Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen
Einleitung
وَإِن مِن أُمَّةٍ إِلّا خَلا فيها نَذيرٌ
„Es gab kein Volk, zu dem nicht ein Warner gekommen wäre.“
– (Sure al-Fātiha: 24)
وَلَقَد بَعَثنا فى كُلِّ أُمَّةٍ رَسولًا أَنِ اعبُدُوا اللَّهَ وَاجتَنِبُوا الطّٰغوتَ
„Und Wir haben zu jedem Volk einen Gesandten geschickt, der dazu aufrief: Dient Allah und haltet euch vom Gehorsam gegenüber dem Taghut fern.“
– (Sure an-Nahl: 36)
هٰذا نَذيرٌ مِنَ النُّذُرِ الأولىٰ
„Dieser ist einer der früheren Warner.“
– (Sure an-Nadschm: 56)
إِنَّكَ لَمِنَ المُرسَلينَ
„(O Muhammad,) du bist gewiss ein Gesandter.“ – (Sure Ya-Sin)
قُل ما كُنتُ بِدعًا مِنَ الرُّسُلِ
„(O Muhammad,) sprich: Ich bin kein neuartiger Gesandter.“
– (Sure al-Ahqaf: 9)
وَما مُحَمَّدٌ إِلّا رَسولٌ قَد خَلَت مِن قَبلِهِ الرُّسُلُ
„Muhammad ist nur ein Gesandter, und vor ihm sind bereits viele Gesandte vergangen.“ – (Sure Āl ʿImrān: 144
قولوا ءامَنّا بِاللَّهِ وَما أُنزِلَ إِلَينا وَما أُنزِلَ إِلىٰ إِبرٰهۦمَ وَإِسمٰعيلَ وَإِسحٰقَ وَيَعقوبَ وَالأَسباطِ وَما أوتِىَ موسىٰ وَعيسىٰ وَما أوتِىَ النَّبِيّونَ مِن رَبِّهِم لا نُفَرِّقُ بَينَ أَحَدٍ مِنهُم وَنَحنُ لَهُ مُسلِمونَ
فَإِن ءامَنوا بِمِثلِ ما ءامَنتُم بِهِ فَقَدِ اهتَدَوا ۖ o
„Sprich: Wir glauben an Allah und an das, was zu uns herabgesandt worden ist, und an das, was zu Ibrahim, Ismail, Ishaq, Jakob und deren Nachkommen herabgesandt worden ist, und an das, was Musa, Isa und den anderen Propheten von ihrem Herrn gegeben worden ist. Wir machen zwischen keinem von ihnen einen Unterschied und sind Ihm ergeben. Wenn sie nun ebenso glauben, wie ihr glaubt, dann sind sie rechtgeleitet; wenn sie sich jedoch abwenden, befinden sie sich in offenem Widerstand.“
– (Sure al-Baqara: 136–137).
لَقَد مَنَّ اللَّهُ عَلَى المُؤمِنينَ إِذ بَعَثَ فيهِم رَسولًا مِن أَنفُسِهِم يَتلوا عَلَيهِم ءايٰتِهِ وَيُزَكّيهِم وَيُعَلِّمُهُمُ الكِتٰبَ وَالحِكمَةَ وَإِن كانوا مِن قَبلُ لَفى ضَلٰلٍ مُبينٍ
„Wahrlich, Allah hat den Gläubigen eine große Gunst erwiesen, als Er unter ihnen selbst einen Gesandten erweckte, der ihnen Seine Verse verliest, sie läutert und sie das Buch und die Weisheit lehrt. Zuvor befanden sie sich gewiss in offenem Irrtum.“ – (Sure Āl ʿImrān: 164).
اليَومَ يَئِسَ الَّذينَ كَفَروا مِن دينِكُم فَلا تَخشَوهُم وَاخشَونِ ۚ اليَومَ أَكمَلتُ لَكُم دينَكُم وَأَتمَمتُ عَلَيكُم نِعمَتى وَرَضيتُ لَكُمُ الإِسلٰمَ دينًا ۚ
„Heute habe Ich eure Religion für euch vervollkommnet, Meine Gnade über euch vollendet und den Islam für euch als Lebensordnung erwählt.“ – (Sure al-Māʾida: 3)
تَاللَّهِ لَقَد أَرسَلنا إِلىٰ أُمَمٍ مِن قَبلِكَ فَزَيَّنَ لَهُمُ الشَّيطٰنُ أَعمٰلَهُم فَهُوَ وَلِيُّهُمُ اليَومَ وَلَهُم عَذابٌ أَليمٌ
وَما أَنزَلنا عَلَيكَ الكِتٰبَ إِلّا لِتُبَيِّنَ لَهُمُ الَّذِى اختَلَفوا فيهِ ۙ وَهُدًى وَرَحمَةً لِقَومٍ يُؤمِنونَ
„Bei Gott, o Muhammad, Wir haben bereits vor dir Rechtleitung zu verschiedenen Völkern gesandt. Doch danach ließ Satan ihre bösen Taten ihnen als erfreulich erscheinen. Heute ist er ihr Schutzherr geworden, und sie haben eine schmerzhafte Strafe verdient. Und Wir haben dir dieses Buch nur deshalb offenbart, damit du ihnen die Wahrheit, über die sie uneins sind, klar darlegst – und auch deshalb haben Wir dieses Buch offenbart, damit es für diejenigen, die sich ihm unterwerfen, eine Rechtleitung und Barmherzigkeit sei.“
– (Sure an-Naḥl: 63–64)
يٰأَهلَ الكِتٰبِ قَد جاءَكُم رَسولُنا يُبَيِّنُ لَكُم كَثيرًا مِمّا كُنتُم تُخفونَ مِنَ الكِتٰبِ وَيَعفوا عَن كَثيرٍ ۚ قَد جاءَكُم مِنَ اللَّهِ نورٌ وَكِتٰبٌ مُبينٌ
يَهدى بِهِ اللَّهُ مَنِ اتَّبَعَ رِضوٰنَهُ سُبُلَ السَّلٰمِ وَيُخرِجُهُم مِنَ الظُّلُمٰتِ إِلَى النّورِ بِإِذنِهِ وَيَهديهِم إِلىٰ صِرٰطٍ مُستَقيمٍ
„O ihr Leute der Schrift! Unser Gesandter ist zu euch gekommen, der euch vieles von dem offenlegt, was ihr aus der Schrift verborgen haltet, und vieles verzeiht. Zu euch ist von Allah ein Licht und ein klares Buch gekommen, durch das Er diejenigen auf die Wege des Friedens und der Sicherheit leitet, die Seinem Wohlgefallen folgen, und sie nach Seinem Willen aus der Finsternis ins Licht führt und sie auf den geraden Weg leitet.“ – (Sure al-Māʾida: 15–16).
يٰأَيُّهَا النَّبِىُّ إِنّا أَرسَلنٰكَ شٰهِدًا وَمُبَشِّرًا وَنَذيرًا
وَداعِيًا إِلَى اللَّهِ بِإِذنِهِ وَسِراجًا مُنيرًا
„O Prophet! Wir haben dich als Zeugen, als Verkünder froher Botschaft, als Warner, als einen, der mit Allahs Erlaubnis zu Ihm ruft, und als leuchtende Lampe entsandt.“ – (Sure al-Aḥzāb: 45–46).
يَأمُرُهُم بِالمَعروفِ وَيَنهىٰهُم عَنِ المُنكَرِ وَيُحِلُّ لَهُمُ الطَّيِّبٰتِ وَيُحَرِّمُ عَلَيهِمُ الخَبٰئِثَ وَيَضَعُ عَنهُم إِصرَهُم وَالأَغلٰلَ الَّتى كانَت عَلَيهِم ۚ فَالَّذينَ ءامَنوا بِهِ وَعَزَّروهُ وَنَصَروهُ وَاتَّبَعُوا النّورَ الَّذى أُنزِلَ مَعَهُ ۙ أُولٰئِكَ هُمُ المُفلِحونَ
„Er gebietet ihnen das Gute, hält sie vom Bösen ab, erklärt ihnen die reinen Dinge für erlaubt und verbietet ihnen die unreinen Dinge. Er nimmt ihnen ihre Lasten und die Fesseln ab, die auf ihnen lagen. Daher werden diejenigen Erfolg haben, die an ihn glauben, ihn unterstützen und dem Licht folgen, das mit ihm herabgesandt worden ist.“ – (Sure al-Aʿrāf: 157).
إِنّا أَنزَلنا إِلَيكَ الكِتٰبَ بِالحَقِّ لِتَحكُمَ بَينَ النّاسِ بِما أَرىٰكَ اللَّهُ ۚ وَلا تَكُن لِلخائِنينَ خَصيمًا
„O Muhammad! Wir haben dir dieses Buch mit der Wahrheit herabgesandt, damit du zwischen den Menschen nach dem richtest, was Allah dir gezeigt hat, und nicht zum Fürsprecher der Verräter wirst.“ – (Sure an-Nisāʾ: 105).
هُوَ الَّذى أَرسَلَ رَسولَهُ بِالهُدىٰ وَدينِ الحَقِّ لِيُظهِرَهُ عَلَى الدّينِ كُلِّهِ ۚ
„Allah ist es, der Seinen Gesandten mit der Rechtleitung und der wahren Religion gesandt hat, damit er diese wahre Lebensordnung über alle anderen Lebensordnungen siegen lässt.“ – (Sure al-Fath: 28).
قُل يٰأَيُّهَا النّاسُ إِنّى رَسولُ اللَّهِ إِلَيكُم جَميعًا الَّذى لَهُ مُلكُ السَّمٰوٰتِ وَالأَرضِ ۖ لا إِلٰهَ إِلّا هُوَ يُحيۦ وَيُميتُ ۖ فَـٔامِنوا بِاللَّهِ وَرَسولِهِ النَّبِىِّ الأُمِّىِّ الَّذى يُؤمِنُ بِاللَّهِ وَكَلِمٰتِهِ وَاتَّبِعوهُ لَعَلَّكُم تَهتَدونَ
„O Muhammad! Sprich: O ihr Menschen! Ich bin der Gesandte Allahs an euch alle – Allahs, dem die Herrschaft über die Himmel und die Erde gehört, außer Dem es keinen Gott gibt, Dem das Leben und der Tod gehören. So glaubt an Allah und an Seinen ummī-Gesandten, der an Allah und Seine Weisungen glaubt.
وَأوحِىَ إِلَىَّ هٰذَا القُرءانُ لِأُنذِرَكُم بِهِ وَمَن بَلَغَ ۚ
„Und sprich: Dieser Koran ist mir durch Offenbarung eingegeben worden, damit ich euch und diejenigen, zu denen er gelangt, dadurch warnen kann.“
ما كانَ مُحَمَّدٌ أَبا أَحَدٍ مِن رِجالِكُم وَلٰكِن رَسولَ اللَّهِ وَخاتَمَ النَّبِيّۦنَ ۗ
„Muhammad ist nicht der Vater irgendeines eurer Männer, sondern Allahs Gesandter und derjenige, der die Reihe der Propheten abschließt.“ – (Sure al-Ahzab: 40).
Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen
Einleitung
Unendlicher Dank gebührt Allah, dem Erhabenen, dass die gewaltige Arbeit, die wir begonnen hatten, weitgehend vollendet worden ist, und es ist zu hoffen, dass mit Seiner Hilfe auch der verbleibende Teil vollendet werden wird.
Wenn man meine gemeinschaftliche Beziehung zu Maulana Sayyid Abul Ala Maududi völlig außer Acht lässt und sich aufrichtig seinem religiösen Wirken widmet, entsteht ohne jede blinde Verehrung der Eindruck, dass sich in dieser Zeit weit und breit kein Beispiel dafür finden lässt, wie er mit so kraftvollen Argumenten und Beweisen, in einer neuartigen Ausdrucksweise und in einer derartigen Ausführlichkeit die grundlegende Wahrheit des Islam und die verschiedenen Aspekte seiner umfassenden Lebensordnung klar dargelegt hat. Tatsächlich hat sein Wirken das Leben zahlloser Menschen grundlegend verändert. Und diese großartige Arbeit ist für den Maulana zu einem gewaltigen Kapital für das Jenseits geworden.
Seit meiner Bekanntschaft mit dem Maulana bis zum heutigen Tag verbindet mich mit ihm eine herzliche Beziehung. Daher ist mein innigster Wunsch, dass zur Verbreitung und Entfaltung der Weisheit und Gedankenwelt des Maulana verschiedene Darstellungsweisen angewandt werden. Zugleich stehe ich über einer solchen Gesinnung, seine Persönlichkeit, seinen guten Ruf und seine vollbrachten Werke zur Befriedigung meiner persönlichen Interessen einzusetzen.
Das war vor zehn oder zwölf Jahren. Wir saßen mit einigen engen Freunden im Zimmer von Maulana Maududi Sahib und unterhielten uns. Im Laufe des Gesprächs sagte ich, dass man, wenn der Maulana es für gut hielte, aus seinen Aufsätzen eine Lebensbeschreibung zusammenstellen könne. Daraufhin bat mein Freund darum, ihm diese Aufgabe zu übertragen. Ich erklärte mich damit einverstanden. Als mein Freund jedoch auch nach einigen Jahren keine Gelegenheit erhielt, diese Arbeit auszuführen, brachte ich die Angelegenheit mit seiner Erlaubnis erneut beim Maulana zur Sprache. Der Maulana gab darüber hinaus auch einige allgemeine gute Ratschläge für die Arbeit an anderen Themen.
Nachdem ich schließlich mit der Arbeit begonnen hatte, wurde mir klar, dass die Zusammenstellung eines Buches durch das Sammeln von Originalpassagen aus dem gesamten literarischen Werk des Maulana wesentlich schwieriger und arbeitsaufwendiger war, als aus eigener Kraft ein Forschungswerk zu verfassen. Denn neben den sechs Bänden von Tafhim-ul-Qur’an mussten zahlreiche seiner Werke studiert, daraus die dem jeweiligen Thema entsprechend notwendigen und geeigneten Originalpassagen gekennzeichnet, anschließend Abschriften davon angefertigt und sie schließlich verschiedenen Kapiteln und Abschnitten zugeordnet sowie unter verschiedenen Überschriften geordnet werden. Diese und ähnliche Arbeiten waren so schwierig, dass ich wiederholt den Mut verlor und dachte, die Verwirklichung dieses gewaltigen Vorhabens übersteige meine Kräfte.
Erfreulicherweise erhielt ich bei dieser Arbeit die Hilfe und Unterstützung verschiedener Freunde. Besonders Maulana Abdul Wakil Alivi, M.A., hat etwa eineinhalb Jahre lang in einer Weise mit mir zusammengearbeitet, dass es keine Übertreibung wäre zu sagen, sein Beitrag zu dieser Arbeit war der größte von allen.
Nachdem die Arbeit in anderthalb bis zwei Jahren stiller, unermüdlicher Anstrengung abgeschlossen worden war und Maulana vorgelegt wurde, zeigte auch er sich erstaunt darüber, wie viel Material über die Persönlichkeit des Propheten Mustafa (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und seine Lebensgeschichte er in seinen Aufsätzen gesammelt hatte. Als er sah, dass in den Händen so geringer Menschen wie wir die erste Zusammenstellung eines Werkes von nahezu drei Bänden abgeschlossen worden war, bekundete auch Maulana seine Zufriedenheit. Im ersten Band werden die grundlegende Erörterung, die Würde des Prophetentums, die Offenbarungsordnung, das Kommen des Heiligen Propheten, die Verhältnisse und das Umfeld der vorprophetischen Zeit sowie der Zustand des Volkes, an das der Aufruf gerichtet wurde, und anderer verschiedener Gruppen behandelt. Im zweiten Band werden die Ereignisse von der Geburt des Propheten Mustafa (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) bis zur Hidschra nach Medina erörtert; der dritte Band behandelt die Höhepunkte des in Medina verbrachten Lebensabschnitts des Heiligen Propheten und seiner Bewegung. Die Zusammenstellung des vierten Bandes steht noch aus. Er wird die Reformtätigkeiten des Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), seine Unterweisung und Erziehung sowie die von ihm eingeleiteten Veränderungen in den verschiedenen Lebensbereichen darstellen. Möge Allah der Erhabene uns ebenfalls die Kraft und die Möglichkeit geben, diesen Band abzuschließen.
Das Werk wurde so zusammengestellt, dass die Aufsätze des Maulana und verschiedene seiner grundlegenden Aussagen unter unterschiedlichen Überschriften geordnet und die Verbindung des Inhalts gefestigt wurden, sodass die notwendigen Erkenntnisse schrittweise sichtbar werden. An wenigen Stellen mussten die beiden Herausgeber eigene Ausführungen oder Aussagen aus anderen Werken einfügen; auch die entsprechenden Quellen wurden angegeben. Es gibt zwei Arten von Anmerkungen: erstens solche, die bereits im ursprünglichen Aufsatz des Verfassers enthalten sind, und zweitens solche, die von den beiden Herausgebern hinzugefügt wurden. Diese beiden Arten von Anmerkungen wurden getrennt voneinander verfasst. Die Zitate aus den Aufsätzen des Verfassers, die in den verschiedenen Kapiteln und Abschnitten angeführt wurden, sind am Ende des Werkes zusammenfassend aufgeführt.
Erfreulich ist, dass Maulana Sayyid Abul A’la Maududi trotz seiner Krankheit und seiner vielfältigen Verpflichtungen unsere Zusammenstellung von Anfang bis Ende gelesen, an verschiedenen Stellen Korrekturen vorgenommen und einige seiner grundlegenden Aussagen zur Einfügung gekennzeichnet hat. Sollte trotz alledem irgendwo ein Fehler oder Mangel in der Zusammenstellung dieses Werkes verblieben sein, tragen wir allein die Verantwortung dafür.
Für alles, was wir nun getan haben und auf welche Weise wir es getan haben, bitten wir darum, dass Allah es annehmen möge und die Leser daraus Lichtstrahlen der Rechtleitung gewinnen. Zugleich bitten wir die Leser, uns zu informieren, falls sie irgendwo einen Fehler oder Mangel feststellen oder eine Ergänzung für erforderlich halten, und uns damit zu verpflichten. So Allah will, werden wir in der nächsten Auflage ihre Vorschläge und Ratschläge vorrangig berücksichtigen und uns bemühen, das Werk noch besser zu machen.
– Naim Siddiqi
Die Worte der beiden Herausgeber
Zum ersten Band ist darauf hinzuweisen, dass unter den weltlichen Themen dieses Bandes jene Aufsätze und Vorträge des verehrten Maulana sowie die erforderlichen Zitate zusammengestellt wurden, die einerseits die Würde des Prophetentums, die Offenbarungsordnung, das Verständnis der Religion und andere damit verbundene Fragen beleuchten und andererseits die historische, religiöse und politische Umgebung zur Zeit des Erscheinens des Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sowie der vorausgegangenen Zivilisationen verdeutlichen. Obwohl diese Erörterungen nicht unmittelbar Ereignisse aus der Sīra des Heiligen Propheten darstellen, werden sie dennoch dazu beitragen, die Persönlichkeit des Heiligen Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), seine Würde und seinen umfassenden Kampf zu verstehen. Deshalb hielten wir es für notwendig, dass die Leser sich vor dem Studium seiner Lebensgeschichte mit diesen wegweisenden Erörterungen vertraut machen.– Die beiden Herausgeber
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Islam ist in Wahrheit die Bezeichnung für jene Bewegung, die das gesamte Gebäude des menschlichen Lebens auf dem Glauben und der Vorstellung von der Souveränität des einen Allah errichten will. Diese Bewegung besteht seit den ältesten Zeiten auf derselben Grundlage und nach derselben Methode fort. Geleitet wurde sie von jenen, die als Propheten und Gesandte Allahs, des Erhabenen, bezeichnet werden. Wenn wir diese Bewegung führen müssen, dann müssen wir zwangsläufig der Vorgehensweise jener Führer folgen. Denn außer dieser gibt es für eine Bewegung dieser besonderen Art keine andere Vorgehensweise, noch kann es eine solche geben. Wenn wir in dieser Angelegenheit versuchen, den Spuren der ehrwürdigen Propheten (a) nachzugehen, stoßen wir auf ein gewaltiges Hindernis. Über die Taten und Werke der Propheten, die in früheren Zeiten ihr Leben verbrachten, können wir nicht viel erfahren. Im Quran finden sich einige kurze Hinweise. Aus ihnen lässt sich jedoch kein vollständiger Plan erschließen. Im Neuen Testament der Bibel finden sich einige unzuverlässige Aussagen von Jesus (a), die ein bestimmtes Gebiet in gewissem Maß beleuchten, nämlich wie die islamische Bewegung in ihrer allerersten Phase geführt werden kann und welchen Problemen sie dabei begegnen muss. Jesus (a) musste sich jedoch der darauffolgenden Phase nicht stellen, und darüber findet sich auch kein Hinweis. In dieser Hinsicht erhalten wir nur aus einer einzigen Quelle eine klare und vollständige Anleitung, und das ist das Leben des Propheten Muhammad Mustafa (s). Unsere Hinwendung zu ihm erfolgt nicht lediglich aus Ehrfurcht vor ihm; vielmehr sind wir tatsächlich verpflichtet, uns ihm zuzuwenden, um Kenntnis von den Höhen und Tiefen dieses Weges zu erlangen. Unter allen Führern der islamischen Bewegung ist allein der Prophet Muhammad (s) jener Führer, in dessen Leben wir von der ersten Verkündigung dieser Bewegung bis zur Errichtung des islamischen Staates und danach bis hin zum Aufbau, zur Verfassung, zur Innen- und Außenpolitik des Staates sowie zu den Grundsätzen und Methoden seiner Verwaltung eine vollständige und äußerst zuverlässige Darstellung jeder einzelnen Phase und jedes einzelnen Aspekts finden.
Vorwort des Verfassers
Zu allen Zeiten hat der Mensch die Gnade des Islam auf nur zwei Wegen erlangt. Erstens: durch das Wort Allahs. Zweitens: Allah, der Erhabene, hat die Propheten nicht nur als Mittel gesandt, um Seine Botschaft zu übermitteln sowie sie zu lehren und verständlich zu machen. Vielmehr hat Er ihnen zugleich den Auftrag zu praktischer Führung und Leitung gegeben, damit sie zur Verwirklichung des eigentlichen Ziels von Allahs Botschaft die Menschen und die Gesellschaft reformieren und verbessern und durch die Korrektur einer verdorbenen Gesellschaftsordnung beispielhaft eine rechtschaffene und wohlgeordnete Gesellschaft neu aufbauen konnten.
Diese beiden Dinge sind seit jeher so untrennbar miteinander verbunden, dass der Mensch weder durch die Trennung des einen vom anderen zu einem richtigen Verständnis der Religion gelangen noch Rechtleitung erlangen konnte. Trennt man das Buch Allahs vom Propheten, wird es zu einem Schiff ohne Steuermann. Wie sehr ein unerfahrener Reisender damit auch auf dem Meer des Lebens umherfahren mag, sein Ziel wird er niemals erreichen. Trennt man dagegen den Propheten vom Buch Allahs, kann der Mensch sich keineswegs vor der Gefahr bewahren, anstelle Allahs etwas Nicht-Göttliches zu seinem Gott zu machen, statt den Weg zu Allah zu finden. Beide Folgen haben die früheren Völker erfahren. Das hinduistische Volk hat die Lebensgeschichten seiner Religionsstifter ausgelöscht und sich damit begnügt, nur die religiösen Schriften zu bewahren. Die Folge war, dass es schließlich auch diese Schriften auslöschte. Die Christen hingegen missachteten das Buch und klammerten sich an den Mantel und die Persönlichkeit des Propheten. In der Folge machten sie den Propheten Allahs zum Sohn Allahs, ja sogar zu Allah selbst.
Wie in früheren Zeiten muss der Mensch auch in der modernen Epoche, wenn er die Gnade des Islam erlangen will, dieselben beiden Mittel ergreifen, die seit jeher bestehen. Erstens: das Wort Allahs, das ausschließlich in Gestalt des heiligen Quran zugänglich ist. Zweitens: das Vorbild des Propheten, das heute nur noch im Lebensbild des arabischen Propheten Muhammad (s) bewahrt ist. Wenn man auch heute, wie in der Vergangenheit, zu einem richtigen Verständnis des Islam gelangen will, besteht der einzige Weg darin, den Quran durch den Propheten Muhammad (s) zu verstehen und den Propheten Muhammad (s) durch den Quran zu verstehen. Wer diese beiden mithilfe des jeweils anderen zu verstehen vermochte, hat allein den Islam verstanden. Andernfalls blieb ihm das Verständnis der Religion versagt und infolgedessen auch die Rechtleitung.
Da der Quran und der Prophet Muhammad (s) dasselbe Ziel, denselben Zweck und dieselbe besondere Aufgabe haben, hängt alles davon ab, in welchem Maß dieses Ziel und dieser Zweck erfasst werden. Wenn man diese Tatsache außer Acht lässt, wird sich zeigen, dass der Quran nichts weiter als eine Ansammlung von Wörtern und Sätzen und das Lebensbild des Propheten nichts weiter als eine Zusammenstellung von Ereignissen ist. Zwar kann man durch eine höchstmögliche Erforschung historischer Tatsachen und Informationen ein richtiges und detailliertes Wissen über die Persönlichkeit des heiligen Propheten und die gegenwärtige Zeit erlangen, doch wird man die Lebenskraft der Religion nicht begreifen. Denn dieses Begreifen hängt nicht bloß mit den einzelnen Aussagen des Quran und der Chronologie der Ereignisse zusammen, sondern mit jenem Ziel und Zweck, um dessentwillen der Quran offenbart wurde und der Prophet erschien, um sein Banner zu tragen. Je klarer und richtiger die Vorstellung von diesem Ziel und Zweck ist, desto richtiger wird auch die Vorstellung vom Quran und vom Lebensbild des Propheten sein. Ist die Vorstellung von Ziel und Zweck hingegen irrig, muss zwangsläufig auch die Vorstellung vom Quran und vom Propheten irrig sein.
Es ist vollkommen wahr, dass der Quran und das Lebensbild des Propheten einem gewaltigen Meer gleichen. Wer all ihre Bedeutungen, ihr innerstes Wesen, ihren Nutzen und ihren Segen erlangen möchte, wird dies niemals vollständig vermögen. Was man jedoch anstreben kann, ist, nach Kräften möglichst viel Wissen daraus zu gewinnen und im Licht dieses Wissens die Lebenskraft der Religion so weit wie möglich zu erfassen.
Ich bin Allah, dem Erhabenen, für Seine unermessliche Gnade dankbar, durch die Er mir ermöglicht hat, Tafhim al-Quran zu vollenden und dabei die Anstrengung und Kraft einzusetzen, über die ich verfügte, um den heiligen Quran verständlich zu machen. Danach war es mein sehnlichster Wunsch, über das Lebensbild des heiligen Propheten zu schreiben. Doch für die Vollendung der ersten Aufgabe vergingen dreißig Jahre meines Lebens. Danach besaß ich nicht mehr die Kraft, die zweite Aufgabe in Angriff zu nehmen. Dass ich sie nicht beginnen konnte, bereitete mir ständig Kummer. Da legten Herr Na’im Siddiqi und Herr Abdul Wakil Alawi mir diese Zusammenstellung von Materialien zur Sira vor, die sie aus meinen verschiedenen Büchern und Aufsätzen zusammengestellt hatten. Ich war damals erstaunt, dass sich in meinen Schriften zu diesem gewaltigen Thema so viel Material befand. Zugleich sprach ich ihnen aus tiefstem Herzen spontan meinen aufrichtigen Glückwunsch zu ihrer unermüdlichen Arbeit aus und sprach ein Bittgebet für sie. Denn sie hatten dieses über verschiedene Stellen verstreute Material gründlich geprüft und angemessen zusammengestellt. Zwar reicht die Gesamtheit dieses Materials nicht aus, um ein abschließendes Werk über die Sira zu verfassen; dennoch werden die in dieser Zusammenstellung aufgenommenen Themen, so Allah will, dazu beitragen, die Persönlichkeit des heiligen Propheten (s) und seine gewaltigen Verdienste zu verstehen.
Zweifellos haben all jene Dinge, die diesem Buch hinzugefügt wurden, bereits die Aufmerksamkeit der Leser meiner Bücher und Aufsätze auf sich gezogen, und Wiederholungen finden die Menschen auch nicht angenehm. Doch der Leser dieses Buches wird selbst feststellen, dass die Gedanken, die an verschiedenen Stellen verstreut waren und in den vergangenen dreißig oder vierzig Jahren vor dem Hintergrund unterschiedlicher Umstände und Situationen niedergeschrieben wurden, in diesem Buch in gesammelter Form vorliegen; beim Studium der verstreuten Aufsätze lässt sich dieser Nutzen nicht gewinnen.
Ich bete zu Allah, dem Erhabenen, dass dieses Buch ein Mittel zur Rechtleitung Seiner Diener und zu meiner Belohnung im Jenseits sein möge.
-Abul A’la
Lahore
19. Dhul-Qaʿda 1392 nach der Hidschra
25. Dezember 1972 n. Chr.
Einige grundlegende Erkenntnisse über die Kontinuität der Prophetenschaft
Kapitel 1: Das Wesen der Prophetenschaft
Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen
Allahs Wegweisung für die Menschheit
Der Herr der Welten, der Schöpfer, Eigentümer und Herrscher der gesamten Erde, des Himmels und der Schöpfung, hat in diesem Teil seines gewaltigen Reiches – den wir Erde nennen – den Menschen erschaffen. Er gab ihm die Fähigkeit zu erkennen, nachzudenken und zu verstehen. Er gab ihm die Fähigkeit, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. Er gab ihm die Freiheit zu prüfen, auszuwählen und zu entscheiden. Er verlieh ihm das Recht, seine eigene Verfügungsgewalt auszuüben. Kurz gesagt: Indem Er ihm eine Art Selbstverwaltung verlieh, setzte Er ihn auf der Erde in das Amt seines Statthalters oder Stellvertreters ein.
Als Allah, der Herr der Welten, den Menschen in dieses Amt einsetzte, prägte Er ihm fest ein, dass Er allein der Eigentümer und Herrscher des Menschen und der gesamten Welt und der Einzige ist, dem vollkommener Gehorsam gebührt! In Seinem Reich ist der Mensch weder frei noch jemand anderem unterworfen; vielmehr ist außer Ihm niemand berechtigt, vom Menschen Gehorsam, Dienstbarkeit, Anbetung und Verehrung zu verlangen. Zwar wurde der Mensch mit freier Verfügungsgewalt in dieses irdische Leben gesandt, doch ist dieses in Wirklichkeit eine Prüfungszeit für ihn. Nachdem Er ihre Taten beurteilt hat, wird Er allein entscheiden, wer von ihnen die Prüfung bestanden hat und wer gescheitert ist. Die einzig richtige Sichtweise des Menschen besteht darin, Allah als seinen einzigen Maʿbūd, seinen einzigen Gott und Herrscher anzuerkennen. Er soll auf der Erde nach der von Ihm gegebenen Ordnung handeln und sein Leben in dem Bewusstsein führen, dass die Welt ein Prüfungsort ist und sein eigentliches Ziel darin besteht, beim Letzten Gericht erfolgreich zu sein. Jede Sichtweise hingegen, die davon abweicht, wird wiederum sein eigentliches Ziel sein. Jede Sichtweise hingegen, die davon abweicht, wird ein Irrtum sein. Wenn die Menschen die erste Sichtweise annehmen (wozu sie ebenfalls die Freiheit haben), werden sie auf der Erde Verderben und Unfrieden erfahren und nach dem Ende ihres irdischen Lebens, wenn sie in das Leben des Jenseits eintreten, in die Grube ewigen Leids, schmerzlicher Qual und Unheils geworfen werden – in die Hölle.
„Muslim“ (Gehorsamer) zu bleiben – eine Anweisung
Der Herr der Welten hat dem Menschen befohlen, auf der Erde in Gehorsam zu leben. Er hatte auch dem ersten Menschen, Adam (a.s.), sowie Hawwa und ihren Kindern den Weg gezeigt, wie sie auf der Erde handeln sollten. Dieser erste Mensch war zu Beginn seiner Erschaffung nicht in der Finsternis von Torheit und Unwissenheit versunken; vielmehr begann Allah sein Leben auf der Erde in einer vollkommen lichtvollen Umgebung. Er kannte die Wahrheit. Ihm war auch eine Ordnung für seine Lebensführung gegeben worden, und diese Lebensweise bestand im Gehorsam gegenüber Allah (das heißt im Islam); zudem lehrte er seine Kinder, als Allah Ergebene (Muslime) auf der Erde zu leben.
Abweichen vom rechten Weg
Doch in den späteren Jahrhunderten wichen die Menschen allmählich von der richtigen Lebensweise (dem Dīn) ab und beschritten den falschen Weg. Durch Nachlässigkeit und Gleichgültigkeit ließen sie diese Lebensweise verschwinden und entstellten sie zudem durch schlechte Gesinnung und böse Taten. Verschiedene menschliche, nichtmenschliche, imaginäre und materielle Wesenheiten auf Erden und im Himmel machten sie zu Teilhabern an Allahs souveräner Macht und Herrschaft. Sie vermischten das von Allah gegebene wahre Wissen mit verschiedenen Vorstellungen, spekulativen Lehren, Ideologien und Philosophien und schufen sich nach ihren eigenen Begierden, Neigungen und einseitigen Ansichten eine solche Lebensordnung, dass Allahs Erde sich mit Unterdrückung füllte.
Nachdem Allah dem Menschen eine begrenzte Selbstverwaltung gewährt hat, wie könnte es dann sein, dass Er Seine Schöpfermacht dazu einsetzt, die vom rechten Weg abgekommenen Menschen gewaltsam auf den richtigen Weg zurückzuführen? Und nachdem Er den verschiedenen Stämmen und Völkern der Menschen eine Frist gesetzt hat, in der sie auf der Erde wirken sollen, wäre es ebenfalls nicht angemessen, unmittelbar beim Auftreten von Rebellion alle Menschen zu vernichten. Seit dem ersten Tag der Erschaffung des Menschen hat Er unter Wahrung seiner Fähigkeit zur Selbstverwaltung auch die Verantwortung übernommen, den Menschen innerhalb der festgesetzten Frist den Weg zu weisen. Daher begann Er zur Erfüllung dieser Ihm auferlegten Verantwortung, aus den Menschen selbst solche Personen einzusetzen, die an Ihn glaubten und Seinem Willen und Seinen Geboten gehorchten. Er machte sie zu Seinen Stellvertretern. Er sandte ihnen Seine Botschaft. Er schenkte ihnen wahres Wissen. Er gab ihnen eine richtige und fehlerfreie Lebensordnung. Er beauftragte sie damit, die irregeleiteten Nachkommen Adams zum rechten Weg aufzurufen.
Diese von Allah eingesetzten Propheten traten in verschiedenen Ländern und unter verschiedenen Völkern auf. Ihr Erscheinen dauerte Tausende von Jahren an. Auch ihrer Zahl nach waren sie unzählbar. Der Din all dieser Propheten war derselbe, nämlich jene wahrhaftige und richtige Sichtweise sowie jene Lebensordnung, die den Menschen bereits am ersten Tag verkündet worden war. Sie alle folgten derselben Rechtleitung, das heißt, sie folgten jenen grundlegenden und ewigen Prinzipien des Charakters, der Moral sowie der Zivilisation und Kultur, die für den Menschen bereits am Anfang der Schöpfung festgelegt worden waren. Sie alle hatten dieselbe Mission. Ihre Mission bestand darin, ihre Stämme und Völker zu diesem Din und dieser Rechtleitung aufzurufen und anschließend diejenigen, die diesem Aufruf Folge leisteten, zu einer solchen Umma und Gemeinschaft zusammenzuschließen, die selbst Allahs Gesetz gehorchen, auch auf der Erde die Befolgung von Allahs Gesetz verwirklichen und sich darum bemühen und dafür kämpfen würde, dessen Widersetzung zu verhindern. Jeder dieser Propheten erfüllte in seinem Zeitalter seine der Menschheit gegenüber auferlegte Mission ordnungsgemäß
Doch stets zeigte sich, dass eine große Zahl von Menschen nicht bereit war, ihrem Aufruf Folge zu leisten. Und auch diejenigen, die diesen Aufruf annahmen und Teil der muslimischen Umma wurden, begannen allmählich selbst vom rechten Weg abzuweichen. So verloren einige dieser Gemeinschaften Allahs Rechtleitung vollständig, während andere Allahs Botschaft durch eigene Zusätze und Entstellungen veränderten und ihr dadurch ihr ursprüngliches Gesicht nahmen.
Schließlich sandte der Herr der Welten Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nach Arabien, mit derselben Aufgabe, mit der Er zuvor die früheren Propheten entsandt hatte. Er rief sowohl die einfachen Menschen als auch die irregeleiteten Anhänger der früheren Propheten auf. Seine Aufgabe bestand darin, alle zu einer richtigen Sichtweise und zum wahren Weg aufzurufen, allen aufs Neue Allahs Rechtleitung zu übermitteln und diejenigen, die diesen Weg und diese Rechtleitung annahmen, zu einer solchen Umma zu machen, die einerseits ihr eigenes Lebenssystem auf der Grundlage von Allahs Rechtleitung errichten und sich andererseits um die Verbesserung der Menschen auf der Welt bemühen und dafür kämpfen würde.
Das Prophetentum und der ursprüngliche Bund
(Arabisch****************** auf PDF-Seite 29)
„Und [o Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm)!] Erinnere die Menschen an jene Zeit, als dein Herr aus dem Rücken der Kinder Adams ihre Nachkommenschaft hervorbrachte, sie zu Zeugen gegen sich selbst machte und sie fragte: ‚Bin Ich nicht euer Herr?‘ Sie antworteten: ‚Ja, gewiss, Du bist unser Herr. Wir bezeugen dies.‘ Dies geschah, damit ihr am Tag der Auferstehung nicht sagen könnt: ‚Wir wussten davon ja nichts.‘ Oder damit ihr nicht sagen könnt: ‚Unsere Väter und Vorväter haben vor uns mit dem Schirk begonnen, und wir sind erst nach ihnen als ihre Nachkommen geboren worden. Willst Du uns nun wegen eines Fehlers belangen, den die Irregegangenen begangen haben?‘“
– (Sure al-A’raf: 172–173}
In diesem Vers wird der Zweck genannt, zu dem in der Frühzeit der Schöpfung von allen Nachkommen Adams ein Bekenntnis verlangt wurde. Dieser Zweck besteht darin, dass diejenigen Menschen, die den Weg des Aufbegehrens gegen Allah einschlagen, für dieses Vergehen selbst vollständig verantwortlich gemacht werden. Sie sollen sich nicht damit herausreden können, dass sie nichts davon gewusst hätten, und sie sollen sich auch nicht dadurch von der Verantwortung für ihre Fehler befreien können, dass sie diese ihren Vorfahren anlasten. Mit anderen Worten: Allah der Erhabene hat diesen ursprünglichen Eid und Bund, den der Mensch bei seiner Geburt eingegangen ist, als Beweis dafür gelten lassen, dass jeder Mensch persönlich das Zeugnis dafür in sich trägt, dass Allah der einzige Ilah und der einzige Rabb und Herr ist. Deshalb wäre es falsch zu sagen, ein Mensch könne sich allein deshalb vollständig von der Verantwortung für seinen Irrtum und seine Verirrung freisprechen, weil er in völliger Unwissenheit oder in einer irreführenden Umgebung aufgewachsen ist.
Nun stellt sich die Frage: Wenn dieser ursprüngliche Bund tatsächlich wirksam geworden ist, ist er dann in unserem Bewusstsein und unserem Gedächtnis bewahrt? Weiß irgendjemand von uns, dass er am Anfang der Schöpfung seinem Allah vorgeführt wurde, dass ihm die Frage gestellt wurde: „Bin Ich nicht euer Herr?“, und dass er darauf mit „Ja“ geantwortet hat? Wenn die Antwort verneint ausfällt, wie kann dann das Gedächtnis an einen Eid, dessen Spur aus unserem Bewusstsein getilgt worden ist, als Beweis gegen uns gelten?
Darauf lässt sich antworten: Wäre dafür gesorgt worden, dass die Spuren jenes Bundes und Eides in unserem Bewusstsein und Gedächtnis frisch erhalten blieben, wäre es völlig sinnlos gewesen, den Menschen in das gegenwärtige Prüfungsfeld der Welt zu schicken. Denn nachdem die Frage offenbart worden wäre, hätte eine solche Prüfung tatsächlich keinen Sinn mehr gehabt. Zwar ist die Spur davon in Gedächtnis und Bewusstsein nicht frisch erhalten geblieben, doch im Unterbewusstsein (Sub-conscious mind) und im Gefühl (Intuition) ist sie gewiss bewahrt. Dasselbe gilt für unseren übrigen Gefühlen und unserem unbewusst erworbenen Wissen. Alles, was der Mensch bis heute auf den Gebieten der Zivilisation, Kultur, Moral und des Umgangs miteinander erwerben konnte, war seinem gesamten Potenzial nach bereits verborgen im Menschen vorhanden. Was äußere und innere Kräfte gemeinsam bewirken konnten, beschränkte sich darauf, das Verborgene tatsächlich zur Erscheinung zu bringen. Es ist eine Tatsache, dass keine Bildung, keine Übung, kein Einfluss der Umwelt und keine inneren Kräfte in einem Menschen etwas hervorbringen können, für das in ihm nicht bereits ein verborgenes Potenzial vorhanden ist. Ebenso sind diese Kräfte trotz tausendfacher Anstrengung nicht in der Lage, auch nur eines der im Menschen verborgenen Potenziale endgültig auszulöschen. Sie können höchstens bewirken, dass dieses Potenzial trotz aller Entstellungen, Abweichungen und Verirrungen im Inneren verborgen bleibt, sich weiterhin darum bemüht, zur Erscheinung zu kommen, und stets bereit bleibt, auf die äußere Anziehung und den äußeren Anruf zu antworten. Ich habe bereits gesagt, dass dasselbe über all unsere Gefühle und unser unbewusst erworbenes Wissen gesagt werden kann:
Alles oben Beschriebene ist in uns aktiv vorhanden, und gerade durch das, was tatsächlich aus uns hervortritt, erhalten wir den sicheren Beweis für seine Existenz.
Für die Erscheinung all dessen sind eine Erinnerung von außen, Bildung und Übung erforderlich. Was aus uns zur Erscheinung kommt, ist in Wirklichkeit Allahs Rechtleitung für die Menschheit außerhalb von uns.
Die Antwort auf den äußeren Anruf. Und diese Antworten kommen von den in uns wirksamen Existenzen.
Die falschen Triebe im Inneren und die falschen Reaktionen von außen können all dies unterdrücken, verborgen halten, entstellen und beinahe auslöschen, aber nicht vollständig beseitigen. Deshalb sind sowohl durch das innere Gefühl als auch durch äußere Bemühungen Korrektur und Veränderung (Conversion) möglich.
Genauso verhält es sich mit dem durch Empfindung erlangten Wissen, dessen Träger wir hinsichtlich unserer wahren Stellung in diesem Universum und unserer Beziehung zum Schöpfer des Universums geworden sind.
Der Beweis für ihre Existenz besteht darin, dass man in allen Epochen des menschlichen Lebens, zu allen Zeiten und in allen Ländern, in jeder menschlichen Siedlung ihre Entstehung und Entwicklung bei Abstammungsgemeinschaften, Stämmen und einzelnen Menschen beobachten kann. Zu keiner Zeit und in keiner Epoche war irgendeine Macht der Welt in der Lage, sie auszulöschen.
Wann immer dies in unserem Leben tatsächlich wirksam geworden ist, war es in der Lage, gute Ergebnisse hervorzubringen. Das ist der Beweis für seine Wahrheit.
Für seine Entstehung, sein Sichtbarwerden und seine Annahme einer konkreten Gestalt bedurfte es stets eines äußeren Anstoßes. Deshalb hat man die Propheten Allahs, die himmlischen Schriften und alle Verkünder der Wahrheit, die ihnen folgen, damit beschäftigt gesehen, dieselbe Aufgabe zu erfüllen. Daher werden sie im Koran als Mudhakkir (derjenige, der erinnert), Dhikr (Erinnerung), Tadhkirah (Erinnerung) bezeichnet und ihr Wirken als Tadhkīr (das Erinnern) erwähnt. Das bedeutet, dass die Propheten, die himmlischen Schriften und die Verkünder der Wahrheit im Menschen nichts Neues erschaffen, sondern lediglich das, was in seinem Inneren bereits vorhanden war, entfalten und beleben.
Das Urteil von Vernunft und Verstand über die Prophetenschaft
In großen Städten sehen wir, wie mithilfe elektrischer Energie Hunderte von Fabriken und Betrieben laufen. Straßenbahnen und Eisenbahnen fahren. Nachts leuchten plötzlich Tausende von Lampen auf, und im Sommer drehen sich in den Häusern über unseren Köpfen die Ventilatoren. Doch angesichts dieser Erscheinungen sind wir keineswegs verwundert. Auch über die Ursache dafür, dass diese Dinge leuchten und sich bewegen, herrscht unter uns keinerlei Uneinigkeit. Woran liegt das? Daran, dass wir die Drähte, an die diese Lampen angeschlossen sind, mit eigenen Augen sehen. Wir wissen auch, wo diese Drähte angeschlossen sind, nämlich an ein Elektrizitätswerk. Wir wissen ferner, dass jener Ingenieur die Elektrizität erzeugt. Und mithilfe dieser erzeugten Energie leuchten die elektrischen Lampen. Der Grund dafür, dass beim Anblick der Zeichen der Elektrizität unter uns keinerlei Meinungsverschiedenheit über ihre Ursache und Wirkung aufkommt, besteht also darin, dass die gesamte Kette dieser Ursache-Wirkungs-Beziehungen in den Bereich unserer Wahrnehmung fällt und wir sie unmittelbar erfahren haben. Nehmen wir nun an, diese Lampen würden aufleuchten, die Ventilatoren würden sich surrend drehen, Straßenbahnen und Eisenbahnen würden dahinfahren, die Räder von Fabriken und Maschinen würden sich drehen, aber die Drähte, durch die all diesen Dingen Elektrizität zugeführt wird, wären unsichtbar, das Elektrizitätswerk läge außerhalb der Reichweite unserer Wahrnehmung, und wir könnten auch nicht wissen, dass dieses Werk mithilfe der Kraft der dort Arbeitenden betrieben wird. Würde unser Verstand unter diesen Umständen angesichts jener Zeichen der Elektrizität Gewissheit erlangen? Würde damals hinsichtlich der Ursache und Wirkung dieser Zeichen Einigkeit unter uns herrschen? Selbstverständlich wäre die Antwort negativ. Warum? Weil es völlig natürlich ist, dass im Denken Verwunderung und Unruhe entstehen, dass sich Verstand und geistige Fähigkeiten auf die Erforschung dieses tiefen Geheimnisses verlegen und dass die Vorstellungen, Vermutungen und Meinungen über dieses Geheimnis voneinander abweichen, wenn die Ursache und Wirkung der Zeichen verborgen bleibt und niemand sie erkennen kann.
Lassen wir uns die Sache noch etwas deutlicher erklären. Nehmen wir an, das, was zuvor lediglich vermutet worden war, existiert tatsächlich und wirkt in der Realität. Das heißt: Tatsächlich brennen Tausende und Abertausende elektrische Lampen, Abertausende elektrische Ventilatoren drehen sich, Fahrzeuge fahren dahin, und die Räder von Fabriken und Maschinen drehen sich weiter; doch wir haben keinerlei Mittel, zu erfahren, welche Kraft in ihnen wirkt und woher sie überhaupt kommt. Die Menschen sind beim Anblick dieser Zeichen von Staunen überwältigt worden.
Verschiedene Menschen, verschiedene Ansichten
Viele haben bei der Suche nach der Ursache all dessen ihre Verstandeskräfte angestrengt. Manche sagen, diese Dinge seien von selbst aufgeflammt und bewegten sich von selbst. Außerhalb ihrer eigenen Existenz gibt es nach dem Urteil von Vernunft und Verstand in Bezug auf die Prophetenschaft keinen Gegenstand, der ihnen Licht oder Bewegung verliehen hätte. Manche sagen, die Eigenart der Zusammensetzung jener Stoffe, aus denen diese Dinge bestehen, habe in ihnen den Zustand von Licht und Bewegung hervorgebracht. Nach Ansicht anderer gibt es hinter dieser materiellen Welt eine Gruppe von Göttern: Einer von ihnen entzündet die Lampen, ein anderer lenkt die Straßenbahnen und Eisenbahnen, einer lässt die Ventilatoren drehen, und einer setzt die Räder der Fabriken und Maschinen in Bewegung. Wieder andere sind des Nachdenkens darüber müde geworden und haben schließlich ihre Unfähigkeit eingestanden, indem sie zu sagen begannen: Unser Verstand ist unfähig, in die Tiefen dieses Zauberwerks einzudringen. Wir wissen nur so viel, wie wir sehen und wahrnehmen können. Mehr verstehen wir nicht. Und was wir nicht verstehen, können wir weder als wahr bezeichnen noch als falsch.
Diese Menschen sind untereinander in Streit verwickelt. Doch jeder von ihnen verfügt zur Unterstützung seiner eigenen Auffassung und zur Widerlegung der Auffassung der anderen über kein anderes Mittel der Erkenntnis als Vorstellungen, Vermutungen und Einbildungen.
Ein eigenständiger Anspruch
Während dieser Streit andauerte, kam ein Mann und sagte: »Legt all eure Auffassungen beiseite; ich verfüge über ein Mittel der Erkenntnis, das ihr nicht habt. Durch dieses Mittel habe ich erfahren, dass diese Lampen, Ventilatoren, Uhren, Fabriken und Maschinen mit bestimmten unsichtbaren Drähten verbunden sind, die ihr nicht wahrnehmt. Von einem großen Elektrizitätswerk wird diesen Drähten Energie zugeführt, die in Form von Licht und Bewegung zum Ausdruck kommt. In diesem Elektrizitätswerk befinden sich gewaltige Maschinen. Unzählige Angestellte und Handwerker bedienen sie. Und sie alle unterstehen einem großen Ingenieur. Der Ingenieur hat diese Einrichtung mithilfe seines eigenen Wissens und seiner eigenen Kraft geschaffen. All diese Arbeiten werden auf seine Anweisung und unter seiner Leitung ausgeführt.«
Danach kam ein weiterer Mann. Auch er trug dieselbe Aussage mit demselben Anspruch vor. Daraufhin kamen ein dritter, ein vierter und ein fünfter Mann. Auch sie äußerten dieselbe Aussage auf dieselbe Weise wie ihre Vorgänger. Danach setzte ein ununterbrochener Strom weiterer Männer ein. Ihre Zahl überschritt sogar die Hunderter- und Tausendergrenze und erreichte Hunderttausende. Sie alle trugen dieselbe Aussage mit demselben Anspruch vor. Trotz der Unterschiede in Ort, Zeit und Umständen war kein Unterschied zwischen ihren Aussagen und Ansprüchen festzustellen. Sie alle sagten: »Wir verfügen über ein Mittel der Erkenntnis, das die gewöhnlichen Menschen nicht besitzen.« Sie alle wurden für verrückt erklärt und verschiedensten Formen von Unrecht und Verfolgung ausgesetzt. Man zwang sie auf jede erdenkliche Weise, ihren Anspruch zurückzunehmen; doch sie alle blieben bei ihrem Anspruch standhaft, und keine Macht der Welt konnte sie auch nur um einen Zoll von ihrem Standpunkt abbringen. Neben dieser Festigkeit und Standhaftigkeit bestand ein weiteres bemerkenswertes Merkmal von ihnen darin, dass keiner von ihnen ein Lügner, Dieb, Veruntreuer, Übeltäter, Unterdrücker oder jemand war, der Verbotenes verzehrte. Selbst ihre Gegner und Feinde erkennen dies an. Sie alle waren rein, frei von Makeln und von außergewöhnlich gutem Charakter. Im guten und freundlichen Umgang mit den Menschen besaßen sie unter der gesamten Menschheit eine einzigartige Eigenschaft. Bei ihnen zeigte sich auch nicht das geringste Anzeichen von Wahnsinn; vielmehr verfügten sie über vorzüglichen sittlichen Charakter und innere Läuterung – von einer bloßen Darstellung weltlicher Angelegenheiten ganz zu schweigen, widmen die größten Gelehrten, Denker, Theoretiker und Fachleute der Welt ihr ganzes Leben dem vollständigen Verständnis seiner verborgenen Geheimnisse und feinen Wahrheiten.
Vor dem Gerichtshof von Vernunft und Verstand
Auf der einen Seite stehen die verschiedenen und einander widersprechenden Gruppen der Bestreiter, auf der anderen Seite die Gruppe der einzigen Anspruchsteller. Vor dem Gerichtshof von Vernunft und Verstand wird der Fall beider Gruppen vorgetragen. Als Richter besteht die Aufgabe von Vernunft und Verstand darin, zunächst die eigene Stellung angemessen zu erkennen, dann den Zustand beider Parteien zu erfassen, sie vergleichend zu prüfen und anschließend zu entscheiden, wessen Aussage den Vorrang verdient.
Die Lage des Richters selbst ist folgende: Er verfügt über kein Mittel, die eigentliche Angelegenheit zu erkennen. Er selbst kennt die Wahrheit nicht. Vor ihm liegen lediglich die Aussagen beider Parteien, ihre Argumente und Beweise, ihre persönliche Lage sowie äußere Zeichen und Indizien. Er muss all dies mit dem Blick eines Untersuchenden prüfen. Doch kann er kein anderes Urteil fällen als dasjenige, das auf der größeren Wahrscheinlichkeit beruht. Denn auf Grundlage all der Informationen und Darstellungen, die auf seinem Tisch liegen, ist es ihm nicht möglich, die Tür zur eigentlichen Wahrheit zu öffnen. Er kann der Aussage einer der beiden Parteien den Vorrang geben, aber er kann nicht mit endgültiger Gewissheit die Aussage der einen Partei als wahr und die der anderen als falsch bezeichnen.
Die Lage der Bestreiter
Der Zustand derjenigen, die sie der Lüge bezichtigen, ist folgender:
Erstens: Ihre Ansichten über die Wahrheit gehen auseinander. In keiner einzigen Frage herrscht zwischen ihnen Einigkeit. Selbst unter den Angehörigen der Gruppe, die dieser Lehre folgt, kommt es häufig zu Meinungsverschiedenheiten.
Zweitens: Sie selbst räumen ein, dass sie über kein einzigartiges Mittel zur Erkenntnis verfügen. Jede ihrer Gruppen erhebt allenfalls den Anspruch, ihre Vermutung sei hinsichtlich der Prophetie des anderen stärker als das Urteil der Vernunft; doch sie alle erkennen an, dass ihre eigenen Vermutungen eben Vermutungen sind.
Drittens: Ihr Glaube, ihre Überzeugung und ihre Gewissheit hinsichtlich dieser Vermutungen gehören nicht zur Stufe unerschütterlichen Glaubens. Es gibt unzählige Beispiele dafür, dass sie ihre Meinung geändert haben. Oft hat man erlebt, dass jemand bis gestern eine bestimmte Ansicht mit größtem Nachdruck vertreten hat, sie heute selbst zurückweist und eine andere Ansicht vorträgt. In den meisten Fällen änderten sie ihre Meinung mit zunehmendem Alter, wachsender Klugheit, zunehmendem Wissen und größerer Erfahrung.
Viertens: Um die einzelnen Anspruchsteller der Lüge zu bezichtigen, verfügen sie über nur ein einziges Argument: dass sie keinen sicheren Beweis für ihren eigenen Anspruch besitzen. Sie konnten die unsichtbaren Drähte nicht zeigen, von denen sie behauptet hatten, dass Lampen und Ventilatoren mit ihnen verbunden seien. Durch Untersuchungen und Experimente konnten sie keinen direkten Beweis für die Existenz der Elektrizität vorlegen. Sie konnten niemandem das Elektrizitätswerk zeigen. Sie konnten weder dessen Anlagen noch seine Maschinen vorführen. Sie konnten nicht einmal jemanden mit dem Ingenieur zusammentreffen lassen. Wie also kann man ihren Anspruch als wahr akzeptieren?
Der Zustand der einzelnen Anspruchsteller
Demgegenüber ist der Zustand der einzelnen Anspruchsteller folgender:
Erstens: Sie alle gründen auf Einmütigkeit. In sämtlichen grundlegenden Fragen ihres Anspruchs herrscht unter ihnen vollständige Übereinstimmung.
Zweitens: Ihre übereinstimmende Behauptung lautet, dass wir über eine Quelle der Erkenntnis verfügen, die den gewöhnlichen Menschen nicht zugänglich ist.
Drittens: Kein Einziger von ihnen hat gesagt, dass er dies auf der Grundlage von Vermutungen, Annahmen oder Einbildungen behauptet. Vielmehr erklären sie alle übereinstimmend, dass sie in einer besonderen Beziehung zu dem Ingenieur stehen, dass seine Angestellten zu ihnen kommen und dass er sie durch seine Fabrik geführt und ihnen alles gezeigt hat. Ihre Aussage lautet daher, dass sie all dies nicht auf der Grundlage von Vermutungen und Einbildungen behaupten, sondern auf der Grundlage wirklicher Kenntnis und voller Überzeugung.
Viertens: Es gibt keinen einzigen Beleg dafür, dass auch nur einer von ihnen seine Darstellung um ein Haar verändert hätte. Jeder von ihnen hat vom Beginn seines Lebens bis zu seinem letzten Augenblick dasselbe gesagt.
Fünftens: Ihr Charakter ist vollkommen rein und frei von jedem Makel. Es gibt darin nicht das geringste Anzeichen von Lüge, Täuschung, Arglist oder Betrug. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass Menschen, die in allen Angelegenheiten ihres Lebens wahrhaftig und aufrichtig sind, gerade in dieser einen Angelegenheit gemeinsam lügen würden.
Sechstens: Es ist ebenfalls nicht erwiesen, dass hinter dieser Behauptung irgendein persönliches Interesse von ihnen stand. Die meisten von ihnen erlitten wegen dieser Behauptung äußerstes Leid und Verfolgung, sahen sich Gefahren gegenüber, wurden eingesperrt, körperlich misshandelt und aus ihrer Heimat vertrieben. Viele wurden sogar getötet. Bei keinem von ihnen zeigte sich auch nur der geringste Anflug von Wohlstand und Überfluss. Daher kann man sie nicht mit dem Vorwurf belangen, irgendein persönliches Interesse verfolgt zu haben. Im Gegenteil: Dass sie unter solch extremen Umständen an ihrer jeweiligen alleinigen Behauptung festhielten, beweist, dass ihr Vertrauen und ihre Überzeugung von ihrer eigenen Wahrhaftigkeit bergeshoch waren. Ihre Überzeugung war so stark geworden, dass keiner von ihnen seine Behauptung selbst zur Rettung seines Lebens zurücknahm.
Siebtens: Es gibt auch keinen Beweis dafür, dass sie verrückt waren oder ihren Verstand verloren hatten. In allen Angelegenheiten ihres Lebens erwiesen sie sich als außerordentlich klug und besonnen. Selbst ihre Gegner erkannten in den meisten Fällen die Überlegenheit ihres Wissens an. Wie kann man dann annehmen, dass sie gerade in dieser einen Angelegenheit dem Wahnsinn zum Opfer gefallen seien? Auch die Bedeutung dieser Angelegenheit muss berücksichtigt werden. Für sie war sie zu einer Frage von Leben und Tod geworden. Ihretwegen traten sie der gesamten Menschheit entgegen und kämpften jahrelang. Sie bildete die Grundlage all ihrer tiefgründigen Lehren, deren Wahrheit selbst von vielen Leugnern anerkannt wird.
Achtens: Sie selbst haben niemals gesagt, dass sie euch mit dem Ingenieur oder seinen Angestellten zusammenbringen würden. Ebenso wenig haben sie gesagt: Wir können euch seine geheime und unsichtbare Fabrik zeigen oder unsere Behauptung durch Prüfungen und unmittelbare Anschauung beweisen. Sie selbst bezeichneten diese Angelegenheit als „das Verborgene“ oder unsichtbar. Dazu sagten sie: Vertraut uns und akzeptiert alles, was wir sagen.
Das Urteil des Gerichts der Vernunft
Nachdem das Gericht die Lage und die Aussagen beider Seiten geprüft hat, verkündet es nun sein Urteil. In diesem Urteil heißt es: Beide Seiten haben anhand bestimmter Zeichen und Merkmale nach den ihnen zugrunde liegenden Ursachen gesucht, und jede hat ihre eigene Auffassung dargelegt. Auf den ersten Blick scheinen die Auffassungen beider Seiten gleich zu sein. Denn erstens widerspricht keine von ihnen der Vernunft. Das heißt, im Licht der Gesetze der Vernunft kann man von keiner dieser Auffassungen sagen, dass es unmöglich sei, dass sie richtig ist. Zweitens lässt sich die Richtigkeit keiner der beiden Auffassungen durch Untersuchungen oder unmittelbare Anschauung beweisen. Dies ist das vernünftige Urteil über die von der ersten Seite vertretene Lehre von der Prophetie.
Keine Seite kann zur Unterstützung ihrer Lehre einen wissenschaftlichen Beweis vorlegen, den jeder Mensch zwangsläufig anerkennen müsste. Auch die zweite Seite besitzt diese Möglichkeit nicht und erhebt einen solchen Anspruch nicht. Doch bei eingehenderem Nachdenken und Forschen treten einige Tatsachen hervor, aufgrund derer die Lehre der zweiten Seite unter allen Lehren als die überzeugendste erscheint.
Erstens erscheint es ungewöhnlich, dass in verschiedenen Zeitaltern und verschiedenen Ländern so viele Menschen sich derart geschlossen zur Unterstützung einer Lehre zusammenfinden. Sie alle vertreten übereinstimmend dieselbe Behauptung: Sie verfügten über ein außergewöhnliches Mittel der Erkenntnis, durch dessen Hilfe sie die inneren Ursachen der äußeren Zeichen und Erscheinungen erkannt hätten. Dieser Umstand lässt uns eher geneigt sein, die Wahrheit ihrer Behauptung anzuerkennen. Besonders sehen wir, dass in den von ihnen vorgelegten Angaben nicht der geringste Widerspruch besteht und dass ihre Berichte der Vernunft nicht widersprechen. Ebenso kann das, was bei manchen Menschen nicht vorkommt, nach den Gesetzen der Vernunft keineswegs als unmöglich gelten.
Zweitens wächst bei einer Prüfung des Zustands der äußeren Erscheinungen die Überzeugung, dass gerade die Lehre der zweiten Seite richtig ist. Denn Lampen, Ventilatoren, Fahrzeuge, Fabriken und dergleichen sind nicht von selbst hell oder in Bewegung geraten. Wäre es so, dann würde es in ihrer eigenen Macht liegen, hell zu leuchten und sich zu bewegen. Das ist jedoch nicht der Fall; ebenso wenig sind Licht und Bewegung die zwangsläufige Folge der Bestandteile, aus denen sie zusammengesetzt sind. Denn auch wenn sie nicht leuchten oder sich nicht bewegen, sind dieselben Bestandteile weiterhin in ihrer Konstruktion vorhanden. Wenn außerdem das Licht der einzelnen Lampe ausbleibt, läuft auch der Ventilator nicht, die Straßenbahn bleibt stehen und die Räder der Fabrik drehen sich nicht. Daher haben die von der ersten Seite zur Erklärung der äußeren Erscheinungen vorgebrachten Lehren nicht die geringste Verbindung mit Vernunft und Logik. Hier erscheint vielmehr folgende Erklärung als die zutreffendere: In diesen Erscheinungen ist eine Kraft wirksam, deren äußerstes Ende in der Hand eines Wissenden und Mächtigen liegt, der diese Kraft nach einer bestimmten Ordnung in den verschiedenen Erscheinungen einsetzt.
Auf die Aussage der Skeptiker, dies übersteige ihren Verstand und was ihren Verstand übersteige, könnten sie weder als wahr noch als falsch bezeichnen, lässt sich erwidern, dass auch diese Aussage vor dem Urteil der Vernunft nicht stichhaltig ist. Denn ob ein Hörer ein Ereignis versteht, nachdem er davon gehört hat, ist keine Voraussetzung dafür, dass dieses Ereignis tatsächlich stattgefunden hat. Für die Anerkennung des Geschehens genügt eine große Zahl zuverlässiger und übereinstimmender Zeugnisse. Wenn einige zuverlässige Menschen zu uns kämen und sagten: „Wir haben im Westen Menschen gesehen, die in eisernen Fahrzeugen durch die Luft flogen, und wir haben in London mit eigenen Ohren Lieder aus Amerika gehört“, dann würden wir in diesem Fall nur prüfen: Sind diese Menschen etwa Lügner oder Spötter? Haben sie ein persönliches Interesse daran, so etwas zu behaupten? Sind sie geistig nicht etwa gestört? Wenn sich erwiesen hat, dass sie weder Lügner noch Spötter oder Verrückte sind und dass sie mit dieser Angelegenheit kein eigenes Interesse verbinden, und wenn wir darüber hinaus sehen, dass viele wahrhaftige und vernünftige Menschen dies ohne jede Meinungsverschiedenheit und mit voller Sicherheit immer wieder bezeugen, dann werden wir es gewiss anerkennen. Was spielt es nun für eine Rolle, ob wir verstehen oder nicht verstehen, wie ein eisernes Fahrzeug durch die Luft fliegt oder wie ein Lied ohne irgendein tatsächliches Übertragungsmittel an einem Ort entsteht und tausend Meilen entfernt an einem anderen Ort gehört wird?
Das ist das Urteil des gesunden Menschenverstands und der Vernunft in dieser Angelegenheit. Doch der Zustand des Glaubens und der Überzeugung, der Iman genannt wird, entsteht nicht auf diese Weise. Dafür bedarf es des inneren Empfindens. Im Inneren muss eine Stimme erklingen, die das Ende von Lüge, Zweifel und Unentschlossenheit ankündigt und mit unmissverständlichen Worten sagt: Alle Vermutungen und Mutmaßungen der Menschen sind falsch. Wahr ist allein das, was wahrhaftige Menschen nicht aufgrund eigener Vermutungen und Mutmaßungen, sondern auf der Grundlage überzeugender Erkenntnis und tiefer Einsicht verkündet haben.
Notwendigkeit und Bedeutung der Prophetie
Das größte Bedürfnis des Menschen
(Arabisch****************auf PDF-Seite 39)
„Allah obliegt es, den geraden Weg zu weisen, während es auch abweichende Wege gibt.“
Bei der Darlegung der Argumente für den Tauhid, die Barmherzigkeit und Allahs gesamte „Rububiyya“ wird hier zugleich indirekt auch ein Argument für das Prophetentum vorgebracht. Die kurze Zusammenfassung dieses Arguments lautet:
Für die Menschen auf der Welt sind vielfältige Wege des Denkens und Handelns möglich, und tatsächlich gibt es sie auch. Es versteht sich von selbst, dass nicht alle diese Wege gleichzeitig wahr sein können. Es gibt nur eine Wahrheit. Die einzig richtige Lebensweise kann daher nur auf einer unfehlbaren Lebensanschauung beruhen.
Die Kenntnis dieser unfehlbaren Weltanschauung und des richtigen Weges ist das größte Bedürfnis eines jeden Menschen. Ja, sie ist sein eigentliches Grundbedürfnis. Alle Dinge, die der Mensch aufgrund seines Ranges als höheres Lebewesen benötigt, erfüllen lediglich seine sonstigen Bedürfnisse; doch dies ist ein Bedürfnis, das für ihn als Menschen unerlässlich ist. Wird dieses Bedürfnis nicht erfüllt, bedeutet das, dass das gesamte Leben des Menschen gescheitert ist.
Nun stellt sich die Frage: Kann man sich vorstellen, dass der Gott, der für den Menschen bereits vor dessen Erschaffung so viele Mittel und Ausrüstungen bereitgestellt und nach seiner Erschaffung in umfassender und vollkommener Weise für die Erfüllung jedes Bedürfnisses seines biologischen Lebens gesorgt hat, keine Vorkehrung zur Befriedigung dieses größten und eigentlichen Bedürfnisses im menschlichen Leben getroffen haben sollte?
Durch das Prophetentum ist diese Vorkehrung getroffen worden. Wenn jemand das Prophetentum ablehnen will, muss er selbstverständlich sagen, welche andere Vorkehrung Allah für die Rechtleitung der Menschen getroffen hat. Niemand kann sich darauf hinausreden, Allah habe dem Menschen Verstand und Denkvermögen gegeben, damit er den Weg suche. Denn der menschliche Verstand und das menschliche Denken haben bereits unzählige Wege entdeckt. Dies ist ein deutlicher Beweis für ihr Versagen bei der zuverlässigen Suche nach dem einfachen, richtigen und geraden Weg. Andererseits kann man auch nicht behaupten, Allah der Erhabene habe keinerlei Vorkehrung für unsere Rechtleitung getroffen. Denn wohl kaum kann es gegenüber Allah ein größeres Vorurteil geben als die Annahme, dass Er zwar vollständig für unsere Versorgung, unseren Verstand und unsere Entwicklung als Lebewesen gesorgt, aber keinerlei Vorkehrung dafür getroffen habe, uns zu Menschen zu formen, sondern uns gerade in dieser Hinsicht im Dunkeln gelassen habe.
Islamische Rechtleitung statt erzwungener Rechtleitung
(Arabisch**************auf Seite 39 des PDFs)
„Wenn Allah gewollt hätte, hätte Er euch allen Rechtleitung gewährt.“
– (Sure an-Nahl: 9)
Das heißt: Obwohl Allah der Erhabene diese Seine Aufgabe auch auf eine Weise hätte erfüllen können, durch die alle Menschen von Geburt an rechtgeleitet worden wären, wie die übrigen Geschöpfe ohne freie Willenskraft, besitzt der Mensch doch die Freiheit, nach Allahs Willen jeden beliebigen Weg einzuschlagen, ohne dabei auf einen bestimmten Weg festgelegt zu sein. Damit er diese Freiheit gebrauchen kann, wurde ihm Wissen verliehen. Ihm wurden Verstand und die Fähigkeit zu denken gegeben. Ihm wurden Willenskraft und Entschlusskraft gegeben. Ihm wurde die Fähigkeit verliehen, unzählige Dinge innerhalb und außerhalb seiner selbst zu nutzen. Zugleich wurden überall in seinem Inneren und außerhalb von ihm unzählige Ursachen und Wirkungen angelegt, die sowohl zu seiner Rechtleitung als auch zu seinem Abirren führen können. Hätte man ihn von Geburt an zu einem Menschen gemacht, der den rechten Weg einschlägt, wären all diese Dinge bedeutungslos geworden. Dann wäre es dem Menschen nicht möglich gewesen, den höchsten Gipfel der Entwicklung zu erklimmen, den er nur durch den richtigen Gebrauch seiner Freiheit erreichen kann. Daher hat Allah der Erhabene zur Rechtleitung der Menschen den Weg einer zwingenden Rechtleitung vermieden und den Weg des Prophetentums und der Gesandtschaft gewählt. So bleibt die Freiheit des Menschen gewahrt, der Zweck seiner Prüfung wird erfüllt, und zugleich wird ihm der gerade, aufrichtige Weg auf vernünftige Weise vor Augen geführt.
Die Notwendigkeit von Wegweisern zum rechten Weg im materiellen und sittlichen Leben
(Arabisch**************auf Seite 39 des PDFs)
„Und Er hat auf der Erde Wegzeichen gesetzt, und auch mithilfe der Sterne finden die Menschen den Weg.“ – (Sure an-Nahl: 16).
Das heißt: Allah hat nicht die gesamte Erde gleichartig geschaffen. Vielmehr hat Er jedes Gebiet der Erde durch verschiedene und besondere Wegzeichen (Landmarks) gekennzeichnet. Dadurch ziehen die Menschen auf vielfältige Weise Nutzen daraus. Sie können ihren eigenen Weg und ihr Ziel erkennen. Dies ist einer dieser vielfältigen Vorteile. Den wahren Wert dieser Gunst und Gabe Allahs kann der Mensch erst dann ermessen, wenn er in eine wüstenartige Gegend gelangt, in der kein einziges derart markantes Zeichen zu sehen ist. Daher bleibt er aus Furcht, sich zu verirren, ständig besorgt. Auf einer Seereise kann der Mensch den Wert und die Bedeutung dieser großen Gabe Allahs noch stärker empfinden, denn dort gibt es tatsächlich keinerlei Wegzeichen. Doch auch in Wüsten und auf dem Meer hat Allah eine natürliche Vorrichtung zur Wegweisung des Menschen eingerichtet. Diese Vorrichtung sind die Sterne am Himmel, mithilfe derer die Menschen seit der Antike bis heute den Weg zu ihrem Ziel finden.
Hier wurde außerdem, während Beweise für Tawhid, Rahma und „Nubuwwat“ vorgebracht werden, auch auf subtile Weise auf den Beweis für die Risalat hingewiesen. Beim Lesen dieses Verses wendet sich der Geist spontan dem Gedanken zu: Kann Allah, der eine so umfassende Ordnung zur Leitung des materiellen Lebens der Menschen geschaffen hat, hinsichtlich ihres moralischen Lebens so gleichgültig sein? Empfindet Er nicht einmal das geringste Bedürfnis, den Menschen hinsichtlich ihres moralischen Lebens zu leiten? Es versteht sich von selbst, dass der Schaden eines Irrtums im moralischen Leben, wie groß auch der Schaden sein mag, den ein Irrtum im materiellen Leben verursacht, um ein Vielfaches größer ist. Wie kann man nun über den barmherzigen erhabenen Allah, der so scharfsichtig auf das Wohl der Menschen achtet, dass Er ihnen sogar durch die Berge hindurch Wege geschaffen, inmitten riesiger, weitläufiger, öder Ebenen Wegzeichen aufgestellt und am Himmel Lichter entzündet hat, um sie davor zu bewahren, in Wüsten und auf dem Meer die Richtung zu verlieren, eine solche schlechte Meinung hegen, dass Er den Menschen keinen Weg zu ihrem moralischen Wohl gezeigt, keine Wegzeichen aufgestellt hat, um diesen Weg deutlich zu machen, und kein Licht entzündet hat, das ihn erhellt?
Die Bedeutung bewusster Rechtleitung für den Menschen
(Arabisch**************auf Seite 39 der PDF)
„Musa antwortete dem Pharao: Unser Herr ist Derjenige, der jedem Ding seine Gestalt gegeben und es danach rechtgeleitet hat.“ – (Ta-Ha: 50)
Das heißt: Er allein hat jedem Ding auf der Welt seine Form, Gestalt, Kraft, Fähigkeit, Eigenschaft und Besonderheit gegeben – alles. Er hat die Hand mit der Gestalt geschaffen, durch die sie für die Verrichtung der Arbeiten dieser Welt geeignet ist. Auch dem Fuß hat Er die für ihn geeignete Gestalt gegeben. Menschen, Tieren, Pflanzen, leblosen Dingen, Luft, Wasser, Licht und den verschiedenen anderen Arten von Dingen hat Er jeweils die Gestalt verliehen, durch die sie auf der Erde ihre ihnen zukommenden Aufgaben angemessen erfüllen können.
Außerdem hat Er jedes Ding nicht einfach nur mit seiner besonderen Gestalt ausgestattet, sondern ihm zugleich auch den Weg zu seiner Betätigung gewiesen. Man wird kein Ding auf der Welt finden, dem Er, nachdem Er es erschaffen und ihm eine besondere Gestalt gegeben hat, nicht durch seinen Körperbau die Methode gelehrt hätte, wie es durch seine Tätigkeit den Zweck seiner Erschaffung erfüllen soll. Er allein hat dem Ohr das Hören und dem Auge das Sehen gelehrt. Er hat dem Fisch das Schwimmen, dem Vogel das Fliegen, dem Baum das Hervorbringen von Blüten und Früchten und der Erde das Hervorbringen von Pflanzen, Gemüse und Feldfrüchten gelehrt. Mit einem Wort: Er ist nicht nur der Schöpfer jedes einzelnen Dinges in der gesamten Schöpfung, sondern auch ihr Lehrer und ihr Wegweiser.
Darüber hinaus hat Hadhrat Musa (a. s.) in diesem kurzen Satz indirekt auch das Argument für die Risalat vorgebracht. Der Pharao weigerte sich freilich, dies anzuerkennen. In seinem Argument liegt der Hinweis, dass Allah der Wegweiser des gesamten Universums ist und jedes Ding entsprechend seinem Zustand und seinem Bedarf führt. Eine notwendige Konsequenz Seines Ranges als universeller Wegweiser ist, dass Er im bewussten Leben des Menschen zur Führung der Menschen nicht eine Methode anwenden wird, die für Fische und Vögel geeignet sein könnte. Die geeignetste Methode besteht darin, dass ein bewusster Mensch von Ihm dazu eingesetzt wird, allen Menschen den Weg zu weisen. Er wird an den Verstand, das Wissen und das Bewusstsein der Menschen appellieren und ihnen den geraden Weg zeigen.
Was ist Prophetentum?
Allah selbst hat für all das gesorgt, was der Mensch zum Leben in dieser Welt benötigt. Wenn ein Kind geboren wird, wird es mit allem, was es braucht, in diese Welt geschickt. Zum Sehen erhält es Augen, zum Hören Ohren, zum Riechen und Atmen eine Nase, zum Empfinden den Tastsinn in der Haut seines Körpers, zum Gehen Füße, zum Arbeiten Hände, zum Denken ein Gehirn und zahllose weitere Dinge, die es benötigt und die seinem kleinen Körper schon vorher mitgegeben wurden. Sobald es den Boden dieser Welt betritt, erhält es zum Erhalt seines Lebens so vieles, dass es sich nicht zu Ende zählen lässt. Licht, Luft, Wärme, Wasser und Erde sind für es bereitgestellt. An der Brust der Mutter ist der Milchstrom schon vorher für es zum Fließen gebracht worden. Im Herzen der Mutter, des Vaters, der Verwandten und sogar anderer Menschen ist für es ein Strom von Zuneigung und Liebe zum Fließen gebracht worden; durch ihn wird es aufgezogen und versorgt. Danach erhält es, je größer es wird, Tag für Tag alle möglichen Dinge, um seine Bedürfnisse entsprechend seiner Entwicklung zu erfüllen. Nach den Umständen zu urteilen, scheint es, als hätten alle Kräfte der Erde und des Himmels sich seiner Aufzucht und seinem Dienst geweiht.
Allen Menschen wurden die Fähigkeiten verliehen, die sie zum Arbeiten in dieser Welt benötigen. Körperliche Kraft, Verstand und Urteilsvermögen, Sprachfähigkeit und viele andere derartige Fähigkeiten sind in mehr oder weniger ausgeprägtem Maß bei jedem Menschen vorhanden. Doch Allah hat hier eine wunderbare Ordnung geschaffen. Er hat nicht allen Menschen alle Fähigkeiten in gleichem Maß verliehen. Sonst wäre niemand auf jemand anderen angewiesen gewesen. Niemand hätte auf jemand anderen Rücksicht genommen. Deshalb hat Allah zwar im Hinblick auf die gemeinsamen Bedürfnisse aller Menschen sämtliche erforderlichen Fähigkeiten unter den Menschen entstehen lassen, sie jedoch so verteilt, dass jedem Einzelnen eine bestimmte Fähigkeit in größerem Maß gegeben wurde. Manche besitzen im Vergleich zu anderen größere Kraft für körperliche Arbeit. Viele Menschen haben von Geburt an eine besondere Begabung für einen bestimmten Beruf oder ein bestimmtes Handwerk, während andere davon nichts besitzen. Bei vielen ist die geistige Fähigkeit größer als bei anderen. Manche sind geborene Heerführer. Viele besitzen besondere Fähigkeiten in der Verwaltung und Herrschaft. Manche werden mit außergewöhnlicher Rednergabe geboren. Viele verfügen von Geburt an über eine außergewöhnliche schriftstellerische Begabung. Es gibt Menschen, die in der Mathematik außerordentlich bewandert sind. Selbst die schwierigsten Fragen auf diesem Gebiet lösen sie auf eine Weise, die für andere unvorstellbar ist. Einer erfindet die erstaunlichsten Dinge, und die Welt ist von seinen Erfindungen verblüfft. Bei einem anderen zeigt sich eine außergewöhnliche Begabung im Recht. Die schwierigsten rechtlichen Fragen, deren Verständnis nach jahrelangem Nachdenken für niemanden möglich war, durchdringt er mit einem einzigen Blick bis auf ihren tiefsten Grund. Diese Fähigkeiten sind von Allah gegeben. Kein Mensch kann solche Fähigkeiten durch eigene Anstrengung in sich selbst hervorbringen –[Hier ist von außergewöhnlichen Fähigkeiten die Rede. Die gewöhnlichen Fähigkeiten des Menschen können durch Bildung, Übung und Gewöhnung entwickelt werden. Außergewöhnliche Fähigkeiten hingegen treten oft ganz ohne Übung oder durch eine nur geringfügige, oberflächliche Übung hervor. Wenn man in diesem Fall versucht, sie durch eine gehobene Bildung und Übung weiterzuentwickeln, können sie ein beispielhaft hohes Niveau erreichen. –(Die Herausgeber)] Selbst mit Hilfe von Bildung und Übung lassen sie sich nicht hervorbringen. In Wirklichkeit handelt es sich dabei um angeborene Fähigkeiten; Allah verleiht sie aus Seinem feinen Urteilsvermögen, wem Er will.
Die Fähigkeiten, die für die menschliche Zivilisation und Kultur besonders notwendig sind, werden in einer größeren Zahl von Menschen hervorgebracht. Je geringer der Bedarf an bestimmten Fähigkeiten ist, desto weniger Menschen werden mit ihnen ausgestattet. Viele Menschen werden als Soldaten geboren. Bauern, Handwerker, Weber und Menschen mit der Befähigung zu ähnlichen Arbeiten gibt es in großer Zahl. Menschen mit theoretischen und intellektuellen Fähigkeiten sowie mit politischer oder heerführerischer Begabung sind dagegen deutlich seltener. Denn ihr Beitrag wirkt über Hunderte von Jahren fort, sodass die menschliche Gesellschaft keinen Bedarf an einer großen Zahl von Persönlichkeiten mit den gleichen Fähigkeiten hat.
Ein wichtigeres Bedürfnis als das menschliche Leben
Bedenkenswert ist, dass diese Bedürfnisse allein nicht ausreichen, um das Leben der Menschen in dieser Welt erfolgreich zu machen. Es genügt nicht, dass unter den Menschen lediglich Ingenieure, Mathematiker, Wissenschaftler, Juristen, Politiker, Wirtschaftswissenschaftler und Persönlichkeiten mit den Fähigkeiten verschiedener Berufe geboren werden. Der Mensch hat ein noch größeres Bedürfnis als all dies. Es muss unter den Menschen jemanden geben, der ihnen den Weg Allahs zeigt. Die Aufgabe der anderen besteht lediglich darin, ihnen mitzuteilen, welche Dinge es in dieser Welt für den Menschen gibt und wie sie zu gebrauchen sind. Doch es wird auch jemand benötigt, der den Menschen erklärt, wofür sie erschaffen wurden, wer ihnen in dieser Welt all diese Mittel und Ausstattungen gegeben hat und was der Wille dieses Gebers ist – ein Wille, nach dem zu leben dem Menschen sicheren und ewigen Erfolg verleiht. Dies ist das eigentliche und größte Bedürfnis des Menschen. Die Vernunft ist nicht bereit zu akzeptieren, dass Allah, der dafür gesorgt hat, auch unsere geringsten Bedürfnisse zu erfüllen, ein derart großes Bedürfnis von uns völlig unbeachtet gelassen haben sollte. Das ist niemals möglich.
Der Rang der Gesandten
So wie Menschen, die in anderen Wissenschaften, Wissensgebieten und Künsten bewandert sind, mit einem besonderen Geist, Verstand und einer besonderen Wesensart geboren werden, wird auch der Prophet mit einer besonderen Wesensart in diese Welt geboren.
An dem Gedicht eines Dichters, der von Natur aus Dichter ist, können wir erkennen, dass er mit einer besonderen Begabung für die Dichtkunst geboren wurde. Denn selbst wenn andere Menschen sich tausendfach bemühen, können sie nicht wie er Gedichte schreiben. Ebenso erkennt man einen geborenen Redner, einen geborenen Schriftsteller, einen geborenen Erfinder und einen geborenen Führer leicht an ihren Tätigkeiten. Denn jeder von ihnen beweist auf seinem eigenen Gebiet eine außergewöhnliche Begabung, zu der andere nicht fähig sind. Ebenso verhält es sich mit dem Propheten. In seinem Geist und Verstand entstehen Gedanken, die außer ihm kein anderer Mensch darzustellen vermag. Sein Blick dringt ganz von selbst in die Tiefe solcher feinen Wahrheiten ein, zu denen andere selbst nach jahrelanger Forschung nicht gelangen. Was immer er sagt, nimmt unser Verstand an, und unser Herz bezeugt es – natürlich sollte es so sein. Seine Aussagen erweisen sich als wahr. Doch selbst wenn wir selbst solche Dinge sagen wollten, wären wir dazu nicht in der Lage. Darüber hinaus ist sein Wesen so rein und makellos, dass er in jeder Angelegenheit eine wahrhaftige und ehrenhafte Vorgehensweise einhält. Er sagt niemals etwas Falsches. Er begeht keine schlechte Tat. Stets lehrt er gute Werke und Wahrhaftigkeit. Was immer er anderen sagt, führt er selbst vor, indem er danach handelt. Niemals hat man in seinem Leben gesehen, dass er bei seinen Taten dem zuwiderhandelte, was er selbst gesagt hatte. In seinen Worten und Taten liegt kein persönliches Interesse. Zum Wohl anderer nimmt er selbst Schaden auf sich, und um seines eigenen Wohls willen fügt er anderen keinen Schaden zu. Sein ganzes Leben ist nach den Idealen von Wahrhaftigkeit, Anstand, innerer Reinheit, erhabenem Denken und höchster Menschlichkeit gestaltet. Selbst wenn man mit einem Fernrohr nachsuchte, würde man keinen Mangel an ihm finden. All dies lässt klar erkennen, dass dieser Mann ein wahrer Prophet Allahs ist.
Der Gehorsam gegenüber dem Propheten
Nachdem man einen Menschen als den wahren Propheten Allahs erkannt hat, wird es unerlässlich, seine Worte zu befolgen, ihm zu gehorchen und sein Leben nach seiner Weise zu führen. Nachdem man jemanden als Propheten anerkannt hat, ist es völlig widersinnig, seinen Worten nicht zu folgen. Denn jemanden als Propheten anzuerkennen bedeutet, dass wir eingestanden haben, dass er alles, was er sagt, im Auftrag Allahs sagt und alles, was er tut, nach Allahs Willen tut. Folglich kann nun kein Wort und keine Tat gegen ihn jemals wahr sein. Daher wird es, nachdem man jemanden als Propheten anerkannt hat, unerlässlich, jedes seiner Worte ohne Zögern anzunehmen und seine Anweisungen demütig zu befolgen. Ob uns die grundlegende Bedeutung und der Nutzen dieser Anweisung verständlich sind oder nicht, ist in diesem Zusammenhang überhaupt keine Frage. Dass ein vom Propheten gesprochenes Wort vom Propheten stammt, ist bereits ein ausreichender Beweis für seine Wahrheit; in ihm liegen Wissen und Erkenntnis aller Art, Wohlergehen und Nutzen. Wenn wir die Bedeutung eines seiner Worte nicht verstehen, bedeutet das nicht, dass darin ein Fehler liegt, sondern vielmehr, dass sich ein Mangel in unserem Verstand und unserer Auffassungsgabe gezeigt hat.
Wer kein Fachmann auf einem bestimmten Gebiet ist, wird dessen feinste Einzelheiten nicht verstehen können. Wenn er jedoch die Worte des Fachmanns allein deshalb nicht befolgt, weil er sie nicht versteht, so ist das töricht. Nachdem ein Fachmann beauftragt worden ist, verlässt man sich vollständig auf seine Arbeit und greift in keiner Weise in sie ein. Daher kann nicht jeder auf jedem Gebiet Fachmann sein, und nicht jeder besitzt die Fähigkeit, alle Dinge und Tätigkeiten der Welt zu verstehen. Wir sollten lediglich prüfen, ob jemand ein Fachmann auf seinem Gebiet ist, und all unsere Vernunft, unser Wissen und jede erdenkliche Vorsicht einsetzen, um in dieser Frage völlige Gewissheit zu erlangen. Wenn wir dann wissen, dass er ein guter Fachmann ist, sollten wir uns vollständig auf seine Arbeit verlassen. Danach in seine Arbeit einzugreifen und bei jedem Schritt zu sagen: „Erkläre mir zuerst das, sonst bin ich nicht bereit, es anzunehmen“ – das kann man nicht Klugheit, sondern nur blanke Torheit nennen. Nachdem man einem Rechtsanwalt einen Fall anvertraut hat, besteht kein Zweifel daran, dass er einen solchen Mandanten aus seiner Kanzlei hinauswerfen würde, wenn dieser fortwährend auf diese Weise mit ihm stritte. Wenn man von einem Arzt bei jedem seiner Rezepte Begründung und Argumente wissen will, wird er gewiss die Behandlung des betreffenden Patienten aufgeben. Für die Religion gilt dasselbe. Wir müssen Wissen über Allah erlangen. Wir möchten wissen, wie man sein Leben nach Allahs Willen führt. Die Mittel, durch die wir dies erfahren können, stehen uns nicht zur Verfügung. Daher wird es unsere Pflicht, nach dem wahren Propheten Allahs zu suchen. Zweifellos müssen wir bei der Suche nach dem Propheten äußerst klug, umsichtig und vorsichtig vorgehen. Denn wenn wir jemanden als Propheten anerkennen, der in Wirklichkeit kein Prophet ist, wird er uns auf einen falschen Weg führen. Wenn wir jedoch nach gründlicher Prüfung und Untersuchung überzeugt sind, dass jemand der wahre Prophet Allahs ist, müssen wir vollständiges Vertrauen in ihn setzen und jede seiner Anweisungen befolgen.
Die Notwendigkeit, an die Propheten zu glauben
Wenn wir erkennen, dass der Weg, auf den der Prophet Allahs im Auftrag Allahs hinweist, der einzig wahre und gerade Weg ist, wird uns auch ganz selbstverständlich klar, dass es für alle Menschen unerlässlich ist, an den Propheten zu glauben, ihm zu gehorchen und ihm zu folgen. Wer den Weg des Propheten verlässt und mithilfe seines eigenen Verstandes und Wissens einen anderen Weg sucht, wird gewiss irregehen.
In dieser Angelegenheit begehen die Menschen einen schwerwiegenden Fehler. Viele Menschen erkennen die Wahrheit der Propheten an, glauben jedoch nicht an sie und gehorchen ihnen auch nicht. Diese Menschen sind nicht nur Ungläubige, sondern auch Toren. Wer könnte törichter sein als diejenigen, die wissentlich der Lüge folgen?
Viele sagen: Wir brauchen unserem Propheten nicht zu gehorchen. Wir selbst können mit Hilfe unseres Verstandes den Weg der Wahrheit erkennen. Auch das ist ein großer Irrtum. Jeder, der Geometrie gelernt hat, weiß, dass es von einem Punkt zu einem anderen nur eine einzige gerade Linie geben kann. Wie viele anderen Linien man auch zieht, sie werden entweder allesamt gekrümmt sein oder den zweiten Punkt nicht erreichen. Ebenso verhält es sich mit dem Weg der Wahrheit, der in der islamischen Terminologie Sirat al-Mustaqim (das heißt: der gerade Weg) genannt wird. Dieser Weg beginnt beim Menschen und endet bei Allah. Nach dem erwähnten geometrischen Grundsatz kann es nur diesen einen Weg geben. Alle übrigen Wege außer diesem einen werden entweder gekrümmt sein oder Allah nicht erreichen. Denken wir nun ein wenig über den geraden Weg nach. Den geraden Weg hat der Prophet aufgezeigt. Einen zweiten Sirat al-Mustaqim, also einen zweiten geraden Weg, kann es überhaupt nicht geben. Wer diesen einzigen Weg beiseitelässt und selbst nach einem anderen Weg sucht, wird unweigerlich mit einer von zwei Möglichkeiten konfrontiert: Entweder findet er überhaupt keinen Weg, der zu Allah führt, oder, falls er einen findet, wird es ein stark gewundener Weg sein, der keine gerade, sondern eine gekrümmte Linie bildet. Im ersten Fall liegt sein Untergang offen zutage. Im zweiten Fall kann keinerlei Zweifel an seiner Torheit bestehen. Selbst ein niedriges Tier nimmt, wenn es von einem Ort zu einem anderen geht, den geraden Weg statt eines krummen. Umso erstaunlicher ist die Angelegenheit bei dem klügsten und gewandtesten Menschen, dem besten Geschöpf. Ein rechtschaffener Diener Allahs zeigt ihm den geraden Weg, doch er sagt weiter: „Nein, den von dir gezeigten Weg werde ich keinesfalls gehen. Ich werde auf den krummen Wegen weitergehen, mich auf diese Weise immer wieder verirren und weiter nach meinem Ziel suchen.“
Das ist eine Tatsache, die jeder Mensch auf den ersten Blick verstehen kann. Doch wenn man etwas tiefer darüber nachdenkt, wird klar, dass jemand, der sich weigert, an den Propheten zu glauben, weder einen geraden noch einen krummen Weg zu Allah finden kann. Denn wer sich nicht dazu durchringen kann, auf einen wahrhaftigen und aufrichtigen Menschen zu hören, in dessen Verstand muss ein Mangel aufgetreten sein, der ihn dazu bringt, sich von der Wahrheit abzuwenden. Es kann ihm an Wissen und Verstand fehlen; in seinem Herzen kann sich Hochmut eingenistet haben; oder sein Wesen kann so verdorben sein, dass sein Herz nicht bereit ist, die Botschaft der Rechtschaffenheit und Wahrheit anzunehmen. Vielleicht ist er in der blinden Nachahmung seiner Vorfahren versunken und deshalb nicht bereit, irgendetwas anzuerkennen, was den seit jeher als Brauch geltenden Vorstellungen widerspricht. Oder er ist ein Sklave seiner Triebe und weigert sich deshalb, die Lehren des Propheten anzunehmen, weil er dadurch die Freiheit verlieren würde, verbotene und erlaubte Dinge nach Belieben zu tun. Wenn auch nur einer dieser Gründe bei einem Menschen vorliegt, wird es für ihn unmöglich, den Weg Allahs zu finden. Wenn jedoch keiner dieser Gründe bei ihm vorliegt, ist es völlig unmöglich, dass ein wahrhaftiger, aufrichtiger und reiner Mensch sich weigert, die Lehre eines wahrhaftigen Propheten anzunehmen.
Das Wichtigste ist, dass der Prophet von Allah gesandt wird und Allah auch den Befehl gegeben hat, an ihn zu glauben und ihm zu gehorchen. Wer also nicht an den Propheten glaubt, rebelliert gegen Allah. Ein Mensch muss dem Verwalter gehorchen, der von der Regierung eingesetzt wurde, deren Untertan er ist. Wenn er sich weigert, diese Person als Verwalter anzuerkennen, bedeutet das, dass er gegen die Regierung rebelliert hat. Die Regierung anzuerkennen, aber ihren eingesetzten Verwalter nicht anzuerkennen – diese beiden Dinge widersprechen einander vollkommen. Ebenso verhält es sich mit Allah und Seinem gesandten Propheten. Allah ist der eigentliche König der Menschen. Jeden Menschen trifft die Pflicht, denjenigen als Propheten anzuerkennen, den Er gesandt hat, um die Menschen zu führen, und dem Er befohlen hat, Ihm zu gehorchen; er muss den Gehorsam gegenüber allen anderen aufgeben und ausschließlich ihm gehorchen. Wer ihm gegenüber Gleichgültigkeit zeigt, ist gewiss ein Leugner – ein Kafir. Ob er in diesem Fall Allah anerkennt oder nicht, ist alles bedeutungslos.
Die Geschichte der Abfolge des Prophetentums auf einen Blick
Nun wollen wir erörtern, wie das Erscheinen der Propheten unter den Menschen begann und wie diese Reihe sich durch fortschreitende Entwicklung mit dem letzten und vorzüglichsten Propheten vollendete.
Allah erschuf zuerst einen Menschen. Dann erschuf Er aus diesem Menschen ein Paar. Danach setzte Er die Abstammung von diesem Paar fort. Über Hunderte und Tausende von Jahren breitete sie sich schließlich über die ganze Welt aus. Alle Menschen, die auf der Erde geboren wurden, sind Nachkommen dieses ersten Paares. Die religiösen und historischen Überlieferungen aller Völker verkünden übereinstimmend, dass die Abstammung des Menschengeschlechts mit einem einzigen Menschen ihren Anfang nahm. Auch aus den Forschungen der Wissenschaft geht nicht hervor, dass in verschiedenen Gegenden der Erde voneinander unabhängige Menschen erschaffen worden wären. Vielmehr vertreten die meisten Wissenschaftler die Auffassung, dass zunächst nur ein einziger Mensch geboren wurde und alle Menschen, die man irgendwo auf der Welt findet, Nachkommen dieses einen Menschen sind.
Dieser erste Mensch wird in unserer Sprache Adam (Friede sei mit ihm) genannt. Daher stammt der Ausdruck „Kinder Adams“, der das Menschengeschlecht bedeutet. Allah machte Adam (Friede sei mit ihm) zum ersten Propheten. Er beauftragte ihn, seine Kinder die Lehren des Islam zu lehren. Das heißt, Er beauftragte ihn, ihnen Folgendes mitzuteilen: Euer Herr und der Herr der ganzen Welt ist der eine Allah. Ihr müsst ausschließlich Ihm dienen. Ihr müsst euch nur vor Ihm niederwerfen. Ihr müsst Ihn um Hilfe bitten. Ihr müsst auf der Erde gemäß Seinem Willen ein rechtschaffenes und gerechtes Leben führen. Wenn ihr so lebt, werdet ihr am Ende eine große Belohnung erhalten. Wenn ihr euch jedoch von Seinem Gehorsam abwendet, werdet ihr eine furchtbare Strafe verdienen. Die guten und rechtschaffenen unter den Kindern Adams (Friede sei mit ihm) blieben auf dem geraden Weg, den ihr Vater ihnen gewiesen hatte; diejenigen jedoch, die schlecht waren, verließen diesen Weg. Nach und nach entstanden alle möglichen Formen von Unrecht und Verderbtheit. Manche begannen, den Mond, die Sonne und die Sterne anzubeten. Manche vertieften sich in die Verehrung von Bäumen, Tieren und Flüssen. Andere wiederum begannen zu glauben, dass der Wind, das Wasser, das Feuer, Krankheit, Gesundheit und die übrigen Kräfte der Natur jeweils einen eigenen Gott hätten. Deshalb müsse man jeden von ihnen anbeten. Dann würde Allah über sie alle erfreut sein und uns Seine Gunst erweisen. Aufgrund solcher Torheit verbreiteten sich verschiedene Formen des Schirk und der Götzenverehrung, wodurch verschiedene Religionen entstanden. Zu jener Zeit hatten sich die Nachkommen Adams (Friede sei mit ihm) über die ganze Welt verstreut. So entstanden verschiedene Völker. Jedes Volk schuf sich eine neue Religion. Die Bräuche und Sitten jedes Volkes waren anders. Als die Menschen Allah vergaßen, vergaßen sie auch die Regeln und Gesetze, die ihr Urvater Adam (Friede sei mit ihm) seinen Kindern gelehrt und hinterlassen hatte. Die Menschen begannen, ihren eigenen Neigungen zu folgen. Alle möglichen schlechten Bräuche begannen sich zu verbreiten. Vorstellungen, die aus Unwissenheit hervorgegangen waren, breiteten sich in jeder Hinsicht aus. Die Menschen begannen, bei der Unterscheidung zwischen Gut und Böse Fehler zu machen. Viele schlechte Dinge wurden für gut gehalten und viele gute Dinge für schlecht.
In diesem Zusammenhang erläutert der folgende Vers des Edlen Qurans die Bedeutung und Wichtigkeit des Prophetentums:
(Arabisch*********************************auf PDF-Seite 49)
„Zu Beginn gingen alle Menschen denselben Weg. (Doch dieser Zustand hielt nicht an, und es kam zu Meinungsverschiedenheiten.) Daraufhin sandte Allah die Propheten. Sie waren Verkünder froher Botschaft für diejenigen, die den geraden, wahren Weg einschlugen, und Warner vor den Folgen, wenn man einen krummen, falschen Weg einschlägt. Mit ihnen sandte Er das Wahre Buch herab, damit zwischen den Menschen über das entschieden werde, worüber sie in Bezug auf die Wahrheit uneinig geworden waren. Der Grund für diese Uneinigkeit war nicht, dass ihnen anfangs kein Wissen gegeben worden wäre. Nachdem sie eine klare Rechtleitung erhalten hatten, beschritten sie nur deshalb verschiedene Wege und wandten sich von der Wahrheit ab, weil sie untereinander Unrecht und Übertretung begehen wollten.“ – [Nach den Worten „Zu Beginn gingen alle Menschen denselben Weg“ wird die Erwähnung der Meinungsverschiedenheit ausgelassen. Am Ende des Verses wird dieses Thema behandelt.] – (Sure al-Baqara: 213).
Unwissende Menschen behaupten, wenn sie auf der Grundlage ihrer eigenen Vorstellungen und Einbildungen die Geschichte der „Religion“ schreiben, das religiöse Leben des Menschen habe im dunklen Strudel des Schirk begonnen; dann sei diese Dunkelheit durch eine fortlaufende Entwicklung allmählich beseitigt worden, und der Lichtstreif habe immer heller zu leuchten begonnen. Auf diese Weise sei der Mensch schließlich zur Vorstellung des Tawhid, also des Glaubens an den einen Allah, gelangt. Der Koran vermittelt eine völlig entgegengesetzte Darstellung. Er sagt, dass die Nachkommen Adams lange Zeit im vollkommenen Licht der Welt auf dem wahrhaftigen und richtigen Weg blieben und einer einzigen Gemeinschaft angehörten. Danach begannen die Menschen, immer neue Wege einzuschlagen und verschiedene Methoden zu ersinnen. Sie taten dies nicht etwa, weil sie nicht über die Wahrheit unterrichtet worden wären, sondern aus dem Grund, dass viele Menschen trotz ihrer Kenntnis der Wahrheit mehr Gewinn und Vorteile erlangen wollten, als ihnen rechtmäßig zustanden. Sie waren darauf bedacht, untereinander Unrecht, Unterdrückung und Übertretung zu begehen. Um diese Fehler zu beseitigen, begann Allah, der Herr der Welten, Propheten zu entsenden. Diese Propheten wurden nicht dazu entsandt, jeder in seinem eigenen Namen eine neue Religion zu begründen und jeweils eine eigene Umma zu bilden. Ihr einziger Zweck bestand vielmehr darin, den Menschen den verlorengegangenen wahren Weg wieder deutlich vor Augen zu führen und sie erneut zu einer einzigen Umma zu machen.
Die Aufgabe der Propheten
Jeder der Propheten erinnerte sein eigenes Volk an die vergessene Lehre. Sie lehrten es, den einen Allah anzubeten, und hielten es von Schirk und Götzenverehrung fern. Sie schafften seine von Unwissenheit und Aberglauben geprägten Bräuche und Sitten ab. Sie lehrten es, nach Allahs Willen zu leben, führten ein fehlerloses und richtiges Gesetz ein und wiesen es an, sich daran zu halten. Es gibt kein Land auf der Welt – ob Bengalen, Pakistan, Indien, China, Irak, Iran, Ägypten, Afrika oder Europa –, in das nicht ein wahrer Prophet von Allah gesandt worden wäre. Ihre Religion war ein und dieselbe. In unserer eigenen Sprache nennen wir diese Religion „Islam“. – [Gewöhnlich hegen die Menschen die falsche Vorstellung, der Islam habe mit Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, begonnen; manche nennen ihn sogar den Begründer des Islam. Das ist in Wirklichkeit ein äußerst großer Irrtum. Diese Vorstellung muss aus dem Herzen vollständig getilgt werden. Man sollte genau wissen, dass der Islam zu allen Zeiten und in allen Ländern die einzige und ursprüngliche Religion der Menschheit ist und dass alle Propheten, die Allah in die Welt gesandt hat, die Botschaft eben dieser Religion überbrachten. – (Der Verfasser)] Die Lehrmethoden und die Gesetze für die Lebensführung waren jedoch bei jedem von ihnen in gewissem Maß unterschiedlich. In jedem Volk wurde darauf Nachdruck gelegt, die dort verbreitete Dummheit, Unwissenheit, den Aberglauben und das Unrecht zu beseitigen. Der Korrektur der jeweils vorherrschenden falschen Denkweisen wurde besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Als die Völker hinsichtlich Zivilisation, Kultur, Bildung und Wissen noch in einem frühen Entwicklungsstadium waren, erhielten sie eine einfache und leicht verständliche Lehre und Scharia. Als sie dann allmählich auf dem Weg des Fortschritts voranschritten, wurde auch die Lehre und die Scharia immer umfassender gestaltet. Dieser Unterschied beschränkte sich jedoch nur auf die äußere Form und Gestalt. Geist und Wesen waren bei allen gleich. Das heißt: Der Glaube aller beruhte auf dem Tawhid, und ihre Taten gründeten auf Wahrhaftigkeit, guten Werken, Frieden und Sicherheit sowie auf dem Glauben an die Strafe und die Belohnung im Jenseits.
Wie die Menschen mit den Propheten umgehen
Die Menschen gingen auf seltsame Weise mit den Propheten um. Zuerst wurden ihnen körperliche Leiden zugefügt. Man weigerte sich, ihren guten Ratschlägen zu folgen. Viele wurden aus ihrer Heimat vertrieben, viele wurden getötet. Manche vermochten nach lebenslanger Unterweisung und Ermahnung nur fünf oder zehn Menschen zu Anhängern der wahren Religion zu machen. Doch diese von Allah geliebten Diener erfüllten unermüdlich ihre Pflicht und setzten ihre Arbeit fort. Schließlich begann ihre Lehre Einfluss zu gewinnen, und viele große Völker wurden ihre Anhänger. Danach nahm die Abweichung der Menschen eine neue Gestalt an. Nach dem Tod der Propheten veränderten ihre Gemeinschaften deren Lehren. In die Schriften, die sie von Allah gebracht hatten, ließen sie alle möglichen Denkweisen eindringen. Sie erfanden neue Formen der Anbetung. Manche begannen, ihre eigenen Propheten zu verehren. Manche erklärten ihre Propheten zu Verkörperungen Allahs, das heißt, sie meinten, Allah selbst sei in Menschengestalt herabgekommen. Manche nannten ihren Propheten Allahs Sohn. Manche erklärten ihre Propheten zu Teilhabern an Allahs Herrschaft und seiner Souveränität. Auf diese verschiedenen Weisen trat die seltsame und entstellte Geisteshaltung der Menschen immer deutlicher zutage. Diejenigen, die gekommen waren, um Götzen zu zerbrechen, und sie tatsächlich zerbrochen hatten, wurden von den Menschen selbst zu Götzen gemacht und verehrt. Danach wurde auch die Scharia, die diese Propheten ihren Gemeinschaften hinterlassen hatten, auf unterschiedliche Weise verfälscht. Alle möglichen Bräuche aus der Zeit der Unwissenheit, gefällige Geschichten und falsche Überlieferungen wurden mit ihr vermischt. Was alles in sie hineingemischt wurde, lässt sich nicht mehr feststellen. – [Auf diese Weise verfälschten die Gemeinschaften der Propheten ihre ursprüngliche Religion, also den Islam, und ließen neue Religionen entstehen. Unter verschiedenen Namen bestehen diese bis heute auf der Welt fort. So war beispielsweise die Religion, die Jesus (Friede sei mit ihm) lehrte, in Wirklichkeit der Islam; doch seine Anhänger machten Jesus selbst zu Gott und vermischten seine Lehre und Scharia mit zahlreichen eigenen Erfindungen. So entstand eine neue Religion, die heute in der Welt als Christentum bekannt ist. – (Der Verfasser)] Auch die Lebensumstände der Propheten sind in den verschiedenen Berichten der Menschen derart verloren gegangen, dass über sie nichts Verlässliches mehr zu finden ist.
Dennoch waren nicht alle Bemühungen der Propheten erfolglos. Trotz aller Vermischungen blieb in jedem Volk etwas von der Wahrheit erhalten. Der Glaube an Allah und an das Leben im Jenseits verbreitete sich in jedem Volk in irgendeiner Form. Tugendhaftigkeit, Ehrlichkeit, Gerechtigkeit und Moral wurden weltweit allgemein als einige grundlegende Prinzipien anerkannt. Die Propheten aller Völker und Stämme hatten ihre jeweiligen Völker auf unterschiedliche Weise so geprägt, dass es möglich wurde, die Lehre einer universalen Religion zu verbreiten, die für die gesamte Menschheit ungeachtet ihrer Hautfarbe, ihres Stammes oder ihrer Volkszugehörigkeit geeignet ist.
Der Ruf und die Stellung der Propheten
Beim Studium des Korans erkennt man, dass ein Prophet nach dem anderen kam und sie alle ihren Völkern denselben Aufruf übermittelten:
(Arabisch*********************************auf Seite 52 der PDF)
„O mein Volk, dient Allah; ihr habt keinen anderen Gott außer Ihm.“
Ob in Babylon oder Sodom, in Midian oder im Gebiet von Hidschr, im Niltal oder in irgendeinem Land der Welt, ob unter Völkern, die vom vierzigsten bis zum zehnten Jahrhundert vor Christus oder danach lebten, in Sklaverei oder in Freiheit, unentwickelt oder politisch und kulturell auf dem Höhepunkt ihrer Entwicklung – wann immer und wo immer ein Prophet von Allah zu ihnen kam, übermittelte er den Menschen denselben Aufruf. Der Aufruf aller Propheten lautete: Dient Allah; ihr habt keinen anderen Gott (den einzig wahren Anbetungswürdigen oder Gott) außer Ihm. Abraham erklärte seinem Volk unmissverständlich, dass es keinerlei Zusammenarbeit zwischen ihnen und ihm geben könne, solange sie dieses Grundprinzip nicht anerkannten.
(Arabisch*********************************auf Seite 52 der PDF)
Das heißt: Solange ihr nicht an den einen Allah glaubt, werden Feindschaft und Hass zwischen euch und uns bestehen bleiben. Und bevor Mose zum Pharao ging und die Forderung erhob, (Arabisch******) die Kinder Israels mit mir ziehen zu lassen, verkündete er: (Arabisch*******) Ich bin vom Herrn der Welten gesandt; und (Arabisch********) er richtete an ihn den Aufruf: Bist du bereit, dich zu läutern und zu reinigen, und soll ich dich zum Weg deines Herrn führen, damit du Ihn fürchtest? Er machte ihm deutlich, dass er nicht der Herr und Gebieter sei; vielmehr ist derjenige Herr und Gebieter, der alles erschaffen und allen die Art zu leben gelehrt hat. (Arabisch********) Er ist unser Herr und Gebieter, der jedem Ding seine Gestalt gegeben und ihm danach seinen Weg bestimmt hat. – Das heißt: Mose und Aaron erfüllten dieselbe Aufgabe wie die übrigen Propheten, angefangen bei Noah bis hin zum letzten Propheten, Muhammad. Diese Aufgabe bestand darin, den Menschen mitzuteilen und verständlich zu machen: Erkennt einzig Allah, den Herrn der Welten, als euren Herrn und Gebieter an; nach diesem Leben werdet ihr vor Allah erscheinen; und euer Heil hängt davon ab, dass ihr den von den Propheten eurer Zeit verkündeten Aufruf zum Glauben an den Tauhid und an das Jenseits annehmt und euer Leben darauf gründet. – (Der Verfasser)] Das Volk Jesu lebte unter der Herrschaft der Römer in Unterwerfung. Doch er rief die Kinder Israels und die verschiedenen Völker der angrenzenden Gebiete nicht dazu auf, einen Befreiungskrieg gegen den römischen Imperialismus zu führen. Vielmehr lud er die Menschen dazu ein, (Arabisch***********) zu erkennen: In Wahrheit ist Allah mein Herr und euer Herr. So dient Ihm; dies ist der gerade Weg. Zweifellos beziehen sich diese im Koran geschilderten Ereignisse nicht auf irgendeine andere Welt, sondern auf die irdische Welt, in der wir leben, und sie betreffen Menschen aus Fleisch und Blut wie uns. Es besteht hier keinerlei Anlass zu behaupten, dass die Länder und Völker, zu denen die Propheten kamen, keine politischen, wirtschaftlichen oder kulturellen Probleme gehabt hätten und dass es nicht notwendig gewesen sei, sie auf deren Lösung hinzuweisen. Wenn dennoch jeder Führer der islamischen Bewegung in jedem Land und zu jeder Zeit alle möglichen allgemeinen und lokalen Probleme außer Acht ließ, ein einziges Problem in den Vordergrund stellte und seine ganze Kraft dafür einsetzte, können wir daraus schließen, dass dieses Problem für sie die Wurzel aller Probleme war und dass sie die Lösung aller anderen Probleme des Lebens von der Lösung dieses Problems abhängig sahen.
Hazrat Isa (Friede sei mit ihm) beschreibt, an die Kinder Israels gerichtet, den Zweck seines Kommens folgendermaßen:
(Arabisch*********************************PDF auf Seite 53)
„Ich bin gekommen, um einige Dinge, die euch verboten worden sind, für erlaubt zu erklären. Seht, ich habe für euch ein Zeichen von eurem Rabb mitgebracht. So fürchtet Allah und gehorcht mir. Allah ist mein Rabb und auch euer Rabb. So dient Ihm; dies ist der gerade Weg.“ – (Sure Āl ʿImrān: 50–51)
Daraus geht hervor, dass auch die zentrale Botschaft der Mission von Hazrat Isa (Friede sei mit ihm), ebenso wie die aller anderen Propheten, aus drei Punkten bestand. – [Der Mission von Hazrat Isa (Friede sei mit ihm) muss besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden. Denn vor dem Kommen von Hazrat Muhammad (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) war er der letzte Prophet, und seine Botschaft, seine Lehre und seine Mission wurden vollständig verfälscht. – (Der Herausgeber)]
Erstens: Die Souveränität, die allein Allah zuerkannt wird. Deshalb ist Ihm allein die Anbetung zu widmen, und auf der Grundlage des Gehorsams gegenüber Ihm ist das gesamte System des moralischen und kulturellen Lebens zu errichten.
