Unser Vorwort

Maulana Sayyid Abul A’la Maududi (r.) konnte sein berühmtes Werk „Sirat-i Sarwar-i Alam“ nicht vollenden. Nachdem er bis zur Hidschra geschrieben hatte, verstarb er. In Urdu wurde es in zwei Bänden veröffentlicht. Die beiden Urdu-Bände bis zur Hidschra haben wir auf Bengali in fünf Bänden veröffentlicht: den ersten Urdu-Band in zwei bengalischen Bänden sowie den dritten Teil des zweiten Urdu-Bandes.

Im ersten bengalischen Band wird hauptsächlich eine theoretische Erörterung über Nubuwwat und Risalat geboten. Im zweiten Band wird die Geschichte des Untergangs vergangener Völker behandelt. Ab dem dritten Band beginnt die Darstellung der Geschichte der Sirat von Muhammad, dem Gesandten Allahs (s.a.s.).

Die Sayyid Abul A’la Maududi Research Academy hat geplant, sämtliche Werke des Maulana den bengalischsprachigen Lesern zugänglich zu machen. Inzwischen sind nahezu alle seine Werke ins Bengalische übersetzt und veröffentlicht worden. Das vorliegende Werk wurde von Herrn Abbas Ali Khan, einem engen Mitarbeiter des Maulana und herausragenden Literaten, übersetzt. Über seine Fertigkeit bei der Übersetzungsarbeit, seine Meisterschaft im Gebrauch der Wörter und die Kraft seiner Sprache müssen wir den geschätzten Lesern wohl nichts Neues sagen.

Wir danken Allah, dem Erhabenen, dafür, dass wir dieses Werk im Namen der Akademie veröffentlichen durften. Möge Er allen Lesern dieses Werkes die Fähigkeit verleihen, die wahre Mission der Nubuwwat zu erkennen. Amin.

Abdus Shahid Nasim

Direktor

Sayyid Abul A’la Maududi Research Academy

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Der Islam ist in Wirklichkeit die Bezeichnung für jene Bewegung, die das gesamte Gebäude des menschlichen Lebens auf der Vorstellung und dem Glauben an die Souveränität des einen Gottes errichten will. Diese Bewegung besteht seit frühester Zeit auf derselben Grundlage und nach derselben Methode. Geleitet wurde sie von jenen, die Allahs Propheten und Gesandte genannt werden. Wenn wir diese Bewegung führen wollen, müssen wir zwangsläufig der Vorgehensweise jener Führer folgen. Denn außer dieser gibt es für eine Bewegung dieser besonderen Art keine andere Vorgehensweise, und es kann auch keine geben. Wenn wir in diesem Zusammenhang versuchen, den Spuren der ehrwürdigen Propheten (Friede sei mit ihnen) nachzugehen, stoßen wir auf große Schwierigkeiten. Über das Wirken der Propheten, die in alter Zeit ihr Leben verbrachten, können wir nicht viel in Erfahrung bringen. Im Koran finden sich einige kurze Hinweise. Doch aus ihnen lässt sich der gesamte Plan nicht erschließen. Im Neuen Testament der Bibel finden sich einige unzuverlässige Aussagen über Jesus (Friede sei mit ihm), die bis zu einem gewissen Grad einen Aspekt beleuchten, nämlich wie die islamische Bewegung in ihrer allerersten Phase geführt werden kann und welchen Problemen sie begegnen muss. Doch Jesus (Friede sei mit ihm) musste sich der späteren Phase nicht stellen, und darüber findet sich auch kein Hinweis. In dieser Angelegenheit erhalten wir nur an einer einzigen Stelle eine klare und vollständige Anleitung, und zwar im Leben des Propheten Muhammad Mustafa (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). Dass wir uns ihm zuwenden, geschieht nicht lediglich aus Verehrung für ihn; vielmehr sind wir tatsächlich gezwungen, zu ihm zurückzukehren, um Kenntnis von den Höhen und Tiefen dieses Weges zu erlangen. Unter allen Führern der islamischen Bewegung ist allein der Prophet Muhammad (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) jener Führer, in dessen Leben wir von der anfänglichen Da’wa dieser Bewegung bis zur Errichtung des islamischen Staates und danach bis hin zu Aufbau, Verfassung, Innen- und Außenpolitik sowie den Grundsätzen und Methoden der Staatsführung jede einzelne Phase in vollständiger und äußerst zuverlässiger Darstellung kennenlernen können.

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Vorwort

Herr Na’im Siddiqi und Herr Abdul Wakil Alawi haben durch eine vortreffliche Zusammenstellung der Ausführungen über die Risala und die gesegnete Sira aus meinen verschiedenen Schriften den ersten Band dieses Werkes (die Bände 1 und 2 der bengalischen Ausgabe) erstellt. Dort hielt ich eine nennenswerte Ergänzung und Überarbeitung nicht für erforderlich.

Doch die von ihnen für diesen Band zusammengestellten Schriften wiesen an manchen Stellen Lücken auf. Mit solchen Lücken konnte keinesfalls ein Sira-Werk verfasst werden. Daher habe ich umfangreiche Ergänzungen und Erweiterungen vorgenommen. Nun ist es zu einem ununterbrochenen und zusammenhängenden Sira-Werk geworden.

Dieser (ursprüngliche) zweite Band endet mit der Darstellung der Hidschra. Unmittelbar danach wird das medinensische Kapitel beginnen. Dieses Kapitel ist im Grunde einem uferlosen Meer gleich. Ich bitte den Erhabenen Allah darum, mir die Kraft und die Tawfiq zu schenken, dieses Werk zu vollenden, und es zu einem Segen für Seine Diener zu machen.

Abul A’la

Siebtes Kapitel

Der Beginn der allgemeinen Daʿwa

Aus dem, was in den beiden vorangegangenen Abschnitten gesagt wurde, lässt sich klar erkennen, was der Grund dafür war, dass die Quraisch und die übrigen Araber derart wütend wurden, als der Gesandte Allahs (s) nach drei Jahren geheimer Daʿwa begann, den Islam öffentlich zu verkünden, und warum sie sich in so vielen Behinderungen, Feindseligkeiten und ungehörigen Handlungen gegen den Propheten ergingen. Zugleich wird aus dieser Erörterung deutlich, mit welch mächtigen Waffen der Argumentation und des Charakters diese Einladung zum Islam vorgetragen wurde, sodass die alte Dschāhilīya trotz all ihrer Kniffe, Täuschungen, Unterdrückung und Gewalt angesichts ihrer hilflos wurde. Nun setzen wir die historische Darstellung genau an jener Stelle fort, an der wir sie im vierten Kapitel verlassen hatten.

Das allererste öffentliche Auftreten des Islam

Obwohl die Historiker und Verfasser der Sīra dieses Thema nicht erklärt und analysiert haben, wird doch deutlich, wenn im edlen Koran nach den ersten fünf Versen der Sura al-ʿAlaq plötzlich in den Versen 6 bis 21 die Begebenheit geschildert wird, dass ein Mann einen Diener Allahs vom Gebet abhalten und ihn durch Drohungen daran hindern will: Die zuverlässigen Hadith-Werke erklären, dass der Betende selbst der Prophet (s) und derjenige, der ihn daran hindern wollte, Abū Dschahl war. Wenn man darüber nachdenkt, wird klar, dass der Prophet (s) seine Religion erstmals dadurch öffentlich zum Ausdruck brachte, dass er im Haram der Kaaba nach islamischer Weise betete. Bis zu jener Zeit verrichteten die Muslime ihre Gebete im Geheimen. Niemand wagte es, öffentlich zu beten – geschweige denn im Haram der Kaaba –, nicht einmal an einem offenen Ort. Nur einmal wurden die Muslime von den Götzendienern dabei gesehen, wie sie gemeinsam mit Ḥadrat Saʿd ibn Abī Waqqāṣ (r) in einem menschenleeren Tal von Mekka beteten. Daraufhin kam es zu einem großen Aufruhr, wie wir bereits berichtet haben. Als Allah der Erhabene jedoch wollte, dass der Islam offen verkündet werde, ging der Gesandte Allahs (s) furchtlos und ohne Zögern zum Haram und begann zu beten. Diesen Mut konnte außer ihm niemand aufbringen. (Zusatz des Verfassers.)

Daran erkannten die einfachen Leute der Quraisch erstmals, dass sich die Religion Muhammads (s) von ihrer Religion unterschieden hatte. Diejenigen, die es gesehen hatten, waren erstaunt. Doch Abū Dschahls dschāhilītische Leidenschaft loderte auf, und er versuchte mehrmals, den Propheten (s) durch Drohungen vom Gebet abzuhalten. Ḥadrat Abū Huraira (r) berichtet: Abū Dschahl fragte die Quraisch: „Legt Muhammad (s) vor euch sein Gesicht auf die Erde?“ Sie antworteten: „Ja.“ Darauf sagte Abū Dschahl: „Bei al-Lāt und al-ʿUzzā! Wenn ich ihn so beten sehe, werde ich meinen Fuß auf seinen Nacken setzen und sein Gesicht in den Boden drücken.“ Als er ihn dann zufällig beim Beten sah, ging er auf ihn zu, um seinen Fuß auf dessen Nacken zu setzen. Doch plötzlich sahen die Leute, dass er zurückwich und versuchte, sein Gesicht mit etwas zu schützen. Sie fragten ihn, was mit ihm geschehen sei. Er sagte: „Zwischen mir und ihm befanden sich eine Feuergrube, ein furchterregendes Wesen und Flügel.“

Der Gesandte Allahs (s) sagte: „Wenn er zu mir gekommen wäre, hätten die Engel seinen Kopf abgerissen.“ (Aḥmad, Muslim, Nasāʾī, Ibn Dscharīr, Ibn Abī Ḥātim, Ibn al-Mundhir, Ibn Mardūya, Nuʿaim, al-Iṣbahānī, Baihaqī.)

Ibn ʿAbbās (r) berichtet: Abū Dschahl sagte: „Wenn ich Muhammad (s) in der Nähe der Kaaba beten sehe, werde ich seinen Nacken unter meinem Fuß zerquetschen.“ Als diese Nachricht den Propheten (s) erreichte, sagte er: „Wenn sie dies tun, werden die Engel ihn öffentlich ergreifen.“ (Buchārī, Tirmidhī, Nasāʾī, Ibn Dscharīr, ʿAbd ar-Razzāq, ʿAbd ibn Ḥumaid, Ibn al-Mundhir, Ibn Mardūya.)

Ibn Abbas (r.a.) berichtet, dass der Prophet (s.a.w.) am Maqam Ibrahim betete. Abu Dschahl kam dort vorbei. Er sagte: „Habe ich dir, Muhammad (s.a.w.), nicht verboten?“ Damit begann er, ihn zu bedrohen. Daraufhin wies der Prophet Muhammad (s.a.w.) ihn scharf zurecht. Abu Dschahl erwiderte: „O Muhammad (s.a.w.)! Mit wem willst du mir Angst machen? Bei Gott! In diesem Tal habe ich mehr Unterstützer als alle anderen zusammen.“ (Ibn Dscharir, Ahmad, Tirmidhi, Nasai, Ibn Abi Schaiba, Ibn al-Mundhir, Tabarani, Ibn Marduwai). (Tafhim al-Qur’an, Band 6 – Einleitung zur Sure al-Alaq.)

Danach versammelten sich auch andere Quraischiten und hinderten den Propheten Muhammad (s.a.w.) daran, im Heiligtum der Kaaba zu beten. Doch sie scheiterten. Im Quran heißt es:

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Und als der Diener Allahs aufstand, um Ihn anzurufen, waren sie bereit, über ihn herzufallen (Dschinn 19).

Auch hier verstehen die Korankommentatoren unter dem „Diener Allahs“ den Propheten Muhammad (s.a.w.). Der Vers beweist außerdem, dass der Prophet (s.a.w.) nicht aufhörte, öffentlich zu beten, obwohl neben Abu Dschahl auch andere Quraischiten bereit waren, über ihn herzufallen.

Die Einladung an die eigene Verwandtschaft

Der zweite Schritt, den der Prophet Muhammad (s.a.w.) unternahm, bestand darin, dass er diese Anweisung Allahs, des Erhabenen, befolgte:

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Gemäß dieser Anweisung lud er seine eigenen Familienangehörigen in sein Haus ein. Unter ihnen befanden sich neben den Banū ʿAbd al-Muṭṭalib und den Banū Hāschim auch einige Angehörige der Banū al-Muṭṭalib und der Banū ʿAbd Manāf. al-Balādhurī und Ibn Kathīr berichten, dass insgesamt fünfundvierzig Personen an diesem Aufruf teilnahmen. Noch bevor der Prophet (S) etwas sagen konnte, begann Abū Lahab: „Hier sind deine Onkel und deine Cousins. Du kannst sagen, was du willst. Aber sprich nicht davon, dass man die Religion aufgeben soll. Du solltest bedenken, dass dein Volk nicht die Kraft hat, gegen ganz Arabien zu kämpfen. Deine Familienangehörigen sind am ehesten berechtigt, dich festzuhalten und dich davon abzubringen. Wenn du an dem festhältst, was du tust, werden sich alle Quraisch gegen dich stürzen, und die Araber werden ihnen zu Hilfe kommen. Ich habe niemanden gesehen, der seiner eigenen Familie eine größere Gefahr gebracht hätte als die, die du gebracht hast.“

Auf diese Weise vereitelte Abū Lahab die erste Zusammenkunft. Am zweiten Tag lud der Prophet (S) seine Familienangehörigen erneut ein und legte ihnen seine religiöse Botschaft dar. Abū Ṭālib sagte: „Ich möchte die Religion ʿAbd al-Muṭṭalibs nicht verlassen. Doch führe die Aufgabe aus, zu der du beauftragt worden bist. Ich werde dich unterstützen und beschützen.“

Abū Lahab sagte: „Bei Allah, das ist eine äußerst schlechte Sache. Ergreife du seine Hand, bevor jemand anderes seine Hand ergreift.“ Abū Ṭālib sagte: „Bei Allah! Solange ich lebe, werde ich ihn beschützen.“ Diese Überlieferung führen al-Balādhurī und Ibn ʿĀmir auf die Autorität von Jaʿfar ibn ʿAbd ibn Abī al-Ḥakam zurück, der ein zuverlässiger Überlieferer war (Ansāb al-aschrāf von al-Balādhurī, Bd. 1, S. 118–119; at-Tārīch al-kāmil von Ibn ʿĀmir, Bd. 2, S. 49–41). (Zusatz des Verfassers.)

Aus zuverlässigen Quellen ist bekannt, dass der Prophet (S) seine Ansprache an jeden Einzelnen namentlich richtete: „O Söhne ʿAbd al-Muṭṭalibs, o ʿAbbās, o Ṣafiyya (die Tante des Gesandten Allahs), o Fāṭima (die Tochter des Propheten), rettet euch selbst vor dem Feuer der Hölle. Denn ich habe keine Befugnis, euch vor Allahs Ergreifen zu retten. Ihr könnt mich jedoch um alles bitten, was ihr von meinem Besitz wünscht.“ Seine Ansprache lautete folgendermaßen:

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Diese Ansprache war nicht nur ein Aufruf zur Wahrheit an seine Angehörigen. Vielmehr wird daraus auch deutlich, dass Allahs Religion unparteiisch ist. Darin gibt es weder für die Person des Propheten (S) noch für seine engsten Angehörigen irgendeine besondere Vergünstigung oder Sonderstellung. Wie auch immer jemand behandelt wird, es geschieht unter Berücksichtigung seiner Taten und Eigenschaften. Ebenso werden weder die Abstammung noch die Verwandtschaft einer Person mit irgendjemandem von Nutzen sein. Die Furcht vor Allahs Strafe für Irreführung und schlechte Taten ist für alle gleich. Es ist nicht so, dass alle anderen zur Rechenschaft gezogen werden, während die Verwandten des Propheten davon verschont bleiben. Da es notwendig war, dieses Prinzip klar herauszustellen, nannte der ehrwürdige Prophet (S) in seiner Ansprache sogar den Namen seiner eigenen Tochter, der ehrwürdigen Fāṭima (R). Dabei war sie damals nicht älter als zweieinhalb Jahre. Es versteht sich, dass sie keineswegs in die Verantwortung einbezogen war, aufgrund derer bei ihr die Frage nach Strafe oder Lohn hätte entstehen können. Vielmehr soll dadurch die Wahrheit verdeutlicht werden, dass es in der Religion des Islam für den Propheten und seine Familie keine besonderen Vergünstigungen gibt, von denen andere ausgeschlossen wären. Was ein tödliches Gift ist, ist für alle ein Gift. Die Aufgabe des Propheten besteht darin, sich selbst zuerst davon fernzuhalten und seine nahen Angehörigen davor zu warnen. Danach soll er die Allgemeinheit darauf aufmerksam machen, dass jeder, der davon zu sich nimmt, sterben wird. Was nützlich ist, ist dagegen für alle nützlich. Die Aufgabe des Propheten besteht darin, es selbst als Erster anzunehmen und seine Angehörigen zu ermuntern, es anzunehmen, damit jeder erkennen kann, dass dieser nützliche Rat nicht nur für andere bestimmt ist. Vielmehr ist der Prophet (S) in seinem Aufruf vollkommen aufrichtig, denn er befolgt ihn selbst und fordert auch andere auf, ihn zu befolgen. (Tafhīm al-Qurʾān, Bd. 3, asch-Schuʿarāʾ, Anmerkung 35.)

Der Aufruf zum Islam an alle Familien der Quraisch

Als dritten Schritt, den er unternahm, stellte er sich eines Tages in aller Frühe auf den höchsten Gipfel des Ṣafā und rief mit lauter Stimme: „Yā Ṣabāḥā“ („O Gefahr am frühen Morgen!“). „O Leute der Quraisch! O Angehörige des Propheten Kaʿb ibn Luʾayy! O Banū Murra, o Angehörige des Quṣayy, o ʿAbd Manāf, o ʿAbd Schams, o Angehörige ʿAbd al-Muṭṭalibs!“ Auf diese Weise rief er jedes einzelne Geschlecht und jede Familie der Quraisch beim Namen. Es war Brauch der Araber, dass jemand, sobald am Morgen plötzlich ein Angriff drohte und er davon erfuhr, auf diese Weise rief; die Menschen eilten dann, sobald sie seinen Ruf hörten, aus allen Richtungen zu ihm. Tatsächlich kamen alle aus ihren Häusern, als sie einen solchen Ruf des Propheten (S) hörten. Wer nicht kommen konnte, schickte jemanden, um sich nach der Sache zu erkundigen. Nachdem sich alle versammelt hatten, sagte der Prophet (S): „O Leute! Wenn ich euch sagen würde, dass sich auf der anderen Seite des Berges ein gewaltiges Heer befindet, das über euch herfallen will, würdet ihr mir dann glauben?“ Alle antworteten einstimmig: „Unsere Erfahrung ist, dass du niemals gelogen hast.“ Der Prophet (S) sagte: „So warne ich euch vor dem Eintreffen der Strafe Allahs. Denkt darüber nach, euch davor zu bewahren. Gegenüber Allah werde ich euch in keiner Weise von Nutzen sein können. Am Tag der Auferstehung werden nur diejenigen meine Angehörigen sein, die Allah fürchten. Lasst es nicht so weit kommen, dass andere mit guten Taten erscheinen, während ihr mit allen Freuden und Leiden dieser Welt belastet vor Allah tretet. Dann werdet ihr rufen: ‚O Muḥammad!‘, doch ich werde gezwungen sein, mich von euch abzuwenden. Gewiss, in dieser Welt seid ihr mit mir blutsverwandt, und hier werde ich euch gegenüber wie ein Verwandter freundlich handeln.“ Überliefert von der ehrwürdigen ʿĀʾischa (R), dem ehrwürdigen Abū Huraira (R), dem ehrwürdigen ʿAbdullāh ibn ʿAbbās (R), dem ehrwürdigen az-Zubair ibn ʿAmr (R), dem ehrwürdigen Qabīṣa ibn Muchāriq (R) und anderen in al-Buchārī, Muslim, Musnad Aḥmad, at-Tirmidhī, an-Nasāʾī und im Tafsīr von Ibn Dscharīr. (Tafhīm al-Qurʾān, Bd. 3, asch-Schuʿarāʾ, Anmerkung 35.)

Die Hadith-Gelehrten überliefern über Ibn ʿAbbās (ra) auf verschiedenen Überlieferungswegen, dass der Prophet Muhammad (s), als ihm befohlen wurde, die gesamte Menschheit zum Islam aufzurufen, und im Koran die Weisung offenbart worden war, zuerst seine nächsten Verwandten vor der Strafe Allahs zu warnen, im frühesten Morgengrauen auf den Berg Ṣafā stieg und mit lauter Stimme ausrief: „Yā Ṣabāḥā!“ (O Unheil des Morgens!). In Arabien pflegte diesen Ruf derjenige auszustoßen, der im Morgengrauen eine Gefahr herannahen sah; wer wissen wollte, wer diesen Ruf ausstieß, fragte danach. Man antwortete: „Es ist Muhammad (s).“ Daraufhin eilten die Angehörigen aller Familien der Quraisch zu ihm. Wer nicht selbst kommen konnte, schickte jemanden an seiner Stelle. Nachdem sich alle versammelt hatten, rief der Prophet (s) die einzelnen Familien der Quraisch beim Namen: „O Banū Hāschim, o Banū ʿAbd al-Muṭṭalib, o Banū Fihr, o Banū soundso, o Banū soundso! Wenn ich euch sagte, dass hinter diesem Berg eine Truppe bereitsteht, um euch anzugreifen, würdet ihr mir glauben?“ Alle sagten: „Ja, wir würden dir glauben“, denn sie hatten ihn niemals lügen gehört. Der Prophet (s) sagte: „Ich warne euch davor, dass euch künftig eine schwere Strafe erwartet.“ Noch bevor jemand etwas sagen konnte, sagte sein Onkel Abū Lahab:

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„Verderben über dich! Hast du uns etwa deshalb hier versammelt?“

In einer anderen Überlieferung heißt es, dass Abū Lahab einen Stein aufhob, um ihn nach dem Propheten (s) zu werfen. (Musnad Aḥmad, al-Buḫārī, Muslim, at-Tirmiḏī, Ibn Ǧarīr und andere.) (Tafhīm al-Qurʾān, Band 6, Einleitung zur Sūrat al-Lahab.)

Zu dem, was Ibn Saʿd unter Berufung auf die Überlieferung von Ibn ʿAbbās (ra) berichtet, gehören auch folgende Worte: Der Prophet (s) sagte zu den Quraisch: „Allah hat mir befohlen, meine nächsten Verwandten zu warnen, und ihr, die Angehörigen der Quraisch, seid meine nächsten Verwandten. Ich habe keine Macht, euch irgendetwas von Allah zu gewähren oder euch irgendeinen Anteil im Jenseits zu verschaffen. Wenn ihr jedoch ‚Lā ilāha illā llāh‘ annehmt, werde ich vor eurem Herrn für euch Zeugnis ablegen. Durch dieses Bekenntnis werden euch die Araber folgen und die Nichtaraber sich euch unterwerfen.“ Darauf erwiderte Abū Lahab: „Verderben über dich! Hast du uns etwa deshalb gerufen?“

Das Verhalten Abū Lahabs

So wurde Abu Lahab [Sein eigentlicher Name war ʿAbd al-ʿUzzā ibn ʿAdul-Muṭṭalib. Seine Kunya war Abū ʿUtba. Doch wegen seines strahlenden, milchweißen und alta-roten Gesichts erlangte er unter dem Namen Abū Lahab („flammende Schönheit“) Berühmtheit. Ibn Sa’d sagt, dass ʿAbd al-Muṭṭalib selbst ihn Abū Lahab nannte. Deshalb geriet sein eigentlicher Name in Vergessenheit – der Verfasser.] war er vom ersten Tag an fest entschlossen, dem Propheten entgegenzutreten, und führte sein Leben lang gegen den Propheten und seinetwegen gegen die eigene Familie eine Feindschaft, wie sie nur ein erbitterter Feind führen kann. Obwohl auch ein anderer Angehöriger der Banū Hāschim, Abū Sufyān ibn al-Ḥārith ibn Abū Ṭālib, zum Gegner des Propheten geworden war, war seine Gegnerschaft zunächst nicht so stark wie die Abū Lahabs. Zwanzig Jahre lang schrieb und rezitierte Abū Lahab spöttische Gedichte gegen den Propheten und seine Gefährten und kämpfte nach der Hidschra in den Kriegen gegen den Propheten. Der große Unterschied zwischen Abū Lahab und Abū Sufyān bestand darin, dass das Herz des Letzteren sich dem Islam zuneigte. Tatsächlich leistete er dem Propheten noch vor der Eroberung Mekkas an einem Ort namens Abwāʾ den Treueid.[Nach den Ṭabaqāt Ibn Sa’ʿd, Band 4, S. 49–50, war er der Cousin des Propheten. Da er von Ḥalīma Sa‘ʿdiyya gestillt worden war, war er auch sein Milchbruder. Im Zeitalter der Unwissenheit hegte er tiefe Liebe zum Propheten, wurde jedoch nach dessen Berufung zum Propheten zu einem erbitterten Gegner. Al-Balādhurī, Ansāb al-aschrāf, Bd. 1, S. 361, sagt dasselbe. Er fügt lediglich hinzu, dass der Prophet ihm auf Fürsprache von ʿAbbās hin verzieh. Seine Anwesenheit in Abwāʾ bezeichnet er als eine schwache Überlieferung und gibt der Auffassung den Vorzug, dass er mit dem Gesuch um diese Vergebung an einem Ort namens „Nikul al-Uqab“’ (einem Ort nahe Hūǧfa zwischen Mekka und Medina) erschien. ‘Mu’ʿǧam al-Buldān’ wird dies ebenfalls gesagt. Der Verfasser]

Doch der Fall Abū Lahabs war ganz anders: Er überschritt nicht nur alle Grenzen der Menschlichkeit, sondern auch sämtliche Grenzen der von den Arabern allgemein anerkannten ethischen Tradition und sank in seiner Feindschaft gegenüber dem Propheten anstelle von Menschlichkeit und Anstand auf äußerste Niedertracht herab. Dabei waren die beiden durch Blutsverwandtschaft verbunden. Wegen dieser Verwandtschaft wurde seine Gegnerschaft auf dem Weg der Religion im Vergleich zu der anderer zu einem gewaltigen Hindernis. (Zusatz.)

Das ist der Grund, weshalb Abū Lahab unter allen Feinden des Islam jener Zeit der einzige war, dessen Name im Koran genannt wurde, um ihn zu tadeln. Dabei gab es in Mekka und nach der Hidschra auch in Medina viele Menschen, die in ihrer Feindschaft gegenüber dem Islam und Muhammad (s) ihm in keiner Hinsicht nachstanden. Die Frage ist also: Welche Besonderheit besaß dieser Mann, dass der Koran unter Nennung seines Namens seinen Zorn über ihn zum Ausdruck brachte? Um dies zu verstehen, muss man die arabische Gesellschaft jener Zeit kennen und Abū Lahabs Verhalten vor diesem Hintergrund betrachten.

Der Grund dafür, dass der Koran Abū Lahab namentlich tadelt

Da im Altertum im gesamten Arabien überall Unsicherheit, Unordnung, Blutvergießen, Plünderungen und dergleichen verbreitet waren und über Hunderte von Jahren die Lage so gewesen war, dass niemand ohne die Unterstützung seiner eigenen Familie und seines Stammes irgendeine Gewähr für den Schutz seines Lebens, seines Besitzes und seiner Ehre hatte, wurde in den moralischen Wertvorstellungen der arabischen Gesellschaft der gute Umgang mit den Verwandten besonders hoch geschätzt. Die Bande zu ihnen abzubrechen, galt als schwere Sünde. Der Einfluss dieser arabischen Traditionen zeigte sich darin, dass, als der Gesandte Allahs (s) mit der islamischen Botschaft auftrat, die anderen Familien und Anführer der Quraisch begannen, sich ihm aufs Äußerste zu widersetzen. Die Banu Haschim und die Banu al-Muttalib (die Nachkommen von Muttalib, dem Bruder Haschims) widersetzten sich ihm jedoch nicht, sondern unterstützten ihn sogar öffentlich. Dabei glaubte die Mehrheit von ihnen nicht an die Prophetenschaft des Gesandten (s). Die anderen Familien der Quraisch betrachteten die Unterstützung dieser Verwandtschaftsgruppen des Gesandten (s) durch ihn selbst als eine Gepflogenheit der arabischen moralischen Tradition. Deshalb tadelten sie die Banu Haschim und die Banu al-Muttalib niemals dafür, dass sie einen Verkünder einer anderen Religion unterstützten und dadurch von der Religion ihrer Vorfahren abwichen. Sie wussten und erkannten an, dass sie unter keinen Umständen ein Mitglied ihrer eigenen Familie den Händen eines Feindes hätten ausliefern können und dass es für jeden selbstverständlich und naturgegeben war, den eigenen Verwandten zu helfen und sie zu unterstützen.

Auch im Zeitalter der Dschahiliyya betrachteten die Araber diesen moralischen Wert mit Achtung. Nur ein einziger Mann, verblendet durch seinen Hass auf den Islam, zerschlug alle Traditionen und moralischen Werte.

Und dieser Mann war Abu Lahab ibn Abd al-Muttalib. Er war der Onkel des Propheten (s). Der Vater des Gesandten (s) und der Vater Abu Lahabs waren dieselbe Person, obwohl ihre Mütter verschieden waren. Bei den Arabern galt der Onkel als Ersatz für den Vater, besonders wenn der Vater des Neffen starb. In der arabischen Gesellschaft wurde erwartet, dass der Onkel seinen Neffen wie seinen eigenen Sohn behandelte. Doch dieser Mann zerstörte aus Feindschaft gegen den Islam und aus Liebe zum Unglauben alle arabischen Traditionen.

Der schlimmste Nachbar des Gesandten (s)

In Mekka war Abu Lahab der unmittelbarste Nachbar des Gesandten (s). Ihre Häuser lagen auf den beiden Seiten einer gemeinsamen Mauer. Außerdem waren Hakam ibn As (der Vater Marwans), Uqba ibn Abi Mu’ayt, Sa’di ibn Hamraikh as-Saqafi und Ibn al-Asda’il al-Hudhali ebenfalls Nachbarn des Gesandten [Ibn Sa’d sagt, dass von ihnen Abu Lahab und Uqba die unmittelbarsten Nachbarn waren. Unter Berufung auf eine Überlieferung von Aischa (r.a.) berichtet er, dass der Prophet (s) gesagt habe: Ich wohnte zwischen zwei äußerst schlechten Nachbarn. Der eine war Abu Lahab, der andere Uqba. Daraus ist ersichtlich, dass sich das Haus des Gesandten (s) zwischen diesen beiden’ befand. Einer von ihnen war Abu Lahab, der andere Uqba. Daraus ist ersichtlich, dass sich das Haus des Gesandten (s) zwischen diesen beiden’ befand. – Der Verfasser] Sie ließen den Propheten (s) in seinem Haus nicht in Frieden leben. Manchmal warfen sie, während er betete, von oben die Eingeweide einer Ziege hinunter. Manchmal, wenn im Hof das Essen zubereitet wurde, warfen sie Schmutz und Abfälle auf den Kochtopf. Der Gesandte (s) ging hinaus und sagte zu ihnen: O Banu Abd Manaf, was ist das für ein nachbarschaftliches Verhalten?

Abu Lahabs Frau Umm Dschamil (die Schwester Abu Sufyans) machte es sich zur ständigen Gewohnheit, nachts ein Bündel dorniger Sträucher vor die Tür des Hauses des Propheten zu legen, damit sich der Prophet oder seine Kinder, wenn sie hinausgingen, die Füße an den Dornen verletzten.

– (al-Baihaqi, Ibn Abi Hatim, Ibn Dscharir, Ibn Asakir, al-Baladhuri, Ibn Hisam).

Abu Lahab zwang seine Söhne, sich von den Töchtern des Gesandten (s) scheiden zu lassen

Vor der Berufung zum Propheten waren die beiden Töchter des Gesandten Allahs (s) mit den beiden Söhnen Abu Lahabs, Utba und Utaiba, verheiratet. [In einer von Qatada überlieferten Aussage bei at-Tabarani heißt es, dass Hadhrat Umm Kulthum (r.a.) mit Utaiba und Hadhrat Ruqayya (r.a.) mit Utba verheiratet war. Ibn Qutayba schreibt dies ebenfalls in al-Ma’arif, und auch as-Suhaili sagt dies in Rawd al-Unuf. Ibn Ishaq hingegen sagt, dass Utba mit Hadhrat Ruqayya und nicht mit Hadhrat Umm Kulthum (r.a.) verheiratet gewesen sei; –in dieser Frage besteht jedoch Anlass zu Zweifel. Ibn Qutayba in al-Ma’arif, az-Zurqani in seinem Kommentar zu al-Mawahib und at-Tabari in seiner Geschichte schreiben, dass er sie mit Hadhrat Uthman (r.a.) verheiratete. – Der Verfasser.] Als der Prophet (s) nach Beginn seines Aufrufs zum Islam begann, Abu Lahab seinen beiden Söhnen: „Wenn ihr euch nicht von den Töchtern Muhammads (s) scheiden lasst, ist es mir verboten, eure Gesichter zu sehen.“ Daraufhin ließen sich beide scheiden. Utaiba überschritt die Grenzen der Unwissenheit derart, dass er vor den Propheten (s) trat und sagte: „Ich erkenne ********************* und ********************* nicht an.“ Danach spuckte er den Propheten (s) an, doch der Speichel traf ihn nicht. Der Prophet (s) sagte: „O Gott, hetze einen deiner Hunde auf ihn!“ Danach begab sich Utaiba mit seinem Vater zu einer Handelsreise nach Scham. Während der Reise schlugen sie an einem Ort ihr Lager auf, dessen Bewohner ihnen sagten, dass dort nachts wilde Tiere umherstreiften. Abu Lahab sagte zu seinen Quraisch-Gefährten: „Sorgt für die Sicherheit meines Sohnes, denn ich fürchte den Fluch Muhammads (s).[Das bedeutet, dass dieser Elende im Innersten die Größe des Propheten (s) anerkannte und fürchtete, dass ein aus seinem Mund ausgesprochener Fluch unmöglich wirkungslos bleiben könne.– – Der Verfasser.] Die Männer seiner Karawane stellten Kamele rings um Utaiba auf und legten sich schlafen. In der Nacht kam ein Löwe, bahnte sich einen Weg durch die Kamele und fraß Utaiba. (Al-Isti’ab von Ibn Abd al-Barr, al-Isaba von Ibn Hajar, Ansab al-Ashraf von al-Baladhuri, Dala’il an-Nubuwwa von Abu Nu’aim al-Isfahani, Rawd al-Unuf von as-Suhaili).

In dieser Frage gibt es einige Meinungsverschiedenheiten. Manche sagen, dass die Scheidung vor der Berufung zum Propheten erfolgte, andere sagen, danach sei ********************* offenbart worden. Auch darüber besteht Uneinigkeit, ob derjenige, den der Löwe fraß, Utaiba oder Utba war. Doch es ist erwiesen, dass Utba nach der Eroberung Mekkas den Islam annahm und dem edlen Propheten (s) persönlich den Treueeid leistete. Daher ist die Wahrheit, dass der oben erwähnte Sohn Utaiba war.

Freude über den Tod des Sohnes des Propheten

Seine innere Niedertracht und Abscheulichkeit waren so groß, dass nach dem Tod des Sohnes des Propheten (s), Hadhrat Qasim (r.a.), auch dessen zweiter Sohn, Hadhrat Abdullah (r.a.), verstarb. Statt am Schmerz über den Tod seines eigenen Neffen teilzunehmen, eilte er voller Freude zu den Anführern der Quraisch und sagte: „Heute ist Muhammads (s) Name und jede Spur von ihm ausgelöscht.“

Behinderung des islamischen Aufrufs

Wohin auch immer der Prophet (s) ging, um zum Islam aufzurufen, folgte sie ihm auf Schritt und Tritt und hinderte die Menschen daran, seinen Worten zuzuhören. Rabiʿa ibn ʿAbbād (ʿIbād) [Ibn Ishaq schrieb ‘ʿIbād’ und Ibn Hischām ‘ʿAbbād’.– – Der Verfasser] al-ʿAdīlī berichtet: Als ich noch ein kleiner Junge war, ging ich mit meinem Vater zum Markt von Dhū al-Madschāz. Dort hörte ich den Gesandten Allahs (s) sagen: „O ihr Menschen! Sagt: Es gibt keinen Gott außer Allah, dann werdet ihr Erfolg haben.“ Hinter ihm sagte ein Mann: „Dieser ist ein Lügner, der die Religion seiner Vorväter verlassen hat.“

„Ich fragte: Wer ist dieser Mann? Die Leute sagten: Das ist sein Onkel – Abū Lahab.“

(Musnad Ahmad, at-Tabarānī, al-Bayhaqī)

Von demselben Rabiʿa wird in einer weiteren Überlieferung berichtet: Ich sah, wie der Prophet (s) zum Lager eines Stammes kam und sagte: „O ihr Söhne von Soundso, ich bin als Gesandter Allahs zu euch gekommen. Ich rufe euch dazu auf, nur Allah anzubeten und Ihm niemanden beizugesellen. Haltet mich für wahr und unterstützt mich, damit ich die Aufgabe erfüllen kann, für die Allah mich gesandt hat.“

Hinter ihm kam ein weiterer Mann und sagte: „O ihr Söhne von Soundso! Er will euch von al-Lāt und al-ʿUzzā abwenden und zu dieser Neuerung führen, mit der er gekommen ist. Hört niemals auf ihn und folgt ihm nicht.“ Ich fragte meinen Vater: „Wer ist dieser Mann?“ Er antwortete: „Das ist sein Onkel Abū Lahab.“ (Musnad Ahmad, at-Tabarānī, Ibn Hischām, at-Tabarī.)

Auch Tāriq ibn ʿAbdullāh al-Muhāribī berichtete etwas Ähnliches. Er sagte: Ich sah auf dem Markt von Dhū al-Madschāz, wie der Gesandte Allahs (s) mit lauter Stimme sagte: „O ihr Menschen! Sagt: Lā ilāha illā Allāh, dann werdet ihr Erfolg haben.“ Hinter ihm ging ein Mann, der den Propheten mit Steinen bewarf, sodass Blut von seinen Füßen rann. Er sagte: „Dieser ist ein Lügner; hört nicht auf ihn.“ Ich fragte die Leute: „Wer ist dieser Mann?“ Sie sagten: „Das ist sein Onkel Abū Lahab.“ (Ibn Abī Schayba, Abū Yaʿlā, Ibn Hibbān, al-Hākim, at-Tabarānī, an-Nasāʾī und Ibn Mādscha haben diese Überlieferung in verkürzter Form aufgezeichnet.)

Das Verhalten Abū Lahabs während der Belagerung in der Schlucht von Abū Tālib

Im siebten Jahr der Prophetie, als alle Familien der Quraisch die sozialen und wirtschaftlichen Beziehungen zu Banū Hāschim und Banū al-Muttalib abbrachen und diese beiden Familien, dem Propheten (s) treu ergeben, in der Schlucht von Abū Tālib eingeschlossen waren, war Abū Lahab der Einzige, der sich nicht seiner eigenen Familie anschloss, sondern sich mit den ungläubigen Quraisch verbündete. Diese Belagerung dauerte drei Jahre, und während dieser Zeit verbrachten Banū Hāschim und Banū al-Muttalib ihre Tage im Hunger. Abū Lahab verhielt sich jedoch so, dass er, wenn eine Handelskarawane nach Mekka kam und jemand aus den in der Schlucht von Abū Tālib Eingeschlossenen nach Mekka kam, um Lebensmittel zu kaufen, zu den Händlern sagte: „Verlangt von ihnen einen so hohen Preis, dass sie überhaupt nichts kaufen können. Falls euch dadurch ein Verlust entsteht, werde ich ihn ersetzen.“ Die Händler verlangten daraufhin Wucherpreise, und die Käufer kehrten hungrig mit leeren Händen zu ihren Kindern zurück. Danach kaufte Abū Lahab die Waren von diesen Händlern zu Marktpreisen.

Welche Hindernisse seine Gegnerschaft für die islamische Daʿwa schuf

Die Araber außerhalb Mekkas kamen zur Hadsch nach Mekka oder versammelten sich auf den Märkten, die an verschiedenen Orten abgehalten wurden. Wenn der leibliche Onkel des Propheten (s) vor ihnen hinter ihm herging und ihn bekämpfte, konnte man nach der berühmten arabischen Tradition nicht erwarten, dass ein Onkel ohne Grund vor anderen schlecht über seinen Neffen reden, ihn mit Steinen bewerfen und Anschuldigungen gegen ihn erheben würde. Deshalb ließen sie sich von den Worten Abu Lahabs beeinflussen, wurden gegenüber dem Gesandten Allahs (s) misstrauisch und sagten: „Deine eigenen Angehörigen kennen dich am besten.“ (Tafhim al-Qur’an, 6. Band, Einleitung zur Sure al-Lahab.)

Das Verhalten seiner Frau

Die Frau Abu Lahabs war die Schwester Abu Sufyans aus dem Stamm der Banu Umaiya. Im Qur’an wird sie als ********************* (Holzträgerin, Verleumderin) bezeichnet. Ihr eigentlicher Name war Arwa, und Umm Dschamil war ihre Kunya. In ihrer Feindschaft gegenüber dem Propheten stand sie ihrem Ehemann in keiner Weise nach. Hadrat Asma (r.a.), die Tochter Hadrat Abu Bakrs (r.a.), berichtet: Als die Sure al-Lahab offenbart wurde und Umm Dschamil davon hörte, geriet sie in heftigen Zorn und machte sich auf die Suche nach dem Gesandten Allahs (s). In ihrer Hand hielt sie eine Handvoll Steine, die sie nach dem Propheten werfen wollte. Während sie einige spöttische Verse über den Propheten vortrug, ging sie weiter. Als sie den Haram der Kaaba erreichte, sah sie, dass der Hochgeehrte (s) zusammen mit Hadrat Abu Bakr (r.a.) saß. Abu Bakr (r.a.) sagte: „O Gesandter Allahs, dort kommt sie. Ich fürchte, dass sie eine beleidigende Bemerkung gegen dich machen wird.“ Der Hochgeehrte (s) sagte: „Sie wird mich nicht sehen können.“ Und so geschah es: Obwohl der Hochgeehrte (s) anwesend war, konnte sie ihn nicht sehen. Sie sagte zu Abu Bakr (r.a.): „Ich habe gehört, dein Gefährte habe sich über mich lustig gemacht?“ Hadrat Abu Bakr (r.a.) erwiderte: „Bei dem Herrn dieses Hauses, er hat sich keineswegs über dich lustig gemacht.“ Daraufhin kehrte sie um. (Ibn Abi Hatim, Ibn Hischam und al-Bazzar überliefern von Hadrat Abdullah ibn Abbas (r.a.) einen gleichartigen Bericht.) (Tafhim al-Qur’an, 6. Band, Anmerkung 3.)

Das Ende Abu Lahabs

Obwohl Abu Lahab und seine Frau bei der Offenbarung der Sure al-Lahab im Edlen Qur’an zutiefst erschüttert waren, war das darin Gesagte ein in Stein gemeißelter Beschluss. Es hieß: „Abu Lahabs Hand ist gebrochen.“ Dies war eine Prophezeiung, die in der Vergangenheitsform ausgedrückt wurde, weil ihre Erfüllung ganz gewiss war – und sie erfüllte sich auch. Das Brechen der Hand bedeutet nicht, dass die körperliche Hand gebrochen wird, sondern dass die Absicht eines Menschen zunichtegemacht wird, für deren Verwirklichung er seine ganze Kraft einsetzt. Tatsächlich sah sich Abu Lahab schon wenige Jahre nach Beginn seiner Gegnerschaft gegen den Hochgeehrten (s) einem außerordentlichen Misserfolg gegenüber. In der Schlacht von Badr wurden die meisten der führenden Oberhäupter der Quraisch getötet, die ihn bei ihrer Feindschaft gegen den Islam unterstützt hatten. Als die Nachricht von dieser Niederlage Mekka erreichte, war er von solchem Kummer überwältigt, dass er nicht einmal eine Woche weiterleben konnte. Er starb an einer Krankheit namens Adama (maligne Pustel), die der Pest ähnelte. Seine Familienangehörigen hielten sich während seines Todes von ihm fern, weil sie befürchteten, sich mit dieser Krankheit anzustecken. Auch nach seinem Tod ging drei Tage lang niemand zu ihm. Seine Leiche verweste und begann übel zu riechen. Schließlich begannen die Bewohner des Viertels, seine Söhne zu tadeln. Einer Überlieferung zufolge bezahlten sie einige abessinische Arbeiter dafür, die Leiche fortzutragen und zu bestatten. Nach einer anderen Überlieferung hoben sie eine Grube aus, stießen die Leiche mithilfe eines Holzstücks hinein und bedeckten sie mit Erde und Steinen. Seine endgültige Niederlage bestand darin, dass seine eigenen Kinder jene Religion annahmen, die er mit all seiner Kraft auszurotten versucht hatte. Als Erste wanderte seine Tochter Durra (r.a.) aus, gelangte von Mekka nach Medina und nahm den Islam an. Nach der Eroberung Mekkas erschienen seine beiden Söhne Utba (r.a.) und Muʿattib (r.a.) durch die Vermittlung Hadrat Abbas’ (r.a.) vor dem Hochgeehrten (s) und leisteten an seiner gesegneten Hand den Treueid.

Die Verkündung des Islam unter der Allgemeinheit

Nachdem der Gesandte Allahs (s) seiner eigenen Familie und seinem Stamm die Botschaft Gottes überbracht hatte, begann er mit der allgemeinen Verkündigung unter den Bewohnern Mekkas und Arabiens. Solange er in Mekka blieb, trug er zehn Jahre lang ununterbrochen unter allen Umständen und an jedem Ort den Menschen den Koran vor und lud sie ein, Allahs Religion anzunehmen. Diese Einladung sprach er bei besonderen Zusammenkünften, bei öffentlichen Versammlungen und in der Heiligen Moschee in Mekka aus. Er setzte diese Arbeit fort, und keine Macht konnte ihn davon abhalten. Auch traf er sich mit denjenigen, die von außerhalb zum Handel, zur Umra, zum Besuch oder aus irgendeinem anderen Grund nach Mekka kamen. Auf den Märkten von Ukaz, Madschanna und Dhul-Madschaz,abgesehen von Mina, gab es an diesen drei Orten große Jahrmärkte, zu denen Menschen aus allen Gegenden Arabiens kamen. Der größte Markt war der von Ukaz; mit dem Kamel dauerte die Reise von Taif dorthin einen Tag und von Mekka drei Tage. Vom Beginn bis zum Ende des Monats Schawwal versammelten sich dort große Menschenmengen. Dort wurde nicht nur Handel getrieben, sondern es kamen auch Dichter, Redner und Fürsten. Es fanden Wettbewerbe im Vortrag von Gedichten und Reden statt. Auch die Streitigkeiten zwischen den Stämmen wurden beigelegt. Zur Freilassung von Gefangenen wurde Lösegeld gesammelt. Ebenso wurden Ansprüche, die Menschen gegeneinander erhoben, dem Schiedsgericht vorgetragen. Ab dem ersten Dhu l-Qaʿda begannen sich dann in Marraẓ-Ẓahran‘Marraẓ-Ẓahran’ (das heutige Fatima-Tal) Menschen zu versammeln. In den letzten zehn Tagen des Dhu l-Qaʿda fand in der Nähe eines Berges namens Madschanna ein Markt statt. In den ersten acht Tagen des Dhu l-Hiddscha wurde an einem Ort zwischen Mina und Arafat der Markt von Dhul-Madschaz abgehalten. Danach begannen die Tage der Wallfahrt. Menschen aus ganz Arabien versammelten sich zur Wallfahrt in Mina. – Der VerfasserAuf diesen Märkten lud er die Stammesangehörigen zur wahren Religion ein. Auch während der Wallfahrt, wenn die Menschen in Mina lagerten, ging er zu den Lagern der einzelnen Stämme und versäumte nichts, um sowohl den angesehenen Persönlichkeiten als auch den einfachen Leuten die Einladung zur Wahrheit zu überbringen. Ob sie sie annahmen oder nicht, schweigend zuhörten oder eine harte Antwort gaben, ihm feindselig entgegentraten oder die Übeltäter unter den Quraischern Hindernisse schufen – unter allen Umständen setzte er seine Aufgabe fort. Niemand konnte ihn davon abhalten.

Ibn Dscharir at-Tabari hat in seiner Geschichte berichtet, und auch Ibn al-Amir hat geschrieben, dass der Prophet (s) selbst unter den schwierigen Bedingungen des Abbruchs der wirtschaftlichen und sozialen Beziehungen durch die Quraisch und der Einkesselung im Schiʿb Abi Talib nicht von der Einladung und Verkündigung abließ. Vielmehr setzte er die Einladung öffentlich und im Verborgenen, bei Tag und bei Nacht, fort. Die Suren und Verse des Korans, die wie Regenschauer herabgesandt wurden, trug er öffentlich vor. Den Argumenten und Streitreden der Ungläubigen erteilte er eine schlagende Antwort, und er setzte seine Bemühungen fort, sie dazu zu bewegen, die Wahrheit anzunehmen.

Ibn Saʿd sagt: Nachdem die Zeit der geheimen Einladung vorüber war, bestand seine Vorgehensweise zehn Jahre lang darin, dass er in Mina, Ukaz und Dhul-Madschaz zu den Lagern der einzelnen Stämme ging und sagte:

******************************************************

„Sagt: Es gibt keinen Gott außer Allah, und ihr werdet Erfolg haben. Durch dieses Bekenntnis werdet ihr zu den Herrschern Arabiens werden, und die Nichtaraber werden euch gehorchen. Wenn ihr glaubt, werdet ihr im Paradies Könige sein.“

Wenn Abu Lahab ihm daraufhin folgte und sich ihm widersetzte, sagten sie: „Deine Familie, dein Stamm und die Bewohner deines Ortes kennen dich am besten. Wenn sie sich schon nicht deinem Gehorsam unterworfen haben, wie sollten wir es dann tun?“ Nachdem er diese Antwort gehört hatte, sagte der Hochverehrte (s) lediglich:

******************************************************

„O Herr! Wenn du gewollt hättest, wären sie nicht so gewesen.“

Tabari führt von Harith ibn al-Harith und Manbathu al-Azdi beinahe gleichlautende Überlieferungen an, in denen es heißt: Wir sahen den Gesandten Allahs (S), wie er die Menschen zum Tauhid aufrief und sagte: „Sagt: La ilaha illallah, und ihr werdet Erfolg haben.“

Wir sahen, wie die Leute ihm auf verschiedene Weise Leid zufügten. Einige spuckten ihn an, andere warfen mit Erde nach ihm, und wieder andere beschimpften ihn. Als es dann Mittag geworden war, gingen sie alle fort. Danach sahen wir ein Mädchen mit einem großen Wassergefäß und einem Tuch kommen. Ihr Hals war vorn unbedeckt. Der Gesandte Allahs (S) trank Wasser und vollzog die Gebetswaschung. Dann sagte er zu dem Mädchen: „Meine Tochter, bedecke deinen Hals.“ Auf Nachfrage erfuhren wir, dass das Mädchen seine Tochter, Hazrat Zaynab (R), war.

Ibn Hischam berichtet unter Berufung auf Ibn Ishaq, dass der Hochgeehrte (S) zu jedem Jahrmarkt und jeder Versammlung ging und die Einladung überbrachte. Wenn auf diese Weise eine bedeutende Persönlichkeit Arabiens nach Mekka kam, traf er sich mit ihr und übermittelte ihr die Einladung zur Religion Allahs.

Ibn Kathir schreibt in al-Bidaya wa-n-Nihaya, dass der Hochgeehrte (S) Tag und Nacht heimlich und offen zur Religion einlud und sich durch niemandes Widerstand davon abbringen ließ. Er ging zu den Versammlungen der Menschen und lud sie ein. Auf den Jahrmärkten und an den Orten, an denen sich die Pilger während der Hadsch aufhielten, überbrachte er die Einladung. Er traf mit Menschen aller Schichten zusammen – mit Freien, Sklaven, Schwachen, Starken, Reichen und Armen – und rief sie zu Allah.

Die mekkanischen Suren des Heiligen Qurans liefern eine vollständige Bestätigung dieser historischen Überlieferungen; sie sind von Antworten auf die verschiedenen Einwände und Beschwerden der Quraisch erfüllt. Es ist offensichtlich: Wenn ihnen der Quran nicht öffentlich vorgetragen worden wäre und Muhammad Mustafa (S) sie nicht öffentlich dazu aufgerufen hätte, seine Prophetenschaft anzuerkennen, warum und wie hätten sie dann einen Sturm von Einwänden, Beschwerden, Zweifeln und Verdächtigungen gegen ihn, gegen den Quran, das Jenseits und die Lehren des Islam entfesseln können? Und welchen Sinn hätte es gehabt, ihre Einwände im Quran zu beantworten, wenn dies den Widersachern nicht vorgetragen worden wäre?

Der moralische Einfluss des Heiligen Propheten (S)

Die Frage ist: Welcher Grund lag dafür vor, dass die Quraisch den Hochgeehrten (S) weder daran hindern konnten, im Heiligtum zu beten, noch daran, den Quran öffentlich vorzutragen? Tatsächlich waren gerade diese beiden Dinge für sie unerträglich. Kein anderer Muslim hätte es gewagt, auch nur eines von beiden zu tun. Und wer es gewagt hätte, wäre schwer misshandelt worden. In Wahrheit lag der eigentliche Grund nicht nur darin, dass Banu Hashim und Banu al-Muttalib bereit waren, zur Unterstützung des Propheten ihr Leben zu geben, und dass die Quraisch davor Angst hatten. Vielmehr lag er in dem gewaltigen Einfluss des Hochgeehrten (S), der die Quraisch überwältigt hatte. Seine Einladung brachte sie völlig außer sich; sie beschimpften ihn, warfen mit Steinen nach ihm und fügten ihm auf vielerlei Weise seelisches Leid zu. Doch sein moralischer Einfluss hatte sie innerlich derart ausgehöhlt, dass sie ihn nicht von seiner Aufgabe als Gesandter abhalten konnten.

Dieser Furcht einflößende Einfluss hatte mehrere Gründe. Einer davon war, dass sie aufgrund ihrer seit seiner Kindheit fortwährenden Kenntnis, Beobachtung und Erfahrung mit ihm die Wahrheit erkannt hatten; deshalb wusste die gesamte Nation von Anfang an, dass unter ihnen eine außergewöhnliche Persönlichkeit geboren worden war. Daher wurde er in Mekka bereits vor seiner Prophetenschaft mit Achtung betrachtet. Ein weiterer Grund war, dass niemand je ein falsches Wort aus seinem heiligen Mund gehört hatte. Die Menschen glaubten, dass jedes Wort, das aus seinem Mund kam, Wirklichkeit wurde. Deshalb fürchteten sie, er könnte über sie etwas aussprechen, das ihnen irgendein Unglück bringen würde. Weiter oben wurde bereits die Geschichte erzählt, wie ein Feind wie Abu Lahab in Angst und Schrecken geriet, als er den Fluch des Hochgeehrten (S) gegen seinen Sohn hörte. Während seiner Reise nach Syrien bat er seine Gefährten, ihm beim Schutz seines Sohnes zu helfen. Denn aufgrund dessen, was der Prophet Muhammad (S) über seinen Sohn gesagt hatte, fürchtete er um dessen Leben. Doch alle seine Vorsichtsmaßnahmen blieben erfolglos. Jener Sohn wurde von einem „Hund“ Allahs, der die Umfriedung der Kamele überquerte, zerfleischt und aufgefressen.

Der dritte Grund ist der makellose Charakter des edlen Propheten (s), an dem keinerlei Ansatzpunkt für einen Vorwurf bestand. Die gesamte Nation kannte diesen vortrefflichen Charakter und hatte ihn auch anerkannt. Durch sein die Herzen gewinnendes Verhalten waren Hunderte von Menschen in Mekka und den umliegenden Gebieten tief beeindruckt. Wegen seiner Wahrhaftigkeit, Vertrauenswürdigkeit und Gewissenhaftigkeit vertrauten ihm sogar seine Feinde. Bis zur Auswanderung nach Medina war die Lage laut dem Bericht Ibn Dscharīrs sogar so, dass es in Mekka niemanden gab, der seine wertvollen Besitztümer verwahren lassen wollte und außer dem Propheten Muhammad (s) irgendeinem anderen sein Vertrauen schenken konnte. Gerade aufgrund dieser moralischen Wirkung verloren selbst seine erbittertsten Feinde, wenn sie ihm gegenübertraten, allen Mut und wagten nicht, vor ihm zu sprechen. Zwei Begebenheiten zwischen dem Propheten (s) und Abū Dschahl belegen die Wahrheit dieser Aussage. (Ergänzung.)

Die Begebenheit, bei der Abū Dschahl in Schrecken geriet

Ibn Isḥāq berichtet: Einst kam ein Mann aus einem Ort namens „ʿIrāsch“ [Dieser Ortsname wird in Maʿdscham al-Buldān erwähnt. Wahrscheinlich hieß auch der dort ansässige Stamm ʿIrāsch – der Verfasser.] mit einigen Kamelen nach Mekka, um sie zu verkaufen. Abū Dschahl kaufte seine Kamele. Als der Verkäufer kam, um den Kaufpreis zu verlangen, begann Abū Dschahl, sich mit allerlei Ausflüchten herauszureden. Schließlich ging der Mann aus ʿIrāsch, von der Hoffnungslosigkeit überwältigt, eines Tages zu den Anführern der Quraisch in der Heiligen Moschee und schilderte ihnen alles; zugleich flehte er die versammelten Menschen an, ihm zu seinem Recht zu verhelfen. Der Prophet (s) saß unterdessen in einer Ecke der Heiligen Moschee. Die Anführer der Quraisch sagten zu dem Mann: „Wir können nichts tun. Geh zu jenem Mann, der dort in der Ecke sitzt, und sage es ihm; er wird dir deine Forderung verschaffen.“

Der Mann aus ʿIrāsch ging auf den Propheten (s) zu. Die Anführer der Quraisch begannen inzwischen untereinander zu sagen: „Heute werden wir etwas Unterhaltsames zu sehen bekommen.“ Sobald der Mann dem Propheten (s) seine Beschwerde vorgetragen hatte, stand dieser auf und machte sich mit ihm zum Haus Abū Dschahls auf. Der edle Prophet (s) ging geradewegs zu Abū Dschahls Tür und begann anzuklopfen. Von drinnen fragte er: „Wer ist da?“ Der Prophet (s) antwortete: „Muhammad (s).“ Völlig verstört kam er heraus. Der Prophet (s) sagte zu ihm: „Begleiche die Forderung dieses Mannes.“ Ohne ein Wort zu sagen, ging er hinein, holte den Preis für die Kamele und legte ihn dem Mann in die Hand.

Nachdem ein Spion der Quraisch dies gesehen hatte, eilte er zur Heiligen Kaaba und berichtete den Anführern der Quraisch von dem Geschehen. Er sagte: „Bei Gott, was ich heute gesehen habe, habe ich noch nie zuvor gesehen. Sobald Abū Dschahl herauskam und Muhammad (s) erblickte, wurde sein Gesicht bleich. Als Muhammad (s) ihm dann sagte, er solle seine Forderung begleichen, schien es, als sei sein Körper leblos geworden.“ (Ibn Hischām, Bd. 2, S. 29–30; al-Balādhurī, Ansāb al-Aschrāf, Bd. 1, S. 128–129.) (Tafhīm al-Qurʾān, Bd. 3, Sūrat al-Māʿūn, Anmerkung 5.)

Die zweite Begebenheit

Die zweite Begebenheit wird von Qāḍī Abū al-Ḥasan al-Māwardī in seinem Werk „Aʿlām an-Nubuwwa“ ******************* berichtet. Er sagt: Abū Dschahl war der Vormund eines Waisenkindes. Dieses Kind kam völlig nackt zu Abū Dschahl und sagte: „Gib mir etwas von dem Vermögen, das mein Vater hinterlassen hat.“ Doch der Übeltäter würdigte es keines Blickes. Nachdem es lange dagestanden hatte, kehrte es enttäuscht um. Die Anführer der Quraisch sagten aus Schabernack zu ihm: „Geh zu Muhammad (s) und beschwere dich bei ihm. Er wird bei Abū Dschahl für dich Fürsprache einlegen und dir etwas verschaffen.“ Das unglückliche Kind wusste nicht, wie das Verhältnis zwischen Abū Dschahl und Muhammad (s) war und mit welcher Absicht diese ruchlosen Männer ihm diesen Rat gaben. Es ging geradewegs zum Propheten (s) und schilderte ihm seine Lage. Dieser ging sofort mit ihm zum Haus Abū Dschahls. Abū Dschahl empfing den Propheten (s) ehrenvoll. Er sagte: „Gib diesem Kind sein Recht.“ Abū Dschahl stimmte sofort zu, holte die benötigten Dinge und übergab sie dem Waisenkind.

Die Anführer der Quraisch warteten inzwischen darauf zu sehen, ob sich zwischen den beiden ein unangenehmer Vorfall ereignen würde. Als sie jedoch die tatsächlichen Geschehnisse erfuhren, kamen sie voller Verwunderung zu Abū Dschahl und begannen, ihn mit den Worten zu tadeln: „Hast du deine Religion aufgegeben?“ Er sagte: „Bei Gott, ich habe meine Religion nicht aufgegeben. Doch mir war, als befände sich rechts und links von ihm jeweils eine tödliche Waffe. Sobald ich gegen seinen Willen etwas täte, würde sie meinen Körper in zwei Teile spalten.“

Aus diesen Ereignissen geht hervor, wie sehr der Einfluss des ehrwürdigen Propheten (s) seine Feinde in Furcht und Schrecken versetzt hatte. (Tafhim-ul-Qur’an, Band 6, Ma’un, Anmerkung 5.)

Das dritte Ereignis

Baladhuri berichtet, dass der Prophet (s) eines Tages mit Hazrat Abu Bakr (r), Hazrat Umar (r) und Hazrat Sa’d ibn Waqqas (r) in der Heiligen Moschee saß. Da kam ein Mann aus dem Stamm Banu Zubayd. Er sagte: „O Quraischiten! Wer von euch wird hier Waren verkaufen? Denn diejenigen, die von außerhalb kommen, beraubt ihr und nehmt ihnen alles ab.“ Der ehrwürdige Prophet (s) fragte: „Wer hat dir Unrecht getan?“ Er antwortete: „Abul Hakam, also Abu Dschahl. Er wollte meine drei besten Kamele kaufen und setzte dafür einen äußerst geringen Preis fest. Nun ist niemand bereit, mehr als er zu zahlen. Wenn ich zu diesem Preis verkaufe, erleide ich einen gewaltigen Verlust.“ Der ehrwürdige Prophet (s) kaufte ihm alle drei Kamele ab. Abu Dschahl beobachtete dies aus der Ferne schweigend. Der ehrwürdige Prophet (s) ging zu ihm und sagte: „Hüte dich! Behandle diesen Beduinen niemals wieder so, wie du ihn behandelt hast. Andernfalls werde ich dich ebenso behandeln.“ Er erwiderte wiederholt: „Ich werde so etwas künftig niemals mehr tun.“ Umayya ibn Chalaf und die anderen dort anwesenden Götzendiener begannen, Abu Dschahl zu tadeln und sagten: „Du hast vor Muhammad (s) eine solche Schwäche gezeigt, dass wir vermuten müssen, du seist ihm wohl untertan geworden.“ Er sagte: „Bei Gott! Ich werde ihm niemals gehorchen. Aber ich sah, dass zu seiner Rechten und Linken mehrere Speerträger standen. Mir schien, dass sie über mich herfallen würden, sobald ich auch nur einen Befehl Muhammads (s) missachtete.“ (Ansab al-Aschraf, Band 1, Seite 13.)

Die Gegner erkannten die Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit des Propheten an

Ein weiterer wichtiger Grund war, dass selbst die erbittertsten Gegner des Propheten (s) innerlich seine Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit anerkannten und sich selbst als Lügner betrachteten. Dennoch widersetzten sie sich ihm aufgrund ihrer bösen Absichten, ihrer Unwissenheit, ihres Ehrgefühls, ihrer fanatischen Bindung an die Religion ihrer Vorväter und ihrer persönlichen Interessen. Diejenigen, die diese Schwäche in sich trugen, hatten trotz all ihrer Gründe, seinen Weg zu versperren, nicht den Mut, ihm offen entgegenzutreten. Wir werden hierzu verschiedene historische Ereignisse anführen. Hier möchte ich nur über Abu Dschahl sagen, wie der größte Feind des Propheten (s) wiederholt dessen Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit anerkannte und den wahren Grund seines Widerstands auf höchst entstellende Weise schilderte.

Al-Bayhaqi überliefert unter Berufung auf Zayd ibn Aslam einen Bericht von Hazrat al-Mughira ibn Schu’ba darüber, wie es in der Zeit des Götzendienstes zu seiner ersten Begegnung mit dem Propheten (s) kam. Er berichtet: „Ich ging gemeinsam mit Abu Dschahl durch eine Straße in Mekka. Da trafen wir auf den Propheten (s). Er sagte zu Abu Dschahl: ‚O Abul Hakam! Komm zu Allah und Seinem Gesandten. Ich rufe dich zu Allah.‘ Er sagte: ‚O Muhammad (s)! Wirst du etwa aufhören, unsere Götter zu beschimpfen? Du willst doch nur, dass wir bezeugen, du habest deine Botschaft übermittelt. Nun bezeugen wir, dass du deine Botschaft übermittelt hast. Aber bei Gott! Wenn ich wüsste, dass du im Recht bist, würde ich dir gehorchen.‘“

Dann ging der Prophet (s) weiter. Abu Dschahl wandte sich daraufhin mir zu und sagte: „Bei Gott! Ich weiß, dass das, was dieser Mann sagt, wahr ist. Doch eine Sache hält mich davon ab.“ Die Nachkommen des Qusayy sagten: „Wird die Verantwortung dafür, die Pilger mit Speise zu versorgen, bei uns liegen, wenn es um die Wahrheit geht?“ Ich sagte: „Ja.“

Sie sagten: „Wird die Verantwortung für die Versorgung der Pilger mit Wasser bei uns liegen?“

Ich sagte: Ja.

—Die Nadwa gehört uns?

—Ja.

—Die Fahne bleibt also bei uns?

—Ja.

Dann bewirteten sie uns. Auch wir bewirteten sie. Dann berührten sich unsere Knie mit ihren Knien, worauf sie sagten: Unter uns gibt es einen Propheten.

Ich sagte: Bei Gott, das werde ich nicht anerkennen.

Ibn Abī Hātim berichtet unter Berufung auf Yazīd al-Madanī, dass Abū Dschahl einmal dem Propheten (s) begegnete und ihm die Hand schüttelte. Jemand sagte zu ihm: „Wie kommt es, dass ich dich gerade einem Sābiʾ (einem vom Glauben Abgewandten) die Hand schütteln sehe?“ Abū Dschahl nahm ihn beiseite und sagte leise: „Bei Gott! Ich weiß, dass er in Wahrheit ein Prophet ist. Aber wann sind wir denn den Banū ʿAbd Manāf untergeordnet worden?“

Imam Sufyan ath-Thawri, at-Tirmidhi und al-Hakim überliefern nach einer Aussage von Hadhrat Ali (ra), dass Abu Dschahl zum Propheten (s) sagte: „Wir halten dich nicht für einen Lügner; vielmehr halten wir das, womit du gekommen bist, für eine Lüge.“

Al-Bayhaqi und Ibn Hischam überliefern von Ibn Ishaq, der seinerseits von Imam az-Zuhri überliefert, folgende bemerkenswerte Begebenheit: Eines Nachts machten sich Abu Dschahl, Abu Sufyan und al-Achnas ibn Schuraiq unabhängig voneinander auf, um den Koran zu hören, den der Prophet (s) während des Gebets rezitierte. Keiner der drei wusste vom anderen. Als es Morgen wurde, trafen sie einander. Sie machten sich gegenseitig Vorwürfe und schworen, so etwas nicht wieder zu tun. Denn wenn die Leute sie dabei sehen würden, wie sie dem Koran lauschten, könnte dieses Wort in ihren Herzen einen Platz finden. In der zweiten Nacht geschah dasselbe. Nachdem sie einander gesehen hatten, schworen sie erneut, es nicht wieder zu tun. Als sich am dritten Tag dasselbe Ereignis wiederholte und sie somit etwas taten, was sie geschworen hatten zu unterlassen, ging al-Achnas mit einem Stock in der Hand zu Abu Sufyan und sagte: „O Abu Hanzala! Du musst mir die Wahrheit sagen: Was denkst du über das, was du bei Muhammad (s) gehört hast?“

Er sagte: „O Abu Thaʿlaba! Bei Allah, ich habe Worte gehört, die ich verstehe und von denen ich auch weiß, was sie bedeuten; einige Worte jedoch habe ich gehört, deren Bedeutung ich nicht verstanden habe.“ Al-Achnas sagte: „Mir geht es ebenso.“ [Hafiz Ibn Hadschar „‘al-Isaba’“ zufolge, in der er die von Imam az-Zuhri überlieferte Darstellung dieses Ereignisses nach Hadhrat Said ibn al-Musayyab anführt, fragte Abu Sufyan al-Achnas: „Was ist deine Meinung?“ Er antwortete: „Ich halte ihn für wahrhaftig.“ Eine zusätzliche Bestätigung dafür findet sich in der von Hadhrat Muawiya (ra) überlieferten Aussage, die at-Tabarani in seinem „Awsat“ anführt. Er berichtet: Einmal war mein Vater Abu Sufyan mit meiner Mutter Hind auf einem Esel unterwegs in Richtung Wüste. Ich ritt auf einem anderen Esel vor ihnen her. Unterwegs begegneten wir dem Propheten (s). Mein Vater sagte zu mir: „Muawiya, steig ab, damit Muhammad (s) auf deinem Esel reiten kann.“ Ich stieg daher ab, und der Prophet (s) setzte sich auf dessen Rücken. Dann wandte er sich an meinen Vater und meine Mutter und sagte: „O Abu Sufyan und o Hind bint Utba! Bei Allah, ihr werdet alle eines Tages sterben. Danach werdet ihr wieder zum Leben erweckt. Wer dann rechtschaffen ist, wird ins Paradies eingehen, und wer sündig ist, wird in die Hölle kommen.“ Anschließend rezitierte er ihnen die ersten elf Verse der Sure Ha-Mim as-Sadschda. Danach stieg er vom Esel ab, und ich stieg auf. Unterwegs sagte meine Mutter zu meinem Vater: „Du hast meinen Sohn vom Esel heruntergeholt und diesen Lügner und Zauberer auf ihn gesetzt?“ Mein Vater sagte: „Bei Allah, dieser Mann ist weder ein Zauberer noch ein Lügner.“ – Der Verfasser] ‘“ anführt’Er ging daraufhin zu Abu Dschahl und sagte: „O Abu al-Hakam, was denkst du über das, was du bei Muhammad (s) gehört hast?“ Er antwortete: „Was habe ich gehört? Zwischen uns und den Banu Abd Manaf bestand ein Wettstreit darum, wer von uns angesehener sei. Sie bewirteten die Menschen, und wir bewirteten sie ebenfalls. Sie trugen Lasten und übernahmen Verantwortung, und wir taten es ebenso. Sie spendeten Vermögen, und wir spendeten ebenfalls. Als wir schließlich in allen Dingen gleichauf waren, behaupteten sie: ‚Unter uns gibt es einen Propheten, zu dem die Offenbarung vom Himmel kommt.‘ Woher sollen wir so jemanden bekommen? Bei Allah, wir werden ihm nicht folgen und seine Wahrhaftigkeit nicht anerkennen.“ Nahezu dieselben Worte sagte Abu Dschahl zu al-Achnas ibn Schuraiq, als dieser ihn während der Schlacht von Badr heimlich aufsuchte. Ibn Dscharir at-Tabari führt in seinem Tafsir nach as-Suddi folgende Aussage an: Al-Achnas sagte zu Abu Dschahl: „Zu diesem Zeitpunkt sind hier außer dir und mir niemand. Sag mir die Wahrheit: Ist Muhammad (s) ein Lügner oder ein Wahrhaftiger?“ Er sagte: „Bei Allah, Muhammad (s) ist wahrhaftig. Niemals hat er gelogen. Doch wenn die Banu Qusai neben Liwa, Hidschaba und Siqaya auch das Prophetentum an sich reißen,Nach der Übernahme der Herrschaft über das Heiligtum durch die Banu Qusai mussten sie während der Hadsch bestimmte Aufgaben erfüllen. Einer von ihnen war jeweils der Fahnenträger; dieses Amt hieß Liwa. Zu ihren Aufgaben gehörte es, den Pilgern Wasser zu reichen; dies wurde Siqaya genannt. Die Schlüssel zur Kaaba befanden sich in ihren Händen, und sie waren dafür zuständig, die Kaaba für die Pilger zu öffnen und zu schließen; dies wurde Hidschaba genannt. Dies ist in diesem Buch erwähnt worden. – Der Übersetzerdann auch das Prophetentum an sich reißen,was bleibt dann den Quraisch noch übrig?“

Wenn schon die Haltung eines so fanatischen Islamfeindes wie Abu Dschahl derart war, lässt sich leicht ermessen, wie die Haltung der anderen gewesen sein muss.

Vorstellungen und Überzeugungen der Quraisch über den Propheten (s)

In diesem Zusammenhang ist ebenfalls erwähnenswert, dass gerade jene Leute der Quraisch, die sich lautstark gegen ihn stellten, von der Wahrhaftigkeit des Propheten (s) überzeugt waren. Während ihr äußerster Konflikt und Zusammenstoß mit dem Propheten (s) und den Muslimen andauerte, brach in Mekka eine furchtbare Hungersnot aus. Daraufhin begannen alle Bewohner zu klagen. Da baten die Anführer Mekkas den Propheten (s), für die Rettung seines Volkes aus dieser Not zu beten. Imam al-Buchari und al-Bayhaqi überliefern mit einigen geringfügigen Abweichungen im Wortlaut, unter Berufung auf Masruq, folgende Überlieferung von Abd Allah ibn Masud (r): Als der Gesandte Allahs (s) sah, dass die Quraisch entschlossen waren, sich gegen ihn aufzulehnen, betete er: „O Allah! Lass auch mich im Umgang mit diesen Leuten sieben Jahre lang von einer Hungersnot heimgesucht werden, wie die siebenjährige Hungersnot zur Zeit Josefs (a).“ Daraufhin kam eine so schreckliche Hungersnot, dass die Menschen Aas, Knochen und sogar Tierhäute zu essen begannen. Schließlich kamen Abu Sufyan und mehrere andere Mekkaner zum ehrwürdigen Propheten (s) und baten ihn: „O Muhammad (s)! Du behauptest, als Barmherzigkeit gesandt worden zu sein. Doch nun ist die Lage so, dass dein Volk dem Untergang nahe ist. Bete für sie.“

Nach diesem Gesuch betete der ehrwürdige Prophet (s), und es regnete so heftig, dass die Menschen ihn erneut baten zu beten, damit sie vor dem übermäßigen Regen bewahrt würden. Da betete er: „O Allah! Lass es nicht über uns, sondern rings um uns herum regnen.“ Danach klarte der Himmel auf.

Imam al-Buchari überliefert von Ibn Abbas (r), dass Abu Sufyan mit der Bitte zum Propheten (s) kam, ihn vor dem Hungertod zu bewahren. Durch sein Gebet wurde die Not der Hungersnot beseitigt.

Aus diesen Ereignissen wird deutlich, warum die Anführer der Quraisch es nicht wagten, den Propheten direkt herauszufordern und seine Verkündigung gewaltsam zu unterbinden. Zugleich konnten sie jedoch nicht dulden, dass seine Verkündigung fortgesetzt wurde, die Religion ihrer Vorfahren beseitigt würde, sich eine Lebensordnung ausbreitete, die ihrer Lebensordnung völlig entgegengesetzt war, und die Menschen weiterhin den Islam annahmen. Daher hatten sie beschlossen, dass seine Einladung unter keinen Umständen Verbreitung finden dürfe und dass sie mit allen Mitteln behindert werden müsse. Aus diesem Groll heraus misshandelten sie ihn gelegentlich auch. (Ergänzung.)

Achtes Kapitel

Die Machenschaften der Quraisch zur Verhinderung der islamischen Einladung

Vor dieser Erörterung muss zunächst festgehalten werden, dass sich nicht alle Stämme der Quraisch gegenüber dem Islam und dem Gesandten Allahs (s) auf gleiche Weise verhielten. Vielmehr waren sie in verschiedene Gruppen geteilt.

Eine Gruppe war äußerst feindselig. Sie bestand aus den bedeutendsten gesellschaftlichen Führern und Anführern. Ibn Saʿd führt ihre Namen in den Tabaqat folgendermaßen an: Abu Dschahl, Abu Lahab, al-Aswad ibn Abd Yaghuth (er gehörte zu den Banu Zuhra und war ein Cousin mütterlicherseits des Propheten (s)), al-Harith ibn Qays ibn Adi (er gehörte zum Stamm der Banu Sahm und war unter dem Namen Ibn al-Ghaytala bekannt), al-Walid ibn al-Mughira (Banu Machzum), Umayya ibn Chalaf und Ubayy ibn Chalaf (Banu Dschumah), Abu Qays ibn Fakiha ibn al-Mughira (Banu Machzum), al-As ibn Wa’il al-Sahmi (der Vater von Amr ibn al-As), an-Nadr ibn al-Harith (von den Banu Abd Allah), Munabbih ibn Sayfi ibn Abid (Banu Machzum), al-Aswad ibn Abd al-Asad al-Machzumi, al-As ibn Said ibn al-As (Banu Umayya), Abu al-Bachtari al-As ibn Hischam (Banu Asad), Uqba ibn Abi Muayt (Banu Umayya), Ibn al-Asadi al-Hudhali, Hakam ibn Abi al-As (Banu Umayya) und Saʿdi ibn Hamra ath-Thaqafi.

Die zweite Gruppe bestand aus jenen quraischitischen Anführern, die zwar zweifellos Feinde waren, jedoch nicht solche Feinde, die sich wie die zuvor erwähnte Gruppe mit all ihrer Kraft gegen den Propheten (s) und die Muslime wandten. Allerdings unterstützten diese Feinde jedes Vorgehen, das gegen den Islam unternommen wurde. Ibn Saʿd zählte ʿUtba ibn Rabīʿa, Schaiba ibn Rabīʿa und Abū Sufyān zu dieser Art von Feinden. Das Verhalten derjenigen jedoch, die am feindseligsten waren, wird im Koran folgendermaßen beschrieben:

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Siehe, sie krümmen ihre Brust, um sich vor Ihm zu verbergen (Hūd: 6).

Das heißt, sie waren der Einladung des Propheten (s) derart abgeneigt, dass sie ihm aus dem Weg gehen wollten. Wenn sie ihn irgendwo sitzen sahen, machten sie sich davon. Wenn sie ihn von vorn kommen sahen, gingen sie in eine andere Richtung oder bedeckten ihr Gesicht mit dem Saum ihres Gewandes. Sie taten dies aus Furcht, dass er sie, falls sie ihm von Angesicht zu Angesicht begegneten, ansprechen und einige Worte an sie richten könnte.

Nun bleiben noch die einfachen Leute von Makka. Unter ihnen waren einige neutral, andere unterstützten den Islam insgeheim, hielten ihren Übertritt zum Islam jedoch geheim. Wieder andere nahmen den Islam an. Eine große Zahl von Menschen ließ sich von ihren Anführern anspornen und beteiligte sich zum Schutz des Ansehens ihrer angestammten Religion an jenen Machenschaften, die gegen den Islam unternommen wurden.

Nun werden wir diese Maßnahmen, die ergriffen wurden, um den Weg der islamischen Einladung zu versperren, einzeln darlegen.

1. Der Versuch, mit dem Propheten (s) einen Kompromiss zu schließen

Da die Gegner die außergewöhnliche Persönlichkeit des Propheten (s) und die unaufhaltsame Wirkung des Korans spürten, versuchten sie wiederholt, ihn durch Gespräche und Verhandlungen dazu zu bewegen, in der Frage der Religion irgendeinen Kompromiss einzugehen. Zu diesem Zweck trafen verschiedene Delegationen mit ihm zusammen, und auch einzelne bedeutende Persönlichkeiten sprachen mit ihm.

Das Treffen von ʿUtba ibn Rabīʿa mit ihm

Unter diesen Begegnungen war die Begegnung mit ʿUtba ibn Rabīʿa von besonderer Bedeutung, und verschiedene Hadith-Gelehrte haben sie in unterschiedlichen Fassungen überliefert. Hinsichtlich des Ergebnisses gab es jedoch kaum Meinungsverschiedenheiten. Ibn Abī Shayba überliefert von Ibn ʿUmar (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm), und ʿAbdullah ibn Ḥamīd, Abū Yaʿlā und al-Bayhaqī überliefern von Jābir ibn ʿAbdullah al-Anṣārī (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm), dass sich eines Tages einige Männer der Quraisch versammelten und zueinander sagten: „Seht, wer von euch ist am geschicktesten in Zauberei, Wahrsagerei und dem Verfassen von Gedichten? Er soll zu diesem Mann gehen, der unsere Gemeinschaft gespalten, Unheil und Missgeschicke über unsere Angelegenheiten und Belange gebracht und unsere Religion befleckt hat. Lasst uns mit ihm sprechen und sehen, was er antwortet.“ Die Leute sagten: „Unserer Meinung nach gibt es außer ʿUtba ibn Rabīʿa niemanden, der dafür geeignet wäre.“ Darauf sagten alle: „Abū al-Walīd, du sollst diese Aufgabe übernehmen.“ So ging er zum Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm). (Ergänzung des Verfassers.)

Die zweite Überlieferung wird von Muḥammad ibn Isḥāq und al-Bayhaqī nach Muḥammad ibn Kaʿb al-Quraẓī zitiert. Darin heißt es, dass einst einige Anführer der Quraisch in der Heiligen Moschee zusammensaßen, während der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) auf der anderen Seite der Moschee allein saß. Dies geschah zu einer Zeit, als Ḥamza (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) den Glauben angenommen hatte und die Quraisch angesichts der stetig wachsenden Zahl der Muslime sehr beunruhigt waren. Unter diesen Umständen sagte ʿUtba ibn Rabīʿa (der Schwiegervater Abū Sufyāns) zu den Anführern der Quraisch: „Wenn ihr es für gut haltet, werde ich mit Muḥammad (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sprechen und ihm einige Vorschläge unterbreiten. Vielleicht nimmt er einen davon an, und auch wir können ihn annehmen. Auf diese Weise könnte er davon ablassen, sich uns entgegenzustellen.“ Alle Anwesenden stimmten dem zu und sagten: „Abū al-Walīd, wir haben vollstes Vertrauen in dich. Sprich unbedingt mit ihm.“

ʿUtba stand auf, ging zum Propheten und setzte sich zu ihm. Als dieser ihm seine Aufmerksamkeit schenkte, sagte er: „Mein Neffe! Du weißt, welche angesehene Stellung du einst bei uns hattest; auch deiner Abstammung nach bist du der Sohn einer edlen Familie. Doch welches Unglück hast du nun über unser Volk gebracht? Du hast unsere Gemeinschaft gespalten. Du hältst unser gesamtes Volk für töricht. Du beschimpfst unsere Religion und unsere Götzen. Unsere verstorbenen Vorväter hältst du für Ungläubige. Höre nun einige Worte von mir. Ich möchte dir einige Vorschläge unterbreiten. Denke darüber nach. Vielleicht kannst du einen davon annehmen.“

Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Abū al-Walīd, sprich; ich werde zuhören.“

Er sagte: „Mein Neffe! Wenn dein begonnenes Vorhaben darauf abzielt, Reichtum zu erlangen, werden wir alle so viel für dich zusammentragen, dass du der Reichste unter uns wirst. Wenn du nach Vorrang und Ansehen strebst, machen wir dich zu unserem Anführer; ohne dich werden wir keine Angelegenheit entscheiden. Und wenn du nach der Herrschaft verlangst, machen wir dich zu unserem König. Wenn du jedoch von einem Dschinn befallen bist, dessen Wirkung du nicht beseitigen kannst, und du im Schlaf und im Wachzustand Dinge siehst, werden wir den besten Arzt holen und gemeinsam die Kosten deiner Behandlung übernehmen.“ ʿUtba redete weiter, während der Hochgeehrte Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ihm schweigend zuhörte.

Darauf sagte er: „Abū al-Walīd, hast du alles gesagt, was du sagen wolltest, oder möchtest du noch etwas sagen?“ Er antwortete: „Nein, ich habe alles gesagt, was ich sagen wollte.“ Der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Gut! Dann höre nun du mir zu.“ Danach begann er, nachdem er „Bismi llāhi r-raḥmāni r-raḥīm“ gesprochen hatte, die Sure Hā-Mīm-ʿAyn-Sīn-Qāf, as-Sadschda, zu rezitieren. ʿUtba hörte aufmerksam zu, wobei er sich mit beiden Händen nach hinten abstützte. Als der Vers der Niederwerfung (Vers 38) erreicht war, warf sich der Hochgeehrte Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) nieder. Nachdem er den Kopf erhoben hatte, sagte er: „Abū al-Walīd, du hast meine Antwort gehört. Nun weißt du selbst, und deine Aufgabe weiß es ebenfalls.“

ʿUtba stand auf und ging zur Versammlung der Anführer der Quraisch. Als die Leute ihn aus der Ferne sahen, bemerkten sie: „Bei Allah, ʿUtbas Gesicht hat sich verändert. Das Gesicht, mit dem er gegangen war, ist nicht mehr dasselbe.“ Als er sich dann zu ihnen setzte, sagten sie: „Was hast du gehört?“

Er sagte: „Bei Gott! Ich habe Worte gehört, wie ich sie zuvor noch nie gehört habe. Bei Gott, das ist weder Dichtung noch Zauberei noch Wahrsagerei. O Quraischiten, hört auf mich und lasst ihn in seinem Zustand. Ich glaube, diese Worte werden sich tatsächlich verwirklichen. Nehmen wir an, die Araber besiegen ihn; dann werdet ihr davor bewahrt, Hand gegen euren eigenen Bruder zu erheben. Andere werden mit ihm fertigwerden. Wenn er jedoch die Araber besiegt, dann wird seine Herrschaft eure Herrschaft und sein Ansehen euer Ansehen sein.“

Nachdem die Anführer der Quraisch seine Worte gehört hatten, sagten sie: „O Vater des Walid! Hat seine Zauberei am Ende auch auf dich gewirkt?“

ʿUtba sagte: „Ich habe euch meine Meinung mitgeteilt. Nun tut, was ihr wollt.“

Unter den Überlieferungen, die al-Baihaqi zu diesem Ereignis gesammelt hat, findet sich zusätzlich, dass der Gesandte (s) den 13. Vers von Ha-Mim as-Sadschda—

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(Wenn sie sich abwenden, dann sage ihnen: „Ich warne euch vor einer plötzlich hereinbrechenden Strafe wie jener, die über ʿAd und Thamud hereinbrach.“) erreicht hatte, legte ʿUtba spontan seine Hand auf das Gesicht des Gesandten (s) und begann, unter Berufung auf ihre Verwandtschaft, zu sagen: „Sag so etwas nicht!“ Den Leuten erklärte er den Grund dafür folgendermaßen: „Ihr wisst doch, dass nichts von dem, was Muhammad (s) sagt, vergeblich ist. Deshalb fürchtete ich die angedrohte Strafe.“ (Tafhim, Band 3, al-Anbiya, Anmerkung 5; Band 4, Einleitung zu Ha-Mim as-Sadschda.)

Das Treffen mit einer weiteren Delegation

Muhammad ibn Ishaq berichtet unter Berufung auf die Überlieferung von Ibn Abbas (ra), dass sich eines Tages nach Sonnenuntergang in der Nähe der Wand der Kaaba ʿUtba ibn Rabiʿa, Schaiba ibn Rabiʿa, Abu Sufyan ibn Harb, an-Nadr ibn al-Harith, Abu al-Bachtari ibn Hischam, al-Aswad ibn al-Muttalib, Umaiya ibn Chalaf, ʿAs ibn Waʾil sowie Nubaia und Munabbih, die Söhne von al-Haddschadsch ibn Schamir, versammelten. Sie sagten zueinander: „Wir sollten Muhammad (s) rufen, mit ihm sprechen und ihm unsere letzte Stellungnahme mitteilen.“ Dem Gesandten (s) wurde seinerseits mitgeteilt, dass die angesehenen Männer seines Volkes zusammengekommen seien, um mit ihm zu sprechen. Da er sehr darauf bedacht war, sie auf den rechten Weg zu führen, erschien er sogleich vor ihnen. Sie sagten: „O Muhammad (s)! Wir haben dich rufen lassen, um in deiner Angelegenheit unsere letzte Stellungnahme abzugeben. Bei Gott, wir wissen von keinem Araber, der in seinem eigenen Volk eine solche Spaltung hervorgerufen hat, wie du sie unter deinem Volk verursacht hast. Du hast unsere Vorväter beschimpft, Fehler in der Religion gesucht, die Menschen für töricht erklärt, gegen die Götter gesprochen, die Gemeinschaft gespalten und nichts Unangenehmes zwischen dir und uns ausgelassen. Wenn du dies alles tust, um Reichtum zu erlangen, dann werden wir Geld für dich sammeln und dir so viel geben, dass du der Reichste unter uns wirst. Wenn du über uns Vorrang haben willst, machen wir dich zu unserem Anführer. Wenn du Herrscher werden willst, machen wir dich zum Herrscher. Und wenn ein Dschinn von dir Besitz ergriffen hat, werden wir aus unserem eigenen Vermögen deine Behandlung bezahlen, damit du von seinem Einfluss befreit wirst. Nachdem wir all dies getan haben, soll wenigstens unsererseits die Entschuldigung vollständig erfüllt sein.“

Als Antwort sagte der Gesandte (s): „Ich leide an keiner der Krankheiten, von denen ihr sprecht. Ich verlange auch keine Bezahlung für das, was ich euch gebracht habe. Ebenso hege ich weder den Wunsch, euch überlegen zu sein, noch euer König zu werden. Vielmehr hat Allah mich als Gesandten zu euch geschickt. Er offenbart mir eine Schrift und hat mir aufgetragen, euch ein Überbringer froher Botschaft zu sein, wenn ihr glaubt, und ein Warner, wenn ihr nicht glaubt. Daher habe ich euch die Botschaft meines Herrn übermittelt und euch ermahnt. Wenn ihr nun das annehmt, was ich gebracht habe, wird es für euch in dieser Welt und im Jenseits ein Grund zum Glück sein. Wenn ihr es jedoch zurückweist, werde ich auf Allahs Befehl geduldig ausharren, bis Allah zwischen mir und euch entscheidet.“ Daraufhin verlangten die Anführer der Ungläubigen von ihm verschiedene Arten von Wundern. [Anmerkung – beispielsweise heißt es im Koran:

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„Wenn Wir dir ein Buch auf Papier herabgesandt hätten und diese Leute es mit ihren eigenen Händen berührt und betrachtet hätten, hätten diejenigen, die nicht glaubten, gesagt: ‚Das ist nichts als offenkundige Zauberei.‘“ (Anʿām 7)

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„Und wenn Wir ihnen ein Tor des Himmels geöffnet hätten und sie darin emporstiegen, hätten sie gesagt: ‚Unsere Augen werden getäuscht; vielmehr sind wir verzaubert worden.‘“ (Ḥidschr 14–15).]

In dem Bericht über dieses Ereignis, den Ibn Hischām von Ibn Isḥāq überliefert, findet sich zusätzlich, dass der Gesandte (s) nach ihrer Forderung nach Wundern sagte: „Ich bin nicht zu euch gekommen, um solche Dinge zu vollbringen. Die Botschaft, mit deren Verkündung Allah mich beauftragt hat, habe ich euch übermittelt.“

Schließlich drohten sie dem Gesandten (s) und sagten: „Bei Allahs Eid! Wegen all dessen, was du tust, werden wir dich keinesfalls gewähren lassen. Entweder werden wir dich beseitigen, oder du wirst uns beseitigen.“ (Ergänzung des Verfassers.)

Weitere Versuche einer Einigung

Darüber hinaus unterbreiteten die Quraisch dem Propheten (s) zu verschiedenen Zeiten unterschiedliche Vorschläge, in der Hoffnung, dass durch die Annahme irgendeines dieser Vorschläge der Konflikt zwischen beiden Seiten beigelegt werden könnte. Hadhrat Abdullah ibn Abbas (r.a.) berichtet, dass die Quraisch zum Propheten (s) sagten: „Wir werden dir so viel Vermögen geben, dass du in Mekka der reichste Mann wirst. Wir werden dich mit dem Mädchen deiner Wahl verheiraten. Wir sind bereit, dir zu folgen. Akzeptiere von uns nur diese eine Bedingung: Unterlasse es, unsere Götter zu beschimpfen. Wenn du diese Bedingung nicht annehmen willst, unterbreiten wir dir noch einen anderen Vorschlag, der sowohl für dich als auch für uns von Vorteil ist.“

Der Prophet (s) fragte: „Was ist das?“

Sie sagten: „Verehre ein Jahr lang unsere Gottheit al-Lāt und al-ʿUzzā, und wir werden ein Jahr lang deine Gottheit verehren.“

Der Prophet (s) sagte: „Gut, wartet ein wenig; ich will sehen, welche Anweisung von meinem Herrn kommt.“ [Dies bedeutet nicht, dass der Gesandte Allahs (s) diesen Vorschlag in irgendeiner Hinsicht für annehmbar oder erwägenswert hielt und den Ungläubigen, Allah bewahre, in der Hoffnung diese Antwort gab, dass vielleicht eine Genehmigung von Allah kommen würde. Vielmehr verhielt es sich tatsächlich so, wie wenn einem untergeordneten Beamten ein unangebrachter Vorschlag unterbreitet wird und er weiß, dass seine Regierung diese Forderung unter keinen Umständen annehmen kann. Statt die Forderung jedoch selbst zurückzuweisen, sagt er denjenigen, die sie vorgebracht haben: „Ich werde euren Antrag an die zuständige Stelle weiterleiten. Sobald eine Anweisung ergeht, werde ich sie euch mitteilen.“ Der Unterschied besteht darin, dass die Leute, wenn ein untergeordneter Beamter die Forderung selbst zurückweist, weiterhin darauf bestehen würden. Wenn er ihnen jedoch sagt, die Antwort der zuständigen Stelle sei gegen ihre Forderung ausgefallen, werden sie die Hoffnung verlieren. – Der Verfasser.] Darauf wurde die Offenbarung herabgesandt:

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„Sag: O ihr Ungläubigen! Ich verehre nicht, was ihr verehrt. Und ihr verehrt nicht den, den ich verehre. Und ich werde nicht verehren, was ihr verehrt habt. Und ihr werdet nicht den verehren, den ich verehre. Euch eure Religion und mir meine Religion.“

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Sag zu ihnen: „O ihr Toren! Fordert ihr mich etwa auf, jemand anderen außer Allah zu verehren?“ (Ibn Dscharir, Ibn Abi Hatim, at-Tabarani).

In einer Überlieferung von Ibn Abbas (ra) heißt es, dass die Quraisch zum Propheten (s) sagten: „O Muhammad (s)! Wenn du unsere Götter küsst, werden wir deinem Gott dienen.“ Daraufhin wurde die Sure al-Kafirun offenbart (Abd ibn Hamid).

Von Sa’id ibn Sina (dem freigelassenen Sklaven von Abu al-Bakhtari) wird überliefert, dass Walid ibn al-Mughira, As ibn Wa’il, Aswad ibn al-Muttalib und Umayya ibn Khalaf den Gesandten Allahs (s) aufsuchten und sagten: „O Muhammad (s)! Komm, wir nehmen dich in all unsere Angelegenheiten auf. Wenn das, was du gebracht hast, besser ist als das, was wir besitzen, werden wir daran Anteil haben und unseren Anteil erhalten. Und wenn das, was wir besitzen, besser ist als das, was du gebracht hast, wirst du dich mit uns daran beteiligen und deinen Anteil davon erhalten.“ Daraufhin wurde eine Offenbarung herabgesandt ************************************************* (Auch Ibn Jarir, Ibn Abi Hatim, Ibn Hischam und al-Baladhuri haben diese Überlieferung angeführt).

Wahb ibn Munabbih berichtet, dass die Quraisch zum Propheten (s) sagten: „Wenn du möchtest, werden wir ein Jahr lang deiner Religion beitreten, und ein Jahr lang wirst du unserer Religion beitreten“ (Abd ibn Hamid, Ibn Abi Hatim).

Aus diesen Überlieferungen geht hervor, dass sie solche Vorschläge nicht ein einziges Mal in derselben Versammlung, sondern zu verschiedenen Zeiten und unter verschiedenen Umständen vor dem Propheten (s) vorbrachten. Es war notwendig, ihnen ein für alle Mal eine endgültige Antwort zu geben und ihre Hoffnung für immer zunichtezumachen, dass der Gesandte (s) in religiösen Angelegenheiten eine Geben-und-Nehmen-Politik (GIVE AND TAKE POLICY) verfolgen und sich in gewissem Maße mit ihnen einigen würde. (Einleitung zur Sure al-Kafirun, Tafhim, Band 6.)

Der Versuch, Druck auf Abu Talib auszuüben

Die zweite Strategie der Quraisch, um die Verkündigung des Gesandten Allahs (s) zu verhindern, bestand darin, Abu Talib wiederholt aufzusuchen, Druck auf ihn auszuüben und zu ihm zu sagen: „Ziehen Sie Ihre Unterstützung für ihn (Muhammad (s)) zurück und üben Sie auch Druck auf ihn aus, damit er von seinem Wirken ablässt.“

Die erste Gesandtschaft

Muhammad ibn Ishaq sagt: Als die Quraisch sahen, dass Abu Talib den Propheten (s) unterstützte und ihn nicht von den Handlungen abhielt, die für sie unerträglich waren, begab sich eine Gesandtschaft angesehener Männer der Quraisch zu ihm. Zu ihnen gehörten Utba ibn Rabi’a und Schaiba ibn Rabi’a aus dem Clan von Abd Schams ibn Abd Manaf; Abu Sufyan aus dem Clan der Umayya; Abu al-Bakhtari, As ibn Hischam und Aswad ibn al-Muttalib aus dem Clan von Asad ibn Abd al-Uzza; Abu Dschahl und Walid ibn al-Mughira aus dem Clan der Machzum; sowie Nubaia und Munabbih, die Söhne von al-Haddschadsch, aus dem Clan von Sahm. Auch As ibn Wa’il gehörte zu ihnen. Sie sagten: „O Abu Talib! Dein Neffe hat unsere Götter beschimpft, unsere Religion verleumdet, unsere Klugheit als Dummheit hingestellt und unsere Vorfahren als irregeleitet bezeichnet. Nun halte ihn davon ab, unsere Gefühle zu verletzen, oder zieh dich aus der Angelegenheit zwischen uns und ihm zurück. Denn auch du bist wie wir ein Gegner der von ihm gebrachten Religion. Danach werden wir mit ihm abrechnen.“

Abu Talib beruhigte sie, indem er in sehr sanftem Ton mit ihnen sprach, woraufhin sie weggingen (Ibn Hischam, at-Tabari, al-Bidaya wa-n-Nihaya).

Die zweite Delegation

Als der Gesandte Allahs danach sein Wirken fortsetzte, riss den Quraisch die Geduld. Da begab sich eine zweite Delegation zu Abu Talib. Sie sagte: „O Abu Talib! Sie sind der älteste und angesehenste Mann unter uns. Wir hatten Sie gebeten, davon abzusehen, ihn zu unterstützen. Doch Sie haben davon nicht abgesehen. Dass unsere Vorväter beschimpft, unser Verstand und unsere Einsicht beleidigt und die Fehler unserer Götter und Göttinnen aufgedeckt werden, werden wir keinesfalls dulden. Halten Sie ihn entweder davon ab, oder es wird zu einem Kampf zwischen uns und Ihnen kommen, bis eine der beiden Seiten vernichtet ist.“ Danach bestehen unterschiedliche Überlieferungen.

In der von Imam al-Buchari in seinem Geschichtswerk und von Hafiz Abu Ya’la in seinem Musnad angeführten Überlieferung von Aqil ibn Abu Talib heißt es: „In ihrer Gegenwart sagte mein Vater (Abu Talib) zu mir: ‚Hol Muhammad (s).‘ Ich suchte ihn trotz der drückenden Hitze und brachte ihn her. Als er gekommen war, sagte Abu Talib zu ihm: ‚Mein Neffe, deine Verwandten beschweren sich über dich und behaupten, dass du sie bei ihren Versammlungen und in der Heiligen Moschee in ihren Gefühlen verletzt. Unterlasse all dies.‘“

Als der Ehrwürdige (s) dies hörte, blickte er zum Himmel und sagte zu den Anführern der Quraisch: „Seht ihr diese Sonne?“ Sie antworteten: „Ja.“ Der Ehrwürdige (s) sagte: „So wie diese Sonne nicht in der Lage ist, die Ausstrahlung ihrer Lichtstrahlen zu unterbinden, bin auch ich nicht in der Lage, dieses Wirken aufzugeben.“ Damit erhob er sich und ging. Darauf sagte Abu Talib: „Mein Neffe hat niemals eine Lüge gesprochen. Ihr könnt also gehen.“ At-Tabarani hat diese Überlieferung in al-Awsat und al-Kabir angeführt, und Abu Ya’la hat sie zusammengefasst erwähnt.

Ibn Hischam, at-Tabari, al-Bayhaqi und al-Baladhuri haben dieses Ereignis folgendermaßen überliefert: Nachdem die Leute gegangen waren, rief Abu Talib den Ehrwürdigen (s) und sagte: „Mein Neffe! Deine Leute sind zu mir gekommen und haben all dies gesagt. Lass sowohl mir als auch dir etwas Raum zum Leben. Bürde mir keine Last auf, die ich nicht tragen kann und die auch du nicht tragen kannst. Höre daher auf, solche Dinge zu sagen, die für sie unerträglich sind.“ Als der Ehrwürdige (s) Abu Talibs Worte hörte, dachte er, dass dieser im Begriff sei, ihn seiner eigenen Verantwortung zu überlassen. Darauf sagte er: „O mein Onkel! Selbst wenn mir die Sonne in meine rechte Hand und der Mond in meine linke Hand gelegt würden, würde ich dieses Wirken dennoch nicht aufgeben. Entweder wird Allah dieses Wirken zum Erfolg führen, oder ich werde zugrunde gehen.“ Danach begann der Ehrwürdige (s) aus Schmerz zu weinen und wollte gehen. Abu Talib erkannte, wie sehr seine Worte den Ehrwürdigen (s) verletzt hatten. Dann rief er ihn zurück und sagte: „Fahre mit deinem Wirken fort und tue, was du tun willst. Bei Allah, ich werde dich unter keinen Umständen den Feinden ausliefern.“

Abu Dschahl beabsichtigt, den Ehrwürdigen (s) zu töten

Muhammad ibn Ishaq berichtet, dass Abu Dschahl zu den Quraisch sagte: „O ihr Quraisch! Ihr habt doch gehört, wie deutlich Muhammad (s) erklärt hat, dass er keinesfalls davon ablassen wird, unsere Religion zu beleidigen, unsere Vorväter als irregeleitet zu bezeichnen und unsere Götter und Göttinnen zu beschimpfen. Nun schwöre ich bei Allah: Morgen werde ich mit einem Stein dasitzen, und wenn er sich im Gebet zur Niederwerfung begibt, werde ich seinen Kopf damit zerschmettern. Danach soll Banu Abd Manaf tun, was es will.“

Am zweiten Tag wartete er mit einem Stein auf den ehrwürdigen Propheten (s). Wie gewöhnlich kam der Prophet (s) und begann, sich dem Gebet zu widmen. Auch die Quraisch versammelten sich, um zu sehen, was geschehen würde. Nachdem der ehrwürdige Prophet (s) sich zur Niederwerfung begeben hatte, trat Abu Dschahl mit dem Stein vor. Doch als er sich ihm näherte, kehrte er plötzlich um. Er war entsetzlich verängstigt. Sein Gesicht war bleich geworden, und der Stein fiel ihm aus der Hand. Die Männer der Quraisch standen auf, gingen zu ihm und sagten: „Abu’l-Hakam! Was ist mit dir geschehen?“ Er sagte: „Ich war vorgetreten, um die Tat auszuführen, von der ich euch erzählt hatte. Doch als ich mich näherte, erschien vor mir ein gewaltiges Kamel. Einen solchen großen Kopf, einen solchen Hals und einen solchen Höcker habe ich noch nie gesehen. Es war im Begriff, mich zu verschlingen.“

Später sagte der ehrwürdige Prophet (s), dass Hadhrat Dschibril (a) in dieser Gestalt erschienen war.

Die dritte Gesandtschaft

Ibn Saʿd berichtet: Die Anführer der Quraisch kamen erneut zu Abu Talib und sagten: „Sie sind der Älteste und das Oberhaupt von uns allen. Wir bitten Sie, gerecht zu sein. Schaffen auch Sie Gerechtigkeit zwischen uns und ihm. Rufen Sie Ihren Neffen und sagen Sie ihm, er solle aufhören, beleidigend über unsere Götter zu sprechen. Auch wir werden ihn und seinen Gott ihrem jeweiligen Zustand überlassen.“ Daraufhin ließ Abu Talib den ehrwürdigen Propheten (s) rufen. Er sagte zu ihm: „Mein Neffe! Sieh, deine Onkel, die angesehenen Anführer deines Volkes, sind gekommen und möchten mit dir eine gerechte Einigung erzielen.“

Der ehrwürdige Prophet (s) sagte: „Sprecht, ich höre zu.“ Sie sagten: „Lass uns und unsere Götter in unserem jeweiligen Zustand und höre auf, sie zu beschimpfen. Wir werden dich und deinen Gott eurem jeweiligen Zustand überlassen.“

Abu Talib sagte: „Sie sprechen doch wahrhaftig gerecht; nimm diese Forderung an.“

Der ehrwürdige Prophet (s) sagte: „Mein lieber Onkel! Soll ich sie nicht zu etwas Besserem als diesem aufrufen?“ Abu Talib sagte: „Was wäre das?“

Der ehrwürdige Prophet (s) sagte: „Dann sagt: ‚La ilaha illallah‘.“

Darauf wurden sie zornig, wandten sich voller Abscheu ab und gingen davon—

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Bleibt standhaft bei der Verehrung eurer Götter. Dieser Satz hat doch eine andere Bedeutung. (Anmerkung des Verfassers.)

