Hazrat Muhammad (s.) ist einerseits der letzte Prophet, zugleich aber auch der Prophet der gesamten Menschheit in der ganzen Welt. Wir Muslime, die wir alle beanspruchen, zur Umma des Propheten (s.) zu gehören, haben die Pflicht, über sämtliche Gebote und Anweisungen des Gesandten Bescheid zu wissen. Das gesamte Tun und Handeln des ehrwürdigen Propheten während seines Lebens ist seine Sunna. Und durch die Hadithe können wir Wissen über die Sunna erlangen. Daher ist es für uns ebenso unerlässlich und dringend notwendig, neben dem Wissen über den Heiligen Koran auch Wissen über die Hadithe zu erwerben.
Das Bewusstsein für diese Notwendigkeit hat mich dazu angeregt, dieses Buch zusammenzustellen. In diesem einen Werk habe ich versucht, die Anweisungen des Gesandten (s.) zu den notwendigen Themen an einer Stelle zusammenzutragen. In diesem ersten Band des Buches habe ich die Bedeutung und die Vorzüge jedes Themas erörtert. Im zweiten Band habe ich die religiösen Rechtsfragen behandelt. Im dritten Band habe ich die Hadithe zu ethischen Themen beleuchtet. Im vierten Band habe ich die Hadithe über die Vermächtnisse und Anweisungen des Gesandten beleuchtet.
Wenn dieses Buch denjenigen, die Wissen über die Anweisungen des edlen Propheten erlangen möchten, auch nur ein wenig hilft, werde ich meine Arbeit als erfolgreich betrachten. Möge der erhabene Allah diese bescheidene Bemühung von mir annehmen. Amin!

Abul Kalam Muhammad Yusuf
Dhanmondi, Dhaka.

Kapitel 1: Hadith

Definition und Wesen des Hadith

Die Worte, Taten und Billigungen des Gesandten werden Hadith genannt; das heißt: Was der ehrwürdige Prophet in seiner Eigenschaft als Gesandter gesagt hat, welche Taten er vollbracht hat und welche Handlungen der Gefährten er gesehen und gebilligt hat – all dies wird Hadith genannt.

In der Einleitung zu Sahih al-Bukhari heißt es zur Erläuterung des Hadith:

وَهُوَ عِلْمٌ يُعْرَفُ بِهِ أَقْوَالُ النَّبِيِّ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ وَأَفْعَالُهُ وَأَحْوَالُهُ

„Hadith nennt man jenes Wissen, durch das man die Worte, Taten und den Zustand des edlen Propheten (s.) kennenlernt.“

In der Einleitung zu Mischkāt Scharīf gab der Hadith-Gelehrte Scheich ʿAbd al-Haqq Dehlawī folgende Definition des Hadith:

عِلْمُ الْحَدِيْثِ فِي اصْطِلاحِ جَمْهُورِ الْمُحَدِّثِيْنَ يُطْلَقُ عَلَى قَوْلِ النَّبِيِّ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ وَفِعْلِهِ وَتَقْرِيْرِهِ

„Nach der Terminologie der Hadith-Gelehrten bezeichnet ʿilm al-hadīth ein Wissen, durch das man die Worte und Billigungen des edlen Propheten (s.) erkennen kann.“

Als Billigung bezeichnet man Worte oder Handlungen, die von einem Gefährten in Gegenwart des edlen Propheten (s.) ausgesprochen oder vollzogen wurden, ohne dass der Prophet (s.) sie missbilligte. Denn wenn die erwähnten Worte oder Handlungen nach den Maßstäben der Scharia verwerflich gewesen wären, hätte der Hochgeehrte sie missbilligt. Daher ist auch eine solche Billigung des Hochgeehrten eine der maßgeblichen Quellen zur Kenntnis der Vorschriften der Scharia.

Im Zusammenhang mit der Definition des Hadith sagte Imam Sakhāwī:

الْحَدِيثُ فِي اللُّغَةِ ضِدُّ الْقَدِيمِ وَفِي اصْطِلاحِهِمْ قَوْلُ رَسُولِ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ وَفِعْلُهُ وَتَقْرِيْرُهُ وَصِفَتُهُ حَتَّى فِي الْحَرَكَاتِ وَالسَّكَنَاتِ فِي الْيَقْظَةِ وَالنَّوْمِ

Im Wörterbuch ist das Wort „Hadith“ (neu) dem Wort „Qadīm“ (alt) in seiner Bedeutung entgegengesetzt. In der Terminologie der Hadith-Gelehrten bezeichnet Hadith die Worte, Handlungen, Billigungen sowie die Eigenschaften und Wesensmerkmale des edlen Propheten (s.). Sogar die Bewegungen des Hochgeehrten im Wach- und Schlafzustand gehören zum Hadith.

Die Einteilung der Hadithe nach ihrem Inhalt

Schah Walīullāh Dehlawī sagte im Zusammenhang mit der Behandlung der Hadithe in seinem berühmten Werk Hujjatullāh al-Bāligha: „Die vom ehrwürdigen Propheten (s.) überlieferten Hadithe sind im Allgemeinen von zweierlei Art.

1) In ihnen werden Angelegenheiten im Zusammenhang mit seinem Prophetentum und seiner Sendungsaufgabe dargelegt. Dazu gehören beispielsweise Hadithe, in denen verschiedene Aspekte und Zustände des jenseitigen Lebens sowie die außergewöhnlichen Gegebenheiten der überirdischen Welt beschrieben werden. Die Quelle solcher Hadithe ist ausschließlich die Offenbarung. Hinsichtlich dieser Art von Hadithen hat Allah folgende Anweisung gegeben:

مَا آتَاكُمُ الرَّسُولُ فَخُذُوهُ وَمَا نَهَاكُمْ عَنْهُ فَانْتَهُوا

„Nehmt an, was der Gesandte euch anordnet, und haltet euch von dem fern, was er euch verbietet.“

Auch Hadithe über die Vorschriften der Scharia, die Regeln und Verfahrensweisen der gottesdienstlichen Handlungen sowie über solche weitreichenden Bestimmungen zum allgemeinen Wohl, für die keine zeitliche Begrenzung festgelegt wurde, gehören zur ersten Kategorie. Ein Teil davon stammt aus der Offenbarung, ein anderer Teil aus dem eigenen Idschtihad des Gesandten. Der Idschtihad des edlen Propheten besitzt jedoch denselben Rang wie die Offenbarung, denn der Idschtihad des Propheten kann niemals nach einem Irrtum bestehen bleiben. Auch Hadithe über die Vorzüge der Taten sowie über die Eigenschaften und den Rang derjenigen, die diese Taten verrichten, gehören zur ersten Kategorie. Meiner Ansicht nach stammt der größte Teil davon aus der Offenbarung; einige Teile sind jedoch das Ergebnis des Idschtihads des ehrwürdigen Propheten.

2) In ihnen werden nicht die Angelegenheiten im Zusammenhang mit dem Prophetentum und der Sendungsaufgabe des ehrwürdigen Propheten dargelegt, sondern andere Themen. Dazu gehören beispielsweise Aussagen über den Ackerbau und die Eigenschaften von Tieren. So sagte der ehrwürdige Prophet (s.): „Haltet Pferde von tiefschwarzer Farbe mit weißen Backen.“ Ebenso gehören Hadithe, in denen Handlungen beschrieben werden, die der ehrwürdige Prophet aus Gewohnheit und nicht als Gottesdienst verrichtete, zur zweiten Kategorie. Auch die Gespräche des ehrwürdigen Propheten über weltliche und technische Angelegenheiten fallen in diese Kategorie. Bei manchen liegt die Quelle in der Erfahrung, bei anderen in den Bräuchen und Gewohnheiten des jeweiligen Landes und bei wieder anderen in Zeugenaussagen und Beweisen. Nicht all dies ist für uns verpflichtend, doch es ist nachahmenswert.“

Die Ansicht der Hadith-Gelehrten zum Gegenstand der Hadithwissenschaft lautet wie folgt:

مَوْضُوعُ عِلْمِ الْحَدِيْثِ هُوَ ذَاتُ رَسُولِ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ مِنْ حَيْثُ هُوَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ

„Die erhabene Persönlichkeit des edlen Gesandten ist der Gegenstand der Hadith-Wissenschaft. Das heißt: Gegenstand der Hadith-Wissenschaft ist alles, was der ehrwürdige Prophet in seiner Eigenschaft als Prophet getan, gesagt und zu tun erlaubt hat, sowie all jene erhabenen Eigenschaften des ehrwürdigen Gesandten, die sich dadurch in ihm als Gesandtem entfaltet haben.“

Das Ziel des Hadith-Studiums besteht darin, durch die Gebote und täglichen Handlungen des Gesandten die Bedeutung der Religion Allahs zu erfassen und das Wohl beider Welten zu erlangen. In dem Werk „Umdat al-Qari“ schrieb der Gelehrte Badr ad-Din al-Aini:

وَأَمَّا فَائِدَتُهُ فَهِيَ الْفَوْزُ بِسَعَادَةِ الدَّارَيْنِ

„Die Erlangung des höchsten Wohls beider Welten ist der eigentliche Zweck des Hadith-Studiums.“

Sunna

Die lexikalische Bedeutung des Wortes Sunna ist der Weg des Gehens sowie die Grundsätze und Methoden des Handelns. In der Terminologie des Hadith bezeichnet Sunna den Weg und die Lebensweise, nach denen der ehrwürdige Prophet (s.) zu leben pflegte. Dies ist nicht die im Fiqh gebräuchliche Bedeutung von Sunna. Imam Raghib schrieb in seinem Werk „Mufradat“

in dem genannten Werk:سُنَّةُ النَّبِيِّ طَرِيقَتُهُ الَّتِي يَتَحَرَّهَا

„Der Weg sowie die Ordnung und Methode, die der edle Prophet (s.) auswählte, wird Sunna genannt.“ Der Gelehrte Ibrahim ibn Musa asch-Schاطibi schrieb in seinem berühmten Werk „al-Muwafaqat“: „Als Sunna werden die von dem edlen Propheten (s.) überlieferten und von ihm bestätigten Angelegenheiten bezeichnet, insbesondere solche, zu denen der Koran keine eindeutige Weisung enthält. Vielmehr hat allein der edle Prophet in diesen Angelegenheiten seine eigene Meinung, Anweisungen und dergleichen geäußert.“

Manchmal wird Sunnah im Gegensatz zu Bidʿa verwendet. So sagt man, jemand stehe auf der Sunnah, wenn sein Handeln dem Handeln des Gesandten entspricht. (Dabei spielt es keine Rolle, ob dieses Handeln im Qurʾān eindeutig beschrieben ist oder nicht.) Ebenso sagt man, jemand stehe auf der Bidʿa, wenn sein Handeln der Sunnah widerspricht. Hier werden die Handlungen des ehrwürdigen Propheten als Sunnah bezeichnet.

Das Wort Sunnah wird auch für die Handlungen der Gefährten verwendet, denn es besteht Einigkeit darüber, dass die ehrenwerten Gefährten der maßgeblichen Sunnah gefolgt sind.

Allāma ʿAbdul ʿAzīz hat in seinem Buch „Tauḍīḥ an-Naẓar“ die Sunnah folgendermaßen definiert:

وَلَفْظُ السُّنَّةِ شَامِلٌ لِقَوْلِ الرَّسُوْلِ وَفِعْلِهِ عَلَيْهِ السَّلَامُ وَتُطْلَقُ عَلَى طَرِيقَةِ الرَّسُوْلِ وَالصَّحَابَةِ

„Das Wort Sunnah wird sowohl für die Worte und Taten des Gesandten als auch für die von ihm und den Gefährten befolgten Grundsätze und Handlungsweisen verwendet.“

Manchmal wird Sunnah auch ausschließlich im Sinne von Hadith verwendet.

Die Quelle des Hadith

Die Quelle des Hadith ist entweder die Offenbarung oder der Ijtihād des ehrwürdigen Propheten. Die Offenbarung, die auf den ehrwürdigen Propheten herabgesandt wurde, war von zweierlei Art.

1) Die Offenbarung, die dem Huzur vorgetragen wurde und deren Wortlaut und Formulierungen er genau bewahren sollte, wird „Offenbarung Matlu“ genannt. Im Gebet wird ausschließlich diese Art der Offenbarung rezitiert. Und genau das ist der Qur’an.

2) Der Huzur war nicht dazu verpflichtet, den Wortlaut und die Formulierungen der zweiten Art der Offenbarung genau zu bewahren. Vielmehr gab der Huzur sie in seinen eigenen Worten wieder und erläuterte sie. Diese Art der Offenbarung wird „Offenbarung Ghair Matlu“ genannt. Und genau das ist der „Hadith“.

So wurden dem Huzur in der Nacht der Miʿrāǧ die Angelegenheiten der Welt des Malakut gezeigt, und der Huzur schilderte sie in seinen eigenen Worten. Bisweilen erschien Dschibril (a.s.) beim Huzur und teilte ihm Allahs Willen und Wunsch in Angelegenheiten der Religion und der Scharia mit. Der Huzur erklärte dies dann den Sahaba in seinen eigenen Worten. Auch die vom Huzur gegebenen Erläuterungen und Darlegungen zu den Qur’anversen und den gottesdienstlichen Handlungen – etwa zur Anzahl der Rakʿat im Gebet und zur Höhe der Zakat, die im Qur’an nicht erwähnt wurden – gehören zum Hadith. Die Quelle all dessen ist die Offenbarung.

Denn neben dem Qur’an wurde dem Huzur auch eine andere Art der Offenbarung herabgesandt. So sagte der Huzur (s.a.w.):

إِنِّي أُوتِيْتُ الْقُرْآنَ وَمِثْلَهُ مَعَهُ

„So wie mir der Qur’an gegeben wurde, wurde mir ebenso noch etwas gegeben, das dem Qur’an gleichkommt.

Auch der Idschtihad des Huzur gehört zum Hadith und ist ebenfalls eine Quelle der islamischen Scharia. Denn wenn der Idschtihad des Huzur nicht Allahs Willen entsprochen hätte, hätte Allah ihn durch eine Offenbarung korrigiert.

Kapitel 2: Iman

Die Lauterkeit der Absicht

وَمَا أُمِرُوا إِلَّا لِيَعْبُدُوا اللَّهَ مُخْلِصِينَ لَهُ الدِّينَ

(سورة البينة :٥)

„Und ihnen war nur befohlen worden, Allah in aufrichtiger Hingabe zu dienen. (Al-Bayyina: 5)

(۱)
وَعَنْ عُمَرَ بْنِ الْخَطَّابِ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: إِنَّمَا الْأَعْمَالُ بِالنِّيَّاتِ، وَإِنَّمَا لِامْرِئٍ مَا نَوَى، فَمَنْ كَانَتْ هِجْرَتُهُ إِلَى اللَّهِ وَإِلَى رَسُولِهِ فَهِجْرَتُهُ إِلَى اللَّهِ وَإِلَى رَسُولِهِ، وَمَنْ كَانَتْ هِجْرَتُهُ لِدُنْيَا يُصِيبُهَا أَوِ امْرَأَةٍ يَتَزَوَّجُهَا فَهِجْرَتُهُ إِلَى مَا هَاجَرَ إِلَيْهِ (بخاري – مسلم)

1) Überliefert von Umar ibn al-Khattab (möge Allah mit ihm zufrieden sein). Er sagte, dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) verkündet habe: Der Lohn aller Taten hängt von den Absichten ab. Jeder Mensch wird im Jenseits das erhalten, was er beabsichtigt hat. Wer also um Allahs und Seines Gesandten willen auswandert, dessen Auswanderung gilt Allah und Seinem Gesandten; wer jedoch wegen eines weltlichen Verlangens oder mit dem Ziel, eine Frau zu erlangen, auswandert, dessen Auswanderung gilt eben diesem Zweck. (Buchari, Muslim)

Erläuterung: Dieser Hadith des ehrwürdigen Propheten behandelt die Grundlage, nach der Allah, der Erhabene, später die Taten vergüten wird, die der Mensch in dieser Welt vollbringt. Der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagt: Allah, der Erhabene, wird dem Menschen den Lohn seiner Taten nach seiner Absicht geben, nicht nach der Tat selbst. Das heißt, die Vergeltung für seine Tat wird ihm entsprechend dem Entschluss oder der inneren Haltung zuteil, die ihn dazu bewegt hat, diese Tat zu vollbringen. Wer also mit dem festen Entschluss auswandert, Allahs Wohlgefallen zu erlangen und Seine Gebote zu befolgen, wird im Jenseits den vollständigen Lohn für diese Auswanderung erhalten. Wenn dagegen jemand aus Verlangen nach einem weltlichen Vorteil – etwa um eine schöne Frau zu heiraten oder Vermögen zu erlangen – auswandert, wird er nur diesen weltlichen Vorteil erhalten. Im Jenseits wird er bei Allah keinen Anspruch auf irgendeine Belohnung haben.

Nehmen wir an, ein Mann bricht mit dem festen Entschluss von zu Hause auf, die Hadsch zu vollziehen, um Allahs, des Erhabenen, Wohlgefallen zu erlangen. Doch unterwegs kommt er bei einem Unfall ums Leben. Obwohl er die Hadsch unter diesen Umständen nicht vollenden konnte, wird er aufgrund seiner aufrichtigen und reinen Absicht den Lohn der Hadsch erhalten. Dagegen wird ein anderer, der die Hadsch mit der Absicht vollzieht, das Land zu bereisen, des Lohns beraubt werden.

(۲)
وَعَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهِ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: إِنَّ اللَّهَ لَا يَنْظُرُ إِلَى صُوَرِكُمْ وَأَمْوَالِكُمْ وَلَكِنْ يَنْظُرُ إِلَى قُلُوْبِكُمْ وَأَعْمَالِكُمْ (مسلم)

(2) „Von Abu Huraira (r.a.) wird überliefert, dass er sagte: Der Gesandte Allahs (s.a.w.s.) sagte: Allah schaut nicht auf eure Schönheit und euren Besitz, sondern auf eure Herzen und eure Taten.“ (Muslim)

Erläuterung: Der Kern der oben genannten Hadithe ist, dass die körperliche Schönheit, der Reichtum und dergleichen des Menschen bei Allah keine besondere Bedeutung haben. Bei Allah zählen vielmehr das Herz und die Taten des Menschen. Das heißt: Die Tat, die ein Mensch mit einer guten Absicht im Herzen verrichtet, ist bei Allah von besonderer Bedeutung.

Damit die Anbetung angenommen wird, müssen zwei Bedingungen erfüllt sein. Die eine ist der Glaube, die zweite eine aufrichtige Absicht. So wie Allah weder die Anbetung noch die guten Taten eines Ungläubigen annimmt, nimmt Er ebenso wenig die Anbetung dessen an, der eine fehlerhafte Absicht hat.

Islam und Iman

مَنْ آمَنَ بِاللَّهِ وَالْيَوْمِ الْآخِرِ وَعَمِلَ صَالِحًا فَلَهُمْ أَجْرُهُمْ عِنْدَ رَبِّهِمْ وَلَا خَوْفٌ عَلَيْهِمْ وَلَا هُمْ يَحْزَنُوْنَ

(سورة البقرة :٦٢)

„Diejenigen, die an Allah und das Jenseits glauben und gute Taten verrichten – ihr Lohn ist bei Allah bewahrt. Sie brauchen weder Angst zu haben noch traurig zu sein.“ (Sure al-Baqara – 62)

(۳)
وَعَنْ عُمَرَ بْنِ الْخَطَّابِ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ بَيْنَمَا نَحْنُ عِنْدَ رَسُولِ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ ذَاتَ يَوْمٍ إِذْ طَلَعَ عَلَيْنَا رَجُلٌ شَدِيدُ بَيَاضِ الثَّيَابِ شَدِيدُ سَوَادِ الشَّعَرِ لَا يُرَى عَلَيْهِ أَثَرُ السَّفَرِ وَلَا يَعْرِفُهُ مِنَّا أَحَدٌ حَتَّى جَلَسَ إِلَى النَّبِيِّ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ فَأَسْنَدَ رُكْبَتَيْهِ إِلَى رُكْبَتَيْهِ وَوَضَعَ كَفِّيْهِ عَلَى فَخِذَيْهِ، وَقَالَ: يَا مُحَمَّدًا أَخْبِرْنِي عَنْ الإِسْلَامِ، فَقَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: الإِسْلَامُ أَنْ تَشْهَدَ أَنْ لَا إِلَهَ إِلَّا اللَّهُ وَأَنَّ مُحَمَّدًا رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ، وَتُقِيمَ الصَّلاةَ، وَتُؤْتِي الزَّكَاةَ، وَتَصُومَ رَمَضَانَ، وَتَحُجَّ الْبَيْتَ إِنْ اسْتَطَعْتَ إِلَيْهِ سَبِيلاً، قَالَ: صَدَقْتَ، قَالَ: فَعَجِبْنَا لَهُ يَسْأَلُهُ وَيُصَدِّقُهُ، قَالَ: فَأَخْبِرْنِي عَنْ الإِيمَانِ، قَالَ: أَنْ تُؤْمِنَ بِاللَّهِ وَمَلَائِكَتِهِ وَكُتُبِهِ وَرُسُلِهِ وَالْيَوْمِ الْآخِرِ وَتُؤْمِنَ بِالْقَدَرِ خَيْرِهِ وَشَرِّهِ، قَالَ:

صَدَقْتَ، قَالَ: فَأَخْبِرْنِي عَنْ الْإِحْسَانِ، قَالَ: أَنْ تَعْبُدَ اللَّهَ كَأَنَّكَ تَرَاهُ فَإِنْ لَمْ تَكُنْ تَرَاهُ فَإِنَّهُ يَرَاكَ، قَالَ: فَأَخْبِرْنِي عَنْ السَّاعَةِ، قَالَ: مَا الْمَسْئُولُ عَنْهَا بِأَعْلَمَ منْ السَّائِلِ، قَالَ: فَأَخْبِرْنِي عَنْ أَمَارَتِهَا ، قَالَ: أَنْ تَلِدَ الأَمَةُ رَبَّتَهَا وَأَنْ تَرَى الْحُفَاةَ الْعُرَاةَ الْعَالَةَ رِعَاءَ الشَّاءِ يَتَطَاوَلُوْنَ فِي الْبُنْيَانِ، قَالَ: ثُمَّ انْطَلَقَ فَلَبِثْتُ مَلِيًّا ، ثُمَّ قَالَ لِي: يَا عُمَرُ أَتَدْرِي مَنْ السَّائِلُ؟ قُلْتُ: اللَّهُ وَرَسُولُهُ أَعْلَمُ، قَالَ: فَإِنَّهُ جِبْرِيلُ أَتَاكُمْ يُعَلِّمُكُمْ دِينَكُمْ.
(مسلم)

(3) Überliefert von Hazrat Umar ibn al-Khattab (möge Allah mit ihm zufrieden sein), der sagte: Eines Tages befanden wir uns beim ehrwürdigen Propheten. Plötzlich erschien bei uns ein Mann, dessen Kleidung strahlend weiß und dessen Haare tiefschwarz waren. An seinem Körper war keinerlei Zeichen einer Reise zu erkennen, und dennoch konnte niemand von uns ihn erkennen.

[Anmerkung 1: Hazrat Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: Keiner von uns Bewohnern Medinas konnte den Fremden erkennen. Daher war es naheliegend, dass er aus einem anderen Land stammte. Doch an der Kleidung und dem Gesicht eines ausländischen Reisenden hätten die Zeichen einer Reise sichtbar sein müssen; auch davon war am Körper des Fremden nichts zu erkennen. Deshalb erschien uns der Mann als eine außergewöhnliche Gestalt.]

Dann kam er zum ehrwürdigen Propheten und setzte sich so vor ihn, dass seine Knie den Knien des ehrwürdigen Propheten zugewandt waren und er seine Hände auf seine Oberschenkel legte.

[Anmerkung 2: So wie ein Betender beim Taschahhud des Gebets mit den Händen auf den Oberschenkeln in ehrerbietiger Haltung sitzt, setzte sich der Fremde in gleicher Weise ehrerbietig vor den ehrwürdigen Propheten.]

Dann sagte er: „O Muhammad (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), unterweise mich über den Islam.“ Der ehrwürdige Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Der Islam besteht darin, dass du bezeugst, dass es keinen Gott außer Allah gibt und dass Muhammad (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) Sein Gesandter ist; dass du das Gebet verrichtest, die Zakat entrichtest, im Monat Ramadan fastest und, sofern du dazu in der Lage bist, die Hadsch zum Haus Allahs vollziehst.“ Der Mann sagte: „Du hast die Wahrheit gesprochen.“ Wir waren über diese Art von Fragen und Antworten erstaunt.

[Anmerkung 3: Der Grund für unser Erstaunen war, dass die Fragen des Mannes denen eines Unwissenden glichen, während seine Bestätigung der eines Gelehrten glich. Während des Fragens schien es beispielsweise, als würde ein Schüler seinen Lehrer befragen. Bei der Bestätigung hingegen schien es, als würde ein Lehrer die Antwort eines Schülers als richtig bestätigen.]

Er fragte erneut: „Berichte mir über den Īmān.“ Der Hochgeehrte (s:) antwortete: „Īmān bedeutet, dass du fest an Allah, Seine Engel, Seine Bücher, Seine Propheten und das Jenseits glaubst und auch an das Gute und Schlechte der Vorherbestimmung glaubst.“ Der Mann sagte: „Ja, du hast recht.“ Danach sagte er: „Berichte mir auch über den Ihsān.“ Der Hochgeehrte (s:) sagte: „Ihsān bedeutet, dass du Allah so dienst, als würdest du Ihn sehen. Und wenn du Ihn nicht sehen kannst, dann denke daran, dass Er dich sieht.“ Der Besucher sagte: „Dann berichte mir nun über die Qiyāma.“

Der Hochgeehrte antwortete: „Derjenige, der nach der (Zeit und dem Datum der) Qiyāma gefragt wird, weiß darüber nicht mehr als der Fragende.“ Der Mann sagte: „Dann berichte mir über ihre Zeichen.“ Der Hochgeehrte (s:) sagte: „Die Sklavinnen werden ihre Herren gebären, und du wirst sehen, wie die einst barfüßigen, unbekleideten und hochhalsigen Hirten sich stolz im Inneren von Bauwerken niederlassen.“ Hadhrat Umar (r:) sagte: Danach ging der Mann fort. Nachdem ich eine Weile gewartet hatte, fragte mich der Hochgeehrte (s:) : „Umar, hast du den Fragenden erkannt?“ Ich sagte: „Allah und Sein Gesandter wissen es am besten. (Ich weiß es nicht.)“ Der Hochgeehrte sagte: „Das ist Hadhrat Jibrīl (a:). Er war zu euch gekommen, um euch durch Fragen und Antworten die Religion zu lehren.“ (Muslim)

(Imam Muslim hat diesen Hadith überliefert. Außerdem hat auch Imam al-Bukhārī diesen Hadith mit geringfügigen Abweichungen in seinem berühmten Werk niedergeschrieben.)

Erläuterung: Da der Fragende Hadhrat Jibrīl (a:) war, wird dieser Hadith „Hadith von Jibrīl“ genannt. In diesem Hadith werden drei grundlegende Angelegenheiten der Religion – Islam, Īmān und Ihsān – erläutert.

Die wörtliche Bedeutung des Wortes Islam ist: sich zu ergeben, Gehorsam zu leisten und sich selbst hinzugeben. Im terminologischen Verständnis der Scharia bedeutet Islam, Allah und Seinem Gesandten zu gehorchen und sich der Religion Allahs vollständig hinzugeben.

Die fünf Dinge, die der Hochgeehrte (s:) im Zusammenhang mit der Erläuterung des Islam erwähnt hat, sind die fünf grundlegenden Säulen beziehungsweise Grundlagen des Islam.

Folglich wird die muslimische Gesellschaft und der muslimische Staat jeden, in dem sich neben dem Bekenntnis zum Kalima die fünf im Hadith genannten Dinge finden, gewiss als Muslim anerkennen und verpflichtet sein, ihm sämtliche Rechte der Muslime zu gewähren.

Die wörtliche Bedeutung des Wortes Īmān ist tief verwurzelter Glaube, feste Überzeugung und tiefes Vertrauen. In terminologischer Hinsicht bedeutet es, die Religion, die Allah durch Seinen Gesandten der Menschheit dargelegt hat, mit Herz und Seele anzunehmen und tiefes Vertrauen in ihre Wahrheit zu setzen. Im Hadith werden gerade jene sechs grundlegenden Dinge erwähnt, ohne deren Bejahung ein Mensch nicht einmal als grundsätzlich gläubig angesehen wird.

Das Allererstige und Wichtigste unter den oben genannten Dingen ist der Glaube an Allah. An Allah zu glauben bedeutet, Ihn aufrichtig als den einzigen Schöpfer, Gesetzgeber, Versorger, Erhalter und wahren Eigentümer der gesamten Welt anzuerkennen. Und in diesen Angelegenheiten niemanden Allah beizugesellen oder Ihn mit jemandem zu teilen. Die genannten Eigenschaften Allahs, des Erhabenen, sind im Hinblick auf den Glauben einzigartig und unteilbar. Wenn jemand zwar von Herzen daran glaubt, dass Allah der Schöpfer ist, jedoch daran zweifelt, dass Er der Gesetzgeber ist – das heißt, wenn er nicht anerkennt, dass Allahs Gesetz in allen Lebensbereichen befolgt werden muss –, dann ist er kein Gläubiger.

Der zweite Punkt ist der Glaube an die Engel. An die Engel zu glauben bedeutet, fest davon überzeugt zu sein, dass die Engel eine der großen Arten von Allahs Geschöpfen sind. Allah, der Erhabene, hat sie aus Licht erschaffen. Sie sind weder männlich noch weiblich. Bei Bedarf können die Engel verschiedene Gestalten annehmen. Allah hat sie mit allen Aufgaben der Ordnung und Verwaltung der Schöpfung betraut. Sie widersetzen sich Allahs Befehl niemals.

Der dritte Punkt ist der Glaube an die Bücher. Das bedeutet, aufrichtig daran zu glauben, dass die Bücher, die Allah zu verschiedenen Zeiten durch die Propheten herabgesandt hat, um der Menschheit den rechten Weg zu weisen, wahr, richtig und fehlerlos sind.

Unter den zahlreichen Büchern, die Allah, der Erhabene, herabgesandt hat, sind vier die wichtigsten: die Tora, der Zabur, das Evangelium und der Furqan. Der Furqan beziehungsweise der Koran ist das letzte Buch Allahs, des Erhabenen. Im Koran sind sämtliche Wahrheiten der früheren Bücher sowie alles enthalten, was der Menschheit bis zum Tag der Auferstehung zur Rechtleitung dient. Danach wird kein weiteres himmlisches Buch mehr herabgesandt werden. Daher ist es für niemanden in der Zeit nach dem Koran möglich, ohne die Befolgung des Korans im Jenseits Erlösung zu erlangen.

Alle Anweisungen, die der Koran in Bezug auf die verschiedenen Aspekte und Angelegenheiten des menschlichen Lebens erteilt, müssen als unbedingt zu befolgen angesehen werden. Andernfalls kann niemand ein Gläubiger sein.

Der vierte Punkt, an den man unbedingt glauben muss, um gläubig zu sein, ist der Glaube an die Gesandten. Das Wort „Gesandter“ bedeutet wörtlich „jemand, der entsandt wurde“. In der Terminologie der Scharia werden diejenigen als Gesandte bezeichnet, die der Erhabene Allah zu verschiedenen Zeiten in verschiedene Teile der Welt mit Offenbarung und einem Buch entsandt hat, um die Menschheit rechtzuleiten. Von den Anfängen der Menschheit bis heute sind unzählige Propheten und Gesandte auf der Welt erschienen. Unter ihnen ist Hadhrat Muhammad (s.) der letzte und vorzüglichste Gesandte.

An die Gesandten zu glauben bedeutet, an alle von Allah entsandten Propheten und Gesandten in dem Sinne zu glauben, dass sie allesamt sündlos waren und die gelehrtesten und tugendhaftesten Menschen ihrer jeweiligen Zeit waren. Die Rechtleitung, die sie überbrachten, war fehlerlos und stammte von Allah. Unter allen Propheten war Hadhrat Muhammad (s.) ebenso der vorzüglichste wie auch der letzte Prophet. Die früheren Propheten waren jeweils für einen bestimmten Stamm, eine bestimmte Zeit oder ein bestimmtes Gebiet entsandt worden. Hadhrat Muhammad (s.) jedoch wurde für die gesamte Menschheit in der ganzen Welt entsandt. So sagt Allah:

وَمَا أَرْسَلْنَاكَ إِلَّا كَافَّةً لِلنَّاسِ (سورة السبأ : ۷۸)

„O Gesandter, wahrlich, Wir haben dich als Propheten für die gesamte Menschheit gesandt.“ (Sure Saba-78)

Der fünfte Punkt ist der Glaube an das Jenseits. Das heißt, man muss im Herzen fest davon überzeugt sein, dass das Leben nicht durch den Tod endet, sondern in eine weitere Lebensstufe eintritt, die Jenseits genannt wird. In einer Phase dieses Jenseits wird dem Menschen nach der Abrechnung über sämtliche Taten seines irdischen Lebens deren Ergebnis zuteilwerden. So wird der eine zu den Bewohnern des Paradieses gehören, während der andere zu den Bewohnern der Hölle gehören wird. Mit dem im Hadith erwähnten Wort „Sāʿat“ ist jener Tag des Gerichts gemeint. Dieser Tag wird auch Tag der Auferstehung oder Tag des Jüngsten Gerichts genannt. Im Koran, in den Hadithen und in den Lehren der Propheten wird dem Glauben an das Jenseits außerordentlich große Bedeutung beigemessen. Denn gerade der Glaube an das Jenseits zwingt den Menschen im Grunde dazu, im diesseitigen Leben gute Taten zu vollbringen. Wer hingegen nicht an das Jenseits glaubt, wird eigenwillig und verantwortungslos. Denn er glaubt nicht daran, dass er am Tag der Auferstehung vor Allah erscheinen und für seine guten und schlechten Taten Rechenschaft ablegen muss.

Allah hat niemandem das genaue Datum (Tag, Monat und Jahr) mitgeteilt, an dem der Tag des Jüngsten Gerichts stattfinden wird. Er hat Seinem geliebten Propheten jedoch einige Zeichen für dessen Herannahen mitgeteilt. Im überlieferten Hadith fragte Dschibril (a.s.) den Ehrwürdigen nach eben diesen Zeichen: „Dann nenne mir bitte die Zeichen des Jüngsten Gerichts.“ Der Ehrwürdige (s.a.w.) sagte: „Wenn du siehst, dass Sklavinnen ihren Herrn gebären und dass Menschen aus der barfüßigen, unbekleideten Hirtenklasse sich innerhalb von Gebäuden dem Hochmut hingeben, dann wisse, dass der Jüngste Tag nahe ist.“

Das heißt: Wenn die Kinder ihre Mutter wie eine Sklavin behandeln und die ungeeigneten und niederen Schichten der Gesellschaft sich als Anführer ausgeben und dem Hochmut hingeben, dann muss man davon ausgehen, dass der Jüngste Tag nahe ist.

In diesem Hadith erwähnte der edle Prophet (s.a.w.) unter den zahlreichen Zeichen des Jüngsten Gerichts lediglich zwei.

Der sechste Punkt ist der Glaube an das Gute und Schlechte des Schicksals. Das Schicksal wird in der islamischen Terminologie „Qadā und Qadar“ genannt. Kurz werden dieses Qadā und Qadar als Schicksal bezeichnet.

Schicksal bedeutet, vor dem Eintreten eines Ereignisses aufgrund einer Einschätzung des möglichen Geschehens eine Entscheidung zu treffen. Es gibt viele Ereignisse, bezüglich derer der Mensch im Voraus eine Einschätzung vornimmt und seine Handlungsweise festlegt; dies wird Schicksal genannt. Da das Wissen des Menschen jedoch nicht fehlerfrei ist, weicht das tatsächliche Geschehen bisweilen von seiner Einschätzung und Vermutung ab. Allahs Wissen hingegen ist fehlerfrei und vollkommen; daher gibt es in Seinem Schicksal keine Abweichung. Sollte Er jedoch absichtlich eine Abweichung herbeiführen, ist das etwas anderes.

Viele maßgebliche Gelehrte haben das Schicksal folgendermaßen erklärt:

„Der erhabene Allah hat lange vor der Erschaffung sämtliche geschaffenen Dinge, ihre Gestalt und Beschaffenheit, ihre Form und Eigenschaften, die Dauer ihres Bestehens, ihren Zustand während dieser Dauer, ihre Veränderungen, ihre Entwicklung, ihre Vernichtung, ihr Vergehen und ihr endgültiges Schicksal bestimmt. An diese vorausgehende Bestimmung des Schöpfers fest zu glauben, wird als der Glaube an den Taqdīr bezeichnet.“

Das Wissen Allahs, des Erhabenen, ist anfangslos. Das heißt: Was geschehen ist, was geschieht und was künftig geschehen wird, ist für Allah gegenwärtig. Daher hat Er auf der Grundlage Seines anfangslosen Wissens festgelegt, was künftig geschehen wird. Das bedeutet keineswegs, dass wir etwas tun, weil Er es festgelegt hat, sondern Er hat es festgelegt, weil wir es tun werden.

Bemerkenswert ist, dass in diesem Hadith die drei wichtigsten und grundlegenden Bereiche der Religion, nämlich Islam, Īmān und Iḥsān, zur Sprache gebracht werden. Wenn jemand Allahs Religion annimmt und sich entschließt, den Weg der Religion zu beschreiten, ist er auf seiner ersten Stufe Muslim, auf der zweiten

Stufe Mu’min und auf der dritten Stufe Muhsin. Wenn jemand mit dem Bekenntnis zu Allah und dem Gesandten die wesentlichen islamischen Riten äußerlich vollzieht, ist er Muslim. Die islamische Gesellschaft und der islamische Staat werden ihn als Muslim behandeln. In welchem Zustand sich sein Inneres befindet, ist für die Gesellschaft oder den Staat nicht zwingend festzustellen.

Wenn die Wirkung des oben genannten Bekenntnisses und der äußerlichen Handlungen in das Herz eines Menschen eindringt, das heißt, wenn das äußerliche islamische Bekenntnis und die entsprechenden Handlungen die Zustimmung des Herzens erlangen, wird er zum Mu’min.

Wenn danach das zunehmend in ihn eindringende Īmān sein Herz Allah, dem Gesandten und der Religion zugetan macht, wird er zum Muhsin. Die aufrichtig ergebenen Diener Allahs bemühen sich unablässig darum, Zugang zu diesem Tor des Iḥsān zu erlangen.

Die Bedeutung des Glaubens an den Gesandten

(٤) وَعَنْ أَنَسٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ النَّبِيُّ صَلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: لَا يُؤْمِنُ أَحَدُكُمْ حَتَّى أَكُونَ أَحَبَّ إِلَيْهِ مِنْ وَالِدِهِ وَوَلَدِهِ وَالنَّاسِ أَجْمَعِينَ (بخاري – مسلم)

(4) „Von Hadhrat Anas (r.a.) wird überliefert, dass er sagte: Der Gesandte Allahs (s.a.w.) sagte: Wer von euch mich nicht mehr liebt als seinen Vater, seine Kinder und alle anderen Menschen, kann kein vollkommener Mu’min sein.“ (Buchari, Muslim)

Erläuterung: Für einen gläubigen Menschen genügt es nicht, im Allgemeinen an den Gesandten zu glauben. Vielmehr muss er, um ein wahrhaft Gläubiger zu sein, den Gesandten mehr lieben als seine Eltern, seine Kinder und alle seine geliebten Menschen.

Liebe oder Zuneigung ist im Allgemeinen von zweierlei Art. Eine Art ist

1) محبت اختياري freiwillige Liebe.

2) محبت اضطراريnaturgegebene Liebe.

Die erste liegt im Willen des Menschen, die zweite hingegen außerhalb seiner Kontrolle. Stellen wir uns vor, ein gläubiger Mensch liebt sowohl seinen Vater als auch den Gesandten. In dieser Situation weist sein Vater ihn an, etwas zu tun, das dem Befehl des Gesandten (s.a.w.) widerspricht. Wenn er dann der Liebe zum Gesandten den Vorrang vor der Liebe zu seinem Vater gibt und den Befehl missachtet, muss man davon ausgehen, dass seine Liebe zum Gesandten Vorrang vor seiner Liebe zum Vater erlangt hat.

Mit der in dem Hadith erwähnten Liebe ist die erste Art, also die freiwillige Liebe, gemeint. Wenn jedoch im Herzen eines Menschen die naturgegebene Liebe zum Gesandten überwiegt, ist das noch besser.

(٥) وَعَنْ عَبْدِ اللَّهِ بْنِ عَمْرٍو رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُمَا قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللهِ صَلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: لَا يُؤْمِنُ أَحَدُكُمْ حَتَّى يَكُونَ هَوَاهُ تَبَعًا لِمَا جِئْتُ بِهِ
(مشكوة)

(5) „Von Hadhrat Abdullah ibn Amr (r.a.) wird überliefert, dass er sagte: Der edle Prophet (s.a.w.s.) sprach: Wer seine eigenen Wünsche und Leidenschaften nicht der von mir übermittelten Religion unterordnen kann, kann kein Gläubiger sein.“ (Mischkat)

Erläuterung: Der wahre Sinn des Glaubens an den Gesandten besteht darin, die Scharia, die der Gesandte von Allah für die Menschheit gebracht hat, den eigenen Willen, die eigenen Antriebe und Wünsche vollständig unterzuordnen.

(٦) وَعَنْ أَبِي أُمَامَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللهِ صَلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ : مَنْ أَحَبَّ لِلَّهِ وَأَبْغَضَ لِلَّهِ وَأَعْطَى لِلَّهِ وَمَنَعَ لِلَّهِ فَقَدِ اسْتَكْمَلَ الإِيمَانَ (بخاري)

(6) „Von Hadhrat Abu Umama (r.a.) wird überliefert, dass der Ehrwürdige (s.a.w.s.) sagte: Derjenige, dessen Liebe und Feindschaft, dessen Geben und Nichtgeben ausschließlich um Allahs Wohlgefallen willen erfolgen, ist ein vollkommener Gläubiger.“ (Buchari)

Erläuterung: Wenn ein gläubiger Mensch auf dem Weg des Glaubens fortschreitet und eine Stufe erreicht, auf der all seine Handlungen ausschließlich nach Allahs Willen ausgeführt werden, dann muss man verstehen, dass er im Glauben Vollkommenheit erlangt hat.

وَعَنِ عَبَّاسٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ(V)صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ : ذَاقَ طُعْمَ الْإِيمَانِ مَنْ رَضِيَ بِاللَّهِ
رَبَّا وَبِالإِسْلَامِ دِينًا وَبِمُحَمَّدٍ رَسُولاً (بخاري – مسلم)

(7) „Von Hadhrat Abbas (r.a.) wird überliefert, dass der edle Gesandte (s.a.w.s.) sprach: Wer Allah mit voller Aufrichtigkeit als Herrn, den Islam als Religion und Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, als Propheten angenommen hat, der hat den wahren Geschmack des Glaubens gekostet.“ (Buchari, Muslim)

Der Einfluss des Glaubens auf die Handlungen des Lebens

(۸)
وَعَنْ أَنَسٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَلَّمَا خَطَبَنَا رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ إِلَّا قَالَ: لَا إِيْمَانَ لِمَنْ لَا أَمَانَةَ لَهُ ، وَلَا دِينَ لِمَنْ لَا عَهْدَ لَهُ (بيهقي)

(8) „Von Hazrat Anas (r.a.) wird überliefert, dass er sagte: Der ehrwürdige Prophet (s.a.s.) hat uns nur selten eine Ermahnung gegeben, ohne darin zu sagen, dass derjenige, der eine anvertraute Sache verrät, keinen Iman besitzt, und dass derjenige, der sein Versprechen bricht, keinen Din besitzt.“ (Baihaqi)

Erklärung: Im oben genannten Hadith erwähnte der geliebte Prophet (s.a.s.) zwei schwerwiegende, dem Din und Iman widersprechende sündhafte Handlungen. Die eine ist der Verrat an einem anvertrauten Gut, die zweite ist der Bruch eines Versprechens.

In diesem Hadith wird das Wort Amanat in einem umfassenden Sinn verwendet. Das heißt, alle Arten von anvertrauten Gütern sind darin eingeschlossen: das persönliche, das gesellschaftliche und das nationale Amanat. Ebenso gehören dazu das anvertraute Vermögen, anvertraute Verantwortungen und Pflichten sowie die Wahrung von Ehre und Ansehen. Auch Wada oder Versprechen wird hier in einem umfassenden Sinn verwendet. Das heißt, von persönlichen Versprechen bis hin zu nationalen und internationalen Zusagen, Verträgen, Gelöbnissen und Versprechen ist alles darin eingeschlossen.

(۹)
وَعَنْ أَنَسٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ عَنِ النَّبِيِّ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ قَالَ : لَا يُؤْمِنُ أَحَدُكُمْ حَتَّى يُحِبُّ لِأَخِيهِ مَا يُحِبُّ لِنَفْسِهِ (بخاري – مسلم)

(9) „Von Hazrat Anas (r.a.) wird überliefert, dass der edle Prophet (s.a.s.) sagte: Keiner von euch kann gläubig sein, solange er nicht für seinen gläubigen Bruder das wünscht, was er für sich selbst wünscht.“ (Bukhari und Muslim)

Erklärung: Nachdem ein Mensch den Iman angenommen hat, werden ihm ganz natürlich entsprechend den Forderungen des Iman bestimmte Verantwortungen auferlegt. Zu diesen Verantwortungen gehören auch persönliche, familiäre, gesellschaftliche und staatliche Verantwortungen. Die im Hadith erwähnte Verantwortung ist die gesellschaftliche Verantwortung eines gläubigen Menschen. Das heißt, ein gläubiger Mensch muss die Interessen und Rechte seines im Gemeinwesen lebenden gläubigen Bruders mit denselben Augen betrachten, mit denen er seine eigenen Interessen und Rechte betrachtet; andernfalls kann er kein vollkommener Gläubiger sein.

(۱۰)
وَعَنْ عَبْدِ اللَّهِ بْنِ عَمْرٍو رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُمَا قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: الْمُسْلِمُ مَنْ سَلِمَ الْمُسْلِمُونَ مِنْ لِسَانِهِ وَيَدِهِ، وَالْمُهَاجِرُ مَنْ هَاجَرَ مَا نَهَى اللَّهُ عَنْهُ (بخاري)

(10) „Überliefert von Hadhrat Abdullah ibn Amr (möge Allah mit ihm zufrieden sein): Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Ein Muslim ist derjenige, vor dessen Hand und Zunge die Muslime sicher sind. Und ein Muhadschir ist derjenige, der vor den von Allah verbotenen Dingen auswandert.“ (Buchari)

Erklärung: In dem überlieferten Hadith wird darauf hingewiesen, welche Eigenschaften ein wahrer Muslim und ein wahrer Muhadschir besitzen sollten. Das heißt: Wer den Islam als seine Lebensordnung annimmt, wird keinem Muslim durch seine Hand oder seine Zunge Leid zufügen. Ebenso wird nur derjenige den vollen Segen der Hidschra erlangen, der vor den von Allah verbotenen Dingen auswandert. Das Verlassen des Landes aus weltlichen Interessen ist keine Hidschra.

Die Grundlagen des Islam

(۱۱)
وَعَنِ عَبْدِ اللَّهِ بْنِ عُمَرَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُمَا قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: بُنِيَ الْإِسْلَامُ عَلَى خَمْسٍ شَهَادَةِ أَنْ لَا إِلَهَ إِلَّا اللَّهُ، وَأَنَّ مُحَمَّدًا عَبْدُهُ وَرَسُولُهُ، وَإِقَامِ الصَّلاةِ، وَإِيتَاءِ الزَّكَاةِ، وَالْحَجِّ، وَصَوْمِ رَمَضَانَ (بخاري – مسلم)

(11) „Überliefert von Hadhrat Abdullah ibn Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein): Er sagte: Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Der Islam wurde auf fünf Dingen gegründet. Diese sind: zu bezeugen, dass es keine Gottheit außer Allah gibt und dass Muhammad (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) Sein Diener und Gesandter ist, das Gebet zu verrichten, die Zakat zu entrichten, den Hadsch zu vollziehen und im Monat Ramadan zu fasten.“ (Buchari, Muslim)

Erklärung: In diesem Hadith wird der Islam mit einem Haus und das Glaubensbekenntnis, das Gebet, die Zakat, der Hadsch und das Fasten im Monat Ramadan mit seinen Säulen verglichen. Der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) hat uns ein schönes Gleichnis vor Augen geführt, um den Islam verständlich zu machen. Bemerkenswert ist, dass man sich ein Haus ohne Säulen ebenso wenig vorstellen kann, wie man bloße Säulen ein Haus nennt. Die im Hadith erwähnten fünf Dinge sind lediglich die Grundlagen des Islam, nicht der vollständige Islam. Wenn daher jemand diese fünf Handlungen ausführt und meint, damit alle Forderungen des Islam erfüllt zu haben, wäre das derselbe Fehler, wie wenn jemand Säulen aufstellt und glaubt, er habe ein Haus errichtet.

So wie einige wenige Säulen ohne Dach den Menschen nicht vor Sonne und Regen schützen können, kann der Mensch auch nicht allein dadurch, dass er diese fünf Handlungen ausführt, der Rechenschaft im Jenseits entgehen. Die gesamte Lebensordnung, die der erhabene Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) der Menschheit verkündet hat, ist Islam. Indem der Mensch sie vollständig annimmt, kann er in dieser Welt und im Jenseits umfassendes Wohlergehen erlangen.

Die großen Sünden

إِنْ تَجْتَنِبُوا كَبَائِرَ مَا تُنْهَوْنَ عَنْهُ نُكَفِّرْ عَنْكُمْ سَيِّئَاتِكُمْ وَنُدْخِلْكُمْ مُدْخَلاً كَرِيمًا (سورة النساء : ٣١)

Bedeutung: Wenn ihr euch von den verbotenen schweren Sünden fernhaltet, werden Wir euch eure (kleinen) Verfehlungen vergeben und euch in einen ehrenvollen Rang eintreten lassen.“ (Sure an-Nisāʾ 4:31)

Wenn jedoch jemand bedenkenlos ständig kleine Sünden begeht, wird diese kleine Sünde letztlich zu einer schweren Sünde werden. Wenn ferner jemand sein ganzes Leben lang in Sünden verstrickt bleibt und erst unmittelbar vor dem Tod (nachdem er die Anzeichen des Todes verspürt hat) Reue zeigt, wird seine Reue bei Allah nicht angenommen. Darüber lautet die Erklärung des Qurʾān wie folgt:

إِنَّمَا التَّوْبَةُ عَلَى اللَّهِ لِلَّذِينَ يَعْمَلُونَ السُّوءَ بِجَهَالَةٍ ثُمَّ يَتُوبُونَ مِنْ قَرِيبٍ فَأُولَئِكَ يَتُوْبُ اللَّهُ عَلَيْهِمْ وَكَانَ اللَّهُ عَلِيمًا حَكِيمًا ، وَلَيْسَتِ التَّوْبَةُ لِلَّذِينَ يَعْمَلُوْنَ السَّيِّئَاتِ حَتَّى إِذَا حَضَرَ أَحَدَهُمُ الْمَوْتُ قَالَ إِنِّي تُبْتُ الآنَ وَلَا الَّذِيْنَ يَمُوْتُوْنَ وَهُمْ كُفَّارٌ أُولَئِكَ أَعْتَدْنَا لَهُمْ عَذَابًا أَلِيمًا
(سورة النساء : ۱۷ – ۱۸)

Bedeutung: „Angenommen wird wahrlich nur die Reue derjenigen, die aus Unwissenheit eine Sünde begehen und danach unverzüglich bereuen. Deren Reue nimmt Allah an. Allah ist allwissend und allweise. Diejenigen hingegen, die unaufhörlich in Sünden verstrickt bleiben und dann, wenn sie dem Tod gegenüberstehen, sagen: ‚Jetzt bereue ich‘ – deren Reue ist bei Allah völlig wertlos, ebenso wie die Reue dessen, der im Zustand des Unglaubens stirbt. (Sure an-Nisāʾ 4:17–18)

(۱۲)
وَعَنْ عَبْدِ اللَّهِ بْنِ عَمْرٍو رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُمَا قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: الْكَبَائِرُ الإِشْرَاكُ بِاللَّهِ، وَعُقُوقُ الْوَالِدَيْنِ، وَقَتْلُ النَّفْسِ، وَالْيَمِينُ الْغَمُوسُ (بخاري)

(12) „Überliefert von Hadhrat Abdullah ibn Amr (möge Allah mit ihm zufrieden sein): Er sagte, dass der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) gesagt habe: Zu den schweren Sünden gehören, Allah jemanden beizugesellen, den Eltern ungehorsam zu sein, jemanden zu töten und einen falschen Eid zu schwören.“ (Buchārī)

Erläuterung: Eine Handlung, die Allah und Sein Gesandter missbilligen, wird Sünde genannt. „Gunāh“ ist ein persisches Wort. Das arabische Wort dafür lautet „Maʿṣiya“. Sünden sind im Allgemeinen zweierlei Art: kleine und schwere Sünden. Alle Vergehen, für die im Qurʾān und in den Hadithen eine Strafe festgelegt ist, sind schwere Sünden. Sünden, für die im Qurʾān und in den Hadithen keine Strafe festgelegt ist, sind kleine Sünden. Durch andere schwere Sünden als Schirk wird der Gläubige zwar nicht zum Ungläubigen, doch muss er die Strafe der Hölle erleiden. Wenn ein gläubiger Mensch für andere schwere Sünden als die Verletzung von Menschenrechten aufrichtig bereut, wird Allah ihm seine Sünden vergeben. Das Wort „Tauba“ ist arabisch. Wörtlich bedeutet es: zurückkehren, umkehren. Im Sprachgebrauch der Scharia bedeutet Tauba, reumütig von einer der Scharia widersprechenden Handlung abzulassen, den festen Vorsatz zu fassen, sich künftig nicht mehr an einer solchen Handlung zu beteiligen, und sich Allah zuzuwenden. Wenn also jemand auch tausendmal mit dem Mund Tauba spricht, aber weiterhin Sünden begeht, ist diese mündliche Tauba in Wirklichkeit keine Tauba. Für andere Muslime als die von Allah geliebten Propheten und Gesandten ist es unmöglich, sich von allen kleinen Sünden fernzuhalten. Schwere Sünden vergibt Allah, der Herr der Welten, nur durch aufrichtige Tauba. Damit jedoch die Tauba bei Allah angenommen wird, gibt es drei Bedingungen. Die erste Bedingung ist, dass derjenige, der die Sünde begangen hat, diese zutiefst bereut. Die zweite Bedingung ist, dass er Allah verspricht, diese Sünde in seinem Leben nicht wieder zu begehen. Dies gilt für eine Handlung, die ausschließlich mit Allahs Recht verbunden ist. Wenn sich die Sünde jedoch auf die Rechte eines Dieners Allahs bezieht, kommt zu den beiden genannten eine dritte Bedingung hinzu: Er muss das Recht des Dieners oder der Person, dessen Recht er verletzt hat, erfüllen oder von dieser Person Vergebung erlangen.

(۱۳)
وَعَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ
اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: اجْتَنِبُوا السَّبْعَ الْمُويقَاتِ،
قَالُوا : يَا رَسُولَ اللهِ وَمَا هُنَّ؟ قَالَ: الشَّرْكُ بِاللَّهِ، وَالسِّحْرُ، وَقَتْلُ النَّفْسِ الَّتِي حَرَّمَ اللَّهُ إِلَّا بِالْحَقِّ،
وَأَكُلُ الرِّبَا، وَأَكُلُ مَالِ الْيَتِيمِ، وَالتَّوَلِي يَوْمَ
الزَّحْفِ، وَقَدْفُ الْمُحْصَنَاتِ الْمُؤْمِنَاتِ الْغَافِلَاتِ
(بخاري – مسلم)

(13) „Von Hazrat Abū Huraira (r.a.) wird überliefert, dass er sagte: Der Gesandte (s.a.w.) sagte: Haltet euch von sieben zerstörerischen Sünden fern. Die Sahāba fragten: O Gesandter Allahs, welche sieben Sünden sind es? Er sagte: Sie sind: Allah jemanden beigesellen, Zauberei betreiben, jemanden ohne die Erlaubnis der Scharia töten, Zins zu sich nehmen, das Vermögen einer Waise veruntreuen, vom Schlachtfeld des Dschihād fliehen und keuschen, gläubigen Frauen, die sich dessen nicht bewusst sind, fälschlich Ehebruch vorwerfen. (Buchārī, Muslim)

Erläuterung: Im oben genannten Hadith erwähnte der edle Prophet (s.a.w.) lediglich einige der großen Sünden. Er führte nicht alle Handlungen an, die mit den großen Sünden zusammenhängen.