Zweitens: Als Stellvertreter des Inhabers der souveränen Macht muss man den Anordnungen des Propheten Folge leisten.
Drittens: Die Grenzen zwischen Erlaubtem und Verbotenem sowie zwischen Rechtmäßigem und Unrechtmäßigem im menschlichen Leben werden allein durch Allahs Gesetz festgelegt. Die von anderen auf diesem Gebiet eingeführten Gesetze werden aufgehoben. – [Siehe Vers 51 der Sure Āl ʿImrān: (Arabisch******** in der Fußnote auf Seite 54)]
Tatsächlich besteht zwischen der Mission von Hazrat Isa (Friede sei mit ihm), Hazrat Musa (Friede sei mit ihm), Hazrat Muhammad (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und den Missionen der übrigen Propheten nicht der geringste Unterschied. Diejenigen, die die Missionen der verschiedenen Propheten für verschieden hielten und hinsichtlich Ziel und Wesen Unterschiede zwischen ihren Missionen machten, haben einen schweren Fehler begangen. Wer mit einer Ernennungsurkunde vom Herrn der gesamten Schöpfung zu Seinen Untertanen kommt, dessen einziger Zweck wird sein, die Untertanen davon abzuhalten, ungehorsam zu sein und eine autonome Herrschaft zu führen; er wird ihnen verbieten, Ihm jemanden beizugesellen – das heißt, hinsichtlich der souveränen Herrschaftsmacht jemanden zum Teilhaber des Inhabers der souveränen Macht zu machen und den eigenen Gehorsam sowie die eigene Anbetung und den eigenen Gottesdienst zwischen beiden aufzuteilen – und er wird zur Anbetung, zum Gehorsam, zur Verehrung und zur Befolgung der Anweisungen allein des wahren Herrn aufrufen.
Im Koran wird der Zweck des Kommens der Propheten auch auf andere Weise beschrieben:
(Arabisch****************** PDF, Seite 54)
„Diese Gesandten wurden als Verkünder froher Botschaften und als Warner entsandt, damit die Menschen nach ihrer Entsendung Allah gegenüber keinen Einwand mehr vorzubringen haben.“ – (Sure an-Nisāʾ: 165)
Das heißt, die Entsendung dieser Gesandten hatte nur ein einziges Ziel: Allah, der Erhabene, wollte Seine Beweisführung gegenüber der Menschheit zur Vollendung bringen, damit am Tag des Jüngsten Gerichts kein irregeleiteter Übeltäter die Möglichkeit habe zu sagen: Wir waren unwissend, und du hast keine Vorkehrung getroffen, uns über die Wahrheit und die eigentliche Sachlage zu unterrichten. Zu diesem Zweck hat Allah in verschiedene Gebiete der Welt Propheten entsandt und Bücher offenbart. Diese Propheten haben einer großen Zahl von Menschen wahres Wissen vermittelt und den Menschen auch nach ihrem Abschied von dieser Welt die himmlischen Schriften hinterlassen. Aus diesen Schriften ist in jedem Zeitalter immer irgendeine Schrift auf der Erde erhalten geblieben, um den Menschen den wahren und richtigen Weg zu weisen. Wenn also danach jemand irregeht, werden Allah und Seine Propheten dafür nicht zur Verantwortung gezogen. Vielmehr wird die betreffende Person selbst dafür verantwortlich sein, denn Allahs Botschaft hatte sie erreicht, doch sie nahm sie nicht an. Oder jene Menschen werden dafür verantwortlich sein, die den wahren und richtigen Weg kannten, aber, obwohl sie Allahs Diener in der Irregeleitetheit versinken sahen, ihnen den wahren und richtigen Weg nicht gewiesen haben.
Die Propheten und Gesandten sind, während sie zum Wahren aufrufen, zugleich auch berechtigt, Gehorsam zu verlangen. Im Koran wird dies ausdrücklich erklärt:
(Arabisch****************** PDF, Seite 55)
„Jeden Gesandten, den Ich entsandt habe, habe Ich dazu entsandt, damit ihm auf Allahs Geheiß gehorcht wird.“ – (Sure an-Nisāʾ: 64)
Das heißt, ein Gesandter kommt nicht von Allah mit der Maßgabe, dass man lediglich an seine Gesandtschaft glauben müsse und danach nach Belieben irgendjemand anderem gehorchen dürfe. Vielmehr besteht der Zweck des Kommens eines Gesandten gerade darin, dass man die von ihm für die Lebensführung gebrachte Ordnung befolgt und alle anderen Ordnungen der Welt aufgibt; und dass man die von ihm im Auftrag Allahs erteilten Anweisungen umsetzt und alle anderen Anweisungen der Welt zurückweist. Wer dem Gesandten nicht auf diese Weise gehorcht, für den hat es keinen Sinn, seinen Gesandten lediglich als Gesandten anzuerkennen.
Auch das Bemühen und der Kampf darum, den Dīn zum Sieg zu führen, gehört zu den Pflichten der Propheten. Im Heiligen Qur’an heißt es:
(Arabisch****************** auf Seite 55 des PDFs)
„Allah hat Seinen Gesandten mit der Rechtleitung und der wahren Religion gesandt, damit Er sie über alle anderen Religionen siegreich mache.“ – (Sure at-Tauba: 33)
Im ursprünglichen Vers wird der Ausdruck ‚ad-Dīn‘ verwendet. In meiner Übersetzung habe ich dafür ‚alle Religionen‘ geschrieben. Tatsächlich wird das Wort Dīn in der arabischen Sprache als Bezeichnung für eine Lebensordnung oder Lebensweise gebraucht, deren Begründer man als maßgebend und nachahmenswert anerkennt und der man Gehorsam leistet. Der in diesem Vers genannte Zweck des Kommens des Gesandten besteht daher darin, dass er die Rechtleitung und die wahre Religion, die er von Allah gebracht hat, über alle anderen Religionen beziehungsweise Lebensweisen und Ordnungen der Welt siegreich machen soll. Mit anderen Worten: Ein Gesandter wird niemals zu dem Zweck entsandt, dass die Lebensordnung, die er bringt, einer anderen Lebensordnung untergeordnet und von ihr besiegt wird und er dann unter den von ihr gewährten Vergünstigungen ein kümmerliches Dasein fristet. Vielmehr kommt er als Vertreter des Königs der Erde und des Himmels. Er will die wahre Ordnung seines Königs siegreich sehen. Wenn in der Welt eine andere Lebensordnung vorherrscht, muss sie sich unbedingt der von Allah gegebenen Lebensordnung unterordnen und sich mit einigen von ihr gewährten Vergünstigungen begnügen, so wie es bei der Lebensordnung der Schutzbefohlenen im Falle der Entrichtung der Dschizya geschieht.
Die Beseitigung des Verderbens ist die Aufgabe der Propheten
Wenn der Mensch den Gehorsam gegenüber Allah aufgibt und beginnt, seinem eigenen Nafs oder anderen zu gehorchen, und wenn er Allahs Rechtleitung und Seine Wegweisung missachtet und die Grundlage seines moralischen, gesellschaftlichen und kulturellen Lebens nach den von anderen erdachten Grundsätzen, Gesetzen und Vorschriften gestaltet, dann tritt auf der Erde das eigentliche Verderben auf, wodurch im Weltgefüge zahllose Fehler und Störungen entstehen. Dieses Verderben zu verhindern und die Fehler und Störungen zu beheben, ist das Ziel des Qur’an. Zugleich enthüllt der Qur’an auch diese Wahrheit: Im Weltgefüge ist das Verderben nicht das Ursprüngliche; vielmehr sind Aufrichtigkeit, Tugendhaftigkeit und rechtschaffenes Handeln das Ursprüngliche, und nur aufgrund der Torheit, Unwissenheit und Maßlosigkeit der Menschen legt sich das Verderben vorübergehend über sie. Mit anderen Worten: Das Leben der Menschen auf der Erde begann nicht mit Torheit, Unwissenheit, Barbarei, Schirk, Auflehnung und moralischer Anarchie, woraufhin später schrittweise mit ihrer Beseitigung und Korrektur begonnen worden wäre. Vielmehr begann das menschliche Leben in Wirklichkeit mit Aufrichtigkeit und rechtschaffenem Handeln, und später begannen schlechte Menschen durch ihre eigene Dummheit und ihre schlechten Taten diese heilige Ordnung zu beschmutzen und zu verunreinigen. Um dieses Verderben zu beseitigen und die Lebensordnung der Menschen aufs Neue zu korrigieren, sandte Allah zu allen Zeiten Propheten. In jedem Zeitalter riefen die Propheten die Menschen zu derselben Botschaft auf: Sie sollten davon ablassen, in der Ordnung, auf der das Weltgefüge – Aufrichtigkeit, Tugendhaftigkeit und rechtschaffenes Handeln – errichtet worden ist, Verderben zu stiften – [Die Sichtweise des Qur’an in dieser Angelegenheit unterscheidet sich völlig von der Sichtweise der Evolutionisten. Die Evolutionisten haben auf der Grundlage einer völlig falschen Denkweise die Theorie aufgestellt, der Mensch sei aus der Finsternis hervorgekommen und allmählich zum Licht gelangt. Am Anfang seines Lebens hätten Entstellung und Unordnung geherrscht; danach sei er nach und nach immer besser geordnet worden. Demgegenüber sagt der Qur’an, dass Allah den Menschen in einer vollständig lichtvollen Umgebung auf die Erde gesandt und sein Leben mit einer segensreichen Ordnung begonnen hatte. Danach drang der Mensch, nachdem er selbst die Führung Satans übernommen hatte, immer wieder in die Finsternis ein und entstellte diese segensreiche Ordnung wiederholt. Um den Menschen aus dieser Finsternis zum Licht zu führen und ihn dazu aufzurufen, von Entstellung und dem Stiften von Verderben abzulassen, sandte Allah zu allen Zeiten Seine Propheten.]
Im Anspruch auf das Prophetentum liegt unausgesprochen, dass der Prophet die gesamte Lebensordnung der Menschen umfassend verändern will. Zweifellos gehört auch die politische Ordnung des Landes dazu. Wenn jemand sich als Vertreter des Herrn der Welten vorstellt, wird dadurch unausweichlich anerkannt, dass er von den Menschen vollständigen Gehorsam für sich fordert. Denn der Vertreter des Herrn der Welten kommt niemals, um Untertan und Gefolgsmann eines anderen zu bleiben. Vielmehr kommt er, um alle zu unterwerfen und ihr Herrscher und Beschützer zu werden. In diesem Fall ist es mit der Würde seiner Gesandtschaft völlig unvereinbar, die Herrschaftsgewalt eines Ungläubigen anzuerkennen.
Der Zweck der Entsendung der Gesandten
(Arabisch****************** auf Seite 56 der PDF)
„(Und dies habe Ich getan, damit sie nicht, wenn sie aufgrund ihrer eigenen Taten ein Unglück trifft, sagen können: Unser Herr! Warum hast Du keinen Gesandten zu uns geschickt? (Hättest Du einen Gesandten geschickt,) wären wir Deinen Zeichen gefolgt und wären unter den Gläubigen gewesen.“ – (Sure al-Qasas: 47)
An verschiedenen Stellen des Qurans wird genau dies als Grund für die Entsendung der Gesandten genannt. Wenn man jedoch angesichts dieser Darstellung des Qurans zu dem Schluss gelangt, dass deshalb jederzeit und an jedem Ort ein Gesandter kommen müsse, wäre das ein Irrtum. Denn solange die Botschaft eines Gesandten auf der Welt unverfälscht bewahrt bleibt und auch ein Weg besteht, sie der Allgemeinheit zu vermitteln, besteht keine Notwendigkeit für einen neuen Gesandten. Wenn es jedoch erforderlich wird, der früheren Botschaft etwas hinzuzufügen oder eine neue Botschaft zu übermitteln, kommt in diesem Fall ein neuer Gesandter. Wenn sie in irgendeinem Fall ihre Eignung verliert, haben die Menschen dort selbstverständlich die Möglichkeit, eine solche Entschuldigung vorzubringen: Für sie habe es überhaupt keine Möglichkeit gegeben, den Unterschied zwischen Wahrheit und Falschheit zu erkennen und den richtigen Weg gezeigt zu bekommen; wie hätten sie unter diesen Umständen den wahrhaft richtigen Weg finden können? Um diese Entschuldigung auszuräumen, entsendet Allah, der Erhabene, in solchen Situationen einen Propheten. Danach kann jeder, der den falschen Weg einschlägt, für seinen Irrtum selbst verantwortlich gemacht werden.
Ein Gesandter kommt nicht von Allah mit dem Zweck, dass man lediglich an seine Sendung glauben und danach nach eigenem Belieben jemand anderem gehorchen dürfe. Vielmehr besteht der eigentliche Zweck des Kommens eines Gesandten darin (wie bereits zuvor dargelegt), dass man für sein Leben ausschließlich die von ihm gebrachte Lebensordnung annimmt und alle anderen Lebensordnungen aufgibt; und dass man ausschließlich die Anweisungen befolgt, die der Gesandte im Auftrag Allahs erteilt, während man alle anderen Anweisungen außer Acht lässt. Wenn jemand, nachdem er den Gesandten anerkannt hat, dies nicht tut, wird sein Anerkennen des Gesandten bedeutungslos.
Das Kommen der Gesandten vor der Zeit der Entscheidung
(Arabisch****************** auf Seite 57 der PDF)
„Ich entsende die Gesandten zu keinem anderen Zweck, als gute Botschaft zu verkünden und zu warnen. Doch die Ungläubigen sind so, dass sie mit den Waffen der Falschheit versuchen, die Wahrheit besiegt erscheinen zu lassen, und sie verspotten Meine Zeichen sowie das, wovor sie gewarnt worden sind.“ – (Sure al-Kahf: 56)
Das heißt: Ich entsende die Gesandten, um die Menschen vor dem Eintreffen der Zeit der Entscheidung vor den guten Folgen des Befolgens von Allahs Gebot und den schlechten Folgen seines Ungehorsams zu warnen.
(Arabisch****************** auf PDF-Seite 58)
„Bei Allah ist der Islam die einzige Religion. Der einzige Grund, weshalb diejenigen, denen das Buch gegeben worden war, andere Wege statt dieser Religion einschlugen, war, dass sie dies aus gegenseitiger Überschreitung der Grenzen taten, nachdem die Erkenntnis zu ihnen gekommen war.“ – (Sure Āl ʿImrān: 19)
Das bedeutet, dass jeder Gesandte, der irgendwo und irgendwann von Allah auf die Welt geschickt wurde, die Botschaft der Religion des Islam überbrachte, und dass jedes Buch, das irgendwann in der Sprache eines Volkes auf der Welt offenbart wurde, die Lehre des Islam vermittelte. Der Grund dafür, dass unter der Menschheit durch die Entstellung dieser ursprünglichen Religion sowie durch Hinzufügungen und Weglassungen in ihr verschiedene Religionen entstanden, war ausschließlich, dass die Menschen über die Grenzen ihrer rechtmäßigen Ansprüche hinaus weitere Rechte, Vorteile und Interessen erlangen wollten. Deshalb veränderten sie nach ihren eigenen Wünschen die Glaubensinhalte, Grundsätze und Vorschriften der ursprünglichen Religion.
Die Propheten waren Bannerträger derselben Religion
(Arabisch****************** auf PDF-Seite 58)
„Und sie spalteten ihre Religion untereinander in Stücke; zu Mir müssen sie alle zurückkehren.“ – (Sure al-Anbiyāʾ: 93)
Alle Propheten, die auf der Welt erschienen sind, waren Bannerträger dieser Religion. Der Kern dieser ursprünglichen Religion bestand darin, dass Allah allein der Herr und Erhalter der Menschen ist und dass nur Ihm Anbetung und Gottesdienst gebühren. Alle Religionen, die später entstanden, sind entstellte Formen jener ursprünglichen Religion. Der eine übernahm daraus eine Aussage, ein anderer eine andere. Der eine entfernte einen ihrer Bestandteile, ein anderer einen anderen. Danach mischten sie vieles aus eigener Hand hinzu. Auf diese Weise haben zahlreiche Propheten sie in hundert Teile geteilt; dann kann man dies nur als eine unverfälschte Lüge bezeichnen. Allein die unterschiedlichen Gestalten dieser Religionen und ihre Verbindung mit verschiedenen Propheten in verschiedenen Zeitaltern und Ländern beweisen nicht, dass diese Verschiedenheit der Religionen von den Propheten geschaffen wurde. Sie können niemals lehren, statt des einen Allah einen anderen Herrn anzubeten.
Die Gedankenwelt der Propheten vor dem Empfang der Prophetenschaft
Aus dem Koran erfahren wir, dass sich das Wissen, über das die Propheten vor der Herabsendung der Offenbarung verfügten, in keiner Hinsicht vom Wissen der gewöhnlichen Menschen unterschied. Vor der Herabsendung der Offenbarung besaßen sie keine Wissensquelle, die anderen nicht ebenfalls zugänglich war. Daher sagt der Koran: (Arabisch*******) „Du wusstest nicht, was das Buch und was der Glaube ist.“ (Asch-Schura: 52) (Arabisch*********) „Und Allah fand dich auf einem Irrweg und leitete dich dann auf den Weg.“
In diesem Zusammenhang teilt uns der Koran auch mit, dass die Propheten bereits vor dem Empfang des Prophetentums mithilfe jener allgemeinen Mittel der Erkenntnis und des Verstehens, die auch anderen Menschen zur Verfügung stehen, die Stufe des Glaubens an das Unsichtbare überschritten. Das Eintreffen der Offenbarung stärkte ihr durch Erfahrung gewonnenes Wissen. Die Wahrheiten, für die ihr Herz zuvor Zeugnis abgelegt hatte, bestätigte die Offenbarung endgültig und mit Gewissheit als wahr. Und sie verschaffte ihnen unmittelbare und augenscheinliche Kenntnis dieser Wahrheiten, sodass sie vor der Welt mit voller Überzeugung von ihnen Zeugnis ablegen konnten. In der Sure Hud wird dieser Sachverhalt mehrfach dargelegt. Zunächst heißt es über den edlen Gesandten (s.a.s.):
(Arabisch****************** auf PDF-Seite 59)
„Kann etwa derjenige, der sich zuvor auf einem klaren Beweis von seinem Herrn gründete (das heißt, der geistige und natürliche Rechtleitung besaß), und zu dem danach auch ein Zeuge von Allah kam (das heißt, der Koran), während zuvor bereits das Buch von Moses als Rechtleitung und Barmherzigkeit vorhanden war, an dieser Wahrheit zweifeln?“ (Sure Hud: 17)
Danach wird derselbe Sachverhalt im dritten Rukūʿ durch Hadhrat Noah mit folgenden Worten zum Ausdruck gebracht:
(Arabisch****************** auf PDF-Seite 59)
„O meine Leute, denkt nach: Wenn ich mich auf einen klaren Beweis von meinem Herrn gründe und Er mir von Sich aus Barmherzigkeit (Offenbarung und Prophetentum) gewährt hat, diese euch jedoch verborgen bleibt, sollen wir sie euch dann gegen euren Willen aufzwingen?“ (Sure Hud: 28)
Auch Hadhrat Salih (a.s.) im sechsten Rukūʿ und Hadhrat Schuʿaib (a.s.) im achten Rukūʿ haben denselben Sachverhalt wiederholt. Daraus wird ganz deutlich, dass sie den Sachverhalt durch die Offenbarung wiederholten. Daraus wird deutlich, dass die Propheten, bevor sie durch die Offenbarung unmittelbare Erkenntnis der Wahrheit erlangten, ihre natürliche Fähigkeit zum Nachdenken, Forschen und Beobachten richtig nutzten (die im obigen Vers als (Arabisch********) bezeichnet wird) und tief in die Lehre von Tauhid und Jenseits eindrangen. Ihr Erfolg beim Eindringen in die Tiefe der Wahrheit war nicht von Allah gegeben (Arabisch)worden, sondern war ihr erworbenes (Arabisch***)Wissen. Danach schenkte Allah ihnen das Wissen der Offenbarung. Dieses war nicht erworben, sondern von Allah gegeben.
Die Beobachtung, Betrachtung und Erforschung dieser natürlichen Zeichen sowie der Gebrauch des gesunden Menschenverstands unterscheiden sich völlig von den Vermutungen, Annahmen und Überlegungen der Philosophen (Spekulation). Der Heilige Qur’an selbst hat versucht, jeden Menschen zur Anwendung dieser Fähigkeit anzuregen. Der Qur’an sagt wiederholt: Öffnet eure Augen, betrachtet die natürlichen Zeichen Allahs und versucht, daraus zu richtigen Schlussfolgerungen zu gelangen.
Das Wissen des Gesandten über das Verborgene
Die Vorstellung, den Gesandten sei nur so viel Wissen über das Verborgene gegeben worden, wie Allah den Menschen zugänglich machen wollte, ist falsch. Diese Vorstellung steht im Widerspruch zu den eindeutigen Aussagen des Qur’an und des Hadith. Im Heiligen Qur’an wird über den Propheten Yaqub (a.s.) berichtet, dass er zu seinen Söhnen sagte:(Arabisch*******) „Ich weiß von Allah Dinge, die ihr nicht wisst.“ – (Sure Yusuf: 11)
Außerdem geht aus verschiedenen Versen des Qur’an hervor, dass den Propheten verschiedener Völker vor dem Herabsenden der Strafe deren Eintreffen angekündigt worden war; dennoch informierten sie ihre Völker selbst zum Zeitpunkt des Eintreffens der Strafe nicht über deren Einzelheiten. Dem Propheten Nuh (a.s.) war die Strafe so lange im Voraus angekündigt worden, dass er in dieser Zeit bereits die Arche gebaut hatte. Doch er sagte seinem Volk nicht, dass über sie die Strafe einer Überschwemmung kommen werde. Auch aus dem Hadith erfahren wir, dass dem ehrenvollen Gesandten (s.a.w.) verschiedene Dinge aus dem Verborgenen mitgeteilt worden waren, die er seiner Umma nicht weitergab. Einmal sagte der ehrenvolle Gesandte (s.a.w.) in einer Ansprache:
(Arabisch****************** auf PDF-Seite 60)
„O Umma Muhammads (s.a.w.)! Bei Allah, wenn ihr wüsstet, was ich erfahren habe, würdet ihr nur wenig lachen und viel weinen.“ – (Bukhari: Kapitel Ṣadaqa fī al-Kusūf)
Zu einer anderen Zeit sagte der ehrenvolle Gesandte (s.a.w.): (Arabisch**********) „Ich sehe euch hinter mir genauso, wie ich euch vor mir sehe.“ – (Bukhari: Kapitel ʿAẓamatu Imāmin-Nās).
Kurz gesagt lässt sich aus vielen weiteren Hadithen und Versen erkennen, dass den Gesandten ein weitaus größeres Maß an Wissen über das Verborgene verliehen worden war, als durch sie den Dienern zugänglich gemacht wurde. Auch die natürliche Vernunft und der gesunde Menschenverstand bestätigen dies. Denn die gewöhnlichen Menschen müssen nur den Teil des Verborgenen kennen, der mit dem Glauben und der Glaubensüberzeugung zusammenhängt. Für die Gesandten reicht es jedoch nicht aus, nur über dieses Maß an Wissen über das Verborgene zu verfügen. Sie müssen vieles Weitere wissen, was ihnen bei der Erfüllung ihrer Aufgabe als Gesandte hilft. So müssen etwa Vizeoberhäupter und Gouverneure bis zu einem gewissen Grad über die Staatsführung und deren geheime Angelegenheiten Bescheid wissen. Wenn diese Geheimnisse unter den gewöhnlichen Untertanen bekannt würden, führten sie statt zu Nutzen zu Schaden. Ebenso gibt es in der Verwaltung von Allahs Reich viele geheime Angelegenheiten, die nur Allahs besondere Stellvertreter und Seine Gesandten kennen. Die gewöhnlichen Untertanen, also die gewöhnlichen Menschen, wissen nicht das Geringste davon. Dieses Wissen über das Verborgene hilft den Gesandten bei der Erfüllung ihrer Aufgaben; für die gewöhnlichen Menschen besteht dafür jedoch keine Notwendigkeit, und sie wären auch nicht in der Lage, es zu ertragen. In aller Kürze lässt sich sagen: Das Wissen des Propheten ist geringer als Allahs Wissen und größer als das Wissen der gewöhnlichen Menschen. Doch wie groß ist dieses Wissen? Wie viel größer oder wie viel geringer ist es? Wir besitzen jedenfalls kein Instrument, mit dem wir es auf diese Weise messen könnten.
Wachsame Beobachtung der Propheten
In der menschlichen Gesellschaft nehmen die Propheten die bedeutendste und zugleich empfindlichste Stellung ein. Ein gewöhnliches Ereignis im Leben eines gewöhnlichen Menschen hat keine besondere Bedeutung. Wenn dasselbe Ereignis jedoch im Leben eines Propheten geschieht, wird es zu einem Gesetz. Deshalb wird von Allah aus jedes einzelne Ereignis im Leben der Propheten aufmerksam überwacht. Daher kann weder ihr geringster Schritt noch ihre kleinste Handlung dem Willen Allahs zuwiderlaufen. Falls ein Prophet jemals eine solche Handlung begangen hat, wurde sie unverzüglich korrigiert. Der Zweck war, dass das islamische Recht und seine Grundsätze den Menschen nicht nur im Buch Allahs, sondern auch in Form des vorbildlichen Lebenswandels des Propheten übermittelt würden und dass nicht einmal das Geringste darin enthalten sein könnte, was nicht dem Willen Allahs entspricht.
Unmittelbares Wissen und Beobachtung
Allah ließ jeden einzelnen der Propheten entsprechend ihrem Rang die Ordnung der Leitung von Erde und Himmel beobachten. Indem Er den Schleier zwischen der materiellen und der unsichtbaren Welt entfernte, ließ Er sie auch einen unmittelbaren Einblick in zahlreiche verborgene Wahrheiten gewinnen, in deren Angelegenheiten sie dazu bestimmt waren, die gewöhnlichen Menschen zum Glauben an das Verborgene aufzurufen. Auf diese Weise wurde ihre eigenständige Stellung gegenüber den Philosophen deutlich gekennzeichnet. Philosophen sprechen auf der Grundlage von Vermutungen und Spekulationen. Wenn sie ihren eigenen Zustand und Rang richtig erkannt hätten, würden sie niemals die Wahrheit ihrer eigenen Ansichten bezeugen. Die Propheten hingegen sprechen ausschließlich auf der Grundlage unmittelbaren Wissens und eigener Beobachtung. Sie können vor den Menschen folgendermaßen bezeugen: Wir wissen genau, was wir sagen, und wir haben es mit eigenen Augen gesehen.
Ungewöhnliche Kräfte –[Die ungewöhnlichen Kräfte und Fähigkeiten der Propheten sowie ihre besondere Ausbildung werden im Abschnitt „Die Stellung des edlen Gesandten als Mensch und Prophet“ im Kapitel „Das Gesandtentum und seine Bestimmungen“ ausführlich behandelt.]
(Arabisch****************** auf PDF-Seite 62)
„Als diese Karawane aufbrach (aus Ägypten), sagte ihr Vater (der in seinem Haus in Kanaan saß): Ich nehme den Duft von Yusuf wahr; sagt nur nicht wieder (ihr Hausbewohner), dass ich im Alter meinen Verstand verloren habe.“ –(Sure Yusuf: 94)
Daraus lässt sich die ungewöhnliche Kraft der Propheten erahnen. Gerade als die Karawane mit dem Gewand von Yusuf aus Ägypten aufgebrochen war, nahm Yaʿqub, der Hunderte von Meilen entfernt saß, dessen Geruch wahr. Daraus lässt sich jedoch auch erkennen, dass diese Kraft nicht den Propheten selbst eigen war. Allah hatte ihnen diese Kraft verliehen. Doch nur dann und in dem Maß, wie Allah es wollte, konnten sie diese Kraft auch einsetzen. Yusuf hielt sich jahrelang in Ägypten auf, doch Yaʿqub nahm seinen Duft niemals wahr. Nun aber nahm Yaʿqubs Geruchssinn plötzlich derart zu, sobald sein Gewand von Ägypten aus aufgebrochen war, dass er dessen Duft wahrzunehmen begann.
Die menschliche Natur der Propheten
Alle früheren Propheten waren Menschen. [Ein ergänzender Absatz über die menschliche Natur und das Wesen der Propheten wurde in die spätere Erörterung eingefügt.] Sie waren keine außergewöhnlichen Schöpfungen Allahs. Einen Menschen zum Gesandten zu machen und ihn zu entsenden, ist kein außergewöhnliches Ereignis in der Geschichte.
Die Aufgabe, der Muhammad (s.) heute nachgeht, war auch der Grund, aus dem die früheren Propheten entsandt wurden. Ebenso wie bei Muhammad (s.) waren ihre Mission und ihre Lehre dieselben. Allah ist mit den Propheten in besonderer Weise verfahren. Große Prüfungen kamen über sie. Jahr um Jahr lebten sie inmitten von Prüfungen. Prüfungen trafen sie auf persönlicher Ebene, und auch ihre Feinde brachten sie in Bedrängnis. Doch am Ende erhörte Allah ihre Bittgebete, nahm ihre Leiden von ihnen, besiegte ihre Feinde und half ihnen auf wundersame Weise.
Obwohl sie Allahs geliebte und Ihm wohlgefällige Diener waren und von Ihm große, erstaunliche Kräfte erhalten hatten, waren sie Allahs Diener und Menschen. Keiner von ihnen besaß göttliche Macht.
Die Bedeutung der Unfehlbarkeit der Propheten
Auch die Propheten sind Menschen. Kein Mensch vermag ständig auf der für einen Mu’min bestimmten vollkommenen Stufe zu bleiben. Bisweilen unterliegt selbst der beste Mensch, wie ein Prophet, in einer heiklen, von Gefühlen bestimmten Situation für den kürzesten Augenblick seiner menschlichen Schwäche. Sobald er jedoch erkennt – oder Allah in ihm diese Erkenntnis entstehen lässt –, dass er unter das erwünschte Niveau sinkt, tut er Buße. Bei der Berichtigung seines Fehlers zögert er keinen Augenblick. Was könnte ein größerer Beweis für die charakterliche Erhabenheit des Propheten Noah (a.) sein als dies: Sein junger Sohn versinkt vor seinen Augen in den unergründlichen Fluten; er sieht es mit eigenen Augen, und angesichts des Schreckens dieser Szene droht ihm das Herz zu bersten. Doch sobald Allah ihn darauf aufmerksam machte, dass es eine bloß unwissende, von Gefühlen bestimmte Denkweise sei, einen Sohn, der die Wahrheit verlassen und sich an das Falsche geklammert hatte, allein aufgrund seiner Abstammung als den Seinen zu betrachten, kehrte er zu der von Allah bestimmten Denkweise zurück.
Die Unfehlbarkeit des Propheten bedeutet nicht, dass ihm die Fähigkeit und Möglichkeit genommen worden wären, Sünde zu begehen und Fehler zu machen, und dass es überhaupt keine Möglichkeit gäbe, dass durch ihn eine Sünde geschieht. Vielmehr bedeutet sie, dass der Prophet zwar die Fähigkeit besitzt zu sündigen, aber trotz aller menschlichen Eigenschaften, menschlichen Gefühle, Empfindungen und Wünsche so rechtschaffen und gottesfürchtig ist, dass er niemals wissentlich und absichtlich eine Sünde beabsichtigt. In seinem Gewissen befinden sich derart gewaltige und starke Beweise für seinen Herrn, dass die Wünsche seines Trieblebens ihnen niemals erfolgreich widerstehen können. Sollte ihm dennoch unwissentlich einmal ein Fehler unterlaufen, so korrigiert Allah ihn unverzüglich durch eine offenkundige Offenbarung. Denn sein Fehltritt wäre nicht nur der Fehltritt eines Einzelnen, sondern der Fehltritt einer ganzen Umma. Wenn er auch nur um eine Handbreit vom geraden Weg abweicht, schreitet die ganze Welt mehrere Meilen auf dem Weg der Irreleitung voran.
Einige Verse über die Eigenschaften der Propheten
(Arabisch****************** PDF auf Seite 63)
„Und erwähne in diesem Buch Abraham. Wahrlich, er war ein wahrhaftiger Mensch und ein Prophet.“ – (Sure Maryam: 41)
(Arabisch****************** PDF auf Seite 63)
„Und erwähne in diesem Buch Moses. Er war ein beliebter Mensch und ein Gesandter und Prophet. Und Ich rief ihn von der rechten Seite des Berges Tur und gewährte ihm durch ein vertrauliches Gespräch Nähe.“ – (Sure Maryam: 51–52)
(Arabisch****************** PDF auf Seite 63)
„Und erwähne in diesem Buch Ismael. Er hielt sein Versprechen und war ein Gesandter und Prophet. Er pflegte seine Angehörigen zum Gebet und zur Zahlung der Zakat anzuhalten, und bei seinem Herrn war er ein wohlgefälliger Mensch. Und erwähne in diesem Buch Idris. Wahrlich, er war ein wahrhaftiger Mensch und ein Prophet, und Wir erhoben ihn zu einem hohen Rang.“ – (Sure Maryam: 54–57)
(Arabisch****************** PDF auf Seite 64)
„Diese Propheten belohnte Allah. Sie waren Nachkommen Adams und derjenigen, die Wir mit Noah in der Arche getragen hatten, sowie Nachkommen Abrahams und Israels. Sie gehörten zu denen, die Wir rechtgeleitet und auserwählt hatten. Wenn ihnen die Verse des Allerbarmers vorgetragen wurden, fielen sie weinend in der Niederwerfung nieder.“ – (Sure Maryam: 58)
(Arabisch****************** auf Seite 64 des PDFs)
„Und schon zuvor hatte Ich Abraham Verstand und Einsicht verliehen, und Ich kannte ihn sehr wohl.“ – (Sure al-Anbiyāʾ: 51)
(Arabisch****************** auf Seite 64 des PDFs)
„Und Wir retteten ihn und Lot und brachten sie in ein Land, in dem Wir Segen für die Weltenbewohner bestimmt haben. Und Wir schenkten ihm Isaak und Jakob als zusätzliche Gabe und machten jeden von ihnen rechtschaffen. Und Wir machten sie zu Führern, die auf Unseren Befehl den rechten Weg wiesen, und Wir offenbarten ihnen, Gutes zu tun, das Gebet zu verrichten und die Zakat zu entrichten. Und sie waren Uns dienerisch ergeben.“ – (Sure al-Anbiyāʾ: 71–71)
(Arabisch****************** auf Seite 64 des PDFs)
„Und Lot verliehen Wir Urteilskraft und Wissen und retteten ihn aus der Stadt, deren Bewohner Schändliches zu tun pflegten. Sie waren wahrlich ein äußerst frevelhaftes Volk. Und Wir erwiesen Lot Unsere Barmherzigkeit, denn er gehörte zu den Rechtschaffenen.“ – (Sure al-Anbiyāʾ: 74–75)
(Arabisch****************** auf Seite 65 des PDFs)
„Und dieselbe Gunst erwiesen Wir Noah. Gedenkt dessen, dass er Uns zuvor angerufen hatte; da erhörten Wir sein Gebet, befreiten ihn und seine Familie von großer Bedrängnis und halfen ihm gegen jenes Volk, das Unsere Zeichen für Lüge erklärt hatte. Sie waren wahrlich äußerst schlechte Menschen. Daher ließen Wir sie allesamt im Wasser untergehen.“
(Arabisch****************** PDF-Seite 65)
„Diese Gunst erwies Ich auch David und Salomo. Erinnere dich an die Zeit, als die beiden einen Rechtsstreit über ein Feld entschieden, in das nachts die Ziegen anderer Leute eingedrungen waren. Und Ich selbst war Zeuge ihres Urteils. Damals lehrte Ich Salomo das richtige Urteil. Doch beiden hatte Ich feines Urteilsvermögen und Wissen gegeben. Und David machte Ich die Berge und die Vögel dienstbar, die Allah priesen. Dies war eine Tat von Mir. Und zu eurem Nutzen lehrte Ich ihn die Kunst, Rüstungen herzustellen, damit sie euch vor den Schlägen untereinander schützen. Seid ihr also dankbar? Und Salomo machte Ich den schnell dahineilenden Wind dienstbar, der auf seinen Befehl hin in Richtung eines Landes wehte, in das Ich Segen gelegt hatte. Und Ich weiß über alle Dinge Bescheid. Und unter den Satanen machte Ich ihm viele dienstbar, die für ihn tauchten und außerdem andere Arbeiten verrichteten. Und Ich selbst war ihr aller Bewahrer.“ – (Sure al-Anbiya: 78–82)
Die Erwähnung dieses besonderen Ereignisses von David und Salomo in diesem Zusammenhang hat einen Zweck: Es soll verständlich machen, dass die Propheten trotz der außergewöhnlichen Kräfte und Fähigkeiten, die sie von Allah erhalten hatten, im Grunde Menschen waren. Von göttlicher Macht war in ihnen nicht die geringste Spur. In diesem Rechtsstreit wurde David nicht durch Offenbarung geholfen, und er beging bei seinem Urteil einen Fehler. Salomo hingegen wurde geholfen, sodass er das richtige Urteil fällte. Dabei waren beide Propheten. Auch die Erwähnung der Eigenschaften, die ihnen beiden zugeschrieben werden, soll deutlich machen, dass es sich dabei um von Allah verliehene Eigenschaften handelte und solche Eigenschaften niemanden an Allahs Stelle setzen.
(Arabisch*************************PDF-Seite 66)
„Und diese Gabe (die Gunst von Verstand, Urteilsvermögen und Wissen) hatte Ich auch Ayyub gegeben. Erinnere dich, als er seinen Herrn anrief und sagte: ‚Mich hat Krankheit befallen, und Du bist der Barmherzigste aller Barmherzigen.‘ Da erhörte Ich sein Bittgebet und nahm sein Leid von ihm. Und Ich gab ihm nicht nur seine Familie zurück, sondern ebenso viele noch dazu – als besondere Barmherzigkeit von Mir und damit dies den Dienenden zur Lehre diene.“ – (Sure al-Anbiya: 83–84)
(Arabisch*************************PDF-Seite 66)
„Und dieselbe Gunst erwies Ich auch Ismail, Idris und Dhul-Kifl. Sie alle waren geduldig standhaft, und Ich nahm sie aus eigener Barmherzigkeit in Meine Gnade auf, denn sie waren rechtschaffen.“ – (Sure al-Anbiya: 85–86)
(Arabisch*************************PDF-Seite 66)
„Und auch den mit dem Fisch habe Ich mit Meiner Gunst ausgezeichnet, und er meinte, dass Ich ihn nicht zur Rechenschaft ziehen würde. Schließlich rief er inmitten der Finsternisse: ‚Es gibt keine Gottheit außer Dir. Gepriesen seist Du! Wahrlich, ich habe Unrecht begangen.‘ Da erhörte Ich sein Bittgebet und errettete ihn aus der Bedrängnis. Und ebenso errettete Ich die Gläubigen.“ – (Sure al-Anbiyāʾ: 87–88)
(Arabisch*************************auf Seite 67 der PDF)
„Und auch Zakariya, als er seinen Herrn anrief und sagte: ‚O mein Herr! Lass mich nicht allein zurück, denn Du bist der beste Erbe.‘ Da erhörte Ich sein Bittgebet, schenkte ihm Yahya und machte seine Frau für ihn geeignet. Sie pflegten sich im Guten zu beeilen, Mich in Furcht und Hoffnung anzurufen und sich vor Mir zu demütigen.“ – (Sure al-Anbiyāʾ: 89–90)
Der Zweck der Schilderung der Begebenheit von Hazrat Zakariya (a. s.) besteht gerade darin, deutlich zu machen, dass all diese Propheten bloße Diener Allahs und Menschen waren. Von Göttlichkeit war in ihnen nicht die geringste Spur. Sie besaßen nicht die Fähigkeit, anderen Kinder zu schenken; vielmehr flehten sie selbst Allah um Kinder an. Der Zweck der Erwähnung von Hazrat Yunus (a. s.) besteht darin zu zeigen, dass ein hochgeehrter Prophet trotz seiner großen Persönlichkeit unmittelbar nach seinem Fehler zur Rechenschaft gezogen wurde. Und als er sich vor seinem Herrn demütigte, wurde ihm auch außergewöhnliche Barmherzigkeit erwiesen. Er wurde lebendig aus dem Bauch des Fisches herausgebracht. Die Erwähnung von Hazrat Ayyub (a. s.) soll deutlich machen, dass es für Propheten nichts Außergewöhnliches ist, von einem Unglück getroffen zu werden. Wenn ein Prophet von einer Not und einer Krankheit heimgesucht wird, bittet er Allah um Heilung und Errettung davon. Sie können andere nicht heilen; im Gegenteil, sie selbst bitten Allah um Heilung. Darüber hinaus besteht ein weiterer Zweck dieser Schilderungen darin, die tatsächliche Wahrheit zu bekräftigen, dass alle Propheten den Tauhid anerkannten und ihre Anliegen nur vor dem einen Allah vortrugen, niemals vor jemand anderem. Andererseits gehört es ebenfalls zu ihrem Zweck, deutlich zu machen, dass Allah Seine Propheten stets auf außergewöhnliche Weise unterstützt hat. Wie vielen Prüfungen sie anfangs auch ausgesetzt sein mochten, ihre Bittgebete wurden schließlich auf wundersame Weise erhört und erfüllt.
Kapitel 2 – Offenbarung
Bedeutung, Formen und Arten der Offenbarung
Wörtliche und terminologische Bedeutung
Die Bedeutung der Offenbarung besteht darin, ein Zeichen zu geben, anzudeuten, einen Gedanken in den Sinn zu legen, heimlich etwas mitzuteilen oder eine Botschaft zu übermitteln. Die terminologische Bedeutung der Offenbarung ist „schnelles Zeichen“ und „verborgenes Zeichen“. Das heißt: ein Zeichen, das mit großer Schnelligkeit gegeben wird und auf solche Weise, dass niemand außer demjenigen, der es gibt, und demjenigen, dem es gegeben wird, davon Kenntnis erlangen kann. Dieses Wort wird terminologisch für eine Rechtleitung verwendet, die von Allah wie ein Blitzstrahl in den Sinn eines Seiner Diener gelegt wird.
Es kann überhaupt keine Rede davon sein, dass Allah selbst bei jemandem anwesend wäre oder dass jemand zu Ihm käme, vor Ihm stünde und von Angesicht zu Angesicht mit Ihm spräche. Er ist der Allwissende und der Allmächtige. Wann immer Er zum Zweck der Rechtleitung der Menschheit oder zur Führung der Menschen eine Beziehung zu einem Seiner Diener herstellen will, kann auf dem Weg Seines Willens kein Hindernis und keine Schwierigkeit auftreten. Kraft Seines Wissens beschreitet Er zu diesem Zweck den Weg der Offenbarung.
Die verschiedenen Arten der Offenbarung
Obwohl das Wort „Offenbarung“ heute nur für die Offenbarung verwendet wird, die den Propheten gesandt wird, findet sich diese terminologische Unterscheidung im Koran nicht. Nach der Darstellung des Korans wird auch dem Himmel Offenbarung zuteil, und gemäß ihr wird seine gesamte Ordnung gelenkt.(Arabisch**********) Auch der Erde wird Offenbarung zuteil; auf ihren Wink hin beginnt sie unverzüglich, ihre Geschichte zu erzählen.(Arabisch******) Auch den Engeln wird Offenbarung zuteil, und dementsprechend handeln sie.(Arabisch***********) Auch die Bienen werden durch Offenbarung (die natürliche Unterweisung) in all ihren Tätigkeiten angeleitet. So heißt es im 68. Vers der Sure an-Nahl. Diese Offenbarung ist jedoch nicht auf die Bienen beschränkt. Das Schwimmen der Fische im Wasser, das Fliegen der Vögel am Himmel und das Trinken der Milch durch ein neugeborenes Kind – all dies wird durch Allahs Offenbarung gelehrt. Ebenso gehört dazu, dass ein Mensch ohne Nachdenken, Forschen und Nachforschungen die richtige Methode, ein zutreffendes Urteil oder den richtigen Weg des Denkens und Handelns erlangt (Arabisch**********) Kein Mensch ist dieser Offenbarung beraubt. In allen Entdeckungen, die auf der Welt gemacht wurden, in all den neuen Dingen und Sachverhalten, die zum Wohl der Menschen entwickelt wurden, und in all den großen und edlen Werken, die bedeutende Denker, Staatsmänner, Eroberer und Schriftsteller vollbracht haben, zeigt sich die Wirksamkeit dieser Offenbarung. Ja, auch gewöhnliche Menschen machen Tag und Nacht vielfältige Erfahrungen in dieser Hinsicht. Oft geschieht es, dass einem Menschen im Sitzen plötzlich ein Gedanke kommt, ihm eine neue Methode oder Idee einfällt oder er im Traum etwas sieht, das sich durch spätere Erfahrung als richtungsweisend erweist und ihm aus dem Verborgenen eingegeben worden war. Unter diesen vielfältigen Arten der Offenbarung wurde den Propheten und Gesandten eine besondere Art zuteil, die sich ganz deutlich von den anderen Arten der Offenbarung unterscheidet. Derjenige, dem diese Offenbarung zuteilwird, ist sich vollkommen bewusst, dass sie von Allah herabgesandt wird. Er besitzt die volle Überzeugung davon, dass diese Offenbarung von Allah stammt. Diese Art der Offenbarung umfasst Glaubensüberzeugungen, Vorschriften, Gesetze sowie moralische und geistige Weisungen. Ihr Zweck besteht darin, durch den Propheten die Menschheit zu führen.
Ein falsches Verständnis
In der Sure asch-Schuʿarāʾ (Arabisch*******)wird in dem Vers, durch dessen Offenbarung alle himmlischen Schriften zu den Propheten gelangten, die Art und Weise ihres Eintreffens beschrieben. Das heißt: Allah sandte den Gesandten durch einen Seiner Engel die Offenbarung. Manche haben die falsche Bedeutung dieses Verses angenommen und ihn so erklärt: „Allah entsendet einen Gesandten, der in Seinem Auftrag Seine Botschaft den gewöhnlichen Menschen übermittelt.“ Doch die Worte des Korans (Arabisch**********) (hierauf übermittelt beziehungsweise bringt er – das heißt der Engel – auf Seinen Befehl, was immer Er will, als Offenbarung herab) beweisen diese Auslegung eindeutig als falsch. Nirgendwo im Koran wird die Verkündigung der Propheten vor den gewöhnlichen Menschen als „Offenbarung“ bezeichnet, und auch in der arabischen Sprache gibt es keinerlei Grundlage dafür, die öffentliche Rede eines Menschen mit dem Wort „Offenbarung“ zu bezeichnen. Die wörtliche Bedeutung von Offenbarung ist ein verborgenes und schnelles Zeichen. Nur jemand, der von der arabischen Sprache völlig unwissend ist, kann dieses Wort als Synonym für die Verkündigung der Propheten verwenden.
Noch einige Ausführungen über die verschiedenen Arten der Offenbarung
Eine Art der Offenbarung kann als jibiliyyah oder tabiʿiyyah (natürliche) Offenbarung bezeichnet werden. Durch sie lehrt Allah jedes Geschöpf seine Aufgabe. Diese Offenbarung wird den Tieren und Vögeln in größerem Maß zuteil als den Menschen und wahrscheinlich den Pflanzen und unbelebten Dingen in noch größerem Maß. Die zweite Art der Offenbarung kann als juzʾiyyah (teilweise) Offenbarung bezeichnet werden. Durch sie lehrt Allah einem Seiner Diener eine bestimmte Fähigkeit aus den Angelegenheiten des Lebens. Diese Offenbarung wird den gewöhnlichen Menschen täglich zuteil. Alle großen Entdeckungen der Welt sind durch diese Offenbarung zustande gekommen. Sie unterstützt bedeutende theoretische Erfindungen. Hinter wichtigen historischen Ereignissen zeigt sich ihre Wirksamkeit. Man sieht, dass sich im Verlauf bedeutender Ereignisse plötzlich und ohne Überlegung ein bestimmtes Ereignis ereignet hat, das den Lauf der Geschichte entscheidend beeinflusst. Eine solche Offenbarung wurde der Mutter Moses’ zuteil. Neben diesen beiden Arten gibt es noch eine weitere, durch die Allah Seinen Diener über die tiefen Wahrheiten der unsichtbaren Welt unterrichtet und ihm hinsichtlich der Lebensordnung Rechtleitung gewährt. Der Zweck besteht darin, dass er dieses Wissen und diese Rechtleitung den gewöhnlichen Menschen übermittelt und sie aus der Finsternis zum Licht führt. Diese Offenbarung wird ausschließlich den Propheten zuteil. Aus dem Koran geht eindeutig hervor, dass niemand außer den Propheten und Gesandten Wissen dieser Art erhält, ganz gleich, ob man es Irqā, Ilhām, Kaschf oder im terminologischen Sinn Offenbarung nennt. Den Propheten wird dieses Wissen in einer Weise verliehen, die sie zu der vollkommenen Überzeugung befähigt, dass es von Allah stammt, vollständig vor dem Eindringen der Satane geschützt und auch völlig frei vom Einfluss ihrer eigenen Gedanken, Vorstellungen und Neigungen ist. Darüber hinaus gilt dieses Wissen seitens der Scharia als ein unwiderlegbarer Beweis. Seine Befolgung ist für jeden Menschen verpflichtend, und die Propheten sind damit beauftragt, alle Menschen zum Glauben daran aufzurufen. Der Glaube an diese Offenbarung ist außerdem eine unerlässliche Voraussetzung für die Erlösung im Jenseits, und ihre Missachtung weist endgültig auf den Untergang hin.
Wenn einem Menschen, der kein Prophet ist, ein Teil dieser dritten Art der Offenbarung zuteilwird, bleibt sie auf der Stufe eines so unklaren Hinweises, dass es unerlässlich ist, zum vollständigen Verständnis das Licht der prophetischen Offenbarung heranzuziehen (das heißt, sie dem Koran und der Sunna vorzulegen, ihre Richtigkeit oder Irrigkeit zu überprüfen und, falls sie sich als richtig erweist, ihren Sinn zu bestimmen). Wer seine eigene Eingebung für ein eigenständiges Mittel der Rechtleitung hält, danach zu handeln beginnt, ohne sie am Maßstab der prophetischen Offenbarung zu prüfen, und andere dazu aufruft, ihm zu folgen, dessen solches Handeln kann aus Sicht der Scharia keinerlei rechtliche Gültigkeit zuerkannt werden. Diese Wahrheit ist an verschiedenen Stellen des Korans klar dargelegt worden. Besonders im letzten Vers der Sure al-Dschinn ist dieses Thema, frei von jeder Befangenheit und Unklarheit, ausführlich dargelegt worden:
(Arabisch*************************auf PDF-Seite 73)
„Er (Allah) ist der Kenner des Verborgenen. Er teilt niemandem Sein Verborgenes mit, außer dem Gesandten, den Er dazu auserwählt, etwas vom Wissen über das Verborgene zu erhalten. Dann setzt Er vor ihm und hinter ihm Wächter ein, damit Er erkennen kann, dass sie die Botschaften ihres Herrn überbracht haben. Er umfasst sie völlig und zählt jedes einzelne Ding.“ – (Sure al-Dschinn: 27–28)
Wenn man ein wenig darüber nachdenkt, kann man leicht den Grund dafür verstehen, warum den besten rechtschaffenen Menschen und den hochrangigsten Gesellschaftsreformern unter den Muslimen keine Offenbarung und Eingebung auf der Stufe eines Propheten verliehen wurde, ihnen aber eine Art untergeordnete, folgsame Erkenntnis und Eingebung zuteilwurde. Der Grund dafür, dass ihnen das Erstere nicht verliehen wurde, liegt darin, dass eben dies die Grenze bezeichnet, die den Propheten von der gewöhnlichen Umma unterscheidet. Diese Grenze kann unter keinen Umständen aufgehoben werden. Der Grund dafür, dass ihnen das Zweite verliehen wurde, liegt darin, dass diejenigen, die nach dem Propheten darum bemüht sind, sein Werk fortzuführen, hinsichtlich jedes einzelnen Bereichs der Religion einer tiefen Einsicht bedürfen und im Kampf für die Errichtung der Religion auf die richtige Führung durch Allah angewiesen sind. Jedem aufrichtigen Diener der Religion, der über ein tiefes und fehlerfreies Denken verfügt, wird dies gewiss unbewusst verliehen. Wird es jedoch jemandem bewusst verliehen, so ist dies gewiss eine Belohnung Allahs.
Offenbarung im Traum
(Arabisch*************************auf PDF-Seite 74)
„Als der Junge das Alter erreicht hatte, in dem er mit ihm umherlaufen konnte, sagte Ibrahim eines Tages zu ihm: Mein Sohn, ich habe im Traum gesehen, dass ich dich schlachte. Nun sage, was meinst du dazu? Er sagte: Mein lieber Vater, führe aus, was dir befohlen wird.“ – (Sure as-Saffat: 102)
Aus diesen Worten wird klar ersichtlich, dass der Sohn des Propheten den Traum seines Vaters nicht als bloßen Traum betrachtete, sondern als einen Befehl Allahs. Und wenn dies tatsächlich kein Befehl Allahs gewesen wäre, hätte Allah gewiss ausdrücklich oder zumindest durch einen Hinweis zu verstehen gegeben, dass Ibrahims Sohn irrtümlich angenommen hatte, es handle sich dabei um einen Befehl Allahs. Doch weder in der Erörterung vor diesem Vers noch in der danach findet sich ein solcher Hinweis. Daher ist im Islam die Glaubensüberzeugung entstanden, dass die Träume der Propheten keine gewöhnlichen Träume sind, sondern eine Art Offenbarung darstellen. Es versteht sich von selbst, dass Allah, wenn diese Aussage, auf deren Grundlage ein so grundlegendes Prinzip in Allahs Scharia Eingang finden konnte, nicht zutreffend wäre, gewiss dagegen Einspruch erhoben hätte. Dass Allah einen solchen Fehler begehen könne, zu akzeptieren, ist für diejenigen, die den Koran als Allahs Wort anerkennen, unter keinen Umständen vertretbar.
Offenbarung an die Bienen
(Arabisch*************************auf PDF-Seite 74)
„Und siehe, dein Herr hat den Bienen eingegeben: Errichtet euch in den Bergen Häuser.“ – (Sure an-Nahl: 68)
Die wörtliche Bedeutung von Offenbarung ist ein verborgenes und feines Zeichen. Niemand außer demjenigen, der das Zeichen gibt, und demjenigen, an den es gerichtet ist, nimmt es wahr. Im Hinblick auf diese passende Bedeutung wird dieses Wort auch im Sinne von „Ilqa“ (etwas in den Geist werfen) und „Ilham“ (verborgene Belehrung und Anleitung) verwendet. Da die Belehrung, die Allah Seiner Schöpfung erteilt, nicht in einer Lehranstalt vermittelt wird, sondern auf eine so feine Weise, dass äußerlich nicht erkennbar ist, dass der eine lehrt und der andere lernt, wird sie im Koran durch die Begriffe Offenbarung, Ilham und Ilqa ausgedrückt. Gegenwärtig haben diese drei Wörter drei unterschiedliche terminologische Bedeutungen angenommen. Das Wort Offenbarung wird ausschließlich für Propheten verwendet, Ilham für die Awliya und besondere fromme Gottesdiener, während Ilqa vergleichsweise für die Allgemeinheit gebraucht wird.
Offenbarung an die Mutter Moses’
(Arabisch*************************auf PDF-Seite 75)
„Gedenke der Zeit, als Ich deiner Mutter eine Eingebung gab, wie sie durch Offenbarung gegeben wird.“ – (Sure Ta-Ha: 38)
(Arabisch*************************auf PDF-Seite 75)
„Ich gab der Mutter Moses’ ein Zeichen: Stille ihn! Und wenn du um sein Leben fürchtest, dann wirf ihn in den Fluss.“ – (Sure al-Qasas: 7)
Das heißt, die Mutter des ehrwürdigen Moses tat dies auf Allahs Geheiß, und Er hatte ihr bereits im Voraus die Gewissheit gegeben, dass durch diesen Weg nicht nur das Leben ihres Kindes gerettet werde, sondern dass Er ihr das Kind in ihren Schoß zurückbringen werde und ihr Sohn später Sein Gesandter sein werde.
Die Offenbarung der Satane an ihre Gefährten
(Arabisch*************************auf PDF-Seite 75)
„Die Satane geben ihren Gefährten Zweifel und Verdächtigungen ins Herz ein, damit sie mit euch streiten.“ – (Sure al-Anʿam: 121)
Die Offenbarung an den Gesandten Allahs ist kein beispielloses Ereignis
(Arabisch*************************auf PDF-Seite 75)
„O Muhammad! Ich habe dir genau so Offenbarung gesandt, wie Ich sie Noah und den Propheten nach ihm gesandt hatte. Und Ich hatte auch Abraham, Ismael, Isaak, Jakob und den Nachkommen Jakobs Offenbarung herabgesandt.“
-(Sure an-Nisāʾ: 163)
Der Zweck dieser Aussage besteht darin, allen bekannt zu geben, dass Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nichts Neues gebracht hat, was zuvor niemand gebracht hätte. Er hat nicht behauptet, als Erster der Welt etwas völlig Neues vorzulegen; vielmehr empfing auch er die Rechtleitung aus derselben Quelle der Erkenntnis, aus der alle früheren Propheten Rechtleitung empfangen hatten. Und auch er wiederholte lediglich dieselben Botschaften der Wahrheit und Gerechtigkeit, die all jene Propheten, die in verschiedenen Gegenden der Welt erschienen waren, stets verkündet hatten.
Die Herabsendung der Offenbarung des Korans auf den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm)
(Arabisch*************************auf PDF-Seite 76)
„Und dieser Koran wurde mir durch die Offenbarung gesandt, damit ich euch und alle, zu denen er gelangt, warne.“
(Arabisch*************************auf PDF-Seite 76)
„Wenn ihnen Unsere deutlichen Worte vorgetragen werden, sagen diejenigen, die nicht auf die Begegnung mit Uns hoffen: ,Bringe einen anderen Koran anstelle dieses oder ändere ihn ab.‘ O Muhammad! Sag ihnen: Es steht mir nicht zu, ihn aus eigenem Antrieb in irgendeiner Weise zu ändern; ich folge nur der Offenbarung, die mir zuteilwird.“ –(Sure Yunus: 15)
Hier wird allen mitgeteilt, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, erklärt: „Ich bin nicht der Verfasser dieses Buches. Vielmehr ist es mir durch die Offenbarung übermittelt worden, und ich habe keinerlei Recht, irgendetwas darin zu verändern oder zu ergänzen.“ Darüber hinaus wird klargestellt, dass in dieser Angelegenheit keinerlei Möglichkeit zu einem Kompromiss besteht. Wer es annimmt, muss die gesamte Religion genau so annehmen, wie sie ist; andernfalls muss er sie ablehnen.
(Arabisch*************************auf PDF-Seite 76)
„Daher, o Prophet, darf es nicht geschehen, dass du auch nur eines von den Dingen aufgibst, die dir als Offenbarung herabgesandt werden, und dein Herz dadurch bedrückt wird.“ – (Sure Hud: 12)
Das heißt: In unseren Augen ist derjenige wertvoll, der rechtschaffen ist und mit Geduld, Standhaftigkeit und Beharrlichkeit den Weg der Gerechtigkeit, Aufrichtigkeit und guten Taten beschreitet. Daher darf die Art von Engstirnigkeit, Feindseligkeit, Missachtung, Spott und Hohn sowie die von Unwissenheit geprägten Einwände und Fragen, mit denen du konfrontiert wirst, keinen Unterschied in deiner Standhaftigkeit und Beharrlichkeit bewirken. Du darfst bei der Verkündung und Bekanntmachung dessen, was dir durch die Offenbarung als Wahrheit klargemacht wurde, und beim Aufruf zu ihr keinerlei Zögern zeigen und weder ängstlich noch bedrückt sein. In deinem Herzen soll niemals ein solcher Gedanke aufkommen: Wenn die Leute sogleich, nachdem sie diese oder jene Aussage hören, Spottpfeile abschießen, wie soll ich sie dann überhaupt vor ihnen vortragen? Und wenn sie überhaupt nicht bereit sind, diese oder jene Wahrheit zu hören, wie soll ich sie ihnen dann offen darlegen? Ob jemand glaubt oder nicht: Verkünde furchtlos und ohne irgendeine Änderung, was du als Wahrheit erkannt hast. Was danach geschieht oder sich ereignet, liegt vollständig in Allahs Hand.
(Arabisch*************************auf PDF-Seite 77)
„O Muhammad! Dies sind Nachrichten aus dem Verborgenen. Durch die Offenbarung sende Ich sie dir herab. Zuvor wusstest weder du etwas davon noch dein Volk.“ – (Sure Hud: 49)
(Arabisch*************************auf PDF-Seite 77)
„Alif-Lam-Ra. Dies sind die Verse des Buches, das seine Aussage klar darlegt. Wir haben es als einen arabischen Koran herabgesandt, damit ihr (die Araber) ihn gut verstehen könnt. O Muhammad! Indem Wir dir diesen Koran als Offenbarung herabsandten, haben Wir dir auf vortrefflichste Weise Sachverhalte und Informationen dargelegt.“ – (Sure Yusuf: 1–2)
(Arabisch*************************auf PDF-Seite 77)
„O Muhammad! Diese Geschichte gehört zu den Nachrichten des Verborgenen, die Wir dir als Offenbarung eingeben. Du warst nicht anwesend, als die Brüder Josephs sich zusammenschlossen und eine Verschwörung schmiedeten.“ – (Sure Yusuf: 102).
(Arabisch*************************PDF, Seite 77)
„O Muhammad! Ebenso haben Wir dich als Gesandten zu einem Volk entsandt, vor dem bereits viele Völker vergangen sind, damit du ihnen die Botschaft vorträgst, die Wir dir durch die Offenbarung herabsenden, während sie ihren Allerbarmer verleugnen.“ – (Sure ar-Raʿd: 30).
Verschiedene Arten, wie dem Gesandten Allahs (s.a.s.) die Offenbarung zuteilwurde
Im Heiligen Koran heißt es:
(Arabisch*************************PDF, Seite 77)
„Es steht keinem Menschen zu, dass Allah zu ihm spricht, außer durch Offenbarung (ein Zeichen) oder hinter einem Vorhang, oder indem Er einen Boten (Engel) entsendet, der ihm mit Seiner Erlaubnis offenbart, was Er will. Wahrlich, Er ist der Erhabene, der Allweise.“ – (Sure asch-Schura: 51)
Aus dem Koran und den Hadithen ist erwiesen, dass dem Gesandten Allahs (s.a.s.) durch alle drei Methoden Führung zuteilwurde.
Erstens: Aus der in den Hadith-Berichten überlieferten Aussage von Hadhrat Aischa ist bekannt, dass die Offenbarung an den Gesandten Allahs (S) mit wahren Träumen begann (Buchari und Muslim). Auch in der folgenden Phase blieb diese Kontinuität erhalten; in den Hadithen finden sich zahlreiche Träume des Gesandten Allahs (S). Durch sie wurde er unterwiesen oder ihm wurde etwas mitgeteilt. Auch im Heiligen Quran findet sich eine ausführliche Schilderung eines seiner Träume – in Sure al-Fath, Vers 27. Darüber hinaus wird in verschiedenen Hadithen berichtet, dass der Gesandte Allahs (S) sagte: „Diese und jene Aussage wurde in mein Herz eingegeben, mir wurde etwas mitgeteilt, mir wurde dieser Befehl erteilt oder mir wurde etwas untersagt.“ All dies gehört zur ersten Art der Offenbarung. Die meisten Hadithe Qudsi gehören zu dieser Kategorie.
Zweitens: Während der Miʿradsch wurde dem Gesandten Allahs (S) die zweite Art der Offenbarung zuteil. Aus der Darstellung in verschiedenen zuverlässigen Hadithen über die Anordnung der fünf täglichen Gebete für den Gesandten Allahs (S) und seine wiederholten Bitten und Anrufungen in dieser Angelegenheit wird eindeutig ersichtlich, dass damals zwischen Allah und Seinem Diener Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, ein Gespräch stattfand, ganz so wie zwischen Hadhrat Musa (A) und Allah am Berg Tur.
Drittens: Über die dritte Art der Offenbarung bezeugt der Quran selbst, dass sie durch Dschibril, Friede sei mit ihm, an den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, übermittelt wurde. Dies wird in Sure al-Baqara, Vers 97, sowie in Sure asch-Schuʿara, den Versen 192 bis 195, dargelegt.
Noch einige weitere Ausführungen zu diesem Thema
Die Offenbarung kam auf verschiedene Weise über den Gesandten Allahs (S). Allama Ibn Qayyim legt in seinem Werk „Zad al-Maʿad“ ihre Einzelheiten folgendermaßen dar:
Erstens: Wahre Träume: Dies war die Anfangsphase der Herabsendung der Offenbarung an den Gesandten Allahs (S). Die Träume, die er sah, waren so klar wie das Tageslicht.
Zweitens: Ein Engel prägte ihm eine Aussage ins Herz ein, obwohl er ihn nicht sehen konnte. Als Beispiel kann ein Hadith angeführt werden, in dem der Gesandte Allahs (S) sagte: „Ruh al-Qudus (Dschibril) hat mir eingegeben (oder eingehaucht), dass kein Lebewesen sterben wird, bevor es nicht seine vollständige Versorgung erhalten hat. So fürchte Allah und handle entsprechend, und wähle eine gute Methode, um deinen Lebensunterhalt zu erwerben. Lass dich nicht durch die Verzögerung beim Erhalt deiner Versorgung dazu verleiten, sie durch Ungehorsam gegenüber Allah zu erlangen. Denn was sich bei Allah befindet – das heißt, Seine Belohnung – kann nur durch Gehorsam Ihm gegenüber erlangt werden.“
Drittens: Der Engel nahm die Gestalt eines Menschen an, kam zu ihm und sprach mit ihm. Er sprach so lange, bis der Gesandte Allahs (S) seine Worte vollständig in seinem Herzen eingeprägt hatte. In einem solchen Zustand haben die Gefährten den Engel manchmal gesehen.
Vierens: Vor dem Herabsenden der Offenbarung ertönte in seinem Ohr ständig ein Glockenklang, während zugleich der Engel zu ihm sprach. Dies war die schwierigste Art, wie die Offenbarung herabgesandt wurde. Während die Offenbarung auf diese Weise herabgesandt wurde, rann dem Gesandten Allahs (s) selbst an einem äußerst kalten Tag der Schweiß in Strömen vom Körper. Wenn er dabei auf einem Kamel saß, sank dieses unter der Last zu Boden. Einmal lag er mit dem Kopf auf dem Oberschenkel von Zayd ibn Thabit (r.a.), als die Offenbarung herabzusenden begann. Der Oberschenkel von Zayd (r.a.) wurde so stark belastet, dass er beinahe gebrochen wäre.
Fünftens: Er sah den Engel in der ursprünglichen Gestalt, in der Allah ihn erschaffen hatte. Danach ließ Allah alles, was Er befahl, in Form einer Offenbarung auf ihn herabkommen.
Sechstens: Allah sandte ihm die Offenbarung unmittelbar herab. Dies geschah, als er während der Miʿrāǧ zum Himmel emporstieg. Dort machte Allah das Gebet zur Pflicht und sprach auch über andere Dinge.
Siebtens: Allah sprach mit ihm ohne die Vermittlung von Engeln, so wie Er mit Moses (a.s.) gesprochen hatte. Diese besondere Stellung von Moses (a.s.) wird durch den Koran bestätigt. Was den Gesandten Allahs (s) betrifft, so findet sich deren Erwähnung in den Hadithen über die Miʿrāǧ.
Darüber hinaus haben einige noch eine weitere Art genannt. Sie besteht darin, dass „Allah mit ihm ohne jeden Schleier sprach. Dies ist die Auffassung derjenigen, die glauben, dass der Gesandte Allahs (s) Allah gesehen hat. In dieser Frage besteht jedoch unter den früheren und späteren Gelehrten Meinungsverschiedenheit.“ – (Zād al-Maʿād, Band 1, S. 24–25).
Der Gelehrte Dschalāl ad-Dīn as-Suyūṭī hat im ersten Band seines Werkes al-Itqān ein ganzes Kapitel diesem Thema gewidmet. Im Folgenden wird eine kurze Zusammenfassung seiner Ausführungen wiedergegeben:
„Als er im Alter von vierzig Jahren zum Propheten berufen wurde, war Isrāfīl während der ersten drei Jahre mit seiner Unterweisung und Ausbildung beauftragt. Durch ihn wurde kein Teil des Korans herabgesandt. Danach wurde Dschibrīl mit dem Überbringen der Offenbarung beauftragt. Er brachte den Koran zwanzig Jahre lang. Die Offenbarung kam auf folgende Weise:
Erstens: Im Ohr ertönte ein Glockenklang, danach war die Stimme des Engels zu hören. Der Vorteil dieser Art bestand darin, dass der Gesandte Allahs (s) beim Erklingen der Glocke seinen Blick und seine Aufmerksamkeit sofort von allen Seiten abwenden und sich ausschließlich auf die Stimme des Engels konzentrieren konnte. Der Gesandte Allahs (s) sagte, dass diese Art für ihn die schwierigste war.
Zweitens: Eine Sache wurde ihm, wie er selbst sagte, in Herz und Gemüt fest eingeprägt.
Drittens: Der Engel kam in menschlicher Gestalt und sprach mit ihm. Der edle Prophet (s.a.s.) sagte: „Diese Art der Offenbarung war für mich die leichteste und müheloseste.“
Viertens: Der Engel kam im Traum zu ihm und sprach mit ihm.
Fünftens: Allah sprach unmittelbar mit ihm, ob er schlief oder wach war.
Die Herausforderung des Korans hinsichtlich seiner Offenbarung durch Allah
In den vierzig Jahren seines Lebens vor dem Empfang der Prophetenschaft hatte der Gesandte Allahs (s.a.s.) keine Ausbildung, Übung oder Gesellschaft erfahren, durch die er einen gewaltigen Wissensschatz hätte erwerben können, dessen Strom unmittelbar mit seinem Anspruch auf die Prophetenschaft plötzlich aus seinem Mund zu fließen begann. Bei den Themen, die nun in den aufeinanderfolgenden Suren des Korans behandelt wurden, hatten die Menschen ihn zuvor niemals Interesse zeigen, darüber sprechen oder Gedanken dieser Art äußern sehen. Nicht einmal ein vertrauter Freund oder naher Verwandter aus diesen vierzig Lebensjahren hatte in seinem Verhalten und seinen Worten etwas wahrgenommen, das als Vorbereitung oder Vorzeichen jener großartigen Botschaft hätte gelten können. Daraus geht eindeutig hervor, dass der Koran nicht aus seinem eigenen Verstand hervorgegangen war, sondern ihm von außerhalb übermittelt worden ist.
(Arabisch*************************auf Seite 80 der PDF)
„O Muhammad! Du warst damals nicht an der westlichen Seite anwesend, als Ich Musa diesen Befehl der Scharia gab, und du hast dies auch nicht mit eigenen Augen gesehen. Vielmehr ließ Ich danach bis zu deiner Zeit viele Generationen entstehen, und viele Zeitalter vergingen über ihnen. Du warst auch nicht unter den Bewohnern von Madyan, um ihnen davon zu berichten, und du warst auch nicht an der Seite des Berges Tur, als Ich Musa zum ersten Mal rief. Doch dies ist die Barmherzigkeit deines Herrn, dass dir diese Kenntnis übermittelt wird, damit du diejenigen warnen kannst, zu denen vor dir kein Warner gekommen war. Vielleicht werden sie dadurch zur Besinnung kommen.“
– (Sure al-Qasas: 44–46)
Als Beweis für die Prophetenschaft Muhammads, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, wurden diese drei Aussagen vorgebracht. Zu jener Zeit, als diese Worte gesagt wurden, setzten die Anführer Mekkas und die allgemeine Gemeinschaft der Ungläubigen alles daran, ihn auf irgendeine Weise als Nichtpropheten und – Allah bewahre! – als falschen Anspruchsteller auf die Prophetenschaft darzustellen. Zu ihrer Unterstützung standen ihnen an verschiedenen Orten des Hedschas jüdische Gelehrte und christliche Priester zur Seite. Das Wichtigste aber ist, dass Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nicht aus dem Weltraum gekommen war, um ihnen diesen Qur’an vorzutragen. Vielmehr war er selbst ein Bewohner Mekkas. Kein einziger Aspekt seines Lebens war den Menschen seiner eigenen Stadt und seines Stammes verborgen. Deshalb wagte es kein einziger Mensch in Mekka, im Hedschas oder auf der gesamten Arabischen Halbinsel, einen solchen Unsinn zu äußern wie die heutigen Orientalisten. Zwar standen sie diesen in Bezug auf Lügen und das Vorbringen frei erfundener Behauptungen in nichts nach, doch wie hätten sie am helllichten Tag eine derart offenkundige Lüge aussprechen können, an die auch nur für einen Augenblick jemand zu glauben bereit gewesen wäre? Wie hätten sie sagen können: „O Muhammad, du hast diese Informationen von irgendeinem jüdischen Gelehrten oder christlichen Priester gesammelt und mitgebracht“? Denn zu diesem Zweck konnten sie im ganzen Land nicht einmal den Namen eines einzigen Menschen nennen. Sobald sie in diesem Zusammenhang den Namen irgendeiner Person genannt hätten, wäre damit sofort bewiesen gewesen, dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) von dieser Person Informationen erhalten hatte. Sie hätten sagen müssen: „Du besitzt eine gewaltige Bibliothek mit Büchern über Wissen, Naturwissenschaften und Literatur. Mithilfe der darin aufbewahrten Bücher hältst du diese Reden.“ Von einer Bibliothek ganz zu schweigen: Sie konnten in der ganzen Umgebung Muhammads, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, nicht einmal ein Stück Papier finden, auf dem diese Informationen niedergeschrieben waren. Alle Jungen und Alten in Mekka wussten, dass Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, weder lesen noch schreiben konnte. Niemand konnte auch behaupten, er habe einige Übersetzer beschäftigt, die ihm in Hebräisch, Latein und Syrisch verfasste Bücher übersetzten. Selbst der schamloseste unter ihnen wagte es nicht, dies zu behaupten.
Selbst der schamloseste unter ihnen hätte nicht zu behaupten gewagt, dass er mit einem christlichen Priester oder jüdischen Gelehrten aus Syrien oder Palästina ein Gespräch geführt habe. Denn dann hätte die römische Regierung aus einer Mücke einen Elefanten gemacht, unverzüglich eine Verleumdungskampagne gestartet und nicht das geringste Bedenken gehabt zu verbreiten, dass Muhammad – Allah bewahre! – alles von dort gelernt und sich anschließend in Mekka als Prophet ausgegeben habe. Somit zeigt sich: In jener Zeit, als die Herausforderung des Qur’an für die polytheistischen Quraisch eine Todesbotschaft bedeutete und ihr Bedürfnis, sie zu widerlegen, weitaus größer war als das der heutigen Orientalisten, konnte niemand von irgendwoher eine mündliche Überlieferung zusammentragen, aus der sich hätte beweisen lassen, dass Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, außer der Offenbarung über eine weitere Quelle für diese Informationen verfügte – und sie waren auch nicht in der Lage, eine solche Quelle zu identifizieren.
Man sollte auch wissen, dass der Qur’an diese Herausforderung nicht nur an dieser einen Stelle vorgebracht hat. Vielmehr wird an verschiedenen Stellen nach der Darstellung verschiedener Geschichten gesagt:
(Arabisch*************************auf Seite 82 der PDF)
„Dies gehört zu den Nachrichten über das Verborgene, die Wir dir durch die Offenbarung mitteilen. Du warst nicht bei ihnen, als sie ihre Lose zogen, wer von ihnen Maryam großziehen sollte. Und du warst auch nicht bei ihnen, als sie miteinander stritten.“ – (Sure Al-i ʿImran: 44).
Nach der Schilderung der Geschichte von Yusuf (Friede sei mit ihm) wird gesagt:
(Arabisch*************************auf Seite 82 der PDF)
„Dies ist eine Kunde vom Verborgenen, die Ich dir durch die Offenbarung mitteile. Du warst nicht bei ihnen – das heißt, bei den Brüdern Josephs –, als sie sich auf ihren Entschluss einigten und ihre List schmiedeten.“
In ähnlicher Weise heißt es nach der ausführlichen Schilderung der Geschichte des Propheten Noah:
(Arabisch*************************auf Seite 82 der PDF)
„Dies ist eine Kunde vom Verborgenen, die Ich dir durch die Offenbarung mitteile. Zuvor wusstest weder du noch dein Volk etwas davon.“ – (Sure Hud: 49).
Durch die wiederholte Erwähnung dieser Tatsache ist deutlich geworden, dass einer der großen Beweise, die der Heilige Quran dafür vorbrachte, dass er Allahs Buch und Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, Allahs Gesandter ist, darin bestand, dass die ausführlichen Berichte über Ereignisse aus einer Zeit vor Hunderten und Tausenden von Jahren aus dem Mund eines Analphabeten vernommen wurden und er außer der Offenbarung keine andere Quelle für dieses Wissen hatte. Dies war einer der wichtigen Gründe, aus denen die Zeitgenossen des ehrwürdigen Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, zu glauben begannen, dass er Allahs wahrer Prophet sei und ihm Offenbarung herabgesandt werde. Jeder kann leicht ermessen, von welch großer Bedeutung die Beantwortung dieser Herausforderung für die Gegner der islamischen Bewegung jener Zeit war und dass sie keinerlei Mühe scheuten, Beweise gegen sie zu sammeln. Ebenso leicht lässt sich ermessen, dass es für die Zeitgenossen keineswegs schwierig gewesen wäre, Beweise gegen diese Herausforderung zu sammeln und sie zu widerlegen, wenn sie auch nur irgendeine geringfügige Schwäche aufgewiesen hätte.
Der Vergleich der Offenbarung mit Regen
An zwei Stellen im Quran findet sich ein Hinweis auf den Vergleich der dem ehrwürdigen Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, herabgesandten Quelle des Barmherzigkeitsregens:
(Arabisch*************************auf Seite 83 der PDF)
„Allah hat Wasser vom Himmel herabgesandt, und jeder Fluss und Bach nahm davon entsprechend seiner Aufnahmekapazität auf und floss dahin.“ – (Sure ar-Raʿd: 17)
In diesem Gleichnis wird die auf den Gesandten Allahs herabgesandte Offenbarung mit Regen verglichen, und die gläubigen, ausgeglichenen und aufnahmefähigen Menschen werden mit Flüssen und Bächen verglichen, die bis zum Rand mit dem Regen der Barmherzigkeit gefüllt sind und dahin fließen. Andererseits wird der Lärm und Aufruhr, den die gegnerischen Parteien gegen die islamische Bewegung verursacht hatten, mit solchen Schaumansammlungen und Treibgut verglichen, die bei jeder Überschwemmung an der Oberfläche des Wassers aufsteigen und unter gewaltigem Getöse einen wilden Tanz beginnen.
(Arabisch*************************auf PDF-Seite 83)
„Siehst du nicht, dass Allah Wasser vom Himmel herabsendet und dadurch die Erde grün und üppig wird?“ – (Sure al-Haddsch: 63)
Auch hier ist ein Hinweis auf die äußere Bedeutung verborgen. Die äußere Bedeutung besteht darin, schlicht Allahs Allmacht zu schildern. Der feine Hinweis, der darin verborgen liegt, ist jedoch folgender: So wie ihr seht, dass unmittelbar nachdem ein Tropfen des Regens, den Allah herabgehen lässt, auf die Erde fällt, plötzlich ringsum auf einem trockenen, unbebauten Land üppiges Grün hervortritt, so wird auch der Regen der Barmherzigkeit Allahs, der heute in Gestalt der Offenbarung herabströmt, schon bald vor euren Augen ein ebensolches Bild hervorbringen. Das heißt: Dieses trockene und unfruchtbare Wüstengebiet Arabiens wird sich schon bald in einen solchen Blumengarten des Wissens, der Moral, des Charakters und einer guten Kultur verwandeln, wie es zuvor in der Menschheitsgeschichte kein Beispiel dafür gegeben hat.
Die auf den Gesandten herabgesandte Offenbarung ist Allahs Barmherzigkeit
(Arabisch*************************auf PDF-Seite 83)
„O mein Volk! Bedenkt: Ich gründete mich auf einen klaren Beweis von meinem Herrn, und danach ließ Er aus Seiner eigenen Gunst besondere Barmherzigkeit auf mich herabregnen.“ – (Sure Hud: 28)
Genau dies wurde im vorherigen Rukūʿ durch den Mund Muhammads, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, aussprechen lassen. Das heißt: Zuerst hatte ich durch die Betrachtung der Zeichen Allahs in Himmel und Erde das tiefgründige Wesen der Einzigkeit Allahs erkannt. Danach ließ Allah Seine Barmherzigkeit – das heißt, die Offenbarung – auf mich herabkommen und vermittelte mir unmittelbar die Erkenntnis jener Wahrheiten, für die mein Herz und meine Seele bereits zuvor Zeugnis abgelegt hatten. Daraus wurde auch ersichtlich, dass jeder Prophet vor dem Empfang der Prophetenschaft durch eigenes Nachdenken, Forschen und Prüfen den Glauben an das Verborgene erlangte. Danach verlieh Allah ihnen, als Er sie mit der Würde der Prophetenschaft auszeichnete, den unmittelbaren beziehungsweise anschaulichen Glauben.
(Arabisch*************************auf PDF-Seite 84)
„Salih sagte: O meine Leute! Was meint ihr: Wenn ich einen eindeutigen Beweis von meinem Herrn besäße und Er mir auch Seine Barmherzigkeit erwiesen hätte …“ – (Sure Hūd: 63).
Die Verwendung des Wortes Rūḥ für die Offenbarung des Gesandten
(Arabisch*************************auf PDF-Seite 84)
„Er lässt diese Form oder Lebensessenz durch die Engel nach Seinem Befehl auf den Seiner Diener herabkommen, den Er will, mit der Weisung: Verkündet den Menschen: Es gibt keinen anderen Gott außer Mir; so fürchtet Mich!“ – (Sure an-Naḥl: 2).
Die oben erläuterte Bedeutung von Rūḥ ist die Lebensessenz der Prophetenschaft, von der der Prophet erfüllt ist und durch die er handelt und spricht. Diese Lebensessenz der Offenbarung und der Prophetenschaft besitzt im sittlichen Leben eine ebenso große Bedeutung und Würde wie das Leben im irdischen Dasein. Deshalb wird an verschiedenen Stellen des Koran das Wort Rūḥ (Lebensessenz) verwendet, um diese Bedeutung auszudrücken.
(Arabisch*************************auf PDF-Seite 84)
„Sie fragen dich nach dem Geist. Sag ihnen: Der Geist kommt auf Befehl meines Herrn. Doch euch ist nur ein ganz geringer Teil des Wissens gegeben.“
(Sure Banī Isrāʾīl: 85)
Im Allgemeinen wird angenommen, dass der Geist hier das Leben bedeutet. Das heißt, die Leute hatten den Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) nach dem Wesen des Lebens gefragt. Darauf sei ihnen geantwortet worden, dass es auf Allahs Befehl kommt. Doch ich bin keineswegs bereit, diese Bedeutung anzunehmen. Denn sie ist nur möglich, wenn man diesen Vers aus dem Zusammenhang der vorangehenden und nachfolgenden Erörterung herauslöst und als einen eigenständigen, isolierten Satz auffasst. Betrachtet man ihn hingegen im Zusammenhang, der hier gerade behandelt wurde, so ergeben sich erhebliche Schwierigkeiten, den Geist im Sinne eines Synonyms für das Leben zu verstehen. Im Satz würde eine gravierende Zusammenhanglosigkeit entstehen. In den drei vorhergehenden Versen wurde der Koran als Heilmittel gegen Krankheiten beschrieben und wurden die Leugner des Korans als Frevler, Undankbare und Leugner der Gaben Allahs dargestellt; und in den darauffolgenden Versen werden Beweise und Argumente dafür vorgebracht, dass der Koran das Wort Allahs ist. Wie könnte da plötzlich mitten darin ein Satz erscheinen, wonach das Leben in die Geschöpfe auf Allahs Befehl eintritt? Ich vermag dafür keinen vernünftigen Grund zu erkennen.
Wenn man die vorangehende und nachfolgende Erörterung des Satzes berücksichtigt, wird klar erkennbar, dass der Geist hier nichts anderes als die „Offenbarung“ oder den „Engel, der die Offenbarung überbringt“, bedeuten kann. Tatsächlich lautete die Frage der Götzendiener: Woher bringt ihr diesen Koran? Allah antwortete darauf: O Muhammad! Die Leute fragen dich nach dem Geist, das heißt nach der Quelle des Korans oder dem Mittel, durch das du den Koran erhältst. Teile ihnen mit: Dieser Geist kommt auf den Befehl meines Herrn. Doch ihr besitzt nur ein so geringes Maß an Wissen, dass ihr den Unterschied zwischen den Worten eines Menschen und den durch Allahs Offenbarung herabgesandten Worten nicht erkennen könnt und über Allahs Wort Zweifel hegt, indem ihr vermutet, irgendein Mensch stelle dieses Wort her.
Diese Auslegung ist nicht nur deshalb vorzuziehen, weil nur sie der Beziehung des Verses zum vorausgehenden und nachfolgenden Text entspricht, sondern auch, weil dieser Inhalt an anderen Stellen des Edlen Korans mit nahezu denselben Worten geschildert wird. In der Sure al-Muʾmin heißt es:
(Arabisch******************************auf PDF-Seite 85)
„Er lässt nach Seinem Befehl den Geist auf denjenigen Seiner Diener herab, den Er will, damit er die Menschen über den Tag des Zusammenkommens unterrichte.“ – (Vers 15)
Und in der Sure asch-Schūrā heißt es:
(Arabisch******************************auf Seite 85 der PDF)
„Und so haben Wir dir nach Unserem Befehl eine Eingebung eingegeben; du wusstest nicht, was das Buch und was der Glaube ist.“ – (Sure asch-Schūrā: 52)
Unter den früheren Gelehrten haben Ibn ʿAbbās (r.a.), Qatāda (r.a.) und Hasan al-Basrī (r.a.) diese Tafsīr-Auslegung überliefert. Ibn Dscharīr führt diese Aussage über Qatāda auf Ibn ʿAbbās zurück. Er hat jedoch eine merkwürdige Bemerkung niedergeschrieben, nämlich dass Ibn ʿAbbās diese Aussage heimlich zu überliefern pflegte. Auch Hasan, der Verfasser des Tafsīr-Werks Rūḥ al-Maʿānī, zitiert diese Aussage Qatādas: „Mit Rūḥ ist Dschibrīl gemeint. Die Frage lautete, wie er herabkommt und wie die Offenbarung im Herzen des Propheten, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, herabgesandt wird.“
(Arabisch******************************auf Seite 85 der PDF)
„Und ebenso, o Muhammad, haben Wir nach Unserem Befehl eine Eingebung zu euch gesandt.“ – (Sure asch-Schūrā: 52)
Mit Rūḥ ist hier die Offenbarung gemeint oder eine solche Unterweisung, die dem Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, durch die Offenbarung zuteilwurde.
Beweise für die als Offenbarung herabgesandte Botschaft
Die Botschaft, die Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, herabgesandt wurde, ist ihrem Wesen nach Allahs eigene Botschaft. Zum Beweis dieser Wahrheit werden im Qurʾān vier Aussagen als Zeugnisse angeführt.
Erstens: Dieses Buch ist von umfassendem Wohl und Segen erfüllt. Das heißt, es enthält die besten Grundsätze zur Förderung des Wohls und des Gedeihens der Menschen. Es vermittelt die Lehre eines unfehlbaren Glaubens. Die Anregung zu guten Taten und die Aufforderung, edle Charaktereigenschaften anzunehmen, gehören zu seinen wesentlichen Bestandteilen. Die Vorschriften für ein reines und keusches Leben sind ein besonderes Merkmal dieses Buches. Andererseits ist dieses Buch völlig frei von Unwissenheit, Eigennutz, Engstirnigkeit, Unterdrückung, Unrecht, Obszönität und anderen schlechten Taten – jenen Dingen, die ihr in den heiligen himmlischen Büchern angehäuft habt.
Zweitens: Dieses Buch bringt keine von den Rechtleitungen abweichende Rechtleitung, die zuvor von Allah gekommen waren. Vielmehr bestätigt es die Wahrheit dessen, was in den früheren Büchern dargelegt worden war, und bekräftigt es.
Drittens: Dieses Buch wurde zu demselben Zweck offenbart, zu dem in jeder Epoche die himmlischen Bücher von Allah herabgesandt worden waren. Dieser Zweck bestand darin, die achtlosen Menschen wachzurütteln und sie über die Folgen davon aufzuklären, dass sie auf einem falschen und krummen Weg voranschreiten.
Viertens: Dieses Buch hat durch seine Botschaft weder Weltmenschen und Sklaven ihrer Begierden versammelt noch vereint. Vielmehr hat es Menschen versammelt und zusammengeschlossen, deren Blick weit über die engen Grenzen des diesseitigen Lebens hinausging. Unter dem Einfluss dieses Buches vollzog sich in ihnen zudem eine solche Revolution, deren größtes Zeichen darin besteht, dass sie sich unter der Menschheit durch ihre Hingabe an Allah auszeichnen. Könnte ein Buch, das von einem Heuchler und Lügner verfasst wurde, der es selbst geschrieben und dann Allah zugeschrieben hat – also den Mut zu einem der abscheulichsten Verbrechen aufbrachte –, jemals solche Eigenschaften und Ergebnisse hervorbringen?
Kapitel 3 – Die Notwendigkeit und der Beweis für die Prophetenschaft Muhammads (s.a.w.s.)
Der Grund für die Entsendung des Gesandten Allahs (s.a.w.s.) nach den früheren Propheten
(Arabisch******************************auf PDF-Seite 89)
„Und tatsächlich befinden sich diejenigen, die nach den früheren Völkern zu Erben der Schrift gemacht wurden, ihretwegen in beunruhigendem Zweifel.“ – (Sure asch-Schura: 14)
Wenn nach dem Zeitalter jedes Propheten und seiner ihm nahestehenden Tabi’un das Buch Allahs die nachfolgenden Generationen erreichte, nahmen sie es nicht mit Vertrauen und Überzeugung an. Vielmehr verfielen sie in Bezug darauf in äußerst starke Zweifel und innere Konflikte. Für die Entstehung dieses Zustands gab es zahlreiche Gründe. Nachdem wir die Situation untersucht haben, die sich im Hinblick auf die Tora und das Evangelium herausgebildet hat, können wir diese Gründe sehr leicht verstehen. Die früheren Generationen ließen diese beiden Bücher zwar in ihrer ursprünglichen Sprache und Darstellung unverändert, vermischten jedoch mit dem ursprünglichen Wortlaut auch menschliche Aussagen in Form von Erläuterungen, Geschichtsschreibung, mündlich überlieferten Berichten und von den Faqihen entwickelten zusätzlichen Angelegenheiten. Ihre Übersetzungen verbreiteten sie derart umfassend, dass das Original verschwand und nur die Übersetzungen in der Öffentlichkeit bestehen blieben. Auch ihre historische Authentizität wurde so zerstört, dass heute niemand mit voller Überzeugung sagen kann, dass das Buch, das er in Händen hält, auch jenes ursprüngliche Buch ist, das für die Bewohner der Welt auf Hazrat Isa (a.) beziehungsweise Hazrat Musa (a.) herabgesandt worden war. Ihre Anführer und Gelehrten hatten bisweilen Diskussionen über Religion, Allah, Philosophie, Recht, Körper, Seele und Gesellschaft angestoßen und die Grundlagen für Gedanken gelegt, in deren Labyrinth es für die Menschen, gefangen zwischen Tausenden komplizierter Wege, außerordentlich schwer geworden war, den geraden und einfachen Weg der Wahrheit zu wählen. Andererseits war auch das Buch Allahs nicht in seiner ursprünglichen Gestalt und in einem zuverlässigen Zustand vorhanden. Daher war es den Menschen nicht möglich, sich einer verlässlichen Quelle zuzuwenden, die ihnen hätte helfen können, die Wahrheit vom Falschen zu unterscheiden.
Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang, dass die Einladung zur wahren Religion durch Hazrat Hud (a.) und Hazrat Salih (a.) erstmals das arabische Gebiet erreichte. Dies geschah in vorgeschichtlicher Zeit. Danach kamen Hazrat Ibrahim (a.) und Ismail (a.). Sie kamen zweieinhalbtausend Jahre vor dem Gesandten Allahs (s.). Nach ihnen und vor dem Gesandten Allahs (s.) war Hazrat Schu’aib, Friede sei mit ihm, der letzte Prophet, der im arabischen Gebiet erschien.
Die Araber hatten bereits zuvor nach einem Propheten verlangt
(Arabisch******************************auf Seite 90 des PDFs)
„Sie pflegten unter großen Schwüren zu sagen: Wenn ein Warner zu ihnen käme, wären sie gewiss rechtgeleiteter als alle anderen Völker der Welt.“
– (Sure Fatir: 42)
Als die Menschen in Arabien im Allgemeinen und die Quraisch im Besonderen vor dem Empfang der Prophetenschaft durch den Gesandten Allahs (s.) den verdorbenen moralischen Zustand der Juden und Christen sahen, pflegten sie dies zu sagen.
Ebenso heißt es in der Sure al-An’am:
(Arabisch******************************auf PDF-Seite 90)
„Nachdem dieses Buch gekommen ist, könnt ihr nun nicht mehr sagen: Unseren beiden früheren Gruppen wurde zwar ein Buch gegeben, doch wir wussten nicht, was sie lasen oder lehrten. Und ihr könnt nun auch nicht mehr vorbringen: Wäre uns ein Buch herabgesandt worden, so wären wir gewiss rechtgeleiteter gewesen als sie.“ – (Sure al-Anʿām: 156–157)
In der Sure as-Sāffāt heißt es:
(Arabisch******************************auf PDF-Seite 90)
„Zuvor pflegten sie zu sagen: O wenn wir doch nur jene Ermahnung hätten, die die früheren Völker erhalten haben, dann wären wir gewiss aufrichtig ergebene Diener Allahs.“ – (Sure as-Sāffāt: 167–169)
Die Notwendigkeit, einen offenkundigen Beweis vorzulegen
(Arabisch******************************auf PDF-Seite 90)
„Diejenigen unter den Leuten der Schrift und den Götzendienern, die ungläubig waren, würden nicht von ihrem Unglauben ablassen, bis ein offenkundiger Beweis zu ihnen käme, nämlich ein Gesandter von Allah, der geläuterte Schriften verliest.“ – (Sure al-Bayyina: 1–2)
Das heißt, ein leuchtender Beweis würde ihnen den Irrtum jeder einzelnen Erscheinungsform des Unglaubens und dessen Widerspruch zur Wahrheit begreiflich machen und ihnen den geraden und unfehlbaren Weg klar und auf vernünftige Weise vor Augen führen; außer diesem gab es für sie keinen anderen Weg, aus dem Zustand des Unglaubens herauszukommen. Das bedeutet nicht, dass sie alle den Unglauben aufgeben würden, sobald dieser eindeutige Beweis erschienen wäre. Vielmehr bedeutet es, dass es ihnen ohne diesen Beweis keineswegs möglich gewesen wäre, sich dem Einfluss dieses Zustands zu entziehen und aus ihm herauszukommen. Nachdem er nun erschienen ist, werden diejenigen unter ihnen, die am Unglauben festhalten, selbst dafür verantwortlich sein. Danach können sie sich bei Allah nicht darüber beklagen, dass Er keine Vorkehrung für ihre Rechtleitung getroffen habe. Im Edlen Koran wird dies an verschiedenen Stellen in unterschiedlicher Weise dargelegt. So heißt es etwa in der Sure an-Nahl: (Arabisch******) „Es obliegt Allah, den geraden Weg zu weisen.“ – (Vers 9) In der Sure al-Lail heißt es: (Arabisch*******) „Mir obliegt es, den Weg zu weisen.“ – (Vers 12)
(Arabisch******************************PDF-Seite 91)
„O Prophet, Wir haben dir Offenbarung eingegeben, so wie Wir Noah und den Propheten nach ihm Offenbarung eingegeben haben. Diese Gesandten wurden als Verkünder froher Botschaft und als Warner entsandt, damit die Menschen nach dem Kommen der Gesandten keinen Einwand mehr vor Allah vorbringen können.“ – (Sure an-Nisa, 163–165)
(Arabisch******************************PDF-Seite 91)
„O Leute der Schrift! Nach einer langen Unterbrechung der Reihe der Gesandten ist nun Unser Gesandter zu euch gekommen, um euch die Wahrheit klarzumachen, damit ihr nicht sagen könnt: ‚Zu uns ist weder ein Verkünder froher Botschaft noch ein Warner gekommen.‘ So ist nun tatsächlich ein Verkünder froher Botschaft und ein Warner zu euch gekommen.“ – (Sure al-Ma’ida: 19)
(Arabisch******************************PDF-Seite 91)
„Diejenigen, denen zuvor die Schrift gegeben worden war, gerieten erst dann in Uneinigkeit, nachdem die Darlegung des wahren Weges klar geworden war.“ – (Sure al-Bayyina: 4)
Das heißt, die Leute der Schrift waren zuvor verschiedenen Arten der Irreführung zum Opfer gefallen und hatten sich in zahlreiche Gruppen und Untergruppen gespalten. Es ist nicht etwa deshalb zu diesem Zustand gekommen, weil Allah bei der Sendung eindeutiger Beweise für ihre Rechtleitung irgendeine Anstrengung versäumt hätte. Vielmehr hatten sie diesen Weg eingeschlagen, nachdem die Rechtleitung von Allah zu ihnen gekommen war. Daher waren sie selbst für ihre Irreführung und ihren Irrweg verantwortlich. Denn die Wahrheit war ihnen klar dargelegt worden. Ebenso sind ihre Schriften heute nicht mehr unverfälscht und enthalten keine fehlerlose Lehre. Deshalb hat Allah als leuchtenden Beweis einen Seiner Gesandten entsandt und durch ihn eine reine und unverfälschte Schrift mit fehlerloser Lehre gegeben, durch die Er ihnen die Wahrheit klar vor Augen geführt hat. Wenn sie danach weiterhin in Uneinigkeit verharren, fällt die gesamte Verantwortung dafür auf sie selbst zurück. In keiner Weise können sie Allah dafür verantwortlich machen. Im Edlen Koran wird dies an verschiedenen Stellen in unterschiedlicher Weise gesagt. Siehe beispielsweise Sure al-Baqara, Verse 213 und 253, Sure Al Imran, Vers 19, sowie Sure al-Ma’ida, Verse 16–18. Wenn man außerdem die Anmerkungen, die ich bei der Erläuterung der betreffenden Suren in Tafhim al-Qur’an hinzugefügt habe, kurz durchsieht, wird es noch leichter sein, diese Angelegenheit zu verstehen.
Die Entsendung eines Gesandten war unbedingt notwendig. Denn es war für die gesamte Menschheit, unabhängig davon, ob sie aus Götzendienern oder Schriftbesitzern bestand, auf keine Weise möglich, sich aus dem Unglauben zu befreien, in den sie verstrickt war, ohne die Unterstützung eines Propheten. Sie benötigten die Unterstützung eines solchen Propheten, dessen eigene Existenz ein deutlicher Beweis für seine Sendung sein würde. Er würde den Menschen das Buch Allahs in seinem ursprünglichen, unverfälschten und fehlerlosen Zustand vorlegen. Dieses Buch würde frei sein von all den Verfälschungen, die sich in die früheren himmlischen Schriften eingeschlichen hatten. In diesem Buch würden ausschließlich richtige, fehlerlose und wahrhaftige Lehren versammelt sein.
Die Wahl des Ortes für die Entsendung des Propheten
Ein Blick auf die Weltkarte lässt unmittelbar erkennen, dass es auf der Erde für die weltweite Prophetenschaft keinen geeigneteren Ort als die arabische Halbinsel gab und auch keinen geben konnte. Dieses Land liegt genau in der Mitte der Kontinente Asien und Afrika. Auch Europa liegt nicht weit davon entfernt. Besonders in jener Zeit lebte der größte Teil der hochzivilisierten Völker Europas im südlichen Teil dieses Kontinents. Diese Region lag Arabien ebenso nahe wie das damalige Hindustan.
Auch aus der Geschichte jener Zeit wird ersichtlich, dass damals kein anderes Volk für diese Prophetenschaft geeigneter war als das arabische Volk. Die anderen großen Völker waren nach der äußersten Entfaltung ihrer Macht, ihres Einflusses und ihrer Herrschaftskraft erschöpft und kraftlos geworden. Das arabische Volk dagegen war von neuer Lebenskraft erfüllt. Durch die Entwicklung von Zivilisation und Kultur waren die Gewohnheiten und der Charakter der anderen Völker verdorben worden. Die Araber jedoch waren bis dahin vom Einfluss einer fortgeschrittenen Zivilisation unberührt geblieben. Daher waren sie weder verwöhnt noch bequemlich oder von niedrigem Charakter. Die Araber des sechsten christlichen Jahrhunderts waren vollständig frei vom schädlichen Einfluss der zeitgenössischen zivilisierten Völker. Alle grundlegenden menschlichen Tugenden, die ein Volk besitzen kann, das weit vom Licht der Zivilisation entfernt lebt, waren in ihnen vorhanden. Sie waren mutig, furchtlos, großzügig, worttreu, unabhängig im Denken und freiheitsliebend. Sie waren keinem anderen Volk unterworfen. Für die Wahrung ihrer Ehre ihr Leben zu opfern, fiel ihnen außerordentlich leicht. Eine einfache und anspruchslose Lebensweise war ihr Kennzeichen. Mit Luxus und Bequemlichkeit hatten sie keinerlei Verbindung. Zweifellos besaßen sie auch viele schlechte Eigenschaften. Denn seit zweieinhalbtausend Jahren war kein Prophet in ihrer Gegend erschienen. – [Die Zeit von Hadhrat Ibrahim (a.s.) und Hadhrat Ismail (a.s.) lag etwa zweieinhalbtausend Jahre vor der Zeit von Hadhrat Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. In der langen Zwischenzeit war in Arabien kein weiterer Prophet geboren worden.] Auch war dort kein bedeutender Führer aufgetreten, der ihre Sitten und ihren Charakter hätte verbessern und sie zu einem hochzivilisierten Volk hätte formen können. Weil sie seit Jahrhunderten inmitten der grenzenlosen, öden Wüsten ein freies und unabhängiges Leben geführt hatten, hatten sich Unwissenheit und Ungebildetheit unter ihnen ausgebreitet. Ihre Unwissenheit war zu einem derart harten Fels geworden, dass es nicht die Aufgabe eines gewöhnlichen Menschen war, diesen Fels abzuschleifen und sie zu Menschen zu machen. Zugleich besaßen sie jedoch Fähigkeiten, dank derer sie die ganze Welt hätten auf den Kopf stellen können, wenn eine außergewöhnliche Persönlichkeit sie verbessert und sie unter dem Einfluss seiner Lehre zu einem höheren Lebensideal begeistert hätte. Für die Verbreitung der Lehre des Weltpropheten in der ganzen Welt war ein solches lebensfrohes, jugendlich kraftvolles und starkes Volk notwendig.
Auch wenn man sich nun der Sprache zuwendet, werden die Besonderheiten der arabischen Sprache leicht ins Auge fallen. Wenn man diese Sprache und ihre Literatur studiert, zeigt sich, dass keine andere Sprache geeigneter ist, erhabene Gedanken einfach auszudrücken, die feinsten Einzelheiten des von Allah verliehenen Wissens zu schildern und tief auf das Gemüt einzuwirken. Dank ihrer gewaltigen inneren Kraft dringt sie wie ein Pfeil bis in die tiefsten Bereiche des Herzens vor. Ihre Süße ist unvergleichlich. Es scheint, als quölle Nektar über. Die Wellen ihrer Melodie erfüllen Herz und Seele. Für ein Buch wie den Koran war eine solche Sprache notwendig.
Daher lässt sich leicht erkennen, dass hinter Allahs Wahl eines Landes wie Arabien für den Weltpropheten ein gewaltiger göttlicher Zweck stand.
Der beste Führer für ein unwissendes Volk
Ein Volk war seit Jahrhunderten in den abgründigen Tiefen der Unwissenheit, der Dummheit, der Zügellosigkeit und des Niedergangs versunken. Dann ergoss sich eines Tages plötzlich Allahs unermessliche Gnade über es. In seiner Mitte ließ Er seinen vortrefflichsten und besten Führer geboren werden. Um es aus den abgründigen Tiefen der Unwissenheit emporzuheben, ließ Er auf diesen Führer Seine eigene Botschaft herabkommen. Es war Sein Ziel, sie aus dem Schlaf der Achtlosigkeit zu erwecken, sie von der Umnachtung durch Unwissenheit und Aberglauben zu befreien und ihnen zu helfen, auf dem Weg eines wahren, schönen und fehlerlosen Lebens voranzuschreiten.
Doch die unwissenden Leute des Volkes und ihre eigennützigen Stammesoberhäupter setzen dem Anführer heftig zu. Sie unternehmen alle Anstrengungen, ihn zu Fall zu bringen. Die Zeit schreitet voran. Eines Tages schmieden sie sogar den Plan, ihn zu ermorden. In dieser Lage sagt der Allmächtige Allah: Soll ich wegen eurer Torheit eure Bemühungen um eure Besserung vereiteln? Soll ich diese ununterbrochene Folge der Ermahnungen beenden? Und soll ich euch in dem abgrundtiefen Schlund des Niedergangs liegen lassen, in den ihr versunken seid? Meint ihr, dies wäre es, was meine Barmherzigkeit von mir verlangt? Habt ihr bedacht, was die Folge davon sein kann, Allahs Gunst zurückzuweisen und, nachdem die Wahrheit vor euch offenbar geworden ist, alle Anstrengungen zu unternehmen, am Falschen festzuhalten?
Der intellektuelle Beweis für die Prophetenschaft des Gesandten Allahs (s.a.)
Schließen Sie für einen Augenblick die Augen und wandern Sie einmal durch die Welt der Gedanken. Richten Sie Ihren Blick umfassend auf die Erde vor eintausendvierhundert Jahren. Wie waren die Verhältnisse auf der Erde damals?
Die Erde vor vierzehnhundert Jahren
Damals gab es nur äußerst wenige Mittel und Möglichkeiten für die Menschen auf der Erde, Gedanken miteinander auszutauschen. Die Mittel zur Herstellung von Beziehungen zwischen Ländern und Völkern waren äußerst begrenzt. Der Horizont des menschlichen Wissens war sehr eng. Sein Denken war äußerst unausgereift. In seiner Gedankenwelt herrschten Aberglaube und Furcht. Inmitten der undurchdringlichen Finsternis der Unwissenheit war die Spur des Wissens äußerst schwach. Die Welle des Lichts bahnte sich nur mit größter Mühe ihren Weg, indem sie die bergehohen Wogen des dunklen Meeres zurückdrängte. Auf der Erde jener Zeit gab es weder Telefon noch Telegraf, Radio, Eisenbahn oder Flugzeug. Buchverlage und Druckereien, wie es sie heute gibt, waren nicht zu finden. Es gab keinen Überfluss an Schulen, Hochschulen, Madrasas und Bildungseinrichtungen verschiedenster Art. Zeitungen und Zeitschriften hatten damals keine weitverbreitete Verbreitung. Der Wissenshorizont eines Gelehrten jener Zeit war in mancher Hinsicht sogar enger als der eines gewöhnlichen Menschen unserer Zeit, der weniger kultiviert und gebildet ist. Selbst ein Mensch jener Zeit mit äußerst klarem und fortschrittlichem Denken trug veraltetere Vorstellungen in sich als ein Mensch von heute mit rückständigem Denken. Was heute jeder weiß, konnte man damals erst nach jahrelanger Mühe, Suche und Forschung mit großer Schwierigkeit erfahren. Für Nachrichten, die ein kleines Kind unserer Zeit gleich zu Beginn seines Bewusstwerdens mühelos aus seiner Umgebung erfährt, musste man damals Hunderte von Meilen reisen. Bisweilen musste man sogar sein ganzes Leben der Suche widmen, um diese wenigen Informationen zu erlangen. Dinge, die man heute für Aberglauben und absurde mythologische Ammenmärchen hält, galten damals als „Wahrheit“. Handlungen, die heute als unsittlich und barbarisch bezeichnet werden, waren damals alltäglich. Was das menschliche Gewissen heute verabscheut, war in der damaligen Moral nicht nur erlaubt; niemand konnte sich überhaupt vorstellen, dass es eine andere Möglichkeit geben könnte. Die Faszination der Menschen für übernatürliche Dinge war so groß, dass sie die Wahrheit und Überlegenheit einer Sache nicht anzuerkennen bereit waren, solange sie nicht übernatürlich, außergewöhnlich und eine Ausnahme von den gewöhnlichen Regeln war. Die Menschen hielten sogar sich selbst für völlig armselig, niedrig und unbedeutend. Daher war es für sie undenkbar und jenseits jeder Vorstellung, dass ein Mensch ein Waliullah werden oder ein Waliullah ein Mensch werden könnte.
Die Verhältnisse im arabischen Land
In diesem finsteren Zeitalter war die Finsternis in einem Teil der Erde noch dichter. Inmitten der Länder, die nach dem Maßstab der damaligen Zivilisation als zivilisiert galten, lag das arabische Land, völlig abgesondert und einsam. Ringsumher verbreiteten Iran, Rom und Ägypten etwas Licht des Wissens, der Künste, der Zivilisation und der Kultur. Doch gewaltige Meere aus Wüste hielten Arabien von ihnen getrennt. Die arabischen Kaufleute ritten auf den Kamelen, den Schiffen der Wüste, und legten monatelang weite Strecken zurück, um in jenen Ländern Handel zu treiben. Sie kehrten lediglich nach dem Austausch von Waren wieder zurück. Kein Licht des Wissens und der Zivilisation brachten sie mit. In ihrem Land gab es keine Bildungseinrichtungen. Bibliotheken waren unvorstellbar. Unter der Bevölkerung des Landes gab es weder eine Beschäftigung mit Wissen noch irgendein Interesse an Wissen und Kunst. Im ganzen Land konnten nur wenige Menschen lesen und schreiben. Doch selbst deren Bildung war so begrenzt, dass sie mit dem Wissen und den Künsten jener Zeit völlig unvertraut waren. Zweifellos war ihre Sprache hoch entwickelt und besaß eine außergewöhnliche Fähigkeit, jeden anspruchsvollen Gedanken klar auszudrücken. Auch ein ausgeprägter literarischer Geschmack war unter ihnen vorhanden. Doch aus dem, was wir über ihre Literatur erfahren konnten, können wir schließen, dass ihr Wissenshorizont äußerst begrenzt war. In Zivilisation und Kultur standen sie auf der untersten Stufe. Wie tief sie in Aberglauben versunken waren! Ihr Denken und ihre Wesensart waren ein unverhüllter Ausdruck von Unwissenheit und Barbarei. Ihr moralisches Denken bestand durch und durch aus dem abgestandenen Unrat einer Müllhalde.
Dort gab es keine geregelte Herrschaft, keine Ordnung, kein Gesetz und keine Regierung. Jeder Stamm war unabhängig. Das Gesetz des Dschungels war dort das einzige Gesetz. Ein arabischer Beduine konnte keineswegs verstehen, warum ein Mensch, der nicht seinem Stamm angehörte, nicht getötet und warum sein Besitz nicht an sich genommen werden sollte.
Sie besaßen nur ein äußerst niedriges Niveau an Moral, Anstand und Zivilisation sowie eine wenig klare Denkweise. Mit den Unterschieden zwischen rein und unrein, erlaubt und verboten, anständig und unanständig und dergleichen waren sie beinahe unvertraut. Ihre Lebensweise war zutiefst verdorben. Ihr Verhalten war äußerst barbarisch und unmenschlich. Ehebruch, Glücksspiel, Alkoholkonsum, Straßenraub, Mord und Plünderung gehörten zu ihrem täglichen Leben. Ohne jede Scheu entblößten sie sich voreinander. Auch ihre Frauen umkreisten nackt die Kaaba. Aus bloßer Befolgung dieser törichten Dschahiliya, damit kein Mann ihr Schwiegersohn werden könne, begruben sie ihre kleinen Töchter eigenhändig lebendig. Nach dem Tod ihres Vaters heirateten sie ihre Stiefmütter. Selbst die kleinsten Regeln und Bräuche in Bezug auf Essen und Trinken, Kleidung und Reinlichkeit kannten sie nicht.