Über die Überlieferung dieses Ereignisses besteht Meinungsverschiedenheit. Ibn Saʿd berichtet es in seinem Werk at-Tabaqāt und at-Tabarī in seiner Geschichte, ohne den Zeitpunkt festzulegen. Ibn Isḥāq berichtet es als ein Ereignis nach der Annahme des Islams durch Ḥamza (ra) und ʿUmar (ra). Dieser Auffassung folgten auch die Kommentatoren az-Zamaḫšarī, ar-Rāzī, an-Naisābūrī und andere. In anderen Überlieferungen wird es jedoch als ein Ereignis aus der Zeit dargestellt, als Abū Ṭālib auf dem Sterbebett lag. Das von Imām Aḥmad, an-Nasāʾī, at-Tirmiḏī, al-Baihaqī, Ibn Abī Schaiba und Ibn Dscharīr at-Tabarī in ihren Kommentaren und Geschichtswerken berichtete Ereignis lässt sich kurz wie folgt zusammenfassen:

Als Abū Ṭālib erkrankte und die Anführer der Quraisch erkannten, dass seine letzte Stunde gekommen war, berieten sie sich und beschlossen, nun mit ihm zu sprechen. Wenn er den Streit zwischen uns und seinem Neffen beilegen würde, wäre das gut. Es sollte nicht dazu kommen, dass er starb und wir danach strenge Maßnahmen gegen Muḥammad (s) ergriffen. Und die Araber sollten nicht anfangen, uns vorzuwerfen: Solange der Älteste noch lebte, haben sie ihn geehrt; nun, nach seinem Tod, gehen sie gegen seinen Neffen vor. Alle waren sich darin einig, und etwa fünfundzwanzig Anführer der Quraisch erschienen bei Abū Ṭālib. Zu ihnen gehörten insbesondere Abū Dschahl, Abū Sufyān, Umaiya ibn Chalaf, ʿĀṣ ibn Wāʾil, al-Aswad ibn al-Muṭṭalib, ʿUqba ibn Abī Muʿaiṭ, ʿUtba und Schaiba. Zunächst erhoben sie zahlreiche Anschuldigungen gegen den Propheten (s). Dann sagten sie: Wir sind zu dir gekommen, um dir einen gerechten Vorschlag zu unterbreiten. Dein Neffe soll uns unsere Religion belassen, und auch wir werden ihn seine Religion befolgen lassen. Er mag denjenigen anbeten, den er anbeten will; wir haben nichts dagegen. Aber er soll unsere Götter nicht kritisieren und nicht weiterhin versuchen, uns dazu zu bringen, die Verbindung zu unseren Göttern abzubrechen. Versöhne uns unter dieser Bedingung mit ihm.

Abū Ṭālib ließ den Propheten (s) holen und sagte: Neffe, die Leute deines Volkes sind zu mir gekommen. Sie wünschen, dass du ihnen in einer gerechten Angelegenheit zustimmst, damit der Streit zwischen dir und ihnen beendet wird. Dann teilte er dem Propheten (s) mit, was die Anführer der Quraisch ihm gesagt hatten.

Der Prophet (s) erwiderte: O Onkel! Ich habe ihnen bereits ein solches Wort vorgelegt: Wenn sie es annehmen, werden die Araber ihnen folgen und die Nichtaraber ihnen Tribut zahlen. [Die verschiedenen Überlieferer haben diese Aussage des Propheten (s) mit unterschiedlichen Formulierungen überliefert. Trotz dieser sprachlichen Unterschiede zielten alle auf dasselbe ab. Das heißt, der Prophet (s) sagte zu ihnen: Wenn ich euch ein solches Wort vorlege und ihr es annehmt, werden die Araber und die Nichtaraber euch unterstehen. Sagt also: Ist dies nicht besser als der gerechte Vorschlag, den ihr mir unterbreitet? Liegt euer Heil darin, dieses Wort anzunehmen, oder darin, dass ich euch in dem Zustand belasse, in dem ihr euch befindet, und meinerseits nur Gott anbete?](Aus dem Vorwort zu Sure Ṣād, Tafhīm, Band 4.) Als sie dies hörten, gerieten sie zunächst etwas aus der Fassung. Sie wussten nicht, mit welchen Worten sie ein solch segensreiches Wort zurückweisen sollten. Nachdem sie sich etwas gefasst hatten, sagten sie: Du sprichst von einem einzigen Wort? Wir wären sogar bereit, zehn solcher Worte zu sagen. Aber sag uns, welches Wort ist es?

Der Prophet (s) sagte: „Lā ilāha illā Allāh.“ Darauf sprangen sie alle gemeinsam auf und gingen hinaus, während sie das sagten, was am Anfang der Sure Ṣād erwähnt wird. (Aus dem Vorwort zu Sure Ṣād, Tafhīm, Band 4.)

Die vierte Delegation

Ibn Hischam, Ibn Dscharir at-Tabari, Ibn Saʿd, al-Baladhuri und Ibn Kathir berichten: Als die Quraisch sahen, dass Abu Talib keinesfalls bereit war, den Propheten (s) preiszugeben, und dass er für seinen Neffen sogar bereit war, die Feindschaft seines Volkes und das Risiko einer endgültigen Trennung von ihm auf sich zu nehmen, brachten sie ihm Umarah ibn al-Walid, den Sohn von al-Walid ibn al-Mughira, und sagten: „O Abu Talib, dies ist Umarah ibn al-Walid, ein angesehener und stattlicher junger Mann der Quraisch. Nimm ihn als Sohn an und überlasse uns dafür diesen deinen Neffen. Denn er hat sich gegen die Religion deiner Vorfahren und gegen deine eigene Religion gestellt, Zwietracht in deinem Volk gestiftet und uns alle für töricht erklärt. Wir geben dir einen und nehmen dafür einen anderen, damit wir ihn töten können.“

Abu Talib erwiderte: „Bei Gott! Ihr habt mit mir einen äußerst schlechten Handel ausgehandelt. Ihr gebt mir euren eigenen Sohn, damit ich ihn aufziehe, und verlangt dafür meinen Sohn, um ihn zu töten. Das kann niemals geschehen.“ Mutʿim ibn ʿAdi, ein Nachkomme von Nawfal, dem Bruder Haschims, sagte: „Bei Gott, o Abu Talib, dein Volk hat dir gegenüber gerecht gehandelt und versucht, dich aus der Gefahr zu retten, in der du dich befindest. Doch ich sehe, dass du auf kein einziges ihrer Worte hörst.“

Abu Talib erwiderte: „Bei Gott, sie haben mir gegenüber keineswegs gerecht gehandelt; du aber hast mich im Stich gelassen und dich gegen mich auf ihre Seite gestellt. Nun gut, tu, was du willst.“

Ibn Ishaq berichtet: Darauf kam es nach diesem Wortwechsel beinahe zum Kampf, und sie beschlossen, einander entgegenzutreten.

Abu Talib versammelt die Banu Haschim und die Banu al-Muttalib

Ibn Ishaq berichtet: Danach versammelte Abu Talib die Banu Haschim und die Banu al-Muttalib und ermahnte sie in dieser Angelegenheit, sich alle gemeinsam für die Unterstützung und den Schutz des Gesandten Allahs (s) einzusetzen. Alle stimmten dem zu und waren bereit, Abu Talib zu helfen; nur Lahab war anderer Meinung.

Abu Talibs Drohung gegenüber den Quraisch

Ibn Saʿd berichtet: Als der Heilige Prophet (s) auf das Äußerste bekämpft wurde, die Auswanderung nach Abessinien jedoch noch nicht begonnen hatte, kamen Abu Talib und die übrigen Familienangehörigen eines Tages zum Haus des Propheten (s), fanden ihn aber nicht vor. Abu Talib vermutete, dass der Prophet (s) getötet worden sei. Sofort versammelte er die jungen Männer der Banu Hashim und der Banu al-Muttalib und sagte zu ihnen: „Jeder von euch soll ein Schwert oder eine andere Waffe unter seinem Gewand verbergen und mir folgen. Wenn ich die Heilige Moschee betrete, werdet ihr sehen, dass Ibn al-Hanzaliyya (Abu Jahl) in einer Versammlung der Anführer der Quraisch sitzt. Dann werde ich keinen Einzigen aus dieser Versammlung am Leben lassen. Denn sie haben Muhammad (s) gewiss getötet.“

Mit diesem Vorhaben machte sich Abu Talib auf den Weg und traf unterwegs Zayd ibn Haritha (r.a.). Von ihm erfuhr er, dass der Prophet (s) wohlauf war.

Am nächsten Morgen kam Abu Talib zum Haus des Propheten (s), nahm ihn an der Hand und erschien mit den jungen und alten Männern der Banu Hashim und der Banu al-Muttalib bei der Versammlung der Anführer der Quraisch. Er sagte zu ihnen: „O Leute der Quraisch! Wisst ihr, was ich vorhatte?“ Sie sagten: „Nein, das wissen wir nicht.“ Abu Talib schilderte den gesamten Vorfall und sagte zu den jungen Männern: „Nehmt eure Umhänge ab.“ Nachdem sie ihre Umhänge abgelegt hatten, sahen alle, dass jeder von ihnen eine scharfe Waffe in der Hand hielt. Abu Talib sagte: „Bei Allah! Wenn ihr Muhammad (s) tötet, werde ich keinen Einzigen von euch am Leben lassen. Danach werden wir im Kampf allesamt zugrunde gehen.“

Nach diesem Vorfall wurde den Quraisch klargemacht, dass es keineswegs leicht war, gegen Muhammad (s) vorzugehen. Für Abu Jahl war dieser Vorfall besonders niederschmetternd.

3. Das kindische und niederträchtige Verhalten der Quraisch

Das Verhalten der Quraisch gegenüber dem Propheten (s) war äußerst niederträchtig und kindisch; ihr Ziel war es, ihn zu entmutigen und in Verlegenheit zu bringen.

Der Versuch, Hazrat Zaynab (r.a.) zur Scheidung zu bewegen

Zu ihren Maßnahmen gehörte, dass sie Druck auf den Schwiegersohn des Propheten (s), Abu al-As ibn al-Rabiʿ, ausübten, damit er sich von Hazrat Zaynab (r.a.), der ältesten Tochter des Propheten (s), scheiden ließ – ebenso wie Abu Lahab seine beiden Söhne dazu gezwungen hatte, sich von den Töchtern des Propheten (s), Hazrat Ruqayya (r.a.) und Hazrat Umm Kulthum (r.a.), scheiden zu lassen. Abu al-As gehörte zum Stamm der Banu Abd al-Uzza ibn Abd Shams. Seine Mutter, Hala bint Khuwaylid, war die Schwester von Hazrat Khadija (r.a.). Er war einer der wohlhabenden Männer von Mekka. Hinsichtlich seines Vermögens, seines Handels und seiner Vertrauenswürdigkeit gehörte er in Mekka zu einer kleinen Zahl herausragender Männer. Er heiratete Hazrat Zaynab (r.a.) noch vor der Berufung des Propheten (s) zum Propheten. Hazrat Khadija (r.a.) betrachtete ihn wie ihren eigenen Sohn. Obwohl er nach der Verkündung der Prophetenschaft nicht Muslim wurde und am Schirk festhielt, gab er dem Druck der Quraisch nicht nach und ließ sich auch nicht von Hazrat Zaynab (r.a.) scheiden.Es sei angemerkt, dass Hazrat Zaynab (r.a.) gemeinsam mit ihrer Mutter Muslimin wurde. Da zu jener Zeit jedoch noch keine Vorschrift ergangen war, die eine Ehe zwischen einem Gläubigen und einem Götzendiener verbot, blieb sie mit Abu al-As verheiratet.–Der Verfasser.Al-Baladhuri berichtet in den Ansab al-Ashraf: Die Anführer der Quraisch sagten zu ihm (Abu al-As): „Lass dich von Zaynab scheiden. Danach werden wir dich mit jeder Frau der Quraisch verheiraten, die dir gefällt.“

Er berichtet dies nach der Überlieferung von Muhammad ibn Ishaq, wie at-Tabari und Ibn Hischam sie anführen. Sie fügen außerdem hinzu, dass die Quraischiten zu Utba, dem Sohn Abu Lahabs, gingen und zu ihm sagten: „Scheid dich von Muhammads (S) Tochter. Wir werden dich mit jeder Frau der Quraisch verheiraten, die du dir wünschst.“ Er sagte: „Wenn ihr mir die Tochter von Saʿid ibn al-ʿAs oder die Tochter seines Sohnes Aban verschaffen könnt, werde ich euch gehorchen.“ Nachdem sie ihm das von ihm gewünschte Mädchen beschafft hatten, ließ er sich von der Tochter des Propheten (S) scheiden – noch vor der Hochzeit beziehungsweise bevor die Braut zu ihrem Ehemann gebracht wurde.

Freude über den Tod des Sohnes des Propheten

Noch niederträchtiger war ihr Verhalten: Nachdem der erste Sohn des Propheten (S), Hadhrat Qasim (RA), bereits in seiner Kindheit verstorben war und dann auch sein zweiter Sohn, Hadhrat Abdullah (RA), in seiner Kindheit verstarb, zeigten die Quraischiten angesichts des Kummers und der Trauer des Propheten (S) nicht einmal jenes Mitgefühl, das die geringsten Anforderungen an Anstand und Menschlichkeit geboten hätten. Im Gegenteil, sie jubelten und begannen, ihn als abgeschnitten und wurzellos zu bezeichnen – das heißt, nach ihm werde niemand mehr seinen Namen weiterführen. (Ergänzung.)

Ibn Saʿd und Ibn ʿAsakir berichten unter Berufung auf Hadhrat Abdullah ibn Abbas (RA), dass der älteste Sohn des Propheten (S) Hadhrat Qasim (RA) war. Danach kam seine Tochter Hadhrat Zaynab (RA), und danach sein Sohn Hadhrat Abdullah (RA). Anschließend folgten nacheinander drei Töchter: Umm Kulthum (RA), Fatima (RA) und Ruqayya (RA). Von ihnen verstarb zuerst Hadhrat Qasim (RA), danach auch Hadhrat Abdullah (RA). Daraufhin sagte al-ʿAs ibn Waʾil: „Seine Nachkommenschaft ist ausgelöscht. Er ist nun abgeschnitten und wurzellos; seine Wurzeln sind gekappt.“

In einigen Überlieferungen wird zusätzlich gesagt, dass al-ʿAs erklärte, Muhammad (S) sei abtar (abgeschnitten und wurzellos). Er habe keinen Sohn, der ihm nachfolgen könne. Wenn er sterbe, würdet ihr von ihm erlöst sein. Abd al-Hamid berichtet unter Berufung auf Ibn Abbas (RA), dass auch Abu Jahl nach dem Tod des Sohnes des Propheten (S), Abdullah (RA), eine solche Bemerkung machte.

Ibn Abi Hatim berichtet unter Berufung auf Schamir ibn Atiyya, dass auch Uqba ibn Abi Muʿayt eine derart niederträchtige Gesinnung zeigte, indem er angesichts der Trauer und des Kummers des Propheten (S) Freude und Jubel bekundete. Ata berichtet, dass nach dem Tod des zweiten Sohnes des Propheten (S) dessen eigener Onkel Abu Lahab, dessen Haus an das Haus des Propheten (S) angrenzte, zu den Götzendienern rannte und ihnen diese frohe Botschaft (?) verkündete: Heute Nacht ist Muhammad (S) kinderlos geworden – das heißt, er ist abgeschnitten und wurzellos geworden.

Dies war die zutiefst herzzerreißende Lage, als die Sura al-Kauthar offenbart wurde. Die Quraischiten waren dem Propheten gegenüber deshalb in Wut geraten, weil er ausschließlich Allah diente und ihren Schirk offen zurückwies. Deshalb wurde ihm die Stellung und das Ansehen entzogen, die er vor seiner Berufung zum Propheten im gesamten Volk besessen hatte. Er wurde gleichsam von seiner eigenen Verwandtschaft und seinem Stamm abgeschnitten. Auch seine wenigen Gefährten waren hilflos und ohne Beistand geworden, und sie wurden zudem geschlagen. Darüber hinaus war infolge des Verlusts seiner Söhne einer nach dem anderen ein Berg des Kummers über ihm zusammengebrochen. Unter diesen Umständen bekundeten Freunde, Verwandte, Angehörige, Stammes- und Sippenmitglieder sowie Nachbarn statt ihres Mitgefühls Freude und Jubel. Sie äußerten sogar Bemerkungen, die für einen solchen edlen Mann zutiefst herzzerreißend waren – einen Mann, der nicht nur seinen Angehörigen, sondern auch anderen gegenüber äußerst gütig war.

Als Antwort darauf sagte Allah, der Erhabene, in der Sura al-Kauthar:

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  • Das heißt: Ihr Feinde seid selbst abtar, also wurzellos.

Dies war nicht bloß ein Angriff als Erwiderung, sondern in Wirklichkeit eine der bedeutenden Prophezeiungen des Korans, die sich Buchstabe für Buchstabe erfüllte. Als diese Prophezeiung ausgesprochen wurde, hielten die Menschen den Propheten (s) für abtar (wurzellos), und niemand konnte sich vorstellen, wie diese großen Anführer der Quraisch, die nicht nur in Mekka, sondern im ganzen arabischen Land berühmt und erfolgreich waren, wurzellos werden würden. Sie waren nicht nur mit Reichtum und dem Glück gesegnet, Kinder zu haben, sondern verfügten im ganzen Land an verschiedenen Orten auch über Helfer und Unterstützer. Da sie im Handel das Monopol besaßen und die Organisation der Hadsch innehatten, unterhielten sie enge Beziehungen zu allen arabischen Stämmen. Doch innerhalb weniger Jahre kehrte sich die Lage völlig um.

Als die Quraisch im fünften Jahr der Hidschra während der Schlacht von Ahzab Medina zusammen mit zahlreichen arabischen und jüdischen Stämmen belagerten und der Prophet (s) eingeschlossen war und durch das Ausheben eines Grabens Verteidigungsmaßnahmen treffen musste, war die Lage nur drei Jahre später, als der Prophet (s) im achten Jahr der Hidschra Mekka angriff, völlig anders: Die Quraisch hatten keinen einzigen Unterstützer, und in ihrer hilflosen Lage mussten sie die Waffen niederlegen. Innerhalb eines weiteren Jahres gelangte das gesamte arabische Land in die Hand des Propheten (s). Abordnungen verschiedener Stämme aus unterschiedlichen Gegenden des Landes leisteten dem Propheten den Treueid. Der Feind blieb völlig hilflos und ohne Freunde. Ihre Namen und Spuren wurden so vollständig ausgelöscht, dass heute, selbst wenn irgendwo auf der Welt Nachkommen von ihnen leben sollten, keiner von ihnen weiß, dass er ein Nachkomme solcher Feinde des Islam wie Abu Dschahl, Abu Lahab, As ibn Wa’il oder Uqba ibn Abi Mu’ait ist. Und selbst wenn jemand es weiß, will er nicht zugeben, dass diese Männer seine Vorfahren waren. Im Gegensatz dazu werden heute überall auf der Welt Segensgebete über die Familie und die Angehörigen des Gesandten Allahs (s) gesprochen. Millionen und Abermillionen Muslime sind stolz darauf, mit ihm verbunden zu sein. Hunderttausende betrachten es als eine Ehre, nicht nur von ihm, sondern auch von seinen Familienangehörigen und den Familien seiner Gefährten abzustammen. Der eine ist ein Sayyid, der andere ein Alawi, ein Abbaside, ein Haschimit, ein Siddiqi, ein Faruqi, ein Uthmani, ein Zubairi oder ein Ansari. Doch niemand mit dem Namen Abu Dschahli oder Abu Lahabi ist zu finden. Die Geschichte beweist, dass nicht der Ehrwürdige (s) abtar, also wurzellos, war und ist, sondern vielmehr seine Feinde. (Tafhim, Band 6 – Sure al-Kauthar, Einleitung, Anmerkung 4.)

Sobald sie die Stimme des Korans hörten, veranstalteten sie ein Geschrei

Ein weiteres niederträchtiges und abscheuliches Verhalten, das sie an den Tag legten, bestand darin, dass sie, wenn der Koran rezitiert wurde, ein Geschrei veranstalteten und von allen Seiten davonliefen, damit sie selbst ihn nicht hören und auch andere ihn nicht hören konnten. Im Koran heißt es:

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Diese Leugner der Wahrheit sagen: „Hört diesen Koran niemals an, und wenn er vorgetragen wird, veranstaltet ein Geschrei; vielleicht werdet ihr auf diese Weise siegen.“ (Hā-Mīm as-Sadschda 26)

Dies war einer der Pläne der Ungläubigen von Mekka. Damit wollten sie die Daʿwa und die Verkündigung des Propheten (s) zunichtemachen. Sie wussten sehr wohl, dass der Koran eine gewisse zauberhafte Wirkung besaß und dass derjenige, der ihn vortrug, ein Mann von hohem Rang war. Außerdem war seine Vortragsweise ebenso wie seine Persönlichkeit äußerst eindrucksvoll. Sie glaubten, dass jeder, der aus dem Mund eines solchen hochrangigen Mannes diese unvergleichlichen Worte in einer derart bezaubernden Weise hören würde, in ihren Bann geraten müsse. Deshalb fassten sie den Plan, diese Worte weder selbst anzuhören noch anderen zu erlauben, sie anzuhören. Sobald Muhammad (s) mit ihrem Vortrag begann, würden sie Lärm machen, in die Hände klatschen, schreien, heftig protestieren und ihre Stimmen so laut erheben, dass seine Stimme darin unterginge. Mit dieser Taktik hofften sie, den Gesandten Allahs zu besiegen. (Tafhīm, Band 4 – Hā-Mīm-Sadschda, Anmerkung 30)

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Was ist also mit diesen Leugnern, dass sie von rechts und links in Scharen zu dir herbeieilen?

Hier ist von jenen die Rede, die von allen Seiten herbeieilten, sobald sie die Daʿwa und Verkündigung des Propheten (s) sowie den Vortrag des Korans hörten, um Spott zu treiben und Lärm zu machen. (Tafhīm, Band 6 – al-Maʿāriǧ, Anmerkung 124)

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Verrichte dein Gebet weder laut noch allzu leise, sondern mit einer mittleren Stimme zwischen beidem.

Im Musnad Ahmad findet sich eine Überlieferung von Ḥaḍrat Ibn ʿAbbās, wonach die Ungläubigen in Mekka, wenn der Prophet (s) in seinem Haus oder im Dār al-Arqam während des Gebets den Koran laut rezitierte, Lärm zu machen begannen und ihn zuweilen sogar beschimpften. Daraufhin erging die Anweisung: Rezitiere nicht so laut, dass die Ungläubigen es hören und in Scharen herbeikommen, aber auch nicht so leise, dass deine Gefährten es nicht hören können. (Tafhīm, Band 2 – Banī Isrāʾīl, Anmerkung 24)

Den Koran falsch auslegen und in die Irre führen

Im Koran wird diese Taktik der Ungläubigen von Mekka erwähnt:

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Diejenigen, die unseren Zeichen eine verfälschte Bedeutung geben, sind Uns nicht verborgen. Denkt selbst darüber nach: Wer ist besser – derjenige, der ins Feuer geworfen wird, oder derjenige, der am Tag der Auferstehung in Sicherheit vor Uns erscheint? Tut, was ihr wollt. Allah sieht alles, was ihr tut.

„Ilhad“ bedeutet, vom rechten Weg abzuweichen, sich vom geraden Weg auf einen krummen Weg abzuwenden und eine verdrehte Haltung einzunehmen. In Allahs Zeichen bedeutet „Ilhad“, dass der Mensch versucht, aus einfachen und klaren Worten eine Verdrehung herauszulesen. Er nimmt die richtige und klare Bedeutung des göttlichen Zeichens nicht an, sondern verdreht sie auf verschiedene Weise, wird dadurch selbst irregeleitet und führt auch andere in die Irre. Zu den hinterlistigen Methoden, die die Ungläubigen von Mekka anwandten, um die Botschaft des Korans zu unterbinden, gehörte auch, dass sie die Koranverse anhörten. Danach rissen sie einzelne Verse aus ihrem vorherigen und nachfolgenden Zusammenhang, verdrehten die wörtliche Bedeutung anderer Verse oder gaben einzelnen Wörtern und Sätzen eine falsche Bedeutung. Auf diese Weise erhoben sie allerlei Einwände und verwirrten die Menschen mit den Worten: „Was hat dieser ‚Prophet‘ da eigentlich gesagt?“ (Tafhim, 4. Band – Ha-Mim-Sadschda, Anmerkung.)

Die Muslime in unnötige und sinnlose Streitgespräche zu verwickeln

Das Verhalten der Ungläubigen wird im Koran folgendermaßen erwähnt:

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Diejenigen, die, nachdem sie auf Allahs Einladung geantwortet haben, mit denjenigen, die ihr Folge leisten, über Allahs Religion streiten und sich in Auseinandersetzungen verwickeln, deren Beweisführung gilt bei ihrem Herrn als nichtig.

Dies weist auf den Zustand hin, der sich in Mekka tagtäglich ereignete. Sobald bekannt wurde, dass jemand Muslim geworden war, machten sich alle daran, ihn zu verfolgen. Sein Leben wurde unerträglich gemacht. Weder zu Hause noch in der Nachbarschaft oder unter seinen Verwandten konnte er in Ruhe leben.

Wohin er auch ging, begann eine endlose Debatte; dies geschah mit dem Ziel, ihn irgendwie dazu zu bringen, seine Bindung an die Banu Muhammad (s) aufzugeben und zu jener Dschāhilīya zurückzukehren, aus der er herausgetreten war. (Tafhīm, 4. Band, Sura, Anmerkung 31.)

Die Muslime verspotten und sie herabsetzen

Über diesen Sachverhalt sagt der Koran:

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Die Übeltäter pflegten die Gläubigen zu verspotten und ihnen, wenn sie an ihnen vorbeigingen, durch wiederholtes Zwinkern Zeichen zu geben. Wenn sie dann zu ihren eigenen Leuten zurückkehrten, kehrten sie vor Freude überschwänglich zurück. Wenn sie sie sahen, sagten sie: „Das sind alles vom rechten Weg abgeirrte Menschen.“ Dabei waren sie nicht dazu ausgesandt worden, über sie zu wachen. (Al-Mutaffifīn: 29–33)

Mit Freude überschwänglich zurückzukehren bedeutet: Wenn sie nach Hause zurückkehrten, dachten sie, dass sie heute großen Spaß gehabt hätten. Wir haben diesen oder jenen Muslim ausgiebig verspottet, uns durch lauten Spott vergnügt, und bei den Leuten kam das gut an. (Tafhīm, 4. Band, Sura, Anmerkung 31.)

Al-Balādhurī führt in seinem Ansāb al-Aschrāf einen Bericht von ʿUrwa ibn az-Zubair an und sagt: Wenn die Quraisch den Propheten (s) zusammen mit Männern wie ʿAmmār ibn Yāsir (r.a.), Chabbāb ibn al-Aratt (r.a.), Suhaib ibn Sinān (r.a.), Bilāl ibn Rabāh (r.a.), Abū Fukaiha (r.a.) und ʿĀmir ibn Fuhaira in der Heiligen Moschee sitzen sahen, waren dann etwa all diese Menschen mit Allahs Gunst bedacht?

Unwissende in die Irre führen

In diesem Zusammenhang sagt der Koran:

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Wenn einer von ihnen fragt: „Was hat euer Herr denn herabgesandt?“, sagen sie: „Ach, das sind doch nur alte, abgetragene Geschichten.“ (An-Nahl: 24).

Als sich die Botschaft des Propheten (s) überall verbreitet hatte, wurden die Makkkaner, wohin sie auch kamen, gefragt: „Was lehrt derjenige, der bei euch als Prophet aufgetreten ist? Was für ein Buch ist der Koran? Worum geht es in seinem Inhalt?“ und Ähnliches mehr.

Die Ungläubigen von Mekka beantworteten solche Fragen stets in einer Weise, die im Herzen des Fragenden irgendeinen Zweifel am Propheten (s) und an dem von ihm gebrachten Buch entstehen ließ oder zumindest dafür sorgte, dass in seinem Herzen keine Zuneigung zum Propheten und zu seinem Prophetentum zurückblieb. (Tafhim, Bd. 2, An-Nahl, Anmerkung 22.)

4. Kulturelles Programm

Neben diesen niederträchtigen Machenschaften wandten sie noch eine weitere Taktik an, um die Botschaft des Propheten (s) zu bekämpfen. Man hatte auch daran gedacht, die Menschen mit Geschichten, Gesang, Musik und Vergnügungen zu beschäftigen und sie dadurch in ihrem Denken und ihrer Besinnung zu lähmen, damit sie keinem wichtigen Thema Aufmerksamkeit schenken konnten, das der Koran und Muhammad (s) ihnen vorlegten.

Ibn Hischam berichtet unter Berufung auf die Überlieferung von Muhammad ibn Ishaq, dass Nadr ibn al-Harith ibn Alada aus den Banu Abduddar bei einer Versammlung der Quraisch sagte: „So, wie ihr Muhammad (s) bekämpft, werdet ihr nichts erreichen. Als Muhammad (s) noch jung war, war er unter euch der umgänglichste, wahrhaftigste und vertrauenswürdigste Mensch. Jetzt, da sein Haar ergraut ist, hat er euch etwas gebracht, sodass ihr ihn einen Zauberer, Wahrsager, Dichter und Verrückten nennt. Bei Gott! Er ist kein Zauberer. Wir haben Zauberer gesehen und ihre Beschwörungen erlebt. Bei Gott! Er ist kein Wahrsager. Wir haben die eintönigen, rhythmischen Sprüche der Wahrsager gehört. Auch kennen wir das wirre Gerede, das sie von sich geben. Seine Rede gehört zu keiner dieser Kategorien. Bei Gott! Er ist auch kein Verrückter. Kennen wir etwa nicht den Zustand eines Verrückten und die sinnlosen Worte, die er vor sich hin murmelt? O Anführer der Quraisch! Denkt über einen anderen Weg nach. Die Sache, der ihr euch stellen müsst, ist viel gewichtiger, als dass ihr ihn durch irgendwelche Erfindungen zu besiegen versucht.“

Darauf schlug er vor, Geschichten über Rustam und Isfandiyar aus den nichtarabischen Ländern zu beschaffen und zu verbreiten, damit die Menschen Gefallen daran fänden und sie ihnen erstaunlicher erschienen als der Koran. Diese Tätigkeit wurde dann einige Zeit fortgesetzt, und Nadr selbst erzählte diese Geschichten. (Tafhim, Band 3, al-Anbiya, Anmerkung 7.)

Diese Überlieferung wird im Asbab an-Nuzul unter Berufung auf Wahidi, Kalbi und Muqatil angeführt. Ibn Abbas (r.a.) fügte hinzu, dass Nadr zu diesem Zweck sogar eine singende Sklavin gekauft hatte. Sobald er hörte, dass jemand durch die Worte eines bestimmten Propheten (s) beeinflusst worden war, schickte er ihm eine Sklavin hinterher und sagte zu ihr: „Gib ihm reichlich zu essen, kümmere dich liebevoll um ihn und singe ihm vor, damit er sich, von dir abgelenkt und ganz in dich versunken, von dieser Sache abwendet.“ (Tafhim, Band 4, Luqman, Anmerkung 6.)

5. Die Kampagne der Lügen und ihre Auswirkungen

Neben diesen Maßnahmen begannen die Quraisch mit dem Beginn der öffentlichen Daʿwa des Propheten (s) auch eine Kampagne der Lügenpropaganda, um die Menschen gegen ihn aufzubringen. Da diese Kampagne nicht den geringsten Wahrheitsgehalt besaß, sondern einzig dazu diente, ihn zu verleumden und die Menschen von ihm fernzuhalten, verbreiteten sie alles, was ihnen gerade in den Sinn kam. Einer sagte, er sei ein Dichter, ein anderer, er sei ein Wahrsager, und wieder ein anderer, er sei ein Zauberer. Manche sagten, er sei verzaubert worden, andere nannten ihn einen Verrückten. Kurz gesagt, es gab kein einziges festes Wort, das sie über ihn verbreiteten. Diese Verleumdungen wurden nicht nur in allen Winkeln Mekkas verbreitet; vielmehr erzählte man sie jedem, der aus welchem Grund auch immer – zur Pilgerfahrt, zum Handel oder zu etwas anderem – nach Mekka kam. Damit wollte man verhindern, dass irgendjemand seine (des Propheten) Worte überhaupt zu hören bekam, weil man befürchtete, er könnte davon beeinflusst werden. (Ergänzung.)

Die Beratung der Quraisch während der Hadsch

So vergingen einige Monate, und die Zeit der Hadsch kam. Die Menschen in Mekka gerieten in Sorge bei dem Gedanken, dass zu dieser Zeit Pilgerkarawanen aus ganz Arabien eintreffen würden. Wenn Muhammad (s) zu den Lagerplätzen all dieser Karawanen ginge, dort die Pilger träfe und bei den Versammlungen der Hadsch an verschiedenen Orten aufstünde, um ihnen diese beispiellose und wirkungsvolle Rede, die dem Koran gleichkam, vorzutragen, dann würde seine Daʿwa jeden Winkel Arabiens erreichen. Und wer weiß, wie viele dadurch beeinflusst werden würden. Ibn Ishaq, Hakim und Baihaqi überliefern dieses Ereignis mit einer ausgezeichneten Überlieferungskette:

Zu diesem Zweck hielten die Anführer der Quraisch eine Versammlung ab und beschlossen, unmittelbar nach der Ankunft der Pilger unter ihnen eine Kampagne gegen den Gesandten (s) zu beginnen. Nachdem alle dem zugestimmt hatten, sagte Walid ibn al-Mughira zu den Versammelten: „Wenn ihr den Menschen unterschiedliche Dinge über Muhammad (s) erzählt, wird unser Ansehen und unsere Glaubwürdigkeit Schaden nehmen. Legt daher eine einzige Aussage fest, auf die wir uns alle einigen und die wir gemeinsam verbreiten können.“

Einige sagten: „Wir werden Muhammad (s) einen Wahrsager nennen.“ Walid sagte: „Nein, bei Gott, er ist kein Wahrsager. Wir haben Wahrsager gesehen. Die Art, wie er vor sich hin murmelt und seine Sätze aneinanderreiht, hat nicht die geringste Ähnlichkeit mit dem Koran.“ Einige sagten: „Nennt ihn einen Verrückten.“ Walid sagte: „Er ist auch kein Verrückter. Wir haben schließlich auch Verrückte gesehen. Jeder weiß, wie er wie ein Betrunkener redet und sich widersinnig gebärdet. Wer wird glauben, dass die Worte, die Muhammad (s) vorträgt, die Prahlerei eines Verrückten sind oder dass ein Mensch im Zustand des Wahnsinns solche Worte spricht?“ Die Leute sagten: „Gut, dann werden wir ihn einen Dichter nennen.“ Walid sagte: „Er ist auch kein Dichter. Wir kennen alle Arten der Dichtung. Diese Rede weist in keiner Hinsicht Ähnlichkeit mit dichterischer Gestaltung auf.“ Die Leute sagten: „Dann soll er ein Zauberer genannt werden.“ Walid sagte: „Auch ein Zauberer ist er nicht. Wir kennen die Zauberer. Auch die Methoden, die sie für ihre Zauberei anwenden, sind uns bekannt. Auch dies trifft auf Muhammad (s) nicht zu. Was immer ihr unter diesen Bezeichnungen sagt, die Menschen werden es als ungerechte Anschuldigung betrachten. Bei Gott! In dieser Rede liegt große Süße. Ihre Wurzel reicht tief, und ihre Äste tragen reiche Frucht.“

Ibn Dscharir berichtet in seinem Tafsir unter Berufung auf Ikrima ergänzend, dass Abu Dschahl daraufhin Walid unter Druck setzte und sagte: „Dein Volk wird mit dir nicht zufrieden sein, solange du nichts über Muhammad gesagt hast.“ Walid sagte: „Gut, lasst mich nachdenken.“ Nach reiflicher Überlegung sagte er: „Das Mindeste, was man sagen kann, ist Folgendes: Sagt den Arabern, dieser Mann sei ein Zauberer. Er trägt eine Rede vor, die einen Menschen von seinem Vater, seinem Bruder, seiner Frau, seinen Kindern und seiner ganzen Familie trennt.“ Alle stimmten dieser Aussage Walids zu. Danach verteilte sich gemäß einem Plan während der Hadsch eine Delegation der Quraisch unter den Pilgern. Sie begannen, die Ankommenden zu warnen: „Hier ist ein Mann aufgetreten, der ein großer Zauberer ist. Seine Zauberei stiftet Spaltung in den Familien. Hütet euch vor ihm.“ (Tafhim, Band 6 – Einleitung zur Sure al-Muddaththir.)

Eine Betrachtung dieses Ereignisses im Koran

Das Vorgehen von Walid ibn al-Mughira wird in den Versen 11–25 der Sure al-Muddaththir betrachtet: „Lass Mich mit dem, den Ich allein erschaffen habe. Das heißt: Ich selbst werde mit ihm abrechnen; du brauchst dir um ihn keine Sorgen zu machen. Ich habe ihn allein und ohne Begleitung erschaffen. Das heißt: Er brachte nichts mit auf diese Welt. Ich gab ihm reichlichen Besitz und zahlreiche Söhne, die bei ihm anwesend sein sollten. Das heißt: Ich gab ihm zehn oder zwölf junge Söhne, die allesamt angesehen waren. Sie saßen mit ihm in seinen Versammlungen – zu ihnen gehörten auch fähige Söhne wie Chalid ibn al-Walid (ra). Ich ebnete ihm den Weg zu Führung und Herrschaft. Trotzdem begehrte er, dass Ich ihm noch mehr gebe. Keineswegs! Ich werde ihn eine steile Anhöhe hinaufsteigen lassen. Er dachte nach und versuchte, einige Worte zu ersinnen. Gottes Fluch über ihn – wie hat er doch zu ersinnen versucht, was er sagte! Ja, Gottes Fluch über ihn – wie hat er doch zu ersinnen versucht, was er sagte! Dann blickte er zu den Leuten, zog die Stirn in Falten, verzog das Gesicht, wandte sich ab und verfiel dem Hochmut. Schließlich sagte er: ‚Das ist nichts als der Koran, eine Zauberei, die von früher überliefert ist. Das sind nur von einem Menschen verfasste Worte.‘“

Aus dem oben geschilderten Ereignis wird deutlich, dass Walids Herz davon überzeugt war, dass der Koran das Wort Allahs ist. Danach wird in diesen Versen dargestellt, wie er, um seine Führung, seine Autorität und sein Ansehen in seinem Volk zu bewahren, mit seinem Gewissen rang und nach dem langen inneren Konflikt schließlich eine Aussage gegen den Koran ersann. (Tafhim, Band 6 – Tafsir der Sure al-Muddaththir.)

Eine dauerhafte und umfassende Verbreitung von Lügen

Diese Kampagne der Lügen wurde nicht nur während der Hadsch betrieben. Vielmehr wurde sie alle zwölf Monate des Jahres und an jedem einzelnen Tag und in jeder einzelnen Nacht fortgesetzt. Auch die Bevölkerung von Mekka wurde ständig gegen den Propheten (s) aufgebracht. Außenstehende wurden eindringlich gewarnt, vorsichtig zu sein und sich dem Propheten nicht zu nähern. Auf den arabischen Jahrmärkten, etwa in Ukaz, Madschanna und Dhul-Madschaz, verteilten sich die Vertreter der Quraisch und richteten allerlei Hetze gegen den Propheten (s) an sie. Besonders jedes Jahr zur Zeit der Hadsch gingen ihre Vertreter von Lager zu Lager der Pilger und verbreiteten alles Mögliche gegen den Propheten (s), damit die Menschen davon abgehalten würden, seine Worte zu hören, und ihn für eine Gefahr für sich selbst hielten.

Die Verbreitung des Islam außerhalb Mekkas

Die Quraisch glaubten, auf diese Weise den Propheten Muhammad (s) und den Koran aufhalten zu können. In Wirklichkeit sorgten sie dadurch selbst dafür, dass sein Name in alle Winkel Arabiens gelangte. Was die Muslime durch jahrelange Bemühungen an Verbreitung seines Namens und seiner Daʿwa nicht erreicht hatten, wurde durch diesen Feldzug der Quraisch in kurzer Zeit erreicht. Obwohl die einfachen Leute dadurch eine schlechte Meinung bekamen, kam vielen unwillkürlich die Frage in den Sinn: Man sollte doch wissen, was für ein Mensch derjenige ist, gegen den dieser Sturm entfesselt wurde. Manche begannen auch zu denken: Wenn man uns eine solche Angst vor ihm macht, dann sollte man doch wenigstens hören, was er zu sagen hat. So wurde auch in den anderen Gegenden außerhalb Mekkas der Weg für die Verbreitung des Islam geöffnet.

Tufail ibn Amr ad-Dausis nimmt den Islam an

Er war ein angesehener Anführer des Stammes Daus. Ibn Ishaq und Ibn Saʿd haben den Bericht über seine Annahme des Islam ausführlich nach seiner eigenen Schilderung überliefert. Der Dausi sagte: „Ich war ein Dichter aus dem Stamm Daus. Wegen einer Angelegenheit war ich nach Mekka gegangen. Kaum war ich dort angekommen, umringten mich einige Quraisch und redeten mir gegen den Propheten (s) derart zu, dass mir die Ohren klingelten. Dadurch empfand ich große Abneigung gegen ihn. Ich beschloss, mich von ihm fernzuhalten. Am nächsten Tag ging ich zum Haram und sah ihn beten. Als einige der von ihm rezitierten Worte an mein Ohr drangen, spürte ich: Das sind wahrhaftig sehr schöne Worte. Ich dachte bei mir: Ich bin ein Dichter, ein junger Mann, der Verstand und Vernunft besitzt; ich bin kein kleines Kind, das nicht zwischen Gut und Böse unterscheiden könnte. Ich sollte diesen Mann treffen und herausfinden, was er eigentlich sagt. Als der Prophet (s) sein Gebet beendet hatte und nach Hause ging, folgte ich ihm. Als er sein Haus erreicht hatte, sagte ich zu ihm: ‚Dein Volk hat mir solche Dinge über dich erzählt, dass ich eine derart schlechte Meinung von dir bekam, dass ich mir Baumwolle in die Ohren gesteckt hatte, damit ich nichts von deinen Worten hörte. Doch die wenigen Worte, die ich gerade aus deinem Mund gehört habe, erschienen mir sehr gut. Erkläre mir bitte ausführlicher, was du sagen willst.‘ Daraufhin rezitierte mir der Prophet (s) einen Teil des Korans. Ich war davon so tief beeindruckt, dass ich augenblicklich den Iman annahm. Als ich anschließend nach Hause zurückkehrte, kam mir mein alter Vater entgegen. Ich sagte: ‚Vater, halte dich von mir fern. Ich bin nicht mehr dein Angehöriger, und du bist nicht mehr mein Angehöriger.‘ Er fragte: ‚Warum?‘ Ich sagte: ‚Ich bin Muslim geworden und habe mich der Religion Muhammads angeschlossen.‘ Er sagte: ‚Mein Sohn, deine Religion ist auch meine Religion.‘ Ich sagte: ‚Dann wasche dich, zieh reine Kleidung an und komm zurück. Danach werde ich dich in jener Religion unterweisen, die ich kennengelernt habe.‘ Er tat dies und wurde Muslim. Danach kam meine Frau. Ich sagte auch zu ihr dasselbe, was ich meinem Vater gesagt hatte. Sie sagte: ‚Mögen meine Eltern für dich geopfert werden! Was sagst du da?‘ Ich sagte: ‚Der Islam hat zwischen mir und dir eine Trennung bewirkt. Ich bin der Religion Muhammads gefolgt.‘ Sie sagte: ‚Erkläre mir deine Religion.‘ Ich sagte: ‚Geh in das Hima von Dhu al-Schara (dem Götzen des Stammes Daus) [Hima bezeichnet einen Platz oder Bezirk, der für einen Häuptling, Anführer oder eine Gottheit bestimmt ist. Ihn zu betreten bedeutet, deren Missfallen auf sich zu ziehen – der Verfasser.] und bade in der Quelle, die vom Berg herabfließt.‘ Sie sagte: ‚Besteht für meine Kinder keine Gefahr seitens Dhu al-Schara?‘ Ich sagte: ‚Nein, dafür übernehme ich die Verantwortung.‘ Sie ging, badete und kam zurück. Ich trug ihr den Islam vor, und sie wurde Muslimin. Danach begann ich, den Islam unter dem Stamm Daus zu verkünden. Sie zögerten jedoch, den Islam anzunehmen. Ich kehrte nach Mekka zum Gesandten (s) zurück und sagte: ‚Daus ist der Unachtsamkeit verfallen und stellt sich mir in den Weg.‘ Er betete für sie. Er sagte: ‚O Allah, führe Daus recht!‘ Dann ermahnte er mich: ‚Geh zurück, verkünde ihnen erneut die Botschaft und behandle sie freundlich.‘ Daraufhin setzte ich meine Arbeit der Daʿwa unter Daus fort, bis ich schließlich zur Zeit des Feldzugs von Chaibar mit siebzig bis achtzig Familien von dort eintraf.“

Hazrat Abu Dharr al-Ghifari (r) nimmt den Islam an

Er gehörte zum Stamm Banu Ghifar. Dieser war für Straßenraub berüchtigt. Einst war auch Abu Dharr selbst ein derart wilder Räuber, dass er allein eine Karawane so angriff, als wäre sie von einem Raubtier überfallen worden. Doch drei Jahre vor seiner Annahme des Islam hatte sich sein Inneres verändert, und er begann, auf irgendeine Weise das Gebet zu verrichten. In den Überlieferungen von Musnad Ahmad und Ibn Saʿd heißt es, dass er sagte: ‚Schon seit drei Jahren verrichte ich das Gebet für Allah, wohin immer ich mein Gesicht wende.‘

Sein eigentlicher Name war Jundub ibn Junada. In al-Buchari wird überliefert, dass er, als ihn die Nachricht vom Erscheinen des Gesandten (s) erreichte, seinen Bruder Unais (nach der Überlieferung in Musnad Ahmad) nach Mekka schickte, um Erkundigungen über den Mann einzuholen, der sagte: ‚Ich bin ein Prophet.‘ Dieser ging hin und kehrte zurück mit den Worten: ‚Er lehrt vorzügliche Charaktereigenschaften und bringt Worte vor, die keine Dichtung sind.‘ Hazrat Abu Dharr (r) sagte: ‚Du hast nicht das herausgefunden, was ich wissen wollte.‘ Daraufhin ging er selbst nach Mekka und begann, im Masjid al-Haram nach dem Gesandten (s) zu suchen. Da er den Propheten jedoch nicht kannte und auch niemanden fragen wollte, konnte er ihn nicht finden. Hazrat Ali (r) sah ihn und hielt ihn für einen fremden Reisenden. Sie wechselten kein Wort miteinander. Am dritten Tag sagte Hazrat Ali (r) zu ihm: ‚Warum bist du gekommen?‘ Er antwortete: ‚Wenn du mir versprichst, mich zu dem zu führen, den ich suche, werde ich dir sagen, weshalb ich gekommen bin.‘ Hazrat Ali (r) gab ihm dieses Versprechen. Daraufhin erklärte er ihm sein Anliegen. Ali (r) sagte: ‚Er steht gewiss auf der Wahrheit und ist der Gesandte Allahs. Morgen früh wirst du hinter mir hergehen. Wenn ich weitergehe, gehst du ebenfalls weiter. Wo ich eintrete, trittst du auch ein. Wenn ich etwas sehe, das mir für dich gefährlich erscheint, werde ich so stehen bleiben, als würde ich Wasser ausgießen. Wenn du das siehst, bleibst du ebenfalls stehen.‘ Auf diese Weise gelangte Abu Dharr (r) zum Gesandten (s). Sobald er seine Worte hörte, wurde er Muslim. Der Gesandte (s) sagte: ‚Kehre zu deinem Volk zurück und informiere die Menschen weiterhin über die Religion, bis du schließlich von meiner Lage erfährst.‘ Hazrat Abu Dharr (r) sagte: ‚Bei dem Gott, der dich gesandt hat! Ich werde den Mekkanern unbedingt die Wahrheit verkünden.‘ Danach erreichte er den Masjid al-Haram und rief mit lauter Stimme: „Ich bezeuge, dass es keinen Gott außer Allah gibt, und ich bezeuge, dass Muhammad der Gesandte Allahs ist.“ Kaum hatten die Leute dies gehört, stürzten sie sich auf ihn und schlugen ihn so heftig, dass er zu Boden fiel. Als Hazrat Abbas (r) dies sah, stellte er sich zwischen ihn und die Leute und sagte: ‚Ihr elenden Narren, wisst ihr denn nicht, dass er zum Stamm Banu Ghifar gehört? Diese Leute lagern auf eurem Weg nach Scham, wenn ihr zum Handel dorthin reist.‘ Auf diese Weise rettete Hazrat Abbas (r) ihn. Auch am zweiten Tag behandelten sie ihn ebenso, und Hazrat Abbas (r) befreite ihn erneut.

Imam Ahmad hat in seinem Musnad diesen Bericht von Abu Dharr (r) selbst überliefert. Er (Abu Dharr) sagte: ‚Ich, mein Bruder Unais und meine Mutter hielten uns außerhalb der Stadt auf. Unais sagte: „Ich gehe ein wenig in die Stadt Mekka und komme zurück. Wartet auf mich.“‘ Danach kehrte er erst nach langer Zeit zurück. Ich fragte: ‚Wo warst du so lange?‘ Er sagte: ‚Ich traf einen Mann, der behauptet, er sei der Gesandte Allahs, und Allah habe ihn mit genau der Religion gesandt, die auch deine Religion ist – nämlich mit der Zurückweisung des Schirk und dem Bekenntnis des Tauhid.‘

„Ich fragte: Was sagen die Leute über ihn? Er antwortete: Sie sagen, er sei ein Dichter, ein Wahrsager und ein Zauberer. Unais selbst war Dichter. Er sagte: Ich habe auch die Worte der Wahrsager gehört und verstehe es, Gedichte zu verfassen. Doch seine Worte haben mit all dem überhaupt nichts zu tun. Bei Gott, er ist wahrhaftig, und jene Leute sind die Lügner.“

Ich sagte: Könntest du an meiner Stelle ein wenig nach dem Rechten sehen, damit ich selbst dorthin gehen kann? Er sagte: Gut, aber hüte dich vor den Bewohnern Mekkas, denn sie setzen alles daran, sich ihm zu widersetzen. Ich gelangte nach Mekka. Dann fragte ich einen Mann, den ich für etwas schwach hielt: Wo ist der Mann, den die Leute „Sābi“ (einen, der die Religion verlassen hat) nennen? Kaum zeigte dieser Mann auf mich, stürzten sich die Leute auf mich. Sie warfen alles, was sie in den Händen hatten, nach mir. Danach verlor ich das Bewusstsein. Als ich wieder zu mir kam, ging ich zum Heiligtum, trank Zamzam-Wasser und wusch meine Wunden. Dreißig Tage lang hielt ich mich hinter dem Vorhang in der Kaaba verborgen. Während dieser Zeit hatte ich außer Zamzam-Wasser keinerlei Nahrung. Trotzdem nahm ich an Gewicht zu und wurde kräftig.

Dann berichtet Hadhrat Abū Dharr (ra): Eines Tages kamen der Gesandte Allahs (s) und Hadhrat Abū Bakr (ra) zum Heiligtum, küssten den Schwarzen Stein, vollzogen den Tawāf und verrichteten das Gebet.

Ich kam heraus und grüßte ihn zum ersten Mal auf islamische Weise. Er sagte: „Wa alaika s-salām.“ Er fragte: Wer bist du? Ich sagte: Einer aus den Banū Ghifār. Er fragte: Seit wann bist du hier? Ich sagte: Seit dreißig Tagen und Nächten. Er fragte: Wer hat dich ernährt? Ich sagte: Außer Zamzam hatte ich nichts zu essen. Dadurch wurde nicht nur mein Hunger gestillt, sondern ich nahm auch etwas an Gewicht zu und wurde kräftiger. Er sagte: Es ist ein gesegnetes Wasser; es dient nicht nur als Getränk, sondern auch als Nahrung.

Hadhrat Abū Bakr (ra) sagte: Wenn es erlaubt ist, wird dieser Mann heute Nacht in meinem Haus essen. Der Hochgeehrte (s) gab seine Erlaubnis. Danach ging er fort, und ich ging zu Abū Bakr (ra). Er gab mir Rosinen aus Tā’if zu essen. Ich blieb einige Zeit bei ihm. Dann sagte der Hochgeehrte (s): Mir wurde auf ein Land hingewiesen, in dem es Dattelgärten gibt, und ich glaube, dass dieser Ort kein anderer als Yathrib ist. Willst du meine Botschaft deinem Volk überbringen? Vielleicht wird dies ihnen zum Nutzen gereichen und dir ebenfalls Lohn einbringen.

Hadhrat Abū Dharr (ra) berichtet: Danach kehrte ich zu meiner Mutter und meinem Bruder zurück. Sie fragten: Wie bist du gekommen? Ich sagte: Ich bin mit dem Islam gekommen und habe auch seine Wahrheit bezeugt. Unais sagte: Auch ich will mich nicht von deiner Religion fernhalten. Ich nahm den Islam an und bezeugte seine Wahrheit. Unsere Mutter sagte: Auch ich will mich nicht von eurer beider Religion trennen. Auch ich nehme den Islam an und bezeuge seine Wahrheit. Danach kehrten wir zu unserem Volk, den Ghifār, zurück. Einige von ihnen nahmen bereits vor der Auswanderung des Hochgeehrten (s) nach Medina den Islam an. Khufāf ibn Aymā ibn Rahādat al-Ghifārī leitete sie im Gebet, denn er war das Oberhaupt des Volkes. Nach der Auswanderung nahmen auch die übrigen Ghifārī den Islam an. (Auch Imām Muslim überliefert diese Geschichte auf diese Weise. At-Tabarānī hat in seinem al-Awsat eine ausführliche Darstellung dieser Geschichte gegeben.)

In Ibn Saʿds Überlieferung ist diese Geschichte zwar ebenso wie oben aufgezeichnet, doch wurde darin zusätzlich die folgende Aussage von Abū Dharr al-Ghifārī (ra) aufgenommen. Er sagte:

„Als ich mich hinter dem Vorhang in der Kaaba verborgen hielt, befanden sich am Tawāf-Ort außer zwei Frauen niemand. Ich hörte, wie sie Asāf und Nā’ila erwähnten. Das konnte ich nicht ertragen, daher sagte ich: Verheiratet diese beiden miteinander. Darüber gerieten sie außer sich vor Zorn und begannen zu sagen: Ach, wenn doch einer unserer Männer hier wäre! Währenddessen kamen der Gesandte Allahs (s) und Hadhrat Abū Bakr (ra) vom Berg herab auf diesen Ort zu. Diese beiden Frauen kannten sie vermutlich nicht. Sie fragten: Warum seid ihr so zornig? Sie sagten: Ein Gefährte verbirgt sich hinter einem Vorhang in der Kaaba. Der Hochgeehrte (s) fragte: Was hat er zu euch gesagt? Sie antworteten: Er hat etwas gesagt, das sich nicht in Worte fassen lässt.“

Die Annahme des Islams durch ʿAmr ibn ʿAbasa as-Sulamī

Er gehörte zu den Banū Sulaym. Er war der Ansicht, der vierte Muslim gewesen zu sein. Aus dem Bericht über seinen Übertritt zum Islam, den er selbst überliefert hat, geht jedoch hervor, dass auch er durch die Einladung des Propheten (s) zum Islam kam, nachdem die öffentliche Verkündigung begonnen hatte. In einer Überlieferung von Ibn Saʿd heißt es, dass er den Propheten (s) auf dem Markt von ʿUkāẓ traf. Dort nahm er den Islam an. Das bedeutet, dass der Ehrwürdige (s) zu jener Zeit begonnen hatte, zur Verkündigung hinauszugehen. In der zweiten Überlieferung, die Ibn Saʿd unter Berufung auf Muslim und Abū Umāma al-Bāhilī anführt, sagt ʿAmr ibn ʿAbasa selbst: „In der Zeit der Unwissenheit hielt ich die Menschen für irregeleitet und die Götzen für bedeutungslos. Dann hörte ich, dass es in Mekka einen Mann gab, der einige Nachrichten verkündete und einige Worte sprach. Daher ging ich nach Mekka und sah, dass der Ehrwürdige (s) sich verborgen hielt und dass sein Volk seinetwegen in zwei Gruppen gespalten war. Vorsichtig trat ich mit ihm in Kontakt und fragte: ‚Wer bist du?‘ Er sagte: ‚Ein Prophet.‘ Ich fragte: ‚Was ist ein Prophet?‘ Er sagte: ‚Der Gesandte Allahs.‘ Ich fragte: ‚Hat Allah dich gesandt?‘ Er sagte: ‚Ja.‘ Ich fragte: ‚Mit welcher Lehre hat Er dich gesandt?‘ Er sagte: ‚Man muss allein Allah als Gott anerkennen und Ihm niemanden beigesellen. Man muss zu seinen Verwandten gütig sein.‘ Ich fragte: ‚Wer steht dir bei?‘ Er sagte: ‚Freie und Sklaven gleichermaßen.‘ Damals waren der ehrwürdige Abū Bakr (r.a.) und der ehrwürdige Bilāl (r.a.) anwesend.“ (Daraus entstand seine irrige Annahme, er sei der vierte gewesen.)

Ich sagte: „Ich werde bei dir bleiben.“ Er sagte: „Das kannst du zu dieser Zeit nicht tun. Wenn du hörst, dass ich öffentlich zu wirken begonnen habe, dann komm und schließe dich mir an.“

„Darauf kehrte ich zu meinem Volk zurück.“

Die Annahme des Islams durch Ḍimād al-Azdī (r.a.)

Er gehörte zum Stamm der Azd Schanūʾa. Ihr Beruf bestand darin, Heilbeschwörungen zu sprechen. Die Hafizen Ibn ʿAbd al-Barr, Ibn Ḥadschar und Ibn Ḥibbān sagen, dass er bereits in der Zeit der Unwissenheit mit dem Ehrwürdigen (s) befreundet war. Muslim, an-Nasāʾī, al-Bayhaqī und Ibn Saʿd berichten, dass die Mekkaner bei seiner Ankunft in Mekka sagten, er sei verrückt geworden. Der Azdī sagte: „Sagt mir, wo er ist. Vielleicht wird Allah ihn durch mich heilen.“

Darauf kam er zum Ehrwürdigen (s) und sagte: „Ich spreche Heilbeschwörungen. Durch meine Hand heilt Allah, wen Er will. Komm, lass mich dich behandeln.“

Der Ehrwürdige (s) sprach zunächst das Glaubensbekenntnis. Danach pries er Allah und sprach einige Worte. Diese Worte gefielen Ḍimād al-Azdī sehr. Er sagte: „Sprich sie noch einmal.“ Der Ehrwürdige (s) wiederholte sie dreimal. Ḍimād sagte: „Solche Worte habe ich noch nie gehört. Ich habe die Worte der Wahrsager gehört, die Worte der Dichter und die Worte der Zauberer. Doch solche Worte habe ich niemals gehört. Sie reichen bis in die Tiefen des Meeres.“ Darauf nahm er den Islam an und leistete im Namen seiner selbst und seines Volkes dem Propheten den Treueid.

Die Annahme des Islams durch Hazrat Abu Musa al-Aschʿari (r.a.)

Er kam aus dem Jemen nach Mekka und nahm dort den Islam an. Danach kehrte er in seine Heimat zurück und führte seinen Bruder Abu Burda, Abu Rahm sowie etwa fünfzig weitere Menschen zum Islam. Anschließend bestiegen diese Muslime ein Schiff und brachen auf; der Wind trieb sie an die Küste Abessiniens, wo sie Hazrat Jaʿfar ibn Abi Talib und andere Auswanderer trafen. Dies ist die Überlieferung von Ibn Saʿd und Ibn Abd al-Barr. Ibn Hajar sagt, dass sie nicht nach Abessinien gingen, sondern dass ihr Schiff, als sie von Mekka nach Medina aufbrachen, auf das Schiff dieser Auswanderer traf, das nach Medina unterwegs war. Danach erreichten sie gemeinsam Khaybar und gelangten zum Gesandten (s.a.w.s.).

Die Annahme des Islams durch Muʿayqib ibn Abi Fatima ad-Dausi

Ibn Saʿd sagt, dass auch er dem Stamm der Daus angehörte und in Mekka Muslim wurde. Einer Überlieferung zufolge kehrte er nach seiner Annahme des Islams in seine Heimat zurück. Einer anderen Überlieferung zufolge nahm er an der zweiten Auswanderung nach Abessinien teil. Ibn Hajar und Ibn Abd al-Barr sagen, dass er zu jenen gehörte, die in Mekka den Islam annahmen und an der zweiten Auswanderung nach Abessinien teilnahmen.

Juʿal ibn Suraqa (r.a.)

Er gehörte zu den Leuten der Banu Damra. Ibn Saʿd und Ibn Abd al-Barr sagen, dass auch er in Mekka den Islam annahm.

Abdullah (r.a.) und Abd ar-Rahman al-Kinani (r.a.)

Nach der Überlieferung von Ibn Saʿd waren diese beiden Brüder die Söhne von Luhaib, einem Angehörigen der Banu Misana. Auch sie nahmen in Mekka den Islam an.

Die Annahme des Islam durch Buraida ibn al-Musayyib

Nach Ibn Saʿd und Ibn Abd al-Barr stammte er aus einem Zweig der Banū Chuzāʿa, der sich von den Familienverbänden der Chuzāʿa abgespalten hatte. Während der Hidschra, als der Prophet (s) von Mekka nach Medina unterwegs war, traf dieser Mann an einem Ort namens Ghamīm mit dem Gesandten (s) zusammen, und zusammen mit ihm nahmen achtzig Familien den Islam an. Genau dies schrieb Ibn Hadschar in al-Isāba. Das bedeutet, dass diese Menschen bereits zuvor zum Islam hingezogen worden waren. Andernfalls hätten so viele Menschen nicht infolge einer zufälligen Begegnung unterwegs den Islam annehmen können.

Dies sind einige Beispiele, aus denen sich erkennen lässt, dass die Quraisch zwar keine Mühe scheuten, durch eine Verleumdungskampagne gegen den Propheten (s) die Menschen Arabiens gegen ihn aufzubringen, dass sie durch dieses Vorgehen den Propheten unter den Arabern jedoch nicht nur weithin bekannt machten, sondern auch die Aufmerksamkeit vieler reiner Seelen auf ihn lenkten. Menschen aus verschiedenen Gegenden und Stämmen fühlten sich infolge dieser Kampagne zur Wahrheitsforschung zum Propheten hingezogen, und so gelangte der Islam zu anderen Stämmen außerhalb Mekkas. Deshalb heißt es in der Sure Alam Naschrah: Das heißt: Warum bist du wegen dieser Verleumdungskampagne niedergeschlagen? Wir haben deinen Feinden selbst dazu dienen lassen, deinen Ruhm zu verbreiten.

6. Misshandlung und Verfolgung der Muslime

Neben den übrigen Methoden des Widerstands und der Behinderung gingen die ungläubigen Quraisch mit äußerster Grausamkeit vor: Sobald sie von jemandem erfuhren, dass er Muslim geworden war, oder sobald jemand auf irgendeine Weise seinen Übertritt zum Islam bekanntgab, begannen sie, ihn aufs Äußerste zu quälen und zu unterdrücken. Sie ließen keinen Versuch unternommen, Druck auf ihn auszuüben, damit er vom Islam abfiel. Zunächst gingen sie so vor, dass sie diejenigen unter den Islamannahme, die über ein gewisses Ansehen, familiäre Würde und Unterstützung verfügten, mit folgenden Worten tadelten: „Du hast die Religion deiner Vorväter verlassen, obwohl sie mehr Wissen über Gut und Böse besaßen als du. Wenn du nun nicht zurückkehrst, werden wir dich herabsetzen und demütigen, dich für einen Dummkopf erklären und dein Ansehen im Staub zertreten.“

Denjenigen, die Handel trieben, wurde gedroht: „Gib den Islam auf, sonst werden wir euren Handel zerstören und euren Beruf lahmlegen. Danach werdet ihr verhungern müssen.“

Diejenigen jedoch, die schutzlos und schwach waren, mussten anschließend grausame Misshandlungen erdulden. Die Lage spitzte sich so weit zu, dass sogar angesehene Menschen gefangen genommen und körperlich bestraft wurden.

Misshandlung und Verfolgung der den Familien unterstehenden Menschen

Ibn Ishaq und at-Tabari berichten unter Berufung auf ʿUrwa ibn az-Zubair (möge Allah mit ihm zufrieden sein), dass die Führer der Quraisch zusammenkamen und beschlossen, diejenigen ihrer Söhne, Brüder und Stammesangehörigen, die sich der Gefolgschaft des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) angeschlossen hatten, zu quälen und mit Gewalt vom Islam abzubringen. So wurden die Anhänger des Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) einer gewaltigen Prüfung ausgesetzt.

Naufal ibn Chuwailid ibn al-Adawiyya, der als der Löwe der Quraisch bezeichnet wurde, fesselte einen so angesehenen Mann wie Abu Bakr (möge Allah mit ihm zufrieden sein) zusammen mit Talha (möge Allah mit ihm zufrieden sein). Ihre Familie, die Banu Taim, unternahm keinen Versuch, sie zu retten. Deshalb betete der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm): „O Allah, übernimm Du die Verantwortung dafür, uns vor dem Übel Ibn al-Adawiyyas zu bewahren.“ (Al-Baihaqi, Ibn Saʿd.) Den Zubair ibn al-Awwam (möge Allah mit ihm zufrieden sein) wickelte sein Onkel in eine Matte ein und hängte ihn daran auf. Dann leitete er von unten Rauch auf ihn und sagte immer wieder: „Kehr vom Islam ab!“ Darauf antwortete er: „Ich werde niemals Kufr begehen.“ (Ibn Saʿd, at-Tabarani.) Den Uthman (möge Allah mit ihm zufrieden sein) band sein Onkel Hakam, der Vater Marwans, fest und sagte: „Du hast die Religion deiner Vorväter aufgegeben und die Religion Muhammads (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) angenommen? Ich werde dich keinesfalls freilassen, solange du diese Religion nicht aufgegeben hast.“ Er antwortete: „Was auch immer mit mir geschehen mag, ich werde diese Religion niemals aufgeben.“ (Ibn Saʿd.) Musʿab ibn Umair (möge Allah mit ihm zufrieden sein) wurde von seinem Cousin Uthman ibn Talha, dem Hüter des Schlüssels der Kaaba, grausam gefoltert. Seine Angehörigen hielten ihn gefangen. Doch er entkam irgendwie und wanderte mit der ersten Gruppe der nach Abessinien Ausgewanderten aus. (Ibn Saʿd.) Saʿd ibn Abi Waqqas (möge Allah mit ihm zufrieden sein) und seinen Bruder Amir (möge Allah mit ihm zufrieden sein) konnte ihre Mutter trotz vielfältiger Quälereien nicht von der Religion des Islam abbringen. (Ibn Saʿd.) In Musnad Ahmad, Muslim, at-Tirmidhi, Abu Dawud und an-Nasaʾi wird berichtet, dass Hamna bint Sufyan ibn Umaiyya, die Mutter Saʿd ibn Waqqas’ und Nichte Abu Sufyans, zu ihnen sagte: „Solange ihr die Religion Muhammads (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) nicht aufgebt, werde ich weder essen noch trinken und mich auch nicht in den Schatten setzen. Allah hat befohlen, das Recht der Mutter zu erfüllen. Wenn ihr mir nicht gehorcht, seid ihr auch Allah ungehorsam.“ Darüber war Saʿd sehr bedrückt. Er ging zum Propheten und trug ihm alles vor. Daraufhin wurde seitens Allahs, des Erhabenen, dieser Vers offenbart:

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„Und Wir haben dem Menschen aufgetragen, zu seinen Eltern gütig zu sein. Wenn sie dich jedoch dazu drängen, Mir etwas beizugesellen, von dem du kein Wissen hast, dann gehorche ihnen nicht.“ (Al-ʿAnkabut: 8)

Bericht über Chālid ibn Saʿid

Als Chālid ibn Saʿid ibn al-ʿAs (möge Allah mit ihm zufrieden sein) erfuhr, dass sein Vater Abu Uhaiha von seinem Übertritt zum Islam erfahren hatte, versteckte er sich aus Angst. Nachdem sein Vater ihn gefunden hatte, beschimpfte er ihn und schlug so heftig auf ihn ein, dass das Holzstück, mit dem er ihn schlug, zerbrach. Dann sagte er: „Du hast dich der Gefolgschaft Muhammads (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) angeschlossen, obwohl du gesehen hast, dass er sich seinem eigenen Volk widersetzt, die Fehler der Religion deiner Vorväter aufdeckt und jene Vorfahren als irregeleitet bezeichnet, die dieser Religion weiterhin folgen.“

Chālid (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: „Bei Allah, er ist wahrhaftig, und ich bin sein Gefolgsmann.“

Abu Uhaiha schlug und beschimpfte ihn erneut und sagte: „Elender, geh, wohin du willst; in meinem Haus bekommst du nichts mehr zu essen.“ Er antwortete: „Wenn du mir meine Versorgung verweigerst, wird Allah mich versorgen.“ Danach hielt er sich in der Nähe des Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) auf. Eines Tages betete er an einem abgelegenen Ort in der Umgebung von Mekka. Sein Vater Uhaiha erfuhr davon. Er rief ihn und sagte: „Gib die Religion Muhammads (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) auf!“ Darauf antwortete er: „Bei meinem Leben, ich werde diese Religion niemals aufgeben.“ Uhaiha wurde zornig, schlug mit einem Holzstück auf seinen Kopf ein, bis dieses schließlich zerbrach, und ließ ihn danach drei Tage lang ohne Nahrung gefangen halten. In der glühenden Hitze von Mekka musste er diese Strafe ertragen. Dann gelang ihm bei einer Gelegenheit die Flucht. Anschließend streifte er in der Umgebung von Mekka umher. Schließlich wanderte er als Mitglied der ersten Gruppe, die von Mekka nach Abessinien auswanderte, dorthin aus. Auch Ibn Saʿd und al-Baihaqi erwähnen dieses Ereignis in zusammengefasster Form.

Die unmenschliche Misshandlung von Hazrat Abu Bakr (r.a.)

Eines Tages gingen der edle Prophet (s.a.w.) und Hazrat Abu Bakr (r.a.) aus dem „Haus des Arqam“ zur Heiligen Moschee. Dort erhob sich Abu Bakr (r.a.) plötzlich und begann eine Ansprache. Er rief die Menschen zu Allah und Seinem Gesandten auf. Dies war das erste Mal, dass in der Heiligen Moschee öffentlich zur Annahme des Islam aufgerufen wurde. Sobald die Götzendiener diese Ansprache hörten, stürzten sie sich auf ihn, warfen ihn zu Boden und traten ihn mit Füßen. Utba bin Rabi’a schlug ihm mit seinen Schuhen wiederholt so heftig ins Gesicht, dass sein gesamtes Gesicht anschwoll und seine Nase in Blut versank. Als seine Stammesangehörigen (Banu Taim) dies sahen, eilten sie herbei, befreiten ihn und brachten ihn nach Hause. Sie hatten nicht den geringsten Zweifel daran, dass er nun sterben würde. Deshalb gingen sie erneut zur Moschee und sagten: „Bei Allah, wenn Abu Bakr (r.a.) stirbt, werden wir Utba nicht am Leben lassen.“ Bis zum Abend lag Hazrat Abu Bakr (r.a.) bewusstlos da. Als er wieder zu sich kam, war seine erste Frage: „Wie geht es dem Gesandten Allahs (s.a.w.)?“ Daraufhin beschimpften und tadelten ihn die Banu Taim. Dann gingen sie fort. Vor ihrem Weggang wiesen sie seine Mutter Umm al-Chair an, ihm Nahrung und etwas zu trinken zu geben. Als außer Mutter und Sohn niemand mehr bei ihm war, stellte Hazrat Abu Bakr (r.a.) dieselbe Frage erneut. Er sagte: „Geh zu Umm Dschamil (der Schwester von Hazrat Umar (r.a.) [At-Tabarani berichtet ausführlich, dass Fatima bint al-Chattab, die Schwester von Hazrat Umar (r.a.), die Kunya Umm Dschamil trug. Abd ar-Razzaq berichtet in al-Musannaf nach einer Überlieferung von Imam az-Zuhri, dass Hazrat Umar (r.a.) im Hause seiner Schwester Umm Dschamil den Qur’an hörte und gläubig wurde. In einer anderen Überlieferung wird diese Frau Fatima bint al-Chattab genannt. Daraus geht hervor, dass der Name jener Schwester Hazrat Umars Fatima und ihre Kunya Umm Dschamil war.], Fatima bint al-Chattab), und erkundige dich.“ Sie war damals bereits Muslimin geworden, hielt ihren Islam jedoch geheim. Als die Mutter Abu Bakrs ihr sagte: „Abu Bakr (r.a.) möchte den Zustand Muhammads (s.a.w.), des Sohnes Abdullahs, erfahren“, erwiderte sie: „Ich kenne weder Muhammad (s.a.w.), den Sohn Abdullahs, noch kenne ich Abu Bakr. Wenn du jedoch möchtest, kann ich zu Abu Bakr gehen.“ Die Mutter sagte: „Gut, dann komm.“

Als sie hinkam, sah sie, dass Hazrat Abu Bakr in einem äußerst bedenklichen Zustand dalag. Kaum hatte sie ihn gesehen, rief sie aus: „Bei Allah, diejenigen, die dir dies angetan haben, sind Ungläubige und Frevler. Ich hoffe, Allah wird Vergeltung an ihnen üben.“

Abu Bakr fragte: „Wie geht es dem Gesandten Allahs (s.a.w.)?“ Sie flüsterte: „Deine Mutter hört mit.“ Abu Bakr (r.a.) sagte: „Um sie besteht kein Grund zur Sorge.“ Da sagte Umm Dschamil: „Der ehrwürdige Prophet (s.a.w.) ist vollkommen wohlauf.“ Abu Bakr (r.a.) fragte: „Wo ist er?“ Sie antwortete: „Im Haus des Arqam.“ Hazrat Abu Bakr (r.a.) sagte: „Bei Allah, ich werde weder essen noch trinken, bevor ich nicht zum ehrwürdigen Propheten (s.a.w.) gegangen bin.“ Umm Dschamil sagte: „Hab noch ein wenig Geduld.“ Als sich die Lage in der Stadt anschließend beruhigt hatte, brachten sie und Umm al-Chair ihn gemeinsam, ihn stützend, zum Haus des Arqam. Als der Gesandte Allahs (s.a.w.) seinen Zustand sah, wurde er von innigem Mitgefühl ergriffen. Er beugte sich zu ihm und betrachtete seinen Zustand.

Hazrat Abu Bakr (r.a.) sagte: „Mögen meine Eltern für dich geopfert werden! Ich habe keine besonderen Schmerzen erlitten. Außer den Schmerzen, die jener Frevler mir durch seine Schuhschläge ins Gesicht zugefügt hat, habe ich keine weiteren Beschwerden. Hier ist meine Mutter mit ihrem Sohn. Du bist voller Güte. Rufe sie zu Allah und bete, dass Allah sie vor der Hölle bewahrt.“ Daraufhin betete der ehrwürdige Prophet (s.a.w.) für sie, rief sie zu Allah, und sie wurde Muslimin. Diesen Bericht überliefert Hafiz Ibn Kathir in al-Bidaya wa-n-Nihaya. Hafiz Abu al-Hasan Chaisan bin Sulaiman al-Atba zitiert ihn ausführlich aus dem Buch Fada’il as-Sahaba von Bulsiri. Hafiz Ibn Hadschar schildert in al-Isaba den Zustand Umm al-Chairs kurz. (Ergänzung.)

Hazrat Abdullah bin Mas’ud wird grausam geschlagen

Ibn Ishaq berichtet dieses Ereignis nach einer Überlieferung von Hazrat Urwa bin az-Zubair und sagt: Eines Tages unterhielten sich die ehrwürdigen Gefährten (r.a.) miteinander und sagten, dass die Quraisch noch keinen von uns öffentlich und mit lauter Stimme den Qur’an rezitieren gehört hätten. Wer von uns ist bereit, ihnen dieses edle Wort einmal zu Gehör zu bringen?

Hazrat Abdullah bin Mas’ud (r.a.) sagte: „Ich werde diese Aufgabe übernehmen.“ Die ehrwürdigen Gefährten sagten: „Wir fürchten, dass sie gegen dich übermäßig gewalttätig werden. Unserer Ansicht nach sollte man dafür einen Mann wählen, dessen Familie ihm zu Hilfe eilen würde, falls sie ihn ungerecht angreifen.“

Hazrat Abdullah sagte: „Lass mich diese Aufgabe übernehmen. Gott ist mein Beschützer.“

Dann gelangte er, als der Tag schon etwas vorangeschritten war, zum Heiligtum, während die Anführer der Quraisch an ihren jeweiligen Plätzen saßen. Hazrat Abdullah begab sich zum Maqām Ibrāhīm und begann, mit lauter Stimme die Sure ar-Rahman zu rezitieren. Die Leute der Quraisch versuchten zunächst zu verstehen, was Abdullah rezitierte. Als sie jedoch erkannten, dass dies jenes Wort war, das Muhammad (s) als das Wort Gottes verkündete, stürzten sie sich auf ihn und begannen, ihm heftig ins Gesicht zu schlagen. Doch Abdullah blieb unerschütterlich und ließ sich davon nicht beeindrucken. Je mehr sie ihn schlugen, desto weiter rezitierte er. Solange es ihm möglich war, ließ er sie den Koran hören. Als er schließlich mit seinem übel zugerichteten Gesicht zurückkehrte, sagten seine Gefährten: „Davor hatten wir uns doch gefürchtet.“ Er erwiderte: „Noch nie waren diese Feinde Gottes an irgendeinem Tag so schwach gegenüber mir wie heute. Wenn ihr wollt, kann ich ihnen morgen wieder den Koran vortragen.“ Alle sagten: „Es ist genug. Du hast ihnen bereits das vorgetragen, was sie nicht hören wollten.“ (Ibn Hischam, Band 1, S. 336.) (Tafhīm, Band 5 – Einführung zur Sure ar-Rahman.)

Die Misshandlung und Unterdrückung der hilflosen Sklaven und Sklavinnen

Die schmerzlichste Misshandlung und Unterdrückung wurde jenen Sklaven und Sklavinnen zugefügt, die den Islam annahmen und in Mekka keinen Beschützer hatten. Einige Beispiele dafür sind folgende:

Hazrat Bilal

Einer von ihnen war Hazrat Bilal ibn Rabāh. Er war der Sklave eines Angehörigen der Banū Dschumah und in dessen Haus als Sklave geboren worden. Er war als Abessinier bekannt. Als bekannt wurde, dass er den Islam angenommen hatte, quälte ihn Umaiya ibn Chalaf al-Dschumahi auf vielerlei Weise. Ibn Hischam und al-Baladhuri berichten, dass er ihn in der glühenden Mittagshitze aus dem Haus holen, auf den heißen Sand von Mekka legen und einen schweren Stein auf seine Brust legen ließ. Dann sagte er: „Bei Gott, du wirst in dieser Lage bleiben, bis du Muhammad (s) verleugnest und al-Lāt und al-ʿUzzā anbetest.“ Doch er (Bilal) antwortete nur immer wieder: „Ahad, Ahad.“

Al-Baladhuri führt einen Bericht von Hazrat ʿAmr ibn al-ʿĀs an und sagt: „Ich sah Bilal (ra) auf einem derart heißen Boden liegen, dass darauf gelegtes Fleisch gar geworden wäre. Doch selbst unter diesen Umständen sagte er deutlich: ‚Ich verleugne al-Lāt und al-ʿUzzā.‘

Hazrat Hassān ibn Thābit schildert, was er mit eigenen Augen gesehen hatte, und sagt: „Ich ging zur Zeit der Hadsch oder der Umra nach Mekka und sah dort, wie Bilal mit einem Seil gefesselt war und eine Schar von Jungen ihn hinter sich herzerrte. Doch er sagte immer wieder: ‚Ich verleugne al-Lāt, al-ʿUzzā, Hubal, Isāf, Nāʾila und Buāna – sie alle.‘“ Einen Bericht von Hazrat Bilal selbst überliefert al-Baladhuri folgendermaßen: „Einen Tag und eine Nacht lang ließ man mich durstig; anschließend warf man mich auf den glühend heißen Sand.“

Ibn Saʿd berichtet, dass man ihm ein Seil um den Hals band und ihn den Kindern überließ. Sie zerrten ihn durch die Täler von Mekka. Dann legten sie ihn mit dem Gesicht nach unten auf den heißen Sand und beschwerten ihn mit Steinen. Doch er sagte nur: »Einer, Einer.« Das Haus von Hadhrat Abū Bakr (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) lag ebenfalls im Viertel der Banū Ǧumaḥ. Als er diese Unterdrückung und Misshandlung sah, wurde er zutiefst erschüttert. Er kaufte Hadhrat Bilāl im Tausch gegen einen kräftigen abessinischen Sklaven frei.

Hadhrat ʿAmmār ibn Yāsir (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm)

Ibn Saʿd berichtet, dass Yāsir aus dem Jemen stammte. Von dort kam er nach Mekka und schloss ein freundschaftliches Bündnis mit Abū Huḏayfa ibn al-Mughīra al-Makhzūmī. Abū Huḏayfa verheiratete ihn mit seiner Sklavin Sumayya. Nach dem Aufkommen des Islam wurden Yāsir, Sumayya, ʿAmmār und dessen Bruder ʿAbdullāh allesamt Muslime. Infolgedessen wurde die ganze Familie schwerer Bestrafung ausgesetzt. Al-Balāḏurī überliefert von Ummuhānī und at-Tabarānī von Hadhrat ʿUṯmān (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm), dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) einmal an der Stelle vorbeikam, an der sie bestraft wurden. Er war sehr betrübt und sagte:

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  • O Familie Yāsirs, habt Geduld! Euch ist das Paradies versprochen.

Imām Aḥmad und Ibn Saʿd berichten unter Berufung auf Hadhrat ʿUṯmān (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm), dass er einmal gemeinsam mit dem Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) an der Stelle vorbeikam, an der diese Familie bestraft wurde. Der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: »Habt Geduld! O Allah, vergib der Familie Yāsirs! Du aber hast ihnen bereits vergeben.«

Ibn Saʿd überliefert einen Bericht von Muḥammad ibn Kaʿb al-Quraẓī: Ein Mann sah Hadhrat ʿAmmār mit entblößtem Oberkörper; sein ganzer Rücken war voller Brandnarben. Er fragte: »Was ist das?« Dieser antwortete: »Das sind die Spuren der Bestrafung, die man mir auf dem glühend heißen Boden von Mekka zufügte.«

Ibn Saʿd berichtet nach ʿAmr ibn Maymūn, dass die Götzendiener Hadhrat ʿAmmār mit glühenden Kohlen brandmarkten. Da sagte der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm): »O Feuer, werde ʿAmmār ebenso kühl, wie du für Hadhrat Ibrāhīm (Friede sei mit ihm) kühl geworden bist.« Sein Vater Yāsir starb, weil er die unmenschlichen Qualen nicht ertragen konnte. Danach tötete Abū Jahl seine Mutter Sumayya. Sein Bruder ʿAbdullāh wurde ebenfalls getötet. Nur Hadhrat ʿAmmār blieb am Leben. Man tauchte ihn wiederholt ins Wasser. Schließlich brach seine Geduld zusammen, und er rettete sein Leben, indem er den Propheten verleugnete und ihre Götter pries. Danach erschien er weinend beim Propheten und berichtete ihm alles. Dieser fragte: »Wie war es in deinem Herzen?« Er antwortete: »Ich bin völlig fest im Glauben.« Der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: »Wenn du künftig wieder in eine solche Lage gerätst, dann sage diese Worte.« Al-Bayhaqī, Ibn Saʿd, Ibn Ǧarīr, al-Balāḏurī, ʿAwfī und andere Gelehrte schildern dieses Ereignis und führen die Aussage verschiedener Korankommentatoren an, dass die 104. Ayat der Sure an-Naḥl in diesem Zusammenhang offenbart wurde. Darin heißt es: Wer nach seinem Glauben den Unglauben annimmt, dem wird vergeben, wenn er dazu gezwungen wurde, während sein Herz im Glauben vollkommen beruhigt war. Wer jedoch aus innerer Zufriedenheit den Unglauben annimmt, auf dem liegt Allahs Zorn, und für ihn ist eine schwere Strafe bestimmt.

Hazrat Chabbab ibn al-Aratt

Er stammte ursprünglich aus dem Irak. Eine Gruppe aus dem Stamm Rabi’a nahm ihn gefangen, machte ihn zum Sklaven, brachte ihn nach Mekka und verkaufte ihn an die Familie Āl-e-Sabā aus dem Stamm Chuzā’a, die in einem freundschaftlichen Bündnis mit dem Stamm Zuhra stand. Er war ein geschickter Handwerker. Er übte den Beruf des Schmieds aus und fertigte Schwerter an. Als Strafe dafür, dass er Muslim geworden war, wurde er zunächst wirtschaftlich völlig ruiniert. Im Musnad von Ahmad, in al-Buchārī und Muslim wird sein eigener Bericht überliefert. Er sagte: Ich hatte bei ʿĀs ibn Wāʾil as-Sahmī eine Forderung. Als ich zu ihm ging, um sie einzutreiben, sagte er: „Ich werde dir nichts geben, solange du Muhammad (ﷺ) nicht verleugnest.“ Ich antwortete ihm: „Ich werde ihn niemals verleugnen, selbst wenn du stirbst und wieder zum Leben erweckt wirst – auch dann nicht.“ Ibn Saʿd sagt, dass ʿĀs darauf erwiderte: „Gut, wenn ich nach meinem Tod wieder zu meinem Besitz und meinen Kindern zurückkehre, werde ich deine Schuld begleichen.“

Ibn Hischām schildert den Vorgang folgendermaßen: ʿĀs ließ bei ihm viele Schwerter anfertigen, und die Schuld wuchs immer weiter an. Als er ihn zur Begleichung der Schuld aufforderte, sagte ʿĀs: „Dein Gefährte Muhammad (ﷺ), dessen Religion du angenommen hast, sagt doch, dass es im Paradies viel Gold und Silber, Kleidung und Diener gibt.“

Chabbab sagte: „Ja, das ist wahr.“ Da sagte er: „Dann gewähre mir Aufschub bis zum Tag der Auferstehung. Dort werde ich die Schuld begleichen. Denn dort wirst du zusammen mit deinem Gefährten Muhammad (ﷺ) nicht mehr Ansehen genießen als ich.“

Als die Unterdrücker jedoch selbst nach seiner wirtschaftlichen Vernichtung nicht zufriedengestellt waren, begannen sie, ihn schwer zu bestrafen. Ibn Saʿd und al-Balādhurī überliefern nach asch-Schaʿbī: Einmal, während der Kalifatszeit von Hazrat ʿUmar, entblößte er (Chabbab) seinen Rücken und zeigte ihn; er sah völlig wie von Weißem Aussatz befallen aus. Er sagte: „Die Götzendiener entzündeten ein Feuer und zerrten mich darüber hinweg; einer von ihnen stellte sich auf meine Brust. Dann schmolz mein Fett und löschte das Feuer.“ (Ergänzung.)

Chabbabs Klage beim Propheten (ﷺ) und dessen Antwort

Während diese Art der Misshandlung andauerte, ereignete sich der Vorfall, den Imām Ahmad ibn Hanbal, al-Buchārī, Abū Dāwūd und an-Nasāʾī von Hazrat Chabbab überliefern. Er sagte: Als wir durch die Unterdrückung und Misshandlung der Götzendiener völlig bedrängt waren, sah ich eines Tages den Propheten (ﷺ) im Schatten der Kaaba-Mauer sitzen. Ich trat zu ihm und sagte: „O Gesandter Allahs! Die Unterdrückung hat nun ihren Höhepunkt erreicht. Wirst du nicht für uns beten?“

Als der Prophet (ﷺ) dies hörte, wurde sein Gesicht rot, und er sagte: „Die gläubigen Menschen, die vor euch vergangen sind, wurden noch härteren Qualen ausgesetzt. Manche von ihnen wurden in eine ausgehobene Grube gesetzt und mit einer Säge vom Kopf her in zwei Hälften geteilt. Anderen wurden eiserne Kämme in die Gelenke gestoßen, damit sie den Glauben aufgaben. Dennoch wandten sie sich nicht von der Religion ab. Glaubt: Allah wird dieses Werk gewiss vollenden. Schließlich wird ein Tag kommen, an dem ein Mensch ohne Furcht von Sanʿā nach Hadramaut reisen wird und niemanden außer Allah fürchten wird. Doch ihr seid ungeduldig.“ (Tafhīm, Band 3 – Einleitung zur Sura Maryam – Sura al-ʿAnkabūt, Anmerkung 1.)

Der Kauf und die Befreiung der zu Unrecht unterdrückten Sklaven durch Hadhrat Abu Bakr (möge Allah mit ihm zufrieden sein)

Während dieser Zeit der Unterdrückung und Misshandlung kaufte Hadhrat Abu Bakr (möge Allah mit ihm zufrieden sein) unter beträchtlichem finanziellen Aufwand zahlreiche zu Unrecht unterdrückte Sklaven und Sklavinnen frei. Ibn Hischam nennt die Namen von sieben solchen Personen. Die von al-Bayhaqi, Ibn Ishaq, Ibn Abd al-Barr, Ibn Hadschar und anderen aufgeführten Namen ergeben jedoch insgesamt neun Personen.

1. Hadhrat Bilal (bereits erwähnt).

2. Seine Mutter Hamama. Ibn Abd al-Barr berichtet, dass auch sie um Allahs willen gefoltert wurde.

3. Amir ibn Fuheira. Ibn Saʿd, at-Tabari und al-Baladhuri berichten, dass er der Sklave von Tufail ibn al-Harith, dem leiblichen Bruder von Hadhrat Aischa (möge Allah mit ihr zufrieden sein), war und zu den Unterdrückten gehörte, die gefoltert wurden.

4. Abu Fukaiha. Über ihn berichtet Ibn Ishaq, dass Umaiya ibn Chalaf ihn grausam folterte. In den Tabaqat von Ibn Saʿd und in Usd al-Ghaba heißt es, dass einige Angehörige der Banu Abd ad-Dar, deren Sklave er war, ihn in der sengenden Mittagshitze hinzulegen pflegten. Man legte ihm sogar einen schweren Stein auf den Rücken. Schließlich verlor er das Bewusstsein.

5. Lubaina oder Lubaiba. Al-Baladhuri erwähnt ihren Namen, während Ibn Hischam sie, ohne ihren Namen zu nennen, als Sklavin der Banu Muʿammal, eines Zweigs der Banu Adi, bezeichnet. Er berichtet, dass Hadhrat Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sie, solange sie noch ungläubig war, heftig schlug und, wenn er vom Schlagen müde wurde, sagte: „Ich lasse dich nur frei, weil ich müde geworden bin.“ Sie erwiderte: „Möge Allah mit dir ebenso verfahren.“

6. und 7. Nahdiyya und ihre Tochter. Beide waren Sklavinnen einer Frau aus den Banu Abd ad-Dar. Auch ihre Herrin behandelte sie ungerecht.

8. Zinnira (in der Überlieferung von al-Istīʿāb wird ihr Name als Zambāra angegeben). Einer Überlieferung von Ibn al-Athīr zufolge war sie eine Sklavin der Banū ʿAdī, und ʿUmar ibn al-Chattāb (r.a.) pflegte sie zu bestrafen. Einer anderen Überlieferung zufolge war sie eine Sklavin der Banū Machzūm, und Abū Dschahl pflegte sie zu bestrafen. Schließlich verlor sie ihr Augenlicht. Abū Dschahl sagte: „Al-Lāt und al-ʿUzzā haben dich blind gemacht.“ Sie erwiderte: „Al-Lāt und al-ʿUzzā wissen nicht einmal, wer sie verehrt. Diese Entscheidung wird im Himmel getroffen, und mein Herr besitzt die Macht, mir mein Augenlicht zurückzugeben.“ Tatsächlich stellte sich am nächsten Tag, als sie aufwachte, heraus, dass Allah, der Erhabene, ihr Augenlicht wiederhergestellt hatte. Al-Balādhurī hat diese Überlieferung aufgezeichnet.

Ibn Hischām berichtet dagegen, dass Ḥaḍrat Abū Bakr (r.a.), als er sie kaufte, zu hören bekam: „Al-Lāt und al-ʿUzzā haben sie blind gemacht.“ Da sagte er: „Bei dem Hause Allahs, sie lügen. Al-ʿUzzā kann weder jemandem Nutzen bringen noch jemandem Schaden zufügen.“ Danach gab Allah, der Erhabene, ihr ihr Augenlicht zurück.

9. Umm ʿUbaīs. Manche nennen sie ʿUnaīs, andere ʿUmaīs. Al-Balādhurī sagt, dass sie eine Sklavin der Banū Zuhra war. Aswad ibn ʿAbd Yaġūth pflegte sie zu misshandeln. (Ergänzung.)

Der Einwand von Ḥaḍrat Abū Bakrs (r.a.) Vater und seine Antwort

Ibn Isḥāq, Ibn Dscharīr und Ibn ʿAsākir führen eine Überlieferung von Ḥaḍrat ʿĀmir ibn ʿAbdullāh ibn az-Zubair (r.a.) an. Darin heißt es, dass sein Vater Abū Quḥāfa – der damals noch ein Götzendiener war –, als er sah, wie Ḥaḍrat Abū Bakr (r.a.) auf diese Weise große Summen für die Befreiung unglücklicher Sklaven und Sklavinnen ausgab, zu ihm sagte: „Mein Sohn, ich sehe, dass du schwache Menschen freikaufst und befreist. Wenn du dieses Geld für die Befreiung starker junger Männer ausgeben würdest, wären sie dein starker rechter Arm.“ Ḥaḍrat Abū Bakr (r.a.) erwiderte: „Vater, ich strebe nur nach der Belohnung, die bei Allah ist.“

Dieses Ereignis ist ein eindrucksvoller Beleg für jene Verse aus der Sura al-Lail, in denen es heißt: „Von diesem Feuer der Hölle wird derjenige ferngehalten werden, der Allah besonders fürchtet und sein Vermögen ausgibt, um sich zu läutern. Niemand hat ihm eine Gunst erwiesen, für die er Vergeltung leisten müsste. Er tut dies einzig im Streben nach dem Wohlgefallen seines erhabenen Herrn.“ (Verse 17–20).

Das heißt: Diejenigen, für die er sein Vermögen ausgibt, hatten ihm zuvor keinerlei Gunst erwiesen, und er macht ihnen auch keine Geschenke, um künftig zusätzliche Vorteile von ihnen zu erlangen. Vielmehr hilft er um des Wohlgefallens seines erhabenen Herrn willen Menschen, die ihm zuvor keinerlei Gunst erwiesen hatten und von deren künftiger Dankbarkeit er ebenfalls keine Vorteile erwartet. (Ergänzung.)

Die Folgen der Misshandlungen und Verfolgungen

Die Quraisch versuchten durch die öffentlich ausgeübte Verfolgung und Misshandlung der Muslime den Vorteil zu erlangen, unter ihnen Schrecken zu verbreiten und dadurch die Verbreitung und Ausbreitung des Islam zu verhindern. Doch in Wirklichkeit war die Folge, die sich daraus ergab, jenseits ihrer Vorstellungskraft. Erstens wurde dadurch klar, dass der Kufr auf die vom Islam vorgebrachten Charaktereigenschaften und Beweise keine andere Antwort hatte als menschenfeindliche Intrigen. Zweitens begannen nach dem Anblick dieser Grausamkeit alle Menschen von aufrichtiger Natur, den Kufr und seine Bannerträger mit Abscheu zu betrachten. Weil die Muslime dieses ungerechte Unrecht mit solcher Geduld und Standhaftigkeit ertrugen, entstand in allen unvoreingenommenen Herzen Mitgefühl für sie und zugleich Achtung und Hochachtung. Mehr noch: Tatsächlich wurde dadurch die Würde des Islam in einer Weise begründet, dass sich gerade in der Gesellschaft von Mekka Menschen von solcher Festigkeit, Entschlossenheit und Glaubenskraft fanden, die nicht um irgendeines weltlichen Vorteils willen, sondern allein um der Wahrheit willen gewaltige Gefahren und Leiden ertrugen. Danach konnten all diese Machenschaften der Ungläubigen die Verbreitung und Ausbreitung des Islam nicht aufhalten. Trotz all dieser Verfolgungen traten solche Diener Allahs hervor, die entgegen dem Willen der Ungläubigen den Islam annahmen; viele gelangten auch innerlich zum Glauben, ohne ihn offen zu bekunden. Deshalb konnten die Feinde des Islam nicht richtig einschätzen, wie viele Menschen unter ihnen verborgen den Islam unterstützten. Diese heimliche Unterstützung konnte Risse in der Festung des Kufr hervorbringen.

Der größte Nutzen, den diese Unterdrückung und Verfolgung dem Islam brachte, bestand darin, dass diejenigen, die durch diese Feuerprobe hindurch mit dem edlen Propheten (s) gingen, die besten Menschen der Menschheit waren. Unter solchen Umständen konnte kein Mensch mit schwachem Charakter den Mut aufbringen, sich dieser Sache anzuschließen. (Ergänzung)

Die Zeit, in der die Offenbarung ausblieb

Allahs weises Wirken ist von einer so außergewöhnlichen Art, dass der Verstand es nicht zu erfassen vermag. Gerade zu einer Zeit, als der Konflikt und Zusammenstoß zwischen Kufr und Islam seinen äußersten Höhepunkt erreicht hatte und jeder Augenblick im Leben des Propheten (s) und der Muslime unerträglich geworden war, hätte man natürlich erwartet, dass die Offenbarung an den Propheten (s) weiterhin herabgesandt würde. Dadurch hätte ihnen in den täglich neu entstehenden Situationen Führung gegeben, der Prophet (s) und seine Gefährten wären getröstet und ermutigt und die Ungläubigen für ihre Unterdrückung und Misshandlung gewarnt worden. Doch gerade in dieser Zeit hörte die Herabsendung der Offenbarung von Allah auf. Deshalb geriet auch der Prophet (s) in große Unruhe, und den Ungläubigen bot sich eine Gelegenheit zu Spott und Hohn.

Es ist nicht bekannt, wann genau die Herabsendung der Offenbarung ausblieb. Doch aus den diesbezüglichen Überlieferungen in den Hadithen sowie aus dem Inhalt jener beiden Suren, die nach dem Ende dieses Ausbleibens der Offenbarung herabgesandt wurden, geht eindeutig hervor, dass dieses Ereignis – das Ausbleiben der Offenbarung – nach dem Beginn der allgemeinen Daʿwa und der Verschärfung des Konflikts zwischen Islam und Kufr stattfand. In verschiedenen Überlieferungen wird die Dauer dieses Ausbleibens unterschiedlich angegeben. Ibn Dschuraidsch gibt zwölf Tage an, Kalbi fünfzehn Tage, Ibn Abbas (r.a.) fünfundzwanzig Tage und Suddi sowie Muqatil vierzig Tage. Wie dem auch sei, dieser Zeitraum war so lang, dass der Prophet (s) sehr bedrückt war. Auch die Gegner begannen, ihn zu verspotten. Denn wenn eine neue Sure auf ihn herabgesandt wurde, pflegte er sie den Menschen vorzutragen. Als er ihnen daher längere Zeit keine neue Offenbarung vortragen konnte, meinten die Gegner, die Quelle, aus der dieses heilige Wort kam, sei versiegt. Dschundub ibn Abdillah al-Badschali berichtet, dass die Götzendiener, als das Kommen Dschibrils (a.s.) ausblieb, zu sagen begannen: „Sein Herr hat Muhammad (s) verlassen.“ (Ibn Dscharir, at-Tabari, at-Tabarani, Abd ibn Humaid, Said ibn Mansur, Ibn Mardawaih)

In anderen Überlieferungen heißt es, dass Umm Dschamil, die Frau Abu Lahabs, die Tante und unmittelbare Nachbarin des ehrwürdigen Propheten (s), zum Propheten (s) sagte: „Es scheint, dass dein Satan dich verlassen hat.“

Auf Grundlage einer Überlieferung von Ibn Abbas (r.a.) berichten Awfi und Ibn Dscharir, dass der Prophet (s) unruhig wurde, als Dschibril einige Tage lang nicht mehr kam, und dass die Götzendiener zu sagen begannen: „Sein Herr ist über ihn erzürnt und hat ihn verlassen.“ In den mursal-Überlieferungen von Qatada und Dahhak wird nahezu dasselbe berichtet. Auch der Zustand der Trauer und des Kummers des ehrwürdigen Propheten (s) wird in verschiedenen Überlieferungen geschildert. Und wie hätte es anders sein können? Nachdem der Konflikt zwischen Kufr und Glauben begonnen hatte, wurde ihm die Unterstützung aus jener Kraftquelle entzogen, die vonseiten des geliebten Wesens kam und inmitten der gewaltigen Strömung dieses tödlichen Kampfes seine einzige Stütze gewesen war. Dazu kamen noch das Gelächter und der Spott der Feinde. All dies zusammen wurde für den Propheten (s) zu einer furchtbaren Quelle der Unruhe, sodass er dachte: Vielleicht ist mir ein Fehler unterlaufen, dessentwegen Er über mich erzürnt ist und mich im Kampf zwischen Wahrheit und Falschheit allein gelassen hat.

Die Herabsendung der Sure ad-Duha

In dieser Situation wurde die Sure „Ad-Duha“ offenbart, in der es heißt:

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  • Bei dem hellen Vormittag und bei der Nacht, wenn sie sich in tiefer Ruhe ausbreitet, o Prophet: Dein Herr hat dich niemals verlassen, und Er ist auch nicht zornig geworden.

Das heißt: Die Tatsache, dass der Tag hell wird und dass die Nacht sich mit Dunkelheit und Ruhe ausbreitet, beruht nicht darauf, dass Allah der Erhabene den Menschen am Tag wohlgesonnen und ihnen in der Nacht missgünstig wäre. Vielmehr beruhen beide Zustände auf einer großen Weisheit und Zweckmäßigkeit. Dies hat keinerlei Zusammenhang mit der Vorstellung, dass Allah dir Offenbarung sendet, wenn Er mit dir zufrieden ist, und dass es, wenn Er keine Offenbarung sendet, bedeute, Er sei mit dir unzufrieden und habe dich deshalb verlassen. Wenn das Tageslicht ununterbrochen auf die Menschen fiele, würde es sie ermüden und erschöpfen. Daher verlangt es die Vernunft, dass auf den Tag die Nacht folgt, damit die Menschen Ruhe finden können. Ebenso würden deine Nerven und Adern es nicht ertragen, wenn das Licht der Offenbarung ununterbrochen auf dich herabkäme. Aus diesem vernünftigen Grund hat Allah der Erhabene auch Zeiten festgelegt, in denen die Offenbarung von Zeit zu Zeit aussetzt, damit die Wirkung der schweren Last der Offenbarung, die auf dir liegt, nachlässt und du Ruhe findest. [Wie schwer und belastend die Last der Offenbarung für den Propheten (s.) war, lässt sich aus jenen Überlieferungen erahnen, die hierzu in den Hadithen überliefert sind. Zaid ibn Thabit (r.a.) berichtet: Einmal wurde dem Gesandten Allahs (s.) Offenbarung zuteil, während er saß und sein Knie auf meinem Knie ruhte. Dabei wurde mein Knie so stark belastet, dass ich dachte, es würde zerschmettert werden.]

Aischa (r.a.) berichtet: Ich sah, wie dem Propheten während großer Kälte Offenbarung zuteilwurde. Damals perlte der Schweiß von seiner Stirn herab. (Buchari, Muslim, Muwatta von Imam Malik, Tirmidhi, Nasa’i.) Aischa (r.a.) berichtet ferner: Wenn ihm Offenbarung zuteilwurde, während er auf einer Kamelstute saß, stemmte diese ihre Brust gegen den Boden und bewegte sich nicht, bis die Offenbarung beendet war. (Musnad Ahmad, Hakim, Ibn Dschrir.) (Tafhim, 6. Band – Erläuterung zu al-Muzzammil.)

Dann heißt es:

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  • Gewiss, die spätere Zeit ist für dich besser als die frühere.

Diese frohe Botschaft gab Allah dem Propheten (s) zu einer Zeit, als nur eine Handvoll Menschen bei ihm war. Die Lampe des Islam flackerte gerade in Mekka. Von allen Seiten erhoben sich Stürme, um sie auszulöschen. Die gesamte Nation war fest entschlossen, Widerstand zu leisten, und äußerlich war weit und breit kein Anzeichen für einen Erfolg der Muslime zu erkennen. Damals sagte Allah zum Propheten (s): Seien Sie wegen der Leiden, Schwierigkeiten und Drangsale der Anfangszeit nicht beunruhigt. Jede folgende Epoche wird sich als besser erweisen als die vorangegangene. Ihre Kraft, Ihr Ansehen, Ihr Einfluss und Ihr Rang werden weiter zunehmen, und auch Ihr Einflussbereich wird sich ständig erweitern. Dieses Versprechen beschränkt sich jedoch nicht auf diese Welt; vielmehr wird auch das Jenseits für Sie besser sein als diese Welt.

Dann heißt es:

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  • Und dein Herr wird dir bald so viel geben, dass du zufrieden sein wirst. (Vers 5)

Das heißt: Auch wenn sich die Gabe etwas verzögern wird, ist die Zeit nicht fern, in der die Gaben deines Herrn so über dich herabströmen werden, dass du zufrieden sein wirst. Dieses Versprechen wurde noch zu Lebzeiten des ehrwürdigen Propheten (s) in einer Weise erfüllt, dass das gesamte arabische Land – von der südlichen Meeresküste bis nach Scham, dem Gebiet des Römischen Reiches im Norden, und bis zur Grenze des Irak, dem Gebiet des Persischen Reiches, sowie vom Persischen Golf im Osten bis zum Roten Meer im Westen – seiner Herrschaft unterworfen wurde. Zum ersten Mal in der Geschichte Arabiens kam dieses Gebiet unter eine einheitliche Rechts- und Ordnungsgewalt. Jede Macht, die es wagte, mit ihm zusammenzustoßen, wurde zerschmettert. Im gesamten Gebiet erklang das Glaubensbekenntnis „Lā ilāha illā llāh, Muḥammadur rasūlullāh“. Die Götzendiener und die Leute der Schrift in diesem Gebiet scheiterten trotz ihres Einsatzes aller Kräfte daran, ihr falsches Glaubensbekenntnis hochzuhalten. Nicht nur ihre Häupter neigten sich im Gehorsam; auch ihre Herzen wurden bezwungen. In Glauben, Taten und Charakter vollzog sich eine gewaltige Revolution. In der gesamten Geschichte der Menschheit findet sich kein Beispiel dafür, dass sich ein in der Dschāhilīya versunkenes Volk innerhalb von nur dreiundzwanzig Jahren derart verändert hätte. Danach wurde die von dem ehrwürdigen Propheten (s) gegründete Bewegung so mächtig, dass sie sich in weiten Teilen Asiens, Afrikas und Europas ausbreitete und ihr Einfluss die entlegensten Dörfer und Gegenden sowie die Wege und Randgebiete der Welt erreichte. Dies ist es, was Allah, der Erhabene, Seinem Gesandten in dieser Welt gegeben hat. Was Er ihm im Jenseits geben wird, kann man sich in seiner Größe nicht einmal vorstellen.

