-Awwam: „Geh zu deiner Mutter, rede ihr gut zu und bring sie zurück, damit sie den schrecklichen Zustand ihres Bruders nicht sehen muss.“ Zubair ging zu ihr und sagte: „Mutter, der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, fordert dich auf, zurückzukehren.“ Safiyya sagte: „Warum? Ich habe gehört, dass der Leichnam meines Bruders verstümmelt worden ist. Das ist auf Allahs Weg geschehen, und darüber freue ich mich. So Allah will, werde ich geduldig sein und mich zufrieden zeigen.“ Zubair sagte: „Nun gut, dann lass sie kommen.“ Safiyya kam, sah Hamza, sprach: „Inna lillahi wa inna ilayhi raji’un“, und bat für ihn um Vergebung. Danach wurde sein Leichnam auf Anweisung des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, bestattet.
Viele Muslime brachten die Leichname der Märtyrer nach Medina und bestatteten sie dort. Später untersagte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, dies und ordnete an, sie an dem Ort zu bestatten, an dem sie getötet worden waren.
Dies wird von Abdullah ibn Tha’laba überliefert. Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die Leichname der Märtyrer sah, sagte er: „Ich bezeuge in Bezug auf diese Männer, dass jeder, der auf Allahs Weg verwundet wurde, am Tag der Auferstehung, wenn Allah ihn wieder zum Leben erweckt, weiterhin Blut aus seiner Wunde vergießen wird. Seine Farbe wird die des Blutes sein, doch sein Duft wird dem von Moschus gleichen. Seht, wer von ihnen den Qur’an am besten auswendig kannte. Dann bestattet einen solchen mit dem Gesicht zu den anderen.“ Danach wurden jeweils zwei oder drei Männer gemeinsam in einem Grab bestattet.
Danach brach der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in Richtung Medina auf. Zu dieser Zeit begegnete ihm eine Frau namens Hamna bint Dschahsch. Zuerst wurde ihr der Märtyrertod ihres Bruders Abdullah ibn Dschahsch mitgeteilt; sie sprach „Inna lillah“ und bat um Vergebung. Danach wurde ihr vom Tod ihres Onkels mütterlicherseits, Hamza ibn Abd al-Muttalib, berichtet; wieder sprach sie „Inna lillah“ und bat um Vergebung. Als man ihr anschließend mitteilte, dass ihr Ehemann Mus’ab ibn Umair als Märtyrer gefallen war, schrie sie auf. Da bemerkte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm: „Deshalb besitzt der Ehemann für eine Frau einen besonderen Stellenwert.“ Dies sagte er, weil er sah, dass sie bei der Nachricht vom Tod ihres Onkels und ihres Bruders gefasst blieb, beim Tod ihres Ehemanns jedoch aufschrie.
Zu dieser Zeit ging der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, an den Häusern der ansarischen Gefährten aus den Familien der Banu Abd al-Aschhal und der Banu Dscha’far vorbei. Als er das herzzerreißende Weinen der Familien hörte, die über den Verlust ihrer im Kampf gefallenen Angehörigen trauerten, füllten sich auch seine Augen mit Tränen. Da erinnerte er sich an Hamza, begann ebenfalls zu weinen und sagte: „Es gibt niemanden, der um Hamza weint!“ Als Sa’d ibn Mu’adh und Usaid ibn Hudair später nach Hause zurückkehrten, befahlen sie den Frauen ihrer Familien, um den Onkel des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu weinen und zu klagen. Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, das Weinen dieser Frauen um Hamza hörte, kam er aus seinem Haus. Er sah, dass sie in der Moschee saßen und weinten. Er sagte zu ihnen: „Möge Allah euch Barmherzigkeit erweisen. Nun könnt ihr gehen. Denn ihr habt mir bereits genügend Mitgefühl erwiesen.“
Eine andere Frau gehörte zu den Banu Dinar. Ihr Ehemann, ihr Bruder und ihr Vater waren in der Schlacht von Uhud als Märtyrer gefallen. Als man ihr vom Tod dieser Angehörigen berichtete, sagte sie ungerührt: „Wie geht es dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm?“ Alle sagten: „Er ist wohlauf. Er ist so, wie du es dir wünschst.“ Die Frau sagte: „Zeigt mir den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, damit ich ihn sehen kann.“ Daraufhin wurde ihr der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gezeigt. Als sie ihn sah, sagte sie: „O Gesandter Allahs, nachdem ich gesehen habe, dass du sicher bist, erscheint mir jedes andere Unglück unbedeutend.“
Danach kam der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nach Hause, gab das Schwert seiner Tochter Fatima und sagte: „Meine liebe Tochter, wasche und reinige es. Heute hat es große Dienste geleistet.“ Auch Ali ibn Abu Talib gab sein Schwert Fatima und sagte: „Wasche auch von diesem Schwert das Blut ab. Bei Allah, es hat heute große Dienste geleistet.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Wenn du dich heute im Kampf als aufrichtig erwiesen hast, dann wisse, dass auch Sahl ibn Hunayf und Abu Dujana sich an deiner Seite im Dschihad als aufrichtig erwiesen haben.“
Die Schlacht von Uhud fand am Samstag, dem 15. Schawwal, statt. Am folgenden Tag, Sonntag, dem 16. Schawwal, ließ der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, durch seinen Ausrufer verkünden, dass der Feind verfolgt werden müsse. Niemand, der am Kampf des Vortages nicht teilgenommen hatte, durfte jedoch an diesem Tag mitziehen. Nur diejenigen, die am Vortag dabei gewesen waren, durften aufbrechen. Als Dschabir ibn Abdullah dies hörte, sagte er: „O Gesandter Allahs, mein Vater hatte mich zu Hause zurückgelassen, damit ich meine sieben Schwestern bewache. Er sagte: ‚Es wäre weder für mich noch für dich richtig, sie zurückzulassen, ohne dass ein Mann bei ihnen ist. Und ich kann nicht zu Hause bleiben und es vorziehen, dass du mit dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zum Dschihad ziehst. Deshalb bleib du bei deinen Schwestern.‘ Darum war ich bei ihnen geblieben.“ Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, dies hörte, erlaubte er auch ihm, ihn auf dem Feldzug zur Verfolgung des Feindes zu begleiten. Das Ziel dieses Feldzugs bestand lediglich darin, dem Feind Furcht einzuflößen. Der Feind sollte erkennen, dass ihre Verfolgung ein Zeichen der Stärke der Muslime war und dass die Niederlage in der Schlacht von Uhud sie keineswegs entmutigt hatte.
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, brach zu einem Feldzug auf und gelangte an einen Ort namens Hamra al-Asad, der acht Meilen von Medina entfernt lag. Nachdem er dort bis Montag, Dienstag und Mittwoch geblieben war, kehrte er nach Medina zurück. Während dieser Zeit hatte er Abd Allah ibn Umm Maktum mit der Verwaltung Medinas betraut. Ma’bad ibn Abi Ma’bad al-Khuza’i war damals noch ein Götzendiener. Jeder Angehörige seines Stammes, der Khuza’a, gleich ob Muslim oder Götzendiener, pflegte enge Beziehungen zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und bewahrte in der Region Tihama seine Geheimnisse. Was auch immer sich in Tihama ereignete, teilten sie dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, mit. Vor ihm verbargen sie nichts. Eines Tages traf Ma’bad mit dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zusammen. Über das Geschehen bei Uhud sagte er: „Muhammad, wir sind über das Unglück, das euch widerfahren ist, betrübt und traurig. Wir alle hatten gewünscht, dass Allah dich bewahren möge.“ Danach zog Ma’bad weiter. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, blieb in Hamra al-Asad. In Rauha (64. Diese Ortschaft, der Wohnsitz des Stammes Muzaina, liegt zu Fuß zwei Tagesreisen von Medina entfernt.) traf Ma’bad auf Abu Sufyan und dessen Gefährten. Sie hatten damals beschlossen, den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und seine Gefährten erneut anzugreifen. Sie sagten zueinander: „Viele der einflussreichen und führenden Männer unter Muhammads Gefährten haben wir bereits getötet, doch kehren wir nach Mekka zurück, ohne sie vollständig ausgelöscht zu haben. Vielmehr werden wir die Übrigen erneut angreifen und erst dann aufhören, wenn wir sie vernichtet haben.“ Als Abu Sufyan Ma’bad sah, sagte er: „Ma’bad, was gibt es dort drüben für Nachrichten?“ Ma’bad sagte: „Ich sah, dass Muhammad mit seinen Gefährten eine gewaltige Menschenmenge versammelt hat und mit ihnen herbeieilt, um euch zu verfolgen. Eine solche Versammlung habe ich noch nie gesehen. Auch diejenigen, die am Tag der Schlacht von Uhud nicht in den Kampf gezogen waren, haben sich diesmal Muhammad angeschlossen. Sie bereuen ihre Taten.“
„Unter ihnen sah ich einen solchen furchtbaren Zorn und eine solche Wut gegen euch, wie ich sie noch nie zuvor gesehen habe.“ Abu Sufyan sagte: „Was sagst du da?“ Ma’bad sagte: „Ich schwöre bei Allah: Sie werden vielleicht schon im nächsten Augenblick eintreffen. Noch bevor du aufbrichst, wirst du womöglich bereits die Köpfe ihrer Pferde sehen.“ – „Wir sind doch bereit, erneut anzugreifen und die verbliebenen von ihnen niederzumachen.“ Ma’bad sagte: „Dann rate ich dir davon ab. Tu es nicht. Als ich ihre Vorbereitungen sah, habe ich sogar ein Gedicht verfasst.“ Abu Sufyan sagte: „Was für ein Gedicht hast du verfasst? Trag es uns vor.“ Ma’bad sagte: „Das Gedicht lautet:“
„Bei ihrem Dröhnen und Donnern wäre mein Kamel vor Furcht beinahe zusammengebrochen
Als die Herden kurzhaariger Pferde wie eine Flut über die Erde dahinströmten:
Mit großer Schnelligkeit stürmten sie, hochgewachsene, stolze Löwenmänner tragend, in das Schlachtfeld
Nicht schwankend und mit gesenktem Haupt wie unbewaffnete Soldaten waren sie.
Ich lief sofort davon. Ich dachte, die Erde neige sich
als sie mit einem unbezwingbaren Anführer auf uns zustürmte.“
Ich sagte: Das Tal erbebte unter den stampfenden Schritten jenes Mannes.
Ich warne die klugen und verständigen Bewohner des heiligen Heiligtums
mit unmissverständlichen Worten vor dem Heer Ahmads.
In seinem Heer gibt es allerdings keinen einzigen Schurken.
Für die Warnung, die ich ausspreche, gibt es eigentlich keine angemessenen Worte.“ Als Abu Sufyan und seine Gefährten dies hörten, ließen sie von ihrem Feldzug ab.
Abu Sufyan begegnete einer Karawane der Banū ʿAbd al-Qays. Er fragte: „Wohin geht ihr?“ Sie antworteten: „Nach Medina.“ Abu Sufyan fragte: „Aus welchem Grund?“ Sie erwiderten: „Um Lebensmittel zu holen und zu bringen.“ Er sagte: „Würdet ihr Muhammad eine Nachricht von mir überbringen? Wenn ihr sie überbringt, werde ich morgen zum Markt von ʿUkāẓ gehen und euch reichlich Rosinen geben.“ Sie erklärten sich bereit, die Nachricht zu überbringen. Da sagte er: „Sagt Muhammad, dass wir beschlossen haben, ihn und seine Leute anzugreifen und ihre letzten Überreste zu vernichten.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, hielt sich damals noch in Ḥamrāʾ al-Asad auf. Dort trafen sie ihn und überbrachten ihm Abu Sufyans Nachricht. Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, dies hörte, sagte er: „Ḥasbunallāhu wa niʿma l-wakīl! (Allah genügt uns, und Er ist der beste Beschützer.)“ Danach wurden in jener Gegend zwei Spione des Feindes, Muʿāwiya ibn al-Mughīra ibn Abū al-ʿĀṣ und Abū ʿIzza al-Jumaḥī, vom Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gefangen genommen. Den zuletzt Genannten hatte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, im Kampf von Badr als Kriegsgefangenen festgehalten und später ohne Lösegeld freigelassen. Er sagte: „O Gesandter Allahs, töte mich nicht.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Dir wird nicht die Gelegenheit gegeben werden, nach Mekka zurückzukehren und dich damit zu brüsten, Muhammad zweimal getäuscht zu haben. O Zubair, enthaupte ihn.“ Zubair enthauptete ihn unverzüglich.
Danach kehrte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nach Medina zurück. In Medina lebte ein angesehener Mann namens ʿAbdullah ibn Ubayy ibn Sulūl. Jeden Freitag pflegte er eine besondere Rolle einzunehmen, um seinem Stamm seine eigene Bedeutung zu zeigen. Sobald der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, begann, vor den Menschen zu predigen, stand er auf und sagte: „O Menschen, hier ist der Gesandte Allahs vor euch. Durch ihn hat Allah eure Stärke und euer Ansehen vermehrt. So helft und unterstützt auch ihr ihn und hört auf ihn und gehorcht ihm.“ Danach setzte er sich wieder. Vor dem Kampf von Uhud hatte niemand etwas gegen dieses Auftreten einzuwenden. Doch im Kampf von Uhud nahm er die Rolle eines schändlichen Verräters ein und brachte zahlreiche Menschen dazu, vom Weg zum Kampf umzukehren. Trotzdem stand er auch danach, wenn der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, am Freitag predigte, wie zuvor auf, um seine eigene Bedeutung zu zeigen, und pries den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Die Muslime packten ihn sofort von allen Seiten an seinem Gewand und sagten: „Feind Allahs, setz dich! Nach dem, was du getan hast, stehen dir solche Worte nicht zu.“ Während er sich über die Schultern der versammelten Betenden hinausdrängte, sagte er: „Das Wort, das ich sprach, um das Anliegen des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, bedeutsam zu machen, ist offenbar zu einem schlechten Wort geworden.“ An der Tür der Moschee begegnete er einem ansarischen Gefährten. Dieser fragte: „Was ist mit dir geschehen?“ Er antwortete: „Ich bemühte mich, das Anliegen des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, bedeutsam zu machen. Darauf fielen seine Gefährten über mich her, zerrten an mir und tadelten mich. Ich hatte mich bemüht, das Anliegen des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, bedeutsam zu machen, doch für alle schien es sehr schlecht zu sein.“ Der ansarische Gefährte sagte: „Geh zurück! Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, wird Allah für dich um Vergebung bitten.“ Er erwiderte: „Ich möchte nicht, dass er für mich um Vergebung bittet.“
Ibn Isḥāq sagt: „Der Kampf von Uhud war ein Tag äußerster Prüfung und des Unglücks. Durch ihn prüfte Allah die Gläubigen und sonderte die Heuchler aus. An diesem Tag wurden diejenigen kenntlich, die mit ihren Lippen den Glauben bekannten, in ihrem Inneren jedoch heimlich Vorstellungen des Unglaubens hegten. Und diejenigen Seiner geliebten Diener, denen Allah die Ehre des Märtyrertums verleihen wollte, ehrte Er an diesem Tag durch das Märtyrertum.“
Das dritte Jahr der Hidschra: Die Expedition von ar-Radschiʿ
Nach der Schlacht von Uhud kam eine Gruppe von Männern aus den beiden Stämmen ʿAdschal und Qārah zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Sie sagten: „O Gesandter Allahs, unsere Leute haben den Islam angenommen. Schicke daher eine Gruppe deiner Gefährten mit uns, die uns die ausführlichen Bestimmungen des Islam lehren und uns den Qurʾān vortragen.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, schickte Murschad ibn Abū Murschad, Chālid ibn Bukair, ʿĀsim ibn Thābit, Chubaib ibn ʿAdī, Zaid ibn ad-Dathina und ʿAbdullāh ibn Tāriq mit ihnen. Er ernannte Murschad ibn Abū Murschad zu ihrem Anführer. Dieser brach mit allen auf. Als sie ar-Radschiʿ erreichten, den Wasserplatz des Stammes Hudhail auf Huday, zwischen ʿUsfān und Mekka an einem Rand des Hidschāz gelegen, verrieten sie sie. Die Verräter riefen auch den Stamm Hudhail zu Hilfe. Die Gefährten saßen noch auf ihren Reittieren. Da sahen sie, dass bewaffnete Männer mit Schwertern sie von allen Seiten umzingelt hatten. Sie machten sich bereit, mit ihren eigenen Schwertern zu kämpfen. Da sagten die Ungläubigen: „Bei Allah, wir wollen euch nicht töten. Wir wollen durch euch lediglich etwas Geld von den Bewohnern Mekkas erlangen. Bei Allah schwören wir, dass wir euch nicht töten werden.“ Doch Murschad ibn Abū Murschad, Chālid ibn Bukair und ʿĀsim ibn Thābit sagten: „Wir vertrauen nicht auf das Versprechen oder den Bund irgendeines Götzendieners.“ ʿĀsim ibn Thābit antwortete, indem er folgendes Gedicht vortrug:
„Ich bin nicht schwach, denn ich bin ein kraftvoller, speertragender Mann
Ich besitze einen Bogen und darin scharfe, durchdringende Pfeile.
Die Spitze eines starken, dicken Speers wird von diesen Pfeilen getroffen und zurückgeschleudert
In Wahrheit ist der Tod gewiss, das Leben aber nichtig.
Was Allah für den Menschen bestimmt hat, ist unausweichlich
und der Mensch ist gezwungen, sich seinem Schicksal zu ergeben.“
Danach kämpften sie gegen die Ungläubigen, und alle drei erlangten den Märtyrertod.
Nachdem ʿĀsim getötet worden war, beschlossen die Männer des Stammes Hudhail, seinen Kopf an Sulāfa bint Saʿd zu verkaufen. Nachdem ihre beiden Söhne in der Schlacht von Uhud durch ʿĀsim getötet worden waren, hatte diese Frau geschworen, aus seinem Schädel Wein zu trinken, sobald sie seinen Kopf in die Hände bekäme. Als der Stamm Hudhail zu diesem Zweck ʿĀsims Kopf holen wollte, konnten sie ihn nicht mitnehmen, weil Hornissen und Bienen seine Leiche umschwärmten. Sie sagten: „Lassen wir ihn jetzt hier. Am Nachmittag werden die Hornissen und Bienen fort sein. Dann werden wir seinen Kopf abschneiden und mitnehmen.“ Damit gingen sie fort. Währenddessen ließ Allah in jener Gegend eine gewaltige Überschwemmung hereinbrechen, und in dieser Überschwemmung wurde ʿĀsims Leichnam fortgespült und verschwand.
Vor seinem Märtyrertod hatte ʿĀsim Allah darum gebeten, dass kein Götzendiener seinen Leichnam berühren könne und dass auch er selbst keinen Götzendiener berühren möge. Denn er hielt die Götzendiener aus tiefstem Herzen für unrein und verabscheute sie. Als ʿUmar ibn al-Khaṭṭāb, möge Allah mit ihm zufrieden sein, hörte, dass die Götzendiener ʿĀsims Leichnam wegen der ihn umschwärmenden Hornissen und Bienen nicht berühren konnten, sagte er: „So beschützt Allah Seinen gläubigen Diener. ʿĀsim hatte zu seinen Lebzeiten gelobt, keinen Götzendiener zu berühren und keinem Götzendiener zu erlauben, seinen Körper zu berühren. Allah hat ihn nach seinem Tod genau so beschützt, wie er sich zu Lebzeiten selbst zu schützen pflegte.“
Zayd ibn Dathina, Khubayb ibn ʿAdī und ʿAbdullāh ibn Ṭāriq nahmen eine nachgiebige Haltung ein und wollten am Leben bleiben. Sie streckten ihre Hände aus und ließen sich gefangen nehmen. Die Ungläubigen nahmen sie gefangen und machten sich mit ihnen auf den Weg nach Mekka, um sie zu verkaufen. Als sie bis nach Ẓahrān gelangt waren, löste ʿAbdullāh ibn Ṭāriq seine Fesseln, befreite sich und ergriff sein Schwert. Die Ungläubigen konnten ihn nicht fassen, töteten ihn jedoch, indem sie aus der Ferne Steine nach ihm warfen. Er wurde in Ẓahrān begraben.
Danach gelangten sie mit Khubayb ibn ʿAdī und Zayd ibn Dathina nach Mekka. Bei den Quraisch befanden sich zwei Gefangene aus dem Stamm Hudhail. Im Austausch gegen diese beiden Gefangenen verkauften sie die beiden Gefährten an die Quraisch. Hujair ibn Abū Wahb erwarb Khubayb im Auftrag von ʿUqba ibn al-Ḥārith, damit ʿUqba ihn als Vergeltung für die Tötung seines Vaters töten konnte. Zayd ibn Dathina nahm Ṣafwān ibn Umayya an sich, um ihn als Vergeltung für die Tötung seines Vaters Umayya ibn Khalaf töten zu lassen. Ṣafwān schickte ihn zusammen mit seinem Sklaven Nastaṣ nach Tanʿīm außerhalb des Heiligen Bezirks, um ihn zu töten. Dort umringte eine große Menge der Quraisch, darunter auch Abū Sufyān, Zayd. Als Zayd zur Hinrichtung geführt wurde, sagte Abū Sufyān: „O Zayd, würdest du es heute begrüßen, wenn wir anstelle deiner Muḥammad in unsere Hände bekämen, ihn töteten und dich zu deiner Familie zurückschickten?“ Zayd sagte: „Bei Allah, ich würde es nicht einmal begrüßen, dass Muḥammad, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, dort, wo er sich befindet, von einem Dorn gestochen würde und Schmerzen erlitte, während ich bequem bei meiner Familie säße.“
Abū Sufyān bemerkte dazu: „Ich habe niemanden gesehen, der einen anderen so tief geliebt hätte, wie die Gefährten Muḥammad liebten.“ Danach tötete Nastaṣ Zayd.
Die freigelassene Sklavin von Hujair ibn Abū Wahb, Māwiya, die bereits den Islam angenommen hatte, berichtet: Khubayb befand sich bei mir. Er wurde in meinem Haus gefangen gehalten. Eines Tages sah ich ihn Weintrauben essen, mit einer Traube, die so groß wie ein Menschenkopf war. Dabei gab es zu jener Zeit in Mekka keine Weintrauben. Als der Zeitpunkt seiner Hinrichtung näher rückte, bat er mich um ein Rasiermesser, um sich zur Vorbereitung auf den Tod zu reinigen. Ich ließ einen Jungen aus der Nachbarschaft ein Rasiermesser holen und sagte ihm, er solle mit dem Rasiermesser in Khubaybs Zimmer gehen. Sobald er dort hineingegangen war, kam mir plötzlich der Gedanke: „Was habe ich getan? Welch ein Unglück! Was wird geschehen, wenn dieser Mann den Jungen tötet und sich dadurch rächt? Er könnte im Austausch für sein eigenes Leben schon im Voraus das Leben eines anderen nehmen und sich rächen.“ Als der Junge Khubayb das Rasiermesser gab, sagte er: „Hatte deine Mutter keine Angst, als sie dich mit diesem Rasiermesser zu mir schickte?“ Damit schickte er den Jungen sofort fort.
Danach brachten die Quraisch Khubayb zur Hinrichtung nach Tanʿīm. Khubayb sagte: „Wenn ihr nichts dagegen habt, lasst mich zwei Gebetseinheiten beten.“ Sie sagten: „Gut, bete.“
Er verrichtete äußerst gewissenhaft zwei Rakʿa des Gebets. Danach trat er vor die Ungläubigen und sagte: „Wenn ihr nicht denken würdet, dass ich aus Angst vor dem Tod ein langes Gebet verrichte, um Zeit zu gewinnen, würde ich noch eine Weile weiterbeten.“ Tatsächlich ist es unter den Muslimen zur Sitte geworden, in solchen Situationen, in denen ihnen die Hinrichtung droht, zwei Rakʿa zu beten; und Khubayb war der erste Wegbereiter dieser Sitte.
Daraufhin setzten die Ungläubigen ihn auf ein Holzstück und banden ihn fest daran. Zu dieser Zeit sprach Khubayb folgendes Bittgebet: „O Allah, wir haben die Botschaft Deines Gesandten überbracht. So lass den Gesandten Allahs bis morgen früh erfahren, wie man mit uns verfahren ist. O Allah, töte diese Feinde einen nach dem anderen, indem Du sie einzeln zählst, und verschone keinen von ihnen.“ Danach töteten sie Khubayb (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm). Möge Allah Seine Barmherzigkeit auf ihn herabsenden.
Muʿāwiya, der Sohn Abū Sufyāns (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm), pflegte zu sagen: „An jenem Tag war auch ich zusammen mit Abū Sufyān unter denen, die sich um Khubayb versammelt hatten. Damals war das Gerücht verbreitet, dass jemand, wenn ein Fluch gegen ihn ausgesprochen wurde, diesem Fluch entging, sofern er sich sofort seitwärts hinlegte.“
Saʿīd ibn ʿĀmir aus dem Stamm Jumāḥī war von ʿUmar ibn al-Khaṭṭāb (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) zum Verwalter eines Gebiets in Syrien ernannt worden. Er fiel unvermittelt vor den Leuten in Ohnmacht. ʿUmar ibn al-Khaṭṭāb (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) wurde davon berichtet. Man teilte ihm mit, dass mit Saʿīd etwas nicht zu stimmen schien. ʿUmar (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) fragte ihn: „O Saʿīd, was ist mit dir geschehen?“ Saʿīd sagte: „O Befehlshaber der Gläubigen, ich habe keinerlei Krankheit. Doch ich war bei der Tötung Khubaybs anwesend und hörte Khubaybs Verwünschung. Immer wenn ich mich an diese Verwünschung erinnere und mich in einer Versammlung befinde, verliere ich das Bewusstsein.“ Später wurde er durch ʿUmars Fürsorge wieder gesund.
ʿAbdullāh ibn ʿAbbās berichtet: Als die Gruppe von ʿĀṣim und Murschid bei Radschīʿ überfallen worden war, kommentierten die Heuchler, nachdem sie davon gehört hatten: „Verflucht seien diese getäuschten Leute, die auf solche Weise ums Leben kamen. Sie sind nicht zu Hause geblieben, und auch die Botschaft ihres Propheten haben sie nicht überbracht.“ Allah ließ als Antwort auf diese Worte der Heuchler einen Vers herabkommen.“
[Arabisch *********]
Unter den Menschen gibt es manche, deren Worte dich im irdischen Leben beeindrucken – sie äußern mit ihrem Mund wunderbare islamische Reden – und die Allah zum Zeugen dafür nehmen, was in ihren Herzen ist, obwohl ihr innerer Zustand ihren Worten völlig widerspricht; zugleich sind sie erbitterte Feinde von Recht und Wahrheit. Wenn sie mit dir sprechen, führen sie heftige Streitgespräche. Wenn sie Macht erlangen, verbreiten sie auf der Erde Unordnung und bemühen sich, Ernten und Menschen zu vernichten. Allah missbilligt ihr zerstörerisches Handeln. Wenn man ihnen sagt, sie sollen Allah fürchten, hält sie ihr Stolz auf dem Weg zur Sünde fest. Für solche Menschen ist die Hölle wahrlich ausreichend; und sie ist ein äußerst schlechter Ort. Unter ihnen gibt es aber auch manche, die sich um Allahs Wohlgefallen willen selbst hingeben – indem sie auf Allahs Weg den Dschihād führen und dabei Seine Rechte erfüllen. Wahrlich, Allah ist Seinen Dienern gegenüber überaus gütig.“ Mit den letzten Worten sind die muslimischen Teilnehmer der Expedition nach Radschīʿ gemeint.
Zu diesem Ereignis haben die Historiker Verse von Khubayb überliefert. Als Khubayb erfuhr, dass beschlossen worden war, ihn aufzuspießen, sprach er dieses Gedicht:
„Die Gruppen haben all ihre Stämme um mich versammelt
Sie haben ihre Feindschaft gegen mich so weit wie möglich offen gezeigt,
denn obwohl mein eigenes Leben in Gefahr ist, bin ich meinem Grundsatz treu geblieben.
Sie haben all ihre Frauen und Kinder versammelt,
und mich an einen langen, starken Ast herangebracht
(um mich aufzuspießen)
Ich trage die Klage über mein Leben in der Fremde und meinen tiefen Schmerz nur Allah vor.
Und ebenso die Vorbereitungen, die die feindlichen Gruppen zu meiner Tötung getroffen haben.“
Daher, o Herr des Thrones, gib mir die Kraft, den gegen mich geschmiedeten bösen Anschlag geduldig zu ertragen,
und verleihe mir Geduld angesichts dessen.
Die Feinde haben mein Fleisch verkauft,
und damit ist zugleich die Lampe der Hoffnung meines Lebens erloschen.
Doch dieser bevorstehende Tod geschieht allein um Gottes willen,
und wenn Er will, kann Er selbst meinen in Stücke gerissenen Gliedmaßen unendlichen Segen
verleihen,
sie haben mir anstelle eines Gottes Tod und Unglauben
der ihn aufgefordert hatte, eines davon anzunehmen.
Meine Augen haben beide zurückgewiesen, und mein Herz
ist überhaupt nicht von Todesfurcht erfüllt
Ich fürchte den Tod überhaupt nicht, denn ich muss ohnehin sterben.
Ich wünsche mir nur, dem alles verschlingenden Feuer der Hölle zu entrinnen.
Bei Allah, ich werde keinerlei Furcht empfinden, wenn ich als Muslim sterbe, und gleichgültig, auf welche Seite ich falle, nachdem ich um Allahs willen getötet worden bin.
Vor dem Feind werde ich nicht im Geringsten nachgeben,
noch irgendeine Unruhe zeigen. Denn zu Allah ist meine Rückkehr.“
Zum Gedenken an Khubayb verfasste und rezitierte Hassān ibn Thābit das folgende Gedicht,
„Was ist mit deinen Augen, dass die Tränen nicht aufhören (sich selbst anredend),
sondern unablässig wie Perlen über deine Brust hinabrollen
aus Trauer um Khubayb, der zu jenen Jugendlichen gehörte, die wussten,
dass es, wenn du Ihm begegnest, weder Scheitern noch
Unruhe geben wird.
Darum geh, o Khubayb! Möge Allah dir den besten Lohn gewähren.
Was werdet ihr antworten, wenn der Prophet euch fragt (o Quraisch)
Wenn die frommen Engel am Horizont versammelt sein werden,
Für was habt ihr den Zeugen Allahs getötet?
Für einen gottrebellischen Opportunisten und Unruhestifter, der in allen Ländern Unheil stiftete?
(Es sei erwähnt, dass Khuzaiba al-Harith in der Schlacht von Badr getötet hatte.)
Das Ereignis von Bi’r Ma’una (4. Jahr der Hidschra)
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, blieb den restlichen Schawwal, Dhul-Qa’da, Dhul-Hiddscha und Muharram in Medina. In diesem Jahr boykottierten die Götzendiener die Hadsch. Im Monat Safar entsandte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die Expedition nach Bi’r Ma’una. Dieses Ereignis ereignete sich gerade einmal vier Monate nach der Schlacht von Uhud.
Der Hintergrund des Ereignisses war folgender: Abu Bara Amir ibn Malik ibn Dscha’far, bekannt als „Mula’ib al-asinna“ (der Meister des Speerspiels), kam nach Medina, um den Gesandten Allahs zu treffen. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, stellte ihm den Islam vor und lud ihn ein, den Islam anzunehmen. Er nahm den Islam weder an, noch äußerte er sich gegen ihn. Er sagte: „O Muhammad, wenn du einige deiner Gefährten zu den Bewohnern des Nadschd schickst und sie diese zu deiner Religion einladen, werden sie deiner Religion, so glaube ich, folgen.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Ich befürchte, dass die Bewohner des Nadschd ihnen Schaden zufügen könnten.“ Abu Bara sagte: „Ich übernehme ihre Sicherheit. Schicke sie zu ihnen. Sie sollen die Menschen zu deiner Religion einladen.“
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, entsandte aus den Muslimen vierzig ausgewählte, fähige Gefährten unter der Führung des angesehenen Gefährten Munadhir ibn Amr aus dem Stamm der Banu Sa’ida. Munadhir wurde „Mu’annik li-yamut“ (der den schnellen Tod Umarmende) genannt. Der Grund für diesen Beinamen war, dass er mit großer Geschwindigkeit auf das Martyrium zueilte. Zu seinen fähigen Gefährten gehörten die angesehenen Gefährten al-Harith ibn as-Simma, Haram ibn Milhan, Urwa ibn Asma, Nafi ibn Budail ibn Warqa sowie Amir ibn Fuhaira, der freigelassene Sklave von Abu Bakr as-Siddiq. Sie brachen auf und ließen sich bei Bi’r Ma’una nieder. Diese Wasserstelle liegt zwischen dem Siedlungsgebiet der Banu Amir und dem felsigen Gebiet der Banu Sulaim. Obwohl beide Gebiete in der Nähe der Wasserstelle lagen, befand sich das Gebiet der Banu Sulaim näher bei ihr.
Haram ibn Milhan (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) brachte dem erbitterten Feind des Islam, Amir ibn Tufail, den Brief des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Als er bei ihm eintraf, beachtete jener den Brief nicht im Geringsten und tötete Haram ibn Mirhan. Danach bat er die Banu Amir um Hilfe, um auch die übrigen Gefährten zu vernichten. Doch die Banu Amir lehnten seine Bitte mit den Worten ab: „Wir wollen das Versprechen der Banu Bara nicht brechen. Abu Bara hat ihnen seinen Schutz zugesichert.“ Daraufhin bat Amir einige Unterstämme der Sulaim um Hilfe. Sie stimmten sofort zu und umzingelten sie von allen Seiten. Als die Gefährten sie sahen, zogen sie ihre Schwerter und fielen kämpfend als Märtyrer. Nur Kaʿb ibn Zaid entkam. Die Ungläubigen hielten ihn für tot und ließen ihn liegen. Doch er lebte noch. Obwohl er durch den großen Blutverlust geschwächt war, entkam er mühsam lebend aus dem Leichenhaufen und erlitt später in der Grabenschlacht den Märtyrertod.
Zum Zeitpunkt des Angriffs hielten sich zwei Gefährten, ʿAmr ibn Umayya ad-Damri und ein Gefährte der Ansar [Mundhir ibn Muhammad ibn ʿUqba], aus irgendeinem Grund etwas abseits von der Gruppe auf. Sie wussten nichts von der Gefahr, in der sich ihre Gefährten befanden. Als sie jedoch einige Vögel über ihren Köpfen fliegen sahen, wurden sie misstrauisch. Sie dachten, dass sich hinter dem Flug der Vögel gewiss ein Geheimnis verberge. Sie gingen vor, um ihre Lage zu erkunden. Da sahen sie alle blutüberströmt am Boden liegen und bemerkten auch die Angreifer bei ihnen. Der Ansari sagte zu ʿAmr ibn Umayya: „Was meinst du, was wir jetzt tun sollten?“ Er antwortete: „Ich möchte zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) gehen, ihn treffen und ihm alles berichten.“ Der Ansari sagte: „Ich will nicht lebend aus dem Schlachtfeld fliehen, auf dem Mundhir ibn ʿAmr den Märtyrertod erlitten hat. Ich selbst würde niemals dasitzen und darauf warten, vom Hörensagen von einem Massaker zu erfahren.“ Danach kämpfte er und erlitt den Märtyrertod.
Die Ungläubigen nahmen ʿAmr ibn Umayya fest und gefangen. Als Amir ibn Tufail erfuhr, dass er aus dem Stamm der Mudar stammte, schnitt er ihm die Haare an der Stirn ab und ließ ihn frei, weil er meinte, seine Mutter habe gelobt, einen Sklaven freizulassen. Danach machte sich ʿAmr ibn Umayya auf den Weg nach Medina. Als er Karkara, nicht weit von Medina entfernt, erreichte, kamen zwei Männer der Banu Amir und ruhten im selben Schatten wie er. ʿAmr wusste nicht, dass zwischen den Banu Amir und dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ein Schutz- und Nichtangriffspakt bestand. Er fragte sie und erfuhr, dass sie zum Stamm der Banu Amir gehörten. Er wartete eine Weile. Sobald sie schläfrig wurden, griff er beide an und tötete sie. Er glaubte, die Banu Amir hätten ein Massaker unter den Gefährten des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) verübt, und deshalb müsse an den Banu Amir Rache genommen werden.
Als ʿAmr ibn Umayya zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) kam, berichtete er ihm alles. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Für die beiden Männer, die du getötet hast, muss ich Blutgeld (Diyya) zahlen.“ Danach sagte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm): „Abu Bara hat dies verursacht. Ich missbilligte es und war besorgt.“ Als Abu Bara davon erfuhr, war er zutiefst betrübt. Abu Bara brachte seinen Unmut darüber zum Ausdruck, dass durch Amir ibn Tufail, der sein Versprechen gebrochen und seine Schutzgarantie zunichtegemacht hatte, ein Unglück über die Gefährten des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) hereingebrochen war. Unter den Getöteten befand sich auch Amir ibn Fuhaira. Hischam ibn Urwa überlieferte von seinem Vater, dass Amir ibn Tufail sagte: „In jener Gruppe war ein Mann. Unmittelbar nachdem er getötet worden war, sah ich ihn zwischen Himmel und Erde. Schließlich sah ich, wie er gleichsam zum Himmel emporstieg und verschwand. Wer war dieser Mann?“ Die Leute sagten: „Das war Amir ibn Fuhaira.“
Die Vertreibung der Banu an-Nadir (4. Jahr der Hidschra)
Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ging zu den Banu an-Nadir, um sie um Hilfe bei der Zahlung des Blutgeldes für die beiden Männer der Banu Amir zu bitten, die vom Gefährten ʿAmr ibn Umayya (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) getötet worden waren. Denn der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) war mit ihnen durch einen Nichtangriffspakt verbunden. Auch zwischen den Banu an-Nadir und den Banu Amir bestand ein entsprechender Pakt. Als der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu den Banu an-Nadir kam, hießen sie ihn willkommen und erklärten sich bereit, ihn bei der Zahlung des Blutgeldes zu unterstützen.
Doch schon kurze Zeit später heckten sie eine heimtückische Verschwörung aus. Heimlich berieten sie sich darüber, wie sie den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) töten könnten. Sie meinten, eine solche günstige Gelegenheit werde sich nie wieder bieten. Zu jener Zeit saß der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) neben einer Mauer. Bei ihm waren Abu Bakr, Umar und Ali (Allahs Wohlgefallen sei auf ihnen). Die Männer der Banu an-Nadir berieten sich miteinander. Sie sagten: „Wer ist bereit, auf das Dach des benachbarten Hauses zu steigen, einen großen Stein auf Muhammad hinabzurollen und uns von ihm zu befreien?“ Ein Mann der Banu an-Nadir, ʿAmr ibn Dschahsch ibn Kaʿb, stieg zu diesem Zweck auf das Dach.
In genau diesem Augenblick erfuhr der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) durch die Offenbarung von ihrer Verschwörung, erhob sich von seinem Platz und kehrte nach Medina zurück. Seine ihn begleitenden Gefährten hatten noch nicht bemerkt, wohin der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) gegangen war. Nachdem sie lange gewartet hatten und sahen, dass er nicht zurückkehrte, machten sie sich auf die Suche nach ihm. Unterwegs trafen sie einen Mann, der aus Medina kam. Sie fragten ihn nach dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Er sagte: „Ich habe den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) Medina betreten sehen.“ Die Gefährten erreichten daraufhin unverzüglich den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Er wies sie an, Vorbereitungen für einen Angriff auf die Banu an-Nadir zu treffen. Danach griff er mit den Muslimen die Banu an-Nadir an. Sie suchten Zuflucht in ihren Festungen. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) befahl seinen Gefährten, die Dattelpalmen zu fällen und zu verbrennen. Als die Männer der Banu an-Nadir dies sahen, riefen sie ihm aus der Ferne zu: „Muhammad, hast du nicht verboten, Verderben zu stiften, und diejenigen getadelt, die dies tun? Warum fällst du nun die Dattelpalmen und verbrennst sie?“
Zu dieser Zeit sandten einige Männer aus dem Stamm Banu Awf ibn al-Chazradsch, darunter Abdallah ibn Ubayy ibn Salul, sein Vertrauter Malik ibn Abu Kauftal, Suwaid und Da’im, eine Nachricht an Banu Nadir mit den Worten: „Fürchtet euch nicht und ergebt euch nicht! Wir werden keinesfalls zulassen, dass ihr den Muslimen unterliegt. Wenn sie gegen euch kämpfen, werden auch wir mit euch kämpfen.“ Banu Nadir warteten auf ihre Hilfe und unternahmen weder eine Kapitulation noch leisteten sie Widerstand. Schließlich kam jedoch keinerlei Hilfe. Allah erfüllte ihre Herzen mit Furcht. Sie baten den Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden: „Vergießt kein Blut, sondern weist uns aus. Wir werden all unsere Waffen zurücklassen. Erlaubt uns, von unserem beweglichen Besitz so viel mitzunehmen, wie jedes unserer Kamele tragen kann.“ Der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, erfüllte ihre Bitte. Es wurde entsprechend dem Vorschlag der Banu Nadir verfahren. Sie nahmen beweglichen Besitz mit, der auf den Rücken ihrer Kamele getragen werden konnte. Einige begannen sogar, die oberen Teile der Türen ihrer Häuser herauszubrechen und auf den Kamelen fortzuschaffen. Manche gingen nach Chaibar, andere nach Syrien. Zu den führenden Männern unter denen, die nach Chaibar gingen, gehörten Sallam ibn Abu al-Huqaiq, Kinana ibn Rabi ibn Abu al-Huqaiq und Huyayy ibn Achtab. Die Bewohner Chaibars unterstützten sie uneingeschränkt.
Abdallah, der Sohn Abu Bakrs, berichtet: „Abu Bakr, möge Allah mit ihm zufrieden sein, hatte mitgeteilt, dass Banu Nadir ihre Frauen, Kinder und ihren beweglichen Besitz mitnahmen. Ebenso nahmen sie ihre Musikinstrumente mit. Die Sklavinnen spielten hinter ihnen her. Zu ihnen gehörte auch Umm Amr, die Frau Urwa ibn al-Wards aus dem Stamm Abis. Eine Frau namens Salma hatten sie ihrem Ehemann abgekauft.[65. Diese Frau war zunächst in den Stamm Muzaina verheiratet worden. Einst griff Urwa ibn al-Ward sie an und plünderte sie. Damals nahm er diese Frau gefangen. Urwa kam häufig zu Banu Nadir und lieh sich von ihnen Geld. Manchmal drängten sie ihn auch, seine Beute zu verkaufen, doch er weigerte sich, sie ihnen zu verkaufen. Daraufhin gaben sie Urwa Wein zu trinken und kauften sie ihm durch eine List ab. Für diesen Kauf und Verkauf beschafften sie auch die erforderlichen Zeugen. Später trug Urwa voller Bedauern darüber folgendes Gedicht vor: „Die Feinde Allahs machten mich durch Wein, Lüge und Intrige wehrlos. Welch ein Unglück! Wie konnte ich einem Vorschlag zustimmen, den mein Gewissen missbilligt?“] Sie zogen mit solcher Prachtentfaltung und solchem Stolz dahin, dass man in jener Zeit keinen anderen Stamm mit einer derartigen Prachtentfaltung gesehen hatte.“
Das gesamte übrige Vermögen ließen sie für den Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, zurück. Dieses Vermögen ging in den Besitz des Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, über, und er konnte darüber nach Belieben verfügen. Der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, verteilte dieses Vermögen ausschließlich unter den frühen Auswanderern. Als die beiden Ansar Sahl ibn Hunaif und Abu Dschuhaina Simak ibn Charascha ihre Armut vortrugen, gab er auch ihnen etwas. Im Zusammenhang mit Banu Nadir wurde die gesamte Sure al-Haschr offenbart. Diese Sure berichtet von der furchtbaren Vergeltung, die Allah an Banu Nadir vollzog, und von den strengen Maßnahmen, die Er durch Seinen Gesandten gegen sie ergreifen ließ, indem Er einen Feldzug gegen sie durchführen ließ. Allah sagt: „Er ist es, der diejenigen unter den Leuten der Schrift, die ungläubig sind, beim ersten Angriff aus ihren Häusern vertrieb. Ihr hättet nicht gedacht, dass sie ausziehen würden, und sie dachten, ihre Festungen würden sie vor Allah schützen. Doch Allah kam über sie, ohne dass sie damit gerechnet hatten, und warf Furcht in ihre Herzen. So zerstörten sie ihre Häuser mit ihren eigenen Händen und mit den Händen der Gläubigen. Denn sie selbst brachen die oberen Teile der Türen ihrer Häuser heraus und nahmen sie mit.“
So zieht daraus eine Lehre, ihr Einsichtigen! Wenn Allah nicht die Ausweisung für sie bestimmt hätte – was bereits eine Vergeltung von Allah für sie ist –, hätte Er sie schon im Diesseits mit dem Schwert bestraft; außerdem erwartet sie im Jenseits die Strafe der Hölle, zusätzlich zu ihrer Ausweisung. Was immer für frische Dattelpalmen ihr gefällt habt oder auf ihren Wurzeln stehen gelassen habt, geschah mit Allahs Erlaubnis und diente nur dazu, die Ungehorsamen zu demütigen. Und was Allah von ihrem Besitz – dem Besitz der Banu Nadir – Seinem Gesandten zurückgegeben hat, habt ihr weder durch den Einsatz eurer Kamele und Pferde erlangt, noch habt ihr dafür kämpfen müssen; vielmehr lässt Allah Seine Gesandten über wen immer Er will siegen. Und was Allah Seinem Gesandten von den Bewohnern der Ortschaften zurückgegeben hat – das heißt, was durch Krieg und den Einsatz von Kamelen und Pferden sowie durch Gewalt in Besitz genommen wurde –, gehört Allah und Seinem Gesandten, den Verwandten, den Waisen, den Bedürftigen und dem Reisenden, damit es nicht nur unter euren Reichen umläuft. Was der Gesandte euch gibt, das nehmt an; und was er euch untersagt, davon haltet euch fern.“
Hier erläutert Allah, der Erhabene, die Bestimmungen über die Verteilung der im Krieg erlangten Beute unter den Muslimen.
Danach sagt Allah:
„Hast du nicht gesehen, wie sich die Heuchler verhalten? Sie sagen zu ihren Brüdern unter den Leuten der Schrift, die am Unglauben festhalten – gemeint sind die Banu Nadir –: ‚Wenn ihr vertrieben werdet, werden auch wir mit euch ausziehen. Und hinsichtlich eurer Angelegenheit werden wir niemals auf irgendjemanden hören. Wenn gegen euch Krieg geführt wird, werden wir euch ganz gewiss helfen.‘ Allah bezeugt, dass sie Lügner sind. Wenn jene vertrieben werden, werden diese Heuchler niemals mit ihnen ausziehen; und wenn gegen sie gekämpft wird, werden sie ihnen niemals helfen. Selbst wenn sie ihnen helfen sollten, würden sie am Ende das Schlachtfeld fluchtartig verlassen und fliehen. Danach würde ihnen von nirgendwo Hilfe zukommen. Die Furcht vor euch ist in ihren Herzen größer als die Furcht vor Allah, denn sie sind ein törichtes Volk. Sie werden niemals gemeinsam gegen euch kämpfen können, außer in befestigten Ortschaften oder hinter Mauern. Ihre gegenseitige Feindschaft ist sehr stark. Du hältst sie für vereint, doch ihre Herzen sind gespalten, denn sie sind ein Volk ohne Verstand. Sie gleichen jenen, die kurz zuvor die Folgen ihres Tuns gekostet haben; außerdem erwartet sie eine schmerzhaftere Strafe – das heißt, sie gleichen den Banu Qaynuqa. Sie sind wie Satan, der zum Menschen sagt: ‚Sei ungläubig!‘ Wenn er dann ungläubig geworden ist, sagt er: ‚Ich habe nichts mit dir zu schaffen. Ich fürchte Allah, den Herrn der Welten.‘ Das Ende beider wird sein, dass sie für immer im Feuer brennen. Das ist der Lohn der Ungerechten.“
Der Feldzug von Dhat ar-Riqa (4. Jahr der Hidschra)
Nach dem Ereignis mit den Banū an-Naḍīr verbrachte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, den gesamten Monat Rabīʿ al-awwal und einen Teil des Monats Ǧumādā al-awwal in Medina. Danach führte er in Naǧd einen Feldzug gegen die Banū Saʿlaba, einen Unterstamm der Banū Muḥārib aus dem Stamm Ġaṭafān. Die Verwaltung Medinas übertrug er Abū Dharr al-Ġifārī. Als er Naḫl erreichte, ein Gebiet, in dem der Stamm Ġaṭafān lebte, schlug er dort sein Lager auf. Dies war der Feldzug von Dhāt ar-Riqāʿ [66. Riqāʿ bedeutet ein Stück Stoff, das zum Flicken verwendet wird. Der Grund für diese Bezeichnung soll darin liegen, dass bei diesem Feldzug geflickte Banner verwendet wurden. Manche sagen, der Name sei darauf zurückzuführen, dass das Gelände äußerst felsig war und die Soldaten gezwungen waren, Stoffstücke um ihre Füße zu binden. Andere wiederum sagen, Dhāt ar-Riqāʿ sei der Name eines Baumes oder des Ortes gewesen, an dem sich das Ereignis zutrug.]. Dort traf er auf eine große Versammlung des Stammes Ġaṭafān. Beide Seiten kamen einander nahe, doch es kam zu keinem Kampf. Dennoch blieben beide Seiten voreinander in Angst und Schrecken. Daraufhin zog der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, mit seinen Gefährten weiter.
Ǧābir ibn ʿAbdullāh (möge Allah mit ihm zufrieden sein) berichtet: Ich brach auf einem schwachen Kamel von Naḫl gemeinsam mit dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, auf. Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, mit seiner ganzen Gruppe aufbrach, begannen die übrigen Reisegefährten rasch voranzugehen. Ich aber blieb zurück. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, kam zu mir und fragte: „O Ǧābir, wie geht es dir?“ Ich sagte: „O Gesandter Allahs, mein Kamel hat mich zurückgelassen.“ Er sagte: „Halte das Kamel an.“ Ich hielt mein Kamel an, und auch der Gesandte Allahs hielt sein Kamel an. Dann sagte er: „Gib mir diesen Stock in deiner Hand oder schneide einen Zweig von einem Baum ab und fertige mir daraus einen Stock.“ Ich gab dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, den Stock. Er stieß damit mehrmals gegen mein Kamel. Danach sagte er zu mir: „Steig auf.“ Ich stieg auf. Da begann mein Kamel so schnell zu laufen, dass es sogar das Kamel des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, hinter sich ließ.
Im Verlauf des Gesprächs sagte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, zu mir: „Ǧābir, wirst du mir dein Kamel verkaufen?“ Ich sagte: „O Gesandter Allahs, ich schenke es dir.“ Er sagte: „Nein, verkaufe es.“ Ich fragte: „Wie viel wirst du dafür bezahlen?“ Er sagte: „Einen Dirham.“ Ich sagte: „Dann würde ich Verlust machen.“ Er sagte: „Wie wäre es mit zwei Dirham?“ Ich sagte: „Nein.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, erhöhte den Preis weiter, bis er eine Uqiyya (eine Unze) nannte. Da sagte ich: „O Gesandter Allahs, bist du mit diesem Preis zufrieden?“ Er sagte: „Ja.“ Ich sagte: „Dann überlasse ich es dir.“ Er sagte: „Ich nehme es.“ Danach sagte er: „Ǧābir, bist du verheiratet?“ Ich sagte: „Ja.“ Er fragte: „Mit einer Jungfrau oder mit einer bereits verheiratet gewesenen Frau?“ Ich sagte: „Mit einer bereits verheiratet gewesenen Frau.“ Er sagte: „Warum heiratest du nicht ein junges Mädchen? Sie hätte mit dir gescherzt, und du hättest mit ihr scherzen können.“ Ich sagte: „O Gesandter Allahs, mein Vater fiel in der Schlacht von Uḥud als Märtyrer und hinterließ sieben Töchter. Deshalb habe ich eine ältere Frau geheiratet, die sich um sie kümmern und sie großziehen kann.“ Er sagte: „Du hast, so Allah will, richtig gehandelt.“ Danach sagte er: „Wenn wir Sīrār erreichen, werde ich anordnen, ein Kamel zu schlachten, und es wird geschlachtet werden. Danach werden wir dort einen Tag bei deiner Frau als Gäste verbringen. Ich werde ihr vom Islam erzählen, und sie wird uns mit Kissen und Bettzeug umsorgen.“ Ich sagte: „O Gesandter Allahs, wir haben doch keine Kissen.“ Er sagte: „Kissen werden sich gewiss finden. Wenn du dort angekommen bist, handle klug.“
Als wir danach Sīrār [Sīrār ist ein Ort drei Meilen von Medina entfernt.] erreichten, ordnete der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, an, ein Kamel zu schlachten. Sofort wurde es geschlachtet. Wir verbrachten einen Tag damit, das Fleisch dieses Kamels zu essen. Am Abend betrat der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, das Haus. Auch wir traten ein. Ich berichtete meiner Frau alles, was geschehen war, und alles, was der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, zu mir gesagt hatte. Nachdem sie dies gehört hatte, sagte sie: „Höre meine Entscheidung: Wir werden alles hören und befolgen, was der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagt.“
Am Morgen führte ich das Kamel am Kopf zu Fuß zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, und band es vor der Tür seiner Unterkunft fest. Danach ging ich in die Moschee und setzte mich neben den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm. Als der Gesandte Allahs die Moschee verließ und das Kamel sah, fragte er: „Was ist das?“ Die Anwesenden sagten: „O Gesandter Allahs, Ǧābir hat dieses Kamel gebracht.“ Er fragte: „Wo ist Ǧābir?“ Alle riefen mich und führten mich zu ihm. Da sagte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm: „Ǧābir, nimm dieses Kamel wieder mit. Es ist dein Kamel.“ Danach rief er Bilāl und sagte: „Geh mit Ǧābir und gib ihm als Preis für dieses Kamel eine Uqiyya.“ Ich ging mit Bilāl. Er gab mir etwas mehr als eine Uqiyya. Bei Allah, dieses Kamel hatte mich auf diese Weise stets wohlhabender gemacht, und in meinem Haus wurden seine Bedeutung und sein Wert anerkannt. Das Ereignis, das sich auf dem Rückweg vom steinigen Schlachtfeld von Naǧd mit ihm ereignete, war die letzte Bekundung dieses Wertes. Auf dem Rückweg vom steinigen Schlachtfeld von Naǧd war das Ereignis mit ihm die letzte Bekundung dieses Wertes.
Ǧābir (möge Allah mit ihm zufrieden sein) berichtet außerdem: Nach dem Feldzug von Dhāt ar-Riqāʿ brachen wir von Naḫl gemeinsam mit dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, auf. Zu dieser Zeit behandelte ein Muslim die Frau eines bestimmten Götzendieners schlecht. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, zog mit seiner ganzen Gruppe vom Schlachtfeld weiter. Ihr Ehemann kehrte nach Hause zurück; zuvor war er abwesend gewesen. Als er von der schlechten Behandlung seiner Frau erfuhr, schwor er und gelobte, nicht eher aufzuhören, als bis er wenigstens einen Gefährten Muḥammads, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, getötet hätte. Er folgte den Spuren des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm. Der Gesandte Allahs erreichte einen Ort und ließ dort Halt machen. Danach sagte er: „Wer ist bereit, die ganze Nacht wach zu bleiben und uns zu bewachen?“ Ein Muhāǧir und ein Anṣārī erklärten sich bereit. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, stellte sie am Eingang einer Höhle im Berg zur Wache auf. Die beiden Gefährten teilten die Nacht untereinander so auf, dass der Anṣārī in der ersten Hälfte und der Muhāǧir in der zweiten Hälfte Wache halten sollte. Dementsprechend schlief der Muhāǧir in der ersten Nachthälfte, während der Anṣārī aufstand und zu beten begann.
Der polytheistische Attentäter kam in tiefer Nacht dort an. Als er den betenden Ansari sah, erkannte er, dass dieser die Muslime bewachte. Sofort schoss er auf ihn und durchbohrte seinen Körper. Danach zog er den Pfeil aus seinem Körper und behielt ihn bei sich. Trotzdem blieb er standhaft und setzte sein Gebet fort. Daraufhin schoss der Angreifer einen weiteren Pfeil ab, der ebenfalls seinen Körper durchbohrte. Der Attentäter zog auch diesen aus seinem Körper und behielt ihn bei sich. Trotzdem blieb er in seinem Gebet standhaft. Danach schoss er einen dritten Pfeil ab. Auch dieser Pfeil durchbohrte den Körper jenes Gefährten. Der Attentäter zog ihn heraus und behielt ihn bei sich. Nun beendete der Gefährte sein Gebet mit Verbeugung und Niederwerfung und weckte seinen Gefährten. Er sagte zu ihm: „Setz dich auf. Der Attentäter hat mich verwundet und kampfunfähig gemacht.“ Sofort sprang der Muhadschir auf. Als der Attentäter die beiden sah, erkannte er, dass sie seine Anwesenheit bemerkt hatten und vorsichtig geworden waren. Daher floh er.
Als der Muhadschir-Gefährte den blutüberströmten Körper des Ansari sah, sagte er: „Gepriesen sei Allah! Warum hast du mich nicht schon beim ersten Pfeilschuss geweckt?“ Der Ansari-Gefährte sagte: „Ich rezitierte im Gebet eine Sure. Ich wollte das Gebet nicht unterbrechen, bevor ich die Sure beendet hatte. Doch da der Feind fortwährend Pfeile abschoss, vollzog ich die Verbeugung und die Niederwerfung und rief dich. Bei Allah, wenn ich nicht befürchtet hätte, die Aufgabe, die mir der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, übertragen hatte, nicht erfüllen zu können, hätte ich das Gebet nicht unterbrochen, bis ich getötet worden wäre.“
Ibn Ishaq berichtet: Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, kehrte nach dem Feldzug von Dhatur-Riqaʿ nach Medina zurück und blieb dort bis zum Ende des Monats Radschab.
Der zweite Feldzug von Badr (4. Jahr der Hidschra)
Als die Zeit für die von Abu Sufyan angekündigte Herausforderung näher rückte, zog der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, im Monat Schaʿban erneut gegen Badr aus.[67. Es sei angemerkt, dass er zu dieser Zeit den Ansari-Gefährten ʿAbdullah ibn Ubayy ibn ʿAbdullah ibn Sulul mit der Verwaltung Medinas betraute.] Dort schlug er sein Lager auf. Er wartete dort acht Nächte auf Abu Sufyan. Abu Sufyan brach seinerseits mit den Mekkanern auf und machte in Madschanna Halt. Über Zahran gelangte er hierher. Danach beschloss er, nach Mekka zurückzukehren.
Er sagte: „O Quraisch, für euch ziemt es sich nur in einem Jahr mit guter Ernte zu kämpfen, wenn ihr eure Bäume pflegen und Milch trinken könnt. Doch dies ist ein Jahr der Missernte. Ich habe beschlossen zurückzukehren. Kehrt auch ihr zurück.“ Auf seine Worte hin kehrten die Leute um. Die Mekkaner nannten sie das „Gerstenbrei-Heer“. Sie pflegten zu sagen: „Ihr seid doch nur in den Kampf gezogen, um Gerstenbrei zu essen.“
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zählte auf der Ebene von Badr die Stunden bis zu dem von Abu Sufyan festgesetzten Zeitpunkt. In dieser Zeit kam Makhscha ibn ʿAmr ad-Damri zu ihm. Dieser Mann hatte auf dem Feldzug von Waddan im Namen des Stammes Banu Damra mit dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, einen Friedensvertrag geschlossen. Er sagte: „O Muhammad, bist du hierher an dieses Wasserbecken gekommen, um den Quraisch entgegenzutreten?“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Das ist tatsächlich so, o Bruder der Banu Damra! Wenn du angesichts dieser Lage möchtest, dass wir unseren Friedensvertrag mit euch aufkündigen und gegen euch kämpfen, sind wir dazu bereit. Wenn du möchtest, dass Allah durch den Kampf über das Schicksal von euch und uns entscheidet, so haben wir dagegen nichts einzuwenden.“ Er sagte: „Nein, o Muhammad, bei Allah, wir haben keinerlei Bedarf daran.“
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, wartete weiter auf Abu Sufyan. Zu dieser Zeit kam Maʿbad ibn Abi Maʿbad al-Chuzaʿi an ihm vorbei. Als er den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, dort sah, trieb er sein Kamel rasch weiter und rezitierte dabei das folgende Gedicht.
„(Meine Kamelstute) ist der Nähe Muhammads und der schwarzrosinenähnlichen Datteln von Medina überdrüssig. Sie eilt dahin, ihrem Vater und den alten Bräuchen folgend. Heute muss sie noch das Wasserbecken von Qudayd und morgen bis zum Nachmittag das Wasserbecken von Dajnā erreichen. [Qudayd ist der Name eines Ortes in der Nähe von Mekka.]
Der Gefährte ʿAbdullāh ibn Rawāḥa trug angesichts der Abwesenheit Abū Sufyāns folgendes Gedicht vor:
„Wir hatten uns verpflichtet, Abū Sufyān auf dem Feld von Badr gegenüberzutreten. Doch wir fanden sein Versprechen nicht bestätigt, und er ist keiner, der Versprechen hält. Ich schwöre: Wenn du dein Versprechen gehalten und dich uns gestellt hättest, dann wärst du gezwungen gewesen, geschmäht und getadelt zurückzukehren, und du hättest auch deine Verbündeten verloren. Auf eben diesem Feld von Badr haben wir die Glieder ʿUtbas und seines Sohnes zurückgelassen. Auch den Leichnam Abū Dschahls haben wir hier zurückgelassen. Ihr habt dem Gesandten Allahs den Gehorsam verweigert! Verflucht sei eure Religion und eure hässlichen, irreführenden Taten! Wie sehr ihr mich auch tadelt, ich werde dennoch sagen: Für den Gesandten Allahs sind mein Besitz und meine Angehörigen allesamt geopfert. Wir sind ihm ergeben. Außer ihm geben wir niemandem ein Versprechen. Er ist für uns der Leitstern, der uns in der dunklen Nacht den Weg weist.“
Der Feldzug nach Dūmat al-Dschandal (5. Hidschri: Rabīʿ al-awwal)
Nach dem zweiten Feldzug von Badr kehrte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Heil seien auf ihm, nach Medina zurück und blieb dort einen Monat, das heißt bis zum Ende des Monats Dhū l-Hiddscha. Die Götzendiener unterließen in diesem Jahr die Pilgerfahrt. Dies war das vierte Jahr seit der Ankunft des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Heil seien auf ihm, in Medina. Danach führte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Heil seien auf ihm, einen Feldzug nach Dūmat al-Dschandal. Dort kam es überhaupt zu keinem Zusammenstoß; ja, er musste nicht einmal bis zu diesem Ort vordringen. Er kehrte nach Medina zurück und verbrachte dort den restlichen Teil des Jahres.
Der Grabenkampf (5. Hidschri, Schawwāl)
Im Monat Schawwāl des fünften Jahres nach der Hidschra kam es zum Grabenkampf. Der Hintergrund dieses Krieges war, dass eine gemeinsame Delegation der Juden von Banū Nadīr und Banū Wāʾil nach Mekka ging und die Quraisch dazu aufforderte, Medina anzugreifen und den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Heil seien auf ihm, zu vernichten; zugleich versicherte sie ihnen ihre volle Unterstützung bei diesem Vorhaben. Zu den bedeutenden Mitgliedern dieser Delegation gehörten Salām ibn Abū l-Huqaiq, Huyayy ibn Achtab und Kināna ibn Abū l-Huqaiq aus dem Stamm Banū Nadīr sowie Hawwa ibn Qais und Abū ʿAmmār aus dem Stamm Wāʾil. Sie brachten zahlreiche arabische Stämme dazu, sich zu vereinigen und einen Angriff gegen den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Heil seien auf ihm, zu führen. Die Quraisch sagten zu ihnen: „Ihr Juden, ihr seid die Besitzer der ersten Schrift. Ihr wisst sehr wohl, worin wir mit Muhammad uneins sind. Sagt ihr selbst: Ist unsere Religion besser oder die Religion Muhammads?“ Sie sagten: „Eure Religion ist besser als die Religion Muhammads, und ihr seid die Bannerträger der Wahrheit!“
Über sie offenbarte Allah, der Erhabene, die folgenden Verse aus der Sure an-Nisāʾ:
„Hast du nicht jene unter den Buchbesitzern gesehen, die an Götzen und die falsche Macht glauben und die Ungläubigen für rechtgeleiteter als die Gläubigen erklären? Sie sind es, die Allah verflucht hat. Und für diejenigen, die Allah verflucht hat, wird sich niemals ein Helfer finden. Oder haben sie etwa einen Anteil an der Herrschaft Allahs, sodass sie den Menschen auch nur das Geringste davon geben würden? Oder beneiden sie die Menschen um das, was Allah ihnen aus Seiner Gnade gewährt hat – nämlich die Prophetenschaft? Wir haben doch den Nachkommen Ibrahims das Buch und die Weisheit gegeben und ihnen eine gewaltige Herrschaft verliehen. Einige von ihnen glaubten daran, andere aber hinderten die Menschen daran, es anzunehmen. Die Hölle genügt als Feuer, das sie verbrennen wird.“
Als die Juden den Quraisch solche Worte sagten, war ihre Freude kaum zu bändigen. Als sie sie darüber hinaus dazu einluden, den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, anzugreifen, stimmten sie dem zu und verpflichteten sich dazu. Danach gingen jene Juden zum Stamm der Ghatafan und luden sie dazu ein, gegen den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, zu kämpfen. Sie versicherten ihnen, sich daran zu beteiligen, und teilten ihnen mit, dass auch die Quraisch zugestimmt hätten und bereit seien, den Angriff zu führen.
Zur festgesetzten Zeit zogen das Heer der Quraisch und sein Anführer Abu Sufyan kampfbereit in den Feldzug. Auch Ghatafan zog aus, zusammen mit den Banu Fazara und ihrem Anführer Uyayna ibn Hisn. Al-Harith ibn Awf ibn Abu Haritha zog mit den Banu Murra aus, und mit dem Stamm Aschdsch wurden sie von dessen Anführer Mis’ar ibn Ruzayra begleitet.
Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, von diesen Kriegsvorbereitungen erfuhr, ließ er sofort rings um Medina einen Graben ausheben. Damit die Muslime sich in der Hoffnung auf den Lohn Allahs eifrig an dieser Arbeit beteiligten, hob er den Graben eigenhändig aus. Gemeinsam mit ihm beteiligten sich die Muslime in großer Zahl an den Grabungsarbeiten. Er und seine Gefährten setzten diese Arbeit unermüdlich fort. Nur einige Heuchler hielten sich vom Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, und den Muslimen fern. Sie suchten verschiedene Ausflüchte, um sich vor der Arbeit zu drücken und sich heimlich, ohne Wissen und ohne Erlaubnis des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, nach Hause zu begeben. Wenn hingegen unter den Muslimen jemand in eine große Notlage geriet und aus einem unabwendbaren Grund zu seiner Familie gehen musste, teilte er dies dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, ordnungsgemäß mit und ging erst nach seiner Erlaubnis. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, zögerte nicht, die Erlaubnis zu erteilen. Sobald sie ihr Anliegen erledigt hatten, kehrten sie zurück und beteiligten sich an der verbleibenden Arbeit. Auf diese Weise bewiesen sie ihr Verlangen nach guten Taten und ihre Aufrichtigkeit. Allah, der Erhabene, offenbarte in Bezug auf diese Gläubigen die folgenden Verse aus der Sure an-Nur:
„Die Gläubigen sind nur diejenigen, die an Allah und Seinen Gesandten glauben und, wenn sie mit dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, bei einer wichtigen Angelegenheit versammelt sind, nicht fortgehen, ohne ihn um Erlaubnis zu bitten. Diejenigen, die dich um Erlaubnis bitten, sind es, die wahrhaftig an Allah und Seinen Gesandten glauben. O Prophet, wenn sie dich wegen einer Angelegenheit um Erlaubnis bitten, dann erlaube es ihnen, wem von ihnen du willst, und bitte für sie um Vergebung. Gewiss, Allah ist Allvergebend.“
Diese Verse wurden gerade im Hinblick auf jene unter den Muslimen offenbart, die aufrichtig, eifrig bei guten Taten und Allah und Seinem Gesandten gehorsam sind.