(١٤) وَعَنْ مُعَادٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ: أَوْصَانِي رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ بِعَشْرِ كَلِمَاتٍ، قَالَ: لَا تُشْرِكْ بِاللَّهِ شَيْئًا وَإِنْ قُتِلْتَ وَحُرِّقْتَ، وَلَا تَعُقِّنَّ وَالِدَيْكَ، وَإِنْ أَمْرَاكَ أَنْ تَخْرُجَ مِنْ أَهْلِكَ وَمَالِكَ، وَلَا تَتْرُكُنَّ صَلَاةً مَكْتُوبَةً مُتَعَمِّدًا؛ فَإِنَّ مَنْ تَرَكَ صَلَاةً مَكْتُوبَةٌ مُتَعَمِّدًا فَقَدْ بَرِئَتْ مِنْهُ ذِمَّةُ اللَّهِ، وَلَا تَشْرَبَنَّ خَمْرًا ؛ فَإِنَّهُ رَأْسُ كُلِّ فَاحِشَةٍ، وَإِيَّاكَ وَالْمَعْصِيَةَ؛ فَإِنَّ بِالْمَعْصِيَةِ حَلَّ سَخَطُ اللَّهِ عَزَّ وَجَلَّ، وَإِيَّاكَ وَالْفِرَارَ مِنَ الزَّحْفِ وَإِنْ هَلَكَ النَّاسُ، وَإِذَا أَصَابَ النَّاسَ مَوْتٌ

وَأَنْتَ فِيْهِمْ فَاثْبُتْ، وَأَنْفِقْ عَلَى عِبَالِكَ مِنْ طَوْلِكَ، وَلَا تَرْفَعْ عَنْهُمْ عَصَاكَ أَدَبًا وَأَخِفُهُمْ فِي اللَّهِ (رواه أحمد )

(14) „Von Hazrat Muʿādh (r.a.) wird überliefert, dass er sagte: Als der Gesandte (s.a.w.) mich über zehn Dinge unterwies, sagte er: O Muʿādh, selbst wenn du getötet oder verbrannt wirst, darfst du Allah niemanden beigesellen. Und selbst wenn deine Eltern dich aus deiner Familie und von deinem Besitz vertreiben, darfst du ihnen nicht ungehorsam sein. Lass niemals absichtlich das Pflichtgebet aus. Denn für jemanden, der freiwillig das Pflichtgebet unterlässt, übernimmt weder Allah noch Sein Gesandter Verantwortung. Trink unter keinen Umständen berauschende Getränke, denn sie sind die Wurzel aller schändlichen Taten. Halte dich von jeder Art sündhafter Handlung fern, denn wegen sündhafter Handlungen kommt Allahs Zorn herab. Verlass auch in den erbittertsten Kämpfen nicht das Schlachtfeld des Dschihād. Und wenn an dem Ort, an dem du dich aufhältst, eine Seuche anbricht, dann bleib dort. Gib im Rahmen deiner Möglichkeiten für die Bedürfnisse deiner Familie aus. Nimm den Züchtigungsstab nicht von ihnen, wenn du sie Anstand lehren willst, und pflanze Allahs Furcht in ihre Herzen.“ (Ahmad)

Erläuterung: Der Überlieferer dieses Hadiths, Hazrat Muʿādh ibn Dschabal (r.a.), gehörte zu den herausragenden Gefährten des edlen Propheten (s.a.w.). Der Hochgeehrte (s.a.w.) ernannte ihn zum Statthalter einer so bedeutenden Provinz wie Jemen. Der überlieferte Hadith lässt die tiefe Beziehung erkennen, die er zum Hochgeehrten unterhielt.

Der edle Prophet (s.a.w.) ermahnte Hazrat Muʿādh, selbst in einem lebensbedrohlichen Augenblick frei von Schirk zu bleiben. Denn wenn jemand, weil er unerschütterlich am Tauhīd festhält, von einem Ungläubigen getötet wird, erlangt er den Rang eines Märtyrers. Dieser Zustand wird in der Terminologie der Scharia als „ʿAzīma“ bezeichnet. Für einen herausragenden Gefährten wie Hazrat Muʿādh ist es angemessen, nach der ʿAzīma zu handeln. Wenn hingegen ein gewöhnlicher Muslim, um sein Leben vor einem ungläubigen Feind zu retten, im Herzen am Glauben an den Tauhīd festhält, aber mit dem Mund die Formel des Schirk ausspricht, ist ihm diesbezüglich eine Erleichterung gewährt worden. Wenn auch er jedoch nach der ʿAzīma handelt und stirbt, erlangt er den Rang eines Märtyrers.

Aus den Anweisungen des ehrwürdigen Propheten (s) ist außerdem bekannt geworden, dass die Bewohner eines Gebietes dieses Gebiet nicht verlassen dürfen, wenn dort eine Seuche (Epidemie) ausbricht. Denn wenn die Bewohner dieses Gebietes an einen anderen Ort ziehen, werden weder die Kranken gepflegt noch irgendwelche Maßnahmen zur Eindämmung der Krankheit ergriffen. Wenn in einem Gebiet jedoch eine Seuche ausbricht, wurde auch Außenstehenden untersagt, dorthin zu kommen.

Bidʿa

(١٥) وَعَنْ عَائِشَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهَا قَالَتْ، قَالَ رَسُولُ اللهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ : مَنْ أَحْدَثَ فِي أَمْرِنَا هَذَا مَا (مسلم – بخاري) لَيْسَ فِيهِ، فَهُوَ رَدُّ

(15) Von Aischa (r.a.) wird überliefert, dass sie sagte: Der Gesandte (s) sagte: „Wer in unsere Religion etwas einführt, wofür es in der Religion keinerlei Grundlage gibt, dessen Einführung wird zurückgewiesen.“ (Buchari, Muslim)

Erläuterung: Die Religion, die Allah durch Seinen Propheten Muhammad (s) für die Menschheit gesandt hat, ist vollkommen. Sie umfasst die grundlegenden Regelungen für alle Bereiche des menschlichen Lebens. Wenn daher jemand etwas Neues in die Religion einführen will, das weder unmittelbar noch mittelbar im Koran und in den Hadithen begründet ist, so ist dies Bidʿa und muss aufgegeben werden.

Die richtige Art, dem Gesandten zu folgen

(١٦) وَعَنْ أَنَسٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ: جَاءَ ثَلَاثَةُ رَهْطٍ إِلَى أَزْوَاجِ النَّبِيِّ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ يَسْأَلُونَ عَنْ عِبَادَةِ النَّبِيِّ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ، فَلَمَّا أُخْبِرُوا بِهَا كَأَنَّهُمْ تَقَالُوْهَا ، فَقَالُوا : أَيْنَ نَحْنُ مِنَ النَّبِيِّ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ ۚ وَقَدْ غَفَرَ اللَّهُ لَهُ مَا تَقَدَّمَ مِنْ ذَنْبِهِ وَمَا تَأَخَّرَ، فَقَالَ أَحَدُهُمْ : أَمَّا أَنَا فَأُصْلِي اللَّيْلَ أَبَدًا ، وَقَالَ الآخَرُ: إِنِّي أَصُوْمُ الدَّهْرَ فَلَا أُفْطِرُ، وَقَالَ الْآخَرُ: أَنَا أَعْتَزِلُ النِّسَاءَ وَلَا أَتَزَوَّجُ أَبَدًا، فَجَاءَ النَّبِيُّ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ إِلَيْهِمْ فَقَالَ : أَنْتُمُ الَّذِينَ قُلْتُمْ كَذَا وَكَذَا ،

أَمَا إِنِّي لَأَخْشَاكُمْ لِلَّهِ عَزَّ وَجَلَّ وَأَتْقَاكُمْ لَهُ، لَكِنِّي أَصُومُ وَأُفْطِرُ وَأُصَلِى وَأَرْقُدُ وَأَتَزَوَّجُ النِّسَاءَ، فَمَنْ رَغِبَ عَنْ سُنَّتِي فَلَيْسَ مِنِّي (بخاري – مسلم)

(16) „Von Hadhrat Anas (möge Allah mit ihm zufrieden sein) wird überliefert, dass er sagte: Eines Tages kamen drei Männer zu den Ehefrauen des Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), um sich nach dessen Gottesdienst zu erkundigen. Als man ihnen über den Gottesdienst des Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) berichtet hatte, hielten sie ihn offenbar für unzureichend und sagten: Wie können wir uns mit dem Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) vergleichen? Allah selbst hat verkündet, dass Er ihm seine vergangenen und künftigen Sünden vergeben hat. Darauf sagte einer von ihnen: Was mich betrifft, so werde ich die ganze Nacht im Gebet verbringen. Der zweite sagte: Ich werde das ganze Jahr über fasten und keinen einzigen Tag das Fasten unterbrechen. Der dritte sagte: Ich werde mich von Frauen fernhalten und niemals heiraten. Plötzlich kam der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu ihnen, fragte sie und sagte: O ihr, habt ihr tatsächlich solche Dinge gesagt?“

[Anmerkung: Darüber, wie der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) von diesem Gespräch erfahren hatte, gibt es zwei Auffassungen. Die eine besagt, dass der Prophet sich damals in der Prophetenmoschee befand und dieses Gespräch in den an die Moschee angrenzenden Gemächern der Mütter der Gläubigen stattfand. Daher konnte der Prophet dieses Gespräch hören, während er in der Moschee saß. Nach der zweiten Auffassung hatte ihm Jibril (Friede sei mit ihm) selbst von diesem Gespräch berichtet. Denn die drei Männer kehrten mit einer fehlerhaften Auffassung über den islamischen Gottesdienst vom Haus des Propheten zurück. Hätte der edle Prophet ihren Irrtum nicht korrigiert, hätten sie diese falsche Auffassung verbreitet und zu ihr aufgerufen.]

„Seid gewarnt! Ich schwöre bei Allah: Ich fürchte Allah unter euch am meisten und bin Ihm gegenüber am frömmsten. Dennoch faste ich an manchen Tagen und lasse das Fasten an anderen Tagen (das freiwillige Fasten) aus. Manchmal verrichte ich das Gebet und manchmal schlafe ich. Und ich habe auch geheiratet. Wer daher meiner Sunna nicht folgt, gehört nicht zu meiner Umma.“ (Buchari, Muslim)

Erläuterung: Im genauen Befolgen der Religion oder Lebensordnung, die der allerbarmherzige Allah der Menschheit durch die Propheten offenbart hat, liegt das Wohlergehen in dieser Welt und im Jenseits. Die Propheten praktizierten diese Religion ihr ganzes Leben lang und hinterließen der Umma dadurch eine praktische Gestalt der Religion. In der Terminologie der Scharia wird sie Sunna des Gesandten genannt.

Die vollkommene Gestalt der Religion, die unser geliebter Prophet Hadhrat Muhammad (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) durch seine Handlungen während seines gesamten Lebens für uns hinterlassen hat, ist seine Sunna oder sein Weg. Niemand hat das Recht, davon etwas wegzulassen, ebenso wenig, etwas Neues hinzuzufügen. Daher ist ein zügelloses Leben ohne Bindung an Gebet, Fasten sowie Erlaubtes und Verbotenes Allah ebenso unlieb wie die Aufgabe des Familienlebens und aller weltlichen Pflichten und die Beschäftigung mit freiwilligem Gottesdienst Tag und Nacht. Zwischen diesen beiden Wegen liegt der Weg des Propheten. Nur auf diesem Weg kann der Mensch das immerwährende Wohlergehen in dieser Welt und im Jenseits erlangen. Im vorliegenden Hadith weist der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) auf diesen Weg hin und sagt, dass dies meine Sunna ist. Wer meiner Sunna nicht folgt, gehört, was immer er auch sonst sein mag, nicht zu meiner Umma.

Unter den Anhängern Hadhrat Isas (Friede sei mit ihm) gab es eine Gruppe gottesfürchtiger Menschen, die alle weltlichen Tätigkeiten aufgaben, in Klausen, Wäldern, Bergen und Höhlen Zuflucht suchten und sich Tag und Nacht der Gottesverehrung widmeten. Allah erwähnt ihre Angelegenheit und warnt damit die Umma Muhammads, indem Er sagt:

وَرَهْبَانِيَّةٌ ابْتَدَعُوهَا مَا كَتَبْنَاهَا عَلَيْهِمْ إِلَّا ابْتِغَاءَ رِضْوَانِ اللَّهِ فَمَا رَعَوْهَا حَقَّ رِعَايَتِهَا
(سورة الحديد : ۲۷)

„Dieses asketische Leben hatten sie sich selbst erdacht. Ich habe es ihnen nicht zur Pflicht gemacht. Sie hatten diesen Weg eingeschlagen, um Allah zufriedenzustellen. Doch sie überschritten das Maß.“
(Sure al-Hadid 28)

(۱۷)
وَعَنْ عَائِشَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهَا صَنَعَ رَسُولُ اللَّهِ صلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ شَيْئًا، فَرَخَّصَ فِيْهِ، فَتَنَزَّهَ عَنْهُ قَوْمٌ، فَبَلَغَ ذَالِكَ رَسُولَ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ، فَخَطَبَ فَحَمِدَ اللَّهَ ثُمَّ قَالَ: مَا بَالُ أَقْوَامٍ يَتَنَزَّهُوْنَ عَنِ الشَّيْءِ أَصْنَعُهُ، فَوَاللَّهِ إِنِّي لَأَعْلَمُهُمْ بِاللَّهِ وَأَشَدُّهُمْ لَهُ خَشْيَةٌ (بخاري – مسلم)

(17) „Von Hadhrat Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) wird überliefert, dass der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) eines Tages eine Handlung ausführte und auch anderen erlaubte, sie zu tun. Dennoch unterließen einige Leute diese Handlung. Als dies dem Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu Ohren kam, hielt er ihnen eine Ansprache. Zunächst pries der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) Allah. Danach sagte er: Wie konnten sie es gutheißen, eine Handlung zu unterlassen, die ich selbst ausgeführt habe? Bei Allah, ich kenne Allah besser als sie und fürchte Ihn mehr als sie. (Buchari, Muslim)“

Erläuterung: Es gibt bestimmte religiöse Verrichtungen oder gottesdienstliche Handlungen, deren Unterlassung je nach den Umständen angeordnet ist. So ist beispielsweise das Fasten im Monat Ramadan für Kranke oder Reisende nicht verpflichtend. Sie können nach Wunsch fasten oder das Fasten nachholen. Wenn jedoch für einen Kranken oder Reisenden durch das Fasten Lebensgefahr besteht, muss er das Fasten unbedingt unterlassen. Denn Gottesdienst bedeutet, gemäß dem Willen Allahs und des Gesandten zu handeln. Etwas nach eigenem Belieben zu tun, ohne die Gebote und Verbote der Scharia zu beachten, ist kein Gottesdienst.

(۱۸)
وَعَنْ أَبِي ثَعْلَبَةَ الْخُشْنِيِّ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: إِنَّ اللَّهَ فَرَضَ فَرَائِضَ فَلَا تُضَيّعُوهَا ، وَحَرَّمَ حُرُمَاتٍ فَلَا تَنْتَهِكُوهَا، وَحَدَّ حُدُودًا فَلَا تَعْتَدُوهَا ، وَسَكَتَ عَنْ أَشْيَاءَ مِنْ غَيْرِ نِسْيَانٍ فَلَا تَبْحَثُوا عَنْهَا (الدار قطني)

(18) „Hadhrat Abu Thaʿlaba al-Chuschani (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: Der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Allah hat einige Dinge verpflichtend vorgeschrieben; vernachlässigt sie nicht. Und einige Dinge hat Er verboten; befasst euch nicht mit ihnen. Über einige Dinge hat Er absichtlich nichts gesagt; streitet darüber nicht. (Darqutni)“

(۱۹)
وَعَنْ ابْنِ عَبَّاسٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُمَا قَالَ قَالَ رَسُولُ اللهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ الْأَمْرُ ثَلَثَةٌ أَمْرٌ بَيْنَ رُشْدُهُ فَاتَّبِعْهُ – وَأَمْرٌ بَيْنٌ غَيُّهُ فَاجْتَنِبُهُ وَأَمْرٌ اخْتُلِفَ فِيهِ فَكِلْهُ إِلَى اللَّهَ عَزَّ وَجَلَّ
(احمد)

(19) „Von Hadhrat Ibn Abbas (möge Allah mit ihm zufrieden sein) wird überliefert, dass er sagte: Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Die Angelegenheiten der Scharia sind von dreierlei Art. Eine Art sind Angelegenheiten, deren Richtigkeit völlig klar ist; daran sollt ihr euch halten. Eine andere Art sind Angelegenheiten, deren Irrigkeit völlig zweifelsfrei ist; diese sollt ihr meiden. Außerdem gibt es manche Angelegenheiten, die zweifelhaft sind; diese sollt ihr Allah überlassen. (Beteiligt euch nicht daran, bis der Zweifel beseitigt ist.) (Ahmad)“

(۲۰)
وَعَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ نَزَلَ الْقُرْآنَ عَلَى خَمْسَةِ أَوْجُهِ – حَلَالٌ وَحَرَامٌ وَمُحْكَمْ وَمُتَشَابِةٌ وَأَمْثَالُ فَاحِلُّوا

الْحَلَالَ وَحَرِّمُوا الْحَرَامَ وَاعْمَلُوْا بِالْمُحْكَمِ وَامِنُوْا بِالْمُتَشَابِهِ وَاعْتِيرُوا بِالْأَمْثَالِ (احمد)

(20) „Es wird von Hadhrat Abu Huraira (Allah sei mit ihm zufrieden) überliefert. Er sagte: Der ehrwürdige Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Im Koran sind fünf Arten von Bestimmungen offenbart worden. (Das heißt, sämtliche Verse des Korans sind in fünf Kategorien eingeteilt:) Halal, Haram, Muhkam, Mutashabih und Amthal. Nehmt daher das Halal als Halal an, weist das Haram als Haram zurück, handelt gemäß dem Muhkam, glaubt an das Mutashabih und zieht aus den Amthal Ermahnung. (Ahmad)

Erläuterung: Im oben genannten Hadith hat der ehrwürdige Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) erwähnt, dass die Verse des heiligen Korans in fünf Kategorien eingeteilt sind. Die erste Kategorie sind die Verse über das Halal, das heißt jene, in denen erklärt wird, dass etwas erlaubt ist. Die zweite Kategorie sind die Verse über das Haram, das heißt jene, in denen erklärt wird, dass etwas verboten ist. Die dritte Kategorie sind die Muhkam-Verse. Als Muhkam werden jene Verse bezeichnet, deren Aussagen und Bedeutungen im Allgemeinen verständlich sind. Die vierte Kategorie ist das Mutashabih. Als Mutashabih werden jene Verse oder Wörter des Korans bezeichnet, deren Bedeutung und Auslegung schwer verständlich und unklar sind. Die fünfte Kategorie sind die Amthal-Verse, durch die Allah der Menschheit verschiedene Beispiele vorgelegt und sie ermahnt hat.

Im überlieferten Hadith wird erwähnt, was wir in Bezug auf die oben genannten fünf Arten von Versen tun sollen. Der ehrwürdige Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Nehmt das Halal des Korans als Halal an, weist das Haram als Haram zurück, handelt gemäß dem Muhkam und glaubt an das Mutashabih in dem Bewusstsein, dass der allwissende Allah die Bedeutung all dessen zu einem besonderen Zweck außerhalb unseres Wissens belassen hat. Und zieht aus den Amthal des Korans (den Beispielen) Ermahnung.

In den drei oben genannten Hadithen wird auf eine besondere Angelegenheit hingewiesen. Diese besteht darin, dass alle von der Scharia vorgeschriebenen Handlungen klar und zweifelsfrei sind. Befolgt sie daher ohne Zögern. Andererseits sollt ihr euch nicht dadurch unnötigen Zweifeln aussetzen, dass ihr unklare, schwer verständliche und unnötige Fragen aufwerft. In der Gesellschaft findet man eine Art von Menschen, die sich um die klaren Anweisungen der Scharia zu den vorgeschriebenen Handlungen überhaupt nicht kümmern. Stattdessen wollen sie durch das Aufwerfen vergleichsweise komplizierter, schwer verständlicher und unnötiger Fragen in den Menschen ein Labyrinth schaffen. Die Suche nach der Wahrheit ist keineswegs ihr Ziel. Vielmehr besteht ihr eigentliches Ziel darin, ihre eigene Gelehrsamkeit zur Schau zu stellen oder im menschlichen Herzen Zweifel an der Religion und der Scharia zu wecken. Dass ein solches Vorgehen nach den Maßstäben der Scharia tadelnswert ist, wird im Hadith erwähnt.

Kapitel: 3 – Gottesdienst

Die Bedeutung des Gebets

إِنَّ الصَّلَاةَ كَانَتْ عَلَى الْمُؤْمِنِينَ كِتَابًا مَوْقُوْتًا
(سورة النساء – (۱۰۳)

„Wahrlich, das Gebet ist den Gläubigen zu festgesetzten Zeiten vorgeschrieben.“ (Sure an-Nisāʾ – 103)

(۲۱)
وَعَنْ عُبَادَةَ بْنِ الصَّامِتِ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولَ اللَّهِ صَلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: خَمْسُ صَلَوَاتٍ افْتَرَضَهُنَّ اللَّهُ تَعَالَى، مَنْ أَحْسَنَ وُضُوءَهُنَّ وَصَلَاهُنَّ لِوَقْتِهِنَّ وَأَتَمَّ رُكُوْعَهُنَّ وَخُشُوْعَهُنَّ، كَانَ لَهُ عَلَى اللَّهِ عَهْدٌ أَنْ يَغْفِرَ لَهُ ، وَمَنْ لَمْ يَفْعَلْ فَلَيْسَ لَهُ عَلَى اللَّهِ عَهْدٌ إِنْ شَاءَ غَفَرَ لَهُ وَإِنْ شَاءَ عَذَّبَهُ (أبو داود)

(21) „Überliefert von ʿUbāda ibn as-Sāmit (r.a.): Er berichtet, dass der edle Prophet (s.a.w.) sagte: Allah hat Seinen Dienern fünf Pflichtgebete auferlegt. Wer daher die Gebetswaschung ordnungsgemäß vollzieht, das Gebet zur vorgeschriebenen Zeit verrichtet und es andächtig unter Beachtung von Verbeugung und Niederwerfung betet, dem wird Allah gewiss vergeben. Für denjenigen jedoch, der dies nicht tut, übernimmt Allah keine Verantwortung dafür, dass ihm seine Verfehlungen vergeben werden. Wenn Er will, kann Er ihm vergeben, und wenn Er will, kann Er ihm nicht vergeben.“ (Abū Dāwūd)

Erläuterung: In der islamischen Terminologie bezeichnet Salāt eine bestimmte Form der Anbetung. Namāz ist dessen persische Übersetzung. Die Anbetung lässt sich im Allgemeinen in zwei Arten unterteilen. Eine Art der Anbetung wird vom Menschen mit seinen Körpergliedern vollzogen; sie wird ʿibādat badanī genannt. Eine andere Art der Anbetung besteht darin, dass der Mensch sein Vermögen aufwendet; sie wird ʿibādat mālī genannt. Unter den körperlichen Gottesdiensten ist das Gebet der vorzüglichste. Unter den finanziellen Gottesdiensten ist die Zakāt der vorzüglichste. Im Koran erwähnt Allah, der Erhabene, diese beiden vorzüglichsten Formen der Anbetung vielfach gemeinsam. Seit dem Beginn der Erschaffung des Menschen bis heute war das Gebet allen Propheten, die auf der Welt erschienen sind, und ihren Gemeinschaften in irgendeiner Form verpflichtend auferlegt. Dem letzten Propheten, dem geehrten Muhammad (s.a.w.), und seiner Gemeinschaft wurden insgesamt fünf Gebete am Tag und in der Nacht zur Pflicht gemacht. Wie und wann diese Gebete zu verrichten sind, wurde dem geehrten Propheten (s.a.w.) in ihrer praktischen Form von Jibrīl (a.s.) gelehrt, der selbst als Vorbeter zehn Gebete verrichtete.

Der Gesandte (s.a.w.) hat sämtliche Anweisungen dazu gegeben, wie man für das Gebet durch Gebetswaschung und Ganzwaschung den Körper reinigt, zu welchen Zeiten man das Gebet verrichtet, wie man sich verbeugt und niederwirft, wie lange die Qauma und die Jalsa dauern sollen und wie man das Gebet mit Demut und Konzentration verrichtet. Wer daher das Gebet entsprechend den Anweisungen des Gesandten ordnungsgemäß verrichtet, dem wird Allah vergeben. Für denjenigen aber, der es nicht verrichtet, übernimmt Allah keine Verantwortung hinsichtlich seiner Vergebung.

(۲۲)
وَعَنْ عَبْدِ اللَّهِ بْنِ عَمْرِو بْنِ الْعَاصِ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ عَنِ النَّبِيِّ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ أَنَّهُ ذَكَرَ الصَّلَاةَ يَوْمًا فَقَالَ: مَنْ حَافَظَ عَلَيْهَا كَانَتْ لَهُ نُورًا وَبُرْهَانًا وَنَجَاةً يَوْمَ الْقِيَامَةِ ، وَمَنْ لَمْ يُحَافِظُ عَلَيْهَا لَمْ يَكُنْ لَهُ نُوْرٌ وَلَا بُرْهَانٌ وَلَا نَجَاةٌ، فَكَانَ يَوْمَ الْقِيَامَةِ مَعَ قَارُوْنَ وَفِرْعَوْنَ وَهَامَانَ وَأُبَيِّ بْنِ خَلَفٍ
أحمد – دارمي – بيهقي)

(22) Überliefert von ʿAbdullāh ibn ʿAmr ibn al-ʿĀṣ (r.a.): Eines Tages sprach der edle Prophet (s.a.w.) über das Gebet und sagte: „Wer das Gebet gewissenhaft bewahrt, für den wird dieses Gebet am Tag der Auferstehung ein Licht, ein Beweis und ein Grund zur Erlösung sein. Wer es jedoch nicht gewissenhaft bewahrt, für den wird das Gebet am Tag der Auferstehung weder ein Licht noch ein Beweis noch ein Grund zur Erlösung sein. Und diese Person wird am Tag der Versammlung gemeinsam mit Ungläubigen wie Qārūn, dem Pharao, Hāmān und Ubayy ibn Khalaf auferstehen.“ (Aḥmad, Dārimī, Baihaqī)

Erläuterung: Im Hadith hat der Gesandte (s.a.w.) dazu aufgefordert, das Gebet gewissenhaft zu bewahren. Das bedeutet: Wenn jemand sein ganzes Leben lang das Gebet in der vorgeschriebenen Weise und mit der gebotenen Konzentration verrichtet, wird eben dieses Gebet ihm in der Dunkelheit am Tag der Auferstehung Licht geben, vor Allah für seine Rechtschaffenheit Zeugnis ablegen und ihn von der Strafe der Hölle befreien. Denn ein solcher Betender kann sich gewöhnlich niemals einer Sünde hingeben.

(۲۳)
وَعَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهَ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: سَبْعَةٌ يُظِلُّهُمُ اللَّهُ فِي ظِلِهِ يَوْمَ لَا ظِلَّ إِلَّا ظِلُّهُ؛ الإِمَامُ الْعَادِلُ، وَشَابٌ نَشَأَ فِي عِبَادَةِ رَبِّهِ، وَرَجُلٌ قَلْبُهُ مُعَلِّقٌ فِي الْمَسَاجِدِ، وَرَجُلَانِ تَحَابًّا فِي اللَّهِ اجْتَمَعًا عَلَيْهِ وَتَفَرَّقَا عَلَيْهِ، وَرَجُلٌ طَلَبَتْهُ امْرَأَةٌ ذَاتُ مَنْصِبٍ وَجَمَالٍ فَقَالَ إِنِّي أَخَافُ اللَّهَ، وَرَجُلٌ تَصَدَّقَ أَخْفَى حَتَّى لَا تَعْلَمَ شِمَالُهُ مَا تُنْفِقُ يَمِينُهُ
-(بخاري – مسلم)

(23) „Von Hazrat Abu Huraira (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) wird überliefert, dass er sagte: Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: An dem Tag, an dem es keinen Schatten außer dem Schatten Allahs geben wird, wird der Erhabene Allah sieben Arten von Menschen in Seinem Schatten Zuflucht gewähren. (1) einem gerechten Herrscher, (2) einem jungen Mann, dessen Jugend im Gottesdienst für Allah vergangen ist, (3) einem betenden Menschen, dessen Herz stets an die Moschee gebunden ist, sodass er, nachdem er die Moschee verlassen hat, sich danach sehnt, wieder in sie zurückzukehren, (4) zwei Menschen, deren Liebe und Trennung einzig um Allahs willen erfolgten – das heißt, deren Zusammenkommen und Trennung sich ausschließlich auf Allah bezogen, (5) einem Menschen, der Allah allein gedenkt und dabei Tränen vergossen hat, (6) einem Menschen, der von einer angesehenen und schönen jungen Frau zur Erfüllung ihrer Liebe eingeladen wird, dies aber mit den Worten ablehnt: ‚Ich fürchte Allah‘, (7) und einem Menschen, der so heimlich spendet, dass seine rechte Hand nichts davon weiß, was seine linke Hand gegeben hat. (Buchari, Muslim)

Erläuterung: An jenem schrecklichen Tag, an dem es auf dem Versammlungsfeld der Auferstehung keinen Schatten außer dem von Allah selbst bestimmten Schatten geben wird, werden die Menschen unter unerträglicher Hitze und glühender Sonne leiden. An diesem Tag wird Allah sieben Arten von Menschen im kühlenden Schatten Seiner Barmherzigkeit Zuflucht gewähren. Der erste ist jener gerechte Herrscher, der, nachdem ihm die Herrschaft über einen Teil der Menschheit übertragen worden war, stets gerecht regierte. Der zweite ist jener junge Mann, der seine Jugend im Gottesdienst für Allah verbracht hat. In der Jugend entfalten sich alle Kräfte und Begabungen des Menschen. Daher ist die Jugendzeit das wichtigste Kapitel im menschlichen Leben. Gerade in der Jugend ist die Gefahr des Fehltritts besonders groß. Deshalb wird Allah am Tag der Auferstehung jenen jungen Mann in Seinem eigenen Schatten Zuflucht gewähren, der in diesem wichtigen Lebensabschnitt das Schiff seiner Jugend unter die Führung von Allahs Religion gestellt hat. Der dritte ist jener betende Mensch, dessen Herz stets mit der Moschee verbunden bleibt, das heißt, der mit völliger Hingabe das Gebet in der Gemeinschaft in der Moschee verrichtet. Die vierten, die unter Allahs Schatten Zuflucht finden werden, sind jene zwei Menschen, deren Liebe und Feindschaft einzig um Allahs willen bestanden. Das heißt, ihre Feindschaft und ihre Freundschaft wurden durch keinerlei weltliche Interessen bestimmt. Der fünfte, der unter dem Schatten von Allahs Gnade Zuflucht finden wird, ist jener, der Allah fern von den Blicken der Menschen in der Einsamkeit gedachte und dabei Tränen vergoss. Der sechste Mensch, der am schrecklichen Tag der Auferstehung im kühlenden Schatten Allahs Zuflucht finden wird, ist ein tugendhafter, gottesfürchtiger Mensch, der aus Furcht vor Allahs Strafe den verlockenden Ruf einer angesehenen und schönen jungen Frau zur Erfüllung ihrer Wünsche zurückgewiesen hat. Der siebte, der Zuflucht finden wird, ist jener freigebige Mensch, der ausschließlich in der Absicht, Allahs Wohlgefallen zu erlangen, ganz heimlich gespendet hat.

Das Errichten des Gebets als staatliche Pflicht des islamischen Staates

(٢٤) وَعَنْ عُمَرَ بْنَ الْخَطَّابِ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ أَنَّهُ كَتَبَ إِلَى عُمَّالِهِ: إِنَّ أَهَمَّ أَمْوْرِكُمْ عِنْدِي الصَّلَاةُ، فَمَنْ حَافِظُ وَحَافَظَ عَلَيْهَا حَفِظَ دِينَهُ ، وَمَنْ ضَيَّعَهَا فَهُوَ لِمَا سوَاهَا أَصْيَع (موطا إمام مالك)

(24) „Von Hazrat Umar ibn al-Chattab (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) wird überliefert, dass er an alle seine Gouverneure die Anweisung erließ: Unter all euren Pflichten ist das Gebet für mich die wichtigste. Wer daher sein eigenes Gebet mit der gebotenen Sorgfalt verrichtet und über das Gebet wacht, hat damit gleichsam seine Religion vollständig bewahrt. Wer jedoch das Gebet nicht beachtet, bei dem ist es keineswegs ausgeschlossen, dass er auch bei der Erfüllung seiner anderen Pflichten untreu handelt.“
(Muwatta von Imam Malik)

Erläuterung: Das Errichten des Gebets gehört zu den staatlichen Pflichten eines islamischen Staates. So wie das Staatsoberhaupt und die ihm unterstellten Herrscher für die Verwaltung ihrer jeweiligen Gebiete verantwortlich sind, so sind sie auch dafür verantwortlich, in ihren jeweiligen Gebieten das Gebet zu organisieren und zu errichten. Der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und seine fähigen Kalifen erfüllten beide Arten von Pflichten zugleich. Der zweite Kalif, Hazrat Umar (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm), lenkte durch eine Anweisung die Aufmerksamkeit der ihm unterstellten Herrscher auf diese wichtige Angelegenheit. Denn dies ist eine der wichtigsten Pflichten eines islamischen Staates. Allah sagt darüber im Heiligen Koran:

„Wenn Meine aufrichtigen Diener die Herrschaft über ein Land der Welt erlangen, errichten sie dort das Gebet, führen die Zakat ein, gebieten den Bürgern das Rechte und halten sie vom Unrechten ab.“ (Sure al-Haddsch, Vers 41)

Hadhrat Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) hatte seine ihm unterstellten Statthalter ausdrücklich davor gewarnt, dass sie, wenn sie gegenüber dieser ersten Pflicht Allahs des Erhabenen Nachlässigkeit zeigten, auch bei der Erfüllung ihrer übrigen Pflichten nachlässig sein würden.

Das Gebet ist Allahs liebste Anbetung

(٢٥) وَعَنِ ابْنِ مَسْعُوْدٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، سَأَلْتُ النَّبِيَّ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: أَيُّ الْأَعْمَالِ أَفْضَلُ؟ قَالَ: الصَّلَاةُ لِوَقْتِهَا ، قُلْتُ : ثُمَّ أَيُّ؟ قَالَ: بِرُّ الْوَالِدَيْنِ، قُلْتُ

ثُمَّ أَيُّ؟ قَالَ: الْجِهَادُ فِي سَبِيلِ اللَّهِ، قَالَ حَدَّثَنِي بِهِنَّ وَلَوْ اسْتَزَدْتُهُ لَزَادَنِي (بخاري – مسلم)

(25) „Es wird von Hadhrat Ibn Masʿud (möge Allah mit ihm zufrieden sein) überliefert, dass er sagte: Ich fragte den edlen Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), welche der guten Taten der Menschen Allah am liebsten sei. Der Hochgeehrte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) antwortete: das Gebet zur vorgeschriebenen Zeit zu verrichten. Ich fragte: Und welche danach? Er (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: die gute Behandlung der Eltern. Ich fragte erneut: Und welche danach? Er (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) antwortete: für Allahs Sache in den Dschihad zu ziehen. Hadhrat Ibn Masʿud sagte: Diese Worte hatte der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu mir gesagt. Hätte ich den Hochgeehrten noch weiter gefragt, hätte er noch mehr gesagt.“ (Buchari, Muslim)

Wann soll man die Kinder zum Gebet anhalten?

(٢٦) وَعَنْ عَمْرِو بْنِ شُعَيْبٍ عَنْ أَبِيْهِ عَنْ جَدِّهِ قَالَ، قَالَ رَسُوْلُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: مُرُوا أَوْلَادَكُمْ بالصَّلاةِ، وَهُمْ أَبْنَاءُ سَبْعِ سِنِينَ، وَاضْرِبُوهُمْ وَهُمْ أَبْنَاءُ عَشْرِ سِنِينَ، وَفَرِّقُوا بَيْنَهُمْ فِي الْمَضَاجِعِ
(أبو داود)

(26) „Hadhrat ʿAmr ibn Shuʿayb (möge Allah mit ihm zufrieden sein) überlieferte von seinem Vater, und dieser von seinem Großvater, dass er sagte: Der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Wenn eure Kinder sieben Jahre alt sind, dann weist sie an, das Gebet zu verrichten. Wenn sie zehn Jahre alt sind, dann bestraft sie wegen des Gebets und trennt ihre Schlafplätze voneinander.“ (Abu Dawud)

Erklärung: Tatsächlich werden mit dem Erreichen der Geschlechtsreife für alle, unabhängig davon, ob Mann oder Frau, das Gebet, das Fasten und andere gottesdienstliche Handlungen verpflichtend. Wenn man Jungen und Mädchen jedoch nicht schon vorher das Gebet lehrt und sie nicht daran gewöhnt, das Gebet zu verrichten, ist es für sie unmittelbar nach Erreichen der Geschlechtsreife nicht möglich, das Gebet zu verrichten. Daher hat der ehrwürdige Prophet (s.a.w.s.) den Eltern befohlen, Jungen und Mädchen im Alter von sieben Jahren zum Gebet anzuspornen und sie im Alter von zehn Jahren zum Gebet anzuhalten. Diese Anweisung richtet sich an die Erziehungsberechtigten. Wenn die Erziehungsberechtigten diese Anweisung nicht befolgen, werden sie vor Allah dafür zur Rechenschaft gezogen.

Am Tag der Auferstehung wird zuerst nach dem Gebet gefragt

(۲۷)
وَعَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ : إِنَّ أَوَّلَ مَا يُحَاسَبُ بِهِ العَبْدُ يَوْمَ القِيَامَةِ مِنْ عَمَلِهِ صَلَاتُهُ ، فَإِنْ صَلُحَتْ فَقَدْ أَفْلَحَ وَأَنْجَحَ، وَإِنْ فَسَدَتْ فَقَدْ خَابَ وَخَسِرَ، فَإِنْ انْتَقَصَ مِنْ فَرِيضَةٍ ، قَالَ الرَّبُّ: انْظُرُوا هَلْ لِعَبْدِي مِنْ تَطَوُّع

فَيُكَمَّلَ بِهَا مَا انْتَقَصَ مِنَ الفَرِيضَةِ، ثُمَّ يَكُونُ سَائِرُ
أَعْمَا لِهِ عَلَى هَذَا (ترمذي)

(27) Überliefert von Abu Huraira (r.a.): Er berichtet, dass der ehrwürdige Prophet (s.a.w.s.) gesagt hat: Auf dem Feld der Auferstehung wird der Diener als Allererstes über sein Gebet Rechenschaft ablegen müssen. Wenn der Diener die Prüfung hinsichtlich des Gebets besteht, wird er erfolgreich sein. Wenn er jedoch bei der Prüfung hinsichtlich des Gebets scheitert, wird es für ihn keinen Ausweg mehr geben. Sollte sich allerdings bei seinen Pflichtgebeten ein Mangel finden, wird Allah den Engeln sagen: „Wenn mein Diener freiwillige Gebete verrichtet hat, dann behebt damit den Mangel an den Pflichtgebeten.“ Danach wird bei all seinen Taten dieselbe Vorgehensweise angewandt.“ (Tirmidhi)

Erklärung: Es wurde bereits erwähnt, dass unter den körperlichen gottesdienstlichen Handlungen das Gebet die wichtigste ist. Das Gebet war daher für alle Propheten (a.s.) und ihre Gemeinschaften in irgendeiner Form verpflichtend. Deshalb wird der Diener am Tag der Auferstehung zuerst über das Gebet befragt werden. Wenn ein Diener diese erste Prüfung besteht, werden die nachfolgenden Prüfungen für ihn nicht schwierig sein. Wenn am Tag der Versammlung bei den Pflichtgebeten eines Allah ergebenen Dieners ein Mangel festgestellt wird, wird Allah diesen Mangel aus Seiner Barmherzigkeit mithilfe der freiwilligen Gebete ausgleichen. Danach wird auch bei seinen weiteren Taten dieselbe Vorgehensweise angewandt. Das heißt, der Mangel bei den Pflichtgebeten wird durch freiwillige Gebete ausgeglichen.

Die Bedeutung der Verrichtung des Gebets in der Gemeinschaft

(۲۸)
وَعَنْ عَبْدِ اللَّهِ بْنِ عُمَرَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: صَلَاةُ الْجَمَاعَةِ تَفْضُلُ صَلَاةَ الْفَدَّ بِسَبْعٍ وَعِشْرِيْنَ دَرَجَةً
(بخاري – مسلم)

(28) „Von Hadhrat Abdullah ibn Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) wird überliefert, dass er sagte: Der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sprach: Das Gebet in Gemeinschaft besitzt siebenundzwanzigmal mehr Vorzüglichkeit als das allein verrichtete Gebet.“ (Bukhari, Muslim)

Erklärung: Allah, der Erhabene, hat der Umma Muhammads die fünf täglichen Gebete in Gemeinschaft zur Pflicht gemacht. Auch die zehn Gebete, die Hadhrat Gabriel (Friede sei mit ihm) dem ehrwürdigen Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) unter seiner eigenen Leitung als Imam an zwei Tagen lehrte, wurden in Gemeinschaft verrichtet. Daher wird das Pflichtgebet erst dann vollständig verrichtet, wenn es in Gemeinschaft gebetet wird. Wer das Pflichtgebet ohne Entschuldigung allein verrichtet, hat es nicht vollständig verrichtet; vielmehr wird es dem Nachholen eines Gebets gleichkommen. Auch der berühmte Gelehrte Molla Ziyan Sahib hat dies in seinem bekannten Buch „Nurul Anwar“ erwähnt. In dem überlieferten Hadith wird auf den unermesslichen Lohn hingewiesen, der mit dem Gebet in Gemeinschaft verbunden ist. Denn das Gebet in Gemeinschaft ist das vollständige Gebet. Verrichtet man das Pflichtgebet allein, so ist das Gebet zwar gültig, jedoch nicht vollständig.

(۲۹)
وَعَنْ أَبِي دَرْدَاءِ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُوْلَ اللهِ صَلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ : مَا مِنْ ثَلَاثَةٍ فِي قَرْيَةٍ وَلَا بَدْوِ لَا تُقَامُ فِيهِمُ الصَّلَاةُ إِلَّا قَدِ اسْتَحْوَذَ عَلَيْهِمُ الشَّيْطَانُ فَعَلَيْكَ بِالْجَمَاعَةِ فَإِنَّمَا يَأْكُلُ الذِّئْبُ القاصية
(أحمد – أبو داود – نسائي)

(29) „Von Hadhrat Abu Darda (möge Allah mit ihm zufrieden sein) wird überliefert, dass er sagte: Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sprach: Wenn sich in einem Dorf oder in einer Einöde drei Menschen befinden und sie das Gebet nicht in Gemeinschaft verrichten, wird Satan gewiss Macht über sie gewinnen. Daher ist die Gemeinschaft für euch unerlässlich. Denn ein Tier, das sich von der Herde abgesondert hat, wird zur Beute des Tigers.“ (Ahmad, Abu Dawud, Nasai)

Erklärung: In diesem Hadith hat der ehrwürdige Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zur Unerlässlichkeit der Gemeinschaft ein kurzes und schönes Gleichnis angeführt. Wenn eine Tierherde am Fuß eines Berges oder auf einer Weide zusammenbleibt, greifen die Tiger sie nicht an. Denn der Blick des wachhabenden Hirten und der Jagdhunde ist ständig auf die Herde gerichtet. Wenn sich jedoch ein Tier beim Grasen außerhalb des Blickfelds des Hirten entfernt, greift der Tiger es bei nächster Gelegenheit an. Ebenso wird ein Muslim, der nicht an der Gemeinschaft teilnimmt, zur Beute Satans.

(۳۰)
وَعَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ أَمَرَنَا رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ إِذَا كُنْتُمْ فِي

الْمَسْجِدِ فَنُوْدِيَ بِالصَّلَاةِ، فَلَا يَخْرُجْ أَحَدُكُمْ حَتَّى يُصَلِّي (أحمد)

(30) „Von Hadhrat Abu Huraira (möge Allah mit ihm zufrieden sein) wird überliefert, dass er sagte: Der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) hat uns angewiesen: Wenn ihr euch in der Moschee aufhaltet und währenddessen der Gebetsruf ertönt, dürft ihr sie nicht verlassen, bevor ihr das Gebet beendet habt. (Ahmad)

(۳۱)
وَعَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ عَنِ النَّبِيِّ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ قَالَ: لَوْلَا مَا فِي الْبُيُوتِ مِنَ النِّسَاءِ وَالذُّرِّيَّةِ ، أَقَمْتُ صَلَاةَ الْعِشَاءِ، وَأَمَرْتُ فِتْيَانِي يُحْرِقُوْنَ مَا فِي الْبُيُوتِ بِالنَّارِ. (أحمد)

(31) „Hazrat Abu Huraira (r.a.) überlieferte vom edlen Propheten (s.a.w.) folgenden Hadith: Eines Tages sagte der Ehrwürdige (s.a.w.): Wenn sich in den Häusern keine kleinen Kinder und Frauen befänden, würde ich das Nachtgebet beginnen und anschließend junge Männer aussenden, damit sie die Häuser derjenigen, die nicht zum Gebet kommen, in Brand setzen. (Ahmad)

Erläuterung: Wie wichtig es ist, das Gebet gemeinsam zu verrichten, geht aus dem oben genannten Hadith des edlen Propheten (s.a.w.) hervor. Es gibt jedoch drei Gründe, aus denen man dem Gemeinschaftsgebet fernbleiben darf. (1) Wenn auf dem Weg zur Moschee die Gefahr besteht, auf Feinde, Tiger, Bären oder Schlangen und Skorpione zu treffen.

(2) Wenn der Betende krank ist. (3) Wenn ein solcher Sturm losbricht, dass es unmöglich ist, am Gemeinschaftsgebet teilzunehmen.

(۳۲)
وَعَن عَبْدِ اللَّهِ ابْنِ عُمَرَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُمَا أَنَّهُ أَذَّنَ بِالصَّلَاةِ فِي لَيْلَةٍ ذَاتِ بَرْدٍ وَرِيحٍ، ثُمَّ قَالَ: أَلَا صَلُّوْا فِي الرِّحَالِ، ثُمَّ قَالَ إِنَّ رَسُولَ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ كَانَ يَأْمُرُ الْمُؤَذِّنَ إِذَا كَانَتْ لَيْلَةٌ ذَاتُ بَرْدِ وَمَطَرٍ يَقُولُ أَلَا صَلُّوْا فِي الرِّحَالِ (بخاري – مسلم)

(32) „Hazrat Abdullah ibn Umar (r.a.) überlieferte: Eines Tages rief er in einer kalten und stürmischen Nacht zum Gebet. Danach sagte er: O ihr alle, verrichtet das Gebet jeder in seinem eigenen Haus. Er sagte ferner: Wenn eine Nacht besonders kalt und regnerisch war, befahl der Ehrwürdige (s.a.w.) dem Gebetsrufer, in jener Nacht zu verkünden: Jeder soll sein Gebet an seinem jeweiligen Ort verrichten.“ (Buchari, Muslim)

Das Gebet der Frauen zu Hause ist besser

(۳۳)
وَعَنِ عَبْدِ اللَّهِ ابْنِ عُمَرَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُمَا قَالَ قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: لَا تَمْنَعُوْا نِسَاءَكُمُ الْمَسَاجِدَ، وَبُيُوتُهُنَّ خَيْرٌ لَهُنَّ (أبو داود)

(33) „Von Hadhrat Abdullah ibn Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) wird überliefert, dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Hindert eure Frauen nicht daran, zur Moschee zu gehen. Doch für sie ist ihr Haus besser.“ (Abu Dawud)

(٣٤) وَعَنْ عَبْدِ اللَّهِ بْنِ مَسْعُودٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُوْلُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ : صَلَاةُ الْمَرْأَةِ فِي بَيْتِهَا أَفْضَلُ مِنْ صَلَاتِهَا فِي حُجْرَتِهَا، وَصَلَاتُهَا فِي مَخْدَعِهَا أَفْضَلُ مِنْ صَلَاتِهَا فِي بَيْتِهَا (أبو داود)

(34) „Von Hadhrat Abdullah ibn Masʿud (möge Allah mit ihm zufrieden sein) wird überliefert, dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Für Frauen ist das Gebet im Inneren ihres Hauses besser als das Gebet außerhalb ihres Hauses. Und ihr Gebet im Inneren ihres Zimmers ist besser als das Gebet im Haus.“ (Abu Dawud)

Erklärung: Dem Sinn des vorstehenden Hadith zufolge ist es Frauen zwar erlaubt, sich unter Wahrung des Purdah in die Moschee zu begeben, sich von den Reihen der Männer getrennt aufzustellen und das Gebet in der Gemeinschaft zu verrichten; doch der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) hat darauf hingewiesen, dass es für sie viel besser ist, das Gebet in ihrem eigenen Haus zu verrichten.

Es ist besser, die freiwilligen Gebete zu Hause zu verrichten

(٣٥) وَعَنْ جَابِرٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: إِذَا قَضَى أَحَدُكُمُ الصَّلَاةَ فِي

مسْجِدِهِ فَلْيَجْعَلْ لِبَيْتِهِ نَصِيبًا مِنْ صَلَاتِهِ، فَإِنَّ اللَّهَ جَاعِلٌ فِي بَيْتِهِ مِنْ صَلَاتِهِ خَيْرًا (مسلم)

(35) „Von Hadhrat Dschabir (möge Allah mit ihm zufrieden sein) wird überliefert. Er sagte: Der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Wenn jemand von euch in der Moschee betet, soll er einen Teil seines Gebets (das heißt freiwillige oder Sunna-Gebete) für sein Haus zurückbehalten. Denn Allah wird aufgrund dieses Gebets seinem Haus Segen verleihen.“ (Muslim)

(٣٦) وَعَنْ زَيْدِ بْنِ ثَابِتٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: صَلَاةُ الْمَرْءِ فِي بَيْتِهِ أَفْضَلُ مِنْ صَلَاتِهِ فِي مَسْجِدِي هَذَا إِلَّا الْمَكْتُوبَةَ
(أبو داود – ترمذي)

(36) „Von Hadhrat Zaid ibn Thabit (möge Allah mit ihm zufrieden sein) wird überliefert, dass er sagte: Der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Das Gebet, das jemand in seinem eigenen Haus verrichtet, ist besser als das Gebet in dieser meiner Moschee, ausgenommen die Pflichtgebete.“ (Abu Dawud, Tirmidhi)

Erläuterung: Riyāʾ macht die gottesdienstlichen Handlungen eines Menschen zunichte. Ein Mensch, der Riyāʾ betreibt, wird von Allah gewiss keinen Lohn für seine gottesdienstliche Handlung erhalten. Vielmehr kann diese gottesdienstliche Handlung, die mit dem Ziel der Riyāʾ (Zurschaustellung) verrichtet wurde, ihn sogar sündig machen. Da durch das zusätzliche (freiwillige) Gebet an einem öffentlichen und sichtbaren Ort im Herzen des Betenden der Gedanke an Riyāʾ entstehen kann, hat der Prophet Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) dazu ermuntert, die freiwilligen Gebete heimlich zu Hause zu verrichten.

Der Vorzug des nächtlichen Wachens und des Tahaddschud-Gebets

(۳۷)
وَعَنْ مُغِيرَةً بِنْ شُعْبَةٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَامَ النَّبِيُّ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ حَتَّى تَوَرَّمَتْ قَدَمَاهُ، فَقِيلَ لَهُ لِمَ تَصْنَعُ هَذَا؟ وَقَدْ غُفِرَ لَكَ مَا تَقَدَّمَ مِنْ ذَنْبِكَ وَمَا تَأَخَّرَ، قَالَ : أَفَلَا أَكُونُ عَبْدًا شَكُورٌ
(بخاري – مسلم)

(37) „Von Hadhrat Mughīra ibn Schuʿba (möge Allah mit ihm zufrieden sein) wird überliefert, dass er sagte: Eines Tages stand der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) beim Tahaddschud-Gebet so lange, dass seine beiden Fußsohlen anschwollen. Da wurde gesagt: ‚O Gesandter Allahs, warum tust du dies, obwohl Allah dir doch alle deine vergangenen und zukünftigen Sünden vergeben hat?‘ Der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) antwortete: ‚Sollte ich nicht ein dankbarer Diener Allahs sein?‘“ (Buchari, Muslim)

Erläuterung: Von allen freiwilligen Gebeten besitzt das Tahaddschud-Gebet den größten Vorzug. Für den edlen Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) war das Tahaddschud-Gebet verpflichtend. Obwohl es für die Gemeinschaft rechtlich nicht zur Pflicht gemacht wurde, ist es Allahs Wille, dass die Gemeinschaft Muhammads das Tahaddschud-Gebet mit besonderer Bedeutung und Sorgfalt verrichtet. Auch im Heiligen Koran wird das Tahaddschud-Gebet erwähnt. So sagte Allah, der Erhabene, zum Propheten gewandt:

وَمِنَ اللَّيْلِ فَتَهَجَّدْ بِهِ نَافِلَةً لَّكَ عَسَى أَنْ يَبْعَثَكَ رَبُّكَ مَقَامًا مَحْمُوْدًا (بني إسرائيل: ۷۹)

Bedeutung: „Verrichte während eines Teils der Nacht das Tahadschud-Gebet; dies ist für dich zusätzlich. Dein Herr wird dich bald zur gepriesenen Stätte erheben.“
(Banī Isrāʾīl, Vers 79)

Der ehrwürdige Prophet (s.) pflegte bisweilen so lange im Tahadschud-Gebet zu stehen, dass seine Fußsohlen anschwollen. Daraufhin sagte jemand unter den Gefährten: „Ehrwürdiger Prophet, du bist doch maʿṣūm und hast keine Sünden. Trotzdem hat Allah dir versprochen, all deine vergangenen und künftigen Verfehlungen zu vergeben. Warum bedarf es dann einer solch großen Anstrengung von dir?“ Der ehrwürdige Prophet (s.) erwiderte: „Sollte ich denn nicht ein von Allah geliebter Diener sein?“ Der ehrwürdige Prophet (s.) verrichtete das Tahadschud-Gebet einschließlich des Witr-Gebets mit 7, 9 oder 11 Rakʿāt, bisweilen auch mit 13 Rakʿāt.