Offenbarung der Sure „Alam Nashrah“

Kurz danach wurde die Sure „Alam Nashrah“ offenbart, um den Propheten (s) angesichts der Schwierigkeiten zu trösten, die zu Beginn der islamischen Bewegung entstanden waren und ihn äußerst bedrückt hatten. Die entsprechenden Passagen werden hier mit ihrer Erläuterung angeführt.

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  • O Prophet! Haben Wir dir nicht deine Brust geweitet? (Vers 1)

Der Beginn der Darstellung mit dieser Frage und der darauffolgende Inhalt machen von selbst deutlich, dass der Gesandte Allahs (s) damals angesichts all jener Schwierigkeiten in große Bedrängnis geraten war, denen er in der Anfangszeit nach Beginn der öffentlichen Verkündigung des Islam ausgesetzt war. In dieser Lage wandte sich Allah, der Erhabene, an ihn, um ihn zu trösten, und sagte: O Prophet! Habe Ich dir nicht diese und jene Gunst erwiesen? Warum gerätst du dann wegen dieser Schwierigkeiten der Anfangszeit in Bedrängnis?

Wenn man die Stellen im Edlen Koran betrachtet, an denen der Ausdruck „die Brust weiten“ verwendet wird, erkennt man, dass er zwei Bedeutungen hat.

1. In Sure al-Anʿām, Vers 125, heißt es:

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  • Wenn Allah also jemandem Rechtleitung schenken will, weitet Er dessen Brust für den Islam. In Sure az-Zumar, Vers 22, heißt es:

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  • Ist etwa derjenige, dessen Brust Allah für den Islam geweitet hat, sodass er auf einem Licht von seinem Herrn wandelt?

An diesen beiden Stellen bedeutet die „Öffnung der Brust“, von allerlei Sorgen und Zweifeln befreit zu werden und die Gewissheit zu erlangen, dass allein der Weg des Islam wahr ist und dass jene Glaubensüberzeugungen, moralischen Grundsätze, Zivilisations- und Kulturvorstellungen sowie jene Weisungen und Rechtleitung, die der Islam den Menschen gegeben hat, vollkommen wahr und richtig sind.

2. In Sure asch-Schuʿarāʾ, den Versen 12 und 13, wird erwähnt, dass Allah, der Erhabene, Moses (a. s.) mit dem Rang des Prophetentums bekleidete und ihm befahl, sich dem Pharao und seiner gewaltigen Staatsmacht entgegenzustellen. Da sagte er:

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„O mein Herr! Ich fürchte, dass sie mich der Lüge bezichtigen und zurückweisen werden. Meine Brust wird eng (aus Furcht und Verzweiflung).“

In den Versen 22–25 der Sure Tā-Hā wird berichtet, dass Moses (a. s.) zu Allah betete:

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  • „Mein Herr, weite meine Brust für mich und erleichtere mir meine Aufgabe.“

Die Enge der Brust bedeutet hier, dass man nicht den Mut besitzt, die schwere Last einer so schwierigen Aufgabe wie des Prophetentums zu tragen und sich allein einer gewaltigen Macht des Unglaubens entgegenzustellen. Die Öffnung der Brust hingegen bedeutet, dass der Mut, die Zuversicht und der Tatendrang eines Menschen zunehmen. Er scheut weder die Durchführung eines lebensgefährlichen Feldzugs noch eine äußerst schwierige Aufgabe. Dadurch wird ihm der Mut verliehen, die gewaltige Verantwortung des Prophetentums zu erfüllen.

Bei näherer Betrachtung lässt sich erkennen, dass in diesem Vers (Alam Naschrah) im Hinblick auf den Gesandten Allahs (s) und die Öffnung der Brust beide oben genannten Bedeutungen enthalten sind. Nimmt man die erste Bedeutung an, so lautet der Sinn: In der Zeit vor der Berufung zum Prophetentum hielt der Gesandte Allahs (s) die Religionen aller Araber – der Götzendiener, Christen, Juden und Feueranbeter – für irrig. Darüber hinaus war er auch mit jener Hinwendung zu Allah nicht zufrieden, die bei einigen Anhängern des Monotheismus unter den Arabern zu finden war. Denn sie beruhte auf einem mehrdeutigen Glauben und Bekenntnis; in ihm war keine Darlegung des rechten Weges zu finden (siehe Tafhim al-Qur’an, Anmerkung 5 zu Sure Ha-Mim Sadschda). Da ihm selbst (dem Propheten) der rechte Weg noch nicht bekannt war, litt er daher unter schwerer innerer Unentschlossenheit und quälendem Zweifel. Durch die Verleihung des Prophetentums beseitigte Allah der Erhabene seine Zweifel und innere Unruhe und machte ihm den wahren und richtigen Weg deutlich. Dadurch erlangte er Gewissheit und war vollkommen beruhigt.

Nimmt man die zweite Bedeutung an, so lautet der Sinn: Nach seiner Berufung zum Prophetentum verlieh Allah der Erhabene ihm jene Tatkraft, jenen Mut, jene Entschlossenheit und jene Weite des Herzens, die zur Erfüllung der schweren Verantwortung dieses Amtes erforderlich waren. Er wurde mit einem umfassenden und gewaltigen Wissen ausgestattet, wie kein Mensch es zu erfassen vermag. Er erlangte jene Weisheit und Klugheit, die ihn befähigte, einen Zustand äußersten Verfalls zu beseitigen und die Verhältnisse zu ordnen und unter Kontrolle zu bringen. Er erhielt die Fähigkeit, sich in einer in der Unwissenheit versunkenen, in ihrer Ungebildetheit unzivilisierten und barbarischen Gesellschaft nicht verwirren zu lassen, obwohl er ohne Mittel und ohne offen erkennbare schützende Macht den Stürmen und Widrigkeiten entgegentreten musste. Die Leiden, Schwierigkeiten und Unglücke, denen er auf diesem Weg begegnete, ertrug er mit Geduld. Keine Macht konnte ihn von seiner eigenen Haltung abbringen. Der Sinn der Aussage Allahs des Erhabenen ist also: O Prophet! Nachdem Allah dir den unerschöpflichen Reichtum der Weite des Herzens geschenkt hat – warum bekümmerst du dich dann über jene Schwierigkeiten, die in dieser Anfangsphase der Verkündigung auftreten? [1. Einige Koranausleger haben die Weite des Herzens als Aufspaltung der Brust verstanden und diesen Vers als Beleg für jenes Wunder der Aufspaltung der Brust betrachtet, von dem in den Überlieferungen der Hadithe berichtet wird. Tatsächlich beruht der Beleg für dieses Wunder jedoch auf den Hadithüberlieferungen. Es ist nicht richtig, es aus dem Qur’an beweisen zu wollen. Auch vom Standpunkt der arabischen Sprache aus kann die Weite des Herzens keinesfalls als Aufspaltung der Brust verstanden werden. Der Gelehrte al-Alusi sagt in Ruh al-Ma’ani:

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Nach Ansicht der Forscher ist es eine schwache Auffassung, in diesem Vers „Scharh“ im Sinne von Aufspaltung zu verstehen.]

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  • Und um deinetwillen haben Wir dein Gedenken hoch erhoben.

Dies wurde zu einer Zeit gesagt, als alle islamfeindlichen Quraisch mit der Verleumdung des Propheten (s) beschäftigt waren. Besonders während der Pilgerzeit gingen sie gemäß dem von Walid ibn al-Mughira vorgeschlagenen Plan zu den einzelnen Lagern der Pilger und verbreiteten über den Propheten alle möglichen Behauptungen, sodass die Menschen eine schlechte Meinung von ihm bekamen und vor ihm flohen. Wie konnte unter solchen Umständen die frohe Botschaft von der Erhöhung des Gedenkens an den Propheten Wirklichkeit werden?

Zunächst übertrug Allah selbst den Feinden die Aufgabe, sein Gedenken zu erhöhen. Gerade durch die Methoden, die die Ungläubigen von Mekka anwandten, um ihn zu verleumden, gelangte sein Name in alle Gegenden Arabiens, in Dörfer und Städte; aus dem abgeschiedenen Winkel Mekkas heraus machten ihn die Feinde selbst allen Stämmen des Landes bekannt. Es war ganz natürlich, dass die Menschen wissen wollten: Wer ist dieser Mann? Was sagt er? Was für ein Mensch ist er? Wie sind diejenigen, die von seiner Magie beeinflusst wurden? Welche Wirkung hat seine Magie auf sie gehabt? Je stärker die Ungläubigen von Mekka diese Propaganda betrieben, desto größer wurde unter den Menschen auch die Neugier, dies zu untersuchen. Als die Menschen infolge dieser Nachforschungen seinen (des Propheten) Charakter und sein Verhalten kennenlernten, als sie den Qur’an hörten und erfuhren, welche Lehre er verkündete, und als die Beobachter sahen, wie viel höher und reiner das Leben derer geworden war, die von dem, was man Magie nannte, beeinflusst worden waren, als das Leben der gewöhnlichen Araber, begann sich jener schlechte Ruf in guten Ruf zu verwandeln. Schließlich war die Lage bis zum Zeitpunkt der Auswanderung nach Medina so geworden, dass es unter den nahen und fernen arabischen Stämmen keinen Stamm gab, in dem nicht irgendein Einzelner oder eine Familie den Islam angenommen hatte und in dem nicht einige Menschen dem Propheten (s) und seiner Einladung zum Islam gegenüber wohlwollend geworden waren. Dies ist die erste Phase der Erhöhung des Gedenkens an den ehrwürdigen Propheten (s), die zur Zeit der Offenbarung dieser Sure gerade vorüberging und deren Auswirkungen alle beobachteten.

Einige Jahre später begann seine zweite Phase, die damals niemand sehen oder auch nur erahnen konnte. Nur Allah wusste davon, und Er gab dem Propheten die frohe Nachricht davon. Nach der Hidschra waren die Heuchler, die Juden und alle einflussreichen Götzendiener Arabiens einerseits eifrig bemüht, den Propheten in Verruf zu bringen; andererseits gewann das islamische Staatswesen von Medina durch das praktische Beispiel, das es in Gottesverehrung, Gottesfurcht, lauteren Sitten, einem glücklichen und harmonischen gesellschaftlichen Leben, Gerechtigkeit, Gleichheit, Freigebigkeit der Reichen, Fürsorge für die Armen, der Einhaltung von Verträgen und Versprechen sowie Aufrichtigkeit im Handeln gab, die Herzen der Menschen. Die Feinde versuchten, diesen aufkommenden Einfluss durch Krieg zurückzudrängen. Doch die Gemeinschaft der Gläubigen, die unter der Führung des Propheten entstanden war, bewies durch ihre Ordnung und Disziplin, ihren Mut, ihre Furchtlosigkeit vor dem Tod und ihre Einhaltung moralischer Grenzen selbst im Kriegszustand ihre Überlegenheit in einem solchen Maße, dass das gesamte arabische Land diese Überlegenheit anerkannte. Innerhalb von zehn Jahren wurde das Andenken an den Propheten (s) derart erhöht, dass in jedem Winkel eben jenes Landes, in dem seine Gegner ihre ganze Kraft aufgewandt hatten, um ihn zu verleumden, der Ruf von ************************************* widerhallte. Danach wurde sein heiliger Name im Zeitalter der rechtgeleiteten Kalifen in der ganzen Welt immer mehr erhöht. Diese Entwicklung hat bis heute weiter zugenommen und wird, so Allah will, bis zum Jüngsten Tag weiter zunehmen. Es gibt keinen Ort auf der Welt, an dem sich eine muslimische Siedlung befindet, ohne dass dort fünfmal täglich im Adhān laut die Botschaft von Muhammads (s) Gesandtschaft verkündet wird, ohne dass man im Gebet Segenswünsche für ihn spricht, ohne dass sein Name in der Freitagskhutba erwähnt wird; und unter den zwölf Monaten des Jahres gibt es keinen Tag und innerhalb der vierundzwanzig Stunden eines Tages keinen Zeitpunkt, an dem sein Name nicht irgendwo auf der Welt genannt wird. Die Bedeutung des Verses ist also: O Prophet, warum bist du angesichts der schweren Gefahren und Prüfungen dieser Zeit bekümmert? Ich habe eine solche Vorkehrung getroffen, um dein Andenken zu erhöhen, wie niemand sie auch nur im Traum hätte erahnen können. In einem Hadith wird von Abū Saʿīd al-Chudrī überliefert, dass der Prophet (s) sagte: Dschibrīl kam zu mir und sagte: „Mein Herr und dein Herr fragt: Wie habe Ich dein Andenken erhöht?“ Ich sagte: „Allah weiß es am besten.“ Er sagte: „Allah, der Erhabene, spricht: Wenn an Mich gedacht oder Ich erwähnt werde, wirst auch du zusammen mit Mir erwähnt.“ (Ibn Dscharīr, Ibn Abī Hātim, Abū Yaʿlā, Ibn al-Mundhir, Ibn Hibban, Ibn Mardūya, Abū Nuʿaim).

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Daher lautet die Wahrheit: Mit der Bedrängnis gibt es auch Erleichterung. Wahrlich, mit der Bedrängnis gibt es auch Erleichterung.

Dies wurde zweimal wiederholt, damit der Prophet (s) gründlich getröstet werde: Die schwierige Lage, in der er seine Zeit verbrachte, würde nicht lange andauern. Vielmehr werde unmittelbar danach eine bessere Lage eintreten. Auf den ersten Blick scheint es widersprüchlich, dass mit der Bedrängnis Erleichterung einhergehen soll, denn diese beiden Zustände können nicht zur selben Zeit zusammentreffen. Doch statt zu sagen „Nach der Bedrängnis kommt Erleichterung“ wurden die Worte „Mit der Bedrängnis gibt es Erleichterung“ deshalb verwendet, weil der Zeitpunkt der Erleichterung so nahe ist, dass sie gleichsam bereits mit der Bedrängnis zusammentrifft. (Tafhīm, 6. Band, Sūrat Alam Nashrah, Anmerkungen 1, 3 und 4.)

Neuntes Kapitel

Die Hidschra nach Abessinien

Die Bedeutung der Hidschra in der Religion des Islam

Die zweitwichtigste und bemerkenswerteste Angelegenheit nach dem Dschihad, die im Koran erwähnt wird, ist die Hidschra. Warum hat die Hidschra im Islam eine so große Bedeutung? Der Grund dafür ist, dass für einen Muslim das Wichtigste nicht seine eigene Heimat, nicht seine Volkszugehörigkeit und auch nicht sein Brot oder sein Lebensunterhalt ist. Vielmehr ist für ihn das Wichtigste, so zu leben, wie es den Grundsätzen entspricht, an die er glaubt, damit er Allahs Wohlgefallen erlangen kann. Wenn er nicht nach diesen Grundsätzen leben kann, dann wird für ihn nicht nur die Freiheit, sondern sein eigenes Leben sinnlos. Die Grundsätze, auf denen sein Glaube beruht und von denen er fest überzeugt ist, dass sie die Wahrheit sind und von Allah und Seinem Gesandten stammen, wird er niemals aufgeben; vielmehr wird er es vorziehen, sein Leben auf Allahs Weg zu opfern.

Die Anhänger des Gesandten, die von Arabien nach Abessinien ausgewandert waren, taten dies deshalb, weil sie als Araber, Quraisch und Mekkaner in ihrem eigenen Land, in ihrem Stamm und in ihrer Stadt jede Art von Freiheit besaßen. Der Freiheit jedoch, die ihnen verwehrt war, war die Freiheit, Muslime zu sein. Deshalb verließen sie ihre Heimat und gingen in ein anderes Land. Als der Gesandte Allahs (s) von Mekka nach Medina auswanderte – warum tat er dies? Er war ein Einwohner Mekkas. In Mekka genoss er all jene Rechte, die jeder Bürger Mekkas genoss. Auch seine Gefährten besaßen all jene Rechte, die ihnen als Quraisch zustanden. Doch der Grund, weshalb er und seine Gefährten ihre Häuser, ihre Verwandten und ihren Besitz verließen und nur mit den Kleidern, die sie am Leib trugen, aufzubrechen, war, dass sie in Bezug auf ihr Muslimsein keinerlei Freiheit besaßen. Um dieser Freiheit willen verließen sie ihre Heimat, und der Grund, weshalb sie nur mit den Kleidern, die sie am Leib trugen, aufbrachen, war, dass sie in Bezug auf ihr Muslimsein keinerlei Freiheit besaßen. Um dieser Freiheit willen verließen sie ihre Heimat und ließen sich in einer anderen Stadt nieder. (Flugschrift – Āzādī [Der Verfasser], S. 11–12.)

Im Koran wurden die Muslime auf die Auswanderung vorbereitet

Als die Unterdrückung und Verfolgung der Muslime in Mekka ihren Höhepunkt erreichte, begann der Koran, sie auf die Auswanderung vorzubereiten. Es wurde verkündet:

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– O Meine Diener, die ihr glaubt! Wahrlich, Meine Erde ist weit. So dient nur Mir – und befolgt Meine Gebote und Meine Herrschaft. Jeder wird den Geschmack des Todes kosten. Danach werdet ihr allesamt zu Mir zurückgebracht werden. Diejenigen, die glauben und gute Werke tun, werde Ich in den hohen Gemächern des Paradieses unterbringen, unter denen Bäche strömen; dort werden sie ewig bleiben. Welch vortrefflicher Lohn für die Handelnden! Dies gilt für diejenigen, die geduldig waren und auf ihren Herrn vertrauten. Es gibt viele Lebewesen, die nicht mit ihrer Versorgung umherziehen. Allah versorgt sie und auch euch. Und Er ist der Allhörende, der Allwissende. (Al-ʿAnkabūt 56–60)

Im ersten Vers wird auf die Auswanderung hingewiesen. Damit ist gemeint: Wenn es in Mekka schwierig ist, Allah zu dienen, dann verlasst das Land und zieht fort – Allahs Erde ist nicht eng. Geht dorthin, wo ihr als Diener Allahs leben könnt. Ihr müsst nicht eurem Volk und eurer Heimat dienen, sondern Allah. Dadurch wird gelehrt, dass nicht das Volk, die Heimat oder das Land das Eigentliche ist, sondern der Dienst an Allah. Wenn die Liebe zum Volk, zur Heimat und zum Land jemals mit dem Anspruch des Dienstes an Allah in Konflikt gerät, dann ist dies der Augenblick, in dem der Glaube des Muʾmin geprüft wird. Der wahrhaftige Muʾmin wird Allah dienen und Volk, Heimat und Land zurückweisen. Wer fälschlich behauptet, gläubig zu sein, wird den Glauben aufgeben und an seinem eigenen Volk und Land festhalten. Den Muslimen wird hier ausführlich erklärt, dass ein wahrer Diener Allahs zugleich sein Volk und sein Land lieben kann, aber weder sein Volk noch sein Land vergöttern darf. Für ihn ist der Dienst an Allah kostbarer als alles andere; für ihn wird er jeden Gegenstand dieser Welt opfern, doch um keines weltlichen Gegenstands willen wird er den Dienst an Allah aufgeben.

Im zweiten Vers wird gesagt: Macht euch keine Sorgen um euer Leben. Es wird ohnehin irgendwann enden. Niemand ist in diese Welt gekommen, um für immer zu bleiben. Deshalb sollte euch nicht die Frage beschäftigen, wie ihr euer Leben in dieser Welt retten könnt. Vielmehr besteht die eigentliche Sorge darin, wie der Glaube bewahrt werden kann. Wenn ihr den Glauben verliert, um euer Leben zu retten, wird das Ergebnis dasselbe sein. Daher sollt ihr euch nur darüber Gedanken machen, was ihr mitbringt, wenn ihr zu Mir zurückkehrt: einen Glauben, der dem Leben geopfert wurde, oder ein Leben, das dem Glauben geopfert wurde?

Im dritten und vierten Vers wird gesagt: Wenn ihr auf dem Weg des Glaubens und der guten Werke aller weltlichen Segnungen beraubt worden seid und aus weltlicher Sicht gescheitert seid, dann glaubt, dass dieser Verlust gewiss ausgeglichen werden wird. Es wird nicht nur einen Ausgleich geben – vielmehr werdet ihr den vortrefflichsten Lohn erhalten. Der Lohn solcher gläubigen und rechtschaffenen Diener, die angesichts aller Arten von Leid, Not, Unglück und Verlust am Glauben festgehalten haben, die jedes Risiko des Glaubens auf sich genommen und sich nicht von ihm abgewandt haben, die mit eigenen Augen die Vorteile des Unglaubens und die weltlichen Wohltaten gesehen, ihnen aber nicht die geringste Zuneigung entgegengebracht haben, die gesehen haben, wie die Ungläubigen und Frevler vor ihren Augen zu großem Wohlstand gelangten, die nicht auf sie, auf Handel und Geschäft und auf ihren Stamm, sondern auf ihren eigenen Herrn vertraut haben; die den weltlichen Mitteln und Möglichkeiten keine Beachtung geschenkt, sondern einzig auf ihren eigenen Herrn vertraut haben, bereit waren, um des Glaubens willen jede Not zu ertragen und jeder Macht entgegenzutreten, und auf den Ruf der Zeit hin ihre Häuser verließen und aufbrachen – der Lohn solcher Muʾminūn und rechtschaffenen Diener wird bei ihrem Herrn niemals verlorengehen. Er wird sie bereits in dieser Welt schützen und unterstützen und ihnen auch im Jenseits den vortrefflichen Lohn für ihre Werke geben.

Schließlich wird ihnen der Ansporn gegeben, dass sie sich während der Hidschra ebenso wenig um ihren Lebensunterhalt sorgen sollen wie um ihr Leben. Wer von den zahllosen Tieren, Vögeln und Wasserlebewesen, die sich in der Luft, im Wasser und auf der Erde bewegen, zieht mit seinem eigenen Lebensunterhalt umher? Allein Allah versorgt und erhält sie. Wohin sie auch gehen mögen, auf irgendeine Weise erhalten sie durch Allahs Gnade ihren Lebensunterhalt. Die Gläubigen sollen daher nicht den Mut verlieren und denken: Wenn sie um des Glaubens willen ihre Häuser verlassen und anderswohin ziehen, woher sollen sie dann zu essen bekommen? Allah, der Seine unzähligen Geschöpfe mit Versorgung versieht, wird auch ihnen Versorgung geben.

Auf dem Weg des Aufrufs zur Wahrheit kommt es zuweilen an einen Punkt, an dem ein wahrhaft rechtschaffener Mensch keine andere Möglichkeit mehr hat, als seinen Blick von allen Hilfen und Mitteln dieser Welt abzuwenden und unter alleiniger Berufung auf Allah sein Leben zu riskieren. In einer solchen Lage können jene nichts ausrichten, die alles berechnen, die die Möglichkeiten der Zukunft prüfen und abwägen und vor jedem Schritt nach Sicherheit für ihr Leben und nach der Gewissheit ihres Lebensunterhalts suchen. Tatsächlich verändert sich eine solche Lage durch die Opfer jener, die gleichsam das Leichentuch auf dem Kopf tragen, sich hinstellen und sich vorbehaltlos darauf vorbereiten, jede Gefahr und jedes Unglück auf sich zu nehmen. Ihr Opfer bringt schließlich jenen glücklichen Augenblick, in dem Allahs Wort erhöht wird und alle falschen Worte ihm gegenüber erniedrigt und herabgesetzt werden. (Tafhim al-Qur’an, Band 3, al-‘Ankabut, Anmerkungen 94–99.)

An anderer Stelle heißt es:

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(Sprich, o Prophet:) O Meine Diener, die ihr glaubt, fürchtet euren Herrn. Für diejenigen, die in dieser Welt rechtschaffen gehandelt haben, gibt es Gutes. Und Allahs Erde ist weit. Den Geduldigen wird ihr Lohn ohne Maß gewährt werden. (az-Zumar: 10)

Auch hier wird den Gläubigen die Weisung gegeben: Wenn ein Ort für die Anbetung Allahs eng geworden ist, so ist Seine Erde doch weit. Zieht in eine andere Richtung, um eure Religion zu bewahren. Zugleich wird ihnen die frohe Botschaft verkündet, dass für sie sowohl in dieser Welt als auch im Jenseits Gutes bestimmt ist. Ihr diesseitiges Leben wird ebenso geordnet sein wie ihr jenseitiges. Denn sie haben die Religion der Welt und ihren Genüssen vorgezogen. Um der Religion willen sind sie aus ihren Häusern heimatlos und aus ihrem Land landlos geworden und in eine andere Stadt oder Gegend ausgewandert. Als eine Stadt, eine Gegend oder ein Land für die Anbetung Allahs eng geworden war, zogen sie anderswohin. Für solche Menschen, die auf dem Weg der Gottesfurcht und des Guten allerlei Gefahren, Unglück und Leid ertragen und den Weg der Wahrheit nicht verlassen haben, gibt es daher unzähligen Lohn. Das Versprechen dieses unzähligen Lohns gilt nicht nur den Auswanderern, sondern auch jenen, die in einem Gebiet der Unterdrückung und Verfolgung standhaft bleiben und jeder Gefahr entgegentreten. (Tafhim al-Qur’an, Band 4, Einleitung zu az-Zumar, Anmerkungen 30–32.)

Weisungen während der Hidschra

Im Heiligen Qur’an wurde den unterdrückten Muslimen von Mekka nicht nur der Ansporn zur Hidschra gegeben, sondern auch eine zweifache Weisung. Da die Muslime durch die Hidschra in ein christliches Land zogen, wurde unter diesen Umständen die Sure Maryam offenbart, in deren ersten beiden Ruku‘ die Geschichte des Propheten Yahya und des Propheten Isa, Allahs Friede sei mit ihm, erzählt wird. Das bedeutet: Obwohl die Muslime dorthin als unterdrückte Schutzsuchende gingen, lehrte Allah Ta‘ala sie in dieser Lage nicht die geringste Nachgiebigkeit in Angelegenheiten ihrer Religion. Vielmehr gab Er ihnen diese Sure als Reisezehrung mit, damit sie im Land der Christen die wahre Identität und Stellung Isa‘ (a. s.) darlegen und ausdrücklich ablehnen konnten, dass er ‘Gottes Sohn’ sei – unabhängig davon, welche Folgen dies haben mochte.

Die zweite Weisung lautete:

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– Und streitet mit den Leuten der Schrift nur auf die beste Weise, außer mit denen von ihnen, die Unrecht tun. Und sagt zu ihnen: „Wir glauben an das, was zu uns herabgesandt wurde, und auch an das, was zu euch herabgesandt wurde. Unser Gott und euer Gott ist ein und derselbe, und Ihm sind wir ergeben.“ (Al-ʿAnkabūt: 46)

Das heißt: Wenn ihr den Leuten der Schrift (den Christen) begegnet, dann meidet die Auseinandersetzung mit denjenigen unter ihnen, die Unrecht tun, und sprecht mit den Verständigen unter ihnen auf äußerst vernünftige Weise, in höflicher und anständiger Sprache sowie in einer ansprechenden Art. Sagt zu ihnen: Wir sind keine engstirnige Partei, die nur das uns gesandte Buch anerkennt, aber das euch gesandte Buch nicht anerkennt. Auch wir halten uns an die Wahrheit, das heißt, wir folgen der Wahrheit. Was von Gott zu uns gelangt ist, erkennen wir als Wahrheit an; ebenso glauben wir an das, was zu euch gelangt ist. Unser Gott und euer Gott sind nicht verschieden, sondern es ist derselbe Gott, an den auch wir glauben und an den auch ihr glaubt. Wir haben den Weg eingeschlagen, demselben Gott zu dienen und Ihm zu gehorchen. (Tafhīm, 6. Band – Einleitung zur Sure al-Hāqqa.)

Die erste Hidschra nach Abessinien

Als die Lage schließlich die Geduld überforderte, sagte der Gesandte (s) im Radschab des fünften Jahres der Prophetenschaft zu seinen Gefährten:

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– Es wäre besser, wenn ihr fortginget und nach Habascha, das heißt nach Abessinien, zöget. Dort herrscht ein König, unter dessen Herrschaft niemandem Unrecht geschieht. Es ist ein Land des Guten. Bleibt dort, bis Allah, der Erhabene, eine Möglichkeit schafft, diese Bedrängnis von euch zu nehmen.

Auf diese Anweisung hin fand die erste Hidschra nach Abessinien statt; daran nahmen elf Männer und vier Frauen teil. Die Leute von Quraisch verfolgten sie bis zur Meeresküste. Doch glücklicherweise fanden sie im Seehafen Shuʿayba rechtzeitig ein Schiff nach Abessinien und entgingen so ihrer Gefangennahme.

Die Teilnehmer an der ersten Hidschra

Ibn Hischam berichtet unter Berufung auf Ibn Ishaq: Die Liste der Muhadschirun bei dieser Hidschra lautet wie folgt:

1. Aus den Banu Umaiya: Hazrat Uthman ibn Affan (ra).

2. Seine Ehefrau Hazrat Ruqayya, die Tochter des Gesandten Allahs (s).

(Ibn Abd al-Barr sagt, dass sich auch Umm Ayman bei ihnen befand.)

3. Aus den Banu Abid Schams ibn Abd Manaf: Hazrat Abu Hudhaifa ibn Utba ibn Rabia (ra).

4. Seine Ehefrau Hazrat Sahl, die Tochter von Suhail ibn Amr.

5. Aus den Banu Asad ibn Abd al-Uzza ibn Qusayy: Hazrat Zubair ibn al-Awwam (ra).

(Er war der Neffe von Hazrat Chadidscha und der Cousin des Huzur väterlicherseits.)

6. Aus den Banū ʿAbdud-Dār ibn Qusay: Hazrat Musʿab ibn ʿUmair (ra).

7. Aus den Banū Zuhra ibn Kilāb: Hazrat ʿAbdurrahman ibn ʿAuf (ra).

8. Aus den Banū Machzūm: Hazrat Abū Salama ibn ʿAbdulasad (ra)

9. Seine Ehefrau Umm Salama (ra) (die leibliche Cousine väterlicherseits von Abū Dschahl)

10. Aus den Banū Dschumah: ʿUthmān ibn Mazʿūn (ra) – (der Onkel mütterlicherseits von Hazrat Hafsa (ra), der Mutter der Gläubigen)

11. Aus den Verbündeten der Banū ʿAdī: Hazrat ʿĀmir ibn Rabīʿa al-ʿAnzī (ra).

12. Seine Ehefrau Laila bint Abī Hasma (ra).

13. Aus den Banu ʿAmir ibn Luʾayy: Abū Sabra (r.a.), Sohn des Abū Ruhm.

14. Aus den Banu al-Hārith ibn Fihr: Suhayl ibn Bayḍāʾ (r.a.).

Ibn Saʿd fügt unter Berufung auf al-Wāqidī noch zwei Namen hinzu: Ḥāṭib ibn ʿAmr ibn ʿAbd Schams und ʿAbdullāh ibn Masʿūd (r.a.), einen vertraglich verbündeten Schützling der Banu Zuhra. Ibn Isḥāq sagt, dass später auch Ḥazrat Jaʿfar ibn Abī Ṭālib zu ihnen stieß. Mūsā ibn ʿUqba berichtet jedoch in seinem Werk über die Feldzüge, dass er nicht an der ersten, sondern an der zweiten Auswanderung teilnahm. Ibn Isḥāq sagt, Ḥazrat ʿAbdullāh ibn Masʿūd (r.a.) sei nicht bei der ersten, sondern bei der zweiten Auswanderung dabei gewesen. Außerdem berichtet az-Zurqānī unter Berufung auf einige Verfasser von Sīra-Werken, dass zusammen mit Abū Sabra (r.a.) auch dessen Ehefrau Umm Kulthūm aufbrach, die zweite Tochter von Suhayl ibn ʿAmr. Als Erster brach Ḥazrat ʿUthmān (r.a.) auf. (Al-Bayhaqī)

Der Umgang mit den Auswanderern in Abessinien

Ibn Jarīr at-Ṭabarī sagt, dass Habascha (Abessinien) ein alter Handelsplatz der Quraisch war. Dort erwirtschafteten sie ihren Lebensunterhalt in großem Umfang und erzielten im Handel beträchtliche Gewinne. Deshalb mussten die Auswanderer dort keinerlei Schwierigkeiten ertragen. Die Auswanderer selbst erklärten: Wir lebten dort sehr gut. Hinsichtlich unserer Religion genossen wir vollkommene Sicherheit. Wir beteten Allah an. Uns wurde keinerlei Leid zugefügt. Wir mussten auch kein Wort hören, das für uns unangenehm gewesen wäre.

Die Entsendung einer Gesandtschaft der Quraisch hinter ihnen her

Als die Quraisch sahen, dass diese Leute nach Abessinien gegangen waren und dort sicher lebten, schickten sie ʿAmr ibn al-ʿĀṣ und ʿAbdullāh ibn Abī Rabīʿa mit zahlreichen kostbaren Geschenken zum Negus, dem Titel des Königs von Abessinien, damit sie zur Rückkehr nach Mekka gebracht würden. Bei al-Buchārī wird der Name dieses Königs als Aṣḥama angegeben. Der Negus schenkte ihren Worten jedoch keinerlei Beachtung und schickte sie erfolglos nach Mekka zurück. Über diese Gesandtschaft gibt es unterschiedliche Überlieferungen. Nach einigen Überlieferungen wurde diesen beiden Gesandten ʿUmāra ibn al-Walīd ibn al-Mughīra mitgegeben. Andere Überlieferungen besagen, dass ʿAmr ibn al-ʿĀṣ sowohl während der ersten als auch während der zweiten Auswanderung zum Negus entsandt wurde. Bei der ersten Gesandtschaft sei jedoch ʿUmāra dabei gewesen und bei der zweiten ʿAbdullāh; Ibn Isḥāq nennt hingegen ʿAbdullāhs Namen bei beiden Gesandtschaften. (Ergänzung des Verfassers.)

Die Rückkehr der Auswanderer und ihr Grund

In diesem Jahr ereignete sich im Monat Ramadan ein Vorfall, dessen Nachricht Abessinien in der Weise erreichte, dass die Ungläubigen in Mekka Muslime geworden seien.

Der Vorfall ereignete sich folgendermaßen:

Als sich eines Tages die Quraischiten im Heiligtum versammelt hatten, erhob sich der Gesandte Allahs (s) plötzlich, um eine Ansprache zu halten, und Allah ließ durch seinen Mund die Sure an-Nadschm vortragen. Die Wirkung des Wortes Allahs war so überwältigend und gewaltig, dass, als der Prophet (s) zu rezitieren begann, das Bewusstsein aller angesichts des Tumults der Gegner schwand. Als er nach der Rezitation die Niederwerfung vollzog, warfen sich alle Versammelten nieder. Nach einer Überlieferung von Hadhrat Abdallah ibn Masʿud (ra) bei Buchari, Muslim, Abu Dawud und an-Nasa’i war dies die erste Sure des Edlen Korans, die der Prophet (s) bei einer allgemeinen Versammlung der Quraisch vortrug. Ibn Marduwaihs Überlieferung zufolge waren bei der Versammlung im Heiligtum sowohl Ungläubige als auch Gläubige anwesend. Als der Prophet (s) schließlich den Vers der Niederwerfung rezitierte und sich niederwarf, warfen sich auch alle Anwesenden unverzüglich nieder. Selbst die einflussreichen Anführer der Götzendiener, die bei der Feindschaft die führende Rolle spielten, konnten sich der Niederwerfung nicht enthalten. Unter den Ungläubigen sah man nur einen, Umayya ibn Chalaf, der eine Handvoll Erde auf sein Gesicht strich und sagte: „Das genügt.“

Der zweite Augenzeuge dieses Vorfalls war Hadhrat Mutallib ibn Abi Wada’a, der damals noch kein Muslim war. Seine eigene Schilderung wird bei an-Nasa’i und im Musnad Ahmad folgendermaßen überliefert:

Als der Gesandte (s) die Sure an-Nadschm rezitierte und sich niederwarf, warfen sich alle Anwesenden nieder; ich aber warf mich nicht nieder. Als Ausgleich dafür lasse ich es nun nicht versäumen, bei der Rezitation dieser Sure die Niederwerfung zu vollziehen.

Ibn Sa’d berichtet unter Berufung auf die Überlieferungskette al-Waqidis, dass auch al-Walid ibn al-Mughira eine Handvoll Erde auf sein Gesicht legte, weil er sich aufgrund seines hohen Alters nicht niederwerfen konnte. Auch Abu Uhaiha Sa’id ibn al-‘As legte sich wegen seines hohen Alters Erde auf das Gesicht.

So wurde dieser Vorfall zum Gegenstand allgemeiner Erzählungen und erreichte Abessinien in der Weise, dass alle götzendienerischen Quraischiten Muslime geworden seien. Doch die tatsächlichen Umstände waren anders. Diejenigen, die sich niederwarfen, hatten sich damals unter dem Einfluss des Korans niedergeworfen; später gerieten sie jedoch derart in Verlegenheit, dass sie sich fragten, welche Schwäche sie da gezeigt hatten. Die Leute begannen, sie mit den Worten zu tadeln: Anderen verbietet ihr, dieses Wort zu hören, doch ihr selbst habt aufmerksam zugehört und euch sogar zusammen mit Muhammad (s) niedergeworfen. Darauf ersannen sie eine erfundene Geschichte, um die Leute zum Schweigen zu bringen. Sie sagten: „Ach, wir haben doch nur“

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– Danach hörten wir aus dem Mund Muhammads (s) diese Worte –

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– (Diese hochrangigen Göttinnen, deren Fürsprache gewiss erhofft werden kann.)

Deshalb glaubten wir, dass Muhammad (s) auf unseren Weg gekommen sei. Doch könnte irgendein vernünftiger Mensch jemals denken, dass diese Worte in den Zusammenhang der vorhergehenden und nachfolgenden Aussagen der Sure an-Nadschm passen könnten? Dennoch behaupteten sie, sie hätten diese Worte mit eigenen Ohren aus dem Mund des Ehrwürdigen (s) gehört. (Tafhim, Band 5 – Zusammenfassung und Einleitung – an-Nadschm.)

Das Geheimnis der Garaniq-Geschichte

Bedauerlicherweise wurden auch unter unseren eigenen Korankommentatoren und Hadith-Gelehrten einige derartige Überlieferungen bekannt. Das führte dazu, dass das, was die Ungläubigen zu behaupten pflegten, sie aus dem Mund des Ehrwürdigen (s) gehört zu haben, tatsächlich aus dessen Mund hervorgegangen sei. Und es sei aus dem Wunsch heraus geschehen, irgendwie den Hass und die Feindschaft zwischen ihm und den Ungläubigen zu beseitigen. Der Satan habe diese Worte bei dieser Gelegenheit seines Wunsches aus seinem Mund hervorgehen lassen.

Die Geschichte wird folgendermaßen erzählt: Im Herzen des Propheten (s) entstand der Wunsch: „Wenn doch im Koran etwas offenbart würde, wodurch der Hass der ungläubigen Quraisch gegen den Islam beseitigt würde und sie sich ihm ein wenig näherten. Wenigstens sollte es keine derart scharfe Kritik an ihrer Religion geben, die sie aufbringt.“ Während dieser Wunsch in seinem Herzen war, wurde ihm eines Tages, als eine große Versammlung der Quraisch beisammensaß, die Sure an-Nadschm offenbart, und er begann, sie vorzutragen. Als er –

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Als er diesen Punkt erreicht hatte, kamen plötzlich diese Worte aus seinem Mund:

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Danach fuhr er fort, die folgenden Verse der Sure zu rezitieren. Als er anschließend die Sure beendet hatte und sich zur Niederwerfung niederwarf, fielen sowohl die Götzendiener als auch die Muslime in Niederwerfung. Die ungläubigen Quraisch sagten: „Welche Meinungsverschiedenheit besteht nun noch zwischen uns und Muhammad (s)? Wir haben doch immer gesagt, dass der Schöpfer und der Versorger allein Allah ist; gewiss sind diese unsere Götzen vor Seinem Thron unsere Fürsprecher.“ Am Abend kam Gabriel (a) und sagte: „Was hast du getan? Diese beiden Sätze habe ich nicht überbracht.“ Darüber wurde er (der Prophet (s)) sehr betrübt. Daraufhin offenbarte Allah, der Erhabene, diesen Vers, der sich im achten Abschnitt der Sure Banī Isrāʾīl befindet: [Ein Orientalist der westlichen Welt hat ohne jede Wahrhaftigkeit die erdichtete Behauptung aufgestellt, jene satanischen Verse seien aufgehoben und an ihrer Stelle seien die Verse 21 und 22 der Sure an-Naǧm offenbart worden. Dies ist jedoch eine völlig unbegründete Behauptung; er hat dafür keine Überlieferungskette angeführt und war auch nicht imstande, irgendeinen zuverlässigen Beleg vorzulegen – der Verfasser.]

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– Das heißt: O Prophet, diese Leute haben nichts unversucht gelassen, um dich in eine Versuchung zu stürzen und dich von der Offenbarung abzubringen, die Ich dir gesandt habe, damit du in Meinem Namen etwas aus eigener Erfindung sagst … Danach wirst du Mir gegenüber keinen Helfer finden.

Diese Angelegenheit erfüllte das Herz des Propheten ständig mit Kummer. Schließlich wurde der Vers 52 der Sure al-Haddsch offenbart, durch den der Gesandte (s) auf folgende Weise getröstet wurde: Auch bei den früheren Propheten vor dir geschah es, dass ein Prophet einen Wunsch hegte und Satan sich darin einmischte. Was immer Satan auf diese Weise einmischt, löscht Allah aus und befestigt stattdessen Seine eigenen Verse.

Inzwischen wurde die Nachricht, dass die Quraisch nach dem Hören des Korans gemeinsam mit dem Propheten die Niederwerfung vollzogen hatten, in solcher Weise ausgeschmückt nach Abessinien überbracht, dass zwischen dem Propheten (s) und den Ungläubigen in Mekka ein Friedensschluss zustande gekommen sei. Daraufhin kehrten viele Auswanderer nach Mekka zurück. Doch nach ihrer Ankunft erfuhren sie, dass die Nachricht vom Friedensschluss falsch war. Der Konflikt und Zusammenstoß zwischen Islam und Unglauben bestand weiterhin wie zuvor.

Diese Geschichte wurde von Ibn Dschārīr und vielen Korankommentatoren in ihren Tafsīr-Werken, von Ibn Saʿd in seinem Ṭabaqāt, von al-Wāḥidī in seinem Asbāb an-Nuzūl, von Mūsā ibn ʿUqba in seinem Maghāzī-Werk, von Ibn Isḥāq in seiner Sīra sowie von Ibn Abī Ḥātim, Ibn al-Mundhir, al-Bazzār, Ibn Mardūya und at-Ṭabarānī in ihren Hadith-Sammlungen überliefert. Die Überlieferungsketten, auf deren Grundlage sie angeführt wurde, gehen über Muḥammad ibn Qais, Muḥammad ibn Kaʿb al-Quraẓī, ʿUrwa ibn az-Zubair, Abū Ṣāliḥ, Abū al-ʿĀliya, Saʿīd ibn Dschubair, aḌ-Ḍaḥḥāk, Abū Bakr ibn ʿAbd ar-Raḥmān ibn al-Ḥārith, Qatāda, Mudschāhid, as-Suddī und Ibn Schihāb az-Zuhrī schließlich auf Ibn ʿAbbās (r) zurück. (Außer Ibn ʿAbbās (r) war keiner von ihnen ein Gefährte.) Abgesehen von kleineren Abweichungen in den ausführlichen Darstellungen der Geschichte bestehen zwei sehr große Meinungsverschiedenheiten. Erstens: Die einzelnen Überlieferungen unterscheiden sich voneinander hinsichtlich der Worte, die dem Propheten zum Lob der Götzen zugeschrieben werden. Die zweite große Meinungsverschiedenheit besteht darin, dass es nach manchen Überlieferungen Satan dem Propheten während der Offenbarung dieser Worte eingegeben oder sie ihm in den Sinn gelegt habe, sodass er meinte, Gabriel (a) habe sie überbracht. Nach einer anderen Überlieferung seien diese Worte infolge einer unwillkürlichen Reaktion aus seinem Mund gekommen. Nach einer weiteren Überlieferung habe er die Worte absichtlich ausgesprochen, jedoch in Form einer Frage, um sie zurückzuweisen. Einer anderen Überlieferung zufolge habe Satan seine Stimme mit der Stimme des Propheten vermischt und diese Worte gesprochen, sodass man meinte, der Prophet (s) habe sie ausgesprochen. Nach einer weiteren Überlieferung habe jemand unter den Götzendienern diese Worte gesprochen.

Gelehrte wie Ibn Kathir, Baihaqi, Qadi Iyad, Ibn Khuzayma, Qadi Abu Bakr Ibn al-Arabi, Imam Razi, Qurtubi, Badruddin Ayni, Schaukani und Alusi haben diese Geschichte als völlig falsch bezeichnet. Ibn Kathir sagt: Alle Überlieferungsketten, in denen diese Aussage überliefert wurde, sind mursal und munqati. In keiner einzigen korrekten, zusammenhängenden Überlieferungskette habe ich diese Geschichte gefunden. Baihaqi sagt, dass diese Geschichte hinsichtlich ihrer Überlieferung nicht erwiesen ist. Als Ibn Khuzayma dazu befragt wurde, sagte er: „Dies ist eine frei erfundene Geschichte der Zindiq. Ihre Schwäche zeigt sich schon darin, dass keiner der Verfasser der Sihah Sitta sie in seinem Werk überliefert hat. Ebenso ist sie von keinen zuverlässigen Überlieferern mit einer sahih, zusammenhängenden und einwandfreien Überlieferungskette überliefert worden.“ Imam Razi, Qadi Abu Bakr und Imam Alusi haben sie nach ausführlicher Erörterung mit starken Argumenten zurückgewiesen. Auf der anderen Seite halten herausragende Hadith-Gelehrte wie Hafiz Ibn Hajar sowie berühmte Rechtsgelehrte wie Abu Bakr al-Jassas, al-Zamakhshari und Ibn Jarir sie für zutreffend und betrachten sie als die Tafsir des 52. Verses der Sure al-Haddsch. Ibn Hajars Argumentation lautet wie folgt:

Abgesehen von der Überlieferungskette von Said ibn Dschubair sind alle anderen Überlieferungswege, auf denen diese Überlieferung überliefert wird, entweder schwach oder munqati. Die Vielzahl der Überlieferungswege beweist jedoch, dass ihr unbedingt ein wahrer Kern zugrunde liegt.

Außerdem ist diese Überlieferung über eine Überlieferungskette als zusammenhängend und sahih überliefert worden, die al-Bazzar angeführt hat (nämlich: Yusuf ibn Hammad von Umayya ibn Khalid, von asch-Schuʿba, von Abi Bishr, von Said ibn Dschubair, von Ibn Abbas). In zwei weiteren Überlieferungswegen ist sie zwar mursal, doch entsprechen die Überlieferer den Bedingungen der beiden Sahih-Werke. Diese beiden Überlieferungen hat at-Tabari angeführt. Die eine über den Überlieferungsweg von Yunus ibn Yazid von Ibn Schihab, die andere über den Überlieferungsweg von Muʿtasir ibn Sulayman und Hammad ibn Salama von Dawud ibn Abi Hind von Abil Aliya. Was diejenigen betrifft, die derselben Auffassung sind, so haben sie diese Geschichte als richtig anerkannt. Aber auch die Gegner haben in dieser Angelegenheit im Allgemeinen nicht das Recht einer gründlichen Prüfung und Kritik erfüllt. Eine Gruppe weist sie deshalb zurück, weil ihre Überlieferungskette für sie nicht sahih ist. Das bedeutet, dass diese Gelehrten die Geschichte als wahr anerkennen würden, wenn die Überlieferungskette stark wäre. Eine andere Gruppe weist sie deshalb zurück, weil dadurch die gesamte Religion zweifelhaft würde und Zweifel an jedem einzelnen Bestandteil der Religion entstünden, da man dann annehmen müsse, dass vielleicht hier oder dort satanische Einflüsterungen oder das Eingreifen böser Neigungen stattgefunden hätten. Eine solche Argumentation kann jedoch nur diejenigen überzeugen, die fest entschlossen sind, den Glauben anzunehmen. Bei den anderen, die von Anfang an Zweifel hegten oder jetzt nach Prüfung und Untersuchung entscheiden wollen, ob sie glauben sollen oder nicht, wird dadurch nicht der Antrieb entstehen, jene Dinge zurückzuweisen, durch die die Religion als zweifelhaft gilt. Sie werden vielmehr sagen: Wenn ein Ereignis durch die Überlieferung mindestens eines berühmten Gefährten sowie zahlreicher Tabiun, Tabi at-Tabiin und verschiedener zuverlässiger Hadith-Überlieferer erwiesen ist, warum soll es dann aus dem Grund zurückgewiesen werden, dass dadurch eure Religion zweifelhaft wird? Warum soll stattdessen nicht eure Religion als zweifelhaft gelten, wenn dieses Ereignis sie zweifelhaft macht?

Nun ist zu untersuchen, worin die richtige Methode der Kritik und Prüfung bestehen kann, durch die sich bei einer Untersuchung erweisen lässt, dass diese Überlieferung abzulehnen ist – ganz gleich, wie stark ihre Überlieferungskette auch sein mag.

Das erste ist das innere Zeugnis der Geschichte selbst, das sie als falsch erweist. In der Geschichte heißt es, dass sich dieses Ereignis ereignete, nachdem die erste Auswanderung nach Abessinien abgeschlossen war und eine Gruppe der Auswanderer, nachdem sie davon erfahren hatte, nach Mekka zurückgekehrt war. Betrachten wir nun den Unterschied zwischen den Zeitangaben:

– Nach zuverlässigen Überlieferungen fand die Auswanderung nach Abessinien im Radschab des fünften Jahres der Berufung statt. Eine Gruppe der Auswanderer kehrte drei Monate später – vermutlich noch im selben Jahr, im Monat Schawwal – nach Mekka zurück, nachdem sie die falsche Nachricht von einer Einigung gehört hatte. Daraus geht hervor, dass sich dieses Ereignis im fünften Jahr der Berufung ereignete.

– Über einen Vers der Sure Bani Israil heißt es, dass er nach der Miʿradsch offenbart wurde, um Allahs Missfallen über diese Handlung des Propheten (s) zum Ausdruck zu bringen. Nach zuverlässigen Überlieferungen fand die Miʿradsch jedoch im elften oder zwölften Jahr der Berufung statt. Das bedeutet, dass Allah fünf Jahre nach diesem Ereignis Sein Missfallen darüber zum Ausdruck brachte.

– Ferner zeigen der Zusammenhang und die vorausgehenden und nachfolgenden Aussagen des 52. Verses der Sure al-Haddsch, dass er im ersten Jahr nach der Hidschra offenbart wurde. Das heißt: Zweieinhalb Jahre nach der Offenbarung von Allahs Missfallen über den Propheten wurde verkündet, dass diese Beimischung, da sie vom Satan verursacht worden war, aufgehoben oder widerrufen worden sei.

Kann irgendein vernünftiger Mensch glauben, dass der Einschub heute vorgenommen, sechs Jahre später missbilligt und erst neun Jahre später für ungültig erklärt wurde?

Danach wird in dieser Geschichte gesagt, dass dieser Einschub in die Sure an-Nadschm erfolgte, und zwar so, dass der Prophet (s) von Anfang an die eigentlichen Worte der Sure rezitierte. Plötzlich, nachdem er bis ****************************** gelangt war, wurde dieser Satz entweder von ihm selbst oder unter satanischer Einflüsterung hinzugefügt. Danach fuhr er fort, die folgenden Verse der Sure an-Nadschm zu rezitieren. Dazu wird gesagt, dass die ungläubigen Mekkaner beim Hören große Freude empfanden und sagten: Nun ist unser Streit mit Muhammad (s) beendet. Doch fügen Sie diesen eingeschobenen Satz in den Zusammenhang des Wortlauts der Sure an-Nadschm ein und sehen Sie selbst.

– „Habt ihr nun über al-Lat und al-‘Uzza und über Manat, die dritte, weitere Göttin, nachgedacht? Diese sind hochangesehene Göttinnen. Ihre Fürsprache ist gewiss zu erhoffen. Sollten euch etwa die Söhne zustehen und Ihm (Allah) die Töchter? Das wäre eine höchst ungerechte Aufteilung. In Wirklichkeit sind dies nichts als Namen, die ihr und eure Väter ihnen gegeben habt; Allah hat keinerlei Beweis für ihre Wahrheit herabgesandt. Die Menschen folgen nur Vermutungen und ihren selbst ausgedachten Vorstellungen, obwohl ihnen von ihrem Herrn bereits die Rechtleitung zuteilgeworden ist.“

Sehen Sie, welchen offensichtlichen Widerspruch die beiden unterstrichenen Sätze in der obigen Aussage erzeugen. In einem Atemzug wird gesagt, dass eure Göttinnen tatsächlich hochangesehen seien und ihre Fürsprache gewiss zu erhoffen sei. Im nächsten Atemzug werden sie angegriffen und gesagt: Ihr Dummköpfe! Wie könnt ihr Gott die Töchter zuschreiben? Was ist das für eine ungerechte Art: Ihr sollt die Söhne erhalten, während Gott die Töchter bekommen soll? Das sind eure eigenen Erfindungen, für die es von Gott keinen Beweis gibt. Lassen wir für einen Augenblick die Frage beiseite, ob solche unsinnigen Worte überhaupt aus dem Mund eines vernünftigen Menschen kommen können. Nehmen wir an, Satan habe Macht erlangt und diese Worte aus seinem Mund herausbringen lassen. Aber war die gesamte Versammlung der Quraisch, die dies hörte, etwa verrückt, dass sie trotz des ausdrücklichen Widerspruchs der folgenden Sätze gegen jene lobenden Worte weiterhin meinte, ihre Göttinnen seien tatsächlich gelobt worden? Der gesamte Zusammenhang bis zum Ende der Sure an-Nadschm steht diesen lobenden Worten völlig entgegen. Wie kann man glauben, dass die Leute der Quraisch, nachdem sie alles bis zum Ende gehört hatten, dennoch freudig ausriefen: Kommt, heute ist unser Streit mit Muhammad (s) beendet?“

Das ist also das innere Zeugnis der Geschichte, das gerade ihre Erfindung und Sinnlosigkeit belegt. Als Zweites ist zu prüfen, ob die fortlaufende Ordnung des Korans die in dieser Geschichte angeführte Offenbarungsanlass der drei Verse überhaupt zulässt. In der Geschichte wird gesagt, dass der Einschub in der Sure an-Nadschm erfolgte, die im fünften Jahr der Prophetenschaft offenbart wurde. Wegen dieses Einschubs wurde in der Sure Bani Isra’il Missbilligung geäußert. Danach wurde seine Widerlegung und Erklärung in den Versen der Sure al-Hadsch dargelegt. Nun muss zwangsläufig einer von zwei Fällen eingetreten sein. Entweder wurden auch die missbilligenden und widerlegenden Verse zu der Zeit offenbart, als sich der Einschub ereignete. Oder die missbilligenden Verse wurden später zusammen mit der Sure Bani Isra’il und die widerlegenden Verse zusammen mit der Sure al-Hadsch offenbart.

Wenn der erste Fall zutrifft, was für eine merkwürdige Sache wäre es dann, dass diese beiden Verse nicht in die Sure an-Nadschm aufgenommen wurden, sondern der missbilligende Vers sechs Jahre lang einfach liegen gelassen und erst, als die Sure Bani Isra’il offenbart wurde, an einer Stelle in sie eingefügt wurde. Danach wurden die den Einschub widerlegenden Verse zweieinhalb Jahre lang zurückgehalten und nirgendwo eingefügt, bis die Sure al-Hadsch offenbart wurde. Ist die fortlaufende Ordnung des Korans etwa so entstanden, dass die zu einer bestimmten Zeit offenbarten Verse getrennt und verstreut liegen blieben und man einige Jahre später den einen mit dieser Sure und den anderen mit einer anderen Sure verknüpfte?

Wenn jedoch der zweite Fall zutrifft, nämlich dass die missbilligenden Verse sechs Jahre nach dem Ereignis und die widerlegenden Verse acht oder neun Jahre später offenbart wurden, stellt sich neben der bereits erwähnten Unstimmigkeit die Frage: Welchen Anlass gab es dann dafür, sie in der Sure Bani Isra’il und in der Sure al-Hadsch zu offenbaren?

An diesem Punkt tritt die richtige Methode der kritischen Prüfung und Untersuchung vor uns: Man muss prüfen, ob die Auslegung, die zu einem Vers überliefert wird, mit dem Zusammenhang davor und danach im Koran vereinbar ist. Lesen Sie den achten Ruku der Sure Bani Isra’il und werfen Sie auch einen Blick auf die Aussagen davor und danach. Gibt es in diesem Zusammenhang irgendeine Möglichkeit, dass der Prophet wegen eines sechs Jahre zurückliegenden Ereignisses getadelt wird? (Natürlich ist auch zu prüfen, ob der Prophet (s) in dem Vers ***************************** überhaupt getadelt wird und ob die Worte des Verses dagegen protestieren, dass der Prophet in die von den Ungläubigen geschaffene Verwirrung verwickelt wurde, oder ob sie deren Wahrheit bestätigen.) Lesen Sie ebenso die Sure al-Hadsch: Lesen Sie die Aussagen vor Vers 52 und auch die danach. Können Sie irgendeinen vernünftigen Grund finden, wie in diesen Zusammenhang plötzlich Folgendes hineingelangt sein soll: „O Prophet! Mach dir wegen des Einschubs, den du vor neun Jahren im Koran vorgenommen hast, keine Sorgen. Auch durch die früheren Propheten hat Satan dies bewirkt; und als die Propheten dies taten, hob Allah es auf und festigte Seine Verse erneut.“

Wir haben bereits wiederholt gesagt und wiederholen es hier noch einmal: Keine Überlieferung kann allein deshalb als annehmbar gelten, weil sie hinsichtlich ihrer Überlieferungskette strahlender als die Sonne erscheint, wenn sich zeigt, dass ihr eigentlicher Wortlaut deutliche Zeugnisse für ihre Fehlerhaftigkeit liefert und jedes einzelne Element – die Worte des Qurans, ihr Zusammenhang, die Abfolge der Aussagen und anderes – sich ihrer Annahme widersetzt. Diese Argumente werden selbst im Herzen eines zweifelnden und unvoreingenommenen Forschers die feste Überzeugung hervorbringen, dass diese Geschichte völlig erlogen ist. Nun bleibt die Frage nach einem Gläubigen. Er kann dies keineswegs akzeptieren, wenn er offenkundig sieht, dass diese Überlieferung nicht mit nur einem, sondern mit vielen Versen des Qurans kollidiert. Für einen Muslim ist es sehr leicht zu akzeptieren, dass die Verfasser dieser Überlieferung in die Irre geführt wurden. Dagegen kann er keineswegs glauben, dass der Gesandte Allahs (s) jemals aus eigenem Antrieb auch nur ein Wort in den Quran hätte einfügen können. Oder dass in seinem Herzen auch nur für einen Augenblick der Gedanke hätte entstehen können, die Ungläubigen dadurch zufriedenzustellen, dass er dem Tauhid etwas Schirk beimischt. Oder dass er hinsichtlich der Gebote Allahs den Wunsch hätte hegen können, Allah möge nichts sagen, was die Ungläubigen verärgern könnte. Oder dass die Offenbarung auf eine ungeschützte und zweifelhafte Weise zu ihm gelangt sei, sodass Satan gemeinsam mit Dschibril (a) ein Wort in die Offenbarung einfügte und er irrtümlich annahm, auch dieses sei von Dschibril (a) überbracht worden. Jede einzelne dieser Aussagen widerspricht den eindeutigen Erläuterungen des Qurans. Darüber hinaus widerspricht sie auch den erwiesenen Glaubensgrundsätzen, die wir in Bezug auf den Quran und Muhammad (s) vertreten. Möge Allah uns davor bewahren, dass eine solche Überlieferungsgläubigkeit – eine blinde Bereitschaft zur Annahme –, die lediglich aufgrund der lückenlosen Überlieferungskette, der Vertrauenswürdigkeit der Überlieferer und der Vielzahl der Überlieferungswege einen Muslim bereit macht, derart schwerwiegende Aussagen über Allahs Buch und Seinen Gesandten zu akzeptieren.

Ich halte es für angebracht, auch den Zweifel auszuräumen, der dadurch entsteht, dass eine so große Zahl von Überlieferern an der Weitergabe dieser Geschichte beteiligt war. Jemand könnte fragen: Wenn diese Geschichte keinerlei Grundlage hat, wie konnte eine derart große Lüge über den Propheten (s) und den Quran durch solche zuverlässigen Überlieferer von Hadithen Verbreitung finden? Die Antwort darauf findet sich in den Hadith-Sammlungen selbst. In Buchari, Muslim, Abu Dawud, Nasai und dem Musnad Ahmad wird das tatsächliche Geschehen folgendermaßen überliefert:

Der Prophet (s) rezitierte die Sure an-Nadschm, und als er am Ende die Niederwerfung vollzog, fielen alle Anwesenden, Muslime wie Götzendiener, in Niederwerfung. Das ist alles, was geschehen ist. Und daran war nichts Verwunderliches. Erstens wegen der kraftvollen Aussage des Qurans und seiner zu Herzen gehenden Darstellungsweise, und zweitens, weil er aus dem Mund des Propheten (s) mit der Würde einer Offenbarung rezitiert wurde. Wenn nach dem Hören dessen die ganze Versammlung von Gefühl überwältigt wurde und alle gemeinsam mit dem Propheten (s) in Niederwerfung fielen, war daran nichts Verwunderliches. Genau das war es, weshalb die Quraisch sagten, dieser Mann sei ein Zauberer. Später, so ist bekannt, schämten sich die Quraisch für diese kollektive Reaktion. Einer oder einige von ihnen erklärten den Grund für ihr Verhalten damit, dass sie aus dem Mund Muhammads (s) mit eigenen Ohren einige Worte zum Lob ihrer Götzen gehört hätten und sich deshalb gemeinsam mit ihm niedergeworfen hätten. [In Jakuts Muʿdscham al-Buldan heißt es unter dem Stichwort „al-ʿUzza“, dass die Quraisch während des Tawaf um die Kaaba zu sagen pflegten:

*******************************************

Daraus lässt sich vermuten, dass jemand, nachdem er aus dem Mund des Hochgeehrten die Erwähnung von al-Lat und al-ʿUzza gehört hatte, diese Worte im gleichen Ton wie er gesprochen haben könnte und dass diejenigen, die dies aus der Ferne hörten, dadurch zu einer falschen Vorstellung gelangten – der Verfasser.]

Andererseits gelangte dieses Ereignis in folgender Weise zu den Auswanderern: Der Prophet (s) und die Quraisch hätten einen Friedensschluss geschlossen. Denn die Zuschauer hatten gesehen, wie sich der Prophet (s) und die Götzendiener gemeinsam niederwarfen. Dieses Gerücht löste eine solche Aufregung aus, dass alle Auswanderer oder zumindest die meisten von ihnen nach Mekka zurückkehrten. Innerhalb eines einzigen Berichts verschmolzen diese drei Dinge – die Niederwerfung der Quraisch, der Grund für diese Niederwerfung und die Rückkehr der Auswanderer – miteinander und nahmen die Gestalt dieser Geschichte an; daraufhin beteiligten sich einige zuverlässige Personen an ihrer Überlieferung. Der Mensch bleibt eben ein Mensch. Selbst Menschen von großer Frömmigkeit und großer Intelligenz machen bisweilen Fehler. Ihre Fehler sind schädlicher als die Fehler gewöhnlicher Menschen. Menschen, die in ihrer Verehrung Maß und Grenzen überschreiten, akzeptieren neben den richtigen Aussagen dieser großen Persönlichkeiten auch deren falsche Aussagen blind. Feindselige Menschen hingegen sammeln gezielt deren Fehler und führen sie als Beweis dafür an, dass alles, was durch diese Personen zu uns gelangt ist, zurückzuweisen sei. (Tafhim, Band 3, Hadsch, Anmerkung 99.)

Die Lage der zurückkehrenden Auswanderer

Nachdem die Auswanderer gehört hatten, dass die Bewohner Mekkas Muslime geworden seien, kehrten sie im fünften Jahr der Prophetenschaft, im Monat Schawwal, aus Abessinien nach Mekka zurück. Ibn Saʿd sagt, alle Auswanderer seien nach Mekka zurückgekehrt. Ibn Ishaq hingegen sagt, einige seien gekommen und andere nicht. Baladhuri berichtet nicht nur von der Rückkehr aller, die zuerst nach Abessinien ausgewandert waren, sondern legt auch eine Liste von ihnen vor und nennt, wer unter dem Schutz welchen Mekkaners in die Stadt eintrat. Als sie sich Mekka näherten, begegneten sie einem Mann aus den Banu Kinana. Sie fragten ihn nach der Lage der Quraisch. Er sagte, Muhammad (s) habe ihre Götzen lobend erwähnt. Daraufhin hätten sich alle auf die Seite Muhammads (s) gestellt. Als die Auswanderer anschließend wie zuvor begannen, ihre Götzen zu verurteilen, behandelten auch sie die Auswanderer wieder hart.

In dieser Situation berieten sich die Auswanderer untereinander und sagten: Sollen wir wieder nach Abessinien zurückkehren, oder sollten wir, da wir nun einmal hierhergekommen sind, nicht lieber Mekka betreten? Danach wird man sehen, was sich tun lässt. So betrat jeder von ihnen unter dem Schutz irgendeiner Person Mekka. Die einzige Ausnahme war Ibn Masʿud (r.a.), der ohne den Schutz irgendjemandes Mekka betrat, einige Zeit dort blieb und anschließend nach Abessinien ging. Dies berichten Ibn Saʿd, al-Baladhuri und andere über Ibn Masʿud (r.a.). Ibn al-Qayyim hingegen sagt in Zad al-Maʿad, dass er in Mekka blieb. Andererseits haben wir bereits Ibn Ishaqs Aussage angeführt, dass er überhaupt nicht ausgewandert sei.

Al-Baladhuri hat ausführlich berichtet, wer von den zurückkehrenden Auswanderern beim Betreten Mekkas den Schutz welcher Person in Anspruch nahm.

1. Hazrat Uthman (r.a.) wurde von Abu Wahaina Saʿid ibn al-As unter Schutz genommen.

2. Hazrat Abu Hudhaifa ibn Utba ibn Rabiʿa (r.a.) wurde von Umayya ibn Khalaf unter Schutz genommen.

3. Hazrat az-Zubair ibn al-Awwam (r.a.) – sein Beschützer war Zamaʿa ibn al-Aswad.

4. Hazrat Musʿab ibn Umair (r.a.) – sein Beschützer war an-Nadr ibn al-Harith ibn Kalada (oder Abu Aziz ibn Umair).

5. Hazrat Abd ar-Rahman ibn Auf (r.a.) – sein Beschützer war al-Aswad ibn Abd Yaghuth.

6. Hazrat Amir ibn Rabiʿa – sein Beschützer war As ibn Wa’il as-Sahmi.

7. Hadhrat Abu Sabra (r.a.), Sohn des Abu Ruhm – sein Schutzgeber: Uchnas ibn Schuraik.

8. Hadhrat Hatib (r.a.), Sohn des Amr – sein Schutzgeber: Huwaytib ibn Abd al-Uzza.

9. Hadhrat Suhail (r.a.), Sohn des Baida – sein Schutzgeber: ein Angehöriger seines Stammes. (Einer anderen Überlieferung zufolge hielt er sich in Mekka verborgen und ging danach nach Abessinien.)

Al-Baladhuri überliefert unter Berufung auf al-Waqidi, und Ibn Hischam berichtet unter Berufung auf Ibn Ishaq – mit einigen Abweichungen –, dass Hadhrat Uthman (r.a.), Sohn des مظun, den Schutz von al-Walid ibn al-Mughira in Anspruch nahm. Als er jedoch sah, dass die anderen Muslime aufs Äußerste verfolgt wurden, während er unter al-Walids Schutz in großer Ruhe lebte und sich frei bewegte, schämte er sich und dachte bei sich: Meine Glaubensgefährten befinden sich in Bedrängnis, während ich unter dem Schutz eines Götzendieners stehe – das ist eine große Schwäche meines Herzens. Daraufhin sagte er zu al-Walid: „Gewähre mir die Freiheit von deinem Schutz.“ Al-Walid sagte: „Mein Sohn, hast du unter meinem Schutz etwas anderes als Gutes erfahren? Hat dich jemand schlecht behandelt?“ Hadhrat Uthman (r.a.) antwortete, ohne irgendeine Beschwerde vorzubringen: „Ich suche den Schutz Allahs. Unter dem Schutz eines anderen als Ihm zu stehen, gefällt mir nicht.“ Al-Walid sagte: „Dann geh zum Haram und verkünde dort, dass du aus meinem Schutz entlassen bist, so wie ich die Gewährung meines Schutzes verkündet hatte.“ Hadhrat Uthman (r.a.) machte sich zufrieden auf den Weg. Er und al-Walid gingen gemeinsam zum Haram. Al-Walid sagte: „Dieser Uthman ist gekommen, um meinen Schutz zurückzugeben.“ Hadhrat Uthman (r.a.) sagte: „Das ist richtig. Ich habe al-Walids Schutz als den Schutz eines vornehmen und vertrauenswürdigen Mannes erfahren. Doch nun möchte ich unter niemandes Schutz außer dem Allahs stehen. Deshalb habe ich seinen Schutz zurückgegeben.“ Zu jener Zeit war der berühmte arabische Dichter Labid ibn Rabi’a nach Mekka gekommen. Als er seine Gedichte vortrug, sagte er auch diese Zeile:

*******************************************

„Hütet euch! Alles außer Allah ist nichtig.“

Hadhrat Uthman (r.a.), Sohn des مظun, rief: „Du hast die Wahrheit gesagt.“

Als er danach die zweite Zeile vortrug –

***************************************

„Und jede Gnadengabe ist gewiss vergänglich.“

Hadhrat Uthman (ra) sagte: „Das ist eine Lüge. Die Gnadengaben des Paradieses sind nicht vergänglich.“

Labid wurde darüber zornig und sagte an die Quraisch gewandt: „Es war niemals entehrend, mit euch zusammenzusitzen, und Grobheit und Unhöflichkeit standen euch niemals an.“ Daraufhin erhob sich ein Angehöriger der Banu Mughira und versetzte Hadhrat Uthman einen heftigen Schlag ins Gesicht, sodass sein Auge blau anlief. Walid sagte spöttisch: „Mein Sohn, was hast du nun davon?“ Uthman erwiderte: „Auch mein anderes Auge erwartet den Schlag, den sein Gefährte erhalten hat.“ Walid sagte: „Du standest unter dem Schutz eines Mannes, der dein Beschützer war.“ Hadhrat Uthman (ra) sagte: „Bei Allah! Von nun an werde ich keinen Schutz außer dem Schutz Allahs annehmen.“ Während dieses Gesprächs schlug Abdullah bin Abi Umayya bin Mughira demjenigen, der Hadhrat Uthman geohrfeigt hatte, auf die Nase und verletzte sie schwer.

Ibn Hisham berichtet unter Berufung auf Ibn Ishaq, dass Hadhrat Abu Salama bei seinem Onkel Abu Talib Schutz suchte. Denn er war der Sohn von Abu Talibs Schwester Barra bint Abd al-Muttalib. Die Banu Makhzum sagten zu Abu Talib: „Du hast zwar deinen Neffen unter deinen Schutz genommen, aber was verbindet dich mit unserem Mann, dass du auch ihm Schutz gewährst?“ Er antwortete: „Muhammad (s) ist mein Neffe, und Abu Salama ist mein Schwestersohn. Wenn ich meinem Neffen Schutz gewähren kann, warum sollte ich es dann meinem Schwestersohn nicht können?“ Als die Banu Makhzum gerade streiten wollten, erhob sich Abu Lahab und sagte: „O Leute der Quraisch! Ihr habt unserem Ältesten schon vieles angetan und setzt ihn unter Druck, damit er denjenigen, dem er innerhalb seines Volkes Schutz gewährt, aus seinem Schutz entlässt. Bei Allah! Entweder hört ihr auf, ihn zu belästigen, oder ich werde mich ebenfalls an seine Seite stellen.“

Als die Banu Makhzum diese Worte Abu Lahabs hörten, erschraken sie und sagten: „O Abu Utba, wir wollen dich nicht verärgern.“

At-Tabari sagt, dass unter den Rückkehrern Hadhrat Uthman (ra) bin Affan und seine Frau Hadhrat Ruqayya (ra), die Tochter des Gesandten Allahs (s), sowie Hadhrat Abu Hudhaifa (ra) und seine Frau Sahla bint Suhail bin Amr in Mekka blieben und sich dort aufhielten, bis sie nach Medina auswanderten. Über diese Überlieferung bestehen jedoch Zweifel. Denn Ibn Ishaq erwähnt seinen Namen unter denjenigen, die zum zweiten Mal nach Abessinien auswanderten, und zählt ihn zu jener Gruppe von dreiunddreißig Männern und acht Frauen, die vor der Auswanderung des Propheten (s) nach Medina aus Abessinien nach Mekka kam. Von ihnen starben zwei, sieben wurden gefangen genommen und vierundzwanzig nahmen an der Schlacht von Badr teil.

Die zweite Auswanderung nach Abessinien

Als die Verfolgung und Unterdrückung der Muslime in Mekka ihren Höhepunkt erreichte und der Prophet (s) sah, dass Abessinien sich als sicherer Zufluchtsort für die Muslime erwiesen hatte, wies er erneut an, dass die Unterdrückten nach Abessinien auswandern sollten. So fand im sechsten Jahr der Prophetenschaft (615 n. Chr.) die zweite Hidschra statt. Obwohl die Quraisch verzweifelte Anstrengungen unternahmen, die Auswanderung zu verhindern, und die Auswanderer auf verschiedene Weise belästigten, gelangten diesmal dennoch mehr als achtzig Männer und achtzehn oder neunzehn Frauen sicher nach Abessinien. Ibn Saʿd gibt die Zahl der Männer mit 83 an und erwähnt elf Frauen aus den Quraisch und sieben Frauen, die nicht den Quraisch angehörten. Unter den 83 Männern wird auch der Name ʿAmmar ibn Yasir (ra) genannt. Ibn Ishaq äußert jedoch Zweifel daran, dass er sich ihnen angeschlossen habe. Die Historiker Waqidi, Ibn ʿUqba und andere erklären mit fester Überzeugung, dass er nicht zu ihnen gehörte. Ibn ʿAbd al-Barr hingegen sagt mit Bestimmtheit, dass er unter ihnen war. Ebenso wird unter diesen Auswanderern der Name des ehrwürdigen Abu Musa al-Aschʿari (ra) erwähnt. Die Wahrheit ist jedoch, dass er nicht von Mekka aus auswanderte. Vielmehr kam er zunächst, nahm den Islam an, kehrte nach Jemen zurück und widmete sich dort der Verbreitung des Islam. Danach brach er mit einigen Angehörigen seines Volkes, deren Zahl mit 52 oder 53 angegeben wird, in einem Schiff vom Jemen auf. Der Wind trieb ihr Schiff jedoch an die Küste Abessiniens. Auf diese Weise schlossen sie sich den Auswanderern an. In den Werken von Buchari und Muslim findet sich genau diese eigene Überlieferung Abu Musas (ra). Er sagt: „Als wir die Verkündung der Prophetenschaft des Gesandten Allahs (s) hörten und uns im Jemen befanden, machten wir uns in einem Schiff auf den Weg. Unser Schiff brachte uns jedoch nach Abessinien. Dort trafen wir den ehrwürdigen Jaʿfar ibn Abi Talib. Anschließend gelangten wir zur Zeit der Eroberung von Chaibar gemeinsam mit ihm nach Chaibar.“ Ibn Saʿd überliefert folgende Aussage des ehrwürdigen Abu Musa: „Wir brachen mit mehr als fünfzig Angehörigen unseres Volkes aus dem Jemen auf, und unser Schiff brachte uns in das Gebiet des Nadschaschi (des Königs von Abessinien). Der ehrwürdige Jaʿfar (ra) ibn Abi Talib hielt sich dort bereits von Anfang an auf.“

Liste der Auswanderer

Anhand dieser von Ibn Hischam unter Berufung auf Ibn Ishaq zusammengestellten Liste der Auswanderer lässt sich die Bedeutung dieser Auswanderung ermessen.

Aus dem Stamm der Banu Haschim

1. Der ehrwürdige Jaʿfar ibn Abi Talib (ra).

2. Seine Ehefrau Asma bint ʿUmais al-Chathʿamiyya.

Aus dem Stamm der Banu Umaiya

3. Der ehrwürdige ʿUthman ibn ʿAffan (ra).

4. Seine Ehefrau Hazrat Ruqayya (ra), die Tochter des Gesandten Allahs (s).

5. Amr ibn Said ibn al-As (ra).

6. Seine Ehefrau Fatima bint Safwan.

7. Sein Bruder Khalid ibn Said ibn al-As (ra).

8. Seine Ehefrau Umayna Khalaf.

Aus dem Stamm, der mit den Banu Umayya einen Bündnisvertrag geschlossen hatte

9. Hazrat Abdullah ibn Jahsh (ra). (Aus den Banu Ghanm ibn Dudan und der Bruder von Hazrat Zaynab (ra), der Mutter der Gläubigen.)

10. Sein Bruder Ubaydullah ibn Jahsh (ra).

11. Seine Ehefrau Umm Habiba.

12. Qais ibn Abdullah.

13. Seine Ehefrau Baraka bint Yasar.

14. Muʿayqib ibn Abī Fātima.

Aus den Banū ʿAbd Schams ibn ʿAbd Manāf

15. Abū Hudhaifa (r.a.), Sohn von ʿUtba ibn Rabīʿa.

16. ʿUtba ibn Ghazwān (r.a.).

17. Zubair ibn al-ʿAwwām ibn Khuwaylid (r.a.).

18. Aswada (r.a.) ibn Nawfal ibn Khuwailid,

(Zubair und Aswad waren Neffen von Hadhrat Chadidscha (r.a.).)

19. Yazid (r.a.) ibn Umayya ibn Harith ibn Asad.

Aus den Banū ʿAbd ibn Qusaiy

21. Tulaib (r.a.) ibn Umair ibn Wahb (er war ein Cousin des Propheten väterlicherseits).

Aus den Banū ʿAbd ad-Dār ibn Qusaiy

22. Musʿab (r.a.) ibn Umair ibn Haschim.

23. Suwaibita (r.a.) ibn Saʿd.

24. Dschahm (r.a.), Sohn des Qais.

25. Seine Ehefrau Umm Harmala (r.a.), Tochter des Abd al-Aswad.

26. Sein Sohn Amr (r.a.), Sohn des Dschahm.

27. Sein anderer Sohn Chusaim (r.a.), Sohn des Dschahm.

28. Abu r-Rum (r.a.), Sohn des Umair, Sohn des Haschim.

29. Kiram (r.a.), Sohn des Nadar, Sohn des Harith, Sohn des Kalada.

30. Abd ar-Rahman ibn Auf (r.a.).

31. Amir ibn Abi Waqqas (r.a.).

(der Bruder von Saʿd bin Abi Waqqas)

32. Mutallib bin Azhar (r.a.).

33. Seine Ehefrau Ramla bint Auf.

Durch einen Pakt an die Banu Zuhra gebunden

34. Abdullah bin Masʿud (r.a.).

35. Sein Bruder Utba Masʿud (r.a.).

36. Miqdad bin Amr (r.a.).

Aus den Banu Taym

37. Hārith ibn Khāla (ra).

38. Seine Ehefrau Rayta (ra), Tochter des al-Hārith ibn Habāla.

39. ʿAmr ibn ʿUthmān (ra).

Aus den Banū Makhzūm

40. Abū Salama ibn ʿAbd al-Asad (ra).

41. Seine Ehefrau ʿUthmān (ra).

42. Shammās ibn ʿUthmān (ra).

43. Habbār ibn Sufyān (ra).

44. Sein Bruder Abdullah ibn Sufyan (r.a.).

45. Hischam ibn Abi Hudhaifa ibn al-Mughira (r.a.).

46. Salama ibn Hischam ibn al-Mughira (r.a.).

47. Ayyasch ibn Abi Rabia (r.a.).

Verbündeter durch einen Schutzvertrag mit den Banu Makhzum.

48. Mu’attib ibn Auf (r.a.).

Aus den Banu Dschumah

49. Uthman ibn Maz’un (r.a.).

50. Sein Sohn Saib bin Osman (r.a.).

51. Qudama bin Maz’un (Osmans Bruder) (r.a.).

52. Der zweite Bruder, Abdullah bin Maz’un (r.a.).

53. Hatib bin al-Harith (r.a.).

54. Seine Ehefrau Fatima bint al-Mudschallil al-Amiriyya.

55. Sein Sohn Muhammad bin Hatib (r.a.).

56. Sein zweiter Sohn al-Harith bin Hatib (r.a.).

57. Sein Bruder Khattab bin al-Harith (r.a.).

58. Seine Ehefrau Fukaiha bint Yasar.

59. Sufyan bin Ma’mar (r.a.).

60. Sein Sohn Jabir bin Sufyan (r.a.).

61. Sein zweiter Sohn Junada bin Sufyan (r.a.).

62. Seine Ehefrau Hasana (r.a.) – die Mutter von Jabir und Junada.

63. Schur Jabil Hasana (r.a.), Hasanas Sohn aus der Ehe mit ihrem zweiten Ehemann.

64. Uthman bin Rabia bin Uhban (r.a.).

Aus den Banu Sahm

65. Khunais ibn Hudhafa (r.a.), (der Schwiegersohn von Hazrat Umar (r.a.)).

66. Abdullah ibn Harith (r.a.).

67. Hischam ibn al-As ibn Wa’il (r.a.).

68. Qais ibn Hudhafa (r.a.).

69. Abu Qais ibn Harith (r.a.).

70. Abdullah ibn Hudhafa (r.a.).

71. Harith ibn Harith ibn Qais (r.a.).

72. Muammar ibn Harith ibn Qais (r.a.).

73. Bishan bin Haris Ban Qais (r.a.).

74. Sein Halbbruder Said bin Amr (r.a.).

75. Said bin Haris bin Qais (r.a.).

76. Saib bin Haris bin Qais (r.a.).

77. Umair bin Riaab (r.a.).

Verbündeter durch einen Vertrag mit den Banu Sahm

78. Mahmiya bin al-Dschazya (r.a.).

79. Mუammar bin Abdullah bin Nadla (r.a.).

80. ʿUrwa ibn ʿAbd al-ʿUzzā (r.a.).

81. ʿAdī ibn Nadla (r.a.).

82. Sein Sohn Nuʿmān ibn ʿAdī (r.a.).

83. ʿĀmir ibn Rabīʿa al-ʿAnzī (r.a.).

84. Seine Ehefrau Laylā bint Abī Ḥasma (r.a.).

Aus den Banū ʿĀmir ibn Luʾayy

85. Abū Ṣabra ibn Abī Ruhm (r.a.).

86. Seine Ehefrau Umm Kulthūm bint Suhayl ibn ʿAmr.

87. Abdullah ibn Makhrama (ra).

88. Abdullah ibn Suhail ibn Amr (ra).

89. Salit ibn Amr (ra).

90. Sein Bruder Sakram ibn Amr (ra).

91. Seine Ehefrau Sawda bint Zam’a (ra).

(Später wurde ihr die Ehre zuteil, Umm al-Mu’minin zu werden.)

92. Malik ibn Zam’a (ra) (der Bruder von Hadhrat Sawda).

93. Seine Ehefrau Amra bint as-Sa’di (ra).

94. Hatib ibn Amr (r.a.).

Mit den Banū ʿĀmir in einem Bündnis verbunden

95. Saʿd ibn Khawla (r.a.).

Aus den Banū Hārith ibn Fihr

96. Abū ʿUbaida ibn al-Dscharrāh (r.a.).

97. Suhail ibn Baiḍāʾ (r.a.).

98. ʿAmr ibn Abī Sarḥ (r.a.).

99. Iyāḍ ibn Zuhair (r.a.).

100. Amr ibn al-Harith ibn Zuhair (r.a.).

101. Uthman ibn Abid Ghanam ibn Zuhair (r.a.).

102. Saʿd ibn ʿAbd Qais (r.a.).

103. Harith ibn ʿAbd Qais (r.a.). (Ergänzung des Verfassers.)

Die Auswirkungen dieser Auswanderung in Mekka

Infolge dieser Auswanderung begannen in jedem Haus in Mekka Klagen und Wehgeschrei. Denn es gab in keiner großen oder kleinen Familie der Quraisch jemanden, dessen geliebtes Kind nicht zu den Ausgewanderten gehörte. Der Sohn des einen war fortgegangen, der Schwiegersohn des anderen. Die Tochter der einen war fortgegangen, der Bruder oder die Schwester der anderen. Abu Dschahls Bruder Salama ibn Hischam (r.a.), seine Cousins Hischam ibn Abi Hudhaifa (r.a.) und Ayyasch ibn Abi Rabiʿa (r.a.), seine Cousine, Hadhrat Umm Salama (r.a.), Abu Sufyans Tochter Umm Habiba (r.a.), Abu Hudhaifa (r.a.), der Sohn von Utba ibn Rabiʿa und leibliche Bruder von Hind, der Leberfresserin, sowie die Söhne, Töchter und Schwiegersöhne von Suhail ibn Amr. Auf diese Weise verließen die eigenen Kinder auch anderer Anführer der Quraisch und namhafter Feinde des Islams um der Religion willen ihre Häuser und ihr Zuhause. Deshalb gab es kein Haus, das von diesem Ereignis nicht schmerzlich betroffen gewesen wäre. Manche Menschen wurden dadurch noch erbittertere Feinde des Islams als zuvor. Bei anderen wiederum hatte es eine solche Wirkung, dass sie Muslime wurden. (Tafhim, Band 3, Einleitung zur Sure Maryam.)

Abu Bakrs Absicht auszuwandern

Danach erhielten die Quraisch einen weiteren Schlag, als ein angesehener Mann wie Hadhrat Abu Bakr (r.a.) nach einer Erlaubnis des Gesandten Allahs (s.a.w.) Mekka verließ, um sich den übrigen Auswanderern anzuschließen. Nach der Überlieferung von Hadhrat Aischa (r.a.) in al-Buchari erreichte er einen Ort namens Barq al-Ghimad [Die Aussprache dieses Namens ist umstritten. Die hier verwendete Aussprache wurde aus Fath al-Bari übernommen. Im Muʿdscham al-Buldan steht „Birq al-Ghimad“ **************. Eine weitere Aussprache lautet „Birqal Ghumad“ *************** – der Verfasser.] (fünf Tagesreisen von Mekka in Richtung Jemen). Dort begegnete er Ibn ad-Dughunna, dem Anführer des Stammes Qara. Ibn Ishaq überliefert über az-Zuhri, dann über Urwa und schließlich über Hadhrat Aischa (r.a.), dass Abu Bakr Ibn ad-Dughunna begegnete, nachdem er eine oder zwei Tagesreisen von Mekka zurückgelegt hatte. Dieser war damals der Anführer der Ahābisch. Er sagte: „Abu Bakr! Wohin gehst du?“ Er antwortete: „Meine Leute haben mich vertrieben. Sie haben mir großes Leid zugefügt und mein Leben unerträglich gemacht.“ Er sagte: „Warum, erzähl mir!“ Ein Mann wie Abu Bakr könne doch nicht auswandern, und niemand könne ihn vertreiben. Bei Gott, du bist eine Zierde der Gesellschaft: Du verschaffst dem Bedürftigen ein Einkommen, pflegst die Verwandtschaft, trägst die Last der Unfähigen, bewirtest die Gäste und hilfst bei guten Taten. Kehre um, ich werde dir meinen Schutz gewähren. Verehre in deiner eigenen Stadt deinen eigenen Herrn.“ Dann kam er mit Hadhrat Abu Bakr (r.a.) nach Mekka und begab sich zu den angesehenen Anführern der Quraisch. Er sagte: „Ein Mann wie Abu Bakr kann nicht auswandern und auch nicht vertrieben werden. Könnt ihr einen Mann mit solchen und solchen Vorzügen vertreiben?“ Nach der Überlieferung Ibn Ishaqs verkündete er in Mekka: „Ich habe dem Sohn des Quhafa Schutz gewährt; nun soll niemand ihm etwas antun außer Gutes.“ Die Quraisch wiesen seinen Schutz nicht zurück. Sie stellten jedoch die Bedingung, dass Abu Bakr (r.a.) in seinem eigenen Haus seinen eigenen Herrn nach Belieben verehren und rezitieren dürfe, was er wolle. Er solle uns aber nicht dadurch belästigen, dass er mit lauter Stimme rezitiere, und nicht damit beginnen, außerhalb seines Hauses zu rezitieren. Denn wir befürchten, dass dadurch unsere Frauen und Kinder einer Versuchung ausgesetzt werden. Daraufhin errichtete Abu Bakr (r.a.) innerhalb seines Grundstücks eine Moschee und begann dort zu beten und den Koran zu rezitieren. Seine Rezitation war von solcher Gefühlsintensität, Wärme und Anziehungskraft, dass die Frauen, Kinder und Jugendlichen der Götzendiener ohne Unterschied in großer Zahl zusammenströmten, um den Koran zu hören. Während Abu Bakr (r.a.) rezitierte, begann er zu weinen, und auch die Zuhörer waren tief ergriffen. Dadurch gerieten die Anführer der Götzendiener in Unruhe. Sie ließen Ibn ad-Dughunna holen und sagten: „Wir haben ihm deinetwegen Schutz gewährt, damit er in seinem Haus seinen eigenen Herrn verehren kann. Doch er hat innerhalb seines Grundstücks eine Moschee errichtet und begonnen, offen zu beten und den Koran zu rezitieren. Wir befürchten, dass dadurch unsere Frauen und Kinder irregeführt werden. Halte ihn davon ab. Entweder soll er still in seinem Haus seinen eigenen Herrn verehren und Ihm dienen, oder du sollst deinen Schutz zurücknehmen. Wir wollen deinen Schutzvertrag jedoch nicht verletzen.“

Darauf ging Ibnud-Dughunna zu Hazrat Abu Bakr (r.a.) und sagte dies zu ihm. Er sagte: „Ich möchte nicht, dass sich in Arabien herumspricht, ich hätte einem Mann Schutz gewährt und dieser mein Schutz gebrochen worden sei.“ Hazrat Abu Bakr (r.a.) erwiderte: „Nun gut, dann gebe ich deinen Schutz an dich zurück und bin mit Allahs Schutz zufrieden.“ Ibnud-Dughunna erhob sich, ging zu den Quraisch und sagte: „Abu Bakr (r.a.) hat mir meinen Schutz zurückgegeben. Nun seid ihr und euer Mann auf euch allein gestellt.“ (Ergänzung.)

Die Gesandten der Götzendiener beim Nadschaschi, um die Auswanderer zurückzuholen

Nach der Hidschra kamen die Anführer der Quraisch zusammen und beschlossen, Abdullah ibn Abi Rabi’a [Manche schreiben Abdullah ibn Rabi’a. Ibn Hischam jedoch schreibt: ibn Abi Rabi’a. Er war der leibliche Bruder von Hazrat Ayyasch ibn Abi Rabi’a (r.a.), so der Verfasser.] (der Halbbruder von Abu Hāla) und Amr ibn al-As mit zahlreichen kostbaren Geschenken nach Abessinien zu schicken. Sie sollten den Nadschaschi (den König von Abessinien) auf irgendeine Weise dazu bewegen, die Auswanderer nach Mekka zurückzuschicken.

Der Bericht von Hazrat Umm Salama (r.a.)

Umm al-Muʾminin Hazrat Umm Salama (r.a.), eine der Auswandererinnen, hat einen ausführlichen Bericht über dieses Ereignis gegeben, den Ibn Ishaq und Imam Ahmad überliefert haben. Sie erzählt, dass diese beiden erfahrenen politischen Gesandten auf der Suche nach uns in Abessinien eintrafen und den Höflingen des Nadschaschi reichliche Geschenke überreichten. Sie gewannen sie dafür, gemeinsam gewaltigen Druck auf den Nadschaschi auszuüben, damit er die Auswanderer in ihre Heimat zurückschicke. Dann trafen sie den Nadschaschi, überreichten ihm kostbare Geschenke und sagten: „Einige törichte junge Burschen aus unserer Stadt sind zu euch geflohen, und die angesehenen Männer unseres Volkes haben uns zu euch geschickt, um euch zu bitten, sie zurückzuschicken. Diese jungen Burschen sind sogar aus unserer Religion ausgetreten. Sie haben auch eure Religion nicht angenommen, sondern eine seltsame Religion erfunden.“

Kaum hatte er seine Rede beendet, riefen die Räte des Königs von allen Seiten: „Solche Leute müssen unbedingt zurückgeschickt werden. Ihre eigenen Volksangehörigen wissen am besten, worin ihre Fehler und Mängel bestehen. Es ist nicht richtig, sie hier zu behalten.“

Der Nadschaschi wurde zornig und sagte: „So kann ich sie ihnen doch nicht einfach ausliefern. Ich kann nicht das Vertrauen derjenigen brechen, die ihr eigenes Land verlassen, auf mein Land vertraut und hier Zuflucht gesucht haben. Zuerst werde ich sie rufen lassen und sie befragen, wie viel Wahrheit in dem steckt, was diese über sie sagen.“ Darauf ließ der Nadschaschi die Gefährten des Gesandten Allahs (r.a.) in seinen Palast rufen.

Nachdem sie die Botschaft des Nadschaschi gehört hatten, berieten sich alle Auswanderer gemeinsam darüber, was sie vor dem König sagen sollten. Schließlich beschlossen sie einstimmig, genau das zu sagen, was der Prophet (s.a.w.) gelehrt hatte – ganz gleich, ob der Nadschaschi ihnen erlauben würde, hier zu bleiben, oder sie ausweisen würde.

Sobald er den Hof erreicht hatte, fragte der Negus:

Was habt ihr getan, dass ihr eure eigene Religion aufgegeben und auch meine Religion nicht angenommen habt? Und habt ihr etwa auch keine der Religionen der Welt angenommen? Was ist denn überhaupt diese neue Religion von euch?

Seitens der Auswanderer hielt Hadhrat Jaʿfar ibn Abī Tālib spontan eine Ansprache, in der er die religiösen, gesellschaftlichen und moralischen Missstände der arabischen Zeit der Unwissenheit schilderte. Dann erwähnte er das Kommen des Propheten (s) und erklärte, was dieser lehrte. Anschließend berichtete er von den verschiedenen Formen der Unterdrückung und Misshandlung, denen die Anhänger des Propheten ausgesetzt waren. Er schloss seine Ansprache mit den Worten: »Statt in ein anderes Land zu gehen, sind wir in euer Land gekommen, weil wir hoffen, dass wir hier keiner Unterdrückung ausgesetzt sein werden.« [Die wörtliche Ansprache Hadhrat Jaʿfars (r), die Ibn Ishaq nach der Überlieferung von Hadhrat Umm Salama (r) zitiert hat, lautet wie folgt:]

O erhabener König! Wir waren ein Volk, das in der Zeit der Unwissenheit versunken war. Wir verehrten Götzen und aßen verendete Tiere. Wir waren an obszöne Taten gewöhnt, zerrissen die Bande der Verwandtschaft, behandelten unsere Nachbarn schlecht und hielten unsere Versprechen nicht. Die Starken töteten die Schwachen. In diesem Zustand befanden wir uns, als Allah, der Erhabene, aus unserer Mitte selbst einen Gesandten zu uns sandte. Seine Abstammung, seine Vertrauenswürdigkeit, seine Wahrhaftigkeit und sein makelloser Charakter waren uns bekannt. Er rief uns zu Allah auf, damit wir an die Einheit Allahs glauben und nur Ihn anbeten sollten, und damit wir die steinernen Götzen aufgeben sollten, die wir und unsere Vorväter verehrt hatten. Er gebot uns, die Wahrheit zu sagen, anvertraute Güter treu zu verwahren, die Verwandten gut zu behandeln, den Nachbarn Hilfe und Mitgefühl entgegenzubringen, Versprechen einzuhalten und uns von verbotenen Taten und Tötungen fernzuhalten. Er hielt uns von jeder Art von Unzucht, von Lügen, vom Verzehr des Eigentums der Waisen und von der falschen Beschuldigung keuscher Frauen ab. Er wies uns an, nur Allah anzubeten und Ihm nichts beizugesellen. Er lehrte uns auch, das Gebet zu verrichten, zu fasten und die Zakāt zu entrichten. (Umm Salama (r) berichtet, dass Hadhrat Jaʿfar dem König auf diese Weise auch die übrigen Gebote und Bestimmungen des Islam vortrug.) Daher erkannten wir seine Wahrhaftigkeit an und glaubten an ihn. Wir befolgen alles, was er von Allah gebracht hat. Wir beten nur Allah an und gesellen Ihm niemanden bei. Was er uns verbietet, das erklären auch wir für verboten, und was er uns erlaubt, das erklären auch wir für erlaubt. Daraufhin stürzte sich unser Volk auf uns. Sie begannen, uns zu bestrafen, und unterdrückten uns wegen unserer Religion derart, als würden wir statt Allah Götzen anbeten. Zugleich erklärten wir jene abscheulichen Dinge für erlaubt, die wir zuvor erlaubt hatten. Als sie unser Leben schließlich durch ihre Tyrannei und Verfolgung unerträglich machten und uns den Weg unserer Religion versperrten, brachen wir in euer Land auf. Wir zogen euer Land den anderen Ländern vor und suchten bei euch Schutz, in der Hoffnung, keiner Unterdrückung ausgesetzt zu sein. – Der Verfasser

Trag mir jene Worte vor, von denen ihr sagt, dass sie eurem Propheten von Allah offenbart worden sind.

Daraufhin trug Hadhrat Jaʿfar (r) den Anfang der Sure Maryam vor, in dem von Hadhrat Yahyā (a) und Hadhrat ʿĪsā (a) die Rede ist. Der Negus hörte ihm zu und begann zu weinen, so sehr, dass sein Bart von Tränen benetzt wurde. Auch sein Priester brach in Tränen aus, und ebenso weinten die Höflinge. Als Hadhrat Jaʿfar (r) seine Rezitation beendet hatte, sagte der Negus: »Wahrlich, diese Worte und das, was ʿĪsā (a) gebracht hat, stammen beide aus derselben Quelle. Bei Allah, ich werde euch ihnen nicht ausliefern.« Zum Gesandten der Quraisch sagte er: »Kehrt zurück! Ich werde diese Menschen niemals eurer Gewalt überlassen – das wird niemals geschehen.«

Hadhrat Umm Salama (r) berichtet: ʿAbdullāh ibn Abī Rabīʿa empfand eine gewisse Zuneigung zu uns und wollte, dass wir gerettet würden. Doch ʿAmr ibn al-ʿĀṣ sagte: »Bei Allah, morgen werde ich etwas sagen, das sie an der Wurzel vernichten wird. Ich werde dem Negus sagen, dass diese Menschen ʿĪsā ibn Maryam (a) lediglich für einen Diener halten.« ʿAbdullāh sagte: »Tu das nicht. Auch wenn sie unsere Gegner sind, sind sie doch unsere Verwandten. Wir haben ihnen gegenüber ebenfalls gewisse Pflichten.« ʿAmr ibn al-ʿĀṣ schenkte seinen Worten jedoch keine Beachtung und sagte am nächsten Tag zum Negus: »Lass sie rufen und frage sie auch, was ihr Glaube in Bezug auf ʿĪsā ibn Maryam ist. Über ihn vertreten sie eine äußerst schwerwiegende Auffassung.« Der Negus ließ die Auswanderer erneut holen. Sie wussten von ʿAmr ibn al-ʿĀṣ’ Intrige. Sie versammelten sich und berieten, was sie antworten sollten, falls der Negus sie nach ʿĪsā (a) fragte. Die Lage war äußerst heikel, und alle waren sehr beunruhigt. Doch die Gefährten des Gesandten fassten den Entschluss: »Was auch immer geschehen mag, geschehe. Wir werden nur das sagen, was Allah gesagt und Sein Gesandter gelehrt hat.« Als sie schließlich zum Hof des Königs gingen, legte der Negus ihnen die Frage von ʿAmr ibn al-ʿĀṣ vor. Jaʿfar ibn Abī Tālib erhob sich und sagte ohne jedes Zögern:

****************************************

–Er ist Allahs Diener, Sein Gesandter, ein Geist und ein Wort von Ihm, das Allah auf die jungfräuliche Maryam herabgesandt hat.

Nachdem der Nadschaschi dies gehört hatte, hob er einen Grashalm vom Boden auf und sagte: „Bei Gott! Was du gesagt hast, ist nicht mehr, als ʿIsa (a) war.“ Bei diesen Worten zischten die Priester wie Schlangen auf. Doch der Nadschaschi sagte: „Bei Gott, so ist es, ganz gleich, wie sehr ihr auch zischen mögt.“ Dann sagte er zu uns: „Geht, bleibt in meinem Land in Sicherheit. Wenn jemand euch etwas Böses antut, wird er bestraft. Selbst wenn mir jemand einen Berg aus Gold als Geschenk gäbe, würde ich es nicht vorziehen, euch dafür Leid zuzufügen.“ Danach befahl er: „Gebt diesen beiden Gesandten ihre Geschenke zurück; ich brauche sie nicht. Als Allah mir mein Königreich zurückgab, nahm Er von mir kein Bestechungsgeld – wie sollte ich also in Allahs Angelegenheit Bestechungsgeld annehmen?“ (Tafhim, Band 3, Einleitung zur Sure Maryam.)

Der Bericht von Hadrat ʿAbdullah ibn Masʿud

Ein weiterer Augenzeuge dieses Ereignisses war Hadrat ʿAbdullah ibn Masʿud (ra). Er war bei jener Zusammenkunft anwesend. Sein Bericht wird im Musnad des Ahmad und bei at-Tabarani folgendermaßen überliefert:

Als der Nadschaschi die Auswanderer zu sich an seinen Hof rufen ließ und aus dem Mund von Jaʿfar ibn Abi Talib (ra) von der Lehre des Propheten (s) hörte, sagte er: „Bei Gott! Sie sagen über ʿIsa (a) nicht mehr, als wir sagen. Willkommen euch und jenem Wesen, von dem ihr gekommen seid. Ich bezeuge, dass er Allahs Gesandter ist; er ist eben jener, dessen Erwähnung wir im Evangelium finden. Und er ist jener Gesandte, dessen frohe Botschaft ʿIsa ibn Maryam (a) verkündet hat.“ (Tafhim, Band 5, Sure as-Saff, Anmerkung 8.)

Im Bericht von ʿAbdullah ibn Masʿud (ra) wird auch erwähnt, dass die beiden Gesandten der Quraisch am Hof des Nadschaschi erschienen, sich zunächst vor ihm niederwarfen und sich zu seiner Rechten und Linken niederließen. Sie sagten: „Einige Leute aus unserem Volk sind zu Euch gekommen und haben sich von uns und unserer Religion losgesagt. Deshalb werde ich im Namen aller sprechen.“ Alle folgten ihm. Als Hadrat Jaʿfar (ra) den Hof betrat, grüßte er. Die Höflinge sagten: „Warum habt Ihr Euch nicht niedergeworfen?“

Jaʿfar (ra) sagte: „Wir werfen uns vor niemandem außer Gott nieder.“ Danach erwähnte er den Propheten (s) und seine Lehre und anschließend die Glaubensauffassung der Muslime über Hadrat ʿIsa ibn Maryam. In diesem Bericht wird auch die Aussage des Nadschaschi überliefert, dass er nach seinem Bekenntnis zur Wahrhaftigkeit des Propheten (s) sagte: „Bei Gott! Wenn ich nicht in der Verantwortung des Königtums gefangen wäre, würde ich mich in seinen Dienst begeben, seine Schuhe tragen und ihm die Gebetswaschung ermöglichen.“

Der Bericht von Hadrat Abu Musa al-Aschʿari

Hafiz Abu Nuʿaim und al-Baihaqi überliefern nahezu denselben Bericht von Hazrat Abu Musa al-Aschʿari. Darin heißt es zusätzlich, dass der quraischitische Gesandte den Nadschaschi, noch bevor die Auswanderer den Königshof erreichten, mit den Worten aufzuwiegeln versuchte: „Seht nur, sie werden sich nicht vor Euch niederwerfen.“ Als wir den Hof erreichten, sagten die Höflinge: „Werft euch vor dem König nieder!“ Jaʿfar (r. a.) sagte: „Wir werfen uns vor niemandem außer Allah nieder.“ Als wir weitergingen und vor dem Nadschaschi standen, sagte er: „Was hat euch davon abgehalten, euch vor mir niederzuwerfen?“ Er gab dieselbe Antwort: „Wir werfen uns vor niemandem außer Allah nieder.“ Was danach geschah, war dasselbe, was Ibn Masʿud (r. a.) berichtet hat. Schließlich sagte der Nadschaschi zu uns: „Bleibt so lange in meinem Land, wie ihr wollt.“ Er ordnete außerdem an, für unsere Verpflegung und Kleidung zu sorgen.

Der eigene Bericht Hazrat Jaʿfars (r. a.)

Hafiz Ibn Asakir und at-Tabarani überliefern den Bericht Hazrat Jaʿfars (r. a.) unter Berufung auf dessen Sohn Abdullah ibn Jaʿfar. Dieser Bericht enthält zusätzlich, dass der Nadschaschi, als wir als Antwort auf die Beschuldigungen der quraischitischen Gesandten die religiösen Unterschiede zwischen uns und ihnen erläuterten, die Gesandten von Quraisch fragte: „Sind diese eure Sklaven?“ Sie antworteten: „Nein.“ Er sagte: „Haben sie bei euch Schulden?“ Sie verneinten es. Da sagte er: „Dann lasst sie frei.“ Danach sagte Hazrat Jaʿfar (r. a.) dasselbe, was auch die anderen berichtet haben: ʿAmr ibn al-ʿAs legte dem Nadschaschi unsere Glaubensüberzeugung über Hazrat Isa ibn Maryam (a. s.) dar. Der Nadschaschi bestätigte deren Wahrhaftigkeit und fragte uns: „Tut euch hier jemand etwas zuleide?“ Wir antworteten: „Ja.“ Daraufhin erklärte er, jeder, der uns Schaden zufüge, werde mit vier Dirham bestraft. Dann fragte der Nadschaschi uns: „Ist das ausreichend?“ Wir sagten: „Nein.“ Da verdoppelte er die Strafe. (Ergänzung.)

