Worte des Autors
Unter den Glaubensüberzeugungen, auf denen das Gebäude des Īmān ruht, nimmt der Glaube an das Jenseits eine herausragende Stellung ein. Ohne den Glauben an das Jenseits entsteht kein wahrer Glaube an Allah, den Gesandten, Allahs Buch und anderes. Darüber hinaus ist es ohne einen festen Glauben an das Jenseits überhaupt nicht möglich, sich von der Knechtschaft der eigenen Begierden und satanischen Einflüsterungen zu befreien und aufrichtig gute Taten zu verrichten.
Es genügt jedoch nicht, irgendeinen beliebigen Glauben an das Jenseits zu haben. Vielmehr muss dieser Glaube dem Islam sowie dem Koran und der Hadith entsprechen. Wenn dieser Glaube unvollständig oder irrig ist, wird das gesamte Gebäude des Īmān und der guten Taten zusammenbrechen und in Stücke zerfallen.
So viel Erkenntnis über den Islam und die islamische Geschichte Allah mir zu erlangen ermöglicht hat, hat in mir die feste Überzeugung entstehen lassen, dass es möglich sein wird, im irdischen Leben auf dem Weg Gottes zu wandeln, sobald man eine klare Vorstellung vom Jenseits gewonnen hat. Darüber hinaus wird der Keim des Drangs zu sündigen, der im Herzen aufsprießt, bereits im Ansatz vernichtet, wenn der richtige und feste Glaube an das Jenseits im Herzen ständig wachgehalten wird.
Das irdische Leben ist nicht das einzige Leben; vielmehr ist das Leben nach dem Tod das eigentliche und ewige Leben. Dort werden die moralischen Folgen des irdischen Lebens unweigerlich offenbar werden. Dort wird Allah, der Herr der Welten, jede verborgene und offenkundige Tat der Menschen zur Beurteilung vorlegen. An jenem Tag wird über jede Sünde und jede gute Tat ein gerechtes Urteil gefällt werden. Wenn die erschreckende Gestalt jenes Tages im Innersten des Herzens stets gegenwärtig bleibt und dazu die Furcht vor dem allwissenden und allmächtigen Gott kommt, wird es möglich sein, sich von sündigen Taten fernzuhalten und einen erhabenen und großartigen Charakter zu erlangen. Einen zweiten oder alternativen Weg zur Erlangung eines solchen Charakters gibt es nicht und kann es auch nicht geben.
Nachdem ich mich dem Lärm der Welt entzogen hatte und einige Zeit ein zurückgezogenes, stilles Gefängnisleben führte, verfasste ich das vorliegende Buch „Jenseits des Vorhangs des Todes“. Die plötzliche Anregung zur Abfassung dieses Buches erhielt ich, als ich den Tafsīr der Sure „Qāf“ in Tafhīm al-Qurʾān las. Darüber hinaus hatte ich damals weder Gelegenheit, den Rat eines gelehrten und fähigen Mannes einzuholen, noch ein maßgebliches Werk zu Rate zu ziehen. Daher ist es keineswegs verwunderlich, wenn das Buch einige Unvollkommenheiten sowie Fehler und Mängel aufweist. Sollte einer der wohlwollenden Leser den Autor darauf aufmerksam machen oder zusätzliche Erkenntnisse und Informationen beisteuern, werden diese, so Allah will, dankbar in eine spätere Auflage aufgenommen werden. Außerdem hoffe ich, in der kommenden Auflage eine ausführlichere Erörterung vorlegen zu können.
Natürlich gibt es auf dem Markt viele Bücher, die andere zu diesem Thema verfasst haben. Doch obwohl ich bei der Abfassung dieses Buches kein einziges „Referenzbuch“ (maßgebliches Werk zur Orientierung) zur Hand hatte, habe ich versucht, es aus einem neuen Blickwinkel zu schreiben. Ob das Buch gut oder schlecht ist, bleibt selbstverständlich dem Urteil der Leser überlassen.
Da das Buch erst etwa zwei Jahre nach seiner Abfassung veröffentlicht werden konnte, beuge ich in der Überzeugung, dass dies allein Allahs des Erhabenen unermessliche Gnade ist, dankbar mein Haupt vor Ihm.
Wenn jemand nach der Lektüre dieses kleinen Buches versucht, sein Leben nach dessen Lehre auf dem Weg Gottes zu führen, werde ich meinen Einsatz in meinen stillen, einsamen Tagen als lohnend betrachten.
Ich bitte die verehrten Leserinnen und Leser um das Gebet, dass Allah, der Herr der Welten, auch mir die Kraft schenken möge, unablässig auf Seinem geraden Weg zu gehen. Amin.
Hochachtungsvoll
– Der Verfasser
Rabīʿ al-awwal 1395 n. H.
1975 n. Chr.
Kein Mensch ist sich seines eigenen Todes bewusst,
man plant für hundert Jahre, doch weiß nichts von einem einzigen Augenblick.
Dieser Mensch ist nicht wach und bewusst
Er fürchtet seinen Tod nicht.
Nicht einmal vom Augenblick weiß er
von den farbenprächtigen Träumen von hundert Jahren.
Die natürliche Frage des menschlichen Geistes
Ist das Leben in dieser Welt das einzige Leben, oder gibt es auch danach ein Leben? Mit anderen Worten: Endet das menschliche Leben unmittelbar mit dem Tod, oder wird es danach fortgesetzt? Dies ist eine natürliche Frage des menschlichen Geistes, und in allen Zeitaltern herrschte über diese Frage Uneinigkeit; auf ihrer Grundlage sind zwei entgegengesetzte Gesellschaftsordnungen entstanden.
Nachdem der Mensch geboren ist, verweilt er eine Weile in dieser Welt und nimmt Abschied. Bei manchen dauert dieser Aufenthalt nur einige Augenblicke. Bei anderen einige Tage, einige Monate oder einige Jahre. Wieder andere leben mehr als hundert Jahre. Manche führen im hohen Alter ein hilfloseres Leben als ein Kind.
Solange der Mensch lebt, gibt es in seinem Leben so viele Hoffnungen und Wünsche, so viele farbenprächtige Träume. Das Leben mancher erfüllt sich mit unendlichem Glück und Behagen; sie erhalten die Möglichkeiten und Mittel, das Leben in vollen Zügen zu genießen. Reichtum und Wohlstand, Ansehen und Ehre, Ruhm und Glanz – und vieles mehr. Eines Tages jedoch muss er alles zurücklassen, alle zum Weinen bringen und diese Welt verlassen. Sein Takht-e Taus, seine Königsherrschaft, seine Höflinge, Wesire und Beamten, seine Freunde und Gönner sowie sein unermesslicher Reichtum konnten ihn nicht zurückhalten, und auch künftig wird niemand dazu imstande sein. Könige und Untertanen, Reiche und Arme, Weiße und Schwarze – alle müssen den Tod kosten.
Über das Leben eines Menschen kommt ununterbrochenes Leid und Elend. Die Gleichgültigkeit anderer, Unterdrückung und Misshandlung, Ungerechtigkeit und Zermürbung. Sein ganzes Leben lang muss er all dies schweigend ertragen. Schließlich verlässt auch er eines Tages, befreit von den grausamen Fesseln der Gesellschaft, diese Welt.
Wiederum sieht man, dass ein Mensch ein äußerst rechtschaffenes Leben führt. Lüge, Hass und Missgunst gegenüber anderen widersprechen seinem Wesen. Die Speisung der Hungrigen, die Hilfe für die Bedrängten, gute Worte, gute Taten und gute Gedanken gehören zu seinen herausragenden Eigenschaften.
Doch von seinem Volk erfuhr er äußerste Missachtung, Unterdrückung und Ungerechtigkeit. Schließlich endete sein Leben unter grausamer Folter hinter Gefängnismauern oder auf dem Schafott. In diesem Leben erhielt er keinerlei Belohnung für seine Wahrheit und seine Schönheit. Soll seine Menschlichkeit also damit scheitern, dass sie lediglich aufschreit? Zahllose Beispiele zeigen außerdem, dass ein Mensch oder eine Gruppe von Menschen, indem sie die Stimme der Wahrheit erhoben und für deren Verwirklichung kämpften, den mächtigen Tyrannen, der die Unwahrheit verehrte, erzürnten und den Thron seiner Macht erschütterten und ins Wanken brachten. Daraufhin nahm dieser, um seine Rache zu befriedigen, den Bannerträger der Wahrheit gefangen. Im Gefängnis ließ er eine Walze grausamer Folter über ihn hinwegrollen und fügte seinem Körper durch Schlag um Schlag Wunden zu, bis er zerfetzt und zerschunden war. Dennoch konnte man ihn nicht vom Weg der Wahrheit abbringen. Wer auch immer von seiner Unterdrückung und Folter hörte, dessen Körper überlief es kalt. Vielleicht vergoss man aus Mitgefühl sogar zwei Tränen.
Wünschen sich diejenigen, die der Gerechtigkeit, der Wahrheit und der Schönheit folgen, nicht, dass der Unterdrückte belohnt und der tyrannische Gewaltherrscher bestraft wird? Aber wann und wie?
Wiederum gibt es das Beispiel eines Menschen, der mit seiner Frau, seinen Söhnen und seiner Familie glücklich lebt. Er hatte niemals jemandem Unrecht getan. Eines Tages überfiel eine Gruppe bewaffneter Übeltäter unrechtmäßig sein Haus. Sie töteten den Hausherrn und seine Söhne, verübten bestialische Gräueltaten an den Frauen, plünderten den Besitz des Hauses und setzten das, was übrig geblieben war, in Brand. Jeder, der von dem Ereignis hörte, empfand tiefes Bedauern. Auf aller Lippen lag dasselbe Wort: Ach! Ein solches grausames, unmenschliches Verhalten? Gibt es dafür keinerlei Gericht?
Vielleicht besteht überhaupt keine Aussicht auf Gerechtigkeit. Denn diejenigen, in deren Händen die Rechtsprechung liegt, stehen möglicherweise mit diesen Menschenmonstern in Verbindung und arbeiten mit ihnen zusammen. Soll also solch hemmungslose Ungerechtigkeit gegenüber den Menschenkindern immer weitergehen? Noch bevor es zu einem Urteil kam, war der Lebensatem jener gequälten Menschenkinder erloschen. Wo sind sie jetzt? Sind die gequälten Seelen im unermesslichen Raum verschwunden? Sind sie völlig ausgelöscht, oder irren sie noch immer unter Wehklagen umher? Wie sieht ihr Kapitel nach dem Tod aus? Vollkommene Leere oder etwas anderes?
Und die tyrannischen Menschenmonster, deren Taten in dieser Welt nicht gerichtet wurden – auch sie werden sterben. Wird ihnen auch nach dem Tod nichts widerfahren? Wird es keinerlei Strafe geben?
Und bedenken Sie außerdem: Kann man in dieser Welt einem Menschen, wenn man ihn für sein Verbrechen bestrafen und für seine edle Tat belohnen will, dies tatsächlich angemessen zuteilwerden lassen?
Nehmen wir an, ein Mann hat mehr als hundert Menschen zu Unrecht getötet. Durch seine Gewalttaten sind Hunderte von Familien zugrunde gegangen. Schließlich wurde er eines Tages vor Gericht gestellt. Dort könnte er durch eine Gesetzeslücke oder auf andere Weise davonkommen. Wenn es für ihn keinen Weg zur Rettung gibt, werden Sie ihn bestrafen. Welche Strafe? Die höchste Strafe könnte die Todesstrafe sein. Selbst die Todesstrafe eines tatsächlichen Mörders kann erlassen werden. Der höchstgestellte Machthaber könnte den betreffenden Mörder sogar freilassen, um ihn für seine eigenen Interessen einzusetzen. Und wenn die Todesstrafe tatsächlich vollstreckt wird: Ist eine einzige Hinrichtung eine angemessene Strafe für die Ermordung von mehr als hundert Menschen? Wird diese Strafe ihm genügen? Doch Sie haben nicht die Macht, noch mehr zu tun.
Andererseits hat ein Mensch durch lebenslange Anstrengung, unermüdliche Arbeit sowie Opfer und Entbehrungen ein ganzes Volk aus den Fesseln der menschlichen Knechtschaft befreit und es dem gerechten Gesetz eines allmächtigen Wesens unterstellt. Für sie errichtete er eine schöne und glückliche Gesellschaftsordnung. Sie wurden glücklich, wohlhabend und fortschrittlich. Ihr Leben und Eigentum sowie ihre Ehre und Würde waren vollkommen sicher. Kann man einen solchen großartigen Menschen angemessen belohnen?
Wenn die Folgen der Taten der oben genannten Menschen auch nach dem Tod weiterbestehen und ein allmächtiges Wesen beide Gruppen mit der ihnen gebührenden Strafe bestraft und mit der ihnen gebührenden Belohnung belohnt – jedem so, wie es ihm zusteht –, wäre das dann nicht wirkliche Gerechtigkeit? Fragen Sie also Ihr Gewissen: Ist dann nicht auch das Leben nach dem Tod unerlässlich?
Das ist die natürliche Frage, die den menschlichen Geist seit jeher beunruhigt und erschüttert.
Die richtige Antwort darauf kann der Mensch durch Nachdenken und Forschen nicht finden und auch nicht finden können. Die richtige Antwort muss er von einem allwissenden und unfehlbaren Wesen erhalten. Dieses Buch ist genau die richtige Antwort auf diese Frage.
Verschiedene Auffassungen über das Jenseits
Seit den ältesten Zeiten sind bei der Suche nach einer Antwort auf die oben beschriebene natürliche Frage des menschlichen Geistes verschiedene Auffassungen entstanden.
Mit dieser Frage ist eine weitere Frage untrennbar verbunden. Nämlich: Gibt es einen Besitzer, einen Lenker dieses Lebens und dieses Todes, oder gibt es keinen? Gibt es auch für diese Welt und die unzähligen Schöpfungen, für den Himmel, Sonne und Mond, die Planeten und die Sterne, Berge und Gebirge, Flüsse und Ströme und all dies einen Schöpfer, oder gibt es keinen? Auf diese Fragen erhält man zugleich eine Antwort.
1. Eine Auffassung besagt, dass nichts existiert, was man den Schöpfer nennen könnte. Diese Welt, der Himmel, die Menschen, die Tiere und alle übrigen Schöpfungen seien plötzlich infolge irgendeines Unfalls entstanden. Geburt und Tod des Menschen seien ebenfalls Folgen dieses Unfalls. Ein Jenseits gebe es nicht. Für nichts von dem, was einschließlich der Menschheit zugrunde geht, bestehe die Möglichkeit einer erneuten Existenz. Diese Welt werde eines Tages gewiss zerstört werden. Danach werde nichts mehr bleiben.
2. Manche sagen, diese Welt sei anfangs- und endlos. Sie werde nicht untergehen. Nur die Lebewesen würden zugrunde gehen. Eine Wiederbelebung sei jedoch nicht möglich.
3. Wieder andere glauben an die Wiedergeburt. Das bedeutet, dass der Mensch nach dem Tod immer wieder in dieser Welt geboren werden wird, um die Folgen seiner guten oder schlechten Taten zu erfahren.* [Wenn diese Auffassung derjenigen, die an die Wiedergeburt glauben, richtig wäre, müssten diejenigen, die nach dem Tod wiedergeboren werden, über ein gewisses Wissen vom Abschnitt nach dem Tod verfügen. Doch hat irgendjemand über den Zustand nach dem Tod berichtet? Nach der Wiedergeburt müsste auch Wissen über das vorherige irdische Leben vorhanden sein. Wie sollte man sonst wissen, dass die nächste Geburt das Ergebnis des vorherigen Lebens ist? Und wenn man das nicht weiß, wie könnten dann die Belohnung oder die Bestrafung der Wiedergeburt empfunden werden? – Der Verfasser]
4. Wieder andere vertreten die Ansicht, dass es für den Menschen nach dem Tod Hölle und Paradies beziehungsweise Unterwelt und Himmel gibt. Der Sünder werde jedoch, nachdem er in der Hölle seine Strafe verbüßt habe, erneut geboren, um auch im irdischen Leben ein erniedrigtes Dasein zu führen. Auch hier bleibt eine Frage offen: Ist die Strafe in der Hölle für den Sünder etwa nicht ausreichend?
5. Einige vertreten die Auffassung, dass diese Welt ein Ort großer Sünde sei. Das Leben hier selbst sei eine große Strafe. Solange die menschliche Seele mit dieser materiellen Welt verbunden sei, müsse sie nach dem Tod immer wieder geboren werden und hierher zurückkehren. Die wahre Befreiung der menschlichen Seele liege in der Erlösung (Mahanirwana (Emanzipation der Seele)) oder in ihrer Vernichtung. Dies könne dadurch geschehen, dass der Mensch in jedem Leben einige gute Taten erwerben müsse. Wenn man anschließend die guten Taten mehrerer Leben zusammenzähle und ihre Menge beträchtlich sei, werde er vernichtet, beziehungsweise erlange das „Fana“. Dies sei seine Befreiung von der sündhaften Welt oder das Mahanirwana gewesen.
Auch hier gibt es keine dauerhafte Bestrafung oder Belohnung für Sünde und gute Taten.
6. Es gibt auch eine andere Gruppe, die an das Jenseits, das Paradies und die Hölle glaubt. Sie sagt, sie sei Erbe eines Geschlechts, das bei Gott überaus geliebt und auserwählt gewesen sei. Daher gebe es für sie im Jenseits keinen Grund zur Furcht. Selbst wenn sie wegen ihrer Sünden in die Hölle geworfen würden, dann nur für kurze Zeit. Im Hinblick auf ihre Abstammung werde Gott sie schon sehr bald ins Paradies befördern.
7. Es gibt noch eine weitere Gruppe, die an das Jenseits, die Hölle und das Paradies glaubt. Sie sagt, Gott habe seinen einzigen Sohn (?) gekreuzigt und zum Tod verurteilt. Im Gegenzug dafür habe er der gesamten Menschheit all ihre Sünden vergeben. Wenn man an diesen seinen Sohn glaubt und ihn ein wenig preist, werde man im Jenseits Erlösung erlangen.
8. Manche glauben zwar an das Jenseits, die Hölle und das Paradies. Zugleich halten sie jedoch bereits in dieser Welt einige Menschen (ob tot oder lebendig) für besonders begabt und außerordentlich mächtig. Ihrer Überzeugung nach werden diese Menschen im Jenseits bei Gott ihren Einfluss geltend machen und ihnen die Erlösung bringen. Unter dem Einfluss dieses Glaubens wollen sie, Gott beiseitelassend, diese sogenannten mächtigen und einflussreichen Menschen zufriedenstellen. Wenn diese Menschen tot sind, werden ihre Gräber mit Blumen, Süßspeisen, Opfergaben und Gelübden bedacht, ja, man wirft sich sogar vor ihren Gräbern nieder. Sind sie hingegen lebendig, versucht man, sie mit allerlei wertvollen Geschenken oder Opfergaben zufriedenzustellen.
Oben wurden verschiedene Auffassungen über das Jenseits erörtert. Die Frage lautet: Welche Beweise gibt es für die Wahrheit der oben genannten Auffassungen? Beruhen diese Auffassungen auf fehlerfreiem und solide begründetem Wissen, oder wurden sie lediglich auf der Grundlage von Vermutungen und Spekulationen entwickelt? Oder handelt es sich um ein Täuschungsgeflecht eines blinden Aberglaubens, der über Generationen hinweg überliefert wurde? Oder um ein Betrugsnetz, mit dem ein äußerst gerissener, eigennütziger Mensch oder mehrere solche Menschen unter dem Vorwand der Religion und zum Zweck des Erwerbs religiöser Verdienste das Geld anderer an sich bringen?
Wenn es auf Einbildung und Vermutungen beruht oder ein blinder Aberglaube beziehungsweise das Betrugsgeflecht geldgieriger Menschen ist, die das Gewand religiöser Gelehrter tragen, wird jeder anerkennen, dass es keinesfalls glaubwürdig ist. Wenn es auf Wissen beruht, was ist dann die Quelle dieses Wissens? Daher muss diese Angelegenheit wohl am Prüfstein unfehlbaren Wissens überprüft werden.
Die Quellen wahrer Erkenntnis
Lassen Sie uns nun erörtern, was die Quellen wahrer Erkenntnis sind. Die Quellen des Wissens sind hauptsächlich:
1. Die fünf Sinne (sinnesbasiertes und durch die Sinne erlangtes Wissen)
2. Die Offenbarung (unfehlbares, vollkommen zuverlässiges Wissen, das die Propheten von Gott erhalten haben).
Es gibt nur die beiden oben genannten Quellen des Wissens. Wissenschaftler erlangen dieses Wissen durch Experiment und Beobachtung. Doch auch ihrer Grundlage liegen die Gesamtheit der Sinne und einige grundlegende materielle Dinge (Grundmaterial) zugrunde.
Auch durch Zeugenaussagen und andere Beweismittel kann man Wissen erlangen. Doch dieses Wissen beruht auf der Sinneswahrnehmung des Zeugen. Ebenso ist das Wissen, das man durch das Lesen der Geschichte erlangt, ein Wissen, das der Geschichtsschreiber mit eigenen Augen gesehen oder mit eigenen Ohren gehört hat. Das bedeutet: Es beruht auf Sinneswahrnehmung. Auch dieses Wissen ist nicht immer fehlerfrei. Es werden auch Aussagen gemacht, die der Wahrheit widersprechen, und Geschichte wird sogar unter Verfälschung der Wahrheit geschrieben. Dennoch muss man dies als Quellen sowohl wahren als auch falschen Wissens bezeichnen.
Das Wissen über das Jenseits – also sowohl das Wissen, dass es ein Jenseits gibt, als auch das Wissen, dass es kein Jenseits gibt – kann nun keinesfalls auf Sinneswahrnehmung beruhen. Denn niemand hatte die Gelegenheit, jenseits des Vorhangs des Todes zu gehen und zurückzukehren, um sich dort umzusehen, und es gibt auch keine Möglichkeit, mit den Seelen der Verstorbenen Kontakt zu halten. Daher kann niemand sagen, ob es ein Jenseits gibt oder nicht.
Manche geben sich den Anschein von Wissenschaftlern und sagen: Wenn niemand gesehen hat, dass es ein Jenseits gibt, dann kann man keinesfalls daran glauben. Doch diese Aussage ist keineswegs wissenschaftlich oder sachkundig. Denn wenn niemand nach dem Tod ins Jenseits gegangen ist und die dortigen Verhältnisse gesehen hat, wie kann man dann sagen, dass es kein Jenseits gibt?
Was sich in meiner Kiste befindet und was nicht, können Sie feststellen, indem Sie die Kiste öffnen und nachsehen. Aber wie können Sie, ohne die Kiste zu öffnen, sagen, dass sich nichts darin befindet? Sie können mit Sicherheit nur sagen: Ich weiß nicht, ob sich etwas in der Kiste befindet oder nicht.
Ein wahrer Wissenschaftler kann durch die Beobachtung seiner Experimente – die freilich oft auch fehlerhaft ist – die Wahrheit oder Unwahrheit einer Sache feststellen. Doch bevor er eine solche Prüfung und Beobachtung durchgeführt hat, kann er über die Existenz irgendeiner Sache weder mit Ja noch mit Nein urteilen. Er muss sagen: Darüber weiß ich nichts. Daher wird die Aussage eines wahrhaftigen Wissenschaftlers lauten: Es war nicht möglich, das Vorhandensein oder Nichtvorhandensein des Jenseits durch Untersuchungen und Experimente zu prüfen. Zu sagen, dass es existiert, wäre daher ebenso falsch wie zu sagen, dass es nicht existiert.
Durch die obige Erörterung wurde deutlich, dass die fünf Sinne, die erste Quelle des Wissens, uns über das Jenseits keinerlei Vorstellung vermitteln konnten. Nun bleibt die zweite Quelle, die Offenbarung. Sehen wir, welches Wissen uns die Offenbarung vermittelt.
Das Kommen der Propheten durch die Zeitalter
Der Glaube an die Offenbarung kann nur aus dem Glauben an Gott hervorgehen. Dort oben, wo verschiedene Auffassungen über das Jenseits dargelegt wurden, glauben die Anhänger aller Auffassungen mit Ausnahme der unter den Nummern 1, 2 und 5 beschriebenen Auffassungen im Großen und Ganzen an einen Schöpfer oder Gott. Andererseits haben manche trotz ihres Glaubens an Gott das Jenseits geleugnet. Wer jedoch nicht an die Existenz Gottes glaubt, leugnet naturgemäß auch das Jenseits. Diese Erörterung über das Jenseits dient nicht dazu, die Existenz Gottes zu beweisen. Dennoch wird die Erörterung des Jenseits nicht nur einen Beweis für Gottes Existenz liefern, sondern auch für Seine Einzigkeit.
Für die Erde, die Himmelswelten und alles, was sich zwischen ihnen befindet, ja sogar für alles, was sich unter der Erde und in den Tiefen der Meere befindet, gibt es einen Schöpfer. Er ist Allah Taʿala, der Allmächtige. Nachdem Er die Menschen erschaffen hatte, sandte Er im Laufe der Zeitalter unter den Völkern verschiedener Länder Propheten, um ihnen die richtige Lebensordnung mitzuteilen. Es versteht sich von selbst, dass die Propheten Menschen waren. Allah Taʿala erwählte jedoch stets die besten Menschen der Gesellschaft zu Propheten. Das Wissen, das Allah dem Propheten offenbarte, wird das Wissen der Offenbarung genannt. Dieses Wissen erlangte der Prophet unmittelbar von Allah, durch den Engel Dschibril (a.) oder im Traum. Da dieses Wissen von Allah stammt, ist es vollkommen unfehlbar und die letztgültige Wahrheit.
Der erste Prophet auf dieser Welt war der Urmensch Hazrat Adam (a.). Der letzte Prophet war der Araber Hazrat Muhammad (s.). Insgesamt kamen einhundertvierundzwanzigtausend Propheten auf diese Welt; nach anderer Auffassung waren es mehr oder weniger. Im Koran werden einige Propheten erwähnt. Viele andere werden dort nicht erwähnt. Auch dies ist im Koran mitgeteilt worden.
Der letzte Prophet Muhammad (s.) und alle anderen Propheten haben jeweils dieselbe Lehre über das Jenseits verkündet. In den Aussagen der Propheten über das Jenseits gibt es nicht den geringsten Meinungsunterschied. Sie alle haben dasselbe gesagt.
Man muss bedenken, dass diese mehr als hunderttausend Propheten weder in derselben Zeit noch am selben Ort lebten, sodass sie nicht etwa nach einer Konferenz und ausführlichen Beratungen zu einer gemeinsamen Entscheidung gelangt wären. Vom großen Hochwasser zur Zeit Hazrat Nuhs (a.) bis zum letzten Propheten Muhammad (s.) wurden fast sechstausend Jahre lang Propheten zu verschiedenen Völkern gesandt. Auch in der Zeit zwischen Hazrat Adam (a.) und Hazrat Nuh (a.) kamen viele Propheten.
Gewöhnlich wurde ein weiterer Prophet gesandt, wenn die Menschen nach dem Ableben eines Propheten dessen Lehre und Vorbild völlig vergessen hatten. Sechshundert Jahre nach dem Ableben Hazrat Isas (a.) erschien der letzte Prophet. Abgesehen von einer Handvoll Propheten begegnete kein Prophet einem anderen. Dennoch sagten sie alle dasselbe, obwohl sie Menschen aus verschiedenen Zeiten und Zeitaltern waren. Der Grund dafür ist, dass die Botschaft, die sie den Menschen verkündeten, nicht ihre eigene Erfindung war. Sie vermittelten den Menschen ausschließlich das von Allah gegebene Wissen. Aus eben diesem von Allah gegebenen Wissen verkündeten sie dieselbe Lehre über das Jenseits.
Es gibt nur eine richtige Antwort
Es besteht allgemeine Übereinstimmung darüber, dass es nur eine einzige richtige Antwort geben kann. Falsch ist vieles. Unter denen, die Fehler machen, herrscht keine Einigkeit in ihren Gedanken. Ihre Gedanken gehen nicht aus einer zuverlässigen Quelle hervor. Lassen Sie daher zwanzig Schüler in einer Klasse eine Rechenaufgabe lösen. Sie werden sehen, dass die richtigen Antworten übereinstimmen. Diejenigen, die eine falsche Antwort gegeben haben, konnten sich nicht einigen. Ihre Antworten fielen unterschiedlich aus, weil sie nicht auf richtigem Wissen beruhten.
Die Propheten Allahs haben die Frage nach dem Jenseits beantwortet. Ihre Antwort ist richtig, weil die Antworten aller von ihnen genau übereinstimmten. Der Grund für ihre Richtigkeit und Wahrheit war, dass ihr Wissen von Allah stammte.
Daher war das Wissen der Propheten über das Jenseits einerseits die höchste Wahrheit und andererseits bei allen ein und dasselbe.
Die islamische Lehre über das Jenseits
Die von den Propheten vermittelte Vorstellung vom Jenseits, die man die islamische Vorstellung oder Lehre nennt, besagt kurz zusammengefasst, dass die Erde, die Himmelskörper und sämtliche Schöpfung in ihnen eines Tages unweigerlich zugrunde gehen werden. Der Beginn und die Beschreibung dieses Untergangs sind im Koran ausführlich dargelegt. Alles außer Gott wird zugrunde gehen. Danach wird auf Gottes Geheiß eine neue Welt erschaffen werden. Jeder Mensch wird wieder zum Leben erweckt und vor Gott erscheinen. Für alles Gute und Böse, das er in seinem irdischen Leben getan hat, wird er an jenem Tag vor Gott Rechenschaft ablegen müssen. Dies wird der Tag des Gerichts genannt. Der alleinige Herrscher und Richter an diesem Tag ist Allah, der Erhabene.
Bei diesem Gericht wird es zur Verteidigung der Angeklagten keinen Anwalt, Rechtsbeistand, Advokaten oder Barrister geben. Auch menschliche Zeugen werden nicht benötigt werden. Leugnet jemand seine Schuld, werden die Glieder seines Körpers selbst wahrheitsgemäß Zeugnis ablegen. Es gibt keinen Ausweg, als die Schuld einzugestehen. Denn jede Tätigkeit des Menschen in jedem Augenblick wird bereits in diesem irdischen Leben lückenlos aufgezeichnet. Von seinen Worten und Gesprächen, seinem Lachen und Weinen, den Bewegungen seiner Glieder und sogar von jeder verborgenen und offenen Handlung wird ein getreuer Film angefertigt. Dieses lebendige Zeugnis und dieser Beweis werden ihm vorgelegt werden. Es wird keinerlei Möglichkeit geben, irgendetwas zu leugnen.
Wer das Gericht an jenem Tag besteht, dessen Wohnstätte wird das Paradies sein. Es ist ein Ort grenzenlosen Glücks. Diejenigen, die an jenem Tag das Gericht nicht bestehen, werden ihren Platz in Dschahannam oder der Hölle haben. Sie ist ein lodernder Feuerofen, der in alle Ewigkeit brennt. Ob der Mensch nun ins Paradies oder in die Hölle kommt, sein Leben beziehungsweise seine Lebensdauer wird ewig sein. Der Mensch wird ein unsterbliches Leben erlangen. Diese Lebenszeit wird Jenseits genannt, in der Terminologie des Korans „Akhirat“.
Gegen das Jenseits gerichteter Widerstand
In jedem Zeitalter haben unwissende Menschen heftig gegen das Jenseits protestiert. Sie wollten keineswegs glauben, dass der Mensch nach dem Tod wieder zum Leben erweckt werden würde. Zwar glaubten sie an einen Schöpfer, doch ihre Vorstellung von seinen Eigenschaften und seiner Identität war irrig und niedrig. Deshalb konnten sie keineswegs an das Jenseits glauben.
Nach dem Tod zerfallen und vergehen alle Glieder des menschlichen Körpers, die Knochen, die Haut, das Fleisch und jedes einzelne Molekül und Atom. Oder die Erde verschlingt all dies. Wie sollte es danach wieder seinen früheren, zerfallenen Körper und sein Leben erlangen? Das überstieg ihren Verstand und ihr Wissen. Wenn daher jeder Prophet durch seine Rede vom Jenseits versuchte, im Menschen das Verantwortungsbewusstsein zu wecken, bezeichneten die Unwissenden ihn als verrückt. Sie weigerten sich nicht nur, seine Lehre anzunehmen, sondern folterten ihn unter dem Vorwand, diese Lehre zu verbreiten, auf vielfache Weise.
Warum lehnt man das Jenseits ab?
Warum war der Glaube an das Jenseits so bedrohlich? Warum brachte die Verkündung dieser Lehre ihre Gegner derart in Aufruhr? Welcher Schaden entstand ihnen durch diese Verkündung, dass sie sie nicht dulden konnten?
Dahinter stand ein psychologischer Grund. Dieser bestand darin, dass Charakter, Handlungen, Verhalten, Geschmack und geistige Haltung sowie Zivilisation und Kultur derjenigen, die an das Jenseits glauben, eine bestimmte Art aufweisen. Bei den Ungläubigen sind all diese Dinge dagegen von völlig entgegengesetzter Art. Das ist eine erwiesene Tatsache.
Bei denjenigen, die an das Jenseits glauben, bildet sich eine solche geistige Haltung heraus, dass sie in jedem Augenblick daran denken, nach dem Tod für jede ihrer verborgenen und offenkundigen Taten vor Gott Rechenschaft ablegen zu müssen. Sie sind fest davon überzeugt, dass jedes ihrer Worte und jede ihrer Taten von einer unsichtbaren Macht fehlerlos aufgezeichnet werden. Es ist ihnen nicht möglich, auch nur eine ihrer Taten geheim zu halten. Für jede ihrer schlechten Taten müssen sie bestraft werden. Das ist ihre feste Überzeugung. Deshalb bemühen sie sich, jede schlechte Tat zu vermeiden.
Der Charakter derjenigen, die nicht an das Jenseits glauben, ist genau das Gegenteil. Da es nach ihrer Vorstellung oder ihrem Glauben nach dem Tod nichts mehr gibt, müssen sie für ihre Taten niemandem Rechenschaft ablegen. Selbst wenn sie im irdischen Leben äußerste Ausschweifung und sexuelle Anarchie (Sexual anarchy) betreiben, selbst wenn sie Räuber und Plünderer sind oder Menschen ihrer persönlichen Freiheit berauben und sie zwingen, ein niedrigeres Leben als Tiere zu führen, haben sie dennoch keinen Grund zur Furcht. Denn sie glauben, dass sie für all dies nach dem Tod niemandem Rechenschaft ablegen müssen. Nach ihrem Tod gibt es ja nichts mehr: weder ein neues Leben noch die Mühsal und den Ärger einer Abrechnung.
Unter Leugnung eines Schöpfers und des Jenseits wurde eine neue Lehre entwickelt. Sie besagt: Da es keinen Schöpfer der Schöpfung gibt und auch kein Jenseits existiert, muss man diese Welt, solange man lebt, in vollen Zügen genießen. Denn nach dem Tod wird alles zu Ende sein. Also: Esst, trinkt und genießt das Leben (Eat, Drink and Be Merry). Außerdem heißt es, das Leben in dieser Welt sei der einzige Kampf ums Überleben (A Struggle for existence). Nur der Starke, Listige und Intelligente habe das Recht zu überleben (Survival of the fittest). Wer dagegen schwach ist, selbst wenn er ehrlich und gerecht ist, habe keinerlei Recht zu überleben.
Sobald man den Schöpfer und das Jenseits anerkennt, muss man den Trieben Zügel anlegen, Willkür und Zügellosigkeit beenden und darf das Leben nicht durch Unrecht und unlautere Mittel genießen. Darüber hinaus muss man sein Leben geordnet und diszipliniert führen. Tut man dies, kann man das Leben jedoch nicht bis zum Rand auskosten. Das war also der psychologische Grund dafür, dass sie die Existenz Gottes und des Jenseits leugneten.
Diese Sichtweise und geistige Haltung entstehen durch den Unglauben an das Jenseits. Sie glauben nicht an Tugenden wie Moral, Gerechtigkeit, Billigkeit sowie Mitgefühl und Barmherzigkeit gegenüber den Schwachen und Unterdrückten. Grausamkeit, Barbarei, Mord, das Brechen von Versprechen und Verrat gelten ihnen nicht als Verbrechen. Ihr Gewissen empfindet keinen Stich, wenn sie zur Befriedigung sexueller Begierden Frauen in Objekte der Lust verwandeln oder zur Durchsetzung eigener Interessen nicht nur einen Menschen, sondern ein ganzes Land und Volk versklaven oder vernichten. Daher bezeugt die Geschichte, dass viele Völker der Vergangenheit, obwohl sie zu den Gipfeln irdischer Entwicklung und Wohlstands aufgestiegen waren, wegen ihres Unglaubens an das Jenseits in den Abgrund des moralischen Niedergangs stürzten. Sie wurden zu äußersten Gewaltherrschern und blutdürstigen Unmenschen. Deshalb hat Allah sie vollständig vernichtet und jede Spur ihrer Namen aus dem Angesicht der Welt getilgt.
Das war der eigentliche Grund, weshalb die Menschen, die nicht an das Jenseits glaubten, jeden Propheten, der sie zum Glauben an das Jenseits aufrief, erniedrigten, ihn steinigten und verwundeten oder ihn aus seiner Heimat vertrieben. Sie wollten ihr Leben nicht durch den Glauben an das Jenseits geordnet und diszipliniert gestalten und ihre maßlose Gier nach Genuss nicht zügeln. Sie wollten ihren Wunsch, Menschen zu Sklaven zu machen und über sie eine göttliche Herrschaft auszuüben, nicht unterdrücken. Darin lag der eigentliche Grund ihres Konflikts mit den Propheten.
Aufgrund ihres Unglaubens an das Jenseits und ihres völligen moralischen Verfalls wurden in der Vergangenheit das Volk Noahs, das Volk Lots, Nimrod, der Pharao, die Völker ʿAd und Thamūd, das Volk von Tubbaʿ und andere Völker zu Ruinen. In der menschlichen Gesellschaft werden ihre Namen mit Hass und Fluch ausgesprochen. Die antiken griechischen und römischen Zivilisationen sind lediglich zu Gegenständen der vergangenen Geschichte geworden.
Nur Gottesfurcht unterdrückt die Neigung zum Verbrechen
Zur Bekämpfung von Verbrechen werden in jedem Land verschiedene Strafgesetze erlassen. Gewiss lässt sich ihre Notwendigkeit nicht leugnen. Aber lässt sich die Neigung zum Verbrechen allein durch den Erlass von Strafgesetzen und die Bestrafung der Täter unterdrücken?