Über jene Heuchler, die sich heimlich entfernten, ohne den Propheten, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, um Erlaubnis zu bitten, sagt Allah, der Erhabene, ferner:
„Betrachtet den Ruf des Gesandten an euch nicht wie den Ruf, den ihr untereinander richtet. Allah kennt sehr wohl diejenigen unter euch, die sich heimlich und verstohlen davonmachen. Diejenigen, die dem Befehl des Gesandten zuwiderhandeln, sollten sich davor hüten, dass sie jederzeit ein Unheil oder eine schmerzhafte Strafe trifft. Wisset, Allah gehört alles, was in den Himmeln und auf der Erde ist. Er weiß sehr wohl, wer von euch der Wahrheit folgt und wer der Lüge folgt. Und an dem Tag, an dem sie zu Ihm zurückkehren, wird Er ihnen über ihre Taten berichten. Wahrlich, Allah weiß über alles Bescheid.“ (Sure an-Nur, Vers 64)
In diesen Versen wird von den Heuchlern berichtet, die sich, ohne die Erlaubnis des Gesandten einzuholen, heimlich von der ihnen von ihm zugewiesenen Aufgabe entfernten.
Kaum hatte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die Aushebung des Grabens beendet, da trafen die Quraisch mit insgesamt zehntausend Kämpfern ein, bestehend aus Angehörigen des Stammes Kinana, den Bewohnern von Tihama und Angehörigen verschiedener anderer Stämme. Sie schlugen an einem Ort namens Ruma, in Mujtamaʿ al-Asyāl zwischen Jurf und Jugāba, ihr Lager auf. Auch die Angehörigen des Stammes Ghatafan trafen mit ihren Verbündeten aus Nadschd ein. Sie schlugen in der Nähe von Uhud, an einem Ort namens Dschamb Naqma, ihr Lager auf. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, stellte das muslimische Heer mit dreitausend Soldaten auf, wobei er den Berg Sela hinter sich ließ. Zwischen ihm und den Feinden befand sich der Graben. Für die Kinder und Frauen ließ er vorsorglich Plätze innerhalb der Festungen bereitstellen.
Huyayy ibn Achtab, ein Feind Allahs aus dem Stamm der Banū an-Nadīr, ging zu Kaʿb ibn Asad von den Banū Qurayza. Dieser Kaʿb ibn Asad hatte den Friedens- und Nichtangriffspakt zwischen den Banū Qurayza und dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, vermittelt. Im Namen der Banū Qurayza hatte er dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ein Friedensversprechen gegeben und den Vertrag geschlossen. Als Kaʿb im Inneren der Festung Huyay kommen sah, schloss er ihm die Tür der Festung vor dem Gesicht. Als Huyay ihn aufforderte, die Tür zu öffnen, weigerte er sich. Als Huyay ihn erneut bat, die Tür zu öffnen, sagte Kaʿb: „Wehe dir, Huyay! Du bist ein Unheilsbringer. Ich bin mit Muhammad einen Vertrag eingegangen, und ich werde ihn nicht brechen. In Muhammads Verhalten habe ich nur tiefe Achtung vor dem Versprechen und große Vertragstreue gesehen.“
Huyay sagte: „Was ist denn? Öffne doch ein wenig die Tür. Ich möchte mit dir etwas besprechen.“ Kaʿb sagte: „Ich kann die Tür nicht öffnen.“ Huyay sagte: „Du hast die Tür nur geschlossen, weil du dachtest, ich würde dein Essen verzehren.“ Bei diesen Worten geriet Kaʿb in Verlegenheit und öffnete die Tür. Darauf sagte Huyay: „Ich habe dir den größten Ruhm dieses Zeitalters und ein aufgewühltes, wogendes Meer gebracht. Ich habe das gesamte Heer der Quraisch mitsamt seinen Anführern und Oberhäuptern versammelt und es nach Mujtamaʿ al-Asyāl in der Gegend von Ruma gebracht. Andererseits habe ich den gesamten Stamm Ghatafan mitsamt seinen Anführern und angesehenen Männern in der Nähe von Uhud, nach Dschamb Naqma, gebracht. Sie alle haben sich mir gegenüber durch ein Versprechen und einen Vertrag verpflichtet, nicht eher haltzumachen, als Muhammad und seine Gefährten vernichtet sind.“ Kaʿb sagte: „Du hast vielmehr dafür gesorgt, dass ich mein Gesicht verliere. Du sammelst Wolken, die sich durch Regen entleert haben. Jetzt können sie nur noch donnern und grollen; etwas zu geben haben sie nicht. Wehe dir also, Huyay! Belästige mich nicht. Lass mich so bleiben, wie ich bin. Muhammad hat mich nicht schlecht behandelt. Er hat nur Aufrichtigkeit, Gerechtigkeit und Vertragstreue gezeigt.“ Dennoch ließ Huyay nicht von Kaʿb ab. Er legte ihm die Hand auf den Nacken und schüttelte ihn, bis es ihm schließlich gelang, ihn durch gutes Zureden umzustimmen. Er konnte ihm ein Versprechen abringen. Er sagte, wenn die Quraisch und Ghatafan zurückkehrten, ohne Muhammad getötet zu haben, werde er bei Kaʿb in dessen Festung bleiben, und beide würden Freud und Leid miteinander teilen. Auf diese Weise brach Kaʿb sein gegenüber dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gegebenes Versprechen und den mit ihm geschlossenen Vertrag.
Als diese Nachricht den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und die Muslime erreichte, sandte er Saʿd ibn Muʿādh ibn Nuʿmān (Allahs Wohlgefallen auf ihm), den damaligen Anführer des Stammes Aws, Saʿd ibn ʿUbāda ibn Dulaym (Allahs Wohlgefallen auf ihm), den Anführer der Chazradsch, sowie ʿAbdullah ibn Rawāha (Allahs Wohlgefallen auf ihm) und Chawwāt ibn Zubayr (Allahs Wohlgefallen auf ihm). Er sagte zu ihnen: „Geht und stellt fest, ob die Nachricht, die wir erhalten haben, wahr ist. Wenn sie wahr ist, kehrt zurück und teilt es mir durch ein vereinbartes Zeichen mit. Verkündet es nicht öffentlich und brecht dadurch nicht die Moral der gewöhnlichen Muslime. Wenn sie jedoch dem Vertrag treu geblieben sind, kehrt zurück und verkündet dies offen.“
Als sie hingingen, stellten sie fest, dass Kaʿb, Huyay und ihre Gefolgsleute gegenüber dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, eine noch schlimmere Haltung einnahmen, als man erfahren hatte. Sie sagten: „Wer ist denn überhaupt der Gesandte Allahs? Mit Muhammad gibt es weder einen Vertrag noch ein Versprechen.“ Als Saʿd ibn Muʿādh (Allahs Wohlgefallen auf ihm) dies hörte, tadelte er sie.
Daraufhin erwiderten auch sie seinen Tadel. Saʿd ibn Muʿādh war in der Tat ein etwas hitziger Mann. Saʿd ibn ʿUbāda sagte zu ihm: „Lassen Sie den Tadel beiseite. Der Vertrag zwischen uns und ihnen ist weit gewichtiger als ein Tadel.“ Danach kehrten die beiden Anführer und ihre beiden Gefährten zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zurück, grüßten ihn und sagten: „ʿAdal und Qāra.“ Das heißt: Auch sie sind denselben Weg gegangen wie die Leute von ʿAdal und Qāra, die den Gefährten Chubaib und seine Gefährten (Allahs Wohlgefallen auf ihnen) bei ar-Radschīʿ verraten hatten. Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, dies hörte, sagte er: „Allāhu akbar! O Muslime, nehmt die frohe Botschaft an!“
Zu dieser Zeit nahm die über die Muslime hereingebrochene Prüfung eine furchtbare Gestalt an. Unter ihnen wurde die Angst übermächtig. Von allen Seiten kreisten ihre Sorgen und Überlegungen. Auch die Heuchelei der Heuchler innerhalb der muslimischen Reihen begann zutage zu treten. Muʿattib ibn Quschayr sagte sogar: „Muhammad hatte uns versprochen, dass wir die gesamten Reichtümer des Persischen und des Römischen Reiches besitzen würden. Doch heute sind wir nicht einmal in der Lage, sicher zur Latrine zu gehen.“ Aws ibn Qayzī sagte: „O Gesandter Allahs, unsere Häuser, das heißt unsere Familien, sind schutzlos geworden.“ (Das heißt, von einigen Angehörigen ihres eigenen Stammes war eine Drohung ausgegangen.) „Erlaube uns daher, nach Hause zurückzukehren, denn unsere Häuser liegen außerhalb von Medina.“ Unter diesen Umständen standen der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und die Götzendiener mehr als zwanzig Tage und weniger als einen Monat einander gegenüber. Zwischen den beiden Seiten kam es außer Pfeilschüssen und der Belagerung zu keinerlei Kampf.
Die Not und das Leid der Muslime wurden aufgrund der lang andauernden Belagerung unerträglich. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, ließ den beiden Anführern des Stammes Ghatafān, ʿUyayna ibn Hisn und al-Hārith ibn ʿAwf, ausrichten, dass er ihnen ein Drittel der gesamten Ernte von Medina geben werde, wenn sie mit ihren Leuten die Belagerung gegen den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, und seine Gefährten (Allah sei mit ihnen zufrieden) aufgäben und abzögen. Auf Grundlage dieses Vorschlags kam zwischen dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, und den Ghatafāniten ein Friedensabkommen zustande, und die Urkunde des Abkommens wurde niedergeschrieben. Nur die Unterzeichnung und die endgültige Bestätigung der Entscheidung standen noch aus. Die Verhandlungen und die Zustimmung beider Seiten hinsichtlich der Gegenleistung waren jedoch bereits abgeschlossen. Bevor die restlichen Schritte vollzogen wurden, ließ der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, Saʿd ibn Muʿādh und Saʿd ibn ʿUbāda (Allah sei mit ihnen zufrieden) zu sich rufen. Als sie kamen, informierte er sie über die Angelegenheit und bat sie um Rat. Beide sagten: „O Gesandter Allahs, ist dies ein Vorschlag von dir zu unserem Nutzen, oder hat Allah dir dies befohlen, sodass wir es tun müssen?“ Er sagte: „Es ist meine eigene Initiative. Denn ich sehe, dass sich ganz Arabien vereint hat, um einen umfassenden Angriff gegen euch zu führen, und euch von allen Seiten eine unüberwindbare Belagerung auferlegt hat. Daher möchte ich ihre Stärke so weit wie möglich brechen.“
Saʿd ibn Muʿādh sagte: „O Gesandter Allahs, früher waren wir und diese Leute dem Polytheismus und der Götzenverehrung ergeben. Damals kannten wir Allah nicht und beteten Ihn auch nicht an. Zu jener Zeit konnten sie keine einzige Dattel von uns essen, außer als Gastgeschenk oder im Rahmen eines Verkaufs. Und nun, da Allah uns mit der Herrlichkeit und Ehre des Islam ausgezeichnet und auf den Weg der Wahrheit geführt hat, sollen wir ihnen von unserem Besitz geben? Bei Allah, wir benötigen nichts davon. Bei Allah, außer den Schlägen unserer Schwerter werden wir ihnen nichts geben. So soll Allah das Schicksal von ihnen und von uns bestimmen.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagte: „Gut, dann folge ich in dieser Angelegenheit deiner Meinung.“ Daraufhin nahm Saʿd ibn Muʿādh die Vertragsurkunde in die Hand und löschte den gesamten Text aus. Dann sagte er: „Sie sollen tun, was sie können.“
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, und die Muslime blieben innerhalb der Belagerung durch den Feind. Zu einem Kampf kam es überhaupt nicht. Einige berittene Quraischiten jedoch, darunter ʿAmr ibn ʿAbd Wudd, ʿIkrima ibn Abī Dschahl, Hubayra ibn Abī Wahb und Dirār ibn al-Khattāb, beabsichtigten, den Kampf zu eröffnen. Sie ritten zu den Banū Kināna und sagten: „O Banū Kināna, macht euch zum Kampf bereit. Heute werdet ihr sehen, wer im Kampf geschickter ist.“ Danach trieben sie ihre Pferde im Galopp voran und hielten am Rand des Grabens an. Als sie den Graben sahen, waren sie verblüfft und sagten: „Bei Allah, dies ist eine Kriegstaktik, wie die Araber sie noch nie ersonnen haben.“ [68. Ibn Hischām sagt: Es wird berichtet, dass Salmān al-Fārisī dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, geraten habe, diese Taktik anzuwenden.]
Dann überquerten sie den Graben an der schmalsten Stelle. Auf ihren Pferden gelangten sie zu der Stellung der Muslime zwischen dem Berg Salā und dem Graben. ʿAlī (Allah sei mit ihm zufrieden) rückte mit einigen Muslimen vor, um ihnen entgegenzutreten, und versperrte ihnen genau an der offenen Stelle den Weg, durch die die Ungläubigen herangeritten waren. Die Reiter stürmten auf sie zu.
ʿAmr ibn ʿAbd Wudd war in der Schlacht von Badr so schwer verwundet worden, dass er nicht an der Schlacht von Uhud hatte teilnehmen können. Um seinen Rang zur Schau zu stellen, hatte er sich durch ein besonderes Abzeichen kenntlich gemacht. Kaum war er angekommen, brüllte er: „Wer kämpft gegen mich?“ ʿAlī (Allah sei mit ihm zufrieden) trat vor ihn. Er sagte: „O ʿAmr, du hattest Allah gelobt, dass du jede von zwei Möglichkeiten annehmen würdest, wenn dich jemand von den Quraisch zu einer von ihnen auffordert. Ist das wahr?“ Er sagte: „Ja!“ ʿAlī (Allah sei mit ihm zufrieden) sagte: „Dann rufe ich dich zu Allah, Seinem Gesandten und dem Islam.“
Er sagte: „Daran habe ich kein Interesse.“ ʿAlī sagte: „Dann rufe ich dich zu Allah, Seinem Gesandten und dem Islam.“
Er sagte: „Daran habe ich kein Interesse.“ ʿAlī sagte: „Dann fordere ich dich zum Kampf heraus.“ Er sagte: „O Neffe, ich möchte dich nicht töten.“ ʿAlī (Allah sei mit ihm zufrieden) sagte: „Ich aber möchte dich töten.“ Als ʿAmr dies hörte, geriet er in Erregung. Er sprang von seinem Pferd, tötete es zunächst und schlug ihm ins Gesicht. Danach ging er auf ʿAlī (Allah sei mit ihm zufrieden) zu. Zwischen den beiden entbrannte ein heftiger Kampf. Schließlich tötete ʿAlī (Allah sei mit ihm zufrieden) ihn.
Danach wurde seine Reiterschar besiegt und floh über den Graben zurück. Niedergeschlagen über den Tod von ʿAmr floh ʿIkrima, der Sohn Abū Dschahls, nachdem er seinen Speer zurückgelassen hatte. Als der muslimische Dichter Hassān ibn Thābit dies sah, sagte er:
„Er ist davongelaufen und hat uns seinen Speer zurückgelassen.“
O ʿIkrima, du hast so getan, als hättest du nicht gekämpft.
Du bist keuchend davongelaufen wie ein männlicher Strauß.
Es sah ganz so aus, als hättest du dich schon von der Straße entfernt
und wärst nicht im Geringsten in versöhnlicher Haltung zurückgekehrt.
(Als man dich davonlaufen sah,) schien dein Rücken zu sprechen.“
Das Signal der Gefährten des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in den Schlachten am Graben und gegen die Banū Quraiẓa lautete: „Hum, lā yunṣarūn.“ Das bedeutet: Die Niederlage der feindlichen Seite ist unausweichlich. Unter dem Druck der Stärke und Macht der Feinde sowie ihrer überwältigenden zahlenmäßigen Überlegenheit mussten der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und seine Gefährten unter entsetzlicher Angst und Schrecken auf dem Schlachtfeld ausharren.
Schließlich kam Nuʿaim ibn Masʿūd und sagte: „O Gesandter Allahs, ich habe den Islam angenommen. Mein Stamm weiß nichts davon. Gib mir nun jede Anweisung, die du für notwendig hältst.“
Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Unter uns bist du der Einzige, der das Vertrauen der feindlichen Partei genießt. Wenn du kannst, dann zerschlage den Feind für uns. Krieg ist schließlich nichts anderes als eine List.“
Nuʿaim ibn Masʿūd ging zum Stamm Banū Quraiẓa. In der vorislamischen Zeit war er eng mit ihnen befreundet gewesen. Er sagte zu ihnen: „O Banū Quraiẓa, ihr wisst gewiss, wie sehr ich euch liebe. Besonders wisst ihr, dass zwischen uns eine aufrichtige Beziehung besteht.“ Sie sagten: „Ja, das stimmt. Wir hatten niemals Grund, dir etwas vorzuwerfen.“ Da sagte er: „Die Lage der Quraisch und der Ghatafān ist eine andere als eure. Diese Stadt ist eure Stadt. Hier befinden sich eure Frauen, Kinder und euer Besitz. Ihr könnt dies nicht an einen anderen Ort bringen. Die Quraisch und die Ghatafān sind gekommen, um gegen Muhammad und seine Gefährten zu kämpfen. Ihr unterstützt sie dabei. Doch ihre Wohnorte, ihr Besitz und ihre Familien befinden sich an einem anderen Ort. Daher sind sie nicht in derselben Lage wie ihr. Wenn sie hier einen Vorteil sehen, werden sie ihn gewiss wahrnehmen. Wenn sie keinen sehen, werden sie in ihre Heimat zurückkehren. Dann werdet ihr Muhammad allein in dieser Stadt gegenüberstehen. Unter diesen Umständen werdet ihr ihm nicht standhalten können. Wenn ihr also gegen die Muslime kämpfen wollt, nehmt zuvor einige Anführer der Quraisch als Geiseln. Sie werden als Pfand in eurer Hand bleiben. Dann könnt ihr unbesorgt sein. Es wäre nicht klug von euch, gemeinsam mit ihnen gegen Muhammad zu kämpfen.“ Sie sagten: „Du hast uns gut beraten.“
Danach ging er zu den Quraisch und sagte zu Abū Sufyān und den anderen Anführern der Quraisch, die ihn begleiteten: „Ihr wisst gewiss, dass ich euer aufrichtiger Wohlgesinnter und ein erbitterter Gegner Muhammads bin. Ich habe eine Nachricht gehört. Es ist meine Pflicht und entspricht meinem Wunsch nach eurem Wohl, sie euch mitzuteilen. Verbreitet diese Angelegenheit jedoch bei niemandem.“
Nuʿaim sagte: „Dann hört zu. Die Juden haben es bereut, ihren mit Muhammad und seinen Gefährten geschlossenen Vertrag gebrochen zu haben. Sie haben Muhammad eine Nachricht geschickt: ‚Wir bereuen, was wir getan haben. Wenn wir nun einige führende Männer der Quraisch und der Ghatafān festnehmen und dir ausliefern und du sie tötest, wirst du dann mit uns zufrieden sein? Danach werden wir uns mit dir zusammentun und alle übrigen Angehörigen der Quraisch und der Ghatafān vernichten.‘ Muhammad hat dem zugestimmt.“ Nuʿaim sagte weiter zu Abū Sufyān: „Wenn die Juden einige eurer Männer als Geiseln verlangen, dann hütet euch davor, auch nur einen einzigen Mann in ihre Hände zu geben.“
Danach ging Nuʿaim zu den Ghatafān und sagte: „O Banū Ghatafān, ihr seid meine Stammesangehörigen und meine Verwandten. Ihr seid mir lieber als alle anderen. Ich nehme an, dass ihr keinen Grund habt, mir etwas vorzuwerfen.“ Sie sagten: „Du hast die Wahrheit gesagt. Wir haben dir nichts vorzuwerfen.“ Nuʿaim sagte: „Dann lasst niemanden erfahren, welche Nachricht ich euch überbringe.“ Sie sagten: „Gut. Wir werden deine Angelegenheit geheim halten.“ Darauf wiederholte Nuʿaim ihnen genau das, was er den Quraisch gesagt hatte, und sprach ihnen bezüglich der Geiseln dieselbe Warnung aus, die er auch gegenüber den Quraisch ausgesprochen hatte.
Dies ereignete sich in der Nacht vor dem Samstag im Monat Schawwāl des fünften Jahres nach der Hidschra. Allah veränderte die gesamte Lage zugunsten Seines Gesandten. Abū Sufyān ibn Ḥarb und die Anführer des Stammes Ghatafān entsandten unter der Führung von ʿIkrima ibn Abī Dschahl eine Gruppe von Quraisch und Ghatafān zu den Banū Quraiẓa. Sie gingen zu den Banū Quraiẓa und sagten: „Wir können nicht länger ausharren. Unsere Kamele und Pferde sterben alle. Macht euch daher zum Kampf bereit. Wir wollen gegen Muhammad kämpfen und eine endgültige Entscheidung herbeiführen.“ Sie sagten: „Heute ist Samstag. An diesem Tag unternehmen wir nichts. Einige unserer Leute haben früher an einem Samstag einen Vorfall verursacht, und ihr kennt die Folgen davon. Außerdem können wir nicht gegen Muhammad kämpfen, um euch zu unterstützen. Wenn ihr jedoch einige eurer Männer als Sicherheitsgarantie bei uns als Geiseln zurücklasst, können wir am Kampf teilnehmen und euch unterstützen. Wir befürchten, dass ihr, falls ihr im Kampf geschädigt werdet oder es euch schwerfällt, den Kampf fortzusetzen, in euer Land zurückkehrt, ohne auf unsere Sicherheit Rücksicht zu nehmen, und uns hilflos in Muhammads Gewalt zurücklasst. Wir sind jedoch nicht in der Lage, Muhammad entgegenzutreten.“
Als die Abordnung mit dieser Antwort der Banū Quraiẓa zurückkehrte, sagten die Quraisch und die Ghatafān zueinander: „Die Nachricht, die uns Nuʿaim ibn Masʿūd überbracht hat, ist in jeder Hinsicht wahr. Teilt den Banū Quraiẓa daher mit, dass wir nicht bereit sind, ihnen auch nur einen einzigen Mann als Geisel zu übergeben. Wenn sie kämpfen wollen, sollen sie kommen und kämpfen.“ Als erneut ein Bote mit dieser Antwort der Quraisch und der Ghatafān zu den Banū Quraiẓa kam, sagten deren Anführer zueinander: „Seht nur, was Nuʿaim gesagt hat, ist vollkommen wahr. Die Quraisch und die Ghatafān wollen nur kämpfen. Unser Wohl und Wehe kümmert sie überhaupt nicht. Wenn sie einen Vorteil erlangen, ist ihr eigenes Interesse erfüllt. Andernfalls werden sie uns hilflos in Muhammads Hand zurücklassen und in ihre jeweiligen Länder zurückkehren.“
Darauf ließen sie den Quraisch und den Ghatafān mitteilen: „Solange ihr uns keine Geiseln übergebt, werden wir euch nicht als Verbündete unterstützen und nicht gegen Muhammad kämpfen.“ Auf diese Weise wiesen sie den Vorschlag der Ghatafān und der Quraisch endgültig zurück, und Allah stiftete unter den Feinden Zwietracht und besiegte sie. Außerdem ließ Allah in jener bitterkalten Nacht einen äußerst kalten Wind über sie wehen. Dieser Wind riss ihre Zelte nieder und zerstreute ihre Kochutensilien.
Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, von ihrem Streit und ihrer Uneinigkeit erfuhr, schickte er den Gefährten Hudhaifa ibn al-Yaman nachts los, um die Bewegungen der Feinde zu beobachten.
Überliefert von Muhammad ibn Ka’b al-Qurazi: Ein Gefährte aus Kufa fragte Hudhaifa ibn al-Yaman: „Hast du den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gesehen und bist du in seiner Gesellschaft gewesen?“ Er sagte: „Ja.“ Der Mann fragte: „Wie habt ihr ihn behandelt?“ Hudhaifa sagte: „Wir haben uns nach Kräften für ihn angestrengt.“ Der Mann aus Kufa sagte: „Bei Gott, wenn wir ihn lebend angetroffen hätten, hätten wir ihn nicht auf der Erde gehen lassen, sondern ihn auf unseren Schultern getragen.“ Hudhaifa, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, sagte: „Neffe, hör zu. Wir waren mit dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, am Graben. Er verbrachte einen Teil der Nacht im Gebet. Danach wandte er sich uns zu und sagte: ‚Wer von euch kann sich zu den Feinden begeben, ihre Bewegungen erkunden und anschließend zurückkehren? Ich bitte Allah darum, dass er mein Gefährte im Paradies sei!‘ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, hatte zur Bedingung gemacht, dass man nach Erledigung des Auftrags zurückkehrte. Niemand unter den Muslimen hatte wegen der Angst, der Kälte und des Hungers die Kraft aufzubrechen. Als sich niemand bereitfand, rief der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, mich. So musste ich mich zum Aufbruch bereitmachen. Er sagte: ‚O Hudhaifa, geh zu den Feinden und sieh nach, was sie tun. Wenn du zu uns zurückkehrst, unternimm ja nichts.‘“
Darauf ging ich los und drang vorsichtig in das feindliche Heer ein. Noch immer setzten Allahs unsichtbare Heerscharen ihnen schwer zu. Ihre Zelte und sämtliche Kochutensilien waren zerstört, und das Feuer war erloschen.
Da sagte Abu Sufyan zu ihnen: „O Quraisch, jeder von euch soll sich in seiner Umgebung umsehen, ob sich dort jemand anderes befindet.“ Als ich dies hörte, legte ich als Erster dem Mann neben mir die Hand auf und fragte: „Wer bist du?“ Er sagte: „Der und der, der Sohn des und des.“ 69. In Scharh al-Mawahib wird überliefert: Hudhaifa sagte: „Ich legte meine Hand auf die Hand des Mannes, der zu meiner Rechten saß, und fragte: ‚Wer bist du?‘ Er sagte: ‚Ich bin Muawiya, der Sohn Abu Sufyans.‘ Dann fragte ich den Mann, der zu meiner Linken saß: ‚Wer bist du?‘ Er sagte: ‚Ich bin Amr ibn al-As.‘“
Danach sagte Abu Sufyan: „O Quraisch, der Ort, an dem ihr lagert, ist nicht länger zum Verweilen geeignet. Unsere Kamele und Pferde sind verendet, und die Banu Quraiza haben uns im Stich gelassen. Sie haben genau das getan, was wir verabscheuen. Ihr könnt selbst sehen, in welchem Zustand uns der heftige Sturmwind zurückgelassen hat. Unsere Kochutensilien, Zelte und alles Übrige sind zerstört. Sogar das Feuer ist erloschen. Deshalb soll jeder von euch zu seinem Zuhause aufbrechen. Ich breche jetzt auf.“
Kaum hatte er dies gesagt, ging er zu seinem Kamel. Es war angebunden. Er stieg auf seinen Rücken und schlug es anschließend. Nachdem er es dreimal geschlagen hatte, sprang es auf. Obwohl die Fesseln des Kamels gelöst waren, blieb es stehen. Wenn der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, mir nicht befohlen hätte: „Unternimm nichts, bis du zurückkehrst“, hätte ich ihn ohne Weiteres töten können.
Hudhaifa sagte: „Danach kehrte ich zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zurück. Er betete gerade, in eine jemenitische Decke gehüllt. Während des Gebets bemerkte er mich, zog mich zu seinen Füßen und legte einen Teil der Decke über mich. In dieser Haltung vollzog er auch die Verbeugung und die Niederwerfung. Nachdem er den Friedensgruß beendet hatte, berichtete ich ihm alles, was ich über die Feinde erfahren hatte.“
Als die Ghatfan vom Rückzug der Quraisch erfuhren, brachen sie in Richtung ihrer Heimat auf. Am Morgen verließen der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und die Muslime den Graben und gingen nach Medina; anschließend legten sie die Waffen nieder.
Der Feldzug gegen die Banū Quraiẓa (5. Jahr der Hidschra)
Zur Zeit des Zuhr-Gebets kam Dschibrīl (a. s.) zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm. Auf seinem Kopf trug er einen Seidenturban. Er ritt auf einem mit Seidenstoff bedeckten, gesattelten Maultier. Er sagte zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm: „O Gesandter Allahs, hast du die Waffen niedergelegt?“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagte: „Ja.“ Dschibrīl sagte: „Aber die Engel haben ihre Waffen noch nicht niedergelegt. Auch du kehrst nur auf Drängen der Muslime vom Schlachtfeld zurück! O Muhammad, Allah hat dir befohlen, gegen die Banū Quraiẓa zu ziehen. Auch ich werde dorthin gehen und sie völlig vernichten.“
Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, dies hörte, ließ er ausrufen: „Wer Allah und dem Gesandten Allahs gehorcht, soll sich in das Gebiet der Banū Quraiẓa begeben und dort das Asr-Gebet verrichten.“
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, befahl ʿAlī, dem Sohn Abū Ṭālibs (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm), mit seinem Banner in Richtung des Gebiets der Banū Quraiẓa aufzubrechen. Die Muslime folgten ihm. Als ʿAlī (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) aufgebrochen war und die Nähe ihrer Festungen erreichte, hörte er eine schändliche Äußerung gegen den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm. Daraufhin kehrte er um. Als er unterwegs den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, traf, sagte er: „O Gesandter Allahs, du solltest nicht zu diesen schändlichen Leuten gehen.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagte: „Warum? Offenbar hast du von ihnen etwas Beleidigendes und Obszönes über mich gehört.“ ʿAlī (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) sagte: „O Gesandter Allahs, genau so ist es.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagte: „Wenn sie mich sehen würden, würden sie so etwas nicht sagen.“ Danach erreichte er die Nähe der Festungen der Banū Quraiẓa und sagte: „O Brüder der Affen, hat Allah euch gedemütigt? Erleidet ihr nun Seine Strafe?“ Sie sagten: „O Abū l-Qāsim – so lautete der bekannte Beiname des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm –, dir ist doch nichts unbekannt.“
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, schlug sein Lager bei einem Brunnen namens ʿAṭṭāʾ im Gebiet der Banū Quraiẓa auf. Die Muslime kamen in Gruppen und schlossen sich ihm an. Einige trafen sogar nach der letzten Gemeinschaft des Ischāʾ-Gebets ein. Sie hatten das Asr-Gebet noch nicht verrichtet, weil der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, ihnen befohlen hatte, sich in das Gebiet der Banū Quraiẓa zu begeben und dort das Asr-Gebet zu verrichten. Da sie keine andere Möglichkeit sahen, hatten sie das Gebet wegen des Krieges aufgeschoben. Deshalb verrichteten sie das Asr-Gebet nach dem Ischāʾ-Gebet. Aus diesem Grund tadelte Allah sie im Koran nicht. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, belagerte sie fünfundzwanzig Tage lang. Dadurch gerieten sie in äußerste Bedrängnis. Und Allah erfüllte ihre Herzen mit Furcht.
Nachdem die Angehörigen der Quraisch und der Ghatafān in ihre Heimat aufgebrochen waren, blieb Ḥuyayy ibn Akhṭab bei den Banū Quraiẓa in deren Festung. Er blieb dort, um das Versprechen einzuhalten, das er den Banū Quraiẓa gegeben hatte. Als die Banū Quraiẓa mit Gewissheit erkannten, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, keinesfalls zurückkehren würde, ohne gegen sie gekämpft zu haben, rief Kaʿb ibn Asad die Angehörigen des Stammes zusammen und sagte: „O Juden, hört zu! Seht ihr, welches Unglück über euch gekommen ist? Um euch aus dieser Lage zu befreien, unterbreite ich euch drei Vorschläge. Ihr könnt einen von ihnen annehmen.“ Sie sagten: „Welche Vorschläge sind das?“ Er sagte: „Lasst uns Muhammad allesamt folgen und ihn anerkennen. Bei Allah, es ist für uns eindeutig, dass er ein Prophet ist. Auch in unserer Heiligen Schrift wird er erwähnt. Auf diese Weise können wir hinsichtlich unseres eigenen Lebens und Besitzes sowie des Lebens und Besitzes unserer Frauen und Kinder Sicherheit erlangen.“ Sie sagten: „Wir werden niemals die Autorität der Tora leugnen und auch keinen Ersatz für sie annehmen.“ Er sagte: „Wenn ihr dies nicht annehmt, dann lasst uns unsere Frauen und Kinder allesamt töten. Danach lasst uns mit den Schwertern gegen Muhammad und seine Gefährten kämpfen. Dann werden wir keine Sorgen und keine Verantwortung hinter uns haben. Danach werden wir weiterkämpfen, bis Allah zwischen uns und Muhammad eine endgültige Entscheidung trifft. Wenn wir getötet werden, können wir in der Gewissheit sterben, dass wir uns um das Schicksal unserer Nachkommen keine Sorgen machen müssen. Wenn wir aber siegen, werden wir erneut Frauen und Kinder gewinnen.“ Alle sagten: „Ist es etwa möglich, diese unschuldigen, geliebten Menschen zu töten? Wenn sie nicht mehr da wären, welchen Nutzen hätte es dann, dass wir in Wohlstand und Behaglichkeit weiterleben?“ Kaʿb sagte: „Wenn ihr auch dies ablehnt, bleibt noch eine Möglichkeit. Heute ist die Nacht zum Samstag. Vielleicht werden Muhammad und seine Gefährten heute in Bezug auf uns unbesorgt sein. So lasst uns einen Überraschungsangriff unternehmen und Muhammad und seine Gefährten töten.“ Sie sagten: „Sollen wir auf diese Weise den Samstag entehren? Sollen wir an diesem Tag etwas tun, was unsere Vorfahren nicht getan haben? Gewiss, einige Leute haben es getan, und dadurch wurden ihre Gesichter entstellt – das ist euch nicht unbekannt.“ Kaʿb sagte: „Von Anbeginn bis heute ist unter euch kein einziger Mensch geboren worden, der in seinem ganzen Leben auch nur für eine Nacht einen festen und entschlossenen Entschluss hätte fassen können.“
Da sie zu keiner Entscheidung gelangten, sandten sie einen Gesandten zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, und baten ihn: „Schicke uns Abū Lubāba ibn ʿAbd al-Mundhir. Wir möchten uns mit ihm beraten.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, schickte ihn zu ihnen. Als Abū Lubāba eintraf, versammelten sich alle Angehörigen des Stammes um ihn, und die Frauen und Kinder kamen zu ihm und begannen zu weinen. Dieser Anblick rührte Abū Lubābas Herz. Sie sagten: „O Abū Lubāba, meinst du, dass wir Muhammads Entscheidung annehmen sollten?“ Er sagte: „Ja.“ Zugleich deutete er mit der Hand an seine Kehle und zeigte damit, dass diese Entscheidung nichts anderes als die Tötung bedeuten würde.
Abu Lubaba sagte: „Sofort wurde mir bewusst, dass ich Allah und Seinem Gesandten Verrat begangen hatte.“ (70. Banu Quraiza wurde belagert. Da sie ihre Vernichtung für unausweichlich hielten, schickten sie Schas ibn Qais zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Er ging zu ihm und bat darum, ihnen unter denselben Bedingungen Gnade zu gewähren, unter denen Banu Nadir verschont worden war: Sie sollten nur ihre Kinder, Frauen und so viele Habseligkeiten mitnehmen dürfen, wie auf den Rücken ihrer Kamele geladen werden konnten. Das gesamte übrige bewegliche und unbewegliche Eigentum würden sie zurücklassen; Waffen würden sie überhaupt nicht mitnehmen. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, wies diese Bitte zurück. Darauf sagte er: „Dann gewährt uns lediglich Gnade und lasst uns fortziehen, nachdem ihr uns unsere Frauen und Kinder übergeben habt. Wir wollen überhaupt keine Habseligkeiten auf den Rücken der Kamele mitnehmen.“ Auch diese Bitte wies der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zurück und bestand darauf, dass sie sich seinem Urteil unterwarfen. Schas ibn Qais kehrte mit dieser Antwort des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zurück. (Aus dem von Dscharfani verfassten Scharh al-Mawahib.) Im Scharh al-Mawahib wird außerdem überliefert, dass Abu Lubaba, nachdem der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ihre Bitte um Gnade zurückgewiesen hatte, meinte, der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, werde sie töten, wenn Banu Quraiza sich seinem Urteil unterwerfe. Deshalb wies er sie durch ein Zeichen genau darauf hin.] Unmittelbar danach ging Abu Lubaba nicht zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sondern in die Prophetenmoschee. Dort band er sich an eine Säule und sagte: „Ich werde mich von diesem Ort nicht fortbewegen, bis Allah mir meinen Fehler verzeiht. An dem Ort, an dem ich Allah und Allah und Allahs Gesandten Verrat begangen habe, werde ich mich nie wieder jemandem zeigen.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, wartete lange auf Abu Lubaba. Nachdem er von der ganzen Angelegenheit erfahren hatte, sagte er: „Wenn er zu mir gekommen wäre, hätte ich für ihn um Vergebung gebeten. Da er jedoch dieses Gelübde abgelegt hat, kann ich ihn nicht losbinden, bis Allah ihm vergibt.“
Umm Salama (Allah sei mit ihr zufrieden) sagte: Als Abu Lubaba vergeben worden war, sagte ich: „O Gesandter Allahs, soll ich ihm diese frohe Nachricht überbringen?“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Du kannst es ihm mitteilen.“ Darauf stellte sich Umm Salama an die Tür ihres Zimmers und sagte: „O Lubaba, frohe Botschaft! Dir ist vergeben worden.“ Es sei angemerkt, dass zu jener Zeit der Vers über den Schleier noch nicht offenbart worden war.
Danach eilten die Muslime zu ihm, um ihn loszubinden. Doch Abu Lubaba sagte: „Ich werde mich nicht selbst losbinden, solange der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, mich nicht eigenhändig losbindet.“ Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, davon erfuhr, löste er seine Fesseln, als er zum Morgengebet ging.
Ibn Hischam sagte: Abu Lubaba war sechs Tage lang an die Säule gebunden. Zu jeder Gebetszeit kam seine Frau, löste seine Fesseln zum Gebet und band ihn danach wieder an der Säule fest.
Am nächsten Morgen erklärte sich Banu Quraiza bereit, sich dem Urteil des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu unterwerfen. Als die Menschen des Stammes Aws davon hörten, eilten sie zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Sie sagten: „O Gesandter Allahs, Banu Quraiza sind unsere Verbündeten. Im Kampf gegen den Stamm Chazradsch stehen sie uns bei. Du weißt doch, wie du mit dem Verbündeten der Chazradsch, Banu Qainuqa, verfahren bist.“ Vor Banu Quraiza hatte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, den Stamm Banu Qainuqa belagert. Sie waren Verbündete des Stammes Chazradsch gewesen. Auch sie hatten sich dem Urteil des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, unterworfen. Als Abdullah ibn Ubayy ibn Salul um Gnade für sie bat, gewährte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ihnen Gnade. Als der Stamm Aws den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nun bat, Banu Quraiza zu verschonen, sagte er: „O Leute des Stammes Aws, wenn ich einen von euch zum Schiedsrichter bestimme, seid ihr damit einverstanden?“ Sie sagten: „Ja.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Ich bestimme Sa’d ibn Mu’adh zum Schiedsrichter.“
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, hatte Sa’d ibn Mu’adh in einem Zelt bei Rufaidah, der Ehefrau eines Muslims, in der Prophetenmoschee untergebracht. Diese Frau behandelte die Verwundeten und kümmerte sich um die leidenden Muslime. Als Sa’d in der Grabenschlacht durch einen Pfeil verwundet worden war, sagte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu den Muslimen: „Bringt Sa’d in Rufaidahs Zelt unter, damit er in meiner Nähe bleibt und ich mich nach ihm erkundigen und ihn versorgen kann.“ Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ihn zum Schiedsrichter in der Angelegenheit Banu Quraizas ernannte, brachten ihn die Männer seines Stammes auf dem Rücken eines Esels fort. Auf dem Rücken des Esels hatten sie ein Ledersitzpolster angebracht. Er war ein sehr korpulenter, stattlicher Mann. Während sie ihn zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, brachten, sagten sie zu ihm: „O Sa’d, behandle deine Verbündeten freundlich. Du wurdest zum Schiedsrichter ernannt, damit du ihnen wohlwollend begegnest.“ Als er sah, dass sie sehr eindringlich flehten und baten, sagte er: „Für Sa’d ist die Zeit gekommen, in der er in Allahs Angelegenheit auf den Tadel oder die Missbilligung niemandes Rücksicht nimmt.“ Einige von denen, die ihn zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, brachten, kehrten darauf in die Siedlung der Banu Abd al-Aschhal zurück. Da kamen einige Männer von Banu Quraiza zu ihnen. Noch bevor Sa’d sie erreichte, erfuhren sie von ihnen alles und begannen zu weinen, weil sie ihren Tod für unausweichlich hielten. (71. „Für Sa’d ist die Zeit gekommen, in der er in Allahs Angelegenheit auf den Tadel oder die Missbilligung niemandes Rücksicht nimmt.“ Als sie diese Worte Sa’ds hörten, verstanden sie, dass er möglicherweise ihr Todesurteil fällen würde. Deshalb begannen sie zu weinen, da sie bereits vor ihrem Tod einen sicheren Hinweis auf ihren bevorstehenden Tod erhalten hatten.)
Als Sa’d beim Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und bei den Muslimen eintraf, sagte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm: „Erhebt euch, um euren Anführer zu empfangen.“ Da sagten die Quraisch und die Auswanderer: „Die Anweisung des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gilt nur den Ansar.“ Die Ansar sagten: „Diese Anweisung gilt allen.“ Darauf gingen alle auf ihn zu und sagten: „O Sa’d, der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, hat dich damit beauftragt, über deine Verbündeten zu entscheiden.“ Sa’d sagte: „Wird das Urteil, das ich verkünde, als das maßgebliche Urteil anerkannt werden? Gelobt ihr alle dies bei Allah?“ Sie sagten: „Ja.“ Dann deutete er auf die Seite, auf der der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, saß, und sagte: „Sind auch diejenigen, die sich hier befinden, daran gebunden?“ Aus Ehrfurcht erwähnte Sa’d den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nicht ausdrücklich. Doch der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Ja.“ Darauf verkündete Sa’d: „Mein Urteil lautet, dass alle Männer von Banu Quraiza getötet, ihr gesamtes Vermögen verteilt und ihre Frauen und Kinder gefangen genommen werden sollen.“
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte zu Saʿd, möge Allah an ihm Wohlgefallen haben: „Dein Urteil entspricht genau dem Urteil, das Allah von oberhalb der sieben Himmel gefällt hat.“
Danach wurden alle Angehörigen der Banū Quraiẓa aus ihren Häusern herausgeführt und im Haus von Qais bint al-Hārith in Medina festgehalten. Später begab sich der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zum Markt von Medina – dorthin, wo sich der Markt von Medina noch heute befindet. Sie wurden in Gruppen herbeigebracht und in jenen Gräben getötet. Auch der Feind Allahs, Ḥuyayy ibn Akhṭab, sowie Kaʿb ibn Asad, der Stammesführer der Banū Quraiẓa, wurden getötet. Ihre Gesamtzahl betrug sechshundert oder siebenhundert. Nach Ansicht derer, die ihre Zahl höher einschätzen, lag sie zwischen achthundert und neunhundert. Als sie gruppenweise zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, geführt wurden, fragten sie den Stammesführer Kaʿb ibn Asad: „O Kaʿb, wie meinst du, wird man mit uns verfahren?“ Kaʿb sagte: „Versteht ihr denn gar nichts? Seht ihr nicht, wie gleichgültig und ungerührt derjenige ist, der sie abholt? Seht ihr nicht, dass keiner von denen, die fortgeführt werden, zurückkehrt? Bei Allah, alle werden getötet werden.“
So wurde einer nach dem anderen getötet.
Ḥuyayy ibn Akhṭab, der erbittertste Feind des Islam, wurde herbeigebracht. Er trug ein rosafarbenes Gewand. Er hatte es überall in kleine Stücke gerissen, damit man es ihm nicht wegnehmen würde. Seine beiden Hände waren mit einem Seil an seinen Nacken gebunden. Als sein Blick auf den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, fiel, sagte er: „Nie habe ich es bereut, dir feindlich gegenübergestanden zu haben. Doch wer Allah verlässt, muss zwangsläufig besiegt werden.“ Danach wandte er sich an die Anwesenden und sagte: „O Menschen, Allahs Befehl ist unabwendbar. Allah hatte für die Kinder Israels eine unabänderliche Bestimmung und ein großes Blutbad festgesetzt.“ Nach diesen Worten setzte er sich nieder, woraufhin ihm der Kopf abgeschlagen wurde.
Die Mutter der Gläubigen, ʿĀʾischa, möge Allah an ihr Wohlgefallen haben, berichtet: Von den Frauen der Banū Quraiẓa wurde außer einer einzigen keine getötet. Diese Frau unterhielt sich unbefangen mit mir und lachte ausgelassen. Und genau in diesem Augenblick wurden Angehörige ihres Stammes auf Befehl des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, getötet. Plötzlich rief ein Ausrufer laut: „Was ist mit dir geschehen?“ Sie sagte: „Ich werde getötet werden.“ Ich fragte: „Wo ist die und die Frau?“ Als sie dies hörte, sagte sie: „Hier bin ich.“ „Warum?“ Sie antwortete: „Weil ich eine Tat begangen habe.“ Danach wurde sie fortgeführt und getötet. [72. Ibn Hischām sagt: Diese Frau war es, die den Gefährten Khallād ibn Suwaid getötet hatte, indem sie einen Mühlstein nach ihm warf.]
ʿĀʾischa, möge Allah an ihr Wohlgefallen haben, pflegte zu sagen: „Ich kann diese Frau nicht vergessen. Ich staune darüber, dass sie, obwohl sie wusste, dass sie getötet werden würde, heiteren Gemüts und fröhlich war.“
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, befahl, jeden erwachsenen Mann der Banū Quraiẓa zu töten. ʿAṭiyya al-Quraẓī berichtet: „Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, befahl, jeden erwachsenen Mann zu töten. Ich war damals noch ein Jugendlicher. Als man feststellte, dass ich noch nicht erwachsen war, ließ man mich frei.“
Ayyūb ibn ʿAbd ar-Raḥmān berichtet: Salmā bint Qais, eine Tante mütterlicherseits des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – sie hatte mit ihm in Richtung beider Qiblas gebetet und am Treueid der Frauen teilgenommen –, bat den Gesandten Allahs um die Verschonung des Lebens von Rifāʿa ibn Samūʾīl al-Quraẓī. Sie sagte: „Rifāʿa hat beschlossen zu beten und Kamelfleisch zu essen.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gewährte ihre Bitte und verschonte sein Leben. Dieser Mann, Rifāʿa, war erwachsen und hatte Salmā um Schutz gebeten. Er kannte Salmās Familie bereits zuvor. Auf diese Weise rettete Salmā Rifāʿas Leben.
Danach verteilte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, das Vermögen, die Frauen und die Kinder der Banū Quraiẓa unter den Muslimen. Anschließend schickte er Saʿd ibn Zaid al-Anṣārī mit einigen Sklavinnen und Sklaven der Banū Quraiẓa nach Nadschd. Im Austausch dafür kaufte er dort für die Muslime Waffen und Pferde und brachte sie mit.
Unter den Frauen der Banū Quraiẓa wählte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Raiḥāna bint ʿAmr ibn Ḫunāfa für sich aus. Sie blieb bis zum Tod des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in seinem Besitz. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, schlug ihr vor, sie zu heiraten und sie hinter den Vorhang zu nehmen. Doch sie sagte: „O Gesandter Allahs, nimm mich lieber als Sklavin bei dir auf. Das wird für mich und für dich gleichermaßen unbeschwerter sein.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, handelte entsprechend ihren Worten. Als sie als Sklavin aufgenommen wurde, hatte sie sich zunächst entschieden gegen die Annahme des Islams gewehrt und am Judentum festhalten wollen. Deshalb hielt sich der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, von ihr fern und war betrübt. Eines Tages saß er mit den Gefährten zusammen, als er hinter sich das Geräusch von Schuhen hörte. Er sagte: „Sicherlich kommt Ṯaʿlaba ibn Saʿya, um mir die Nachricht von Raiḥānas Annahme des Islams zu überbringen.“ Tatsächlich kam Ṯaʿlaba und teilte mit, dass Raiḥāna den Islam angenommen hatte. Darüber freute er sich.
Allah, der Erhabene, hat in der edlen Sure al-Aḥzāb die Geschichte der Grabenschlacht und der Banū Quraiẓa geschildert. Er hat dargelegt, wie die Muslime geprüft wurden, welche gewaltige Gunst Er ihnen erwies und wie Er sie aus allen Gefahren errettete und ihnen in beiden Schlachten den Sieg verlieh. Zuvor jedoch hatten die Heuchler unerwünschte Äußerungen von sich gegeben. Allah sagt: „O ihr Gläubigen, gedenkt der Gunst, die Allah euch erwies, als Heerscharen über euch herfielen. Da sandte Ich gegen sie einen heftigen Sturm und Heerscharen, die ihr nicht sehen konntet. Und Allah sah, was ihr tatet. Als sie von allen Seiten über euch herfielen, als die Augen vieler vor Furcht hervortraten, die Herzen bis an die Kehlen stiegen und ihr über Allah verschiedene Gedanken hegtet, wurden die Gläubigen geprüft und heftig erschüttert. Die Heuchler und diejenigen, deren Herzen krank waren, sagten: ‚Allah und Sein Gesandter haben uns nichts als Täuschung versprochen.‘ Eine Gruppe von ihnen sagte: ‚O Bewohner Yathribs, hier ist für euch kein Verbleiben mehr; kehrt daher um.‘ Und einige ihrer Gruppen baten den Propheten um Erlaubnis und sagten: ‚Unsere Familien sind in Gefahr.‘ In Wirklichkeit waren sie nicht in Gefahr. Sie suchten nur nach einem Vorwand zur Flucht.“
Dieser Vers wurde über Aus ibn Qaiẓī und diejenigen unter seinen Gesinnungsgenossen offenbart, die ihm glichen.
„Wenn der Feind durch alle Seiten Medinas bei ihnen eingedrungen wäre und sie dazu aufgefordert worden wären, sich der Versuchung hinzugeben, also Schirk zu begehen, hätten sie es gewiss getan. Dabei hätten sie nur selten gezögert. Zuvor hatten sie Allah versprochen, nicht den Rücken zu kehren und zu fliehen. Über Allahs Versprechen wird gewiss Rechenschaft gefordert werden. (Die beiden Stämme Banū Salama und Banū Ḥāriṯa hatten nach ihrem Rückzug in der Schlacht von Uḥud versprochen, dies nie wieder zu tun. Allah erinnerte sie an dieses Versprechen, das sie aus eigenem Antrieb gegeben hatten.) O Prophet, sag: Die Flucht vor dem Tod oder dem Getötetwerden wird euch nichts nützen; ihr werdet das Leben dann nur noch kurze Zeit genießen können. Sag: Wenn Allah für euch eine Heimsuchung oder eine Gunst bestimmt, wer kann euch dann vor Allahs Entscheidung schützen? Außer Allah werdet ihr keinen Beschützer und keinen Helfer finden. Wer von euch hindert andere daran, und wer sagt zu seinen Brüdern: ‚Kommt zu uns‘? Diese Heuchler ziehen nur selten in den Kampf. (Das heißt: außer wenn Selbstschutz und das bloße Erfüllen ihrer Pflicht es erfordern.) Ihr Ziel ist nur, ihren Neid und ihre Feindschaft gegen euch zu befriedigen. Wenn der Kampf bevorsteht, wirst du sehen, wie sie dich voller Angst anblicken, wie die Augen eines Sterbenden, der das Bewusstsein verloren hat, sich aus Furcht vor dem Tod drehen. Wenn die Gefahr dann vorüber ist, kommen sie wegen ihrer Gier nach der Beute mit überschwänglichen Worten zu euch und schwingen große Reden. (Das heißt, sie sagen Dinge, die euch nicht gefallen, denn sie glauben nicht an das Jenseits und werden keinen Lohn erhalten. Deshalb fürchten sie den Tod ebenso wie diejenigen, die nicht an das Leben nach dem Tod glauben.) Sie haben nicht geglaubt, daher hat Allah ihre guten Werke zunichtegemacht. Das ist Allah ein Leichtes. Sie meinen, die Verbände (also die einfallenden Quraisch und Ġaṭafān) seien nicht abgezogen. Sollten sie erneut angreifen, würden sie in der Wüste bei den Beduinen Zuflucht suchen und von dort aus nach Nachrichten über euch fragen; und selbst wenn sie unter euch wären, würden sie nur sehr wenig am Kampf teilnehmen.“
Danach richtet Allah Seine Anrede an die Gläubigen und sagt: „Im Leben des Gesandten Allahs gibt es für euch ein vortreffliches Vorbild – für diejenigen, die an Allah und an den Jüngsten Tag glauben.“ (Das heißt: nicht für diejenigen, die beim Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, oder durch seine Stellung persönliche Vorteile zu erlangen suchen.) Anschließend erwähnt Allah die Aufrichtigkeit der Gläubigen und ihre Haltung, die von der Anerkennung und Annahme der von Allah angekündigten Prüfung geprägt ist, und sagt: „Als die Gläubigen die feindlichen Verbände sahen, sagten sie: ‚Das ist es, was Allah und Sein Gesandter uns versprochen haben; und Allah und Sein Gesandter sagen nur die Wahrheit.‘ Eine solche Situation mehrte nur ihren Glauben und ihre Hingabe.“ (Das heißt: Geduld in der Not, Ergebung in das Schicksal und die Bereitschaft, die Wahrheit anzunehmen.)
„Unter den Gläubigen gibt es Männer, die ihr Allah gegebenes Versprechen erfüllt haben. Einige von ihnen haben ihre Pflicht bereits erfüllt. (Das heißt: Sie haben ihr Werk vollendet und sind zu Allah zurückgekehrt, wie die Märtyrer von Badr und Uḥud.) Andere warten noch. (Das heißt: Sie warten auf Allahs Hilfe und darauf, das zu tun, was der Gesandte und die Gefährten getan haben; sie haben daran keinerlei Änderung vorgenommen. Das heißt: Sie hegten weder Zweifel noch Bedenken und suchten keinen anderen Weg.) Allah wird den Wahrhaftigen ihre Wahrhaftigkeit vergelten. Wenn Er will, wird Er die Heuchler bestrafen oder ihnen vergeben. Er ist ja Allvergebend und Barmherzig. Allah hat die Ungläubigen (also die Quraisch und Ġaṭafān) mit ihrem Zorn und ihrer Wut zurückgeschickt; sie haben keinerlei Gutes erlangt. Allah genügt den Gläubigen im Kampf, denn Er ist stark und allmächtig. Die Leute der Schrift, die ihnen geholfen hatten (also die Banū Quraiẓa), hat Allah aus ihren befestigten Stellungen vertrieben und Furcht in ihre Herzen geworfen. So konntet ihr einen Teil von ihnen töten und einen anderen Teil gefangen nehmen. (Das heißt: Ihr habt die Männer getötet und die Frauen und Kinder gefangen genommen.) Und Allah hat euch ihr Land, ihre Häuser, ihr Vermögen und auch ein Gebiet zum Besitz gegeben, das ihr zuvor noch nicht betreten hattet (also Ḫaibar). Allah ist wahrlich zu allem fähig.“
Nachdem die Angelegenheit der Banū Qutaiba geklärt war, verschlimmerte sich die Verletzung von Saʿd ibn Muʿāḏ plötzlich, und er starb als Märtyrer.
Hasan al-Basri (Allah erbarme sich seiner) sagte: Saʿd war ein sehr beleibter und schwerer Mann. Doch diejenigen, die seinen Leichnam trugen, empfanden ihn als ungewöhnlich leicht. Da sagten einige der Heuchler: „Saʿd war doch sehr schwer. Dennoch haben wir noch nie einen so leichten Leichnam gesehen.“ Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, dies hörte, sagte er: „Der Grund, weshalb er leicht erschien, ist, dass sich unter denen, die seinen Leichnam trugen, außer euch noch andere befanden – nämlich Engel. Bei Allah, die Engel freuten sich und jubelten, als sie Saʿds Seele empfingen. Bei seinem Tod erbebte der Thron Allahs.“
In der Grabenschlacht wurden drei Götzendiener getötet. Einer von ihnen war Munabbih ibn Uthman. Er wurde von einem Pfeil getroffen und starb, nachdem er verwundet nach Mekka gelangt war. Ein weiterer war Nawfal ibn Abdallah aus dem Stamm der Banu Machzum. Er war über den Graben gekommen, wurde gefangen genommen und getötet. Er war von einem Pfeil getroffen worden. Sein Leichnam befand sich in der Gewalt der Muslime. Die Götzendiener boten an, seinen Leichnam zu kaufen. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Wir haben weder seinen Leichnam noch seinen Gegenwert nötig.“ Daraufhin wurde ihnen sein Leichnam überlassen. Der dritte war ʿAmr ibn ʿAbd Wudd aus dem Stamm der Banu ʿAmir. ʿAli ibn Abi Talib (Allah sei mit ihm zufrieden) tötete ihn.
Bei dem Feldzug gegen die Banu Quraiza wurden mehrere Muslime zu Märtyrern. Einer von ihnen war Khallad ibn Suwaid, der getötet wurde, als man einen Mühlstein auf ihn warf. Überliefert wird, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, über ihn sagte: „Khallad wird den Lohn zweier Märtyrer erhalten.“ Der Gefährte Abu Sinan starb, während der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die Banu Quraiza belagerte. Er wurde auf dem Friedhof der Banu Quraiza beigesetzt. Als die Truppenaufstellungen auf beiden Seiten des Grabens beendet waren und die Ungläubigen den Graben verlassen hatten, sagte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm: „Danach werden die Quraisch euch niemals wieder angreifen; vielmehr werdet ihr danach sie angreifen.“
Tatsächlich erfolgte danach kein Angriff der Quraisch mehr gegen die Muslime. Vielmehr führte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Angriffe gegen sie. Schließlich gewährte Allah ihm den Sieg über Mekka.
Der Feldzug gegen die Banu Lihyan
Danach blieb der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in den Monaten Dhul-Hiddscha, Muharram, Safar, Rabi al-awwal und Rabi ath-thani in Medina. Im sechsten Monat nach dem Sieg über die Banu Quraiza, im Dschumada al-ula, brach er zum Feldzug gegen die Banu Lihyan auf. Ziel dieses Feldzugs war es, von den Bewohnern von Rajiʿ Khubaib ibn ʿAdi und seine Gefährten (Allah sei mit ihnen zufrieden) zurückzufordern. Er brach in einer Weise auf, die den Eindruck erweckte, er ziehe in Richtung Syrien. Tatsächlich beabsichtigte er jedoch, die Bewohner von Rajiʿ anzugreifen.
Nachdem er Medina verlassen hatte, zog er über den nahe bei Medina gelegenen Berg Ghurab zunächst auf der Straße nach Syrien nach Makhid und anschließend nach Batra. Dort bog er nach links ab, überquerte über die nahe bei Medina gelegene Ebene Binaʾ das Jabal-Yamama-Gebirge und zog auf der Straße nach Mekka weiter. Danach erreichte er in großer Eile Ghurān, das Siedlungsgebiet der Banu Lihyan. Ghurān ist eine Ebene zwischen Amaj und Usfan, die sich bis zu dem Gebiet namens Sāya erstreckt. Als er Ghurān erreichte, stellte er fest, dass sie rechtzeitig gewarnt worden waren und zu ihrer Sicherheit in den Bergen Stellung bezogen hatten. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, schlug in Ghurān sein Lager auf. Da sein Überraschungsangriff sein Ziel verfehlt hatte, sagte er zu seinen Gefährten: „Wenn wir in Usfan unser Lager aufschlagen, werden die Bewohner von Mekka glauben, dass wir nach Mekka ziehen.“ Danach schlug er mit zweihundert berittenen Gefährten in Usfan sein Lager auf. Anschließend entsandte er zwei Reiter. Sie gelangten bis nach Qura al-Ghumaim. Danach kehrte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, mit dem gesamten Heer nach Medina zurück.
Dschabir ibn Abdallah (Allah sei mit ihm zufrieden) berichtet, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, während der Rückkehr sagte: „So Allah will, kehren wir zurück, bereuen und preisen unseren Herrn. Ich suche Zuflucht bei Allah vor den Mühen und Beschwernissen der Reise sowie vor dem Verlust von Familie und Besitz.“
Der Feldzug von Dhu Qarad
Danach blieb der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, einige wenige Tage in Medina. Plötzlich griff Uyayna ibn Hisn al-Fazari zusammen mit einigen Reitern der Ghatfan die trächtigen, milchgebenden Kamelstuten des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, an, die sich an einem Ort namens Gaba in der Nähe von Medina aufhielten, und raubte sie. Bei diesen geraubten Kamelen befanden sich auch ein Mann aus dem Stamm Banu Ghifar und seine Frau. Sie töteten den Mann und nahmen die Kamele zusammen mit seiner Frau mit.
Als Erster erfuhr Salama ibn Amr ibn al-Akwa von diesem Überfall. Zusammen mit dem Sklaven von Talha ibn Abdallah war er mit Pfeil und Bogen bewaffnet nach Gaba gegangen. Er hatte ein Pferd bei sich. Als er an den Rand des Berges Saniyyat al-Wada gelangte, begann er laut zu schreien: „Zu Hilfe!“ Danach folgte er ihnen und eilte mit großer Geschwindigkeit voran. Er stürmte ebenso hinter ihnen her, wie ein Raubtier seiner Beute nachsetzt. Während er ihnen nachsetzte, holte er sie ein und begann, auf sie zu schießen. Bei jedem abgeschossenen Pfeil rief er: „Nehmt das! Ich bin der Sohn von al-Akwa. Heute ist der Tag, an dem die Sünder vernichtet werden.“ Sobald die Räuber ihn verfolgten, zog er sich zurück, kam aber gleich darauf wieder hervor und ging ihnen zum Kampf entgegen. So schoss er jedes Mal, wenn sich eine Gelegenheit bot, Pfeile ab und rief: „Nehmt das! Ich bin al-Akwas Sohn. Heute ist der Tag, an dem die Sünder vernichtet werden.“ Die Räuber hingegen schrien: „Der Mann ist schon am frühen Morgen so hart gegen uns geworden!“
Der Schrei Salamas drang an das Ohr des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm. Er rief laut: „Gefahr! Gefahr!“ Sofort begannen sich zahlreiche Gefährten zu Pferd bei ihm zu versammeln. Zuerst kamen Miqdad ibn Amr, dann Abbad ibn Bishr, danach nacheinander Sad ibn Zayd, Usayd ibn Zuhayr, Ukasha ibn Mihsan, Muharrid ibn Nadala, Abu Qatada al-Harith ibn Rabi und Abu Ayyash zu ihm. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, entsandte sie unter der Führung von Sad ibn Zayd und sagte: „Setzt den Räubern weiter nach. Ich werde später noch weitere Männer schicken.“ Sads Truppe nahm die Verfolgung auf und holte sie ein. Als Erster tötete Abu Qatada Habib ibn Uyayna, bedeckte ihn mit seinem eigenen Umhang und schloss sich anschließend wieder seinen Leuten an.
Nach einiger Zeit zog der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, selbst mit einer Gruppe von Muslimen weiter. Unterwegs sahen sie Habib, den Abu Qatada in einen Umhang gehüllt hatte. Die ihn begleitenden Gefährten sprachen die Worte „Wir gehören Allah und zu Ihm kehren wir zurück“ und sagten: „Was für ein Unglück! Ist Abu Qatada getötet worden?“
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagte: „Nein, das ist nicht Abu Qatada. Dieser Mann wurde von Abu Qatada getötet. Er hat ihn jedoch in seinen eigenen Umhang gehüllt, damit ihr erkennt, dass dieser Mann sein Gefährte ist.“ Ukasha ibn Mihsan ergriff zwei der Räuber, Awbar und dessen Sohn Amr, und tötete beide gemeinsam. Sie waren auf demselben Kamel unterwegs. Auch einige der geraubten Kamele wurden zurückgewonnen. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, schlug in der Nähe des Berges von Dhu Qarad sein Lager auf. Danach verbrachten die übrigen Muslime die Zeit bei ihm. Salama ibn al-Akwa sagte: „O Gesandter Allahs, wenn du mich mit hundert Männern entsendest, kann ich die übrigen Kamele zurückholen und die Räuber gefangen nehmen.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagte: „Sie nehmen jetzt bei den Leuten von Ghatfan ihr Abendessen ein.“
Danach verteilte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, unter seinen Gefährten auf jeweils hundert Männer ein Kamel, und sie verbrachten den Tag damit, es zu essen. Dann kehrte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, mit seinen Gefährten nach Medina zurück.
Die Frau des Ghifari kam auf einem Kamel zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, und berichtete ihm vom Tod ihres Mannes. Dann sagte sie: „O Gesandter Allahs, ich habe gelobt, dass ich dieses Kamel im Namen Allahs schlachten werde, wenn ich auf seinem Rücken reitend aus der Gefahr gerettet werde.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, lächelte leicht und sagte: „Du wolltest dem Kamel einen sehr schlechten Lohn geben. Allah hat dich auf seinem Rücken aus der Gefahr gerettet, und nun willst du es schlachten! Für einen Ungehorsam gegenüber Allah gilt kein Gelübde. Mit etwas, dessen Eigentümer du nicht bist, kann man kein Gelübde erfüllen. Dieses Kamel gehört mir. Kehre zu deiner Familie zurück. Allah wird darin Gutes für dich schaffen.“
Der Feldzug gegen die Banū al-Mustaliq
Der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, verbrachte den restlichen Dschumādā ath-Thāniya und den Monat Radschab in Medina. Danach führte er im Schaʿbān des 6. Jahres nach der Hidschra einen Feldzug gegen den Zweig Banū al-Mustaliq des Stammes Chuzāʿa.
Eines Tages erfuhr der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, dass der Stamm Banū al-Mustaliq seine Truppen versammelte. An ihrer Spitze stand al-Hārith ibn Abū Dirār, der Vater von Dschuwairiya, einer der Ehefrauen des Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden. Sobald er diese Nachricht erhielt, zog der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, mit seinen Truppen gegen sie aus. Am Rand der Quelle al-Muraisi kam es zu einer heftigen Schlacht. Allah besiegte die Banū al-Mustaliq. Viele von ihnen wurden getötet. Der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, erklärte ihre Kinder, Frauen und ihr Eigentum zur Kriegsbeute.
Dabei wurde ein Muslim namens Hischām ibn Subāba aus dem Stamm Banū Kalb ibn ʿAuf getötet. Ein ansārischer Gefährte aus der Gruppe von ʿUbāda ibn as-Sāmit (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) tötete ihn versehentlich, weil er ihn für einen Angehörigen der feindlichen Seite hielt.