Die wahrhaftige Haltung der Muhadschirun

Auf diese Weise bewiesen die Muhadschirun von Abessinien nicht nur, dass sie um der Wahrheit willen, an die sie glaubten, bereit waren, ihre Häuser, Verwandten, Geschäfte, ihren Besitz und sogar ihre Heimat aufzugeben und das Los des Exils auf sich zu nehmen. Sie bewiesen vielmehr auch, dass sie selbst während dieser Verbannung und in ihrer hilflosen Lage nicht bereit waren, in Bezug auf die Wahrheit irgendeine Schwäche zu zeigen. Ihre Glaubensstärke war so erstaunlich, dass sie selbst in der heiklen Atmosphäre eines Königshofes ihre Glaubensüberzeugung über Hazrat Isa (a. s.) klar zum Ausdruck brachten, obwohl sämtliche Ratgeber des Nadschaschi Bestechungsgelder angenommen hatten und im Begriff waren, sie ihren Feinden auszuliefern. Damals bestand die Gefahr, dass auch der Nadschaschi nach dem Hören der unmissverständlichen islamischen Aussage über die grundlegenden Glaubenslehren des Christentums zornig werden und die unterdrückten Muslime den Schlächtern von Quraisch ausliefern könnte. Trotzdem zögerten sie nicht im Geringsten, die Wahrheit darzulegen. Gerade dies zeigt der Welt, was für Menschen von gefestigtem Charakter und hingebungsvoller Gesinnung die islamische Daʿwa verkünden. (14)

Die Ankunft einer christlichen Gesandtschaft aus Abessinien

Welchen Einfluss der Charakter der Muhadschirun und ihre Daʿwa auf die Bewohner Abessiniens ausgeübt hatten, lässt sich daran ermessen, dass von dort eine Gesandtschaft von etwa zwanzig Personen nach Mekka kam und sich mit dem Propheten (s) traf.

Ibn Hischam, al-Baihaqi und andere überliefern diesen Vorfall unter Berufung auf Muhammad ibn Ishaq folgendermaßen: Nachdem sich die Auswanderung nach Abessinien ereignet hatte und die Ankunft und die Verkündung der Daʿwa des Propheten (s) in Abessinien begonnen hatten, kam von dort eine Gesandtschaft von etwa zwanzig Personen in die Heilige Moschee und traf sich mit dem Propheten (s). (In einem Bericht heißt es, dass sie sich mit ihm trafen und ihm einige Fragen stellten.) Viele Menschen von Quraisch stellten sich ringsum auf, um dieses Ereignis zu beobachten. Als die Gesandtschaft einige Fragen stellte, beantwortete der Prophet (s) sie. Danach lud er sie zum Islam ein und trug ihnen Verse aus dem Koran vor. Beim Hören des Korans traten ihnen Tränen aus den Augen. Sie erkannten dessen Wahrhaftigkeit als Allahs Wort an und glaubten an den Propheten. Nach dem Treffen begegneten ihnen Abu Dschahl und einige seiner Gefährten auf dem Weg und beschimpften sie mit den Worten: „Mögen eure Leben zugrunde gehen! Eure Glaubensgenossen hatten euch deshalb geschickt, damit ihr den Zustand dieses Mannes untersucht und ihnen genaue Nachricht gebt. Doch kaum hattet ihr bei ihm gesessen, da habt ihr eure eigene Religion aufgegeben und an ihn geglaubt. Wir haben wahrlich noch nie törichtere Menschen gesehen als euch.“ Sie erwiderten: „Brüder, Friede sei mit euch. Wir können mit euch keine Auseinandersetzungen nach Art der Dschahiliya führen. Lasst uns unseren Weg gehen, und geht ihr euren Weg weiter. Wir können uns nicht wissentlich des Guten berauben.“ Dieser Vorfall wird in der Sure al-Qasas erwähnt:

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– Diejenigen, denen Wir schon vor ihm das Buch gegeben hatten, glauben an ihn. Und wenn er ihnen vorgetragen wird, sagen sie: »Wir glauben an ihn. Dies ist wahrhaftig die Wahrheit von unserem Herrn. Schon zuvor gehörten wir dieser Religion des Islam an.« (Al-Qasas: 52–53)

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– Und wenn sie leeres Gerede hören, wenden sie sich davon ab und sagen: »Unsere Werke sind für uns und eure Werke sind für euch. Friede sei mit euch! Wir können nicht den Weg der Unwissenden einschlagen.« (Al-Qasas: 55) (Tafhim, Band 3 – Al-Qasas, Anmerkung 72.)

Erste Liste der aus Abessinien zurückkehrenden Auswanderer

Es sei erwähnt, dass eine Gruppe der Auswanderer bei Hazrat Jaʿfar (r.a.) in Abessinien blieb und zur Zeit des Feldzugs von Chaibar zurückkehrte. Die folgenden Auswanderer kehrten nach der Überlieferung Ibn Ishaqs zu verschiedenen Zeiten vor der Auswanderung des Propheten nach Medina zurück.

1. Hazrat Uthman (r.a.) und seine Ehefrau Hazrat Ruqayya, die Tochter des Gesandten (s.a.w.).

2. Hazrat Abu Hudhaifa ibn Utba ibn Rabiʿa (r.a.) und seine Ehefrau Sahla bint Suhail ibn Amr.

3. Hazrat Abdullah bin Dschahsch (r.a.)

4. Hazrat Utba bin Ghazwan (r.a.)

5. Hazrat Zubair bin al-Awwam (r.a.)

6. Hazrat Musab bin Umair (r.a.)

7. Hazrat Suwaibit bin Sa’d bin Hamala (r.a.)

8. Hazrat Tulaib bin Umair (r.a.)

9. Hazrat Abdurrahman bin Auf (r.a.)

10. Hazrat Miqdad bin Amr (r.a.)

11. Hazrat Abdullah ibn Mas’ud (r.a.)

12. Hazrat Abu Salama (r.a.) und seine Frau Hazrat Umm Salama

13. Hazrat Shammās ibn Uthman (r.a.)

14. Hazrat Salama ibn Hisham (r.a.)

15. Hazrat Iyash ibn Abi Rabi’a (r.a.)

16. Hazrat Mu’attib ibn Awf (r.a.)

17. Hazrat Uthman ibn Maz’un (r.a.), sein Sohn Hazrat Sa’ib (r.a. und seine beiden Brüder Hazrat Qudama (r.a.) und Abdullah (r.a.)

18. Hazrat Khunais ibn Hudhafa (r.a.)

19. Hazrat Hischam ibn As ibn Wa’il (r.a.)

20. Hazrat Amir ibn Rabia (r.a.) und seine Ehefrau Layla bint Abi Hasma.

21. Hazrat Abdullah ibn Makhzama (r.a.)

22. Hazrat Abdullah ibn Suhail ibn Amr (r.a.). Nachdem er in Mekka gefangen genommen worden war, schlug ihn sein Vater so grausam, dass er sich äußerlich zum Ungläubigen bekannte, innerlich jedoch Muslim blieb. In der Schlacht von Badr zog er mit den Ungläubigen los und schloss sich genau im Augenblick des Kampfes den Muslimen an.

23. Hazrat Abu Sabra ibn Abi Ruham (r.a.) und seine Ehefrau Umm Kulthum bint Suhail ibn Amr.

24. Hazrat Sakran ibn Amr (r.a.). Ibn Ishaq und al-Waqidi sagen, dass er nach Mekka zurückkehrte und dort verstarb. Musa ibn Uqba und Abu Ma’shar sagen, dass er in Abessinien verstarb.

25. Hazrat Sawda bint Zam’a (r.a.)

26. Hazrat Sa’d ibn Khaulah (r.a.)

27. Hazrat Abu Ubaida ibn al-Dscharrah (r.a.)

28. Hazrat Amr ibn Harith (r.a.)

29. Hazrat Suhail ibn Baida (r.a.)

30. Hazrat Amr ibn Abi Sarah (r.a.). (Ergänzung.)

Die Prophezeiung der Sure ar-Rum

Während der Auswanderung nach Abessinien ereignete sich ein bedeutendes Geschehen, das schließlich als ein unwiderlegbarer Beweis für die Wahrhaftigkeit des Gesandten Allahs (s.) und des Qurans angesehen wurde. Es war nicht möglich, irgendein Argument gegen die Tatsache vorzubringen, dass der Quran in Wahrheit Allahs heiliges Wort ist, das dem Propheten (s.) durch die Offenbarung herabgesandt wurde. Die ersten Verse dieser Sure ar-Rum lauteten:

Die Römer sind im nahen Land besiegt worden, und innerhalb weniger Jahre nach dieser Niederlage werden sie siegreich sein. Die Entscheidung liegt vorher wie nachher allein bei Allah. Und an jenem Tag werden sich die Muslime freuen (Verse 2 bis 4). Wir schildern nun kurz den Verlauf dieses Geschehens.

Das Geschehen ereignete sich acht Jahre vor der Berufung des Propheten (s.): Gegen den römischen König Maurikios (MARICE) brach ein Aufstand aus. Daraufhin bestieg ein Mann namens Phokas (PHOCAS) den Thron. Zunächst ließ er vor den Augen des Kaisers Maurikios dessen fünf Söhne töten und anschließend auch den Kaiser selbst. Danach ließ er die abgetrennten Köpfe von Vater und Söhnen an einem öffentlichen Ort in Konstantinopel aufhängen. Einige Zeit später ließ er auch dessen Ehefrau und drei Töchter töten. Dadurch erhielt der iranische Kaiser Chosrau Parwiz einen moralischen Vorwand, das Römische Reich anzugreifen. Denn Kaiser Maurikios war sein Schutzherr gewesen. Mit dessen Hilfe hatte Parwiz den iranischen Thron erlangt. Er betrachtete ihn als seinen Vater. Darauf gestützt erklärte er: „Ich will die Gewaltherrschaft des mit Gewalt an die Macht gelangten Phokas rächen, die er meinem gleichsam väterlichen Beschützer und dessen Kindern angetan hat.“ Im Jahr 603 n. Chr. erklärte er dem Römischen Reich den Krieg. Innerhalb weniger Jahre besiegte er die Armeen des Phokas eine nach der anderen und gelangte als Sieger einerseits bis zum heutigen Urfa in Kleinasien und andererseits bis nach Aleppo und Antiochia im syrischen Land. Als die hohen Würdenträger des Römischen Reiches sahen, dass Phokas das Land nicht verteidigen konnte, baten sie den Herrscher Afrikas um Hilfe. Dieser entsandte seinen Sohn Heraklius mit einem starken Armeeregiment nach Konstantinopel. Sobald er dort eintraf, wurde Phokas abgesetzt und an seiner Stelle Heraklius zum Kaiser, das heißt zum römischen Herrscher, gemacht. Nachdem er die Macht übernommen hatte, wurde Phokas ebenso behandelt, wie er Maurikios behandelt hatte. Dies geschah im Jahr 610 n. Chr.; in eben diesem Jahr wurde der Prophet Muhammad (s.) mit dem Rang des Prophetentums geehrt.

Der moralische Vorwand, unter dem Chosrau Parwiz den Krieg erklärt hatte, war nach dem Sturz und der Ermordung des Phokas hinfällig geworden. Wenn es ihm tatsächlich darum gegangen wäre, Vergeltung für die von dem gewaltsam an die Macht gelangten Phokas verübten Unterdrückungen und Grausamkeiten zu üben, hätte er nach dessen Ermordung mit dem neuen Kaiser Frieden schließen müssen. Doch Chosrau setzte den Krieg dennoch fort. Er verlieh diesem Krieg den Charakter eines Religionskrieges zwischen Feueranbetern und Christen. Die christlichen Konfessionen, die von der Staatskirche des Römischen Reiches als ketzerisch bezeichnet und seit Jahren unter dem Joch von Verfolgung und Unterdrückung zermalmt worden waren, wurden zu Verbündeten der feueranbetenden Angreifer. Auch die jüdische Gemeinschaft schloss sich ihnen an. In die Armee Chosraus Parwiz traten 206.000 Juden ein. Herakleios war diesem Ansturm nicht gewachsen. Die erste Nachricht, die ihn unmittelbar nach seiner Thronbesteigung erreichte, war die von der Einnahme Antiochias durch die Iraner; danach nahmen sie im Jahr 613 n. Chr. Damaskus ein. Im Jahr 614 n. Chr. eroberten sie anschließend Bayt al-Maqdis und brachten über die christliche Welt ein gewaltiges Unglück. In dieser Stadt wurden neunzigtausend Christen getötet und ihre angesehenste Kirche, die „Kanīsat al-Qiyāma“, zerstört. Das echte „Kreuz“, von dem die Christen glauben, dass der Messias an ihm sein Leben hingab, wurde von den Iranern geraubt und in ihre Hauptstadt Mada’in gebracht. Auch den Priester Zacharias nahmen sie gefangen, und in der Stadt wurden große Kirchen zerstört. Wie maßlos Chosrau über diesen Sieg in Ekstase geriet, lässt sich aus jenem Brief ermessen, den er von Bayt al-Maqdis an Herakleios schrieb. Darin hieß es:

„Im Namen Chosraus, des Größten aller Götter und des Herrn der Welten, an den elenden und unverständigen Diener Herakleios.“

Du behauptest, auf deinen eigenen Herrn zu vertrauen; warum konnte dein Gott dann Jerusalem nicht aus meiner Hand retten?

Innerhalb eines Jahres nach diesem Sieg nahm die iranische Armee das gesamte Gebiet von Jordanien, Palästina und dem Sinai ein und gelangte bis nach Ägypten. Dies geschah genau zu der Zeit, als sich in Mekka ein historisch weitaus bedeutenderer Krieg beziehungsweise Konflikt abspielte. Dort kämpften unter der Führung Sayyiduna Muhammads (s), des Trägers des Banners des Tauhid, und auf Befehl der Anführer der den Schirk folgenden Quraisch die beiden Seiten gegeneinander. Die Lage spitzte sich so sehr zu, dass sich im Jahr 615 n. Chr., im fünften Jahr der Prophetenschaft, eine große Zahl von Muslimen gezwungen sah, ihre Häuser zu verlassen und im christlichen Reich Abessiniens Zuflucht zu suchen. Abessinien war damals durch ein Bündnis mit Rom verbunden. Von Roms Niederlagen gegenüber Iran war überall zu hören. Die Götzendiener von Mekka jubelten darüber. Sie sagten zu den Muslimen: „Seht, die feueranbetenden Götzendiener Irans siegen, während die Christen, die an Tauhid und die Gesandtschaft glauben, nur Niederlagen hinnehmen. Auf diese Weise werden wir, die arabischen Götzendiener, euch und eure Religion ausrotten.“

In dieser Lage wurde diese Sure des Qur’an offenbart und prophezeit, dass die Römer im nahen Land besiegt worden waren. Doch innerhalb weniger Jahre nach dieser Niederlage würden sie siegen, und es würde ein Tag kommen, an dem die Muslime sich über einen von Allah verliehenen Sieg freuen würden.

Darin liegen nicht eine, sondern zwei Prophezeiungen. Erstens: Die Römer würden siegen. Zweitens: Auch die Muslime würden zu jener Zeit einen Sieg erringen. Soweit das Auge reichte, war äußerlich kein Anzeichen dafür zu erkennen, dass auch nur eine dieser beiden Prophezeiungen innerhalb weniger Jahre in Erfüllung gehen würde. Auf der einen Seite standen die wenigen Muslime, die unter dem Joch von Verfolgung und Unterdrückung zermalmt wurden. Auch acht Jahre nach dieser Prophezeiung war keinerlei Aussicht auf ihren Sieg zu erkennen. Auf der anderen Seite nahmen die Niederlagen Roms von Tag zu Tag zu. Bis zum Jahr 619 n. Chr. war ganz Ägypten unter iranische Herrschaft geraten. Die iranischen Truppen gelangten bis in die Nähe von Tripolis und hissten dort ihr Banner. In Kleinasien drängten die iranischen Soldaten die Römer vor sich her und erreichten die Küste des Bosporus. Im Jahr 617 n. Chr. nahmen sie Chalkedon (CHALCEDON) gegenüber Konstantinopel ein. Der Kaiser schickte einen Gesandten zu Chosrau und ließ um jeden Preis Frieden anbieten. Dieser antwortete: „Ich werde dem Kaiser keine Sicherheit gewähren, solange er nicht gefesselt vor mir erscheint und den Gott des Kreuzes verlässt und die Anbetung des Feuergottes annimmt.“ Schließlich war der Kaiser derart niedergeschlagen, dass er beabsichtigte, Konstantinopel zu verlassen und seinen Sitz nach Karthago zu verlegen. Der Historiker Gibbon sagt, dass die Lage auch sieben oder acht Jahre nach dieser qur’anischen Prophezeiung noch so war, dass niemand sich vorstellen konnte, das Römische Reich werde über Iran siegen. Von einem Sieg ganz zu schweigen: Damals hoffte niemand auch nur, dass dieses Reich fortbestehen würde (Gibbon, „The Decline and Fall of the Roman Empire“, Bd. II, S. 788, Modern Library, New York).

Als diese Verse des Qur’an offenbart wurden, begannen die Ungläubigen in Mekka, sich darüber lustig zu machen und zu spotten. Ubayy ibn Khalaf schloss mit Abu Bakr (ra) folgende Wette: Wenn die Römer innerhalb von drei Jahren siegten, würde er ihm zehn Kamele geben; andernfalls müsse Abu Bakr ihm zehn Kamele geben. Als der Prophet (s) davon erfuhr, sagte er: „Im Qur’an stehen die Worte **********************.“ Im Arabischen kann dies als zehn verstanden werden. Deshalb sollt ihr die Wette auf zehn Jahre abschließen und die Zahl der Kamele auf hundert erhöhen. Daraufhin sprach Abu Bakr (ra) erneut mit Ubayy, und die Wette wurde neu vereinbart: Wer von beiden sich als im Unrecht erwies, sollte dem anderen hundert Kamele geben.

Im Jahr 622 n. Chr. wanderte der Prophet (s) inzwischen nach Medina aus, während Herakleios heimlich von Konstantinopel aus entlang des Schwarzen Meeres nach Trapezunt aufbrach, wo er Vorbereitungen traf, Iran von hinten anzugreifen. Zur Vorbereitung dieses Gegenangriffs bat der Kaiser die Kirchen um finanzielle Unterstützung, und der Erzbischof Sergius (SERGIUS) lieh die gewaltigen Geldsummen, die in den Kirchen als Opfergaben angesammelt worden waren, gegen Zinsen aus, um das Christentum vor der Religion der Feueranbeter zu schützen. Herakleios begann seinen Angriff von Armenien aus. Im folgenden Jahr (624 n. Chr.) drang er in Aserbaidschan ein, zerstörte Urmia, den Geburtsort Zarathustras, und machte den größten Feuertempel der Iraner dem Erdboden gleich. Seht das erstaunliche Wirken der göttlichen Macht: Es war dasselbe Jahr, in dem die Muslime auf dem Feld von Badr zum ersten Mal den Entschluss fassten, den Götzendienern entgegenzutreten, und einen entscheidenden Sieg errangen. So erfüllten sich die beiden im Qur’an ausgesprochenen Prophezeiungen noch vor Ablauf von zehn Jahren gleichzeitig.

Daraufhin begannen die römischen Truppen, die Iraner fortwährend zu besiegen. In der entscheidenden Schlacht von Ninive (627 n. Chr.) zerschlugen sie das Rückgrat des iranischen Reiches. Danach wurde Dastagird, die Residenz des iranischen Kaisers, zerstört, und die römischen Soldaten rückten weiter vor, bis sie die Umgebung von Ktesiphon erreichten, das damals die Hauptstadt Irans war. Im Jahr 628 n. Chr. kam es im eigenen Haus zu einer Revolte gegen Chosrau Parwez selbst. Er wurde gefangen genommen. Vor seinen Augen wurden achtzehn seiner Söhne getötet. Einer seiner Söhne, Scherbaya, bestieg den Thron. In demselben Jahr wurde der Vertrag von Hudaybiyya unterzeichnet, den der Koran als einen gewaltigen Sieg bezeichnet. Ebenfalls in diesem Jahr zog der iranische Kaiser seine Ansprüche auf alle von ihm besetzten Gebiete Roms zurück und schloss Frieden mit Rom. Im Jahr 629 n. Chr. begab sich der Kaiser selbst nach Bayt al-Maqdis, um das Große Kreuz an seinen Platz zurückzustellen; und in demselben Jahr betrat der Prophet (s) erstmals seit der Auswanderung wieder Mekka, um die „Umrat al-Qada“ zu vollziehen.

Danach blieb in niemandem mehr Raum für den Zweifel, dass die Prophezeiung des Korans vollkommen wahr gewesen war. Viele Polytheisten nahmen deshalb den Glauben an. Die Erben von Ubayy ibn Khalaf mussten, nachdem sie die Wette verloren hatten, das als Einsatz vereinbarte Kamel Abu Bakr (r.a.) übergeben. Er brachte es zum Dienst des Propheten (s). Dieser ordnete an, es als Almosen zu verschenken. Denn diese Wette war zu einer Zeit abgeschlossen worden, als das Glücksspiel in der Scharia noch nicht verboten war. Nun erging das Verbot. Deshalb wurde erlaubt, von den kämpfenden Ungläubigen das aus der Wette stammende Vermögen anzunehmen, zugleich aber angeordnet, es nicht selbst zu verwenden, sondern als Almosen zu geben. (Tafhim, Band 3 – Einführung zur Sure ar-Rum.)

Das zehnte Kapitel

Vom sechsten bis über das zehnte Jahr der Prophetenschaft hinaus

Nach der Auswanderung nach Abessinien waren in Mekka nur noch sehr wenige Menschen beim Propheten (s) geblieben, unter ihnen auch einige Frauen. Die Feinde des Islam waren durch die Auswanderung ohnehin in eine äußerst bedrängte Lage geraten. Ihr zusätzlicher Zorn rührte daher, dass die Auswanderer in Abessinien eine sehr sichere Zuflucht gefunden hatten und die Gesandtschaft der Polytheisten erfolglos zurückgekehrt war. Unter diesen Umständen scheuten sie nicht davor zurück, den Propheten (s) anzugreifen. (Zusatz des Verfassers.)

Die Verfolgung des Propheten (s) durch die Quraisch

In Sahih al-Buchari wird unter Berufung auf eine Überlieferung von Urwa ibn az-Zubair berichtet, dass Abd Allah ibn Amr ibn al-As (r.a.) gefragt wurde: „Welche grausamste Behandlung der Polytheisten gegenüber dem Propheten (s) hast du erlebt?“

Er antwortete: Eines Tages verrichtete der Prophet (s) im Hof der Kaaba (nach einer anderen Überlieferung im Hijr der Kaaba) das Gebet. Da trat plötzlich Uqba ibn Abi Muʿait vor, legte ihm ein Tuch um den Hals und begann, es zuzuziehen, um ihn zu erwürgen. Genau in diesem Augenblick traf Abu Bakr (r.a.) dort ein. Er stieß ihn beiseite. Abd Allah (r.a.) sagte: Als Abu Bakr (r.a.) mit ihm rang, kamen folgende Worte aus seinem Mund:

********************************************

Wollt ihr ihn etwa nur deshalb töten, weil er sagt: „Mein Herr ist Allah“? Ibn Dscharir hat dieses Ereignis in seiner Geschichte nach der Überlieferung von Abu Salama ibn Abd ar-Rahman berichtet. An-Nasa’i und Ibn Abi Hatim hingegen überliefern dieses Ereignis mit einigen sprachlichen Abweichungen nach Amr ibn al-As, dem Vater von Abdullah, anstelle von Hadhrat Abdullah; dabei heißt es anstelle von Uqba ibn Abi Mu’ait, dass die Quraisch dieses Verbrechen begangen hätten. Und Hadhrat Abu Bakr (ra) setzte unter Tränen seinen Schutz des Huzur (s) fort und wiederholte diese Worte. (Tafhim, Band 4 – Einführung zur Sure al-Mu’min.)

Imam Buchari hat dieses Ereignis an mehreren Stellen in seinem Werk überliefert. An einer Stelle führt er die Überlieferung von Hadhrat Amr ibn al-As (ra) an, an anderer Stelle die von Hadhrat Abdullah ibn Amr ibn al-As. [Richtig scheint zu sein, dass die ursprüngliche Überlieferung von Hadhrat Amr ibn al-As (ra) stammt und Abdullah ibn Amr (ra) im Jahr 64 nach der Hidschra starb, als er zweiundsiebzig Jahre alt war. Unter diesem Gesichtspunkt war er kein Augenzeuge dieses Ereignisses, denn er wurde sieben Jahre vor der Hidschra, also im sechsten Jahr der Prophetenschaft, geboren – (der Verfasser).] An einer Stelle lautet die Überlieferung von Hadhrat Amr ibn al-As: Ich habe die Quraisch nur ein einziges Mal mit der Absicht gesehen, den Propheten (s) zu töten. Sie saßen im Schatten der Kaaba, während der Prophet (s) am Maqam Ibrahim betete. Da begannen sie, einander gegen den Propheten (s) aufzuhetzen. Schließlich stand Uqba ibn Abi Mu’ait auf, wickelte seinen Umhang um den Hals des Propheten (s) und begann, daran zu ziehen. Schließlich fiel der Huzur (s) auf die Knie. Daraufhin erhob sich unter den Leuten ein Tumult. In diesem Augenblick kam Hadhrat Abu Bakr (ra) herbeigelaufen, ergriff ihn von hinten an beiden Armen und richtete ihn auf, wobei er sagte: „Wollt ihr etwa einen Menschen nur deshalb töten, weil er sagt: ‚Mein Herr ist Allah‘?“

Dann gingen die Leute von ihm weg. Als der Prophet (s) nach dem Gebet an jenen Quraisch vorüberging, sagte er: „Bei Demjenigen, in dessen Hand mein Leben liegt: Ich bin mit dem Schlachten zu euch gesandt worden.“ Darauf sagte Abu Dschahl: „O Muhammad (s), du bist doch niemals töricht gewesen.“ (Abu Ya’la, Ibn Hibban, at-Tabarani und al-Baihaqi haben dieses Ereignis nach der Überlieferung von Amr ibn al-As (ra) angeführt.)

Eine weitere Überlieferung in Sahih Buchari berichtet, dass die Götzendiener dem Huzur den Bart und die Haare seines Kopfes ausrissen. Hadhrat Abu Bakr (ra) trat ihm zu Hilfe und sagte unter Tränen: „Wollt ihr etwa einen Menschen nur deshalb töten, weil er sagt: ‚Mein Herr ist Allah‘?“

Der Prophet (s) sagte: „Abu Bakr (ra), lass ihn los. Bei Demjenigen, in dessen Hand mein Leben liegt: Ich bin mit dem Schlachten zu ihnen gesandt worden.“ Als die versammelte Menge dies hörte, zerstreute sie sich.

Ibn Hischam, Dscharir at-Tabari und al-Baihaqi überliefern dieses Ereignis nach Ibn Ishaq folgendermaßen: Urwa ibn az-Zubair fragte Hadhrat Abdullah ibn Amr ibn al-As: „Was war unter all den feindseligen Handlungen der Quraisch gegenüber dem Propheten (s) das grausamste, das du gesehen hast?“ Er sagte: „Einmal kam ich zu einer Versammlung der Quraisch, deren Anführer sich im Hijr versammelt hatten. Sie sagten über den Gesandten Allahs (s): ‚Wir haben in Bezug auf diesen Mann so viel Geduld bewiesen, wie wir es bei niemand anderem getan hätten. Er erklärt unsere Klugheit zu Dummheit, tadelt unsere Vorväter, bemängelt unsere Religion und spaltet unsere Gemeinschaft. In Wahrheit haben wir sehr viel Geduld bewiesen. Und trotzdem redet er weiterhin so.‘ In diesem Augenblick wurde der Prophet (s) gesehen. Er ging nach vorn und küsste den Schwarzen Stein. Danach ging er beim Umrunden der Kaaba an ihnen vorbei. Da schleuderten sie ihm eine Spottrede entgegen. Ich bemerkte eine ablehnende Reaktion in seinem Gesicht. Als er ein zweites Mal an ihnen vorbeiging, verspotteten sie ihn erneut, und auch diesmal bemerkte ich seine ablehnende Reaktion. Als sie sich zum dritten Mal ebenso verhielten, blieb er stehen und sagte: ‚O Quraisch, hört! Bei Demjenigen, in dessen Hand mein Leben liegt: Ich bin mit dem Schlachten zu euch gekommen.‘“

Abdullah ibn Amr (ra) sagte: Bei diesen Worten des Propheten (s) waren sie allesamt völlig bestürzt. Es war, als säße ein Vogel auf ihren Köpfen – das heißt, als wären sie vom Donner getroffen. Dann sprach derjenige unter ihnen, der am meisten übertrieben hatte, höflich zum Propheten (s), um ihn zu beruhigen. Er sagte: „O Abu l-Qasim, verhalte dich vernünftig. Bei Allah, du bist doch niemals töricht gewesen.“ Der Huzur (s) kehrte von dort zurück.

Am nächsten Tag versammelten sie sich wieder im Hijr, und auch ich war bei ihnen. Sie sagten untereinander: „Erinnert ihr euch daran, wie maßlos dieser Mann gegen euch vorgeht? Gestern hat er sogar diese Worte ganz offen ausgesprochen. Und trotzdem habt ihr ihn gehen lassen.“ In diesem Augenblick sahen wir den Gesandten (s) von vorn herankommen. Sobald er näher kam, stürzten sich alle auf ihn, umringten ihn und sagten: „Du bist es doch, der dies und jenes sagt, nicht wahr?“ Er erwiderte: „Ja, ich bin derjenige, der dies und jenes sagt.“ Da sah ich, wie einer von ihnen den Mantel des Gesandten (s) am Hals packte und ihn mit der Faust zusammenpresste. Daraufhin sprang Abu Bakr (ra) ihm zu Hilfe. Weinend rief er: „Wollt ihr etwa einen Mann nur deshalb töten, weil er sagt: Mein Herr ist Allah?“

Daraufhin ließen die Leute ihn los und gingen fort. Dies ist das äußerst harte und grausame Verhalten, das ich von den Quraisch gegenüber dem Gesandten Allahs (s) erlebt habe. (Auch im Musnad Ahmad wird diese Begebenheit so überliefert.)

Hamzas (ra) Annahme des Islam

Zu jener Zeit ereignete sich eines Tages ein Vorfall, der Hamza (ra) in den Bereich des Islam führte. Über das Datum seiner Annahme des Islam bestehen unter den Historikern unterschiedliche Auffassungen. Ibn Hadschar nennt in der al-Isaba das zweite Jahr der Prophetenschaft. Nachdem Ibn Abd al-Barr zunächst ebenfalls das zweite Jahr genannt hatte, schreibt er später, dass Hamza im sechsten Jahr der Prophetenschaft Muslim wurde, nachdem der Gesandte (s) das Dar al-Arqam betreten hatte. Ibn Sa’d, Ibn al-Dschauzi und al-Utabi nennen jedoch mit Bestimmtheit das sechste Jahr der Prophetenschaft. Auch Ibn al-Qayyim erwähnt dies im Zad al-Ma’ad nach der zweiten Auswanderung nach Abessinien; ebenso steht es in Ibn Kathirs Tarich al-Kamil. Darüber hinaus zeigt schon der Vorfall, der der Anlass für Hamzas (ra) Annahme des Islam war, dass dies nicht im zweiten Jahr der Prophetenschaft geschehen sein kann. Vielmehr kann es sich erst ereignet haben, nachdem der Konflikt zwischen den Quraisch und dem Propheten (s) seinen Höhepunkt erreicht hatte. Welche Möglichkeit hätte Abu Dschahl im zweiten Jahr gehabt, den Propheten zu beschimpfen – geschweige denn, ihm Auge in Auge gegenüberzutreten?

Die Begebenheit war folgende: Eines Tages ging der Prophet (s) nach der Überlieferung Ibn Ishaqs in der Nähe des Safa-Berges, nach anderer Auffassung in der Nähe von Hadschun, vorbei. Da beschimpfte Abu Dschahl ihn aufs Übelste und gebrauchte beleidigende Worte gegen ihn und die von ihm verkündete Religion. Doch der Prophet erwiderte kein einziges seiner Worte. Die Nachricht wurde Hamza (ra) nach Ibn Ishaqs Überlieferung von der freigelassenen Sklavin Abd Allah ibn Dschudams, eines Anführers der Banu Taim, überbracht; nach anderen von Safiya (ra), der Schwester Hamzas (ra), und nach der Überlieferung von Ibn Abi Hatim von zwei Frauen. Hamza war ein mächtiger, mutiger und ehrbewusster Held der Quraisch. Er war der Onkel und Milchbruder des Gesandten (s). Seine Mutter war eine Cousine von Bibi Amina. Er war zwei bis vier Jahre älter als der Gesandte (s), den er sehr liebte. Er war ein großer Liebhaber der Jagd. Als er mit Pfeil und Bogen heimkehrte, hörte er von diesem Vorfall. Außer sich vor Zorn kam er zum Heiligtum, wo Abu Dschahl saß. Kaum war er angekommen, schlug er ihm so heftig mit dem Bogen auf den Kopf, dass dieser aufplatzte. Er sagte: „Du beschimpfst ihn? Ich folge seiner Religion und sage dasselbe wie er. Wenn du den Mut hast, dann beschimpfe mich nur einmal!“

Daraufhin stellten sich einige Männer aus dem Stamm der Banu Machzum auf die Seite Abu Dschahls. Doch Abu Dschahl sagte: „Lasst Abu Umara gehen. Ich hatte seinen Neffen tatsächlich übel beschimpft.“ At-Tabarani und Ibn Abi Hatim berichten, dass Hamza (ra) sagte: „Auch meine Religion ist die Religion Muhammads (s). Versucht nur, mich davon abzubringen!“

Yunus ibn Bukair, der Verfasser eines Maghazi-Werkes, gibt nach Ibn Ishaqs Überlieferung noch folgende ausführlichere Darstellung: Hamza (ra) hatte diese Tat zwar überwältigt von seinem Ehrgefühl begangen. Doch als er nach Hause kam, machte sein Inneres ihm schwere Vorwürfe: „Du bist ein Anführer der Quraisch. Du bist zum Anhänger dieses Mannes geworden, der die Religion aufgegeben hat, und hast die Religion deiner Vorväter verlassen? Nach dem, was du getan hast, wäre der Tod für dich besser als dies!“

Dann betete er zu Allah: „O Gott! Wenn dies der rechte Weg ist, dann pflanze seine Wahrheit in mein Herz ein. Wenn nicht, dann eröffne mir einen Weg, mich davon zu lösen.“ Die ganze Nacht verbrachte er in äußerster Sorge und Unruhe, gequält von satanischen Einflüsterungen. Am Morgen ging er zum Gesandten (s) und sagte: „Neffe! Ich bin in eine Angelegenheit geraten, aus der ich keinen Ausweg sehe. Dass ein Mann wie ich an einer Sache festhält, von der ich nicht weiß, ob sie richtig oder falsch ist, ist äußerst gefährlich.“

Nachdem Huzur (s) seine Worte gehört hatte, ermahnte er ihn, warnte ihn vor Gott und verkündete ihm frohe Botschaft für den Glauben. Schließlich ließ Allah in seinem Herzen den Glauben entstehen, und Hazrat Hamza (r) sagte: „Ich bezeuge, dass du wahrhaftig bist.“ Dieses Ereignis wird unter Berufung auf al-Bayhaqi und Yunus ibn Bukayr überliefert.

Umars (r) Annahme des Islams

Der zweite und gewaltige, verhängnisvolle Schlag gegen die Quraisch bestand darin, dass sie eines Tages erfuhren, dass auch Umar ibn al-Chattab dem Propheten (s) den Glauben geschenkt hatte. Er war eine der Säulen des Widerstands der Quraisch gegen den Islam gewesen. Bei der Unterdrückung und Misshandlung derjenigen, die den Glauben annahmen, hatte er eine führende Rolle gespielt. Bei den Quraisch genoss er großes Ansehen. Er war ein berühmter Gelehrter auf dem Gebiet der arabischen Genealogie. Im Auftrag der Quraisch wurde er auch als Gesandter entsandt. Bei Streitigkeiten und Auseinandersetzungen zwischen Stämmen wurde er als Schiedsrichter anerkannt, und man fügte sich seinem Urteil. Er war ein starker und mutiger Held. Zudem war er äußerst wortgewandt und ein hervorragender Redner, der seine Zuhörer zu bezaubern vermochte. Die Quraisch hätten nie gedacht, dass ein Mann wie er eines Tages als Bannerträger des Islams gegen sie auftreten würde. Doch in ihm wirkte ein sich allmählich entfaltender innerer Prozess, der ihn schließlich zum Islam hinzog. (Zusatz des Verfassers.)

Seine anfängliche Reaktion

Seine anfängliche Reaktion ist aus seiner eigenen Überlieferung im Musnad Ahmad und bei at-Tabarani entnommen. Er sagt: „Eines Tages ging ich, noch bevor ich den Islam annahm, aus dem Haus, um den Gesandten Allahs (s) zu bedrängen. Doch er war vor mir in das Heiligtum eingetreten. Als ich ankam, rezitierte er während des Gebets die Sure al-Haqqa. Ich stellte mich hinter ihn und begann zuzuhören. Die sprachliche Erhabenheit des Korans erfüllte mich mit Staunen, und plötzlich kam mir der Gedanke, dass dieser Mann gewiss ein Zauberer sei, wie die Quraisch behaupteten. Da kamen sogleich folgende Worte aus dem Mund Huzurs (s):“

*************************************************************

„Dies sind die Worte eines geehrten Gesandten, nicht die Worte eines Dichters. Wie wenig ihr doch glaubt!“ (Verse 40–41)

Ich sagte mir insgeheim: Wenn dieser Mann kein Dichter ist, dann ist er gewiss ein Wahrsager. Da kamen sogleich folgende Worte aus seinem Mund:“

***********************************

– Und dies sind auch nicht die Worte eines Wahrsagers. Wie wenig denkt ihr nach!

*******************************************

– Es ist vom Herrn der Welten herabgesandt.

Nachdem er dies gehört hatte, drang der Islam tief in Amrs Herz ein. (Ergänzung des Verfassers.)

Die Wirkung der Auswanderung nach Abessinien auf ihn

Seine zweite Reaktion wird von Ibn Hischam in seiner Sira, von at-Tabari in seiner Geschichte und von Ibn Athir in Usd al-Ghaba unter Berufung auf den Bericht von Hazrat Layla bint Abi Hasma überliefert. Sie war eine nahe Verwandte Hazrat Umars (r.a.) und wanderte gemeinsam mit ihrem Ehemann, Hazrat Amir ibn Rabiʿa al-Anzi, nach Abessinien aus. Sie berichtet: Ich war gerade dabei, unser Gepäck für die Auswanderung zu verschnüren, während mein Mann wegen einer Angelegenheit hinausgegangen war. Da kam Umar (r.a.), der damals noch dem Schirk verhaftet war. Wir hatten unter seiner Hand viel Misshandlung erlitten. Doch zu jener Zeit blieb er stehen und beobachtete, wie ich mit den Vorbereitungen beschäftigt war. Dann sagte er: „Mutter Abdullahs, werdet ihr nun tatsächlich fortgehen?“

Ich sagte: Ja. Nachdem ihr uns so sehr bedrängt und uns Unrecht zugefügt habt, werden wir in irgendein Land auf Gottes Erde fortziehen, wo Gott uns einen Ausweg aus dieser Not eröffnen wird. Darauf sagte Umar (r.a.): „Möge Allah mit euch sein.“ Damals sah ich ihn so von Tränen überwältigt wie nie zuvor. Beim Anblick unseres Verlassens des Landes ging er zutiefst betrübt fort.

Als Amer dann mit den Dingen zurückkehrte, die wir benötigten, sagte ich: „Vater des Abdullah! Wenn du doch jetzt Umar sehen könntest und sein von Sorge und Schmerz über unseren Zustand gezeichnetes Gesicht! Erst vor kurzem ist er von hier fortgegangen.“ Amer sagte: „Hoffst du etwa, dass er Muslim wird?“ Ich sagte: „Ja.“ Da sagte er: „Derjenige, den du gerade gesehen hast, wird nicht Muslim werden, solange nicht der Esel des Khattab Muslim wird.“

Die Geschichte seiner Annahme des Islam

Dieser innere Konflikt trieb ihn schließlich eines Tages dazu, den Gesandten Allahs (s) zu töten, damit der Konflikt, in dem er versunken war, ein Ende finde. Ibn Ishaq berichtet, dass er zu diesem Zweck mit gezücktem Schwert aufbrach. Doch unterwegs begegnete er Nuʿaim ibn Abdullah al-Lakhkami. Dieser war ein angesehener Mann aus dem Stamm von Umar (ra), der heimlich Muslim geworden war. Er fragte: „Wohin gehst du?“ Umar antwortete: „Ich will diesen Sabī – diesen Abtrünnigen – töten, der unter den Quraisch Zwietracht gestiftet hat, uns alle für töricht hält, die Fehler in unserer Religion aufzeigt und unsere Götzen beschimpft.“ Nuʿaim sagte: „Bei Allah, o Umar! Dein eigener Verstand hat dich im Netz der Täuschung gefangen. Glaubst du etwa, dass die Banū Abd Manāf euch nach der Ermordung Muhammads (s) am Leben lassen werden? Kümmere dich zunächst um die Leute in deinem eigenen Haus.“ Hadrat Umar (ra) sagte: „Von welchen Angehörigen meines Hauses sprichst du?“ Nuʿaim erwiderte: „Von deinem Schwager und Cousin Saʿid ibn Zaid und deiner Schwester Fatima. Beide sind Muslime geworden und haben sich Muhammad (s) unterworfen.“ Hadrat Umar (ra) wandte sich um und ging unverzüglich zum Haus seiner Schwester. Dort befand sich Khabbab ibn al-Aratt; in seiner Hand hielt er ein Schriftblatt, auf dem die Sure Tā-Hā geschrieben stand. Er lehrte sie diese Sure. Als Khabbab Umar (ra) kommen hörte, versteckte er sich in einer Ecke des Hauses. Hadrat Fatima schob das Schriftblatt unter ihren Oberschenkel. Doch bereits an der Tür hörte Hadrat Umar die Rezitation Khabbabs. Er trat ein und sagte: „Was habt ihr da vor euch hin gemurmelt, das ich gehört habe?“ Saʿid sagte: „Du hast gar nichts gehört.“ Umar erwiderte: „Doch, ich habe es gehört. Bei Allah, ich weiß, dass ihr beide euch der Religion Muhammads (s) unterworfen habt.“ Dann begann er, seinen Schwager zu schlagen. Als Hadrat Fatima herbeieilte, um ihren Mann zu schützen, wurde auch sie so geschlagen, dass ihr Kopf aufplatzte. Darauf sagten beide Eheleute: „Ja, wir sind Muslime geworden und haben an den Gesandten Allahs geglaubt. Tu nun, was du willst.“ Als Hadrat Umar (ra) das Blut seiner Schwester fließen sah, schämte er sich für sein Verhalten und wandte sich von seiner Unwissenheit ab. Er sagte zu seiner Schwester: „Zeig mir das Schriftblatt, das ihr gerade gelesen habt. Ich will sehen, was das ist, was Muhammad (s) gebracht hat.“ Hadrat Umar (ra) war ein gebildeter Mann; deshalb wollte er es lesen. Seine Schwester sagte: „Ich fürchte, dass du es vielleicht zerstörst.“ Er sagte: „Hab keine Angst.“ Er schwor bei seiner Gottheit, dass er es nach dem Lesen zurückgeben werde. Nun keimte im Herzen seiner Schwester etwas Hoffnung auf, dass er Muslim werden könnte. Sie sagte: „Bruder, wegen deines Schirk bist du unrein, und dieses Schriftblatt darf nur ein reiner Mensch berühren.“ Darauf erhob sich Hadrat Umar (ra), wusch sich und kehrte zurück. Dann gab Fatima ihm das Schriftblatt. Nachdem er den Anfang der Sure Tā-Hā gelesen hatte, sagte er: „Wie schön und erhaben sind diese Worte!“ Sobald Hadrat Khabbab (ra) dies hörte, kam er hervor und sagte: „O Umar, ich hoffe, dass Allah dich auserwählt hat, damit du der Erhörung des Gebets des Propheten würdig wirst. Ich habe den Propheten erst gestern dieses Gebet sprechen hören: ‚O Allah, stärke den Islam durch Abū al-Hakam ibn Hischām (Abū Dschahl) oder durch Umar ibn al-Khattab.‘ O Umar, komm also zu Allah, komm zu Allah!“

Hadrat Umar (ra) sagte: „Bring mich zu Muhammad (s), damit ich Muslim werde.“ Hadrat Khabbab (ra) sagte: „Er befindet sich mit seinen Gefährten in einem Haus nahe Safa (Dār al-Arqam).“ Hadrat Umar (ra) gürtete sein Schwert um und gelangte zum Aufenthaltsort des Gesandten (ra) und seiner Gefährten. Dann klopfte er an die Tür. Einer der Gefährten des Gesandten sah durch den Türspalt, dass Umar (ra) mit seinem Schwert dort stand. Ängstlich ging er zurück und meldete dem Gesandten (s) diese Nachricht. Hadrat Hamza (ra) sagte: „Lasst ihn eintreten. Wenn er mit guter Absicht gekommen ist, werden auch wir uns gut zu ihm verhalten; andernfalls werden wir ihn mit seinem eigenen Schwert erledigen.“ Der Gesandte (s) sagte: „Lasst ihn eintreten.“ Auf seine Anweisung hin wurde Hadrat Umar (ra) der Eintritt gestattet. Sobald er hereinkam, trat der Gesandte (s) auf ihn zu, packte sein Gewand mit der Faust und zog kräftig daran. Er sagte: „Ibn al-Khattab! Was führt dich hierher? Bei Allah, ich glaube, du wirst nicht umkehren, bevor Allah kein schweres Unglück über dich gebracht hat.“ Hadrat Umar (ra) sagte: „O Gesandter Allahs! Ich bin gekommen, um an Allah, Seinen Gesandten und die Lehre zu glauben, die der Gesandte gebracht hat.“ Darauf rief der Gesandte (s) laut: „Allahu akbar!“ So erfuhren alle im Haus, dass Umar Muslim geworden war. Dies stärkte den Mut der Muslime gewaltig, denn nach Hadrat Hamza (ra) war nun auch Hadrat Umar (ra) Muslim geworden. Diese beiden wurden nun zu starken Säulen für die Muslime. Ibn Ishaq sagt: Dies ist der Bericht der medinensischen Überlieferer über die Annahme des Islam durch Hadrat Umar (ra). Hafiz Abu Yaʿla überliefert ihn von Hadrat Anas ibn Malik (ra), während al-Bazzar ihn von Umar (ra) selbst überliefert.

Der Bericht von Hadrat Umar (ra)

Die Sīra-Gelehrten al-Bazzar, at-Tabarani, al-Bayhaqi, Ibn Asakir, Abu Nuʿaim, ad-Daraqutni und andere haben hierzu Überlieferungen von Hadrat Ibn Abbas (ra), Anas ibn Malik (ra), Aslam und anderen sowie auch von Umar (ra) selbst angeführt. Diese stimmen trotz einiger Abweichungen in den Einzelheiten weitgehend mit dem oben erwähnten Bericht Ibn Ishaqs überein. Abu Nuʿaim und Ibn Asakir überliefern jedoch aus der Aussage Hadrat Umars (ra), die sie von Hadrat Abdullah ibn Abbas überliefert haben, zusätzlich Folgendes: Hadrat Umar (ra) sagte: „Ich fragte: O Gesandter Allahs, stehen wir nicht auf der Wahrheit, ob wir sterben oder leben? Der Prophet (s) sagte: Bei Allah, ob ihr sterbt oder lebt, ihr steht auf der Wahrheit. Ich sagte: Warum sollen wir es dann verheimlichen? Wenn wir auf der Wahrheit stehen und sie auf dem Irrtum, warum sollen wir dann unsere Religion verbergen?“

Der Gesandte (s) sagte: „O Umar! Wir sind zahlenmäßig sehr wenige, und du siehst selbst, in welcher Lage wir uns befinden.“

„Ich sagte: Bei Dem, Der dich mit der Wahrheit als Propheten gesandt hat, ich werde keine Versammlung verlassen, in der ich zuvor im Unglauben saß, ohne mich in einer Versammlung des Islam niederzulassen.“

„Dann gingen wir in zwei Gruppen hinaus. In der einen war ich und in der zweiten Hamza (r.a.). Schließlich betraten wir die Heilige Moschee. Als die Quraisch uns sahen, waren sie derart bestürzt, wie sie es zuvor noch nie gewesen waren. Dieses Ereignis wurde von Ibn Madscha, al-Hakim und Ibn Sa’d in unterschiedlichen Überlieferungen angeführt. Ibn Hischam überliefert folgende Aussage Umar ibn al-Chattabs (r.a.): Umar (r.a.) sagte: In derselben Nacht, in der ich den Islam annahm, kam mir der Gedanke, dass ich demjenigen, der der größte Feind des Propheten (s.a.w.) war, die Nachricht von meinem Übertritt zum Islam mitteilen sollte. Daher ging ich geradewegs zum Haus Abu Dschahls und klopfte an die Tür. Er kam heraus, sah mich und sagte: Willkommen, mein Neffe! Was führt dich hierher?“

Ich sagte: Ich bin gekommen, um dir mitzuteilen, dass ich Muslim geworden bin. Er sagte: Mögen du und die Nachricht, die du bringst, ein schlimmes Ende nehmen! Danach schloss er die Tür.

Die Überlieferung Ibn Umars (r.a.)

Ibn Ishaq überliefert über Nafiʿ die Aussage von ʿAbdullah ibn Umar (r.a.), dass Umar (r.a.) nach seiner Annahme des Islam fragte: Wer unter den Quraisch kann Nachrichten am weitesten verbreiten? Man nannte ihm Dschamil ibn Maʿmar ibn Habib al-Dschumahi. Umar (r.a.) machte sich auf die Suche nach ihm, und ich ging hinter ihm her. Damals war ich alt genug, um alles zu verstehen, was ich sah. [Ibn Saʿd überliefert die Aussage ʿAbdullah ibn Umars (r.a.); darin sagt er: Ich war damals sechs Jahre alt. Hafiz Ibn Hadschar sagt in Fath al-Bari, dass er damals fünf Jahre alt war (der Verfasser).] Umar (r.a.) ging zu ihm und sagte: Ich bin Muslim geworden und habe die Religion Muhammads angenommen. Jener erwiderte kein Wort. Er schleifte seinen Umhang über den Boden und ging davon. Umar ging hinter ihm her, und ich hinter Umar. Als er das Tor der Heiligen Moschee erreichte, begann er laut zu rufen: Leute der Quraisch! Die Anführer der Quraisch saßen damals in der Nähe der Kaaba beisammen. Als sie seine Stimme hörten, wandten sie ihm ihre Aufmerksamkeit zu. Er sagte: Hört! Umar ist von der Religion abgefallen. Umar (r.a.) rief von hinten laut: Er lügt! Ich bin Muslim geworden und bezeuge, dass es keinen Gott außer Allah gibt und dass Muhammad (s.a.w.) Sein Diener und Gesandter ist.“

Daraufhin begannen die Leute, ihn zu schlagen, und auch er schlug auf sie ein. Schließlich war es Mittag geworden. Umar (r.a.) setzte sich erschöpft hin. Die Leute standen ringsum, und er sagte: Tut, was ihr wollt. Da trat ein angesehener älterer Mann der Quraisch vor und fragte die versammelten Leute: Was ist los? Was ist geschehen?

Sie sagten: Umar ist von der Religion abgefallen. Er sagte: Was ist schon dabei? Jeder hat getan, was er wollte. Was wollt ihr jetzt? Wollt ihr etwa, dass die Banu Adi ihren Angehörigen einfach in eure Hände ausliefern? Lasst ihn in Ruhe! Da zogen sie sich zurück. Später fragte ich meinen Vater: Wer war dieser Mann?

Er sagte: Mein Sohn, das war ʿAs ibn Waʾil as-Sahmi, also der Vater von Amr ibn al-As. At-Tabarani und al-Bazzar haben diese Überlieferung Ibn Umars (r.a.) in gekürzter Form angeführt.

In al-Buchari findet sich von ʿAbdullah ibn Umar (r.a.) folgende Überlieferung: Als Umar (r.a.) verängstigt und erschrocken in seinem Haus saß, kam ʿAs ibn Waʾil zu ihm; er war in der Zeit der Dschahiliyya mit uns verbündet gewesen. Er sagte: Warum sitzt du mit so bedrücktem Gesicht da? Umar sagte: Dein Volk will mich töten, weil ich Muslim geworden bin. Er sagte: Niemand wird es wagen, Hand an dich zu legen, denn du stehst unter meinem Schutz. Als ʿAs daraufhin hinausging, sah er, dass das Tal voller Menschen war. Er fragte: Was wollt ihr? Sie erwiderten: Wir wollen nach dem Sohn al-Chattabs sehen, der sich von der Religion abgewandt hat. Er sagte: Niemand wird Umar auch nur berühren. Daraufhin kehrten sie alle um.

Das Datum von Umars (r.a.) Annahme des Islam

Das Ereignis der Annahme des Islam durch Umar (r.a.) ereignete sich im sechsten Jahr der Sendung des Propheten. Dies haben Imam Nawawi in „Tahذīb al-Asmāʾ wa-l-Lughāt“ und Mulla Ali Qari in seinem Kommentar zu „Arbaʿīn Nawawi“ geschrieben. Einige sagen, dass er drei Tage nach Hamzas (r.a.) Annahme des Islam den Glauben annahm, andere sagen: drei Monate danach. Abu Nuʿaym al-Isfahani überliefert jedoch folgende Aussage von Abdullah ibn Abbas (r.a.): „Ich selbst fragte Umar (r.a.) nach dem Ereignis seiner Annahme des Islam.“ Darauf antwortete er: „Ich trat drei Tage nach Hamzas (r.a.) Annahme des Islam hervor.“ Ibn Saʿd berichtet unter Berufung auf Aslam, den Diener Umars (r.a.), dass dies im Monat Dhu l-Hiddscha des sechsten Jahres der Sendung des Propheten geschah. Wahrscheinlich ereignete es sich jedoch deutlich früher. Masʿudi sagt, dass sich zu jener Zeit etwas mehr als vierzig Männer beim Gesandten Allahs (s.a.w.) befanden. Wahidi fügt zehn Frauen hinzu. Doch Hafiz Ibn Hadschar überliefert in „Manaqib Umar“ unter Berufung auf Ibn Abi Chaythama folgende Aussage Umars (r.a.): „Beim Gesandten Allahs waren neununddreißig Männer; mit mir waren es vierzig.“ Wahrscheinlich kannte Umar (r.a.) zu jener Zeit nur diese Anzahl von Menschen, denn viele Muslime hielten ihren Glauben geheim.

Während der Belagerung im Schiʿb Abi Talib

Zu jener Zeit nahm der Zorn der Quraisch gegen den Islam und den Propheten (s.a.w.) von Tag zu Tag zu. Sie sahen, dass sich der Islam trotz all ihrer Bemühungen auch innerhalb der Stadt Mekka heimlich weiter ausbreitete. Auch Angehörige auswärtiger Stämme wurden einer nach dem anderen Muslime. Danach blieb diese Angelegenheit nicht auf das arabische Land beschränkt, sondern breitete sich bis nach Abessinien aus. Der Nadschaschi wurde offen zu einem Unterstützer der Muslime. Von dort kamen weiterhin Delegationen zum Propheten (s.a.w.), um den Islam anzunehmen. Darüber hinaus schürte es ihren Zorn noch weiter, dass durch den Beitritt tapferer und einflussreicher Anführer wie Hamza (r.a.) und Umar (r.a.) zu den Muslimen der Mut jener Muslime wuchs, die nach der Auswanderung nach Abessinien in Mekka geblieben waren. Ibn Abi Schaiba und at-Tabarani überliefern folgende Aussage von Abdullah ibn Masʿud (r.a.): „Bei Allah, wir konnten neben dem Haus Allahs nicht beten, solange Umar (r.a.) nicht Muslim geworden war.“ In al-Buchari wird ebenfalls folgende Aussage eben jenes Ibn Masʿud (r.a.) überliefert:

***************************************

Seit Umar (r.a.) Muslim geworden war, waren wir stets stark.

Diese Gründe wirkten zusammen und versetzten schließlich die Unwissenheit der Quraisch derart in Erregung, dass sie einmütig ein Schriftstück verfassten und bei Allah schworen, dass keinerlei Umgang, Heiratsbeziehungen, Gespräche, Handelsbeziehungen oder irgendeine andere Verbindung mit ihnen bestehen sollte. Die Oberhäupter aller Familien der Quraisch bestätigten dieses Schriftstück und hängten es in der Kaaba auf. Ibn Saʿd und Ibn Abd al-Barr sagen, dies sei am ersten Muharram des siebten Jahres der Sendung des Propheten geschehen.

Musa ibn Uqba schreibt in seinem Werk über die Feldzüge unter Berufung auf Imam az-Zuhri [Ibn Abd al-Barr führt dieses Ereignis in seiner Sira neben Murra ibn Uqba auch unter Berufung auf Muhammad ibn Abd ar-Rahman Abu al-Aswad und Yaqub ibn Hamid ibn Kasib an (der Verfasser).], dass Abu Talib, als er erfuhr, dass die Quraisch fest entschlossen waren, dem Propheten Muhammad (s.a.w.) das Leben zu nehmen, die Banu Haschim und die Banu al-Muttalib zu sich rief und sagte: Alle sollen gemeinsam mit Muhammad (s.a.w.) im Schiʿb Abi Talib [Schiʿb bedeutet Zuflucht oder Bergpass. Der Schiʿb Abi Talib war einer der Bergpässe bei Mekka, in dem Abu Talib lebte. Heute heißt er Schiʿb Ali. Er wird auch Schuʿb al-Lay genannt – der Verfasser.] zusammenkommen und ihn bis zuletzt beschützen. Beide Familien nahmen diesen Vorschlag an, und alle ihre Angehörigen, sowohl die Ungläubigen als auch die Muslime, versammelten sich im Schiʿb Abi Talib. Danach schlossen die übrigen Familien der Quraisch untereinander den oben erwähnten Vertrag. [Ibn Abd al-Barr überliefert unter Berufung auf Musa ibn Uqba folgende außergewöhnliche Überlieferung von Imam az-Zuhri: Nach der Belagerung im Schiʿb Abi Talib habe der Hochverehrte (s.a.w.) den unterdrückten Muslimen in Mekka befohlen, nach Abessinien auszuwandern. Diese Aussage widerspricht der allgemein bekannten Überlieferung – der Verfasser.]

Andererseits überliefern Ibn Saʿd von al-Wāqidī und Ibn Hišām von Ibn Isḥāq, dass die Quraisch zunächst eine Urkunde verfassten, in der sie schworen, die Beziehungen zu den Banū Hāšim und den Banū al-Muṭṭalib abzubrechen; danach zogen sich diese beiden Familien auf Abū Ṭālibs Anweisung in der Schlucht von Abū Ṭālib zurück und wurden dort eingeschlossen. Auch Ibn ʿAbd al-Barr hat dies in seiner Sīra erwähnt. Abū Lahab hielt sich zu jener Zeit von seiner Familie getrennt und schloss sich den Belagerern an. Auch die beiden übrigen Familien der Banū ʿAbd Manāf – die Banū ʿAbd Šams und die Banū Nawfal – verließen ihre Verwandten mütterlicherseits und schlossen sich den feindlichen Belagerern an.

Ibn Hišām berichtet nach Ibn Isḥāq, dass die Belagerung zwei oder drei Jahre dauerte. Ibn Saʿd und Mūsā ibn ʿUqba geben ihre Dauer jedoch mit Gewissheit mit drei Jahren an. Während dieser gesamten Zeit hielten die Quraisch die Belagerung mit äußerster Härte aufrecht. Sie waren so eingeschlossen worden, dass alle Wege, auf denen Lebensmittel und Getränke zu ihnen gelangen konnten, versperrt waren. Mūsā ibn ʿUqba berichtet: Wenn ein Händler von außerhalb nach Mekka kam, kauften die Quraisch eilig alle seine Waren auf, damit die Eingeschlossenen nichts kaufen konnten. Abū Lahab pflegte zu den Händlern zu sagen: „Verlangt von ihnen so hohe Preise, dass sie nichts kaufen können; danach werde ich alles von euch kaufen und euch keinen Verlust entstehen lassen.“ Ibn Saʿd und al-Bayhaqī berichten, dass die Lage der Eingeschlossenen so schlimm wurde, dass man das Weinen der Kinder vor Hunger und Durst außerhalb der Schlucht von Abū Ṭālib hören konnte. Sie kamen nur zur Zeit der Wallfahrt heraus und blieben bis zur nächsten Wallfahrt in ihrem Viertel eingeschlossen.

Während dieser Zeit erfüllten nur Ḥakīm ibn Ḥizām, der Neffe von Hadhrat Ḫadīǧa (möge Allah mit ihr zufrieden sein), und Hišām ibn ʿAmr al-ʿĀmirī, der Neffe von Naḍla ibn Hāšim ibn ʿAbd Manāf, heimlich ihre Pflicht gegenüber ihren Verwandten. Ibn Hišām berichtet nach Ibn Isḥāq: Einmal ertappte Abū Ǧahl Ḥakīm ibn Ḥizām, als dieser Lebensmittel zu seiner Tante bringen wollte, und sagte: „Du bringst Lebensmittel für die Banū Hāšim? Gut, ich werde dich nicht loslassen, bevor ich dich in ganz Mekka nicht erniedrigt und beschämt habe.“ In diesem Augenblick kam Abū al-Baḫtarī ibn Hišām dort an – ein Angehöriger der Banū Asad ibn ʿAbd al-ʿUzzā ibn Quṣayy und ein naher Verwandter von Hadhrat Ḫadīǧa (möge Allah mit ihr zufrieden sein) – und fragte: „Was ist geschehen?“ Abū Ǧahl sagte: „Er bringt Lebensmittel für die Banū Hāšim.“ Da sagte er: „Lass ihn gehen. Er bringt die Lebensmittel seiner Tante zu ihr. Willst du ihm etwa verwehren, seine eigenen Sachen zu ihr zu bringen?“ Abū Ǧahl akzeptierte dies nicht. Daraufhin begannen die beiden zu streiten und zu kämpfen. Schließlich schlug Abū al-Baḫtarī Abū Ǧahl mit dem Kieferknochen eines Kamels auf den Kopf, sodass sein Kopf aufplatzte. Hadhrat Ḥamza (möge Allah mit ihm zufrieden sein) beobachtete dieses Geschehen. Daraufhin schämten sich die beiden polytheistischen Ungläubigen und beendeten ihren Streit, damit die Banū Hāšim sich nicht darüber freuten. Über Hišām ibn ʿAmr al-ʿĀmirī zitiert Ibn Hišām aus Ibn Isḥāqs Bericht, dass auch er heimlich gegenüber den Banū Hāšim und den Banū al-Muṭṭalib die Pflichten verwandtschaftlicher Fürsorge erfüllte. Er tat dies, indem man nachts Waren auf den Rücken eines Kamels lud und es in die Schlucht von Abū Ṭālib hineintrieb. Die Eingeschlossenen fingen das Kamel, luden die Waren ab und ließen es wieder hinaus. Die Quraisch schimpften auch mit ihm. Doch Abū Sufyān sagte: „Lasst ihn in Ruhe. Er zeigt doch nur Mitgefühl mit seinen Verwandten.“

Das Ereignis der Spaltung des Mondes

Die Belagerung wurde mit großer Härte fortgesetzt. Doch wie wir im Kapitel „Die allgemeine Einladung“ (am Anfang dieses Bandes) gesagt haben, ließ der Gesandte Allahs (Friede sei mit ihm) trotzdem keinen einzigen Tag von der Verkündigung ab, und niemand war in der Lage, ihn davon abzuhalten. Nachdem erst zwei Jahre der Belagerung vergangen waren, ereignete sich das gewaltige Ereignis der Spaltung des Mondes. Die Ungläubigen in Mekka sahen es mit eigenen Augen. Die Hadith-Gelehrten und die Korankommentatoren sind sich darin einig, dass dies fünf Jahre vor der Hidschra geschah. Das Ereignis fand in Mina statt. Im Koran wird es folgendermaßen erwähnt:

************************************************

Die Stunde ist nahe gekommen, und der Mond hat sich gespalten. (Doch ihr Zustand ist der, dass sie) sich von jedem Zeichen abwenden, das sie sehen, und sagen: „Das ist eine fortdauernde Zauberei.“ (Al-Qamar: 1–2)

Einige Rationalisten halten die Spaltung eines Himmelskörpers wie des Mondes für unmöglich und geben ******************* die Bedeutung: „Der Mond wird sich spalten.“ Wenn man „wird sich spalten“ statt „hat sich gespalten“ übersetzt, wird die Aussage der beiden Verse unvernünftig. Im ersten Vers wird die Spaltung des Mondes als ein Zeichen für das Herannahen der Stunde bezeichnet. Wenn man annimmt, dass sie erst in der Zukunft geschehen wird, wie kann dann die Spaltung des Mondes als ein Zeichen für das Herannahen der Stunde gelten? Nimmt man diese Bedeutung an, wird der folgende Vers völlig sinnlos; denn darin wird gesagt, dass diese Menschen so halsstarrig sind, dass sie sich von jedem Zeichen abwenden, das sie sehen, und es als eine außergewöhnliche Erscheinung der Zauberei betrachten. Der Zusammenhang der vorhergehenden und nachfolgenden Aussagen bestätigt eindeutig die Bedeutung von *****************: Zu jener Zeit hatte sich der Mond tatsächlich gespalten. Die zuverlässigen Überlieferungen des Hadith bestätigen genau diese Bedeutung. (Zusatz des Verfassers.)

Überlieferungen über die Spaltung des Mondes haben al-Buchari, at-Tirmidhi, Ahmad, Abu Awana, Abu Dawud, at-Tayalisi, Abd ar-Razzaq, Ibn Dscharir, al-Baihaqi, at-Tabarani, Ibn Mardawaih und Abu Nuʿaim angeführt. Sie überliefern sie mit zahlreichen Überlieferungsketten von Hazrat Abdullah ibn Umar (r.a.), Hazrat Abdullah ibn Masʿud (r.a.), Hazrat Hudhaifa ibn al-Yaman (r.a.), Hazrat Anas ibn Malik (r.a.) und Hazrat Dschubair ibn Mutʿim (r.a.). Drei dieser ehrwürdigen Gefährten – Hazrat Abdullah ibn Masʿud (r.a.), Hazrat Hudhaifa (r.a.) und Dschubair ibn Mutʿim (r.a.) – haben nach eingehender Erläuterung und Untersuchung erklärt, dass sie Augenzeugen dieses Ereignisses waren.

Fügt man alle Überlieferungen zusammen, ergibt sich folgende ausführliche Darstellung: Das Ereignis fand etwa fünf Jahre vor der Hidschra statt. Es war die vierzehnte Nacht des Mondmonats. Der Mond war gerade aufgegangen, als er sich plötzlich spaltete; ein Teil erschien auf der einen Seite des Berges vor ihnen und der andere Teil auf der anderen Seite. Dieser Zustand dauerte nur einen Augenblick, woraufhin sich die beiden Teile wieder vereinigten. Der Prophet (s.a.s.) befand sich damals in Mina. Er sagte zu den Menschen: „Seht hin und bezeugt es.“ Die Ungläubigen sagten: „Muhammad (s.a.s.) kann uns zwar verzaubern, aber nicht alle Menschen. Lasst die Leute von außerhalb kommen. Man wird sie fragen, ob auch sie dieses Ereignis beobachtet haben.“ Als einige Menschen von außerhalb eintrafen, bezeugten sie, dass auch sie diese Erscheinung gesehen hatten.

Einige Überlieferungen von Hazrat Anas (r.a.) haben zu dem falschen Eindruck geführt, dass die Spaltung des Mondes nicht einmal, sondern zweimal stattgefunden habe. Erstens hat keiner der Gefährten dies so gesagt. Zweitens finden sich in einigen Überlieferungen von Hazrat Anas (r.a.) das Wort „zweimal“ sowie die Worte „zwei Teile“. Drittens spricht der Koran nur von einer einzigen Spaltung. Daher ist die richtige Auffassung, dass dieses Ereignis nur einmal stattgefunden hat. Danach wird in der verbreiteten Geschichte erneut gesagt, dass dieses Ereignis nur einmal stattgefunden habe. Die anschließend verbreitete Erzählung jedoch, der Mond sei auf eine Fingerbewegung des Propheten (s.a.s.) hin in zwei Stücke zerbrochen, wobei ein Stück in sein Gewand eingedrungen und aus einem Ärmel wieder herausgekommen sei, ist völlig haltlos.

Nun stellt sich die Frage nach dem eigentlichen Wesen dieses Ereignisses. War es ein Wunder, das der Gesandte Allahs (s.a.s.) in Mekka angesichts der Ungläubigen als Beweis für seine Gesandtschaft zeigte? Oder war es ein Vorgang, der sich durch Allahs Macht im Mond ereignete und durch den Er die Aufmerksamkeit der Menschen darauf lenkte, dass er ein Zeichen für die Möglichkeit und das Nahen der Auferstehung ist? Eine große Gruppe von Gelehrten zählt es zu den Wundern des Propheten (s.a.s.). Ihrer Auffassung nach wurde dieses Wunder gezeigt, um die Forderung der Ungläubigen zu erfüllen. Diese Auffassung geht jedoch auf einige von Hazrat Anas (r.a.) überlieferte Berichte zurück. Kein anderer Gefährte hat dies gesagt. Ibn Hadschar sagt in Fath al-Bari, dass ihm unter allen Überlieferungsformen dieser Geschichte außer dem Hadith von Hazrat Anas (r.a.) keine begegnet sei, wonach die Spaltung des Mondes aufgrund der Forderung der Götzendiener erfolgt sei. Abu Nuʿaim al-Isfahani führt in Dala’il an-Nubuwwa hierzu eine Überlieferung von Hazrat Ibn Abbas (r.a.) an. Ihre Überlieferungskette ist jedoch schwach. In keiner der von Ibn Abbas (r.a.) mit zuverlässiger Überlieferungskette in den Hadith-Sammlungen überlieferten Aussagen findet sich ein Hinweis darauf. Außerdem waren weder Hazrat Anas (r.a.) noch Hazrat Abdullah ibn Abbas (r.a.) Zeitgenossen dieses Ereignisses. Andererseits hat keiner der Gefährten, die damals anwesend waren – etwa Hazrat Abdullah ibn Masʿud (r.a.), Hazrat Hudhaifa (r.a.), Hazrat Dschubair ibn Mutʿim (r.a.), Hazrat Ali (r.a.) und Hazrat Abdullah ibn Umar (r.a.) –, gesagt, dass die Götzendiener in Mekka vom Propheten (s.a.s.) ein Zeichen als Beweis für seine Wahrhaftigkeit verlangt hätten und ihnen daraufhin dieses Wunder der Mondspaltung gezeigt worden sei. Das Wichtigste ist jedoch, dass auch der Heilige Koran dieses Ereignis nicht als Zeichen für die Gesandtschaft Muhammads, sondern als Zeichen für das Nahen der Auferstehung darstellt. Gewiss lag darin insofern ein eindeutiger Beweis für die Wahrhaftigkeit des Propheten (s.a.s.), als dieses Ereignis die Wahrheit der Nachricht bestätigte, die er den Menschen über das Kommen der Auferstehung verkündet hatte.

Die Gegner erheben in dieser Angelegenheit zwei Einwände. Erstens halten sie es für völlig unmöglich, dass ein gewaltiger Himmelskörper wie der Mond sich spaltet, ein Teil sich vom anderen entfernt, Hunderte von Meilen weit fortbewegt und sich anschließend wieder mit ihm vereinigt. Zweitens sagen sie, wenn dies geschehen wäre, hätte sich das Ereignis auf der ganzen Welt herumgesprochen; es wäre in der Geschichtsschreibung und in der Astronomie erwähnt worden. Tatsächlich sind jedoch beide Einwände belanglos. In früheren Zeiten hätte man vielleicht darüber streiten können, ob dies überhaupt möglich sei. Doch aufgrund der Erkenntnisse, die der Mensch in der Neuzeit über den Aufbau der Himmelskörper gewonnen hat, ist es durchaus möglich, dass ein Himmelskörper infolge eines Vulkanausbruchs in seinem Inneren auseinanderbricht und seine beiden Teile durch diesen gewaltigen Ausbruch weit voneinander fortgeschleudert werden, um sich dann aufgrund der magnetischen Kraft ihres Zentrums wieder miteinander zu verbinden. Was nun den zweiten Einwand betrifft, ist auch er deshalb belanglos, weil dieses Ereignis nicht nur für einen Augenblick stattfand. Es gab kein Explosionsgeräusch, das die Aufmerksamkeit der Menschen darauf gelenkt hätte. Zuvor war auch keine Nachricht verbreitet worden, sodass die Menschen zum Himmel geblickt hätten. Außerdem konnte man es nicht auf der ganzen Welt sehen. Vielmehr war der Mond damals nur in Arabien und den östlich davon gelegenen Ländern aufgegangen. In jener Zeit waren die Menschen noch nicht so sehr an Geschichtsschreibung interessiert, und die Kunst der Geschichtsschreibung war noch nicht so weit entwickelt, dass diejenigen in den östlichen Ländern, die dies gesehen hatten, es niedergeschrieben und die Aussagen bei einem Historiker gesammelt und in einem Geschichtswerk festgehalten worden wären. Dennoch wird in der Geschichte Malabars erwähnt, dass ein dortiger König in jener Nacht diese Erscheinung beobachtete. Bleiben noch die astronomischen Werke und Kalender. Nur wenn eine Abweichung in der Bewegung des Mondes, seinem Umlauf auf seiner Bahn oder in den Zeiten seines Auf- und Untergangs festgestellt worden wäre, hätte man dies in astronomischen Werken oder Kalendern erwähnt. Eine solche Unregelmäßigkeit trat nicht auf; deshalb wurde die Aufmerksamkeit der Astronomen der alten Zeit nicht darauf gelenkt. Auch die Fernrohre waren damals noch nicht so weit entwickelt, dass ein Ereignis am oberen Himmel sofort aufgezeichnet und aufbewahrt worden wäre. (Tafhim, Band 5 – al-Qamar, Anmerkung 1.)

Wie die Belagerung beendet wurde

Obwohl die fanatischen und sturen Anführer der Ungläubigen von Mekka aus vorübergehendem Zorn heraus zwei große Familien von den übrigen Familien der Stadt abgesondert und belagert hielten, gab es in Mekka keine Familie, die nicht durch Verwandtschaft mit den Banu Hashim und den Banu al-Muttalib verbunden gewesen wäre. Deshalb war die Belagerung der eigenen Brüder und Verwandten für viele von Anfang an unerträglich. Je länger die Belagerung dauerte, desto größer wurde ihr Unmut darüber. Denn die Banu Hashim und die Banu al-Muttalib waren dem Hunger ausgeliefert. Das Weinen und Klagen ihrer Kinder war in den benachbarten Vierteln zu hören. Ihre Verwandten aus anderen Familien, die in unmittelbarer Nähe wohnten, wurden beim Hören dieser Schreie und Klagen unruhig. Musa ibn Uqba berichtet, dass am Ende des dritten Jahres die Banu Abd Manaf, die Banu Qusayy und diejenigen, die in die Banu Hashim eingeheiratet hatten, einander Vorwürfe machten und offen sagten: „Wir haben uns dadurch schuldig gemacht, diese Verwandtschaftsbeziehungen abzubrechen. Mit diesem Verhalten haben wir die Rechte der Familie verletzt.“

At-Tabari und Ibn Hischam berichten unter Berufung auf die Überlieferungen von Ishaq, al-Baladhuri und al-Waqidi, dass schließlich Hischam ibn Amr al-Amiri die Verantwortung für diese Angelegenheit übernahm und erklärte, er werde die Belagerung unbedingt beenden. Als Erstes suchte er Zubair ibn Abi Umaiya auf, den Anführer der Banu Machzum, der der Bruder von Umm Salama (r.a.) und der Sohn von Atika bint Abd al-Muttalib, der Tante des Propheten (s.a.w.), war. Er sagte: „O Zubair! Freust du dich etwa darüber, dass du ungestört essen und trinken sowie heiraten wirst, während die Verwandten deines Großvaters mütterlicherseits verhungern? Dass der Handel mit ihnen und die ehelichen Beziehungen zu ihnen abgebrochen werden? Ich schwöre bei Allah: Wenn diese Lage Abu Dschahl beträfe und man dir befehlen würde, mit den Verwandten deines Großvaters mütterlicherseits so zu verfahren, wie er dir befohlen hat, mit den Verwandten deines Großvaters mütterlicherseits zu verfahren, würde er das niemals tun.“ Zubair sagte: „Hischam! Was kann ich allein ausrichten? Wenn noch jemand uns unterstützen würde, würde ich nicht eher ruhen, als bis das Dokument der Belagerung zerrissen wäre.“ Hischam sagte: „Einer bin immerhin ich.“ Zubair sagte: „Suche noch einen weiteren.“

Daraufhin suchte Hischam Mut’im ibn Adi auf, den Anführer der Banu Nawfal ibn Abd Manaf. Er sagte: „O Mut’im! Freust du dich etwa darüber, dass zwei Familien der Banu Abd Manaf zugrunde gehen und du dem Schauspiel zusiehst? Wenn du die Quraisch in dieser Angelegenheit unterstützt und ihnen erlaubst, sie auf diese Weise zu vernichten, wird schon bald ein Tag kommen, an dem dasselbe auch dir widerfährt.“ Er sagte: „Was kann ich allein ausrichten? Nimm noch jemand anderen hinzu.“ Hischam sagte: „Einer bin ich, der zweite ist Zubair ibn Abi Umaiya.“ Mut’im sagte: „Suche noch einen weiteren.“

Danach suchte Hischam Abu al-Bachtari, also As ibn Haschim, den Anführer der Banu Asad ibn Abd al-Uzza, auf und sagte auch zu ihm dasselbe, was Mut’im gesagt hatte. Er sagte: „Gibt es noch jemanden, der sich uns anschließt?“ Hischam antwortete: „Ich, Zubair ibn Abi Umaiya und Mut’im ibn Adi.“ Er sagte: „Gut, finde noch einen weiteren.“ Daraufhin sprach Hischam mit Zam’a ibn al-Aswad ibn al-Muttalib. Er gehörte zu den Anführern der Banu Asad ibn Abd al-Uzza und wurde ebenfalls für diese Sache gewonnen.

Danach trafen sich diese fünf – Hischam, Zubair, Mut’im, Abu al-Bachtari und Zam’a – im Hochland von Mekka, in Hadschun, und berieten, wie sie versuchen könnten, das Dokument der Belagerung zu vernichten. Zubair sagte: „Ich werde anfangen zu sprechen, und ihr werdet mich unterstützen.“ Am nächsten Morgen gingen sie zur Versammlung der Quraisch. Zubair umrundete die Kaaba siebenmal und wandte sich an die Bewohner Mekkas: „O ihr Bewohner Mekkas! Sollen wir essen und trinken, während die Banu Haschim zugrunde gehen? Weder kann man von ihnen kaufen noch ihnen etwas verkaufen. Ich schwöre bei Allah, ich werde mich auf keinen Fall hinsetzen, bis das Dokument der Belagerung zerrissen worden ist.“

Abu Dschahl erhob sich und sagte: „Du lügst; es wird niemals zerrissen werden.“ Zam’a sagte: „Ich schwöre bei Allah, du bist der größte Lügner. Schon als dieses Dokument verfasst wurde, waren wir damit nicht einverstanden.“ Abu al-Bachtari unterstützte seine Worte und sagte: „Zam’a hat recht. Mit nichts von dem, was in diesem Dokument geschrieben wurde, waren wir einverstanden, und wir erkennen es auch nicht an.“ Mut’im ibn Adi sagte: „Ihr beide habt die Wahrheit gesprochen. Derjenige, der etwas anderes sagt, ist der Lügner. Vor Allah erklären wir uns von jeder Verantwortung für dieses Dokument und für das, was darin geschrieben steht, los.“ Auch Hischam ibn Amr stimmte ihm zu. Abu Dschahl sagte: „Das ist eine Verschwörung, die nachts irgendwo ausgeheckt wurde.“

Eine wunderbare Offenbarung der Macht Allahs

Ibn Sa’d, Ibn Hischam und al-Baladhuri berichten, dass dem Gesandten Allahs (s.a.w.) von Allah mitgeteilt wurde, die Termiten hätten alle Worte über Ungerechtigkeit, Unterdrückung und den Abbruch der Verwandtschaftsbeziehungen, die in das Dokument des Beziehungsabbruchs geschrieben worden waren, aufgefressen; lediglich der Name Allahs sei übrig geblieben.

Die Überlieferung von Ibn Ishaq, Musa ibn Uqba und Urwa lautet dagegen, dass die Termiten die Stelle aufgefressen hätten, an der der Name Allahs stand, während die Worte über Unrecht, Unterdrückung und dergleichen erhalten geblieben seien. Doch diese Aussage scheint nicht akzeptabel. Richtig ist vielmehr, was Ibn Sa’d, al-Baladhuri und Ibn Hischam gesagt haben. Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) teilte dies seinem Onkel Abu Talib mit. Dieser fragte: „Hat dein Herr dir davon berichtet?“ Der Prophet (s.a.w.) antwortete: „Ja.“ Abu Talib berichtete seinen Brüdern davon, und sie fragten: „Wie ist deine Meinung dazu?“ Abu Talib sagte: „Ich schwöre bei Allah: Muhammad hat uns niemals belogen.“

Darauf fragte Abu Talib: »Was soll nun getan werden?« Der Prophet (s) sagte: »Meiner Ansicht nach solltet ihr eure schönsten Gewänder anlegen, zu den Quraisch gehen und ihnen dies sagen.« So machten sich alle auf den Weg und gingen zum Hidschr, wo sich die angesehenen Männer der Quraisch versammelt hatten. Als man sie kommen sah, richteten sich aller Blicke auf sie, und man fragte sich, was sie wohl schließlich sagen wollten.

Obwohl die Geschichtsschreiber dies nicht erläutert und analysiert haben, wird bei einem Vergleich der früheren und dieser Überlieferung klar, dass Abu Talib und seine Gefährten genau zu dem Zeitpunkt im Heiligtum eintrafen, als Zubair und seine Gefährten mit Abu Dschahl in einen Wortstreit verwickelt waren und die Anführer der Quraisch über diese Auseinandersetzung nachdachten. Sobald Abu Talib dort angekommen war, wandte er sich an alle und sagte: »Wir sind mit einer Angelegenheit gekommen; ihr sollt darauf die Antwort geben, die ihr für richtig haltet.«

Die Anführer der Quraisch sagten: »Willkommen, ahlan wa sahlan! Wir haben etwas, das euch zufriedenstellen wird. Sagt also, was wollt ihr?« Abu Talib sagte: »Mein Neffe hat mir davon berichtet, und bei Allah, er hat niemals gelogen. Lasst nun jene Vereinbarung herbeibringen und seht nach. Wenn die Worte meines Neffen wahr sind, dann unterlasst es, die Beziehungen zu uns abzubrechen, und löscht, was darin geschrieben steht. Wenn seine Worte jedoch falsch sind, werde ich ihn euch ausliefern. Dann steht es euch frei, ihn zu töten oder am Leben zu lassen.« Sie sagten: »Du hast wahrhaftig für Gerechtigkeit gesprochen.«

Dann wurde die Vereinbarung herbeigebracht und geöffnet, und es zeigte sich, dass genau das eingetroffen war, was Allah Seinem Gesandten mitgeteilt hatte. Dadurch scheiterten alle Machenschaften der ungläubigen Quraisch, und sie mussten beschämt dastehen. Abu Talib sagte: »Nun ist euch klar geworden, dass ihr selbst für dieses Unrecht, diese Unterdrückung und den Abbruch der Verwandtschaftsbeziehungen verantwortlich seid. Wegen welcher Schuld sollen wir nun noch belagert bleiben?« Danach ging Abu Talib mit seinen Gefährten hinter den Vorhang der Kaaba, lehnte sich mit seinem Körper an die Wand des Hauses Allahs und sprach dieses Bittgebet: »O Allah! Hilf uns gegen diejenigen, die uns Unrecht getan, die Verwandtschaftsbeziehungen zu uns abgebrochen und für sich selbst das erlaubt haben, was Du ihnen in Bezug auf uns verboten hast.« Nachdem er dies gesagt hatte, brach er mit seinen Gefährten zu ihrem Schi’b auf. Kaum waren sie fortgegangen, da tadelten viele Quraisch die Unterdrückung und Misshandlung, die den Banu Haschim zugefügt worden war. Zu ihnen gehörten insbesondere Mut’im ibn Adi, Adi ibn Qais, Zam’a ibn al-Aswad, Abu al-Bachtari ibn Haschim und Zubair ibn Abi Umaiya. Darauf rüsteten sich diese Männer mit Waffen aus, gingen zum Schi’b Abi Talib und sagten zu den Banu Haschim und den Banu al-Muttalib: »Geht nun und lebt wieder in euren eigenen Häusern.«

Ibn Sa’d, Baladhuri, Ibn Abd al-Barr und andere sagen, dass diese Belagerung im zehnten Jahr der Prophetenschaft beendet wurde.

Der Tod von Hadhrat Chadidscha (r.a.) und Abu Talib

Die Freude und den Frieden, die der Hochgeehrte (s) nach dem Ende der Belagerung empfunden hatte, verwandelten zwei unmittelbar aufeinanderfolgende traurige Ereignisse in Kummer. Über den Tod seines Onkels Abu Talib, seines wichtigsten Unterstützers und Helfers, sowie seiner äußerst treuen und ihm in Zeiten der Not Trost spendenden Gattin Bibi Hadhrat Chadidscha (r.a.) war er zutiefst betrübt. Diese beiden traurigen Ereignisse ereigneten sich im zehnten Jahr der Prophetenschaft, in demselben Jahr, in dem auch die Belagerung endete.

Einige Geschichtsschreiber sagen, dass Hadhrat Chadidscha (r.a.) vor Abu Talib starb. Waqidi sagt, sie sei 35 Tage zuvor gestorben. Die weithin verbreitete und zuverlässige Ansicht lautet jedoch, dass Abu Talib zuerst starb und Hadhrat Chadidscha (r.a.) kurze Zeit danach verschied. Baihaqi und Ibn Hischam überliefern unter Berufung auf die kurze Darstellung von Muhammad ibn Ishaq, dass beide drei Jahre vor der Hidschra im selben Jahr starben.

Ibn ʿAbd al-Barr sagt, dass Abu Talibs Tod sechs Monate nach dem Verlassen des Schiʿb eintrat. Drei Tage danach starb Hadhrat Chadidscha (r.a.). Ibn Saʿd sagt, Abu Talib sei im Schawwal des zehnten Jahres der Berufung zum Prophetentum gestorben. Zu jener Zeit war er 80 Jahre alt. Einen Monat und fünf Tage später starb Hadhrat Chadidscha (r.a.). Sie war zu jener Zeit 65 Jahre alt. Ibn Athir nennt als Zeitpunkt von Abu Talibs Tod den Schawwal oder den Dhul-Qaʿda des zehnten Jahres der Berufung zum Prophetentum. Unter den verschiedenen Überlieferungen wurde derjenigen der Vorzug gegeben, wonach zwischen dem Tod Abu Talibs und dem Tod Hadhrat Chadidschas (r.a.) nur 35 Tage lagen. Hafiz Abu l-Faradsch Ibn al-Dschauzi gibt den Abstand zwischen beider Tod mit fünf Tagen an, Qutayba mit drei Tagen. Qastallani sagt im al-Mawahib al-Ladunniyya: Richtig ist, dass Hadhrat Chadidscha im Ramadan starb (im zehnten Jahr der Berufung zum Prophetentum). Baladhuri berichtet unter Berufung auf Hakim ibn Hizam, dass sie am 10. Ramadan (im zehnten Jahr der Berufung zum Prophetentum) starb.

Die Verfolgung der Muslime durch die Ungläubigen

Dieses Jahr pflegte der Prophet (s.) das Jahr der Trauer zu nennen. Nach diesen beiden Unglücksfällen brach über den Gesandten (s.) ein Berg von Kummer und Schmerz herein. Andererseits wurden die Quraisch plötzlich sehr mutig, weil der Gesandte (s.) unvermittelt keinen Beschützer mehr hatte. Die Misshandlungen und Unterdrückungen, die sie dem Propheten zu Abu Talibs Lebzeiten nicht zufügen konnten, begannen sie nun. Baihaqi führt einen Bericht von Urwa ibn az-Zubair an, wonach der Prophet (s.) gesagt habe: „Bis zum Tod Abu Talibs waren die Quraisch feige.“ Hakim überliefert denselben Bericht von Urwa ibn az-Zubair auch im Namen Hadhrat Aischas (r.a.) mit den Worten, sie habe den Propheten (s.) dies sagen hören.

Ibn Ishaq überliefert unter Berufung auf Urwa ibn az-Zubair als Beispiel für den zunehmenden Mut der Quraisch, dass eines Tages ein Mann aus den Quraisch dem Gesandten (s.) auf dem Markt Erde auf den Kopf warf. Er ging in diesem Zustand nach Hause. Eine seiner Töchter wusch ihm den Kopf und weinte. Um sie zu trösten, sagte der Gesandte (s.) zu ihr: „Meine Tochter, weine nicht! Allah ist der Beistand deines Vaters.“

Imam Buchari hat in verschiedenen Abschnitten – im Kitab at-Tahara, im Kitab al-Dschizya, im Kitab al-Dschihad und im Kitab al-Maghazi – von Hadhrat Abdullah ibn Masʿud (r.a.) folgenden Bericht überliefert: Eines Tages betete der Gesandte (s.) in der Nähe der Kaaba. Die Männer der Quraisch saßen in ihren jeweiligen Versammlungen. Einer von ihnen – in Muslims Überlieferung wird erläutert, dass es Abu Dschahl war – sagte: „Wer von euch geht zu dem und dem Haus, holt die Eingeweide und das Blut eines geschlachteten Kamels und legt sie ihm während der Niederwerfung auf den Rücken?“ Darauf erhob sich der ruchloseste und sittenloseste unter ihnen, ʿUqba ibn Abi Muʿait, und legte diesen ganzen Unrat dem Gesandten (s.), während er sich in der Niederwerfung befand, auf den Rücken oder zwischen die beiden Schultern. Unter der Last blieb der Gesandte (s.) in der Niederwerfung liegen und konnte den Kopf nicht heben. Als die Quraisch dies sahen, lachten sie sich krumm und fielen übereinander. Inzwischen ging jemand zum Haus des Gesandten (s.) und überbrachte die Nachricht. Hadhrat Fatima (r.a.) hörte davon, eilte herbei und zog den ganzen Unrat Stück für Stück fort. Danach wandte sie sich an die Männer der Quraisch, tadelte sie scharf und verfluchte diejenigen, die diese Tat begangen hatten. (Hafiz Bazzar fügt hinzu, dass keiner der ungläubigen Quraisch zu Hadhrat Fatima (r.a.) auch nur ein Wort sagte.) Nach Beendigung des Gebets sagte der Gesandte (s.): „O Gott, richte über die Quraisch!“ Einige sagen, er habe dies zweimal gesagt, andere sagen, dreimal. In Bucharis Überlieferung heißt es, dass die Quraisch diesen Fluch des Gesandten (s.) äußerst unerträglich fanden. Bei Muslim heißt es, dass ihr Lachen durch die Worte des Gesandten (s.) verstummte und sie durch den Fluch in Angst und Schrecken gerieten. Hadhrat Abdullah ibn Masʿud sagt, dass der Gesandte (s.) danach namentlich Abu Dschahl, ʿUtba ibn Rabiʿa, Schaiba ibn Rabiʿa, al-Walid ibn ʿUtba ibn Rabiʿa, Umaiya ibn Chalaf, ʿUqba ibn Abi Muʿait und ʿUmara ibn al-Walid verfluchte. Diesen Hadith haben außer Buchari und Muslim auch Imam Ahmad, Nasaʾi, Bazzar, Tabarani, Abu Dawud at-Tayalisi und andere überliefert. In der Überlieferung at-Tayalisis wird außerdem die Aussage Hadhrat Abdullah ibn Masʿuds (r.a.) angeführt, dass man den Gesandten (s.) außer an jenem Tag nie gehört habe, wie er sie verfluchte.

Obwohl die Hadith-Gelehrten, die diesen Hadith überliefert haben, nicht sagen, zu welcher Zeit sich dieses Ereignis ereignete, enthält er doch eine Information, die den Zeitpunkt annähernd bestimmt. Als der Gesandte (s.) in der Niederwerfung lag und man ihm die Eingeweide eines Kamels auflegte, wurde Hadhrat Fatima (r.a.) davon benachrichtigt. Sie eilte herbei und zog die Eingeweide Stück für Stück vom Kopf ihres Vaters weg. Über sie berichtet Ibn Abd al-Barr in al-Istiʿab, dass der Gesandte (s.) 41 Jahre alt war, als sie geboren wurde. Zurqani erklärt dies in seinem Kommentar zu al-Mawahib für richtig. Nun steht fest, dass Hadhrat Fatima zum Zeitpunkt dieses Ereignisses neun Jahre alt gewesen sein muss. Denn für ein jüngeres Mädchen wäre es äußerst schwer gewesen, die Eingeweide des Kamels herunterzuziehen. Daher vermuten wir, dass die Ungläubigen diese sinnlose Tat zu einer Zeit begingen, als Hadhrat Chadidscha (r.a.) und Abu Talib bereits verstorben waren.

Abu Talibs Vermächtnis

Allama Qastallani berichtet in al-Mawahib al-Ladunniyya und Allama Zurqani in seinem Kommentar unter Berufung auf Hischam ibn Muhammad ibn as-Saʾib al-Kalbi, dass die Anführer der Quraisch in Abu Talibs letzten Stunden zu ihm kamen. Nachdem er ihnen die Vorzüge und die Größe der Quraisch geschildert hatte, sagte er zu ihnen: „Seht zu, dass ihr die Würde dieses Hauses der Kaaba unversehrt bewahrt. Darin liegt die Zufriedenheit des Herrn. Erfüllt die Rechte der Verwandten. Begeht nicht Übergriffe gegeneinander und verletzt nicht die Rechte des anderen. Nehmt die Einladung des Einladenden an. Befriedigt die Bedürfnisse dessen, der um Hilfe bittet. Haltet an Wahrhaftigkeit und Vertrauenswürdigkeit fest.“ In diesem Zusammenhang sagte er: „Ich hinterlasse euch hinsichtlich Muhammad (s.) das Vermächtnis, gut zu ihm zu sein. Denn er ist unter den Quraisch der Amin, der Vertrauenswürdige, und in ganz Arabien der wahrhaftigste Mensch. Er besitzt all jene Eigenschaften, die ich euch genannt habe. Er hat etwas gebracht, wonach sich die Herzen sehnen, doch die Menschen leugnen es mit ihren Mündern aus Furcht vor Feindschaft. Bei Gott! Ich sehe es gleichsam mit eigenen Augen: Die Bedürftigen Arabiens und die schwachen Menschen aus allen Gegenden werden vortreten, seine Einladung annehmen und die Wahrheit seiner Botschaft bezeugen. Sie werden seine Sache stärken, und er wird sich mit ihnen in gefahrvolle Gefilde stürzen. Die Anführer der Quraisch werden jedoch mit eingezogenem Schwanz dasitzen.“

Ibn Saʿd berichtet, dass Abū Tālib seinen Söhnen auf dem Sterbebett folgende Anweisung gab: Solange ihr auf Muhammad (s) hört und seinen Anordnungen folgt, wird es euch stets gut ergehen. Gehorcht ihm daher und unterstützt ihn; dann werdet ihr auf dem rechten Weg sein.

Der Prophet (s) sagte: „O Onkel, du hast ihnen zwar Ratschläge erteilt, warum hältst du dich selbst davon fern?“

Er erwiderte: „Ich möchte jedoch nicht, dass ich beim Tod aus Angst vom Weg abkomme und als jemand gelte, der irregegangen ist. Und ich möchte nicht, dass die Quraisch sagen: Was Abū Tālib bei voller Gesundheit zurückgewiesen hatte, nahm er im Angesicht des Todes aus Angst an.“

Ibn Saʿd berichtet nach Imam Muhammad ibn Sīrīn, dass Abū Tālib, als er im Sterben lag, den Propheten (s) zu sich rief und sagte: „Wenn ich gestorben bin, dann geh nach Medina zu den Banū Nadschdschār, der Familie deines Großvaters mütterlicherseits. Denn sie sind äußerst streng darin, die Angehörigen ihres eigenen Hauses zu schützen.“

Aus diesen Anweisungen lässt sich erkennen, wie klug und weitsichtig Abū Tālib war: Seine Einschätzung über Medina, die er drei Jahre vor der Hidschra äußerte, sollte sich schließlich bewahrheiten. Damals konnte sich niemand vorstellen, dass Medina eine Stadt sein würde, deren Bewohner ihr Leben für den Islam und den Propheten Muhammad (s) hingeben würden. Von dort aus würde der Prophet (s) dann eine solche Macht erlangen, dass er ganz Arabien unterwerfen würde. Auf diese Weise bewahrheitete sich alles, was er den Anführern der Quraisch damals gesagt hatte, schon wenige Jahre später buchstäblich. Andere Menschen zogen Nutzen daraus, den Propheten (s) zu unterstützen, während diese Anführer der Quraisch in die hinteren Reihen verwiesen wurden. Ibn ʿAbd al-Barr berichtet in al-Istīʿāb von einem Ereignis aus der Regierungszeit von ʿUmar (ra): Eines Tages saßen die Anführer der Quraisch – unter ihnen besonders Suhail ibn ʿAmr und Abū Sufyān – draußen und warteten auf die Erlaubnis, den Amir al-Muʾminīn zu treffen. Da wurden Bilāl (ra), Suhaib (ra) und andere Angehörige von Badr hineingerufen. Abū Sufyān sagte daraufhin in vorwurfsvollem Ton zu seinen Gefährten: „Ist es nun so weit gekommen, dass unsere Leute draußen sitzen müssen, während Sklaven hineingerufen werden?“ Suhail ibn ʿAmr erwiderte: „Diesen Vorwurf solltet ihr euch selbst machen. Als zum Islam aufgerufen wurde, gingen sie voran, während ihr zurückbliebt.“

Abū Lahab tritt zur Unterstützung des Propheten vor, zieht sich dann aber zurück.

Ibn Saʿd berichtet: Als die Misshandlungen des Propheten (s) in Mekka ihren Höhepunkt erreicht hatten, kam Abū Lahab eines Tages zu ihm und sagte: „Tu weiterhin, was du tun willst, o Muhammad! Tu weiterhin, was du zu Lebzeiten Abū Tālibs getan hast. Bei al-Lāt und al-ʿUzzā! Solange ich lebe, wird niemand Hand an dich legen können.“

Danach verließ der Prophet (s) das Haus, und Ibn al-Ghaytala beschimpfte ihn auf dem öffentlichen Markt. (Der eigentliche Name dieses Mannes war al-Hārith ibn Qais ʿAdī al-Sahmī. Die Frau von Qais ibn ʿAdī war eine Prostituierte namens Ghaytala aus den Banū Murra. Alle ihre Kinder wurden Ghayātila genannt – der Verfasser.) Daraufhin kam Abū Lahab aus dem Haus, um Ibn al-Ghaytala zurechtzuweisen. Dieser schrie auf der Flucht: „O Leute der Quraisch, hört gut zu: Auch Abū ʿUtba hat sich von der Religion seiner Vorväter abgewandt!“ Als die Leute diesen Tumult hörten, kamen sie zu Abū Lahab und fragten, was geschehen sei. Er sagte: „Ich habe die Religion ʿAbd al-Muttalibs nicht aufgegeben. Aber jetzt werde ich meinen Neffen unterstützen, denn er hat nun keinen Beschützer mehr.“ Die Anführer der Quraisch sagten: „Du hast gut daran getan, dich bereit zu zeigen, das Recht der Verwandtschaft zu erfüllen.“ Daraufhin blieb der Prophet (s) einige Zeit unbehelligt, und die Leute ließen davon ab, ihn zu belästigen, aus Rücksicht auf Abū Lahab. Schließlich kamen eines Tages Abū Dschahl und ʿUtba ibn Abī Muʿait nach gemeinsamer Beratung zu Abū Lahab und sagten: „Frag deinen Neffen doch einmal, wohin sein Großvater und dein Vater ʿAbd al-Muttalib gehen werden.“ Als Abū Lahab den Propheten (s) danach fragte, sagte er: „Dorthin, wohin sein Volk gehen wird, wird auch er gehen.“ Abū Lahab erzählte seinen Freunden die Antwort des Propheten (s). Sie sagten: „Mann, hast du das denn nicht verstanden? Das bedeutet, dass auch dein Vater in die Hölle gehen wird.“

Abu Lahab kam und fragte den Propheten (s): „O Muhammad! Wird ʿAbd al-Muttalib in die Hölle kommen?“ Er sagte: „Ja. Und jeder, der in derselben Religion stirbt, in der ʿAbd al-Muttalib gestorben ist, wird in die Hölle kommen.“ Kaum hatte Abu Lahab dies gehört, wurde er zornig und sagte aufbrausend: „Bei Gott! Ich werde immer dein Feind bleiben. Du meinst, ʿAbd al-Muttalib sei für die Hölle bestimmt?“

So kehrte der Feind Gottes, der für einige Zeit die Wahrheit unterstützt hatte, zu seiner ursprünglichen Haltung zurück.

Die Heirat mit Sawda (ra)

Nach dem Tod von Chadidscha (ra) ergab sich für den Propheten (s) das bedrückende Problem, dass zu Hause nur die noch jungen Töchter – Umm Kulthum (ra) und Fatima (ra) – zurückblieben. Es gab niemanden, der sich um sie kümmerte. Wenn er nun in jener gefährlichen Zeit zur Erfüllung der Aufgabe des Gesandtentums das Haus verlassen musste, blieben seine beiden Töchter hilflos zurück. Deshalb heiratete er wenige Tage nach dem Tod Chadidschas (ra) Sawda bint Zamʿa. [Ibn Saʿd berichtet unter Berufung auf al-Waqidi, dass diese Heirat im Ramadan des zehnten Jahres der Prophetenschaft stattfand. Al-Qastallani sagt in al-Mawahib al-Ladunniyya, dass Chadidscha (ra) im Ramadan starb und die Heirat mit Sawda (ra) im Monat Schawwal stattfand. – Der Verfasser.] Sie war eine ältere Frau und für die Betreuung der Mädchen besonders geeignet. Sie gehörte zum Stamm der Banu ʿAmir ibn Luʾayy. Ihr früherer Ehemann, Sakran ibn ʿAmr, war ihr Cousin und der Bruder von Suhayl ibn ʿAmr. Beide, Ehemann und Ehefrau, gehörten zu den frühen Muslimen und nahmen an der zweiten Auswanderung nach Abessinien teil. Musa ibn ʿUqba und Abu Maʿshar sagen, dass Sakran (ra) in Abessinien starb. Muhammad ibn Ishaq und al-Waqidi hingegen sagen, dass er aus Abessinien nach Mekka zurückkehrte und dort starb. [At-Tabari und Ibn Kathir schreiben in ihren Geschichtswerken, dass er von Mekka erneut nach Abessinien zog und als Christ starb. Al-Baladhuri erklärte jedoch die Darstellung Ibn Ishaqs und al-Waqidis für richtig. Ibn al-Athir selbst erläuterte in seinem Werk Usd al-Ghaba, dass er bis zu seinem Tod Muslim gewesen sei. Hafiz Ibn Hadschar schrieb in al-Isaba neben seinem Namen „radiyallahu anhu“. – Der Verfasser.] In dem von Ibn Saʿd überlieferten Bericht al-Waqidis heißt es, dass sie, als der Prophet (s) um ihre Hand anhielt, antwortete: „Sie haben die Befugnis, in meiner Angelegenheit jede Entscheidung zu treffen.“ Der Prophet (s) ließ ihr ausrichten: „Bestimme von deiner Seite jemanden, der dich mit mir verheiratet.“ Zu diesem Zweck ernannte sie Hatib ibn ʿAmr, den Bruder von Suhayl ibn ʿAmr und einen der frühen Muslime; und dieser verheiratete sie mit dem Propheten (s).

Aus den meisten Überlieferungen geht hervor, dass sie nach Chadidscha (ra) die erste Frau war, die die Ehe mit dem Propheten einging, und dass diese Heirat vor seiner Heirat mit ʿAischa (ra) stattfand. Ibn ʿAbd al-Barr, Qatada und Abu ʿUbayda sagten dies ebenfalls unter Berufung auf Imam az-Zuhri. Auch Ibn Saʿd hat dies entsprechend erläutert. Ibn Ishaq berichtet unter Berufung auf ʿAli ibn Husayn (ra), dass die erste Frau, die der Prophet nach Chadidscha (ra) heiratete, Sawda bint Zamʿa (ra) war.