Auch an der Unwissenheit und dem Irrweg der damaligen Welt in religiösen Fragen hatten sie gleichermaßen Anteil. Sie waren an sämtlichen damals verbreiteten Formen der Verehrung beteiligt: an der Götzenverehrung, am Glauben an Dschinn und Gespenster, an der Sternenverehrung – kurz gesagt, an allem außer der Anbetung des einen Allah. Über die Propheten früherer Zeiten und ihre Lehren verfügten sie über keinerlei verlässliches Wissen. Sie wussten zwar, dass Hadhrat Ibrahim (a. s.) und Hadhrat Ismail (a. s.) ihre Urväter waren, doch wussten sie nicht, welcher Religion diese Vater und Sohn angehörten und wen sie anbeteten. Auch die Geschichten über die Völker ʿAd und Thamud hatten sie gehört. Doch wenn man die Berichte liest, die arabische Historiker darüber gegeben haben, findet man darin nirgendwo auch nur die geringste Spur der Lehren von Hadhrat Salih (a. s.) und Hadhrat Hud (a. s.). Durch Juden und Christen hatten sie auch Geschichten über die Propheten der Kinder Israels kennengelernt. Wie diese Geschichten beschaffen waren, lässt sich jedoch allein durch die in den von muslimischen Mufassiren verfassten Tafsir-Werken angeführten israelitischen Überlieferungen erkennen. Daraus wird ersichtlich, welcher Art die Propheten waren, von denen die Araber und die Kinder Israels Kenntnis hatten. Zugleich wird deutlich, auf welch niedrigem Niveau sich auch ihre Vorstellungen vom Prophetentum befanden.
Es trat ein Mann hervor
Zu dieser Zeit wurde in diesem Land ein Mann geboren. Schon in seiner Kindheit blieb er der Zuneigung seiner Mutter, seines Vaters und seines Großvaters beraubt. Daher erhielt er unter diesen beklagenswerten Umständen nicht einmal jene Erziehung, die ein arabisches Kind normalerweise hätte erhalten können. Als er Verstand und Urteilsfähigkeit erlangt hatte, zog er mit Beduinenjungen hinaus, um Ziegen zu hüten. Als er das Mannesalter erreichte, begann er Handel zu treiben. Sein ganzes Gehen und Kommen und sein Umgang fanden mit eben jenen Arabern statt, deren Zustand ich soeben geschildert habe. Dort gab es nicht die geringste Spur von Bildung. Sie wussten nicht einmal ein wenig zu lesen und zu schreiben. Es gab überhaupt keinen gebildeten oder gelehrten Menschen. Einige Male hatte er Gelegenheit, Arabien zu verlassen, doch diese Reisen beschränkten sich ausschließlich auf Syrien. Und auch das waren, wie die übrigen Reisen der Karawanen jener Zeit, lediglich Handelsreisen. Nehmen wir an, dass er auf solchen Reisen einige Kenntnisse und Beispiele von Zivilisation beobachtet und auch einige wissende, begabte und kultivierte Menschen getroffen haben mag; dennoch wird das Leben eines Menschen durch solche vereinzelten Begegnungen und Beobachtungen nicht geformt. Sie können keinen derart umfassenden Einfluss auf einen Menschen ausüben, dass er sich vollständig von seiner gesellschaftlichen und natürlichen Umgebung löst und in eine höhere Welt gelangt, in der nach seiner Ankunft keinerlei Verbindung mehr zwischen ihm und seiner Umgebung zu bestehen scheint. Auf diese Weise konnte er kein Wissen von einer solchen Stufe erwerben, das einen ungebildeten Beduinen nicht nur zum Führer eines Landes, sondern der ganzen Welt und nicht nur eines Zeitalters, sondern aller Zeitalter gemacht hätte. Selbst wenn er von Außenstehenden irgendeine theoretische Kenntnis erworben haben sollte, gab es keine Möglichkeit, dadurch jene Informationen zu erlangen, die zu jener Zeit niemand auf der Welt besaß, jene Vorstellungen und Grundsätze in Religion, Moral, Zivilisation und Kultur, von denen nirgendwo auch nur eine Spur existierte, und jenes Ideal menschlichen Charakters, das damals nirgendwo auf der Welt zu finden war.
Sein Wirken
Man muss nicht nur den Zustand und die Verhältnisse Arabiens, sondern der ganzen Welt vor Augen haben. Dann wird man erkennen, dass dieser Mann sich von Anfang an in Wesen, Charakter, Gewohnheiten und Verhalten von all jenen unterschied, unter denen er geboren wurde, unter denen er seine Kindheit verbrachte, mit denen er spielend und scherzend von der Kindheit ins Jugend- und Mannesalter eintrat und mit denen er Tag und Nacht Umgang pflegte und Geschäfte machte. Er log niemals. Die gesamte Nation bezeugte seine Wahrhaftigkeit. Selbst sein erbittertster Feind hat ihn niemals verleumdet, er habe je gelogen. Er sprach zu niemandem grob. Niemand hatte je ein Schimpfwort oder eine unanständige Äußerung aus seinem Mund gehört. Er wickelte mit den Menschen alle möglichen Geschäfte ab, doch niemals sah man ihn mit jemandem Bitterkeit entstehen lassen, streiten oder einen Wortwechsel führen. In seinen Worten zeigte sich statt Härte Sanftmut. Und diese Sanftmut war von einer solchen Aufrichtigkeit durchdrungen, dass jeder, der mit ihm Umgang hatte, zu seinem Verehrer und Anhänger wurde. Er behandelte niemanden schlecht. Er entzog niemandem sein Recht. Trotz jahrelanger geschäftlicher Tätigkeit eignete er sich niemals auch nur einen einzigen Groschen von jemandem unrechtmäßig an. Alle, mit denen er Geschäfte machte, vertrauten vollkommen auf seine Zuverlässigkeit. Die gesamte Nation nannte ihn „al-Amīn“ – den Vertrauenswürdigen. Selbst seine Feinde hinterlegten ihre wertvollen Besitztümer bedenkenlos bei ihm. Er bewahrte sie mit vollkommener Gewissenhaftigkeit auf. Inmitten schamloser Menschen zeigte er eine solche Schamhaftigkeit, dass ihn seit Erlangung seines Bewusstseins niemand je nackt gesehen hatte. Inmitten der sittenlosen Menschen ringsum gab er das erhabenste Beispiel eines reinen Charakters. Niemand hatte ihn je bei einer schlechten Tat gesehen. Er näherte sich weder dem Alkohol noch dem Glücksspiel. Inmitten unanständiger Menschen bewies er höchste Sittsamkeit. Er verabscheute jede Art von Übeltat und Unanständigkeit, und all seine Handlungen trugen deutlich das Gepräge von Reinheit und Anstand. Inmitten der steinherzigen Wüstenbewohner war er die Verkörperung eines gütigen Herzens. Bei der Not und dem Leid jedes Einzelnen sah man ihn als Helfer. Er half Waisen und Witwen. Reisende und Wanderer bewirtete er gastfreundlich. Er fügte niemandem Leid zu. Vielmehr nahm er selbst Leid auf sich, um anderen zu helfen. Inmitten der barbarischen Beduinen war er ausgesprochen friedliebend. Es bereitete ihm großes Leid, Streit und Blutvergießen in seinem eigenen Volk zu sehen. Er hielt sich von Stammes- und Sippenkriegen fern und spielte eine tatkräftige und führende Rolle dabei, zwischen den zerstrittenen Stämmen Frieden und Ausgleich zu schaffen. Inmitten der Götzenanbeter besaß er ein äußerst ausgeglichenes Wesen. Unter den Dingen auf Erden und im Himmel fand er nichts, das man anbeten konnte. Vor keinem Geschöpf beugte er sein Haupt. Er nahm keine Opfergaben der Götzenverehrung an. Von sich aus verabscheute er Schirk und die Verehrung von Geschöpfen.
In dieser völlig widrigen Umgebung zeigte dieser Mann Eigenschaften, als würde im Herzen tiefschwarzer Finsternis eine helle Lampe ihr Licht ausstrahlen oder als würde inmitten eines Steinhaufens ein kostbares Juwel funkeln.
Geistige und seelische Veränderung
Nachdem Er nahezu vierzig Jahre lang ein solch reines, frommes und vornehmes Leben geführt hatte, trat in Seinem Leben eine Revolution ein. Beim Anblick der undurchdringlichen Dunkelheit, die sich ringsum verdichtete, wurde Er zutiefst erschüttert. Er wollte diesem schrecklichen Meer aus Unwissenheit, Unsittlichkeit, Schlechtigkeit, Anarchie, Unordnung, Schirk und Götzenverehrung entkommen. Nichts in dieser Umgebung schien mit Seiner Natur vereinbar zu sein. Er sonderte sich von allen ab, setzte sich fernab der Siedlungen in die Abgeschiedenheit der Berge und begann nachzudenken. In tiefer Ruhe vergingen in der Einsamkeit mehrere Tage hintereinander. Im Fasten läuterte Er Seine Seele, Sein Herz und Seinen Verstand noch mehr. Tag um Tag, Nacht um Nacht, dachte Er weiter nach. Er suchte nach einem Licht, das die ringsum dichter werdende Finsternis zu vertreiben vermochte. Er bemühte sich, eine solche Kraft zu erlangen, die diese auf den falschen Weg geführte Welt aus den Angeln heben, neu gestalten und schmücken konnte.
Die Botschaft der Revolution
Plötzlich trat in Seiner Lage eine gewaltige Veränderung ein. In Seinem Herzen strahlte plötzlich ein Licht auf, von dem zuvor nicht die geringste Spur vorhanden gewesen war. Die Kraft, von der es zuvor in Ihm keinerlei Anzeichen gegeben hatte, erfüllte plötzlich, woher auch immer sie gekommen sein mochte, Sein ganzes Wesen. Er verließ die Einsamkeit der Höhle und trat hervor. Er erschien vor Seinem Volk. Er begann zu ihnen zu sagen: „Diese Götzen, die ihr verehrt, besitzen keinerlei Einfluss oder Macht. Verehrt sie nicht. Es gibt keinen Menschen, keinen Baum, keinen Stein, keinen Geist und keinen Stern, der verehrt und angebetet werden dürfte, vor dem man sich verbeugen oder dem man gehorchen dürfte. Dieser Mond, diese Sonne, diese Erde, diese Sterne und alles, was sich zwischen Erde und Himmel befindet, sind Schöpfungen des einen Allah. Er allein hat euch und alles andere erschaffen. Er allein schenkt das Leben. Auch die Macht, den Tod zu geben, liegt einzig in Seiner Hand. Dient nur Ihm. Befolgt Seine Gebote. Verbeugt euch vor Ihm. Diebstahl, Raub, Wegelagerei, Plünderung, Mord, Unrecht und Unterdrückung – all das, was ihr tut, sind Sünden. Lasst davon ab. Allah liebt dies nicht. Sprecht die Wahrheit. Übt Gerechtigkeit. Tötet niemanden. Raubt niemandem sein Vermögen. Wenn ihr etwas nehmt, nehmt es auf gerechte Weise. Wenn ihr etwas gebt, gebt es auf gerechte Weise. Ihr alle seid Menschen. Alle Menschen sind gleich. Niemand wird mit dem Zeichen der Schande auf der Stirn geboren. Ebenso betritt niemand diese Welt mit einer Krone von Ehre und Würde auf dem Haupt. Vorzüglichkeit, Ehre und Adel liegen nicht in der Abstammung. Sie liegen im Gehorsam gegenüber Allah, in guten Taten und in Reinheit. Wer Allah fürchtet, ist rechtschaffen und rein. Er ist der vorzüglichste aller Menschen. Andernfalls ist er nichts. Nach dem Tod müsst ihr alle vor Allah Rechenschaft ablegen. Ihr müsst vor Allah Rechenschaft ablegen, der alles sieht und weiß. Ihr könnt nichts vor Ihm verbergen. Auf Grundlage eurer Taten wird Er euer Schicksal bestimmen. Bei diesem wahrhaft gerechten Richter werden keinerlei Fürsprache oder Bestechung etwas nützen. Er wird niemanden nach seiner Abstammung fragen. Dort wird einzig nach Glauben und guten Taten gefragt werden. Wer diesen Besitz hat, wird ins Paradies eintreten. Wer nichts davon besitzt, wird mit dem Korb des Scheiterns auf dem Kopf in die Hölle geworfen werden.“ Dies war die Botschaft, die Er aus der Höhle mitgebracht hatte.
Die Reaktion des Volkes
Das unwissende Volk wurde zu Seinem Feind. Sie begannen, Ihn zu beschimpfen. Sie warfen Steine nach Ihm. Nicht nur ein oder zwei Tage, sondern dreizehn Jahre lang hintereinander setzten sie Ihn unmenschlichen Qualen aus. Schließlich vertrieben sie Ihn aus Seiner Heimat. Damit, Ihn ins Exil zu treiben, gaben sie sich nicht zufrieden; auch dort, wo Er Zuflucht suchte, verfolgten sie Ihn. Sie fügten Ihm auf vielerlei Weise Leid zu. Sie hetzten ganz Arabien gegen Ihn auf. Ganze acht Jahre lang führten sie Krieg gegen Ihn. All diese Leiden ertrug Er mit einem Lächeln, wich jedoch keinen Deut von Seinem Entschluss und Seiner Mission ab.
Warum wurde das Volk zu Seinem Feind? Ging es hier um die Eroberung von Land und Gebieten? Ging es um Blutrache? Forderte Er von ihnen irgendeinen weltlichen Besitz? Nein, darum ging es nicht. Der Kern des gesamten Konflikts war vielmehr: Warum lehrt Er die Verehrung Allahs, Ehrlichkeit, Wahrhaftigkeit und Rechtschaffenheit? Warum führt Er eine Kampagne gegen Götzenverehrung, Schirk und schlechte Taten? Warum greift Er die Führung der Götzendiener und Priester an? Warum warnt Er das Volk vor der Täuschung der Stammesführer über ihre Führerschaft? Warum will Er die Unterschiede zwischen Hoch und Niedrig unter den Menschen beseitigen? Warum betrachtet Er die Liebe zu Stamm und Abstammung als Dschahiliyyah? Sein Volk sagte immer wieder: „Alles, was du sagst, widerspricht unseren nationalen Bräuchen und den Überlieferungen unserer Abstammung. Gib daher all dies auf, sonst werden wir dir das Leben schwer machen.“
Warum ertrug Er das Leid?
Warum ertrug dieser Mann all diese Leiden? Sein Volk war bereit, Ihn zum König zu machen. Es wollte Ihm Reichtümer zu Füßen legen. Die Bedingung dafür war jedoch, dass Er diese Lehren aufgeben musste. Doch Er wies ihren Vorschlag zurück und zog es vor, für Seine Lehre unterdrückt und verfolgt zu werden. Warum nahm Er all dies auf sich? Hatte Er irgendeinen persönlichen Vorteil davon, dass die Menschen Seines Volkes rechtschaffen und Allah gehorsam wurden? Lag darin ein größerer eigener Vorteil, gegenüber dem der Wunsch nach Führung, staatlicher Macht, Reichtum und Bequemlichkeit völlig unbedeutend gewesen wäre? Oder lag hier ein solcher Gewinn verborgen, für den ein Mensch bereit sein könnte, hundert Jahre lang ununterbrochen die schwersten körperlichen und seelischen Qualen zu ertragen? Kann man für die Menschheit ein höheres Vorbild an Tugend, Aufopferung und Mitgefühl denken als einen Menschen, der nicht um seines eigenen Vorteils willen, sondern zum Nutzen und Wohl anderer selbst weiter Leid auf sich nimmt? Gerade diejenigen, um deren Wohl willen Er sich bemühte, machten Ihn heimatlos und vertrieben Ihn aus Seinem Land. Auch im Ausland verfolgten sie Ihn. Trotz alledem hörte Er nicht auf, ihnen Gutes zu wünschen.
Kann ein Lügner um einer grundlosen Sache willen solche Gefahren ertragen? Kann jemand, der sein Handeln auf bloße Vermutungen und Annahmen gegründet hat, so fest und unbeirrbar an seinem Entschluss festhalten, dass er nicht bereit ist, auch nur um ein Haar von ihm abzuweichen, selbst wenn Berge von Gefahren über ihm zusammenbrechen, wenn das ganze Land und die ganze Welt sich gegen ihn erheben und wenn das größte Heer der Welt über ihn herfällt? Gerade diese Unbeirrbarkeit und Entschlossenheit bezeugt, dass er vollkommen von seiner eigenen Wahrhaftigkeit überzeugt war. Hätte er in dieser Hinsicht auch nur den geringsten Zweifel oder die geringste Unsicherheit gehegt, wäre es ihm nicht möglich gewesen, einundzwanzig Jahre lang ununterbrochen Gefahr auf Gefahr entgegenzutreten.
Dies war die eine Seite der Veränderung seiner Lage. Die andere Seite war noch erstaunlicher.
Die andere Seite der Veränderung seiner Lage
Bis zu seinem vierzigsten Lebensjahr war er ein Araber wie jeder gewöhnliche Araber. Niemand kannte diesen Kaufmann damals als außergewöhnlichen Redner. Niemand hatte ihn je über Religion, Moral, Philosophie, Recht, Politik oder Gesellschaftsordnung sprechen hören. Kein einziges Wort über Allah, die Engel, die himmlischen Schriften, die früheren Propheten und Völker, über die Auferstehung, das Leben nach dem Tod oder Paradies und Hölle hatte jemand von ihm vernommen. Es stimmt, dass er die Menschen äußerst freundlich behandelte, dass sein Benehmen überaus höflich und angenehm war und dass er den höchsten und edelsten moralischen Charakter seiner Zeit besaß. Doch bis zu seinem vierzigsten Lebensjahr war an ihm nichts Außergewöhnliches festzustellen, aufgrund dessen die Menschen hätten annehmen können, dass er eines Tages etwas Besonderes werden würde. Bis dahin kannten die Menschen ihn lediglich als einen stillen, friedliebenden, äußerst höflichen und sittsamen Mann. Doch als er nach seinem vierzigsten Lebensjahr aus einer Höhle hervortrat, zeigte sich plötzlich, dass sich sein ganzes Erscheinungsbild verändert hatte.
Nun verkündete er eine erstaunliche Botschaft. Als die gesamte arabische Bevölkerung diese Botschaft hörte, war sie überwältigt. Wegen ihrer das Herz durchdringenden Wirkung fürchtete selbst ihr erbittertster Feind, sie überhaupt nur anzuhören; sie waren in Angst und Schrecken versetzt aus Sorge, dass diese Botschaft, sobald sie einmal ihr Ohr erreicht hatte, sich für immer im Herzen des Volkes festsetzen könnte. Ihre sprachliche Schönheit und die Anmut ihrer Darstellung waren unvergleichlich. In Gegenwart der großen Dichter, Redner und Kenner der Sprachwissenschaft jener Zeit forderte diese Botschaft ganz Arabien heraus und wiederholte immer wieder die Aufforderung: Ihr alle sollt kommen und einen Satz hervorbringen, der auch nur einem ihrer Sätze gleicht. Doch niemand wagte es, dieser Herausforderung zu begegnen. Kein Araber hatte je zuvor eine so unvergleichliche Botschaft gehört.
Über Nacht trat er nun als unvergleichlicher Gelehrter, außergewöhnlicher Gesellschaftsreformer und Erzieher sittlichen Charakters, als erstaunlicher Kenner der Politik und Gesetzgeber, als Richter von höchstem Rang und beispielloser Heerführer hervor. Dieser ungebildete Wüstenbewohner begann, von Wissen und Gelehrsamkeit zu sprechen, wie niemand vor ihm gesprochen hatte und auch nach ihm nicht sprechen konnte. Dieser ungebildete Mann hielt unerschrocken Vorträge über Allah, die unsichtbare Welt und das Jenseits. Aus der Geschichte der Völker legte er die Gesetzmäßigkeiten ihres Aufstiegs und Niedergangs dar, analysierte das Wirken früherer Reformer, kritisierte die verschiedenen Religionen der Welt und schlichtete die Streitigkeiten der Völker. Er lehrte Charakter, Moral, Anstand und Kultur.
Er erließ Gesetze für Gesellschaft und Kultur, das Wirtschaftssystem, den gegenseitigen Handel und die internationalen Beziehungen. Er schuf Gesetze von so hohem Rang, deren innere Wahrheit die bedeutendsten Gelehrten, Weisen und Denker der Welt erst nach jahrelanger, ja lebenslanger Forschung und Untersuchung zu erkennen vermochten. Und je weiter die Erprobung und Prüfung durch die Welt voranschritt, desto heller trat ihre Wahrheit zutage.
Dieser stille, friedliebende Kaufmann hatte in seinem Leben nie ein Schwert geführt, nie eine militärische Ausbildung erhalten und sogar nur an einem einzigen Krieg als stiller Zuschauer teilgenommen. Doch nun wurde er zu einem tapferen Soldaten. Auf dem Feld großer, krisenreicher Schlachten wich sein Fuß niemals auch nur um ein Haar zurück. Nun wurde er zu einem äußerst machtvollen Heerführer. Innerhalb von nur neun Jahren eroberte er ganz Arabien. Nun wurde er zu einem der größten Feldherren und Kriegskundigen. Unter dem Einfluss der von ihm geschaffenen militärischen Organisation und Kriegsbegeisterung besiegten die mittellosen und unter dem Mangel an Kriegsmaterial leidenden Araber innerhalb weniger Jahre zwei der größten Mächte der Welt.
Vierzig Jahre lang hatte niemand in diesem zurückgezogen lebenden, friedliebenden Menschen auch nur den geringsten Anflug von Liebe zur Politik wahrgenommen. Plötzlich trat er nun als gewaltiger Reformer und Staatsmann hervor. Innerhalb von dreiundzwanzig Jahren unterstellte er die über eine Fläche von zwölf Lakh Quadratmeilen verstreut lebenden, ungeordneten, kriegerischen, törichten, gesetzlosen, unzivilisierten und barbarischen, ständig miteinander kämpfenden Stämme mitten in der Wüste – fern von den Errungenschaften der modernen Zivilisation und ohne die Hilfe von Eisenbahn, Telefon, Radio oder Druckerpresse – einer Religion, einer Kultur, einem Gesetz und einer einheitlichen Staatsordnung. Er änderte die Richtung ihres Denkens. Er veränderte ihren Charakter. Er erfüllte ihre von Anstand entblößte Lebensweise mit vornehmer Sittsamkeit. Er verwandelte ihre Barbarei und Unzivilisiertheit in ein verfeinertes bürgerliches Leben. Ihre schlechten Neigungen und ihren schlechten Charakter verwandelte er in Rechtschaffenheit, Taqwa und einen vorzüglichen moralischen Charakter. Ihre Gesetzlosigkeit und Anarchie verwandelte er in eine geordnete Lebensweise, die durch äußerste Gesetzestreue und größten Eifer bei der Befolgung der Weisungen des Führers gekennzeichnet war. Dieses Volk war so unfruchtbar, dass in seinem Schoß über Hunderte von Jahren keine einzige bedeutende Persönlichkeit geboren worden war. Doch dieser zurückgezogen lebende Mann ließ aus ihm eine solche Vielzahl herausragender Persönlichkeiten hervorgehen. Um die Menschen der Welt die Lehren des Din und der Moral zu vermitteln, verbreiteten sie sich in alle Richtungen der Welt.
Moralische Handlungsweise
Diese Aufgabe vollbrachte er nicht durch Unterdrückung, Misshandlung, Täuschung und Betrug. Vielmehr vollbrachte er sie durch herzensgewinnende Güte, Höflichkeit und bezaubernde Unterweisung. Durch gutes Verhalten verwandelte er Feinde in Freunde. Durch Zuneigung und Gnade erweichte er die Herzen. Durch Gerechtigkeit und Recht regierte er das Land. Von Wahrheit und Aufrichtigkeit wich er niemals auch nur um ein Haarbreit ab. Auf dem Schlachtfeld betrog er niemanden. Selbst seine Todfeinde unterdrückte er nicht. Auf dem Schlachtfeld betrog er niemanden. Selbst seine Todfeinde unterdrückte er nicht. Nachdem er über jene gesiegt hatte, die nach seinem Blut dürsteten, die ihn durch Steinwürfe verwundet, ihn gezwungen hatten, seine Heimat zu verlassen, ganz Arabien gegen ihn als Feind aufgebracht und in ihrem Übermaß an Feindschaft und Groll sogar die Leber seines Onkels herausgerissen und zerkaut hatten, vergab er ihnen dennoch. Wegen des Unrechts, das ihm selbst zugefügt worden war, nahm er an niemandem Rache.
Trotz alledem war seine Selbstbeherrschung ohnegleichen. Seine Losgelöstheit von weltlichen Interessen war so weit fortgeschritten, dass er selbst nach seiner Ernennung zum König des ganzen Landes so arm blieb wie zuvor. Er lebte unter einem Dach aus Gras und Blättern. Eine Matte war sein Bett. Er trug grobe Kleidung. Er aß die Speise der Armen. Oft blieb er hungrig. Die ganze Nacht war er mit der Anbetung Allahs beschäftigt. Er half den Armen und Notleidenden und kümmerte sich um sie. Niemals zögerte er, wie ein Arbeiter körperliche Arbeit zu verrichten. Bis zu seinem letzten Augenblick war in ihm nicht die geringste Spur königlicher Pracht, des Glanzes der Wohlhabenden oder des Hochmuts der Reichen zu finden. Wie ein gewöhnlicher Mensch verkehrte er mit allen. An ihren Nöten, Unglücksfällen, Sorgen und Leiden nahm er teil. Er saß unter den einfachen Leuten auf eine Weise, dass es einem von außen kommenden Besucher schwergefallen wäre, in jener Versammlung den Führer des Volkes und das Staatsoberhaupt ausfindig zu machen. Obwohl er eine so herausragende Persönlichkeit war, behandelte er selbst die geringsten und unbedeutendsten Menschen so, dass man hätte meinen können, auch sie seien wie er. Nach einem ganzen Leben des Ringens und Strebens hinterließ er nichts für sich selbst. Sein gesamtes zurückgelassenes Eigentum vermachte er der Gemeinschaft als Waqf. Gegenüber seinen Anhängern beanspruchte er keinerlei Vorrecht für sich oder seine Kinder. Aus Furcht, seine Anhänger könnten in Zukunft die gesamte Zakat seinen Kindern und niemand anderem geben, entzog er sogar seinen eigenen Kindern das Recht, Zakat anzunehmen.
Der Begründer der modernen Zeit
Die großen Taten dieser großen Persönlichkeit nehmen kein Ende. Um eine angemessene Vorstellung von seiner hohen Stellung zu gewinnen, müssen wir nun einen umfassenden Blick auf die Weltgeschichte werfen. Dort wird sich zeigen, dass dieser ungebildete Mann aus der arabischen Wüste, der vor vierzehnhundert Jahren im Zeitalter der Finsternis geboren wurde, in Wirklichkeit der Begründer der modernen Zeit und der Führer der ganzen Welt ist. Er ist nicht nur der Führer jener, die ihn als Führer anerkennen, sondern auch jener, die ihn nicht als Führer anerkennen. Ihnen ist nicht einmal bewusst, wie seine Führung mit ihrem Denken, ihrer Lebensweise, ihrer Handlungsordnung und mit dem innersten Wesen ihrer modernen Zeit verflochten ist, während sie gegen denjenigen Propaganda betreiben, dessen Führung dies alles prägt.
Dieser Mann hat die Richtung des Denkens der Menschen auf der ganzen Welt verändert. Er führte sie vom Idealismus, Aberglauben, der Verehrung wundersamer Dinge und dem Asketismus zum Rationalismus, Realismus und einer auf echter Gottesfurcht beruhenden Religiosität zurück. In einer Welt, in der die Vertreter und Anspruchsteller wahrnehmbarer Wunder auftraten, erweckte er die Neigung, intellektuelle Wunder zu begreifen und gerade sie als Maßstab der Wahrheit anzuerkennen. Er öffnete den Augen jener, die in Ausnahmen von den Naturgesetzen nach Zeichen der Macht Allahs suchten, und schuf in ihnen die Gewohnheit, Allahs Zeichen in den Naturerscheinungen (Natural Phenomena) zu erkennen. Die Menschen, die sich dem Spiel der Fantasie hingaben, führte er statt zur Spekulation (Speculation) auf den Weg des Rationalismus, des Denkens, der Beobachtung und der Forschung. Er machte den Menschen die Grenze bewusst, die Verstand und Gefühl voneinander scheidet. Er stellte eine Verbindung zwischen Materialismus und Spiritualismus her. Er schuf eine Verbindung zwischen Religion und Wissen und Handeln sowie zwischen Wissen und Handeln und Religion. Mit Hilfe religiöser Kraft schuf er in der Welt wissenschaftliche Kraft und mit wissenschaftlicher Hilfe eine wahrhaftige Religiosität. Er riss die Grundfesten der Schöpfungsverehrung und des Schirk ein und befestigte durch die Kraft des Wissens den Glauben an den Tauhid so fest, dass die Religion der Muschrikun und der Götzenanbeter gezwungen war, sich mit der Farbe des Einheitsglaubens zu färben. Er veränderte die grundlegenden Vorstellungen von Moral und Spiritualität. Jenen, die Askese und Selbstkasteiung für die wahre Moral hielten und nach deren Ansicht geistiger Aufstieg und Erlösung im Jenseits nicht möglich waren, wenn man die Rechte des Körpers und der Triebe erfüllte und am weltlichen Leben teilnahm, zeigte er den Weg zur Größe der Moral, zum geistigen Aufstieg und zur Erlösung im Jenseits mitten in Gesellschaft, Kultur und weltlicher Berufstätigkeit. Er war es, der den Menschen über seinen wahren Wert und seine Würde aufklärte. Jenen, die niemanden außer Gott, einem Avatar oder dem Sohn Allahs als Wegweiser und Führer anzuerkennen bereit waren, erklärte er, dass Menschen wie sie selbst Vertreter des himmlischen Reiches und Kalifen Allahs, des Herrn der Welten, sein können. Jenen, die jeden Mächtigen für ihren Gott hielten, machte er verständlich, dass der Mensch nichts anderes als ein Mensch ist. Niemand wurde von Geburt an mit dem Recht auf Reinheit, Herrschaft und Oberhoheit geboren. Niemand wurde mit dem Makel der Unreinheit, der Knechtschaft, der Sklaverei und der Unterordnung geboren. Diese Lehre wurde zur Quelle der Einheit der Menschheit, der Gleichheit, der Demokratie und der Freiheit des Denkens in der Welt.
Wenn man aus der Welt der Gedanken heraustritt und die Sache betrachtet, wird man erkennen, dass die praktischen und wirksamen Folgen der Führung dieses Analphabeten auf dem Gebiet der Gesetze, Methoden und Ordnungen der Welt außerordentlich umfassend und grenzenlos sind. Unzählige Grundsätze und Methoden der Moral, der Zivilisation, der Kultur, des Anstands, der Reinheit und der Sauberkeit gingen aus seiner Lehre hervor und verbreiteten sich über die ganze Welt. Die gesellschaftliche Ordnung, die er einführte, wurde von der ganzen Welt weitgehend angenommen und wird noch immer angenommen. Auf der Grundlage der wirtschaftlichen Ordnung, die er vorgab, sind zahlreiche wirtschaftliche Bewegungen in der Welt entstanden und entstehen weiterhin. Durch die von ihm angewandte Staatsführung haben sich bis heute zahlreiche Revolutionen im politischen Denken der Welt vollzogen und vollziehen sich noch immer. Die Grundprinzipien von Gerechtigkeit und Recht, die er formulierte, haben die Rechtssysteme und das Rechtsdenken der Welt in großem Umfang beeinflusst, und ihr Einfluss wirkt noch immer still fort. Auf dem Gebiet des Krieges, des Friedens und der internationalen Beziehungen führte er in der Praxis selbst zivilisierte Formen und Ordnungen ein. Vor ihm wusste die Welt überhaupt nicht, dass es auch im Krieg zivilisierte Regeln und Grundsätze geben könne und dass zwischen verschiedenen Völkern auf der Grundlage der Menschlichkeit Beziehungen hergestellt und gegenseitige Geschäfte geführt werden könnten.
Die Vereinigung aller vortrefflichen Eigenschaften
In der Geschichte der gesamten Menschheit ist die erhabene und herausragende Persönlichkeit dieser erstaunlichen Person so überaus deutlich und strahlend, dass die größten Persönlichkeiten der Geschichte von Anfang an bis heute – jene, die man als Denker und Helden (Heroes) bezeichnet hat – im Vergleich zu ihm vor ihm wie kleine Zwerge erscheinen würden. Unter den großen Persönlichkeiten der Welt gibt es nicht einen einzigen, dessen herausragende und vortreffliche Eigenschaften über ein oder zwei Bereiche des Lebens hinausgreifen konnten. Einige von ihnen verkündeten Lehren, besaßen jedoch nicht die Fähigkeit, sie umzusetzen. Manche waren im Handeln geschickt, aber im Denken schwach. Die Macht anderer war auf politische Fähigkeiten beschränkt. Wieder andere besaßen lediglich militärische Verdienste. Der Blick mancher drang so tief in einen einzigen Bereich des gesellschaftlichen Lebens ein, dass alle anderen Bereiche völlig vernachlässigt wurden. Einige schritten auf dem Weg der Moral und Spiritualität voran und vernachlässigten Wirtschaft und Politik gänzlich. Andere widmeten sich Wirtschaft und Politik und ließen Moral und Spiritualität völlig außer Acht. Kurz gesagt: In der Geschichte begegnen uns nur einseitige große Persönlichkeiten. Doch diese Person ist in dieser Hinsicht die einzige Ausnahme. In ihr haben sich alle Eigenschaften vereinigt. Sie ist selbst Philosoph und Gelehrter. Ihre eigene Philosophie setzt sie selbst im praktischen Leben um. Sie ist Staatsmann und zugleich Feldherr. Sie ist Gesetzgeber und zugleich Lehrer der Moral. Andererseits ist sie auch religiöser und spiritueller Führer. Ihr Blick erstreckt sich auf alle Bereiche des menschlichen Lebens und übersieht nicht einmal dessen kleinste Einzelheiten. Von den Umgangsformen beim Essen und Trinken und den Methoden der Körperpflege bis hin zu den internationalen Beziehungen gibt sie zu jedem einzelnen Bereich Regeln und Anweisungen. Auf der Grundlage ihrer Lehre ließ sie eine Zivilisation (Civilization) entstehen und stellte in den verschiedenen Lebensbereichen ein vollkommenes Gleichgewicht (equilibrium) her. Nirgends findet sich auch nur die geringste Spur von Einseitigkeit. Wird sich in den Seiten der Geschichte der Name eines zweiten Menschen finden lassen, der eine solche Fülle aller Vorzüge besaß?
Über die Umwelt hinaus
Es gibt keinen einzigen der größten Denker der Welt, der nicht mehr oder weniger ein Produkt seiner eigenen Umwelt wäre. Doch die Lage dieser Person ist von der aller anderen verschieden. Ihre Umwelt hatte bei der Bildung ihrer Persönlichkeit nicht den geringsten Einfluss. Mit keinerlei Argumenten oder Beweisen lässt sich zeigen, dass die arabische Region und ihre Umwelt damals historisch darauf vorbereitet gewesen wären, eine solche Person hervorzubringen. Mit großer Mühe kann man allenfalls sagen, dass Arabien aus historischen Gründen zu jener Zeit einen solchen Führer benötigte. Er hätte die Stammeswirren und die Gesetzlosigkeit beendet, die Stämme in den Bund einer gemeinsamen Nation gefügt und durch die Eroberung eines Landes nach dem anderen den Weg zum wirtschaftlichen Wohlstand der Araber gebahnt. Das heißt: einen arabischen Nationalistenführer, der alle Eigenschaften jener Zeit in sich getragen hätte. Durch Unterdrückung, Verfolgung, Blutvergießen, Betrug, Täuschung und überhaupt durch alle möglichen Mittel hätte er seine Nation wohlhabend gemacht. Er hätte ein Imperium errichtet und es seinen unterentwickelten Landsleuten hinterlassen. Darüber hinaus lässt sich kein weiteres Erfordernis der arabischen Geschichte jener Epoche nachweisen. Aus der Sicht von Hegels Geschichtsphilosophie und Marx’ materialistischer Deutung der Geschichte kann man höchstens sagen, dass es in den damaligen Verhältnissen Arabiens notwendig oder möglich war, dass eine Person erschien, die zur Bildung einer Nation und zur Errichtung eines Imperiums fähig war. Doch wie werden die hegelsche und die marxistische Philosophie erklären, was tatsächlich geschah? In jener Zeit wurde in dieser Umwelt eine Person geboren, die die beste Moral lehrte und die Menschheit schmückte und ordnete. Ihr Blick überschritt die Grenzen von Abstammung, Stamm, Nation und Land und schuf für die gesamte Menschheit eine moralische, spirituelle, kulturelle und politische Ordnung. Sie zeigte, wie wirtschaftliche Verwaltung, staatliche Gesetze und internationale Beziehungen nicht in der Welt der Vorstellungen, sondern in der Wirklichkeit auf eine moralische Grundlage gestellt werden können, und verwirklichte eine so ausgewogene Verbindung von Spiritualität und Materialismus, die damals wie heute als höchste Leistung von Wissen und Weisheit gilt. Kann man eine solche Persönlichkeit als ein Produkt der damaligen unwissenden und heidnischen Umwelt Arabiens bezeichnen?
Schöpfer der Geschichte
Diese Person ist nicht bloß ein Produkt ihrer Umwelt; vielmehr erkennen wir bei der Betrachtung ihrer Taten, dass sie frei von den Grenzen und Einflüssen von Raum und Zeit war. Ihr Blick durchbrach die Fesseln von Zeit und Umständen und schritt über die Grenzen von Jahrhunderten und Jahrtausenden (Millenniums) hinaus voran. Sie betrachtete den Menschen im Licht aller Zeitalter und Umstände. Zugleich gab sie für die Lebensführung des Menschen solche moralischen und praktischen Anweisungen, die unter allen Umständen angemessen anwendbar sind. Sie gehört nicht zu jenen, die die Geschichte in die Liste der Alten aufgenommen hat. Ihre wahre Einordnung lässt sich nur so geben: Sie war der größte Führer ihres Zeitalters. Sie war von allen anderen verschieden und einzigartig. Sie war eine solche Führerin der Menschheit, deren Führung mit dem fortschreitenden Lauf der Geschichte Schritt hält und in jedem Zeitalter ebenso modern erscheint, wie sie es in ihrem eigenen Zeitalter war.
Jene, die pauschal als Schöpfer der Geschichte bezeichnet werden, sind in Wirklichkeit Geschöpfe der Geschichte. In der gesamten Geschichte der Menschheit findet sich nur dieser eine wahrhaftige Schöpfer der Geschichte. Betrachtet man den Zustand all jener, die in der Geschichte Revolutionen hervorgerufen haben, mit prüfendem Blick, so wird man feststellen, dass die Elemente der Revolution bereits zuvor im Entstehen begriffen waren. Diese Elemente bestimmten entsprechend ihren Erfordernissen die Richtung und den Weg der Revolution. Welche Rolle hat der revolutionäre Führer in diesem Fall gespielt? Er spielte die Rolle eines Schauspielers, der die Erfordernisse der Zustände und der Umwelt in die Wirklichkeit umsetzte, wobei für ihn die Bühne und alle Einzelheiten der Darstellung bereits vorbereitet und festgelegt waren. Doch unter den Schöpfern der Geschichte und den Urhebern von Revolutionen war er der Einzige, der eine Ausnahme bildete. Für ihn waren die Elemente und Ursachen der Revolution nicht vorhanden. Daher erfand und schuf er selbst die Elemente und Ursachen der Revolution. Wo sich unter den Menschen weder der Lebensgeist noch die wirksame Fähigkeit zur Revolution fanden, bildete er durch eigene Anstrengung eine für die Hervorbringung der Revolution geeignete menschliche Kraft heran. Er löste seine gewaltige Persönlichkeit gleichsam auf, goss sie in die Herzen Tausender Menschen und formte sie nach seinem eigenen inneren Bild. Seine Macht und sein Wille schufen sämtliche Elemente der Revolution und bestimmten ihre Gestalt und ihr Wesen; durch die Kraft seiner Entschlossenheit veränderte er den Lauf der Verhältnisse und lenkte ihn auf das von ihm angestrebte Ziel. Hat es irgendwo auf der Welt und in irgendeinem Zeitalter einen solchen Schöpfer der Geschichte und einen solchen Revolutionär gegeben?
Vollkommene Wahrhaftigkeit
Wie konnte in der finsteren Welt vor vierzehnhundert Jahren, in dieser entlegenen Gegend eines so finsteren Landes wie Arabien, in einem nomadisierenden, ungebildeten Hirten und Kaufmann plötzlich ein solches Übermaß an Wissen, Licht, Kraft und vorzüglichen Eigenschaften sowie ein derart hohes Maß an geschulter Kraft entstehen? Man sagt, all dies sei eine Schöpfung seines Geistes und Verstandes gewesen. Ich aber sage: Wenn dies tatsächlich eine Schöpfung seines Geistes und Verstandes gewesen wäre, hätte er nicht das Prophetentum, sondern die Göttlichkeit für sich beanspruchen müssen. Hätte er einen solchen Anspruch wirklich erhoben, so hätten manche Menschen keineswegs gezögert, einen so allseitig vollkommenen Menschen wie ihn als Gott anzuerkennen. Denn sie hatten bereits Rama zu einem Gott gemacht, Sri Krishna ohne Zögern als Gott angenommen, Gautama Buddha selbst auf den Thron der Gottheit gesetzt, ʿĪsā (Friede sei mit ihm) freiwillig zum Sohn Allahs gemacht und sogar Feuer, Wasser und Luft verehrt. Doch was er selbst gesagt hat, ist wahrlich höchst bemerkenswert. Für all diese seine Eigenschaften beansprucht er keinerlei Verdienst. Er sagt: Ich bin ein Mensch, ein Mensch wie ihr. Nichts von dem, was ich besitze, gehört mir selbst; alles gehört Allah, und alles ist mir von Ihm geschenkt worden. Auch die Botschaft, die ich gebracht habe und derengleichen die gesamte Menschheit nicht hervorzubringen vermag, stammt nicht von mir und ist nicht das Ergebnis meiner intellektuellen Fähigkeiten. Jedes ihrer Worte ist von Allah zu mir gelangt. Daher ist allein Allah des Lobes würdig. Keines der Verdienste, die ich erworben habe, keines der Gesetze, die ich erlassen habe, und keine der moralischen Grundsätze, die ich die Menschen gelehrt habe, ist von mir selbst geschaffen. Aus meiner persönlichen Befähigung heraus bin ich nicht in der Lage, irgendetwas vorzubringen. In jeder Angelegenheit bin ich auf Allahs Führung und Weisung angewiesen. Was von dort als Hinweis kommt, das sage und das tue ich.
Was für eine erstaunliche Wahrheit! Welche wunderbare Vertrauenswürdigkeit und Wahrhaftigkeit! Lügner zögern nicht im Geringsten, sich die hervorragenden Taten anderer als eigene Verdienste anrechnen zu lassen, um groß zu erscheinen. Dabei ist es keineswegs schwierig, den Ursprung jener Taten ausfindig zu machen. Doch dieser Mann beansprucht nicht einmal solche Eigenschaften als seine eigenen, die, wenn er sie als sein Verdienst bezeichnete, niemand als Lüge widerlegen könnte. Denn niemand kennt einen Weg, ihren Ursprung zu ermitteln. Welchen größeren Beweis für Wahrhaftigkeit könnte es geben? Wer von einer äußerst verborgenen Quelle solche beispiellosen Eigenschaften erhalten hat und ohne jedes Zögern den Hinweis auf seine wahre Quelle gibt – wer könnte wahrhaftiger sein als er? Wenn wir ihn nicht wahrhaftig nennen, wen sollten wir dann wahrhaftig nennen?
Die Argumente des Qurans zugunsten des Prophetentums von Hazrat Muhammad (s.a.s.)
Einige wichtige Argumente – [Die im Quran enthaltene Erörterung und Beweisführung über das Prophetentum Muhammads ist so umfassend und weitreichend, dass es nicht möglich ist, sie in einem einzigen Aufsatz vollständig darzustellen. Außerdem würde die von Maulana Maududi vorgenommene Erklärung und Analyse der Argumente und Beweise des Qurans, wenn man sie zusammenfasste, den Umfang eines eigenen Buches annehmen. Unter Berücksichtigung all dieser Gesichtspunkte geben wir hier die kurze Erörterung des Maulana über einige besonders wichtige Argumente wieder. – (Der Herausgeber)]
Im Quran heißt es:
(Arabisch*****************(auf PDF-Seite 109)
„O Prophet! Du hast zuvor weder ein Buch gelesen noch mit eigener Hand geschrieben. Wenn es so gewesen wäre, hätten die Anhänger des Falschen Zweifel hegen können. Vielmehr sind dies klare Zeichen in den Herzen derjenigen, denen Wissen gegeben wurde.“ – (Sure al-ʿAnkabūt: 48–49)
Der Kern der in diesem Vers dargelegten Argumentation besteht darin, dass der Hochgeehrte (s.a.w.) schriftunkundig war. Seine Landsleute, Verwandten, Familienangehörigen und Angehörigen seines Stammes hatten ihn von seiner Geburt bis zu seiner Jugend mit eigenen Augen gesehen. Sie wussten sehr genau, dass er sein ganzes Leben lang kein Buch gelesen und niemals einen Schreibstift in die Hand genommen hatte.
Seine Schriftunkundigkeit ist selbst ein Beweis für sein Prophetentum
Unter Hinweis auf die Tatsache, dass er schriftunkundig war, sagte Allah: Daraus wird eindeutig ersichtlich, dass die tiefen und umfassenden Kenntnisse über die Lehren der himmlischen Schriften der Vorzeit, die Lebensgeschichten der früheren Propheten, die Glaubensvorstellungen und Überzeugungen verschiedener früherer Religionen, die Geschichte der Urvölker sowie Fragen der Wirtschaft und der gesellschaftlichen Ordnung, die aus dem Mund dieses schriftunkundigen Propheten hervorgehen, auf keinem anderen Wege als durch die Offenbarung in seinen Besitz gelangt sein konnten. Wenn er des Lesens und Schreibens kundig gewesen wäre und die Menschen ihn Bücher lesen sowie forschen und nach Wissen suchen gesehen hätten, hätten die Anhänger des Falschen vielleicht eine Grundlage für den Verdacht gehabt, dass dieser gewaltige Wissensschatz nicht durch Offenbarung, sondern durch Lesen, Schreiben und die Suche nach Wissen erworben worden sein könnte. Doch die völlige Schriftunkundigkeit des Propheten ließ für einen solchen Verdacht überhaupt keinen Raum. – [Angesichts dieser unmissverständlichen Darlegung des Korans und seiner vollkommenen Beweisführung kann man sich nur über die Dreistigkeit jener wundern, die dennoch zu beweisen versuchen, dass der Hochgeehrte (s.a.w.) gebildet gewesen sei. Dabei hat der Koran hier in klaren Worten seine Schriftunkundigkeit als unwiderlegbaren Beweis für sein Prophetentum angeführt. Die Überlieferungen, auf die man sich stützt, wenn behauptet wird, der Hochgeehrte (s.a.w.) sei gebildet gewesen oder habe später Lesen und Schreiben gelernt, verdienen schon grundsätzlich zurückgewiesen zu werden. Denn keine Überlieferung, die dem Koran widerspricht, kann angenommen werden. Außerdem sind sie so schwach, dass sie überhaupt nicht als Grundlage eines Arguments dienen können. Eine davon ist die von al-Buchari überlieferte Geschichte über den Vertrag von Hudaybiyya. Darin heißt es, dass der Vertreter der ungläubigen Mekkaner beim Aufsetzen des Friedensvertrags zum Hochgeehrten (s.a.w.) sagte: Streiche aus „Muhammad, der Gesandte Allahs“ die Worte „der Gesandte Allahs“ und schreibe „Muhammad ibn Abdallah“ (Muhammad, der Sohn Abdallahs). ʿAli weigerte sich, die Worte „der Gesandte Allahs“ zu streichen. Daraufhin nahm der Hochgeehrte (s.a.w.) das Vertragsdokument aus seiner Hand, strich die betreffenden Worte eigenhändig durch und schrieb „Muhammad ibn Abdallah“. Dieser Hadith, der nach Aussage des Gefährten Bara ibn ʿAzib überliefert wurde, ist an vier Stellen in al-Buchari und an zwei Stellen in Muslim angeführt, und an jeder Stelle weist er Unterschiede auf. In einem Kapitel al-Bucharis über den Vertrag lautet eine Überlieferung folgendermaßen:
(Arabisch*****************auf PDF-Seite 110)
„Der edle Gesandte Allahs (s.a.w.) sagte zu ʿAli (r.a.): Streiche diese Worte durch. ʿAli (r.a.) sagte: Ich kann sie nicht durchstreichen. Schließlich strich der Hochgeehrte sie eigenhändig durch.
Zweitens lautet der Wortlaut einer anderen Überlieferung al-Bucharis folgendermaßen:
(Arabisch*****************auf PDF-Seite 110)
„Darauf sagte er zu Hazrat Ali (r.a.): ‚Streich die Worte »Rasulullah« durch.‘ Ali (r.a.) sagte: ‚Nein, bei Allah, ich werde deinen Namen niemals durchstreichen.‘ Darauf nahm der Prophet (s.a.s.) die Friedensurkunde an sich und schrieb darauf: ‚Dies ist ein von Muhammad, dem Sohn Abdullahs, abgefasstes Abkommen.‘“
Drittens: Im Kapitel über die Dschizya ist die dritte Überlieferung al-Bucharis angeführt, die über Bara ibn Asib überliefert wird. Darin heißt es: (Arabisch*****************auf PDF-Seite 110)
„Der Prophet (s.a.s.) konnte selbst nicht schreiben. Er sagte zu Hazrat Ali (r.a.): ‚Streich die Worte »Rasulullah« durch.‘ Hazrat Ali (r.a.) sagte: ‚Bei Allah, ich werde sie niemals durchstreichen.‘ Darauf sagte der Prophet (s.a.s.): ‚Dann zeige mir die Stelle, an der diese Worte geschrieben stehen.‘ Er zeigte dem Propheten (s.a.s.) die Stelle. Darauf strich der Prophet (s.a.s.) die Worte eigenhändig durch.“
Viertens: Die vierte Überlieferung al-Bucharis ist im Kitab al-Maghazi (dem Kapitel über Kriegszüge und kriegerische Auseinandersetzungen) angeführt. Sie lautet:
(Arabisch*****************(auf PDF-Seite 110)
„Darauf nahm der Prophet (s.a.s.) die Friedensurkunde in die Hand, obwohl er nicht schreiben konnte. Er schrieb: ‚Dies ist ein von Muhammad, dem Sohn Abdullahs, abgefasstes Abkommen.‘“
Fünftens: In Muslims Kitab al-Dschihad ist eine weitere Überlieferung von Bara ibn Asib aufgezeichnet. Darin heißt es, dass der Prophet, nachdem Hazrat Ali (r.a.) sich geweigert hatte, die Worte „Rasulullah“ eigenhändig durchstrich.
Sechstens: In einer anderen Überlieferung bei Muslim heißt es, dass der Gesandte Allahs (s.a.s.) zu Hazrat Ali (r.a.) sagte: ‚Zeige mir, wo die Worte »Rasulullah« stehen.‘ Hazrat Ali (r.a.) zeigte ihm die Stelle. Darauf strich der Prophet diese Worte durch und schrieb dort: ‚der Sohn Abdullahs‘. Aus diesen unterschiedlichen Formulierungen der Überlieferungen wird deutlich, dass der Überlieferer in der Überlieferungskette die Aussage von Hazrat Bara ibn Asib nicht wortgetreu wiedergegeben hat. Das Wort ‚Abdullah‘ hatte der Prophet eigenhändig geschrieben. Der tatsächliche Vorgang könnte auch so gewesen sein, dass der Prophet, als Hazrat Ali (r.a.) sich weigerte, die Worte ‚Rasulullah‘ durchzustreichen, von ihm erfragte, wo sich diese Stelle befand, und sie dann eigenhändig durchstrich; anschließend ließ er Hazrat Ali (r.a.) oder einen anderen Schreiber ‚Ibn Abdullah‘ schreiben. Aus anderen Überlieferungen geht hervor, dass möglicherweise Ali und Muhammad ibn Maslama (r.a.) beide als Schreiber mit dem Aufsetzen der Friedensurkunde beauftragt waren. (Fath al-Bari, Band 5, S. 217.) Wenn also ein Schreiber eine bestimmte Arbeit nicht übernehmen wollte und sie von einem anderen Schreiber ausführen ließ, ist das keineswegs verwunderlich.
Auf Grundlage einer anderen Überlieferung, die Ibn Abi Schaiba und Amr ibn Maybar unter Berufung auf Mudschahid zitiert haben, wird behauptet, dass der ehrenwerte Gesandte Allahs (s) lesen und schreiben konnte. Diese Überlieferung lautet:(Arabisch*****************(auf PDF-Seite 111)
„Der ehrenwerte Gesandte Allahs (s) hatte vor seinem Tod Lesen und Schreiben erlernt.“ Hinsichtlich der Überlieferungskette ist diese Überlieferung jedoch äußerst schwach. Hafiz Ibn Kathir bezeichnete sie als unbegründet und schwach. Zweitens: Wenn der ehrenwerte Prophet (s) tatsächlich später Lesen und Schreiben gelernt hätte, wäre dies allgemein bekannt geworden. Viele Sahaba hätten davon berichtet, und es wäre ebenfalls bekannt geworden, von wem genau der ehrenwerte Prophet (s) Lesen und Schreiben gelernt hatte. Doch außer Aun ibn Abdallah hat niemand diese Überlieferung weitergegeben. Mudschahid erfuhr dies von Aun. Auch Aun war kein Sahabi, sondern ein Tabi’i (ein unmittelbarer Nachfolger der Sahaba), und auch er gab nicht mit Gewissheit an, von welchem Sahabi oder welchen Sahaba er diese Information erhalten hatte. Auch unter diesem Gesichtspunkt ist die Schwäche dieser Überlieferung offenkundig. Auf der Grundlage einer derart schwachen Überlieferung kann keine Aussage angenommen werden, die den tatsächlichen Sachverhalt widerlegt.]
Dass ein Analphabet ein Buch wie den Koran hervorbrachte und äußerlich ohne jede vorherige Vorbereitung eine außergewöhnliche Begabung und Reife an den Tag legte, ist zweifellos höchst ungewöhnlich. Für gelehrte und aufmerksame Menschen sind dies die deutlichsten Zeichen für die Prophetenschaft dieses Analphabeten – auch in dem Artikel mit dem Titel „Die muhammadische Prophetenschaft auf dem Prüfstein der Persönlichkeit“ wird dieses Argument erörtert. Dort wird das Thema jedoch behandelt, ohne die Argumentation des Korans zu analysieren. –(Der Herausgeber.)– Bei der Untersuchung der Biografie irgendeiner historischen Persönlichkeit wird man feststellen, dass die in ihrer Umgebung wirksamen Ursachen für die Ausbildung ihrer Persönlichkeit und die Entfaltung ihrer Begabung dort aufzufinden sind. Zwischen den Faktoren, die ihre Persönlichkeit formten, und ihrer Umgebung besteht eine deutliche Übereinstimmung. Doch die wunderbaren Eigenschaften, die sich in der Persönlichkeit des ehrenwerten Muhammad (s) finden, lassen sich nirgendwo auf diese Weise erklären. In der arabischen Gesellschaft schon gar nicht. Auch in den Gesellschaften der Länder, zu denen die Araber Beziehungen unterhielten, findet sich selbst in den entferntesten Umgebungen kein Faktor, der auch nur die geringste Ähnlichkeit mit den Elementen der Persönlichkeit des ehrenwerten Muhammad (s) aufwiese. Vor dem Hintergrund dieser tatsächlichen Wahrheit kam die oben erwähnte Ansammlung von Zeichen zustande. –[Hier antwortet der Koran denjenigen Anklägern, die als Vorbedingung für die Anerkennung der Prophetenschaft des großen Propheten (s) die Vorweisung eines Wunders verlangten. –(Der Herausgeber.)] Es spielt keine Rolle, wenn unwissende Menschen in ihm kein Zeichen erkennen. Die Gelehrten jedoch haben aus diesen Zeichen verstanden, dass er Träger dieser beispiellosen Begabung war und nichts anderes als ein Prophet sein konnte.
(Arabisch*****************(auf PDF-Seite 112)
„Sie sagen: Warum wurden diesem Mann keine Zeichen von seinem Herrn herabgesandt? Sprich: Die Zeichen befinden sich allein bei Allah. Ich bin nur gekommen, um unmissverständlich zu warnen. Genügt ihnen etwa nicht, dass Wir dir das Buch hinabgesandt haben und es ihnen vorgetragen wird? Wahrlich, darin liegen Barmherzigkeit und eine Ermahnung für die Gläubigen.“ –(Sure al-Ankabut: 50–51)
Mit anderen Worten: Ist es nicht bereits ein großes Wunder, dass dir trotz deines Analphabetentums ein Buch wie der Koran herabgesandt wurde? Ist dies nicht ausreichend, um an deine Prophetenschaft zu glauben? Bedarf es danach noch irgendeines weiteren Wunders? Die übrigen Wunder sind anderer Art. Nur diejenigen, die sie gesehen haben, bekommen sie vorgetragen, und so wird es auch weiterhin sein. Ihr könnt sie nicht jederzeit sehen.
Das Leben vor der Prophetenschaft als Beweis vorführen
(Arabisch*****************(auf PDF-Seite 112)
„Ich habe bereits einen Teil meines Lebens unter euch verbracht.“ – (Sure Yunus: 16)
Die polytheistischen Quraisch waren der Ansicht, dass der Koran eine von Muhammad (s.) selbst erdichtete Schrift sei. Er wolle sie lediglich grundlos als von Allah stammend ausgeben. Muhammad (s.) hingegen behauptete, dass dies nicht seine eigene Schrift sei, sondern ihm durch Offenbarung von Allah herabgesandt worden sei. Der oben angeführte Vers führt zur Widerlegung jener Ansicht der Polytheisten und zur Unterstützung der Behauptung des Propheten ein starkes Argument an. Die anderen Argumente und Beweise wollen wir einmal beiseitelassen. Doch Muhammads (s.) tatsächliches Leben lag ja vor ihren Augen. Vor Beginn seiner Prophetenschaft hatte er ganze vierzig Jahre unter ihnen verbracht. Er war in ihrer Stadt geboren worden. Vor ihren Augen hatte er Kindheit und Jugend durchlebt und das reife Alter erreicht. Sein gesamter gesellschaftlicher Umgang – sein Kommen und Gehen, Wohnen und Essen, seine Kontakte, Geschäfte, Heirat und dergleichen – war mit ihnen verbunden. Nichts in seinem Leben war ihnen unbekannt oder verborgen. Welcher Beweis könnte zwingender sein als eine solche genaue Kenntnis und unmittelbare Anschauung? In seinem Leben waren zwei Dinge ganz besonders deutlich, und jeder Bewohner Mekkas wusste davon.
Erstens: Während seines gesamten vierzigjährigen Lebens vor der Prophetenschaft hatte er weder eine Ausbildung noch eine Gesellschaft erfahren, in der sich irgendeine Quelle für das vielfältige Wissen finden ließe, das er unmittelbar nach der Erhebung zum Propheten erkennen ließ. Die Themen, die in den Suren des Korans fortlaufend behandelt werden, hatte man ihn vor der Herabsendung des Korans niemals bedenken, besprechen oder seine Meinung dazu äußern sehen. Selbst während der ganzen vierzig Jahre war weder seinen engen Freunden noch seinen nahen Verwandten in seinem Verhalten und seinen Worten irgendein Anzeichen einer Vorbereitung oder Planung für die plötzlich mit dem Erreichen des vierzigsten Lebensjahres begonnene Einladung aufgefallen. Daraus geht eindeutig hervor, dass der Koran nicht die Frucht seines Verstandes ist, sondern seinen Ursprung irgendwo außerhalb hatte und in ihn hineingelangte. Denn der menschliche Verstand ist nicht fähig, auf irgendeiner Lebensstufe plötzlich etwas hervorzubringen. Ganz gleich, auf welcher Stufe er etwas hervorbringt: Auf der vorhergehenden Stufe werden sich stets Anzeichen seiner Vorbereitung, Entwicklung und Reifung gezeigt haben. Deshalb erkannten einige kluge Leute in Mekka, dass es geradezu töricht wäre zu behaupten, der Koran sei aus dem Verstand des Propheten (s.) hervorgegangen. Darum wechselten sie ihre Darstellung und begannen zu behaupten, im Hintergrund müsse es eine andere Person geben, die Muhammad (s.) all diese Worte beibringe. Doch diese Behauptung erwies sich als noch absurder als die vorige. Denn nicht nur in Mekka, sondern in ganz Arabien gab es keinen einzigen Menschen von einer solchen Befähigung, auf den man hätte zeigen und sagen können: Dieser oder jener habe diese Worte verfasst oder sei dazu fähig. Tatsächlich kann jemand mit einer solchen Befähigung in keiner Gesellschaft unbekannt und unbeachtet bleiben.
Das zweite herausragende Merkmal im vorprophetischen Leben des Propheten (s.) war, dass sich in seinem Charakter nicht einmal die geringste Spur von Lüge, Betrug, Täuschung, Schwindel, Niedertracht oder Gemeinheit fand. In der gesamten Gesellschaft gab es niemanden, der hätte sagen können, er habe während dieses langen vierzigjährigen Umgangs irgendeinen solchen Mangel in seinem Verhalten beobachtet. Im Gegenteil: Jeder, der mit ihm in Berührung kam, sah in ihm einen zutiefst wahrhaftigen, gerechten, charaktervollen und vertrauenswürdigen Menschen. Nur fünf Jahre vor seiner Berufung zum Propheten ereignete sich bei der Renovierung der Kaaba ein berühmter Vorfall. Zwischen den verschiedenen Stämmen der Quraisch brach ein Streit darüber aus, wer den heiligen Schwarzen Stein, den Hadschar al-Aswad, anheben und an seinen Platz zurücklegen sollte. Schließlich einigten sie sich darauf, denjenigen als Schiedsrichter anzuerkennen, der am nächsten Morgen als Erster das Heiligtum betreten würde. Am nächsten Tag stellte sich heraus, dass Muhammad (s.) als Erster das Heiligtum betreten hatte. Sobald sie ihn sahen, riefen sie laut: „Das ist doch dieser gerechte Mann! Wir sind einverstanden. Das ist Muhammad!“ Auf diese Weise ließ Allah noch vor seiner Berufung zum Propheten den gesamten Stamm der Quraisch förmlich für seine Gerechtigkeit Zeugnis ablegen. Wie könnte danach überhaupt der Gedanke aufkommen, dass jener al-Amīn jemals zu Unrecht und Unwahrheit greifen könnte? Wie wäre es möglich, dass ein Mensch, der sein ganzes Leben lang selbst in den kleinsten Dingen niemals gelogen oder betrogen hatte, plötzlich damit beginnen sollte, eine so große Lüge und einen derart schrecklichen Betrug zu begehen, indem er den Menschen einige selbst erdachte Worte vorträgt und sie als Worte Allahs ausgibt?
(Arabisch*******************************************auf Seite 114 der PDF)
„Und ebenso haben Wir dir auf Unseren Befehl hin einen Geist offenbart. Zuvor wusstest du weder, was die Schrift noch was der Glaube ist.“ – (Sure asch-Schura: 52)
Tatsächlich hatte der Gesandte Allahs (s.) vor dem Empfang der Prophetenschaft niemals auch nur daran gedacht, dass ihm irgendeine Schrift gegeben werden sollte oder dass dies bevorstand. Von den himmlischen Schriften und ihren Inhalten wusste er überhaupt nichts. Ebenso war sein Glaube an Allah aufrichtig. Doch er wusste nicht, dass man zugleich vieles über die Engel, die Prophetenschaft, die himmlischen Schriften und das Jenseits glauben muss. Auch für die Bewohner Mekkas war seine Verkündung der Prophetenschaft völlig plötzlich und unvorstellbar. Vor dieser überraschenden Verkündung konnte niemand bezeugen, jemals aus seinem Mund gehört zu haben, dass man an Allahs Schrift oder an dieses oder jenes glauben müsse. Es versteht sich von selbst, dass jemand, der schon vorher plante, sich selbst zum Propheten zu machen, seiner Prophetenschaft nicht derart gleichgültig gegenüberstehen könnte, dass diejenigen, die vierzig Jahre lang Tag und Nacht mit ihm verkehrten, kein einziges Wort über Schrift und Glauben aus seinem Mund hörten und er dann, unmittelbar nach Vollendung dieser vierzig Jahre, plötzlich begann, über all diese Dinge unaufhörlich Vorträge zu halten.
(Arabisch*******************************************auf Seite 114 der PDF)
„Du konntest niemals erwarten, dass dir das Buch herabgesandt werden würde. Es ist nur durch Allahs Gnade herabgesandt worden; so sei keinesfalls ein Helfer der Ungläubigen.“ (Sure al-Qasas 86) Diese Aussage wird als Beweis für die Prophetenschaft Muhammads (s) angeführt. Betrachten wir zunächst den Fall des Propheten Musa (a). Er wusste nicht im Geringsten, dass er ein Prophet werden und mit einer wichtigen Aufgabe betraut werden sollte. Von dem Wunsch oder Verlangen, ein Prophet zu werden, ganz zu schweigen: Nicht einmal der Gedanke an eine solche Möglichkeit war je in einem Winkel seines Herzens aufgetaucht. Plötzlich wurde er von der Straße herbeigerufen und zum Propheten gemacht, und durch ihn wurden so erstaunliche Taten vollbracht, dass es in seinem früheren Leben nichts gab, was ihnen auch nur im Entferntesten ähnelte. Genau dasselbe geschah im Leben Muhammads (s). Bis zu dem Tag, der seinem Herabsteigen aus der Höhle Hira mit der Verkündung seiner Prophetenschaft unmittelbar vorausging, wussten die Bewohner Mekkas sehr genau, wie er gelebt hatte, welcher Arbeit er nachging, wie er sprach, worüber er Gespräche führte und welche Art von Tätigkeiten und Neigungen er hatte. Es ist wahr, dass dieser Abschnitt seines Lebens in jeder Hinsicht ein leuchtendes Beispiel für Aufrichtigkeit, Wahrhaftigkeit, Vertrauenswürdigkeit und edlen Charakter war. Es war das Leben eines äußerst höflichen, überaus friedliebenden und harmlosen Menschen, der seine Versprechen und Verträge unverbrüchlich einhielt, sich sorgfältig darum bemühte, anderen ihre Rechte und Ansprüche zukommen zu lassen, und außergewöhnlich wohltätig war. Dies waren die herausragenden und außerordentlich bedeutsamen Eigenschaften seines Lebens. Dennoch gab es in ihm nichts, aus dem irgendjemand auch nur hätte vermuten können, dass dieser fromme und tugendhafte Mann schon bald den Anspruch auf die Prophetenschaft erheben würde. Niemand unter denen, die enge Beziehungen zu ihm unterhielten, zu seinen Verwandten, Nachbarn oder Freunden gehörten, konnte sagen, dass er sich schon zuvor auf die Prophetenschaft vorbereitet habe. Die besondere Sprache, die Fachterminologie und die Worte, die er unmittelbar nach jenem erschütternden Augenblick in der Höhle Hira zu den Themen zu verwenden begann, über die er plötzlich zu sprechen anfing, hatte zuvor niemand von ihm gehört. Niemals hatte er sich hingestellt, um eine Ermahnung oder eine Rede zu halten. Niemals war er mit einer Bewegung oder einer Daʿwa auf den Plan getreten. Keine seiner Aktivitäten ließ erkennen, dass er plante, ein Programm zur Lösung der Probleme des gesellschaftlichen Lebens oder zur religiösen beziehungsweise moralischen Reform in Angriff zu nehmen. Noch am Tag vor jenem revolutionären Augenblick verbrachte er fröhlich Zeit mit seinen Kindern, kümmerte sich um Gäste, half den Armen und Bedürftigen, behandelte seine Verwandten gut und zog sich bisweilen zur عبادah zurück. Dass ein solcher harmloser, höflicher Mann plötzlich mit einer die Welt erschütternden Verkündung vor die Menschen trat, eine revolutionäre Daʿwa begann, ein unvergleichliches literarisches Werk hervorbrachte und mit einer neuartigen Lebensanschauung, Denkweise sowie einem neuen moralischen und gesellschaftlichen System erschien, das sich von allen damals auf der Welt verbreiteten Auffassungen und Wegen unterschied, war zweifellos ein höchst bewegendes und außergewöhnliches Ereignis. Etwas Derartiges kann niemals infolge der Methode oder Planung eines Menschen oder durch irgendeine freiwillige Initiative beziehungsweise Anstrengung entstehen. Denn jeder derartige Versuch, jede Initiative, Planung oder Vorbereitung müsste zwangsläufig die Stufen einer historischen Entwicklung durchlaufen. Und solche Stufen können den ständigen Gefährten und Begleitern eines Menschen niemals verborgen bleiben. Wenn das Leben des Gesandten (s) diese Stufen auf seinem Weg durchlaufen hätte, hätten in Mekka Hunderte von Menschen gesagt: „Wir wussten, dass dieser Mann eines Tages irgendeine aufsehenerregende Behauptung aufstellen würde.“ Doch die Geschichte bezeugt, dass die Bewohner Mekkas gegen den Gesandten (s) zwar jede mögliche Anschuldigung erhoben, aber niemals diese.
Andererseits war der Gesandte (s) selbst weder darauf aus, die Prophetenschaft zu erlangen, noch erwartete oder ersehnte er sie; vielmehr traf ihn diese Angelegenheit völlig unerwartet und unvorstellbar plötzlich. Dafür finden sich Belege in den Hadithen, die den Beginn der Offenbarung schildern. Nachdem er Dschibril (a) zum ersten Mal begegnet war und mit der Herabsendung der ersten Verse der Sure al-ʿAlaq die Prophetenschaft ihren Anfang genommen hatte, kam der Gesandte (s) zitternd aus der Höhle Hira nach Hause. Dann sagte er zu seiner Familie: „Bedeckt mich! Bedeckt mich!“ Als seine Angst nach einiger Zeit etwas nachgelassen hatte, berichtete er seiner Lebensgefährtin Chadidscha (r) von dem gesamten Geschehen und sagte: „Ich fürchte, dass ich sterben werde.“ Chadidscha (r) erwiderte sofort: „Niemals! Allah wird dich niemals ins Unglück stürzen. Du erfüllst die Rechte deiner Verwandten, hilfst den Hilflosen und völlig Mittellosen, bewirtest deine Gäste und bist bereit, jedes gute Werk zu unterstützen.“ Danach brachte sie den Gesandten (s) zu Waraqa ibn Nawfal. Waraqa war ein Cousin von Chadidscha (r), ein bedeutender Gelehrter der Leute der Schrift und ein wahrhaftiger Mann. Nachdem er vom Gesandten (s) den vollständigen Bericht über das Geschehen gehört hatte, sagte er ungerührt: „Was sagst du? Werden sie mich etwa von hier vertreiben?“ Der Gesandte (s) sagte: „Was sagst du? Werden sie mich etwa von hier vertreiben?“ Waraqa antwortete: „Ja. Wann immer in der Vergangenheit jemand mit dem, was du gebracht hast, zu seinem Volk kam, wurden seine Landsleute sogleich zu seinen Feinden.“
Wenn ein schlichter Mensch unerwartet mit einem äußerst außergewöhnlichen und ungewöhnlichen Ereignis konfrontiert wird, zeigt sich darin auf ganz natürliche Weise ein vollkommenes Bild der Veränderung, die in seinem Gemütszustand eintreten kann. Wenn der Gesandte Allahs (s) schon vorher die Absicht gehabt hätte, ein Prophet zu werden, wenn er von sich gedacht hätte, dass ein Mensch wie er ein Prophet werden sollte, und wenn er, in stiller Versenkung auf diese Prophetenschaft wartend, unruhig darauf bedacht gewesen wäre, wann ein Engel kommen und ihm eine Botschaft bringen würde, dann wäre er beim Geschehen in der Höhle Hira vor Freude aufgesprungen, wäre voller Glück und Stolz den Berg hinabgestiegen, geradewegs zu den Menschen gegangen und hätte mit lauter Stimme seine Prophetenschaft verkündet. Doch wo war diese Freude, und wo war jene laute Stimme! Stattdessen legte er sich dort anschließend in eine Decke gehüllt hin. Als sein Gemüt sich etwas beruhigt hatte, erzählte er seiner Frau leise alles. Er sagte: „Heute wurde ich in der Einsamkeit der Höhle Hira von diesem Unglück heimgesucht. Ich weiß nicht, was aus mir werden wird. Ich habe das Gefühl, dass mein Leben in Gefahr ist.“ Dass dies völlig anders war als die Reaktion, die von jemandem zu erwarten wäre, der die Prophetenschaft ersehnt, bedarf keiner weiteren Erklärung.
Niemand kann mehr über das Leben, das Wesen und die Denkweise eines Ehemannes wissen als seine Frau. Wenn Chadidscha (r) bereits gewusst hätte, dass ihr Mann die Prophetenschaft begehrte und ständig darauf wartete, dass ein Engel kommen würde, dann hätte sie nicht auf diese Weise geantwortet. Sie hätte etwas anderes gesagt. Sie hätte gesagt: „Warum erschrickst du? Du hast nun das erhalten, wonach du dich so lange gesehnt hast. Geh jetzt und beginne das Geschäft mit Pirs und Murids. Ich bereite mich darauf vor, die Opfergaben und Gaben, die hereinkommen werden, zu verwalten.“ Doch aufgrund des Bildes, das sie während der fünfzehn Jahre ihres Ehelebens vom Leben des Gesandten (s) gewonnen hatte, erkannte sie innerhalb eines Augenblicks, dass zu einem solchen aufrichtigen und selbstlosen Menschen, wer auch immer sonst kommen mochte, nicht der Satan kommen konnte und dass Allah ihn auch nicht in ein schweres Unglück stürzen konnte. Tatsächlich war das, was sie gesehen hatte, vollkommen wahr.
Auch Waraqa ibn Nawfal befand sich in derselben Lage. Er stand ihnen darin in nichts nach. Er war ein Verwandter des Propheten (s.a.w.) und ein sehr enger Schwager. Als christlicher Gelehrter wusste er, was Prophetentum, Schrift und Offenbarung bedeuteten, und besaß die Fähigkeit, das Echte von künstlich Erdichtetem und Erfundenem zu unterscheiden. Da er einige Jahre älter als der Prophet (s.a.w.) war, hatte er dessen gesamtes Leben von Kindheit an miterlebt. Auch er hörte die Schilderung des Geschehens in Hira aus seinem Mund und erklärte sogleich: Dieser Besucher ist gewiss derselbe Engel, der dem Propheten Moses (a.s.) die Offenbarung brachte. Denn auch hier herrschte eine Lage wie bei Moses (a.s.). Ein einfacher Mensch mit vollkommen tadellosem und reinen Charakter. Sein Geist war in jeder Hinsicht klar und frei. Er hatte nicht nur keinerlei Verlangen nach dem Prophetentum, sondern sich dessen Erlangung nicht einmal vorgestellt. Plötzlich wurde er bei vollem Bewusstsein und in wachem Zustand öffentlich mit diesem beispiellosen Ereignis konfrontiert. Deshalb konnte Waraqa ohne jedes Nachdenken zu dem Schluss gelangen, dass hier weder eine Täuschung durch die eigenen Triebe noch ein Betrug Satans im Spiel war. Vielmehr hatte dieser seit jeher bekannte, aufrichtige und wahrhaftige Mensch genau das gesehen, was er in einem Zustand frei von eigenem Willen oder Verlangen gesehen hatte; er hatte tatsächlich die Wahrheit geschaut. Waraqas Schlussfolgerung war so präzise und unumstößlich wie eine mathematische Rechnung.
Tatsächlich ist die unter dem Hintergrund der umfassenden Ehrlichkeit, Wahrhaftigkeit und völligen Ungebildetheit des Lebens vor dem Prophetentum so plötzlich und unerwartet erfolgte Offenbarung ein so strahlender Beweis für die Wahrhaftigkeit des Prophetentums, dass kein Mensch mit wirklicher Sachkenntnis ihn leugnen kann. Im Koran wird sie an mehreren Stellen als Beweis für das Prophetentum angeführt. So sagt Allah in der Sure Yunus:
(Arabisch*******************************************PDF, Seite 117)
„O Prophet! Sprich: Wenn Allah es nicht gewollt hätte, hätte ich euch diesen Koran niemals verlesen können, und ich hätte euch auch nichts über ihn mitteilen können. Einen beträchtlichen Teil meines Lebens habe ich doch unter euch verbracht. Wollt ihr denn nicht einmal diese einfache Tatsache verstehen?“ – (Vers 16)
In der Sure asch-Schura sagt Allah:
(Arabisch*******************************************PDF, Seite 114)
„O Prophet! Du wusstest keineswegs, was die Schrift ist und was der Glaube bedeutet. Doch Wir haben diese Offenbarung zu einem Licht gemacht. Durch dieses Licht leiten Wir von unseren Dienern, wen Wir wollen, auf den geraden Weg.“ – (Vers 52)
Siehe zu diesem Thema die ausführlichere Erläuterung in Tafhim al-Qur’an, Sure Yunus, Anmerkung 21; Sure al-Ankabut, Anmerkungen 88–92; und Sure asch-Schura, Anmerkung 84.
Das heilige und makellose Leben des Gesandten Allahs (s), der erstaunliche Einfluss seiner Erziehung und Unterweisung auf den Charakter der ehrwürdigen Gefährten sowie die erhabenen Themen des Korans – all dies sind überaus leuchtende Beweise. Für jeden, der die Lebensgeschichten der Propheten und die Lehren der himmlischen Schriften kennt, ist es äußerst schwer, Zweifel zu hegen.
(Arabisch*******************************************auf PDF-Seite 118)
„(Er ist) ein von Allah gesandter Gesandter, der die heiligen Schriften verliest, in denen wahrheitsgemäße und richtige Schriften enthalten sind.“ – (Sure al-Bayyina: 2–3)
Hier wird die Persönlichkeit des Gesandten Allahs (s) als ein leuchtender Beweis bezeichnet. Denn sein gesamtes Leben vor und nach der Berufung zum Propheten, seine Darbietung eines Buches wie des Korans trotz seiner Ungebildetheit, die außergewöhnliche Revolution im Leben der Gläubigen unter dem Einfluss seiner Unterweisung und seines Umgangs, sein vollkommen vernünftiger Glaube, seine äußerst vollkommene und reine Anbetung, sein vortrefflichster und makelloser Charakter sowie die Vermittlung der besten Grundsätze und Vorschriften für das menschliche Leben – all dies sind unübertroffene Eigenschaften und klare Zeichen dafür, dass er Allahs Gesandter ist. Die vollkommene Übereinstimmung zwischen den Worten und Taten des Propheten (s) sowie die Fortsetzung seiner Daʿwa-Arbeit mit unerschütterlichem Mut und unbeirrbarer Hingabe angesichts jeder Art von Widerstand und Hindernissen sind ebenfalls eindeutige Beweise dafür.
Der Koran ist ein übernatürliches Werk und ein Beweis für die Prophetenschaft
(Arabisch*******************************************auf PDF-Seite 118)
„Zweifellos ist dieses Buch vom Herrn der Welten herabgesandt worden. Sagen sie etwa, es sei von jenem Mann erdichtet? Nein, vielmehr ist es die Wahrheit von deinem Herrn.“ – (Sure as-Sadschda: 2–3)
Hier wird nicht nur gesagt, dass dieses Buch vom Herrn der Welten herabgesandt worden ist. Mit noch größerem Nachdruck wird zugleich erklärt, dass es zweifellos Allahs Buch ist. Daran, dass dieses Buch von Allah herabgesandt wurde, gibt es nicht den geringsten Anlass zu zweifeln. Wenn man diesen Satz der Gewissheit vor dem tatsächlichen Hintergrund der Herabsendung des Korans und im Licht der vorausgehenden und nachfolgenden Darlegungen des Korans liest, wird man erkennen, dass darin zugleich eine Behauptung aufgestellt und ihr Beweis erbracht wird. Den Mekkanern, vor denen diese Behauptung aufgestellt wurde, war dieser Beweis nicht unbekannt. Sie kannten das gesamte Leben desjenigen, der dieses Buch vortrug, sowohl sein Leben vor als auch das nach seinem Vortrag. Sie konnten den deutlichen Unterschied zwischen der Sprache und Ausdrucksweise dieses Buches und der eigenen Sprache und Ausdrucksweise Muhammads (s) erkennen. Sie konnten klar verstehen, dass ein und dieselbe Person nicht zwei derart unterschiedliche Ausdrucksweisen mit einem solchen Abstand haben kann. Sie beobachteten die übernatürliche literarische Schönheit dieses Buches. Und weil sie dieselbe Sprache sprachen, konnten sie mit eigenen Augen erkennen, dass sämtliche Dichter und Literaten Arabiens unfähig waren, eine Literatur von gleicher Qualität hervorzubringen. – [Der Koran wurde gerade mit der folgenden Herausforderung vorgelegt:(Arabisch**** in der Anmerkung) „Wenn ihr könnt, bringt eine Sure hervor, die ihm gleichkommt.“ Diese Herausforderung machte die Übernatürlichkeit des Korans noch deutlicher. Die Gegner, die nicht in der Lage waren, auf diese Herausforderung zu antworten, erkannten stillschweigend an, dass diese Literatur nicht von Menschen verfasst worden war. Allah bezeichnete diese Übernatürlichkeit des Korans als Beweis für die Wahrhaftigkeit der Prophetenschaft des Propheten (s). – (Die Herausgeber)] Den Arabern war auch der gewaltige Unterschied zwischen der Sprache der Dichter, Literaten, Redner und Geistlichen Arabiens und der Sprache des Korans nicht unbekannt; ebenso wenig war ihnen unbekannt, wie hochrangig die im Koran dargelegten Inhalte waren. Die Selbstsucht, die der Literatur und dem Handeln eines Lügenbehauptenden innewohnt, konnten sie in der Literatur des Korans und in der Daʿwa seines Trägers nicht im geringsten erkennen. Selbst mit einem Mikroskop konnten sie keine Selbstsucht aufspüren. Sie konnten mit eigenen Augen sehen, welche Menschen aus dem Volk von der Daʿwa angezogen wurden, die der Prophet (s) im Namen seiner selbst, seiner Familie, seines Stammes oder seiner Nation verkündete, und welche gewaltige Revolution sich in deren Leben vollzog. All dies war ein unwiderlegbarer Beweis für die Wahrheit der Behauptung der Prophetenschaft. Vor diesem Hintergrund genügte es vollkommen zu sagen, dass kein Zweifel daran bestehen könne, dass dieses Buch vom Herrn der Welten herabgesandt worden sei.
Die Prophezeiungen der Tora und des Evangeliums über den Weltpropheten
Eine wichtige Aussage von Jesus, dem Sohn Marias (a.s.)
(Arabisch*******************************************PDF auf Seite 120)
„Erinnere dich an die Worte Jesu, des Sohnes Marias. Er sagte: O Nachkommen Israels! Ich bin als Gesandter zu euch entsandt worden. Ich bin gekommen, um die Wahrheit der Tora zu bestätigen, die vor mir da war.“ – (Sure as-Saff: 6)
Diese Aussage kann auf drei verschiedene Arten ausgelegt werden, und alle drei Auslegungen sind richtig. Die erste Auslegung lautet: Ich bin nicht mit einer anderen und neuartigen Religion gekommen. Die Religion, die Moses (a.s.) gebracht hat, habe auch ich gebracht. Ich bin nicht gekommen, um die Tora zu widerlegen, sondern um sie zu unterstützen und ihre Wahrheit zu bestätigen. Es ist die ewige Gepflogenheit jedes Gesandten Allahs, den vorherigen Gesandten zu unterstützen und dessen Wahrheit zu bestätigen. Auch ich halte mich an diese Gepflogenheit. Daher gibt es für euch keinen Grund, bei der Anerkennung meiner Gesandtschaft zu zögern.
Die zweite Auslegung lautet: Die Prophezeiung in der Tora über mein Kommen als Gesandter ist durch meine Gesandtschaft bestätigt und erfüllt worden. Daher solltet ihr mich nicht bekämpfen, sondern mich vielmehr mit den Worten willkommen heißen: Der Prophet, dessen Kommen die früheren Propheten angekündigt hatten, ist nun gekommen.
Liest man die betreffende Aussage des Korans im Zusammenhang mit der darauffolgenden Aussage, ergibt sich als dritte Auslegung Folgendes: Ich bestätige als wahr die von der Tora überbrachte Prophezeiung über das segensreiche Kommen des Gesandten Allahs, Ahmad (s.a.), und prophezeie selbst sein Kommen. Im Licht dieser dritten Auslegung wird die Aussage Jesu (a.s.) zu der frohen Botschaft, mit der Moses (a.s.) sein Volk angesprochen und ihm das Erscheinen des Weltpropheten angekündigt hatte, zu einer Unterstützung und Bestätigung eben dieser frohen Botschaft.
Die eindeutige Prophezeiung der Tora
In jener Ansprache an das Volk sagte Mose (a): „Dein Herr wird für dich aus deiner eigenen Mitte, das heißt aus deinen eigenen Brüdern, einen Propheten wie mich erstehen lassen. Hört auf ihn. Sein Erscheinen wird gemäß deiner Bitte erfolgen, die du an deinem Herrn am Tag der Versammlung ausgesprochen hast, als du dich am Horeb aufhieltest. Du hattest gesagt: Ich möchte die Anrede meines Herrn nicht noch einmal hören und auch nicht ein solch furchtbares Feuer sehen, dass ich deswegen nicht einmal Zeit zum Sterben habe. Da sagte der Herr zu mir: Sie haben recht mit dem, was sie sagen. Ich werde für sie aus der Mitte ihrer Brüder einen Propheten erstehen lassen, meine Worte in seinen Mund legen, und er wird ihnen alles verkünden, was ich ihm gebieten werde. Wer nicht auf meine Worte hört, die er in meinem Namen verkünden wird, von dem werde ich Rechenschaft fordern.“ – (5. Buch Mose, Kapitel 18, Verse 15–19)
Dies ist eine eindeutige Prophezeiung der Tora. Auf niemand anderen als Muhammad (s) trifft sie zu. Darin teilt der ehrenwerte Mose (a) seinem Volk das Versprechen Allahs mit: „Ich werde für dich aus der Mitte deiner Brüder einen Propheten senden.“ Es ist bekannt, dass mit den „Brüdern“ eines Volkes nicht eine Familie oder ein Stamm dieses Volkes gemeint ist. Mit den Brüdern eines Volkes ist vielmehr ein anderes, mit ihm stammverwandtes Volk gemeint. Wenn der Sinn dieser Aussage gewesen wäre, dass aus den Reihen der Kinder Israels ein Prophet hervorgehen werde, hätte es geheißen: „Ich werde für euch aus eurer eigenen Mitte einen Propheten senden.“ Daher können die Brüder der Kinder Israels zwangsläufig nur die Kinder Ismails sein. Denn als Nachkommen des ehrenwerten Ibrahim (a) sind sie mit den Kindern Israels stammverwandt. Außerdem gibt es noch einen weiteren Grund dafür, dass diese Prophezeiung nicht auf irgendeinen Propheten der Kinder Israels zutreffen kann. Nach dem ehrenwerten Mose (a) kam bei den Kindern Israels nicht nur ein Prophet, sondern eine große Zahl von Propheten. Im gesamten Bibelwerk finden sich Berichte über diese Propheten.
Ein weiterer Aspekt dieser Prophezeiung verdient Beachtung. Der Prophet, der kommen wird, wird ein Prophet wie der ehrenwerte Mose (a) sein. Es versteht sich von selbst, dass damit keine Ähnlichkeit in Gestalt oder Lebensgeschichte gemeint ist. Denn in dieser Hinsicht gleicht kein Mensch einem anderen. Damit ist auch nicht lediglich die Ähnlichkeit hinsichtlich des Prophetseins gemeint. Denn alle Propheten, die nach dem ehrenwerten Mose (a) kamen, hatten in dieser Hinsicht eine solche Ähnlichkeit mit ihm. Daher kann nicht irgendein bestimmter Prophet den Anspruch erheben, in dieser Eigenschaft wie der ehrenwerte Mose (a) zu sein. Nachdem diese beiden Aspekte der Ähnlichkeit verneint worden sind, bleibt als derjenige Aspekt, der als Eigenschaft des späteren Propheten gelten kann, nur ein eigenständiges Scharia- beziehungsweise Rechtssystem. Der Prophet, der kommen wird, wird wie der ehrenwerte Mose (a) ein eigenes Rechtssystem bringen – darin liegt der eigentliche Sinn dieser Prophezeiung. Außer Muhammad (s) besitzt niemand diese Eigenschaft. Denn alle Propheten der Kinder Israels, die vor ihm kamen, folgten dem von Mose (a) gebrachten Rechtssystem. Niemand von ihnen kam mit einem eigenständigen Rechtssystem.
Die Stichhaltigkeit dieser Auslegung der Aussage der Tora wird durch die folgenden Worte noch deutlicher bestätigt: „Das Erscheinen jenes Propheten wird gemäß deiner Bitte erfolgen, die du an deinem Herrn am Tag der Versammlung ausgesprochen hast, als du dich am Horeb aufhieltest. Du hattest gesagt: Ich möchte die Anrede meines Herrn nicht noch einmal hören und auch nicht ein solch furchtbares Feuer sehen, dass ich deswegen keine Zeit zum Sterben habe. Da sagte der Herr zu mir: Sie haben recht mit dem, was sie sagen. Ich werde für sie aus der Mitte ihrer Brüder einen Propheten senden. Ich werde meine Worte durch seinen Mund verkünden. Er wird nur das sagen, was ich ihm zu sagen auftrage.“ Als dem ehrenwerten Mose (a) erstmals die Bestimmungen der Scharia gegeben wurden, hatte er die hier erwähnte Bitte vorgebracht. Ihre Bedeutung ist, dass uns für den Fall, dass uns künftig eine Scharia beziehungsweise ein Rechtssystem gegeben wird, dieses nicht unter jenen furchtbaren Umständen gegeben werden möge, deren Schilderung sich sowohl im Koran als auch in der Bibel findet. (Siehe Sure al-Baqara, Verse 55, 56 und 63; Sure al-Aʿraf, Verse 155–171; Bibel, Buch Exodus 19:17–18.) Als Antwort darauf teilte der ehrenwerte Mose (a) den Kindern Israels mit, dass Allah ihre Bitte angenommen habe. Er sagte: „Ich werde für sie einen Propheten senden, durch dessen Mund ich meine Worte verkünden werde.“ Das bedeutet: Wenn künftig ein Rechtssystem gegeben wird, wird sich jene furchtbare Lage, die im Tal am Berg Horeb entstanden war, nicht wiederholen. Vielmehr wird dem Propheten, dem diese Aufgabe nun übertragen wird, allein die Offenbarung Allahs eingeprägt werden, und er wird sie den Menschen verkünden. Wenn man diese eindeutige Erklärung eingehend betrachtet, kann man zweifellos sagen, dass der ehrenwerte Muhammad (s) das eigentliche Ziel dieser Prophezeiung ist. Nach dem ehrenwerten Mose war nur er Träger einer eigenständigen Scharia. Als den Kindern Israels am Fuß des Berges Horeb die Scharia gegeben wurde, hatte es jene große Volksversammlung gegeben; bei der Übermittlung der Scharia an Muhammad (s) fand jedoch keine solche Versammlung statt. Und eine Lage, wie sie dort entstanden war, trat bei der Verkündung der Bestimmungen der Scharia niemals wieder ein.
Die frohe Botschaft über Muhammads Prophetentum im Evangelium
Die Erwähnung der frohen Botschaft, die der ehrenwerte Isa (a) über Muhammads Prophetentum verkündete, findet sich im Koran folgendermaßen:
(Arabisch*******************************************PDF-Seite 122)
„Gedenke der Worte Isas, des Sohnes Maryams. Er sagte: O Nachkommen Israels! Ich bin als Allahs Gesandter zu euch gekommen, um die Tora zu bestätigen, die bereits vor mir offenbart worden ist, und um euch die frohe Botschaft von einem Gesandten zu verkünden, der nach mir kommen wird und Ahmad heißt.“ – (Sure as-Saff: 6)
Dies ist ein wichtiger Vers des Korans. Die Islamgegner haben über diesen Vers viel gestritten und zudem versucht, ihn in verleumderischer Weise falsch auszulegen. Denn darin wird gesagt, dass der ehrwürdige Jesus (a) das freudige Eintreffen des ehrwürdigen Gesandten Allahs (s) angekündigt und dabei ausdrücklich dessen Namen genannt hat. –[Darüber hinaus finden sich an zahlreichen Stellen der Bibel insgesamt Prophezeiungen über das Kommen des ehrwürdigen (s). Dies wird im Koran mit einem einzigen Satz folgendermaßen gesagt:
(Arabisch********* in der Anmerkung)
„Die Leute der Schrift finden darin für sie in der Thora und im Evangelium seine Erwähnung niedergeschrieben.“ – (Sure al-Aʿraf: 147)
Beispielsweise sind an den folgenden Stellen der Thora und des Evangeliums Prophezeiungen über Muhammad (s) zu erkennen: Buch Deuteronomium, Kapitel 18, Verse 15–19; Buch Matthäus, Kapitel 21, Verse 33–46; Buch Johannes, Kapitel 1, Verse 10–21; Buch Johannes, Kapitel 14, Verse 15–17, 25–30; Johannes, Kapitel 15, Verse 25–26; Johannes, Kapitel 16, Verse 7–15. 77 – Verfasser und Herausgeber.] Deshalb ist es notwendig, dieses Thema etwas ausführlicher zu erörtern.
Erstens: „Muhammad“ und „Ahmad”: In diesem Vers wird Ahmad als Name des Gesandten Allahs (s) erwähnt. Ahmad hat zwei Bedeutungen: derjenige, der am meisten lobt, und der Lobenswerteste unter den meistgelobten Menschen. Aus authentischen Hadithen ist bekannt, dass dies ebenfalls ein besonderer Name des Hazrat (s) war. In den Hadith-Sammlungen von Muslim und Abu Dawud at-Tayalisi wird in der Überlieferung von Hazrat Abu Musa al-Aschʿari (r) berichtet, dass Hazrat (s) sagte: (Arabisch********) „Ich bin Muhammad, ich bin Ahmad, und ich bin al-Haschir (der Versammler).“ Mehrere Hadithe mit diesem Inhalt, die über Hazrat Dschubair ibn Mutʿim überliefert wurden, haben Imam Malik, Buchari, Muslim, Darimi, Tirmidhi und Nasa’i in ihren jeweiligen Hadith-Sammlungen angeführt. Dieser Name des Hazrat (s) war auch unter den Gefährten verbreitet und bekannt. In einem Gedicht von Hassan ibn Thabit heißt es in einer Zeile:
(Arabisch*******************************************auf Seite 123 der PDF)
„Über den segensreichen Ahmad haben Allah, die Engel, die sich um Seinen Thron scharen, und die heiligen Menschen den Segen gesprochen.“ Auch aus der Geschichte ist bekannt, dass Hazrat Muhammad (s) nicht nur unter diesem Namen bekannt war, sondern dass auch sein Name Ahmad allen bekannt war. In der gesamten Literatur der arabischen Nation ist niemand vor Hazrat (s) bekannt, der den Namen Ahmad getragen hätte. Nach Hazrat (s) wurden jedoch unzählige Menschen Ahmad und غلام Ahmad genannt. Der Umstand, dass dieser Name von der Zeit des Prophetentums bis heute der gesamten Umma wohlbekannt und vertraut ist, stellt dafür den größten Beweis dar. Wenn dieser Name nicht der Name des Hazrat (s) gewesen wäre, für wessen Ahmad hielten dann diejenigen, die ihre Söhne غلام Ahmad nannten, diese Söhne für Diener?
Zweitens: der Messias, Hazrat Elias (a) und „jener Prophet”: Das Evangelium des Johannes bezeugt, dass die Kinder Israels zur Zeit des Kommens Hazrat Isas (a) drei Personen erwarteten. Es waren der Messias, Elija (das heißt das Wiedererscheinen Hazrat Elias’ (a)) und „jener Prophet“.
„Und Johannes [Hazrat Yahya (a.s.)] bezeugte: Als die Juden Priester aus Jerusalem zu ihm schickten, um ihn zu fragen: ‚Wer bist du?‘, da bekannte er und leugnete es nicht. Er bekannte: ‚Ich bin nicht der Messias.‘ Sie fragten ihn: ‚Wer bist du dann? Bist du Elija?‘ Er sagte: ‚Nein.‘ ‚Bist du etwa jener Prophet?‘ Er antwortete: ‚Nein.‘ Da sagten sie: ‚Wer bist du dann?‘ Er sagte: ‚Ich bin die Stimme eines Rufers in der Wüste: Ebnet den Weg Allahs.‘ Sie fragten ihn: ‚Wenn du weder der Messias noch Elija noch jener Prophet bist, warum beanspruchst du dann das Prophetentum?‘ – (1:19–25)
Aus diesen Worten wird unmissverständlich ersichtlich, dass die Kinder Israels neben Hazrat al-Masih (a.s.) (Jesus) und Hazrat Elija (a.s.) noch auf einen weiteren Propheten warteten und dass dieser Prophet nicht Hazrat Yahya (a.s.) war. Der Glaube daran, dass jener Prophet kommen werde, war unter den Kindern Israels so weit verbreitet, dass jeder allein bei den Worten ‚jener Prophet‘ verstand, wer gemeint war. Man hätte nicht einmal hinzufügen müssen: ‚Dessen Kommen in der Tora angekündigt worden ist.‘ Daraus geht ferner hervor, dass das Kommen des Propheten, auf den sie hindeuteten, unzweifelhaft feststand. Denn als Hazrat Yahya (a.s.) diese Fragen gestellt wurden, sagte er nicht: ‚Es wird überhaupt kein weiterer Prophet mehr kommen. Nach welchem Propheten fragt ihr?‘
Drittens: Die Aussage im Johannesevangelium: Betrachten wir nun die aufeinanderfolgenden Prophezeiungen im Johannesevangelium (des Yuhanna oder Yahya) von Kapitel 14 bis Kapitel 16:
„Und ich werde den Vater bitten, dass Er euch einen anderen Beistand schickt, der für immer bei euch bleiben wird, nämlich den Geist der Wahrheit, den die Menschen der Welt nicht empfangen können. Denn sie sehen ihn nicht und erkennen ihn nicht; ihr aber kennt ihn. Denn er bleibt bei euch und ist in euch.“ – (14:16–17)
„Diese Worte habe ich zu euch gesagt, während ich noch bei euch bin. Doch der Beistand, nämlich der verherrlichte Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, wird euch alles lehren. Und er wird euch alles in Erinnerung rufen, was ich euch gesagt habe.“ – (14:25–26)
‚Ich werde nicht mehr viel mit euch reden. Denn der Herrscher der Welt kommt. Er hat nichts an mir.‘ – (14:30)
„Wenn aber jener Beistand kommt, den ich euch vom Vater aus senden werde, nämlich der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, dann wird er für mich Zeugnis ablegen.“ – (15:26)
„Doch ich sage euch die Wahrheit: Es ist besser für euch, dass ich fortgehe; denn wenn ich nicht fortgehe, wird jener Beistand nicht zu euch kommen. Wenn ich aber fortgehe, werde ich ihn zu euch senden.“ – (16:7)
„Ich habe euch noch vieles zu sagen. Aber damals könnt ihr es nicht ertragen. Wenn jedoch jener, das heißt der Geist der Wahrheit, kommt, wird er euch den Weg zur ganzen Wahrheit weisen. Denn er wird nicht aus sich selbst heraus reden. Vielmehr wird er nur sagen, was er hört, und euch über das Künftige informieren. Er wird meine Macht offenbaren. Denn er wird es von mir empfangen und euch davon berichten. Alles, was der Vater besitzt, gehört auch mir. Deshalb sagte ich, dass er es von mir erfahren und euch davon berichten wird.“ – (16:12–15)
Viertens: Die Bedeutung der oben genannten Prophezeiungen:Um die eigentliche Bedeutung der obigen Aussagen richtig zu verstehen, muss man zunächst wissen, dass Hazrat Isa (a.s.) und die Bewohner Palästinas seiner Zeit Syrisch, die regionale Ausprägung der aramäischen Sprache, sprachen. Bereits zweihundert bis zweihundertfünfzig Jahre vor der Geburt Hazrat Isas (a.s.) war die hebräische Sprache während der Herrschaft der seleukidischen Dynastie aus dieser Region verschwunden und an ihre Stelle war das Syrische getreten. Es stimmt, dass unter dem Einfluss der Herrschaft der Seleukiden und der späteren römischen Kaiser auch die griechische Sprache in diese Gegend eindrang. Doch blieb dies auf eine bestimmte Schicht beschränkt. Nur diejenigen, die in der staatlichen Verwaltung verschiedene Ämter innehatten oder anstrebten und deshalb besonders griechenfreundlich geworden waren, pflegten die griechische Sprache. Die einfachen Menschen Palästinas verwendeten eine besondere regionale Form des Syrischen. Diese Sprache unterschied sich von dem Syrischen, das heute in der Gegend von Damaskus gebräuchlich ist. Die Bewohner Palästinas waren der griechischen Sprache derart unkundig, dass der römische Heerführer Titus nach der Einnahme Jerusalems im Jahre 70 n. Chr. seine Ansprache an die Einwohner Jerusalems ins Syrische übersetzen lassen musste. Daraus wird ersichtlich, dass Hazrat Isa (a.s.) seinen Jüngern alles, was er sagte, in syrischer Sprache mitgeteilt hatte.
Das zweite, was man wissen muss, ist, dass alle vier Evangelien der Bibel von griechischsprachigen Menschen verfasst wurden, die nach dem Hinscheiden Hazrat Isas (a.s.) das Christentum angenommen hatten. Die Berichte über die Worte und Taten Hazrat Isas (a.s.) gelangten durch syrischsprachige Christen zu ihnen, und zwar nicht in schriftlicher Form, sondern als mündliche Überlieferungen. Diese syrischen Berichte übersetzten sie und hielten sie schriftlich fest. Keines dieser Evangelien wurde vor dem Jahr 70 n. Chr. verfasst. Insbesondere wurde das Johannesevangelium vermutlich ein Jahrhundert nach Hazrat Isa (a.s.) in der Stadt Ephesus in Mittelasien geschrieben. Außerdem ist keine Originalhandschrift der griechischen Sprache erhalten, in der diese Evangelien ursprünglich geschrieben wurden. Von den griechischen Manuskripten, die vor der Erfindung des Buchdrucks an verschiedenen Orten gesucht und gesammelt wurden, stammt kein einziges aus der Zeit vor dem vierten Jahrhundert. Daher lässt sich schwer sagen, wie viele Veränderungen innerhalb dieser dreihundert Jahre an jenen Evangelien vorgenommen wurden. Zudem wird die Angelegenheit noch zweifelhafter dadurch, dass die Christen es seit jeher für zulässig hielten, die Evangelien nach eigenem Ermessen zu verändern. Der Verfasser des Artikels „Bibel“ in der Encyclopaedia Britannica sagt:
„In den Evangelien wurden absichtlich bedeutende Veränderungen vorgenommen. So wurden beispielsweise an manchen Stellen umfangreiche Passagen aus anderen Quellen wortwörtlich in die Evangelien aufgenommen. … Diese Veränderungen wurden absichtlich vorgenommen. Diejenigen, die es gewohnt waren zu glauben, sie hätten das Recht, alles, was sie irgendwo gefunden hatten und was die Qualität des Werkes erhöhte oder es lehrreicher machte, in den ursprünglichen Text aufzunehmen, nahmen solche Veränderungen vor. Schon im zweiten Jahrhundert wurden zahlreiche zusätzliche Aussagen eingefügt. Es ist jedoch nicht bekannt, aus welchen Quellen sie entnommen wurden.“
Vor diesem Hintergrund lässt sich nur schwer mit Sicherheit sagen, ob die Aussagen Hazrat Isas (a.s.), die wir in den Evangelien finden, wortgetreu zitiert wurden und ob an ihnen Veränderungen vorgenommen worden sind.
Der dritte wichtige Punkt ist, dass die Sprache der Christen in Palästina auch nach der Errichtung der muslimischen Herrschaft dort noch fast dreihundert Jahre lang Syrisch blieb. Im neunten christlichen Jahrhundert wurde anstelle des Syrischen das Arabische eingeführt. Die Informationen über das Christentum, die die muslimischen Gelehrten der ersten drei Jahrhunderte durch diese syrischsprachigen Bewohner Palästinas erhielten, sind zuverlässiger als die Informationen jener, die ihre Kenntnisse in mehreren Schritten vom Syrischen ins Griechische und anschließend vom Griechischen ins Lateinische übersetzt erhielten. Denn es ist weit wahrscheinlicher, dass die ursprünglichen syrischen Worte aus dem Mund Hazrat Isas (a.s.) bei ihnen unverändert erhalten geblieben waren.
Fünftens: Er wird der Führer der ganzen Welt sein:Im Licht der oben genannten unbestreitbaren Tatsachen sollte man bedenken, dass Hazrat Isa (a.s.) in den angeführten Aussagen des Johannesevangeliums die Ankunft eines nach ihm kommenden Propheten ankündigt. Über ihn sagt er, dass er der Führer der ganzen Welt sein wird, dass er „in Ewigkeit bleiben“ und alle Wege der Wahrheit zeigen wird und dass er selbst für ihn [Hazrat Isa (a.s.)] Zeugnis ablegen wird. In diesen Aussagen des Johannes wurde die eigentliche Aussage durch die Verwendung von Ausdrücken wie „verherrlichter Geist“ und „Geist der Wahrheit“ kompliziert. Dennoch wird beim aufmerksamen Lesen dieser Aussagen klar, dass derjenige, dessen Ankunft vorhergesagt wird, kein Geist, sondern ein Mensch und eine bestimmte Persönlichkeit ist. Die Lehre dieser Persönlichkeit wird universal, allumfassend und bis zum Jüngsten Tag fortbestehend sein. Für diese besondere Persönlichkeit wurde in der Urdu-Übersetzung das Wort „Madadgar“ (Helfer) verwendet. Die Christen betonen, dass es sich dabei um Paracletus handle; doch selbst die christlichen Gelehrten sind bei der Ermittlung seiner Bedeutung in Verwirrung geraten. Im ursprünglichen Griechisch wurde das Wort Paraklet in mehreren Bedeutungen verwendet: zu einem Ort rufen, zur Hilfe rufen, drohen oder warnen, anspornen, inspirieren, bitten, flehen und beten. Darüber hinaus hat dieses Wort auch mehrere hellenische Bedeutungen: trösten, beruhigen und ermutigen. An den Stellen, an denen dieses Wort in der Bibel verwendet wird, passt keine dieser Bedeutungen. Der Bibelgelehrte Origenes übersetzte es an einer Stelle mit Consolator und an einer anderen mit Deprecator; die übrigen Bibelkommentatoren wiesen jedoch beide Übersetzungen zurück. Erstens sei diese Bedeutung aus Sicht der griechischen Grammatik nicht korrekt. Zweitens sei diese Bedeutung in den Sätzen, in denen das Wort verwendet wird, unpassend. Einige andere Übersetzer übersetzten es mit Teacher. Doch auch diese Bedeutung lässt sich aus dem Gebrauch der griechischen Sprache nicht ableiten. Tertullian und Augustinus übersetzten es mit Advocate; andere übersetzten es mit Assistant, wieder andere mit Comforter oder Consoler (siehe Encyclopaedia of Biblical Literature, Stichwort „Paraklet“).
Nun ist das Merkwürdige, dass es in der griechischen Sprache noch ein anderes Wort gibt: Pariclytos – es bedeutet „der Gepriesene“. Es ist genau das Synonym von „Muhammad“. In der Aussprache ist eine bemerkenswerte Ähnlichkeit dieses Wortes mit Paractetus festzustellen. Wenn christliche Gelehrte, die es gewohnt waren, in ihren religiösen Schriften nach eigenem Belieben frei Änderungen vorzunehmen, dieses Wort aus der von Johannes überlieferten Prophezeiung wegen seines Widerspruchs zu ihren eigenen Glaubensüberzeugungen in seiner Schreibweise geringfügig verändert haben sollten, so gibt es keinen Grund, darüber erstaunt zu sein. Um dies zu überprüfen, könnte man nachsehen, welches dieser beiden Wörter ursprünglich verwendet wurde; doch gibt es nirgendwo ein griechisches Evangelium im Original, das von Johannes verfasst wurde.
Sechstens: Munhamanna:Doch selbst wenn man wüsste, welches Wort Johannes tatsächlich im Griechischen verwendet hatte, könnte man in dieser Angelegenheit noch keine Entscheidung treffen. Denn was immer er geschrieben haben mag, war ebenfalls nichts anderes als eine Übersetzung. Wir haben bereits gesagt, dass die Sprache Hazrat Isas (a.) das palästinensische Syrisch war. Daher muss das Wort, das er in seiner Prophezeiung verwendet haben mag, ein syrisches Wort gewesen sein. Glücklicherweise haben wir dieses ursprüngliche syrische Wort im Sira-Werk Ibn Hischams gefunden. Zugleich erfuhren wir von Ibn Hischam auch dessen griechisches Synonym. Ibn Hischam führt unter Berufung auf die Überlieferung Muhammads ibn Ishaqs eine vollständige Übersetzung der Verse 23 bis 27 des 15. Kapitels und des 1. Verses des 16. Kapitels des Evangeliums des Yuhannas (Yuhanna beziehungsweise Johannes) an. Darin wurde anstelle des griechischen Wortes „Paraklit“ das syrische Wort Sunhamanna verwendet. Danach erklärten Ibn Ishaq oder Ibn Hischam dies dahingehend, dass das syrische Wort Munhamanna auf Arabisch Muhammad und auf Griechisch Parakletos bedeute. – (Ibn Hischam, Band I, S. 248).
Es sei darauf hingewiesen, dass das Syrische aus historischer Sicht bis zum neunten Jahrhundert die allgemeine Sprache der Bewohner Palästinas war. Diese Region stand bereits seit der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts unter islamischer Herrschaft. Ibn Ishaq starb im Jahr 768 n. Chr. und Ibn Hischam im Jahr 828 n. Chr. Das heißt, zu Lebzeiten beider sprachen die Christen Palästinas Syrisch, und für beide war es keineswegs schwierig, mit den christlichen Bewohnern ihrer eigenen Heimat in Verbindung zu treten. Außerdem lebten damals Millionen griechischsprachiger Christen in den von Muslimen beherrschten Gebieten. Daher war es für sie nicht schwierig zu wissen, welches griechische Wort welchem syrischen Wort gleichbedeutend war. Wenn nun in der von Ibn Ishaq zitierten Übersetzung das syrische Wort Munhamanna verwendet worden ist und Ibn Ishaq oder Ibn Hischam es dahingehend erklärt haben, dass sein arabisches Synonym Muhammad und sein griechisches Synonym Parakletos sei, dann bleibt kein Zweifel daran, dass Hazrat Isa (a.) den Namen Muhammads (s.) ausgesprochen und dessen Kommen verkündet hatte. Zugleich wird damit bekannt, dass im griechischen Evangelium des Johannes ursprünglich das Wort Pariclytos verwendet worden war. Später haben christliche Gelehrte es in Pariclytos geändert. Später haben christliche Gelehrte es in Pariclytos geändert.
Siebtens: Das Zeugnis des Negus:Ein noch älterer historischer Beleg ist der Bericht von Hazrat Abdallah ibn Masud (r.) über das Ereignis der Auswanderung nach Abessinien. Als der Negus die muslimischen Auswanderer, die nach Abessinien gekommen waren, an seinen Hof rief und aus dem Mund von Hazrat Dschafar (r.), dem Sohn Abu Talibs, eine ausführliche Darstellung der Lehre und des Vorbilds des Gesandten Allahs (s.) hörte, sagte er:
(Arabisch******************************************(auf PDF-Seite 127)
„Ich beglückwünsche euch und den großen Mann, von dem ihr gekommen seid. Ich bezeuge, dass er der Gesandte Allahs ist. Er ist derjenige, über den wir im Evangelium gesprochen haben.“ In verschiedenen Hadithen wird dieses Ereignis auch von Hazrat Dschafar (r.) und Umm Salama (r.) überliefert. Daraus ist ersichtlich, dass der Negus bereits zu Beginn des 7. christlichen Jahrhunderts wusste, dass Hazrat Isa (a.) das Kommen eines Propheten vorausgesagt hatte. Daraus ist ferner ersichtlich, dass dieser künftige Prophet im Evangelium so eindeutig beschrieben worden war, dass der Negus nicht im Geringsten zögerte zu erkennen, dass Muhammad (s.) eben jener Prophet war. Aus diesem Bericht ist jedoch nicht ersichtlich, ob der Negus von dieser Prophezeiung Hazrat Isas (a.) durch das Evangelium des Johannes erfahren hatte oder ob es damals noch einen anderen Weg gab, durch den er davon Kenntnis erlangte.
Achtens: Das Evangelium des Barnabas:Die vier Evangelien, die die christliche Kirche als zuverlässige und anerkannte Evangelien (Konzilsevangelien) festgelegt hat, sind in Wirklichkeit nicht einmal ein zuverlässiges Mittel, um die Prophezeiung Hazrat Isas (a.) über Hazrat Muhammad (s.) kennenzulernen; ja, sie sind nicht einmal ein zuverlässiges Mittel, um die Lebensgeschichte Hazrat Isas (a.) selbst sowie seine wirkliche Lehre und seine Grundsätze kennenzulernen. Vielmehr ist das Evangelium des Barnabas, das die christliche Kirche als unrechtmäßig und verdächtig bezeichnet, hierfür ein weit zuverlässigeres und glaubwürdigeres Mittel. Die Christen haben viele Maßnahmen ergriffen, um dieses Buch geheim zu halten. Hunderte von Jahren war es aus der Welt verschwunden. Im 16. Jahrhundert befand sich nur eine einzige Kopie seiner italienischen Übersetzung in der Bibliothek von Papst Sixtus (Sixtus). Niemandem wurde jedoch gestattet, sie zu lesen. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts gelangte sie in die Hände eines Mannes namens John Toland. Danach ging sie von einer Person zur nächsten über und gelangte 1738 in die kaiserliche Bibliothek von Wien. 1907 wurde von der Clerigun Press in Oxford eine englische Übersetzung dieser Abschrift gedruckt. Doch unmittelbar nach ihrem Druck scheint die christliche Welt erkannt zu haben, dass dieses Buch im Begriff war, die von Hazrat Isa (a.) verkündete Religion an der Wurzel zu zerstören. Deshalb wurden diese gedruckten Abschriften durch eine besondere List zum Verschwinden gebracht. Danach konnte dieses Evangelium nicht mehr veröffentlicht werden. Eine weitere Kopie derselben italienischen Abschrift in spanischer Übersetzung war im 18. Jahrhundert an einigen Orten zu finden. George Sale erwähnte diese Abschrift im Vorwort zu seiner englischen Übersetzung des Korans. Doch auch sie wurde irgendwo zum Verschwinden gebracht. Heute gibt es von ihr ebenfalls keine Spur mehr. Ich hatte Gelegenheit, eine Fotokopie der in Oxford veröffentlichten englischen Übersetzung zu sehen, und habe sie gründlich gelesen. Mein Eindruck ist, dass sie ein unschätzbarer Schatz ist. Doch die Christen haben sich aus bloßem Starrsinn und Eigensinn selbst dieses Schatzes beraubt.