(۳۸)
وَعَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُوْلَ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: يَنْزِلُ رَبُّنَا تَبَارَكَ وَتَعَالَى كُلَّ لَيْلَةٍ إِلَى السَّمَاءِ الدُّنْيَا حِيْنَ يَبْقَى ثُلُثُ اللَّيْلِ الآخِرُ، يَقُولُ : مَنْ يَدْعُونِي فَأَسْتَجِيْبَ لَهُ، مَنْ يَسْأَلُنِي فَأُعْطِيَهُ، وَمَنْ يَسْتَغْفِرُنِي فَأَغْفِرَ لَهُ (بخاري – مسلم)

(38) „Von Abū Huraira (r.a.) wird überliefert, dass er sagte: Der ehrwürdige Gesandte (s.) sagte: Wenn ein Drittel der Nacht verbleibt, steigt unser Herr, der Erhabene und Gesegnete, selbst zum untersten Himmel hinab und ruft: ‚Wer ist da, der Mich zu dieser Zeit anruft? Ich werde seinem Ruf antworten. Wer ist da, der Mich um etwas bittet? Ich werde es ihm geben. Wer ist da, der Mich zu dieser Zeit um Vergebung seiner Sünden bittet? Ich werde ihm vergeben.‘“
(Buchārī, Muslim)

(۳۹)
وَعَنْ جَابِرٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، سَمِعْتُ النَّبِيَّ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ يَقُولُ: إِنَّ فِي اللَّيْلِ لَسَاعَةً لَا يُوَافِقُهَا رَجُلٌ مُسْلِمٌ يَسْأَلُ اللَّهَ خَيْرًا مِنْ أَمْرِ الدُّنْيَا وَالْآخِرَةِ إِلَّا أَعْطَاهُ إِيَّاهُ وَذَالِكَ كُلَّ لَيْلَةٍ (مسلم)

(39) „Von Jābir (r.a.) wird überliefert, dass er sagte: Ich hörte den Gesandten Allahs (s.) sagen: In der Nacht gibt es gewiss eine bestimmte Zeit. Wenn ein Muslim diese Zeit erreicht und dann um etwas vom Guten dieser Welt und des Jenseits bittet, so gibt Allah es ihm gewiss. Diese Zeit kommt jede Nacht.“ (Sie ist nicht an eine bestimmte Nacht gebunden.) (Muslim)

(٤٠) وَعَنْ أَبِي أُمَامَةَ بَاهِلِي رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ: قِيلَ: يَا رَسُولَ اللَّهِ أَيُّ الدُّعَاءِ أَسْمَعُ ؟ قَالَ: جَوْفَ اللَّيْلِ الآخِرِ، وَدُبُرَ الصَّلَوَاتِ الْمَكْتُوبَاتِ (ترمذي)

(40) „Von Abū Umāma al-Bāhilī (r.a.) wird überliefert, dass er sagte: Einst wurde gefragt: ‚O Prophet Allahs, zu welcher Zeit werden Bittgebete am ehesten erhört?‘ Der ehrwürdige Prophet (s.) sagte: ‚Die Bittgebete in der zweiten Hälfte der Nacht und die Bittgebete, die nach dem Pflichtgebet gesprochen werden.‘“
(Tirmidhī)

(٤١) وَعَنْ ابْنِ مَالِكِ الأَشْعَرِي رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: إِنَّ فِي الْجَنَّةِ غُرَفًا يُرَى ظَاهِرُهَا مِنْ بَاطِنِهَا ، وَبَاطِنُهَا مِنْ ظَاهِرِهَا ، أَعَدَّهَا اللَّهُ لِمَنْ أَلَآنَ الْكَلَامَ، وَأَطْعَمَ الطَّعَامَ، وَتَابَعَ الصِّيَامَ، وَصَلَّى بِاللَّيْلِ وَالنَّاسُ نِيَامٌ (بيهقي – ترمذي)

(41) „Überliefert von Hazrat Ibn Mālik al-Aschʿarī (r.a.). Er berichtet, dass der edle Gesandte Allahs (s.a.w.s.) gesagt hat: Im Paradies gibt es solche (klaren und glänzenden) Gemächer, dass man von ihrem Inneren alles außerhalb und von außen alles in ihrem Inneren (deutlich) sehen kann. Allah hat diese Gemächer für denjenigen bereitet, der im Umgang mit den Menschen Sanftmut zeigt, den Hungrigen zu essen gibt, fastet und in einem Teil der Nacht betet, während die Menschen gewöhnlich schlafen.“ (Bayhaqī, Tirmidhī)

Erklärung: Wenn gewöhnlich alle am letzten Teil der Nacht eingeschlafen sind und der gesamte Lärm und das Getöse der Welt verstummt ist, widmet sich der Diener Allahs, der sich selbst die Ruhe versagt, im Angesicht seines Herrn der Reue, der Bitte um Vergebung, dem Gedenken und den Andachten, verrichtet das Gebet und hält im Angesicht Allahs Bittgebete. Wie könnte man daran zweifeln, dass er ein von Allah angenommener Diener ist? Wenn die ganze Welt im letzten Teil der Nacht schläft und man wach Gottesdienst verrichtet, empfindet man dabei einerseits einen außerordentlich großen inneren Frieden; andererseits besteht dabei keine Neigung zur Riyā (zur Zurschaustellung vor den Menschen). Daher liebt Allah einen solchen Menschen, und ebenso nimmt Er seine Bittgebete an. In den oben erwähnten Hadithen hat der Prophet Allahs dies in verschiedenen Formen zum Ausdruck gebracht.

Das in diesem letzten Hadith erwähnte Fasten ist freiwilliges Fasten. Mit dem Gebet in der Nacht ist das freiwillige, also das Tahaddschud-Gebet, gemeint. Denn die verpflichtenden Gebote sind für alle verbindlich. Wenn jemand nach der Erfüllung aller verpflichtenden und notwendigen Pflichten diese zusätzliche Andacht mit dem Ziel verrichtet, Allahs Nähe und Wohlgefallen zu erlangen, wird Allah ihm das erwähnte Gemach schenken.

(٤٢) وَعَنْ عَبْدِ اللَّهِ بْنِ عُمَرَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ أَنَّ أَبَاهُ عُمَرَ بْنَ الْخَطَّابِ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ كَانَ يُصَلِّي مِنَ اللَّيْلِ مَا شَاءَ اللَّهُ ، حَتَّى إِذَا كَانَ مِنْ آخِرِ اللَّيْلِ أَيْقَظَ أَهْلَهُ للصَّلاةِ، يَقُولُ لَهُمُ الصَّلاةَ الصَّلَاةَ، ثُمَّ يَتْلُو هَذِهِ الْآيَةَ : وَأْمُرْ أَهْلَكَ بِالصَّلَاةِ وَاصْطَبِرْ عَلَيْهَا لَا نَسْأَلُكَ رِزْقاً نَحْنُ نَرْزُقُكَ وَالْعَاقِبَةُ لِلتَّقْوَى (موطأ إمام مالك)

(42) „Überliefert von Hazrat Abdullah ibn Umar (r.a.): Sein Vater, Hazrat Umar (r.a.), pflegte nachts gemäß Allahs Gewährung des Tawfīq zu beten. Wenn die Nacht sich ihrem Ende zuneigte, weckte er sogar seine Familienangehörigen zum Gebet. Danach rezitierte er diesen Vers:

وَأْمُرْ أَهْلَكَ بِالصَّلَاةِ وَاصْطَبِرْ عَلَيْهَا لَا تَسْأَلُكَ رِزْقاً نَحْنُ نَرْزُقُكَ وَالْعَاقِبَةُ لِلتَّقْوَى (سورة طه : ۱۳۲)

Bedeutung: „O Muhammad (s.a.w.s.), befiehl deiner Familie, das Gebet zu verrichten, und sei beim Verrichten des Gebets geduldig. Ich verlange von dir keine Versorgung; vielmehr versorge Ich dich. Und der gute Ausgang ist den Gottesfürchtigen bestimmt.“
(Sura Tā-Hā, Vers 132)

Die Bedeutung des Freitagsgebets

يَا أَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوا إِذَا نُودِيَ لِلصَّلَاةِ مِنْ يَوْمِ الْجُمُعَةِ فَاسْعَوْا إِلَى ذِكْرِ اللَّهِ وَذَرُوا الْبَيْعَ ذَالِكُمْ خَيْرٌ لَكُمْ إِنْ كُنْتُمْ تَعْلَمُوْنَ (سورة الجمعة : ٩)

Bedeutung: „O ihr Gläubigen, wenn am Freitag zum Gebet gerufen wird, dann eilt zum Gedenken Allahs und lasst den Handel. Das ist besser für euch, wenn ihr es nur wüsstet.“ (Sure al-Dschumuʿa, Vers 9)

(٤٣) وَعَنْ جَابِرٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ أَنَّ رَسُولَ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ قَالَ مَنْ كَانَ يُؤْمِنُ بِاللَّهِ وَالْيَوْمِ الْآخِرِ

فَعَلَيْهِ الْجُمُعَةُ يَوْمَ الْجُمُعَةِ إِلَّا مَرِيضٌ أَوْ مُسَافِرٌ أَوِ امْرَأَةٌ أَوْ صَبِيٌّ أَوْ مَمْلُوكٌ فَمَنِ اسْتَغْنَى بِلَهْوِ أَوْ تِجَارَةٍ اسْتَغْنَى اللَّهُ عَنْهُ وَاللَّهُ غَنِيٌّ حَمِيدٌ (دار قطني)

(43) „Überliefert von Dschabir (möge Allah mit ihm zufrieden sein): Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Wer an Allah und den Jüngsten Tag glaubt, ist verpflichtet, am Freitag das Freitagsgebet zu verrichten. Der Kranke, der Reisende, die Frau, das Kind und der Sklave sind jedoch von dieser Pflicht ausgenommen. Wenn jemand wegen Spiel und Zeitvertreib oder geschäftlicher Angelegenheiten mit etwas anderem beschäftigt ist und dieses Gebet versäumt, wird auch Allah sich von ihm abwenden. Allah ist wahrlich unabhängig und des Lobes würdig.“
(Dar al-Qutni)

Erklärung: Das Freitagsgebet wurde kurz vor der Auswanderung zur Pflicht erklärt. Der ehrwürdige Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) wanderte von Mekka aus und kam zunächst an einem Montag an einem Ort namens Quba am Stadtrand von Medina an, wo er vier Tage blieb. Am fünften Tag brach er nach Medina auf. Dieser Tag war ein Freitag. Als er unterwegs das Dorf des Stammes Banu Salim ibn Awf erreichte, war die Zeit des Gebets gekommen, und dort verrichtete der ehrwürdige Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) erstmals das Freitagsgebet. Der erwähnte Hadith weist darauf hin, dass das Freitagsgebet eine unbedingt zu erfüllende Pflicht ist.

Im Zeitalter der Unwissenheit gab es keinen Tag, der als Freitag bezeichnet wurde. Die Araber nannten diesen Tag Yawm al-Aruba. Erst nach der Anordnung des Freitagsgebets wurde dieser Tag Yawm al-Dschumuʿa, also „Freitag“, genannt. Denn an diesem Tag versammeln sich die Muslime in der größten Moschee der Gegend, am zentralen Ort, um das Freitagsgebet zu verrichten und die Predigt zu hören. Aus der Sicht des gemeinschaftlichen Gottesdienstes ist diese Versammlung am Freitag ebenso wichtig wie aus sozialer und politischer Sicht von besonderer Bedeutung. Das Freitagsgebet ist unbedingt verpflichtend. Ohne einen nach der Scharia anerkannten Entschuldigungsgrund darf dieses Gebet keinesfalls ausgelassen werden. Frauen, Kinder, Kranke, Reisende und Sklaven sind jedoch davon befreit. Wenn sie es dennoch verrichten, ist ihr Freitagsgebet gültig, und sie müssen das Mittagsgebet nicht verrichten.

(٤٤) وَعَنْ سَمُرَةَ بْنِ جُنْدُبٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: احْضُرُوا الْجُمُعَةَ وَادْنُوْا مِنَ الْإِمَامِ، فَإِنَّ الرَّجُلَ لَيَتَخَلَّفُ عَنِ الْجُمُعَةِ حَتَّى إِنَّهُ لَيَتَخَلَّفُ عَنِ الْجَنَّةِ وَإِنَّهُ لَمِنْ أَهْلِهَا
(مسند أحمد)

(44) „Von Hazrat Samura ibn Dschundub (möge Allah mit ihm zufrieden sein) wird überliefert, dass er sagte: Der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Nehmt am Freitagsgebet teil und stellt euch nahe zum Imam. Denn wer beim Freitagsgebet als Letzter von allen anwesend ist, wird folglich auch hinsichtlich des Eintritts ins Paradies hinter allen anderen zurückbleiben, obwohl er gewiss des Paradieses würdig ist.“
(Musnad Ahmad)

(٤٥) وَعَنْ أَبِي الْجَعْدِ الضَّمْرِي رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: مَنْ تَرَكَ ثَلَاثَ جُمَع تَهَاوُنًا بِهَا طَبَعَ اللَّهُ عَلَى قَلْبِهِ

(أبو داود – ابن ماجة – دارمي – موطأ إمام مالك)

(45) „Von Hazrat Abu Dschayad Dhamri (möge Allah mit ihm zufrieden sein) wird überliefert, dass er sagte: Der Ehrwürdige (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Wer aus Nachlässigkeit drei Freitage hintereinander fernbleibt – das heißt, das Freitagsgebet nicht verrichtet –, dem wird Allah sein Herz versiegeln.“

(Abu Dawud, Tirmidhi, Nasa’i, Ibn Madscha, Darimi, Malik)

Erläuterung: Dieser Hadith weist darauf hin, wie wichtig das Freitagsgebet ist. Wer ohne Entschuldigung drei Freitage hintereinander fernbleibt, dessen Herz macht Allah achtlos und versiegelt es; infolgedessen wird sein Herz hart.

Die Vorzüge des Freitags

(٤٦) وَعَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: خَيْرُ يَوْمٍ طَلَعَتْ عَلَيْهِ الشَّمْسُ يَوْمُ الْجُمُعَةِ فِيْهِ خُلِقَ آدَمُ، وَفِيهِ أُدْخِلَ الْجَنَّةَ، وَفِيْهِ أُخْرِجَ مِنْهَا ، وَلَا تَقُوْمُ السَّاعَةُ إِلَّا فِي يَوْمِ الْجُمُعَةِ (مسلم)

(৪৬) „Von Hadhrat Abu Huraira (r.a.) wird überliefert, dass der Gesandte (s.a.w.) sprach: Unter den Tagen, an denen die Sonne aufgeht, ist der Freitag der vorzüglichste Tag. An einem Freitag wurde Hadhrat Adam (a.s.) erschaffen. An diesem Tag wurde er ins Paradies aufgenommen. Und an diesem Tag wurde er aus dem Paradies hinausgeführt und auf die Erde gesandt. Und die Auferstehung wird ebenfalls an einem Freitag stattfinden.“ (Muslim)

(٤٧) وَعَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: إِنَّ فِي الْجُمُعَةِ لَسَاعَةً لَا يُوَافِقُهَا عَبْدٌ مُسْلِمٌ يَسْأَلُ اللَّهَ مِنْهَا خَيْرًا إِلَّا أَعْطَاهُ إِيَّاهُ
(بخاري – مسلم)

(৪৭) „Von Hadhrat Abu Huraira (r.a.) wird überliefert, dass er sagte: Der Gesandte (s.a.w.) sprach: Wahrlich, am Freitag gibt es eine bestimmte Zeit, in der jedem muslimischen Diener, der Allah um etwas Gutes bittet, dies gewiss gewährt wird.“ (Buchari, Muslim)

Eid und das Eid-Gebet

(٤٨) وَعَنْ أَنَسٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ قَدِمَ النَّبِيُّ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ الْمَدِينَةَ وَلَهُمْ يَوْمَانِ يَلْعَبُونَ فِيهِمَا فَقَالَ: مَا هَذَانِ الْيَوْمَانِ؟ قَالُوا : كُنَّا نَلْعَبُ فِيهِمَا فِي الْجَاهِلِيَّةِ، فَقَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: قَدْ

أَبْدَلَكُمْ اللَّهُ فِيهِمَا خَيْرًا مِنْهُمَا يَوْمَ الْأَضْحَى وَيَوْمَ الْفِطْرِ (أبو داود)

(৪৮) „Von Hadhrat Anas (r.a.) wird überliefert, dass er sagte: Als der edle Prophet (s.a.w.) nach Medina kam, sah er, dass die Bewohner Medinas an zwei besonderen Tagen Spiele und Feierlichkeiten veranstalteten. Der Huzur (s.a.w.) fragte: Welche Bedeutung haben diese beiden besonderen Tage für euch? Sie antworteten: In der Zeit der Dschahiliya (vorislamischen Zeit) spielten und feierten wir an diesen beiden Tagen. Der Huzur (s.a.w.) sagte: Seht, Allah hat euch anstelle dieser beiden Tage zwei bessere Tage gegeben: den Tag des Eid al-Adha und den Tag des Eid al-Fitr.“ (Abu Dawud)

Erläuterung: Das Wort Eid bedeutet Freude oder Fröhlichkeit. Da Allah den Muslimen an diesen beiden besonderen Tagen erlaubt hat, Freude und Festlichkeiten zu begehen, werden diese beiden Tage Eid-Tage genannt. Allah und Sein Gesandter (s.) haben jedoch gerade deshalb Regeln und Richtlinien festgelegt, damit das Feiern und die Freude der Muslime nicht zu einem bloßen Vergnügungsfest ohne moralische Bindungen werden. Darüber hinaus wurde das Programm dieser Festlichkeiten so gestaltet, dass dadurch in den Herzen der Muslime ein reines religiöses Bewusstsein und ein Gefühl ihrer Verantwortung gegenüber der Menschheit geweckt werden. Deshalb ist vorgeschrieben, dass jeder wohlhabende Mensch vor der Verrichtung des Eid-Gebets den Armen die Fitra-Abgabe entrichtet und dass beim Opferfest ein Drittel des Opferfleisches unter den armen Bedürftigen verteilt wird. So soll verhindert werden, dass die Freude des Eid auf die Wohlhabenden und Reichen beschränkt bleibt. Vielmehr sollen alle, ob arm oder reich, an der Freude des Eid teilhaben können. Ein solch schönes Beispiel für Gleichheit und Brüderlichkeit ist bei den Festen oder Veranstaltungen anderer Religionsgemeinschaften nur schwer zu finden.

(٤٩) وَعَنْ أَنَسٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، كَانَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ لَا يَغْدُو يَوْمَ الْفِطْرِ حَتَّى يَأْكُلَ تَمَرَاتٍ وَيَأْكُلُهُنَّ وِتْرًا (بخاري)

(49) „Anas (r.) berichtete: Er sagte: Der Gesandte Allahs (s.) ging am Tag des Eid al-Fitr nicht hinaus, ohne zuvor wenigstens einige Datteln gegessen zu haben. Und er aß sie in ungerader Anzahl.“ (Buchari)

Erläuterung: Am Tag des Eid al-Fitr aß der Hochverehrte (s.) etwas, bevor er zum Gebet hinausging. Am Tag des Eid al-Adha hingegen aß er nichts, bevor er zum Eid-Gebetsplatz ging. Der Grund dafür, dass er die Datteln in ungerader Anzahl aß, war, dass der Hochverehrte (s.) sagte: „Allah ist ungerade, und Er liebt das Ungerade.

(٥٠) وَعَنْ جَابِرٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، كَانَ النَّبِيُّ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ إِذَا كَانَ يَوْمُ عِيْدِ خَالَفَ الطَّرِيقَ
(بخاري)

(50) „Dschabir (r.) berichtete: Er sagte: Der Hochverehrte (s.) nahm am Eid-Tag auf dem Hin- und Rückweg einen anderen Weg.“ (Buchari)

Erläuterung: Es ist empfehlenswert, am Eid-Tag, insbesondere auf dem Weg zum Eid-Gebetsplatz und zurück, einen anderen Weg zu nehmen. Denn es ist vorgeschrieben, sich am Eid-Tag in die beste Kleidung zu kleiden und unterwegs Takbir-Rufe zu sprechen. Dadurch wird in den verschiedenen Straßen und Gegenden des Wohnviertels oder Ortsviertels einerseits die Pracht und Würde der Muslime sichtbar, während andererseits die verschiedenen Gebiete vom Lob Allahs und den Takbir-Rufen erfüllt werden.

(٥١) وَعَنْ أَبِي سَعِيدٍ الْخُدْرِيِّ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، كَانَ النَّبِيُّ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ يَخْرُجُ يَوْمَ الْفِطْرِ وَالْأَضْحَى إِلَى الْمُصَلَّى فَأَوَّلُ شَيْءٍ يَبْدَأُ بِهِ الصَّلَاةُ ثُمَّ يَنْصَرِفُ فَيَقُوْمُ مُقَابِلَ النَّاسِ وَالنَّاسُ جُلُوسٌ عَلَى صُفُوفِهِمْ فَيَعِظُهُمْ وَيُوْصِيْهِمْ وَيَأْمُرُهُمْ وَإِنْ كَانَ يُرِيدُ أَنْ يَقْطَعَ بَعْثًا قَطَعَهُ أَوْ يَأْمُرَ بِشَيْءٍ أَمَرَ بِهِ ثُمَّ يَنْصَرِفُ
(بخاري – مسلم)

(51) „Hazrat Abu Sa’id al-Chudri (r.a.) überliefert, dass er sagte: Der edle Prophet (s.a.w.s.) brach am Tag des Eid al-Fitr und am Tag des Eid al-Adha zum Eidgah auf. Dort angekommen, war das Erste, was er tat, das Gebet. Danach wandte er sich um und stellte sich der Menschenmenge gegenüber, während die Menschen in ihren Reihen sitzen blieben. Er ermahnte sie, hielt ihnen eine Nasihat und erteilte ihnen Anweisungen. Wenn er beabsichtigte, irgendwohin Soldaten zu entsenden, wählte er sie zu jener Zeit aus; und wenn er jemandem eine Anweisung zu erteilen hatte, erteilte er sie ebenfalls. (Bukhari, Muslim)

(٥٢) وَعَنْ جَابِرٍ بْنِ سَمُرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، صَلَّيْتُ مَعَ رَسُولِ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ الْعِيْدَيْنِ غَيْرَ مَرَّةٍ وَلَا مَرَّتَيْنِ بِغَيْرِ أَذَانٍ وَلَا إِقَامَةٍ
(مسلم)

(52) „Hazrat Jabir ibn Samura (r.a.) sagte: Ich habe unzählige Male gemeinsam mit dem Gesandten (s.a.w.s.) das Gebet der beiden Eide verrichtet, ohne Adhan und Iqama – nicht nur ein- oder zweimal.“ (Muslim)

(٥٣) وَعَنِ الْبَرَاءِ بْنِ عَازِبٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ خَطَبَنَا النَّبِيُّ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ يَوْمَ النَّحْرِ قَالَ: إِنَّ أَوَّلَ مَا نَبْدَأُ بِهِ فِي يَوْمِنَا هَذَا أَنْ تُصَلِّي ثُمَّ نَرْجِعَ فَتَنْحَرَ، فَمَنْ فَعَلَ ذَلِكَ فَقَدْ أَصَابَ سُنَّتَنَا ، وَمَنْ ذَبَحَ قَبْلَ أَنْ يُصَلِّي فَإِنَّمَا هُوَ لَحْمٌ عَجَّلَهُ لِأَهْلِهِ لَيْسَ مِنَ النُّسُكِ فِي شَيْءٍ
(بخاري – مسلم)

(53) „Hazrat Bara ibn Azib (r.a.) sagte: Eines Tages, am Tag des Eid al-Adha, hielt der Gesandte (s.a.w.s.) uns eine Ansprache und sagte: Unsere erste Aufgabe an diesem Tag ist es, das Gebet zu verrichten. Danach werden wir zurückkehren und das Opfer darbringen. Wer dies tut, folgt unserer Sunna. Wer jedoch vor dem Gebet schlachtet, dessen Tier ist lediglich eine Ziege zum Verzehr des Fleisches, die er für seine Familie übereilt geschlachtet hat; darin findet sich keinerlei Merkmal eines Opfers.“ (Bukhari, Muslim)

Erklärung: Tatsächlich ist nur das Opfer, das gemäß der Anweisung des Gesandten (s.a.w.s.) dargebracht wird, ein gültiges Opfer. Wer jedoch die Anweisung des Gesandten missachtet und nach eigenem Belieben ein Opfer darbringt, mag zwar dessen Fleisch essen, doch es wird kein gültiges Opfer sein.

(٥٤) وَعَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ أَنَّهُ أَصَابَهُمْ مَطَرٌ فِي يَوْمِ عِيْدٍ فَصَلَّى بِهِمُ النَّبِيُّ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ صَلَاةَ الْعِيدِ فِي الْمَسْجِدِ
(أبو داود – ابن ماجة)

(54) „Hazrat Abu Huraira (r.a.) überliefert: Eines Tages, an einem Eid, regnete es bei ihnen. Deshalb verrichtete der Gesandte (s.a.w.s.) mit ihnen das Eid-Gebet in der Moschee.“ (Abu Dawud, Ibn Majah)

Erklärung: Das Festgebet ist verpflichtend, und es ist Sunna, es auf einem großen freien Platz zu verrichten. Wenn es jedoch wegen Regen und Wasser nicht möglich ist, auf dem Festplatz zu beten, kann es in der Moschee verrichtet werden. Wie oben erwähnt, deutet der angeführte Hadith darauf hin.

(٥٥) وَعَنْ ابْنِ الْحُوَيْرِثِ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ أَنَّ رَسُولَ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ كَتَبَ إِلَى عَمْرِو بْنِ حَزْمٍ وَهُوَ بِنَجْرَانَ أَنْ عَجِّلِ الْأَضْحَى وَأَخِرِ الْفِطْرَ وَذَكَرِ النَّاسَ
(شافعي)

(55) „Überliefert von Hadhrat Abul Huwairith (möge Allah mit ihm zufrieden sein): Eines Tages erteilte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) Amr ibn Hazm, seinem in Nadschran eingesetzten Beamten, schriftlich folgende Anweisung: Verrichte das Gebet zum Eid al-Adha früh (zur ersten Gebetszeit) und das Gebet zum Eid al-Fitr später. Und erteile den Menschen (nach dem Gebet) eine Ermahnung.“ (asch-Schafi‘i)

Erklärung: Tatsächlich beginnt die Zeit des Festgebets unmittelbar nach der Zeit des Ischraq und dauert bis kurz bevor die Sonne ihren höchsten Stand erreicht. Das Festgebet muss innerhalb der oben genannten Zeit verrichtet werden. Der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) hat jedoch angeordnet, das Gebet zum Eid al-Adha bereits am Anfang seiner Zeit zu verrichten, damit man unmittelbar danach das Opfertier schlachten und bald von seinem Fleisch essen kann. Das Gebet zum Eid al-Fitr hingegen sollte etwas später verrichtet werden. Denn es ist empfehlenswert, vor dem Eid al-Fitr etwas zu essen. Daher ist eine Verzögerung ganz natürlich.

Zakat

فَأَقِيمُوا الصَّلَاةَ وَآتُوا الزَّكَاةَ وَاعْتَصِمُوا بِاللَّهِ
(سورة الحج – ۷۸)

Bedeutung: „Verrichtet also das Gebet, entrichtet die Zakat und haltet an Allah fest.“ (Sure al-Haddsch, Vers 78)

(٥٦) وَعَنِ ابْنِ عَبَّاسٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُمَا أَنَّ رَسُولَ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ بَعَثَ مُعَاذَا إِلَى الْيَمَنِ فَقَالَ: إِنَّكَ

تَأْتِي قَوْمًا أَهْلَ كِتَابٍ فَادْعُهُمْ إِلَى شَهَادَةِ أَنْ لَا إِلَهَ إِلَّا اللَّهُ وَأَنَّ مُحَمَّدًا رَسُولُ اللَّهِ فَإِنْ هُمْ أَطَاعُوكَ لِذَالِكَ فَأَعْلِمْهُمْ أَنَّ اللَّهَ افْتَرَضَ عَلَيْهِمْ خَمْسَ صَلَوَاتٍ فِي كُلِّ يَوْمٍ وَلَيْلَةٍ فَإِنْ هُمْ أَطَاعُوكَ لِذَالِكَ فَأَعْلِمْهُمْ أَنَّ اللَّهَ افْتَرَضَ عَلَيْهِمْ صَدَقَةً فِي أَمْوَالِهِمْ تُؤْخَذُ مِنْ أَغْنِيَائِهِمْ وَتُرَدُّ عَلَى فُقَرَائِهِمْ فَإِنْ هُمْ أَطَاعُوكَ لِذَالِكَ فَإِيَّاكَ وَكَرَائِمَ أَمْوَالِهِمْ وَاتَّقِ دَعْوَةَ الْمَظْلُومِ فَإِنَّهَا لَيْسَ
بَيْنَهَا وَبَيْنَ اللَّهِ حِجَابٌ
(بخاري – مسلم)

(56) „Überliefert von Hadhrat ʿAbdullah ibn ʿAbbās (möge Allah mit ihm zufrieden sein): Als der edle Prophet Hadhrat Muʿādh als Statthalter in den Jemen entsandte, ermahnte er ihn mit den Worten: ‚O Muʿādh, du gehst zu einem Volk, dessen Bewohner zu den Leuten der Schrift (Juden und Christen) gehören. Daher sollst du sie als Erstes dazu aufrufen, zu bezeugen, dass es keinen Gott außer Allah gibt und dass Muhammad (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) gewiss Sein Gesandter ist.‘ Wenn sie dies anerkennen, dann sage ihnen, dass Allah ihnen insgesamt fünf Gebete am Tag und in der Nacht vorgeschrieben hat. Wenn sie dies anerkennen, dann teile ihnen mit, dass Allah ihnen die Zakāt vorgeschrieben hat, die von den Reichen erhoben und unter den Armen verteilt wird. Wenn sie dies anerkennen, dann hüte dich davor, ihr bestes Vermögen (als Zakāt)

anzunehmen. Und fürchte unbedingt den Fluch der Unterdrückten. Denn zwischen dem Hilferuf des Unterdrückten und Allah gibt es keinen Schleier.‘ (Buchārī, Muslim)

Erläuterung: Die Zakāt ist eine gottesdienstliche Handlung und die vorzüglichste unter den finanziellen gottesdienstlichen Handlungen. Ebenso wie das Gebet wird auch die Zakāt im Heiligen Qurʾān vielfach erwähnt. Auch den früheren Propheten und ihren Gemeinschaften war die Zakāt in irgendeiner Form vorgeschrieben.

In einem islamischen Staat muss die Zakāt vom Staat erhoben und gemäß den Bestimmungen der Scharīʿa für die dafür festgelegten Zwecke verteilt werden. Neben dem Vorgehen des Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und der rechtgeleiteten Kalifen nach ihm weist auch die Unterweisung, die der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) Hadhrat Muʿādh bei dessen Entsendung als Statthalter in den Jemen hinsichtlich der Zakāt erteilte, auf eine staatliche Verantwortung hin. Wenn das Staatswesen nicht islamisch ist, sollen wohlhabende Menschen die Zakāt über eine vertrauenswürdige islamische Organisation sammeln und an geeignete Empfänger verteilen lassen. Gibt es auch keine solche Organisation, sollen die Wohlhabenden die Zakāt selbst entrichten und sie gemäß der Scharīʿa verteilen.

Die Zakāt ist einmal jährlich zu entrichten. Auf Gold, Silber, Bargeld und Handelswaren sind zweieinhalb Prozent als Zakāt zu zahlen. Bei Haustieren beträgt die Zakāt ein Tier von zwanzig. Auch auf die Erträge und Früchte der Felder ist Zakāt zu entrichten.

Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) hat angewiesen, bei der Zakāt nicht das beste Vermögen anzunehmen, sondern Vermögen mittlerer Qualität. Das heißt, er ordnete an, weder die besten Tiere aus der Herde des Zakātpflichtigen noch das beste Getreide aus seiner Ernte anzunehmen.

Aus diesem berühmten Hadith des Gesandten können wir außerdem erfahren, dass die Muslime die ihnen unterstellten Nichtmuslime niemals zwangsweise zum Religionswechsel nötigten. Vielmehr wurden sie, nachdem ihnen der Islam angeboten worden war, erst dann in der islamischen Lebensführung unterwiesen, wenn sie ihn freiwillig annahmen. Andernfalls genossen sie unter dem Staat sämtliche politischen, bürgerlichen und religiösen Rechte.

Die Folgen der Nichtentrichtung der Zakat

(٥٧) وَعَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ : مَنْ آتَاهُ اللَّهُ مَالاً فَلَمْ يُؤَدِّ زَكَاتَهُ مُثْلَ لَهُ يَوْمَ الْقِيَامَةِ شُجَاعًا أَقْرَعَ لَهُ زَبِيْبَتَانِ يُطَوَّقُهُ يَوْمَ الْقِيَامَةِ ثُمَّ يَأْخُذُ بِلِهْزِمَتَيْهِ يَعْنِي شَدْقَيْهِ ثُمَّ يَقُولُ أَنَا مَالُكَ أَنَا كَنْزُكَ ثُمَّ ثَلَا : وَلَا يَحْسِبَنَّ الَّذِينَ يَبْخَلُونَ الآية (بخاري)

(57) „Überliefert von Hazrat Abu Huraira (ra:), er berichtet: Der Gesandte Allahs (s:) sagte: Wem Allah Vermögen gegeben hat, der aber seine Zakat nicht entrichtet, dessen Vermögen wird am Tag der Auferstehung die Gestalt einer furchterregenden Giftschlange annehmen, auf deren Kopf sich zwei schwarze Flecken befinden. (Die schwarzen Flecken sind ein Kennzeichen einer furchterregenden Giftschlange.) Diese Schlange wird sich wie eine Halskette um seinen Hals legen. Dann wird sie in die beiden Kiefer dieses Menschen beißen und sagen: Ich bin dein Vermögen, ich bin dein angesammelter Reichtum. Danach rezitierte der Prophet (s:) den folgenden Koranvers:“

وَلَا يَحْسِبَنَّ الَّذِينَ يَبْخَلُونَ …. الآية

Bedeutung: „Diejenigen, denen Allah Vermögen gegeben hat und die geizig damit sind, sollen nicht meinen, dass ihr Geiz gut für sie sei. Vielmehr ist er für sie äußerst verderblich.“ (Buchari)

(٥٨) وَعَنْ عَائِشَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهَا قَالَتْ، سَمِعْتُ رَسُولَ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ يَقُولُ: مَا خَالَطَتِ الزَّكَاةُ مَالاً قَطُّ إِلَّا أَهْلَكَتْهُ (شافعي – بخاري)

(58) „Hazrat Aischa (ra:) sagte: Ich hörte den Propheten Allahs sagen: Das Vermögen, von dem keine Zakat entrichtet wird, sondern das mit der Zakat vermischt bleibt, wird letztlich zugrunde gehen.“ (Schafii, Buchari)

Die Stellung des mit der Erhebung der Zakat beauftragten Angestellten

(٥٩) وَعَنْ رَافِعِ بْنِ خَدِيجٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولَ اللَّهِ صَلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: الْعَامِلُ عَلَى الصَّدَقَةِ بِالْحَقِّ كَالْغَازِي فِي سَبِيلِ اللَّهِ حَتَّى يَرْجِعَ إِلَى بَيْتِهِ
(أبو داود – ترمذي)

(59) „Von Hazrat Rafi ibn Chadidscha (r.a.) wird berichtet, dass er sagte: Der Prophet Muhammad (s.a.w.) sagte: Der Rang eines Bediensteten, der die Zakat ordnungsgemäß einzieht, ist gleich dem Rang eines Menschen, der auf Allahs Weg Dschihad führt. Er bleibt mit diesem Rang ausgezeichnet, bis er in sein Haus zurückkehrt.“ (Abu Dawud, Tirmidhi)

Erläuterung: Die Zakat ist keine vom Staat auferlegte Steuer. Vielmehr ist sie eine genau festgelegte finanzielle gottesdienstliche Handlung, die Allah, der Erhabene, selbst vorgeschrieben hat. Auch wenn ein islamischer Staat Bedienstete zur Einziehung der Zakat einsetzt, ist ihr Rang nicht bloß der eines Staatsbediensteten. Vielmehr entspricht ihr Rang, während sie die von Allah vorgeschriebenen Zakatmittel einziehen, dem eines Mudschahid, der auf Allahs Weg Dschihad führt.

Wann wird die Zakat auf Vermögen verpflichtend?

(٦٠) عَنِ عَبْدِ اللَّهِ ابْنِ عُمَرَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُمَا قَالَ، قَالَ رَسُولَ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: مَنِ اسْتَفَادَ مَالاً فَلَا زَكَاةَ فِيْهِ حَتَّى يَحُولَ عَلَيْهِ الْحَوْلُ (ترمذي)
(60) „Hazrat Abdullah ibn Umar (r.a.) sagte: Der Prophet Muhammad (s.a.w.) sagte: Wer Vermögen erworben hat, muss dafür keine Zakat entrichten, bevor nicht ein Jahr vergangen ist, während dessen sich dieses Vermögen in seinem Besitz befand.“ (Tirmidhi)

Erläuterung: Sobald jemand Vermögen in Höhe des Nisab besitzt, wird die Zakat noch nicht verpflichtend. Voraussetzung für die Verpflichtung der Zakat ist, dass das Vermögen ein volles Jahr lang im Besitz des Eigentümers bleibt. Entrichtet jedoch jemand die Zakat bereits vor Ablauf des Jahres, so gilt sie als entrichtet.

(٦١) وَعَنْ عَلِيِّ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ أَنَّ الْعَبَّاسِ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ سَأَلَ رَسُولَ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ فِي تَعْجِيلِ صَدَقَتِهِ قَبْلَ أَنْ تَحِلَّ فَرَخَّصَ لَهُ فِي ذَالِكَ
(أبو داود ، ترمذي)

(61) „Von Hazrat Ali (r.a.) wird berichtet: Eines Tages fragte Hazrat Abbas (r.a.) den Propheten (s.a.w.) nach der Entrichtung der Zakat vor Ablauf des Jahres. Daraufhin erlaubte sie ihm der Prophet (s.a.w.).“ (Abu Dawud, Tirmidhi)

Fitra

(٦٢) وَعَنْ عَبْدِ اللَّهِ بْنِ عُمَرَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُمَا قَالَ:
فَرَضَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ زَكَاةَ الْفِطْرِ صَاعًا مِنْ تَمْرٍ أَوْ صَاعًا مِنْ شَعِيْرٍ عَلَى الْعَبْدِ وَالْحُرِّ وَالذَّكَرِ وَالْأُنْثَى وَالصَّغِيرِ وَالْكَبِيرِ مِنَ الْمُسْلِمِينَ وَأَمَرَ بِهَا أَنْ تُؤَدَّى قَبْلَ خُرُوجِ النَّاسِ إِلَى الصَّلَاةِ
(بخاري – مسلم)

(62) „Hazrat Abdullah ibn Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) berichtete: Der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) setzte für jeden Muslim – ob Sklave oder freier Mann beziehungsweise freie Frau, ob jung oder alt – als Sadaqat al-Fitr die Menge eines Sāʿ an Datteln oder Gerste fest. Und er ordnete an, sie vor dem Aufbruch zum Eid-Gebet zu entrichten.“ (Buchari, Muslim)

Erklärung: Fitra ist in Wirklichkeit die Zakat des Fastens. Das heißt: So wie die Zakat das Vermögen reinigt, reinigt die Fitra das Fasten. Mit anderen Worten: Die Fehler und Mängel, die während des Fastens auftreten, werden durch die Fitra ausgeglichen.

Fitra ist verpflichtend. Jeder wohlhabende Mensch muss sie für sich selbst und seine Unterhaltsberechtigten entrichten, bevor er am Eid-Tag zum Gebet aufbricht. Für die Zakat ist es erforderlich, ein ganzes Jahr lang Eigentümer eines zakatpflichtigen Vermögensbetrags zu sein; bei der Fitra ist dies nicht so. Vielmehr muss jeder, der am Morgen des Eid-Tages über einen zakatpflichtigen Vermögensbetrag verfügt, die Fitra entrichten.

Alle Feste und Anlässe, die im Islam vorgesehen sind, haben einen universellen Charakter. Das heißt, der Islam hat besonders darauf geachtet, dass alle Menschen – arm oder reich – an ihrer Durchführung und ihren Freuden teilhaben können. Damit die Freude am Eid nicht auf wohlhabende Haushalte beschränkt bleibt, ordnete der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) an, dass jeder Wohlhabende vor dem Aufbruch zum Eid-Gebet die Fitra für sich selbst und seine Unterhaltsberechtigten unbedingt den armen Bedürftigen entrichtet, damit die Freude am Eid nicht nur auf die Häuser der Reichen beschränkt bleibt.

Die Menge der Fitra beträgt vom Hauptnahrungsmittel der jeweiligen Gegend, also Mehl oder Reis, pro Person einen Sēr und zwölf ein halb Chhatak.

(٦٣) عَنِ ابْنِ عَبَّاسٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُمَا قَالَ، فَرَضَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ زَكَاةَ الْفِطْرِ طُهْرَةُ لِلصَّائِمِ مِنَ اللَّغْوِ وَالرَّفَتْ وَطُعْمَةً لِلْمَسَاكِينِ (أبو داود)

(63) „Hazrat Ibn Abbas (r.a.) überliefert, dass der Gesandte (s.a.w.) die Sadaqat al-Fitr festgesetzt hat, um das Fasten von unnützen Worten und Unzüchtigkeit zu reinigen und den Bedürftigen eine Unterstützung zukommen zu lassen.“ (Abu Dawud)

Die Vorzüge des Ramadan

يَا أَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوا كُتِبَ عَلَيْكُمُ الصِّيَامُ كَمَا كُتِبَ عَلَى الَّذِينَ مِنْ قَبْلِكُمْ لَعَلَّكُمْ تَتَّقُونَ
(سورة البقرة : ۱۸۳)

„O ihr Gläubigen, euch ist das Fasten vorgeschrieben worden, so wie es denjenigen vorgeschrieben worden war, die vor euch waren, damit ihr euch vor Sünden hüten könnt.“ (Sure al-Baqara 2:183)

(٦٤) وَعَنْ سَلْمَانَ الْفَارْسِي رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ
خَطَبَنَا رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ فِي آخِرِ يَوْمٍ مِنْ شَعْبَانَ، فَقَالَ: أَيُّهَا النَّاسُ قَدْ أَظَلُكُمْ شَهْرٌ عَظِيمٌ، شَهْرٌ مُبَارَكٌ فِيْهِ لَيْلَةٌ خَيْرٌ مِنْ أَلْفِ شَهْرٍ، جَعَلَ

اللَّهُ صِيَامَهُ فَرِيْضَةٌ وَقِيَامَ لَيْلِهِ تَطَوُّعًا ، مَنْ تَقَرَّبَ فِيهِ بِخَصْلَةٍ مِنَ الْخَيْرِ كَانَ كَمَنْ أَدَّى فَرِيضَةً فِيْمَا سوَاهُ، وَمَنْ أَدَّى فِيْهِ فَرِيضَةً كَانَ كَمَنْ أَدَّى سَبْعِينَ فَرِيضَةً فِيْمَا سِوَاهُ، وَهُوَ شَهْرُ الصَّبْرِ وَالصَّبْرُ ثَوَابُهُ الْجَنَّةُ، وَشَهْرُ الْمُوَاسَاةِ، وَشَهْرٌ يُزَادُ فِي رِزْقِ الْمُؤْمِنِ فِيهِ، مَنْ فَطْرَ فِيْهِ صَائِمًا كَانَ لَهُ مَغْفِرَةٌ لِذُنُوبِهِ وَعِتْقَ رَقَبَتِهِ مِنَ النَّارِ، وَكَانَ لَهُ مِثْلَ أَجْرِهِ مِنْ غَيْرِ أَنْ يَنْقُصُ مِنْ أَجْرِهِ شَيْءٌ (الدعوات الكبير للبيبهقي)

(64) „Von Hazrat Salman al-Farsi wird überliefert, dass der Gesandte (s.a.w.) eines Tages am letzten Tag des Monats Schaʿban eine Ansprache an uns hielt. Der Gesandte (s.a.w.) sagte: O ihr Menschen, ein großer, gesegneter Monat überschattet euch. In diesem Monat gibt es eine Nacht, die besser ist als tausend Monate. Allah hat das Fasten in diesem Monat zur Pflicht gemacht und das nächtliche Gebet freiwillig. Wer in diesem Monat eine freiwillige Tat verrichtet, um Allahs Nähe zu erlangen, wird demjenigen gleichgestellt, der in einem anderen Monat eine verpflichtende Tat verrichtet hat. Und wer in diesem Monat eine verpflichtende Tat verrichtet, wird demjenigen gleichgestellt, der in einem anderen Monat siebzig verpflichtende Taten verrichtet hat. Dies ist der Monat der Geduld, und der Lohn der Geduld ist das Paradies. Dies ist der Monat gegenseitigen Mitgefühls. Dies ist der Monat, in dem der Lebensunterhalt des Gläubigen vermehrt wird. Wenn jemand in diesem Monat einem Fastenden das Fastenbrechen ermöglicht, werden ihm seine Sünden vergeben und er wird vor der Hölle bewahrt. Ihm wird ein Lohn wie dem des Fastenden gegeben, ohne dass dadurch der Lohn des Fastenden in irgendeiner Weise vermindert wird.“ (Daʿwat al-Kabir, Baihaqi)

(٦٥) وَعَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ : كُلُّ عَمَلِ ابْنِ آدَمَ يُضَاعَفُ الْحَسَنَةُ بِعَشْرِ أَمْثَالِهَا إِلَى سَبْعِ مِئَةِ ضِعْفٍ، قَالَ اللَّهُ تَعَالَى إِلَّا الصَّوْمَ فَإِنَّهُ لِي وَأَنَا أَجْزِي بِهِ، يَدَعُ شَهْوَتَهُ وَطَعَامَهُ مِنْ أَجْلِي لِلصَّائِمِ فَرْحَتَانِ فَرْحَةٌ عِنْدَ فِطْرِهِ وَفَرْحَةٌ عِنْدَ لِقَاءِ رَبِّهِ، وَلَخُلُوفُ فَمِ الصَّائِمِ أَطْيَبُ عِنْدَ اللَّهِ مِنْ رِيحِ الْمِسْكِ، وَالصِّيَامُ جُنَّةٌ، وَإِذَا كَانَ يَوْمُ صَوْمٍ أَحَدِكُمْ فَلَا يَرْفُتْ، وَلَا يَصْخَبْ فَإِنْ سَابَّهُ أَحَدٌ أَوْ قَاتَلَهُ فَلْيَقُلْ إِنِّي امْرُؤٌ صَائِمٌ (بخاري مسلم)

(65) „Hazrat Abu Huraira (Allah sei mit ihm zufrieden) berichtete, dass der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Der Lohn jeder guten Tat eines Menschenkindes wird von zehnfach bis zu siebenhundertfach vervielfacht. Beim Fasten jedoch ist es anders. Denn Allah selbst sagt: ‚Mein Diener hat für meine Zufriedenheit gefastet; ich selbst werde ihn dafür belohnen. Er hat gemäß meinem Gebot Essen, Trinken und seine Begierden aufgegeben.‘“ Für den Fastenden gibt es zwei Zeiten der Freude: die eine ist die Zeit des Fastenbrechens, die andere ist die Zeit der Begegnung mit Allah im Paradies. Das Fasten ist außerdem ein Schutzschild vor den Angriffen des Satans. Wenn ihr also fastet, sollt ihr keine unanständigen Worte sprechen und keinen Streit oder Unfrieden anfangen. Wenn jemand den Fastenden beschimpft oder mit ihm streitet, soll dieser sagen: ‚Ich faste.‘“ (Buchari, Muslim)

Erläuterung: Unter den körperlichen Gottesdiensten ist das Fasten im Monat Ramadan ein besonders wichtiger Gottesdienst. Im zweiten Jahr nach der Hidschra wurde das Fasten im Monat Ramadan der Gemeinschaft Muhammads zur Pflicht gemacht. Ebenso wie das Gebet und die Zakāt war auch das Fasten seit jeher den früheren Propheten und ihren Gemeinschaften in irgendeiner Form vorgeschrieben.

In dem überlieferten Hadith sagte der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) über die besondere Vorzüglichkeit des Fastens, dass der Lohn anderer Gottesdienste von zehnfach bis zu siebenhundertfach vervielfacht werde. Beim Fasten aber wird Allah eine Ausnahme machen. Das bedeutet, dass der Lohn für das Fasten sogar über das Siebenhundertfache hinaus vervielfacht wird.

(٦٦) وَعَنْ عَبْدِ اللَّهِ بْنِ عَمْرٍو رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُمَا أَنَّ رَسُولَ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ قَالَ: الصَّيَامُ وَالْقُرْآنُ يَشْفَعَانِ لِلْعَبْدِ، يَقُولُ الصِّيَامُ: أَيْ رَبِّ إِنِّي مَنَعْتُهُ الطَّعَامَ وَالشَّهَوَاتِ بِالنَّهَارِ فَشَفَعْنِي فِيهِ، وَيَقُولُ الْقُرْآنُ: مَنَعْتُهُ النَّوْمَ بِاللَّيْلِ فَيُشَفَعَانِ (بيهقي – مشكوة)

(66) „Hazrat Abdullah ibn Amr (Allah sei mit ihm zufrieden) berichtete, dass der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Das Fasten und der Koran werden beide am Tag der Auferstehung für den Diener Fürsprache einlegen. Das Fasten wird sagen: ‚O mein Herr, ich habe diesen Menschen während des Tages im Ramadan von Essen, Trinken und sexuellen Begierden abgehalten, und er hat dies befolgt. Erlaube mir, für ihn Fürsprache einzulegen.‘ Und der Koran wird sagen: ‚O Herr, ich habe ihn vom Schlaf in der Nacht abgehalten, und er hat auf mich gehört (das heißt, er hat seinen Nachtschlaf unterbrochen, den Koran im Tarāwīh-Gebet rezitiert und es verrichtet). Bestimme mich dazu, für ihn Fürsprache einzulegen.‘ Wenn Allah daraufhin beiden die Erlaubnis zur Fürsprache gibt, werden beide Fürsprache einlegen.“
(Baihaqi, Mischkāt)

(٦٧) وَعَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: مَنْ صَامَ رَمَضَانَ إِيمَانًا وَاحْتِسَابًا غُفِرَ لَهُ مَا تَقَدَّمَ مِنْ ذَنْبِهِ، وَ مَنْ قَامَ رَمَضَانَ إِيمَانًا وَاحْتِسَابًا غُفِرَ لَهُ مَا تَقَدَّمَ مِنْ ذَنْبِهِ، وَمَنْ قَامَ لَيْلَةَ الْقَدْرِ إِيمَانًا وَاحْتِسَابًا غُفِرَ لَهُ مَا تَقَدَّمَ مِنْ ذَنْبِهِ
(بخاري – مسلم)

(67) „Hazrat Abu Huraira (Allah sei mit ihm zufrieden) sagte: Der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Wer im Glauben und in der Hoffnung auf Allahs Lohn im Ramadan fastet, dem werden alle seine früheren (kleinen) Sünden vergeben. Und wer in den Nächten des Ramadan im Glauben und in der Hoffnung auf Allahs Lohn das Gebet verrichtet, dem werden seine vergangenen Sünden vergeben. Und wer in der Nacht der Bestimmung im Glauben und in der Hoffnung auf Allahs Lohn Gottesdienste verrichtet, dem werden alle seine früheren (kleinen) Sünden vergeben.“ (Buchari, Muslim)

(٦٨) وَعَنْ سَهْلِ بْنِ سَعْدٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: فِي الْجَنَّةِ ثَمَانِيَةُ أَبْوَابٍ فِيهَا بَابٌ يُسَمَّى الرَّيَّانَ، لَا يَدْخُلُهُ إِلَّا الصَّائِمُونَ (بخاري – مسلم)

(৬৮) „Von Sahl ibn Saʿd (möge Allah mit ihm zufrieden sein) wird überliefert, dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Das Paradies hat acht Tore. Eines dieser Tore heißt ‚ar-Rayyan‘. Durch dieses besondere Tor werden nur die Fastenden ins Paradies eintreten.“ (Buchari, Muslim)

Erläuterung: Aufgrund der besonderen Würde und Ehre der Fastenden hat der Herr der Welten ein besonderes Tor für ihren Eintritt ins Paradies bestimmt.

(٦٩) وَعَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: مَنْ لَمْ يَدَعْ قَوْلَ النُّورِ وَالْعَمَلَ بِهِ، فَلَيْسَ لِلَّهِ حَاجَةٌ فِي أَنْ يَدَعَ طَعَامَهُ وَشَرَابَهُ (بخاري)

(৬৯) „Abu Huraira (möge Allah mit ihm zufrieden sein) berichtet, dass der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Wenn jemand das Sprechen von Lügen und das Verrichten falscher Taten nicht aufgeben kann, hat Allah keinen Bedarf daran, dass er auf Essen und Trinken verzichtet, also fastet.“ (Buchari)

(۷۰)
وَعَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: كَمْ مِنْ صَائِمٍ لَيْسَ لَهُ مِنْ صِيَامِهِ إِلَّا الْجُوعُ، وَكَمْ مِنْ قَائِمٍ لَيْسَ لَهُ مِنْ قِيَامِهِ إلا السَّهَرُ (دارمي – مشكوة)

(৭০) „Abu Huraira (möge Allah mit ihm zufrieden sein) berichtet, dass der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Es gibt viele Fastende, die durch ihr Fasten nichts außer Hunger erlangen. Ebenso gibt es viele Betende, die durch ihr Gebet nichts außer dem Wachbleiben in der Nacht erlangen.“ (Darimi, Mischkat)

Erläuterung: In den beiden überlieferten Hadithen hat der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) auf den Zweck des Fastens hingewiesen. Im Koran wird über den Zweck des Fastens gesagt: „Damit ihr mit Taqwa ausgestattet werdet; deshalb ist euch das Fasten vorgeschrieben worden.“ (Der Heilige Koran)

Während eines ganzen Monats Ramadan enthält sich der gläubige Mensch tagsüber von Essen, Trinken, Begierden und dergleichen und erlangt dadurch in seinem Inneren eine besondere Eigenschaft, die ihn auch in den verbleibenden elf Monaten nach dem Ramadan dazu anspornt, Allahs verbotene Dinge zu meiden. In der islamischen Terminologie heißt diese besondere Eigenschaft „Taqwa“.
Wenn also durch das Fasten in jemandem keine Taqwa entsteht, sondern er während des Fastens Menschen beschimpft und lügt, dann ist sein Fasten nichts als Hunger und sein Tarawih-Gebet wertlos. Das bedeutet, dass Hunger und nächtliches Wachbleiben dieses unglückseligen Menschen keinerlei Nutzen bringen werden.

Die Vorzüge der Schab-e-Qadr-Nacht

(۷۱)
وَعَنْ أَنَسِ بْنِ مَالِكٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ: دَخَلَ
رَمَضَانُ، فَقَالَ رَسُولُ اللهِ صَلَّى اللَّهِ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: إِنَّ هَذَا الشَّهْرَ قَدْ حَضَرَكُمْ، وَفِيهِ لَيْلَةٌ خَيْرٌ مِنْ أَلْفِ شَهْرٍ، مَنْ حُرِمَهَا فَقَدْ حُرِمَ الْخَيْرَ كُلُّهُ، وَلَا يُحْرَمُ خَيْرَهَا إِلَّا مَحْرُومٌ (ابن ماجة)

(71) „Hazrat Anas ibn Malik (ra.) berichtet: Als einmal der Monat Ramadan nahte, sagte der Gesandte Allahs (s.): Schaut, dieser Monat ist zu euch gekommen. In ihm gibt es eine Nacht, die besser ist als tausend Monate. Wer ihres Segens beraubt ist, ist jedes Guten beraubt. Nur ein völlig vom Guten Ausgeschlossener wird ihres Nutzens beraubt.“ (Ibn Madscha)

Erklärung: Im Zusammenhang mit der Darlegung der Vorzüge der Schab-e-Qadr-Nacht hat Allah, der Rabb der Welten, selbst die Sure des Korans namens „Al-Qadr“ offenbart. Diese Nacht ist eine äußerst ehrwürdige Nacht. Die Anbetung in dieser einen Nacht ist besser als die Anbetung während tausend Monaten. Wer daher in dieser besonderen Nacht wach bleibt und Allah anbetet, wird unermesslichen Segen (Sawab) erlangen. Und wer ihres Segens beraubt wird – wer könnte unglücklicher sein als er?

(۷۲)
وَعَنْ عَائِشَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهَا قَالَتْ، قَالَ رَسُولَ اللَّهِ صَلَّى اللَّهِ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ : تَحَرَّوْا لَيْلَةَ الْقَدْرِ فِي الْوِتْرِ مِنَ الْعَشْرِ الْأَوَاخِرِ مِنْ رَمَضَانَ (بخاري)

(72) „Hazrat Aischa (ra.) berichtet: Der edle Prophet (s.) sagte: Sucht die ‚Schab-e-Qadr‘ in den ungeraden Nächten der letzten zehn Nächte des Ramadan.“ (Buchari)

Hadsch

وَلِلَّهِ عَلَى النَّاسِ حِجُّ الْبَيْتِ مَنِ اسْتَطَاعَ إِلَيْهِ سَبِيلاً

Bedeutung: „Und den Menschen obliegt Allah gegenüber die Pflicht, den Hadsch zu diesem Haus zu vollziehen, sofern sie die Möglichkeit haben, dorthin zu gelangen.“ (Āl ʿImrān: 97)

(۷۳)
وَعَنِ عَبْدُ اللَّهِ ابْنِ عَبَّاسٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُمَا قَالَ قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: يَا أَيُّهَا النَّاسُ إِنَّ اللَّهَ كَتَبَ عَلَيْكُمُ الْحَجَّ، فَقَامَ الْأَقْرَعُ بْنُ حَابِسٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ، فَقَالَ: أَفِي كُلَّ عَامٍ يَا رَسُولَ اللَّهِ؟ قَالَ: لَوْ قُلْتُهَا لَوَجَبَتْ، وَلَوْ وَجَبَتْ لَمْ تَعْمَلُوا بِهَا أَوْ لَمْ تسْتَطِيعُوا أَنْ تَعْمَلُوا بِهَا ، الْحَجُّ مَرَّةً فَمَنْ زَادَ فَتَطَوُّع
(أحمد – نسائي – دارمي)

(73) „Von Hadhrat Ibn ʿAbbās (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm) wird überliefert, dass er sagte: Eines Tages verkündete der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm): ‚O ihr Menschen, Allah hat euch den Hadsch gewiss zur Pflicht gemacht.‘ Darauf erhob sich sofort Aqra ibn Hābis, ein Gefährte, und fragte: ‚O Gesandter Allahs, für jedes Jahr?‘ Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: ‚Wenn ich jetzt mit Ja antwortete, würde dies für euch verpflichtend werden. Und wenn es verpflichtend würde, könntet ihr es weder vollziehen noch wärt ihr dazu in der Lage. Der Hadsch muss nur einmal im Leben vollzogen werden. Wer ihn jedoch darüber hinaus vollzieht, für den ist er freiwillig.‘“ (Ahmad, Nasāʾī, Dārimī)

Erläuterung: Unter den islamischen gottesdienstlichen Handlungen ist der Hadsch eine wichtige عبادah. Er ist eine Verbindung sowohl körperlicher als auch finanzieller gottesdienstlicher Handlungen. Für die Vollziehung des Hadsch sind ebenso körperliche Mühen und Anstrengungen wie finanzielle Aufwendungen erforderlich. Wie das Fasten und die Zakāt wurde auch der Hadsch nach der Hidschra der Umma Muhammads zur Pflicht gemacht.