Die Heirat mit ʿAischa (ra)

Demgegenüber haben Imam Ahmad, at-Tabarani, Ibn Dscharir at-Tabari und al-Bayhaqi einen ausführlichen Bericht überliefert. Darin heißt es, dass nach dem Tod von Chadidscha (ra) Chawla bint Hakim as-Sulamiyya, die Ehefrau von ʿUthman ibn Maʿun, zum Propheten (s) kam und sagte: „O Gesandter Gottes! Wirst du heiraten?“ Er sagte: „Wen soll ich heiraten?“ Chawla sagte: „Wenn du eine Jungfrau möchtest, kannst du eine bekommen, und wenn du eine Witwe möchtest, kannst du ebenfalls eine bekommen.“ Der Prophet (s) fragte: „Wer ist die Jungfrau?“ Sie sagte: „Die Tochter desjenigen, den du unter allen Geschöpfen am meisten liebst – nämlich ʿAischa bint Abi Bakr (ra).“ Darauf fragte der Prophet (s): „Wer ist die Witwe?“ Sie sagte: „Sawda bint Zamʿa, die an dich geglaubt und dir Gehorsam geleistet hat.“ Der Prophet (s) sagte: „Geh zu beiden und sprich mit ihnen.“

Zuerst ging sie zu Abu Bakr (ra) und sagte zu seiner Ehefrau Umm Ruman: „Wie viel Gutes und wie viel Segen hat Allah euch doch geschenkt!“

Er sagte: „Was ist es?“

Chawla sagte: „Der Gesandte Allahs (s) hat mich geschickt, um um Aischa (ra) zu werben.“ Umm Ruman sagte: „Lass Abu Bakr kommen.“ Als Hazrat Abu Bakr (ra) kam, sagte Umm Ruman zu ihm: „Welche Güte und welchen Segen hat Allah dir doch gewährt!“ Er sagte: „Was ist es?“ Umm Ruman sagte: „Der Gesandte Allahs (s) hat durch mich um Aischa (ra) werben lassen.“ Er sagte: „Ist sie denn für ihn erlaubt? Sie ist doch seine Nichte!“

Chawla ging zum Propheten (s) und berichtete ihm dies. Er sagte: „Sag ihm: Er ist mein Glaubensbruder; seine Tochter ist für mich erlaubt.“ Chawla überbrachte Hazrat Abu Bakr (ra) diese Antwort. Er sagte: „Warte ein wenig.“ Damit ging er fort.

Umm Ruman sagte zu Chawla: „Mut’im ibn Adi hatte um Aischa für seinen Sohn werben lassen. Bei Allah! Abu Bakr hatte noch niemals ein Versprechen gebrochen, das er jemandem gegeben hatte.“ Daraufhin ging Abu Bakr (ra) zu Mut’im. Bei ihm saß seine Frau, für deren Sohn Mut’im um Aischa hatte werben lassen. Sie sagte: „Abu Bakr, wir befürchten, dass ihr ihn vom Glauben abbringen werdet, wenn wir unseren Sohn in eure Familie einheiraten lassen.“ Hazrat Abu Bakr (ra) sagte zu Mut’im: „Vertrittst du ebenfalls das, was deine Frau sagt?“ Er sagte: „Sie sagt genau das.“ Nachdem Abu Bakr (ra) diese Antwort gehört hatte, ging er von dort fort, und Allah befreite ihn aus der Schwierigkeit, in die er durch sein Versprechen gegenüber Mut’im geraten war. Dann sagte er zu Chawla: „Ruf den Gesandten Allahs (s) zu mir.“ Als sie den Propheten (s) herbeigerufen hatte, verheiratete Hazrat Abu Bakr (ra) ihn mit Hazrat Aischa (ra). Damals war sie sechs Jahre alt.

Danach ging Chawla von dort fort und zu Hazrat Sawda bint Zam’a und sagte: „Welche Güte und welchen Segen hat Allah dir doch gewährt!“ Sie sagte: „Was ist es?“ Chawla sagte: „Der Gesandte Allahs (s) hat mich mit einem Heiratsantrag zu dir geschickt.“ Sie sagte: „Sprich darüber mit meinem Vater.“ Er war bereits sehr alt. Chawla ging zu ihm, begrüßte ihn nach der Sitte der Dschahiliyya und stellte sich zunächst vor. Dann sagte sie: „Muhammad (s) hat mich mit einem Heiratsantrag für Sawda zu dir geschickt.“ Er sagte: „Die Verbindung wäre recht schön! Aber was sagt deine Freundin dazu?“ Chawla sagte: „Auch sie ist damit einverstanden.“ Er rief Sawda und fragte sie nach ihrem Wunsch. Als sie ihre Zustimmung bekundete, rief er den Propheten (s) zu sich nach Hause und verheiratete sie mit ihm. Als er hörte, dass seine eigene Schwester den Propheten (s) geheiratet hatte, begann er, sich Erde auf den Kopf zu streuen. Nachdem dieser Mann selbst Muslim geworden war, pflegte er zu sagen: „Damals war ich töricht, als ich mir wegen der Heirat meiner eigenen Schwester mit dem Propheten (s) Erde auf den Kopf streute.“

Das Datum der Heirat Hazrat Aischas (ra)

Aus dieser Überlieferung geht nicht nur eindeutig hervor, dass Hazrat Aischas (ra) Heirat vor derjenigen Hazrat Sawdas (ra) stattfand, sondern auch, dass sie sechs Jahre alt war, als sie im Monat Schawwal des zehnten Jahres der Prophetenschaft den Propheten (s) heiratete. Hier könnte die Frage gestellt werden: Wenn sie im Schawwal des zehnten Jahres der Prophetenschaft sechs Jahre alt war, müsste sie bei der Hidschra neun Jahre alt gewesen sein; und gemäß zuverlässigen Überlieferungen müsste sie bei ihrem Einzug im Schawwal des zweiten Jahres nach der Hidschra elf Jahre alt gewesen sein. Einige Gelehrte haben diese Frage damit beantwortet, dass Hazrat Aischas Einzug sieben Monate nach der Hidschra stattgefunden habe. Hafiz Ibn Hadschar hat diese Ansicht bevorzugt. Doch Imam Nawawi in „Tahdhib al-Asma wa-l-Lughat“, Hafiz Ibn Kathir in „Al-Bidaya“ und Allama al-Qastallani in „Al-Mawahib al-Ladunniyya“ erklären mit Bestimmtheit, dass der Einzug im zweiten Jahr nach der Hidschra stattfand. Hafiz Badr ad-Din al-Ayni schreibt in „Umdat al-Qari“, dass Hazrat Aischas Einzug im Schawwal des zweiten Jahres nach der Hidschra, nach der Rückkehr des Propheten (s) vom Feldzug von Badr, stattfand.

Imam Nawawi und Allama al-Ayni haben beide die Aussage, dass dieser Einzug sieben Monate nach der Hidschra stattgefunden habe, als gegenstandslos bezeichnet. Danach stellt sich unweigerlich die zweite Frage: Wenn der Einzug im zweiten Jahr nach der Hidschra stattfand, wann war dann das Datum der Heirat, wenn sie bei der Heirat sechs Jahre alt war und beim Einzug als Braut in das Haus ihres Ehemannes neun Jahre alt war? Wie lässt sich dies miteinander vereinbaren? Die Antwort findet sich in der von al-Buchari überlieferten Aussage, die von Urwa ibn az-Zubair zitiert wird. Darin sagt Hazrat Urwa (ra), dass Hazrat Chadidscha (ra) drei Jahre vor der Hidschra verstarb. Zwei Jahre später oder etwas danach heiratete der Prophet (s) Hazrat Aischa (ra), als sie sechs Jahre alt war. Danach erfolgte ihr Einzug im Alter von neun Jahren. Daraus ergibt sich die Rechnung korrekt: Hazrat Aischas (ra) Heirat fand im Alter von sechs Jahren etwa ein Jahr vor der Hidschra statt, ihr Einzug jedoch im zweiten Jahr nach der Hidschra. Obwohl diese Überlieferung Hazrat Urwas (ra) mursal ist, sagt Hafiz Ibn Hadschar, dass sie als der Kategorie muttasil zugehörig betrachtet werden sollte, weil Urwa (ra) diese Aussage von Hazrat Aischa (ra) selbst gehört hatte. [Es ist offensichtlich, dass Urwa ibn az-Zubair (ra) der Neffe Hazrat Aischas (ra) war. Deshalb hatte er diese Aussage über seine eigene Tante von ihr selbst gehört; ob er sie in der Überlieferung auf sie zurückführt oder nicht, macht keinen Unterschied – der Verfasser.]

Kritische Einwände gegen die Heirat Aischas (r.a.)

Da hier die Heirat von Hazrat Aischa (r.a.) erwähnt wurde, erscheint es angemessen, vor dem Fortfahren jene Einwände zu beantworten, die gegen seine Heirat mit ihr, dagegen, dass er sie im Alter von achtzehn Jahren als Witwe zurückließ, und dagegen vorgebracht werden, dass sie nach dem Koran nirgendwo ein zweites Mal hätte heiraten können. Ist das nicht – Gott bewahre – Unterdrückung und Unrecht? Und fällt es nicht – Gott bewahre – unter die Definition von Triebhaftigkeit, wenn ein derart viel älterer Mann ein so junges Mädchen heiratet? Sind neun Jahre ein Alter, in dem man einem Mädchen die schwere Last des Ehelebens auferlegen kann?

Tatsächlich können derartige Vorwürfe nur dann erhoben werden, wenn man die Heirat des Propheten (s.) mit Hazrat Aischa (r.a.) als die Heirat eines gewöhnlichen Mannes mit einem gewöhnlichen Mädchen betrachtet. Doch der Hochgeehrte (s.) war Allahs Gesandter, und es war seine Aufgabe, im menschlichen Leben eine umfassende Revolution herbeizuführen und die Gesellschaft auf diese Revolution vorzubereiten. Hazrat Aischa (r.a.) war außerdem ein Mädchen von außergewöhnlichen Fähigkeiten. Aufgrund ihrer enormen geistigen Begabung musste sie gemeinsam mit dem Hochgeehrten (s.) beim Aufbau der Gesellschaft eine derart große Aufgabe erfüllen, wie sie keine andere Frau – einschließlich aller Ehefrauen des Propheten – erfüllt hat. Ja, ohne jede Übertreibung kann gesagt werden, dass die Ehefrau keines anderen Führers der Welt ihren Mann bei der Erfüllung seiner Pflichten und Aufgaben so umfassend unterstützt hat, wie Hazrat Aischa (r.a.) den Hochgeehrten (s.) unterstützt hat. Schon in ihrer Kindheit hatte außer Allah niemand Kenntnis von diesen Fähigkeiten. Deshalb hatte Allah selbst sie für die Begleitung Seines Gesandten auserwählt. In Buchari steht im Kapitel „Die Heirat Aischas (r.a.)“, dass der Hochgeehrte (s.) zu Hazrat Aischa (r.a.) sagte: „Du bist mir zweimal im Traum gezeigt worden, und es wurde gesagt: Dies ist deine Ehefrau.“ In at-Tirmidhi heißt es im Abschnitt über die Vorzüge: Dschibril kam zum Gesandten Allahs (s.), brachte ein Bild von Hazrat Aischa (r.a.), in Seide gehüllt, und sagte: „Dies ist deine Ehefrau in dieser Welt und im Jenseits.“ Daher war die Wahl dieser Lebensgefährtin nicht die des Hochgeehrten (s.), sondern die Allahs. Und Allah allein wusste, welch gewaltigen Dienst dieses sechsjährige, junge Mädchen, durch die Erziehung und Ausbildung Seines reinen Gesandten geprägt, beim Aufbau der islamischen Gesellschaft leisten musste.

Diejenigen, die dem Hochgeehrten (s.) in dieser Angelegenheit Triebhaftigkeit vorwerfen, sollen ihr Gewissen fragen und sagen: Kann ein Mann jemals ein Sklave seiner Triebe sein, der vom Alter von fünfundzwanzig bis zu seinem fünfzigsten Lebensjahr mit derselben Ehefrau zufrieden war, die fünfzehn Jahre älter war als er? Der nach dem Tod seiner ersten Ehefrau eine sehr betagte Witwe heiratete und vier oder fünf Jahre lang mit ihr zufrieden lebte? Wenn er heiraten wollte, um seine Begierden zu befriedigen, war er in der Gesellschaft so außerordentlich angesehen, dass Eltern bereit gewesen wären, ihm jedes schöne, unverheiratete Mädchen, das er heiraten wollte, voller Stolz vorzuführen. Außerdem waren alle Frauen, die er – abgesehen von einem unverheirateten Mädchen – heiratete, verwitwet und über ihre Jugend hinaus oder von einem Ehemann verlassen. Tatsächlich haben solche Kritiker in ihrem Herzen nur das Bild der Befriedigung sexueller Begierden. Ihre niedrige Gesinnung vermag sich nicht so weit zu erheben, dass sie den Zweck des Ehelebens jenes großen Menschen begreifen könnte, der im Hinblick auf den Nutzen einer äußerst bedeutenden Aufgabe einige Frauen zu seinen Lebensgefährtinnen nahm.

Nun bleibt noch der Vorwurf der Unterdrückung. Auch in dieser Angelegenheit stellen die Kritiker lediglich die eine, ganz einfache Tatsache heraus, dass ein älterer Mann ein neunjähriges Mädchen heiratete und sie im Alter von achtzehn Jahren als Witwe zurückließ, als für sie keine Möglichkeit einer zweiten Heirat bestand, sodass sie ihre gesamte Jugend als Witwe verbringen musste. Diese Leute erheben sich kaum über diese oberflächliche Betrachtung und versuchen weder zu erkennen noch erkennen zu wollen, dass bei einer großen Aufgabe, deren Segen der Menschheit nicht nur für einen begrenzten Zeitraum, sondern für alle Zeiten und nicht nur für eine bestimmte Region, sondern für die ganze Welt zugutekommen kann, der Einsatz von Leben und Besitz von Millionen Menschen keinen Verlust darstellt, während der Umstand, dass die Jugend einer Frau dabei verging, nicht als Opfer, sondern als Unterdrückung bezeichnet wird. Und wenn diese Jugend geopfert wurde, dann nur in dem Sinne, dass ihr der Genuss ehelichen Glücks versagt blieb. Einen anderen Schaden, den diese hochstehende Frau erlitten haben soll, können sie nicht benennen. Betrachten wir dagegen, welch gewaltigen Dienst diese große Persönlichkeit leistete, indem sie, frei von allen Belastungen und geschäftigen Pflichten des Familienlebens, den gesamten Rest seines Lebens damit verbrachte, Männern und Frauen den Islam und seine Gebote, Regeln und Gesetze sowie Moral und Anstand zu lehren. Jeder, der die Hadith-Wissenschaft studiert hat, weiß, wie viel religiöses Wissen durch Hazrat Aischa (r.a.) zu den Muslimen gelangte und wie viel Wissen über die islamische Rechtswissenschaft sie ihnen vermittelte. Verglichen damit gab es in der Zeit des reinen Propheten (s.) – von den Frauen ganz zu schweigen – nur äußerst wenige Männer, deren gelehrte Dienste vorzuweisen wären. Wenn Hazrat Aischa (r.a.) nicht den Hochgeehrten (s.) geheiratet hätte und nicht die Möglichkeit erhalten hätte, von ihm unterrichtet und erzogen zu werden, kann man sich vorstellen, dass die muslimische Umma eines großen Teils des islamischen Wissens beraubt geblieben wäre. Von Hazrat Aischa (r.a.) sind 2210 Hadithe überliefert worden. Sie war nicht nur eine Überlieferin von Hadithen, sondern auch Rechtsgelehrte, Korankommentatorin, Mudschtahida und Muftia. Unter den muslimischen Frauen galt sie einhellig als die größte Kennerin der islamischen Rechtswissenschaft. Die führenden Gefährten pflegten sie nach Rechtsfragen zu fragen. Selbst Hazrat Umar (r.a.) und Hazrat Uthman (r.a.) wandten sich in verschiedenen Fragen des islamischen Rechts an sie. Sie gehörte zu den wenigen Gelehrten von Medina, in die das Volk vollkommenes Vertrauen setzte. Verglichen mit diesem unermesslichen gemeinschaftlichen Nutzen war jener geringe persönliche Schaden, den Hazrat Aischa (r.a.) nach ihrer Verwitwung erlitt, so gut wie nichts. Und erstaunlicherweise erheben diesen Vorwurf christliche Gelehrte, in deren Augen ein völlig zweckfreies, lebenslanges zölibatäres Leben ohne jeden gemeinschaftlichen Nutzen für Weltflüchtige nicht nur lobenswert, sondern für religiös Dienende sogar unerlässlich ist.

Wer die eheliche Vereinigung Hadhrat Aischas (r.a.) mit ihrem Ehemann im Alter von neun Jahren kritisiert, weiß nicht, dass der Islam eine natürliche Religion ist. Wenn der körperliche Aufbau und die Entwicklung eines Mädchens unter natürlichen Bedingungen so weit fortgeschritten sind, dass man sie in diesem Alter als geschlechtsreif betrachten kann, dann ist die eheliche Vereinigung mit ihrem Ehemann vollkommen erlaubt und angemessen. Nur ein Gesetz, das der Natur und der Moral widerspricht, kann für die Eheschließung ein bestimmtes Alter für Jungen und Mädchen festlegen. Denn diese Einschränkung wird nur auf die erlaubte eheliche Beziehung angewandt, nicht jedoch auf sexuelle Beziehungen zwischen Mann und Frau außerhalb der Ehe. Und es geht nicht nur darum, dass diese Gesetzgeber keinen Einwand gegen Unzucht vor dem Heiratsalter haben; vielmehr werden in ihren Gesellschaften tatsächlich neun- oder zehnjährige Jungen und Mädchen sexuell aktiv. Wenn infolgedessen ein Mädchen zur ledigen Mutter wird, gilt ihr ihr ganzes Mitgefühl. Weder wird zu jener Zeit das Mädchen dafür getadelt, dass es vor der Ehe Mutter geworden ist, noch der Junge dafür, dass er ein Mädchen vor dem Heiratsalter zur Mutter gemacht hat. Mit welchem Recht beklagen sich Menschen mit derart verwerflichen moralischen Wertvorstellungen über dieses islamische Gesetz, das bestimmt, dass Jungen und Mädchen, sobald sie die Geschlechtsreife erreicht haben, heiraten dürfen und dafür keine bestimmte Altersgrenze vorgeschrieben werden darf? Ein gesetzlich festgelegtes Heiratsalter bedeutet doch, dass vor Erreichen dieses Alters eine erlaubte Ehe unter keinen Umständen geschlossen werden darf, ganz gleich, wie weit die verbotene Handlung, nämlich Unzucht, verbreitet ist.

Die Reise nach Ta’if

Nach dieser sachbezogenen und im Zusammenhang mit den Ereignissen notwendigen Erörterung kehren wir zur chronologischen Darstellung der Ereignisse zurück. Nachdem er von seinen familiären Angelegenheiten frei geworden war, begab sich der Gesandte Allahs (s.a.s.) nach den Berichten von Ibn Sa’d und al-Baladhuri am Ende des zehnten Jahres der Berufung zum Prophetenamt, im Monat Schawwal, nach Ta’if, das fünfzig Meilen östlich von Mekka liegt. Der Anlass dieser Reise war, dass er unter der Unterdrückung und den Misshandlungen der Quraisch schwer zu leiden hatte. Nachdem er ihren heftigen Widerstand und ihre Behinderungen erlebt hatte, bestand keine Hoffnung mehr, dass diese Leute ihm überhaupt Gelegenheit geben würden, seine Botschaft fortzuführen, geschweige denn die Einladung zur Wahrheit anzunehmen. Daher wollte er den Bewohnern von Ta’if die Einladung zum Islam überbringen und zumindest den mächtigen Stamm der Banu Thaqif dazu bewegen, ihm dort Schutz zu gewähren und ihn bei der Verbreitung der islamischen Botschaft zu unterstützen. Ibn Sa’d berichtet nach Zubair ibn Mut’im ibn Adi, dass Hadhrat Zaid ibn Haritha (r.a.) den Hochgeehrten (s.a.s.) auf dieser Reise begleitete. Dasselbe sagen Ibn Qutaiba und al-Baladhuri. Musa ibn Uqba und Ibn Ishaq hingegen berichten, dass er allein gegangen sei. Diese Reise legte er zu Fuß zurück, da er kein Transportmittel beschaffen konnte. Ibn Sa’d sagt, dass er sich dort zehn Tage aufhielt. Doch Hafiz as-Sakhawi berichtet, dass er bis zu zwanzig Tage lang die Bewohner von Ta’if aufsuchte und sich mit ihnen traf. Nach seinem Treffen mit Abd Yalil blieb er zehn Tage dort.

Die schwere Misshandlung des Hochgeehrten (s.a.s.) durch die Bewohner von Ta’if

Ibn Ishaq, al-Waqidi und andere berichten, dass zu jener Zeit die Führung von Ta’if in den Händen der drei Söhne von Amr ibn Umair ibn Auf lag: Abd Yalil, Mas’ud und Habib. Im Haus eines von ihnen lebte eine Frau aus Quraisch, Sufiya bint Ma’mar al-Jumahi. Der Gesandte Allahs (s.a.s.) begegnete ihr, lud sie zu Allah ein und sagte zu ihr: „Ich bin zu euch gekommen, damit ihr mich bei der Sache des Islam unterstützt und mir gegen diejenigen aus meinem Volk beisteht, die sich mir widersetzen.“ Darauf sagte einer von ihnen: „Wenn Allah dich tatsächlich zum Gesandten gemacht hat, dann werde ich die Vorhänge der Kaaba zerreißen.“ Der zweite sagte: „Hat Allah außer dir niemanden gefunden, den Er zum Gesandten machen konnte?“ Der dritte sagte: „Ich werde auf keinen Fall mit dir sprechen. Denn wenn du wirklich Allahs Gesandter bist, dann bist du viel zu erhaben, als dass ich dir antworten dürfte. Und wenn du im Namen Allahs lügst, dann bist du es nicht wert, dass man mit dir spricht.“ Nachdem er dies gehört hatte, erhob sich der Hochgeehrte (s.a.s.). Von ihnen war keine Hoffnung auf Gutes mehr zu erwarten. Vor seiner Abreise sagte er zu ihnen: „Was ihr mir angetan habt, habt ihr nun einmal getan. Doch tut wenigstens dies: Haltet meine Worte geheim.“

Dies sagte er, weil er befürchtete, dass diese Nachricht Quraisch erreichen und sie dadurch noch mutiger werden würden. Doch sie taten dies nicht, sondern hetzten ihren Abschaum, ihre Schläger und ihre Sklaven gegen ihn auf. Sie trieben ihn bis zu einem Garten und ließen ihn dort zurück. Der Garten gehörte Utba ibn Rabi’a und Schaiba ibn Rabi’a.

In Ibn Sa’ds Überlieferung von al-Waqidi heißt es, dass der Hochgeehrte (s.a.s.) jeden der Anführer und angesehenen Männer der Banu Thaqif aufsuchte. Doch niemand schenkte seinen Worten Gehör. Vielmehr befürchteten sie, er könnte die jungen Leute verderben. Deshalb sagten sie: „O Muhammad (s.a.s.), verlasse unsere Stadt! Und wenn du irgendwo auf der Welt einen Freund hast, dann geh zu ihm und schließe dich ihm an.“ Danach hetzten sie ihre Landstreicher und Sklaven gegen ihn auf. Sie beschimpften ihn und versammelten die Leute mit lautem Geschrei. Musa ibn Uqba berichtet, dass sie gezielt Steine auf seine Knöchel und Fersen warfen. Sie stellten sich an beiden Seiten des Weges in Reihen auf; sobald der Hochgeehrte (s.a.s.) den Fuß hob, um weiterzugehen, ließen sie einen Steinhagel auf ihn niedergehen.

Schließlich waren seine Schuhe voller Blut. Sulaiman at-Taimi berichtet, dass sie ihn, wenn er sich vor Schmerzen hinsetzte, packten und wieder aufrichteten, damit sie erneut Steine auf ihn werfen konnten. Sobald er gezwungen war, weiterzugehen, bewarfen sie ihn mit Steinen und verspotteten ihn. Ibn Sa’d zitiert al-Waqidis Überlieferung und sagt, dass Hadhrat Zaid ibn Haritha (r.a.) in dieser Lage die Steinwürfe auf sich nahm, um ihn vor den Steinen zu schützen. Schließlich wurde sein Kopf aufgeschlagen.

Das ergreifende Bittgebet des Propheten (s)

Als der Ehrwürdige (s) schließlich Taif verließ und die bösen Menschen, die ihn verfolgt hatten, umkehrten, setzte er sich, von Wunden bedeckt, im Schatten einer Weinrebe neben der Mauer des Gartens von Utba und Schaiba nieder. Dieses Ereignis betrübte ihn zutiefst, und er wandte sich im Bittgebet an seinen Herrn. Die ergreifenden Worte dieses Gebets werden von at-Tabarani in seinem Werk Kitab ad-Du’a und in al-Mu’dscham al-Kabir, von Ibn Hischam und Muhammad ibn Ishaq in ihren Überlieferungen aus der Sira, von at-Tabari in seiner Geschichte, von Ibn al-Qayyim in Zad al-Ma’ad und von Hafiz Ibn Kathir in al-Bidaya überliefert. Sie lauten wie folgt:

„O Gott! Dir allein klage ich meine Hilflosigkeit und meine Bedeutungslosigkeit in den Augen der Menschen. Wem übergibst Du mich? Etwa einem Fremden, der mich hart behandeln wird? Oder einem Feind, dem Du Macht über mich gegeben hast? Wenn Du nicht zornig auf mich bist, kümmert mich kein Unglück. Doch wenn ich von Dir Sicherheit erlange, ist das für mich umso erfreulicher. Ich suche Zuflucht beim Licht Deines Wesens, das die Finsternis erhellt und die Angelegenheiten dieser Welt und des Jenseits ordnet. Bewahre mich davor, dass Dein Zorn auf mich herabkommt und ich Deiner Strafe verfalle. Lass mich mit Deinem Willen zufrieden sein, und lass Dich mit mir zufrieden sein. Es gibt keine Macht außer durch Dich.“

Die Darstellung, dass der Prophet (s) „eine Barmherzigkeit für die Welten“ war

Al-Buchari überliefert in den Kapiteln „Beginn der Schöpfung“ und „Erwähnung der Engel“, Muslim im Buch über die Feldzüge und an-Nasa’i im Buch über die Buße einen Hadith von Hadhrat Aischa (ra), in dem es heißt, dass sie den Ehrwürdigen (s) fragte: „Hast du jemals eine noch schwierigere Lage erlebt als die Schlacht von Uhud?“ In seiner Antwort erwähnte er das Ereignis von Taif und sagte: „Ich ging in meiner tiefen Betrübnis dahin, wohin mein Blick mich führte“ (das heißt, ich war ratlos und wusste nicht, wohin ich gehen sollte). Aus diesem Zustand fand ich keine Befreiung, bis ich plötzlich bemerkte, dass ich mich an einem Ort namens „Qarnus-Sa’alib“ befand. Dieser Ort wird auch „Qarn al-Manazil“ genannt. Er ist der Miqat der Bewohner des Nadschd, von dem aus sie den Ihram anlegen müssen, um die Kaaba zu besuchen. Von Mekka aus ist er auf dem Rücken eines Kamels eine Tages- und eine Nachtreise entfernt – der Verfasser. Ich blickte nach oben und sah, dass eine Wolke mich überschattete. Darin sah ich Hadhrat Dschibril (as). Er rief mich und sagte: ‚Allah hat alles gehört, was dein Volk dir gesagt hat, und welche Antwort es auf deinen Aufruf gegeben hat. Er hat diesen Engel der Berge gesandt. Befiehl ihm, was du willst.‘ Darauf grüßte mich der Engel der Berge und sagte: ‚O Muhammad! Allah hat die Worte deines Volkes und seine Antwort auf deinen Aufruf gehört. Ich bin der Engel der Berge. Dein Herr hat mich zu dir gesandt, damit du mir befiehlst, was du möchtest.‘ Diese Worte finden sich in der Überlieferung von Muslim.

Bei at-Tabarani heißt es: „Erteile den Befehl, den du willst.“ Die Worte al-Bucharis lauten: Dann sagte er: „O Muhammad (s)! Du hast die Freiheit, alles zu verlangen, was du möchtest. Wenn du willst, werde ich die beiden Berge an den Seiten von Mekka, Abu Qubais und Qu’ayqi’an, über ihnen, den Quraisch, zusammenführen und auf sie stürzen lassen.“ Der Engel bat den Ehrwürdigen (s) um Erlaubnis, die Quraisch unter den Bergen zu begraben, weil das Unglück, dem der Ehrwürdige (s) ausgesetzt gewesen war, durch ihre Tyrannei und Feindseligkeit verursacht worden war. Wenn sie ihn nicht maßlos verfolgt hätten, warum hätte er dann überhaupt nach Taif gehen müssen? – der Verfasser. Der Prophet (s) erwiderte: „Nein, nein! Ich hoffe, dass Allah aus ihrer Nachkommenschaft Menschen hervorbringen wird, die dem einen und einzigen, unvergleichlichen Allah in Anbetung und Gehorsam dienen werden.“

Der Übertritt des christlichen Addas zum Islam

Ibn Hischam führt unter Berufung auf Ibn Ishaq folgende Überlieferung an: Als der Prophet (s), von Wunden bedeckt, im Schatten einer Weinrebe neben der Mauer des Gartens von Utba ibn Rabia und Schaiba ibn Rabia saß, sahen ihn diese beiden Anführer der Quraisch in diesem Zustand, und Ehrfurcht vor ihm ergriff sie. Es wird ebenfalls berichtet, dass die Frau aus dem Stamm Banu Dschumah, die sich im Haus eines Anführers von Taif aufhielt, den Ehrwürdigen (s) aufsuchte. Er sagte zu ihr: „Wie konnten die Angehörigen deines Schwiegervaters so mit mir umgehen?“ Utba und Schaiba ließen einen ihrer christlichen Sklaven rufen und sagten: „Lege eine Traube in eine große Schale und lass ihn davon essen.“ Als er die Schale vor ihn stellte, sagte er „Bismillah“ – einer Überlieferung zufolge „Bismillahir-Rahmanir-Rahim“ – und legte seine Hand darauf. Addas sagte: „Bei Gott, in diesem Land gibt es niemanden, der diese Worte spricht.“ Der Ehrwürdige (s) fragte ihn: „Woher stammst du, und welcher Religion gehörst du an?“ Er antwortete: „Ich bin Christ und stamme aus Ninive.“ Er fragte: „Bist du etwa aus der Stadt des rechtschaffenen Mannes Yunus ibn Matta?“ Er sagte: „Woher kennst du ihn?“ Suhaili berichtet unter Berufung auf at-Taimi, dass Addas nach der Erwähnung des Propheten Yunus (as) aus dem gesegneten Mund des Ehrwürdigen (s) gesagt habe: „Bei Gott, als ich Ninive verließ, wussten die Menschen dort nicht einmal, wer Matta war! Wie konnte er ihn also kennen, wo er doch Analphabet war und in einem analphabetischen Volk geboren wurde?“ – der Verfasser. Der Ehrwürdige (s) sagte: „Er ist mein Bruder. Auch er war ein Prophet, und auch ich bin ein Prophet.“

Als Addas dies hörte, beugte er sich sofort zu ihm hin und begann, seinen Kopf sowie seine Hände und Füße zu küssen.

Sulayman at-Taymi sagt in seinem Sira-Werk, dass Addas sprach: „Ich bezeuge, dass du Allahs Diener und Sein Gesandter bist.“

Als die beiden Söhne Rabias diese Szene sahen, sagte einer zum anderen: „Sieh, dieser Mann hat sogar unseren Sklaven verdorben.“ Als Addas zurückkam, fragten sie ihn: „Was ist mit dir geschehen, dass du begonnen hast, seinen Kopf sowie seine Hände und Füße zu küssen?“ Er antwortete: „Mein Herr! Auf der ganzen Welt gibt es keinen besseren Menschen als ihn. Er hat mir von etwas berichtet, das außer einem Propheten niemand weiß.“ Sie sagten: „Addas, wende dich nicht von deiner Religion ab. Deine Religion ist besser als seine.“ (Zusatz des Verfassers.)

Das Anhören des Korans durch die Dschinn

Nach seiner Rückkehr von Taif hielt sich der Prophet (s) einige Tage an einem Ort namens Nachla auf. Er war in Sorge darüber, wie er nach Mekka zurückkehren sollte. Die Menschen dort hatten erfahren, was in Taif geschehen war. Dadurch würde der Mut der Ungläubigen nur noch weiter wachsen. Eines Tages, während er im Gebet den Koran rezitierte, kam eine Gruppe von Dschinn dort vorbei. Sie hörten den Koran und nahmen den Glauben an. Danach kehrten sie zu ihrem Volk zurück und begannen, den Islam unter ihm zu verkünden. Allah überbrachte Seinem Propheten die frohe Nachricht, dass die Menschen zwar vor seiner Einladung flohen, die Dschinn jedoch von ihr angezogen worden waren und sie unter ihrem eigenen Volk verbreiteten. [Dies waren die Verse 29 bis 32 der Sure al-Ahqaf, in denen Allah dem Propheten (s) mitteilte, welche Wirkung die Dschinn davon empfingen, als sie den Koran aus seinem Mund hörten – Verfasser.] (Tafhim, Band 4 – al-Ahqaf – Einleitung.)

Hadhrat Abdullah ibn Masud (ra), Hadhrat Zubair (ra), Hadhrat Abdullah ibn Abbas (ra), Hasan al-Basri, Said ibn Dschubair, Zir ibn Hubaisch, Mudschahid, Ikrima und andere Gelehrte überlieferten den Bericht über das Kommen der Dschinn. Sie sind sich alle darin einig, dass sich dieses Ereignis im Inneren von Nachla ereignete. Ibn Ishaq, Abu Nu aim al-Isfahani und Waqidi sagen, dass es zu jener Zeit geschah, als der Prophet (s), von Taif enttäuscht, nach Mekka zurückkehrte. Unterwegs hielt er sich in Nachla auf. Dort rezitierte er beim Abendgebet, beim Morgengebet oder beim Tahadschud den Koran. Zu dieser Zeit zog eine Gruppe von Dschinn dort vorbei. Sie blieben stehen, um seine Rezitation anzuhören. Darüber hinaus stimmen alle Überlieferungen darin überein, dass die Dschinn zu jener Zeit nicht vor dem Propheten (s) erschienen waren und er ihr Kommen nicht bemerkt hatte. Vielmehr setzte Allah ihn später durch Offenbarung über ihr Kommen und ihr Anhören des Korans in Kenntnis.

Der Ort, an dem sich dieses Ereignis ereignete, war entweder „Adh-Dschaima“ oder „as-Sail al-Kabir“. Denn diese beiden Orte liegen im Tal von Nachla. An beiden Orten gab es Wasser und üppiges, grünes Gras. Wenn Reisende aus Taif irgendwo im Tal ihr Lager hätten aufschlagen müssen, hätten sie an einem dieser beiden Orte bleiben können. (Tafhim, Band 4 – al-Ahqaf – Anmerkung 33.)

Die Sure des Korans, welche die Dschinn damals aus dem Mund des Propheten (s) hörten, war die Sure ar-Rahman. Al-Bazzar, Ibn Dscharir und Ibn Abdullah ibn Umar (ra) überliefern diesen Bericht und sagen: Einmal rezitierte der Prophet (s) selbst die Sure ar-Rahman, oder sie wurde in seiner Gegenwart rezitiert. Danach fragte er die Menschen: „Warum erhalte ich von euch keine ebenso schöne Antwort, wie die Dschinn sie ihrem Herrn gegeben haben?“ Die Menschen fragten: „Wie lautete diese Antwort?“ Er sagte: „Als ich zu den Worten Allahs kam

****************************************************** las ich, da antworteten die Dschinn:

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(Wir leugnen keine der Gnadengaben unseres Herrn.) Eine entsprechende Überlieferung wird auch von at-Tirmidhi, al-Hakim und Hafiz Abu Bakr al-Bazzar von Dschabir ibn Abdullah (r.a.) überliefert. In ihrer Überlieferung heißt es, dass der Gesandte (s), als die Menschen beim Hören der Sure ar-Rahman schweigsam blieben, sagte: „Ich habe diese Sure in jener Nacht den Dschinn vorgetragen, in der sie zusammengekommen waren, um den Quran zu hören. Ihre Antwort darauf war schöner als eure. Als ich zu den Worten gelangte: ‚O ihr Dschinn und Menschen! Welche der Gnadengaben eures Herrn wollt ihr beide leugnen?‘, antworteten sie darauf:“

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„O unser Erhalter! Wir leugnen keine deiner Gnadengaben. Dir allein gebührt daher das Lob.“

Obwohl in anderen Überlieferungen gesagt wird, dass der Prophet (s) zu jener Zeit nicht wusste, dass die Dschinn den Quran aus seinem Mund hörten, teilte Allah, der Erhabene, ihm mit (Sure al-Ahqaf, Verse 29–32), dass sie seiner Rezitation lauschten. Es ist jedoch keineswegs abwegig anzunehmen, dass Allah, der Erhabene, ihm ebenso, wie Er ihn über das Hören des Qurans durch die Dschinn unterrichtete, auch mitteilte, was sie beim Hören der Sure ar-Rahman darauf antworteten.

Wie der Gesandte (s) nach seiner Rückkehr nach Mekka einzog

Ibn Saʿd berichtet unter Berufung auf eine Überlieferung al-Waqidis, dass Hadhrat Zayd ibn Haritha (r.a.), als der Prophet von Nachla aus nach Mekka zurückkehren wollte, sagte: „Wie willst du dort einziehen, wo man dich doch vertrieben hat?“ Der Gesandte (s) erwiderte: „O Zayd! Allah wird einen Weg finden, dich aus dem Zustand zu erretten, den du siehst. Er ist der Beistand und Helfer Seiner Religion und wird Seinem Propheten zum Sieg verhelfen.“ Al-Waqidi fasst die anschließenden Ereignisse kurz zusammen. Ibn Ishaq jedoch berichtet sie ausführlich. Er sagt: Als er Hira erreichte, schickte er Abdullah ibn al-Urayqit [Dieser Mann war ein Götzendiener, doch der Prophet (s) und Abu Bakr (r.a.) hielten ihn für zuverlässig. Deshalb nahm der Gesandte (s) ihn bei der äußerst gefahrvollen Auswanderung nach Medina als Wegführer mit. Er erfüllte diesen Dienst mit vollkommener Zuverlässigkeit, obwohl er den Quraisch durch die Mitteilung dieser Nachricht eine hohe Belohnung hätte erlangen können – der Verfasser.] zu al-Achnas ibn Schuraik, damit dieser ihm Schutz gewähre. Er sagte: „Ich bin doch durch einen Schutzvertrag gebunden.“ [Dieser Mann gehörte in Wirklichkeit zum Stamm der Thaqif. In Mekka unterhielt er jedoch freundschaftliche Beziehungen zu den Banu Zuhra, den Verwandten des Gesandten (s) mütterlicherseits. Aufgrund seiner Fähigkeiten erlangte er unter den Banu Zuhra die Stellung eines Anführers – der Verfasser.] Einen durch einen Schutzvertrag gebundenen Mann konnte er gegenüber den eigentlichen Stämmen der Quraisch nicht schützen. Daraufhin schickte der Gesandte (s) Ibn al-Urayqit zu Suhayl ibn Amr. Dieser sagte: „Die Banu Amir ibn Luʾayy können gegenüber den Banu Kaʿb keinen Schutz gewähren.“ Danach schickte der Gesandte (s) ihn zu Mutʿim ibn Adi, der dem Stamm der Banu Nawfal, einem Zweig der Banu Abd Manaf, angehörte. Al-Urayqit ging zu ihm und sagte: „Muhammad (s) lässt dich fragen, ob du bereit bist, ihm Schutz zu gewähren, damit er die Botschaft seines Herrn übermitteln kann.“ Er antwortete: „Gut, sag ihm, er soll nach Mekka kommen.“ Daraufhin zog der Gesandte (s) in die Stadt ein und verbrachte die Nacht in dessen Haus. Am Morgen zogen Mutʿim und sechs oder sieben seiner Söhne bewaffnet mit dem Gesandten (s) zum Heiligtum und sagten: „Vollziehe den Tawaf.“ Während des Tawaf standen sie alle zu seinem Schutz bereit. Abu Sufyan – nach at-Tabarani Abu Dschahl – fragte: „Seid ihr seine Schutzgeber oder seine Anhänger?“ Mutʿim antwortete: „Nein, wir gewähren ihm lediglich Schutz.“ Da sagte er: „Euer Schutz kann nicht gebrochen werden. Wen ihr unter euren Schutz genommen habt, den nehmen auch wir unter unseren Schutz.“ (Ergänzung des Verfassers.)

Aufgrund dieser Gunst von Mutʿim ibn ʿAdī sagte der Prophet (s) über die Gefangenen von Badr:

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Das heißt: Wenn Mutʿim ibn ʿAdī noch am Leben gewesen wäre und mit mir wegen dieser verachtenswerten Menschen gesprochen hätte, hätte ich sie ihm zuliebe freigelassen. (Tafhīm, 5. Band, Sūrat Muḥammad, Einleitung.)

Elftes Kapitel

Das Wesentliche von Isrā und Miʿrādsch

Bevor ich die Geschichte der letzten drei Jahre des makkischen Lebens des Propheten Mustafa (s) darstelle, erscheint es mir sinnvoll, eine ausführliche Schilderung des wichtigsten Ereignisses jener Zeit zu geben. Es scheint wie ein strahlender Kranz gewesen zu sein, der das Leben und den Charakter des heiligen Propheten schmückte. Es ist eine solche Krone oder ein solcher Kranz, dass kein anderer Mensch in der Geschichte der Menschheit, einschließlich der Propheten, durch seine Lebensgeschichte in vergleichbarer Weise erleuchtet wurde. Dieses Ereignis ist Isrā und Miʿrādsch. Isrā bedeutet, den Propheten während der Nacht von der al-Masdschid al-Harām zur al-Masdschid al-Aqsā (Bait al-Maqdis) zu bringen. Dies wird am Anfang der Sūrat Banī Isrāʾīl im Koran erwähnt. Miʿrādsch bedeutet, dass der heilige Prophet (s) von Bait al-Maqdis bis zur Sidrat al-Muntahā gelangte. Die vollständige Schilderung davon findet sich in den Hadithen. Mitunter wird auch gesagt, dass sich Isrā und Miʿrādsch zu verschiedenen Zeiten ereignet hätten. Doch die große Mehrheit der Gelehrten der Umma sowie der Faqīhe, Muhaddithūn und Mutakallimūn ist sich darin einig, dass beide Ereignisse zur selben Zeit stattfanden. In derselben Nacht wurde der Prophet Mustafa leibhaftig, das heißt mit Körper und Seele, im wachen Zustand von der al-Masdschid al-Harām bis nach Bait al-Maqdis gebracht. Noch in jener Nacht durchschritt er die höchsten Ebenen der oberen Welt und gelangte zur Gegenwart des Rabb al-ʿIzza. Noch vor Tagesanbruch kehrte er nach Mekka zurück.

Das Datum des Miʿrādsch

Über den Zeitpunkt dieses Ereignisses bestehen unterschiedliche Auffassungen. Ibn Saʿd berichtet nach al-Wāqidī, dass es am 17. Ramadan, also achtzehn Monate vor der Hidschra, im zwölften Jahr nach Beginn der Prophetenschaft stattgefunden habe. Hier muss ausdrücklich klargestellt werden, dass wir die Geschichte der Zeit nach Beginn der Prophetenschaft bis zur Hidschra nach Medina auf der Grundlage jenes Hadiths datieren, der von al-Buchārī und Muslim nach ʿAbdullāh ibn ʿAbbās (r) überliefert wird. Darin sagt er, dass der Prophet (s), als die Offenbarung zu ihm herabgesandt wurde, vierzig Jahre alt war. Danach verbrachte er dreizehn Jahre in Mekka und zehn Jahre in Medina. Auf der Grundlage dieser Überlieferung sind wir der Ansicht, dass die Hidschra nach Ablauf von dreizehn Jahren der Prophetenschaft stattfand – der Verfasser. In einer anderen Überlieferung nennt Ibn Saʿd selbst dieses Ereignis am 17. Rabīʿ al-awwal des dreizehnten Jahres nach Beginn der Prophetenschaft, also ein Jahr vor der Hidschra. Auch al-Bayhaqī nennt dieses Datum des Miʿrādsch unter Berufung auf Mūsā ibn ʿUqba, der sich seinerseits auf Imām az-Zuhrī beruft. Die Überlieferung von ʿUrwa ibn az-Zubair lautet ebenfalls so. Ibn Lahīʿa überliefert dies unter Berufung auf Abū al-Aswad. Auf dieser Grundlage bezeichnete Imām an-Nawawī dies als das richtige Datum des Miʿrādsch. Ibn Hazm behauptete diesbezüglich einen Konsens, was jedoch nicht zutrifft. Von Ismāʿīl as-Suddī sind zwei Aussagen überliefert. In der von at-Tabarī und al-Bayhaqī überlieferten Aussage wird der Miʿrādsch als ein Ereignis im Schawwāl des zwölften Jahres der Prophetenschaft, ein Jahr und fünf Monate vor der Hidschra, angegeben. Nach der Überlieferung von Hāschim ereignete er sich ein Jahr und vier Monate zuvor; demnach fällt er in den Monat Dhū l-Qaʿda. Ibn ʿAbd al-Barr und Qutayba berichten, dass das Ereignis ein Jahr und acht Monate vor der Hidschra, im Radschab des zwölften Jahres der Prophetenschaft, stattgefunden habe. Ibn Fāris datiert es auf ein Jahr und drei Monate, Ibn al-Dschauzī auf acht Monate und Abū ar-Rabīʿ ibn Mālik auf sechs Monate vor der Hidschra. Es gibt auch die Auffassung, dass es elf Monate zuvor geschah. Ibn al-Munīr hat diese Auffassung in seiner Erläuterung der Sīra von Ibn ʿAbd al-Barr bevorzugt. Ibrāhīm ibn Isḥāq al-Harbī erklärte mit Gewissheit, dies sei das richtige Datum des Miʿrādsch. Doch die Auffassung, dass der Miʿrādsch am 27. Radschab stattfand, erlangte Bekanntheit. Allāma az-Zurqānī sagt: Wenn es keine ausreichenden Belege gibt, um eine Auffassung einer anderen vorzuziehen, ist es besser, die bekannte Auffassung anzunehmen.

Historischer Hintergrund:

Dieses Ereignis ereignete sich in einer bestimmten Phase der islamischen Bewegung, als seit der Verkündung des Aufrufs des Propheten (s) zum Tauhid etwa zwölf Jahre vergangen waren. Die Gegner hatten alle Anstrengungen unternommen, um seinen Weg zu versperren. Doch trotz ihrer Behinderungen erreichte die Stimme des Propheten jedes einzelne Haus in Arabien. Es gab keinen arabischen Stamm, in dem nicht zwei oder vier Menschen von seiner Daʿwa beeinflusst worden wären. In Mekka selbst hatte sich aus einer kleinen Zahl aufrichtiger Menschen eine solche Gruppe gebildet, die bereit war, für den Erfolg dieses Aufrufs zur Wahrheit jedes Risiko im Leben auf sich zu nehmen. In Medina waren zahlreiche Angehörige der mächtigen Stämme Aus und Chazradsch zu Helfern und Unterstützern des Propheten geworden. Nun war die Zeit nahe, in der sich die Gelegenheit bieten sollte, die über verschiedene Orte verstreuten Muslime, die vom Propheten aus Mekka nach Medina ausgewandert waren, an einem Ort zu versammeln und auf der Grundlage der islamischen Ideale und Prinzipien einen Staat zu errichten. In einer solchen Lage ereignete sich der Miʿradsch, und nach seiner Rückkehr vom Miʿradsch verkündete der Prophet (s) den Menschen jene Botschaft, die in der Sure Bani Isra’il enthalten ist.

Kurze Darstellung des Ereignisses

Im ersten Vers der Sure Bani Isra’il wird lediglich erwähnt, dass der Prophet (s) von der al-Masdschid al-Haram (Baitullah) bis zur al-Masdschid al-Aqsa (Bait al-Maqdis) gebracht wurde. Als Zweck wird genannt, dass Allah, der Erhabene, Seinem Diener einige Seiner Zeichen zeigen wollte. Mehr Einzelheiten werden im Qur’an nicht genannt. In den Hadith- und Sira-Werken wird jedoch von zahlreichen Sahaba eine ausführliche Darstellung dieses Ereignisses überliefert; ihre Zahl beträgt bis zu fünfundzwanzig und erreichte nach weiterer Forschung und Untersuchung sogar fünfundvierzig. Die ausführlichsten Berichte unter ihnen wurden von Hadhrat Anas ibn Malik (r.a.), Hadhrat Abu Huraira (r.a.), Hadhrat Abu Sa’id al-Chudri (r.a.), Hadhrat Malik (r.a.), Hadhrat Malik ibn Sa’sa’a (r.a.), Hadhrat Abu Dharr al-Ghifari (r.a.), Hadhrat Schaddad ibn Aus (r.a.), Hadhrat Abdullah ibn Abbas (r.a.), Hadhrat Abdullah ibn Mas’ud (r.a.) und Hadhrat Ummuhani (r.a.) überliefert.

Die kurze Zusammenfassung der ausführlichen Darstellung, die in den Hadithen zu finden ist, lautet: In der Nacht weckte Dschibril (a.s.) den Propheten (s), ließ ihn auf dem Buraq von der al-Masdschid al-Haram bis zur al-Masdschid al-Aqsa reiten und brachte ihn dorthin. Dort, in Bait al-Maqdis, verrichtete der Prophet (s) das Gebet gemeinsam mit den Propheten, Allahs Segen sei auf ihnen allen. Danach führte Dschibril (a.s.) ihn in die oberen Welten. In den verschiedenen Himmeln begegnete er verschiedenen Propheten. Schließlich gelangte er zu einer äußerst hohen Stufe und erschien vor seinem Herrn. Während dieses Erscheinens wurden ihm neben anderen wichtigen Weisungen auch die fünf täglichen Gebete als Pflicht auferlegt. Danach kehrte er nach Bait al-Maqdis zurück. Von dort kehrte er zur al-Masdschid al-Haram zurück. Aus zahlreichen Hadithen ist bekannt, dass ihm außerdem das Paradies und die Hölle gezeigt wurden. Aus zuverlässigen Überlieferungen geht ferner hervor, dass die Ungläubigen von Mekka am folgenden Tag, als er den Menschen von diesem Ereignis berichtete, darüber sehr spotteten und sich der Glaube mancher Muslime zu erschüttern begann.

Diese zusätzlichen Einzelheiten des Hadith stehen nicht im Widerspruch zum Qur’an, sondern fügen der qur’anischen Darstellung weitere Angaben hinzu. Es ist offensichtlich, dass man eine zusätzliche Überlieferung nicht mit der Begründung zurückweisen kann, sie stehe im Widerspruch zum Qur’an.

War der Miʿradsch körperlich oder geistig?

Wie war diese Reisegeschichte des Miʿradsch? Geschah sie im Traum oder im Wachzustand? Begab sich der Prophet (s) selbst dorthin, oder blieb er an seinem Ort und wurde ihm all dies geistig gezeigt? Die Antworten auf all diese Fragen lassen sich bereits aus den Worten des Qur’an selbst entnehmen.

Der Beginn der Überlieferung ab *********************************** besagt bereits, dass es sich um ein außergewöhnliches, gewaltiges Wunderereignis handelte, das durch Allahs unendliche Macht und Allmacht geschah. Es ist gewiss, dass das Sehen von etwas im Traum oder durch Kashf nicht von solcher Bedeutung ist, dass man zu seiner Darstellung eine solche Einleitung benötigen würde. Wie sollte auch das Wesen, das über allen Fehlern, Mängeln und Schwächen steht, seinem Diener im Traum etwas zeigen oder ihm all dies durch Kashf zeigen? Sodann weisen diese Worte – „In einer Nacht nahm Er Seinen Diener mit“ – eindeutig auf eine körperliche Reise hin. Für eine Reise im Traum oder für eine Reise durch Kashf können die Worte „mitnehmen“ keineswegs passend sein. Daher bleibt uns nichts anderes übrig, als anzuerkennen, dass es sich nicht bloß um eine geistige Schau handelte, sondern um eine körperliche Reise und eine unmittelbare Wahrnehmung, die Allah dem Propheten (s) zeigte.

Wenn es nun durch Allahs Allmacht möglich war, in einer einzigen Nacht ohne Flugzeug von Mekka nach Bayt al-Maqdis zu reisen und zurückzukehren, warum sollte man dann die übrigen Einzelheiten, die im Hadith überliefert sind, als unmöglich zurückweisen? Eine Erörterung des Möglichen und Unmöglichen kann nur dann geführt werden, wenn es um eine Handlung geht, die ein Geschöpf aus eigener Befugnis vollzieht. Wenn jedoch gesagt wird, dass Gott etwas getan hat, kann die Frage nach der Möglichkeit nur jemand aufwerfen, dem der Glaube an Gottes Allmacht fehlt. Allah kann jeden, den Er will, in einem Augenblick an einen Ort bringen, den selbst das schnellste Objekt der materiellen Welt nur erreichen könnte, wenn es viele Milliarden Lichtjahre zurücklegte. Die Schranken und Fesseln von Zeit und Raum sind für die Schöpfung geschaffen, nicht für den Schöpfer des Weltalls.

Einwände und Beanstandungen der Hadith-Leugner

Gegen die ausführliche Schilderung der Miʿrādsch-Reise, wie sie im Hadith überliefert ist, wurden vonseiten der Hadith-Leugner verschiedene Einwände und Beanstandungen erhoben. Unter ihnen gibt es jedoch nur zwei, denen eine gewisse Bedeutung beigemessen werden kann.

Erstens: Daraus ergibt sich zwangsläufig, dass Allah sich an einem bestimmten Ort befindet. Weshalb hätte Er Seinen Diener sonst auf eine Reise mitnehmen und ihn an einen bestimmten Ort bringen müssen, damit er vor Ihm erscheine?

Zweitens: Wie konnte man dem Propheten, Allahs Segen und Friede seien auf ihm, die Hölle und das Paradies zeigen und ihm den Anblick einiger Menschen zeigen, die Qualen erlitten, obwohl über die Diener noch kein endgültiges Urteil gefällt worden war? Wie kann es sein, dass über Strafe oder Belohnung erst nach dem Eintreten der Auferstehung entschieden werden soll, einige Menschen aber bereits zuvor bestraft wurden?

In Wirklichkeit sind diese beiden Einwände das Ergebnis fehlerhaften Denkens. Der erste Einwand ist deshalb falsch, weil der Schöpfer in Seinem eigenen Wesen zweifellos mit unendlicher Macht ausgestattet ist. Im Umgang mit der Schöpfung bedient Er sich jedoch nicht aufgrund einer eigenen Schwäche, sondern wegen der Schwäche der Geschöpfe begrenzter Mittel. Wenn Er beispielsweise mit Seinen Geschöpfen spricht, bedient Er sich jener begrenzten Art des Sprechens, die ein Mensch hören und verstehen kann. Tatsächlich besitzt Allahs Wort eine eigene, souveräne Würde. Ebenso nimmt Er, wenn Er Seinem Diener die gewaltigen und erhabenen Zeichen Seines Reiches zeigen will, ihn dorthin mit und zeigt ihm jeden Gegenstand genau dort und so, wie Gott ihn sieht. Um etwas wahrzunehmen, muss Gott nirgendwohin gehen; der Diener jedoch muss es. Dasselbe gilt für das Erscheinen vor dem Schöpfer. Der Schöpfer befindet sich selbst an keinem Ort. Doch der Diener ist für die Begegnung mit Ihm auf einen Ort angewiesen, an dem Allahs Tajallī für ihn konzentriert wird. Andernfalls wäre eine Begegnung mit Ihm in Seiner souveränen Erhabenheit für den Diener mit seinen begrenzten Kräften nicht möglich.

Nun bleibt der zweite Einwand. Er ist deshalb falsch, weil dem Propheten während der Miʿrādsch viele Dinge zur Betrachtung gezeigt wurden. Einige Wirklichkeiten wurden ihm in Gestalt von Gleichnissen gezeigt. So wurde beispielsweise ein aufrührerisches Geschehen dadurch veranschaulicht, dass ein dicker Stier aus einem kleinen Spalt oder einer Öffnung herauskam und anschließend nicht mehr dorthin zurückkehren konnte. Das Gleichnis für die Unzucht Treibenden bestand darin, dass sie trotz frischen, schönen Fleisches in ihrer Nähe dieses liegen ließen und verdorbenes Fleisch aßen. Ebenso war die Strafe für schlechte Taten, die ihm gezeigt wurde, eine sinnbildliche Vorwegnahme der Strafe im Jenseits.

Die eigentliche Sache, die man über die Miʿrādsch verstehen sollte, ist folgende: Allah, der Erhabene, ließ jeden einzelnen der Propheten – Friede sei mit ihnen – entsprechend seinem Rang die Ordnung der Herrschaft über Himmel und Erde beobachten. Der materielle Schleier wurde beiseitegehoben, und ihnen wurden jene realen Wahrheiten mit eigenen Augen gezeigt, zu deren Glauben sie die Menschen auffordern sollten, ohne sie selbst gesehen zu haben; dadurch wurde ihr Rang eindeutig vom Rang eines Philosophen unterschieden. Was ein Philosoph sagt, sagt er aufgrund von Vermutungen und Spekulationen. Wenn er sich seiner eigenen Lage bewusst ist, wird er niemals die Wahrheit seines Urteils bezeugen. Die Propheten hingegen sagen alles, was sie sagen, auf der Grundlage unmittelbarer Beweise und eigener Beobachtung. Sie können vor der Schöpfung bezeugen: „Wir wissen all dies, und all dies sind Wirklichkeiten, die wir mit eigenen Augen gesehen haben.“ (Tafhīm al-Qurʾān, Banī Isrāʾīl, Einleitung und Anmerkung 1.)

Prüfung der Argumente derjenigen, die die Miʿrādsch als einen Traum bezeichnen

Für die Bezeichnung dieses Ereignisses als Traum werden zwei Argumente vorgebracht. Das eine lautet, dass in Vers 60 der Sura Banī Isrāʾīl dafür das Wort Ruʾyā ******** verwendet wird. Das zweite ist, dass in einem Hadith folgende Aussage von Hadhrat ʿĀʾischa (r.a.) überliefert wird:

*****************************************

Der gesegnete Körper des ehrwürdigen Propheten (ﷺ) hatte seinen Platz nicht verlassen; vielmehr war nur seine Seele fortgeführt worden.

Das erste dieser beiden Argumente wird bereits vom Koran selbst widerlegt. Betrachten Sie den vollständigen Satz, in dem mit Bezug auf die Miʿrādsch das Wort ******** verwendet wird.

************************************

Und die Ruʾyā, die Wir dir gezeigt haben, haben Wir für die Menschen zu einer Prüfung gemacht.

Wenn in diesem Satz das Wort ***** im Sinne von „Traum“ verstanden wird, welchen Grund könnte es dann geben, dass dies für die Menschen zu einer Versuchung wurde? Im Traum kann ein Mensch allerlei Dinge sehen. Wenn der Gesandte Allahs (s) zu den Menschen gesagt hätte: „Letzte Nacht träumte ich, dass ich von Mekka nach Bayt al-Maqdis gegangen bin“, dann wäre dadurch kein Muslim versucht worden und vom Glauben abgefallen, und kein Ungläubiger hätte sich darüber lustig gemacht. Auch hätte niemand gefragt: „Beweise, dass deine Reise tatsächlich stattgefunden hat.“ Zu einer Versuchung hätte dies nur dann werden können, wenn der Prophet (s) den Menschen gesagt hätte, dieses Ereignis habe sich im wachen Zustand zugetragen, und zudem erklärt hätte: „Meine Reise war nicht geistiger, sondern körperlicher Natur.“

Außerdem ist es nicht richtig zu behaupten, dass das Wort ******* in der arabischen Sprache ausschließlich für einen Traum verwendet werde. Tatsächlich haben ***** und ***** in den arabischen Wörterbüchern dieselbe Bedeutung und werden anstelle voneinander gebraucht. So wie ********* und ********. Als Hadhrat Abdullah ibn Abbas (ra), der als eine herausragende Autorität in der arabischen Sprache galt, diesen Vers des Korans auslegte, sagte er:

*********************************************

Dies war eine sichtbare Vision, die dem Propheten (s) in jener Nacht gezeigt wurde, als er nach Bayt al-Maqdis gebracht wurde. In der Überlieferung, die Saʿid ibn Mansur von der Aussage Ibn Abbas’ (ra) angeführt hat, findet sich zusätzlich der Satz: *********** und es war keine traumähnliche ***** (Ruʾya).

In einer anderen Überlieferungskette überlieferte Ibn Mansur diese Aussage von Ibn Abbas:

***************************************

Damit ist jene Beobachtung gemeint, die dem Propheten auf dem Weg nach Bayt al-Maqdis ermöglicht wurde.

Was nun die Aussage Hadhrat Aischas (ra) betrifft, so ist diese Überlieferungskette äußerst schwach. Muhammad ibn Ishaq überlieferte sie mit den Worten: Einige Angehörige der Familie Abu Bakrs sagten zu einer Person, dass Hadhrat Aischa (ra) dies zu sagen pflegte. Wie kann durch eine derart unbekannte Überlieferungskette bewiesen werden, dass die Aussage, die Hadhrat Aischa (ra) zugeschrieben wird, tatsächlich von ihr stammt? Demgegenüber ist in den verlässlichen Hadith-Werken durch zahlreiche authentische Überlieferungsketten der von dem Propheten (s) selbst geschilderte Bericht über die Reise des Isra und Miʿradsch festgehalten. Überliefert wurde er von Hadhrat Anas (ra), Hadhrat Malik ibn Saʿsaʿa (ra), Hadhrat Abu Huraira (ra), Hadhrat Abu Saʿid al-Chudri (ra), Hadhrat Abu Dharr al-Ghifari (ra), Hadhrat Schaddad ibn Aus (ra) und weiteren edlen Gefährten. Wie kann all dies zurückgewiesen werden? Und wie lässt sich jene von Bayhaqi mit vollständig verbundener Überlieferungskette überlieferte Aussage Hadhrat Aischas (ra) erklären, wonach der Prophet (s) am frühen Morgen nach der Nacht des Isra den Menschen vom Geschehen der Nacht berichtete und viele von denen, die nach ihrem Glauben an die Prophetenschaft des Propheten an diese geglaubt hatten, vom Glauben abfielen? Daraufhin gingen sie mit dieser Nachricht zu Hadhrat Abu Bakr (ra) und sagten: „Erkundige dich einmal nach deinem Freund. Er behauptet, dass er vergangene Nacht nach Bayt al-Maqdis gebracht worden sei.“

Abu Bakr fragte: „Hat er das tatsächlich gesagt?“ Sie antworteten: „Ja.“ Abu Bakr (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) sagte: „Wenn er das gesagt hat, dann hat er gewiss die Wahrheit gesagt.“ Sie fragten: „Hältst du es tatsächlich für wahr, dass er in derselben Nacht nach Bayt al-Maqdis ging und noch vor dem Morgen zurückkehrte?“ Abu Bakr (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) sagte: „Ich höre von ihm morgens und abends Nachrichten aus dem Himmel und erkenne sie als wahr an.“

Kann irgendjemand akzeptieren, dass die Aussage, die in einer Überlieferung unbekannter Überlieferungskette ʿĀʾischa (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) zugeschrieben wird – nämlich, dass der Körper des Propheten an seinem Ort blieb und nur seine Seele fortgebracht wurde –, tatsächlich von ʿĀʾischa (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr) stammte? (Ergänzung des Verfassers.)

Die eigentliche Bedeutung der Miʿrādsch

Dieses Ereignis der Miʿrādsch ist eines der gewaltigsten Ereignisse der Menschheitsgeschichte; es verändert den Lauf der Zeit und hinterlässt dauerhafte Spuren in der Geschichte. Die eigentliche Bedeutung der Miʿrādsch liegt nicht darin, wie sie stattfand, sondern in ihrem Zweck und ihren Folgen.

Die eigentliche Sache ist, dass die Erde, auf der wir leben, lediglich eine winzige Provinz im gewaltigen, unermesslichen Reich Allahs des Erhabenen ist. Jeder Prophet, der von Gott in diese Provinz entsandt wurde, hatte in gewisser Hinsicht eine Stellung, die derjenigen von Gouverneuren oder Vizekönigen entspricht, welche die Regierungen dieser Welt in ihre abhängigen Länder entsenden. In einer Hinsicht besteht zwischen beiden ein gewaltiger Unterschied. Die Gouverneure und Vizekönige der Regierungen oder staatlichen Machthaber dieser Welt werden ausschließlich mit der Verwaltung des Landes betraut. Die Gouverneure und Vizekönige des Herrschers des Universums hingegen werden dazu eingesetzt, die Menschen die Grundlagen einer richtigen Zivilisation, eines reinen Charakters sowie wahrer Erkenntnis und wahrer Werke zu lehren – Grundlagen, die wie Leuchttürme auf der Straße des menschlichen Lebens stehen und den Menschen Jahrhundert um Jahrhundert den geraden Weg weisen. Dennoch lässt sich zwischen beiden eine Ähnlichkeit erkennen. Die Staaten dieser Welt übertragen das Amt des Gouverneurs Menschen, die vertrauenswürdig sind. Wenn sie sie mit dieser Aufgabe betrauen, teilen sie ihnen mit, wie und nach welcher Politik die innere Verwaltung des Staates geführt wird. Sie offenbaren ihnen auch jene geheimen Informationen, die der gewöhnlichen Bevölkerung nicht zugänglich gemacht werden. Ebenso verhält es sich im Reich Gottes. Auch dort wird die Verantwortung für das Prophetentum beziehungsweise die Sendung als Prophet nur solchen auferlegt, die am treuesten und vertrauenswürdigsten sind. Wenn sie dann in dieses Amt eingesetzt werden, lässt Allah der Erhabene sie selbst die innere Verwaltung Seines gesamten Reiches beobachten. Er offenbart ihnen jene verborgenen Geheimnisse und Informationen der Schöpfung, die den gewöhnlichen Menschen nicht offenbart werden. So ließ Er beispielsweise Abraham (Friede sei mit ihm) die innere Ordnung der Himmel und der Erde beobachten (Sure al-Anʿām, Vers 75). Ihm wurde auch gezeigt, wie Gott den Toten Leben gibt (Sure al-Baqara, Vers 260). Mose (Friede sei mit ihm) wurde auf dem Berg Sinai die göttliche Erscheinung gezeigt (Sure al-Aʿrāf, Vers 143). Er ließ ihn eine Zeit lang mit einem besonderen Diener reisen, damit er sehen und begreifen konnte, wie sich auf Allahs Willen hin die Angelegenheiten der Welt vollziehen (Sure al-Kahf, Verse 60–82). Der Prophet Muhammad (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) machte ähnliche praktische Erfahrungen. Manchmal sah er den Allah nahestehenden Engel offen in der oberen Welt (Sure at-Takwīr, Vers 23). Manchmal kam dieser Engel ihm so nahe, dass zwischen ihnen der Abstand von zwei Bogenlängen oder noch weniger blieb (Sure an-Nadschm, Verse 6–9). Manchmal sah er denselben Engel am Sidrat al-Muntahā, also an der äußersten Grenze der materiellen Welt, und nahm dort die gewaltigen und erhabenen Zeichen Gottes wahr (Sure an-Nadschm, Verse 13–18). Doch die Miʿrādsch beschränkte sich nicht auf eine bloße Prüfung und Beobachtung; vielmehr war sie etwas von noch höherem Rang. Stellen Sie sich als Beispiel etwa Folgendes vor: Ein Herrscher von höchster Macht ruft einen von ihm eingesetzten niederen Machthaber in einer wichtigen Angelegenheit unmittelbar in die Hauptstadt, überträgt ihm eine besondere Aufgabe und erteilt ihm zugleich die dafür notwendigen politischen Anweisungen. Ebenso wurde auch der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) an den Hof Allahs gerufen. Denn eine Wende in der islamischen Bewegung stand unmittelbar bevor. Unter diesen Umständen war es beabsichtigt, ihm eine besondere Wegweisung zu geben. (Rundfunkansprache vom 20. August 1941, gekürzt.)

Der Reisebericht der Miʿrādsch

Zunächst werden wir eine Zusammenfassung jener Hadithe vorlegen, in denen der erstaunliche Reisebericht der Miʿrādsch geschildert wird. Danach werden wir darlegen, welche Botschaft der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) nach seiner Rückkehr von der Miʿrādsch den Menschen der Welt überbrachte.

Etwa zwölf Jahre waren seit dem Empfang des Prophetentums durch den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) vergangen. Er war zweiundfünfzig Jahre alt. Er lag im Heiligtum der Kaaba. Plötzlich kam der Engel Dschibrīl und weckte ihn. In einem halb schlafenden und halb wachen Zustand hob er ihn hoch und brachte ihn in die Nähe des Zamzam-Brunnens. Er öffnete seine Brust, wusch sie mit dem Wasser von Zamzam und erfüllte sie anschließend mit Geduld, Weisheit, Īmān und Gewissheit. [Überlieferungen von Abū Huraira (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) und Mālik ibn Ṣaʿṣaʿa in Bukhārī, Muslim, Musnad Ahmad, Ibn Dscharīr, Baihaqī, al-Hāfiz Ibn Abī Hātim, Tabarānī, Bazzār und anderen. In einigen anderen Überlieferungen heißt es, dass die Isrāʾ im Haus von Ummuhānī (Allahs Wohlgefallen sei auf ihr), der Cousine des Gesandten und Tochter von Abū Tālib, begann. Dort hatte er das Nachtgebet verrichtet und war eingeschlafen. Ibn Dscharīr, Abū Yaʿlā und Tabarānī überliefern dieses Ereignis von Ummuhānī selbst; Baihaqī überliefert es von ʿAlī ibn Abī Tālib, ʿAbdullāh ibn Masʿūd und ʿAbdullāh ibn ʿAbbās (Allahs Wohlgefallen sei auf ihnen). In den Ṭabaqāt von Ibn Saʿd findet sich die Überlieferung al-Wāqidīs, dass die Isrāʾ in der Schlucht von Abū Tālib begann. Bei Bukhārī und Muslim wird von Abū Dharr und im Musnad Ahmad von Ubayy ibn Kaʿb (Allahs Wohlgefallen sei auf ihnen) überliefert, dass Dschibrīl (Friede sei mit ihm) durch das Dach in das Haus eintrat und den Propheten mitnahm. Tatsächlich besteht zwischen diesen Überlieferungen kein Widerspruch. Das Haus Ummuhānīs befand sich in der Schlucht von Abū Tālib. Dschibrīl stieg durch das Dach in das Haus hinab und brachte den Propheten im Schlaf zur Heiligen Moschee. Was sich anschließend in einem halb schlafenden und halb wachen Zustand ereignete, wurde oben bereits erwähnt. – Der Verfasser.]

Dann brachte Dschibril (a.) ein Reittier zum Aufsteigen. Es war weiß, etwas größer als ein Esel und kleiner als ein Maultier. Es bewegte sich mit der Geschwindigkeit eines Blitzes. Jeder seiner Schritte reichte bis an die äußerste Grenze des Blickfeldes. Deshalb hieß es Burak. [Über Burak und seine Eigenschaften sind alle Überlieferungen des Hadith übereinstimmend – der Verfasser.] Auch die früheren Propheten benutzten auf solchen Reisen derartige Reittiere. [Ibn Dscharir, Baihaqi in seinem Dalāʾil, Ibn Abi Hatim, Ibn Ishaq, Ibn Mardawaih, Nasai, Maghazi von Ibn Aiz und Suyuti schreiben in Rawd al-Unuf, dass der Prophet Ibrahim (a.) auf Burak ritt und Hadschar sowie ihren säuglingsnährenden Sohn Ismail (a.) nach Mekka brachte. Sie nennen jedoch nicht die Quelle dieser Überlieferung – der Verfasser.] Als der heilige Prophet (s.) gerade aufsteigen wollte, scheute es. Hadhrat Dschibril (a.) schlug es leicht auf den Körper und sagte: „Sieh, was du da tust! Bis heute ist noch keine so bedeutende Persönlichkeit wie Muhammad (s.) auf dir geritten.“ Bei diesen Worten brach ihm aus Scham der Schweiß aus. [Musnad Ahmad, Tirmidhi, Ibn Hibban, Ibn Dscharir, Ibn Ishaq, Ibn Saʿd – der Verfasser.]

Dann bestieg der heilige Prophet das Tier, und Dschibril ging mit ihm. [In den von Ibn Dscharir, Baihaqi, Nasai, Ibn Hischam, Ibn Abi Hatim, Tabarani, Bazzar und Ibn Saʿd angeführten Überlieferungen heißt es, dass Dschibril (a.) den Propheten auf dieser Reise stets begleitete. In Tabaranis Überlieferung von ʿAbd ar-Rahman ibn Abi Laila heißt es, dass Dschibril (a.) den Gesandten auf Burak vor sich sitzen ließ. Bei Abu Yaʿla und Ibn Hibban wird eine Überlieferung von Hadhrat ʿAbdullah ibn Masʿud (r.) angeführt, wonach Dschibril (a.) vorne und der Gesandte (s.) hinten saß. In Tirmidhi, Nasai und Musnad Ahmad wird von Hadhrat Hudhaifa (r.) überliefert, dass der Gesandte (s.) und Dschibril (a.) beide auf Burak ritten; es wird jedoch nicht gesagt, wer vorne und wer hinten saß – der Verfasser.] Die erste Station war Medina, wo der Prophet (s.) abstieg und das Gebet verrichtete. Dschibril (a.) sagte: „Hierher wirst du auswandern.“ Die zweite Station war der Berg Sinai, wo Allah mit Hadhrat Musa (a.) sprach. Die dritte Station war Bethlehem, wo Hadhrat Isa (a.) geboren wurde. Die vierte Station war Bayt al-Maqdis, wo die Reise auf Burak endete. [Die von Anas ibn Malik (r.) bei Nasai und von Schaddad ibn Aus (r.) bei Baihaqi überlieferten Berichte weichen etwas ab. Dort wird anstelle des Berges Sinai erwähnt, dass der Prophet in der Nähe jenes Baumes in Madyan betete, unter dem sich Hadhrat Musa niedergelassen hatte, nachdem er die Tiere zweier Frauen getränkt hatte – der Verfasser.]

Verschiedene irreführende und in die Irre führende Kräfte

An einer Stelle dieser Reise rief jemand: „Komm hierher!“ Der Prophet (s.) schenkte dieser Richtung keinerlei Beachtung. Dschibril (a.) sagte: „Dies ist ein Aufruf zum Judentum.“ Aus der anderen Richtung ertönte eine Stimme: „Komm hierher!“ Der Prophet (s.) blickte auch dorthin nicht. Dschibril (a.) sagte: „Dies ist der Rufer zum Christentum.“ Dann erschien eine Frau in äußerst prächtigem Schmuck und großer Pracht. Auch sie rief den Gesandten zu sich. Doch er wandte sich auch von dieser Seite ab. Dschibril (a.) sagte: „Das ist die Welt.“ Dann kam ihnen eine alte Frau entgegen. Dschibril (a.) sagte: „Schätzen Sie das verbleibende Alter der Welt anhand des verbleibenden Alters dieser alten Frau.“ Danach begegnete ihnen noch ein Mann, der den Propheten zu sich ziehen wollte. Doch er ließ auch ihn hinter sich und ging weiter. Dschibril (a.) sagte: „Das war Satan, der dich vom Weg abbringen wollte.“ [Verschiedene Teile dieser Ereignisse sind in unterschiedlichen Hadith- und Sira-Werken überliefert. Baihaqi (Dalāʾil), Tabarani (al-Awsat), Ibn Dscharir, Ibn Hatim, Ibn Ishaq und Ibn Mardawaih – der Verfasser.]

Das Gebet in Bayt al-Maqdis

Nachdem der Gesandte (s.) Bayt al-Maqdis erreicht hatte, stieg er von Burak ab. Burak wurde genau an der Stelle angebunden, an der auch die anderen Propheten es angebunden hatten. [Musnad Ahmad, Muslim, Ibn Dscharir, Baihaqi, Ibn Abi Hatim, Ibn Ishaq, Ibn Saʿd und Ibn Mardawaih. In einigen anderen Überlieferungen heißt es auch, dass Dschibril (a.) mit einem Schlag seines Fingers ein Loch in einen Felsen bohrte und Burak an diesem Loch festband (Tirmidhi, Hatim, Ibn Abi Hatim).] Als er den Tempel Salomos betrat (obwohl er zu jener Zeit zerstört war, bestand seine Stelle noch, und Kaiser Justinian hatte dort eine Kirche errichten lassen), sah er all jene Propheten, die seit dem Beginn der Menschheitsgeschichte bis zu jener Zeit auf der Welt geboren worden waren. Sobald er eintraf, stellten sich die Reihen zum Gebet auf, und alle warteten darauf, wer das Gebet leiten würde. Dschibril (a.) nahm ihn bei der Hand und führte ihn nach vorn; hinter ihm verrichteten alle das Gebet. [Ibn Dscharir, Baihaqi, Tabarani, Nasai, Ibn Abi Hatim, Musnad Ahmad und Ibn Saʿd.]

Danach wurden vor ihm drei Trinkgefäße aufgestellt. Das eine enthielt Wasser, das zweite Milch und das dritte Wein. Er nahm das Gefäß mit der Milch und trank daraus. Dschibril (a.) beglückwünschte ihn und sagte: „Du hast den Weg der natürlichen Veranlagung eingeschlagen.“ [Die von Tabarani überlieferten Berichte von Hadhrat Suhaib (r.), die von Ibn Dscharir überlieferten Berichte von Hadhrat Anas (r.) und Abu Huraira (r.) sowie die von Ibn Ishaq von verschiedenen Gelehrten überlieferten Berichte stimmen mit dem oben angeführten Bericht überein. Hinsichtlich dieser Angelegenheit bestehen jedoch zahlreiche Unterschiede zwischen den Überlieferungen. In den von Ibn Dscharir, Baihaqi und Ibn Abi Hatim von Hadhrat Abu Saʿid al-Chudri (r.) angeführten Überlieferungen werden zwei Becher erwähnt: Der eine enthielt Wasser und der zweite Wein. In den Überlieferungen von Hadhrat Anas (r.) bei Musnad Ahmad und Muslim, von Hadhrat Abu Huraira bei Buchari und von Hadhrat Saʿid ibn al-Musayyab (r.) bei Baihaqi werden zwei Gefäße erwähnt: Das eine enthielt Milch und das andere Wein. Auch in der von Baihaqi, Ibn Hatim, Bazzar und Tabarani überlieferten Erzählung von Hadhrat Schaddad ibn Aus werden zwei Gefäße erwähnt; das eine enthielt Milch und das andere Honig. Dagegen lautet die von Musnad Ahmad und Buchari überlieferte Erzählung von Malik ibn Saʿsaʿa (r.), dass dem Gesandten (s.) in der Nähe des Sidrat al-Muntaha oder des Bayt al-Maʿmur drei Gefäße vorgesetzt wurden: Das eine enthielt Wein, das zweite Milch und das dritte Honig. Alle Überlieferungen stimmen jedoch darin überein, dass der Gesandte (s.) das Gefäß mit der Milch wählte – der Verfasser.]

Danach wurde ihm eine Leiter vorgelegt. Mit ihrer Hilfe führte Dschibril (a.) ihn in Richtung Himmel. Im Arabischen wird eine Leiter Miʿradsch genannt. Dementsprechend wird das gesamte Ereignis Miʿradsch genannt. [Ibn Dscharir, Baihaqi, Ibn Abi Hatim, Ibn Ishaq und Ibn Mardawaih überlieferten dies von Abu Saʿid al-Chudri (r.). Ibn Hatim hingegen führt eine Überlieferung von Hadhrat Anas (r.) an, wonach Dschibril (a.) den Gesandten (s.) an der Hand nahm und mit ihm zum Himmel emporstieg – der Verfasser.]

Im ersten Himmel

Als sie in den ersten Himmel hinaufstiegen, war das Himmelstor verschlossen.

Der Engel des Torwächters fragte: „Wer ist gekommen?“

Hazrat Dschibril (a.) nannte seinen Namen.

Der Engel fragte: „Wer ist bei dir?“

Dschibril – Muhammad (s).

Der Engel fragte: „Wurde er gerufen?“

Dschibril: „Ja, gewiss.“

Dann wurde das Tor geöffnet und der Hochgeehrte (s) wurde ehrenvoll empfangen. [Im Hinblick auf die Himmelfahrt besteht Einigkeit darüber, dass Gabriel (a) beim Betreten jedes Himmels auf diese Weise befragt wurde. Nachdem bestätigt worden war, dass der Ankommende Gabriel (a) war, dass Muhammad (s) bei ihm war und dass nach ihm gerufen worden war, wurde das Tor geöffnet und der Hochgeehrte empfangen – der Verfasser.] Hier begegnete der Heilige Prophet (s) jenen bedeutenden Persönlichkeiten unter den Engeln und den menschlichen Seelen, die sich auf dieser Stufe aufhielten. Unter ihnen befand sich ein ehrwürdiger Greis, der ein vollkommenes Abbild der menschlichen Gestalt war. In seinem Gesicht und seinem Körperbau gab es keinerlei Mangel oder Unvollkommenheit. Gabriel (a) sagte: „Das ist Adam (a), dein Urahne.“

Zu beiden Seiten dieses ehrwürdigen Mannes befanden sich viele Menschen. Wenn er nach rechts blickte, freute er sich; wenn er nach links blickte, weinte er. Man fragte: „Was hat es damit auf sich?“

Es wurde gesagt: „Dies sind die Nachkommen Adams. Adam freute sich, wenn er seine rechtschaffenen Nachkommen sah, und weinte, wenn er die schlechten Menschen sah.“ [Der Verfasser überliefert dies aus Buchari, Muslim, dem Musnad Ahmad – nach der Überlieferung von Malik ibn Saʿsaʿa –, aus Buchari und Muslim – nach der Überlieferung von Abu Dharr (ra) –, Ibn Dscharir, Baihaqi, Ibn Abi Hatim, Ibn Marduwai, Ibn Ishaq – nach der Überlieferung von Abu Saʿid al-Chudri (ra) –, Ibn Dscharir, Baihaqi, Hafiz Ibn Abi Hatim, Tabarani, Bazzar – nach der Überlieferung von Abu Huraira (ra) – sowie Abdallah ibn Ahmad Hanbal, der es in den Zusätzen zum Musnad von Ubayy ibn Kaʿb (ra) überliefert hat.]

Danach wurde dem Hochgeehrten (s) Gelegenheit gegeben, alles eingehend zu betrachten. An einer Stelle sah er einige Menschen, die Getreide ernteten. Je mehr sie ernteten, desto mehr wuchs es nach. Man fragte: „Wer sind diese?“ Es wurde gesagt: „Das sind diejenigen, die auf Gottes Weg den Dschihad führen.“

Danach sah man einige Menschen, deren Köpfe mit Steinen zerschmettert wurden. Man fragte: „Wer sind diese?“ Es wurde gesagt: „Das sind jene Menschen, deren Abneigung und Unzufriedenheit sie davon abhielten, zum Gebet aufzustehen.“

Er sah einige Menschen, deren Kleidung vorne und hinten geflickt war und die wie Tiere Gras fraßen. Man fragte: „Wer sind diese?“ Es wurde gesagt: „Das sind jene, die von ihrem Vermögen weder Zakat noch Almosen gaben.“

Danach sah man einen Mann, der Holz sammelte und versuchte, seine Last hochzuheben. Als er sie nicht hochheben konnte, fügte er noch mehr Holz hinzu. Man fragte: „Wer ist das?“ Es wurde gesagt: „Das ist ein Mensch, auf dem eine so große Last an Verantwortung lag, dass er sie nicht tragen konnte. Doch statt sie zu verringern, lud er sich noch weitere Verantwortungen auf die Schultern.“

Danach sah man einige Menschen, deren Zungen und Lippen mit einer Schere abgeschnitten wurden. Man fragte: „Wer sind diese?“ Es wurde gesagt: „Das sind Menschen, die verantwortungslos redeten, alles aussprachen, was ihnen in den Mund kam, und in der Gesellschaft Unruhe und Zwietracht stifteten.“

Dann wurde an einer Stelle ein Stein gesehen, in dem sich ein kleiner Spalt befand. Aus diesem kam ein großer, kräftiger Stier hervor. Danach versuchte er, wieder in ihn hineinzukommen, konnte es aber nicht. Man fragte: „Was hat es damit auf sich?“ Es wurde gesagt: Dies ist das Gleichnis für jemanden, der verantwortungslos aufrührerische Äußerungen macht und danach beschämt seinen Fehler wiedergutmachen will, es aber nicht kann.

An einer Stelle sah man einige Menschen, die Stück für Stück ihr eigenes Fleisch abschnitten und aßen. Man fragte: „Wer sind diese?“ Es wurde gesagt: Das waren Menschen, die andere fälschlich beschuldigten und verleumdeten.

Ganz in ihrer Nähe befanden sich einige Menschen, deren Fingernägel aus Kupfer waren. Damit zerkratzten sie ihre Gesichter und ihre Brust. Als man fragte, wer diese seien, wurde gesagt: Das waren Menschen, die hinter dem Rücken anderer deren schlechte Taten verbreiteten und ihre Ehre verletzten.

Man sah einige Menschen, deren Lippen denen von Kamelen glichen und die Feuer fraßen. Man fragte: „Wer sind diese?“ Es wurde gesagt: Das waren Menschen, die das Vermögen von Waisen verschlangen.

Man sah einige Menschen, deren Bäuche außerordentlich groß und voller giftiger Schlangen waren. Die Menschen zertrampelten und zermalmten sie und gingen über sie hinweg, doch sie konnten ihren Platz nicht verlassen. Als man fragte, wer diese seien, wurde gesagt: Das waren Zinsnehmer.

Dann sah man einige Menschen, vor denen auf der einen Seite frisches, schönes Fleisch lag und auf der anderen verdorbenes Fleisch, von dem übler Gestank ausging. Sie ließen das gute Fleisch liegen und aßen das verdorbene. Es wurde gesagt: Das waren Menschen, die trotz ihrer halalmäßigen Ehefrauen ihre sexuellen Wünsche auf unerlaubte Weise befriedigten.

Dann sah man einige Frauen, die an ihren Brüsten aufgehängt waren. Auf die Frage hin wurde gesagt: Das waren Frauen, die solche Kinder ihrem Ehemann als dessen leibliche Kinder zuschrieben, die nicht von ihm gezeugt worden waren. [Es besteht Uneinigkeit darüber, ob diese Beobachtungen auf dem Weg nach Bait al-Maqdis oder im ersten Himmel gemacht wurden. Außerdem werden nicht alle diese Beobachtungen in sämtlichen Überlieferungen gemeinsam erwähnt. Vielmehr werden die verschiedenen Beobachtungen in verschiedenen Hadithen angeführt. Hier führen wir alle Quellen an einer Stelle zusammen. Musnad Ahmad, Ibn Madscha, Ibn Dscharir, Baihaqi, Ibn Hischam, Ibn Abi Hatim, Tabarani und Bazzar – überliefert von Abu Huraira; Ibn Dscharir, Ibn Abi Hatim, Ibn Ishaq und Ibn Mardawaih – überliefert von Abu Said al-Chudri; Musnad Ahmad und Abu Dawud – überliefert von Anas ibn Malik – der Verfasser.]

Während dieser Beobachtungen begegnete der Prophet einem Engel, der ihm gegenüber äußerst schroff und streng auftrat. Der Prophet fragte Dschibril: „Alle Engel, denen ich bis jetzt begegnet bin, empfingen mich freudig und mit lächelndem Gesicht. Warum ist dieser hier von so trockenem Wesen?“ Dschibril sagte: „Mit Heiterkeit und Fröhlichkeit hat er nichts zu tun. Er ist der Wächter der Dschahannam.“ Als der Prophet dies hörte, äußerte er den Wunsch, die Dschahannam zu sehen. Sofort wurde der Vorhang vor seinem Blick hinweggezogen, und die Dschahannam erschien in ihrer schrecklichen Gestalt. [Sirat Ibn Hischam – nach Ibn Ishaq und Ibn Abi Hatim. Überliefert von Anas ibn Malik – der Verfasser.]

in die folgenden Himmel

Nachdem der Heilige Prophet (s) diese Stufen überschritten hatte, gelangte er in den zweiten Himmel. Unter den dortigen bedeutenden Persönlichkeiten befanden sich zwei junge Männer von besonderer Auszeichnung. Bei ihrer Vorstellung stellte sich heraus, dass es sich um Hadhrat Yahya (a) und Hadhrat Isa (a) handelte.

Im dritten Himmel wurde ein ehrwürdiger Mann vorgestellt, dessen Schönheit im Vergleich zu gewöhnlichen Menschen dem Vollmond im Vergleich zu den Sternen glich. Es stellte sich heraus, dass es sich um Hadhrat Yusuf (a) handelte.

Im vierten Himmel begegnete Hadhrat Idris (a), im fünften Himmel Hadhrat Harun (a) und im sechsten Himmel Hadhrat Musa (a) dem Propheten Muhammad (s). Nachdem er den siebten Himmel erreicht hatte, sah er einen gewaltigen Palast (Bayt al-Ma’mur), in dem sich jemand befand, der ihm selbst äußerlich sehr ähnlich sah. Bei der Vorstellung stellte sich heraus, dass es sich um Hadhrat Ibrahim (a) handelte. [Musnad Ahmad, al-Bukhari und Muslim – überliefert von Malik ibn Sa’sa’a. Musnad Ahmad, Muslim und Ibn Abi Hatim – überliefert von Anas ibn Malik (ra). Ibn Jarir, al-Bayhaqi, Ibn Abi Hatim, at-Tabarani, al-Bazzar, al-Hakim und Ibn Ishaq – überliefert von Abu Huraira (ra). In einigen Überlieferungen werden hinsichtlich der Aufenthaltsorte der Propheten andere Angaben gemacht. In den von Hadhrat Anas (ra) überlieferten Berichten bei an-Nasa’i und Muslim wird Hadhrat Harun (a) im vierten und Hadhrat Idris (a) im fünften Himmel genannt. Unter Berufung auf die Überlieferung von Hadhrat Abu Sa’id al-Khudri (ra) nennen Ibn Jarir, al-Bayhaqi und Ibn Mardويه Hadhrat Yusuf (ra) im zweiten sowie Hadhrat Yahya (a) und Hadhrat Isa (a) im dritten Himmel – der Verfasser.]

Sidrat al-Muntaha

Danach begann die Reise des Heiligen Propheten (s) in die höheren Sphären, und er gelangte zur Sidrat al-Muntaha. Sie bildet eine trennende Grenze zwischen dem erhabenen Hof des Herrn der Erhabenheit und der stofflichen Welt. Hier endet das Wissen aller Geschöpfe. Was danach kommt, ist das Verborgene; davon weiß weder ein Prophet noch ein ihm nahestehender Engel etwas. Etwas anderes ist es nur, wenn Allah jemandem von diesem Wissen mitteilen will. Was von unten heraufsteigt, wird hier aufgenommen, und was von oben herabkommt, wird hier empfangen. In der Nähe dieses Ortes wurde dem Propheten das Paradies gezeigt. Er sah, dass Allah der Erhabene für Seine rechtschaffenen Diener solche Gnaden vorbereitet hatte, wie sie kein Auge je gesehen, kein Ohr je gehört und kein Herz je erfasst hatte. [Al-Bukhari und Muslim – überliefert von Abu Dharr (ra). Muslim, an-Nasa’i, at-Tirmidhi und al-Bayhaqi – überliefert von Abdullah ibn Mas’ud (ra). Ibn Jarir, al-Bayhaqi, Ibn Abi Hatim und Ibn Mardويه – überliefert von Abu Sa’id al-Khudri (ra); der Verfasser.]

An der Sidrat al-Muntaha blieb Jibril (a) zurück. Danach schritt der Prophet (s) allein weiter voran. Dann erblickte er an einem erhöhten, ebenen und günstigen Ort den erhabenen göttlichen Hof. Darauf wurde ihm die Würde des vertraulichen Gesprächs verliehen. [Ibn Hatim, überliefert von Anas ibn Malik (ra). Al-Bukhari – Kitab as-Salat, überliefert von Ibn Abbas (ra) und Abu Hubba al-Ansari. Qastallani sagt in seinem Mawahib ohne weitere Begründung, dass der Ehrwürdige (s) gesagt habe: Als Jibril seinen ihm bestimmten Platz erreichte, sagte er: „Nun geht es vor dir um deinen Herrn. Dies ist mein Platz; weiter als bis hierher kann ich nicht gehen.“] Zu dem, was ihm offenbart wurde, gehörte Folgendes:

1. Jeden Tag wurden fünfzig Gebete zur Pflicht gemacht.

2. In der Sure al-Baqara werden die letzten beiden Verse als Bittgebet gelehrt.

3. Es wird der Wunsch zum Ausdruck gebracht, alle Sünden außer Schirk zu vergeben.

4. Es wird verkündet: Wer beabsichtigt, eine gute Tat zu vollbringen, für den wird eine gute Tat niedergeschrieben. Wenn er sie dann ausführt, werden für ihn zehn gute Taten niedergeschrieben. Wer jedoch beabsichtigt, eine schlechte Tat zu begehen, gegen ihn wird zunächst nichts niedergeschrieben. Wenn er sie dann ausführt, wird ihm eine Sünde niedergeschrieben. [Erstens ist es durch die übereinstimmende Überlieferung aller Hadithe über die Miʿrādsch belegt, dass fünfzig Gebete zur Pflicht gemacht wurden. Die übrigen Themen werden in den folgenden Hadith-Werken erwähnt:

Muslim, an-Nasa’i, at-Tirmidhi, al-Bayhaqi – überliefert von Abdullah ibn Masʿud (r.a.); Musnad Ahmad und Muslim – überliefert von Anas ibn Malik (r.a.). Ibn Dscharir, al-Bayhaqi, Ibn Abi Hatim, Ibn Mardawaih – überliefert von Abu Saʿid al-Chudri (r.a.); der Verfasser.]

Nach der Anwesenheit vor dem göttlichen Thron begegnete der Gesandte (s.a.s.) beim Herabsteigen zur Rückkehr Hazrat Musa (a.s.). Nachdem dieser den Bericht gehört hatte, sagte er: „Ich habe bittere Erfahrungen mit den Kindern Israels gemacht. Ich glaube nicht, dass deine Gemeinschaft in der Lage sein wird, fünfzig Gebete regelmäßig zu verrichten. Bitte darum, ihre Zahl zu verringern.“ Als er zurückging, verringerte Allah, der Erhabene, zehn Gebete.

Hazrat Musa (a.s.) sagte dasselbe erneut. Daraufhin stieg der Prophet Muhammad (s.a.s.) wiederholt hinauf, und die Zahl der Gebete wurde jedes Mal um zehn verringert. Schließlich wurden fünf Gebete zur Pflicht gemacht, und es wurde gesagt, dass diese fünf den fünfzig gleichkämen. [Es besteht in allen Hadithen Übereinstimmung darüber, dass der Gesandte (s.a.s.) auf Hazrat Musas (a.s.) Rat wiederholt vor Allah darum bat, die Zahl zu verringern, und schließlich fünf Gebete als Pflicht übrig blieben. Allah rechnete sie als fünfzig an. In den meisten Überlieferungen wird zwar erwähnt, dass jeweils fünf Gebete verringert wurden; doch in manchen Überlieferungen wird lediglich eine Verringerung genannt und in anderen eine Verringerung um jeweils fünf Gebete – der Verfasser. (Einige wenige westlich orientierte Menschen, insbesondere solche, die Hadithe leugnen, erheben gegen diese Überlieferung folgenden Einwand: Wenn Allah von Anfang an nur fünf Gebete verpflichten wollte, welchen Sinn hatte es dann, bei fünfzig zu beginnen und allmählich zu verhandeln? Die Erklärung dafür ist, dass Allah dem Menschen deutlich machen wollte, wie viel Anbetung er zum Dank für Seine Gnaden leisten sollte: Wenn er täglich fünfzigmal beten würde, wäre dies keineswegs zu viel. Im Hinblick auf die menschliche Schwäche und Natur wurde jedoch diese Erleichterung gewährt. Ferner wurde dadurch, dass der Gesandte (s.a.s.) auf Hazrat Musas (a.s.) Rat wiederholt um eine Verringerung bat und seine Bitte gewährt wurde, die Rangstufe des Gesandten (s.a.s.) erhöht. Dieses Ereignis ist ein Beweis für die Fürsprache des Gesandten (s.a.s.) und der übrigen Propheten im Jenseits – der Verfasser.)]

Rückkehr

Auf dem Rückweg gelangte der Gesandte (s.a.s.) über jene Treppe wieder nach Bait al-Maqdis. Hier waren erneut alle Propheten anwesend. Er leitete für sie das Gebet, und wahrscheinlich handelte es sich um das Fadschr-Gebet. Danach bestieg er den Burak und kehrte nach Mekka zurück (Al-Bidaya wa-n-Nihaya, Band drei, S. 112–113).

Am frühen Morgen erzählte er als Erstem seiner Cousine Umm Hani (r.a.) von diesem Ereignis. Danach wollte er hinausgehen. Doch sie (Umm Hani) hielt ihn am Umhang fest und sagte: „Um Allahs willen, erzählen Sie dieses Ereignis niemandem. Sonst bekommen sie noch einen weiteren Anlass, Sie zu verspotten und zu verhöhnen.“ Doch der Hochgeehrte (s.a.s.) sagte: „Ich werde es unbedingt erzählen“, und ging hinaus. (Tabarani, Ibn Ishaq, Ibn Saʿd und Abu Yaʿla überliefern dies unter Berufung auf Umm Hani (r.a.).)

Als der Hochgeehrte (s.a.s.) den Haram der Kaaba erreichte, sah er Abu Dschahl vor sich. Dieser fragte: „Gibt es irgendwelche Neuigkeiten?“ Der Hochgeehrte (s.a.s.) sagte: „Ja, allerdings.“ Abu Dschahl fragte: „Nun, sag, was ist es?“

Der Hochgeehrte (s.a.s.) sagte: „In der vergangenen Nacht war ich in Bait al-Maqdis.“ Abu Dschahl sagte: „Bait al-Maqdis? Bist du noch in derselben Nacht zurückgekehrt? Und am Morgen hier anwesend?“

Der Hochgeehrte (s.a.s.) sagte: „Ja, genau so.“

Abu Dschahl sagte: „Soll ich dann die Leute versammeln? Wirst du diese Aussage vor allen machen?“

Der Hochgeehrte (s.a.s.) sagte: „Selbstverständlich.“

Abu Dschahl versammelte alle, indem er laut umher rief, und sagte zum Hochgeehrten (s.a.s.): „Jetzt sprich.“

Der Hochgeehrte (s.a.s.) schilderte vor allen das gesamte Ereignis. Die Leute begannen, ihn zu verspotten und zu verhöhnen. Einige klatschten in die Hände, andere legten in völligem Erstaunen die Hände auf den Kopf. Sie sagten: „Eine zweimonatige Reise in einer Nacht? Unmöglich, völlig unglaubwürdig. Zuvor hatten wir nur Zweifel, aber jetzt sind wir fest davon überzeugt, dass du tatsächlich verrückt bist.“ (Musnad Ahmad, Nasa’i, Baihaqi, Bazzar und Tabarani überliefern dies unter Berufung auf Ibn Abbas (r.a.). Ibn Dscharir, Baihaqi und Ibn Abi Hatim überliefern es unter Berufung auf Abu Saʿid al-Chudri (r.a.).)

Das Bekenntnis zur Wahrhaftigkeit Hazrat Siddiqs (r.a.)

Innerhalb kürzester Zeit verbreitete sich die Nachricht in ganz Mekka. Einige Muslime wandten sich, als sie davon hörten, vom Islam ab. (Musnad Ahmad, al-Buchari, at-Tirmidhi, al-Baihaqi; überliefert von Dschabir; al-Baihaqi – Überlieferung von Hazrat Aischa (r.a.).

Daraufhin gingen die Menschen in der Hoffnung zu Hazrat Abu Bakr (r.a.), weil er die rechte Hand des Propheten Muhammad (s.a.w.) gewesen war. Wenn er sich vom Propheten abwenden würde, wäre diese Bewegung dem Untergang geweiht. Nachdem Hazrat Abu Bakr (r.a.) dieses Ereignis gehört hatte, sagte er: „Wenn Muhammad (s.a.w.) dies gesagt hat, muss es unbedingt wahr sein. Was ist daran verwunderlich? Ich höre doch jeden Tag, dass er Botschaften vom Himmel empfängt. Auch seine Wahrhaftigkeit erkenne ich an.“ (Ibn Dscharir, al-Baihaqi – überliefert von Abu Salama ibn Abd ar-Rahman; Ibn Abi Hatim – überliefert von Anas ibn Malik; al-Baihaqi – überliefert von Hazrat Aischa (r.a.).

Danach kam Hazrat Abu Bakr (r.a.) zur Kaaba, wo der Gesandte Allahs (s.a.w.) anwesend war und sich auch die spottende und höhnende Menge befand. Er fragte den Propheten (s.a.w.): „Haben Sie dies alles wirklich gesagt?“

Der Prophet (s.a.w.) sagte: „Ja, das habe ich gesagt.“

Hazrat Abu Bakr (r.a.) sagte: „Bayt al-Maqdis habe ich selbst gesehen. Beschreiben Sie mir, wie es dort aussieht.“

Der Prophet (s.a.w.) begann sofort, es zu beschreiben. Er schilderte jedes einzelne Detail so, als läge Bayt al-Maqdis vor ihm und als beschreibe er seinen Zustand, während er es betrachtete. Dieses Verhalten Hazrat Abu Bakrs (r.a.) versetzte die Leugner in der Menge in einen schweren Schock. [Hafiz Ibn Kathir sagt in al-Bidaya und an-Nihaya, dass Abu Bakr (r.a.) den Propheten aufforderte, den Götzendienern Bayt al-Maqdis zu beschreiben, damit ihre Münder verstummten, wenn er es richtig schildern konnte. Abu Ya’la überliefert jedoch von Umm Hani (r.a.), dass Mut’im ibn Adi nach der Beschreibung von Bayt al-Maqdis gefragt habe. Ibn Dscharir und Ibn Abi Hatim überliefern von Abu Sa’id al-Chudri (r.a.), dass derjenige aus der Menge, der diese Frage stellte, den Propheten für einen Lügner hielt. Bei Muslim findet sich eine Überlieferung von Hazrat Abu Huraira (r.a.), wonach die Leute den Propheten befragten. Der eigentliche Grund für diese Frage war, dass sie wussten, dass der Prophet (s.a.w.) Bayt al-Maqdis in seinem Leben niemals gesehen hatte. Daher war es für ihn schwierig, es zu beschreiben, zumal er es bei Nacht gesehen hatte. Deshalb stellte Allah, der Erhabene, Bayt al-Maqdis während ihrer Befragung vor seine Augen, und er beantwortete ihre einzelnen Fragen, indem er es betrachtete. Schließlich mussten sie anerkennen, dass die Beschreibung, die er von jenem Ort gab, vollkommen der Wahrheit entsprach. Überliefert bei al-Buchari, Muslim, Musnad Ahmad, Ibn Dscharir, at-Tirmidhi und al-Baihaqi – von Dschabir ibn Abdullah (r.a.); bei Muslim und Ibn Sa’d – von Abu Huraira (r.a.); bei al-Baihaqi, Ibn Abi Hatim, al-Bazzar und at-Tabarani – von Ibn Abbas (r.a.). – Der Verfasser.]

Weitere Zeugen

In der Versammlung befanden sich viele, die zu Handelszwecken nach Bayt al-Maqdis reisten. Insgeheim sagten sie sich, dass er das Geschehen genau geschildert hatte. Nun begannen die Leute, weitere Beweise für die Wahrhaftigkeit dieser Schilderung zu verlangen.

Der Gesandte (s) sagte: „Auf dem Hinweg kam ich an einer bestimmten Karawane vorbei, bei der sich diese und jene Waren befanden. Als die Kamele der Karawanenleute den Burāq sahen, erschraken sie vor Angst. Eines lief sogar in Richtung eines bestimmten Tals davon. Ich teilte dem Karawanenführer mit, wohin es gelaufen war.“

Auf dem Rückweg traf ich in einer bestimmten Gegend auf die Karawane eines bestimmten Stammes. Alle schliefen. Ich trank aus ihrem Gefäß und hinterließ sogar die Spuren, dass daraus getrunken worden war.

Der Gesandte (s) führte noch einige weitere derartige Ereignisse an. Später wurde seine Wahrhaftigkeit von den Leuten der ankommenden Karawane bestätigt (Ibn Abī Ḥātim berichtet dies nach Anas ibn Mālik (ra); al-Bayhaqī, Ibn Abī Ḥātim, al-Bazzār und al-Ṭabarānī berichten es nach Schaddād ibn Aus, und al-Ṭabarānī überliefert es nach Abū Yaʿlā gemäß der Überlieferung von Umm Hāni (ra)).

Auf diese Weise waren die Gegner zum Schweigen gebracht. Doch insgeheim fragten sie sich weiter, wie dies möglich sein könne. Auch heute stellt sich vielen Menschen die Frage, wie dies möglich wurde.

Die Unterweisung des Gesandten (s) in den fünf täglichen Gebeten

In den zwei Tagen nach der Nacht, in der die Miʿrādsch stattfand, kam Dschibrīl (a) im Auftrag Allahs zu jeder Gebetszeit, um zu zeigen, wann die fünf vorgeschriebenen Gebete zu verrichten sind. Am ersten Tag ließ er den Gesandten Allahs (s) jedes Gebet zu Beginn seiner Zeit verrichten und am zweiten Tag am Ende seiner Zeit. Dabei war er der Imām. Danach sagte er: „Die Zeit jedes Gebets liegt zwischen diesen beiden Zeitpunkten.“ Diese Überlieferung wird von Imām Aḥmad, an-Nasāʾī, at-Tirmidhī, Ibn Ḥibbān und al-Ḥākim von Dschābir ibn ʿAbdullāh überliefert. Imām al-Buchārī betrachtete sie hinsichtlich der Gebetszeiten als die zuverlässig­ste. Imām Aḥmad, at-Tirmidhī, Abū Dāwūd, Ibn Chuzayma, ad-Dāraqutnī, al-Ḥākim und ʿAbdurrazzāq überlieferten hierzu mit gewissen Abweichungen eine Überlieferung von ʿAbdullāh ibn ʿAbbās (ra). Ibn ʿAbd al-Barr und der Qāḍī Abū Bakr ibn al-ʿArabī erklärten sie ebenfalls für zuverlässig.

Imām az-Zuhrī berichtet: Als ʿUrwa ibn az-Zubair vor ʿUmar ibn ʿAbd al-ʿAzīz (ra) sagte, dass Dschibrīl (a) den Gesandten Allahs (s) beim Gebet geleitet habe, sagte dieser äußerst erstaunt: „Urwa, denk einmal gründlich darüber nach, was du da sagst! Bedeutet das, dass Dschibrīl (a) den Gesandten (s) beim Gebet geleitet hat?“

Urwa berichtet: Ich hörte dies von Baschir ibn Abi Masud. Er sagte, er habe es von Abu Masud al-Ansari (ra) gehört. Dieser (Masud al-Ansari) sagte: Ich selbst hörte den Gesandten Allahs (s) dies sagen. Dschibril kam herab und leitete mich im Gebet. Ich verrichtete mit ihm die fünf täglichen Gebete. (Muwatta, Buchari, Muslim, Abd ar-Razzaq, Tabarani.)