Überall dort, wo dieses Evangelium in christlichen Büchern erwähnt wird, wurde es als falsch und erfunden zurückgewiesen, mit der Behauptung, wahrscheinlich habe irgendein Muslim es verfasst und es fälschlicherweise unter dem Namen Barnabas’ verbreitet. Doch das ist eine glatte Lüge. An verschiedenen Stellen dieses Evangeliums finden sich klare Prophezeiungen über Muhammad (s). (Am Anfang der ersten Zeile auf Seite 129 steht etwas Unleserliches**********************) Diese Lüge wurde vorgebracht. Erstens wird beim Lesen dieses Evangeliums klar, dass dieses Buch niemals von einem Muslim verfasst worden sein kann. Zweitens wäre es, falls es von einem Muslim verfasst worden wäre, in der muslimischen Gesellschaft weit verbreitet gewesen, und in den Büchern muslimischer Gelehrter hätte es zahlreiche Hinweise darauf gegeben. Tatsächlich aber wussten die Muslime vor der Veröffentlichung der englischen Übersetzung von George Sale (Am Ende der vierten Zeile auf Seite 129 steht etwas Unleserliches******) der Einleitung nicht einmal, dass ein solches Evangelium überhaupt existiert hatte. Die Verfasser at-Tabari, al-Yaqubi, al-Masʿudi, al-Biruni, Ibn Hamza, Ibn Taymiyya und andere besaßen unter den Muslimen besondere Sachkenntnis über christliche Schriften. Dennoch findet sich in keinem ihrer Werke bei der Erörterung der christlichen Lehre auch nur der geringste Hinweis auf das Barnabas-Evangelium. Die zuverlässigsten Verzeichnisse der Bücher und Schriften, die in den Bibliotheken der islamischen Welt vorhanden waren, sind Ibn an-Nadims „Al-Fihrist“ und Hadschi Chalifas „Kaschf az-Zunun“. Doch auch in diesen beiden findet sich keine Erwähnung davon. Bis zum neunzehnten Jahrhundert hatte kein muslimischer Gelehrter auch nur den Namen des Barnabas-Evangeliums ausgesprochen. Der dritte und größte Beweis für seine Unechtheit ist, dass das Barnabas-Evangelium in die Liste der religiösen Schriften mit falschen Glaubensvorstellungen und irreführendem Inhalt aufgenommen war, die bereits 75 Jahre vor der Geburt des Gesandten Allahs (s), unter Papst Gelasius I., erstellt und durch einen priesterlichen Rechtsbescheid zur Lektüre verboten worden war. Es stellt sich die Frage: Woher hätte damals ein Muslim kommen sollen, um dieses gefälschte Evangelium zu verfassen?
Neuntens: Was ist das Barnabas-Evangelium? Bevor die Prophezeiungen Jesu (a.s.) über den Gesandten Allahs (s) aus dem Barnabas-Evangelium zitiert werden, ist eine kurze Vorstellung dieses Evangeliums erforderlich, damit seine Bedeutung erkannt werden kann und man auch versteht, weshalb die Christen diesem Evangelium gegenüber so ablehnend eingestellt sind.
Keiner der Verfasser der vier Evangelien, die als rechtmäßig und zuverlässig anerkannt und in die Bibel aufgenommen wurden, war ein Gefährte Jesu (a.s.). Nicht einmal behauptete irgendein Verfasser eines Evangeliums, das Buch anhand von Informationen zusammengestellt zu haben, die er von den Gefährten Jesu (a.s.) erhalten hatte. Sie gaben auch nicht an, aus welchen Quellen sie ihre Informationen bezogen hatten. Daher ist nicht bekannt, ob diejenigen, von denen sie ihre Informationen erhielten, selbst Augenzeugen der beschriebenen Ereignisse und Zuhörer der wiedergegebenen Worte waren oder ob ihnen diese auf anderem Wege zur Kenntnis gelangten. Der Verfasser des Barnabas-Evangeliums dagegen sagt: Ich bin einer der zwölf engsten Gefährten Jesu (a.s.). Ich war von Anfang bis Ende bei ihm, und in diesem Buch schreibe ich nur das nieder, was ich selbst mit meinen eigenen Ohren gehört und mit meinen eigenen Augen gesehen habe. Und nicht nur das. Im Schlusswort des Buches sagt er: Als Jesus (a.s.) diese Welt verließ, sagte er zu mir, es sei meine Aufgabe, die unter den Menschen über ihn entstandenen Missverständnisse auszuräumen und ihnen die tatsächlichen Ereignisse mitzuteilen.
Wer war dieser Barnabas? In der Apostelgeschichte der Bibel wird wiederholt eine Person dieses Namens erwähnt, die jüdischer Abstammung und aus Zypern stammte. Sein Beitrag zur Verbreitung und Förderung des Christentums sowie zur Unterstützung der Anhänger Jesu (a.s.) wird darin sehr gelobt. Doch nirgendwo wird gesagt, wann er das Christentum annahm, und auch in der Liste der zwölf engsten Gefährten, die in drei Evangelien überliefert ist, findet sich sein Name nicht. Daher lässt sich nicht sagen, ob jener Barnabas aus der Bibel der Verfasser dieses Evangeliums war oder eine andere Person. In den Listen der zwölf Gefährten, die Matthäus und Markus überliefert haben, gibt es gegenüber der von Barnabas gegebenen Liste nur zwei Abweichungen bei den Namen. Einer von ihnen ist Thomas; anstelle von Thomas hat Barnabas seinen eigenen Namen genannt. Der zweite ist Simon der Kananäer; an seiner Stelle nennt Barnabas Judas, den Sohn des Jakobus. Dieser zweite Name findet sich auch im Lukasevangelium. Wenn man daher vermutet, dass zu einem späteren Zeitpunkt der Name Thomas eingefügt wurde, nur um Barnabas aus der Liste der zwölf Gefährten zu entfernen, wäre das nicht falsch. Denn dadurch sollte der Weg dafür bereitet werden, das Barnabas-Evangelium zu ignorieren. Tatsächlich galt eine solche Veränderung religiöser Schriften in den Augen christlicher Gelehrter nicht als unzulässige Handlung.
Wenn jemand das Barnabas-Evangelium vorurteilsfrei und mit aufgeschlossenem Blick liest und es mit den allgemein bekannten vier Evangelien vergleicht, kann er nicht umhin, es für den vierfachen oder noch größeren Wert dieser vier Evangelien überlegen zu halten. Darin wird das Leben Jesu (a.s.) weitaus ausführlicher geschildert. Die Darstellungsweise erweckt den Eindruck, dass jemand tatsächlich alle Ereignisse mit eigenen Augen beobachtete und selbst in irgendeiner Weise an ihnen beteiligt war. Im Vergleich zu den zusammenhanglosen Geschichten der vier Evangelien ist die historische Darstellung hier weitaus geordneter und besser gegliedert. Dadurch lassen sich auch die Zusammenhänge zwischen den Ereignissen viel leichter verstehen. Auch die Lehren Jesu (a.s.) werden in diesem Evangelium weitaus klarer und eindringlicher dargestellt als in den anderen vier Evangelien. Die Ausführungen über die Lehre von der Einheit Gottes, die Widerlegung des Schirk, die Eigenschaften Allahs, die Ermunterung zur Anbetung und die edlen Charaktereigenschaften sind darin sehr nachdrücklich, überzeugend und ausführlich. Von den lehrreichen Gleichnissen, in deren Zusammenhang Jesus (a.s.) diese Themen behandelte, findet sich in den anderen vier Evangelien nicht einmal ein Prozent. Auch wie Jesus (a.s.) seine Jünger mit welcher Weisheit und welchem Geschick die Lehre von Allahs Religion vermittelte und praktisch anleitete, lässt sich aus diesem Evangelium sehr ausführlich erkennen. Jeder, der auch nur ein wenig über die Sprache, die Darstellungsweise und das Wesen Jesu (a.s.) weiß, wird nach der Lektüre dieses Evangeliums anerkennen müssen, dass es keine von einer späteren Person erdichtete Geschichte ist; vielmehr stellt Jesus (a.s.) darin sein wahres Wesen weitaus deutlicher dar als in den verbreiteten vier Evangelien. Und von den Widersprüchen zwischen seinen verschiedenen Aussagen, die in den vier Evangelien festzustellen sind, findet sich in diesem Evangelium nicht die geringste Spur.
Wie in diesem Evangelium die Lebensgeschichte und die Lehren Jesu (Friede sei mit ihm) dargestellt werden, wirkt tatsächlich wie das Leben und die Lehre eines Propheten. Er stellte sich selbst als Propheten dar. Er bestätigte die Wahrhaftigkeit aller früheren Propheten und Schriften und sagte ausdrücklich, dass es außer der Lehre der Propheten keinen Weg zur Erkenntnis der Wahrheit gibt. Wer die Propheten missachtet, missachtet in Wirklichkeit Allah. Er verkündete hinsichtlich Tauhīd, Risālat und Āchira denselben Glauben wie alle anderen Propheten. Er lehrte das Gebet, das Fasten und die Zakāt. Aus den wiederholten Schilderungen Barnabas’ über sein Gebet geht hervor, dass er ebenso wie wir heute zu den Zeiten des Fadschr-, Zuhr-, Asr-, Maghrib-, Ischā- und Tahaddschud-Gebets betete und sich vor dem Gebet stets die Gebetswaschung vollzog. Neben den anderen Propheten erklärte er auch David (Friede sei mit ihm) und Salomo (Friede sei mit ihm) zu Propheten. Die Juden und Christen hingegen haben diese beiden aus der Reihe der Propheten ausgeschlossen. Nach diesem Evangelium bekannte er Ismael (Friede sei mit ihm) als den Zabīh – denjenigen, der zur Schlachtung bereit war, um als Opfer dargebracht zu werden – und brachte einen jüdischen Gelehrten dazu einzugestehen, dass der Prophet Israel sich vergeblich einer List bedient hatte, um Isaak (Friede sei mit ihm) zum Zabīh zu erklären. In Wirklichkeit aber war Ismael (Friede sei mit ihm) der Zabīh. Die in diesem Evangelium dargelegte Lehre über das Jenseits, die Auferstehung und das Paradies und die Hölle kommt der Lehre des Korans nahe.
Zehntens: Warum die Christen gegen das Evangelium des Barnabas sind:Dass das Evangelium des Barnabas wiederholt eindeutige Prophezeiungen über das Kommen des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) enthält, ist nicht der einzige Grund dafür, dass die Christen ihm gegenüber ablehnend eingestellt sind. Denn sie hatten das Evangelium bereits lange vor der Geburt des Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zurückgewiesen. Um den eigentlichen Grund ihrer Unzufriedenheit damit zu verstehen, ist eine etwas ausführlichere Erörterung erforderlich.
Die ersten Anhänger Jesu (Friede sei mit ihm) erkannten ihn lediglich als Propheten an. Sie folgten der von Mose (Friede sei mit ihm) überbrachten Gesetzesordnung (Scharīʿa). Hinsichtlich Glaubenslehre, Gottesdienst und Vorschriften betrachteten sie sich nicht als von den übrigen Kindern Israels getrennt. Ihr einziger Unterschied zu den Juden bestand darin, dass sie Jesus (Friede sei mit ihm) neben seiner Anerkennung als Prophet auch als Messias – einen Propheten von besonderer Stellung – anerkannten. Die Juden jedoch wollten ihn nicht als Messias anerkennen. Als später der heilige Paulus dieser Gruppe beitrat, begann er, diese Religion auch unter den Römern, Griechen und anderen Nichtjuden und Nichtisraeliten zu verbreiten. Zu diesem Zweck veränderte er die Glaubenslehre, Vorschriften und Grundsätze der von Jesus (Friede sei mit ihm) verkündeten Religion und schuf eine völlig neue Religion. Dieser Mann hatte Jesus (Friede sei mit ihm) niemals begleitet. Vielmehr war er zu dessen Lebzeiten ein entschiedener Gegner Jesu und blieb auch noch mehrere Jahre nach dessen Tod ein Feind seiner Gefährten. Als er dann in diese Gruppe eintrat und begann, eine neue Religion zu schaffen, führte er der Menschheit dennoch kein einziges Wort Jesu (Friede sei mit ihm) als deren Grundlage vor. Er nahm lediglich seine eigenen Einfälle und Vorstellungen als Grundlage. Hinter der Schaffung dieser neuen Religion stand nur die Absicht, eine Religion zu schaffen, die von allen Nichtjuden der Welt umfassend angenommen werden konnte. Er erklärte, die Anhänger Jesu (Friede sei mit ihm) seien von allen Vorschriften der jüdischen Scharīʿa befreit. Bei den Speisen und Getränken hob er die Unterscheidung zwischen Erlaubtem und Verbotenem auf. Er schaffte die Beschneidung ab, die Nichtjuden besonders ablehnten. Ja, er erklärte sogar den Glauben daran zur religiösen Pflicht, dass Jesus (Friede sei mit ihm) eine Gottheit und der Sohn Allahs sei und durch seinen Tod am Kreuz für die Erbsünde der gesamten Menschheit Sühne geleistet habe. Denn die Götzendiener neigen gerade zu solchen Vorstellungen. Die ältesten Gefährten Jesu (Friede sei mit ihm) widersetzten sich diesen neu eingeführten Ideen entschieden. Doch durch die von Paulus geöffnete Tür strömte eine gewaltige und mächtige Flut nichtjüdischer Christen in das Christentum hinein. Diese wenigen Menschen konnten diese Flut keineswegs aufhalten. Dennoch war bis zum Ende des dritten christlichen Jahrhunderts die Zahl der Menschen, die Jesus (Friede sei mit ihm) nicht als Gottheit anerkannten, keineswegs gering. Aber zu Beginn des vierten Jahrhunderts, im Jahr 352 n. Chr., wurde auf dem Konzil von Nicäa (Nicaea) das Reich zum Reich des Paulus-Christentums. Unter Kaiser Theodosius wurde diese Glaubensrichtung zur Staatsreligion des Reiches. Danach war es nur folgerichtig, dass alle Schriften, die der Staatsreligion widersprachen, zurückgewiesen und nur die Schriften ihrer Anhänger angenommen wurden. Im Jahr 367 n. Chr. wurde erstmals in einem Brief des Athanasius (Athanasius) eine Liste der annehmbaren und anerkannten Schriften verkündet. Danach bestätigte ein Konzil unter dem Vorsitz von Papst Damasus (Damasius) im Jahr 382 n. Chr. diese Liste. Gegen Ende des fünften Jahrhunderts verkündete Papst Gelasius (Gelasius) zusammen mit der endgültigen Anerkennung dieser Liste auch eine Liste der zurückgewiesenen Schriften. Doch kein christlicher Gelehrter konnte jemals behaupten, dass Jesus (Friede sei mit ihm) auch nur eine dieser Glaubenslehren selbst gelehrt habe, auf deren Grundlage über die Anerkennung oder Zurückweisung der Schriften entschieden worden war. Selbst in den anerkannten heiligen Schriften findet sich in keinem der darin enthaltenen Evangelien eine Bestätigung dieser Glaubenslehren durch ein eigenes Wort Jesu (Friede sei mit ihm). Das Evangelium des Barnabas wurde gerade deshalb zurückgewiesen, weil es diesen offiziellen Glaubenslehren des Christentums widersprach. Sein Verfasser beschreibt gleich am Anfang des Buches dessen Zweck folgendermaßen: „Die irrigen Vorstellungen derjenigen zu widerlegen, die durch die Täuschung der Satane dazu gebracht wurden, Jesus als Sohn Allahs zu bezeichnen, und auch diejenigen zu berichtigen, die die Beschneidung für unnötig halten und verbotene Speisen für erlaubt erklären. Auch Paulus ist eines der bedeutendsten Opfer dieser satanischen Täuschung.“ Barnabas berichtet: Zu Lebzeiten Jesu (Friede sei mit ihm) begannen einige der götzendienerischen römischen Soldaten, nachdem sie seine Wunder gesehen hatten, ihn bald Gott, bald Sohn Gottes zu nennen. Allmählich breitete sich dies wie eine ansteckende Krankheit unter den gesamten Kindern Israels aus. Darüber war Jesus (Friede sei mit ihm) äußerst zornig und beunruhigt. Wiederholt widersetzte er sich entschieden dieser falschen Vorstellung über seine Person. Statt selbst an verschiedene Orte zu gehen, schickte er seine Jünger dorthin; und durch sein Gebet wurden auch durch die Jünger Wunder vollbracht, wie sie Jesus (Friede sei mit ihm) selbst vollbracht hatte. Dies sollte die Menschen davon abhalten, denjenigen, der ein Wunder vollbrachte, für Gott oder den Sohn Gottes zu halten. In diesem Zusammenhang führt Barnabas die langen Reden an, die Jesus (Friede sei mit ihm) gegen diese falsche Glaubenslehre gehalten hatte, und schildert an verschiedenen Stellen, wie bedrückt Jesus (Friede sei mit ihm) über die Ausbreitung dieser Verwirrung und Irreführung war. Die von Paulus über die Kreuzigung und den Tod Jesu (Friede sei mit ihm) verbreitete Lehre widerlegt Barnabas eindeutig. Bei der Schilderung des Geschehens, das er mit eigenen Augen gesehen habe, berichtet er: Als Judas Iskariot, nachdem er vom obersten jüdischen Priester Bestechungsgeld angenommen hatte, mit Soldaten kam, um Jesus (Friede sei mit ihm) auszuliefern, hoben ihn auf Allahs Befehl vier Engel empor. Zugleich wurden Gestalt und Stimme des Judas Iskariot genau denen Jesu (Friede sei mit ihm) gleichgemacht. So wurde anstelle Jesu (Friede sei mit ihm) Judas selbst gekreuzigt. Auf diese Weise zerstört das Evangelium des Barnabas das Fundament des von Paulus geschaffenen Christentums vollständig und bestätigt die Darstellung des Korans in vollem Umfang. Und doch waren diese Aussagen im Evangelium des Barnabas bereits 115 Jahre vor der Herabsendung des Korans veröffentlicht worden; gerade deshalb wurde es von den christlichen Geistlichen zurückgewiesen.
Elf: Die ausführlichen Prophezeiungen im Injil des Barnabas:Aus dieser Erörterung wird deutlich, dass das Injil des Barnabas tatsächlich ein weitaus glaubwürdigeres und zuverlässigeres Injil ist als die vier heute verbreiteten Evangelien. Es stellt die Lehren, den Lebenslauf und die Aussprüche Jesu (a.s.) richtig dar. Die seltene Gelegenheit, die die Christen durch dieses Injil erhalten hatten, ihre irrigen Glaubensvorstellungen zu korrigieren und die wahren Lehren Jesu (a.s.) kennenzulernen, ließen sie aus bloßem Trotz und Starrsinn verstreichen. Wahrlich, das ist ihr größtes Unglück. Jedenfalls enthalten die von Barnabas überlieferten Prophezeiungen Jesu (a.s.) über den Gesandten Allahs (s.a.w.) verschiedene Formen: Manchmal wird Jesus (a.s.) dabei erwähnt, wie er den Namen des Propheten (s.a.w.) ausspricht, manchmal sagt er nur „der Gesandte Allahs“, manchmal verwendet er das Wort „Messias“, manchmal bezeichnet er ihn als „den Lobenswerten“ (Admirable), und an anderer Stelle spricht er ausdrücklich einen Satz aus, der „La ilaha illallah, Muhammadur Rasulullah“ entspricht. Ich kann nicht alle diese Prophezeiungen anführen. Denn sie sind so zahlreich, und manche von ihnen sind im Zusammenhang mit unterschiedlichen Situationen sowie den vorausgehenden und nachfolgenden Schilderungen zu einem derart umfangreichen Ganzen geworden, dass ihre vollständige Zusammenstellung ein großes Buch ergeben könnte. Hier führe ich nur einige Beispiele an:
„Die Zahl der von Allah gesandten Propheten betrug einhundertvierundvierzigtausend. Sie alle sprachen kurz und unklar. Doch nach mir wird das Licht aller Propheten und Rechtschaffenen kommen. Er wird alles erklären, was in den Worten der Propheten unklar war. Denn er ist Allahs Gesandter.“ – (Kapitel 17)
„Die Pharisäer und Leviten sagten: Wenn du weder der Messias noch Elija oder irgendein anderer Prophet bist, warum lehrst du dann eine neue Lebensweise und stellst dich größer dar als der Messias? Jasu [Jesus (a.s.)] antwortete: Aus den Wundern, die Allah durch mich offenbar werden lässt, ist klar ersichtlich, dass ich nur das sage, was Allah will. Andernfalls halte ich mich, wie ihr sagt, keineswegs für würdig, mich für größer als ihn [den Messias] zu erachten. Ich bin nicht einmal würdig, die Bänder seiner Schuhe oder deren Riemen zu lösen – jenes Gesandten Allahs, den ihr den Messias nennt. Er wurde vor mir erschaffen, wird aber nach mir kommen. Er wird die wahre Botschaft bringen, sodass die Ausbreitung seiner Religion keine Grenze haben wird.“ – (Kapitel 42)
„Wahrlich, ich sage euch: Jeder Prophet, der bisher kam, wurde lediglich als Zeichen der Barmherzigkeit Allahs für ein einziges Volk geboren. Deshalb verbreiteten sich die Botschaften dieser Propheten nicht über das Volk hinaus, zu dem sie gesandt worden waren. Wenn jedoch der Gesandte Allahs (s.a.w.) kommen wird, wird Allah ihn gleichsam mit dem Siegel Seiner eigenen Hand ausstatten. Dadurch wird er allen Völkern der Welt, die von seiner Lehre beeinflusst werden, Allahs Barmherzigkeit übermitteln und ihnen den Weg zur Erlösung zeigen. Er wird den Gottesleugnern gegenüber überlegen und mächtig auftreten und den Götzendienst so vollständig beseitigen, dass Satan in Unruhe geraten wird.“ [Danach erklärt Jesus (a.s.) in einem langen Gespräch mit seinen Jüngern ausdrücklich, dass er aus den Nachkommen Ismails (a.s.) hervorgehen wird.] – (Kapitel 43)
„Deshalb sage ich euch: Jener Gesandte Allahs ist ein strahlendes Licht, an dem jedes Geschöpf Allahs Freude haben wird. Denn Klugheit und Ermahnung, Weisheit und Stärke, Furcht und Liebe, Standhaftigkeit und Selbstbeherrschung werden die Zierden seines Charakters und die Quellen seiner Inspiration sein. Er wird durch die belebende Kraft von Freigebigkeit und Barmherzigkeit, Gerechtigkeit, Gottesfurcht, Anstand und Geduld stark sein. Die Eigenschaften, mit denen Allah andere Seiner Geschöpfe ausgestattet hat, wird er in dreifachem Maß besitzen. Wie segensreich die Zeit seines Erscheinens sein wird, lässt sich nicht in Worte fassen. Wisst mit Gewissheit: Ich habe ihn gesehen und ihm meine Ehrerbietung erwiesen, ebenso wie jeder Prophet ihn gesehen und ihm Ehrerbietung erwiesen hat. Sobald Allah seine Seele erblickte, verlieh Er ihm das Prophetentum. Als ich ihn sah, erfüllte sich meine Seele mit Frieden. Da sagte ich: O Muhammad, möge Allah dir beistehen und mich würdig machen, die Riemen deiner Schuhe zu binden. Denn selbst wenn ich nur diese geringe Ehre erlangte, würde ich als großer Prophet und als ein rechtschaffener Diener Allahs gelten.“ – (Kapitel 44)
„Seid nicht traurig und fürchtet euch nicht, weil ich fortgehe. Denn ich habe euch nicht erschaffen. Vielmehr wird Allah, unser aller Schöpfer – Er, der auch euch erschaffen hat –, euch versorgen. Und was mich betrifft? Ich bin in dieser Zeit auf die Welt gekommen, um den Weg für jenen Gesandten Allahs zu bereiten, der den Menschen der Welt den Weg zur Erlösung weisen wird. … Indiriyas sagte: O Meister, nenne uns seine Kennzeichen, damit wir ihn erkennen können. Jasu antwortete: Er wird nicht zu euren Lebzeiten kommen. Er wird einige Zeit nach euch kommen. Er wird zu einer Zeit kommen, in der aufgrund der Verfälschung des Injil kaum noch dreißig Gläubige übrig sein werden. In diesem Zustand wird Allah Sich der Welt erbarmen. Er wird Seinen Gesandten senden; eine weiße Wolke wird über seinem Haupt Schatten spenden, und daran wird man ihn als den von Allah auserwählten Diener erkennen. Durch ihn werden die Menschen der Welt die wahre Erkenntnis Allahs erlangen. Er wird den Gottesleugnern mit großer Kraft entgegentreten und den Götzendienst von der Welt beseitigen. Darüber freue ich mich sehr. Denn durch ihn wird die wahre Erkenntnis unseres Herrn erlangt, Seine Herrlichkeit verkündet werden, und die Menschen der Welt werden erkennen, dass das, was ich gesagt habe, wahr und richtig war. Er wird sich an denen rächen, die mich für etwas Höheres als einen Menschen halten. … Er wird eine Wahrheit bringen, die klarer sein wird als die Wahrheit, die alle anderen Propheten gebracht haben.“ – (Kapitel 72)
„Der Bund mit Allah wurde in Jerusalem in Salomos Moschee geschlossen – und nirgendwo sonst. Doch glaubt mir: Es wird ein Tag kommen, an dem der Herr Seine Barmherzigkeit über eine andere Stadt herabkommen lässt. Danach wird überall die richtige Anbetung möglich sein, und Allah wird in Seiner Gnade überall das wahre Gebet annehmen. … Ich bin tatsächlich als ein rettender Prophet zu den Nachkommen Israels gekommen; doch nach mir wird der von Allah gesandte Messias zu allen Menschen der Welt kommen. Seinetwegen hat Er diese gesamte Welt erschaffen. Dann wird in der ganzen Welt Allah angebetet werden, und Seine Barmherzigkeit wird sich ergießen.“ – (Kapitel 83)
„(Jesus sagte zum Hohepriester:) Bei dem ewigen Gott, für den ich mein Leben zu opfern bereit bin: Ich bin nicht der Messias, auf den alle Völker der Welt warten. Unserem Vater Abraham hatte Allah über diesen Messias versprochen: ›Durch deinen Nachkommen werden alle Völker der Welt gesegnet werden.‹ (Genesis 22:18). Wenn Allah mich jedoch von der Welt hinwegnehmen wird, wird Satan erneut einen solchen Aufruhr entfachen, dass die frevelhaften Menschen mich als Gott und als Sohn Gottes anerkennen werden. Deshalb werden meine Worte und meine Lehren derart verfälscht werden, dass es schwierig sein wird, auch nur dreißig Gläubige übrig zu behalten. Zu jener Zeit wird Allah sich der Welt erbarmen und jenen Gesandten senden, um dessentwillen Er alles in der Welt erschaffen hat. Er wird aus dem Süden mit großer Macht kommen und die Götzen samt ihren Anbetern vernichten. Die Macht, mit der Satan sich der Menschen bemächtigt hat, wird er den Satans wegnehmen. Denjenigen, die an ihn glauben, wird er Allahs Gnade zu ihrer Erlösung bringen. Glückselig sind diejenigen, die seinen Worten folgen.“ – (Kapitel 16).
„Der Hohepriester fragte: Wird nach diesem Gesandten Allahs noch ein anderer Prophet kommen? Jesus sagte: Kein wahrer Prophet wird mehr kommen. Doch viele falsche Propheten werden kommen. Deshalb bin ich sehr besorgt. Denn aufgrund Allahs gerechtem Ratschluss wird Satan sie auftreten lassen, und sie werden sich hinter dem Vorhang meines Evangeliums verbergen.“ – (Kapitel 17)
„Der Hohepriester fragte: Unter welchem Namen wird jener Messias bekannt sein, und an welchen Zeichen wird man sein Erscheinen erkennen? Jesus sagte: Der Name jenes Messias ist ›der Gepriesene‹. Als Allah seine Seele erschuf, gab Er ihm selbst diesen Namen und verlieh ihm dort eine überirdische Würde. Da sagte Allah zu ihm: ›O Muhammad, warte! Denn um deinetwillen werde Ich das Paradies, die Welt und vieles andere erschaffen und dir dies alles schenken. Wer dir Gutes wünscht, dem wird Gutes widerfahren, und wer dich verflucht, der wird verflucht werden. Wenn Ich dich in die Welt sende, werde Ich dich als einen rettenden Propheten senden. Dein Wort wird wahr sein. Der Himmel und die Erde werden nicht Bestand haben, doch deine Religion wird Bestand haben.‹ Sein heiliger Name ist Muhammad.“ – (Kapitel 97).
Barnabas schrieb, dass Jesus einmal zu den Jüngern sagte: Einer von uns, mein Jünger Judas Ischariot, wird mich für dreißig Münzen an die Feinde verkaufen. Danach sagte Jesus:
„Ich bin gewiss, dass danach derjenige, der mich verkauft, in meinem Namen getötet werden wird. Denn Allah wird mich über die Erde emporheben und das Gesicht jenes Verräters so verwandeln, dass jeder glauben wird, ich sei jener Mann. Dennoch wird man mich einige Zeit nach seinem schändlichen Tod weiterhin schmähen. Doch wenn Allahs heiliger Gesandter Muhammad kommen wird, wird mein schlechter Ruf getilgt werden. Allah wird dies tun, weil ich die Wahrheit jenes Messias verkündet habe. Er wird mich dadurch belohnen, dass die Menschen erfahren werden, dass ich lebe und keinerlei Verbindung zu jenem schändlichen Tod habe.“ – (Kapitel 113).
[Jesus sagte zu den Jüngern:] „Ich sage euch mit Gewissheit: Wenn die Wahrheit nicht aus dem Buch des Mose ausgelöscht worden wäre, hätte Allah unserem Vater David kein weiteres Buch gegeben. Und wenn das Buch Davids nicht verfälscht worden wäre, hätte Allah mir nicht das Evangelium gegeben. Denn unser Gott ist nicht wandelbar. Deshalb hat Er allen dieselbe Botschaft gegeben. Wenn nun der Gesandte Allahs kommen wird, wird er mein Buch, das von gottabgewandten Menschen befleckt worden ist, von dieser Befleckung reinigen.“ – (Kapitel 124).
Antwort auf diezwei Einwände
In diesen klaren und ausführlichen Prophezeiungen gibt es nur drei Dinge, die auf den ersten Blick gewisse Zweifel hervorrufen. Erstens hat Jesus in diesen Zitaten und an vielen weiteren Stellen des Barnabas-Evangeliums geleugnet, der Messias zu sein. Zweitens wird nicht nur in diesen Zitaten, sondern auch an vielen weiteren Stellen des Barnabas-Evangeliums der eigentliche arabische Name des Gesandten Allahs, ›Muhammad‹ (s.a.w.), genannt. Doch es entspricht nicht der üblichen Praxis der Propheten, bei einer Prophezeiung über einen künftigen Propheten dessen eigentlichen Namen zu nennen. Drittens wird der Gesandte Allahs darin als Samih bezeichnet.
Die Antwort auf den ersten Einwand lautet: Die Antwort auf den bloßen Einwand lautet: Nicht nur im Barnabas-Evangelium, sondern auch im Lukas-Evangelium wird erwähnt, dass Hadhrat Isa (a. S.) seinen Jüngern verboten hatte, ihn den Messias zu nennen. Beachtenswert ist das Zitat aus Lukas (9,20–21):
„Er sagte zu ihnen: Doch für wen haltet ihr mich? Petrus sagte: Für den Messias Gottes. Daraufhin befahl er ihnen streng, dies niemandem zu sagen.“
Der Grund dafür war vielleicht, dass die Kinder Israels von dem Messias, auf den sie warteten, glaubten, er werde die Feinde mit der Macht des Schwertes besiegen. Deshalb sagte Hadhrat Isa (a. S.): Ich bin nicht dieser Messias; vielmehr wird er nach mir kommen.
Die Antwort auf den zweiten Einwand lautet: In der heute auf der Welt erhältlichen italienischen Übersetzung des Barnabas-Evangeliums steht tatsächlich der Name Muhammad für den Ehrwürdigen (s. a. w.). Doch niemand weiß, aus welchen Sprachen dieses Buch durch eine Reihe von Übersetzungen ins Italienische gelangt ist. Es bedarf keiner Erwähnung, dass das ursprüngliche Barnabas-Evangelium in syrischer Sprache verfasst gewesen sein muss, denn dies war die Sprache Hadhrat Isas (a. S.) und seiner Gefährten. Wenn dieses ursprüngliche Buch gefunden würde, könnte man sehen, welcher Name darin für den Ehrwürdigen (s. a. w.) geschrieben wurde. Da es nicht gefunden wird, kann man lediglich vermuten, dass Hadhrat Isa (a. S.) ursprünglich vielleicht genau das Wort „Munhamanna“ verwendet hat. Auch in dem Bericht aus dem Johannes-Evangelium, auf den wir zuvor unter Berufung auf Ibn Ishaq verwiesen haben, findet sich die Erwähnung eben dieses Wortes. Nachdem Hadhrat Isa (a. S.) das Wort Munhamanna verwendet hatte, übersetzten verschiedene Übersetzer es. Und weil der in der Prophezeiung erwähnte Name des künftigen Propheten genau dem Wort „Muhammad“ entsprach, hat vielleicht ein späterer Übersetzer diesen Namen niedergeschrieben. Allein daraus, dass dieser Name klar geschrieben steht, kann man jedoch nicht den Einwand ableiten, das gesamte Barnabas-Evangelium sei eine von einem Muslim erfundene Schrift.
Die Antwort auf den dritten Einwand lautet: Das Wort „Messias“ ist ein israelitischer Begriff. Der Grund dafür, dass es im Heiligen Koran ausdrücklich als Bezeichnung für Hadhrat Isa (a. S.) verwendet wird, besteht lediglich darin, dass die Juden ihn nicht als „Messias“ anerkannten. Andernfalls ist es weder ein koranischer Begriff, noch wird es im Koran irgendwo als Synonym für einen israelitischen Begriff verwendet. Wenn Hadhrat Isa (a. S.) daher das Wort Messias auf den Gesandten Allahs (s. a. w.) angewandt hat und dies im Koran nicht geschehen ist, bedeutet das nicht, dass das Barnabas-Evangelium den Ehrwürdigen (s. a. w.) mit einem Beinamen versieht, den der Koran zurückweist. Tatsächlich bestand der alte Brauch der Kinder Israels darin, dass ein Gegenstand oder eine Person, wenn er beziehungsweise sie für einen religiösen oder geistlichen Zweck bestimmt wurde, durch das Salben des Gegenstands oder des Kopfes der Person mit Öl geheiligt wurde. In der hebräischen Sprache wurde dieses Salben mit Öl „Misch“ genannt, und derjenige, der gesalbt wurde, wurde „Messias“ genannt. Die für das Gotteshaus erforderlichen Gegenstände wurden auf diese Weise gesalbt und dem Gotteshaus als Stiftung gewidmet. Auch Priester wurden auf diese Weise gesalbt, wenn sie in das priesterliche Amt eingesetzt wurden. Wenn ein König oder ein Prophet von Allah für das Königtum oder das prophetische Amt erwählt wurde, wurde er ebenfalls gesalbt. Nach dem Bericht der Bibel traten unter den Kindern Israels mehrere „Messiasse“ auf. Hadhrat Aaron (a. S.) war als Priester ein Messias. Hadhrat Moses (a. S.) war es als Priester und Prophet, Talut als König, Hadhrat David (a. S.) als König und Prophet, Melchisedek als König und Priester und Hadhrat Elisa als Prophet. Später war das Salben bei der Einsetzung einer Person jedoch nicht mehr zwingend erforderlich. Allein die Erwählung durch Allah war die Voraussetzung dafür, ein Messias zu sein. So wird beispielsweise im 19. Kapitel des Ersten Buches der Könige erwähnt, dass Allah Hadhrat Elija (a. S.) anwies, Hasael zum König von Aram zu salben, Jehu, den Sohn Nimsis, zum König von Israel zu salben und Elisa an deiner Stelle zum Propheten zu salben. Keinem von ihnen wurde Öl auf den Kopf gestrichen. Die Salbung war dadurch vollzogen, dass lediglich die Entscheidung über ihre Einsetzung von Allah verkündet wurde. Nach der Auffassung der Israeliten ist „Messias“ somit eigentlich ein Synonym für „von Allah eingesetzt“. In diesem Sinne bezeichnete Hadhrat Isa (a. S.) den Gesandten Allahs (s. a. w.) als Messias. (Eine Erklärung der israelitischen Bedeutung des Wortes Messias findet sich in der Cyclopaedia of Biblical Literature unter dem Stichwort „Messias“.)
Kapitel: 4 – Weltführer
Weltführer
(Das universelle Erbe der gesamten Welt)
–[Dies ist eine Rundfunkansprache. Einige Jahre vor der Teilung des Landes, im Jahr 1941, wurde sie von All India Radio ausgestrahlt. Die Zuhörer dieser Ansprache waren nicht nur Muslime. Es waren auch Hindus, Sikhs, Christen und Parsen darunter. –(Die Herausgeber)]
Wir Muslime bezeichnen Hazrat Muhammad (saw) als den Weltführer. In einfachen Worten bedeutet das: der Herrscher der Welt. Ins Hindi übersetzt würde es Jagatguru, „Lehrer der Welt“, heißen. Im Englischen heißt es Leader of the world. Auf den ersten Blick ist dies ein gewaltiger Titel. Doch die Taten der großen Persönlichkeit, der dieser Titel verliehen wurde, sind tatsächlich derart, dass es nicht im Geringsten übertrieben wäre, ihn Weltführer zu nennen. Vielmehr wäre dies die schlichte Wirklichkeit.
Bedenken Sie: Die erste Voraussetzung dafür, jemanden als Führer der Welt anzuerkennen, besteht darin, dass er nicht zum Wohl einer bestimmten Nation, Rasse oder Klasse, sondern zum Wohl der Menschen auf der ganzen Welt gewirkt hat. Einen patriotischen oder nationalistischen Führer können Sie noch so sehr dafür ehren, dass er seiner eigenen Nation gedient hat; wenn Sie jedoch nicht zu seinem Land und seiner Nation gehören, kann er keineswegs Ihr Führer sein. Welchen Bezug sollte ein Inder zu einem Menschen haben, dessen gesamte Liebe, sein ganzes Wohlwollen und all seine gemeinnützigen Tätigkeiten sich lediglich von China bis Spanien erstrecken, sodass er ihn als Führer anerkennen würde? Wenn dieser seine eigene Nation für besser als andere Nationen hält, werden die Angehörigen anderer Nationen gezwungen sein, ihn zu hassen. Die Angehörigen aller Nationen können einen Menschen nur dann als ihren Führer anerkennen, wenn er alle Menschen und alle Nationen mit demselben Blick betrachtet, allen gleichermaßen wohlgesinnt ist und aus Wohlwollen niemals eine Nation gegenüber einer anderen bevorzugt.
Die zweite Voraussetzung dafür, Führer der Menschen auf der ganzen Welt zu sein, besteht darin, dass die von ihm verkündeten Ideale und Grundprinzipien der gesamten Menschheit als Wegweiser dienen können und die Lösung aller wichtigen Probleme des menschlichen Lebens in sich tragen. Das Wort Führer bedeutet seinem Wesen nach Wegweiser oder Anleiter. Einen Führer braucht man deshalb, weil er zeigen soll, welcher Weg zu Wohlergehen und Glück führt. Wer also den Menschen auf der ganzen Welt den Weg zu ihrem gemeinsamen Wohl weisen kann, ist der Weltführer.
Die dritte unerlässliche Voraussetzung dafür, Weltführer zu sein, besteht darin, dass seine Führung nicht an eine bestimmte Zeit oder Epoche gebunden ist, sondern in allen Umständen und allen Zeitaltern gleichermaßen anwendbar und erfolgreich, gleichermaßen fehlerlos und richtig sowie gleichermaßen nachahmenswert bleibt. Einen Führer, dessen Führung zu einer Zeit nützlich und zu einer anderen nutzlos ist – zu einer Zeit gilt und zu einer anderen überholt ist –, kann man nicht Weltführer nennen. Weltführer kann allein derjenige sein, dessen Führung so lange wirksam bleibt, wie das Weltall Bestand hat.
Die vierte und wichtigste Voraussetzung besteht darin, dass er sich nicht damit begnügt, lediglich Ideale zu verkünden, sondern die von ihm verkündeten Ideale im praktischen Leben verwirklicht und auf dieser Grundlage eine lebendige und wache Gesellschaft aufbaut. Wer seine Pflicht allein durch die Verkündung von Idealen erfüllt, kann höchstens ein Denker sein; ein Führer kann er nicht sein. Um ein Führer zu sein, ist es unerlässlich, die Ideale zu verwirklichen und dies vor aller Augen zu zeigen.
Sehen wir nun, in welchem Maß diese vier Voraussetzungen in der Persönlichkeit erfüllt sind, die wir als Weltführer bezeichnen:
Denken Sie zunächst über die erste Voraussetzung nach. Wenn man die Biografie von Hazrat Muhammad (saw) liest, wird auf den ersten Blick deutlich, dass dies nicht die Biografie eines Nationalisten oder Patrioten ist, sondern die eines Menschenfreundes und eines Verkünders einer universalen Lehre. In seinen Augen waren alle Menschen gleich. Mit den besonderen Interessen einer bestimmten Abstammung, Klasse, Nation, Rasse oder eines bestimmten Landes befasste er sich nicht. Reich und arm, vornehm und gering, weiß und schwarz, Araber und Nichtaraber, Orient und Okzident, Arier und Nichtarier – zwischen all dem machte er keinen Unterschied. Er betrachtete sie alle als Angehörige ein und derselben Menschheit. Niemand hat je in seinem ganzen Leben aus seinem Mund auch nur ein Wort oder einen Satz gehört, und er hat in seinem Leben nie eine Handlung vollbracht, die den Verdacht hätte erwecken können, dass er statt mit den Interessen der gesamten Menschheit mit den Interessen einer bestimmten Menschengruppe eng verbunden gewesen sei. Deshalb wurden schon zu seinen Lebzeiten neben Arabern auch Abessinier, Iraner, Römer, Ägypter und Israeliten seine Gefährten und Mitarbeiter. Nach seinem Tod haben ihn in jeder Region der Erde Menschen jeder Rasse und jeder Gemeinschaft als ihren eigenen Volksangehörigen und damit als ihren Führer angenommen. Dank seines unverfälschten Humanismus kann man heute sogar aus dem Mund eines weit entfernten Inders –[Bemerkenswert ist, dass Indien zum Zeitpunkt der Ausstrahlung der Ansprache noch nicht geteilt war. –(Die Herausgeber)] das Lob jenes in Arabien vor mehr als tausend Jahren geborenen Menschen hören.
Betrachten wir nun die zweite und dritte Bedingung gemeinsam. Muhammad (s.a.w.) hat keine Zeit damit verschwendet, die zeitweiligen und regionalen Probleme bestimmter Völker und bestimmter Länder zu erörtern. Stattdessen setzte er seine ganze Kraft für die Lösung des größten Problems der Menschheit ein. Denn sobald dieses große Problem gelöst ist, lösen sich alle kleineren und persönlichen Probleme aller Menschen von selbst. Dieses große Problem lautet:
„Die Leitung und Ordnung des Weltalls richtet sich in Wirklichkeit nach einem bestimmten Prinzip; auch die Leitung und Ordnung des menschlichen Lebens sollte sich genau nach diesem Prinzip richten. Denn der Mensch ist ein Teil des Weltalls; wenn ein Teil gegen das Ganze handelt, sind Zusammenbruch und Chaos unvermeidlich.“
Der einfachste Weg, diese Aussage richtig zu verstehen, besteht darin, den eigenen Blick zu weiten und zu versuchen, die Grenzen von Raum und Zeit zu überschreiten. Man muss die ganze Erde umfassend betrachten und sich vorstellen, dass alle Menschen, die seit Anbeginn der Schöpfung bis heute und in alle Ewigkeit in der Welt gelebt haben oder leben werden, vor den eigenen Augen stehen. Dann muss man darüber nachdenken, was die eigentliche Ursache all der Nöte, Übel und Katastrophen ist oder sein kann, die im Leben der Menschen auftreten oder auftreten können. Wie viel man auch über diese Frage nachdenkt und wie viele Untersuchungen und Analysen man auch anstellt, man wird nur eine Antwort finden.
Diese Antwort lautet:
„Die Auflehnung und der Ungehorsam des Menschen gegenüber dem Schöpfer sind die eigentliche Ursache aller Nöte, Übel, Katastrophen und Unordnung.“
Denn nachdem der Mensch dem Schöpfer ungehorsam geworden ist, stehen ihm zwei Wege offen. Einen von beiden muss er zwangsläufig einschlagen. Entweder hält er sich für völlig frei und verantwortungslos, tut, was ihm beliebt, und wird dadurch zu einem Unterdrücker. Oder er gehorcht anderen Mächten statt dem Schöpfer; dadurch entstehen auf der Welt zahllose Arten von Katastrophen, Unordnung und Anarchie. Warum kommt es in beiden Fällen zu solch schlechten Folgen? Die einfache und eindeutige Antwort lautet: Weil dieses Verhalten der Wirklichkeit widerspricht, muss es zwangsläufig schlechte Folgen haben. Dieses Weltall ist in Wirklichkeit das Reich Gottes. Er ist der Eigentümer der Erde, der Sonne, des Mondes, der Luft, des Wassers und des Lichts – von allem. Der Mensch ist in diesem Reich von Geburt an Untertan und Diener (Born Subject). Obwohl der Mensch ein Teil der Ordnung ist, nach der dieses ganze Reich funktioniert, muss sein Verhalten zwangsläufig zerstörerische Folgen haben, wenn er gegen diese Ordnung handelt. Wenn er glaubt, dass es über ihm keine herrschende Instanz gibt und dass er niemandem gegenüber verantwortlich ist, widerspricht diese Vorstellung der tatsächlichen Lage. Wenn er daher eigenmächtig und verantwortungslos handelt und selbst festlegt, nach welcher Ordnung er sein Leben führen will, zeigen sich zwangsläufig schlechte Folgen. Ebenso widerspricht es der Wahrheit, jemand anderen als den Schöpfer für mächtig und herrschend zu halten, ihn zu fürchten oder zu begehren, von ihm irgendeinen Vorteil zu erlangen, und sich seiner Herrschaft und Autorität zu unterwerfen. Denn in Wirklichkeit besitzt außer dem Schöpfer niemand das Recht auf diese Würde. Daher sind auch die Folgen davon verderblich. Der Mensch muss sich vor der wahren Autorität beugen, die auf der ganzen Erde errichtet ist; er muss sein Ich und seine Eigenständigkeit vor ihr aufgeben. Gehorsam und Dienstbarkeit muss er allein Ihm vorbehalten und die Grundsätze und Gesetze seines Lebens nicht selbst oder durch andere festlegen lassen, sondern sie vom Herrn dieser Autorität entgegennehmen.
Für das menschliche Leben unterbreitete Muhammad (s.a.w.) genau diesen grundlegenden Reformvorschlag. In dieser von den Fesseln des Ostens und des Westens befreiten Welt, wo Menschen leben, kann dieser einzige Reformvorschlag all ihre verfehlten und ungeordneten Tätigkeiten berichtigen. Dieser Vorschlag ist auch von den Fesseln der Vergangenheit und der Zukunft frei. Vor anderthalbtausend Jahren war er ebenso rein und wirksam wie heute, und auch in zehntausend Jahren wird er es sein.
Nun bleibt die letzte Bedingung. Es ist eine historische Tatsache, dass Muhammad (s.a.w.) sich nicht damit begnügte, nur den Entwurf eines idealen, gedachten Modells vorzulegen, sondern auf dessen Grundlage eine lebendige Gesellschaft gründete und dies unter Beweis stellte. In der kurzen Zeit von 23 Jahren ermutigte er Millionen von Menschen, sich der Autorität Gottes zu unterwerfen und ihr zu gehorchen. Er befreite sie von der Knechtschaft ihrer eigenen Triebe und vom Gehorsam gegenüber anderen Wesen außer Gott. Danach schloss er sie zusammen und errichtete auf der Grundlage des ausschließlichen Gehorsams und der Dienstbarkeit gegenüber Gott eine neue sittliche, soziale, wirtschaftliche und staatliche Ordnung. Auf diese Weise zeigte er den Menschen auf der ganzen Welt durch ein praktisches Verfahren, wie viel besser, reiner und gerechter eine Lebensweise nach den von ihm gegebenen Grundsätzen und seinem Programm ist als andere Lebensweisen.
Dies ist der großartige Beitrag des Propheten Muhammad (s.a.w.). Gerade weil er diesen Beitrag hinterlassen hat, erkennen wir ihn als Weltführer oder als Herrn der ganzen Welt an. Sein Beitrag war nicht für eine bestimmte Nation bestimmt, sondern das gemeinsame Erbe der gesamten Menschheit. Niemandes Anspruch darauf ist geringer oder größer als der eines anderen. Jeder kann aus diesem Erbe Nutzen ziehen. Ich verstehe nicht, welchen Grund irgendjemand haben könnte, diesem Erbe feindselig gegenüberzustehen.
Der eigentliche Beitrag des Sarwar-e-Alam
–[Dies war eine Rundfunkansprache, die nach der Teilung des Landes im Jahr 1948 über Radio Pakistan ausgestrahlt wurde.]
Die Menschen in aller Welt wissen, dass der Weltprophet Hadhrat Muhammad (s.a.w.) einer jener von Allah auserwählten Männer ist, die seit den frühesten Zeiten immer wieder erschienen sind, um die Menschen die Anbetung Allahs, den Gehorsam und einen rechtschaffenen Charakter zu lehren. Die Lehre vom Gehorsam und der Knechtschaft gegenüber dem einen Allah sowie von einem lauteren, sittlichen Leben, die die Propheten und Weisen der Welt seit jeher verkündet haben, hat auch Hadhrat (s.a.w.) gelehrt. Er hat keine neuartige Theorie über Gott vorgelegt und auch keine neuartige Charakterlehre verkündet, die von der moralischen Lehre der früheren Propheten abwich. Da er dies nicht getan hat, stellt sich natürlich die Frage: Worin bestand dann sein eigentlicher Beitrag, dessentwegen wir ihn als den größten Menschen der Geschichte bezeichnen? Die Antwort auf diese Frage lautet: Vor dem Propheten Muhammad waren die Menschen gewiss über die Existenz und die Einheit Gottes unterrichtet. Doch sie wussten nicht, in welchem Verhältnis diese philosophische Lehre zum Charakter des Menschen stand. Ebenso wussten sie damals nicht, was es mit den besten Grundsätzen des Charakters auf sich hatte. Zwar waren die Menschen zu jener Zeit mit den besten Grundsätzen des Charakters vertraut, doch wusste niemand wirklich, wie diese Charaktergrundsätze in den verschiedenen Bereichen des Lebens angewandt und verwirklicht werden sollten. Der Glaube an Allah, die Grundsätze des Charakters und das praktische Leben des Menschen – diese drei Dinge waren völlig voneinander getrennt. Zwischen ihnen bestand weder eine wissenschaftliche Verbindung noch ein enges Verhältnis oder ein wirksames Band. Hadhrat Muhammad (s.a.w.) führte diese drei Dinge in einem einheitlichen System zusammen. Aus ihrer Verbindung errichtete er eine vollkommene Zivilisation und Kultur. Die Grundzüge dieser Zivilisation und Kultur beschränkte er nicht lediglich auf die Welt der Vorstellungen, sondern verwirklichte und etablierte sie auch in der wirklichen Welt.
Der Glaube als Antriebskraft zum Handeln
Der Prophet Muhammad (s.a.w.) sagt: Der Glaube an Allah besteht nicht lediglich darin, eine philosophische Lehre anzunehmen; vielmehr verlangt dieser Glaube seinem Ursprung und seinem Wesen nach ganz natürlich einen bestimmten Charakter. Dieser Charakter sollte im Verhalten des Menschen in seinem praktischen Leben zum Ausdruck kommen. Der Glaube ist wie ein Samen. Sobald dieser Samen im Herzen des Menschen keimt, beginnt er aufgrund seines eigenen Wesens, einen Baum eines bestimmten praktischen Lebens hervorzubringen. Vom Stamm dieses Baumes bis zu jedem einzelnen seiner Äste, Zweige und Blätter strömt der aus jenem Samen hervorgegangene Lebenssaft. So wie es unmöglich ist, aus einem in die Erde gepflanzten Mangokern einen Zitronenbaum wachsen zu lassen, so ist es auch unmöglich, den Samen der Knechtschaft gegenüber Allah in das Herz des Menschen zu pflanzen und daraus ein durch Charakterlosigkeit verdorbenes materialistisches Leben entstehen zu lassen. Der Charakter, der aus dem Gehorsam und der Knechtschaft gegenüber Allah hervorgeht, kann nicht dem Charakter gleichen, der aus Schirk, Atheismus oder Weltentsagung entsteht. Die Wesensart und Natur dieser verschiedenen Lehren über das menschliche Leben sind völlig verschieden. Jede von ihnen verlangt aufgrund ihrer eigenen Natur eine andere Art von Charakter.
Der Charakter der Gottesverehrung für das ganze Leben
Der Charakter, der aus dem Gehorsam gegenüber Gott entsteht, ist nicht nur einer besonderen Klasse von Heiligen und Derwischen vorbehalten, sodass er ausschließlich in der Abgeschiedenheit einer Khanqah oder einer Zelle für Meditation und Askese zum Ausdruck kommen könnte; vielmehr soll dieser Charakter umfassend im gesamten menschlichen Leben und in jedem seiner Bereiche angewandt werden. Wenn ein Geschäftsmann gottesfürchtig ist, gibt es keinen Grund, warum sich in seinem Geschäftsleben kein von Gottesfurcht geprägter Charakter zeigen sollte. Wenn ein Richter gottesfürchtig ist, und ein Polizeikonstabler ebenfalls gottesfürchtig ist, kann man nicht erwarten, dass sie im Gerichtssaal beziehungsweise auf der Polizeiwache oder im Außenposten einen gottabgewandten Charakter zeigen. Ebenso ist es ganz natürlich, dass eine Nation, wenn sie gottesfürchtig und von Gottesliebe erfüllt ist, in ihrem städtischen oder kommunalen Leben, in ihren staatlichen Angelegenheiten, in der internationalen Politik sowie im Krieg und im Frieden einen von Gehorsam gegenüber Gott geprägten Charakter zeigt. Andernfalls kann ihr Glaube an Allah keine Bedeutung haben.
Die Lehren des Propheten Muhammad (s.a.w.)
Nun geht es darum, welche Art von Charakter die Gottesverehrung erfordert und wie sich diese Moral im praktischen Leben der Menschen sowie in ihren persönlichen und gesellschaftlichen Denk- und Wertvorstellungen äußern kann. Dies ist ein so umfassendes Thema, dass es sich in einer kurzen Darlegung nicht ausdrücken lässt. Ich führe jedoch beispielhaft einige Aussprüche des Propheten (s.a.w.) an. Aus diesen Aussprüchen wird ersichtlich, welch schöne Verbindung in der von ihm überlieferten Lebensordnung zwischen Iman, guten Taten und Charakter entstanden ist. Der Prophet (s.a.w.) sagte:
(Arabisch******************************************auf PDF-Seite 146)
„Der Iman hat viele Zweige. Ihre Grundlage ist, niemand anderen außer Allah als Gott anzuerkennen. Der letzte Zweig besteht darin, schädliche Dinge vom Weg zu entfernen. Auch Schamhaftigkeit ist ein Teil des Iman.“
(Arabisch******) „Die Reinheit von Körper und Kleidung ist die Hälfte des Iman.“
(Arabisch******************************************auf PDF-Seite 146)
„Ein Mu’min ist jemand, vor dem die Menschen hinsichtlich ihres Lebens und ihres Besitzes keine Gefahr zu befürchten haben.“
(Arabisch******************************************auf PDF-Seite 146)
„Wer keine Treue und Vertrauenswürdigkeit besitzt, hat keinen Glauben, und wer sein Versprechen nicht hält, hat keine Religion.“
(Arabisch******************************************auf PDF-Seite 146)
„Wenn du Freude an guten Taten empfindest und schlechte Taten bereust, dann wirst du daran erkennen, dass du gläubig bist.“
(Arabisch*********) Geduld und Großzügigkeit werden als Glaube bezeichnet.“
(Arabisch******************************************auf PDF-Seite 147)
„Der vollkommenste Glaube besteht darin, dass deine Feindschaft und deine Freundschaft um Allahs willen sind, dass du den Namen Allahs auf deinen Lippen führst und für andere dasselbe wünschst, was du für dich selbst wünschst. Und dass du für andere dasselbe ablehnst, was du für dich selbst ablehnst.“
(Arabisch******************************************auf PDF-Seite 147)
„Der vollkommenste Glaube unter den Gläubigen gehört demjenigen, dessen Charakter am besten ist und der sich gegenüber seiner Familie und seinen Angehörigen am gütigsten verhält.“
(Arabisch******************************************auf Seite 147 des PDFs)
„Wer an Allah und das Jenseits glaubt, soll sich um seinen Gast kümmern und seinem Nachbarn keinen Schaden zufügen. Und wenn er überhaupt etwas zu sagen hat, soll er ein gutes Wort sprechen oder schweigen.“
(Arabisch******************************************auf Seite 147 des PDFs)
„Ein Gläubiger ist niemals jemand, der verleumdet und flucht, obszön ist oder eine beleidigende Ausdrucksweise hat.“
(Arabisch******************************************auf Seite 147 des PDFs)
„Ein Gläubiger kann alles Mögliche sein, aber kein Unterschlagender und kein Lügner.“
(Arabisch******************************************auf Seite 147 des PDFs)
„Bei Allah, er ist kein Gläubiger! Bei Allah, er ist kein Gläubiger!! Derjenige, vor dessen Schaden sein Nachbar nicht sicher ist.“
(Arabisch******************************************auf Seite 147 der PDF)
„Wer selbst satt isst, während sein Nachbar hungrig bleibt, ist kein Gläubiger.“
(Arabisch******************************************auf Seite 147 der PDF)
„Wem die Fähigkeit gegeben ist, seinen Zorn zu befriedigen, ihn aber dennoch beherrscht, dessen Herz erfüllt Allah mit Glauben und innerer Ruhe.“
(Arabisch******************************************auf Seite 147 der PDF)
„Wer zum Zweck des Ansehens betet, begeht Schirk; wer zum Zweck des Ansehens fastet, begeht Schirk; und wer zum Zweck des Ansehens Almosen gibt, begeht ebenfalls Schirk.“
(Arabisch******************************************auf Seite 148 der PDF)
„Wessen Charakter vier dieser Eigenschaften aufweist, der ist ein vollständiger Heuchler: Er veruntreut anvertrautes Gut, lügt, wenn er spricht, bricht sein Versprechen, wenn er es gibt, und überschreitet beim Streiten die Grenzen.“
(Arabisch******************************************auf Seite 148 der PDF)
„Ein falsches Zeugnis abzulegen ist eine so große Sünde, dass es dem Schirk nahekommt.“
(Arabisch******************************************auf Seite 148 der PDF)
„Derjenige, der im Gehorsam gegenüber Allah gegen seine eigene Neigung ankämpft, ist der wahre Mujahid. Und derjenige, der die von Allah verbotenen Handlungen unterlässt, ist der wahre Muhajir.“
(Arabisch******************************************auf Seite 148 der PDF)
„Wisst ihr, wer am Tag der Auferstehung als Erste unter Allahs Schatten Schutz finden werden?“ Die Zuhörer sagten: „Allah und Sein Gesandter wissen es am besten.“ Darauf sagte der Ehrwürdige (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm): „Jene, die die Wahrheit annehmen, wenn sie ihnen vorgetragen wird, sie bereitwillig gewähren, wenn ein Anspruch auf sie erhoben wird, und in den Angelegenheiten anderer ebenso entscheiden, wie sie in ihren eigenen Angelegenheiten zu entscheiden pflegen.“
(Arabisch******************************************auf Seite 148 der PDF)
„Wenn ihr mir sechs Dinge garantiert, werde ich euch das Paradies garantieren: Wenn ihr sprecht, werdet ihr die Wahrheit sagen; wenn ihr ein Versprechen gebt, werdet ihr es erfüllen; wenn jemand euch etwas anvertraut, werdet ihr das anvertraute Gut gewissenhaft bewahren; ihr werdet euch von Unzucht fernhalten, euren Blick vor Verbotenem schützen und euch von Unterdrückung fernhalten.“
(Arabisch******************************************auf PDF-Seite 148)
„Betrüger, Geizhals und jemand, der mit seinen Spenden prahlt, werden das Paradies nicht betreten können.“
(Arabisch******************************************auf PDF-Seite 148)
„Fleisch, das durch harame Nahrung genährt wurde, wird nicht ins Paradies gelangen. Für denjenigen, dessen Fleisch durch harame Nahrung genährt wurde, sind nur das Feuer und die Hölle angemessen.“
(Arabisch******************************************auf PDF-Seite 149)
„Auf demjenigen, der eine mangelhafte Ware verkauft und den Käufer nicht über ihren Mangel informiert, liegt der Zorn Allahs, und die Engel verfluchen ihn fortwährend.“
(Arabisch******************************************auf PDF-Seite 149)
„Selbst wenn jemand immer wieder zum Leben erwachen und immer wieder auf Allahs Weg den Märtyrertod sterben würde, könnte er das Paradies nicht betreten, wenn er seine Schulden nicht beglichen hat.“
(Arabisch******************************************auf Seite 149 des PDFs)
„Ob Mann oder Frau: Selbst wenn jemand sechzig Jahre seines Lebens im Gehorsam gegenüber Allah verbringt, aber angesichts des nahenden Todes ein Testament macht, durch das er das Recht eines anderen verletzt, ist es für beide unausweichlich, in die Hölle zu kommen.“
(Arabisch******************************************auf Seite 149 des PDFs)
„Wer seine Untergebenen schlecht behandelt, wird nicht ins Paradies kommen.“
(Arabisch******************************************auf Seite 149 des PDFs)
„Wisst ihr, was besser ist als Fasten, Gebet und Almosengeben? Streitigkeiten zwischen Menschen beizulegen. Und die Zerstörung gegenseitiger Beziehungen ist eine so schwerwiegende Tat, dass sie alle guten Werke eines Menschen zunichtemacht.“
(Arabisch******************************************auf Seite 149 des PDFs)
„In Wirklichkeit ist derjenige mittellos, der am Tag der Auferstehung eine große Menge an Gebeten, Fasten und Zakat mitbringt, aber zugleich jemanden beschimpft, jemand anderen verleumdet, das Eigentum eines anderen widerrechtlich an sich genommen, das Blut eines anderen vergossen oder jemanden geschlagen hat. Daraufhin verteilt Allah jedes einzelne seiner guten Werke unter diesen Unterdrückten. Da damit seine Schuld noch immer nicht beglichen ist, werden ihm ihre Sünden auferlegt, und er wird in die Hölle geworfen.“
(Arabisch******************************************auf PDF-Seite 149)
„Niemand wird der Errettung beraubt werden, wenn er sein Gewissen nicht durch eine vernünftige Rechtfertigung böser Taten beruhigt.“
(Arabisch******************************************auf PDF-Seite 150)
„Verflucht ist der Händler, der Waren zurückhält, um den Preis zu erhöhen.“
(Arabisch******************************************auf PDF-Seite 150)
„Zu wem Allah keinerlei Beziehung hat, ist derjenige, der in der Hoffnung auf eine Preissteigerung vierzig Tage lang Lebensmittel zurückhält.“
(Arabisch******************************************auf PDF-Seite 150)
„Selbst wenn jemand die Lebensmittel nach vierzig Tagen des Zurückhaltens spendet, wird ihm die Sünde des Zurückhaltens dennoch nicht vergeben.
Hier werden einige der zahlreichen Aussagen des Propheten Muhammad (s.a.w.) vorgelegt. Daraus lässt sich erkennen, wie der Ehrwürdige (s.a.w.) die Beziehung zwischen dem Glauben und dem Charakter sowie zwischen dem Charakter und allen Lebensbereichen hergestellt hat. Jeder, der Geschichte liest, weiß, dass diese Aussagen des Ehrwürdigen (s.a.w.) nicht bloß Worte waren; vielmehr hat er auf ihrer Grundlage in der realen Welt das kulturelle und politische System eines ganzen Landes errichtet. Dies ist sein großer Beitrag, dessentwegen er der größte Führer der Menschheit ist.
Kapitel: 5 – Der Abschluss des Prophetentums
Die Bedeutung und Begründung des Abschlusses des Prophetentums
Die zutreffende Erklärung des Abschlusses des Prophetentums
Solange die Zivilisation und Kultur der Menschen noch nicht einen solchen Entwicklungsstand erreicht hatten, dass die Botschaft eines Propheten sich weithin unter allen Menschen verbreiten konnte, und solange noch keine Menschengruppe entstanden war, die die Botschaft, die Lehre und das charakterliche Vorbild des Propheten bewahren und in alle Gebiete der Welt verbreiten konnte, blieb die Folge des Prophetentums bestehen. In verschiedenen Ländern und unter verschiedenen Völkern wurden weiterhin Propheten entsandt. Als jedoch einerseits die menschliche Zivilisation und Kultur eine ausreichende Entwicklung erreicht hatte, wodurch die Botschaft eines Propheten weltweite Geltung erlangen konnte, und sich andererseits eine Menschengruppe gebildet hatte, die die Rechtleitung annahm und fähig geworden war, das Buch Allahs sowie das Leben des Propheten, der dieses Buch überbrachte, und seine vollständige, wirksame Führung unverfälscht zu bewahren, bestand keine Notwendigkeit mehr, zur Erfüllung der Aufgabe des Prophetentums noch einen weiteren Propheten zu entsenden. [Wer bei der Erklärung des Abschlusses des Prophetentums behauptet, dieser sei für das menschliche Wissen nicht notwendig, missachtet in Wahrheit die Folge des Prophetentums und greift sie an. Diese Erklärung läuft darauf hinaus, dass die Rechtleitung des Propheten nur bis zu einem bestimmten Stand des Wissens erforderlich sei und der Mensch danach nicht mehr auf die Führung des Propheten angewiesen wäre. – Der Verfasser]
Die besonderen Verhältnisse in der Zeit vor dem ehrwürdigen Gesandten (s.a.w.)
In der Frühzeit kamen zu jedem Volk jeweils eigene Propheten. Ihre Lehren blieben auf ihr eigenes Volk beschränkt. Der Grund dafür war, dass die verschiedenen Völker der Welt damals voneinander getrennt waren. Sie hatten nur wenig Umgang miteinander. Jedes Volk war gleichsam innerhalb der Grenzen seines eigenen Landes eingeschlossen. Unter diesen Umständen war es schwierig, eine allgemeine Lehre unter allen Völkern zu verbreiten. Außerdem unterschieden sich die Verhältnisse der verschiedenen Völker vollständig voneinander. Die Unwissenheit war sehr groß. Aufgrund dieser Unwissenheit hatten die Fehler, die im Glauben und im Charakter entstanden waren, an den verschiedenen Orten unterschiedliche Formen angenommen. Deshalb war es erforderlich, dass die Propheten Allahs jedem Volk eine eigene Lehre und Rechtleitung gaben, die falschen Vorstellungen nach und nach beseitigten und richtige Vorstellungen verbreiteten, die unwissenden Methoden aufgaben, ihnen allmählich beibrachten, sich an Gesetze auf höherer Stufe zu halten, und sie ebenso heranbildeten, wie Kinder durch Unterricht und Fürsorge erzogen werden. Allah weiß, wie viele Jahrtausende auf diese Weise bei der Unterweisung der Völker vergangen sind. Schließlich kam mit ihrem weiteren Fortschritt der Tag, an dem die Menschheit die Grenzen der Kindheit überschritten und das Zeitalter der Reife erreicht hatte. Mit der Entwicklung von Handel und Gewerbe sowie von Industrie und Handwerk entstanden auch gegenseitige Beziehungen zwischen den Völkern. Von China und Japan bis zu den entlegensten Ländern Europas und Afrikas begannen Reisen auf dem Seeweg und über Land. Bei den meisten Völkern verbreitete sich die Verwendung von Alphabeten. Wissen und Wissenschaft breiteten sich aus, und zwischen den verschiedenen Völkern begann ein Austausch von Gedanken und wissenschaftlicher Beschäftigung. Große Eroberer und Krieger wurden geboren. Sie gründeten gewaltige Reiche und unterstellten mehrere Länder und Völker einer einheitlichen politischen Ordnung. Auf diese Weise begannen die Unterschiede, Entfernungen und Trennungen zwischen den früheren Nachkommen der Menschheit allmählich abzunehmen. Nun waren die Voraussetzungen dafür entstanden, der ganzen Welt die einheitliche Lehre und die einheitliche Scharia des Islam zu übermitteln. Vor zweieinhalbtausend Jahren war die Lage der Menschen bereits so weit fortgeschritten, dass sie selbst eine allen dienende einheitliche Religion erwarteten. Obwohl der Buddhismus keine vollständige Religion war und dort nur einige moralische Vorschriften bestanden, hatte er sich dennoch über die Grenzen Indiens hinaus einerseits bis nach China, in die Mongolei und nach Japan und andererseits bis nach Afghanistan und Buchara verbreitet. Die buddhistischen Missionare waren bei der Verbreitung dieser Religion in viele ferne Länder gelangt. Einige Jahrhunderte später erschien die christliche Religion. Obwohl der ehrwürdige Jesus (a.s.) die Lehre des Islam gebracht hatte, wurde nach seinem Hinscheiden eine verkümmerte und entstellte Religion unter dem Namen Christentum geschaffen. Die Christen verbreiteten diese Religion von Iran bis in die entlegensten Länder Europas. Diese Ereignisse zeigen deutlich, dass die damalige Welt aus eigenem Antrieb eine Weltreligion erwartete. Sie hatte sich darauf so weit vorbereitet, dass sie, obwohl sie noch keine vollständige und unverfälschte Religion erhalten hatte, bereits begann, selbst die unreifen und unvollständigen Religionen unter der Menschheit zu verbreiten.
Die Vollendung der Religion und der Abschluss des Prophetentums
Zu dieser Zeit wurde in Arabien ein Prophet, nämlich Hazrat Muhammad (s.a.), für die ganze Welt und die gesamte Menschheit entsandt; ihm wurde die Aufgabe anvertraut, der ganzen Welt die vollkommene Lehre des Islam und ein vollständiges Gesetz zu überbringen und dieses zu verbreiten.
Daher gibt es zweifellos in der gegenwärtigen Zeit außer der Lehre Muhammads (s.a.) und dem edlen Koran keinen anderen Weg, den geraden und wahren Weg des Islam zu erkennen. Muhammad (s.a.) ist der Prophet Allahs für die gesamte Menschheit. Die Kette beziehungsweise Abfolge der Propheten wurde mit ihm beendet. Alles, was der erhabene Allah den Menschen an Anweisungen und Vorschriften geben wollte, hat Er durch diesen letzten Propheten übermittelt. Nun ist es für jeden Menschen, der die Wahrheit sucht und ein Allah ergebener Diener werden möchte, unerlässlich, an diesen letzten Propheten Allahs zu glauben. Zu ihren unerlässlichen Pflichten gehört es, die von ihm gelehrte Lehre zu befolgen und dem von ihm gelehrten Weg zu folgen.
Beweis für das Siegel des Prophetentums
Für jemanden, der die Bedeutung des Prophetentums versteht, ist es keineswegs schwer zu erkennen, dass nicht jeden Tag ein Prophet geboren wird und dass es nicht für jede Nation unerlässlich ist, jederzeit einen Propheten zu haben. Das Leben der Lehre und Rechtleitung eines Propheten ist das Leben des Propheten. Solange seine Lehre und Rechtleitung lebendig sind. Die Zeit der früheren Propheten ist zu Ende gegangen, weil die Menschen die Lehren, die sie verkündet hatten, verfälscht haben. Kein einziges der Bücher, die sie überbrachten, ist heute noch in seinem ursprünglichen Zustand erhalten. Auch ihre Anhänger können heute nicht behaupten, dass ihnen das von ihrem Propheten überbrachte Buch in seiner ursprünglichen und unverfälschten Gestalt vorliegt. Sie haben auch die Lebensgeschichten ihrer eigenen Propheten vergessen. Heute finden sich nirgendwo mehr genaue und zuverlässige Berichte aus dem Leben auch nur eines der früheren Propheten. Nicht einmal mit Gewissheit lässt sich sagen, in welcher Zeit und wo sie geboren wurden und was sie getan haben. Ebenso wenig lässt sich mit Gewissheit sagen, wo sie lebten und was sie taten. Es ist auch nicht zuverlässig bekannt, wo sie lebten, welche Lehre sie verkündeten und von welchen Worten und Taten sie die Menschen abhielten. Doch das Zeitalter des Prophetentums Muhammads (s.a.) dauert noch immer an, denn seine Lehre und Rechtleitung sind lebendig. Der Koran, den er überbrachte, ist mit seinen ursprünglichen Worten unverfälscht erhalten. Kein einziger Buchstabe ist darin irgendwo verändert worden; kein Punkt und kein Vokalzeichen ist vertauscht worden. Die Ereignisse seines Lebens, seine Worte und seine Taten sind allesamt genau bewahrt worden. Vierzehnhundert Jahre sind vergangen, doch ihr Bild ist in der Geschichte noch heute so klar und leuchtend, als würden wir Hazrat Muhammad (s.a.) mit eigenen Augen sehen. Das Leben keines Menschen auf der Welt ist so umfassend bewahrt wie das des edlen Gesandten (s.a.). In jeder Angelegenheit unseres Lebens können wir jederzeit aus dem Leben des edlen Gesandten (s.a.) lernen. Dies ist der größte Beweis dafür, dass nach dem edlen Gesandten (s.a.) kein weiterer Prophet benötigt wird.
Es kann nur drei Gründe dafür geben, dass nach einem Propheten ein weiterer Prophet kommt.
Erstens: Die Lehre des ersten Propheten ist ausgelöscht worden, und es ist notwendig geworden, sie erneut zu verkünden.
Zweitens: Die Lehre des ersten Propheten ist nicht vollständig, und es ist notwendig geworden, sie zu korrigieren und zu erweitern.
Drittens: Die Lehre des ersten Propheten ist auf eine bestimmte Nation beschränkt, und für die anderen Nationen wird ein weiterer, eigener Prophet benötigt. – [Als vierter Grund könnte noch angeführt werden, dass während der Anwesenheit eines Propheten zu seiner Unterstützung ein weiterer Prophet entsandt werden kann. Ich habe diesen Grund jedoch nicht erwähnt, weil der erhabene Koran dafür nur zwei Beispiele nennt. Aus diesen beiden außergewöhnlichen Beispielen kann nicht geschlossen werden, dass es bei Allah eine allgemeine Regel für die Entsendung unterstützender Propheten gibt. – Der Verfasser]
Erstens: Die Lehre und Rechtleitung von Hazrat Muhammad (s.a.) sind lebendig erhalten. Jederzeit kann man erfahren, was seine Religion war, welche Rechtleitung er gebracht hatte, welche Art von Lebensweise er eingeführt hatte und welche Methoden er zu beseitigen und abzuschaffen versucht hatte. Die Mittel, durch die man diese Dinge erfahren kann, sind vollständig bewahrt worden. Daher ist es nicht erforderlich, dass ein Prophet kommt, um seine Lehre und Rechtleitung von Zeit zu Zeit neu darzulegen.
Zweitens: Durch den ehrwürdigen Gesandten (s.a.) wurde der Welt die vollständige Lehre des Islam vermittelt. Nun besteht keine Notwendigkeit mehr, daran etwas hinzuzufügen oder wegzunehmen, und es gibt darin keinen Mangel oder keine Unvollkommenheit, zu deren Behebung ein Prophet kommen müsste. Damit ist auch der zweite Grund entfallen.
Drittens: Der ehrwürdige Gesandte (s.a.) wurde nicht für ein bestimmtes Volk, sondern als Prophet für die Menschen der ganzen Welt entsandt. Seine Lehre ist für die gesamte Menschheit ausreichend. Somit ist auch der dritte Grund entfallen.
Deshalb wurde der ehrwürdige Gesandte (s.a.) als Khatam an-Nabiyyin, also als der letzte Prophet, bezeichnet. Das bedeutet, dass die Kette der Prophetie mit ihm ihr Ende erreicht hat. Nun ist für die Welt kein weiterer Prophet erforderlich; vielmehr braucht sie Menschen, die selbst dem Weg des ehrwürdigen Gesandten (s.a.) folgen und auch andere auf diesem Weg führen, seine Lehre verstehen, danach handeln und weltweit die Herrschaft des Gesetzes errichten, mit dem er in die Welt gekommen war.
Der Weg zur Rechtleitung der gesamten Menschheit
(Arabisch*******************************************auf PDF-Seite 156)
„O Prophet, Wir haben dich für die gesamte Menschheit als Verkünder froher Botschaft und als Warner entsandt, doch die meisten Menschen wissen es nicht.“ – (Sure as-Saba: 28)
Das bedeutet: Du bist nicht nur für die Menschen dieser Stadt, dieses Landes oder dieser Zeit bestimmt, sondern wurdest bis zum Jüngsten Tag für die Menschen und Völker der ganzen Welt entsandt. Doch deine Zeitgenossen verstehen deinen Rang und deinen Wert nicht. Ihnen fehlt das Bewusstsein dafür, welch große, erhabene und ruhmreiche Persönlichkeit zu ihnen entsandt worden ist. Dass der edle Prophet (s.a.) nicht nur für sein eigenes Land und seine eigene Zeit entsandt wurde, sondern bis zum Jüngsten Tag für die gesamte Menschheit, wird an verschiedenen Stellen des Korans dargelegt. Zum Beispiel:
(Arabisch*******************************************auf PDF-Seite 156)
„Und mir wurde dieser Koran als Offenbarung gesandt, damit ich euch und diejenigen, die er erreicht, durch ihn warnen kann.“
(Arabisch*******************************************auf PDF-Seite 156)
„O Prophet, verkünde: O ihr Menschen, ich bin Allahs Gesandter zu euch allen.“
(Arabisch*******************************************auf PDF-Seite 156)
„Und Wir haben dich nur als Barmherzigkeit für die gesamten Welten gesandt.“
(Arabisch*******************************************auf PDF-Seite 156)
„Gesegnet ist Er, der Seinem Diener den Koran herabgesandt hat, damit er ein Warner für die gesamten Welten sei.“ – (Sure al-Furqan: 1).
Auch der edle Gesandte (s.a.w.) hat dieselbe Aussage in verschiedenen Hadithen auf unterschiedliche Weise überliefert. Zum Beispiel:
(Arabisch*******************************************auf PDF-Seite 156)
„Ich wurde für alle gesandt, ohne Unterschied zwischen Weißen und Schwarzen.“
(Arabisch*******************************************auf PDF-Seite 156)
„Ich wurde für die gesamte Menschheit gesandt, während jeder Prophet vor mir nur zu seinem eigenen Volk gesandt worden war.“ – (Überliefert von Abdullah ibn Umar; aus dem Musnad Ahmad.)
(Arabisch*******************************************auf PDF-Seite 156)
„Zunächst wurde jeder Prophet zu einem bestimmten Volk gesandt, ich aber wurde zur gesamten Menschheit gesandt.“ – (Überliefert von Dschabir ibn Abdullah; aus Buchari und Muslim.)
(Arabisch*******************************************auf PDF-Seite 156)
„Das Verhältnis zwischen meiner Entsendung als Prophet und dem Jüngsten Tag ist genau so“ – dabei hob der Gesandte Allahs (s.a.s.) zwei Finger seiner Hand. – (Buchari und Muslim).
Das bedeutet: So wie zwischen diesen beiden Fingern kein dritter Finger liegt, gibt es auch zwischen mir und dem Jüngsten Tag keine Unterbrechung durch ein Prophetentum. Unmittelbar nach mir wird der Jüngste Tag kommen. Bis zum Jüngsten Tag werde ich als Prophet bestehen bleiben.
Als Verkünder froher Botschaft und Warner für die gesamte Menschheit
(Arabisch*******************************************auf PDF-Seite 156)
„Wir haben dich wahrlich mit der Wahrheit gesandt, als Verkünder froher Botschaft und Warner. Und es gibt kein Volk, unter dem nicht ein Warner dahingegangen wäre.“ – (Sure Fatir: 24).
Die Bedeutung des ersten Verses ist: O Prophet! Deine einzige Aufgabe besteht darin, die Menschen zu warnen. Wenn sich dennoch bei jemandem kein Verständnis einstellt und er weiter in den Abgrund des Irrwegs hinabsinkt, trägst du dafür keine Verantwortung. Dir ist nicht die Aufgabe übertragen worden, den Blinden das Sehen und den Tauben das Hören zu ermöglichen.
Die im zweiten Vers erwähnte Aussage wird an verschiedenen Stellen des erhabenen Qurans angeführt. Ihr Kerngehalt ist, dass auf der Bühne der Welt kein Volk entstanden ist, zu dessen Rechtleitung Allah, der Erhabene, nicht einen Propheten gesandt hätte. In Vers 7 der Sure ar-Ra’d heißt es:(Arabisch******) In Vers 10 der Sure al-Hidschr heißt es:(Arabisch***********)। In Vers 36 der Sure an-Nahl heißt es:(Arabisch*****)। In Vers 208 der Sure asch-Schu’ara heißt es:(Arabisch*******) Um jedoch vor einer Verwirrung in dieser Angelegenheit bewahrt zu bleiben, müssen zwei Dinge unbedingt verstanden werden. Erstens: Für die Menschen in dem Gebiet, bis zu dem der Aufruf eines Propheten gelangen kann, ist dieser Prophet ausreichend. Es gibt also keine Notwendigkeit, für jede einzelne Siedlung und jeden einzelnen Stamm jeweils einen eigenen Propheten zu entsenden. Zweitens: Solange die Zeichen des Aufrufs und der Rechtleitung eines Propheten sowie die Spuren seiner Führung auf der Welt bewahrt bleiben, besteht keine Notwendigkeit für einen neuen Propheten. Es ist auch nicht erforderlich, für jeden einzelnen Angehörigen eines Volkes einen eigenen Propheten zu entsenden.
Allahs Barmherzigkeit für die gesamte Menschheit
(Arabisch*******************************************auf PDF-Seite 156)
„O Muhammad! Ich habe dich auf die Erde gesandt; dies ist in Wirklichkeit Meine Barmherzigkeit für die Bewohner der Erde.“ – (Sure al-Anbiyāʾ: 107)
Eine weitere Übersetzung dieses Verses könnte lauten: „Ich habe dich als Barmherzigkeit für die Bewohner der Erde gesandt.“ In beiden Fällen ist seine eigentliche Bedeutung, dass das Kommen des ehrwürdigen Gesandten (s.a.s.) in Wirklichkeit Allahs Barmherzigkeit und Gnade für die Menschheit ist. Denn er kam und erweckte die schlafende Welt. Er verlieh ihr das Wissen, den Unterschied zwischen Wahrheit und Falschheit klar zu erkennen. Vor allem ließ er sie unmissverständlich wissen, welches der Weg des Verderbens und welches der Weg des Friedens und der Sicherheit ist. Die Ungläubigen von Mekka betrachteten das Prophetentum des ehrwürdigen Gesandten (s.a.s.) als Ursache von Gefahr und Leid für sich selbst. Sie sagten: „Dieser Mann hat in unserem Volk Spaltung verursacht, er hat es wie Fleisch vom Nagel losgerissen und abgesondert.“ Darauf wird erwidert: O ihr Toren, denjenigen, den ihr für eine Gefahr haltet, ist in Wirklichkeit Allahs Barmherzigkeit und Gnade für euch.
Gesandter für die gesamte Menschheit
(Arabisch*******************************************auf PDF-Seite 156)
„O Muhammad, sprich: O Menschheit, ich bin als Gesandter Allahs zu euch allen gekommen, Allahs, dem die Herrschaft und die Macht über Erde und Himmel gehören.“ – (Sure al-Aʿrāf: 158). „Für jede Umma gibt es einen Gesandten.“ – (Sure Yūnus: 47).
Das Wort ‚Umma‘ wird hier nicht lediglich als Synonym für Volk verwendet; vielmehr wird es hier in dem Sinne gebraucht, dass alle Menschen, zu denen die Einladung eines Gesandten nach seinem Kommen gelangt, seine Umma sind. Außerdem ist es dafür nicht erforderlich, dass der Gesandte am Leben bleibt und leibhaftig unter ihnen weilt. Vielmehr gelten nach dem Ableben eines Gesandten alle Bewohner der Welt so lange als seine Umma, wie seine Lehre lebendig bleibt und jedem Einzelnen der Weg offensteht, zu erfahren, worüber er tatsächlich lehrt. Die Bestimmung, von der in der folgenden Erörterung die Rede ist, wird auf sie Anwendung finden. In diesem Zusammenhang ist nach dem Kommen Muhammads (s.a.s.) die gesamte Menschheit seine Umma, und sie wird so lange seine Umma bleiben, wie der Qurʾān in fehlerfreiem und unverfälschtem Zustand fortbesteht. Daher heißt es im Vers nicht: „Für jedes Volk gibt es einen Gesandten“, sondern: „Für jede Umma gibt es einen Gesandten.“
Statt in jedem bewohnten Ort einen Propheten zu entsenden, hat Allah den ehrwürdigen Muhammad (s.a.s.) zum Propheten für die ganze Welt gemacht und entsandt.
(Arabisch******************************** auf PDF-Seite 159)
„Wenn Ich gewollt hätte, hätte Ich in jede Ortschaft einen Warner entsandt.“ – (Sure al-Furqan: 51)
Das heißt, diese Aufgabe lag außerhalb Meiner Macht. Wenn Ich gewollt hätte, hätte Ich überall Propheten erscheinen lassen können. Doch statt dessen habe Ich für die ganze Welt einen einzigen Propheten entsandt. So wie eine einzige Sonne für die ganze Welt ausreicht, so reicht auch diese eine Sonne der Rechtleitung für die Menschen der ganzen Welt aus.
Im Edlen Koran wurden dem edlen Gesandten (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) die Bezeichnungen „Warner“, „Aufklärer“ und „Warner vor den schädlichen Folgen von Achtlosigkeit und Irregehen“ verliehen. Zugleich wurde ihm die Bezeichnung „Warner für die Menschen der ganzen Welt“ verliehen. Zugleich wird er darin als Warner für die Menschen der ganzen Welt dargestellt. Daraus ist ersichtlich, dass die Daʿwa des Korans und die Sendung Muhammads (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) nicht für ein bestimmtes Gebiet bestimmt sind, sondern für die ganze Welt. Nicht nur für seine eigene Zeit, sondern für alle kommenden Zeitalter. Dieser Inhalt wird an verschiedenen Stellen des Korans dargelegt.
Zum Beispiel:
(Arabisch******************************** auf PDF-Seite 159)
„O Menschheit, ich bin als Allahs Gesandter zu euch allen gekommen.“
(Arabisch******************************** auf PDF-Seite 159)
„Mir wurde dieser Koran offenbart, damit ich euch und diejenigen, die er erreicht, dadurch warne.“ – (Sure al-Anʿām: 19)
„Wir haben dich als Verkünder froher Botschaft und als Warner für die gesamte Menschheit gesandt.“ – (Sure Saba: 28)
In den Hadithen hat der Gesandte Allahs (s.a.w.) dies wiederholt und noch deutlicher erklärt:(Arabisch***********) „Ich bin zu allen gesandt worden, ohne Unterschied zwischen Weißen und Schwarzen.“ Er sagte ferner:(Arabisch**************)
„Vor mir wurde jeder Prophet ausschließlich zu seinem eigenen Volk gesandt, während ich allgemein zur gesamten Menschheit gesandt worden bin.“ – (Buchari und Muslim)
Er sagte ferner:(Arabisch**********) „Ich bin für die gesamte Schöpfung gesandt worden, und mit meinem Erscheinen wurde die Reihe der Propheten beendet.“
Der letzte Prophet Allahs
(Arabisch******************************** auf PDF-Seite 159)
„Die Abrechnung der Menschen ist nahegerückt, doch sie wenden sich ab und verharren in Achtlosigkeit.“ – (Sure al-Anbiyāʾ: 1)
Das bedeutet, dass der Tag des Jüngsten Gerichts nahe ist. Mit anderen Worten: Der Tag, an dem der Mensch vor seinem Herrn und Erhalter erscheinen und Rechenschaft über all seine Taten ablegen wird, ist nicht fern. Dass die Menschheit in das letzte Kapitel ihrer Geschichte eingetreten ist, ist ein Zeichen dafür, dass Muhammad (s.a.s.) zum Propheten berufen wurde. Nun ist sie dem Abschluss ihrer Geschichte näher als deren Anfang. Die Anfangs- und die mittlere Epoche sind vorüber. Jetzt hat die Abschlusszeit begonnen. Genau dies hat der edle Gesandte (s.a.s.) in einem Hadith dargelegt. Er hob zwei seiner Finger und sagte:(Arabisch************) „Ich wurde in einem Zustand entsandt, in dem ich und der Tag des Jüngsten Gerichts uns genau so nahe sind, wie diese beiden Finger meiner Hand nebeneinander stehen.“ Das heißt: Nach mir bleibt nur noch das Warten auf den Tag des Jüngsten Gerichts. Zwischen mir und ihm gibt es keinen weiteren Propheten. Wenn ihr rechtgeleitet werden wollt, so erlangt die Rechtleitung durch meine Einladung; danach wird kein weiterer Wegweiser und Warner kommen, um den rechten Weg zu zeigen.
Ein wichtiger Hinweis zum Prophetentum
(Arabisch******************************** auf Seite 159 der PDF)
„Gedenke, als Allah von den Propheten das Versprechen entgegennahm: Heute habe Ich euch das Buch und die Weisheit gegeben. Wenn morgen ein anderer Gesandter zu euch kommt, der die Wahrheit der bereits bei euch bewahrten Lehre bestätigt, dann müsst ihr an ihn glauben und ihn unterstützen. Darauf fragte Allah: Seid ihr bereit, dieses Versprechen zu geben und die schwere Verantwortung für dieses Versprechen von Mir zu übernehmen? Sie antworteten: Ja, wir geben dieses Versprechen.“ – (Sure Āl ʿImrān: 81)
Das bedeutet, dass jeder Prophet an dieses Versprechen gebunden wurde. Und die Verpflichtung, an die der Prophet gebunden wurde, geht notwendigerweise auch auf seine Anhänger über. Das Versprechen, an das sie gebunden wurden, lautet: Wenn von Allah ein Prophet entsandt wird, um genau die Religion zu verkünden und zu errichten, mit deren Verkündung und Errichtung ihr beauftragt wurdet, dann müsst ihr ihn unterstützen. Ihr dürft ihm weder Neid noch Feindschaft entgegenbringen. Ihr dürft euch nicht als Eigentümer der Religion betrachten. Ihr dürft euch nicht der Wahrheit widersetzen. Vielmehr müsst ihr euch unter dem Banner desjenigen versammeln, der von Mir entsandt wird, um das Banner der Wahrheit zu erheben.
Hier muss man jedoch verstehen, dass jeder Prophet vor Muhammad (s.a.s.) an dieses Versprechen gebunden wurde. Deshalb kündigte jeder Prophet seiner Umma das Kommen des nach ihm erscheinenden Propheten an und hinterließ die Anweisung, ihn zu unterstützen. Doch weder im Koran noch im Hadith findet sich auch nur ein Hinweis darauf, dass Muhammad (s.a.s.) ein solches Versprechen abgenommen wurde oder dass er seiner Umma das Kommen eines nach ihm erscheinenden Propheten angekündigt und ihr befohlen hätte, ihm zu folgen. – [Die Frage des Prophetentums ist äußerst heikel; es bedarf keiner Erklärung, dass dies so ist. Vom Glauben oder Unglauben an einen Propheten sowie von der Rettung oder dem Untergang des Menschen hängt ab, ob er gläubig ist oder ungläubig und ob er gerettet wird oder zugrunde geht. Doch im Edlen Koran wird nicht nur keineswegs das Kommen eines anderen Propheten nach dem edlen Gesandten (s.a.s.) angekündigt, vielmehr wird der edle Gesandte (s.a.s.) als der letzte Prophet bezeichnet. Und statt seine Umma zusammenzurufen und ihr zu befehlen, an einen künftig erscheinenden Propheten zu glauben, hat der Gesandte Allahs (s.a.s.) in zahlreichen Hadithen unmissverständlich klargestellt, dass nach ihm kein Prophet kommen wird und dass die Reihe des Prophetentums mit ihm beendet ist. Die Frage lautet: Bestand etwa eine Feindschaft zwischen Allah und Seinem Gesandten einerseits und unserer Religion und unserem Glauben andererseits? Sollte nach dem Gesandten Allahs (s.a.s.) ein Prophet kommen, während Allah und Sein Gesandter beide etwas gesagt hätten, wodurch wir ungläubig würden und in die Strafe des Jenseits geworfen würden, wenn wir ihm nicht folgen? Ist so etwas überhaupt möglich? – (Der Verfasser)]
(Arabisch******************************** auf Seite 161 der PDF)
„O Kinder Adams! Bedenkt: Wenn zu euch aus eurer Mitte ein Gesandter kommt, der euch Meine Zeichen vorträgt, dann wird für denjenigen, der sich vom Ungehorsam fernhält und sich bessert, keinerlei Furcht und kein Kummer bestehen.“ – (Sure al-Aʿrāf: 35)
Überall im Heiligen Qur’an, wo die Vertreibung Adams (a.s.) und Hawwas (a.s.) aus dem Paradies erwähnt wird, wird dies gesagt (siehe hierzu Sure al-Baqara, Verse 38–39, und Sure Ta-Ha, Verse 123–124). Daher ist auch hier davon auszugehen, dass sich diese Aussage auf denselben Zusammenhang bezieht. Das bedeutet, dass ihm diese Tatsache bereits am Anfang des menschlichen Lebens unmissverständlich klargemacht worden war.
Argumente einiger Verse gegen die Leugner des Khatm-e-Nubuwwat
(Arabisch******************************** auf Seite 162 der PDF)
„Und (o Prophet!) erinnere dich an den Bund, den Ich von allen Propheten genommen habe, von dir ebenso wie von Noah, Abraham, Moses und Jesus, dem Sohn Marias; von allen habe Ich einen festen Bund genommen.“ – (Sure al-Ahzab: 7)
In diesem Vers erinnert Allah Taala den Propheten (s.a.s.) daran, dass Allah, ebenso wie von allen anderen Propheten, auch von ihm einen festen Bund genommen hat. Es ist seine Pflicht, diesen Bund gewissenhaft zu erfüllen. Welcher Bund ist mit diesem Bund gemeint? Wenn man den zuvor erörterten Zusammenhang bedenkt, wird klar, dass es sich um einen Bund handelt, in dessen Rahmen der Prophet selbst jedem einzelnen Gebot Allahs gehorchen und auch andere dazu anhalten soll. Er soll die Worte Allahs den Menschen wortgetreu übermitteln und darf bei dem Versuch, sie in die Praxis umzusetzen, keinerlei Nachlässigkeit zeigen. Im Heiligen Qur’an wird an verschiedenen Stellen auf diesen Bund hingewiesen. Zum Beispiel:
(Arabisch******************************** auf Seite 162 der PDF)
„Allah hat für euch dieselbe Religion festgelegt, die Er Noah anbefohlen hatte, die Wir (o Muhammad) dir offenbart haben und die Wir Abraham, Moses und Jesus anbefohlen hatten, mit der Weisung: Richtet die Religion auf und spaltet euch nicht in ihr.“ – (Sure asch-Schura: 13)
(Arabisch******************************** auf Seite 162 der PDF)
„Und (o ihr Muslime)! Erinnert euch an Allahs Gunst, die Er euch erwiesen hat, als Er euch Sein Buch herabgesandt hat, damit ihr seine Lehren verkündet und es nicht verheimlicht.“ – (Sure Al ʿImrān: 187)
(Arabisch******************************** auf PDF-Seite 162)
„Und erinnert euch, als Ich mit den Kindern Israels das Versprechen schloss, dass ihr niemandem außer Allah dienen sollt.“ – (Sure Al-Baqara: 83)
(Arabisch******************************** auf PDF-Seite 162)
„Wurde von ihnen nicht das Versprechen des Buches entgegengenommen? Haltet fest an dem, was Ich euch herabgesandt habe, und erinnert euch an die Rechtleitung darin. Vielleicht werdet ihr euch vor Allahs Ungehorsam hüten.“ – (Sure Al-Aʿrāf: 169–171)
(Arabisch******************************** auf PDF-Seite 162)
„Und o ihr Muslime, erinnert euch an Allahs Gunst, die Er euch erwiesen hat, und an das Versprechen, das Er von euch entgegengenommen hat, als ihr sagtet: Wir haben gehört und gehorcht.“ – (Sure Al-Māʾida: 7)
Der besondere Anlass, aus dem Allah dieses Versprechen in Erinnerung ruft, ist folgender: Der Prophet (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) zögerte aus Furcht vor dem Tadel seiner Feinde, den Brauch des Zeitalters der Unwissenheit hinsichtlich einer durch Anrede begründeten (nicht blutsverwandten) Beziehung zu brechen. Es ging um eine Heirat mit einem Mädchen. Deshalb war er immer wieder verlegen. Er dachte: Ganz gleich, mit welcher guten Absicht ich dies einzig zum Zweck einer gesellschaftlichen Reform tue, die Feinde werden weiterhin behaupten, dies sei in Wirklichkeit nur geschehen, um die eigenen sinnlichen Begierden zu befriedigen, und dieser Mann habe nur zum Zweck der Täuschung der Menschen die Maske eines Reformators angelegt. Deshalb sagt Allah zum Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm): Du bist Mein berufener Gesandter. Wie mit allen anderen Gesandten habe Ich auch mit dir ein festes Versprechen, dass du selbst jede Anweisung befolgst, die Ich dir gebe, und auch die anderen anweist, sie zu befolgen. Kümmere dich daher nicht um die Schmähungen und Verleumdungen anderer. Schäme dich vor niemandem. Fürchte niemanden. Tue ohne Zögern, was Ich durch dich geschehen lassen möchte.
Eine Gruppe hat den Bund, der von den Propheten nach dem Propheten Muhammad (s.a.s.) und ihren Gemeinschaften genommen worden war, in diesem Sinne verstanden. Von ihnen war das Versprechen genommen worden, dass sie an den später kommenden Propheten glauben und ihn unterstützen würden. Auf Grundlage dieser Auslegung behauptet diese Gruppe, dass die Tür zum Prophetentum auch nach dem Propheten Muhammad (s.a.s.) offenstehe und dass auch vom ehrwürdigen Propheten (s.a.s.) dieser Bund genommen worden sei: Die Gemeinschaft des Propheten, der nach ihm kommen werde, solle an ihn glauben. Doch der vorausgehende und nachfolgende Zusammenhang des Verses erklärt diese Auslegung eindeutig für falsch. Im Zusammenhang mit dem Thema, zu dem dieser Vers offenbart wurde, gibt es keinerlei Anlass zu sagen, dass nach dem ehrwürdigen Gesandten (s.a.s.) noch ein Prophet kommen werde und seine Gemeinschaft an jene Propheten glauben müsse. Nimmt man diese Bedeutung an, würde der Vers hier völlig unpassend und zusammenhanglos werden. Außerdem haben die Wörter des Verses keine derart eindeutige Bedeutung, aus der sich erkennen ließe, welche Art von Bund hier geschlossen wurde. Um daher zu erfahren, von welcher Art der hier erwähnte Bund war, müssen wir die anderen Stellen des Edlen Korans betrachten, an denen von den mit den Propheten geschlossenen Bünden die Rede ist. Wenn im gesamten Edlen Koran nur ein einziger Bund erwähnt würde und dieser sich auf später kommende Propheten bezöge, könnte man vernünftigerweise annehmen, dass auch hier mit dem Bund eben jener Bund gemeint sei. Doch jeder, der den Koran mit eingehendem Blick studiert, weiß, dass in diesem Buch viele Bünde erwähnt werden, die von den Propheten und ihren Gemeinschaften genommen wurden. Es ist daher angemessen, hier die Bedeutung desjenigen Bundes anzunehmen, der mit dem vorhergehenden und nachfolgenden Zusammenhang verbunden ist. Den Bund, dessen Erörterung an dieser Stelle keinerlei Anlass hat, hier als gemeint anzusehen, ist keineswegs angemessen. Durch eine solche falsche Auslegung wird deutlich, dass manche Menschen, statt aus dem Koran Rechtleitung anzunehmen, versuchen, dem Koran selbst Rechtleitung zu erteilen.
(Arabisch******************************** auf Seite 164 des PDFs)
„Wer ist also ungerechter als jemand, der eine Lüge erfindet und sie Allah zuschreibt oder Allahs wahre Zeichen für Lüge erklärt? Wahrlich, die Schuldigen können niemals Erfolg haben.“ – (Sure Yunus: 17)
Manche törichten Menschen haben „Erfolg“ im Sinne eines langen Lebens, weltlichen Wohlstands oder weltlichen Aufstiegs verstanden. Auf diese Weise wollen sie aus diesem Vers die Bedeutung ableiten, dass man jeden, der nach dem Anspruch auf das Prophetentum am Leben bleibt, in der Welt großen Aufstieg macht oder dessen Botschaft sich ausbreitet, als wahren Propheten anerkennen müsse, weil er Erfolg gehabt habe. Wenn er kein wahrer Prophet gewesen wäre, wäre er unmittelbar nach der Erhebung des falschen Anspruchs auf das Prophetentum getötet oder durch Hunger umgebracht worden, und seine Botschaft hätte sich nicht in der Welt verbreiten können. Solche törichten Beweisführungen aus dem Koran kann jedoch nur jemand vorbringen, der die koranische Fachbedeutung des Wortes „Falāḥ“ nicht kennt oder nicht weiß, welche Aufschub- und Bewährungsordnung Allah gemäß den im Koran dargelegten Bestimmungen für die Schuldigen festgelegt hat, und der nicht versteht, in welcher Bedeutung dieses Wort in diesem Zusammenhang verwendet wurde.
Erstens: Ein Schuldiger kann keinen Erfolg haben. Diese Aussage wurde im Zusammenhang mit der Erörterung des Verses nicht in dem Sinne gemacht, dass sie zu einem Maßstab für die Prüfung des Anspruchs irgendeines Menschen auf das Prophetentum würde und die gewöhnlichen Menschen selbst, nachdem sie die Anspruchsteller anhand dieses Maßstabs geprüft hätten, beschließen könnten, den Anspruch dessen anzuerkennen, den sie als erfolgreich vorfanden, und den Anspruch dessen zurückzuweisen, den sie als erfolglos betrachteten. Vielmehr bedeutet die Aussage hier: „Ich weiß mit Gewissheit, dass die Schuldigen keinen Erfolg haben können. Deshalb kann ich selbst nicht dadurch schuldig werden, dass ich fälschlich das Prophetentum beanspruche; vielmehr kann ich über euch mit Gewissheit sagen: Ihr begeht das Verbrechen, den wahren Propheten der Lüge zu bezichtigen, und deshalb könnt ihr keinen Erfolg haben.“
Falāḥ oder Erfolg wird im Koran auch nicht in der begrenzten Bedeutung weltlichen Erfolgs verwendet. Vielmehr bedeutet es einen ununterbrochenen Erfolg, aus dem keinerlei Verlust hervorgeht. Es ist kein Schaden, wenn ein Mensch in der ersten Phase seines weltlichen Lebens keinerlei Anzeichen von Erfolg zeigt. Ein Rufer zu offenkundigem Irrtum kann in der Welt ein bequemes Leben führen, den Gipfel weltlichen Wohlstands und Aufstiegs erreichen, und seine Einladung zum Irrtum kann große Beliebtheit erlangen und sich überall verbreiten. Doch das ist nicht der Erfolg, den der Koran als Erfolg bezeichnet; vielmehr ist es offenkundiger Verlust und Misserfolg. Ebenso kann es geschehen, dass ein Rufer zur Wahrheit in der Welt schweren Prüfungen ausgesetzt wird, unter dem Druck von Unglück, Leiden und Kummer zusammenbricht und das Bewusstsein verliert. Nicht ein einziger Mensch muss sich seiner Gruppe anschließen; doch in der Sprache des Korans ist dies weder Verlust noch Misserfolg, sondern gerade der wahre Erfolg.
Darüber hinaus wird an verschiedenen Stellen des Korans ganz klar dargelegt, dass Allah sich bei der Bestrafung der Schuldigen nicht beeilt, sondern ihnen ausreichend Zeit und Gelegenheit zur Besserung gibt. Wenn sie diese Zeit und Gelegenheit missbrauchen und dadurch noch verdorbener werden, gewährt Allah ihnen weiteren Aufschub, und oft lässt Er Ströme Seiner Gunst über sie ergießen. Dadurch legen sie all das in ihrem Inneren verborgene Unheil vollständig offen und machen sich durch ihre Taten einer Strafe würdig, die ihnen aufgrund ihrer schlechten Eigenschaften tatsächlich gebührt. Wenn daher das Seil eines falschen Anspruchstellers länger wird, ist es ein schwerwiegender Irrtum, dies als Beweis dafür anzusehen, dass er auf der Rechtleitung fest gegründet sei. Allahs Gesetz des Aufschubs, des Gewährens von Spielraum und des Einräumens von Möglichkeiten gilt für die Anspruchsteller auf falsches Prophetentum ebenso wie für alle anderen Schuldigen. Es gibt keinerlei Beweis oder Argument dafür, die Letzteren außerhalb des Geltungsbereichs dieses Gesetzes zu sehen. Auch dort, wo Allah Satan bis zum Tag der Auferstehung Aufschub gewährt hat, wird nirgends gesagt: „All deine Arten von Täuschung und Betrug werden zugelassen; wenn du jedoch von dir aus einen falschen und heuchlerischen Propheten aufstellst, wird diese Täuschung unter keinen Umständen zugelassen.“
Als Antwort auf meine Ausführungen könnte vielleicht jemand die Verse 44 bis 47 der Sure al-Hāqqa zitieren. Dort heißt es:
(Arabisch******************************** auf Seite 165)
Das heißt: „Wenn Muhammad in meinem Namen eine erfundene Aussage gemacht hätte, dann hätte Ich ihn gepackt und seine Herzschlagader durchschnitten.“ Doch was in diesen Versen gesagt wird, ist Folgendes: Wenn jemand, der von Allah als wahrer Prophet gesandt wurde, eine Lüge erfindet und sie als Offenbarung Allahs vorträgt, dann wird er unverzüglich gepackt. Aus dieser Aussage die Gewissheit abzuleiten, dass ein Anspruchsteller auf das Prophetentum, der nicht gepackt wird, damit als wahr erwiesen sei, ist nichts anderes als ein prinzipieller Trugschluss. Die Ausnahme von Allahs Gesetz, den Menschen Aufschub und Spielraum zu gewähren, die aus diesem Vers hervorgeht, gilt ausschließlich für einen wahrhaftigen Propheten. Daraus folgt nicht, dass auch jemand, der fälschlicherweise das Prophetentum beansprucht, zu dieser Ausnahme gehört. Jeder weiß, dass ein Gesetz, das für Staatsbedienstete erlassen wird, nicht nur auf sie Anwendung findet, sondern dass gemäß dem Strafgesetzbuch auch mit ihnen so verfahren wird, wie mit gewöhnlichen Schurken und Verbrechern. Außerdem wurden die Aussagen in diesen Versen der Sure al-Haqqa nicht gemacht, um den Menschen ein Kriterium zur Prüfung eines Propheten an die Hand zu geben. Das heißt: Wenn eine Hand den Schleier des Verborgenen durchbräche, plötzlich seine Herzschlagader durchtrennte und hervorträte, müsste man daraus schließen, dass er ein Lügner und Betrüger ist; andernfalls müsste man ihn als wahr anerkennen. Wäre es nicht möglich, einen Propheten anhand seines Charakters, seiner Taten und dessen, was er vorträgt, zu prüfen und festzustellen, ob er ein wahrer oder ein falscher Prophet ist, dann wäre es vielleicht nötig, ein solch unsinniges Kriterium anzunehmen.
Der Anspruch auf das Prophetentum nach dem letzten Propheten
Frage: Auf Seite 236 von Tarjuman-ul-Qur’an (Januar–Februar) haben Sie geschrieben: „Meine Erfahrung ist, dass Allah der Erhabene der Lüge niemals Erfolg und Bestand verleiht. Ich bin stets diesem Grundsatz gefolgt: Den Worten jener, die ich als unbekümmert um Wahrhaftigkeit und Vertrauenswürdigkeit und als frei von Gottesfurcht vorfinde, erwidere ich niemals. Allah kann sie bestrafen … und noch in dieser Welt wird ihre wahre Natur, so Allah will, ans Licht kommen.“
Ich möchte vortragen, dass ich die Schriften der Ahmadiyya-Gemeinschaft gelesen und mich auch an ihren Aktivitäten beteiligt habe. In diesem Zusammenhang möchte ich die folgenden Fragen stellen.
Erstens: Das ist nicht nur Ihre eigene Erfahrung, vielmehr hat Allah im Edlen Qur’an gesagt: „Allah liebt die Lügner nicht.“ Und: „Auf den Lügnern liegt Allahs Fluch.“ Ferner gilt für solche Lügner, dass (Arabisch**********) ihre Strafe in ihrer sofortigen Ergreifung und ihrer Hineinwerfung in die Hölle besteht. (Arabisch*************) Wenn Mirza Ghulam Ahmad also ein Lügner gewesen ist, warum hat Allah, der Erhabene, ihn dann (a) bis heute nicht ergriffen? (b) Warum nimmt die Zahl der Mitglieder der Bewegung zu, und warum wächst die Stärke der Mission von Mirza Sahib, die den Muslimen als Irreführung bekannt ist? Außerdem haben sich die Wurzeln dieser Bewegung inzwischen auch außerhalb des Landes gefestigt. (c) Seit Mirza Sahib die Botschaft brachte, sind heute sechzig Jahre vergangen. Wie lange sollen wir noch auf Allahs Entscheidung warten? Gegenwärtig schreiten sie in Entwicklung und Wohlstand voran. (d) Warum stellen die Gruppen und Personen, die sich dieser Bewegung widersetzen, ihren Widerstand nicht ein und überlassen die Angelegenheit Allah?
Zweitens: Auf Seite 242 von Tarjuman-ul-Qur’an hat ein deutscher Unterstützer Ihrer Gemeinschaft in Berlin das Thema der Zusammenarbeit mit der Ahmadiyya-Gemeinschaft bei der Verbreitung des Islam angesprochen. Wenn auch Sie deren Tätigkeit zur Verbreitung des Islam für richtig halten, warum arbeiten Sie dann in Pakistan nicht mit ihnen zusammen?
Antwort:Sie behandeln die Angelegenheit eines Menschen, der Anspruch auf das Prophetentum erhebt, so leichtfertig! Dieses Vorgehen ist bei der Entscheidungsfindung in einer derart wichtigen Angelegenheit keineswegs angemessen. Alles, was ich geschrieben hatte, bezog sich auf eine eindeutig falsche Anschuldigung. Einige eigennützige Menschen hatten diese Anschuldigung gegen mich erhoben. Sie wenden diese Aussage auf einen Menschen an, der tatsächlich Anspruch auf das Prophetentum erhoben hat. Sie sollten wissen, dass im Falle eines Menschen, der Anspruch auf das Prophetentum erhebt, notwendigerweise eine von zwei Möglichkeiten zutrifft. Wenn sein Anspruch wahr ist, ist derjenige, der ihm nicht glaubt, ein Kafir. Wenn er ein Lügner ist, ist derjenige, der ihm glaubt, ein Kafir. Wollen Sie die Entscheidung in einer derart heiklen Angelegenheit wirklich allein auf die Tatsache stützen, dass Allah, der Erhabene, ihn bisher nicht ergriffen hat, seine Anhängerschaft zunimmt und: „Wie lange sollen wir noch auf Allahs Entscheidung warten?“ Soll daraus etwa folgen, dass es Ihrer Ansicht nach schon ausreicht, einen beliebigen Menschen als Propheten anzuerkennen, wenn seine Anhängerschaft nach seiner Erhebung des Anspruchs auf das Prophetentum an Einfluss und Ansehen gewinnt und Allah ihn innerhalb der von Ihnen vorgeschlagenen Wartefrist nicht ergreift? Ist dies Ihrer Meinung nach der Maßstab zur Prüfung des Prophetentums?(Arabisch**********) Was Sie daraus beweisen wollten, ist im Grunde falsch. Was in diesem Vers gesagt wird, ist Folgendes: Wenn Muhammad (s.a.s.), der tatsächlich Allahs Prophet ist, ohne Allahs Offenbarung aus eigener Erfindung eine Aussage vorträgt und sie Allah zuschreibt, wird ihm die Kehle durchschnitten. Es ist nicht richtig, daraus abzuleiten, dass auch demjenigen die Kehle durchschnitten wird, der in Wirklichkeit kein Prophet ist und sich unter Berufung auf Lügen als Prophet ausgibt. Außerdem hat Allah, der Erhabene, in diesem Vers nicht die Tatsache, dass einem Menschen, der Anspruch auf das Prophetentum erhebt, nicht die Kehle durchschnitten wird, ihn als wahren Propheten erweist, und dass derjenige, dem die Kehle durchschnitten wird, ein falscher Prophet ist, als Maßstab zur Unterscheidung zwischen einem falschen und einem wahren Propheten dargestellt. Die Methode, einen Koranvers auf diese Weise zu verdrehen und ihm gewaltsam eine verfälschte Bedeutung zu geben, ist gewiss nicht Ihre eigene Vorgehensweise; vielmehr haben Sie sie offenbar von der Gruppe Mirza Sahibs gelernt. Gerade dies beweist, dass diese Gruppe keine Gottesfurcht im Herzen trägt.