Jedem wohlhabenden Muslim, der nach Abzug sämtlicher notwendiger Ausgaben für seine Angehörigen die Kosten für die Reise nach Mekka und zurück tragen kann und auch körperlich zu dieser Reise fähig ist, ist es zur Pflicht gemacht, den Hadsch einmal im Leben zu vollziehen. Genau das hat der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) in dem überlieferten Hadith gesagt. Aus dem behandelten Hadith erfahren wir außerdem, dass man in Angelegenheiten der Religion und der Scharia keine unnötigen zusätzlichen Fragen stellen darf. Diesbezüglich hatte Allah, der Erhabene, die Gefährten im Koran folgendermaßen gewarnt:

„O ihr Gläubigen, befragt den Propheten nicht zu jeder Angelegenheit. Denn dadurch könnten für euch Schwierigkeiten entstehen.“
(Der Koran)

(٧٤) وَعَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ: قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ : مَنْ حَجَّ لِلَّهِ فَلَمْ يَرْفُتْ وَلَمْ (بخاري – مسلم) يَفْسُقُ، رَجَعَ كَيَوْمٍ وَلَدَتْهُ أُمُّهُ

(74) „Von Hadhrat Abū Huraira (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm) wird überliefert, dass er sagte: Der Prophet Allahs hat gesagt: Wer den Hadsch vollzieht, um Allah zufriedenzustellen, und sich dabei sowohl von Begierden (Geschlechtsverkehr) als auch vom Ungehorsam gegenüber Allah fernhält, der kehrt gleichsam nach Hause zurück, als wäre er soeben aus dem Schoß seiner Mutter geboren worden.“ (Buchārī, Muslim)

Erklärung: Wie ein Kind im Augenblick seiner Geburt aus dem Mutterleib unschuldig und rein ist, so kehrt auch derjenige, der den Hadsch in der Absicht verrichtet, Allahs Wohlgefallen zu erlangen, ebenso unschuldig nach Hause zurück.

Wann wird der Hadsch verpflichtend?

(٧٥) وَعَنِ عَبْدِ اللَّهِ بْنِ عُمَرَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُمَا قَالَ: جَاءَ رَجُلٌ إِلَى النَّبِيِّ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ، فَقَالَ: يَا رَسُولَ اللَّهِ مَا يُوْجِبُ الْحَجَّ ؟ قَالَ: الزَّادُ وَالرَّاحِلَةُ (ترمذي – ابن ماجة)

(75) „Von Abdullah ibn Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) wird überliefert, dass er sagte: Einst kam ein Mann zum Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und fragte: O Gesandter Allahs, wodurch wird der Hadsch verpflichtend? Der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Die gesamten Kosten für den Lebensunterhalt (für sich selbst und die Personen, für deren Unterhalt man aufkommt) sowie die Reisekosten.“ (Das heißt: Der Hadsch wird für denjenigen verpflichtend, der in der Lage ist, alle notwendigen Ausgaben für die von ihm abhängigen Personen sowie die Hin- und Rückreisekosten bis zum edlen Mekka zu tragen.)

(Tirmidhi, Ibn Madscha)

Frauen erlangen durch den Hadsch den Rang des Dschihad

(٧٦) وَعَنْ عَائِشَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهَا قَالَتْ: اِسْتَأْذَنْتُ النَّبِيُّ صَلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ فِي الْجِهَادِ، فَقَالَ: جِهَادُكُنَّ الْحَجَّ (بخاري – مسلم)

(76) „Von Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) wird überliefert, dass sie sagte: Ich bat den Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) um Erlaubnis, am Dschihad teilzunehmen. Der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Euer (ihr Frauen) Dschihad ist der Hadsch.“ (Das heißt: Ihr erhaltet den Lohn des Dschihad durch den Hadsch.
(Buchari, Muslim)

Eine andere Person wird anstelle eines Unfähigen den Haddsch vollziehen

(۷۷)
وَعَنْ أَبِي رَزَيْنِ الْعُقَيْلِي أَنَّهُ أَتَى النَّبِيَّ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ، فَقَالَ: يَا رَسُولَ اللَّهِ إِنَّ أَبِي شَيْخٌ كَبِيرٌ، لا يَسْتَطِيعُ الْحَجَّ وَلَا الْعُمْرَةَ وَلَا الضَّعْنَ، قَالَ: حُجَّ عَنْ أَبِيكَ وَاعْتَمِرْ (ترمذي – أبو داود – نسائي)

(77) „Überliefert von Hadhrat Abu Rāzīn al-ʿUqailī (r.a.): Eines Tages kam er zum ehrwürdigen Propheten (s.a.w.s.) und fragte: ‚O Prophet Allahs, mein Vater ist sehr alt. So wie er nicht in der Lage ist, den Haddsch und die Umra zu vollziehen, besitzt er auch keine Kraft mehr zu reisen.‘ Der Gesandte (s.a.w.s.) sagte: ‚Vollziehe den Haddsch und die Umra anstelle deines Vaters.‘“ (Tirmidhī, Abū Dāwūd, Nasāʾī)

Das Opfer

وَالْبُدْنَ جَعَلْنَاهَا لَكُمْ مِنْ شَعَائِرِ اللَّهِ لَكُمْ فِيْهَا خَيْرٌ فَاذْكُرُوا اسْمَ اللَّهِ عَلَيْهَا صَوَافَّ فَإِذَا وَجَبَتْ جُنُوبُهَا فَكُلُوا مِنْهَا وَأَطْعِمُوا الْقَانِعَ وَالْمُعْتَرَّ كَذَالِكَ سَخَّرْنَاهَا لَكُمْ لَعَلَّكُمْ تَشْكُرُونَ (سورة الحج : ٣٦)

Bedeutung: „Und die Opfertiere haben Wir für euch zu den Zeichen Allahs gemacht. Für euch liegt darin Gutes. So erwähnt den Namen Allahs über ihnen, während sie zum Zweck des Opferns aufgestellt sind. Wenn sie dann auf ihre Seite fallen, esst davon und speist damit jene Bedürftigen, die euch darum bitten, und jene, die nicht darum bitten. Und seid Mir dankbar. Aus diesem Grund haben Wir sie euch auf diese Weise dienstbar gemacht.“ (Sure al-Haddsch 36)

(۷۸)
عَنْ أَنَسٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، ضَحَى رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ بِكَبْشَيْنِ أَمْلَحَيْنِ أَقْرَنَيْنِ ذَبَحَهُمَا بِيَدِهِ وَسَمَّى وَكَبَّرَ، قال: رَأَيْتُهُ وَاضِعًا قَدَمَهُ عَلَى صِفَاحِهِمَا ، وَيَقُولُ : وَقَالَ: بِسْمِ اللَّهِ، وَاللَّهُ أَكْبَرُ
(بخاري – مسلم)

(78) „Überliefert von Hadhrat Anas (r.a.): Er berichtet, dass der Gesandte (s.a.w.s.) eines Tages zwei graue, gehörnte Schafböcke opferte. Er sprach dabei ‚Bismillāhi Allāhu Akbar‘ und schlachtete sie eigenhändig. Hadhrat Anas (r.a.) sagte: Ich sah den Gesandten seinen Fuß auf deren Rippen setzen und hörte ihn beim Schlachten ‚Bismillāhi Allāhu Akbar‘ sagen.“ (Buchārī, Muslim)

Erklärung: Das Tier, das an einem bestimmten Tag im Namen Allahs und mit der Absicht geschlachtet wird, Allahs Nähe zu erlangen, wird „Kurbanopfer“ genannt. Die bestimmten Tage für das Kurbanopfer sind der 10., 11. und 12. Tag des Monats Dhul-Hiddscha.

Wie das Gebet und das Fasten war auch das Kurbanopfer für die Gemeinschaften der früheren Propheten verpflichtend. Noch heute findet man unter den verschiedenen Völkern der Welt entstellte Formen des Kurbanopfers.

Das Kurbanopfer ist für die Gemeinschaft Muhammads verpflichtend. Jeder wohlhabende Muslim muss unbedingt ein Kurbanopfer darbringen.

(۷۹)
وَعَنْ جَابِرٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، أَنَّ النَّبِيَّ صَلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ قَالَ: الْبَقَرَةُ عَنْ سَبْعَةِ وَالْجَزُورُ عَنْ
سبعة (مسلم – أبو داود)

(79) „Von Hadhrat Dschabir (möge Allah mit ihm zufrieden sein) wird überliefert, dass der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Eine Kuh kann im Namen von sieben Personen und ein Kamel im Namen von sieben Personen als Kurbanopfer dargebracht werden.“ (Muslim, Abu Dawud)

Erklärung: Beim Kurbanopfer können sich bei einer Kuh oder einem Kamel ein bis sieben Personen beteiligen. Ein Schaf oder eine Ziege muss jedoch unbedingt im Namen nur einer Person dargebracht werden. Für das Kurbanopfer muss ein Kamel fünf Jahre, eine Kuh zwei Jahre, eine Ziege ein Jahr und ein Schaf sechs Monate alt sein. Ist es jünger, kann es nicht als Kurbanopfer dargebracht werden.

عَنْهُ : أَنَّ رَسُولَ
(۸۰) وَعَنِ الْبَرَاءِ بْنِ عَازِبٍ رَضِيَ اللَّهُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ سُئِلَ مَاذَا يُتَّقَى مِنَ الضَّحَايَا؟ فَأَشَارَ بِيَدِهِ وَقَالَ: أَرْبَعاً، الْعَرْجَاءُ الْبَيِّنُ طَلْعُهَا، وَالْعَوْرَاءُ الْبَيِّنُ عَوَرُهَا، وَالْمَرِيضَةُ الْبَيِّنُ مَرَضُهَا، وَالْعَجْفَاءُ الَّتِي لَا تُنْقِي

(موطأ إمام مالك – أحمد – ترمذي – نسائي – ابن ماجة)

(80) „Überliefert von al-Barā ibn ʿĀzib (r.a.): Eines Tages wurde dem Propheten (s.a.w.s.) die Frage vorgetragen: Vor welchen Tieren muss man beim Opfer zurückschrecken? Der Prophet (s.a.w.s.) deutete mit der Hand und sagte: Hütet euch vor vier Arten von Tieren: vor einem lahmen Tier, dessen Lahmheit offensichtlich ist; vor einem blinden Tier, dessen Blindheit offensichtlich ist; vor einem kranken Tier, dessen Krankheit offensichtlich ist; und vor einem kraftlosen Tier, dessen Knochenmark vertrocknet ist.“

(Mālik, Ahmad, at-Tirmidhī, an-Nasāʾī, Ibn Mādscha, ad-Dārimī)

Erläuterung: Das Opfertier soll kräftig, wohlgenährt und gesund sein. Ein verstümmeltes und schwaches Tier, dem das Gehen schwerfällt, ist nicht als Opfertier geeignet.

(۸۱)
وَعَنْ عَائِشَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهَا قَالَتْ، قَالَ رَسُولَ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: مَا عَمِلَ ابْنُ آدَمَ مِنْ عَمَلٍ يَوْمَ النَّحْرِ أَحَبَّ إِلَى اللَّهِ مِنْ إِهْرَاقِ الدَّمِ، وَإِنَّهَا لَتَأْتِي يَوْمَ الْقِيَامَةِ بِقُرُونِهَا وَأَشْعَارِهَا وَأَظْفَارِهَا وَإِنَّ الدَّمَ لَيَقَعُ مِنَ اللَّهِ بِمَكَانٍ قَبْلَ أَنْ يَقَعَ مِنَ الْأَرْضِ فَطِيبُوا
بِهَا نَفْسًا
(ترمذي – ابن ماجة)

(81) „ʿĀʾischa (r.a.) berichtet: Der edle Gesandte (s.a.w.s.) sagte: Am Opfertag ist keine gute Tat des Menschen Allah lieber als das Vergießen von Blut (das heißt, das Darbringen eines Opfers). Die Opfertiere werden am Tag der Auferstehung mit ihren Hörnern, ihrem Fell und ihren Hufen herbeigebracht (auf die Waagschale desjenigen, der das Opfer dargebracht hat). Das Blut des Opfertieres erreicht bei Allah einen ehrenvollen Platz, noch bevor es auf die Erde fällt. Deshalb sollt ihr mit frohem Herzen Opfer darbringen.“ (at-Tirmidhī, Ibn Mādscha)

(۸۲)
قَالَ رَسُوْلَ اللهِ صَلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: مَنْ وَجَدَ (ابن ماجة) سَعَةٌ وَلَمْ يُضَحٌ فَلَا يَقْرَبَنَّ مُصَلانَا

(82) „Der edle Gesandte (s.a.w.s.) sagte: Wer trotz vorhandener Mittel kein Opfer darbringt, soll sich meiner Festtagsgebetsstätte nicht einmal nähern.“ (Ibn Mādscha)

Erläuterung: Wohlhabende Muslime sind verpflichtet, ein Opfer darzubringen; die obige Erklärung des Propheten (s.a.w.s.) ist der Beweis dafür.

Spenden auf Allahs Weg

مَثَلُ الَّذِينَ يُنْفِقُونَ أَمْوَالَهُمْ فِي سَبِيْلِ اللَّهِ كَمَثَلِ حَبَّةٍ أَنْبَتَتْ سَبْعَ سَنَابِلَ فِي كُلِّ سُنْبُلَةٍ مِائَةُ حَبَّةٍ وَاللَّهُ يُضَاعِفُ لِمَنْ يَشَاءُ وَاللَّهُ وَاسِعٌ عَلِيمٌ
(سورة البقرة : ٢٦١)

Bedeutung: „Das Gleichnis derjenigen, die ihren Besitz auf Allahs Weg ausgeben, ist wie das einer Saatkörner, aus der sieben Ähren wachsen, und in jeder Ähre befinden sich hundert Körner. Allah vervielfacht dies für wen Er will; Allah ist großzügig und allwissend.“ (Sure al-Baqara: 261)

(۸۳)
وَعَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللهِ صَلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ : لَوْ كَانَ لِي مِثْلُ أُحُرٍ ذَهَبًا

مَا يَسرَّنِي أَنْ يَمُرَّ عَلَيَّ ثَلَاثُ لَيَالٍ وَعِنْدِي مِنْهُ شَيْءٌ إِلَّا (بخاري) شَيْا أَرْصِدُهُ لِدَيْنِ

(83) „Von Hazrat Abu Huraira (r.a.) wird berichtet, dass er sagte: Der Gesandte Allahs (s.a.w.s.) sagte: Wenn ich Gold im Umfang des Berges Uhud besäße, würde ich es nicht wünschen, dass nach Ablauf von drei Nächten auch nur ein kleiner Teil davon bei mir verbliebe. Ausgenommen ist lediglich das Wenige, das ich zur Begleichung meiner Schulden benötige. (Nur diesen kleinen Teil würde ich zurückbehalten und den Rest auf Allahs Weg spenden.)“ (Buchari)

(٨٤) وَعَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَجُلٌ يَا رَسُولَ اللَّهِ صَلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: أَيُّ الصَّدَقَةِ أَعْظَمُ أَجْرًا؟ قَالَ: أَنْ تَصَدَّقَ وَأَنْتَ صَحِيحٌ شَحِيْحٌ تَخْشَى الْفَقْرَ وَتَأْمُلُ الْغِنَى، وَلَا تُمْهِلْ حَتَّى إِذَا بَلَغَتِ الْحُلْقُوْمَ قُلْتَ لِفُلَانٍ كَذَا وَلِفُلَانٍ كَذَا وَقَدْ كَانَ لِفُلَانٍ
(بخاري – مسلم)

(84) „Von Hazrat Abu Huraira (r.a.) wird berichtet, dass er sagte: Eines Tages kam ein Mann zum Gesandten (s.a.w.s.) und fragte: O Prophet Allahs, unter welchen Umständen ist eine Spende hinsichtlich ihrer Wirkung am besten? Der Gesandte (s.a.w.s.) sagte: Eine Spende, die du in gesundem und erwerbsfähigem Zustand gibst,

Wenn du befürchtest, arm zu werden, und hoffst, reich zu werden, wirst du weiterhin Almosen geben. Sogar bis zu dem Zeitpunkt, an dem deine Seele deine Kehle erreicht, wirst du sagen: „Das ist für den einen, das ist für den anderen“, und du glaubst, dass es ihnen übergeben wird.“ (Buchari, Muslim)

Erläuterung: Allah und Sein Prophet haben den wohlhabenden, vermögenden Muslim angewiesen, sein ganzes Leben lang Almosen zu geben, um die Not der armen Bedürftigen zu lindern und den Erfordernissen von Allahs Religion zu dienen – sogar bis kurz vor den Tod. Doch Almosen, die in der Jugend gegeben werden, sind Allah am liebsten.

(٨٥) وَعَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ سُوْلَ اللهِ صَلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ : مَا مِنْ يَوْمٍ يُصِيحُ الْعِبَادُ فِيْهِ إِلَّا مَلَكَانِ يَنْزِلَانِ، فَيَقُولُ أَحَدُهُمَا : اللَّهُمَّ أَعْطِ مُنْفِقًا خَلَفًا وَيَقُولُ الآخَرُ: اللَّهُمَّ أَعْطِ مُمْسِكًا تَلَفًا
(بخاري – مسلم)

(85) „Hadhrat Abu Huraira (möge Allah mit ihm zufrieden sein) berichtet: Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Jedes Mal, wenn Allahs Diener am frühen Morgen ihr Bett verlassen, stehen zwei Engel bereit. Einer von ihnen sagt: ‚O Allah, vergelte dem großzügigen Menschen.‘ Und der andere sagt: ‚O Allah, füge dem geizigen Menschen Verlust zu.‘“ (Buchari, Muslim)

(٨٦) وَعَنْ أَسْمَاءَ بِنْتِ أَبِي بَكْرٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهَا قَالَتْ، قَالَ لِي رَسُولُ اللهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ : أَنْفِقِي وَلَا تُحْصِي فَيُحْصِيَ اللَّهُ عَلَيْكِ، وَلَا تُوْعِي فَيُوْعِيَ اللَّهُ عَلَيْكِ، ارْضَخَيْ مَا اسْتَطَعْت (بخاري – مسلم)

(86) „Überliefert von Hadhrat Asma bint Abu Bakr (möge Allah mit ihr zufrieden sein): Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: ‚O Asma, gib weiterhin und rechne nicht nach. Andernfalls wird Allah dir gegenüber bei Seinem Geben Rechenschaft ablegen. Und halte nicht zurück, andernfalls wird Allah dir gegenüber zurückhalten. Spende entsprechend deiner Fähigkeit, selbst wenn es nur wenig ist.‘“ (Buchari, Muslim)

(۸۷)
وَعَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللهِ صَلَّى الله عَلَيْهِ وَسَلَّمَ : قَالَ اللَّهُ تَعَالَى أَنْفِقْ يَا ابْنَ آدَمَ، يُنْفَقُ عَلَيْكَ (بخاري – مسلم)

(87) „Überliefert von Hadhrat Abu Huraira (möge Allah mit ihm zufrieden sein): Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Allah sagt: ‚O Kinder Adams, gib weiterhin, und auch Ich werde dir geben.‘“ (Buchari, Muslim)

(۸۸)
وَعَنْ أَنَسٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: مَا مِنْ مُسْلِمٍ يَفْرِسُ غَرْسًا،

وَيَزْرَعُ زَرْعًا فَيَأْكُلُ مِنْهُ إِنْسَانٌ أَوْ طَيْرٌ أَوْ بَهِيمَةً إِلَّا كَانَ لَهُ بِهِ صَدَقَةٌ (بخاري – مسلم)

(88) „Von Hazrat Anas (möge Allah mit ihm zufrieden sein) wird überliefert, dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Wenn ein Muslim einen Baum pflanzt oder Saatgut aussät und danach ein Mensch, ein Vogel oder ein Tier davon etwas frisst, wird dies gewiss als Almosen für ihn angerechnet.“
(Buchari, Muslim)

(۸۹)
وَعَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهِ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: مَا نَقَصَتْ صَدَقَةٌ مِنْ مَالٍ وَمَا زَادَ اللَّهُ عَبْدًا بِعَفْوِ إِلَّا عِرًّا وَمَا تَوَاضَعَ أَحَدٌ لِلَّهِ إِلَّا رَفَعَهُ اللهُ
(مسلم)

(89) „Von Hazrat Abu Huraira (möge Allah mit ihm zufrieden sein) wird überliefert, dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Almosengeben vermindert das Vermögen nicht, und durch Vergebung vermehrt Allah nur die Ehre und das Ansehen Seines Dieners. Und wer sich um Allahs willen demütig zeigt, den erhöht Allah.“ (Muslim)

Erklärung: In dem überlieferten Hadith erwähnte der Prophet Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) drei besondere Eigenschaften: Almosengeben, Vergebung und Demut. Ein materialistisch gesinnter, kurzsichtiger Mensch könnte vielleicht meinen, dass durch Almosengeben das Vermögen abnimmt, durch Vergebung das Ansehen geschmälert wird und durch Demut die Würde verloren geht.

Der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagt: Es verhält sich nicht so, sondern genau umgekehrt. Almosengeben vermehrt das Vermögen, Vergebung verleiht Ansehen, und Demut erhöht die Würde des Menschen.

Den Armen Nahrung geben

(۹۰)
وَعَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللهِ صَلَّى اللَّهِ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: مَنْ أَصْبَحَ مِنْكُمُ الْيَوْمَ صَائِمًا؟ قَالَ أَبُو بَكْرٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ: أَنَا، قَالَ: فَمَنْ تَبِعَ مِنْكُمُ الْيَوْمَ جَنَازَةً؟ قَالَ أَبُو بَكْرٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ: أنَا، قَالَ: فَمَنْ أَطْعَمَ مِنْكُمُ الْيَوْمَ مِسْكِينًا ۚ قَالَ أَبُوْ بَكْرٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ : أَنَا ، قَالَ: فَمَنْ عَادَ مِنْكُمُ الْيَوْمَ مَرِيضًا؟ قَالَ أَبُو بَكْرٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ : أَنَا ، فَقَالَ رَسُوْلُ اللهِ صَلَّى اللَّهِ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: مَا اجْتَمَعْنَ فِي امْرِئٍ إِلَّا دَخَلَ الْجَنَّةَ (مسلم)

(90) „Von Hazrat Abu Huraira (möge Allah mit ihm zufrieden sein) wird überliefert, dass er sagte: Eines Tages fragte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm): ‚Wer von euch hat heute gefastet?‘ Abu Bakr (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: ‚Ich.‘ Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) fragte erneut: ‚Wer von euch hat heute an einem Totengebet teilgenommen?‘ Hazrat Abu Bakr (möge Allah mit ihm zufrieden sein) antwortete: ‚Ich.‘ Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) fragte wieder: ‚Wer von euch hat heute einem Armen zu essen gegeben?‘ Auch diesmal antwortete Abu Bakr (möge Allah mit ihm zufrieden sein): ‚Ich.‘

Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) fragte erneut: ‚Wer von euch hat heute einen Kranken gepflegt?‘ Hazrat Abu Bakr (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: ‚Ich.‘ Daraufhin sagte der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm): ‚Derjenige, in dem sich so viele gute Taten vereinen, wird gewiss ins Paradies eintreten.‘“ (Muslim)

(۹۱)
وَعَنْ عَبْدِ اللَّهِ بْنِ عَمْرٍو رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُمَا قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: اعْبُدُو الرَّحْمَنَ وَأَطْعِمُوا الطَّعَامَ، وَأَفْشُوا السَّلَامَ، تَدْخُلُوا الْجَنَّةَ بسلام (ترمذي – ابن ماجة)

(91) „Von Hazrat Abdullah ibn Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) wird überliefert, dass er sagte: Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: ‚Dient Allah, gebt den Armen zu essen und grüßt mit lauter Stimme. Ihr werdet in Sicherheit ins Paradies eintreten.‘“ (Tirmidhi, Ibn Madscha)

(۹۲)
وَعَنْ ثَوْبَانَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ : أَفْضَلُ دِينَارٍ يُنْفِقُهُ الرَّجُلُ دِينَارٌ يُنْفِقُهُ عَلَى عِبَالِهِ ، وَدِيْنَارٌ يُنْفِقُهُ الرَّجُلُ عَلَى دَابَّتِهِ فِي سَبِيلِ اللَّهِ ، وَدِيْنَارٌ يُنْفِقُهُ عَلَى أَصْحَابِهِ فِي سَبِيلِ اللَّهِ
(مسلم)

(92) „Von Hazrat Thauban (möge Allah mit ihm zufrieden sein) wird überliefert, dass er sagte: Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Unter den Dinaren, die ein Mensch ausgibt, ist der beste Dinar derjenige, den er für den Bedarf seiner Familie ausgibt, für die Tiere, die für den Dschihad bereitgehalten werden, und für seine Gefährten, die sich im Dschihad befinden.“ (Muslim)

(۹۳) وَعَنْ ابْنِ مَسْعُودٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللهِ صَلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: إِذَا أَنْفَقَ الْمُسْلِمُ نَفَقَةً عَلَى أَهْلِهِ وَهُوَ يَحْتَسِبُهَا كَانَتْ لَهُ صَدَقَةٌ (بخاري – مسلم) (93) „Von Hazrat Ibn Masud (möge Allah mit ihm zufrieden sein) wird überliefert, dass er sagte: Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Wenn ein Muslim in der Absicht, dafür Lohn zu erhalten, für den Bedarf seiner Angehörigen Ausgaben macht, wird dies bei Allah als Sadaqa angerechnet.“ (Buchari, Muslim)

Welche Arten von Vermögen dürfen Frauen vom Besitz ihrer Ehemänner ausgeben?

(٩٤) وَعَنْ سَعْدٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، لَمَّا بَايَعَ رَسُولُ اللهِ صَلَّى الله عَلَيْهِ وَسَلَّمَ النِّسَاءَ، قَامَتِ امْرَأَةٌ جَلِيلَةٌ كَأَنَّهَا مِنْ نِسَاءِ مُضَرَ، فَقَالَتْ يَا نَبِيَّ اللَّهِ ۚ إِنَّا كَلَّ عَلَى آبَائِنَا وَأَبْنَائِنَا وَأَزْوَاجِنِنَا، فَمَا يَحِلُّ لَنَا مِنْ أَمْوَالِهِمْ، قَالَ: الرَّطْبُ تَأْكُلْنَهُ وَتُهْدِينَهُ (أبو داود)

(94) „Überliefert von Hadhrat Saʿd (möge Allah mit ihm zufrieden sein): Er sagte: Als der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) von den Frauen den Treueeid auf den Islam entgegennahm, stand vermutlich eine angesehene Frau aus dem Stamm der Muzaina auf und fragte den Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm): ‚O Prophet Allahs, für unseren Unterhalt sind doch unsere Väter, Kinder und Ehemänner verantwortlich. Welchen Teil ihres Vermögens dürfen wir daher ohne ihre Erlaubnis ausgeben?‘ Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: ‚Frische verderbliche Lebensmittel.‘ (Das heißt: gekochte Speisen, Früchte und Gemüse sind verderblich. Dafür ist keine Erlaubnis erforderlich.) Davon dürft ihr sowohl essen als auch anderen geben.“ (Abū Dāwūd)

Die Folgen grundlosen Bittens

(٩٥) وَعَنْ حَكِيمِ بْنِ حِزَامٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، سَأَلْتُ رَسُولَ اللَّهِ صَلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ فَأَعْطَانِي، ثُمَّ سَأَلْتُهُ فَأَعْطَانِي، ثُمَّ سَأَلْتُهُ فَأَعْطَانِي ، ثُمَّ قَالَ: يَا حَكِيمُ إِنَّ هَذَا الْمَالَ خَضِرَةٌ حُلْوَةٌ فَمَنْ أَخَذَهُ بِسَخَاوَةِ نَفْسٍ بُوْرِكَ لَهُ فِيْهِ، وَمَنْ أَخَذَهُ بِإِشْرَافِ نَفْسٍ لَمْ يُبَارَكْ لَهُ فِيْهِ كَالَّذِي يَأْكُلُ، وَلَا يَشْبَعُ الْيَدُ الْعُلْيَا خَيْرٌ مِنَ الْيَدِ السُّفْلَى، قَالَ حَكِيمٌ: فَقُلْتُ يَا رَسُولَ اللَّهِ وَالَّذِي بَعَثَكَ بِالْحَقِّ لَا أَرْزَأُ أَحَدًا بَعْدَكَ شَيْئًا حَتَّى أُفَارِقَ الدُّنْيَا (بخاري – مسلم)

(95) „Hadhrat Hakīm ibn Hizām (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: Eines Tages bat ich den Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) um etwas, und er gab es mir. Als ich erneut bat, gab er es mir wieder. Danach sagte der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu mir: ‚Hakīm, wisse: Dieses Vermögen ist wie grünes, wohlschmeckendes Gras. Wer es ohne Gier und aus Notwendigkeit annimmt, für den wird darin Segen liegen. Wer es jedoch aus Gier annimmt, für den wird darin kein Segen liegen. Sein Zustand wird demjenigen gleichen, der isst, aber nicht satt wird. Wisse: Die obere Hand ist besser als die untere Hand.‘ Hadhrat Hakīm (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: Da sagte ich zum Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm): ‚O Prophet Allahs, bei Demjenigen, der dich mit der wahren Religion gesandt hat: Nach dir werde ich bis zu meinem Tod von niemandem mehr um etwas bitten.‘“ (Buchārī, Muslim)

Erklärung: Der oben angeführte Hadith weist darauf hin, dass übermäßige Gier nach Vermögen und das Erbitten und Erlangen von anderen Menschen ohne eigene Anstrengung nach den Maßstäben der Scharia missbilligt sind.

(٩٦) وَعَنْ عَبْدِ اللَّهِ بْنِ عُمَرَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُمَا أَنَّ رَسُولَ اللَّهِ صَلَّى اللَّهِ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ قَالَ وَهُوَ عَلَى الْمِنْبَرِ، وَهُوَ يَذْكُرُ الصَّدَقَةَ وَالتَّعَفُفَ عَنِ الْمَسْأَلَةِ الْيَدُ الْعُلْيَا خَيْرٌ مِنَ الْيَدِ السُّفْلَى، وَالْيَدُ الْعُلْيَا هِيَ الْمُنْفِقَةُ وَالسُّفْلَى هِيَ السَّائِلَةُ (بخاري – مسلم)

(96) „Überliefert von Abdullah ibn Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein): Eines Tages stand der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) auf der Kanzel und sprach über die Sadaqa und darüber, sich des Bittens zu enthalten. Er sagte: Die obere Hand ist besser als die untere Hand. Die obere Hand ist die gebende, und die untere Hand ist die empfangende.
(Buchari, Muslim)

Erläuterung: Da sich die Hand des Gebenden beim Geben gewöhnlich oben befindet, wollte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) mit der oberen Hand den Gebenden bezeichnen. Da sich die Hand des Empfängers oder Bettlers beim Empfangen unten befindet, bezeichnete er mit der unteren Hand den Bittenden beziehungsweise den Empfänger.

(۹۷)
وَعَنْ أَبِي سَعِيدٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، إِنَّ أُنَاسًا مِنَ الْأَنْصَارِ سَأَلُوا رَسُولَ اللَّهِ صَلَّى اللَّهِ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ فَأَعْطَاهُمْ حَتَّى نَفِدَ مَا عِنْدَهُ، فَقَالَ: مَا يَكُوْنُ عِنْدِي مِنْ خَيْرٍ لَا أَدَّخِرْهُ عَنْكُمْ، وَمَنْ يَسْتَعِفَّ يُعِفُهُ اللَّهُ، وَمَنْ يَسْتَغْنِ يُغْنِهِ اللَّهُ، وَمَنْ يَتَصَبَّرْ يُصَبِّرْهُ اللَّهُ، وَمَا أُعْطِيَ أَحَدٌ عَطَاءٌ خَيْرًا وَأَوْسَعَ مِنَ الصَّبْرِ
(بخاري – مسلم)

(97) „Abu Sa’id al-Chudri (möge Allah mit ihm zufrieden sein) berichtet: Eines Tages baten einige Männer von den Ansar den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) um etwas. Er gab ihnen, worum sie gebeten hatten, sodass schließlich alles aufgebraucht war, was sich bei ihm befand. Danach sagte der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm): Wenn ich Vermögen hätte, würde ich es nicht zurückbehalten, ohne euch davon zu geben. Doch denkt daran: Wer sich vom Bitten fernhalten möchte, dem hilft Allah, sich davon fernzuhalten. Wer von niemandem abhängig sein möchte, den macht Allah von niemandem abhängig. Wer Geduld üben möchte, dem gewährt Allah die Fähigkeit zur Geduld. Bedenkt: Niemand kann eine bessere und umfassendere Gabe erlangen als die Geduld.“ (Das heißt: Geduld zu bewahren ist besser, als von anderen abhängig zu sein oder jemanden um etwas zu bitten, denn Allah hilft dem Geduldigen.) (Buchari, Muslim)

(۹۸)
وَعَنْ سَمُرَةَ بْنِ جُنْدُبٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: الْمَسَائِلُ كُدُوحٌ يَكْدَحُ بِهَا الرَّجُلُ وَجْهَهُ، فَمَنْ شَاءَ أَبْقَى عَلَى وَجْهِهِ، وَمَنْ شَاءَ تَرَكَ إِلَّا أَنْ يَسْأَلَ الرَّجُلُ ذَا سُلْطَانٍ أَوْ فِي أَمْرٍ لَا يَجِدُ مِنْهُ بُدا (أبو داود – ترمذي – نسائي)

(98) „Samura ibn Dschundub (möge Allah mit ihm zufrieden sein) berichtet: Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Das Bitten ist wie eine Wunde, durch die der Bittende sein eigenes Gesicht entstellt. Wer will, kann sein Gesicht unversehrt bewahren, und wer will, kann es verwunden. Doch den Staat um etwas zu bitten oder dass ein hilfloser Mensch jemanden um etwas bittet, ist nicht tadelnswert.“ (Abu Dawud, Tirmidhi, Nasa’i)

Die Bedeutung des halal erworbenen Lebensunterhalts

يَسْأَلُونَكَ مَاذَا أُحِلَّ لَهُمْ قُلْ أُحِلَّ لَكُمُ الطَّيِّبَاتُ
(سورة المائدة : ٤)

„Die Menschen fragen dich, was ihnen erlaubt worden ist. Sprich: Euch sind die guten und reinen Dinge erlaubt worden.“ (Sure al-Māʾida: 4)

(۹۹)
وَعَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللهِ صَلَّى الله عَلَيْهِ وَسَلَّمَ : إِنَّ اللَّهَ طَيِّبٌ لَا يَقْبَلُ إِلَّا طَيِّبًا ، وَإِنَّ اللَّهَ أَمَرَ الْمُؤْمِنِينَ بِمَا أَمَرَ بِهِ الْمُرْسَلِينَ، فَقَالَ: يَا أَيُّهَا الرُّسُلُ كُلُوا مِنَ الطَّيِّبَاتِ وَاعْمَلُوا صَالِحًا، وَقَالَ تَعَالَى: يَا أَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوا كُلُوا مِنْ طَيِّبَاتِ مَا رَزَقْنَاكُمْ، ثُمَّ ذَكَرَ الرَّجُلَ يُطِيلُ السَّفَرَ أَشْعَثَ أَغْبَرَ يَمُدُّ يَدَيْهِ إِلَى السَّمَاءِ، يَا رَبِّ وَمَطْعَمُهُ حَرَامٌ وَمَشْرَبُهُ حَرَامٌ وَمَلْبَسُهُ حَرَامٌ، وَغُذِيَ بِالْحَرَامِ فَأَنَّى يُسْتَجَابُ لِذَالِك (مسلم)

(99) „Überliefert von Hadhrat Abu Huraira (möge Allah mit ihm zufrieden sein). Er sagte: Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Allah ist selbst rein und nimmt nur Reines an. Und Allah hat den Gläubigen dasselbe befohlen, was Er den Gesandten befohlen hat. Allah sagte: ‚O ihr Gesandten, esst von den reinen Dingen und tut rechtschaffene Werke.‘ Ebenso sagte Er zu den Gläubigen: ‚O ihr, die ihr glaubt, esst von den reinen Dingen, die Wir euch gegeben haben.‘ Danach erwähnte der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) einen Mann, der eine lange Reise zurückgelegt hat und staubbedeckt ist, seine beiden Hände zum Himmel hebt und sagt: ‚O Allah, o Allah!‘, obwohl seine Nahrung, sein Getränk und seine Kleidung allesamt haram sind. Ja, bis dahin hat er sich ausschließlich von haram Nahrung ernährt. Wie sollte sein Bittgebet da erhört werden?“ (Muslim)

Erläuterung: Im oben genannten Hadith werden die Gläubigen dazu aufgefordert, reine, auf erlaubte Weise erworbene und von der Scharia erlaubte Nahrung zu sich zu nehmen. Daher darf ein Gläubiger weder Nahrung zu sich nehmen, die auf haramem Wege erworben wurde, obwohl sie an sich halal ist, noch Nahrung, die auf halalem Wege erworben wurde, aber haram ist.

Wer die oben erwähnte, auf haramem Wege erworbene Nahrung und Getränke zu sich nimmt und Kleidung trägt, die mit haramem Geld gekauft wurde, dessen Bittgebet wird Allah nicht erhören, ganz gleich, wie inständig er an irgendeinem heiligen Ort darum bittet.

(۱۰۰)
وَعَنْ أَبِي بُرْدَةَ الْأَسْلَمِيِّ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ،
قَالَ رَسُولُ اللهِ صَلَّى الله عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: لَا تَزُولُ قَدَمَا عَبْدِ يَوْمَ القِيَامَةِ حَتَّى يُسْأَلَ عَنْ خَمْسٍ: عَنْ عُمُرِهِ فِيْمَا أَفْنَاهُ، وَعَنْ عِلْمِهِ فِيْمَا فَعَلَ، وَعَنْ مَالِهِ مِنْ أَيْنَ اكتَسَبَهُ، وَفِيْمَا أَنْفَقَهُ، وَعَنْ حِسْمِهِ فِيْمَا أَبْلَاهُ
(ترمذي)

(100) „Überliefert von Hadhrat Abu Burdata Aslami (möge Allah mit ihm zufrieden sein). Er sagte: Der Prophet Allahs hat verkündet, dass am Tag der Auferstehung niemand seine Füße bewegen darf, bevor er über fünf Dinge Rechenschaft abgelegt hat. Der Mensch wird gefragt werden, wie er sein Leben verbracht hat, wofür er sein Wissen eingesetzt hat, wie er sein Vermögen erworben und auf welchem Weg er es ausgegeben hat und wofür er seinen Körper und seine Gesundheit eingesetzt hat.“ (Tirmidhi)

Erläuterung: Der Islam hat seinen Anhängern befohlen, alle ungerechten und verwerflichen Wege des Gelderwerbs aufzugeben, etwa Diebstahl und Raub, Täuschung und Betrug, Zins und Bestechung sowie den Erwerb durch Gewalt und Zwang. Ebenso ist der Mensch bei der Bestreitung seiner Ausgaben nicht völlig sich selbst überlassen worden. Auch dort wurden vielmehr die Grenzen von halal und haram festgelegt.

In dem angeführten Hadith hat der Prophet Allahs die Muslime hinsichtlich ihres Lebensunterhalts und ihrer Ausgaben gewarnt und gesagt, dass zu den fünf Dingen, über die der Diener am Tag der Auferstehung als Erstes Rechenschaft ablegen muss, sein Vermögen gehört. Das heißt: wie er sein Vermögen erworben und auf welchem Weg er es ausgegeben hat.

(۱۰۱)
وَعَنِ مِقْدَامِ بْنِ مَعْدِيُكَرِب رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهِ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: مَا أَكَلَ أَحَدٌ طَعَامًا قَطُّ خَيْرًا مِنْ أَنْ يَأْكُلَ مِنْ عَمَلِ يَدِهِ، وَإِنَّ نبيَّ اللَّهِ دَاوُدَ عَلَيْهِ السَّلَامُ كَانَ يَأْكُلُ مِنْ عَمَلِ يَدِيهِ
(بخاري)

(101) „Von Hazrat Miqdam ibn Maʿdi Karib (möge Allah mit ihm zufrieden sein) wird berichtet, dass er sagte: Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) hat gesagt: Die beste Nahrung unter der Nahrung der Menschen ist jene, die jemand mit dem durch seine eigene Hand erworbenen Vermögen beschafft. Und der geliebte Prophet Allahs, Hazrat Dawud (Friede sei mit ihm), pflegte von dem durch seine eigene Hand Verdienten zu essen.“ (Buchari)

Erklärung: Die Nahrung, die diejenigen erwerben, die ihren Lebensunterhalt durch Arbeit mit ihren Händen und körperliche Anstrengung verdienen, hat der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) als die vorzüglichste Nahrung bezeichnet. In diesem Zusammenhang führte er das Beispiel von Hazrat Dawud (Friede sei mit ihm) an. Denn obwohl Hazrat Dawud (Friede sei mit ihm) Herrscher eines gewaltigen Reiches war, nahm er keinen einzigen Heller aus der Staatskasse für sich selbst. Vielmehr stellte er eigenhändig Eisenwaffen und Ähnliches her und bestritt seinen Lebensunterhalt mit dem Erlös aus deren Verkauf.

In dem hier behandelten Hadith hat der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) die Muslime dazu ermutigt, fleißig und erwerbstätig zu sein. Es ist nicht richtig, dass ein Muslim seinen Lebensunterhalt von der Mildtätigkeit anderer bestreitet oder dem Betteln nachgeht. Der Prophet selbst sagte: الْكَاسِبُ حَبِيْبُ الله„Ein Erwerbstätiger ist Allahs Freund.“

(۱۰۲)
وَعَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهِ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: يَأْتِي عَلَى النَّاسِ زَمَانٌ لَا يُبَالِي الْمَرْءُ مَا أَخَذَ مِنْهُ أَمِنَ الْحَلَالِ أَمْ مِنَ الْحَرَامِ (بخاري)

(102) „Von Hazrat Abu Huraira (möge Allah mit ihm zufrieden sein) wird berichtet, dass er sagte: Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) hat gesagt: Über die Menschheit wird eine Zeit kommen, in der die Menschen beim Erwerb ihres Lebensunterhalts keinerlei Rücksicht mehr auf Erlaubtes und Verbotenes nehmen werden.“ (Buchari)

Ein durch verbotene Nahrung ernährter Körper wird der Hölle anheimfallen

(۱۰۳)
عَنْ جَابِرٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى الله عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: لَا يَدْخُلُ الْجَنَّةَ لَحْمٌ نَبَتَ مِنْ السُّحْتِ وَكُلُّ لَحْمٍ نَبَتَ مِنَ السُّحْتِ كَانَتِ النَّارُ أَوْلَى بِهِ
أحمد – دارمي – بيهقي)

(103) „Von Hadhrat Dschābir (möge Allah mit ihm zufrieden sein) wird überliefert, dass er sagte: Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Fleisch, das durch verbotene Nahrung genährt wurde, wird nicht ins Paradies eingehen. Und jedes Stück Fleisch, das durch verbotene Nahrung gewachsen ist, verdient die Hölle.“ (Ahmad, Dārimī, Baihaqī)

Kapitel 4: Muʿāmalāt

Handel und Gewerbe (Tidschārat)

(١٠٤) وَعَنْ رَافِعِ بْنِ خَدِيجٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ قِيلَ يَا رَسُولَ اللهِ صَلَّى الله عَلَيْهِ وَسَلَّمَ أَيُّ الْكَسْبِ أَطْيَبُ قَالَ عَمَلُ الرَّجُلِ بَيَدِهِ وَكُلُّ بَيْعٍ مَبْرُورٍ (مسند أحمد)

(104) „Von Hadhrat Rāfiʿ ibn Chadīdsch (möge Allah mit ihm zufrieden sein) wird überliefert, dass er sagte: Eines Tages wurde der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) gefragt: O Prophet Allahs, welcher Verdienst unter allen menschlichen Erwerbsarten ist der reinste? Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Was der Mensch mit seiner eigenen Hand verdient und was er durch erlaubten Handel erwirbt.“ (Ahmad)

Erläuterung: Der Islam hat seinen Anhängern kein uneingeschränktes Recht eingeräumt, Reichtum zu erwerben. Vielmehr hat er im Hinblick auf das nationale Interesse die Methoden und Mittel des Erwerbs einer Kontrolle durch Erlaubtes und Verbotenes unterworfen. So ist der Erwerb von Reichtum auf zahlreichen verbotenen Wegen möglich, etwa durch Glücksspiel und Wetten, Täuschung und Betrug, Zinsen und Bestechung, Diebstahl und Raub; ebenso ist er auf zahlreichen erlaubten Wegen möglich, etwa durch Handel und Gewerbe, Anstellung und Arbeit, Mühe und Fleiß, Darlehen und Kredite sowie Spenden und Zuwendungen.

Unter den zahlreichen Wegen des erlaubten Erwerbs hat der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) das durch Arbeit und durch Handel erworbene Einkommen als das beste bezeichnet.

(١٠٥) وَعَنْ أَبِي سَعِيدِ الْخُدْرِيِّ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللهِ صَلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ : التَّاجِرُ الصَّدُوقُ الأَمِينُ مَعَ النَّبِيِّينَ وَالصِّدِّيقِينَ وَالشُّهَدَاءِ يَوْمَ الْقِيَامَةِ
(ترمذي)

(105) „Über Abū Saʿīd al-Chudrī wird berichtet, dass er sagte: Der edle Prophet sagte: Der wahrhaftige und vertrauenswürdige Händler wird am Tag der Auferstehung mit den Propheten, den Wahrhaftigen und den Märtyrern sein.“ (Tirmidhī)

Erläuterung: Obwohl das Geschäft äußerlich betrachtet eine weltliche Tätigkeit ist, wird es zu einer heiligen gottesdienstlichen Handlung, wenn ein Muslim ohne Lüge und Verrat, mit vollkommener Aufrichtigkeit und in guter Absicht Handel treibt. Deshalb wird er am Tag der Auferstehung bei den angesehenen Menschen sein, die den Propheten, den Wahrhaftigen und den Märtyrern gleichgestellt sind.

Falsche Eide im Geschäftsverkehr

(١٠٦) وَعَنْ أَبِي ذَرٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ : ثَلَاثَةٌ لَا يُكَلِّمُهُمُ اللَّهُ يَوْمَ الْقِيَامَةِ وَلَا يَنْظُرُ إِلَيْهِمْ وَلَا يُزَكِّيهِمْ وَلَهُمْ عَذَابٌ أَلِيمٌ، قَالَ أَبُو ذَرِّ : خَابُوا وَخَسِرُوا مَنْ هُمْ يَا رَسُولَ اللَّهِ؟ قَالَ: المسيلُ وَالْمَنَّانُ وَالْمُنْفِقُ سِلْعَتَهُ بِالْحِلْفِ الْكَذِبِ
(مسلم)

(106) „Über Abū Dharr al-Ghifārī wird berichtet, dass er sagte: Der Gesandte sagte: Am Tag der Auferstehung wird Allah mit drei Arten von Menschen nicht sprechen, sie nicht ansehen und sie nicht von ihren Sünden reinigen. Ihnen wird eine äußerst schmerzhafte Strafe zuteilwerden. Abū Dharr fragte: O Gesandter Allahs, wer sind diese enttäuschten, elenden und ins Unglück gestürzten Menschen? Der Prophet sagte: diejenigen, die ihre Kleidung aus Hochmut unterhalb der Knöchel herabhängen lassen, diejenigen, die nach einer Spende dem Empfänger Vorwürfe machen, und diejenigen, die durch falsche Eide den Absatz ihrer Waren steigern. (Muslim)

Erläuterung: Als „Musbil“ wird jemand bezeichnet, der seine Kleidung aus Hochmut bis unterhalb der Knöchel herabhängen lässt. Gewöhnlich trugen in jener Zeit Könige und Herrscher, Stammesführer, Feudalherren und andere wohlhabende und einflussreiche Menschen ihre Kleidung bis zum Boden herabhängend. Dies war ein Zeichen des Hochmuts. Hochmut aber ist nach der Scharia ein äußerst verwerflicher Fehler. Der Prophet sagte: Wer auch nur ein Körnchen Hochmut in seinem Herzen trägt, kann keinesfalls in Allahs Paradies eintreten. Als „Mannān“ wird jemand bezeichnet, der dem Empfänger einer Spende bei passender Gelegenheit nach der Spende Vorwürfe macht. Sowohl aus islamischer als auch aus menschlicher Sicht ist dies ein äußerst abscheuliches Verbrechen. In Wirklichkeit hat der wohlhabende Mensch dem Empfänger durch Zakāt, Sadaqa oder Almosen keinen Gefallen erwiesen. Vielmehr begleicht er lediglich den Anteil des Armen, der sich in seinem Vermögen befindet. Daher gibt es in diesem Fall nicht den geringsten Anlass, dem Empfänger Vorwürfe zu machen. Vielmehr sollte er Allah dafür danken, dass er das Recht des Berechtigten ordnungsgemäß erfüllen konnte.

Die im Hadith erwähnte dritte unglückselige Person ist jener Händler, der durch falsche Eide den Absatz seiner Waren steigert, um den Käufer zu täuschen.

Dass Allah mit den drei genannten Arten von Menschen nicht spricht und sie nicht anblickt, bedeutet, dass Allah am Tag der Auferstehung über diese drei Arten von Menschen äußerst erzürnt sein wird.

(۱۰۷)
وَعَنْ أَبِي قَتَادَةَ الْأَنْصَارِيِّ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: إِيَّاكُمْ وَكَثْرَةً الْحَلِفِ فِي الْبَيْعِ فَإِنَّهُ يُنَفِّقُ ثُمَّ يَمْحَقُ (مسلم)

(107) „Überliefert von Abu Qatadata al-Ansari (möge Allah mit ihm zufrieden sein). Er berichtet, dass der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Hütet euch davor, beim Kaufen und Verkaufen ständig zu schwören. Auch wenn dies kurzfristig geschäftlichen Nutzen bringt, führt es letztlich zu Schaden.“ (Muslim)

Letztlich zu wenig und zu viel geben

(۱۰۸)
وَعَنِ ابْنِ عَبَّاسٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ لَأَصْحَابِ الْمِكْيَالِ وَالْمِيزَانِ: إِنَّكُمْ قَدْ وَلَّيْتُمْ أَمْرَيْنِ هَلَكَتْ فِيهِمَا الْأُمَمُ السَّابِقَةُ قَبْلَكُمْ (ترمذي)

(108) „Überliefert von Abbas (möge Allah mit ihm zufrieden sein). Er berichtet, dass der Hochgeehrte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu den Händlern, die Waren nach Maß verkaufen, sagte: Ihr habt die Verantwortung für zwei Dinge übernommen, durch die einige Völker vor euch vernichtet wurden.“ (at-Tirmidhi)

Erläuterung: Unter den Handelswaren gibt es viele, deren Kauf und Verkauf nach Maß erfolgt. In der Gesellschaft findet man einige unehrliche Händler, die beim Einkauf mehr Maß erhalten. Beim Verkauf betrügen sie jedoch und geben ein geringeres Gewicht. Aus der Sicht der Scharia ist dies eine schwere Sünde. Im Heiligen Koran hat Allah die Menschheit an vielen Stellen vor dieser Sünde gewarnt. So sagt Allah:

وَيْلٌ لِلْمُطَفِّفِينَ الَّذِينَ إِذَا اكْتَالُوا عَلَى النَّاسِ يَسْتَوْفُوْنَ، وَإِذَا كَالُوهُمْ أَوْ وَزَنُوهُمْ يُخْسِرُونَ
(سورة التطفيف : (١-٣)

Bedeutung: Wehe denjenigen, die beim Abmessen voll und ganz von den Menschen nehmen, beim Geben an sie jedoch das Maß verkürzen.“ (Sure At-Tatfif: 1–3)

An einer anderen Stelle im Edlen Koran heißt es:

وَالسَّمَاءَ رَفَعَهَا وَوَضَعَ الْمِيزَانَ، أَلَا تَطْغَوْا فِي الْمِيزَانِ، وَأَقِيمُوا الْوَزْنَ بِالْقِسْطِ وَلَا تُخْسِرُوا الْمِيزَانَ (سورة الرحمن (۹۷)

Bedeutung: Und Er ist es, der den Himmel emporgehoben und die Waage aufgestellt hat, damit ihr beim Abmessen nicht das Maß überschreitet. Messt mit Gerechtigkeit und gebt beim Abmessen nicht zu wenig. (Sure Ar-Rahman: 7–9)

Allah, der Erhabene, hatte den Propheten Schuʿaib (Friede sei mit ihm) zu einem Volk gesandt, dessen Angehörige Händler waren und unter denen sich die Sünde, beim Abmessen und Wiegen zu betrügen, wie eine ansteckende Krankheit ausgebreitet hatte. Durch den Mund des Propheten Schuʿaib warnte Allah sie mit folgenden Worten:

قَالَ يَا قَوْمِ اعْبُدُوا اللَّهَ مَا لَكُمْ مِنْ إِلَهِ غَيْرُهُ وَلَا تَنْقُصُوا الْمِكْيَالَ وَالْمِيزَانَ إِنِّي أَرَاكُمْ بِخَيْرٍ وَإِنِّي أَخَافُ عَلَيْكُمْ عَذَابَ يَوْمٍ مُحِيطِ، وَيَا قَوْمِ أَوْفُوْا الْمِكْيَالَ وَالْمِيزَانَ بِالْقِسْطِ وَلَا تَبْخَسُوا النَّاسَ أَشْيَاءَهُمْ وَلَا تَعْثَوْا فِي الْأَرْضِ مُفْسِدِينَ
(سورة الهود : ٨٤ – ٨٥)

Bedeutung: „Und Schuʿaib (Friede sei mit ihm) sagte: O mein Volk, dient Allah und betet Ihn an. Ihr habt keinen anderen Gott außer Ihm. Gebt beim Abmessen nicht zu wenig. Ich sehe euch in Wohlstand, und ich fürchte für euch die Strafe eines schrecklichen Tages. O mein Volk, gebt volles Maß und Gewicht in Gerechtigkeit und schmälert den Menschen nicht ihre Waren. Und stiftet auf Allahs Erde nicht Unheil und Verderben, indem ihr die Grenzen überschreitet.“
(Sure Hud: 84–85)

Trotz dieser Warnung des Propheten Schuʿaib (Friede sei mit ihm) ließ die Händlergemeinschaft von Madyan nicht von dieser sündhaften Tat ab. Daraufhin vernichtete eine himmlische Strafe sie vollständig. Im erwähnten Hadith hat der letzte Prophet, Muhammad (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), seine Umma angewiesen, sich vor dieser schrecklichen Sünde zu hüten.

Geschäftlicher Vertrauensbruch

(۱۰۹)
وَعَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ إِنَّ اللَّهَ عَزَّ وَجَلَّ يَقُولُ أَنَا ثَالِثُ الشَّرِيكَيْنِ مَالَمْ يَخُنْ أَحَدُهُمَا صَاحِبَهُ فَإِذَا خَانَهُ خَرَجْتُ مِنْ بَيْنِهِمَا ، وَفِي رِوَايَةٍ وَجَاءَ الشَّيْطَانُ
(أبو داود)

(109) „Überliefert von Hazrat Abu Huraira (r.a.). Er berichtet, dass der edle Prophet (s.a.w.s.) gesagt hat: Allah Selbst sagt: Solange keiner der beiden Geschäftspartner einen Vertrauensbruch begeht, bleibe Ich bei ihnen. Wenn jedoch einer von ihnen mit dem Vertrauensbruch beginnt, verlasse Ich sie. (Nach einer anderen Überlieferung:) Dann tritt Satan zwischen sie.“
(Abu Dawud)

Erläuterung: Der Sinn des oben genannten Hadiths ist, dass Allah den Geschäften der Geschäftspartner Segen gewährt, solange sie miteinander in Treue und Aufrichtigkeit handeln und einander nicht betrügen. Wenn jedoch ein Geschäftspartner beginnt, den anderen zu hintergehen, erscheint Satan, und der Segen verschwindet. Infolgedessen geht ihr Geschäft zugrunde.