Die Botschaft der Miʿradsch

Die Botschaft, die der Gesandte Allahs (s) nach seiner Rückkehr von der Reise der Miʿradsch im Auftrag Allahs den Bewohnern der Welt überbrachte, ist in der siebzehnten Sure des Edlen Korans, Bani Isra’il, in den Versen 2 bis 39 Wort für Wort bewahrt. Wenn man diese Verse betrachtet und ihren historischen Hintergrund berücksichtigt, wird man erkennen, dass diese Rechtleitung ein Jahr vor der Hidschra verkündet wurde. Der Leser wird klar verstehen können, dass diese Rechtleitung bereits vor der Grundsteinlegung eines neuen Staates auf den Grundsätzen des Islam gegeben wurde – eines Staates, auf dessen Grundlage der Prophet (s) und die Gefährten später handeln mussten.

Lehren aus der Geschichte der Bani Isra’il

Nachdem in dieser Botschaft die Miʿradsch erwähnt worden ist, werden als Erstes Lehren aus der Geschichte der Bani Isra’il vermittelt. Als die Bani Isra’il von der Knechtschaft der Ägypter befreit waren und ein unabhängiges Leben führten, gab ihnen der Herr der Welten ein Buch zur Rechtleitung. Zugleich wurde ihnen eindringlich geboten: Verlasst euch nun in euren Angelegenheiten auf niemandes Rechtleitung außer auf Meine.

Doch anstatt Allah für diese Gunst zu danken, verleugneten die Bani Isra’il sie und blieben auf der Erde, statt für ihre Verbesserung zu wirken, Unruhestifter und Rebellen. Das Ergebnis war, dass Allah sie einmal durch die Babylonier vernichten ließ und ihnen ein zweites Mal die Römer zu Herrschern machte. Indem Allah, der Erhabene, diese lehrreiche Geschichte erwähnt, warnt Er die Muslime, dass allein der Koran ein Buch ist, das ihnen den richtigen Weg weisen wird. Wenn ihr ihm folgt, gibt es für euch die frohe Botschaft einer gewaltigen Belohnung.

Jeder Mensch ist verantwortlich

Die zweite wichtige Wahrheit, auf die aufmerksam gemacht wurde, ist, dass jeder Mensch selbst Träger einer dauerhaften moralischen Verantwortung ist. Seine eigenen Taten und sein eigenes Handeln sind der endgültige Richter zu seinen Gunsten oder gegen ihn. Wenn er den geraden Weg geht, dient dies allein seinem eigenen Wohl. Wenn er den falschen Weg einschlägt, wird er selbst Schaden erleiden. An dieser persönlichen Verantwortung ist niemand beteiligt. Die Last der Verantwortung des einen muss kein anderer tragen. Daher sollte jeder Mensch in einer rechtschaffenen Gesellschaft seiner eigenen Verantwortung besondere Aufmerksamkeit widmen. Was auch immer andere Menschen tun mögen – zunächst sollte er darüber nachdenken, was er selbst tut.

Der Niedergang der Wohlhabenden

Das dritte Thema, vor dem gewarnt wurde, ist Folgendes: Was eine Gesellschaft letztlich zugrunde richtet, ist der Niedergang der Wohlhabenden und der Einflussreichen. Wenn der Niedergang des Schicksals eines Volkes unvermeidlich wird, verfallen seine wohlhabenden und mächtigen Angehörigen dem Laster. Sie beginnen, Unrecht, Unterdrückung, Ungerechtigkeit, Sündhaftigkeit und andere Missetaten zu begehen. Schließlich stürzt diese Verderbtheit das gesamte Volk in den Abgrund des Untergangs. Daher sollte eine Gesellschaft, die nicht selbst zu ihrem eigenen Feind werden will, darüber nachdenken, wie verhindert werden kann, dass die Schlüssel zur politischen Macht und zu den finanziellen Reichtümern der Gesellschaft in die Hände charakterloser Menschen gelangen.

Die Bedeutung des Jenseits im Verhältnis zu dieser Welt

Danach werden die Muslime an jene Wahrheit erinnert, die im Koran immer wieder wiederholt worden ist. Es wird gesagt: Wenn euer Ziel diese Welt sowie ihr Erfolg, ihr Glück und ihr Wohlstand sind, dann könnt ihr all dies hier erlangen. Doch das Ende davon wird äußerst furchtbar sein. Dauerhaften und ewigen Erfolg, der von diesem Leben bis zum nächsten keinerlei Schande des Scheiterns kennt, könnt ihr nur dann erlangen, wenn ihr bei euren Bemühungen das Bewusstsein für das Jenseits und für die dortige Rechenschaft vor Augen habt. Der Wohlstand der Anbeter dieser Welt scheint äußerlich schöpferisch zu sein. Doch in dieser Schöpferkraft sind die Keime des Unheils und der Verderbtheit verborgen. Ihnen fehlt jene Größe des Charakters, die allein aus dem Bewusstsein der Rechenschaft im Jenseits entsteht. Diesen Unterschied könnt ihr bereits in dieser Welt zwischen beiden Arten von Menschen erkennen. In den späteren Stufen des Lebens wird dieser Unterschied noch deutlicher hervortreten. Schließlich wird das Leben des einen völlig erfolglos und das des anderen von vollkommenem Erfolg gekrönt sein.

Grundlegende Prinzipien der islamischen Zivilisation

Nach diesen Ratschlägen, die einleitend erteilt wurden, werden jene wichtigen Grundprinzipien dargelegt, auf deren Grundlage der künftige islamische Staat und die künftige islamische Gesellschaft aufgebaut werden sollten. Diese Grundprinzipien sind vierzehn an der Zahl. Wir legen sie in genau der Reihenfolge vor, in der sie in dieser Botschaft der Miʿrādsch dargelegt wurden.

1. Außer Allah, dem Einen und ohne Teilhaber, darf die Herrschaft und Autorität keiner anderen Macht oder Wesenheit anerkannt werden. Er ist euer Angebeteter; dient und gehorcht allein Ihm. Ihm zu gehorchen und Seinen Befehlen zu folgen, ist das Kennzeichen eurer Eigenständigkeit und Besonderheit. Wenn ihr außer Ihm die Herrschaft und Autorität eines anderen anerkennt, sei es ein anderer Mensch oder eure eigene Neigung, werdet ihr letztlich äußerster Erniedrigung anheimfallen und jener Gnaden beraubt werden, die nur durch Allahs Hilfe erlangt werden können. (Dies war nicht nur ein religiöser Glaubenssatz, sondern auch das grundlegende Prinzip des politischen Systems, das der Prophet (S) nach seiner Ankunft in Medina errichtete. Der gesamte Aufbau dieses Systems wurde auf der Vorstellung gegründet, dass der Herr der Welten der Eigentümer und König des Landes ist und Seine Scharia das Gesetz des Landes bildet – der Verfasser.)

2. Unter den Menschenrechten ist das Recht der Eltern das wichtigste und vorrangigste. Die Kinder müssen ihren Eltern gehorsam, dienstbereit und höflich sein. Die sozialen Grundsätze und die Moral der Gesellschaft sollten so beschaffen sein, dass die Kinder nicht von ihren Eltern unabhängig und ungehorsam werden, sondern ihnen gegenüber äußerst gütig sind. Sie sollen sie ehren und achten, sie in ihrem Alter pflegen und alle ihre Bedürfnisse erfüllen, so wie die Eltern dies in ihrer Kindheit getan haben. (Aus dieser Bestimmung wurde festgelegt, dass die islamische Gesellschaftsordnung auf der Familie beruhen und die Verehrung und Achtung der Eltern das Rückgrat der Familienordnung bilden soll. Später wurden dieser Bestimmung entsprechend die durch die Scharia festgelegten Rechte der Eltern bestimmt; ihre ausführliche Darstellung finden wir in den Hadith- und Fiqh-Werken. Darüber hinaus wurden in die geistige und moralische Erziehung der islamischen Gesellschaft sowie in die zivilisatorischen Umgangsformen der Muslime solche Vorstellungen und Verhaltensweisen aufgenommen, durch die den Eltern nach Allah und dem Gesandten die größte Bedeutung beigemessen wird. All dies legt für alle Zeiten den Grundsatz fest, dass der islamische Staat durch seine gesetzlichen und administrativen Anordnungen dafür sorgen soll, die Familie zu stärken und zu schützen, statt sie zu schwächen – der Verfasser.)

3. Im gesellschaftlichen Leben soll die Lebenskraft gegenseitiger Hilfe und Unterstützung, des Mitgefühls und der Gerechtigkeit wirksam bleiben. Jeder Verwandte soll seinem Verwandten ein Helfer sein. Jeder soll Anspruch auf die Hilfe der anderen haben. Wenn ein Reisender in einem Dorf oder einer Siedlung ankommt, soll er sich unter gastfreundlichen Menschen wiederfinden. Das Bewusstsein für die Rechte (Haqq) in der Gesellschaft soll so stark und umfassend sein, dass ein Mensch sich der Rechte derjenigen, unter denen er lebt, höchst bewusst ist. Wenn er ihnen einen Dienst erweist, soll er meinen, damit sein Recht zu erfüllen, und nicht, ihnen einen Gefallen zu tun. Steht niemand zur Verfügung, der einen Dienst leisten kann, soll er demütig seine Unfähigkeit eingestehen und um Gottes Gnade bitten, damit er anderen von Nutzen sein kann. [Auf der Grundlage dieses Punktes wurden in der Gesellschaft von Medina die verpflichtende und die freiwillige Sadaqa angeordnet. Die Vorschriften für die letztwillige Verfügung zugunsten der Waisen und die Einrichtung der Waqf-Stiftungen wurden festgelegt. Es wurden Maßnahmen zum Schutz der Rechte der Waisen getroffen. In einer Siedlung wurde das Recht des Reisenden verankert, mindestens drei Tage lang bewirtet zu werden. Danach wurde durch moralische Erziehung in der gesamten Gesellschaft eine solche Lebenskraft der Großzügigkeit, des Mitgefühls sowie der Hilfe und Unterstützung geschaffen, dass die Menschen neben den gesetzlichen Rechten auch ein umfassendes Bewusstsein für moralische Rechte entwickelten. Auf dieser Grundlage begannen die Menschen, die entsprechenden Rechte einander selbst zu erkennen und zu erfüllen – Rechte, die weder gerichtlich eingefordert noch durch das Gesetz durchgesetzt werden können. – Der Verfasser]

4. Die Menschen sollen ihren Besitz nicht auf falsche Weise verschwenden. Vermögen für Luxus und sündhafte Handlungen auszugeben, um Stolz zu zeigen und gesehen zu werden, und es statt für die wirklichen Bedürfnisse der Menschen und für nützliche Zwecke auf falsche Weise auszugeben, bedeutet, Gottes Gaben zu verleugnen. Wer sein Vermögen auf diese Weise ausgibt, ist in Wirklichkeit ein Bruder des Satans. Die Verschwendung solchen Vermögens durch moralische Erziehung und gesetzliche Vorschriften zu unterbinden, ist eine unerlässliche Pflicht einer reformorientierten Gesellschaft.

5. Unter den Menschen sollte ein solches Maß an Ausgewogenheit herrschen, dass sie weder aus Geiz Vermögen anhäufen noch durch übermäßige Ausgaben ihre wirtschaftliche Kraft zunichtemachen. Unter den Mitgliedern der Gesellschaft muss ein richtiges und ausgewogenes Empfinden herrschen, sodass sie einerseits nicht davon absehen, rechtmäßige Ausgaben zu tätigen, und andererseits nicht in die Sünde geraten, ihr Vermögen auf unrechtmäßige Weise auszugeben. [In der Gesellschaft von Medina wurden diese beiden Punkte auf verschiedene Weise umgesetzt. Einerseits wurden zahlreiche Mittel und Formen von Verschwendung und Luxus gesetzlich für haram erklärt, andererseits wurde durch indirekte rechtliche Maßnahmen der Weg zu ungerechten und unangemessenen Ausgaben von Vermögen versperrt. Zudem wurde der Regierung die Befugnis erteilt, auffällige Erscheinungsformen übermäßiger Ausgaben durch Verwaltungsanordnungen zu unterbinden. Wer sein Vermögen weiterhin ungerecht ausgab, dessen Besitz konnte die Regierung grundsätzlich in eigene Verwaltung nehmen. Neben diesen Maßnahmen wurde in der Gesellschaft eine öffentliche Meinung geschaffen, die Verschwendung nicht lobte, sondern tadelte. Danach wurde durch moralische Erziehung auch die Gesinnung verbessert, damit die Menschen den Unterschied zwischen ungerechten und rechtmäßigen Ausgaben erkennen und sich von selbst davon fernhalten konnten. Ebenso wurde der Geiz mithilfe des Gesetzes so weit wie möglich eingeschränkt. Ungerechte reformbedürftige Zustände wurden unter dem Druck der öffentlichen Meinung und durch moralische Erziehung beseitigt.]

6. Die Menschen sollen nicht künstlich in die Ordnung eingreifen, die Gott für die Verteilung des Lebensunterhalts eingerichtet hat. Er hat nicht alle Seine Diener hinsichtlich des Lebensunterhalts gleichgestellt, sondern unter ihnen Unterschiede in größerem und geringerem Anteil geschaffen. Darin liegen viele Weisheiten, und Er selbst weiß sie am besten.

Daher ist ein richtiges Wirtschaftssystem ein solches, das dieser von Gott festgelegten Ordnung möglichst nahekommt. Die natürliche Ungleichheit in eine künstliche Gleichheit umzuwandeln oder die Ungleichheit über die Grenzen der Natur hinaus bis an die Grenze der Ungerechtigkeit zu steigern, ist in beiden Fällen derselbe Fehler. [Aufgrund des Prinzips des Naturgesetzes, auf das in diesem Punkt hingewiesen wurde, fand in Medinas Reformprogramm die Vorstellung keinen Platz, dass die Verschiedenheit, der Unterschied und die Überlegenheit hinsichtlich des Lebensunterhalts und der Mittel zu dessen Erwerb von Natur aus ungerecht seien und man zur Herstellung der Gerechtigkeit den Unterschied zwischen Reich und Arm beseitigen und eine klassenlose Gesellschaft schaffen müsse. Im Gegenteil: Der Weg, der in Medina eingeschlagen wurde, um die menschliche Zivilisation auf einem guten Fundament zu errichten, bestand darin, die von Allahs Fitrah unter den Menschen geschaffenen Unterschiede unverändert in ihrem natürlichen Zustand zu belassen und sie gemäß dem dritten, vierten und fünften Punkt nicht zu Ursachen für die Eigenart, die Sitten und die Unsitten der Gesellschaft, sondern zu Ursachen unzähliger moralischer, geistiger und zivilisatorischer Möglichkeiten und Vorteile werden zu lassen. In Wirklichkeit hat der Schöpfer des Universums diese Unterschiede deshalb unter Seinen Dienern bestehen lassen. – Der Verfasser]

7. Es ist ein schwerwiegender Fehler, aus der Befürchtung einer Verknappung der Mittel für Lebensunterhalt und Lebensführung bei wachsender Kinderzahl Geburtenkontrolle zu betreiben. Wer aus dieser Befürchtung die künftige Nachkommenschaft vernichtet, also Geburtenkontrolle betreibt, unterliegt der falschen Vorstellung, die Versorgung liege in seiner Hand. Doch der Versorger ist jener Gott, der den Menschen ermöglicht hat, auf dieser Erde zu leben. Er hat für die Versorgung der früheren Generationen gesorgt, und Er wird auch für die Versorgung der späteren Generationen sorgen. Je stärker die Bevölkerung wächst, desto mehr erweitert Gott entsprechend auch die Mittel für Lebensunterhalt und Lebensführung. Daher soll niemand ungerecht in die Ordnung eingreifen, die Gott für Seine Schöpfung eingerichtet hat, und unter keinen Umständen darf sich unter den Menschen eine Neigung zur Auslöschung der Nachkommenschaft entwickeln. [Dieser Punkt beseitigt vollständig die wirtschaftliche Grundlage, auf der seit der Antike bis in die heutige Zeit in verschiedenen Epochen Bewegungen zur Geburtenkontrolle aufgekommen sind. In der Antike wurden die Menschen aus Angst vor Armut dazu gebracht, Kinder und Föten zu töten. Heute wird die Welt auf einen dritten Weg, nämlich die Geburtenkontrolle, gedrängt. Doch dieser Punkt der Botschaft der Miʿrāǧ weist den Menschen den Weg, nicht den zerstörerischen Versuch zu unternehmen, die Zahl derjenigen zu verringern, die Nahrung empfangen, sondern ihre Kraft und Fähigkeiten durch konstruktive Anstrengungen zur Vermehrung der Mittel der Nahrungsversorgung einzusetzen. – Der Verfasser]

8. Durch Unzucht wird zwischen Frau und Mann eine völlig falsche und unrechtmäßige Beziehung hergestellt. Es reicht nicht aus, sie lediglich zu verbieten; vielmehr müssen auch all jene Mittel und Wege beseitigt werden, die den Menschen der Unzucht nahebringen. [Schließlich wurde dieser Punkt zur Grundlage eines ausführlichen Kapitels der islamischen Lebensordnung. Gemäß diesem Punkt wurden Unzucht und die Beschuldigung der Unzucht als Straftaten eingestuft. Die Verbreitung von Obszönität wurde eingeschränkt. Auch auf den Genuss von Alkohol, Gesang und Instrumentalmusik, Tanz sowie Statuen und Bildern von Lebewesen wurden Beschränkungen auferlegt. Danach wurde ein Eherecht geschaffen, durch das die Eheschließung äußerst einfach wurde und die in der Gesellschaft verbreiteten Mittel zur Unzucht beseitigt wurden. – Der Verfasser]

9. Allah, der Erhabene, hat das menschliche Leben als ehrwürdig und der Achtung würdig erklärt. Niemand darf Selbstmord begehen und niemand darf einen anderen töten. Dieses von Gott festgelegte Verbot darf nur dann verletzt werden, wenn ein von Gott selbst festgelegtes Recht gegen ihn geltend gemacht wird. Nachdem dieses Recht festgestellt worden ist, darf nur so viel Blut vergossen werden, wie dieses Recht verlangt. Bei einer Tötung müssen alle Wege der Überschreitung des gebotenen Maßes versperrt werden. Beispielsweise darf man in der Erregung nicht anstelle des Schuldigen einen anderen töten, gegen den kein Recht festgestellt worden ist. Ebenso darf man den Schuldigen nicht unter Qualen töten und nach der Tötung seinen Leichnam nicht entehren. Auch jede andere derartige, in der Welt verbreitete maßlose Vergeltung ist zu unterlassen.[Auf der Grundlage dieses Grundsatzes wurde im islamischen Recht der Selbstmord für haram erklärt. Vorsätzliche Tötung wurde als Verbrechen eingestuft. Für die verschiedenen Fälle einer versehentlichen Tötung wurden Blutgeld und Kaffara vorgeschrieben. Die rechtmäßige Tötung wurde auf fünf Fälle beschränkt.

Erstens: Wenn jemand vorsätzlich tötet.

Zweitens: Wenn eine Gruppe dem Din al-Haqq ein solches Hindernis in den Weg legt, dass der Krieg gegen sie unausweichlich wird.

Drittens: Wenn ein verheirateter Mann oder eine verheiratete Frau Unzucht begeht.

Viertens: Wenn eine Gruppe versucht, die islamische Staatsordnung zu beseitigen, oder einen bewaffneten Aufstand gegen die Partei unternimmt, die die islamische Gesellschaftsordnung führt.

Fünftens: Wenn jemand nach seinem Übertritt zum Islam zum Apostaten wird. Die Befugnis, über eine rechtmäßige Tötung zu entscheiden, wurde daraufhin dem Qadi der Scharia übertragen. Auch für ihn wurden würdige Regeln und Verfahrensweisen festgelegt – der Verfasser.]

10. Die Interessen der Waisen müssen so lange geschützt werden, bis sie in der Lage sind, auf eigenen Füßen zu stehen. Ihr Vermögen darf nicht in einer Weise verwendet werden, die ihnen nicht zum Wohl gereicht.[Dies war nicht lediglich eine moralische Weisung. Vielmehr wurden zum Schutz der Rechte der Waisen sowohl gesetzliche als auch administrative Maßnahmen innerhalb der islamischen Staatsordnung ergriffen; eine ausführliche Darstellung davon findet sich in den Hadith- und Fiqh-Werken. Aus diesem Grundsatz wurde ferner das weitreichende Grundprinzip abgeleitet, dass der islamische Staat selbst die Interessen derjenigen Bürger schützt, die nicht in der Lage sind, ihre eigenen Interessen zu wahren. Die Aussage des Propheten (s) –

************************************ (Ich bin der Vormund dessen, der keinen Vormund hat) weist eben darauf hin – der Verfasser.]

11. Verträge und Versprechen müssen gegenüber jeder Person und jeder Nation unter allen Umständen ehrlich erfüllt werden. Wer einen Vertrag bricht, muss sich vor Allah verantworten. Dies war nicht bloß ein wichtiger Grundsatz der islamischen Ethik. Vielmehr betrachtete der islamische Staat ihn später als Grundpfeiler seiner Innen- und Außenpolitik – der Verfasser.

12. Die Messgeräte für Warenmengen müssen in Ordnung gehalten werden, damit bei Geschäften ordnungsgemäß gemessen und ausgehändigt werden kann. Nach diesem Grundsatz wurde der Polizei des islamischen Staates neben ihren anderen Aufgaben auch die Pflicht auferlegt, die Waagen und Messgeräte auf den Märkten zu überwachen und durch den Einsatz von Gewalt zu verhindern, dass bei Maß und Gewicht weniger gegeben wird. Daraus wurde später der umfassende Grundsatz abgeleitet, dass es Aufgabe der Regierung ist, jede Art von Unehrlichkeit, Rechtsentzug, Täuschung und Betrug im Handel und bei Geschäften mit der Wurzel auszurotten – der Verfasser.

13. Beschäftige dich nicht eingehend mit einer Sache, über deren Wahrheit du kein Wissen besitzt. Vor Allah wird über das Gehör, das Augenlicht sowie über die Absichten, Vorstellungen, Wünsche und Neigungen des Herzens eine genaue Rechenschaft abgelegt werden. Dieser Grundsatz zielte darauf ab, dass der Muslim sein persönliches und gesellschaftliches Leben nicht nach Aberglauben, Vermutungen und bloßen Annahmen, sondern nach Wissen ausrichtet. In der Ethik, im Recht, in der staatlichen Ordnung und im Bildungswesen wurde dieses Ziel auf vielfältige Weise umfassend verwirklicht. Die islamische Gesellschaft wurde vor den zahllosen Formen der Unterdrückung bewahrt, die sich in verschiedenen Lebensbereichen auf der Grundlage von Vermutungen statt von Wissen erheben. In ethischer Hinsicht wurde angeordnet, sich von üblen Verdächtigungen fernzuhalten und gegen keine Person oder Gruppe eine Anschuldigung zu erheben, bevor sie nicht gründlich überprüft worden ist. Im Recht wurde als feststehender Grundsatz bestimmt, dass es völlig ungerecht und rechtswidrig ist, jemanden allein aufgrund eines Verdachts festzunehmen, zu schlagen oder einzusperren. Auch für den Umgang mit Angehörigen anderer Völker wurde der Grundsatz festgelegt, dass ohne Untersuchung keine Maßnahme gegen jemanden ergriffen werden darf. Ebenso dürfen nicht aufgrund von Verdächtigungen Gerüchte verbreitet werden. Auch im Bildungswesen wurden jene sogenannten Wissensgebiete als unerwünscht angesehen, deren Grundlage bloße Vermutungen und unrealistische Vorstellungen sind. Auf diese Weise wurde unter den Muslimen eine wahrheitsliebende und auf Wahrheit gegründete geistige Haltung geschaffen – der Verfasser.

14. Schreite nicht wie die Ungerechten und Hochmütigen auf der Erde einher. Du kannst mit deiner Anmaßung und deinem Hochmut weder die Erde aufspalten noch durch deinen Stolz die Berge an Höhe überragen. Auch dies war nicht bloß eine Ermahnung; vielmehr wurden die Muslime tatsächlich davor gewarnt, sich nach ihrer Machtübernahme dem Stolz und Hochmut hinzugeben. Die praktische Verwirklichung dieser Anweisung erkennen wir daran, dass die Herrscher, Gouverneure und Befehlshaber des Staates, der gemäß diesem aus vierzehn Punkten bestehenden Manifest oder dieser Erklärung in Medina errichtet wurde, weder mündlich noch schriftlich etwas äußerten, worin sich auch nur die geringste Spur von Stolz und Hochmut fand. Selbst während des Krieges sagten sie nichts, was von Stolz und Hochmut zeugte. In ihrer Rede, ihrem Verhalten und ihrer Art, aufzustehen und sich niederzulassen, kamen vielmehr Bescheidenheit und Demut zum Ausdruck. Wenn sie als Sieger in eine Stadt einzogen, versuchten sie nicht, ihren Einfluss und ihre Macht mit Stolz, Hochmut und Überheblichkeit auszudehnen – der Verfasser.

Dies waren die Grundsätze, auf denen der Prophet nach der Auswanderung nach Medina die Grundlage des islamischen Staates errichtete.

Den Propheten das Bittgebet für die Auswanderung lehren

In dieser Sure, Bani Isra’il, lehrt Allah Seinem Propheten ein Bittgebet, das tatsächlich als das Bittgebet für die Auswanderung bezeichnet werden kann. Tirmidhi und al-Hakim überliefern unter Berufung auf die Aussage von Ibn Abbas, dass dem Propheten in dem folgenden Vers die Erlaubnis zur Auswanderung erteilt wurde:

**********************************

Und (o Prophet) bete: „O Herr, führe mich, wohin immer Du mich führst, in Wahrhaftigkeit, und führe mich, woher immer Du mich herausführst, in Wahrhaftigkeit heraus; und gewähre mir von Dir eine staatliche Macht, die mir beisteht.“ (Bani Isra’il: 80)

Aus dieser überlieferten Lehre des Gebets wird eindeutig ersichtlich, dass die Zeit der Auswanderung nahe bevorstand. Deshalb wird gesagt, dass dein Gebet lauten sollte, unter keinen Umständen von der Wahrhaftigkeit abzuweichen. Wo immer du aufbrichst, sollst du in Wahrhaftigkeit aufbrechen, und wohin immer du gehst, sollst du in Wahrhaftigkeit gehen.

„Und gewähre mir von Dir eine staatliche Macht, die mir beisteht.“

Das heißt: Entweder verleihst Du selbst mir staatliche Macht, oder Du machst eine staatliche Macht beziehungsweise eine Regierung zu meiner Unterstützung, damit ich mit ihrer Hilfe den Verfall und das Unrecht dieser Welt beseitigen, die Flut von Obszönheit und Sündhaftigkeit eindämmen und Dein gerechtes Gesetz durchsetzen kann. Daraus wird ersichtlich, dass die Reform und Verbesserung, die der Islam in der Welt anstrebt, nicht nur durch Ermahnung und Belehrung erreicht werden soll, sondern dass für die praktische Verwirklichung des Islam auch politische Macht erforderlich ist. Wenn Allah dieses Gebet Seinen Propheten selbst gelehrt hat und in den Hadithen hierzu überliefert ist—

***************************************************

Wenn Allah also durch staatliche Macht den Weg für jene Dinge versperrt, die der Koran nicht verhindern kann, dann folgt daraus, dass es nicht nur erlaubt, sondern vielmehr wünschenswert ist, für die Errichtung der Religion (Iqamat ad-Din) sowie für die Durchsetzung der Scharia und der von Allah vorgeschriebenen Strafgesetze (Hudud) staatliche Macht zu erbitten und sich um deren Erlangung zu bemühen. Wer dies als Weltlichkeit oder Weltverehrung bezeichnet, befindet sich in einem Irrtum. Weltverehrung liegt nur dann vor, wenn jemand staatliche Macht für seine eigenen Interessen anstrebt. Die Sehnsucht nach staatlicher Macht zur Errichtung der Religion Allahs ist jedoch keine Weltverehrung, sondern vielmehr eine Forderung echter Gottesverehrung.

Die Lehre eines Gebets für die Hilfe der unterdrückten Muslime

Während der Himmelfahrt wurden dem Gesandten Allahs (s) die letzten Verse der Sure al-Baqara offenbart. Bereits zuvor hatten wir unter Berufung auf die Überlieferung von Hadhrat Abdullah ibn Masud (r) darauf hingewiesen. Diese Verse schließen mit folgendem Gebet:

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O unser Herr! Ziehe uns nicht zur Rechenschaft, wenn wir aus Vergesslichkeit einen Fehler oder ein Versäumnis begangen haben. O Gott! Lade uns nicht jene Last auf, die Du unseren Vorfahren auferlegt hast. Unser Erhalter! Bürde uns nicht auf, was zu tragen wir nicht die Kraft haben! Sei uns gegenüber gütig, vergib uns und erbarme Dich unser. Du bist unser Herr. So hilf uns gegen die Ungläubigen. (Al-Baqara: 286)

Es ist zu beachten, dass dieses Gebet in einer Zeit gelehrt wurde, als der Konflikt zwischen Islam und Unglauben in Mekka seinen Höhepunkt erreicht hatte. Es gab keinen Ort, an dem ein Diener Gottes begonnen hätte, dem religiösen Recht zu folgen, ohne dass auf der Erde eine bedrückende Lage für ihn geschaffen worden wäre. In dieser Situation wurde den Muslimen gelehrt, auf diese Weise zu ihrem Herrn zu beten. Es versteht sich von selbst, dass, wenn der Geber selbst die Art und Weise des Bittens vorgibt, dadurch ganz von allein auch die Gewissheit des Erhaltens entsteht. Deshalb brachte dieses Gebet den Muslimen damals eine außerordentliche seelische Beruhigung; darüber hinaus wurde ihnen darin beiläufig auch gelehrt, ihre Gefühle nicht in eine unerwünschte Richtung strömen zu lassen, sondern sie ganz in die Form dieses Gebets zu gießen. Auf der einen Seite sehen Sie jene herzzerreißende Unterdrückung und Verfolgung, die ihnen allein wegen ihres Festhaltens an der Wahrheit und ihrer Wahrhaftigkeit zugefügt wurde, und auf der anderen Seite betrachten Sie dieses Gebet, in dem sich nicht die geringste Spur von Verbitterung gegenüber den Feinden findet. Auf der einen Seite sehen Sie die körperliche Misshandlung und den finanziellen Schaden, deren Opfer sie geworden waren, und auf der anderen Seite ein Gebet, in dem nicht das geringste Verlangen nach der Erreichung irgendeines weltlichen Vorteils enthalten ist. Auf der einen Seite sehen Sie die äußerste Notlage jener Wahrheitsliebenden und Wahrhaftigen, und auf der anderen Seite jene erhabenen und reinen Gefühle, von denen dieses Gebet erfüllt ist. Erst aus dieser vergleichenden Prüfung und Betrachtung kann man richtig verstehen, welcher Art die moralische und geistige Erziehung war, die den gläubigen Muslimen damals zuteilwurde.

Ein weiterer Aspekt der Miʿrādsch

Im Zusammenhang mit dieser Darstellung ist es angebracht, den Lesern noch einen weiteren Aspekt der Miʿrādsch vor Augen zu führen, durch den sich Antworten auf viele Fragen ergeben werden, die beim Studium der verschiedenen Ereignisse und Einzelheiten der Miʿrādsch im Herzen aufkommen.

Die erste Begegnung des Propheten (s.) mit Dschibril (a.) über der Erde

Im Koran wird in der Sure an-Nadschm an erster Stelle die Begegnung des Propheten (s.) mit Dschibril (a.) erwähnt, als dieser (Dschibril) in seiner wahren Gestalt am Horizont gesehen wurde. Dann kam er, sich immer weiter nähernd, so nahe, dass zwischen dem Propheten (s.) und ihm nur noch der Abstand von zwei Bögen oder sogar weniger blieb. Zu jener Zeit überbrachte er die Offenbarung von Allah, dem Erhabenen. Nach dieser Erwähnung wird verkündet:

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Das Auge log nicht über das, was es sah. Wollt ihr nun mit ihm über das streiten, was er mit eigenen Augen sieht? (Sure an-Nadschm: 11–12)

Das heißt: Sein Herz sagte angesichts dessen, was der Prophet Muhammad (s) bei hellem Tageslicht und mit offenen Augen im vollkommen wachen Zustand wahrnahm, nicht: „Das ist nur eine Täuschung der Wahrnehmung. Oder das, was man sieht, ist ein Dschinn oder ein Satan. Oder es ist eine eingebildete Gestalt, die vor mir erschienen ist. Oder ich träume im wachen Zustand.“ Nein, keineswegs. Vielmehr nahm sein Herz genau das wahr, was seine Augen sahen. Er hegte nicht den geringsten Zweifel daran, dass es in Wirklichkeit Dschibril (a) war und dass die Botschaft, die er überbracht hatte, eine Offenbarung von Allah war.

Der Grund dafür, dass der Prophet nach einer solchen außergewöhnlichen Wahrnehmung keinen Zweifel empfand

Hier stellt sich die Frage: Wie ist es möglich, dass im Herzen des heiligen Propheten (s) angesichts einer derart neuartigen und außergewöhnlichen Wahrnehmung keinerlei Zweifel aufkam und er fest davon überzeugt war, dass das, was seine Augen gesehen hatten, tatsächlich wahr und keine eingebildete, formlosen Erscheinung und auch kein Dschinn oder Satan war? Was war der Grund dafür? Wenn wir über diese Frage nachdenken, können wir fünf Gründe erkennen.

Der erste Grund ist, dass die äußeren Umstände, unter denen diese Wahrnehmung stattfand, ihre Wahrhaftigkeit bestätigen. Die Wahrnehmung des Gesandten Allahs (s) erfolgte weder in der Dunkelheit der Nacht noch während der Murāqaba, im Traum oder in einem halbwachen Zustand. Vielmehr hatte sich das helle Licht des Morgens ausgebreitet. Der Prophet (s) war vollkommen wach. Mit eigenen Augen sah er diese Erscheinung am offenen, klaren Himmel bei vollem Tageslicht genau so, wie ein Mensch die anderen Erscheinungen dieser Welt wahrnimmt. Wenn darin überhaupt Raum für Zweifel wäre, dann müsste auch alles, was wir bei Tage sehen – das Meer, die Berge, die Menschen, die Häuser und alles andere –, zweifelhaft und eine Täuschung der Wahrnehmung sein können.

Der zweite Grund ist, dass auch der innere Zustand des heiligen Propheten (s) die Wahrhaftigkeit bestätigte. Er war vollkommen bei Bewusstsein. Zuvor hatte er keinerlei Vorstellung davon, dass eine solche Wahrnehmung eintreten sollte oder bevorstand. Sein Geist war von all diesen Gedanken und Nachforschungen völlig frei. In diesem Zustand ereignete sich das Geschehen plötzlich vor ihm. Daher bestand keinerlei Anlass zu dem Zweifel, dass seine Augen keine wirkliche Erscheinung sahen, sondern dass eine eingebildete Gestalt vor ihm aufgetaucht war.

Der dritte Grund ist, dass das Wesen, das in diesem Zustand vor dem Propheten erschien, so erhaben, würdevoll, schön und lichtstrahlend war, dass er zuvor niemals eine Vorstellung von einem solchen Wesen in seinem Herzen gehegt hatte. Andernfalls hätte er meinen können, diese Erscheinung sei aus seiner eigenen Vorstellung und Einbildung hervorgegangen. Auch ein Dschinn oder Satan konnte nicht von einer solchen Würde sein, dass er ihn für etwas anderes als einen Engel hätte halten können.

In der Überlieferung von Hadhrat Abdullah ibn Masʿud (ra) heißt es, dass der Gesandte Allahs (s) sagte: „Ich sah Dschibril (a) in einer Gestalt, in der er zweihundert Flügel hatte.“ (Musnad Ahmad.) In einer anderen Überlieferung erklärt Ibn Masʿud (ra) weiter, dass jeder einzelne Flügel Dschibrils (a) so gewaltig und riesig war, dass es schien, als bedecke er den gesamten oberen Himmel. (Musnad Ahmad.)

Der vierte Grund ist, dass auch die Lehre, die jene Wesenheit vermittelte, die Wahrhaftigkeit dieser Wahrnehmung bestätigte. Durch sie erlangte er plötzlich Erkenntnisse über die tatsächliche Beschaffenheit der gesamten Weltordnung, von denen er zuvor keinerlei Vorstellung gehabt hatte, sodass er hätte vermuten können, es handle sich lediglich um Gedanken und Vorstellungen, die vor ihm Gestalt angenommen hätten. Ebenso bestand keinerlei Anlass zu dem Verdacht, der Satan täusche ihn, indem er diese Gestalt angenommen habe. Denn so etwas konnte unmöglich das Werk des Satans sein: Wann hätte er je dazu beigetragen, die Menschen gegen Schirk und Götzendienst aufzurufen und sie die reine Lehre des Tauhid zu lehren? Wann hätte er sie vor der Abrechnung im Jenseits gewarnt? Wann hätte er sie gegen die Dschahiliya und ihre Bräuche und Verfahrensweisen aufgebracht? Wann hätte er sie zur Erlangung moralischer Größe aufgerufen? Und wann hätte er einem Menschen gesagt: Du sollst dies nicht nur selbst annehmen, sondern dich an seine Stelle stellen und Tauhid, Gerechtigkeit, Taqwa und Wohlergehen aufrichten?

Der fünfte und wichtigste Grund ist, dass Allah Taala, wenn Er einen Menschen zum Prophetentum erwählt, dessen Herz von allen Zweifeln, Bedenken und Einflüsterungen befreit und darin feste Gewissheit und Vertrauen schafft. In diesem Zustand kann in seinem Herzen nicht der geringste Zweifel an der Wahrheit dessen entstehen, was seine Augen sehen und seine Ohren hören. Mit vollkommenem Vertrauen nimmt er jede Wahrheit an, die ihm von seinem Rabb offenbart wird. Dies kann in Form einer Wahrnehmung geschehen, die ihm mit eigenen Augen gezeigt wird, oder in Form islamischen Wissens, das ihm Wort für Wort vermittelt wird. In all diesen Fällen empfindet der Prophet mit völliger Gewissheit, dass auch seine prophetische Wahrnehmung, ebenso wie alle von Allah verliehenen Empfindungen, eine derart sichere Wirklichkeit ist, dass darin keinerlei Raum für Irrtum oder Missverständnis besteht. So wie das Empfinden des Fisches, ein schwimmender Fisch zu sein, das Empfinden des Vogels, ein Vogel zu sein, und das Empfinden des Menschen, ein Mensch zu sein, unmittelbar von Allah verliehen sind und keinerlei Raum für Irrtum oder Missverständnis lassen, so ist auch das Empfinden des Propheten, selbst ein Prophet zu sein, von Allah verliehen. Der schlechte Gedanke, in seinem Herzen könne hinsichtlich seines Prophetentums eine falsche Vorstellung entstanden sein, kann nicht einmal für einen Augenblick in seinem Herzen Raum finden.

Die zweite Begegnung mit Dschibril (a. s.) bei Sidrat al-Muntaha

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Und ein weiteres Mal sah er ihn bei Sidrat al-Muntaha herabkommen, in dessen Nähe sich Dschannat al-Maʾwa befindet. Damals bedeckte den Sidra, was immer ihn bedeckte. Der Blick wich nicht aus und überschritt nicht die Grenze. Und er sah eines der größten Zeichen seines Rabb. (An-Nadschm: 13–18)

Hier wird die zweite Begegnung des Propheten (s. a. s.) mit Dschibril (a. s.) erwähnt, bei der dieser vor dem Propheten in seiner wahren Gestalt erschien. Als Ort dieser Begegnung wird Sidrat al-Muntaha genannt. Zugleich wird gesagt, dass sich in seiner Nähe Dschannat al-Maʾwa befindet.

Sidrat al-Muntaha

Sidra bezeichnet in der arabischen Sprache den Lote-Baum. „Muntaha“ bedeutet das äußerste Ende. Die wörtliche Bedeutung von „Sidrat al-Muntaha“ ist somit: der Lote-Baum, der sich am äußersten Ende befindet. Allama Alusi hat dies in seinem Tafsir Ruh al-Maʿani folgendermaßen erklärt:

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Hier endet das Wissen aller Wissenden. Was danach kommt, weiß niemand außer Allah. Eine nahezu gleichlautende Erklärung geben Ibn Dscharir in seinem Tafsir und Ibn Athir in „An-Nihaya fi Gharib al-Hadith wal-Athar“. Für uns ist es äußerst schwierig zu sagen, wie jener Sidra-Baum an der äußersten Grenze der materiellen Welt beschaffen ist und wie seine eigentliche Gestalt und sein Zustand aussehen. Dies ist ein solches Geheimnis der Schöpfung Allahs, dass es uns in keiner Weise begreiflich ist. Jedenfalls ist er ein Wesen, für das es in der menschlichen Sprache vielleicht kein geeigneteres Wort als Sidra oder Lotosbaum gab, das Allah näher wäre.

Dschannat al-Maʾwa

Die wörtliche Bedeutung von Dschannat al-Maʾwa ist ein Paradies, das zum Wohnen geeignet ist. Hasan al-Basri (r) sagt, dies sei jenes Paradies, das im Jenseits für die Gläubigen und Gottesfürchtigen bestimmt ist. Aus diesem Vers leitet er als Beweis ab, dass sich dieses Paradies im Himmel befindet. Qatada sagt, es sei jenes Paradies, in dem die Seelen der Märtyrer aufbewahrt werden. Es bezeichnet nicht das Paradies, das im Jenseits erlangt werden wird. Auch Ibn Abbas vertritt diese Ansicht und fügt hinzu, dass sich das Paradies, das den Gläubigen im Jenseits gegeben wird, nicht im Himmel befindet, sondern auf dieser Erde.

Die Selbstbeherrschung und Geduld des Propheten (s)

Danach wird zum Lob des heiligen Propheten (s) gesagt, dass sein Blick nach jener Erscheinung weder geblendet wurde noch die Grenze überschritt. Das bedeutet: Einerseits war seine äußerste Standhaftigkeit von solcher Art, dass ein derart überwältigender Lichtstrom seine Sehkraft nicht blendete; andererseits war seine Konzentration so groß, dass er seinen Geist und seinen Blick auf genau den Zweck richtete, zu dem er gerufen worden war. Um die wunderbare Szene zu betrachten, die dort gegenwärtig war, begann er nicht wie ein Zuschauer bei einem Schauspiel, nach allen Seiten zu blicken. Man kann dies damit vergleichen, dass jemand die Gelegenheit erhält, am Hof eines mächtigen und einflussreichen Königs zu erscheinen und dort eine solche Pracht und einen solchen Prunk sieht, wie er sie sich niemals hätte vorstellen können. Wenn er nun ein Mensch niedriger Herkunft ist, wird er beim Eintreffen dort völlig ratlos und bestürzt sein. Wenn er mit den Umgangsformen am Hof nicht vertraut ist, wird er sich umdrehen und nach allen Seiten schauen, um die Ausstattung und die Szenerie des Hofes zu betrachten. Ein vornehmer, kultivierter, höfischer und verantwortungsbewusster Mensch hingegen wird dort weder bestürzt sein noch sich damit beschäftigen, die Ausstattung und den Prunk des Hofes anzuschauen. Vielmehr wird er mit größter Würde vor ihm erscheinen und seine gesamte Aufmerksamkeit auf den Zweck richten, zu dem er an den königlichen Hof gerufen wurde. Genau diese Eigenschaft des heiligen Propheten (s) wird in diesem Vers gelobt.

Hatte der Prophet (s) Allah gesehen?

Im letzten Vers heißt es, dass er die großen Zeichen seines Herrn gesehen hat.

Dieser Vers legt dar, dass der Gesandte Allahs (s) nicht Allah, sondern Seine gewaltigen Zeichen gesehen hatte. Da sich aus dem Zusammenhang ergibt, dass auch diese zweite Begegnung mit jenem Wesen stattgefunden hatte, mit dem die erste Begegnung stattgefunden hatte, muss man unbedingt anerkennen, dass auch derjenige, den er beim ersten Mal oben im freien Raum gesehen hatte und der, während er sich näherte, so nahe kam, dass zwischen ihnen nur die Entfernung von zwei Bögen oder sogar weniger blieb, nicht Allah war. Wenn er Allah, den Erhabenen, bei einem dieser beiden Ereignisse gesehen hätte, wäre dies ein derart bedeutendes Geschehen gewesen, dass es gewiss ausdrücklich erläutert worden wäre. Über den Propheten Moses (a) wird im Koran gesagt, dass er darum bat, Allah sehen zu dürfen. Darauf wurde ihm eindeutig geantwortet: ****************** „Du kannst Mich nicht sehen“ (Al-A’raf: 143). Nun wurde dem Propheten Moses (a) dieser Rang nicht gewährt; wenn er jedoch dem Propheten Muhammad (s) gewährt worden wäre, wäre dies seiner Bedeutung entsprechend in klaren Worten mitgeteilt worden. Doch wir sehen, dass im Koran nirgends gesagt wird, der Prophet (s) habe seinen Herrn gesehen. Vielmehr wird bei der Erwähnung des Ereignisses der Mi’raj in der Sure Bani Isra’il gesagt: „Wir führten Unseren Diener fort, damit Wir ihm Unsere Zeichen zeigten“ (***********************************); und auch hinsichtlich seines Eintreffens am Sidrat al-Muntaha heißt es: „Er sah die gewaltigen Zeichen seines Herrn.“

(**************************************)

Aus all diesen Gründen besteht scheinbar kein Anlass zu der Auseinandersetzung, ob der Gesandte Allahs (s) bei diesen beiden Gelegenheiten Allah oder den ehrenwerten Dschibril (a) gesehen hatte. Der Grund, weshalb diese Auseinandersetzung dennoch entstanden ist, liegt darin, dass sich in den Hadith-Werken unterschiedliche Auffassungen zu diesem Thema finden. Im Folgenden führen wir der Reihe nach jene Hadithe an, die hierzu von verschiedenen ehrwürdigen Gefährten überliefert worden sind.

Überlieferung von Aischa (r)

In Sahih al-Bukhari, im Buch der Koranauslegung, findet sich die Überlieferung von Masruq. Er berichtet: Ich fragte Aischa (r): „Mutter der Gläubigen, hatte Muhammad (s) seinen Herrn gesehen?“

Sie sagte: „Bei deinen Worten sträubten sich mir die Haare. Wie konntest du vergessen, dass es drei Dinge gibt, bei denen jeder, der eine solche Behauptung aufstellt, eine Lüge sagt?“

Aischa (r) sagte: „Das erste ist: Wenn jemand dir sagt, Muhammad (s) habe seinen Herrn gesehen, dann sagt er eine Lüge.“ Darauf rezitierte Aischa diesen Vers: ********************** „Kein Blick kann Ihn erfassen.“ Dann rezitierte sie diesen Vers.

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Keinem Menschen steht es zu, dass Allah mit ihm spricht, außer durch Offenbarung oder hinter einem Vorhang oder indem Er einen Engel entsendet, der ihm mit Allahs Erlaubnis offenbart, was immer Er will.

Dann sagt ʿĀʾischa (r): Der Gesandte Allahs (s) hat jedoch Dschibrīl (a) zweimal in seiner wirklichen Gestalt gesehen.

Ein Teil dieses Hadiths ist bei al-Buchārī, im vierten Kapitel des Kitāb at-Tauḥīd, überliefert. Und in der Überlieferung von Masrūq, die Imām al-Buchārī anführt, heißt es, dass ich, nachdem ich dies von ʿĀʾischa (r) gehört hatte, fragte: Was bedeutet dann diese Aussage Allahs des Erhabenen?

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Sie antwortete: Damit ist Dschibrīl (a) gemeint. Er pflegte stets in Menschengestalt vor dem Gesandten Allahs (s) zu erscheinen. Bei dieser Gelegenheit jedoch kam er in seiner wirklichen Gestalt zum Gesandten Allahs (s), und er erfüllte den gesamten Raum.

Bei Muslim, im Kapitel über die Begegnung mit Sidrat al-Muntahā im Kitāb al-Īmān, ist dieses Gespräch zwischen ʿĀʾischa (r) und Masrūq ausführlich überliefert. Der wichtigste Teil davon ist, dass ʿĀʾischa (r) sagt: Wer behauptet, Muhammad (s) habe seinen Herrn gesehen, der erhebt eine ungeheuerliche Anschuldigung gegen Allah.

Masrūq sagt: Ich hatte mich angelehnt hingesetzt. Als ich dies hörte, richtete ich mich auf, setzte mich gerade hin und sagte: O Mutter der Gläubigen, seien Sie nicht voreilig. Hat Allah, der Erhabene, nicht gesagt:

********************************* und *******************************

Hazrat Aischa sagt darauf: Unter den Angehörigen dieser Umma war ich die Erste, die den Gesandten Allahs (s) hierzu befragte. Er sagte:

„Es war Jibril (a). Außer zweimal habe ich ihn niemals in seiner ursprünglichen Gestalt gesehen, in der Allah ihn erschaffen hat. Bei diesen beiden Gelegenheiten sah ich ihn vom Himmel herabsteigen; seine gewaltige Gestalt erfüllte den weiten Raum zwischen Himmel und Erde.“

Ibn Marduyah überliefert Masruqs Bericht mit folgenden Worten:

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Hazrat Aischa (r.a.) sagt: Als Erste fragte ich den Gesandten Allahs (s): „Hast du deinen Herrn gesehen?“

Der Prophet (s) antwortete: „Nein, ich sah Jibril (a) vom Himmel herabsteigen.“

Der Bericht von Hazrat Abdullah ibn Masud (r.a.)

In dem von Zirr ibn Hubaisch überlieferten Bericht bei Buchari, Kitab at-Tafsir, Muslim, Kitab al-Iman, und Tirmidhi, Abwab at-Tafsir, heißt es, dass Hazrat Abdullah ibn Masud (r.a.) zu ************************ folgende Auslegung überliefert hat:

Rasulullah (s) sah Jibril (a) in dieser Gestalt: Er hatte sechshundert Flügel. In einer zweiten Überlieferung von Muslim heißt es:

******************************************************

Eine Erläuterung in gleicher Art überlieferte auch Zir ibn Hubaisch von dem ehrwürdigen Abdullah ibn Masud (ra).

Im Musnad Ahmad wurde diese Erläuterung von Ibn Masud (ra) nicht nur durch Zir ibn Hubaisch, sondern auch durch Abd ar-Rahman ibn Yazid und Abu Wa’il überliefert. Außerdem wurden im Musnad Ahmad zwei weitere Überlieferungen von Zir ibn Hubaisch angeführt, in denen Abdullah ibn Masud (ra)

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bei der Überlieferung seiner Erläuterung sagt:

************************************************

—Das heißt, Rasulullah (s) sagte: Ich sah Jibril nahe der Sidrat al-Muntaha. Er hatte sechshundert Flügel.

Auch Imam Ahmad überlieferte diese Aussage von Schaqiq ibn Salama. Darin sagt er: Ich hörte dies aus dem Mund von Abdullah ibn Masʿud (r.a.). Er berichtet, dass der Gesandte Allahs (s.a.s.) sagte: „Ich sah Dschibril (a.s.) in dieser Gestalt bei Sidrat al-Muntaha.“

Überlieferung von Hazrat Abu Huraira (r.a.)

Von ʿAta ibn Rabah über Hazrat Abu Huraira (r.a.): *******************************

-Als er nach der Bedeutung dessen gefragt wurde, antwortete er: ************************************************

-Der Hochverehrte (s.a.s.) hatte Dschibril (a.s.) gesehen (Muslim – Kitab al-Iman).

Überlieferung von Hazrat Abu Dharr (r.a.)

Imam Muslim überlieferte im Kitab al-Iman von Hazrat Abu Dharr al-Ghifari (r.a.) zwei Überlieferungen von Abdullah ibn Schaqiq. In einer Überlieferung sagt er: Ich fragte den Gesandten Allahs (s.a.s.): „Hast du deinen Herrn gesehen?“ Der Hochverehrte (s.a.s.) antwortete:

************************ In der zweiten Überlieferung sagt er: Auf meine Frage gab er diese Antwort:

*************************** Die Bedeutung der ersten Aussage des Huzur (s) hat Ibn al-Qayyim in seinem Zad al-Maʿad folgendermaßen erläutert: Zwischen meiner Schau meines Herrn und mir befand sich das Licht als Hindernis. Die Bedeutung der zweiten Aussage erläutert er folgendermaßen: Ich habe meinen Herrn nicht gesehen, sondern lediglich ein Licht gesehen.

An-Nasa’i und Ibn Abi Hatim überlieferten die Aussage von Hazrat Abu Dharr al-Ghifari (ra) mit folgenden Worten: Der Gesandte Allahs (s) sah seinen Herrn mit dem Herzen, nicht mit den Augen.

Die Überlieferung von Hazrat Abu Musa al-Asch’ari (ra)

Muslim überlieferte im Kitab al-Iman von Hazrat Abu Musa al-Asch’ari (ra), dass der Huzur (s) sagte: ***************************** Von keinem der erschaffenen Wesen Allahs hat der Blick Ihn erreicht.

Die Überlieferung von Hazrat Abdullah ibn Abbas (ra)

Bei Muslim wird überliefert, dass Hazrat Abdullah ibn Abbas (ra) gefragt wurde: ********************* und ************************

Was ist die Bedeutung dieser beiden Verse?

Er antwortete: Der Gesandte Allahs (s) sah seinen Herrn zweimal mit den Augen des Herzens. Diese Überlieferung findet sich auch im Musnad von Ahmad.

Ibn Marduyah zitiert über Ata ibn Abi Rabah folgende Aussage von Ibn Abbas (ra): Der Prophet (s) hat Allah, den Erhabenen, nicht mit den Augen gesehen, sondern mit dem Herzen.

Bei an-Nasa’i wird über Ikrima überliefert, dass Ibn Abbas (ra) sagte:

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Wundert ihr euch etwa darüber, dass Allah, der Erhabene, Ibrahim (a) zu Seinem Freund gemacht, mit Musa (a) gesprochen und Muhammad (s) die Ehre der Schauung verliehen hat?

Al-Hakim überlieferte diese Aussage und erklärte sie für authentisch.

In einer Überlieferung von asch-Schaʿbi bei at-Tirmidhi heißt es, dass Ibn Abbas (ra) in einer Versammlung sagte: Allah teilte Seine Schauung und Sein Gespräch zwischen Muhammad (s) und Musa (a) auf. Mit Musa (a) sprach Er zweimal, und Muhammad (s) sah Ihn zweimal.

Nachdem Masruq diese Aussage von Ibn Abbas (ra) gehört hatte, ging er zu Aischa (ra) und fragte: Hat Muhammad (s) seinen Herrn gesehen?

Sie sagte: Bei deinen Worten bekam ich eine Gänsehaut.

Das Gespräch, das anschließend zwischen Hazrat Aischa (r.a.) und Masruq stattfand, haben wir oben in der Überlieferung von Hazrat Aischa (r.a.) erwähnt.

In der zweiten von Ibn Abbas (r.a.) überlieferten Überlieferung, die ebenfalls in at-Tirmidhi angeführt wird, sagt er an einer Stelle, dass der Hochgeehrte (s.a.w.) Allah gesehen habe. An zweiter Stelle sagt er, dass er Ihn zweimal gesehen habe. An dritter Stelle sagt er, dass er Allah mit dem Herzen gesehen habe.

Im Musnad von Ahmad findet sich eine derartige Überlieferung von Ibn Abbas (r.a.):

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Ich habe meinen erhabenen Herrn, Allah den Erhabenen, gesehen; in der zweiten Überlieferung sagt er:

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Der Gesandte Allahs (s.a.w.) sagte: Heute Nacht kam mein Herr in einer äußerst schönen Gestalt zu mir. Ich denke, dass der Hochgeehrte (s.a.w.) mit dieser Aussage meinte, dass er Allah den Erhabenen im Traum gesehen hatte.

At-Tabarani und Ibn Mardawaih haben ebenfalls von Ibn Abbas (r.a.) eine derartige Überlieferung angeführt, wonach der Gesandte Allahs (s.a.w.) seinen Herrn zweimal gesehen habe: einmal mit den Augen und ein zweites Mal mit dem Herzen.

Überlieferung von Muhammad ibn Kaʿb al-Qurazi

Muhammad ibn Kaʿb al-Qurazi berichtet: Einige Gefährten des Gesandten Allahs (s) fragten ihn: „Hast du deinen Herrn gesehen?“ Der Prophet (s) antwortete: „Ich habe Ihn zweimal mit meinem Herzen gesehen“ (Ibn Hatim). Ibn Jarir überliefert diese Aussage mit den Worten: „Ich habe Ihn zweimal mit meinem Herzen gesehen, nicht mit meinen Augen.“

Überlieferung von Anas (r.a.)

Eine Überlieferung von Anas ibn Malik, die Imam Buchari im Kitab at-Tauhid über Scharik ibn Abdullah im Zusammenhang mit der Himmelfahrt überliefert hat, lautet wie folgt:

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– Das heißt: Als er Sidrat al-Muntaha erreichte, kam Allah, der Herr der Herrlichkeit, ihm nahe und hing über ihm. Schließlich blieb zwischen ihm und Allah ein Abstand von zwei Bogenlängen oder noch weniger. Zu den Offenbarungen, die Allah ihm zuteilwerden ließ, gehörte auch das Gebot der fünfzig Gebete.

Der wesentliche Einwand gegen all die Entschuldigungen und Einwände, die Imam al-Chattabi, Hafiz Ibn Hadschar, Ibn Hazm und Hafiz Abd al-Haqq hinsichtlich der Überlieferungskette und des Inhalts dieser Überlieferung vorgebracht haben, besteht darin, dass sie eindeutig dem Koran widerspricht. Denn der Koran erwähnt zwei verschiedene Visionen. Die eine ereignet sich zunächst am höchsten Horizont; dann nähert Er sich immer weiter, bis Er so nahe kommt, dass zwischen dem Propheten (s) und Ihm der Abstand von zwei Bogenlängen oder noch weniger bleibt. Dies geschieht zuerst. Das zweite Ereignis findet in der Nähe von Sidrat al-Muntaha statt. Diese Überlieferung jedoch hat die beiden Visionen miteinander verbunden und zu einer einzigen gemacht. Daher kann sie wegen ihres Widerspruchs zum Koran keinesfalls akzeptiert werden.

Nun bleiben noch jene Überlieferungen, die wir oben angeführt haben. Unter ihnen ist jedoch die wichtigste diejenige, die von Abdullah ibn Masud (r.a.) und Aischa (r.a.) überliefert wurde, denn beide überliefern übereinstimmend die Aussage des Gesandten Allahs (s), dass er in beiden Situationen Allah nicht gesehen habe, sondern den Engel Gabriel (a.). Diese Überlieferungen stimmen vollständig mit der Erklärung und den Andeutungen des Korans überein. Darüber hinaus werden sie auch durch jene Aussagen des Propheten (s) gestützt, die in den von Abu Dharr al-Gifari (r.a.) und Abu Musa al-Aschari (r.a.) überlieferten Berichten enthalten sind. Im Gegensatz dazu findet sich in den Überlieferungen von Abdullah ibn Abbas (r.a.), die in den Hadith-Werken angeführt werden, eine erhebliche Unstimmigkeit. In einigen erklärt er beide Visionen als ein Sehen mit den Augen, in anderen beide als ein Sehen mit dem Herzen. In einer Überlieferung bezeichnet er die eine als Sehen mit den Augen und die andere als Sehen mit dem Herzen. In einer weiteren Überlieferung wird dieselbe Aussage wiederholt: die eine sei ein Sehen mit den Augen und die andere ein Sehen mit dem Herzen. In manchen Überlieferungen leugnet er das Sehen mit den Augen gänzlich. Keine dieser Überlieferungen führt jedoch eine eigene Aussage des Gesandten Allahs (s) an. Wo er tatsächlich ein Wort des Propheten (s) überliefert, wird erstens keine der beiden im Koran erwähnten Visionen genannt. Außerdem lässt sich aus der Erklärung einer seiner Überlieferungen durch eine andere lediglich entnehmen, dass der Prophet (s) Allah, den Erhabenen, nicht im Wachzustand, sondern im Traum gesehen habe. Daher kann man sich bei der Auslegung dieser Verse nicht auf die Überlieferungen von Abdullah ibn Abbas (r.a.) stützen. Ebenso überliefert Muhammad ibn Kaʿb al-Qurazi zwar eine Aussage des Gesandten Allahs (s), doch werden darin die Namen jener edlen Gefährten nicht genannt, die diese Worte vom Propheten (s) gehört haben. Außerdem wird in einer seiner Überlieferungen gesagt, dass der Prophet (s) ein Sehen mit den Augen gänzlich verneint habe.

Zwölftes Kapitel

Die letzten drei Jahre der mekkanischen Zeit

Zuvor haben wir die Reise des Huzur (s) nach Ta’if erwähnt, die sich im zehnten Jahr der Berufung zum Propheten ereignete. Aufgrund dieser Erfahrung erkannte der Prophet (s), dass vonseiten der Quraisch keinerlei Wohlwollen zu erwarten war; ebenso wenig war dies von den Banū Thaqīf zu erwarten. Sie waren nicht nur nicht bereit, seine Einladung anzunehmen, sondern auch nicht, sie zu dulden. Im Gegenteil: Die Misshandlungen und Drangsalierungen, denen er in Ta’if ausgesetzt gewesen war, hatte man ihm während des zehn Jahre langen Konflikts in Mekka nicht ein einziges Mal zugefügt. Nachdem er somit die Hoffnung auf die Bewohner Mekkas und Ta’ifs aufgegeben hatte, wandte er sich den übrigen Stämmen Arabiens zu, die sich auf den Jahrmärkten von Ukāẓ, Majanna und Dhū l-Majāz sowie während der Haddsch in Mina versammelten. Zwar hatte er sich bereits zuvor, um die allgemeine Einladung auszusprechen, bei diesen Versammlungen zu den Lagern jedes einzelnen Stammes begeben. Damals bestand sein Ziel jedoch ausschließlich darin, zur Einladung zu Allah aufzurufen. Nun begann er zusätzlich zu dieser Einladung auch Folgendes zu sagen: »Nehmt mich in euren Schutz und unterstützt mich, damit ich die Botschaft meines Herrn den Menschen übermitteln kann.«

An diesen Orten blieben Abū Dschahl, Abū Lahab und die anderen Satane der Quraisch dem Huzur (s) auf den Fersen und warnten die Stämme davor, ihm zuzuhören. Andernfalls würden sie irregehen. Oft bewarfen diese üblen Menschen den Propheten (s) sogar mit Steinen. Manche warfen auch mit Erde. Doch trotz alledem setzte der Huzur (s) sein Werk fort. Wenn außerdem ein angesehener Mann von außerhalb Mekkas zum Zweck der Umra, des Besuchs oder des Handels kam, traf er sich ebenfalls mit ihm und unterbreitete ihm die Einladung zur Religion. Zugleich sagte er: »Helft mir bei dieser Arbeit der Verkündigung der Wahrheit und nehmt mich mit in eure Gebiete.«

Die Stämme, mit denen er zusammentraf

Der Huzur (s) begab sich zu den meisten Stämmen, um ihnen seine Einladung zu übermitteln. Aus der Liste ist ersichtlich, dass es vom östlichen bis zum westlichen und vom südlichen bis zum nördlichen Rand Arabiens keinen einflussreichen und mächtigen Stamm gab, zu dem er nicht Verbindung aufgenommen hätte. Zu den bedeutendsten unter ihnen gehörten die folgenden:

1. Kinda – ein großer Stamm Südarabiens. Sein Gebiet erstreckte sich von Hadramaut bis zum Jemen.

2. Kalb – ein Zweig der Quḍāʿa. Ihr Gebiet erstreckte sich von »Dūmat al-Dschandal« im Norden Arabiens bis nach Tabūk.

3. Banū Bakr ibn Wāʾil – Sie gehörten zu den großen kriegerischen Stämmen Arabiens.

Die Gebiete der arabischen Stämme zur Zeit des Gesandten

Ihre Zweige erstreckten sich von Zentralarabien bis zum östlichen Rand. Im Jahr 330 n. Chr. geriet dieser Stamm erstmals mit dem persischen Reich in einen Konflikt. Später, zur Zeit des Propheten, kam es erneut zu einem Krieg mit Persien, in dem Persien eine Niederlage erlitt. In der Geschichte ist dieser Krieg als die „Schlacht von Dhi Qar“ bekannt.

4. Banū al-Bakka – ein Zweig der Banū ʿĀmir ibn Ṣaʿṣaʿa. Sie lebten am Weg zwischen Mekka und der Grenze zum Irak.

5. Thaʿlaba ibn ʿUqāba – ein Zweig der Banū Thaʿlaba ibn ʿUqāba.

6. Banū Shaybān ibn Thaʿlaba – ein Zweig der Banū Thaʿlaba ibn ʿUqāba.

7. Banū al-Ḥārith ibn Kaʿb – ein Zweig der Banū Tamīm.

8. Banū Ḥanīfa – Dies war ein Zweig der Banū Bakr ibn Wāʾil, der in al-Yamāma lebte. Musaylima al-Kadhdhāb gehörte diesem Stamm an. Während der Zeit von Ḥazrat Abū Bakr (r.a.) erhob sich im Zuge der Abtrünnigkeit eine Fitna, in der gerade dieser Stamm einen erbitterten Krieg gegen die Muslime führte. Er gehörte zu den bekannten kriegerischen Stämmen Arabiens.

9. Banū Sulaym – dies war einer der großen Stämme der Qays ʿAylān. Ihr Wohngebiet lag in der Hochregion des Nadschd nahe Chaibar. Sie waren bis Wādī al-Qurā und Taymāʾ verbreitet.

10. Banū ʿĀmir ibn Ṣaʿṣaʿa – ein Zweig der Hawāzin. Die Hawāzin gehörten zu den Qays ʿAylān. Sie lebten im Nadschd und gelangten später auch in einen Teil von Tāʾif. Im Sommer verbrachten sie ihre Zeit in Tāʾif und im Winter im Nadschd.

11. Banū ʿAbs – ein großer Unterstamm der Banū Ġaṭafān, eines Zweigs der ʿAylān. Sie lebten im Nadschd und waren kriegerisch. In der vorislamischen Zeit führten sie lange Kriege gegen andere Stämme. Unter diesen waren die Kriege von Dāḥis und al-Ġabrāʾ in der Geschichte berühmt.

12. Banū ʿUḏra – ein Zweig der Banū ʿAbdullāh ibn Ġaṭafān.

13. Ġassān – ein großer Stamm aus Südarabien, der sich im nördlichen Arabien niederließ. Unter ihnen gab es verschiedene Stämme, darunter Christen und Götzendiener. Unter der Herrschaft des Römischen Reiches besaßen die Ġassāniden auch einen eigenen Staat.

14. Fazāra – ein großer Stamm unter den Unterstämmen der Ġaṭafān. Sie lebten im Nadschd und in Wādī al-Qurā.

15. Banū ʿAbdullāh – einer der Unterstämme der Kalb.

16. Banū Muḥārib ibn Ḫaṣāma – einer der adnanitischen Stämme.

Hier werden unter den zahlreichen Stämmen nur einige erwähnt, mit denen der Prophet (s) zusammentraf und denen er die Daʿwa vortrug. Diese kurze Auflistung wird deshalb angeführt, weil der Prophet (s) in dieser Phase seiner Daʿwa gezielt solche Stämme aufsuchte, die aufgrund ihrer Anzahl, ihres Ansehens, ihrer allgemeinen Stärke und ihrer Beziehungen zu anderen Stämmen eine derartige Stellung besaßen, dass zu hoffen war: Wenn auch nur einer dieser Stämme seine Botschaft annähme und sich für die islamische Daʿwa entschlossen einsetzte, könnte die Religion dadurch beträchtlich an Stärke gewinnen.

Berichte über die Begegnungen mit den Stämmen

Bei seinen Begegnungen mit den arabischen Stämmen musste der Gesandte Allahs (s) auf verschiedene Arten von Menschen treffen. Musa ibn ʿUqba berichtet in seinem Werk über die Feldzüge: Die Antwort der meisten Stämme lautete: „Die Angehörigen eines Mannes kennen ihn am besten. Kann jemand, der in seinem eigenen Stamm Zwietracht, Streit und Uneinigkeit gestiftet hat und von seinem Stamm zurückgewiesen wurde, für uns ein Glücksbringer sein?“ Einige Stämme wiesen seine Daʿwa nicht nur zurück, sondern behandelten ihn auch schlecht. Unter Berufung auf Ibn Ishaq berichten Ibn Jarir, Ibn Hischam und Ibn Kathir, dass der Prophet (s) zum Lager der Kinda ging und sie um Unterstützung bat. Sie weigerten sich jedoch, dies anzunehmen. Als er die Banu ʿAbdullah aufsuchte, sagte er: „Allah, der Erhabene, hat eurem Vater einen schönen Namen gegeben. Unterstützt mich!“ Doch auch sie lehnten ab. Als er die Banu Hanifa aufsuchte, war ihre Antwort noch schlimmer als die aller anderen Stämme. Daneben gab es auch einige Stämme, mit denen die Begegnungen des Propheten (s) besonders bemerkenswert verliefen, wie die Hadith- und Geschichtsschreiber überliefern.

Die Bedenken eines Mannes aus den Banu Hamdan

Imam Ahmad, al-Hakim und andere Muhaddithun überliefern unter Berufung auf Dschabir ibn ʿAbdullah, dass der Prophet (s) mit den Worten umherging: „Gibt es jemanden, der mich zu seinem Stamm mitnimmt?“

Zu diesem Zeitpunkt kam ein Mann aus dem Stamm Hamdan zu ihm und nahm seine Worte an. Dann wurde er von der Sorge ergriffen, ob sein Stamm diese Botschaft wohl annehmen würde. Daher kehrte er noch einmal zurück und sagte: „Ich werde hingehen und mit meinem Stamm sprechen. Im kommenden Jahr werde ich dich zur Zeit der Hadsch wiedersehen.“

Die Begegnung mit den Banu Bakr ibn Waʾil

Hafiz Abu Nuʿaim und Yahya ibn al-ʿUmabi berichten, dass der Prophet (s) mit den Banu Bakr ibn Waʾil zusammentraf und im Verlauf des Gesprächs fragte: „Wie groß ist eure militärische Stärke?“

Sie sagen: „Wir sind nicht in der Lage, gegen den Iran Krieg zu führen, und wir können auch niemandem gegenüber ihm Sicherheit gewährleisten.“

Der Hochgeehrte (s) sagte: „Es wird eine Zeit kommen, in der ihr ihr Land erreichen, ihre Frauen heiraten und ihre Söhne zu Sklaven machen werdet.“ Danach kehrte er von dort zurück, und Abu Lahab traf dort ein. Er sagte zu ihnen: „Dieser Mann genoss bei uns großes Ansehen, doch nun ist er von Sinnen.“

Sie erwiderten: „Als er die Iraner erwähnte, dachten wir genau das.“

Daraus lässt sich schließen, dass damals kein Araber sich vorstellen konnte, dass die Araber über ein so gewaltiges Reich wie den Iran siegen würden. Ihrer Ansicht nach konnte nur ein Verrückter so etwas sagen. Doch kaum waren nach diesem Gespräch fünfzehn oder sechzehn Jahre vergangen, da sahen sie mit eigenen Augen eben das, dessen Erwähnung sie für Wahnsinn gehalten hatten.

Begegnung mit den Banū ʿĀmir ibn Ṣaʿṣaʿa

Ibn Isḥāq berichtet unter Berufung auf Imām az-Zuhrī, dass der Hochgeehrte (s) zum Lager der Banū ʿĀmir ibn Ṣaʿṣaʿa ging und ihnen seine Botschaft vortrug. Einer von ihnen, Buḥaira ibn Firās, sagte: „Bei Gott, wenn ich diesen jungen Mann aus Quraisch bei mir aufnehme, werde ich durch ihn ganz Arabien unterwerfen.“ Dann sagte er zum Hochgeehrten (s): „Wenn ich dich unterstütze und Allah dir den Sieg über deine Gegner verleiht, wird dann nach dir die Herrschaft in unsere Hände übergehen?“ Der Hochgeehrte (s) sagte: „Diese Angelegenheit liegt in Allahs Hand. Er verleiht die Herrschaft, wem Er will.“ Darauf sagte jener: „Sollen wir also um deinetwillen unsere Hälse den Arabern als Ziel darbieten, und wenn Allah dir den Sieg verleiht, sollen andere statt unserer die Herrschaft erlangen? Geh! Wir brauchen dich nicht.“

Als diese Männer nach dem Ende der Pilgerfahrt nach Hause zurückkehrten, berichteten sie einem angesehenen alten Mann, der wegen seines hohen Alters nicht an der Pilgerfahrt und den anderen Märkten teilnehmen konnte, von ihren Erlebnissen während der Pilgerfahrt. Sie sagten ihm auch: „Zu uns kam ein junger Mann aus dem Hause Banū ʿAbd al-Muṭṭalib unter den Quraisch, der behauptete, ein Prophet zu sein, und uns sagte: ,Unterstützt mich und nehmt mich mit in euer Gebiet.‘ Doch wir führten dieses Gespräch mit ihm und schickten ihn schließlich mit dieser Antwort fort.“ Als der alte Mann dies hörte, schlug er die Hände über dem Kopf zusammen und sagte: „O Banū ʿĀmir! Gibt es dafür irgendeine Wiedergutmachung? Wird sich eine solche Gelegenheit je wieder bieten? Bei dem Gott, in dessen Hand meine Seele liegt: Kein Nachkomme Ismāʿīls kann eine solche Aussage jemals mit einer Lüge verhüllen. Er ist gewiss ein Prophet. Wo war euer Verstand damals?“

Begegnung mit den Banū Shaybān ibn Thaʿlaba

Abū Nuʿaym, al-Hākim und al-Bayhaqī überliefern von ʿAbdullāh ibn ʿAbbās folgende Aussage von ʿAlī (ra): Er sagte: Einmal war ich zusammen mit dem Gesandten Allahs (s) und Abū Bakr (ra) in Mina damit beschäftigt, die Stämme aufzusuchen und mit ihnen zusammenzutreffen. Während wir umhergingen, gelangten wir zu einer Versammlung von außerordentlichem Rang. Ihre Anführer waren Männer von großer Bedeutung. Abū Bakr (ra) fragte: „Wer seid ihr?“ Sie antworteten: „Wir gehören zu den Banū Shaybān ibn Thaʿlaba.“ Abū Bakr (ra) sagte zum Propheten (s): „Möge ich für dich geopfert werden! Nirgends findet man ehrenvollere Menschen als diese.“ Bei dieser Zusammenkunft waren Mafruq ibn ʿAmr, Hānī ibn Qabīsa, al-Muthannā ibn Hāritha und Nuʿmān ibn Scharīk anwesend. Mafruq saß unmittelbar neben Abū Bakr (ra).

Er sagte: „Ihr seid vermutlich Leute aus Quraisch?“ Abū Bakr (ra) erwiderte: „Vermutlich habt ihr gehört, dass hier der Gesandte Allahs gesandt worden ist. Dieser Mann ist er.“ Mafruq sagte: „Ja, davon haben wir Kenntnis erhalten.“ Daraufhin wandte er sich dem Propheten (s) zu. Der Prophet (s) sagte: „Ich lade euch dazu ein, zu bezeugen, dass es keinen Gott außer Allah gibt, und zu bezeugen, dass ich der Gesandte Allahs bin. Außerdem sollt ihr mir bei euch Zuflucht gewähren und mich unterstützen, damit ich die Aufgabe erfüllen kann, die Allah mir auferlegt hat. Denn Quraisch hat sich zusammengeschlossen, um Allahs Sache aufzuhalten. Sie haben den Gesandten Allahs verleugnet und sich statt der Wahrheit mit dem Falschen beschäftigt. Allah aber ist auf keinen Menschen angewiesen und ist in Seinem eigenen Wesen des Lobes würdig.“

Mafruq sagte: „O Bruder aus Quraisch! Wozu ruft ihr außerdem auf?“ Darauf rezitierte der Prophet (s) die Verse 151–153 der Sure al-Anʿām:

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(151) O Muhammad (s), sage ihnen: „Kommt her, ich will euch verkünden, was euer Herr euch verboten hat: dass ihr Ihm nichts beigesellt; dass ihr den Eltern Güte erweist; dass ihr eure Kinder nicht aus Furcht vor Armut tötet. Wir versorgen euch und auch sie. Nähert euch nicht der Schändlichkeit, sei sie offen oder verborgen. Tötet keinen Menschen, den Allah für unantastbar erklärt hat, außer zu Recht. Dies sind die Dinge, deren Befolgung Er euch geboten hat, damit ihr vielleicht verständig handelt.“

(152) Und kommt dem Besitz der Waise nicht nahe, außer auf die beste Weise, bis sie ihre Volljährigkeit erreicht hat. Und gebt beim Wiegen volles Maß und übt vollkommene Gerechtigkeit. Wir legen keiner Person mehr Verantwortung auf, als sie zu tragen vermag. Und wenn ihr sprecht, dann sprecht gerecht, selbst wenn es um einen Verwandten geht. Erfüllt den Bund Allahs. Dies sind die Weisungen, die Allah euch gegeben hat, damit ihr vielleicht die Ermahnung annehmt.“

Mafruq sagte: „O Bruder aus Quraisch, wozu ruft ihr außerdem auf? Bei Gott, dies ist nicht die Rede der Bewohner dieser Welt. Wäre es ihre Rede, würden wir sie erkennen.“ Darauf rezitierte der Prophet (s) den Vers 90 der Sure an-Nahl:

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– Allah gebietet euch Gerechtigkeit, Güte und die Unterstützung der Verwandten. Und Er verbietet euch Schamlosigkeit, Sünde und Gewalttätigkeit. Er ermahnt euch, damit ihr euch besinnt.

Mafruq sagte: Bei Gott, o Bruder der Quraisch, du rufst zu den edelsten Charaktereigenschaften und zu guten Taten auf. Wahrlich, ein äußerst verständnisloses Volk ist jenes, das dich verleugnet und sich gegen dich verbündet hat. Dann deutete Mafruq auf Hani bin Qabisa und sagte: Dies ist unser Ältester und unser religiöser Führer.

Hani sagte: O Bruder der Quraisch, ich habe deine Worte gehört und erkenne sie als wahr an. Doch es wäre übereilt, in derselben Versammlung unsere Religion aufzugeben und dir die Gefolgschaft zu geloben. Hinter uns steht unser Volk. Ohne dessen Rat und Meinung eine Entscheidung zu treffen und sie ihm aufzuzwingen, wäre nicht richtig. Wir kehren nun zurück, und auch du sollst weiterziehen. Wir werden über die Folgen nachdenken, und auch du sollst abwarten, wie weit sich die Angelegenheit entwickelt.

Nachdem er dies gesagt hatte, stellte Hani den Gesandten Allahs (s) Muthanna bin Haritha vor und sagte: Dies ist unser Scheich und unser Heerführer.

Muthanna sagte: O Bruder der Quraisch, ich habe deine Worte gehört und sie begrüßt. Doch meine Antwort ist dieselbe wie die von Hani. Es wäre nicht richtig, in derselben Versammlung unsere Religion aufzugeben und dir die Gefolgschaft zu geloben. Wir leben in einem Gebiet, in dem wir zwei Hindernissen gegenüberstehen: dem einen, al-Yamama, und dem zweiten, as-Samawa. [Jener Teil des Irak, der an die Arabische Halbinsel grenzt – der Verfasser.]

Der Gesandte Allahs (s) sagte: Welche beiden sind das?

Muthanna sagte: Das eine sind die Berge und das arabische Gebiet, das zweite das Gebiet Irans und die Flüsse des Kisra. Kisra hat uns den Eid abgenommen, dass wir selbst nichts Neues tun, was den geltenden Regeln widerspricht, und dass wir auch niemandem bei uns Zuflucht gewähren, der so etwas tun will. Was du uns aufzutragen rufst, werden die Könige vermutlich nicht dulden. Was das arabische Gebiet betrifft, so können unsere Verfehlungen darin verziehen werden. Wenn du möchtest, dass wir dich gegen die Araber unterstützen, können wir das tun. Doch den Persern entgegenzutreten, übersteigt unsere Kräfte.

Der Gesandte Allahs (s) sagte: Wenn ihr die Wahrheit gesprochen habt, habt ihr nichts Schlechtes getan. Doch die eigentliche Sache ist: Wer sich für Allahs Religion erhebt, tut nichts Außergewöhnliches, sondern unterstützt sie in jeder Hinsicht. Habt ein wenig Geduld; dann wird Allah euch das Land und den Besitz der Perser schenken und ihre Töchter euch untertan machen. Werdet ihr Allah preisen und Ihn heiligen?

Nuʿmān ibn Scharīk sagte: „O quraischitischer Bruder, wir haben deine Worte angenommen.“ Daraufhin der Gesandte (s)-

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Er erhebt sich während des Lesens, nimmt die Hand von Hadhrat Abū Bakr (r) und verabschiedet sich.

Eine Begegnung mit den Banū ʿAbbās

Wāqidī überliefert von ʿAbdullāh ibn Wābisat al-ʿAbsī den folgenden Bericht seines Großvaters: Unser Stamm, die Banū ʿAbs, hatte sich in der Nähe der al-Chaif-Moschee, unweit von Dschamrat al-Ūlā, niedergelassen. Der Gesandte Allahs (s) kam zu unserem Lager. Zaid ibn Hāritha (r) war bei ihm. Er lud uns zu Allah ein, und wir nahmen seine Einladung an. Schon zuvor war er während jeder Pilgerfahrt zu unserem Lager gekommen, doch hatten wir seine Einladung niemals angenommen. Als er diesmal zu uns kam, war Maisara ibn Masrūq al-ʿAbsī bei uns. Er sagte: „Bei Gott! Wenn wir seine Wahrhaftigkeit anerkennen, ihn mitnehmen und ihn an einem zentralen Ort in unserem Gebiet unterbringen, dann wäre das eine vernünftige Entscheidung. Denn bei Gott, er wird gewiss siegen, ja, vollständig siegen.“ Doch die Leute des Stammes sagten: „Lass gut sein, Bruder. Treibe uns nicht in eine Sache hinein, deren Last wir nicht zu tragen vermögen.“

Der Prophet (s) setzte einige Hoffnung auf Maisara, rief ihn zu sich und sprach mit ihm. Dieser sagte: „Deine Rede ist wie schön und klar! Aber mein Volk widersetzt sich mir. Wenn schon sie mich nicht unterstützen, werden die anderen erst recht davonlaufen.“

Viele Jahre später, als Maisara während der Abschiedspilgerfahrt dem Propheten (s) begegnete, erkannte dieser ihn wieder. Maisara sagte: „O Gesandter Allahs! Seit dem ersten Mal, als du zu unserem Lager kamst, war ich stets bestrebt, dir zu gehorchen. Doch was geschehen musste, ist geschehen. Nun werde ich erst mit dieser großen Verspätung Muslim.“

So blieben alle Stämme Arabiens jener Gnade beraubt, zu der sie zu Fuß hätten gelangen und die sie hätten erlangen können. Wir werden nun ein wenig zurückgehen und darlegen, weshalb die Bewohner dieser glückseligen Siedlung innerlich darauf vorbereitet waren, die Einladung Muhammads al-ʿArabī (s) anzunehmen.

Die frühe Geschichte von Aws und Chazradsch

Im Jahr 450 oder 451 n. Chr. kam es im Jemen infolge des Einsturzes des Marib-Damms oder -Walls zu einer gewaltigen Überschwemmung. Aus diesem Grund zog ein Mann aus dem Volk von Saba, Amr ibn Amir, mit seiner Familie nach Norden. Die Nachkommen seines Sohnes Dschufna ließen sich in der Region Scham nieder. Diese Gegend wurde Ghassan genannt. Sein zweiter Sohn Haritha ließ sich in dem weitläufigen Gebiet zwischen den Gebirgen des Hidschas und der Küste des Roten Meeres nieder, das Tihama genannt wird. Seine Nachkommen wurden als Chuza’a bekannt. Unter den Nachkommen seines dritten Sohnes Tha’laba befand sich ein Mann namens Haritha, dessen zwei Söhne von derselben Mutter, Qayla, geboren wurden. Diese beiden Söhne hießen Aws und Chazradsch. Ihre Nachkommen zogen nach Yathrib (Medina) und ließen sich dort nieder, wo die Juden bereits ihre Vorherrschaft etabliert hatten. Lange Zeit erlaubten die Juden den Nachkommen von Aws und Chazradsch nicht, die eigentliche Stadt und ihr fruchtbares, grünes Umland zu betreten. Daher mussten sie unter großen Schwierigkeiten in dem unfruchtbaren Land ringsum leben. Schließlich baten sie ihre stammesverwandten Ghassaniden um Hilfe. Diese kamen mit ihren Truppen, vertrieben die Juden aus der Stadt und verschafften Aws und Chazradsch dort Platz. Zwei jüdische Stämme, die Banu Quraiza und die Banu Nadir, wurden gezwungen, am Stadtrand zu wohnen, während ein dritter Stamm, die Banu Qaynuqa, unter dem Schutz des Stammes Chazradsch in einem Stadtviertel lebte. Als die Banu Quraiza und die Banu Nadir sahen, dass ihr Rivale, die Banu Qaynuqa, mit Chazradsch befreundet war, schlossen sie ein Bündnis mit dem Stamm Aws und machten ihn zu ihrem Freund. Danach lebten Aws und Chazradsch fast zweihundert Jahre lang mit den Juden in derselben Stadt und an deren Rand. Während dieser Zeit führten diese beiden arabischen Stämme trotz ihrer gemeinsamen Abstammung und trotz ehelicher Verbindungen zwischen ihnen aufgrund der vorislamischen Stammesgesinnung immer wieder Krieg gegeneinander. Auch die jüdischen Stämme stachelten jeweils ihre verbündeten Stämme zum Kampf gegeneinander an. Denn die Juden betrachteten es als vorteilhaft für sich, wenn Aws und Chazradsch gegeneinander kämpften; ihre Einigkeit wäre für sie ein Todesurteil gewesen. So kam es innerhalb von fast zweihundert Jahren neben zahlreichen kleineren Auseinandersetzungen zu elf blutigen Konflikten. Der letzte davon – die Schlacht von Bu’ath – fand nur fünf Jahre vor der Hidschra statt (im achten Jahr der Prophetie, 619 n. Chr.), wobei die bedeutendsten Anführer beider Stämme getötet wurden. [Nach der Überlieferung Ibn Sa’ds fand die Schlacht von Bu’ath sechs Jahre vor der Hidschra statt. Bu’ath war der Name eines Ortes, einer kleinen Festung oder eines Getreidefeldes, das in der Nähe der Banu Quraiza, zwei Meilen von Medina entfernt, lag. Auf der einen Seite stand der Stamm Aws, dessen Anführer Hudair, der Vater von Hadrat Usaid ibn Hudair, war. Die Banu Quraiza und die Banu Nadir nahmen an ihrer Seite am Kampf teil. Auf der anderen Seite stand der Stamm Chazradsch, dessen Anführer Amr ibn Nu’man al-Bayadi war. Die Banu Qaynuqa der Juden standen ihnen bei. Aws errang den Sieg. Doch beide Seiten erlitten so schwere Verluste, dass die besonnenen Männer erkannten: Wenn sie weiterhin auf diese Weise Feinde blieben, würden sie im Krieg vollständig zugrunde gehen. – Der Verfasser.] Trotz all dieser Kriege war der religiöse Einfluss der Juden auf die Bewohner Medinas so groß, dass eine Frau, deren Kinder nacheinander starben, gelobte, das nächste Kind, das ihr geboren würde, zu einem Juden zu machen. Ibn Dscharir erwähnt diesen Sachverhalt in seinem Tafsir unter Berufung auf Abdullah ibn Abbas (r.a.). Auch Abu Dawud, an-Nasa’i, Ibn Abi Hatim und Ibn Hibban überliefern hierzu verschiedene Berichte, die von Ibn Abbas (r.a.), Mudschahid, Said ibn Dschubair, asch-Scha’bi, Hasan al-Basri und anderen überliefert wurden.

Die Auswirkungen dieses historischen Hintergrunds

Der kurz geschilderte historische Zustand hatte drei wichtige Auswirkungen auf Aws und Chazradsch. Im Gegensatz zu allen anderen arabischen Stämmen hatte er sie innerlich auf die Annahme des Islam vorbereitet. Sobald sich diese Gelegenheit bot, wandten sie sich aus diesen Gründen dieser Religion und ihrem Verkünder, Sayyiduna Muhammad (s), zu, wie sich ein Durstiger dem Wasser zuwendet.

Die erste dieser Auswirkungen bestand darin, dass ihnen durch den jahrhundertelangen Umgang und Kontakt mit den Juden Begriffe wie Offenbarung, Schrift und Scharia sowie deren Bedeutungen vertraut geworden waren. Daher waren diese Dinge für sie nicht so unbekannt, wie sie es für die übrigen Araber waren.

Die zweite Auswirkung bestand nach den Berichten von Ibn Hischam und at-Tabari unter Berufung auf Ibn Ishaq darin, dass sie in Gesprächen mit den benachbarten Juden häufig erfuhren, dass diese Menschen (die Juden) mit großer Sorge die Ankunft eines Propheten erwarteten, dessen Kommen in ihren himmlischen Schriften vorhergesagt worden war. Sie pflegten zu beten: Wenn er doch bald käme, dann würde die Vorherrschaft der nichtjüdischen Völker enden und die Zeit ihres eigenen Aufstiegs beginnen. Besonders wenn es zu Streitigkeiten mit Aws und Chazradsch kam, sagten sie: Bald wird ein Prophet kommen. Wenn er kommt, werden wir ihm folgen und euch an seiner Seite so vernichtend schlagen, wie die Völker von Ad und Iram geschlagen wurden. Auch im Koran wird auf diese Aussagen hingewiesen:

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„und zuvor um den Sieg über die Ungläubigen gebetet hatten.“ (al-Baqara: 89)

Durch all diese Äußerungen der Juden war in den Menschen aus Aws und Chazradsch der Entschluss geweckt worden, dass sie, falls dieser Prophet käme, allen anderen zuvorkommen und ihm Gehorsam geloben würden, damit die Juden ihnen nicht zuvorkämen.

Der dritte Einfluss bestand darin, dass sie durch den Bürgerkrieg niedergeschlagen waren und sich nach einer Führung sehnten, die unter ihnen Einigkeit und brüderliche Verbundenheit schaffen konnte. Auch auf diesen ihren Zustand wurde hingewiesen:

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– Ihr standet am Rand einer Feuergrube, und Allah hat euch daraus gerettet. (Āl ʿImrān: 103)

Um dieser Gefahr ein Ende zu setzen, waren die Bewohner Medinas sogar so weit gegangen, dass sie den Anführer der Chazradsch, ʿAbdullah ibn Ubayy, zu ihrem König machen wollten, damit ihre Meinungsverschiedenheiten beigelegt würden und alle unter der Herrschaft eines einzigen Mannes vereint wären. In dieser Lage war schließlich jene Gnade vor ihnen erschienen, nach der sie sich in Wahrheit gesehnt hatten. (Ibn Hischām, Bd. 2, S. 234)

Die Begegnung des ersten Mannes aus Medina mit dem Hochgeehrten (s)

Ibn Hischām und at-Tabarī überliefern aus Ibn Isḥāq den Bericht von ʿĀṣim ibn ʿUmar ibn Qatāda, dass der allererste Mann aus Medina, der mit dem Gesandten Allahs (s) zusammentraf, Suwaid ibn Ṣāmit war. Aufgrund seiner Fähigkeiten, seiner Tapferkeit, seiner dichterischen Begabung und seines vornehmen Stammesgeschlechts war er bei seinem Volk als „Kāmil“ bekannt. Ibn Saʿd erklärt dazu, dass man im Zeitalter der Unwissenheit einen Mann, der in seinem Volk angesehen und vernünftig war, zutreffende Ansichten äußern konnte, gebildet war und sich im Bogenschießen sowie im Schwimmen auszeichnete, „Kāmil“ nannte. (aṭ-Ṭabaqāt, Bd. 3, S. 603)

Dieser Mann war mit dem Gesandten Allahs (s) verwandt: Seine Mutter, Laylā bint ʿAmr, war die leibliche Schwester von Salmā bint ʿAmr, der Mutter des Großvaters des Hochgeehrten (s). Wenn er zum Zweck der Pilgerfahrt oder der ʿUmra nach Mekka kam, traf der Hochgeehrte (s) ihn wie üblich und trug ihm die Botschaft vor. Er sagte: „Wahrscheinlich besitzt auch Ihr etwas von derselben Art wie das, was ich besitze.“ Der Hochgeehrte (s) fragte: „Was ist das?“ Er antwortete: „Die Muǧallat des Luqmān“ – das heißt die Gelehrsamkeit und Umsicht Luqmāns. Der Hochgeehrte (s) sagte: „Tragt sie mir vor.“ Da trug er sie ihm vor. Der Hochgeehrte (s) sagte: „Das sind schöne Worte. Doch was ich besitze, ist besser als dies: Es ist der Koran, den Allah auf mich herabgesandt hat. Er ist Rechtleitung und Licht.“ Danach trug der Hochgeehrte (s) ihm den Koran vor und lud ihn zum Islam ein. Ohne sich davon abzuwenden, sagte er: „Wahrlich, dies sind sehr schöne Worte.“ Danach kehrte er nach Medina zurück. Einige Zeit später wurde er von den Chazradsch getötet. Dies geschah vor der Schlacht von Buʿāth. [al-Balādhurī sagt in seinem Werk Ansāb al-Ašrāf, dass die Schlacht von Buʿāth gerade wegen der Ermordung Suwaids stattfand – der Verfasser.]

Begegnung mit einer weiteren Delegation aus Medina

Ibn Hischām und at-Tabarī überliefern unter Berufung auf Muhammad ibn Ishāq, dass vor der Schlacht von Buʿāth, als zwischen den Aus und den Chazradsch die Flammen der Feindschaft zu entfachen drohten, eine Delegation eines Zweigs der Aus, der Banū ʿAbd al-Aschhal, unter der Führung von Abū al-Hais oder al-Hais nach Mekka kam, um die Quraisch im Kampf gegen die Chazradsch zu ihren Verbündeten zu machen. Als der Prophet (s) von ihrer Ankunft erfuhr, suchte er sie auf. Er sagte zu ihnen: „Möchtet ihr etwas Besseres annehmen als das, dessentwegen ihr hierhergekommen seid?“

Sie fragten: „Was ist das?“ Der Hochgeehrte (s) sagte: „Ich bin der Gesandte, den Allah zu Seinen Dienern entsandt hat. Ich bin gekommen, um sie dazu aufzurufen, niemanden außer Ihm anzubeten und Ihm niemanden beizugesellen. Mir ist ein Buch offenbart worden.“

Dann lehrte er sie einiges über den Islam und trug ihnen den Koran vor. Unter den Mitgliedern der Delegation befand sich auch ein junger Mann namens Iyās ibn Muʿādh. Nachdem er die Worte des Hochgeehrten (s) gehört hatte, sagte er: „O Leute, dies ist besser als das, dessentwegen ihr hierhergekommen seid.“ Doch Abū al-Hais nahm etwas Erde aus der Batḥā, warf sie ihm ins Gesicht und sagte: „Verschone uns mit diesem Gerede. Wir sind wegen einer anderen Sache gekommen.“

Iyās schwieg, und der Hochgeehrte (s) erhob sich und ging fort. Nachdem diese Leute nach Medina zurückgekehrt waren, begann die Schlacht von Buʿāth. Nicht lange danach starb Iyās. Diejenigen, die bei seinem Tod anwesend waren, berichten, dass sie bis zu seinem letzten Augenblick die Lobpreisung und das Bekenntnis der Einheit Allahs aus seinem Mund hörten. Daher hegten sie keinen Zweifel daran, dass Iyās von jener Versammlung zurückgekehrt war, nachdem er den Islam angenommen hatte, und dass er als Muslim seinen letzten Atemzug tat.

Einige Einzelheiten in dem ausführlichen Bericht, den Ibn Saʿd unter Berufung auf al-Wāqidī über dieses Ereignis gibt, gehen über den Bericht Ibn Ishāqs hinaus. Daraus erfährt man, dass die Delegation der Banū ʿAbd al-Aschhal in Mekka im Haus von ʿUtba ibn Rabīʿa untergebracht war. Er bewirtete sie mit großer Ehrerbietung. Als sie ihm ein freundschaftliches Bündnis vorschlugen, lehnte er dies mit der Begründung ab, sein Gebiet liege weit von ihrem Gebiet entfernt. Bis ein Hilferuf von ihnen hier eintreffe, werde der Feind seine Angelegenheit bereits erledigt haben. Er sagte, dass es uns ebenso ergehen würde.

Al-Wāqidī berichtet ferner, dass Abū al-Hais, als Iyās vorschlug, den Islam anzunehmen, Erde nach ihm warf und sagte: „Wir waren gekommen, um die Quraisch als Verbündete gegen unseren Feind zu gewinnen, und du willst, dass wir zurückkehren, nachdem du die Quraisch zu unseren Feinden gemacht hast.“

In al-Wāqidīs Bericht wird zusätzlich erwähnt, dass diejenigen, die Iyās während seines Sterbens die Lobpreisung und das Bekenntnis der Einheit Allahs sprechen hörten, Muhammad ibn Maslama (r.a.), Salama ibn Salama ibn Waqsch (r.a.) und Abū Hāschim ibn ʿUtaihān waren.

Die Annahme des Islam durch die erste Gruppe der Ansar und die erste Bayʿa von al-ʿAqaba

Im elften Jahr der Prophetie (620 n. Chr.) brach der Prophet (s) während der Hadsch wie gewohnt in Richtung Mina auf, um die arabischen Stämme zu treffen. Während er umherging, gelangte er in der Nähe von al-ʿAqaba zu einer Gruppe aus dem Stamm der Chazradsch. Ibn Hischam und at-Tabari berichten unter Berufung auf Muhammad ibn Ishaq, dass der Prophet (s) sie fragte: „Wer seid ihr?“ Sie antworteten: „Einige Männer aus den Chazradsch.“ Der Prophet (s) sagte: „Wollt ihr euch nicht kurz setzen, damit ich mit euch sprechen kann?“ Sie sagten: „Gewiss.“ Daraufhin setzten sie sich in die Nähe des Propheten (s). Er lud sie zu Allah ein und legte ihnen den Islam dar. Er rezitierte ihnen den Koran. Da sagten sie zueinander: „Brüder! Wisst, dass dies der Prophet ist, dessen Kommen die Juden euch angekündigt und vor dem sie euch gewarnt haben. Lasst nicht zu, dass sie uns dabei zuvorkommen.“ Daraufhin nahmen sie seine Einladung mit völlig zufriedenen Herzen an, bezeugten seine Wahrhaftigkeit und glaubten an den Islam, den er verkündete. Dann sagten sie: „Wir haben unser Volk in einem Zustand zurückgelassen, in dem es kein Volk gibt, unter dem größere gegenseitige Feindschaft herrscht als unter uns. Vielleicht wird Allah sie durch dich vereinen. Wir kehren nun zu ihnen zurück, laden sie in deinem Namen ein und legen ihnen die Religion dar, die wir angenommen haben. Wenn Allah sie um deinetwillen vereint, wird niemand mächtiger sein als du.“ (Al-ʿAqaba bezeichnet einen Engpass. Der hier erwähnte Engpass liegt im Gebiet von Mina an der Straße nach Mekka – der Verfasser.)

In manchen Überlieferungen wird dies folgendermaßen dargestellt: Nach der Bayʿa sagte der Prophet (s) zu ihnen: „Werdet ihr mir Unterstützung gewähren, damit ich die Botschaft meines Herrn übermitteln kann?“ Sie erwiderten: „O Gesandter Allahs! Bei uns ist nun der Krieg von Buʿāth ausgebrochen. Wenn du unter diesen Umständen dorthin gehst, wird es schwierig sein, die Menschen zu vereinen. Lass uns vorerst zu unserem eigenen Volk zurückkehren. Vielleicht wird Allah unsere gegenseitigen Beziehungen verbessern. Wir werden die Menschen zu der Botschaft einladen, zu der du uns eingeladen hast. Vielleicht wird Allah sie um deinetwillen vereinen. Dann wird niemand stärker sein als du. Wir werden dich im kommenden Jahr während der Hadsch wieder treffen.“

Ibn Ishaq, asch-Schaʿbi und az-Zuhri sagen, dass es sechs Männer waren. Ibn Saʿd zitiert ebenfalls al-Waqidis Aussage, dass ihre Zahl sechs betrug. Ihre Namen sind folgende:

Von den Banū Malik ibn an-Nadschdschār:

1. Abu Usama Asʿad ibn Zurara (Schon im Zeitalter der Dschāhiliyya war er ein Anhänger des Tauhid und Gegner des Götzendienstes.)

2. Auf ibn al-Harith ibn Rifaʿa – seine Mutter hieß Afra.

Von den Banū Zuraij:

3. Rafi bin Malik (in der Dschāhilīya wurde er „Kamil“ genannt)

4. Qutba bin Amir bin Hadida.

Von den Banū Harām bin Kaʿb –

5. Uqba bin Amir bin Nabi.

Von den Banū Ubaid bin Adi –

6. Jabir bin Abdullah bin Riʿab.

Ibn Abd al-Barr sagt, dass einige Kenner der Sīra anstelle von Jabir bin Riʿab den Namen des Hazrat Ubadah bin Samit angegeben haben. Zusammen mit Musa bin Zurara und Rafi bin Malik führten sie die Namen Muʿadh bin Afra, Yazid bin Thaʿlaba, Abu al-Haitham bin al-Tayyihan und Uwaim bin Saʿida an und sagten anschließend in einer schwachen Überlieferung, es werde behauptet, dass sich unter ihnen auch Ubadah bin Samit und Zakran bin Abd Qais befunden hätten. Die Mehrheit der Gelehrten hat jedoch die Überlieferung von Muhammad bin Ishaq angenommen, und Hafiz Ibn Hajar hat in Fath al-Bari dieser Überlieferung gegenüber den anderen Überlieferungen den Vorzug gegeben.

Ibn Saʿd hat neben der oben angeführten Aussage al-Waqidis noch drei weitere Aussagen über die Annahme des Islams durch die Bewohner von Medina angeführt:

1. Als Erste gingen Asʿad ibn Zurara und Dhakwan ibn ʿAbd Qays nach Mekka zu ʿUtba ibn Rabiʿa, um gemäß den Bräuchen der Dschāhilīya ihren Stolz und ihre Überheblichkeit miteinander auszufechten. Doch noch bevor sie ʿUtba trafen, hörten sie die Worte des Gesandten Allahs (s), trafen ihn und nahmen den Islam an. Danach ging Hadhrat Asʿad nach Medina und sprach bei Abū al-Haytham ibn at-Tayyihān über den Islam; auch diese beiden nahmen den Islam an. Anschließend schloss er sich jenen sechs Männern an, die den Huzur (s) am Ort von al-ʿAqaba trafen.

2. Als Erste gingen Rāfiʿ ibn Mālik az-Zurāqī und Muʿādh ibn ʿAfrāʾ zur ʿUmra nach Mekka. Dort hörten sie den Namen des Huzur (s). Danach trafen sie ihn und nahmen den Islam an.

3. In Minā trafen nicht sechs, sondern acht Männer aus Medina den Huzur (s). Diese acht waren diejenigen, deren Namen wir oben unter Berufung auf Mūsā ibn ʿUqba erwähnt haben.

Das Eintreffen der zweiten Delegation aus Medina und das zweite Treuegelöbnis von al-ʿAqaba

Ibn Saʿd und Ibn Ishāq berichten: Als diese erste Gruppe, die am Ort von al-ʿAqaba den Islam angenommen hatte, nach Medina zurückkehrte, begann sie dort, über den Islam zu sprechen und ihn zu erörtern. So blieb unter den Wohnvierteln der Ansār kein einziges Viertel, in dem nicht der Gesandte Allahs (s) erwähnt wurde. Im darauffolgenden Jahr, zur Zeit der Hadsch (im zwölften Jahr der Prophetenschaft), trafen zwölf Männer aus Medina den Huzur (s) an jenem Ort von al-ʿAqaba, an dem er die Männer aus Chazradsch getroffen hatte. Fünf von ihnen waren diejenigen, die bereits im vergangenen Jahr den Islam angenommen hatten (Jābir ibn ʿAbdullāh ibn Riʾāb kam diesmal nicht). Von den übrigen sieben stammten fünf aus Chazradsch und zwei aus Aus. Ihre Namen sind folgende:

Aus den Banū an-Naddschār von Chazradsch – 1. Muʿādh al-Hārith ibn Rifāʿa.

Aus den Banū Zurain von Chazradsch – 2. Dhakwan ibn ʿAbd Qāʾim. Ibn Saʿd und Ibn Hischām erwähnen, dass diese beiden von Medina nach Mekka kamen, beim Huzur (s) blieben und gemeinsam mit ihm auswanderten.

Aus den Banū ʿAuf ibn al- von Chazradsch – 3. ʿUbāda ibn as-Sāmit.

Aus dem Stamm Chazradsch: 4. Yazid ibn Thaʿlaba.

Aus den Banu Salim ibn Auf des Stammes Chazradsch: 5. Abbas ibn Ubada ibn Nadla. (Ibn Ishaq sagt: Auch er blieb beim Gesandten Allahs (s) und wanderte mit ihm aus.)

Aus den Banu Abd al-Aschhal des Stammes Aus: 6. Abu al-Haytham ibn at-Tayyihan. (Er war bereits im Zeitalter der Unwissenheit ein Anhänger des Monotheismus und widersetzte sich der Götzenverehrung.)

Aus den Banu Amr ibn Auf des Stammes Aus: 7. Uwaym ibn Saida.