Während sie sich an der Quelle aufhielten, ereignete sich unter den Muslimen ein bedauerlicher Vorfall. ʿUmar ibn al-Chattāb (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) stellte einen Mann aus den Banū Ghifār namens Dschahdschāh ibn Masʿūd als Lohnarbeiter für die Versorgung seines Pferdes ein. Wegen des Wassers geriet er mit Sinān ibn Wabr al-Dschuhanī in Streit, und allmählich entwickelte sich der Streit zu einer Schlägerei. Da rief al-Dschuhanī laut: „O ihr Ansār, helft!“ Auch Dschahdschāh rief: „O ihr Muhādschirūn, helft mir!“ ʿAbdullāh ibn Ubayy ibn Salūl hielt sich damals mit einer Gruppe Angehöriger seines Stammes dort auf. Auch der junge Zaid ibn Arqam gehörte zu dieser Gruppe. Als ʿAbdullāh ibn Ubayy den Ruf hörte, geriet er in Aufregung und sagte: „Haben sie am Ende wirklich so etwas getan? Sie sind unter uns geblieben, haben ihre Reihen verstärkt und sich der Überheblichkeit hingegeben. Ich sehe, dass unsere Lage und die der Muhādschirūn sich wie jenes Sprichwort entwickelt: ‚Füttere deinen eigenen Hund und mäste ihn, dann wird er dich eines Tages beißen und auffressen.‘ Bei Allah, wenn wir jetzt nach Medina zurückkehren, werden die Starken die Schwachen von dort vertreiben.“ Dann sagte er zu seinen Stammesangehörigen: „Seht nur, was ihr euch selbst eingebrockt habt. Ihr habt ihnen in diesem Land Unterkunft gewährt und ihnen einen Anteil an eurem Besitz gegeben. Wenn ihr ihnen nicht eine solche Großzügigkeit erwiesen hättet, wären sie gezwungen gewesen, anderswohin zu gehen.“
Zaid ibn Arqam hörte all diese Worte und berichtete sie dem Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden. Dieser hatte gerade erst den Feind besiegt und erleichtert aufgeatmet. Als er diese Nachricht erhielt, war ʿUmar ibn al-Chattāb (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) bei ihm. Er sagte: „Befiehl ʿAbbād ibn Bischar, ihn ins Haus des Todes zu schicken.“ Der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, sagte: „O ʿUmar, wenn ich das täte, würden die Leute sagen, dass Muhammad seine eigenen Gefährten tötet. Das geht nicht. Doch gib jetzt sofort den Befehl, von hier aufzubrechen.“ Zu dieser Zeit pflegte der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, gewöhnlich nicht irgendwo aufzubrechen. Trotzdem brachen alle auf.
Als ʿAbdullāh ibn Ubayy ibn Salūl erfuhr, dass Zaid ibn Arqam dem Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, seine Worte berichtet hatte, eilte er zum Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden und begann unter Eid zu behaupten: „Ich habe nicht gesagt, was Zaid berichtet hat.“ Da ʿAbdullāh ibn Ubayy bei seinem Stamm als sehr angesehener Mann galt, sagten die ansārischen Gefährten, die beim Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, waren: „O Gesandter Allahs, vielleicht hat Zaid sich verhört und konnte sich vielleicht nicht vollständig an das erinnern, was er berichtet hat.“ Auf diese Weise erwiesen sie ʿAbdullāh ibn Ubayy eine gewisse Höflichkeit und bewahrten ihn vor Konsequenzen.
Der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, brach auf, und Usayd ibn Hudayr begegnete ihm. Nachdem er ihn begrüßt hatte, sagte er: „O Gesandter Allahs, du bist zu einer äußerst ungünstigen Zeit aufgebrochen. Gewöhnlich brichst du zu einer solchen Zeit nirgendwohin auf.“ Der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, sagte: „Hast du nicht gehört, was euer Gefährte gesagt hat?“ Er fragte: „Welcher Gefährte?“ Der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, sagte: „ʿAbdullāh ibn Ubayy.“ Usayd fragte: „Was hat er gesagt?“ Der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, sagte: „Er meint, wenn er nach Medina zurückkehren könne, würden die Starken die Schwachen von dort vertreiben.“ Usayd sagte: „O Gesandter Allahs, wenn du willst, können wir ihn vertreiben. Wahrlich, er ist äußerst verachtenswert und niederträchtig, während du mächtig bist.“ Er fügte hinzu: „O Gesandter Allahs, sei ihm gegenüber ein wenig nachsichtig. Bei Allah, Allah hat dich zu einer Zeit zu uns gesandt, als sein Stamm gerade dabei war, ihn zu krönen. Deshalb meint er, dass du ihm ein Königreich entrissen hast.“
Danach marschierte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, mit seinen Gefährten einen Tag und eine Nacht lang. Unterwegs litten sie in der glühenden Sonne unerträglich. Daher legten sie an einem Ort eine Rast ein. Kaum waren die Leute abgestiegen, schliefen alle ein. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, war zu dieser ungewöhnlichen Zeit aufgebrochen, um die Aufmerksamkeit von der möglichen negativen Reaktion abzulenken, die am Vortag durch die Worte ʿAbdullah ibn Ubayy unter den Leuten entstanden war. Nach der Rast setzte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, seine Reise mit allen Gefährten wieder fort. Auf der Reise durch den Hedschas legte er an einer Quelle eine Rast ein. Dieser Ort hieß Baqʿā. Als sie von dort wieder aufbrachen, wehte plötzlich ein quälender, Furcht einflößender Wind über die Muslime hinweg. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Fürchtet diesen Wind nicht. Ein sehr großer Ungläubiger ist gestorben. Deshalb weht dieser Wind.“ Als sie nach Medina zurückkehrten, stellten sie fest, dass an jenem Tag Rifaʿa ibn Zayd, ein einflussreicher Mann aus dem Stamm Banū Qaynuqāʿ, gestorben war. Er war der Zufluchtsort und zugleich der Verführer der Heuchler.
Die Sure al-Munāfiqūn des edlen Korans handelt von ʿAbdullah ibn Ubayy und Leuten wie ihm. Zayd ibn Arqam legte seine Hand an dessen Ohr und sagte: „Dieser Mann hat durch sein Ohr Allahs Versprechen erfüllt.“ Als ʿAbdullah, der Sohn ʿAbdullah ibn Ubayys, von der Angelegenheit seines Vaters erfuhr, sagte er zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm: „O Gesandter Allahs, ich habe gehört, dass du beabsichtigst, ʿAbdullah ibn Ubayy wegen seiner feindseligen Äußerungen zu töten. Wenn du dies wirklich beabsichtigst, dann befiehl mir, seinen Kopf zu dir zu bringen. Bei Allah, der Stamm der Chazradsch weiß, dass es in diesem Stamm keinen gibt, der seinem Vater gegenüber pflichtgetreuer ist als ich. Ich fürchte, dass du jemandem befehlen wirst, meinen Vater zu töten. Wenn er ihn dann tötet und ich den Mörder meines Vaters öffentlich umhergehen sehe, könnte meine Triebseele mich aufhetzen und mich unbeherrscht machen. Dann wäre ich gezwungen, ihn zu töten und in die Hölle zu gehen. Denn in diesem Fall wäre ich schuldig, einen Gläubigen als Vergeltung für einen Ungläubigen getötet zu haben.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Nein, solange er bei uns bleibt, werden wir ihm gegenüber nachsichtig sein und ihn gut behandeln.“
Seitdem ʿAbdullah ibn Ubayy irgendeine Ungeheuerlichkeit beging, maßregelten ihn die Leute seines eigenen Stammes. Sie tadelten und beschimpften ihn und ergriffen ihn. Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, von dieser Lage wusste, sagte er eines Tages zu ʿUmar ibn al-Chattāb (Allah sei mit ihm zufrieden): „O ʿUmar, siehst du, wie sich die Lage verändert hat? Wenn wir ʿAbdullah ibn Ubayy an dem Tag getötet hätten, an dem du empfohlen hattest, ihn zu töten, hätten viele Leute die Nase gerümpft. Wenn ich aber heute seine Tötung anordnen würde, wären es gerade diejenigen, die damals die Nase gerümpft hätten, die ihn heute töten würden.“ ʿUmar (Allah sei mit ihm zufrieden) sagte: „Bei Allah, ich weiß, dass die Entscheidung des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, segensreicher ist als meine Entscheidung.“
Der Muslim, den ʿUbayda ibn as-Sāmit (Allah sei mit ihm zufrieden) irrtümlich getötet hatte, weil er ihn für einen Mann des Feindes hielt, war Hischām ibn Subābas Bruder Miqjās ibn Subāba. Eines Tages kam Miqjās aus Mekka, traf sich mit dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und forderte für die Tötung seines Bruders das Blutgeld. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, veranlasste die Zahlung des Blutgeldes. Miqjās hatte behauptet, Muslim zu sein. Nachdem er das Blutgeld erhalten hatte, blieb er einige Tage beim Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Eines Tages tötete er dann den Mörder seines Bruders, sagte sich vom Islam los und ging nach Mekka.
An jenem Tag wurden viele Angehörige der Banū Mustaliq getötet. [73. Ibn Hischām sagt: Der Schlachtruf der Muslime im Kampf gegen die Banū Mustaliq lautete: „O Unterstützter, töte, töte!“] ʿAlī ibn Abī Tālib (Allah sei mit ihm zufrieden) tötete zwei Männer der Banū Mustaliq, darunter Mālik und dessen Sohn. ʿAbd ar-Rahmān ibn ʿAwf tötete den Reiter Ahmar beziehungsweise Uḥaymir.
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nahm an jenem Tag viele Menschen als Kriegsgefangene. Er verteilte sie unter den Muslimen als Sklaven und Sklavinnen. Unter diesen Kriegsgefangenen war auch Juwayriya, die Tochter von al-Hārith ibn Abī Dirār, dem Stammesoberhaupt der Banū Mustaliq. Sie erlangte später den Rang einer Ehefrau des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm.
ʿĀʾischa, Allahs Wohlgefallen sei auf ihr, berichtet: Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die Kriegsgefangenen der Banū Mustaliq verteilte, fiel Juwayriya bint al-Hārith dem Anteil von Thābit ibn Qays oder dem eines Sohnes seines Onkels zu. Juwayriya bemühte sich sofort darum, sich durch Zahlung ihres Lösegeldes freizukaufen. Sie war ein äußerst anmutiges und liebliches Mädchen.
Jeder, der sie sah, war von ihr bezaubert. Juwayriya kam zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und bat ihn um Hilfe bei ihrer Freilassung. Als ich sie an der Tür meines Hauses stehen sah, empfand ich Abneigung gegen sie. Ich erkannte, dass ihre bezaubernde Schönheit, die ich sah, dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gewiss nicht entgehen würde. Danach traf sie den Gesandten Allahs und sagte: „O Gesandter Allahs, ich bin die Tochter von al-Hārith ibn Abī Dirār. Mein Vater ist das Oberhaupt des Stammes. Du weißt, in welche Not ich geraten bin. Ich bin dem Anteil von Thābit ibn Qays – oder dem seines Cousins – zugefallen. Ich bitte dich um Hilfe bei der Zahlung meines Lösegeldes.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Was wäre, wenn ich dir etwas Besseres ermöglichen würde?“ Sie sagte: „O Gesandter Allahs, was wäre das?“ Er sagte: „Ich werde dein Lösegeld für dich bezahlen und dich heiraten.“ Juwayriya sagte: „O Gesandter Allahs, ich bin damit einverstanden.“ Da sagte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm: „Dann habe ich es getan.“ Als die Muslime erfuhren, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Juwayriya geheiratet hatte, betrachteten sie alle Angehörigen der Banū Mustaliq, die sich in ihrer Gefangenschaft befanden, als Verwandte des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und ließen sie frei. Auf diese Weise wurden hundert Gefangene der Banū Mustaliq allein aufgrund der Heirat Juwayriyas mit dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, freigelassen. Wahrlich, ich kenne keine Frau, die für ihr eigenes Volk segensreicher gewesen wäre als Juwayriya.
Yazīd ibn Rumān berichtet: Nachdem der Stamm Banū al-Mustaliq den Islam angenommen hatte, entsandte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, al-Walīd ibn ʿUqba ibn Abī Muʿayt zu ihnen. Als die Reiter des Stammes von seiner Ankunft erfuhren, eilten viele von ihnen herbei, um ihn zu empfangen. Als al-Walīd dies sah, bekam er jedoch Angst, kehrte zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zurück und sagte, die Stammesangehörigen hätten versucht, ihn zu töten, und hätten ihn daran gehindert, die von ihnen geschuldete Zakāt zu bringen. Daraufhin begannen die Muslime nachdrücklich darauf zu drängen, Banū al-Mustaliq anzugreifen. Deshalb beschloss der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, den Angriff durchzuführen. Genau zu diesem Zeitpunkt kam eine Delegation von Banū al-Mustaliq zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und sagte: „O Gesandter Allahs, als wir hörten, dass du einen Gesandten zu uns geschickt hattest, wollten wir ihn empfangen und die von uns geschuldete Zakāt entrichten. Doch er kehrte eilends zurück. Später hörten wir, dass er dir gesagt habe, wir hätten versucht, ihn zu töten. Bei Allah, deswegen sind wir nicht gekommen.“ Über dieses Ereignis offenbarte Allah die folgenden beiden Verse aus der Sura al-Hudschurāt.
„O ihr Gläubigen, wenn ein Frevler zu euch eine Nachricht bringt, dann prüft sie genau, damit ihr nicht unwissentlich gegen eine Gruppe vorgeht und danach eure Tat bereut. Und wisst, dass sich unter euch der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, befindet. Wenn er euch in vielen Angelegenheiten folgen würde, wie ihr es wollt, würdet ihr gewiss in Bedrängnis geraten. …………“
Auf dieser Reise war auch ʿĀ’ischa, möge Allah mit ihr zufrieden sein, beim Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Als er mit ihr zurückkehrte und in die Nähe von Medina kam, erhob eine Gruppe von Muslimen eine Verleumdung gegen ʿĀ’ischa, möge Allah mit ihr zufrieden sein.
Der Verleumdungsvorwurf während des Feldzugs gegen Banū al-Mustaliq im 6. Jahr der Hidschra
ʿĀ’ischa, möge Allah mit ihr zufrieden sein, berichtet: Wann immer der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, auf eine Reise ging, loste er aus, welche seiner Ehefrauen ihn begleiten sollte. Diejenige, deren Name gezogen wurde, nahm er mit. Auch während des Feldzugs gegen Banū al-Mustaliq loste er wie gewohnt aus, und mein Name wurde gezogen. Deshalb nahm er mich mit.
Damals war es unter den Frauen üblich, nur wenig zu essen. Daher nahm das Fleisch des Körpers nicht zu und sie wurden nicht schwerer. Wenn auf einer Reise mein Kamel für den Aufbruch bereitgemacht worden war, setzte ich mich in die Sänfte. Die Leute kamen, hoben die Sänfte an, setzten sie auf den Rücken des Kamels und banden sie mit Seilen daran fest. Danach brach man auf.
Nach dem Feldzug gegen Banū al-Mustaliq verbrachte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, auf der Rückreise, als er in die Nähe von Medina kam, eine Nacht an einem Ort. Als anschließend der Aufbruch angekündigt wurde, setzte sich die ganze Karawane in Bewegung. Zu dieser Zeit war ich hinausgegangen, um meine Notdurft zu verrichten. Um meinen Hals trug ich eine Jemenitische Perlenkette. Als ich danach zurückkehrte, bemerkte ich, dass die Kette nicht mehr an meinem Hals war. Ich hatte überhaupt nicht bemerkt, wann sie abgefallen war. Daher verließ ich die Karawane erneut und kehrte zu dem Ort zurück, an dem ich meine Notdurft verrichtet hatte, um sie zu suchen. Inzwischen bereitete die Karawane ihren Aufbruch vor. Ich fand die Kette. Diejenigen, die meine Kamel-Sänfte hoben, kamen zu meinem Kamel und hoben die Sänfte wie gewöhnlich an. Bis dahin waren sie mit den Vorbereitungen für die Reise fertig. Als sie die Sänfte anhoben, dachten sie, ich befände mich wie üblich darin. Deshalb hoben sie sie an, banden sie am Kamel fest und hegten keinerlei Zweifel hinsichtlich meines Aufenthalts in der Sänfte. Dann trieben sie das Kamel an und zogen weiter. Als ich die Kette aufgehoben hatte und zum Rastplatz der Karawane zurückkehrte, war das Feld leer. Niemand war dort. Die gesamte Karawane war aufgebrochen. Da mir nichts anderes übrig blieb, hüllte ich mich in mein Tuch und legte mich an derselben Stelle nieder. Ich dachte, sobald sie mein Fehlen bemerkten, würden sie gewiss zurückkehren, um nach mir zu suchen. Während ich noch dort lag, sah ich Safwān ibn al-Muʿattal as-Sulamī an mir vorbeigehen. Auch er war aus irgendeinem Grund von der Karawane getrennt worden und hatte nicht mit ihr übernachtet. Als er mich aus der Ferne sah, kam er auf mich zu und blieb vor mir stehen. Er hatte mich vor der Offenbarung des Gebots zur Verhüllung gesehen. Kaum erblickte er mich, rief er: „Wir gehören Allah, und zu Ihm kehren wir zurück. Das ist ja die Ehefrau des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm.“ Ich war noch in mein Tuch gehüllt. Er sagte: „Möge Allah sich deiner erbarmen. Wie bist du zurückgeblieben?“ Ich sprach kein Wort mit ihm. Danach ließ er das Kamel näherkommen und sagte: „Steig auf.“ Er trat ein wenig zurück. Ich bestieg das Kamel, und er führte es am Kopf rasch zur Karawane. So wurde es Morgen. Die Leute ruhten an einem Ort. Da kam er mit mir auf dem Kamel angeritten und traf dort ein. Als die Verleumder diesen Anblick sahen, verbreiteten sie ihre Verleumdung. Unter den Muslimen entstand deswegen große Unruhe und Aufregung. Ich jedoch erfuhr von alledem nichts. Kaum war ich in Medina angekommen, wurde ich schwer krank. Noch wusste ich nichts von dem Geschehen. Allmählich gelangte die Angelegenheit auch an die Ohren des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sowie meiner Eltern. Doch auch sie erfuhren nicht das Geringste von mir darüber. Allerdings bemerkte ich eine gewisse Ungewöhnlichkeit im Verhalten des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Seine frühere freundliche Behandlung mir gegenüber ließ nach. Wenn ich früher krank gewesen war, hatte er mich liebevoll umsorgt. Doch während dieser Krankheit tat er das nicht. Das gefiel mir überhaupt nicht. Meine Mutter war bei mir, um mich zu pflegen. In ihrer Gegenwart kam er zu mir und sagte nur: „Wie geht es dir?“ Mehr als dieses eine Wort sagte er nicht. Das bereitete mir großen Kummer. Eines Tages sagte ich angesichts seines kühlen und herzlosen Verhaltens zu ihm: „O Gesandter Allahs, wenn du es erlaubst, möchte ich zu meiner Mutter gehen. Sie wird mich pflegen.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, erlaubte es mir und sagte: „Du kannst gehen, es gibt kein Hindernis.“
Ich ging zu meiner Mutter. Noch wusste ich überhaupt nichts von dem Gerücht. Nachdem ich mehr als zwanzig Tage krank gewesen war, wurde ich völlig abgemagert und entkräftet.
Wir waren Araber. Anders als die Nichtaraber bauten wir in unseren Häusern keine Toiletten. Das empfanden wir als unangenehm. Wir Frauen gingen in tiefster Nacht auf freies Feld, um unsere Notdurft zu verrichten. Eines Nachts ging ich gemeinsam mit Umm Mistah, der Tochter von Abu Ruhm, dem Sohn von Abd al-Muttalib, hinaus, um unsere Notdurft zu verrichten. Während diese Frau neben mir ging, verfing sich ihr Fuß plötzlich in ihrem Umhang, sodass sie stolperte, und sogleich rief sie: „Möge Mistah zugrunde gehen!“ Ich sagte: „Pfui! Pfui! Wie kannst du so etwas über einen Auswanderer sagen, der an der Schlacht von Badr teilgenommen hat?“ Sie sagte: „O Tochter Abu Bakrs, hast du denn nichts über ihn gehört?“ Ich fragte: „Worum geht es?“ Da erzählte sie mir von dem verbreiteten Verleumdungsgerücht. Ich fragte: „Hat sich auch Mistah an diesem Gerücht beteiligt?“ Sie sagte: „Ja, bei Allah, das hat er.“
Aischa sagte: Nachdem ich dies gehört hatte, konnte ich meine Notdurft nicht mehr verrichten. Ich kehrte nach Hause zurück und begann zu weinen. Durch das heftige Weinen war es, als würde mein Herz zerreißen. Ich sagte zu meiner Mutter: „Möge Allah dir vergeben! Die Leute haben bereits alles gesagt, was sie sagen wollten. Aber warum hast du mir nicht einmal das Geringste davon erzählt? Worum geht es?“ Meine Mutter sagte: „Meine Tochter, nimm die Sache nicht so schwer. Wenn eine Frau schön ist, ihr Mann sie sehr liebt und sie zudem eine Nebenfrau hat, dann nehmen alle – Männer wie Frauen – Anstoß an ihr und verbreiten unzählige Gerüchte über sie.“
Eines Tages hielt der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) inzwischen vor einer Versammlung von Muslimen eine Ansprache. Auch davon wusste ich nichts. Zu Beginn der Ansprache pries er Allah. Dann sagte er: „O ihr Menschen! Einige Leute schmähen meine Familie und verbreiten Unwahres über sie, obwohl ich über meine Familie nichts als Gutes weiß. Auch über einen Mann wird Verleumdung verbreitet, von dem ich ebenfalls nur Gutes denke. In meiner Abwesenheit betritt er niemals mein Haus.“
Aischa sagte: Der Hauptverantwortliche und Drahtzieher hinter dieser Verleumdung war Abdallah ibn Ubayy ibn Sālūl. Einige Angehörige des Stammes Chazradsch unterstützten ihn ebenfalls. Was Mistah und Hamna bint Dschahsch, die Schwester von Zainab bint Dschahsch, der Mutter der Gläubigen, gesagt hatten, baute diese Gruppe von Heuchlern noch weiter aus. Hamnas Schwester Zainab bint Dschahsch war eine der Ehefrauen des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Unter seinen Ehefrauen behandelte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) nur Zainab als mir ebenbürtig. Dennoch sagte Zainab kein einziges schlechtes Wort über mich. Allah hatte sie auf der höchsten Stufe der Wahrhaftigkeit bewahrt. Lediglich Hamna bint Dschahsch beteiligte sich an der Verleumdung. Sie stritt sogar zu Gunsten ihrer Schwester mit mir. Ihr Verhalten war mir äußerst unangenehm.
Nachdem der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) diese Ansprache gehalten hatte, sagte Usaid ibn Hudair: „O Gesandter Allahs, wenn die Verleumder zum Stamm der Aus gehören, werden wir mit ihnen schon fertig. Und wenn sie zum Stamm der Chazradsch gehören, dann gib uns den Befehl, den du uns geben möchtest. Bei Allah, solche Leute verdienen es, getötet zu werden.“ Saʿd ibn ʿUbāda, den man für einen guten Mann hielt, sagte darauf: „Das ist eine Lüge! Wir werden sie nicht töten. Sie gehören zum Stamm der Chazradsch, deshalb sagst du das. Würden sie deinem Stamm angehören, würdest du so etwas nicht sagen.“ Usaid sagte: „Du lügst! In Wahrheit bist du ein Heuchler und ergreifst deshalb Partei für die Heuchler.“
Aischa (Allahs Wohlgefallen auf ihr) sagte: Danach entbrannte zwischen den beiden Parteien ein heftiger Streit. Es bestand sogar die Gefahr, dass zwischen den beiden Stämmen Aus und Chazradsch ein Krieg ausbrechen würde. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) stieg von der Kanzel herab, rief Ali und Usama ibn Zaid (Allahs Wohlgefallen auf ihnen beiden) zu sich und beriet sich mit ihnen. Usama lobte mich überschwänglich. Dann sagte er: „O Gesandter Allahs, sie ist deine Ehefrau. Ich weiß über sie nichts als Gutes. Dies ist eine Lüge und eine haltlose Verleumdung.“ Ali (Allahs Wohlgefallen auf ihm) sagte: „O Gesandter Allahs, es gibt keinen Mangel an Frauen. Wenn du möchtest, kannst du dich von einer Ehefrau trennen und eine andere heiraten. Befrage jedoch die Dienerin; sie kann dir die Wahrheit sagen.“ Daraufhin ließ der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) Barira, Aischas Dienerin, zu sich rufen, um sie zu befragen. Als sie kam, schlug Ali (Allahs Wohlgefallen auf ihm) sie heftig und sagte: „Sag dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) die Wahrheit.“ Barira sagte: „Bei Allah, ich kenne Aischa als eine keusche Frau. Ich habe an ihr keinerlei Fehler gesehen. Das Einzige, was ich festgestellt habe, ist Folgendes: Ich mahle Weizen zu Mehl und bitte Aischa, darauf aufzupassen. Doch manchmal vergisst sie das Mehl und schläft ein, woraufhin die Ziege kommt und es auffrisst.“
Aischa (Allahs Wohlgefallen auf ihr) sagte: Danach kam der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu mir. Meine Eltern saßen gerade bei mir, und auch eine Frau aus den Ansar saß bei mir. Ich weinte, und diese Frau weinte mit mir. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) setzte sich zu mir, pries Allah und sprach Seine Eigenschaften. Dann sagte er: „O Aischa, wenn du tatsächlich etwas von der Art getan hast, was die Leute behaupten, dann bereue es vor Allah. Allah nimmt die Reue Seiner Diener an.“
Als der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) diese Worte gesprochen hatte, versiegten meine Tränen. Es war, als würde ich seine Gegenwart überhaupt nicht mehr wahrnehmen. Ich hoffte, dass meine Eltern ihm an meiner Stelle antworten würden. Doch sie sagten kein Wort. Bei Allah, ich hätte niemals gedacht, dass ich so angesehen sein könnte, dass Allah meinetwegen einen Koranvers herabsenden würde, der in allen Moscheen rezitiert und im Gebet gelesen werden sollte. Ich hatte lediglich gehofft, dass dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) im Traum etwas gezeigt würde, wodurch Allah die gegen mich erhobene Verleumdung widerlegen würde. Denn Allah wusste ja, dass ich unschuldig war. Wenn schon kein Traum, dann würde Allah ihm vielleicht auf gewöhnliche Weise eine Nachricht zukommen lassen. Doch dass eine Offenbarung, die in den Koran eingehen würde, in meiner Angelegenheit herabgesandt werden könnte – bei Allah, für so angesehen hielt ich mich niemals.
Als ich sah, dass meine Eltern keine Antwort gaben, sagte ich zu ihnen: „Habt ihr dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Heil seien auf ihm, denn keine Antwort gegeben?“ Sie sagten: „Bei Allah, wir finden nichts, was einer Antwort würdig wäre.“ Tatsächlich weiß ich von keiner Familie, die jemals eine so große Krise durchgemacht hätte wie die Familie Abu Bakrs (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) in jenen Tagen.
Als ich sah, dass meine Eltern in Bezug auf mich schwiegen, füllte sich mein Gesicht erneut mit Tränen, und ich begann zu weinen. Ich sagte: „Bei Allah! Wegen der Sünde, von der du sprichst, werde ich niemals Reue zeigen. Ich weiß: Wenn ich anerkenne, was die Leute verbreiten, würde ich etwas anerkennen, das ich überhaupt nicht begangen habe. Allah selbst ist Zeuge, dass ich in dieser Angelegenheit völlig unschuldig bin. Und wenn ich es leugne, werdet ihr mir nicht glauben.“ ʿĀʾischa berichtet: Danach versuchte ich, mich an den Namen Yaʿqūbs, Allahs Segen sei auf ihm, zu erinnern, doch es gelang mir nicht. Da sagte ich: „Ich werde nur wiederholen, was der Vater Yūsufs gesagt hat: ‚Geduld zu üben ist der schönste Weg.‘ Allah allein ist meine Hilfe in Bezug auf das, was ihr behauptet.“ Kaum hatte ich dies gesagt, zeigten sich beim Gesandten Allahs, Allahs Segen und Heil seien auf ihm, die Anzeichen der Offenbarung. Er wurde mit einem Tuch bedeckt, und man legte ein Kissen unter seinen Kopf. Beim Anblick dessen blieb ich völlig gelassen, unbesorgt und furchtlos. Ich wusste, dass ich unschuldig war. Allah kann mir kein Unrecht zufügen. Meine Eltern hingegen waren derart erschüttert, als würden ihre Seelen jeden Augenblick ihren Körper verlassen. Aus Angst, die durch die Offenbarung verbreitete Verleumdung könnte als wahr bestätigt werden, befanden sie sich in einem erbärmlichen Zustand.
ʿĀʾischa (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) berichtet: Nach einer Weile setzte sich der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Heil seien auf ihm, wieder auf, nachdem er sich beruhigt hatte. Selbst an jenem äußerst kalten Tag rann ihm der Schweiß wie Perlen vom Körper. Während er sich den Schweiß von der Stirn wischte, sagte er: „ʿĀʾischa, frohe Botschaft für dich! Allah hat dir durch eine Offenbarung deine Unschuld bescheinigt.“ Ich sagte: „Lob und Dank gebühren Allah.“
Danach ging der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Heil seien auf ihm, hinaus, hielt eine Ansprache an die muslimische Bevölkerung und trug ihnen die Koranverse vor, die diesbezüglich offenbart worden waren. Anschließend ließ er an Mistah ibn Uthāma, Hassan ibn Thābit und Hamna bint Dschahsch die Strafe für die Verleumdung vollziehen, weil sie zu den maßgeblichen Verbreitern dieser Verleumdung gehört hatten.
Ibn Ishaq berichtet unter Berufung auf einige Angehörige der Banū Nadschdschār:
Umm Ayyūb, die Ehefrau von Abū Ayyūb Chālid ibn Zayd, sagte zu ihm: „Hast du gehört, was über ʿĀʾischa verbreitet wird?“ Abū Ayyūb sagte: „Ja, ich habe es gehört. Das ist eine Lüge. Umm Ayyūb, könntest du so etwas tun?“ Umm Ayyūb sagte: „Niemals.“ Abū Ayyūb sagte: „Bei Allah, ʿĀʾischa ist zweifellos besser als du.“
ʿĀʾischa berichtet: Einige der Koranverse, die über jene offenbart wurden, die diese Verleumdung verbreiteten, lauten: „Diejenigen, die diese Lüge vorgebracht haben, sind eine Gruppe aus eurer Mitte. Haltet dieses Ereignis nicht für schlecht für euch; vielmehr ist es gut für euch. Jeder aus dieser Gruppe wird den Anteil an Sünde tragen, den er begangen hat. Und für denjenigen unter ihnen, der den größten Anteil daran übernommen hat, ist eine gewaltige Strafe bestimmt.“ (Dieser Vers bezieht sich auf Hassan ibn Thābit und seine Gefährten, die an der Verbreitung der Verleumdung beteiligt waren.) „Warum dachten die gläubigen Männer und Frauen, als sie davon hörten, nicht Gutes über ihre eigenen Leute? (Das heißt: wie Abū Ayyūb und seine Ehefrau.) Als ihr die Sache von Mund zu Mund weitergabt und verbreitetet, wovon ihr kein Wissen hattet, und sie für eine geringfügige Angelegenheit hieltet, während sie bei Allah eine gewaltige Angelegenheit war.“
Nachdem diese Verse über ʿĀʾischa (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) und diejenigen offenbart worden waren, die die Verleumdung gegen sie verbreitet hatten, sagte Abū Bakr (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm): „Bei Allah, ich werde Mistahs Unterhalt nicht länger bestreiten und ihm nicht mehr im Geringsten helfen, nachdem er eine derart abscheuliche Verleumdung gegen ʿĀʾischa verbreitet hat.“ Es sei erwähnt, dass Mistah ein armer Verwandter von ihm war und er für dessen Unterhalt aufgekommen war.
Über dieses Gelübde Abu Bakrs wurde offenbart: „Diejenigen unter euch, die über Wohlstand verfügen und großzügig sind, sollen nicht schwören, ihren Verwandten, den Bedürftigen und denjenigen, die auf Allahs Weg ausgewandert sind, keine Wohltätigkeit mehr zu erweisen. Sie sollen vielmehr vergeben und Nachsicht üben. Wollt ihr nicht, dass Allah euch vergibt? Allah ist vergebend und barmherzig.“ Als Abu Bakr, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, diesen Vers hörte, sagte er sofort: „Ja, ich möchte, dass Allah mir vergibt.“ Danach übernahm er erneut den Lebensunterhalt von Mistah und schwor, diese Verantwortung niemals wieder aufzugeben.
Ibn Ishaq berichtet: Ein Mann unter den Muslimen trug über die Bestrafung von Hassan ibn Thabit wegen seiner Verleumdung gegen Aischa, Allahs Wohlgefallen sei auf ihr, folgendes Gedicht vor:
„Hassan hat eine angemessene Strafe erhalten, und ebenso Hamna und Mistah.
Denn sie hatten obszöne Worte gesprochen,
indem sie über die Ehefrau ihres Propheten unbegründete Behauptungen aufstellten und ihn damit bedrückten.
Sie waren dem Zorn des Herrn des Thrones anheimgefallen.
Sie hatten Allahs Gesandtem Leid zugefügt, der immerwährenden schändlichen Verleumdung Bedeutung beigemessen
und sie überall verbreitet und ihn dadurch gedemütigt.“
(Infolgedessen) begann die Strafe über die Verleumder wie ein heftiger Regenguss niederzuprasseln
wie Regen herabzufallen.“
Das Ereignis von Hudaybiyya (6. Jahr der Hidschra)
Danach verbrachte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in Medina die Monate Ramadan und Schawwal. Im Monat Dhul-Qaʿda brach er mit dem Ziel einer Umra nach Mekka auf. Er beabsichtigte keinen Krieg. [74. Nach Ibn Hischam wurde zu dieser Zeit Namila ibn Abdallah al-Laythi mit der Verwaltung Medinas betraut.] Auch die gewöhnlichen Araber aus Medina und die Beduinen, die in der Umgebung in der Wüste lebten, nahm er als Reisegefährten mit. Er befürchtete, dass die Quraisch ihn nach ihrer üblichen Vorgehensweise entweder am Besuch des Hauses Allahs hindern oder gegen ihn zum Kampf ausrücken würden. Aus diesem Grund verschoben viele von denen, die ihn als Reisegefährten hatten begleiten wollen, ihre Abreise. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, brach mit den übrigen Arabern, den Auswanderern und den Ansar auf. Er nahm auch eine Herde von Opfertieren mit und trat in den Ihram für die Umra ein. [75. Er nahm siebzig Kamele mit. Die Zahl der Umra-Pilger betrug siebenhundert. Auf jeweils zehn Personen kam ein Kamel.] Damit die Quraisch keinen Krieg von seiner Seite befürchteten und erkannten, dass er nur gekommen war, um das Haus Allahs zu besuchen und ihm Ehre zu erweisen.
Als er in der Nähe von Mekka in Usfan eintraf, begegnete er Bischr ibn Sufyan al-Kaʿbi. Dieser sagte: „O Gesandter Allahs, ganz in der Nähe hat sich ein Heer der Quraisch versammelt. Als sie von deiner Reise hörten, kamen sie mit einer großen Kamelherde, um gegen dich zu kämpfen. Zuvor hatten sie sich in Dhu Tuwa versammelt. Sie haben geschworen, dich keinesfalls nach Mekka einziehen zu lassen. Unter dem Befehl von Khalid ibn al-Walid sind sie nach Kurāʿ al-Ghamim [76. Dhu Tuwa ist ein Ort in der Nähe von Mekka. Kurāʿ al-Ghamim ist ein Tal, das acht Meilen vor Usfan liegt.] vorgerückt.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Nieder mit den Quraisch! Ihre kriegerische Gesinnung hat sie völlig erfasst. Was würde es ihnen schaden, wenn sie mir die Gelegenheit gäben, mit den gesamten Arabern eine Einigung zu erzielen? Wenn die Araber mich besiegen, wäre damit der Wunsch der Quraisch erfüllt. Wenn Allah mir jedoch den Sieg über die Araber verleiht, werden alle den Islam annehmen. Selbst wenn sie den Islam nicht annehmen, werden sie mit noch größerer Stärke kämpfen können. Was glauben die Quraisch eigentlich? Bei Allah, ich werde weiter Dschihad führen, bis entweder diese Ordnung siegt oder ich zugrunde gehe.“
Dann sagte er: „Gibt es jemanden, der uns auf einem anderen Weg als dem, auf dem sich die Quraisch versammelt haben, führen kann?“ Daraufhin führte jener Mann sie über einen schwierigen Bergpfad. Dieser Marsch war für die Muslime äußerst beschwerlich. Schließlich gelangten sie am Rand des Tales in eine Ebene. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte zu den Muslimen: „Sagt: Wir bitten Allah um Vergebung und tun Buße.“ Alle sagten dies. Daraufhin sagte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm: „Genau dies hatte Musa (Friede sei mit ihm) den Kindern Israels zu sagen befohlen. Doch sie waren nicht bereit, es zu sagen.“
Danach wies der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, alle an, auf der rechten Seite durch Dschamz in Richtung Thaniyyat al-Murar zu ziehen und im Tal von Hudaybiyya, das im Tiefland von Mekka liegt, einzutreffen. Das muslimische Heer setzte sich gemäß seiner Anweisung in Bewegung. Die vorausgeschickte Reitertruppe der Quraisch bemerkte aus einer anderen Richtung den Vormarsch des muslimischen Heeres und kehrte blitzschnell zu den Quraisch zurück. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, traf mit seinen Leuten in Thaniyyat al-Murar ein, und dort blieb sein Kamel stehen. Die Leute sagten: „Das Kamel ist stehen geblieben.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Es ist nicht stehen geblieben, und stehen zu bleiben ist nicht seine Art. Doch das, was das Elefantenheer Abrahas aufgehalten hat, hält es davon ab, nach Mekka weiterzuziehen. Heute werde ich jeden Vorschlag der Quraisch annehmen, den sie mir im Namen der Blutsverwandtschaft unterbreiten.“ Danach forderte er seine Reisegefährten auf, eine Rast einzulegen. Alle sagten: „O Gesandter Allahs, hier gibt es überhaupt kein Wasser. Wie sollen wir hier rasten?“ Er nahm einen Pfeil heraus, gab ihn einem Gefährten und wies ihn an, ihn in einen trockenen Brunnen zu werfen. Als er den Pfeil hineinwarf, füllte sich der Brunnen mit Wasser, und die Muslime schlugen dort ihr Lager auf.
Nachdem der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, seine Stellung bezogen hatte, kamen einige Männer aus dem Stamm der Chuzāʿa unter der Führung von Budayl ibn Warqa zu ihm. Sie unterhielten sich mit dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Sie fragten ihn: „Mit welchem Ziel bist du gekommen?“ Er erklärte, dass er nicht gekommen sei, um Krieg zu führen. Vielmehr sei er nur gekommen, um die heilige Kaaba zu besuchen und ihr Ehre zu erweisen. Ihnen sagte er dasselbe, was er Bischr ibn Abu Sufyan gesagt hatte. Sie kehrten zurück und sagten zu den Quraisch: „O Quraisch, ihr habt in Bezug auf Muhammad sehr voreilig entschieden. In Wirklichkeit ist er nicht gekommen, um Krieg zu führen. Er ist lediglich gekommen, um die Kaaba zu besuchen.“
Als die Quraisch dies hörten, beschuldigten sie sie ihrerseits und überschütteten sie mit verletzenden Worten. Sie sagten: „Selbst wenn er nicht gekommen ist, um zu kämpfen, werden wir ihn niemals gewaltsam nach Mekka hineinlassen. Auch die übrigen Araber wissen, dass die Bewohner Mekkas niemals jemandem erlaubt haben, gewaltsam in diese Stadt einzudringen.“
Alle Angehörigen des Stammes Chuzāʿa, ob Muslime oder Götzendiener, waren dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, aufrichtig zugetan und hüteten all seine geheimen Angelegenheiten. Was auch immer in Mekka geschah, sie verheimlichten es dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nicht.
Die Quraisch schickten Mikrāz ibn Hafs ibn Achjaf zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Mikrāz schon von Weitem kommen sah, bemerkte er: „Dieser Mann ist ein Verräter.“ Als er zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, kam und mit ihm sprach, sagte dieser zu Mikrāz dasselbe, was er Budail und dessen Gefährten gesagt hatte. Daraufhin kehrte Mikrāz zu den Quraisch zurück und berichtete ihnen genau, was der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gesagt hatte.
Danach schickten die Quraisch Hulais ibn ʿAlqama oder ibn Dschabān zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Als er ihn sah, bemerkte er: „Dieser Mann gehört zu einem gottesfürchtigen Volk. Führt unsere Opfertiere an ihm vorbei und zeigt sie ihm.“ Als Hulais sah, wie eine große Herde von Kamelen, die die Kennzeichen der Opfertiere trugen, an ihm vorbeizog, und wie ihnen wegen des langen Ausbleibens am Opferplatz das Fell ausgefallen war, kehrte er zu den Quraisch zurück und schilderte ihnen, was er gesehen hatte. Der Anblick der Opfertiere hatte ihn so tief beeindruckt, dass er keinerlei Zweifel mehr daran hatte, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ausschließlich zur Verrichtung der Umra gekommen war; deshalb hielt er es auch nicht für nötig, ihn aufzusuchen und zu befragen. Als die Quraisch seine Worte hörten, sagten sie: „Setz dich hin und schweig. Du bist ein törichter Beduine – was verstehst du schon?“ Darüber wurde er zornig. Er sagte: „O Quraisch! Wir haben uns nicht mit euch verbündet und keinen Vertrag mit euch geschlossen, damit ihr solche Dinge tut. Soll etwa jemand daran gehindert werden, das Haus Allahs zu besuchen und ihm Ehre zu erweisen? Ich schwöre und gelobe: Wenn ihr Muhammad nicht das heilige Vorhaben gestattet, dessentwegen er gekommen ist, werde ich euch gemeinsam mit allen Angehörigen meines Stammes geschlossen verlassen.“ Sie sagten: „Hulais, warte ein wenig! Lass uns zu einer gemeinsamen Entscheidung gelangen.“
Danach schickten die Quraisch ʿUrwa ibn Masʿūd ath-Thaqafī zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Er setzte sich vor den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und sagte: „O Muhammad, hast du diese große Menge versammelt, um deine eigenen Verwandten zu überwältigen? Wisse jedoch, dass auch die Quraisch mit ihrer schwachen Kamelherde ausgezogen sind, als Löwen verkleidet und zum Kampf bereit. Sie haben Allah zum Zeugen genommen und geschworen, dass sie dich niemals gewaltsam in die Stadt einlassen werden. Bei Allah, schon bald werden diese Leute dich allein lassen und sich von dir trennen.“ Abū Bakr as-Siddīq, möge Allah mit ihm zufrieden sein, saß hinter dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und hörte diese Worte. Zornig sagte er: „Geh und lecke die Geschlechtsteile al-Lāts ab! Glaubst du etwa, wir würden den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, verlassen?“ ʿUrwa fragte: „Wer ist dieser Mann?“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, antwortete: „Das ist der Sohn Abū Quḥāfas.“ ʿUrwa wandte sich an Abū Bakr, möge Allah mit ihm zufrieden sein, und sagte: „Einmal hast du mir einen Gefallen erwiesen; sonst hätte ich mich heute für deine Worte gerächt. Wegen dieses Gefallens lasse ich es dir durchgehen.“ Während ʿUrwa weiterredete, begann er, am Bart des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, herumzuspielen. Zu dieser Zeit stand al-Mughīra ibn Schuʿba, möge Allah mit ihm zufrieden sein, mit einem Schwert in der Hand neben dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Jedes Mal, wenn ʿUrwa die Hand nach dem Bart des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ausstreckte, klopfte al-Mughīra mit dem Schwert auf seine Hand und sagte: „Berühre nicht das Gesicht des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm! Sonst wird dieses Schwert auf deinen Nacken niedergehen.“ ʿUrwa sagte: „Pfui über dich! Wie grob und hartherzig du bist.“ Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, dies sah, lächelte er leicht. ʿUrwa fragte: „O Muhammad, wer ist dieser Mann?“ Er antwortete: „Das ist dein Neffe al-Mughīra ibn Schuʿba.“ Al-Mughīra und ʿUrwa stammten beide aus dem Stamm Thaqīf. ʿUrwa sagte: „Du undankbarer Kerl! Erst vor Kurzem habe ich dir einen so großen Gefallen erwiesen.“ Danach sprach der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, mit ʿUrwa und teilte ihm mit, dass er nicht gekommen sei, um zu kämpfen. 77. Ibn Hischām merkt an: Vor seiner Annahme des Islams hatte al-Mughīra dreizehn Männer aus der Familie Banū Mālik des Stammes Thaqīf getötet. Daraufhin entstand zwischen den beiden Familien eine heftige Spannung. Damals half er den Banū Mālik, al-Mughīra gegen die Zahlung von dreizehn Lösegeldbeträgen freizubekommen, und vermittelte eine Versöhnung zwischen den beiden Familien. Hier spielte ʿUrwa auf jenes Ereignis an.
ʿUrwa ibn Masʿūd verabschiedete sich vom Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Er hatte gesehen, mit welcher Verehrung und Hochachtung die Gefährten des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ihn behandelten. Wenn er die Gebetswaschung vollzog, wetteiferten sie darum, das Wasser seiner Waschung zu bekommen; wenn er ausspuckte, bemühten sie sich, es aufzufangen, und wenn ihm ein Haar ausfiel, stritten sie darum, es zu erlangen. Als ʿUrwa zu den Quraisch zurückkehrte, sagte er: „O Quraisch! Ich habe den persischen Kaiser Kisrā, den römischen Kaiser Cäsar und den Kaiser von Abessinien, den Nadschāschī, in ihrer jeweiligen königlichen Umgebung gesehen. Bei Allah, ich habe noch keinen König gesehen, dessen Untertanen ihm eine solche Verehrung und Hochachtung entgegenbringen, wie die Gefährten Muhammads Muhammad verehren. Um keinen Preis sind sie bereit, Muhammad dem Feind gegenüber hilflos zurückzulassen und ihn zu verlassen. Tut nun, was ihr für richtig haltet.“
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, schickte Chirrāsch ibn Umayya al-Chuzāʿī nach Mekka zu den Quraisch. Er ließ ihn auf seinem eigenen Kamel Thaʿlab reiten und zu den Anführern bringen, damit er ihnen den Zweck seiner Ankunft erklärte. Sie waren im Begriff, das Kamel des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu töten und auch Chirrāsch, möge Allah mit ihm zufrieden sein, umzubringen. Doch einige Männer aus verschiedenen Stämmen schlossen sich zusammen, beschützten ihn und befreiten ihn. Später kehrte er zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zurück.
Darauf beschloss er, ʿUmar ibn al-Chattāb (möge Allah mit ihm zufrieden sein) zu den Führern der Quraisch nach Mekka zu schicken, damit er ihnen den Zweck ihrer Ankunft erkläre. Doch ʿUmar, möge Allah mit ihm zufrieden sein, sagte: „O Gesandter Allahs, ich fürchte, dass ich durch die Hand der Quraisch getötet werde. In Mekka gibt es niemanden aus den Banū ʿAdī ibn Kaʿb, der mich vor ihnen schützen könnte. Und sie wissen sehr genau, wie erbittert ich ihre Feindschaft bekämpfe. Schicke stattdessen ʿUthmān ibn ʿAffān, möge Allah mit ihm zufrieden sein. Er ist bei den Bewohnern Mekkas weit einflussreicher als ich.“ Sofort schickte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, ʿUthmān, möge Allah mit ihm zufrieden sein, damit er den Bewohnern Mekkas klarmache, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, nicht zum Krieg, sondern zur Verrichtung der ʿUmra gekommen war. ʿUthmān, möge Allah mit ihm zufrieden sein, brach auf. Nach seinem Eintritt traf er auf Abān ibn Saʿīd. Abān gewährte ihm Schutz. So konnte er die Botschaft des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, überbringen. ʿUthmān, möge Allah mit ihm zufrieden sein, traf Abū Sufyān und andere Führer der Quraisch und übermittelte ihnen die Botschaft des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm. Sie sagten zu ʿUthmān: „Hör zu, ʿUthmān, wenn du die Kaʿba umkreisen möchtest, dann tu es.“ ʿUthmān sagte: „Ich werde es nicht tun, solange der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sie nicht umkreist hat.“ Die Quraisch hielten ʿUthmān, möge Allah mit ihm zufrieden sein, fest. Unterdessen hörten der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, und die Muslime, dass ʿUthmān, möge Allah mit ihm zufrieden sein, getötet worden sei.
Die Baiʿat ar-Ridwān
Ibn Isḥāq sagte: ʿAbdullāh ibn Abī Bakr berichtete mir, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, in dem Augenblick, als er hörte, dass ʿUthmān, möge Allah mit ihm zufrieden sein, getötet worden sei, sagte: „Ich werde diesen Ort nicht verlassen, ohne gegen die Quraisch zu kämpfen.“ Er ließ die Muslime den Treueid zum Kampf leisten. Dies war die Baiʿat ar-Ridwān. Dieser Treueid wurde unter einem Baum geleistet. Die gewöhnlichen Muslime sagten: „Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, ließ sie den Eid leisten, ihr Leben zu opfern.“ Jābir ibn ʿAbdullāh, möge Allah mit ihm zufrieden sein, sagte jedoch: „Es war kein Treueid zur Aufopferung des Lebens.“ Vielmehr wurde der Treueid geleistet, damit wir nicht flohen.“ (78. Ibn Hischām erwähnte, dass Abū Sinān al-Asadī, möge Allah mit ihm zufrieden sein, als Erster den Treueid leistete.)
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, ließ alle Muslime den Treueid leisten. Niemand blieb diesem Treueid fern, außer einem einzigen Mann. Der Name dieses Mannes war Jadd ibn Qais. Er gehörte zum Stamm der Banū Salama. Jābir ibn ʿAbdullāh, möge Allah mit ihm zufrieden sein, sagte: „Dieser Mann blieb dem Treueid fern, indem er sich unter dem Bauch eines Kamels versteckte. Das Bild, wie er sich versteckte, steht mir noch immer vor Augen.“
Schließlich erfuhr der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, mit Gewissheit, dass die Nachricht vom Tod ʿUthmāns, möge Allah mit ihm zufrieden sein, falsch war.
Der Friedensvertrag oder der Vertrag von al-Hudaibiyya
Die Quraisch schickten Suhail ibn ʿAmr zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm. Sie entsandten ihn mit dem Auftrag, mit dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, einen Ausgleich zu erzielen. Das einzige Ziel dieses Ausgleichs sollte sein, dass Muhammad in diesem Jahr keinesfalls nach Mekka einzieht, sondern zurückkehrt. Die Araber sollten niemals sagen können, Muhammad sei mit Gewalt gegen die Quraisch in Mekka eingedrungen.
Suhail ibn ʿAmr kam zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm. Als er ihn kommen sah, sagte er: „Dieser Mann ist erst dann geschickt worden, als die Quraisch sicherlich beschlossen hatten, einen Friedensvertrag zu schließen.“ Suhail begann ein sehr langes Gespräch. Danach erzielten beide Seiten Einigkeit über den Friedensvertrag.
Die Entscheidung über den Friedensvertrag war endgültig getroffen und musste nur noch schriftlich festgehalten werden. In diesem Augenblick eilte Umar ibn al-Chattab (Allah sei mit ihm zufrieden) zu Abu Bakr (Allah sei mit ihm zufrieden) und sagte: „O Abu Bakr, ist er nicht der Gesandte Allahs?“ Abu Bakr sagte: „Doch.“ Umar sagte: „Sind wir nicht Muslime?“ Abu Bakr sagte: „Gewiss.“ Umar sagte: „Sind die Quraisch nicht Götzendiener?“ Abu Bakr sagte: „Doch.“ Umar sagte erneut: „Warum unterwerfen wir uns dann in unserer Religion auf diese Weise?“ Abu Bakr sagte: „O Umar, gehorche ihm. Ich bezeuge, dass Muhammad, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, der Gesandte Allahs ist.“ Umar sagte: „Auch ich bezeuge, dass er der Gesandte Allahs ist.“
Danach ging er zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, und sagte: „O Gesandter Allahs, bist du nicht der Gesandte Allahs?“ Er sagte: „Doch.“ Umar sagte: „Sind sie nicht Götzendiener?“ Er sagte: „Doch.“ Umar sagte erneut: „Warum sind wir dann im Hinblick auf unsere Religion im Begriff, diese Demütigung zu ertragen?“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagte: „Ich bin Allahs Diener und Gesandter. Seinen Befehl werde ich niemals übertreten, und Er wird mich niemals vom rechten Weg abbringen.“
Später pflegte Umar, Allah sei mit ihm zufrieden, zu sagen: „Mein ganzes Leben lang habe ich versucht, für jenes irrige Verhalten an diesem Tag durch Almosen, Gebet, Fasten und die Freilassung von Sklaven Sühne zu leisten. Um den schlechten Folgen meiner Worte zu entgehen, habe ich alles getan. Schließlich schöpfte ich Hoffnung, dass ich ein gutes Ergebnis erzielen würde.“
Daraufhin rief der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, Ali ibn Abi Talib (Allah sei mit ihm zufrieden) und sagte: „Schreibe: Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen.“ Suhail sagte: „Das ist eine Formulierung, die ich nicht kenne. Schreibe vielmehr: In Deinem Namen, o Allah.“ (O Allah, in Deinem Namen.) Darauf sagte er: „Schreibe: Muhammad, der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, hat mit Suhail ibn Amr einen Vertrag mit folgendem Inhalt geschlossen.“ Kaum hatte er dies gesagt, rief Suhail ibn Amr: „Wenn ich dich als den Gesandten Allahs anerkennen würde, hätte ich doch nicht gegen dich gekämpft. Schreibe nur deinen Namen und den Namen deines Vaters.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagte: „Gut, dann schreibe dies: Muhammad, der Sohn Abdullāhs, hat mit Suhail, dem Sohn Amrs, einen Vertrag mit folgendem Inhalt geschlossen. Beide Seiten sind übereingekommen, dass der Krieg zehn Jahre lang eingestellt wird. Während dieser zehn Jahre werden die Menschen vollständigen Frieden und Sicherheit genießen und jede Art von Angriffen gegeneinander unterlassen. Wenn jemand von den Quraisch ohne die Erlaubnis seines Schutzherrn zu Muhammad kommt, wird er ihn zurückschicken. Wenn jedoch jemand von den Gefährten Muhammads zu den Quraisch kommt, werden die Quraisch ihn nicht zurückschicken. Dieser Vertrag wird niemals gebrochen werden. Beide Seiten werden ihn aufrichtig und mit voller Hingabe einhalten. Niemand wird Verrat begehen oder sich am heimlichen Einschleusen beteiligen. Jeder, der mit Muhammad oder den Quraisch ein Bündnis eingehen oder einen neuen Vertrag schließen möchte, darf dies frei tun.“ Sobald diese Klausel verkündet worden war, schloss der Stamm der Banu Chuzaa mit dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, und Banu Bakr mit den Quraisch unverzüglich ein Bündnis. Im Friedensvertrag wurde außerdem festgehalten: „Du, Muhammad, wirst in diesem Jahr in unsere Stadt Mekka nicht einziehen, sondern zurückkehren. Im kommenden Jahr werden wir für dich die Tore Mekkas öffnen und uns an einen anderen Ort begeben. Du wirst freien Zutritt haben und dich mit deinen Gefährten drei Tage in Mekka aufhalten. Du darfst Schwerter in ihren Scheiden mitnehmen. Es besteht keine Verpflichtung, ohne Schwerter einzutreten.“
Während dieser Vertrag unter der Aufsicht des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, und Suhail ibn Amr niedergeschrieben wurde, erschien Suhails Sohn Abu Jandal in Ketten an diesem Ort. Er war zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, geflohen. Zu dieser Zeit waren die Gefährten des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, dort nicht anwesend. Sie waren hinsichtlich des Sieges, auf den der Traum des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, zuvor hingedeutet hatte, bereits unsicher geworden. Als sie daher sahen, dass in den Vertrag die Klausel aufgenommen wurde, in diesem Jahr ohne die Umra zurückzukehren, und dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, dies ertrug und akzeptierte, gerieten sie in große Bedrängnis und waren beinahe vom rechten Weg abgekommen. Als Suhail ibn Amr Abu Jandal erblickte, verlor er die Beherrschung, schlug ihm heftig ins Gesicht und packte ihn am Brustgewand. Dabei sagte er: „O Muhammad, der Vertrag zwischen dir und mir ist bereits abgeschlossen, bevor Abu Jandal gekommen ist.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagte: „Das ist wahr.“ Darauf begann er, Abu Jandal am Brustgewand mit großer Kraft zurückzuziehen, um ihn nach Mekka zurückzubringen. Abu Jandal aber begann laut zu schreien: „O Muslime, werde ich etwa zu den Quraisch zurückgeschickt, die mich wegen meines Islam quälen?“ Durch diesen Schrei wuchs der Zorn der Muslime noch weiter. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagte: „O Abu Jandal, habe Geduld und füge dich deiner Lage. Allah wird für deine Befreiung und die Befreiung der schutzlosen und unterdrückten Muslime, die sich wie du in Mekka befinden, einen Weg schaffen. Wir haben mit den Quraisch einen Friedens- und Nichtangriffspakt geschlossen. Wir haben Allah in dieser Angelegenheit zum Zeugen genommen und einander ein Versprechen gegeben. Wir werden unser ihnen gegebenes Versprechen nicht brechen.“
Umar ibn al-Chattab (Allah sei mit ihm zufrieden) eilte zu Abu Jandal und sagte: „O Abu Jandal, habe Geduld. Sie sind doch Götzendiener. Das Blut all dieser Menschen ist dem Blut von Hunden gleich.“ Während Umar (Allah sei mit ihm zufrieden) dies sagte, hielt er Abu Jandal sein eigenes Schwert hin. Er sagte: „Ich hoffte, dass Abu Jandal das Schwert nehmen und seinen Vater töten würde.“ Doch am Ende wurde er gegenüber seinem Vater schwach, und die Angelegenheit blieb dabei.
Nachdem die Niederschrift des Dokuments abgeschlossen war, bezeugten viele Menschen aus beiden Parteien, den Muslimen und den Götzendienern, den Vertrag. Zu den bedeutenden Zeugen gehörten Abu Bakr as-Siddiq (Allah sei mit ihm zufrieden), Umar ibn al-Chattab (Allah sei mit ihm zufrieden), Abd ar-Rahman ibn Auf (Allah sei mit ihm zufrieden), Abdullah ibn Suhail ibn Amr, Saad ibn Abi Waqqas, Mahmud ibn Maslama, Mikraz ibn Hafs und Ali ibn Abi Talib (Allah sei mit ihm zufrieden). Mikraz war zu jener Zeit noch Götzendiener. Ali (Allah sei mit ihm zufrieden) war der Schreiber des Dokuments.
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, war besorgt darüber, wie er die Opfere-Kamele schlachten und den Ihram-Zustand beenden sollte. Noch immer verrichtete er das Gebet im Ihram-Zustand. Nachdem der Vertrag unterzeichnet worden war, schlachtete er sein Opfertier und rasierte sich den Kopf. Sofort schlachteten auch alle Gefährten ihre Opfertiere und rasierten sich den Kopf. Danach brach der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, in Richtung Medina auf. Als er sich noch zwischen Mekka und Medina befand, wurde die Sure al-Fath offenbart:
„O Prophet, Wir haben dir einen deutlichen Sieg eröffnet, damit Allah dir deine früheren und späteren Sünden vergebe, Seine Gnade an dir vollende und dich auf den geraden Weg führe.“
Allah sagt ferner: „Allah hat das Traumbild Seines Gesandten wahr werden lassen. Er hatte im Traum gesehen, dass er bald sicher und ohne Furcht in Mekka einziehen werde. So werdet ihr, wenn Allah will, gewiss sicher in die heilige Moschee eintreten, mit geschorenem oder gekürztem Haar und ohne Furcht. Er wusste, was ihr nicht wusstet. Und nach jenem Ereignis – dem Vertrag von Hudaybiyya – bestimmte Er einen nahenden Sieg.“
Az-Zuhri sagt: Von allen Siegen, die der Islam zuvor errungen hatte, war dieser – der Vertrag von Hudaybiyya – der größte. Früher, sobald die Menschen auf ihre Gegner trafen, begannen sie zu kämpfen. Doch als der Friedensvertrag geschlossen war, endete der Krieg, und infolgedessen erhielten die Menschen Gelegenheit, ohne Furcht miteinander Umgang zu pflegen und sich miteinander zu unterhalten. So begann sich der Islam weit zu verbreiten. Es kam so weit, dass jeder, der auch nur ein wenig Verstand besaß, den Islam annahm, sobald man mit ihm darüber sprach. Die Zahl derer, die in den beiden Jahren nach dem Vertrag den Islam annahmen, war keineswegs geringer, sondern sogar größer als die Gesamtzahl derjenigen, die vor dem Vertrag den Islam angenommen hatten. [79. Ibn Hischam sagt: Ein Beleg für die Richtigkeit dieser Aussage az-Zuhris ist, dass der Gesandte Allahs nach Hudaybiyya mit 1400 Muslimen gezogen war. Als er nur zwei Jahre später zur Eroberung Mekkas aufbrach, waren zehntausend Muslime bei ihm.]
Die Eroberung von Chaibar: Muharram im 7. Jahr der Hidschra
Nach seiner Rückkehr aus Hudaybiyya verbrachte der Gesandte Allahs in Medina den Monat Dhu l-Hiddscha und einen Teil des Monats Muharram. Die Götzendiener unternahmen in diesem Jahr keine Pilgerfahrt. Gegen Ende des Muharram brach er zum Feldzug nach Chaibar auf.
Abu Muʿattab ibn ʿAmr (Allah sei mit ihm zufrieden) berichtet: Als der Gesandte Allahs Chaibar erreichte, sagte er zu seinen Gefährten: „Haltet an!“ Auch ich war unter ihnen. Dann sagte er: „O Allah, Herr der Himmel und der Erde und alles dessen, was sich darin befindet, allmächtiger Herr über alle Satane und diejenigen, die sie in die Irre geführt haben, und uneingeschränkter Herr über den Wind und alles, was er treibt, trägt und emporwirbelt: Wir suchen bei Dir Zuflucht vor allem Übel dieses Ortes und dem Übel seiner Bewohner. Im Namen Allahs, zieht weiter.“ Bei jedem Ort, den er betrat, pflegte er diese Worte zu sprechen.
Anas ibn Malik (Allah sei mit ihm zufrieden) berichtet: Der Gesandte Allahs griff kein Volk an, bevor der Morgen angebrochen war. Wenn er dort den Gebetsruf hörte, hielt er inne; hörte er keinen Gebetsruf, griff er an. Wir erreichten Chaibar in der Nacht und schlugen dort unser Lager auf. Doch er hörte keinen Gebetsruf. Danach zog er mit uns weiter. Ich saß hinter Abu Talha auf dem Reittier, und meine Füße berührten die Füße des Gesandten Allahs. Am Morgen gingen die Arbeiter von Chaibar mit Hacken und Körben zu ihrer Tagesarbeit hinaus. Als sie den Gesandten Allahs und sein Heer erblickten, riefen sie erschrocken: „O Unglück! Da ist Muhammad mit seinem Heer!“ Damit wandten sie sich um und flohen zurück. Als der Gesandte Allahs dies sah, sagte er: „Allah ist größer! Chaibar ist gefallen. Wenn wir in ein Gebiet kommen, wird der Morgen seiner Bewohner wahrlich zu einem unheilvollen Morgen.“
Ibn Ishaq sagt: Als der Gesandte Allahs von Medina nach Chaibar zog, führte sein Weg über den Berg Isr. Deshalb wurde dort eine Moschee errichtet. Danach zog er durch Sahaba. Anschließend schlug er mit seinem gesamten Heer im Tal von Radschi sein Lager auf. Dort nahm er zwischen den Bewohnern Chaibars und den Ghatafan Stellung, damit die Ghatafan den Bewohnern Chaibars nicht zu Hilfe kommen konnten. Sie hatten die Juden von Chaibar stets gegen den Gesandten Allahs unterstützt.
Als die Ghatafan vom Eintreffen des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, hörten, sammelten sie eine Gruppe von Kriegern und machten sich auf den Weg, um die Juden von Chaibar zu verstärken. Kaum waren sie ein Stück weit vorgedrungen, hörten sie hinter sich den Lärm, der auf ein Unglück hindeutete, das über ihre zurückgelassenen Familien und ihren Besitz hereingebrochen war. Sie dachten, die Muslime seien möglicherweise von einer anderen Seite über ihre Familien hergefallen. Daher kehrten sie um, kümmerten sich um den Schutz ihrer jeweiligen Familien und ihres Besitzes und überließen die Bewohner von Chaibar dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zur Auseinandersetzung. Danach begann der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nach und nach die Besitztümer und Festungen der Juden von Chaibar einzunehmen. Als Erste eroberte er ihre Festung Naʿim. Dort fiel der Gefährte Maḥmūd ibn Maslama als Märtyrer. Er wurde getötet, als man den Mühlstein einer Getreidemühle auf ihn warf. Danach wurde die Festung Qamūs, die Abū al-Ḥuqaiq gehörte, erobert. Dort nahm er einige Juden gefangen. Zu ihnen gehörte auch Ṣafiyya, die Tochter von Ḥuyayy ibn Akhṭab. Sie war die Ehefrau von Kināna ibn ar-Rabī. Auch zwei ihrer Cousinen wurden gefangen genommen. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, erwählte Ṣafiyya für sich. Diḥya ibn Khalīfa al-Kalbī (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) hatte den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, um Ṣafiyya gebeten. Da er Ṣafiyya für sich erwählt hatte, gab er Diḥya ihre Cousine. Schließlich wurden die Gefangenen aus Chaibar unter sämtlichen Gefährten aufgeteilt.
Eine Festung von Chaibar nach der anderen und deren Besitztümer gelangten in die Hände des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Nur die beiden Festungen Watīḥ und Sulālim waren noch nicht eingenommen worden. Zuletzt eroberte er auch diese beiden Festungen. Er belagerte sie mehr als zehn Tage lang.
Der jüdische Anführer Marḥab rüstete sich mit Waffen aus, trat dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, entgegen und begann, ein aufmunterndes Kampflied vorzutragen. Es lautete:
„Ganz Chaibar weiß, dass ich Marḥab bin. (Das heißt: sehr mächtig.)
Ein Held, geschickt und erfahren im Zuschlagen mit Waffen, kundig und kampferprobt.
Manchmal durchbohre ich jemanden, und manchmal versetze ich einen heftigen Schlag.
Wenn Tiger wütend heranstürmen, kann niemand auch nur in meine Nähe
kommen.“
Er forderte heraus: „Kommt, wer ist bereit, mit mir einen Zweikampf auszufechten?“ Ka’b ibn
Malik (möge Allah Wohlgefallen an ihm haben) trug sogleich einen Kriegsgesang vor und erwiderte:
„Chaibar weiß, dass ich Ka’b bin. Ich beseitige Kummer und Not, bin mutig und unbeugsam.
Wenn der Kampf entbrennt, folgt ein Gefecht auf das nächste.
Ich besitze ein scharfes Schwert, einem Blitzstrahl gleich.
Wir werden euch niedertrampeln, damit alle Schwierigkeiten ein Ende haben.