Das Horten notwendiger Waren zum Zweck der Preissteigerung

(۱۱۰)
وَعَنْ مُعَادٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ: سَمِعْتُ رَسُولَ اللهِ صَلَّى الله عَلَيْهِ وَسَلَّمَ يَقُولُ بِئْسَ الْعَبْدُ الْمُحْتَكِرُ إِنْ إِرْخَصَ اللَّهُ الْأَسْعَارَ حَزِنَ وَإِنْ أَعْلَاهَا فَرِحَ
(مشكوة)

(110) „Überliefert von Hazrat Muadh (r.a.). Er berichtet: Ich hörte den Gesandten (s.a.w.s.) sagen: Verflucht ist wahrlich derjenige, der Waren hortet, um die Preise zu erhöhen. Wenn Allah daraufhin die Waren verbilligt, ist er besorgt. Wenn aber die Preise steigen, freut er sich.“
(Mischkat)

(۱۱۱)
وَعَنْ عُمَرَ بْنِ الْخَطَّابِ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ: سَمِعْتُ رَسُولَ اللَّهِ صَلَّى اللَّهِ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ يَقُوْلُ مَنِ احْتَكَرَ عَلَى الْمُسْلِمِينَ طَعَامَهُمْ ضَرَبَهُ اللَّهُ بِالْجُذَامِ وَالإِفلاس (ابن ماجه، بيهقي)

(111) „Überliefert von Umar ibn al-Chattab (möge Allah mit ihm zufrieden sein): Er sagte: Ich hörte den Propheten Allahs sagen: Wer Lebensmittel hortet und sie den Muslimen zu einem überhöhten Preis verkauft, den wird Allah mit Armut und der als Dschuzam bezeichneten Krankheit bestrafen.“ (Ibn Madscha, Baihaqi)

Geld verleihen und einem bedürftigen Schuldner Aufschub gewähren

(۱۱۲)
وَعَنْ أَبِي قَتَادَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ : مَنْ سَرَّهُ أَنْ يُنْجِيَهُ اللَّهُ مِنْ كُرَبِ يَوْمِ الْقِيَامَةِ فَلْيُنَفِّسَ عَنْ مُعْسِرٍ أَوْ يَضَعْ عَنْهُ
(مسلم)

(112) „Überliefert von Abu Qatada (möge Allah mit ihm zufrieden sein): Er sagte: Der Gesandte Allahs sagte: Wer vor den Sorgen und Leiden des Tages der Auferstehung bewahrt werden möchte, soll einem armen Schuldner Aufschub gewähren oder ihm seine Schuld erlassen.“ (Muslim)

Erläuterung: Der Islam hat seinen Anhängern aufgetragen, Bedürftigen bei Bedarf ohne jegliches Eigeninteresse Geld zu leihen. Wenn der Schuldner in finanzielle Bedrängnis gerät, sollen sie ihm für die Rückzahlung der Schuld Aufschub gewähren. Wenn er völlig unfähig ist, die Schuld zu begleichen, sollen sie ihn von seiner Schuld entbinden. Diesbezüglich wurde im Koran folgende Anweisung gegeben:

وَإِنْ كَانَ ذُو عُسْرَةٍ فَنَظِرَةٌ إِلَى مَيْسَرَةٍ وَأَنْ تَصَدَّقُوْا خَيْرٌ لَكُمْ إِنْ كُنْتُمْ تَعْلَمُوْنَ (سورة البقرة : ۲۸۰)

Bedeutung: Wenn der Schuldner bedürftig ist, dann gewährt ihm Aufschub, bis es ihm finanziell wieder besser geht. Wenn ihr ihm jedoch die Schuld erlässt, ist das für euch unendlich besser, wenn ihr es nur wüsstet. (Wenn ihr Verstand habt, könnt ihr dies begreifen.)

(Sure al-Baqara: 280)

(۱۱۳)
أَنَّ النَّبِيَّ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ قَالَ كَانَ الرَّجُلُ يُدَايِنُ النَّاسَ فَكَانَ يَقُولُ لِفَتَاهُ إِذَا أَتَيْتَ مُعْسِيرًا تَجَاوَزْ عَنْهُ لَعَلَّ اللَّهُ أَنْ يَتَجَاوَزَ قَالَ فَلَقِيَ اللَّهَ
فَتَجَاوَزَ عَنْهُ (بخاري – مسلم)

(113) „Der edle Prophet (s.) sagte: Ein Mann pflegte den Menschen Geld zu leihen. Danach pflegte er seinem Angestellten zu sagen: Wenn du zur Eintreibung der Schuld zu einem bedrängten Schuldner gehst, dann erlasse ihm die Schuld. Vielleicht wird Allah mir deswegen ebenfalls (meine Sünden) erlassen. Der Ehrwürdige (s.) sagte: Als dieser Mann schließlich Allah begegnete, vergab Allah ihm.“ (Buchari, Muslim)

Die Bedeutung der Begleichung von Schulden

(١١٤) وَعَنْ أَبِي سَعِيدٍ الْخُدْرِيِّ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ: أُتِيَ النَّبِيُّ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ بِجَنَازَةٍ لَيُصَلِّي عَلَيْهَا فَقَالَ هَلْ عَلَى صَاحِيكُمْ دَيْنٌ؟ قَالُوا : نَعَمْ، هَلْ تَرَكَ

لَهُ مِنْ وَفَاءِ؟ قَالُوا : لَا ، قَالَ: صَلُّوا عَلَى صَاحِيكُمْ، قَالَ عَلِيُّ بْنُ أَبِي طَالِبٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ: عَلَى دَيْنُهُ يَا رَسُولَ اللَّهِ ، فَتَقَدَّمَ فَصَلَّى عَلَيْهِ (شرح السنة)

(114) „Von Abu Saʿīd al-Chudrī (r.a.) wird überliefert, dass er sagte: Einst wurde ein Verstorbener zum edlen Propheten (s.) gebracht, damit der edle Prophet (s.) das Totengebet für ihn verrichte. Der Ehrwürdige (s.) fragte: Hat dieser euer Gefährte jemandem etwas geschuldet? Die Leute sagten: Ja. Der Ehrwürdige (s.) fragte: Hat er Vermögen hinterlassen, mit dem die Schuld beglichen werden kann? Die Leute sagten: Nein. Da sagte der Ehrwürdige (s.): Dann verrichtet ihr das Totengebet für euren Gefährten. (Ich werde es nicht verrichten.) ʿAlī ibn Abī Tālib sagte: O Prophet Allahs (s.), ich übernehme die Verantwortung für die Begleichung seiner Schuld. Daraufhin trat der Ehrwürdige (s.) vor und verrichtete das Totengebet für ihn.“ (Scharḥ as-Sunna)

(١١٥) وَعَنْ عَبْدِ اللَّهِ بْنِ عَمْرِو رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُمَا أَنَّ رَسُولَ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ قَالَ: يُغْفَرُ لِلشَّهِيدِ كُلُّ ذَنْبٍ إِلَّا الدَّيْنَ (مسلم)

(115) „Von ʿAbdullāh ibn ʿAmr (r.a.) wird überliefert, dass der Gesandte (s.) sagte: Allah wird dem Märtyrer all seine Sünden vergeben, außer der Schuld.“ (Muslim)

Erläuterung: In den beiden oben genannten Hadithen wird der Rückzahlung von Schulden außerordentlich große Bedeutung beigemessen. Daher sollten diejenigen, die in der Lage sind, ihre Schulden zu begleichen, diese entsprechend ihrem Versprechen zurückzahlen. Denn eine Schuld ist ein Recht des Dieners, und nur derjenige Diener, der das Darlehen gewährt hat, kann darauf verzichten. Selbst wenn jemand auf Allahs Weg den Märtyrertod erlitten hat, wird Allah ihm trotz der Vergebung all seiner Sünden die Sünde der Schuld nicht vergeben, solange der Gläubiger ihm diese nicht erlässt.

Wenn jedoch jemand trotz größter Anstrengungen aufgrund seiner Armut nicht in der Lage ist, seine Schulden zurückzuzahlen, so besteht die Hoffnung, dass Allah ihn am Tag der Auferstehung durch den Gläubiger vergeben lässt.

Allah hilft demjenigen, der sich vornimmt, seine Schulden zurückzuzahlen

(١١٦) وَعَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللهِ صَلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: مَنْ أَخَذَ أَمْوَالَ النَّاسِ يُرِيدُ أَدَاءَهَا أَدَّى اللَّهُ عَنْهُ، وَمَنْ أَخَذَ يُرِيدُ إِخْلَافَهَا أَتْلَفَهُ اللَّهُ عَلَيْهِ (بخاري)

(116) „Von Hazrat Abu Huraira (r.a.) wird überliefert, dass der Gesandte (s.a.w.s.) sagte: Wer von jemandem ein Darlehen aufnimmt mit der Absicht, es zurückzuzahlen, dem ermöglicht Allah die Begleichung seiner Schuld. (Das heißt: Aufgrund der aufrichtigen guten Absicht des Schuldners gewährt Allah ihm eine solche finanzielle Lage, dass er seine Schuld begleichen kann.) Wer jedoch von jemandem ein Darlehen mit der Absicht aufnimmt, es zu veruntreuen, den stürzt Allah ins Verderben. (Das heißt: Aufgrund der Hinterlist in seinem Herzen lässt Allah ihn in finanzielle Not geraten, sodass er nicht nur seine Schuld nicht begleichen kann, sondern sowohl sein diesseitiges als auch sein jenseitiges Leben zugrunde geht.)“ (Buchari)

Gewaltsame Verletzung von Grundstücksgrenzen

(۱۱۷)
وَعَنْ سَعِيدِ بْنِ زَيْدِ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللهِ صَلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: مَنْ أَخَذَ شَيْرًا مِنَ الْأَرْضِ ظُلْمًا فَإِنَّهُ يُطَوَّقُهُ يَوْمَ الْقِيَامَةِ مِنْ سَبْعِ أَرَضِينَ
(بخاري – مسلم)

(117) „Von Hazrat Abu Sa’id ibn Zaid (r.a.) wird überliefert, dass er sagte: Der edle Prophet (s.a.w.s.) sagte: Wenn jemand auch nur eine Handspanne Land eines anderen gewaltsam in Besitz nimmt, wird Allah ihm am Tag der Auferstehung das Joch der sieben Erden um seinen Hals hängen.“
(Buchari, Muslim)

(۱۱۸)
وَعَنْ يَعْلَى بْنِ مُرَّةٍ قَالَ: سَمِعْتُ رَسُولَ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ مَنْ أَخَذَ أَرْضًا بِغَيْرِ حَقَّهَا كُلِّفَ أَنْ يَحْمِلَ تُرَابَهَا إِلَى الْمَحْشَرَ (أحمد)

(118) „Hazrat Yaʿlā ibn Murra (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: Ich hörte den Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagen: Wer sich unrechtmäßig das Land eines anderen aneignet, dem wird am Tag der Auferstehung die gesamte Erde dieses Landes auf den Kopf gelegt werden.“ (Ahmad)

Die Erben werden Eigentümer des Vermögens des Verstorbenen

(۱۱۹)
عَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ عَنِ النَّبِيَّ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ قَالَ: أَنَا أَوْلَى بِالْمُؤْمِنِينَ مِنْ أَنْفُسِهِمْ، فَمَنْ تُوُفِّيَ مِنَ الْمُؤْمِنِينَ عَلَيْهِ دَيْنٌ وَلَمْ يُتْرَكْ وَجَاءٌ فَعَلَيَّ قَضَاؤُهُ ، وَمَنْ تَرَكَ مَالاً فَلِوَرِثِهِ (بخاري – مسلم)

(119) „Hazrat Abū Huraira (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: Der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Ich bin den Gläubigen lieber als ihr eigenes Leben. Wenn daher ein gläubiger Mensch stirbt und Schulden hinterlässt, ohne Vermögen zu hinterlassen, mit dem diese beglichen werden könnten, so obliegt ihre Begleichung mir. Wenn er jedoch Vermögen hinterlässt, gehört es seinen Erben.“ (Buchārī, Muslim)

Erläuterung: Gemäß den islamischen Bestimmungen müssen nach der Bestreitung der Kosten für die Bestattung und Leichentücher des Verstorbenen sowie der Erfüllung seines Vermächtnisses sämtliche übrigen unbeweglichen und beweglichen Vermögenswerte unter seinen Erben verteilt werden. Das Verfahren für diese Verteilung ist im Koran und in den Hadithen ausführlich dargelegt.

Wenn der Verstorbene überhaupt kein Vermögen hinterlässt, sondern vielmehr Schulden hat, erklärte der Gesandte als Oberhaupt des islamischen Staates: Wenn kein Vermögen vorhanden ist, mit dem die Schulden des verstorbenen Gläubigen beglichen werden können, werde ich sie aus dem „Bait al-Māl“ begleichen.

Der Fluch, jemanden vom Erbe auszuschließen

(۱۲۰)
وَعَنْ أَنَسٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: مَنْ قَطَعَ مِيْرَاثَ وَارِثِهِ، قَطَعَ اللَّهُ مِيرَاثَهُ مِنَ الْجَنَّةِ يَوْمَ الْقِيَامَةِ (ابن ماجة)

(120) „Überliefert von Hazrat Anas (möge Allah mit ihm zufrieden sein): Der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Wer einen Erben von seinem Erbe ausschließt, den wird Allah am Tag der Auferstehung vom Erbe des Paradieses ausschließen.“ (Ibn Madscha)

(۱۲۱)
وَعَنْ جَابِرٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: إِذَا اسْتَهَلَّ الصَّبِيُّ، صَلِّيَ عَلَيْهِ وَوُرِّتَ (ابن ماجة – دارمي)

(121) „Hazrat Dschabir (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Wenn ein Kind nach der Geburt weint und danach stirbt, muss das Totengebet für es verrichtet werden, und es wird ebenfalls Erbe sein.“ (Ibn Madscha, Darimi)

(۱۲۲)
وَعَنْ أَسَامَةَ بْنِ زَيْدِ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُمَا قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: لَا يَرِثُ الْمُسْلِمُ الْكَافِرَ، وَلَا الْكَافِرُ الْمُسْلِمَ (بخاري – مسلم)

(122) „Überliefert von Hazrat Usama ibn Zaid (möge Allah mit ihm zufrieden sein): Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Ein Muslim wird nicht Erbe eines Ungläubigen, und kein Ungläubiger wird Erbe eines Muslims sein.“ (Buchari, Muslim)

Erläuterung: Wenn das Kind eines muslimischen Vaters eine andere Religion annimmt und den Islam verlässt, wird es nicht Erbe des Vermögens seines verstorbenen muslimischen Vaters sein. Ebenso wird das Kind eines nichtmuslimischen Vaters, wenn es den Islam annimmt, keinen Anteil am Vermögen seines nichtmuslimischen Vaters erhalten.

(۱۲۳)
عَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُوْلُ اللهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: الْقَاتِلُ لَا يَرِثُ
(ترمذي – ابن ماجة)

(123) „Von Abu Huraira (möge Allah mit ihm zufrieden sein) wird überliefert, dass der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Der Mörder wird nicht zum Erben des Getöteten.“ (Tirmidhi, Ibn Madschah)

Die Bedeutung des Testaments

(١٢٤) وَعَنْ جَابِرٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُوْلُ اللهِ صَلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ : مَنْ مَاتَ عَلَى وَصِيَّةٍ مَاتَ عَلَى سَبِيلٍ وَسُنَّةٍ، وَمَاتَ عَلَى تُقِّى وَشَهَادَةٍ، وَمَاتَ مَغْفُورًا لَهُ (ابن ماجه)

(124) „Von Dschabir (möge Allah mit ihm zufrieden sein) wird überliefert, dass der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Wer stirbt, nachdem er ein Testament über einen Teil seines Vermögens auf dem Weg Allahs gemacht hat, stirbt auf dem geraden Weg und gemäß der Sunna, in Frömmigkeit und als Märtyrer. Er stirbt in einem Zustand, in dem ihm all seine Sünden vergeben worden sind.“ (Ibn Madschah)

Erläuterung: Jeder wohlhabende Muslim sollte über einen Teil seines Vermögens zugunsten des Weges Allahs ein Testament machen. Der Umfang dieses Vermächtnisses muss jedoch auf ein Drittel seines gesamten Vermögens begrenzt sein. Andernfalls würde er sich des Vergehens schuldig machen, die Erben zu benachteiligen. Außerdem ist ein Testament zugunsten derjenigen, die nach der Scharia Anspruch auf einen Anteil am Vermögen haben, nicht zulässig.

(١٢٥) وَعَنْ عَبْدِ اللَّهِ بْنِ عُمَرَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُمَا قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: مَا حَقُّ امْرِئٍ مُسْلِمٍ لَهُ شَيْءٌ يُوصِي فِيهِ يَبِيتُ لَيْلَتَيْنِ إِلَّا وَوَصِيَّتُهُ مَكْتُوبَةٌ عِنْدَهُ (بخاري – مسلم)

(125) „Von Ibn Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) wird überliefert, dass der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Wenn ein Muslim in Bezug auf seine Geschäfte, Beziehungen und dergleichen etwas zu vermachen hat, soll er es niederschreiben, bevor zwei Nächte vergangen sind.“ (Buchari, Muslim)

Die Folgen des Unrechts

(١٢٦) قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: أَلَا لَا تَظْلِمُوا ، أَلَا لَا تَظْلِمُوا ، أَلَا لَا تَظْلِمُوا ، أَلَا لَا يَحِلُّ مَالُ امرئ إلا بطيب نَفْسٍ مِنْهُ
(بيهقي)

(126) Der Gesandte (s.) hat gesagt: Hütet euch, begeht keine Unterdrückung. Hütet euch, begeht keine Unterdrückung. Hütet euch: Ohne die Erlaubnis des Betroffenen, die dieser aus freien Stücken erteilt, ist das Eigentum eines Menschen für einen anderen nicht erlaubt.“ (Al-Baihaqi)

(۱۲۷)
وَعَنْ أَوْسِ بْنِ شُرَحْبِيْلَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ أَنَّهُ سَمِعَ رَسُولَ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ يَقُولُ: مَنْ مَشَى مَعَ ظَالِمٍ لِيُقَوِيَهُ وَهُوَ يَعْلَمُ أَنَّهُ ظَالِمٌ فَقَدْ خَرَجَ مِنَ الْإِسْلَامِ
(بيهقي)

(127) „Hazrat Aws ibn Surahbil (r.a.) überlieferte, dass er den edlen Propheten (s.) sagen hörte: Wer einen Unterdrücker, obwohl er weiß, dass dieser ein Unterdrücker ist, in der Absicht unterstützt, ihn zu stärken, der wird aus dem Islam austreten.“ (Al-Baihaqi)

Erklärung: Den Unterdrücker aufzuhalten und den Unterdrückten zu helfen, ist eine heilige Pflicht der Muslime. Wer diese Pflicht nicht erfüllt, sondern das Gegenteil tut, also dem Unterdrückten keinerlei Hilfe leistet und stattdessen gerade den Unterdrücker unterstützt, wird der Gnade des Islam beraubt werden.

Die Folgen der Bestechung

(۱۲۸)
وَعَنْ عَبْدِ اللَّهِ بْنِ عَمْرٍو رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُمَا قال ، قَالَ رَسُولُ اللهِ صَلَّى اللَّهِ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: لَعْنَةُ اللَّهِ عَلَى الرَّاشِي وَالْمُرْتَشِي (بخاري – مسلم)

(128) „Hazrat Abdullah ibn Amr (r.a.) überlieferte, dass der edle Prophet (s.) sagte: Auf demjenigen, der Bestechungsgeld annimmt, und demjenigen, der Bestechungsgeld gibt, liegt gleichermaßen der Fluch Allahs. (Buchari, Muslim)

Die Auszahlung des Arbeitslohns nicht verzögern

(۱۲۹)
وَعَنْ عَبْدِ اللَّهِ بْنِ عُمَرَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُمَا قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهِ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ : أَعْطُوا الأَجِيرَ أَجْرَهُ قَبْلَ أَنْ يَجِفَّ عَرَقُهُ (ابن ماجه)

(129) „Überliefert von Hadhrat Abdullah ibn Umar (r.): Der Gesandte (s.) sagte: ‚Zahlt dem Arbeiter seinen Lohn aus, bevor der Schweiß an seinem Körper getrocknet ist.‘“ (Ibn Māǧa)

Erläuterung: Denjenigen, die als Tagelöhner arbeiten und damit für den Unterhalt ihrer Familien sorgen, sollte ihr Lohn unmittelbar nach Beendigung der Arbeit ausgezahlt werden, damit ihre Kinder und Familienangehörigen nicht hungern müssen. Im Hadith wird es strengstens verboten, die Auszahlung des Lohns eines Tagelöhners hinauszuzögern oder Ausflüchte zu machen.

(۱۳۰)
وَعَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللهِ صَلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: قَالَ اللَّهُ تَعَالَى ثَلَاثَةٌ أَنَا خَصْمُهُمْ يَوْمَ الْقِيَامَةِ رَجُلٌ أَعْطَى بِي ثُمَّ غَدَرَ وَرَجُلٌ بَاعَ حُرًّا فَأَكَلَ تُمَنَهُ، وَرَجُلٌ اسْتَأْجَرَ أَجِيرًا فَاسْتَوْفَى مِنْهُ وَلَمْ يُعْطِ أَجْرَهُ (بخاري)

(130) „Überliefert von Hadhrat Abū Huraira (r.): Der Gesandte (s.) sagte: Allah, der Erhabene, hat gesagt: ‚Am Tag der Auferstehung werde Ich mit drei Personen streiten. Der Erste ist derjenige, der in Meinem Namen einen Vertrag geschlossen und ihn anschließend gebrochen hat. Der Zweite ist derjenige, der einen freien Menschen verkauft und den Verkaufspreis verzehrt hat. Und der Dritte ist derjenige, der einen Arbeiter die Arbeit vollständig verrichten ließ, ihm aber seinen Lohn nicht zahlte.‘“ (Buchārī)

Kapitel 5: Soziale Beziehungen

Ehe

وَأَنْكِحُوا الْأَيَامَى مِنْكُمْ وَالصَّالِحِينَ مِنْ عِبَادِكُمْ وَإِمَائِكُمْ إِنْ يَكُونُوا فُقَرَاءَ يُغْنِهِمُ اللَّهُ مِنْ فَضْلِهِ وَاللَّهُ وَاسِعٌ عَلِيمٌ (سورة النور : ۲۲)

Bedeutung: „Verheiratet die Unverheirateten unter euch. Und ebenso diejenigen eurer Diener und Dienerinnen, die rechtschaffen sind. Wenn sie bedürftig sind, wird Allah sie aus Seiner Gunst von ihrer Bedürftigkeit befreien. Allah ist freigebig und allwissend.“ (Sure an-Nur: 32)

(۱۳۱)
وَعَنْ عَبْدِ اللَّهِ بْنِ مَسْعُودٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُمَا قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللهِ صَلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: يَا مَعْشَرَ الشَّبَابِ مَنِ اسْتَطَاعَ مِنْكُمُ الْبَاءَةَ فَلْيَتَزَوَّجُ فَإِنَّهُ أَغَضُّ لِلْبَصَرِ وَأَحْصَنُ لِلْفَرْجِ، وَمَنْ لَمْ يَسْتَطِعْ فَعَلَيْهِ بِالصَّوْمِ فَإِنَّهُ لَهُ وِجَاءٌ (بخاري – مسلم)

(131) „Hazrat Abdallah ibn Mas’ud (möge Allah mit ihm zufrieden sein) berichtet: Eines Tages sagte der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu den Jugendlichen: ‚O ihr jungen Männer! Diejenigen unter euch, die in der Lage sind, die Verantwortung einer Ehe zu übernehmen, sollen heiraten. Denn die Ehe hält den Blick zurück und schützt die Schamteile. Wer jedoch nicht in der Lage ist, die Verantwortung einer Ehe zu übernehmen, soll (zur Unterdrückung des geschlechtlichen Verlangens) fasten. Denn das Fasten unterdrückt das geschlechtliche Verlangen.‘“ (Buchari, Muslim)

Der Vorrang einer frommen Braut

(۱۳۲)
وَعَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهِ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: تُنْكَحُ الْمَرْأَةُ لأَرْبَعِ لِمَالِهَا وَلِحَسَبِهَا وَلِجَمَالِهَا وَلِدِينِهَا، فَاغْفِرْ بِذَاتِ الدِّينِ تَرِبَتْ يَدَاكَ (بخاري، مسلم)

(132) „Hazrat Abu Huraira (möge Allah mit ihm zufrieden sein) berichtet: Der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: ‚Frauen werden gewöhnlich aufgrund von vier Dingen geheiratet: wegen ihres Vermögens, ihrer Abstammung und ihres Ansehens, ihrer Gestalt und Schönheit sowie ihrer Religiosität. Bemüht euch jedoch darum, eine fromme Frau zu bekommen; darin liegt euer Wohlergehen.‘“ (Buchari, Muslim)

Erläuterung: Der Sinn des überlieferten Hadith ist, dass die Menschen bei der Heirat gewöhnlich auf den Reichtum, die Abstammung und das Ansehen sowie die Schönheit der Braut achten. Manche legen auch Wert auf ihre Gottesfurcht und Frömmigkeit. Der ehrwürdige Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Bei der Eheschließung sollt ihr einer frommen Braut den Vorrang geben; dann könnt ihr in dieser Welt und im Jenseits Wohlergehen erlangen. Wenn eine Braut neben ihrer Religiosität auch die anderen Eigenschaften besitzt, ist das freilich noch besser. Für einen Muslim ist es jedoch nicht richtig, zu heiraten, ohne auf die Gottesfurcht und Frömmigkeit der Braut zu achten, und die Heirat allein aufgrund anderer Eigenschaften zu vollziehen.

(۱۳۳)
وَعَنْ عَبْدِ اللَّهِ بْنِ عَمْرٍو رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُمَا قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: الدُّنْيَا كُلُّهَا مَتَاعٌ، وَخَيْرُ مَتَاعِ الدُّنْيَا الْمَرْأَةِ الصَّالِحَةِ (مسلم)

(133) „Überliefert von Hazrat Abdullah ibn Amr (möge Allah mit ihm zufrieden sein): Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Die gesamte Welt ist Besitz. (Das heißt, alle Dinge der Welt sind gleichsam Besitz.) Und unter allen Besitztümern der Welt ist eine rechtschaffene Ehefrau das Beste.“ (Muslim)

(١٣٤) وَعَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهِ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: إِذَا خَطَبَ إِلَيْكُمْ مَنْ تَرْضَوْنَ دِينَهُ وَخُلُقَهُ فَزَوِّجُوهُ إِنْ لَا تَفْعَلُوا تَكُنْ فِتْنَةٌ فِي الْأَرْضِ وَفَسَادٌ كَبِيرٌ. (ترمذي)

(134) „Überliefert von Hazrat Abu Huraira (möge Allah mit ihm zufrieden sein): Der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Wenn euch ein Heiratsantrag von einem Mann erreicht, mit dessen Gottesfurcht und Charakter ihr zufrieden seid, dann geht mit ihm die Ehe ein. Andernfalls werden auf der Erde Fitna, Unfrieden und Verderben entstehen.“ (Tirmidhi)

Allah hilft dem jungen Mann, der heiratet, um seinen Charakter zu bewahren

(١٣٥) وَعَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ أَنَّ رَسُولَ اللَّهِ صلى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ قَالَ : ثَلاثَةٌ حَقٌّ عَلَى اللَّهِ عَوْنُهُمُ

الْمُكَاتَبُ الَّذِي يُرِيدُ الأَدَاءَ، وَالنَّاكِحُ الَّذِي يُرِيدُ الْعَفَافَ وَالْمُجَاهِدُ فِي سَبِيلِ اللَّهِ
(ترمذي – نسائي – ابن ماجة)

(135) „Überliefert von Hazrat Abu Huraira (möge Allah mit ihm zufrieden sein): Der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Allah, der Erhabene, betrachtet es als Seine eigene Pflicht, drei Personen zu helfen. Der Erste ist ein Mukātib, der sich bemüht, den Betrag seines Freikaufvertrags zu begleichen. Der Zweite ist der verheiratete junge Mann, der heiratet, um seinen Charakter zu bewahren. Der Dritte ist der Mujahid, der auf Allahs Weg den Dschihad führt.“ (Tirmidhi, Nasai, Ibn Madschah)

Die Erlaubnis, die Braut vor der Eheschließung anzusehen

(١٣٦) وَعَنْ جَابِرِ بْنِ عَبْدِ اللَّهِ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهِ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: إِذَا خَطَبَ أَحَدُكُمُ الْمَرْأَةَ فَإِنِ اسْتَطَاعَ أَنْ يَنْظُرَ إِلَى مَا يَدْعُوهُ إِلَى نِكَاحِهَا فَلْيَفْعَلْ (أبو داود)

(136) „Überliefert von Dschābir ibn ʿAbdullāh (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm): Der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Wenn jemand von euch einer Frau einen Heiratsantrag macht, soll er sie, wenn möglich, einmal ansehen.“ (Abū Dāwūd)

Die Brautgabe bei der Eheschließung und ihre Bedeutung

وَآتُوا النِّسَاءَ صَدُقَاتِهِنَّ نِحْلَةٌ (سورة النساء : ٤)

Bedeutung: „Gebt den Frauen ihre Brautgabe bereitwillig.“
(Sure an-Nisāʾ: 4)

(۱۳۷)
وَعَنْ عُقْبَةَ بْنِ عَامِرٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ : قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى الله عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: أَحَقُّ الشَّرُوطِ أَنْ تُوْفُوْا بِهِ مَا اسْتَحْلَلْتُمْ بِهِ الْفُرُوْجَ (بخاري – مسلم)

(137) „Überliefert von ʿUqba ibn ʿĀmir (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm): Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Von allen Verträgen ist derjenige am allerwichtigsten zu erfüllen, durch den ihr die Geschlechtsteile der Frauen für euch erlaubt macht.“ (al-Buchārī, Muslim)

(۱۳۸)
وَعَنْ عُقْبَةَ بْنِ عَامِرٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ : قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهِ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: خَيْرُ الصَّدَاقِ أَيْسَرَهُ نيل الأوطار)

(138) „Von ʿUqba ibn ʿĀmir (möge Allah mit ihm zufrieden sein) wird überliefert, dass der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Unter den Brautgaben ist diejenige am besten, deren Zahlung leicht zu leisten ist.“ (Nail al-Autar)

Es ist ein Vergehen, die Armen zur Walima-Veranstaltung nicht einzuladen

(۱۳۹)
وَعَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهِ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: شَرُّ الطَّعَامِ طَعَامُ الْوَلِيمَةِ يُدْعَى لَهَا الأَغْنِيَاءُ وَيُتْرَكُ الْفُقَرَاءُ، وَمَنْ تَرَكَ الدَّعْوَةَ فَقَدْ عَصَى اللَّهَ وَرَسُولَهُ (بخاري – مسلم)

(139) „Von Abu Huraira (möge Allah mit ihm zufrieden sein) wird überliefert, dass der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Die schlechteste Speise ist die Speise einer Walima, zu der nur die Reichen eingeladen werden und die Armen übergangen werden. Und wer eine Einladung ablehnt, der ist Allah und Seinem Gesandten ungehorsam.“ (Buchari, Muslim)

Erläuterung: Die Bewirtung, die nach der Eheschließung anlässlich der Hochzeit im Haus des Bräutigams veranstaltet wird, wird Walima genannt. Die Walima ist Sunna; zur Walima-Veranstaltung müssen jedoch unbedingt auch die Armen eingeladen werden. Andernfalls ist sie in den Augen Allahs und Seines Gesandten eine verfluchte Walima.

Die Bedeutung der Verschleierung

وَقُلْ لِلْمُؤْمِنَاتِ يَغْضُضْنَ مِنْ أَبْصَارِهِنَّ وَيَحْفَظْنَ فُرُوجَهُنَّ وَلَا يُبْدِينَ زِينَتَهُنَّ إِلَّا مَا ظَهَرَ مِنْهَا
(سورة النور: ۳۱)

Bedeutung: Sage den gläubigen Frauen, dass sie ihre Blicke senken, ihre Scham hüten und ihren Schmuck nicht zur Schau stellen sollen, außer dem, was gewöhnlich sichtbar ist. (Sure an-Nur: 31)

(١٤٠) وَعَنْ عَبْدِ اللَّهِ بْنِ مَسْعُودٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُمَا عَنِ النَّبِيِّ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ قَالَ: الْمَرْأَةَ عَوْرَةٌ، فَإِذَا خَرَجَتِ اسْتَشْرَفَهَا الشَّيْطَانُ (ترمذي)

(140) „Von Abdullah ibn Masud (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) wird überliefert, dass der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Frauen sind dazu bestimmt, sich zu verhüllen. Wenn sie daher, indem sie die Verhüllung missachten, hinausgehen, lässt Satan sie in den Augen fremder Männer geschmückt erscheinen.“ (Tirmidhi)

Erklärung: Durch die freie und ungezügelte Vermischung von Frauen und Männern entsteht in der Gesellschaft die schwere Krankheit des moralischen Verfalls. Um die muslimische Gesellschaft davor zu bewahren, hat Allah die Verhüllung für Frauen verpflichtend gemacht. In Medina, in der späteren Phase nach der Auswanderung des erhabenen Propheten, wurden die Bestimmungen über die Verhüllung offenbart. Mit Ausnahme der Mahram-Personen, mit denen nach dem islamischen Recht eine Eheschließung verboten ist, müssen sich Frauen vor allen anderen verhüllen. In dem überlieferten Hadith untersagte der ehrwürdige Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) den Frauen, unverhüllt hinauszugehen. Andernfalls könnten sie in die Fänge Satans geraten.

(١٤١) وَعَنْ جَرِيرِ بْنِ عَبْدِ اللَّهِ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ: سَأَلْتُ رَسُولَ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ عَنْ نَظَرِ الْفُجَاءَةِ فَأَمَرَنِي أَنْ أَصْرِفَ بَصَرِي (مسلم)

(141) „Von Jarir ibn Abdullah (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) wird überliefert, dass er sagte: Ich fragte den Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), was zu tun sei, wenn mein Blick plötzlich auf eine Frau falle. Der ehrwürdige Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) wies mich an: Du sollst deinen Blick unverzüglich abwenden.“ (Muslim)

(١٤٢) وَعَنْ أُمِّ سَلَمَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهَا أَنَّهَا كَانَتْ عِنْدَ رَسُولِ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ وَمَيْمُونَةُ إِذَا أَقْبَلَ ابْنُ أُمِّ مَكْتُومٍ فَدَخَلَ عَلَيْهِ، فَقَالَ رَسُولِ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ
عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: احْتَجِبَا مِنْهُ، فَقُلْتُ يَا رَسُولَ اللَّهِ أَلَيْسَ هُوَ أَعْمَى، لَا يُبْصِرُنَا وَلَا يَعْرِفُنَا، فَقَالَ رَسُولِ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: أَفَعَمْيَاوَانِ أَنْتُمَا أَلَسْتُمَا تُبْصِرَانِهِ

(أحمد – ترمذي – أبو داود)

(142) „Überliefert von Umm Salama (r.a.): Eines Tages saßen sie und Maymuna (r.a.) beim Gesandten (s.a.w.s.). Plötzlich kam Ibn Umm Maktum herein. Der Prophet (s.a.w.s.) sagte zu Umm Salama und Maymuna (r.a.): ‚Bedeckt euch vor diesem Mann, der hereingekommen ist.‘ Ich sagte: ‚O Prophet Allahs (s.a.w.s.), der Mann ist doch blind und kann uns nicht sehen.‘ Da sagte der Gesandte (s.a.w.s.): ‚Seid ihr beide etwa auch blind, sodass ihr ihn nicht sehen könnt?‘ (Ahmad, Tirmidhi, Abu Dawud)

Gegenseitige Rechte

وَاعْبُدُوا اللَّهَ وَلَا تُشْرِكُوا بِهِ شَيْئًا وَبِالْوَالِدَيْنِ إِحْسَانًا وَبِذِي الْقُرْبَى وَالْيَتَامَى وَالْمَسَاكِينِ وَالْجَارِ ذِي الْقُرْبَى وَالْجَارِ الْجُنُبِ وَالصَّاحِبِ بِالْجَنْبِ وَابْنِ السَّبِيلِ وَمَا مَلَكَتْ أَيْمَانُكُمْ إِنَّ اللَّهَ لَا يُحِبُّ مَنْ كَانَ مُخْتَالاً فَخُورًا (سورة النساء : ٣٦)

Bedeutung: „Dient Allah und gesellt Ihm niemanden als Teilhaber bei. Erweist den Eltern, den nächsten Verwandten, den Waisen, den Bedürftigen und den Nachbarn gutes Verhalten; und erweist auch den hilflosen Reisenden sowie euren Dienern und Dienstmädchen gutes Verhalten. Wahrlich, Allah liebt keinen hochmütigen, eingebildeten Menschen. (Sure an-Nisa: 36)

Die Rechte der Eltern

(١٤٣) وَعَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: رَعْمَ أَنْفُهُ رَغِمَ أَنْفُهُ رَغِمَ أَنْفُهُ ، قِيلَ مَنْ يَا رَسُولَ اللَّهِ؟ قَالَ: مَنْ أَدْرَكَ وَالِدَيْهِ عِنْدَ الْكِبَرِ أَحَدَهُمَا أَوْ كِلَاهُمَا ثُمَّ لَمْ يَدْخُلِ الْجَنَّةَ (مسلم)

(143) „Überliefert von Abu Huraira (r.a.): Der edle Prophet (s.a.w.s.) sagte: ‚Möge seine Nase mit Staub bedeckt sein, möge seine Nase mit Staub bedeckt sein.‘

[Anmerkung: 1. Dies ist ein Ausdruck der arabischen Sprache. Wörtlich übersetzt bedeutet er: „Möge seine Nase mit Staub beschmutzt werden.“ Im Deutschen entspricht seine sinngemäße Bedeutung: „Wie unglücklich ist doch dieser Mensch.“]

Möge seine Nase im Staub sein.“ Die Gefährten fragten: „O Gesandter Allahs, wer ist dieser Unglückliche?“ Der ehrwürdige Prophet (s.a.w.) sagte: „Es ist derjenige, der beide oder auch nur einen seiner Eltern im hohen Alter erlebt und dennoch nicht ins Paradies gelangen konnte. (Muslim)

Erklärung: Aus islamischer Sicht nehmen die Eltern eines Muslims nach Allah und Seinem Gesandten den höchsten Rang ein. Im Koran und in den Hadithen wird der Fürsorge für die Eltern und dem Streben nach ihrer Zufriedenheit größte Bedeutung beigemessen. Der Ungehorsam gegenüber den Eltern – solange ihre Anweisungen nicht den Anweisungen Allahs und Seines Gesandten widersprechen – wird zu den großen Sünden gerechnet. Im überlieferten Hadith erklärte der Gesandte Allahs (s.a.w.), dass es keinen Unglücklicheren geben könne als denjenigen, der beide Eltern oder auch nur einen von ihnen im hohen Alter erlebt, sie aber nicht durch Dienst und Fürsorge zufriedenstellt und dadurch nicht das Paradies erlangt.

(١٤٤) وَعَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَجُلٌ: يَا رَسُولَ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ مَنْ أَحَقُّ بِحُسْنِ صَحَابَتِي؟ قَالَ: أُمُّكَ، قَالَ : ثُمَّ مَنْ؟ قَالَ : أُمُّكَ، قَالَ ثُمَّ مَنْ؟ قَالَ : أُمُّكَ، قَالَ ثُمَّ مَنْ؟ قَالَ: أَبُوكَ
(بخاري – مسلم)

(144) „Hazrat Abu Huraira (r.a.) berichtet: Ein Mann fragte: ‚O Gesandter Allahs (s.a.w.), wer hat am meisten Anspruch auf meine beste Behandlung?‘ Der ehrwürdige Prophet (s.a.w.) sagte: ‚Deine Mutter.‘ Der Mann fragte erneut: ‚Und wer danach?‘ Der ehrwürdige Prophet (s.a.w.) sagte: ‚Deine Mutter.‘ Der Mann fragte wieder: ‚Und wer danach?‘ Der ehrwürdige Prophet (s.a.w.) antwortete auch diesmal: ‚Deine Mutter.‘ Der Mann fragte nochmals: ‚Und wer danach?‘ Nun antwortete der edle Prophet (s.a.w.): ‚Dein Vater.‘ (Buchari, Muslim)

Die Rechte der Eltern gegenüber den Kindern nach dem Tod

(١٤٥) وَعَنْ أَبِي أُسَيْدِنِ السَّاعِدِي رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، بَيْنَا نَحْنُ عِنْدَ رَسُولِ اللهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ إِذْ جَاءَهُ رَجُلٌ مِنْ بَنِي سَلَمَةَ ، فَقَالَ: يَا رَسُولَ اللَّهِ، هَلْ بَقِيَ مِنْ بِرِّ أَبَوَيَّ شَيْءٌ أَبَرُّهُمَا بِهِ بَعْدَ مَوْتِهِمَا؟ قَالَ: نعَمْ الصَّلَاةُ عَلَيْهِمَا، وَالاسْتِغْفَارُ لَهُمَا، وَإِنْفَاذُ عَهْدِهِمَا مِنْ بَعْدِهِمَا ، وَصِلَةُ الرَّحِمِ الَّتِي لَا تُوصَلُ إِلَّا بِهِمَا ، وَإِكْرَامُ صَدِيقِهِمَا (أبو داود)

(145) „Hazrat Abu Usaid as-Saʿidi (r.a.) sagte: Eines Tages saßen wir beim Gesandten Allahs (s.a.w.), als plötzlich ein Mann aus dem Stamm der Banu Salama erschien und den ehrwürdigen Propheten (s.a.w.) fragte: ‚O Gesandter Allahs (s.a.w.), haben meine Eltern auch nach ihrem Tod noch irgendwelche Rechte mir gegenüber, die ich erfüllen muss?‘ Der ehrwürdige Prophet (s.a.w.) sagte: ‚Ja. Du sollst für sie Bittgebete und Istighfar sprechen, ihre hinterlassenen Verfügungen erfüllen, ihre Verwandten väterlicher- und mütterlicherseits gut behandeln und die Freunde deiner Eltern ehren.‘ (Abu Dawud)

Das Recht des Ehemannes

(١٤٦) وَعَنْ أَنَسٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: إِذَا صَلْتِ الْمَرْأَةُ خَمْسَهَا ، وَصَامَتْ شَهْرَهَا ، وَأَحْصَنَتْ فَرْجَهَا، وَأَطَاعَتْ بَعْلَهَا ، فَلْتَدْخُل مِنْ أَيِّ أَبْوَابِ الْجَنَّةِ شَاءَتْ (مشكوة)

(146) „Von Hadhrat Anas (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) wird überliefert, dass der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Wenn eine Frau die fünf täglichen Gebete regelmäßig verrichtet, im Ramadan fastet, ihre Keuschheit und Ehre bewahrt und ihrem Ehemann gehorsam ist, steht ihr frei, durch jede beliebige Pforte des Paradieses einzutreten.“ (Mischkat)

Erläuterung: Im Allgemeinen sind Hadsch und Zakat für Frauen nicht verpflichtend. Wenn eine Frau unter diesen Umständen die genannten fünf Pflichten ordnungsgemäß erfüllt, deutet der Hadith darauf hin, dass ihr Eintritt ins Paradies unausweichlich ist. Sollte jedoch Zakat und Hadsch für eine Frau verpflichtend sein, muss sie auch diese beiden oben genannten Pflichten erfüllen, um ins Paradies zu gelangen.

(١٤٧) عَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قِيلَ لِرَسُولِ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ أَيُّ النِّسَاءِ خَيْرٌ؟ قَالَ: الَّتِي تَسُرُّهُ

إِذَا نَظَرَ، وَتُطِيعُهُ إِذَا أَمَرَ، وَلَا تُخَالِفُهُ فِي نَفْسِهَا وَمَالِهَا بِمَا يَكْرَهُ (نسائي)

(147) „Von Hadhrat Abu Huraira (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) wird überliefert, dass der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) einst gefragt wurde: Welche Frau ist unter den Frauen die beste? Der Hochgeehrte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Jene Frau, deren Anblick ihren Ehemann erfreut, die seinen Befehl befolgt, wenn er ihr etwas aufträgt, und die weder in Bezug auf sich selbst noch auf ihr Eigentum etwas tut, was ihrem Ehemann missfällt.“ (Nasa’i)

Eine gläubige Ehefrau ist der beste Besitz

(١٤٨) عَنْ تَوْبَانَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ لَمَّا نَزَلَتِ وَالَّذِيْنَ يَكْنِزُوْنَ الذَّهَبَ وَالْفِضَّةَ كُنَّا مَعَ النَّبِيِّ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ فِي بَعْضِ أَسْفَارِهِ، فَقَالَ بَعْضُ أَصْحَابِهِ نَزَلَتْ فِي الذَّهَبِ وَالْفِضَّةِ. لَوْ عَلِمْنَا أَيُّ الْمَالِ خَيْرٌ فَنَتَّخِذَهُ، فَقَالَ: أَفْضَلُهُ لِسَانٌ ذَاكِرٌ وَقَلْبٌ شَاكِرٌ وَزَوْجَةٌ مُؤْمِنَةٌ تُعِينُهُ عَلَى دِينِهِ (ترمذي)

(148) „Hazrat Thawbān (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: Wir befanden uns gemeinsam mit dem Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) auf einer Reise; da wurde der folgende Vers offenbart.“

وَالَّذِينَ يَكْنِزُونَ الذَّهَبَ وَالْفِضَّةَ وَلَا يُنفِقُونَهَا فِي سَبِيلِ اللَّهِ فَبَشِّرْهُم بِعَذَابٍ أَلِيمٍ (سورة التوبة : ٣٤)

„Und verkünde denen, die Gold und Silber anhäufen und es nicht auf Allahs Weg ausgeben, eine schmerzhafte Strafe.“
(Sura at-Tauba: 34)

Einige von uns sagten: Dieser Vers wurde doch im Hinblick auf Gold und Silber offenbart. (Daher darf man sie nicht anhäufen.) Wenn wir nur wüssten, welcher Besitz der beste ist, würden wir ihn sammeln und aufbewahren. Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Der beste Besitz ist eine Zunge, die Allahs gedenkt, ein Herz, das von Dankbarkeit für Allahs Gaben erfüllt ist, und eine gläubige Ehefrau, die ihren Ehemann bei den Angelegenheiten der Religion unterstützt.“ (Tirmidhi)

(١٤٩) وَعَنْ أُمِّ سَلَمَةَ قَالَتْ قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: أَيُّمَا امْرَأَةٍ مَاتَتْ وَزَوْجُهَا عَنْهَا رَاضٍ دَخَلَتِ الْجَنَّةَ (ترمذي)

(149) „Von Hazrat Umm Salama (möge Allah mit ihr zufrieden sein) wird überliefert, dass der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Eine Frau, die stirbt, während ihr Ehemann mit ihr zufrieden ist, wird ohne Schwierigkeiten ins Paradies eintreten.“ (Tirmidhi)

(١٥٠) وَعَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: إِذَا دَعَا الرَّجُلُ امْرَأَتَهُ إِلَى فِرَاشِهِ فَأَبَتْ فَبَاتَ غَضْبَانَ عَلَيْهَا لَعَنَتْهَا الْمَلَائِكَةُ حَتَّى تُصبح (بخاري – مسلم)

(150) „Von Hazrat Abu Huraira (möge Allah mit ihm zufrieden sein) wird überliefert, dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Wenn ein Ehemann seine Ehefrau zu seinem Bett ruft und sie dies ablehnt, während der Ehemann deshalb die ganze Nacht über auf sie zornig bleibt, verfluchen die Engel diese Frau bis zum Morgen.“ (Bukhari, Muslim)

Die Rechte der Ehefrau

(١٥١) وَعَنْ أَبِي مَسْعُودٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: إِذَا أَنْفَقَ الرَّجُلُ عَلَى أَهْلِهِ يَحْتَسِبُهَا فَهُوَ لَهُ صَدَقَةٌ (بخاري – مسلم)

(151) „Von Abu Masʿud (r.a.) wird überliefert, dass der Gesandte (s.a.w.) sagte: Wenn jemand in der Absicht, dafür den Lohn im Jenseits zu erlangen, für die Bedürfnisse seiner Familie und Angehörigen ausgibt, wird dies für ihn als Sadaqa gewertet.“ (Das heißt: So wie jemand durch Sadaqa oder eine Spende auf Allahs Weg den Lohn dafür erlangt, wird auch die oben erwähnte Person aufgrund ihrer guten Absicht dadurch belohnt, dass sie für ihre Angehörigen ausgibt.) (Buchari, Muslim)

(١٥٢) وَعَنْ عَمْرِو بْنِ الْأَحْوَصِ الْجُسْمِي رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، أَنَّهُ سَمِعَ النَّبِيَّ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ فِي حَجَّةَ الوَدَاعِ يَقُولُ بَعْدَ أَنْ حَمِدَ اللَّهَ، وَأَثْنَى عَلَيْهِ، وَذَكِّرَ، وَوَعَظَ، ثُمَّ قَالَ: أَلَا وَاسْتَوْصُوا بِالنِّسَاءِ

خَيْرًا ، فَإِنَّمَا هُنَّ عَوَانٌ عِنْدَكُمْ، لَيْسَ تَمْلِكُونَ مِنْهُنَّ شَيْئًا غَيْرَ ذَلِكَ، إِلَّا أَنْ يَأْتِينَ بِفَاحِشَةٍ مُبَيِّنَةٍ (ترمذي)

(152) „Von Amr ibn Ahwas al-Dschuschami (r.a.) wird überliefert, dass er am Tag der Abschiedspilgerfahrt zunächst hörte, wie der Prophet (s.a.w.) Allah pries und lobte, danach die Menschen ansprach und ihnen Ermahnungen erteilte und schließlich sagte: O ihr Menschen, behandelt die Frauen gut. Denn eure Frauen sind im Haushalt gleichsam Gefangene. Ihr dürft ihnen gegenüber keine Härte zeigen, solange sie euch nicht offen ungehorsam sind.“ (Tirmidhi)

Erläuterung: Am Tag der Abschiedspilgerfahrt hielt der edle Prophet (s.a.w.) eine wichtige, wegweisende Ansprache an seine Umma. In einem Teil dieser Ansprache wies er seine Umma an, Frauen gut zu behandeln und ihre Rechte ordnungsgemäß zu erfüllen. Der Überlieferer des oben genannten Hadiths erwähnt eben diesen Teil der Ansprache.

(١٥٣) وَعَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: لَا يَفْرَكُ مُؤْمِنٌ مُؤْمِنَةٌ إِنْ كَرِهَ مِنْهَا خُلُقًا رَضِيَ مِنْهَا آخَرَ (مسلم)

(153) „Von Abu Huraira (möge Allah mit ihm zufrieden sein) wird überliefert, dass der edle Prophet (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) gesagt hat: Es ziemt sich für einen gläubigen Mann nicht, eine gläubige Frau zu hassen. Denn selbst wenn seine gläubige Ehefrau eine schlechte Eigenschaft hat, besitzt sie doch viele vorzügliche Eigenschaften“ (die ihrem Ehemann sehr gefallen). (Muslim)

(١٥٤) وَعَنْ عَائِشَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهَا قَالَتْ، قَالَ رَسُولُ اللهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: خَيْرُكُمْ مِنْكُمْ خَيْرُكُمْ لأَهْلِهِ، وَأَنَا خَيْرُكُمْ لِأَهْلِي، وَإِذَا مَاتَ صَاحِبُكُمْ فَدَعُوهُ (ترمذي – دارمي)

(154) „Von Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) wird überliefert, dass der edle Prophet (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) gesagt hat: Der Beste unter euch ist derjenige, der zu seiner Familie am besten ist. Und ich bin zu meiner Familie besser als jeder von euch. Und wenn einer eurer Gefährten stirbt, dann vergebt ihm.“ (Das heißt: Sprecht nicht schlecht über ihn.) (Tirmidhi, Darimi)

(١٥٥) وَعَنْ عَائِشَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهَا قَالَتْ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: إِنَّ مِنْ أَكْمَلِ الْمُؤْمِنِينَ إِيمَانًا أَحْسَنُهُمْ خُلُقًا ، وَأَلْطَفُهُمْ بِأَهْلِهِ (ترمذي)

(155) „Von Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) wird überliefert, dass der Gesandte (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) gesagt hat: Ein vollkommener Gläubiger ist derjenige, dessen Charakter vortrefflich ist und der seinen Angehörigen (Ehefrau und Kindern) gegenüber gütig ist.“ (Tirmidhi)

Erläuterung: Bei einem charaktervollen Menschen wird sich die Liebenswürdigkeit seines Charakters zuerst gegenüber seinen Angehörigen zeigen, insbesondere gegenüber seiner Ehefrau und seinen Kindern. Denn vor den Familienmitgliedern, mit denen er Tag und Nacht zusammenlebt, kann er die wahre Beschaffenheit seines Charakters nicht lange verbergen. Daher ist ein Mensch tatsächlich so, wie ihn seine Familienangehörigen als charaktervoll und gütig wahrnehmen. Folglich ist er auch aus islamischer Sicht ein guter Mensch. Auf genau diese Tatsache hat der Ehrwürdige (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) in dem oben angeführten Hadith hingewiesen.

Die Rechte der Kinder und Nachkommen

(١٥٦) وَعَنِ النُّعْمَانِ بْنِ بَشِيرٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ أَنَّ أَبَاهُ أَتَى بِهِ رَسُولَ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ فَقَالَ إِنِّي نَحَلْتُ ابْنِي هَذَا غُلَامًا كَانَ لِي، فَقَالَ رَسُولِ اللَّهِ : أَكُلَّ وَلَدِكَ نَحَلْتَهُ مِثْلَ هَذَا ، فَقَالَ : لَا ، فَقَالَ رَسُولِ اللَّهِ : فَارْجِعْهُ، وَفِي رِوَايَةٍ فَقَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ أَفَعَلْتَ هَذَا بِوَلَدِكَ كُلِهِمْ؟ قَالَ : لَا ، قَالَ: اتَّقُوا اللَّهَ وَاعْدِلُوا فِي أَوْلَادِكُمْ، فَرَجَعَ أَبِي فَرَدَّ تِلْكَ
الصدقة
(بخاري – مسلم)

(156) „Überliefert von Hazrat Nuʿman ibn Bashir (möge Allah mit ihm zufrieden sein): Eines Tages kam Hazrat Nuʿmans Vater mit ihm zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und sagte: ‚O Gesandter Allahs, ich habe diesem meinem Sohn einen meiner eigenen Sklaven geschenkt.‘ Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) fragte: ‚Hast du auch deinen anderen Kindern ein entsprechendes Geschenk gemacht?‘ Er antwortete: ‚Nein.‘ Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: ‚Dann nimm diesen Sklaven wieder zurück.‘ Nach einer anderen Überlieferung sagte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu ihm: ‚Hast du jedem deiner Kinder jeweils einen entsprechenden Sklaven gegeben?‘ Er antwortete: ‚Nein.‘ Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: ‚Fürchte Allah und sei gerecht zu deinen Kindern.‘ Daraufhin kehrte mein Vater nach Hause zurück und nahm den geschenkten Sklaven wieder zurück.“ (Buchari, Muslim)

Erläuterung: Das erste Kind, das nach der Auswanderung des Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) nach Medina in einem muslimischen Haus geboren wurde, war der Überlieferer des obigen Hadith, Hazrat Nuʿman ibn Bashir. Als erstes Kind der neu gegründeten islamischen Regierung in Medina liebten alle, Ansar wie Muhadschirun, Hazrat Nuʿman außerordentlich. Dies war vielleicht auch ein Grund für die besondere Zuneigung seines Vaters. Dennoch billigte der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) nicht, dass er gegenüber seinen anderen Brüdern bevorzugt und mit etwas Besonderem bedacht wurde. Denn wenn jemandem ohne Gerechtigkeit unter den Kindern etwas Zusätzliches gegeben wird, ist dies nach der Scharia missbilligenswert. Außerdem würde dies Streit und Unfrieden unter den Geschwistern hervorrufen und dadurch Respektlosigkeit gegenüber den Eltern entstehen lassen.

(١٥٧) وَعَنْ سَعِيدِ بْنِ الْعَاصِ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ أَنَّ رَسُولَ اللهِ صَلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ قَالَ: مَا نَحَلَ وَالِدٌ وَلَدَهُ مِنْ نَحْلٍ أَفْضَلَ مِنْ أَدَبٍ حَسَنٍ (جامع الأصول – مشكوة)

(157) „Überliefert von Hazrat Saʿid ibn ʿAs (möge Allah mit ihm zufrieden sein): Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: ‚Die beste Gabe eines Vaters an seine Kinder ist eine gute Talim und Tarbiyat.‘“ (Dschamiʿ al-Usul, Mischkat)
Erläuterung: Ganz gleich, wie viele Vermögenswerte ein Vater seinen Kindern hinterlässt – Häuser, Grundstücke, Land und dergleichen –, all diese Vermögenswerte sind aus islamischer Sicht wertlos, wenn er ihnen keine angemessene Talim und Tarbiyat mit auf den Weg gibt. Denn ohne eine angemessene Talim bleibt der Mensch hinsichtlich des richtigen Verständnisses von Din und Dunya unwissend. Daher kann kein Vermögen diesen Mangel beheben. Die Talim und Tarbiyat der Kinder gehört deshalb zu den wichtigsten Pflichten der Eltern.