Der Treueid, den der Gesandte Allahs (s) zu dieser Zeit von diesen Menschen entgegennahm, wird „Baiʿat an-Nisa“ genannt. Denn sein Wortlaut ähnelte weitgehend jenem Treueid, zu dessen Entgegennahme von den muslimischen Frauen einige Jahre nach diesem Ereignis im 12. Vers der Sure al-Mumtahana Anweisung gegeben wurde. Ibn Ishaq überliefert nach dem Bericht von Ubada ibn Samit (ra), dass der Gesandte Allahs (s) ihnen in folgenden Angelegenheiten den Treueid abnahm:

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Wir werden Allah niemanden beigesellen, nicht stehlen, keine Unzucht begehen, unsere Kinder nicht töten, keine erfundene Verleumdung vorbringen und dem Gesandten Allahs (s) in keiner anerkannten Angelegenheit ungehorsam sein. Wir werden seinen Befehl hören und ihm gehorchen, ob es uns gut oder schlecht geht, ob dieser Befehl für uns angenehm oder unangenehm ist und auch wenn anderen gegenüber uns der Vorzug gegeben wird. Und hinsichtlich der Herrschaft werden wir mit dem Herrscher keinen Streit anfangen. (In Musnad Ahmad wird zusätzlich überliefert: auch wenn ihr meint, dass ihr einen Anspruch auf die Herrschaft habt. Bei Buchari findet sich zusätzlich: oder wenn ihr offenkundigen Unglauben seht.) Und wo und in welchem Zustand wir uns auch befinden mögen, werden wir die Wahrheit sagen und die Schelte keines Tadelnden fürchten. Wenn ihr also diesen Eid erfüllt, ist euch das Paradies bestimmt. Wenn aber jemand eine der verbotenen Handlungen begeht, liegt seine Angelegenheit in Allahs Hand. Er kann ihm vergeben, wenn Er will, und ihn bestrafen, wenn Er will. (In einer Überlieferung heißt es: Wenn ihr eine der verbotenen Handlungen begeht, daraufhin ertappt werdet und in dieser Welt dafür bestraft werdet, so ist dies eine Sühne für jene Sünde. Wenn eure Sünde jedoch bis zum Tag der Auferstehung verborgen bleibt, dann kann Allah, der Erhabene, euch dafür bestrafen, wenn Er will, und euch vergeben, wenn Er will.)

Verschiedene Teile dieses Hadiths finden sich bei Buchari im Kitab al-Iman, in den Kapiteln über die Vorzüge der Ansar, im Kitab al-Hudud, im Kitab al-Fitan und im Kitab al-Ahkam; bei Muslim im Kitab al-Hudud und im Kitab al-Imara sowie in Musnad Ahmad in der Überlieferung von Umara ibn Samit.

Die Entsendung von Musʿab ibn ʿUmair nach Medina

Ibn Dscharir und Ibn Hischam führen diese Überlieferung von Muhammad ibn Ishaq an: Als diese Leute nach Medina zurückkehrten, sandte der Gesandte Allahs (s) gemeinsam mit ihnen auch Hazrat Musʿab ibn ʿUmair, damit er ihnen den Koran und den Islam lehre und in ihnen Verständnis für die Religion wecke. Daher begab sich Musʿab (r.a.) nach Medina und nahm im Haus von Asʿad ibn Zurara (r.a.) Aufenthalt.

Demgegenüber wird in der Überlieferung von Musa ibn ʿUqba berichtet, dass sie nach ihrer Ankunft in Medina Muʿadh ibn ʿAfra (r.a.) und Rafiʿ ibn Malik (r.a.) mit dem Anliegen zum Gesandten (s) schickten, eine Person nach Medina zu senden, die sie in der Religion unterweisen würde. Daraufhin sandte er Hazrat Musʿab (r.a.). Eine etwas abweichende Überlieferung führt al-Baihaqi unter Berufung auf Ibn Ishaq an. Demnach schrieben sie an den Gesandten (s): „Schickt uns jemanden, der uns unsere Religion lehrt.“ Daraufhin wurde Hazrat Musʿab entsandt. Auch Ibn Saʿd überliefert dies von al-Waqidi.

Nach diesem zweiten Treueid von al-ʿAqaba kehrten die Ansar nach Medina zurück und begannen unter der Führung von Hazrat Musʿab ibn ʿUmair eifrig, den Islam zu verbreiten. Ibn Saʿd berichtet unter Berufung auf al-Waqidi, dass Muhammad ibn Maslama (r.a.) aus den Banu ʿAbd al-Aschhal sowie Abbad ibn Bimr ibn Waqsch und deren Schutzverbündete den Islam unter Hazrat Musʿabs Anleitung annahmen. Danach wurden am selben Tag Saʿd ibn Muʿadh, der Anführer der Banu ʿAbd al-Aschhal, und Usaid ibn Hudair unter seiner Anleitung Muslime. Durch seine Annahme des Islam wurde sein gesamter Stamm muslimisch. Im Viertel der Banu ʿAbd al-Aschhal blieb nicht einmal ein einziger Nichtmuslim zurück. Ibn Hischam überliefert von Ibn Ishaq, und at-Tabari überliefert von Hazrat Saʿd, eine amüsante Geschichte über Hazrat Usaids Annahme des Islam.

Eines Tages ging Asʿad ibn Zurara gemeinsam mit Hazrat Musʿab in einen der Gärten von Banu Zafar, einem Zweig des Stammes Aus. Viele von denen, die Muslime geworden waren, hatten sich dort versammelt. Als Saʿd ibn Muʿadh und Usaid ibn Hudair davon erfuhren, sagte Saʿd zu Usaid: „Geh zu diesen beiden Männern, ʿAsʿad und Musʿab, die in unser Wohnviertel gekommen sind und die Schwachen von uns zum Narren halten. Weise sie scharf zurecht und verbiete ihnen, in unser Gebiet zu kommen. Wenn Asʿad ibn Zurara nicht wäre, würde ich selbst hingehen. Aber du weißt ja, er ist mein Cousin mütterlicherseits. Deshalb möchte ich nicht vor ihn treten.“ Daraufhin ging Usaid mit seiner Waffe dorthin. Als Asʿad ihn kommen sah, sagte er zu Musʿab: „Das ist der Anführer seines Volkes. Erfülle ihm gegenüber deine Pflicht, Allahs Botschaft ihm genau zu übermitteln.“ Hazrat Musʿab sagte: „Wenn er sich setzt, werde ich mit ihm sprechen.“ Usaid trat vor sie und blieb barsch vor ihnen stehen. Er sagte: „Warum seid ihr beide hierhergekommen? Ihr haltet unsere Schwachen zum Narren. Wenn ihr Gutes wollt, dann zeigt euch hier nie wieder.“

Musʿab sagte: „Willst du dich nicht setzen und uns anhören? Wenn dir unsere Worte gefallen, wirst du sie annehmen; andernfalls werden wir nichts tun, was dir nicht gefällt.“ Usaid sagte: „Damit hast du gerecht gesprochen.“ Dann stieß er seine Waffe in den Boden und setzte sich neben ihn. Hazrat Musʿab erklärte ihm die Lehren des Islam und rezitierte ihm aus dem Koran. Hazrat Asʿad (r.a.) und Hazrat Musʿab (r.a.) berichten beide: „Bei Allah, als wir die Heiterkeit in Usaids Gesicht und die Sanftheit in seinen Worten sahen, wussten wir, dass der Islam in sein Herz eingedrungen war.“ Nachdem er alles angehört hatte, sagte er: „Wie gut und schön ist diese Rede! Was tut ihr, wenn ihr in diese Religion eintretet?“ Die beiden sagten: „Bade, reinige deinen Körper und säubere auch deine Kleidung. Dann bezeuge die Wahrheit und verrichte anschließend das Gebet.“ Sofort stand er auf, reinigte sich, sprach das Glaubensbekenntnis und verrichtete zwei Rakʿa Gebet. Dann sagte er: „Hinter mir ist noch ein Mann. Wenn er euch Gehorsam leistet, wird niemand aus seinem Volk sich euch widersetzen. Ich werde zu ihm gehen und ihn zu euch schicken.“ Damit nahm Usaid (r.a.) seine Waffe und ging zu Saʿd ibn Muʿadh, bei dem die Leute seines Volkes zusammensaßen. Als Saʿd ihn kommen sah, sagte er: „Bei Allah, das ist nicht das Gesicht, mit dem er gegangen ist.“

Als Usaid kam und vor ihrer Versammlung stehen blieb, fragte Saʿd: „Wie kommt es, dass du zurückkehrst?“ Er sagte: „Ich habe mit den beiden gesprochen. Ich habe bei ihnen nichts Schlechtes gesehen. Als ich ihnen verbot, herzukommen, sagten sie: ‚Wir werden tun, was du willst.‘“ Dann sagte Usaid: „Ich habe gehört, dass die Banu al-Harith ausgezogen sind, um Asʿad ibn Zurara zu töten. Denn sie wissen, dass Asʿad dein Cousin mütterlicherseits ist, und wollen dich dadurch erniedrigen.“

Sobald Saʿd dies hörte, geriet er in heftigen Zorn, nahm seine Waffe und eilte davon, damit er seinen Bruder – seinen Cousin mütterlicherseits – noch vor dem Angriff der Banu al-Harith erreichen konnte. Während er ging, sagte er zu Usaid: „Bei Allah, ich glaube, dass es keinen Zweck hatte, dich zu schicken.“

Als Hazrat Asʿad ibn Zurāra ihn aus der Ferne kommen sah, sagte er zu Hazrat Musʿab: „Das ist ein Anführer, hinter dem sein gesamtes Volk steht. Wenn er Muslim wird, wird es unter ihnen keinen einzigen geben, der den Islam nicht annimmt.“

Als Saʿd dort ankam und sah, dass Asʿad und Musʿab unbekümmert dasaßen, erkannte er, dass Usayds eigentliche Absicht darin bestanden hatte, ihn ihre Worte anhören zu lassen. Zornig trat er vor sie hin und sagte zu Asʿad ibn Zurāra: „Abū Usāma, wenn es zwischen mir und dir keine Verwandtschaft gäbe, wäre diese Person (Musʿab) meiner Hand nicht entkommen. Willst du uns in unserem eigenen Haus etwas aufzwingen, was wir nicht mögen?“

Hazrat Musʿab sagte: „Willst du dich nicht setzen und uns anhören? Wenn du es gutheißt, wirst du es annehmen; andernfalls werden wir von dir fernhalten, was du nicht magst.“

Saʿd sagte: „Das ist eine gerechte Aussage von dir.“ Dann rammte er seine Waffe in den Boden und setzte sich hin. Hazrat Musʿab trug ihm den Islam vor und rezitierte ihm den Qurʾān. Hazrat Asʿad und Hazrat Musʿab berichten: „Noch bevor er sprach, erkannten wir an der Heiterkeit und Sanftmut seines Gesichts, dass der Islam ihn beeinflusst hatte.“ Nachdem Saʿd alles angehört hatte, fragte er: „Was muss man tun, um in diese Religion einzutreten?“ Sie sagten ihm dasselbe, was sie Usayd gesagt hatten. Daraufhin vollzog er die Ganzkörperwaschung, sprach das Glaubensbekenntnis und verrichtete zwei Rakʿa Gebet. Dann nahm er seine Waffe auf und machte sich auf den Weg zur Versammlung beziehungsweise Zusammenkunft seines Stammes.

Als Hazrat Saʿd (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) seine Leute erreichte, riefen sie: „Das ist nicht das Gesicht, mit dem Saʿd von hier fortgegangen ist.“ Als er zu ihnen trat, sagte er: „O Leute der Banū ʿAbd al-Aschhal! Was wisst ihr über mich als einen unter euch?“ Alle sagten: „Du bist unser Anführer. Unter uns bist du derjenige, der seinen Verwandten am meisten Barmherzigkeit und Güte erweist. Unter uns hast du die zutreffendsten Ansichten. Für uns bist du der besonnenste und erfahrenste.“ Nachdem Saʿd dies gehört hatte, sagte er: „Solange ihr nicht an Allah und Seinen Gesandten glaubt, ist es mir verboten, mit euren Männern und Frauen zu sprechen.“ Noch vor Einbruch des Abends nahmen daraufhin alle Männer und Frauen der Banū ʿAbd al-Aschhal den Islam an. Nur eine Person, ʿAmr ibn Thābit, blieb Nichtmuslim. Er nahm während der Schlacht von Uhud den Glauben an und wurde, noch bevor er Gelegenheit zu einer Niederwerfung hatte, als Märtyrer getötet. Der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sagte: „Er gehört zu den Bewohnern des Paradieses.“ Es sei erwähnt, dass es unter den Banū ʿAbd al-Aschhal keinen einzigen Heuchler gab. Ibn Saʿd berichtet über al-Wāqidī, dass Hazrat Saʿd ibn Muʿādh (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) und Usayd ibn Hudayr (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) nach ihrem Übertritt zum Islam umhergingen und die Götzen der Banū ʿAbd al-Aschhal zerbrachen.

Ibn Isḥāq sagt, dass Hazrat Musʿab in Medina unablässig zur Religion aufrief. Schließlich gab es unter den Wohnvierteln der Ansār kein einziges, in dem sich nicht muslimische Männer und Frauen fanden. Nur drei oder vier Familien gab es, die bis zur Grabenschlacht den Islam nicht annahmen.

Die Einrichtung des Freitagsgebets in Medina

Hazrat Kaʿb ibn Mālik (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) und Ibn Sīrīn (Allah habe Erbarmen mit ihm) sagen, dass die Ansār von Medina schon vor der Anordnung des Freitagsgebets gemeinsam beschlossen, einmal wöchentlich ein gemeinschaftliches Gebet zu verrichten. Zu diesem Zweck bestimmten sie den Freitag, wobei sie den Sabbat (Samstag) der Juden und den Sonntag der Christen außer Acht ließen – in der Zeit der Unwissenheit wurde er „Yawm ʿArūba“ genannt. Das erste Freitagsgebet leitete Hazrat Asʿad ibn Zurāra (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) im Gebiet von Bayāḍa; daran nahmen vierzig Menschen teil (Musnad Aḥmad, Abū Dāwūd, Ibn Māǧa, Ibn Ḥibbān, ʿAbd ibn Ḥumayd, ʿAbd ar-Razzāq, al-Bayhaqī, Ibn Hišām).

Darqutni führt einen Bericht von Hadhrat Abdullah ibn Abbas (r.a.) an und sagt: Als in Mekka die Anordnung zum Freitagsgebet erging, sandte der Gesandte Allahs (s.a.w.s.) Hadhrat Mus’ab ibn Umair (r.a.) schriftliche Anweisungen nach Medina, er solle nach dem Überschreiten des Mittags zwei Gebetseinheiten beten lassen. Der Grund für die Anordnung, das Freitagsgebet in Medina abzuhalten, war, dass es zu jener Zeit in Mekka nicht möglich war, das Freitagsgebet zu verrichten.

Das letzte Treuegelöbnis von Aqaba

Bis zur Zeit der Pilgerfahrt im Monat Dhu al-Hiddscha im dreizehnten Jahr der Prophetenschaft (622 n. Chr., Juni–Juli) hatte sich der Islam in Medina beträchtlich ausgebreitet. Imam Ahmad und at-Tabarani überliefern den Bericht von Hadhrat Dschabir ibn Abdullah al-Ansari (r.a.) und sagen: „Der Gesandte Allahs (s.a.w.s.) zog zehn Jahre lang über die Märkte von Ukaz und Madschanna sowie während der Pilgerzeit von Lager zu Lager der verschiedenen Stämme. An all diesen Orten sagte er: Wer gewährt mir bei sich Schutz, und wer kann mir helfen, damit ich die Botschaft meines Herrn übermitteln kann und er dafür das Paradies erlangt? Doch niemand war bereit, ihn zu unterstützen. Wenn vielmehr jemand aus Jemen oder aus den Stämmen Mudar nach Mekka aufbrach, sagte jemand aus seinem Stamm oder ein Verwandter zu ihm: Halte dich ein wenig von jenem jungen Mann der Quraisch fern; er könnte dich in Versuchung führen.“

„Wenn der Gesandte (s.a.w.s.) an ihren Lagern vorbeikam, wurde mit den Fingern auf ihn gezeigt. Schließlich sandte Allah uns aus Yathrib zum Gesandten Allahs (s.a.w.s.), und wir erkannten ihn als wahr an. Danach wurde die Lage so, dass jemand sein Haus verließ, den Glauben annahm und den Qur’an las; wenn er nach Hause zurückkehrte, wurden auch die Mitglieder seines Haushalts Muslime. Auf diese Weise gab es in den Vierteln der Ansar kein Viertel, in dem sich nicht eine Gruppe von Muslimen befand und in dem sie nicht offen den Islam verkündeten. [Eigentlich wird hier das Wort **** verwendet, der Plural des Wortes ****. Die Siedlungen der Bewohner Medinas waren derart beschaffen, dass jeder Stamm ein eigenes Wohngebiet hatte, in dem Wohnhäuser, Felder und Weinberge zusammenlagen. Zu jener Zeit gab es in Medina neun solche Wohngebiete. Jedes Wohngebiet war dauerhaft angelegt und grenzte an die Wohngebiete anderer Stämme. Aus diesem Grund haben wir hierfür das Wort ‚Viertel‘ verwendet – der Verfasser.] Eines Tages versammelten wir uns alle und begannen, zueinander zu sagen: Wie lange noch sollen wir den Gesandten Allahs (s.a.w.s.) in diesem Zustand lassen, dass er an den Bergen von Mekka umherzieht, überall zurückgewiesen wird und nirgends Schutz und Sicherheit findet? Daraufhin zogen wir zu siebzig zur Pilgerfahrt und beschlossen, uns in Aqaba mit ihm zu treffen (den restlichen Teil dieses Hadiths werden wir weiter vorn einfügen).“

Imam Ahmad, at-Tabarani, Ibn Dschārir at-Tabari und Ibn Hischam überliefern über Muhammad ibn Ishaq den Bericht von Hadhrat Ka’b ibn Malik (r.a.), dass wir gemeinsam mit den Polytheisten unseres Volkes zur Pilgerfahrt aufbrachen. Unter uns befand sich auch unser Anführer und angesehener Mann Bara ibn Ma’rur. Unterwegs sagte er: Ich habe eine Meinung. Ich weiß nicht, ob ihr mir zustimmt oder anderer Ansicht seid. Wir fragten: Was ist es? Er sagte: Meine Meinung ist, dass ich beim Gebet nicht der Kaaba den Rücken, sondern das Gesicht zuwenden werde. Wir sagten: Wir haben vom Gesandten Allahs (s.a.w.s.) erfahren, dass er mit dem Gesicht nach Syrien, also in Richtung Bayt al-Maqdis, betet. Wir werden nicht nach deiner Weise beten. Dennoch betete er weiterhin mit dem Gesicht zur Kaaba. Wir begannen, ihn dafür zu tadeln. Als wir in Mekka angekommen waren, sagte er zu mir: Neffe, komm, lass uns den Gesandten Allahs (s.a.w.s.) aufsuchen. Dann wollen wir ihn wegen dieser meiner Handlung fragen, denn durch euren Widerspruch ist in mir ein Zweifel entstanden. Wir hatten den Gesandten niemals gesehen und kannten ihn auch nicht. Deshalb fragten wir einen Mann aus Mekka nach seinem Aufenthaltsort. Er sagte: Kennt ihr seinen Onkel Abbas? Wir sagten: Ja, denn er kam zu Handelszwecken zu uns. Er sagte: Geht zum Haram; dort werdet ihr ihn bei Abbas sitzen sehen.

Wir kamen dort an und grüßten ihn. Er fragte Abbas (r.a.): Kennst du diese beiden Männer? Er sagte: Ja, dies ist Bara ibn Ma’rur und dies ist Ka’b ibn Malik. Ich werde niemals vergessen, dass der Gesandte (s.a.w.s.), nachdem er meinen Namen gehört hatte, sagte: Ka’b? Abbas (r.a.) sagte: Ja. Danach erkundigte er sich bei Bara nach seiner Angelegenheit. Anschließend begann Bara auf Anweisung des Gesandten (s.a.w.s.) in dieselbe Gebetsrichtung zu beten, in die auch der Gesandte (s.a.w.s.) betete. Danach bat der Gesandte (s.a.w.s.) uns, uns in der Nacht am Tag des Monats der ‚Ayyam at-Taschriq‘ in Aqaba mit ihm zu treffen. [‚Ayyam at-Taschriq‘ nennt man jene Tage, an denen die Menschen nach der Pilgerfahrt in Mina verweilen – der Verfasser.] In jener Nacht legten wir uns in unserem Lager schlafen. Nachdem ein Drittel der Nacht vergangen war, machten wir uns heimlich auf, um ihn zu treffen, denn wir wollten diese Angelegenheit vor den Polytheisten unseres Volkes geheim halten. Unter uns befand sich jedoch auch Abu Dschabir Abdullah ibn Amr ibn Haram, einer unserer Anführer und angesehenen Männer. Er hielt weiterhin an der Religion seiner Vorväter fest. Wir nahmen ihn mit und sagten: Du bist einer unserer Anführer und angesehenen Männer. Wir wollen nicht, dass du Brennstoff der Hölle wirst. Dann boten wir ihm den Islam an und sagten: Nun gehen wir nach Aqaba, um den Gesandten (s.a.w.s.) zu treffen. Daraufhin nahm er sofort den Islam an und schloss sich uns beim Treuegelöbnis in Aqaba an. Insgesamt waren wir damals dreiundsiebzig Männer, und bei uns waren auch zwei Frauen. Eine war Nasiba beziehungsweise Nusayba bint Ka’b, Umm ‘Umara, aus den Banu Nadschdschas. [Diese Frau kämpfte gemeinsam mit ihrem Sohn Hadhrat Abdullah gegen Musailima den Lügner. Sie nahm selbst am Kampf teil, erlitt zwölf Verwundungen am Körper und verlor eine Hand. Zuvor hatte Musailima ihren Sohn Habib in Stücke schneiden und töten lassen. Er fragte ihn: Bezeugst du, dass Muhammad (s.a.w.s.) der Gesandte ist? Habib (r.a.) antwortete: Ja. Wenn er ihn fragte: Bezeugst du, dass ich der Gesandte bin?, sagte er: Ich will nichts hören. Daraufhin schnitt er ihm einen Teil ab. Nach jeder Antwort schnitt er ihm ein weiteres Körperteil ab. Auf diese Weise zerstückelte und tötete der Tyrann ihn. Doch bis zuletzt erkannte er diesen falschen Propheten nicht als wahr an. (Ibn Hischam, Band 2, S. 108–109) – der Verfasser.] Die andere war Asma bint Amr Umm Sani aus den Banu Salima.

Hadhrat Dschabir (r.a.) gibt die Zahl der Teilnehmer an diesem Treuegelöbnis mit siebzig an und erwähnt keine Frauen. Diese Aussage überliefern auch Ahmad und al-Bayhaqi von Amr asch-Scha’bi. Hadhrat Ka’b ibn Malik (r.a.) hingegen erwähnt zweiundsiebzig Männer und zwei Frauen und nennt auch ihre Namen ausdrücklich. Ibn Ishaq fügt als ausführliche Einzelheit hinzu, dass von den dreiundsiebzig Männern elf aus den Aus und zweiundsechzig aus den Chazradsch stammten. Bei ihnen waren zwei Frauen. Eine war Nusayba bint Ka’b, die gemeinsam mit ihrem Ehemann Zaid ibn Asim (r.a.) und ihren beiden Söhnen Habib (r.a.) und Ubaidullah anwesend war. Die zweite Frau war Asma bint Amr. Der Grund für diese abweichenden Angaben in den Überlieferungen liegt wahrscheinlich darin, dass die Araber Zahlen meistens ohne Bruchteile angeben. Wenn die Mehrheit einer Gruppe aus Männern besteht, halten sie es für ausreichend, diese zu erwähnen. Wenn ein oder zwei Frauen dabei sind, lassen sie diese unberücksichtigt.

Ibn Saʿd überliefert unter Berufung auf al-Wāqidī die Aussage von ʿUwaim ibn Sāʿida: Als wir in Mekka ankamen, sagten Saʿd ibn Chaythama (r.a.), Maʿan ibn ʿAdī (r.a.) und ʿAbdullah ibn az-Zubair (r.a.) zu mir: »Komm, lass uns den Gesandten Allahs (s) aufsuchen und ihn begrüßen. Denn wir haben zwar an ihn geglaubt, ihn aber bis jetzt noch nicht gesehen.« Also machten wir uns auf den Weg. Man hatte uns gesagt, dass er sich im Haus von al-ʿAbbās ibn ʿAbd al-Muttalib aufhielt. Wir kamen dort an, begrüßten ihn und fragten: »Wo werden Sie sich mit unserer Delegation, die aus Medina gekommen ist, treffen?« Hadhrat ʿAbbās sagte: »Unter euren Leuten befinden sich auch jene, die euch ablehnen. Haltet daher eure Angelegenheit geheim, bis die Pilger abgereist sind.« Der Gesandte Allahs (s) hatte für das Treffen jene Nacht vorgeschlagen, deren Morgen »Yawmun-Nafar al-Āchir« genannt wird *****************, das heißt: der letzte Tag, an dem die Pilger Mina verlassen. Er bestimmte den oberen Teil von al-ʿAqaba als Treffpunkt. [Ibn Saʿd sagt: Dies ist der Ort, an dem sich heute eine Moschee befindet. (Ṭabaqāt Ibn Saʿd, in Beirut gedruckt, 1957 n. Chr., Band 1, S. 221.) Ibn Saʿd wurde im Jahr 168 nach der Hidschra geboren und starb im Jahr 230 nach der Hidschra. Das bedeutet, dass diese Moschee bereits im zweiten Jahrhundert nach der Hidschra existierte. Sie bestand auch noch, als Muhammad Husain Haykal 1936 den Hedschas bereiste. Er erwähnt sie auf Seite 111 seines Werkes »Fī Manzil al-Waḥy« unter der Bezeichnung »Moschee von al-ʿAqaba«. Leider findet man heute nirgendwo mehr eine Spur ihres Namens oder ihres Standorts – der Verfasser.] Es wurde angewiesen, keinen Schlafenden zu wecken und nicht auf jemanden zu warten, der nicht gekommen war.

Alle Überlieferungen über die Baiʿa von al-ʿAqaba stimmen darin überein, dass diese Menschen, als sie in jener Nacht zu zweit oder zu viert heimlich am vereinbarten Ort eintrafen, ihm in dieser Angelegenheit ihr Vertrauen schenkten, obwohl er damals noch öffentlich als Nichtmuslim galt. [Ibn Saʿd überliefert die Aussage von Abū Rāfiʿ (r.a.), dem Diener des Gesandten Allahs. Er sagt: »Als ich noch der Diener von Hadhrat ʿAbbās (r.a.) war, hielt der Islam Einzug in unser Haus. Hadhrat ʿAbbās (r.a.), seine Frau Umm al-Faḍl und ich wurden Muslime. Hadhrat ʿAbbās (r.a.) hielt jedoch seinen Übertritt zum Islam geheim. Nach der Schlacht von Badr, als in den Häusern der Ungläubigen Trauer herrschte, herrschte in unserem Haus Freude« – der Verfasser.] Er war deshalb in dieser heiklen Lage hierhergekommen, damit vor dem Aufbruch des Gesandten (s) nach Medina in jeder Hinsicht eine feste Vereinbarung getroffen werden konnte.

In den Überlieferungen von Imām Ahmad, al-Baihaqī und ʿĀmir asch-Schaʿbī heißt es, dass der Gesandte (s), als alle Menschen versammelt waren, sagte: »Wer etwas sagen möchte, soll sich kurzfassen und seine Rede nicht in die Länge ziehen. Denn die Spione der Götzendiener suchen nach euch.«

Hadhrat Kaʿb ibn Mālik, dessen Überlieferung wir oben teilweise unter Berufung auf Imām Ahmad, Ibn Dscharīr, at-Tabarī und Ibn Hischām angeführt haben, berichtet im Zusammenhang mit dieser Überlieferung über den weiteren Verlauf: Als Erster begann Hadhrat ʿAbbās (r.a.) zu sprechen. Er sagte: »Ihr Leute von Chazradsch [Damals wurde die Vereinigung von Aus und Chazradsch als Chazradsch bezeichnet – der Verfasser.], ihr wisst, welchen Rang Muhammad (s) hier genießt. Gegenüber denen aus unserem Umfeld, die ihm nicht folgten, haben wir – die Banū Hāschim und die Banū al-Muṭṭalib – ihn unterstützt und ihm Schutz gewährt. Deshalb besitzt er inmitten seines Volkes eine gefestigte Stellung und lebt in der Stadt an einem geschützten Ort. Er ist jedoch zu nichts anderem bereit, als zu euch zu gehen. Wenn ihr also meint, dass ihr das Versprechen und die Zusage erfüllen werdet, unter deren Bedingungen ihr ihn ruft, und dass ihr ihn gegen seine Gegner schützen werdet, dann übernehmt die Verantwortung, die ihr auf euch nehmt. Wenn ihr jedoch befürchtet, dass ihr nach seinem Aufbruch von hier und seinem Anschluss an euch irgendwann gezwungen sein werdet, seine Nähe aufzugeben und ihn den Feinden auszuliefern, dann wäre es besser, ihn schon jetzt zu verlassen. Denn er genießt inmitten seines Volkes eine gefestigte Stellung und lebt auch in der Stadt an einem geschützten Ort.«

Wir sagten: »Wir haben Ihre Worte gehört. Nun, o Gesandter Allahs, sprechen Sie und nehmen Sie von uns das Versprechen und die Zusage entgegen, die Sie von uns verlangen.«

Danach rezitierte der Gesandte (s) in seiner Ansprache aus dem Koran, rief zu Allah auf, ermutigte zum Islam und sagte anschließend: »Ich nehme von euch die Baiʿa unter der Bedingung entgegen, dass ihr mich genauso unterstützt und schützt, wie ihr euer eigenes Leben und eure Kinder schützt.«

Barāʾ ibn Maʿrūr (r.a.) nahm die Hand des Gesandten in seine Hände und sagte: »Ja, bei dem Gott, der dich mit der Wahrheit gesandt hat: Wir werden dich vor all dem schützen, wovor wir auch uns selbst und unsere Kinder schützen. O Gesandter Allahs (s), nimm daher unsere Baiʿa entgegen. Wir sind im Krieg erprobte Männer. Dies haben wir von unseren Vätern und Vorvätern geerbt.«

Abū al-Haitham ibn at-Taiyihān [Manche schreiben die Aussprache »at-Taiyāhān«, andere »at-Taihān« – der Verfasser.] rief aus der Mitte der Versammelten: »O Gesandter Allahs, zwischen uns und den anderen Menschen, den Juden, bestehen freundschaftliche Beziehungen, die du abbrechen wirst. Sorge dann dafür, dass es nicht dazu kommt, dass du uns verlässt und zu deinem eigenen Volk zurückkehrst, sobald Allah dir den Sieg schenkt.« Der Gesandte (s) lächelte und sagte: »Nein, nein. Vielmehr gilt jetzt: Blut um Blut und Grab um Grab. Das heißt: Mein Tod und mein Leben sind mit euch. Ich gehöre zu euch, und ihr gehört zu mir. Gegen diejenigen, mit denen ihr kämpft, werde auch ich kämpfen; und mit demjenigen, mit dem ihr Frieden schließt, werde auch ich Frieden schließen.«

In dem Bericht von Hazrat Dschabir ibn Abdullah al-Ansari (r.a.), den wir zuvor aus dem Musnad Ahmad und von at-Tabarani zitiert haben, fährt er fort und sagt: Als wir uns alle bei al-Aqaba versammelt hatten, fragten wir: „O Gesandter Allahs! Wofür sollen wir dir den Treueid leisten?“ Der Prophet (s.a.w.) sagte: „Dafür, dass ihr in allen Situationen, in guten wie in schlechten, den Anordnungen folgt und Gehorsam leistet; dass ihr sowohl in Zeiten des Wohlstands als auch der Not euer Vermögen ausgebt; dass ihr das Gute gebietet und das Schlechte verbietet; dass ihr in Bezug auf Allah die Wahrheit sprecht und die Schmähungen keines Schmähers fürchtet. Und dafür, dass ihr mir die Treue gelobt und versprecht: Wenn ich zu euch komme, wird jeder von euch mich vor dem schützen, wovor er sich selbst und seine Kinder schützt. Dafür ist euch das Paradies bestimmt.“ Daraufhin erhoben wir uns und gingen auf ihn zu. Der jüngste unter den Männern der Gruppe, Asʿad ibn Zurara (r.a.) – in der Überlieferung von al-Baihaqi heißt es: der Jüngste von allen außer mir –, ergriff seine Hand und sagte: „O Leute von Yathrib, haltet ein! Wir sind nicht auf Kamelen zu ihm geeilt, um einen anderen Zweck zu verfolgen als den, dass wir wissen, dass er der Gesandte Allahs ist. Ihn heute von hier wegzuführen und zu uns zu nehmen bedeutet, die Feindschaft ganz Arabiens auf uns zu ziehen. Die Folge davon wird sein, dass eure jungen Männer getötet werden und eure Schwerter mit eurem Blut gerötet werden. Wenn ihr also die Kraft habt, all dies zu ertragen, dann ergreift seine Hand; euer Lohn liegt bei Allah. Wenn ihr aber um euer Leben fürchtet, dann gebt diesen Gedanken von jetzt an auf und bringt eine klare Entschuldigung vor. Denn eine Entschuldigung und ein Einwand zu diesem Zeitpunkt werden bei Allah eher angenommen werden.“ Da riefen alle: „Asʿad, geh uns aus dem Weg! Bei Allah, wir werden diesen Treueid niemals aufgeben und unsere Hände nicht von seiner Hand zurückziehen.“ Danach leisteten alle den Treueid. Auch al-Hakim, al-Bazzar und al-Baihaqi überliefern diesen Bericht.

Ibn Dscharir at-Tabari zitiert über Ibn Hischam, über Asim ibn Umar ibn Qatada, einen Bericht von Muhammad ibn Ishaq, wonach Abbas ibn Ubada ibn Nadla al-Ansari zur Zeit des Treueids sagte: „Die Antwort an die Khazradsch lautet: Ja, ich weiß es.“ Abbas fuhr nachdrücklich fort: „Ihr leistet den Treueid, gegen alle zu kämpfen, gegen die Weißen ebenso wie gegen die Schwarzen. Das heißt, mit diesem Treueid fordert ihr die ganze Welt zum Kampf heraus. Wenn ihr nun meint, dass ihr diesen Mann, sobald ihr die Zerstörung eures Vermögens und den Untergang eurer Vornehmen befürchtet, den Feinden ausliefern werdet, dann wäre es besser, ihn schon heute zu verlassen. Denn bei Allah, das würde Schande in dieser Welt und im Jenseits bedeuten. Wenn ihr aber meint, dass ihr den Mann trotz der Gefahr für euer Vermögen und des Untergangs eurer Vornehmen mit dem Versprechen, mit dem ihr ihn zu euch einladet, unter allen Umständen schützen werdet, dann ergreift seine Hand. Bei Allah, genau das wird zum Guten in dieser Welt und im Jenseits sein.“ Alle Versammelten waren sich einig und sagten: „Wir sind bereit, unser Vermögen und unsere Vornehmen seinetwegen der Gefahr auszusetzen.“ Dann fragten die Leute: „O Gesandter Allahs! Was wird unsere Belohnung sein, wenn wir unser Versprechen erfüllen?“

Er sagte: „Das Paradies.“

Ibn Saʿd zitiert über al-Waqidi den Bericht von Muʿadh ibn Rifaʿa ibn Rafiʿ, wonach sich alle am Ort von al-Aqaba versammelt hatten. Da begann der Onkel des Propheten (s.a.w.), Abbas ibn Abd al-Muttalib, folgendermaßen zu sprechen: „O ihr Leute der Khazradsch! Ihr habt Muhammad (s.a.w.) eingeladen, zu euch zu kommen. Dabei besitzt Muhammad (s.a.w.) unter seiner Familie und seinen Verwandten die gefestigtste Stellung und das höchste Ansehen. Sowohl diejenigen unter uns, die seine Religion angenommen haben, als auch diejenigen, die dies nicht getan haben, schützen ihn aufgrund seiner Abstammung. Doch Muhammad (s.a.w.) möchte alle verlassen und gerade zu euch gehen. Überlegt daher genau und trefft nach reiflicher Überlegung eine Entscheidung. Beratet euch miteinander und fasst einen gemeinsamen Beschluss. Denn das beste Wort ist das wahre Wort.“

Dann fragte Hazrat Abbas: „Sagt mir bitte, wie kämpft ihr gegen den Feind?“ Alle schwiegen. Abdullah ibn Amr ibn Haram – der kurz vor dem Treueid von al-Aqaba den Islam angenommen hatte – beantwortete diese Frage. Er sagte: „Bei Allah, wir sind ein Volk von Kriegskämpfern. Der Krieg ist uns zur Natur geworden, und wir sind darin erfahren. Wir haben dies von unseren Vätern und Großvätern ererbt. Zuerst kämpfen wir als Bogenschützen. Wenn die Pfeile verbraucht sind, kämpfen wir mit Speeren. Wenn auch diese nicht mehr vorhanden sind, beginnt der Kampf mit dem Schwert. Mit diesen Schwertern treten wir dem Feind entgegen. Danach nimmt jeder den Tod an, dem er zuerst begegnet.“

Hazrat Abbas sagte: „Wahrlich, ihr seid ein Volk von Kriegern.“ Darauf sagte Bara ibn Maʿrur: „Wir haben deine Worte gehört. Bei Allah! Wenn wir etwas anderes im Herzen trügen, würden wir es offen aussprechen. Wir wollen unser Versprechen gegenüber dem Gesandten Allahs (s.a.w.) wahrhaft erfüllen und unser Leben für ihn hingeben.“

Al-Waqidi überliefert in einem anderen Bericht folgende Worte aus der Ansprache von Hazrat Bara ibn Maʿrur: „Wir verfügen über reichlich Kriegsausrüstung und Kampfkraft. Schon als wir noch Steingötzen anbeteten, war dies unser Zustand; wie muss unser Zustand nun erst sein, nachdem Allah uns jene Wahrheit gezeigt hat, in der die anderen Menschen im Dunkeln sind, und uns durch Muhammad (s.a.w.) geholfen hat.“ (Zusatz des Verfassers.)

Die Bedeutung des Treueids von al-Aqaba

Dies war ein revolutionäres Ereignis in der Geschichte des Islams, das Gott in Seiner Gnade herbeiführte und dessen Gelegenheit der Prophet Muhammad (s) ergriff. Die Bewohner Yathribs riefen den Propheten (s) nicht bloß als einen Schutzsuchenden in ihre Stadt, sondern als Gottes Stellvertreter sowie als ihren eigenen Führer und Herrscher. Ihr Aufruf an die Anhänger des Islams bezweckte nicht, dass er an einem fremden Ort lediglich als Muhadschir Aufnahme fände; vielmehr bestand das Ziel darin, dass alle Muslime, die über die verschiedenen Stämme und Gegenden Arabiens verstreut waren, nach Yathrib kämen, sich dort versammelten und gemeinsam mit den Muslimen Yathribs eine wohlgeordnete islamische Gesellschaft bildeten. Auf diese Weise präsentierte sich Yathrib in Wahrheit selbst als „Madinat al-Islam“ (Stadt des Islams), und der Prophet (s) nahm dies an und errichtete in Arabien das erste Dar al-Islam. Die Bewohner Medinas waren sich der Bedeutung dieses Vorhabens durchaus bewusst. Seine klare Bedeutung war, dass eine kleine Stadt sich dem militärischen, wirtschaftlichen und kulturellen Boykott des gesamten Landes entgegenstellte. Tatsächlich legten jene ersten Helfer des Islams (Ansar) in jener Versammlung in der Nacht des Treuebundes von al-Aqaba ihre Hände in die Hand des Propheten (s), nachdem sie dieses Ergebnis sehr wohl erkannt und verstanden hatten. All dies kam in ihren Ansprachen zum Ausdruck. (Tafhim al-Qur’an, Band 2, Einleitung zur Sure al-Anfal.)

Der Antrieb der Ansar, ihr Leben hinzugeben

Obwohl die Ansar von Medina die drohenden Gefahren genau kannten, empfanden sie angesichts des Treuebundes, den sie dem Gesandten Allahs (s) geleistet hatten, nicht im Geringsten Unruhe; im Gegenteil, sie waren stolz darauf. Ihr Antrieb, auf diesem Weg allen voranzugehen, war so gewaltig, dass unter ihnen die Frage erörtert wurde, wem beim Treuebund die Ehre zuteilgeworden war, als Erster dem Propheten (s) die Hand zu reichen. Ibn Ishaq berichtet, die Banu Nadschdschār hätten den Anspruch erhoben, dass As’ad ibn Zurāra (ra) als Erster den Treuebund geleistet habe. Die Banu Abd al-Aschhal behaupteten, diese Ehre sei Abu al-Haitham ibn at-Tayyihān zuteilgeworden. Ibn Athir schreibt in Usd al-Ghāba, die Banu Salima sagten, der Erste, der den Treuebund geleistet habe, sei Ka’b ibn Mālik (ra) gewesen. Ibn Sa’d berichtet nach al-Wāqidī, dass zwischen den Aus und den Chazradsch ein gegenseitiger Wettstreit des Stolzes und der Prahlerei begann: War der Erste, der den Treuebund leistete, ein Mann der Aus oder der Chazradsch? Schließlich sagten die Leute, niemand wisse in dieser Angelegenheit besser Bescheid als Hadhrat Abbas ibn Abd al-Muttalib, da er sich damals beim Gesandten (s) befunden hatte. Auf ihre Frage antwortete er: Als Erster reichte As’ad ibn Zurāra dem Gesandten (s) die Hand, danach Bara ibn Ma’rūr und anschließend Usaid ibn Hudair.

Die Ernennung der Naqībs

Am Ende des Berichts von Hadhrat Ka’b ibn Mālik (ra), den wir bereits zuvor angeführt haben, berichtet er, dass der Gesandte Allahs (s) nach dem Treuebund zu uns sagte: „Wählt aus eurer Mitte zwölf Naqībs und stellt sie mir vor, die jeweils für ihren Stamm verantwortlich sein sollen.“ In den Tabaqāt von Ibn Sa’d findet sich nach Ibn Ishaq ein Bericht, wonach der Prophet (s) sagte, sie würden für ihr jeweiliges Volk Bürgen sein, so wie die Jünger Hadhrat Isas (a), des Sohnes Maryams, Bürgen gewesen seien. In den Tabaqāt von Ibn Sa’d wird ferner nach al-Wāqidī berichtet, dass Hadhrat Musa (a) aus den Banu Isra’il zwölf Naqībs ausgewählt hatte. Entsprechend dieser Anweisung des Gesandten (s) schlugen alle zwölf Personen vor: neun aus dem Stamm der Chazradsch und drei aus dem Stamm der Aus. Nach dem Bericht Ibn Ishaqs lautet ihre Liste wie folgt:

Aus dem Stamm der Chazradsch:

1. As’ad ibn Zurāra (ra). Der Gesandte (s) ernannte ihn zum Anführer der Naqībs (Naqīb an-Naqābā).

2. Sa’d ibn ar-Rabī (ra). Im Zeitalter der Dschāhilīya gehörte er zu den gebildeten Männern Medinas.

3. Abdullah bin Rawaha (r). Man nannte ihn „Kamil“.

4. Rafi bin Malik (r). Im Zeitalter der Dschahiliya wurde er „Kamil“ genannt.

5. Bara bin Maʿrur (r). Er verstarb kurze Zeit vor der Hidschra. Der Prophet (s) verrichtete das Totengebet an seinem Grab.

6. Abdullah bin Amr bin Haram (r). In der Nacht des Treueids von ʿAqaba nahm er den Glauben an.

7. Ubada bin Samit (r).

8. Saʿd bin Amr (r). Auch er konnte lesen und schreiben.

Unter den Aus:

1. Usaid bin Hudair (r). Man nannte ihn „Kamil“.

2. Rifa’a bin Abd al-Mundhir (r.a.). (Ibn Ishaq sagt, dass die Gelehrten an seiner Stelle Abu al-Haitham bin at-Tayyihan genannt haben.)

Dann sagte der Gesandte (s.a.s.): „Geht nun jeder von euch zu seiner Unterkunft.“

Die erste Reaktion der Quraisch auf die Nachricht vom Treueschwur

Imam Ahmad, Ibn Dscharir at-Tabari und Ibn Hischam überliefern unter Berufung auf Muhammad bin Ishaq den Bericht von Ka’b bin Malik (r.a.); einen ähnlichen Bericht überliefert al-Waqidi mit verschiedenen Überlieferungsketten, und Ibn Sa’d nahm ihn in seine Tabaqat auf. Demnach erreichte die Nachricht die Quraisch noch in derselben Nacht, in der der Treueschwur in al-Aqaba geleistet wurde, und am Morgen kamen ihre Anführer zum Lager der Bewohner von Medina in Mina. Sie sagten: „O Leute der Chazradsch, uns ist die Nachricht zu Ohren gekommen, dass ihr euch mit diesem unserem Mann – Muhammad (s.a.s.) – getroffen habt. Ihr wollt ihn von uns wegbringen und habt ihm den Treueschwur geleistet, gegen uns zu kämpfen. Bei Gott! Unter den Arabern gibt es kein Volk, mit dem zu kämpfen uns unangenehmer wäre als mit euch.“

Daraufhin standen diejenigen unter den Bewohnern von Medina, die مشرک waren, auf und schworen: „So etwas ist nicht geschehen; wir wissen nichts davon.“

Dies war tatsächlich ihre ehrliche Aussage, denn in Wahrheit wussten sie nichts davon. Die Muslime sahen einander jedoch fragend an. Dann gingen die Quraisch zu ihrem Anführer Abdullah bin Ubayy und fragten ihn danach. Er sagte: „Das ist eine derart große Angelegenheit, dass mein Volk sie nicht ohne mich hätte durchführen können. Ich weiß nicht, dass so etwas geschehen ist.“

Mit diesen Antworten konnten sich die Quraisch nicht zufriedengeben. Sie stellten heimlich Nachforschungen an. Schließlich waren sie überzeugt, dass sich ein solches Ereignis tatsächlich zugetragen hatte. Als die Teilnehmer am Treueschwur nach Medina zurückkehrten, verfolgten die Quraisch sie. Nahe außerhalb von Mekka, an einem Ort namens Adhakhir, ergriffen sie Sa’d bin Ubada (r.a.) und Mundhir bin Amr (r.a.). Mundhir konnte ihnen entkommen. Sa’d bin Ubada (r.a.) jedoch nahmen sie fest, banden ihm die Hände an den Hals und brachten ihn unter Schlägen nach Mekka.

Hadhrat Sa’d (r.a.) berichtet: „Als ich in Mekka so behandelt wurde, trat ein hellhäutiger, kräftig gebauter junger Mann vor mich (es war Suhail bin Amr). Ich dachte: Wenn einer von ihnen etwas Gutes in sich trägt, dann dieser. Doch als er zu mir kam, versetzte er mir einen sehr heftigen Faustschlag. Da dachte ich bei mir: In diesem steckt kein Gutes. Während sie mich fortschleiften, sagte ein Mann zu mir (es war Abu al-Bachtari Hischam): ‚O Diener Gottes! Besteht zwischen euch und jemandem von den Quraisch etwa keine Vereinbarung oder kein Schutzverhältnis?‘ Ich antwortete: ‚In meiner Gegend gewähre ich der Handelskarawane von Jubair bin Mut’im und Harith bin Umayya bin Abd Schams Schutz.‘ (Ibn Sa’d nennt anstelle von Jubair dessen Vater Mut’im bin Adi.) Er sagte: ‚Dann berufe dich auf ihn und sage, in welchem Verhältnis du zu ihm stehst.‘ Das tat ich. Daraufhin machte er sich auf die Suche nach den beiden Männern. Er fand sie schließlich im Haram der Kaaba und sagte zu ihnen: ‚Im Tal von Muhassab zwischen Mekka und Mina wird ein Mann aus dem Stamm der Chazradsch geschlagen, und er ruft die Namen von euch beiden. Er sagt, dass zwischen ihm und euch ein Schutzverhältnis besteht.‘ Sie fragten: ‚Wer ist dieser Mann?‘ Er sagte: ‚Sa’d bin Ubada.‘ Als sie das hörten, sagten beide: ‚Bei Gott, er sagt die Wahrheit. Er gewährte unseren Händlern Schutz und ließ nicht zu, dass ihnen jemand Unrecht tat.‘ Sie kamen und retteten Ubada aus den Händen der Unterdrücker.“

Al-Wāqidī berichtet: Als die Ansār vom Verschwinden des Saʿd erfuhren, wandten sie sich auf der Suche nach ihm in Richtung Mekka. Doch unterwegs sahen sie Saʿd zurückkehren.

Die Verkündigung des Islām in Medina nach dem Treueid

Nach ihrer Rückkehr nach Medina begannen die Ansār mit großer Eile, den Islām zu verkünden, und machten sich in religiösem Eifer daran, die Götzen zu zerbrechen. Ibn Saʿd berichtet ausführlich, dass Abū ʿAbs ibn Ǧabr und Abū Burda ibn Niyār die Götzen der Banū Ḥāritha zerschlugen; ʿUmāra ibn Ḥazm, Asʿad ibn Zurāra, ʿAwf ibn ʿAfrā, Ṣālit ibn Qays und Abū Ṣirām die Götzen der Banū Naǧǧār; Ziyād ibn Labīd und Farwa ibn ʿAmr die Götzen der Banū Bayāḍa; Saʿd ibn ʿUbāda, Mundhir ibn ʿAmr und Abū Duǧāna die Götzen der Banū Sāʿida; sowie Muʿādh ibn Ǧabal, Thaʿlaba ibn Ġanama und ʿAbdullāh ibn Unays die Götzen der Banū Sālim. Daraus lässt sich ermessen, dass die Muslime damals einen solchen Einfluss auf die Götzendiener Medinas gewonnen hatten, dass diese die Zerstörung der Götzen nicht verhindern konnten.

Ibn Hišām berichtet hierzu eine amüsante Begebenheit. Unter den Anführern der Bewohner Medinas war ʿAmr ibn Ǧamūḥ, der Anführer der Banū Sālim, weiterhin fest dem Götzendienst ergeben. Sein Sohn Muʿādh ibn ʿAmr hingegen war Muslim geworden und vom Treueid in al-ʿAqaba zurückgekehrt. In seinem Haus bewahrte er eine hölzerne Statue mit großer Ehrerbietung auf, deren Name Manāt war. Solche Götzen pflegten die Anführer der Götzendiener gewöhnlich in ihren Häusern aufzubewahren. Die jungen Männer des Stammes Banū Sālima wurden allesamt Muslime, darunter auch der Sohn des ʿAmr ibn Ǧamūḥ. Die jungen Männer des Stammes Banū Sāmu wurden allesamt Muslime, darunter auch der Sohn des ʿAmr ibn Ǧamūḥ. Nachts drangen sie in den Götzentempel ein, legten die Statue mit dem Gesicht nach unten und warfen sie in eine Grube, in die die Leute ihren Unrat und Abfall warfen. Wenn ʿAmr morgens aufstand und seine Statue nicht vorfand, suchte er sie unter lautem Geschrei überall. Dann holte er sie aus der Grube, wusch und säuberte sie, parfümierte sie und stellte sie wieder an ihren Platz. Danach sagte er: »Wenn ich denjenigen fände, der dir dies angetan hat, würde ich ihn gründlich erniedrigen.« Dieses Spiel trieben sie einige Tage lang. Eines Tages holte er seine Statue aus der Grube und hängte ihr ein Schwert um den Hals. Dann sagte er: »Ich weiß nicht, wer dir dies antut. Wenn du nun irgendeine Kraft besitzt, dann verteidige dich mit diesem Schwert.«

In der Nacht nahmen die jungen Männer das Schwert vom Hals der Statue, banden einen toten Hund an sie und warfen sie zusammen mit ihm in einen Brunnen der Banū Sālima. Am Morgen fand man sie nach längerer Suche in diesem Brunnen: Sie lag mit dem Gesicht nach unten im Unrat, zusammen mit einem toten Hund. Daraufhin redeten die Muslime aus seinem Volk lange auf ihn ein, bis ihm die Augen geöffnet wurden; anschließend nahm er aufrichtig den Islām an. (Zusatz des Verfassers.)

Dreizehntes Kapitel

Die Auswanderung nach Medina

Der allererste Muhāǧir

Ibn Dscharir und Ibn Hischam berichten: Noch war in Medina keine allgemeine Atmosphäre für die Hidschra entstanden; lediglich der zweite Treueeid von Aqaba war abgelegt worden (im zwölften Jahr der Prophetenschaft, im Monat Dhul-Hiddscha). Zu dieser Zeit fasste Abu Salama (ra), der Milchbruder des Gesandten (s) und Sohn seiner Tante Barra bint Abd al-Muttalib, den Entschluss, nach Medina auszuwandern. Denn nachdem er nach der Auswanderung nach Abessinien wieder nach Mekka zurückgekehrt war, war er durch die Misshandlungen und Drangsalierungen der mekkanischen Ungläubigen und sogar seines eigenen Stammes, der Banu Machzum, völlig erschöpft. Doch die Unterdrücker ließen ihn nicht unter sicheren Bedingungen zur Auswanderung aufbrechen.

Die leidvolle Geschichte Umm Salamas

Ibn Hischam führt unter Berufung auf Muhammad ibn Ishaq den folgenden Bericht Umm Salamas selbst an: Als mein Mann aufbrach, um nach Medina auszuwandern, machte auch ich mich mit ihm auf den Weg, mein Kind Salama auf dem Arm. Er setzte mich und mein Kind auf das Kamel, nahm dessen Halfter in die Hand und ging los. Die Verwandten meiner Eltern (die Banu Mughira) sahen ihn fortgehen, versperrten ihm den Weg und sagten: Du selbst hast dich bereits unserer Kontrolle entzogen; geh, wohin du willst. Aber wir können nicht zulassen, dass du mit diesem Kind hilflos umherziehst. Dann rissen sie Abu Salama das Halfter des Kamels aus der Hand und führten mich zurück. Daraufhin kamen die Angehörigen der Familie Abu Salamas (die Banu Abd al-Asad) zornig herbei und sagten: Wenn ihr unserem Mann sein Kind weggenommen habt, warum sollten wir dann unseren kleinen Sohn Salama bei euch lassen? Damit rissen sie mir gewaltsam mein Kind weg. Bei diesem Gerangel und Zerren wurde die Hand des Kindes ausgerenkt oder verrenkt (al-Baladhuri sagt, dass die Hand bis zu seinem Tod in diesem Zustand blieb). Nun war die Lage so: Sie nahmen das Kind mit, und die Banu Mughira brachten mich zu sich und hielten mich dort fest. Der arme Abu Salama reiste allein nach Medina weiter. Fast ein Jahr lang war mein Zustand so, dass ich jeden Tag hinausging, mich an einen Ort namens Abtah setzte und weinte. Eines Tages sah ein Mann von den Banu Mughira, der über meinen Onkel mit mir verwandt war, meinen herzzerreißenden Zustand und bekam Mitleid mit mir. Er ging zu den Banu Mughira und sagte: Warum lasst ihr diese arme Bedürftige nicht fort? Ihr habt sie von ihrem Mann und auch von ihrem kleinen Sohn getrennt. Schließlich sagten sie zu mir: Wenn du zu deinem Mann gehen möchtest, dann geh. Abd al-Asad gab mir auch mein Kind zurück. Ich bestieg mit meinem Kind mein Kamel und machte mich allein auf den Weg nach Medina. Als ich in die Nähe von Tan’im kam, begegnete ich auf dem Weg Uthman ibn Talha ibn Abi Talha von den Banu Abd ad-Dar [er war der Hüter der Schlüssel zur Kaaba. Im Krieg befand sich das Banner der Quraisch in seiner Hand. Er gehörte zu den einflussreichsten Anführern Mekkas. Zu jener Zeit war er nicht nur ein Götzendiener, sondern auch ein erbitterter Feind des Islam und der Muslime. Als sein Cousin Mus’ab ibn Umair den Islam annahm, ließ er ihn grausam misshandeln. Mit Umm Salama war er nicht einmal nahe verwandt. Nach dem Vertrag von Hudaibiya nahm er den Islam an und wanderte gemeinsam mit Khalid ibn al-Walid aus – der Verfasser]. Er sagte: Tochter des Abu Umaiya, wohin gehst du? Ich antwortete: Nach Medina, zu meinem Mann. Er fragte: Ist niemand bei dir? Ich sagte: Außer Allah und diesem Kind ist niemand bei mir. Da sagte er: Bei Allah, ich werde dich nicht allein gehen lassen.

Dann ergriff er das Halfter meines Kamels und ging weiter. Bei Allah, ich habe keinen edleren Menschen als ihn gesehen. Wenn wir an einem Rastplatz ankamen, ließ er mein Kamel niederknien, trat weit zurück und blieb stehen. Wenn ich mit meinem Kind vom Kamel abgestiegen war, band er das Kamel an einen Baum und setzte sich unter einem anderen Baum in einiger Entfernung von mir nieder. Wenn es wieder Zeit zum Aufbruch war, brachte er das Kamel herbei, ließ es niederknien, trat zurück und sagte zu mir: Steig auf das Kamel. Sobald ich aufgestiegen war, ergriff er dessen Halfter und ging weiter. Auf diese Weise legte er den gesamten Weg bis Medina zurück. Als bei Quba das Dorf der Banu Auf in Sicht kam, sagte er: Dein Mann ist dort. Geh zu ihm. Möge Allah dich segnen. Danach kehrte er, ebenso wie er zu Fuß gekommen war, zu Fuß nach Mekka zurück. Auch al-Baladhuri berichtet dieses Ereignis in seinem Werk Ansab al-Aschraf.

Daraus lässt sich schließen, dass unter den Angehörigen der Quraisch selbst, die beobachteten, wie die ungläubigen Quraisch die Misshandlungen und Unterdrückungen der Muslime immer weiter übertrieben, eine Abneigung gegen diese Grausamkeiten entstand und Mitgefühl für die unterdrückten Muslime erwachte. Diejenigen in dieser Gesellschaft, die Menschlichkeit und Anständigkeit besaßen, begannen trotz ihrer Feindschaft gegenüber dem Islam jene Menschen von großem Charakter aus ihrem eigenen Volk mit Achtung zu betrachten, die nicht aus irgendeinem weltlichen Interesse, sondern allein um ihres Glaubens willen jede Art von Unterdrückung und Verfolgung ertrugen und sich durch keinerlei Misshandlung von dem abwandten, was sie als Wahrheit erkannt und angenommen hatten.

Die allgemeine Anweisung zur Hidschra

Nach dem letzten Treueid von al-ʿAqaba, im dreizehnten Jahr der Prophetie und im Monat Dhū l-Hiddscha, wies der Prophet (s) die Muslime von Mekka an, nach Medina auszuwandern, und sagte: „Allah, der Erhabene, hat euch dort Brüder gegeben und euch eine Stadt bestimmt, in der ihr sicher leben könnt.“ (Ibn Hischām unter Berufung auf Ibn Ishāq.) Sobald dieser Befehl ergangen war, brach als Erster Hadhrat ʿĀmir ibn Rabīʿa al-ʿAnzī (r) mit seiner Frau Laila bint Abī Hasma auf. Danach wanderten ʿAmmār ibn Yāsir (r), Hadhrat Bilāl (r) und Hadhrat Saʿd ibn Abī Waqqās (r) aus. Anschließend brach Hadhrat ʿUthmān ibn ʿAffān (r) gemeinsam mit seiner Frau Ruqayya (r), der Tochter des Gesandten (r), auf. So setzte eine ununterbrochene Auswanderungsbewegung ein, und die Menschen begannen fortwährend zu diesem neuen Ort der Hidschra aufzubrechen. Schließlich verließen ganze Familien ihre Häuser und ihren Besitz. Ibn Hischām erwähnt unter Berufung auf Ibn Ishāq drei Familien, deren sämtliche Angehörige auswanderten und deren Häuser leer zurückblieben: erstens die Banū Makhzūn, zweitens die Banū al-Bukair und drittens die Banū Dschahsch ibn Riyāb. Ibn ʿAbd al-Barr sagt, dass zusammen mit den Banū Dschahsch auch alle Männer, Frauen und Kinder der Banū Asad ibn Chuzayma fortzogen. Insgesamt wanderten aus diesen beiden Familien dreißig Personen aus. Zu ihnen gehörten der Cousin des Propheten (s), ʿAbdullāh ibn Dschahsch (r), sowie Abū Ahmad Dschahsch (r), dessen ursprünglicher Name ʿAbd war; ferner seine beiden Schwestern: Hadhrat Zainab bint Dschahsch (r), die später eine Mutter der Gläubigen wurde, Hasna bint Dschahsch (r), die Frau Hadhrat Musʿab ibn ʿUmairs, und Umm Habīb bint Dschahsch (r), die Frau Hadhrat ʿAbd ar-Rahmān ibn ʿAufs (r). Nachdem sie fortgezogen waren, kamen ʿUtba ibn Rabīʿa, ʿAbbās ibn ʿAbd al-Muttalib und Abū Dschahl dort vorbei. ʿUtba ibn Rabīʿa seufzte tief und sagte traurig: „Heute sind die Häuser der Banū Dschahsch völlig verödet.“ Abū Dschahl sagte: „Warum weinst du? Das ist das Werk des Neffen unseres Bruders (ʿAbbās). Er hat unsere Gemeinschaft gespalten, unsere Beziehungen zerrissen und Uneinigkeit unter uns gestiftet.“ Danach war Abū Sufyān an der Reihe. Er nahm die Häuser der Banū Dschahsch in Besitz und verkaufte sie. Der Anlass dafür war, dass seine Tochter Farʿa oder Fāriʿa die Ehefrau von Abū Ahmad ibn Dschahsch gewesen war. So gelangte offenbar das gesamte Erbe der Familie seines Schwiegersohns noch zu dessen Lebzeiten an dessen Schwiegervater. Als Hadhrat ʿAbdullāh ibn Dschahsch (r) dem Propheten (s) diese Übergriffigkeit Abū Sufyāns vortrug, sagte er: „Bist du nicht damit zufrieden, anstelle deines Hauses ein Haus im Paradies zu erhalten?“ Nach der Eroberung Mekkas bat Hadhrat Abū Ahmad (r) den Propheten (s): „Möge unser Haus uns zurückgegeben werden.“ Darauf schwieg der Prophet (s). Die Gefährten (r) sagten zu ihm: „Der Prophet (s) möchte nicht, dass die Muhādschirūn versuchen, den Besitz zurückzunehmen, der auf Allahs Weg ausgegeben worden ist.“ Das eigene Haus des Propheten (s), das sich in Mekka befunden hatte, wurde nach der Hidschra von ʿAqīl ibn Abī Tālib in Besitz genommen, der damals noch nicht den Glauben angenommen hatte. Nach der Eroberung Mekkas nahm der Prophet (s) ihm dieses Haus nicht wieder ab. (Abū Dāwūd – Kitāb al-Haddsch)

Die Bemühungen der Quraisch, die Muslime von der Hidschra abzuhalten

Als Hadhrat Suhaib (r) zur Hidschra aufbrechen wollte, sagten die Männer der Quraisch zu ihm: „Du bist völlig mittellos zu uns gekommen und in unserer Stadt reich geworden. Willst du nun etwa zusammen mit deinem Leben auch dein Vermögen von hier mitnehmen? Bei Allah, das kann nicht sein.“ Hadhrat Suhaib sagte: „Wenn ich euch mein gesamtes Vermögen überlasse, werdet ihr mich dann gehen lassen?“ Sie antworteten: „Ja.“ Darauf überließ Hadhrat Suhaib (r) ihnen seinen gesamten Besitz und brach mit leeren Händen auf Allahs Weg auf. Als der Prophet (s) davon erfuhr, sagte er: „Suhaib hat ein gewinnbringendes Geschäft gemacht, Suhaib hat ein gewinnbringendes Geschäft gemacht.“ Dies wird von Ishāq ibn Rāhwayh, Ibn Mardūya, Ibn Hischām und al-Balādhurī überliefert, die es von Abū ʿUthmān an-Nahdī berichten.

Ibn ʿAbd al-Barr schreibt in „ad-Durar fī ikhtisār al-magāzī wa-s-siyar“, dass die Quraisch, als Hadhrat Suhaib (r) von Mekka aufbrach, seine Verfolgung aufnahmen, um ihn zu töten und sein Vermögen an sich zu nehmen. Als er sie kommen sah, sagte er: „Ihr wisst doch, dass ich unter euch der geschickteste Bogenschütze bin. Bei Allah, keiner von euch wird mich erreichen, solange nicht derjenige gestorben ist, dessen Tod bestimmt ist.“ Sie sagten: „Lass dein Vermögen zurück und geh fort.“ Suhaib (r) sagte: „Mein Vermögen habe ich ohnehin in Mekka zurückgelassen. Geht zu dem und dem Ort und holt es von dort.“ Darauf zogen sie ab und nahmen sein Vermögen an sich. Eine ähnliche Überlieferung führt al-Balādhurī von Hadhrat Saʿīd ibn al-Musayyab (r) an.

Al-Baihaqī und at-Tabarānī überliefern von Hadhrat Saʿīd ibn al-Musayyab selbst diese Aussage Hadhrat Suhaibs (r): „Als ich zur Hidschra aufbrach, hielten mich einige junge Männer der Quraisch fest. Als sie eingeschlafen waren, entkam ich. Doch unterwegs holten mich einige von ihnen wieder ein. Ich sagte zu ihnen: ‚Wenn ich nach Mekka zurückkehre und euch mehrere Uqiyya Gold gebe – eine Uqiyya entspricht dreieinhalb Tola –, werdet ihr mich dann freilassen?‘ Sie versprachen, mich freizulassen. Ich kehrte nach Mekka zurück und sagte zu ihnen: ‚Grabt an dem und dem Ort die Erde auf und holt das Gold heraus; und nehmt von der und der Frau zwei Paar Kleidung.‘ Auf diese Weise erlangte ich meine Freiheit und gelangte nach Qubā zum Propheten (s). Da sagte er: ‚Du hast mit diesem Geschäft einen großen Gewinn gemacht.‘ Ich sagte: ‚Von diesem Ereignis wusste doch niemand etwas. Wer außer Dschibrīl konnte Sie darüber informieren?‘“

Der Bericht über ʿAyyāsch ibn Abī Rabīʿa (r)

Die übrigen Muhādschirūn zogen heimlich fort. Doch Hadhrat Umar (r.a.) brach öffentlich mit zwanzig Reitern auf. Bei ihm waren sein Bruder Zaid ibn al-Chattab (r.a.), sein Schwager Sa’id ibn Zaid ibn Amr ibn Nufail, sein Schwiegersohn Chunais ibn Hudhafa (r.a.) – der frühere Ehemann Hadhrat Hafsas – sowie viele weitere Gefährten. Al-Bazzar und Ibn Ishaq überliefern mit zuverlässiger Überlieferungskette einen Bericht Hadhrat Umars (r.a.) selbst, in dem er sagt: „Ich hatte mit Ayyasch ibn Abi Rabi’a und Hischam ibn As ibn Wa’il vereinbart, dass sie sich mit uns an einem Ort namens Tanadib, zehn Meilen von Mekka entfernt, treffen sollten. Wenn sie zur festgelegten Zeit dort nicht einträfen, sollte man annehmen, dass sie festgehalten worden waren, und die übrigen sollten nicht auf sie warten, sondern weiterziehen.“ Hischam wurde noch in Mekka festgenommen, während Ayyasch mit uns in Medina eintraf. Danach kamen Abu Dschahl ibn Hischam und Harith ibn Hischam – Ayyaschs Cousins väterlicherseits und zugleich seine Halbbrüder mütterlicherseits – nach Medina. Durch viele listige Täuschungen brachten sie Ayyasch dazu, ihnen zu folgen, und sagten: „Deine Mutter hat geschworen, dass sie sich weder das Haar kämmen noch aus der Sonne in den Schatten gehen werde, solange sie dich nicht gesehen hat.“ Ich redete ihm eindringlich zu: „Sie wollen dich in eine Falle locken. Geh nicht in diese Falle. Wenn deine Mutter von Läusen geplagt wird, wird sie sich von selbst das Haar kämmen, und wenn sie die Sonnenhitze in Mekka nicht mehr erträgt, wird sie in den Schatten gehen.“ Doch die Liebe zu seiner Mutter siegte so sehr über Ayyasch, dass er zu mir sagte: „Ich werde den Eid meiner Mutter erfüllen und mit meinem Besitz zurückkehren.“ Ich sagte: „Ich gebe dir die Hälfte meines Besitzes; geh nicht mit ihnen.“ Aber er hörte nicht auf mich. Da sagte ich: „Wenn du unbedingt gehen willst und dir die Absichten der beiden verdächtig erscheinen, dann fliehst du sofort auf dieser Kamelstute.“ Dem stimmte er zu.

Unterwegs sagte Abu Dschahl an einer Stelle zu ihm: „Bruder, mein Kamel kann nicht besonders gut weitergehen. Willst du mich nicht auf deiner Kamelstute mitnehmen?“ Ayyasch sagte: „Warum sollte ich das nicht tun?“ Darauf stiegen beide von ihren Kamelen ab, damit Abu Dschahl auf Ayyaschs Kamelstute steigen konnte; auch Harith ließ sein Kamel niederknien und stieg ab. Dann fesselten die beiden gemeinsam Ayyasch.

Ibn Ishaq sagt: Die Angehörigen der Familie Ayyasch ibn Abi Rabi’as (r.a.) berichteten mir, dass Abu Dschahl und Harith mit Ayyasch am helllichten Tag in Mekka eintrafen, nachdem sie ihn mit einem Seil gefesselt hatten, und die beiden ausriefen: „O ihr Bewohner von Mekka! So bringt eure ungehorsamen Söhne zur Vernunft, wie wir es getan haben.“

Ibn Hischam berichtet: Vertrauenswürdige Männer haben mir erzählt, dass der Prophet (s.) wegen Hischam ibn As (r.a.) und Ayyasch ibn Abi Rabi’a (r.a.) besorgt und bekümmert war. Er sagte: „Wer ist bereit, diese beiden zu mir zu bringen?“ Walid ibn al-Mughira, der Bruder von Chalid ibn al-Walid, sagte: „O Gesandter Allahs! Ich bin bereit, diesen Dienst zu leisten.“ Dann ging er nach Mekka und suchte heimlich nach den beiden Gefangenen. Als er erfuhr, dass sie in einem Hof ohne Dach gefangen gehalten wurden, stieg er nachts über die Mauer, schnitt ihre Fesseln durch, ließ sie auf sein Kamel steigen und brachte sie nach Medina.

Das Schicksal Hadhrat Abdallahs ibn Suhail

Zu denen, die gewaltsam an der Hidschra gehindert wurden, gehörte auch Hadhrat Abdallah ibn Suhail ibn Amr. Al-Baladhuri berichtet, dass er, als er von der Hidschra nach Medina hörte, aus Abessinien nach Mekka kam, um gemeinsam mit dem Gesandten Allahs (s.) die neue, großartige Hidschra anzutreten. Doch sein Vater Suhail ibn Amr nahm ihn gewaltsam gefangen. Er wandte die List an, seinen Vater davon zu überzeugen, dass er zur Religion seiner Vorväter zurückgekehrt sei. In diesem Glauben nahm sein Vater ihn mit in die Schlacht von Badr. Als die Heere einander gegenübertraten, schloss sich Hadhrat Abdallah den Muslimen an. Einige Jahre später, bei der Eroberung Mekkas, wurde sein Vater Muslim und sagte: „Allah hat durch den Glauben meines Sohnes Abdallah großes Wohl für mich bestimmt.“

Der Aufenthalt des Propheten (s.) in Mekka bis zur letzten Zeit

Nach dem Bericht Ibn Ishaqs wurden insgesamt sieben von denen, die aus Abessinien nach Mekka gekommen waren, um von dort nach Medina auszuwandern, gefangen genommen, sodass sie nicht auswandern konnten. Darüber hinaus gab es in Mekka eine beträchtliche Zahl von Menschen, die bei dem Versuch der Hidschra festgenommen wurden oder so unfähig waren, dass sie nicht auswandern konnten, oder die zwar im Herzen den Glauben trugen, aber wegen ihrer eigenen Schwäche nicht den Mut zur Hidschra aufbrachten. Abgesehen von diesen zogen alle fort, die dazu fähig waren, und in Mekka blieben nur der Prophet (s.), Hadhrat Abu Bakr (r.a.) und Hadhrat Ali (r.a.) zurück.

In al-Buchārī findet sich ein Bericht von ʿĀischa (r.a.), dem zufolge der Gesandte (s.a.s.) zu Abū Bakr (r.a.) sagte, als dieser seine Absicht äußerte, nach Medina auszuwandern: „Bleibe noch eine Weile an deinem bisherigen Ort. Denn ich hoffe, dass auch mir die Erlaubnis zur Auswanderung erteilt wird.“ Abū Bakr (r.a.) sagte: „Mögen meine Eltern für dich geopfert werden! Hoffst du wirklich darauf?“ Der Gesandte (s.a.s.) antwortete: „Ja.“ Deshalb blieb Abū Bakr (r.a.), damit er gemeinsam mit dem Gesandten (s.a.s.) auswandern konnte. Er kaufte zwei Kamelstuten und begann, sie aufzuziehen. Ibn Hischām und Ibn Dscharīr führen unter Berufung auf Ibn Isḥāq an, dass Abū Bakr (r.a.), sooft er den Gesandten (s.a.s.) um Erlaubnis zur Auswanderung bat, von ihm die Antwort erhielt: „Übereile dich nicht; vielleicht wird Allah dir einen Gefährten schenken.“ Daher hoffte Abū Bakr (r.a.), dass dieser Gefährte der Gesandte selbst sein würde. Al-Ḥākim berichtet von ʿAlī (r.a.), dass der Prophet (s.a.s.) Dschibrīl (a.s.) gefragt habe: „Wer wird mein Gefährte bei der Auswanderung sein?“ Er antwortete: „Abū Bakr (r.a.).“ Ibn Dscharīr berichtet unter Berufung auf ʿUrwa ibn az-Zubair (r.a.), dass Abū Bakr (r.a.) zwei Kamelstuten gekauft hatte, um gemeinsam mit den anderen auswandernden Gefährten aufzubrechen. Als er hoffte, die Gesellschaft des Gesandten (s.a.s.) zu erlangen, ließ er diese beiden Kamelstuten gut füttern und für die Reise vorbereiten.

Ibn Hischām und Ibn Dscharīr berichten unter Berufung auf Ibn Isḥāq, dass der Gesandte (s.a.s.) ʿAlī (r.a.) deshalb nicht mitziehen ließ, damit dieser nach dem Gesandten (s.a.s.) in Mekka bleiben und die anvertrauten Güter all jener Menschen zurückgeben konnte, die ihre wertvollen Besitztümer zum Schutz beim Gesandten (s.a.s.) hinterlegt hatten. Dazu sagt Ibn Isḥāq, dass es in Mekka niemanden gab, der etwas besaß, dessen Diebstahl er fürchtete, und es nicht als anvertrautes Gut beim Gesandten (s.a.s.) hinterlegt hätte. Denn Freunde wie Feinde vertrauten auf seine Treue und seine Zuverlässigkeit.

So blieb der Gesandte (s.a.s.) von der letzten Huldigung in al-ʿAqaba (12. Dhul-Hiddscha, im 13. Jahr der Prophetenschaft) bis zum Safar (im 14. Jahr der Prophetenschaft) fast zweieinhalb Monate unter diesen Umständen an seinem bisherigen Ort, während ein Strom von Auswanderern nach Medina zog. Die letzten Tage verbrachte er in der Lage, dass alle seine Gefährten Mekka verlassen hatten. Er blieb allein mit zwei Gefährten unter seinen Feinden, weil es ihm nicht möglich war, sein Wirkungsfeld zu verlassen, bevor der Befehl zur Auswanderung von Allah, dem Erhabenen, erging. Bei näherer Betrachtung lässt sich ermessen, welch gewaltiges Verantwortungsbewusstsein ihn in dieser äußerst gefahrvollen Lage standhaft an seinem Ort hielt und wie furchtlos jene waren, die ohne Angst und unerschrocken gemeinsam mit dem Gesandten (s.a.s.) unter menschenähnlichen Raubtieren verweilten. (Zusatz des Verfassers.)

Die Bestürzung der Quraisch

Die ungläubigen Quraisch waren nun sicher, dass der Gesandte Allahs (s.a.s.) jederzeit nach Medina auswandern würde. Die Folgen davon waren ihnen ebenfalls wohlbekannt. Seine gewaltige Persönlichkeit, seine außergewöhnlichen Fähigkeiten und die Herzen gewinnende Kraft des Qurʾān waren ihnen nicht unbekannt. Nun sahen sie, dass er einen sicheren Ort zum Leben gefunden hatte. Zwei starke, kriegserfahrene Stämme waren als seine unterstützenden Kräfte an seine Seite getreten. Auch aus den Reihen der Quraisch hatten sich ihm tapfere und hingebungsvolle Menschen angeschlossen, die dreizehn Jahre lang verschiedenste Drangsale ertragen, dadurch ihre Entschlossenheit und Standhaftigkeit bewiesen und durch wiederholte Auswanderungen ebenfalls gezeigt hatten, dass sie um Allahs willen ihre Häuser, ihren Besitz, ihre Verwandten, ihr Volk und ihre Heimat opfern konnten. Dass ein Stadtstaat solcher hingebungsvoller Menschen unter der gewaltigen Führung des Propheten (s.a.s.) in seine Hände gelangte, bedeutete in der alten Gesellschaftsordnung nichts anderes als den Tod. Besonders die Lage in Medina wurde dadurch, dass sich dort die Stärke der Muslime festigte, zu einer Ursache der Besorgnis für die Quraisch. Denn von der Sicherheit der Handelsstraße, die von Jemen nach Syrien über die Küste des Roten Meeres verlief, hing das wirtschaftliche Leben der Quraisch und anderer großer polytheistischer Stämme ab. Nun würde sie unter die Kontrolle der Muslime gelangen; durch ihren Zugriff würden die Muslime die Lebensweise des Dschāhilī-Systems äußerst erschweren. Allein der Handel der Bewohner Mekkas, der über diese Straße von Mekka nach Syrien, Rom und Ägypten betrieben wurde, belief sich jährlich auf mehr als zweihundertfünfzigtausend Aschrafī. Der Handel in Ṭāʾif und anderen Orten kam noch hinzu. Daher entstand unter den Quraisch bei der Nachricht von der Huldigung in al-ʿAqaba große Unruhe. Zunächst unternahmen sie alle Anstrengungen, um die Bewohner Medinas vom Propheten (s.a.s.) zu trennen, scheiterten jedoch. Danach wandten sie alle möglichen Mittel an, um die Auswanderung der Muslime aus Mekka zu verhindern. Doch sie konnten nur sehr wenige zurückhalten, und eine große Zahl der Gläubigen gelangte nach Medina. Danach waren sie bereit, zur Abwehr dieser Gefahr das letzte Mittel zu ergreifen. (Tafhīm al-Qurʾān, Band 2, Einleitung zur Sūrat al-Anfāl.)

Der Beschluss, den Gesandten (s.a.s.) zu töten

Ibn Hischām, Ibn Saʿd, Ibn Dscharīr und al-Balādhurī berichten, dass zur Herbeiführung der endgültigen Entscheidung in Dār an-Nadwa eine geheime Versammlung aller Stammesoberhäupter abgehalten wurde. Man beriet darüber, wie dieser Weg der Gefahr versperrt werden könne. Einige waren der Meinung, man solle diesen Mann in Ketten legen und an einem Ort gefangen halten. Zu seinen Lebzeiten solle er nicht wieder freigelassen werden. Diese Ansicht wurde jedoch nicht angenommen, denn manche meinten, dass jene, die sich außerhalb befänden, ihre Tätigkeit fortsetzen und, sobald sie eine gewisse Stärke erlangt hätten, ihr Leben riskieren würden, um ihn zu befreien. Andere sagten, man solle ihn von hier vertreiben. Wenn er nicht mehr unter uns sei, müssten wir uns keine Sorgen darüber machen, wo er sich aufhalte und was er tue. Die Unordnung, die seine Anwesenheit in unserer Lebensordnung verursache, würde damit beendet. Aber auch dieser Vorschlag wurde mit der Begründung zurückgewiesen, dass seine Worte wie Magie wirkten und er eine außerordentliche Fähigkeit besitze, die Herzen zu gewinnen. Wenn er von hier fortgehe, wisse man nicht, welche Stämme er für sich gewinnen werde; danach könne er eine solche Macht erlangen, dass er euch angreifen werde, um das Zentrum Arabiens unter seine Herrschaft zu bringen. Schließlich sagte Abū Dschahl: „Wir wählen aus jedem unserer Stämme einen angesehenen, klugen und gewandten Mann aus, stürzen uns alle gemeinsam auf ihn und töten ihn. Auf diese Weise wird das Blut Muḥammads (s.a.s.) auf alle Stämme verteilt. Dann wird es den Banū ʿAbd Manāf unmöglich sein, gegen alle zu kämpfen. Daher werden sie gezwungen sein, sich mit der Zahlung eines Blutgeldes (BLOOD MONEY) zufriedenzugeben.“

Alle stimmten diesem Vorschlag zu, und auch die Männer für die Tötung wurden bestimmt. Die Zeit des Anschlags wurde ebenfalls festgelegt. Der gesamte Vorgang wurde so geheim gehalten, dass die Nachricht nicht einmal von Ohr zu Ohr weitergetragen werden sollte.

Auf diese Angelegenheit wird in der Sure al-Anfal hingewiesen—

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(Und, o Prophet, erinnere auch an jene Zeit,) als die Ungläubigen gegen dich verschiedene Machenschaften ersannen: Sie wollten dich gefangen nehmen, dich töten oder dich vertreiben. Sie schmiedeten ihre Pläne, und Allah führte Seinen Plan aus. Wahrlich, Allahs Plan ist der beste (Vers 30). (Tafhim al-Qur’an, Band 2, Anmerkung 25.)

Die Erlaubnis zur Hidschra des Propheten (s) und ihre Vorbereitung

At-Tirmidhi und al-Hakim berichten unter Berufung auf Ibn Abbas (ra), dass Allah, als die Lage diesen Punkt erreicht hatte, Seinem Propheten die Erlaubnis gab, von Mekka auszuwandern, und sprach—

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(Und, o Prophet,) bete: »O mein Herr, lass mich in Wahrhaftigkeit an einem Ort des Eintritts eintreten, lass mich in Wahrhaftigkeit an einem Ort des Austritts hinausgehen und gewähre mir von Dir eine unterstützende Macht.« (Bani Isra’il: 80.) [Niemand sollte hier den Einwand erheben, dass der erwähnte Vers lange vor der Hidschra der Bani Isra’il offenbart worden sei. Wie kann er dann hier zu Recht als Erlaubnis zur Hidschra angeführt werden? Tatsächlich gibt es dafür viele Beispiele: Ein Vers wurde zunächst offenbart und später unter besonderen Umständen wiederholt, damit der Prophet (s) erkennen konnte, dass die Bestimmung dieses Verses auf die betreffende Situation Anwendung findet—der Verfasser.]

Diese Erlaubnis wurde an jenem Tag erteilt, für dessen folgende Nacht die Ermordung des Propheten (s) geplant worden war. [Aus diesem Grund hatte Allah den Propheten (s) bis zu diesem Zeitpunkt in Mekka zurückgehalten: Die ungläubigen Quraisch sollten in ihrer Feindschaft gegenüber der Wahrheit die äußerste Grenze erreichen, woraufhin dem Propheten befohlen werden würde, aus ihrer Mitte fortzugehen—der Verfasser.] Ibn Sa’d berichtet unter Berufung auf al-Waqidi, und Ibn Jarir sowie Ibn Hischam unter Berufung auf Ibn Ishaq, dass an jenem Tag Gabriel (a) zum Propheten (s) kam, ihn über die Absichten der Quraisch unterrichtete und sagte: »Schlafe heute Nacht nicht in deinem eigenen Bett.«

Danach begab er sich zur Mittagszeit, das Gesicht mit einem Tuch bedeckt, zum Haus von Hadhrat Abu Bakr (r.a.). In al-Buchari wird über Imam az-Zuhri von Hadhrat Urwa ibn az-Zubair berichtet, dass Hadhrat Aischa (r.a.) sagte: Wir saßen um die Mittagszeit im Haus, als jemand zu Hadhrat Abu Bakr (r.a.) sagte: „Der Gesandte Allahs (s.a.w.) ist mit bedecktem Gesicht zu einer solchen Zeit hierhergekommen, zu der er sonst nie zu kommen pflegte.“ Bei at-Tabarani findet sich die Überlieferung von Hadhrat Asma bint Abu Bakr (r.a.), die sagte: „Der Ehrwürdige (s.a.w.) kam täglich morgens und abends zu uns.“ Diese Überlieferung wird in al-Buchari im Kapitel „Die Auswanderung“ ebenfalls von Hadhrat Aischa (r.a.) angeführt. Bei Ibn Hischam wird unter Berufung auf Ibn Ishaq von Hadhrat Aischa (r.a.) überliefert, dass der Ehrwürdige (s.a.w.) uns jeden Morgen oder Abend besuchte. An jenem Tag jedoch kam er zur Mittagszeit, die gewöhnlich nicht seine Besuchszeit war. Hadhrat Abu Bakr (r.a.) sagte sofort: „Mögen meine Eltern für ihn geopfert sein; gewiss gibt es einen Grund, dessentwegen er zu dieser Zeit gekommen ist.“ Dann bat der Ehrwürdige (s.a.w.) um Erlaubnis einzutreten. Nachdem ihm die Erlaubnis erteilt worden war, trat er ein und sagte: „Schickt alle von hier fort.“ Hadhrat Abu Bakr (r.a.) sagte: „Es sind doch nur die Angehörigen deines Hauses.“ (Von Hadhrat Aischa (r.a.) wird bei Musa ibn Uqba berichtet, dass sie sagte: „Zu jener Zeit war außer meiner Schwester Asma (r.a.) und mir niemand bei Hadhrat Abu Bakr (r.a.).“ Eine gleichlautende Überlieferung von Ibn Ishaq findet sich bei Ibn Hischam. In der Überlieferung Ibn Uqbas steht zusätzlich: Abu Bakr (r.a.) sagte: „Hier sind nur meine Töchter; es ist kein Spion hier, der nach dir auskundschaften könnte.“) Darauf sagte der Ehrwürdige (s.a.w.): „Mir ist die Erlaubnis gegeben worden, von hier fortzugehen.“ Hadhrat Abu Bakr (r.a.) sagte: „Mögen meine Eltern für dich geopfert sein! Darf ich dich begleiten?“ Der Ehrwürdige (s.a.w.) sagte: „Ja.“ Da sagte er: „Nimm eines dieser beiden Kamelstuten von mir.“ Der Ehrwürdige (s.a.w.) sagte: „Ich werde sie jedoch gegen Bezahlung nehmen.“ Ibn Ishaq berichtet, dass der Ehrwürdige (s.a.w.) sagte: „Ich nehme sie zu genau dem Preis, zu dem du sie gekauft hast.“ Als Abu Bakr (r.a.) den Preis nannte, sagte der Ehrwürdige (s.a.w.): „Diesen Preis werde ich dir geben.“ Danach beauftragten der Ehrwürdige (s.a.w.) und Abu Bakr (r.a.) Abd Allah ibn Uraiqit, einen Mann aus den Banu Adi, gegen Bezahlung als Wegführer. Er war ein hervorragender Kenner der Wege. Die beiden Kamelstuten wurden ihm unter der Bedingung anvertraut, dass er sie zu dem jeweils bestimmten Ort bringen müsse, sobald er dorthin gerufen werde. [Manche haben den Namen dieses Mannes Arqad oder Arqat genannt. Der richtige Name ist Uraiqit; Musa ibn Uqba, al-Baladhuri und Ibn Sa’d nennen ihn ebenfalls so. Nach der Rückkehr aus Taif hatte der Gesandte Allahs (s.a.w.) ihn als Boten zu den Anführern in Mekka geschickt. Obwohl er ein Götzendiener war, war er so vertrauenswürdig, dass er sich in dieser schwierigen Lage der Auswanderung als vollkommen zuverlässig erwies. Dabei hatten die Quraisch eine hohe Belohnung für Informationen über den Aufenthaltsort des Ehrwürdigen (s.a.w.) ausgesetzt – der Verfasser.]

Sie beauftragten ihn gegen Bezahlung als Wegführer. Er war ein hervorragender Kenner der Wege. Die beiden Kamelstuten wurden ihm unter der Bedingung anvertraut, dass er sie zu dem jeweils bestimmten Ort bringen müsse, sobald er dorthin gerufen werde.

Das Geschehen in der Nacht des Mordanschlags

Danach kehrte der Prophet (s.a.w.) in sein Haus zurück und blieb dort bis zur Nacht, damit die Feinde nicht den geringsten Verdacht schöpften, dass er von ihren Absichten Kenntnis hatte. Zur festgesetzten Zeit in der Nacht trafen alle ein, denen befohlen worden war, ihn zu töten. Nach der Überlieferung Ibn Sa’ds waren es insgesamt zwölf: Abu Dschahl, Hakam ibn Abil As, Uqba ibn Abi Muait, an-Nadr ibn al-Harith, Umaiya ibn Chalaf, al-Harith ibn Qais ibn al-Ghaitala, Zamaa ibn al-Aswad, Tu’aimah ibn Adi, Abu Lahab, Ubayy ibn Chalaf, Nubaiha ibn al-Haddschadsch und Munabbih ibn al-Haddschadsch. Noch bevor sie eintrafen, hatte der Ehrwürdige (s.a.w.) Hadhrat Ali (r.a.) auf sein Bett gelegt und ihn mit seiner grünen hadramautischen Decke zugedeckt. Wenn die Feinde deshalb von draußen immer wieder hineinschauten, glaubten sie, dieser sei der Gesandte Allahs (s.a.w.), der auf seinem Bett schlafe. Suhaili berichtet unter Berufung auf einige gelehrte Verfasser von Sira-Werken, dass sie versucht hätten, über die Mauer ins Haus einzudringen. Als sie jedoch aus dem Inneren den Schrei einer Frau hörten, bekamen sie Angst und sagten zueinander: „Bei Gott! Im ganzen Land würde uns ein schrecklicher Ruf vorauseilen, wenn bekannt würde, dass wir nicht einmal auf die Ehre und Schamhaftigkeit der Frauen unseres Stammes geachtet haben.“ Deshalb saßen sie die ganze Nacht draußen. Sie warteten darauf, dass der Gesandte Allahs (s.a.w.) am frühen Morgen aufstehen würde, damit sie sich alle gemeinsam auf ihn stürzen konnten.

Die Gefangennahme und Freilassung Hadhrat Alis (r.a.)

Während die Feinde das Haus umzingelt hielten, kam der Ehrwürdige (s.a.w.) irgendwann in der Nacht unbesorgt heraus und ging, während er Erde auf sie warf, mitten durch sie hindurch. Dabei rezitierte er die Anfangsverse der Sure Ya-Sin. Als es dämmerte, sahen sie Hadhrat Ali (r.a.) vom Bett des Ehrwürdigen (s.a.w.) aufstehen. Da begriffen sie, dass der Gesandte Allahs (s.a.w.) schon längst fortgegangen war. (Ibn Sa’d, Ibn Hischam, al-Baladhuri, Ibn Dschrir, Zad al-Ma’ad.)

Ibn Dschrir und Ibn Athir schreiben, dass sie Hadhrat Ali (r.a.) fragten: „Wo ist dein Gefährte?“ Er antwortete: „Ich weiß überhaupt nicht, wohin er gegangen ist. Ich bin nicht sein Wächter. Ihr habt ihn hinausgetrieben, und er ist fortgegangen.“ Da gerieten die blutdürstigen Feinde in rasende Wut. Sie beschimpften ihn, schlugen ihn und führten ihn zur Heiligen Moschee, wo sie ihn eine Weile gefangen hielten. Doch als sie trotz ihrer harten Behandlung keine Spur des Ehrwürdigen (s.a.w.) finden konnten, ließen sie ihn schließlich gezwungenermaßen frei. Es ist durchaus möglich, dass sie ihn deshalb freiließen, weil der Ehrwürdige (s.a.w.) ihn zurückgelassen hatte, um die anvertrauten Güter der Bewohner Mekkas zurückzugeben. Die Ungläubigen hatten vielleicht erfahren, dass der Gesandte Allahs (s.a.w.) Hadhrat Ali (r.a.) mit dieser Aufgabe betraut hatte; aus Gier nach der Rückgabe der anvertrauten Güter könnten sie ihn daher freigelassen haben. Vielleicht empfanden sie auch ein gewisses Maß an Scham: Der Mann, den sie zu töten gekommen waren, besaß einen so erhabenen Charakter, dass er selbst beim Verlassen des Ortes, an dem man ihn töten wollte, noch von dem Gedanken erfüllt war, die anvertrauten Güter seiner Feinde zurückzugeben.

Der überraschende Angriff auf das Haus Hadhrat Abu Bakrs (r.a.)

Nachdem sie Hazrat Ali (ra) freigelassen hatten, machten sich die Unterdrücker auf den Weg zum Haus Abu Bakrs (ra). Ibn Ishaq überliefert den Bericht von Hazrat Asma bint Abi Bakr (ra). Es wird berichtet: Am zweiten Tag kamen einige Männer der Quraisch zu unserem Haus. Auch Abu Dschahl war bei ihnen. Sie blieben an der Tür stehen und fragten mich: „Wo ist dein Vater?“ Ich antwortete: „Ich weiß es nicht.“ Daraufhin gab mir Abu Dschahl eine Ohrfeige mit solcher Wucht, dass mein Ohrring zerbrach und weit fortflog. Danach gingen sie fort. (Ibn Hischam und Ibn Dscharir).

Nach dem Verlassen Mekkas Zuflucht in der Höhle des Berges Sawr

Der Gesandte Allahs (s) verließ sein Haus und kam geradewegs zum Haus Hazrat Abu Bakrs (ra). Danach suchten die beiden noch in derselben Nacht Zuflucht in einer Höhle des Berges Sawr, zwei bis drei Meilen von Mekka entfernt. Im Musnad Ahmad und bei at-Tirmidhi wird berichtet, dass der Gesandte (s) beim Verlassen Mekkas an einem Ort namens Hazwara stehen blieb, sich dem Baitullah zuwandte und mit schmerzerfüllter Stimme sagte:

„O Mekka! Bei Allah, du bist mir auf Allahs Erde am liebsten. Und auch bei Allah bist du auf Seiner Erde am liebsten. Wenn deine Bewohner mich nicht vertrieben hätten, wäre ich nicht fortgegangen und hätte dich nicht verlassen.“

Danach machte er sich auf den Weg zum Berg Sawr.

Das Geheimnis der Zuflucht in Sawr

Hier ist es notwendig zu verstehen, aus welchem vernünftigen Grund der Berg Sawr als Zufluchtsort ausgewählt wurde. Dieser Berg liegt südlich von Mekka an der Straße nach Jemen. Medina Tayyiba hingegen liegt nördlich von Mekka an der Straße nach Syrien. Die Ungläubigen von Mekka wussten, dass der Gesandte (s) nach Medina auswandern wollte. Aus diesem Grund wollten sie ihn

aufspüren und festnehmen; nachdem sie bei der Suche auf den nach Norden führenden Wegen keinen Erfolg gehabt hätten, würden sie sich erst danach zur Suche nach Osten, Süden und Westen aufmachen. Daher war zu erwarten, dass sie erst nach beträchtlicher Zeit die Höhle des Berges Sawr erreichen würden.

Abu Bakrs Vorkehrungen für den Aufenthalt in der Thawr-Höhle

Noch bevor sie zur Thawr-Höhle aufbrachen, hatte Hazrat Abu Bakr (ra) alle erforderlichen Vorbereitungen getroffen. [Im Musnad Ahmad, im Werk at-Tabaranis und in der Sira Ibn Hischams wird überliefert, mit Berufung auf Ibn Ishaq, dass Hazrat Asma bint Abi Bakr (ra) berichtet habe. Hazrat Asma (ra) sagte: Als unser Vater fortging, nahm er sein gesamtes Vermögen – etwa fünf- bis sechstausend Dirham – mit. (Nach al-Baladhuri besaß er vor seiner Annahme des Islam vierzigtausend Dirham.) Darauf sagte unser Großvater Abu Quhafa – er war blind und hatte den Islam bis dahin noch nicht angenommen – zu uns: „Ich glaube, er hat zusammen mit sich selbst auch sein gesamtes Vermögen mitgenommen.“ Wir sagten: „Nein, Großvater, er hat uns viel Gutes hinterlassen.“ Dann legten wir einige Steine auf das Regal, in dem unser Vater sein Vermögen aufzubewahren pflegte, bedeckten sie mit einem Tuch, führten unseren Großvater dorthin und sagten: „Fühle mit deiner Hand.“ Er legte seine Hand darauf und sagte: „Wenn er euch dies hinterlassen hat, dann ist es genug.“ In Wirklichkeit hatte unser Vater uns überhaupt kein Geld hinterlassen. Ich wollte lediglich meinen Großvater beruhigen – der Verfasser.] In al-Buchari wird von Hazrat Aischa (ra) überliefert, dass sie sagte: Wir bereiteten eilig die Reiseausrüstung für zwei Reisende vor und legten in einen Beutel die für die Reise benötigten Lebensmittel. Hazrat Abu Bakr wies seinen klugen und gewandten jungen Sohn Abdullah an, sich tagsüber unter den Bewohnern Mekkas aufzuhalten, Nachrichten zu sammeln und uns nachts aufzusuchen, um uns über die Ereignisse des ganzen Tages zu berichten. Seinem freigelassenen Sklaven Fuhaira (ra) befahl er, tagsüber wie gewöhnlich unsere Ziegen zu hüten und zugleich Nachrichten über die Bewohner Mekkas einzuholen. Nachts sollte er uns außerdem Milch bringen und uns alle Nachrichten mitteilen. Ibn Ishaq sagt, dass Hazrat Asma (ra) jede Nacht frische Nahrung schickte. [Hier entsteht ein Zweifel, der unbedingt ausgeräumt werden muss. Oben wurde erwähnt, dass die Ungläubigen Hazrat Ali (ra) fragten: „Wo ist dein Gefährte?“ und er antwortete: „Ich weiß es nicht.“ Danach wurde erwähnt, dass sie zum Haus Abu Bakrs (ra) gingen und Hazrat Asma (ra) fragten, wo er sei, worauf auch sie sagte: „Ich weiß es nicht.“ Aus dem weiteren Verlauf wird jedoch ersichtlich, dass Hazrat Abu Bakr (ra) vor dem Aufbruch zur Thawr-Höhle verschiedene Vorkehrungen getroffen und Hazrat Asma (ra) mit einigen Diensten beauftragt hatte. Ebenso wird erwähnt, dass Hazrat Abu Bakr (ra) sein gesamtes Vermögen aus dem Haus mitgenommen hatte, während Hazrat Asma (ra) ihrem Großvater sagte, er habe ihnen vieles hinterlassen. Dabei stellt sich die Frage: Waren diese Aussagen nicht etwa Lügen? Die Antwort lautet: Was die ersten beiden Fälle betrifft, gibt es zwei gleichermaßen mögliche Erklärungen. Eine Möglichkeit ist, dass Hazrat Ali (ra) und Hazrat Asma (ra) zu dem Zeitpunkt, als sie gefragt wurden, nicht wussten, wo der Gesandte (s) und Abu Bakr (ra) sich befanden. Die zweite berechtigte Möglichkeit ist, dass sie es wussten, sich aber weigerten, es dem Feind zu sagen, weil es ein weitaus größeres Unrecht wäre, durch das Sagen der Wahrheit dem Unterdrücker bei seinem Unrecht zu helfen, als die Wahrheit zu verbergen. Einen Unterdrückten durch eine von der Wirklichkeit abweichende Aussage vor der Unterdrückung zu bewahren, ist keineswegs eine schlechte Handlung; vielmehr ist es nach der Scharia, der Moral und der Vernunft vollkommen erlaubt. Nur ein Tor kann behaupten, es sei unzulässig, den Mördern den Weg zur Thawr-Höhle zu weisen, oder man müsse sagen: „Ich kenne ihren Aufenthaltsort, werde ihn aber nicht verraten.“ Denn dann hätten die Mörder sie gefoltert, bis sie die Wahrheit preisgegeben hätten. Was nun die Aussage Hazrat Asmas (ra) gegenüber ihrem Großvater betrifft, so ist dies ein leuchtendes Beispiel für Tawriya. Tawriya bedeutet, statt eine offenkundige Lüge zu sagen, die tatsächliche Angelegenheit aus einem zweckmäßigen oder zeitgemäßen Grund zu verhüllen. Dies ist in der Scharia erlaubt. Hazrat Asma (ra) sagte nicht, dass ihr Vater viel Geld hinterlassen habe, sondern dass er ihnen viel Gutes hinterlassen habe. Dann ließ sie ihren Großvater seine Hand auf den auf dem Regal liegenden Haufen legen. Der Großvater hielt ihn für einen Haufen Geld. Hazrat Asma (ra) sagte jedoch nicht, dass sich in diesem Haufen Geld oder Vermögen befinde. Auf diese Weise bewahrte sie ihren alten und blinden Großvater, ohne zu lügen, vor der Sorge, in der er wegen der Befürchtung, mittellos zu werden, versunken war – der Verfasser.] (Ibn Hischam).

Bericht über die Thawr-Höhle

Al-Baihaqi überliefert mit Berufung auf Muhammad ibn Sirin einen mursal-Bericht. Darin heißt es, dass sich eines Tages bei einer Versammlung von Hazrat Umar (ra) einige Männer in einer Weise äußerten, die deutlich erkennen ließ, dass sie Hazrat Umar (ra) Hazrat Abu Bakr (ra) vorzogen. Da sagte Hazrat Umar (ra): „Ich schwöre bei Allah: Eine Nacht Abu Bakrs (ra) ist besser als die ganze Familie Umars, und ein Tag Abu Bakrs (ra) ist besser als die ganze Familie Umars.“

Dann berichtet er: In der Nacht, in der der Gesandte (s) zur Höhle aufbrach und Abu Bakr (ra) ihn begleitete, ging Abu Bakr (ra) einmal vor ihm und einmal hinter ihm. Als der Gesandte (s) ihn nach dem Grund fragte, sagte er: „O Gesandter Allahs! Wenn ich an die Verfolger dachte, ging ich hinter dir; und wenn ich befürchtete, dass sich vor uns eine Gefahr befinden könnte, ging ich vor dir.“ Der Gesandte (s) sagte: „Du meinst also, dass eine Gefahr, falls sie eintritt, nicht mich, sondern dich treffen soll, nicht wahr?“ Er antwortete: „Ja.“ Als sie dann die Höhle erreichten, bat Abu Bakr (ra): „Warte einen Augenblick; ich werde hineingehen, die Höhle für dich reinigen und sichern.“ Er ging hinein, sicherte die Höhle und kam wieder heraus. Dann fiel ihm ein, dass noch ein Loch offen war. Er ging erneut hinein, verschloss es und kam wieder heraus. Danach bat er den Gesandten (s), die Höhle zu betreten. In manchen Überlieferungen wird zusätzlich berichtet, dass Hazrat Abu Bakr (ra) im Dunkeln tastend ein Loch nach dem anderen suchte und sie verschloss, indem er Stücke von seinem Gewand abriss. Eine ähnliche Überlieferung überliefert Hafiz Abu al-Qasim al-Baghawi von Ibn Abi Mulaika. Am Ende führt er den Bericht von Nafi ibn Umar al-Jumahi an, wonach in der Höhle noch eine Öffnung geblieben war. Abu Bakr (ra) drückte diese Öffnung mit seiner Ferse zu, damit kein giftiges Tier herauskommen und den Gesandten (s) beißen konnte. Dasselbe überliefert al-Bazzar von Hazrat Dschabir ibn Abdullah (ra) und at-Tabarani von Hazrat Asma (ra).

Der äußerst erschütternde Augenblick in der Thawr-Höhle

Unterdessen verteilten sich die Quraisch auf der Suche nach dem Propheten (s) in den Gassen und Winkeln Mekkas und seiner Umgebung. Baladhuri berichtet, dass sie daraufhin zwei erfahrene Fährtensucher anstellten, damit diese den Fußspuren folgend den Aufenthaltsort des Gesandten (s) ausfindig machen konnten. So gelangten sie bis zur Thaur-Höhle. Dort jedoch sahen sie, dass am Eingang der Höhle ein Spinnennetz gewoben war. Einer der Sucher, Qurais ibn Alqama, sagte: „Von hier an gibt es keinerlei Anzeichen dafür, dass jemand weitergegangen ist.“ Einer aus der Gruppe, die mit den Suchern gekommen war, sagte: „Warum gehen wir nicht in die Höhle und sehen nach?“ Doch Umayya ibn Khalaf sagte: „Was wollt ihr dort finden? Dieses Spinnennetz an der Höhle scheint schon vor der Geburt Muhammads (s) gewoben worden zu sein.“ Danach kehrten alle um. Es war eine Situation, in der Hazrat Abu Bakr (r) die Feinde unmittelbar vor dem Eingang der Höhle stehen sah und zum Gesandten (s) sagte: „O Gesandter Allahs! Wenn einer von ihnen zu seinen Füßen hinunterblickt, wird er uns sehen.“ Der Gesandte (s) antwortete völlig beruhigt: „O Abu Bakr! Was meinst du über zwei Menschen, deren Dritter Allah ist?“ (Buchari, Kitab Fada’il ashab an-nabi, Kitab at-Tafsir und Bab al-Hijra; Muslim, Kitab al-Fada’il; Tirmidhi, Kitab at-Tafsir; Musnad Ahmad; Murawiyat Abi Bakr).

Hafiz Abu Bakr Ahmad ibn Ali al-Usabi hat im Musnad von Abu Bakr as-Siddiq mehrere diesbezügliche Überlieferungen angeführt. In einer davon heißt es, dass der Prophet (s) gerade betete, während sie am Eingang der Höhle standen, und Hazrat Abu Bakr (r) die Bewegungen der Feinde beobachtete. Als der Gesandte (s) sein Gebet beendet hatte, sagte Hazrat Abu Bakr (r): „Mögen meine Eltern für dich geopfert werden! Siehe, dein Volk ist auf der Suche nach dir bis hierher gelangt. Bei Allah, ich weine nicht um mich selbst, sondern aus Furcht, dass vor meinen Augen irgendein Unheil dich treffen könnte.“ Der Gesandte (s) sagte – ***************************** – „Fürchte dich nicht; Allah ist mit uns.“

Allah hat genau dies im Heiligen Koran erwähnt:

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„Wenn ihr ihm (dem Propheten Allahs) nicht helft, so sollt ihr wissen, dass Allah ihm bereits geholfen hat, als er einer von zweien war, als sie beide in der Höhle waren und er zu seinem Gefährten sagte: ‚Fürchte dich nicht; Allah ist mit uns.‘“ (At-Tauba 40)

Öffentliche Auslobung einer Belohnung für die Tötung oder Gefangennahme des Gesandten (s) und Hazrat Abu Bakrs (r)

Dies war der letzte Versuch, durch den die Feinde noch hoffen konnten, den Propheten (s) zu finden. Als sie ihn hier (in der Höhle) nicht fanden, erkannten sie, dass der Gesandte (s) sich ihrem Zugriff entzogen hatte. Daraufhin verkündeten sie öffentlich, dass jedem, der Muhammad (s) und Abu Bakr (r) gefangen herbeibringe oder töte, jeweils einhundert Kamele als Belohnung gegeben würden. Dies ist die Überlieferung Baladhuris, die auch Ibn al-Qayyim in Zad al-Ma’ad übernommen hat. Ibn Hischam und Ibn Jarir erwähnen als Belohnung von einhundert Kamelen lediglich das Herbeibringen. Baladhuri führt diese Aussage als schwach an.