Warum werden trotz bestehender Gesetze und Strafvorschriften im Land Mord, Raub, Wegelagerei, Ehebruch, Korruption, gewaltsame Auseinandersetzungen und andere abscheuliche Verbrechen begangen? Die wahren Ursachen all dessen müssen untersucht werden.
Eine zur Kriminalität neigende Person begeht ihre Missetaten gewöhnlich äußerst heimlich und verborgen vor den Augen der Menschen. Danach bedient sie sich verschiedener Mittel, um das Gesetz zu umgehen. Daher kommt es, dass ein Täter trotz der im Gesetz vorgesehenen strengen Strafen ungehindert freikommt. Nach der Begehung eines Verbrechens ermutigt ihn seine Befreiung von der Strafe, das Doppelte oder Vierfache an weiteren Verbrechen zu begehen. Unser Gesetzes- und Justizsystem ist fehlerhaft, weil es von Menschen geschaffen wurde. Auch im Rechtswesen fehlt es an Ehrlichkeit. Darüber hinaus wird die Justiz bisweilen beeinflusst, oder selbst nach einer Verurteilung kommt der Täter unter dem Einfluss einflussreicher Kreise davon. Infolgedessen werden die unterdrückten, gequälten und hilflosen Menschen um Gerechtigkeit gebracht. So kommt es, dass der tatsächliche Mörder, derjenige, der Millionen und Abermillionen raubt und unterschlägt, sowie Personen, die verschiedenster Verbrechen schuldig sind, das Gesetz mit allerlei unlauteren Mitteln umgehen und mit erhobenem Haupt in der Gesellschaft umhergehen.
Nicht nur die Bestrafung des Täters sollte jemandem ein Anliegen sein; vielmehr sollte die vollständige Beseitigung der Wurzeln des Verbrechens angestrebt werden. Wie ist das möglich?
Die Neigung zum Verbrechen entsteht zuerst in einem verborgenen Winkel des Herzens. Eine sündhafte Umgebung in allen Lebensbereichen, die Gesellschaft von Sündern, das Lesen obszöner und geschmackloser Literatur sowie von Dramen und Romanen, und Filme und Fernsehsendungen, die sexuelle Erregung hervorrufen, tragen zur Entstehung einer kriminellen Neigung bei. Danach führen der Wunsch, das Verlangen, der Wille und der Entschluss, ein Verbrechen zu begehen, dazu, dass der Mensch sich in Verbrechen verstrickt. Nun ist es notwendig, diese Neigung bereits in ihrem Keim im Inneren des Menschen zu vernichten. Doch durch irgendein Gesetz, durch Einschüchterung oder durch eine äußere Macht kann sie keineswegs beseitigt werden. Im Inneren des Menschen muss vielmehr eine Kraft entstehen, die in der Lage ist, die Neigung zum Verbrechen zu unterdrücken. Nur Gottesfurcht und die Furcht vor dem Jenseits können die Quelle dieser Kraft sein. Wenn der Mensch fest davon überzeugt ist, dass das Leben auf dieser Welt nicht das einzige Leben ist, sondern dass es nach dem Tod ein weiteres Leben gibt, das kein Ende hat, und dass das Leben im Jenseits von den Taten im irdischen Leben abhängt; wenn er weiß, dass er im Jenseits vor Allah, dem Erhabenen, über jede einzelne Tat Rechenschaft ablegen muss, die er in diesem Leben heimlich oder offen begeht, dass weder die Sünden noch die guten Taten dieses Lebens verborgen werden können, dass niemand irgendjemanden vor der Strafe für Sünden bewahren und niemand irgendjemanden vom Lohn für gute Taten ausschließen kann, dann schützt die Verankerung dieses Glaubens im Menschen und die entsprechende seelische Schulung sowie die praktische Charakterbildung die Gesellschaft vor jeder Art von Sündhaftigkeit.
Daher kann nur die Furcht vor Gott und dem Jenseits den Menschen von Sündhaftigkeit fernhalten. In der Geschichte des Islam gibt es dafür ein glänzendes Beispiel. Eines davon möchte ich hier anführen.
Zur Zeit des zweiten Kalifen, Hazrat Umar Faruq (ra), lebte am Stadtrand von Medina eine alte Frau. In ihrem Haushalt lebten nur sie und ihre Tochter. Sie sammelten Milch an verschiedenen Orten, verkauften sie anschließend auf dem Markt und bestritten damit ihren Lebensunterhalt.
Eines Nachts sagte die alte Frau zu ihrer Tochter: „Wenn wir etwas Wasser in die Milch mischen, bekommen wir mehr Geld dafür.“
Die Tochter sagte: „Wie soll das möglich sein? Hast du nicht gehört, dass der Amir al-Mu’minin für die Korrupten Strafen verkündet hat?“
Die alte Frau sagte: „Ach was! In dieser abgelegenen Siedlung mitten in der Nacht – wo sollte der Amir al-Mu’minin sein, und wo wäre sein geheimer Wächter, der uns ertappen könnte?“
Die Tochter sagte: „Es stimmt, dass kein Mensch unsere Missetat sehen kann. Aber kannst du Gottes Auge täuschen, Mutter? Am Tag des Jüngsten Gerichts werden wir doch zur Rechenschaft gezogen werden.“
Die alte Frau kam wieder zur Besinnung. Die Furcht vor Gott und dem Jenseits erfüllte sie mit Schrecken. Sie tat Buße und bezwang ihre Neigung zur Sünde.
Als der Kalif Hazrat Umar (ra) verkleidet durch die Stadt ging, hörte er zufällig das Gespräch der beiden Frauen. Von der Gottesfurcht des Mädchens angetan, nahm er sie zur Frau für seinen Sohn.
Solche Vorfälle ereignen sich in der Gesellschaft vielleicht zuhauf. Im Verhältnis zur Bevölkerungszahl ist ihre Zahl jedoch verschwindend gering.
Wenn der Charakter der Menschen auf einem solchen Fundament aus Gottesfurcht und Furcht vor dem Jenseits aufgebaut ist, wird es nicht nötig sein, zur Ausrottung von Verbrechen und Korruption in der Gesellschaft eine sichtbare Truppe zu unterhalten. Wenn die Mitarbeiter der Abteilung oder Truppe zur Korruptionsbekämpfung keine Gottesfurcht und keine Furcht vor dem Jenseits im Herzen tragen, wäre es nicht ungewöhnlich, dass auch sie korrupt werden. Dann würde in diesem Land anstelle der Bekämpfung von Korruption und Verbrechen die gemeinsame Förderung derselben zur Aufgabe aller werden.
Der Glaube an das Jenseits und der Charakter
In allen Zeitaltern und bei allen Völkern wurde die Charakterbildung sehr hoch geschätzt. Daher wurden charaktervolle Menschen zu allen Zeiten mit Achtung betrachtet. Die Wahrheit zu sagen, auf rechtmäßige Weise zu leben, anderen Barmherzigkeit zu erweisen, Bedürftigen zu helfen, das Leben, das Eigentum und die Ehre anderer zu achten, allen gegenüber – Freund oder Feind – gerecht zu sein, fleißig und rechtschaffen zu handeln, Selbstaufopferung, Geduld und Duldsamkeit sowie Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen – all dies gilt allgemein als zu den Eigenschaften eines edlen Charakters gehörend.
Nun stellt sich die Frage, wie diese charakterlichen Eigenschaften erworben werden können. Wie kann man die Motivation zu ihrem Erwerb gewinnen, und worin kann die Quelle dieser Motivation liegen?
Es ist zwar nicht so, dass man auch ohne den Glauben an Gott und das Jenseits nicht einige der oben genannten Eigenschaften erwerben könnte. Doch wären sie teilweise, vorübergehend, unvollkommen und einseitig (partial). Unter dem Einfluss von Nationalismus und Patriotismus können diese Eigenschaften teilweise erworben werden, und zwar nur im Interesse des Landes und der Nation. Andererseits wird es gerade im Interesse des Landes und der Nation als edel angesehen, diese Eigenschaften abzulegen. Unter dem Einfluss von Nationalismus und Patriotismus werden die Unterwerfung anderer Länder und Völker sowie die Versklavung von Menschen anderer Völker und ihre Zwingung zu einem niedrigeren Lebensstandard als Tiere keineswegs als verwerflich betrachtet.
Am Beispiel der englischen Nation wird gesagt, dass sie als Ganzes, obwohl sie nicht an Gott und das Jenseits glaube, verlässlicher, gerechter, wahrhaftiger, großmütiger und menschenfreundlicher sei als andere Völker und sich mit Leib und Seele dem Dienst an der Menschheit widme. Die eigentliche Tatsache ist jedoch, dass einzelne Angehörige zwar einige charakterliche Eigenschaften besitzen mögen, die Vertreter aber, die die gesamte Nation gemeinsam auswählt, auf internationaler Ebene offen und ohne Skrupel abscheuliche Verbrechen wie Lüge, Betrug, Wortbruch, Verrat, Unrecht, Ungerechtigkeit und Mord begehen. Dennoch erhalten sie den Beifall der gesamten Nation. Inwiefern war das Verhalten der britischen Herrscher gegenüber den Bewohnern ihrer Kolonien weniger barbarisch? Clive, der denkwürdige und unvergessene Führer der englischen Nation, spielte bei der Täuschung und dem Verrat zur Errichtung der Grundlage des Britischen Empire im Mangohain von Plassey eine Rolle, die ein denkwürdiges Ereignis der Geschichte darstellt. Ein mittelloser Schreiber der Ostindien-Kompanie kam 1744 nach Indien. Als er 1760 in die Heimat zurückkehrte, besaß er fast zwei Crore an Bargeld. Im Schmuckkästchen seiner Frau befanden sich Juwelen und Perlen im Wert von zwei Lakh. Damals war er der reichste Mann in England, Irland und Schottland. Dieses Vermögen war Eigentum, das den Untertanen besiegter Reiche unrechtmäßig geraubt worden war. In ihrer Lebensauffassung gilt der Raub des Eigentums anderer nicht als unmoralisch. Sind die Ungerechtigkeit und die grausame Behandlung durch Dalhousie und Warren Hastings etwa erfundene Begebenheiten? Welchen großartigen Charakter besitzen die Amerikaner, die in der heutigen Welt als Verfechter von Zivilisation und Menschenrechten auftreten? Für ihre eigenen Interessen haben sie nicht gezögert, Millionen und Abermillionen Menschen mithilfe von Atomwaffen zu vernichten. Durch die Gründung eines jüdischen Staates namens Israel im Nahen Osten wurde der Frieden der gesamten Region zerstört; Millionen Menschen wurden heimat- und mittellos und führten ein unmenschliches Leben. Sind die Amerikaner dafür nicht verantwortlich? Ist dies etwa ein Zeichen menschenfreundlichen Charakters?
Im Kommunismus und Sozialismus gibt es überhaupt keinen Platz für Moral und Ethik. Welchen Charakter besaßen die Staatsmänner Hitler, Lenin, Stalin und andere, die nicht an Gott und das Jenseits glaubten und Ströme von Blut unzähliger Millionen Menschen vergossen? Auch in China sehen wir dasselbe Bild.
Allahs Erklärung dazu, dass man durch die Leugnung des Jenseits nicht wahrhaft charakterfest werden kann, lautet wie folgt:
(Arabisch***************************)
„Die eigentliche Sache ist, dass diejenigen, die keinerlei Möglichkeit sehen, Uns zu begegnen (im Jenseits), und die mit dem diesseitigen Leben zufrieden und darin sorglos sind, und diejenigen, die gegenüber Unseren Zeichen achtlos bleiben, deren endgültiger Aufenthaltsort wird die Hölle sein – als Vergeltung für das, was sie durch ihre irrigen Lehrmeinungen und falschen Verfahrensweisen getan haben.“
– Sure Yunus: 7–8)
Wenn sie trotz der Leugnung des Jenseits charakterfest sein und gute Taten verrichten können, warum sollte dann statt der Belohnung des Paradieses die Hölle ihr letzter Zufluchtsort sein? Gewiss können auf der Grundlage des Utilitarismus teilweise bestimmte Charaktereigenschaften erworben werden (UTILITARISMUS – die Lehre, dass nur das, was dem Gemeinwohl dient, gerecht ist). Diese Charaktereigenschaften bleiben jedoch auf den Einzelnen und die Nation beschränkt. Daher bleibt unabhängig von Nation und Religion keine andere Möglichkeit, als im Interesse der Menschheit die uneingeschränkte Unterwerfung unter ein allmächtiges Wesen anzuerkennen.
Darüber hinaus ist es wünschenswert, dass es eine Methode oder einen Maßstab zur Bestimmung guten Charakters gibt. Weder kann man den Menschen eines Landes und einer Nation eine richtige Lebensordnung geben, noch kann man einen Maßstab für Gut und Böse festlegen. Gut und Böse werden im Hinblick auf Zeit, Umstände und nationale Interessen bestimmt. Was heute als gut gilt, wird morgen als schlecht angesehen. So kommt es, dass in den Parlamenten mancher Länder der Alkoholkonsum zunächst verboten und später wieder für legal erklärt wird. In nationalistischen Ländern wird den Bürgern der eigenen Nation ein bestimmter Rang verliehen, während Angehörige anderer Nationen dieses Ranges völlig beraubt werden. Auch vor dem Gesetz werden Angehörige der eigenen Nation und Ausländer nicht gleich behandelt.
Deshalb ist der Glaube an Gott und das Jenseits äußerst notwendig. Gott hat den Menschen eine schöne, geordnete und vollkommene Lebensordnung gegeben, Gut und Böse erklärt und für die Unterscheidung von Recht und Unrecht einheitliche Gesetze und Verhaltensregeln festgelegt. Diese Regeln und Ordnungen werden unveränderlich und unwandelbar bleiben.
Nachdem Allah Gut und Böse sowie Recht und Unrecht festgelegt hat, verkündet Er, dass die Menschen im Jenseits auf der Grundlage von Gut und Böse sowie Recht und Unrecht gerichtet werden. Die Menschen guten Charakters werden dort belohnt und ein ewig glückliches Leben erlangen. Das Schicksal der Menschen schlechten Charakters hingegen wird äußerst schrecklich sein. Dies ist eine unabwendbare Wahrheit, für deren Leugnung es keinen vernünftigen Grund gibt.
Jetzt ist es möglich, auf der Grundlage eines festen Glaubens an Gott und das Jenseits einen guten Charakter zu entwickeln und ein gutes Leben zu führen. Denn die spontane Motivation zur Bildung eines guten Charakters kann allein durch den Glauben an das Jenseits erlangt werden. Solange dieser Glaube im Herzen lebendig bleibt, wird man die Motivation erhalten, Gutes zu tun und den rechten Weg zu gehen.
Auch die Geschichte der Menschheit bezeugt dies: Wann immer ein Mensch oder ein Volk Gott und das Jenseits geleugnet oder vergessen hat, ist es in die bodenlose Tiefe des sittlichen Verfalls versunken. Durch die von ihnen begangenen Freveltaten und Ungerechtigkeiten kamen Wehklagen und Wehgeschrei über das gesellschaftliche Leben. Schließlich wurde dieses Volk völlig vernichtet, und sein Name und jede Spur von ihm verschwanden von der Erde.
Betrachten wir nun, welche unwiderlegbaren Argumente der edle Koran zum Jenseits vorgebracht hat. Der Glaube an das Jenseits ist so wichtig, dass sein Leugnen letztlich nichts anderes bedeutet als das Leugnen Allahs selbst und seiner Propheten und Gesandten. Erst wenn neben dem festen Glauben an Tauhid und Risalat auch eine feste Überzeugung vom Jenseits entsteht, wird das von den Propheten und Gesandten aufgezeigte Gebäude der islamischen Lebensanschauung und der islamischen Lebensordnung gesichert sein. Gerade durch den Unglauben an das Jenseits wird dieses Gebäude jedoch in Stücke zerfallen.
Daher sagt Allah, der Erhabene:
( Arabisch *******************************)
„Die Ungläubigen schwören bei Allah mit den nachdrücklichsten Eiden, dass Allah die Toten nicht wieder zum Leben erwecken werde. Warum sollte Er es nicht tun? Es ist vielmehr eine Verheißung, die Er sich selbst verpflichtend auferlegt hat. Doch die meisten Menschen wissen es nicht. Die Wiedererweckung ist notwendig, damit Allah an jenem Tag die wahre Beschaffenheit der Sache enthüllt, über die sie uneins waren. Dadurch werden die Ungläubigen erkennen, dass sie Lügner waren. Um etwas ins Dasein zu rufen, bedarf es nichts Weiteren, als dass Wir sagen: ‚Sei!‘, und sogleich ist es.“ – (Sure an-Nahl 38–40)
Allah, der Erhabene, erläutert hier die vernünftige und moralische Notwendigkeit der Wiederbelebung und Auferstehung nach dem Tod. Seit den Anfängen der Menschheit hat es hinsichtlich der eigentlichen Wahrheit zahlreiche Meinungsverschiedenheiten und Uneinigkeiten gegeben. Aufgrund dieser Uneinigkeiten kam es zwischen Abstammungsgruppen, Völkern und Stämmen zu Spaltungen, Konflikten und Auseinandersetzungen. Auf dieser Grundlage haben die Träger und Vertreter verschiedener Lehren und Anschauungen ihre eigenen Religionen, Gesellschaftsordnungen sowie Zivilisationen und Kulturen aufgebaut. Zu verschiedenen Zeiten haben Millionen Menschen zur Unterstützung und Durchsetzung der jeweiligen Lehren ihr Leben und ihren Besitz sowie ihre Ehre und Würde geopfert. Auch zu blutigen Auseinandersetzungen mit Anhängern anderer Auffassungen ist es gekommen. Die Anhänger einer Lehre haben versucht, diejenigen mit einer anderen Auffassung zu vertreiben. Die angegriffenen Anhänger haben bis zum letzten Augenblick ihren eigenen Glauben und ihre eigene Lehre nicht aufgegeben. Auch das Gewissen verlangt, dass angesichts solch heftiger Meinungsverschiedenheiten unbedingt die Wahrheit darüber enthüllt wird, was unter ihnen wahr und was falsch war. Wer auf dem Weg der Wahrheit stand und wer vom Weg abgekommen war. Auf der Erde ist keine Möglichkeit zu erkennen, diese Wahrheit zu enthüllen. Die Ordnung dieser Welt ist nämlich so beschaffen, dass es hier schwierig ist, die Wahrheit von ihren Verhüllungen zu befreien. Um dieser Forderung des Gewissens zu entsprechen, ist daher die Existenz einer anderen Welt notwendig.
Dies ist nicht nur eine Forderung des Gewissens, sondern ebenso eine Forderung der Ethik und Moral. Denn an diesen Auseinandersetzungen und Konflikten waren zahlreiche Gruppen beteiligt. Einige von ihnen verübten Unterdrückung und Misshandlung, während andere dies erduldeten. Manche opferten ihr Leben und ihren Besitz, während andere diese Gelegenheit ausnutzten. Jeder nahm seiner Lehre entsprechend eine ethische Philosophie und eine moralische Haltung an, und dadurch wurden im Leben von Millionen Menschen gute oder schlechte Auswirkungen hervorgerufen. Es muss daher unbedingt eine Zeit kommen, in der die Folgen all dessen in Gestalt von Belohnung oder Strafe zum Vorschein kommen. Wenn es unter den Bedingungen dieser Welt nicht möglich ist, die vollständigen moralischen Folgen offenzulegen, ist gewiss eine andere Welt notwendig, in der sie vollständig offenbar werden.
Allah sagt:
(Arabisch ****************************************)
„Ihr alle müsst zu Ihm zurückkehren. Dies ist Allahs unumstößliches Versprechen. Er beginnt gewiss die Schöpfung, und Er wird sie ein zweites Mal hervorbringen. Der Grund für die zweite Schöpfung ist, dass Er diejenigen, die glauben und gute Werke tun, in Gerechtigkeit belohnen wird. Diejenigen aber, die den Weg der Ungläubigen eingeschlagen haben, werden kochendes Wasser trinken und eine schmerzhafte Strafe erleiden. Diese Strafe trifft sie für all das, was sie getan haben, indem sie die Wahrheit leugneten.“ – (Sure Yunus: 4)
Hier werden die Behauptung über das Jenseits und ihr Beweis dargelegt. Die Behauptung wird entschieden aufgestellt, dass das Jenseits, das heißt die Wiederbelebung der Menschen, gewiss eintreten wird. Diese Sache ist keineswegs unmöglich. Als Beweis dafür wird angeführt, dass derjenige, der einmal erschaffen kann, auch fähig ist, dies immer wieder zu tun. Wenn Er also den Menschen bereits einmal erschaffen hat, warum sollte Er es dann nicht ein zweites Mal können?
Danach wird die Notwendigkeit des Jenseits erläutert. Das oben angeführte Argument genügt bereits für den Beweis, dass eine zweite Schöpfung durchaus möglich ist. Danach wird gesagt, dass die Wiederbelebung aus Gründen des Gewissens und der Gerechtigkeit besonders notwendig ist und dass dieses Bedürfnis ohne die Wiederbelebung keinesfalls erfüllt werden kann. Diejenigen, die allein Allah taʿala als Schöpfer und Herrn anerkennen und danach ein Leben wahrer Dienerschaft und Gehorsam führen, haben gerechterweise Anspruch auf Belohnung; ebenso sollten diejenigen, die die Wahrheit zurückweisen und ein entgegengesetztes Leben führen, die Folgen ihrer Taten tragen. Doch dieses Bedürfnis wurde im irdischen Leben überhaupt nicht erfüllt, und es besteht auch keine Aussicht darauf. Gerade zur Erfüllung dieses Bedürfnisses ist die Wiederbelebung oder das Leben im Jenseits unbedingt erforderlich.
(Arabisch ***********************************)
„Jeder muss den Tod kosten, und am Tag der Auferstehung wird euch euer Lohn vollständig vergolten. Diejenigen also, die an jenem Tag vor dem Feuer der Hölle bewahrt und ins Paradies aufgenommen werden, sie allein werden erfolgreich sein.“ – (Sure Āl ʿImrān: 185)
Auch hier wird das Argument für die Notwendigkeit des Jenseits vorgebracht. Zunächst wird eine erwiesene Wahrheit genannt, nämlich dass jeder Mensch sterblich ist. Dass jedes Lebewesen den Tod kosten muss, ist eine alltägliche Erfahrung jedes Menschen.
Danach verrichtet der Mensch auf dieser Welt während seines Lebens sowohl gute als auch schlechte Taten. Für gute und schlechte Taten erhält man hier nicht den angemessenen Lohn beziehungsweise die angemessene Strafe. Ein rechtschaffener Mensch erhält selbst nach einem ganzen Leben voller guter Taten nicht deren Lohn, und ein Übeltäter erleidet selbst nach einem ganzen Leben voller schlechter Taten keine Strafe. Dies sind äußerst reale Wahrheiten, die niemand leugnen kann. Dennoch sind sowohl die Belohnung für gute Taten als auch die Bestrafung für schlechte Taten unbedingt erforderlich. Da eine richtige und vollständige Belohnung für gute Taten sowie eine angemessene Strafe für schlechte Taten im Rahmen der Ordnung dieser Welt nicht möglich sind, ist die Notwendigkeit eines weiteren Lebens nach dem Tod unbestreitbar.
(Arabisch ***************************************************)
„Jeder muss sterben, und Wir werden euch in dieser Welt durch Glück und Leid prüfen; um das Ergebnis dieser Prüfung zu erlangen, müsst ihr zu Uns zurückkehren.“
– (Sure al-Anbiya: 35)
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Die Argumentation des Korans über das Jenseits
Als Antwort auf die Aussage der Ungläubigen, dass es nach dem langen Zeitraum, in dem die Knochen, die Haut, das Fleisch und die kleinsten Teilchen des menschlichen Körpers nach dem Tod zerfallen sind, keinerlei Möglichkeit ihrer Wiederbelebung gebe, sagt Allah der Erhabene:
( Arabisch ***************************************************)
„Alles, was die Erde von den Toten verzehrt, ist Uns bekannt. Und jedes Atom, von dem die Rede ist, ist auch in Unserem Buch bewahrt.“ – (Sure al-Qaf: 4)
Wenn die verstandeslosen Ungläubigen nicht begreifen können, wie Gott die Toten wieder zum Leben erwecken kann, so ist das nur ein Zeichen für die Beschränktheit ihres Verstandes. Das bedeutet nicht, dass Allah dazu außerstande wäre. Sie meinen, dass es unmöglich und unrealistisch sei, die Körper der Menschen, die seit Anbeginn der Zeit gestorben sind und auch künftig sterben werden, nach Tausenden von Jahren, in denen ihre Leichname zerfallen und sich in Nichts aufgelöst haben, wiederherzustellen. Doch Allah sagt, dass die zerfallenen Atome des menschlichen Körpers zwar dem Blick und dem Wissen der Menschen verborgen sein mögen, Seinem Wissen jedoch niemals verborgen sind. Wo sie sich befinden, ist Allah durchaus bekannt; außerdem sind sie in dem bewahrten Buch bis ins kleinste Detail aufgezeichnet. Sobald Allah es befiehlt, werden sie sich wieder vereinen und genau den früheren Körper bilden. Der Mensch wird nicht nur wieder zum Leben erweckt werden, sondern genau denselben Körper erhalten, den er auf der Erde besaß. Für Allah ist dies keineswegs schwierig.
Allah der Erhabene hat genau diese Art von Frage auch an vielen anderen Stellen im Heiligen Koran beantwortet:
( Arabisch ****************************************)
„Ich habe euch erschaffen. Warum erkennt ihr dann die Wahrheit darüber – über das Jenseits – nicht an?“ – (Sure al-Waqi’a: 57)
Wenn derjenige, der nicht an das Jenseits glaubt, anerkennt, dass Allah allein ihn erschaffen hat, warum sollte er dann daran gehindert sein anzuerkennen, dass Er ihn auch ein zweites Mal erschaffen kann?
( Arabisch ******************************************)
„O Menschheit! Wenn ihr Zweifel daran hegt, dass ihr am Tag der Auferstehung wieder zum Leben erweckt werdet, dann bedenkt doch: Wir haben euch zunächst aus Erde erschaffen, danach aus einem Tropfen Samen, danach aus einem Blutklumpen, danach aus einem Fleischklumpen, von dem ein Teil vollständig ausgebildet ist und ein anderer unvollständig bleibt. Damit zeigen Wir euch Unsere Macht. Und Wir lassen im Mutterleib, wen Wir wollen, bis zu einer bestimmten Frist, das heißt bis zur Geburt, verweilen. Danach bringen Wir euch als Kinder aus dem Mutterleib in die Außenwelt, damit ihr das Erwachsenenalter erreichen könnt. Unter euch gibt es auch solche, die vor dem Erwachsenenalter sterben, und solche, die ein langes Leben erhalten und das Greisenalter erreichen. Das Ergebnis ist, dass ihr, nachdem ihr über eine Sache Bescheid wisst, sie wieder vergesst. (Eine weitere Sache ist:) Ihr seht die Erde trocken daliegen. Wenn Wir dann Regen auf sie herabkommen lassen, wird sie fruchtbar und lebendig, und sie bringt allerlei schöne Gewächse hervor.“ – (Sure al-Haddsch: 5)
Die oben genannten Ereignisse sind reale Tatsachen, die sich ständig beobachten lassen. Niemand kann sie leugnen. Obwohl die Leugner des Jenseits diese Tatsachen als wahr anerkennen, erklären sie das Jenseits für unwirklich. Das ist nichts anderes als eine bloße, trotzige Leugnung ihrerseits. Andernfalls gibt es dafür keinerlei Begründung.
Allah, der Erhabene, hat die Menschen auf das Geheimnis ihrer Entstehung hingewiesen, um ihre Irrtümer zu beseitigen:
( Arabisch ***********************************************)
„Habt ihr jemals darüber nachgedacht, ob ihr aus dem Samen, den ihr beim Geschlechtsverkehr in die weibliche Gebärmutter ergießt, ein Kind entstehen lasst oder Ich? Ich habe den Tod unter euch verteilt. Ich bin auch nicht unfähig, euch eure Gestalt verändern und euch in einer anderen Gestalt entstehen zu lassen, die eurem Wissen unbekannt ist. Ihr kennt doch die erste Erschaffung von euch. Warum zieht ihr daraus keine Lehre?“
– (Sure al-Waqi’a: 58–62)
Allah, der Erhabene, hat in Seiner kurzen Ansprache der Menschheit eine äußerst wichtige Frage vorgelegt. Wenn der Mensch alle Streitfragen und Argumente beiseitelässt und nur über das Geheimnis seiner Entstehung nachdenkt, wird ihm alles klar werden. Danach wird in seinem Herzen kein Raum für Zweifel an der Existenz und Einheit Allahs sowie am Jenseits bleiben,
Allah, der Erhabene, fragt: Entsteht aus dem Samen von Mann und Frau, nachdem er miteinander verbunden worden ist, etwa von selbst ein Kind? Ist der Mensch für die Hervorbringung eines Kindes verantwortlich oder eine andere Kraft? Welche Macht haben Mann und Frau, dass sie allein durch die Vereinigung ihres Samens ein Kind zur Welt bringen könnten?
Jeder vernunftbegabte und gewissenhafte Mensch wird antworten: „Nein, nein, nein – all dies liegt außerhalb der menschlichen Macht.“ Betrachtet nun seine fortschreitende Entwicklung vom Eindringen des vereinigten Samens von Mann und Frau in die Eizelle der Frau bis zu seiner Geburt.
Nachdem die winzigsten Samenzellen von Mann und Frau (spermatozoa and ova) miteinander verschmolzen sind, entsteht eine Zelle (cell) und daraus ein Blutklumpen. Nach einiger Zeit verwandelt sich der gewachsene Blutklumpen in die Gestalt eines kleinen Menschen. Diese Gestalt ist einzigartig und unvergleichlich. Sie gleicht keiner anderen. Sie kann schön oder hässlich sein, mit allen Gliedmaßen ausgestattet oder körperlich beeinträchtigt. Ihn danach mit außergewöhnlicher Begabung, Wissen und Verstand, einem scharfen Gedächtnis und einer unerschöpflichen Fähigkeit zur Erfindung auszustatten oder ihm das Gegenteil davon zu geben – ist all dies das Werk irgendeines menschlichen Künstlers? Nein, ist es etwa das Werk irgendeiner Gottheit, irgendeines Ungeheuers oder Dämons außer Gott?
Die auf vielfältige Weise erfolgende Versorgung des wachsenden Körpers des menschlichen Kindes im Mutterleib mit Nahrung sowie die vorausschauende Einrichtung von allem, was es in dieser Welt bereits vor seiner Geburt braucht – Nahrung, Getränke, eine Unterkunft und seine Aufzucht in einer von aufrichtiger Zuneigung, Fürsorge und Liebe erfüllten Umgebung – all dies steht unter dem Plan desselben Künstlers. Wer außer Allah, dem allmächtigen und einzigartigen Künstler, dem Schöpfer und Erhalter der Welt, könnte es sonst sein?
Manche werden vielleicht sagen, all dies sei das Werk der Natur. Doch was ist mit „Natur“ gemeint? Leute wie sie bezeichnen ja die gesamte Schöpfung als Wirkung und Gegenwirkung nach einem Unfall (action and reaction after an accident). Aber besitzt die „Natur“ eigenes Wissen, einen eigenen Plan, einen gesonderten Entwurf für jede einzelne Schöpfung, eigenen Willen und eigene Tatkraft oder die Befugnis, irgendetwas zu tun? Auch das, was du „Natur“ nennen willst, steht doch vollständig unter der Kontrolle jenes Schöpfers der Welt. Licht, Luft, die Wolken am Himmel, der Regen, das Entstehen der Pflanzenwelt infolge des Regens, das schöne Grün ringsum, der dahinplätschernde Strom und der Gesang der Vögel in den Hainen – all dies wird von der geschickten Hand derselben gewaltigen Macht gelenkt.
Darüber hinaus sagt Allah, dass Er den Tod unter uns verteilt hat, das heißt, dass alle sterblich sind und nicht alle die gleiche Lebensspanne haben. Manche scheiden unmittelbar nach ihrer Geburt aus dieser Welt, andere leben mehr als hundert Jahre. Der Tod erreicht die Tür des Menschen jederzeit unerwartet. Die Zeit und den Augenblick seines Eintreffens hat allein Allah festgelegt. Er kann nicht einmal einen Augenblick früher oder später eintreten. Doch sobald der Tod kommt, kann niemand irgendjemanden zurückhalten. Hat etwa jemand trotz hundert Bemühungen den mächtigsten Herrscher der Welt, in dessen Reich die Sonne niemals unterging, zurückhalten können? So viele Kinder stürzen ihre Eltern in ein Meer der Trauer, so viele Liebende entzünden im Herzen ihrer Geliebten das Feuer ewiger Trennung, so viele Eltern lassen ihre kleinen Kinder als Waisen und hilflos zurück und gehen ins Jenseits des Todes – doch niemand kann etwas dagegen tun. Die Wissenschaft rühmt sich ihrer immer neuen, erstaunlichen Entdeckungen. Aber hat bis heute jemand ein Medikament gegen den Tod entdeckt? Hat jemand ein Gegenmittel dagegen finden können? Leben und Tod sind an die Kette eines festen und unveränderlichen Gesetzes gebunden – unter der Kontrolle einer so mächtigen Hand, dass es keine Möglichkeit gibt, von diesem Gesetz abzuweichen. Der alleinige Besitzer dieser Macht ist Allah, der Erhabene. Er ist der Herr über Leben und Tod, der Herr und Besitzer dieser Welt ebenso wie des Jenseits.
Allah hat in dem hier behandelten Vers des Heiligen Qurans außerdem erklärt, dass Er nicht nur fähig ist, die Menschheit nach ein und derselben festgelegten Methode zu erschaffen. Er ist auch fähig, sie in einer anderen, dem menschlichen Wissen unzugänglichen Gestalt und auf andere Weise zu erschaffen. Den Urmenschen Adam (a.) erschuf Er auf eine bestimmte Weise. Jesus (a.) erschuf Er entgegen der gewöhnlichen Regel der Geburt. Um einen Verstorbenen erneut zu erschaffen, wird es nicht nötig sein, ihn in Gestalt einer Samenzelle in die Eizelle einer Frau einzusetzen. Er ist vollkommen fähig, ihm genau die Gestalt wiederzugeben, in der er mit seiner körperlichen Beschaffenheit und Entwicklung gestorben ist. Was anderes als Torheit könnte es daher sein, angesichts eines Allah, des Erhabenen, der ein solch geheimnisvoller Meister der Schöpfungskunst ist, falsche Vorstellungen über Seine grenzenlose Macht und Sein grenzenloses Wissen zu hegen und das Jenseits zu leugnen?
Allah, der Erhabene, sagt ferner: „Im weltlichen Leben habt ihr eine bestimmte Sehkraft, ein bestimmtes Hörvermögen und bestimmte andere Sinne erhalten. Ich bin auch fähig, sie im Jenseits zu verändern und anders zu gestalten. An jenem Tag werdet ihr Dinge sehen und hören, die ihr jetzt nicht seht und hört. Heute besitzen eure Haut, eure Hände und Füße, eure Augen und dergleichen keine Sprachfähigkeit; die Sprachfähigkeit eurer Zunge ist von Mir gegeben. Ebenso bin Ich fähig, im Jenseits jedem einzelnen eurer Glieder Sprachfähigkeit zu verleihen. In dieser Welt habe Ich euch eine bestimmte Lebensspanne gegeben, von der es niemals eine Abweichung gegeben hat und geben wird. Im Jenseits aber werde Ich diese Meine Regel ändern und euch ein Leben geben, das ewig und unerschöpflich sein wird. Heute gibt es eine Grenze für das Ertragen von Leid; wenn ihr sie überschreitet, könnt ihr nicht länger am Leben bleiben. Geburt und Tod hier unterliegen Meinem unabänderlichen Gesetz. Im Jenseits werde Ich dieses Gesetz ändern und euch ein Leben geben, in dem ihr selbst unter der härtesten Strafe ewig leiden und dennoch am Leben bleiben werdet. Es liegt jenseits eurer Vorstellung, dass ein Greis jemals wieder Jugend erlangen könnte. Der Mensch wird vollkommen frei von Krankheit sein, und das Alter wird niemanden berühren. Alles, was hier geschieht – das aufeinanderfolgende Eintreten von Kindheit, Jugend und Alter, der Angriff von Krankheiten und die Genesung – unterliegt Meinen unveränderlichen Gesetzen und Bestimmungen. Im Jenseits werde Ich für euer Leben neue Gesetze und Bestimmungen festlegen. Sobald der Glückselige das Paradies betritt, wird er ewige Jugend erlangen. Dann besteht weder die Möglichkeit, dass die Sonne seiner Jugend am westlichen Horizont seines Lebenshimmels untergeht, noch wird ihn jemals auch nur die geringste Krankheit berühren!“
Schließlich sagt Allah, der Erhabene: „Ihr wisst gewiss, dass ihr auf irgendeine geheimnisvolle und übernatürliche Weise geboren wurdet. Wie ein Tropfen Samen aus dem Samengefäß des Vaters in den Mutterleib übertragen wurde und dadurch eure Geburt verursacht wurde. Wie ihr im dunklen Mutterleib herangebildet und als lebendige Menschen in diese Welt gesandt wurdet. Wie in einem winzigsten Samenkorn durch fortschreitende Entwicklung und Wachstum ein solcher Geist, ein Gehirn, Hände und Füße, eine Nase, Ohren und Augen in wohlproportionierter Weise angelegt wurden. Wie ihm Gewissen, Empfindungsvermögen, Verstand, verschiedene Künste und Fertigkeiten sowie eine beispiellose Erfindungsgabe verliehen wurden. Ist das einzigartige Wunder, das sich in all dem zeigt, etwa auch nur im Geringsten geringer als die Wiederbelebung der Toten? Dieses Wunder beobachtet ihr doch Tag und Nacht Hunderte Male mit eigenen Augen. Warum also leugnet ihr dennoch das Jenseits?“
(Arabisch************************************)
(Der das Jenseits Leugnende) sagt: „Wer wird diese wieder zum Leben erwecken, nachdem Knochen und Fleisch verwest sind?“ (O Prophet,) sag zu ihm: „Derjenige, der sie zuerst erschaffen hat, wird sie wieder zum Leben erwecken. Er besitzt vollkommene Kenntnis und Beherrschung der Schöpfung. Er ist es, der für euch aus den grünen Bäumen Feuer hervorgebracht hat, und damit entzündet ihr eure Öfen. Ist etwa derjenige, der die Himmel und die Erde erschaffen hat, nicht imstande, etwas Derartiges zu erschaffen? Doch, gewiss ist Er dazu imstande. Er ist der überaus kundige Meister der Schöpfung. Wenn Er etwas beschließt, sagt Er nur zu ihm: ‚Sei!‘, und es ist.“
– (Sure Ya-Sin: 78–82)
Welch größeres Argument könnte es für die Auferstehung geben? Nehmen wir beispielsweise einen Uhrmacher, der Hunderte von Uhren herstellt. Wenn jemand vor seinen Augen eine Uhr in Stücke zerschlägt und behauptet, diese Uhr könne niemals wieder hergestellt werden, würde jeder seine Dummheit anerkennen. Wer ständig neue Uhren herstellt, kann zweifellos aus den verstreuten Einzelteilen einer zerbrochenen Uhr eine weitere, völlig gleiche Uhr zusammensetzen. Der Gedanke, dass der allmächtige Schöpfer und Meister, der den Menschen beim ersten Mal auf so vielfältige Weise aus verschiedenen Bestandteilen erschaffen hat, dies nicht ein zweites Mal vermöge, ist geradezu seltsam und lächerlich. Der Erschaffung eines vollständigen Menschen geht ein Entwicklungsprozess voraus. Zuerst befindet sich im Mutterleib eine Zelle, dann entsteht ein Blutklumpen, danach ein Fleischklumpen und schließlich ein vollständiger Mensch. Hinter diesem Entwicklungsprozess steht allein der Wille Allahs, des erhabenen großen Schöpfers. Auch wenn der Mensch auf diese schrittweise Weise erschaffen wird, kann alles allein durch Allahs Befehl ins Dasein treten. Auch diese Macht besitzt Er. Daher wird es für die Auferstehung des Menschen nach dem Tod nicht nötig sein, die verschiedenen Stadien im Mutterleib zu durchlaufen, und dies ist auch nicht Allahs Wille. Erforderlich sind nur Sein Wille und Sein Befehl. Durch Seinen Willen und Befehl werden sich die zerfallenen Moleküle und Atome des menschlichen Körpers augenblicklich zusammenfügen; ein vollständiger Mensch aus Blut, Fleisch, Knochen und Haut wird entstehen und lebendig ins Dasein treten. Das ist eine äußerst einfache und verständliche Aussage.