(١٥٨) وَعَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: إِذَا مَاتَ الإِنْسَانُ انْقَطَعَ عَنْهُ عَمَلُهُ إِلَّا مِنْ ثَلَاثَةٍ إِلَّا مِنْ صَدَقَةٍ جَارِيَةٍ، أَوْ عِلْمٍ يُنْتَفَعُ بِهِ، أَوْ وَلَدٍ صَالِحٍ يَدْعُو لَهُ (مسلم)

(158) „Überliefert von Hazrat Abu Huraira (möge Allah mit ihm zufrieden sein): Der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: ‚Mit dem Tod eines Menschen enden all seine Taten und Aktivitäten. Es gibt jedoch drei Dinge, deren Wirksamkeit durch den Tod nicht endet. Das erste ist Sadaqa Dschariya, das zweite nützliches Wissen und das dritte ein frommes Kind, das stets für seine Eltern betet.‘“ (Muslim)

Erläuterung: Sadaqa Dschariya bezeichnet eine weitreichende wohltätige Tat, deren Nutzen die Menschen auch nach dem Tod des Spenders noch lange genießen. Dazu gehören beispielsweise der Bau von Straßen zum Wohl der Allgemeinheit sowie die Errichtung von Madrasa und Moschee. Wenn jemand eine solche Tat vollbringt und stirbt, wird ihm deren Lohn auch nach seinem Tod weiterhin in seinem Tatenbuch gutgeschrieben. Ebenso wird ein Lehrer nach seinem Tod weiterhin den Lohn erhalten, wenn er jemandem nützliches Wissen vermittelt hat, durch das dieser die richtige Erkenntnis von Dunya und Aakhirah erlangen kann. Denn die Menschen werden lange Zeit von seiner nützlichen Lehre profitieren. Wenn ferner Eltern sterben und ein frommes Kind hinterlassen, das nach ihrem Tod für die Vergebung ihrer Sünden betet, werden diese Eltern auch nach ihrem Tod aufgrund des Gebets ihres Kindes weiterhin Lohn erhalten.

(١٥٩) وَعَنِ ابْنِ عَبَّاسٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: مَنْ كَانَتْ لَهُ أُنثَى فَلَمْ يَئِدْهَا وَلَمْ يَهِنْهَا وَلَمْ يُؤْثِرُ وَلَدَهُ عَلَيْهَا يَعْنِي الذَّكُورَ أَدْخَلَهُ الْجَنَّةَ (أبو داود)

(159) „Von Hazrat Ibn Abbas (r. a.) wird überliefert, dass der edle Prophet (s. a. s.) gesagt hat: Wenn im Hause eines Menschen ein Mädchen geboren wird und er es nicht – wie in der Zeit der Unwissenheit – lebendig begräbt, es nicht geringachtet und den Sohn diesem Mädchen nicht vorzieht, wird Allah ihm das Paradies schenken. (Abu Dawud)“

(١٦٠) وَعَنْ عَائِشَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهَا قَالَتْ، جَاءَتْنِي امْرَأَةٌ وَمَعَهَا ابْنَتَانِ لَهَا تَسْأَلُنِي، فَلَمْ تَجِدُ عِنْدِي غَيْرَ ثَمَرَةٍ وَاحِدَةٍ، فَأَعْطَيْتُهَا إِيَّاهَا ، فَقَسَّمَتْهَا بَيْنَا ابْنَتَيْهَا ولَمْ تَأْكُلْ مِنْهَا ، ثُمَّ قَامَتْ فَخَرَجَتْ، فَدَخَلَ النَّبِيُّ

صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ فَحَدَّثْتُهُ، فَقَالَ: مَنِ ابْتُلِيَ مِنْ هَذِهِ الْبَنَاتِ بِشَيْءٍ فَأَحْسَنَ إِلَيْهِنَّ، كُنَّ لَهُ سِتْرًا مِنَ
النَّارِ (بخاري – مسلم)

(160) „Von Hazrat Aischa (r. a.) wird überliefert, dass sie sagte: Eines Tages kam eine bedürftige Frau mit ihren beiden Töchtern zu mir, in der Hoffnung, etwas von mir zu erhalten. Doch ich hatte damals außer einer einzigen Dattel keinerlei Nahrung. Deshalb gab ich sie ihr. Die Frau teilte die Dattel in zwei Hälften und gab jeder ihrer beiden Töchter eine Hälfte, ohne selbst etwas zu essen. Kurz nachdem sie gegangen war, betrat der Prophet (s. a. s.) das Haus, und ich erzählte ihm den ganzen Vorfall. Als der Gesandte Allahs (s. a. s.) dies hörte, sagte er: Wer von Allah durch solche Töchter auf die Probe gestellt wird und sie anschließend gut behandelt, für den werden diese Töchter am Tag der Auferstehung ein Schutzschild vor der Hölle sein. (Buchari, Muslim)“

Erklärung: Im Allgemeinen ziehen die Menschen Söhne den Töchtern vor. Denn die Töchter werden nach ihrer Heirat in das Haus ihres Ehemannes ziehen. Danach werden sie für ihre Eltern und deren Haushalt keinen besonderen Nutzen mehr bringen. Daher wird der Unterhalt der Töchter als eine unnötige Last betrachtet. Im oben angeführten Hadith wird diese Einstellung der Eltern indirekt als verwerflich bezeichnet und der Unterhalt der Töchter als eine edle Tat dargestellt. Ja, sogar der Unterhalt der Töchter aus freiem Herzen wird als ein Grund für die Errettung vor der Hölle bezeichnet.

Durch den angeführten Hadith gewinnen wir folgende Erkenntnis: Manchmal befand sich im Hause Hazrat Muhammads (s. a. s.), des Herrn beider Welten, nicht mehr als eine einzige Dattel. Doch selbst in einem solchen Fall zögerte man keineswegs, diese einzige Dattel dem Bedürftigen zu geben.

Das Recht des Waisen

(١٦١) وَعَنْ سَهْلِ بْنِ سَعَدٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللهِ صَلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ : أَنَا وَكَافِلُ الْيَتِيمِ لَهُ وَلِغَيْرِهِ فِي الْجَنَّةِ هَكَذَا ، وَأَشَارَ بِالسَّبَّابَةِ وَالْوُسْطَى وَفَرَّجَ بَيْنَهُمَا
(بخاري – مسلم)

(161) „Von Hadhrat Sahl ibn Sa’ad (r.a.) wird überliefert, dass der ehrwürdige Prophet (s.a.w.s.) sagte: Ich und derjenige, der eine Waise und einen Bedürftigen versorgt und erzieht, werden im Paradies so beieinander sein.“ Dabei deutete der ehrwürdige Prophet (s.a.w.s.) auf den kleinen Abstand zwischen seinem Zeigefinger und seinem Mittelfinger. (Buchari, Muslim)

Erläuterung: Es wird darauf hingewiesen, dass derjenige, der eine Waise betreut, im Paradies eine besondere Stellung erlangen wird.

(١٦٢) وَعَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: خَيْرُ بَيْتٍ فِي

الْمُسْلِمِينَ بَيْتٌ فِيهِ يَتِيمٌ يُحْسَنُ إِلَيْهِ، وَشَرُّ بَيْتٍ فِي الْمُسْلِمِينَ بَيْتٌ فِيهِ يَتِيمٌ يُسَاءُ إِلَيْهِ (ابن ماجة)

(162) „Von Hadhrat Abu Huraira (r.a.) wird überliefert, dass er sagte: Der ehrwürdige Prophet (s.a.w.s.) sagte: Unter den Häusern der Muslime ist das beste Haus jenes, in dem eine Waise lebt und gut behandelt wird. Und unter den Häusern der Muslime ist jenes das schlechteste, in dem eine Waise lebt und grausam behandelt wird.“ (Ibn Madscha)

(١٦٣) وَعَنْ خُوَيْلِدِ بْنِ عَمْرٍو رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهِ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: اللَّهُمَّ إِنِّي أُحَرِّجُ حَقَّ الضَّعِيفَيْنِ الْيَتِيمِ وَالْمَرْأَةِ (نسائي)

(163) „Von Hadhrat Chuwailid ibn Amr (r.a.) wird überliefert, dass der Gesandte (s.a.w.s.) sagte: O mein Herr, ich messe den Rechten zweier Gruppen schwacher Menschen größte Bedeutung bei: den Waisen und den Frauen.“ (Nasai)

Erläuterung: Vor dem Islam wurde den Waisen und den Frauen großes Unrecht zugefügt. Im Allgemeinen wurden Waisen schlecht behandelt und ihr Vermögen wurde unterschlagen. Auch den Frauen wurde in der damaligen Gesellschaft gewöhnlich keine besondere Stellung eingeräumt, und sie wurden auf vielerlei Weise misshandelt. Der ehrwürdige Prophet (s.a.w.s.) schenkte auf Allahs Geheiß als Prophet und Oberhaupt der islamischen Regierung der Durchsetzung der Rechte dieser beiden Gruppen schwacher Menschen große Beachtung. Der oben angeführte Ausspruch des ehrwürdigen Propheten (s.a.w.s.) liefert dafür den Beweis.

Die Rechte des Nachbarn

(١٦٤) وَعَنْ عَائِشَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهَا قَالَتْ، قَالَ النَّبِيُّ صَلَّى اللَّهِ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ : مَا زَالَ جِبْرِيلُ يُوْصِينِي بِالْجَارِ حَتَّى ظَنَنْتُ أَنَّهُ سَيُوْرِتُهُ (بخاري – مسلم)

(164) „Überliefert von Hazrat Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein): Der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Dschibril ermahnte mich unaufhörlich hinsichtlich der Rechte des Nachbarn, bis ich dachte, dass der Nachbar vielleicht zum Erben des Vermögens eingesetzt werden würde.“ (Buchari, Muslim)

(١٦٥) وَعَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: وَاللَّهِ لَا يُؤْمِنُ وَاللَّهِ لَا يُؤْمِنُ وَاللَّهِ لَا يُؤْمِنُ، قِيلَ: مَنْ يَا رَسُولَ اللَّهِ؟ قَالَ: الَّذِي لَا يَأْمَنُ جَارُهُ بَوَائِقَهُ (بخاري – مسلم)

(165) „Überliefert von Hazrat Abu Huraira (möge Allah mit ihm zufrieden sein): Eines Tages sagte der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) in der Versammlung der Gefährten: Ich schwöre bei Allah, dieser Mensch ist keineswegs gläubig; ich schwöre bei Allah, dieser Mensch ist keineswegs gläubig; ich schwöre bei Allah, dieser Mensch ist keineswegs gläubig. Einer der Gefährten fragte: O Gesandter Allahs, wer ist dieser unglückselige Mensch? Der ehrwürdige Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Derjenige, vor dessen Schaden sein Nachbar nicht sicher ist.“ (Buchari, Muslim)

(١٦٦) وَعَنْ ابْنِ عَبَّاسٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُمَا قَالَ، سَمِعْتُ رَسُولَ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ يَقُولُ: لَيْسَ الْمُؤْمِنُ الَّذِي يَشْبَعُ وَجَارُهُ جَائِعٌ إِلَى جَنْبِهِ (مشكوة)

(166) „Überliefert von Hazrat Ibn Abbas (möge Allah mit ihm zufrieden sein): Er sagte: Ich hörte den Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagen: Derjenige, der sich satt und zufrieden den Bauch füllt, während sein Nachbar neben ihm hungrig ist, ist kein Gläubiger.“ (Mischkat)

Erklärung: Im Koran und in den Hadithen wird den Rechten und Ansprüchen des Nachbarn besondere Bedeutung beigemessen. Eine Gesellschaft, deren Mitglieder freundlich zueinander als Nachbarn sind, dem hungrigen Nachbarn Nahrung geben, davon absehen, dem Nachbarn Schaden zuzufügen, und stets das Wohl des Nachbarn wünschen, kann zweifellos als eine ideale Gesellschaft bezeichnet werden. Eine solche ideale Gesellschaft ist es, die der Islam anstrebt. In den angeführten Hadithen ermutigte der ehrwürdige Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) seine Umma dazu, eine solche ideale Gesellschaft aufzubauen, in der man den Nachbarn gegenüber mitfühlend ist.

(١٦٧) وَعَنْ أَبِي ذَرٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: إِذَا طَبَخْتَ مَرَقَةً فَأَكْثِرْ مَاءَهَا وَتَعَاهَدْ جَيرَانَكَ (مسلم)

(167) „Überliefert von Hadhrat Abū Dharr (möge Allah mit ihm zufrieden sein): Der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Wenn du ein Gericht mit Soße kochst, gib etwas mehr Wasser hinzu, damit du dich um deinen Nachbarn kümmern kannst.“ (Das heißt: Was auch immer ihr kocht – Fleisch, Fisch oder Gemüse –, gebt etwas mehr Soße dazu, damit ihr eurem Nachbarn etwas davon geben könnt.“ (Muslim)

(١٦٨) وَعَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللهِ صَلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: يَا نِسَاءَ الْمُسْلِمَاتِ لَا تَحْقِرَنَّ جَارَةٌ لِجَارَتِهَا وَلَوْ فِرْسَنَ شَاةٍ (بخاري – مسلم)

(168) „Überliefert von Hadhrat Abū Huraira (möge Allah mit ihm zufrieden sein): Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: O muslimische Frauen, haltet es nicht für geringfügig, eurem Nachbarn etwas zu schicken, selbst wenn es nur ein kleines Stück Ziegenfuß wäre.“ (Buchārī, Muslim)

(١٦٩) وَعَنْ عَائِشَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهَا قَالَتْ يَا رَسُولَ اللَّهِ إِنَّ لِي جَارَيْنِ فَإِلَى أَيِّهِمَا أُهْدِي؟ قَالَ إِلَى أَقْرَبِهِمَا مِنْكِ بابا (بخاري)

(169) „Überliefert von Hadhrat ʿĀischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein): Eines Tages fragte sie den edlen Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm): O Prophet Allahs, ich habe zwei Nachbarn. Wem von ihnen soll ich bei der Übersendung eines Geschenks den Vorzug geben? Der Hochgeehrte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Demjenigen, dessen Tür deiner Tür näher ist.“ (Buchārī)

Erläuterung: Obwohl man gegenüber Nachbarn jeder Art freundlich handeln und die Rechte aller berücksichtigen muss, gibt es unter den Nachbarn Unterschiede hinsichtlich ihrer Rechte. So ist beispielsweise das Recht eines verwandten Nachbarn größer als das eines nicht verwandten Nachbarn. Ebenso ist unter den Nachbarn das Recht desjenigen größer, dessen Haus oder Wohnung näher liegt. Das heißt, dem nächstgelegenen Nachbarn ist im Vergleich zu einem weiter entfernten Nachbarn größere Bedeutung beizumessen.

Die Rechte von Dienern und Dienerinnen

(۱۷۰)
وَعَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: إِخْوَانُكُمْ جَعَلَهُمُ اللَّهُ تَحْتَ أَيْدِيكُمْ فَمَنْ جَعَلَ اللَّهُ أَخَاهُ تَحْتَ يَدِهِ فَلْيُطْعِمْهُ مِمَّا يَأْكُلُ، وَلْيُلْبِسَهُ مِمَّا يَلْبَسُ، وَلَا يُكَلِّفُهُ مِنَ الْعَمَلِ مَا يَغْلِبُهُ فَإِنْ كَلْفَهُ مَا يَغْلِبُهُ فَلْيُعِنْهُ عَلَيْهِ (بخاري – مسلم)

(170) Überliefert von Abu Huraira (möge Allah mit ihm zufrieden sein): Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Eure Diener und Sklaven sind in Wirklichkeit eure Brüder. Allah hat sie eurer Obhut unterstellt. Wenn Allah also jemandes Bruder seiner Obhut unterstellt hat, soll er ihm von dem zu essen geben, was er selbst isst, und ihn mit dem bekleiden, was er selbst trägt, und ihm keine Arbeit auferlegen, die seine Kräfte übersteigt. Falls er ihm doch eine solche Arbeit auferlegt, soll er ihm bei ihrer Ausführung helfen.“ (Buchari, Muslim)

(۱۷۱)
وَعَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: إِذَا صَنَعَ لأَحَدِكُمْ خَادِمُهُ طَعَامَهُ ثُمَّ جَاءَهُ بِهِ وَقَدْ وَلِيَ حَرَّهُ وَدُخَانَهُ فَلْيُقْعِدَهُ عِنْدَهُ، فَلْيَأْكُلْ فَإِنْ كَانَ الطَّعَامُ مَشْفُوْهَا قَلِيلاً فَلْيَضَعْ فِي يَدِهِ مِنْهُ أُكَلَةً أَوْ أُكَلَتَيْنِ (مسلم)

(171) Überliefert von Abu Huraira (möge Allah mit ihm zufrieden sein): Der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Wenn euer Diener das Essen zubereitet und es euch vorsetzt, sollt ihr ihn neben euch setzen und mit ihm essen lassen. Denn er hat den Rauch und die Hitze der Küche ertragen. Und wenn das Essen nicht ausreicht, sollt ihr ihm wenigstens ein oder zwei Bissen davon geben.“ (Muslim)

Das Recht der armen Bedürftigen

(۱۷۲)
وَعَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: إِنَّ اللَّهَ عَزَّ وَجَلَّ يَقُولُ يَوْمَ الْقِيَامَةِ : يَا ابْنَ آدَمَ اسْتَطْعَمْتُكَ فَلَمْ

تُطْعِمْنِي، قَالَ: يَا رَبِّ وَكَيْفَ أُطْعِمُكَ وَأَنْتَ رَبُّ الْعَالَمِينَ، قَالَ: أَمَا عَلِمْتَ أَنَّهُ اسْتَطْعَمَكَ عَبْدِي فُلَانٌ فَلَمْ تُطْعِمْهُ، أَمَا عَلِمْتَ أَنَّكَ لَوْ أَطْعَمْتَهُ لَوَجَدْتَ ذَلِكَ عنْدِي، يَا ابْنَ آدَمَ اسْتَسْقَيْتُكَ فَلَمْ تَسْقِنِي، قَالَ: يَا رَبِّ كَيْفَ أَسْقِيكَ وَأَنْتَ رَبُّ الْعَالَمِينَ، قَالَ: اسْتَسْقَاكَ عَبْدِي فُلَانٌ فَلَمْ تَسْقِهِ أَمَا إِنَّكَ لَوْ سَقَيْتَهُ وَجَدْتَ ذَالِكَ عِنْدِي (مسلم)

(172) Überliefert von Abu Huraira (möge Allah mit ihm zufrieden sein): Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Allah, der Erhabene, wird am Tag der Auferstehung (zu einem der Nachkommen Adams) sagen: ‚O Nachkomme Adams, Ich bat dich um Nahrung, doch du hast Mir keine Nahrung gegeben.‘ Der Nachkomme Adams wird sagen: ‚O mein Herr, wie hätte ich Dich speisen können, wo Du doch der Herr der gesamten Welt bist?‘ Allah wird sagen: ‚Erinnerst du dich nicht daran, dass ein bestimmter Diener von Mir dich um Nahrung bat, du ihm aber keine Nahrung gegeben hast? Wusstest du nicht, dass du, wenn du ihm an jenem Tag Nahrung gegeben hättest, sie heute gewiss bei Mir vorgefunden hättest?‘ Allah wird dann (zu einem anderen) sagen: ‚O Nachkomme Adams, Ich bat dich um etwas zu trinken, doch du hast Mir nichts zu trinken gegeben.‘ Der Nachkomme Adams wird sagen: ‚O mein Herr, wie hätte ich Dir etwas zu trinken geben können, wo Du doch der Beschützer der gesamten Welt bist?‘ Allah wird sagen: ‚Ein Diener von Mir bat dich um etwas zu trinken, doch du hast ihm nichts zu trinken gegeben. Wenn du ihm an jenem Tag etwas zu trinken gegeben hättest, würdest du es heute gewiss bei Mir vorfinden.‘“ (Das bedeutet: Die Vergeltung dafür würde dir heute gewährt.) (Muslim)

(۱۷۳)
وَعَنْ أَنَسٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ : أَفْضَلُ الصَّدَقَةِ أَنْ تُشِيعَ كَيدًا جَائِعًا (مشكوة)

(173) „Hadrat Anas (Allah möge mit ihm zufrieden sein) berichtet, dass der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Die beste Spende besteht darin, einen Hungernden satt zu speisen.“ (Mischkat)

(١٧٤) وَعَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللهِ صَلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ : السَّاعِي عَلَى الْأَرْمَلَةِ وَالْمِسْكِينِ كَالْمُجَاهِدِ فِي سَبِيلِ اللَّهِ، وَأَحْسِبُهُ قَالَ: كَالْقَائِمِ لَا يَفْتُرُ وَكَالصَّائِمِ لَا يُفْطِرُ (بخاري – مسلم)

(174) „Hadrat Abu Huraira (Allah möge mit ihm zufrieden sein) berichtet, dass der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Wer sich um die Angelegenheiten einer Witwe und eines Bedürftigen bemüht, ist wie jemand, der auf Allahs Weg am Dschihad teilnimmt. (Der Überlieferer sagte:) Ich glaube, dass der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) auch sagte: Er ist wie jemand, der die ganze Nacht im Gebet verbringt und das ganze Jahr über fastet.“ (Buchari, Muslim)

(١٧٥) قَالَ النَّبِيُّ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: لَيْسَ الْمِسْكِينُ الَّذِي يَطُوفُ عَلَى النَّاسِ تَرُدُّهُ اللُّقْمَةُ وَاللُّقْمَتَانِ وَالتَّمْرَةُ وَالتَّمْرَتَانِ، وَلَكِنِ الْمِسْكِينُ الَّذِي لا يَجِدُ غِنِّى يُغْنِيهِ وَلَا يُفْطَنُ لَهُ فَيُتَصَدَّقُ عَلَيْهِ وَلَا يَقُومُ
فَيَسْأَلُ النَّاسَ (بخاري – مسلم)

(175) „Der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Wer von Tür zu Tür geht und um eine oder zwei Handvoll Nahrung oder um ein oder zwei Datteln bittet, ist kein Bedürftiger. Der wahrhaft Bedürftige ist vielmehr derjenige, der nicht über ausreichendes Vermögen verfügt, um seinen Bedarf zu decken, aber aus Scham und Anstand niemanden um etwas bittet und dessen Armut niemand kennt, sodass ihm jemand etwas spenden könnte.“ (Buchari, Muslim)

Erklärung: In den überlieferten Hadithen hat der Prophet Allahs die Muslime angewiesen, sich nach den hilflosen, armen und bedürftigen Menschen, den Waisen, Witwen und anderen Bedürftigen in der Gesellschaft zu erkundigen, ihre Not zu lindern und ihnen, wenn sie hungrig sind, Nahrung zu geben. Er hat außerdem erwähnt, dass die Bemühung um die Unterstützung Bedürftiger besser ist als freiwillige gottesdienstliche Handlungen und in manchen Fällen dem Dschihad auf Allahs Weg gleichkommt. Im letztgenannten Hadith hat der Prophet Allahs im Zusammenhang mit den Bedürftigen die Muslime indirekt dazu angeleitet, gerade jene Bedürftigen ausfindig zu machen und zu beschenken, die aus Scham ihre Not nicht offenbaren, obwohl sie nicht über das nötige Vermögen verfügen, um ihre Bedürftigkeit zu beseitigen.

Das Recht des erkrankten muslimischen Bruders

(١٧٦) وَعَنْ أَبِي مُوسَى الْأَشْعَرِيِّ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: أَطْعِمُوا الْجَائِعَ وَعُودُوا الْمَرِيضِ، وَقُكُوا الْعَانِي (بخاري)

(176) „Von Abu Musa al-Aschʿari (möge Allah mit ihm zufrieden sein) wird überliefert, dass der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: ‚Ihr sollt den Hungrigen zu essen geben, euch um die Kranken kümmern und die Gefangenen befreien.‘“ (Buchari)

(۱۷۷)
وَعَنْ ثَوْبَانَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: إِنَّ الْمُسْلِمَ إِذَا عَادَ أَخَاهُ الْمُسْلِمَ لَمْ يَزَلْ فِي خُرْفَةِ الْجَنَّةِ حَتَّى يَرْجِعَ (مسلم)

(177) „Von Thauban (möge Allah mit ihm zufrieden sein) wird überliefert, dass der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: ‚Wenn ein Muslim seinen kranken muslimischen Bruder besucht, ist es so, als würde er Früchte aus den Gärten des Paradieses pflücken, bis er nach Hause zurückkehrt.‘“ (Muslim)

Erläuterung: Im Heiligen Koran und in den Hadithen wird die Beziehung der Muslime zueinander mit der Beziehung von Brüdern verglichen. Es ist der Wunsch Allahs und Seines Gesandten, dass die muslimische Gemeinschaft einander gegenüber freundlich und mitfühlend ist. Wenn also ein Muslim erkrankt, sollte sein muslimischer Bruder sich nach ihm erkundigen und sich um ihn kümmern.

(۱۷۸)
وَعَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: حَقُّ الْمُسْلِمِ عَلَى الْمُسْلِمِ ست، قِيلَ : مَا هُنَّ يَا رَسُولَ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ ؟ قَالَ: إِذَا لَقِيتَهُ فَسَلِّمْ عَلَيْهِ، وَإِذَا دَعَاكَ فَأَجِبْهُ، وَإِذَا استنْصَحَكَ فَانْصَحْ لَهُ ، وَإِذَا عَطَسَ فَحَمِدَ اللَّهَ فَشَمِّتْهُ، وَإِذَا مَرِضَ تَعُدْهُ وَإِذَا مَاتَ فَاتَّبَعْهُ (مسلم)

(178) „Von Abu Huraira wird überliefert, dass der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: ‚Die Muslime haben einander gegenüber sechs Pflichten.‘ Es wurde gefragt: ‚O Prophet Allahs, welche sind diese?‘ Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: ‚Wenn du einen Muslim triffst, sollst du ihn mit dem Friedensgruß grüßen. Wenn jemand dich einlädt, sollst du seine Einladung annehmen. Wenn jemand dich um Rat bittet, sollst du ihm raten. Wenn jemand niest und „Alhamdulillah“ sagt, sollst du ihm mit „Yarhamukallah“ antworten. Wenn er erkrankt, sollst du ihn besuchen. Und wenn jemand stirbt, sollst du an seinem Totengebet und seiner Beisetzung teilnehmen.‘“ (Muslim)

(۱۷۹)
وَعَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: إِنَّ اللَّهَ عَزَّ وَجَلَّ يَقُولُ يَوْمَ الْقِيَامَةِ يَا ابْنَ آدَمَ مَرِضْتُ فَلَمْ تَعُدْنِي، قَالَ: رَبِّ كَيْفَ أَعُودُكَ وَأَنْتَ رَبُّ الْعَالَمِينَ، قَالَ: أَمَا عَلِمْتَ أَنَّ عَبْدِي فُلَانًا مَرِضَ فَلَمْ تَعُدْهُ أَمَا عَلِمْتَ أَنَّكَ لَوْ عُدْتَهُ لَوَجَدْتَنِي عِنْدَهُ (مسلم)

(179) „Von Abu Huraira (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) wird überliefert, dass der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Am Tag der Auferstehung wird Allah zu einem Menschen sagen: ‚O Sohn Adams, Ich war krank, doch du hast Mich nicht besucht.‘ Er wird sagen: ‚O mein Herr, wie solltest Du krank gewesen sein, sodass ich Dich hätte besuchen sollen, wo Du doch der Herr der ganzen Welt bist?‘ Allah wird sagen: ‚Du wusstest, dass Mein soundso genannter Diener krank war, doch du hast ihn nicht besucht. Wusstest du nicht, dass du Mich dort gefunden hättest, wenn du ihn besucht hättest?‘“ (Muslim)

Erläuterung: Aus der Erörterung des Hadith wird deutlich, dass die Fürsorge für Bedürftige, die Speisung der Hungrigen und das Tränken der Durstigen zu den Taten gehören, die Allah überaus liebt. Und alles, was ein Mensch für diese Tätigkeiten aufwendet, bleibt bei Allah bewahrt.

Die gegenseitigen Rechte der Muslime untereinander

(۱۸۰)
وَعَنْ عَبْدِ اللَّهِ بْنَ عُمَرَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُمَا قَالَ:
إِنَّ رَسُولَ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ قَالَ : الْمُسْلِمُ أَخُو الْمُسْلِمِ لَا يَظْلِمُهُ وَلَا يُسْلِمُهُ، وَمَنْ كَانَ فِي حَاجَةِ أَخِيهِ كَانَ اللَّهُ فِي حَاجَتِهِ، وَمَنْ فَرَّجَ عَنْ مُسْلِمٍ كُرْيَةً فَرَّجَ اللَّهُ عَنْهُ كُرْبَةً مِنْ كُرُبَاتِ يَوْمِ الْقِيَامَةِ، وَمَنْ سَتَرَ مُسْلِمًا سَتَرَهُ اللَّهُ يَوْمَ الْقِيَامَةِ
(بخاري – مسلم)

(180) „Von Abdullah ibn Umar (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) wird überliefert, dass der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Die Muslime sind untereinander Brüder. Daher darf er ihm keinerlei Unrecht zufügen und ihn auch nicht in einer hilflosen Lage im Stich lassen. Wer das Bedürfnis seines muslimischen Bruders erfüllt, dessen Bedürfnis wird Allah erfüllen. Ebenso wird Allah am Tag der Auferstehung die Sorge dessen beseitigen, der die Sorge eines Muslims beseitigt. Und wer den Fehler eines Muslims geheim hält, dessen Fehler wird Allah am Tag der Auferstehung ebenfalls geheim halten.“ (Buchari, Muslim)

(۱۸۱)
وَعَنْ أَنَسٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ صلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: انْصُرْ أَخَاكَ ظَالِمًا أَوْ مَظْلُومًا ،

فَقَالَ رَجُلٌ: يَا رَسُولَ اللَّهِ أَنصُرُهُ مَظْلُومًا فَكَيْفَ نَنْصُرُهُ ظَالِمًا؟ قَالَ: تَمْنَعْهُ مِنَ الظُّلْمِ، فَذَالِكَ نَصْرُكَ إِيَّاهُ (بخاري – مسلم)

(181) „Von Anas (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) wird überliefert, dass der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Du sollst deinem muslimischen Bruder helfen, sei er ein Unterdrücker oder ein Unterdrückter. Ein Gefährte fragte: ‚O Prophet Allahs, dem Unterdrückten kann ich helfen, aber wie soll ich dem Unterdrücker helfen?‘ Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: ‚Du sollst ihn davon abhalten, Unrecht zu begehen; das ist deine Hilfe für ihn.‘“ (Das heißt: Wenn ein Muslim davon abgehalten wird, Unrecht zu begehen, wird er von einer schrecklichen Sünde zurückgehalten, die ihn in das Feuer der Hölle geworfen hätte. Und genau darin besteht seine Hilfe.) (Buchari, Muslim)

(۱۸۲)
وَعَنْ أَنَسٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: وَالَّذِي نَفْسِي بِيَدِهِ لَا يُؤْمِنُ عَبْدٌ حَتَّى يُحِبُّ لأَخِيهِ مَا يُحِبُّ لِنَفْسِهِ (بخاري – مسلم)

(182) „Überliefert von Hadhrat Anas (r.a.): Der Gesandte (s.a.w.s.) sagte: Bei Dem, in dessen Hand mein Leben liegt, schwöre ich: Niemand kann ein wahrer Gläubiger sein, solange er nicht für seinen anderen Bruder dasselbe wünscht, was er für sich selbst wünscht.“ (Buchari, Muslim)

(۱۸۳)
وَعَنْ أَبِي أَيُّوبَ الأَنْصَارِيِّ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ،
قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: لَا يَحِلُّ لِرَجُلٍ أَنْ يَهْجُرَ أَخَاهُ فَوْقَ ثَلَاثِ لَيَالٍ يَلْتَقِيَانِ فَيُعْرِضُ هَذَا وَيُعْرِضُ هَذَا وَخَيْرُهُمَا الَّذِي يَبْدَأُ بِالسَّلَامِ
(بخاري – مسلم)

(183) „Überliefert von Hadhrat Abu Ayyub Ansari (r.a.): Der Gesandte (s.a.w.s.) sagte: Es ist niemandem erlaubt, die Beziehung zu seinem muslimischen Bruder drei Tage und Nächte lang abzubrechen, sodass beide einander den Rücken zukehren. Ja, derjenige von ihnen ist der Bessere, der dieses Schweigen zuerst mit dem Friedensgruß beendet.“ (Buchari, Muslim)
Erläuterung: Wenn aus irgendeinem Grund zwischen zwei Muslimen eine Verstimmung entsteht und infolgedessen ihre Beziehung bitter wird und sie aufhören miteinander zu sprechen, ist es aus islamischer Sicht tadelnswert, diesen Zustand länger als drei Tage aufrechtzuerhalten. Ihre Verstimmung sollte innerhalb von drei Tagen beigelegt werden. Von beiden ist derjenige, der zuerst seinen Zorn besänftigt und seinem Bruder die Hand zur Versöhnung reicht, derjenige, den der Huzur (s.a.w.s.) als den besseren Menschen bezeichnet hat.

Die Rechte der Tiere und Vögel

(١٨٤) وَعَنْ سُهَيْلِ بْنِ الْحَنْظَلِيَّةِ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ: مَرَّ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ يَبَعِيْرٍ قَدْ لَحِقَ ظَهْرُهُ بِبَطْنِهِ، فَقَالَ: اتَّقُوا اللَّهَ فِي هَذِهِ الْبَهَائِمِ الْمُعْجَمَةِ فَارْكَبُوهَا وَكُلُوهَا صَالِحةً (أبو داود)

(184) „Überliefert von Hadhrat Suhail ibn Hanzaliya (r.a.), der sagte: Eines Tages ging der edle Prophet (s.a.w.s.) an einem Kamel vorbei, dessen Bauch und Rücken sich vor Hunger beinahe berührten. Der Huzur (s.a.w.s.) sagte: Fürchtet Allah im Umgang mit diesen sprachlosen Tieren. Ihr sollt auf ihnen reiten, solange sie in gutem Zustand sind, und sie in gutem Zustand wieder freigeben. (Das heißt: Reitet auf ihnen, solange sie gesund und kräftig sind, und steigt von ihrem Rücken ab, bevor sie von Hunger entkräftet werden.)“ (Abu Dawud)

(١٨٥) وَعَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: إِذَا سَافَرْتُمْ فِي الْخِصْبِ فَأَعْطُوا الإِيلَ حَقَّهَا مِنَ الْأَرْضِ وَإِذَا سَافَرْتُمْ فِي السَّنَةِ فَأَسْرِعُوا عَلَيْهَا السَّيْرَ (مسلم)

(185) „Überliefert von Hazrat Abu Huraira (r.a.): Der edle Prophet (s.a.s.) sagte: Wenn ihr auf einer Reise durch Gegenden mit reichlich Nahrung und Wasser unterwegs seid, dann gebt euren Kamelen Gelegenheit, ihren Anspruch auf der Erde (Gras und Wasser) zu nehmen. Wenn ihr jedoch in einer Dürrezeit (durch ein Gebiet ohne Gras und Wasser) reist, dann treibt die Kamele zügig voran (damit sie unterwegs wegen des Mangels an Gras und Wasser nicht leiden und am Ziel Nahrung und Ruhe finden können).“ (Muslim)

Erläuterung: Der Islam ist eine segensreiche und vollkommen gerechte Lebensordnung. Er gebietet nicht nur Gerechtigkeit gegenüber der Menschheit, sondern weist auch an, gegenüber sprachlosen Lebewesen wie Tieren und Vögeln gerecht zu handeln.

In den beiden oben angeführten Hadithen hat uns der Prophet Allahs dazu angeleitet, Lasttiere zu versorgen, ihnen angemessen Nahrung und Wasser zu geben und ihnen keine Arbeit abzuverlangen, die ihre Kräfte übersteigt. Daher sollten diejenigen, die Rinder, Büffel, Kamele, Pferde und andere Tiere zum Pflügen, zum Ziehen von Wagen, zum Reiten und für ähnliche Arbeiten einsetzen, diese sprachlosen Tiere angemessen pflegen und ihnen keine übermäßigen Mühen auferlegen.

(١٨٦) وَعَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ بَيْنَمَا رَجُلٌ يَمْشِي
بِطَرِيقِ اشْتَدَّ عَلَيْهِ الْعَطَشُ فَوَجَدَ بَتْرًا فَنَزَلَ فِيهَا
فَشَرِبَ ثُمَّ خَرَجَ فَإِذَا كَلْبٌ يَلْهَثْ يَأْكُلُ الثَّرَى مِنَ
الْعَطَشِ، فَقَالَ الرَّجُلُ لَقَدْ بَلَغَ هَذَا الْكَلْبَ مِنَ الْعَطَشِ مِثْلُ الَّذِي كَانَ بَلَغَنِي فَنَزَلَ الْبَشْرَ فَمَلأَ خُفْهُ

ثُمَّ أَمْسَكَهُ بِفِيهِ فَسَقَى الْكَلْبَ فَشَكَرَ اللَّهُ لَهُ فَغَفَرَ لَهُ، فَقَالُوا : يَا رَسُولَ اللَّهِ وَإِنَّ لَنَا فِي الْبَهَائِمِ أَجْرًا؟ فَقَالَ : نَعَمْ، فِي كُلِّ ذَاتِ كَيدٍ رَطْبَةٍ أَجْرًا.
(بخاري – مسلم)

(186) „Überliefert von Hazrat Abu Huraira (r.a.): Der Gesandte (s.a.s.) sagte: Eines Tages ging ein Mann eine Straße entlang. Plötzlich verspürte er einen quälenden Durst. Als er vor sich einen Brunnen entdeckte, stieg er hinab, trank Wasser und kam wieder herauf. Da sah er einen durstigen Hund hecheln und (vor Durst) feuchte Erde lecken. Der Mann dachte bei sich: So großen Durst nach Wasser, wie ich eben hatte, hat auch dieser Hund. Sofort stieg der Mann erneut in den Brunnen hinab, füllte seinen Ledersocken mit Wasser, hielt ihn zwischen die Zähne und kam wieder herauf. Er ließ den durstigen Hund daraus trinken und dankte Allah. Als Belohnung vergab Allah ihm seine Sünden. Die ehrwürdigen Gefährten fragten: ‚O Gesandter Allahs (s.a.s.), werden wir auch belohnt, wenn wir Vierbeinern Barmherzigkeit erweisen?‘ Der Prophet (s.a.s.) sagte: ‚Ja, wenn ihr irgendeinem Lebewesen Barmherzigkeit erweist, werdet ihr dafür belohnt.‘“ (Buchari, Muslim)

Kapitel: 6 Charakterliche Mängel

Die Lüge

(۱۸۷) وَعَنْ أَبِي بَكْرَةً رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ: كُنَّا عِنْدَ رَسُولِ اللهِ صَلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ فَقَالَ: أَلَا أُنَبِّئُكُمْ بِأَكْبَرِ الْكَبَائِرِ ثَلاثًا الإِشْرَاكَ بِاللَّهِ وَعُقُوقُ الْوَالِدَيْنِ وَشَهَادَةُ الزُّورِ أَوْ وَقَوْلُ النُّورِ، وَكَانَ رَسُوْلُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ مُتَّكِنًا ، فَجَلَسَ مَا زَالَ يُكَرِّرُهَا حَتَّى قُلْنَا : لَيْتَهُ سَكَتَ
(بخاري – مسلم)

(187) „Von Hazrat Abu Bakrata (r.a.) wird überliefert, dass er sagte: Eines Tages waren wir beim Propheten (s.a.w.) anwesend. Plötzlich sagte er: Soll ich euch nicht von den größten Sünden berichten? Dies sagte er dreimal. Danach sagte er: Das sind, Allah jemanden beizugesellen, den Eltern ungehorsam zu sein und ein falsches Zeugnis abzulegen oder eine Lüge zu erzählen. Während der Gesandte (s.a.w.) zurückgelehnt saß und diese Worte sprach, setzte er sich plötzlich aufrecht hin, um uns die Bedeutung seiner Worte bewusst zu machen, und wiederholte diese Aussage immer wieder. Schließlich sagten wir innerlich: Ach, wenn der Gesandte jetzt nur aufhören würde.“ (Bukhari, Muslim)

Erläuterung: In diesem Hadith erwähnte der Prophet (s.a.w.) drei schwerwiegende Sünden unter den großen Sünden. Eine davon ist, Allah jemanden beizugesellen. Die zweite besteht darin, den Eltern ungehorsam zu sein, und die dritte darin, ein falsches Zeugnis abzulegen oder eine Lüge zu erzählen. Sowohl ein falsches Zeugnis als auch eine Lüge zu erzählen, sind große Sünden. Ein falsches Zeugnis abzulegen ist jedoch noch tadelnswerter als zu lügen.

(۱۸۸) وَعَنْ عَبْدِ اللَّهِ بْنِ عَمْرٍو رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُمَا أَنَّ النَّبِيُّ صَلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ قَالَ: أَرْبَعٌ مَنْ كُنَّ فِيهِ كَانَ مُنَافِقًا خَالِصًا ، وَمَنْ كَانَتْ فِيهِ خَصْلَةٌ مِنْهُنَّ كَانَتْ فِيهِ خَصْلَةٌ مِنَ النِّفَاقِ حَتَّى يَدَعَهَا، إِذَا اؤْتُمِنَ خَانَ، وَإِذَا حَدَّثَ كَذَبَ، وَإِذَا وَعَدَ أَخْلَفَ، وَإِذَا خَاصَمَ فَجَرَ (بخاري – مسلم)

(188) „Von Hazrat Abdullah ibn Amr (r.a.) wird überliefert, dass der Prophet (s.a.w.) sagte: Wer vier Eigenschaften in sich vereint, ist ohne jeden Zweifel ein vollkommener Heuchler. Findet sich eine dieser vier Eigenschaften bei jemandem, so besitzt er eine Eigenschaft des Heuchlers, bis er sie aufgibt. Diese vier schlechten Eigenschaften sind: Wenn ihm etwas anvertraut wird, veruntreut er es; wenn er spricht, lügt er; wenn er ein Versprechen gibt, bricht er es; und wenn er streitet, gebraucht er unanständige Worte.“ (Bukhari, Muslim)

(۱۸۹) وَعَنْ سُفْيَانَ بْنِ أَسِيدٍ الْحَضْرَمِ قَالَ سَمِعْتُ رَسُولَ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ يَقُولُ: كَبُرَتْ خِيَانَةً أَنْ تُحَدِّثَ أَخَاكَ حَدِيثًا هُوَ لَكَ بِهِ مُصَدِّقٌ وَأَنْتَ لَهُ بِهِ
(أبو داود)
د كاذب

(189) „Hazrat Sufyan ibn Usayid al-Hadrami (r.a.) sagte: Ich hörte den Gesandten (s.a.w.) sagen: Der größte Verrat besteht darin, deinem Bruder etwas zu sagen, das er für wahr hält, während du ihn belügst.“
(Abu Dawud)

Erläuterung: Eine Lüge zu erzählen ist eine große Sünde. Im Quran und im Hadith wird sie als eine dem Beigesellen Allahs gleichkommende Sünde bezeichnet. Der Gesandte (s.a.w.) bezeichnete die Lüge als ein Zeichen der Heuchelei. Einen arglosen Menschen durch eine Lüge zu täuschen, bezeichnete der Gesandte Allahs als den größten Verrat. Deshalb sollten wir die Lüge meiden und uns vor Allahs Zorn schützen. (۱۹۰) وَعَنِ عَبْدِ اللَّهِ بْنِ مَسْعُودٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ: لا يَصْلُحُ الْكَذِبُ فِي جَدٌ وَلَا هَزْلٍ، وَلَا أَنْ يُوْعَدَ أَحَدُكُمْ وَلَدَهُ شَيْئًا ، ثُمَّ لَا يُنْجِزُهُ لَهُ (الأدب المفرد)
(190) „Hazrat Abdullah ibn Masud (r.a.) sagte: Unter keinen Umständen ist eine Lüge im Scherz oder zum Ausdruck von Stolz angebracht. Und ihr sollt euren Kindern kein Versprechen geben, das ihr nicht erfüllen könnt.“ (Al-Adab al-Mufrad)

Erläuterung: Im Allgemeinen halten die Menschen es nicht für verwerflich, Kinder zu täuschen und sie anzulügen. Doch der ehrwürdige Prophet (s) hat es im Hadith als eine Sünde bezeichnet, Kindern gegenüber die Unwahrheit zu sagen, sie zu täuschen und ihnen die Zusage zu machen, ihnen etwas zu geben, ohne es ihnen dann zu geben. Denn dadurch entsteht in den Herzen der Kinder eine negative Einstellung gegenüber ihren Eltern.

Üble Nachrede (Ghiba)

(۱۹۱) وَعَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ أَنَّ رَسُولَ اللَّهِ صلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ قَالَ: أَتَدْرُونَ مَا الْغِيبَةُ؟ قَالُوا : اللَّهُ وَرَسُولُهُ أَعْلَمُ، قَالَ: ذِكْرُكَ أَخَاكَ بِمَا يَكْرَهُ، قِيلَ أَفَرَأَيْتَ إِنْ كَانَ فِي أَخِي مَا أَقُولُ؟ قَالَ: إِنْ كَانَ فِيهِ مَا تَقُولُ فَقَدِ اغْتَبْتَهُ، وَإِنْ لَمْ يَكُنْ فِيهِ فَقَدْ بَهَتَّهُ
(مسلم)

(191) Überliefert von Hadhrat Abu Huraira (r): Eines Tages sagte der ehrwürdige Prophet (s): „Wisst ihr, was üble Nachrede ist?“ Die Gefährten antworteten: „Allah und Sein Gesandter wissen es am besten.“ (Dies war eine bescheidene Redewendung der edlen Gefährten, mit der sie gegenüber dem Gesandten ihre Unwissenheit zum Ausdruck brachten.) Der ehrwürdige Prophet (s) sagte: „Üble Nachrede bedeutet, dass du deinen muslimischen Bruder in dessen Abwesenheit auf eine Weise beschreibst, dass er darüber un erfreut wäre, wenn er es hörte.“ Daraufhin wurde der ehrwürdige Prophet (s) gefragt: „O Prophet Allahs, wenn das, was ich sage, tatsächlich auf meinen Bruder zutrifft, ist es dann auch üble Nachrede?“ Der ehrwürdige Prophet (s) antwortete: „Wenn das, was du sagst, auf ihn zutrifft, ist es üble Nachrede. Wenn es nicht auf ihn zutrifft, ist es Verleumdung.“ (Muslim)

Erläuterung: Wenn jemand die Fehler eines Muslims in der Gesellschaft verbreitet und ihn dadurch in den Augen der Menschen herabsetzen will, ist das üble Nachrede, und üble Nachrede ist nach den Maßstäben der Scharia eine schwere Sünde. Im Heiligen Koran wird derjenige, der üble Nachrede begeht, mit jemandem verglichen, der das Fleisch eines Toten isst. Wenn man jedoch in der Absicht, eine Verbesserung herbeizuführen, einer übergeordneten verantwortlichen Person von dessen Fehlern berichtet, ist das keine üble Nachrede. Ebenso ist es keine üble Nachrede, die Fehler eines Menschen bekannt zu machen und die Leute vor ihm zu warnen, wenn er offen Allah ungehorsam ist und den Menschen Unrecht und Unterdrückung zufügt. Vielmehr ist dies eine notwendige Handlung.

(۱۹۲) وَعَنْ أَبِي سَعْيْدٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: الْغِيبَةُ أَشَدُّ مِنَ الزِّنَا، قَالُوا : يَا رَسُولَ اللهِ وَكَيْفَ الْغِيبَةُ أَشَدُّ مِنَ الزِّنَا؟ قَالَ: إِنَّ الرَّجُلَ لَيَزْنِي فَيَتُوبُ اللَّهُ عَلَيْهِ، وَإِنَّ صَاحِبَ الْغِيبَةِ لَا يُغْفَرُ حَتَّى يَغْفِرَهَا لَهُ صَاحِبُهُ
(بيهقي – مشكوة)

(192) Überliefert von Hadhrat Abu Sa’id al-Chudri (r): Der Gesandte (s) sagte: „Üble Nachrede ist schwerwiegender als Ehebruch.“ Die Gefährten fragten: „O Gesandter Allahs (s), wie kann üble Nachrede schwerwiegender sein als Ehebruch?“ Der ehrwürdige Prophet (s) sagte: „Wenn jemand Ehebruch begeht und danach Buße tut, nimmt Allah seine Reue an. Doch Allah wird demjenigen, der üble Nachrede begangen hat, nicht vergeben, solange derjenige, über den sie verbreitet wurde, ihm nicht verzeiht.“ (Baihaqi, Mischkat)

Verleumderisches Zutragen von Gerede

(۱۹۳) وَعَنْ أَنَسِ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: إِنَّ مِنْ كَفَّارَةِ الْغِيبَةِ أَنْ تَسْتَغْفِرَ لِمَنِ اغْتَبْتَهُ، تَقُولُ: اللَّهُمَّ اغْفِرْ لَنَا وَلَهُ
(بيهقي – مشكوة)

(193) „Von Hadhrat Anas (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) wird überliefert, dass der Gesandte (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) sagte: Die Sühne für üble Nachrede besteht darin, dass du für denjenigen, über den du üble Nachrede verbreitet hast, um Vergebung bittest. Du sollst im Bittgebet sagen: O Allah, vergib mir und ihm unsere Sünden.“
(Bayhaqi, Mishkat)

Erläuterung: Wenn derjenige, über den üble Nachrede verbreitet wurde, noch lebt, muss man ihn um Verzeihung bitten. Wenn er nicht mehr lebt, soll man Allah um Vergebung der Sünde bitten.

(١٩٤) وَعَنْ حُذَيْفَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ : لَا يَدْخُلُ الْجَنَّةَ نَمَّامٌ
(بخاري – مسلم)

(194) „Von Hadhrat Hudhaifa (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) wird überliefert, dass der edle Prophet sagte: Ein Zuträger wird nicht ins Paradies eintreten können.“ (Allahs Segen und Friede seien auf ihm)
(Bukhari, Muslim)

(١٩٥) وَعَنْ عَبْدِ اللَّهِ بْنِ عُمَرَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُمَا قَالَ: نَهَى رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ عَنِ النَّمِيمَةِ، وَنَهَى عَنِ الْغِيْبَةِ، وَعَنِ الاسْتِمَاعِ إِلَى الْغَيْبَةِ

(195) „Hadhrat Abdullah ibn Umar (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) sagte: Der edle Prophet hat das Zutragen von Worten verboten; ebenso verbot er den Menschen, üble Nachrede zu führen und üble Nachrede anzuhören.“

Erläuterung: Als Zutragen von Worten bezeichnet man es, die Worte des einen dem anderen weiterzusagen, dadurch Feindseligkeit zwischen beiden zu erzeugen und Streit zu entfachen. Die meisten Streitigkeiten und Unruhen in der Gesellschaft entstehen gerade durch das Zutragen von Worten oder durch gehässige Reden. Aus islamischer Sicht ist dies eine schwere Sünde. Denn in der vorbildlichen und friedlichen Gesellschaft, die der Islam anstrebt, ist die Existenz eines Zuträgers unvorstellbar. Deshalb hat der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) den Muslimen befohlen, diese abscheuliche Sünde zu meiden, und sie zugleich davor gewarnt, dass ein Zuträger nicht in Allahs Paradies eintreten können wird.

(١٩٦) وَعَنِ ابْنِ عَبَّاسٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُمَا قَالَ: مَرَّ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ عَلَى قَبْرَيْنِ، فَقَالَ: إِنَّهُمَا يُعَذِّبَانِ، وَمَا يُعَذِّبَانِ فِي كَبِيرٍ، أَمَّا أَحَدُهُمَا يَمْشِي بِالنَّمِيمَةِ، وَأَمَّا الْآخَرُ فَكَانَ لَا يَسْتَنْزِهُ مِنَ الْبَوْلِ (بخاري)

(196) „Hazrat Abdullah ibn Abbas (r.a.) berichtete: Eines Tages kam der Prophet Allahs (s.a.w.) an zwei Gräbern vorbei und sagte: Die beiden Bewohner dieser Gräber werden bestraft. Diese Strafe trifft sie nicht wegen einer Tat, die zu unterlassen ihnen unmöglich gewesen wäre; doch hinsichtlich ihrer Sünde ist sie sehr schwerwiegend. Einer dieser beiden verbreitete üble Nachrede und richtete Zwietracht an, während der andere sich nach dem Urinieren nicht ordentlich reinigte.“ (Buchari)

Hochmut

(۱۹۷) وَعَنْ عَبْدِ اللَّهِ بْنِ مَسْعُودٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُمَا قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: لَا يَدْخُلُ الْجَنَّةَ مَنْ كَانَ فِي قَلْبِهِ مِثْقَالَ ذَرَّةٍ مِنْ كِبْرٍ، فَقَالَ

رَجُلٌ: إِنَّ الرَّجُلَ يُحِبُّ تَوْبَهُ حَسَنًا وَنَعْلَهُ حَسَنَةً، قَالَ: إِنَّ اللَّهَ جَمِيلٌ يُحِبُّ الْجَمَالَ، الْكِبْرُ بَطَرُ الْحَقِّ وَغَمْطُ النَّاسِ (مسلم)

(197) „Hazrat Abdullah ibn Masʿud (r.a.) berichtete: Der edle Prophet (s.a.w.) sagte: Wer auch nur ein Körnchen Hochmut im Herzen trägt, wird das Paradies nicht betreten. Ein Mann fragte: ‚O Gesandter, was ist, wenn jemand es liebt, dass seine Kleidung und seine Schuhe schön sind? Ist auch das Hochmut?‘ Der Prophet (s.a.w.) antwortete: ‚Allah ist wahrlich schön, und Er liebt die Schönheit. Hochmut bedeutet in Wirklichkeit, sich von Allahs Dienerschaft unbeschwert abzuwenden und die Menschen geringzuschätzen.‘“ (Buchari)

Erklärung: Unter den charakterlichen Mängeln, die den Menschen seiner Menschlichkeit berauben, ist Selbstüberhebung oder Hochmut einer der bedeutendsten. Der Mensch ist nicht nur auf seinen Schöpfer angewiesen, sondern auf der Erde bei jedem Schritt auch auf andere. Daher ist es für jemanden, der in jeder Hinsicht auf andere angewiesen und bedürftig ist, keineswegs angemessen, selbstüberheblich oder hochmütig zu sein. Dass der Hochmütige der Barmherzigkeit Allahs beraubt bleibt, hat Hazrat Luqman (a.s.) auf schöne Weise zum Ausdruck gebracht, als er seinen Sohn ermahnte. Im Heiligen Koran hat Allah dies in der Sure Luqman folgendermaßen beschrieben:

وَلَا تُصَعِّرْ خَدَّكَ لِلنَّاسِ وَلَا تَمْشِ فِي الْأَرْضِ مَرَحًا إِنَّ اللَّهَ لَا يُحِبُّ كُلَّ مُخْتَالٍ فَخُورٍ (سورة لقمان: ۱۸)

„O mein lieber Sohn, wende dein Gesicht niemandem gegenüber abweisend und finster zu (wie es hochmütige Menschen tun, wenn sie mit jemandem sprechen). Und schreite nicht hochmütig auf der Erde einher. Wahrlich, Allah liebt keinen Hochmütigen und Eingebildeten.“ (Sure Luqman: 18)

In dem oben erwähnten Hadith hat der Gesandte Allahs auch den Unterschied zwischen Hochmut und dem Sinn für Sauberkeit auf schöne Weise erklärt. Der edle Prophet (s.a.w.) sagte, dass es kein Hochmut ist, wenn jemand sauber und gepflegt ist oder schöne und gute Schuhe und dergleichen trägt. Hochmut ist vielmehr ein Zustand des Herzens, aufgrund dessen der hochmütige Mensch sich selbst für besser und andere für geringer hält. Reinheit oder ein Sinn für Sauberkeit ist kein Hochmut, denn Allah selbst ist rein und liebt die Reinheit.

(۱۹۸)
وَعَنْ ابْنِ عَبَّاسٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُمَا كُلِّ مَا شئْتَ، وَالْبَسُ مَا شِئْتَ، مَا أَخْطَأَتْكَ اثْنَتَانِ سَرَفٌ وَ مَخِيلَةٌ (بخاري)

(198) „Überliefert von Ibn Abbas (r.a.): Er sagte: Unterlasse Verschwendung und Hochmut; dann darfst du jede beliebige Speise aus den erlaubten Speisen essen und jede beliebige Kleidung tragen.“ (Buchari)

Neid (Hasad)

(۱۹۹) وَعَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: إِيَّاكُمْ وَالْحَسَدَ ، فَإِنَّ الْحَسَدَ يَأْكُلُ الْحَسَنَاتِ كَمَا تَأْكُلُ النَّارُ الْحَطَبَ (أبو داود)

(199) „Überliefert von Abu Huraira (r.a.): Der edle Prophet (s.a.w.) sagte: Hütet euch unbedingt vor Neid. Denn so wie das Feuer Holz verbrennt und zu Asche macht, vernichtet der Neid ebenso die guten Taten des Menschen.“ (Abu Dawud)
Erklärung: Der Wunsch, dass die Gaben eines anderen zugrunde gehen mögen, wird Neid genannt. In der Gesellschaft sieht man manche Menschen, die beim Anblick des Wohlstands, der Tüchtigkeit, des Ranges und des Vermögens anderer quälenden inneren Schmerz empfinden und insgeheim deren Untergang wünschen. Es ist jedoch nicht verwerflich, selbst danach zu streben, ähnliche Gaben zu erlangen. Dies kann nicht als Hasad oder Missgunst bezeichnet werden.