Aufbruch von der Höhle

In al-Buchārī findet sich folgende Überlieferung von Hadhrat ʿĀischa (r.a.): Der Gesandte (s.a.w.) und Hadhrat Abū Bakr (r.a.) blieben drei Tage und drei Nächte in der Höhle. Auch bei at-Tabarānī wird dies von Hadhrat Asmā (r.a.) überliefert, ebenso in den Überlieferungen von Ibn ʿAbd al-Barr, Ibn Saʿd und Ibn Isḥāq. Daher ist die Überlieferung nicht anzunehmen, die aus dem Musnad von Aḥmad und al-Ḥākim über Ṭalḥa al-Baṣrī zitiert wurde und besagt, dass der Aufenthalt in der Höhle mehr als zehn Tage gedauert habe. Tatsache ist vielmehr, dass die Suche der Quraisch nach dem Gesandten (s.a.w.) drei Tage und drei Nächte lang nachließ. Daher erreichte ʿAbdullāh ibn Urayqiṭ in der letzten Nachtwache der dritten Nacht mit den beiden ihm anvertrauten Kamelstuten die Höhle von Thaur. Genau zur rechten Zeit traf auch Hadhrat Asmā (r.a.) mit Proviant in einem Beutel ein. Sie hatte jedoch nicht daran gedacht, etwas zum Verschnüren mitzubringen. Schließlich öffnete sie ihren „Niṭāq“ und zerriss ihn. In jener Zeit nannte man das Tuch, das die Frauen um ihre Taille wickelten, „Niṭāq“. Mit dem einen Teil des Niṭāq band sie die Lebensmittel zusammen und hängte sie an den Sattel der Kamelstute; den anderen Teil machte sie für das Umbinden um ihre Taille passend – (mit Verweis auf Ibn Hischām, Ibn Dscharīr und Ibn Isḥāq). Aus diesem Grund wurde Hadhrat Asmā (r.a.) „Dhāt an-Niṭāqayn“ genannt, das heißt: die Trägerin der beiden Taillenbinden.

In al-Buchārī wird von Hadhrat Asmā (r.a.) selbst Folgendes überliefert: Als es notwendig wurde, das Gefäß für die Lebensmittel zu verschnüren, befahl Abū Bakr (r.a.) Asmā, ihren „Niṭāq“ zu zerreißen. Dann brach die Karawane auf: Auf einer Kamelstute saß der Prophet (s.a.w.), auf der anderen Hadhrat Abū Bakr (r.a.). Er nahm ʿĀmir ibn Fuhayra (r.a.) zu seinem Dienst hinter sich. Ganz vorne ging ʿAbdullāh ibn Urayqiṭ zu Fuß und zeigte den Weg. So begann die Reise dieser großen Hidschra, die in der Geschichte der Welt eine Revolution auslöste. Ibn Saʿd und al-Balādhurī erklären mit Gewissheit, dass die gesegnete Karawane am Montag, dem 4. Rabīʿ al-auwal, von der Höhle von Thaur aufbrach. Imām Aḥmad zitiert eine Überlieferung von Ibn ʿAbbās (r.a.), wonach der Gesandte (s.a.w.) an einem Montag im Monat Rabīʿ al-auwal die Höhle verließ, ohne jedoch das Datum zu nennen. al-Qasṭallānī schreibt in al-Mawāhib al-ladunniyya, dass der Gesandte Allahs (s.a.w.) Freitag, Samstag und Sonntag sowie drei Nächte in der Höhle verbrachte und sie am Montagabend verließ. Ibn Dscharīr sagt, dass der Prophet (s.a.w.) im Rabīʿ al-auwal des 54. Jahres des Elefanten von Mekka nach Medina auswanderte.

Bericht über die Reise

Aus der Überlieferung Ibn Isḥāqs in der Sīra Ibn Hischāms ist bekannt, dass ʿAbdullāh ibn Urayqiṭ, als er mit dieser Karawane aufbrach, den gewöhnlichen Weg mied und für die Reise nach Medina einen anderen Weg einschlug, damit sie vor dem Feind geschützt wären. Ibn Saʿd sagt: Da Abū Bakr (r.a.) wegen seiner Handelsgeschäfte häufig unterwegs war, erkannten die Leute ihn und fragten: „Wer ist dieser Mann bei dir?“ Er antwortete: **********************************************

-„Es ist ein Mann, der mir den Weg zeigt.“ Auch at-Tabarānī überliefert dies sinngemäß von Hadhrat Asmā, ebenso Anas ibn Mālik (r.a.) im Musnad von Aḥmad al-Marwazī und Hadhrat Anas (r.a.) im „Bāb al-Hidschra“ von al-Buchārī. [Auch dies ist ein hervorragendes Beispiel für „Tawriya“. Hadhrat Abū Bakr (r.a.) sagte nicht: „Das ist Muḥammad (s.a.w.).“ Vielmehr sagte er: „Mein Wegweiser.“ Der Fragende verstand darunter, dass er ihm den Weg zeigte. Abū Bakr (r.a.) hatte vollkommen die Wahrheit gesagt: Er ist mein Wegweiser.]

Bei al-Buchārī und Muslim findet sich folgende Überlieferung von Hadhrat Abū Bakr (r.a.): Wir gingen bis zum Mittag des zweiten Tages weiter. Als die Sonnenhitze stärker wurde, blickten wir nach allen Seiten, um zu sehen, ob wir irgendwo Schatten finden könnten. Wir sahen, dass sich unter einem gewaltigen Felsblock Schatten befand. Wir gingen dorthin, breiteten für den Propheten (s.a.w.) eine Unterlage aus und baten ihn: „Ruhen Sie sich ein wenig aus.“ Danach beobachtete ich weiterhin die Umgebung, um zu sehen, ob jemand auf der Suche nach uns käme. Da kam ein Junge, der Ziegen hütete, zu diesem Felsblock, um im Schatten Schutz zu suchen. Ich sagte zu ihm: „Kannst du uns die Milch von einer deiner Ziegen geben?“ Er war einverstanden. Ich ließ das Euter der Ziege und die Hände des Jungen reinigen und die Milch in ein Gefäß melken. Dann gab ich etwas Wasser hinzu, um sie abzukühlen. Danach brachte ich sie dem Propheten (s.a.w.) und ließ ihn trinken.

Dann schilderte Hadhrat Abū Bakr (r.a.) den Vorfall mit Surāqa ibn Mālik ibn Dschuʿschum, den Imām al-Buchārī in „Manāqib al-Muhādschirīn“ und im „Bāb al-Hidschra“ sowie Imām Muslim im „Kitāb az-Zuhd“, „Bāb al-Hidschra“, in gekürzter Form überliefert haben. Die ausführliche Darstellung findet sich in einer Überlieferung al-Buchārīs im „Bāb al-Hidschra“, in den Worten Surāqas selbst, die Imām az-Zuhrī über dessen Neffen ʿAbd ar-Raḥmān ibn Mālik überliefert – [Ibn Hischām hat seinen Namen berichtigt und gesagt: ʿAbd ar-Raḥmān ibn al-Ḥārith ibn Mālik ibn Dschuʿschum.] Die ausführliche Darstellung findet sich in der Sīra Ibn Hischāms, den Ṭabaqāt Ibn Saʿds und anderen Werken.

Der Vorfall mit Surāqa

Surāqa war das Oberhaupt der Banū Mudlij. Sein Gebiet lag in der Nähe von Qudayd. Sein Bericht lautet: Ein Mann der Quraisch kam zu uns und verkündete, dass jeder, der Muhammad (s) und Abū Bakr (r) töte oder gefangen nehme, als Blutgeld, also als Diya, hundert Kamele erhalten werde. Eines Tages saß ich in einer Versammlung meines Stammes, als ein Mann zu mir kam und sagte: „Gerade habe ich einige Leute am Meeresufer entlanggehen sehen. Ich glaube, es sind Muhammad (s) und sein Gefährte.“ Ich erkannte sofort, dass sie es tatsächlich sein mussten. Doch ich sagte zu ihm: „Nein, du hast vielmehr diesen und jenen gesehen, die gerade vor uns vorbeigegangen sind.“ Danach blieb ich noch eine kurze Zeit in der Versammlung, stand dann auf und ging nach Hause. Anschließend bestieg ich mein Pferd und ritt heimlich los, damit die anderen nichts von meinem Aufbruch erfuhren. In der Überlieferung Ibn Schaybas heißt es, dass Surāqa sagte: „Ich tat dies aus Angst, damit die Bewohner des Ortes nicht an meiner Belohnung beteiligt würden.“ Als ich mich ihnen näherte, stürzte ich plötzlich vom Pferd. Ich zog die Wahrsagepfeile hervor und befragte sie, doch das Ergebnis fiel gegen meinen Wunsch aus. Ich schenkte dem keine Beachtung und ritt weiter. Dann kam ich ihnen so nahe, dass ich den Koranvortrag des Gesandten Allahs (s) deutlich hören konnte. Der Hochgeehrte (s) wandte den Kopf nicht nach irgendeiner Seite, um sich umzusehen, während Abū Bakr (r) wiederholt in alle Richtungen blickte. Da sanken plötzlich die Beine meines Pferdes bis zu den Knien in den Boden ein, und ich fiel von seinem Rücken. In der Überlieferung von Barāʾ ibn ʿĀzib (r), die er von Abū Bakr (r) überliefert, heißt es, dass Abū Bakr sagte: „Wir überquerten gerade harten Boden. Ich sagte: ‚Unser Verfolger ist uns sehr nahe gekommen.‘“ Der Hochgeehrte (s) betete, woraufhin das Pferd bis zum Bauch im Boden versank. Anas (r) berichtet, dass der Hochgeehrte (s) sagte: „O Allah, lass ihn stürzen!“ Surāqa sagt: „Ich zog erneut die Wahrsagepfeile hervor, doch wiederum fiel das Ergebnis gegen meinen Wunsch aus. Da schrie ich um Sicherheit und Schutz. Daraufhin hielten sie an. Ich ritt zu ihnen. Aus allem, was mir widerfahren war, erkannte ich, dass das Vorhaben des Gesandten Allahs (s) gewiss erfolgreich sein würde.“ (Bei Ibn Hischām findet sich nach der Überlieferung von Muhammad ibn Isḥāq über Imām az-Zuhrī folgende Fassung: Surāqa rief: „Ich bin Surāqa ibn Juʿschum. Gewährt mir die Gelegenheit zu sprechen. Bei Allah, ich werde euch keinen Schaden zufügen, und aus meinem Mund wird kein Wort kommen, das euch unerträglich wäre.“) Surāqa sagt: „Ich sagte zum Gesandten Allahs: ‚Dein Volk hat für dich eine Diya ausgesetzt, und die Menschen ziehen umher in der Hoffnung, die Belohnung zu erhalten.‘ Danach bot ich an, ihnen Reiseproviant und Ausrüstung zu geben. Er verlangte nichts weiter, als dass ich niemandem ihren Aufenthaltsort verraten solle. Ich bat ihn, mir eine Sicherheitsurkunde auszustellen. Er befahl ʿĀmir ibn Fuhayra (r), und dieser gab mir das auf einem Stück Leder geschriebene Schutzschreiben. Anas ibn Mālik (r) berichtet, dass Surāqa bat: ‚O Prophet Allahs, befiehl mir, was immer du möchtest.‘ Der Hochgeehrte (s) sagte: ‚Bleib einfach an deinem Platz und lass niemanden bis zu uns gelangen.‘ So wurde derjenige, der wenige Augenblicke zuvor ein Feind auf Leben und Tod gewesen war, zu einem Beschützer. Ibn Saʿd sagt: Danach pflegte Surāqa zu jedem, der hinter dem Hochgeehrten (s) herkam, um ihn zu suchen, zu sagen: ‚Kehrt um! Ich bin sicher, dass er sich nicht in dieser Richtung befindet. Ihr wisst doch, wie scharf mein Blick ist und wie erfahren ich in der Spionage bin.‘

Ibn Isḥāq und Mūsā ibn ʿUqba überliefern diesen Bericht von Surāqa: „Ich bewahrte die schriftliche Sicherheitszusage, die ich erhalten hatte, auf. Einige Jahre später, als der Gesandte Allahs (s) nach den Feldzügen von Hunain und Tāʾif zurückgekehrt war und sich in Dschiʿrāna aufhielt, erschien ich beim Hochgeehrten (s), legte ihm das Schriftstück vor und sagte: ‚Ich bin Surāqa ibn Juʿschum, und dies ist deine schriftliche Urkunde beziehungsweise deine Sicherheitszusage.‘ Er sagte: ‚Heute ist der Tag, an dem das Versprechen erfüllt und das Recht gewährt wird. Komm näher.‘ Ich trat zum Hochgeehrten (s) und nahm den Islam an.“ At-Tabarānī überliefert diese gesamte Begebenheit in zusammengefasster Form von Asmāʾ bint Abī Bakr (r).

Ibn ʿAbd al-Barr zitiert in al-Istīʿāb und Ibn Ḥadschar in al-Iṣāba über Muʿāwiya ibn ʿUyayna eine mursal-Überlieferung von al-Ḥasan al-Baṣrī, wonach der Gesandte Allahs (s) zu Surāqa ibn Mālik sagte: „Wie wird es sein, wenn du die Armreifen Kisrās tragen wirst?“ Einige Jahre nach dieser Aussage, als die Armreifen, der Gürtel und die Krone des Schahs von Iran zu ʿUmar (r) gebracht wurden, rief er Surāqa zu sich, legte ihm diese Dinge an und sagte: „Erhebe deine Hände und sprich: Lob gebührt Allah, der diese Dinge Kisrā ibn Hurmuz entrissen hat, der zu sagen pflegte: ‚Ich bin der Herr der Menschen‘, und sie einem Beduinen der Banū Mudlij, Surāqa ibn Mālik ibn Juʿschum, angelegt hat.“ Suhaylī hat in Rawḍ al-Unuf eine ausführliche Darstellung dieser Begebenheit gegeben. Da eine Erweiterung des Umfangs dieses Werkes unnötig erschien, wurde sie weggelassen.

Die Geschichte von Umm Maʿbad

Unmittelbar nachdem diese große Karawane das Gebiet von Qudayd durchquert hatte, gelangte sie zur Wohnstätte von Umm Maʿbad, einer Frau aus den Banū Chuzāʿa. Einige Verfasser erwähnen, dass sich dieses Ereignis vor der Begebenheit mit Surāqa ereignet habe, andere setzen es danach an. Wir halten die Begebenheit mit Surāqa deshalb für früher, weil Abū Bakr (r), als er die Ereignisse nach dem Aufbruch aus der Höhle schilderte, dieses Ereignis als erstes erwähnte. Wahrscheinlich hat auch Ḥāfiẓ Ibn al-Qayyim aus diesem Grund in Zād al-Maʿād diese Begebenheit als die frühere angesehen.

Ibn Chuzayma, al-Ḥākim, al-Bayhaqī, al-Baghawī, Ibn ʿAbd al-Barr, at-Tabarānī, Ibn Saʿd und andere überliefern diesen Bericht über verschiedene Überlieferungsketten. Auch Imām al-Buchārī hat in seinem Geschichtswerk selbst von Umm Maʿbad überliefert, dass diese Karawane, als sie Qudayd durchquerte, unterwegs zum Zelt von Umm Maʿbad (ʿĀtika bint Chālid) gelangte, die dem Stamm Banū Kaʿb, einem Zweig der Chuzāʿa, angehörte. Umm Maʿbad war eine ehrwürdige ältere Frau. Ihre Familie pflegte jene zu bewirten, die auf diesem Weg unterwegs waren. Als der Gesandte Allahs (s) und sein Gefährte dort eintrafen, saß sie vor ihrem Zelt im Hof. Damals herrschte eine Hungersnot, und die gesamte Gegend litt unter großer Not. Die Ankömmlinge sagten zu Umm Maʿbad: „Gib uns von dem zu essen, was du an Milch, Fleisch oder Datteln hast. Wir werden dafür bezahlen.“ Sie sagte: „Bei Allah, wenn wir etwas hätten, würde ich mich keineswegs scheuen, euch zu bewirten.“ Da fiel der Blick des Gesandten Allahs (s) auf eine Ziege in einer Ecke des Zeltes. Er fragte: „Mutter von Maʿbad, wie steht es um diese Ziege?“ Sie sagte: „Die Ärmste konnte wegen ihrer Abmagerung und Schwäche nicht mit den anderen Ziegen zum Weiden gehen.“ Der Hochgeehrte (s) fragte: „Kann sie etwas Milch geben?“ Sie antwortete: „Sie ist viel zu schwach, um Milch zu geben.“ Der Hochgeehrte (s) sagte: „Gestattest du mir, sie zu melken?“ Sie sagte: „Mögen meine Eltern für dich geopfert werden! Wenn du ihr etwas Milch entlocken kannst, dann tu es gewiss.“ Der Hochgeehrte (s) ließ die Ziege herbeibringen, band ihre Beine, strich ihr über das Euter – beziehungsweise nach einer anderen Überlieferung über ihren Rücken – und betete: „O Allah, segne die Ziegen dieser Frau.“ Dann begann er, im Namen Allahs, sie zu melken. Welch wunderbare Macht Allahs! Die Ziege spreizte ihre Beine und begann wiederzukäuen, während Milch in einem kräftigen Strom aus ihrem Euter floss. Der Hochgeehrte (s) verlangte ein so großes Gefäß, dass es genügend Milch für eine ganze Gruppe fassen konnte. Er molk weiter, bis das Gefäß bis zum Rand mit Milch gefüllt war. Auf der Milch bildete sich Schaum. Zuerst ließ er Umm Maʿbad sich satt trinken, dann tranken die Gefährten sich satt, und schließlich trank er selbst. Danach sagte er: **************************

– Wer anderen zu trinken gibt, trinkt selbst zuletzt.

Dann füllte er das Gefäß ein zweites Mal mit Milch, gab es Umm Maʿbad und sagte: „Wenn Maʿbads Vater kommt, werde ich ihm diese Milch geben.“

Umm Maʿbad beschreibt die edle äußere Erscheinung des Propheten (s.).

Kurz darauf kehrte ihr Mann mit seiner abgemagerten Ziegenherde zur Behausung zurück. Als er das mit Milch gefüllte Gefäß sah, fragte er erstaunt: „Mutter des Maʿbad, woher kommt diese Milch?“ Sie sagte: „Bei Gott, ein gesegneter Mann kam hier vorbei; er hat dies alles bewirkt.“ Dann erzählte sie ihrem Mann den gesamten Vorfall. Ihr Mann sagte: „Beschreibe ihn mir ein wenig, damit ich es höre.“ Sie (Umm Maʿbad) begann: „Ich sah einen Mann, der äußerst schön war. Sein Gesicht war strahlend, sein Charakter rein und lauter, sein Körper weder dick noch mager. Er war schön und heiter. Seine Augen waren schwarz, die Wimpern lang, seine Stimme laut, aber nicht schrill. Seine Pupillen waren schwarz, seine Augäpfel weiß. Seine Augenbrauen waren weder zusammengewachsen noch weit auseinander; zwischen ihnen befand sich ein wenig Haar. Sein Haar war tiefschwarz, sein Nacken breit und sein Bart dicht. Wenn er schwieg, war er von würdevoller Erscheinung; wenn er sprach, verbreitete sich seine Stimme weithin. In seiner Rede schien es, als würden Perlen und Edelsteine herabfallen. Seine Worte waren süß und deutlich. Er sprach weder zu wenig noch zu viel. Wenn man ihn aus der Ferne sprechen hörte, erschien seine Stimme sehr laut, doch angenehm; aus der Nähe klang sie süß, wohlklingend und vornehm. Seine Gestalt war von mittlerer Statur: weder besonders groß und breit noch klein und zierlich. Unter seinen Gefährten war er der Schönste und Würdevollste. Seine Gefährten umringten ihn, hörten ihm aufmerksam zu und eilten, seinen Befehlen zu gehorchen. Er war allen ein Gegenstand der Zuneigung und Verehrung, weder mürrisch noch schroff im Reden.“

Nachdem Abu Maʿbad dies gehört hatte, sagte er: „Bei Gott, das ist gewiss jener Mann aus Quraisch, von dem wir immer wieder gehört haben. Wenn ich ihm begegnete, würde ich ihn bitten, mit ihm zu gehen. Wenn sich eine solche Gelegenheit ergibt, werde ich es gewiss versuchen.“ (Al-Bayhaqī und Ibn Saʿd überliefern diese Aussage von ʿAbd al-Malik ibn Wahb al-Māzjihī: Er sagte: „Ich habe erfahren, dass Abu Maʿbad Muslim wurde und auswanderte, um sich dem Propheten (s.) anzuschließen.“ In der Überlieferung, die al-Hāfiz Abū Nuʿaym von ʿAbd al-Malik anführt, findet sich zusätzlich, dass auch Umm Maʿbad Muslimin wurde und auswanderte, um sich dem Propheten (s.) anzuschließen.)

Die Erwartung der Ankunft des Propheten (s.) in Medina

Die Nachricht, dass der Gesandte Gottes (s.) Mekka verlassen hatte, war in Medina eingetroffen. Al-Buchārī überliefert dies im Kapitel über die Hidschra über die Überlieferungskette von al-Zuhrī über ʿUrwa ibn al-Zubayr. Auch Ibn Isḥāq führt diese Aussage an. al-Ḥākim und Mūsā ibn ʿUqba erklären, dass ʿUrwa (ra.) dieses Ereignis selbst aus dem Mund seines ehrwürdigen Vaters, ʿUmar ibn al-ʿAwwām (ra.), gehört habe: Die Muslime gingen jeden Morgen hinaus, setzten sich an den Weg nach Mekka und kehrten erst nach Hause zurück, wenn die Hitze der Sonne unerträglich wurde. Ibn Saʿd berichtet nach al-Wāqidī, dass die Muhādschirūn wegen der Verzögerung der Ankunft des Propheten (s.) beunruhigt waren. Jeden Tag gingen die Anṣār und die Muhādschirūn zur Ḥarrat al-ʿAṣāba [wenn durch aus dem Erdinneren hervorquellende geschmolzene Stoffe gewaltige Felsblöcke verbrannt werden und sich schwarz färben, nennt man sie „Ḥarra“. In der Umgebung Medinas gibt es zahlreiche solche großen Felsfelder. „Ḥarrat al-ʿAṣāba“ ist der Name eines solchen Felsfeldes, das außerhalb von Qubā am Weg nach Mekka liegt. Es wird auch Ḥarrat Qubā genannt – der Verfasser] und setzten sich dort hin, um bis zum Höhepunkt der Sonnenhitze zu warten. Ibn Dscharīr und Ibn Hischām überliefern nach Ibn Isḥāq folgende Aussage von ʿAbd al-Raḥmān ibn ʿUwaym ibn Sāʿida: „Verschiedene Gefährten aus meinem Volk erzählten mir, dass wir, sobald wir die Nachricht vom Aufbruch des Propheten (s.) aus Mekka erhielten, seine Ankunft erwarteten. Es war Sommer. Wenn daher die Hitze der Sonne stärker wurde und es keinen Schatten gab, kehrten wir gegen Mittag nach Hause zurück.“ Auch al-Bazzār überliefert eine ähnliche Aussage von ʿUmar (ra.).

Dies ist ein großer Beweis dafür, dass der Gesandte (s.) seine geliebte Heimat nicht wie ein Schutzsuchender verließ, um an irgendeinen neuen Ort zu gehen. Vielmehr hatte er durch Gottes Gnade für die Hidschra einen Ort gefunden, dessen Bewohner sehnsüchtig auf dem Weg seiner Ankunft Ausschau hielten.

Die Ankunft des Gesandten in Qubā

Es war Mittag, und die Menschen waren, nachdem sie auf den Gesandten gewartet hatten, nach Hause gegangen. Da traf er mit seinen Gefährten in Qubā ein. Unter den Ortschaften in der Umgebung von Medina war Qubā die bekannteste. Über die Ankunft des Gesandten in Qubā gibt es zwei Überlieferungen, die äußerlich widersprüchlich erscheinen. Die eine Überlieferung besagt, dass der Gesandte die Nähe von Ḥarrat Qubā erreichte und an einer Seite davon abstieg. Daraufhin wurde jemand ausgesandt, um den Anṣār die Nachricht zu überbringen. Sobald sie davon erfuhren, kamen die Menschen, grüßten den Gesandten und Ḥaḍrat Abū Bakr und sagten: „Kommen Sie unbesorgt; wir sind Ihnen ergeben.“ Dies ist die Überlieferung von Ḥaḍrat Anas bei al-Buḫārī; auch Ibn Saʿd führt sie unter Berufung auf ihn an. In der von Aḥmad und al-Bayhaqī überlieferten Aussage von Ḥaḍrat Anas wird zusätzlich berichtet, dass fünfhundert Menschen, sobald sie von der Ankunft des Gesandten hörten, zu seiner Begrüßung herbeiliefen.

Eine andere Überlieferung lautet folgendermaßen: Nachdem der Gesandte die Nähe von Qubā erreicht hatte, stieg ein Jude, der aus irgendeinem Anlass auf das Dach seiner kleinen Festung geklettert war, und als er den Gesandten kommen sah, rief er laut: „O Banū Qayla, seht, euer Anführer ist eingetroffen!“ [Da Aus und Ḫazraǧ Kinder derselben Mutter namens Qayla waren, wurden sie Banū Qayla genannt. Die Ausrufung des Juden – „Euer Anführer ist eingetroffen“ – macht unmissverständlich deutlich, dass alle Bewohner Medinas, die Gläubigen, die Götzendiener und die Juden, bereits wussten, dass der Gesandte nicht als Schutzsuchender, sondern als Anführer der Anṣār von Medina und als mächtiger Herrscher eintraf. Die verschiedenen Überlieferer haben diese Ausrufung mit unterschiedlichen Worten wiedergegeben. Wir haben nur den Wortlaut einer Überlieferung übernommen, denn es wäre nicht sinnvoll, den Aufsatz durch die Wiedergabe aller Fassungen zu verlängern – der Verfasser.] Sobald die in Qubā ansässigen Banū ʿAmr ibn ʿAwf dies hörten, erhoben sie gemeinsam den Takbīr-Ruf und zogen bewaffnet aus, um den Gesandten ehrenvoll zu empfangen. Der Gesandte und Ḥaḍrat Abū Bakr waren inzwischen von ihren Reittieren abgestiegen und hielten sich im Schatten einer Dattelpalme auf. Eine große Menge der Anṣār eilte voller gewaltiger Begeisterung zu dem Ort, an dem der Gesandte abgestiegen war. Von unbezähmbarer Erregung ergriffen, drängten die Menschen dicht an ihn heran. Sie wussten jedoch nicht, welcher dieser beiden der Gesandte war. Deshalb begannen sie zunächst, Ḥaḍrat Abū Bakr zu begrüßen. Als jedoch die Sonne auf den Gesandten schien, erhob sich Abū Bakr, hielt mit seinem Umhang Schatten über ihn, und da erkannten die Menschen, wer der Gesandte war. Nun begannen alle, ihn zu begrüßen. Diese Überlieferung führt al-Buḫārī auf ʿUrwa ibn az-Zubayr zurück; Muḥammad ibn Isḥāq überliefert sie von ʿAbd ar-Raḥmān ibn Waim ibn Sāʿida und Ibn Saʿd von al-Wāqidī. Auch al-Ḥākim, Mūsā ibn ʿUqba, Ibn Ǧarīr aṭ-Ṭabarī, al-Balāḏurī und andere berichten dieses Ereignis.

Der scheinbare Widerspruch zwischen diesen beiden Überlieferungen ist in Wirklichkeit kein Widerspruch. Wahrscheinlich sandte der Gesandte einerseits, nachdem er dort eingetroffen war, entweder ʿĀmir ibn Fuḥaira oder ʿAbdallāh ibn Urayqiṭ aus, um seine Ankunft bekanntzugeben, während andererseits auch der Jude, als er ihn sah, ausgerufen haben dürfte, dass er eingetroffen sei.

Das Datum der Ankunft in Qubā

Über das Datum der Ankunft des Gesandten in Qubā bestehen unter den Überlieferern zahlreiche Meinungsverschiedenheiten. Ibn Saʿd nennt an einer Stelle einen Montag und den zweiten Rabīʿ al-awwal. An anderer Stelle gibt er als Datum des Aufbruchs aus der Höhle von Ṯaur den 4. Rabīʿ al-awwal und mit Sicherheit als Datum der Ankunft in Medina den 12. Rabīʿ al-awwal an. In der von ʿUrwa ibn az-Zubayr bei al-Buḫārī überlieferten Aussage wird kein Datum genannt; dort heißt es lediglich, dass es ein Montag im Monat Rabīʿ al-awwal gewesen sei. Mūsā ibn ʿUqba nennt unter Berufung auf Imām az-Zuhrī den 1. Rabīʿ al-awwal als Datum der Ankunft in Qubā, während die meisten Überlieferer dies als Datum seines Aufbruchs aus Mekka angeben. In der von Ibn Isḥāq über Ǧarīr ibn Ḥāzim überlieferten Aussage heißt es, dass der Gesandte am 2. Rabīʿ al-awwal in Qubā eintraf. In der von aṭ-Ṭabarānī über ʿĀṣim ibn ʿAdī sowie von Ibn Hišām, Ibn Ǧarīr und Ibrāhīm ibn Saʿd über Ibn Isḥāq angeführten Überlieferung wird jedoch der 12. Rabīʿ al-awwal genannt. Al-Balāḏurī und Ibn Qutayba sagen, dies sei das richtige Datum. Auch Ibn al-Qayyim nennt dieses Datum in Zād al-maʿād, ebenso Ibn ʿAbd al-Barr in ad-Durar. In manchen Überlieferungen werden der 8., 13. und 15. Rabīʿ al-awwal genannt. Richtig und zuverlässig ist jedoch, dass der Gesandte am 1. Rabīʿ al-awwal von Mekka aufbrach und sich zur Höhle von Ṯaur begab. Er hielt sich dort drei Tage und drei Nächte auf und brach in der letzten Nacht des 4. Rabīʿ al-awwal nach Medina auf. Am 12. Rabīʿ al-awwal traf er in Medina (Qubā) ein. [Es sei darauf hingewiesen, dass nach der Berechnung der Mondmonate die Nacht dem Tag vorausgeht und mit dem Sonnenuntergang ein neues Datum beginnt. Daher bedeutet die Nacht des 1. Rabīʿ al-awwal die Nacht vor dem Tag und nicht die Nacht nach dessen Ende. Außerdem ist zu beachten, dass die islamische Zeitrechnung während des Kalifats von ʿUmar (Allahs Wohlgefallen sei auf ihm) eingeführt wurde; man begann sie damals nicht mit dem Tag der Hidschra, sondern mit dem 1. Muḥarram (16. Juli 622 n. Chr.). Die Hidschra hatte im dritten Monat des Hidschra-Jahres stattgefunden – der Verfasser.] Nach dem Sonnenkalender entspricht dies dem 24. September 622 n. Chr.

Der Aufenthalt in Qubā

Es besteht allgemeine Übereinstimmung darüber, dass der Aufenthalt des Gesandten in Qubā im Dorf der Banū ʿAmr ibn ʿAwf, eines Zweigs des Stammes Aus, stattfand. Ebenso ist erwiesen, dass Qulṯūm ibn Hidām dort die Ehre hatte, sein Gastgeber zu sein. [Er war ein hochbetagter, angesehener Mann. Wenige Tage nach der Ankunft des Gesandten verstarb er. Ich weiß nicht, wie es dazu kam, dass in manchen Überlieferungen behauptet wird, er sei während des Aufenthalts des Gesandten ein Götzendiener gewesen. Ibn ʿAbd al-Barr stellt in al-Istīʿāb und Ibn Ḥaǧar in al-Iṣāba ausdrücklich fest, dass er sich bereits vor der Hidschra zum Islam bekannte – der Verfasser.] Der Gesandte pflegte sich jedoch zu seinem Besuch im Haus von Ḥaḍrat Saʿd ibn Ḫayṯama aufzuhalten, weil dieser keine Kinder hatte und das ganze Haus den Männern offenstand. Deshalb wurde unter den Menschen weithin bekannt, dass der Gesandte im Haus Saʿds Aufenthalt genommen habe. Auch al-Balāḏurī berichtet dies in seinem Futūḥ al-buldān ausführlich. Er sagt: „Ich habe dies von einer Gruppe von Männern gehört, die über Kenntnisse in Hadith, Sīra sowie über Feldzüge und Kriege verfügten.“

Während seines Aufenthalts hier ließ der Prophet (s) die Quba-Moschee errichten. Imam Buchari überliefert dies von Hadhrat Urwa bin Zubair (r.a.), und Ibn Hischam sowie Ibn Dscharrir führen es von Muhammad bin Ishaq an. Ibn Dscharrir fügt hierzu bei Ibn Ishaq die vollständige Überlieferungskette an, aus der hervorgeht, dass dies in Wirklichkeit eine Überlieferung von Hadhrat Ali (r.a.) ist. Hafiz Ibn Hadschar sagt: Dies war die erste Moschee, die im islamischen Zeitalter errichtet wurde, und die erste Moschee, in der der Gesandte Allahs (s) gemeinsam mit den Sahaba öffentlich das Gebet in der Gemeinschaft verrichtete. [Die Quba-Moschee befindet sich noch heute südwestlich von Medina. An der Stelle neben ihrer Qibla, wo sich heute ein Qubba genanntes Gebäude namens Maqam al-Umra befindet, stand das Haus von Hadhrat Kulsum bin Hidam. In seiner Nähe befand sich ein zweites Qubba, das an die Moschee angrenzte und als Bait-e Fatima bekannt war; dort stand das Haus von Hadhrat Sa’d bin Chaisama – der Verfasser.]

Zu dieser Zeit traf Hadhrat Ali (r.a.) von Mekka kommend beim Propheten (s) ein. Gemeinsam mit ihm hielt er sich im Haus von Kulsum bin Hidam auf. Ibn Hischam und Ibn Dscharrir führen aus der Überlieferung von Muhammad bin Ishaq an, dass er drei Tage in Mekka geblieben war und den Mekkanern jene anvertrauten Güter zurückgab, die sie beim Propheten (s) hinterlegt hatten. Danach wanderte er von dort aus. Es besteht Uneinigkeit darüber, wie lange der Prophet (s) in Quba blieb. In Buchari, Muslim und Ibn Sa’d wird von Hadhrat Anas bin Malik (r.a.) überliefert, dass er dort vierzehn Tage blieb. Auch Waqidi nennt vierzehn Tage. Von Hadhrat Aischa (r.a.) und Urwa bin Zubair (r.a.) wird berichtet, dass der Prophet (s) zehn Tage und danach noch einige weitere Tage dort blieb. Einige Angehörige der Banu Amr bin Auf sagen, dass der Prophet (s) dort achtzehn Tage blieb. Musa bin Uqba überliefert von Imam Zuhri und Mudschammi bin Yazid bin Haritha, dass der Prophet (s) dort zweiundzwanzig Tage blieb; dies war auch die Überlieferung von Zubair bin Bakkar, der sie von verschiedenen Angehörigen der Banu Amr bin Auf gehört hatte. Baladhuri führt auch eine Ansicht an, nach der es dreiundzwanzig Tage waren. Doch Ibn Sa’d, Ibn Ishaq, Ibn Hischam, Ibn Dscharrir, Baladhuri und Ibn Hibban erklären mit Bestimmtheit, dass der Prophet (s) montags, dienstags, mittwochs und donnerstags in Quba blieb und am Freitag von dort nach Medina aufbrach. Diese Ansicht ist bei den Gelehrten der Maghazi und Siyar bekannt. Zwar sagt Ibn Hibban, der Aufenthalt des Propheten (s) in Quba habe drei Tage gedauert, und auch Musa bin Uqba äußert sich so; in Wirklichkeit haben sie jedoch weder den Tag seiner Ankunft in Quba noch den Tag seiner Abreise von Quba in die Aufenthaltstage einbezogen. Daher entspricht auch ihre Aussage der bekannten Ansicht.

Der Aufbruch von Quba und das erste Freitagsgebet

Auch Ibn Hischam führt die Überlieferung von Ibn Ishaq an, und ebenso lautet die Überlieferung von Ibn Sa’d und Baladhuri, dass der Prophet (s) am Freitag, als der Tag schon etwas vorangeschritten war, von Quba aufbrach. Als er das Dorf der Banu Salim bin Auf erreichte, war die Zeit des Freitagsgebets gekommen. Er stieg dort ab und leitete in ihrer Moschee das Freitagsgebet; hundert Menschen nahmen daran teil, und es war das erste Freitagsgebet, das unter der Leitung des Propheten (s) verrichtet wurde. Diese Moschee der Banu Salim lag in der Ebene von Ranuna. [Jaqut schreibt im Mu’dscham al-Buldan unter dem Stichwort »Ranuna«, dass sich die Angabe »in der Ebene von Ranuna« – in der Moschee – in jener Zusammenfassung der Sira von Ibn Ishaq findet, die Ibn Hischam niedergeschrieben hat. Alle anderen schreiben dagegen, dass der Prophet (s) das Freitagsgebet im Dorf der Banu Salim verrichtete – der Verfasser.] Ursprünglich wurde sie Masdschid Chubaib genannt. Nachdem der Prophet (s) dort das Freitagsgebet geleitet hatte, wurde sie Dschuma-Moschee genannt und ist bis heute unter diesem Namen bekannt. Auf dem Weg von Medina nach Quba liegt sie an der linken Seite der Straße.

Die Predigt, die der Prophet (s) bei diesem Freitagsgebet hielt, hat Ibn Dscharrir at-Tabari in seiner Geschichte unter Berufung auf Said bin Abd ar-Rahman al-Dschumahi mit jedem einzelnen Wort aufgenommen. Darin finden sich jedoch mehrere Koranverse, die erst nach der Hidschra offenbart wurden. Daher entsteht der Zweifel, ob die dem Propheten (s) zugeschriebene Ansprache tatsächlich mit den richtigen Worten überliefert worden ist.

Der Eintritt in Medina

Als der Prophet (s) sich nach dem Freitagsgebet auf den Weg nach Medina machen wollte, kam eine Menschenmenge unter der Führung von Hadhrat Itban bin Malik (r.a.) und Hadhrat Abbas bin Ubada Nadli vor ihn. Sie ergriffen den Zügel der Kamelstute und baten: »O Gesandter Allahs, bleibe bei uns! Wir sind zahlreich, verfügen über Kriegsausrüstung und besitzen auch die Kraft zur Verteidigung.« Der Prophet (s) sagte: »Lasst meiner Kamelstute den Weg frei, denn ihr ist es befohlen.« Das heißt, sie bewegt sich auf Allahs Geheiß. Sie wird dort stehen bleiben, wo ihr von Allah befohlen wird, stehen zu bleiben. Als er weiterzog, lagen die Viertel der Banu Bayada, Banu Saida, Banu al-Harith und Banu Adi bin Nadschdschar an seinem Weg. An jedem Ort traten Angehörige dieser Stämme unter der Führung ihrer Anführer vor ihn und baten ihn, dort zu bleiben. Der Prophet (s) gab ihnen allen dieselbe Antwort: »Lasst meiner Kamelstute den Weg frei, denn ihr ist es befohlen.« Er hatte den Zügel seiner Kamelstute locker gelassen und gab nicht den geringsten Hinweis darauf, wohin sie gehen oder wo sie stehen bleiben sollte. Als sie das Viertel der Banu Malik bin Nadschdschar erreichte, setzte sie sich genau an jener Stelle nieder, an der sich heute die Prophetenmoschee – nach anderer Auffassung die Kanzel des Gesandten – befindet. Der Prophet (s) saß noch auf ihrem Rücken. Sie erhob sich und ging ein kurzes Stück weiter, kehrte dann zurück, setzte sich genau an derselben Stelle nieder und legte sich zur Ruhe hin; daraufhin stieg der Prophet (s) von ihrem Rücken. [Darin lag eine große Weisheit Allahs des Erhabenen: Er übertrug dem Propheten (s) nicht selbst die Entscheidung über den Ort seines Aufenthalts, sondern ließ diese Aufgabe auf Seinen Befehl von der Kamelstute erfüllen. Hätte der Prophet (s) den Ort nach eigener Wahl ausgesucht, wäre unter den anderen Stämmen der Ansar der Eindruck entstanden, dass er die Banu Nadschdschar den anderen vorgezogen habe – der Verfasser.] Ibn Ishaqs Überlieferung wird von Ibn Hischam ausführlich und von Ibn Dscharrir zusammengefasst angeführt. Auch Ibn Sa’d und Baladhuri berichten sie in zusammengefasster Form.

Der Aufenthalt im Haus von Hadhrat Abu Ayyub

In den späteren Berichten gibt es einige Meinungsverschiedenheiten. In der Überlieferung Ibn Ishaqs heißt es, dass sich unmittelbar vor dem Ort, an dem der Gesandte (s) vom Kamel herabstieg, das Haus von Hazrat Abu Ayyub al-Ansari (r.a.) – Khalid ibn Zayd – befand. Er kam herbei, nahm die Habseligkeiten des Gesandten (s) ab und brachte sie in sein eigenes Haus. Der Gesandte (s) blieb bei ihm.

In al-Buchari und dem Musnad Ahmad heißt es, dass der Gesandte (s), nachdem er vom Kamel herabgestiegen war, fragte: »Wessen Haus ist von unseren Leuten am nächsten?« Hazrat Abu Ayyub (r.a.) antwortete: »Meines, o Gesandter Allahs. Hier ist mein Haus vor dir, und dies ist meine Tür.« Der Gesandte (s) sagte: »Geh und bereite meine Unterkunft vor.«

Auch Ibn Sa’d berichtet dies unter Berufung auf Hazrat Anas (r.a.). Unter Berufung auf al-Waqidi fügt Ibn Sa’d hinzu; ebenso berichtet al-Baladhuri, dass Hazrat As’ad ibn Zurara das Kamel des Gesandten (s) zu seinem Haus brachte und sich um es kümmerte.

In einigen Überlieferungen heißt es, dass der Gesandte (s), nachdem er vom Kamel herabgestiegen war, sagte:

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»Wenn Allah will, wird dies der Ort unseres Aufenthalts sein.« Abu Ayyub (r.a.) kam und sagte: »Mein Haus ist am nächsten. Wenn du mir die Erlaubnis gibst, bringe ich deine Habseligkeiten in mein Haus.« Der Gesandte (s) erteilte ihm die Erlaubnis, und er nahm die Habseligkeiten und brachte sie dorthin. Al-Tabarani berichtet dasselbe von Abdullah ibn az-Zubair.

In al-Buchari, Muslim und dem Musnad Ahmad wird von Hazrat al-Bara ibn Azib (r.a.) überliefert, dass es unter den Menschen zu einem Streit darüber kam, wo der Gesandte (s) wohnen sollte. Schließlich sagte der Gesandte (s): »Ich werde bei den Banu an-Najjar wohnen, der Familie des Großvaters mütterlicherseits von Abd al-Muttalib.« Hafiz Ibn Hadschar führt in al-Isaba unter Berufung auf den Musnad Ahmad auch die Aussage Abu Ayyubs selbst an: Als der Streit unter den Ansar darüber heftiger wurde, wurde schließlich das Los gezogen, und dabei fiel das Los auf Abu Ayyub (r.a.).

Aus diesen unterschiedlichen Überlieferungen scheint hervorzugehen, dass der Gesandte (s) zunächst bei Abu Ayyub (r.a.) abgestiegen und geblieben war. Danach dürften Angehörige anderer Stämme den Wunsch geäußert haben, ebenfalls an dieser Ehre teilzuhaben. Dadurch wurde eine Ermittlung des Schicksals durch das Los erforderlich. Der Gesandte (s) wollte die Menschen offenbar damit zufriedenstellen, dass er von Anfang an verwandtschaftliche Beziehungen zu dieser Familie hatte; und die Araber räumten den Ansprüchen der Verwandtschaft den Vorrang ein. [Das Haus von Hazrat Abu Ayyub al-Ansari (r.a.) ist noch heute südöstlich der Prophetenmoschee vorhanden. In seiner Nähe befindet sich das »Bab Dschafar Sadiq«, wo heute der Imam und der Prediger der Prophetenmoschee ihren Dienst versehen – der Verfasser.]

Imam Abu Yusuf führt in seinem Kitäb adh-Dhikr wa-d-Duʿāʾ einen Bericht von Abu Ayyub al-Ansari (ra) an, in dem Abu Ayyub sagt: Als der Gesandte (s) hier abstieg, blieb er im unteren Stockwerk, während ich und Ayyubs Mutter im oberen Stockwerk wohnten. In der Nacht sagte ich zu Ayyubs Mutter: Der Gesandte (s) hat größeren Anspruch darauf, im oberen Stockwerk zu wohnen, denn Engel kommen zu ihm herab und die Offenbarung wird ihm zuteil. Aus diesem Gedanken heraus konnten Ayyubs Mutter und ich in jener Nacht nicht schlafen. Am Morgen erzählte ich dem Gesandten (s) alles. Er sagte: »Das untere Stockwerk ist für mich bequemer.« Ich sagte: »Bei Dem, der dich mit der Wahrheit gesandt hat, ich kann nicht in einem Haus wohnen, in dessen unterem Stockwerk du wohnst.« Ich flehte ihn so inständig an, dass er sich bereit erklärte, im oberen Stockwerk zu wohnen.

Der von Ibn Hischam überlieferte Bericht von Abu Ayyub, den er von Muhammad ibn Ishaq anführt, weicht hiervon geringfügig ab. Darin heißt es, dass der Gesandte (s) das untere Stockwerk deshalb bevorzugte, weil es für die Besucher bequemer war. Daher erklärte sich Abu Ayyub (ra) trotz seines Widerwillens bereit, im oberen Stockwerk zu wohnen. Eines Tages zerbrach jedoch im oberen Stockwerk ein Wassergefäß. Abu Ayyub (ra) befürchtete, dass der Gesandte möglicherweise bedrängt würde, wenn das Wasser nach unten durchsickerte. Deshalb warfen die Eheleute die einzige Decke, die sie besaßen, über das Wasser und trockneten es damit auf. Auch al-Bayhaqi und Ibn Abi Schayba überliefern dieses Ereignis auf dieselbe Weise von Abu Ayyub (ra).

Ibn Saʿd berichtet unter Berufung auf Zayd ibn Thabit (ra), dass es während des Aufenthalts des Gesandten (s) bei Abu Ayyub keinen einzigen Tag gab, an dem nicht die Bewohner von drei oder vier Häusern vor seiner Tür mit Speisen und anderen Lebensmitteln gestanden hätten.

Der Empfang des Gesandten (s) in Medina

Obwohl sich aus dem oben angeführten Bericht gut erahnen lässt, mit welcher Ehrerbietung und Liebe die Bewohner Medinas den Gesandten (s) aufgenommen hatten, war der Empfang, der ihm in der Stadt mit beispielloser Begeisterung, Tatkraft und tiefer Verehrung bereitet wurde, ohnegleichen. Einen solchen Empfang hatte es in Arabien weder zuvor gegeben noch sollte es ihn später wieder geben. In Buchari, Muslim und dem Musnad Ahmad findet sich über Bara ibn ʿAzib ein Bericht von Abu Bakr as-Siddiq (ra). Er sagt: Als wir Medina erreichten, sahen wir, dass die Menschen zu unserem Empfang auf die Hauptstraßen hinausgegangen waren. Auf den Dächern herrschte ein gewaltiges Gedränge. Diener und Kinder liefen voller Freude auf den Straßen umher und riefen: »Allahu akbar! Der Gesandte Allahs (s) ist eingetroffen, Muhammad (s) ist eingetroffen.« In Buchari wird von Anas ibn Malik (ra) berichtet, dass der Gesandte (s) und Abu Bakr (ra) von bewaffneten Menschen umringt waren. Die Menschen stiegen auf erhöhte Stellen, um den Gesandten (s) zu sehen, und in der ganzen Stadt erklangen die Rufe: »Der Prophet Allahs ist gekommen! Der Gesandte Allahs ist gekommen!« In dem Wortlaut, der in den Tabaqat Ibn Saʿds im Bericht von Anas (ra) überliefert wird, sagt er: »Nie habe ich einen so strahlenden und würdevollen Tag gesehen.« Der Bericht von Anas (ra) im Musnad Ahmad lautet: Die Bewohner Medinas waren mit gewaltiger Begeisterung und voller Eifer zu seinem Empfang hinausgegangen. Die Frauen versammelten sich auf den Dächern und fragten die Menschen: »Wer von diesen beiden ist der Gesandte Allahs (s)?« Einen solchen Anblick hatten wir noch nie gesehen. Ein ähnlicher Bericht von Anas (ra) wird auch von ad-Darimi, at-Tirmidhi, Ibn Madscha, Abu Dawud und al-Bayhaqi angeführt. In Buchari findet sich ein Bericht von Bara ibn ʿAzib (ra), in dem er sagt: »Nie habe ich die Bewohner Medinas so freudig gesehen, wie ich sie am Tag der Ankunft des Gesandten (s) in Medina sah.«

Al-Bayhaqi überliefert in seinen Dalāʾil, und Abu Bakr al-Muqri, der Verfasser des Muʿdscham al-Kabir, hält in seinem Kitāb asch-Schamāʾil fest, dass die Frauen auf die Dächer gestiegen waren und dieses Lied sangen:

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Der Vollmond ist über uns aus den Bergpässen des Wadi aufgegangen; Dankbarkeit ist uns auferlegt, solange es Menschen gibt, die Allah anrufen.

Razin fügte noch ein weiteres Gedicht hinzu –

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O du, der zu uns Gesandte! Du bist mit einem solchen Rang zu uns gekommen, dass es uns auferlegt ist, dir zu gehorchen.

Ibn al-Qayyim weist diese Überlieferung im Zad al-Maʿad mit der Begründung zurück, dass die Thaniyyat al-Wadaʿ in Richtung Syrien lag und nicht in der entgegengesetzten Richtung nach Mekka. Und die Gedichte seien von den Mädchen gesungen worden, als der Hochgeehrte vom Tabuk-Feldzug nach Mekka zurückkehrte. Dies wird bei Buchari, Abu Dawud und Tirmidhi so berichtet. Doch es ist weder unmöglich noch widerspricht es der Vernunft, dass auch der Bergpass, bis zu dem die Bewohner Medinas gingen, um Reisende auf dem Weg nach Mekka zu verabschieden, ************************** genannt wurde. Saniyya bezeichnet jeden Weg, der durch die Berge führt, und einen Weg „Thaniyyat al-Wadaʿ“ zu nennen bedeutet einen Bergpass, an dem die Vorüberziehenden verabschiedet werden.

Als der Hochgeehrte das Viertel der Banu Nadschdschār erreichte, kamen die Mädchen heraus, schlugen das Duff und sangen dieses Lied:

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Wir sind die Mädchen der Banu Nadschdschār – welch guter Nachbar Muhammad ist! Diese Worte überliefern al-Hakim und al-Bayhaqi von Anas. Der Hochgeehrte fragte die Mädchen: „Liebt ihr mich?“ Sie antworteten: „Ja, o Gesandter Allahs!“ Der Hochgeehrte sagte dreimal: „Bei Allah, ich liebe euch“, das heißt, die Ansar.

„Tabarani hat diese Worte des Propheten (s) in seinem Werk ‚Muʿdscham as-Saghir‘ überliefert: Allah weiß, dass mein Herz euch liebt.“

Auch Baihaqi und Ibn Madscha haben dies von Hadhrat Anas (ra) überliefert. Bei Buchari findet sich folgende Überlieferung von Hadhrat Anas (ra): Als der Prophet (s) die Mädchen und Frauen kommen sah, stand er auf und sagte dreimal: „Bei Gott! Ihr seid mir die Liebsten.“ (Zusatz des Verfassers.)

Die missliche Lage der Quraisch

Schon die sichere Ankunft des Gesandten Allahs (s) in Medina war für die Quraisch äußerst beschämend. Als jedoch die Nachricht von dem königlichen Empfang des Propheten (s) in Medina bei ihnen eintraf, gerieten sie in größte Unruhe und schickten einen Brief an den Anführer Medinas, Abdallah ibn Ubayy – jenen Mann, den die Bewohner Medinas bereits vor der Hidschra zu ihrem König machen wollten und dessen Hoffnung durch die Ankunft des Propheten (s) in Medina und dadurch, dass die meisten Angehörigen von Aus und Khazradsch Muslime geworden waren, völlig zunichtegemacht worden war. In dem Brief hieß es:

Ihr habt unseren Mann bei euch Zuflucht gewährt. Wir schwören bei Allah, dass ihr entweder gegen ihn kämpft oder ihn ausweist. Andernfalls werden wir alle über euch herfallen, euch töten und eure Frauen zu Sklavinnen machen.

Nachdem Abdallah ibn Ubayy den Brief erhalten hatte, begann er, einige Unruhen anzustiften. Doch der Prophet (s) traf rechtzeitig Maßnahmen, um diese Unruhen zu verhindern. Daraufhin reiste der Anführer Medinas, Hadhrat Saʿd ibn Muʿadh (r.a.), zur Umra nach Mekka. Dort versperrte ihm Abu Dschahl unmittelbar am Tor des Heiligtums den Weg und sagte:

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Ihr gewährt den Abtrünnigen unserer Religion Zuflucht und unterstützt sie, und wir sollen euch unbesorgt erlauben, in Mekka den Tawaf zu vollziehen? Ich schwöre bei Allah: Wenn du nicht bei Abu Safwan (das heißt Umayya ibn Chalaf) gewesen wärst, hättest du diesen Ort nicht lebend verlassen können.

Hazrat Saʿd antwortete:

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Bei Gott, wenn ihr mich an dieser Sache hindert, werde ich euch an etwas hindern, das für euch noch härter sein wird – nämlich am Durchzug eures Handels über Medina. [Dies ist die von Hazrat ʿAbdullah ibn Masʿud (ra) in Sahih al-Buchari überlieferte Darstellung, die er unmittelbar von Hazrat Saʿd ibn Muʿadh (ra) gehört hatte. Daraus wird unmissverständlich deutlich, dass zwischen ihm und Umaiya ibn Chalaf bereits seit der Zeit der Dschahiliya ein freundschaftliches Verhältnis bestand. Wenn jener nach Medina kam, wohnte er stets im Haus Saʿds. Und wenn dieser nach Mekka reiste, wohnte er bei ihm. Aufgrund dieser Freundschaft reiste Hazrat Saʿd ibn Muʿadh (ra) zur Umra nach Mekka und sagte zu ihm: „Bring mich zu einer Zeit zum Haram, in der sich dort niemand befindet.“ So führte Umaiya ihn am Mittag zum Tawaf. Doch dort trafen sie auf Abu Dschahl. Mit ihm führte Hazrat Saʿd jenes Gespräch, das wir oben erwähnt haben. In dieser Überlieferung heißt es außerdem, dass Umaiya, als Hazrat Saʿd (ra) Abu Dschahl eine scharfe Antwort gegeben hatte, sagte: „Sprich nicht so grob mit Abu al-Hakam. Er ist der Anführer dieses Tals.“ Hazrat Saʿd erwiderte: „Lass gut sein, mein Bruder. Ich habe den Gesandten Allahs (s) sagen hören, dass diese Leute dich töten werden.“ Als Umaiya dies hörte, geriet er in große Unruhe. Er fragte: „Werden sie mich in Mekka töten?“ Hazrat Saʿd (ra) antwortete: „Das weiß ich nicht.“ In der im Musnad Ahmad überlieferten Version dieser Geschichte findet sich zusätzlich, dass Umaiya Saʿds (ra) Worte seiner Frau erzählte. Sie sagte: „Bei Gott, Muhammad (s) lügt nicht.“

In der von Hafiz Abu Bakr al-Bazzar in seinem Musnad überlieferten Darstellung von ʿAbdullah ibn Masʿud (ra) wird anstelle von Umaiya ibn Chalaf ʿUtba ibn Rabiʿa genannt. Darin heißt es, dass Hazrat Saʿd, als jener ihn davon abhalten wollte, Abu Dschahl grob zu behandeln, sagte: „Ich habe den Gesandten Allahs (s) sagen hören, dass er dich töten wird.“ Als ʿUtba dies hörte, war er bestürzt und sagte: „Das Wort Muhammads (s) kann nicht falsch sein.“ Obwohl die Überlieferer dieses Hadiths von al-Bazzar zuverlässig sind, entspricht doch das, was in al-Buchari berichtet wird, der Wahrheit. Umaiya ibn Chalaf wollte nicht in den Krieg von Badr ziehen. Die Quraisch beschimpften und bedrängten ihn, bis sie ihn zum Kampf mitnahmen. Nachdem er gefangen genommen worden war, wurde er nicht durch die Hand des Gesandten (s), sondern durch Hazrat Bilal (ra) getötet. Nun bleibt noch jener Mann, von dem der Gesandte (s) selbst gesagt hatte, dass er ihn töten werde: Das war nicht Umaiya ibn Chalaf, sondern Ubai ibn Chalaf. Er wurde in der Schlacht von Uhud durch die Hand des Gesandten (s) getötet. Der Verfasser.] Die Angelegenheit verhielt sich so: Vonseiten der Mekkaner war verkündet worden, dass der Weg zum Baytullah für die Muslime gesperrt sei; die Antwort der Bewohner von Medina lautete, dass der Handelsweg nach Scham für die Gegner des Islam unsicher sei. Dies deutete klar an, in welche Richtung sich die Lage entwickeln würde. (Tafhim al-Qurʾan, Band 2, Einleitung zur Sure al-Anfal.)

Der Bau der Prophetenmoschee

Nachdem der Gesandte (s) bei Hazrat Abu Ayyub al-Ansari (ra) eingekehrt war, beschäftigte ihn vor allem der Gedanke, eine Moschee zu errichten. An der Stelle, an der seine Kamelstute stehen geblieben war, versammelten sich nach der Überlieferung Ibn Saʿds bereits zuvor Muslime zum Gebet. Asʿad ibn Zurara (ra) leitete dort das Gemeinschaftsgebet, und auch das Freitagsgebet wurde dort verrichtet. Das Grundstück gehörte den beiden Waisen Sahl und Suhail und stand unter der Obhut von Asʿad ibn Zurara (ra). Dies wird von ʿUrwa ibn az-Zubair in al-Buchari und von Muhammad ibn Ishaq in der Sira Ibn Hischams berichtet. Al-Baladhuri führt es in Futuh al-Buldan als weithin bekannte Aussage an. (In der Überlieferung Ibn Ishaqs wird Hazrat Muʿadh ibn ʿAfra (ra) als ihr Vormund genannt.) In al-Buchari findet sich die Überlieferung von Hazrat ʿAischa (ra) und ʿUrwa ibn az-Zubair, und auch die Überlieferung Ibn Ishaqs in der Sira Ibn Hischams lautet entsprechend, dass auf diesem Grundstück Datteln getrocknet wurden. In den Überlieferungen von al-Buchari, Muslim, Abu Dawud und Ibn Dscharir heißt es, dass sich dort einige Dattelpalmen, etwas Ackerland (in manchen Überlieferungen auch ungenutztes Land) sowie einige alte Gräber von Götzendienern befanden. Nach der Überlieferung von Hazrat ʿAischa (ra) und ʿUrwa ibn az-Zubair sprach der Gesandte (s) mit den beiden Jungen über den Preis des Grundstücks. Sie sagten: „O Gesandter Allahs, wir schenken dir dieses Grundstück.“ Doch der Gesandte (s) nahm die Schenkung nicht an, sondern kaufte es gegen Bezahlung. Nach der Überlieferung von Musa ibn ʿUqba von Imam az-Zuhri kaufte der Gesandte (s) es für zehn Dinar. Ibn Saʿd überliefert dies ebenfalls von al-Waqidi und fügt hinzu, dass Hazrat Abu Bakr (ra) den Preis bezahlte. Auch al-Baladhuri sagt dies in Futuh al-Buldan.

Ibn Ishaq sagt: Hazrat Muʿadh ibn ʿAfra (ra) bat: „O Gesandter Allahs, errichte hier eine Moschee. Ich werde diese Jungen dazu bewegen, einverstanden zu sein.“ (Es wird nicht gesagt, ob er beabsichtigte, sie selbst gegen Bezahlung zu überzeugen oder sie dazu zu bewegen, das Grundstück dem Gesandten (s) gegen Zahlung von ihm zu verkaufen.)

In al-Buchari und Abu Dawud wird von Hazrat Anas (ra) überliefert, dass der Gesandte (s) die Banu Nadschdschār rufen ließ und sagte: „Bestimmt den Preis für diesen ummauerten Garten.“ [Ursprünglich wird ein Ausdruck verwendet, der einen von einer Mauer umgebenen Garten bezeichnet. Daraus scheint hervorzugehen, dass es zunächst ein Garten war, später jedoch verfiel und, wie aus der obigen Darstellung hervorgeht, für andere Zwecke genutzt wurde – der Verfasser.] Sie sagten: „Wir verlangen den Preis nur von Allah.“ Diese Überlieferung enthält keine ausführliche Angabe darüber, ob das Grundstück gegen Bezahlung gekauft oder als Geschenk übernommen wurde. Alle anderen Überlieferungen stimmen jedoch darin überein, dass das Grundstück der Prophetenmoschee nicht kostenlos erworben wurde.

Nachdem das Grundstück erworben worden war, wurde es gesäubert, die Vertiefungen sowie die Erhöhungen und Senkungen wurden ausgeglichen und die Gräber wurden entfernt. Die Dattelpalmen wurden gefällt und ihre Stämme zu Säulen der Moschee gemacht. Das Dach wurde aus Dattelpalmenblättern gefertigt. Die Mauern wurden aus Ziegeln und Lehm errichtet. Ein freier Teil des Grundstücks wurde für das Gebet freigehalten. Nachdem sich während der Regenzeit Lehm gebildet hatte, wurde der Boden mit Kieselsteinen ausgelegt. Wenn es unter dem Dach aus Dattelpalmenblättern sehr heiß wurde, wurden die Blätter mit Lehm bestrichen. In al-Buchari wird von Hazrat Aischa (r.a.) und Urwa ibn az-Zubair, in Abu Dawud von Hazrat Anas (r.a.) und in der Sira Ibn Hischams von Muhammad ibn Ishaq berichtet, dass der Gesandte Allahs (s.a.w.s.) sich beim Bau dieser Moschee selbst gemeinsam mit den anderen am Tragen von Ziegeln und Lehm beteiligte.

Der Bau der Gemächer des Propheten (s.a.w.s.)

Auf der an die Prophetenmoschee angrenzenden Seite ließ der Prophet (s.a.w.s.) für sich zwei Räume errichten – einen für Hazrat Sawda (r.a.) und den anderen für Hazrat Aischa (r.a.). Ibn Sa’d sagt, dass auch diese beiden Räume aus ungebrannten Ziegeln bestanden. Die Räume wurden voneinander getrennt, indem man die Umzäunung aus Dattelpalmenblättern mit Lehm bestrich. Auch das Dach bestand aus Dattelpalmenblättern. Über dem Eingang wurde eine Decke aufgehängt. Hazrat Hasan al-Basri berichtet: „Als ich noch klein und nicht volljährig war, ging ich in das Haus des Propheten (s.a.w.s.); die Decke des Raumes war so niedrig, dass man sie mit der Hand berühren konnte.“ Imam al-Buchari schreibt in seinem Geschichtswerk, und Hafiz Abu Ya’la in seinem Musnad, dass man an die Tür des Propheten (s.a.w.s.) mit dem Fingernagel klopfte, weil sie weder einen Türklopfer noch einen Ring hatte.

Die Familie und die Angehörigen aus Mekka holen lassen

Al-Waqidi berichtet von Hazrat Zaid ibn Thabit, dass der Prophet (s.a.w.s.) sieben Monate bei Abu Ayyub blieb. Ibn Sa’d und al-Baladhuri führen dies an, und Hafiz Ibn Hadschar bestätigt seine Authentizität.

Bevor der Prophet (s.a.w.s.) in sein neues Haus umzog, schickte er Hazrat Zaid ibn Haritha (r.a.) und seinen freigelassenen Sklaven Abu Rafi (r.a.) mit fünfhundert Dirham [al-Baladhuri sagt, dass der Prophet (s.a.w.s.) diese fünfhundert Dirham von Hazrat Abu Bakr (r.a.) erhalten hatte – der Verfasser] und zwei ausgerüsteten Kamelen nach Mekka, damit sie seine Familie und die zu ihm gehörenden Personen holen konnten. Zusammen mit diesen beiden schickte Hazrat Abu Bakr (r.a.) Abdullah ibn Uraiqit mit einem an seinen Sohn Abdullah gerichteten Brief, damit er seine Mutter und seine Schwestern holen sollte. Zaid ibn Haritha (r.a.) brachte Umm al-Mu’minin Hazrat Sawda (r.a.), die beiden Töchter des Propheten (s.a.w.s.), Hazrat Fatima (r.a.) und Umm Kulthum (r.a.), sowie seine eigene Ehefrau Umm Aiman (r.a.) und ihren Sohn Usama ibn Zaid (r.a.) mit. Hazrat Zainab (r.a.) konnte er jedoch nicht mitbringen, weil ihr Ehemann Abu al-As ibn ar-Rabi sie nicht gehen ließ. Hazrat Abdullah ibn Abi Bakr brachte zusammen mit ihnen Umm Ruman (r.a.), Hazrat Asma (r.a.) und Hazrat Aischa (r.a.) mit (at-Tabarani, Ibn Sa’d, al-Baladhuri und Ibn Abd al-Barr).

Hier endete die mekkanische Periode der islamischen Bewegung. Auf den folgenden Seiten werden wir sie einer Betrachtung unterziehen.

Das vierzehnte Kapitel

Gesamtüberblick über die mekkanische Periode

Wir sollten zurückblicken und die Geschichte der Zeit vom Beginn der mekkanischen Periode bis zur Hidschra untersuchen: Mit welchen Mitteln hatte die islamische Bewegung ursprünglich begonnen, welche Arten von Erweiterungen hatte dieses Fundament im Verlauf von dreizehn Jahren erfahren, und über welches Kapital verfügte sie, als sie in die medinensische Periode eintrat und diese Grundlage nutzte, um sich unter völlig anderen Bedingungen als in der mekkanischen Periode ihrem Ziel entgegenzubewegen?

Das anfängliche oder, genauer gesagt, grundlegende Kapital dieser Bewegung war ausschließlich die Person und Persönlichkeit Muhammads bin Abdullah, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sowie sein vierzigjähriges Leben vor dem Beginn seiner Prophetenschaft.

Die hohe Abstammung und das Ansehen des Propheten (s)

Als Person gehörte der Prophet (s) einer äußerst angesehenen Familie Arabiens an. Die Araber kannten seine Abstammung, und die meisten arabischen Stämme, die stolz auf ihre eigene Herkunft waren, wussten, dass sie väterlicher- oder mütterlicherseits irgendwo mit der Abstammung des Propheten (s) verbunden waren. Daher war sein Ansehen nicht das eines unbekannten, fremden, unedlen oder niedriggeborenen Mannes, der plötzlich mit einem gewaltigen Anspruch hervortrat und bei dessen Anblick die Menschen gesagt hätten, dass ein solcher Anspruch für einen Mann dieser Art völlig unangemessen sei. In ganz Arabien konnte niemand auch nur den geringsten Einwand gegen das hohe Ansehen der Abstammung des Propheten (s) erheben. Selbst in Mekka gab es zahlreiche Familien, die aus Stolz auf ihre Herkunft niemandem Dankbarkeit oder Anerkennung schuldeten. Mit all diesen Familien waren der Prophet (s) und seine Familie durch Verwandtschaft verbunden. Auch unter ihnen konnte niemand behaupten, dass er hinsichtlich Abstammung und gesellschaftlicher Stellung in irgendeiner Weise hinter ihnen zurückstand. Er war ein Angehöriger der Quraisch, jenes Stammes, der in Arabien das Ansehen einer führenden Stellung innehatte. Dass die Quraisch von Ismail (a) abstammten, stand außer Zweifel. Ihre Handelsbeziehungen erstreckten sich im Inland wie im Ausland über weite Entfernungen. Wegen der Verwaltung der Kaaba und der Anziehungskraft der Hadsch standen sie mit Menschen aus den entferntesten Teilen Arabiens in Verbindung. Aus diesen Gründen genoss dieser Stamm in Arabien ein so hohes Ansehen wie kein anderer. In einer zentralen Stadt wie Mekka in einem Stamm wie den Quraisch geboren zu sein, bot dem Führer dieser Bewegung unter den Bedingungen Arabiens gewaltige Vorteile und Möglichkeiten.

Die Geburt des Propheten (s) unter den Nachkommen Ismails

Neben der Ehre, Hochachtung und dem Ansehen des ismailitischen Geschlechts war auch der Umstand von besonderer Bedeutung, dass in der zweieinhalbtausendjährigen Geschichte nach dem Propheten Ismail (a) niemals jemand aus diesem Geschlecht den Anspruch auf die Prophetenschaft erhoben hatte. Ein angesehener Mann aus den Banu Amir ibn Sa’sa’a erwähnte dies, als die Angehörigen seines Stammes von der Hadsch zurückkehrten und ihm von ihrer Begegnung und ihrem Gespräch mit dem Gesandten Allahs (s) berichteten. Sie sagten zu ihm: „Wir trafen einen Mann aus den Quraisch, der sich als Prophet bezeichnet und den Wunsch äußert, dass wir ihn in unser Gebiet mitnehmen, damit wir ihm helfen können, Allahs Botschaft zu verkünden. Doch wir weigerten uns, seiner Aufforderung zu folgen.“ Da sagte der betagte ehrenwerte Mann traurig: „Ein Ismailit hat niemals eine falsche Behauptung aufgestellt.“ Dies war ein weiterer Segen dafür, dass der Prophet (s) aus dem Geschlecht Ismails stammte. Auch die Geschichte bezeugte, dass der Anspruch des Propheten (s) auf die Prophetenschaft wahr und auf Wahrheit gegründet war, denn niemals war jemand aus diesem Geschlecht mit einem falschen Anspruch auf die Prophetenschaft aufgetreten.

Seine Persönlichkeit

Was seine Persönlichkeit betrifft, so pflegten arabische Physiognomisten seit seiner Kindheit angesichts seiner Gestalt, seiner Redeweise, seines Benehmens, seines guten Charakters und anderer Eigenschaften zu sagen: „Dies ist eine außergewöhnliche Persönlichkeit, die in der Familie ʿAbd al-Muṭṭalibs geboren wurde.“ Die Reaktionen seiner Mutter, seines Großvaters, seiner Onkel und seiner Amme sind in der Geschichte überliefert. Daraus geht hervor, dass alle, die ihn schon in jungen Jahren aus der Nähe sahen, in ihm eine deutlich erkennbare Größe verspürten. Es wird auch berichtet, dass ein völlig Fremder ihn nur ansah und ausrief: „Bei Gott, dieses Gesicht kann nicht das eines Lügners sein.“ Als er in die Jugend eintrat, war sein Ansehen bereits so groß, dass die Menschen der Stadt und seiner Familie von seiner Persönlichkeit beeinflusst wurden. Die Menschen erwiesen ihm aus eigenem Antrieb Achtung, weil sie ihn für einen Menschen hielten, der weit über das gewöhnliche Maß hinausging. Sein Ansehen, seine Würde, seine Reinlichkeit, seine Großzügigkeit, seine Bescheidenheit und sein makelloser Charakter waren so offenkundig, dass jeder, der mit ihm in Berührung kam, nicht umhin konnte, ihn zu ehren und zu achten. Diese anziehende Persönlichkeit blieb auch dann wirksam, als die Quraisch ihn wegen seines Aufrufs zum Islam zu ihrem Feind gemacht hatten. Von der blinden Leidenschaft ihrer Feindschaft überwältigt, begingen sie ihm gegenüber schreckliche Ungehörigkeiten. Doch wenn man bedenkt, dass die Feindschaft, die in ihren Herzen wie Feuer brannte, und der Hass, dessentwegen sie sogar ihre eigenen Söhne, Brüder und nahen Verwandten nicht vor schmerzhaften Strafen verschonten, sie dennoch völlig hilflos machte, sobald sie ihm gegenübertraten, so muss man annehmen, dass eine besondere Anziehungskraft von ihm ausging. Nachdem er mit dem öffentlichen Aufruf begonnen hatte, setzte er seine Verkündigung selbst unter schrecklich widrigen Umständen offen fort. Obwohl er im Tal von Abū Ṭālib eingeschlossen war, verließ er die Blockade immer wieder, um seine Tätigkeit des Aufrufs fortzusetzen. Die letzten drei Jahre in Mekka waren äußerst schwer; dennoch traf er sich nicht nur mit den Besuchern Mekkas, sondern auch offen mit den Stammesführern bei den Versammlungen von ʿUkāẓ, Majanna, Dhū l-Majāz und Mina und trug ihnen den Aufruf zum Islam vor. Man muss unbedingt anerkennen, dass seine Persönlichkeit eine so gewaltige Kraft besaß, dass niemand ihn von der Erfüllung seiner Sendung als Gesandter abbringen konnte. Auf den vorherigen Seiten haben Sie auch Beispiele dafür gesehen, wie selbst sein erbittertster Feind Abū Jahl in gewissem Maße von ihm beeinflusst war.

Das Leben vor der Berufung zum Propheten

Nun muss man betrachten, welche Wirkung das Leben hatte, das der Prophet (s) vor seiner Berufung vierzig Jahre lang in Mekka führte. Dieses Leben war nicht nur makellos, sondern ein Beispiel höchster Charakterstufe. In der Gesellschaft, in der er von der Kindheit bis ins reife Alter lebte und mit deren Menschen durch Verwandtschaft, Umgang, Freundschaft, geschäftliche Beziehungen, nachbarschaftliche Beziehungen – kurz, durch Beziehungen aller Art – verbunden war, gab es niemanden, der nicht mit anerkennenden Worten seine Wahrhaftigkeit, seine Treue und Vertrauenswürdigkeit, seine Höflichkeit, seine sittliche Reinheit, sein gutes Benehmen, sein Mitgefühl und seine Hilfsbereitschaft bezeugt hätte. Er war die Verkörperung von Segen und Wohltat. Niemand hatte von ihm auch nur die geringste Erfahrung eines Unrechts gemacht, geschweige denn Anlass zu irgendeiner Befürchtung. Das Vertrauen der Menschen zu ihm war so fest, dass sie ihn „al-Amīn“ nannten. Und dieses Vertrauen blieb unerschüttert, selbst nachdem die Menschen wegen seines Aufrufs zum Islam zu seinen Feinden geworden waren. Auch unter diesen Umständen vertrauten alle, Freund wie Feind, ihm ihre anvertrauten Güter an; niemand befürchtete, dass er sie veruntreuen könnte. Als er den Ort verließ, an dem man ihn töten wollte, traf er Vorkehrungen für die Rückgabe der ihm anvertrauten Güter und erbrachte damit den Beweis seines vollkommenen Vertrauenswürdigkeit. Seine Wahrhaftigkeit war in der Gesellschaft so allgemein anerkannt, dass seine Gegner, als er begann, zum Islam aufzurufen und die Quraisch dies entschieden zurückwiesen, nicht einmal den Mut hatten, ihn einen Lügner zu nennen; vielmehr erklärten sie nur den Aufruf, den er verkündete, für unwahr. Selbst während der erbittertsten Feindschaft konnte niemand seinem Charakter irgendeinen Vorwurf machen. Diejenigen, die ihm besonders nahestanden und bei denen kein Fehler verborgen geblieben wäre – falls, Gott bewahre, überhaupt ein Fehler vorhanden gewesen wäre –, waren gerade von seinem erhabenen Charakter am stärksten beeindruckt.

Ḥaḍrat Chadīdscha (r) lehnte Heiratsanträge von den bedeutendsten Führern der Quraisch ab und ging aus eigenem Willen mit ihm die Ehe ein, weil sie von seinem großartigen Charakter beeindruckt war. Ein fünfzehnjähriges Eheleben reicht aus, damit eine Ehefrau die guten und schlechten Eigenschaften ihres Mannes kennt – insbesondere dann, wenn sie älter, gebildet und klug ist und der Ehemann mit ihrem Vermögen Handel treibt. Doch das Ergebnis der langen unmittelbaren Beobachtung und Erfahrung von Ḥaḍrat Chadīdscha (r) hinsichtlich des Gesandten Allahs (s) war, dass sie in ihm nicht bloß einen Menschen von hohem Rang erkannte, sondern einen Mann von solch erhabener Würde, dass sie keinen Augenblick zögerte, ihn als den Gesandten des Herrn der Welten anzuerkennen und an ihn zu glauben. Die weltliche Ehefrau eines Betrügers kann ihm jedoch, wie viele Vorteile sie auch durch die betrügerischen Machenschaften ihres Mannes genießen mag, innerlich niemals vertrauen und an ihn glauben.

Ḥaḍrat Zaid ibn Ḥāritha (r) kam als Sklave in die Nähe des Gesandten Allahs (s). Auch wenn ein Sklave seinen Herrn liebt, ist ihre gegenseitige Beziehung nur selten harmonisch. Denn der Sklave ist hilflos, während der Herr das Recht hat, von ihm jede Dienstleistung zu verlangen, wie schwer sie für ihn auch sein mag. Außerdem hat der Sklave Gelegenheit, alles Gute und Schlechte im Leben seines Herrn zu beobachten, und als rechtloser Diener sieht er vor sich gewöhnlich eher die schlechten Seiten des Lebens seines freiheitsliebenden Herrn. Doch der Prophet (s) war ein solcher Herr, dass der Sklave immer stärker von ihm beeindruckt wurde. Als sein Vater und sein Onkel kamen, um ihn aus der Sklaverei zu befreien, zog er es sogar vor, weiterhin dem Propheten (s) zu dienen, statt frei zu werden und mit seinem Vater zu gehen. Nachdem dieser Sklave fünfzehn Jahre lang im Dienst des Propheten (s) verbracht hatte – jenes Mannes, der ihn freiließ und zu seinem Sohn machte –, war er von dessen Charakter und Verhalten so tief beeinflusst, dass er, als er erfuhr, sein Herr sei mit dem Rang des Prophetentums geehrt worden, wie Ḥaḍrat Chadīdscha (r) keinen Augenblick zögerte, an ihn zu glauben. Er war kein unwissendes Kind, sondern ein dreißigjähriger Mann und so klug und verständig, dass er im achten Jahr der Hidschra zum Befehlshaber eines Heeres ernannt und entsandt wurde, dem Männer wie Ḥaḍrat Dschaʿfar ibn Abī Ṭālib (r) und Chālid ibn al-Walīd (r) unterstanden. Deshalb darf man nicht meinen, er sei ein einfältiger Diener gewesen, der die Bedeutung von Prophetentum und Gesandtschaft nicht gekannt und lediglich unter dem Einfluss der Persönlichkeit seines Herrn blind geglaubt habe. Vielmehr fand er den Propheten (s) aufgrund seiner langen, fünfzehnjährigen Erfahrung als einen Menschen von so hoher Würde, dass in seinem Herzen nicht der geringste Zweifel daran aufkam, dass er der Gesandte Allahs war. Gerade wegen dieser charakterlichen Größe ging er nicht mit seinem Vater fort.

Ebenso verhielt es sich bei Hadhrat Abu Bakr (ra). Zwanzig Jahre lang war er nicht nur ein Gefährte des Huzur (), sondern auch sein innigster Freund. Genauso verhielt es sich bei Hadhrat Ali (ra), der im Haus des Huzur (s) aufgezogen wurde, bei Waraqa ibn Naufal, der seit dessen Kindheit das Leben des Huzur (s) beobachtet hatte und aufgrund seiner nahen Verwandtschaft mit Hadhrat Khadidscha (ra) besonders viel Gelegenheit gehabt hatte, ihn kennenzulernen und zu verstehen, sowie bei Hadhrat Uthman (ra), der der Neffe der Tante des Huzur (s) war. Hadhrat Zubair (ra) war sein Cousin mütterlicherseits und der Neffe Hadhrat Khadidschas (ra). Hadhrat Dschaʿfar ibn Abi Talib (ra) war sein leiblicher Cousin väterlicherseits. Hadhrat Abdurrahman ibn Auf (ra) und Hadhrat Saʿd ibn Abi Waqqas (ra) waren mit seiner Mutter verwandt. Keiner von ihnen hatte ihn nicht aus nächster Nähe in seinem Wesen und Charakter kennengelernt, und gerade diese Menschen nahmen als Erste überhaupt seine Prophetenschaft an.

Die Entfaltung seiner edlen Eigenschaften nach Beginn der Prophetenschaft

Wenn eine Bewegung unter der Führung einer solch erhabenen Persönlichkeit ihren Anfang nimmt, ist das ein gewaltiges Kapital für diese Bewegung. Doch die zusätzliche Vermehrung dieses anfänglichen Kapitals während der dreizehn Jahre nach ihrem Beginn war so wertvoll, dass die Menschheitsgeschichte kein vergleichbares Beispiel vorweisen kann. Betrachten wir zunächst jene Eigenschaften des Gesandten Allahs selbst, die in dieser Zeit deutlich sichtbar wurden und die am meisten zur Verbreitung dieser Botschaft beitrugen.

Der finanzielle Verzicht des Huzur (s)

Seine erste Eigenschaft war der Verzicht, den er um dieses großen Werkes willen auf sich nahm. Zu Beginn seiner Prophetenschaft war er ein erfolgreicher und wohlhabender Kaufmann. Auf der einen Seite standen die finanziellen Mittel Hadhrat Khadidschas (ra), die nicht geringer waren als die gesamten Mittel der anderen Kaufleute von Quraisch; auf der anderen Seite standen die Weisheit, der Verstand, die hervorragende Geschäftsführung und der Ruf der Aufrichtigkeit des Huzur (s), denen niemand ebenbürtig sein konnte. Stellen Sie sich vor, welchen Aufschwung ein Geschäft nehmen musste, in dem diese beiden Dinge zusammentrafen. Doch vor Beginn der Prophetenschaft hatten der Huzur (s) und seine Lebensgefährtin dieses Vermögen nicht für ein luxuriöses Leben bestimmt. Vielmehr gaben sie es für die Unterstützung Bedürftiger, die Betreuung Hilfloser und die Bewirtung von Reisenden aus. Bei jeder guten Tat nahm er eine führende Rolle ein. Deshalb verfügte er zu Beginn seiner Prophetenschaft über keine großen angesammelten Reichtümer. Als ihm dann die Verantwortung der Prophetenschaft übertragen wurde, gab er nach und nach alles, was sich bei ihm befand, auf Allahs Weg aus. Es war ihm auch nicht möglich, neben der Verkündung der Religion ein Geschäft weiterzuführen. Die Lage erreichte einen solchen Punkt, dass er auf dem Weg nach Taif zu Fuß gehen musste, weil er kein Transportmittel beschaffen konnte. Während der Auswanderung trug Hadhrat Abu Bakr (ra) sämtliche Kosten für ihn. Um seine Familie und Angehörigen von Mekka nach Medina zu bringen, musste er von Hadhrat Abu Bakr (ra) fünfhundert Dirham nehmen. Er besaß keinen einzigen Dirham oder Dinar. Es liegt auf der Hand: Wenn jemand, der eine Botschaft verkündet, sich auf diese Weise für die Sache der Botschaft und ohne Rücksicht auf eigene Interessen hingibt, gelangt jeder, der dies beobachtet, zu der Gewissheit, dass er hinsichtlich seines Ziels vollkommen aufrichtig und uneigennützig ist. Selbst ein Gegner mag mit dem Mund sagen, was er will, doch im Innersten erkennt auch er an, dass mit dieser Botschaft kein persönliches Interesse verbunden ist. Für diejenigen, die seine Botschaft annehmen und sich ihm anschließen, ist das Beispiel ihres Führers so lehrreich, dass sie die Wahrheit allein deshalb annehmen, weil sie wahr ist; kein persönliches Interesse ist mit ihrem Glauben verbunden, und auch bei Verzicht und Opfer folgen sie dem Beispiel ihres Führers.

Die unerschütterliche Entschlossenheit des Huzur (s)

Das zweite Merkmal war die Festigkeit seiner Entschlossenheit, die durch keine Not, kein Unglück und keinen Sturm des Widerstands überwunden werden konnte und die keine Angst und kein Schrecken von ihrem Platz zu rücken vermochten. Keine Verlockung konnte ihn vom Weg der Wahrheit abbringen. Keine noch so schwere und lebensbedrohliche Lage konnte ihn verzweifeln oder das Herz brechen lassen. Seine Standhaftigkeit war wie ein Berg; an ihm prallten alle gegnerischen Kräfte ab und mussten schließlich erkennen, dass keine Verschwörung, keine Machtdemonstration, keine Unterdrückung oder Misshandlung, keine Verlockung, keine Verleumdung und kein noch so niederträchtiger Kunstgriff ihn von der Aufgabe abbringen konnte, mit der er hervorgetreten war. Nachdem die Menschen diese feste Entschlossenheit über Jahre hinweg beobachtet hatten, mussten sie zu dem Schluss kommen: Solange ein Mensch nicht fest davon überzeugt ist, auf der Wahrheit zu stehen, und solange er nicht von persönlichen Interessen frei ist, kann er in seiner Entschlossenheit nicht derart unerschütterlich sein. Eben diese Eigenschaft schuf unter seinen Gefährten Festigkeit im Glauben und Standhaftigkeit auf dem Weg der Wahrheit. Sie verlieh auch allen unvoreingenommenen Menschen die feste Überzeugung, dass die von ihm verkündete Botschaft auf der reinen Verehrung der Wahrheit beruht.

Die beispiellose Tapferkeit des Huzur (s)

Die dritte Eigenschaft war die Furchtlosigkeit und der Mut des Propheten (s), sodass ihm weder die Unterwerfung durch irgendeine gewaltige Macht noch die Furcht vor einer großen Gefahr etwas bedeuteten. Eine aufgebrachte Menge ungläubiger Quraisch umstellte ihn im Heiligtum und fragte: „Bist du derjenige, der dies sagt? Bist du derjenige, der solche Dinge sagt?“ Ohne das geringste Zögern antwortete er: „Ja, ich sage dies, und ich sage auch jenes.“ Obwohl er sich von den Feinden seines Lebens umringt sah, geriet er nicht im Geringsten in Bestürzung. Die Feinde kamen bis unmittelbar an den Eingang der Höhle Thawr, während er zu jener Zeit völlig ruhig betete. Abu Bakr (ra) sagte: „Wenn diese ungerechten Leute nur zu ihren Füßen hinabblicken, werden sie uns sehen.“ Ohne jede Unruhe erwiderte er ruhig: „Abu Bakr (ra), was denkst du von zwei Menschen, deren Dritter Allah ist? Fürchte dich nicht, Allah ist mit uns.“ Die Feinde hatten eine Belohnung für seinen edlen Kopf ausgesetzt. Von allen Seiten liefen Menschen umher, in der Hoffnung, die Belohnung zu erlangen. Er zog unbesorgt seinen Weg weiter, während er den Qur’an rezitierte. Er wandte sich nicht einmal um, um zu sehen, ob ihm jemand folgte. Zu einem so mutigen Führer kommen auch mutige Menschen. Wenn sie seine Tapferkeit immer wieder sahen, wuchs ihr eigener Mut noch weiter. Wie blind der Feind auch immer in seinem Hass sein mochte, er konnte nicht umhin, diese Eigenschaft zu achten. Er verlor seinen Kampfgeist, sobald er erkannte, dass er einem Menschen gegenüberstand, der nicht wusste, was Furcht überhaupt war. Für jede Bewegung, insbesondere für die islamische Bewegung, ist es eine außerordentlich wichtige Eigenschaft, dass ihr Führer furchtlos und mutig ist. Schon eine geringfügige Schwäche in der Tapferkeit, ja in der Kühnheit des Führers, lässt zur Zeit der Feuerprobe die gesamte Bewegung scheitern.

Die Großzügigkeit des Propheten (s)

Die vierte wichtige Eigenschaft des Propheten (s) waren Geduld, Nachsicht, Selbstbeherrschung und hohe Gesinnung. Selbst nach den abscheulichsten Angriffen des Feindes wurde er nicht von Zorn überwältigt. Beschimpfungen beantwortete er nicht mit Beschimpfungen. Auf verletzende Worte und haltlose Anschuldigungen kam kein einziger unanständiger Ausdruck über seine Lippen. Der Feind verhielt sich immer wieder auf eine Weise, die äußerst schmerzlich, entwürdigend und provozierend war. Doch er ertrug alles in größter Großzügigkeit und schweigend. Das Böse vergalt er nicht mit Bösem, sondern mit Gutem. Während der langen Zeit der Bedrängnis in Mekka findet sich kein einziges Beispiel dafür, dass er Höflichkeit und Anstand aufgegeben hätte. Dies war jene edle Eigenschaft, die seinen persönlichen Rang in der Gesellschaft um ihn herum immer weiter erhöhte und seine Gegner in den Augen jedes Menschen herabsetzte, in dem auch nur ein geringes Maß an Moral und Höflichkeit vorhanden war. Schwereren Verhältnissen als denen in Taif war er nicht begegnet. Doch auch damals kamen nur Bittgebete über seine Lippen, und er war nicht damit einverstanden, dass eine Strafe über die Ungerechten herabgesandt werde. Noch vor dem Schlachtfeld besiegte er seine Gegner auf dem moralischen Feld. Dieser Niederlage wurde das letzte Siegel aufgedrückt, als er beim Verlassen des Ortes seiner bevorstehenden Tötung daran dachte, den Bewohnern Mekkas ihre anvertrauten Güter zurückzugeben. Wer nach der Betrachtung seines Verhaltens und seiner Haltung nicht von Herzen anerkennt, dass die Anhänger der Unwissenheit einem Menschen gegenüberstanden, der nicht nur der vornehmste unter ihrem eigenen Volk, sondern unter der gesamten Menschheit war, dessen Gewissen muss völlig tot sein. Auch für die moralische Erziehung derjenigen, die sich der islamischen Bewegung anschlossen, war dieses praktische Beispiel ihres Führers wirkungsvoller als tausend Ermahnungen und Predigten. Seine Wirkung war so groß, dass jeder, der ihm Gehorsam gelobte, sich seinem Charakter nach in der eigenen Gesellschaft so weit erhob, dass jeder offen den Unterschied zwischen einem Götzendiener und einem Gottesverehrer erkennen konnte.

Die vollständige Übereinstimmung zwischen seinen Worten und seinen Taten

Die fünfte und wichtigste Eigenschaft war, dass zwischen seinen Worten und seinen Taten nicht einmal der geringste Widerspruch bestand. Er tat, was er sagte. Von der Sache, die er als schlecht bezeichnete und von der er die Menschen abhielt, war nicht das geringste Anzeichen in seinem Charakter und Verhalten zu finden. Die Bewohner Mekkas konnten nicht nur sein Leben außerhalb seines Hauses, sondern auch sein Leben innerhalb des Hauses beobachten. Denn viele von ihnen waren mit seinem Vater, seiner Mutter oder seiner Ehefrau verwandt. Dennoch konnte niemand sagen, dass sich bei ihm jene Handlung oder auch nur die geringste schlechte Tat fand, von der er andere abzuhalten pflegte. Ebenso verrichtete er selbst am häufigsten die guten Taten, zu denen er die Menschen aufrief. Sein Leben war deren praktische Verkörperung. Niemand konnte jemals feststellen, dass er bei der Verrichtung dieser guten Taten auch nur den geringsten Fehler begangen hätte. Für den Erfolg jeder Bewegung, insbesondere der islamischen Bewegung, ist dies die beste Gewähr: Ihr Führer muss frei von einer Kluft zwischen Wort und Tat sein, und seine Lehre darf nicht bloß aus Worten bestehen, sondern sein praktisches Leben muss die Verkörperung dieser Lehre sein. Dies wird auch einen tiefen Einfluss auf diejenigen ausüben, die diesem Führer folgen. Ebenso werden sich diejenigen dem Einfluss nicht entziehen können, die ihn mit unvoreingenommenem Blick betrachten, um die Wahrheit zu suchen. Selbst unter den feindseligen Gegnern wurden sehr viele durch ihn bezwungen.

Er stand über jeder Art von Engstirnigkeit

Die sechste Eigenschaft, die den anderen Eigenschaften in keiner Weise nachstand, war, dass er von jeder Engstirnigkeit frei war. In ihm gab es keinerlei Engstirnigkeit hinsichtlich Stamm, Volk, Heimat, Sprache, Hautfarbe oder Abstammung – kurz gesagt, hinsichtlich überhaupt nichts. Er unterschied die Menschen nicht aufgrund von Reichtum oder Armut. Dass jemand gesellschaftlich einer höheren und ein anderer einer niedrigeren Schicht angehörte, bedeutete ihm nichts. Er betrachtete die Menschen allein als Menschen, und jeder, der unter ihnen die Wahrheit annahm, genoss in seiner Gemeinschaft völlig gleiche Achtung. Ob er nun Quraischit oder Nicht-Quraischit, Araber, Abessinier oder Römer, schwarz oder weiß, arm oder reich war, ob er nach den Maßstäben der Gesellschaft der Unwissenheit als vornehm oder als niedrig galt. Dies war es, was bereits am Anfang der islamischen Bewegung die Grundlage dafür legte, dass sie zu einer weltumspannenden Bewegung wurde. Die muslimische Umma wurde mit dem Rang einer internationalen Gemeinschaft ausgezeichnet. Unter den Menschen, die den Islam annahmen, beseitigte er jedes Gefühl der Unterscheidung aufgrund irgendetwas anderem als Islam und Unglauben. In seiner Gemeinschaft waren Sklaven und Freie, Arme und Reiche, Hohe und Niedrige, Araber und Nichtaraber in völlig gleicher Würde vereint. Jeder hätte sich ihr anschließen können, wenn er an Allah und Seinen Gesandten geglaubt hätte. Für die breite Masse – mit Ausnahme einer kleinen Gruppe hochmütiger Araber – besaß diese Sache eine natürliche Anziehungskraft in sich, die sich schließlich als wirksam erwies.

Dies waren jene Eigenschaften des edlen Propheten (s), die während seines dreizehnjährigen Lebens in Mekka zum Vorschein kamen und unter deren Einfluss die islamische Bewegung trotz aller Anstrengungen und Machenschaften der Feinde voranschritt. Weitere Eigenschaften waren in ihm verborgen und verlangten nach anderen Umständen, damit sie sich entfalten konnten – Umständen, die eintraten, als die islamische Bewegung weiter voranschritt und sich in Medina ausbreitete.

Die bezwingende Kraft des Korans

Das andere größte Kapital dieser Bewegung war der Heilige Koran. Etwas weniger als zwei Drittel davon wurden in Mekka offenbart. Die Araber liebten kunstvolle Sprache und Beredsamkeit. Diese Liebe zog sie zu Festen wie dem von Ukaz, um dort den Worten von Dichtern und Rednern zu lauschen. Doch nachdem sie den Koran gehört hatten, besaßen in ihren Augen selbst die größten Sprachgelehrten keinerlei Ansehen mehr. Dichter und Redner verstummten fassungslos vor ihm. Was seine Sprache literarisch anbelangt, war sie von so hohem Rang, dass niemand, geschweige denn etwas Höheres, sich auch nur ein Werk von gleicher literarischer Höhe vorstellen konnte. Seine Darstellung war so wohlklingend, dass die Menschen nach dem Hören darüber nachzusinnen begannen. Die Gegner bezeichneten ihn als Zauberei. Unvoreingenommene Menschen sagten: „Dies kann nicht das Wort eines Menschen sein.“ Seine zauberhafte Wirkung war so stark, dass sie selbst das Herz eines erbitterten Feindes des Islam wie Umar, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm, erweichte und ihn zu den gesegneten Füßen des ehrwürdigen Gesandten brachte. Zubair ibn Mut’im, ein angesehener Anführer der Quraisch, reiste nach der Schlacht von Badr nach Medina, um über die Freilassung der Kriegsgefangenen zu verhandeln. Damals leitete der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, das Abendgebet und rezitierte die Sure at-Tur. In Buchari und Muslim wird Zubair ibn Mut’ims eigener Bericht folgendermaßen überliefert: „Als der ehrwürdige Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, die Verse 35 bis 39 rezitierte, schien mein Herz aus meiner Brust emporzufliegen.“

Ein wesentlicher Grund dafür, dass er später Muslim wurde, war, dass an jenem Tag, nachdem er diese Verse gehört hatte, in seinem Herzen das Fundament des Islam gelegt worden war. Deshalb bemühten sich die Feinde darum, dass die Menschen ihn nicht hörten. Doch er selbst konnte sich davon nicht fernhalten. Heimlich hörte er ihm zu. Durch diese äußerst wirkungsvolle Botschaft wurden die einzelnen Seiten von Schirk und Dschahiliyya so überzeugend kritisiert, dass es für keinen vernünftigen Menschen möglich war, auch nur ein Wort zur Verteidigung jener Glaubensvorstellungen, Bräuche und sittlichen Verfehlungen vorzubringen, auf denen die Religion und Kultur der Araber beruhten. Sodann wurden durch diese Botschaft in äußerst herzergreifender Weise die Glaubensgrundsätze des Islam, die Grundlagen seiner Zivilisation und Kultur sowie seine sittlichen Lehren dargelegt, sodass selbst der erbittertste Gegner keinen Raum mehr hatte, den Mund zu ihrer Kritik zu öffnen. Daraufhin waren die Ungläubigen gezwungen, zur Schädigung des Islam Mittel wie Schlägereien, Unterdrückung und Verfolgung, Beschimpfungen, das Erfinden falscher und haltloser Anschuldigungen sowie Lärm und Tumult einzusetzen. Doch dies war in Wahrheit von ihrer Seite ein praktisches Eingeständnis ihrer Niederlage auf dem Gebiet der Beweisführung, der Moral und des Anstands. Jeder Mensch, in dem auch nur die geringste Spur von Vernunft zu finden war, begann nach der Beobachtung beider Seiten in diesem Kampf zu erkennen, dass die Leugner und Gegner den Argumenten des Korans und seinen erhabenen Lehren nichts entgegenzusetzen hatten außer unbeantwortbaren Winkelzügen und unmenschlichen Ausflüchten. Dieser offene Konflikt spielte sich nicht nur vor den Bewohnern Mekkas ab. Ganz Arabien beobachtete ihn. In Mekka hörten Menschen aller Schichten Tag und Nacht auf die eine oder andere Weise den Koran und sahen zugleich, welche Handlungen die Anführer der Quraisch und ihre Untergebenen als Antwort auf den Koran begingen. Doch zehn Jahre lang versammelte der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, jedes Jahr bei allen Versammlungen an den Orten von Ukaz bis Mina die aus allen Gegenden Arabiens kommenden Menschen und ließ sie den Koran hören. Auf der anderen Seite warfen Männer wie Abu Dschahl und Abu Lahab dem Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, öffentlich Steine und Schmutz entgegen und sagten ihnen: „Was habt ihr dieser Botschaft entgegenzusetzen?“ Das Ergebnis war, dass der Islam trotz aller Hindernisse auch in Mekka weiter Fortschritte machte und es auf der gesamten Arabischen Halbinsel keinen Stamm gab, in dem nicht zumindest jemand dem Islam zugeneigt wurde. Während der mekkanischen Zeit war die Lage so, dass nur wenige Menschen den Islam offen annahmen. Doch es gab zwanzigmal so viele Menschen, in deren Herzen die Lehren des Korans, Verehrung für den Gesandten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Mitgefühl für seine unterdrückten Gefährten und Abscheu vor der ungerechten Unterdrückung durch die Quraisch Eingang gefunden hatten. Damit diese Arbeit jener Zeit ihre volle Wirkung entfalten konnte, bedurfte es nur noch Medinas; zur rechten Zeit trat es hervor und lüftete seinen Schleier.

Die Eigenschaften derjenigen, die an den ehrwürdigen Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, glaubten

Das dritte große Kapital war jene auserwählte Gruppe gläubiger Muslime, die die dreizehn Jahre währende Bewegung hervorgebracht hatte. Es waren Menschen mit einem klaren und geläuterten Herzen, Verstand und Denken, die trotz ihrer Erziehung in der finsteren Umgebung von Schirk und Dschahiliyya, nachdem sie die Botschaft des Korans gehört hatten, die Religion ihrer Vorfahren als irrig und die Religion des Islam als wahr annahmen; keine Engstirnigkeit hinderte sie daran, den Glauben anzunehmen. Sie wussten, was es bedeutete, entgegen der Meinung ihrer Familie, ihres Stammes und der Bevölkerung ihrer Stadt den Islam anzunehmen und dem Propheten Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu gehorchen. Die Strafen, die den Gläubigen auferlegt wurden, sahen sie mit eigenen Augen. Doch sie waren so furchtlos, dass keine Angst sie davon abhalten konnte, das Falsche zurückzuweisen und die Wahrheit anzunehmen. Sie ertrugen jede Art von Verfolgung, weil die Befolgung dessen, was sie für irrig erkannt hatten, für sie keinesfalls annehmbar war. Und das, dessen Wahrheit sie erkannt hatten, waren sie nicht bereit aufzugeben. Sie wurden brutal geschlagen, kopfüber aufgehängt, Hunger und Durst ausgesetzt, gefesselt und gefangen gehalten, gegen brennendes Feuer gedrückt und über glühende Sandflächen geschleift. Ihr Handel und Gewerbe wurden zugrunde gerichtet, und ihre angesehenen Männer wurden öffentlich gedemütigt und entehrt. Doch all dies ertrugen sie allein um der Wahrheit willen, und keine einzige Frau und kein einziger Mann unter ihnen konnte vom Glauben zum Unglauben gebracht werden. Um ihren Glauben zu bewahren, wanderten sie zweimal nach Abessinien und schließlich nach Medina aus. Sie verließen Häuser, Felder, Vermögen und Verwandte und machten sich auf dem Weg Allahs auf den Weg. Viele unter ihnen konnten nichts außer der Kleidung, die sie trugen, mitnehmen. Ihre Handlungsweise beweist, dass die islamische Bewegung äußerst aufrichtige und hingebungsvolle Menschen gewonnen hatte, die zwar nur wenige waren, aber so furchtlos, dass sie für ihre Religion jedes Opfer bringen, jedes Unglück mit einem Lächeln auf sich nehmen, jedes Leid und jede Mühsal ertragen und jeder noch so großen Macht entgegentreten konnten. Zusammen mit diesen Eigenschaften nahm durch die Lehren des Korans und die Erziehung des ehrwürdigen Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, eine so gewaltige sittliche Revolution in ihrem Leben Gestalt an, dass es hinsichtlich ihrer Wahrhaftigkeit, Redlichkeit, Gottesfurcht, Reinheit, Ehrfurcht vor Allah und ihrer Hingabe an Ihn, ihres makellosen Charakters, ihrer Höflichkeit und ihres Anstands sowie ihres festen und vertrauenswürdigen Lebenswandels nicht nur in Arabien, sondern auf der ganzen Welt ihresgleichen nicht gab. So wie der Prophet Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, jener Gesellschaft wie ein Leuchtturm voranging, war auch die sittliche Revolution im Leben seiner Gefährten so deutlich, dass jeder beim Vergleich den sittlichen Zustand der Ungläubigen und ihren sittlichen Zustand klar erkennen konnte. Aus Engstirnigkeit und Feindseligkeit konnten die Gegner dies mit ihren Lippen leugnen, doch ihre Herzen wussten, welchen Charakter die alte Dschahiliyya hervorbrachte und welche Menschen diese neue Religion formte.

Die Eigenschaften der Ansar von Medina

Das vierte gewaltige und kostbare Kapital, das die islamische Bewegung in den letzten drei Jahren der mekkanischen Zeit gewann, war die Aufrichtigkeit und Herzenshingabe des Glaubens der Ansar von Medina. Sie hatten weder die Gelegenheit gehabt, den heiligen Propheten (S) zu begleiten und von ihm erzogen zu werden, noch sein heiliges Leben und das seiner Gefährten zu sehen. Auch hatten sie nicht ein ebenso umfassendes Wissen über den Heiligen Qur’an erlangt wie die Gläubigen von Mekka. Doch sie waren so wahrhaftige und gesunde Menschen, dass sie beim ersten Aufblitzen der Wahrheit den Staub und Unrat der über Jahrhunderte verhärteten polytheistischen Dschahiliya hinwegfegten. Sie fielen gleich reifen Früchten einer nach dem anderen in den Schoß des Islam, sodass in drei Jahren in Medina weit mehr Männer, Frauen, Jugendliche und Alte den Glauben annahmen als in dreizehn Jahren in Mekka. Damit gaben sie sich jedoch nicht zufrieden, sondern nahmen den Glauben mit einer solchen Aufrichtigkeit an, dass sie den Gesandten Allahs (S) und alle seine muslimischen Gefährten aufforderten, zu ihnen auszuwandern. Dabei wussten sie genau, dass sie sich dadurch die Feindschaft ganz Arabiens erkaufen mussten, wie aus ihrer Ansprache bei der letzten Baiʿa in Aqaba hervorgeht. Es ging nicht nur darum, dass sie dem Propheten (S) und seinen mekkanischen Gefährten ihre Stadt als Dar al-Hidschra anboten; vielmehr gingen sie noch weiter und erkannten ihn bereitwillig als ihren Herrscher an. Sie wurden seine treuen Untertanen und seine hingebungsvolle Armee. Den Muslimen, die gemeinsam mit dem Propheten (S) ausgewandert waren, gewährten sie in ihrer Stadt die gleichen Rechte wie sich selbst und boten ihnen ihre Häuser, ihr Vermögen und sogar ihr Land an.

სწორედ dies hat die Wendung der Geschichte herbeigeführt. Es erhob den Islam aus der Stellung einer bloßen Daʿwa und Bewegung zur Würde einer Gesellschaft und eines Staates. Zugleich gab es dem Propheten (S) die Möglichkeit, in einem unabhängigen, souveränen Dar al-Islam jeden einzelnen Aspekt des Islam zu verwirklichen und der Welt ein Beispiel dafür zu zeigen, welche Menschen die von Allah, dem Einen ohne Teilhaber, gesandte Religion hervorbringt, welche Gesellschaft sie bildet, welche Art von Zivilisation und Kultur sie entstehen lässt und welche charakterliche Lebenskraft sie der gesamten Gesellschaft einflößt. Welche Ordnung sie in Wirtschaft, Gesellschaft, Bildung, Politik, Gesetzgebung und Rechtsprechung errichtet; welche Grundsätze sie im Krieg verfolgt; wie sie nach einem Sieg mit den Besiegten umgeht; wie sie nach dem Abschluss eines Vertrages diesen einhält; und welche Sichtweise sie in den internationalen Beziehungen vertritt – worin die Elemente dieses Modells bestanden und welche guten Folgen seine praktische Verwirklichung hatte, wird im dritten Band erörtert werden.

— Ende —