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Historische Argumente für das Jenseits
Der allweise Allah, der Erhabene, hat die Menschen im Zusammenhang mit der Beschreibung des Jenseits einerseits dazu aufgerufen, über die wunderbare Schöpfungsweise nachzudenken und sie zu erforschen, und andererseits die Ereignisse der Vergangenheit als Zeugen für die Gewissheit des Jenseits angeführt.
(Arabisch **************************************)
„Bei dem Berg Tur! Bei dem offenbaren heiligen Buch, das auf glatten Pergamenten niedergeschrieben ist! Und beim hoch erhabenen Himmel, bei Bayt al-Ma’mur und beim aufgewühlten, wogenden Meer! Die Strafe deines Herrn wird gewiss eintreten; niemand wird sie abwenden können.“ – (Sure at-Tur: 1–8)
Mit der Strafe im vorliegenden Vers ist das Jenseits gemeint. Denn das Jenseits wird für seine Leugner eine äußerst schreckliche und schmerzhafte Strafe bringen. Damit die Menschen im Herzen glauben, dass das Jenseits eine unvermeidliche Wahrheit ist, hat Allah der Erhabene bei fünf Dingen geschworen. Das heißt, diese fünf Dinge bezeugen die Wahrheit des Jenseits.
Nehmen wir zunächst den Berg Tur: Er ist ein historischer heiliger Berg, auf dem Allah der Erhabene mit Hadhrat Musa (a. s.) sprach und ihn mit der Krone des Prophetentums schmückte. In diesem Zusammenhang wurde an diesem Ort auch der Untergang eines überaus mächtigen und herrschsüchtigen Volkes sowie die Entscheidung über die Wende im Schicksal eines anderen, unterdrückten und ausgebeuteten Volkes beschlossen. Diese Entscheidung wurde nicht aufgrund des auf Zahlen und Macht beruhenden Gesetzes dieser Welt (Physical law) getroffen, sondern gemäß dem moralischen Gesetz (Moral law) und dem Gesetz der Vergeltung für böse Taten (law of Retribution). Daher wird der Berg Tur als historischer Beweis für die Wahrheit des Jenseits angeführt.
In jener großen Nacht auf dem Berg Tur wurde beschlossen, wie Pharao, der über ein gewaltiges Land herrschte, sich anmaßte, unter den Menschen die Gottheit zu beanspruchen, und der von Macht berauscht war, mitsamt seinem Heer und seinen Würdenträgern in den Tiefen des Roten Meeres versinken sollte. Ebenso wurde beschlossen, die waffenlosen, unschuldigen, bedrängten und unterdrückten Kinder Israels für immer aus den Ketten der Sklaverei zu befreien.
Das moralische Urteil, das Allah der Erhabene, der Herr und Besitzer der Welten, von den mit Wissen und Vernunft begabten Menschen mit freiem Willen und eigener Handlungskraft fordert, steht in der Menschheitsgeschichte als leuchtendes Beispiel für das oben erwähnte Ereignis fest und wird es für immer bleiben. Zur Erfüllung dieser Forderung Allahs ist nun ein Tag des Gerichts unbedingt erforderlich, an dem die gesamte Menschheit der Welt versammelt und bis ins kleinste Detail gerichtet werden wird. Vernünftigerweise kann dies erst nach dem Ende des menschlichen Lebens geschehen. An jenem Tag des Gerichts wird niemand selbst für das geringste Unrecht und die geringste Ungerechtigkeit freikommen.
Mit dem heiligen Buch im vorliegenden Vers ist die Gesamtheit der Bücher gemeint, die den früheren Propheten offenbart wurden, nämlich die Tora, das Evangelium, der Zabur und andere himmlische Bücher. Diese Bücher befanden sich damals noch bei vielen Menschen in Bewahrung. Durch diese Bücher verkündeten die anderen Propheten hinsichtlich des Jenseits dieselbe Glaubenslehre, die der letzte Prophet, Muhammad Mustafa (s. a. w.), den Quraisch vorgetragen hat. Jeder Prophet sagte, dass einst die gesamte Menschheit vor Gott versammelt werden und dann jeder für seine eigenen Taten Rechenschaft ablegen müsse. Keinem Propheten wurde ein Buch offenbart, in dem das Jenseits nicht erwähnt oder gar gesagt worden wäre, dass es nach dem Tod kein Jenseits gebe.
Danach schwor Allah der Erhabene beim Bayt al-Ma’mur. In jedem Himmel und im Paradies gibt es ein heiliges Haus, dem sich die Engel und die Bewohner des Himmels als Gebetsrichtung zuwenden und Allah anbeten. Die heilige Kaaba in Mekka wird als das Bayt al-Ma’mur der Erde bezeichnet. Denn dieses Haus wurde nach dem Vorbild des Bayt al-Ma’mur im Paradies zunächst von den Engeln und später von Hadhrat Ibrahim (a. s.) errichtet.
Die heilige Kaaba trägt die eindringlichen Zeugnisse mehrerer Dinge in sich. Dass die Propheten Allahs wahrhaftig sind und dass Seine ewige Weisheit und Seine unendliche Macht dieses heilige Haus umgeben, ist so klar wie das Tageslicht.
Etwa zweieinhalbtausend Jahre vor der Offenbarung dieses heiligen Verses – nach anderer Auffassung viertausend Jahre zuvor – zog ein Mann in eine von Bergen umgebene, menschenleere und wasserlose Einöde und ließ dort seine geliebte Ehefrau und sein einziges noch gestilltes Kind zurück. Einige Zeit später errichtete derselbe Mann an jenem Ort ein Haus zur Anbetung Allahs und richtete den eindringlichen Ruf aus: „O Menschheit, kommt her, besucht dieses heilige Haus und vollzieht die Hadsch!“
Sein Ruf besaß eine solche magnetische Kraft und gewann die Herzen und Gemüter der Menschen derart, dass das Haus zum zentralen Anziehungspunkt des gesamten arabischen Landes wurde. Dieser erhabene Rufer war niemand anderes als der ruhmreiche Prophet, Hazrat Ibrahim Khalilullah (a.). Auf seinen Ruf hin strömten unzählige Menschen aus jeder Stadt und jedem Dorf Arabiens herbei, um dieses Haus zu besichtigen, und erfüllten die ganze Umgebung mit dem Ruf: Labbaik Allahumma labbaik (Wir sind hier, wir sind hier, o Allah, wir sind hier). Denn es war Allahs Haus.
Seit seiner Errichtung und über die Jahrtausende bis zur Offenbarung des oben genannten Verses war dieses Haus eine Stätte des Friedens und der Sicherheit und ist es bis heute geblieben.
In jener Zeit herrschte überall in Arabien, von Land zu Land, von Volk zu Volk und von Mensch zu Mensch, ein blutiges Gemetzel. Doch sobald selbst ein unbezwingbarer und blutdürstiger Gewaltherrscher sich diesem heiligen Haus näherte, lockerte sich seine eiserne Faust. Innerhalb seiner vier Grenzen wagte es niemals jemand, die Hand gegen einen anderen zu erheben. Dank dieses Hauses gelangten die Araber in den Genuss von vier heiligen Monaten, in denen überall vollkommener Frieden und Sicherheit für Leben, Besitz und Ehre herrschten. In dieser Zeit zogen sie mit ihren Handelswaren ungehindert nach Belieben umher. Auch ihr Handel blühte wie eine heranwachsende Ernte.
Dieses heilige Haus besaß eine so außerordentliche Erhabenheit, dass selbst kein mächtiger Welteroberer einen begehrlichen Blick auf es zu richten vermochte. Nur fünfundvierzig Jahre vor der Offenbarung dieser heiligen Botschaft unternahm ein kurzsichtiger, machtstolzer Herrscher einen Feldzug mit dem Ziel, dieses Haus dem Erdboden gleichzumachen. Damals gab es in ganz Arabien keine Macht, die ihn hätte aufhalten können. Doch noch bevor er dieses Haus berühren konnte, wurde er außerhalb seiner Grenzen zusammen mit seinem gewaltigen Heer vollständig vernichtet. Ihre Knochen und ihr Fleisch wurden auf übernatürliche Weise in Stücke zerschmettert. Viele Menschen, die dieses Ereignis mit eigenen Augen gesehen hatten, lebten noch, als davon berichtet wurde.
Sind all diese Dinge nicht der wahrhaftige Beweis dafür, dass Allahs Propheten keine erfundenen Dinge verkünden? Ihre Augen sehen etwas, das anderen verborgen bleibt. Ihre Stimmen sprechen Wahrheiten und Erkenntnisse aus, die andere nicht zu begreifen vermögen. Sie sagen und tun Dinge, aufgrund derer viele ihrer Zeitgenossen sie als verrückt bezeichnen. Doch nachdem Jahrhunderte vergangen sind, loben die Menschen überschwänglich ihre Weisheit und Weitsicht. Wenn solche großen Menschen in jeder Epoche dieselbe Wahrheit wiederholt haben, dass das Jenseits gewiss kommen wird, was kann dann der Unglaube daran anderes sein als Verbohrtheit?
Daraufhin führte Allah, indem Er den hohen Himmel als Zeichen Seiner erstaunlichen Schöpfungskunst erwähnte, ihn als Zeugen für das Jenseits an. Selbst im Zeitalter höchster wissenschaftlicher Entwicklung waren die Wissenschaftler nicht in der Lage, vollständige Kenntnis über den Himmel zu erlangen. Wie gewaltig und unermesslich seine Ausdehnung ist und wo sein Anfang und Ende liegen, entzieht sich noch immer ihrem Wissen. Der unendliche Himmelsraum, den man über unseren Köpfen sieht und in dem Mond, Sonne, Planeten und Sterne in Abständen von zig Millionen Meilen dahinziehen – ob dieser unendliche Raum selbst der Himmel ist oder ob der Himmel erst an seiner äußersten Grenze beginnt, lässt sich nur schwer mit Gewissheit sagen. Obwohl sich das Licht mit einer Geschwindigkeit von einhundertsechsundachtzigtausend Meilen pro Sekunde bewegt, ist das Licht vieler Sterne, das sich mit dieser Geschwindigkeit auf den Weg gemacht hat, noch immer nicht auf der Erde angekommen. Die Entfernung der Orte, an denen sich diese Sterne befinden, von der Erde konnte noch immer nicht gemessen werden.
Für die Wissenschaftler ist der Himmel zweifellos ein großes Wunder. Ihrer Ansicht nach befindet sich unser Sonnensystem in einem Teil jenes Teils des gesamten Himmels, den man Galaxie (Milchstraße) nennt. Innerhalb dieser einen Galaxie existieren Mond, Sonne, Planeten und Sterne. Die neuesten Untersuchungen der Wissenschaftler haben die Existenz von mindestens einer Million Galaxien erkennen lassen. Das Licht derjenigen unter diesen unzähligen Galaxien, die uns am nächsten ist, benötigt eine Million Jahre, um die Erde zu erreichen. Dabei beträgt seine Geschwindigkeit einhundertsechsundachtzigtausend Meilen pro Sekunde.
Schon der geringste Teil des gesamten Himmelsraums, über den die Wissenschaft uns bisher Kenntnis vermittelt hat, ist von solch gewaltiger und unermesslicher Ausdehnung. Wie gewaltig die Macht und das Wissen dessen sind, der all dies erschaffen hat, übersteigt unsere Vorstellungskraft. Das menschliche Wissen ist in dieser Hinsicht im Vergleich zum großen Ozean kleiner als ein Wassertropfen. Wenn nun ein winziger Mensch über Allah, der diesem erstaunlichen Reich der Schöpfung Existenz verliehen hat, behauptet, dass Er weder nach dem Tod neues Leben schenken noch nach der großen Katastrophe und Zerstörung eine neue Welt erschaffen könne, dann muss man sagen, dass in seinem Denken gewiss eine Unordnung eingetreten ist.
Betrachten Sie nun, wie erstaunlich die Lage der auf der Erde aufgewühlten und wogenden Meere ist! Drei Viertel der Erde bestehen aus Wasser und ein Viertel aus Land. Das lehrt die Geographie. Die Erde dreht sich mitsamt den unendlichen Wassermassen des Meeres und dem Gewicht der Landmassen unaufhörlich wie ein Kreisel im leeren Raum. Schon beim Nachdenken darüber wird einem der Kopf schwindelig.
Wenn jemand mit tiefer Aufmerksamkeit und einem klaren, unvoreingenommenen Blick über das Meer nachdenkt und es erforscht, wird sein Verstand bezeugen, dass die Ansammlung unendlicher Wassermassen auf der Erde eine solche Meisterleistung der Schöpfung ist, dass sie niemals das Ergebnis eines plötzlichen Zufalls sein kann. Darüber hinaus sind unzählige Weisheiten damit verbunden, sodass eine derart wohlgeordnete, schöne, weise und harmonische Einrichtung ohne einen Schöpfer und Lenker keineswegs plötzlich von selbst entstanden sein kann.
In den Tiefen des Meeres wurden unzählige Lebewesen erschaffen. Ihre Formen und ihr Körperbau sind verschieden. Für jede Art wurde ein Lebensraum in einer bestimmten Tiefe festgelegt, und genau entsprechend dieser Tiefe wurde sie erschaffen. Das Meerwasser wurde salzig gemacht. Deshalb wird das Meerwasser nicht verunreinigt, obwohl täglich unzählige Lebewesen in seinen Tiefen sterben und ihre Leichname verwesen und zerfallen. Die Zu- und Abnahme der Wassermassen ist so begrenzt und geregelt, dass das Wasser niemals durch den Meeresboden in die Erde eindringt und verschwindet. Ebenso wenig schwillt es jemals so gewaltig an, dass es das gesamte Festland überflutet. Seit Millionen und Abermillionen von Jahren bleibt seine Zu- und Abnahme innerhalb der festgelegten Grenzen. Auch diese Zu- und Abnahme geschieht auf das Geheiß des Schöpfers.
Durch die Hitze der Sonne entsteht aus den Wassermassen des Meeres Dampf, der emporsteigt. Daraus entstehen Wolken. Von den Winden getrieben, bewässern die Wolken verschiedene Gebiete des Festlandes. Durch den Regen entsteht alles, was nicht nur der Mensch, sondern auch die Landtiere zum Leben benötigen.
Auch aus den Tiefen des Meeres gewinnt der Mensch reichlich Nahrung. Er sammelt kostbare Perlen, Korallen, Diamanten und Juwelen. Schiffe durchqueren es von Land zu Land. Freier Handel und Wandel findet statt. Menschen reisen von einem Ort zum anderen. Diese tiefe, enge und segensreiche Beziehung zum Festland und zur Menschheit ist nur durch die harmonische Ordnung einer kunstfertigen Hand möglich. Keineswegs handelt es sich um eine Ordnung, die durch bloße Zufälle gelenkt wird.
Muss man aufgrund der vorstehenden Erörterung nicht als eine unbestreitbare Wahrheit anerkennen, dass ein einziger, allmächtiger Gott das Meer zusammen mit unzähligen anderen notwendigen Dingen so herrlich erschaffen hat, damit der Mensch bestehen und sein Leben erhalten kann?
Wenn dem so ist, dann kann nur ein unwissender Mensch sagen, Gott werde zu seiner Erhaltung Wolken aus dem Meer entstehen lassen und sein Land wasserreich, fruchtbar und von üppigen Ernten bedeckt machen, ihn aber niemals fragen, ob er, der allein durch Seine Gnade sein Leben erhält, Ihm dafür dankbar gewesen oder ungehorsam geworden ist. Allah, der Erhabene, hat ihm die Kraft sowie die Kenntnis und den Verstand gegeben, Schiffe auf dem aufgewühlten Meer zu führen, während Er es bezähmt und ihm unterworfen hält. Wird Er ihn aber niemals fragen, ob er dieses Schiff auf dem Weg von Recht und Wahrheit geführt hat oder um den Besitz anderer zu rauben? Wäre es falsch, diejenigen, die solche Gedanken hegen und solche Äußerungen machen, auf dem Gebiet des Denkens als irregeleitet zu bezeichnen?
Der mächtige Gott, dessen unendliche Allmacht sich unter anderem in der Erschaffung dieses unendlichen, geheimnisvollen Meeres zeigt, der auf der im leeren Raum kreisenden Erdoberfläche unendliche Wassermassen aufbewahrt hat, der unerschöpfliche Salzvorkommen aufgelöst und in den Tiefen des Meeres verteilt hat, der darin unzählige Lebewesen erschaffen und für ihre Nahrung gesorgt hat, der jedes Jahr Billionen Gallonen Wasser daraus entnimmt und damit Milliarden Hektar trockenen Landes bewässert – sollte Er, nachdem Er die Menschheit einmal erschaffen hat, derart kraftlos geworden sein, dass Er sie kein zweites Mal erschaffen könnte? Wenn jemand einen solchen Unsinn und derartige haltlose Worte äußert, werden Sie vielleicht sagen, dass er gewiss sein geistiges Gleichgewicht verloren hat.
Im Heiligen Koran hat Allah der Erhabene unzählige unumstößliche Beweise für die Unausweichlichkeit des Jenseits vorgebracht. Danach kann für ihn kein Raum für Zweifel am Jenseits bleiben.
Die Welt ist das Prüfungsfeld des Menschen
“(Arabisch *********************************)
Er ist es, der den Tod und das Leben erschaffen hat, damit Er euch prüfe, wer von euch hinsichtlich seiner Taten der Beste ist.“ – (Sure al-Mulk: 2)
Dass die Welt das Prüfungsfeld des Menschen ist, wird auch an mehreren anderen Stellen im Koran gesagt. Bis zum letzten Augenblick vor dem Tod legt er fortwährend Prüfungen ab. Mit dem Tod endet seine Prüfung sofort. Die Prüfung ist zwar beendet, doch ihr Ergebnis wurde keineswegs bekanntgegeben. Eine Prüfung ist jedoch ohne Bekanntgabe des Ergebnisses sinnlos. Denn die Prüfung dient gerade dazu festzustellen, wer hinsichtlich seiner Taten der Beste ist. Derjenige, der die Prüfung ablegte, starb. Ob er die Prüfung bestanden oder nicht bestanden hatte, wurde nicht bekannt. Da nun der Tod eintrat, bevor das Ergebnis bekanntgegeben wurde, ist nach dem Tod unbedingt ein weiteres Leben erforderlich, damit das Ergebnis bekannt wird. Das ist das Leben im Jenseits.
Damit ergibt sich, dass das Ergebnis der Prüfung, die der Mensch sein ganzes Leben lang abgelegt hat, nach dem Tod bekanntgegeben wird. Zu diesem Zweck wird jeder Mensch in einer neuen Welt wieder zum Leben erweckt und vor Allah, den Erhabenen, gebracht. Dies wird das Feld der Auferstehung genannt. Von diesem Gericht aus werden Erfolg und Misserfolg in der Prüfung des Menschen bekanntgegeben. Den Erfolgreichen wird der Eintritt ins Paradies und den zum Scheitern Verurteilten der Eintritt in die Hölle befohlen.
Obwohl die endgültige Entscheidung über Gut und Böse im Gericht des Jenseits verkündet wird, wird jeder bereits im Augenblick des Todes erkennen, wo sein Platz sein wird. Am Verhalten der Engel zum Zeitpunkt des Todes wird er das erkennen. An der entsprechenden Stelle wird dies erörtert werden.
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Alam-e-Barzakh
Eine Frage erhebt sich im Herzen. Sie lautet: Wohin geht die menschliche Seele unmittelbar nach dem Tod, und wo hält sie sich auf? Nach der Abrechnung am Tag der Auferstehung wird entweder das Paradies oder die Hölle ihre dauerhafte Wohnstätte sein. Doch wo wird sich die Seele während der langen Zeitspanne vor der Auferstehung aufhalten?
Auch darauf findet man im Heiligen Koran eine Antwort. Obwohl die unmittelbar auf den Tod folgende Zeit zum Jenseits gezählt wird, hat man der Zeit zwischen dem Tod und dem Tag des Gerichts einen eigenen Namen gegeben; in der islamischen Terminologie wird sie Alam-e-Barzakh genannt.
Das Wort „Barzakh“ bedeutet: Vorhang, Schleier. Alam-e-Barzakh bezeichnet eine unsichtbare, von einem Schleier verhüllte Welt. Oder die unsichtbare Welt des Alam-e-Barzakh bildet zwischen dieser materiellen Welt und dem Jenseits einen gewaltigen Vorhang.
Allah sagt:
(Arabisch *********************************)
„Und hinter ihnen liegt ein Barzakh, dessen Dauer bis zu dem Tag reicht, an dem sie wiederbelebt und auferweckt werden.“ – (Sure al-Mu’minun: 100)
Im Islam wird die Vorstellung von vier Arten von Welten vermittelt. Erstens: Alam-e-Arwah – die geistige Welt. Zweitens: Alam-e-Ajsam – die grobstoffliche oder materielle Welt (die gegenwärtige Welt). Drittens: Alam-e-Barzakh – die nach dem Tod bestehende, von einem Schleier verhüllte unsichtbare Welt. Viertens: Alam-e-Akhira – das Jenseits, die Welt der Ewigkeit nach der Auferstehung.
Nach der Erschaffung des Urmenschen Hazrat Adam (a. s.) kamen in einem bestimmten Augenblick allein durch Allahs Befehl sämtliche Seelen der Menschheit ins Dasein. Ihr vorübergehender Aufenthaltsort ist jene Welt, Alam al-Arwah, also die geistige Welt.
Einst wandte sich Allah gemeinsam an diese Seelen (die körperlosen oder mit einem feinstofflichen Körper versehenen Menschenkinder) und sagte:
(Arabisch ************************)
„Bin Ich nicht euer Schöpfer und euer erhaltender Herr?“ Alle Seelen antworteten einstimmig: „Gewiss, Ihr allein seid unser Schöpfer und Erhalter.“
Auf diese Weise nahm Allah von allen für diese Welt erschaffenen Seelen, also von den Menschen, das Bekenntnis ihrer Dienerschaft und ihres Gehorsams Ihm gegenüber entgegen. Denn sobald man Ihn als Herrn anerkennt, ist damit das Bekenntnis zu Dienerschaft und Gehorsam abgelegt. Der Ort, an dem sich diese Seelen vor ihrer Ankunft in der Welt aufhielten und noch immer aufhalten, ist Alam al-Arwah – die Welt des Aufenthalts der Seelen.
Als dann die Zeit der Ankunft der Menschen in dieser Welt begann, wurden die Seelen nach und nach aus jener feinstofflichen geistigen Welt in diese grobstoffliche Welt übertragen. Nachdem sich im Mutterleib die vollständige Gestalt des Kindes gebildet hat, tritt die bestimmte Seele, also der körperlose Mensch, allein auf Allahs Befehl aus der geistigen Welt in die menschliche Gestalt im Mutterleib ein. Danach wird er zur festgesetzten Zeit geboren und betritt die Welt.
Nach dem Tod wird die Seele wiederum aus der grobstofflichen Welt nach Alam al-Barzakh übertragen. Die Seele verlässt lediglich den Körper. Sie stirbt nicht.
Der besondere, abgegrenzte Teil von Alam al-Barzakh, in dem sich die Seele aufhält, wird „Grab“ genannt. Doch nicht jedermanns Grab wird gleich sein. Für manche wird das Grab einem Gästehaus Allahs gleichen. Für andere wird es einer engen Zelle in einem für Verbrecher bestimmten Gefängnis gleichen.
Die Seelen der verstorbenen Menschen werden hier bis zu einer bestimmten Frist, das heißt bis zum Augenblick vor der Qiyāma, verweilen.
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Beschreibung des Grabes
Im Zusammenhang mit der Darstellung des Lebens nach dem Tod werden im Heiligen Koran und in den Hadithen die Gräber beschrieben. In der vorislamischen Zeit pflegten die arabischen Götzendiener ebenso wie Juden und Christen, ohne Unterschied, die Leichname aller Verstorbenen zu bestatten.
Bei oberflächlicher und äußerer Betrachtung ist ein Grab lediglich eine Erdgrube, in der der Leichnam beigesetzt wird. Die Erde verzehrt diesen Leichnam. Das eigentliche Grab jedoch ist etwas aus einer unsichtbaren, feinstofflichen Welt, die jenseits unseres Wissens, unserer Vernunft und unserer Vorstellungskraft liegt. Oben wurde gesagt, dass das Grab ein Teil des Alam al-Barzakh ist.
Tatsächlich ist es so, dass der Ort, an dem die vom Körper getrennte Seele eines Menschen nach seinem Tod aufbewahrt wird, sein Grab ist, ganz gleich, ob er begraben, auf einem Scheiterhaufen zu Asche verbrannt, von einem wilden Tier gefressen oder im Wasser versunken und zur Nahrung von Wassertieren geworden ist. Mit dem Klang des dritten Trompetenstoßes von Hazrat Israfil (a. s.) wird jeder neues Leben erhalten, aus seinem Grab auferstehen und rasch zum Feld des Gerichts eilen.
Der Pharao ist zusammen mit seinem Heer in den unergründlichen Tiefen des Roten Meeres versunken. Das gewaltige Heer ist vielleicht zur Nahrung von Wassertieren geworden. Oder die treibenden Leichname vieler von ihnen wurden, nachdem sie das Ufer erreicht hatten, zur Nahrung von Schakalen, Hunden und Geiern. Der Leichnam des Pharaos wird seit Jahrtausenden in einem Museum in Ägypten aufbewahrt, sodass ihn jeder, der möchte, noch heute mit eigenen Augen sehen kann. Doch die Seelen von ihnen allen befinden sich jeweils in ihren eigenen Gräbern. Ihre Bestrafung dauert dort an.
(Arabisch ****************************************)
„Allah bewahrte den gläubigen Mann aus dem Volk des Pharao vor den schlimmen Folgen ihrer Verschwörung, und die Leute des Pharao wurden nach ihrem Tod von einer schweren Strafe umringt. (Das ist die Strafe des Feuers der Hölle.) Wenn dann die Auferstehung eintritt, wird befohlen werden: ‚Werft die Leute des Pharao und ihre Anhänger in die noch schwerere Strafe.‘“ – (Sure al-Mu’min 45–46)
Der obige Vers ist ein eindeutiger Beweis für die schwere Strafe, die die Sünder im Barzakh erleiden müssen. Auch zahlreiche Hadithe unter dem Titel „Strafe im Grab“ sind überliefert worden. In diesem Vers erwähnt Allah ausdrücklich zwei Stufen der Strafe. Eine vergleichsweise mildere Strafe wird Pharao und seinen Leuten vor der Auferstehung zuteil: Sie werden morgens und abends dem Feuer der Hölle vorgeführt, sodass in ihnen der Schrecken entsteht, dass sie eines Tages schließlich in dieses Höllenfeuer geworfen werden. Wenn dann die Auferstehung eintritt, wird ihnen in der zweiten Stufe jene gewaltige Strafe zuteilwerden, die für sie bestimmt ist. Das heißt, sie werden in jene Hölle geworfen werden, deren schrecklichen Anblick man ihnen seit ihrem Untergang im Meer gezeigt hat.
Dies ist nicht nur für Pharao und seine Anhänger bestimmt. Vielmehr wird jedem Sünder vom Augenblick seines Todes an bis zur Auferstehung jenes schreckliche Ende vor Augen geführt, das er schließlich unausweichlich erleiden muss. Den rechtschaffenen Dienern Allahs hingegen werden weiterhin die bezaubernden Ansichten schöner Wohnstätten gezeigt, die Allah für sie bestimmt hat. In Buchari, Muslim und dem Musnad Ahmad ist von Abdallah ibn Umar (Allah möge mit ihm zufrieden sein) überliefert:
(Arabisch **************************************)
„Jeder von euch, der stirbt, bekommt morgens und abends seine endgültige Wohnstätte gezeigt. Wenn er zu den Bewohnern des Paradieses oder zu den Bewohnern der Hölle gehört, wird ihm gesagt: ‚Dies ist die Wohnstätte, in die du eintreten wirst, wenn Allah dich am Tag der Auferstehung ein zweites Mal zum Leben erweckt und dich vor Ihn bringt.‘“
Der Heilige Koran hat unmissverständlich erklärt, dass unmittelbar nach dem Tod, im Grab oder im Barzakh, die Sünder bestraft werden und die rechtschaffenen Diener Glück und Frieden genießen:
(Arabisch *****************************************)
„Wenn du nur sehen könntest, wie die Engel die Seelen der Ungläubigen hinwegnehmen, ihnen ins Gesicht und auf ihre Seiten schlagen und sagen: ‚Kostet nun die Strafe, im Feuer zu brennen.‘“
– (Sure al-Anfal: 50)
(Arabisch *******************************************)
„Wenn die Engel die Seelen jener Gottesfürchtigen in reinem, heiligem Zustand hinwegnehmen, sagen sie zu ihnen: ‚Friede sei mit euch. Tretet für eure guten Werke ins Paradies ein.‘“
– (Sure an-Nahl: 32)
In den beiden oben genannten Versen wird den Sündern und den Frommen unmittelbar nach ihrem Tod, das heißt im Alam al-Barzakh oder im Grab, jeweils das Eintreten in die Hölle beziehungsweise ins Paradies angekündigt. Nach dem Gericht am Tag der Auferstehung und vor dem Eintritt in die Hölle oder ins Paradies werden die Sünder im Alam al-Barzakh in Qualen verweilen, während die rechtschaffenen Diener in vollkommener Ruhe leben werden. Daher sind diese beiden Verse ein eindeutiger Beweis für die Bestrafung der Sünder und für Glück und Frieden der Frommen im Grab.
Es heißt in einem Hadith, dass das Grab für manche einem Garten des Paradieses und für andere einer besonderen Grube der Hölle gleicht. Die Bestrafung der Sünder beginnt unmittelbar nach ihrem Tod. Man hält sie an einem engen Ort gefangen und bestraft sie auf vielfältige Weise. Die heiße Luft und die Flammen der Hölle berühren sie. Verschiedene giftige Schlangen und Skorpione stechen sie Tag und Nacht.
(Arabisch ***************************************)
„Wenn du nur den Zustand sehen könntest, in dem die Engel den Ungläubigen (die im Kampf getötet wurden) die Seelen nehmen. Sie schlagen ihnen wiederholt ins Gesicht und auf die unteren Körperteile und sagen: ‚Kostet jetzt die Freude des Brennens im Feuer.‘“ – (Sure an-Nahl: 28)
(Arabisch ****************************************)
„Diejenigen (Ungläubigen), die, nachdem sie sich selbst Unrecht getan haben, von den Engeln (durch die Wegnahme ihrer Seelen) ergriffen werden, geben ihre Widerspenstigkeit auf, ergeben sich und sagen: ‚Wir haben doch kein Verbrechen begangen.‘ Die Engel antworten: ‚Doch, genau so ist es. Allah weiß sehr wohl, was ihr getan habt. Geht nun durch die Tore der Hölle hinein. Dort müsst ihr für immer bleiben.‘ Daher ist es in Wahrheit so, dass es für die Hochmütigen und Überheblichen eine äußerst schlechte Wohnstätte gibt.“ – (Sure an-Nahl: 28)
(Arabisch ******************************************)
„Wie wird es dann sein, wenn die Engel ihre Seelen nehmen und ihnen dabei ins Gesicht und auf den Rücken schlagen? Das wird deshalb geschehen, weil sie einen Weg und eine Verhaltensweise eingeschlagen hatten, die Allah missfielen, und es nicht mochten, den Weg zu Seiner Zufriedenheit zu beschreiten. Daher hat Er all ihre Taten zunichtegemacht.“ (Sure Muhammad: 27–28)
Nach dem Tod werden die Seelen der Sünder an bestimmten engen Orten im Alam al-Barzakh untergebracht, und dort werden sie auf verschiedene Weise bestraft. Im Alam al-Barzakh wird es keine Körper geben, sondern nur den Rūḥ beziehungsweise die Seele, die Freude und Leid vollständig empfinden wird. Der Zustand der Sünder wird dem von Angeklagten in Haft gleichen.
Dagegen wird der Zustand der Gottesfürchtigen und Frommen völlig anders sein. Sie werden gewissermaßen Gäste Allahs, des Erhabenen, sein, und ihre Unterkunft wird um ein Vielfaches behaglicher sein.
Darin wird es verschiedene Dinge geben, die Glück und Frieden schenken. Daher heißt es, sie werde einem Garten des Paradieses gleichen.
Dem Gläubigen und dem Gottesfürchtigen werden Zeitpunkt und Ort seines Todes als frohe Botschaft verkündet.
(Arabisch ***************************************)
„Diejenigen, die sagen: ‚Allah ist unser Herr‘, und danach an diesem Bekenntnis festhalten – zu ihnen kommen gewiss die Engel herab und sagen: ‚Fürchtet euch nicht und seid nicht traurig, sondern freut euch über die frohe Botschaft vom Paradies, das euch versprochen wurde.‘“ – (Sure Hamim as-Sadschda: 30)
(Arabisch ***************************************)
„Wehe jenen Ungläubigen, die sich selbst Unrecht zufügen. Wenn die Engel ihre Seelen nehmen und sie festnehmen, unterwerfen sie sich sogleich und sagen: ‚Wir haben doch kein Verbrechen begangen.‘ Die Engel werden erwidern: ‚Wie könnt ihr sagen, ihr hättet kein Verbrechen begangen? Allah, der Erhabene, weiß über all eure Taten genau Bescheid.‘“ – (Sure an-Nahl: 28)
Der Prophet (Friede sei mit ihm) sagte:
(Arabisch *************************************)
Der Prophet (Friede sei mit ihm) sagte, dass Allah spricht: „Für Meine rechtschaffenen Diener habe Ich im Grab vieles bereitet, was kein Auge je gesehen, kein Ohr je gehört hat und was die Vorstellungskraft des Menschen übersteigt.“
Über die Bestrafung der Sünder in den Gräbern heißt es im Koran:
(Arabisch *****************************************)
„Der Überfluss und der Wettstreit um euren Besitz und eure Kinder halten euch im Stolz auf eure Macht gefangen, sodass ihr Gott vergesst. Dann werdet ihr plötzlich eines Tages sterben und im Grab ankommen. Glaubt ihr etwa, dass danach nichts mehr kommt? Denkt das niemals. Bald werdet ihr die wahre Angelegenheit erfahren. Wenn ihr den Zustand jener Zeit mit Gewissheit kennen würdet, würde dieser Irrtum von euch abfallen. Nachdem ihr ins Grab gelangt seid, werdet ihr ganz gewiss die Hölle sehen. An jenem Tag werdet ihr mit eigenen Augen Gewissheit über jene Hölle erlangen, an die ihr nicht glauben wolltet. Danach werdet ihr über die unzähligen Wohltaten befragt werden, die ihr auf dieser Erde von mir genossen habt.“ – (Sure at-Takāthur 1–8)
Eine klare Erläuterung der oben genannten Verkündung des edlen Korans findet sich im Hadith. Bei Buchari und Muslim findet sich eine Überlieferung von Abdullah ibn Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein). Darin heißt es:
Der Prophet sagte: Wenn jemand von euch stirbt und ins Grab gelangt, wird ihm jeden Morgen und jeden Abend sein künftiger Aufenthaltsort gezeigt. Gehört er zu den Bewohnern des Paradieses, wird ihm sein Platz im Paradies gezeigt, und gehört er zu den Bewohnern der Hölle, wird ihm sein Platz in der Hölle gezeigt. Danach wird ihm gesagt: „Das ist dein eigentlicher Aufenthaltsort.“
Der Prophet sagte: Danach wird Allah dich dorthin schicken.
„Wenn der Diener ins Grab gelegt wird und seine Gefährten nach seiner Bestattung zurückkehren, während er noch die Schritte ihrer Füße hört, kommen zwei Engel zu ihm. Sie lassen den Verstorbenen sich aufsetzen. Danach weisen sie auf den Propheten Mustafa (s.) und sagen: Was hast du auf der Welt von diesem Mann gehalten?“
Wenn dieser Mensch gläubig war, wird er antworten: Er ist Allahs Diener und Gesandter. Dann wird ihm gesagt: „Sieh, welch abscheulicher Platz in der Hölle für dich bestimmt war. Doch Allah hat diesen deinen Platz durch einen Platz im Paradies ersetzt.“ Daraufhin wird er beide Plätze sehen.“
Wenn man dem Ungläubigen jedoch diese Frage stellt, wird er antworten: „Ich kann das nicht sagen. Die Menschen sagten etwas, und ich sagte dasselbe wie sie.“
Ihm wird gesagt: „Du hast nicht versucht, durch dein Wissen und deinen Verstand zu begreifen, und du hast auch nicht versucht, es durch das Lesen des heiligen Buches Allahs zu erfahren.“
Danach wird er mit einem eisernen Hammer heftig geschlagen. Unter unerträglichen Schmerzen wird er gellende Schreie ausstoßen. Diese Schreie und Klagerufe werden auf der Erde alle Lebewesen außer den Dschinn und den Menschen hören.