Doppelzüngigkeit

(۲۰۰)
وَعَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: تَجِدُونَ شَرَّ النَّاسِ يَوْمَ الْقِيَامَةِ عِنْدَ اللَّهِ ذَا الْوَجْهَيْنِ الَّذِي يَأْتِي هَؤُلَاءِ يوَجْهِ وَهَؤُلاءِ يوجه (بخاري – مسلم)

(200) „Von Hazrat Abu Huraira (möge Allah mit ihm zufrieden sein) wird überliefert, dass der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Am Tag der Auferstehung werdet ihr den zweigesichtigen Menschen in der abscheulichsten Lage vorfinden. In dieser Welt ist er dem einen gegenüber in einer Weise aufgetreten und dem anderen gegenüber in einer anderen.“ (Buchari, Muslim)

(۲۰۱)
وَعَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ عَنِ النَّبِيِّ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ : إِيَّاكُمْ وَسُوءَ ذَاتِ الْبَيْنِ فَإِنَّهَا الْحَالِقَةُ
(ترمذی)

(201) „Von Hazrat Abu Huraira (möge Allah mit ihm zufrieden sein) wird überliefert, dass der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Hütet euch davor, untereinander Streit und Zwietracht zwischen zwei Menschen zu stiften. Denn als Folge davon wird eure Religion zugrunde gehen.“ (Tirmidhi)

(۲۰۲)
وَعَنْ أَبِي بَكْرِ الصِّدِّيقِ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: مَلْعُونٌ مِنْ ضَارَّ مُؤْمِنًا أَوْ مَكَرَ بِهِ (ترمذي)

(202) „Von Hazrat Abu Bakr (möge Allah mit ihm zufrieden sein) wird überliefert, dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Wer einem Muslim Schaden zufügt oder ihn betrügt, ist verflucht.“ (Tirmidhi)

Kapitel: 7 – Moralische Eigenschaften

Die Notwendigkeit eines moralischen Charakters

وَإِنَّكَ لَعَلَى خُلُقٍ عَظِيمٍ

„O Prophet, gewiss befindest du dich in einer erhabenen Stellung des Charakters.“ (Al-Qalam 4)

(۲۰۳) وَعَنْ مَالِكٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ أَنَّهُ قَدْ بَلَغَهُ أَنَّ رَسُولَ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ قَالَ : بُعِثْتُ لِأُتِمَّ مَكَارِمَ الأخلاق (موطأ إمام مالك)

(203) „Von Imam Malik (möge Allah mit ihm zufrieden sein) wird überliefert, dass ihn folgende Botschaft erreichte: Der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Ich bin nur gesandt worden, um die edlen moralischen Eigenschaften der Menschen zur Vollkommenheit zu führen.“ (Muwatta von Imam Malik)

Erläuterung: Zu den im Koran erwähnten Aufgaben des Gesandten gehört als eine der wichtigsten und bedeutendsten die Tazkiyah. Das bedeutet, dass der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) seine Anhänger aus dem Schmutz des Unrechts, der Unreinheit und der Charakterlosigkeit befreien und sie zu einer höheren Stufe edler Charaktereigenschaften führen wird. In dem überlieferten Hadith deutete der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) darauf hin und sagte, dass er gerade zur Vervollkommnung des moralischen Charakters gesandt worden sei.

(٢٠٤) وَعَنْ عَائِشَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهَا قَالَتْ سَمِعْتُ رَسُولَ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ يَقُولُ: إِنَّ الْمُؤْمِنَ لَيُدْرِكُ بِحُسْنِ خُلُقِهِ دَرَجَةً قَائِمِ اللَّيْلِ وَصَّائِمِ النَّهَارِ
(أبو داود)

(204) „Von Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) wird überliefert, dass sie sagte: Ich hörte den Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagen: Wahrlich, ein gläubiger Mensch kann durch seinen vorzüglichen Charakter den Rang jener frommen Menschen erlangen, die die ganze Nacht im Gebet verbringen und das ganze Jahr über fasten.“ (Abu Dawud)

Erläuterung: Ein gläubiger Mensch mit gutem Charakter wird, nachdem er die ihm auferlegten verpflichtenden und unerlässlichen Pflichten der Scharia erfüllt hat, durch seine Charaktereigenschaften den größten Lohn für freiwillige Gottesdienste erhalten.

(٢٠٥) وَعَنْ مُعَاذِ بْنِ جَبَلٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ: آخِرُ مَا أَوْصَانِي بِهِ رَسُولُ اللَّهِ حِينَ وَضَعْتُ رِجْلِي فِي الْغَرْزِ أَنْ قَالَ: أَحْسِنْ خُلُقَكَ لِلنَّاسِ (موطأ إمام مالك)

(205) „Hazrat Muadh ibn Dschabal (Allah möge mit ihm zufrieden sein) sagte: Als man mich als Herrscher nach Jemen entsandte, gab mir der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), während ich bereits einen Fuß in den Steigbügel gesetzt hatte, seinen letzten Rat: ‚O Muadh, stelle den Menschen ein Beispiel deines vortrefflichsten Charakters vor.‘
(Muwatta von Imam Malik)

(٢٠٦) وَعَنْ عَبْدِ اللَّهِ بْنِ عَمْرٍو رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُمَا قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: إِنَّ مِنْ خِيَارِكُمْ أَحْسَنُكُمْ أَخْلَاقًا (بخاري – مسلم)

(206) „Es wird von Hazrat Abdullah ibn Amr (Allah möge mit ihm zufrieden sein) überliefert, dass der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: ‚Der Beste unter euch ist derjenige, der den besten Charakter besitzt.‘“ (Bukhari, Muslim)

(۲۰۷)
وَعَنْ عَبْدِ اللَّهِ بْنِ عَمْرٍو رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُمَا قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: إِنَّ مِنْ أَحَبِّكُمْ إِلَيَّ أَحْسَنُكُمْ أَخْلَاقًا (بخاري)

(207) „Es wird von Hazrat Abdullah ibn Umar (Allah möge mit ihm zufrieden sein) überliefert, dass der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: ‚Derjenige unter euch ist mir am liebsten, der den besten Charakter besitzt.‘“ (Bukhari)

(۲۰۸)
وَعَنِ النَّوَّاسِ بْنِ سَمْعَانَ قَالَ: سَأَلْتُ رَسُولَ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ عَنِ الْبَرِّ وَالإِثْمِ، فَقَالَ: الْبِرُّ حُسْنُ الْخُلُقِ وَالإِثْمُ مَا حَاكَ فِي صَدْرِكَ وَكَرِهْتَ أَنْ يَطْلِعَ عَلَيْهِ النَّاسُ (مسلم)

(208) „Hazrat Nawwas ibn Samʿan (Allah möge mit ihm zufrieden sein) berichtet: Einst fragte ich den Propheten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) nach Sünde und Tugend – was sie seien. Der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) antwortete: ‚Der vorzügliche Charakter ist Tugend. Und was auch immer in deinem Herzen Unruhe hervorruft und dessen Bekanntwerden bei den Menschen du nicht wünschst, das ist Sünde.‘“ (Muslim)

Haya (Schamhaftigkeit)

(۲۰۹) وَعَنْ عَبْدِ اللَّهِ بْنِ عَمْرٍو رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُمَا أَنَّ رَسُولَ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ مَرَّ عَلَى رَجُلٍ مِنَ الْأَنْصَارِ وَهُوَ يَعِظُ أَخَاهُ فِي الْحَيَاءِ، فَقَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ : دَعْهُ فَإِنَّ الْحَيَاءَ مِنَ الْإِيمَانِ
(بخاري – مسلم)

(209) „Überliefert von Hazrat Abdullah ibn Umar (möge Allah mit ihnen beiden zufrieden sein): Eines Tages ging der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) an einem Ansari-Gefährten vorbei, der seinen Bruder wegen seiner (übermäßigen) Schamhaftigkeit tadelte. Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Lass ihn in Ruhe. Denn Haya (Schamhaftigkeit) ist ein Teil des Iman.““ (Buchari, Muslim)

Erläuterung: Haya bedeutet, beim Anblick unsittlicher, ungehöriger und ungerechter Handlungen ein Gefühl des Unbehagens zu empfinden. Dem Wortlaut des Hadith zufolge ist Haya einer der wesentlichen Zweige des Iman. Daher muss jeder gläubige Mensch ehrenhaft sein, das heißt, mit der Eigenschaft der Haya ausgestattet sein. Folglich ist es nicht angebracht, jemanden wegen seiner Schamhaftigkeit zu tadeln.

(۲۱۰) وَعَنْ عِمْرَانَ بْنَ حُصَيْنٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: الْحَيَاءُ لَا يَأْتِي إِلَّا بِخَيْرٍ، وَفِي رِوَايَةِ الْحَيَاءُ خَيْرٌ كُلُّهُ
(بخاري – مسلم)

(210) „Überliefert von Hazrat Imran ibn Husain (möge Allah mit ihm zufrieden sein): Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Schamhaftigkeit bringt ausschließlich Gutes. Einer anderen Überlieferung zufolge ist die Schamhaftigkeit in ihrer Gesamtheit gut.“ (Buchari, Muslim)

(۲۱۱)
وَعَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهِ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: الْحَيَاءُ مِنَ الإِيمَانِ، وَالْإِيمَانُ فِي الْجَنَّةِ، وَالْبَذَاءُ مِنَ الْجَفَاءِ، وَالْجَفَاءُ فِي النَّارِ (أحمد – ترمذي)

(211) „Überliefert von Hazrat Abu Huraira (möge Allah mit ihm zufrieden sein): Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Schamhaftigkeit ist ein Teil des Iman, und der gläubige Mensch wird ins Paradies gelangen. Schamlosigkeit hingegen ist eine Sünde, und der Sünder wird in die Jahannam kommen.“ (Ahmad, Tirmidhi)

Geduld in Zeiten des Zorns bewahren

(۲۱۲)
وَعَنِ ابْنِ عُمَرَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُمَا قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ : مَا تَجَرَّعَ عَبْدٌ جَرْعَةً

أَفْضَلَ عِنْدَ اللهِ عَزَّ وَجَلَّ مِنْ جَرْعَةِ غَيْلٍ، يَكْظِمُهَا ابْتِغَاءَ وَجْهِ اللَّهِ تَعَالَى (أحمد)

(212) „Von Ibn Umar (Allahs Wohlgefallen sei auf ihnen beiden) wird überliefert, dass der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Von all den Dingen, die die Menschen hinunterschlucken, ist das Hinunterschlucken des Zorns bei Allah am vortrefflichsten, wenn der Mensch dies tut, um Allah zufriedenzustellen.“ (Ahmad)

Erläuterung: Den Zorn zu besänftigen, den Menschen zu vergeben und Geduld zu bewahren, um Allahs Wohlgefallen zu erlangen, ist eine vortreffliche Eigenschaft. Allah selbst sagt im Koran:

وَالْكَاظِمِينَ الْغَيْظَ وَالْعَافِينَ عَنِ النَّاسِ وَاللَّهُ يُحِبُّ الْمُحْسِنِينَ (آل عمران: (١٣٤)

„Diejenigen, die ihren Zorn bezähmen und den Menschen vergeben – Allah liebt solche Wohltäter.“ (Āl ʿImrān 134)

(۲۱۳)
وَعَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ أَنَّ رَجُلًا قَالَ لِلنَّبِيِّ صَلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ أَوْصِنِي قَالَ: لَا تَغْضَبْ فَرَدَّدَ ذَالِكَ مِرَارًا ، قَالَ : لَا تَغْضَبْ (بخاري)

(213) „Überliefert von Hazrat Abu Huraira (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm): Einst bat ein Mann den edlen Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm): ‚O Gesandter, erteile mir einen Rat.‘ Der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: ‚Werde nicht zornig.‘ Der Mann wiederholte seine Frage immer wieder, und der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) antwortete ihm jedes Mal: ‚Werde nicht zornig.‘“ (Buchari)

(٢١٤) وَعَنْ أَبِي هُرَيْرَة رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهِ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: لَيْسَ الشَّدِيدُ بالصَّرْعَةِ إِنَّمَا الشَّدِيدُ الَّذِي يَمْلِكُ نَفْسَهُ عِنْدَ الْغَضَبِ
(بخاري – مسلم)

(214) „Überliefert von Hazrat Abu Huraira (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm): Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: ‚Derjenige, der andere im Ringen besiegt, ist nicht wirklich tapfer. Wahrhaft tapfer ist vielmehr derjenige, der sich im Augenblick des Zorns beherrschen kann.‘“ (Buchari, Muslim)

Erklärung: Es ist nicht so, dass ein Muslim überhaupt niemals zornig wird. Doch in den Situationen, in denen er zornig wird, darf er nicht jedes Urteilsvermögens beraubt sein und die Kontrolle über sich verlieren. Vielmehr ist es die Lehre des Gesandten, dass er sich selbst auch im äußersten Zorn beherrschen kann.

Die Bewahrung der Zunge und der Schamteile

(٢١٥) وَعَنْ سَهْلِ بْنِ سَعْدٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللهِ صَلَّى الله عَلَيْهِ وَسَلَّمَ : مَنْ يَضْمَنْ لِي مَا بَيْنَ شَفَتَيْهِ وَمَا بَيْنَ فَحْذَيْهِ أَصْمَنْ لَهُ الْجَنَّةَ (بخاري)

(215) „Überliefert von Hazrat Sahl ibn Saʿd (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm): Er sagte, der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) habe gesagt: ‚Wer mir dafür bürgen kann, seine Zunge und seine Schamteile (in ihrer Reinheit) zu bewahren, dem kann ich das Paradies garantieren.‘“ (Buchari)

Erklärung: Im menschlichen Körper sind die beiden genannten Organe besonders schwach, und von ihnen geht die größte Wahrscheinlichkeit eines Angriffs des Satans aus. Daher hat der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) dem gläubigen Menschen, der den Satan besiegt und die Reinheit dieser beiden Organe bewahrt, das Paradies garantiert.

Die Bedeutung des Wissenserwerbs (Ilm)

(٢١٦) وَعَنْ مُعَاوِيَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهِ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: مَنْ يُرِدِ اللَّهُ بِهِ خَيْرًا يُفَقِّهُهُ في الدِّينِ (بخاري – مسلم)

(216) „Überliefert von Hazrat Muʿawiya (r.a.): Der Gesandte Allahs (s.a.w.) sagte: Wem Allah Gutes wünscht, dem gewährt Er Wissen über die Religion.“ (Buchari, Muslim)

Erklärung: Das jenseitige Wohl des Menschen hängt davon ab, Allahs Religion richtig zu verstehen, sie zu begreifen und entsprechend ordnungsgemäß zu handeln. Wer Allahs Religion mitsamt ihren inneren Zielen kennen und verstehen kann, wird in der Lage sein, sie richtig zu praktizieren. Daher gewährt Allah gerade demjenigen Wissen über die Religion, dessen Wohlergehen Er erstrebt.

(۲۱۷)
عَنْ أَنَسِ بْنِ مَالِكٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ
رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهِ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: طَلَبُ الْعِلْمِ فَرِيضَةٌ عَلَى كُلِّ مُسْلِمٍ (ابن ماجه)

(217) „Überliefert von Hazrat Anas (r.a.): Der edle Prophet (s.a.w.) sagte: Für jeden muslimischen Mann und jede muslimische Frau ist es eine Pflicht, Wissen zu erwerben.“
(Ibn Madscha)

(۲۱۸) وَعَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهِ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: مَنْ سَلَكَ طَرِيقًا يَلْتَمِسُ فِيهِ عِلْمًا سَهَّلَ اللَّهُ لَهُ بِهِ طَرِيقًا إِلَى الْجَنَّةِ، وَمَا اجْتَمَعَ قَوْمٌ فِي بَيْتِ مِنْ بُيُوتِ اللَّهِ يَتْلُونَ كِتَابَ اللَّهِ وَيَتَدَارَسُونَهُ بَيْنَهُمْ إِلَّا نَزَلَتْ عَلَيْهِمُ السَّكِينَةُ وَغَشِيَتْهُمُ الرَّحْمَةُ وَحَفْتْهُمُ الْمَلَائِكَةُ وَذَكَرَهُمُ اللَّهُ فِيْمَنْ عِنْدَهُ وَمَنْ بَطْأَ بِهِ عَمَلُهُ لَمْ يُسْرِعْ بِهِ نَسَبُهُ
(مسلم – أبو داود – ترمذي)

(218) „Überliefert von Hazrat Abu Huraira (r.a.): Der edle Prophet (s.a.w.) sagte: Wer sich auf den Weg macht, um Wissen zu erlangen, dem wird Allah den Weg ins Paradies erleichtern. Und wenn sich eine Gruppe von Menschen im Haus Allahs versammelt, Allahs Buch rezitiert und lehrreiche Gespräche darüber führt, wird eine große Ruhe auf sie herabgesandt, Allahs Barmherzigkeit umhüllt sie, und Allah erwähnt sie in der Versammlung der Engel. Wen aber seine Taten zurückhalten, den kann sein vornehmes Geschlecht nicht voranbringen.“ (Das heißt: Der Zweck des Wissenserwerbs besteht darin, gemäß dem Wissen zu handeln. Wer also nicht handelt, den können weder sein Wissen noch seine Abstammung zu Allah gelangen lassen.)

(Muslim, Abu Dawud, Tirmidhi)

(۲۱۹) وَعَنْ عَبْدِ اللَّهِ بْنِ عَمْرٍو رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُمَا أَنَّ رَسُولَ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ مَرَّ بِمَجْلِسَيْنِ فِي مَسْجِدِهِ فَقَالَ: كِلَاهُمَا عَلَى خَيْرٍ، وَأَحَدُهُمَا أَفْضَلُ مِنْ صَاحِيهِ، أَمَّا هَؤُلَاءِ فَيَدْعُونَ اللَّهَ وَيُرَغْبُونَ إِلَيْهِ فَإِنْ شَاءَ أَعْطَاهُمْ وَإِنْ شَاءَ مَنَعَهُمْ، وَأَمَّا هَؤُلَاءِ فَيَتَعَلَّمُونَ الْعِلْمَ وَيُعَلِّمُونَ الْجَاهِلَ فَهُمْ أَفْضَلُ، وَإِنَّمَا بُعِثْتُ مُعَلِّمًا
ثُمَّ جَلَسَ مَعَهُمْ (مشكوة)

(219) „Überliefert von Hazrat Abdullah ibn Amr (möge Allah mit ihm zufrieden sein): Eines Tages kam der Gesandte Allahs in die Prophetenmoschee und sah zwei Gruppen. (Die eine Gruppe beschäftigte sich mit dem Studium des Wissens, während die andere mit dem Gedenken Allahs und dem Bittgebet beschäftigt war.) Der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Beide Gruppen sind mit guten Werken beschäftigt. Die eine Gruppe ist mit dem Gedenken Allahs und dem Bittgebet beschäftigt. Allah kann ihnen, wenn Er will, das Gewünschte geben oder auch nicht geben. Die andere Gruppe aber studiert Wissen und lehrt die Unwissenden. Daher ist diese Gruppe besser. Denn auch ich wurde als Lehrer gesandt.“ Daraufhin setzte sich der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu der zweiten Gruppe. (Mischkat)

(۲۲۰) وَعَنْ أَبِي أُمَامَةَ الْبَاهِلِيِّ قَالَ ذُكِرَ لِرَسُولِ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ رَجُلَانِ أَحَدُهُمَا عَابِدٌ وَالْآخَرُ عَالِمٌ، فَقَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: فَضْلُ الْعَالِمِ عَلَى الْعَابِدِ كَفَضْلِي عَلَى أَدْنَاكُمْ، ثُمَّ قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: إِنَّ اللَّهَ وَمَلَائِكَتَهُ وَأَهْلَ السَّمَوَاتِ وَالْأَرْضِ حَتَّى النَّمْلَةَ فِي جُحْرِهَا وَحَتَّى الْحُوتَ لَيُصَلُّونَ عَلَى مُعَلِّمِ النَّاسِ الْخَيْرَ
(ترمذي – دارمي)

(220) „Überliefert von Hazrat Abu Umama (möge Allah mit ihm zufrieden sein): Eines Tages wurde beim edlen Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) über zwei Personen gesprochen, von denen der eine ein frommer Anbeter und der andere ein Gelehrter war. (Das heißt, es wurde gefragt, wer von beiden hinsichtlich des Ranges besser sei.) Der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: So wie ich gegenüber einem gewöhnlichen Muslim einen höheren Rang besitze, besitzt auch der betreffende Gelehrte gegenüber dem betreffenden frommen Anbeter einen entsprechenden Rang. Danach sagte der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm): Allah selbst, die Engel und die Bewohner der Himmel und der Erde – ja sogar die Ameisen unter der Erde und die Fische im Wasser – bitten um Segen für denjenigen, der den Menschen nützliches Wissen lehrt.“ (Tirmidhi, Darimi)

Amr bil Ma’ruf und Nahy anil Munkar

(Das Gebieten des Guten und das Abhalten vom Bösen)

وَلْتَكُنْ مِنْكُمْ أُمَّةٌ يَدْعُونَ إِلَى الْخَيْرِ وَيَأْمُرُونَ بِالْمَعْرُوفِ وَيَنْهَوْنَ عَنِ الْمُنْكَرِ وَأُولَئِكَ هُمُ الْمُفْلِحُونَ
آل عمران: (١٠٤)

„Unter euch muss es eine Gruppe geben, die die Menschen zur Frömmigkeit und zum Guten aufruft, das Gute und Rechtschaffene gebietet und das Schlechte verbietet. Sie sind es, die Erfolg haben werden.“ (Sure Āl ʿImrān: 104)

(۲۲۱)
وَعَنْ عَبْدِ اللَّهِ بْنِ مَسْعُودٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللهِ صَلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: لَمَّا وَقَعَتْ بَنُو إِسْرَائِيلَ فِي الْمَعَاصِي نَهَتْهُمْ عُلَمَاؤُهُمْ فَلَمْ يَنْتَهُوا ، فَجَالَسُوهُمْ فِي مَجَالِسِهِمْ وَأَكَلُوهُمْ وَشَارَبُوهُمْ، فَضَرَبَ اللَّهُ قُلُوبَ بَعْضِهِمْ عَلَى بَعْضٍ وَلَعَنَهُمْ عَلَى لِسَانِ دَاوُدَ وَعِيسَى ابْنِ مَرْيَمَ ذَالِكَ بِمَا عَصَوْا وَكَانُوا

يَعْتَدُونَ، قَالَ: فَجَلَسَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ، وَكَانَ مُتَّكِنًا، فَقَالَ: لَا وَالَّذِي نَفْسِي بِيَدِهِ لَتَأْمُرُنَّ بِالْمَعْرُوفِ وَلَتَنْهَوُنَّ عَنِ الْمُنْكَرِ وَلَتَأْخُذُنَّ عَلَى يَدَيِ الظَّالِمِ وَلَتَأْطِرُنَّهُ عَلَى الْحَقِّ أَطْرًا، أَوْ لَيَضْرِبَنَّ اللَّهُ بِقُلُوبِ بَعْضِكُمْ عَلَى بَعْضٍ ثُمَّ لَيَلْعَنَنَّكُمْ كَمَا لَعَنَهُمْ (بيهقي – مشكوة)

(221) „Überliefert von Hazrat Ibn Masʿūd (r.a.): Der edle Prophet (s.a.w.s.) sagte: Als die Angehörigen des Volkes Israel sich in Sünden verstrickten, verboten ihre Gelehrten ihnen dies. Doch sie beachteten es nicht. Danach aßen und tranken ihre Gelehrten weiterhin mit ihnen und verkehrten weiterhin mit ihnen, ohne die Verbindung zu ihnen abzubrechen. Daraufhin setzte Allah den Zustand beider Gruppen gleich. (Das heißt: Auch die Herzen der Gelehrten wurden ebenso verdorben und befleckt wie die Herzen der Sünder.) Wegen dieser sündhaften Handlungen und ihrer Überschreitung verfluchte Allah sie durch Hazrat Dāwūd (a.s.) und Hazrat ʿĪsā ibn Maryam (a.s.). Der überliefernde Gefährte berichtet: Bis hierhin hatte der Prophet (s.a.w.s.) die Worte im Zurücklehnen gesprochen. Plötzlich setzte er sich aufrecht hin, weil er die Bedeutung seiner Worte besonders hervorheben wollte, und sagte: Nein, es darf bei euch nicht so sein wie bei den Kindern Israels! Ich schwöre bei Allah, in dessen Hand meine Seele liegt: Ihr werdet gewiss das Gute gebieten und die Menschen vom Schlechten abhalten. Wenn ihr dies nicht tut, werden auch eure Herzen den Herzen der Sünder gleichen. Danach werdet auch ihr, wie das Volk Israel, zu einem verfluchten Volk werden.“ (Bayhaqī, Mishkāt)

Erläuterung: In dem überlieferten Hadith hat der Gesandte Allahs die einflussreichen Gelehrten der Muslime und die Verantwortlichen des islamischen Staates angewiesen, durch ihren gesellschaftlichen und staatlichen Einfluss die Unterdrücker daran zu hindern, Unterdrückung und Ungerechtigkeit aus der Gesellschaft auszurotten und Gerechtigkeit und Rechtsprechung zu etablieren. Aus der Überlieferung des Hadiths lässt sich indirekt entnehmen, dass es machtlosen Menschen im eigentlichen Sinne nicht möglich ist, „Amr bil maʿrūf und Nahy ʿan al-munkar“ zu praktizieren. Denn sie besitzen nicht die Macht, den Unterdrücker aufzuhalten; sie können lediglich mündlich zur Wahrheit aufrufen – und auch das nur in dem Maß, wie es die unterdrückerische Regierung und einflussreiche Anführer erlauben. Dass für das wahrhaftige Gebieten des Guten staatliche Herrschaftsmacht erforderlich ist, lässt sich aus dem folgenden im Koran erwähnten Vers erkennen.

الَّذِينَ إِنْ مَكَنَّاهُمْ فِي الْأَرْضِ أَقَامُوا الصَّلاةَ وَآتَوُا الزَّكَاةَ وَأَمَرُوْا بِالْمَعْرُوْفِ وَنَهَوْا عَنِ الْمُنْكَرِ وَلِلَّهِ عَاقِبَةُ الأُمُورِ (سورة الحج: (٤١)

„Wenn Ich sie (die Muslime) in irgendeinem Teil des Landes zur Herrschaft einsetze, werden sie dort das Gebet verrichten, die Zakāt ordnungsgemäß entrichten, das Gute gebieten und die Menschen vom Schlechten abhalten. Und der Ausgang jeder Angelegenheit liegt in Allahs Hand.“ (Sure al-Haddsch: 41)

(۲۲۲)
وَعَنِ نُعْمَانَ بْنِ بَشِيرٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُمَا قَالَ، قَالَ النَّبِيُّ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ مَثَلُ الْمُدْهِنِ فِي حُدُودِ اللَّهِ وَالْوَاقِعِ فِيهَا مَثَلُ قَوْمٍ اسْتَهَمُوا سَفِينَةً فَصَارَ بَعْضُهُمْ فِي أَسْفَلِهَا بَعْضُهُمْ فِي أَعْلَاهَا فَكَانَ الَّذِي فِي أَسْفَلِهَا يَمُرُّ بِالْمَاءِ عَلَى الَّذِينَ فِي أَعْلَاهَا فَتَأَذَوْا بِهِ فَأَخَذَ فَأْسًا فَجَعَلَ يَنْقُرُ أَسْفَلَ السَّفِينَةِ فَأَتَوْهُ فَقَالُوا مَا لَكَ قَالَ تَأَذَّيْتُمْ بِي، وَلَا بُدَّ لِي مِنَ الْمَاءِ فَإِنْ أَخَذُوا عَلَى يَدَيْهِ أَنْجَوْهُ وَنَجَّوْا أَنْفُسَهُمْ وَإِنْ تَرَكُوهُ أَهْلَكُوهُ، وَأَهْلَكُوا أَنْفُسَهُمْ (بخاري)

(২২২) „Überliefert von Hazrat Nuʿmān ibn Baschīr (möge Allah mit ihm zufrieden sein): Er berichtet, dass der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) gesagt hat: Das Gleichnis eines Menschen, der sich an einer Handlung des Ungehorsams gegenüber Allah beteiligt, und eines Menschen, der dies sieht, aber nichts dagegen sagt (sondern den Blick abwendet), ist wie das Gleichnis einer Gruppe von Menschen, die ein Schiff bestiegen haben. Einige von ihnen befanden sich auf dem oberen Deck und andere auf dem unteren Deck (so wie sich Menschen auf einem zweistöckigen Dampfer oder einer Barkasse aufhalten). Wenn die Menschen auf dem unteren Deck Wasser benötigten, mussten sie nach oben gehen, wodurch die Menschen auf dem oberen Deck sich belästigt fühlten. Schließlich beschlossen die Menschen auf dem unteren Deck aus Verzweiflung, eine Axt zu nehmen und den Boden des Schiffes zu durchbohren (damit sie Wasser aus dem Fluss schöpfen und ihren Bedarf decken konnten). Die Menschen auf dem oberen Deck bemerkten dies, kamen nach unten und sagten zu ihnen: ‚Warum begeht ihr diese selbstzerstörerische Tat?‘ Sie antworteten: ‚Wir brauchen Wasser, aber ihr wollt nicht, dass wir wegen des Wassers nach oben kommen.‘ Wenn die Menschen auf dem oberen Deck nun ihre Hände festhalten und sie von dieser selbstzerstörerischen Tat abhalten, werden beide Gruppen gerettet. Wenn sie dies jedoch nicht tun, werden beide Gruppen ertrinken. Das heißt: Obwohl die Menschen auf dem oberen Deck sich nicht daran beteiligt haben, das Schiff zu durchbohren, werden auch sie nicht vor dem Ertrinken bewahrt, ebenso wenig wie die Menschen auf dem unteren Deck, die das Loch bohren. Ebenso können auch diejenigen dem Strafgericht, das wegen der Verbreitung von Sünde in der Gesellschaft herabkommt, nicht entkommen, die sich nicht an den Sünden beteiligt haben, aber dennoch nicht versucht haben, die Sünder von ihren sündhaften Handlungen abzuhalten.“ (Buchārī)

(۲۲۳) وَعَنِ أَبِي سَعِيدِنِ الْخُدْرِي رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ عَنْ رَسُولِ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ قَالَ مَنْ رَائَ مِنْكُمْ مُنْكَرًا فَلْيُغَيِّرْهُ بِيَدِهِ فَإِنْ لَمْ يَسْتَطِعْ فَبِلِسَانِهِ فَإِنْ لَمْ يَسْتَطِعْ فَبِقَلْبِهِ ذَالِكَ أَضْعَفُ الإِيْمَانِ (مسلم)

(২২৩) „Überliefert von Hazrat Abū Saʿīd al-Chudrī (möge Allah mit ihm zufrieden sein): Der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Wenn jemand von euch eine verwerfliche Handlung geschehen sieht, soll er sie mit seiner Hand verhindern. Wenn er dazu nicht die Macht hat, soll er sie mit Worten untersagen. Wenn er auch dazu nicht in der Lage ist, soll er in seinem Herzen ihre Beseitigung wünschen. Der Wunsch nach ihrer Beseitigung im Herzen ist jedoch das schwächste Zeichen des Glaubens.“ (Muslim)

Erläuterung: Im überlieferten Hadith werden drei Vorgehensweisen genannt, um Menschen je nach den Umständen von Sünde und verwerflichen Handlungen abzuhalten. Wenn diejenigen, vor deren Augen eine sündhafte Handlung begangen wird, mächtige Personen sind, etwa Herrscher, Anführer einer Gruppe, Oberhäupter der Gesellschaft oder der Familie oder ein einflussreicher Führer, sollen sie ihre Macht einsetzen, um den Betreffenden von dieser Sünde abzuhalten. Wenn sie jedoch nicht die Möglichkeit haben, Macht anzuwenden, etwa weil derjenige, der die sündhafte Handlung begeht, staatliche Macht besitzt oder ein einflussreicher Führer ist, sollen sie mündlich protestieren. Wenn auch ein mündlicher Protest nicht möglich ist, sollen sie in ihrem Herzen das Ende dieser sündhaften Handlung wünschen. Der Ehrwürdige (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte, dass die Anwendung des letzten Vorgehens ein Zeichen schwachen Glaubens ist.

(٢٢٤) وَعَنْ حُذَيْفَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ أَنَّ النَبِيَّ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ قَالَ: وَالَّذِي نَفْسِي بِيَدِهِ لَتَأْمُرُنَّ بِالْمَعْرُوفِ وَلَتَنْهَوُنَّ عَنِ الْمُنْكَرِ أَوْ لَيُوشِكُنَّ اللَّهُ أَنْ يَبْعَثَ . عَلَيْكُمْ عَذَابًا مِنْ عِنْدِهِ ثُمَّ لَتَدْعُونَهُ فَلَا يُسْتَجَابُ لَكُمْ (ترمذي)

(২২৪) „Überliefert von Hazrat Hudhaifa (möge Allah mit ihm zufrieden sein): Der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Ich schwöre bei Allah, in dessen Hand mein Leben liegt: Ihr werdet gewiss zum Guten anweisen und die Menschen von Unrecht und Sünde abhalten. Andernfalls wird Allah schon bald eine Strafe über euch herabsenden. Danach werdet ihr weiterhin beten, damit ihr davon befreit werdet, doch euer Gebet wird nicht erhört werden.“ (Tirmidhī)

(٢٢٥) عَنِ جَرِيرٍ بْنِ عَبْدِ اللَّهِ قَالَ: سَمِعْتُ رَسُولَ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ يَقُولُ مَا مِنْ رَجُلٍ يَكُونُ فِي قَوْمٍ يُعْمَلُ فِيهِمْ بِالْمَعَاصِي يَقْدِرُونَ عَلَى أَنْ يُغَيِّرُوا عَلَيْهِ فَلَا يُغَيِّرُوا إِلَّا أَصَابَهُمُ اللَّهُ بِعَذَابٍ مِنْ قَبْلِ أَنْ يَمُوتُوا
(أبو داؤد)

(২২৫) „Überliefert von Hazrat Jarīr ibn ʿAbdullāh (möge Allah mit ihm zufrieden sein): Er berichtet: Ich hörte den Propheten Allahs sagen: Wenn sich unter einem Volk eine Person einer sündhaften Handlung hingibt und die Angehörigen dieses Volkes sie trotz ihrer Fähigkeit nicht davon abhalten, wird Allah über dieses Volk noch vor seinem Tod eine schreckliche Strafe verhängen.“ (Abū Dāwūd)

Erklärung: In dem oben angeführten Hadith erinnert der Prophet Allahs an eine der wichtigsten sozialen Pflichten der Muslime. Wenn ein Mitglied der muslimischen Gesellschaft offen Sünden begeht, ist es die Pflicht der gesamten Gesellschaft, diese Person davon abzuhalten – ganz gleich, wer in der Gesellschaft Allah ungehorsam ist und wie einflussreich er auch sein mag. Er ist gezwungen, sich dem Widerstand der gesamten Gesellschaft zu beugen, selbst wenn er das Oberhaupt des Staates sein sollte. Denn wenn das gesamte Volk gegen seine offenkundigen Sünden protestiert, wird er gezwungen sein, vor dem Volk das Haupt zu senken. Wenn dagegen eine Gesellschaft oder Nation ihre heilige Pflicht vergisst und schweigend zusieht, wie ein Sünder ungehindert Sünden begeht, wird auch diese Nation indirekt zu einem Teilhaber an dieser Sünde. Daraufhin lässt Allah eine Strafe über sie kommen.

(٢٢٦) وَعَنْ حُذَيْفَةَ بْنِ الْيَمَانَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: لَتَأْمُرُنَّ بِالْمَعْرُوفِ وَلَتَنْهَوُنَّ عَنِ الْمُنْكَرِ، وَلَتَحَاضُنَّ عَلَى الْخَيْرِ أَوْ لَا يَسْتَعَنَّكُمُ اللَّهُ جَمِيعًا بِعَذَابٍ أَوْ لَيُؤْمِرَنَّ عَلَيْكُمْ شِرَارَكُمْ ثُمَّ يَدْعُو خِيَارُكُمْ فَلَا يُسْتَجَابُ لَهُمْ (مسند أحمد)

(226) Überliefert von Huthaifa ibn al-Yaman (möge Allah mit ihm zufrieden sein): Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Ihr müsst gewiss zum Guten auffordern, vom Bösen abhalten und die Menschen zu nützlichen, islamisch erlaubten Taten ermutigen. Andernfalls wird Allah euch durch eine allgemeine Strafe vernichten oder die schlimmsten Sünder unter euch zu euren Herrschern machen. Dann werden eure rechtschaffenen Menschen weiterhin Bittgebete sprechen, doch ihre Bittgebete werden nicht erhört werden.“ (Musnad des Imams Ahmad)

Erklärung: Wenn die muslimischen Bewohner eines Landes oder Gebietes insgesamt ihre Pflicht, zum Guten aufzufordern und vom Bösen abzuhalten, vernachlässigen, bestraft der Allmächtige Allah sie bereits in dieser Welt mit einer von zwei folgenden Strafen.

Die eine ist eine umfassende himmlische Strafe, etwa Überschwemmungen, Seuchen, Hungersnöte und Kriege. Die zweite ist ein tyrannischer Herrscher: Die schlechtesten und sündigsten Menschen der Gesellschaft werden zu ihren Herrschern eingesetzt, und durch deren Unterdrückung und Gewaltherrschaft geht die gesamte Nation langsam zugrunde. Wenn dieser äußerste Zustand eintritt, erhört Allah auch die Bittgebete der frommen und angesehenen Menschen dieser Gesellschaft nicht.

Verkündung ohne eigene Praxis

(۲۲۷)
وَعَنْ أَنَسِ بْنِ مَالِكٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: رَأَيْتُ لَيْلَةَ أُسْرِيَ بِي رِجَالًا تُقْرَضُ شِفَاهُهُمْ بِمَقَارِيضَ مِنْ نَارٍ، فَقُلْتُ: مَنْ هَؤُلَاءِ يَا جِبْرِيلُ ؟ قَالَ: هَؤُلَاءِ خُطَبَاءُ مِنْ أُمَّتِكَ يَأْمُرُونَ النَّاسَ بِالْبِرِّ وَيَنْسَوْنَ أَنْفُسَهُمْ (مشكوة)

(227) Überliefert von Anas (möge Allah mit ihm zufrieden sein): Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „In der Nacht der Himmelfahrt sah ich, wie die Lippen einiger Menschen mit Scheren aus Feuer abgeschnitten wurden. Als ich Dschibril (Friede sei mit ihm) fragte, sagte er: ‚Das sind die Verkünder aus deiner Gemeinschaft, die andere zu guten Taten ermahnt, sie aber selbst nicht in die Tat umgesetzt haben.‘“ (Mischkat)

Die Unentbehrlichkeit der Jamaat

(۲۲۸)
وَ عَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ سَمِعْتُ رَسُولَ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ يَقُولُ: مَنْ خَرَجَ مِنَ الطَّاعَةِ وَفَارَقَ الْجَمَاعَةَ فَمَاتَ مَاتَ مِيتَةً جَاهِلِيَّةً
(مسلم)

(228) „Abu Huraira (möge Allah mit ihm zufrieden sein) berichtete: Ich hörte den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagen: Wer den Gehorsam gegenüber dem Amir verweigert, die Jamaat verlässt und in diesem Zustand stirbt, stirbt den Tod der Dschahiliyya.“ (Muslim)

Erläuterung: Als Jamaat wird eine Gruppe von Menschen bezeichnet, die sich durch ein geordnetes Programm zur Erreichung eines bestimmten Ziels miteinander zusammenschließt. Für eine Jamaat sind vier Dinge unerlässlich: Ziel, Programm, Führung und Organisation. Fehlt auch nur eines dieser vier Dinge, handelt es sich nicht um eine Jamaat. Deshalb werden die zusammengeschlossenen Menschen auf einem Markt oder Basar nicht Jamaat genannt, denn bei ihnen ist keine der genannten Voraussetzungen erfüllt. Dagegen werden die versammelten Menschen auf einem Eidgah und in einer Freitagsmoschee Jamaat genannt, weil dort alle vier Voraussetzungen vorhanden sind.

Im Hadith ist mit „Jamaat“ die islamische Jamaat gemeint. Als islamische Jamaat oder islamische Gemeinschaft wird eine solche Gruppe bezeichnet, die sich unter der Führung eines Anführers (Imam) zusammenschließt, um durch ein vom Gesandten Allahs bevorzugtes Programm Allahs Din zu verkünden und zu etablieren. Für die Aufgabe, die Allah der Umma Muhammads übertragen hat, die Falschheit zu beseitigen und den Din der Wahrheit zu etablieren, ist eine geeinte Kraft unerlässlich. Durch verstreute, voneinander getrennte und nicht miteinander verbundene Einzelbemühungen ist weder die Etablierung des Din möglich noch die Beseitigung der Falschheit.

Allah hat in Seinem heiligen, erhabenen Wort gesprochen:

كُنْتُمْ خَيْرَ أُمَّةٍ أُخْرِجَتْ لِلنَّاسِ تَأْمُرُونَ بِالْمَعْرُوفِ وَتَنْهَوْنَ عَنِ الْمُنْكَرِ (آل عمران : ١٠٤)

„Ihr seid die beste Umma. Zum Wohl der Menschheit seid ihr hervorgebracht worden. Ihr werdet das Gute gebieten und das Schlechte verbieten.“ (Āl ʿImrān – 110)

Es sei darauf hingewiesen, dass Allah diese oben erwähnte Verantwortung der Gemeinschaft der Muslime und nicht dem Einzelnen übertragen hat. Denn eine derart wichtige Aufgabe ist durch die Bemühungen eines Einzelnen nicht zu erfüllen, ganz gleich, wie gelehrt, tugendhaft oder mächtig er auch sein mag. Selbst Menschen von großer Persönlichkeit, vorbildlichem Charakter und herausragenden Eigenschaften wie die Propheten konnten die Religion Allahs nicht ohne die Unterstützung der Gemeinschaft der muslimischen Umma aufrichten. Gerade deshalb wird in den Hadithen größter Nachdruck darauf gelegt, der Gemeinschaft anzugehören, und das Sich-Absondern von der Gemeinschaft wird als Dschahilijja bezeichnet.

(۲۲۹)
وَعَنْ مُعَاذِ بْنِ جَبَلٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: إِنَّ الشَّيْطَانَ ذِئْبُ ابْنِ آدَمَ كَذِئْبِ الْغَنَمِ، يَأْخُذُ الشَّاةَ الْقَاصِيَةَ النَّاحِيَةَ، وَإِيَّاكُمْ وَالشِّعَابَ، وَعَلَيْكُمْ بِالْجَمَاعَةِ وَالْعَامَّةَ.
(مسند أحمد)

(229) „Überliefert von Muadh ibn Dschabal (möge Allah mit ihm zufrieden sein): Der edle Prophet (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) sagte: So wie der Wolf unter den Schafen der Feind der Herde ist, so ist Satan der Wolf unter den Menschen. Der Wolf packt gerade das Schaf, das sich allein umherbewegt oder sich auf der Suche nach Nahrung von der Herde absondert. Hütet euch davor, die Gruppe zu verlassen und auf abgelegene Bergpfade zu gehen, und bleibt unbedingt gemeinsam mit der Allgemeinheit versammelt.“ (Ahmad)

Erläuterung: In Arabien und den angrenzenden Ländern bestreiten manche Menschen ihren Lebensunterhalt mit der Viehzucht. Auf Weideflächen und am Fuß der Berge lassen sie ihre Tiere in Herden grasen und achten aufmerksam darauf, dass kein Tiger ein Tier fortträgt. Aus Furcht vor den Waffen der Hirten und den zur Bewachung der Herde eingesetzten Jagdhunden greift daher kein Tiger die Tiere der Herde an. Wenn sich jedoch ein Tier, von den Hirten unbemerkt, beim Grasen von der Herde entfernt, kommt sogleich ein Tiger aus einer nahegelegenen Berghöhle oder dem Dschungel und packt es.

Durch dieses oben angeführte Gleichnis warnte der Gesandte (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) die Muslime davor, dass ein Tier, das sich von der Herde entfernt hat, ebenso dem Tiger zum Opfer fällt wie ein Muslim, der die Gemeinschaft verlässt oder von ihr getrennt ist, Satan zum Opfer fällt – ganz gleich, wie groß sein Rang als Muslim auch sein mag.

Die einzige Ursache für die gegenwärtige Notlage der Muslime in der ganzen Welt ist ihre gegenseitige Zerstreuung und Uneinigkeit. Infolge der Uneinigkeit und der Streitigkeiten in den muslimischen Ländern Arabiens werden sie heute von der kleinen jüdischen Nation gedemütigt. Die Muslime Turkistans, Usbekistans und Aserbaidschans, die einst die ganze Welt in Bewegung versetzten, werden infolge ihrer eigenen Uneinigkeit unter kommunistischer Herrschaft unterdrückt. Auch die Muslime unseres Subkontinents führen genau dasselbe Schauspiel auf. Daher genießen die Muslime heute in der ganzen Welt keinerlei besondere Achtung mehr.

Obwohl die Muslime heutzutage mancherorts versuchen, sich zusammenzuschließen, geschieht dies nicht auf der Grundlage islamischer Brüderlichkeit, sondern vielmehr auf der Grundlage von Sprache, Volkszugehörigkeit oder Region – etwas, das der Prophet Allahs mit klaren Worten als Dschahilijja bezeichnet hat,

(۲۳۰)
وَعَنِ عَبْدِ اللَّهِ بْنِ عُمَرَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُمَا قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: إِنَّ اللَّهَ لَا يَجْمَعُ أُمَّتِي أَوْ قَالَ أُمَّةَ مُحَمَّدِرٍ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ عَلَى ضَلَالَةٍ، وَمَنْ شَدَّ شُدَّ فِي النَّارِ (ترمذي)

(230) „Überliefert von Hadhrat Abdullah ibn Umar (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm): Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Allah, der Erhabene, wird meine Umma – oder die Umma Muhammads (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) – niemals in einer falschen Entscheidung vereinen. Und Allahs Barmherzigkeit ist mit der Gemeinschaft. Wer sich daher von der Gemeinschaft trennt, wird in die Hölle fallen.“ (Tirmidhi) Erklärung: In diesem überlieferten Hadith verkündet der Prophet Allahs die frohe Botschaft, dass die wahren Angehörigen der Umma Muhammads (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sich niemals in einer falschen Entscheidung einigen können. Aus diesem Grund wird der Idschmaʿ der Umma, also ihre gemeinschaftlich gefasste Entscheidung, als Beweis der Scharia anerkannt.

(۲۳۱)
وَعَنْ أَنَسِ بْنِ مَالِكٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: مَنْ فَارَقَ الْجَمَاعَةَ شِبْرًا فَقَدْ خَلَعَ رِبْقَةَ الْإِسْلَامِ مِنْ عُنُقِهِ
أحمد – أبو داؤد)

(231) „Überliefert von Hadhrat Anas (Allahs Wohlgefallen sei mit ihm): Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Wer die Gemeinschaft verlässt und sich auch nur um die Länge einer Handspanne von ihr entfernt, ist, als hätte er seinen Hals vom Seil des Islam getrennt.“ (Ahmad, Abu Dawud)

Erklärung: Die oben angeführte Erklärung des Gesandten beweist, dass das Leben eines Menschen aus islamischer Sicht wertlos ist, selbst wenn er in seinem persönlichen Leben noch so gottesfürchtig ist, sofern er sich nicht einer Gemeinschaft organisierter Muslime anschließt, die sich für die Verbreitung und Errichtung der Religion Allahs einsetzt.

Hier ist ein Punkt besonders zu beachten: Die Gemeinschaft, die zu Lebzeiten des Propheten unter seiner Führung gebildet wurde, wurde „Al-Dschamaʿa“ genannt, das heißt: die einzige Gemeinschaft der Muslime. Damals war es für jeden Menschen verpflichtend, sich dieser Gemeinschaft anzuschließen; außerhalb von ihr zu bleiben, galt als Unglaube. Nach dem Tod des Propheten jedoch können sich unter seiner Umma mehrere Gemeinschaften unter der Führung verschiedener Personen bilden. Ihr Ziel muss jedoch ein und dasselbe sein: die Verbreitung und Errichtung der Religion Allahs auf dem vom Propheten gezeigten Weg. Die Einheit von Ziel und Zweck wird daher diese mehreren Gruppen zu gegenseitigen Unterstützern machen, nicht zu Rivalen.

Tatsächlich kann nach dem Tod des Propheten keine bestimmte Gemeinschaft der Muslime ihre eigene Gemeinschaft als die einzige Gemeinschaft für die ganze Welt bezeichnen, außerhalb derer zu bleiben Unglaube sei. Andererseits ist es ebenso eine lächerliche Haltung, sich selbst als Mitglied der Ahl as-Sunna wa-l-Dschamaʿa zu betrachten und sich damit zufriedenzugeben, ohne sich auf der Grundlage eines konkreten Programms zur Errichtung der Religion Allahs einer bestimmten Gruppe der Muslime anzuschließen.

(۲۳۲)
وَعَنِ الْحَارِثِ الأَشْعَرِي رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ،
قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ : آمُرُكُمْ بِخَمْسٍ: بِالْجَمَاعَةِ، وَالسَّمْعِ، وَالطَّاعَةِ، وَالْهِجْرَةِ، وَالْجِهَادِ فِي سَبِيلِ اللَّهِ، وَإِنَّهُ مَنْ خَرَجَ مِنَ الْجَمَاعَةِ قِيدَ شِبْرٍ فَقَدْ
خَلَعَ رِبْقَةَ الإِسْلَامِ مِنْ عُنُقِهِ إِلَّا أَنْ تُرَاجِعَ مَنْ دَعَا

بِدَعْوَى الْجَاهِلِيَّةِ فَهُوَ مِنْ جُتَى جَهَنَّمَ وَإِنْ صَامَ وَصَلَّى
وَزَعَمَ أَنَّهُ مُسْلِمٌ (أحمد – ترمذي)

(232) „Überliefert von Hazrat Harith al-Aschʿari (ra): Der edle Prophet (s) sagte: Ich weise euch in fünf Angelegenheiten an: euch der Gemeinschaft anzuschließen, auf die Worte des Führers zu hören und ihm zu gehorchen, (falls erforderlich) auszuwandern und auf Allahs Weg Dschihad zu führen. Wer sich auch nur um die Länge einer Handspanne von der Gemeinschaft entfernt, von dem wird die Fessel des Islam an seinem Hals getrennt, bis er sich der Gemeinschaft wieder anschließt. Und wenn jemand die Menschen zu den Regeln und Grundsätzen der Dschahiliya aufruft, wird er, selbst wenn er noch so viel betet und fastet und sich für einen Muslim hält, zu den Angehörigen der Hölle gehören.“ (Ahmad, Tirmidhi)

Dschihad auf Allahs Weg

(۲۳۳) وَعَنْ مُعَاذِ بْنِ جَبَلٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: أَلَا أَدُلُّكُمْ بِرَأْسِ أَمْرِ وَعَمُودِهِ، وَذُرْوَةِ سَنَامِهِ ۚ قُلْتُ: بَلَى يَا رَسُولَ اللَّهِ قَالَ رَأْسُ الْأَمْرِ الإِسْلَامُ وَعَمُودُهُ الصَّلَاةُ وَذِرْوَةُ سَنَامِهِ

الجهاد (أحمد – ترمذي – ابن ماجة)

(233) „Überliefert von Hazrat Muʿadh ibn Dschabal (ra): Eines Tages sagte der edle Prophet (s): Soll ich dir nicht die Grundlage einer besonders wichtigen Angelegenheit – der Religion –, ihre Säule und ihren höchsten Gipfel nennen? Ich antwortete: Ja. Der Prophet (s) sagte: Die Grundlage der Religion ist der Islam, ihre Säule ist das Gebet und ihr höchster Gipfel ist der Dschihad.“ (Ahmad, Tirmidhi, Ibn Madscha)

Erläuterung: In diesem Hadith wird in äußerst knapper Form eine kurze, jedoch vollständige Darstellung der Religion gegeben. Das heißt, von der Grundlage der Religion bis zu ihren Zweigen werden drei wesentliche Dinge erwähnt. Erstens: Ein Mensch tritt durch das Bekenntnis zu Allahs Gehorsam und Unterordnung in den Islam ein. Zweitens: Durch das Gebet findet dieser Gehorsam seinen praktischen Ausdruck. Drittens: Durch die heilige Erziehung des Gebets bereitet er sich selbst auf den Dschihad auf Allahs Weg vor.

Diese drei genannten Dinge hängen alle voneinander ab, und ohne eines von ihnen kann man sich kein islamisches Leben vorstellen.

(٢٣٤) عَنْ أَبِي ذَرِّ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ: قُلْتُ يَا رَسُولَ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ أَيُّ الْأَعْمَالِ أَفْضَلُ، قَالَ: الإِيمَانُ بِاللَّهِ وَالجِهَادُ فِي سَبِيلِ اللهِ (بخاري – مسلم)

(234) „Von Hazrat Abu Dharr al-Ghifari (möge Allah Wohlgefallen an ihm haben) wird überliefert, dass er sagte: Ich fragte: O Prophet Allahs, welche Tat ist die vortrefflichste (bei Allah)? Der Hochgeehrte (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) sagte: Der Glaube an Allah und der Jihad auf Seinem Weg.“ (Buchari, Muslim)

Erläuterung: Im Hadith wird der Jihad unmittelbar nach dem Glauben als die vortrefflichste Tat bezeichnet. Das Wort Jihad ist arabisch. Es ist äußerst schwierig, in einer anderen Sprache ein vollkommen bedeutungsgleiches Wort dafür zu finden.

Die lexikalische Bedeutung des Wortes Jihad ist äußerster Einsatz. Seine terminologische Bedeutung besteht darin, mit allen Kräften danach zu streben, die von Allah gegebenen Ordnung in der Gesellschaft zu etablieren, sich dafür in einen Kampf auf Leben und Tod zu begeben und sämtliche Kräfte für diese Aufgabe einzusetzen.

„Jihad“ ist nicht nur auf bewaffnete Unternehmungen beschränkt. Vielmehr gehört es ebenfalls zum Jihad, durch Schriften und Reden die Denkweise der Menschen zu verändern und sie zu Anhängern der Religion Allahs zu machen. Auch das Aufwenden von Geld und Besitz zum Zweck der Etablierung der Religion ist Jihad. In äußersten Situationen wird auch die Beseitigung der unwissenden Ordnung durch den Einsatz von Gewalt und die Errichtung der göttlichen Ordnung Jihad genannt.

Da „Jihad“ eine äußerst schwierige Aufgabe ist und Menschen mit schwachem Herzen dazu nicht fähig sind, bezeichnete der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) den Jihad nach dem Glauben als die vortrefflichste Tat.

(٢٣٥) عَنِ ابْنِ عَبَّاسٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُمَا قَالَ: سَمِعْتُ رَسُولَ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ يَقُولُ: عَيْنَانِ لَا تَمَسُّهُمَا النَّارُ، عَيْنٌ بَكَتْ مِنْ خَشْيَةِ اللَّهِ، وَعَيْنٌ بَاتَتْ تَحْرُسُ فِي سَبِيلِ اللَّهِ (ترمذي)

(235) „Von Hazrat Ibn Abbas (möge Allah Wohlgefallen an ihm haben) wird überliefert, dass er sagte: Ich hörte den Gesandten (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) sagen: Zwei Arten von Augen wird das Feuer der Hölle nicht berühren. Das eine ist das Auge, das aus Furcht vor Allah Tränen vergossen hat. Das zweite ist das Auge, das auf Allahs Weg bei der Wache die Nacht hindurch wach geblieben ist.“ (Tirmidhi)

Erläuterung: Im Hadith bezeichnet das Auge den Menschen, der Augen besitzt. Gemeint ist also die Person, die aus Furcht vor Allah weint, sowie die Person, die mit dem Schutz des Staates und der islamischen Ideale vor den Feinden des Islam betraut ist; sie wird nicht in die Hölle kommen.