Dadurch werden wir belohnt werden, oder zu uns
wird reiche Kriegsbeute gelangen! (Diese Beute wird kommen) durch den Schlag einer Donnerfaust
„und es keinen Anlass zu einem Tadel daran geben wird.“
Der Gesandte Allahs sagte: „Wer ist bereit, gegen diesen Mann zu kämpfen?“ Muhammad ibn
Maslama (Allahs Wohlgefallen auf ihm) sagte: „O Gesandter Allahs, ich bin bereit, gegen ihn zu kämpfen. Bei Allah, ich bin ein äußerst entschlossener Kämpfer. Ich möchte von ihm die Blutrache für meinen Angehörigen nehmen. Gestern hat er meinen Bruder Mahmud ibn Maslama getötet.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Geh! O Allah, hilf ihm, Marhab zu besiegen.“ Daraufhin begann ein heftiger Kampf zwischen Muhammad ibn Maslama und Marhab. Ein alter Baum stand zwischen ihnen und bot ihnen Deckung. Beide suchten abwechselnd Schutz hinter diesem Baum. Schließlich blieb Marhabs Schwert am Schild Muhammads ibn Maslama hängen. Sofort schlug Muhammad ibn Maslama Marhab mit seinem Schwert nieder.
Nachdem Marhab getötet worden war, trat sein Bruder Yasar mit einem lauten Kriegsschrei vor. Nach der Überlieferung Hischams ibn Urwa ging az-Zubair ibn al-Awwam hinaus, um gegen ihn zu kämpfen. Als seine Mutter Safiyya bint Abd al-Muttalib dies hörte, fragte sie: „O Gesandter Allahs, wird mein Sohn getötet werden?“ Er sagte: „Nein, dein Sohn wird, so Allah will, Yasar töten.“ Az-Zubair tötete Yasar tatsächlich.
Salama ibn Amr ibn al-Akwa sagte: Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, schickte Abu Bakr as-Siddiq (Allahs Wohlgefallen auf ihm) mit dem Banner, um eine der Festungen in Chaibar einzunehmen. Er kämpfte und kehrte zurück, ohne die Festung trotz großer Anstrengungen erobert zu haben. Am folgenden Tag schickte er Umar ibn al-Khattab (Allahs Wohlgefallen auf ihm). Auch er kämpfte heftig, kehrte jedoch erfolglos zurück. Da sagte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm: „Morgen früh werde ich das Banner einem Mann übergeben, der Allah und Seinen Gesandten liebt. Allah wird die Festung durch seine Hand erobern lassen. Er ist kein Mann, der vom Schlachtfeld flieht.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ließ Ali (Allahs Wohlgefallen auf ihm) rufen. Dieser litt damals an einer Augenkrankheit. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, spuckte in seine Augen und sagte: „Zieh mit diesem Banner voran und kämpfe, bis Allah dir durch deine Hand den Sieg schenkt.“
Salama sagte: Er rückte vor. Er besaß gewaltige Kraft, Stärke und Tapferkeit, um den Feind zu bezwingen. Er bewegte sich lediglich schwankend und in tänzelnden Schritten hin und her. Wir folgten ihm hinterher. Unterhalb der Festung stellte er das Banner auf einem Steinhaufen auf. Von oben sah ihn ein Jude und fragte: „Wer bist du?“ Er sagte: „Ich bin Ali, der Sohn Abu Talibs.“ Der Jude sagte: „Bei der Tora! Ihr habt gesiegt.“ Schließlich schenkte Allah durch Alis Hand den Sieg.
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, belagerte die Bewohner Chaibars in ihren beiden Festungen Watih und Sulalim. Als sie sicher erkannten, dass ihnen außer dem Tod kein anderer Ausweg blieb, baten sie ihn um ihr Leben und schlugen vor, aus Chaibar ausgewiesen zu werden. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nahm diesen Vorschlag an und gewährte ihnen ihr Leben. Zuvor hatte er bereits alle ihre Festungen außer diesen beiden sowie ihr gesamtes bewegliches und unbewegliches Eigentum, einschließlich des Landes von an-Natah und al-Qutayba, in Besitz genommen. Die Bewohner von Fadak erfuhren von all diesen Ereignissen. Sie baten den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ihnen das Leben zu gewähren und sie ausweisen zu lassen, während er ihr Land und ihren Besitz in Besitz nahm. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nahm ihre Bitte an. Zu den Juden, die mit dieser Bitte zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gingen, gehörte auch Muhaiyisa ibn Masud. Er gehörte zu den Banu Haritha. Die Bewohner Chaibars akzeptierten diese Regelung zunächst. Später baten sie jedoch darum, nicht ausgewiesen zu werden, sondern mit ihnen auf der Grundlage einer hälftigen Teilung mit der Bewirtschaftung des Landes zu beauftragen. Zur Begründung sagten sie, dass sie das Land am besten bebauen könnten und darin am erfahrensten und geschicktesten seien. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nahm diesen Vorschlag an und schloss mit ihnen eine Vereinbarung. Er stellte jedoch die Bedingung, dass wir das Recht haben würden, sie jederzeit nach unserem Ermessen auszuweisen. Auch die Bewohner von Fadak schlossen unter dieser Bedingung eine Vereinbarung mit ihm. So wurde Chaibar gemeinschaftliches Eigentum der Muslime, während Fadak zum persönlichen Eigentum des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, wurde, da zur Eroberung Fadaks kein militärischer Feldzug erforderlich gewesen war.
Nach diesen Vereinbarungen, als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gerade erleichtert aufatmete, schenkte ihm Zaynab bint al-Harith, die Frau Sallam ibn Mischkams, eine gebratene Ziege. Bevor sie die gebratene Ziege schickte, fragte sie: „Welchen Teil der Ziege isst der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, am liebsten?“ Man teilte ihr mit, dass er das Fleisch der Keule beziehungsweise des Schenkels am liebsten esse. Daraufhin mischte sie besonders viel Gift in die Keule. Anschließend vergiftete sie die gesamte Ziege und brachte sie zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Er kaute ein Stück Fleisch davon, schluckte es jedoch nicht hinunter. Der Gefährte Bischr ibn al-Bara ibn Maʿrur saß ebenfalls bei ihm und aß. Auch Bischr nahm ein Stück Fleisch in den Mund und kaute es. Er spuckte es aus. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, erbrach es jedoch und warf es aus. Er sagte: „Dieser Knochen teilt mir mit, dass es vergiftet ist.“ Daraufhin ließ er die Frau holen und befragte sie. Sie legte ein Geständnis ab. Er fragte sie: „Warum hast du so etwas getan?“ Sie sagte: „Du weißt, wie du mit meinem Volk umgegangen bist. Ich dachte, ich würde dich auf diese Weise vergiften. Wenn du ein König bist, werde ich deiner Hand entkommen; wenn du jedoch ein Prophet bist, wird man dich davor warnen.“ Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, dies hörte, verzieh er ihr. Bischr jedoch starb an dem Stück, das er gegessen hatte. Nach der Eroberung Chaibars zog der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nach Wadi al-Qura weiter. Er belagerte dessen Bewohner einige Tage und kehrte anschließend nach Medina zurück.
In Chaibar oder an einem Ort unterwegs verbrachte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, mit Safiyya die Hochzeitsnacht. Umm Sulaym bint Milhan, die Mutter von Anas ibn Malik (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm), hatte Safiyya als Braut geschmückt. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, verbrachte mit ihr die Hochzeitsnacht in einem Zelt, das einer Kuppel glich. Abu Ayyub, Khalid ibn Zayd (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm), wachte inzwischen die ganze Nacht mit gezogenem Schwert über den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Die ganze Nacht patrouillierte er rund um das Zelt. Am Morgen sah der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ihn und fragte: „Was ist los, Abu Ayyub?“ Er antwortete: „O Gesandter Allahs, ich hielt aus Angst Wache, dass von dieser Frau eine Gefahr für Euch ausgehen könnte. Denn Ihr habt ihren Vater, ihren Ehemann und weitere Angehörige ihres Stammes töten lassen. Außerdem hat sie erst vor kurzem den Islam angenommen. Daher befürchtete ich von ihrer Seite eine Gefahr für Euch.“ Manche sagen, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, daraufhin gesagt habe: „O Allah, beschütze ihn, so wie Abu Ayyub die ganze Nacht mit meinem Schutz beschäftigt war.“
Auf dem Rückweg von Chaibar machte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, an einem Ort Halt. Im letzten Teil der Nacht sagte er: „Wer übernimmt es, uns zur Zeit des Morgengebets zu wecken, damit wir nun schlafen können?“ Bilal (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) sagte: „O Gesandter Allahs, ich kann diese Aufgabe übernehmen.“ Darauf machten der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und die ihn begleitenden Muslime Halt und schliefen ein. In der Nacht begann Bilal (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) zu beten. Nachdem er eine Weile gebetet hatte, lehnte er sich an das Kamel und wartete im Sitzen auf den Morgen. Schließlich schlief er ein. Daher konnten der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und die muslimischen Glaubenskämpfer nicht zur vorgesehenen Zeit aufwachen. Sie erwachten erst, als die sengenden Sonnenstrahlen sie berührten. Als Erster erwachte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Gleich nach dem Aufstehen sagte er zu Bilal (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm): „Bilal, was hast du heute getan?“ Er antwortete: „O Gesandter Allahs, auch ich wurde von demselben Schlaf überwältigt, der Euch erfasst hatte.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Du hast die Wahrheit gesagt.“ Danach ritt er mit seinem Kamel ein kurzes Stück weiter. Dann ließ er das Kamel anhalten und vollzog die Gebetswaschung. Auch die Gefährten vollzogen die Gebetswaschung. Anschließend befahl er Bilal, zum Beginn des Gebets den Iqama-Ruf zu sprechen. Dieser sprach den Iqama-Ruf. Darauf betete der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, mit den Gefährten. Nach dem Gebet wandte er sich an die Gefährten und sagte: „Wenn ihr jemals ein Gebet vergessen habt, dann verrichtet es, sobald ihr euch daran erinnert. Denn Allah hat gesagt: ‚Verrichte das Gebet zu Meinem Gedenken.‘“
Nach dem Sieg über Chaibar erlaubte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Ibn Luqaym al-Abasi (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm), sämtliche Hühner und Haustiere von Chaibar zu halten. Der Sieg über Chaibar wurde im Monat Safar errungen. Ibn Luqaym trug ein Gedicht über Chaibar vor, das folgendermaßen lautet:
„Durch einen Propheten, umgeben von einem wilden, draufgängerischen Heer in weißen Gewändern,“
wurde Nata angegriffen,
als die Bewohner Natas zerstreut auseinanderliefen
und die beiden Stämme Aslam und Ghifar sich darin voneinander trennten,
da waren sie sich ihrer Niederlage gewiss.
Die Leute der Banū ʿAmr ibn Zurʿ sahen schon im Morgengrauen,
dass die Bewohner von asch-Schikka mitten am Tag in tiefste Finsternis gestürzt waren.
Über ihre gesamte Ebene waren Zerstörung und Tod dahingeeilt.
Nichts hatte es verschont außer den Hähnen, die im Morgengrauen krähten.
Und jede Festung hatten ʿAbd asch-Ashhal
oder die Reiter der Banū Nadschdschār eingenommen.
[Asch-Ashhal und Banū Nadschdschār sind die Namen zweier Stämme der Ansār.]
Und die Muhādschirūn, die ihre Stirnen über den Helmen entblößt haben –
Die nicht einmal daran denken können zu fliehen.
Ich wusste, dass Muhammad gewiss siegen würde und
dort über alle Zeiten hinweg bleiben würde.
Durch das Geschrei und Gebrüll jenes Tages gingen den Juden die Augen auf.“
Die Rückkehr Jaʿfars ibn Abī Ṭālib aus Abessinien
Ibn Hischām sagt:
Asch-Schaʿbī berichtet, dass Jaʿfar, der Sohn Abū Ṭālibs, am Tag der Eroberung von Chaibar zum Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, zurückkehrte. Er küsste ihn auf die Stirn, umarmte ihn und sagte: „Heute kann ich nicht entscheiden, ob ich mich mehr über die Eroberung Chaibars oder über Jaʿfars Rückkehr freue.“ Ibn Isḥāq sagt: ʿAmr ibn Umayya ad-Damrī wurde zum Nadschāschī gesandt, um jene Gefährten des Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, zurückzuholen, die in Abessinien geblieben waren. Er brachte sie auf zwei Schiffen zurück. Zu dieser Zeit hielt sich der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, nach Abschluss des Vertrags von al-Hudaibiyya in Chaibar auf. Zu den Gefährten, die dort im Exil gelebt hatten, gehörten aus dem Stamm Banū Hāschim ibn ʿAbd Manāf: Jaʿfar ibn Abī Ṭālib, seine Frau Asmāʾ bint ʿUmaīs al-Chathʿamiyya und sein Sohn ʿAbdullāh ibn Jaʿfar, der während ihres Aufenthalts in Abessinien geboren worden war. Aus dem Stamm Banū ʿAbd Schams ibn ʿAbd Manāf: Chālid ibn Saʿīd ibn Umaiya, seine Frau Āmina bint Chalaf, sein Sohn Saʿīd und seine Tochter Ama – beide waren in Abessinien geboren worden. Ferner Chālids Bruder ʿAmr, Muʿaikīb ibn Abū Fāṭima, der später von ʿUmar ibn al-Chaṭṭāb zum Schatzmeister der islamischen Bayt al-Māl eingesetzt wurde, sowie Abū Mūsā al-Aschʿarī. Aus dem Stamm Banū Asad ibn ʿAbd al-ʿUzzā: al-Aswad ibn Nawfal ibn Chuwailid.
Aus dem Stamm Banū ʿAbd ad-Dār ibn Quṣayy: Dschahm ibn Qais.
Banu Zuhra: Amir ibn Abi Waqqas und Utba ibn Masud.
Banu Taym ibn Murra: Harith ibn Khalid ibn Sakhr.
Banu Jumah ibn Amr: Uthman ibn Rabi’a ibn Uhayyan.
Banu Sahm ibn Amr: Mahmiya ibn al-Dschaza.
Banu Adi ibn Ka’b: Ma’mar ibn Abdallah ibn Sadlaha.
Banu Amir ibn Lu’ayy: Abu Hatim ibn Amr und Malik ibn Rabi’a.
Banu Harith ibn Fihr ibn Malik: Harith ibn Abd al-Qays ibn Laqit.
Einige der Ehefrauen der dort verstorbenen Muslime kamen mit ihnen. Der Negus sandte insgesamt 16 Männer zusammen mit Amr ibn Damari auf zwei Schiffen. Unter den in Abessinien ausgewanderten Muslimen, die nicht an der Schlacht von Badr teilgenommen hatten, die während des Aufenthalts des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in Mekka nicht zurückgekehrt waren, sondern erst danach kamen, und die der Negus nicht auf diesen beiden Schiffen entsandt hatte, betrug die Gesamtzahl der Männer 34.
Die nachgeholte Umra: 7. Jahr nach der Hidschra: der Monat Dhul-Qaʿda
Nach der Rückkehr aus Chaibar blieb der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, von Rabīʿ al-awwal bis zum Monat Schawwāl in Medina. Während dieser Zeit zog er entweder selbst zu verschiedenen Feldzügen aus oder entsandte andere Gefährten.
Danach brach er im Monat Dhul-Qaʿda nach Mekka auf, um die im Vorjahr versäumte Umra nachzuholen. Im selben Monat des Vorjahres hatten die Götzendiener ihn unterwegs aufgehalten und ihn gezwungen, ohne die Umra zu vollziehen, umzukehren. Auf dieser Reise waren auch jene Muslime bei ihm, die ihn im Vorjahr begleitet und unter großer Armut, Entbehrung und Not gelebt hatten. Ibn ʿAbbās (Allah sei mit ihm zufrieden) berichtet: Die Quraisch versammelten sich und stellten sich in ihrem Versammlungshaus Dār an-Nadwa auf, um den Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, und seine Gefährten zu beobachten. Als der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, die al-Masdschid al-Harām betrat, legte er sein Obergewand so an, dass es unter seiner rechten Achsel hindurch und über seine linke Schulter verlief. Er hob seinen rechten Arm, sodass seine rechte Achsel sichtbar wurde, und sagte: „Heute wird Allah demjenigen Barmherzigkeit erweisen, der sich als stark erweist.“ Danach küsste er den Schwarzen Stein. Anschließend gingen er und seine Gefährten in zügigem, kraftvollem Schritt. Als sie hinter der Kaaba den Blicken der Quraisch entzogen waren, küsste er den Jemenitischen Eckstein, ging in normalem Schritt zum Schwarzen Stein und vollendete damit eine Runde. Danach ging er wieder wie zuvor in zügigem, kraftvollem Schritt. Auf diese Weise vollzog er drei Runden; die übrigen Runden beendete er im normalen Schritt.
Auf dieser Reise heiratete der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, Maimūna bint al-Hārith (Allah sei mit ihr zufrieden), während er sich im Ihrām-Zustand befand. al-ʿAbbās ibn ʿAbd al-Muttalib (Allah sei mit ihm zufrieden) hatte diese Heirat vermittelt.
Der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, blieb drei Tage in Mekka. Am dritten Tag kamen einige Quraischiten unter der Führung von Huwaibit ibn ʿAbd al-ʿUzzā und sagten zum Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden: „Die Frist eures Aufenthalts in Mekka ist abgelaufen. Verlasse daher Mekka.“ [80. Das heißt: Im Vertrag von al-Hudaibiya war eine Frist von drei Tagen festgelegt worden.]
Die Quraisch hatten ihm die Aufgabe übertragen, den Auszug des Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, zu veranlassen. Der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, sagte: „Was wäre dagegen einzuwenden, wenn ich hier in eurer Gegenwart die Heirat vollzöge, für euch ein Essen vorbereitete und ihr daran teilnähmt?“ Sie sagten: „Wir brauchen dein Essen nicht. Geh fort.“
Der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, verließ Mekka. Seinen Diener Abū Rāfiʿ ließ er zurück, damit er sich um Maimūna (Allah sei mit ihr zufrieden) kümmerte. Der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, gelangte nach Sarif nahe at-Tanʿīm. Abū Rāfiʿ kam mit Maimūna (Allah sei mit ihr zufrieden) zu ihm. Dort vollzog der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, mit Maimūna (Allah sei mit ihr zufrieden) die Ehe und kehrte anschließend nach Medina zurück. Ibn Hischām sagt: Nach der Überlieferung Abū ʿUbaidas wurde am Ende dieser Reise der folgende Vers offenbart: „Allah hat das Traumbild Seines Gesandten wahr gemacht. Ihr werdet gewiss, so Allah will, sicher und ohne Furcht in die Heilige Moschee eintreten, mit kahlgeschorenem oder gekürztem Haar. Er wusste, was ihr nicht wusstet, und bestimmte darüber hinaus einen nahen Sieg.“ (al-Fath, letzter Abschnitt)
Die Schlacht von Muʾta: 8. Jahr nach der Hidschra: Dschumādā al-ūlā
Den verbleibenden Teil des Dhul-Hiddscha und bis zum Radschab ath-Thani verbrachte er in Medina. In diesem Jahr übernahmen die Götzendiener die Leitung und Aufsicht über die Hadsch. Im Monat Dschumada al-awwal entsandte er unter dem Befehl von Zaid ibn Haritha ein muslimisches Heer nach Syrien. Dieses Heer traf am Ort Mu’ta auf den Feind. Der Befehl des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, lautete, dass Jaʿfar das Kommando übernehmen solle, falls Zaid als Märtyrer falle oder verwundet werde, und dass Abdullah ibn Rawaha als Befehlshaber eingesetzt werde, falls Jaʿfar als Märtyrer falle oder verwundet werde.
Dreitausend Muslime bereiteten sich zum Aufbruch in den Krieg vor. Als die Muslime kamen, um ihnen Lebewohl zu sagen und sie zu grüßen, begann Abdullah ibn Rawaha zu weinen. Die Leute fragten: „Warum weinst du?“ Er sagte: „Ich weine weder aus Liebe zur Welt noch aus Zuneigung zu euch. Ich hörte den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, einen Vers aus dem Koran rezitieren. In diesem Vers wird die Hölle erwähnt und gesagt:
„Jeder von euch muss zu ihr, zur Hölle, kommen. Das ist der endgültige Beschluss deines Herrn.“ (Maryam) Ich weiß nicht, wie ich gerettet werden kann, nachdem ich an die Seite der Hölle gelangt bin.“ Die Muslime trösteten ihn und sagten: „Möge Allah euch begleiten! Möge Er euch vor der Hölle bewahren und euch heil und sicher zu uns zurückbringen.“
Daraufhin rezitierte Abdullah ibn Rawaha folgendes Gedicht:
„Ich bitte den Allerbarmer um Vergebung und wünsche mir, dass
ich einen blutvergießenden, gewaltigen Schlag gegen die (Ungläubigen) führen kann.
Oder dass ich mit meiner nach (ihrem) Blut dürstenden Hand einen solchen Speerstich ausführen kann,
der (den Feind) rasch in den Tod stürzt und seine Leber und Eingeweide
wird es in Stücke reißen.
damit die Vorübergehenden an meinem Grab sagen können, dass dieser Mann
von Allah auf den Weg der Rechtleitung geführt und zu einem Glaubenskämpfer gemacht worden war und dass er
auf dem rechten Weg geleitet worden war.“
Daraufhin brach das Heer auf. Auch der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, begleitete sie ein Stück. Nachdem er sie nach einiger Entfernung verabschiedet hatte und zurückkehrte, trug Abdullah ibn Rawaha dieses Gedicht vor:
„Möge Allah den herausragenden Freund und den besten Verabschiedenden, von dem wir Abschied genommen haben,
in den Dattelgärten in Glück und Frieden wohnen lassen.“ Daraufhin setzte das muslimische Heer seinen Marsch fort. Als sie Ma’an in Scham (Syrien) erreichten, machten sie dort Halt. Dort erfuhren sie, dass der römische Kaiser Herakleios mit hunderttausend Soldaten bei Ma’ab im Gebiet von Balqa ein Lager aufgeschlagen hatte. Weitere hunderttausend Männer aus den Stämmen Lachm, Dschudham, Bahra und Bali hatten sich ihnen angeschlossen. An ihrer Spitze stand ein Mann aus dem Stamm Bali und ein weiterer aus dem Stamm Irasch als sein Gefährte. Er hieß Malik ibn Rafīla. Nachdem das muslimische Heer diese Nachrichten erhalten hatte, blieb es zwei Tage in Ma’an und beriet sich über das weitere Vorgehen. Schließlich beschlossen sie, dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, einen Brief zu schicken und ihn über die Zahl der feindlichen Truppen zu informieren. Er sollte entweder weitere Soldaten zu ihrer Unterstützung entsenden oder ihnen anweisen, was er für richtig hielt; danach würden sie entsprechend handeln.
Abdullah ibn Rawaha ermutigte die Muslime und sagte: „O Muslime! Was ihr heute ablehnt, war es doch, wonach ihr verlangt habt: das Martyrium. Wir kämpfen nicht aufgrund zahlenmäßiger Stärke oder zahlenmäßiger Überlegenheit. Wir kämpfen für die Lebensordnung, durch die Allah uns geehrt hat. So geht voran! Einer von zwei vortrefflichen Dingen ist uns gewiss bestimmt: der Sieg oder das Martyrium.“
Alle Muslime sagten: „Bei Allah, Ibn Rawaha hat die Wahrheit gesprochen.“
Danach rückten die Muslime vor. Als sie die Grenze von Balqa erreichten, standen sie dem vereinten römisch-arabischen Heer des Heraklius gegenüber. Der betreffende Ort in Balqa heißt Masharif. Der Feind kam näher. Die Muslime wichen zur Seite aus und bezogen in einem Dorf namens Mu’ta Stellung. Auf dem rechten Flügel des Heeres betrauten sie die Banu Udhra mit Qutba ibn Qatada (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) und auf dem linken Flügel den Ansari Ubayya ibn Malik (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) mit dem Befehl. Dann begann zwischen beiden Seiten ein heftiger Kampf. Der oberste Befehlshaber Zaid ibn Haritha trug das Banner des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und kämpfte mit äußerster Hingabe, bis er den Märtyrertod erlitt. Danach nahm Dschaʿfar ibn Abu Talib das Banner an sich. Er stieg von seinem Pferd, hieb ihm die Beine ab und kämpfte weiter, bis er den Märtyrertod erlitt. Kurz vor seinem Märtyrertod rezitierte er dieses Gedicht:
„Ah, wie wunderbar ist das Paradies und die Nähe zu ihm!
So vortrefflich und rein das Paradies ist, so vortrefflich ist auch sein Getränk.
Die Strafe der Römer ist nahe; sie sind Ungläubige und
im Vergleich zu mir viel geringer, auch wenn ich ihre Schläge abbekommen habe.“
Ibn Hischam sagt:
Aus zuverlässiger Quelle habe ich erfahren, dass Dschaʿfar ibn Abu Talib zunächst das Banner in seiner rechten Hand erhob. Als seine rechte Hand durch das Schwert des Feindes abgetrennt wurde, nahm er das Banner in die linke Hand. Auch diese Hand wurde abgetrennt. Daraufhin presste er es zwischen seine beiden Flügel und erlitt anschließend durch die Schläge des Feindes den Märtyrertod. Möge Allah mit ihm zufrieden sein. Zu dieser Zeit war er dreiunddreißig Jahre alt. Allah, der Erhabene, gab ihm im Paradies zwei Flügel, mit denen er umherfliegt, wohin er will. Es wird berichtet, dass ein römischer Soldat ihn mit einem Schwertstreich in zwei Teile spaltete.
Ibn Ishaq berichtet: Nachdem Dschaʿfar den Märtyrertod erlitten hatte, ergriff Abdallah ibn Rawaha das Banner und rückte zu Pferd vor. Er begann zu überlegen und etwas zu zögern, ob er vom Pferd steigen und am Kampf teilnehmen sollte. Dann sagte er zu sich selbst:
„Ich schwöre, o Ibn Rawaha, du musst dich auf dieses Schlachtfeld begeben,
entweder musst du hinabsteigen, oder du wirst es widerwillig tun müssen.
Wenn sich alle Menschen unter Kriegsgeschrei versammelt haben und unter ihnen
ein lautes Wehklagen ertönt,
warum sehe ich dich dann dem Paradies gegenüber gleichgültig?
Viele Tage hast du doch in Glück und Frieden verbracht,
obwohl du in Wahrheit in einem alten Gefäß
Du warst nichts als ein Tropfen Wasser.
O meine Seele, selbst wenn du heute nicht getötet wirst, musst du
eines Tages sterben.
Dies ist das Haus des Todes (das Schlachtfeld), in das du eingetreten bist.
Du hast bis jetzt alles erlangt, wonach du verlangt hast.
Wenn du nun wie jene beiden (Zayd und Jaʿfar) handelst
dann wirst du auf den rechten Weg geleitet werden.“
Danach stieg er vom Rücken des Pferdes. Da brachte ihm einer seiner Cousins ein Stück Fleisch am Knochen, gab es ihm und sagte: „Nimm, iss davon und gewinne etwas Kraft. Denn du hast dich in diesen letzten Tagen übermäßig angestrengt.“ Er nahm das Fleischstück und hatte gerade mit den Zähnen ein Stück davon abgerissen, als er auf einer Seite das heftige Kampfgetümmel und den Lärm der sich drängenden Menschen hörte. Da sagte er: „Und ich soll noch leben?“ Er warf das Fleischstück fort, nahm das Schwert in die Hand, rückte vor und erlitt im Kampf den Märtyrertod.
Danach nahm Thābit ibn Aqram aus dem Stamm Banū Adschlān das Banner in die Hand. Er sagte: „O Muslime! Bestimmt einstimmig einen Befehlshaber.“ Alle sagten: „Sie sind unser Befehlshaber.“ Er sagte: „Ich bin dieser Aufgabe nicht gewachsen.“ Daraufhin bestimmten die Muslime Chālid ibn al-Walīd zum Befehlshaber. Er nahm das Banner in die Hand und kämpfte tapfer. Mit dem Heer zog er einmal an einen Flügel und rückte dann wieder vor. So setzte er den Kampf fort. Als er sich einmal zu einem Flügel begeben hatte, zog auch das byzantinische Heer dorthin und ergriff die Flucht. Danach kehrte er mit dem muslimischen Heer nach Medina zurück. Es wird überliefert, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, als das muslimische Heer vom Feind angegriffen wurde, sagte: „Zayd ibn Hāritha hatte das Banner erhoben und war im Kampf als Märtyrer gefallen. Danach hatte Dschāʿfar das Banner erhoben und war im Kampf als Märtyrer gefallen.“ Danach schwieg der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Da wurden die Gesichter der Ansār bleich. Sie dachten, dass ʿAbdullah ibn Rawāha vielleicht etwas Unangenehmes zugestoßen sei. Nach einer Weile sagte er: „Nach Dschāʿfar hatte ʿAbdullah ibn Rawāha das Banner erhoben und war im Kampf als Märtyrer gefallen.“ Danach sagte er: „Ich habe im Traum gesehen, dass diese drei im Paradies auf goldene Ruhebetten gesetzt wurden. Ich sah, dass das Ruhebett von ʿAbdullah ibn Rawāha etwas schief war. Ich fragte: ‚Aus welchem Grund ist das geschehen?‘ Mir wurde geantwortet, dass Zayd und Dschāʿfar ohne den geringsten Augenblick zu zögern in den Kampf gestürzt waren.“
Chālid zog mit seinen Leuten und Soldaten nach Medina zurück. Als sie sich Medina näherten, gingen der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und die gewöhnlichen Muslime ihnen entgegen, um sie zu empfangen. Besonders die Kinder und Jungen und Mädchen liefen ihnen mit noch größerer Geschwindigkeit entgegen. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ritt auf dem Rücken eines Reittiers und zog gemeinsam mit der muslimischen Bevölkerung weiter. Er sagte: „Nehmt die Kinder auf die Reittiere eines jeden von euch. Und bringt mir den Sohn Dschāʿfars.“ ʿAbdullah ibn Dschāʿfar wurde zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gebracht. Er setzte ihn vor sich auf das Reittier.
Zu dieser Zeit warfen die Muslime von Medina Erde in Richtung dieses Heeres und riefen: „O ihr Flüchtlinge! Ihr seid zum Dschihad auf Allahs Weg gezogen und habt die Flucht ergriffen.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Nein, sie sind nicht geflohen. Vielmehr werden sie, so Allah will, einen neuen Angriff führen.“
Als die aus der Schlacht von Muʾta zurückgekehrten Gefährten zu dieser Zeit das Gedicht von Hassān ibn Thābit hörten, brachen sie in Tränen aus. Der Sinn des Gedichts lautet wie folgt:
„In Medina verbrachte ich eine besonders schmerzvolle Nacht
Als alle Menschen schliefen, konnte ich nicht schlafen.
Die Erinnerung an meinen Freund ließ einen Strom von Tränen aus meinen Augen fließen,
Denn wahrlich, die Erinnerung ist der wichtigste Auslöser des Weinens.“
Wahrlich, einen Freund zu verlieren, ist eine große Prüfung,
doch es gibt viele edle Menschen, die angesichts einer Prüfung
Geduld bewahren.
Ich sah die besten Muslime, wie sie einer nach dem anderen, Schar um Schar,
in die Schlacht stürzten, und unmittelbar nach ihnen stürzten ihre Nachkommen ebenfalls hinein.
Diese Männer, die in Muʾta einer nach dem anderen den Märtyrertod erlitten,
wird Allah niemals der Erlangung Seiner Nähe berauben,
zu den herausragenden unter ihnen gehörte Jaʿfar mit den zwei Flügeln,
Zayd und Abdullah. Wahrlich, die Todesursachen waren äußerst schrecklich.
Eines Morgens zogen sie mit den Gläubigen in den Kampf; ein glücklicher
Mann war ihr Befehlshaber.
der unter den Banu Hashim wie der Vollmond strahlte,
jener wagemutige Held, der sich weigerte, Unterdrückung hinzunehmen.
Dann führte er einen heftigen Angriff gegen den unbesiegbaren Götzendiener auf dem Schlachtfeld.
Schließlich brach er eines Tages erschöpft zusammen.
Und er schloss sich den Reihen der Märtyrer an, deren Lohn das Paradies ist
und dichte grüne Wälder.
Wir bemerkten bei Jaʿfar unbedingten Gehorsam gegenüber Muhammad und
eine entschlossene Führung bei der Erteilung von Befehlen.
Im Stamm der Banū Hāschim bestehen die Säulen von Würde und Ruhm noch immer fort.
Sie sind wie die Berge des Islams, und ihre Gefährten
unter jenen würdevollen, edlen und rechtschaffenen Männern befinden sich Jaʿfar, ʿAlī,
der allseits verehrte Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Hamza, ʿAbbās und ʿAqīl.
Denn wo auch immer der Sandelholzbaum ausgepresst wird, von dort
Das Extrakt des Sandelholzes (d. h. des wohlriechenden Holzes) muss zwangsläufig hervortreten.
(Das heißt, ganz gleich, in welcher Familie aus dem Geschlecht der Banū Ḥamīm ein Kind geboren wird,
es wird wie die zuvor genannten Kinder sein. Ganz gleich, in welcher Familie dieses Geschlechts
es geboren wird.)
Wenn die Menschen bei einem schwierigen Problem ratlos und in Bedrängnis geraten,
wird die Krise durch sie gelöst.
Sie alle sind Allah nahestehende Menschen; ihnen hat Allah
Seine Anordnung offenbart, und
Bei ihnen ist jenes heilige Buch sicher verwahrt.“
Die Eroberung Mekkas: 8. Hidschra-Jahr, Monat Ramadan
Nach der Schlacht von Muʾta hielt sich der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, in den Monaten Dschumādā ath-Thāniya und Radschab in Medina auf.
Zu dieser Zeit griff Banū Bakr den Stamm Banū Chuzāʿa ungerechtfertigt an. Der Grund für diesen Angriff war, dass die Angehörigen von Chuzāʿa vor dem Aufkommen des Islam einen Mann namens Mālik ibn ʿAbbād aus dem Stamm der Banū Hadramī getötet und alles, was er bei sich hatte, an sich genommen hatten, als er aus geschäftlichen Gründen das Siedlungsgebiet der Chuzāʿa durchquerte. Daraufhin fiel Banū Bakr über einen Mann aus Chuzāʿa her und tötete ihn. Als Vergeltung tötete der Stamm Chuzāʿa kurz vor dem Aufkommen des Islam die drei Söhne Aswads – Salma, Kulthūm und Zuʿayb –, des Anführers von Banū Dāʾil, einem Zweig der Banū Bakr, nahe der Grenze des heiligen Bezirks. Denn Aswad war der Bluträchende des Hadramī. Wegen dieser Angelegenheit herrschte zwischen Banū Bakr und Banū Chuzāʿa schon seit Langem heftige Spannung. Mit dem Aufkommen des Islam legte sich diese Spannung zwischen den beiden Stämmen, und ihre Aufmerksamkeit wandte sich dem Islam zu. Der von den Quraisch und dem Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, geschlossene Waffenstillstand von al-Hudaibiya enthielt die Bedingung, dass keine dritte Partei ein Bündnis mit Muhammad, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, oder mit den Quraisch eingehen durfte. Dementsprechend erklärte Banū Bakr seine Bündnistreue zu den Quraisch und Banū Chuzāʿa seine Bündnistreue zum Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden.
Nach dem Abschluss des Vertrags glaubte Banū Dāʾil, ein Zweig der Banū Bakr, die beste Gelegenheit erhalten zu haben, die Ermordung der drei erwähnten Söhne Aswads durch Banū Chuzāʿa zu rächen. Daher leitete Nawfal ibn Muʿāwiya, das Oberhaupt der Familie Banū Dāʾil, die Vergeltung ein. Es sei angemerkt, dass dieser Mann keinerlei Autorität über die gesamten Banū Bakr besaß. Eines Nachts, als Angehörige des Stammes Chuzāʿa an ihrer eigenen Quelle al-Watīr verweilten, töteten Nawfal und seine Gefährten einen der Chuzāʿa. Und damit nahm das Unheil seinen Lauf. Beide Stämme schlossen sich mit anderen Stämmen zusammen und gerieten in einen erbitterten Kampf. Die Quraisch gaben Banū Bakr zu dieser Zeit Waffen, und viele Quraisch kämpften mit ihrer Unterstützung heimlich im Schutz der Nacht gegen die Chuzāʿa. Völlig verzweifelt suchte der Stamm Chuzāʿa Zuflucht innerhalb des verbotenen Bezirks der al-Masdschid al-Harām. Die rachsüchtigen Angehörigen des Stammes Dāʾil verfolgten sie unter der Führung Nawfals bis zum heiligen Bezirk. Die Angehörigen der Banū Bakr sagten zu Nawfal: „O Nawfal, halte jetzt ein! Wir befinden uns nun innerhalb des heiligen Bezirks. Fürchte Allah!“
Da äußerte Nawfal etwas Entsetzliches. Er sagte: „Heute hat er keinen Gott und keinen Herrn. O Banū Bakr, vollzieht die Vergeltung! Ihr scheut euch doch nicht einmal davor, im heiligen Bezirk zu stehlen. (Es sei angemerkt, dass den Quraisch vorgeworfen wurde, zahlreiche äußerst wertvolle, aus Gold gefertigte Götzenbilder aus der Kaʿba zu stehlen.) Warum scheut ihr euch dann hier davor, Vergeltung zu üben?“ Schon zuvor hatte es ihren Durst nicht gestillt, dass sie in der Dunkelheit der Nacht an der Quelle von al-Watīr einen schwachen Mann aus Chuzāʿa namens Munabbih getötet hatten. Munabbih war mit einem anderen Mann aus seinem Stamm namens Tamīm ibn Asad aufgebrochen. Munabbih sagte: „O Tamīm, sorge dafür, dass du dich selbst rettest. Ich werde ohnehin sterben. Sie werden mich entweder töten oder freilassen.“ Tamīm floh von dort, und sie töteten Munabbih.
Obwohl die Angehörigen der Chuzāʿa in Mekka im Haus Rāfiʿs, eines ehemaligen Sklaven ihres Verbündeten Budayl ibn Warāqa, Zuflucht gesucht hatten, kamen bei dem gemeinsamen Angriff von Banū Bakr und den Quraisch viele Angehörige der Chuzāʿa ums Leben. Auf diese Weise töteten die Quraisch ihren Verbündeten Banū Chuzāʿa an einem verbotenen Ort im heiligen Bezirk und brachen damit den Waffenstillstandsvertrag von al-Hudaibiya. Danach begaben sich ʿAmr ibn Sālim al-Chuzāʿī und ein Mann aus Banū Kaʿb nach Medina, trafen den Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, und berichteten ihm alle Ereignisse. Dieses Ereignis war einer der Gründe für die Eroberung Mekkas. Als der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, in der Moschee saß und von Menschen umgeben war, kam er dorthin, trug ein Gedicht vor und bat ihn um Hilfe. Der Inhalt des Gedichts lautet:
„O Herr! Ich möchte Muhammad an das alte Bündnis zwischen unseren Vätern und seinem Vater erinnern und ihn bitten, es zu erneuern. Ihr wart Kinder, und wir waren Väter. Dort haben wir den Islam angenommen und ihn nicht wieder verlassen. Möge Allah dich rechtleiten. Hilf uns unverzüglich und rufe die Diener Allahs auf, damit sie zur Hilfe eilen. Unter ihnen befindet sich der Gesandte Allahs, der sich vom Bündnis losgelöst hat. Wenn ihm Schande zugefügt wird, wird Schmach auf sein Antlitz gelegt. Er befindet sich bei einem Heer, das wie das Meer mit Schaumwogen dahinströmt. Wisse: Die Quraisch haben deinen Vertrag gebrochen. Sie haben deinen Waffenstillstand verletzt und an einem Ort namens al-Kadāʾ einen Hinterhalt für mich gelegt. Sie sind zahlenmäßig gering und an Stärke verhältnismäßig schwach. Sie haben die Nacht heimlich bei al-Watīr verbracht.“
Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, diese Geschichte hörte, sagte er: „O ʿAmr, dir wird geholfen werden.“ Unmittelbar danach sah er ein Stück Wolke am Himmel und sagte: „Dieses Wolkenstück wird den Anfang der Unterstützung für die Banū Kaʿb bilden.“
Danach ging Budail ibn Warqāʾ mit einigen Männern der Banū Chuzāʿa nach Medina und traf den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Er berichtete ihm von ihrem Unglück und den Leiden, die die Quraisch ihnen zufügten, indem sie die Banū Bakr gegen sie aufhetzten. Danach kehrte er nach Mekka zurück. Zuvor hatte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, den Muslimen mitgeteilt: „Ihr könnt davon ausgehen, dass Abū Sufyān zu euch kommen und vorschlagen wird, den Friedensvertrag unverletzlich zu machen und seine Laufzeit zu verlängern.“
Als Budail ibn Warqāʾ und seine Gefährten nach Mekka zurückkehrten, trafen sie in ʿUsfān auf Abū Sufyān ibn Ḥarb. Die Quraisch hatten ihn zum Gesandten Allahs geschickt, damit der Friedensvertrag unverletzlich gemacht und seine Laufzeit verlängert werde. Denn sie waren wegen dessen, was sie den Banū Chuzāʿa angetan hatten, in Furcht geraten. Sobald Abū Sufyān Budail ibn Warqāʾ begegnete, fragte er ihn: „Budail, woher kommst du?“ Er vermutete, dass Budail beim Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gewesen war. Budail antwortete: „Ich war mit einigen Männern der Banū Chuzāʿa in dieser Gegend unterwegs.“ Abū Sufyān sagte: „Bist du nicht zu Muḥammad gegangen?“ Er antwortete: „Nein.“ Als Budail nach Mekka weitergezogen war, ging Abū Sufyān zu der Stelle, an der Budails Kamel gehalten hatte, und untersuchte dessen Dung. Als er darin Dattelkerne sah, sagte er: „Sicherlich ist Budail zu Muḥammad gegangen.“ Den Dattelkern betrachtete er als Zeichen dafür, dass Budail nach Medina gegangen war.
Daraufhin brach Abū Sufyān auf, ging nach Medina zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und suchte seine Tochter, die Umm al-Muʾminīn Umm Ḥabība, auf. Als er sich auf das Bett des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, setzen wollte, zog Umm Ḥabība das Bett weg. Als Abū Sufyān dies sah, sagte er: „Meine Tochter, hältst du mich etwa nicht für würdig, auf diesem Bett zu sitzen?“ Umm Ḥabība sagte: „Es ist das Bett des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Du aber bist ein Götzendiener und unrein. Ich möchte nicht, dass du auf dem Bett des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sitzt.“ Abū Sufyān sagte: „Meine Tochter, du bist schlecht geworden, seit du dich von mir abgewandt hast.“
Abū Sufyān trat vor den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und sprach mit ihm. Doch dieser beantwortete keines seiner Worte. Danach ging er zu Abū Bakr, möge Allah mit ihm zufrieden sein, und bat ihn, beim Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, für ihn Fürsprache einzulegen. Abū Bakr, möge Allah mit ihm zufrieden sein, wies diese Bitte unmittelbar zurück.
Danach ging er zu ʿUmar ibn al-Chaṭṭāb, möge Allah mit ihm zufrieden sein, und stellte eine ähnliche Bitte. ʿUmar sagte: „Was sagst du da? Soll ich beim Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, für dich Fürsprache einlegen? Bei Allah, selbst wenn ich keinen Helfer außer mir hätte, würde ich gegen dich kämpfen!“
Danach ging er zu ʿAlī ibn Abī Ṭālib, möge Allah mit ihm zufrieden sein. Dort war Fāṭima, die Tochter des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Vor ihr krabbelte der kleine al-Ḥasan, möge Allah mit ihm zufrieden sein. Er sagte: „O ʿAlī, du bist mir gegenüber der Barmherzigste. Ich bin mit einem besonderen Anliegen zu dir gekommen. Ich möchte nicht erfolglos zurückkehren. Lege daher beim Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Fürsprache für mich ein.“ Er sagte: „Wehe dir, o Abū Sufyān! Bei Allah, der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, hat in einer Angelegenheit einen Entschluss gefasst, und wir können mit ihm darüber nicht sprechen.“
Als Abū Sufyān keinen anderen Ausweg mehr sah, blickte er Fāṭima, möge Allah mit ihr zufrieden sein, an. Er sagte: „O Tochter Muḥammads! Würde es dir gefallen, wenn dein kleiner Sohn diesen Menschen den Befehl gäbe, sie zu schützen, und dadurch für immer zum Anführer der Araber würde?“ Fāṭima, möge Allah mit ihr zufrieden sein, sagte: „Mein Sohn ist noch nicht dazu befähigt, die Menschen zu schützen. Außerdem kann niemand jemanden gegen den Willen des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, schützen.“
Abu Sufyan sagte: „O Ali! Ich sehe, dass die Lage gegen mich ist. Gib mir nun einen guten Rat.“ Ali (Allah habe Wohlgefallen an ihm) sagte: „Einen Rat, der dir von Nutzen sein könnte, weiß ich nicht. Doch du bist der Anführer des Stammes Banu Kinana. Geh und sorge für den Schutz der Menschen. Danach bleib an deinem Geburtsort.“ Er fragte: „Werde ich dadurch gerettet werden?“ Ali (Allah habe Wohlgefallen an ihm) sagte: „Das glaube ich nicht; doch außer diesem sehe ich für dich keinen anderen Ausweg.“ Daraufhin ging Abu Sufyan zur Moschee und rief aus: „O Leute! Ich habe die Verantwortung für den Schutz aller Bewohner von Mekka übernommen.“ Damit bestieg er sein Kamel und zog fort. Als er zu den Quraisch kam, fragten sie ihn: „Wie ist es dir ergangen?“ Er antwortete: „Ich ging zu Muhammad und sprach mit ihm. Er beantwortete kein einziges meiner Worte. Dann ging ich zu Abu Bakr. Auch er sagte nichts Hoffnungsvolles. Danach ging ich zu Umar. Ich fand in ihm den erbittertsten Feind. Dann suchte ich Ali auf. Er schien mir von allen der nachgiebigste zu sein. Ali riet mir, eine bestimmte Sache zu tun. Das habe ich getan. Ich weiß nicht, ob es etwas bewirken wird.“
Alle fragten: „Was hat Ali dir aufgetragen?“ Abu Sufyan sagte: „Er sagte mir, ich solle Maßnahmen zum Schutz der Bewohner von Mekka ergreifen. Das habe ich verkündet, bevor ich herkam.“ Die Leute fragten: „Hat Muhammad dir erlaubt, dies zu tun?“ Er antwortete: „Nein.“ Die Leute sagten: „Dann hat Ali sich lediglich über dich lustig gemacht. Das wird dir keinen Nutzen bringen.“ Er sagte: „Aber außer diesem hatte ich keinen Ausweg.“
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, wies alle Muslime in Medina sowie seine Familie an, sich auf die Reise vorzubereiten. Abu Bakr (Allah habe Wohlgefallen an ihm) ging zu seiner Tochter Aischa (Allah habe Wohlgefallen an ihr) und sah, dass sie ihre Sachen zusammenpackte. Da sagte er: „O Aischa, hat der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, euch angewiesen, euch auf die Reise vorzubereiten?“ Aischa (Allah habe Wohlgefallen an ihr) sagte: „Ja, Vater, bereite auch du dich vor.“ Abu Bakr fragte: „Wohin, glaubst du, will er reisen?“ Aischa sagte: „Ich weiß es nicht.“ Danach teilte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, den Muslimen unmissverständlich mit, dass er nach Mekka aufbrechen werde. Er forderte sie auf, sich für die Reise bereit zu machen. Außerdem sagte er: „O Allah, halte alle Nachrichten über unsere Vorbereitungen vor den Quraisch geheim, damit wir sie überraschend überfallen können.“ Die Muslime waren innerhalb kurzer Zeit bereit.
Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, alle Vorbereitungen für den Aufbruch nach Mekka getroffen hatte, schickte der Gefährte Hatib ibn Abi Balta’a (Allah habe Wohlgefallen an ihm) durch eine Frau einen Brief an die Quraisch. Darin teilte er ihnen mit, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, den Aufbruch nach Mekka vorbereite. Die Frau verbarg den Brief in ihrem Haarknoten und machte sich auf den Weg. Sofort offenbarte Allah, der Erhabene, dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, durch die Offenbarung Hatibs heimliches Vorgehen. Er schickte unverzüglich Ali ibn Abi Talib (Allah habe Wohlgefallen an ihm) und az-Zubair ibn al-Awwam (Allah habe Wohlgefallen an ihm) mit dem Auftrag los: „Fangt unterwegs diese Frau ab und nehmt ihr Hatibs Brief ab, damit Hatib die Bewohner von Mekka über alle Einzelheiten unserer Vorbereitungen für den Feldzug informiert und sie warnt.“ Beide machten sich auf den Weg und holten sie an einem Ort namens al-Chalifa ein. Sie ließen sie von ihrem Kamel steigen und suchten im Sänftenkorb ihres Kamels nach dem Brief, fanden ihn jedoch nicht. Ali (Allah habe Wohlgefallen an ihm) sagte: „Bei Allah! Die Aussage des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, kann nicht falsch sein, und auch wir lügen nicht. Gib den Brief heraus, sonst werden wir deinen Körper durchsuchen.“
Als die Frau sah, dass Ali (Allah habe Wohlgefallen an ihm) nicht nachgab, sagte sie: „Dreh dich zur anderen Seite um.“ Er wandte sich ab. Die Frau löste ihren Haarknoten und holte den Brief heraus. Ali (Allah habe Wohlgefallen an ihm) und az-Zubair (Allah habe Wohlgefallen an ihm) brachten den Brief zum Gesandten Allahs.
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ließ Hatib rufen und fragte ihn nach dem Grund, aus dem er den Brief geschickt hatte. Hatib sagte: „Bei Allah! Mein Glaube an Allah und Seinen Gesandten hat sich nicht im Geringsten verändert. In Mekka habe ich keine Verwandten. Unter den Quraisch jedoch befinden sich meine Frau und meine Kinder. Deshalb wollte ich auf diese Weise ihr Wohlwollen gewinnen.“
Umar ibn al-Khattab (Allah habe Wohlgefallen an ihm) sagte: „O Gesandter Allahs, er hat Heuchelei begangen. Erlaube mir, ihm den Kopf abzuschlagen.“
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „O Umar, du weißt es nicht. Vielleicht hat Allah, der Erhabene, zu den Teilnehmern der Schlacht von Badr am Tag von Badr gesagt: ‚Tut, was ihr wollt; Ich habe euch vergeben.‘“
Allah, der Erhabene, offenbarte bezüglich Hatibs im Kapitel al-Mumtahina folgende Verse: „O ihr, die ihr glaubt! Nehmt diejenigen, die Meine und eure Feinde sind, nicht zu Freunden, indem ihr ihnen Zuneigung und Liebe entgegenbringt. ……… Im Verhalten Ibrahims und seiner Gefährten liegt für euch ein vortreffliches Vorbild. Er sagte zu seinem Volk: ‚Wir haben nichts mit euch und mit denen zu schaffen, die ihr außer Allah verehrt. Wir weisen jede Beziehung zu euch zurück. Zwischen uns und euch ist dauerhafte Feindschaft entstanden, bis ihr allein Allah als den Anbetungswürdigen anerkennt.‘“
Danach brach der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zum Feldzug nach Mekka auf. Zu dieser Zeit ernannte er Abū Burhūm al-Ghifārī zu seinem Stellvertreter in Medina. Er brach auf, nachdem zehn Tage des Ramadan vergangen waren. Er selbst und alle Muslime fasteten. Als sie den Ort Qudayd erreichten, der zwischen Usfān und ihnen lag, brachen alle ihr Fasten.
Von dort brach er mit zehntausend Muslimen erneut auf und legte in Marr az-Zahrān eine Rast ein. Unterwegs schlossen sich ihm etwa siebenhundert – einer anderen Überlieferung zufolge tausend – Männer der Banū Sulaym sowie tausend Männer der Banū Muzayna an. Zu jener Zeit gab es in Arabien keinen Stamm, aus dem nicht eine beträchtliche Zahl von Menschen den Islam angenommen hatte. Alle Muhādschirūn und Ansār nahmen am Feldzug des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nach Mekka teil; keiner von ihnen blieb zurück.
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, legte in Marr az-Zahrān eine Rast ein. Bis dahin hatten die Quraisch nicht die geringste Ahnung von seinem Aufbruch oder davon, was er zu unternehmen beabsichtigte. Eines Nachts machten sich Abū Sufyān ibn Harb, Hakīm ibn Hizām und Budayl ibn Warqāʾ auf, um Nachrichten über den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, einzuholen. Unterwegs begegnete ʿAbbās ibn ʿAbd al-Muttalib (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, an einem Ort. Abū Sufyān ibn al-Hārith und ʿAbdullāh ibn Umayya ibn al-Mughīra gelangten unterwegs an den Ort Nayf al-ʿUqāb (zwischen Mekka und Medina), wo sie sich zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, begaben. Als sie um eine Begegnung mit ihm baten, sagte Umm al-Muʾminīn Umm Salama (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr): „O Gesandter Allahs, dein Cousin und dein Schwager sind gekommen.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Ich habe keinen Bedarf an ihnen. Mein Cousin hat mich beleidigt, und mein Schwager (ʿAbdullāh ibn Umayya, der Halbbruder Umm Salamas) hat mich während seines Aufenthalts in Mekka aufs Schärfste bekämpft.“
Als sie beide diese Antwort erhielten, sagte Abū Sufyān ibn al-Hārith: „Wenn der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, mir keine Gelegenheit zu einer Begegnung gibt, werde ich mit diesem meinem Sohn ziellos irgendwohin ziehen und langsam vor Hunger und Durst sterben.“
Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, dies hörte, wurde sein Herz weich. Er gab seine Erlaubnis. Daraufhin gingen die beiden zu ihm und nahmen den Islam an. Abū Sufyān ibn al-Hārith bat um Vergebung für die Schmähgedichte, die er zuvor über den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, vorgetragen hatte. Nach seiner Annahme des Islam trug er ein neues Gedicht vor. Sein Inhalt lautet folgendermaßen:
„An dem Tag, an dem ich als Befehlshaber kämpfe, wird Muhammads Heer
über das Heer der Götzendiener gewiss den Sieg davontragen.
(Das Heer der Götzendiener) wie ein orientierungsloser Wanderer in der Dunkelheit der Nacht.
Heute ist mein Tag gekommen, da ich Rechtleitung erlangt habe.
Jener, der zur Rechtleitung führt, hat mich rechtgeleitet und mich verwandelt
und mich zur Nähe Allahs geführt
dessen Nähe ich einst von mir gewiesen hatte.
An jenem Tag hatte ich mich Muhammad in den Weg gestellt und
mich von ihm abgewandt und Kriegsvorbereitungen getroffen,
doch von Muhammads Seite wurde ich gerufen
obwohl ich mich ihm nicht angeschlossen hatte.
Er blieb auf dem Weg, den er beschritt – den Launen der Götzendiener entsprechend
sprach er nicht.
obwohl er als jemand sprach, der die richtige Ansicht vertrat
dennoch wurde er als Lügner bezeichnet.
Solange ich noch keine Rechtleitung erhalten hatte, wollte ich sie (die Götzendiener) bei jeder Zusammenkunft zufriedenstellen
und schloss mich der (muslimischen) Gemeinschaft nicht an.
So sage Banū Saqīf, dass ich nicht gegen sie kämpfen will.
Sag den Banū Thaqīf, sie sollen nicht mich, sondern jemand anderen einschüchtern.
Denn ich war nicht in jener Armee, die
den Ort angegriffen hatte
und dieser Angriff nicht durch meine Zunge oder meine Hand erfolgt war.
In jener Armee befanden sich die aus fernen Gegenden stammenden Stämme sowie
die unbekannten Krieger aus Sihām und Surdād.“
Es wird berichtet, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, als er diesen Teil des Gedichts rezitierte: „Derjenige, den ich weit von mir gestoßen hatte, hat mich in die Nähe Allahs gebracht“, an seine Brust klopfte und sagte: „Du warst es doch, der mich von sich gestoßen hat.“
Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in Marr az-Zahrān Rast machte, geriet al-Abbās ibn ʿAbd al-Muttalib in große Sorge. Er erkannte, dass die Quraisch für immer vernichtet würden, wenn sie nicht von sich aus zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, kämen und einen Friedensvertrag schlossen und er gewaltsam in Mekka einzöge.
Abbas (möge Allah mit ihm zufrieden sein) berichtet: Ich bestieg das weiße Maultier des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und kam nach al-Arak. Dort hielt ich Ausschau, ob irgendein Holzfäller, Milchverkäufer oder sonst jemand nach Mekka unterwegs war. Dann wollte ich die Bewohner von Mekka über das Eintreffen des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, informieren, damit sie zu ihm kämen und Frieden schlossen, bevor er gewaltsam in Mekka einzog.
Während ich mit dieser Suche beschäftigt war, hörte ich Abu Sufyan und Budail ibn Warqa miteinander sprechen. Abu Sufyan sagte: „Noch nie habe ich ein solches Feuer gesehen wie in der vergangenen Nacht, und noch nie habe ich ein so großes Heer gesehen.“ Budail sagte: „Das muss das Heer des Stammes Chuza’a sein. Sie haben sich gewiss zum Kampf gerüstet.“ Abu Sufyan erwiderte: „Chuza’a besitzt weder eine solche Macht noch so viele Männer, dass sie so viele Feuer entzünden und ein so großes Heer versammeln könnten.“ Als ich Abu Sufyans Stimme erkannte, rief ich: „O Abu Sufyan!“ Er fragte: „Bist du etwa Abbas?“ Ich antwortete: „Ja.“ Er fragte: „Was gibt es Neues?“ Ich sagte: „Weißt du es nicht? Das sind der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und sein Heer. Bei Allah, die Quraisch sind dem Untergang nahe!“ Er fragte: „Was soll ich jetzt tun?“ Ich sagte: „Wenn der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, dich in seine Gewalt bekommt, wird er dich töten. Steig deshalb hinter mir auf dieses Maultier. Ich werde dich zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, bringen und für dich um Schutz bitten.“
Darauf stieg er hinter mir auf, während seine beiden Gefährten zurückkehrten. Ich ritt mit Abu Sufyan an den einzelnen Lagerfeuern des muslimischen Heeres vorbei. Alle fragten: „Wer ist das?“ Doch sobald sie einen Blick auf mich warfen und sahen, dass ich auf dem Maultier des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, saß, beruhigten sie sich wieder. Niemand bemerkte, dass Abu Sufyan hinter mir saß.
Als wir an Umar ibn al-Chattab (möge Allah mit ihm zufrieden sein) vorbeikamen, trat er auf mich zu. Als er Abu Sufyan hinter mir sitzen sah, sagte er: „O Feind Allahs, Abu Sufyan! Allah sei gedankt, dass Er dich uns ohne irgendeinen Vertrag ausgeliefert hat.“ Damit lief er zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Auch ich eilte schnell dorthin. Weder Umar noch das Maultier waren besonders schnell, doch das Maultier war ein wenig voraus. Ich stieg vom Maultier und ging zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Gleich darauf kam auch Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) dorthin und sagte: „O Gesandter Allahs! Hier ist Abu Sufyan. Allah hat ihn uns mühelos in die Hände fallen lassen, und wir haben mit ihm keinen Vertrag geschlossen. Erlaubt mir daher, ihm den Kopf abzuschlagen.“
Ich sagte: „O Gesandter Allahs! Ich habe ihm Schutz gewährt.“ Danach setzte ich mich zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zog Abu Sufyans Kopf zu mir und sagte: „Bei Allah, ich werde ihn in dieser Nacht mit niemandem außer mir allein lassen.“
Umar begann, vieles über Abu Sufyan zu sagen. Als ich das hörte, sagte ich: „Schweig, Umar! Wenn Abu Sufyan zum Stamm der Banu Ka’b gehörte – und die Banu Ka’b sind Umars Stamm –, würdest du nicht so sprechen. Du redest nur deshalb so, weil er zu den Banu Abd Manaf gehört.“
Umar sagte: „Abbas, sagen Sie so etwas nicht! Wenn mein Vater den Islam angenommen hätte, wäre mir Ihr Übertritt zum Islam lieber als sein Übertritt zum Islam.“
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „O Abbas, nimm Abu Sufyan mit zu dir und bringe ihn morgen früh zu mir.“
Ich nahm Abu Sufyan mit. In der Nacht blieb er bei mir. Am Morgen ging ich mit ihm zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm.
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „O Abu Sufyan, Schande über dich! Ist die Zeit für dich noch immer nicht gekommen, anzuerkennen, dass es keinen Gott außer Allah gibt?“ Er sagte: „Ihre Großzügigkeit, Ihre Größe und Ihre Fürsorge für Ihre Verwandten sind unvergleichlich. Meiner Ansicht nach hätte mir jeder andere Gott außer Allah bis jetzt geholfen, wenn es einen solchen gäbe.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte erneut: „O Abu Sufyan, Schande über dich! Hast du bis jetzt noch nicht erkannt, dass ich Allahs Gesandter bin?“ Abu Sufyan sagte: „Mögen meine Eltern für dich geopfert werden! Du bist so großzügig, nachsichtig und ehrenvoll gegenüber deinen Verwandten, dass ich es nicht in Worte fassen kann. Doch hinsichtlich deiner Eigenschaft als Gesandter habe ich noch immer einige Zweifel.“ Da sagte Abbas: „Schande über dich! Nimm den Islam an und bezeuge, dass es keinen Gott außer Allah gibt und dass Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Sein Gesandter ist, sonst wird dir augenblicklich der Kopf abgeschlagen.“
Abu Sufyan bezeugte die Wahrheit und nahm den Islam an. Danach sagte Abbas: „O Gesandter Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Abu Sufyan liebt ein wenig die Ehre. Gib ihm daher etwas Ehrendes.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Gut. Wer das Haus Abu Sufyans betritt, wird Sicherheit erlangen. Wer die Tür seines eigenen Hauses schließt, wird ebenfalls sicher sein. Auch demjenigen, der die Heilige Moschee betritt, wird nichts geschehen.“
Als Abu Sufyan daraufhin den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, verließ, um nach Mekka zurückzukehren, sagte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm: „O Abbas, halte ihn dort oben am Pass am Rand des Tals an, damit die Soldaten Allahs an ihm vorbeiziehen und er sie sehen kann.“ Abbas berichtet: Darauf ging ich hin und hielt ihn an dem Pass an, den der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, bezeichnet hatte. Danach zogen die verschiedenen Stämme in Reih und Glied hinter ihren jeweiligen Bannern vorbei. Wann immer ein Stamm an ihm vorbeizog, fragte er mich: „O Abbas, wer sind diese?“ Ich antwortete: „Das sind die Banu Sulaim oder die Banu Muzaina oder dieser oder jener Stamm.“ Abu Sufyan sagte sofort: „Mit ihnen kann ich mich überhaupt nicht messen.“ Danach rückte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, mit seinem eigenen grünen Heer vor. [81. Dieses Heer wurde grünes Heer genannt, weil sich in ihm die größte Menge an Gegenständen aus Eisen befand. (Ibn Hischam)] In ihm hatten sich die Auswanderer und die Ansar versammelt. In diesem Heer war außer scharfen Waffen aus Eisen nichts anderes zu sehen. Abu Sufyan sagte: „Preis sei Allah! Preis sei Allah! O Abbas, wessen Heer ist das?“ Ich antwortete: „In diesem Heer befindet sich selbst der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und mit ihm sind die Auswanderer und die Ansar.“ Er sagte: „Niemand ist in der Lage, diesem Heer entgegenzutreten. Bei Allah, o Abbas, dein Neffe wird morgen Herrscher über ein gewaltiges Reich sein.“ Ich sagte: „O Abu Sufyan, dies ist keine königliche Angelegenheit, sondern die Macht des Prophetentums.“ Er sagte: „Dann ist dies wahrlich etwas Wunderbares.“ Ich sagte: „Geh schnell zu den Quraisch.“ Abu Sufyan ging nach Mekka und verkündete: „O Quraisch, Muhammad ist mit einem Heer gekommen, dem ihr nicht entgegentreten könnt. Wer nun im Haus Abu Sufyans Zuflucht sucht, braucht keine Angst zu haben.“
Zu dieser Zeit ging Hind, die Tochter Utbas, zu Abu Sufyan, packte ihn am Schnurrbart und sagte: „O Quraisch, tötet diesen dickbäuchigen Vielfraß! Er hat sich dadurch entehrt, dass er die Würde der Führung des Volkes innehat.“
Abu Sufyan sagte: „Hütet euch vor eurem Untergang. Lasst euch nicht durch die Worte dieser Frau in die Irre führen. Ein unbezwingbares Heer ist über euch hergefallen. Unter diesen Umständen wird jeder sicher sein, der mein Haus betritt.“
Alle sagten: „Verflucht seist du! Was soll uns dein Haus nützen?“ Abu Sufyan sagte: „Wer die Tür seines eigenen Hauses schließt und wer die Moschee betritt, wird ebenfalls sicher sein.“
Alle Menschen begaben sich in ihre jeweiligen Häuser oder in die Heilige Moschee.
Abdullah ibn Abi Bakr berichtet: Als der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) in Dhi Tuwa eintraf, band er sich einen roten jemenitischen Stoff als Turban um und ging mit gesenktem Haupt, wegen des Sieges, den er durch Allahs Gnade bald erringen sollte. Aus Dankbarkeit senkte er den Kopf so tief, dass sein Bart den Körper des Kamels berührte.
Asma bint Abi Bakr (Allah sei mit ihr zufrieden) berichtet: Als der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) in Dhi Tuwa Halt machte, sagte Abu Quhafa, der Vater Abu Bakrs (Allah sei mit ihm zufrieden), zu einer seiner noch jungen Töchter: „Führe mich auf den Berg Abu Qubais.“ Abu Quhafa hatte damals sein Augenlicht verloren. Das Mädchen führte ihn auf den Berg. Da sagte Abu Quhafa zu seiner Tochter: „Was siehst du?“ Sie antwortete: „Ich sehe eine gewaltige Menschenmenge.“ Er sagte: „Das ist jenes Heer.“ Das Mädchen sagte: „Außerdem sehe ich einen Mann, der vor dieser Menschenmenge bald nach vorn, bald nach hinten läuft.“ Er sagte: „Das ist der Befehlshaber des Heeres.“ Das Mädchen sagte: „Nun hat sich die Menschenmenge zerstreut.“ Abu Quhafa sagte: „Dann ist das Heer ausgeschwärmt. Nun bring mich schnell nach Hause.“ Das Mädchen führte ihn den Berg hinab. Noch bevor Abu Quhafa sein Haus erreichte, gelangte das Heer zu ihm. Das Mädchen trug eine silberne Halskette, die jemand ihr entriss.
Als der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) in Mekka eintraf und die Heilige Moschee betrat, brachte Abu Bakr (Allah sei mit ihm zufrieden) seinen Vater zu ihm. Als der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ihn sah, sagte er: „Warum hast du diesen alten Mann nicht zu Hause gelassen? Ich wäre selbst zu ihm gegangen.“
Abu Bakr (Allah sei mit ihm zufrieden) sagte: „O Gesandter Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), es ist angemessener, dass er zu Ihnen kommt, als dass Sie zu ihm gehen.“
Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ließ ihn vor sich Platz nehmen. Dann strich er ihm über die Brust und sagte: „Nimm den Islam an.“ Daraufhin nahm Abu Quhafa sofort den Islam an. Danach betrat Abu Bakr mit ihm die Moschee. Zu dieser Zeit war Abu Quhafas Kopf mit einer weißen Pflanze namens Sagama bedeckt. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Entfernt dies aus seinem Haar.“
Danach nahm Abu Bakr die Hand seiner Schwester und sagte: „Bei Allah, ist der Islam heute die Halskette meiner Schwester?“ Niemand antwortete darauf. Abu Bakr sagte: „Meine liebe Schwester, sei nicht traurig, dass du deine Halskette verloren hast.“
Während der Eroberung Mekkas und des Feldzugs von Taif gaben die Gefährten des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) den Auswanderern den Decknamen ‚Banu Abd ar-Rahman‘, dem Stamm der Chazradsch ‚Banu Abdullah‘ und den Aus ‚Banu Ubaydullah‘.