Nach dem Propheten Muhammad (s.a.s.) wird die Behauptung eines jeden, der Anspruch auf das Prophetentum erhebt, nicht nach dem von Ihnen vorgelegten Maßstab geprüft. Vielmehr wird sie mit völliger Gewissheit zurückgewiesen werden. Denn Koran und Hadith haben hierzu eine unmissverständliche Aussage getroffen. Dort heißt es, dass nach dem Gesandten Allahs (s.a.s.) kein weiterer Prophet kommen wird. Die Argumente, die Mirza Sahib und seine Anhänger dafür vorbringen, dass die Tür zum Prophetentum offenbleibe, sind mir ebenfalls bekannt. Doch ich möchte Ihnen mitteilen, dass diese Argumente nur einen unwissenden und wenig gebildeten Menschen beeinflussen können. Ein sachkundiger Mensch kann nach der Prüfung ihrer Argumente nur von ihrer Dummheit überzeugt sein.
Dass im Tarjuman al-Qur’an ein Brief aus Deutschland abgedruckt wurde, bedeutet nicht, dass wir alles, was in diesem Brief steht, Wort für Wort für wahr halten. Unser Ziel war es, durch diesen Brief bei den Muslimen unseres Landes Ansporn zu wecken und ihnen zu helfen. Sie haben erst vor kurzem den Islam angenommen. Wie sollten sie wissen, wie viele Fitnas in der islamischen Welt ihr Haupt erheben? Sie gehören nun zu uns. Andernfalls könnten sie aus Unwissenheit jeder beliebigen Fitna zum Opfer fallen. Dass im Tarjuman al-Qur’an ein Brief aus Deutschland abgedruckt wurde, bedeutet nicht, dass wir alles, was in diesem Brief steht, Wort für Wort für wahr halten. Unser Ziel war es, durch diesen Brief bei den Muslimen unseres Landes Ansporn zu wecken und ihnen zu helfen. Sie haben erst vor kurzem den Islam angenommen. Wie sollten sie wissen, wie viele Fitnas in der islamischen Welt ihr Haupt erheben? Sie gehören nun zu uns. Andernfalls könnten sie aus Unwissenheit jeder beliebigen Fitna zum Opfer fallen.
Frage:Ich habe Ihre Antwort erhalten. Leider konnte sie meine Zweifel nicht ausräumen. Ich hatte doch Ihre eigenen Worte – „Allah selbst wird den Lügner bestrafen“ – angeführt und Sie in diesem Zusammenhang gefragt, warum Allahs Strafe nicht über Mirza Ghulam Ahmad Qadiani kommt, den alle Muslime für einen Lügner halten, und wie Allah seit so langer Zeit tatenlos zusehen kann, wie Seine Diener irregeführt werden.
Ich habe fünfundzwanzig von Mirza Sahibs Büchern mit prüfendem Blick studiert. Außerdem habe ich einige Bücher muslimischer Gelehrter gelesen, die gegen ihn geschrieben wurden. Allerdings gebe ich zu, dass ich kein Buch von Ihnen zu diesem Thema lesen konnte. Meine allgemeine Reaktion auf die Bücher der Gelehrten ist jedoch folgende:
Sie haben Mirza Sahibs Schriften entstellt, ihre falsche Bedeutung angenommen und diese Mirza Sahib zugeschrieben.
Sie verfügen über das Thema, über das sie geschrieben haben, nicht über vollständige Kenntnis. Später nahm ich brieflichen Kontakt mit ihnen auf. Doch die meisten von ihnen bewahrten Stillschweigen. Was ich im Allgemeinen aus Mirza Sahibs Büchern verstanden habe, ist Folgendes: Mirza Sahib selbst und seine Aussagen sind zutiefst in der Liebe zum ehrwürdigen Propheten (s.a.s.) versunken. Auf dieser Grundlage hatte ich mich der Betrachtung von Mirza Sahibs Anspruch zugewandt. Nun ist für mich als erwiesene Tatsache klar:
Erstens: Mirza Sahibs Ansprüche stehen nicht im Widerspruch zu Koran und Hadith.
Zweitens: Die Prophetie Mirza Sahibs mindert keineswegs die Würde des ehrwürdigen Gesandten (s.a.w.). Vielmehr gilt: Wenn dank Musa (a.s.) in jeder Stadt ein Prophet auftreten konnte, dann muss es dank der Würde Muhammads (s.a.w.) in jedem Dorf Menschen geben, die sagen: „Wir haben durch das Befolgen der Scharia Muhammads das Glück erlangt, mit Allah zu sprechen.“ Mirza Sahib selbst hat gesagt:
„Diese Quelle, die sich auf die Schöpfung ergießt,
ist nur ein winziges Tröpfchen aus dem Meer der Vollkommenheit Muhammads.“
Nun haben Sie mir erneut gestattet, die Behauptung Mirza Sahibs zu prüfen. Würden Sie mir freundlicherweise helfen, den richtigen Weg einzuschlagen, indem Sie eine der Behauptungen Mirza Sahibs im Licht des Edlen Qurans als falsch erweisen?
Antwort:Der vorherige Brief hätte Ihre Zweifel ausräumen können, wenn Sie tatsächlich Ihre Zweifel hätten ausräumen wollen. Was ich im Tarjuman-ul-Quran geschrieben hatte, bezog sich auf jene Menschen, die mich fälschlich beschuldigten. Dabei war das Vertrauen auf Allah zum Ausdruck gebracht worden, dass Er die Lügner gewiss bestrafen werde. Sie aber nehmen dies als Maßstab zur Prüfung des Anspruchs eines Prophetenprätendenten. Zudem haben Sie den Maßstab so aufgefasst, dass man einen Prophetenprätendenten, sollte er nicht bestraft werden, unbedingt als einen wahren Propheten bezeichnen müsse. Wer in dieser Welt bestraft wird, ist ein Lügner und Irregeleiteter, und wer nicht bestraft wird, ist wahrhaftig und rechtgeleitet – ist dies wirklich ein korrekter Maßstab dafür, ob Menschen wahrhaftig oder lügnerisch, rechtgeleitet oder irregeleitet sind?
Sie haben etwas Merkwürdiges gesagt: Seit Mirza Sahib den Anspruch auf die Prophetie erhoben habe, seien sechzig Jahre vergangen, und wie lange solle man noch warten. Zur Prüfung der Wahrheit eines prophetischen Anspruchs haben Sie einen merkwürdigen Maßstab vorgelegt. Welche Art von Strafe sollte Ihrer Meinung nach ein falscher Prätendent erhalten? Bitte erläutern Sie dies etwas ausführlicher. Wenn Sie meinen, dass eine Hand aus dem Unsichtbaren kommen und ihm die Kehle durchschneiden müsse, so sage ich: Diese Strafe wurde nicht einmal Musailima al-Kadhdhab, dem falschen Prophetenprätendenten zu Lebzeiten des Gesandten Allahs (s.a.w.), zuteil. Wenn Sie meinen, dass ein Prophetensprätendent, der durch Menschenhand getötet wird, ein Lügner sei, was sagen Sie dann über jene Propheten, deren Prophetentum Allah der Erhabene selbst für wahr erklärt und zugleich mitgeteilt hat, dass ihre eigenen Völker sie getötet haben? Sie haben gewiss die folgenden beiden Verse im Quran gelesen:
(Arabisch*******************************************PDF-Seite 169)
Im Licht dieser Verse sollten Sie meiner Ansicht nach Ihre eigene Denkweise erneut überprüfen. Der Anspruch eines Propheten kann nicht nach einem solchen Maßstab geprüft werden. Was im Hinblick auf einen Propheten geprüft werden muss, ist vielmehr: Welchen Rang nimmt er im Licht der früheren Offenbarungen Allahs ein? Was hat er gebracht? Wie ist seine Lebensweise? Es wäre ein schwerwiegender Fehler, jemanden, der diesen Maßstab nicht vollständig erfüllt, allein deshalb als wahren Propheten anzuerkennen, weil Sie nicht mit eigenen Augen sehen, dass er in dieser Welt bestraft wird.
Wenn die Behauptung eines Anwärters auf das Prophetentum nicht am Prüfstein des ersten der drei Maßstäbe, die ich oben genannt habe, geprüft und als völlig lauterwahr erwiesen worden ist, dann steht damit bereits fest, dass nach dem Propheten Muhammad (s.a.s.) kein neuer Prophet kommen kann; dann besteht überhaupt keine Notwendigkeit mehr zu untersuchen, was der Gesandte Allahs (s.a.s.) an Prophetentum gebracht hat und was für ein Mensch er ist. Obwohl Mirza Sahib meines Erachtens im Hinblick auf den zweiten und dritten Maßstab und hinsichtlich der Würde des Prophetentums so weit von ihr entfernt ist, dass ihn selbst dann, wenn die Tür zum Prophetentum offen stünde, kein vernünftiger Mensch für einen Propheten halten könnte, halte ich diese Erörterung nach dem klaren und unmissverständlichen Urteil von Koran und Hadith für überflüssig, ja für eine äußerste Frechheit gegenüber Allah und Seinem Gesandten (s.a.s.).
Wenn Sie fragen, welche Beweise es im Koran und im Hadith dafür gibt, dass die Tür zum Prophetentum vollständig geschlossen worden ist, so lässt sich die Antwort darauf nicht in einem Brief geben. Wenn Allah, der Erhabene, uns Zeit und Gelegenheit schenkt, werde ich, so Allah will, zu diesem Thema einen ausführlichen Artikel verfassen. Andernfalls wird dieses Thema bei der Tafsir der Sure al-Ahzab ohnehin zur Sprache kommen und kann dann erörtert werden. – [Schon wenige Seiten später wird diese Erörterung in dem Artikel „Eine wissenschaftliche Erörterung über den Glauben an das Siegel des Prophetentums“ erscheinen. – (Der Herausgeber)]
Ein weiteres Argument der Qadianis gegen das Siegel des Prophetentums
Frage: In Tafhim-ul-Qur’an, in der Erläuterung zur Sure Āl ʿImrān(Arabisch*****) des betreffenden Verses, haben Sie in Anmerkung 69 geschrieben: „Hier muss man außerdem verstehen, dass von jedem Propheten vor dem Propheten Muhammad (s.a.s.) dieses Versprechen entgegengenommen wurde. Auf dieser Grundlage hat jeder Prophet seine Gemeinschaft über den nach ihm kommenden Propheten unterrichtet und sie angewiesen, ihn zu unterstützen. Doch dass auch vom Propheten Muhammad (s.a.s.) ein solches Versprechen entgegengenommen worden sei oder dass er seine eigene Gemeinschaft unter Hinweis auf einen später kommenden Propheten angewiesen hätte, an ihn zu glauben, dafür findet sich nirgendwo im Koran oder im Hadith irgendein Hinweis.“
Nachdem ich diese Sätze gelesen hatte, kam mir der Gedanke: Es stimmt, dass der Prophet Muhammad (s.a.s.) dies nicht gesagt hat; doch im Koran, in der Sure al-Ahzab, wird ein Versprechen folgendermaßen erwähnt:
(Arabisch*******************************)
Hier wird der Prophet (s.a.s.) durch das Wort „min-ka“ („von dir“) angesprochen. Das hier erwähnte Versprechen ist in der Sure Āl ʿImrān genannt worden. Aus der Erwähnung des Versprechens in den betreffenden Versen sowohl der Sure Āl ʿImrān als auch der Sure al-Ahzab wird deutlich, dass von dem Propheten Muhammad (s.a.s.) dasselbe Versprechen entgegengenommen wurde wie von den anderen Propheten.
Eigentlich entstand diese Frage in meinem Herzen, nachdem ich ein Buch der Ahmadis gelesen hatte. Dort wurde einer der in den beiden genannten Suren angeführten Verse mithilfe des anderen ausgelegt. Zugleich wurde das Wort „min-ka“ ausführlich erörtert.
Antwort:(Arabisch*****************) Wenn die Herren der Ahmadiyya das Argument, das sie aus diesem Vers der Sure al-Ahzab vorbringen, aufrichtig vorgetragen haben, dann ist es ein Zeichen ihrer Unwissenheit und Ignoranz. Wenn sie es jedoch absichtlich vorgebracht haben, um die Menschen zu täuschen, dann wird ihre Irreleitung offenkundig. Sie haben eine Aussage aus dem Vers der Sure Al-i Imran übernommen (Arabisch****************) Aus diesem Vers haben sie eine Aussage übernommen. Darin wird von den Propheten und ihren Gemeinschaften ein Versprechen verlangt, einem künftig kommenden Propheten zu gehorchen. Eine zweite Aussage haben sie aus dem oben erwähnten Vers der Sure al-Ahzab entnommen. Dort wird gesagt, dass neben den anderen Propheten auch vom ehrwürdigen Gesandten ein Versprechen entgegengenommen wurde. Danach haben sie beide Aussagen miteinander verbunden und selbst eine dritte Aussage daraus gemacht: Auch vom edlen Propheten sei das Versprechen entgegengenommen worden, an einen künftig kommenden Propheten zu glauben und ihm Hilfe und Unterstützung zu leisten. Doch in dem Vers, in dem davon die Rede ist, dass von einem künftig kommenden Propheten ein Versprechen entgegengenommen wird, sagt Allah der Erhabene an keiner Stelle, dass dieses Versprechen von Muhammad (s.a.s.) entgegengenommen worden sei. Und in dem Vers, in dem davon die Rede ist, dass von Muhammad (s.a.s.) ein Versprechen entgegengenommen wurde, wird an keiner Stelle gesagt, dass dieses Versprechen mit dem Gehorsam gegenüber einem künftig kommenden Propheten verbunden gewesen sei. Nun stellt sich die Frage: Welche Berechtigung gibt es dafür, zwei voneinander unabhängige Aussagen zu verbinden und daraus eine dritte Aussage zu konstruieren, die nirgendwo im Koran zu finden ist? Dafür hätte es drei Argumente oder Grundlagen geben können. Erstens: Wenn der edle Prophet nach der Offenbarung dieses Verses die Gefährten versammelt und verkündet hätte: „O ihr Menschen! Allah hat mir das Versprechen abgenommen, dass ich an den Propheten glauben werde, der nach mir kommen wird, und ihm Hilfe und Unterstützung leisten werde. Deshalb sollt auch ihr, weil ihr mir gehorcht, dieses Versprechen ablegen.“ Doch in keinem der gesamten Hadith-Werke finden wir auch nur einen Hadith mit einer solchen Aussage. Im Gegenteil finden wir unzählige Hadithe, aus denen eindeutig hervorgeht, dass die Reihe der Propheten mit dem edlen Propheten beendet worden ist und nach ihm kein Prophet mehr kommen wird. Kann man sich jemals vorstellen, dass dem edlen Propheten ein derart wichtiges Versprechen abgenommen wurde, er es dann auf diese Weise vernachlässigt hätte und stattdessen sogar solche Aussagen gemacht hätte, aufgrund derer ein großer Teil seiner Gemeinschaft daran gehindert blieb, an einen von Allah gesandten Propheten zu glauben?
Wenn im Koran erwähnt worden wäre, dass von allen Propheten und ihren Gemeinschaften nur ein einziges Versprechen abgenommen wurde, hätte dies die zweite Begründung oder Grundlage für die Annahme dieser Aussage sein können. Dieses Versprechen wäre dann der Glaube an den künftig kommenden Propheten gewesen. Im gesamten Koran wäre außer diesem kein weiteres Versprechen erwähnt worden. Unter diesen Umständen hätte man argumentieren können, dass auch im genannten Vers der Sure al-Ahzab eben dieses Versprechen gemeint sei. Doch auch für dieses Argument gibt es hier keinen Raum. Im Koran werden nicht nur ein, sondern viele Versprechen erwähnt. So wurde beispielsweise im zehnten Ruku der Sure al-Baqara von den Kindern Israels das Versprechen abgenommen, Allah zu dienen, zu den Eltern gütig zu sein und sich gegenseitiger Blutrache zu enthalten. Im neunzehnten Ruku der Sure Al-i Imran wurde von allen Leuten der Schrift folgendes Versprechen abgenommen: Ihr sollt die Lehren des Buches, das euch gegeben wurde, nicht verheimlichen, sondern sie öffentlich verbreiten. Im einundzwanzigsten Ruku der Sure al-A’raf wurde von den Kindern Israels das Versprechen abgenommen: Ihr sollt über Allah nur die Wahrheit sagen, euch fest an das von Allah gegebene Buch halten und seine Lehren im Gedächtnis bewahren. Im ersten Ruku der Sure al-Ma’ida werden die Anhänger Muhammads (s.a.s.) an ein Versprechen erinnert, das sie Allah gegeben hatten, nämlich: „Ihr gelobt Allah, zu hören und zu gehorchen.“ Nun stellt sich die Frage: Wenn in dem betreffenden Vers der Sure al-Ahzab nicht gesagt wird, worin das dort erwähnte Versprechen bestand, warum soll man zur Bestimmung dieses Versprechens aus den vielen erwähnten Versprechen gerade das im neunten Ruku der Sure Al-i Imran genannte auswählen und nicht eines der anderen? Dafür wäre unbedingt eine Grundlage erforderlich. Eine solche Grundlage gibt es jedoch nirgends. Wenn jemand darauf erwidert, dass in beiden Fällen davon die Rede sei, dass von den Propheten ein Versprechen abgenommen wurde, und deshalb der eine Vers mithilfe des anderen ausgelegt worden sei, so sage ich: Von den Gemeinschaften der Propheten wurde keines der anderen Versprechen unmittelbar abgenommen, sondern stets durch die Propheten. Außerdem weiß jeder, der den Koran gründlich studiert, dass von jedem Propheten das Versprechen abgenommen wurde, sich fest an Allahs Buch zu halten und seinen Bestimmungen zu gehorchen.
Die dritte Begründung oder Grundlage hätte im Zusammenhang mit dem vorhergehenden und folgenden Inhalt der Sure al-Ahzab liegen können. Wenn dort eindeutig angedeutet worden wäre, dass mit dem Versprechen hier das Versprechen gemeint sei, an künftig kommenden Propheten zu glauben, dann wäre die Annahme dieser Aussage angemessen gewesen. Doch hier verhält es sich ganz umgekehrt. Der Zusammenhang widerspricht vielmehr gänzlich dieser Bedeutung. Die Sure al-Ahzab wird mit folgendem Satz eingeleitet:
„O Prophet! Fürchte Allah, gehorche nicht den Ungläubigen und den Heuchlern, handle nach dem, was dein Herr dir offenbart, und vertraue auf Allah.“ Danach wird befohlen, die seit der Zeit der Unwissenheit bestehende Praxis der Annahme von Adoptivsöhnen sowie alle damit verbundenen abergläubischen Vorstellungen und Bräuche abzuschaffen. Anschließend wird gesagt, dass es unter den nicht durch Blutsverwandtschaft begründeten Beziehungen nur eine gibt, die höher steht als die Blutsverwandtschaft: die Beziehung zwischen dem Propheten und den Gläubigen. Aufgrund dieser Beziehung genießen die Frauen des Propheten bei den Gläubigen denselben Rang wie ihre Mütter und sind ihnen ebenso wie ihre Mütter zur Heirat verboten. In allen anderen Angelegenheiten wird nach Allahs Buch ausschließlich die Blutsverwandtschaft als Grundlage dafür anerkannt, dass eine Ehe verboten ist und ein Erbrecht besteht. Nachdem diese Bestimmung dargelegt worden ist, erinnert Allah der Erhabene ihn an das Versprechen, das Er stets von allen Propheten und dementsprechend auch vom edlen Propheten entgegengenommen hat. Jeder vernünftige Mensch kann nun erkennen: Wo war in diesem Zusammenhang Raum, an das Versprechen zu erinnern, an einen künftig kommenden Propheten zu glauben? Allenfalls konnte hier an das Versprechen erinnert werden, durch das alle Propheten dazu verpflichtet wurden, sich fest an Allahs Buch zu halten, seine Bestimmungen im Gedächtnis zu bewahren, sie umzusetzen und sie öffentlich bekannt zu machen. Wenn wir dann noch ein wenig weitergehen, sehen wir, dass Allah der Erhabene dem edlen Propheten eindeutig befiehlt, selbst die geschiedene Frau seines Adoptivsohnes Zayd zu heiraten und dadurch jene irrige Vorstellung der Unwissenheit auszurotten, aufgrund derer die Menschen einen Adoptivsohn ihrem leiblichen Sohn gleichstellten. Als die Ungläubigen und Heuchler dagegen eine Einwendung nach der anderen erhoben und üble Propaganda betrieben, beantwortete Allah der Erhabene diese Einwendungen der Reihe nach.
Erstens: Muhammad (s) ist nicht der Vater irgendeines Mannes unter euch, sodass die geschiedene Frau dieses (seines) Mannes für ihn nicht verboten sein könnte
Zweitens: Wenn ihr sagt: »Selbst wenn sie für ihn erlaubt war, welchen Anlass gab es dann, sie zu heiraten?«, so ist darauf zu antworten, dass er der Gesandte Allahs ist. Es war seine Pflicht, selbst voranzugehen und das abzuschaffen, was Allah abschaffen wollte.
Drittens: Darüber hinaus war es für ihn aus folgendem Grund noch notwendiger, dies zu tun: Er war nicht bloß ein Gesandter, sondern der letzte Gesandte. Wenn er diese Sitten und Bräuche der Dschāhilīya nicht abgeschafft hätte, wäre nach ihm kein Prophet mehr gekommen, der sie hätte abschaffen können.
Wenn man diese letzte Aussage zusammen mit der vorhergehenden liest, wird jeder mit Gewissheit sagen, dass das Versprechen, an das der edle Prophet (s) in diesem Zusammenhang erinnert wurde, keineswegs das Versprechen war, an einen später kommenden Propheten zu glauben.
Nun bedenkt: Diese drei Grundlagen hätten die einzigen sein können, um die von den Qadianis aus dem betreffenden Vers abgeleitete Bedeutung anzunehmen. Jede dieser drei Grundlagen steht jedoch in keinem Zusammenhang mit ihrer Aussage, ja widerspricht ihr sogar. Wenn sie darüber hinaus ein viertes Argument oder eine vierte Grundlage haben, dann fragt sie danach. Lasst euch auch die Antworten auf diese drei Argumente von ihnen geben. Andernfalls muss man gerechterweise annehmen, dass sie diese Bedeutung des Verses entweder aus Dummheit und Unwissenheit angenommen haben oder, nachdem sie die Gottesfurcht vollständig aus ihren Herzen vertrieben hatten, um die arglosen einfachen Menschen irrezuführen. Wie dem auch sei, ich verstehe nicht: Wenn Mirza Sahib ein Prophet gewesen sein soll, warum ist dann die Epoche seiner »Sahāba« noch immer nicht beendet, während seine gesamte Umma inzwischen zu den »Tābiʿūn und Tābiʿ at-Tābiʿīn« gehören müsste? Und dennoch ist ihr Zustand der, dass Angehörige seiner Umma öffentlich solche falschen und unwahren Argumente aus Allahs Buch vorbringen, ohne dass sich in der gesamten Umma auch nur eine Stimme gegen diese Unwissenheit erhebt.
Drei Argumente aus dem Vers über das Ende des Prophetentums
(Arabisch****************************(auf PDF-Seite 174)
»Muhammad ist nicht der Vater irgendeines eurer Männer, sondern Allahs Gesandter und der letzte Prophet. Und Allah weiß über alle Dinge Bescheid.« – (Sure al-Ahzāb: 40)
Der historische Hintergrund, vor dem in der Sure al-Ahzab die Lehre von der Beendigung der Prophetenschaft erörtert wird, ist folgender: In Arabien wurde ein Adoptivsohn vollständig einem leiblichen Sohn gleichgestellt. Er erbte wie ein leiblicher Sohn. So wie Eltern sowie Brüder und Schwestern in einem Haushalt zusammenlebten, lebte auch der Adoptivsohn ungezwungen mit der Ehefrau und den Kindern seines Adoptivvaters zusammen. Nachdem er zum Adoptivsohn geworden war, galten zwischen ihm und seinem Adoptivvater dieselben Beziehungen, die aufgrund der Blutsverwandtschaft unter Verwandten bestanden. Allah wollte diesen Brauch abschaffen. Deshalb erklärte Er zunächst, dass jemand nicht allein dadurch zum wirklichen Sohn eines anderen wird, dass man ihn mündlich als Sohn bezeichnet. (Vers 4.) Doch die Vorstellungen von der besonderen Stellung und dem Verbot ehelicher Beziehungen, die sich durch jahrhundertelange Gewohnheit und Überlieferung tief in den Herzen festgesetzt hatten, ließen sich nicht leicht ausrotten. Daher musste diese Sitte auch praktisch gebrochen werden. Zu dieser Zeit ereignete sich der Fall von Zaid und Zaynab. Zaid, der Adoptivsohn des Gesandten Allahs, ließ sich von seiner Frau Zaynab scheiden. Der Gesandte Allahs erkannte, dass dies die beste Gelegenheit war, diese verhängnisvolle Sitte der vorislamischen Unwissenheit zu brechen. Solange er nicht selbst die geschiedene Frau seines Adoptivsohnes heiratete, würde die vorislamische Vorstellung, ein Adoptivsohn sei wie ein leiblicher Sohn zu behandeln, nicht verschwinden. Er wusste jedoch auch, dass die Heuchlergruppe von Medina, die jüdischen Gemeinschaften in der Umgebung Medinas und die Gesellschaft der Ungläubigen in Mekka gegen diesen Schritt einen gewaltigen Aufruhr entfachen würden. Sie würden keine Gelegenheit auslassen, ihn deswegen zu verleumden und gegen den Islam Propaganda zu machen. Deshalb zögerte er, obwohl er die Notwendigkeit eines praktischen Schrittes erkannte. Schließlich heiratete er auf Allahs Befehl Zaynab. Daraufhin erhob sich, wie zuvor befürchtet, ein Sturm des Widerspruchs. Eine Flut von Schmähungen und Verleumdungen ergoss sich über ihn. Selbst in den Herzen frommer Muslime kamen allerlei Zweifel und Bedenken auf. Als Antwort auf all diese Einwände, Schmähungen, Verleumdungen und Zweifel wurden die Verse 37 bis 40 des fünften Ruku der Sure al-Ahzab offenbart.
Zu Beginn dieser Verse erklärt Allah, dass diese Ehe auf Seinen Befehl zustande gekommen ist. Der Grund dafür ist, dass es für die Gläubigen keineswegs anstößig ist, die geschiedene Frau ihres Adoptivsohnes zu heiraten. Dann sagt Er, dass es keinem Propheten zukommt, aus Furcht vor irgendjemandem beim Vollzug von Allahs Befehl zu zögern. Anschließend beendet Er diese Erörterung mit den folgenden Worten:
„Muhammad ist nicht der Vater irgendeines eurer Männer. Doch er ist Allahs Gesandter und der letzte Prophet.“ Aus diesem Satz wird klar ersichtlich, dass Allah den Einwendern drei Argumente entgegensetzen will. Mit diesem einen Satz werden die Wurzeln all der Einwände und Verleumdungen abgeschnitten, die die Gegenseite gegen die Ehe des Gesandten Allahs vorbrachte.
Ihr erster Einwand lautete: Obwohl es nach ihrer eigenen Scharia für einen Vater verboten sei, die Frau seines Sohnes zu heiraten, wie habe er dann die Frau seines eigenen Sohnes heiraten können? Darauf wurde erwidert, dass diese Ehe nicht anstößig sei. Denn der Mann, dessen geschiedene Frau geheiratet worden war, war nicht der leibliche Sohn Muhammads, und Muhammad war auch nicht sein leiblicher Vater. Deshalb heißt es: „Muhammad ist nicht der Vater irgendeines eurer Männer.“ Das heißt: Der Mann, dessen geschiedene Frau geheiratet wurde, war überhaupt nicht Muhammads Sohn. Warum sollte es also verboten sein, seine geschiedene Frau zu heiraten? Ihr alle wisst, dass Muhammad keinen Sohn hat.
Ihr zweiter Einwand lautete: Wenn ein Adoptivsohn kein leiblicher Sohn sei, könne es höchstens erlaubt sein, seine verlassene Frau zu heiraten; doch warum habe er sie unbedingt heiraten müssen, ja, warum sei dies notwendig gewesen? Darauf wurde erwidert: „Doch er ist Allahs Gesandter.“ Das bedeutet: Weil er Gesandter ist, gehört es zu seiner Aufgabe, alle Vorstellungen von Blutsverwandtschaft zu beseitigen, aufgrund derer eure überlieferte Sitte etwas Erlaubtes grundlos für verboten erklärt hat, es wieder für erlaubt zu erklären und in dieser Angelegenheit alle Zweifel und Bedenken auszuräumen.
Drittens lag ein weiterer Grund für die Notwendigkeit darin, dass Muhammad nicht bloß ein Prophet, sondern der letzte Prophet ist. Das heißt: Nach ihm wird kein Prophet mehr kommen, geschweige denn ein Gesandter. Wenn eine gesetzliche oder gesellschaftliche Sitte zu seiner Zeit nicht reformiert worden wäre, bestünde keinerlei Möglichkeit, dass ein nach ihm kommender Prophet diese begonnene Aufgabe vollenden könnte. Daher war es unbedingt notwendig, dass er diese bedeutende Sitte der vorislamischen Unwissenheit ausrottete. Denn wenn diese Sitte nicht durch ihn jetzt zum Erlöschen gebracht würde, gäbe es bis zum Jüngsten Tag keine Möglichkeit mehr, sie abzuschaffen. Nach ihm wird kein Prophet mehr kommen. Es wird niemanden geben, der das von ihm unvollendet Hinterlassene vollendet.
Mit besonderem Nachdruck wurde außerdem erklärt: „Allah weiß über alle Dinge Bescheid.“ Das bedeutet: Allah weiß, warum es gerade zu dieser Zeit notwendig war, diese Sitte der vorislamischen Unwissenheit durch Muhammad abzuschaffen; welchen Schaden es sonst gegeben hätte, weiß Allah. Nun wird von Ihm kein weiterer Prophet mehr kommen. Wenn Er diese Sitte also nicht jetzt durch Seinen letzten Propheten beseitigt, wird es künftig keine Persönlichkeit mehr geben, die sie durch ihren Widerstand gegen diese Sitte in der gesamten muslimischen Welt für immer abschaffen könnte. Selbst wenn spätere Reformer sich ihr entgegenstellen, wird keine ihrer Handlungen eine derart dauerhafte und weltweite Wirkung und Autorität besitzen, dass die Menschen in jedem Land und jeder Zeit sie vorbehaltlos annehmen und ihr folgen würden. Außerdem wird keiner von ihnen eine solche heilige Persönlichkeit verkörpern, dass allein der Gedanke, er habe diese Handlung vollzogen, sie also seine Sunna sei, den Menschen jede gegen diese Sitte entstandene Abscheu und jedes Unbehagen aus dem Herzen nehmen könnte.
Bedauerlicherweise hat eine Gruppe in der heutigen Zeit diesen Vers falsch ausgelegt und dadurch die Tür zu einer gewaltigen Fitna geöffnet. Deshalb werde ich mich zu einem späteren Zeitpunkt ausführlich mit der Beendigung der Prophetenschaft befassen, um durch eine umfassende Erörterung dieses Themas die Irrtümer auszuräumen, die diese Gruppe verbreitet hat.
Forschungsbasierte Erörterung über die Glaubenslehre vom Abschluss des Prophetentums
In der heutigen Zeit hat eine Gruppe einen gewaltigen Aufruhr um ein neues Prophetentum entfacht. Sie (Arabisch****************************) deuten das im Vers erwähnte Wort „Chātam an-nabiyyīn“ als „Siegel der Propheten“. Sie wollen damit sagen, dass nach dem Gesandten Allahs (s.a.s.) noch viele Propheten auf die Welt kommen werden, nachdem sie mit seinem Siegel versehen wurden. Oder anders gesagt: Niemand wird Prophet werden, solange er nicht mit dem Siegel des Gesandten Allahs (s.a.s.) versehen ist.
Wenn man dieses Wort jedoch in dem besonderen Zusammenhang beurteilt, in dem dieser Vers überliefert wurde, gibt es keinerlei Anlass, diese Bedeutung des betreffenden Wortes anzunehmen. Im Gegenteil: Nimmt man diese Bedeutung an, entfällt in diesem Zusammenhang überhaupt die Notwendigkeit, das Wort zu verwenden, und sie widerspricht dem eigentlichen Zweck der Aussage. Während man die Einwände gegen die Heirat Zaynabs (r.a.) und die daraus entstandenen verschiedenen Zweifel und Bedenken beantwortet, plötzlich mitten darin zu sagen: „Muhammad ist das Siegel der Propheten“, das heißt, alle Propheten, die kommen werden, werden mit dem Siegel Muhammads (s.a.s.) kommen – ist das nicht bloß eine völlig belanglose und unpassende Aussage? Das plötzliche Auftauchen dieser Aussage inmitten des vorhergehenden und nachfolgenden Zusammenhangs ist nicht nur belanglos; dadurch wird auch das Argument geschwächt, das den Einwänden entgegengesetzt wurde. Unter diesen Umständen bot sich den Einwendern eine ausgezeichnete Gelegenheit. Sie hätten leicht sagen können: Es wäre besser gewesen, wenn Sie diese Angelegenheit nicht noch zu Ihren Lebzeiten erledigt hätten; dann hätte keinerlei Gefahr bestanden. Wenn es tatsächlich so notwendig war, diesen schlechten Brauch abzuschaffen, dann hätte jeder der Propheten, die nach Ihnen kommen und mit Ihrem Siegel versehen sein werden, ihn abschaffen können.
Die erwähnte Gruppe hat dem Wort eine weitere verfälschte Bedeutung gegeben. Sie versteht „Chātam an-nabiyyīn“ als „Afḍal an-nabiyyīn“. Das bedeutet: Die Tür zum Prophetentum steht weiterhin offen, doch das Prophetentum hat durch den Gesandten Allahs (s.a.s.) seine Vollkommenheit erlangt. Doch auch bei dieser Deutung kann man dem erneuten Auftreten der zuvor erwähnten Verwirrung nicht entgehen. Sie steht in keinerlei Zusammenhang mit dem vorhergehenden und nachfolgenden Erörterungszusammenhang. Vielmehr vermittelt sie eine Bedeutung, die dem gesamten Ablauf der vorausgehenden und nachfolgenden Ereignisse völlig widerspricht. Die Ungläubigen und Heuchler hätten sagen können: Verehrter Herr, selbst wenn die nach Ihnen kommenden Propheten einen geringeren Rang als Sie hätten, wären weiterhin Propheten gekommen; daher hätten Sie diese Angelegenheit doch ihnen überlassen können. War es denn wirklich so unabdingbar, dass gerade Sie die Verantwortung für die Beseitigung dieses schlechten Brauchs übernehmen mussten?
Die lexikalische Bedeutung des Wortes Chātam an-nabiyyīn
Im Hinblick auf den Zusammenhang mit der vorausgehenden und nachfolgenden Erörterung kann abschließend gesagt werden, dass das Wort Chātam an-nabiyyīn hier den Abschluss der Kette bedeutet. Das heißt: Nach dem Gesandten Allahs (s.a.s.) wird kein weiterer Prophet kommen. Doch nicht nur unter dem Gesichtspunkt des Zusammenhangs, sondern auch lexikalisch ist dies die einzig richtige Bedeutung. Nach arabischen Wörterbüchern und dem allgemeinen Sprachgebrauch bedeutet das Wort „Chātam“: ein Siegel anbringen, schließen, bis zum Ende gelangen und eine Angelegenheit abschließen und dadurch von der Verantwortung entbunden werden.
Chātam al-ʿamal (Arabisch***) bedeutet: Faragha min al-ʿamal (Arabisch*****) das heißt: Er hat die Arbeit beendet.
Chātam al-ināʾ (Arabisch****) bedeutet: Er hat die Öffnung des Gefäßes verschlossen und sie versiegelt, damit nichts aus seinem Inneren herauskommen und nichts von außen hinein gelangen kann.
Chatamal Kitab (Arabisch******) bedeutet: Er hat den Brief verschlossen und ihn an seiner Öffnung versiegelt, sodass der Brief geschützt bleibt.
Chatama ‘alal qalb (Arabisch*******) bedeutet: der Geschmack, den man nach dem Trinken eines Getränks ganz zuletzt wahrnimmt.
Chatimatu kulli schai’in ‘aqibatuhu wa akhiratuhu (Arabisch**********) das heißt: Das Chatima jeder Sache bedeutet deren Ausgang und Ende.
Chatamas schai’a balagha achirahu (Arabisch*********) das heißt: Eine Sache zu vollenden bedeutet, bis zu ihrem Ende gelangt zu sein. Bei der Vollendung des Qur’an wird eben diese Bedeutung zugrunde gelegt, und auf dieser Grundlage wird der letzte Vers jeder Sure „Chawātim“ genannt.
Chatamul qaumi achiruhum (Arabisch*******) das heißt: Der letzte Angehörige eines Volkes ist Chatamul qaum. (Siehe: Lisān al-ʿArab, Qāmūs und Aqrab al-Mawārid.) – [Hier habe ich nur drei Wörterbücher erwähnt. Doch warum gerade nur diese drei? Wenn man irgendein zuverlässiges Wörterbuch der arabischen Sprache aufschlägt, findet man dort genau die oben genannten Bedeutungen und Erklärungen des Wortes „Chatam“. Die Leugner der Vollendung des Prophetentums haben jedoch dessen lexikalische Bedeutung vollständig umgangen, um ein Loch in die geschützte Festung von Allahs Religion zu schlagen. Sie wollen sagen, dass die Bezeichnung eines Menschen als „Chatam asch-schuʿarā“, „Chatam al-fuqahā“ oder „Chatam al-mufassirīn“ nicht bedeute, dass nach der Verleihung dieses Titels kein weiterer Dichter, Rechtsgelehrter oder Korankommentator geboren worden sei. Vielmehr bedeute sie, dass bei dieser Person die Vollendung der genannten Wissenschaft oder Kunst ihren Abschluss gefunden habe. Doch dadurch, dass solche Titel verwendet werden, um eine Sache besonders hervorzuheben, wird die lexikalische Bedeutung von „Chatam“ niemals zu „vollkommen“ oder „hervorragend“, und seine Verwendung im Sinne von „letzter“ gilt keineswegs als fehlerhaft.]
Nur ein Mensch, der die grammatischen Regeln nicht kennt, kann eine solche Behauptung aufstellen. Es ist keine Regel irgendeiner Sprache, dass ein Wort, wenn es gelegentlich indirekt in einer anderen Bedeutung anstelle seiner eigentlichen Bedeutung verwendet wird, dadurch zu seiner eigentlichen Bedeutung wird und seine Verwendung in der ursprünglichen lexikalischen Bedeutung verboten wäre. Wenn man vor einem Araber sagt: „Jā’a Chatamul qaum“ ((Arabisch*****) wird er niemals denken, dass der vorzüglichste oder vollkommenste Mann des Stammes gekommen sei; vielmehr wird er denken, dass alle Angehörigen des Stammes gekommen sind, bis hin zum letzten.
Dabei muss man auch bedenken, dass es die Menschen selbst sind, die manche Personen mit Titeln wie Chatam asch-schuʿarā, Chatam al-fuqahā, Chatam al-muhaddithīn und ähnlichen Titeln versehen haben. Die Menschen besitzen keinerlei Möglichkeit zu wissen, ob nach der Person, der sie den Titel Chatam asch-schuʿarā oder Chatam al-fuqahā verleihen, noch jemand geboren werden wird, der diese Eigenschaft besitzt. Daher bleibt ihnen in ihrer Sprache nichts anderes übrig, als solche titelartigen Ausdrücke zu verwenden, um die betreffende Eigenschaft besonders hervorzuheben und die Vollkommenheit dieser Person anzuerkennen. Wenn aber Allah, der Erhabene, in Bezug auf eine Person feststellt, dass eine bestimmte Eigenschaft mit ihr ihren Abschluss gefunden hat, sehe ich keinen Grund, dies ebenfalls indirekt im Sinne der von Menschen verwendeten Ausdrücke zu verstehen. Wenn Allah jemanden Chatam asch-schuʿarā genannt hätte, würde dies zweifellos bedeuten, dass nach der betreffenden Person die Geburt eines weiteren Propheten unmöglich wäre. Denn Allah kennt das Verborgene und die Zukunft, der Mensch aber kennt weder das Verborgene noch die Zukunft. Wie kann es auf einer Stufe stehen, dass Allah jemanden als Chatam an-nabiyyīn bezeichnet und dass die Menschen jemanden mit dem Titel Chatam asch-schuʿarā versehen? – (Der Verfasser)
Deshalb haben alle Lexikographen und Korankommentatoren übereinstimmend den Ausdruck Chatam an-nabiyyīn mit „Āchirun nabiyyīn“ erklärt – das heißt: der Letzte der Propheten. Nach den arabischen Wörterbüchern und dem arabischen Sprachgebrauch bedeutet „Chatam“ nicht den Poststempel, dessen Abdruck auf den Brief gesetzt wird, um ihn abzusenden; vielmehr bezeichnet es das Siegel, das an der Öffnung eines Umschlags angebracht wird, damit nichts aus seinem Inneren herausgelangen und nichts von außen in ihn eindringen kann.
Die Worte des Gesandten Allahs (s.a.w.)
Auch die verschiedenen Erläuterungen des Gesandten Allahs (s.a.w.) bestätigen die Bedeutung, die sich sowohl aus dem Zusammenhang des Korans als auch aus der sprachlichen Bedeutung des Wortes ergibt. Als Beispiel führe ich hier einige Hadithe an:
(Arabisch***************************************auf PDF-Seite 179)
„Der Gesandte Allahs (s.a.w.) sagte: Die Kinder Israels wurden von den Gesandten Allahs geführt. Wenn ein Prophet verstarb, trat ein anderer Prophet an seine Stelle. Nach mir jedoch wird es keinen Propheten geben, sondern nur Kalifen.“ – (Buchari, Kapitel über die Vorzüge)
(Arabisch***************************************auf PDF-Seite 179)
„Der Gesandte Allahs (s.a.w.) sagte: Das Gleichnis von mir und den Propheten vor mir ist das eines Mannes, der ein Gebäude errichtete und es sehr schön und prächtig ausschmückte. Doch an einer seiner Ecken blieb der Platz für einen Ziegelstein leer. Die Menschen gingen um das Gebäude herum, bestaunten seine Schönheit und sagten: Warum wurde an dieser Stelle kein Ziegelstein eingesetzt? Daher bin ich dieser Ziegelstein, und ich bin dieser Prophet. (Das bedeutet: Mit meinem Kommen hat das Gebäude der Prophetie seine Vollendung erlangt. Nun gibt es darin keine Leerstelle mehr, zu deren Ausfüllung ein weiterer Prophet erforderlich wäre.)“ – (Buchari, Kitab al-Manaqib, Kapitel: Das Siegel der Propheten.)
Vier ehrwürdige Hadithe mit demselben Inhalt sind im Kitab al-Fada’il, im Kapitel „Das Siegel der Propheten“, überliefert worden. Im letzten Hadith wurde der folgende Teil hinzugefügt: (Arabisch********) Das heißt: „Dann kam ich und setzte der Reihe der Propheten ein Ende.“
Dieser Hadith wurde im Tirmidhi, mit denselben Worten, im Kitab al-Manaqib, im Kapitel „Die Vorzüge des Propheten“, und im Kitab al-Adab, im Kapitel „Die Gleichnisse“, überliefert.
Im Musnad des Abū Dāwūd aṭ-Ṭayālisī wird dieser Hadith in der Überlieferungskette des von Jābir ibn ʿAbdullāh überlieferten Hadiths erwähnt. Sein letzter Teil lautet (Arabisch******) Das heißt: Durch mich wurde die Kette der Propheten beendet.
Im Musnad Ahmad werden Hadithe dieser Art, mit geringfügigen wörtlichen Abweichungen, von Hadhrat Ubayy ibn Kaʿb, Hadhrat Abū Saʿīd al-Chudrī und Hadhrat Abū Huraira (r.a.) überliefert.
(Arabisch***************************************auf Seite 180 der PDF)
„Der Gesandte Allahs (s.a.) sagte: In sechs Dingen wurde mir Vorrang vor den anderen Propheten gegeben. (a) Mir wurde die Fähigkeit gegeben, kurze, aber umfassend bedeutungsvolle Worte zu sprechen. (b) Mir wurde durch Stärke und Macht Beistand geleistet. (c) Die Beute wurde mir erlaubt. (d) Die Erde wurde für mich zu einer Moschee gemacht (das heißt, in meiner Scharia kann das Gebet nicht nur an besonderen Gebetsstätten, sondern überall auf der Welt verrichtet werden), und der Erdboden wurde zu einem Mittel der Reinigung gemacht (das heißt, die rituelle Reinigung, also Wuḍūʾ und Ganzkörperwaschung, kann nicht nur mit Wasser, sondern auch mithilfe des Erdbodens durch Tayammum vollzogen werden). (e) Ich wurde zum Gesandten für die ganze Welt gemacht, und (f) die Kette der Propheten wurde mit mir beendet.“ – (Muslim, at-Tirmidhī, Ibn Mājah).
(Arabisch***************************************auf Seite 180 der PDF)
„Der Gesandte Allahs (s.a.) sagte: Die Kette der Gesandtschaft und des Prophetentums ist beendet worden. Daher wird nach mir kein Gesandter und kein Prophet kommen.“ – (at-Tirmidhī, Kitāb ar-Ruʾyā, Bāb Dhahāb an-Nubuwwa; Musnad Ahmad, überliefert von Anas ibn Mālik (r.a.)).
(Arabisch***************************************auf Seite 181 der PDF)
„Der Prophet (s.a.) sagte: Ich bin Muhammad und ich bin Ahmad. Ich bin der Tilgende; durch mich wird der Unglaube getilgt werden. Ich bin der Versammelnde; nach mir werden die Menschen auf dem Feld der Auferstehung versammelt werden. (Das heißt, nach mir bleibt nur noch der Jüngste Tag.) Ich bin der zuletzt Kommende (und der zuletzt Kommende ist jener), nach dem kein Prophet mehr kommen wird.“ – (al-Buchārī und Muslim, Kitāb al-Faḍāʾil, Bāb Asmāʾ an-Nabī; at-Tirmidhī, Kitāb al-Adab, Bāb Asmāʾ an-Nabī; Muwaṭṭaʾ, Kitāb Asmāʾ an-Nabī; Mustadrak al-Ḥākim, Kitāb at-Tārīch, Bāb Asmāʾ an-Nabī).
(Arabisch***************************************Auf PDF-Seite 181)
„Der Gesandte Allahs (s.a.) sagte: Allah hat gewiss keinen Propheten gesandt, der seine Gemeinschaft nicht vor dem Daddschal gewarnt hätte. (Doch in ihrer Zeit ist er nicht hervorgekommen.) Nun bin ich der letzte Prophet, und ihr seid die letzte Gemeinschaft. Der Daddschal wird zweifellos nun unter euch hervorkommen.“ – (Ibn Māǧa, Kitāb al-Fitan, Bāb ad-Daddschal).
(Arabisch***************************************Auf PDF-Seite 181)
„Abdurrahman ibn Dschubair sagte: Ich hörte Abdullah ibn Amr ibn al-ʿĀs sagen: Eines Tages kam der Gesandte Allahs (s.a.) aus seinem Haus und trat zu uns. Er kam, als würde er sich von uns verabschieden. Dreimal sagte er: Ich bin Muhammad, der ungelehrte Prophet. Dann sagte er: Nach mir gibt es keinen Propheten mehr.“ – (Musnad Ahmad, überliefert von Abdullah ibn Amr ibn al-ʿĀs (r.a.)).
(Arabisch***************************************Auf PDF-Seite 181)
„Der Gesandte Allahs (s.a.) sagte: Nach mir gibt es keine Prophetenschaft mehr. Es gibt nur noch Worte, die frohe Botschaft verkünden. Man fragte: O Gesandter Allahs, was sind die Worte, die frohe Botschaft verkünden? Er antwortete: Ein guter Traum. Oder er sagte: ein segensreicher Traum. Das bedeutet, dass es nun keine Möglichkeit mehr gibt, dass Allahs Offenbarung herabgesandt wird. Höchstens kann gesagt werden, dass, wenn Allah der Erhabene jemandem einen Hinweis geben sollte, dieser nur durch einen guten Traum gegeben wird.“ – (Musnad Ahmad, überliefert von Abū at-Tufail, an-Nasāʾī, Abū Dāwūd).
(Arabisch***************************************Auf PDF-Seite 182)
„Der Prophet (s.a.) sagte: Wenn es nach mir noch einen Propheten gegeben hätte, dann hätte ʿUmar ibn al-Chattāb dieses Glück erlangt.“ – (at-Tirmiḏī, Kitāb al-Manāqib).
(Arabisch***************************************auf PDF-Seite 182)
„Der Gesandte Allahs (s.a.s.) sagte zu Hadrat Ali (r.a.): ‚Deine Beziehung zu mir entspricht der Beziehung Haruns (a.s.) zu Musa (a.s.). Doch nach mir gibt es keinen Propheten mehr.‘“ – (Bukhari und Muslim, Kitab Fada’il as-Sahaba).
Bukhari und Muslim haben diesen Hadith im Zusammenhang mit der Schilderung des Feldzugs von Tabuk überliefert. Im Musnad Ahmad sind zwei Hadithe mit diesem Inhalt von Hadrat Sa’d ibn Abi Waqqas (r.a.) überliefert worden. Der Schlussteil eines dieser Hadithe lautet:(Arabisch********) ‚Bedenkt: Nach mir gibt es kein Prophetentum.‘ Abu Dawud at-Tayalisi, Imam Ahmad und Muhammad Ishaq haben hierzu einen ausführlichen Hadith überliefert, aus dem hervorgeht, dass der Gesandte Allahs (s.a.s.) vor dem Aufbruch zum Feldzug von Tabuk beschlossen hatte, Hadrat Ali (r.a.) zum Schutz und zur Verwaltung Medinas zurückzulassen. Die Heuchler begannen daraufhin, allerlei über ihn zu sagen. Er ging zum Gesandten Allahs (s.a.s.) und sagte: „O Gesandter Allahs! Lässt du mich etwa bei den Kindern und Frauen zurück?“ Da tröstete ihn der Gesandte Allahs (s.a.s.) und sagte: ‚Deine Beziehung zu mir entspricht der Beziehung Haruns (a.s.) zu Musa (a.s.).‘ Das heißt: So wie Hadrat Musa (a.s.) Harun (a.s.) zurückließ, um während seines Aufbruchs zum Berg Tur für den Schutz der Israeliten zu sorgen, so lasse auch ich dich zum Schutz Medinas zurück. Doch zugleich kam dem Gesandten Allahs (s.a.s.) der Gedanke, dass aus diesem Vergleich mit Hadrat Harun (a.s.) später vielleicht eine Fitna entstehen könnte. Daher stellte er unmittelbar danach klar: ‚Bedenke jedoch: Nach mir wird kein Mensch ein Prophet sein.‘
(Arabisch***************************************auf PDF-Seite 182)
„Hadrat Thawban überlieferte, dass der Gesandte Allahs (s.a.s.) sagte: ‚… und weiter ist zu sagen, dass unter meiner Umma dreißig Lügner auftreten werden. Jeder von ihnen wird behaupten, ein Prophet zu sein. Doch nach mir gibt es keinen Propheten mehr.‘“ – (Abu Dawud, Kitab al-Fitan).
Einen weiteren Hadith mit diesem Inhalt hat Abu Dawud im ‚Kitab al-Malahim‘ von Hadrat Abu Huraira (r.a.) überliefert. Auch at-Tirmidhi hat diese beiden Hadithe von Hadrat Thawban und Hadrat Abu Huraira (r.a.) überliefert. Der Wortlaut des zweiten Hadiths lautet:
(Arabisch***************************************auf PDF-Seite 183)
„Das heißt, es werden sogar etwa dreißig Betrüger auftreten. Jeder von ihnen wird behaupten, der Gesandte Allahs zu sein.“
(Arabisch***************************************auf PDF-Seite 183)
„Der Prophet (s) sagte: Unter den Kindern Israels, die vor euch vergangen sind, gab es viele Menschen, zu denen gesprochen wurde (Allah sprach zu ihnen), die jedoch keine Propheten waren. Sollte es in meiner Umma einen solchen Menschen geben, so wird er Umar sein.“ – (Buchari, Kitab al-Manāqib).
In dem bei Muslim überlieferten Hadith mit diesem Inhalt (Arabisch****) wurde stattdessen (Arabisch****)das Wort verwendet. Doch die beiden Wörter Mukallam und Muhaddath sind bedeutungsgleich. Das heißt: eine Person, zu der Allah, der Erhabene, gesprochen hat oder zu der Er hinter einem Schleier aus der Verborgenheit heraus gesprochen hat. Daraus ist ersichtlich, dass, wenn jemand in dieser Umma außer durch die Prophetie das Glück hätte erlangen können, mit Allah zu sprechen, dies einzig Hadhrat Umar (r) gewesen wäre.
(Arabisch***************************************auf PDF-Seite 183)
„Der Gesandte Allahs (s) sagte: Nach mir gibt es keinen Propheten mehr, und nach meiner Umma gibt es keine weitere Umma mehr.“ – (Baihaqi, Kitāb ar-Ru’yā; Tabarani).
(Arabisch***************************************auf PDF-Seite 183)
„Der Gesandte Allahs (s) sagte: Ich bin der letzte Prophet, und unsere Moschee ist die letzte Moschee.“ – [Die Leugner des Abschlusses der Prophetie führen aus diesem Hadith den Beweis, dass der Gesandte Allahs (s), ebenso wie er seine Moschee die letzte Moschee genannt habe, obwohl sie nicht die letzte Moschee sei; danach seien in der Welt unzählige Moscheen errichtet worden – ebenso habe er gesagt, er sei der letzte Prophet. Dies bedeute, dass auch nach ihm noch Propheten kommen würden. Was den Vorrang anbelange, sei er zwar der letzte Prophet und seine Moschee die letzte Moschee. Doch gerade eine solche verfälschte Auslegung beweist in Wirklichkeit, dass diese Leute der Fähigkeit beraubt sind, die Bedeutung der Worte Allahs und des Gesandten (s) zu verstehen. Wenn man an der Stelle in Sahih Muslim, an der dieser Hadith überliefert wird, alle Hadithe zu diesem Thema berücksichtigt, wird eindeutig klar, in welchem Sinne der Gesandte Allahs (s) seine Moschee bezeichnet hat. Dort führt Imam Muslim die Überlieferungen von Hadhrat Abu Huraira (r), Hadhrat Abdullah ibn Umar (r) und der Mutter der Gläubigen, Hadhrat Maymuna (r), an. Darin wird gesagt, dass es auf der Welt nur drei Moscheen gibt, die gegenüber den gewöhnlichen Moscheen einen Vorrang beanspruchen können. Wer dort betet, erhält im Vergleich zu anderen Moscheen tausendfach mehr Lohn. Daher ist es nur zu diesen drei Moscheen erlaubt, zum Gebet zu reisen. Abgesehen von diesen drei ist es nicht erlaubt, eine Reise zu einer bestimmten Moschee zu unternehmen und alle anderen Moscheen der Welt außer Acht zu lassen, um gerade dort zu beten. Unter diesen drei besonderen Moscheen ist die al-Masdschid al-Haram die erste Moschee. Hadhrat Ibrahim (a) erbaute sie. Die zweite ist al-Masdschid al-Aqsa. Hadhrat Sulaiman (a) errichtete sie. Die dritte ist die Prophetenmoschee in Medina. Der Gesandte Allahs (s) erbaute sie. Die Aussage des Gesandten Allahs (s) bedeutet: Da nach mir kein Prophet mehr kommen wird, wird nach meiner Moschee auch keine vierte Moschee dieser Art auf der Welt errichtet werden, in der man im Vergleich zu anderen Moscheen größeren Lohn für das Gebet erhält und zu der eine Reise zum Zweck des Gebets erlaubt wäre. – (Der Verfasser)] (Muslim, Kitāb al-Hadsch, Abschnitt über den Vorzug des Gebets in den Moscheen von Mekka und Medina).
Zahlreiche Gefährten haben diese Hadithe vom Gesandten Allahs (s) überliefert, und viele Muhaddithun haben sie mit äußerst starken und zuverlässigen Überlieferungsketten angeführt. Nach ihrer Untersuchung wird eindeutig klar, dass der Gesandte Allahs (s) in verschiedenen Situationen und mit unterschiedlichen Worten unmissverständlich erklärt hat, dass er der letzte Prophet ist. Nach ihm wird kein Prophet mehr kommen. Die Kette der Prophetie ist mit ihm beendet, und jeder, der nach ihm beansprucht, ein Gesandter oder Prophet zu sein, wird ein Daddschal und ein Lügner sein. – [Die Leugner des Abschlusses der Prophetie führen als Gegenbeleg zu all diesen Hadithen des ehrwürdigen Propheten (s) die folgende, Hadhrat Aischa zugeschriebene Überlieferung an. Darin heißt es: (Arabisch**************) Das heißt: „Sagt: Gewiss, er ist der خاتم النَّبِيِّين, doch sagt nicht, dass es nach ihm keinen Propheten gibt.“ Doch erstens ist es nichts anderes als äußerste Dreistigkeit und Respektlosigkeit, gegenüber der eindeutigen Anweisung des ehrwürdigen Propheten (s) irgendeine Aussage von Hadhrat Aischa (r) vorzubringen. Außerdem findet sich kein Hinweis auf die oben genannte Aussage von Hadhrat Aischa (r). Kein namhafter Hadith-Sammler hat diesen Hadith in seinem Werk aufgezeichnet. Die oben genannte Aussage wird aus dem Tafsirwerk „ad-Durr al-Mantsur“ und dem Hadith-Lexikon „Takmila-ye Madschma al-Bahar“ zitiert. Doch für ihre Überlieferungskette findet sich keinerlei Angabe.
Es ist nichts anderes als äußerste Unverschämtheit, zur Leugnung der zahllosen eindeutigen Hadithe des Gesandten Allahs (s.a.s.), die von den bedeutendsten und führenden Hadithgelehrten mit lückenlosen und zuverlässigen Überlieferungsketten überliefert wurden, die angeblich von einer weiblichen Gefährtin stammende schwächste Aussage vorzubringen. ] Welche stärkere, zuverlässigere und maßgeblichere Auslegung könnte es für den koranischen Ausdruck „Khātam an-Nabiyyīn“ geben? Die Aussage des Gesandten Allahs (s.a.s.) ist hier der Beleg und der endgültige Beweis. Wenn sie darüber hinaus einen Vers des Korans erläutert, wird sie zu einem noch stärkeren Beweis. Nun stellt sich die Frage: Wer hat den Koran besser verstanden als der Prophet Muhammad (s.a.s.), und wer außer ihm könnte eher dazu berechtigt sein, ihn auszulegen? Wer könnte eine andere Bedeutung des Endes des Prophetentums darlegen, und wer wäre – geschweige denn, sie anzunehmen – überhaupt bereit, darüber nachzudenken?
Der Konsens der Gefährten
Nach dem Koran und der Sunna kommt dem Konsens beziehungsweise der Übereinstimmung der edlen Gefährten die dritthöchste Bedeutung zu. Aus sämtlichen zuverlässigen historischen Überlieferungen geht hervor, dass die edlen Gefährten unmittelbar nach dem Tod des Gesandten Allahs (s.a.s.) auf der Grundlage eines Konsenses gegen alle jene kämpften, die das Prophetentum beanspruchten, sowie gegen diejenigen, die ihren Anspruch auf das Prophetentum anerkannten.
In diesem Zusammenhang ist der Fall Musailima al-Kadhdhābs besonders erwähnenswert. Er leugnete das Prophetentum des Gesandten Allahs (s.a.s.) nicht; vielmehr behauptete er, zum Teilhaber am Prophetentum des Gesandten Allahs (s.a.s.) gemacht worden zu sein. In dem Brief, den er ihm vor dem Tod des Gesandten Allahs (s.a.s.) schrieb, hieß es:
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Das heißt: „Vom Gesandten Allahs Musailima an den Gesandten Allahs Muhammad. Friede sei mit dir. Wisse, dass ich mit dir am Prophetentum beteiligt worden bin.“ – (at-Tabarī, Band 2, S. 399, in Ägypten gedruckt). Außerdem enthielt er auch den Satz: „Ich bezeuge, dass Muhammad der Gesandte Allahs ist.“
Obwohl sie auf diese Weise in eindeutigen Worten die Sendung Muhammads anerkannten, wurden sie als Ungläubige und außerhalb des Islams stehend betrachtet, und gegen sie wurde Krieg geführt. Aus der Geschichte geht ebenfalls hervor, dass die Banū Hanīfa ihm aufrichtig (in good faith) den Glauben schenkten. Allerdings waren sie dem Irrtum verfallen, der Prophet Muhammad (s.a.s.) selbst habe ihn an seinem Prophetentum beteiligt. Außerdem hatte ihnen ein Mann die Koranverse als auf Musailima herabgesandte Verse vorgetragen, der in Medina, der Heiligen, die Lehre des Korans empfangen hatte. (Ibn Kathīr, al-Bidāya wa-n-Nihāya, Band 5, S. 51.) Trotzdem erkannten die edlen Gefährten (r.a.) sie nicht als Muslime an, sondern kämpften gegen sie. Es besteht daher kein Anlass zu behaupten, die Gefährten hätten nicht wegen des Abfalls, sondern wegen des Verbrechens des Aufstands gegen sie gekämpft. Wenn gemäß dem islamischen Recht gegen aufständische Muslime gekämpft werden muss, dürfen deren Kriegsgefangene nicht versklavt werden. Ebenso dürfen selbst die Angehörigen der Schutzbefohlenen, wenn sie einen Aufstand erklären, nach ihrer Festnahme nicht versklavt werden. Doch während des Krieges gegen Musailima und seine Anhänger erklärte Hadhrat Abū Bakr as-Siddīq (r.a.), dass ihre Frauen und minderjährigen Jungen versklavt werden sollten. Nach ihrer Gefangennahme stellte sich heraus, dass sie tatsächlich versklavt worden waren. Hadhrat ʿAlī (r.a.) wurde Besitzerin einer Kriegsgefangenen aus ihrer Mitte. Der Sohn dieser Kriegsgefangenen, Muhammad al-Hanafiyya – Hanafiyya bedeutet: ein Mädchen aus dem Stamm der Hanīfa –, wurde später zu einer im gesamten Islam weithin bekannten Persönlichkeit. – (al-Bidāya wa-n-Nihāya, Band 6, S. 316–325).
Daraus wird eindeutig ersichtlich, dass das Verbrechen, dessentwegen die edlen Gefährten gegen sie kämpften, kein Verbrechen des Aufstands war. Vielmehr bestand ihr Verbrechen darin, dass ein Mann nach Muhammad (s.a.s.) das Prophetentum beanspruchte und die Menschen an ihn glaubten. Diese Maßnahme wurde unmittelbar nach dem Tod des Gesandten Allahs (s.a.s.) ergriffen. An ihrer Spitze stand Hadhrat Abū Bakr as-Siddīq (r.a.), und die gesamte Gemeinschaft der Gefährten unterstützte ihn geschlossen. Welches deutlichere Beispiel für den Konsens der Gefährten könnte es geben?
Der Konsens der Gelehrten
Nach dem Konsens der Gefährten ist in der Scharia der Konsens der späteren Gelehrten das stärkste Beweismittel der vierten Stufe. Betrachtet man die Angelegenheit unter diesem Gesichtspunkt, so zeigt sich, dass die Gelehrtenschaft jeder Region der gesamten muslimischen Welt in jeder Epoche, vom ersten islamischen Jahrhundert bis heute, stets darin übereingestimmt hat, dass:
Nach Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, kann kein Mensch mehr Prophet werden, und jeder, der nach ihm das Prophetentum beansprucht oder diesen falschen Anspruch anerkennt, ist ein Ungläubiger. Er hat keinen Platz in der islamischen Gemeinschaft.
Hierfür führe ich einige Beweise an:
Erstens: Zur Zeit von Imam Abu Hanifa (80–150 n. H.) erhob ein Mann den Anspruch, ein Prophet zu sein.
Er sagte: „Gebt mir Gelegenheit, ich werde das Zeichen meines Prophetentums vorlegen.“ Als der Imam dies hörte, sagte er: „Wer von ihm ein Zeichen verlangen wird, wird ebenfalls zum Ungläubigen werden. Denn der Gesandte Allahs (s.a.s.) sagte: (Arabisch*******) „Nach mir gibt es keinen Propheten mehr.“ (Manāqib Imām Aʿẓam Abū Hanīfa, verfasst von Ibn Ahmad al-Makki, Band 1, S. 161, veröffentlicht in Hyderabad im Jahr 1321 n. H.)
Zweitens: Allama Ibn Dscharir at-Tabari (224–310 n. H.) schrieb in seiner berühmten Koranexegese (Arabisch***********) im Zusammenhang mit der Auslegung dieses Verses: (Arabisch***************) Das heißt: „Er hat das Prophetentum beendet und es mit einem Siegel versehen. Daher wird sein Tor bis zum Jüngsten Tag für niemanden mehr geöffnet werden.“ – (Tafsīr Ibn Dscharīr, Band 22, S. 12).
Drittens: Imam at-Tahawi (239–321 n. H.) hat in seinem Werk „Aqīda as-Salafiyya“ bei der Darlegung der Glaubenslehre der früheren führenden Gelehrten, insbesondere von Imam Abu Hanifa (r.), Imam Abu Yusuf (r.) und Imam Muhammad (r.), die folgende Glaubenslehre über das Prophetentum festgehalten: „Muhammad (s.a.s.) ist Allahs geliebter Diener, Sein auserwählter Prophet und geliebter Gesandter. Er ist der letzte Prophet, der Imam der Gottesfürchtigen, der Anführer der Gesandten und der Freund des Herrn der Welten. Jeder Anspruch auf das Prophetentum nach ihm ist gleichbedeutend mit Irreführung und Eigennutz.“ – (Sharh at-Tahawiyya fi l-Aqīda as-Salafiyya, Dar al-Ma’arif, Ägypten, S. 15, 87, 96, 97, 100 und 102).
Viertens: Allāma Ibn Hazm al-Andalusī (384–456 n. H.) schrieb: „Zweifellos ist die Kette der Offenbarung nach dem Gesandten Allahs (s.a.w.) beendet. Der Beweis dafür ist, dass die Offenbarung ausschließlich zu einem Propheten kommt und der Erhabene Allah gesagt hat: Muhammad ist nicht der Vater irgendeines eurer Männer, sondern der Gesandte Allahs und das Siegel der Propheten.“ – (Al-Muhallā, Bd. 1, S. 26).
Fünftens: Imām al-Ghazālī (450–505 n. H.) sagt: – [Ich gebe die Aussage Imām al-Ghazālīs hier wortgetreu in ihrer ursprünglichen Sprache wieder. Der Grund dafür ist, dass die Leugner des Abschlusses des Prophetentums die Authentizität dieser Überlieferung mit großem Nachdruck angefochten haben. – Der Verfasser]
(Arabisch***********************************************************************************auf PDF-Seite 187)
Das heißt: „Wenn diese Tür geöffnet wird – die Tür, den Idschmāʿ als Beweis abzulehnen –, werden die Folgen verhängnisvoll sein. Wenn beispielsweise jemand sagt, dass nach unserem Propheten Muhammad (s.a.w.) das Kommen eines anderen Propheten möglich sei, muss man zweifellos auf den Idschmāʿ zurückgreifen, um nachzuweisen, dass es zulässig ist, bei der Bezeichnung eines solchen Menschen als Ungläubigen zu zögern. Denn die Vernunft entscheidet nicht, dass dies unzulässig ist. Was den Koran und den Hadith betrifft, so wird es für jemanden mit dieser Glaubensauffassung keineswegs schwierig sein, den beiden Aussagen ‚Nach mir gibt es keinen Propheten‘ und ‚der letzte Prophet‘ eine erdichtete Bedeutung zu geben. Er kann sagen, ‚der letzte Prophet‘ bedeute das Ende des Kommens der hervorragendsten Propheten. Und wenn man sagt, dass das Wort ‚Propheten‘ in allgemeiner Bedeutung verwendet wurde, wird es ihm keineswegs schwerfallen, diese Allgemeinheit einzuschränken. Über den Satz ‚Nach mir gibt es keinen Propheten‘ kann er sagen: ‚Es wurde doch nicht gesagt, dass es nach mir keinen Gesandten gibt.‘ Zwischen einem Gesandten und einem Propheten besteht ein Unterschied. Der Rang eines Propheten ist höher als der eines Gesandten. Kurz gesagt, kann man viele derartige unsinnige Dinge vorbringen. Es ist auch nicht möglich, den Weg zu verschiedenen erdichteten Bedeutungen durch bloße sprachliche Auslegung zu versperren. Vielmehr meinen wir, dass bei der äußerlichen, erdichteten Bedeutung ein noch weiter entferntes Verständnis möglich ist. Über diejenigen, die solche Bedeutungen annehmen, können wir nicht sagen, dass sie den Koran und den Hadith leugnen. Als Antwort auf ihre Aussage aber werden wir sagen: Die gesamte muslimische Umma hat aus diesem Wort – also ‚Nach mir gibt es keinen Propheten‘ – und aus dem Zustand des ehrwürdigen Propheten (s.a.w.) einhellig verstanden, dass die Aussage des ehrwürdigen Propheten folgende Bedeutung hatte: Nach ihm wird weder ein Prophet noch ein Gesandter kommen. Außerdem hat die gesamte muslimische Umma gemeinsam entschieden, dass es in dieser Angelegenheit keinerlei Raum für irgendeine Taʾwīl, eine erdichtete oder eine weit hergeholte Bedeutung gibt. Daher kann man einen solchen Menschen nur als Leugner des Idschmāʿ bezeichnen.“ – (Al-Iqtiṣād fī l-Iʿtiqād, al-Maṭbaʿāt al-ʿAbdiyya, Ägypten, S. 114).
Sechstens: Muhyī as-Sunna al-Baghawī (gest. 510 n. H.) schrieb in seinem Tafsīr-Werk Maʿālim at-Tanzīl: Durch den Gesandten Allahs hat Allah das Prophetentum beendet. Daher ist er der letzte Prophet … Ibn ʿAbbās sagt: Allah hat in diesem Vers entschieden, dass es nach Muhammad (s.a.w.) keinen Propheten mehr geben wird. – (Bd. 3, S. 158).
Siebtens: Allāma az-Zamachscharī schrieb im Tafsīr al-Kaschschāf: Wenn ihr fragt, wie der Gesandte Allahs (s.a.w.) der letzte Prophet sein kann, obwohl Jesus (a.s.) am Ende der Zeit herabsteigen wird, so sage ich: Dass der Gesandte Allahs (s.a.w.) der letzte Prophet ist, bedeutet, dass nach ihm niemand mehr in das Amt des Propheten eingesetzt wird. Jesus (a.s.) wurde bereits vor dem Gesandten Allahs zum Propheten gemacht. Nach seinem späteren Herabsteigen wird er der Scharia des Gesandten Allahs folgen und in Richtung seiner Qibla beten. Das heißt, er wird der Umma des Gesandten Allahs angehören.“ – (Bd. 2, S. 215).
Achtens: Qāḍī ʿIyāḍ (gest. 544 n. H.) schrieb: Jeder, der selbst das Prophetentum beansprucht oder es für möglich hält, durch eigene Anstrengung das Prophetentum zu erlangen und zumindest durch Läuterung die Stufe eines Propheten zu erreichen – wie dies manche Philosophen und geistig verdorbene Sufis meinen –, ebenso jeder, der zwar nicht das Prophetentum beansprucht, aber behauptet, dass auf ihn eine Offenbarung herabgesandt werde, ist ein Ungläubiger und erklärt das Prophetentum des Gesandten Allahs (s.a.w.) für Lüge. Denn er hat mitgeteilt, dass er der letzte Prophet ist und dass nach ihm kein Prophet kommen wird. Er hat ferner von Allah mitgeteilt, dass Er das Prophetentum beendet und ihn für die gesamte Menschheit entsandt hat. Die gesamte muslimische Gemeinschaft ist sich darin einig, dass hier die äußerliche Bedeutung des Wortes anzunehmen ist und keinerlei Möglichkeit besteht, eine andere Bedeutung anzunehmen. Daher besteht hinsichtlich des Unglaubens der genannten Gruppen aus der Sicht des Korans, des Hadiths und des Idschmāʿ kein Zweifel. – (Asch-Schifāʾ, Bd. 2, S. 270–271).
Neuntens: Allāma asch-Schahristānī (gest. 548 n. H.) schrieb in seinem berühmten Werk al-Milal wa-n-Niḥal: Wer auf diese Weise sagt, dass … nach Muhammad (s.a.w.) irgendein Prophet kommen werde [außer Jesus (a.s.)], über dessen Unglaube besteht unter zwei Menschen nicht einmal eine Meinungsverschiedenheit. – (Bd. 3, S. 249).
Zehntens: Imam Razi (543–606 n. H.) sagt in seinem Werk Tafsīr Kabīr bei der Auslegung des Verses „Khātam an-Nabiyyīn“: Der Sinn dafür, dass in dieser Darlegung der Ausdruck „Khātam an-Nabiyyīn“ verwendet wird, besteht darin, dass ein Prophet, nach dem ein anderer Prophet kommen wird, Mängel in Bezug auf Ermahnungen und Anweisungen hinterlassen kann, die der nach ihm kommende Prophet dann vervollständigen kann. Doch derjenige, nach dem kein weiterer Prophet kommen wird, ist seiner Umma gegenüber besonders fürsorglich und gibt ihr eine klare Führung. Denn sein Beispiel gleicht dem eines Vaters, der weiß, dass sein Sohn nach seinem Tod keinen anderen Vormund und Beschützer haben wird. – (Band 6, S. 581).
Elftens: Allāma Baidāwī (gest. 685 n. H.) schreibt in seinem Tafsīr-Werk Anwār at-Tanzīl: Das heißt, er ist der letzte Prophet. Er hat die Reihe der Propheten beendet. Oder ihretwegen wurde das Siegel auf die Reihe der Propheten gedrückt. Dass Hadhrat ʿĪsā (a. s.) nach ihm herabsteigen wird, beeinträchtigt das Ende des Prophetentums nicht. Denn er wird als Anhänger der Religion des Gesandten Allahs (s. a. w. s.) herabsteigen. – (Band 4, S. 164).
Zwölftens: Allāma Hāfiz ad-Dīn Nasafī (gest. 810 n. H.) schreibt in seinem Tafsīr-Werk Madārik at-Tanzīl: Der Gesandte Allahs (s. a. w. s.) ist der Khātam an-Nabiyyīn. Das heißt, er ist der allerletzte Prophet. Nach ihm wird niemand mehr zum Propheten gemacht werden. Was Hadhrat ʿĪsā (a. s.) betrifft, so war er bereits vor dem Gesandten Allahs (s. a. w. s.) in das Prophetenamt eingesetzt worden. Wenn er später herabsteigen wird, wird er der Anhänger der Scharīʿa des Gesandten Allahs (s. a. w. s.) sein. Das heißt, er wird zur Umma des Gesandten Allahs (s. a. w. s.) gehören. – (S. 471).
Dreizehntens: Allāma ʿAlā ad-Dīn Baghdādī (gest. 725 n. H.) schreibt in seinem Tafsīr-Werk Khāzin:(Arabisch******) Das heißt, Allah hat das Prophetentum mit dem Gesandten Allahs (s. a. w. s.) beendet. Daher gibt es nach ihm kein Prophetentum mehr, und nach ihm gibt es auch keinen Teilhaber an seinem Prophetentum.(Arabisch**********) Das heißt, Allah weiß, dass es nach ihm keinen Propheten mehr gibt. – (S. 471–472).
Vierzehntens: Allāma Ibn Kathīr (gest. 74 n. H.) schreibt in seinem berühmten Tafsīr: Aus dem hier behandelten Vers geht eindeutig hervor, dass es nach dem Propheten Muhammad (s. a. w. s.) keinen weiteren Propheten gibt. Und wenn es nach ihm keinen Propheten gibt, stellt sich die Frage nach einem Gesandten erst recht nicht. Denn die Gesandtschaft ist ein besonderes Amt, während das Amt des Prophetentums allgemeiner ist: Jeder Gesandte ist ein Prophet, aber nicht jeder Prophet ist ein Gesandter. Wer nach dem Gesandten Allahs (s. a. w. s.) dieses Amt beansprucht, ist ein Lügner, Betrüger, Daddschāl, Irregeführter und Verführer anderer. Ganz gleich, wie sehr er durch Verstöße gegen die natürlichen Gesetzmäßigkeiten Unheil stiftet und durch magische Kunststücke vor den Augen der Menschen einen Schleier der Verwirrung erzeugt – sein Anspruch darf nicht anerkannt werden. … Bis zum Jüngsten Tag wird jeder, der dieses Amt beansprucht, denselben Zustand aufweisen. – (Band 3, S. 493–494).
Fünfzehntens: Allāma Dschalāl ad-Dīn Suyūṭī (gest. 911 n. H.) schreibt in seinem Tafsīr-Werk Tafsīr al-Dschalālain:(Arabisch*************) Das heißt, Allah weiß, dass es nach dem Gesandten Allahs (s. a. w. s.) keinen weiteren Propheten gibt und dass Hadhrat ʿĪsā (a. s.) nach seinem Herabsteigen gemäß der Scharīʿa des Gesandten Allahs (s. a. w. s.) handeln wird. – (S. 768).
Sechzehntens: Schaich Ismāʿīl Haqqī (gest. 970 n. H.) schreibt im Kapitel „Bāb ar-Ridda“ des Kitāb as-Siyar in seinem maßgeblichen Werk der Usūl al-Fiqh, al-Aschbāh wa-n-Nazāʾir: Wenn jemand den Propheten Muhammad (s. a. w. s.) nicht für den letzten Propheten hält, ist er kein Muslim. Denn das Wissen um diese Dinge und ihre Anerkennung gehören zu den unabdingbaren Angelegenheiten der Religion. – (S. 179).
Siebzehntens: Schaich Ismāʿīl Haqqī (gest. 1137 n. H.) schreibt bei der Auslegung des genannten Verses in seinem Werk Tafsīr Rūḥ al-Bayān: ʿĀṣim – [ein berühmter Imam der Tadschwīd-Wissenschaft. – (Anm. d. Übers.)] – las das Wort „Khātam“, indem er über dem Buchstaben Tā ein Fatḥa setzte. Das bedeutet ein Werkzeug zum Beenden, mit dessen Hilfe ein Siegel angebracht wird.
Das heißt, der Gesandte Allahs (s.a.w.s.) kam als Letzter aller Propheten, und durch ihn wurde die Kette der Propheten besiegelt. Auf Persisch würde man dies „Mohr-e Paygambarān“ nennen. Das heißt, durch ihn wurde das Tor der Prophetie versiegelt und geschlossen und die Reihe der Propheten beendet. Andere Rezitatoren haben den Buchstaben „tā“ mit einem Kasra gelesen: „Khātimun nabiyyīn“. Dies bedeutet: Er war der Siegelnde, mit anderen Worten: derjenige, der die Propheten besiegelte. Auf diese Weise wurde auch dieses Wort zu einem Synonym von „Khātam“. Demnach wird die Gelehrtenschaft seiner Umma nach dem Gesandten Allahs (s.a.w.s.) nun durch Erbschaft ausschließlich seine Stellvertretung erhalten. Mit seinem Tod fand auch die Erbfolge der Prophetie unmittelbar ihr Ende, und die Herabkunft des Propheten Jesus (a.s.) nach ihm wird seine Prophetie nicht mangelhaft machen. Denn die Bedeutung von „Khātimun nabiyyīn“ ist, dass nach ihm niemand mehr zum Propheten gemacht wird und Jesus (a.s.) bereits vor ihm zum Propheten gemacht worden war. Daher wird er zu den Anhängern des Gesandten Allahs (s.a.w.s.) gehören, das Gebet in Richtung der Qibla des Gesandten Allahs (s.a.w.s.) verrichten und seiner Umma angehören. Auf Jesus (a.s.) wird dann keine Offenbarung herabkommen, und er wird keine neuen Rechtsbestimmungen verkünden. Vielmehr wird er der Stellvertreter des Gesandten Allahs (s.a.w.s.) sein. …..Die einmütige Auffassung der Ahl as-Sunna wa-l-Dschamāʿa lautet, dass es nach unserem Propheten keinen Propheten gibt. Denn Allah hat gesagt:(Arabisch********************) Das heißt: Muhammad (s.a.w.s.) ist Allahs Gesandter und der letzte Prophet. Und der Gesandte Allahs (s.a.w.s.) hat gesagt: (Arabisch*****) „Nach mir gibt es keinen Propheten mehr.“ Wer daher heute sagt, dass es nach Muhammad (s.a.w.s.) einen Propheten gibt, wird als Ungläubiger bezeichnet. Denn er verleugnet die eindeutige Erklärung des Korans und der Hadithe. Denn nach eindeutigen Beweisen und Argumenten ist die Wahrheit vom Falschen geschieden worden. Und der Anspruch dessen, der für sich die Prophetie Muhammads (s.a.w.s.) beansprucht, wird als nichtig verworfen. – (Band 22, Seite 188).
Neunzehntens: Fatāwā-yi ʿĀlamgīrī: Auf Anordnung des Herrschers von Hindustan, ʿĀlamgīr, wurde dieses Buch im zwölften Jahrhundert nach der Hidschra von den herausragenden Gelehrten des Subkontinents gemeinsam verfasst. Darin heißt es: Wenn jemand glaubt, dass Muhammad (s.a.w.s.) nicht der letzte Prophet ist, dann ist er kein Muslim. Und wenn er behauptet, selbst der Gesandte Allahs oder ein Prophet zu sein, wird er als Ungläubiger bezeichnet. – (Band 2, Seite 263).
Zwanzigstens: Allāma asch-Schaukānī schrieb in seinem Tafsīr Fath al-Qadīr: Die gesamte muslimische Gemeinschaft hat das Wort „Khātim“ mit einem Kasra unter dem „tā“ gelesen. Alsib allein las es mit einem Fatha. Die Bedeutung der ersten Lesart ist, dass der Gesandte Allahs die Reihe aller Propheten beendet hat, das heißt, dass er als Letzter kam. Die Bedeutung der zweiten Lesart ist, dass er für alle Propheten die Funktion eines Siegels übernommen hat; das heißt, durch ihn wurde die Reihe der Propheten mit einem Siegel verschlossen. Dadurch wurde ihre Gemeinschaft vollkommen gemacht. – (Band 4, Seite 275).
Einundzwanzigstens: Allāma al-Ālūsī schrieb im Tafsīr Rūh al-Maʿānī: Das Wort „Nabī“ hat eine allgemeinere Bedeutung als „Gesandter“. Dass der Gesandte der „Khātam an-Nabiyyīn“ ist, bedeutet daher auch, dass er der „Khātam al-Mursalīn“ ist. Dass er der letzte Prophet und der letzte Gesandte ist, bedeutet, dass diese Eigenschaft, nachdem er in dieser Welt mit der Eigenschaft der Prophetie ausgezeichnet worden war, unter Menschen und Dschinn für immer erloschen ist. – (Band 22, Seite 32). Wer nach dem Gesandten Allahs (s.a.w.s.) behauptet, Offenbarung der Prophetie erhalten zu haben, wird als Ungläubiger betrachtet. In dieser Angelegenheit besteht unter den Muslimen kein Raum für Meinungsverschiedenheit. – (Band 22, Seite 38). Der Koran hat in eindeutiger Sprache verkündet, dass der Gesandte Allahs (s.a.w.s.) der letzte Prophet ist. Der Koran hat in eindeutiger Sprache verkündet, dass der Gesandte Allahs (s.a.w.s.) der letzte Prophet ist. Die Sunna des Gesandten Allahs (s.a.w.s.) hat dies klar erläutert, und die gesamte muslimische Gemeinschaft hat danach gehandelt. Wer daher einen entgegengesetzten Anspruch erhebt, wird als Ungläubiger betrachtet. – (Band 22, Seite 39).
Hier habe ich die Erläuterungen und Ansichten der bedeutendsten Gelehrten, Faqīhs, Mufassirūn und Muhaddithūn der muslimischen Welt von Hindustan bis Marokko und Andalusien sowie von der Türkei bis Jemen angeführt. Neben ihren Namen habe ich auch ihre Geburts- und Sterbedaten genannt. Schon auf den ersten Blick kann jeder erkennen, dass darunter die bedeutendsten Gelehrten der islamischen Geschichte vom ersten bis zum dreizehnten Jahrhundert nach der Hidschra vertreten sind. Ich hätte hier auch die Ansichten der Gelehrten des vierzehnten Jahrhunderts nach der Hidschra anführen können. Doch absichtlich habe ich ihre Ansichten nicht zitiert. Denn jemand könnte als Erwiderung auf ihre Ansichten und Erläuterungen sagen, dass sie aus Feindseligkeit gegenüber dem Prophetenanspruchsteller unserer Zeit die Bedeutung von „Khātam an-Nabiyyīn“ in dieser Weise dargelegt hätten. Deshalb habe ich die Ansichten der Gelehrten früherer Zeiten zitiert. Es versteht sich von selbst, dass die Frage eines Widerspruchs zu irgendjemandem in der heutigen Zeit bei ihnen überhaupt nicht aufkommt. Aus diesen Ansichten ist endgültig erwiesen, dass die gesamte muslimische Welt vom ersten Jahrhundert nach der Hidschra bis heute übereinstimmend die Bedeutung des Ausdrucks „Khātam an-Nabiyyīn“ als „letzter Prophet“ verstanden hat. Die Muslime jeder Epoche vertraten dieselbe Glaubensüberzeugung, dass das Tor der Prophetie nach dem Gesandten Allahs (s.a.w.s.) für immer verschlossen wurde. Unter den Muslimen bestand auch keinerlei Meinungsverschiedenheit darüber, dass jeder, der nach dem Propheten Muhammad (s.a.w.s.) behauptet, ein Gesandter oder Prophet zu sein, ebenso wie jeder, der seinen Anspruch anerkennt, zu Ungläubigen wird.
Im Zusammenhang mit dieser Erörterung kann jeder vernünftige Mensch zu dem Schluss gelangen: Gibt es angesichts der Bedeutung des Ausdrucks „Khātam an-Nabiyyīn“, die aus arabischen Wörterbüchern hervorgeht, die sich aus dem vorhergehenden und nachfolgenden Kontext des Korans ergibt, die der Gesandte Allahs (s.a.w.s.) erläutert hat und deren Auslegung die ehrwürdigen Gefährten einmütig anerkannt haben und die seit den Gefährten bis heute von der gesamten muslimischen Gemeinschaft eindeutig anerkannt wird, überhaupt Raum und Möglichkeit, eine andere Bedeutung anzunehmen, also das Tor der Prophetie für irgendeinen neuen Anspruchsteller zu öffnen? Und wie kann man jene Menschen als Muslime anerkennen, die nicht bloß die Vorstellung hegten, das Tor der Prophetie zu öffnen, sondern durch dieses Tor eine Person in den Rang der Prophetie eintreten ließen und auch an ihre Prophetie glaubten?
In diesem Zusammenhang müssen noch drei weitere Dinge berücksichtigt werden.
Eine wichtige Frage
Das Erste ist, dass die Angelegenheit der Prophetenschaft äußerst heikel ist. Nach der Sicht des Korans gehört diese Angelegenheit zu den grundlegenden Glaubensüberzeugungen des Islam. Vom Anerkennen oder Leugnen derselben hängen der Iman und der Kufr eines Menschen ab. Wenn jemand ein Prophet ist und die Menschen ihn nicht anerkennen, werden sie zu Kafirun. Wenn die Menschen hingegen jemanden als Propheten anerkennen, obwohl er kein Prophet ist, werden auch sie zu Kafirun. In einer derart heiklen Angelegenheit ist es undenkbar, Allah irgendeine Unachtsamkeit zuzuschreiben. Wenn nach dem Propheten Muhammad (s) kein weiterer Prophet mehr kommen sollte, hätte Allah dies selbst im Koran in klaren und unmissverständlichen Worten erklärt, es durch den Gesandten Allahs (s) öffentlich verkündet, und der Gesandte Allahs (s) wäre niemals aus dieser Welt geschieden, bevor er die gesamte Umma vollständig darüber aufgeklärt hätte, dass nach ihm weitere Propheten kommen würden und dass wir sie anerkennen müssten. Welche Feindschaft hätten Allah und Sein Gesandter (s) wohl gegenüber unserer Religion und unserem Iman gehabt, dass nach dem Gesandten Allahs (s) die Tür der Prophetenschaft offen geblieben wäre und durch diese Tür ein Prophet eintreten würde, an den wir glauben müssen, um Muslime bleiben zu können – und dass man uns darüber nicht nur im Unklaren gelassen hätte, sondern Allah und Sein Gesandter vielmehr gemeinsam derartige Aussagen gemacht hätten, dass die gesamte Umma dreizehn Jahrhunderte lang glaubte und auch heute noch glaubt, dass nach dem Propheten Muhammad (s) kein weiterer Prophet kommen wird?
Nehmen wir um der Argumentation willen an, die Tür der Prophetenschaft sei offen und ein Prophet sei tatsächlich gekommen. In diesem Fall würden wir ihn ohne jedes Zögern ablehnen. Zu fürchten wäre allein die Befragung vor Allah. Wenn Er uns jedoch am Tag der Auferstehung hierzu zur Rechenschaft zöge, würden wir die oben genannten Aufzeichnungen ohne Umschweife vor Seinem Gericht vorlegen. Dadurch würde sich erweisen – Gott bewahre –, dass gerade Allahs Buch und die Sunna Seines Gesandten uns in diesen Kufr gestürzt hätten. Wir können mit Zuversicht sagen, dass Allah der Erhabene uns nicht dafür bestrafen würde, dass wir nach Einsicht in diese Aufzeichnungen nicht an einen neuen Propheten geglaubt haben. Wenn die Tür der Prophetenschaft jedoch tatsächlich endgültig geschlossen wäre und kein weiterer Prophet mehr kommen könnte, ein Mensch dennoch an einen Anspruchsteller auf die Prophetenschaft glaubte, dann sollte er sich fragen, ob er vor Allahs Gericht irgendwelche Aufzeichnungen vorlegen könnte, durch die er hoffen dürfte, der Strafe für diesen Kufr zu entgehen. Die Belege und Beweise, die er zu seiner eigenen Rechenschaft vor seinem Erscheinen vor dem Gericht gesammelt hat, sollte er bereits hier prüfen. Gemeinsam mit den von uns vorgelegten Belegen und Beweisen sollte er seine eigenen Belege und Beweise abwägen und beurteilen, ob irgendein vernünftiger Mensch sich auf die Verteidigung, auf die er sich bei diesem Handeln stützt, verlassen und dadurch das Risiko auf sich nehmen kann, die Strafe für Kufr zu erleiden.
Wozu besteht nun die Notwendigkeit eines neuen Propheten?
Der zweite wichtige Punkt ist, dass ein Mensch durch Fortschritte in der Anbetung und in guten Taten nicht die Eigenschaft der Prophetenschaft in sich hervorbringen kann. Die Prophetenschaft ist keine Belohnung, die einem Menschen als Gegenleistung für einen großen Dienst verliehen wird. Vielmehr ist sie eine Würde, die Allah der Erhabene einer bestimmten Person zuteilwerden lässt, wenn ein besonderer Bedarf besteht. Wenn dieser Bedarf eintritt, setzt Allah einen Menschen in diese Würde ein; wenn jedoch kein Bedarf besteht oder kein solcher mehr vorhanden ist, entsendet Allah nicht grundlos einen Propheten nach dem anderen. Wenn man anhand des Edlen Korans zu erfahren versucht, unter welchen Umständen die Entsendung eines Propheten notwendig wird, zeigt sich, dass Propheten nur unter vier Arten von Umständen entsandt worden sind:
Erstens: Die Entsendung eines Propheten zu einem bestimmten Volk wird notwendig, weil zuvor kein Prophet zu ihm gekommen ist und auch die Botschaft eines zu einem anderen Volk entsandten Propheten dieses Volk nicht erreicht hat.
Zweitens: Die Entsendung eines Propheten wird notwendig, weil die Menschen die Lehre des vorherigen Propheten vergessen oder verfälscht haben und es unmöglich geworden ist, dem von jenem Propheten gewiesenen Weg zu folgen.
Drittens: Die Unterweisung der Menschen hat durch den vorherigen Propheten keine Vollendung erlangt, und für die Vollkommenheit der Religion ist ein zusätzlicher Prophet notwendig geworden.
Viertens: Zur Unterstützung und Hilfe eines Propheten ist ein weiterer Prophet notwendig geworden.
Es versteht sich von selbst, dass nach dem Gesandten Allahs (s) keiner der oben genannten Gründe mehr vorliegt.
Der Qur’an selbst sagt, dass der Gesandte Allahs (s) als Wegweiser für die ganze Welt entsandt wurde. Die Kulturgeschichte der Welt zeigt, dass seit dem Anbruch seiner Prophetenschaft Verhältnisse bestehen, unter denen seine Botschaft alle Völker der Welt erreichen kann. Daher besteht keine Notwendigkeit mehr, zu jedem einzelnen Volk einen besonderen Propheten zu entsenden.
Der Qur’an sagt ferner, und ebenso bezeugen sämtliche Überlieferungen aus Hadith und Sira, dass die Lehre des Gesandten Allahs (s) vollständig, fehlerfrei und unverfälscht bewahrt worden ist. Sie hat keinerlei Verfälschung oder Veränderung erfahren. In dem Qur’an, den er brachte, ist bis heute kein einziges Wort hinzugefügt oder weggenommen worden. Und bis zum Tag der Auferstehung wird dies auch nicht geschehen können. Auch die Anweisungen, die er durch seine Worte und Taten gab, erreichen uns so, als würden wir in seiner Zeit leben. Somit ist auch der zweite Bedarf entfallen.
Der Edle Qur’an erklärt außerdem mit klaren Worten, dass durch den Gesandten Allahs (s) Allahs Din zur Vollendung gebracht wurde. Daher besteht auch zur Vollendung des Din nun keine Notwendigkeit mehr für einen Propheten.
Nun bleibt der vierte Bedarf. Dazu möchte ich sagen: Wenn hierfür ein Prophet notwendig gewesen wäre, wäre er zur Zeit des Gesandten Allahs (s) gemeinsam mit ihm entsandt worden. Doch jeder weiß, dass zur Zeit des Gesandten Allahs (s) kein solcher Prophet entsandt wurde. Somit ist auch dieser Grund hinfällig geworden.
Nun wollen wir wissen: Was ist der fünfte Grund dafür, dass nach dem Gesandten Allahs (s) ein neuer Prophet kommen sollte? Wenn jemand sagt, die gesamte Umma sei vom rechten Weg abgekommen und deshalb sei zu ihrer Reform ein neuer Prophet notwendig, dann würden wir ihn fragen: Ist jemals irgendwo auf der Welt ein Prophet lediglich zu Reformzwecken gekommen, sodass heute nur für diese Aufgabe ein Prophet kommen sollte? Der Grund für die Entsendung eines Propheten besteht darin, dass ihm Offenbarung zuteilwird. Offenbarung ist entweder notwendig, um eine neue Botschaft zu übermitteln oder um die frühere Botschaft vor Verfälschung zu bewahren. Nachdem Allahs Qur’an und die Sunna des Gesandten Allahs (s) bewahrt worden sind, der Din seine Vollendung erlangt hat und alle möglichen Erfordernisse der Offenbarung entfallen sind, bleibt für die Reform nur noch der Bedarf nach einem Reformer bestehen – nicht nach einem Propheten.
Eine neue Prophetenschaft ist für die gegenwärtige Umma kein Überbringer einer Barmherzigkeitsbotschaft
Der dritte wichtige Punkt ist, dass mit dem Auftreten eines Propheten in einem Volk sofort die Frage nach Iman und Kufr unter ihm aufkommt. Diejenigen, die diesen Propheten anerkennen, werden einer Umma angehören. Diejenigen aber, die ihn ablehnen, werden selbstverständlich einer anderen, eigenständigen Umma angehören. Der Gegensatz zwischen diesen beiden Ummas wird keineswegs als ein teilweiser oder nebensächlicher Meinungsunterschied gelten. Vielmehr wird er auf der Ebene des Glaubens an einen Propheten zu einem grundlegenden Gegensatz, sodass die Angehörigen der einen Gruppe sich niemals mit der anderen vereinen können, solange sie ihre eigenen Glaubensüberzeugungen nicht aufgeben. Darüber hinaus werden die Quellen ihrer Rechtleitung und ihrer Gesetzgebung praktisch verschieden sein. Denn die eine Gruppe wird aus der Offenbarung und der Sunna ihres eigenen Propheten Gesetze ableiten, während die zweite Gruppe sich direkt weigern wird, diese beiden als Quellen ihrer Gesetzgebung anzuerkennen. Daher wird es ihnen niemals möglich sein, gemeinsam eine Gesellschaft zu bilden.
Nach der Betrachtung dieser leuchtenden Wahrheiten kann jeder Mensch klar erkennen, dass das „Siegel der Prophetenschaft“ für die muslimische Gemeinschaft eine gewaltige Barmherzigkeit Allahs, des Erhabenen, ist. Dank dessen konnte sich die gesamte muslimische Gemeinschaft einer ewigen, weltweiten Bruderschaft anschließen. Diese Einrichtung hat die Muslime vor solchen grundlegenden Meinungsverschiedenheiten bewahrt, die unter ihnen den Keim einer dauerhaften Trennung hätten säen können. Jeder also, der den Propheten Muhammad (s) als Wegweiser und Führer anerkennt und sich keiner anderen Quelle der Rechtleitung als seiner Lehre zuwenden will, gehört dieser Bruderschaft an und kann ihr jederzeit beitreten. Wäre das Tor der Prophetenschaft nicht geschlossen worden, hätte die muslimische Gemeinschaft diese Einheit niemals gefunden. Denn nach dem Erscheinen jedes Propheten wäre diese Einheit wieder in Stücke gerissen worden.
Auch Vernunft und Verstand des Menschen bestätigen, dass nach der Errichtung einer universalen und vollständigen Religion und ihrer Bewahrung vor jeder Art von Verfälschung und Veränderung das Tor der Prophetenschaft geschlossen werden sollte. Dadurch können die Muslime der ganzen Welt, indem sie diesem letzten Propheten gemeinsam folgen, für immer derselben Umma angehören, und durch das unnötige Erscheinen immer neuer Propheten können nicht wiederholt Spaltungen innerhalb der Umma entstehen. Ob ein Prophet ein „Zillī“ oder ein „Burūzī“ sei – [ein Prophet, der einem früheren Propheten folgt, wird „Zillī“-Prophet genannt, ein Prophet, der keinem früheren Propheten folgt, „Burūzī“-Prophet] –, ob er ein „Ummat-Wala“ oder ein Träger der Scharia und des Buches sei: In jedem Fall wird das unvermeidliche Ergebnis seines Erscheinens und seiner Entsendung durch Allah sein, dass diejenigen, die ihm folgen, eine Umma bilden, während diejenigen, die ihm nicht folgen, als Ungläubige gelten. Wenn ein wirklicher Bedarf an der Entsendung eines Propheten entsteht, dann – und nur dann – ist diese Spaltung unvermeidlich. Wenn jedoch kein Bedarf für sein Erscheinen besteht, kann man angesichts der Weisheit Allahs und seiner Barmherzigkeit keinesfalls erwarten, dass Er seine Diener in den Konflikt zwischen Glauben und Unglauben stürzt und ihnen nicht die Möglichkeit gibt, gemeinsam einer einzigen Umma anzugehören. Was also aus Koran, Sunna und Idschma als erwiesen hervorgeht, erkennt auch die Vernunft des Menschen als richtig an; und diese Vernunft fordert ebenfalls, dass im gegenwärtigen Zeitalter das Tor der Prophetenschaft geschlossen bleiben sollte.
Die Bedeutung des„verheißenen Messias“ im Lichte der Hadithe
Diejenigen, die zur Annahme einer neuen Prophetenschaft aufrufen, sagen gewöhnlich zu unwissenden Muslimen, dass in den Hadithen das Erscheinen des „verheißenen Messias“ angekündigt werde und der „Messias“ ein Prophet gewesen sei. Daher werde das Siegel der Prophetenschaft durch sein Erscheinen in keiner Weise beeinträchtigt. Vielmehr seien sowohl das Siegel der Prophetenschaft als auch das Erscheinen des verheißenen Messias wahr.
In diesem Zusammenhang sagen sie außerdem, dass Hadhrat Isa ibn Maryam (a) nicht der „verheißene Messias“ sei. Er sei schließlich gestorben. Derjenige, dessen Erscheinen in den Hadithen angekündigt worden sei, sei ein „Masīl-e-Masīh“ – das heißt, ein dem Hadhrat Isa (a) ähnlicher Messias. Und dieser sei jene bestimmte Person, die vor kurzem erschienen sei. Ihm zu folgen stehe nicht im Widerspruch zum Glauben an das Siegel der Prophetenschaft.
Um den Schleier dieser Täuschung zu durchdringen, führen wir hier aus den zuverlässigen Hadith-Werken die diesbezüglichen maßgeblichen Hadithe samt ihren Quellen an. Jeder kann beim Betrachten dieser Hadithe selbst verstehen, was der Gesandte Allahs (s) gesagt hat und wie er heute dargestellt wird. – [Nebenbei sei angemerkt, dass die Frage, ob der verheißene Messias kommt oder nicht, keinerlei Bezug zum Koran hat. Ihre gesamte Grundlage beruht auf den Hadithen. Wenn also ein Messias kommen soll, dann ist damit jener Messias gemeint, dessen Erwähnung sich in den fehlerfreien und zuverlässigen Hadithen findet. Wenn man jedoch die Hadithe über den Messias nicht anerkennt, stellt sich die Frage nach dem Kommen eines Messias überhaupt nicht. Die Grundlage dieser Lehre wird zwar in den Hadithen liegen, doch in den fehlerfreien und zuverlässigen Hadithen, in denen das Erscheinen des Messias angekündigt wird, ohne jeden Grund allerlei Mängel aufzuzeigen, ist bloße Possenreißerei. – (Der Verfasser).]
Hadith über die Herabkunft von Hadhrat Isa (a)
(Arabisch******************************************auf PDF-Seite 196)
„Hazrat Abu Huraira (Allahs Wohlgefallen auf ihm) berichtet, dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) gesagt hat: Bei dem erhabenen Wesen, in dessen Hand mein Leben liegt: Gewiss wird der Sohn Maryams unter euch als gerechter Herrscher herabsteigen. Danach wird er das Kreuz zerbrechen, die Schweine vernichten – [Das Zerbrechen des Kreuzes und die Vernichtung der Schweine bedeutet, dass das Christentum als eigenständige Religion beseitigt werden wird. Das gesamte Gebäude des Christentums beruht auf der Überzeugung, dass Allah Seinen einzigen Sohn [das heißt, Hazrat Isa (Allahs Friede sei auf ihm)] ans Kreuz geschlagen und ihm einen verfluchten Tod auferlegt habe und dadurch die Sühne für die Sünden aller Menschen vollbracht worden sei. Der Unterschied zwischen den Christen und den Anhängern der anderen Propheten besteht darin, dass sie lediglich diese Glaubensvorstellung angenommen, die gesamte Scharia Gottes jedoch verworfen haben. Sogar das Schwein haben sie für erlaubt erklärt – obwohl es in der Scharia aller Propheten verboten war. Wenn daher Hazrat Isa (Allahs Friede sei auf ihm) selbst kommen und sagen wird: ‚Ich bin nicht der Sohn Allahs, ich wurde nicht gekreuzigt und bin nicht die Sühne für die Sünden irgendjemandes‘, dann wird das Fundament des christlichen Glaubens von Grund auf ausgerottet sein. Ebenso wird die zweite Besonderheit des Christentums beseitigt werden, wenn er sagen wird: ‚Ich habe meinen Anhängern das Schwein nicht erlaubt und sie auch nicht von den Vorschriften der Scharia befreit.‘] und den Krieg beenden (in einer Überlieferung wird anstelle von ‚Krieg‘ das Wort ‚Dschizya‘ erwähnt, das heißt, er wird die Dschizya abschaffen). – [Mit anderen Worten: Dann wird die religiöse Ungleichheit verschwinden und die Menschen werden alle der einzigen Religion, dem Islam, angehören. Dadurch wird kein Krieg mehr nötig sein und von niemandem Dschizya erhoben werden. – (Der Verfasser.)] Dann wird der Reichtum so stark zunehmen, dass es niemanden geben wird, der ihn annimmt, und (der Zustand wird einen solchen Grad erreichen, dass die Menschen) eine einzige Niederwerfung vor Allah für wertvoller halten werden als die Welt und alles, was sich in ihr befindet.“
Eine andere Überlieferung von Hazrat Abu Huraira (Allahs Wohlgefallen auf ihm) lautet folgendermaßen:
(Arabisch******************************auf Seite 197 der PDF)
Das heißt: „Die Stunde wird nicht eintreten, bis Hazrat Isa ibn Maryam (Allahs Friede sei auf ihm) herabgestiegen ist.“ … Was danach gesagt wurde, stimmt vollständig mit der oben genannten Überlieferung überein. – (Buchari, Kitab al-Mazalim, Kapitel über das Zerbrechen des Kreuzes; Ibn Madscha, Kitab al-Fitan, Kapitel über die Versuchung des Daddschal).
(Arabisch******************************auf Seite 197 der PDF)
„Von Hazrat Abu Huraira (Allahs Wohlgefallen auf ihm) wird überliefert, dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) gesagt hat: Wie wird euer Zustand sein, wenn der Sohn Maryams unter euch herabsteigen wird und euer Imam zu jener Zeit aus eurer Mitte sein wird?“ – [Das heißt, Hazrat Isa (Allahs Friede sei auf ihm) wird nicht das Gebet leiten. Er wird hinter dem zuvor eingesetzten Imam der Muslime beten. – (Der Verfasser.)]
(Arabisch******************************auf Seite 197 der PDF)
„Von Hazrat Abu Huraira (Allahs Wohlgefallen auf ihm) wird überliefert, dass der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) gesagt hat: Isa ibn Maryam wird herabsteigen. Er wird die Schweine vernichten und das Kreuz auslöschen. Für ihn werden mehrere Gebete zu einer Gebetszeit verrichtet werden. Er wird so viel Reichtum verteilen, dass schließlich niemand gefunden werden wird, der ihn annimmt. Er wird die Kharadsch-Abgabe erlassen. Nachdem er sich an einem Ort namens Rauha – [Rauha ist der Name eines Ortes 25 Meilen von Medina entfernt] – aufgehalten hat, wird er von dort aus die Hadsch oder die Umra oder beides vollziehen.“ – [Es sei darauf hingewiesen, dass derjenige, der in der heutigen Zeit als ‚Gleichnis des Messias‘ oder als dem Messias ähnlich angesehen wurde, in seinem Leben niemals Hadsch und Umra vollzogen hat. – (Der Verfasser.)]
[Der Überlieferer ist sich unsicher, welche dieser Aussagen der Gesandte Allahs (s.a.w.) gesagt hatte.]
(Arabisch*******************************************auf Seite 198 der PDF)
„Hadhrat Abu Huraira (r.a.) überlieferte: [Nachdem der Gesandte Allahs (s.a.w.) das Erscheinen des Daddschal geschildert hatte, sagte er:] Währenddessen werden die Muslime sich auf den Kampf gegen ihn vorbereiten, sich in Reihen aufstellen, und die Iqama für das Gebet wird beendet sein. In diesem Augenblick wird Isa ibn Maryam (a.s.) herabsteigen und das Gebet der Muslime leiten. Sobald der Feind Allahs, der Daddschal, ihn erblickt, wird er zu schmelzen beginnen, so wie Salz im Wasser schmilzt. Selbst wenn Isa (a.s.) ihn in diesem Zustand zurückließe, würde er geschmolzen sterben. Doch Allah, der Erhabene, wird ihn durch die Hand von Hadhrat Isa (a.s.) töten lassen. Er wird den Muslimen die vom Blut des Daddschal gefärbte Spitze seines eigenen Speers zeigen.“
(Arabisch*******************************************auf Seite 198 der PDF)
„Von Hadhrat Abu Huraira (r.a.) überliefert. Der Gesandte Allahs (s.a.w.) sagte: Zwischen mir und ihm [das heißt Hadhrat Isa (a.s.)] gibt es keinen weiteren Propheten, und er wird herabsteigen. Sobald ihr ihn seht, werdet ihr ihn erkennen. Er wird von mittlerer Größe und von rötlich-weißer Gesichtsfarbe sein. Er wird zwei gelbe Gewänder tragen, die jedoch keineswegs nass werden. Er wird um des Islams willen gegen die Menschen kämpfen. Er wird das Kreuz in Stücke zerbrechen. Er wird die Schweine vernichten. Er wird die Dschizya-Steuer abschaffen. In seiner Zeit wird Allah alle anderen Religionsgemeinschaften der Welt außer dem Islam beseitigen. Er (der Messias) wird den Daddschal töten und vierzig Jahre auf der Erde verweilen. Danach wird er versterben, und die Muslime werden das Totengebet für ihn verrichten.“
(Arabisch*******************************************auf Seite 198 der PDF)
„Hadhrat Dschabir ibn Abdullah (r.a.) sagte: Ich hörte den Gesandten Allahs (s.a.w.) sagen: Danach wird Isa ibn Maryam herabsteigen. Der Anführer der Muslime wird zu ihm sagen: ‚Kommen Sie und leiten Sie das Gebet.‘ Doch er wird sagen: ‚Nein, ihr seid untereinander selbst Anführer.‘ – [Das heißt, euer Anführer sollte aus eurer eigenen Mitte sein.] Dies wird er im Hinblick auf die Ehre sagen, die Allah, der Erhabene, dieser Gemeinschaft verliehen hat.“
(Arabisch*******************************************auf Seite 199 der PDF)
„Hadhrat Dschabir ibn Abdullah (ra) überlieferte im Zusammenhang mit Ibn Sayyad: Darauf bat Umar ibn al-Chattab: O Gesandter Allahs, erlaube mir, ihn zu töten. Der Gesandte Allahs (s.a.) sagte: Wenn dieser derjenige ist, also der Daddschal, dann seid nicht ihr seine Mörder; vielmehr wird Isa ibn Maryam (a.s.) ihn töten. Wenn er aber nicht dieserjenige ist, dann habt ihr kein Recht, einen der Schutzbefohlenen zu töten.“
(Arabisch*******************************************auf PDF-Seite 199)
„Hadhrat Dschabir ibn Abdullah (ra) berichtet: Der Gesandte Allahs sagte im Zusammenhang mit dem Daddschal: Dieser Isa ibn Maryam (a.s.) wird plötzlich unter den Muslimen erscheinen. Die Menschen werden sich zum Gebet aufstellen. Zu ihm wird gesagt werden: O Geist Allahs, tritt vor! Doch er wird sagen: Nein, euer Imam sollte euch vorangehen. Er wird das Gebet leiten. Nach dem Morgengebet werden die Muslime aufbrechen, um dem Daddschal entgegenzutreten. Der Gesandte Allahs sagte: Wenn dieser Lügner, Hadhrat Isa (a.s.), erblicken wird, wird er zu schmelzen beginnen, wie Salz sich in Wasser auflöst. Darauf wird er gegen den Daddschal vorrücken und ihn töten. Dann wird es so sein, dass Bäume und Felsbrocken rufen werden: O Geist Allahs! Dieser Jude versteckt sich hinter mir. Unter den Anhängern des Daddschal wird niemand am Leben bleiben, den Hadhrat Isa (a.s.) nicht töten wird.“
(Arabisch*******************************************auf PDF-Seite 200)
„Hadhrat Nawwas ibn Sam’an al-Kalbi (ra) überliefert unter Berufung auf die Worte des Gesandten Allahs (s.a.) über den Daddschal: Während diese Taten des Daddschal im Gange sind, wird Allah den Messias, den Sohn Marias (a.s.), entsenden. Er wird im Osten von Damaskus nahe dem weißen Minarett herabsteigen, bekleidet mit zwei gelblichen Gewändern und seine Hände auf die Schultern zweier Engel gelegt. Wenn er den Kopf senkt, wird es scheinen, als tropfe Wasser von ihm herab. Wenn er den Kopf hebt, wird es scheinen, als glänzten Wassertropfen wie Perlen. Jeder Ungläubige, dessen Körper sein Atem berührt – und er wird so weit reichen, wie sein Blick reicht –, wird nicht am Leben bleiben. Danach wird der Sohn Marias den Daddschal verfolgen und ihn am Tor von Ludd festnehmen.“ [Hier sei angemerkt, dass Ludd (Lydda) nur wenige Meilen von Tel Aviv, der Hauptstadt des heutigen Staates Israel in Palästina, entfernt liegt. Die Juden haben dort einen großen Flughafen errichtet. – (Der Verfasser)]
(Arabisch*******************************************auf PDF-Seite 200)
„Überliefert von Hadhrat Abdullah ibn Amr ibn al-As (ra): Der Gesandte Allahs (s.a.) sagte: Der Daddschal wird unter meiner Umma erscheinen und vierzig – ich weiß nicht, vierzig Tage, vierzig Monate oder vierzig Jahre – [dies sind die Worte des Gefährten Hadhrat Abdullah ibn Amr (ra)] lang verweilen. Danach wird Er Isa ibn Maryam (a.s.) entsenden. Sein Aussehen wird dem des Urwa ibn Masud (wie das eines Gefährten) gleichen. Er wird den Daddschal verfolgen und ihn töten. Danach werden die Menschen sieben Jahre lang in einem Zustand leben, in dem selbst zwischen zwei Menschen keine Feindschaft bestehen wird.“
(Arabisch*******************************************auf PDF-Seite 200)
„Hadrat Hudhaifa ibn Asid al-Ghifari überlieferte: Einmal kam der Gesandte Allahs (s.a.w.) zu unserer Versammlung. Wir waren gerade in ein Gespräch vertieft. Der Gesandte Allahs (s.a.w.) fragte: Worüber sprecht ihr? Die Leute antworteten: Wir sprechen über den Jüngsten Tag. Er sagte: Er wird keinesfalls eintreten, bevor nicht zehn Zeichen erschienen sind. Dann nannte er die zehn Zeichen: den Rauch, den Dajjal, die Dābbat al-Ard, den Aufgang der Sonne im Westen, die Herabkunft von Isa ibn Maryam, Gog und Magog, drei gewaltige Erdsenkungen – im Osten, im Westen und auf der Arabischen Halbinsel. Schließlich wird ein gewaltiges Feuer aus dem Jemen hervorbrechen und die Menschen zum Versammlungsplatz der Auferstehung treiben.“
(Arabisch*******************************************auf Seite 201 der PDF)
„Überliefert von Thauban, dem Freigelassenen des Gesandten Allahs (s.a.w.). Der Gesandte Allahs (s.a.w.) sagte: Allah hat zwei Heere aus meiner Gemeinschaft vor dem Feuer der Hölle bewahrt. Das eine besteht aus jenen, die Hindustan angreifen werden, und das zweite aus jenen, die sich bei Hadrat Isa ibn Maryam (a.s.) aufhalten werden.“
(Arabisch*******************************************auf Seite 201 der PDF)
„Mujammi ibn Jariya al-Ansari sagte: Ich hörte den Gesandten Allahs (s.a.w.) sagen: Der Sohn Maryams wird den Dajjal am Tor von Ludd töten.“
(Arabisch*******************************************auf Seite 201 der PDF)
„Abu Umama al-Bahili überlieferte in einem langen Hadith über den Dajjal: Genau in dem Augenblick, in dem der Imam der Muslime vortreten wird, um das Morgengebet zu verrichten, wird Isa ibn Maryam (a.s.) zu ihnen herabkommen. Der Imam wird zurücktreten, um Isa (a.s.) den Vortritt zu lassen. Doch Isa (a.s.) wird ihm die Hand auf die Schulter legen und sagen: Nein, du sollst das Gebet leiten, denn diese Menschen sind für dich aufgestanden. Daher wird er (der Imam) das Gebet leiten. Nach dem Gebet wird Isa (a.s.) sagen: Öffnet das Tor. Daraufhin wird das Tor geöffnet werden. Draußen wird der Dajjal mit siebzigtausend bewaffneten jüdischen Soldaten warten. Sobald sein Blick auf Hadrat Isa (a.s.) fällt, wird er zu schmelzen beginnen, wie Salz in Wasser schmilzt. Er wird fliehen. Isa (a.s.) wird sagen: Ich habe für dich einen Schlag bereit, dem du unter keinen Umständen entkommen kannst. Dann wird er ihn am östlichen Tor von Ludd ergreifen, und Allah wird den Juden die Niederlage bereiten … und die Erde wird so von Muslimen erfüllt sein, wie ein Gefäß mit Wasser gefüllt wird. Alle werden das Glaubensbekenntnis annehmen, und auf der Welt wird niemand außer Allah angebetet werden.“
(Arabisch*******************************************auf Seite 202 der PDF)
„Uthman ibn Abi al-As sagte: Ich hörte den Gesandten Allahs (s.a.w.) sagen: … und Isa ibn Maryam (a.s.) wird zur Zeit des Fajr-Gebets herabsteigen. Der Emir der Muslime wird zu ihm sagen: O Ruhullah! Leite das Gebet. Er wird antworten: Die Menschen dieser Umma sind selbst ihre eigenen Anführer. Daraufhin wird der Emir der Muslime vorangehen und das Gebet leiten. Nach Beendigung des Gebets wird Isa (a.s.) mit seiner Armee gegen den Dajjal vorgehen. Er wird den Dajjal mit seiner eigenen Waffe töten, und dessen Gefolgsleute werden besiegt die Flucht ergreifen. Doch nirgends werden sie einen Ort finden, an dem sie sich verstecken können. Sogar die Bäume werden ausrufen: O Gläubiger, hier versteckt sich ein Ungläubiger. Auch die Steine werden ausrufen: O Gläubiger, hier versteckt sich ein Ungläubiger.“
(Arabisch*******************************************auf Seite 203 des PDFs)
„Samura ibn Dschundub berichtete in einem langen Hadith: Der Gesandte Allahs (s.a.w.) sagte: Daraufhin wird Isa ibn Maryam (a.s.) am Morgen zu den Muslimen kommen, und Allah der Erhabene wird dem Dajjal und seinem Heer eine Niederlage bereiten. Sogar die Mauern und die Stämme der Bäume werden ausrufen: O Gläubiger, seht, dieser Ungläubige versteckt sich hinter mir; kommt und tötet ihn.“
(Arabisch*******************************************auf Seite 203 des PDFs)
„Von Imran ibn Husain wird berichtet: Der Gesandte Allahs (s.a.w.) sagte: Unter meiner Umma wird stets eine Gruppe auf der Wahrheit bestehen, und sie wird gegenüber der gegnerischen Gruppe die Oberhand behalten. Schließlich wird Allahs Entscheidung eintreten, und Isa (a.s.), der Sohn Maryams, wird herabsteigen.“ – (Musnad Ahmad).