Die Namen der beiden erwähnten Engel sind Munkar und Nakir.
Ausführliche Berichte über die Strafe im Grab sind in verschiedenen Hadith-Werken überliefert. Die Grabesstrafe ist eine unausweichliche Wahrheit. Daher sollten alle Muslime Allah, den Erhabenen, stets inständig um Befreiung von der Grabesstrafe bitten und wie wahre Muslime leben.
Hazrat Zaid ibn Thabit berichtet:
„Eines Tages ritt Rasulullah (S) auf dem Rücken eines Maultiers in einem von einer Mauer umgebenen Garten des Stammes Banu Nadschdschār. Auch wir waren bei ihm. Plötzlich sprang das Maultier hoch, sodass der Gesandte (S) beinahe zu Boden stürzte. Dort befanden sich, wie sich zeigte, fünf oder sechs Gräber. Der Prophet sagte: »Kennt jemand von euch die Bewohner dieser Gräber?«“
Einer von uns sagte: „Ich kenne sie.“
Der Prophet (S) sagte: „Wann sind diese gestorben?“
Er sagte: „Diese starben im Zeitalter des Schirks.“
Der Prophet sagte: „Diese Umma, das heißt die Menschheit, wird im Grab geprüft und erleidet Strafe. Wenn ich nicht befürchten müsste, dass ihr aufhören würdet, Menschen zu begraben, würde ich Allah darum bitten, euch die Grabesstrafe hören zu lassen, die ich höre.“
Danach wandte der Prophet (s) sein Gesicht uns zu und sagte: „Ihr alle, sucht Zuflucht bei Allah vor der Strafe der Dschahannam.“
Alle sagten einstimmig: „Wir suchen Zuflucht vor der Strafe der Dschahannam.“
Der Prophet (s) sagte: „Sucht Zuflucht bei Allah vor der Grabesstrafe.“
Alle sagten: „Wir suchen Zuflucht bei Allah vor der Grabesstrafe.“
Der Prophet (s) sagte: „Sucht Zuflucht bei Allah vor jeder verborgenen und offenen Fitna.“
Alle sagten: „Wir suchen Zuflucht bei Allah vor jeder verborgenen und offenen Fitna.“
Der Prophet (S) sagte: „Sucht nun bei Allah Zuflucht vor der Fitna des Dajjal.“
Alle sagten: „Wir suchen bei Allah Zuflucht vor der Fitna des Dajjal.“ – (Muslim)
Es sei darauf hingewiesen, dass dieses Bittgebet gemäß der vom Propheten (S) gelehrten Methode nach dem Gebet und vor dem Abschiedsgruß gesprochen wird.
Nach dem Tod eines Menschen ist es im Islam erlaubt, sein Grab zu besuchen. Zum Grab zu gehen, den Bewohner des Grabes zu grüßen und für ihn zu beten – das ist die islamische Vorgehensweise. Allerdings ist in der muslimischen Gesellschaft die Anbetung von Gräbern sowie der Schirk verbreitet, die Verstorbenen um etwas zu bitten. Um den Iman zu bewahren, muss man sich davon fernhalten.
Auch hinsichtlich der Seelen Verstorbener finden sich bei manchen Menschen in der muslimischen Gesellschaft einige irrige und schirkische Vorstellungen. Sie glauben, dass die Seelen auch nach dem Tod in dieser Welt ein- und ausgehen und umherwandern. Ihrer Ansicht nach besitzen sie zudem viele unermessliche Kräfte. Es besteht kein Zweifel daran, dass solche Vorstellungen Schirk sind. Denn unter dem Einfluss dieser irrigen Vorstellungen bitten viele diese eingebildeten Seelen um Hilfe und bringen in ihrem Namen Gelübde und Opfergaben dar. Es ist keineswegs möglich, dass die Seele aus dem Alam al-Barzakh in diese materielle Welt zurückkehrt.
Wenn man jedoch einen Verstorbenen grüßt, übermittelt Allah diesen Gruß durch Seine wunderbare Macht an die betreffende Person im Alam al-Barzakh. Manche sagen, dass der Verstorbene denjenigen, der ihn grüßt, sogar sehen und erkennen kann. Wie das möglich sein soll, ist im Zeitalter von Radio und Fernsehen eine gegenstandslose Frage.
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Die große Apokalypse oder die Zerstörung
Alles, was in der Welt geschieht, steht unter dem Plan und der Ordnung Allahs, des Erhabenen. Die Zerstörung der Schöpfung, die Erschaffung einer neuen Welt und die Wiederbelebung der Menschen stehen allesamt unter Seinem erhabenen Plan und Seiner Ordnung.
Der Engel Hadrat Israfil (a. s.) wartet auf Allahs Befehl, um die große Katastrophe einzuleiten. Sobald der Befehl ergeht, wird er in sein Horn stoßen. Man kann sich dies so vorstellen, dass er eine äußerst mächtige Sirene ertönen lässt.
Vor Beginn der großen Katastrophe wird Hadrat Israfil (a. s.) in das Horn stoßen. Das heißt, er wird eine Art Flötenklang hervorbringen. Dieses Instrument wird im Koran ( Arabisch ****) als Sūr bezeichnet. Im Englischen nennt man es beispielsweise BUGLE. Dieser Flötenklang ist ein Vorzeichen des Aufruhrs und der Verwüstung. Dieses Instrument und sein Klang übersteigen unsere Vorstellungskraft und lassen sich auch nicht in Worte fassen. Versuchen wir, dies anhand eines Beispiels zu verstehen. So wie heute der Klang einer Sirene ein unmittelbar bevorstehendes Unglück und eine Zerstörung ankündigt, insbesondere eine Sirene im Krieg, so wird der „Sūr“ oder das Horn unmittelbar vor der völligen Zerstörung einen Schrecken und ein Grauen auslösen und die Zerstörung weiter vorantreiben. Um es leichter verständlich zu machen, wurde hier die Sirene als Beispiel verwendet.
Aus dem Horn wird mit gewaltiger Geschwindigkeit ein klapperndes Geräusch ertönen, begleitet von einem anhaltenden Klang. Aus diesem Horn oder dieser Sirene wird ein derart schriller, furchterregender und schauerlicher Klang ertönen, dass die Ohren bersten werden. Jeder wird diesen Klang gleichermaßen aus seiner unmittelbaren Umgebung hören. Jeder wird meinen, der Klang entstehe direkt neben ihm. Es ist auch möglich, dass der Engel sein Horn oder seine Sirene vom selben Ort aus ertönen lässt. Doch überall auf der Welt könnte in der Nähe der Menschen ein unsichtbares Gerät aufgestellt werden, ähnlich dem Schalltrichter eines Mikrofons.
In den Hadithen wird dieser (Arabisch****) Sūr (das Horn) in drei Arten eingeteilt. Diese sind:
1. (Arabisch *****) (Nafchatul Fiza), das heißt der Hornklang, der Furcht, Schrecken und Entsetzen auslöst.
2. (Arabisch******) (Nafkhatuz-Sa’iq), das heißt der Hornklang, durch den man zu Boden fällt und stirbt oder tot zu Boden fällt.
3. (Arabisch******) (Nafchatul Qiyam), das heißt der Hornklang, durch den alle aus den Gräbern wiederbelebt und auf dem Feld der Haschr versammelt werden.
Das heißt, nach dem Schall des ersten Horns wird ein furchtbares Chaos und eine gewaltige Naturkatastrophe entstehen, sodass Menschen und Tiere voller Angst und Entsetzen wie Verrückte nach allen Seiten davonlaufen werden.
Sobald zum zweiten Mal in das Horn gestoßen wird, wird jeder, wo auch immer er sich befindet, augenblicklich sterben und zu Boden stürzen. Danach wird in einem langen Zeitraum – der mehrere Jahre oder sogar mehrere Jahrzehnte, aber auch nur eine kurze Zeit dauern kann – der Schall des Horns ein drittes und letztes Mal ertönen. Und sogleich werden alle von ihrem Sterbeort oder aus ihren Gräbern wieder zum Leben erweckt und auf dem Feld der Auferstehung versammelt werden. Allah sagt:
(Arabisch *********************************)
„(Warne sie an jenem Tag,) an dem die Erde in eine andere Erde verwandelt wird und auch die Himmel (in andere Himmel verwandelt werden). Dann werden alle vor dem einzigen Allah, dem Allmächtigen, mit gefesselten Händen und Füßen und in einem elenden Zustand erscheinen. An jenem Tag wirst du die Sünder sehen, wie sie Gewänder aus Teer tragen. Und die lodernden Flammen des Feuers werden sich über ihre Gesichter ausbreiten. Dies wird geschehen, damit Allah jedem das vergelte, was er getan hat. Allah lässt mit der Abrechnung nicht auf sich warten.“ – (Sure Ibrahim: 48–51)
Aus diesem Vers und aus anderen Andeutungen des Korans erfahren wir, dass die Erde und die Himmel am Tag der Auferstehung nicht ins Nichts aufgelöst werden. Vielmehr wird das gegenwärtige Naturgefüge beendet werden. Zu einem besonderen Zeitpunkt zwischen dem zweiten und dem dritten Schall des Horns (den nur Allah, der Erhabene, kennt) werden Erde und Himmel unter Veränderung ihrer gegenwärtigen Gestalt und Form mit einer anderen Ordnung sowie anderen Naturgesetzen und -weisen neu erschaffen werden. Dies wird die Welt des Jenseits, die Welt nach dem Tod, sein. Danach werden mit dem letzten Schall des Horns alle Menschen, die von Adam (a. s.) bis zum Augenblick vor dem Tag der Auferstehung gestorben sind, erneut zum Leben erweckt und vor Allah gebracht werden. In der koranischen Terminologie wird dies Haschр genannt. Wörtlich bedeutet es, von allen Seiten zusammenzutreiben und an einem Ort zu versammeln. – (Tafhim al-Qur’an)
Die im Heiligen Koran geschilderte Abfolge der Zerstörung lässt sich kurz so zusammenfassen: Zu jener Zeit wird zunächst die Sonne ihr Licht verlieren. Der Himmel wird aufreißen. Die Sterne werden herabstürzen. Die gesamte Welt wird von einem gewaltigen Erdbeben erschüttert werden. Berge und Gebirge werden zerbröckeln und wie Staub umherfliegen. Die Meere werden aufgewühlt und über die Ufer treten und das Festland überfluten. Kurz gesagt, alles wird völlig zerrüttet, verwüstet und zerstört werden. Von der Welt, den Himmeln und der Schöpfung wird nichts bestehen bleiben. Nicht einmal ein Engel wird existieren. Allein Allahs heiliges Wesen wird fortbestehen.
(Arabisch ***************************************)
„(An jenem Tag wird schreiend gefragt werden:) Wem gehört heute die Herrschaft? (Wo sind heute die selbstherrlichen, auf ihre Macht stolzen Herrscher der Welt?) (Die Antwort auf diesen Ruf wird erschallen:) Heute gehören Herrschaft, Macht und Souveränität allein Allah, dem Allmächtigen. (Es wird gesagt werden:) Heute wird jedem Menschen vergolten, was er erworben hat. Heute wird niemandem Unrecht getan. Und Allah ist äußerst schnell in der Abrechnung.“ – (Sure al-Mu’min: 16–17)
Nun stellt sich die Frage nach der Abrechnung über das irdische Leben der Menschen. Ist es etwa leicht, über die kleinsten Einzelheiten im Leben so unzähliger Menschen Rechenschaft abzulegen? Doch für Allah ist alles überaus leicht.
Allah sagt, dass Seine Aufgabe nach der Erschaffung des Menschen nicht beendet war. Er beobachtet die Bewegungen des Menschen. Ja, sogar die Gedanken, die in den tiefsten Regionen seines Herzens entstehen, sind Ihm bekannt.
Allah sagt auch, dass Er dem Menschen näher ist als dessen Halsader. Das unermessliche Wissen Allahs umfasst alles vollständig. Um jede seiner Bewegungen zu beobachten, muss Allah nirgendwohin gehen. Jede verborgene und offene Handlung des Menschen in jedem Augenblick ist Ihm vollkommen bekannt. Obwohl Er unmittelbares Wissen darüber besitzt, hat Er als Herrscher der Schöpfung unzählige Beamte eingesetzt, um jede Tat des Menschen aufzuzeichnen. Für jeden Menschen sind zwei Engel eingesetzt: einer auf der rechten und einer auf der linken Seite. Sobald ein Wort aus seinem Mund kommt, sind sie stets aufmerksam, um es aufzuzeichnen. Auf diese Weise fertigen die beiden Engel eine genaue und bis ins kleinste Detail vollständige Aufzeichnung jeder Tat des Menschen an. Diese Aufzeichnung oder dieses Dokument wird am Tag des Gerichts als Beweis vorgelegt werden, und es wird keinerlei Möglichkeit geben, es zu leugnen.
Es ist äußerst schwer, sich eine genaue Vorstellung von dieser lückenlosen Aufzeichnung der täglichen Taten des Menschen zu machen. Doch aus den Informationen, die uns bis heute offenbart worden sind, lässt sich mit Sicherheit sagen, dass in jedem Winkel und jeder Nische der Umgebung, in der der Mensch seine täglichen Tätigkeiten verrichtet, ein genaues Abbild seiner Handlungen, Gespräche, seines Lachens und Weinens, seines Gehens und Umhergehens, seiner Bewegungen und Gesten, seiner Stimme und all dessen, was dazugehört, eingeprägt wird. All dies kann später so wieder sichtbar gemacht werden, dass zwischen dem ursprünglichen und dem zweiten Abbild kein Unterschied besteht. Der Mensch hat mit seinen Geräten, die über begrenztes Wissen und begrenzte Fähigkeiten verfügen, einen Teil davon beherrschen können. Die von Allah eingesetzten Beamten — die Engel — benötigen jedoch nicht einmal solche Geräte, und ihrer Tätigkeit sind keinerlei Grenzen gesetzt. Der Körper des Menschen und jeder Gegenstand in seiner Umgebung sind für sie Tonband und Film, auf denen sie jedes Wort und jedes Bild vollkommen genau aufzeichnen können. Danach können sie dem Menschen am Tag des Gerichts mit seinen eigenen Ohren all das hören lassen, was er selbst gesagt hat, und ihm mit seinen eigenen Augen all das zeigen, was er offen oder heimlich getan hat. Danach wird es ihm in keiner Weise mehr möglich sein, dies zu leugnen.
Im irdischen Leben kommt der Tod eines Tages plötzlich an die Tür des Menschen. Es gibt einen bestimmten Engel, der die Seele vom Körper trennt und dadurch den Tod herbeiführt. Sein Name ist Hazrat Azrail (a.s.). Man nennt ihn auch „Malekul Maut“ — den König des Todes oder den Sensenmann. Beim Sterben gibt es auch unerträgliche Qualen. Allah sagt, dass der Mensch den Tod stets zu vermeiden sucht; wenn er jedoch mit unausweichlichen schmerzvollen Qualen eintritt, wird diesem Menschen die eigentliche Wahrheit offenbar. Bis dahin hatte zwischen dieser Welt und dem Jenseits ein undurchdringlicher Vorhang bestanden.
Im Augenblick des Todes wird dieser Vorhang gelüftet. Dann wird er das Jenseits deutlich sehen, vor dem Allahs Propheten stets warnend gesprochen haben. Ihm wird nicht nur die Wahrheit des Jenseits offenbar werden, sondern er wird auch erfahren, ob er seine Reise ins Jenseits als Glücklicher oder als Unglücklicher beginnt.
Im irdischen Leben hatte der Ungläubige all dies als unwahr und erdichtet verspottet und von sich gewiesen. Doch nun steht jenes sogenannte erdichtete Jenseits deutlich vor seinen Augen.
Auf diese Weise stirbt jeder Mensch. Wenn danach, nach der großen Katastrophe, das Signal zur Auferstehung ertönt, wird jeder Mensch auf dem Feld des Gerichts erscheinen. Zwei Engel werden ihn begleiten. Die Aufgabe des einen wird es sein, ihn vom Ort der Auferstehung bis vor Allahs Gericht zu treiben, während der andere sein Aufzeichnungsführer und Zeuge sein wird. Wahrscheinlich sind es eben diese beiden Engel, die im irdischen Leben mit der Aufzeichnung der Taten des Menschen betraut waren. Wenn der Mensch beim Ertönen des Signals aus seinem Grab oder vom Ort seines Todes wieder lebendig aufersteht, nehmen ihn diese beiden Engel in ihre Obhut und führen ihn vor Allah, so wie die Polizei einen Angeklagten vor Gericht bringt.
(Arabisch ***********************************)
„An jenem Tag wird Gott zu jedem Ungläubigen sagen: ‚Du hast dein Leben in Achtlosigkeit verbracht, indem du diesen Tag geleugnet hast. Heute habe ich die Bedeckung von deinen Augen genommen. Was du nicht glauben wolltest und mit dem Auge deines Herzens nicht sehen wolltest, das siehst du heute mit eigenen Augen. Um diese Wahrheit zu erkennen, habe ich heute deine Sehkraft geschärft.‘ – (Sure Qaf: 22)
Die beiden Engel werden die ihnen anvertraute Person vor Gott führen; derjenige, dem die Aufgabe obliegt, sie vorzuführen, wird sagen:
(Arabisch **************************************)
„O Gott, hiermit habe ich dir denjenigen vorgeführt, der meiner Obhut anvertraut worden war. (Nach dem Urteil wird der Befehl ergehen:) Wirf jeden hartnäckigen Ungläubigen, der der Wahrheit feindselig gegenübersteht, in die Hölle.‘ – (Sure Qaf: 23–24)
Die wichtigsten Verbrechen der Bewohner der Hölle
(Arabisch ***********************************)
„Wirf jeden Ungläubigen, der der Wahrheit feindselig gegenübersteht, den Weg des Guten oder den rechten Weg versperrt, die Grenzen überschreitet und Zweifel an der Religion hegt, in die Hölle.‘ – (Sure Qaf: 24–26)
Analysiert man die beiden oben genannten Verse, so ergeben sich folgende Hauptvergehen der Höllenbewohner:
- Die von den Propheten verkündete Wahrheit leugnen.
- Feindseligkeit gegenüber der Wahrheit und jenen hegen, die zu ihr aufrufen.
- Trotz der in jedem Augenblick des Lebens empfangenen Gnade und Gaben Gottes undankbar gegenüber Ihm sein.
- Den rechten Weg behindern, sich selbst vom rechten Weg fernhalten und andere in die Irre führen.
- Die Gott und den Menschen zustehenden Rechte aus dem eigenen Vermögen nicht entrichten.
- Die von Gott für das Leben festgelegten Grenzen überschreiten.
- Anderen Unrecht, Ungerechtigkeit und Unterdrückung zufügen.
- Zweifel an der von den Propheten verkündeten Religion hegen.
- Im Herzen eines anderen Zweifel hervorrufen.
- Gott einen anderen als Teilhaber beigesellen.
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Der Streit zwischen Satan und dem Menschen
Es sei darauf hingewiesen, dass Satan auf der Erde unaufhörlich damit beschäftigt ist, die Menschen in die Irre zu führen. Im Jenseits wird befohlen werden, auch ihn zusammen mit denjenigen, die zur Strafe in die Hölle bestimmt sind, in die Hölle zu werfen. Zu jener Zeit werden dieser Mensch und Satan einander fortwährend die Schuld zuschieben. Der Unglückliche wird Satan beschuldigen und sagen, dass er allein durch dessen Verführung irregegangen sei. Daher gebühre diese Strafe allein ihm.
Satan hingegen wird, ohne seine eigene Schuld anzuerkennen, den Mann selbst für schuldig erklären. Er wird vor Gott zu seiner Verteidigung vorbringen:
(Arabisch ***********************)
„O Herr und Erhalter! Ich habe keineswegs versucht, ihn irrezuführen. Vielmehr war er selbst irregeleitet.“
Allah wird zu beiden sagen: „Streitet nicht auf diese Weise vor Mir. Das bringt keinen Nutzen. Denn Ich hatte euch beide schon zuvor gewarnt, dass sowohl derjenige, der selbst irregeht, als auch derjenige, der einen anderen irregehen lässt, die Folgen davon tragen müssen. Ertragt nun beide diese unvermeidliche Strafe. Meine Entscheidung ist fest und unabänderlich. Der Befehl, der euch erteilt wurde, wird nicht geändert werden. Das von Mir auf der Erde verkündete unveränderliche Gesetz, dass sowohl der Irregegangene als auch der Irreführende eine harte Strafe erleiden müssen, wird nicht geändert werden. Trotzdem begehe Ich gegenüber keinem Meiner Diener auch nur das geringste Unrecht. Die Strafe, die heute über euch verhängt wurde, habt ihr wahrhaftig verdient. Meine Rechtsprechung gründet auf Wahrheit und Gerechtigkeit. Niemandem wird eine Strafe auferlegt, für die er nicht wirklich verantwortlich ist oder deren Verbrechen nicht durch unwiderlegbare Beweise und Zeugenaussagen nachgewiesen wurde.“ – (Siehe Sure Qaf: 27–29)
Der Grund für den Erfolg der Paradiesbewohner
Über diejenigen hingegen, die gottesfürchtig sind, dem Ruf der Propheten gefolgt sind und den Worten der Propheten ohne jeden Zweifel vollkommenen Glauben geschenkt haben, sagt Allah, dass ihnen das Paradies ganz nahegebracht werden wird. Da dieses Paradies ihre ewige Wohnstätte sein wird, wird es ihnen unmittelbar nach der Verkündung des Urteils zu ihren Gunsten ganz nahegebracht werden. Es wird nicht nötig sein, sich mühsam zu Fuß oder mit einem Verkehrsmittel zum Paradies zu begeben. Im Augenblick nach der Verkündung des Urteils werden sie mühelos ins Paradies eintreten. Allah hat auch erwähnt, aufgrund welcher Eigenschaften sie im Großen und Ganzen das Paradies erlangen werden.
(Arabisch **********************************************)
„Und das Paradies wird den Gottesfürchtigen nahegebracht werden, ohne auch nur ein wenig entfernt zu sein. Es wird gesagt werden: Das ist es, was euch versprochen wurde – für jeden, der zu Allah zurückkehrt und ein Bewahrer ist.“ – (Sure Qaf: 31–32)
(Arabisch *************************************************)
„Derjenige, der den Allerbarmer im Verborgenen fürchtet und sich Allah aufrichtig zuwendet.“ – (Sure Qaf: 33)
o Ihre erste Eigenschaft wird Gottesfurcht (Taqwa) sein. Im irdischen Leben werden sie aus Angst vor Gottes Missfallen stets furchtsam und erschrocken sein. Diese Gottesfurcht wird sie in jedem Augenblick unerschütterlich auf dem rechten Weg halten.
o In der Sprache des Korans werden sie als „Awwab“ bezeichnet; damit wird ihre zweite Eigenschaft beschrieben. „Awwab“(Arabisch ***) ist ein weitreichender Begriff. Als „Awwab“ wird jemand bezeichnet, der den Ungehorsam gegenüber Allah und die Knechtschaft unter den eigenen Begierden aufgegeben und ausschließlich den Weg zu Allahs Wohlgefallen eingeschlagen hat. Er hat alles aufgegeben, was Allah missbilligt, und alles angenommen, was Allah, der Erhabene, liebt. Wenn ein Mensch plötzlich vom Weg Gottes abweicht, gerät er in große Unruhe, bereut unverzüglich und kehrt auf den Weg Gottes zurück. Er gedenkt Allahs stets und entscheidet alles nach Allahs Grundsätzen.
o Beim dritten Merkmal werden sie als „Hafiz“ bezeichnet,(Arabisch****) was gewöhnlich „Bewahrer“ bedeutet. Ein solcher Bewahrer achtet vollständig auf die von Allah festgelegten Grenzen, auf Allahs Pflichten und Verbote sowie auf die ihm anvertrauten sonstigen Treuhandschaften und Verantwortlichkeiten. Er wahrt jene Rechte, die ihm von Allah auferlegt wurden. Er hält jene Eide und Versprechen, die er bei der Annahme des Glaubens Allah gegenüber abgelegt hat. Er achtet sorgfältig auf seine Zeit, seine Kraft, seine Arbeit und sein Streben, damit sie nicht für böse Taten und falsche Wege eingesetzt werden. Nachdem er bereut hat, bewahrt er seine Reue, damit sie nicht zunichtewird. In jedem Augenblick prüft er sich selbst (Muhasaba an-Nafs), um festzustellen, dass er Allah durch seine Worte und Taten nicht ungehorsam gewesen ist. Ein solcher Mensch wird „Hafiz“ genannt, und Menschen mit diesen Eigenschaften werden Bewohner des Paradieses sein.
o Jemand, der Allah niemals gesehen hat und dennoch aufgrund seines festen Vertrauens in Seine grenzenlose Barmherzigkeit stets in Ehrfurcht vor Ihm lebt. Allah, das Meer der Gnade, Barmherzigkeit und Erbarmung, ist niemals sichtbar, und mit den Sinnen kann man Ihn in keiner Weise wahrnehmen. Trotzdem hält sich jemand aus Furcht vor Ihm stets von Ungehorsam gegenüber Ihm fern. Die Furcht vor dem unsichtbaren Allah ist in seinem Herzen stärker als vor anderen wahrnehmbaren Kräften und offen sichtbaren mächtigen Wesen. Obwohl er an Allah als den Allerbarmer, den Barmherzigen, glaubt, sündigt er nicht in der Hoffnung auf Seine Barmherzigkeit und Vergebung. Vielmehr ist er in jedem Augenblick von Furcht und Sorge vor Allah erfüllt.
Im Abschnitt des vorliegenden Verses(Arabisch *********) wird auf zwei Eigenschaften des Gläubigen hingewiesen. Erstens soll er einen Allah fürchten, den er niemals gesehen hat. Zweitens soll er trotz Seiner Eigenschaft als Allerbarmer und Barmherziger aus Furcht vor Ihm keinen Schritt auf dem Weg der Sünde tun.
o Allah hat das Herz eines Menschen, der Ihm stets aufrichtig zugewandt ist, als „Qalb-e Munib“(Arabisch **********) bezeichnet.
Das Wort „Munib“ ist ein weitreichender Begriff. So wie die Nadel eines Kompasses unter allen Umständen nach Norden zeigt und sich trotz aller Bemühungen nicht in eine andere Richtung drehen lässt, so wird das Herz eines Gläubigen erst dann „Qalb-e Munib“ genannt, wenn es sich unter allen Umständen – in Freude und Leid, in Not und Bedrängnis, im Schlaf und im Traum, im Wachen – ausschließlich Allah zuwendet und auf Allah ausgerichtet bleibt.
Nur jene Glückseligen werden Zutritt zu Allahs Paradies erlangen, die mit den fünf oben beschriebenen Eigenschaften ausgestattet sind.
Darauf wird der erhabene Allah sie ansprechen und sagen: „Tretet ins Paradies ein, in dem es weder Kummer und Leid noch irgendwelche Sorgen und Gedanken gibt. Es ist ein Ort ungetrübten, unendlichen Glücks. Dort wird euch von meinen Engeln ein herzliches Willkommen entboten werden.“
Dieses Paradies ist ein Ort, an dem der Mensch alles Ersehnte erlangen wird. Darüber hinaus hat Allah für ihn noch weitere kostbare Schätze bereitgehalten, die er sich nicht einmal vorstellen kann. – (Sure al-Qāf: 31–35)
Am Tag des Gerichts im Jenseits wird die Menschheit hinsichtlich ihrer Sünden und guten Taten in drei Gruppen eingeteilt werden: die Vorausgeeilten, die Gruppe auf der rechten Seite und die Gruppe auf der linken Seite.
Das Bild am Tag des Gerichts vor Allahs erhabenem Thron wird vermutlich so sein: Vor Ihm wird die Gruppe der Vorausgeeilten stehen, auf der rechten Seite eine Gruppe und auf der linken Seite eine weitere. Letztere wird eine zutiefst unglückselige Gruppe sein.
In der Sure al-Wāqiʿa wird dies folgendermaßen beschrieben:
(Arabisch ****************************************)
„An jenem Tag werdet ihr in drei Gruppen geteilt werden. Eine Gruppe wird sich auf der rechten Seite befinden. Was soll ich über diese Gruppe sagen? Eine andere Gruppe wird sich auf der linken Seite befinden. Was kann man über das Unglück dieser Gruppe sagen? Und eine weitere Gruppe wird die der Vorausgeeilten sein. Dies ist das Paradies, erfüllt von Allahs Gnaden. Zu dieser Gruppe werden viele aus der frühen Zeit und wenige aus der späteren Zeit gehören. Sie werden, an Kissen gelehnt, einander gegenüber auf mit Brokat verzierten Thronen sitzen. Um sie herum werden immer junge Diener umhergehen und ihnen Freude bereiten. In ihren Händen werden sich Wasserkrüge, Trinkgefäße und mit reinem Trank gefüllte Becher befinden, die von einer Quelle stammen. Beim Trinken dieses Tranks werden sie weder Kopfschmerzen bekommen noch den Verstand verlieren. Und die immer jungen Diener werden ihnen verschiedene köstliche Früchte reichen, damit sie davon nehmen können, was immer sie wünschen. Außerdem werden ihnen verschiedene schmackhafte Fleischsorten von Vögeln serviert. Sie werden davon essen, so viel sie mögen. Für sie werden wunderschöne, großäugige Huris bestimmt sein! Ihre Schönheit wird wie sorgsam bewahrte Perlen und Juwelen sein. Als Belohnung werden sie all dies für die guten Taten erhalten, die sie im Diesseits vollbracht haben. Dort werden sie weder unnützes, törichtes Gerede noch sündige Gespräche oder schlechte Rede hören. Ihre Worte und Unterhaltungen werden von Anstand geprägt sein. Es wird darin keine Geschwätzigkeit geben (unsinniges Gerede). Sie werden lediglich mit den Worten angesprochen werden: ‚Friede, Friede sei über euch.‘“ – (Sure al-Wāqiʿa: 7–26)
Die Vorausgeeilten
Zu der oben erwähnten Gruppe der Vorangehenden werden diejenigen gehören, die in Aufrichtigkeit, im Erwerb von Verdiensten und auf dem Weg der Rechtschaffenheit allen anderen voraus sind. Sie haben als Erste dem Ruf Gottes und des Gesandten (s) Folge geleistet. Ob es um den Dschihad, um freigebiges Spenden auf dem Weg Allahs, um den Dienst an der Menschheit oder um die Arbeit der Daʿwa und des Tabligh geht – kurz gesagt: Wann immer sich in dieser Welt eine Gelegenheit bietet, durch Anstrengung und Opfer die Gerechtigkeit zu verwirklichen und das Unrecht zu beseitigen, gehören diejenigen, die dabei in den vordersten Reihen stehen, zu den Vorangehenden. Deshalb wird diese Gruppe am Tag des Jüngsten Gerichts im Jenseits an die Spitze aller gestellt werden. Die übrigen gottesfürchtigen und rechtschaffenen Menschen werden sich auf der rechten Seite befinden. Die unglückseligen Sünder hingegen werden auf der linken Seite sein.
Von ʿĀʾischa (ra) wird ein Hadith überliefert: Eines Tages fragte der edle Prophet (s) die Menschen: „Wisst ihr, wer auf dem Feld der Auferstehung als Erster unter dem Schatten Allahs (Seiner Allmacht) Zuflucht finden wird?“
Die Menschen sagten: „Allah und Sein Gesandter wissen dies am besten.“
Der Prophet sagte: „Es sind jene Menschen, deren Haltung so ist, dass sie die Wahrheit annehmen, wenn sie ihnen vorgetragen wird. Was andere betrifft, fällen sie dasselbe Urteil, das sie auch über sich selbst fällen würden.“
Oben wurde von den ewig jungen Knaben gesprochen. Sie werden bis in alle Ewigkeit junge Knaben bleiben. Sie werden niemals das Erwachsenenalter erreichen und auch niemals alt werden.
Hadhrat ʿAlī (ra) und Hadhrat Hasan al-Basrī (ra) haben gesagt, dass es sich dabei um jene Knaben handelt, die vor Erreichen der Geschlechtsreife gestorben sind. Sie hatten weder Sünden noch Verdienste, aufgrund derer sie bestraft oder belohnt werden könnten.
Es sei darauf hingewiesen, dass die oben erwähnten Knaben die Kinder solcher Menschen sein werden, denen das Paradies nicht bestimmt ist. Über die Kinder der Paradiesbewohner hat Allah verkündet, dass ihre Kinder mit ihnen im Paradies vereint werden. Nicht nur ihre unschuldigen kleinen Kinder, sondern auch diejenigen unter den Erwachsenen, die durch ihre guten Taten das Paradies erlangen, werden die Möglichkeit erhalten, gemeinsam mit ihren Eltern zu leben. – (Siehe Sure at-Tūr: 21.)
Die Gruppe zur Rechten
Danach sagt Allah im Zusammenhang mit den glückseligen Bewohnern des Paradieses der zweiten Kategorie:
(Arabisch **************************************************************)
„Sie werden weit ausgedehnte, schattenreiche, dornlose Jujuben- und Obstgärten sowie stets fließende Wasserquellen und Früchte in Hülle und Fülle erhalten. Diese Früchte werden zu allen Jahreszeiten in ausreichender Menge vorhanden sein, und es wird keinerlei Hindernis geben, sie zu erlangen und ihren Geschmack zu genießen. Sie werden auf erhöhten Sitzen Platz nehmen. Ihre Ehefrauen werden Wir neu erschaffen. Wir werden sie zu Jungfrauen machen, die ihre Ehemänner überaus lieben und ihnen im Alter gleich sind. All dies ist für die Menschen zur Rechten.“ – (Sure al-Waqi’a, 28–38)
Die erwähnten Jungfrauen werden jene Frauen sein, die aufgrund ihres Glaubens und ihres rechtschaffenen Lebens das Paradies erlangen werden. Dort werden sie ihre Jugend zurückerhalten, selbst wenn sie auf der Erde als alte Frauen gestorben sind. Ob sie auf der Erde schön gewesen sind oder nicht – im Paradies werden sie zu außergewöhnlich schönen Frauen gemacht werden. Selbst wenn sie als Mütter mehrerer Kinder gestorben sind, werden sie im Paradies ewig Jungfrauen bleiben. Auch nach dem ehelichen Verkehr wird ihre Jungfräulichkeit niemals verloren gehen.
Wenn auch die Ehemänner dieser glückseligen Frauen Bewohner des Paradieses sind, versteht sich alles Weitere von selbst. Sie werden deren ewige Gefährtinnen sein. Andernfalls werden sie aufs Neue mit einem anderen Bewohner des Paradieses verheiratet werden.
In den Schamā’il at-Tirmidhī wird ein Hadith überliefert. Eines Tages wandte sich eine alte Frau an den Propheten Mustafa (s.a.) und sagte: „O Gesandter Allahs, bitte bete dafür, dass ich ins Paradies gelangen kann.“
Der Prophet scherzte ein wenig und sagte: „Keine alte Frau kann ins Paradies eintreten.“
Als die alte Frau dies hörte, ging sie unter Tränen von dort fort.
Der Prophet sagte zu den Leuten: „Sagt ihr, dass sie im hohen Alter nicht ins Paradies eintreten kann. Allah hat gesagt, dass Er jede Bewohnerin des Paradieses als Jungfrau erschaffen wird.“
In at-Tabarānī ist eine ausführliche Überlieferung von Umm Salama (r.a.) aufgezeichnet. Als der Prophet nach den oben im Quran beschriebenen Frauen gefragt wurde, erklärte er den betreffenden Vers und sagte, dass es Frauen seien, die auf der Erde gestorben waren. Sie waren alt. Ihre Augen waren tief in die Höhlen eingesunken. Ihr Haar war ergraut und weiß geworden. Nach einem solchen Alter wird Allah sie als Jungfrauen erschaffen.
Umm Salama (r.a.) fragte: „Wenn eine Frau auf der Erde mehrere Ehemänner hatte, mit welchem ihrer Ehemänner wird sie dann im Paradies vereint sein?“
Der Prophet sagte: „Ihr wird das Recht gegeben, einen ihrer früheren Ehemänner auszuwählen. Sie wird den Ehemann auswählen, dessen Charakter und Verhalten am besten waren. Sie wird Allah folgendermaßen bitten: O Allah, da der Umgang und das Verhalten von diesem und jenem mir gegenüber viel besser waren als das der anderen, gib mir das Recht, seine Gefährtin zu sein.“
Darauf sagte der Prophet (s.a.w.s.): „Umm Salama, auf diese Weise wird guter Charakter und gutes Benehmen das Wohl dieser Welt und des Jenseits erringen.“
Es versteht sich von selbst, dass auch die Männer im Paradies ihre Jugend zurückerlangen werden.
In verschiedenen Hadithen wird über sie berichtet, dass sie etwa dreißig Jahre alt sein werden. Sie werden wie ganz junge Männer in einem Alter sein, in dem noch kein Bart gewachsen ist. Sie werden einen schönen, wohlproportionierten, hellhäutigen Körper haben.
Die Gruppe auf der linken Seite
Danach wird über die unglückselige Gruppe auf der linken Seite, die Bewohner der Hölle, gesagt:
(Arabisch *****************************************************)
„Sie werden sich in sengender Luft und siedendem Wasser aufhalten. Eine glühend heiße, tiefschwarze Rauchmasse wird sie bedecken, die niemals kühl oder angenehm sein wird. Das sind jene Menschen, die im irdischen Leben glücklich und wohlhabend waren. Ihr glückliches und wohlhabendes Leben hatte sie dazu verleitet, sich sündigen Taten hinzugeben. Diese Sünden begingen sie aus Trotz und Eigensinn. Sie sagten: ‚Werden wir nach dem Tod etwa zu Skeletten werden und uns mit der Erde vermischen? Wie sollten wir danach wieder zum Leben erweckt werden? Und sollen auch unsere Vorväter auf diese Weise wieder zum Leben erweckt werden?‘ Allah sagt: ‚O Prophet, sage ihnen: Die späteren und die früheren Menschen werden alle an einem Tag versammelt werden. Dafür ist auch eine bestimmte Zeit festgesetzt.‘ Danach sagt Allah: ‚O ihr irregegangenen Lügner, ihr werdet in der Hölle vom Baum Zaqqum essen. Mit ihm werdet ihr eure Bäuche füllen. Danach werden sie wie durstige Kamele reichlich siedendes, kochendes Wasser trinken.‘“ – (Sure al-Waqiʿa: 42–55)
„Zaqqum“ ist eine besonders dornige und geschmacklose Frucht.