(٢٣٦) عَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللهِ صَلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ : مَنْ مَاتَ وَلَمْ يَغْزُ وَلَمْ يُحَدِّثْ بِهِ نَفْسَهُ مَاتَ عَلَى شُعْبَةٍ مِنْ نِفَاقٍ (مسلم)

(236) „Überliefert von Abu Huraira (r.a.): Der Gesandte Allahs (s.a.w.) sagte: Wer nicht am Dschihad teilnimmt oder sich keine Gedanken über den Dschihad macht und in diesem Zustand stirbt, dessen Tod ist wie der eines Heuchlers.“ (Muslim)

Erklärung: Wenn jemand Allahs Din von ganzem Herzen annimmt, wird er all seine Anstrengungen für die Verbreitung, die Etablierung und die Umsetzung dieses Din einsetzen. Wenn sich ihm aus irgendeinem Grund diese Möglichkeit nicht eröffnet, wird er zumindest einen entsprechenden Plan in seinem Herzen hegen. Wer nichts von alledem tut, bei dem muss man davon ausgehen, dass er Allahs Din nicht von ganzem Herzen angenommen hat. Daher wird sein Tod dem eines Heuchlers gleichen.

Der Dschihad als Sühne für Sünden

(۲۳۷)
عَنْ أَبِي قَتَادَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ عَنْ رَسُولِ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ أَنَّهُ قَامَ فِيهِمْ فَذَكَرَ لَهُمْ: أَنَّ الْجِهَادَ فِي سَبِيلِ اللَّهِ وَالإِيمَانَ بِاللَّهِ أَفْضَلُ الْأَعْمَالِ، فَقَامَ رَجُلٌ فَقَالَ يَا رَسُولَ اللَّهِ أَرَأَيْتَ إِنْ قُتِلْتُ فِي سَبِيلِ اللهِ تُكَفِّرُ عَنِّى خَطَايَايَ؟ فَقَالَ لَهُ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: نَعَمْ وَأَنْتَ صَابِرٌ مُحْتَسِبٌ مُقْبِلٌ غَيْرُ مُدْبِرٍ، ثُمَّ قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: كَيْفَ قُلْتَ؟ قَالَ أَرَأَيْتَ إِنْ قُتِلْتُ فِي سَبِيلِ اللَّهِ أَتُكَفْرُ عَنِّى خَطَايَايَ؟ فَقَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: نَعَمْ وَأَنْتَ صَابِرٌ مُحْتَسِبٌ مُقْيلٌ غَيْرُ مُدْبِرٍ إِلَّا الدَّيْنَ فَإِنَّ جِبْرِيلَ قَالَ لِي ذَالِكَ (مسلم)

(237) „Überliefert von Abu Qatada (r.a.): Eines Tages stand der edle Prophet (s.a.w.) vor den ehrenwerten Gefährten und sagte zu ihnen: Wahrlich, der Dschihad auf Allahs Weg und der Glaube an Allah sind die besten Taten. Da stand ein Mann auf und fragte: O Gesandter Allahs, wenn ich auf Allahs Weg am Dschihad teilnehme und den Tod erleide, werden dann meine zuvor begangenen Sünden vergeben?“

Der Prophet (s.a.w.) sagte: Ja, wenn du auf Allahs Weg entschlossen gegen den Feind vorgehst, stirbst, ohne zu versuchen, das Schlachtfeld zu verlassen und zu fliehen, dann werden dir deine Sünden gewiss vergeben. Nach einer kurzen Pause fragte der Prophet (s.a.w.): O du, was hattest du mich gefragt? Der Mann sagte: O Gesandter Allahs, wenn ich auf Allahs Weg am Dschihad teilnehme und als Märtyrer sterbe, werden dann all meine zuvor begangenen Sünden vergeben? Der Prophet (s.a.w.) sagte: Ja, wenn du entschlossen gegen die Feinde Allahs vorgehst, werden dir all deine Sünden vergeben. Doch wenn jemand Schulden hat, werden sie nicht vergeben. Gerade eben hat mir Dschibril (a.s.) dies mitgeteilt.“ (Muslim)

(۲۳۸)
وَعَنْ زَيْدِ بْنُ خَالِدٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: مَنْ جَهَزَ غَازِيًا فِي سبِيلِ اللَّهِ فَقَدْ غَزَا ، وَمَنْ خَلَفَ غَازِيًا فِي أَهْلِهِ فَقَدْ غزا (بخاري – مسلم)

(238) „Überliefert von Hazrat Zaid ibn Khalid (r.a.): Der edle Prophet (s.a.w.s.) sagte: Wer die Ausrüstung eines Mujahids beschafft, wird ebenfalls Anspruch auf den Lohn des Dschihad haben. Ebenso wird derjenige, der sich um die Familie eines Mujahids kümmert, den Lohn des Dschihad erhalten.“ (Buchari, Muslim)

Kapitel 8: Staatsordnung

Die Pflichten der Herrschenden

الَّذِينَ إِنْ مَكَّنَّاهُمْ فِي الْأَرْضِ أَقَامُوا الصَّلَاةَ وَآتَوُا الزَّكَاةَ وَأَمَرُوا بِالْمَعْرُوفِ وَنَهَوْا عَنِ الْمُنْكَرِ وَلِلَّهِ
عَاقِبَةُ الأُمُورِ (سورة الحج: (٤١)

„Wenn Ich ihnen irgendwo auf der Erde die Herrschaft gebe, dann verrichten sie dort das Gebet, führen das Zakat-System ein, gebieten das Gute und halten die Menschen vom Schlechten ab. Und das Ende jeder Angelegenheit liegt bei Allah.“ (Sure al-Haddsch: 41)

(۲۳۹)
وَعَنْ عَائِشَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهَا قَالَتْ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ : اللَّهُمَّ مَنْ وَلِيَ مِنْ أَمْرِ أُمَّتِي شَيْئًا فَشَقَّ عَلَيْهِمْ فَاسْقُقْ عَلَيْهِ وَمَنْ وَلِيَ مِنْ أَمْرِ أُمَّتِي شَيْئًا فَرَفَقَ بِهِمْ فَارْفُقْ بِهِ (مسلم)

(239) „Überliefert von Hazrat Aischa (r.a.): Sie sagte: Der edle Prophet (s.a.w.s.) betete folgendermaßen: O Allah, wem Du die Verantwortung für eine Angelegenheit meiner Umma überträgst und der sie anschließend hart behandelt, sei auch Du hart zu ihm. Und wer die Verantwortung für eine Angelegenheit meiner Umma übernimmt und sie gütig behandelt, sei auch Du gütig zu ihm.“ (Muslim)

(٢٤٠) وَعَن مَعْقَلِ بْنِ يَاسَرٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ: سَمِعْتُ رَسُولَ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ يَقُولُ: مَا مِنْ وَالٍ وَلِيَ رَعِيَّةً مِنَ الْمُسْلِمِينَ فَيَمُوتُ وَهُوَ غَاسٌ لَهُمْ إِلَّا حَرَّمَ اللَّهُ عَلَيْهِ الْجَنَّةَ (بخاري – مسلم)

(240) „Hazrat Mayāqal ibn Yāsar (r.a.) sagte: Ich hörte den Gesandten Allahs (s.a.w.) sagen: Wenn ein Herrscher, der die Herrschaft über Muslime erlangt hat, als Unterdrücker und Verräter stirbt, wird Allah ihm gewiss das Paradies verwehren.“ (Buchari, Muslim)

(٢٤١) وَعَن مَعْقَلِ بْنِ يَاسِرٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ: سَمِعْتُ رَسُولَ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ مَا مِنْ عَبْدِ يَسْتَرْعِيهِ اللَّهُ رَعِيَّةً فَلَمْ يُعْطِهَا بِنَصِيْحَةٍ إِلَّا لَمْ يَجِدْ رَائِحَةَ الْجَنَّةِ (بخاري – مسلم)

(241) „Hazrat Mayāqal ibn Yāsar (r.a.) sagte: Ich hörte den Gesandten Allahs (s.a.w.) sagen: Wenn Allah einem Seiner Diener die Herrschaft über die Allgemeinheit der Untertanen anvertraut und dieser sich ihnen gegenüber nicht wohltätig verhält, wird er nicht einmal den Duft des Paradieses riechen.“ (Das heißt, er wird unter keinen Umständen ins Paradies eintreten können.) (Buchari, Muslim)

(٢٤٢) وَعَن مَعْقَلِ بْنِ يَاسَارٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ: سَمِعْتُ رَسُولَ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ يَقُولُ: أَيُّمَا وَالٍ وَلِيَ مِنْ أَمْرِ الْمُسْلِمِينَ شَيْئًا، فَلَمْ يَجْهَدْ لَهُمْ كَنُصْحِهِ وَجُهْدِهِ لِنَفْسِهِ كَبَّهُ اللَّهُ عَلَى وَجْهِهِ فِي النَّارِ
(طبراني)

(242) „Überliefert von Hazrat Mayāqal ibn Yāsar (r.a.). Er sagte: Ich hörte den edlen Gesandten Allahs (s.a.w.) sagen: Wenn jemand mit einer Angelegenheit der Muslime betraut wird und sich danach nicht in gleicher Weise für ihr Wohl und ihre Interessen einsetzt, wie er sich für sein eigenes Wohl und seine eigenen Interessen einsetzt, wird Allah ihn kopfüber in die Hölle werfen.“ (Tabarani)

(٢٤٣) وَعَنْ عَائِدَ بْنِ عَمْرٍو رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ: سَمِعْتُ رَسُولَ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ يَقُولُ: إِنَّ شَرَّ الرِّعَاءِ الْحُطَمَةُ (مسلم)

(243) „Hazrat ʿĀʾidh ibn ʿAmr (r.a.) sagte: Ich hörte den Gesandten Allahs (s.a.w.) sagen: Der schlechteste unter den Herrschern ist derjenige, der ein Tyrann ist.“ (Das heißt, derjenige, der die Allgemeinheit der Untertanen unterdrückt.) (Muslim)

Erläuterung: In den oben genannten Hadithen hat der Prophet Allahs den Herrschern befohlen, gegenüber der Allgemeinheit der Untertanen mitfühlend, gerecht und um deren Wohl besorgt zu sein. Auch dass das Ende herzloser, unterdrückerischer und tyrannischer Herrscher die Hölle sein wird, hat der Gesandte Allahs (s.a.w.) ausdrücklich erklärt. Als der Gesandte Allahs (s.a.w.) Hazrat Muʿādh (r.a.) als Statthalter in den Jemen entsandte, gab er ihm einen wichtigen Ratschlag, dessen letzten Teil er mit den Worten abschloss: „O Muʿādh, fürchte unbedingt den Fluch des Unterdrückten. Denn zwischen dem Flehen des Unterdrückten und Allah, dem Erhabenen, gibt es keinen Schleier.“

Nachdem der erste Kalif des Islam, Hazrat Abu Bakr as-Siddiq, zum Kalifen gewählt worden war, sagte er in einem Teil seiner richtungsweisenden Ansprache: „Hütet euch! Von heute an ist jeder Schwache unter euch in meinen Augen stark. Denn ich werde ihm mit der Macht des Staates zu Hilfe kommen. Und jeder Starke unter euch wird in meinen Augen schwach sein. Denn ich selbst werde von ihm das Recht des Schwachen einfordern.“
Daher sollte jeder, dem Allah die Herrschaft übertragen hat, die Staatsangelegenheiten gemäß dem Willen Allahs und des Gesandten führen und gegenüber der Allgemeinheit der Untertanen gerecht handeln. Denn im Islam wurde der Staat nicht außerhalb des Geltungsbereichs der Scharia gestellt.

Die Pflichten der Allgemeinheit der Untertanen

(٢٤٤) وَعَنْ أُمِّ الْحُصَيْنِ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهَا قَالَتْ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: إِنْ أُمْرَ عَلَيْكُمْ عَبْدٌ مُجَدَّعٌ يَقُودُكُمْ بِكِتَابِ اللَّهِ تَعَالَى فَاسْمَعُوا لَهُ وأَطِيعُوا (مسلم)

(২৪৪) „Hazrat Umm al-Husain (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) berichtet, dass der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sprach: Wenn selbst ein Sklave mit abgeschnittener Nase zu eurem Amir gewählt wird und er euch gemäß dem Buch Allahs regiert, dann sollt ihr auf ihn hören und ihm gehorchen.“ (Muslim)

(٢٤٥) عَنْ أَنَسٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ أَنَّ رَسُولَ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ قَالَ: اسْمَعُوا وَأَطِيعُوا وَإِنِ اسْتُعْمِلَ عَلَيْكُمْ عَبْدٌ حَبَشِيٌّ كَأَنَّ رَأْسَهُ زَبِيبَةٌ (بخاري)

(২৪৫) „Von Hazrat Anas (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) wird überliefert, dass der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Selbst wenn ein abessinischer Sklave mit einem kleinen, einer Weintraube gleichenden Kopf zu eurem Herrscher gemacht wird, sollt ihr auf ihn hören und ihm gehorchen.“ (Buchari)

Erläuterung: Im Islam wird der Parteidisziplin, der Einheit und dem Gehorsam besondere Bedeutung beigemessen. Die Anweisung des Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) lautet: Sobald ihr jemanden zu eurem Anführer gewählt habt, sollt ihr ihm gehorchen und seine Befehle befolgen, solange er euch gemäß Koran und Sunna führt. Denn die Verbreitung und Etablierung der Religion Allahs in der Welt sowie der Fortschritt und das Wohlergehen der muslimischen Gemeinschaft hängen allein von ihrer vereinten Kraft ab.

Die Grenzen des Gehorsams

(٢٤٦) وَعَنْ ابْنِ عُمَرَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُمَا قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: السَّمْعُ وَالطَّاعَةُ عَلَى الْمَرْءِ الْمُسْلِمِ فِيمَا أَحَبَّ وَكَرِهَ مَا لَمْ يُؤْمَرُ بِمَعْصِيَةٍ فَإِذَا أُمِرَ بِمَعْصِيَةٍ فَلَا سَمْعَ وَلَا طَاعَةَ (بخاري – مسلم)

(246) „Hazrat Abdullah ibn Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Solange der Herrscher nichts Sündhaftes befiehlt, ist es die Pflicht jedes Muslims, seinen Befehl zu hören und ihm zu gehorchen, ganz gleich, ob es ihm gefällt oder nicht. Wenn er jedoch eine sündhafte Handlung befiehlt, besteht keine Notwendigkeit, auf ihn zu hören oder ihm zu gehorchen.“ (Buchari, Muslim)

(٢٤٧) وَعَنْ عَلِيِّ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: لا طَاعَةَ فِي مَعْصِيَةٍ إِنَّمَا الطَّاعَةُ فِي الْمَعْرُوفِ (بخاري – مسلم)

(247) „Hazrat Ali (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: Der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Es gibt keinen Gehorsam bei einer sündhaften Handlung; Gehorsam gilt nur in guten Angelegenheiten.“ (Buchari, Muslim)

(٢٤/٠) وَعَنْ أُمِّ سَلَمَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهَا قَالَتْ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: يَكُونُ أُمَرَاءُ تَعْرِفُونَ وَتُنْكِرُونَ فَمَنْ أَنْكَرَ فَقَدْ بَرِئَ، وَمَنْ كَرِهَ فَقَدْ سَلِمَ أَيْ مَنْ كَرِهَ بِقَلْبِهِ وَأَنْكَرَ بِقَلْبِهِ، وَلَكِنْ مَنْ رَضِيَ وَتَابَعَ، قَالُوا : أَفَلَا نُقَاتِلُهُمْ، قَالَ: لَا ، مَا صَلَّوْا ، لا،
مَا صَلَّوْا (مسلم)

(248) „Von Hazrat Umm Salama (möge Allah mit ihr zufrieden sein) wird überliefert, dass sie sagte: Der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Es wird eine Zeit kommen, in der euch Herrscher auferlegt werden, die sowohl gute als auch schlechte Taten vollbringen. Wer sich gegen deren schlechte Taten ausspricht, wird gerettet sein. Auch wer sie in seinem Herzen für schlecht hält und sich innerlich gegen sie auflehnt, wird sicher sein. Wer jedoch diese schlechten Taten gutheißt und ihnen folgt, wird an dieser Sünde teilhaben. Die Gefährten fragten: O Gesandter Allahs, sollen wir nicht zu den Waffen greifen gegen diese Herrscher? Der Ehrwürdige (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Nein, solange sie das Gebet verrichten, sollt ihr dies nicht tun.“ (Muslim)

Das Streben nach einem Amt ist unrecht

(٢٤٩) وَعَنْ عَبْدِ الرَّحْمَنِ بْنِ سَمُرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: لَا تَسْأَلِ الإِمَارَةَ، فَإِنَّكَ إِنْ أُعْطِيتَهَا عَنْ مَسْأَلَةٍ وَكَلَتْ إِلَيْهَا ، وَإِنْ أُعْطِيتَهَا عَنْ غَيْرِ مَسْأَلَةٍ أُعِنْتَ عَلَيْهَا
(بخاري – مسلم)

(249) „Von Hazrat Abd ar-Rahman ibn Samura (r.a.) wird überliefert, dass er sagte: Der Gesandte Allahs (s.a.w.) sagte zu mir: Bitte nicht um eine Führungsposition. Denn wenn du durch dein Bitten eine Führungsposition erlangst, wirst du mit dieser Position allein gelassen. (In diesem Zustand wirst du keine Hilfe Allahs erhalten.) Wenn du jedoch eine Führungsposition erlangst, ohne darum gebeten zu haben, wird dir von Allah Hilfe bei der Erfüllung deiner Verantwortung gewährt.“ (Buchari, Muslim)

(٢٥٠) عَنْ أَبِي مُوسَى رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ: دَخَلْتُ عَلَى النَّبِيِّ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: أَنَا وَرَجُلَانِ مِنْ بَنِي عَمِّى فَقَالَ أَحَدُهُمَا يَا رَسُولَ اللَّهِ أَمِّرْنَا عَلَى بَعْضٍ مَا وَلَاكَ اللَّهُ ، وَقَالَ الآخَرُ: مِثْلَ ذَلِكَ، فَقَالَ: إِنَّا وَاللَّهِ لَا نُوَلِّى

عَلَى هَذَا الْعَمَلِ أَحَدًا سَأَلَهُ وَلَا أَحَدًا حَرَصَ عَلَيْهِ، وَفِي رِوَايَةٍ لَا تَسْتَعْمِلُ عَلَى عَمَلِنَا مَنْ أَرَادَهُ
(بخاري – مسلم)

(250) „Hazrat Abu Musa (r.a.) sagte: Eines Tages begaben sich ich und meine beiden Cousins zum Propheten (s.a.w.). Einer der beiden Brüder sagte zum Propheten (s.a.w.): O Prophet Allahs, übertrage auch mir unter der Herrschaft, zu der Allah dich ermächtigt hat, die Verantwortung für ein Gebiet. Der zweite Bruder äußerte sich in gleicher Weise. Der Prophet (s.a.w.) sagte: Bei Allah, wir werden eine solche Verantwortung unter keinen Umständen jemandem übertragen, der danach verlangt oder danach begehrt. Nach einer anderen Überlieferung sagte der Prophet (s.a.w.) zu ihnen: Wir werden für keine dieser Positionen jemanden einsetzen, der danach verlangt.“ (Buchari, Muslim)

(٢٥١) وَعَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: تَجِدُونَ مِنْ خَيْرِ النَّاسِ أَشَدُّهُمْ كَرَاهِيَةً لِهَذَا الْأَمْرِ حَتَّى يَقَعَ فِيهِ
(بخاري – مسلم)

(251) „Von Hazrat Abu Huraira (r.a.) wird überliefert, dass der Gesandte Allahs (s.a.w.) sagte: Diejenigen, die eine Führungsposition zutiefst ablehnen, werdet ihr, wenn sie schließlich mit ihr betraut werden, als die besten Menschen vorfinden.“ (Buchari, Muslim)

Erklärung: Diejenigen, die angesichts der Bedeutung einer Verantwortung oder Position im Zusammenhang mit der Herrschaft nicht bereit sind, diese Position anzunehmen, handeln, wenn man ihnen aufgrund ihrer Ehrlichkeit und ihres Verantwortungsbewusstseins die Verantwortung überträgt, mit besonderem Eifer und besonderer Aufrichtigkeit. Daher wird ihnen von Allah Hilfe gewährt, und sie werden zu den vorzüglichsten Menschen der Gesellschaft.

Die Verantwortung des Richters

وَإِذَا حَكَمْتُمْ بَيْنَ النَّاسِ أَنْ تَحْكُمُوا بِالْعَدْلِ إِنَّ اللَّهَ نِعِمَّا يَعِظُكُمْ بِهِ إِنَّ اللَّهَ كَانَ سَمِيعًا بَصِيرًا
(سورة النساء : ٥٨)

„Und wenn ihr zwischen den Menschen richtet, dann richtet in Gerechtigkeit. Wahrlich, Allah ermahnt euch auf vortreffliche Weise. Gewiss, Allah ist allhörend und allsehend.“ (Sure an-Nisāʾ – 58)

(٢٥٢) وَعَنْ أَبِي بَكْرَةً رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ: سَمِعْتُ
رَسُولَ اللَّهِ صَلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ يَقُولُ: لَا يَقْضِيَنَّ حَكَمٌ بَيْنَ اثْنَيْنِ وَهُوَ غَضَبَانُ (بخاري – مسلم)

(252) „Hazrat Abū Bakra (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) berichtet: Ich hörte den Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagen: Kein Richter soll im Zustand des Zorns zwischen zwei Personen ein Urteil fällen.“ (Buchārī, Muslim)

Erläuterung: Wenn ein Richter im Zustand des Zorns ein Urteil fällt, besteht die Gefahr, dass der Zorn auch den betreffenden Entscheidungsprozess beeinflusst, sodass keine gerechte Entscheidung zustande kommt. Daher hat der Prophet Allahs angewiesen, in vollkommen geistig und körperlich ausgeglichenem Zustand die Aussagen beider Parteien anzuhören, die Beweise zu prüfen und anschließend angemessen gerecht zu urteilen.

(٢٥٣) وَعَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: مَنْ جُعِلَ قَاضِبًا بَيْنَ النَّاسِ فَقَدْ ذُبِحَ بِغَيْرِ سِكِينٍ
أحمد – ترمذي – أبو داؤد – ابن ماجة)

(253) „Hazrat Abū Huraira (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) berichtet: Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Wer zum Richter ernannt wird, ist gleichsam ohne Messer geschlachtet worden.“ (Ahmad, Tirmidhī, Abū Dāwūd, Ibn Māǧa)

Erläuterung: Der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) führte dieses Beispiel an, um die große Bedeutung und die heikle Verantwortung des Richters zu verdeutlichen. Wenn der Richter zwischen zwei miteinander streitenden Personen über den strittigen Gegenstand urteilt, wird ihn seine schwere Verantwortung so sehr bedrängen, dass er das Gefühl haben wird, als werde er ohne Messer mit einem harten Gegenstand geschlachtet.

(٢٥٤) وَعَنْ بُرَيْدَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: الْقُضَاةُ ثَلَاثَةٌ وَاحِدٌ فِي الْجَنَّةِ وَاثْنَانِ فِي النَّارِ فَأَمَّا الَّذِي فِي الْجَنَّةِ فَرَجُلٌ عَرَفَ الْحَقَّ فَقَضَى بِهِ، وَرَجُلٌ عَرَفَ الْحَقَّ فَجَارَ فِي الْحُكْمِ فَهُوَ فِي النَّارِ وَرَجُلٌ قَضَى لِلنَّاسِ عَلَى جَهْلٍ فَهُوَ فِي
النَّارِ
(أبو داؤد – ابن ماجة)

(254) „Überliefert von Hazrat Abu Burayda (möge Allah mit ihm zufrieden sein): Der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Die Richter sind von drei Arten. Eine Art von Richtern wird im Paradies sein, und zwei Arten von Richtern werden in der Hölle sein. Im Paradies wird der Richter sein, der die Wahrheit erkennt und dementsprechend entscheidet. In der Hölle wird der Richter sein, der die Wahrheit erkennt und dennoch entgegen ihr entscheidet. Ebenso wird der Richter, der aus Unwissenheit heraus entscheidet, in der Hölle sein.“ (Abu Dawud, Ibn Madscha)

Welche Vorgehensweise soll man beim Richten befolgen?

(٢٥٥) وَعَنْ مُعَاذِ بْنِ جَبَلٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ أَنَّ رَسُولَ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ لَمَّا بَعَثَهُ إِلَى الْيَمَنِ، قَالَكَ كَيْفَ تَقْضِي إِذَا عَرَضَ لَكَ قَضَاءٌ؟ قَالَ أَقْضِى

بِكِتَابِ اللَّهِ ، قَالَ: فَإِنْ لَمْ تَجِدْ فِي كِتَابِ اللَّهِ؟ قَالَ: فَبِسُنَّةِ رَسُولِ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ، قَالَ: فَإِنْ لَمْ تَجِدْ فِي سُنَّةِ رَسُولِ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ؟ قَالَ: أَجْتَهِدُ رَأْيِي وَلَا آلُو، قَالَ: فَضَرَبَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ عَلَى صَدْرِهُ وَقَالَ: الْحَمْدُ لِلَّهِ الَّذِي وَفِّقَ رَسُولَ رَسُولِ اللَّهِ لِمَا يَرْضِي بِهِ رَسُولُ اللَّهِ ترمذي – أبو داؤد – دارمي)

(255) „Hazrat Muadh ibn Dschabal (möge Allah mit ihm zufrieden sein) berichtet: Als der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ihn in den Jemen entsandte, fragte er ihn: Wenn dir ein Rechtsfall vorgelegt wird, worauf wirst du deine Entscheidung stützen? Hazrat Muadh antwortete: Ich werde gemäß dem Buch Allahs entscheiden. Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) fragte: Wenn du darin keine Entscheidung dazu findest? Er antwortete: Dann werde ich gemäß der Sunna des Gesandten darüber entscheiden. Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) fragte: Wenn du auch in der Sunna des Gesandten nichts dazu findest? Darauf sagte Hazrat Muadh: Dann werde ich durch Idschtihad – also durch Einsatz meines Wissens und meiner Urteilskraft – eine Entscheidung treffen und beim Idschtihad keine Nachlässigkeit zeigen. Als der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) dies hörte, legte er seine Hand auf Muadhs Brust und sagte: Alles Lob gebührt Allah, der dem Vertreter des Gesandten Allahs die Fähigkeit verliehen hat, eine Entscheidung zu treffen, mit der der Gesandte zufrieden ist.“ (Tirmidhi, Abu Dawud, Darimi)

Fürsprache in der Rechtsprechung

(٢٥٦) وَعَنْ عَائِشَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهَا أَنَّ قُرَيْشًا أَهَمَّهُمْ شَأْنُ الْمَرْأَةِ الْمَحْزُومِيَّةِ الَّتِي سَرَقَتْ فَقَالُوا : وَمَنْ يُكَلِّمُ فِيهَا رَسُولَ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ، فَقَالُوا : وَمَنْ يَجْتَرِئُ عَلَيْهِ إِلَّا أُسَامَةُ بْنُ زَيْدٍ حِبُّ رَسُولِ اللَّهِ صلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ فَكَلَّمَهُ أُسَامَةُ، فَقَالَ رَسُولُ اللَّهِ صلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ : أَتَشْفَعُ فِي حَدٍ مِنْ حُدُودِ اللَّهِ ثُمَّ قَامَ فَاخْتَطَبَ ثُمَّ قَالَ إِنَّمَا أَهْلَكَ الَّذِينَ قَبْلَكُمْ أَنَّهُمْ كَانُوا إِذَا سَرَقَ فِيهِمُ الشَّرِيفُ تَرَكُوهُ، وَإِذَا سَرَقَ فِيهِمُ الضَّعِيفُ أَقَامُوا عَلَيْهِ الْحَدَّ وَايْمُ اللَّهِ لَوْ أَنَّ فَاطِمَةَ ابْنَةَ مُحَمَّدٍ سَرَقَتْ لَقُطِعَتْ يَدُهَا
(بخاري – مسلم)

(256) „Von Hadhrat Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) wird überliefert: Eines Tages gerieten die Quraisch wegen einer Frau aus dem Stamm der Makhzum in große Unruhe, denn die Frau hatte etwas gestohlen. (Ihr Fall war dem Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) vor Gericht vorgelegt worden.) Sie berieten sich untereinander: Wer könnte in dieser Angelegenheit mit dem Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sprechen? Sie sagten zueinander: Wer außer Usama ibn Zaid, dem Liebling des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), hätte den Mut, mit ihm darüber zu sprechen? Daraufhin sprach Hadhrat Usama (möge Allah mit ihm zufrieden sein) mit dem Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) über diese Angelegenheit. Der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: ‚Willst du bei mir Fürsprache einlegen, damit Allahs Gebot vollstreckt wird (damit ich es nicht vollstrecke)?‘ Danach erhob sich der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und sagte in einer Ansprache: ‚Völker vor euch wurden deshalb vernichtet, weil sie einen vornehmen Menschen, der stahl, freiließen, während sie bei einem schwachen Menschen, der stahl, die Strafe vollzogen. Bei Allah! Wenn Fatima, die Tochter Muhammads, stehlen würde, würde auch ihre Hand abgetrennt werden.‘“ (Buchari, Muslim)

Erläuterung: Nach islamischem Recht besteht die höchste Strafe für Diebstahl im Abtrennen der Hand. Einst hatte Fatima bint Asad, eine Frau aus der berühmten Makhzum-Familie des Stammes Quraisch, unter bestimmten Umständen einen Diebstahl begangen, und ihr Fall war dem Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) vorgelegt worden. Die Angehörigen ihres eigenen Stammes gerieten in große Unruhe bei dem Gedanken, dass die Hand dieser Frau aus vornehmer Abstammung wegen ihres Diebstahls abgetrennt werden könnte. Daher ließen sie durch den vom Gesandten Allahs geliebten Hadhrat Usama (möge Allah mit ihm zufrieden sein) Fürsprache einlegen, um ihre Strafe aufzuheben. Darüber war der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sehr ungehalten und hielt eine Ansprache an die anwesenden Gefährten. Er sagte, dass eine solche Fürsprache bei der Vollstreckung der Strafen der Scharia höchst verwerflich sei. ‚Nicht nur Fatima bint Asad – selbst wenn Fatima bint Muhammad diese Tat begangen hätte, würde ich gewiss ihre Hand abtrennen.‘ Der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte ferner: ‚Wie viele Völker vor euch hat Allah bereits vernichtet, als sie in ihrem Rechtssystem mit unrechtmäßiger Fürsprache und Parteilichkeit begannen.‘

Kapitel 9: Das Jenseits

Der Tod und das Leben nach dem Tod

قُلْ إِنَّ الْمَوْتَ الَّذِي تَفِرُّونَ مِنْهُ فَإِنَّهُ مُلَاقِيكُمْ ثُمَّ لَا تُرَدُّونَ إِلَى عَالِمِ الْغَيْبِ وَالشَّهَادَةِ فَيُنَبِّئُكُمْ بِمَا كُنْتُمْ
تَعْمَلُونَ (سورة الجمعة (۸)

„Sag ihnen: Der Tod, vor dem ihr flieht, wird euch gewiss einholen. Danach werdet ihr zu Allah, dem Erhabenen, vorgeführt werden, der alles Sichtbare und Verborgene kennt. Dann wird Er euch von euren Taten in dieser Welt berichten.“ (Sure al-Dschumʿa: 8)

(٢٥٧) وَعَنْ تَوْبَانَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ : يُوشِكُ الْأُمَمُ أَنْ تَدَاعَى عَلَيْكُمْ كَمَا تَدَاعَى الأَكِلَةُ إِلَى قَصْعَتِهَا ، فَقَالَ قَائِلٌ وَمِنْ قلةٍ نَحْنُ يَوْمَئِذٍ ؟ قَالَ : بَلْ أَنْتُمْ يَوْمَئِذٍ كَثِيرٌ وَلَكِنَّكُمْ غُنَاءٌ كَفَتَاءِ السَّيْلِ وَلَيَنْزِعَنَّ اللَّهُ مِنْ صُدُورِ عَدُوِّكُمُ الْمَهَابَةَ مِنْكُمْ وَلَيَقْذِفَنَّ اللَّهُ فِي قُلُوبِكُمُ الْوَهَنَ، قَالَ

قَائِلٌ يَا رَسُولَ اللَّهِ وَمَا الْوَهَنُ قَالَ: حُبُّ الدُّنْيَا
وَكَرَاهِيَةُ الْمَوْتِ (أبو داؤد)

(257) „Überliefert von Hadhrat Thawban (möge Allah mit ihm zufrieden sein): Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Bald wird eine Zeit über meine Umma kommen, in der die verschiedenen Völker der Welt sich auf sie stürzen werden, so wie sich Hungrige auf Nahrung stürzen. Jemand fragte: ‚O Gesandter Allahs, werden wir an jenem Tag zahlenmäßig sehr gering sein, sodass die verschiedenen Völker der Welt gegen uns vorgehen werden, um uns zu vernichten?‘ Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: ‚Nein, vielmehr werdet ihr an jenem Tag zahlreich sein. Doch ihr werdet dem Schaum auf dem Wasser einer Überschwemmung gleichen. Gewiss, Allah wird an jenem Tag ihre Furcht aus euren Herzen nehmen.‘ Jemand fragte: ‚O Gesandter Allahs, was wird der Grund dafür sein, dass diese Schwäche und Furcht in unseren Herzen auftritt?‘ Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: ‚Weil ihr an jenem Tag die Welt lieben und den Tod verabscheuen werdet.‘ (Abu Dawud)

Erläuterung: Aufgrund des von Allah verliehenen Wissens haben die Propheten Allahs bisweilen auch Prophezeiungen gemacht. Der oben angeführte Hadith ist eine Prophezeiung des Gesandten Allahs. Darin weist der Prophet Allahs auf eine spätere Zeit der Muslime hin: Es wird eine Zeit kommen, in der meine Umma so sehr vom Glanz und Zauber der Welt eingenommen sein wird, dass sie das Leben in dieser Welt anstelle des Jenseits für äußerst segensreich halten und keineswegs bereit sein wird, für den Islam und die islamische Gemeinschaft Leben und Besitz zu opfern. Dadurch wird die Furcht vor ihnen aus den Herzen der Feinde des Islam schwinden, und trotz ihrer großen Zahl werden die Feinde des Islam ihren Einfluss und ihre Macht auf der Welt auslöschen.

(٢٥٨) وَعَنْ شَدَّادِ بْنِ أَوْسٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: الْكَيِّسُ مَنْ دَانَ نَفْسَهُ وَعَمِلَ لِمَا بَعْدَ الْمَوْتِ، وَالْعَاجِزُ مَنْ أَتْبَعَ نَفْسَهُ هَوَاهَا وَتَمَنَّى عَلَى اللَّهِ (ترمذي)

(258) „Überliefert von Hadhrat Schaddad ibn Aws (möge Allah mit ihm zufrieden sein): Der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Wahrhaft klug ist derjenige, der seine eigene Neigung beherrscht und für das Leben nach dem Tod handelt. Unverständig ist hingegen derjenige, der seine eigene Nafs den Launen der Triebe überlässt und grundlos auf Allahs Barmherzigkeit hofft.“ (Das heißt: Er handelt zwar entsprechend den Wünschen seiner Nafs, sitzt aber da und hofft, dass Allah ihm vergeben wird.) (Tirmidhi)

(٢٥٩) وَعَنْ عَبْدِ اللَّهِ بْنِ مَسْعُودٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: اسْتَحْيُوا مِنَ اللَّهِ حَقَّ الْحَيَاءِ، قُلْنَا إِنَّا لَنَسْتَحْيِي يَا رَسُولَ اللَّهِ وَالْحَمْدُ لِلَّهِ، قَالَ: لَيْسَ ذَاكَ وَلَكِنَّ الإِسْتِحْيَاءَ مِنَ اللَّهِ حَقَّ الْحَيَاءِ أَنْ تَحْفَظَ الرَّأْسَ وَمَا وَعَى وَتَحْفَظَ الْبَطْنَ وَمَا

حَوَى وَتَتَذَكَّرَ الْمَوْتَ وَالْبَلَى، وَمَنْ أَرَادَ الْآخِرَةَ تَرَكَ زِينَةَ الدُّنْيَا وَآثَرَ الآخِرَةَ عَلَى الْأُولَى، فَمَنْ فَعَلَ ذَالِكَ فَقَدِ اسْتَحْيَا مِنَ اللَّهِ حَقَّ الْحَيَاء (ترمذي)

(259) „Eines Tages sagte der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu den ehrwürdigen Gefährten: ‚Begegnet Allah mit besonderer Ehrfurcht.‘ Der überliefernde Gefährte berichtet: Wir sagten: ‚O Prophet Allahs, wir danken Allah dafür, dass wir Ihm vollkommene Ehrfurcht entgegenbringen.‘ Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: ‚Nein, es verhält sich nicht so, wie ihr sagt. Allah vollkommene Ehrfurcht entgegenzubringen bedeutet vielmehr, dass du besonders auf deinen Verstand und auf alles achtest, was an Gedanken in deinem Verstand entsteht; dass du darauf achtest, was du in deinen Magen und als Nahrung zu dir nimmst; und dass du dich immer wieder an den Tod und an den Zustand nach dem Tod erinnerst. Wer das Jenseits zum Ziel nimmt, wird den Glanz dieser Welt zurückweisen und dem Jenseits den Vorrang vor dem diesseitigen Leben geben. Wer diese Dinge tut, begegnet Allah in Wahrheit mit vollkommener Ehrfurcht.‘ (Tirmidhi)

Erläuterung: Im überlieferten Hadith weist der erhabene Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), als er die Bedeutung vollkommener Ehrfurcht vor Allah erläutert, auf drei Dinge hin. Eines davon ist der Verstand. Denn der Verstand ist das Zentrum des menschlichen Denkens. Auf den Verstand zu achten bedeutet, keinerlei Vorstellung von verwerflichen, ungerechten oder sündhaften Taten darin Raum zu geben. So wie ein Fahrzeug durch seinen Motor betrieben wird, wird der Mensch durch seinen Verstand gelenkt. Die Vorstellung einer guten oder schlechten Tat entsteht zunächst im Verstand. Danach setzen Hände, Füße und die übrigen Glieder sie in die Tat um. Wenn der Verstand eines Menschen gute Gedanken hervorbringt, werden daher auch seine Hände und Füße gute Taten vollbringen müssen. Denkt der Verstand an ungerechte und schlechte Taten, werden seine Glieder diese Gedanken entsprechend in die Tat umsetzen. Deshalb gebot der Prophet Allahs, auf den Verstand und auf die in ihm entstehenden Gedanken zu achten.

Das Zweite ist der Magen beziehungsweise der Bauch. Die Nahrung, die der Mensch zu sich nimmt, speichert in ihm Energie, und eben diese Energie hält die Denkkraft des Gehirns aktiv und frisch. Wenn die Nahrung daher unrein und haram ist, kann das Gehirn durch die aus dieser Nahrung gewonnene Energie keineswegs reine Gedanken hervorbringen. Das Dritte ist das Jenseits. Denn gerade der Gedanke an das Jenseits zwingt den Menschen dazu, im Diesseits den richtigen Weg zu gehen. Ein Mensch, der nicht an das Jenseits glaubt, gleicht einem Reisenden ohne Ziel. So wie ein Mensch ohne Ziel wie ein Landstreicher durch Gassen und Straßen umherirrt und von jedem Glanz am Wegesrand angezogen wird, so wird derjenige, der das Jenseits vergisst, vom weltlichen Trugnetz angezogen und bleibt Allah gegenüber achtlos.

(٢٦٠) وَعَنْ أَنَسٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ أَنَّ رَجُلاً قَالَ: يَا رَسُولَ اللهِ صَلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ مَتَى السَّاعَةُ؟ قَالَ: وَيْلَكَ وَمَا أَعْدَدْتَ لَهَا؟ قَالَ: مَا أَعْدَدْتُ لَهَا إِلَّا أَنِّي

أُحِبُّ اللَّهَ وَرَسُولَهُ، قَالَ: أَنْتَ مَعَ مَنْ أَحْبَبْتَ، قَالَ أَنَسٌ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ مَا رَأَيْتُ الْمُسْلِمِينَ فَرِحُوا بِشَيْءٍ
بَعْدَ الإِسْلَامِ فَرَحَهُمْ بِهَا (بخاري – مسلم)

(260) „Von Hadhrat Anas (r.a.) wird überliefert: Eines Tages fragte ein Mann den Propheten Allahs: ‚Wann wird die Auferstehung eintreten?‘ Der Gesandte (s.a.w.) sagte: ‚Wehe dir! Was hast du für die Auferstehung vorbereitet?‘ Der Mann erwiderte: ‚Außer der Liebe zu Allah und Seinem Gesandten konnte ich nicht viel für die Auferstehung vorbereiten.‘ Der Gesandte (s.a.w.) sagte: ‚Am Tag der Auferstehung wirst du bei dem sein, den du in dieser Welt liebst.‘ Hadhrat Anas (r.a.) berichtet: Über diese Worte des Gesandten waren die Muslime an jenem Tag so glücklich, dass man sie seit ihrem Übertritt zum Islam niemals zuvor so glücklich gesehen hatte.“ (Buchari, Muslim)

Erläuterung: Der Qur’an selbst lobt die Gottesfurcht und Frömmigkeit der edlen Gefährten sowie ihre Opfer und ihre Standhaftigkeit auf Allahs Weg. Trotzdem waren die edlen Gefährten in ständiger Sorge um das Jenseits. Daher freuten sie sich zutiefst über diese frohe Botschaft des Gesandten (s.a.w.). Denn sie waren in ihrer Liebe zum Propheten völlig aufgegangen. Als sie deshalb erfuhren, dass sie am Tag der Auferstehung beim Propheten sein würden, waren sie überaus glücklich.

Beschreibung der Auferstehung

(٢٦١) وَعَنْ سَهْلِ بْنِ سَعَدٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُمَا قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ : يُحْشَرُ النَّاسُ يَوْمَ الْقِيَامَةِ عَلَى أَرْضِ بَيْضَاءَ عَفْرَاءَ كَفُرْصَةِ النَّقِيِّ لَيْسَ فِيهَا عَلَمٌ لأَحَدٍ (بخاري – مسلم)

(261) „Von Sahal ibn Saʿd (r.a.) wird überliefert: Der Gesandte Allahs (s.a.w.) sagte: ‚Am Tag der Auferstehung wird die Menschheit auf einer rötlich-weißen Erde versammelt werden, die einem Brot aus geknetetem Teig gleicht und auf der sich keinerlei Spuren von Häusern oder Wohnungen befinden werden.‘“ (Buchari, Muslim)

Erläuterung: Nachdem diese irdische Welt und all ihre Dinge vergangen sein werden, wird Allah der Erhabene die gesamte Menschheit und die Dschinn an einem weiten, ebenen Ort versammeln, um ihre sämtlichen Taten, die sie in der irdischen Welt begangen haben, abzurechnen. Dort wird es keine Häuser, Berge, Wälder oder Ähnliches geben, hinter denen jemand Zuflucht suchen könnte. Diese gewaltige Ebene ist das Versammlungsfeld des Haschrs, im Vergleich zu dem unsere Erde nur einem Punkt gleicht. Die Erde des Versammlungsfeldes des Haschrs wird weiß und rötlich sein.

(٢٦٢) وَعَن عَائِشَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهَا قَالَتْ: سَمِعْتُ رَسُولَ اللهِ صَلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ يَقُولُ: يُحْشَرُ النَّاسُ يَوْمَ الْقِيَامَةِ حُفَاةً عُرَاةً غُرْلًاً، قُلْتُ يَا رَسُولَ اللَّهِ

النِّسَاءُ وَالرِّجَالُ جَمِيعًا يَنْظُرُ بَعْضُهُمْ إِلَى بَعْضٍ، فَقَالَ يَا عَائِشَةُ الْأَمْرُ أَشَدُّ مِنْ أَنْ يَنْظُرَ بَعْضُهُمْ إِلَى بَعْضٍ
(بخاري – مسلم)

(262) „Von Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) wird überliefert, dass sie sagte: Ich hörte den Propheten Allahs sagen: ‚Am Tag der Auferstehung wird die Menschheit barfuß, nackt und unbeschnitten versammelt werden.‘ Ich fragte: ‚O Gesandter Allahs, werden Männer und Frauen unter diesen Umständen einander nicht ansehen?‘ Der Prophet sagte: ‚O Aischa, der Zustand an jenem Tag wird so furchtbar sein, dass niemand daran denken wird, den anderen anzusehen.‘“ (Buchari, Muslim)

Erläuterung: Am Tag des Haschr werden alle Menschen ohne Kleidung, ohne Schuhe, nackt und sogar unbeschnitten auf dem Versammlungsfeld des Haschrs versammelt werden. Das bedeutet: Sie werden in demselben Zustand auferstehen, in dem sie aus dem Mutterleib geboren wurden. Hierüber lautet die Aussage des Korans folgendermaßen:

كَمَا بَدَأْنَا أَوَّلَ خَلْقٍ نُعِيدُهُ وَعْدًا عَلَيْنَا إِنَّا كُنَّا فَاعِلِينَ

„So, wie Ich sie bei der ersten Schöpfung erschaffen habe, werden sie auferweckt werden. Dies ist Mein gegebenes Versprechen, und Ich werde es gewiss erfüllen. (Sure al-Anbiya – 134)

Das Entsetzen, der Schrecken und die Furcht des Tages der Auferstehung werden die Menschen derart verängstigen und verstören, dass, obwohl alle Menschen nackt auferstehen werden, niemand auch nur den Kopf wenden und einen anderen ansehen wird. Jeder wird mit seinen eigenen Sorgen beschäftigt und voller Unruhe sein.

(٢٦٣) وَعَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ : لَيَأْتِي الرَّجُلُ الْعَظِيمُ السَّمِينُ يَوْمَ الْقِيَامَةِ لَا يَزِنُ عِنْدَ اللَّهِ جَنَاحَ بَعُوضَةٍ وَقَالَ اقْرَؤُوا : فَلَا نُقِيمُ لَهُمْ يَوْمَ الْقِيَامَةِ وَزْنًا
(بخاري – مسلم)

(263) „Überliefert von Hadhrat Abu Huraira (möge Allah mit ihm zufrieden sein): Der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: Am Tag der Auferstehung wird ein großer, wohlgenährter Mann vorgeführt werden, dessen Ansehen bei Allah nicht einmal dem eines Mückenflügels entsprechen wird. Danach ließ der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) folgenden Vers vortragen: ‚Am Tag der Auferstehung werden Wir für sie keine Waage aufstellen.‘ (Denn sie werden keine Tat besitzen, die ein entsprechendes Gewicht hätte.) (Buchari, Muslim)“

(٢٦٤) وَعَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ: قَرَأَ رَسُولُ اللهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ هَذِهِ الْآيَةَ: يَوْمَئِذٍ تُحَدِّثُ أَخْبَارَهَا، قَالَ: أَتَدْرُونَ مَا أَخْبَارُهَا؟ قَالُوا : اللَّهُ وَرَسُولُهُ أَعْلَمُ، قَالَ: فَإِنَّ أَخْبَارَهَا أَنْ تَشْهَدَ عَلَى كُلِّ

عَبْرٍ أَوْ أَمَةٍ بِمَا عَمِلَ عَلَى ظَهْرِهَا أَنْ تَقُولَ: عَمِلَ عَلَيَّ كَذَا وَكَذَا يَوْمَ كَذَا وَكَذَا ، قَالَ : فَهَذِهِ أَخْبَارُهَا
أحمد – ترمذي)

(264) „Überliefert von Hadhrat Abu Huraira (möge Allah mit ihm zufrieden sein). Er sagte: Eines Tages rezitierte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) diesen Vers: ‚An jenem Tag wird die Erde all ihre Nachrichten verkünden.‘ Danach fragte der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm): ‚Könnt ihr sagen, welches die Nachrichten der Erde sind?‘ Die Gefährten erwiderten: ‚Allah und Sein Gesandter wissen es allein; wir wissen es nicht.‘ Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: ‚Die Nachrichten der Erde bestehen darin, dass die Erde am Tag der Auferstehung bezeugen wird, welche guten und schlechten Taten Männer und Frauen auf ihr begangen haben. Die Erde wird sagen: Auf meinem Rücken hat dieser und jener Mensch an diesem und jenem Tag diese und jene Tat begangen.‘ Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: ‚Das ist die Verkündung der Nachrichten der Erde.‘ (Ahmad, Tirmidhi)“

(٢٦٥) وَعَنْ عَائِشَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهَا أَنَّهَا ذَكَرَتِ النَّارَ فَبَكَتْ، فَقَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: مَا يُبْكِيكِ ، قَالَتْ: ذَكَرْتُ النَّارَ فَبَكَيْتُ فَهَلْ تَذْكُرُونَ أهْلِيكُمْ يَوْمَ الْقِيَامَةِ؟ قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: أَمَّا فِي ثَلاثَةِ مَوَاطِنَ فَلَا يَذْكُرُ أَحَدٌ أَحَدًا

عِنْدَ الْمِيزَانِ حَتَّى يَعْلَمَ أَيَخِفُ مِيزَانُهُ أَوْ يَثْقُلُ، وَعِنْدَ الْكِتَابِ حِينَ يُقَالُ هَاؤُمُ اقْرَءُوا كِتَابِيَهْ حَتَّى يَعْلَمَ أَيْنَ يَقَعُ كِتَابُهُ أَفِي يَمِينِهِ أَمْ فِي شِمَالِهِ أَمْ مِنْ وَرَاءِ ظَهْرِهِ، وَعِنْدَ الصِّرَاطِ إِذَا وُضِعَ فِي ظَهْرِ جَهَنَّمَ
(أبو داؤد)

(265) „Hadhrat Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) sagte: Eines Tages begann ich zu weinen, als ich an die Hölle dachte. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) fragte: ‚Warum weinst du?‘ Ich sagte: ‚Ich weine, weil ich an die Hölle gedacht habe. Werden Sie, o Gesandter, am Tag der Auferstehung an Ihre Angehörigen denken?‘ Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: ‚Es wird drei Orte geben, die so furchterregend sind, dass niemand an irgendjemanden denken wird. Einer davon ist bei der Waage. Dann werden alle so besorgt sein, ob das Gewicht ihrer Taten gering oder groß sein wird. Ein anderer Ort ist der, an dem das Tatenbuch ausgehändigt wird. Denn dann werden alle besorgt sein, ob sie ihr Tatenbuch in die rechte Hand oder von hinten in die linke Hand erhalten. (Die ungehorsamen Diener Allahs werden ihr Tatenbuch von hinten in die linke Hand erhalten.) Ja, der Diener, der sein Tatenbuch in der rechten Hand erhält, wird sogar sagen: ‚Kommt, lest mein Tatenbuch und seht es euch an.‘ Der dritte Ort wird bei der Sirat-Brücke sein, wenn sie über der Hölle errichtet wird.‘ (Abu Dawud)“

Beschreibung der Bewohner des Paradieses

إِنَّ اللَّهَ يُدْخِلُ الَّذِينَ آمَنُوا وَعَمِلُوا الصَّالِحَاتِ جَنَّاتٍ تَجْرِي مِنْ تَحْتِهَا الأَنْهَارُ (سورة الحج)

„Diejenigen, die glauben und gute Werke tun, wird Allah in Gärten eingehen lassen, unter denen Flüsse fließen.“
(Sure al-Haddsch: 23)

(٢٦٦) وَعَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللهِ صَلَّى اللهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: قَالَ اللَّهُ تَعَالَى: أَعْدَدْتُ لِعِبَادِيَ الصَّالِحِينَ مَالَا عَيْنٌ رَأَتْ، وَلَا أُذُنَ سَمِعَتْ ، وَلَا خَطَرَ عَلَى قَلْبِ بَشَرٍ فَاقْرَؤُوا إِنْ شَئْتُمْ: فَلَا تَعْلَمُ نَفْسٌ مَا أُخْفِيَ لَهُمْ مِنْ قُرَّةِ أَعْيُنٍ
(بخاري – مسلم)

(266) „Abu Huraira (r.a.) überliefert, dass der edle Prophet (s.a.w.s.) sagte: Allah, der Herr der Welten, hat gesagt: Für Meine rechtschaffenen Diener habe Ich im Paradies Gaben vorbereitet, die kein Auge je gesehen, von denen kein Ohr je gehört und von denen kein Herz je eine Vorstellung gehabt hat. Als Bestätigung dafür könnt ihr den folgenden Vers rezitieren:

فَلَا تَعْلَمُ نَفْسٌ مَا أُخْفِيَ لَهُمْ مِنْ قُرَّةِ أَعْيُنٍ
(سورة السجدة : (۱۷)

„Niemand weiß, welche Augen erfreuenden Gaben Allah für die rechtschaffenen Diener verborgen gehalten hat.“ (Sure as-Sadschda: 17)

(٢٦٧) وَعَنْ جَابِرٍ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ قَالَ، قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ: إِنَّ أَهْلَ الْجَنَّةِ يَأْكُلُونَ فِيهَا وَيَشْرَبُونَ وَلَا يَتْفُلُونَ وَلَا يَبُولُونَ وَلَا يَتَغَوَّطُونَ وَلَا يَمْتَخِطُونَ، قَالُوا : مَا بَالُ الطَّعَامِ؟ قَالَ: جُشَاءُ وَرَشْحٌ كَرَشْحِ الْمِسْكِ يُلْهَمُونَ التَّسْبِيحَ وَالتَّحْمِيدَ كَمَا يُلْهَمُونَ النَّفْسَ (مسلم)

(267) „Hazrat Dschābir (r.a.) berichtet, dass der Gesandte (s.a.w.) sagte: Wahrlich, die Bewohner des Paradieses werden im Paradies essen und trinken. Sie werden jedoch weder das Bedürfnis haben, auszuspucken, noch zu urinieren, ihren Darm zu entleeren oder sich die Nase zu putzen. Die Gefährten fragten: Was wird mit der Nahrung geschehen, die sie zu sich nehmen? Der Prophet (s.a.w.) sagte: Sie wird durch Aufstoßen und Schweiß ausgeschieden werden. Doch daraus wird der Duft von Moschus hervorgehen. Und im Herzen der Bewohner des Paradieses wird Allahs Tasbih und Tahmid fest verankert sein, so wie der Atem. (Das heißt, die Bewohner des Paradieses werden Subhanallah und Alhamdulillah wie beim Atmen fortwährend sprechen.)“ (Muslim)

Beschreibung der Hölle und ihrer Bewohner

وَمَنْ يَعْصِ اللَّهَ وَرَسُولَهُ فَإِنَّ لَهُ نَارَ جَهَنَّمَ خَالِدِينَ فِيهَا أَبَدًا (سورة الجن : (۲۳)

„Und wer Allah und dem Gesandten ungehorsam ist, dessen Bestimmung ist das Feuer der Hölle. Dort wird er ewig bleiben.“ (Sure al-Dschinn: 23)

(٢٦٨) عَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ، أَنَّ رَسُولَ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ قَالَ: نَارُكُمْ جُزْءٌ مِنْ سَبْعِينَ جزْءًا مِنْ نَارِ جَهَنَّمَ، قِيلَ: يَا رَسُولَ اللَّهِ إِنْ كَانَتْ لَكَافِيَةٌ، قَالَ: فَضَّلَتْ عَلَيْهِنَّ بِتِسْعَةٍ وَسِتِّينَ جُزْءًا كُلُّهُنَّ مِثْلُ حَرِّهَا (بخاري – مسلم)

(268) „Von Hazrat Abu Huraira (r.a.) wird berichtet, dass der edle Prophet (s.a.w.) sagte: Dieses irdische Feuer von euch ist hinsichtlich seiner Hitze ein Siebzigstel des Feuers der Hölle. Man fragte: O Prophet Allahs, hätte dieses Feuer denn nicht genügt? Der Prophet (s.a.w.) sagte: Das Feuer der Hölle wurde gegenüber dem Feuer dieser Welt hinsichtlich seiner Brennkraft um neunundsechzig Teile verstärkt. Jeder dieser Teile entspricht für sich genommen dem Feuer dieser Welt.“ (Buchari, Muslim)

(٢٦٩) وَعَنْ أَبِي هُرَيْرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُ، عَنِ النَّبِيِّ صلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ قَالَ : أُوقِدَ عَلَى النَّارِ أَلْفَ سَنَةٍ حَتَّى احْمَرَّتْ ، ثُمَّ أُوقِدَ عَلَيْهَا أَلْفَ سَنَةٍ حَتَّى ابْيَضَتْ ثُمَّ أُوقِدَ عَلَيْهَا أَلْفَ سَنَةٍ حَتَّى اسْوَدَّتْ فَهِيَ سَوْدَاءُ مُظْلِمَةٌ (ترمذي)

(269) „Von Hazrat Abu Huraira (r.a.) wird berichtet, dass der edle Prophet (s.a.w.) sagte: Das Feuer der Hölle wurde tausend Jahre lang erhitzt, bis es die Farbe von Blut annahm. Danach wurde es weitere tausend Jahre erhitzt, bis es eine weiße Farbe annahm. In der nächsten Phase wurde es weitere tausend Jahre erhitzt; danach nahm das erhitzte Feuer eine schwarze Farbe an. So verwandelte es sich in tiefe, schwarze Dunkelheit.“ (Tirmidhi)

Ende