(Arabisch*******************************************auf Seite 203 des PDFs)
„Hazrat Aischa (r.a.) sagte im Zusammenhang mit dem Dajjal: Der Gesandte Allahs (s.a.w.) sagte: Daraufhin wird Isa (a.s.) herabsteigen. Er wird den Dajjal töten. Danach wird Isa (a.s.) vierzig Jahre lang als gerechter Imam und Herrscher auf der Welt verbleiben.“
(Arabisch*******************************************auf Seite 203 des PDFs)
„Sufayna, der freigelassene Sklave des Gesandten Allahs (S), überlieferte im Zusammenhang mit dem Daddschāl, dass der Gesandte Allahs (S) sagte: Dann wird ʿĪsā (A) herabsteigen, und Allah, der Erhabene, wird ihn (den Daddschāl) nahe dem als ‚Āfīq‘ bezeichneten Grenzübergang töten.“ [Āfīq wird heute Fīq genannt. Āfīq ist die letzte Stadt des heutigen syrischen Staates an der Grenze zwischen Syrien und Israel. Einige Meilen westlich davon liegt vor ihm ein See namens Tabariya. Dies ist die Quelle des Jordan. Südwestlich davon befindet sich in einer Senke zwischen den Bergen ein Weg. Dieser Weg führt etwa 1.500 Fuß tief hinab und erreicht die Stelle, an der der Jordan durch Tabariya austritt. Dieser Weg wird ʿAqabat Āfīq genannt (der bergige Pass von Āfīq). – Der Verfasser.]“
(Arabisch*******************************************auf Seite 203 der PDF)
„Ḥudhaifa ibn al-Yamān berichtet im Zusammenhang mit dem Daddschāl, dass der Gesandte Allahs (S) sagte: Wenn die Muslime sich zum Gebet bereitmachen, wird ʿĪsā ibn Maryam (A) vor ihren Augen herabsteigen. Er wird die Muslime im Gebet führen. Nachdem er den Friedensgruß gesprochen hat, wird er zu den Menschen sagen: Weicht zwischen mir und diesem Feind Allahs zurück! … Und Allah, der Erhabene, wird den Muslimen die Oberhand über die Anhänger des Daddschāl geben. Die Muslime werden sie in großer Zahl töten. Schließlich werden sogar die Bäume und die Felsen ausrufen: O Diener Allahs, o Diener des Allerbarmers, o Muslim, sieh! Hier ist ein Jude; töte ihn! Auf diese Weise wird Allah sie vernichten, und die Muslime werden den Sieg erringen. Sie werden die Kreuze beseitigen, die Schweine vernichten und die Dschizya abschaffen.“
(Dieser Hadith ist bei Muslim in gekürzter Form überliefert, und der Hadith-Gelehrte Ibn Hadschar hat ihn in Fath al-Bārī, Band 2, Seite 450, als authentisch eingestuft.)
Diese einundzwanzig Hadithe sind über vierzehn Gefährten mit lückenlosen Überlieferungsketten in den maßgeblichen Hadith-Werken überliefert worden. Darüber hinaus finden sich zu diesem Thema noch zahlreiche weitere Hadithe in anderen Hadith-Sammlungen. Da die Erörterung dadurch zu lang geworden wäre, haben wir sie hier jedoch nicht angeführt. Hier haben wir nur jene Hadithe zitiert, die hinsichtlich Überlieferung und Überlieferungskette stärker und zuverlässiger sind.
Was wird durch diese Hadithe bewiesen?
Jeder, der diese Hadithe liest, wird selbst verstehen können, dass hier kein verheißener Messias, kein „Gleichnis des Messias“ und keine „Erscheinungsform des Messias“ erwähnt wird. Nicht einmal heute kann irgendein Mensch, der aus dem Samen eines Vaters und im Schoß einer Mutter geboren wurde, behaupten, er sei jener Messias, dessen Kommen der Prophet der Welt, Hadhrat Muhammad Mustafa (S), prophezeit hat. Aus der eindeutigen Aussage dieser Hadithe geht hervor, dass die Herabkunft eben jenes ʿĪsā (A) angekündigt wird, der vor zweitausend Jahren ohne Vater im Schoß der Hadhrat Maryam (A) geboren wurde. Die Erörterung, ob er gestorben ist oder sich irgendwo lebendig aufhält, ist in diesem Zusammenhang völlig belanglos. Selbst wenn man um der Diskussion willen zugesteht, dass er verstorben ist, kann man dennoch sagen, dass Allah die Macht besitzt, ihn wieder zum Leben zu erwecken. – [Wer diese Macht Allahs zur Wiederbelebung leugnet, sollte die Bedeutung von Vers 259 der Sure al-Baqara bedenken. In diesem Vers sagt Allah: Er ließ einen Seiner Diener hundert Jahre lang tot sein und erweckte ihn danach wieder zum Leben. – Der Verfasser.] Außerdem kann Allah einen Seiner Diener nach Seinem Willen Tausende von Jahren lebendig an irgendeinem Ort in dieser gewaltigen Schöpfung bewahren und ihn zu jeder beliebigen Zeit in diese Welt zurückbringen. Im Hinblick auf Allahs unendliche Macht erscheint dies keineswegs ungewöhnlich. Es versteht sich von selbst, dass jeder, der den Hadith als wahr anerkennt, auch die Existenz des künftig Kommenden anerkennen muss. Denn außerhalb der Hadithe findet sich nirgends eine Grundlage für den Glauben an das Kommen dieses Kommenden. Doch gerade hier zeigt sich diese erstaunliche Widersprüchlichkeit: Die Vorstellung vom Kommen des Kommenden wird aus den Hadithen übernommen, aber dieselben Hadithe werden dann geleugnet, wenn sie unmissverständlich erklären, dass dieser Kommende kein „Gleichnis des Messias“ (eine dem Messias ähnliche Person) ist, sondern ʿĪsā ibn Maryam (A) selbst sein wird.“
Die zweite Aussage, die aus diesen Hadithen klar und unmissverständlich hervorgeht, lautet: Hadhrat ʿĪsā ibn Maryam (A) wird nicht ein zweites Mal als Prophet herabsteigen. Auf ihn wird keine Offenbarung herabgesandt werden. Er wird von Allah keine neue Botschaft und keine neue Gesetzesordnung bringen. Auch an der Muhammadanischen Scharia wird er weder etwas vermindern noch etwas hinzufügen. Er wird nicht zur Wiederbelebung der islamischen Religion in die Welt gesandt werden. Er wird nicht kommen und die Menschen dazu aufrufen, an ihn selbst zu glauben, noch wird er aus denjenigen, die an ihn glauben, eine eigene Umma bilden. – [Die muslimischen Gelehrten haben diese Frage äußerst klar dargelegt. Der große Gelehrte at-Taftāzānī (722–792 H.) schreibt in seinem Werk Scharḥ al-ʿAqāʾid an-Nasafiyya:(Arabisch****************************************************************************
Es ist eine erwiesene Tatsache, dass Muhammad (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) der letzte Prophet ist. Wenn man sagt, dass in den Hadithen die Ankunft von Jesus (Friede sei mit ihm) nach ihm angekündigt wird, so antworten wir: Ja, die Ankündigung der Ankunft von Jesus (Friede sei mit ihm) ist wahr. Doch er wird ein Anhänger Muhammads sein. Denn seine Scharia ist aufgehoben worden. Daher wird keine Offenbarung auf ihn herabgesandt werden, und er wird auch keine neuen Vorschriften festlegen. Vielmehr wird er als Stellvertreter Muhammads, des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm), wirken.“
Dasselbe hat Allama Alusi in seinem Tafsir Ruh al-Maʿani gesagt:
(Arabisch*******************************************)
„Wenn Jesus (Friede sei mit ihm) herabsteigen wird, wird er weiterhin seine prophetische Stellung innehaben und nicht aus seiner früheren Stellung als Prophet entfernt sein. Doch wird er nicht seiner früheren Scharia folgen, denn diese ist für ihn und für alle anderen Menschen aufgehoben worden. Von nun an wird er in allen grundlegenden und Einzelangelegenheiten dieser Scharia – der Scharia Muhammads – folgen. Daher wird zu ihm ebenso wenig eine Offenbarung kommen, wie er irgendein Recht haben wird, Vorschriften zu erlassen. Vielmehr wird er innerhalb dieser Umma als Stellvertreter des Gesandten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und als einer der Herrscher der Umma Muhammads, also als einer ihrer Herrscher, wirken. (Band 22, S. 32.) Imam Razi (Allah möge Wohlgefallen an ihm haben) hat diesen Gedanken mit den folgenden Worten noch deutlicher ausgedrückt:Arabisch**********************)
„Die Ära der Propheten ist mit Muhammad (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) zu Ende gegangen. Nach dem Kommen Muhammads (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ist das Kommen weiterer Propheten beendet. Daher ist es keineswegs unvernünftig zu sagen, dass Jesus (Friede sei mit ihm) bei seinem gegenwärtigen Herabsteigen ein Anhänger Muhammads (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) sein wird.“] Er wird mit einer einzigen besonderen Aufgabe auf die Welt gesandt werden: Er wird nämlich die Fitna des Daddschal vollständig vernichten. Deshalb wird er auf eine Weise herabsteigen, die unter den Muslimen keinerlei Zweifel an seiner Herabkunft zulassen wird. Die Muslime, unter die er herabsteigen wird, werden zweifellos erkennen, dass er eben jener Jesus, der Sohn Marias, ist, über den der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) prophezeit hat, und dass er entsprechend der Aussage des Gesandten Allahs zur vorgesehenen Zeit herabgestiegen ist. Er wird kommen und sich der Gemeinschaft der Muslime anschließen. Er wird hinter dem damaligen Imam der Muslime das Gebet verrichten. – [Obwohl in den Hadithen (Nr. 5 und 21) gesagt wird, dass Jesus (Friede sei mit ihm) nach seiner Herabkunft das erste Gebet selbst leiten wird, geht aus der Mehrzahl der Hadithe, insbesondere aus einigen besonders starken Hadithen (Nr. 3, 7, 9, 15 und 16), hervor, dass er es ablehnen wird, das Gebet zu leiten, und den damaligen Imam und Führer der Muslime nach vorn treten lassen wird. Die Hadith-Gelehrten und Korankommentatoren haben diese Auffassung einstimmig angenommen.] Er wird denjenigen nach vorn treten lassen, der damals die Muslime führen wird, damit niemand den Verdacht hegen kann, er sei mit seiner früheren prophetischen Stellung zurückgekehrt, um erneut das Amt eines Propheten auszuüben. Zweifellos kann in einer Gemeinschaft, in der ein Prophet Allahs anwesend ist, kein anderer Mensch Imam oder Führer sein. Dass er sich also lediglich als gewöhnlicher Mensch der Gemeinschaft der Muslime anschließt, wird von selbst verkünden, dass er nicht als Prophet gekommen ist. Daher stellt sich überhaupt nicht die Frage, dass durch seine Ankunft das Tor des Prophetentums wieder geöffnet würde.
Seine Ankunft ist zweifellos mit der Ankunft eines ehemaligen Staatsoberhaupts während der Amtszeit eines amtierenden Staatsoberhaupts vergleichbar. In einer solchen Situation kann das ehemalige Staatsoberhaupt kommen und unter dem gegenwärtigen Staatsoberhaupt eine staatliche Aufgabe übernehmen. Jeder vernünftig denkende Mensch kann leicht verstehen, dass allein die Ankunft eines ehemaligen Staatsoberhaupts während der Amtszeit eines anderen Staatsoberhaupts noch keinen Gesetzesbruch darstellt. Das Gesetz wird jedoch in zwei Fällen verletzt: Erstens, wenn das ehemalige Staatsoberhaupt kommt und erneut versucht, die Aufgaben eines Staatsoberhaupts zu übernehmen. Zweitens, wenn jemand sogar die früheren Leistungen dieses ehemaligen Staatsoberhaupts leugnet. Denn das käme einer Anfechtung der Gültigkeit all dessen gleich, was während seiner Amtszeit geschehen ist. Solange keiner dieser beiden Fälle eintritt, kann die bloße Ankunft des ehemaligen Staatsoberhaupts an der rechtlichen Situation keinerlei Veränderung bewirken. Ebenso verhält es sich mit der zweiten Ankunft Jesu (Friede sei mit ihm). Wenn er allein durch seine Ankunft erneut die Aufgabe des Abschlusses des Prophetentums ausüben würde oder jemand sogar seine frühere Stellung als Prophet leugnen würde, dann würde in diesem Fall die von Allah festgelegte Ordnung des Prophetentums zusammenbrechen. Die Überlieferungen der Hadithe haben beide Wege vollständig versperrt. Einerseits wird in den Hadithen eindeutig verkündet, dass es nach dem Propheten Muhammad (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) keinen Propheten mehr gibt, und andererseits wird mitgeteilt, dass Jesus (Friede sei mit ihm) erneut herabsteigen wird. Daraus wird klar ersichtlich, dass seine zweite Ankunft nicht dem Zweck dienen wird, das Amt des Propheten auszuüben.
Ebenso wird durch seine Herabkunft unter den Muslimen die Frage von Unglauben und Glauben nicht von Neuem aufkommen. Auch heute wird jeder, der nicht an seine frühere Prophetenschaft glaubt, zum Ungläubigen. Auch der Prophet Muhammad (s.a.w.) selbst würde zum Ungläubigen werden, wenn er nicht an jene Prophetenschaft glaubte. Der Prophet Muhammad (s.a.w.) glaubte selbst an jene Prophetenschaft. Die gesamte Umma des Propheten Muhammad (s.a.w.) glaubt seit Anbeginn an ihn. Die Muslime werden nicht an irgendeine neue Prophetenschaft glauben. Vielmehr werden sie an jenem Tag ebenso wie heute an die frühere Prophetenschaft von Isa ibn Maryam (a.s.) glauben. So wie dieser Zustand gegenwärtig nicht dem Siegel der Prophetenschaft widerspricht, wird er auch an jenem Tag nicht dagegen verstoßen. Das Letzte, was aus diesen und zahlreichen anderen Hadithen hervorgeht, ist, dass der Dajjal, der entsandt werden wird, um die weltweite Fitna des Dajjals zu beseitigen, jüdischer Abstammung sein wird. Er wird sich selbst als „Messias“ ausgeben. Niemand, der mit der Geschichte der Juden und ihrem religiösen Denken und Glauben nicht vertraut ist, wird die Bedeutung dieses Sachverhalts verstehen können. Nach dem Tod von Hazrat Sulaiman (a.s.), als die Kinder Israels gesellschaftlichem und religiösem Verfall sowie politischem Niedergang anheimfielen und dieser Niedergang sich immer weiter hinzog, bis schließlich die Herrscher von Babylon und Assyrien sie unterwarfen, aus ihrem Land vertrieben und über verschiedene Gebiete der Welt zerstreuten, begannen die Propheten der Kinder Israels ihnen die frohe Botschaft zu verkünden, dass ein Messias von Allah kommen und sie aus dieser äußersten Erniedrigung befreien werde. Vor dem Hintergrund dieser Prophezeiungen warteten die Juden auf die Ankunft eines Messias. Er sollte ein König sein. Er sollte Krieg führen und Länder erobern. Er sollte die Kinder Israels aus verschiedenen Ländern nach Palästina bringen, sie dort versammeln und einen mächtigen Staat für sie errichten. Als jedoch Hazrat Isa ibn Maryam (a.s.) von Allah als „Messias“ kam, weigerten sie sich, ihn anzuerkennen, wodurch ihre Hoffnungen und Erwartungen als falsch erwiesen wurden. Sie versuchten, ihn zu töten. Seit jener Zeit bis heute zählt die jüdische Welt die Tage bis zur Ankunft jenes verheißenen Messias (Promised Messiah), dessen Kommen ihnen angekündigt worden war. Seit Jahrhunderten lebt das jüdische Volk von dem imaginären Geschmack des Bildes, das in seinen literarischen und religiösen Schriften von ihm entworfen wurde. Voller Hoffnung wartet es darauf, dass dieser verheißene Messias ein mächtiger militärischer und politischer Führer sein werde. Er werde das gesamte Gebiet vom Nil bis zum Euphrat – ein Gebiet, das die Juden als ihr ererbtes Land betrachten – wieder unter jüdische Herrschaft bringen und Juden aus der ganzen Welt dort versammeln. Wenn man die gegenwärtige Lage im Nahen Osten betrachtet und die Ereignisse im Licht der Prophezeiungen des Gesandten Allahs (s.a.w.) analysiert, wird man erkennen, dass die Bühne für das Erscheinen des obersten Dajjals, der nach den Worten des Propheten die Rolle des verheißenen Messias der Juden spielen wird, vollständig vorbereitet ist. Die Muslime sind aus einem großen Teil Palästinas vertrieben worden
(Auf Seite 208 des PDFs befindet sich eine Karte***************************************)
von dem Staat, von dem die israelischen Führer träumen
worden. Dort ist ein jüdischer Staat namens Israel gegründet worden. Juden kommen aus verschiedenen Ländern der Welt in großen Gruppen dorthin und errichten dort ihre Wohnsitze. Amerika, Großbritannien und Frankreich haben ihn in eine gewaltige Militärmacht verwandelt. Mit Unterstützung jüdischer Kapitalisten treiben jüdische Wissenschaftler und Industrielle ihn rasch auf dem Weg des Fortschritts voran. Für die muslimischen Länder in seiner Umgebung ist diese Macht zu einer gewaltigen Gefahr geworden. Die Herrscher dieses Staates haben ihren Wunsch, das ihnen als Erbe „zugefallene Land“ zu erobern, keineswegs verborgen. Eine Abbildung des Entwurfs, den sie seit langer Zeit vom künftigen jüdischen Staat vorlegen, ist auf der vorherigen Karte dargestellt. Auf diesem Entwurf ist zu sehen
(Auf Seite 209 des PDFs befindet sich eine Karte***************************************)
Der Ort der Herabkunft des wahren Messias, Hazrat Isa (a.s.)
dass sie ihr Reich über das gesamte Gebiet Syriens, des Libanon und Jordaniens sowie über fast den gesamten Irak hinaus bis nach İskenderun in der Türkei, in die Sinai- und Deltaregion Ägyptens sowie bis zu den Hochländern des Hidschas und Nadschd in Arabien einschließlich Medina al-Munawwara ausdehnen wollen. Vor diesem Hintergrund ist klar zu erkennen, dass sie bei dem Getöse eines künftigen Weltkriegs versuchen werden, jene Gebiete zu besetzen, und dass zu jener Zeit der sogenannte oberste Dajjal als ihr verheißener Messias auftreten wird. Der Gesandte Allahs (s.a.w.) hat sich nicht damit begnügt, lediglich sein Erscheinen anzukündigen, sondern zugleich gesagt, dass zu jener Zeit Berge des Unheils über die Muslime hereinbrechen und jeder einzelne Tag ihnen wie ein Jahr vorkommen werde. Aus diesem Grund hat er selbst Allah um Zuflucht vor der Fitna des Messias-Dajjals gebeten und auch den Muslimen befohlen, Zuflucht davor zu suchen.
Um diesem Messias-Dajjal entgegenzutreten, wird Allah keinen „Gleichnis-Messias“, sondern den wahren Messias entsenden. Vor zweitausend Jahren weigerten sich die Juden, diesen wahren Messias anzuerkennen, und entfernten ihn nach ihrem eigenen Verständnis aus der Welt, indem sie ihn kreuzigten. Dieser wahre Messias wird nicht in Indien, Afrika oder Amerika herabkommen, sondern in Damaskus. Denn dort wird zu jener Zeit gerade Krieg herrschen. Bitte betrachten Sie auch die zweite vorherige Karte. Daraus ist ersichtlich, dass Damaskus von der Grenze Israels nur fünfzig bis sechzig Meilen entfernt liegt. Wenn man sich an den Inhalt des Hadiths erinnert, den ich zuvor erwähnt habe, wird leicht verständlich, dass der Messias-Dajjal mit einem Heer von siebzigtausend Juden nach Syrien einmarschieren und vor Damaskus erscheinen wird. Genau in jenem Augenblick wird Hazrat Isa (a.s.) nach dem Morgengrauen bei einem weißen Minarett im östlichen Teil von Damaskus herabkommen und nach dem Fadschr-Gebet mit den Muslimen hinausziehen, um dem Dajjal entgegenzutreten. Unter seinem heftigen Angriff wird der Dajjal sich zurückziehen und über den Gebirgspass von Afik (siehe Hadith Nr. 21) in Richtung Israel fliehen. Doch er wird ihn verfolgen. Schließlich wird er am Flughafen von Lod durch seine Hand getötet werden (Hadithe Nr. 10, 14 und 15). Danach werden die Juden überall gefangen genommen und getötet werden, und die Existenz des jüdischen Volkes wird ausgelöscht werden (Hadithe Nr. 9, 15 und 21). Nachdem Hazrat Isa (a.s.) die Wahrheit verkündet hat, wird auch die christliche Religion verschwinden (Hadithe Nr. 1, 2, 4 und 6), und alle Gemeinschaften werden sich in der muslimischen Umma vereinen (Hadithe Nr. 6 und 15).
Ohne jede Unklarheit und Unstimmigkeit tritt diese eindeutige Wahrheit aus den Hadithen hervor. Nach dieser ausführlichen Erörterung bleibt in dieser Angelegenheit kein Raum für irgendeinen Zweifel: Das Geschäft, das in unserem Land im Namen des „Verheißenen Messias“ betrieben wird, ist nichts anderes als ein ungeheurer Betrug.
Nun werde ich die lächerlichste Seite dieses Betrugs darlegen. Derjenige, der erklärt hat, mit dem in dieser Prophezeiung erwähnten Messias identisch zu sein, hat selbst folgende amüsante Ausführung vorgebracht, um zu beweisen, dass er Isa ibn Maryam sei:
„Er, das heißt Allah, hat im dritten Teil der Barahin-i Ahmadiyya meinen Namen Maryam genannt. Danach wurde ich, wie es in der Barahin-i Ahmadiyya offenbart worden ist, zwei Jahre lang mit den Eigenschaften Maryams erzogen. … Danach wurde der Geist Isas gleich Maryam in mich hineingelegt, und ich wurde im übertragenen Sinne schwanger gemacht. Schließlich wurde ich nach einigen Monaten, die nicht mehr als zehn Monate betragen würden, durch jene Offenbarung, die im vierten Teil der Barahin-i Ahmadiyya erwähnt wird, von Maryam in Isa verwandelt. So bin ich also Isa ibn Maryam geworden.“ – (Kishti-i Nuh, S. 87, 88, 89)
Das heißt, zunächst wird er Maryam. Danach wird er von sich selbst schwanger. Anschließend wird er aus seinem eigenen Bauch selbst in Gestalt von Isa ibn Maryam geboren. Damit war das Problem jedoch noch nicht gelöst. Denn gemäß der Aussage des Hadith wird Isa ibn Maryam in Damaskus herabsteigen. Damaskus ist seit mehreren tausend Jahren eine berühmte und allgemein bekannte Stadt Syriens. Auch heute noch ist diese Stadt auf der Weltkarte unter diesem Namen verzeichnet. Daher wurde dieses Problem durch eine weitere amüsante Erklärung gelöst:
„Es sei darauf hingewiesen, dass mir von Allah die Bedeutung des Wortes Damaskus folgendermaßen offenbart worden ist: An diesem Ort wurde eine Stadt Damaskus genannt, in der Menschen leben, die von der Gesinnung Yazids sind und den Gewohnheiten und Gedanken des unreinen Yazid folgen. … Deshalb weist sie Übereinstimmung und Beziehung zu Damaskus auf.“ – (Izala-i Auham, Anmerkungen 63 bis 73)
Eine weitere Schwierigkeit besteht noch immer. Der Aussage des Hadith zufolge wird Ibn Maryam in der Nähe eines weißen Minaretts herabsteigen. Dieses Problem wurde ganz einfach gelöst. Das heißt, der Messias selbst kam und errichtete sein eigenes Minarett. Nun sagen Sie: Wer wird ihm begreiflich machen, dass aus der Beschreibung des Hadith hervorgeht, dass das Minarett bereits dort vorhanden sein wird, bevor Ibn Maryam herabsteigt? Hier aber sieht man, dass das Minarett erst nach der Ankunft des Verheißenen Messias errichtet wird.
Das letzte und schwierigste Problem besteht noch immer. Das heißt, nach der Beschreibung des Hadith wird Isa ibn Maryam (Friede sei mit ihm) Dajjal am Eingang von Lydda töten. Bei dem Versuch, dieses Problem zu lösen, wurden zunächst viele unsinnige Dinge vorgebracht. Mitunter wurde ein Dorf in Bayt al-Maqdis als Lydda anerkannt. (Izala-i Auham, herausgegeben von der Anjuman-i Ahmadiyya Lahore, Kleinoktav, S. 220.) Ein anderes Mal wurde gesagt, Lydda bezeichne Menschen, die grundlos streiten. … „Wenn Dajjals grundloser Streit seinen Höhepunkt erreicht, wird der Verheißene Messias erscheinen und all seinen Streit beenden.“ (Izala-i Auham, S. 730) Als sich das Problem auch dadurch nicht lösen ließ, wurde schließlich klar gesagt, Lydda (auf Arabisch Lud) bedeute die Stadt Ludhiana im Punjab. Dajjals Tötung am Eingang Ludhianas bedeute, dass trotz des Widerstands der Bösen hier erstmals unter der Führung von Herrn Mirza die Baiʿat vollzogen wurde. – (Al-Huda, S. 99)
Jeder vernünftig denkende Mensch wird bei einer unparteiischen Prüfung dieser Aussagen und Darstellungen zu dem Schluss gezwungen sein, dass hier am helllichten Tag die Vorstellung einer lügnerischen Verwandlungskünstlerin – einer falschen Verkörperung (False Impersonation) – aufgeführt wurde.
Noch einige irreführende Auslegungen der Qadianis
Offener Widerspruch zu Koran und Hadith
Wenn Allah und Sein Gesandter eine Angelegenheit durch klare und unzweideutige Bestimmungen entschieden haben, dann bedeutet es äußerste Irreführung, ja den schlimmsten Aufstand gegen Allah und den Gesandten, diese eindeutige Bestimmung beiseitezuschieben, aus Versen und Hadithen, die keinen Zusammenhang mit der betreffenden Angelegenheit haben, nach eigenem Bedarf eine Bedeutung herauszulesen und eine Glaubensüberzeugung zu vertreten, die den klaren Bestimmungen von Koran und Hadith völlig widerspricht, und danach zu handeln. Wer offen einen Weg einschlägt, der Allah und Seiner Bestimmung widerspricht, begeht eine vergleichsweise geringfügigere Form des Aufstands. Doch die Verkündigungen und Bestimmungen Allahs und Seines Gesandten zu verfälschen und sie gegen die Entscheidung Allahs und Seines Gesandten für eigene Interessen zu verwenden, ist keineswegs ein kleiner Aufstand. Über diejenigen, die dies tun, können wir unmöglich annehmen, dass sie aufrichtig den Anweisungen Allahs und Seines Gesandten folgen. Zur Klärung der Frage, ob Sayyiduna Muhammad (Friede sei mit ihm) der letzte Prophet ist und ob nach ihm noch ein Prophet kommen wird, könnten wir unsere Aufmerksamkeit auf (Arabisch**************) und (Arabisch*****) sowie andere Verse richten, wenn Allah und Sein Gesandter diese Frage nicht irgendwo im Koran und im Hadith ausdrücklich beantwortet hätten. Doch da wir von Allah im Vers über den „Khatam an-Nabiyyin“ und vom Gesandten in zahlreichen fehlerfreien und zuverlässigen Hadithen eine unzweideutige Antwort gerade auf diese Frage erhalten haben, ist es nur die Tat eines Menschen, in dessen Herzen nicht die geringste Gottesfurcht ist und der nicht einmal glaubt, dass er eines Tages nach seinem Tod vor Allah Rechenschaft ablegen muss, seine Aufmerksamkeit auf (Arabisch*********) und (Arabisch*******) sowie andere Verse zu richten und daraus etwas anzunehmen, das den klaren Bestimmungen von Koran und Hadith widerspricht. Als Beispiel sei angeführt: In einem Paragraphen des Strafgesetzbuchs eines Landes wird eine Handlung in unzweideutiger Sprache als Verbrechen eingestuft. Doch jemand setzt alles daran, dieses Verbrechen als rechtmäßige Handlung nachzuweisen. Zu diesem Zweck lässt er den betreffenden Paragraphen außer Acht und beginnt, in sachfremden Paragraphen des Gesetzes nach dem geringsten Hinweis oder einer noch so kleinen unklaren Aussage zu suchen. Dann setzt er diese Dinge künstlich zusammen, um die Handlung, die der klare Gesetzesparagraph als Verbrechen bezeichnet, zu rechtfertigen. Wenn die Polizei und Gerichte dieser Welt nicht bereit sind, einen solchen Beweis anzuerkennen, wie kann man dann hoffen, dass er vor dem Gericht Allahs angenommen wird?
Mit Gewalt beweisen
Nachdem man die Verse gelesen hat, mit denen die Qadianis ihre Auffassung beweisen wollen, muss man angesichts ihrer Beweisführung staunen. Es zeigt sich, dass diese Verse keineswegs die Bedeutung haben, die sie gewaltsam und mühsam aus ihnen herausziehen wollen. Sehen wir uns nun die eigentliche Bedeutung der Verse an, die sie derart strapaziert haben: (Arabisch*********) Im Vers 69 der Sure an-Nisa wird lediglich gesagt, dass diejenigen, die Allah und dem Gesandten gehorchen, zu den Propheten, den Wahrhaftigen, den Märtyrern und den Rechtschaffenen (den frommen Menschen) gehören werden. Wie konnte daraus abgeleitet werden, dass diejenigen, die Allah und dem Gesandten gehorchen, entweder zu Propheten oder zu Wahrhaftigen, Märtyrern oder Rechtschaffenen werden? Betrachten wir nun einmal den Vers 19 der Sure al-Hadid. Dort heißt es:
(Arabisch*******************************************auf PDF-Seite 213)
Das heißt: „Und diejenigen, die an Allah und Seine Gesandten glauben, sind bei ihrem Herrn die Wahrhaftigen und die Märtyrer.“ Daraus wird eindeutig, dass ein Mensch durch den Glauben nur den Rang eines Wahrhaftigen und eines Märtyrers erlangen kann. Was die Propheten betrifft, so genügt es für die Gläubigen, zu den Gefährten der Propheten zu gehören. Es ist keineswegs möglich, dass jemand als Belohnung für eine Tat zum Propheten wird. Daher heißt es im Vers der Sure an-Nisa, dass diejenigen, die Allah und dem Gesandten gehorchen, sich bei den Propheten, den Wahrhaftigen und den Märtyrern befinden werden. Im Vers der Sure al-Hadid heißt es dagegen: Diejenigen, die an Allah und den Gesandten glauben, werden selbst zu Wahrhaftigen und Märtyrern.
Und im Vers 35 der Sure al-A’raf (Arabisch**********) wird gesagt, dass er zu einer zusammenhängenden Erzählung gehört. Diese Erzählung erstreckt sich von Vers 11 bis Vers 36 der Sure al-A’raf. Wenn man ihn im Zusammenhang mit dem vorausgehenden und nachfolgenden Inhalt dieser Erzählung betrachtet, wird klar, dass diese Anrede an die Kinder Adams in der frühesten Phase der Erschaffung der Menschheit gerichtet wurde. Wie kann man beim Lesen dieser Verse zu der Vorstellung gelangen, dass darin vom Kommen von Propheten nach dem Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm) die Rede ist? Hier wird vielmehr von der Zeit gesprochen, als Hadhrat Adam (Friede sei mit ihm) und seine Frau aus dem Paradies vertrieben und auf die Erde gebracht wurden.
Die richtige Bedeutung des Verses aus der Sure al-Aʿrāf
Die Bedeutung, die die Qadiani-Herren aus dem 35. Vers der Sure al-Aʿrāf herauslesen, indem sie ihn aus seinem Zusammenhang reißen, ist das genaue Gegenteil der Bedeutung, die sich ergibt, wenn man ihn an der ihm gebührenden Stelle betrachtet. Tatsächlich wird die Aussagefolge, in deren Zusammenhang dieser Vers offenbart wurde, vom zweiten bis etwa zur Mitte des vierten Rukūʿs der Sure al-Aʿrāf zusammenhängend dargelegt. Zunächst wird im zweiten Rukūʿ die Geschichte Adams und Hawwas erzählt. Danach wird im dritten und vierten Rukūʿ das Ergebnis dieser Geschichte kommentiert. Liest man den 35. Vers vor dem Hintergrund dieser vorangehenden und nachfolgenden Ausführungen, wird klar, dass die durch (Arabisch******)die Anrede ausgesprochene Aussage sich auf die Anfangsphase der Schöpfung bezieht, nicht auf die Zeit der Offenbarung des Korans. Anders gesagt: Ihr Zweck besteht darin, dass die Kinder Adams bereits bei Beginn der Schöpfung gewarnt wurden, dass ihre Rettung von der Befolgung der Rechtleitung abhängen würde, die ihnen von Allah gesandt werden sollte.
Verse mit diesem Inhalt sind an drei Stellen im Koran eingefügt. An jeder dieser Stellen werden sie im Zusammenhang mit der Geschichte des ehrwürdigen Adam und der ehrwürdigen Hawwa (Friede sei mit ihnen) angeführt. Der erste Vers steht in der Sure al-Baqara (Vers 38), der zweite in der Sure al-Aʿrāf (Vers 35) und der dritte in der Sure Tā-Hā (Vers 123). Neben der tiefen Ähnlichkeit des Inhalts dieser drei Verse ist auch die Ähnlichkeit ihrer jeweiligen Umstände und Zusammenhänge bemerkenswert.
Die Mufassirūn des Korans betrachten auch diesen Vers der Sure al-Aʿrāf, ebenso wie die anderen Verse, als mit der Geschichte des ehrwürdigen Adam und der ehrwürdigen Hawwa (Friede sei mit ihnen) verbunden. Allāma Ibn Dscharīr schreibt in seinem Tafsīr bei der Auslegung dieses Verses unter Anführung eines Ausspruchs des ehrwürdigen Abū Sayyār as-Sulamī: „Allah, der Erhabene, hat hier den ehrwürdigen Adam und seine Angehörigen gleichzeitig und zur selben Zeit angesprochen.“ Imām Rāzī schreibt in seinem Tafsīr al-Kabīr bei der Auslegung dieses Verses: „Wenn der ehrwürdige Prophet (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) angesprochen worden wäre, obwohl er der letzte Prophet ist, dann würde dies bedeuten, dass Allah hier Seine Regel in Bezug auf die Gemeinschaften darlegt.“ Allāma Ālūsī sagt in seinem Tafsīr Rūḥ al-Maʿānī: „Hier wird in Form einer Erzählung das Geschehen geschildert, das sich mit jedem Volk ereignet hat. Wenn man hier die Gemeinschaft des Propheten Muhammad (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) im Sinne der Kinder Adams auffasst, wäre dies ein schwerwiegender Fehler und stünde im klaren Widerspruch zur Bedeutung. Denn das Wort ‚Gesandte‘ wurde nicht im Singular, sondern im Plural als ‚Gesandte‘ (Arabisch***) bezeichnet.“ Der letzte Teil der Aussage Allāma Ālūsīs bedeutet: Wenn hier die Gemeinschaft Muhammads angesprochen worden wäre, hätte man ihr niemals sagen können: „Zu euch werden einst Gesandte kommen.“ Denn in diese Gemeinschaft konnte außer einem einzigen Gesandten, Muhammad (Allahs Segen und Friede seien auf ihm), überhaupt kein anderer Gesandter kommen.
Die Bedeutung des Verses aus der Sure al-Muʾminūn
(Arabisch*******************************************auf PDF-Seite 214)
Das heißt: „O Gesandte! Esst von den reinen und erlaubten Speisen und tut gute Werke. Wahrlich, Ich weiß alles, was ihr tut.“ – (Sure al-Muʾminūn: 51)
Wenn man diesen Vers nicht aus seinem vorhergehenden und nachfolgenden Zusammenhang herausreißt, ist die Bedeutung, die die Qadiani ihm gegeben haben, keinesfalls möglich. Die Aussage, in deren Zusammenhang dieser Vers offenbart wurde, setzt mit dem zweiten Rukūʿ ein und wird ohne Unterbrechung fortgeführt. In diesen Versen wird von allen Propheten und ihren Völkern berichtet, angefangen beim ehrwürdigen Nūḥ (Friede sei mit ihm) bis zum ehrwürdigen ʿĪsā (Friede sei mit ihm), und es wird gesagt: „In jedem Land und in jedem Zeitalter haben die Propheten den Menschen dieselbe Lehre vermittelt; ihre Methode war einheitlich, und Allah hat ihnen dieselbe Art von Gunst erwiesen. Die irregegangenen Völker dagegen haben stets den Weg Allahs verlassen und sich schlechten Taten hingegeben.“ Im Rahmen dieser Darstellung wurde dieser Vers keinesfalls mit folgender Bedeutung offenbart: „O Gesandte! Esst, die ihr nach Muhammad (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) kommen werdet, von den reinen und erlaubten Speisen und tut gute Werke.“ Vielmehr bedeutet dieser Vers, dass Allah allen Propheten, die von Nūḥ (Friede sei mit ihm) bis zum ehrwürdigen Muhammad (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) gekommen waren, dieselbe Anweisung gegeben hatte: Esst von den reinen und erlaubten Speisen und tut gute Werke.
Auch aus diesem Vers haben die Koranausleger niemals die Bedeutung abgeleitet, dass sich nach dem Propheten Muhammad (s.a.s.) die Tür der Prophetenschaft geöffnet habe. Wenn Sie noch eingehender forschen und größere geistige Gewissheit erlangen möchten, können Sie die Erörterung dieser Stelle in verschiedenen Tafsir-Werken nachlesen.
Darlegung des Beweises aus den Hadithen für den Irrtum der Qadianis
(Arabisch*******************************************auf Seite 215 der PDF)
Das heißt: „Wenn Ibrahim [der Sohn des edlen Gesandten (s.a.s.)] am Leben geblieben wäre, wäre er gewiss ein Prophet geworden“ – auch aus diesem Hadith führen die Qadianis einen Beweis an, der aus vier Gründen falsch ist.
Erstens: Die Überlieferungskette jener Überlieferung, in der dies als eine Aussage des edlen Propheten (s.a.s.) überliefert wird, ist schwach, und kein Hadith-Gelehrter hat diese Überlieferungskette als stark bezeichnet.
Zweitens: Große Hadith-Gelehrte wie an-Nawawi und Ibn Abd al-Barr haben den Inhalt dieses Hadiths als unzuverlässig erachtet. Imam an-Nawawi schrieb in seinem Werk „Tahdhib al-Asma wa-l-Lughat“:
(Arabisch*******************************************auf Seite 215 der PDF)
Das heißt: „Auch die Aussage, die einige frühere Gelehrte niedergeschrieben haben – dass Ibrahim [der Sohn Muhammads (s.a.s.)], wenn er am Leben geblieben wäre, ein Prophet geworden wäre –, ist nicht richtig. Denn dies ist eine Vermessenheit, über das Verborgene zu sprechen, und gleicht dem unüberlegten Aussprechen eines Wortes.“
Allāma Ibn ʿAbd al-Barr schrieb im Werk „at-Tamhīd“:
(Arabisch*******************************************auf PDF-Seite 215)
Das heißt: „Ich weiß nicht, was das für eine Aussage sein soll. In der Familie Noahs (a.s.) wurde ein Sohn geboren, der kein Prophet war. Wenn es jedoch für den Sohn eines Propheten zwingend erforderlich wäre, selbst Prophet zu werden, dann wären heute alle Menschen auf der Welt Propheten. Denn alle sind Nachkommen Noahs (a.s.).“
Drittens: In den meisten Überlieferungen wird dieser Hadith nicht als Aussage des Propheten (s.a.w.), sondern als Aussage der Gefährten präsentiert. Außerdem haben sie dabei unmissverständlich erklärt, dass Allah seinen Sohn sterben ließ, weil es nach dem Propheten (s.a.w.) keinen weiteren Propheten gibt. Beispielsweise heißt es in der Überlieferung bei al-Buchārī:
(Arabisch*******************************************auf PDF-Seite 216)
„Ismāʿīl ibn Abī Chālid berichtet: Ich fragte ʿAbdullāh ibn Abī Aufā (einen Gefährten): Haben Sie Ibrāhīm, den Sohn des Propheten (s.a.w.), gesehen? Er sagte: Er starb bereits im Kindesalter. Wenn Allah beschlossen hätte, nach dem Propheten Muhammad (s.a.w.) noch einen Propheten zu entsenden, hätte Er seinen Sohn am Leben gelassen. Doch nach dem ehrwürdigen Gesandten (s.a.w.) gibt es keinen weiteren Propheten.“
Ḥazrat Anas (r.a.) überlieferte eine Überlieferung, die damit weitgehend übereinstimmt. Er sagte:
(Arabisch*******************************************auf PDF-Seite 216)
„Wenn er am Leben geblieben wäre, wäre er ein Prophet geworden. Aber er ist nicht am Leben geblieben. Denn euer Prophet ist der letzte der Propheten.“ – (Tafsīr Rūḥ al-Maʿānī, Bd. 22, S. 3)
Viertens: Selbst wenn in der Überlieferung, in der diese Aussage dem edlen Propheten (Friede sei mit ihm) zugeschrieben wird und die als schwach und unzuverlässig eingestuft worden ist, nicht die Erläuterung der ehrwürdigen Gefährten enthalten wäre und auch die Aussagen der Hadith-Gelehrten dort nicht angeführt würden, wäre sie keinesfalls annehmbar. Denn es gehört zu den einhellig anerkannten Grundsätzen der Hadith-Wissenschaft, dass der Inhalt einer Überlieferung unter keinen Umständen angenommen werden kann, wenn er im Widerspruch zu zahlreichen authentischen Hadithen steht. Betrachten wir nun die Lage: Auf der einen Seite stehen zahlreiche Hadithe mit einwandfreien und starken Überlieferungsketten, in denen klar erklärt wird, dass nach dem Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm) das Tor des Prophetentums geschlossen ist; auf der anderen Seite steht diese einzige Überlieferung, die die Möglichkeit eines weiterhin geöffneten Tores des Prophetentums erkennen lässt. Wie kann man angesichts dieser beiden Sachverhalte die zahlreichen Überlieferungen zugunsten dieser einen einzigen Überlieferung zurückweisen?
Schlusswort
Sowohl nach dem Edlen Koran als auch nach den ehrwürdigen Hadithen ist das Prophetentum ein grundlegender Bestandteil der Religion. Das heißt: Der Glaube und der Unglaube des Menschen gründen darauf, und auf dieser Grundlage wird über seinen Erfolg oder sein Scheitern im Jenseits entschieden. Wer einen wahrhaftigen Propheten nicht anerkennt, wird zum Ungläubigen. Ebenso wird derjenige zum Ungläubigen, der einem falschen Propheten Glauben schenkt. Zu einer Angelegenheit von solch grundlegender Bedeutung haben Allah und Sein Gesandter (Friede sei mit ihm) auf klare und unmissverständliche Weise den richtigen Weg gewiesen. Sie haben bereits dafür gesorgt, dass die Religion und der Glaube der Menschen nicht gefährdet werden und dass Allah und Sein Gesandter (Friede sei mit ihm) nicht für ihre Irreführung verantwortlich gemacht werden können. In diesem Zusammenhang ist außerdem besonders bemerkenswert, dass vor dem Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm) niemals in der Zeit eines Propheten erklärt worden war, dass die Folge der Propheten beendet sei und kein weiterer Prophet kommen werde. Das bedeutet, dass das Tor für das Kommen von Propheten damals offenstand; niemand hatte das Recht, die Behauptung eines Anwärters auf das Prophetentum allein mit dem Hinweis zurückzuweisen, dass kein weiterer Prophet kommen werde. Zudem pflegten die Propheten jener Zeit die Ankunft der nach ihnen kommenden Propheten anzukündigen. Von ihren Anhängern nahmen sie den Treueid ab, den später kommenden Propheten zu gehorchen. All dies verstärkte den Gedanken, dass man jemanden, der sich als Prophet ausgab, nicht ohne jede Prüfung kurzerhand zurückweisen durfte. Vielmehr versuchte man durch eine gründliche Prüfung seiner Botschaft, seiner Persönlichkeit, seiner Taten und seiner Lebensumstände festzustellen, ob er tatsächlich ein Prophet Allahs oder ein falscher Anwärter auf das Prophetentum war. Doch mit dem Kommen des Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm) hat sich diese Angelegenheit vollständig umgekehrt. Die Sache ist nicht nur damit beendet, dass Muhammad (Friede sei mit ihm) das Kommen irgendeines weiteren Propheten nach ihm nicht angekündigt und von der Gemeinschaft keinen Treueid auf ihn entgegengenommen hat; vielmehr wurde im Koran verkündet, dass Muhammad (Friede sei mit ihm) der letzte Prophet ist, und er hat in nicht nur einem oder zwei, sondern in zahlreichen authentischen und zuverlässigen Hadithen mit klaren und unmissverständlichen Worten erklärt, dass jeder, der nach ihm mit dem Anspruch auf das Prophetentum auftreten wird, ein Daddschāl sein wird. Die Frage ist: Ist die Angelegenheit von Islam und Unglauben für die Menschen heute nach Allahs und Seines Propheten Ansicht etwa nicht ebenso heikel und bedeutsam? Waren nur die Gläubigen nach dem Gesandten Allahs davor bewahrt zu werden, der Versuchung des Unglaubens zum Opfer zu fallen? Hatten Allah und Seine Gesandten deshalb nur sie unmissverständlich darüber in Kenntnis gesetzt, dass das Tor des Prophetentums offenbleibe und die Reihe der Propheten weitergehen werde? Haben sie uns nun wissentlich dieser Gefahr ausgesetzt? Das würde bedeuten: Auf der einen Seite bestünde die Möglichkeit, dass ein Prophet kommt, und je nachdem, ob wir ihm glauben oder nicht, könnten wir zu Gläubigen oder Ungläubigen werden. Auf der anderen Seite hätten Allah und Seine Gesandten sich nicht damit begnügt, uns über das Kommen eines Propheten im Ungewissen zu lassen, sondern würden darüber hinaus fortwährend Dinge sagen, aufgrund derer wir annehmen, dass das Tor des Prophetentums geschlossen sei, und könnten deshalb einen Anwärter auf das Prophetentum nicht anerkennen. Sagt Ihnen Ihr Verstand wirklich, dass Allah und Sein Gesandter Muhammad (Friede sei mit ihm) uns auf diese Weise täuschen könnten?
Die Qādiyānī können den Ausdruck „Siegel der Propheten“ nach Belieben auslegen. Aber zumindest können sie nicht leugnen, dass er auch die Beendigung der Reihe der Propheten bedeuten kann; und von den Millionen Gelehrten und Angehörigen der Gemeinschaft legen 99.999.999 diesen Ausdruck genau in diesem Sinn aus. Die Frage ist: Hätte Allah bei einer derart heiklen Angelegenheit wie dem Prophetentum, von der der Glaube und der Unglaube der Muslime abhängen, eine Ausdrucksweise verwenden sollen, aus der die gesamte muslimische Gemeinschaft mit Ausnahme einiger weniger Qādiyānī geschlossen hat, dass nun kein weiterer Prophet mehr kommen werde? Die Aussagen des Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm) lassen in dieser Angelegenheit ohnehin keinerlei Raum für eine andersartige Auslegung. In diesen Aussagen wird unmissverständlich erklärt, dass nach ihm kein weiterer Prophet kommen wird. Die Frage ist: Hegte der Prophet Allahs etwa eine solche Feindschaft gegen uns, dass nach ihm ein Prophet kommen würde, er uns aber im Gegenteil angewiesen hätte, ihn nicht anzuerkennen, damit wir zu Ungläubigen würden und in die Hölle gelangten?
Unter diesen Umständen halten wir den Anspruch eines Menschen auf das Prophetentum überhaupt nicht für erwägenswert, ganz gleich, wie anziehend sein Äußeres sein mag, selbst wenn sich seine Prophezeiungen zu hundert Prozent als wahr erwiesen hätten und er trotz all seiner zahlreichen Verdienste überragende Leistungen vorweisen könnte. Denn erwägenswert wäre dies nur, wenn die Möglichkeit bestünde, dass ein Prophet kommt. Sobald wir von einem Anwärter auf das Prophetentum hören, werden wir ihn vielmehr völlig überzeugt als Lügner bezeichnen und seinen Beweisen für sein Prophetentum keinerlei Bedeutung beimessen. Sollte dies Unglaube sein, so trifft uns dafür keine Verantwortung. Denn am Tag der Auferstehung stehen uns der Koran und die Hadithe des Gesandten zur Verfügung, mit denen wir uns vor Allah rechtfertigen können.
Kapitel 6 – Das persönliche Leben Muhammads (Friede sei mit ihm) und sein Leben als Prophet
Die Nachahmung und der Gehorsam gegenüber dem ehrwürdigen Propheten
Für diejenigen, die den Islam annehmen und der muslimischen Umma angehören, ist der Gesandte dann nicht mehr nur ein Überbringer der Botschaft; vielmehr gilt er für sie zugleich als Lehrer, Ausbilder und praktisches Vorbild für die islamische Lebensweise. Vor allem erlangt er für sie den Rang eines maßgeblichen Führers, dessen uneingeschränkter Gehorsam zu allen Zeiten geboten ist.
Lehrer, Ausbilder und vorbildlicher Mensch
Die Aufgabe des erhabenen Propheten (s.a.s.) als Lehrer besteht darin, alles, was Allah an Lehren und Ermahnungen gegeben und an Gesetzen, Regeln und Verboten offenbart hat, zu erläutern, zu analysieren und allen verständlich zu machen. Genau dies wird in diesem Satz des Korans gesagt:(Arabisch*********) „Er wird sie das Buch und die Weisheit lehren, sie nach den Gesetzen und Regeln zu Muslimen formen und ihr Leben nach diesem Muster gestalten (Arabisch******)). Und als vorbildlicher Mensch besteht die Rolle des Gesandten (s.a.s.) darin, sich selbst als Verkörperung der Lehren des Korans darzustellen – sein Leben wird genau das Abbild eines Lebens sein, wie es nach dem Buch Allahs das Leben eines Muslims sein sollte. Durch jedes seiner Worte und jede seiner Taten wird man erkennen können, dass man so sprechen, seine Kräfte so einsetzen muss und dass im irdischen Leben ein solches Verhalten dem Willen des Buches Allahs entspricht. Alles, was dem entgegensteht, widerspricht dem Willen dieses Buches. Genau dies ist auch die Aussage der beiden folgenden Koranverse:(Arabisch************) „Für euch gibt es im Leben des Gesandten Allahs ein vortreffliches Beispiel oder Vorbild.“(Arabisch**************************) „Er spricht nicht aus eigener Eingebung. Was er sagt, wird ihm nur durch die Offenbarung zuteil.“ Zugleich ist der Gesandte auch der Befehlshaber und Führer der Muslime. Doch ist er kein Führer, dessen Worte und Taten in irgendeiner Weise Gegenstand von Meinungsverschiedenheiten und Streit sein können. Vielmehr ist er ein Führer, über den es in den Worten des Korans heißt:(Arabisch******************) „Wenn ihr in einer Angelegenheit streitet, dann legt sie Allah und dem Gesandten vor.“ (Arabisch*****************) „Wer dem Gesandten gehorcht, gehorcht Allah.“ Er ist kein Führer, der nur zu seinen Lebzeiten Führer war; vielmehr ist er bis zum Tag der Auferstehung der Führer der gesamten muslimischen Gemeinschaft. Seine Anweisungen sind für die Muslime zu allen Zeiten und unter allen Umständen verbindlich.
Nicht lediglich Verkünder und Überbringer der Botschaft
Ein Satz des Korans (Arabisch******) „Ihre Aufgabe ist es, Allahs Botschaft zu übermitteln.“ Und anhand einiger ähnlicher Verse versuchen manche zu beweisen, dass die Aufgabe des Gesandten auf die Verkündigung beschränkt sei. Diese Menschen vergessen, dass der Gesandte nur so lange lediglich ein Verkünder ist, wie die Menschen den Islam noch nicht angenommen haben, und dass dies nur für diejenigen gilt, die seine Lehre noch nicht angenommen haben. Für diejenigen jedoch, die den Islam angenommen haben und der muslimischen Umma angehören, ist der Gesandte nicht nur ein Verkünder, sondern zugleich ihr Führer, Herrscher, Gesetzgeber, Richter, Lehrer und Ausbilder sowie vor allem ein vorbildlicher Mensch, dessen Nachahmung und Befolgung unumgänglich ist.
Die von manchen angestrebte Unterscheidung zwischen Muhammad, dem Sohn Abdullahs, und Muhammad (s.a.s.), dem Gesandten Allahs und Verkünder des Islam, lässt sich aus dem heiligen Koran überhaupt nicht belegen. Im Koran wird dem erhabenen Propheten nur eine einzige Bezeichnung gegeben, nämlich dass er ein Prophet und Gesandter ist. Jedes seiner Worte sprach er als Gesandter Allahs, und jede seiner Taten vollbrachte er als Gesandter Allahs. Schon dadurch, dass er das Amt des Gesandten innehatte, war er zugleich Verkünder und Lehrmeister, Ausbilder und Läuterer des Charakters, Richter und Herrscher, Führer und Lenker. Sogar alle Handlungen seines persönlichen, familiären und gesellschaftlichen Lebens wurden als die eines Gesandten geleitet und ausgeführt. In all diesen Lebensbereichen besaß er, wie ein vollkommener Mensch, ein gehorsamer Muslim und ein aufrichtiger Gläubiger, ein makelloses, untadeliges und reines Leben. Die Nachahmung und Befolgung dieses makellosen, reinen Lebens ist unerlässlich, um Allahs Wohlgefallen und den Erfolg im Jenseits zu erlangen. Dies hat Allah selbst in Vers 21 der Sure al-Ahzab im heiligen Koran verkündet:
(Arabisch*******************************************auf Seite 222 der PDF)
Aus keinem Satz des Korans lässt sich auch nur der geringste Hinweis auf die Vorstellung gewinnen, dass zwischen den verschiedenen Aspekten des Lebens des ehrwürdigen Propheten (s.a.s.) als Prophet, als Mensch und als Herrscher ein Unterschied gemacht worden sei. Wie könnte eine solche Unterscheidung überhaupt möglich sein? Wenn er der Gesandte Allahs ist, dann ist es unerlässlich, dass sein gesamtes Leben der Scharia Allahs untersteht, ihr folgt und die islamischen Vorschriften verkörpert. Eine Allah missliebige Handlung oder Verhaltensweise kann von ihm unmöglich ausgehen.
Er ließ sich weder von seinen Begierden noch von den Launen seines Gemüts leiten.
Dass der ehrwürdige Gesandte Allahs (s.a.w.) von schlechten Neigungen frei war und sich nicht von seinen eigenen Launen leiten ließ, wird in den ersten Versen der Sure an-Nadschm des Heiligen Qurans unmissverständlich dargelegt. Es heißt: (Arabisch**********) „Euer Gefährte [das heißt, der ehrwürdige Muhammad (s.a.w.)] ist weder vom rechten Weg abgekommen noch in die Irre gegangen.“ (Arabisch********) „Er spricht kein Wort aus eigenem Wunsch heraus.“ (Arabisch**********) „Jede seiner Äußerungen ist nichts anderes als eine Offenbarung, die ihm eingegeben wurde.“ (Arabisch********) „Ein überaus mächtiger Lehrer hat ihn gelehrt.“ Manche Menschen meinen, in diesen Versen werde lediglich der Anspruch erhoben, dass der Quran eine Offenbarung sei. Einige Ungläubige hätten genau dies bestritten. Doch ich sehe in diesen Versen nicht einmal den geringsten Hinweis auf den Quran. (Arabisch*****)In diesem Vers Arabisch)weist das Pronomen „ta“ auf die Worte des Gesandten (s.a.w.) hin. Das heißt: (Arabisch*********) „Er spricht kein Wort nach eigener Laune.“ Es weist auf das Wort „Wort“ in diesem Satz hin. In diesen Versen gibt es keinerlei Grundlage für die Behauptung, dass mit den Worten des Gesandten (s.a.w.) hier ausschließlich der Quran gemeint sei. Vielmehr wird in diesen Versen gesagt, dass jedes Wort, das aus dem Mund des Gesandten (s.a.w.) kommt, Offenbarung ist und frei von den Trieben des Begehrens und den Launen des Gemüts bleibt. Der Zweck dieses Zeugnisses des Quran ist, dass diejenigen, zu denen der Gesandte (s.a.w.) gesandt wurde, mit völliger Gewissheit und ohne jeden Zweifel erkennen können, dass der Gesandte (s.a.w.) nicht im Geringsten vom rechten Weg abgewichen ist. Wenn er nach eigener Laune gesprochen und nicht im Auftrag Allahs geredet hätte, hätte niemand Vertrauen zu ihm als Gesandtem gehabt. Genau dies, nämlich seine Eigenschaft als Gesandter, bestritten auch die Ungläubigen. Sie dachten – Gott bewahre –, der Prophet Muhammad (s.a.w.) sei verrückt geworden, oder irgendein Mensch bringe ihm heimlich etwas bei, oder er erfinde seine Worte selbst. Allah, der Erhabene, hat mit der Offenbarung dieser Verse der Sure an-Nadschm diese falsche Vorstellung widerlegt und in unmissverständlicher Sprache erklärt, dass euer Gefährte weder vom rechten Weg abgekommen noch in die Irre gegangen ist. Er spricht auch keine erfundenen Worte. Was immer aus seinem Mund kommt, ist Wahrheit und von Mir offenbart. Kein Mensch, Dschinn oder Satan liest ihm etwas vor, bringt ihm etwas bei oder lehrt ihn; ihn lehrt ein überaus mächtiger Lehrer. Der ehrwürdige Gesandte Allahs (s.a.w.) wies selbst auf seine Zunge und sagte genau dies: (Arabisch*****) „Ich schwöre bei Allah, in dessen Hand mein Leben und mein Tod liegen: Diese Zunge spricht nichts anderes als die Wahrheit.“
Seine Befolgung ist unter allen Umständen verpflichtend
Es ist äußerst bedauerlich, dass manche Menschen nicht anerkennen wollen, dass der Gesandte (s.a.w.) unter allen Umständen befolgt werden muss. Sie sagen, von den Gesprächen, die der ehrwürdige Gesandte Allahs (s.a.w.) in seinem eigenen Haus mit seinen Ehefrauen oder außerhalb des Hauses mit anderen Menschen führte, sei nicht behauptet worden, dass auch sie Offenbarung seien, und die Ungläubigen hätten sich darüber ebenfalls keine Gedanken gemacht. Ich möchte dazu sagen: Alles, was der ehrwürdige Gesandte Allahs (s.a.w.) zu jeder Zeit und unter welchen Umständen auch immer tat, tat er als Gesandter. All sein Handeln war frei von Irrweg und den Begierden des Triebes. Sein gesamtes Reden und Handeln entsprang jener vollkommenen, fehlerlosen und wahrheitsliebenden Gesinnung und Natur, mit der Allah, der Erhabene, ihn erschaffen hatte, und blieb innerhalb der Grenzen der Gottesfurcht und Reinheit, die für ihn festgelegt worden waren. In seiner erhabenen Persönlichkeit verkörperte sich ein vortreffliches Beispiel und Vorbild, dem die gesamte Menschheit nacheifern und folgen kann. Tatsächlich können wir nur anhand dieses Vorbilds erkennen, was im Islam erlaubt und verboten, was halal und was haram ist, welche Dinge Allah gefallen und welche Ihm missfallen, in welchen Angelegenheiten wir die Freiheit haben, unsere eigene Meinung zu äußern und nachzuforschen, und in welchen nicht. Dieses Vorbild zeigt uns, wie man einem Führer und Herrscher gehorchen muss, wie man alle Probleme auf der Grundlage von Beratung löst und was Demokratie in unserer Religion Islam überhaupt bedeutet.
Der Prophet Muhammad (s.a.w.) war ein von Allah, dem Erhabenen, eingesetzter Amir
Der hochgeehrte Gesandte Allahs (s.a.w.) war kein von den Menschen gewählter oder bestimmter Amir, und er hatte sich auch nicht selbst dazu gemacht. Er war ein von Allah selbst eingesetzter Amir und Führer. Seine Rolle als Führer unterschied sich nicht von seiner Rolle als Gesandter; vielmehr war er gerade als Gesandter Allahs der Führer der Menschen. Genauer gesagt war er kein Führer oder Amir, sondern Allahs gehorsamer Diener. Es stimmt, dass ihm befohlen wurde, sich mit seinen Anhängern zu beraten. Dies geschah, damit er sich seiner Umma gegenüber als Vorbild der Beratung darstellte. Durch sein eigenes Handeln lehrte er die richtigen Grundprinzipien der Demokratie (Democracy). Daraus darf man jedoch nicht schließen, dass sein Rang dem anderer Führer gleich gewesen sei. Für andere Führer wurde gesetzlich festgelegt, dass sie unbedingt durch Beratung handeln müssen. (Arabisch******)„Sie sollen alle ihre Angelegenheiten durch gegenseitige Beratung regeln.“ Wenn es bei der Beratung zu Meinungsverschiedenheiten kommt, muss man unmittelbar bei Allah und dem Gesandten (s.a.w.), das heißt im Koran und in der Sunna, Weisung suchen: (Arabisch*************************) (Wenn ihr in einer Angelegenheit untereinander uneins seid, dann legt die Entscheidung darüber Allah und dem Gesandten vor.) Doch unmittelbar nachdem dem Gesandten Allahs (s.a.w.) befohlen worden war, sich zu beraten, wurde ihm auch gesagt: (Arabisch*******) „Wenn du dann in einer Angelegenheit eine feste Entscheidung getroffen hast, vertraue auf Allah.“ Daraus wird klar ersichtlich, dass er nicht von der Beratung abhängig war. Dennoch wurde ihm die Beratung nur deshalb aufgetragen, damit durch die gesegnete Hand des Gesandten (s.a.w.) die Grundlage für ein wahrhaft demokratisches Regierungssystem gelegt werde.
Der Gehorsam gegenüber dem Gesandten als Führer oder Amir
Auch in dieser Angelegenheit hegen manche eine falsche Vorstellung. Sie sagen, der Gehorsam gegenüber dem Hochgeehrten (s.a.w.) in seiner Eigenschaft als Führer sei auf seine Lebenszeit beschränkt gewesen. Das ist jedoch nicht richtig. Als Beweis führen sie die Worte aus dem 20. Vers der Sure al-Anfal an (Arabisch********) und verstehen sie dahingehend, dass nur diejenigen den Befehl erhalten hätten, dem Wort des Gesandten (s.a.w.) zu folgen, die ihn damals hören konnten. Doch die eigentliche Bedeutung dieses Verses ist nicht das. Bereits im ersten Vers der Sure al-Anfal heißt es: (Arabisch*************) „Wenn ihr Gläubige seid, dann folgt Allah und dem Gesandten.“ Darüber hinaus werden im 5. Vers diejenigen getadelt, die innerlich zögerten, dem Aufruf des Gesandten (s.a.w.) zum Dschihad zu folgen. Danach heißt es im 13. Vers: (Arabisch***************) „Wer mit Allah und Seinem Gesandten streitet, soll wissen, dass Allah streng bestraft.“
Unmittelbar nachdem dies gesagt worden war, heißt es im 20. Vers:
(Arabisch*******************************************(auf PDF-Seite 225)
„O ihr Gläubigen! Gehorcht Allahs Befehl und gehorcht dem Befehl des Gesandten. Widersetzt euch dem Befehl nicht, wenn ihr ihn hört.“ In diesem Vers und in den vorhergehenden Versen wird wiederholt neben dem Gehorsam gegenüber dem Gesandten auch der Gehorsam gegenüber Allah erwähnt. Damit soll verdeutlicht werden, dass der Gehorsam gegenüber dem Gesandten selbst zum Gehorsam gegenüber Allah gehört. Eine weitere Sache ist zu beachten: An allen Stellen wird das Wort „Gesandter“ verwendet; das Wort „Amir“ wird nirgends gebraucht. Nicht einmal der entfernteste versteckte Hinweis findet sich darin, aus dem man schließen könnte, dass „Gesandter“ eine Stellung wie die eines Führers oder Amirs bedeute, die von der Stellung des Gesandten (s.a.w.) verschieden wäre. Zugleich ist beachtenswert, dass verboten wird, den Befehl des Gesandten (s.a.w.) zu missachten, und dass die Worte „wenn ihr ihn hört“ verwendet werden. Der eindeutige Sinn davon ist: Weigert euch nicht, meinem Gesandten (s.a.w.) zu gehorchen, obwohl ihr meine so oft verkündeten Befehle hört. Hier bedeutet das Wort „ihr“ nicht nur die zu Lebzeiten des Gesandten (s.a.w.) lebenden Muslime, sondern schließt alle Gläubigen bis zum Jüngsten Tag ein, die die Botschaft des Korans hören werden. Für sie alle ist es verpflichtend, jedem Befehl des Gesandten (s.a.w.) zu gehorchen und ihn umzusetzen, ganz gleich, auf welche Weise er sie erreicht.
Ein erstaunliches Argument
Manche argumentieren, die Führungsverantwortung des edlen Propheten (s.a.w.) sei ebenso vorübergehend gewesen wie die anderer Führer. Denn in der heutigen Zeit sei es unmöglich, wie in den Schlachten von Badr und Uhud mit Speeren, Lanzen und Schwertern zu kämpfen. Das ist wahrlich ein erstaunliches Argument! Die Waffen, die der Gesandte Allahs (s.a.w.) in jener Zeit verwendete, mögen in ihrer Verwendung auf die besonderen Verhältnisse jener Epoche beschränkt gewesen sein. Deshalb sind jedoch die ethischen Regeln und Einschränkungen, die er im Krieg befolgte und auch anderen zu befolgen befahl, keine Angelegenheit einer bestimmten Epoche. Vielmehr hat er durch sie für die Muslime ein dauerhaftes Kriegsrecht geschaffen.
Tatsächlich ist es aus schariatischer Sicht keine wesentliche Frage, welche Waffen der Ehrwürdige (s.a.) im Krieg verwendete – Schwert, Gewehr oder Kanone. Vielmehr ist entscheidend, zu welchem Zweck er diese Waffen einsetzte und welche Art von Blutvergießen er dadurch verursachte. Das Vorbild, das er durch die verschiedenen Schlachten aufzeigte, ist für den islamischen Dschihad ein ewiges und vollkommenes Vorbild. Daher ist der Weltenprophet, der Ehrwürdige Muhammad (s.a.), dem Grundsatz und dem Ideal nach bis zum Jüngsten Tag der Oberbefehlshaber aller muslimischen Heere aller Zeiten.
Der besondere Rang der Führung des Propheten
Ein ehrenwerter Herr weist auf den Unterschied zwischen Emirat und Gesandtschaft hin und sagt, dass die Muslime das Recht haben, mit ihrem Führer zu debattieren und anderer Meinung zu sein – während man dem Gesandten (s.a.) nicht widersprechen darf. Ich frage diesen ehrenwerten Herrn: Wie kann die Führung des Gesandten (s.a.) der Führung anderer Führer gleich sein? Vor jenem Führer durfte man nicht einmal die Stimme erheben; in der Sure al-Hudschurat wird verkündet, dass schon das Erheben der Stimme alle guten Taten eines ganzen Lebens zunichtemacht, und in der Sure an-Nisa wird davor gewarnt, dass man wegen eines Wortstreits mit ihm in die Hölle geworfen wird. Kann ein Muslim das Recht haben, seiner Entscheidung zu widersprechen? Gewiss nicht. Wie kann dann die Führung dieses Führers der Führung anderer Führer gleich sein? Das Recht, anderer Meinung zu sein, ist den Muslimen gegenüber anderen Führern ausdrücklich eingeräumt worden.
Die drei Stufen des Gehorsams
Manche hegen die irrige Vorstellung, die im Koran enthaltenen Anweisungen zum Gehorsam gegenüber dem Gesandten (s.a.) seien gleichbedeutend mit dem Gehorsam gegenüber einem Emir oder Führer. Ein solcher Standpunkt wird im Folgenden wiedergegeben:
„Wo im Koran der Gehorsam gegenüber Allah und dem Gesandten (s.a.) gemeinsam erwähnt wird, bedeutet dies allgemein den Gehorsam der Muslime gegenüber jener Führung, die den Koran als Grundlage des Gesetzes und der Staatsordnung annimmt und entweder vom Gesandten Allahs selbst (s.a.) oder von seinem Kalifen ausgeübt wird. So heißt es im Koran über die Kriegsbeute: (Arabisch************) „Die Menschen fragen dich nach der Kriegsbeute. Sag: Die Kriegsbeute gehört Allah und dem Gesandten.“ Es ist allgemein bekannt, dass diese Anweisung über die Beute nicht auf die Kriege des Ehrwürdigen Gesandten Allahs (s.a.) beschränkt war, sondern auch für spätere Zeiten gleichermaßen befolgt werden muss. Ihre Umsetzung (s.a.), das heißt diese Anweisung, liegt in den Händen der zeitgenössischen muslimischen Führung. Daher ist der Rang, den der Gesandte Allahs (s.a.) als Führer selbst innehatte, bei seinen Kalifen genau derselbe.“
Diese Auffassung ist offensichtlich nichts anderes als eine Verdrehung der Wahrheit. Im Heiligen Koran werden drei Stufen der Führung klar erwähnt: der Gehorsam gegenüber Allah, der Gehorsam gegenüber dem Gesandten (s.a.) und der Gehorsam gegenüber den „Ulul-amr“. Gehorsam gegenüber Allah bedeutet Gehorsam gegenüber den Geboten des Korans. Gehorsam gegenüber dem Gesandten (s.a.) bedeutet, seinen Worten und Taten zu folgen und sie nachzuahmen. Der Gehorsam gegenüber den „Ulul-amr“ bedeutet den Gehorsam gegenüber der Führung, die die Muslime gemäß dem Gehorsam gegenüber Allah und dem Gesandten sowie gemäß den islamischen Vorschriften leitet und ihre Grundsätze und Weisungen festlegt. In Bezug auf die ersten beiden Stufen ist die Aussage des Korans klar und unzweideutig. Der Koran hat wiederholt verkündet, dass über die Anweisungen Allahs und des Gesandten (s.a.) nicht im Geringsten gestritten werden darf. Die Aufgabe der Muslime besteht nur darin, sie anzuhören und danach zu handeln. In einer Angelegenheit, in der Allah und der Gesandte eine Entscheidung verkündet haben, besitzt kein anderer Muslim danach überhaupt das Recht, eine neue Entscheidung zu treffen. Anders gesagt: Wer auf diesen beiden Stufen auch nur versucht, Einwände oder Widerspruch zu erheben oder eine Debatte anzuzetteln, scheidet aus dem Islam aus. Über die dritte Stufe sagt der Koran, dass der Gehorsam gegenüber dem Emir oder Führer dem Gehorsam gegenüber Allah und dem Gesandten untergeordnet ist. Wenn Streit, Widerspruch oder Meinungsverschiedenheit entsteht, muss die Angelegenheit gemäß der Vorschrift Allahs und des Gesandten (s.a.) entschieden werden. Angesichts einer derart klaren und eindeutigen Anweisung gibt es keinerlei Anlass zu behaupten, Allah und der Gesandte (s.a.) bedeuteten die Führung der Muslime. Die Führung des Ehrwürdigen Gesandten Allahs (s.a.) und die Führung gewöhnlicher muslimischer Führer können keinesfalls auf dieselbe Stufe gestellt werden. In dieser Angelegenheit ist der aus dem Vers zu ziehende Schluss (Arabisch**************) „Die aus dem Vers vorgebrachte Begründung ist nicht richtig. Dass die Kriegsbeute Allah und dem Gesandten gehört, bedeutet, dass sie zum Wohl der von Allah und dem Gesandten (s.a.) gegründeten islamischen Gesellschaft, Organisation und Staatsordnung verwendet werden muss. Wie konnte man aus diesem Vers ableiten, dass Allah und der Gesandte mit der muslimischen Führung gleichzusetzen seien?“
Der irrige Versuch, zwischen religiösen und sozialen Tätigkeiten zu unterscheiden
Im Koran findet sich nicht der geringste versteckte Hinweis darauf, dass lediglich die religiösen Handlungen des Gesandten Allahs (s.a.s.) als ein ewiges und zeitüberdauerndes Vorbild zu betrachten seien, während seine Anweisungen und Entscheidungen in sozialen und zivilisatorischen Angelegenheiten nur für eine bestimmte Epoche Gültigkeit hätten. Sollte es im Koran einen Vers geben, anhand dessen sich zwischen diesen beiden Arten von Handlungen unterscheiden lässt, wäre es gut, wenn ihn jemand aufzeigen würde. Soweit ich weiß, lautet die eindeutige Bestimmung des Korans:
(Arabisch*******************************************Auf Seite 227 der PDF)
„Nachdem Allah und Sein Gesandter eine Entscheidung in einer Angelegenheit verkündet haben, steht es keinem gläubigen Mann und keiner gläubigen Frau mehr zu, in ihrer eigenen Angelegenheit eine andere Entscheidung zu treffen. Und wer Allah und Seinem Gesandten ungehorsam ist, der ist offenkundig in die Irre gegangen.“ – (Sure al-Ahzab: 36)
In diesem Vers wird keine Grenze einer Epoche oder eines Zeitraums festgelegt. Es gibt keinen Anlass zu behaupten, mit den hier erwähnten gläubigen Männern und Frauen seien nur die gläubigen Männer und Frauen zu Lebzeiten des Gesandten Allahs gemeint. Auch die Angelegenheiten, auf die sich die Anweisungen oder Entscheidungen Allahs und des Gesandten beziehen, werden nicht auf religiöse Fragen beschränkt; vielmehr sind darin alle Arten von Angelegenheiten eingeschlossen – religiöse und soziale, zivilisatorische und wirtschaftliche oder politische. „Allah und der Gesandte“ bedeutet Allah und der Gesandte, keineswegs ein Emir oder eine Führung. Jeder Emir oder „Ulul Amr“ wird schließlich ein Gläubiger sein. Hier aber bedeutet es, dass gläubige Männer und Frauen, nachdem Allah und der Gesandte eine Entscheidung in einer Angelegenheit getroffen haben, überhaupt kein Recht mehr besitzen, selbst eine Entscheidung zu treffen – unabhängig davon, ob jemand allein oder alle gemeinsam diese Entscheidung treffen wollen. Danach wird gesagt, dass derjenige, der sich dem widersetzt, vom rechten Weg abirren wird. Das bedeutet, dass die Ordnung, die Allah und Sein Gesandter auf der Grundlage ihrer Anweisungen und Bestimmungen in der islamischen Gemeinschaft oder Gesellschaft errichtet haben, ohne die genaue Befolgung jenes Gesetzes und jener Bestimmungen nicht aufrechterhalten werden kann.
Wenn die Menschen unter Missachtung dessen, was Allah gesagt und Sein Gesandter getan hat, einen Weg nach eigenem Willen und Ermessen einschlagen, wird diese Ordnung nicht Bestand haben.
Die islamische Auffassung vom Gehorsam gegenüber dem Propheten und von der Freiheit der Meinungsäußerung
Ein Herr hat geschrieben:
„In dem in Sure al-Ahzab geschilderten Ereignis über Zayd ibn Haritha (r.a.) und Zaynab (r.a.) stellt sich eine Frage. Der Gesandte Allahs (s.a.s.) sagte zu Zayd,(Arabisch**********) „Halte deine Ehe mit deiner Frau aufrecht und fürchte Allah.“ Doch Zayd handelte dieser Anweisung des Propheten entgegen und ließ sich von Zaynab scheiden. Es besteht kein Zweifel daran, dass diese Handlung dem Befehl des Gesandten Allahs (s.a.s.) widersprach. Dennoch findet sich in der Ausdrucksweise des Korans weder ausdrücklich noch andeutungsweise etwas, woraus zu erkennen wäre, dass Allah diese Auflehnung Zayds auch nur im Geringsten missbilligt hätte. Im Gegenteil: Zu Beginn des Ereignisses wird Zayd als ein von Allah begnadeter Diener bezeichnet,(Arabisch*********) „dem Allah Seine Gunst erwiesen hat“. Daraus entsteht der Eindruck, dass es offenbar nicht falsch ist, gegen den Befehl des Propheten zu handeln, und dass man dem Wort des Propheten, selbst wenn es sich als authentisch erweist, nicht ebenso zwingend folgen muss wie dem Befehl Allahs.“
Die Frage ist keineswegs kompliziert, und der Zweifel des Fragestellers hätte mit wenigen Worten ausgeräumt werden können. Doch tatsächlich gehen von dem Punkt, an dem dieser Zweifel entsteht, auch verschiedene Irrvorstellungen aus. Und die Wurzeln dieser Irrvorstellungen reichen sehr tief. Daher wollen wir neben der Beseitigung dieses Zweifels auch ihre Wurzeln sowie ihre Verzweigungen etwas beleuchten.
Das Recht, Anweisungen zu erteilen, steht allein Allah zu
Der Koran hat in noch klarerer und unmissverständlicherer Sprache als die anderen himmlischen Schriften verkündet, dass es außer Allah niemanden gibt, der der höchste und souveräne Gesetzgeber, Befehlshaber und Herrscher ist. (Arabisch*********) (Niemand außer Allah hat das Recht, Gesetze zu erlassen und zu herrschen.) Allah der Erhabene kann Anweisungen geben, wie Er will: (Arabisch********) Wahrlich, Allah der Erhabene entscheidet, was immer Er will.) Er allein ist ein Herrscher, in dessen Anweisungen keinerlei Raum für Einwände besteht: (Arabisch********) (Seine Handlungen dürfen nicht hinterfragt werden.) Nur Allah zu gehorchen ist Pflicht, und es ist deshalb Pflicht, weil der Mensch seiner Natur nach Sein Diener oder Sklave ist. Er ist einzig dazu erschaffen worden, Allah zu dienen. (Arabisch*************) (Ich habe Dschinn und Menschen nur erschaffen, damit sie Mir dienen.) Der Mensch ist außer von Allah von niemandem erschaffen worden, ist niemandes Sklave und niemandes Schutzbefohlener. Daher ist kein Mensch verpflichtet, einem anderen Menschen zu gehorchen. (Arabisch*******************) (Sie fragen: Haben wir irgendeinen Anteil an der Herrschaft? Sprich: Die Herrschaft gehört uneingeschränkt allein Allah.) So besitzt kein Mensch gegenüber einem anderen Menschen souveräne und absolute Herrschaft (Absolute Authority); ebenso ist kein Mensch verpflichtet, außer Gott den Befehl eines anderen zu befolgen, nur weil dieser Befehl von einer bestimmten Person stammt.
Die Herrschaft des Menschen über den Menschen
Der Koran will das Joch des Gehorsams gegenüber jedem Wesen außer Allah von den Schultern des Menschen nehmen. Er will ihn in einen gehorsamen Diener Allahs, des wahren souveränen Herrn und Herrschers, verwandeln. Danach will er ihm vollkommene Freiheit des Denkens sowie des Gewissens und Verstandes geben. Tatsächlich war dies das Hauptziel der Offenbarung des Korans. Deshalb sehen wir, dass gerade der Koran den größten Kampf gegen die Versklavung und Knechtschaft des Menschen geführt hat. Nach seiner Auffassung besitzt kein Mensch das Recht, etwas nach eigenem Willen für verboten oder erlaubt zu erklären und zu verlangen, dass seine Gebote und Verbote ebenso unbedingt befolgt werden wie die Gebote und Verbote Allahs. Der Koran erkennt keine solche uneingeschränkte Herrschaft irgendeines Menschen an. Vielmehr hat er die Befolgung solcher Gebote und Verbote als Schirk bezeichnet. Diejenigen, die Gelehrte, Pirs und Murshids, Priester und Geistliche sowie Herrscher zu (Arabisch*********) oder zu Ersatzgöttern Allahs und an die Stelle Gottes setzen und ihre Worte widerspruchslos befolgen, hat der Koran als Muschrikun bezeichnet. Wenn manche Menschen einem anderen Menschen einen solchen bedingungslosen Gehorsam entgegenbringen, beginnen sie zwangsläufig, ihn als ihren Herrn und sich selbst als seinen Sklaven zu betrachten. Ein Mensch kann nur dann bereit sein, vor einem anderen Menschen freiwillig die Freiheit seines Gewissens, seines Herzens und seines Körpers vollständig aufzugeben, wenn er diesen für frei von allen Fehlern und Mängeln sowie für vollkommen sündlos und makellos hält oder wenn er glaubt, dass dieser aufgrund seines eigenen Rechts befugt ist, jede Art von Geboten und Verboten zu erlassen, und ein angeborenes Recht auf Herrschaft und Autorität besitzt. Oder wenn er glaubt, dass allein dieser über jede Macht verfügt, Schaden oder Nutzen zuzufügen, und dass allein er die Macht besitzt, den Lebensunterhalt zu gewähren oder zu verweigern. Zu glauben, dass irgendein Geschöpf oder irgendein Ding außer Allah solche Eigenschaften besitzt, ist die Quelle von Schirk und Knechtschaft. Der Kern des tauhidischen Glaubens besteht dagegen darin, zu glauben, dass kein Geschöpf und kein Ding außer Allah Träger solcher Eigenschaften ist, und die Herrschaft und das Recht auf Regierung aller anderen zurückzuweisen. Die vollständige Befreiung und Freiheit des Menschen von der Knechtschaft gegenüber der Schöpfung ist die notwendige Folge dieses Ideals.
In welcher Weise muss dem Propheten gehorcht werden?
Nachdem man die vorangegangene Erörterung verstanden hat, muss man darüber nachdenken, in welcher Hinsicht der Gehorsam gegenüber dem Propheten (s.a.s.), den der Islam zur Pflicht gemacht hat und von dem die Religion abhängt, zu leisten ist. Dieser Gehorsam gilt keineswegs deshalb, weil der Prophet eine besondere Persönlichkeit ist, etwa der Sohn Imrans, der Sohn Maryams oder der Sohn Abdullahs, und ihm aufgrund dieser besonderen Stellung das Recht zukäme, Gebote und Verbote zu erlassen sowie Halal und Haram festzulegen. Wäre es so, dann würde der Prophet – Allah behüte – selbst zu einem der vielen Götter neben Allah, also zu einem der Arbāb statt Allahs, werden. Auf diese Weise würde gerade durch seine eigene Hand der Zweck vereitelt, zu dem er als Prophet gesandt wurde. Der Koran hat diese Angelegenheit in äußerst deutlicher Sprache dargelegt. Er sagt, dass der Prophet als Person ebenso ein Mensch ist wie die übrigen Menschen. (Arabisch********************) „O Prophet! Sprich: Mein Herr steht über allen Mängeln und Unvollkommenheiten. Wahrlich, ich bin nichts anderes als ein Mensch, dem der Rang eines Gesandten verliehen wurde.“ (Arabisch******************) „Ihre Propheten sagten zu ihnen: Wir sind doch nur Menschen wie ihr.“ Aufgrund seines Prophetentums entsteht jedoch ein gewaltiger Unterschied zwischen ihm und den übrigen Menschen. Als ihm das Prophetentum verliehen wurde, wurde ihm zugleich auch Herrschaftsgewalt übertragen. Allah sagt: (Arabisch******************) „Die Propheten sind jene, denen Ich das Buch, die Herrschaftsgewalt und das Prophetentum gegeben habe.“ Mit „Hukm“ oder Herrschaftsgewalt sind hier sowohl die Befugnis zur Entscheidungsfindung als auch die staatliche Autorität gemeint. Somit ist eindeutig zu erkennen, dass die Macht und staatliche Autorität in der Hand des Propheten nicht persönlicher Natur sind, sondern von Allah übertragene Macht und Befugnis. Deshalb ist der Gehorsam ihm gegenüber Gehorsam gegenüber Allah selbst. Allah sagt: (Arabisch******************) „Wer dem Gesandten gehorcht, der gehorcht damit gewiss Allah.“ Der Zweck, zu dem der Prophet gesandt wurde, besteht eben darin, dass er im Auftrag Allahs die Gebote Allahs verkündet und die Muslime ihnen Folge leisten. Allah sagt: (Arabisch******************) „Wir haben keinen Propheten gesandt, außer damit ihm mit Allahs Erlaubnis gehorcht werde.“ Daher ist der Befehl des Gesandten (s.a.s.) selbst Allahs Befehl, da ihm aufgrund Allahs Anweisung gehorcht werden muss. In dieser Hinsicht ist der Befehl des Gesandten (s.a.s.) Allahs eigener Befehl. Niemand besitzt diesbezüglich auch nur das geringste Recht, irgendeine Frage zu erheben. Allah sagt:
(Arabisch************************************auf PDF-Seite 231)
„Wer sich, nachdem ihm die Rechtleitung deutlich geworden ist, dem Propheten widersetzt und einen Weg einschlägt, der sich vom Weg der Gläubigen unterscheidet, den lasse Ich dem folgen, wohin er sich gewandt hat, und werde ihn dann in die Hölle stoßen. Welch schlimmer Aufenthaltsort!“
Unbedingter Gehorsam
Nicht nur der tatsächliche Ungehorsam gegenüber dem Gesandten (s.a.s.), sondern bereits der im Herzen gehegte Wunsch, ihm ungehorsam zu sein, führt mit Sicherheit zum Verlust des Glaubens. Allah, der Erhabene, hat gesagt:
(Arabisch******************************auf PDF-Seite 231)
„Bei Allah, sie werden niemals gläubig sein, solange sie dich nicht zum Richter in ihren gegenseitigen Streitigkeiten machen und dann bei sich keinen Widerwillen gegen dein Urteil empfinden, sondern sich ihm vollständig unterwerfen.“
Der Ungehorsam gegenüber dem Gesandten bringt dem Menschen für alle Ewigkeit Verlust und Scheitern. Allah, der Erhabene, sagt:
(Arabisch******************auf Seite 232 des PDFs)
„Über diejenigen, die ungläubig waren und dem Gesandten den Gehorsam verweigerten, wird am Tag der Auferstehung ein Unglück hereinbrechen, sodass sie sich wünschen werden, die ganze Erde möge über ihnen aufgeschüttet werden.“
Der Prophet macht die Menschen nicht zu seinen Sklaven
Die Religion und der Glaube beruhen auf dem Gehorsam gegenüber dem Propheten und der vollständigen Ergebung in ihn. Es wurde in dieser Hinsicht noch deutlicher erklärt, dass die Rechtleitung vom uneingeschränkten Gehorsam gegenüber dem Propheten abhängt. (Arabisch******************) Dass dieser Gehorsam dem Propheten nicht als Mensch oder als Person gebührt, wurde bereits dargelegt. Die Propheten werden nicht entsandt, um die Menschen zu ihren eigenen Dienern und Sklaven zu machen, sondern um die Menschen Allah gehorsam zu machen. Hierzu sagt Allah:
(Arabisch******************auf Seite 232 des PDFs)
„Es steht keinem Menschen zu, dass Allah ihm das Buch, die Herrschaft und das Prophetentum gibt und er danach zu den Menschen sagt: ,Werdet meine Diener statt Diener Allahs.‘ Nein, vielmehr wird er sagen: ,Werdet Diener Allahs.‘“
Der Prophet ist nicht deshalb gekommen, um die Menschen zu zwingen, seinen persönlichen Wünschen und Neigungen zu folgen, seinen Einfluss durch seine Größe und Würde auf sie auszuüben, sie ihres Rechts zu berauben, seinen Ansichten eigene Ansichten entgegenzusetzen, und sie dazu zu bringen, ihren Verstand und ihr Denken in seiner Gegenwart untätig zu lassen. Das wäre eben jene Anbetung von etwas anderem als Allah, deren Ausrottung der Prophet gekommen ist.
Der Prophet ist doch gekommen, um alle Arten von Fesseln der Knechtschaft des Menschen gegenüber dem Menschen zu zerreißen, die den Menschen auferlegt worden waren. Allah sagt: (Arabisch******************) „Und er nimmt ihnen ihre Lasten und die Fesseln ab, die auf ihnen lagen.“ Der Prophet ist gekommen, um den Menschen die Macht und Befugnis zu entreißen, die sie sich angeeignet hatten, die Rechte und Pflichten der Menschen festzulegen und eigenmächtige Grenzen zwischen dem Erlaubten und dem Verbotenen zu ziehen. Allah sagt: (Arabisch******************) „Ihr habt nicht das Recht, mit eurem Mund das, was ihr wollt, für verboten oder erlaubt zu erklären.“ Das Prophetentum trat in Erscheinung, um die Menschen von der Erniedrigung zu befreien, die sie befallen hatte und die darin bestand, die Befehle und Entscheidungen anderer Menschen widerspruchslos hinzunehmen. Der Koran erinnert die Menschen daran: (Arabisch******************) „Keiner von uns soll einen anderen anstelle Allahs zu seinem Herrn nehmen.“ Wie könnte es also rechtmäßig sein, dass ein Prophet die Fesseln der Knechtschaft gegenüber anderen von den Schultern der Menschen zerreißt und sie dann erneut mit den Fesseln seiner eigenen Knechtschaft bindet? Wie könnte es angemessen sein, dass er allen anderen das Recht entreißt, das Erlaubte und das Verbotene festzulegen, und es unmittelbar darauf selbst an sich reißt, alle anderen vom Sitz der Macht und Herrschaft entfernt und sich selbst darauf niederlässt? Wie könnte der Prophet, der die Juden und Christen dafür tadelt, dass sie ihre religiösen Führer und Mönche anstelle Allahs zu Herren genommen haben, (Arabisch******************) sagen: ,Wie könnte ich euch nun auffordern, mich anstelle Allahs als Herrn oder Gott anzuerkennen und meinen Wünschen und Neigungen zu dienen?‘
Der Gehorsam gegenüber dem Propheten in seiner Eigenschaft als Prophet
In der Tat hat Allah, der Erhabene, durch Seinen Propheten wiederholt diese Wahrheit verkünden lassen: Der Gehorsam, zu dem der Gläubige verpflichtet wurde, von dem es abhängt, ob sein Glaube besteht oder nicht und von dem er sich nicht einmal um Haaresbreite entfernen darf – ganz zu schweigen davon, ihn aufzugeben –, ist nicht der Gehorsam gegenüber dem Propheten als Mensch, sondern der Gehorsam gegenüber ihm gerade als Prophet. Das heißt: Man muss den Befehl, das Wissen, die Rechtleitung sowie das Gesetz und die Bestimmungen befolgen, die der Prophet den Menschen von Allah übermittelt. Aus dieser Darlegung wird deutlich, dass das Band des Gehorsams, durch das der Islam den Menschen bindet, in Wirklichkeit nicht der Gehorsam gegenüber einem Menschen, sondern ausschließlich der Gehorsam gegenüber Allah ist. Allah sagt:
(Arabisch****************** auf PDF-Seite 233)
„(O Prophet!) Wir haben dir dieses wahre Buch herabgesandt, damit du zwischen den Menschen nach dem richtest, was Allah dich an Gerechtigkeit gelehrt hat.“ – (Sure an-Nisa: 105).
(Arabisch****************** auf PDF-Seite 233)
„Und diejenigen, die nicht nach dem richten, was Allah herabgesandt hat, sind in Wahrheit die Ungerechten.“ – (Sure al-Ma’ida: 45).
So wie alle anderen Menschen verpflichtet sind, Allahs Gesetz zu befolgen, ist auch der Prophet selbst als Mensch verpflichtet, es zu befolgen. (Arabisch******************) „Ich befolge nur das, was mir durch die Offenbarung herabgesandt wird.“ – (Sure al-An’am: 50)
Der Gehorsam gegenüber dem Propheten untersteht Allahs Anweisung
Neben den oben angeführten Versen beweisen noch viele weitere Verse eindeutig, dass die Anbetung und der Gehorsam ausschließlich Allah gelten und niemand anderem. Wenn es überhaupt Raum für die Knechtschaft gegenüber etwas anderem als Allah sowie für die Herrschaft und Oberhoheit von Menschen über Menschen gibt, dann nicht in ihrer Eigenschaft als Menschen. Dem Propheten muss gewiss gehorcht werden, jedoch deshalb, weil Allah ihm das Recht verliehen hat, Anweisungen zu erlassen. Den Herrschern und Verwaltern muss gehorcht werden, weil sie mit der Aufgabe betraut sind, die Gebote Allahs und des Gesandten (s.a.w.) anzuwenden und umzusetzen. Den Gelehrten muss gehorcht werden, weil sie die Gebote und Verbote Allahs und des Gesandten (s.a.w.) sowie die von Ihm bestimmten Grenzen zwischen Erlaubtem und Verbotenem darlegen. Wenn einer von ihnen ein Gebot Allahs vorlegt, ist es die Pflicht jedes Muslims, sich ihm zu unterwerfen. Er hat keinerlei Recht, dessen Vernünftigkeit oder Gültigkeit anzufechten. Vor Allah besitzt ein Gläubiger keine Freiheit des Denkens und keine Freiheit der Meinung. Wenn jedoch ein Mensch nicht Allahs Gebot, sondern seine eigene Meinung oder Auffassung vorträgt, ist es für einen Muslim nicht verpflichtend, sie anzunehmen. In diesem Fall ist er frei, selbstständig zu denken und eine eigene Meinung zu vertreten. Er hat das Recht, aus freien Stücken eine abweichende Meinung zu ihm zu vertreten. Dabei gibt es nicht nur gegenüber Gelehrten und Herrschern, sondern auch gegenüber einer persönlichen Meinung keinerlei Hindernis, anderer Ansicht zu sein.
zweiZiele
Ein Ziel im Leben des Edlen Propheten (s.a.w.) bestand darin, den Menschen die Ketten der Dienerschaft und des Gehorsams gegenüber Allah um den Hals zu legen. Das andere bestand darin, die Menschen von den Fesseln des Gehorsams und der Knechtschaft gegenüber Menschen zu befreien. Beide Aufgaben gehörten zu seiner Verantwortung als Prophet, und ihre Bedeutung war gleich groß. Um die erste Aufgabe zu erfüllen, war es unerlässlich, alle Muslime zum Gehorsam gegenüber ihm als Propheten zu verpflichten. Denn der Gehorsam gegenüber Allah hing gerade von ihrem Gehorsam gegenüber ihm ab. Andererseits war es zur Erfüllung der zweiten Aufgabe ebenso notwendig, dass er zunächst durch sein Handeln und sein Verhalten den Muslimen unauslöschlich die Wahrheit einprägte, dass es ihnen nicht vorgeschrieben war, irgendeinem Menschen – nicht einmal Muhammad, dem Sohn Abd Allahs – in seiner Eigenschaft als Mensch zu gehorchen, und dass ihr Geist völlig frei von der Knechtschaft gegenüber Menschen war. Dies war eine äußerst schwierige Aufgabe. In ein und derselben Person vereinigten sich die Eigenschaften des Prophetentums und des Menschseins. Sie konnten nicht durch eine klare Grenze voneinander getrennt werden. Doch der Gesandte Allahs (s.a.w.) vollbrachte diese Aufgabe mit der von Allah verliehenen Weisheit höchst meisterhaft. Einerseits erlangte er als Prophet einen Gehorsam, den kein Held der Weltgeschichte jemals zu irgendeiner Zeit erlangt hatte. Andererseits gewährte er als Mensch seinen hingebungsvollen Anhängern eine solche persönliche Freiheit, wie sie ihnen kein noch so großer demokratisch gesinnter Führer der Welt jemals gewähren konnte.
Es bedarf keiner Erläuterung, welch großen Einfluss und welche Autorität er als Prophet über seine Anhänger besaß und welch hohes Ansehen und welche Beliebtheit er bei den Muslimen genoss. Obwohl er derart einflussreich und mächtig war, trennte er in seinem alltäglichen Verhalten seine menschliche Würde und seine prophetische Würde so vollkommen voneinander, dass es dafür kein Beispiel gibt. Neben dem bedingungslosen und unerschütterlichen Gehorsam, den er als Prophet genoss, gewährte er den Menschen als Mensch uneingeschränkte Freiheit der Meinung und ermutigte sogar alle, seiner persönlichen Meinung zu widersprechen. Wer über diese Angelegenheit gründlich nachdenkt, wird gewiss erkennen, dass eine solche vollkommene Selbstbeherrschung, ein solches erstaunliches Urteilsvermögen sowie eine derart hohe Weisheit und Weitsicht nur einem Propheten möglich sind. Einerseits gewinnt man dabei den Eindruck, dass seine persönliche Stellung trotz ihrer Eigenständigkeit in der Stellung des Prophetentums aufgeht. Andererseits wird auch deutlich, dass er selbst durch sein persönliches Verhalten die Aufgabe des Prophetentums erfüllt. Persönlich lehrte er sie, wie sie im Umgang mit Menschen ihre Freiheit des Denkens einsetzen sollten. Er ließ sie wissen, dass der Mensch seine Freiheit der Meinung und des Denkens jedem Menschen gegenüber ausüben darf. Selbst gegenüber dem herausragendsten Menschen, den er als von Allah gesandten Mann für die höchstgeehrte Person halten muss, besitzt er diese Freiheit und darf sie ausüben. Wenn jemand außer einem Propheten eine derart umfassende Macht, einen solchen Einfluss und eine solche Autorität über Menschen besessen hätte, hätte er sie gewiss zu seinen Sklaven gemacht und seine uneingeschränkte Herrschaft über sie ausgedehnt, wie es Priester, Geistliche, Pīrs und Könige zu allen Zeiten und in allen Ländern getan haben. Der ehrwürdige Gesandte Allahs (s.a.w.) sagte:
(Arabisch************************************auf Seite 235 der PDF)
„Auch ich bin ein Mensch. Wenn ich euch in religiösen Angelegenheiten eine Anweisung gebe, dann befolgt sie. Wenn ich jedoch etwas nach meiner eigenen Meinung sage, dann wisst: Ich bin nur ein Mensch.“
Einige Beispiele für die Förderung der Meinungsfreiheit
Einmal gab der Hochgeehrte (s.a.w.) den Besitzern der Obstgärten in Medina einige Ratschläge zum Anbau von Datteln. Die Gartenbesitzer handelten nach diesem Rat, doch er brachte ihnen keinen nennenswerten Nutzen. Als dem Gesandten Allahs (s.a.w.) davon berichtet wurde, sagte er:
(Arabisch************************************auf PDF-Seite 235)
„Ich hatte lediglich etwas aufgrund einer Vermutung gesagt. Akzeptiert nicht, was ich allein auf der Grundlage von Vermutungen und meiner eigenen Meinung sage. Wenn ich jedoch etwas von Allah übermittle, dann akzeptiert es. Denn ich habe Allah niemals eine Lüge zugeschrieben.“
Der Platz, an dem der Prophet (s.a.w.) in der Schlacht von Badr zunächst sein Zelt aufgeschlagen hatte, war nicht besonders geeignet. Der Gefährte Hubab ibn Mundhir (r.a.) fragte ihn: „Wurde dieser Platz auf Anweisung der Offenbarung ausgewählt oder lediglich aus militärstrategischen Gründen?“ Der Prophet (s.a.w.) antwortete: „Nicht auf Anweisung der Offenbarung.“ Daraufhin sagte Hubab: „Meiner Meinung nach sollten wir weiter vorrücken und an jenem bestimmten Ort unser Zelt aufschlagen.“ Der Prophet (s.a.w.) folgte seinem Rat und handelte entsprechend.
Im Zusammenhang mit den Kriegsgefangenen von Badr beriet sich der Prophet (s.a.w.) mit den Gefährten und äußerte seine Meinung selbst als ein gewöhnliches Mitglied der Gemeinschaft. In dieser Angelegenheit vertrat Umar (r.a.) eine andere Meinung als Allahs Gesandter (s.a.w.) und Abu Bakr (r.a.). Dies ist ein berühmtes Ereignis der Geschichte. In derselben Versammlung sprach der Prophet (s.a.w.) auch über seinen Schwiegersohn Abu al-As und sagte zu den Gefährten: „Wenn ihr einverstanden seid, kann die Halskette, die Abu al-As als Lösegeld abgenommen wurde, ihm zurückgegeben werden.“ Erst nachdem alle Gefährten dem bereitwillig zugestimmt hatten, gab er ihm die Halskette zurück.
Im Kampf am Graben wollte der Prophet (s.a.w.) mit dem Stamm der Banu Ghatafan einen Friedensvertrag schließen. Die führenden Männer der Ansar sagten: „Wenn dies eine Anweisung der Offenbarung ist, gibt es nichts zu sagen. Wenn es jedoch die persönliche Meinung des Propheten (s.a.w.) ist, sind wir anderer Meinung.“ Der Prophet (s.a.w.) akzeptierte ihre Ansicht und zerriss eigenhändig den Entwurf des Friedensvertrags.
Der Friedensvertrag von Hudaybiyya gefiel den Gefährten nicht, da er auf den ersten Blick wie ein Vertrag aussah, in dem man sich unterwarf. Umar (r.a.) äußerte offen seine abweichende Meinung. Als der Prophet (s.a.w.) jedoch sagte: „Ich tue dies als Prophet“, wagte es aufgrund des islamischen Ehrfurchtsgefühls niemand, auch nur ein Wort dagegen zu sagen, obwohl alle ein wenig bekümmert waren. Umar (r.a.) bereute diesen Fehler bis kurz vor seinem Tod auf verschiedene Weise: Er hatte dem Propheten in einer Angelegenheit widersprochen, die dieser als Gesandter auszuführen im Begriff war.
Nach der Schlacht von Hunayn waren die Ansar darüber bekümmert, dass der Prophet bei der Verteilung der Kriegsbeute den vergleichsweise wohlwollend gesinnten Nichtmuslimen besondere Höflichkeit erwiesen hatte. Der Prophet ließ sie zu sich rufen. Zu seiner Rechtfertigung sagte er nicht: „Ich bin der Prophet – ich kann tun, was ich will“, sondern ging vor wie der Vorsitzende einer demokratischen Regierung, der vor den Mitgliedern der Opposition in einer begründenden Rede seine Ansicht darlegt. Er forderte sie nicht auf: „Wenn ihr an den Gesandten glaubt, dann akzeptiert dies“, sondern wandte sich an ihren Verstand und ihre Gefühle und entließ sie erst, nachdem er sie zufriedengestellt hatte.
So viel zum Umgang mit hochrangigen Persönlichkeiten der Gesellschaft. Der große Prophet (s.a.w.) hatte sogar unter den Sklavinnen und Sklaven eine unabhängige Haltung geweckt. Eine Sklavin namens Barira war ihres Mannes überdrüssig geworden und hatte ihn verlassen. Ihr Mann jedoch hing zutiefst an ihr. Als der Prophet (s.a.w.) sah, wie ihr Mann weinte und klagte, sagte er zu Barira: „Es wäre nicht schlecht, wenn du zu deinem Mann zurückkehrtest.“ Sie fragte: „O Gesandter Allahs (s.a.w.), befehlen Sie mir das?“ Der Prophet (s.a.w.) sagte: „Nein, es ist kein Befehl; ich spreche lediglich eine Empfehlung aus.“ Sie sagte: „Wenn es eine Empfehlung ist, möchte ich nicht zu ihm zurückkehren.“
Es gibt noch viele weitere Beispiele dieser Art. Daraus wird ersichtlich, dass die Menschen ihre Meinung frei äußerten, wenn sie aus Gesten oder aus einer eindeutigen Aussage des Propheten (s.a.) erkannten, dass er nach seiner eigenen Auffassung sprach; und auch er ermutigte sie, ihre Meinung frei zu äußern. In solchen Fällen war es nicht nur zulässig, eine abweichende Meinung zu vertreten, sondern dies war ihm sogar willkommen, und oftmals nahm er seine eigene Auffassung zurück.
Die Bedeutung des Vorfalls mit Zaid
Betrachten wir nun den Vorfall mit Zaid. Seine Beziehung zum Heiligen Propheten (s.a.) hatte mehrere Seiten. Eine bestand darin, dass der Ehrwürdige (s.a.) sein Führer und Zaid sein Gefolgsmann war. Eine andere bestand darin, dass der Ehrwürdige sein Schwager und Zaid sein Schwippschwager war. – [Zaynab war die Cousine väterlicherseits des Heiligen Propheten (s.a.), und sie war mit Zaid verheiratet.] Die dritte Beziehung bestand darin, dass der Ehrwürdige (s.a.) sein Pflegevater und Erzieher war und Zaid sein Adoptivsohn. Zaid kam mit seiner Frau nicht gut zurecht. Deshalb beschloss er, sich von ihr scheiden zu lassen. Unter diesen Umständen gab der Ehrwürdige ihm den Rat, den ein Schwager seinem Schwippschwager und ein Pflegevater seinem Adoptivsohn normalerweise geben würde. Er sagte also: „Fürchte Allah und lass dich nicht von deiner Frau scheiden.“ Doch den Hass, der aufgrund ihrer unterschiedlichen Wesensarten zwischen den Eheleuten entstanden war, empfand Zaid selbst sehr viel stärker. Es handelte sich dabei nicht um eine Angelegenheit seines Islams und seines Glaubens, sondern um ein psychologisches Empfinden. Deshalb nahm er den Rat des Ehrwürdigen nicht an und ließ sich scheiden. Sein Widerspruch hier war kein Widerspruch gegen einen Gesandten. Und auch den Rat, den der Ehrwürdige gegeben hatte, hatte er nicht in seiner Eigenschaft als Gesandter Allahs gegeben. Daher war weder er verärgert noch Allah, der Erhabene. Wenn jedoch anstelle des Ehrwürdigen (s.a.) jemand anderes gewesen wäre, der einen Menschen seit dessen Kindheit erzogen, ihm Güte und Wohltaten erwiesen, ihn trotz des Makels der Sklaverei mit seiner eigenen Schwester verheiratet hätte und dieser dann trotz seines Verbots die Schwester geschieden hätte, wäre jener Mann gewiss unzufrieden gewesen. Doch der Ehrwürdige (s.a.) war nicht nur Erzieher und Schwager, sondern auch der Gesandte Allahs. Als Gesandter war es seine Pflicht, die Menschen aus der Knechtschaft anderer Menschen zu befreien und ihnen ihre verlorenen menschlichen Rechte zurückzugeben. Deshalb erteilte er keinen Befehl, sondern einen Rat. Und weil Zaid diesen Rat nicht befolgte, zeigte er nicht das geringste Missfallen. Daraus wird ersichtlich, dass die prophetischen Rangstufen in seiner Persönlichkeit einerseits voneinander unterschieden und andererseits untrennbar miteinander verbunden waren. Bei ihrer Anwendung bewahrte er ein so erstaunliches Gleichgewicht, dass nur ein Prophet ein solches Gleichgewicht wahren konnte. Auch als Mensch handelte er so, dass zugleich die Aufgaben und Pflichten des Prophetentums ganz von selbst erfüllt wurden.