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Das Elend der Höllenbewohner
An vielen Stellen des Heiligen Koran wird der Zustand der Paradiesbewohner und der Höllenbewohner beschrieben. Zuerst wird das schreckliche Schicksal der Höllenbewohner erwähnt. Danach werden auch einige Einzelheiten über das höchste Glück der Paradiesbewohner dargelegt.
(Arabisch *****************************************************)
„Die ungläubigen Kafir werden in Gruppen zur Hölle getrieben. Die Wächter der Hölle werden die Tore öffnen und sie fragen: Haben die Gesandten Allahs euch nicht die Verse ihres Herrn vorgetragen? Haben sie euch nicht davor gewarnt, dass ihr diesem Tag begegnen werdet? Sie werden antworten: Ja, das haben sie alles getan. Doch an jenem Tag wird die den Kafir versprochene Strafe vollstreckt werden. Dann wird zu ihnen gesagt werden: Betretet die Hölle! Wahrlich, diese Hölle ist ein abscheulicher und schrecklicher Aufenthaltsort für die hochmütigen Kafir. Und dort werden sie ewig verweilen.“ – (Sure az-Zumar: 71–72)
Über die Bewohner der Hölle heißt es:
(Arabisch ********************************************************)
„Am Tag der Auferstehung werden Wir sie mit gesenkten Häuptern und Gesichtern vorführen. Ihre Wohnstätte wird die Hölle sein. Wenn die Heftigkeit des Feuers der Hölle nachlässt, werden Wir es noch verstärken. Das ist ihre Vergeltung dafür, dass sie Unsere Zeichen verleugneten. Sie pflegten zu sagen: Wenn wir nach dem Tod zu Gerippen geworden und mit der Erde vermischt sind, wie sollen wir dann wieder neu erschaffen werden?“ – (Sure Banū Isrāʾīl: 97–98)
(Arabisch ***********************************************************)
„Den Kafir werden Gewänder aus Feuer angelegt. Über ihre Köpfe wird kochend heißes Wasser gegossen. Dadurch werden ihre Haut und alles, was sich in ihren Bäuchen befindet, zerschmolzen. Für sie sind eiserne Keulen bestimmt. Wenn sie wegen der unerträglichen Qual versuchen, aus der Hölle herauszukommen, werden sie wieder in sie zurückgestoßen. Zu ihnen wird gesagt werden: Kostet die Strafe des Feuers!“ – (Sure al-Haddsch: 19–22)
„Für die Kafir ist das Feuer der Hölle bestimmt. Dort werden sie weder sterben, noch wird ihre Strafe erleichtert werden. Sie werden flehentlich rufen: Unser Herr, erlöse uns von dieser Strafe! Wir werden unsere früheren schlechten Taten aufgeben und von nun an gute Taten vollbringen. Allah wird zu ihnen sagen: Habe Ich euch nicht ein langes Leben gewährt, sodass ihr die Wahrheit hättet erkennen können? Da ihr dies nicht getan habt, so kostet nun diese Strafe. Heute gibt es für die Ungerechten keinen Helfer.“ – (Sure Fātir: 36–37)
(Arabisch *************************************************)
„Diejenigen, die Meine Zeichen verleugnet haben, werde Ich bald im Feuer brennen lassen. Wenn die Haut ihrer Körper verbrannt ist, werden Wir ihnen an ihrer Stelle neue Haut geben, damit sie die Strafe weiter erleiden. Allah ist allmächtig und allwissend.“ – (Sure an-Nisāʾ: 56)
(Arabisch ****************************************************)
„Diese Leute sagen: Es gibt nach unserem ersten Tod nichts weiter. Danach werden wir kein zweites Mal auferweckt werden. Wenn du die Wahrheit sagst, dann bringe doch unsere verstorbenen Vorväter wieder zum Leben und lass sie auferstehen. (Als Antwort wird gesagt:) Sind diese etwa besser oder das Volk von Tubba und die Menschen vor ihnen? Wir vernichteten sie, weil sie Sünder waren. … Die festgesetzte Zeit für die Auferweckung all dieser Menschen ist der Tag der Entscheidung. An jenem Tag wird kein enger Freund einem anderen engen Freund von Nutzen sein, und von nirgendwoher wird ihnen Hilfe zuteilwerden. … Der Baum Zaqqūm wird die Speise der Sünder sein. Er wird wie der Bodensatz von Öl sein. Er wird in ihren Bäuchen aufwallen, wie kochendes Wasser aufwallt. (Es wird gesagt:) Ergreift ihn und zerrt ihn zur Hölle. Gießt über seinen Schädel die Strafe des brodelnden kochenden Wassers aus. Kosten sollst du dies; denn du hieltest dich für einen hochgeehrten und mächtigen Mann. Dies ist es, worüber ihr Zweifel gehegt habt.“ – (Sure ad-Duchān: 34–50)
Der von seiner Macht berauschte, gegen Gott rebellierende Herrscher hatte sich zum Herrn der Menschen gemacht. Er hielt sich für den angesehensten und geehrtesten Menschen der Welt. Die Menschen warfen sich freiwillig oder unfreiwillig vor ihm nieder und priesen und lobten ihn unaufhörlich. Was nach dem Gericht im Jenseits mit ihm geschehen wird, ist oben beschrieben worden.
„Wie wird es sein, wenn diese Ungläubigen vor das Feuer gebracht und davor aufgestellt werden? Dann wird zu ihnen gesagt werden: Ihr habt eure euch zustehenden Gaben bereits im irdischen Leben aufgebraucht und ihre Genüsse ausgekostet. Heute wird euch als Vergeltung für euren Hochmut und euren Ungehorsam, die ihr auf der Erde ohne jedes Recht an den Tag gelegt habt, eine entehrende Strafe zuteilwerden.“ – (Sure al-Ahqāf: 20)
(Arabisch ************************************************)
„Wie wird es dann sein, wenn die Engel ihre Seelen hinwegnehmen und sie schlagen, während sie ihnen auf ihre Gesichter und ihre Rücken schlagen? Dies geschieht nur deshalb, weil sie eine Vorgehensweise, eine Methode und eine Glaubenslehre befolgten, die Allah erzürnte, und weil sie nicht den Weg zu beschreiten wünschten, auf dem sie Ihn hätten zufriedenstellen können. Deshalb hat Er all ihre Taten zunichtegemacht und wertlos werden lassen.“ – (Sure Muhammad: 27–28)
Die obigen Worte wurden im Zusammenhang mit dem Konflikt und Zusammenstoß zwischen Islam und Unglauben gesprochen. Im Diesseits hatten sich diese Heuchler zum Schutz ihrer eigenen Interessen vor den Gefahren des Konflikts zwischen Islam und Unglauben bewahrt. Doch wohin werden sie nach dem Tod vor Gottes Zugriff fliehen? Zu jener Zeit wird ihr letzter Versuch und jedes Auskunftsmittel sie nicht vor den Schlägen der Engel retten können.
Auch dieser Vers ist ein Beweis für die Strafe, die nach dem Tod im عالم al-Barzakh verhängt wird. Daraus wird eindeutig ersichtlich, dass die Strafe der Ungläubigen und Heuchler bereits im Augenblick des Todes beginnt. Diese Strafe ist jedoch nicht dieselbe wie jene, die ihnen nach dem Gericht auf dem Feld der Auferstehung zuteilwerden wird.
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Das höchste Glück der Bewohner des Paradieses
Einerseits wurde ausführlich das schreckliche Ende im Jenseits der Herrscher und einflussreichen Führer der Gesellschaft beschrieben, die die Botschaft der Religion der Propheten leugnen, sich ihrer Macht rühmen und sich gegen Gott auflehnen; andererseits wurde auch das ewige glückselige Leben derjenigen beschrieben, die an die wahre Religion glauben und ihr Leben dem Weg Gottes widmen. Hier werden einige davon erwähnt:
(Arabisch ********************************************)
„Diejenigen, die im irdischen Leben gottesfürchtig, von Gottesfurcht erfüllt und gehorsam waren, werden in Scharen ins Paradies geführt. Sein Hüter wird zu ihnen sagen: ‚As-salāmu alaikum! Tretet ein, tretet ein! Betretet eure ewige Wohnstätte, das Paradies, und lebt hier in höchster Glückseligkeit.‘ Sie werden sagen: ‚Alles Lob gebührt Allah, der Sein Versprechen uns gegenüber erfüllt hat. Er hat uns dieses Paradies vollständig als Besitz überlassen. Wir können uns darin niederlassen, wo immer wir wollen. Welch schöner Lohn für diejenigen, die gute Werke tun!‘“ – (Sure az-Zumar: 73–75)
(Arabisch *******************************************************)
„Für jeden, der sich davor fürchtet, vor seinen Herrn treten zu müssen, gibt es zwei Gärten. Welche Gaben eures Herrn wollt ihr beide leugnen? (Diese Gärten) sind reich an grünen, üppigen Zweigen. … In den beiden Gärten fließen zwei Quellen unaufhörlich. … In jedem der beiden Gärten gibt es von jeder Frucht zwei Arten. … Die Bewohner des Paradieses werden sich auf Liegen zurücklehnen, deren Inneres aus dicker Seide gefertigt ist. Die Zweige der Bäume in den Gärten werden sich unter der Last ihrer Früchte herabneigen. Dort wird es außerdem keusch den Blick senkende, vollkommene Schönheiten geben. Kein Mensch und kein Dschinn hat sie zuvor berührt. Sie werden von unvergleichlicher Schönheit sein, gleich wohlbehüteten Perlen und Edelsteinen. Kann der Lohn für gute Taten etwas anderes sein als Gutes? … Neben diesen beiden Gärten werden ihnen noch zwei weitere Gärten gegeben. … Dichte, grüne und frische Gärten. … In den beiden Gärten werden zwei Quellen wie Springbrunnen emporschießen. … Darin wird es unzählige Früchte, Datteln, Granatäpfel und anderes geben. … (Zu diesen Gaben gehören) tugendhafte Ehefrauen. … Huris, die in Zelten verweilen. Kein Mensch und kein Dschinn hat diese Bewohner des Paradieses zuvor berührt. Diese Paradiesbewohner werden sich auf grünen Teppichen und schönen, kostbaren Decken zurücklehnen.“ – (Sure ar-Rahman: 46–76)
(Arabisch *******************************************************)
„Diejenigen, die den Bund mit Allah erfüllen und den Eid nicht brechen, die das bewahren, was Allah zu bewahren geboten hat, die ihren Herrn fürchten und die schwere Abrechnung fürchten, und diejenigen, die um das Wohlgefallen ihres Herrn zu erlangen, Mühsal auf sich nehmen, das Gebet verrichten, von dem Lebensunterhalt, den Wir ihnen gegeben haben, heimlich und offen ausgeben und das Böse mit dem Guten abwehren – für sie ist die Wohnstätte des Jenseits bestimmt. Das heißt, für sie wird es Gärten geben, in die auch diejenigen ihrer Vorväter, Ehefrauen und Kinder, die rechtschaffen sind, gemeinsam mit ihnen eintreten werden. Die Engel werden von allen Seiten zu ihnen kommen, um sie willkommen zu heißen, und sagen: „As-salamu alaikum (Friede sei mit euch).“ Weil ihr auf der Erde geduldig mit den Umständen (gegen die Kräfte, die dem Islam feindlich gegenüberstehen) umgegangen seid, seid ihr heute dieser Stätte würdig geworden. Wie schön ist doch der Garten des Jenseits.“ – (Sure ar-Raʿd: 20–24)
(Arabisch *************************************************************)
„Am Tag der Auferstehung werden die Sünder schon an ihrem Anblick erkannt werden. Sie werden an den Haaren ihrer Stirn und an ihren Füßen gepackt und fortgeschleift werden. Welche der Machtbeweise Allahs wollt ihr an jenem Tag leugnen? Dies ist die Hölle, die sie als Lüge abgetan hatten. Sie werden zwischen ihrem Feuerherd und dem siedend heißen Wasser hin und her gehen. …… Andererseits werden denjenigen, die ihren Herrn fürchten, im Paradies zwei Gärten zum Genuss gegeben. …… Dieser Garten ist voller grüner Ranken und Bäume. ……… Durch die beiden Gärten fließen zwei Quellen. ……… Jede Frucht des Gartens wird es in zweierlei Arten geben. …… Der Besitzer dieses Gartens wird dort auf anmutigen seidenen Lagern sitzen und sich auf Kissen stützen. Die Zweige der Bäume des Gartens werden sich unter der Last der Früchte neigen. Dort wird es außerdem Schönheiten geben, die aus Scham ihre Blicke senken. Kein Mensch und kein Dschinn hat sie zuvor berührt ……… Sie werden von unvergleichlicher Schönheit sein, gleich geschützten Perlen und Edelsteinen.“ – (Sure ar-Rahman: 41–45)
(Arabisch **************************************************)
„Diejenigen, die Unsere Zeichen verleugnet haben, werden Wir im Feuer brennen lassen. Wenn ihre Haut völlig verbrannt ist, werden Wir ihnen an ihrer Stelle neue Haut geben, damit sie die Strafe kosten können. Allah ist allmächtig und allwissend.“ – (Sure an-Nisa: 56)
(Arabisch ****************************************************)
„Bei Allah haben wahrlich diejenigen den höchsten Rang, die an Ihn geglaubt haben, um Seinetwillen ihre Häuser, Geschäfte und Felder verlassen und mit ihrem Besitz und ihrem Leben auf Allahs Weg gekämpft haben; ihr Leben ist wahrhaft erfolgreich. Ihr Herr (Allah) verkündet ihnen die frohe Botschaft Seiner Barmherzigkeit, Seines Wohlgefallens und einer Wohnstätte in Gärten, in denen für sie ewiges Glück und Frieden bereitet sind. Ewig werden sie dort verweilen. Bei Ihm gibt es unerschöpfliche Schätze als Lohn für die guten Taten.“
(Arabisch *****************************************************)
„O ihr Gläubigen! Soll ich euch ein Geschäft nennen, das euch von einer schmerzhaften Strafe erlösen wird? Glaubt an Allah und Seinen Gesandten und setzt euer Vermögen und euer Leben auf Allahs Weg ein. Wenn ihr es wissen wollt, so hört: Das ist gut für euch. (Denn dadurch) wird Allah euch eure Sünden vergeben, euch ins Paradies eintreten lassen, unter dem Ströme fließen, und euch in den Gärten und ewigen Wohnstätten prächtige Wohnungen gewähren. Das ist wahrlich der gewaltige Erfolg.“
Im Heiligen Koran werden an vielen Stellen solche ausführlichen Beschreibungen der Bewohner des Paradieses und der Bewohner der Hölle gegeben. Als Beispiel wurden oben nur einige wenige angeführt.
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Das Jenseits – der Tag des Sieges und der Niederlage
Allah, der Erhabene, hat den Tag des Gerichts im Jenseits als den eigentlichen Tag des Sieges und der Niederlage oder als den Tag des Erfolgs und des Scheiterns bezeichnet:
(Arabisch *************************************************************)
„Die Ungläubigen behaupten mit großem Hochmut, dass sie nach dem Tod keineswegs wieder auferweckt werden. (O Prophet,) sprich zu ihnen: ‚Bei meinem Herrn! Ihr werdet gewiss im Jenseits wieder auferweckt werden. Danach wird euch mitgeteilt werden, was ihr in dieser Welt getan habt. Und all dies ist für Allah eine ganz leichte Angelegenheit. So glaubt an Allah und Seinen Gesandten und an jenes ‚Licht‘, das Ich herabgesandt habe. Allah weiß über alles Bescheid, was ihr tut. All dies werdet ihr an jenem Tag erfahren, an dem Er euch zur großen Versammlung (zum Tag der Auferstehungsversammlung) versammeln wird. Dieser Tag wird für die einen gegenüber den anderen ein Tag des Sieges und der Niederlage sein. Denjenigen, die an Allah glauben und gute Werke tun, wird Allah ihre Sünden tilgen. Er wird sie ins Paradies eintreten lassen, unter dessen Wohnstätten Ströme fließen. Dort werden sie ewig bleiben. Und das ist der gewaltige Erfolg. Diejenigen hingegen, die Allah und das Jenseits verleugnen und Meine Worte und Zeichen als Lüge zurückweisen, werden Bewohner der Hölle sein. Dort werden sie ewig bleiben. Das wird ein äußerst übler Ort sein.‘“ – (Sure At-Taghabun: 7–10)
Mit „Nūr“ ist oben der Heilige Koran gemeint.
Das Wort „Taghābun“ hat mehrere Bedeutungen, die nun eine nach der anderen dargelegt werden.
Alle, die der Wahrheit widersprechen, wollten keinesfalls an das Jenseits glauben. In dieser Angelegenheit zeigten sie äußerste Widerspenstigkeit. Dabei verfügten sie über kein Mittel – und verfügen auch heute über keines –, mit dessen Hilfe sie mit Gewissheit sagen könnten, dass es kein Jenseits gibt. Dies wurde am Anfang des Buches erörtert.
Allah hat dem Propheten Muhammad (Friede und Segen seien auf ihm) in dem oben angeführten Vers befohlen, auf die großspurige Äußerung der Ungläubigen zu antworten. Die Antwort gibt Allah selbstverständlich selbst vor. Außerdem wurde ihm befohlen, seine Antwort bei Allah zu beschwören. Einen Eid kann nur jemand leisten, der unmittelbare Kenntnis von der Wahrheit einer Sache besitzt. Das Wissen des Propheten über das Jenseits besteht nicht nur darin, dass Allah es mitgeteilt hat. Selbstverständlich kann an der Wahrheit einer Sache kein Zweifel bestehen, sobald Allah etwas sagt. Doch dabei handelt es sich um den festen Glauben an eine unbestreitbare Wahrheit, ohne sie gesehen zu haben. Ein Glaube aufgrund eigener Anschauung ist das nicht.
Der Prophet Abraham (Friede sei auf ihm) besaß den festen Glauben und die Überzeugung, dass Allah die Toten wieder zum Leben erwecken kann. Dennoch wollte er mit eigenen Augen sehen, wie die Toten wieder zum Leben erweckt werden. Er wollte seinen Glauben zur vollkommenen Gewissheit machen und dadurch innere Ruhe erlangen. Deshalb bat er Gott darum. Daraufhin zeigte Gott ihm, wie Er vor den Augen Abrahams vier tote Vögel wieder zum Leben erweckte. (Siehe dazu Sure al-Baqara, Vers 260.)
Nun kann der Glaube an die Wiederbelebung der Toten bei Abraham (Friede sei auf ihm) und bei einem Gläubigen nicht derselbe sein. Doch der Glaube unseres letzten Propheten (Friede und Segen seien auf ihm) an das Jenseits und an die Wiederbelebung der Toten glich dem oben erwähnten unmittelbaren Glauben Abrahams. Allah gewährte Seinem letzten und geliebtesten Propheten in der Nacht der Miʿrādsch die Möglichkeit, mit eigenen Augen das Geheimnis der Schöpfung und noch viele weitere verborgene Dinge zu sehen. Daher konnte er ohne jedes Zögern bei Gott auf die Wahrheit des Jenseits schwören.
Die in dem oben angeführten heiligen Vers enthaltene Aussage „Danach wird euch mitgeteilt werden, was ihr auf der Erde alles getan habt“ ist äußerst bedeutsam. Gleich zu Beginn dieser Sure hat Allah gesagt, dass Er dem Menschen nach seiner Erschaffung vollständige Handlungsfreiheit gegeben hat. Wenn er will, kann er ein extremer Ungläubiger werden und den Weg der Sünde beschreiten. Er kann ein erbarmungsloser Unterdrücker, ein Räuber des Besitzes und der Ehre anderer sowie ein blutrünstiger Menschenfresser sein. Oder er kann, indem er an Allah, Seinen Gesandten und das Jenseits glaubt, ein äußerst reines Leben führen. Wie kann man angesichts dieser Freiheit, den guten oder den schlechten Weg einzuschlagen, und der gleichzeitigen Erklärung, dass für den guten Weg zwangsläufig eine Belohnung und für den schlechten Weg eine Strafe folgt, anschließend annehmen, dass Allah, der diese Freiheit gewährt und gewarnt hat, den Menschen nach dem Tod nicht fragen wird, welchen Weg er eingeschlagen hat? Gerade dazu gibt es ja das Jenseits. Allah ist ein mächtiges Wesen, das Leben und Tod gegeben hat, damit Er dadurch die Menschen prüfe und feststelle, wer im irdischen Leben hinsichtlich seiner Taten der Beste war. – (Siehe dazu Sure al-Mulk, Vers 2.)
Danach wurde dieser Tag des Jenseits der Tag des wirklichen Sieges und der wirklichen Niederlage genannt. Auch diese Aussage ist äußerst bedeutsam, und in ihr liegt bereits der Sinn des Jenseits.
Auf der Welt beginnt der Mensch seinen Lebensweg mit seinem eigenen Verstand, seiner Vernunft und seinen Tatkräften. Um sein Leben glücklich und schön zu gestalten, kennt sein Fleiß, sein Bemühen und sein Streben keine Grenzen. Jeder möchte durch die Umsetzung seines eigenen Lebensplans Erfolg erlangen. Durch dieses tägliche Bemühen und Streben des Menschen werden letztlich Sieg und Niederlage entschieden.
Aufgrund der unterschiedlichen Sichtweisen und Lebensauffassungen sind natürlich auch die Maßstäbe für Sieg und Niederlage beziehungsweise Erfolg und Misserfolg verschieden. Selbst wenn irgendein niederträchtiger Weg zum Ziel führt, wird dies in den Augen vieler als Erfolg bezeichnet. Wenn man auf dem Weg zum Erfolg Unrecht und Ungerechtigkeit, äußerste Korruption sowie unzivilisierte, niedrige und abscheuliche Methoden anwenden muss, wird auch dies als Erfolg angesehen. Jemand bemächtigt sich gewaltsam des Besitzes anderer, verwickelt sie in falsche Gerichtsverfahren und bringt sie durch falsche Zeugenaussagen und Beweise um ihr ganzes Hab und Gut; so wird er zum Sieger, zum Millionär oder zum Multimillionär. Auch dies gilt in den Augen vieler als Erfolg. Als Besitzer vieler Autos und Häuser führt er gemeinsam mit Frau und Kindern ein äußerst glückliches und luxuriöses Leben – dieser Mann gilt als Sieger. Die Leute sagen: Das Leben dieses Mannes ist wahrlich gelungen.
Jemand wird durch unredliche Mittel zum Besitzer eines unermesslichen Vermögens und vermag seine Vorherrschaft über die Gesellschaft auszubreiten. Er möchte alle unter seiner Herrschaft halten. Kein Wörtchen des Widerspruchs gegen ihn kann er dulden. Die Schar eigennütziger Schmeichler preist ihn Tag und Nacht. Die Stimme der Wahrheit verstummt in dieser Gesellschaft. Die Träger und Verkünder der Wahrheit werden von ihm bedrängt und gequält. Ihr Platz ist in den dunklen Zellen der Gefängnisse. Berauscht von seiner Macht möchte er sich über alle zu Gott erheben. Auch dies gilt ihm und vielen anderen als gewaltiger Erfolg.
Auf der anderen Seite nimmt ein Mensch die Wahrheit mit ganzem Herzen und ganzer Seele an und bemüht sich, ein rechtschaffenes Leben zu führen. Indem er Korruption, Zinsen, Bestechung, Schwarzhandel, Lüge, Betrug und Täuschung meidet, erleidet er Nachteile. Weil er die Wahrheit verkündet und gegen die Unwahrheit einen „Kampf“ führt, ziehen sich seine Verwandten, Angehörigen und Freunde von ihm zurück. Missachtung, Geringschätzung und Armut in der Gesellschaft machen sein Leben unerträglich. Die Leute sagen: Der Mann ist überaus töricht. Sonst wäre sein Leben nicht auf diese Weise gescheitert.
Die oben beschriebene äußere Gestalt von Sieg, Erfolg und Misserfolg im Leben sehen wir ständig überall um uns herum. Doch der wahre Sieg oder die wahre Niederlage beziehungsweise der wahre Misserfolg werden am Tag des Gerichts im Jenseits entschieden.
Lassen wir uns nun etwas damit befassen, dass das Jenseits über Sieg und Niederlage entscheidet.
Viele Korankommentatoren haben die Auffassung vertreten, dass die Bewohner des Paradieses nach dem Gericht im Jenseits jene Anteile des Paradieses erhalten werden, die die Bewohner der Hölle erhalten hätten, wenn Letztere im irdischen Leben so gehandelt hätten wie die Bewohner des Paradieses. Ebenso werden die Bewohner der Hölle jene Anteile der Hölle erhalten, die die Bewohner des Paradieses erhalten hätten, wenn sie auf der Welt so gelebt hätten wie die Bewohner der Hölle.
Im Sahih al-Buchari wird von Abu Huraira (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) überliefert, dass jedem, der ins Paradies eintritt, jener Platz in der Hölle gezeigt wird, den er eingenommen hätte, wenn er nicht den rechten Weg eingeschlagen hätte. Dadurch wird er Allah noch dankbarer sein. Ebenso wird dem Bewohner der Hölle jener Teil des Paradieses gezeigt werden, den er erhalten hätte, wenn er im irdischen Leben den rechten Weg gegangen wäre. Dadurch werden sein Bedauern und seine Reue noch zunehmen.
Diejenigen, die auf der Welt unterdrückt und misshandelt wurden, werden im Jenseits von den Unterdrückern so viele gute Taten erhalten, wie als Ausgleich für das ihnen zugefügte Unrecht und die ihnen zugefügte Unterdrückung erforderlich sind. Oder dem Unterdrücker wird eine entsprechende Menge an Sünden des Unterdrückten auferlegt. An jenem Tag wird der Mensch kein Vermögen besitzen, mit dem er die Forderung des Unterdrückten erfüllen könnte. Außer guten Taten und Sünden wird niemand etwas anderes besitzen. Wenn also jemand auf der Welt einem anderen Unrecht getan hat, muss er, sofern er gute Taten angesammelt hat, diese zur Erfüllung der Forderung des Unterdrückten an ihn abgeben. Selbstverständlich wird der Unterdrückte genau so viele gute Taten vom Gegenüber erhalten, wie ihm an Unrecht zugefügt wurde. Oder wenn sich im Bestand des Unterdrückers keine guten Taten befinden, werden dem Unterdrücker entsprechend viele Sünden des Unterdrückten auferlegt.
Hierüber gibt es in Bukhari einen Hadith, den Hadhrat Abu Huraira (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) überliefert hat. In dem Hadith heißt es: Wenn jemand seinem Bruder (einem Menschen) irgendein Unrecht zufügt, soll er es noch hier (auf dieser Welt) wiedergutmachen. Denn im Jenseits wird niemand auch nur einen Pfennig besitzen. Dort wird daher ein Teil seiner guten Taten jenem Menschen gegeben. Oder wenn er nicht genügend gute Taten besitzt, wird ihm ein Teil der Sünden des Unterdrückten auferlegt.
Ebenso wird im Musnad Ahmad von Jabir ibn Abdullah ibn Unays überliefert, dass der Prophet (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) sagte: „Kein Bewohner des Paradieses wird ins Paradies und kein Bewohner der Hölle in die Hölle eingehen können, solange er nicht die Forderung wegen des von ihm begangenen Unrechts und seiner Unterdrückung beglichen hat. Selbst wenn er jemandem nur eine einzige Ohrfeige gegeben hat, muss er dafür Ersatz leisten.“
Der Überlieferer sagt: „Darauf fragten wir: Wie wird das geschehen? Wir werden an jenem Tag doch mittellos sein.“
Der Prophet sagte: „Der Ausgleich wird mit Sünden und guten Taten geleistet werden.“
In Sahih Muslim und im Musnad Ahmad findet sich eine Überlieferung von Hadhrat Abu Huraira (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm). Eines Tages fragte der edle Prophet die versammelten Gefährten: „Wisst ihr, wer mittellos ist?“
Sie sagten: „Derjenige, der keinen Pfennig und keinerlei Vermögen besitzt, ist mittellos.“
Der Prophet (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) sagte: „Unter den Angehörigen meiner Umma ist derjenige mittellos, der am Tag der Auferstehung mit Gebet, Fasten, Zakat und anderen guten Taten erscheint, während er auf der Welt jemanden beschimpft, einen anderen verleumdet und über ihn üble Nachrede verbreitet, das Vermögen eines anderen zu Unrecht verzehrt, jemanden getötet und jemanden geschlagen hat. Danach werden seine guten Taten unter den Unterdrückten verteilt. Dennoch bleibt ihm zur Begleichung der Ansprüche keine einzige gute Tat übrig. Dann werden ihm die Sünden der anspruchsberechtigten Unterdrückten auferlegt, und er geht in die Hölle ein.“
Der gewaltige Segen besaß, ging bei dem Versuch, den Unterdrückten Vergeltung zu verschaffen, mit der Last gewaltiger Sünden auf dem Kopf in die Hölle. Welch furchtbares Ende! Schon der Gedanke daran lässt den Körper erschaudern. Möge Allah uns vor einem solchen Ende bewahren.
Die gewaltige Täuschung
Das im oben erwähnten Vers verwendete Wort „Taghabun“ wird in der arabischen Sprache auch im Sinne von Betrug und Täuschung gebraucht.
Gewöhnlich sieht man, dass die Menschen auf der Welt sich bei großen Sünden wie Schirk, Kufr, Unrecht, Ungerechtigkeit, Unzucht, Ausschweifung und Mord und Totschlag mit sorglosem Gemüt und größtem Vergnügen gegenseitig helfen und unterstützen. Zwischen ihnen entstehen in dieser Hinsicht tiefe Freundschaften und herzliche Verbundenheit.
Menschen aus moralisch verkommenen Familien, Anführer, die Sünde und Irreleitung verbreiten, und ihre Anhänger, Banden von Räubern und Dieben, Parteien und Unternehmen, die Irreleitung, Sünde und Obszönität verbreiten und fördern, sowie Staaten und Völker, die weit verbreitetes Unrecht, Ungerechtigkeit und Fitna und Verderben tragen und verbreiten, helfen und unterstützen einander bei der Ausbreitung der Sünde. Mehrere Staaten führen Feldzüge zur Unterwerfung eines schwachen Landes oder Staates und zur Versklavung seiner Bewohner, in dem Glauben, zwischen ihnen sei eine große Freundschaft (Alliance) oder ein militärischer Pakt (Military pact) geschlossen worden.
Jeder, der solche Beziehungen pflegt, ist der Ansicht, dass sie einander engste Freunde seien und ihre gegenseitige Hilfe und Unterstützung mit größtem Erfolg verlaufe. Wenn sie jedoch im Jenseits auf dem Feld des Gerichts erscheinen, werden sie erkennen, dass sie aufs Äußerste getäuscht worden sind. Jeder der oben beschriebenen Menschen wird empfinden, dass der wohlwollende Vater, Bruder, Ehemann, die Ehefrau, der Freund, der Anführer oder derjenige, den er für seinen Verbündeten hielt, in Wirklichkeit sein schlimmster Feind ist. An jenem Tag werden alle Verbindungen, Beziehungen, Verwandtschaften, Freundschaften, Allianzen oder Pakte in Feindschaft verwandelt werden. An jenem Tag werden sie einander beschimpfen und verfluchen. Jeder wird versuchen, seine Schuld dem anderen anzulasten, damit der Gegner die härteste Strafe erleide. Dies wird an verschiedenen Stellen des Korans erwähnt.
Die gegenseitigen Schuldzuweisungen der Sünder
Aufgrund seiner menschlichen Schwäche lässt sich der Mensch häufig von anderen beeinflussen. Viele begehen Sünden für ihren Ehepartner, um ihren Vater oder ihr Kind zufriedenzustellen, um einen Freund glücklich zu machen, um einen politischen Führer oder einen Pīr und Lehrer zufriedenzustellen, um einen Vorgesetzten zufriedenzustellen und dadurch ihre Stelle zu behalten oder befördert zu werden, oder um den tyrannischen Herrscher zufrieden zu stimmen. Wegen dieser Torheit werden sie im Jenseits aufs Äußerste getäuscht und enttäuscht sein. Im Heiligen Koran wird diese Tatsache wiederholt erwähnt und eine solche Gruppe der Selbstgetäuschten gewarnt. Einige dieser Zitate werden im Folgenden angeführt:
(Arabisch ******************************************************)
„Jene, deren Worten die Menschen folgten, werden sich am Tag der Auferstehung vollständig von ihren Anhängern lossagen. Beide werden die Schrecken jener furchtbaren Strafe sehen. Ihre Beziehung wird völlig zerreißen. Die Anhänger werden sagen: Wenn wir nur irgendwie einmal ins Diesseits zurückkehren könnten, dann würden wir uns dort vollständig von ihnen lossagen, so wie sie sich heute von uns losgesagt haben. Doch Allah wird allen ihre Taten vor Augen führen, die ihnen Reue und Bedauern bringen werden. Sie werden in die Hölle geworfen werden und werden keineswegs aus dem Feuer der Hölle herauskommen können.“ – (Sure al-Baqara: 166–167)
Die Engel Allahs werden diejenigen, die Gott fälschlich beschuldigen, beim Tod fragen:
(Arabisch **************************************************************)
„Wo sind heute jene, denen ihr außer Allah gedient habt?“ Sie werden antworten, dass sie ihnen entschwunden seien. Danach werden sie eingestehen, dass sie Allah ungläubig gewesen seien. Allah wird zu ihnen sagen: „Tretet zusammen mit den Völkern der Dschinn und der Menschen, die vor euch vergangen sind, in die Hölle ein.“ Wenn dann eine dieser Gruppen in die Hölle eintritt, wird sie die ihr gleichartigen Gruppen verfluchen. Wenn alle Gruppen dort versammelt sein werden, wird die spätere Gruppe über die frühere sagen: „O unser Herr, sie haben uns irregeführt. So verdopple ihre Strafe in der Hölle.“ Allah wird sagen: „Für euch beide ist die Strafe verdoppelt, doch ihr wisst nichts davon.“ Die erste Gruppe wird zur letzten sagen: „Ihr seid keineswegs besser als wir. So erleidet die Strafe für das, was ihr erworben habt.“ – (Sure al-A’raf: 37–39)
Im Allgemeinen zeigt sich, dass die Schwachen, Besitzlosen, Beherrschten und Unterdrückten, ob freiwillig oder unfreiwillig, den machthabenden tyrannischen Herrschern gehorchen. Über ihr Schicksal im Jenseits heißt es:
(Arabisch **************************************************************)
„Wenn beide Gruppen auf dem Feld der Auferstehungsversammlung versammelt werden, wird die schwache Gruppe zu den machtstolzen Angehörigen der Oberschicht sagen: ‚Wir sind doch nur euch gefolgt. Könnt ihr heute nicht einen Teil der Strafe Gottes von uns abwenden?‘ Sie werden antworten: ‚Wenn Allah uns einen solchen Weg gezeigt hätte, hätten wir ihn euch gewiss gezeigt. Ob diese Strafe für uns unerträglich ist oder ob wir sie geduldig hinnehmen – beides ist für uns gleich. Nun gibt es für uns keine Möglichkeit zur Rettung.‘“ – (Sure Ibrahim: 21)
(Arabisch **********************************************************)
„Hadrat Ibrahim (a. s.) sagte: Ihr habt die Götzen anstelle Allahs zu Göttern gemacht, und dies geschah nur aufgrund eurer gegenseitigen Freundschaft. Doch am Tag der Auferstehung werdet ihr einander bekämpfen und verfluchen. Eure endgültige Bleibe wird die Hölle sein. Ihr werdet keinen Helfer haben.“ – (Sure al-Ankabut: 25)
Der obige Vers besagt, dass es keinerlei Begründung dafür gibt, die von Menschenhand gefertigten Götzen anstelle Allahs, des Schöpfers und Erhalters des Universums, zu Göttern zu machen. Die Menschen wirkten gegenseitig als Freunde daran mit, sie zu Göttern zu erheben; ihre gegenseitigen Interessen und ihre Freundschaft trieben sie zur Anbetung dieser Götzen an. Ihren Fehler werden sie im Jenseits erkennen.
(Arabisch ************************************************************)
„O ihr Menschen! Fürchtet Allah, euren Herrn, und fürchtet den Tag, an dem kein Vater seinem Sohn und kein Sohn seinem Vater irgendetwas nützen kann. Allahs Verheißung an euch hinsichtlich der Auferstehung ist gewiss wahr. So soll euch euer diesseitiges Leben nicht täuschen und der trügerische Satan euch nicht Allah vergessen lassen.“ – (Sure Luqman: 33)
(Arabisch ***************************************************************)
„An jenem Tag der Auferstehung, wenn sie kopfüber in die Hölle geschleudert werden, werden sie sagen: Wenn wir doch Allah und dem Gesandten gehorcht hätten! Und sie werden sagen: O unser Herr und Erhalter! Wehe uns! Wir sind doch nur unseren Führern und Ältesten gefolgt. O unser Herr, so verdopple ihre Strafe und verfluche sie aufs Äußerste.“ – (Sure al-Ahzab: 66–68)
(Arabisch *******************************************************************)
„Diese Ungläubigen sagen: ‚Unter keinen Umständen werden wir den Koran anerkennen. Ebenso werden wir kein früheres Buch anerkennen.‘ Wenn du doch ihren Zustand sehen könntest, wenn diese Frevler vor ihrem Herrn stehen und einander gegenseitig beschuldigen! An jenem Tag werden die hilflosen Schwachen zu den hochmütigen Anführern der Gesellschaft sagen: ‚Wenn ihr nicht gewesen wärt, hätten wir an Allah geglaubt.‘ Die hochmütigen Anführer werden zu den Schwachen sagen: ‚Haben wir euch etwa vom rechten Weg abgehalten, nachdem die Botschaft der Rechtleitung zu euch gelangt war? Nein, ihr selbst habt euch schuldig gemacht.‘ Die Schwachen werden zu den Wohlhabenden sagen: ‚Ja, gewiss. Vielmehr waren es eure Intrigen bei Tag und bei Nacht, die uns vom Weg abbrachten. Ihr habt uns doch befohlen, Allah zu verleugnen und Ihm in der Anbetung Teilhaber beizugesellen.‘ Allah sagt: Wenn sie ihre Strafe sehen, werden sie versuchen, ihre Scham und ihre Reue zu verbergen. Wir werden diesen Leugnern der Wahrheit Ketten um den Hals legen. Wie ihre Taten waren, so werden sie auch die Folgen zu erleiden haben.“ – (Sure Saba 31–33)
Betrachtet ferner, wie in der Gesellschaft jene Machthaber, die sich von Allah abgewandt und gegen Ihn aufgelehnt haben, über andere herrschen und in äußersten Streit mit den Verkündern der Wahrheit geraten. Sie blicken voller Verachtung auf die Allah fürchtenden Menschen, die sich an die Wahrheit halten. Die herrschende Klasse beschuldigt die Verkünder der Wahrheit, sie seien irregeführt, Heuchler, religiöse Maskenträger und Urheber von Verwirrung und Unfrieden in der Gesellschaft. Doch im Jenseits werden sie aufs Äußerste getäuscht sein, wenn die wahre Wahrheit vor ihnen offenbar wird. Sie werden sagen:
(Arabisch *************************************)
„Und sie werden aus der Hölle heraus sagen: ‚Was ist mit ihnen? Wir sehen sie nicht – jene, die wir zu den Bösen gezählt haben.‘“ – (Sure Sad 62)
Am Tag der Auferstehung wird Allah, der Erhabene, zu den Ungläubigen sagen:
(Arabisch *****************************************)
„Heute ist der Tag der endgültigen Entscheidung, den ihr für eine Lüge erklärt habt. (Dann wird Allah befehlen:) ‚Bringt diese Frevler zusammen mit ihren Gefährten und mit jenen, deren Befehlen sie zu folgen pflegten, und führt sie zur Hölle. Haltet sie dort ein wenig an; sie müssen befragt werden. Was ist mit euch geschehen, dass ihr einander heute nicht helft? Seht nur, heute überlassen sie einander sich selbst.‘ Die Anführer und ihre Anhänger werden sich einander gegenüberstehen und miteinander streiten. Die Anhänger werden sagen: ‚Euer Auftreten hatte eine gewaltige Wirkung auf uns; das heißt, wir hatten keine andere Möglichkeit, als euren Befehlen zu gehorchen.‘ Die Anführer werden sagen: ‚Ihr selbst habt aus eigenem Willen nicht geglaubt. Welche Macht hatten wir denn über euch? Vielmehr wart ihr selbst ungehorsam und widerspenstig. Nun hat sich das Wort unseres Herrn als wahr erwiesen. Jetzt müssen wir die Strafe kosten.‘ (Später werden sie eingestehen und sagen:) ‚Wir haben euch in die Irre geführt, und auch wir selbst waren irregeführt.‘ Allah sagt: Beide Gruppen werden an jenem Tag gleichermaßen an der Strafe teilhaben. Mit den Schuldigen verfahren Wir ebenso.“ – (Sure as-Saffat 21–34)
Diejenigen, die sich um rein weltlicher Vorteile willen in den Ungehorsam gegenüber Allah verstricken, um die gegen Allah auflehnenden und von Ihm abgewandten Führer und Herrscher zufriedenzustellen, sollten aus der vorangegangenen Erörterung eine Lehre ziehen.