Als der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) den Muslimen befahl, in Mekka einzuziehen, nahm er den Befehlshabern das Versprechen ab: „Greift niemanden an, solange niemand den Kampf eröffnet.“ Nur die Namen einiger weniger Männer nannte er und sagte: „Tötet sie, selbst wenn sie sich unter der Decke der Kaaba verstecken.“ Einer von ihnen war Abdullah ibn Saʿd aus den Banu Amir. Dieser Mann hatte zunächst den Islam angenommen. Später wurde er als Schreiber der Offenbarung eingesetzt. Danach sagte er sich erneut vom Islam los, wurde zum Götzendiener und kehrte zu den Quraisch zurück. Deshalb befahl der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), ihn zu töten. Doch er floh und suchte bei seinem Milchbruder Uthman ibn Affan Zuflucht. Uthman (Allah sei mit ihm zufrieden) versteckte ihn. Als sich die Lage in Mekka später normalisiert hatte und die Menschen wieder zur Ruhe gekommen waren, brachte er ihn zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Uthman (Allah sei mit ihm zufrieden) bat um die Sicherheit seines Lebens. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) schwieg lange, ohne zu antworten. Danach sagte er: „Gut.“ Nachdem Uthman (Allah sei mit ihm zufrieden) gegangen war, sagte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu seinen Gefährten: „Ich schwieg, damit jemand von euch die Gelegenheit bekäme, ihn zu töten.“ Einer der Gefährten aus Medina sagte: „O Gesandter Allahs, Ihr hättet mir doch ein Zeichen geben können.“ Er sagte: „Es ziemt keinem Propheten, durch ein Zeichen Menschen töten zu lassen.“ [82. Ibn Hischam sagt: Dieser Mann nahm später erneut den Islam an. Umar ibn al-Chattab (Allah sei mit ihm zufrieden) setzte ihn während seiner Amtszeit als Kalif in einem staatlichen Amt ein. Später übertrug ihm der dritte Kalif, Uthman (Allah sei mit ihm zufrieden), ebenfalls eine staatliche Aufgabe.]
Der zweite war ʿAbdullah ibn Chatl aus dem Stamm Banū Tamīm. Der Grund für den Befehl, ihn zu töten, war folgender: Als er noch Muslim war, wurde er zusammen mit einem anderen Mann zur Erhebung der Zakāt entsandt. Bei ihm befand sich auch ein muslimischer Diener. Unterwegs machten sie an einem Ort Rast. Da befahl er dem Diener, eine Ziege zu schlachten und eine Mahlzeit zuzubereiten. Doch der Diener bereitete das Essen nicht zu, sondern schlief ein. Daraufhin tötete er ihn, sagte sich vom Islam los und wurde zum Götzendiener.
Er hatte zwei Sklavinnen. Sie sangen Lieder, in denen sie den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, schmähten. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, befahl, ʿAbdullah ibn Chatl zusammen mit seinen beiden Sklavinnen zu töten.
Ein weiterer war Ḥuwairith ibn Suqayz. Während seines Aufenthalts in Mekka pflegte er den Gesandten Allahs zu belästigen.
Ein weiterer war Miqyas ibn Lubāba. Als ein Gefährte aus den Anṣār seinen Bruder versehentlich getötet hatte, tötete Miqyas diesen Anṣārī. Danach wurde er zum Götzendiener und ging zu den Quraisch. Aus diesem Grund befahl er, ihn zu töten.
Eine weitere war Sāra, die freigelassene Sklavin der Banū ʿAbd al-Muṭṭalib. Auch sie pflegte den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, während ihres Aufenthalts in Mekka zu belästigen.
Ein weiterer war ʿIkrima, der Sohn Abū Dschahls.
ʿIkrima floh in den Jemen, und seine Frau Umm Ḥakīm bint al-Ḥārith nahm den Islam an. Als Umm Ḥakīm beim Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, um Schutz für ʿIkrima bat, gewährte er ihm Schutz. Daraufhin holte sie ʿIkrima aus dem Jemen zurück. Später nahm ʿIkrima den Islam an.
ʿAbdullah ibn Chatl und Miqyas wurden getötet. Eine der beiden Sklavinnen ʿAbdullahs wurde ebenfalls getötet, die andere floh. Später verzieh ihr der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Auch Sāra verzieh der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Doch später, während des Kalifats von ʿUmar ibn al-Chaṭṭāb, wurde sie von einem Mann getötet. ʿAlī tötete Ḥuwairith.
Umm Hāni, die Tochter Abū Tālibs, (ra) berichtet: Kurz vor der Eroberung von Mekka flohen zwei Männer aus dem Stamm Banū Machzūm und suchten bei mir Zuflucht. Der Ehemann von Umm Hāni war Hubaira ibn Abū Wahab aus dem Stamm Machzūm. Umm Hāni berichtet: Sobald sie zu mir gekommen waren, kam mein Bruder ʿAlī ibn Abū Tālib (ra) zu mir und sagte: „Ich werde sie töten.“ Ich schloss die Tür des Hauses und ging zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm. Er nahm gerade eine Ganzkörperwaschung vor. Am Waschgefäß klebte Teig. Fātima schirmte ihn mit einem Tuch ab. Nachdem er die Waschung beendet hatte, verrichtete er acht Rakʿa des Duha-Gebets. Dann sah er mich an und sagte: „Willkommen, Umm Hāni! Wem du Zuflucht gewährt hast, dem habe auch ich Zuflucht gewährt. Wem du Sicherheit gewährt hast, dem habe auch ich Sicherheit gewährt. Daher soll ʿAlī sie nicht töten.“
Safiyya bint Schaiba berichtet: Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, betrat Mekka. Als die Menschen sich beruhigt hatten, bestieg er sein Reittier, begab sich zur Kaʿba und vollzog den Tawāf. Dabei küsste er den Schwarzen Stein, indem er mit einem Stock mit gebogenem Ende darauf deutete. Nach Beendigung des Tawāf ließ er ʿUthmān ibn Talha zu sich rufen und nahm ihm den Schlüssel der Kaʿba ab. Nachdem die Tür geöffnet worden war, betrat er das Innere der Kaʿba. Dort sah er eine aus Holz gefertigte Taubenstatue. Er zerbrach sie und warf sie hinaus. Danach stellte er sich auf die Türschwelle der Kaʿba. Die Menschen hielten sich zu jener Zeit im Heiligtum auf und suchten dort Schutz, um von ihm Sicherheit für ihr Leben zu erhalten.
Ibn Ishāq sagt: Ich habe von vertrauenswürdigen Personen gehört, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, auf der Tür der Kaʿba stehend folgende Ansprache hielt:
„Es gibt keinen Gott außer Allah. Er ist einzig und hat keinen Teilhaber. Er hat Sein Versprechen erfüllt, Seinem Diener zum Sieg verholfen und die vereinigten Scharen der Ungläubigen besiegt. Wisset: Jede Forderung auf Blut, Besitz oder Vermögen aus der Vergangenheit erkläre ich unter meinen Füßen für niedergetreten, das heißt, für aufgehoben. Die Betreuung der Kaʿba und die Bewirtung der Pilger bleiben jedoch bestehen. Wisset: Tötung aus Versehen steht der vorsätzlichen Tötung nahe, ganz gleich, ob sie mit einem Stock oder einem Stab begangen wurde. Dafür sind als Blutgeld hundert Kamele zu entrichten, darunter vierzig trächtige Kamelstuten. O Quraisch! Allah hat den Hochmut der Zeit der Unwissenheit und das Prahlen mit den Vorfahren abgeschafft. Alle Menschen sind Kinder Adams, und Adam wurde aus Erde erschaffen.“ Danach rezitierte er folgenden Vers:
„O ihr Menschen! Wir haben euch aus einem Mann und einer Frau erschaffen und euch in verschiedene Völker und Stämme eingeteilt, damit ihr einander kennenlernen könnt. Wahrlich, derjenige von euch, der am gottesfürchtigsten ist, ist bei Allah der angesehenste.“ (Sure al-Hudschurāt) Danach sagte er weiter: „O Quraisch! Welche Behandlung erwartet ihr von mir?“ Alle sagten: „Eine gute Behandlung, denn du bist unser edler Bruder und der Sohn eines edlen Bruders.“
Er sagte: „Geht! Ihr seid allesamt frei.“ Danach setzte sich der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, in der al-Masdschid al-Harām nieder. ʿAlī ibn Abū Tālib kam zu ihm; in seiner Hand befand sich der Schlüssel der Kaʿba. Er sagte: „O Gesandter Allahs, übertragt uns neben der Bewirtung der Pilger auch die Verantwortung für die Bewachung der Tür der Kaʿba.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagte: „Wo ist ʿUthmān ibn Talha?“ ʿUthmān wurde gerufen. Er sagte: „O ʿUthmān, hier ist dein Schlüssel. Der heutige Tag ist ein Tag der Güte und des wohlwollenden Handelns.“
Ibn Hischām sagt: Von einigen gelehrten Personen habe ich erfahren, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, am Tag der Eroberung von Mekka das Innere der Kaʿba betrat und dort Darstellungen von Engeln und vielen anderen Dingen sah. Er sah sogar eine Darstellung des geehrten Ibrāhīm, Allahs Friede sei auf ihm. In dessen Hand befanden sich Pfeile, mit denen man über Gut und Böse entschied. Als er dies sah, sagte er: „Allahs Fluch komme über die Götzendiener! Sie haben unseren ältesten ehrwürdigen Vorfahren zu einem Hersteller von Pfeilen zur Entscheidung über Gut und Böse gemacht. Was hat Ibrāhīm mit all dem zu tun?“ Danach rezitierte er folgenden Vers: „Ibrāhīm war weder Jude noch Christ; vielmehr war er ein aufrichtiger Muslim, und er gehörte nicht zu den Götzendienern.“
Danach befahl er, jene Darstellungen zu zerstören, und sie wurden zerstört. Anschließend betrat der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, gemeinsam mit Bilāl (ra) das Innere der Kaʿba. Er befahl ihm, den Gebetsruf auszurufen. Zu jener Zeit saßen Abū Sufyān ibn Harb, ʿAttāb ibn Usaid und al-Hārith ibn Hischām im Hof der Kaʿba. ʿAttāb ibn Usaid sagte: „Zum Glück hat Allah Usaid, meinen Vater, ehrenvoll schon zuvor abberufen. Andernfalls hätte er heute beim Hören dieses Gebetsrufs etwas gesagt, das sogar seinen Zorn erregt hätte.“ Al-Hārith ibn Hischām sagte: „Wenn ich glaubte, dass er – Muhammad – dem rechten Weg folgt, würde ich ihm folgen.“ Abū Sufyān sagte: „Ich werde nichts sagen. Wenn ich auch nur ein Wort sage, werden selbst diese Steine es weitersagen.“
Zu dieser Zeit kam der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, zu ihnen. Er sagte: „Ich habe gehört, worüber ihr gesprochen habt.“ Al-Harith und Attab sagten: „Wir bezeugen, dass du der Gesandte Allahs bist. Keiner von denen, die bei uns waren, hat dir davon berichtet. Daher können wir keinen unserer Gefährten dafür verantwortlich machen, dass er dir dies mitgeteilt hat.“ (Daher muss Allah es ihm offenbart haben; und dies ist nur möglich, wenn er der Gesandte Allahs ist.)
Ibn Hischam sagt:
Abdullah ibn Abbas (möge Allah mit ihm zufrieden sein) berichtet: Am Tag der Eroberung Mekkas ritt der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, auf seinem Reittier nach Mekka ein und vollzog als Erstes den Tawaf um die Kaaba. Damals standen noch die mit Blei befestigten Götzen rings um die Kaaba. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, deutete mit seinem Stock auf die Götzen und sagte: „Die Wahrheit ist gekommen, und das Falsche ist vergangen. Wahrlich, das Falsche ist dazu bestimmt, zu vergehen.“ Während er auf einen Götzen nach dem anderen deutete, fiel dieser entweder auf das Gesicht oder auf den Rücken. So wurden alle Götzen einer nach dem anderen zu Fall gebracht.
Eine zuverlässige Quelle berichtete mir, dass Fudala ibn Umayr al-Laythi am Tag der Eroberung Mekkas, als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, den Tawaf um die Kaaba vollzog, plante, ihn zu töten. Als er sich mit diesem Vorhaben dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, näherte, sagte dieser: „Wer ist da? Fudala, bist du es?“ Er antwortete: „Ja, o Gesandter Allahs.“ Er fragte: „Was hast du in deinem Inneren gedacht?“ Er antwortete: „Nichts; ich gedachte Allahs.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, lachte und sagte: „Bitte Allah um Vergebung.“ Danach legte er seine Hand auf dessen Brust. Da beruhigte sich sein Herz. Später sagte Fudala: „Von dem Augenblick an, in dem der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, seine Hand von meiner Brust nahm, war mir auf der Welt nichts lieber als er.“
Fudala berichtet weiter: Danach machte ich mich auf den Weg zu meiner Familie. Unterwegs kam ich an einer Frau vorbei, zu der ich eine enge Beziehung gehabt hatte. Sie sagte: „Komm, lass uns ein wenig reden.“ Ich antwortete: „Nein.“
Bei dieser Gelegenheit trug Fudala folgendes Gedicht vor:
„Die Frau rief mich zu einem Gespräch. Ich sagte: Allah und der Islam verbieten mir, deinem Ruf zu folgen. Wenn du am Tag der Eroberung Muhammad und seine Truppen gesehen hättest – an dem Tag, an dem die Götzen zerbrochen und in Stücke geschlagen wurden –, dann hättest du gesehen, wie Allahs Religion erstrahlte und der Schirk in Dunkelheit versank.“
Ibn Ishaq sagt: An der Eroberung Mekkas nahmen insgesamt etwa zehntausend Muslime teil. Darunter waren siebenhundert – nach einer anderen Überlieferung eintausend – Angehörige des Stammes Banu Sulaym, vierhundert Angehörige der Stämme Banu Ghifar und Banu Aslam, eintausenddrei Angehörige von Muzayna; die übrigen waren Quraisch und Ansar, ihre Verbündeten sowie Angehörige der arabischen Stämme, darunter die drei Stämme Tamim, Qays und Adi.
Das berühmte Gedicht, das anlässlich der Eroberung Mekkas verfasst wurde, stammt von Hassān ibn Thābit al-Anṣārī:
„Das gesamte Gebiet von Dhāt al-Asābi bis nach Adhrā ist verwüstet worden. Die Häuser von Djiwā sind verfallen. Das Gebiet des Stammes Banū Hashhāsh ist nun eine unfruchtbare Wüste. Ein heftiger Wind verwischt seine Spuren, und der Himmel lässt dort keinen Regen niedergehen. Einst lebte dort ein hilfreicher Freund; in den grünen Hainen dieser Gegend weideten Kamele und Schafe. Lassen wir diese Erinnerungen nun beiseite. Doch seltsam ist, dass ich, obwohl die Nacht tief geworden ist, nicht einschlafen kann. Der Grund ist jenes wirre, zerzauste Haar, das ihn umschlungen hielt, sodass es keinen Weg gibt, die Ruhe seines Herzens wiederherzustellen. Es war, als hätte man die verborgene Substanz von Baytūb Bāʾs, Honig und Wasser, mit ihm vermischt. Wenn eines Tages die Getränke geprüft werden, wird sich zeigen, dass sie vortrefflich, wohlschmeckend und zum Opfer dargebracht sind. Wir werden ihm das Recht zugestehen, uns zu tadeln, falls wir etwas Tadelnswertes tun – selbst wenn es bis zu Beschimpfung oder Schlägen geht. Wir werden jene Getränke trinken, und augenblicklich werden wir zu Königen werden; wir werden zu Löwen werden, die sich vor nichts fürchten. Wir sind von unserer Reiterei getrennt worden, die Staub aufwirbelnd dahinjagt und deren Ziel al-Qāʿida, das Hochland von Mekka, ist. Ich weiß nicht, ob ihr sie gesehen habt. Es ist ein Heer, dessen Männer sich um die Zügel streiten, weil jeder zuerst aufsteigen will, ein Heer voller Eifer, auf dessen Stieren blutdürstige Speere sitzen. Unsere Pferde laufen mit äußerster Geschwindigkeit. Selbst Frauen können sie mit ihren Schleiern antreiben. Wenn ihr uns nicht hindert, werden wir die Umra vollziehen – denn der Sieg ist gewiss, und alle Schleier sind zerrissen. (Das heißt: Die deutlichen Anzeichen des Sieges sind sichtbar geworden.) Andernfalls erwartet einen künftigen Krieg. Der Gesandte Allahs, Gabriel, ist unter uns. Er ist der heilige Geist, dem niemand gleicht. Allah sagt, dass Er einen Diener gesandt hat, der in Not und Bedrängnis die Wahrheit spricht. Ich bin Zeuge seiner Taten. So nehmt ihn an. Doch ihr, o Mekkaner, habt geantwortet: Wir werden ihn nicht anerkennen, und wir haben nicht die Absicht, ihn anzuerkennen. Allah sagte ferner: Ich habe das Heer der Anṣār entsandt; sein Ziel ist der Kampf. Wir müssen uns mit mancherlei auseinandersetzen – bald mit Beschimpfungen, bald mit Krieg, bald mit Tadel. Denen, die tadeln oder beschimpfen, erteilen wir in gereimter Sprache eine vernichtende Antwort, und diejenigen, die unser Blut vergießen, schlagen wir. Kündige Abū Sufyān an, dass unser Einzug in Mekka bevorsteht. Es ist offenbar geworden, dass unsere Schwerter dich zu einem Sklaven gemacht und die Anführer des Stammes ʿAbd ad-Dār zu Sklaven gemacht haben. Du hast Muhammad beschimpft, und ich habe darauf geantwortet; bei Allah liegt dafür der Lohn. Du hast einen höchst wohltätigen, selbstlosen und aufrichtig der Wahrheit ergebenen Mann beschimpft, der Allah besonders treu ist und dessen Lebensaufgabe es ist, sein Versprechen zu erfüllen. Können derjenige, der den Gesandten Allahs beschimpft, und derjenige, der ihn lobt und unterstützt, etwa gleich sein? Bei meinem Vater, meinem Großvater und meiner Ehre! Ich werde die Ehre Muhammads mit deren Preis in Gestalt meiner eigenen Ehre vor euren Händen schützen. Meine Zunge ist unbesiegbar und schuldlos. Mein Meer kann mit keinem Eimer getrübt werden.“²⁸²
Die Schlacht von Hunain: 8. Hidschra-Jahr
Als der Stamm Hawāzin von der Eroberung Mekkas durch den Gesandten Allahs hörte, sammelte er sich unter der Führung von Mālik ibn ʿAwf. Gemeinsam mit den Hawāzin sammelten sich auch alle Angehörigen der Banū Thaqīf, der Banū Naṣr, der Banū Jusham und der Banū Saʿd sowie einige wenige Männer der Banū Hilāl. Außer dieser kleinen Gruppe der Banū Saʿd und der Banū Hilāl nahm niemand sonst von den Banū Qays an dieser Heeresversammlung teil.
Im Stamm der Banū Jusham lebte ein älterer Mann namens Durayd ibn aṣ-Ṣimma. Er war im Krieg erfahren und bewandert. Außer Ratschläge für den Krieg konnte er nichts mehr tun. Die Banū Thaqīf hatten zwei Anführer. Zu ihren Verbündeten gehörte Qārib ibn al-Aswad; bei den Banū Mālik waren Dhū al-Khimār, Subayʿ ibn al-Ḥārith, und dessen Bruder Aḥmar ibn al-Ḥārith. Mālik ibn ʿAwf an-Naṣrī war jedoch der oberste Befehlshaber des gesamten Heeres. Als Mālik beschloss, einen Angriff gegen den Gesandten Allahs zu führen, zwang er jeden Mann seines Heeres, seine Frau, seine Kinder und sein bewegliches Eigentum mitzunehmen. Als er das Amṭās-Tal erreichte, versammelte sich bei ihm eine große Menschenmenge, darunter auch Durayd ibn aṣ-Ṣimma. Als Durayd das Tal von Awṭās erreichte, fragte er seine Leute: „Was ist das für ein Ort?“ Alle sagten: „Awṭās.“ Er sagte: „Ja, dies ist in der Tat ein geeigneter Ort für den Krieg. Er ist weder besonders hoch noch felsig und auch nicht allzu weich. Aber warum höre ich das Brüllen von Kamelen, Ziegen und Eseln sowie das Weinen von Kindern?“ Alle sagten: „Mālik ibn ʿAwf hat die Männer seines Heeres gezwungen, ihr Vermögen sowie ihre Frauen und Kinder mitzubringen.“ Er fragte: „Wo ist Mālik?“ Mālik wurde herbeigerufen. Durayd sagte: „O Mālik, du bist der Lenker und Anführer deines Stammes. Nach dem heutigen Tag werden noch viele weitere Tage kommen. Warum höre ich hier das Brüllen von Kamelen, Eseln und Ziegen sowie das Weinen von Kindern?“ Mālik sagte: „Ich habe die Familien und den Besitz zusammen mit den Männern mitgebracht.“ Durayd fragte: „Warum?“ Mālik sagte: „Hinter jedem Mann werden seine Familie und sein Besitz stehen, und er wird mit aller Kraft kämpfen, um sie zu schützen. Niemand wird das Schlachtfeld verlassen und fliehen.“ Durayd missbilligte Māliks Argument und sagte: „Offenbar denkst du wie ein Schafhirte und nicht wie ein Heerführer. Welchen Nutzen hat der Besiegte noch von irgendetwas? Wenn ihr im Krieg besiegt werdet, gehen zusammen mit eurem eigenen Verderben auch eure Familien und euer Vermögen zugrunde.“
Durayd sagte erneut: „Was ist mit den Banū Kaʿb und den Banū Kilāb?“ Mālik sagte: „Keiner von ihnen ist zum Krieg gekommen.“ Durayd sagte: „Dann sind die eigentlichen kampferprobten und tapferen Soldaten also nicht gekommen. Wenn heute die Möglichkeit eines wirklichen Sieges und Ruhmes bestünde, wären die Banū Kaʿb und die Banū Kilāb gewiss gekommen. Meiner Ansicht nach hättet ihr dem Beispiel der Banū Kaʿb und der Banū Kilāb folgen sollen. Nun, welche bedeutenden Krieger sind mit euch gekommen?“ Die Leute sagten: „ʿAmr ibn ʿĀmir und ʿAwf ibn ʿĀmir.“ Durayd sagte: „Das sind schwache Kämpfer; durch sie wird weder Nutzen noch Schaden entstehen. Hör zu, Mālik: Du hast nichts Gutes getan, indem du den Stamm Hawāzin dem Feind entgegenwarfst. Schicke sie an ihre sicheren Orte zurück. Kämpfe dann mit deiner Reiterei gegen diese Muslime. Wenn du siegst, werden sie sich später dir anschließen. Wenn du jedoch besiegt wirst, bleiben wenigstens die Familien und das Vermögen deiner Leute geschützt.“ Mālik sagte: „Nein, das werde ich nicht tun. Wie du selbst alt geworden bist, so ist auch dein Verstand von Altersschwäche befallen. O Hawāzin, entweder werdet ihr mir gehorchen, oder ich werde mit diesem Schwert allein bis zum letzten Blutstropfen kämpfen.“ In Wirklichkeit wollte Mālik nicht, dass Durayds Vorschlag befolgt und dadurch dessen Ruhm oder der Ruf seiner Klugheit gemehrt würde. Die versammelten Krieger gelobten Mālik Gehorsam. Durayd sagte: „Ich bin nicht bereit, an diesem heutigen Krieg teilzunehmen und mich der Gefahr auszusetzen.“ Dann sprach er in Versen:
„Ach, wäre ich doch zur Zeit dieses Krieges noch jung!“
Dann würde ich allerlei Kriegstaktiken vorführen. Ich würde ein riesiges
Heer mit langem Haar, das Bergziegen glich, anführen.“
Darauf sagte Mālik: „Sobald sie das muslimische Heer sehen, werden sie ihre Schwerter aus den Scheiden ziehen und geschlossen zum Angriff vorstürmen.“
Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, von den Kriegsvorbereitungen der Hawāzin hörte, sandte er ʿAbdullāh ibn Abū Ḥadrad al-Aslamī aus, damit dieser sich heimlich unter sie begab, Informationen sammelte und zurückbrachte. ʿAbdullāh drang unter sie ein, sammelte Informationen und kehrte zurück, um dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, davon zu berichten. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, beschloss, den Hawāzin entgegenzutreten. Zu dieser Zeit wurde ihm mitgeteilt, dass Ṣafwān ibn Umayya über zahlreiche Waffen und Kriegsausrüstung verfügte. Ṣafwān war damals noch ein Götzendiener. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ließ ihm ausrichten und bat ihn, Waffen und Kriegsausrüstung für den Kampf gegen den Feind zu leihen. Ṣafwān fragte: „Muḥammad, willst du sie etwa an dich nehmen?“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, antwortete: „Nein, ich leihe sie nur und garantiere, dass sie dir zurückgegeben werden.“ Er sagte: „Ich habe nichts dagegen.“ Daraufhin lieh er hundert Panzer und die dafür erforderliche Anzahl an Waffen. Es wird berichtet, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ihn außerdem bat, den Transport dieser Waffen zu organisieren, und dass er auch dafür ordnungsgemäß sorgte.
Danach zog der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, mit insgesamt zwölftausend Soldaten in den Feldzug: zweitausend aus den Reihen der Mekkaner und zehntausend Gefährten, die zur Zeit der Eroberung Mekkas mit ihm aus Medina gekommen waren. Zu dieser Zeit ernannte er ʿAttāb ibn Usayd zum Statthalter von Mekka für die dort verbliebenen Mekkaner und rückte selbst mit seinem Heer gegen die Hawāzin vor.
Von al-Ḥārith ibn Mālik wird überliefert. Er sagte: „Wir zogen gemeinsam mit dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zum Feldzug nach Ḥunayn aus. Wir waren erst vor kurzer Zeit von der Zeit der Unwissenheit befreit worden und hatten die Bräuche der Unwissenheit noch nicht vollständig aufgegeben. Es gab einen großen, grünen, dicht belaubten Baum namens Dhāt Anwāṭ. Die ungläubigen Quraisch und andere Araber kamen jedes Jahr zu diesem Baum, hängten ihre Waffen an seine Äste, verweilten einen Tag in seinem Schatten und schlachteten dort Tiere. Auf dem Weg nach Ḥunayn mit dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sahen wir einen großen Baum und sagten: ‚O Gesandter Allahs! Bestimme auch für uns einen Dhāt Anwāṭ, so wie die Ungläubigen einen Dhāt Anwāṭ haben.‘ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: ‚Allāhu akbar! Eure Aussage gleicht der Aussage des Volkes Moses’, als sie zu ihm sagten: „Bestimme auch für uns einen Gott, so wie die Ungläubigen Götter haben.“ Dies sind alte Bräuche. Ihr wollt an den alten Bräuchen festhalten.‘“
Jābir ibn ʿAbdullāh (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: „Wir näherten uns dem Gebiet von Ḥunayn und begannen, durch ein weites Bergtal in der Tihāma hinabzusteigen. Noch war kein Morgenlicht zu sehen. Die feindlichen Truppen hatten sich bereits vor uns in diesem Tal verschanzt und sich in den engen, schwer zugänglichen Felshöhlen und deren Umgebung verborgen, um uns aufzulauern. Sie warteten in voller Bereitschaft. Wir stiegen völlig arglos durch den Engpass hinab – da griffen sie uns plötzlich gemeinsam mit großer Heftigkeit an. Durch die Überraschung des Angriffs waren unsere Leute wie benommen; jeder rannte, so schnell er konnte, in irgendeine Richtung davon, ohne auf den anderen zu achten. Niemand hatte auch nur die geringste Gelegenheit, auf irgendjemanden zu achten.“
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, trat nach rechts und begann zu rufen: „Ihr Soldaten! Wohin lauft ihr? Kommt zu mir! Ich bin der Gesandte Allahs. Ich bin Muḥammad, der Sohn ʿAbdullāhs. Worauf stürzt ihr euch da kopfüber auf die Kamele?“ Doch außer einer kleinen Zahl von Auswanderern, Helfern und Angehörigen blieb niemand beim Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Alle anderen waren fort.
Ibn Ishaq berichtet: Als die Männer des muslimischen Heeres in alle Richtungen flohen, begannen einige der hartherzigen Männer aus Mekka, die sich beim Gesandten Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – aufhielten, allerlei zu reden, da sie die Niederlage für unausweichlich hielten. Abu Sufyan ibn Harb sagte: „Selbst wenn sie bis zur Meeresküste gelangen, wird ihre Niederlage nicht enden.“ Die Pfeile, die zum Losen, Wahrsagen und Glücksspiel verwendet wurden, befanden sich noch immer bei Abu Sufyan.
Jabala ibn Hanbal rief: „Heute ist die Macht von Muhammads Zauberei zu Ende.“ Shayba ibn Uthman sagte: „An jenem Tag beschloss ich, Muhammad zu töten und damit die Blutrache für all die von den Quraisch Getöteten zu nehmen. Sobald ich mich mit diesem Entschluss dem Gesandten Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – genähert hatte, stellte sich plötzlich etwas Furchterregendes vor mich und versperrte mir den Weg. Es überwältigte meinen Verstand, sodass ich ihn nicht töten konnte. Ich erkannte, dass ich nicht imstande war, ihn zu verletzen.“
Ein Mann aus Mekka berichtete mir, dass der Gesandte Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – unmittelbar nachdem er sich auf dem Weg nach Hunain von Mekka entfernt hatte, angesichts der gewaltigen Zahl der Soldaten Allahs gesagt habe: „Heute werden wir jedenfalls nicht wegen zahlenmäßiger Unterlegenheit eine Niederlage erleiden.“
Abbas ibn Abd al-Muttalib – Allah sei mit ihm zufrieden – sagte: Ich hielt gemeinsam mit dem Gesandten Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – die Zügel seines weißen Maultiers. Ich war sehr beleibt und hatte eine laute Stimme. Als der Gesandte Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – sah, wie die muslimischen Soldaten voller Angst in höchster Eile davonrannten, sagte er: „O ihr Menschen, ich sehe keinen von euch, der sich nach jemandem umblickt!“ Der Gesandte Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – sagte zu mir: „Abbas! Rufe laut: O ihr Ansar! O ihr, die ihr unter dem Akazienbaum den Treueid geleistet habt!“
Als ich dem Befehl entsprechend zu rufen begann, antworteten alle mit „Labbaika“. Zu dieser Zeit konnten einige der berittenen Gefährten die fliehenden und davongaloppierenden Kamele nicht wenden und schlugen ihnen mit ihren Rüstungen auf die Schultern. Als sie sie auch dadurch nicht zurückbringen konnten, stiegen sie mit ihren Waffen von den Kamelen ab und ließen sie laufen. Danach gingen sie in die Richtung voran, aus der die Rufe kamen, und gelangten zum Gesandten Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. So versammelten sich etwa hundert Gefährten, stellten sich dem Feind entgegen und verwickelten ihn in einen heftigen Kampf.
Zunächst wurde gerufen: „O ihr Ansar!“ Später begann man nur noch zu rufen: „O Khazradsch!“ Denn die Khazradsch waren unter den Arabern dafür bekannt, auf dem Schlachtfeld standhaft zu sein. Daraufhin rückte der Gesandte Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – mit dem Heer der Khazradsch vor. Dann blickte er auf das Schlachtfeld und sah, dass ein heftiger Kampf tobte. Da sagte er: „Nun ist das Schlachtfeld heiß geworden.“
Dschabir ibn Abdallah – Allah sei mit ihm zufrieden – sagte:
Der Befehlshaber der Hawazin kämpfte auf einem Kamel reitend. Da stürmten Ali ibn Abu Talib – Allah sei mit ihm zufrieden – und ein Ansari auf ihn zu und schlugen auf die Beine seines Kamels ein. Das Kamel setzte sich rückwärts auf sein Hinterteil. Daraufhin griff der Ansari den Befehlshaber an und schnitt ihm das Bein unterhalb des Knies ab. Er fiel sofort zu Boden. Zu dieser Zeit nahm der Kampf eine furchtbare Gestalt an, und sein Verlauf änderte sich völlig. Die Muslime gingen von der Niederlage zum Sieg über, und der Kampf endete erst, als die Kriegsgefangenen in Reihen vor den Gesandten Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – gebracht wurden.
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, blickte zu Abu Sufyan ibn al-Harith ibn Abd al-Muttalib. Dieser kämpfte an jenem Tag mit außerordentlicher Standhaftigkeit. Er war ein aufrichtiger Muslim. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sah, dass er die Zügel seines Maultiers festhielt. Da fragte er ihn: „Wer bist du?“ Er antwortete: „O Gesandter Allahs, ich bin dein Bruder.“
Abdullah ibn Abi Bakr berichtet: Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, traf Umm Sulaym bint Milhan mit ihrem Ehemann Abu Talha an einer Stelle des freien Feldes. Sie hatte sich eine Decke um Taille und Bauch gebunden. Ihr Sohn Abdullah ibn Abu Talha befand sich bei ihr. Abu Talha hatte sein Kamel bei sich und hielt aus Furcht, dass es davonlaufen könnte, dessen Nasenstrick fest. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Bist du etwa Umm Sulaym?“ Sie antwortete: „Ja, o Gesandter Allahs. Mögen meine Eltern für dich geopfert werden! Töte diejenigen, die dich verlassen und fliehen, ebenso wie du die angreifenden Feinde tötest; denn sie verdienen den Tod.“
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „O Umm Sulaym, genügt Allah dafür etwa nicht?“ Umm Sulaym hatte damals einen Dolch bei sich. Abu Talha sagte: „O Umm Sulaym, wozu dient der Dolch?“ Umm Sulaym antwortete: „Ich habe ihn für den Fall bei mir, dass sich ein Götzendiener erdreistet, auf mich zuzukommen; dann werde ich ihm damit den Bauch aufschlitzen.“ Abu Talha sagte: „O Gesandter Allahs, hast du gehört, was Umm Sulaym trotz ihres Augenleidens sagt?“
Abu Qatada (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) berichtet: Am Tag der Schlacht von Hunain sah ich, wie ein Götzendiener und ein Muslim miteinander kämpften. Da kam ein weiterer Götzendiener jenem Götzendiener zu Hilfe. Ich griff ihn an und schlug ihm mit meinem Schwert die Hand ab. Mit der anderen Hand packte er mich und ließ mich keineswegs los; vielmehr war er im Begriff, mich zu töten. Wenn er nicht kurz darauf durch den starken Blutverlust geschwächt zu Boden gefallen wäre, hätte er mich getötet. Als er fiel, tötete ich ihn. Wegen des überall tobenden Kampfes konnte ich mich danach nicht weiter um ihn kümmern. In diesem Augenblick kam ein Mann aus Mekka und nahm seine Sachen an sich. Nachdem der Kampf beendet war, sagte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm: „Wer jemanden tötet, dem gehört alles, was der Getötete besaß.“ Ich sagte: „O Gesandter Allahs, ich habe einen Mann getötet. Er besaß viele Sachen. Später konnte ich mich wegen der Heftigkeit des Kampfes nicht mehr um ihn kümmern. Ich weiß nicht, wer seine Sachen genommen hat.“ Ein Mann aus Mekka sagte: „O Gesandter Allahs, Abu Qatadas Aussage ist wahr. Ich habe alle Sachen jenes Getöteten bei mir. Lass ihn sich ihretwegen mit mir einigen.“ Abu Bakr as-Siddiq (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) sagte: „Bei Allah, er wird sich ihretwegen nicht mit dir einigen. Du bist zu einem Löwen Allahs gekommen, der für Allahs Religion kämpft, um mit ihm zu verhandeln, und nun willst du an seiner Kriegsbeute teilhaben?“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Abu Bakr hat recht. Gib Abu Qatada die Sachen zurück.“
Abu Qatada sagte: Danach nahm ich all diese Sachen von jenem Mann aus Mekka entgegen und verkaufte sie. Mit ihrem Erlös erwarb ich einen kleinen Dattelhain. Dies war das erste Vermögen meines Lebens, das mir selbst gehörte.
Ibn Ishaq sagt: Nachdem die Hawazin besiegt worden waren, stellte man bei der Zählung fest, dass der Stamm Banu Malik von Thaqif die meisten Verluste erlitten hatte. Siebzig Männer dieses Stammes waren in der Schlacht gefallen. Zu den bekannten Gefallenen gehörte Uthman ibn Abdullah ibn Rabi’a ibn al-Harith ibn Habib. Der Heerführer dieses Stammes war Zulchimal. Als er gefallen war, übernahm Uthman ibn Abdullah das Kommando, und auch er wurde getötet. Nach der schweren Niederlage der Götzendiener in dieser Schlacht zogen sie zusammen mit Malik ibn Auf nach Taif. Ein Teil ihrer Krieger schlug in Awtas ein Lager auf und blieb dort. Ein anderer Teil zog in Richtung Nachla. Unter denen, die nach Nachla gingen, befand sich niemand außer dem Unterstamm Banu Ghiyara von Thaqif. Die Truppen des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, verfolgten sie nicht. Den Teil des Götzendienerheeres, der in Richtung Awtas gezogen war, ließ der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, von Abu Amir al-Aschari verfolgen. Dort forderte er einige der besiegten Krieger zum Kampf heraus.
Abu Amir al-Aschari erlitt durch einen Pfeil den Märtyrertod. Danach übernahm sein Cousin Abu Musa al-Aschari das Kommando. Er führte den Kampf und errang den Sieg, worauf die Götzendiener besiegt wurden.
Als die Niederlage bevorstand, nahm Malik ibn Auf mit einer Gruppe von Reitern aus seinem Stamm in einem Tal zwischen zwei Bergen Stellung. Er sagte zu ihnen: „Lasst die Schwachen fortgehen. Danach werden die Starken kommen. Wartet bis dahin hier.“ Er blieb dort, bis die schwachen, besiegten Krieger fortgezogen waren.
Chalid ibn al-Walid tötete eine Frau. Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, an den Ort kam, wo ihre Leiche lag, sah er dort eine große Menschenmenge. Er fragte: „Was ist hier geschehen?“ Alle sagten: „Chalid ibn al-Walid hat eine Frau getötet.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagte zu einem seiner Gefährten: „Geh zu Chalid, triff ihn und sage ihm: Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, hat dir verboten, Kinder, Frauen, Tagelöhner sowie männliche und weibliche Sklaven zu töten.“
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, hatte an jenem Tag gesagt: „Wenn ihr Bijad von den Banū Saʿd ibn Bakr findet, lasst ihn nicht entkommen.“ Er hatte ein schweres Verbrechen begangen. Die Muslime konnten ihn gefangen nehmen und brachten ihn zusammen mit seiner Familie sowie Schayma bint al-Harith, der Amme und Pflegeschwester des Gesandten Allahs, zu ihm. Unterwegs wurde sie grob behandelt. Da sagte sie: „O Gesandter Allahs, ich bin deine Pflegeschwester.“ Er fragte: „Was ist dein Beweis dafür?“ Sie sagte: „Als ich dich auf meinen Oberschenkel gesetzt hatte, hast du mir in den Rücken gebissen. Die Narbe ist noch immer da.“ Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, die Bissnarbe sah, erkannte er sie. Er breitete seinen Umhang aus, ließ sie ehrenvoll darauf Platz nehmen und sagte: „Wenn du es vorziehst, bei mir zu bleiben, kannst du in Ehren bleiben. Wenn du aber möchtest, dass ich dir ein Geschenk gebe und du zu deinem Stamm zurückkehrst, kannst du auch das tun.“ Sie sagte: „Gib mir, was du mir geben möchtest, und schicke mich zu meinem Stamm zurück.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, gab ihr vieles und schickte sie zu ihrem Volk zurück.
Nach der Überlieferung der Banū Saʿd verabschiedete er sie, indem er ihr einen Sklaven namens Maqstal und eine Sklavin schenkte. Später verheiratete Schayma die beiden miteinander, und ihre Nachkommen lebten noch viele Jahre unter ihnen.
Ibn Hischām sagt:
Allah, der Erhabene, offenbarte über die Schlacht von Hunain die folgenden Verse:
„Allah hat euch in vielen Schlachten geholfen, auch am Tag der Schlacht von Hunain, als ihr wegen eurer großen Zahl stolz wart. Doch eure große Zahl nützte euch nichts. An jenem Tag wurde die weite Erde für euch eng, und ihr wandtet euch zur Flucht. Dann sandte Allah Seinen Gesandten und den Gläubigen Ruhe und Frieden herab und sandte Heerscharen, die ihr nicht sehen konntet. So bestraft Allah die Ungläubigen. Das ist die angemessene Vergeltung für die Ungläubigen.“ (at-Tauba)
Ibn Ishāq sagt: Danach wurden dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, alle Kriegsgefangenen und die Beute aus Hunain vorgelegt. Masʿūd ibn ʿAmr al-Ghifārī wurde mit der Beaufsichtigung der Beute betraut. Auf Anweisung des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, wurden die Beute und die Kriegsgefangenen an einem Ort namens Jiʿrāna untergebracht.
Die Schlacht von Taʾif: 8. Jahr der Hidschra
Das besiegte Heer der Banū Thaqīf zog nach Tā’if und verschloss die Stadttore, um sich erneut auf den Kampf vorzubereiten. ʿUrwa ibn Masʿūd und Ghaylān ibn Salama hatten nicht an den Feldzügen von Hunain und Tā’if teilgenommen. Sie hatten in Jurāsch die Bedienung von Kriegswaffen wie Panzern, Kanonen und Dabūr erlernt.
Nach dem Sieg von Hunain zog der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, in den Feldzug. Über diesen Feldzug trug Kaʿb ibn Mālik ein Gedicht vor. Es bedeutet: „Von Tihāma und Chaibar aus hatten wir alle Zweifel beseitigt und die Schwerter ruhen lassen. Wir hatten den Schwertern die Wahl gelassen, entweder Daw(s) oder Thaqīf zu wählen. Und wenn diese Schwerter sprechen könnten, würden sie das entscheidende Wort sprechen. Wenn ihr diese Schwerter nicht in den Höfen eurer Wohnstätten seht, dann soll ich keinem von uns gegenüber freundlich gesinnt sein, selbst wenn er euch schützen wollte. Wir werden die Dächer eurer Häuser abtragen und sie in die Ebene von Waddsch bringen. So werden eure Häuser verödet sein.“
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, gelangte zunächst nach Nachla al-Yamāniyya, dann nach Qarn, danach nach Mulaih und von dort nach Buhra(t) ar-Rughā in der Gegend von Liyya. Dort ließ er eine Moschee errichten und verrichtete darin das Gebet. Anschließend zog er über den Weg namens Dāʾiqa nach Nachab und schlug bei dem Grundstück eines Mannes aus Banū Thaqīf unter einem Kŭl-Baum namens „Sādira“ sein Lager auf. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, stellte jenem Mann ein Ultimatum: „Räume diesen Ort und zieh fort, sonst werden wir deine Mauer niederreißen und dem Erdboden gleichmachen.“ Als der Mann sich weigerte fortzugehen, ließ er seine Mauer niederreißen.
Danach setzte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, seinen Marsch fort. Als er in die Nähe von Tā’if kam, ließ er Zelte aufschlagen und bezog sie mit den Soldaten. Hier wurden einige Gefährten von Pfeilen getroffen und getötet. Da die Soldaten des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, unmittelbar neben der Mauer von Tā’if Stellung bezogen hatten, trafen sie die Pfeile, die die Bewohner von Tā’if aus der Stadt heraus abschossen. Die Bewohner von Tā’if hatten die Stadttore so fest verschlossen, dass die Muslime nicht eindringen konnten. Nachdem einige Gefährten durch Pfeile getroffen den Märtyrertod erlitten hatten, ließ der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sein gesamtes Heer an dem Ort aufstellen, an dem sich heute die Moschee von Tā’if befindet. Er belagerte die Bewohner von Tā’if. Auf diesem Feldzug des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, begleiteten ihn zwei seiner Ehefrauen, darunter Umm Salama, Allah sei mit ihr zufrieden. Für sie ließ er zwei kuppelförmige Behausungen errichten. In dem Zwischenraum zwischen diesen Häusern verrichtete er das Gebet. Danach blieb er dort. Als Banū Thaqīf den Islam annahmen, errichtete ʿAmr ibn Umayya, Allah sei mit ihm zufrieden, an dem Ort, an dem der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, gebetet hatte, eine Moschee. Es wird überliefert, dass sich in dieser Moschee eine Kampftruppe aufhielt. Jeden Tag waren ihr Schlachtgeschrei und ihr drohendes Dröhnen zu hören. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, belagerte die Bewohner von Tā’if und lieferte ihnen mit Pfeil und Bogen einen heftigen Kampf. [83. Ibn Hischām sagte: In diesem Kampf benutzte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, eine Kanone. Die Kanone, die er gegen die Bewohner von Tā’if einsetzte, war die erste Kanone im Islam.]
Als der für den Durchbruch der Mauer von Tā’if festgesetzte Tag gekommen war, kroch eine Gruppe von Gefährten des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, unter einen Panzer und rückte damit geschlossen vor, um die Mauer von Tā’if niederzureißen. Die Leute des Stammes Banū Thaqīf begannen, mit Feuer erhitzte eiserne Geschosse auf sie zu schleudern. Dadurch waren die Gefährten gezwungen, unter dem Panzer hervorzukommen. Und jeder, der herauskam, wurde von einem Pfeil der Thaqīf getroffen. Auf diese Weise wurden zahlreiche Muslime zu Märtyrern. Daraufhin befahl der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, die Gärten der Thaqīf abzuholzen. Die Gefährten begannen, sie abzuholzen.
Während der Belagerung der Thaqīf sagte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, eines Tages zu Abū Bakr as-Siddīq, Allah sei mit ihm zufrieden: „O Abū Bakr, ich sah im Traum, dass mir eine Schale mit Butterschmalz geschenkt wurde. Ein Hahn kam und pickte so lange darin herum, bis er das Butterschmalz aus der Schale verschüttete.“ Abū Bakr, Allah sei mit ihm zufrieden, sagte: „Ich glaube, dass du die Banū Thaqīf heute nicht besiegen wirst.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagte: „Das glaube auch ich.“
Eines Tages sagte Chawla bint Hakīm, Allah sei mit ihr zufrieden, die Ehefrau von ʿUthmān ibn Mazʿūn: „O Gesandter Allahs, wenn Allah dir den Sieg über die Bewohner von Tā’if schenkt, dann gib mir den Schmuck der am reichsten geschmückten Frau der Banū Thaqīf, Bādia bint Ghaylān oder Fāriġa bint ʿUqail.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagte zu ihr: „Was ist, wenn mir hinsichtlich der Banū Thaqīf keine Erlaubnis erteilt wird?“ Daraufhin ging Chawla fort und berichtete ʿUmar ibn al-Chattāb, Allah sei mit ihm zufrieden, davon. ʿUmar, Allah sei mit ihm zufrieden, ging unverzüglich zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, und fragte: „O Gesandter Allahs, hast du das gesagt, was Chawla mir berichtet hat?“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagte: „Ja.“ ʿUmar, Allah sei mit ihm zufrieden, sagte: „O Gesandter Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, hast du etwa keine Erlaubnis hinsichtlich der Banū Thaqīf erhalten?“ Er sagte: „Nein.“ ʿUmar sagte: „Soll ich nun den Muslimen befehlen, diesen Ort zu verlassen?“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagte: „Ja.“ Daraufhin befahl ʿUmar, Allah sei mit ihm zufrieden, dem muslimischen Heer aufzubrechen. Als sie aufbrachen, rief Saʿīd ibn ʿUbaid: „Die Banū Thaqīf sind so geblieben, wie sie waren.“ ʿUyaina ibn Hisn sagte: „Ja, sie sind in ihrer Würde und ihrem Ansehen geblieben.“ Ein Gefährte sagte: „O ʿUyaina! Die Götzendiener haben den Gesandten Allahs zurückgewiesen, und du lobst sie? Dabei bist du gekommen, um auf der Seite des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, zu kämpfen. Schande über dich!“ Er sagte: „In Wirklichkeit bin ich nicht gekommen, um für euch gegen die Banū Thaqīf zu kämpfen. Ich bin mit dem Ziel gekommen, nach der Eroberung von Tā’if durch Muhammad ein Mädchen der Banū Thaqīf zu bekommen, damit mir von diesem Mädchen ein Sohn geboren wird. Denn die Banū Thaqīf sind äußerst scharfsinnig.“
Während der Belagerung kamen einige Sklaven aus Tā’if zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, und nahmen den Islam an. Er ließ sie alle frei. Später, nachdem die Bewohner von Tā’if den Islam angenommen hatten, baten einige von ihnen den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, diese Sklaven zurückzugeben. Einer der Bittsteller war al-Hārith ibn Kalada. Er gab ihnen eine ablehnende Antwort und sagte: „Sie sind freie Diener Allahs. Ich kann sie nicht wieder in die Fesseln der Sklaverei legen.“
Insgesamt erlitten zwölf Gefährten in Taif den Märtyrertod: sieben von den Quraisch, vier von den Ansar und einer aus dem Stamm der Banu Laith.
Als der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Heil, nach dem Ende des Krieges und der Belagerung Taif verließ, trug Budschair ibn Zuhair ein Gedicht vor, in dem er Taif und Hunain schilderte. Sein Sinn lautet:
„Am Tag der Versammlung auf der Ebene von Hunain, am Morgen der Versammlung bei Awtas und am Tag des Blitzens – letzteres war vermutlich Taif – entbrannte ein heftiger Kampf. Durch eine List hatte Hawazin seine Leute versammelt. Schließlich wurden sie wie Vögel, deren Nest zerstört und die in alle Richtungen zerstreut worden sind. Sie konnten keine unserer Stellungen aufhalten; sie vermochten lediglich, uns innerhalb ihrer Mauern und Gräben zurückzuhalten. Wir bemühten uns, die Bewohner von Taif herauszulocken, doch sie verschlossen die Tore und versteckten sich sicher in ihren Häusern. Eines Tages werden sie reumütig zu jenem riesigen Heer zurückkehren – einem Heer, das im strahlenden Glanz des Todes leuchtet und dessen Versammlung einen grünen Schimmer ausstrahlt. Wenn man es gegen den Berg Hazan in Nadschd führt, wird dieser Berg ausgelöscht werden. Wir schreiten so voran, wie die Löwen des Waldes über dorniges Gras schreiten. Wir sind wie schnelle Pferde, die auf ihrem Weg manchmal auseinanderlaufen und sich dann wieder sammeln. Wir tragen alle Arten von Kampfrüstungen. Diese Rüstungen dienen uns als Festungen, so wie angesammelte Luft, die aus einem flachen Brunnen entweicht, gleich einer Festung verwendet werden kann. Die Rüstungen sind so lang, dass sie unsere Schuhe berühren, und so kunstvoll gefertigt wie die Rüstungen von David und des Königs ʿAmr ibn Hind von Hira.“
Die Ländereien von Hawazin
Bericht über die Kriegsgefangenen, die Geschenke, die einigen von ihnen gemacht wurden, um sie für den Islam zu gewinnen, und die Belohnungen für einige andere
Der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Heil, machte sich mit seinen Gefährten und einer großen Zahl von Kriegsgefangenen aus Hawazin von Taif auf und schlug in Dschiʿrana sein Lager auf. Als er zuvor die Belagerung von Thaqif aufgegeben hatte und von ihnen fortzog, bat ihn ein Gefährte, gegen die Banu Thaqif einen Fluch auszusprechen. Er erwiderte: „O Allah, führe Thaqif recht und bringe sie zu mir.“
Eine Delegation von Hawazin kam nach Dschiʿrana und trat vor ihn. Zu jener Zeit befanden sich beim Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Heil, sechstausend Kinder und Frauen aus dem Stamm Hawazin als Kriegsgefangene. Die Zahl der Kamele und Ziegen ließ sich nicht feststellen. Die Delegierten sagten: „O Gesandter Allahs, wir sind deine Verwandten und Angehörigen. Dir ist nicht unbekannt, welches schreckliche Unglück uns getroffen hat. Sei uns daher gnädig; Allah wird dir gnädig sein.“
Ein Mann aus Hawazin erhob sich. Unmittelbar danach erhob sich ein Mann von den Banu Saʿd ibn Bakr. Dieser Mann war Zuhair, auch Abu Surad genannt. Er sagte: „O Gesandter Allahs, unter den Kriegsgefangenen befinden sich deine Tanten väterlicherseits, deine Tanten mütterlicherseits und deine Ammen. [84. Mit Ammen sind die Frauen gemeint, die Kinder gestillt haben. Halima, die Milchmutter des Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Heil, war eine Frau aus diesem Stamm der Banu Saʿd, der wiederum ein Zweig von Hawazin ist.] Wenn wir al-Harith ibn Abi Schimar oder an-Nuʿman ibn al-Mundhir gestillt hätten und sie heute an deiner Stelle wären, würden auch sie mit uns Mitgefühl haben. Du bist ihnen doch überlegen.“
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Welches möchtet ihr euren Besitztümern oder euren Frauen und Kindern vorziehen?“ Sie sagten: „Wenn du nur eines von beiden nehmen willst, dann gib uns unsere Kinder und Frauen zurück.“ Er sagte: „Die Frauen und Kinder, die sich bei mir und beim Stamm Banū ʿAbd al-Muṭṭalib befinden, gebe ich euch zurück. Wegen der übrigen sollt ihr zur Zeit des Mittagsgebets in der Versammlung erscheinen. Dann sollt ihr alle Muslime mit den Worten bitten: ‚Wir wollen unsere Frauen und Kinder zurück. Für diejenigen, die sich bei den Muslimen befinden, bitten wir den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, bei den Muslimen Fürsprache einzulegen; und für diejenigen, die sich beim Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, befinden, bitten wir die Muslime, den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, darum zu bitten.‘ Dann werde ich diejenigen, die sich bei mir befinden, zurückgeben und die Muslime bitten, dass auch sie sie zurückgeben.“
Zur Zeit des Mittagsgebets handelten die Abgesandten von Hawāzin und Banū Saʿd gemäß der Anweisung des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, verkündete vor ihnen: „Sogleich sagten auch die Muhādschirūn und die Anṣār: ‚Wir übergeben dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, diejenigen, die sich bei uns befinden.‘ Nur al-Aqraʿ ibn Ḥābis antwortete für sich und Banū Tamīm, ʿUyayna ibn Ḥiṣn für sich und Banū Fazāra und ʿAbbās ibn Mirdās für sich und Banū Sulaym nicht auf diese Bitte. Doch Banū Sulaym ignorierten ʿAbbās und sagten: ‚Wir übergeben dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, alle Frauen und Kinder, die sich bei einem von uns befinden.‘“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Denjenigen unter euch, die nicht auf ihre jeweiligen Ansprüche verzichten wollen, verspreche ich, dass ich jedem von ihnen aus dem nächsten Kriegsgefangenen, der danach in meine Hände fällt, anstelle eines sechs geben werde. Gebt daher deren Kinder und Frauen zurück.“
Danach fragte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die Abgesandten von Hawāzin: „Was wisst ihr über Mālik ibn ʿAwf?“ Sie sagten: „Er befindet sich in Tāʾif bei Banū Thaqīf.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Teilt Mālik mit: Wenn er als Muslim zu mir kommt, werde ich ihm all seine Besitztümer und Gefangenen zurückgeben und ihm außerdem einhundert Kamele geben.“ Mālik befürchtete, dass Banū Thaqīf ihn festhalten würden, wenn sie vom Angebot des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, erführen. Daher wandte er eine List an, um zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu gelangen. Unterwegs ließ er an einem Ort ein Kamel als Reittier für sich bereitstellen. Danach ritt er mitten in der Nacht von Tāʾif auf einem Pferd bis zu jenem Kamel. Anschließend bestieg er das Kamel und kam zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Als er ihn in Dschiʿrāna oder in Mekka traf, gab ihm der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, alle seine Gefangenen und Besitztümer zurück und schenkte ihm außerdem einhundert Kamele. Er nahm den Islam an und wurde ein aufrichtiger Muslim. Danach trug Mālik ibn ʿAwf ein Gedicht zum Lob des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, vor. Das Gedicht lautet folgendermaßen:
„In der gesamten Menschheit habe ich keinen Menschen gesehen oder gehört, der Muḥammad gleichkommt.
Wenn er jemandem etwas verspricht, erfüllt er sein Versprechen getreulich
und spendet in überreichem Maß
und wenn du außerdem willst,
kann er dir sogar sagen, was morgen geschehen wird.“
Als die großen Stämme mit ihren jeweiligen Heeren und Waffen geflohen waren
und selbst die äußerst scharfen Schwerter durch Schlag um Schlag zerschlagen worden waren
war er auf dem staubbedeckten Schlachtfeld noch immer damit betraut, die Jungen zu bewachen, und
blieb völlig unerschütterlich wie ein Löwe, der im Hinterhalt seiner Höhle lauert.“
Danach ernannte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Malik ibn Awf zum Befehlshaber der Muslime aus seinem eigenen Stamm sowie der Muslime aus den Stämmen Banu Sumala, Banu Salima und Banu Kahm. Malik führte mit diesen Muslimen den Kampf gegen die Banu Thaqif unablässig fort und bezwang sie schließlich. Der Dichter der Banu Thaqif, Abu Mihjan, trug spöttisch ein Gedicht vor:
„Einst fürchteten sich die Feinde vor uns. Doch
heute greift ausgerechnet Banu Salima uns an.
die Heiligkeit aller Bande verletzend und das Versprechen brechend
Malik ist mit ihrer Unterstützung gegen uns vorgerückt. Ja,
er hat sich sogar auf unseren Häusern und Höfen festgesetzt.
Dabei hätten doch wir Vergeltung üben sollen.“
Daraufhin begannen viele Muslime, den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, eindringlich darum zu bitten, ihnen einen Anteil an der Fai, also den ohne Kampf erlangten Beutegütern, nämlich Kamelen und Ziegen, zu geben. Während sie ihn immer wieder bedrängten, führten sie ihn unter einen Baum, worauf sich sein Umhang an einem Ast verfing. Da sagte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm: „Gebt mir meinen Umhang. Bei Allah, wenn ich so viele Güter besäße wie die Bäume von Tihama, würde ich sie unter euch verteilen. Ihr würdet in mir nicht das Geringste an Geiz, Feigheit oder Lüge finden.“ Danach ging er zu seinem Kamel und stellte sich neben es. Er nahm ein Haar von dessen Nacken, hielt es hoch und sagte: „O ihr Muslime, bei Allah, mein Anteil an eurer Fai beträgt nicht mehr als ein Fünftel – nicht einmal von diesem Haarbüschel. Und selbst dieses eine Fünftel habe ich euch überlassen. Wenn also jemand von diesen Gütern auch nur eine Nadel und einen Faden genommen hat, soll er sie zurückgeben. Wisst, dass derjenige, der veruntreut, am Tag der Auferstehung diese Veruntreuung in Gestalt von Feuer vorfinden wird, und dass sie ihm zur Ursache äußerster Schande und Erniedrigung werden wird.“
Ein Ansar hatte etwas Wollgarn genommen, um den eingerissenen Teil des Sattels seines Kamels zu nähen. Er gab es zurück. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Ich gebe dir meinen Anteil daran.“ Er erwiderte: „Nach dem, was du über Veruntreuung gesagt hast, brauche ich diesen Gegenstand keineswegs.“ Daraufhin gab er ihn zurück.
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gab einflussreichen und führenden Männern Güter, um ihre Herzen zu gewinnen. Den folgenden Personen gab er jeweils hundert Kamele: Abu Sufyan ibn Harb, Muawiya, der Sohn Abu Sufyans, Hakim ibn Hizam, Harith ibn Kalda, Harith ibn Hischam, Suhail ibn Amr, Huwaytib ibn Abd al-Uzza, Ala ibn Jariya, Uyayna ibn Hisn, Aqra ibn Harith, Malik ibn Awf und Safwan ibn Umayya.
Den folgenden Personen gab er weniger als hundert Kamele: Makhrama ibn Nawfal al-Zuhri, Umayr ibn Wahb al-Jumahi, Hischam ibn Amr und Amr ibn Lu’ayy. Sa’id ibn Yarbu’ al-Sahmi gab er jeweils fünfzig Kamele.
Abbas ibn Mirdas gab er weniger als fünfzig. Dieser wurde zornig. Er tadelte den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und trug die folgenden Verse vor:
„Das waren die Güter, die ich erbeutet hatte. Ich ritt auf dem Rücken eines Fohlens und griff die Siedlungen in der Ebene an, um sie zu erlangen. Ich hielt die Angehörigen meines Stammes vom Schlafen ab und nahm sie mit, damit sie nicht einschliefen. Doch sie schliefen ein, während ich allein wach blieb. Was Uyayna und Aqra nicht vermochten, das konnten ich und mein Pferd leisten: Wir waren in der Lage, diese Güter zu erbeuten. Auf dem Schlachtfeld bin ich ein erfahrener Kämpfer. Dennoch wurde mir nicht mein angemessener Anteil gegeben. Ganz leer ging ich jedoch nicht aus. Man gab mir lediglich einige kleine Kamele. Deren vier Beine sind noch nicht besonders lang. Hisn und al-Harith – der Vater von Uyayna und Aqra, die jeweils hundert Kamele erhielten – waren in der Gesellschaft nicht angesehener als mein Vater Mirdas. Und auch ich bin nicht geringer als diese beiden. Wen Sie heute gedemütigt haben, der wird nie wieder geehrt werden.“
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, wies die Gefährten an: „Geht, gebt ihm noch etwas und bringt ihn zum Schweigen.“ Die Gefährten gingen zu ihm und beschenkten ihn mit weiteren Kamelen.
Abu Sa’id al-Khudri (möge Allah mit ihm zufrieden sein) berichtet: Weil der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, den Führern der Quraisch und anderer arabischer Stämme derartige Großzügigkeit erwies und den Ansar nichts gab, waren diese sehr unzufrieden, und einige begannen, anstößige Äußerungen zu machen. Manche sagten sogar: „Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, hat seine eigenen Leute zufriedengestellt.“ Zu dieser Zeit ging Sa’d ibn Ubada (möge Allah mit ihm zufrieden sein) zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, und sagte: „O Gesandter Allahs, die Ansar sind sehr verärgert darüber, wie du die Beute verteilt hast. Du hast diese Güter unter deinen eigenen Stamm, die Quraisch, und andere verteilt, den Ansar jedoch nichts gegeben.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagte: „O Sa’d, wie ist deine eigene Haltung dazu?“ Er sagte: „O Gesandter Allahs, ich bin einer aus meinem Volk.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagte: „Dann versammle dein Volk hier.“
Sa’d versammelte die Ansar dort. Als auch einige Muhadschirun dort eintrafen, erlaubte ihnen der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, den Zutritt. Als danach weitere Muhadschirun kommen wollten, gestattete er ihnen den Zutritt nicht mehr. Als auf diese Weise alle jene Ansar versammelt waren, ging der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, zu ihnen. Zuerst pries er Allah in angemessener Weise. Dann sagte er: „O Ansar, ich habe gehört, dass von eurer Seite einige anstößige Worte geäußert wurden, und ich habe erfahren, dass ihr mir gegenüber zornig und verärgert seid. Sagt mir: Wart ihr nicht irregeleitet, als ich zu euch kam? Hat Allah euch danach nicht rechtgeleitet? Wart ihr nicht arm, und hat Allah euch danach nicht wohlhabend gemacht? Wart ihr nicht einander feindlich gesinnt, und hat Allah euch danach nicht einander lieb gemacht?“ Sie sagten: „Doch. Allah und Sein Gesandter haben uns die größte Gunst erwiesen.“ Er sagte weiter: „O Ansar, warum antwortet ihr nicht?“ Sie sagten: „O Gesandter Allahs, was sollen wir dir antworten? Der Gesandte Allahs hat uns die größte Gunst erwiesen.“
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagte: „Ihr könnt sagen: Du kamst zu uns in einem Zustand, in dem niemand an dich glaubte, während nur wir glaubten. Alle misshandelten dich, nur wir halfen dir. Du wurdest vertrieben, und nur wir gewährten dir Zuflucht. Du kamst hilflos zu uns, und wir nahmen dich wie einen Angehörigen auf. Wenn ihr dies sagt, werdet ihr keineswegs lügen, und alle werden die Wahrheit dieser Worte anerkennen. O Ansar, seid ihr wegen dieser vergänglichen Güter der Welt etwa gegen mich unzufrieden geworden? Hat es euch nicht gefallen, dass ich einer Gruppe von Menschen zuvor mein Vertrauen geschenkt habe? O Ansar, seid ihr nicht zufrieden damit, dass die Menschen mit Kamelen und Ziegen fortgehen, während ihr dafür den Gesandten Allahs mitnehmt? Bei Dem, in Dessen Hand die Seele Muhammads liegt: Wenn ich nicht zur Auswanderung gezwungen gewesen wäre, wäre ich gewiss ein Ansari wie ihr. Wenn alle einen Weg einschlagen und die Ansar einen anderen, dann werde ich dem Weg der Ansar folgen. O Allah, erweise den Ansar Barmherzigkeit, ebenso ihren Kindern und den Nachkommen ihrer Kinder.“
Aufgrund dieser Ansprache des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, weinten die Gefährten unter den Ansar so sehr, dass sogar ihre Bärte nass wurden. Einstimmig riefen sie: „Wir sind zufrieden und fühlen uns geehrt, dass uns der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, zuteilgeworden ist.“
Danach ging der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, fort. Auch die Muslime gingen jeweils ihren Beschäftigungen nach.
Die Umra des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) von Ji’rana aus
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, ernannte Attab ibn Usaid vorübergehend zum Statthalter von Mekka, und Attab vollzog im achten Jahr der Hidschra gemeinsam mit den Muslimen die Hadsch.
Ibn Ishaq sagt:
Danach brach der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, von Dschi’irana auf, um die Umra zu vollziehen. Er ordnete an, die noch verbliebenen Beutegüter des Sieges in Madschanna, nahe Marr az-Zahran, aufzubewahren. Nach Abschluss der Umra begab er sich nach Medina und ernannte Attab ibn Usaid (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) vorübergehend zum Statthalter von Mekka. Er ließ auch Mu’adh ibn Dschabal (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) bei Attab zurück, damit dieser die muslimische Bevölkerung in den Einzelheiten der islamischen Vorschriften und im Koran unterrichtete. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, nahm die noch verbliebenen Beutegüter des Sieges mit nach Medina. Diese Umra vollzog er im Monat Dhu l-Qa’da. Daher erfolgte seine Reise nach Medina am Ende von Dhu l-Qa’da oder zu Beginn von Dhu l-Hiddscha. Ibn Ishaq sagt: Die Hadsch jenes Jahres wurde nach dem bei den Arabern üblichen Brauch vollzogen. Attab (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) vollzog die Hadsch gemeinsam mit den Muslimen. [85. Ibn Hischam sagt: Überliefert von Zaid ibn Aslam ist, dass der Prophet, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, Attab, nachdem er ihn zum Statthalter von Mekka ernannt hatte, ein tägliches Gehalt von einem Dirham gewährte. Eines Tages hielt er vor den Muslimen eine Ansprache und sagte: „Allah möge denjenigen niemals zufriedenstellen, der selbst mit einem Gehalt von einem Dirham nicht zufrieden ist. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, hat mir ein tägliches Gehalt von einem Dirham festgesetzt. Nun bin ich auf niemanden mehr angewiesen.“] Dies war das achte Jahr der Hidschra. Von der Abreise des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, aus Taif, also vom Monat Dhu l-Qa’da an, bis zum Ramadan des neunten Jahres der Hidschra verharrten die Bewohner von Taif in Schirk und im Widerstand gegen den Islam.