Die Lehre des Propheten über die Freiheit des Denkens
Der Same der Denkfreiheit, den der edle Prophet (s.a.) gesät hatte, und die Lehre, die er die Menschen durch sein Handeln und Verhalten darin erteilt hatte, neben der Befolgung der Gebote Allahs ihre eigene Meinung frei zu äußern, bewirkten, dass die ehrwürdigen Gefährten (r.) Allahs Anweisungen mehr als alle anderen Menschen gehorchten und zugleich freier und demokratischer gesinnt waren als alle anderen. Auch in Gegenwart großer Persönlichkeiten gaben sie die Freiheit, ihre eigene Meinung zu äußern, nicht auf. Der Gedanke, eine Ansicht müsse allein deshalb über jeder Kritik stehen, weil sie von einer großen Persönlichkeit stamme, fand in ihren Herzen und Köpfen keinen Platz. Selbst die herausragendsten unter ihnen, deren Überlegenheit sie selbst anerkannten und die auch die heutige Welt anerkennt, akzeptierten deren Ansichten niemals allein aufgrund ihrer herausragenden Stellung; vielmehr nahmen sie sie bisweilen aus eigener Überzeugung an und wiesen sie bisweilen aus eigener Überzeugung zurück. Nach dem Gesandten Allahs (s.a.) waren die rechtgeleiteten Kalifen die stärksten Befürworter der Freiheit der Meinungsäußerung. Nach dem Vorbild ihres großen Führers ertrugen sie die Freiheit der Menschen nicht bloß, sondern ermutigten sie dazu. Niemals sagten sie auch nur zu einem völlig unbedeutenden Menschen: „Wir sind die besten Menschen. Darum nehmt unsere Worte ohne jeden Zweifel an.“
Die Freiheit des Denkens nach dem Kalifat der Rechtgeleiteten
Nach den rechtgeleiteten Kalifen versuchten die umayyadischen und abbasidischen Herrscher, die Freiheit des Denkens und der Meinungsäußerung auf vielerlei Weise zu rauben: bald durch Einschüchterung, bald durch strenge Unterdrückung und Verfolgung, bald durch Verlockungen. Dennoch blieb der Antrieb zum freien Denken unter den Tabi’un, den Nachfolgern der Gefährten, und den Tabi at-Tabi’in, ihren Nachfolgern, ja sogar unter den späteren Muslimen lange Zeit erhalten. In der Geschichte des Islams bis zum zweiten oder dritten Jahrhundert finden sich dafür äußerst glänzende Beispiele. Allerdings ist das Freiheitsbewusstsein gegenüber Herrschern und Emiren eine vergleichsweise geringfügige Angelegenheit. Das größte Zeichen der Freiheit von Seele und Gewissen besteht darin, dass ein Mensch selbst die blinde Nachahmung jener Persönlichkeit unterlässt, die er für höchst verehrungswürdig und heilig hält und für die in seinem tiefsten Inneren eine tiefe Ehrfurcht und Hochachtung besteht; auch ihr gegenüber denkt er unabhängig und bildet sich eine eigene Meinung. Ein solches Freiheitsbewusstsein finden wir unter den Gelehrten und Wissenden jener Zeit.
Die Denkfreiheit der Rechtsgelehrten und Imame
Wer könnte eine reinere und ehrwürdigere Persönlichkeit sein als die Sahaba? Und wer könnte ihnen mehr Ehrfurcht entgegenbringen als die Tabi’in? Dennoch kritisierten sie die Auffassungen der Sahaba freimütig, prüften und bewerteten ihre gegenseitigen Meinungsverschiedenheiten und verwarfen die Auffassung des einen, um die des anderen anzunehmen. Über die gegenseitigen Meinungsverschiedenheiten der Sahaba sagte Imam Malik (رحمه الله) ohne jedes Zögern:(Arabisch**************) „Unter den Auffassungen der Sahaba gibt es sowohl richtige als auch falsche. Denkt selbst gründlich nach und bildet euch euer Urteil.“ In ähnlicher Weise sagte Imam Abu Hanifa (رحمه الله):(Arabisch*********************) „Von zwei unterschiedlichen Auffassungen muss eine unbedingt als falsch angesehen werden.“
Keiner dieser Imame selbst hat jemals gesagt: ‚Wir machen keine Fehler. Stellt euer eigenes Nachdenken ein und folgt uns einfach nach.‘ Wann immer Hadhrat Abu Bakr as-Siddiq (رضي الله عنه) zu einer Angelegenheit seine eigene Meinung äußerte, sagte er sogleich:
(Arabisch************************************PDF, Seite 239)
„Dies ist meine Meinung. Wenn sie richtig ist, kommt sie von Allah; wenn sie falsch ist, kommt sie von mir, und ich bitte Allah um Vergebung.“
Hadhrat Umar (رضي الله عنه) sagte:(Arabisch***************************) „Lasst nicht zu, dass eine irrige Auffassung zum Vorbild für die gesamte muslimische Gemeinschaft wird.“
Hadhrat Ibn Mas’ud (رضي الله عنه) sagte:
(Arabisch************************************PDF, Seite 239)
„Hütet euch davor, dass irgendeiner von euch in Fragen des Islam blind jemandem folgt und es so weit kommt, dass er, wenn die nachgeahmte Person gläubig ist, ebenfalls gläubig wird, und wenn die nachgeahmte Person ein Ungläubiger ist, auch er ein Ungläubiger wird. Wahrlich, in schlechten und falschen Dingen darf niemand nachgeahmt werden.“
Imam Malik (r.a.) sagt:
(Arabisch************************************auf PDF-Seite 239)
„Ich bin nur ein Mensch. Meine Meinung kann sowohl falsch als auch richtig sein. Denkt über meine Meinung nach und prüft sie. Was ihr im Einklang mit dem Koran und der Sunna findet, das nehmt an; was ihr im Widerspruch zum Koran und zur Sunna findet, das verwerft.“
Diese Begebenheit aus dem Leben von Imam Malik ist historisch weithin bekannt: Der abbasidische Kalif Mansur wollte sein Werk al-Muwatta als verbindliche Verfassung für die gesamte muslimische Welt einführen. Er beabsichtigte, alle bestehenden Madhhabs der Rechtswissenschaft abzuschaffen und ausschließlich den malikitischen Madhhab einzuführen. Doch Imam Malik selbst ließ ihn dies nicht tun, weil er die Freiheit anderer, nachzudenken, zu forschen, eigene Meinungen zu vertreten und Idschtihad zu betreiben, nicht berauben wollte.
Imam Abu Yusuf (r.a.) sagt: (Arabisch********************auf PDF-Seite 240)
„Es ist nicht zulässig, dass andere die von uns vertretene Meinung übernehmen, ohne ihre Quelle zu kennen.“
Imam Schafi’i (r.a.) sagt:
(Arabisch************************************auf PDF-Seite 240)
„Wer sich Wissen ohne Beweise aneignet, gleicht einem Holzsammler in der Dunkelheit der Nacht. Er wird sich die Last des Holzes auf den Kopf laden, ohne zu wissen, dass sich darin eine Schlange verbirgt, die ihn beißen wird.“
Das Zeitalter des Niedergangs der von Islam gewährten Freiheit im Denken
Die geistige Kraft der uneingeschränkten Freiheit zu Überlegung, Forschung, Meinungsbildung und Wahrheitssuche, die der ehrwürdige Gesandte Allahs (s.a.w.) unter seinen Anhängern entfacht hatte, blieb unter den Muslimen nahezu drei Jahrhunderte lang erhalten. Danach begannen die Willkürherrschaft der Emire und Würdenträger, der Herrscher und Gelehrten sowie der Pīrs, diese geistige Kraft zunichtezumachen. Den denkenden Menschen wurden sowohl das Recht auf unabhängiges Denken als auch das Recht zu sehen und zu sprechen genommen. Von den Höfen bis hin zu den Medresen und den Chānaqāhs wurden die Muslime in der Lehre der Knechtschaft erzogen. Man fesselte sie völlig und unauflöslich an die Knechtschaft von Verstand und Geist, Seele und Körper. Die Herrscher ließen sie vor sich Rukūʿ und Suǧūd vollziehen und schufen dadurch eine Mentalität der Knechtschaft. Die Leiter der Medresen pflanzten ihnen neben der Lehre der Gottesverehrung auch das Gift des Scheichkults in den Kopf. Und die seit der Zeit des ehrwürdigen Gesandten Allahs (s.a.w.) bestehende Methode der Baiʿa entstellten die Pīrs und Muršids und schlossen die Muslime in die Kette einer sogenannten „heiligen Knechtschaft“ ein. Diese Kette ist so entsetzlich, dass der Mensch für den Menschen wohl niemals eine härtere und schwerere Fessel erfunden hat.
Infolgedessen begann man, sich vor anderen als Allah zu verbeugen, vor ihnen die Hände wie beim Gebet zu verschränken, und es galt als ungehörig, den Menschen in die Augen zu sehen. Man begann, die Hände und Füße von Menschen zu küssen; Menschen wurden für andere zu Göttern und Versorgern. Menschen eigneten sich von selbst das Recht an, Gebote und Verbote zu erlassen, und wurden gegenüber den Beweisen und Argumenten des Korans und der Sunna rücksichtslos. Menschen wurden als über jeden Fehler und Mangel erhaben angesehen, und die Befehle und Meinungen von Menschen wurden, auch wenn man sie ihrem Glaubensinhalt nach nicht als Gottes Befehle betrachtete, in der Praxis so behandelt, als seien sie wie Gottes Befehle unbedingt zu befolgen. Wenn ein solcher Zustand eintrat, muss man davon ausgehen, dass man sich von jenem ewigen Aufruf abgewandt hatte, den Allahs Prophet verkündet hat. Er lautet:
(Arabisch************************************auf PDF-Seite 241)
„(Lasst uns) niemandem außer Allah dienen und gehorchen und Ihm nichts zur Seite stellen. Und keiner von uns soll einen anderen anstelle Allahs zu einem Gott nehmen.“ Danach ist keine geistige, moralische oder spirituelle Weiterentwicklung mehr möglich. Der Niedergang wird sein unausweichliches Ergebnis sein.
Die Gesandtschaft und die damit verbundenen islamischen Bestimmungen
Was den Gehorsam gegenüber einem Gesandten betrifft, besteht allgemeiner Konsens darüber, dass kein Gesandter als Privatperson Anspruch auf Gehorsam hat. Der Gehorsam und die Nachfolge gegenüber Mūsā (a.s.) gelten nicht deshalb, weil er Mūsā ibn ʿImrān ist; ebenso kann ʿĪsā (a.s.) nicht deshalb Anspruch auf Gehorsam erheben, weil er ʿĪsā ibn Maryam ist. In gleicher Weise ist der Gehorsam gegenüber dem Propheten Muhammad (s.a.w.) nicht deshalb verpflichtend, weil er Muhammad ibn ʿAbdullāh ist. Alles, was an Gehorsam und Nachfolge zu leisten ist, geschieht einzig deshalb, weil diese großen Männer Gesandte Allahs sind. Allah hat ihnen ein wahres Wissen und eine Rechtleitung verliehen, die Er den gewöhnlichen Menschen nicht verliehen hat. Um ihnen das Leben auf der Welt zu ermöglichen, lehrte Er sie nach Seinem Willen jene richtigen Wege, die gewöhnliche Menschen weder nach ihrem eigenen Verstand und Urteilsvermögen noch mithilfe anderer Menschen außer den Propheten erlangen können. Uneinigkeit besteht nun darüber, in welchen Angelegenheiten der Gehorsam und die Nachfolge gegenüber dem Gesandten (s.a.w.) gelten und wo ihre Grenzen liegen.
Die Sichtweise einer Gruppe
Eine Gruppe sagt, dass man nur dem Buch Gehorsam leisten und folgen müsse, das der Gesandte (s) von Allah gebracht habe. Nachdem er dieses Buch den Menschen übermittelt habe, sei die Aufgabe des Gesandten (s) als Gesandter beendet. Danach sei er wie jeder andere Mensch. Wenn ein anderer Mensch Amir und nationaler Führer sei, müsse man ihm lediglich aus Gründen von Recht und Ordnung (Disziplin) gehorchen; dies sei jedoch keine religiöse Pflicht. Wenn ein anderer Mensch gelehrt, weise und Gesetzgeber sei, werde man ihm wegen seiner Vorzüge (Merits) folgen. Das aber sei völlig freiwillig und keine unerlässliche Pflicht; daher müsse man es auch beim Gesandten ebenso halten. Außer in der Übermittlung des Buches sei seine Stellung in allen anderen Angelegenheiten rein persönlicher Natur. Wenn er als Privatperson Amir oder Führer sei, gelte der Gehorsam ihm gegenüber nur, solange er diese Stellung innehabe – nicht dauerhaft. Wenn er Richter sei, seien seine Rechtsprechung und seine Entscheidungen nur innerhalb seines bestimmten Zuständigkeitsbereichs (Jurisdiction) wirksam. Außerhalb dieses Bereichs könnten seine Rechtsprechung und seine Entscheidungen höchstens als Präzedenzfall eines gelehrten Richters angenommen werden; seine Stellung als Gesetzgeber und Gesetzesstifter werde jedoch nicht anerkannt. Wenn er ein weiser Denker sei, könne man die Aussagen über Wissen und Moral, die er mache, hinsichtlich ihrer Qualität annehmen, so wie entsprechende Aussagen anderer Wissender, hervorragender Menschen und Gelehrter angenommen würden. Nur weil eine Aussage aus dem Mund eines Gesandten hervorgegangen sei, werde man sie nicht als Bestandteil des Din betrachten. Ebenso würden wir ihn, wenn er ein charaktervoller Mensch sei und sein Leben in seinem Verhalten, Umgang und seinen Geschäftsbeziehungen als ein äußerst vorbildliches Leben gelte, freiwillig als Vorbild annehmen, so wie wir hinsichtlich des untadeligen Lebens eines gewöhnlichen Menschen frei seien, es als Vorbild anzuerkennen. Doch keine seiner Handlungen oder Aussagen werde für uns in den Bereichen Moral, Gesellschaft und Wirtschaft den Rang eines verbindlichen Gesetzes besitzen.
Die Sichtweise einer zweiten Gruppe
Eine andere Gruppe hat diese Ansicht geringfügig abgewandelt. Ihre Aussage lautet, dass die Aufgabe des Gesandten (s) nicht nur darin bestanden habe, das Buch zu übermitteln, sondern dass es ebenfalls zu seiner Verantwortung gehört habe, die im Buch enthaltenen Anweisungen praktisch umzusetzen und vorzuführen, damit die muslimische Gemeinschaft ihnen genau folgen könne. Auch die detaillierte praktische Ausführung der Bestimmungen des Buches in Bezug auf die Ibadat und dergleichen, die der Gesandte (s) gelehrt habe, zu befolgen, sei eine religiöse Pflicht und gelte als Befolgung eben dieses Buches. Doch keine der Handlungen, die der Gesandte außerhalb der im Buch enthaltenen Bestimmungen in den verschiedenen Bereichen seines persönlichen Lebens – etwa als Richter, Gesellschaftsreformer, Denker, Bürger und Mitglied einer Gruppe – vollzogen habe, könne Bestandteil eines ewigen und universellen Gesetzes sein, dessen Befolgung und Gehorsam als religiöse Pflicht betrachtet werden könne.
Die Ansicht der dritten Gruppe
Nach Ansicht der dritten Gruppe erstrecken sich die Aufgabe und die Würde des Gesandten (s) als Gesandter über einen großen Teil seines Lebens. In zahlreichen Angelegenheiten – in Moral, gesellschaftlichem Verhalten, wirtschaftlichen Transaktionen sowie in administrativen und rechtlichen Urteilen und Entscheidungen – gehören die Worte und Taten des Gesandten unmittelbar zu Allahs Gesetz. Ihrer Ansicht nach sind seine Worte und Taten in diesen Angelegenheiten für die gesamte Umma das beste und verbindlich zu befolgende Vorbild. Dennoch neigen sie dazu, zwischen seinem persönlichen Leben und seinem Leben als Prophet zu unterscheiden. Sie sind der Meinung, dass es in seinem Leben einige Dinge gibt, die außerhalb seines prophetischen Lebens liegen, konnten jedoch das nachahmenswerte vorbildliche Leben nicht klar davon abgrenzen und nicht angeben, ab welcher Grenze der Gesandte (s) den Rang eines bloßen Menschen erlangt.
Die Ansicht der vierten Gruppe
Die Ansicht der vierten Gruppe lautet, dass das persönliche Leben des Gesandten (s.a.s.) und sein Leben als Prophet zwar hinsichtlich ihrer Würde als zweierlei betrachtet werden, in Wirklichkeit jedoch ein und dasselbe sind und praktisch kein Unterschied zwischen ihnen gemacht werden kann. Die Stellung der Gesandtschaft ist nicht mit den anderen Stellungen dieser Welt vergleichbar, bei denen ein Verantwortlicher nur so lange Verantwortlicher ist, wie er auf seinem Sitz sitzt, und in dem Augenblick, in dem er ihn verlässt, zu den gewöhnlichen Menschen gehört. Von dem Augenblick an, in dem der Gesandte die Verantwortung der Gesandtschaft übernimmt, bleibt er bis zu seinem Tod in dieser Verantwortung. Während dieser gesamten Zeit kann er sich nicht einmal für einen Augenblick mit einer Handlung befassen, die den Grundsätzen des Reiches widerspricht, als dessen Vertreter er entsandt wurde. Ob er nun Führer oder Staatsmann ist oder ein gewöhnliches Mitglied der Gesellschaft, ob er Ehemann, Vater, Bruder, Verwandter oder Freund ist – die Verantwortung der Gesandtschaft übt über alle Handlungen seines Lebens uneingeschränkt ihre Herrschaft aus. Die Verantwortung und die Würde der Gesandtschaft trennen sich keinen Augenblick von seinem Wesen. Selbst wenn er das Gebet leitet, ist er der Gesandte Allahs (s.a.s.), und ebenso ist er der Gesandte Allahs (s.a.s.), wenn er sich in der vertraulichen Nähe seiner Ehefrau befindet. Was immer er in den verschiedenen Bereichen des Lebens tut, tut er auf Allahs Anweisung. Er steht stets unter Allahs strenger Aufsicht. Daher ist er verpflichtet, jede Handlung innerhalb der von Allah festgelegten Grenzen auszuführen. Auf diese Weise zeigt er durch seine Worte, Taten und sein gesamtes Verhalten der Welt, dass die gesamte Ordnung des persönlichen und gemeinschaftlichen Lebens der Menschen auf diesen Grundsätzen beruhen sollte und dass die Freiheit des menschlichen Handelns innerhalb dieser Grenzen eingeschränkt sein sollte. Diese große Verantwortung erfüllt er auf staatlicher Ebene ebenso gewissenhaft wie im persönlichen und familiären Leben. Wenn ihm in irgendeiner Angelegenheit auch nur ein geringfügiger Fehltritt unterläuft, wird er unverzüglich gewarnt. Jeder seiner Fehler muss zwangsläufig zu einem Fehler der gesamten muslimischen Umma werden. Er wurde gerade deshalb als Gesandter entsandt, damit er durch sein Leben in der Gesellschaft der Bevölkerung das konkrete Bild des Lebens eines wahren Muslims vor Augen führt. Er soll sie nicht nur durch sein persönliches Handeln anleiten und zu persönlich vorzüglichen Muslimen machen, sondern zugleich die sozialen, politischen, wirtschaftlichen und moralischen Bestimmungen des Islam verwirklichen und eine wahrhaft islamische Gesellschaft aufbauen. Deshalb ist es äußerst notwendig, dass er von Fehlern und Irrtümern frei bleibt, damit man ihm mit voller Gewissheit folgen und seine Worte und Taten als den eigentlichen Maßstab islamischer Lehre und islamischer Vorbildlichkeit annehmen kann. Es ist unbestreitbar, dass es bei der Verpflichtung zur Nachahmung und Befolgung der Worte und Taten des Propheten unterschiedliche Stufen gibt. Manches gehört zur unbedingt erforderlichen, also zur verpflichtenden oder notwendigen Stufe, manches zur vergleichsweise besseren oder empfohlenen Stufe, und manches lediglich zur Stufe der Vervollkommnung. Insgesamt jedoch ist das gesamte Leben des Propheten ein Vorbild. Er wurde zu dem Zweck entsandt, dass der Mensch ihm folgt und sich nach seinem Vorbild formt. Je weiter ein Mensch in der Nachahmung dieses Vorbilds voranschreitet, desto vollkommener kann er als Mensch und Muslim werden. Wer jedoch bei der Nachahmung unter die geringste notwendige Stufe zurückbleibt, wird im Verhältnis zu seiner Rückständigkeit sündig, ungehorsam, irregeleitet und verflucht sein.
Meiner Ansicht nach steht diese letztgenannte Gruppe auf der Wahrheit. Je mehr ich im Licht des Heiligen Korans und der Vernunft nachdenke und forsche, desto stärker wird mein Glaube an die Richtigkeit dieser letztgenannten Ansicht.
Besondere Erziehung der Propheten bereits seit ihrer Kindheit
Wenn man die im Heiligen Koran enthaltenen Berichte über die Propheten liest, wird die Bedeutung des Prophetentums verständlich. Vor dem Hintergrund dieser Berichte kann ich mir nicht vorstellen, dass Allah der Erhabene plötzlich irgendeinen Passanten herbeiholt und ihm die Verantwortung überträgt, Sein Buch den Menschen zu übermitteln, oder jemanden für eine gewisse Zeit als Angestellten zum Propheten ernennt, der zu einem bestimmten Zeitpunkt eine bestimmte Aufgabe erfüllt, danach von seinem Amt entbunden ist und anschließend tun kann, was er will. Im Gegenteil sehe ich, dass Allah, wann immer Er einen Propheten zu einem Volk entsenden wollte, eigens einen Menschen erschuf, der die Verantwortung des Prophetentums erfüllen konnte. Die besten menschlichen Eigenschaften sowie die höchsten geistigen und spirituellen Kräfte und Fähigkeiten, die zur Wahrung dieser außerordentlich bedeutenden Würde erforderlich sind, legte Er bereits zuvor in ihn. Von seiner Geburt an zog Er ihn unter Seiner besonderen Obhut auf.
Vor der Verleihung des Prophetentums hielt Er ihn von allen Arten charakterlicher Fehler und Verfehlungen, von Irreleitung und schlechten Taten fern und bewahrte ihn vor jeder Art von Gefahr und Verderben. Er ließ ihn in einer Umgebung aufwachsen, in der sich die Kräfte und Fähigkeiten, die ihn zum Prophetentum befähigten, über ihre ursprünglichen Grenzen hinaus immer weiter entfalteten. Als er dann seine volle Reife erlangt hatte, verlieh Er ihm von Sich aus Wissen, Entscheidungsfähigkeit und die Führung auf dem geraden Weg. So setzte Er ihn auf den erhabenen Thron des Prophetentums und ließ diese Aufgabe durch ihn in vollkommener Weise erfüllen. Von seinem Aufstieg auf diesen Thron bis zu seinem letzten Atemzug war sein Leben der Erfüllung dieser schweren Verantwortung gewidmet. Die von Allah herabgesandten Verse seinem eigenen Volk unverändert vorzutragen, ihm anschließend die detaillierten Kenntnisse und die tieferen Einsichten aus Allahs Buch zu vermitteln und die Seelen der Menschen umfassend zu läutern – das war ihre Aufgabe. Darüber hinaus hatten sie keine andere Aufgabe. Bei Tag und Nacht, unterwegs und im Sitzen und Stehen, war dies in jedem Augenblick ihr einziger Gedanke: Wie sie die vom Weg Abgeirrten, die sich im Buch befanden, auf den richtigen Weg zurückführen und diejenigen, die den richtigen Weg bereits eingeschlagen hatten, dazu befähigen konnten, zu den höheren Gipfeln des Fortschritts emporzusteigen. Sie waren allesamt ständig diensttuende Diener. Niemals hatten sie eine Unterbrechung oder einen Urlaub. Ihre Arbeit hatte auch keine festgelegte zeitliche Begrenzung. Damit sie keine sündige Handlung begehen konnten, war von Allahs Seite eine strenge Wache eingesetzt. Sie wurden streng vor den Begierden und Wünschen des eigenen Triebes sowie vor den Einflüsterungen Satans geschützt. Es wurde ihnen nicht vollständig ihrem menschlichen Gewissen, Verstand und Urteilsvermögen überlassen, wie sie ihre alltäglichen Handlungen ausführen sollten. Vielmehr wurde ihnen überall dort, wo sie beim Handeln nach ihren eigenen Wünschen oder ihrem persönlichen Urteil auch nur um Haaresbreite vom richtigen Weg abwichen, ihr Fehler aufgezeigt und sie auf den geraden Weg geführt. Denn der Zweck ihrer Erschaffung und ihrer Ernennung zum Prophetenamt bestand gerade darin, dass sie Allahs Diener auf den richtigen Weg führen sollten. Wenn sie auch nur um eine Haaresbreite von diesem Weg abwichen, würden sich die gewöhnlichen Menschen Hunderte von Meilen weit entfernen.
Der Koran bezeugt jedes einzelne Wort dieser meiner Aussage. Dass die Propheten bereits vor ihrer Geburt für das Prophetentum auserwählt und eigens zu diesem Zweck erschaffen wurden, lässt sich aus dem Zustand mehrerer Propheten erkennen. So wurde Ibrāhīm (a.s.) bereits vor der Geburt Ishāqs die frohe Botschaft von dessen Geburt und der Erlangung des Prophetentums überbracht.
(Arabisch************************************auf PDF-Seite 245)
„Wir verkündeten Ibrahim die frohe Botschaft von Ishaq, einem rechtschaffenen Propheten, und segneten ihn und Ishaq.“ – (Sure as-Saffat: 112–113)
Über Yusuf erfuhr sein Vater Yaqub bereits in dessen Kindheit, dass Allah ihn zum Propheten erwählt hatte und ihm, ebenso wie Ibrahim und Ishaq, Seine Gnaden in vollkommener Weise gewähren würde. Als Zakariya für einen Sohn betete, verkündete Allah ihm dies als frohe Botschaft:
(Arabisch************************************auf PDF-Seite 246)
„Allah verkündet dir die frohe Botschaft von einem Sohn namens Yahya. Er wird als Bestätiger eines von Allah stammenden Gebotes kommen. Er wird Herrschaft und Erhabenheit besitzen. Er wird zu den Propheten und den Rechtschaffenen gehören.“
Zu Maryam wurde eigens ein Engel gesandt, der ihr in Bezug auf Isa die frohe Botschaft überbrachte, dass ihr ein reiner und lauter Sohn geschenkt werden würde. Als die Zeit der Geburt ihres Kindes gekommen war, wurde von Allah eigens für die Entbindung Vorsorge getroffen. – (Sure Maryam: 2. Ruku, siehe dort.) Danach ist auch die Angelegenheit jenes israelitischen Hirten bemerkenswert. Allah rief ihn in das heilige Tal Tuwa und sprach mit ihm. Er war kein Hirte wie die anderen: Er wurde in Ägypten eigens dazu erschaffen, die schlechte Herrschaft des Pharao zu vernichten und die Kinder Israels aus der Sklaverei zu befreien. Um ihn vor dem Tod zu bewahren, wurde dafür gesorgt, dass man ihn in eine Kiste legte und in den Fluss warf. Seine treibende Kiste gelangte gerade in das Haus jenes Pharao, der durch seine Hand besiegt und vernichtet werden sollte. Er wurde anziehend erschaffen, damit er einen Platz im Herzen der Familie des Pharao finden konnte. (Arabisch********) Es wurde sichergestellt, dass keine Frauenmilch in seinen Mund gelangte und dass seine Aufzucht unter Allahs besonderer Fürsorge vollendet wurde. (Arabisch**********) Aus diesen Beispielen wird ersichtlich, dass die Propheten eigens für das Prophetentum erschaffen wurden.
Außergewöhnliche Befähigung und besondere Tatkraft
Es sei darauf hingewiesen, dass diejenigen, die auf diese Weise geboren werden, nicht wie gewöhnliche Menschen sind. Sie treten mit außergewöhnlichen Fähigkeiten hervor. Sie sind äußerst reine und rechtschaffene Menschen. Die Beschaffenheit und Struktur ihres Geistes und Verstandes ist derart, dass sie alles, was sie sagen, äußerst geradlinig und schlicht ausdrücken. In ihrer Wesensart gibt es keinerlei Neigung zu Fehlentscheidungen oder einer gekrümmten Sichtweise. Von Geburt an sind sie so geschaffen, dass sie ohne Absicht und allein durch ein starkes Empfinden und göttliche Eingebung (Intuition) zu richtigen Entscheidungen gelangen können, wozu andere Menschen selbst nach langem Nachdenken und Forschen nicht imstande sind. Wissen müssen sie sich nicht aneignen. Ihr Wissen ist ihnen angeboren und von Allah verliehen. Das Wissen darüber, was recht, was nichtig, was falsch und was richtig ist, ist ihnen tief eingewurzelt. Von Natur aus denken sie richtig und sprechen sie richtig. Als Beispiel kann Yaqub (a.) genannt werden. Sobald er den Bericht vom Traum Yusuf s gehört hatte, schöpfte er Verdacht. Die Brüder des Jungen würden ihn nicht am Leben lassen. Die Brüder wollten Yusuf zum Spielen mitnehmen. Yaqub erkannte nicht nur ihre bösen Absichten, sondern durchschaute auch genau die falsche Ausrede, die sie später vorbringen wollten. Er sagte, (Arabisch*************) (Ich fürchte, dass ihr nicht auf ihn achtgebt und der Tiger ihn in einem Augenblick auffrisst.) Als Yusufs Brüder dann das blutbefleckte Hemd brachten und zeigten, sagte Yaqub, sobald er es erblickte, (Arabisch**************) „Eure eigene Neigung hat euch eine schwere Angelegenheit leichtgemacht.“ Als Yusufs Brüder aus Ägypten zurückkehrten und sagten, Ihr Sohn habe gestohlen, und damit er ihnen glauben möge hinzufügten, man solle die Bewohner des Dorfes fragen, aus dem sie gekommen seien, gab er wiederum dieselbe Antwort: Eure eigene Neigung hat euch eine schwere Angelegenheit leichtgemacht. Daraufhin schickte er seine Söhne erneut mit den Worten nach Ägypten (Arabisch********************) (Geht und sucht nach Yusuf und seinem Bruder.) Es war, als glaube er trotz des langen Zeitraums daran, dass Yusuf am Leben sei und sich in Ägypten befinde. Als die Söhne Yaqubs danach mit Yusufs Hemd aus Ägypten aufbrachen, begann Yaqub bereits aus der Ferne den Geruch Yusufs wahrzunehmen. Aus all diesen Ereignissen lässt sich ermessen, wie stark und außergewöhnlich die psychischen und geistigen Kräfte der Propheten sind. Dies ist nicht nur eine Besonderheit Yaqubs – bei allen Propheten ist es ebenso. Über Yahya sagt Allah:
(Arabisch************************************auf PDF-Seite 247)
„Ich verlieh ihm bereits in seiner Kindheit die Fähigkeit zu richtiger Urteilsfindung, Herzenssanftmut und Reinheit.“ – (Maryam: 12–13).
Als der Prophet Jesus (a.s.) noch in den Armen seiner Mutter lag, ließ Er ihn verkünden:
(Arabisch************************************auf PDF-Seite 247)
„Er hat mich gesegnet erschaffen, wo immer ich auch sein mag, und mir für mein ganzes Leben das Gebet und die Zakāt vorgeschrieben. Er hat mich dazu erschaffen, meiner Mutter ihre Rechte zu erweisen. Er hat mich nicht gewalttätig und nicht unsittlich gemacht.“
Über den erhabenen Propheten (s.a.s.) sagte Allah:(Arabisch**************) „Wahrlich, du verfügst über einen überragenden Charakter.“ – (Sure al-Qalam: 4)
Dies sind die angeborenen und natürlichen Eigenschaften der Propheten, mit denen sie geboren werden. Danach vervollkommnet Allah diese ihnen innewohnenden Eigenschaften noch weiter und führt sie zu einer aktiven Rolle. Schließlich verleiht Er ihnen jene erhabene Gabe, die in der Sprache des Qurʾān unter anderem als ʿIlm und Ḥukm (Wissen und Fähigkeit zur Entscheidungsfindung) sowie als Hidāya (Rechtleitung) und Bayyina (deutliche Zeichen) bezeichnet wird. Der Prophet Noah (a.s.) sagte zu seinem Volk:
(Arabisch************************************auf PDF-Seite 248)
„Ich habe von Allah Wissen erlangt, das ihr nicht erlangt habt.“
Hazrat Ibrahim (a.s.) wurde die Beobachtung der wohlgeordneten Verwaltung Allahs über Himmel und Erde ermöglicht (Sure al-An’am). Nachdem er von dieser Beobachtung mit sicherem Wissen zurückgekehrt war, sagte er zu seinem Vater:
(Arabisch************************************PDF-Seite 248)
„O mein Vater! Ich habe ein Wissen erlangt, das du nicht erlangt hast. Folge mir daher; ich werde dir den geraden Weg zeigen.“ – (Sure Maryam: 43)
Über Hazrat Yaqub hat Allah gesagt:
(Arabisch************************************PDF-Seite 248)
„Gewiss besaß er das von Mir verliehene Wissen. Doch die meisten Menschen kennen dieses Geheimnis nicht.“ – (Sure Yusuf: 68)
Über Hazrat Yusuf wird gesagt:
(Arabisch************************************auf PDF-Seite 248)
„Als er die Reife des Mannesalters erreicht hatte, verliehen Wir ihm Wissen und die Fähigkeit zu urteilen.“ – (Sure Yusuf: 22).
Auch über den ehrwürdigen Musa wird dies in Vers 14 der Sure al-Qasas gesagt. Auch dem ehrwürdigen Lut wurden dasselbe Wissen und dieselbe Fähigkeit zu urteilen verliehen. – (Sure al-Anbiya: 74)
Auch dem ehrwürdigen Muhammad selbst wurde dieses außergewöhnliche Wissen verliehen:
(Arabisch************************************auf PDF-Seite 248)
„Allah hat dir das Buch und die Weisheit herabgesandt und dir jenes Wissen verliehen, das du zuvor nicht hattest.“ – (Sure an-Nisa: 113)
(Arabisch************************************auf PDF-Seite 248)
„Sprich: Ich befinde mich auf einem klaren und hellen Weg von meinem Herrn.“ – (Sure al-Anam: 57)
(Arabisch************************************auf PDF-Seite 249)
„Sprich: Dies ist mein Weg. Ich rufe zu Allah. Ich selbst und meine Anhänger besitzen göttliche Erkenntnis und innere Einsicht.“ –(Sure Yusuf: 108)
Aufgrund dieser Erkenntnis und der Fähigkeit, Recht zu sprechen und Entscheidungen zu treffen, besteht zwischen den Propheten und den gewöhnlichen Menschen ein ebenso großer Unterschied wie zwischen einem Sehenden und einem Blinden.
(Arabisch************************************auf PDF-Seite 248)
„Ich folge nur der Offenbarung, die mir zuteilwird. (O Muhammad!) Sprich: Können ein Blinder und ein Sehender gleich sein?“ –(Sure al-Anʿam: 50)
Die in diesen Versen erwähnte Sache ist nicht nur das Buch – vielmehr handelt es sich um ein stets leuchtendes Licht in den Herzen der Propheten. Deshalb wird es gesondert vom Buch erwähnt. Diese Sache wird als eine Eigenschaft der Propheten beschrieben. Mithilfe dieses Lichtstrahls erforschen sie die Tatsachen und suchen auch Lösungen für die Probleme, die ihnen fortwährend vorgelegt werden. Gelehrte Denker haben es als „verborgene Offenbarung“ bezeichnet. Das bedeutet, dass es sich um eine innere Führung und eine verinnerlichte Erkenntnis handelt, die ihnen jederzeit gegenwärtig ist und deren Hilfe sie bei jeder Angelegenheit in Anspruch nehmen. Bei Dingen, deren tiefere Wahrheit andere Menschen selbst nach langem Nachdenken nicht erfassen und bei denen sie nicht zwischen Richtigem und Falschem unterscheiden können, ist der Blick des Propheten dank des von Allah verliehenen Lichts und der göttlichen Erkenntnis in der Lage, innerhalb eines Augenblicks die tiefsten Geheimnisse zu enthüllen.
Allahs besondere Fürsorge und Bewahrung der Propheten
Aus dem Koran erfahren wir auch, dass Allah den Propheten nicht nur Erkenntnis der Wirklichkeit, die Fähigkeit, Recht zu sprechen und Entscheidungen zu treffen, sowie außergewöhnliches Wissen und Weisheit verliehen hat, sondern dass Er ihnen zugleich besondere Aufmerksamkeit widmet, sie vor Fehlern und Irrtümern bewahrt und sie davor schützt, vom Weg abzuweichen – sei es durch den Einfluss von Menschen, durch die Einflüsterungen Satans oder durch die schlechten Eingebungen des eigenen Triebes. Selbst wenn sie bei dem Versuch, unter Anwendung ihres eigenen Urteilsvermögens eine Entscheidung zu treffen, einen Fehler machen, korrigiert Allah sie unverzüglich. Nehmen wir den Fall des Propheten Yusuf: Als die Frau eines hochrangigen Regierungsbeamten im damaligen Ägypten Yusuf beinahe in ihre Falle gelockt hätte, bewahrte Allah ihn vor der bösen Tat, indem Er ihm Sein eindeutiges „Zeichen“ zeigte.
(Arabisch************************************auf PDF-Seite 249)
„Sie begehrte Unrecht von Yusuf. Auch er hätte sie begehrt, wenn er nicht den Beweis seines Herrn gesehen hätte. So geschah es, damit Ich ihn von Schlechtem und Schändlichem abwende. Denn er gehörte zu den Dienern, die Ich für Mich auserwählt habe.“ – (Sure Yusuf: 24).
Als Moses und Aaron befohlen wurde, zu Pharao zu gehen, wurden sie aus Furcht davor, dass Pharao sie quälen könnte, ängstlich. Da sprach Allah: „Fürchtet euch nicht. Ich bin mit euch und sehe und höre alles.“ (Sure Ta-Ha: 45–46.) Aufgrund menschlicher Schwäche waren sie ängstlich geworden. Allah, der Erhabene, beseitigte diese verhängnisvolle Schwäche durch die Offenbarung.
Als Noah sah, wie sein Sohn ertrank, stieß er einen Schmerzensschrei aus! (Arabisch*****************) „O Herr! Das ist mein Sohn.“ Das war menschliche Schwäche. Allah, der Erhabene, machte ihm sogleich diese Bedeutung klar: Er mochte zwar sein leiblicher Sohn sein, gehörte aber nicht zu seinen „Angehörigen“, denn er war ein Übeltäter. Infolge der menschlichen Schwäche, die aus väterlicher Zuneigung erwuchs, blieb diese Wahrheit dem inneren Blick des Propheten für kurze Zeit verborgen: Wenn es um die Wahrheit geht, sind Vater, Sohn, Bruder und Schwester ohne Bedeutung. Durch die Offenbarung nahm Er den Schleier von seinen Augen. Noah war beruhigt.
Auch im Fall des Propheten Muhammad (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) ereigneten sich solche Vorfälle mehrere Male. Mal geschah es aus seiner natürlichen Güte und Barmherzigkeit, mal aus seinem unbezähmbaren Eifer, die Ungläubigen zum Islam zu führen, mal aus dem Wunsch, die Herzen der Ungläubigen zu gewinnen, mal aus dem Bemühen, den Menschen kleine Wohltaten zu vergelten, mal aus dem Wunsch, in den Herzen der Heuchler den Antrieb zum Glauben zu erwecken, und manchmal aufgrund menschlicher Schwäche: Von seiner Seite kam es zu Fehlern und Fehlurteilen im Rahmen des Idschtihad. Doch sobald so etwas geschah, korrigierte Allah ihn durch eine offenkundige und klare Offenbarung. Zum Beispiel:
(Arabisch************************************auf PDF-Seite 250)
„Er wandte sich verärgert ab, weil der Blinde zu ihm gekommen war.“
(Arabisch************************************auf PDF-Seite 250)
„Es ziemt keinem Propheten, Kriegsgefangene zu haben.“
(Arabisch************************************auf PDF-Seite 250)
„(O Prophet,) Allah möge dir vergeben! Warum hast du ihnen erlaubt, vom Ausziehen in den Kampf abzusehen?“ – (Sure at-Tauba: 43).
(Arabisch************************************auf PDF-Seite 250)
„Für sie ist es gleich, ob du für sie um Vergebung bittest oder nicht. Selbst wenn du siebzigmal für sie um Vergebung bittest, wird Allah ihnen niemals vergeben.“ – (Sure at-Tauba: 80)
(Arabisch************************************auf PDF-Seite 251)
„Und wenn künftig jemand von den (Heuchlern) stirbt, dann verrichte niemals das Totengebet für ihn.“
(Arabisch************************************auf PDF-Seite 251)
„O Prophet! Warum erklärst du das für verboten, was Allah für dich erlaubt hat?
Diese Verse bezeugen Allahs besondere Fürsorge und seinen besonderen Schutz für die Propheten.
Manche Menschen versuchen, aus diesen Versen zu beweisen, dass die Propheten Fehler begingen und nicht frei von Irrtümern und Verfehlungen waren. Besonders die hadith-feindliche Gruppe der Ahl-e-Qur’an freut sich sehr darüber, anhand dieser Verse Fehler des Propheten aufzuspüren. Dabei beweisen gerade diese Verse eindeutig, dass Allah selbst die Verantwortung dafür übernommen hat, Seinen Propheten vor Fehlern und Irrtümern zu bewahren und ihr Leben auf dem Maßstab der Wahrheit zu errichten. Diese Angelegenheit wird nicht nur in den genannten Versen dargelegt, sondern auch an mehreren anderen Stellen des Qur’an grundsätzlich erläutert, zum Beispiel:
(Arabisch************************************auf PDF-Seite 251)
„Wenn Allahs Gunst und Barmherzigkeit nicht über dir gewesen wären, hätte eine Gruppe von ihnen beinahe beschlossen, dich vom rechten Weg abzubringen. Doch tatsächlich können sie nur sich selbst in die Irre führen. Sie können dir keinerlei Schaden zufügen, denn Allah hat dir das Buch und seine tiefen Weisheiten offenbart und dir Wissen gegeben, das du zuvor nicht besaßest.“ – (Sure an-Nisa: 113)
(Arabisch************************************auf PDF-Seite 251)
„Sie hätten dich beinahe von dem abgebracht, was Wir dir offenbart haben, damit du Uns etwas anderes zuschreibst. Dann hätten sie dich zum Freund genommen. Und wenn Wir dich nicht gefestigt hätten, hättest du dich ihnen ein wenig zugeneigt.“ – (Sure Bani Isra’il: 73–74)
(Arabisch************************************auf PDF-Seite 252)
„Wann immer Ich vor dir einen Propheten oder Gesandten entsandt habe und er einen Wunsch in irgendeiner Angelegenheit hegte, hat Satan seine Wünsche und Hoffnungen mit Einflüsterungen vermischt. Doch es ist Allahs Gesetz, dass Er jede Einflüsterung, die Satan dem Herzen des Propheten eingibt, beseitigt. Danach festigt Er Seine Zeichen.“ – (Sure al-Hadsch: 52)
Aus diesen grundlegenden Unterweisungen und den Beispielen aus den zuvor geschilderten Ereignissen wird deutlich, dass Allah Selbst die Verantwortung dafür übernommen hat, das Leben Seines Propheten auf dem gewünschten Maßstab zu halten, und dass Er bei jedem noch so geringfügigen Fehltritt des Propheten unverzüglich strenge Maßnahmen zu dessen Korrektur ergriffen hat – ganz gleich, ob dieser Fehltritt eine persönliche Angelegenheit oder eine Angelegenheit des öffentlichen Lebens betraf. Wenn man dies grundsätzlich anerkennt, ergibt sich daraus ganz von selbst auch, dass alle Worte des Propheten, gegen die Allah der Erhabene keinen Einwand erhoben hat, dem von Allah gewünschten Maßstab entsprechen. Man muss davon ausgehen, dass Allah sie allesamt gebilligt hat.
Eine vergleichende Betrachtung
Aus der bisherigen Erörterung ist die Bedeutung der Prophetenschaft klar hervorgetreten. Nach der ersten der vier genannten Auffassungen besteht die Bedeutung der Prophetenschaft darin, dass ein Mensch sein ganzes Leben lang in jeder Hinsicht ein Mensch wie alle anderen bleibt und, sobald er ein bestimmtes Alter erreicht, plötzlich dazu auserwählt wird, Allahs Offenbarung zu empfangen. Abgesehen von dem Buch, das ihm offenbart wird, unterscheiden sich seine Ansichten, Überlegungen, Entscheidungen, Anweisungen und dergleichen in keiner Weise von denen gewöhnlicher Menschen und weisen keine besondere Eigenart auf. Nach der zweiten Auffassung bedeutet Prophetenschaft, dass zwischen dem Propheten und den gewöhnlichen Menschen nur insofern ein Unterschied besteht, als ihm zusammen mit der Offenbarung des Buches auch die praktischen Einzelheiten der Bestimmungen des Buches mitgeteilt werden. Nachdem er diese eine Besonderheit erlangt hat, ist er wie gewöhnliche Anführer ein Anführer und wie gewöhnliche Richter ein Richter. Die dritte Auffassung über die Prophetenschaft besagt, dass die Prophetenschaft lediglich einen vorübergehenden Zustand oder eine zeitweilige Wandlung auf dem menschlichen Wesen des Propheten darstellt und dass auch nach dem Entstehen dieses Zustands oder dieser Wandlung das menschliche Wesen des Propheten und sein prophetisches Wesen völlig getrennt voneinander bestehen. Nach dieser Auffassung wird es unvermeidlich, das Leben des Propheten in zwei Teile zu teilen, und nur der Teil seines Lebens, der mit der Prophetenschaft zusammenhängt, gilt als nachahmens- und befolgungswürdig. Es versteht sich von selbst, dass alle drei Auffassungen grundlos und irrig sind.
Der Prophet mit den vollkommensten und vortrefflichsten menschlichen Eigenschaften
Aus der Darstellung, die der Heilige Koran von der Prophetenschaft gibt, können wir Folgendes erkennen: Der Prophet wird nicht wie ein gewöhnlicher Mensch geboren, wächst wie ein gewöhnlicher Mensch auf und dann plötzlich zu einem bestimmten Zeitpunkt zum Propheten erwählt; vielmehr wird er gerade für die Prophetenschaft geboren. Zwar ist auch er ein Mensch und steht nicht über den natürlichen Grenzen, die Allah für den Menschen festgelegt hat, doch innerhalb dieser Grenzen ist er der vollkommenste und vortrefflichste Mensch. In ihm sind die Eigenschaften des Menschen in höchstem Maß und in vollendeter Form vorhanden. Seine körperlichen, geistigen, intellektuellen und spirituellen Kräfte sind in größtmöglichem Gleichgewicht vorhanden. Seine Wahrnehmungsfähigkeit ist so fein, dass er das göttliche Wissen über Recht und Unrecht ohne jedes Nachdenken allein durch seine scharfe Weisheit und tiefe Einsicht erlangt. Auf dieses durch Weisheit erlangte göttliche Wissen wird in diesem Vers hingewiesen:(Arabisch*******) (Danach hat Er ihm seine Neigung zum Guten und zum Bösen eingegeben.) Das Wesen und die Natur des Propheten sind so gesund und richtig, dass er ohne irgendeine äußere Unterweisung allein aufgrund seines natürlichen Empfindens und seiner inneren Eingebung den Weg der Sünde meidet und den Weg der Gottesfurcht und Rechtschaffenheit einschlägt. Sein Gewissen und sein Geist sind so rein und unbefleckt, dass er in allen erforderlichen Angelegenheiten den von Allah erwählten Handlungsweg fehlerlos erkennen kann. In diesem Vers des Korans:(Arabisch**********) [Aufgrund seiner gesunden Natur folgt er aus eigenem Antrieb dem von Allah gewollten Weg. Das ist vollkommene Menschlichkeit, und dank dieser Eigenschaft ist er im eigentlichen und wirklichen Sinn Allahs Statthalter oder Stellvertreter. Nachdem der Prophet diese besondere Reife und Vollkommenheit erlangt hat, verleiht Er ihm die Stellung eines Führers der gesamten Menschheit. Und nachdem er von Allah weiteres Licht des Wissens erhalten hat, wird er zu einer „Sirajam Munir“, einer leuchtenden Lampe, die als Mittel zur Erziehung, Unterweisung und Anleitung zur Erneuerung und zum Wohlergehen der Menschheit bezeichnet wird. Eben dies nennt man in der üblichen Sprache Prophetenschaft und Gesandtschaft. Daher ist es nicht richtig zu sagen, dass die Prophetenschaft eine vorübergehende Angelegenheit sei, die dem menschlichen Talent des Propheten zu einem bestimmten Zeitpunkt auferlegt werde. Vielmehr besteht die wahre Sachlage darin, dass eben jenes Talent der vollkommenen Menschlichkeit zur Prophetenschaft emporsteigt. Die Stellung der Prophetenschaft gleicht nicht der Stellung eines Menschen, der zum Vizekönig (Viceroy) ernannt wird. Wenn man an seiner Stelle jemand anderen finden könnte, würde auch dieser in gleicher Weise zum Vizekönig ernannt werden. In Wirklichkeit ist die Prophetenschaft eine angeborene Eigenschaft. Das persönliche Wesen des Propheten ist zugleich sein prophetisches Wesen. Der einzige Unterschied besteht darin, dass sein prophetisches Wesen vor der Offenbarung inaktiv und verborgen bleibt und nach der Offenbarung aktiv wird. Es ist wie bei einer süßen Frucht: Sie wird als süße Frucht geboren, doch ihre Süße tritt erst zutage, wenn sie einen bestimmten Reifezeitpunkt erreicht.]
Relevante Verse
Nun lässt sich die Bedeutung der Aussagen, die Allah der Erhabene an verschiedenen Stellen über die Prophetenschaft und das prophetische Wesen gemacht hat, gut erfassen. Um sie leicht verständlich zu machen, führe ich diese Verse in einer besonderen Reihenfolge an:
(Arabisch********************************************auf PDF-Seite 254)
„Allahs Gesetz ist es, dass Er euch nicht unmittelbar Kenntnis des Verborgenen gewährt. Vielmehr erwählt Er zu diesem Zweck aus Seinen Gesandten, wen Er will. So glaubt an Allah und Seine Gesandten.“ – (Sure Al-i ʿImrān: 179)
(Arabisch********************************************auf PDF-Seite 254)
„Jeden Gesandten, den Ich entsandt habe, habe Ich dazu entsandt, damit ihm nur auf Allahs Geheiß gehorcht werde.“ – [Das heißt: Der Gesandte ist nicht aus eigener Person heraus berechtigt, Gehorsam zu verlangen; vielmehr muss ihm gemäß Allahs Erlaubnis oder Befehl gehorcht werden. – (Der Verfasser)] – (Sure an-Nisāʾ: 64)
(Arabisch********************************************auf PDF-Seite 254)
„Wer dem Gesandten gehorcht, gehorcht in Wahrheit Allah.“
(Arabisch********************************************auf PDF-Seite 254)
„Bei dem Stern, wenn er untergeht! Euer Gefährte ist weder irregegangen noch in die Irre gegangen. Er spricht nicht aus eigener Erfindung. Was er sagt, ist nichts anderes als die Offenbarung, die ihm herabgesandt wurde.“ – (Sure an-Najm: 1–4)
(Arabisch********************************************auf Seite 254 der PDF)
„Ich folge nur der Offenbarung, die mir zuteilwird.“ – (Sure al-Anʿām: 50)
(Arabisch********************************************auf Seite 254 der PDF)
„Im Gesandten Allahs habt ihr ein vortreffliches Vorbild.“ – (Sure al-Aḥzāb: 21)
(Arabisch********************************************auf Seite 254 der PDF)
„Sag: Wenn ihr Allah liebt, dann folgt mir, so wird Allah euch lieben.“ – (Sure Āl ʿImrān: 31)
(Arabisch********************************************auf Seite 254 der PDF)
„Die Gläubigen haben die Pflicht, dass sie, wenn sie zu Allah und Seinem Gesandten gerufen werden, damit er zwischen ihnen richten kann, nur sagen: ‚Wir hören und gehorchen.‘ Solche sind die Erfolgreichen. Und wenn ihr dem Gesandten gehorcht, werdet ihr rechtgeleitet.“ – (Sure an-Nūr: 51–54)
(Arabisch********************************************auf PDF-Seite 254)
„(O Prophet!) Bei deinem Herrn, nein, sie sind keineswegs gläubig, solange sie dich nicht bei ihren Streitigkeiten zum Schiedsrichter nehmen. Danach sollen sie dein Urteil ohne jedes Unbehagen und mit gesenktem Haupt vollständig annehmen.“ – (Sure an-Nisāʾ: 65)
(Arabisch********************************************auf PDF-Seite 254)
„Wenn Allah und Sein Gesandter in einer Angelegenheit eine Entscheidung getroffen haben, steht es keinem gläubigen Mann und keiner gläubigen Frau zu, in ihrer eigenen Angelegenheit selbst eine Entscheidung zu treffen. Und wer Allah und Seinem Gesandten ungehorsam ist, der ist offenkundig in den Irrtum gefallen.“ – (Sure al-Aḥzāb: 36)
Schon die Betrachtung dieser wenigen Verse wird die ganze Bedeutung der Angelegenheit offenlegen.
Der Unterschied zwischen dem Propheten und den gewöhnlichen Menschen
Im ersten Vers wird der Unterschied zwischen dem Propheten und den gewöhnlichen Menschen beschrieben und auch erklärt, warum man an ihn glauben muss. Es entspricht Allahs Vorgehensweise, dass Er das Wissen über das Verborgene oder Unsichtbare nicht jedem Menschen persönlich verleiht, sondern einer besonderen Person. Deshalb ist es für die gewöhnlichen Menschen unbedingt erforderlich, an diese besondere Person zu glauben. [Das Verborgene umfasst jene wahren Sachverhalte, die außerhalb der Reichweite der menschlichen Sinneswahrnehmung liegen, deren Kenntnis jedoch für die Ausarbeitung einer reinen und fehlerlosen Lebensordnung für die Menschen in der irdischen Welt unerlässlich ist. In der Sprache des Korans wird dies das Verborgene oder Unsichtbare genannt. Zum Beispiel: Was ist die wahre Identität des Menschen? Ist er frei oder abhängig? Wenn er abhängig ist, wem untersteht er? Welche Art von Beziehung hat er zu diesem Herrn? Muss er seinem Herrn Rechenschaft ablegen? Wenn ja, wo? Wie? Nach welchem Maßstab? In welchen Angelegenheiten? Welche Belohnung erwartet ihn, wenn er durch die Rechenschaft erfolgreich ist, und welches Schicksal, wenn er scheitert? Bevor die Antworten auf diese Fragen – und zwar nicht auf der Grundlage von Vermutungen und Annahmen, sondern auf der Grundlage sicheren Wissens – erlangt werden, kann für das menschliche Leben keine Ordnung festgelegt werden. Dieses Wissen über das Verborgene ist das Wissen, auf das Allah in dem Vers hingewiesen hat. – (Der Verfasser)]
Der Gehorsam gegenüber dem Propheten ist bedingungslos und grenzenlos
Die Aussage des zweiten Verses ist, dass der Glaube an den Gesandten nicht lediglich bedeutet, ihn als Gesandten anzuerkennen, sondern dass es zugleich unerlässlich ist, dem Gesandten zu gehorchen, das heißt, seine Anweisungen zu befolgen. Nicht nur in diesem Vers, sondern überall im Koran, wo der Gehorsam gegenüber dem Gesandten angeordnet wird, ist diese Anordnung bedingungslos. An keiner einzigen Stelle wird gesagt, dass man dem Gesandten in diesem oder jenem Bereich gehorchen müsse und außerhalb dieser Bereiche kein Gehorsam erforderlich sei. Somit steht fest, dass der Gesandte nach dem Koran ein von Allah eingesetzter Herrscher ist, dessen Autorität uneingeschränkt ist und dessen Anweisungen unter allen Umständen und in allen Angelegenheiten vollständig zu befolgen die Pflicht jedes Gläubigen ist. Wenn der Gesandte jedoch selbst seine Herrschaftsgewalt innerhalb einer besonderen, den göttlichen Bestimmungen untergeordneten Grenze beschränkt, so liegt dies in seinem Ermessen. Er kann dies tun, wenn er will, und den Menschen außerhalb der festgelegten Grenzen Freiheit in Denken und Handeln gewähren. Den Gläubigen selbst wurde jedoch weder die Fähigkeit noch das Recht gegeben, die Grenzen der Autorität des Gesandten festzulegen. Sie stehen vollständig und in jeder Hinsicht unter seiner Autorität und sind seinen Anweisungen gehorsam. Wenn der Gesandte ihnen befohlen hätte, in der Landwirtschaft, im Handel, im Schmiedehandwerk und dergleichen eine bestimmte Methode anzuwenden, hätten sie seine Anweisung ohne Zweifel und ohne jedes Zögern befolgen müssen.
Der Gehorsam gegenüber dem Propheten ist nicht wie der Gehorsam gegenüber gewöhnlichen Menschen
Als ein solcher bedingungsloser und grenzenloser Gehorsam angeordnet wurde, musste klargestellt werden, dass er nicht dem Gehorsam gegenüber einem gewöhnlichen Menschen gleichkommt. Denn die unwissenden Ungläubigen hielten ihn für nichts weiter als einen gewöhnlichen Menschen. Sie sagten zu den Menschen: (Arabisch************) „Ist er etwa nicht ein gewöhnlicher Mensch wie ihr?“
(Arabisch********************************************auf PDF-Seite 256)
„Er ist nichts weiter als ein Mensch wie ihr. Außerdem will er sich über euch erheben.“
(Arabisch********************************************auf PDF-Seite 256)
„Wenn ihr einem Menschen wie euch gehorcht, werdet ihr gewiss Schaden erleiden.“
In Wirklichkeit ist der Gehorsam gegenüber dem Propheten der Gehorsam gegenüber Allah selbst. Denn was auch immer der Prophet sagt, sagt er von Allah her, und was auch immer er tut, tut er gemäß Allahs Anweisung. Er spricht nichts aus eigenem Verlangen, sondern folgt ausschließlich Allahs Offenbarung. Daher sollte man in dieser Hinsicht gewiss sein, dass bei seinem Gehorsam keine Gefahr besteht, irrezugehen oder vom rechten Weg abzuweichen.
Eine nicht rezitierte Offenbarung zur Rechtleitung des Propheten–[eine Offenbarung, die nicht im Buch niedergeschrieben und nicht zum Rezitieren bestimmt ist. –(Der Herausgeber)]
Genau dies wird im dritten, vierten und fünften Vers dargelegt. Einige sagen, dass mit der Offenbarung, von der im vierten und fünften Vers die Rede ist, das Buch Allahs gemeint sei und dass außer dem Buch keine andere Offenbarung auf den Propheten herabgesandt worden sei. Doch diese Auffassung ist völlig falsch. Aus dem Heiligen Koran geht hervor, dass den Propheten nicht nur das Buch herabgesandt wurde, sondern dass Allah ihnen unablässig Offenbarungen zur Rechtleitung sandte. Im Licht dieser Offenbarungen gingen sie den richtigen Weg, fällten in den täglichen Angelegenheiten richtige Entscheidungen und setzten die entsprechenden Maßnahmen um. So hatte beispielsweise der Prophet Noah unter Allahs Obhut und gemäß Seiner Offenbarung ein Schiff zum Schutz vor der Sintflut gebaut.
(Arabisch********************************************auf PDF-Seite 257)
„Baue unter Meiner Obhut und gemäß Meiner Offenbarung ein Schiff, o Noah!“
Dem Propheten Abraham wurde die Ordnung der Himmel und der Erde gezeigt, und ihm wurde der Vorgang der Wiederbelebung der Toten vorgeführt. Dem Propheten Joseph wurde die Deutung von Träumen gelehrt. (Arabisch************) „Dies ist ein Teil des Wissens, das Allah mir gegeben hat.“ Mit dem Propheten Moses wurde auf dem Berg Tur gesprochen. Er wurde gefragt: „Was hast du da in deiner Hand?“ Er antwortete: „Das ist mein Stab. Mit ihm hüte ich die Ziegen.“ Ihm wurde befohlen, den Stab niederzuwerfen. Als der Stab die Gestalt einer Schlange annahm, bekam der Prophet Moses Angst und wollte davonlaufen. Da erging die Offenbarung: (Arabisch*********) „O Moses, fürchte dich nicht! Geh voran. Du bist in Sicherheit.“ Dann erging erneut der Befehl: (Arabisch*********) „Geh zu Pharao. Er ist aufsässig geworden.“ Er bat den Propheten Aaron um Hilfe, und seine Bitte wurde erhört. Als die beiden Brüder zu Pharao gehen wollten, hatten sie Angst. Allah sprach ihnen Mut zu und sagte: (Arabisch*********) „Fürchtet euch nicht! Ich bin mit euch; Ich sehe und höre alles.“ Als der Prophet Moses anschließend im Hofe Pharaos die von den Zauberern erschaffenen Schlangen sah, bekam er Angst. Da kam die Offenbarung: (Arabisch*********) „Fürchte dich nicht! Du wirst gewiss siegen.“ Nachdem alle Bemühungen, Pharao auf den rechten Weg zu führen, gescheitert waren, wurde Moses befohlen: (Arabisch*********) „Zieh mit Meinen Dienern in der Dunkelheit der Nacht fort. Ihr werdet verfolgt werden.“ Als sie das Ufer des Flusses erreichten, erging der göttliche Befehl: (Arabisch*********) „Schlage mit deinem Stab auf den Fluss.“
Nun stellt sich die Frage: Wurde unter all diesen Offenbarungen auch nur eine einzige in Form eines Buches zur Rechtleitung der Allgemeinheit herabgesandt? Anhand dieser Beispiele kann niemand mehr daran zweifeln, dass Allah die Propheten stets im Blick behält und sie durch Offenbarung auf den richtigen Weg führt, sobald sich aufgrund menschlicher Gedanken und Überlegungen die Möglichkeit eines Fehlers bei ihnen abzeichnet. Die Offenbarung, die zur Rechtleitung aller Menschen durch die Propheten gesandt und von Allah als eine Rechtleitung und eine praktisch anwendbare Verfassung in Buchform niedergeschrieben wurde, unterscheidet sich von der hier besprochenen Offenbarung.
Einige Beispiele für die auf den Propheten herabgesandte nicht rezitierte Offenbarung
Eine solche „nicht rezitierte Offenbarung“ und verborgene Offenbarung wurde auf den Heiligen Propheten (Friede sei mit ihm) herabgesandt. An verschiedenen Stellen des Korans wird darauf hingewiesen. Der Prophet machte zunächst Jerusalem zur Gebetsrichtung. Im Buch Allahs findet sich dazu kein entsprechender Befehl. Als jedoch befohlen wurde, diese Gebetsrichtung aufzuheben und die Heilige Moschee (die Kaaba) zur Gebetsrichtung zu machen, wurde gesagt:
(Arabisch***********************************auf Seite 258 des PDFs)
„Die Qibla, die du zuvor hattest, hatte Ich nur deshalb bestimmt, damit zwischen denen, die dem Gesandten gehorchen, und denen, die ihm nicht gehorchen, unterschieden werde.“ – (Sure al-Baqara: 143)
Aus diesem Vers geht eindeutig hervor, dass Bayt al-Maqdis zunächst aufgrund einer Offenbarung zur Qibla bestimmt worden war.
Während der Schlacht von Uhud sagte der Gesandte Allahs (s.) zu den Muslimen, dass Allah ihnen zu Hilfe Engel senden werde. Später erwähnte Allah im Koran diese Aussage des Gesandten folgendermaßen:(Arabisch******************) „Allah hatte diese Verheißung für euch zu einer frohen Botschaft gemacht.“ – (Sure Āl ʿImrān: 126)
Daher besteht kein Zweifel daran, dass diese Verheißung von Allah gegeben worden war.
Nach der Schlacht von Uhud befahl der Gesandte Allahs (s.) den Muslimen, zur zweiten Schlacht von Badr aufzubrechen. Dieser Befehl wird jedoch nirgends im Koran erwähnt. Später bestätigte Allah diesen Befehl des Propheten und sagte, dass er von Ihm selbst gekommen war.
(Arabisch***********************************auf Seite 258 des PDFs)
„die trotz ihrer Verwundung im Krieg erneut dem Ruf Allahs und des Gesandten gefolgt sind.“
Der Aufbruch des Propheten aus Medina zum Krieg von Badr wird folgendermaßen erwähnt: (Arabisch************) „So wie Allah dich aus deinem Haus hinausgehen ließ.“ – (Sure al-Anfal: 5)
Im Koran wird kein Befehl zum Verlassen des Hauses erwähnt, doch später bestätigte Allah dessen Wahrheit und erklärte, dass er nur auf Seinen Befehl hin und nicht aus eigenem Willen aufgebrochen war.
Später ließ Allah Seinen Propheten während des Kampfes einen Traum sehen:
(Arabisch***********************************auf PDF-Seite 258)
„Als Allah sie dir in deinem Traum als eine geringe Zahl zeigte.“ – (Sure al-Anfal: 43)
Als die Kriegsbeute verteilt wurde, rümpften die Heuchler die Nase. Daraufhin ließ Allah wissen, dass diese Verteilung auf Allahs eigenen Befehl hin erfolgt war.
(Arabisch***********************************auf PDF-Seite 259)
„Wenn sie doch mit dem zufrieden gewesen wären, was Allah und Sein Gesandter ihnen gegeben hatten (das wäre besser gewesen).“ – (Sure at-Tauba: 59)
Zur Zeit des Friedensvertrags von Hudaybiyya waren alle Gefährten gegen den Vertrag. Die Vertragsbedingungen erschienen allen unannehmbar. Doch der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) stimmte ihnen zu. Später bestätigte Allah dies und erklärte, dass jener Vertrag von Allah selbst ausging.
(Arabisch***********************************auf PDF-Seite 259)
„Wir haben dir einen deutlichen Sieg gewährt.“ – (Sure al-Fath: 1)
Die Quintessenz der angeführten Verse
Im Licht der Koranverse lassen sich noch viele weitere Beispiele dieser Art finden. Doch es ist nicht meine Absicht, hier alle Verse anzuführen. Ich möchte lediglich den Sachverhalt nachweisen, dass Allahs Beziehung zu einem Propheten nicht nur vorübergehend und von kurzer Dauer ist, sodass diese Beziehung zu ihm erst dann hergestellt wird, wenn er den Menschen eine Botschaft übermitteln soll, und unmittelbar danach wieder abbricht. Vielmehr besteht die wahre Sachlage darin, dass Allah denjenigen, den Er zum Propheten erwählt, stets in besonderer Weise beaufsichtigt und ihn fortwährend durch die Offenbarung führt und anweist. Auf diese Weise gewährleistet Er, dass der Prophet in jedem Augenblick seines Lebens seine Aufgabe fehlerlos erfüllt und durch ihn keine von Allah missbilligte Handlung oder Äußerung geschieht. In den ersten Versen der Sure an-Najm ist diese Wahrheit dargelegt worden. Schon im ersten Teil dieser Erörterung habe ich gesagt, und auch der Heilige Koran hat dies ausdrücklich mitgeteilt, dass die Propheten unter Allahs ständiger Aufsicht stehen, vor Fehlern und Irrtümern bewahrt werden und dass Allah jeden Fehltritt, der ihnen aufgrund menschlicher Schwäche unterlaufen sollte, korrigiert, sie auf ihren Fehler aufmerksam macht und sie auf den geraden Weg zurückführt. Die Erwähnung der Fehler und Verfehlungen des ehrwürdigen Gesandten (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) und anderer Propheten sowie der diesbezüglichen Warnungen Allahs im Heiligen Koran bezweckt keineswegs, dass die Menschen ihr Vertrauen in die Propheten verlieren. Sie bezweckt auch nicht, dass die Menschen denken – Allah bewahre –, wenn die Propheten ebenso wie wir Fehler machen, wie könne man ihnen dann gewiss folgen und gehorchen? Vielmehr soll dadurch klargemacht werden, dass Allah den Propheten nicht die uneingeschränkte Freiheit gegeben hat, nach ihren eigenen Wünschen oder gemäß ihrer eigenen Meinung und ihrem eigenen Urteilsvermögen zu handeln. Da sie dazu eingesetzt wurden, die gewöhnlichen Menschen auf den rechten Weg zu führen, wurde ihnen strengstens befohlen, Allahs Gebote fortwährend genau zu befolgen und selbst in der geringfügigsten Angelegenheit keinen von Allah missbilligten Weg einzuschlagen. Deshalb wurde der Prophet (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) im Koran auch wegen solcher unbedeutenden Dinge getadelt, die im Leben gewöhnlicher Menschen überhaupt keine Bedeutung haben – etwa dafür, ob ein Mensch Honig isst oder nicht, einem Blinden keine Aufmerksamkeit schenkt und sich darüber ärgert, dass dieser seine lehrreiche Unterweisung unterbricht, oder für jemanden um Vergebung bittet. Dies sind keineswegs wichtige Angelegenheiten; doch Allah gestattete dem Propheten nicht, selbst in solchen geringfügigen Dingen nach seinem eigenen oder dem Wunsch eines anderen zu handeln. Ebenso ist es für einen Anführer eine gewöhnliche Angelegenheit, jemanden vom Auszug in den Krieg zu befreien oder einige Kriegsgefangene gegen Lösegeld freizulassen; für den Propheten jedoch war dies ein äußerst bedeutendes Ereignis. Daher wurde er durch eine offenbare Offenbarung gewarnt. Warum? Weil Allahs Prophet nicht wie gewöhnliche Anführer ist, die nach ihrem eigenen Urteil und Verstand tun können, was ihnen beliebt. Da der Prophet mit der erhabenen Aufgabe des Prophetentums betraut ist, hält Allah es für notwendig, ihn durch eine offenbare Offenbarung zu korrigieren, wenn er bei einer Entscheidung aufgrund seines eigenen Urteils die Andeutung der verborgenen Offenbarung Allahs nicht richtig versteht und auch nur um Haaresbreite gegen Allahs Willen voranschreitet.
Die Wahrhaftigkeit des Propheten – vollkommen vertrauenswürdig
Allah, der Erhabene, hat diese Eigenschaften Seines Propheten beschrieben, damit unser volles Vertrauen in die Wahrhaftigkeit des Propheten entsteht und wir unerschütterlich glauben können, dass die Worte und Taten des Propheten über Irregehen, Abweichung, dem Folgen der eigenen Neigung sowie den Fehlern und Mängeln menschlicher Vorstellungen erhaben sind. Bei jedem Schritt seines Lebens hielt er unerschütterlich an dem von Allah beschriebenen Sirat al-Mustaqim fest. Sein reiner Charakter war ein vollkommenes Vorbild islamischer Moral, in dem nicht die geringste Spur eines Fehlers oder Mangels zu finden war. Allah, der Erhabene, hat dieses vollkommene und makellose Vorbild eigens dazu geschaffen, damit jeder unter Seinen Dienern, der Sein geliebter Diener werden möchte, ihm ohne Furcht und ohne Zögern folgen und ihn nachahmen kann. In den oben erwähnten sechsten und siebten Versen wird genau dieser Zweck dargelegt. Im sechsten Vers heißt es, dass ihr im Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) ein Vorbild habt. Im siebten Vers wird die Befolgung des Gesandten Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) als der einzige Weg bezeichnet, Allahs Liebe zu erlangen.
Das gesamte Leben des Propheten ist das „beste Vorbild“’
Auch hier sehen wir, dass im Leben des Propheten, das als vorbildlich bezeichnet wird, keinerlei Bedingung oder Begrenzung erwähnt ist. Mit anderen Worten: Das gesamte Leben des Propheten ist in jeder Hinsicht für alle Menschen, in allen Lebensbereichen und unter allen Umständen das beste Vorbild, dem unbedingt zu folgen ist. In dieser Hinsicht gibt es keinerlei Raum, irgendeine Bedingung oder Grenze aufzuerlegen. Die Person des Propheten ist insgesamt als bestes Vorbild bezeichnet worden, und sein umfassender Gehorsam ist verpflichtend. Das bedeutet, dass es umso eher möglich wird, Allahs Nähe zu erlangen und Allahs Wohlgefallen zu gewinnen, je mehr man ihm folgt und ihn nachahmt und je größere Ähnlichkeit mit seinen Eigenschaften man im eigenen Leben hervorbringt.
Der Umfang der Ausnahmen
Doch die Erklärung des Lebens des Ehrwürdigen als in seiner Gesamtheit nachzuahmendes Vorbild und die Anweisung zu umfassendem Gehorsam bedeuten nicht, dass alle Menschen in jedem Lebensbereich alles, was er getan hat und wie er es getan hat, genau auf dieselbe Weise tun müssen und seinem heiligen Leben so folgen müssen, dass nicht mehr zu erkennen wäre, was das Original und was die Nachahmung ist. Das ist nicht die Absicht des Korans und kann es auch nicht sein. Tatsächlich handelt es sich um eine kurze und grundlegende Anweisung. Wie diese Anweisung in die Tat umzusetzen ist, können wir aus der Lehre des ehrwürdigen Gesandten Allahs (s.a.s.) selbst und aus der Lebensweise der Gefährten erfahren. Eine ausführliche Analyse ist hier nicht möglich. Kurz gesagt: Bei den Handlungen, die den Rang von Fard, Wajib und den Grundpfeilern des Islam besitzen, muss man ihm genau und unverfälscht gehorchen und folgen; nicht einmal um ein Haar darf davon abgewichen werden. Dazu gehören die Bestimmungen über Gebet, Fasten, Hadsch, Zakat, die Erlangung der Reinheit und Ähnliches. Ebenso gehören dazu alles, was er in diesen Angelegenheiten angeordnet hat, sowie die allgemeinen Regeln des islamischen Lebens, etwa die sozialen, wirtschaftlichen und politischen Tätigkeiten und deren Einzelbestimmungen. Bei manchen dieser Dinge hat sich der Gesandte Allahs (s.a.s.) darauf beschränkt, die Wahrung von Moral und Anstand sowie die Anwendung vernünftiger Vorgehensweisen anzuordnen. Bei anderen wiederum können wir anhand seiner Anweisungen bestimmen, welche Handlungsweise mit dem Islam vereinbar ist und welche nicht. Wer in dieser Hinsicht aufrichtig dem Gesandten Allahs (s.a.s.) folgen möchte und zu diesem Zweck seine Hadithe und seine Verhaltensweise studiert, kann leicht erkennen, in welchen Angelegenheiten man dem Gesandten (s.a.s.) genau folgen muss und in welchen Angelegenheiten man aus seinen Hadithen und seiner Verhaltensweise lediglich die allgemeinen Grundsätze von Moral, Vernunft sowie Nutzen und Wohlergehen ableiten muss. Streitlustige Menschen bringen jedoch in dieser Frage allerlei Ausflüchte vor. Sie sagen: Der Gesandte Allahs (s.a.s.) sprach doch Arabisch – müssen auch wir Arabisch sprechen? Er heiratete arabische Frauen – müssen auch wir arabische Frauen heiraten? Er trug eine bestimmte Art von Kleidung – sollen auch wir solche Kleidung tragen? Er aß bestimmte Speisen – sollen auch wir diese Speisen essen? Er pflegte auf eine bestimmte Weise mit den Menschen umzugehen, mit ihnen zusammenzusitzen und sich ihnen gegenüber zu verhalten – müssen auch wir all dies genau auf dieselbe Weise tun? Bedauerlicherweise bedenken sie nicht einmal ein wenig, dass es nicht auf die Sprache ankommt, sondern auf die moralischen Regeln des Sprechens, die er stets einhielt. Ob man eine Araberin oder eine Nichtaraberin heiratet, ist nicht der entscheidende Punkt; entscheidend ist vielmehr, wie unser Verhalten gegenüber der Frau, die wir heiraten, sein wird, wie wir ihre Rechte gewährleisten und wie wir unsere rechtmäßige gesetzliche Autorität über sie ausüben werden. Das Vorbild, das der Prophet (s.a.s.) im Umgang mit seinen Ehefrauen hinterlassen hat, kann für das Familienleben eines Muslims durch kein besseres Vorbild übertroffen werden. Wer hat gesagt, dass es eine Vorschrift der Scharia sei, genau die Art von Kleidung zu tragen, die der Ehrwürdige (s.a.s.) trug? Und wer hat angeordnet, dass jeder Muslim genau die Speisen essen müsse, die er zu essen pflegte? Das nachzuahmende Element ist in diesen Dingen vielmehr die Gottesfurcht, Reinheit, Sauberkeit und Sittsamkeit, die er beim Essen und bei der Kleidung beachtete. Daraus verstehen wir, wie das vom Koran in knapper Form gelehrte Gleichgewicht des Verhaltens zwischen Askese und Genuss verwirklicht werden kann: Einerseits soll es weder Verschwendung noch Vergeudung geben, andererseits sollen erlaubte Dinge nicht grundlos gemieden werden. Dasselbe gilt für alle anderen Angelegenheiten des persönlichen und gemeinschaftlichen Lebens des Ehrwürdigen (s.a.s.). Sein gesamtes erhabenes und heiliges Leben ist ein vortreffliches Vorbild für das Leben eines wahrhaft gottesfürchtigen Muslims. Die ehrwürdige Aischa (r.a.) sagte wahrhaftig, dass, wenn ihr wissen wollt, wie ein gläubiger Mensch gemäß der Lehre und dem Geist des heiligen Korans in dieser Welt leben soll, ihr die Lebensweise Muhammads (s.a.s.) studieren sollt.(Arabisch**********) Ihr werdet sehen: Der Islam, der im Koran in knapper Form enthalten ist, ist im Leben des Gesandten Allahs (s.a.s.) ausführlich verwirklicht.
Der Gesandte ist zu jeder Zeit Gesandter
Erfreulicherweise ist die dritte Gruppe nicht der Ansicht der ersten und zweiten Gruppe. Dennoch haben bestimmte Hadithe in ihnen den Verdacht geweckt, dass „der Gesandte Allahs (s.a.s.) vielleicht nicht unter allen Umständen und zu allen Zeiten Gesandter war und dass nicht jedes seiner Worte und jede seiner Handlungen in seiner Eigenschaft als Gesandter gesprochen beziehungsweise getan wurde“. Die Überlieferungen, aus denen dieses Missverständnis entstanden ist, weisen in Wirklichkeit auf etwas anderes hin. Tatsächlich war der Prophet (s.a.s.) in jedem Augenblick und unter allen Umständen der Gesandte Allahs, und es war seine Aufgabe, jederzeit das Ziel im Auge zu behalten, zu dem er zum Propheten entsandt worden war. Er wurde nicht zum Propheten gemacht, um den Menschen ihre Freiheit des Denkens und der Meinungsbildung vollständig zu nehmen und ihr Gewissen und ihren Verstand untätig und unbrauchbar zu machen. Er kam nicht, um die Menschen dieser Welt Landwirtschaft, Industrie und Handwerk zu lehren, und er wurde auch nicht entsandt, um die Geschäfte, den Handel und die persönlichen Angelegenheiten der Menschen zu führen.
Die Aufmerksamkeit des Propheten auf das eigentliche Ziel der Gesandtschaft
Das Leben des edlen Propheten hatte nur ein einziges Ziel: den Islam als Glaubensüberzeugung fest in den Herzen der Menschen zu verankern und ihn durch praktische Taten im persönlichen Charakter der Menschen sowie in der Gesellschaftsordnung wirksam werden zu lassen. Abgesehen von diesem grundlegenden Ziel wandte Er niemals irgendeiner anderen Sache Seine Aufmerksamkeit zu. Und wenn Er gelegentlich zu irgendeiner Zeit etwas sagte, fügte Er sogleich hinzu: „Ihr seid in euren Meinungen und eurem Handeln frei.“ Er sagte:(Arabisch****************) „Ihr wisst über eure weltlichen Angelegenheiten selbst am besten Bescheid.“ Die Gefährten waren jedoch bereit, jedem Wort des Propheten als einem Wort des Gesandten zu gehorchen, und hielten es für notwendig, Ihm in allen Dingen zu gehorchen und zu folgen. Deshalb dachten die Gefährten jedes Mal, wenn der Prophet etwas über eine weltliche Angelegenheit sagte, dass auch dies vielleicht eine als Gesandter erteilte Anweisung sei. Doch niemals geschah es, dass Er ihnen eine Anweisung zu einer Angelegenheit gab, die nicht mit dem Zweck Seines Kommens zusammenhing, und sie zwang, diese zu befolgen. Dass Er während der dreiundzwanzig Jahre keinen Augenblick Seinen Zweck und Sein Ziel aus den Augen verlor, sich in jedem Augenblick des feinen Unterschieds bewusst war, welche Angelegenheit zu Seinem Ziel gehörte und welche nicht, und Seinen Anhängern trotz Seiner uneingeschränkten Macht und Autorität über sie keine Anweisungen in belanglosen Dingen gab – all dies beweist, dass die Stellung als Prophet und Gesandter niemals von Seinem Wesen getrennt war. Es wäre jedoch nicht richtig anzunehmen, dass alles, was der Hochgeehrte in weltlichen Angelegenheiten sagte, nicht seinen Ursprung in der Offenbarung hatte. Allerdings waren Äußerungen dieser Art keine Anweisungen von Ihm; Er sprach sie auch nicht in der Form einer Anweisung aus, und niemand nahm sie als Anweisung an. Dennoch war jedes Wort, das aus Seinem heiligen Mund kam, von Anfang bis Ende fehlerlos und wahr. Als Beispiel seien die überlieferten Hadithe des Hochgeehrten über die Medizin genannt; sie sind von äußerst sachkundigen Aussagen erfüllt. Beim Betrachten dieser Hadithe ist es geradezu erstaunlich, wie ein ungebildeter Araber, der niemals Arzt gewesen war und keinerlei Forschungen über die Medizin betrieben hatte, Kenntnisse über diese Wissenschaft besaß, die sich heute nach Hunderten von Jahren der Prüfung und Erfahrung als wahr erweisen. In den kenntnisreichen Äußerungen des Hochgeehrten finden sich Hunderte solcher Beispiele. Obwohl diese Dinge nicht zur Aufgabe des Gesandtschaftsamtes gehören, verleiht Allah Seinen Gesandten von Geburt an außergewöhnliche Fähigkeiten, die nicht nur bei der Erfüllung der Aufgabe des Gesandtschaftsamtes von Nutzen sind, sondern in allen Angelegenheiten Zeichen besonderer Begabung erkennen lassen. Es ist offensichtlich, dass die Kunst der Herstellung von Rüstungen keinen Zusammenhang mit dem Gesandtschaftsamt haben kann. Dennoch zeigte der hochgeehrte David (Friede sei mit ihm) auch darin außergewöhnliche Geschicklichkeit. Allah Selbst sagte, dass Er ihn diese Kunst gelehrt habe. Er sagte:(Arabisch**********************) „Ich lehrte ihn die Kunst der Herstellung von Rüstungen, damit ihr euch mit ihrer Hilfe vor den Angriffen gegeneinander schützen könnt.“ (Sure al-Anbiyāʾ: 80.) Welchen Zusammenhang könnte das Erlernen der Sprache der Vögel mit der Erfüllung des Gesandtschaftsamtes haben? Dennoch erlangte der hochgeehrte Salomo (Friede sei mit ihm) darin besondere Fähigkeiten. Er selbst sagte:(Arabisch**********) „Mir wurde die Sprache der Vögel gelehrt.“ (Sure an-Naml: 16.) Welchen Zusammenhang könnten das Tischlerhandwerk und der Bau von Schiffen mit der Erfüllung des Gesandtschaftsamtes haben? Doch Allah sagte zum hochgeehrten Noah (Friede sei mit ihm) nicht: „Baue ein stabiles Schiff“, sondern Er sagte:(Arabisch***********) „Baue das Schiff unter Unserer Aufsicht und nach Unserer Offenbarung.“ (Sure Hūd: 37.)
Die zwei Bereiche des Prophetenlebens
Aus dieser Erörterung wurde deutlich, dass die Propheten nicht ausschließlich Offenbarungen empfingen, die in unmittelbarem Zusammenhang mit der Erfüllung des Gesandtschaftsamtes standen. In Wirklichkeit stand ihr gesamtes Leben unter Allahs Anordnung. Der einzige Unterschied besteht darin, dass ein Teil ihres Lebens so beschaffen ist, dass seine genaue Nachahmung eine unerlässliche Voraussetzung dafür ist, Muslim zu sein. Ein anderer Teil ist so beschaffen, dass seine hundertprozentige Nachahmung nicht für alle Muslime verpflichtend, also unerlässlich, ist. Wer jedoch ein von Allah geliebter und Ihm nahestehender Diener werden möchte, hat keine andere Möglichkeit, als der Sunna des Propheten vollständig zu folgen. Selbst ein noch so geringer Mangel in dieser Hinsicht führt zu einem entsprechenden Verlust an Nähe zu Allah und daran, ein geliebter Diener zu werden. Denn außer der Nachahmung des Propheten gibt es überhaupt keinen anderen Weg, Allahs Geliebter zu werden.(Arabisch***********) „Folgt mir, dann wird Allah euch lieben.“
Der Unterschied zwischen der Führung des Propheten und anderer Führung
Aus der vorangegangenen Erörterung ist klar hervorgegangen, worin der Unterschied zwischen der Führung des Propheten und der Führung anderer Führer sowie zwischen den Entscheidungen und Urteilen des Propheten und denen anderer Richter besteht. Dennoch habe ich zum Schluss drei Verse angeführt, die diese Angelegenheit noch deutlicher gemacht haben. Aus diesen Versen geht hervor, dass es eine unabdingbare Voraussetzung dafür ist, ein Mu’min zu sein, sich vor der Anweisung Allahs und des Gesandten (s.a.w.) zu beugen und seine Entscheidungen anzunehmen. Wer sich weigert, dies zu tun, bleibt kein Mu’min. Besitzt irgendein anderer Führer oder Richter eine solche Stellung? Wenn nicht, wie ungeheuerlich falsch ist es dann zu sagen: „Überall dort im Qur’an, wo die beiden Wörter ‚Allah‘ und ‚Gesandter‘ gemeinsam erwähnt werden, ist damit Führung gemeint.“ Gerade diese Äußerung Maulana Aslam Jayrajpuris ist für mich anstößig. Ich halte diese Aussage in jeder Hinsicht für dem Qur’an widersprechend. Auch ich erkenne die Pflicht an, Ulil Amr zu gehorchen. Nach dem Gesandten Allahs (s.a.w.) ist der Gehorsam gegenüber Ulil Amr eine unabdingbare Pflicht. Die Aufgaben, die der Gesandte Allahs (s.a.w.) zu Lebzeiten im islamischen Staat wahrnahm, wird Ulil Amr wahrnehmen, und in allen Angelegenheiten der Gesellschaft und des Staates wird die Entscheidung von Ulil Amr verbindlich und endgültig sein. Selbst wenn jemand aufgrund seines eigenen Wissens zu dem Schluss gelangt, dass eine Entscheidung von Ulil Amr Allah und dem Gesandten widerspricht, muss er sie bis zu einem gewissen Grad befolgen, auch wenn er an seiner eigenen Auffassung festhält. Daraus folgt jedoch nicht, dass das, was der Qur’an mit „Allah und der Gesandte“ meint, bloß Führung sei, und ein von der Führung erlassener Befehl sei nicht buchstäblich ein Befehl Allahs und des Gesandten. Wäre es so, dann wären die Muslime, sobald die Führer und Machthaber vom rechten Weg abwichen und die Regierenden und Verantwortlichen Handlungen einleiteten, die dem Qur’an und der Sunna widersprechen, völlig rat- und hilflos. Obwohl sie wüssten, dass sie dem unvermeidlichen Verderben entgegenschritten, bliebe ihnen kein anderer Ausweg, als ihren Fußstapfen zu folgen und ihnen zu gehorchen. Wenn unter solchen Umständen jemand Widerstand leistete und forderte, dem Weg Allahs und des Gesandten zu folgen, könnten die irregeleiteten, ungerechten Herrscher gemäß der Fatwa Maulana Aslam Jayrajpuris den Unglücklichen zum Gottesleugner erklären und ihn töten, ohne dass dies irgendein Unrecht wäre. Sie könnten sagen: „He, Kerl, Allah und der Gesandte sind doch wir selbst. Auf welchen Allah und welchen Gesandten willst du uns denn wieder führen?“
Eine Betrachtung des Privatlebens des Gesandten (s.a.w.) und seines Prophetenlebens
Die arabische Übersetzung meiner beiden Aufsätze mit den Titeln „Islams Sichtweise zur Freiheit“ und „Gehorsam gegenüber dem Gesandten und seine Nachahmung“ war in der in Damaskus erscheinenden Zeitschrift „Al-Muslimun“ veröffentlicht worden. Damals machten mich die angesehenen Gelehrten Syriens darauf aufmerksam, dass in den beiden Aufsätzen eine gewisse Unstimmigkeit zu erkennen sei. Diese Unstimmigkeit müsse beseitigt werden. Ein Herr aus Damaskus richtete zu meinem ersten Aufsatz folgende Frage an mich:
„War Hadhrat Muhammad (s.a.w.) als Mensch etwa wie irgendein gewöhnlicher Mensch von uns? Bestand auch in seinem menschlichen Herzen das Verlangen, seine persönliche Herrschaft über andere Menschen auszudehnen und sie seiner persönlichen Macht und Autorität zu unterwerfen? Wenn dies der Fall war, welchen Sinn konnten dann seine Sündlosigkeit als Prophet und sein Schutz als Mensch haben? Sind sein menschliches Leben vor dem Beginn seiner Prophetenschaft und sein Prophetenleben miteinander verschmolzen oder blieben sie voneinander getrennt? Ist es möglich, diese beiden Seiten seines Lebens voneinander zu trennen, sodass man die Freiheit hätte, dem Propheten Muhammad (s.a.w.) zu gehorchen und dem Menschen Muhammad zu widersprechen? Was er als Prophet gesagt hat, ist selbstverständlich zu befolgen, und als Menschen haben wir das Recht, dem zu widersprechen, was er als Mensch gesagt hat. Aber nach welchem Grundsatz können wir eine Trennlinie zwischen diesen beiden Arten von Aussagen ziehen? Gibt es keinerlei Hindernis dagegen, der persönlichen Meinung des Propheten zu widersprechen? Vermittelte Muhammad (s.a.w.) den Muslimen etwa die Vorstellung, dass es nicht notwendig sei, ihm als Menschen zu gehorchen? Ermutigte er sie, anderer Meinung zu sein als er in seinen persönlichen Auffassungen? Ist es aufgrund dieser Argumente und Beweise tatsächlich richtig zu sagen, dass Hadhrat Umar (r.a.) Hadhrat als Menschen widersprochen habe?“
Mein nachfolgender Aufsatz wurde gerade als Antwort auf diese Fragen verfasst:
Über meine beiden Aufsätze, die in den Ausgaben sechs, sieben und acht des sechsten Bandes von „Al-Muslimun“ unter den Titeln „Islams Sichtweise zur Freiheit“ und „Gehorsam gegenüber dem Gesandten und seine Nachahmung“ abgedruckt worden waren, wurde mir mitgeteilt, dass sie einander widersprechende Aussagen enthielten, deren Widerspruch geklärt werden müsse. Im ersten Aufsatz sei nämlich gesagt worden, dass das Privatleben des Propheten und sein Prophetenleben voneinander getrennt seien. Der Islam rufe zum Gehorsam gegenüber dem Prophetenleben auf, nicht zum Gehorsam gegenüber dem Privatleben. Im zweiten Aufsatz hingegen sei die Aussage, dass der Prophet zwei getrennte Leben geführt habe, zurückgewiesen und nachdrücklich erklärt worden, dass der Prophet nur ein einziges Leben gehabt habe – ein Prophetenleben. Man bat darum, zu erfahren, wie dieser Widerspruch aufgelöst werden könne. Außerdem hatte ein Herr aus Damaskus zu meinem ersten Aufsatz „Islams Sichtweise zur Freiheit“ einige Fragen gestellt. Diese Fragen waren in der siebten Ausgabe von „Al-Muslimun“ abgedruckt worden. Zu Beginn haben wir sie zitiert. Beide Fragen sind ihrer Art nach weitgehend gleich. Daher beantworte ich beide in demselben kurzen Aufsatz.
Tatsächlich hat das Problem zwei Seiten. Die eine ist die theoretische Seite. Dabei geht es um die Prüfung und Erwägung der Frage, was die unverfälschte Wahrheit ist. Die zweite ist die praktische Seite. Dabei ist zu klären, ob wir, um aus der Persönlichkeit des Propheten Anleitung zu gewinnen, sein gesamtes Leben als für uns prophetisch anerkennen müssen und ob er ausschließlich Prophet ist. Oder muss man ihn in zwei Teile aufspalten, seinem Prophetenleben gehorchen und den übrigen Teil beiseitelassen?
Erstens: Die theoretische Seite der Erörterung
Zunächst soll die theoretische Seite erörtert werden. Der Heilige Koran hat in unmissverständlicher Sprache klargemacht, dass zwischen dem persönlichen Leben der Propheten und ihrem Prophetenleben ein Unterschied besteht. Sie kommen nicht, um die Menschen zu ihren eigenen Sklaven zu machen; sie kommen, um die Menschen zu Allahs Dienern oder Sklaven zu machen.
(Arabisch***************************auf Seite 266 der PDF)
„Es ziemt sich für keinen Menschen, dass Allah ihm das Buch, die Herrschaft und das Prophetentum gibt und er danach zu den Menschen sagt: Werdet meine Diener, statt Diener Allahs zu sein.“ – (Sure Al-i ʿImrān: 79)
Ihnen wurden gleichzeitig zwei Aufgaben übertragen. Erstens, die Menschen von der Knechtschaft gegenüber allen Menschen oder Dingen außer Allah zu befreien, sogar von ihrer eigenen Knechtschaft. Zweitens, sie unter die alleinige Knechtschaft Allahs zu bringen.
(Arabisch***************************auf Seite 266 der PDF)
„(O Prophet,) sprich: O Leute der Schrift, kommt zu einem Wort, das zwischen euch und uns gleich ist: dass wir niemandem außer Allah dienen, Ihm nichts beigesellen und keiner von uns anstelle Allahs einen anderen zum Herrn nimmt.“ – (Al-i ʿImrān: 64)
Die Anweisung zum uneingeschränkten Gehorsam gegenüber dem Gesandten in allen Angelegenheiten, die den Islam betreffen, wurde nicht als sein persönliches Recht erteilt, sondern nur deshalb, weil Allah ausschließlich durch den Gesandten mitteilt, was Ihm gefällt und was Sein Gebot ist. Daher wurde erklärt, dass der Gehorsam gegenüber dem Gesandten selbst der Gehorsam gegenüber Allah ist. Im Koran heißt es:
(Arabisch***************************auf Seite 267 der PDF)
„Ich habe jeden Gesandten nur dazu entsandt, damit ihm mit Allahs Erlaubnis gehorcht werde.“ – (Sure an-Nisa: 64)
(Arabisch***************************auf Seite 267 der PDF)
„Wer dem Gesandten gehorcht, der gehorcht Allah.“ – (Sure an-Nisa: 80)
Zusammen damit ist aus dem Koran und zahlreichen Hadithen ebenfalls erwiesen, dass der ehrwürdige Gesandte Allahs (s.a.w.) niemals für ein Wort oder eine Handlung, die er nicht auf Allahs Anweisung, sondern nach eigener Ansicht gesagt oder getan hatte, denselben unbedingten Gehorsam verlangt hat, den er für etwas verlangte, das er auf Allahs Anweisung gesagt oder getan hatte. In meinem Aufsatz „Die islamische Auffassung von der Freiheit“ habe ich zahlreiche Beispiele dafür angeführt. Besonders die Scheidung von Zaynab (r.a.), der Ehefrau von Zayd, trotz des Verbots des Propheten, ohne dass Allah und Sein Gesandter darüber irgendeinen Unmut zum Ausdruck brachten, ist ein leuchtendes Beispiel. Außer der Erklärung, die ich in jenem Aufsatz gegeben habe, kann dafür keine andere Erklärung gegeben werden. Und über die Bestäubung von Dattelpalmen sagte der Gesandte Allahs (s.a.w.) unmissverständlich:
(Arabisch***************************auf Seite 267 der PDF)
„Auch ich bin nur ein Mensch. Wenn ich euch eine Anweisung bezüglich des Islam gebe, dann befolgt sie. Wenn ich aber etwas nach meiner eigenen Ansicht sage, dann denkt daran, dass ich nur ein Mensch bin. Ich hatte etwas vermutet. Nehmt das, was ich auf Grundlage einer solchen Vermutung sage, nicht an. Wenn ich jedoch etwas von Allah übermittle, dann nehmt es an. Denn ich habe niemals etwas Unwahres über Allah gesagt. Ihr wisst über eure weltlichen Angelegenheiten besser Bescheid.“ – (Muslim)
Das ist der prinzipielle Unterschied. Betrachten wir nun seine praktische Seite.
Zweitens: Die praktische und anwendungsbezogene Seite
Im Grunde war die Angelegenheit äußerst heikel und kompliziert. Allah, der Erhabene, hatte einen Menschen als Seinen einzigen Stellvertreter entsandt und ihm eine doppelte Aufgabe übertragen: Einerseits sollte er die gesamte Menschheit von der Knechtschaft und Abhängigkeit von allen Geschöpfen, einschließlich seiner eigenen Person, befreien und ihr selbst die Schulung in dieser Freiheit geben. Andererseits sollte eben dieser Mensch sie dazu bewegen, Allah uneingeschränkt zu gehorchen, wobei die Quelle dieses Gehorsams gegenüber Allah seine eigene Person als Gesandter sein sollte. Diese beiden einander widersprechenden Aufgaben musste ein und dieselbe Person zur selben Zeit erfüllen, und die Grenzen dieser beiden Aufgaben waren so eng miteinander verflochten, dass niemand außer Allah und Seinem Gesandten eine Trennlinie zwischen ihnen hätte ziehen können. Darüber hinaus wird die Schwierigkeit und Heikligkeit noch größer, wenn man drei Dinge berücksichtigt. Erstens: Wenn der ehrwürdige Gesandte Allahs (s.a.s.) die Menschen dazu aufforderte, ihm selbst gemäß Allahs Anweisung zu gehorchen, bestand kein Zweifel daran, dass er gerade die Aufgabe der Gesandtschaft erfüllte. Doch auch wenn er seine ergebensten Gefährten aus der geistigen Knechtschaft gegenüber seiner eigenen Person befreite und sie lehrte, ihre Freiheit des Denkens und Urteilens zu nutzen, wenn er sie dazu ermutigte, in seiner Gegenwart der eigenen persönlichen Meinung gegenüber ihre Gedankenfreiheit auszuüben, und ihnen zeigte: In diesem Bereich seid ihr frei, in jenem Bereich aber seid ihr zum vollkommenen Gehorsam verpflichtet –, erfüllte er in Wirklichkeit ebenfalls einen Teil der Aufgabe der Gesandtschaft. Dies ist ein Bereich, in dem es für uns schwierig wird, den Unterschied zwischen seinem persönlichen Leben und seinem Leben als Prophet zu verstehen und entsprechend diesem Unterschied zu handeln. Hier sind diese beiden Lebensbereiche so eng miteinander verflochten, dass zwischen ihnen tatsächlich nur ein theoretischer Unterschied bestehen bleibt. Selbst wenn er in seiner persönlichen Eigenschaft eine Handlung vornahm, zeigt sich darin tatsächlich die Erfüllung der prophetischen Aufgabe.
Zweitens sind auch Dinge, die äußerlich vollkommen persönlicher Natur zu sein scheinen, wie Essen und Trinken, Kleidung, Heirat, das Zusammenleben mit Ehefrauen und Kindern, häusliche Tätigkeiten, Körperpflege und Reinigung sowie Wasserlassen und Stuhlgang usw., keine gänzlich persönlichen Angelegenheiten im Leben des Gesandten Allahs (s.a.s.); vielmehr sind auch darin Lehren über die Grenzen, Vorschriften und Regeln der Scharia enthalten. Daher wird es für die Menschen schwierig festzustellen, wo bei diesen Dingen die Tätigkeit des Gesandten Muhammad endet und die Tätigkeit des persönlichen Muhammad beginnt.
Drittens erfahren wir aus dem Heiligen Koran, dass das Leben des Propheten in seiner Gesamtheit ein Vorbild ist, dessen jeder Aspekt für uns ein Leuchtfeuer der Wahrheit und der Gerechtigkeit darstellt. Kein einziges seiner Worte oder seiner Taten ist auch nur im Geringsten durch die Anstachelung der Begierde, Irreführung oder Verwirrung befleckt. In diesem Zusammenhang sind einige Aussagen des Korans bemerkenswert:
(Arabisch***************************auf PDF-Seite 268)
„Im Leben des Gesandten Allahs gibt es für euch das vortrefflichste Vorbild.“
(Arabisch***************************auf PDF-Seite 268)
‚O Prophet! Wir haben dich als Zeugen, als Verkünder froher Botschaft, als Warner, als einen, der mit Allahs Erlaubnis zu Ihm ruft, und als leuchtende Lampe entsandt.“
(Arabisch***************************auf PDF-Seite 268)
„Euer Gefährte ist weder irregegangen noch vom rechten Weg abgekommen. Er spricht nicht aus eigenem Verlangen; was immer er sagt, ist nichts anderes als die Offenbarung, die ihm eingegeben wurde.“ – (Sure an-Nadschm 2–4)
Aus diesen Gründen haben wir nach der Scharia kein Recht, zwischen dem prophetischen und dem persönlichen Leben des Propheten zu unterscheiden; praktisch ist eine solche Unterscheidung auch gar nicht möglich. Wir können die Grenzen dieser beiden Bereiche im Leben des Propheten nicht selbst festlegen. Wir sind nicht in der Lage, genau zu bestimmen, dass diese oder jene Angelegenheit zum prophetischen Leben des Propheten gehört, während andere Angelegenheiten seinem persönlichen Leben zuzurechnen sind. Daher steht es uns nicht zu, zu entscheiden, dass die Befolgung des einen verpflichtend, die des anderen hingegen freiwillig sei. Als einziges Mittel zur Feststellung dieses Unterschieds kann entweder eine eindeutige Erklärung des Gesandten Allahs selbst oder ein aus mehreren seiner Lehren abgeleitetes Grundprinzip gelten.
Einige bemerkenswerte Beispiele
Aus der Zeit des ehrwürdigen Gesandten Allahs sind Beispiele dafür überliefert, dass die Gefährten, bevor sie zu einer Aussage oder Handlung von ihm ihre persönliche Meinung äußerten, zunächst fragten, ob diese Aussage oder Handlung auf einem Gebot Allahs oder auf seiner persönlichen Auffassung beruhte. Wenn sie erfuhren, dass es sich um seine persönliche Meinung handelte, brachten sie erst dann ihre eigene Ansicht vor. In der Schlacht von Badr fragte der ehrwürdige Khabbab ibn al-Mundhir, bevor er seine Meinung äußerte, ob die Wahl dieses Ortes aufgrund einer Offenbarung oder lediglich als militärische Strategie erfolgt sei. Denn wenn sie auf einer Offenbarung beruhte, wäre es uns nicht erlaubt, auch nur geringfügig davon abzuweichen. In der Schlacht am Graben fragte der ehrwürdige Sa’d ibn Mu’adh, bevor er seine Meinung zur Entscheidung über einen Friedensschluss mit dem Stamm Banu Ghatafan äußerte: „O Gesandter Allahs! Wurde diese Entscheidung aufgrund einer Offenbarung getroffen – über die wir nichts zu sagen hätten –, oder möchtest du dies lediglich aus eigenem Entschluss tun?“
Bisweilen erklärte der ehrwürdige Gesandte Allahs selbst, dass er das, was er zu einer bestimmten Angelegenheit gesagt hatte, nicht auf Allahs Geheiß gesagt und nicht als islamische Vorschrift erlassen habe, sondern lediglich seine persönliche Meinung zum Ausdruck gebracht habe. Als Beispiel dafür wurde bereits seine Erklärung über die Befruchtung von Dattelpalmen erwähnt.
Manchmal ließ sich schon an der Art der Anweisung erkennen, dass er sie auf persönlicher Ebene erteilt hatte. So sagte er zu Zaid:(Arabisch**********) „Verstoße deine Frau nicht. Fürchte Allah.“ Es war deutlich zu erkennen, dass diese Anweisung keine rechtliche Anweisung des Propheten an einen Gläubigen war, sondern der Rat eines Familienoberhaupts an ein jüngeres Familienmitglied. Deshalb ließ Zaid trotz der Anweisung des Propheten Zaynab scheiden. Da Allah und der Gesandte (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) darüber keinerlei Missbilligung äußerten, ist zu erkennen, dass Zaid richtig verstanden hatte, auf welcher Ebene die Anweisung des Propheten stand.
Möglichkeiten zur Bestimmung des prophetischen Ranges in späteren Zeiten
Viele Beispiele dieser Art lassen sich bereits zu Lebzeiten des heiligen Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) finden. Darüber hinaus lässt sich dieser Unterschied auch heute noch in vielen anderen Angelegenheiten anhand der Grundprinzipien der Scharia bestimmen. Nehmen wir etwa die Kleidung und die Ernährung des Propheten. Einerseits waren die besondere Art, das Maß und der Schnitt der Kleidung, die er trug, im damaligen Arabien üblich, und er wählte diese Kleidung nach seinem persönlichen Geschmack aus. Ebenso waren die Speisen, die er aß, zu seiner Zeit in den Häusern der Araber allgemein üblich zubereitet worden und entsprachen seinem persönlichen Geschmack. Andererseits lehrte er durch seine Worte und Taten im Bereich des Essens und der Kleidung die islamischen Sitten und Vorschriften. Dass das Erste zu seinem persönlichen Leben und das Zweite zum prophetischen Leben gehörte, erfahren wir aus den vom Propheten selbst gelehrten Grundprinzipien. Denn die Scharia, zu deren Vermittlung er von Allah eingesetzt worden war, umfasst in Bezug auf das menschliche Leben nicht die Frage, welchen Schnitt die Kleidung eines Menschen haben oder wie er seine Speisen zubereiten soll. Sie umfasst jedoch die Festlegung der Grenzen von Erlaubtem und Verbotenem sowie von Zulässigem und Unzulässigem in Bezug auf Kleidung und Nahrung; außerdem lehrt sie die Menschen Anstand und gute Umgangsformen, die mit dem Charakter sowie der Zivilisation und Kultur der Gläubigen vereinbar sind.
Diese Unterscheidung können wir entweder durch eine eindeutige Erklärung des Propheten erkennen oder aus den von ihm gelehrten Grundsätzen der Scharia ableiten; in beiden Fällen ist die Lehre des Propheten die Quelle dieses Wissens. Daher müssen wir uns auch zur Bestimmung der Handlungen, die zum persönlichen Leben des Propheten gehören, an das prophetische Leben wenden. Es gibt für uns keine Möglichkeit, unter Umgehung des prophetischen Lebens einen unmittelbaren Zugang zum persönlichen Leben herzustellen. In meinem unter dem Titel „Gehorsam gegenüber dem Gesandten und seine Nachahmung“ verfassten Aufsatz habe ich die Hadith-Gegner gerade in dieser Angelegenheit gewarnt. Ihr grundlegender Irrtum besteht darin, dass sie aus eigener Initiative zwischen Muhammad ibn Abdullah als Gesandtem und Muhammad ibn Abdullah als Mensch unterscheiden und zwischen den Handlungen, die in den jeweiligen Bereich fallen, eine Grenze ziehen. Danach haben sie den Teil des prophetischen Lebens, von dem sie sich selbst freigestellt haben, ausgenommen. In Wirklichkeit aber bleibt jeder Unterschied zwischen dem persönlichen Leben des Propheten Muhammad (saw) und seinem prophetischen Leben ausschließlich auf Allah und Allahs Gesandten beschränkt. Uns wurde dies nur deshalb mitgeteilt, damit wir nicht in eine Verwirrung des Glaubens geraten und Muhammad, den Sohn Abdullahs, selbst für den eigentlich Gehorsam gebührenden halten. Für die Umma besitzt er jedoch tatsächlich nur einen einzigen Rang, nämlich den Rang, der ihm als Gesandtem zukommt. Selbst wenn uns im Hinblick auf den Gehorsam gegenüber Muhammad als Mensch irgendeine Freiheit zusteht, ist auch diese vom Gesandten Muhammad gewährt. Der Gesandte Muhammad hat die Grenzen dieser Freiheit für uns festgelegt, und er selbst lehrt uns auch, wie diese Freiheit auszuüben ist.
Wenn man nach dieser Erklärung und Analyse meine beiden Aufsätze liest, kann kein Raum für weitere Missverständnisse bleiben.
Das Amt und die Aufgaben des Prophetentums aus Sicht des Korans
–[Dieser Aufsatz wurde verfasst, um die verschiedenen Fragen sowie Zweifel und Bedenken der Hadith-Leugner auszuräumen. –(Der Herausgeber)]
Die Aufgaben des Gesandten sind vierfach
An vier Stellen im Heiligen Koran findet sich folgende Darstellung der Aufgaben des Propheten (saw):
(Arabisch***************************Seite 271 des PDFs)
„Und gedenke, als Ibrahim und Ismail die Grundmauern dieses Hauses (der Kaaba) errichteten ………………. (da beteten sie): Unser Herr! Sende zu diesen Menschen aus ihrer Mitte einen Gesandten, der ihnen Deine Verse vorträgt, sie das Buch und die Weisheit lehrt und sie läutert.“ (Sure al-Baqara: 127–129)
(Arabisch***************************auf Seite 271 der PDF)
„So wie Wir zu euch aus eurer Mitte einen Gesandten geschickt haben, der euch Unsere Zeichen verliest, euch läutert, euch das Buch und die Weisheit lehrt und euch noch vieles lehrt, was ihr nicht wusstet.“ – (Sure al-Baqara: 151)
(Arabisch***************************auf Seite 271 der PDF)
„Wahrlich, Allah hat den Gläubigen eine große Gunst erwiesen, als Er aus ihrer Mitte einen Gesandten zu ihnen schickte, der ihnen Seine Zeichen verliest, sie läutert und sie das Buch und die Weisheit lehrt.“ – (Sure Āl ʿImrān: 164)
(Arabisch***************************auf Seite 271 der PDF)
„Er ist es, der unter den Analphabeten aus ihrer Mitte einen Gesandten geschickt hat, der ihnen die Zeichen Allahs verliest, sie läutert und sie das Buch und die Weisheit lehrt.“ – (Sure al-Dschumuʿa: 2)
Was in diesen Versen wiederholt gesagt wird, ist, dass Allah Seinen Gesandten nicht nur geschickt hat, um die Verse des Korans vorzutragen, sondern dass seine Entsendung noch drei weitere Ziele hatte.
Erstens sollte er die Menschen das Buch lehren.
Zweitens wird er die Vorgehensweise und Methode lehren, nach den Anforderungen dieses Buches zu handeln.
Drittens wird er die Individuen und die Gesellschaftsordnung läutern. Das heißt, durch persönliche Schulung wird er ihre individuellen und gemeinschaftlichen Mängel beseitigen, sodass in ihnen vortreffliche Eigenschaften entstehen und sich eine vollkommene Gesellschaftsordnung entwickelt.
Es ist offensichtlich, dass die Lehre des Buches und der Weisheit nach dem Vortragen der Koranverse eine zusätzliche Aufgabe war. Andernfalls wäre es sinnlos gewesen, sie gesondert zu erwähnen. Ebenso waren auch die Maßnahmen, die er zur Schulung des Einzelnen und der Gesellschaft ergriff, zusätzliche Aufgaben neben der Koranrezitation. Andernfalls hätte es keinen Sinn, die Schulung gesondert zu erwähnen. Nun stellt sich die Frage: Hatte er diese beiden Aufgaben, nämlich die des Lehrers und des Erziehers neben dem Vortragen des Korans, aus eigener persönlicher Initiative übernommen, oder hatte Allah, der Erhabene, ihn mit diesen beiden Aufgaben betraut? Wie kann jemand, der an dieses Buch glaubt, angesichts dieser klaren und eindeutigen Erklärung des Heiligen Korans es wagen zu behaupten, diese beiden Aufgaben hätten nicht zu seiner Gesandtschaft gehört und er habe die ihnen entsprechenden Tätigkeiten nicht als Gesandter, sondern lediglich auf persönlicher Ebene ausgeführt? Wenn ein solcher Wagemut nicht möglich ist, ist dann die Weigerung, die zusätzlichen Werke, die der Prophet (s) nach dem bloßen Vortragen der Worte des Korans bei der Vermittlung des Buches und der Weisheit vollbrachte, sowie die Schulung des Einzelnen und der Gesellschaft, die er durch seine Worte und Taten vollendete, als von Allah erworbene und durch Ihn beglaubigte Autorität anzuerkennen, nicht gleichbedeutend mit der Leugnung der Gesandtschaft selbst?
Die Rolle des Gesandten als Erklärer des Buches Allahs
In der Sure an-Nahl hat Allah gesagt:
(Arabisch***************************auf PDF-Seite 272)
„(O Prophet!) Wir haben dir dieses Buch offenbart, damit du den Menschen diese für sie offenbarte Lehre erklärst und verständlich machst.“ – (Vers 44)
Aus diesem Vers wird klar ersichtlich, dass auch die Erklärung und Auslegung der Anweisungen und Ermahnungen, die Allah im Koran gegeben hat, zu den Aufgaben des Propheten gehörte. Selbst ein gewöhnlicher Mensch mit gesundem Menschenverstand kann zumindest verstehen, dass die Erklärung und Auslegung eines Buches nicht dadurch abgeschlossen ist, dass man es lediglich vorliest. Vielmehr muss der Erklärer mehr sagen als den bloßen Wortlaut des Buches, damit der Zuhörer dessen Aussage richtig begreifen kann. Wenn sich eine Aussage des Buches auf eine praktische Angelegenheit bezieht, zeigt der Erklärer durch eine praktische Vorführung (Practical Demonstration), dass der Verfasser es bevorzugt, so zu handeln. Wenn jemand andernfalls nach der Bedeutung und Auslegung des Inhalts eines Buches fragt und man ihm lediglich die Worte des Buches selbst vorträgt, würde nicht einmal ein Kind dies als Erklärung und Auslegung anerkennen. Nun ist zu fragen: War der Prophet (s) dem Inhalt dieses Verses zufolge als Privatperson der Erklärer des Korans, oder war er zum Erklärer eingesetzt worden? Allah, der Erhabene, sagt hier doch ausdrücklich, dass der Gesandte den Koran mit dem Ziel empfängt, dessen Bedeutung durch seine Worte und Taten zu erläutern. Wie kann man also die ihm übertragene Aufgabe, den Koran zu erklären, von seiner umfassenden Aufgabe als Gesandter abtrennen und getrennt behandeln? Wie kann man, nachdem man den von ihm überbrachten Koran angenommen hat, seine von ihm gegebenen Erklärungen und Auslegungen leugnen? Wäre dies nicht gleichbedeutend mit der Leugnung der Gesandtschaft selbst?