Der edle Prophet (s.a.) verkündet daher:
(Arabisch **********************************)
„Niemandem unter den Geschöpfen (Menschen) darf man unter Missachtung Allahs auf irgendeine Weise gehorchen.“
(Arabisch ********************************************************************)
„Diejenigen, die Allah und das Jenseits verleugnet hatten, werden am Tag der Auferstehung sagen: O unser Herr, zeige uns diejenigen unter den Dschinn und den Menschen, die uns in die Irre geführt haben. Wir werden sie heute mit Füßen treten und sie erniedrigen und demütigen.“ – (Hāmīm as-Sadschda 29)
(Arabisch *******************************************************************)
„Am Tag der Auferstehung werden die Freunde, wenn sie einander begegnen, nicht miteinander sprechen. Die Sünder werden an jenem Tag wünschen, dass sie, um der Strafe dieses Tages zu entkommen, ihren Sohn, ihre Frau, ihren Bruder, ihre Familienangehörigen und sogar alles auf der Welt als Lösegeld hingeben könnten, wenn sie dadurch nur gerettet würden. Doch das kann niemals geschehen. Die Strafe wird sie gewiss treffen, und die Flammen der Hölle werden an jenem Tag ihre Haut verbrennen.“ – (Sure al-Maʿāriǧ 10–16)
(Arabisch **********************************************************************)
„An jenem furchtbaren Tag der Auferstehung wird der Mensch vor seinem Bruder, seiner Mutter, seinem Vater, seiner Ehefrau und seinen Söhnen fliehen. An jenem Tag wird jeder so von Furcht erfüllt und so beschäftigt sein, dass er keine Muße haben wird, auf etwas anderes zu achten.“ – (Sure al-Abasa: 34–37)
Es ist durch die obige Darlegung deutlich geworden, welcher gewaltigen Täuschung und welchem Betrug diese gottrebellischen und gottabgewandten Menschen im Jenseits begegnen werden.
Auf dieser Welt haben manche Menschen andere Menschen zu Teilhabern Gottes gemacht. Das heißt, um diese erdichteten Teilhaber Gottes zufriedenzustellen, haben sie das Wort und die Weisung des Gottes, des Schöpfers des gesamten Universums, missachtet und den geraden Weg, den Sirat al-Mustaqim, verlassen, um den falschen Weg im Leben einzuschlagen. Ob sie nun offen als „Ilah“ oder „Rabb“ angesprochen werden oder nicht: Wenn ihnen in einer Weise gehorcht wird, wie man Gott gehorchen sollte, sind sie dadurch zu Teilhabern und Gefährten Gottes gemacht worden. Über diese falschen Götter beziehungsweise Teilhaber Gottes und ihre Anhänger heißt es:
(Arabisch ***********************************************************)
„(Sie sollen jenen Tag nicht vergessen,) an dem Gott sie rufen und sagen wird: Wo sind heute Meine Teilhaber, die ihr Mir zur Seite gestellt habt? Diejenigen, gegen die diese Aussage erhoben wird, werden sagen: ‚O unser Herr! Das sind diejenigen, die wir irregeführt haben. Wie wir selbst irregegangen waren, so haben wir auch sie irregeführt.‘ Dann wird zu ihren Anhängern gesagt werden: ‚Ruft diejenigen, die ihr zu Meinen Teilhabern gemacht habt, um Hilfe an.‘ Sie werden sie anrufen, doch diese werden ihnen keine Antwort geben. Dann werden beide Gruppen die bevorstehende Strafe der Hölle sehen. Wie gut wäre es gewesen, wenn sie den rechten Weg eingeschlagen hätten.“ – (al-Qasas: 62–64)
Das Jenseits – der Tag von Gewinn und Verlust
In den oben erwähnten Versen des Heiligen Qurans wird das Jenseits Yawm at-Taghabun genannt. Das Wort „Taghabun“ bedeutet Sieg und Niederlage sowie Täuschung und Betrug; dies wurde oben ausführlich erörtert. Darüber hinaus wird auch der Gewinn und Verlust eines Geschäfts in der arabischen Sprache „Taghabun“ genannt. Das Jenseits ist also wahrhaftig der Tag von Gewinn und Verlust.
Der Mensch betreibt ein Geschäft in der Hoffnung, dass er dadurch Gewinn erzielen wird. Wenn sein Geschäft gewinnbringend ist, freut er sich naturgemäß. Wenn er einen Verlust erleidet, ist er traurig und zutiefst bekümmert.
Alles, was die Menschen dieser Welt ihr ganzes Leben lang tun, hat Allah mit einem Geschäft verglichen. Der Gewinn oder Verlust dieses Geschäfts wird am Tag des Gerichts im Jenseits bekannt werden. Darüber sagt Allah:
(Arabisch *******************************************************************)
„O ihr, die ihr Iman angenommen habt, hört zu! Soll ich euch nicht von einem Geschäft erzählen, das euch vor einer schmerzhaften Strafe bewahren wird? Dieses Geschäft besteht darin, dass ihr an Allah und Seinen Gesandten glaubt und auf Allahs Weg mit eurem Besitz und eurem Leben Dschihad betreibt. Das ist besser für euch, wenn ihr nur Bescheid wüsstet. Dann wird Allah euch vergeben und euch in Gärten eintreten lassen, unter denen Bäche fließen, damit ihr dort ewig verweilt, und Er wird euch in den Gärten ewiger Wohnstätten herrliche Wohnungen schenken. Das ist wahrlich der gewaltige Erfolg.“ – (Sure as-Saff, 10–12)
Ein Geschäft ist etwas, in das der Mensch sein Kapital, seine Zeit, seine Arbeit, seine Fähigkeiten sowie seinen Verstand und sein Wissen investiert. Er tut dies, damit er dadurch Gewinn erzielt. In dem hier behandelten Vers des Heiligen Qur’an werden der Iman und der Dschihad auf Allahs Weg als ein Geschäft bezeichnet. Was der Mensch gewinnen wird, wenn er alles, was er besitzt, dieser Sache widmet, wird im folgenden Vers gesagt. Es sind hauptsächlich drei Dinge:
o Er wird im Jenseits vor einer harten, schmerzhaften Strafe bewahrt werden.
o Allah wird ihm seine zahlreichen Sünden vergeben.
o Er wird seinen Platz in einem solchen Paradies haben, in dem er Allahs unermessliche Glückseligkeit und Gaben genießen wird. Es wird seine ewige Wohnstätte sein. All dies wird als der gewaltige Erfolg bezeichnet. Aus der obigen Erörterung ist hier ersichtlich geworden, dass das Jenseits in Wirklichkeit die endgültige Instanz für die ewige Gewinn- und Verlustrechnung des Menschen ist.
In der vorherigen Erörterung wurde ebenfalls eindeutig nachgewiesen, dass das Jenseits, also das Leben nach dem Tod, eine unausweichliche und unvermeidliche Wahrheit ist. Es wurde auch dargelegt, dass es notwendig ist.
1. Das Wort „Dschihad“ bedeutet umfassendes Bemühen. Jede körperliche, seelische, finanzielle und geistige Anstrengung sowie der Einsatz aller dafür verfügbaren Mittel und Möglichkeiten, um etwas zu erlangen, wird Dschihad genannt. Der Dschihad kann von zweierlei Art sein: der Dschihad auf Allahs Weg und der Dschihad auf dem Weg des Satans. Der Dschihad, der ausschließlich um Allahs Wohlgefallen willen und nach den von Ihm festgelegten Regeln und Methoden geführt wird, wird Dschihad auf Allahs Weg genannt. Der Dschihad, der lediglich weltlichen und persönlichen Interessen dient, ist der Dschihad auf dem Weg des Satans. Mit anderen Worten: Der Dschihad gegen Allahs Religion wird Dschihad auf dem Weg des Satans oder auf dem Weg des Taghut genannt. In jedem Zeitalter haben die gottfeindlichen Kräfte gegen die wahre Religion Dschihad auf dem Weg des Satans geführt. Dies ist besonders hervorzuheben. Alles ist gut, dessen Ende gut ist. Daher wird der Erfolg am Ende des jenseitigen Lebens der wirkliche Erfolg sein.
In Wirklichkeit ist das Leben in dieser Welt ein gewaltiges Prüfungszentrum für den Menschen.
(Arabisch ***************************************************************)
„Allah hat Leben und Tod erschaffen, damit Er euch prüfe, wer von euch im Handeln der Beste ist.“ – (Sure al-Mulk: 2)
Der Mensch wurde mit Gewissen, der Fähigkeit, Gut und Böse zu erkennen, und Handlungsfreiheit hierhergesandt. Er wurde für eine bestimmte Zeit entsandt. Auch das Lebensprogramm wurde ihm vorgegeben. Nach Ablauf seiner Zeit muss er zu Dem zurückkehren, Der ihn entsandt hat. Nach seiner Rückkehr wird er ganz selbstverständlich und völlig zu Recht gefragt werden, in welchem Maß er das ihm vorgegebene Lebensprogramm befolgt hat.
Das Lebensprogramm des Menschen ist der Heilige Koran. Seine vollständige Verwirklichung findet sich im gesamten Leben des letzten Propheten, Muhammad Mustafa (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Deshalb ist dieses Leben für jeden Menschen ein großartiges und unverzichtbares Vorbild.
Wenn der Mensch dieses ihm vorgegebene Lebensprogramm befolgt, wird er im Leben nach dem Tod dafür belohnt werden. Wenn er es jedoch vernachlässigt, muss er ganz gewiss Strafe erleiden. Ob er das Lebensprogramm verwirklicht oder nicht, ist jedoch seiner Freiheit überlassen worden. Das ist seine gewaltige Feuerprobe. Die Freude über das Bestehen und der Kummer über das Nichtbestehen sind eine Selbstverständlichkeit. Dass ein Prüfling, der seine Pflicht vernachlässigt, äußerster Reue und tiefem Bedauern ausgesetzt sein wird, ist wahrlich nichts Neues.
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Die fünf Fragen des Jenseits
Über die wichtigsten Fragen, die Allah, der Erhabene, der Menschheit am Tag des Gerichts stellen wird, wird im Tirmidhi Sharif ein Hadith überliefert. Überliefert hat ihn Hazrat Ibn Masud (möge Allah mit ihm zufrieden sein). Es heißt:
(Arabisch ****************************************************************)
An jenem Tag werden dem Menschen hauptsächlich fünf Fragen gestellt. Ohne sie zu beantworten, wird er keinen Schritt weitergehen können. Die Fragen lauten:
o Wofür hat er die Zeit seines Lebens verwendet?
o (Insbesondere) womit hat er sich während seiner Jugend beschäftigt?
o Wie hat er seinen Lebensunterhalt verdient?
o Wie und auf welchem Weg hat er das von ihm erworbene Geld und Vermögen ausgegeben? Inwieweit hat er das wahre Wissen, das er erlangt hatte, in seinem Leben umgesetzt?
In den Antworten auf diese fünf Fragen wird sich das vollständige Bild des gesamten Lebens des Menschen deutlich zeigen. Der Mensch kann sein Leben auf zwei Arten verbringen. Erstens kann er nach dem Glauben an Allah, den Gesandten und das Jenseits in Gehorsam gegenüber Allah leben.
Zweitens kann er ein Allah auflehnendes und von Allah abgewandtes Leben führen, das dem Gehorsam gegenüber Gott entgegengesetzt ist. Sündhaftigkeit, Unrecht und Unterdrückung anderer, Korruption, Wucher, Bestechung, Ehebruch und Mord sind Ausdruck eines solchen Allah auflehnenden und von Allah abgewandten Lebens. Es wird gefragt werden, welches von beiden er geführt hat.
Auch die oben erwähnte erste Frage ist keineswegs weniger wichtig. Allerdings macht die erste Frage die übrigen Fragen keineswegs überflüssig. Durch die anderen Fragen wird vielmehr darauf hingewiesen, worin die Schwächen des Menschen liegen.
Die Jugend ist eine Lebensphase des Menschen, in der sich seine Arbeitskraft und seine verschiedenen Anlagen vollständig entwickeln. Auch sein Geschlechtstrieb entwickelt sich. Ein bis an die Ufer gefüllter, sexuell aufgeladener Fluss wird durch den geringsten Windstoß unruhig, tritt über seine Grenzen und überschwemmt beide Ufer. Ebenso können im vollen Strom des menschlichen Lebens die Wellen des Geschlechtstriebs durch den stürmischen Wind der Triebe ihre Grenzen überschreiten. Das ist nicht ungewöhnlich. Ob man nun den Trieb zügellos sich selbst überlässt oder ihn unterdrückt und beherrscht – darin liegt die eigentliche Feuerprobe des Menschen. In der Jugend kann der Mensch seine körperlichen Kräfte missbrauchen. Oder er kann durch Eigenschaften wie Enthaltsamkeit, Liebe und Zuneigung, Vergebung, Barmherzigkeit und Güte der Menschheit dienen. Deshalb ist diese Frage äußerst wichtig.
Die dritte und die vierte Frage geben Aufschluss über den wahren menschlichen Charakter. Geld und Vermögen zu erwerben ist ein natürliches Bedürfnis des Menschen. Für den Lebensunterhalt ist es zudem von größter Notwendigkeit.
Für den Erwerb und die Ausgabe von Vermögen müssen unbedingt Grundsätze festgelegt werden. Denn vom Erwerb, der Ausgabe und der Verteilung des Geldes hängen Glück und Leid, Aufstieg und Niedergang der gesamten menschlichen Gesellschaft ab.
Viele erkennen nicht an, dass beim Erwerb und bei der Ausgabe von Geld bestimmte Grundsätze befolgt werden müssen. Ihrer Ansicht nach darf man auf jede beliebige Weise Geld erwerben. Beim Erwerb von Vermögen durch die Ausbeutung anderer mittels Wucher und Bestechung oder durch deren Irreführung im Rausch der Obszönität soll ebenso uneingeschränkte Freiheit herrschen wie bei dessen Ausgaben. Ihrer Ansicht nach ist es keineswegs verwerflich, einen Teil des erworbenen Vermögens nicht unter den Besitzlosen zu verteilen oder für irgendeinen wohltätigen Zweck auszugeben, sondern ihn ausschließlich für Luxus und Genuss sowie für die Verbreitung und Förderung von Unrecht, Sündhaftigkeit und Obszönität zu verwenden. Auch die Konzentration des gesamten Reichtums der Gesellschaft durch unehrliche und verwerfliche Mittel in den Händen weniger und das Zurücklassen der übrigen Menschen nackt und hungrig gilt ihnen nicht als Unrecht.
Wiederum werden diejenigen, die aus Protest gegen ein solches ungerechtes Wirtschaftssystem die Grundsätze für Vermögen, Erwerb, Ausgaben und Verteilung verstaatlichen, dazu gebracht, die gesamte Nation in politische Sklaverei zu verwandeln. Die Menschen dieses Landes sinken dann tiefer als Tiere. Ihnen bleiben weder persönliche Freiheit noch irgendeine menschliche Würde. Wie das Vieh eines Bauern müssen sie mit geschlossenen Augen auf Feldern und Ebenen arbeiten und Ernten hervorbringen, auf die sie keinerlei Anspruch haben. Auch dieses ungerechte System gilt vielen nicht als verwerflich.
Doch der Befehl Allahs, des Herrn, des Schöpfers, Besitzers und Erhalters der gesamten Schöpfung, lautet, dass jeder seinen Lebensunterhalt auf rechtmäßige und gute Weise erwerben und ihn ebenso auf rechtmäßige Weise und zu guten Zwecken ausgeben muss. Von dem erworbenen Vermögen muss man den Armen, den Unfähigen, den Hilflosen, den Blinden, den Kranken, den Erwerbslosen und den notleidenden Menschen spenden. Es wurde auch davor gewarnt, das erworbene Vermögen als gehortete Ersparnis ungenutzt liegen zu lassen oder es für Luxus und Vergnügungen auszugeben. Deshalb sind diese beiden Fragen im Jenseits von großer Bedeutung.
Die fünfte und letzte Frage lautet: Als der Ruf zur Wahrheit den Menschen erreichte oder er die Wahrheit erkennen konnte, nahm er sie an oder wies er sie zurück? Und formte er, nachdem er wahres Wissen erlangt hatte, seinen Charakter dementsprechend? Führte er sein Leben im erhellenden Licht dieses Wissens? Wenn er, seinen Leidenschaften folgend, um persönlicher Interessen und weltlicher Vergnügungen willen oder aus blindem Hass gegenüber demjenigen, der zur Wahrheit aufrief, die Wahrheit zurückgewiesen hat, wird auch diese Angelegenheit am Tag des Gerichts vor Allah vorgebracht werden müssen.
Obwohl die Gelehrten der jüdischen Gemeinschaft den Ruf des letzten Propheten als wahr erkannt hatten, erhoben sie sich aus weltlichen Interessen und blindem Hass gegenüber dem letzten Propheten zur Opposition. Ein großer Teil der muslimischen Gemeinschaft unserer Zeit treibt noch immer auf der Strömung desselben Irrtums dahin.
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Die Seele
Eine Frage lautet, ob die Strafe im Grab die Seele oder den Körper trifft. Darüber besteht Meinungsverschiedenheit. Manche sagen, sie treffe nur die Seele. Andere sagen, sie treffe sowohl die Seele als auch den Körper. In diesem Zusammenhang muss auch erörtert werden, was die Seele eigentlich ist.
Obwohl die Seele ein unsichtbares, feines Wesen ist, ist sie eine unbestreitbare Existenz! Daher ist auch ihre Analyse äußerst schwierig. Allah sagt:
(Arabisch ******************************************************************)
„Wenn Ich ihn vollkommen geformt und ihm von Meinem Geist eingehaucht habe, dann sollt ihr euch vor ihm niederwerfen.“ – (Sure al-Hidschr: 29)
Aus dem obigen Vers lässt sich verstehen, dass die Seele, die dem menschlichen Körper eingehaucht wurde, in Wirklichkeit ein feines Abbild der Eigenschaften Allahs ist. Lebensdauer, Wissen, Kraft, Wille und Entscheidungsfreiheit sowie alle anderen Eigenschaften, die im Menschen vorhanden sind und deren Gesamtheit Seele genannt wird, sind ein feines Spiegelbild oder Abbild der göttlichen Eigenschaften, das in den menschlichen Körper hineingelegt oder ihm eingehaucht wurde.
Es versteht sich von selbst, dass eine genaue Analyse der Seele uns nicht möglich ist. Wir können jedoch so viel begreifen, dass die Seele den Körper lebendig und beweglich hält. Ihre Abwesenheit verwandelt den Menschen in einen reglosen Leichnam.
Die Seele ist etwas, das zwar niemals sichtbar ist, aber deutlich wahrgenommen werden kann. Sie ist eine geheimnisvolle Kraft, die den menschlichen Körper, sobald sie mit ihm verbunden ist, lebendig und aktiv werden lässt.
In Wirklichkeit ist die Seele der eigentliche Mensch. Der Körper ist lediglich das Fahrzeug oder die Hülle dieses Menschen. Obwohl die Seele etwas Feines und Unsichtbares ist, hat sie eine Gestalt, und diese Gestalt gleicht genau der des Körpers. Die Seele ist das Eigentliche. Der Körper ist eine Nachbildung. Wenn „ich“ gesagt wird, ist mit diesem Menschen die Seele gemeint. Schmerz und Leid, Freude und Glück gehören alle nicht zum Körper meines „Ichs“ (der Seele). Mensch (Seele) und Körper sind zwar zwei getrennte Wesenheiten, stehen aber miteinander in Beziehung.
Glück und Leid werden im Körper empfunden. Oft werden Glück und Leid jedoch auch ohne den Körper erlebt. Der Körper steht in Beziehung zur materiellen Welt, die Seele zur ewigen unsichtbaren Welt.
Es ist nicht schwer, sich vorzustellen, dass die Seele im Grab oder in der Welt nach dem Tod Glück oder Leid erfahren kann. Zuvor wurde allerdings gesagt, dass eine genaue Vorstellung von jener Welt jenseits unseres Wissens, unseres Verstandes und unserer Vorstellungskraft liegt. Wir können sie lediglich teilweise erahnen.
Der Mensch (die Seele), der im Schlaf den Körper verlässt und anderswo umherwandert, in einem anderen Land, in einer anderen Gesellschaft, auf dem Wasser, auf dem Land und im Luftraum, empfindet ebenfalls Glück und Leid in vollem Umfang. Auch er besitzt einen körperlosen Leib mit vollständig ausgebildeten Gliedmaßen. Glück und Leid gehören schließlich der Seele. Deshalb vergießt der unsichtbare Mensch, der im Körper einen Albtraum erlebt und ihn verlassen hat, manchmal von Schmerz und Qual gepeinigt Tränen. Nach dem Erwachen stellt man fest, dass die Wangen des körperlichen Menschen, der im Bett liegt, von Tränen benetzt sind. Doch das Weinen des Seelenmenschen und der Grund dafür haben sich vielleicht Hunderte oder Tausende Meilen entfernt ereignet. Die Erschöpfung, die man nach schwerer Arbeit im Traum empfindet, bleibt bis nach dem Erwachen bestehen. Während unseres Aufenthalts in Kalkutta spielte eines Nachts in unserer eigenen Nachbarschaft ein berühmter Fußballspieler im Traum Fußball. Plötzlich schrie er im Schlaf laut „Tor!“ und trat gegen den Ball. Weil sein Tritt seine neben ihm liegende Frau traf, musste noch in derselben Nacht ein Arzt gerufen werden.
Der unsichtbare Seelenmensch wird vielleicht irgendwo weit entfernt von seinem Schlaflager von einem Tiger, einem Bären oder Räubern angegriffen und schreit aus Leibeskräften um Hilfe. Bisweilen kann man sogar aus dem ruhenden Körper den Klang dieses Schreis hören.
Es wurde bereits gesagt, dass der Seelenmensch, der im Traum anderswo seine Handlungen ausführt, ebenfalls einen Körper besitzt. Seine Freude und sein Leid ähneln der Freude und dem Leid eines Menschen mit einem grobstofflichen Körper. Da Freude und Leid im Schlaf- wie im Wachzustand der Seele und nicht dem Körper angehören, wird die Seele nichts empfinden, wenn man einen Körperteil durch die Anwendung eines Betäubungsmittels gefühllos macht, seine Verbindung mit der Seele trennt und diesen Teil mit einem Messer abtrennt. Es wurde gesagt, dass die Seele mit der unsichtbaren, feinstofflichen Welt verbunden ist. Die unsichtbare, feinstoffliche Welt ist grenzenlos und eine Welt außerhalb der grobstofflichen Welt. Daher begegnet man im Traum einem Verstorbenen, der sich im Barzakh aufhält. Das bedeutet nicht, dass der Verstorbene oder seine Seele in diese grobstoffliche Welt zurückkehrt.
Das kurzzeitige Glück und Leid vergessen wir nach dem Erwachen, weil wir es für eine Illusion halten. Der Traum wird nach seinem Zerbrechen als unwirklich und unwahr angesehen. Würde der Traum jedoch niemals enden, wäre er wirklich und wahr.
Nach dem Tod im Grab kann es sein, dass der Mensch als Seele selbst Freude und Leid empfindet, oder dass die rechtschaffenen Diener auf eine unserer Vorstellung entgegengesetzte Weise Freude und die sündigen Seelen Leid erfahren. Wenn Freude und Leid der Seele und nicht dem Körper gehören, welchen Grund sollte es dann geben, nach dem Tod keine Freude und kein Leid zu empfinden?
Im Zusammenhang mit Schlaf und Traum ist mir noch ein weiterer Gedanke gekommen. Was ist dieses Ding namens Schlaf? Bleibt die Seele während des Schlafes mit dem Körper verbunden, oder löst sie sich vom Körper? Das ist in der Tat eine Frage.
Ich weiß nicht, was die Wissenschaftler und Körperforscher dazu sagen werden. Denn ihr Tätigkeitsbereich betrifft die Materie oder den Stoff – nicht die unsichtbaren Dinge. Natürlich lassen sich viele unsichtbare Stoffe mithilfe eines Mikroskops erfassen. Doch ist jemals etwas wie die Seele unter einem Mikroskop sichtbar geworden? Nicht nur die Seele: Sind die Empfindungen der Seele – Freude, Leid oder Schmerz – jemals durch irgendein Instrument sichtbar geworden?
Daher stellt sich die Frage: Wohin geht die Seele während des Schlafes? Und wo verweilt sie? Vielleicht werden die Psychologen etwas dazu sagen. Doch auch sie stellen lediglich Vermutungen und Schätzungen an. Welchen Beweis gibt es für deren Wahrheit? Um die Wahrheit zu sagen, handelt es sich um eine äußerst schwer verständliche Angelegenheit. Zweifellos ist dies ein bemerkenswerter Aspekt des Geheimnisses der Schöpfung. Der Heilige Koran sagt:
(Arabisch ***********************************************************************)
„Allah nimmt die Seelen zum Zeitpunkt ihres Todes hinweg, ebenso die Seelen derjenigen, die nicht gestorben sind, während ihres Schlafes. Dann hält Er diejenigen Seelen zurück, über deren Tod Er entschieden hat, und schickt die übrigen Seelen bis zu einer bestimmten Frist zurück. Darin liegen wahrlich viele Zeichen für nachdenkliche Menschen.“ – (Sure az-Zumar: 42)
Allah sagt ferner:
(Arabisch *********************************************************************)
„Er nimmt euch nachts die Seelen. Und Er weiß, was ihr während des Tages tut. Dann schickt Er euch am folgenden Tag wieder in diese Welt des Wirkens zurück, damit die festgesetzte Lebensfrist erfüllt werden kann. Schließlich müsst ihr zu Ihm zurückkehren. Dann wird Er euch mitteilen, was ihr getan habt.“ – (Sure al-An’am: 60)
In diesen beiden Versen wird gesagt, dass sich die Seele beim Tod vom Körper löst und dies auch während des Schlafes geschieht. Der Unterschied besteht jedoch darin, dass die Seelen derjenigen, deren Tod nicht beschlossen wurde, für eine bestimmte Zeit zurückgeschickt werden.
Es wurde klar, dass der Schlaf eintritt, sobald die Seele vom Körper getrennt wird. Der Schlaf ist jedoch vorübergehend, weil die Seele wieder zurückgeschickt wird. Wer seine Seele nicht zurückerhält, wird endgültig für tot erklärt.
Auch dies – dass darin Denkanstöße für nachdenkliche Menschen liegen – wird bereits im ersten Vers mitgeteilt.
Professor Arthur Ellison gelangte durch Nachdenken und Forschung über die Koranverse zu dem Schluss, dass Tod und Schlaf dasselbe sind, insofern sich dabei die Seele vom Körper löst. Während des Schlafes kehrt die Seele jedoch in den Körper zurück, beim Tod dagegen nicht – dies wurde durch das Studium der PARA PSYCHOLOGIC bestätigt.
Doch diese Art der Trennung vom Körper ist anders. Wenn eine Seele den Körper für immer verlässt, kann der Mensch dies im Augenblick ihres Austritts wahrnehmen, und es verursacht ihm unerträgliche Qualen.
(Arabisch*************)
„Und wahrlich, die Qualen oder die Härte des Todes sind gekommen. (Der Tod ist ein Ding,) vor dem du zu fliehen versucht hast.“ – (Sure Qaf: 19)
Bisweilen kann man jedoch auch Ausnahmen davon beobachten. Manche gesunden Menschen verrichten gerade das Gebet. Während sie sich in der Niederwerfung befinden, ereilt sie – ohne ihr eigenes Wissen und ohne das Wissen der anderen – der Tod. Oder jemand isst nachts zu Abend und schläft anschließend friedlich ein. Doch dieser Schlaf endet nicht mehr. Auch von solchen Ereignissen hört man. Meine Mutter war gesund und kräftig und trat nach den Arbeiten des ganzen Tages zum Nachtgebet an. Sie wollte nach dem Gebet essen. Doch während sie sich in der Niederwerfung befand, wich ihre Seele aus ihrem Körper. Möge Allah ihr vergeben.
Wenn die Seele beim Tod den Körper verlässt, bleiben im Körper weder der Herzschlag noch der Blutkreislauf, die Lebenskraft oder irgendetwas anderes erhalten. Im Schlaf bleibt dies alles bestehen. Tatsächlich hängt dieser Unterschied zwischen Schlaf und Tod ebenfalls allein von der Entscheidung Allahs ab, des Besitzers von Körper und Leben. Wenn der Tod beschlossen ist, nimmt der Zustand des Körpers eine bestimmte Form an; wenn dies nicht beschlossen ist, bleibt der Zustand des Körpers weitgehend normal. Auch dies ist eine unermessliche Macht Allahs, die sich nicht leugnen lässt. Versuchen wir, dies anhand eines Beispiels zu verstehen. Stellen wir uns einen Menschen vor, der sein Haus wechselt und an einen anderen Ort zieht. In diesem Fall nimmt er seine gesamte Habe aus dem Haus mit, bis hin zu Besen und Fußmatten. Danach bleibt nur ein leeres Haus zurück. Wenn er jedoch für einige Stunden oder einige Tage an einen anderen Ort zu Besuch geht, bleiben die Einrichtungsgegenstände seines Hauses wie zuvor an ihrem Platz. Nur er selbst ist nicht da. Der Tod ist ganz ähnlich – allerdings nicht nur ein Wechsel des Hauses, sondern ein Wechsel oder eine Verlegung aus dieser Welt in die jenseitige Welt. Danach lässt er in seinem Haus keinen einzigen dieser Einrichtungsgegenstände zurück: weder den Herzschlag, den Blutkreislauf, die Lebenskraft des Körpers, Verstand, Gewissen und Empfindungsvermögen noch irgendetwas anderes. Im Schlaf dagegen begibt sich die Seele für eine gewisse Zeit an einen anderen Ort, während sie sämtliche Einrichtungsgegenstände ihres Hauses zurücklässt.
Ich hoffe, dass es nach diesem Beispiel nicht schwer sein dürfte, den Unterschied zwischen Schlaf und Tod zu verstehen.
Fürsprache im Jenseits
Da die Darstellung des Jenseits ohne eine ausführliche Erörterung der Fürsprache nicht vollständig wäre, halte ich es für notwendig, hier eine zwar allgemeine, aber dennoch klare Vorstellung von der Fürsprache zu vermitteln.
Allah Taala ist der Schöpfer dieses Universums und sämtlicher darin befindlicher Geschöpfe. Er ist der Herrscher über die Dunya ebenso wie über die Akhira. So wie Er der alleinige Besitzer der Herrschaft und Regierung ist, besitzt Er auch am Tag der Auferstehung auf dem Feld der Versammlung als Einziger das uneingeschränkte Recht, über die Abrechnung der Taten Seiner Diener zu urteilen und diesbezüglich eine Entscheidung zu treffen. Er sagt: (Arabisch************) „An jenem Tag (am Tag der Auferstehung) gehört die Herrschaft einzig Allah Taala. Er allein wird über die Zukunft der Menschen entscheiden.“ – (Sure al-Hadsch: 56)
Das bedeutet, dass Er bei dem Gericht an jenem Tag weder die Hilfe irgendjemandes in Anspruch nehmen noch zur Herbeiführung der richtigen Entscheidung ein Geschworenengericht einsetzen noch irgendeinen Rat einholen muss. Er ist selbst allwissend. Er kennt die verborgenen und die offenbaren Taten eines jeden. Darüber hinaus haben Seine Engel im Interesse von Gerechtigkeit und Recht jedes verborgene und offenbare Werk der Diener bis ins kleinste Detail korrekt niedergeschrieben und als Tatenbuch aufgezeichnet. Dieses Tatenbuch wird jedem in die Hand gegeben. Beim Anblick dieses Tatenbuches werden die Sünder erstaunt ausrufen:(Arabisch************)
„Es ist höchst erstaunlich, dass in diesem Tatenbuch keine einzige Sünde, weder eine kleine noch eine große, unaufgezeichnet geblieben ist.“ – (Sure al-Kahf: 49)
Das Tatenbuch wird von den Engeln niedergeschrieben. Sie machen keinen Fehler. In ihnen gibt es keinerlei Neigung, Fehler oder Sünden zu begehen. Bedeutet dies jedoch, dass Allah auf das von den Engeln geschriebene Tatenbuch angewiesen ist? Keineswegs. Die Engel schreiben jeweils in dem Augenblick auf, was sie den Diener tun sehen. Über die künftigen Handlungen des Dieners besitzen sie kein Wissen. Sie zeichnen lediglich das auf, was sie ihn tun sehen. Für Allah jedoch sind Vergangenheit und Zukunft gleichermaßen Gegenwart. Auch die künftigen Taten des Dieners liegen Ihm in der Gestalt der Gegenwart vor. Daher ist Er auch ohne das von den Engeln geschriebene Tatenbuch aufgrund Seines vollkommenen Wissens in der Lage, die richtige Entscheidung zu treffen. Aus Gründen der Gerechtigkeit und um des Glaubens der Diener willen hat Er jedoch die Aufzeichnung des Tatenbuches angeordnet. Würde daher eine dritte Partei benötigt, um eine Entscheidung zu treffen, würde man den Herrn von Seiner erhabenen Stellung herabsetzen. Zu denken, dass jemand anderen Einfluss auf Ihn ausüben oder Ihm ein umfassenderes Wissen über die Taten und den Charakter der Diener vermitteln könnte, ist ein Gedanke, den nur ein Muschrik hegen kann. Daher benötigt Er am Tag jenes Gerichts weder den Rat noch die Fürsprache irgendeines Menschen.(Arabisch****************)
„(Fürchtet) den Tag, an dem es weder Handel noch Freundschaft und Zuneigung noch Fürsprache geben wird.“ – (Sure al-Baqara: 254)
Doch es ist äußerst beklagenswert, dass viele Menschen hinsichtlich des Tauhid eine irrige Vorstellung hegen. Sie sind vielmehr fest davon überzeugt, dass es gewisse Menschen gibt, die auf dem Feld der Versammlung bei Allah für die Sünder Fürsprache einlegen werden. Allah Taala wird ihnen entsprechend dieser Fürsprache vergeben und sie ins Paradies eintreten lassen.
Sie glauben, dass diese Fürsprache wirksam sein wird. Daher messen sie der Fürsprache mehr Bedeutung bei als der Anbetung des Herrn. Ein Grund für diese Überbewertung ist, dass sie die Fürsprecher für Allahs besonders geliebte, Ihm besonders nahestehende und besonders einflussreiche Menschen halten. Die unvermeidliche Folge davon ist, dass sie, statt ihre Triebe zu zügeln, den weltlichen Genüssen zu entsagen sowie durch Verzicht und Opfer Allahs Gebote zu befolgen, übermäßig darauf bedacht sind, jene Menschen zufriedenzustellen, die sie als Fürsprecher ansehen. Daher bringen sie ihnen zu deren Zufriedenheit Nadhr und Niyaz dar, geloben Nadhr und Niyaz in deren Namen, legen Blumen und Shirni an ihren Gräbern nieder, streuen Rosen auf die Gräber, entzünden dort Lichter, verteilen Shirni im Namen verstorbener Frommer und verrichten derartige Handlungen mit größtem Eifer selbst und ermuntern andere dazu. Sie glauben, dass sie jene auf diese Weise zufriedenstellen können. Wenn diese zufrieden sind, werden sie auf dem Feld der Versammlung gewiss für sie Fürsprache einlegen. Und diese Fürsprache wird niemals erfolglos bleiben.
Eine solche Vorstellung ist aus einem Mangel an grundlegender Kenntnis und Überzeugung vom Islam entstanden. Manche Menschen wollen die grundlegenden Glaubensinhalte des Islam nicht annehmen und ihr Leben danach ausrichten; im Grunde sind sie Übeltäter. Sie besitzen keine richtige Vorstellung von der Akhira. Ebenso ist es nicht ihr Wunsch, das wirkliche Leben des Qur’an und der Hadithe sowie des Propheten Pak (S) und der ehrwürdigen Sahaba nachzuahmen. Sie fragen sich, ob es, falls es überhaupt eine Akhira gibt, dort vielleicht irgendeinen anderen einfachen Weg zur Erlösung gibt. Dschinn- und Menschenschaitan flüstern ihnen ein, irgendein verstorbener Wali mit diesem oder jenem Namen werde für sie Fürsprache einlegen. In dieser Hoffnung begeben sie sich zu einem Mausoleum eines muslimischen Frommen oder zu einem erdichteten Mausoleum und erweisen ihm Verehrung, Ehrerbietung sowie Bitten und Anrufungen, die einzig Allah Taala zustehen. Was sie an solchen Mausoleen tun, können die Verstorbenen nicht einmal wahrnehmen. Und wenn Allah Taala ihnen dies kundtun wird, werden sie über die Mausoleumsverehrer nicht erfreut sein, sondern über deren schirkhafte Handlungen zutiefst betrübt werden. Für jene, die anstelle Allahs Menschen zu Göttern machen oder sie Allah beigesellen wollen, kann man von keinem rechtschaffenen Menschen außer einem Fluch irgendein Bittgebet oder Fürsprache erwarten.