Die Annahme des Islam durch Ka’b ibn Zuhair nach der Abreise aus Taif
Nach der Abreise des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, aus Taif teilte Buzair ibn Zuhair seinem Bruder, dem selbstbewussten und herausragenden Dichter Ka’b ibn Zuhair, in einem Brief mit: „Viele von denen, die in Mekka Schmähgedichte gegen den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, verfasst haben, hat er töten lassen. Unter den Dichtern der Quraisch sind Ibn Zab’ari und Hubaira geflohen und haben sich gerettet. Wenn du am Leben bleiben willst, dann begib dich unverzüglich zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm. Wer als Muslim und reumütig zu ihm kommt, den tötet er nicht. Wenn du das jedoch nicht tust, dann suche an einem Ort der Welt Zuflucht, den du für sicher hältst.“
Zuvor hatte Ka’b in einem Gedicht gesagt:
„Überbringe Buzair diese Botschaft von mir: Hast du den Wunsch, anzunehmen, was ich gesagt habe? Und wenn du es nicht annimmst, dann bring mich zu dir – wonach sonst verlangst du? Verlangst du nach jener Wesensart und jenem Charakter, die ich bei seinen Eltern – gemeint ist Muhammad – nicht gesehen habe und die du auch bei deinen Eltern nicht gesehen hast? Wenn du meine Worte nicht annimmst, werde ich es nicht bedauern, und selbst wenn du dich durch deinen Irrtum zugrunde richtest, werde ich dich nicht zurechtweisen. Der treue Mann hat dir einen neuen Trank gereicht, um jene besondere Wesensart und jenen Charakter auszubilden.“
Ka’b schickte dieses Gedicht an Buzair, und Buzair trug es dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, vor. Als er die Worte „Der treue Mann hat dir einen neuen Trank gereicht“ hörte, sagte er: „Obwohl Ka’b ein Lügner ist, hat er in dieser Aussage die Wahrheit gesprochen. Ich bin dieser treue Mann.“
Als man erneut rezitierte: „Bist du etwa an einer Wesensart interessiert, die du bei seinen Eltern nicht gesehen hast?“, sagte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm: „Ja, er hat diese Wesensart bei seinen Eltern nicht gesehen.“
Ibn Ishaq berichtet: Als Kaʿb den Brief von Budschair erhielt, sah er die Gerstenblüten vor seinen Augen tanzen. Aus Todesangst trocknete sein Innerstes aus. Die feindseligen Menschen in seiner Umgebung begannen, ihn noch mehr zu erschrecken und in Angst zu versetzen, indem sie sagten: „Kaʿbs Tod steht unmittelbar bevor.“ Da ihm kein anderer Ausweg blieb, verfasste er ein Gedicht zum Lob des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm. Darin erwähnte er seine eigene Furcht und wie seine Feinde ihn eingeschüchtert hatten. Danach machte er sich nach Medina auf. Dort suchte er einen ihm seit früher bekannten Mann aus dem Stamm Dschuhaina auf und blieb bei ihm. Dieser Mann nahm Kaʿb zur Zeit des Morgengebets zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, mit. Er betete mit dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm. Dann deutete er auf den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, und sagte zu Kaʿb: „Das ist der Gesandte Allahs. Geh zu ihm und bitte ihn um Schutz.“ Kaʿb ging sogleich zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, setzte sich vor ihn, ohne dass dieser ihn erkannte, und sagte: „O Gesandter Allahs, wenn Kaʿb ibn Zuhair reumütig und als Muslim zu dir käme, würdest du ihn dann aufnehmen?“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagte: „Ja.“ Da sagte er: „O Gesandter Allahs, ich selbst bin Kaʿb ibn Zuhair.“ Darauf eilte ein Ansari zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, und sagte: „O Gesandter Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf dir, erlaube mir, diesen Feind Allahs zu töten.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagte: „Lass ihn. Er ist reumütig gekommen und hat den Götzendienst aufgegeben.“ Wegen des Verhaltens dieses Ansari wurde Kaʿb gegen alle Ansar zornig. Die Muhadschirun hingegen hatten kein verletzendes Wort zu ihm gesagt. Er verfasste ein Gedicht. Es lautet wie folgt:
„Suʿad, meine Frau, hat sich von mir getrennt, und dadurch ist mein Herz gebrochen. Heute bin ich gedemütigt und gefesselt. Es war keine Schuld von mir, ihr nachzufolgen. … Ich habe gehört, dass der Gesandte Allahs mir gedroht hat; dennoch hoffe ich auf die Vergebung des Gesandten Allahs. Habe ein wenig Geduld! Möge Allah, der dich mit dem Reichtum des ermahnungsreichen Korans beschenkt hat, dich auf den rechten Weg führen. Bestrafe mich nicht, weil du dich von den Machenschaften der Intriganten beeinflussen lässt. Zwar habe ich viele unbedachte Worte gesprochen, doch kein Verbrechen begangen. Heute befinde ich mich in einer solchen heiklen Lage, dass selbst ein Elefant vor Schrecken unruhig würde, wenn er hörte und sähe, was ich von meinem Platz aus höre und sehe. Anders wäre es nur, wenn der Gesandte Allahs ihm mit Allahs Erlaubnis Sicherheit gewährte. Bis jetzt bin ich im Schutz der Dunkelheit durch die öde Wüste umhergeirrt. Schließlich habe ich meine Hand in die Hand dessen gelegt, der Vergeltung üben kann und dessen Wort das einzig wahre Wort ist. Diese Hand werde ich nicht mehr zurückziehen. Als ich tatsächlich mit ihm sprach und mir gesagt wurde: ‚Du bist angeklagt und für zahlreiche Unglücksfälle verantwortlich‘, erschien er mir furchterregender als der Löwe im dichten Wald von Ischir – jener Löwe, der zwei weitere Löwen am Leben erhält, indem er sie mit Menschenfleisch ernährt. Wenn er auf den Gipfel eines Berges springt, verlässt er ihn nicht, bevor er den Gipfel bezwungen hat. Die wilden Raubtiere der Gegend von Dschau fliehen aus Furcht vor ihm, und nicht einmal Menschen wagen es, sich in Gruppen in seinem Gebiet zu bewegen. Sein Gebiet darf nur jemand betreten, der vertrauenswürdig ist und sich mit einer blutbefleckten Waffe und alter, zerrissener Kleidung fortbewegen kann. Wahrlich, der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, ist ein strahlendes Licht, das den rechten Weg weist, und ein unbesiegbares Schwert Allahs. Als einige Leute der Quraisch in Mekka an ihn glaubten, sagten einige von ihnen zu den Gläubigen: ‚Verschwindet!‘ Sie wurden zwar gedemütigt, doch gegenüber jenen Helden wurden sie wehrlos und hilflos – jenen Helden, die im Kampf eine unversehrte, lange, weiße Rüstung tragen, die auch im Sieg nicht vor Freude ausbrechen, weil dies ihrer Gewohnheit entspricht, und im Untergang nicht verzweifeln, weil sie wissen, dass Sieg und Niederlage in Allahs Hand liegen und ihnen später unweigerlich der Sieg zufallen wird. Sie schreiten ruhig und festen Schrittes wie weiße Kamele dahin. Wenn die schwarzen, kleinen Männer vor ihnen fliehen, verteidigen sie sich, indem sie kämpfen. Trifft ein Schlag sie, so trifft er ihre Brust, nicht ihren Rücken, denn sie fliehen nicht aus Angst vor dem Tod, sondern gehen voran, bieten dem Schlag des Feindes die Brust dar und widerstehen ihm.“
Überliefert von ʿAsim ibn ʿUmar ibn Qatada: Als Kaʿb sagte: „Wenn die schwarzen, kleinen Männer fliehen“, wurden die Ansar zornig auf ihn, denn mit diesen Worten hatte er uns Ansar gemeint. Einer von uns hatte ihn nämlich schlecht behandelt. Um anschließend den Zorn der Ansar zu besänftigen, lobte er erneut ihre Opferbereitschaft, ihre Ausdauer und ihre Hingabe für den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sowie ihre Rolle als seine rechte Hand.
Dieses Gedicht lautet:
„Wer sein Leben segnen und mit Ruhm krönen möchte, der soll die Gesellschaft der frommen Ansar nicht verlassen. Größe und Großzügigkeit haben sie als Erbe von ihren Vorvätern erhalten. Daher sind sie die besten Nachkommen der besten Menschen. Mit ihren Rüstungen wehren sie Pfeile und Speere ab; ihre Rüstungen sind den Speeren gleich und ihnen in keinem Teil unterlegen. Mit Augen, rot wie glühende Kohlen und von scharfem Blick, schauen sie drein. Wenn sie dem Kampf begegnen, übergeben sie ihr Leben dem Propheten zum Opfer. Mit erhobenen Schwertern und Speeren schützen sie die Religion der Gläubigen. Durch das Blut der Ungläubigen erlangen sie Reinheit und betrachten dies als gottesdienstliche Pflicht. Wie die dickhalsigen Jagdlöwen in den tiefen Wäldern von Chifja den Kampf üben, erwerben auch sie Kriegskunst und Kampferfahrung. Wenn sie einen Angreifer abwehren, bringen sie ihn vollständig zum Stillstand. ʿAli ibn Masʿud al-Madschar al-Ghassani fügten sie in der Schlacht von Badr solche Schläge zu, dass dadurch der gesamte Stamm Banū Nizar bezwungen wurde und sich unterwarf. Wenn alle Stämme wüssten, was ich über die Ansar weiß, würden es selbst meine erbittertsten Gegner anerkennen. Sie sind ein Volk, das selbst in Zeiten äußerster Hungersnot den nächtlich eintreffenden Gästen Großzügigkeit erweist. Sie gehören zu den edlen Nachkommen der Ghassan, in deren Adel kein Makel zu finden ist.“
Während der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, das Gedicht über seine Frau Suʿad rezitierte, sagte er: „In diesem Gedicht hättest du die Ansar loben sollen, denn sie sind dessen wahrlich würdig.“ Daraufhin rezitierte Kaʿb das zuletzt genannte Gedicht. Ibn Hischam fügt hinzu, dass Kaʿb das Gedicht, mit dem er über seine Frau Suʿad begonnen hatte, dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sitzend in der Prophetenmoschee vorgetragen habe.
Der Feldzug von Tabuk: Radschab, das neunte Jahr der Hidschra
Danach blieb der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, von Dhul-Hiddscha bis zum Monat Radschab in Medina und forderte anschließend die Muslime auf, sich auf den Feldzug gegen die Römer vorzubereiten. Die Historiker Zuhri, Yazid ibn Ruman, Abdullah ibn Abi Bakr, Asim ibn Dschamr und andere haben den Feldzug von Tabuk folgendermaßen überliefert:
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, befahl seinen Gefährten, sich auf den Feldzug gegen die Römer vorzubereiten. Für die Muslime war dies eine äußerst schwierige Zeit. Einerseits herrschte eine glühende Sommerhitze, andererseits litt das Land unter einer Hungersnot. Die wenigen Früchte, die gewachsen waren, waren vollständig reif. Die Menschen verspürten ein starkes Verlangen danach, ihre Früchte zu ernten und sich an schattigen, kühlen Orten aufzuhalten. Gerade zu dieser Zeit wollte niemand hinausziehen. Vor den meisten Feldzügen gab der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gewöhnlich nur einen kleinen Hinweis auf das Ziel. Er teilte mit, dass die Richtung, in die man aufbreche, vom eigentlichen Ziel abweiche. Beim Feldzug von Tabuk war es jedoch völlig anders. Diesmal gab er allen unmissverständlich das Ziel bekannt. Denn das Ziel lag weit entfernt, die Lage war äußerst heikel, und die Überzahl des Feindes war von erheblicher Bedeutung. Damit die Menschen sich angemessen auf den Feldzug vorbereiten konnten, teilte er ihnen daher im Voraus alles mit. Er forderte die Muslime auf, sich vorzubereiten, und erklärte, dass sie diesmal dem Kaiser der Römer gegenübertreten würden. Während dieser Vorbereitungen sagte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, eines Tages zu Dschadd ibn Qais aus dem Stamm der Banu Salima: „O Dschadd, bist du in diesem Jahr bereit, gegen die Römer zu kämpfen?“ Er antwortete: „O Gesandter Allahs, würdest du mir erlauben, zu Hause zu bleiben, statt mich der Versuchung auszusetzen? Bei Allah, meine Stammesangehörigen wissen, dass nur wenige Männer den Frauen gegenüber so schwach sind wie ich. Ich fürchte, dass ich mich beim Anblick der römischen Frauen nicht beherrschen könnte.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, befasste sich nicht weiter mit ihm und sagte: „Ich erteile dir die Erlaubnis.“ Über Dschadd ibn Qais wurde daraufhin dieser Vers offenbart:
[Arabisch ********]
„Manche von ihnen sagen: ‚Erlaube mir, zu Hause zu bleiben, und stürze mich nicht in die Versuchung.‘ Wisset: Sie sind bereits in die Versuchung gestürzt. Und wahrlich, die Hölle wird die Ungerechten einschließen.“ Das heißt, er hatte befürchtet, den römischen Frauen zu verfallen. In Wirklichkeit war dies nicht die eigentliche Gefahr, die ihm drohte. Indem er nicht mit dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zum Dschihad zog und seine eigenen Interessen vorzog, setzte er sich vielmehr einer noch größeren Gefahr aus. Für ihn ist die Hölle bestimmt.
Die Heuchler sagten zueinander: „Zieht bei dieser glühenden Hitze nicht auf Reisen.“ Auf diese Weise bemühten sie sich, dem Dschihad fernzubleiben, und gerieten auf dem Weg der Wahrheit in Zweifel und Unschlüssigkeit. Allah, der Erhabene, offenbarte über sie:
„Sie sagten: ‚Zieht nicht in der Hitze auf Reisen.‘ Sag: ‚Das Feuer der Hölle ist noch heißer.‘ Wenn sie das nur begreifen würden! Deshalb sollen sie wenig lachen und viel weinen. Die Vergeltung für ihre bösen Taten wird sie gewiss treffen.“
Ibn Ishaq sagt:
Danach begann der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die Reisevorbereitungen zu treffen, und forderte die Muslime auf, ihre Vorbereitungen rasch abzuschließen. Er ermunterte die wohlhabenden Muslime, auf Allahs Weg mit Reittieren, Geld, Proviant und dergleichen zu helfen. Die reichen Muslime leisteten viel Unterstützung und waren mit Allahs Wohlgefallen zufrieden. Uthman ibn Affan, möge Allah mit ihm zufrieden sein, spendete zu dieser Zeit mehr als alle anderen. [86. Ibn Hischam sagte: Für die von Armut bedrängten Muslime, die am Feldzug nach Tabuk teilnahmen, spendete er eintausend Dinar. Darüber freute sich der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, so sehr, dass er sprach: „O Allah, sei mit Uthman zufrieden; ich bin mit ihm zufrieden.“]
Sieben Muslime aus den Reihen der Ansar und der anderen Gruppen kamen zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und baten um Reittiere. Sie waren äußerst arm. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, erklärte, dass er nicht in der Lage sei, ihnen Reittiere zur Verfügung zu stellen. Da sie nicht am Dschihad teilnehmen konnten, kehrten sie weinend zurück. In der Geschichte sind sie unter dem Namen „al-Bakkāʾūn“, das heißt „die Weinenden“, bekannt. Es waren: Salim ibn Umair aus dem Stamm Banū Amr ibn Auf, Ulba ibn Zaid aus Banū al-Haritha, Abu Laila Abd ar-Rahman aus Banū Madsin, Amr ibn Humam und Abdullah ibn Mughaffal al-Muzani aus Banū Salima. Manche sagen, es seien Abdullah ibn Amr, Harmi ibn Abdullah aus Banū Wafiq und Irbad ibn Sariya aus Banū Fazarah gewesen, möge Allah mit ihnen allen zufrieden sein.
Es wird berichtet, dass Ibn Yamin ibn Umair, als er zwei von ihnen, Abu Laila Abd ar-Rahman und Abdullah ibn Mughaffal, weinen sah, fragte: „Warum weint ihr?“ Sie antworteten: „Wir waren zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gegangen, um ein Reittier für den Feldzug nach Tabuk zu erbitten. Doch er konnte uns keines geben, und auch wir besitzen nichts, womit wir mit ihm am Feldzug teilnehmen könnten.“ Daraufhin gab Ibn Yamin ihnen ein Kamel und einige Datteln. Sie bestiegen dieses Reittier und zogen mit dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zum Feldzug. Eine Gruppe beduinischer Muslime kam zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, brachte verschiedene Entschuldigungen vor und bat um die Erlaubnis, nicht am Feldzug teilzunehmen. Allah gewährte ihnen diese Erlaubnis nicht. Nach Ansicht mancher waren sie Angehörige des Stammes Banū Ghifar. Unter der Führung des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, begann die Reise. Einige aufrichtige und wahrhaftige Muslime blieben davon ab, am Feldzug mit dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, teilzunehmen. Niemand erhob einen Vorwurf gegen ihren Glauben. Der Grund für ihr Zurückbleiben war lediglich, dass sie nicht die nötige Entschlossenheit zeigen konnten. Er führte das Heer über den Bergpass Saniyyat al-Wadaʿ am Rand von Medina. Abdullah ibn Ubayy trennte seine Leute vom Hauptheer des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und führte sie unterhalb von Saniyyat al-Wadaʿ auf dem Weg, der zum Berg Dschubab führte. Nach Ansicht vieler waren es sehr viele Menschen. Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, mit seinem Heer weit vorangekommen war, kehrte Abdullah ibn Ubayy mit seinen mitziehenden Heuchlern und Zweiflern nach Medina zurück. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ließ Ali ibn Abi Talib, möge Allah mit ihm zufrieden sein, zur Betreuung seiner Familie zurück. Er trug ihm auf, bei seiner Familie zu bleiben. Die Heuchler verbreiteten seinetwegen verschiedene Verleumdungen. Sie behaupteten, der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, habe Ali zurückgelassen, weil er ihn für untätig halte und sich von ihm befreien wolle. Als Ali (möge Allah mit ihm zufrieden sein) dies hörte, bewaffnete er sich und ging zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Dieser hielt sich damals an einem Ort namens Dschurf auf, drei Meilen von Medina entfernt; dort lagen die Ländereien von Umar ibn al-Chattab (möge Allah mit ihm zufrieden sein) und vieler anderer Bewohner Medinas. Ali (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: „O Gesandter Allahs, die Heuchler meinen, du hättest mich zurückgelassen, weil du mich für untätig hältst und dich von mir befreien willst.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Sie haben gelogen. Ich habe dich zurückgelassen, damit du mich und deine Familie betreust. O Ali, bist du nicht damit zufrieden, dass ich dich in dieselbe Stellung zu mir gesetzt habe, in die Musa Harun gesetzt hatte? Denn nach mir wird es keinen Propheten mehr geben.“ Nachdem Ali (möge Allah mit ihm zufrieden sein) dies gehört hatte, kehrte er nach Medina zurück. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zog zum Feldzug weiter.
Einige Tage nachdem das muslimische Heer unter der Führung des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zum Feldzug nach Tabuk aufgebrochen war, kehrte Abu Chaythama (möge Allah mit ihm zufrieden sein) zu seiner Familie zurück. Er sah, dass seine beiden Frauen sich jeweils in ihrem Zelt im Garten aufhielten. Beide hatten in ihren Zelten Wasser versprengt und sie dadurch gekühlt. Er kam, blieb an der Schwelle des Zeltes stehen, blickte auf seine beiden Frauen im Inneren und sah auch, welche Vorkehrungen sie für seinen Komfort getroffen hatten. Da sagte er verständlicherweise: „Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, leidet unter Sonne, Wind und Hitze, während Abu Chaythama in kühlem Schatten im Kreis schöner Frauen inmitten seines Grundbesitzes und seiner Habe sitzt und zubereitete Speisen isst? Das kann niemals richtig sein. Bei Allah, ich werde keines eurer Zelte betreten. Ich werde zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gehen. Rüstet mich für den Dschihad aus.“ Sie stellten seine Ausrüstung zusammen. Danach wurde sein Kamel herbeigeführt. Abu Chaythama brach auf und eilte auf der Suche nach dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, weiter. Nachdem dieser sein Lager aufgeschlagen hatte, traf Abu Chaythama dort ein. Unterwegs schloss sich ihm ein weiterer Gefährte, Umair ibn Wahb al-Dschumahi, an. Auch er war unterwegs, um am Feldzug des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, teilzunehmen. Als sie sich beide Tabuk näherten, sagte Abu Chaythama zu Umair: „Ich habe eine Sünde begangen. Wenn du deshalb ein wenig hinter mir zurückbleibst, wird dir kein Schaden entstehen. Lass mich zuerst zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gelangen.“
Als sie sich in Tabuk dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, näherten, sahen die Gefährten ihn und sagten: „Ein Kamelreiter kommt auf uns zu.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Wahrscheinlich ist es Abu Chaythama.“ Die Gefährten sagten: „O Gesandter Allahs, es ist tatsächlich Abu Chaythama.“ Als Abu Chaythama näher kam, stieg er vom Kamel und ging zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nachdem er ihn begrüßt hatte. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „O Abu Chaythama, du hast das dir angemessene Richtige getan.“ [87. Das ursprüngliche Wort lautet “[Arabisch ***](Awlā laka). Dieses Wort wird im Edlen Koran an mehreren Stellen verwendet. Dort haben einige Koranexegeten ihm auch die Bedeutung gegeben: „Du bist dem Untergang nahe gewesen.“ In diesem Fall ist jedoch wahrscheinlich die erste Bedeutung zutreffend, nämlich: „Du hast das dir angemessene Richtige getan.“] Danach erzählte er dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, den gesamten Hergang. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, beglückwünschte ihn und sprach ein Bittgebet für ihn.
Auf dem Weg nach Tabuk machte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, beim Durchqueren von „Hidschr“, dem Wohnort eines wohlhabenden Volkes, einen kurzen Halt. Als einige Gefährten Wasser aus dem Brunnen dort holen wollten, warnte sie der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm: „Trinkt nicht von diesem Wasser und verrichtet damit nicht die Gebetswaschung. Wenn jemand mit diesem Wasser Teig zubereitet hat, soll er ihn den Pferden zu fressen geben; esst ihn nicht. Geht nachts nicht allein hinaus.“ Fast alle Gefährten befolgten die Anweisung des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Nur zwei Männer aus dem Stamm Banū Sāʿida gingen nachts allein hinaus: der eine, um seine Notdurft zu verrichten, und der andere, um sein verlorenes Kamel zu suchen. Derjenige, der seine Notdurft verrichten wollte, wurde genau an dem Ort bewusstlos, an dem er sich dazu niedergelassen hatte. Derjenige aber, der nach dem Kamel suchte, wurde von einem heftigen Wind fortgetragen und auf den Berg „Ṭayy“ geschleudert. Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, davon erfuhr, sagte er: „Habe ich euch nicht verboten, allein hinauszugehen?“ Danach sprach der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, für den Mann, der bei der Verrichtung seiner Notdurft bewusstlos geworden war, ein Bittgebet, worauf dieser wieder gesund wurde. Denjenigen aber, der auf den Berg „Ṭayy“ geschleudert worden war, brachten die Angehörigen des Stammes Ṭayy nach der Rückkehr des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nach Medina zu ihm.
Am nächsten Morgen stellte sich heraus, dass niemand in der Karawane auch nur einen Tropfen Wasser besaß. Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, davon erfuhr, sprach er ein Bittgebet zu Allah. Allah sandte eine Wolke, ließ es regnen und erfüllte dadurch den Bedarf aller. Außerdem sammelten alle genügend Wasser für die kommende Zeit.
Auf dem Weg nach Tabuk ging erneut das Kamel des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, verloren. Die Gefährten machten sich auf die Suche nach dem Kamel. Zu dieser Zeit befand sich bei dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ein Gefährte namens ʿUmāra ibn Ḥazm, der am Treueid von al-ʿAqaba und an der Schlacht von Badr teilgenommen hatte. Er war ein angesehener Ältester der Banū ʿAmr. In seiner Gruppe befand sich ein Heuchler aus dem Stamm Banū Qaynuqā namens Zaid ibn Luṣait.
Während ʿUmāra beim Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, anwesend war, setzte sich Zaid ibn Luṣait zu dessen Gefährten und sagte: „Nun behauptet Muhammad, er sei ein Prophet und kenne die Nachrichten des Himmels. Weiß er etwa nicht einmal, wo sein Kamel ist?“ Genau in diesem Augenblick sagte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in Gegenwart von ʿUmāra: „Ein Mann sagt: Muhammad behauptet, ein Prophet zu sein und euch die Nachrichten des Himmels zu verkünden; warum weiß er dann nicht, wo sein Kamel ist? Bei Allah, ich weiß nichts außer dem, was Allah mir mitgeteilt hat. Allah hat mich zum Aufenthaltsort des Kamels geführt. Es befindet sich an einem bestimmten Ort in diesem Tal; sein Zügel hat sich an einem Baum verfangen. Geht und holt das Kamel.“ Die Gefährten gingen hin und brachten das Kamel. Danach kehrte ʿUmāra zu seinen Leuten zurück und sagte: „Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, hat uns gerade eine erstaunliche Nachricht mitgeteilt. Jemand in unserer Truppe soll etwas Derartiges gesagt haben, und Allah hat es ihm mitgeteilt.“ Daraufhin berichtete er, was Zaid ibn Luṣait gesagt hatte. Da sagte einer aus ʿUmāras Gruppe, der sich innerhalb der Gruppe befunden, den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, jedoch nicht aufgesucht hatte: „Bei Allah, Zaid hat das gesagt.“ ʿUmāra ging daraufhin zu Zaid, schlug ihm in den Nacken und sagte: „O Diener Allahs, kommt zu mir! In meiner Karawane verbirgt sich eine Schlange, und ich wusste nichts davon. O Feind Allahs, verschwinde aus meiner Karawane. Bleib nicht länger bei mir.“
Es wird berichtet, dass Zaid danach Buße tat. Andere sagen jedoch, dass Zaid bis zu seinem Tod beschuldigt blieb, die Heuchelei fortgesetzt zu haben.
Unterwegs lösten sich bisweilen ein oder zwei Männer vom muslimischen Heer und kehrten um. Wenn man dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, meldete, dass jemand dieser Art umgekehrt sei, sagte er: „Lasst ihn gehen. Wenn in ihm Wahrhaftigkeit ist, wird Allah ihn wieder zu euch zurückbringen. Andernfalls hat Allah euch von seiner Gesellschaft befreit. Das ist gut so.“ Eines Tages wurde gesagt: „O Gesandter Allahs, auch Abū Dharr ist zurückgeblieben. Sein Kamel hat ihn zurückgelassen.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Wenn er zurückbleibt, dann soll er zurückbleiben. Wenn in ihm Gutes ist, wird Allah ihn zu euch zurückbringen. Wenn nicht, dann sollt ihr annehmen, dass Allah euch von ihm befreit hat.“ Abū Dharr (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) bemühte sich sehr, sein Kamel schneller voranzutreiben, doch es nützte nichts. Schließlich nahm er seine Ausrüstung und seinen Proviant auf die Schultern und begann, dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu Fuß zu folgen. Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, an einem Ort Halt machte, holte Abū Dharr ihn ein. Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ihn allein herankommen sah, sagte er: „Möge Allah Abū Dharr Barmherzigkeit erweisen. Er geht allein, wird allein sterben und wird allein wieder vor Allah erscheinen.“ ʿAbdullāh ibn Masʿūd berichtet: Als ʿUthmān (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) während seines Kalifats Abū Dharr (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) nach Rabdha verbannte, war dort außer dessen Frau und seinem Diener niemand bei ihm. Er erteilte ihnen folgende Anweisung: „Wenn ich sterbe, wascht mich, hüllt mich in das Leichentuch und legt mich an den Weg. Wenn dann die erste Karawane an euch vorüberzieht, sagt zu ihr: Dieser Mann ist Abū Dharr, ein Gefährte des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Helft uns, ihn zu bestatten.“ Nach seinem Tod befolgten seine Frau und sein Diener diese Anweisung und legten seinen Leichnam an den Weg. Zu dieser Zeit reiste ʿAbdullāh ibn Masʿūd (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) mit einer Gruppe von Umra-Pilgern aus dem Irak. Als die Gruppe den am Weg liegenden Leichnam sah, blieb sie erschrocken stehen. Nur knapp entging er der Gefahr, unter die Füße der Kamele der Gruppe zu geraten. Der Diener trat vor sie und sagte: „Er ist Abū Dharr (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm), ein Gefährte des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Helft uns, ihn zu bestatten.“ ʿAbdullāh ibn Masʿūd begann zu weinen und sagte: „Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, hat wahr gesprochen: Du gehst allein, wirst allein sterben und wirst allein wiederauferweckt werden.“ Danach stiegen er und seine Reisegefährten ab und bestatteten ihn. Anschließend berichtete ʿAbdullāh ibn Masʿūd ihnen auf dem Weg nach Tabuk von dem Ereignis mit Abū Dharr (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) und von den Worten, die der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu ihm gesagt hatte. Anschließend berichtete ʿAbdullāh ibn Masʿūd ihnen auf dem Weg nach Tabuk erneut von dem Ereignis mit Abū Dharr (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) und von den Worten, die der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu ihm gesagt hatte. Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Tabuk erreichte, kam Yūḥannā ibn Rūbā, der Statthalter von Aila, zu ihm, zahlte die Dschizya und schloss einen Friedensvertrag. Ebenso kamen die Bewohner von Dschabra und Adhruḥ und zahlten die Dschizya. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, schrieb ihnen daraufhin folgenden Vertrag:
„Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen. Von Allah und Seinem Gesandten Muhammad wird Yuhanna ibn Ruʾba, den Bewohnern von Aylah sowie all ihren See- und Landfahrzeugen Sicherheit gewährt. Der Gesandte Allahs übernimmt die volle Verantwortung für ihre Sicherheit sowie für die Sicherheit ihrer Angehörigen und ihrer Verbündeten in Syrien, im Jemen und unter den Bewohnern des Meeres. Wenn jemand diesem Abkommen zuwiderhandelt, kann er sich durch seinen Besitz und sein Vermögen nicht der Strafe entziehen. Wer jemandem Schaden zufügt, gegen den darf Vergeltung geübt werden. Sie dürfen das Wasser jedes Gewässers nutzen und jede See- und Landroute begehen. Niemand darf sie daran hindern.“
Die Entsendung von Khalid ibn al-Walid durch den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu Ukaydir, dem Herrscher von Dumat al-Dschandal
Danach entsandte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Khalid ibn al-Walid zu Ukaydir ibn Abd al-Malik, dem Herrscher von Dumat al-Dschandal. Ukaydir war ein Christ aus dem Stamm Kindah und dort der König. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte zu Khalid: „Wenn du hingehst, wirst du sehen, wie Ukaydir Rinder jagt.“
In einer mondhellen Sommernacht saß Ukaydir mit seiner Frau auf dem Dach, als Khalid in den Sichtbereich seiner Festung gelangte. Zu jener Zeit begann ein Wildrind, mit seinen Hörnern gegen das Tor von Ukaydirs Palast zu stoßen. Seine Frau sagte: „Hast du jemals ein solches Rind gesehen?“ Er sagte: „Nein.“ Seine Frau sagte: „Sollte man sich eine solche Jagdbeute entgehen lassen?“ Er sagte: „Niemals.“ Damit stieg er hinab und bestieg sein Pferd. Zusammen mit seinem Bruder Hassan und mehreren Angehörigen seiner Familie eilte er der Jagd hinterher. Sobald sie hinausgekommen waren, gerieten sie in die Hände der vom Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, entsandten Truppe. Ukaydirs Bruder Hassan wurde von der muslimischen Truppe getötet. Er trug ein mit Gold besticktes Seidengewand. Khalid, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, nahm es ihm ab und schickte es durch einen Mann nach Medina, noch bevor er selbst dorthin aufbrach.
Anas ibn Malik, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, sagte: Als Ukaydirs Gewand zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gebracht worden war, sah ich es. Die Muslime berührten es mit ihren Händen und staunten darüber. Da sagte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm: „Staunt ihr über dieses Gewand? Bei Allah, das Taschentuch, das Saʿd ibn Muʿadh im Paradies erhalten wird, ist besser als dieses.“
Ibn Ishaq berichtet: Khalid brachte Ukaydir zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Er gewährte ihm Sicherheit für sein Leben, schloss mit ihm gegen Zahlung der Dschizya einen Friedensvertrag und ließ ihn frei. Darauf kehrte er in sein Gebiet zurück.
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, rückte von Tabuk nicht weiter vor, sondern blieb dort zehn Tage. Danach kehrte er nach Medina zurück. Unterwegs befand sich im Tal Wadi al-Muschaqqaq eine kleine Bergquelle. Ihr Wasser hätte höchstens den Durst von zwei oder drei Reisenden stillen können. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Diejenigen, die dieses Tal zuerst erreichen, sollen nicht trinken, sondern warten, bis wir eintreffen.“ Doch eine Gruppe von Heuchlern erreichte den Ort zuerst, trank das wenige dort vorhandene Wasser und ging wieder fort. Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, dort eintraf, sah er, dass kein Tropfen Wasser mehr da war. Er fragte: „Wer ist vor uns hierhergekommen?“ Man teilte ihm mit, dass dieser und jener zuerst dort gewesen seien. Er sagte: „Ich hatte doch verboten, dass jemand Wasser trinkt, bevor ich eintreffe.“ Danach verfluchte er diese Heuchler und sprach ein Bittgebet gegen sie. Dann stieg er von seinem Reittier und legte seine Hand an den Fuß des Berges. Sofort begann auf Allahs Geheiß eine große Menge Wasser hervorzuströmen. Er trank davon, strich über jene Stelle des Berges und betete zu Allah. Augenblicklich schoss eine Wasserfontäne mit gewaltigem, einem Donnerschlag gleichendem Getöse hervor. Die Menschen tranken sich satt und deckten ihren sonstigen Bedarf. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Wenn ihr ein langes Leben habt, werdet ihr künftig vom Ruhm dieses Tals hören, und dieses Wasser wird die Gebiete rings um das Tal fruchtbar machen.“
Ibn Ishaq berichtet: Ibn Uqayma al-Laythi überlieferte vom Neffen von Abu Ruhm al-Ghifari, und Ibn Schihab az-Zuhri überlieferte von al-Laythi, dass Abu Ruhm Kulthum ibn Husayn, einer der Gefährten, die an der Baiʿat ar-Ridwan teilgenommen hatten, sagte: Ich nahm gemeinsam mit dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, am Feldzug nach Tabuk teil und reiste mit ihm. Eines Nachts, als wir al-Akhdar, das an Tabuk angrenzende Gebiet, durchquerten, ließ Allah den Schlaf über uns kommen. Da mein Reittier sich unmittelbar neben dem Reittier des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, befand und ich befürchtete, dass mein Reittier, wenn sie einander zu nahe kämen, seine Füße treffen könnte, bemühte ich mich mit aller Kraft, wach zu bleiben und mein Reittier von seinem Reittier fernzuhalten. In diesem Zustand wurde mein Schlaf während eines Teils der Nacht unwiderstehlich. Sofort berührte mein Reittier das Reittier des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Seite an Seite. Durch seinen Ausruf „Uff!“ erwachte ich. Ich sagte: „O Gesandter Allahs, bitte Allah um Vergebung für mich.“ Er sagte: „Geh weiter.“
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, begann zu fragen, wer von den Banū Ghifār nicht am Feldzug teilgenommen hatte, und ich nannte ihm daraufhin die Namen derjenigen, die nicht gekommen waren. Er sagte: „Was ist mit den hochgewachsenen, rötlich aussehenden Männern mit dünnen Bärten und Augenbrauen?“ Ich sagte ihm, dass sie nicht gekommen seien. Er sagte: „Was haben die kräftig gebauten, gedrungenen, dunkelhäutigen Männer getan?“ Ich sagte: „Ich sehe unter uns niemanden von dieser Art.“ Er sagte: „Diejenigen, die in den Siedlungsgebieten der Ghifār und der Aslam im Hedschas großen Besitz haben?“ Ich versuchte, mich im Zusammenhang mit den Banū Ghifār an sie zu erinnern, doch es fiel mir nicht ein. Schließlich erinnerte ich mich daran, dass sie eine Gruppe der Banū Aslam waren, mit denen wir ein Bündnis hatten. Ich sagte: „O Gesandter Allahs! Sie sind eine Gruppe der Banū Aslam, mit denen wir ein Bündnis hatten.“ Ich sagte nochmals: „O Gesandter Allahs! Sie sind eine Gruppe der Banū Aslam, die unsere Verbündeten waren.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Sie hätten zumindest mit einem ihrer Kamele einem fähigen Kämpfer helfen können, zum Dschihad auf Allahs Weg zu kommen. Nichts hinderte sie daran. Was auch immer die anderen unter meinen Gefährten tun mögen – dass die Quraisch-Muhādschirūn, die Ansār, die Banū Ghifār und die Banū Aslam nicht mit mir gekommen sind, schmerzt mich am meisten.“
Die Ankunft der Delegation des Stammes Banū Thaqīf und ihre Annahme des Islams im Ramadan des neunten Hidschra-Jahres
Ibn Ishāq berichtet:
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, kehrte im Ramadan von Tabūk nach Medina zurück, und noch in diesem Monat kam eine Delegation des Stammes Banū Thaqīf zu ihm. Der Hintergrund ihrer Ankunft war folgender: Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zuvor von Tāʾif zurückgekehrt war, folgte ihm ʿUrwa ibn Masʿūd ath-Thaqafī. Noch bevor er Medina erreichte, traf er mit dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zusammen und nahm den Islam an. Als er anschließend in seinen Stamm zurückkehren wollte, um den Islam zu verkünden, sagte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu ihm: „Sie werden dich töten.“ Er kannte die Starrsinnigkeit und Widerspenstigkeit des Stammes Banū Thaqīf. Er wusste auch, dass sie es gewohnt waren, den Aufruf eines Angehörigen ihres eigenen Stammes zurückzuweisen. Doch ʿUrwa sagte: „O Gesandter Allahs! Ich bin ihnen lieber als ein neugeborenes Kind.“
Tatsächlich war er ihnen ebenso lieb und hoch angesehen. Daraufhin kehrte er zu seinem Stamm zurück und rief ihn zur Annahme des Islams auf. Er hoffte, dass aufgrund seines Ansehens, seines Einflusses und seiner Stellung innerhalb des Stammes niemand sich ihm widersetzen würde. Als er vom Dach seines Hauses aus die Stammesangehörigen angemessen zum Islam aufgerufen und ihnen seine eigene Annahme des Islams mitgeteilt hatte und sie ansah, wurden von allen Seiten Pfeile auf ihn abgeschossen. Einer der Pfeile traf ihn, und dadurch erlitt er den Märtyrertod.
Nach Auffassung der Banū Mālik wurde er von ʿAws ibn ʿAwf aus den Banū Sālim ibn Mālik getötet, während seine Verbündeten sagen, dass Wahb ibn Jābir aus den Banū ʿAttāb ibn Mālik ihn getötet habe. (Banū Sālim und Banū ʿAttāb waren Familien aus den Banū Mālik, einem Zweig der Banū Thaqīf.) Nachdem ʿUrwa verwundet worden war, wurde er gefragt: „Was ist Ihre Meinung zu Ihrer Tötung?“ Er sagte: „Dies ist für mich eine große Ehre und ein großer Ruhm von Allah. Allah selbst hat mich mit der Ehre des Märtyrertods ausgezeichnet. Mein Rang ist keineswegs höher als derjenigen derjenigen Mudschāhidūn, die mit dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, kamen und den Märtyrertod erlitten, bevor er von diesem Ort bei euch zurückkehrte. Begrabt mich daher bei ihnen.“
Es wird berichtet, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nach der Nachricht vom Märtyrertod ʿUrwa ibn Masʿūds sagte: „ʿUrwa ist mit demjenigen Märtyrer vergleichbar, dessen Geschichte in der Sura Yā-Sīn erzählt wird.“
Nach der Tötung ʿUrwas beobachteten die Banū Thaqīf einen Monat lang die Lage und kamen anschließend zu einer Beratung zusammen. Sie kamen zu dem Schluss, dass die Banū Thaqīf nicht allein gegen die gesamte arabische Nation, die ringsum den Islam angenommen hatte, kämpfen und bestehen konnten. Aufgrund dieser Entscheidung beschlossen sie, nun, wie sie zuvor ʿUrwa entsandt hatten, einen weiteren Mann zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu schicken. Zu diesem Zweck sprachen sie mit einem gewissen ʿAbd Yālīl ibn ʿAmr, der gleichaltrig mit ʿUrwa ibn Masʿūd war, und baten ihn, als Vertreter der Banū Thaqīf zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu gehen. Er befürchtete jedoch, dass die Banū Thaqīf ihn nach seiner Rückkehr ebenso behandeln würden, wie sie mit ʿUrwa verfahren waren. Er sagte: „Wenn ihr noch einige Männer mit mir schickt, bin ich einverstanden; andernfalls nicht.“ Schließlich beschlossen sie, mit ʿAbd Yālīl insgesamt sechs Männer zu entsenden: zwei aus den verbündeten Stämmen und drei aus den Banū Mālik – zusätzlich zu ihm selbst. Dementsprechend schickten sie mit ʿAbd Yālīl al-Hakam ibn ʿAmr und Schurahbīl ibn Ghaylān aus der Familie Banū Muʿattab, sowie aus den Banū Mālik ʿUthmān ibn Abū al-ʿĀs aus der Familie Banū Yasār, ʿAws ibn ʿAwf aus der Familie Banū Sālim und Numayr ibn Kharrāsch aus der Familie Banū al-Hārith. ʿAbd Yālīl brach als Anführer mit ihnen auf. Er nahm diese Männer mit, um sich davor zu schützen, das Schicksal ʿUrwa ibn Masʿūds zu erleiden, damit jeder von ihnen nach Tāʾif zurückkehren und seine eigene Sippe in diese Angelegenheit hineinziehen konnte.
Als die Delegation sich Medina näherte, sahen einige Gefährten, die bei einer Quelle Kamele hüteten, al-Mughīra ibn Schuʿba (möge Allah mit ihm zufrieden sein). Die Verantwortung, diese Kamele abwechselnd zu hüten, war unter den Gefährten aufgeteilt, und zu jener Zeit war al-Mughīras Schicht. Nachdem er ihnen begegnet war, ließ al-Mughīra die Kamele bei den Delegierten von Banū Thaqīf zurück und eilte davon, um dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die frohe Nachricht von ihrer Ankunft zu überbringen. Bevor al-Mughīra (möge Allah mit ihm zufrieden sein) den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, traf, begegnete er Abū Bakr as-Siddīq (möge Allah mit ihm zufrieden sein). Er teilte ihm mit, dass die Delegierten von Banū Thaqīf gekommen seien, um den Islam anzunehmen. Sie wollten jedoch, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ihnen einige Vergünstigungen gewähre und ihnen eine Vereinbarung ausstelle, die den Schutz ihres Besitzes, ihrer Ländereien und ihrer Bewohner garantiere. Abū Bakr (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte zu al-Mughīra (möge Allah mit ihm zufrieden sein): „Ich beschwöre dich bei Allah: Lass mich vor dir zum Gesandten Allahs gehen und mit ihm über diese Angelegenheit sprechen.“ Al-Mughīra stimmte zu. Abū Bakr (möge Allah mit ihm zufrieden sein) ging zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und informierte ihn über diese Delegation. Danach kehrte al-Mughīra (möge Allah mit ihm zufrieden sein) zu seinen stammeszugehörigen Freunden zurück. [Es sei angemerkt, dass al-Mughīra aus dem Stamm Banū Thaqīf stammte.] Den Mittag verbrachte er ruhend bei ihnen und brachte ihnen bei, wie man dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, den islamischen Gruß entbietet. Als sie ihm jedoch begegneten, grüßten sie ihn nach der Sitte der Dschāhilīya.
Als die Delegation beim Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, eintraf, wurde ihr an einer Seite der Prophetenmoschee ein Raum als Unterkunft zugewiesen. Bis eine Vereinbarung für Banū Thaqīf niedergeschrieben wurde, erfolgte der Austausch zwischen dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und der Delegation durch Chālid ibn Saʿīd ibn al-ʿĀs; eben dieser Chālid schrieb die Vereinbarung nieder. Während dieser Zeit, bis die Vereinbarung aufgesetzt war und die Delegation den Islam annahm, aßen die Delegierten auch die vom Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gesandten Speisen erst, nachdem Chālid davon gegessen hatte. Zu den Vergünstigungen, die sie vom Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, verlangten, gehörte, dass sie die Verehrung von al-Lāt, also des Götzen, fortsetzen dürften und dieser innerhalb von drei Jahren nicht zerstört werden sollte. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, wies diese Forderung zurück. Darauf verkürzten sie die Frist auf ein Jahr. Als auch dies zurückgewiesen wurde, verkürzten sie sie schrittweise auf einen Monat. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, wies auch dies zurück. Die Delegation erklärte, sie stelle diese Forderung, weil sie sich vor dem Zorn der Ungebildeten, der jungen Nachkommen und der Frauen ihres Stammes schützen wolle; außerdem missfiel es ihnen, durch die Zerstörung des Götzen unter den Stammesangehörigen Schrecken zu verbreiten, bevor diese den Islam annahmen. Doch der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, akzeptierte diese Forderung keineswegs. Vielmehr erklärte er nachdrücklich, dass er unverzüglich Abū Sufyān ibn Harb und al-Mughīra ibn Schuʿba (möge Allah mit ihm zufrieden sein) schicken werde, um diesen Götzen zu zerstören. Sie verlangten ferner, dass er sie nicht zum Gebet zwingen und sie nicht dazu verpflichten solle, die Götzen eigenhändig zu zerstören. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, stellte unmissverständlich klar, dass es ohne das Gebet keinen Islam geben könne, sie jedoch nicht dazu gezwungen würden, die Götzen mit eigenen Händen zu zerstören. Die Delegation akzeptierte das Gebet; obwohl sie es als „demütigend“ bezeichnete, erklärte sie sich bereit, es anzunehmen.
Danach nahmen sie alle den Islam an, und der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, stellte für sie eine Vereinbarung aus. Anschließend ernannte er ʿUthmān ibn Abī al-ʿĀs zu ihrem Anführer. Er war das jüngste Mitglied der Gruppe und zeigte vergleichsweise großes Interesse daran, den Qurʾān und den Islam zu lernen. Abū Bakr (möge Allah mit ihm zufrieden sein) bemerkte über ihn: „O Gesandter Allahs, mir scheint, dass ʿUthmān von uns allen den Islam am besten versteht und den Qurʾān am eifrigsten lernt.“
Nachdem die Delegation ihre Aufgabe beendet hatte und nach Tāʾif aufgebrochen war, übertrug der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Abū Sufyān ibn Harb und al-Mughīra ibn Schuʿba (möge Allah mit ihm zufrieden sein) die Aufgabe, die Götzen zu zerstören, und ließ sie gemeinsam mit der Delegation aufbrechen. Beide zogen mit der Delegation los. Als sie die Umgebung von Tāʾif erreichten, wollte al-Mughīra (möge Allah mit ihm zufrieden sein), dass Abū Sufyān (möge Allah mit ihm zufrieden sein) zuerst vorausging. Abū Sufyān lehnte dies ab und sagte: „Geh du zuerst zu den Angehörigen deines Stammes und begegne ihnen.“ Abū Sufyān blieb bei dem Gewässer namens Dhū Hudum zurück, während al-Mughīra, kaum in die Stadt eingetreten, mit einer Hacke über sie herfiel, um al-Lāt und die anderen Götzen zu zerstören. Auch Banū Muʿattab, al-Mughīras (möge Allah mit ihm zufrieden sein) Stamm, unterstützte ihn, aus Sorge, dass sein Schicksal nicht dem von ʿUrwa ibn Masʿūd gleichen möge. Unterdessen kamen die Frauen von Banū Thaqīf auf die Straße und beklagten den Götzen. Sie riefen:
„Weint um die Beschützerin! Die Treulosen haben sie verlassen.“
„Sie haben nicht einmal ordentlich für sie gekämpft.“
Als al-Mughīra daraufhin begann, mit einer Axt auf al-Lāt einzuschlagen, rief Abū Sufyān immer wieder: „Ach! Ach!“
Nachdem al-Lāt zerstört worden war, sammelte al-Mughīra alle Schätze des Heiligtums ein und schickte sie zu Abū Sufyān. Zu diesen Schätzen gehörten große Mengen Gold und Seidenwaren.
Nachdem Urwa ibn Masʿud als Märtyrer gefallen war, suchten sein Sohn Abu Mulaih und sein Neffe Qarib ibn al-Aswad den Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, auf und erklärten ihre Absicht, alle Beziehungen zu den Banu Thaqif abzubrechen und sie für immer zu verlassen. Dies geschah noch vor der Ankunft der Delegation aus Yalil. Als Abu Mulaih und Qarib den Islam annahmen, sagte der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, zu ihnen: „Nehmt euch zum Schutzherrn, wen ihr wollt.“ Sie sagten: „Wir nehmen Allah und Seinen Gesandten zu Schutzherren.“ Der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, fragte: „Auch euren Onkel Abu Sufyan?“ Sie antworteten: „Ja.“ Als später die Bewohner von Taif den Islam annahmen und der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, Mugira und Abu Sufyan entsandte, um al-Lāt zu zerstören, sagte Abu Mulaih: „O Gesandter Allahs, erlasse die Schuld meines Vaters aus den Schätzen, die aus dem Tempel der Lāt geborgen werden.“ Als der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, zustimmte, sagte Qarib: „O Gesandter Allahs, begleiche auch die Schuld meines Vaters al-Aswad.“ Es sei erwähnt, dass Urwa und al-Aswad leibliche Brüder waren. Der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, sagte: „Al-Aswad ist als Götzendiener gestorben.“ Qarib sagte: „O Gesandter Allahs, hilf einem muslimischen Verwandten, nämlich mir. Denn die Schuld lastet auf meinen Schultern, und ich bin es, der um Hilfe bittet.“ Daraufhin stimmte der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, zu und wies Abu Sufyan an: „Begleiche aus dem Schatz der Lāt die Schulden von Urwa und al-Aswad.“ Als Mugira Abu Sufyan die Schätze übergab, erinnerte er ihn an die Anweisung des Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden. Abu Sufyan beglich die Schulden von Urwa und al-Aswad.
Die von dem Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, für die Banu Thaqif ausgestellte Vereinbarung lautet wie folgt: „Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen. Von Muhammad, dem Gesandten Allahs, an die Gläubigen. Es ist verboten, die dornigen Bäume von Wajj – einem Ort in Taif – zu fällen. Wer dieses Verbot übertritt, wird ausgepeitscht. Wer sich Übergriffe zuschulden kommen lässt, ist festzunehmen und zum Propheten Muhammad zu schicken. Dies ist die Anweisung des Gesandten Allahs, Muhammads. Diese Urkunde wurde auf Anweisung des Gesandten Allahs, Muhammads ibn Abdallah, von Khalid ibn Saʿid verfasst. Niemand soll diese Urkunde verletzen. Wer sie verletzt, zieht dadurch Strafe auf sich. Denn sie wurde auf Anweisung des Gesandten Allahs, Muhammads, verfasst.“
Das neunte Jahr nach der Hidschra wird als „Jahr der Ankunft der Delegationen“ bezeichnet. In diesem Jahr wurde auch die Sure an-Nasr offenbart.
Ibn Ishaq sagt: Nach der Eroberung von Mekka und Tabuk sowie der Annahme des Islam und des Treueeids durch die Banu Thaqif begannen aus allen Richtungen arabische Delegationen zum Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, zu kommen.
Die Araber warteten, so könnte man sagen, nur noch darauf, dass die Quraisch den Islam annahmen. Sie waren die Führer und Wegweiser der Araber. Sie waren die Hüter und Verwalter der Kaaba und der Heiligen Moschee sowie die unbestrittenen Nachkommen Ismails ibn Ibrahims, Allahs Friede sei mit ihm. Kein Araber leugnete dies. Doch gerade die Quraisch hatten sich entschlossen gegen den Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, gestellt. Mit der Eroberung Mekkas unterwarfen sich die Quraisch dem Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, und fügten sich dem Islam. Da erkannten die Araber, dass sie nicht die Macht besaßen, den Siegeszug des Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, aufzuhalten oder ihm feindselig entgegenzutreten. Sie begannen, scharenweise den Islam anzunehmen. Von allen Seiten kamen Menschen zu ihm und nahmen den Islam an. Genau dies sagte Allah, der Erhabene, in der Sure an-Nasr:
[Arabisch *******]
„Wenn Allahs Hilfe und der Sieg gekommen sind und du siehst, dass die Menschen in Scharen in Allahs Religion eintreten, dann preise deinen Herrn mit Lob und bitte Ihn um Vergebung. Wahrlich, Er ist der Vergebende.“
Die Ankunft der Delegation der Banu Tamim und die Offenbarung der Sure al-Hudschurat
Als die Delegationen der arabischen Stämme einzutreffen begannen, kam als erste die Delegation des Stammes Banū Tamīm unter der Führung von ʿUtārid ibn Ḥājib at-Tamīmī. Zu dieser Delegation gehörten auch die führenden Männer von Banū Tamīm. Zu den namhaften unter ihnen zählten al-Aqraʿ ibn Ḥābis, Zabāriqān ibn Badr und ʿAmr ibn al-Aḥtam von Banū Maʿd sowie Ḥabḥāb ibn Yazīd. Außerdem gehörten Nuʿaim ibn Yazīd, Qais ibn al-Ḥārith, Qais ibn ʿĀsim und ʿUyaina ibn Ḥiṣn zu dieser Delegation. Al-Aqraʿ ibn Ḥābis und ʿUyaina ibn Ḥiṣn hatten bereits an der Eroberung Mekkas sowie an den Feldzügen von Ḥunain und Tāʾif teilgenommen. Beide schlossen sich auch der Delegation von Banū Tamīm an. Diese Delegation von Banū Tamīm kam zur Prophetenmoschee und begann, außerhalb des Hauses den Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Heil, laut zu rufen: „O Muḥammad! Komm heraus und triff uns.“ Ihr Geschrei und Rufen war dem Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Heil, unangenehm. Sie sagten: „Wir sind zu dir gekommen, um dir unsere ruhmreichen Vorzüge darzulegen. Erlaube daher unserem Redner und unserem Dichter zu sprechen.“ Er erteilte ihnen die Erlaubnis. Darauf begann ʿUtārid ibn Ḥājib zu sprechen: „Alles Lob gebührt Allah, der uns mit unzähligen Gnaden überschüttet hat und allein dazu fähig ist. Er hat uns zu Königen gemacht und uns mit großem Reichtum und Wohlstand ausgestattet, durch die wir unsere Freigebigkeit zeigen. Er hat uns unter allen Bewohnern des Ostens mit der größten Manneskraft und dem größten Reichtum ausgestattet. Gibt es jemanden, der uns ebenbürtig ist? Sind wir nicht ihre Anführer und die Vornehmsten unter ihnen? Wer Anspruch darauf erhebt, uns an Adel und edler Abstammung gleichzukommen, soll seine eigene Vorzüglichkeit darlegen. Wir könnten noch vieles mehr sagen, doch wir schämen uns, über die von Allah gewährten Gnaden allzu wortreich zu prahlen. Unser Vorrang ist weithin bekannt. Wir haben dies nur gesagt, damit ihr Gelegenheit habt, eine Selbstdarstellung wie die unsere oder eine noch bessere vorzutragen.“
Nachdem ʿUtārid dies gesagt hatte, setzte er sich. Da sagte der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Heil, zu Thābit ibn Qais (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm): „Steh auf und erwidere seine Ansprache.“
Thābit erhob sich und sagte:
„Alles Lob gebührt Allah, dem Erhabenen, der Seinen Willen im Himmel und auf der Erde durchsetzt. Sein Wissen umfasst den gesamten Bereich Seiner Herrschaft. Ohne Seine Gnade entsteht und erscheint niemals irgendetwas; dass unter uns Könige hervorgegangen sind, ist ebenfalls eine Folge Seiner Gnade. Aus Seiner Gunst heraus hat Er aus den besten Seiner Geschöpfe denjenigen als Gesandten auserwählt, der die edelste Abstammung, den größten Adel und die unvergleichliche Tugend der Wahrhaftigkeit besitzt. Danach offenbarte Er ihm Sein Buch und setzte ihn zum Hüter der gesamten Menschheit ein; allein er gilt unter allen Welten als der von Allah Auserwählte. Danach rief er die Menschen dazu auf, an ihn zu glauben. Daraufhin nahmen die Muhādschirūn aus seinem eigenen Stamm und seiner Verwandtschaft seine Einladung an – Menschen, die vor allen anderen von edler Abstammung, vor allen anderen angesehen und würdig sowie vor allen anderen rechtschaffen sind. Wir waren es, die als Erste die Einladung des Gesandten annahmen. Daher sind wir Allahs aufrichtige Helfer und die engsten Gefährten Seines Gesandten. Wir kämpfen gegen diejenigen, die nicht glauben. Das Leben und der Besitz derer, die an den Gesandten Allahs glauben, sind vor uns sicher; mit denen aber, die Kufr begehen, kämpfen wir allein aufgrund des Willens und des Befehls Allahs. Dieser Kampf hat kein Ende. Es ist uns erlaubt, sie zu töten. Mit diesen Worten bitte ich Allah um Vergebung für mich und für alle muslimischen Männer und Frauen. As-salāmu alaikum.“
Danach erhob sich Zabāriqān ibn Badr. Er trug ein Gedicht vor, in dem er seine Ansprache darlegte. Der Sinn des Gedichts war folgender:
„Wir sind die Geehrten. Kein Stamm ist uns ebenbürtig. Könige befinden sich unter uns, und auf unsere Initiative hin werden alle Gebetshäuser errichtet. Es gibt kein Ende der Zahl der Stämme, die wir gewaltsam beraubt haben. Dennoch wächst unser Ansehen unaufhaltsam weiter. Selbst in Zeiten der Hungersnot lassen wir unsere Leute gebratenes Fleisch essen. Wenn die Wolken nicht nach dem Wunsch der Menschen Regen bringen, kommen die Reisenden nachts von überall her zu uns, und wir bereiten ihnen Speisen. Dann schlachten wir große Kamele und geben den Gästen zu essen, bis sie satt sind. Das ist unsere angeborene Sitte. Wann immer du siehst, dass wir zu einem Stamm gehen und stolz unseren Adel zur Schau stellen, wirst du sehen, dass er uns folgt und seine Häupter sich neigen. Wer daher heute vor uns seine Vorzüglichkeit hervorhebt, wird uns durch seine Darstellung neue Erkenntnis vermitteln, und wenn unsere Delegation zurückkehrt, wird diese Nachricht verbreitet werden. Wir sind nicht bereit, die Vorzüglichkeit irgendeines anderen anzuerkennen. Doch niemand wird unsere Vorzüglichkeit leugnen. So sind wir in Ruhm und Stolz unbesiegbar.“
Ḥassān war bei dieser Versammlung nicht anwesend. Der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Heil, ließ ihn rufen, damit er dem Dichter von Banū Tamīm erwidere. Er kam, trug ein Gedicht vor und antwortete damit. Der Sinn dieses Gedichts war folgender:
„Als der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Heil, unter uns erschien, beschützten wir ihn, obwohl es unter uns sowohl Menschen gab, die ihn mochten, als auch solche, die ihn nicht mochten. Weil er in unserer Siedlung erschienen war, schützten wir ihn mit gezückten Schwertern vor jedem Unterdrücker und jedem Aggressor. Er war in einem ehrenvollen Haus erschienen, das unter Fremden in der Nähe von Jāriyatu l-Dschawlān in Syrien lag. Nichts besitzt größere Würde als alte Größe, Adel, königliche Ehre und der Ruhm, schwere Unglücksfälle ertragen zu können.“
Hassan sagt: Kaum war ich beim Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, angekommen, trug ich als Antwort ein Gedicht vor und ahmte dabei genau das Versmaß des Gedichts nach, das der Dichter der Delegation vorgetragen hatte. Nachdem Zabarqan sein Gedicht beendet hatte, sagte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu Hassan: „O Hassan! Antworte auf Zabarqans Gedicht.“ Hassan stand auf und trug sein Antwortgedicht vor. Der Sinn des Gedichts lautet wie folgt:
„Die Führer des Stammes Quraisch haben den Menschen ein nachahmenswertes Vorbild gegeben. Alle, deren verborgene Handlungen im Leben von Gottesfurcht gelenkt werden und die Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit befolgen, sind mit ihnen zufrieden. Sie sind die Führer von Quraisch: ein Volk, das im Krieg seine Feinde niederwirft oder zumindest bemüht ist, dem eigenen Volk, den Gläubigen, Gutes zu tun, und dies auch vollbringt. Das ist keine neue Charaktereigenschaft von ihnen; vielmehr ist alles, was an Charakter neu ist, schlecht. Sollte nach ihnen unter den Menschen noch ein Sieger auftreten, so ist jeder solche Sieger unbedeutender als ihre geringsten Sieger. Wo sie Schwäche gezeigt haben mögen, vermögen gewöhnliche Menschen keine Leistung zu vollbringen. Wo alle Menschen eine Leistung erbringen, zeigen sie keine Schwäche. Treten sie gegen gewöhnliche Menschen an oder wetteifern sie mit Vornehmen und Würdenträgern, so sind sie die Ersten. Es wird von ihnen eine solche Makellosigkeit berichtet. Sie beflecken sich mit keiner Unreinheit, und keine Gier oder Begierde lässt sie in Erniedrigung fallen. Bei der Höflichkeit gegenüber dem Nachbarn sind sie nicht geizig, und von keiner wertlosen Sache lassen sie sich betören. Wenn wir einem Stamm Feindschaft entgegenbringen, verbergen wir sie nicht, und wir geben uns nicht heimlich wie ein wildes Rind grausamer Raserei hin. Wenn der Krieg seine angreifende Faust gegen uns erhebt und Unschuldige durch seine Schläge verwundet werden, bringen wir ihn unter Kontrolle und bezwingen ihn. Sie, die Führer von Quraisch, sind nicht stolz, wenn sie den Feind niederwerfen, und weder verzweifeln noch fürchten sie sich, wenn sie selbst besiegt werden. Wenn sie dem Tod gegenüberstehen und kämpfen, gleichen sie dem Löwen aus dem Dschungel von Hiljār, dessen Fußgelenk nicht mit einer Kette gefesselt werden kann. Nimm an, was sie freiwillig geben, und versuche nicht, von ihnen zu nehmen, was sie im Zorn nicht geben wollen. Der Ausgang eines Krieges gegen sie ist äußerst schrecklich und bitter. Darum gib ihre Feindschaft auf. Selbst wenn andere Menschen sich in Gruppen zerstreuen und ihre Natur verschiedene Formen annimmt, verehren die Anhänger den Gesandten Allahs weiterhin zutiefst. Mein von Verbundenheit erfülltes Herz hat ihnen mein Lob gewidmet, und die Zunge eines jeden Menschen preist sie. Denn ganz gleich, ob die Menschen ernsthaft oder im Scherz sprechen: Sie, die Anhänger Muhammads, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sind das beste aller Völker.“
Nachdem dieser Wechsel von Gedicht und Antwortgedicht beendet war, nahm die ankommende Delegation den Islam an. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, beschenkte sie reichlich mit Willkommensgeschenken. Als die Delegation zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, kam, hatte sie einen jungen Mann namens Amr ibn al-Ahtam bei der Kamelkarawane zurückgelassen. Qais ibn Asim war ihm gegenüber etwas ungehalten. Er sagte: „O Gesandter Allahs, wir haben einen unserer Männer bei der Reitkarawane zurückgelassen. Er ist jedoch noch ein junger Mann.“ Damit wollte er seine Angelegenheit etwas herunterspielen und andeuten, dass man ihm nichts zu geben brauche. Doch der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, beschenkte auch ihn wie die anderen. Als Amr ibn al-Ahtam davon erfuhr, tadelte er Qais und trug ein Gedicht vor:
„Du hast mich beim Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, verleumdet, doch du hast gelogen und mir keinen Schaden zufügen können.
Wir haben uneingeschränkt über euch geherrscht, während eure Herrschaft ihrem Untergang entgegenging.“
Ibn Ishaq sagt: Im Zusammenhang mit dieser Delegation wurde der folgende Vers aus der Sure al-Hudschurāt offenbart:
[Arabisch *******]
„O Gesandter! Die meisten von denen, die dich von außerhalb der Wohnräume hinter den Vorhängen aus anrufen, sind töricht.“ (al-Hudschurāt)
Die Geschichte der Abordnung von Banu Amir, Amir ibn Tufail und Irbad ibn Qays
Eine aus drei Mitgliedern bestehende Abordnung von Banu Amir kam zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm. Sie bestand aus Amir ibn Tufail, Irbad ibn Qays und Jabbar ibn Salami. Sie waren die intrigantesten Anführer ihres Stammes. Amir ibn Tufail war mit einem gefährlichen Komplott gegen den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, gekommen. Zuvor hatten die Leute seines Stammes ihm geraten, ebenfalls Muslim zu werden, mit dem Hinweis, dass die meisten Menschen des Landes den Islam annahmen. Doch er sagte: „Ich habe geschworen: Ich werde nicht Halt machen, bis die gesamte arabische Nation meine Führung anerkennt. Und heute sollte ich die Führung dieses jungen Mannes aus dem Stamm Quraisch anerkennen?“ Amir sagte zu Irbad: „Wenn wir beide zu Muhammad gehen, setzen wir uns auf zwei verschiedene Seiten. Sobald Muhammad sein Gesicht mir zuwendet, um mit mir zu sprechen, wirst du ihn mit dem Schwert schlagen.“
Danach trafen die beiden Abgesandten den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm. Amir begann zu sagen: „O Muhammad, gestatte mir, unter vier Augen mit dir zu sprechen.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagte: „Solange du nicht an den einen Allah glaubst, werde ich dir diese Gelegenheit nicht gewähren.“ Amir wiederholte diese Worte immer wieder, um Irbad Gelegenheit zu geben. Doch als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sich unter keinen Umständen bereit erklärte, allein mit ihm zu sprechen, zog er mit der Abordnung hastig davon. Beim Weggehen drohte er: „Du wirst schon sehen: Ich werde mit einem gewaltigen Heer gegen dich vorgehen.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagte: „O Allah, schütze mich vor Amir ibn Tufail.“
Nachdem sie den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, verlassen hatten, sagte Amir zu Irbad: „Wehe dir! Was hast du mit dem getan, was ich dir befohlen hatte? Bei Allah, ich hielt dich für den tapfersten Mann der Welt und hatte am meisten Angst vor dir. Von heute an werde ich dich nicht mehr fürchten.“ Irbad sagte: „Mögest du zugrunde gehen! Eile nicht. Als ich gerade tun wollte, was du mir befohlen hattest, sah ich, dass außer dir niemand vor mir war. Wenn ich unter diesen Umständen zugeschlagen hätte, wäre der Hieb auf deinen Hals gefallen. Sollte ich am Ende etwa dich erschlagen?“
Danach machten sie sich auf den Weg zu ihren jeweiligen Häusern. Unterwegs ließ Allah Amir ibn Tufail an der Pest erkranken. Er ging zum Haus einer Frau aus Banu Salul und starb dort an dieser Pest. Im Augenblick seines Todes begann er zu klagen: „O Banu Amir! Musste mich die Kamelstruma am Ende doch noch befallen – und dann auch noch im Haus einer Frau aus Banu Salul?“ [91. Banu Salul war unter den Arabern als ein äußerst feiger und niederträchtiger Stamm bekannt. Der Dichter Samauwal sagt: „Wir sind ein Volk, das das Töten nicht als etwas Schändliches betrachtet wie Banu Amir und Banu Salul.“] Nachdem sie Amir bestattet hatten, erschienen seine Gefährten mit zwei Ziegen in der Siedlung von Banu Amir. Die Stammesangehörigen der Abgesandten sagten zu Irbad: „O Irbad! Wie seid ihr zurückgekommen?“ Er antwortete: „Nichts Besonderes. Er (Muhammad) hat uns dazu aufgerufen, ein Wesen anzubeten, das ich, wenn ich es erreichen könnte, mit einem Pfeil erschießen würde.“ Ein oder zwei Tage nachdem er dies gesagt hatte, war Irbad mit seinem Kamel unterwegs. Plötzlich schleuderte Allah einen Blitz vom Himmel auf ihn, der Irbad samt seinem Kamel verbrannte und zu Asche machte. Irbad war der Bruder des Dichters Labid. Dieser verfasste zum Tod Irbads das folgende Trauergedicht:
„Der Tod verschont niemanden, nicht einmal den liebevollen Vater.
Für Irbad fürchtete ich einzig den Tod – nicht ein Unheil vom Himmel
oder den Angriff eines Löwen.“
Darum, o Auge, warum vergießt du keine Tränen um Arbad?
Als wir alle, Männer und Frauen, eine Zeit großer Not und Leiden durchmachten
kümmerte es Arbad nicht, selbst wenn sie alle geschrien hätten.
Und wenn sie sich maßvoll verhalten hätten, dann
hätte auch Arbad in diesem Fall den Mittelweg eingeschlagen.
Er ist ein redegewandter, kluger und gutmütiger Mann.
Zugleich lag in ihm auch Verbitterung.
Wenn die Bäume im Winter kahl werden und dann wieder fruchttragend und
frisch werden und die übrigen hoffnungsvollen Dinge zum Vorschein kommen,
(das heißt, wenn im Land eine Hungersnot ausbricht und später wieder günstige Bedingungen für das Hervorbringen von Ernten
entstehen.) Dann zeigte er (Arbad
mehr Tapferkeit und gewohnte scharfe Beobachtungsgabe als ein wilder Löwe des Dschungels).
Seinetwegen von Schmerz verwundete Klageweiber klagen, wie junge Gazellen
in der öden Wüste (vergeblich weinen). Am Tag des Unglücks
hat mich der Tod jenes tapferen Reiters durch einen Donnerschlag tief getroffen.
Er pflegte zu rauben; wenn jedoch der Beraubte zu ihm kam, leistete er ihm
leistete Entschädigung und gab, wenn sie wollte, (die erbeuteten Gegenstände) zurück.
Obwohl es an vielem mangelt, bringt es Pflanzen hervor.
die Bewohner der steinigen Gegend sind die eigentlich vom Unglück Betroffenen,
wie groß ihre Bevölkerungszahl auch sein mag.
Auch wenn sie zuweilen ein wenig wohlhabend sind, fällt ihnen schon im nächsten Augenblick wieder
Armut zu. Obwohl sie zahlreich sind, sind sie doch nur dazu bestimmt, von Untergang und
Vernichtung heimgesucht zu werden.
Das Eintreffen der Delegation der Banū ʿAbd al-Qais unter der Führung von Jārūd
Eine Delegation des Stammes Banū ʿAbd al-Qays kam unter der Führung des Christen Jārūd ibn ʿAmr zum Gesandten Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Al-Ḥasan berichtet: Jārūd trat vor den Gesandten Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – und begann ein Gespräch. Dieser legte ihm den Islam dar, lud ihn ein, den Islam anzunehmen, und ermahnte ihn dazu. Jārūd sagte: „O Gesandter Allahs, ich habe eine Religion. Nun bin ich bereit, meine eigene Religion aufzugeben, um deine Religion anzunehmen. Doch kannst du mir die Gewissheit geben, dass mir durch die Aufgabe meiner Religion kein Schaden entsteht?“ Der Gesandte Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – sagte: „Ja, ich gebe dir diese Gewissheit. Den Islam anzunehmen bedeutet, dass Allah dir die Möglichkeit gegeben hat, eine bessere Religion als deine bisherige anzunehmen.“
Als Jārūd dies hörte, nahmen er und seine Gefährten den Islam an. Danach baten sie den Gesandten Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – um Reittiere [Transportmittel], um in ihre Heimat zurückzukehren. Der Gesandte Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – erklärte, dass er nicht in der Lage sei, ihnen Reittiere zu geben. Da sagte Jārūd: „O Gesandter Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm –, auf dem Weg in unsere Heimat finden sich viele herrenlose, verirrte Kamele. Dürfen wir auf ihnen reiten?“ Der Gesandte Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – sagte: „Nein, nehmt euch in Acht! Reitet nicht auf ihnen. Sie werden Reittiere sein, die in die Hölle führen.“
Danach verließ Jārūd den Gesandten Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – und machte sich auf den Weg in seine Heimat. Er blieb bis zu seinem Tod dem Islam standhaft verbunden und war ein sehr guter Muslim. Als nach dem Ableben des Gesandten Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – einige Menschen den Islam aufgaben, lebte auch er noch.
Als einige Muslime aus seinem Stamm zu ihrer früheren Religion zurückkehrten, erklärte Jārūd ihnen, dass allein der Islam die wahre Religion sei, und lud sie ein, zum Islam zurückzukehren. Er sagte: „O ihr Menschen, ich bezeuge, dass es keine Gottheit außer Allah gibt und dass Muḥammad – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – Sein Diener und Gesandter ist. Ich erkläre außerdem, dass derjenige, der dieses Zeugnis nicht ablegt, ein Ungläubiger ist.“
Die Ankunft der Delegation von Banū Ḥanīfa mit Musailima al-Kadhdhāb
Die Delegation von Banū Ḥanīfa kam gemeinsam mit Musailima al-Kadhdhāb zum Gesandten Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Sie nahm im Haus einer Frau aus den Anṣār namens Bint Ḥārith Quartier, die später die Ehefrau eines Mannes aus Banū Najjār wurde. Ein Historiker aus Medina berichtet, dass die Delegation von Banū Ḥanīfa Musailima in ein Tuch gehüllt mit sich führte, während der Gesandte Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – mit seinen Gefährten zusammensaß. In seiner Hand hielt er einen von Blättern befreiten Dattelpalmenzweig, an dessen Spitze sich noch einige Blätter befanden. Der in ein Tuch gehüllte Musailima kam zum Gesandten Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm –, sprach mit ihm und bat um eine Gabe. Der Gesandte Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – sagte: „Selbst wenn du mich um diesen Dattelpalmenzweig bittest, werde ich ihn dir nicht geben.“
Ibn Isḥāq sagt: Ein alter Mann aus Banū Ḥanīfa, einem Stamm aus al-Yamāma, berichtete mir die Geschichte von Musailima auf andere Weise. Er sagte:
Als die Delegation von Banū Ḥanīfa kam, um den Gesandten Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – zu besuchen, ließ sie Musailima bei der Kamelkarawane zurück. Nachdem die Delegation den Islam angenommen hatte, teilte sie dem Gesandten Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – mit, dass auch Musailima mit ihnen gekommen sei. Sie sagte: „O Gesandter Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm –, wir haben einen unserer Gefährten als Wächter der Kamelkarawane zurückgelassen.“ Daraufhin gab der Gesandte Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – auch ihm ein Geschenk, wie er den übrigen Mitgliedern der Delegation Geschenke machte. Er sagte außerdem: „Euer Gefährte ist nicht weniger angesehen als ihr, sodass ihr ihn nicht hierhergebracht, sondern zurückgelassen habt, um eure Sachen zu bewachen.“ Danach kehrte die Delegation vom Gesandten Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – zurück und übergab Musailima das, was der Gesandte Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – ihm gegeben hatte. Kaum waren sie in al-Yamāma angekommen, da gab Musailima den Islam auf und begann, den Anspruch auf eine falsche Prophetenschaft zu erheben. Er sagte: „Als ihr beim Gesandten Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – meine Angelegenheit erwähnt habt, hat er da nicht gesagt: ‚Er ist nicht weniger angesehen als ihr‘? Das sagte er nur deshalb, weil er weiß, dass ich sein prophetischer Gefährte bin.“ Danach versuchte er, ihnen durch verschiedene gereimte Sprüche Ähnlichkeit mit dem Qurʾān zu beweisen. Einer seiner derartigen gereimten Aussprüche lautet:
[Arabisch *******]
„Allah hat den schwangeren Frauen Gnade erwiesen, denn Er hat aus ihrem Leib Menschen hervorgebracht, die sich bewegen können – aus Eingeweiden und Flüssigkeiten.“
Musailima erklärte für sein Volk den Wein und die Unzucht für erlaubt und erließ ihnen das Gebet. Trotzdem bekannte er sich weiterhin zur Prophetenschaft des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Der Stamm Banū Hanīfa akzeptierte diese von ihm erfundene Behauptung.
Allah weiß am besten, welche der beiden oben erwähnten Überlieferungen richtig ist.
Die Geschichte von ʿAdī, dem Sohn von Ḥātim Ṭāʾī
ʿAdī ibn Ḥātim pflegte zu sagen: „Nachdem ich von dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gehört hatte, hasste ich ihn so sehr, wie kein anderer Araber ihn hasste. Ich selbst war ein vornehmer Christ. Als Stammesoberhaupt wurde ich als König betrachtet. Als ich von dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, hörte, entstand in meinem Herzen ein heftiger Hass gegen ihn. Ich hatte einen arabischen Sklaven. Er hütete meine Kamele. Ich sagte zu ihm: ‚Halte für mich einige kräftige, gut gezähmte Kamele bereit und binde sie bei mir an. Wenn du dann hörst, dass das Heer Muḥammads in diese Richtung kommt, benachrichtige mich.‘ Er brachte die Kamele und band sie bei mir an.“
Eines Morgens kam er zu mir und sagte: „O ʿAdī, tu jetzt, was du tun wolltest, falls Muḥammads Heer über dich herfällt.“ Als ich mehrere wehende Banner sah, fragte ich die Leute: „Was sind das für Banner?“ Sie antworteten: „Das sind die Banner von Muḥammads Heer.“ Darauf sagte ich zu meinem Sklaven: „Dann bring meine Kamele her.“ Ich bestieg eines der Kamele und setzte meine Frau und meine Kinder auf die übrigen. Dann trieb ich die Kamelkarawane an, um zu den Christen in Syrien zu gelangen. Die Karawane brach über den Bergpass von Jaušiyya auf. Eine Tochter Ḥātims ließ ich im Stamm zurück. Ich ließ mich in Syrien nieder. Währenddessen kam eine Reitergruppe des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, auf der Suche nach mir und nahm Ḥātims Tochter gefangen. Sie brachten sie als Kriegsgefangene zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Er hatte erfahren, dass ich nach Syrien geflohen war. Er gestattete Ḥātims Tochter, sich an einer Seite der Prophetenmoschee aufzuhalten. Dort waren auch andere gefangene Frauen festgehalten. Ḥātims Tochter war redegewandt. Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, an ihnen vorbeiging, sagte sie: „O Gesandter Allahs, mein Vater ist gestorben und mein Beschützer ist verschwunden. Erweise mir in dieser Lage Gnade; Allah wird dir Gnade erweisen.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, fragte: „Wer ist dein Beschützer?“ Sie antwortete: „ʿAdī ibn Ḥātim.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Jener ʿAdī, der vor Allah und Seinem Gesandten geflohen ist?“ Damit ging der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, weiter. Ḥātims Tochter berichtet: Am folgenden Tag ging er wieder an mir vorbei. Ich sagte dasselbe wie am Vortag, und auch er wiederholte seine Antwort vom Vortag. Am darauffolgenden Tag ging der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, erneut an mir vorbei. Ich war bereits verzweifelt. Da sagte ein Mann aus dem Gefolge des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu mir: „Steh auf und sprich mit dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm.“ Ich stand auf und sagte erneut: „O Gesandter Allahs, ich bin vaterlos, und auch mein Beschützer ist verschwunden. Erweise mir daher Gnade; Allah wird dir Gnade erweisen.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Ich nehme dein Anliegen an. Beeile dich nicht, von hier fortzugehen. Wenn du einen vertrauenswürdigen Mann aus deinem Stamm findest, der dich in deine Heimat bringen kann, dann teile es mir mit.“ Ich erkundigte mich und erfuhr, dass derjenige, der mich aufgefordert hatte, mit dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu sprechen, ʿAlī, der Sohn Abū Ṭālibs, war. Ich blieb dort. Schließlich kam eine Gruppe von Kamelreitern aus dem Stamm Balī oder Quḍāʿa. Ich wollte zu meinem Bruder nach Syrien. Da ich diese Karawane für eine geeignete Begleitung hielt, ging ich zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und sagte: „O Gesandter Allahs, eine Gruppe von Leuten aus meinem Stamm ist eingetroffen. Ich vertraue ihnen, und sie sind geeignet, mich an mein Ziel zu bringen.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gab mir ein Reittier, Reiseproviant und Kleidung. Ich brach mit der Gruppe auf und gelangte nach Syrien.“
ʿAdī berichtet: „Ich saß mit meiner Familie zusammen, als ich plötzlich eine auf einem Kamel reitende Frau auf uns zukommen sah. Ich dachte bei mir, dass sie vielleicht Ḥātims Tochter sei. Und tatsächlich war sie es. Sie kam zu mir, blieb vor mir stehen und begann, mich nach Belieben zu tadeln. Sie sagte: ‚Du treuloser, ungerechter Mann! Du hast das verbliebene Mitglied der Familie deines Vaters schutzlos zurückgelassen und bist mit deinen Kindern und deiner Frau geflohen?‘ Ich sagte: ‚O Schwester, tadle mich nicht. Ich habe tatsächlich keine Entschuldigung. Was du sagst, genau das habe ich getan.‘“
Sie stieg vom Rücken des Kamels herab und blieb bei mir. Sie war eine äußerst kluge Frau. Ich fragte: „Was hältst du von Muhammad?“ Sie antwortete: „Ich denke, du solltest dich unverzüglich seiner Bewegung anschließen. Wenn er ein Prophet ist, wird er demjenigen, der zuerst zu ihm kommt, größere Gunst erweisen. Und wenn er ein König ist, wird dein Ansehen unter den vornehmen Leuten des Jemen keineswegs geschmälert werden. Du wirst bleiben, wie du bist.“ Ich sagte: „Du hast recht.“ Danach machte ich mich auf den Weg nach Medina, um den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu treffen. Als ich dort ankam und die Moschee betrat, erhob sich der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und machte sich mit mir zu seinem Haus auf. Unterwegs trafen wir eine alte Frau. Sie bat den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, kurz stehen zu bleiben. Er blieb lange stehen und hörte sich ihre verschiedenen Nöte und Beschwerden an. Als ich das sah, sagte ich mir: „Bei Allah, dieser Mann kann kein König sein.“
Danach betrat der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, mit mir sein Haus. Er ließ mich auf einer aus Palmblättern gefertigten Matte Platz nehmen. Ich sagte: „Setzen Sie sich.“ Er sagte: „Nein, setz du dich.“ Ich setzte mich darauf, während der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sich auf den Boden setzte.
Ich sagte mir: Das kann gewiss nicht das Verhalten eines Königs sein. Dann sagte er: „O ʿAdī ibn Ḥātim, bist du nicht ein Rā kūsī?“ [92. Rākūsī nannte man eine damalige religiöse Gruppe, die eine zwischen dem Christentum und der Religion der Sabier liegende Glaubensrichtung vertrat.] Ich antwortete: „Ja.“ Er sagte: „Hast du nicht ein Viertel der Kriegsbeute deines Stammes für dich genommen?“ Ich sagte: „Ja.“ Er sagte: „Das ist in deiner Religion jedoch verboten.“ Ich sagte: „Das stimmt.“ Da war ich überzeugt, dass er wahrhaftig der Prophet Allahs war, der die Menschen an Vergessenes erinnerte und sie Dinge lehrte, die sie nicht kannten. Dann sagte er: „O ʿAdī, vielleicht hältst du wegen der Armut der Muslime davon ab, den Islam anzunehmen. Bei Allah, der Tag ist nicht mehr fern, an dem die Muslime so wohlhabend sein werden, dass man niemanden finden wird, der Geld annimmt. Vielleicht hältst du auch deshalb davon ab, den Islam anzunehmen, weil die Muslime an Zahl gering und ihre Feinde zahlreich sind. Bei Allah, der Tag ist nahe, an dem du hören wirst, dass eine Frau von al-Qādisiyya allein, furchtlos und sicher auf einem Kamel reitet, um das Heilige Haus zu besuchen. Vielleicht hältst du auch deshalb davon ab, den Islam anzunehmen, weil du alle Könige, die du siehst, unter den Nichtmuslimen findest. Aber bei Allah, der Tag ist unmittelbar bevorstehend, an dem die weißen Paläste Babylons in den Besitz der Muslime übergehen werden.“
ʿAdī sagte: „Ich habe zwei Prophezeiungen des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sich erfüllen sehen. Nur diese eine ist noch ausstehend, und bei Allah, auch sie wird sich gewiss erfüllen. Ich habe gesehen, wie die weißen Paläste Babylons eingenommen wurden. Und ich habe gesehen, wie eine Frau allein und sicher von al-Qādisiyya aus den Haddsch vollendete. Auch der Überfluss an Reichtum, bei dem man niemanden finden wird, der Geld annimmt, wird eines Tages Wirklichkeit werden.“
Die Ankunft von Farwa ibn Musayik al-Murādī
Ibn Isḥāq berichtet: Farwa ibn Musayik al-Murādī kam zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nachdem er die Herrschaft der Könige von Kinda zurückgewiesen hatte. In einem Krieg zwischen Murād und Hamdān, der sich vor dem Aufkommen des Islam ereignete, fügte Hamdān Murād schwere Verluste zu und verübte ein großes Massaker. Dieser Tag ist in der Geschichte unter dem Namen „Yawm ar-Radam“, das heißt „Tag der Errichtung von Massengräbern“, bekannt. An jenem Tag führte Azda ibn Mālik den Angriff der hamdānischen Truppen auf Murād an.
Als Farwa die Könige von Kinda verließ und sich zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, begab, trug er folgendes Gedicht vor:
„Als ich sah, dass die Könige von Kinda wie Verräter des Reiches
als er die Ehre und Schamhaftigkeit der Frauen missachtet hatte,
bestieg ich mein eigenes Reittier in der Hoffnung auf größere Gunst und besseren Schutz
und machte mich zu Muhammad auf.“
Als Farwa dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, vorgeführt wurde, sagte er: „O Farwa, bist du etwa wegen des Schadens betrübt, den dein Volk am Tag von Yawm ar-Radm erlitten hat?“ Er sagte: „O Gesandter Allahs, wer wäre nicht betrübt, wenn er einen solchen Schaden erlitten hätte?“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagte: „Höre: Wenn du den Islam annimmst, wird trotz dieses Verlustes deines Volkes immer größeres Wohlergehen entstehen.“
Danach ernannte er Farwa zum Statthalter der Stämme Murad, Zubaid und Madhhid und sandte Khalid ibn Sa’id mit ihm als Einnehmer der Zakāt. Khalid blieb dort bis zum Tod des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, im Amt.
Die Ankunft einer Delegation von Dhu Zubaid unter der Führung von Amr ibn Ma’di Yakrib
Eine Delegation von Dhu Zubaid unter der Führung von Amr ibn Ma’di Yakrib kam zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, und nahm den Islam an. Zuvor hatte Amr, nachdem er vom Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, gehört hatte, zu Qais ibn Makshuh al-Muradi gesagt: „O Qais, du bist doch der Anführer deines Stammes. Wir haben gehört, dass ein Mann aus dem Stamm Quraisch namens Muhammad im Hidschaz aufgetreten ist und sich als Prophet bezeichnet. Komm mit uns zu ihm; wir wollen sehen, ob seine Behauptung wahr ist. Wenn er tatsächlich ein Prophet ist, wirst du das gewiss erkennen. Wenn sich uns erweist, dass er wirklich ein Prophet ist, werden wir ihm folgen. Wenn nicht, werden wir erfahren, wie weit sein Wissen reicht.“ Qais wies diesen Vorschlag jedoch zurück und bezeichnete ihn als eine aus Torheit hervorgegangene Ansicht. Daraufhin ging Amr ibn Ma’di Yakrib selbst mit seinen Leuten zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, und nahm den Islam an. Als Qais ibn Makshuh davon erfuhr, sagte er: „Amr hat sich mir widersetzt und meine Meinung missachtet. Nun, ich werde ihm einen Streich spielen.“ Er bedrohte und verwarnte Amr aufs Heftigste.
Nach Ibn Hischam wurde Hamdan bei diesem Feldzug von Malik ibn al-Harith al-Hamdani angeführt.
Darauf rezitierte ʿAmr folgendes Gedicht:
„Am Tag des Ereignisses von Sāna gab ich dir einen aufrichtigen Rat,
ich riet dir, Allah zu fürchten und der Gerechtigkeit beizupflichten.
Du bist dem Tod entkommen wie ein Esel, der auf seinen Pflock stolz ist.
Er fand mich auf einem Pferd vor,
auf dem ich sitzend in der Lage bin, seinen Lauf zu hemmen.
Ich trage eine Rüstung, die auf felsigem Grund
ruhig liegt wie ein Teich mit klarem Wasser.“
Die Lanze prallt an seiner Rüstung ab, und ihr bester Teil wird weit fortgeschleudert.
Wenn du mir entgegentrittst, wirst du sehen,
dass du einem Löwen mit einer einzigen Mähne gegenübergetreten bist.
Dann wirst du unseren unbezwingbaren Kämpfer mit eiserner Faust und erhobenem Nacken
(das heißt, begierig zum Kampf bereit) sehen.
Wenn ein gleichaltriger Kämpfer, sein Gegner, ihn bezwingen will, dann
besiegt er ihn, packt ihn und schleudert ihn hoch empor,
wirft ihn dann zu Boden und tötet ihn,
ihm das Gehirn herausreißt und ihn in Stücke zertrümmert,
und ihn anschließend verschlingt und auffrisst.
Durch die Tyrannei des Götzendienstes sind seine Zähne und Krallen befleckt.“
Später blieb ʿAmr ibn Maʿdī Yakrib bis zum Tod des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, beim Stamm Banū Zubair unter der Herrschaft von Farwa ibn Musaik. Danach fiel er vom Islam ab. Als er von der Wahrheit abwich, trug er folgendes Gedicht vor:
„Farwas Herrschaft erschien uns als die schlechteste aller Herrschaften.
Wir fanden ihn wie einen Esel vor, der seine Nase in eine Gebärmutter steckt und daran schnüffelt.
Wenn du diese Herrschaft sehen würdest, o Abū ʿAmr, dann
würdest du sehen, dass sein Gefolge nur aus Unholden und Verrätern besteht.“
Die Ankunft der Delegation von Kinda unter der Führung von al-Aschʿath ibn Qays
Ibn Ishaq sagt: al-Aschʿath ibn Qays kam mit der Delegation von Kinda zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm. Zuhri ibn Schihab berichtete mir, dass al-Aschʿath mit achtzig Reitern aus Kinda zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, kam und ihn in der Prophetenmoschee traf. Seine Leute kamen mit sorgfältig gekämmtem Haar, mit Khol an den Augen und in jemenitischen Gewändern, die mit gemusterter Seide verziert waren. Als sie ihn aufsuchten, sagte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm: „Seid ihr nicht Muslime geworden?“ Sie sagten: „Doch.“ Er sagte: „Warum tragt ihr dann so viel Seide am Leib?“ Kaum hatte er dies gesagt, rissen sie die seidenen Teile ihrer Kleidung ab und warfen sie fort. Dann sagte al-Aschʿath ibn Qays zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm:
„O Gesandter Allahs! So wie wir Nachkommen von ʿAqīl al-Murāb sind, bist auch du ein Nachkomme von ʿAqīl al-Murār.“ [93. Dies ist der Beiname eines Vorfahren der Banū Kinda. Da die Mutter von Kilāb ibn Murra, einem der Vorfahren der Quraisch, eine Tochter der Banū Kinda war, scherzte al-Aschʿath, indem er ihn mütterlicherseits als Nachkommen von ʿAqīl al-Murāb bezeichnete.] Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, lächelte und sagte: „Wendet diese Abstammungsbezeichnung auf ʿAbbās ibn ʿAbd al-Muttalib und Rabīʿa ibn al-Hārith an.“ Diese beiden Männer waren Händler. Wenn sie aus geschäftlichen Gründen in eine entfernte arabische Siedlung kamen und nach ihrer Herkunft gefragt wurden, sagten sie: „Wir sind Nachkommen von ʿAqīl al-Murār.“ Damit versuchten sie, ihr Ansehen zu steigern, denn im Stamm der Kinda gab es viele Könige. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagte erneut: „Nein, vielmehr sind wir Nachkommen von Nadhr ibn Kināna. Wir lassen uns nicht nach mütterlicher Abstammung benennen und verleugnen niemals unsere väterliche Abstammung.“ Darauf drängte al-Aschʿath ibn Qays seine Gefährten zur Rückkehr zu ihrem Stamm und sagte: „Seid ihr mit eurer Angelegenheit fertig? Bei Allah, ich lasse niemanden, der so etwas sagt – der also anstelle seiner väterlichen Abstammung seine mütterliche Abstammung hervorhebt –, davonkommen, ohne ihn mit achtzig Hieben zu schlagen.“
Die Ankunft von Surad ibn ʿAbdullāh al-Azdī
Surad ibn ʿAbdullāh al-Azdī kam mit einer Gruppe von Leuten des Stammes Azd zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, nahm den Islam an und wurde ein besonders hingebungsvoller Muslim. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, ernannte ihn zum Amīr der muslimischen Angehörigen seines Stammes und befahl ihm, mit ihnen den Dschihad gegen die umliegenden jemenitischen Stämme der Polytheisten zu führen.
Auf Anweisung des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, brach er zunächst zum Feldzug gegen Jurāsch auf, um den Dschihad zu führen. Diese von jemenitischen Stämmen bewohnte Stadt war damals von Mauern umgeben und befestigt. Als der Stamm Chathʿam hörte, dass das muslimische Heer herbeieilte, um sie anzugreifen, schloss er sich den Jemeniten an. Das Heer Surads belagerte die jemenitischen Chathʿamiten fast einen Monat lang, während diese innerhalb von Jurāsch Widerstand leisteten und unversehrt blieben. Danach zog sich Surad mit seinem Heer zurück. Als er den Berg Schakār erreichte, verfolgten ihn die Bewohner von Jurāsch, weil sie ihn für besiegt hielten. Sobald sie das Heer Surads angriffen, griff er sie seinerseits an und tötete eine große Zahl von ihnen. Zuvor hatten die Bewohner von Jurāsch zwei Männer nach Medina zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, geschickt, damit sie die Lage beobachteten. Eines Tages, nachdem sie nach dem Nachmittagsgebet zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, gekommen waren und bei ihm saßen, fragte er sie: „Wo liegt Schakār?“ Die beiden Männer aus Jurāsch sagten: „O Gesandter Allahs! In unserer Gegend gibt es einen Berg. Wir Bewohner von Jurāsch nennen ihn Kaschār.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagte: „Der Name dieses Berges ist nicht Kaschār, sondern Schakār.“ Sie fragten: „Was ist mit Schakār geschehen, o Gesandter Allahs?“ Er sagte: „Dort werden gerade sehr viele Menschen getötet.“
Als die beiden Männer bei Abū Bakr oder bei ʿUthmān, möge Allah mit ihm zufrieden sein, saßen, sagten diese: „Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, hat euch vom Tod Angehöriger eures Stammes berichtet. Bittet ihn, für die Befreiung eures Stammes von diesem Unglück zu beten.“ Als sie den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, darum baten, betete er: „O Allah, wende dieses Unglück von den Bewohnern von Jurāsch ab.“ Danach machten sich die beiden auf den Weg nach Jurāsch. Als sie dort ankamen, erfuhren sie, dass Surad ibn ʿAbdullāh die Bewohner von Jurāsch genau an jenem Tag und in jenem Augenblick getötet hatte, an dem und zu der Zeit, als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, ihnen von diesem Ereignis berichtet hatte.“
Die Delegation von Jurāsch kam zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, und nahm den Islam an. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, bestimmte rund um ihre Stadt mehrere geschützte Weidegebiete für das Vieh. Für Pferde, Kamele und Ackerochsen wurden jeweils eigene Gebiete ausgewiesen, und es wurde bekanntgegeben, dass es niemandem erlaubt sei, Tiere, die in diesen Gebieten weideten, einzufangen oder zu verzehren.
Die Ankunft der Gesandten der Könige aus dem Geschlecht Himyars
Die Herrscher Himyars sandten Gesandte mit Schreiben an den Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Heil, und teilten ihm darin mit, dass sie den Islam angenommen hatten. Zu diesen Herrschern gehörten al-Harith ibn Abd Kulal, Nuʿaim, Maʿafir sowie Nuʿman Qayl, der Unterherrscher von Hamdan. [94. Über die Bedeutung des Wortes Qayl besteht Uneinigkeit. Einige sagen lediglich, es bedeute „König“. Andere sagen, es bezeichne einen hohen Beamten unmittelbar unterhalb des Königs. Letztere Ansicht ist am weitesten verbreitet.] Diese Gesandten trafen ein, als der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Heil, vom Feldzug nach Tabuk zurückkehrte. Der Herrscher des Jemen, Zurra, sandte Malik ibn Marra al-Bahawi. Sie alle entsandten Gesandte und Schreiben, in denen sie ihren Übertritt zum Islam, ihre Lossagung vom Schirk und den Abbruch ihrer Beziehungen zu den Götzendienern erklärten. Der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Heil, schrieb ihnen als Antwort folgenden Brief: „Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen. Von Muhammad, dem Gesandten und Propheten Allahs, an Ruʿain, Maʿafir, Ibn Abd Kulal, den Herrscher von Hamdan, Nuʿaim ibn Abd Kulal und den Unterherrscher Nuʿman. Ich preise den erhabenen Allah, außer Dem es keine Gottheit gibt. Nachdem wir aus dem römischen Gebiet zurückgekehrt waren, trafen eure Gesandten in Medina mit uns zusammen und überbrachten uns eure Botschaft. Sie berichteten uns von eurem Übertritt zum Islam und davon, dass ihr die Götzendiener getötet habt. Wenn ihr aufrichtig handelt, Allah und Seinem Gesandten gehorcht, das Gebet verrichtet, die Zakat entrichtet, von der Beute ein Fünftel für Allah, den Anteil des Propheten, den vor ihrer Verteilung ausgesonderten Anteil sowie die den Gläubigen auferlegte verpflichtende Sadaqa entrichtet, dann werdet ihr Allahs Rechtleitung erlangen. Die verpflichtende Sadaqa besteht aus einem Zehntel der Ernte von Ackerland, das durch Regen- oder Quellwasser bewässert wird, und einem Zwanzigstel der Ernte von künstlich bewässertem Ackerland.
Für vierzig Kamele ist ein weibliches Jungtier zu entrichten, das älter als zwei Jahre ist, und für dreißig Kamele ein männliches Tier, das älter als zwei Jahre ist. Für fünf Kamele ist eine Ziege zu entrichten, für zehn Kamele zwei Ziegen, für vierzig Rinder eine Kuh, für dreißig Rinder ein ein- oder zweijähriges Kalb und für je vierzig weidende Ziegen oder Schafe eine Ziege. Dies ist die von Allah den Gläubigen auferlegte verpflichtende Sadaqa. Wer mehr gibt, für den ist es besser. Doch wer nur dies entrichtet, seine Befolgung des Islam unter Beweis stellt und den Gläubigen hilft, über die Götzendiener zu siegen, der ist ein Gläubiger. Er hat dieselben Rechte und Pflichten wie alle Gläubigen. Allah und Sein Gesandter übernehmen seine umfassende Sicherheit. Wenn ein Jude oder Christ den Islam annimmt, gehört er zu den Gläubigen; seine Rechte und Pflichten sind denen der übrigen Gläubigen gleich. Will jemand jedoch bei seiner jüdischen oder christlichen Religion bleiben, so darf er nicht gewaltsam zum Islam bekehrt werden. Jeder Erwachsene dieser Art, ob Mann oder Frau, Sklave oder Freier, muss jedoch die Dschizya entrichten. Ihre Höhe beträgt nach dem Kaufwert von Maʿafir, einem besonderen jemenitischen Stoff, einen Dinar oder eine entsprechende Menge Stoff. Wer diese Dschizya dem Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Heil, entrichtet, dessen Sicherheit übernehmen Allah und Sein Gesandter. Wer sich weigert, sie zu entrichten, ist ein Feind Allahs und Seines Gesandten.
Der Prophet und Gesandte Allahs, Muhammad, Allah segne ihn und schenke ihm Heil, weist Zurza, den Herrscher des Jemen, an: Wenn meine Gesandten Muʿadh ibn Dschabal, Abdullah ibn Zaid, Malik ibn Ubada und ʿUqba ibn Namir sowie ihre Gefährten – Allah möge mit ihnen zufrieden sein – zu euch kommen, dann behandelt sie gut. Wenn sie die von euren Untertanen geschuldete Zakat und Dschizya einziehen und sie den Gesandten unter dem Befehl meines Gesandten Muʿadh ibn Dschabal übergeben, soll Zurza dem zustimmen.
Muhammad erklärt erneut, dass es außer Allah keine Gottheit gibt und dass er Allahs Diener und Gesandter ist.
Ferner sei erwähnt, dass Malik ibn Marra Bahatthuri mir berichtet hat, dass du, Zurra, als Erster unter den Herrschern Himyars den Islam angenommen und die Götzendiener getötet hast. Dafür nimm die frohe Botschaft und die Glückwünsche entgegen und verhalte dich gegenüber den Himyaren gut. Begehe keinen Verrat und füge niemandem Unrecht zu. Wisse, dass der Gesandte Allahs der Schutzherr all eurer Reichen und Armen ist. Die Zakat-Sadaqa ist für Muhammad und seine Angehörigen nicht erlaubt. Die Zakat dient der Läuterung des Vermögens und ist nur für muslimische Bedürftige und Reisende erlaubt. Malik hat deine Botschaft ordnungsgemäß und treu überbracht. Deshalb weisen wir euch an, ihn gut zu behandeln. Wir haben aus den Reihen meiner Anhänger die aufrichtigsten, geeignetsten, gelehrtesten und gottesfürchtigsten Männer zu euch gesandt. Wir weisen euch an, sie gut zu behandeln, denn ihr Bericht wird als der maßgeblichste angesehen werden. Und Allahs Friede, Barmherzigkeit und Segen seien mit euch.“
Die Ermahnungen des Gesandten Allahs bei der Entsendung von Muʿadh ibn Dschabal in den Jemen
Ibn Ishaq sagt: Abdullah ibn Abi Bakr berichtete mir, dass ihm überliefert worden war, der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Heil, habe Muʿadh – Allah sei mit ihm zufrieden – als Gesandten entsandt, ihm einige Ermahnungen gegeben und sein Versprechen entgegengenommen. Er sagte: „Rufe auf einfache Weise zum Islam auf, nicht auf schwierige Weise. Erwecke in ihnen Hoffnung und schrecke sie nicht ab. Dann wirst du auf eine Gruppe von Leuten der Schrift treffen. Sie werden dich fragen: Was ist der Schlüssel zum Paradies? Sag ihnen: Das Bekenntnis, dass Allah einzig ist und keinen Teilhaber hat, ist der Schlüssel zum Paradies.“
Die Annahme des Islams durch den Stamm Banū al-Ḥārith unter der Führung von Khālid ibn al-Walīd (möge Allah mit ihm zufrieden sein) während des Feldzugs
Ibn Isḥāq berichtet: Im zehnten Jahr nach der Hidschra, im Monat Rabīʿ ath-Thānī oder Dschumādā al-Awwal, entsandte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Khālid ibn al-Walīd zu den Banū al-Ḥārith ibn Kaʿb in Nadschrān und gab ihm folgende Anweisung: „Lade sie drei Tage lang zum Islam ein, bevor du gegen sie kämpfst. Wenn sie die Einladung annehmen, dann akzeptiere dies. Andernfalls greife sie an.“
Khālid brach auf. Als er die Siedlungen der Banū al-Ḥārith erreichte, befahl er seinen Gefährten, sich in alle Richtungen zu verteilen und zum Islam einzuladen. Sie riefen: „O ihr Menschen, nehmt den Islam an, dann werdet ihr in Sicherheit sein.“ Die Menschen begannen, den Islam anzunehmen, und Khālid blieb bei ihnen. Er lehrte sie den Islam und unterrichtete sie im Qurʾān und in der Sunna des Gesandten. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, hatte ihm außerdem befohlen, bei den Bewohnern von Nadschrān zu bleiben und sie ausführlich im Islam zu unterrichten, falls sie statt zu kämpfen den Islam annähmen. Khālid ibn al-Walīd (möge Allah mit ihm zufrieden sein) schrieb daraufhin folgenden Brief an den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm:
„Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen. Von Khālid ibn al-Walīd an den von Allah entsandten Propheten Muḥammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. O Gesandter Allahs! Mögen Frieden, Allahs Barmherzigkeit und Sein Segen auf dir sein. Ich preise vor dir Allah; es gibt keinen Gott außer Ihm. O Gesandter Allahs, möge Allahs Barmherzigkeit und Sein Segen auf dir sein. Du hast mich mit der Anweisung zu den Banū al-Ḥārith gesandt, sie drei Tage lang zum Islam einzuladen, ohne gegen sie zu kämpfen. Wenn sie den Islam annähmen, sollte ich dies akzeptieren, bei ihnen bleiben und sie in den umfassenden Bestimmungen des Islams, im Buch Allahs und in der Sunna des Gesandten unterrichten. Wenn sie den Islam jedoch nicht annähmen, sollte ich gegen sie kämpfen. Ich bin zu ihnen gekommen und habe sie nun drei Tage lang gemäß der Anweisung des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zum Islam eingeladen. Ich habe meine Gefährten zu den Menschen hier gesandt. Sie haben sie mit den Worten eingeladen: ‚O Banū al-Ḥārith! Nehmt den Islam an, dann werdet ihr in Sicherheit sein.‘“
Daraufhin kämpften die Banū al-Ḥārith nicht, sondern nahmen den Islam an. Ich halte mich weiterhin unter ihnen auf und erteile ihnen gemäß dem, was Allah befohlen hat, Anweisungen. Ebenso halte ich sie von dem fern, was Allah verboten hat. Ich lehre sie die umfassenden Bestimmungen des Islams und die Anweisungen des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm; diese Aufgabe setze ich bis zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Briefes fort. O Gesandter Allahs, Friede sei mit dir sowie Allahs Barmherzigkeit und Sein Segen.“
Als Antwort schrieb der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, folgenden Brief an Khālid: „Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen. Vom von Allah entsandten Propheten Muḥammad an Khālid ibn al-Walīd. Friede sei mit dir. Ich preise vor dir Allah, außer Dem es keinen Gott gibt. Durch einen Boten erhielt ich deinen Brief und erfuhr, dass die Banū al-Ḥārith den Islam angenommen haben, ohne zu kämpfen, und auf eure Einladung hin bezeugt haben, dass es keinen Gott außer Allah gibt und dass Muḥammad Sein Diener und Gesandter ist. Du hast mitgeteilt, dass Allah sie durch das Wort Seiner Rechtleitung rechtgeleitet hat. So verkünde ihnen die frohe Botschaft und warne sie zugleich. Nun komm zurück und fordere eine Abordnung der Banū al-Ḥārith auf, zu mir zu kommen. Friede sei mit euch sowie Allahs Barmherzigkeit und Sein Segen.“
Nachdem Khālid den Brief des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, erhalten hatte, kehrte er nach Medina zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zurück. Mit ihm kam auch eine Abordnung der Banū al-Ḥārith. Zu den bedeutenden Mitgliedern dieser Abordnung gehörten: Qays ibn al-Ḥusayn, Yazīd ibn ʿAbd al-Madān, Yazīd ibn Muḥadschdschal, ʿAbdullah ibn Qūrād az-Ziyādī, Schaddād ibn ʿAbdullah al-Kinānī und ʿAmr ibn ʿAbdullah ad-Dibābī. Als sie zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, kamen, sah er sie und sagte: „Wer sind diese Leute, die wie Inder aussehen?“ Die Gefährten sagten: „O Gesandter Allahs, das sind Leute von den Banū al-Ḥārith.“ Sie traten vor den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und grüßten ihn. Sie sagten: „Wir bezeugen, dass du der Gesandte Allahs bist und dass es keinen Gott außer Allah gibt.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Auch ich bezeuge, dass es keinen Gott außer Allah gibt und dass ich der Gesandte Allahs bin.“ Dann sagte er: „Seid ihr etwa das Volk, das, wenn man es zurückdrängt, weiter vorrückt?“ Er wiederholte diese Worte viermal. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Wenn Khālid mir nicht mitgeteilt hätte, dass ihr den Islam ohne Kampf angenommen habt, hätte ich eure Köpfe abgeschlagen und sie euch vor die Füße werfen lassen.“ Yazīd ibn ʿAbd al-Madān sagte: „Wisse, wir haben weder dich noch Khālid gelobt.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, fragte: „Wen habt ihr dann gelobt?“ Sie sagten: „O Gesandter Allahs, wir haben Allah gelobt, den Hocherhabenen und Allmächtigen, Der uns durch dich rechtgeleitet hat.“ Er sagte: „Ihr sprecht die Wahrheit.“ Dann fragte er: „Wodurch habt ihr in der Dschāhiliyya im Kampf eure Gegner besiegt?“ Sie sagten: „Wie bitte? Wir haben doch niemanden besiegt.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Doch. Ihr habt diejenigen besiegt, die gegen euch kämpften.“ Die Abgesandten sagten: „O Gesandter Allahs, der Grund für unseren Sieg über unsere Gegner war, dass wir geeint blieben und uns nicht in Streit und Zwietracht verstrickten. Auch griffen wir niemals jemanden zuerst oder zu Unrecht an.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Ihr sprecht die Wahrheit.“
Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ernannte Qays ibn al-Ḥusayn zum Anführer der Banū al-Ḥārith.
Danach kehrte die Delegation der Banū al-Ḥārith gegen Ende des Monats Schawwāl oder zu Beginn des Monats Dhū l-Qaʿda in ihr Gebiet zurück. Vier Monate nach ihrer Abreise verstarb der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm.
Nachdem die Delegation abgereist war, entsandte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ʿAmr ibn Ḥazm (möge Allah mit ihm zufrieden sein) zu den Banū al-Ḥārith, damit er ihnen die umfassenden Bestimmungen des Islam und seine Sunna lehre und ihre Sadaqa einziehe. Er übergab ihm auch ein Schreiben mit seinen Anweisungen. Das Schreiben lautete wie folgt:
„Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen. Dies ist eine Erklärung von Allah und Seinem Gesandten. O ihr Gläubigen, erfüllt die Verträge. Dies ist eine Anweisung des Propheten Allahs, Muḥammad, für seinen nach Jemen entsandten Boten ʿAmr ibn Ḥazm. Er wies ʿAmr an, Allah überall und unter allen Umständen zu fürchten. Man muss wissen, dass Allah mit denen ist, die Ihn fürchten und Gutes tun. Ihm wurde befohlen, stets dem Weg der Gerechtigkeit und Wahrheit zu folgen, so wie Allah es ihm befohlen hat. Er soll die Menschen zum Weg des Guten anspornen und dazu anweisen, die Lehre des Qurʾān unter ihnen verbreiten, ihnen ein tiefes Verständnis des Qurʾān vermitteln und sie davor warnen, dass niemand den Qurʾān im Zustand der Unreinheit berührt. Er soll ihnen mitteilen, was gut und was schlecht für die Menschen ist, sich gegenüber denen, die auf Recht und Gerechtigkeit wandeln, nachsichtig verhalten und gegenüber denen, die Unrecht tun, streng sein. Denn Allah hasst das Unrecht und hat befohlen, sich davon fernzuhalten. Er sagte: ‚Gebt acht! Allahs Fluch liegt auf den Ungerechten!‘ Er soll die Menschen zum Paradies und zu den ihm entsprechenden Taten ermutigen und sie vor der Hölle und den ihr entsprechenden Taten warnen. Um den Menschen eine feine und umfassende Kenntnis des Islam zu vermitteln, soll er versuchen, ihnen lieb zu werden; er soll sie die Regeln, Sunna, Pflichten und Anweisungen Allahs bezüglich der großen Pilgerfahrt und der kleinen Pilgerfahrt, das heißt der ʿUmra, lehren. Er soll den Menschen verbieten, das Gebet nur in einem kurzen Tuch zu verrichten – es sei denn, dieses Tuch ist so groß, dass man sein eines Ende anlegt und das andere Ende über den Nacken herumführt; dann gilt dies nicht. Er soll den Menschen verbieten, in nur einem Tuch mit hochgezogenen Beinen so zu sitzen, dass ihre Scham entblößt wird. Er soll den Männern verbieten, ihr Haar zu flechten und es über den Rücken hängen zu lassen. In Zeiten der Erregung soll er der Bevölkerung verbieten, sich unter Berufung auf Stämme und Verwandtschaftsgruppen zu versammeln, und sie anweisen, nur im Namen des einen und einzigen Gottes Allah aufzurufen. Diejenigen, die nicht zu Allah, sondern zu bestimmten Stammes- oder Gruppenbindungen aufrufen, sollen mit dem Schwert beseitigt werden, und der Gesandte Allahs, des einen und einzigen Gottes, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ernannte Qays ibn al-Ḥusayn zum Befehlshaber der Banū al-Ḥārith.“
Danach kehrte die Delegation der Banū al-Ḥārith gegen Ende des Monats Schawwāl oder zu Beginn des Monats Dhū l-Qaʿda in ihr Gebiet zurück. Vier Monate nach ihrer Abreise verstarb der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm.
Nachdem die Delegation abgereist war, entsandte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ʿAmr ibn Ḥazm (möge Allah mit ihm zufrieden sein) zu den Banū al-Ḥārith, damit er ihnen die umfassenden Bestimmungen des Islam und seine Sunna lehre und ihre Sadaqa einziehe. Er übergab ihm auch ein Schreiben mit seinen Anweisungen. Das Schreiben lautete wie folgt:
„Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen. Dies ist eine Erklärung von Allah und Seinem Gesandten. O ihr Gläubigen, erfüllt die Verträge. Dies ist eine Anweisung des Propheten Allahs, Muḥammad, für seinen nach Jemen entsandten Boten ʿAmr ibn Ḥazm. Er wies ʿAmr an, Allah überall und unter allen Umständen zu fürchten. Man muss wissen, dass Allah mit denen ist, die Ihn fürchten und Gutes tun. Ihm wurde befohlen, stets dem Weg der Gerechtigkeit und Wahrheit zu folgen, so wie Allah es ihm befohlen hat. Er soll die Menschen zum Weg des Guten anspornen und dazu anweisen, die Lehre des Qurʾān unter ihnen verbreiten, ihnen ein tiefes Verständnis des Qurʾān vermitteln und sie davor warnen, dass niemand den Qurʾān im Zustand der Unreinheit berührt. Er soll ihnen mitteilen, was gut und was schlecht für die Menschen ist, sich gegenüber denen, die auf Recht und Gerechtigkeit wandeln, nachsichtig verhalten und gegenüber denen, die Unrecht tun, streng sein. Denn Allah hasst das Unrecht und hat befohlen, sich davon fernzuhalten. Er sagte: ‚Gebt acht! Allahs Fluch liegt auf den Ungerechten.‘ Er soll die Menschen zum Paradies und zu den ihm entsprechenden Taten ermutigen und sie vor der Hölle und den ihr entsprechenden Taten warnen. Um den Menschen eine feine und umfassende Kenntnis des Islam zu vermitteln, soll er versuchen, ihnen lieb zu werden; er soll sie die Regeln, Sunna, Pflichten und Anweisungen Allahs bezüglich der großen Pilgerfahrt und der kleinen Pilgerfahrt, das heißt der ʿUmra, lehren. Er soll den Menschen verbieten, das Gebet nur in einem kurzen Tuch zu verrichten – es sei denn, dieses Tuch ist so groß, dass man sein eines Ende anlegt und das andere Ende über den Nacken herumführt; dann gilt dies nicht. Er soll den Menschen verbieten, in nur einem Tuch mit hochgezogenen Beinen so zu sitzen, dass ihre Scham entblößt wird. Er soll den Männern verbieten, ihr Haar zu flechten und es über den Rücken hängen zu lassen. In Zeiten der Erregung soll er der Bevölkerung verbieten, sich unter Berufung auf Stämme und Verwandtschaftsgruppen zu versammeln, und sie anweisen, nur im Namen des einen und einzigen Gottes Allah aufzurufen. Diejenigen, die nicht zu Allah, sondern zu bestimmten Stammes- oder Gruppenbindungen aufrufen, sollen mit dem Schwert beseitigt werden. Ein zuverlässiger Mann berichtete mir unter Berufung auf Abū Huraira (möge Allah mit ihm zufrieden sein), dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gesagt habe: ‚Vor dem Tag der Auferstehung werden dreißig Daddschāl erscheinen, und jeder von ihnen wird den Anspruch erheben, ein Prophet zu sein.‘“
Der von den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, eingesetzten Beamten und Befehlshaber durchgeführte Feldzug zur Einziehung der Zakāt
Ibn Isḥāq sagt:
Noch vor seinem Tod entsandte Allahs Gesandter, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, seine ernannten Befehlshaber und Beamten, um die Zakāt aus allen von den Muslimen eroberten Ländern und Gebieten einzuziehen. Nach Sanaa entsandte er al-Muhādschir ibn Abū Umaiya. Während dieser sich noch in Sanaa aufhielt, erhob sich al-Ansi gegen Allahs Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Ziyād ibn Labīd aus dem ansārischen Stamm Banū Baiyāda entsandte er nach Hadramaut, ʿAdī ibn Hātim zu den Stämmen Banū Tāʾī und Banū Asad, Mālik ibn Nuwaira zu den Banū Hanzala, Zibārqān ibn Badr zu einem Teil der Banū Saʿd, Qais ibn ʿĀsim zum anderen Teil desselben Stammes und ʿAlī ibn Abī Tālib, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, nach Nadschrān, um von den Muslimen die Zakāt und von den Christen die Dschizya einzuziehen.
Musailimas Brief an Allahs Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und seine Antwort darauf
„Von Allahs Gesandtem Musailima an Allahs Gesandten Muhammad. Friede sei mit dir. Mir wurde ein Anteil an deiner Prophetenschaft gegeben. Die Hälfte der Erde gehört uns und die andere Hälfte den Quraisch. Doch die Quraisch überschreiten stets das Maß.“
Zwei Gesandte überbrachten diesen Brief Allahs Gesandtem, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Ibn Ishāq berichtet: „Ein älterer Mann aus dem Stamm Banū Aschdschāʿ erzählte mir unter Berufung auf Salama ibn Nuʿaim, dass Nuʿaim sagte: Nachdem Allahs Gesandter, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, den Brief von den beiden Gesandten entgegengenommen und gelesen hatte, sagte er zu ihnen: ‚Was ist eure beider Aussage?‘ Sie sagten: ‚Wir sagen dasselbe, was Musailima sagt.‘ Allahs Gesandter, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: ‚Bei Allah! Wenn es nicht dem Grundsatz widerspräche, Gesandte zu töten, würde ich euch enthaupten.‘“
Daraufhin schrieb er an Musailima: „Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen. Von Allahs Gesandtem Muhammad an Musailima, den falschen Anspruchsteller. Friede sei mit demjenigen, der der von Allah kommenden Rechtleitung folgt. Wisse: Die Erde gehört vollständig Allah. Er verleiht die Herrschaft über die Erde unter Seinen Dienern, wem Er will; und der Erfolg im Jenseits ist für die Gottesfürchtigen.“ Dieser Briefwechsel fand im zehnten Jahr der Hidschra statt.
Die Abschiedspilgerfahrt
Als der Monat Dhu l-Qaʿda begann, bereitete sich Allahs Gesandter, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, auf die Haddsch vor und wies die Muslime an, sich ebenfalls vorzubereiten. Fünf Tage vor dem Ende des Monats Dhu l-Qaʿda brach er zur Haddsch auf.
Am Vorabend der Haddsch lehrte er die Menschen die Vorschriften der Haddsch. Danach hielt er vor der versammelten Menge eine Ansprache. Nachdem er Allah gepriesen hatte, sagte er:
„O ihr Menschen, hört meine Worte. Wahrscheinlich werde ich euch nach diesem Jahr an diesem Ort nie wieder begegnen. O ihr Leute, so wie es euch an diesem Tag und in diesem Monat verboten ist, das Leben und Eigentum anderer zu schädigen, so ist dies bis zum Tag der Auferstehung verboten. Bald werdet ihr vor Allah erscheinen und für eure Taten zur Rechenschaft gezogen werden. Ich habe meine Pflicht erfüllt, euch die Botschaft Allahs zu übermitteln. Wer etwas anvertraut bekommen hat, soll es seinem Besitzer zurückgeben. Jeglicher Zins ist aufgehoben. [95. Alle Arten von Schulden sowie Vergeltung für Tötung und Verletzung werden aufgehoben.] Ihr sollt nur das Grundkapital erhalten. Ihr sollt niemandem Unrecht zufügen, und euch soll auch kein Unrecht zugefügt werden. Allahs endgültige Entscheidung lautet, dass kein Zins bestehen bleibt. Alle Zinsen von al-Abbas ibn Abd al-Muttalib werden aufgehoben. Die Strafe oder Vergeltung für alle im Zeitalter der Unwissenheit begangenen Tötungen und Verletzungen wird aufgehoben. Als Erster hebe ich die Strafe oder Vergeltung für die Tötung von Ibn Rabīʿa, dem Enkel von al-Harith ibn Abd al-Muttalib, auf. Ibn Rabīʿa war bei den Banū Laith als Säugling in Pflege. Die Banū Hudhail töteten ihn. Mit diesem Mord beginne ich, alle Morde aus dem Zeitalter der Unwissenheit zu vergeben.“
Danach, o ihr Leute, besteht in eurem Land keine Aussicht mehr darauf, dass der Satan jemals wieder verehrt und angebetet wird. Er hat diesbezüglich jede Hoffnung aufgegeben. Doch wenn ihr ihm bei den kleinen Dingen gehorcht, die ihr für unbedeutend und geringfügig haltet, wird er schon damit zufrieden sein. Hütet euch daher in eurer Religion vor dem Satan.
O ihr Menschen, die heiligen Monate auf das folgende Jahr zu verschieben, ist eine noch schlimmere Tat des Unglaubens. Die Ungläubigen werden durch diesen Brauch auf den Weg der Irreführung geführt. Dadurch erklären sie das Blutvergießen in einem Jahr für erlaubt und im nächsten für verboten. Auf diese Weise versuchen sie, die von Allah geheiligten Tage zu umgehen. So erklären sie in Wirklichkeit das, was Allah verboten hat, für erlaubt, und das, was Allah erlaubt hat, für verboten. Seit der ersten Erschaffung von Himmel und Erde verläuft die Zeit nach ihrer eigenen Ordnung. Bei Allah gibt es zwölf Monate. Vier davon sind heilig: drei aufeinanderfolgende Monate und ein Monat, der Rajab der Mudar ist. Dieser Monat liegt zwischen Schaʿban und Dschumādā ath-Thāniya. [96. Der Rajab wird „Rajab der Mudar“ genannt, weil gerade der Stamm Mudar diesem Monat besondere Bedeutung beimaß. Kein anderer arabischer Stamm behandelte diesen Monat als einen heiligen Monat.]
Ihr habt gegenüber euren Frauen Pflichten und Rechte. Die Frauen sollen niemand anderen in eure Betten lassen. Ebenso ist es ihre Pflicht, sich nicht an verbotenen obszönen Handlungen zu beteiligen, denn dies erregt euren Unwillen. Wenn sie dies dennoch tun, hat Allah euch das Recht gegeben, getrennt von ihnen zu schlafen und sie leicht zu schlagen. Wenn sie sich jedoch bessern, ist es eure Pflicht, ihnen in angemessener Weise Nahrung und Kleidung zu geben. Seid den Frauen wohlgesinnt. Denn sie sind bei euch wie unfähige Gefangene. Ihr habt sie als ein von Allah anvertrautes Gut angenommen und sie gemäß Allahs Vorschriften für euch erlaubt gemacht.
O ihr Menschen, versteht meine Worte. Ich habe die Aufgabe erfüllt, den Menschen die Botschaft Allahs zu übermitteln. Und ich hinterlasse euch etwas, woran ihr euch festhalten müsst, damit ihr niemals vom Weg abirrt. Es ist die klare und eindeutige Sache: das Buch Allahs und die Sunna Seines Gesandten. O ihr Leute, hört meine Worte und versteht sie. Wisst, dass jeder Muslim der Bruder eines anderen Muslims ist. Die Muslime sind Brüder. Daher ist es unzulässig, etwas von seinem Bruder zu nehmen, außer wenn dieser es freiwillig schenkt. Fügt den Menschen kein Unrecht zu. O Allah, habe ich deine Religion den Menschen übermittelt?“ Die Menschen sagten: „O Allah, gewiss hat der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, uns deine Religion übermittelt.“ Er sagte: „O Allah, sei mein Zeuge.“
Die Entsendung von Usama ibn Zaid nach Palästina
Ibn Hischām berichtet: Nachdem der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die oben erwähnte Ansprache gehalten hatte, begab er sich mit seinem Gefolge
nach Medina zurück und verbrachte dort die verbleibenden Tage des Dhū l-Hiddscha sowie die Monate Muharram und Safar. Danach entsandte er unter dem Kommando von Usama, dem Sohn seines freigelassenen Sklaven Zaid, ein Heer nach Scham (Syrien) und befahl ihm, die Gebiete Balqa und Darum in Palästina zu erobern. Die Menschen trafen Vorbereitungen für den Aufbruch. Alle Muhādschirūn, die bei der ersten Auswanderung ausgewandert waren, zogen mit ihm.
Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) entsendet Gesandte zu den Königen und Herrschern
Ibn Hischam sagt:
Zuvor hatte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) einige seiner Gefährten als Gesandte zu den Königen und Herrschern verschiedener Länder entsandt. Er schickte ihnen Briefe, in denen er sie zum Islam einlud.
Ibn Hischam sagt: Ein vertrauenswürdiger Mann aus Abu Bakr al-Hudhali berichtete mir, dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) eines Tages, nachdem er am Tag von al-Hudaibiya daran gehindert worden war, die Umra zu vollziehen, zu seinen Gefährten kam und sagte: „O Leute, Allah hat mich als Barmherzigkeit für alle Menschen gesandt. Widersetzt euch mir daher nicht so, wie sich die Gefährten Jesu ihm widersetzt haben.“ Die Gefährten fragten: „O Gesandter Allahs, wie haben sich die Gefährten Jesu ihm widersetzt?“ Er sagte: „Die Aufgaben, zu denen ich euch auffordere, trug auch er ihnen auf. Wenn er jedoch jemanden an einen nahen Ort entsenden wollte, zauderte dieser und widersetzte sich ihm. Da klagte Jesus deswegen bei Allah. Daraufhin erging es jedem dieser Zauderer so, dass derjenige, der zu einem bestimmten Volk entsandt wurde, die Sprache dieses Volkes annahm.“
Daraufhin ernannte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) einige seiner Gefährten zu Gesandten und schickte Briefe mit der Einladung zum Islam an die Könige und Herrscher verschiedener Länder. Zum Kaiser von Rom entsandte er Dihya ibn Khalifa al-Kalbi, zu dem persischen Kaiser Abdallah ibn Hudhafa as-Sahmi, zum Negus von Abessinien Amr ibn Umayya ad-Damri, zu den beiden Königen von al-Yamama, Thumama ibn Uthal und Hawdha ibn Ali, Hatib ibn Amr, zum König von Bahrain, al-Mundhir ibn Sawar, al-Ala ibn al-Hadrami, und zum König der syrischen Grenzgebiete, al-Harith ibn Abu Schamir al-Ghassani, Schuja ibn Wahb al-Asadi.
Ibn Hischam sagt: Soweit ich weiß, wurde Salit zu Thumama, Hawdha und al-Mundhir entsandt.
Ibn Ishaq sagt: Yazid ibn Abu Habib al-Misri berichtete mir, dass er in einem Buch die Namen der Gesandten gesehen habe, die der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu den Königen der Araber und der Nichtaraber sowie in verschiedene Länder entsandt hatte. In diesem Buch war auch erwähnt, welche Ratschläge er seinen Gefährten bei ihrer Entsendung gab. Yazid schickte dieses Buch an den berühmten Gelehrten Muhammad ibn Schihab az-Zuhri. Az-Zuhri bestätigte, dass das Buch zuverlässig sei. In dem Buch heißt es: Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) kam zu seinen Gefährten und sagte: „Allah hat mich als Barmherzigkeit für alle Weltenbewohner gesandt. Überbringt daher in meinem Auftrag die Einladung zum Glauben; Allah wird euch Barmherzigkeit erweisen. Widersetzt euch mir nicht wie die Gefährten Jesu.“ Die Gefährten fragten: „O Gesandter Allahs, wie widersetzten sie sich ihm?“ Er sagte: „So wie ich euch Aufgaben übertragen habe, übertrug auch er ihnen die Aufgabe, die Einladung an verschiedene Orte zu überbringen. Derjenige, den er an einen nahen Ort entsandte, freute sich darüber und war damit zufrieden. Wen er jedoch an einen entfernten Ort entsenden wollte, der war unzufrieden und verweigerte sich. Da flehte Jesus Allah deswegen an. Daraufhin wurde jeder von ihnen, der in ein bestimmtes Land entsandt wurde, zu einem Sprecher der Sprache dieses Landes.“
Ibn Ishaq sagt: „Zu den Gefährten, die Jesus in verschiedene Länder der Welt entsandte, sowie zu den später entsandten Anhängern gehörten insbesondere der Gefährte Petrus und sein Anhänger Paulus. Paulus war kein Jünger und kein Gefährte Jesu. Andreas und Manta wurden zu den Römern entsandt; Manta wurde in ein Gebiet geschickt, dessen Bewohner Menschen aßen. Thomas wurde in das östliche Babylon entsandt, Philippus nach Karthago in Afrika oder nach Afrika. Johannes wurde in die Stadt Ephesus, die Siedlung der Leute der Höhle, entsandt. Jakobus wurde in den Hidschas in Arabien entsandt, Simon in das Gebiet der Berber und Judas zu den Jordaniern. Judas war kein Gefährte Jesu.“
Der letzte Feldzug
Ibn Ishaq berichtet: Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, entsandte Usama, den Sohn von Zayd ibn Haritha, nach Syrien und beauftragte ihn, die Gebiete al-Balqa und Darum in Palästina einzunehmen. Die Muslime trafen die entsprechenden Vorbereitungen. An diesem Feldzug nahmen alle Muslime teil, die zuerst ausgewandert waren.
Der Beginn der Krankheit des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm
Ibn Ishaq berichtet: Während die Vorbereitungen für den Beginn des Feldzugs unter Usamas Führung noch andauerten, zeigten sich beim Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die ersten Anzeichen einer Krankheit. Schließlich verstarb er an eben dieser Krankheit. Die Krankheit begann in den letzten Tagen des Monats Safar oder am ersten Tag des Monats Rabi al-awwal. Ihr Beginn war folgendermaßen: Eines Nachts ging er tief in der Nacht zum Friedhof Baqi al-Gharqad in Medina und bat um Vergebung für die Bewohner der Gräber. Vom folgenden Tag an litt er unter der Krankheit.
Abu Muwayhiba, der freigelassene Sklave des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, berichtet: Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, weckte mich gegen Mitternacht und sagte: „O Abu Muwayhiba, mir wurde befohlen, für die Verstorbenen dieses Friedhofs um Vergebung zu bitten. Komm mit mir.“ Ich ging mit ihm. Als er vor dem Friedhof stand, sagte er:
„O Bewohner der Gräber, Friede sei mit euch. Ihr befindet euch heute in einer weitaus besseren Lage als die, in die die Menschen geraten sind. Die Versuchungen sind wie tiefdunkle Nächte heraufgezogen, die immer dunkler werden. Jede kommende Heimsuchung ist schlimmer als die vorangegangene.
Dann wandte er sich an mich und sagte: „O Abu Muwayhiba! Mir wurden die Schätze dieser Welt und das dauerhafte Recht, sie zu genießen, und danach das Paradies angeboten. Mir wurde gesagt: ‚Wähle, was du willst – diese Schätze und das dauerhafte Recht, sie zu genießen oder das Paradies und die Begegnung mit Allah.‘“
Ich sagte: „O Gesandter Allahs, wähle die Schätze dieser Welt und das dauerhafte Recht, sie zu genießen, und danach das Paradies.“ Er sagte: „Nein, vielmehr habe ich die Begegnung mit Allah und das Paradies gewählt.“
Danach betete er für die Bewohner des Friedhofs von al-Baqīʿ und bat um Vergebung für sie, dann kehrte er nach Hause zurück. Unmittelbar danach setzten seine Krankheit und seine Schmerzen ein, an denen er schließlich verstarb.
ʿĀʾischa, die Ehefrau des Gesandten Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm –, sagte: Als der Gesandte Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – von al-Baqīʿ zurückkam und mich sah, wie ich unter Kopfschmerzen litt und sagte: „Oh, mein Kopf!“ Als der Gesandte Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – dies sah, sagte er: „O ʿĀʾischa, vielmehr habe ich Kopfschmerzen.“ Dann sagte er: „Nun, was hältst du davon, wenn du vor mir stirbst und ich dich in ein Leichentuch hülle, dich bestatte und das Totengebet für dich verrichte?“ Ich sagte: „Ich kann es schon deutlich vor mir sehen: Wenn das geschähe, würdest du nach Hause zurückkehren und dich mit deinen anderen Ehefrauen vergnügen.“
Als der Gesandte Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – dies hörte, lächelte er. Für einen Augenblick schien es, als hätten seine Krankheit und seine Schmerzen nachgelassen. Damals hielt er sich noch abwechselnd bei seinen Ehefrauen auf. Doch bald verschlimmerten sich seine Schmerzen. Zu dieser Zeit befand er sich im Haus von Maymūna – möge Allah mit ihr zufrieden sein. Er ließ alle seine Ehefrauen rufen und bat sie um Erlaubnis, dass er in meinem Haus gepflegt werden dürfe. Alle erteilten ihre Erlaubnis.