Betrachten wir nun einige der sogenannten lebenden Awliya dieser Welt. Bei ihnen versammeln sich sogar die übelsten Übeltäter der Gesellschaft. Sie suchen sie in dem Glauben auf, dass diese am Hofe Gottes einen solchen Einfluss besitzen, dass sie am Tag der Auferstehung Gott gewiss dazu bewegen werden, ihnen die Erlösung zu gewähren. In dieser Hoffnung überschütten sie den betreffenden Pir oder Wali mit allerlei kostbaren Nazr-o-Niyaz-Gaben.
Es ist durchaus vernünftig anzunehmen, dass Allah, der Erhabene, ihnen am Tag der Auferstehung die Ehre der Fürsprache gewähren wird – sie werden gewiss Bewohner des Paradieses sein. Denn wie sollte jemand, der selbst keinerlei Hoffnung auf Erlösung hat, dieses Glück, nämlich das Glück, für andere Fürsprache einzulegen, erlangen? Und wenn ein Pir oder Wali tatsächlich rechtschaffen ist, wie könnte er dann ein Freund sündiger Übeltäter sein? Am Tag der Auferstehung werden die Sünder weder einen Freund noch einen Fürsprecher haben.(Arabisch******************)
„Für die Ungerechten wird es weder einen vertrauten Freund noch einen Fürsprecher geben, dessen Wort Gehör findet.“ (Sure al-Mu’min: 18)
Einige sogenannte, dem Namen nach als Pir oder Wali bezeichnete Personen gewähren gesellschaftsschädlichen, sündigen Menschen gegen hohe Geldzahlungen und kostbare Geschenke und Gaben nicht etwa Hilfe bei der Besserung ihres Charakters, sondern ermutigen sie vielmehr zu ihren Sünden. Ihre eigene Erlösung ist ungewiss; vielmehr werden auch sie dafür, dass sie die Ungerechten unterstützen, der Strafe würdig sein.
Über solche Menschen sagt der Koran:(Arabisch***********)
„(Am Tag der Auferstehung) werden jene Anführer, denen in der Welt gefolgt wurde, ihre Lossagung von ihren Anhängern zum Ausdruck bringen – doch sie werden gewiss bestraft werden, und alle Beziehungen und Verbindungen zwischen ihnen werden zerrissen sein. Diejenigen, die diesen Anführern in der Welt gefolgt waren, werden sagen: Wehe uns! Wenn uns doch in der Welt eine Gelegenheit gegeben würde, dann würden auch wir ihnen heute unsere Abneigung zeigen, so wie sie uns ihren Unmut und ihre Verärgerung zeigen. Allah, der Erhabene, wird ihre in der Welt begangenen Taten so vor ihnen darstellen, dass sie von Kummer und Reue überwältigt werden. Doch es wird keinen Weg geben, aus dem Feuer der Hölle herauszukommen.“ (Sure al-Baqara: 166–167)
Die religiösen Führer der früheren Gemeinschaften hielten die Menschen aus Gier nach Gelderwerb auf diese Weise im Namen der Religion vom Weg Allahs fern.
Der Koran sagt:(Arabisch**************)
„Das heißt: Viele Gelehrte und Pīr-Derwische unter den Leuten der Schrift verschlingen auf unrechtmäßige Weise das Vermögen der Menschen und halten sie vom Weg Allahs ab.“ – (Sure at-Tauba: 34)
Auf diese Weise sitzen die irregegangenen Unterdrücker auf ihren religiösen Thronen, verkaufen Rechtsgutachten, erwerben auf unrechtmäßige Weise Geld, plündern die Nasr-Niyāz-Gaben und erfinden allerlei religiöse Regeln und Bräuche, durch die die Menschen bei ihnen die Erlösung im Jenseits erkaufen. Ohne sie zu bewirten und zufriedenzustellen, können die Menschen weder leben noch sterben noch heiraten und dergleichen; sie machen sie zu den Beauftragten, die über das Zerbrechen und Gestalten ihres Schicksals verfügen. Damit geben sie sich nicht zufrieden. Vielmehr verstricken diese Pīr-Derwische die Menschen um ihres eigenen Vorteils willen in den Fallen der Irreführung. Und wenn zur Reform und Verbesserung ein Aufruf zur Wahrheit ergeht, sind diese Religionshändler stets die Ersten, die ihr Netz der Täuschung ausbreiten und entschlossen sind, den Weg dieses Aufrufs zur Wahrheit zu versperren.
Indem Allah dieses Beispiel der Leute der Schrift unter den früheren Gemeinschaften anführt, hat Er die Muslime gewarnt. Doch viele unter uns haben nach ihrem Vorbild künstliche religiöse Throne errichtet und belebt.
Auch diejenigen, die selbst nicht bereit sind, die Vorschriften des Islam zu befolgen, und die im Namen der Religion die Menschen täuschen und sie vom Islam fernhalten, werden um ihre eigene Erlösung bangen – woher sollten sie überhaupt die Fähigkeit besitzen, für andere Fürsprache einzulegen?
Das islamische Konzept der Schafāʿat
Heißt das etwa, dass es in den islamischen Glaubensgrundsätzen keinerlei Sache namens Schafāʿat gibt? Doch, gewiss gibt es sie. Allerdings hat der Heilige Koran die oben beschriebene polytheistische Vorstellung von der Schafāʿat wiederholt widerlegt und eine islamgemäße Vorstellung dargelegt. Einige Menschen werden auf dem Feld der Auferstehung für andere Menschen Fürsprache einlegen.
Diese Fürsprache wird von völlig anderer Art sein. Dadurch wird nicht im Geringsten etwas von Allahs Eigenschaften gemindert. Ebenso wird Seine Herrschaft und Macht nicht im Geringsten geschmälert. Die Fürsprache an jenem Tag wird nur mit Seiner Erlaubnis, unter besonderen Bedingungen und in begrenztem Umfang erfolgen. Die Fürsprache wird nach besonderen Regeln und Verfahrensweisen stattfinden.
- Erstens wird die Angelegenheit der Fürsprache vollständig in Allahs Hand liegen und gemäß Seinem Willen erfolgen.
(Arabisch*************)
„Sprich: Die gesamte Angelegenheit der Fürsprache liegt in Allahs Hand.“ – (Sure az-Zumar: 44)
(Arabisch**************)
„Wer kann bei Ihm Fürsprache einlegen, außer mit Seiner Erlaubnis?“ – (Sure al-Baqara: 255)
- Nur für die Person, mit der Allah zufrieden ist und für die Er jemandem die Erlaubnis zur Fürsprache erteilt, darf der Fürsprecher das Wort ergreifen.
(Arabisch********)
„Für niemanden darf Fürsprache eingelegt werden außer für diejenigen, mit denen Allah zufrieden ist.“ – (Sure al-Anbiya: 28)
- Was der Fürsprecher während der Fürsprache sagen wird, wird in jeder Hinsicht wahr und gerecht sein.
(Arabisch************)
„Niemand wird sprechen können außer denen, denen der barmherzige Allah Erlaubnis erteilt; und sie werden genau das Richtige sagen.“ – (Sure an-Nabaʾ: 38)
Die Fürsprache, die innerhalb der oben genannten Bedingungen und Grenzen erfolgen wird, gleicht keineswegs einer Fürsprache vor den weltlichen Machthabern. Sie wird lediglich in Form demütiger Anrufung, des Bittens und des Flehens um Vergebung als Ausdruck vollkommener Dienerschaft erfolgen. Mehr ist sie nicht. Im Herzen des Fürspracheleistenden wird nicht einmal der geringste Gedanke daran aufkommen, Allahs Entscheidung zu ändern oder Sein Wissen zu vermehren. Nachdem der Fürspracheleistende die höchst gnadenvolle Erlaubnis des alleinigen Besitzers und Königs des Jenseits erhalten hat, wird er in größter Demut und Erniedrigung sagen: „O Herr und König der Welt! Vergib deinem soundsovielten Diener seine Sünden und seine Verfehlungen. Nimm ihn in den Schutz deiner Vergebung und Barmherzigkeit auf.“
Daraus wird ersichtlich, dass Allah sowohl derjenige ist, der die Fürsprache erlaubt und annimmt, als auch in Wahrheit selbst der Fürspracheleistende ist.
(Arabisch********)
„Außer Ihm (Allah) haben sie weder einen Schutzherrn oder Beschützer noch einen Fürspracheleistenden.“ – (Sure al-Anʿām: 51)
In den Hadithen ist dargelegt, welche Personen Fürsprache leisten werden und für wen Fürsprache geleistet werden soll. Die Fürspracheleistenden werden die rechtschaffenen und Allah nahestehenden Menschen sein. Sie wird für jene Menschen geleistet werden, deren Glaube und Taten so wenig wiegen werden, dass sie der Vergebung nicht würdig sind. Ihnen wird noch etwas fehlen, um die Berechtigung zur Vergebung zu erlangen. Um diesen Mangel auszugleichen, wird Allah ihnen aus Seiner Gnade die Erlaubnis erteilen, Fürsprache für sie zu leisten.
Aus der obigen Erörterung wurde klar, dass niemand das Recht hat, nach eigenem Wunsch Fürsprache zu leisten. Allah wird jemandem nur in der Absicht die Erlaubnis zur Fürsprache erteilen, denjenigen, für die Fürsprache geleistet werden soll, in Seinem Wohlgefallen zu vergeben.
Dann drängt sich ganz natürlich die Frage auf: Wenn es sich tatsächlich so verhält, wenn also Allah allein alles tun wird, welchen Zweck hat dann diese Fürsprache?
Die Antwort lautet: An jenem Tag der großen Prüfung, dessen Schrecken beim Anblick gewöhnliche Menschen – ja sogar die Propheten – in Angst und Schrecken versetzen wird und an dem niemand die Kraft und den Mut haben wird, am Hof des erhabenen Herrn ein Wort zu sprechen, wird Allah einigen Seiner besonderen und geliebten Diener erlauben, Fürsprache einzulegen, und dadurch ihren Rang erhöhen. Den höchsten Rang unter ihnen wird der letzte Prophet, Hadhrat Muhammad Mustafa (s.a.), einnehmen.
In dieser ausführlichen Erörterung ist ganz deutlich geworden, dass Fürsprache im Grunde die Bezeichnung für eine besondere Art der Vergebung Allahs ist, die sich von den allgemeinen Regeln der Vergebung in gewisser Weise unterscheidet. Wir können sie als das Prinzip zusätzlicher Gnade bei der Gewährung von Vergebung (Special concessional laws of amnesty) bezeichnen. Auch dies ist ein Prinzip und ein Verfahren. Es entspricht ebenfalls vollständig den Erfordernissen der Eigenschaften Allahs wie Seiner Einheit, Seiner Herrschaft, Seiner Autorität, Seiner Erhabenheit und Seines Wissens. Dadurch werden die Gesetze für die Gewährung von Belohnung oder Bestrafung keineswegs beeinträchtigt.
Außerdem muss man sich daran erinnern, dass Vergebung im Jenseits ohne Allahs Gnade überhaupt nicht möglich ist. Der Prophet sagte:(Arabisch***************)
„Wisset, dass niemand von euch allein aufgrund seiner Taten auf Errettung hoffen kann.“ – (Muslim)
Doch ebenso wahr, wie dies ist, ist auch Folgendes wahr: Die Gnade Allahs, des Erhabenen, oder Seine „Gunst und Güte“ beruht auf einem Prinzip. Er wird nur diejenigen unter den Schutz Seiner Gunst und Güte aufnehmen, die sich durch ihren Glauben und ihre Taten dafür als würdig erweisen. Je besser der Glaube und die Taten eines Menschen sind, desto mehr wird er Anspruch auf Seine Gunst und Güte haben. Und je geringer das Kapital seines Glaubens und seiner Taten ist, desto geringer wird sein Anspruch auf Seine Gnade sein. Daneben wird es auch viele Unglückselige geben, die überhaupt keine Vergebung verdienen werden.
Kurz gesagt hängt die Vergebung in der Praxis vom Glauben und den Taten des Menschen ab. Das Recht, in dieser Angelegenheit von Anfang bis Ende zu entscheiden, liegt jedoch allein bei Allah, dem Erhabenen.
Was gesagt wurde, ist die korrekte Vorstellung von der Fürsprache aus islamischer Sicht. Wenn man die oben beschriebene irrige und polytheistische Vorstellung von der Fürsprache nicht aus seinem Herzen tilgt und nicht die islamische Vorstellung annimmt, wird der Glaube an das Jenseits bedeutungslos.
Ob der Verstorbene irgendetwas von der Welt hört
Nach dem Tod befindet sich ein Mensch in einer unsichtbaren Welt namens Alam al-Barzakh. Nun stellt sich die Frage, ob sie die Gespräche, Lobpreisungen, Loblieder, Bittgebete und flehentlichen Bitten der Menschen in dieser Welt hören können.
Die Antwort findet sich im Heiligen Koran. Allah sagt:(Arabisch************)
„Wer ist weiter vom rechten Weg abgeirrt als jemand, der außer Allah Wesen anruft, die ihm bis zum Tag der Auferstehung nicht antworten können? Vielmehr haben sie keinerlei Kenntnis von den Rufen dieser Menschen.“ – (Sure al-Ahqaf: 5)
Der Ruf der Menschen dieser Welt, die sie anrufen, erreicht sie überhaupt nicht. Sie hören diese Rufe weder selbst mit ihren eigenen Ohren, noch erreicht sie auf irgendeine Weise die Nachricht, dass jemand sie anruft.
Um diese Aussage Allahs des Erhabenen ausführlich zu verstehen, muss man sich vor Augen führen, dass die Wesen, die alle Götzendiener dieser Welt außer Allah anrufen, von dreierlei Art sind. Erstens gibt es einige leblose Dinge, die die Menschen eigenhändig hergestellt und zu Göttern gemacht haben.
Zweitens gibt es einige fromme und ehrwürdige Menschen, die bereits verstorben sind.
Drittens gibt es jene verwirrten und irregeleiteten Menschen, die auch andere in die Irre führten und verdorben haben und diese Welt verließen.
Was die Götzen der ersten Art betrifft, so ist offenkundig, dass sie als leblose, unbelebte Dinge weder hören noch sehen können und auch keinerlei Macht besitzen, irgendetwas zu tun.
Auch die Gottheiten der zweiten Art, also die verstorbenen frommen und ehrwürdigen Menschen, werden aus zwei Gründen nichts von den Bitten und Gebeten der Menschen auf der Welt wissen. Erstens befinden sie sich bei Allah in einem Zustand, in dem die Stimmen der Menschen auf der Welt sie nicht unmittelbar erreichen; zweitens lassen Allah und Seine Engel sie auch keinerlei Nachrichten aus der Welt zukommen. Denn für diejenigen, die ihr ganzes Leben lang die Menschen gelehrt haben, ausschließlich am Hofe Allahs zu beten, wäre es nichts Schmerzlicheres, als dass die Menschen nun gerade sie anrufen. Allah wünscht keineswegs, den Seelen Seiner frommen Diener irgendeinen Kummer zu bereiten.
Auch für die Gottheiten der dritten Art gibt es zwei Gründe, weshalb sie nichts davon wissen. Erstens befinden sie sich als Angeklagte in Allahs Gefängnis, wohin kein Laut aus der Welt gelangt. Dass ihre Mission auf der Welt großen Erfolg hatte und die Menschen sie zu Gottheiten gemacht haben, lassen Allah und Seine Engel ihnen nicht mitteilen.
Würde man ihnen eine solche Nachricht zukommen lassen, wäre das für sie ein Grund zu großer Freude. Allah aber will diese Übeltäter niemals zufriedenstellen.
In diesem Zusammenhang sollte man verstehen, dass der Friedensgruß und die Gebete der Menschen auf der Welt zu Seinen frommen Dienern übermittelt werden. Denn das wird für sie eine freudige Angelegenheit sein.
Ebenso lässt Allah die sündigen Verbrecher die Flüche, Erniedrigungen, Vorwürfe und Beschimpfungen der Menschen auf der Welt und dergleichen hören. Dadurch wird ihr seelischer Schmerz noch größer.
Im Hadith heißt es, dass den im Krieg gefallenen Ungläubigen nach der Schlacht von Badr die Vorwürfe des edlen Propheten zu Gehör gebracht wurden, weil dies ihnen seelischen Schmerz bereitete. Den frommen Dienern jedoch wird nichts übermittelt, was ihnen seelischen Schmerz bereiten könnte.
Ich denke, dass die obige Erörterung eine klare Vorstellung davon vermittelt, ob ein Verstorbener irgendetwas aus der Welt erfahren und hören kann.
Vor einiger Zeit fragte ich nach dem Besuch des Mausoleums von Khwaja Sahib in Ajmer einen befreundeten Sänger: Wir bitten Allah, den Erhabenen, an Seinem Hof um vieles, flehen und weinen; ebenso sah ich manche Menschen, die den verstorbenen Khwaja Sahib unter Flehen um vieles baten. Manche tragen an seinem Mausoleum Qawwali vor. Was meinen Sie: Ist all dies im Islam nicht streng verboten?
Er sagte: Wie dem auch sei, wenn das Singen an seinem Mausoleum verboten wäre, hätte er es doch untersagt, oder sein Fluch hätte jemanden treffen müssen; das ist jedoch niemandem widerfahren. Außerdem liebte er Qawwali-Musik.
Mein Freund wich einer Antwort auf die ersten Aussagen aus, doch er glaubte, dass Khwaja Sahib den Qawwali-Gesang an seinem Mausoleum höre und sich darüber freue. Ich denke, dass die obige Erörterung diese Vorstellung und diesen Glauben meines Freundes und vieler anderer widerlegen wird. Viele Menschen halten zahlreiche Gottesfreunde und Derwische für Besitzer unendlicher Macht und bitten sie um vieles. Doch außer Allah kann niemand, keine Kraft und kein Wesen, einem Menschen Schaden oder Nutzen zufügen. Dies wird an vielen Stellen im Heiligen Koran gesagt.
Das Merkwürdige daran – und eine gewaltige Leistung Satans – ist, dass die Menschen jene, die ihr ganzes Leben lang die Lehre vom Tauhid verkündeten, nach ihrem Tod zu Göttern gemacht haben.
Hazrat Abd al-Qadir al-Dschilani (r.) lehrte, dass es Schirk wäre, ihn nach seinem Tod mit den Worten anzurufen: „O Abd al-Qadir! Gib um Allahs willen etwas.“ Dennoch habe ich gesehen, dass die obigen Worte in großen Buchstaben an der Außenwand der berühmten Khanqah des Qadiriyya-Ordens geschrieben standen. In seinem Namen sind zahlreiche Formen des Schirk verbreitet. Doch er und viele andere wie er können keineswegs wissen, dass unwissende Menschen sie zu Göttern gemacht haben.
Manche Menschen glauben auch, dass die Seelen der Verstorbenen in der Welt umhergehen. Wenn diese Vorstellung wahr wäre, würden die obigen Aussagen als falsch erwiesen. Khwaja Ajmeri und Hazrat Abd al-Qadir al-Dschilani (r.) könnten dann selbst sehen, dass die Menschen sie zu Göttern gemacht haben, und dies wäre für sie ein Grund zu entsetzlichem seelischem Schmerz. Allah, der Erhabene, billigt dies niemals. Daher gibt es keinerlei Möglichkeit, aus dem عالم al-Barzakh in die Welt zurückzukehren.
Eine irrige Vorstellung
Es ist unbestreitbar, dass im Jenseits nur die rechtschaffenen und tugendhaften Menschen siegen werden. Unter den Nichtmuslimen gibt es viele, die zahlreiche gute Taten vollbringen. Wahrhaftigkeit, die Hilfe für Notleidende, das Ausgeben von Geld und das Erbringen von Opfern zum Wohl der Menschheit sowie viele gemeinnützige Werke finden sich auch bei Angehörigen anderer Religionen. Obwohl sie nicht an Allahs Tauhid und an die wahre Religion glauben, finden sich unter ihnen die oben genannten Eigenschaften. Es besteht auch kein Zweifel daran, dass die genannten Taten verdienstvoll sind. Was wird also bei der Abrechnung im Jenseits mit ihnen geschehen?
Viele glauben, dass auch sie als Belohnung für ihre guten Taten das Paradies oder die Dschanna erlangen werden. Wie wahr dieser Glaube oder diese Vorstellung ist, wollen wir einmal überprüfen und eingehend betrachten.
(Arabisch****************)
„Und wer eine gute Tat vollbringt, sei es ein Mann oder eine Frau, wenn er jedoch gläubig ist, diese werden ins Paradies eintreten, und ihnen wird nicht das geringste Unrecht zugefügt werden (das heißt, ihre Rechte werden nicht geschmälert).“–(Sure an-Nisa: 124)
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„Wer auch immer eine gute Tat vollbringt – sei es ein Mann oder eine Frau –, unter der Bedingung, dass er gläubig ist, dem werden Wir in dieser Welt ein reines und heiliges Leben gewähren und (im Jenseits) solchen Menschen gemäß ihren Taten eine vortreffliche Belohnung geben.“–(Sure an-Nahl: 97)
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„Und wer eine gute Tat vollbringt – sei es ein Mann oder eine Frau –, wenn er gläubig ist, all diese Menschen werden ins Paradies eintreten, wo ihnen unermessliche Versorgungsgüter gewährt werden.“–(Sure al-Mu’min: 40)
In den oben angeführten Versen wird eine Belohnung für gute Taten verkündet. Doch jedes Mal wird die Bedingung gestellt, dass derjenige, der gute Taten vollbringt, unbedingt gläubig sein muss. Erst nachdem man an die grundlegenden islamischen Glaubenslehren glaubt, wird man die Belohnung für gute Taten erhalten.
An vielen Stellen des heiligen Korans heißt es:
(Arabisch**************)
„Diejenigen, die den Glauben angenommen und gute Werke getan haben“ – das bedeutet, dass der Glaube die Voraussetzung für gute Werke ist. Zuerst muss man an Allah, Sein Buch, Seine Gesandten und an das Jenseits und dergleichen glauben. Danach wird auch dargelegt, welche guten Werke zu tun sind. Diese guten Werke haben die Propheten und Gesandten selbst im wirklichen Leben vorgelebt. Man muss sie gemäß den von ihnen gelehrten Wegen und Methoden ausführen. Das Ziel dieser Werke soll sein, dass man sie ausschließlich um des Wohlgefallens Dessen willen verrichtet, den man als Schöpfer, Versorger, Eigentümer, Herrn, König und Herrscher anerkannt hat – was bedeutet, den Glauben anzunehmen. Wenn man nicht an Denjenigen glaubt, der allein das Recht hat, Belohnungen zu vergeben, und nicht danach strebt, Sein Wohlgefallen zu erlangen, woher sollte dann eine Belohnung kommen? Daher hängen die Erlösung und die Belohnung im Jenseits von guten Werken ab, und gute Werke werden nur zusammen mit dem Glauben fruchtbringend sein.
Wer kann leugnen, dass Allah, der Erhabene, allein der Schöpfer, Eigentümer und Herr des Universums und jedes einzelnen Geschöpfes darin ist? Dieser Allah hat dem Menschen alles gegeben, was er zum Leben benötigt. Für Fortschritt und Wohlstand im Leben hat Er alle Mittel und Materialien für Glück, Bequemlichkeit und immer neue Erfindungen geschaffen. Er hat ihm Wissen, Verstand und Urteilsvermögen, Arbeitskraft und außergewöhnliche Erfindungsgabe gegeben. Er allein hat den Menschen die Dīn al-Haqq, die wahre, schöne und segensreiche Lebensordnung, gesandt. Um die Menschen stets auf dem rechten Weg zu führen und sie moralisch zu erziehen, hat Er ihnen im Laufe der Zeitalter Propheten und Gesandte gesandt. Er allein ist der Schöpfer, Eigentümer und Herr dieser Welt und der kommenden Welt. Auch der alleinige Herrscher und Richter am Tag des Gerichts ist Er. Einen solchen Allah leugnete man in Seiner Herrschaft, Seiner Autorität und Seinem Anspruch auf Gehorsam. Man leugnete Seine Propheten und Gesandten sowie den Gerichtstag im Jenseits. Anstatt den Schöpfer, Herrn und Erhalter Allah zu preisen, Ihm zu gehorchen und Ihm zu dienen, tat man dies einem Seiner Geschöpfe oder einem eingebildeten Gegenstand gegenüber. Oben wurde unter den Eigenschaften nichtmuslimischer rechtschaffener Menschen eine genannt: Wahrhaftigkeit. Aber welchen Pfennigwert kann Wahrhaftigkeit noch haben, nachdem man die wahre Religion und die Dankbarkeit gegenüber dem barmherzigen Schöpfer, Herrn und Erhalter verleugnet hat?
Zweitens wurden ihre Großzügigkeit, ihr gemeinnütziges Wirken und Eigenschaften wie ihre Mildtätigkeit erwähnt. Doch bedenkt: Geld und Besitz, alle Mittel für gemeinnützige Werke sowie Wissen, Verstand und Arbeitskraft sind sämtlich Gaben Allahs. Einerseits half man anderen mit den Gaben, andererseits leugnete man den Gehorsam, den Dienst und die Dankbarkeit gegenüber dem eigentlichen Geber. Das ist, als würde man die Kuh eines anderen einem Pir schenken. Welchen Wert kann eine solche Spende haben?
Ist es nicht ein Zeichen von Stolz, Hochmut und Undankbarkeit, vor dem Gehorsam gegenüber Allah, dem Schöpfer und Erhalter, den Kopf zu beugen, aber Ihn selbst zu preisen und Ihm zu dienen, abzulehnen? Ist das nicht äußerste Frechheit, Undankbarkeit und Verrat? Darüber hinaus erwies man Dienst und Gehorsam, unterwarf sich und betete andere Geschöpfe Allahs an. Das Geschöpf wurde mit der Herrlichkeit des Schöpfers verherrlicht. Kann es eine größere Frechheit, ein größeres Unrecht und größeres Unrecht gegenüber anderen geben? Daher sagt Allah:
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„Das Gleichnis derjenigen, die es ablehnten, Gottes Religion anzunehmen, ist dies: Ihre guten Werke werden wie ein Aschehaufen sein. Wie dieser Aschehaufen an einem stürmischen Tag durch die heftige Kraft des Windes in die Luft davonfliegt, so werden sie von ihren guten Werken keinen Teil vorfinden. Denn ihr Unglaube an Gottes Religion hatte sie weit vom rechten Weg abirren lassen.“ – (Sure Ibrahim: 18)
Das heißt: Diejenigen, die sich ihrem eigenen Herrn Allah gegenüber undankbar, treulos, eigenmächtig, ungehorsam und sündhaft verhalten und sich weigerten, jene Wege der Knechtschaft, Ergebenheit und Anbetung einzuschlagen, zu denen die Propheten – Allahs Segen sei auf ihnen – aufgerufen hatten, deren gesamtes Lebenswerk und der Ertrag ihrer Taten und ihres Charakters am Ende so erfolglos und bedeutungslos werden, als hätte sich allmählich ein gewaltiger Aschehaufen angesammelt und die Gestalt eines Berges angenommen. Doch bei einem heftigen Wind an einem einzigen Tag wird jedes seiner Aschekörnchen im Nichts verwehen. Ihre trügerisch prächtige Zivilisation und Kultur, ihre erstaunlichen Künste und Bauwerke, ihre gewaltigen Universitäten, ihre unermesslichen Schätze an Wissen, Wissenschaft und schöner Kunst, ja sogar ihre Anbetung und Verehrung, ihre offenbaren guten Taten, ihre Spenden und wohltätigen Werke werden sich allesamt als ein gewaltiger Aschehaufen erweisen. All diese stolzen und hochmütigen Taten werden am Tag des Gerichts in der Waage des Gerichts keinerlei Gewicht oder Bedeutung besitzen.
Allah sagt ferner:
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„Diejenigen unter euch, die sich von der Religion des Islam abwenden und im Zustand des Unglaubens sterben, deren gute Taten werden im Diesseits und im Jenseits zunichtegemacht. Sie werden Bewohner der Hölle sein und dort ewig bleiben.“ – (Sure al-Baqara: 217)
Nicht nur die guten Taten derjenigen, die an die Religion des Islam nicht glauben, werden zunichtegemacht; auch diejenigen, die den Islam nach ihrem Glauben an ihn verlassen, werden dasselbe Schicksal erleiden wie die ungläubigen Kafir.
Kurz gesagt, beinahe auf jeder Seite des edlen Korans wird unmissverständlich verkündet, dass all jene, die sich weigerten, die von Allah gesandte wahre Religion anzunehmen, ihren Platz in der Hölle haben werden, ganz gleich, ob sie in dieser Welt gute Taten vollbringen oder nicht.
Wenn diejenigen, die Allah und den Gesandten verleugnen, im Jenseits unbedingt eine Belohnung erlangen wollen, dann sollten sie diese von jenen fordern, die sie angebetet und gepriesen haben, unter deren Geboten und Herrschaft sie gelebt haben und deren Herrschaft und Autorität sie anerkannt haben. Doch wird es an jenem Tag außer Allah irgendein mächtiges Wesen geben, das jemandem eine Belohnung oder eine Strafe gewähren kann? Werden sie die Fähigkeit, den Mut und die Dreistigkeit besitzen, mit Forderungen nach dem Paradies irgendwelche Parolen zu rufen oder Demonstrationszüge zu veranstalten? Und außerdem: Was haben diejenigen, die die Wiederauferstehung, das Jenseits, die Abrechnung sowie Hölle und Paradies verleugnet haben, dort überhaupt zu erwarten, oder was könnten sie dafür vorbringen?
Wenn also den guten Taten der gottwidrigen und gottabgewandten Ungläubigen im Jenseits keinerlei Wert beigemessen wird, dann beruht dies auf vollkommener Gerechtigkeit.
Wenn sie jedoch auf Erden irgendeine gute Tat vollbracht haben, werden sie deren Lohn bereits in dieser Welt erhalten. Nach ihrem Tod wird ihnen nichts mehr zustehen.
Die weltlichen Vorteile des Glaubens an das Jenseits
Jeder Mensch, ganz gleich, welchem Land oder Volk er angehört, sehnt sich nach Frieden. Dieser Frieden liegt darin, mit Ehefrau, Kindern und Angehörigen unbesorgt und sicher zu leben, sich in Sicherheit frei bewegen zu können, seine Grundrechte wahrzunehmen und davor geschützt zu sein, dass andere in seine eigenen Rechte eingreifen. Dieser Frieden liegt auch in der Freiheit und den Möglichkeiten, das Leben nach den eigenen Idealen und Wertvorstellungen zu gestalten. Wird eines davon behindert oder fehlt bei einem davon die Gewissheit, ist der Frieden gestört.
Aber gibt es diesen Frieden irgendwo in der menschlichen Gesellschaft? Nirgendwo gibt es ihn wirklich, und wo es ihn gibt, dort nur in geringem Maße. Wenn es in Ihrer Familie keinen Kampf der Ideale gibt und kein Sturm äußerster Meinungsverschiedenheiten tobt, wenn sich innerhalb der Grenzen Ihres Hauses niemals Diebe oder Übeltäter herumtreiben, wenn Sie die gesamte Ernte Ihrer Felder sicher nach Hause bringen können, wenn Ihre Bediensteten beim Einkauf für Sie nicht den kleinsten Pfennig unterschlagen oder durch äußere Verschwörungen nicht Hand an Ihr Leben und Ihren Besitz gelegt wird, dann kann man gewiss sagen, dass Sie in Frieden leben. Doch heutzutage sieht man überall das Gegenteil; deshalb gibt es nirgendwo Frieden.
Nehmen wir nur unsere Gesellschaft. Infolge des äußersten moralischen Verfalls hat die Seuche äußerster Korruption auf allen Ebenen der Gesellschaft das Leben der Menschen unerträglich gemacht. Korruption unter der gesamten Bevölkerung, Korruption zwischen Lehrern und Schülern, Korruption unter den Verantwortlichen aller Ebenen. Vom Diebstahl von Schuhen in der Moschee bis zum Diebstahl staatlichen Eigentums ist alles weit verbreitet. Korruption herrscht auch in den Einrichtungen, die zur Bekämpfung von Korruption und Verbrechen tätig sind. In dem Senf, mit dem man den Geist vertreiben will, hat sich der Geist selbst versteckt. Infolgedessen ist Recht und Ordnung zusammengebrochen. Deshalb erhält der Unterdrückte keine gerechte Behandlung, während die an der Macht stehenden Reichen und die Feinde der Gesellschaft das Gesetz ungestraft missachten und ihre bösen Absichten verwirklichen.
Schauen wir uns weiter an, wie heutzutage in allen Ländern äußerster Terror Wurzeln geschlagen hat. Mord, Raub und Entführung, einschließlich Flugzeugentführungen, brutale Tötungen sowie das Sprengen von Gebäuden und Häusern mit Dynamit und allerlei Sprengstoffen sind zu alltäglichen Ereignissen geworden. Zu Hause, in Bildungseinrichtungen und auf Straßen und Wegen sind die Ehre, die Unversehrtheit und sogar das Leben von Frauen heutzutage nicht mehr sicher. Ein mächtiges Land führt bewaffnete Aggression gegen ein anderes Land und errichtet seine Vorherrschaft über dieses. Hunderttausende Männer und Frauen werden grausam getötet. Ein Dorf und ein Getreidefeld nach dem anderen wird niedergebrannt. Aus den Skeletten der Menschen steigen nur Wehklagen und Schreie auf. Gegen diese Unterdrückung und Zermürbung gibt es kein Mittel. Die gesamte Menschheit ist heute hilflos.
Hat irgendjemand ein Mittel dagegen? Erst neulich sprengten Terroristen das Gebäude der amerikanischen Botschaft in Beirut in die Luft. Es entstand enormer Schaden an Menschenleben und Eigentum. Ein Passagierflugzeug aus Südkorea wurde durch den Einschlag einer russischen Rakete zerstört. Mehrere hundert unschuldige Menschen verloren ihr Leben. Russland besetzte Afghanistan mit Gewalt, verwüstete die Heimat der Afghanen und ließ Hunderttausende Menschen grausam ermorden; aus Angst um ihr Leben wurden Millionen Menschen heimatlos. Ihr Wehklagen und ihre Schreie erfüllten die Menschen auf der ganzen Welt mit Schmerz. Israel verwandelte den gesamten Libanon in ein Karbala. Doch wurde irgendein Abhilfe geschaffen? Solche schrecklichen Ereignisse geschehen in der ganzen Welt ständig aufs Neue. Auf die Frage, ob Maßnahmen gegen die Terroristen ergriffen würden, konnte Casper Weinberger seitens der amerikanischen Regierung nichts sagen – und was hätte er auch sagen sollen? Wenn auf einen Schlag mit einem Gegenschlag geantwortet wird, muss man einen noch größeren Schlag erwarten. Wie lässt sich die Haltung beseitigen, ungerechte Schläge zu führen? Kennen die Gesellschaften und Staatsoberhäupter der modernen Zivilisation irgendeinen wirksamen Weg, die Charaktere solcher Feinde der Menschheit zu bessern – gesellschaftswidriger Menschen, Verbrecher, Banditen, Plünderer und Terroristen? Nein, ganz und gar nicht. Sie verstehen nur, ein Wettrüsten zu betreiben, um Schläge auszuteilen und sich gegen Schläge zu verteidigen. Eine Waffe zur Besserung des menschlichen Charakters besitzen sie nicht.
Diese Waffe besitzt allein der Islam. Allah hat sie der Menschheit durch die Propheten und Gesandten gesandt. Diese Waffe ist ein Glaube, eine feste Überzeugung, auf deren Grundlage sich Geisteshaltung, Charakter, Geschmack und die Wertvorstellungen des Lebens herausbilden. Ein Glaube, der eine Lebensanschauung vermittelt, das Ziel und den Zweck des Lebens lehrt, die Pflichten und das Verantwortungsbewusstsein im Leben lehrt, das Leben sinnvoll macht und ein starkes Gefühl der Rechenschaft für jede Tat vor einer unsichtbaren Macht hervorruft. Dieser Glaube lehrt, dass die Schöpfung und die Menschen in ihr nicht ohne Zweck erschaffen wurden. Nach ihrer Erschaffung wurden sie nicht zügellos sich selbst überlassen, sodass sie hier tun könnten, was sie wollen, ohne dass jemand gute Taten belohnte oder schlechte Taten bestrafte. Die Wahrheit ist vielmehr: Nach dem Tod muss man zu dem zurückkehren, der einen erschaffen hat. Dann muss man Ihm über jede gute und schlechte Tat seines irdischen Lebens Rechenschaft ablegen. Wenn jemand in seinem irdischen Leben Unrecht begangen oder als Verbrecher und Terrorist das Leben und Eigentum der Menschen zerstört hat, muss er dafür unweigerlich die angemessene Strafe erhalten. An jenem Tag wird niemand die Macht besitzen, die Strafe des Strafenden abzuwehren. Die Strafe dann wird ewig sein. Denn auch jenes Leben wird kein Ende haben, und der Tod wird niemanden jemals wieder berühren. Das ist der Glaube an das Jenseits. Derjenige, der an jenem Tag Strafe oder Belohnung gewährt, ist Allah, der Erhabene – der Schöpfer auch dieser Welt, der Schöpfer aller Lebewesen und Dinge einschließlich des Menschen sowie der Schöpfer, Eigentümer und Herrscher des Jenseits.