Die Ehefrauen des Gesandten Allahs oder die Mütter der Gläubigen
Ibn Hischām sagt: Der Gesandte Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – hatte neun Ehefrauen. Sie waren: ʿĀʾischa, die Tochter Abū Bakrs – möge Allah mit ihr zufrieden sein –, Hafsa, die Tochter ʿUmars ibn al-Chattāb – möge Allah mit ihr zufrieden sein –, Umm Habība, die Tochter Abū Sufyāns ibn Harb – möge Allah mit ihr zufrieden sein –, Umm Salama, die Tochter Abū Umayyas ibn al-Mughīra – möge Allah mit ihr zufrieden sein –, Sawda, die Tochter Zamʿas ibn Qays – möge Allah mit ihr zufrieden sein –, Zaynab, die Tochter Dschahschs – möge Allah mit ihr zufrieden sein –, Maymūna, die Tochter al-Hāriths ibn Hazn – möge Allah mit ihr zufrieden sein –, Dschuwayriya, die Tochter al-Hāriths ibn Abū Dirār – möge Allah mit ihr zufrieden sein –, und Safiyya, die Tochter Huyays ibn Achtab. Ihre Lebensbeschreibungen sind aus den Berichten mehrerer zuverlässiger Gelehrter bekannt.
Die Gesamtzahl der Ehefrauen des Gesandten Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – betrug dreizehn. Von ihnen lebten jedoch die genannten neun bei seinem Tod noch. Zwei waren bereits zuvor verstorben, und mit zwei weiteren war lediglich eine nominelle Ehe geschlossen worden; sie wurden keine Ehefrauen des Gesandten Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm –.
Chadīdscha, die Tochter Chუwaylids – möge Allah mit ihr zufrieden sein
Chadīdscha war seine erste Ehefrau. Ihr Vater Chუwaylid ibn Asad – nach anderer Auffassung ihr Bruder ʿAmr ibn Chუwaylid – verheiratete Chadīdscha mit dem Gesandten Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Der Gesandte Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – gab ihr als Brautgabe zwanzig junge Kamelstuten. Außer Ibrāhīm wurden alle Kinder des Gesandten Allahs – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm – von ihr geboren. Ihr früherer Ehemann war Abū Hāla ibn Mālik. Er gehörte zu den Banū Usayd, den Verbündeten des Stammes Banū ʿAbd ad-Dār. Während ihrer Ehe mit Abū Hāla gebar sie einen Sohn namens Hind und eine Tochter namens Zaynab. Vor Abū Hāla war sie mit ʿAtīq ibn ʿĀbid verheiratet. Auch aus dieser Ehe gingen ein Sohn namens ʿAbdullāh und eine Tochter namens Dschāriya hervor.
ʿĀʾischa bint Abū Bakr, möge Allah mit ihr zufrieden sein
Im Alter von gerade sieben Jahren wurde sie in Mekka mit dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, verheiratet. Nach der Hidschra nach Medina begann sie im Alter von neun oder zehn Jahren das eheliche Leben mit dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm. Außer ʿĀʾischa, möge Allah mit ihr zufrieden sein, heiratete er kein anderes jungfräuliches Mädchen. Ihr Vater Abū Bakr aṣ-Ṣiddīq, möge Allah mit ihm zufrieden sein, verheiratete sie. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, verheiratete sie. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, gab ihr als Brautgabe vierhundert Dirham.
Sawda bint Zamʿa, möge Allah mit ihr zufrieden sein
Salīṭ ibn ʿAmr, beziehungsweise Abū Ḥātim ibn ʿAmr, verheiratete sie mit dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, gab ihr als Brautgabe vierhundert Dirham. Ihr früherer Ehemann hieß Sakrān ibn ʿAmr. [97. Ibn Hišām sagt, dass Ibn Isḥāq dieser Überlieferung nicht zustimmt. Seiner Ansicht nach lebten ʿAlī und Abū Ḥātim zu dieser Zeit beide in Abessinien im Exil. Während dieser Zeit waren sie beim Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, abwesend.]
Zaynab bint Ǧaḥš, möge Allah mit ihr zufrieden sein
Ihr Bruder Abū Aḥmad ibn Ǧaḥš verheiratete sie. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, gab ihr eine Brautgabe von vierhundert Dirham. Ihr früherer Ehemann war Zayd ibn Ḥāriṯa, der von Allahs Gesandtem, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, freigelassene Sklave, möge Allah mit ihm zufrieden sein.
In Bezug auf Zaynab wurde dieser Vers des Korans offenbart: „Als Zayd sie nicht mehr behalten wollte, verheiratete Ich sie mit dir.“
Umm Salama bint Abū Umayya, möge Allah mit ihr zufrieden sein
Ihr anderer Name war Hind. Ihr Sohn Salama gab sie zur Ehe. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gab ihr eine mit Dattelblättern gefüllte Matratze, einen Becher, einen Teller und eine Handmühle. Der Name ihres früheren Ehemanns war Abdullah Abu Salama. Dort wurden ihr vier Kinder geboren, nämlich: Salama, Umar, Zainab und Ruqayya.
Hafsa bint Umar ibn al-Chattab, möge Allah mit ihr zufrieden sein
Ihr Vater Umar ibn al-Chattab, möge Allah mit ihm zufrieden sein, verheiratete sie selbst mit dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gegen eine Brautgabe von vierhundert Dirham. Zuvor war sie mit Chunais ibn Hudhafa as-Sahmi verheiratet gewesen.
Umm Habiba bint Abu Sufyan ibn Harb, möge Allah mit ihr zufrieden sein
Chalid ibn Sa’id ibn al-As ergriff die Initiative zu ihrer Heirat mit dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und machte den Heiratsantrag. Beide lebten damals als Auswanderer in Abessinien. Der Negus selbst zahlte ihr im Namen des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, eine Brautgabe von vierhundert Dinar. Der Name ihres früheren Ehemanns war Ubaidullah ibn Dschahsch al-Asadi. Ihr eigentlicher Name war Ramla.
Dschuwairiya bint al-Harith, möge Allah mit ihr zufrieden sein
Diese Frau aus dem Stamm Chuza’a geriet im Feldzug gegen die Banu al-Mustaliq in Gefangenschaft und fiel Sabit ibn Qais, möge Allah mit ihm zufrieden sein, als Anteil zu. Dschuwairiya schloss mit al-Harith eine Vereinbarung, um sich gegen Zahlung eines Lösegelds freizukaufen. Um Hilfe bei der Zahlung dieses Lösegelds zu erhalten, suchte sie den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, auf. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, erklärte sich bereit, ihr Lösegeld zu entrichten, und machte ihr einen Heiratsantrag. Dschuwairiya stimmte dem Antrag zu. Danach wurde die Ehe geschlossen.
Ibn Hischam berichtet, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zusammen mit Dschuwairiya aus dem Gebiet der Banu al-Mustaliq zurückkehrte. Unterwegs übergab er Dschuwairiya einem ansarischen Gefährten als anvertrautes Gut, wies ihn an, für ihren Schutz zu sorgen, und zog nach Medina weiter. Nachdem er Medina erreicht hatte, kam Dschuwairiyas Vater al-Harith ibn Abu Dirar mit dem Lösegeld für die Freilassung seiner Tochter zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Als al-Harith den Ort namens Aqīq erreichte, fiel sein Blick auf die Kamelherde, die er als Lösegeld zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, brachte. Zwei Kamele gefielen ihm besonders gut. Er versteckte diese beiden Kamele in einer Höhle am Berg Aqīq. Dann kam er zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, und sagte: „O Muhammad, ihr habt meine Tochter gefangen genommen. Hier ist ihr Lösegeld.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Was ist mit den beiden Kamelen geschehen, die du in der und der Höhle am Berg Aqīq versteckt hast?“ Al-Harith sagte: „Ich bezeuge, dass es keinen Gott außer Allah gibt und dass du Allahs Gesandter bist. Gewiss hat dir davon nur Allah Mitteilung geben können.“ Al-Harith nahm den Islam an. Danach schickte er Leute, um die beiden versteckten Kamele vom Berg Aqīq zu holen. Er übergab dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, alle seine Kamele. Seine Tochter Dschuwairiya wurde ihm zurückgegeben.
Safiyya bint Huyayy ibn Akhtab, möge Allah mit ihr zufrieden sein
Safiyya, die Tochter des jüdischen Anführers Huyayy ibn Akhtab, wurde vom Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, aus Khaybar als Kriegsgefangene mitgebracht und zur Ehefrau genommen. Anlässlich dieser Eheschließung veranstaltete er ein schlichtes Hochzeitsmahl, bei dem den Gästen anstelle von Fett oder Fleisch lediglich Datteln und geröstetes Mehl gereicht wurden. Der Name ihres früheren Ehemannes war Kinana ibn ar-Rabi ibn Abu al-Huqayq.
Maymuna bint al-Harith, möge Allah mit ihr zufrieden sein
Al-Abbas ibn Abd al-Muttalib, möge Allah mit ihm zufrieden sein, arrangierte ihre Eheschließung mit dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Er entrichtete im Auftrag des Gesandten Allahs eine Brautgabe von vierhundert Dirham. Der Name ihres früheren Ehemannes war Abu Ruhm ibn Abd al-Uzza. Nach Ansicht mancher Historiker war sie jene Frau, die sich, in den Worten des heiligen Korans, selbst dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zur Ehe anbot. Als der Heiratsantrag des Gesandten Allahs sie erreichte, saß sie gerade auf einem Kamel. Sofort erwiderte sie: „Dieses Kamel und sein Reiter sind Allah und Seinem Gesandten geweiht.“ Daraufhin offenbarte der Erhabene Allah: „(Für dich ist es erlaubt,) wenn sich eine gläubige Frau selbst dem Propheten schenkt und der Prophet sie heiraten möchte.“
Manche sagen, dass die Frau, die sich dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, selbst zur Ehe anbot, nicht sie, sondern Zaynab bint Jahsch war. Andere sagen, es sei Umm Schuraik Ghaziyya bint Jabir gewesen. Nach einer weiteren Ansicht war sie eine Frau aus dem Stamm der Banu Sama. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ließ ihre Angelegenheit jedoch unerledigt.
Zaynab bint Khuzayma, möge Allah mit ihr zufrieden sein
Zuerst wurde sie mit ihrem Cousin Zahm ibn Amr verheiratet. Danach heiratete sie Ubayda ibn al-Harith. Qabisa ibn Amr al-Hilali verheiratete sie gegen eine Brautgabe von vierhundert Dirham mit dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Wegen ihres außerordentlichen Mitgefühls und ihrer Barmherzigkeit gegenüber Armen, Bedürftigen und Notleidenden wurde sie Umm al-Masakin, „Mutter der Bedürftigen“, genannt.
Diese elf Frauen waren die Ehefrauen des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, mit denen er das eheliche Leben führte. Von ihnen lebten Khadidscha bint Khuwaylid, möge Allah mit ihr zufrieden sein, und Zaynab bint Khuzayma, möge Allah mit ihr zufrieden sein, noch zum Zeitpunkt des Todes des Gesandten Allahs und danach. Mit zwei weiteren Frauen kam es jedoch nicht zum ehelichen Zusammenleben. Die eine war Asma bint Nuʿman al-Kindiyya. Nachdem der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sie geheiratet hatte, stellte er fest, dass sie an Weißfleckenkrankheit oder Lepra litt. Daher gab er ihr ein Geschenk und schickte sie zu ihrer Familie zurück. Die andere war Amra bint Yazid al-Kilabiyya. Sobald sie zum Gesandten Allahs kam, bat sie ihn um die Auflösung der Ehe. Der Gesandte Allahs sagte: „Sie zieht sich zurück und sucht Zuflucht bei Allah.“ Danach schickte er sie zu ihrer Familie zurück. Manche sagen, die Frau, die beim Gesandten Allahs Zuflucht suchte, also den ehelichen Verkehr verweigerte, sei die Cousine von Asma bint Nuʿman al-Kindiyya gewesen. Nach Ansicht einiger Gelehrter rief der Gesandte Allahs sie zu sich, worauf sie hochmütig sagte: „Wir sind Menschen aus einem vornehmen Stamm. Die Menschen kommen zu uns; wir gehen zu niemandem.“ Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, dies hörte, schickte er sie zu ihrer Familie zurück.
Unter den Ehefrauen des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, waren sechs aus dem Stamm der Quraisch: Chadidscha bint Chuwailid (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr), Aischa bint Abu Bakr (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr), Hafsa bint Umar ibn al-Chattab (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr), Umm Habiba bint Abu Sufyan (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr), Umm Salama bint Abu Umaiyya (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) und Sauda bint Zam’a (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr). Die übrigen sieben waren nicht aus Quraisch. Sechs von ihnen stammten aus arabischen Stämmen: Zainab bint Dschahsch (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) aus dem Stamm der Banu Asad, Zainab bint Harith (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) aus dem Stamm der Banu Amir, Zainab bint Chuzaima (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) aus dem Stamm der Banu Chazaya, Asma bint Nu’man al-Kindiyya (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) aus dem Stamm der Kinda und Amra bint Yazid (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) aus dem Stamm der Banu Kilab. Eine stammte aus einem nichtarabischen, jüdischen Geschlecht: Safiyya (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr), bint Huyayy ibn Achtab, aus dem Stamm der Banu Nadir.
Weitere Einzelheiten über die Krankheit des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm
Ibn Ishaq sagte:
Über Ubaidullah ibn Abdullah ibn Utba, von ihm über Muhammad ibn Muslim az-Zuhri und von diesem über Yaqub ibn Utba wurde mir von Aischa, der Ehefrau des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, berichtet, dass Aischa (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) sagte: „Nachdem ich von den anderen Ehefrauen die Erlaubnis erhalten hatte, zur Pflege in meinem Zimmer zu bleiben, betrat der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, mein Zimmer, wobei er, den Kopf verbunden, seine Füße nachziehend ging und sich auf die Schultern zweier Männer aus seiner Familie stützte: Fadl ibn Abbas (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) und eines anderen. Nach Ansicht von Abdullah ibn Abbas war der andere Ali ibn Abu Talib (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm).“
Schon nach kurzer Zeit wurden die Schmerzen des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, stärker, und er sagte leidend: „Bringt sieben Wasserschläuche Wasser aus verschiedenen Brunnen und gießt es über meinen Kopf, damit ich zu den Menschen gehen und ihnen mein Versprechen erfüllen kann.“ Wir setzten ihn bei Hafsa bint (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) an ein großes Gefäß zum Waschen von Kleidung und gossen reichlich Wasser über seinen Kopf. Schließlich sagte er:
„Es genügt. Es genügt.“
Az-Zuhri sagte: Ayyub ibn Baschir berichtete mir, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, mit verbundenem Kopf herauskam und sich auf die Kanzel der Moschee setzte. Als Erstes, nachdem er zu sprechen begonnen hatte, bat er um Barmherzigkeit für die Märtyrer der Schlacht von Uhud und flehte Allah um Vergebung für sie an. Er sprach viele Bittgebete um Barmherzigkeit für sie. Danach sagte er: „Allah ließ einen Diener zwischen den Gütern dieser Welt und dem, was bei Allah ist, wählen. Dieser Diener wählte das, was bei Allah ist.“ Abu Bakr as-Siddiq (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) verstand die Bedeutung dieser Worte. Er erkannte, dass dieser Diener niemand anderes als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, war. Daher sagte er unter Tränen: „Mögen wir uns selbst und unsere Kinder lieber für dein Leben opfern.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „O Abu Bakr, nimm dies gelassen hin.“ Danach sagte er: „Schließt diese offenen Türen der Moschee. Die Tür neben dem Haus von Abu Bakr sollt ihr jedoch nicht schließen. Denn von allen Menschen, die mich begleitet haben, habe ich Abu Bakr als den zuverlässigsten Gefährten erwiesen gefunden.“
Abdurrahman ibn Abdullah berichtete mir, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, außerdem gesagt hatte: „Wenn ich unter den Dienern Allahs jemanden zu meinem engsten Freund hätte nehmen können, hätte ich Abu Bakr genommen. Doch solange wir uns nicht bei Allah versammeln, werden allein die Gefährtenschaft, die Bruderschaft und der Glaube das Band unserer gegenseitigen Verbundenheit bilden.“
Muhammad ibn Dschubair berichtete mir unter Berufung auf Urwa ibn az-Zubair und andere gelehrte Männer, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, trotz seiner Krankheit seine Unruhe darüber zum Ausdruck brachte, dass sich die Entsendung des Heeres von Usama (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) verzögerte. Einige äußerten unterdessen leichten Widerspruch dagegen, dass der junge Usama zum Befehlshaber ernannt worden war, obwohl es unter den Muhadschirun und den Ansar ältere Männer gab. Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, davon erfuhr, kam er erneut mit verbundenem Kopf zum Minbar und setzte sich dort nieder. Nachdem er Allah gebührend gelobt hatte, sagte er: „O ihr Menschen, entsendet das Heer Usamas unverzüglich. Wenn unter euch wegen seiner Befehlsgewalt etwas gesagt worden ist, dann habt ihr derartige Worte auch wegen der Befehlsgewalt seines Vaters geäußert. Dabei ist die Wahrheit, dass Usama für diese Aufgabe geeignet ist und auch sein Vater für diese Aufgabe geeignet war.“ Danach stieg der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, vom Minbar herab. Die Muslime begannen, die Entsendung des Heeres Usamas vorzubereiten. Zugleich verschlimmerten sich die Schmerzen der Krankheit des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, immer mehr. Als Usama mit seinem Heer eine Niederung erreicht hatte, die eine Farsach von Medina entfernt lag, waren auch seine Soldaten dort eingetroffen und andere Muslime hatten sich ihm angeschlossen, gerade um zu sehen, wie es um den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, stand. Zuhri sagte: Abdullah ibn Kab ibn Malik teilte mir mit, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, an jenem Tag in seiner Ansprache, neben dem Gebet für die Teilnehmer an der Schlacht von Uhud und den Anweisungen darüber, was die Muslime tun sollten, auch gesagt hatte: „O ihr Muhadschirun, achtet gut auf die Ansar. Anderen Menschen kommt nach und nach Wohlstand zu. Den Ansar bleibt dies angesichts ihrer gegenwärtigen Lage jedoch nicht vergönnt. Sie waren die Bewahrer meiner Geheimnisse und meine Beschützer. So erwidert ihre gute Behandlung mit guter Behandlung. Wenn ihr von ihnen etwas Schlechtes erfahrt, dann vergebt es ihnen.“
Danach stieg der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, vom Minbar herab und betrat sein Haus. Sofort verstärkten sich seine Krankheitsschmerzen. Schon kurze Zeit später verlor er das Bewusstsein.
Zu dieser Zeit versammelten sich einige seiner Ehefrauen, darunter Umm Salama und Maimuna (Allahs Wohlgefallen sei auf ihnen), sowie einige muslimische Frauen, darunter Asma bint Umais, bei ihm. Sein Onkel Abbas (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) war bereits bei ihm anwesend.
Alle beschlossen, dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, das Arzneimittel „Ladud“ zu verabreichen. Abbas (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) sagte: „Ich werde ihm das Ladud auf jeden Fall verabreichen.“ Schließlich wurde ihm das Ladud eingeflößt, woraufhin er wieder zu Bewusstsein kam. Als er das Bewusstsein wiedererlangt hatte, fragte er: „Wer hat mir dieses Mittel verabreicht?“ Alle sagten: „O Gesandter Allahs, dein Onkel hat es dir verabreicht.“ Er sagte: „Dies ist eine Art Arzneimittel, das einige Frauen aus Abessinien mitgebracht haben. Warum habt ihr es angewendet?“ Abbas (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) sagte: „O Gesandter Allahs, wir befürchteten, dass du an einer Lungenentzündung erkrankt seist.“ Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Allah wird mich niemals an dieser Krankheit erkranken lassen. Niemand aus meiner Familie, außer meinem Onkel, wird von diesem Ladud verschont bleiben.“ Maimuna (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) musste das Ladud einnehmen, während sie fastete. Auf diese Weise ließ der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, seine Angehörigen für diese falsche Handlung eine doppelte Strafe erleiden.
Usama ibn Zaid (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) sagte: Als sich der Zustand des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, äußerst verschlechterte, kehrten ich, mein Heer und die Muslime nach Medina zurück. Danach gingen wir, um den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu besuchen. Wir sahen, dass er die Fähigkeit zu sprechen verloren hatte und nicht reden konnte. Als er mich sah, hob er die Hände zum Himmel und legte sie dann auf mich. Daraus verstand ich, dass er für mich betete.
Aischa (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) sagte:
Als die letzten Augenblicke des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gekommen waren, hörte ich als seine letzte Äußerung: „Vielmehr wünsche ich mir den besten Freund.“ Als ich das hörte, sagte ich mir insgeheim: „Er gibt uns nicht den Vorzug.“ Da verstand ich, dass mit dieser Äußerung das Erwählte und Kostbarste gemeint war, worüber er zu sagen pflegte: „Keinem Propheten wurde der Tod gegeben, ohne ihm die Wahl zwischen Leben und Tod zu lassen.“ Dies war in seinen Worten zum Ausdruck gekommen: „Vielmehr wünsche ich mir den besten Freund, der besser ist als das Paradies.“
Abu Bakrs (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) Leitung des Gemeinschaftsgebets
az-Zuhri berichtet: Ich hörte es von Hamza ibn Abdullah ibn Umar. Aischa (Allah sei mit ihr zufrieden) sagte: Als sich die Krankheit des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, äußerst verschlimmerte, sagte er: „Sagt Abu Bakr, dass er das Gebet leiten soll.“ Ich sagte: „O Gesandter Allahs, Abu Bakr ist ein äußerst weichherziger Mensch. Seine Stimme ist sehr leise. Wenn er den Koran rezitiert, muss er oft weinen.“ Er sagte: „Sagt ihm, dass er das Gebet leiten soll.“ Ich wiederholte noch einmal meine Einwände. Da sagte er: „Ihr seid wie die Frauen, die sich gegenüber Yusuf verhalten haben. Geht und sagt Abu Bakr, dass er das Gemeinschaftsgebet leiten soll.“ Um die Wahrheit zu sagen, hatte ich dies nur gesagt, weil ich Abu Bakr (Allah sei mit ihm zufrieden) von der Leitung des Gebets fernhalten wollte. Denn ich wusste, dass die Menschen Abu Bakr (Allah sei mit ihm zufrieden) im Falle eines Unglücks dafür verantwortlich machen und ihm die Schuld geben würden. Ich wusste, dass die Menschen den Stellvertreter des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, niemals akzeptieren würden. Aus diesen Gründen wollte ich ihn von dieser Aufgabe fernhalten.
Abdullah ibn Zam’a berichtet:
Als die Krankheit des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, einen bedrohlichen Zustand erreicht hatte, war ich mit einer Gruppe von Muslimen bei ihm. Zu dieser Zeit rief Bilal (Allah sei mit ihm zufrieden) ihn zum Gebet. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagte: „Sagt einem, der das Gebet leiten kann, dass er die Leitung übernimmt.“ Zuerst traf ich Umar ibn al-Chattab (Allah sei mit ihm zufrieden). Ich sagte: „O Umar, komm und leite das Gebet.“ Umar (Allah sei mit ihm zufrieden) trat vor, um das Gebet zu leiten. Umar hatte eine laute Stimme. Als er den Takbir sprach und der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, ihn hörte, sagte er: „Wo ist Abu Bakr? Dies gefällt weder Allah noch den Muslimen.“ Man ließ Abu Bakr (Allah sei mit ihm zufrieden) rufen. Als Umar (Allah sei mit ihm zufrieden) das von ihm begonnene Gebet beendet hatte, kam Abu Bakr. Von da an leitete er das Gebet.
Abdullah ibn Zam’a berichtet: Umar (Allah sei mit ihm zufrieden) sagte zu mir: „Wehe dir, Ibn Zam’a! Was hast du mir nur angetan? Als du mich aufgefordert hast, das Gebet zu leiten, dachte ich, der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, habe dir befohlen, mich das Gebet leiten zu lassen. Sonst hätte ich es nicht geleitet.“ Ich sagte: „Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, hat mir nicht befohlen, dich aufzufordern, das Gebet zu leiten. Als ich jedoch Abu Bakr (Allah sei mit ihm zufrieden) nicht fand, hielt ich dich unter den anwesenden Muslimen für den geeignetsten, das Gebet zu leiten.“
Ibn Ishaq berichtet: az-Zuhri teilte unter Berufung auf Anas ibn Malik außerdem mit, dass der Tag, an dem Allah den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, für immer zu Sich rief, ein Montag war. Gerade als die Muslime gemeinsam das Morgengebet verrichteten, hob der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, den Vorhang, öffnete die Tür, trat hinaus und stellte sich auf die Türschwelle neben Aischas (Allah sei mit ihr zufrieden) Gemach. Als die Muslime, die das Gebet verrichteten, ihn einen Augenblick sahen, gerieten sie vor Freude außer sich. Vor Freude waren sie damals sogar kurz davor, das Gebet abzubrechen. Als sie den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, ohne jede Hilfe allein stehen sahen, schwanden all ihre Sorgen und Befürchtungen augenblicklich. Er lächelte erfreut, als er ihre Ordnung beim Gebet sah, und deutete ihnen an: „Bricht das Gebet nicht ab, sondern beendet es.“ Nie zuvor hatte ich den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, so anmutig gesehen wie in jenem Augenblick an diesem Tag. Danach ging der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, zurück. Als die Menschen sahen, dass es ihm besser ging, ging jeder seiner Arbeit nach. Auch Abu Bakr (Allah sei mit ihm zufrieden) kehrte zu seiner Familie in der Gegend von Sunah zurück. [98. Dort besaß Abu Bakr (Allah sei mit ihm zufrieden) Land und ein Haus und lebte dort mit seiner Familie.]
Muhammad ibn Ibrahim berichtete mir unter Berufung auf al-Qasim ibn Muhammad, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, als er Umars (Allah sei mit ihm zufrieden) Takbir beim Leiten des Gebets hörte, sagte: „Wo ist Abu Bakr? Bei Allah und den Muslimen ist die Leitung durch keinen anderen als Abu Bakr (Allah sei mit ihm zufrieden) annehmbar.“ Tatsächlich hätten die Muslime zweifellos geglaubt, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, Abu Bakr (Allah sei mit ihm zufrieden) zum Kalifen bestimmt hatte, wenn Umar (Allah sei mit ihm zufrieden) nicht gegen Ende seines Lebens eine Aussage gemacht hätte. Doch Umar beseitigte diesen Gedanken vor seinem Tod. Er sagte: „Wenn ich einen Kalifen bestimme, dann bedenkt, dass auch derjenige, der besser war als ich, diese Angelegenheit ihrem freien Ermessen überlassen hatte.“ Als Umar (Allah sei mit ihm zufrieden) daraufhin starb, ohne einen Kalifen zu bestimmen, erkannten die Muslime, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, Abu Bakr nicht zum Kalifen bestimmt hatte.
Abu Bakr ibn Abdullah sagte zu mir, Ibn Ishaq: Am Montag leitete Abu Bakr (Allah sei mit ihm zufrieden) gerade das Morgengebet, als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, mit einem um den Kopf gebundenen Verband dort eintraf. Die Menschen wichen erfreut aus der Gebetsreihe zurück. Abu Bakr erkannte, dass sie dies dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, zuliebe taten. Deshalb trat er von seinem Platz zurück. Doch der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, legte ihm die Hand auf den Rücken, drängte ihn nach vorn und sagte: „Du sollst das Gebet leiten.“ Dann setzte er sich zu Abu Bakrs (Allah sei mit ihm zufrieden) rechter Seite und betete. Nach dem Gebet wandte er sich den Betenden zu und hielt so laut eine Ansprache, dass man sie sogar außerhalb der Moschee hören konnte. Er sagte: „O ihr Menschen, das Feuer der Hölle ist angeheizt worden, und die Heimsuchungen nähern sich wie dunkle Nächte. Bedenkt: Nichts, was mir persönlich gehört, müsst ihr befolgen. Ich habe nichts, was im Koran steht, verboten.“ Nachdem der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, seine Ansprache beendet hatte, glaubte Abu Bakr (Allah sei mit ihm zufrieden), dass sich der Gesundheitszustand des Gesandten Allahs normalisiert habe. Da dieser Tag der Tag des Aufenthalts bei seiner Frau Chāridscha bint Chāridscha war, bat er um seine Erlaubnis und ging zu seiner Familie nach Sunah. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, betrat sein Gemach.
Abdullah ibn Abbas (Allah sei mit ihm zufrieden) berichtet: Als Ali ibn Abi Talib (Allah sei mit ihm zufrieden) an jenem Tag vom Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, nach draußen kam, fragten ihn die versammelten Muslime: „O Abu l-Hasan, wie geht es dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm?“ Er sagte: „Alhamdulillah. Er ist wieder genesen.“ Da ergriff Abbas (Allah sei mit ihm zufrieden) seine Hand und sagte: „Bei Allah, in wenigen Tagen wirst du die Führung übernehmen müssen. Bei Allah, ich habe die Zeichen des Todes in den Gesichtern der Söhne Abd al-Muttalibs erkannt. Auch im Gesicht des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, habe ich sie gesehen. Komm, lass uns zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, gehen. Wenn nach seinem Tod die Verantwortung für den Islam und die Muslime auf uns übergeht, werden wir dies erfahren. Wenn sie jedoch in die Hände anderer gelangt, werden wir ihn bitten, allen anzuweisen, auf uns Rücksicht zu nehmen.“ Ali (Allah sei mit ihm zufrieden) sagte: „Ich werde nicht gehen. Wenn er sich weigert, uns diese Verantwortung zu übertragen, wird sie uns nach ihm niemand übertragen.“ Noch an jenem Tag, gegen Mittag, verschied der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm.
ʿĀ’ischa (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) berichtet:
An jenem Tag kam der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, direkt aus der Moschee zu mir und legte sich mit dem Kopf auf meinen Schoß. Kurz darauf kam ein Angehöriger der Familie Abū Bakrs (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) mit einem grünen Miswāk zu mir. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, blickte so auf den Miswāk in seiner Hand, dass es schien, als wünsche er ihn. Ich sagte: „O Gesandter Allahs, soll ich dir den Miswāk geben?“ Er sagte: „Ja.“ Daraufhin gab ich ihn ihm. Er benutzte ihn ausgiebig und legte ihn dann beiseite. Danach wurde der Körper des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, auf meinem Schoß immer schwerer. Ich blickte auf sein Gesicht und sah, wie seine Augen hervortraten. Er sagte: „Den erhabenen Gefährten wünsche ich mir?“ Ich sagte: „Dir wurde die Wahl zwischen den Dingen freigestellt, die du dir wünschst, und du hast das Angemessene gewählt.“
Danach tat er seinen letzten Atemzug. Ibn Isḥāq berichtet: ʿĀ’ischa (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) sagte: „Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, verschied während seines Aufenthaltsturnus in meinem Haus mit dem Kopf auf meiner Brust. In dieser Hinsicht habe ich niemandem Unrecht getan. Dass ich ihn beim Eintritt seines Todes in meinen Armen hielt, ihn dann auf ein Kissen legte und gemeinsam mit den anderen Frauen begann, mir ins Gesicht und auf die Brust zu schlagen – all das war nichts anderes als meine Torheit und jugendliche Unbekümmertheit.“
Von Abū Huraira (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) wird überliefert, dass er sagte: Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, verschied, stand ʿUmar ibn al-Chattāb (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) auf und sagte: „Einige Heuchler behaupten, der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sei gestorben. Bei Allah, er ist nicht gestorben. Er ist lediglich, wie Mūsā, Allahs Friede sei auf ihm, nur vorübergehend zu Allah gegangen. Mūsā war für vierzig Tage zu Allah gegangen. Damals wurde verkündet, er sei gestorben, doch danach kehrte er zurück. Bei Allah, der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, wird ebenso wie Mūsā zurückkehren. Nun sollen denen, die behaupten, er sei gestorben, Hände und Füße abgehackt werden.“
Als Abū Bakr (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) die Nachricht vom Versterben des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, erhielt, eilte er herbei. ʿUmar (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) wiederholte unterdessen weiterhin dieselben Worte. Ohne darauf zu achten, begab er sich in das Gemach ʿĀ’ischas (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm. Damals war er in einer Ecke des Zimmers mit einem jemenitischen Tuch bedeckt worden. Abū Bakr trat näher, zog das Tuch vom Gesicht des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, weg und küsste ihn. Dann sagte er: „Mögen mein Vater und meine Mutter für dich geopfert werden! Du hast den Tod gekostet, den Allah für dich bestimmt hatte. Danach wird der Tod nie wieder zu dir kommen.“ Anschließend bedeckte er sein Gesicht wieder. Dann trat er hinaus und sah, dass ʿUmar (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) weiterhin dieselben Worte sprach. Er sagte: „ʿUmar, hör auf! Schweig!“ Doch ʿUmar (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) wollte keineswegs aufhören. Als Abū Bakr (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) diesen Zustand sah, begann er, zu den Menschen zu sprechen. Als die Leute ihn hörten, ließen sie ʿUmar (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) zurück und wandten sich ihm zu. Nachdem er Allah gepriesen hatte, sagte er:
„O ihr Menschen! Wer Muhammad verehrte, soll wissen, dass Muhammad gestorben ist. Wer aber Allah anbetete, soll wissen, dass Allah der ewig Lebendige und Unvergängliche ist.“ Danach rezitierte er diesen Vers:
AArabisch ******]
„Muhammad ist nur der Gesandte Allahs. Vor ihm sind bereits viele Gesandte vergangen. Wenn er stirbt oder getötet wird, werdet ihr euch dann vom Islam abwenden? Wer sich abwendet, kann Allah keinerlei Schaden zufügen. Allah wird den Dankbaren ihren angemessenen Lohn geben.“ (Āl ʿImrān)
Danach vollzog sich unter den Menschen eine solche Veränderung, dass es schien, als hätten sie diesen Vers nie zuvor gehört, bevor sie ihn aus dem Mund Abu Bakrs hörten. Sie prägten sich den Vers von Abu Bakr ein und begannen, ihn unaufhörlich zu rezitieren. Abu Huraira berichtet, dass Umar (r.a.) sagte: „Als ich diesen Vers aus dem Mund Abu Bakrs hörte, war ich völlig bestürzt und verwirrt. Ich konnte nicht auf den Beinen stehen. Da wurde mir augenblicklich bewusst, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, tatsächlich verstorben war.“
Auf dem Versammlungsplatz der Banu Saida
Ibn Ishaq berichtet:
Nach dem Tod des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, versammelte sich eine Gruppe der ansarischen Gefährten auf dem überdachten Versammlungsplatz der Banu Saida und schloss sich unter der Führung von Sa’d ibn Ubada zusammen. Im Haus Fatimas (r.a.) bekundeten Ali (r.a.), Zubair ibn al-Awwam (r.a.) und Talha ibn Ubaidullah (r.a.) ihre Gefolgschaft gegenüber der Führung. Auch der Stamm Banu Abd al-Aschhal folgte ihnen unter der Führung von Usaid ibn Hudair (r.a.). In diesem Augenblick kam ein Mann zu Abu Bakr (r.a.) und Umar (r.a.) und sagte: „Diese Gruppe der Ansar hat sich auf dem Versammlungsplatz der Banu Saida versammelt und sich unter der Führung von Sa’d ibn Ubada gesondert zusammengeschlossen. Wenn ihr unter diesen Umständen die Einheit der Muslime bewahren wollt, dann geht unverzüglich zu ihnen. Andernfalls könnte die Lage ernst werden. Bisher sind nämlich weder die Einhüllung in das Leichentuch noch die Beisetzung des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, abgeschlossen. Seine Angehörigen bewahren ihn noch immer in dem verschlossenen Haus auf.“ Umar (r.a.) sagte zu Abu Bakr (r.a.): „Lasst uns zu diesen ansarischen Brüdern gehen und sehen, worum es bei ihnen geht.“
Der Bericht von Abd Allah ibn Abbas (r.a.) und Umar (r.a.)
Abd Allah ibn Abbas (r.a.) berichtet: Gegen Ende des Kalifats Umars (r.a.) saß ich eines Tages im Haus von Abd ar-Rahman ibn Auf in Mina und wartete auf ihn. Abd ar-Rahman befand sich damals bei Umar (r.a.), der gerade seine letzte Hadsch vollzog. Als Abd ar-Rahman (r.a.) von Umar (r.a.) nach Hause zurückkehrte, sah er mich dort auf ihn warten. Damals lehrte ich ihn den edlen Koran. Abd ar-Rahman ibn Auf (r.a.) sagte zu mir: „Du hättest dich gewundert, wenn du gesehen hättest, wie ein Mann zu Umar (r.a.), dem Fürsten der Gläubigen, kam und sagte: ,O Fürst der Gläubigen, was sagst du über jemanden, der behauptet: Wenn Umar sterben würde, würde ich den und den zum Kalifen wählen? Bei Allah, dass Abu Bakr zum Kalifen gewählt wurde, war lediglich ein völlig zufälliges und unerwartetes Ereignis.‘“ Als Umar (r.a.) dies hörte und darin die Tendenz erkannte, für die Ernennung einer bestimmten Person zum Kalifen zu werben und die Wahl des ersten Kalifen herabzusetzen, wurde er zornig. Er sagte: „So Allah will, werde ich noch heute Nachmittag vor den Menschen eine Ansprache halten und sie vor jenen warnen, die das Erbe und die Tradition der Muslime verfälschen und zugrunde richten wollen.“ Abd ar-Rahman (r.a.) sagte: „O Fürst der Gläubigen, tu das nicht! Denn während der Hadsch versammeln sich auch viele unwissende, unverständige und verantwortungslose Menschen. Und sobald du dich unter die Allgemeinheit stellst, werden Unwissende dich umgeben. Ich fürchte, dass die Unwissenden deine Worte falsch verstehen und sie überall verbreiten werden. Warte daher, bis du nach Medina zurückkehrst. Medina ist schließlich das Zentrum des Gesandten. Dort wirst du Gelegenheit haben, dich mit angesehenen und gelehrten Männern zu beraten. Wenn du dort während deines Aufenthalts sagst, was du sagen wolltest, werden die besonnenen Menschen dort es richtig verstehen. Es wird keinen Raum für eine verdrehte Auslegung oder Missverständnisse geben.“ Umar sagte: „Gut, so soll es sein. Wenn ich nach Medina komme, werde ich dies bei der ersten Gelegenheit sagen.“
Ibn Abbas berichtet: Gegen Ende des Dhul-Hiddscha erreichten wir Medina. In der Nähe der Kanzel fand ich Said ibn Zaid und setzte mich dicht neben ihn. Wenig später sah ich Umar (r.a.) kommen. Da sagte ich zu Said ibn Zaid: „Heute wird er etwas sagen, was er seit seinem Amtsantritt als Kalif noch nie gesagt hat.“ Said zeigte sich darüber verärgert und sagte: „Was könnte er denn sagen, was er noch nie gesagt hat?“ Wie dem auch sei, Umar ging hinauf und setzte sich auf die Kanzel. Sobald der Muezzin seinen Gebetsruf beendet hatte, hielt er, nachdem er Allah gepriesen hatte, die folgende Ansprache:
„Heute werde ich euch etwas sagen, nur weil es mir bestimmt war, es zu sagen. Vielleicht sage ich es auch, weil mein Tod nahe ist. Wer unter euch den wahren Sinn dieser Worte begreift, soll nicht leichtfertig Dinge verbreiten, die ich nicht gesagt habe. Allah verlieh Muhammad, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, das Prophetentum und sandte ihm das Buch herab. Darin war auch die Strafe für Unzucht durch Steinigung bis zum Tod enthalten. Wir haben dies gelesen, gelernt und verstanden. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, hat diese Strafe selbst vollzogen, und nach ihm haben auch wir sie angewandt. Ich fürchte, dass nach langer Zeit eines Tages jemand sagen könnte: ‚Wir finden im Buch Allahs nirgends die Strafe, den Unzüchtigen zu steinigen und zu töten.‘ Auf diese Weise werden die Menschen irregehen, indem sie eine von Allah herabgesandte Pflicht aufgeben. Dabei besteht die Bestimmung der Steinigung im Buch Allahs eindeutig für jeden verheirateten Unzüchtigen und jede verheiratete Unzüchtige. Allerdings muss das Verbrechen durch Zeugen, durch eine Schwangerschaft oder durch ein Geständnis zweifelsfrei erwiesen sein. Wir haben im Buch Allahs auch die Bestimmung gelesen: Verleugnet nicht eure Abstammung von eurem Vater, denn das kommt dem Unglauben gleich. Hütet euch! Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, sagte, dass ihr mich nicht in maßloser Weise loben sollt, wie man bei der Lobpreisung von Jesus, Friede sei mit ihm, übertrieben hat. Bezeichnet mich nur als ‚Diener Allahs und Seinen Gesandten‘. Und nun hört noch etwas. Ich habe gehört, dass dieser oder jener gesagt haben soll: Wenn Umar ibn al-Chattab stirbt, werde ich diesen oder jenen als Kalifen anerkennen. Niemand unter euch soll euch durch diese Aussage irreführen, dass die Erlangung des Kalifats durch Abu Bakr, möge Allah mit ihm zufrieden sein, ein zufälliges und unerwartetes Ereignis gewesen sei. Tatsächlich war es so. Doch Allah, der Erhabene, bewahrte die Muslime vor seinen möglichen schlimmen Folgen. Die Wahrheit ist, dass es unter euch keinen Menschen von höherem Rang und größerem Ansehen als Abu Bakr gibt und gab. Wer daher jemanden zum Kalifen anerkennt und ihm die Baiʿa leistet, ohne die Muslime zu konsultieren, dessen Kalifat ist ungültig, und auch die Baiʿa dessen, der sie leistet, ist nichtig und wird nicht anerkannt. Denn es gibt keine andere Möglichkeit, die beiden Männer vor der Tötung zu bewahren.“ [99. Der Sinn davon ist, dass die Anerkennung jemandes als Kalif, Emir oder Anführer durch die Baiʿa, das heißt durch das Versprechen des Gehorsams, nur durch Beratung und Übereinstimmung rechtmäßig sein kann. Wenn jedoch zwei Personen sich von der gesamten Gemeinschaft absondern und auf eigenmächtige Weise einer dem anderen die Baiʿa leisten, so bedeutet dies, dass sie die Gemeinschaft missachten und spalten. Eine solche Baiʿa wird für keinen der beiden anerkannt. Beide müssen aus der großen Gemeinschaft ausgeschlossen werden, die sich darauf geeinigt hat, aus ihrer Mitte einen Anführer zu wählen. Denn wenn die Gemeinschaft einen dieser beiden eigenmächtigen Männer als Anführer anerkennt und ihm die Baiʿa leistet, kann niemand garantieren, dass er nicht irgendwann von jemandem getötet wird, da sie durch ihre Missachtung und Geringschätzung der Meinung der gesamten Gemeinschaft diese entehrt haben. Niemand kann die Verantwortung für ihre Sicherheit übernehmen. Siehe Lisān al-ʿArab, das Kapitel über die Bedeutung des Grundwortes.][Arabisch ***]siehe das Kapitel über das Grundwort[Arabisch ***]im Hinblick auf dessen Bedeutung.
Umar, möge Allah mit ihm zufrieden sein, berichtet: Nach dem Tod des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, erfuhren wir, dass die Ansar sich uns widersetzten. Sie versammelten sich im Hof des Stammes Banu Saida mit ihren angesehenen Ältesten. Ali ibn Abi Talib, az-Zubair ibn al-Awwam und ihre Gefährten sonderten sich von uns ab, während sich die Muhadschirun bei Abu Bakr versammelten. Ich sagte zu Abu Bakr, möge Allah mit ihm zufrieden sein: „Komm mit uns zu unseren Brüdern von den Ansar.“ Auf dem Weg zu ihnen begegneten wir zwei Verantwortlichen von ihnen. Sie teilten uns die Haltung der Ansar mit und sagten dann: „O Muhadschirun, wohin geht ihr?“ Wir sagten: „Wir gehen zu unseren Brüdern von den Ansar.“ Sie sagten: „Ihr braucht nicht zu ihnen zu gehen. Tut, was ihr zu tun habt.“ Ich sagte: „Wir müssen unbedingt hingehen.“ Daraufhin kamen wir im Hof des Stammes Banu Saida an. Dort sahen wir inmitten der versammelten Ansar einen Mann, der sich in eine Decke gehüllt und sein Gesicht bedeckt hatte. Wir fragten: „Was ist mit ihm geschehen?“ Sie sagten: „Er ist krank.“ Als wir uns dort niedergesetzt hatten, begann einer ihrer Redner eine Ansprache. Er bezeugte die Einheit Allahs und die Gesandtschaft Seines Gesandten und pries Allah in gebührender Weise. Er sagte: „Wir sind Allahs Helfer und die tapferen Kämpfer des Islam. O Muhadschirun, ihr seid ein Teil von uns. Zu uns ist bereits eine Gruppe von euch, den friedfertigen Wüstenbewohnern, gekommen und hat sich uns angeschlossen.“
Umar, möge Allah mit ihm zufrieden sein, berichtet: Wir erkannten, dass sie uns von unseren grundlegenden Prinzipien abbringen und darüber gewaltsam ihre alleinige Herrschaft errichten wollten. Als Antwort darauf bereitete ich eine hervorragende Ansprache vor, die mir selbst äußerst passend erschien. Ich wollte sie Abu Bakr vortragen. Abu Bakr, möge Allah mit ihm zufrieden sein, besaß eine gewisse Entschlossenheit, vor der ich große Ehrfurcht hatte, und ich bemühte mich stets, ihn möglichst nicht zu verärgern. Abu Bakr sagte: „Umar, sag du etwas.“ Ich wollte seinen Zorn nicht noch weiter reizen, indem ich auf meiner Absicht bestand. Abu Bakr, möge Allah mit ihm zufrieden sein, war weitaus angesehener und gelehrter als wir. Er antwortete ihnen so vortrefflich, dass von der Ansprache, über die ich lange nachgedacht und die ich vorbereitet hatte, sodass ich selbst von ihr beeindruckt war, in seiner freien Rede kein einziges Wort fehlte; vielmehr sagte er noch bessere Worte. Er sagte: „Was ihr über eure edlen Charaktereigenschaften und eure Verdienste gesagt habt, ist zutreffend. Ebenso ist es unbestreitbar, dass die Araber ohne die Verdienste dieses Stammes der Quraisch nichts über den Islam erfahren hätten. Sie besitzen unter den Arabern einen mittleren Rang in der Abstammung, und ihr Wohngebiet liegt in der Mitte des gesamten arabischen Landes. Für euch alle ziehe ich einen dieser beiden Männer vor. Vereinigt euch unter der Führung dessen, den ihr unter ihnen auswählt, und leistet ihm die Baiʿa.“ Damit ergriff er die Hand von Abu Ubaida ibn al-Dscharrah. Abgesehen von diesem letzten Satz missfiel mir kein einziges seiner Worte. Bei Allah, mir kam es vor, als wäre es mir – selbst wenn es eine Sünde gewesen wäre, zur Hinrichtungsstätte zu gehen, um enthauptet zu werden – weit lieber gewesen, unter Abu Bakr, möge Allah mit ihm zufrieden sein, Emir der Muslime zu werden.
Umar (Allah habe Wohlgefallen an ihm) berichtet: Nach dieser Ansprache Abu Bakrs (Allah habe Wohlgefallen an ihm) sagte einer der Ansar: „Wir sind unter den Arabern ebenso zuverlässig in unserer Klugheit wie wir ihnen an Rang und Ansehen überlegen sind. Daher soll einer von unserer Seite und einer von eurer Seite (der Quraisch) zum Befehlshaber werden.“ Daraufhin kam es zu heftigen Wortgefechten, und man begann, mit sehr lauten Stimmen zu sprechen. Ich befürchtete, dass es schließlich zu einer Spaltung oder einem Streit zwischen den beiden muslimischen Gruppen, den Muhadschirun und den Ansar, kommen könnte. Daher sagte ich sofort, um all diese Auseinandersetzungen zu beenden: „O Abu Bakr, strecke deine Hand aus.“ Er streckte sie aus, und ich leistete ihm Baiʿa, indem ich seine Hand ergriff. Danach leisteten die Muhadschirun die Baiʿa, und anschließend leisteten auch die Ansar die Baiʿa. Danach begannen wir, Saʿd ibn Ubada zu tadeln. Einer von ihnen sagte daraufhin verärgert: „Ihr habt Saʿd ibn Ubada in die Enge getrieben.“ Ich sagte: „Allah allein hat Saʿd ibn Ubada in die Enge getrieben.“
az-Zuhri sagte: Urwa ibn az-Zubair (Allah habe Wohlgefallen an ihm) teilte mir mit, dass die beiden Ansar, denen Abu Bakr (Allah habe Wohlgefallen an ihm), Umar (Allah habe Wohlgefallen an ihm) und die übrigen Muhadschirun begegneten, als sie zum Hof von Banu Saida gingen, Uwaim ibn Saida und Muʿan ibn Adi von Banu Adschlan waren. Es wird berichtet, dass Uwaim ibn Saida zu jenen glückseligen Gefährten gehörte, zu deren Lob Allah folgenden Vers offenbarte:
[Arabisch *******]
„Dort gibt es Menschen, die es lieben, sich zu reinigen. Und Allah liebt die sich Reinigenden.“ (At-Tauba)
Nachdem dieser Vers offenbart worden war, sagte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm: „Unter dieser Gruppe ist Uwaym ibn Sa’ida ein hervorragender Mann.“
Überliefert wird über Ma’n ibn Adi, Allah sei mit ihm zufrieden, dass die Muslime an dem Tag, an dem der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, verstarb, in großer Zahl weinten und sagten: „Wir hätten vor dem Gesandten Allahs sterben sollen. Nach seinem Tod droht uns eine schwere Prüfung unseres Glaubens.“ Doch nur Ma’n ibn Adi sagte: „Ich ziehe es nicht vor, vor dem Gesandten Allahs zu sterben. Denn so wie ich zu seinen Lebzeiten an ihn geglaubt habe, erhielt ich nach seinem Tod erneut die Gelegenheit, von Neuem an ihn zu glauben.“ Später fiel er während des Kalifats von Abu Bakr, Allah sei mit ihm zufrieden, im Kampf gegen Musailima al-Kadhdhab in der Schlacht von Yamama als Märtyrer.
Az-Zuhri berichtet unter Berufung auf Anas ibn Malik, Allah sei mit ihm zufrieden: Am Tag nach dem ersten Treueid auf das Kalifat im Hof der Banu Saida setzte sich Abu Bakr, Allah sei mit ihm zufrieden, auf die Kanzel der Moschee. Bevor er etwas sagte, pries Umar, Allah sei mit ihm zufrieden, Allah und hielt folgende Ansprache: „O Menschen, was ich euch gestern gesagt hatte [nämlich, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, nicht gestorben, sondern wie Musa, Allahs Friede sei auf ihm, vorübergehend entschwunden sei und so weiter], habe ich nicht aus dem Koran entnommen, und auch der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, hat es mir nicht gesagt. Ich hatte angenommen, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, erst am Ende sterben würde, nachdem er alle Angelegenheiten unseres gemeinschaftlichen Lebens vollständig geordnet hätte. Doch das ist tatsächlich nicht so. Allah hat euch das Buch hinterlassen, durch das Allah Seinen Gesandten, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, zu dem von Ihm bestimmten Ziel geführt hat. Wenn ihr euch an dieses Buch festhaltet, wird Allah euch dorthin führen, wohin Er Seinen Gesandten geführt hat. Heute hat Allah euch eure Führung dem Besten unter euch anvertraut. Er ist einer der Gefährten des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, und sein aufrichtiger Gefährte in der Höhle am Berg Thaur. So leistet ihm den Treueid und nehmt ihn als Kalifen oder Emir an.“ Darauf leisteten die Menschen ihm zum zweiten Mal den Treueid. Dies war der allgemeine Treueid nach dem Treueid im Hof der Banu Saida.
Danach hielt Abu Bakr, Allah sei mit ihm zufrieden, eine Ansprache. Zuerst pries er Allah in gebührender Weise. Dann sagte er: „O ihr Menschen, ich bin zu eurem Verantwortlichen gemacht worden. Tatsächlich bin ich nicht besser als ihr. Wenn ich Gutes tue, dann unterstützt mich; wenn ich Unrecht tue, dann korrigiert mich. Wahrhaftigkeit ist Vertrauenswürdigkeit, und Lüge ist Verrat. Derjenige unter euch, der als schwach gilt, ist in meinen Augen stark, solange ich ihm mit Allahs Willen nicht sein zustehendes Recht verschafft habe. Und derjenige unter euch, der als stark gilt, ist in meinen Augen schwach, solange ich von ihm nicht das Recht eingefordert habe, das mir zusteht. Bedenkt: Wenn ein Volk den Dschihad auf Allahs Weg aufgibt, stürzt Allah es in Erniedrigung, Schmach und Verderben. Und jede Gesellschaft, in der Unzucht, Schamlosigkeit und Schmutz weit um sich greifen, füllt Allah mit Unglück, Heimsuchungen und Katastrophen. Solange ich Allah und Seinem Gesandten gehorche, sollt ihr mir folgen. Wenn ich jedoch Allah und Seinem Gesandten ungehorsam bin, steht mir euer Gehorsam nicht zu. Achtet auf das Gebet. Möge Allah Seine Barmherzigkeit auf euch herabsenden.“
Ibn Abbas, Allah sei mit ihm zufrieden, sagte: Während des Kalifats von Umar, Allah sei mit ihm zufrieden, ging ich einmal mit ihm an einen Ort. Er war mit einem Stock in der Hand unterwegs, um eine eigene Angelegenheit zu erledigen. Außer mir war niemand bei ihm. Er murmelte vor sich hin, als würde er etwas sagen, und schlug dabei mit dem Stock auf seinen Fuß. Plötzlich wandte er sich mir zu und sagte: „O Ibn Abbas, weißt du, warum ich beim Tod des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, jene Worte sagte?“ Ich antwortete: „O Fürst der Gläubigen, das weiß ich nicht. Du weißt es am besten.“ Er sagte: „Ich las einen Vers und dachte, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, unter seiner Gemeinschaft bleiben würde, solange er ihre letzten Taten sehen und darüber Zeugnis ablegen könne. Von dieser Vorstellung geleitet, sagte ich jene Worte. Der Vers lautet:“
[Arabisch *******]
„So haben Wir euch zu einer gemäßigten Gemeinschaft gemacht, damit ihr Zeugen für die Menschheit seid und der Gesandte Zeuge für euch sei.“ (Al-Baqara)
Die Einhüllung und Bestattung des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm
Ibn Ishaq berichtet: Nachdem Abu Bakrs Treueid vollständig geleistet worden war, trafen die Menschen am Dienstag Vorbereitungen für die Bestattung des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm.
Abdullah ibn Abi Bakr, Husain ibn Abdullah und andere berichteten mir, dass Ali ibn Abi Talib, Abbas ibn Abd al-Muttalib, Fadl ibn Abbas, Qutham ibn Abbas, Usama ibn Zaid und Shaqran, der freigelassene Sklave des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, mit dessen ritueller Waschung beauftragt wurden. Aus der Familie Banu Auf des Stammes Banu Chazradsch sagte Aus ibn Chauli zu Ali ibn Abi Talib: „O Ali, ich beschwöre dich bei Allah: Sorge dafür, dass wir an der Einhüllung und Bestattung des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, teilhaben dürfen.“ Aus war ein Gefährte, der an der Schlacht von Badr teilgenommen hatte. Ali sagte: „Komm.“ Daraufhin kam er und beteiligte sich an der rituellen Waschung des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Ali hielt den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, an seine Brust gelehnt. Abbas, Fadl und Qutham drehten ihn nach Bedarf gemeinsam mit Ali. Usama ibn Zaid und Shaqran gossen Wasser über ihn, während Ali ihn an seine Brust gelehnt wusch. Das Gewand des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, war noch an seinem Körper. Ali rieb und wusch ihn sanft über diesem Gewand, ohne seine Haut direkt zu berühren. Während des Waschens sagte Ali: „Mögen meine Eltern für dich geopfert werden! Wie wohlriechend du bist, sowohl im Leben als auch im Tod.“ Während der rituellen Waschung trat aus dem Körper des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nichts von dem aus, was gewöhnlich aus den Körpern anderer Verstorbener austritt.
Von Aischa wird überliefert: Als die rituelle Waschung vorbereitet wurde, gerieten die mit dieser Aufgabe betrauten Personen in einen Meinungsstreit. Die Frage war, ob man dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, wie den anderen Verstorbenen die Kleidung ausziehen und ihn waschen solle oder ob man ihn bekleidet waschen solle. Während dieser Meinungsverschiedenheit ließ Allah sie plötzlich vom Schlaf überwältigen. Aufgrund des Schlafes sanken die Gesichter aller auf die Brust des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. In diesem Zustand sagte ihnen ein unbekannter Mann von einer Seite des Hauses: „Wascht den Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, bekleidet.“ Daraufhin wurde der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, bekleidet gewaschen, und sein Körper wurde über der Kleidung gerieben.
Ibn Ishaq berichtet: Nachdem der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gewaschen worden war, wurde er in drei Tücher gehüllt: zwei Suhari-Tücher und ein jemenitisches Tuch, das mehrfach um ihn gelegt wurde.
Ibn Abbas berichtet: Als mit den Vorbereitungen zum Ausheben des Grabes begonnen wurde, stellte sich heraus, dass Abu Ubaida ibn al-Dscharrah wie die Bewohner von Mekka geschickt darin war, ein „Darih“-Grab auszuheben, während Abu Talha in Medina erfahren im Ausheben eines „Lahd“-Grabes war. Abbas ließ beide rufen. Er sagte: „O Allah, bestimme, was für den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, das Beste ist.“ Schließlich wurde Abu Talha gefunden, und er hob für den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ein Lahd-Grab aus.
Am Dienstag wurde der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, in ein Leichentuch gehüllt und gewaschen, dann in seinem Haus auf seine Liege gelegt. Danach kam es unter den Gefährten erneut zu einer Meinungsverschiedenheit über seine Bestattung. Einige sagten: „Wir werden ihn in der Prophetenmoschee bestatten.“ Andere sagten: „Wir werden ihn neben den Gräbern der anderen Gefährten bestatten.“ Abu Bakr schlichtete den Streit mit den Worten: „Ich hörte den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagen, dass jeder Prophet an dem Ort bestattet wurde, an dem er verstorben ist.“
Dann wurde das Bett, auf dem der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, verstorben war, weggenommen und direkt darunter ein Grab ausgehoben. Die Menschen kamen in Gruppen und verrichteten das Totengebet für den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Nachdem die Männer damit fertig waren, beteten die Frauen. Danach die Kinder. Schließlich wurde der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, um Mitternacht am Mittwoch beigesetzt.
Aischa, möge Allah mit ihr zufrieden sein, sagte: Erst als wir um Mitternacht am Mittwoch das Geräusch der Hacke hörten, wussten wir, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, beigesetzt wurde.
Ibn Ishaq sagte: Ali, Fadl, Qutham und Schaqran, möge Allah mit ihnen zufrieden sein, stiegen in das Grab hinab, um den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, hineinzulegen.
Als Aws ibn Chawli erneut bei Ali, möge Allah mit ihm zufrieden sein, forderte, den Ansar einen Anteil an der Beisetzung des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu gewähren, forderte Ali ihn auf, in das Grab hinabzusteigen. Daraufhin stieg er gemeinsam mit den anderen hinab und nahm an dieser Aufgabe teil.
Schaqran hatte auch die Decke, die der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu benutzen pflegte, bei dessen Hineinlegen ins Grab mit ihm beigesetzt. Dabei sagte er: „Nach dir soll niemand anderem erlaubt werden, diese Decke zu benutzen.“
Mughira ibn Schuʿba, möge Allah mit ihm zufrieden sein, behauptete, er habe den letzten Umgang mit dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gehabt. Denn er ließ seinen Ring absichtlich im Grab zurück und kam wieder herauf. Dann stieg er unter dem Vorwand, der Ring sei hinuntergefallen, als Letzter in das Grab hinab, holte den Ring heraus und berührte den Gesandten Allahs als Letzter. So erhob er Anspruch darauf, den letzten Umgang mit ihm gehabt zu haben.
Mukhassam Abu al-Qasim, der freigelassene Sklave von Abdullah ibn al-Harith, berichtet: Während des Kalifats von Umar oder Uthman, möge Allah mit ihnen zufrieden sein, verrichtete ich gemeinsam mit Ali, möge Allah mit ihm zufrieden sein, die Umra. Er wohnte im Haus seiner Schwester Umm Hani. Nachdem er die Umra beendet und die Ganzkörperwaschung vollzogen hatte, kam eine Gruppe von Muslimen aus dem Irak zu ihm, um ihn zu besuchen. Sie fragten, ob die Behauptung von Mughira ibn Schuʿba wahr sei, dass er den letzten Umgang mit dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, gehabt habe. Ali, möge Allah mit ihm zufrieden sein, sagte: „Den letzten Umgang mit ihm hatte Qutham ibn Abbas, möge Allah mit ihm zufrieden sein.“
Ubaidullah ibn Abdullah ibn Utba berichtet, dass Aischa, möge Allah mit ihr zufrieden sein, zu ihm sagte: Während der Verschlimmerung der Krankheit des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, lag eine viereckige schwarze Decke auf ihm. Mit ihr bedeckte er einmal sein Gesicht und nahm sie dann wieder weg. Dabei sagte er: „Allah verfluche das Volk, das die Gräber der Propheten zu Orten der Niederwerfung macht.“ Mit diesen Worten warnte er seine eigene Umma.
ʿĀʾischa (Allah sei mit ihr zufrieden) berichtet: Das letzte Vermächtnis des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien mit ihm) lautete: „Auf der Arabischen Halbinsel soll es keine andere Religion als den Islam geben.“
Ibn Isḥāq sagt:
Unmittelbar nach dem Tod des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien mit ihm) wurden die Muslime von einem schrecklichen Unheil heimgesucht. ʿĀʾischa (Allah sei mit ihr zufrieden) berichtet, dass die Araber damals begannen, vom Glauben abzufallen, die Juden und Christen sich wieder erhoben und die Heuchelei ein gewaltiges Ausmaß annahm. Wegen des Verlusts des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien mit ihm) glich der Zustand der Muslime einer von Regen durchnässten Wolkenherde in einer Winternacht. Dieser Zustand dauerte an, bis sie sich unter der Führung Abū Bakrs (Allah sei mit ihm zufrieden) zusammenschlossen. Ibn Hišām sagt: Abū ʿUbaida und andere gelehrte Männer berichteten mir, dass unmittelbar nach dem Tod des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien mit ihm) die meisten Bewohner Mekkas die Haltung annahmen, den Islam aufzugeben. Als der damalige Statthalter Mekkas, ʿAttāb ibn Usayd, dies sah, versteckte er sich aus Furcht. Daraufhin versammelte Suhayl ibn ʿAmr die Bewohner Mekkas und hielt eine Ansprache. Nachdem er Allah gepriesen hatte, verkündete er den Tod des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien mit ihm) und sagte: „Durch seinen Tod ist der Islam noch stärker geworden. Jeden, der Zweifel und Verwirrung verbreitet, werden wir enthaupten.“
Danach änderten die Menschen ihre Haltung, und ʿAttāb ibn Usayd trat wieder öffentlich hervor.
Auf diesen Zustand bezog sich auch, was der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien mit ihm) zu ʿUmar ibn al-Chattāb (Allah sei mit ihm zufrieden) gesagt hatte: „Er wird in eine solche Lage geraten, dass du ihn nicht tadeln kannst.“
Ḥassān ibn Thābit (Allah sei mit ihm zufrieden) verfasste und rezitierte beim Tod des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien mit ihm) folgendes Klagelied:
„In Medina gibt es leuchtende Zeichen und Erinnerungen an den Gesandten.
Die gewöhnlichen Zeichen und Erinnerungen jedoch verschwinden und werden ausgelöscht.“
Doch die Zeichen jener heiligen Stätte sind unvergänglich und unsterblich,
an der sich die Minbar befindet, erfüllt von der Erinnerung an den Aufstieg des großen Wegweisers.
Dort befinden sich jene Häuser, in denen von Allah her
ein strahlendes Licht herabkam
Dort sind zeitlose Zeugnisse tiefgründiger Erkenntnis vorhanden,
die auch im Laufe vieler Zeitalter nicht entstellt werden.
Je älter sie wird, desto neue Erkenntnisse gehen aus ihr hervor.
Dort konnte ich erkennen
die Zeichen und das Vorbild des Gesandten (s.a.) noch besser kennengelernt
sein Grab, in dem er bestattet wurde.
Dort sitze ich und weine um den Gesandten, weshalb
viele Augen durch das Vergießen von Tränen selig werden.
Die Augen vergießen Tränen und gedenken in Wahrheit des Gesandten (s.a.),
indem sie seine Verdienste in Erinnerung rufen –
deren Zahl zu bestimmen mir unmöglich ist.
Mein Herz, durch den Schmerz über den Verlust Ahmads (s.a.) leer und bedrückt, seine Verdienste
mit dem Gedenken beauftragt wurde.
Doch ich vermochte mich nicht einmal an ein Zehntel irgendeines seiner Verdienste zu erinnern.
Nur mit schwerem Herzen neben dem Grab, in dem Muhammad (s.a.w.) liegt,
habe ich nichts anderes zu tun, als lange dort zu verweilen und Tränen zu vergießen.
O Grab des Gesandten, du bist zu einer Quelle unendlichen Segens und Wohls geworden.
So wie diese ganze Gegend von den Füßen des Wegweisers zum geraden Weg berührt worden ist.
O Grab, dein Inneres ist von Segen erfüllt, da du ein heilig-reines Wesen
und meinen innigst Geliebten in dir birgst.
breit und schichtweise wohlgeordnet angelegt worden.
Auf dieses Grab haben viele, viele Makati gelegt, und der immergrüne
„Sud“-Baum wurde darin eingepflanzt.
Nachts haben die Menschen (durch die Bestattung des Gesandten Allahs (s.a.w.
Wissen, Barmherzigkeit und Nachsicht
begraben und Erde über ihn geschüttet, obwohl
er niemand ist, den man in die Erde legen könnte.
Nach der Bestattung kehrten sie, vom Verlust des Propheten (s.a.w.) betrübt, zurück
Und ihr Rücken und ihre Hände sind schwach geworden.
ist vor Kummer über diesen großen Mann weinend dahingegangen – um dessen Tod an jenem Tag
auch der Himmel und die Erde geweint haben
Deshalb trauern die Menschen um ihn noch viel stärker. Hat jemals
die Trauer um einen Verstorbenen der Trauer um den Tod Muhammads geglichen?
Durch diesen Tod verloren die Menschen am Ort, an dem die Offenbarung herabgesandt wurde,
denjenigen, der am Ort der Herabsendung der Offenbarung vom Licht Allahs erleuchtet war
und dieses Licht bis in den Jemen und nach Nadschd verbreitete.
Er wies denen, die ihm folgten, den Weg des barmherzigen Allah,
bewahrte sie vor Erniedrigung und Schmähung und wies ihnen den Weg der Gerechtigkeit.
Er war ein solcher Anführer für sie, der sie zur Wahrheit führte
und sich dafür mit großer Anstrengung einsetzte.
Er war ein Lehrer und Wegweiser der Wahrheit
durch dessen Befolgung man Läuterung erlangen konnte.
Er sah die Fehler der Gläubigen nachsichtig
und nahm ihre Entschuldigungen an.
Wenn sie gute und tadellose Werke verrichteten, so war Allah selbst zu ihrem Wohl freigebig
gewesen.
Und wenn ihnen die Verantwortung für eine Aufgabe übertragen wurde –
die für sie zu schwierig war,
so machte allein Er sie ihnen leicht.
Solange die Anhänger Muhammads (s.a.w.) in Allahs Gnaden bleiben, wird Er
für sie ein Beweis sein, durch den
sie in allen Angelegenheiten die richtige Vorgehensweise bestimmen können.
Es ist für Ihn unerträglich, dass die Menschen irregehen, und sein innigster Wunsch ist, dass sie Rechtleitung erlangen
und auf ihr beharren.
—— Ende ——-