Nur dieser Glaube kann den Menschen zum Menschen machen, den erbarmungslosen, harten Menschen liebevoll und barmherzig werden lassen. Er kann aus einem charakterlosen Menschen einen charakterfesten machen und aus einem Übeltäter und Räuber einen Beschützer von Menschenleben und Besitz. Einen Terroristen kann er zu einem Menschenfreund und Freund der Menschheit machen, einen Korrupten zu einem Bekämpfer der Korruption. Im siebten Jahrhundert der Menschheitsgeschichte ereignete sich unter der Führung des arabischen Propheten Muhammad Mustafa (s.a.w.) ein solches Wunder. Der Prophet (s.a.w.) weckte in den sündigen Menschen den Glauben an Allah mit all Seinen Eigenschaften und schuf in ihnen auch den Glauben an das Jenseits sowie das Bewusstsein der Rechenschaftspflicht. Auf der Grundlage dieses Glaubens besserte er ihren Charakter. Er verwandelte ein furchtloses, blutdürstiges Volk in ein Volk, das sich für das Wohl der Menschheit einsetzte. Durch sie errichtete er einen wahrhaft wohltätigen Staat. Er band alle durch die starken Bande der Brüderlichkeit, der Zuneigung und Liebe, des Mitgefühls für das Leid anderer sowie der gegenseitigen Hilfe und Unterstützung zusammen. Jegliches Unrecht verschwand aus der Gesellschaft. Es entstand eine so glückliche und schöne Gesellschaft, wie die Welt sie zuvor noch nie gesehen hatte. Eine solche Gesellschaftsordnung gibt es bis heute nirgendwo auf der Welt.
Wenn die Großmächte und die von ihnen begünstigten Staaten heute an Gott und das Jenseits glauben würden und die gewaltigen Summen, die sie für das Wettrüsten ausgeben, in den Dienst der Menschheit stellten, würde eine neue Welt entstehen. Wenn die überall vom rechten Weg abgekommenen Menschen ihren Charakter unter der ideellen Führung des Weltpropheten Muhammad Mustafa (s.a.w.) im Glauben an Gott und das Jenseits bilden würden, würde überall das blutige Spiel mit dem Leben der Menschen ein Ende finden. Jeder würde sein Leben und seinen Besitz als sicher betrachten, und die korrupte Gesinnung würde verschwinden. Verwaltung, Recht und Ordnung, Handel und Gewerbe, Bildung und Erziehung, Rechtsprechung und gesellschaftliche Gepflogenheiten – alles würde ordnungsgemäß und zum Wohl der Menschen funktionieren. Die Strafverfolgungsbehörden würden selbst nicht gegen das Gesetz verstoßen. Sie würden die Ressourcen des Landes nicht ins Ausland schmuggeln. Niemand würde staatliches Eigentum veruntreuen, niemand würde irgendjemanden betrügen. Niemand würde sich mit Waffengewalt als Diktator auf den Nacken des Volkes setzen. Die Stimme der Unterdrückten würde niemals zum Schweigen gebracht werden, niemand müsste in die Ketten der Sklaverei gelegt werden, nirgendwo würde man wegen des Mangels an Nahrung und Kleidung Wehklagen hören, und niemand müsste mangels medizinischer Behandlung unter den Qualen einer Krankheit leiden. Dies alles sind die weltlichen Wohltaten und Vorteile des Glaubens an das Jenseits. Wenn die machtstolzen Menschen, die despotischen Herrscher, die Träger und geistigen Sklaven der materialistischen westlichen Zivilisation, die nicht an Gott und das Jenseits glauben, diese Wahrheit erkennen könnten, könnte dies der gesamten Menschheit zum Wohl gereichen.
Die Pflichten der Eltern gegenüber den Kindern und der Kinder gegenüber den Eltern
Das Kind, das aus dem Samen des Vaters und im Schoß der Mutter geboren wird, lieben Vater und Mutter am meisten. Kein Leid und keine Not ihres Kindes können die Eltern ertragen. Wenn das Kind einmal krank wird, geraten Mutter und Vater in größte Unruhe. Doch zweifellos kann man sagen, dass das Kind gewöhnlich für die Mutter ein noch größeres Objekt der Liebe ist als für den Vater. Um dieses geliebte, ersehnte Wesen größter und innigster Zuneigung zu bekommen, nimmt die Mutter die Beschwerden der Schwangerschaft und die äußersten Schmerzen der Geburt freiwillig und mit einem Lächeln auf sich. Diese Schmerzen gleichen den Todesqualen. Viele sterben sogar, weil sie diese Schmerzen nicht ertragen können. Dennoch weigert sich niemand, wiederholt schwanger zu werden. Wenn das Kind nach unsäglichen Schmerzen zur Welt kommt und die Mutter es nur ansieht, verschwinden all ihr Leid, ihre Not und ihre Schmerzen, und ein himmlisches Lächeln der Freude erscheint auf ihrem Gesicht. Dieses Kind muss für sie das geliebteste Wesen überhaupt sein.
Da das Blut des Vaters mit dem des Kindes verbunden ist, ist auch das Kind für den Vater das geliebteste Wesen. Daher möchten Mutter und Vater ganz natürlich ihre Kinder glücklich sehen und ein schönes Leben führen sehen. Um ihre Kinder glücklich zu machen, lassen die Eltern bei ihren Bemühungen keine Mühe aus. Ein erwerbstätiger Vater kauft für sie Land, baut Häuser und hinterlässt ihnen ein Bankguthaben, damit sie in größtem Glück leben können.
Wenn dies alles ist, was sie für ihre Kinder tun, muss man verstehen, dass ihre Vorstellung vom Leben falsch oder unvollständig ist. Das Leben auf dieser Welt ist nicht das einzige Leben, sondern nur ein Teil des gesamten Lebens. Dass es auch nach dem Leben auf dieser Welt ein Leben gibt und dass dieses das eigentliche Leben ist, wird in diesem Buch ausführlich erörtert.
Dann muss man zugeben, dass diejenigen, die ihre Kinder glücklich und frei von Leid und Not sehen möchten, unbedingt auch über das Leben nach dem Leben auf dieser Welt nachdenken müssen. Doch wie viele von denen, die die Existenz des Jenseits anerkennen, denken über das ewige Leben ihrer Kinder im Jenseits nach? Sobald die Kinder eine gute Arbeitsstelle, ein Auto, ein Haus, reichlichen Verdienst, Ruhm und Ansehen und dergleichen haben, sind die Eltern überglücklich. Sie überlegen nicht, wie ihre Söhne ihr Geld verdienen oder auf welchem Weg sie ihr Leben führen. Sie halten es nicht für nötig, sich danach zu erkundigen, ob der Sohn ein wahrhaft muslimisches Leben führt oder in den Genüssen eines prinzipienlosen, zügellosen und materialistischen Lebens versunken ist. Wenn die Tochter mit dem Sohn eines Reichen verheiratet werden kann oder der Schwiegersohn ein hoher Beamter oder Geschäftsmann ist, gilt der Wunsch des Lebens in dieser Hinsicht als erfüllt. Wenn die Tochter Tänzerin oder Sängerin wird oder als Filmschauspielerin zur Unterhaltung zahlloser genusssüchtiger Menschen beiträgt, schwellen vielen Vätern und Müttern vor Freude die Herzen. Für diejenigen freilich, die nicht an das Jenseits glauben, ist ein solches Verhalten ganz natürlich. Auch Allah, der Erhabene, hat gesagt:
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„Esst, trinkt und amüsiert euch einige Tage lang. Denn ihr seid ja Übeltäter.“ – (Sure al-Mursalāt: 46)
Sie haben das Leben im Jenseits geleugnet. Sie meinen, mit dem Leben sei nur dieses diesseitige Leben gemeint. Aber wird die wirkliche Wahrheit dadurch zur Unwahrheit, dass sie es meinen? Das Jenseits wird gewiss kommen, und in jenem Leben wird ihnen nichts mehr zustehen. Diejenigen, die das Leben im Jenseits für eine Lüge hielten, werden an jenem Tag zugrunde gehen.
So steht es um diejenigen, die nicht an das Jenseits glauben. Doch bei denen, die sich Muslime nennen, zeigt sich genau ein solches Verhalten. Ist das nicht ein Anlass zum Nachdenken?
Andererseits gehört es zu den Pflichten der Kinder, ihren Eltern dankbar und gehorsam zu sein, ihnen zu dienen und ihnen während ihres Lebens kein Leid und keine Not zu bereiten. Manche erfüllen diese Pflicht, andere tun es nicht. Diejenigen, die sie nicht erfüllen, sind wahrlich undankbar und ungehorsam und verdienen Schande. Doch diejenigen, die es als ihre Verantwortung und Pflicht ansehen, Dankbarkeit zu zeigen, haben auch die Pflicht, sich darum zu bemühen, dass das Leben ihrer Eltern im Jenseits glücklich ist. Wenn sie außerdem zu Lebzeiten ihrer Eltern irgendein Leid oder eine Not feststellen, wird auch ein vorbildliches Kind von Kummer überwältigt und bemüht sich mit aller Kraft, das Leid und die Not der Eltern zu beseitigen. Ebenso verhält sich ein vorbildliches Kind nach ihrem Tod: Es denkt, dass vielleicht seine Mutter oder sein Vater in Not ist. Auch wenn es in Wirklichkeit nichts mehr tun kann, spricht das Kind aus tiefstem Herzen ein Bittgebet zu Allah, dem Erhabenen, für sie: „O unser Herr! Erbarme Dich ihrer, wie sie mich in meiner Kindheit mit großer Liebe aufgezogen und großgezogen haben.“ Auch dieses Bittgebet hat Allah, der Erhabene, selbst gelehrt. Wenn ein Kind daher dieses von Ihm gelehrte Bittgebet aufrichtig für seine Eltern spricht, darf es gewiss hoffen, dass es erhört wird. Auf diese Weise kann ein Kind das Recht seiner Eltern sowohl zu deren Lebzeiten als auch nach ihrem Tod richtig erfüllen.
Doch was sehen wir? Häufig ist zu beobachten, dass ein Vater seine mehreren Ehefrauen und Kinder nicht gleich behandelt. Bei der Verteilung des Vermögens gibt er dem einen mehr, als ihm rechtmäßig zusteht, dem anderen weniger und beraubt wieder einen anderen vollständig seines Anspruchs. Manche Kinder lassen sich außerdem von einer materialistischen Lebensauffassung leiten, beeinflussen den Vater auf ungerechte Weise, benachteiligen ihre Geschwister und lassen sich vom Vater durch allerlei Schriftstücke den Löwenanteil überschreiben. Der Vater wiederum legt Vermögen auf den Namen einer Ehefrau oder eines Kindes an, ohne die tatsächliche Eigentümerschaft offenzulegen. Beides ist großes Unrecht und unehrenhaftes Verhalten. Dafür werden beide Seiten im Jenseits einer schweren Strafe von Allah ausgesetzt sein.
Wenn die Eltern also das glückliche Leben ihrer Kinder im Jenseits wünschen und die Kinder das Leben ihrer Eltern im Jenseits glücklich und schön sehen möchten, dann muss ihr beiderseitiges Verhalten auf dieser Welt dem entsprechen, was Allah und Sein Gesandter gelehrt haben.
Es gehört zu den Pflichten der Eltern, den Charakter ihrer Kinder schon von frühester Kindheit an nach dem Vorbild des Islam zu formen, damit sie ein vollkommen muslimisches Leben führen. Wenn andererseits ein rechtschaffenes Kind sieht, dass seine Eltern vom rechten Weg abgekommen sind, wird es sich mit aller Kraft bemühen, sie auf den geraden Weg zu bringen.
Wenn beide ihre Pflichten füreinander erfüllen, wird ihr beiderseitiges Leben im Jenseits grenzenlos glücklich sein. Durch die Gnade Allahs werden sie dann gemeinsam am selben Ort ein Leben ewigen Glücks verbringen können.
Allah sagt:
(Arabisch*****************)
„Ein solches Paradies wird ihre ewige Wohnstätte sein. Sie selbst (die Gläubigen) werden dort eintreten, und von ihren Eltern, Ehefrauen und Kindern werden diejenigen, die rechtschaffen sind, mit ihnen dorthin gelangen. Von allen Seiten werden die Engel kommen, um sie willkommen zu heißen, und zu ihnen sagen: ‚Friede sei mit euch! Weil ihr auf der Erde alles geduldig ertragen habt, seid ihr heute dieses Glückes würdig geworden. Wie gut ist doch diese Wohnstätte im Jenseits!‘“ – (Sure ar-Raʿd: 23–24)
Es wird ferner gesagt:
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„Die Engel, welche den göttlichen Thron tragen, und diejenigen, die sich in seiner Umgebung befinden, preisen allesamt ihren Herrn und verherrlichen Ihn. Sie glauben an Ihn und bitten um Vergebung zugunsten der Gläubigen. Sie sagen: ‚Unser Herr! Du umfassst mit Deiner Barmherzigkeit und Deinem Wissen alle Dinge. So vergib und bewahre vor der Strafe der Hölle diejenigen, die bereut haben und Deinem Weg gefolgt sind. Unser Herr! Lass sie in die ewigen Gärten eintreten, die Du ihnen versprochen hast, und lass auch diejenigen unter ihren Eltern, Ehefrauen und Kindern, die rechtschaffen (fromm) sind, mit ihnen dorthin gelangen. Du bist gewiss der Allmächtige, der Allweise.‘“ – (Sure al-Muʾmin: 7–8)
Die Bedeutung der oben angeführten Worte Allahs ist vollkommen klar und bedarf keiner Erläuterung. In der Sure at-Tur wird es noch deutlicher gesagt:
(Arabisch***************)
„Diejenigen, die den Glauben angenommen haben und deren Nachkommen ihnen auf irgendeiner Stufe des Glaubens folgen, mit deren Nachkommen werde Ich sie vereinen. Dadurch werde Ich ihre Werke um nichts schmälern.“ – (Sure at-Tur: 21)
In der Sure al-Mu’min wird gesagt, dass die Gläubigen und rechtschaffenen Menschen das Glück des Paradieses erlangen werden. Damit ihre Augen erfreut werden, wird ihnen gestattet, ihre Eltern, Ehefrauen und Kinder bei sich zu haben, sofern diese nach Annahme des Glaubens rechtschaffene Werke getan haben. Das heißt, ebenso wie im irdischen Leben werden sie auch im Leben des Jenseits im Paradies gemeinsam mit ihren Ehefrauen, Söhnen und Angehörigen wohnen können. In der Sure at-Tur wird darüber hinaus gesagt: Wenn die Kinder ihren Vätern und Großvätern auf irgendeiner Stufe des Glaubens folgen, werden sie mit ihren Vätern und Großvätern vereint werden, auch wenn sie selbst nicht den hohen Rang erreicht haben, den diese durch ihren besseren Glauben und ihre besseren Werke erlangt haben. Diese Vereinigung wird jedoch nicht so sein, dass einer den anderen gelegentlich besucht. Vielmehr werden sie im Paradies bei ihnen wohnen. Darüber hinaus wird versichert, dass der Rang der Väter und Großväter nicht herabgesetzt wird, um sie mit ihren Kindern zu vereinen; vielmehr wird der Rang der Kinder erhöht, damit sie mit ihren Vätern vereint werden.
Nehmen wir zum Beispiel an, dass Vater und Sohn beide durch ihren Glauben und ihre Werke das Paradies erlangt haben. Der Vater gehört jedoch zur ersten Rangstufe, während der Sohn der dritten Rangstufe angehört. Um nun beide zu vereinen, wird der Vater nicht auf die dritte Rangstufe herabgesetzt; vielmehr wird der Sohn befördert und in die erste Rangstufe aufgenommen, sodass ihm gestattet wird, gemeinsam mit seinem Vater zu wohnen. Zweifellos ist dies ein Zeichen der unermesslichen Gunst und Großzügigkeit Allahs, des Erhabenen, gegenüber Seinen rechtschaffenen Dienern.
Dies ist etwas, worüber alle Eltern und Kinder gründlich nachdenken sollten. Wenn beide ihre jeweiligen Pflichten richtig erfüllen, wird nicht nur ihr Leben im Jenseits glücklich und schön sein, sondern auch auf dieser Erde wird eine schöne, reine und heilige Gesellschaft und Umgebung entstehen. Es wird weder Verderbtheit noch Unrecht oder Obszönität geben, und es wird eine auf Gerechtigkeit gegründete menschliche Gesellschaft entstehen, in der die Sicherheit von Leben und Besitz gewährleistet ist.
Schlusswort
Das abschließende Wort lautet nun: Es ist eine unvermeidliche und unbestreitbare Wahrheit, dass der Mensch nach dem Tod ein neues Leben erlangt und in ein neues Leben eintritt. Für dieses letzte Leben, das glücklich und freudvoll sein soll, gibt es diese Welt. Das diesseitige Leben ist das Arbeitsfeld für das jenseitige Leben.
(Arabisch*****************)
Damit im Poush die Speicher mit den goldenen Ähren des neuen Reises gefüllt werden, kommt in Aschahr und Schrabon die Regenzeit. Nur der kluge Bauer, der sich im Regenwasser und in der Hitze der Sonne durchnässt und versengt und auf Feldern und Äckern unermüdlich arbeitet, erhält am Ende des Hemanta seine goldene Ernte. Ebenso ist diese Welt ein Ackerfeld, auf dem man die Ernte für das Jenseits gewinnt. So wie hier die Taten sein werden, so wird auch im Jenseits genau ihr entsprechender Lohn ausfallen.
Der überaus barmherzige Allah hat die Menschen im gesamten Heiligen Koran immer wieder vor ihrem künftigen Leben gewarnt. Er liebt die von Ihm erschaffenen Menschen zutiefst. Deshalb möchte Er, dass der Mensch auch sein ewiges Leben im Jenseits schön gestaltet. In jeder Warnung Allahs kommt Seine innige Anteilnahme und liebevolle Barmherzigkeit zum Ausdruck.
„Dieser Tag des Gerichts ist eine völlig unumstößliche große Wahrheit. Wer also will, der möge bei seinem Herrn seine endgültige Zuflucht wählen. Wir haben euch gewarnt und warnen euch weiterhin davor, dass euch ein Tag schrecklicher Strafe nahe ist. Jeder Mensch wird an jenem Tag die Früchte seiner eigenen Taten sehen. Diejenigen, die an diesem Tag ungläubig sind, werden dann reuevoll sagen: O weh! Wären wir doch zu Staub geworden, statt als Menschen geboren zu werden.“ – (Sure an-Nabaʾ: 39–40)
Es sei auch darauf hingewiesen, dass Allah keinerlei Hass gegen die Widersacher und diejenigen hegt, die sich von Gott abwenden, und auch nicht hegen kann. Wie könnte Er gegenüber Seinen Geschöpfen, die von einem Teil Seiner Gnade abhängig sind, Hass empfinden? Vielmehr zeigt sich Seine unendliche Barmherzigkeit und Gnade darin, dass Er selbst den entschiedensten Gottesrebellen und größten Sündern einen eindringlichen Aufruf zukommen lässt, zu Ihm zurückzukehren.
Man muss sich auch vor Augen halten, dass Er mit diesem eindringlichen Aufruf keinerlei eigenes Interesse verfolgt.
(Arabisch**************)
„Ich erwarte von ihnen (den Menschen und den Dschinn) keinerlei Lebensunterhalt, und Ich verlange auch nicht, dass sie für Meine Versorgung sorgen. Wahrlich, Allah ist der Versorger und unermesslich mächtig.“ – (Sure adh-Dhariyat: 57–58)
In dem hier behandelten Vers hat Allah mit fester Stimme verkündet, dass Ihn mit den Dschinn und den Menschen keinerlei eigenes Interesse verbindet. Ob der Mensch Allah dient und Ihm gehorcht oder nicht – Seine Göttlichkeit bleibt eine ewige und unveränderliche Wirklichkeit. Allah ist keineswegs auf die Anbetung und den Gehorsam irgendjemandes angewiesen. Vielmehr ist der Dienst an Allah die angeborene und natürliche Pflicht des Menschen. Dazu sind sie erschaffen worden. Wenn sie sich vom Dienst und Gehorsam gegenüber Allah abwenden, handeln sie gegen ihre eigene Natur und beschwören ihr eigenes Verderben herauf.
Überall auf der Welt sind die falschen Götter jedoch von der Loyalität ihrer Untergebenen abhängig. Auf deren Gehorsam beruhen die Pracht ihrer Göttlichkeit, ihr Reichtum und ihr luxuriöses Leben. Sie sind nicht die Versorger ihrer Anhänger; vielmehr sind es ihre Untergebenen und loyalen Gefolgsleute, die für ihren Lebensunterhalt und ihr Wohlergehen sorgen. Wenn die gehorsamen unterworfenen Bewohner eines Landes rebellieren, wird der Palast ihrer Göttlichkeit in Stücke zerschmettert. Der allmächtige und erhabene Allah aber ist der Versorger und Erhalter aller Lebewesen.
Warum also ergeht an sie immer wieder der eindringliche Aufruf, zu Ihm zurückzukehren? Sein einziges Ziel ist, ihnen zu vergeben, wenn sie zu Ihm zurückkehren.
Er möchte ihnen Anteil an Seiner Gnade zuteilwerden lassen.
(Arabisch**********)
„Und diejenigen, die neben Allah keinen anderen Gott anrufen, keinen Menschen töten, dessen Tötung Allah verboten hat – es sei denn aus rechtmäßigem Grund – und keine Unzucht begehen (sie allein sind Allahs wahrhaft geliebte Diener); und wer dies tut, wird die Folgen davon erleiden. Am Tag der Auferstehung wird ihre Strafe verdoppelt werden. Und in diesem Strafort, der Hölle, werden sie für immer in Schmach verweilen. Ausgenommen sind diejenigen, die bereuen, zu Allah zurückkehren, gläubig werden und gute Werke tun: Ihnen wird Allah ihre Sünden durch gute Taten ersetzen. Und Allah ist überaus mächtig und barmherzig.“ – (Sure al-Furqan: 68–70)
In den hier behandelten Versen hat Allah vor der Verkündung der Vergebung drei besonders große Sünden erwähnt:
Erstens: Allah jemanden beizugesellen. Neben Allah jemand anderen um Hilfe in Not und Bedrängnis oder um die Erfüllung seiner Wünsche anzurufen – dies wird in der islamischen Terminologie Schirk genannt.
Zweitens: ungerechtfertigtes Töten. Auch dies ist eine so große Sünde, dass man dafür, wie die ungläubigen Götzendiener, für immer Bewohner der Hölle werden muss.
(Arabisch**************)
„Und wer einen Gläubigen vorsätzlich tötet, dessen Lohn ist die Hölle, in der er ewig bleiben wird. Allah ist ihm zürnend, verflucht ihn und hat für ihn eine gewaltige Strafe bestimmt.“ – (Sure an-Nisāʾ: 93)
Allah will in der menschlichen Gesellschaft vollkommene Ruhe und Ordnung sehen und die vollständige Sicherheit von Leben, Besitz, Ehre und Ansehen jedes Menschen. Alles, was dem widerspricht, entspricht keineswegs Seinem Willen. Deshalb sagt Er:
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„Wer auf der Erde einen Menschen tötet, ohne dass dieser einen Mord begangen oder Unheil auf der Erde gestiftet hätte, ist, als hätte er die gesamte Menschheit getötet; und wer einem Menschen das Leben erhält, ist, als hätte er der gesamten Menschheit das Leben erhalten.“ – (Sure al-Māʾida: 32)
Allah hat das Blut der Menschen füreinander für unantastbar erklärt. Dafür sind die oben genannte Ankündigung und die schwere Strafe angedroht worden.
Drittens: Oben wurde noch eine weitere der großen Sünden genannt. Das ist Unzucht.
Doch der große und barmherzige Allah hat den Sündern trotz dieser Sünden eine Botschaft der Hoffnung verkündet. Er hat dem reuigen und umkehrenden (Tawba übenden) Sünder anstelle seiner Sünden die Verheißung guter Taten gegeben! Das heißt: Wenn jemand nach einer Sünde Reue empfindet, bei Allah um Vergebung bittet, die sündige Tat aufgibt, vollkommenen Iman annimmt und beginnt, gute Werke zu tun, dann werden die zuvor in seinem Tatenbuch verzeichneten Sünden getilgt und stattdessen gute Taten eingetragen. Die Trübung und Befleckung seines Herzens verschwinden, und es wird schön, klar und rein. Seine Vorstellungen, sein Denken und sein Geschmack verändern sich. Er wird zum Empfänger von Allahs unendlicher Gunst und Barmherzigkeit. Welche größere goldene Gelegenheit könnte es für Sünder geben?
Eine Sache ist jedoch besonders zu beachten. Es wurde gesagt, dass man nach einer Sünde Tawba üben und Iman annehmen soll. Der Ausdruck „Iman annehmen“ hat eine besondere Bedeutung. Damit ist nicht nur der Glaube an Allahs Existenz und Einheit gemeint. Vielmehr muss man auch an das Buch glauben; in Allahs Buch sind das Verbotene und das Erlaubte, Sünde und Tugend, Wahrheit und Lüge klar dargelegt. Man muss das von Ihm als verboten Bezeichnete für verboten, das Erlaubte für erlaubt, die Sünde für Sünde und die Tugend für Tugend halten. Wenn man eine Sünde als Sünde betrachtet, ist es nur natürlich, dass man ihretwegen Reue und Bedauern empfindet. Doch viele begehen eine Sünde und betrachten sie dennoch nicht als Sünde. Nach Mord und Unzucht empfinden sie statt Reue Stolz darauf und freuen sich, dies anderen mitzuteilen. Man muss jede in Allahs Buch dargelegte Vorschrift von ganzem Herzen glauben und sich Ihm unterwerfen. Man muss den Koran als die Lebensordnung für das gesamte Leben annehmen. Erst dann werden Tawba und gute Werke von Allah angenommen. Wie dem auch sei: Der Weg der Sünder zur Rückkehr zu Allah steht jederzeit offen. Zweifellos ist dies ein Zeichen von Allahs unendlicher Barmherzigkeit und Gnade.
Um zu verstehen, wie sehr Allah über einen reumütigen Diener erfreut ist, sollte man den folgenden Hadith beachten.
Der Hadith-Überlieferer Hadhrat Anas (r.a.) berichtete, dass der Gesandte Allahs sagte: „Wenn ein Diener aufrichtig vor Allah bereut, freut Er sich darüber noch mehr als jener Mann, der beim Durchqueren einer menschenleeren, steinigen Wüste plötzlich sein Reittier verliert. Auf dem Rücken des Tieres befanden sich seine Nahrung, sein Getränk und seine übrigen Habseligkeiten. Nach langem Suchen gibt er hoffnungslos auf und sucht den Schatten eines Baumes auf. Von Verzweiflung und Trauer überwältigt, bricht er zusammen. Nach einiger Zeit sieht er plötzlich sein verlorenes Tier mit all seinen Habseligkeiten vor sich stehen. Er ergreift dessen Zügel, und vor lauter Freude entfährt ihm dieser falsche Ausspruch: ‚O Allah, du bist mein Diener und ich bin dein Herr.‘“ – (Muslim)
In diesem Zusammenhang sei noch ein weiterer Hadith erwähnt. Hadhrat Umar Faruq (r.a.) berichtete:
Einmal wurden einige Menschen als Kriegsgefangene zum Propheten (s.a.w.) gebracht. Unter ihnen befand sich eine Frau, deren gestilltes Kind ihr abhandengekommen war. Sobald die Frau ein kleines Kind vor sich sah, nahm sie es an ihre Brust und stillte es. Als der Prophet (s.a.w.) ihren erbarmungswürdigen Zustand sah, fragte er uns: „Könnt ihr euch jemals vorstellen, dass diese Frau ihr eigenes Kind eigenhändig ins Feuer werfen würde?“
Wir sagten: „Niemals. Ganz zu schweigen davon, dass sie es eigenhändig ins Feuer werfen würde – selbst wenn es von allein hineinzufallen drohte, würde sie alles daransetzen, es zu retten.“
Der Prophet sagte:
(Arabisch**********)
„Allah ist Seinen Dienern gegenüber noch viel barmherziger als diese Frau gegenüber ihrem Kind.“ – (Tafhim al-Qur’an, siehe die Erläuterung zu Sure Hud)
Seht, wie überaus barmherzig Allah Taʿālā ist und wie überaus ungehorsam und undankbar der Mensch ist.
Daher gibt es selbst für jemanden, der aus Begierde übermäßig viele Sünden begangen hat, keinen Grund zur Verzweiflung. Er sollte ohne Verzögerung mit reumütigem Herzen zu Allah zurückkehren, den Weg der Sünde verlassen und sich ganz Seiner Dienerschaft und dem Gehorsam hingeben. Wer die von Allah gegebene Lebensordnung aufgegeben hat und an eine von Menschen geschaffene Lebensordnung glaubt, und wer die Führung des Weltenpropheten Muhammad (s.a.w.s.) aufgegeben hat und dem Zauber einer gottlosen Führung nachläuft, sollte rechtzeitig zum Gesandten Allahs zurückkehren.
Der Prophet sagte: „Eile ist das Werk Satans. Nur in fünf Angelegenheiten ist sie gut: (1) ein Mädchen sofort zu verheiraten, sobald es die Reife erreicht hat; (2) eine Schuld zu begleichen, sobald sich die Gelegenheit dazu bietet; (3) einen Verstorbenen unmittelbar nach seinem Tod zu bestatten; (4) einen Gast sofort nach seiner Ankunft zu bewirten; (5) unmittelbar nach einer Sünde Reue zu zeigen.“
„Was bringt es, jetzt schon Reue zu zeigen? Warten wir noch ein paar Tage. Lassen wir das Alter erst ein wenig voranschreiten. Wenn ich jetzt Reue zeige, werde ich sie ohnehin nicht bewahren können“ und Ähnliches – all das ist eine gewaltige Täuschung Satans.
Man kann sich auf keinen einzigen Augenblick des Lebens verlassen. Es wird berichtet, dass Hadhrat Isa (a.s.) gesagt habe: „Die Welt besteht nur aus drei Tagen. Der gestrige Tag ist bereits vergangen; nichts davon liegt mehr in deiner Hand. Ob du morgen noch leben wirst, weißt du nicht. Nur der heutige Tag ist dein Besitz. Betrachte daher gerade diesen heutigen Tag als deinen Besitz und nutze ihn.“
Welch kostbare Worte! Doch viele Menschen beenden ihr Leben, während sie in Satans Täuschungen versunken sind. Sie erhalten keine Gelegenheit mehr, Reue zu zeigen. So sterben sie, während sie sich in Sünden abmühen und darin versinken.
Noch etwas: Manche meinen, es genüge, irgendwann in der Zukunft Reue zu zeigen und sich dann religiösen Pflichten zu widmen. Es sei nicht nötig, sich schon so früh fromm zu geben.
Sie erkennen nicht, wie sehr sie sich selbst täuschen. Denn während sie fortwährend sündigen, wird ihr Herz so hart, dass die Bereitschaft zur Reue eines Tages nicht mehr zurückkehrt. Und wenn der Tod sie plötzlich ereilt, während sie gerade sündigen – wie sollten sie ihn dann noch abwehren?
Daher besteht kein Zweifel daran, dass all diese Gedanken eine Täuschung und Irreführung des Satans sind. Möge Allah, der Erhabene, uns davor bewahren. Amin.
Nach der Reue ist es besonders wichtig, sich Wissen über den Koran und die Hadithe anzueignen, um zu erfahren, welche guten Werke Allah vorgeschrieben hat. Nachdem man an Allah geglaubt und seine Gehorsamkeit ihm gegenüber bekundet hat, besteht die allererste Pflicht darin, das Namaz zu verrichten. Von allen Werken, die Allah den Menschen befohlen hat, steht das Namaz an erster Stelle. Das Namaz ist das erste Zeichen für das Bekenntnis zum Glauben an Allah und für die Anerkennung seiner Gehorsamkeit. Wer dieses vorgeschriebene Werk Allahs, das Namaz, verletzt, von dem muss man annehmen, dass er die Gehorsamkeit verweigert hat; danach ist er erst recht nicht in der Lage, die übrigen Pflichten gegenüber Allah zu erfüllen. Die erste Angelegenheit, über die im Jenseits Rechenschaft abgelegt werden muss, ist das Namaz. Besteht man diese erste Station der Prüfung, werden die übrigen Stationen leichter sein. Scheitert man jedoch bereits an der ersten Station, werden die anderen Stationen umso schwieriger sein.
Man muss die Wirklichkeit und das eigentliche Wesen des Namaz gründlich verstehen. Ebenso muss man sich daran gewöhnen, die Zakat, das Fasten, die Hadsch – kurz gesagt, jedes Gebot und jede Anweisung Allahs –, nachdem man sie gründlich kennengelernt hat, zu befolgen.
Man muss stets eines bedenken: Einige Anweisungen Allahs, des Erhabenen, sind im persönlichen Leben unbedingt zu befolgen. Dazu gehören die Verrichtung des Namaz, das Fasten im Ramadan, die Entrichtung der Zakat, die Hadsch und darüber hinaus freiwillige Spenden und Almosen; das Ausgeben von Geld auf dem Weg des Islam, das rechtmäßige Verdienen und Ausgeben von Geld sowie das Unterlassen von Neid, Feindschaft, Hochmut und übler Nachrede und Ähnliches.
Andere Anweisungen wiederum beziehen sich auf die Familie, die Verwandten, die Gesellschaft und die gesamte Menschheit. Man muss alle gut behandeln und ihnen ihre Rechte gewähren, niemandem Unrecht oder Ungerechtigkeit zufügen, die Rechte anderer nicht verletzen und dergleichen. Es gibt keinen Weg, diese Pflichten nicht zu erfüllen. Es darf keinesfalls sein, dass alles, was der Mensch tut, ausschließlich auf seinen persönlichen Vorteil ausgerichtet ist. Daher ist es die Pflicht des Vaters, seine ihm anvertrauten Kinder darauf vorzubereiten, den Weg Allahs zu beschreiten. Dasselbe gilt für die Pflicht des Ehemannes gegenüber seiner Frau. Der Mensch liebt seine eigene Frau und seine Kinder am meisten. Ihre geringste Krankheit oder ihr geringstes Leid kann er nicht ertragen. Sollte er sich daher nicht wünschen, dass ihr ewiges Leben nach dem Tod glücklich und schön sei? Doch die meisten sind in dieser Hinsicht gleichgültig.
Danach muss man den Kreis der eigenen Familie überschreiten und in der äußeren Gesellschaft die Daʿwa und Tabligh des Islam betreiben. Ebenso wird ein muslimischer Staat innerhalb des Staates und nach außen im internationalen Bereich die Botschaft des Islam darlegen. Dies ist seine zu erfüllende Pflicht.
Wenn man nicht mit allen möglichen Mitteln versucht, Unrecht und Ungerechtigkeit, Verderbtheit und Sünde zu unterbinden, dann treffen die von Allah kommenden Gefahren und Heimsuchungen bereits im diesseitigen Leben nicht nur die Unterdrücker, sondern auch jene rechtschaffenen Menschen, die nicht versucht haben, sie zu unterbinden.
Allah sagt:
(Arabisch***********)
„Hütet euch vor einer Heimsuchung, die nicht nur diejenigen unter euch treffen wird, die Unrecht begangen haben.“ – (Sure al-Anfal: 25)
Wenn man erneut den Heiligen Koran betrachtet, wird auch deutlich, dass Allah diejenigen, die stets auf Seinem Weg wandelten, den Islam verkündeten und sowohl „Amr bil Ma’ruf“ (das Gebieten des Guten) als auch „Nahi anil Munkar“ (das Abhalten vom Schlechten) praktizierten, auf vielfältige Weise bewahrt hat, selbst als Er wegen der Sünden einer bestimmten Gruppe von Menschen eine Strafe herabsandte. Daher wird es klug sein, diesen Weg einzuschlagen, wenn man den Gefahren dieser Welt und des Jenseits entgehen möchte.
Bevor ich schließlich dieses Buch über das Jenseits, also über das, was jenseits des Vorhangs des Todes liegt, zu Ende bringe, möchte ich noch etwas sagen.
Der Iman ist wie ein Same, und der Amal ist sein Baum und seine Frucht. Je fester der Glaube an das Jenseits ist, desto kräftiger wird auch der Baum des Amal, und desto prächtiger wird er mit Ästen, Zweigen, Blüten und Früchten geschmückt sein.
Von einer anderen Seite betrachtet, ist der Iman ein Vertrag zwischen Allah und Seinem Diener. Der wesentliche Inhalt dieses Vertrages ist: Da Allah der Schöpfer und König des Menschen ist und der Mensch von Geburt an Sein Sklave und Untertan ist, wird der Sklave und Untertan in allen Bereichen seines Lebens ausschließlich die Gebote, Verbote und Gesetze seines Herrn und Königs befolgen. Er wird die Gebote, Verbote und Gesetze des Schöpfers, des Herrn und des Königs befolgen. Anstelle der Gesetze des Schöpfers, des Herrn und des Königs die Gesetze eines anderen zu befolgen – eines, der weder sein Schöpfer noch sein Herr und König ist – wäre Verrat, Undankbarkeit und äußerste Torheit; es wäre ein Bruch des Vertrages.
Die Macht, die sich der Befolgung der Gesetze Allahs oder der Erfüllung Seiner Dienerschaft und des Gehorsams in allen Lebensbereichen entgegenstellt, ist die taghutische Macht und die Macht, die den Anspruch auf eine künstliche Gottheit erhebt. Um den zwischen Allah und Seinem Diener geschlossenen Vertrag wirksam zu machen, ist es daher unerlässlich, diese taghutische Macht zu beseitigen. Deshalb fordert der Iman, in allen Lebensbereichen – also in allen Bereichen und Angelegenheiten, die untrennbar mit dem Leben und Lebensunterhalt, Glück und Leid, Leben, Besitz und Ehre des Menschen verbunden sind –, kurz gesagt im persönlichen und familiären Leben, im politischen und wirtschaftlichen Leben, auf dem Gebiet der Bildung und Kultur, in Krieg, Frieden, Feindschaft, Freundschaft und internationalen Beziehungen sowie in allen ähnlichen Bereichen, die Herrschaft, das Gesetz, die Souveränität und Autorität Allahs zu errichten. Der Kampf zur Erfüllung dieser Forderung wird „Al-Dschihadu fi سبيلillah“ – Dschihad auf dem Weg Allahs – genannt. Sein erfolgreicher Ausgang ist „Iqamat-e Din“ – die Errichtung der Religion des Islam, zu deren Verwirklichung alle Propheten gekommen sind. Für den Erfolg im Jenseits ist diese Aufgabe unerlässlich. Jeder Augenblick im Leben des Letzten Propheten wurde dieser Aufgabe gewidmet, und die vollständige Befolgung seines Beispiels ist die einzige Aufgabe eines wahrhaftigen Mu’min. Im Lichte dessen ist es eine unerlässliche Pflicht, das gesamte Lebensprogramm eines Mu’min danach auszurichten.
Zum Schluss richten wir unser inniges Bittgebet an Allah, den Rahman und Rahim. Möge Er uns die volle Fähigkeit und Gnade schenken, die oben genannten Pflichten zu erfüllen. Möge Er uns von allen Arten der Sünde rein und geläutert halten und uns die Kraft geben, auf Seinem Sirat al-Mustaqim zu wandeln. Mögen wir schließlich als Seine geliebten Diener mit Ihm zusammentreffen können. Amin.
(Arabisch***********************)
— Ende —