Tatsächlich ist dieser Vers sowohl ein unwiderlegbarer Beweis gegen jene, die damals die Prophetenschaft des Propheten Muhammad (S.a.w.) mit der Begründung leugneten, dass Allahs Buch nicht durch einen Menschen kommen könne, als auch ein unwiderlegbarer Beweis gegen jene, die heute den Hadith leugnen und dafür eintreten, ausschließlich den Koran anzunehmen, ohne die Erläuterungen und Auslegungen des Propheten zu berücksichtigen. In diesem Zusammenhang bringen sie gewöhnlich vier Aussagen vor. Manchmal sagen sie, der Prophet habe überhaupt keine Erläuterung und Auslegung vorgenommen, sondern lediglich Allahs Buch übermittelt. Manchmal sagen sie, allein Allahs Buch sei zu befolgen und die Erläuterungen und Auslegungen des Propheten seien entbehrlich. Manchmal sagen sie, gegenwärtig sei nur Allahs Buch in zuverlässigem Zustand erhalten, während die Erläuterungen und Auslegungen des Propheten entweder überhaupt nicht existierten oder, falls sie doch existierten, nicht zuverlässig überliefert seien. Alle vier Auffassungen stehen im Widerspruch zu dem genannten Koranvers. Insbesondere läuft die erste Auffassung darauf hinaus, dass der Prophet gerade den Zweck vereitelt habe, zu dem Allahs Buch nicht durch Engel gesandt oder unmittelbar den Menschen übergeben, sondern durch den Propheten übermittelt worden war. Die vierte Auffassung ist nichts anderes als eine Erklärung, die sowohl den Koran als auch die Prophetenschaft des Propheten Muhammad (S.a.w.) leugnet. Für diejenigen, die eine solche Erklärung abgeben, bleibt danach kein anderer Weg, als den Weg derer einzuschlagen, die eine neue Prophetenschaft und eine neue Offenbarung beanspruchen. Denn in diesem Vers erklärt Allah der Erhabene die Erläuterung und Auslegung des Propheten nicht nur für die Verwirklichung des Ziels der Prophetenschaft als unerlässlich, sondern erklärt auch, dass die Notwendigkeit und die Bewährung der Prophetenschaft des Propheten allein durch die Erläuterung von Allahs Buch bewiesen werden können. Wenn man nun die Aussage der Hadithleugner, dass die vom Propheten gegebenen Erläuterungen und Auslegungen auf der Welt überhaupt nicht mehr vorhanden seien, als richtig annimmt, sind zwei Schlussfolgerungen unausweichlich. Erstens muss man annehmen, dass die Prophetenschaft Muhammads als nachzuahmendes Vorbild erloschen sei (Gott bewahre), und unsere Beziehung zum Propheten Muhammad (S.a.w.) der Beziehung zu den früheren Propheten, etwa Hūd, Ṣāliḥ und Shuʿaib, gleiche. An die früheren Propheten müssen wir glauben und ihre Botschaft als wahr anerkennen; da uns jedoch kein nachzuahmendes Vorbild von ihnen überliefert ist, können und müssen wir ihnen nicht nacheifern. Gelangt man zu diesem Schluss, so ist es eine natürliche und selbstverständliche Folge, dass man die Notwendigkeit eines neuen Propheten empfindet. Danach kann nur ein Tor auf dem Abschluss der Prophetenschaft beharren.
Zweitens: Wenn der Koran nach Allahs eigener Einschätzung ohne die Erläuterung des Propheten als alleinige Anleitung nicht ausreichend ist, dann kann die Aussage der sogenannten Anhänger des Korans, er sei ausreichend, wie laut sie dies auch verkünden mögen, nicht angenommen werden. Wenn die Behauptung des Klägers in einer Weise lautet, das Zeugnis des Zeugen aber in einer anderen, kann keine der beiden Aussagen als erwiesen gelten. Daher muss man zu diesem Schluss gelangen und sagen, dass der Koran selbst die Notwendigkeit eines neuen Buches beweist. Allahs Fluch komme über jene, die solche glaubenszerstörenden Ansichten verbreiten. Tatsächlich versuchen sie auf diese Weise, durch die Verwerfung des Hadith den Islam selbst zugrunde zu richten.
Der Gesandte als Führer und nachzuahmendes Vorbild
In der Sure Āl ʿImrān sagt Allah der Erhabene:
(Arabisch***************************(auf Seite 274 der PDF)
„(O Prophet!) Sprich: Wenn ihr Allah liebt, dann folgt mir; Allah wird euch lieben. … Und sprich: Gehorcht Allah und dem Gesandten. Wenn sie sich jedoch abwenden, dann wisset: Allah liebt die Ungläubigen nicht.“ – (Sure Āl ʿImrān: 31–32)
In der Sure al-Aḥzāb sagt Er:
(Arabisch***************************(auf Seite 274 der PDF)
„Im Gesandten Allahs habt ihr ein vortreffliches Vorbild. Dieses Vorbild gilt für jeden, der auf Allah und den Jüngsten Tag hofft.“ – (Vers: 21)
In diesen beiden Versen setzt Allah, der Erhabene, Seinen Gesandten selbst auf den Platz des Führers. Er befiehlt seinen Gehorsam und erklärt sein Leben für nachahmenswert. Er macht unmissverständlich klar: Erwartet von Mir kein Wohlergehen, wenn ihr dem Gesandten nicht gehorcht. Ohne diesen Gehorsam könnt ihr Meine Liebe nicht erlangen. Sich dem Gehorsam zu enthalten, ist Unglaube. Nun stellt sich die Frage: Hatte sich der Prophet Muhammad (s.a.w.) selbst zum Führer der Menschen gemacht, oder hatten die Muslime ihn gewählt, oder hatte Allah ihn eingesetzt? In der Sprache des Korans wird er eindeutig als von Allah eingesetzter und erwählter Führer verkündet. Wie kann man unter diesen Umständen seinen Gehorsam und seine Nachahmung verweigern? Wenn jemand darauf erwidert, der Gehorsam gegenüber dem Gesandten bedeute den Gehorsam gegenüber dem Koran, dann kann man dies nur als Geschwätz bezeichnen. Denn wenn dies die Bedeutung wäre, würde man statt (Arabisch*********) – stattdessen (Arabisch***********) (den Koran befolgen) sagen. In diesem Fall hätte es keinerlei Sinn, das Leben des Gesandten als „vortreffliches Vorbild“ zu bezeichnen.
Die Rolle des Gesandten als Gesetzgeber
In der Sure al-Aʿraf sagte Allah, der Erhabene, im Zusammenhang mit dem Gesandten Allahs (s.a.w.):
(Arabisch***************************auf Seite 275 des PDFs)
„Er gebietet den Menschen das Gute, hält sie vom Schlechten ab, erklärt ihnen die reinen Dinge für erlaubt, erklärt ihnen die unreinen Dinge für verboten und befreit sie von den Lasten der Vorschriften und Verbote, die zuvor auf ihnen lagen.“ – (Sure al-Aʿraf: 157)
Aus diesem Vers wird eindeutig ersichtlich, dass Allah, der Erhabene, dem ehrwürdigen Gesandten Allahs (s.a.w.) gesetzgeberische Befugnisse (Legislative Powers) verliehen hat. Die im Koran genannten Erlaubnisse und Verbote sowie die Beschreibungen guter und schlechter Taten bilden nicht die vollständige Liste der von Allah festgelegten Vorschriften und Verbote; vielmehr sind auch all jene Dinge, die der Prophet angeordnet oder untersagt hat, Teil des Gesetzes Allahs. Denn der Prophet hat diese Vorschriften und Verbote kraft der von Allah verliehenen Befugnis erlassen. Auch in der Sure al-Haschr findet sich eine entsprechend eindeutige Aussage:
(Arabisch***************************auf Seite 275 des PDFs)
„Nehmt an, was der Gesandte euch gibt, und unterlasst, wovon er euch abhält, und fürchtet Allah. Allah ist streng im Strafen.“ – (Vers 7)
Keiner dieser beiden Verse kann dahingehend ausgelegt werden, dass darin lediglich die im Quran enthaltenen Gebote und Verbote gemeint seien. Es wäre angemessener, dies nicht als Auslegung, sondern als den vergeblichen Versuch zu bezeichnen, Allahs Verse zu korrigieren beziehungsweise zu verändern. Denn Allah bezeichnet hier ausdrücklich das Gebieten des Guten, das Abhalten vom Schlechten sowie die Festlegung dessen, was halal und haram ist, als Aufgaben des Gesandten – und nicht als Aufgaben des Quran. Möchte nun jemand behaupten, Allah habe sich geirrt und anstelle des Quran versehentlich den Namen des Gesandten genannt? – (Allah bewahre!)
Die Rolle des Gesandten (s) als Richter
Allah, der Erhabene, hat an mehreren Stellen im Quran erwähnt, dass Er den Gesandten Allahs (s) zum Richter eingesetzt hat. Einige beispielhafte Verse seien hier angeführt:
(Arabisch***************************auf PDF-Seite 275)
„(O Prophet!) Wir haben dir das Buch mit der Wahrheit hinabgesandt, damit du unter den Menschen nach dem urteilen kannst, was Allah dir gezeigt hat.“ – (Sure an-Nisa: 105)
(Arabisch***************************auf PDF-Seite 276)
„(O Prophet!) Sprich: Ich glaube an das Buch, das Allah herabgesandt hat, und mir wurde befohlen, zwischen euch gerecht zu urteilen.“ – (Sure asch-Schura: 15)
(Arabisch***************************auf PDF-Seite 276)
„Wenn die Gläubigen zu Allah und Seinem Gesandten gerufen werden, damit er zwischen ihnen richte, sagen sie: Wir hören und gehorchen.“ – (Sure an-Nur: 51)
(Arabisch***************************auf PDF-Seite 276)
„Und wenn zu ihnen gesagt wird: Kommt zu dem, was Allah herabgesandt hat, und zum Gesandten, dann siehst du, wie die Heuchler sich von dir abwenden.“ – (Sure an-Nisa: 61)
(Arabisch***************************auf PDF-Seite 276)
„Nein, bei deinem Herrn, sie werden nicht gläubig sein, bis sie dich in ihren Streitigkeiten zum Richter machen, dann in ihrem Inneren keinen Vorbehalt gegen deine Entscheidung finden und sich ihr völlig ergeben.“ – (Sure an-Nisa: 65)
In diesen Versen wird eindeutig gesagt, dass Allahs Gesandter (s.a.w.) weder selbsternannter noch von den Muslimen gewählter Richter war. Er war ein von Allah eingesetzter Richter. Aus dem dritten Vers erfahren wir, dass seine Aufgabe als Richter nicht von der Aufgabe des Gesandtentums getrennt und losgelöst war. Als Gesandter war er auch Richter. Daher kann der Glaube eines Gläubigen an das Gesandtentum nicht richtig sein, solange er nicht auch seine Gehorsamspflicht gegenüber dem Gesandten als Richter anerkennt. Im vierten Vers (Arabisch**********) Koran und Gesandten getrennt voneinander erwähnt hat – wodurch eindeutig wird, dass es für die Entscheidungsfindung zwei ewige richterliche Quellen gibt: Die eine ist der Koran in rechtlicher Hinsicht, die andere der Gesandte als Richter. Wer einer dieser beiden Quellen den Gehorsam verweigert, handelt wie ein Heuchler, nicht wie ein Gläubiger. Im letzten Vers wird in unumstößlicher und unmissverständlicher Sprache gesagt, dass derjenige, der den Gesandten nicht als Richter anerkennt, kein Gläubiger ist. Selbst wenn jemand auch nur das geringste Zögern oder Bedenken verspürt, die Entscheidung des Gesandten anzunehmen, geht sein Glaube verloren. Nach diesen eindeutigen Aussagen des Korans hat niemand Anlass zu behaupten, der Prophet Muhammad (s.a.w.) sei zwar Richter gewesen, aber nicht als Gesandter, sondern lediglich ein Richter oder Magistrat wie gewöhnliche Richter und Magistrate. So wie die Urteile gewöhnlicher Richter und Magistrate keine Rechtsquelle sind, so sind auch die richterlichen Entscheidungen des Propheten keine Rechtsquelle. Denn kein gewöhnlicher Magistrat dieser Welt besitzt eine solche Stellung, dass man den Glauben verlieren könnte, wenn man sein Urteil nicht befolgt, ihn kritisiert oder beim Befolgen seines Urteils auch nur zögert.
Die Rolle des Gesandten als Herrscher und Staatsmann
Der Koran hat wiederholt unmissverständlich erklärt, dass der Prophet (s.a.w.) ein von Allah eingesetzter Herrscher und Staatsmann war und dass ihm diese Stellung gerade in seiner Eigenschaft als Gesandter verliehen worden war.
(Arabisch***************************auf PDF-Seite 277)
„Jeden Gesandten, den Ich entsandt habe, habe Ich nur dazu entsandt, dass ihm mit Allahs Genehmigung (Sanction) gefolgt wird.“ – (Sure an-Nisa: 64)
(Arabisch***************************auf PDF-Seite 277)
„Wer dem Gesandten gehorcht, der gehorcht gewiss Allah.“ – (Sure an-Nisa: 80)
(Arabisch***************************auf PDF-Seite 277)
„(O Prophet!) Wahrlich, diejenigen, die dir den Treueid leisten, leisten in Wirklichkeit Allah den Treueid.“ – (Sure al-Fath: 10)
(Arabisch***************************auf PDF-Seite 277)
„O ihr, die ihr glaubt – gehorcht Allah und gehorcht dem Gesandten. Und macht eure guten Werke nicht zunichte.“ – (Sure Muhammad: 33)
(Arabisch***************************auf PDF-Seite 277)
„Kein gläubiger Mann und keine gläubige Frau hat das Recht, eine eigene Entscheidung in einer Angelegenheit zu treffen, wenn Allah und Sein Gesandter darüber entschieden haben. Und wer Allah und Seinem Gesandten ungehorsam ist, der befindet sich in einem offenkundigen Irrweg.“
(Arabisch***************************auf PDF-Seite 277)
„O ihr, die ihr glaubt, gehorcht Allah und gehorcht dem Gesandten! Und gehorcht den Ulul Amr unter euch. Wenn ihr dann in einer Angelegenheit uneins seid, dann seht nach, was Allah und der Gesandte dazu gesagt haben – wenn ihr an Allah und den Jüngsten Tag glaubt.“ – (Sure an-Nisa: 59)
Aus diesen Versen wird eindeutig ersichtlich, dass der Gesandte nicht der selbsternannte Herrscher des von ihm gegründeten Staates und auch kein vom Volk gewähltes Staatsoberhaupt war, sondern ein von Allah eingesetztes Staatsoberhaupt. Seine Staatsführung ist nichts, was von seiner Stellung und Aufgabe als Gesandter getrennt und unabhängig wäre. Vielmehr bedeutet sein Gesandtentum, ein solcher Herrscher zu sein, dem in jeder Hinsicht gehorcht und gefolgt werden muss. Sein Gehorsam ist der Gehorsam gegenüber Allah selbst. Und der Treueeid (Baiʿa) auf ihn ist der Treueeid auf Allah selbst. Ihm ungehorsam zu sein bedeutet, Allah selbst ungehorsam zu sein, und die Folge davon ist, dass bei Allah keine gute Tat eines Menschen angenommen wird. Und in einer Angelegenheit, in der der Gesandte eine Entscheidung getroffen hat, sind die Gläubigen – zu denen die gesamte Umma, ihre Herrscher und auch die „zentrale Führung“ gehören – nicht berechtigt, aus eigener Initiative eine Entscheidung zu treffen.
Schließlich wird diese Aussage im Vers noch deutlicher und unmissverständlich dargelegt. In diesem Vers werden nacheinander drei Anweisungen zum Gehorsam gegeben:
Zuerst der Gehorsam gegenüber Allah.
Danach der Gehorsam gegenüber dem Gesandten.
An dritter Stelle steht der Gehorsam gegenüber den Ulul Amr (die von den Hadith-Leugnern als „zentrale Führung“ bezeichnet werden).
Daraus lässt sich zunächst erkennen, dass der Gesandte nicht zu den Ulul Amr gehört, sondern dass seine Stellung von der ihren verschieden und über ihnen erhaben ist. Nach Allah nimmt seine Stellung die zweite Rangstufe ein. Zweitens darf man mit den Ulul Amr, das heißt mit den Verantwortlichen und Autoritätsträgern, unterschiedlicher Meinung sein. Mit dem Gesandten jedoch ist eine Meinungsverschiedenheit nicht zulässig. Drittens muss man zur Beilegung einer Meinungsverschiedenheit zwei anerkannte Quellen zu Rate ziehen. Die eine ist Allah, die zweite und unmittelbar danach Allahs Gesandter. Wäre Allah die einzige Quelle der Beilegung, hätte die Erwähnung des Propheten keinerlei Sinn. Sich hier an Allah zu wenden bedeutet zu Lebzeiten des Gesandten, persönlich zu ihm zu kommen. Nach dem Tod des Gesandten bedeutet es, sich an seine Sunna beziehungsweise seine Hadithe zu wenden.
Selbst bei näherer Betrachtung wird deutlich, dass auch zu Lebzeiten des Gesandten die meisten Probleme durch die Hadithe oder die Sunna des Gesandten gelöst wurden. Gegen Ende der Zeit des Gesandten Allahs (s.a.w.) hatte sich die islamische Herrschaft über die gesamte Arabische Halbinsel ausgebreitet. In einem derart riesigen und weitläufigen Land von einer Fläche von zehn bis zwölf Millionen Quadratmeilen war es keineswegs möglich, in jeder Angelegenheit unmittelbar beim Gesandten Allahs (s.a.w.) ein Urteil und eine Entscheidung einzuholen. Daher blieb der islamischen Regierung jener Zeit für die Urteile und Entscheidungen ihrer Gouverneure, Richter und sonstigen Verwaltungsbeamten nach dem Koran als andere Rechtsquelle zwangsläufig nichts anderes als die Sunna oder die Hadithe des Gesandten.
Die Arbeitsweise der Gerichtsbarkeit zur Zeit des Propheten (s.a.w.)
Probleme, die zu Lebzeiten des Propheten unmittelbar vor ihn gebracht wurden, entschied er selbst, indem er darlegte, was Allahs und des Gesandten Wille dazu war. Doch die Probleme, mit denen die Bewohner in allen Teilen des islamischen Staates konfrontiert waren, wurden weder ihm vorgetragen, noch wurde ihre Lösung unmittelbar bei ihm eingeholt. Stattdessen wurden in den verschiedenen Regionen des Landes Menschen eingesetzt, die die Bevölkerung in der Religion unterrichteten; in ihren alltäglichen Angelegenheiten erfuhren die Menschen von ihnen, welche Anweisungen Allahs Buch enthielt und welche Lehren Allahs Gesandter vermittelt hatte. Außerdem wurden in jedem Gebiet Amire, Staatsbeamte und Kadi eingesetzt, die die Angelegenheiten, die mit ihrem jeweiligen Aufgabenbereich zusammenhingen, selbst entschieden. Für diese Menschen(Arabisch************)wird die Methode, die der Prophet selbst zur Erfüllung dieses Ziels bevorzugte, im berühmten Hadith von Muadh ibn Dschabal (r.a.) überliefert:
(Arabisch***************************auf PDF-Seite 279)
„Als der Gesandte Allahs (s.a.w.) Muadh ibn Dschabal zum Richter ernannte und ihn in den Jemen entsandte, fragte er ihn: Wie wirst du Recht sprechen und Entscheidungen treffen? Er antwortete: Nach der Rechtleitung, die sich in Allahs Buch findet. Da fragte der Prophet: Und wenn du es nicht in Allahs Buch findest? Muadh (r.a.) antwortete: Dann nach der Sunna des Gesandten. Der Prophet fragte erneut: Und wenn du es auch in der Sunna des Gesandten nicht findest? Er antwortete: Ich werde mich nach bestem eigenen Urteil bemühen, durch Idschtihad die richtige Entscheidung zu treffen. Darauf sagte der Prophet (s.a.w.): Lob sei Allah –demjenigen, der dem Gesandtenvertreter die Fähigkeit verliehen hat, den vom Gesandten gewählten Weg einzuschlagen.“ –(Tirmidhi, Abu Dawud)
Die Stellung des Gesandten in den verfassungsrechtlichen Grundprinzipien der islamischen Lebensordnung
(Arabisch***************************auf PDF-Seite 279)
„O ihr, die ihr glaubt! Gehorcht Allah und gehorcht dem Gesandten und jenen unter euch, die das Recht haben, euch Befehle zu erteilen. Wenn ihr dann in einer Sache untereinander uneinig seid, führt sie zur Beurteilung auf Allah und den Gesandten zurück, wenn ihr tatsächlich an Allah und den Letzten Tag glaubt. Das ist der beste Weg und in seiner Folge auch der beste.“ – (Sure an-Nisāʾ: 59)
Dieser Vers ist die Grundlage der gesamten religiösen, gesellschaftlichen und politischen Ordnung des Islams und der erste Grundsatz der Staatsordnung des islamischen Staates. In ihm sind die folgenden Grundprinzipien dauerhaft verankert:
Erstens: In der islamischen Ordnung ist der grundlegende Gehorsam Allah, dem Erhabenen, vorbehalten. Ein Muslim ist in erster Linie Allahs Diener. Alles andere kommt erst danach. Sowohl das persönliche Leben jedes Muslims als auch die gesellschaftliche Ordnung haben als einzigen Mittelpunkt und als einziges Ziel, Allahs Geboten Folge zu leisten und Ihm zu gehorchen. Jeder andere Gehorsam darf nur geleistet werden, wenn er nicht mit dem Gehorsam gegenüber Gott in Konflikt steht, sondern diesem untergeordnet ist. Andernfalls werden alle, die Anspruch auf einen anderen Gehorsam erheben, gegenüber dem ursprünglichen und grundlegenden Gehorsam zurückgewiesen. Genau dies sagte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) mit den Worten:(Arabisch*************) „Es ist nicht erlaubt, der Schöpfung zu gehorchen, indem man dem Schöpfer ungehorsam ist.“
Zweitens: Das zweite Grundprinzip der islamischen Ordnung ist der Gehorsam gegenüber dem Gesandten. Dies ist kein eigenständiger Gehorsam, sondern die einzig wirkliche und wirksame Form des Gehorsams gegenüber Allah. Der Gesandte ist deshalb zu befolgen, weil er allein das vertrauenswürdige und zuverlässige Mittel ist, durch das Allahs Anweisungen zu uns gelangen. Daher ist der Gehorsam gegenüber dem Gesandten der einzige Weg und die einzige Methode zum Gehorsam gegenüber Allah. So wie der Gehorsam gegenüber Allah ohne die vom Gesandten gebilligte Vorgehensweise nicht angenommen wird, ist auch die Verweigerung des Gehorsams gegenüber dem Gesandten gleichbedeutend mit Auflehnung gegen Gott. Dies erläuterte der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) noch deutlicher mit den Worten:
(Arabisch***************************auf PDF-Seite 280)
„Wer mir gehorcht, der gehorcht Allah; und wer mir ungehorsam ist, der ist Allah ungehorsam. Auch im Koran wird dies ausdrücklich gesagt, wie später noch erörtert werden wird.“
Drittens: Nach den beiden genannten Arten des Gehorsams ist ein dritter Gehorsam für die Muslime unerlässlich, nämlich der Gehorsam gegenüber den Ulul-amr, die aus den Reihen der Muslime stammen. Im Grunde ist dieser Gehorsam den beiden genannten Arten des Gehorsams untergeordnet und nichts von ihnen Unabhängiges. Im Koran werden sie als „Ulul-amr“ bezeichnet. Zu ihnen gehören all jene, die Leiter sämtlicher Angelegenheiten im gemeinschaftlichen Leben der Muslime sind. Sie können Gelehrte sein, die auf geistigem und intellektuellem Gebiet führen, politische Führer, Verwaltungsbeamte, Richter oder auch Anführer und angesehene Vorsteher von Wohnvierteln und Elendsvierteln, die in kulturellen und sozialen Angelegenheiten Führung ausüben. Kurz gesagt: Wer auch immer in irgendeiner Hinsicht das Recht besitzt, den Muslimen Anweisungen zu geben, hat in dieser Hinsicht auch Anspruch auf ihren Gehorsam. Es ist nicht richtig, durch Meinungsverschiedenheiten mit ihm Unordnung im sozialen Leben der Muslime herbeizuführen. Voraussetzung ist jedoch, dass er Muslim und Allah und dem Gesandten gehorsam ist; diese beiden Bedingungen sind für seinen Gehorsam unerlässlich. Diese Voraussetzung wird sowohl in dem genannten Vers als auch ausführlich in den Hadithen dargelegt. Die folgenden Hadithe sind besonders beachtenswert:
(Arabisch***************************auf PDF-Seite 281)
„Für die Muslime ist es unerlässlich, den Anweisungen der Ulul-amr zu folgen, ob sie ihnen nun gefallen oder nicht, solange ihnen nicht befohlen wird, eine Sünde zu begehen. Wird ihnen jedoch eine Sünde befohlen, darf keinesfalls Gehorsam geleistet werden.“
(Arabisch***************************auf PDF-Seite 281)
„Niemandem darf in einer Angelegenheit gehorcht werden, die Ungehorsam gegenüber Allah und dem Gesandten bedeutet; Gehorsam ist nur in guten Angelegenheiten zu leisten.“ – (Buchari und Muslim)
(Arabisch***************************auf PDF-Seite 281)
„Der Prophet (s) sagte: Es werden einige Leute über euch herrschen, deren Taten teils gut und teils schlecht sein werden. Wer ihre schlechten Taten missbilligt, wird davon freigesprochen werden. Auch wer sie ablehnt, wird gerettet sein. Wer jedoch daran Gefallen findet und beginnt, ihnen darin zu folgen, wird nicht gerettet sein. Die Gefährten fragten: Sollen wir nicht gegen solche Herrscher kämpfen? Der Prophet sagte: Nein, solange sie das Gebet aufrechterhalten.“ – (Muslim)
Das heißt: Wenn sie das Gebet aufgeben, muss man davon ausgehen, dass sie den Gehorsam gegenüber Allah und dem Gesandten aufgegeben haben. In diesem Fall ist es zulässig, gegen sie zu kämpfen.
(Arabisch***************************auf PDF-Seite 281)
„Der Prophet (s) sagte: Eure schlechtesten Anführer werden diejenigen sein, denen gegenüber ihr Zorn empfindet und die auch euch gegenüber Zorn empfinden. Ihr werdet sie verfluchen, und sie werden euch verfluchen. Die Gefährten sagten: O Gesandter Allahs! Sollen wir, wenn ein solcher Zustand eintritt, nicht gegen sie kämpfen? Er sagte: Tut es nicht, solange sie unter euch das Gebet aufrechterhalten.“ – (Muslim)
Dieser Hadith verschärft die oben genannte Bedingung noch weiter. Aus dem vorherigen Hadith hätte man schließen können, dass gegen Herrscher kein Aufstand zulässig ist, solange sie nur in ihrem persönlichen Leben das Gebet verrichten. Aus diesem Hadith erfahren wir jedoch, dass das Verrichten des Gebets in Wirklichkeit bedeutet, das Gebet im gemeinschaftlichen Leben der Muslime einzurichten. Das heißt: Es genügt nicht, dass sie selbst beten; ebenso unerlässlich ist, dass ihre Regierung das Gebet einrichtet. Daran wird erkennbar, dass ihre Regierung zumindest grundsätzlich eine islamische Regierung ist. Andernfalls muss man davon ausgehen, dass diese Regierung vom Islam abgewichen ist, und es wird zulässig, dass die Muslime kämpfen, um sie von der Macht zu entfernen. In diesem Zusammenhang heißt es in einer anderen Überlieferung, dass eines der Versprechen, die der Gesandte Allahs (s) von uns entgegennahm, lautete:
(Arabisch***************************auf PDF-Seite 282)
Das heißt: „Wenn wir nicht gegen unsere Anführer und Herrscher kämpfen, dann werden wir, falls in ihren Handlungen offenkundiger Unglaube zu erkennen ist, Beweise und Argumente haben, die wir Allah vorlegen können, um gegen sie zu kämpfen.“ (Buchari, Muslim)
Viertens: In dem besprochenen Vers ist als ein ewiges und unumstößliches Grundprinzip festgelegt, dass im islamischen Staatswesen Allahs Gebot und die vom Gesandten überlieferte Hadith-Lehre und -Methode (Koran und Sunna) die grundlegende Quelle des Rechts (Final Authority) bilden. Bei jeder Streitigkeit zwischen Muslimen untereinander oder zwischen Herrschern und Beherrschten muss die Angelegenheit im Licht des Korans und der Sunna entschieden werden, und alle müssen diese Entscheidung ohne Widerspruch und mit gesenktem Haupt annehmen. Gerade darin, dass man Allahs Buch und der Sunna des Gesandten in allen Fragen des Lebens als letzte und endgültige Quelle, Grundlage und Beleg der Entscheidungsfindung anerkennt, liegt das unverzichtbare Merkmal der islamischen Ordnung, das sie von einer nichtislamischen und Allah trotzenden Ordnung unterscheidet. Eine Ordnung, in der dieses Merkmal fehlt, ist zweifellos eine nichtislamische Ordnung. In diesem Zusammenhang fragen manche, wie man Allahs Buch und die Sunna des Gesandten Allahs als einzige Quelle und einzigen Beleg für die Lösung sämtlicher Probleme des Lebens annehmen könne. Im Koran und im Hadith seien doch keinerlei Bestimmungen über Gemeinden, Eisenbahnen, Postämter und dergleichen niedergeschrieben. Solche Fragen entstehen in Wirklichkeit nur deshalb, weil man die Grundprinzipien des Islam nicht versteht. Der Unterschied zwischen Muslim und Ungläubigem besteht darin, dass der Ungläubige eine uneingeschränkte und zügellose Freiheit verlangt. Der Muslim hingegen erkennt sich grundsätzlich als Diener Allahs oder als gehorsamen Knecht an und genießt Freiheit nur in den Bereichen, in denen Allah ihm Freiheit gewährt hat. Der Ungläubige entscheidet in allen seinen Angelegenheiten nach selbstverfassten Gesetzen, Vorschriften und Regeln und verspürt keinerlei Bedürfnis nach einem von Allah gegebenen Beleg oder einer solchen Quelle. Der Muslim dagegen bemüht sich bei jeder seiner Handlungen zunächst darum, zu erfahren, was Allah und Sein Gesandter angeordnet haben. Findet er dazu eine entsprechende Anweisung, so nimmt er sie an und handelt danach. Findet er keine Anweisung, so entscheidet er nur in diesem Bereich selbstständig. Gerade daraus, dass Allah und Sein Gesandter in einer bestimmten Angelegenheit keine Anweisung gegeben haben, erweist sich, dass ihm in diesem Bereich die Freiheit zur eigenen Meinungsbildung und Entscheidungsfindung gewährt wurde; deshalb wendet er dort seine eigene Meinung frei an.
Die Offenbarung zusätzlicher, nicht im Koran enthaltener Offenbarung an den Propheten (s)
(Arabisch***************************auf PDF-Seite 284)
„O Prophet! Bewege deine Zunge nicht, um diese Offenbarung hastig auswendig zu lernen. Es obliegt Uns, sie dir einzuprägen und sie dir vorzutragen. Wenn Wir sie vortragen, dann höre aufmerksam zu. Danach obliegt es Uns, dir ihre Bedeutung verständlich zu machen.“
Dies ist ein äußerst wichtiger Vers. Aus ihm lassen sich einige Grundprinzipien ableiten, deren richtiges Verständnis davor bewahrt, in der Vergangenheit und Gegenwart in vielerlei Hinsicht irrezugehen. Erstens wird daraus eindeutig ersichtlich, dass dem Gesandten Allahs (s.a.s.) nicht nur die im Koran enthaltene Offenbarung herabgesandt wurde, sondern dass ihm durch Offenbarung darüber hinaus auch Wissen außerhalb des Korans vermittelt wurde. Denn wenn die Bedeutung der koranischen Gebote, ihrer feinen Andeutungen und Hinweise sowie ihrer besonderen Fachbegriffe, die dem Propheten erklärt wurde, bereits im Koran enthalten wäre, hätte es keiner Aussage bedurft, dass es meine Aufgabe sei, dessen Bedeutung zu vermitteln und ihn auszulegen und zu erläutern. In diesem Fall wären diese Auslegungen und Erläuterungen im Koran selbst zu finden gewesen. Daher muss man anerkennen, dass die von Allah stammende Auslegung und Erläuterung des Korans notwendigerweise außerhalb des Korans liegt. So haben wir im Koran einen weiteren Beweis für die verborgene Offenbarung gefunden.
Zweitens wurde dem Propheten die von Allah mitgeteilte Erklärung der Bedeutung des Korans und seiner Gebote deshalb gegeben, damit er den Menschen den Koran durch seine eigenen Worte und Taten verständlich machen und sie lehren würde, gemäß seinen Geboten zu handeln. Wenn dies nicht der Zweck gewesen wäre und ihm dieses Wissen nur mitgeteilt worden wäre, damit er es auf sich selbst beschränke, wäre dies eine sinnlose Handlung gewesen. Denn es hätte ihn bei der Erfüllung seiner prophetischen Aufgabe in keiner Weise unterstützt. Daher ist es nichts anderes als Torheit, zu behaupten, dieses Wissen über die Auslegung und Erläuterung könne nicht als Quelle für die Gesetzgebung der Scharia gelten. Allah, der Erhabene, sagt selbst in Sure an-Nahl, Vers 44:
(Arabisch***************************auf PDF-Seite 284)
„Wir haben dir dieses Buch herabgesandt, damit du den Menschen erklärst und verständlich machst, was ihnen darin offenbart wurde!“ – [Eine ausführliche Erläuterung des Verses findet sich in Tafhim al-Qur’an, Band sieben, An-Nahl, Anmerkung 40.] Darüber hinaus hat Allah, der Erhabene, an vier Stellen des Korans ausdrücklich erklärt, dass die Aufgabe des Gesandten Allahs (s.a.s.) nicht nur darin besteht, Allahs Buch vorzutragen, sondern auch darin, die Menschen in diesem Buch zu unterweisen. – (Sure al-Baqara, 129 und 151; Sure Al Imran, 164; Sure al-Dschumua, Vers 2) – [Eine ausführliche Erläuterung dieser Verse habe ich auf den Seiten 74 bis 77 meines Werkes „Der rechtliche Status der Sunna“ gegeben. – Der Verfasser]
Wer den Koran anerkennt, kann daher nicht umhin zuzugeben, dass die Erklärung des Korans, die der Gesandte Allahs (s.a.s.) durch seine Worte und Taten gegeben hat, dessen reinste, zuverlässigste und eigentlich verbindliche Auslegung ist. Denn sie ist nicht seine persönliche Auslegung, sondern die von Allah, dem Verfasser des Korans, selbst gelehrte Erklärung. Einen Vers oder ein Wort des Korans unter Auslassung oder Umgehung dieser Erklärung eigenmächtig auszulegen, ist eine äußerst anmaßende Handlung, die kein gläubiger Mensch begehen kann.
Drittens weiß jeder, der den Koran studiert, dass er vieles enthält, dessen eigentliche Bedeutung ein Mensch, der Arabisch versteht, nicht allein durch das Lesen der Wörter erkennen kann und ebenso wenig, wie die darin enthaltenen Gebote in die Praxis umzusetzen sind. Nehmen wir zum Beispiel das Wort „Salāt“ (Arabisch****) das im heiligen Koran nach dem Glauben mit besonderem Nachdruck gebotene Werk: Diese „Salāt“ kann niemand allein mithilfe eines arabischen Wörterbuchs in ihrer richtigen Bedeutung erfassen. Aus der wiederholten Erwähnung dieses Wortes im Koran kann man höchstens erkennen, dass es in der arabischen Sprache in einer besonderen praktischen Bedeutung verwendet wird und dass vermutlich eine bestimmte Art von Handlung „Salāt“ genannt wird, die die Gläubigen ausführen müssen. Doch allein durch das Lesen des Korans kann niemand bestimmen, worin diese besondere Handlung besteht und wie sie auszuführen ist. Die Frage lautet: Wenn Allah nicht zugleich mit der Herabsendung des Korans von sich aus einen Lehrer gesandt hätte, der dem Propheten die richtige Bedeutung dieses Fachbegriffs mitteilte und ihm die Methode zur Umsetzung der Gebote in Bezug auf die „Salāt“ gründlich erklärte, hätten dann irgendwo auf der Welt auch nur zwei Muslime allein durch das Lesen des Korans darin übereinstimmen können, eine einzige Methode zur Umsetzung der Gebote über die „Salāt“ anzuwenden? Und doch verrichten die Muslime seit anderthalbtausend Jahren über Generationen hinweg das Gebet auf dieselbe Weise. In allen Teilen der Welt befolgen Millionen und Abermillionen Muslime die Gebote des Gebets auf die gleiche Weise. Der einzige Grund dafür ist, dass Allah, der Erhabene, dem Gesandten Allahs (s.a.s.) nicht nur die Wörter des Korans herabgesandt und es dabei belassen hat, sondern ihm auch die Bedeutung dieser Wörter vollständig verständlich machte. Und diese Bedeutungen erklärte und lehrte der Gesandte Allahs (s.a.s.) fortwährend jenen Menschen, die den Koran als das Buch Allahs und ihn als den Gesandten Allahs anerkannt hatten.
Viertens: Außer der Sunna und den Hadithen des Gesandten haben wir kein anderes Mittel, um die Auslegung der Worte des Korans zu erfahren, die Allah Seinem Gesandten gelehrt hat und die der Gesandte der Umma durch seine Taten und Worte vermittelt hat. Hadith bezeichnet jene Überlieferungen über die Worte und Taten des Propheten, die durch zuverlässige Überlieferer und unter Nennung ihrer Namen von den früheren an die späteren Generationen weitergegeben wurden. Mit Sunna ist jene Lebensweise und Praxis gemeint, die infolge der durch die Worte und Taten des Propheten vermittelten Lehren im persönlichen und gemeinschaftlichen Leben der muslimischen Gesellschaft wirksam eingeführt wurde. Eine ausführliche Darstellung dieser Lebensweise und Praxis haben die späteren Generationen durch zuverlässige Überlieferungsketten von den früheren Generationen erhalten; außerdem haben die späteren Generationen gesehen, wie sie in der Gesellschaft der früheren Generationen praktiziert wurde. Leugnet man dieses Erkenntnismittel, würde dies bedeuten, dass Allah(Arabisch*****) mit der Aufgabe, dem Gesandten den Sinn des Korans zu erklären, betraut hatte, dieser Aufgabe nicht gerecht geworden sei – Allah bewahre! Denn Allah hat diese Aufgabe nicht nur übernommen, um dem Gesandten persönlich den Sinn des Korans zu erklären, sondern gerade, damit durch den Gesandten die gesamte Umma ihn verstehen könne. Wer daher ablehnt, Hadith und Sunna als Rechtsquelle anzuerkennen, muss damit zwangsläufig – Allah bewahre! – auch akzeptieren, dass Allah bei der Erfüllung dieser Aufgabe gescheitert sei. Darauf erwidern manche, dass auch viele gefälschte Hadithe hergestellt worden seien. Ich sage: Gerade die Herstellung gefälschter Hadithe beweist in besonderem Maße, dass die gesamte Umma in der Frühzeit des Islam den Worten und Taten des Gesandten Allahs (s.a.w.) den Rang von Gesetz gab. Warum hätten diejenigen, die Verwirrung stiften wollten, sonst das Bedürfnis verspüren sollen, falsche Hadithe zu erfinden? Warum sollten diejenigen, die Falschgeld herstellen, das Bedürfnis verspüren, eine Währung zu fälschen, die auf dem Markt gar nicht im Umlauf ist? Wer Falschgeld herstellt, fälscht gerade die Währung, die auf dem Markt im Umlauf ist. Welcher Narr würde eine ungültige Währung fälschen? Außerdem wissen diejenigen, die sich auf die Existenz gefälschter Hadithe berufen, vielleicht nicht, dass die muslimische Gemeinschaft von Anfang an äußerst strenge Vorkehrungen getroffen hat, damit unter Berufung auf die Worte und Taten jenes großen Menschen, dessen Worte und Taten Gesetzeskraft besitzen, kein gefälschter Hadith verbreitet werden konnte. Und nach und nach wurden immer strengere Maßnahmen zur Aussonderung des Falschen und Unechten getroffen. Die Wissenschaft von der Unterscheidung zwischen authentischen und nicht authentischen Hadithen ist eine so außergewöhnliche Wissenschaft, dass bis heute kein anderes Volk der Welt außer den Muslimen sie entwickelt hat. Wer, ohne diese Wissenschaft zu erlernen, lediglich durch die Täuschungen der Orientalisten irregeführt Hadith und Sunna für unannehmbar hält, ist zutiefst zu beklagen. Diese Menschen wissen nicht, welchen gewaltigen Schaden sie dem Islam zufügen, indem sie eine derart unwissende Unverschämtheit an den Tag legen.
Die Bestimmung der Gebetsrichtung
Aus dem Koran geht hervor, dass der Prophet neben dem Koran auch durch Offenbarung Anweisungen erhielt und ihm befohlen war, beiden Arten der Offenbarung Folge zu leisten.
(Arabisch********************************auf PDF-Seite 286)
„Die Gebetsrichtung, der du bisher gefolgt bist, habe Ich nur deshalb festgelegt, um zu sehen, wer dem Gesandten folgt und wer ihm nicht folgt.“ – (Sure al-Baqara: 143)
Dies ist der eindeutigste Vers, der allen Arten von Fehlinterpretation den Boden entzieht. Aus diesem Vers geht hervor, dass die Vorstellung falsch ist, zum Propheten sei außer dem Koran keine andere Offenbarung gekommen. Denn im Koran findet sich keine Anweisung bezüglich der Gebetsrichtung, der die Muslime bis zur Erklärung der Kaaba zum Qibla gefolgt waren. Unbestreitbar ist jedoch, dass der Prophet Muhammad (s.a.w.) bereits zu Beginn des Islam die Gebetsrichtung festgelegt hatte und dass er und die Gefährten sich beinahe vierzehn Jahre lang beim Gebet dieser Richtung zuwandten. Nach vierzehn Jahren bestätigte Allah, der Erhabene, in diesem Vers der Sure al-Baqara die Maßnahme des Propheten und erklärte: Diese Gebetsrichtung hatte Ich festgelegt. Ich hatte diese Gebetsrichtung durch den Gesandten festgelegt, um zu sehen, wer der Anweisung des Gesandten folgt und wer nicht. Daraus geht einerseits eindeutig hervor, dass dem Gesandten Allahs (s.a.w.) neben dem Koran auch Offenbarung zuteilwurde. Andererseits wird daraus auch bekannt, dass die Muslime verpflichtet sind, selbst jene Anweisungen des Gesandten zu befolgen, die im Koran nicht erwähnt werden. Allah prüft sogar, ob die Muslime an den Gesandten glauben oder nicht, indem Er prüft, ob sie die durch den Gesandten erteilte Anweisung befolgen. Wenn man nun annimmt, dass dem Propheten Muhammad (s.a.w.) außer dem Koran keine andere Offenbarung zuteilwurde, wie erhielt er dann jene Anweisung bezüglich der Gebetsrichtung? Wird daraus nicht deutlich, dass er auch Anweisungen erhielt, die im Koran nicht enthalten sind?
Die Prophezeiung über die Eroberung Mekkas
Der Gesandte Allahs (s.a.w.) sah in Medina im Traum, dass er Mekka betreten und die Kaaba umrunden würde. Er teilte dies den Gefährten mit und brach mit vierzehnhundert Gefährten zur Umra auf. Die Ungläubigen von Mekka versperrten ihm bei einem Ort namens Hudaybiyya den Weg. In der Folge kam es zum Vertrag von Hudaybiyya. Einige Gefährten wurden von Zweifel und Unruhe erfasst. Hazrat Umar (r.a.) fragte in ihrem Namen: „O Gesandter Allahs! Hast du uns nicht mitgeteilt, dass wir Mekka betreten und die Umra vollziehen würden?“
Der Prophet sagte: „Habe ich etwa gesagt, dass es schon auf dieser Reise geschehen werde?“
Über dies sagt Allah im Koran:
(Arabisch********************************auf PDF-Seite 287)
„Allah hatte Seinem Gesandten gewiss einen wahrhaftigen Traum gezeigt. Ihr werdet, so Allah will, gewiss in Frieden und ohne Furcht die Heilige Moschee betreten, nachdem ihr eure Köpfe geschoren und euer Haar gekürzt habt. Allah wusste, was ihr nicht wusstet. Daher gewährte Er schon zuvor diesen nahen Sieg (den Vertrag von Hudaybiyya).“ – (Sure al-Fath: 27)
Daraus wird ersichtlich, dass dem Propheten durch einen Traum der Weg gezeigt worden war, wie er Mekka betreten sollte. Er würde sich mit seinen Gefährten nach Mekka begeben. Die Ungläubigen würden ihn daran hindern, und schließlich würde ein Friedensvertrag zustande kommen. Aufgrund dieses Vertrags würde im folgenden Jahr auch die Umra vollzogen werden können, und der Weg zu künftigen Siegen würde sich öffnen. Wird daraus nicht ebenfalls deutlich, dass er neben dem Koran auch auf andere Weise Führung empfing?
Geheimes Gespräch
Als der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) einer seiner Ehefrauen heimlich etwas anvertraute, erzählte sie es anderen weiter. Der Prophet befragte seine Ehefrau dazu: „Wie hast du erfahren, dass ich das, was ich den anderen erzählt habe, weitergegeben habe?“ Der Prophet antwortete: „Derjenige, der allwissend und allkundig ist, hat es mir mitgeteilt.“ So sagt Allah, der Erhabene:(Arabisch********************************auf PDF-Seite 288)
„Und als der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) einer seiner Ehefrauen heimlich etwas anvertraute und sie es den anderen mitteilte, und Allah den Propheten anschließend über die Angelegenheit unterrichtete, teilte der Prophet seiner Ehefrau einen Teil dessen mit und überging den anderen. Als der Prophet ihr ihren Fehler mitteilte, sagte sie: ‚Wer hat dir dies mitgeteilt?‘ Der Prophet sagte: ‚Allah, der Allwissende und Allkundige, hat es mir mitgeteilt.‘“ – (Sure at-Tahrim: 3)
Die Offenbarung, durch die Allah den Propheten darüber informierte, dass die geheime Angelegenheit seiner Ehefrau offengelegt worden war, findet sich nirgendwo im Koran. Wenn sie dort nicht zu finden ist, dann ist damit bewiesen, dass Allah dem Gesandten Allahs (s.a.w.s.) neben dem Koran noch viele andere Botschaften sandte.
Die Heirat Zainabs
Zaid ibn Haritha (r.a.), der Adoptivsohn des Propheten (s.a.w.s.), ließ sich von seiner Ehefrau scheiden, und danach heiratete der Prophet die von ihm geschiedene Frau. Daraufhin starteten die Heuchler und die Gegner eine heftige Propagandakampagne gegen ihn und erhoben verschiedene Anschuldigungen gegen ihn. Allah beantwortet diese Anschuldigungen in einem ganzen Rukuʿ der Sure al-Ahzab. Er ließ verkünden: Mein Prophet hat diese Ehe nicht aus eigener Initiative geschlossen, sondern auf meinen Befehl.
(Arabisch********************************auf Seite 288 der PDF)
„Als Zaid sich dann von ihr scheiden ließ, verheiratete Ich sie mit dir, damit die Gläubigen keine Bedenken haben, die geschiedenen Frauen ihrer Adoptivsöhne zu heiraten.“ – (Vers 37)
Das Ereignis, auf das in diesem Vers hingewiesen wird, habe ich bereits zuvor geschildert. Nun stellt sich die Frage: Findet sich irgendwo im Koran der Befehl, den Allah, der Erhabene, dem Hochgeehrten (s.a.w.s.) vor diesem Ereignis gab, die von Zaid geschiedene Frau zu heiraten?
Die Erlaubnis, Bäume zu fällen
Der Gesandte Allahs (s.a.w.s.) belagerte, nachdem er durch die fortwährenden Vertragsbrüche der Banu Nadir die Geduld verloren hatte, deren nahe Medina gelegenen Siedlungen. Während der Belagerung fällte das islamische Heer viele Bäume in den umliegenden Gärten und Obstgärten, um den Weg für die Bewegung der Soldaten freizumachen. Daraufhin erhoben die Gegner ein großes Geschrei und behaupteten, die Muslime hätten durch das Fällen fruchttragender Bäume Gärten zerstört und auf der Erde Unordnung gestiftet. Als Antwort darauf sagt Allah:
(Arabisch********************************auf PDF-Seite 289)
„Alle Dattelpalmen, die ihr gefällt habt, und auch diejenigen, die ihr nicht gefällt habt, geschah dies mit Allahs Erlaubnis.“
Kann jemand sagen, in welchem Vers des Korans diese Erlaubnis zum Fällen der Bäume offenbart wurde?
Eine vor der Schlacht von Badr gegebene Zusage
Als nach dem Ende der Schlacht von Badr die Frage der Verteilung der Beute aufkam, wurde die Sure al-Anfal offenbart und die gesamte Schlacht einer Betrachtung unterzogen. Diese Betrachtung begann bereits damit, dass Allahs Gesandter (s) sein Haus verließ, um in den Krieg zu ziehen. In diesem Zusammenhang spricht Allah die Muslime an und sagt:
(Arabisch********************************auf PDF-Seite 289)
„Als Allah euch versprach, dass eine der beiden Gruppen – nämlich die Handelskarawane und das Heer der Quraisch – in eure Hand fallen würde, und ihr euch wünschtet, dass die schwächere Gruppe – die Handelskarawane – in eure Hand fallen möge. Allah aber wollte durch Sein Wort die Wahrheit als wahr erweisen und das Rückgrat der Ungläubigen brechen.“ – (Sure al-Anfal: 7)
Lässt sich nun im gesamten Koran ein Vers ausfindig machen, in dem Allah den nach Badr aufgebrochenen Muslimen versprochen hat, sie über eine der beiden Gruppen siegen zu lassen?
Die Antwort auf das Hilfegesuch der Muslime
Im Zusammenhang mit der Betrachtung der Schlacht von Badr heißt es in einem später offenbarten Vers:
(Arabisch********************************auf PDF-Seite 289)
„Als ihr flehentlich um Hilfe batet, da sagte Allah euch als Antwort: Ich werde euch zur Unterstützung eintausend Engel schicken, einen nach dem anderen.“ – (Sure al-Anfal: 9)
Könnt ihr sagen, in welchem Vers des Korans diese Antwort auf den Hilferuf der Muslime offenbart wurde?
Ihr (diejenigen, die die Hadithe ablehnen) hattet lediglich um ein Beispiel gebeten. Ich habe aus dem Heiligen Koran sieben Beispiele angeführt. Aus ihnen geht unwiderlegbar hervor, dass dem Propheten neben dem Koran auch Offenbarung zuteilwurde. Bevor ich nun eine weitere Erörterung beginne, möchte ich sehen, ob ihr bereit seid, euch vor der Wahrheit zu beugen?
Der Adhan und das Freitagsgebet
(Arabisch********************************auf PDF-Seite 290)
„O ihr, die ihr glaubt! Wenn am Freitag zum Gebet gerufen wird, dann eilt zum Gedenken und lasst den Handel sein.“ – (Sure al-Dschumu’a: 9)
In diesem Vers sind insbesondere drei Dinge bemerkenswert. Erstens wird darin erwähnt, dass die Menschen zum Gebet gerufen werden. Zweitens ist darin vom Ruf zu einem besonderen Gebet die Rede, das nur am Freitag verrichtet wird. Drittens wird in diesem Vers nicht gesagt: Ruft zum Gebet und verrichtet am Freitag ein besonderes Gebet. Aus der Ausdrucksweise sowie dem Zusammenhang davor und danach wird klar ersichtlich, dass die Menschen nachlässig darin waren, zum Gebet zu eilen, und mit dem Handel beschäftigt blieben. Deshalb ließ Allah diesen Vers herabkommen, um ihnen die Bedeutung jenes Rufes und jenes besonderen Gebets bewusst zu machen, damit sie es als eine verpflichtende Handlung betrachteten und sich beeilten, sie zu verrichten. Wenn man über diese drei Dinge nachdenkt, wird als grundlegende Wahrheit unumstößlich erwiesen, dass Allah dem Gesandten Allahs (s.a.s.) auch einige Anweisungen offenbarte, die nicht im Koran herabgesandt worden waren, und dass diese Anweisungen ebenso befolgt werden mussten wie die im Koran offenbarten Anweisungen.
Dieser Ruf zum Gebet ist der Adhan, der täglich fünfmal aus den Moscheen der ganzen Welt ertönt. Doch nirgends im Koran finden sich die Worte dieses Adhan, und auch eine Anweisung, täglich fünfmal zum Gebet zu rufen, findet sich nirgendwo. Er wurde auf Anweisung des Propheten eingeführt. Im Koran wird er an zwei Stellen bestätigt: in diesem Vers der Sure al-Dschumu’a und im 38. Vers der Sure al-Ma’ida. Auch über dieses besondere Freitagsgebet, das alle Muslime auf der Welt verrichten, findet sich im Koran nirgendwo eine Anweisung, und weder seine Zeit noch seine Art und Weise werden darin mitgeteilt. Seine Zeit und seine Art und Weise hat der edle Prophet (s.a.s.) selbst festgelegt. Der hier behandelte Koranvers wurde lediglich herabgesandt, um seine Verbindlichkeit und Bedeutung zu erläutern. Trotz dieses klaren und unumstößlichen Beweises behauptet, wer sagt, nur die im Koran angeführten Anweisungen seien Anweisungen der Scharia, nicht nur, dass er die Sunna und die Hadithe leugnet, sondern in Wirklichkeit auch den Koran.
Die Regeln und die Art und Weise des Gebets
(Arabisch********************************auf Seite 291 des PDFs)
„Hast du denjenigen gesehen, der einen Diener davon abhält, wenn er betet?“ – (Sure al-Alaq: 9–10)
Hier ist mit „Diener“ der Gesandte Allahs (s.a.s.) selbst gemeint. An mehreren Stellen des Korans wird der Prophet Muhammad (s.a.s.) auf diese Weise als Diener bezeichnet, zum Beispiel:
(Arabisch********************************auf Seite 291 des PDFs)
„Heilig ist Derjenige, der Seinen Diener in einer Nacht zur al-Aqsa-Moschee führte.“ – (Sure al-Isra: 1)
(Arabisch********************************auf PDF-Seite 291)
„Alles Lob gebührt Allah, Der auf Seinen Diener das Buch herabgesandt hat.“ – (Sure al-Kahf: 1)
(Arabisch********************************auf PDF-Seite 291)
„Und als der Diener Allahs aufstand, um zu Ihm zu rufen, hätten sie ihn beinahe bedrängt.“ – (Sure al-Dschinn: 19)
Aus diesen Versen geht hervor, dass es eine besondere, von Zuneigung geprägte Ausdrucksweise Allahs ist, dass Er Seinen Gesandten in Seinem Buch als Seinen Diener bezeichnet. Aus diesen Versen erfahren wir ferner, dass Allah, nachdem Er dem Gesandten Allahs (s.) das Prophetentum verliehen hatte, ihn die Regeln und die Vorgehensweise des Gebets lehrte. Diese Regeln und diese Vorgehensweise werden nirgends im Koran erwähnt. Somit wird hier erneut bewiesen, dass der Gesandte Allahs nicht nur die Offenbarung des Korans erhielt, sondern dass ihm durch Offenbarung auch viele Dinge gelehrt wurden, die im Koran nicht enthalten sind.
Kapitel 7 – Die Menschlichkeit des Gesandten
Prophetentum und Menschlichkeit
Die unwissende Sichtweise: Ein Prophet kann kein Mensch sein
In jeder Epoche hegten unwissende Menschen die irrige Vorstellung, dass ein Mensch kein Prophet sein könne. Wenn daher ein Prophet erschien und man sah, dass er mit einem Körper aus Fleisch und Blut lebte, Nahrung zu sich nahm und eine Frau, Kinder und Angehörige hatte, schlossen sie daraus: Dieser ist kein Prophet, sondern ein Mensch. Einige Zeit nach seinem Tod entstanden jedoch unter seinen Anhängern und Verehrern Menschen, die zu verkünden begannen, dass er kein Mensch gewesen sei, eben weil er ein Prophet gewesen sei. So erhoben manche den Propheten zum Gott, andere zum Sohn Gottes und wieder andere nahmen ihn als Verkörperung Gottes an. Kurz gesagt: Es überstieg den Verstand der Menschen, wie ein und dieselbe Person zugleich Prophet und Mensch sein konnte.
Die Sichtweise der Götzendiener von Mekka
Erstens hielten die Bewohner Mekkas es bereits für erstaunlich, dass ein Mensch Prophet sein sollte. Sie dachten, wenn jemand die Botschaft Gottes überbringen solle, müsse ein Engel kommen; ein Mensch aus Fleisch und Blut könne es nicht sein – ein Mensch, der zum Leben Nahrung benötige. Wenn dennoch ein Mensch als Gesandter geschickt worden sei, dann müsse er eine Gestalt wie ein König, Herrscher oder sonstiger großer Mann der Welt sein – jemand, den die Menschen sehnsüchtig mit einem einzigen Blick sehen wollten und dessen Begegnung äußerst schwierig und selten wäre. Es könne doch nicht sein, dass ein gewöhnlicher Mensch, der wie jeder andere mit klappernden Schuhen über den Markt gehe, zum Propheten Gottes gemacht werde. Sie dachten: Wer würde jemanden mit Ehrfurcht betrachten, dem jeder Passant täglich ohne Weiteres begegnet und an dem niemand in irgendeiner Hinsicht etwas Außergewöhnliches erkennen kann? Mit anderen Worten: Wenn ein Prophet ihrer Meinung nach überhaupt erforderlich war, dann nicht zur Rechtleitung der gewöhnlichen Menschen, sondern um ihnen Wundertaten vorzuführen und sie durch Zauberei zu beeindrucken. Oder wenigstens müsse ein Engel bei ihm sein, der ständig eine Peitsche in der Hand hielte und den Menschen sagte: „Folgt den Worten dieses Mannes, sonst lasse ich sogleich Gottes Strafe auf euch herabkommen.“ Ihrer Meinung nach war es doch höchst erstaunlich, dass der Schöpfer des Weltalls einen Menschen mit einer so gewaltigen Stellung wie dem Prophetentum ganz allein ausgesandt hatte; außerdem hätte Gott zumindest dafür sorgen müssen, dass der Gesandte einen guten Lebensunterhalt verdiente. Wie konnte es sein, dass die finanzielle Lage des Gesandten Gottes schlimmer war als die unseres gewöhnlichen Anführers? Er hatte kein Geld in der Hand, keinen Obstgarten war ihm beschieden – und dennoch behauptete er, der Prophet Allahs, des Herrn der Welten, zu sein.
Die unwissenden Vorstellungen über das Prophetentum und die Sendung durch Gott
Unter den unwissenden Menschen war stets die irrige Vorstellung fest verankert, dass derjenige, der von Gott gesandt werde, unbedingt ein Wesen jenseits des Menschlichen sein müsse. Durch ihn müssten sich Wunder ereignen. Mit einer einzigen Geste müsse er einen Berg in Gold verwandeln können. Er würde befehlen, und augenblicklich würde der Berg zu Gold werden. Er müsse über alle Zustände der Menschen in Vergangenheit und Zukunft Bescheid wissen. Er müsse sagen können, wo sich verlorene Dinge befänden, ob ein Kranker sterben oder genesen werde und ob sich im Bauch einer Schwangeren ein Sohn oder eine Tochter, ein männliches oder ein weibliches Kind, befinde. Zugleich müsse er über menschliche Schwächen und Begrenzungen erhaben sein. Wie könnte jemand, der Hunger und Durst empfindet, schlafen muss, eine Frau, Kinder und Angehörige hat, seinen Lebensunterhalt durch Kaufen und Verkaufen bestreiten muss, zuweilen Schulden aufnehmen muss und seine Tage bedrängt von Mangel und Not verbringt, ein von Gott gesandter Mann sein? Wenn die Menschen mit solchen Vorstellungen den Anspruch des ehrwürdigen Gesandten (saw.) hörten, wollten sie von ihm Erkenntnisse und Informationen über die unsichtbare Welt erfahren und verlangten Wundertaten. Wenn sie ihn wie einen gewöhnlichen Menschen sahen, sagten sie: Was ist das für ein Prophet, der isst und trinkt, mit Frau und Kindern einen Hausstand führt und sich auf Märkten und anderswo frei bewegt?
Warum muss ein Prophet ein Mensch sein?
Allah, der Erhabene, erklärt die Bedeutung dessen, dass Er dem Propheten Seine Botschaft (die inspirierte Botschaft) sandte, mit folgenden Worten:
(Arabisch********************************auf PDF-Seite 296)
„O Prophet! Wir haben diese Botschaft zu dir herabgesandt, damit du den Menschen die zu ihnen gesandte Offenbarung erklärst und sie ihnen verständlich machst.“ – (Sure an-Nahl: 44)
Damit dieser Zweck der Herabsendung der Offenbarung erfüllt werden konnte, war es unerlässlich, dass ein Mensch zum Propheten wurde. Allahs Wort hätte auch durch einen Engel übermittelt werden können. Es hätte sogar in Form eines gedruckten Buches unmittelbar an jeden einzelnen Menschen gesandt werden können. Doch der Zweck, zu dem Allah, der Allweise, unendlich Barmherzige und Erhabene Herr, Sein Wort herabgesandt hat, kann nicht allein dadurch erfüllt werden, dass es von Hand zu Hand weitergereicht wird. Dazu bedurfte es eines geeigneten Menschen, der dieses Wort mit sich bringen und es den Menschen nach und nach vortragen würde. Denjenigen, die es nicht richtig verstehen konnten, würde er es erklären. Die Zweifelnden würde er von ihren Zweifeln befreien. Denjenigen, die Einwände oder Beschwerden hatten, würde er antworten. Gegenüber denen, die seine Worte nicht befolgten, sich ihm widersetzten und Hindernisse in den Weg legten, würde er ein Verhalten zeigen, das sich für einen Überbringer des Wortes Allahs geziemt. Denjenigen, die es annahmen, würde er Anweisungen für jeden Bereich und jede Seite des Lebens geben. Er würde ihnen sein eigenes Leben als Vorbild vor Augen führen und sie einzeln wie auch als Gemeinschaft ausbilden; so würde er der ganzen Welt eine vorbildliche Gesellschaft vorführen, deren umfassende Ordnung als praktische Auslegung jenes Wortes Allahs gelten würde.
Für die Rechtleitung der Menschen kann nur ein Mensch ein Prophet sein
Die Aufgabe eines Überbringers der Botschaft (eines Propheten) besteht nicht nur darin, zu kommen und den Menschen seine Botschaft vorzutragen. Zu seiner Aufgabe gehört vielmehr auch, die Grundsätze jener Botschaft, anhand derer er das menschliche Leben reformieren und verbessern soll, in allen Lebenslagen der Menschen richtig umzusetzen und ihnen dies vorzuführen. Diese Grundsätze müssen sich auch in seinem eigenen Leben sichtbar verwirklichen. Er muss die Lösung für die vielen schwierigen Fragen finden, die im Denken der zahllosen verschiedenen Menschen entstehen, die versuchen, seine Botschaft zu hören und zu verstehen. Diejenigen, die seine Da’wa hören und annehmen, muss er organisieren und ausbilden, damit nach den Lehren jener Botschaft eine Gesellschaft entstehen kann. Gegen diejenigen, die seine Da’wa ablehnen, sich ihr widersetzen und Widerstand gegen sie leisten, muss er kämpfen, damit die Anhänger der Verfälschung und des Irrwegs besiegt und die Reform und Verbesserung vollendet werden können, zu deren Durchführung Allah den Propheten gesandt hat. Wenn diese Aufgaben in der menschlichen Gesellschaft erfüllt werden müssen, welches andere Wesen außer einem Menschen hätte dafür gesandt werden können? Wäre ein Engel gesandt worden, hätte er allenfalls Allahs Wort übermittelt und wäre danach wieder fortgegangen. Unter den Menschen wie ein Mensch zu leben, wie ein Mensch zu handeln und im menschlichen Leben gemäß Allahs Willen die Reform und Verbesserung vorzuführen, liegt außerhalb der Fähigkeiten eines Engels. Für diese Aufgabe konnte nur ein Mensch als am geeignetsten gelten.
Die Menschlichkeit der Propheten
– [Hier werden nur einige Propheten erwähnt, von denen der Koran ausdrücklich sagt, dass sie Menschen waren, oder zu denen der Verfasser ausführlich Stellung genommen hat. – (Die Herausgeber)]
Hazrat Adam (a.) war ein Mensch
(Arabisch********************************auf Seite 298 der PDF)
„Zuerst leitete Ich eure Erschaffung ein, dann gab Ich euch Gestalt. Danach befahl Ich den Engeln: Werft euch vor Adam nieder.“ – (Sure al-Aʿrāf: 11)
Die klare Bedeutung des oben Gesagten ist folgende:
„Zuerst plante Ich eure Erschaffung und stellte die Schöpfungselemente her. Danach gab Ich diesen Elementen menschliche Gestalt. Und als Adam als lebendiger Mensch ins Dasein trat, befahl Ich den Engeln, sich vor ihm niederzuwerfen.“
Die Niederwerfung vor Adam (a.s.) erfolgte nicht, weil er Adam war, sondern als Vertreter der Menschheit. An anderen Stellen des Korans wird dieser Vers genauso erklärt. So heißt es beispielsweise im 5. Rukūʿ der Sure Ṣād:
(Arabisch********************************auf Seite 298 der PDF)
„Denke an die Zeit, als dein Herr zu den Engeln sagte: Ich habe beschlossen, einen Menschen aus Lehm zu erschaffen. Wenn Ich ihn vollständig erschaffen und ihm einen Geist aus Meinen Geistern eingehaucht habe, dann werft euch vor ihm nieder.“ – (Sure Ṣād: 71–72) – [Aus dieser Darstellung geht hervor, dass bereits der erste Prophet ein Mensch war. Dies ist die im Islam allgemein anerkannte Glaubensüberzeugung. – (Der Verfasser)]
Hadrat Nūḥ (a.s.) war ein Mensch
(Arabisch********************************auf PDF-Seite 298)
„(Hadrat Noah) sagte: Ich sage euch nicht, dass ich die Schatzkammern Allahs besitze, und ich sage auch nicht, dass ich Kenntnis von der unsichtbaren Welt habe. Ich erhebe auch nicht den Anspruch, ein Engel zu sein. Ebenso kann ich nicht behaupten, dass Allah denen, die euch verächtlich erscheinen, niemals etwas Gutes gewährt habe. Allah weiß am besten, wie es um sie steht. Wenn ich so etwas sagen würde, würde ich zu den Ungerechten zählen.“ –(Sure Hud: 31)
Dies wurde als Antwort auf die Behauptung der Widersacher gesagt: Du bist doch nur ein Mensch wie wir. Hadrat Noah sagt: Wahrhaftig, ich bin tatsächlich ein Mensch. Habe ich jemals behauptet, etwas anderes als ein Mensch zu sein, dass ihr solche Einwände erhebt? Habe ich jemals behauptet, etwas anderes als ein Mensch zu sein, dass ihr solche Einwände erhebt? Mein einziger Anspruch ist, dass Allah mir den geraden und richtigen Weg des Wissens und Handelns gezeigt hat. Prüft die Wahrheit dieser Aussage, wie ihr wollt. Aber was ist das für eine Prüfung, wenn ihr mich bald nach Nachrichten aus dem Verborgenen fragt und bald so absurde Dinge von mir verlangt, als lägen sämtliche Schlüssel zu den Schatzkammern Allahs in meiner Hand? Und dann stellt ihr Fragen darüber, dass ich wie ein Mensch esse, trinke und mich bewege, als hätte ich behauptet, ein Engel zu sein. Einen Menschen, der beansprucht, den richtigen Weg in Glaubensüberzeugung, Charakter und Gesellschaftsordnung zu weisen, könnt ihr zu all diesen Dingen befragen, was ihr wollt. Doch erstaunlicherweise fragt ihr, ob das trächtige Büffelweibchen des soundso ein männliches oder ein weibliches Junges gebären wird. Es scheint, als bestünde irgendein Zusammenhang zwischen der Bestimmung unfehlbarer moralischer und zivilisatorischer Grundsätze für das menschliche Leben und der Trächtigkeit eines Büffelweibchens.
(Arabisch********************************auf PDF-Seite 299)
„Die Anführer aus seinem (Hadrat Noahs) Volk, die sich geweigert hatten, ihm zu folgen, sagten: Dieser Mann ist nichts anderes als ein Mensch wie ihr. Sein Ziel ist lediglich, über euch die Vorherrschaft und Überlegenheit zu erlangen. Wenn Allah jemanden hätte senden wollen, hätte Er gewiss Engel gesandt. Dass ein Mensch als Prophet kommen würde, haben wir aus der Zeit unserer Vorväter niemals gehört. Nein, nichts dergleichen! In Wirklichkeit ist der Mann verrückt geworden. Wartet noch einige Zeit ab (vielleicht wird er wieder gesund).“ –(Sure al-Mu’minun: 24–25)
Ein Mensch kann kein Prophet sein – das ist eine allgemeine Vorstellung aller irregeleiteten Menschen. Deshalb erwähnt der Koran diese törichte Vorstellung immer wieder und hat sie endgültig widerlegt. Er hat nachdrücklich erklärt, dass alle Propheten Menschen waren und dass der Prophet für die Menschen selbst ein Mensch sein muss.
(Arabisch********************************auf PDF-Seite 299)
„Als Antwort sagten die führenden Anführer aus seinem (Hadrat Noahs) Volk, die sich geweigert hatten, ihm zu folgen: Unserer Ansicht nach bist du doch nur ein Mensch wie wir. Und wir sehen, dass nur diejenigen unter uns, die der niedrigeren Schicht angehören, dir unüberlegt und ohne Verständnis gefolgt sind.“ –(Sure Hud: 27)
Dies ist die alte, törichte Ausrede und Einwendung, die die Leute von Mekka im Hinblick auf Muhammad (s.a.s.) vorbrachten: Er sei doch ein ganz gewöhnlicher Mensch wie wir. Er esse und trinke, gehe umher, schlafe und wache und habe eine Familie. Wie sollten wir akzeptieren, dass er als Prophet von Allah gekommen sei?
(Arabisch********************************auf PDF-Seite 300)
„(Der Prophet Nuh (a.s.) sagte:) Wundert ihr euch etwa darüber, dass euch durch einen Mann aus eurem eigenen Volk eine Ermahnung von eurem Herrn zuteilgeworden ist, damit er euch warnt, damit ihr den Irrweg meidet und damit euch Barmherzigkeit erwiesen wird?“ – (Sure al-A’raf: 63)
Hud (a.s.) war ein Mensch
(Arabisch********************************auf PDF-Seite 300)
„Die führenden Leute aus seinem (Huds) Volk, die ungläubig waren, das Jenseits für eine Lüge hielten und denen Ich im irdischen Leben Wohlstand und Behagen gegeben hatte, sagten: Dieser Mann ist nichts anderes als ein Mensch wie ihr. Er isst von dem, was ihr esst, und trinkt von dem, was ihr trinkt. Wenn ihr einem Menschen wie euch gehorcht, dann werdet ihr gewiss zu den Verlierern gehören.“ – (Sure al-Mu’minun: 33–34)
Manche haben fälschlich angenommen, dass sie diese Dinge untereinander sagten. Nein, so ist es nicht. Ihre Anführer richteten diese Worte an die einfachen Menschen. Die Anführer fürchteten, dass die Menschen vielleicht von der reinen Persönlichkeit des Propheten und seinen bezaubernden Worten beeinflusst werden könnten; und wenn sie beeinflusst würden, über wen sollten wir dann noch unsere Herrschaft ausüben? Daher begannen sie, die Menschen durch solche Reden immer weiter in die Irre zu führen. Sie sagten: Diese angeblichen Prophetenansprüche sind in Wahrheit nichts. Er sagt das alles nur aus Machtgier und aus Verlangen nach dem Herrscherstuhl. Brüder! Er ist ein Mensch aus Fleisch und Blut, genau wie ihr. Zwischen ihm und euch besteht überhaupt kein Unterschied. Wenn das so ist, warum sollte dann er der Anführer sein, und warum solltet gerade ihr ihm gehorchen? In diesen Reden war offenbar stillschweigend anerkannt, dass sie Anführer und Häuptlinge hatten. Diese Stellung sollte ihnen gehören. Ihrer Auffassung nach bestand keinerlei Zweifel daran, dass sie Menschen aus Fleisch und Blut waren und aßen und tranken. Denn das war ohnehin bereits feststehend und eine selbstverständliche Tatsache. Die Frage betraf nun diese neue Führung, die sich gerade zu etablieren schien. Auch später haben diejenigen, die sich gegen irgendeinen neu auftretenden Mann stellten, dies ausschließlich mit dem Vorwurf der „Machtgier“ getan. Sobald sie bei einem neu auftretenden Mann dieses Merkmal wahrzunehmen glaubten oder seine Existenz bei ihm vermuteten, hallten in ihren Worten genau die Worte jener Häuptlinge wider. Außer der Gier nach Macht und Rang erschien ihnen nichts anderes an ihm beanstandenswert. Gegen sie selbst durfte jedoch der Vorwurf der „Machtgier“ nicht erhoben werden. Es war, als wäre sie ihre natürliche Nahrung. Selbst wenn sie durch den übermäßigen Verzehr dieser Nahrung Verdauungsbeschwerden bekamen, durfte man daran keinen Anstoß nehmen.
(Arabisch***********************************auf PDF-Seite 301)
„Er, nämlich der ehrwürdige Hud, sagte: O mein Volk! Ich bin keineswegs in Torheit befangen. Ich bin der Gesandte des Herrn der Welten. Ich übermittle euch die Worte meines Herrn. Und ich bin ein vertrauenswürdiger, aufrichtig um euer Wohl bemühter Ratgeber für euch. Zu eurer Warnung ist durch einen Mann aus eurer Mitte eine Ermahnung eures Herrn zu euch gekommen. Seid ihr darüber etwa verwundert?“ – (Sure al-Aʿraf: 67–69)
(Arabisch***********************************auf PDF-Seite 301)
„Sie sagten: Wenn unser Herr es gewollt hätte, hätte Er Engel herabgesandt. Daher glauben wir nicht an das, wozu ihr gesandt worden seid.“ – (Sure Fussilat: 14)
Der ehrwürdige Salih und der ehrwürdige Shuʿaib waren Menschen
(Arabisch***********************************auf PDF-Seite 301)
„Sie, die Leute des Volkes Thamud, erwiderten: Du bist verzaubert worden. Was bist du anderes als ein Mensch wie wir? Wenn du wahrhaftig bist, dann bringe ein Zeichen.“ – (Sure asch-Schuʿara: 153–154)
(Arabisch***********************************auf PDF-Seite 301)
„Sie sagten: Du bist verzaubert worden. Du bist nichts anderes als ein Mensch wie wir. Wir halten dich für einen Lügner.“ – (Sure asch-Schuʿara: 185–186)
Hazrat Musa und Harun waren Menschen
Pharao sagte zu seinen Beratern über Hazrat Musa und Harun:
(Arabisch***********************************auf Seite 302 der PDF)
„Pharao sagte: Sollen wir etwa an zwei Menschen wie uns glauben? Und dazu noch an zwei Männer, deren Volk unsere Sklaven sind.“
Alle Propheten waren Menschen
(Arabisch***********************************auf Seite 302 der PDF)
„Ihre Gesandten sagten zu ihnen: Wahrlich, wir sind nichts anderes als Menschen wie ihr. Doch Allah erweist aus Seinen Dienern Gnade, wem Er will.“ – (Sure Ibrahim: 11)
Das heißt, wir sind zweifellos Menschen. Doch Allah hat uns aus Gnade aus eurer Mitte auserwählt, um uns wahre Erkenntnis und vollkommene Weitsicht zu verleihen. Darauf haben wir keinen Einfluss. Es liegt in Allahs Ermessen – Er gibt Seinen Dienern, was immer Er ihnen geben will. Wir können nicht sagen, dass wir euch alles übermitteln werden, was uns offenbart wurde. Ebenso können wir nicht vor den Erkenntnissen die Augen verschließen, die wir erlangen.
(Arabisch***********************************auf Seite 302 der PDF)
„Sie antworteten den Gesandten: Ihr seid nichts anderes als Menschen wie wir. Ihr wollt uns von dem abbringen, was wir seit der Zeit unserer Väter und Großväter an Gottheiten verehren. Nun, dann bringt einen eindeutigen Beweis!« – (Sure Ibrahim: 10)
Ihre Aussage lautete: Ihr seid in jeder Hinsicht Menschen wie wir. Ihr esst und trinkt, schlaft, habt Ehefrauen und Kinder, empfindet Hunger und Durst, Krankheit und Trauer, Kälte und Hitze genauso wie wir, und auch ihr besitzt dieselben menschlichen Schwächen wie wir. Wir sehen bei euch nichts Außergewöhnliches. Wie sollen wir unter diesen Umständen akzeptieren, dass ihr Gesandte seid, Allah zu euch spricht und Engel zu euch kommen?
Auch der Prophet Muhammad (s.a.) war ein Mensch
Die Ungläubigen von Mekka sagten, Muhammad (s.a.) sei kein Gesandter, weil er ein Mensch sei.
(Arabisch***********************************auf Seite 303 der PDF)
„Sie sagen: Was ist das für ein Gesandter, der Nahrung isst und auf den Märkten umhergeht?“
(Arabisch***********************************auf Seite 303 der PDF)
„Diese Ungerechten flüstern einander zu: Was ist dieser Mann (Muhammad, s.a.s.) anderes als ein Mensch wie ihr? Wollt ihr euch trotz besseren Wissens der Zauberei hingeben?“ – (Sure al-Anbiyāʾ: 3)
Alte Vorstellungen der Dschāhilīya
Der Heilige Qurʾān erklärt bei der Widerlegung dieser dschāhilitischen Vorstellung der Ungläubigen von Mekka, dass dies keine neue Unwissenheit ist, die bei ihnen zum ersten Mal auftritt. Vielmehr waren seit ältester Zeit alle Unwissenden der irrigen Auffassung verfallen, dass ein Mensch niemals Gesandter werden könne und ein Gesandter niemals ein Mensch sein könne. Als die Anführer und Oberhäupter des Volkes Noahs (a.s.) die Gesandtschaft Noahs leugneten, sagten sie eben dies:
(Arabisch***********************************auf PDF-Seite 303)
„Dieser Mann ist nichts anderes als ein Mensch wie ihr. Er will sich über euch erheben. Wenn Allah es gewollt hätte, hätte Er Engel gesandt. Von unseren Vorvätern haben wir niemals gehört, dass ein Mensch als Gesandter kommt.“
Auch das Volk ʿĀds sagte über den Propheten Hūd dasselbe:
(Arabisch***********************************auf PDF-Seite 303)
„Dieser Mann ist nichts anderes als ein Mensch wie ihr. Er isst, was ihr esst, und trinkt, was ihr trinkt. Wenn ihr nun einem Menschen wie euch gehorcht, werdet ihr wahrlich große Verlierer sein.“ – (Sure al-Muʾminūn: 33–34)
Das Volk der Thamūd sagte dasselbe auch über Hazrat Ṣāliḥ (a.s.):
(Arabisch***********************************auf PDF-Seite 303)
„Sollen wir etwa einem Menschen aus unserer Mitte Gehorsam leisten?“ – (Sure al-Qamar: 24)
Fast alle Propheten sahen sich einer solchen Situation gegenüber. Die Ungläubigen pflegten zu sagen: (Arabisch********) „Ihr seid nichts anderes als Menschen wie wir.“ Und die Propheten pflegten ihnen zu antworten:
(Arabisch***********************************auf PDF-Seite 304)
„Tatsächlich sind auch wir nur Menschen wie ihr. Doch Allah erweist aus Seinen Dienern Gnade, wem Er will.“ – (Sure Ibrāhīm: 11)
Ein Hindernis auf dem Weg zur Rechtleitung
Danach sagt der Edle Koran, dass gerade diese törichte Vorstellung die Menschen in jedem Zeitalter davon abgehalten hat, die Rechtleitung anzunehmen. Und eben deshalb sind Erniedrigung und Leid über die verschiedenen Völker hereingebrochen.
(Arabisch***********************************auf Seite 304 der PDF)
„Habt ihr nicht von denen erfahren, die zuvor ungläubig waren, die die Folgen ihrer eigenen Taten auskosteten und für die danach eine noch schmerzhaftere Strafe bestimmt ist? Dies geschah ihnen, weil ihre Gesandten zu ihnen mit eindeutigen Beweisen kamen. Doch sie sagten: ‚Soll etwa ein Mensch uns rechtleiten?‘ Deshalb verleugneten sie den Glauben und wandten sich ab.“ – (Sure at-Taghabun: 5–6)
(Arabisch***********************************auf Seite 304 der PDF)
„Als die Rechtleitung zu den Menschen gekommen war, war das einzige Hindernis auf ihrem Weg, an sie zu glauben, ihre Aussage: ‚Hat Allah etwa einen Menschen als Gesandten geschickt?‘“ – (Sure Bani Isra’il: 94)
Es wurde bereits gesagt, dass die Menschen in jeder Epoche die irrige Vorstellung hegten, ein Mensch könne niemals ein Prophet sein. Wann immer daher ein Gesandter kam und sie ihn essen und trinken, mit seiner Familie leben und als einen Menschen aus Fleisch und Blut sahen, stand für sie fest, dass er kein Prophet sei. Denn er war ein Mensch. Einige Zeit nach dem Tod eines Propheten trat jedoch unter seinen Anhängern und Verehrern eine Gruppe von Menschen auf, die zu sagen begann, er sei kein Mensch gewesen. Denn er sei ein Prophet gewesen. Danach bezeichneten ihn manche als Sohn Gottes und andere als eine Inkarnation Gottes. Kurz gesagt: Wie konnten sich in ein und derselben Person Prophetentum und Menschsein vereinen? Das war für die Unwissenden seit jeher ein völlig unbegreifliches Geheimnis.
Immer nur Menschen wurden zu Gesandten gemacht
Der Heilige Koran hat in klaren und unmissverständlichen Worten verkündet, dass Allah zu allen Zeiten Menschen als Gesandte geschickt hat. Für die Rechtleitung der Menschen kann nämlich nur ein Mensch Gesandter sein, nicht ein Engel oder irgendein Wesen, das höher steht als der Mensch.
(Arabisch***********************************auf Seite 305 der PDF)
„O Prophet! Wahrlich, Wir haben vor dir nur Menschen als Gesandte entsandt, denen Wir die Offenbarung eingaben. Wenn ihr dies nicht wisst, dann fragt die Kenner der früheren Offenbarungen. Wir gaben ihnen – den Propheten – keine Körper, die keine Nahrung zu sich nehmen würden, und sie waren auch nicht unsterblich.“ – (Sure al-Anbiyāʾ: 7–8)
(Arabisch***********************************auf PDF-Seite 305)
„O Prophet! Sag ihnen: Wenn auf der Erde Engel in aller Ruhe umhergingen, hätten Wir ihnen gewiss einen Engel als Gesandten geschickt.“
(Arabisch***********************************auf PDF-Seite 305)
„O Muhammad! Alle Propheten, die Wir vor dir entsandt haben, waren Menschen. Sie waren Bewohner der Ortschaften, und Wir gaben ihnen die Offenbarung ein. Sind sie denn nicht auf der Erde umhergereist, sodass sie sehen konnten, wie das Ende der Völker vor ihnen war? Wahrlich, für diejenigen, die ein Leben in Taqwa gemäß den Worten der Propheten führten, ist die Wohnstätte des Jenseits weitaus besser. Wollt ihr denn immer noch nicht zur Besinnung kommen?“ – (Sure Yūsuf: 109)
Hier ist eine gewaltige Angelegenheit in nur zwei oder drei Sätzen zum Ausdruck gebracht worden. Eine ausführliche Erklärung dieser Angelegenheit würde zu Folgendem führen:
Sie schenken deinen Worten deshalb kein Gehör, weil sie nicht begreifen können, wie sie glauben sollen, dass Allah gerade denjenigen, der erst gestern in ihrer eigenen Stadt geboren wurde, vor ihren Augen vom Kind zum Jüngling und vom Jüngling zum Greis heranwuchs, eines Tages plötzlich zu Seinem Gesandten bestimmt hat. Doch es ist keineswegs etwas Ungewöhnliches, womit sie auf der Welt als Erste konfrontiert worden wären. Schon früher hat Allah viele Seiner Propheten entsandt, und sie alle waren Menschen. Niemals ist ein Prophet in der Weise erschienen, dass plötzlich ein unbekannter Mensch in einer Stadt auftauchte und sagte, er sei als Prophet entsandt worden. Vielmehr waren alle, die zur Reform und Läuterung der Menschen entsandt wurden, Bewohner der betreffenden Ortschaften. ʿĪsā, Mūsā, Ibrāhīm und Nūḥ (Friede sei mit ihnen) waren keine unbekannten und fremden Leute. Dennoch: Geht selbst hin und seht, welches Ende jene Völker und Gemeinschaften genommen haben, die dem Ruf der Propheten zur Läuterung kein Gehör schenkten und weiterhin ihren haltlosen Gedanken, ihren trügerischen Vorstellungen und ihrem zügellosen Streben nach maßloser Entwicklung folgten. Auf euren Handelsreisen seid ihr durch die zerstörten Gebiete der Völker von ʿĀd, Thamūd, Madyan und Lūṭs (Friede sei mit ihm) gezogen. Habt ihr dort etwa keine Lehre gezogen? Aus dem Ende, das sie auf dieser Welt ereilt hat, lässt sich bereits erkennen, dass sie im Jenseits ein noch furchtbareres Ende erleiden werden. Diejenigen aber, die sich auf dieser Welt besserten, waren nicht nur in dieser Welt glücklich; auch ihr Ende im Jenseits wird noch besser sein.
Der Unterschied zwischen dem Blinden und dem Sehenden
(Arabisch***********************************auf PDF-Seite 306)
„O Muhammad! Sag ihnen: Ich sage euch nicht, dass sich bei mir die Schatzkammern Allahs befinden. Ich erhebe auch nicht den Anspruch, ein Engel zu sein. Ich folge nur der Offenbarung, die mir zuteilwird. Frage sie: Können der Blinde und der Sehende etwa gleich sein? Wollt ihr denn nicht nachdenken?“ – (Sure al-Anʿām: 50)
Das heißt: Die Wahrheiten und Informationen, die ich euch dargelegt habe, habe ich mit eigenen Augen gesehen und aus erster Hand erfahren. Durch die Offenbarung sind mir all diese Informationen fehlerlos mitgeteilt worden, und mein Zeugnis darüber ist ein Augenzeugenzeugnis. Ihr hingegen seid über diese Informationen unwissend. Denn eure Vorstellungen davon beruhen entweder auf bloßer Einbildung oder auf blinder Nachahmung. Daher besteht zwischen euch und uns derselbe Unterschied wie zwischen einem Blinden und einem Sehenden. Deshalb bin ich euch nicht deswegen überlegen, weil sich Allahs Schatzkammern in meinem Besitz befinden, ich das Verborgene kenne oder über die menschlichen Schwächen erhaben bin.
(Arabisch***********************************auf PDF-Seite 306)
„O Prophet! Schon vor dir habe Ich viele Gesandte entsandt und ihnen allen Ehefrauen und Nachkommen gegeben.“ – (Sure ar-Raʿd: 38)
Dies ist die Antwort auf einige der gegen den Propheten Muhammad (s.) erhobenen Einwände. Sie sagten: Was ist das für ein Prophet, der Frau und Kinder hat? Was hat ein Prophet mit den Begierden der Triebseele zu tun?
Der Prophet hätte ein Engel sein müssen (?)
(Arabisch***********************************auf PDF-Seite 307)
„Als die Gesandten Allahs von vorn und von hinten zu ihnen kamen und ihnen sagten: ‚Dient niemandem außer Allah!‘, sagten sie: ‚Wenn unser Herr es gewollt hätte, hätte Er Engel herabgesandt. Daher glauben wir nicht an das, wozu ihr gesandt worden seid.‘ – (Sure Fussilat: 14)
Das heißt: Wenn unsere gegenwärtige Religion Allah nicht gefallen hätte und Er einen Gesandten hätte schicken wollen, um uns von dieser Religion abzuhalten, hätte Er Engel gesandt. Da ihr jedoch keine Engel, sondern Menschen wie wir seid, glauben wir nicht, dass Allah euch gesandt hat – und zwar mit dem Auftrag, dass wir unsere Religion aufgeben und jene Religion annehmen sollen, die du verkündest. ‚Wir glauben nicht an das, wozu du gesandt worden bist‘ – diese Äußerung der Ungläubigen war spöttisch gemeint. Das bedeutet nicht, dass sie sie als von Allah gesandt anerkannten und lediglich ihren Worten nicht gehorchten. Einen solchen Spott trieben sie auch mit Pharao und dem Propheten Musa. Er sagte zu seinen Höflingen:
(Arabisch***********************************auf PDF-Seite 307)
„Der Gesandte, der zu euch gesandt worden ist, scheint ja völlig verrückt zu sein.“ – (Sure asch-Schu’ara: 27)
Wenn er ein Prophet wäre, wäre er doch ein reicher Mann
(Arabisch***********************************auf PDF-Seite 307)
„Sie sagen: Warum ist dieser Koran nicht auf einen angesehenen Mann aus einer der beiden Städte herabgesandt worden?“ – (Sure az-Zuchruf: 31)
Mit den beiden Städten sind hier Mekka und Taif gemeint. Die Aussage der Ungläubigen war: Wenn Allah tatsächlich einen Gesandten hätte schicken müssen und ihm ein Buch offenbaren wollte, hätte Er dafür gewiss einen angesehenen Mann aus einer dieser beiden zentralen Städte ausgewählt. Wen aber fand Er angeblich für die Auswahl zum Gesandten? Einen Mann, der seit seiner Geburt Waise war, keinen einzigen Pfennig an väterlichem Erbe besaß, seine Jugend mit dem Hüten von Ziegen verbracht hatte, der gegenwärtig seinen Lebensunterhalt damit bestritt, mit dem Geld seiner Frau Handel zu treiben, der weder das Oberhaupt eines Stammes noch das angesehene Oberhaupt einer Sippe war. Gab es in Mekka nicht angesehene Stammesführer wie Walid ibn al-Mughira und Utba ibn Rabia? Gab es in Taif nicht führende Männer wie Urwa ibn Masud, Habib ibn Amr, Kinana ibn Abd Amr und Ibn Abd Yalil? Das war die Argumentation der Ungläubigen. Zunächst waren sie überhaupt nicht bereit, die Sendung eines Menschen als Gesandten anzuerkennen. Doch im Koran wurde diese Vorstellung durch wiederholte Argumente und Beweise vollständig widerlegt, und ihnen wurde gesagt, dass zuvor immer Menschen als Gesandte gekommen seien, dass für die Rechtleitung der Menschen nur ein Mensch als Gesandter in Frage komme und dass kein anderer diese Aufgabe erfüllen könne. Außerdem war jeder Gesandte, der auf die Welt kam, nicht plötzlich vom Himmel herabgestiegen, sondern in einer menschlichen Siedlung geboren worden, auf Märkten umhergegangen, Vater von Kindern gewesen und hatte sich auch nicht des Essens und Trinkens enthalten.
Nachdem sie diese Argumente des Korans gehört hatten, begannen sie mit einem neuen Winkelzug und sagten: Es ist nicht einzuwenden, wenn es tatsächlich ein Mensch ist. Aber er muss unbedingt ein angesehener, reicher und einflussreicher Mann sein. Er muss ein großer Anführer sein und großen Einfluss und großes Ansehen unter dem Volk besitzen. Wie könnte Muhammad ibn Abdullah dieser Stellung würdig sein?
Die Frage nach dem Lebensunterhalt des Propheten (s.a.s.)
(Arabisch***********************************auf PDF-Seite 308)
„Sie sagen: Was ist das für ein Gesandter, der isst und trinkt und auf den Märkten umhergeht? Warum wurde nicht ein Engel zu ihm herabgesandt, der ihn begleitet und die Ungehorsamen warnt?“ – (Sure al-Furqan: 7)
Das heißt: Erstens war es für sie schon erstaunlich, dass ein Mensch ein Gesandter sein sollte. Wenn jemand mit der Botschaft Allahs kommen sollte, dann hätte es ein Engel sein müssen – kein Mensch aus Fleisch und Blut, der Nahrung zum Leben braucht. Doch selbst wenn man annimmt, dass ein Mensch zum Gesandten gemacht worden war, hätte er zumindest ein König oder ein anderer großer Mann von weltweitem Ansehen sein müssen, nach dessen Anblick alle verlangten und dessen Gegenwart man erst nach großen Anstrengungen und Bemühungen hätte erlangen können. Stattdessen wurde ein gewöhnlicher Mensch zum Gesandten des Schöpfers der Welt gemacht, der mit klappernden Schuhen auf den Märkten umhergeht. Ein gewöhnlicher Passant sieht ihn täglich und kann an ihm keinerlei Außergewöhnlichkeit erkennen. Wer sollte ihn mit Ehrfurcht betrachten? Mit anderen Worten: Ihrer Ansicht nach hätte ein Prophet, falls es überhaupt einen Bedarf an ihm gäbe, nicht zur Rechtleitung der Menschen gedient, sondern dazu, Wunder zu zeigen oder durch Zauberei die Vorherrschaft über die Menschen zu erlangen.
(Arabisch***********************************auf PDF-Seite 308)
„O Muhammad! Auch die Gesandten, die Ich vor dir entsandte, aßen und tranken allesamt und gingen auf den Märkten umher. In Wahrheit haben Wir euch zu einer Prüfung füreinander gemacht. Werdet ihr geduldig sein? Dein Herr sieht alles.“ – (Sure al-Furqan: 20)
Die Frage der Ungläubigen von Mekka: „Was ist das für ein Gesandter, der isst und trinkt und auf den Märkten umhergeht?“ wird im obigen Vers beantwortet. Hier muss man sich vor Augen halten, dass die Ungläubigen von Mekka über Hazrat Nuh, Hazrat Ibrahim, Hazrat Ismail, Hazrat Musa und viele weitere Propheten Bescheid wussten. Sie erkannten sogar deren Gesandtschaft an. Gab es irgendeinen früheren Propheten, der keine Nahrung zu sich nahm und nicht auf den Märkten umherging? Deshalb wird gesagt: Warum stellt ihr in Bezug auf Muhammad (s.a.s.) diese ungewöhnliche Frage? Nehmen wir selbst Hazrat Isa (a.s.), den die Christen zum Sohn Allahs gemacht haben und dessen Statue die Ungläubigen von Mekka in der Kaaba aufgestellt hatten. Auch jener Hazrat Isa aß und ging nach der Darstellung der Bibel auf den Märkten umher.
(Arabisch***********************************auf PDF-Seite 308)
„O Muhammad! Auch vor dir habe Ich nur Menschen als Gesandte entsandt und ihnen die Offenbarung eingegeben. Wenn ihr das nicht wisst, so fragt die Leute der Schrift. Habe Ich ihnen etwa Körper gegeben, die keiner Nahrung bedurften? Und sie waren auch nicht unsterblich.“ – (Sure al-Anbiyāʾ: 7–8)
„Dieser Mann ist doch nichts anderes als ein Mensch wie ihr.“ Die Antwort auf diese Aussage der Ungläubigen wird im obigen Vers gegeben. Sie führten die Tatsache, dass der Prophet Muhammad (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ein Mensch war, als Beweis dafür an, dass er kein Prophet gewesen sei. Darauf wird erwidert, dass all jene großen Männer früherer Zeiten, die ihr als von Allah gesandt anerkannt habt, Menschen waren und Allahs Offenbarung empfingen, während sie Menschen waren.
Kapitel: 8 – Der wahre Dīn
Die dschāhilitische und die islamische Auffassung von Religion
Vor dem Prophetentum Muhammads (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) war auf der Erde allgemein folgende Auffassung von Religion verbreitet: Sie sei einer von vielen Lebensbereichen, eine Seite oder ein Teil des Lebens. Anders gesagt: Religion sei ein Anhängsel des diesseitigen Lebens, das man als Bescheinigung für die Erlösung im Jenseits verwenden könne. Religion habe ausschließlich mit der Beziehung zwischen dem Menschen und Gott zu tun. Wer im Jenseits eine Erlösung mit hohem Rang erstrebe, müsse alle anderen Lebensbereiche aufgeben und sich ausschließlich diesem einen Bereich widmen. Wer jedoch keinen so hohen Rang anstrebe, sondern es für ausreichend halte, irgendwie erlöst zu werden, und zugleich wünsche, dass Gott ihm im diesseitigen Leben ein wenig Wohlwollen erweise und ihm in den weltlichen Angelegenheiten fortwährend Erfolg und Aufstieg gewähre, der halte es für ausreichend, die Religion als Anhängsel in das diesseitige Leben einzufügen. Nach dschāhilitischer Auffassung sollten alle weltlichen Angelegenheiten weiterhin nach den bestehenden Regeln und Gesetzen geführt werden; daneben solle man einige religiöse Zeremonien und Bräuche begehen, um auch Gott zufriedenzustellen. Die Beziehung des Menschen zu sich selbst, zu anderen Menschen und zu seiner Umwelt sei völlig verschieden von seiner Beziehung zu Gott. Zwischen beiden bestehe keinerlei Zusammenhang.
Dies war die dschāhilitische Auffassung von Religion. Auf dieser Grundlage war die Errichtung einer menschlichen Zivilisation und Kultur nicht möglich. Unter Zivilisation und Kultur ist das gesamte menschliche Leben zu verstehen. Daher ist es offensichtlich unmöglich, das gesamte Leben auf etwas zu gründen, das lediglich ein Anhängsel des Lebens ist. Deshalb waren Religion einerseits und Zivilisation und Kultur andererseits überall auf der Welt seit jeher voneinander getrennt und unabhängig. Zwar konnten diese beiden Dinge einander nicht völlig ohne Einfluss lassen, doch war dieser Einfluss gegensätzlich und in verschiedene Richtungen wirkend, wie es eben bei einer Ansammlung vieler verschiedener Dinge der Fall ist. Daher konnte man nirgendwo beobachten, dass dieser Einfluss fruchtbar wurde. Wenn die Religion Zivilisation und Kultur beeinflusste, entstanden dort Askese, Abneigung gegen materielle Bindungen, Desinteresse an weltlichen Freuden und Genüssen, eine Losgelöstheit von der auf materielle Mittel angewiesenen Welt sowie Individualismus, Feindseligkeit und eine Neigung zur Engstirnigkeit in den menschlichen Beziehungen.
Dieser Einfluss war in keiner Hinsicht entwicklungsfördernd, sondern vielmehr ein gewaltiger Stein auf dem Weg zu weltlichem Fortschritt und Wohlstand. Wenn andererseits eine Zivilisation und Kultur, deren Grundlage Materialismus und die Verehrung der eigenen Triebe waren, Einfluss auf die Religion ausübte, so verdarb sie diese. Diese Zivilisation und Kultur führte die gesamte Schmutzigkeit und Unreinheit der Triebverehrung in die Religion ein. Infolgedessen wurden die äußerst schmutzigen und abscheulichen Handlungen, die man begehen wollte, mit einer religiösen Hülle versehen, damit weder das eigene Gewissen sie tadeln noch jemand anderes etwas dagegen sagen konnte. Als Folge dieses Einflusses sehen wir bei bestimmten religiösen Zeremonien und Bräuchen Formen und Methoden der Befriedigung von Genuss- und Begierden, der Verehrung der Lust und der Schamlosigkeit, die selbst von den Angehörigen derselben Religion außerhalb des religiösen Umfelds so bezeichnet werden.
Selbst wenn man von dieser wechselseitigen Beziehung zwischen Religion und Zivilisation absieht, tritt doch die Wahrheit deutlich hervor, dass überall auf der Welt die Paläste von Zivilisation und Kultur auf den Fundamenten der Religions- und Charakterlosigkeit errichtet worden sind. Und neben all den weltlichen Tätigkeiten, die die weltlich gesinnten Menschen nach den Wünschen ihrer eigenen Triebe und auf der Grundlage ihrer mangelhaften Erfahrungen nach Belieben ausübten, vollzogen sie auch einige religiöse Riten und Zeremonien. Zwar galten diese Tätigkeiten in ihren jeweiligen Zeitaltern als fehlerlos, doch erwiesen sie sich später als fehlerhaft. Da die Religion für sie nichts weiter als ein bloßer Anhang des Lebens war, blieb sie, auch wenn sie vorhanden war, eben nur ein solcher Anhang. Dieser Anhang konnte mit jeder Art gesellschaftlicher Ungleichheit und jeder Art kultureller Verirrung verbunden sein. Als Anhang hat diese Religion neben Betrug und Raub, zerstörerischen und subversiven Aktivitäten, Wucher, Geiz, Unzucht und Prostitution koexistiert.
Die umfassende und ganzheitliche Vorstellung vom Dīn
Der Zweck, zu dem der Prophet Muhammad (Friede sei mit ihm) entsandt wurde, bestand in nichts anderem, als die unwissende, das heißt nichtislamische Vorstellung von Religion zu widerlegen und eine intellektuelle und gedankliche Auffassung darzulegen. Doch würde er sich nicht darauf beschränken, sie lediglich darzulegen; vielmehr würde er auf ihrer Grundlage ein vollständiges System von Zivilisation und Kultur errichten und dessen erfolgreiche Verwirklichung vorführen. Er erklärte, wenn die Religion lediglich ein Anhang des menschlichen Lebens sei, dann sei sie völlig bedeutungslos. Es sei auch falsch, ein solches Ding Religion zu nennen. In Wirklichkeit ist der „Dīn“ das, was nicht ein Teil des Lebens, sondern das ganze Leben ist: seine Lebenskraft und Antriebskraft, die Kraft des Verstehens und Empfindens, des Denkens und der Weltanschauung, der Maßstab zur Bewertung von Gut und Böse. Er zeigt in jedem Bereich des Lebens und auf jedem Schritt den richtigen, geraden und den krummen Weg voneinander getrennt auf, bewahrt davor, vom Weg abzukommen, verleiht die Kraft, auf dem wahren und richtigen Weg standhaft zu bleiben und voranzuschreiten, und hilft dem Menschen, auf dieser unerschöpflichen Reise des Lebens von dieser Welt bis ins Jenseits jede Stufe mit Erfolg und Glück zu durchschreiten.
Der Name eben dieser Religion ist Islam. Er ist nicht dazu gekommen, ein Anhang des Lebens zu sein. Vielmehr ist es so: Wenn man ihn nach jener alten unwissenden Vorstellung lediglich als einen Anhang des Lebens annimmt, wird der Zweck seines Kommens und Erscheinens zunichtegemacht. Er ist gekommen, um den Menschen über die Beziehungen zwischen Gott und dem Menschen sowie zwischen dem Menschen und der gesamten Schöpfung die Wahrheit bewusst zu machen, dass diese Bereiche der Beziehungen nicht voneinander getrennt und auch nicht voneinander losgelöst sind, sondern lediglich einige untrennbare und miteinander verbundene Teile eines Ganzen darstellen. Von einer ordnungsgemäßen Verbindung und Abstimmung zwischen ihnen hängen die umfassende Erlösung und der Erfolg des Menschen ab. Wenn die Beziehung zwischen dem Menschen und seinem Schöpfer nicht geordnet ist, kann auch die Beziehung des Menschen zur Schöpfung nicht geordnet sein. Daher vervollkommnen und läutern diese beiden Beziehungen einander, und gemeinsam errichten sie ein erfolgreiches Leben. Die eigentliche Aufgabe der Religion besteht darin, den Menschen geistig und praktisch auf dieses erfolgreiche Leben vorzubereiten. Eine Religion, die diese Aufgabe nicht erfüllt, ist keine Religion. Und die Religion, die diese Aufgabe erfüllt, ist der Islam. Deshalb hat Allah gesagt:(Arabisch***************) „Bei Allah ist der Dīn einzig der Islam.“
Eine besondere Denkweise und Weltanschauung
Der Islam ist eine besondere geistige Haltung (Attitude of mind) und eine besondere Perspektive auf das gesamte Leben (Outlook of Life). Darüber hinaus ist er auch eine besondere Handlungsweise, die aus dieser geistigen Haltung und jener Perspektive bestimmt wird. Das Gefüge, das durch diese geistige Haltung und Handlungsweise entsteht, ist der Islam, ist die islamische Zivilisation und die islamische Kultur. Hier sind Religion und Zivilisation beziehungsweise Kultur keine voneinander getrennten Dinge, sondern bilden zusammen ein einheitliches Ganzes. Dieselbe geistige Haltung und Lebensanschauung löst alle Probleme des Lebens. Sie bestimmt, welche Rechte Gott gegenüber dem Menschen, das eigene Wesen des Menschen, Eltern, Ehefrau und Kinder, Verwandte, Nachbarn, Geschäftspartner und andere mit ihm verbundene Menschen, Glaubensgenossen und Andersgläubige, Feinde und Freunde – kurz: die gesamte Menschheit sowie jedes Ding und jede Kraft im Universum – besitzen, und errichtet zwischen ihnen ein vollkommenes Gleichgewicht und Gerechtigkeit. Dass ein Mensch Muslim ist, bietet schon hinreichende Gewähr dafür, dass er all diese Rechte mit vollkommener Gerechtigkeit erfüllen und nicht durch Unrecht ein Recht zugunsten eines anderen verletzen wird. Danach legt diese geistige Haltung und Lebensanschauung ein erhabenes sittliches Ziel und ein heiliges geistliches Bestimmungsziel für das menschliche Leben fest. Sie will alle Anstrengungen und Bestrebungen des Lebens, welchem Bereich sie auch angehören mögen, auf einen Weg lenken, der von allen Seiten auf dasselbe Zentrum zuläuft.
Der entscheidende Maßstab für die Bewertung
Das oben erwähnte Zentrum ist von entscheidender Bedeutung. Der Wert aller Dinge wird daran bemessen. Alles wird an diesem Maßstab geprüft. Alles, was dabei hilft, dieses zentrale Ziel zu erreichen, wird angenommen; alles, was ein Hindernis darstellt, wird verworfen und zurückgewiesen. Dieser Maßstab gilt gleichermaßen für die kleinsten und unbedeutendsten Angelegenheiten des persönlichen Lebens wie auch für die großen Angelegenheiten des sozialen und gemeinschaftlichen Lebens. Er legt fest, auf welche Grenzen ein Mensch bei der Aufnahme von Nahrung und Getränken, bei der Kleidung, in den Beziehungen zwischen Männern und Frauen, im Geschäftsverkehr, im Gespräch – kurz, in jeder Angelegenheit des Lebens – achten und welche Gebote und Verbote er befolgen muss, damit er auf dem Weg zu seinem Ziel bleibt und voranschreitet, statt vom Weg abzukommen und einen krummen Weg einzuschlagen. Nach demselben Maßstab wird auch bestimmt, nach welchen Grundsätzen die zwischenmenschlichen Beziehungen im gemeinschaftlichen Leben gestaltet werden müssen, damit die sozialen, wirtschaftlichen und politischen Tätigkeiten nicht auf jene Wege geraten, die vom Ziel abführen. Die Dinge im Himmel und auf der Erde, die dem Menschen verfügbar werden und die er sich untertan macht, wird er so nutzen, dass sie ihm bei der Verwirklichung seines Ziels helfen können. Ebenso wird bestimmt, was und welche Wege er meiden muss, damit die islamische Gemeinschaft bei der Herstellung freundschaftlicher Beziehungen und bei der Feindschaft gegenüber nichtislamischen Gruppen, im Krieg und im Frieden, in schwierigen und günstigen Lagen, im Sieg und in der Niederlage, beim Erwerb von Wissen und Technologie sowie beim Austausch von Zivilisation und Kultur mit anderen die Grundsätze befolgt, die verhindern, dass sie in diesen verschiedenen Bereichen der Außenbeziehungen von ihrem festgelegten Ziel abweicht. Vielmehr soll sie, soweit wie möglich, ob willentlich oder widerwillig, bewusst oder unbewusst, zur Verwirklichung dieses Ziels auch die Hilfe und Unterstützung der unwissenden und irregeleiteten Menschen unter den Völkern annehmen. Denn ihrer natürlichen Veranlagung nach verfolgen auch sie dasselbe Ziel wie die Anhänger des Islam.
Von der Moschee bis zum umfassenderen Tätigkeitsfeld
Kurz gesagt: Es ist dieselbe Sichtweise – von der Moschee bis zum Markt und zum Arbeitsplatz, von den Methoden der gottesdienstlichen Verrichtungen bis zu den Verfahren des Radio- und Flugbetriebs, von den Einzelheiten der Vorschriften über Gebetswaschung, Ganzkörperwaschung, Reinheit sowie Urinieren und Stuhlgang bis zu den wichtigen Fragen der Sozial-, Wirtschafts- und Politikordnung und der internationalen Beziehungen, von der elementaren Bildung bis zur abschließenden Untersuchung und Beobachtung der Zeichen im Reich der Natur und bis zur umfassenden Erforschung der großen Theorien über die Naturgesetze. Sie verwandelt alle Tätigkeiten, Bemühungen und Anstrengungen des Lebens sowie alle Bereiche und Zweige des Denkens und Handelns in ein einheitliches Ganzes, dessen Teile eine zielgerichtete Kontinuität und Verbindung erkennen lassen. Danach werden diese Teile wie die Bestandteile einer Maschine so miteinander verbunden, dass die Maschine nach ihrer Inbetriebnahme stets Ergebnisse gleicher Art hervorbringt.
Eine revolutionäre Lehre
In der religiösen Welt war dies eine revolutionäre Lehre. Doch in den von den Vorstellungen der Dschahiliya erfüllten Herzen und Köpfen konnte diese Lehre keinen Platz finden. Die heutige Welt ist im Hinblick auf Wissen und Wissenschaft weit fortgeschrittener als im 6. Jahrhundert der christlichen Zeitrechnung. Dennoch gibt es noch immer so viel Rückständigkeit und blinden Aberglauben, dass die unwissenden Menschen der alten Dschahiliya diese revolutionäre Lehre ebenso wenig annehmen konnten wie die hochgebildeten jungen Menschen an den berühmten Universitäten Europas sie zu begreifen vermochten. Der Einfluss der irrigen Vorstellungen über die Religion, die seit Tausenden von Jahren von Generation zu Generation überliefert werden, sitzt noch immer fest in ihren Herzen und Köpfen. Selbst nach einer hochrangigen Ausbildung in vernunftgestützter Kritik und wissenschaftlicher Theorieforschung ist ihre bessere Einsicht nicht erwacht. Wenn diejenigen, die in den dunklen Zellen von Chánqáhs und Moscheen leben, unter Frömmigkeit verstehen, in Abgeschiedenheit zu sitzen und „Allah, Allah“ zu wiederholen, und Religiosität auf den Bereich der gottesdienstlichen Verrichtungen beschränken, ist das nicht verwunderlich. Denn sie sind ohnehin abergläubisch. Wenn die unwissende Masse die Religion auf die mit Trommeln und anderen Instrumenten begangenen Muharram-Tasiyas, auf Gesang und Musik sowie auf das Erlernen religiöser Einzelfragen beschränkt, ist auch das keineswegs verwunderlich. Denn sie ist ja unwissend. Doch was ist mit unseren angesehenen Gelehrten geschehen, die das Licht des Wissens bewahren, dass die Dunkelheit der Erstarrung nicht aus ihren Herzen weicht? Auch sie betrachten den Islam in eben jenem Sinne als eine Religion, in dem ein Nichtmuslim ihn unter dem Einfluss dschahilischer Vorstellungen betrachtet.
Was ist unter der wahren Religion zu verstehen?
– [Vortrag, gehalten am 1. März 1943 an der Jamia Millia in Delhi.]
Der Koran ruft die Menschheit mit folgendem Anspruch zu der von ihm dargelegten Lehre auf, in seinen eigenen Worten:
(Arabisch***********************************auf PDF-Seite 317)
„Bei Allah ist die Religion einzig und allein der Islam.“ – (Sure Āl ʿImrān: 19)
Gewöhnlich wird dieser Satz des Korans so schlicht erklärt, dass bei Allah die einzig wahre Religion der Islam sei. Und die allgemeine Vorstellung der Menschen vom „Islam“ ist, dass dies der Name einer Religion sei. Diese Religion sei vor dreizehnhundert Jahren in Arabien entstanden und von dem Propheten Muhammad (s) begründet worden. Die Worte „begründet worden“ habe ich bewusst verwendet. Denn nicht nur Nichtmuslime, sondern auch eine beträchtliche Zahl gebildeter Muslime bezeichnen und schreiben den Propheten Muhammad (s) als den Begründer des Islam. Der Eindruck ist dabei, als habe der Islam erst mit ihm begonnen und als sei er selbst dessen Gründer (Founder). Wenn deshalb ein Nichtmuslim beim Studium des Korans zu diesem Satz gelangt, denkt er, dass der Koran ebenso wie alle Religionen, die sich selbst für wahr und die anderen Religionen für falsch und nichtig erklären, die von ihm dargestellte Religion als wahr verkünde. In diesem Gedanken überschreitet er den Vers und liest weiter. Wenn wiederum ein Muslim diesen Vers liest, verspürt auch er kein Bedürfnis nach Nachdenken und wissenschaftlicher Untersuchung. Denn auch er hält die Religion, die in diesem Satz als auf der Wahrheit gegründet bezeichnet wird, für wahr. Oder wenn in ihm ein Anstoß zum Nachdenken entsteht, dann gewöhnlich deshalb, weil er die Wahrheit des Islam durch einen Vergleich mit dem Hinduismus, Buddhismus, Christentum und ähnlichen anderen Religionen beweisen müsse. In Wirklichkeit ist dieser Satz des Korans jedoch von solcher Art, dass ein nachdenklicher, wissensdurstiger Mensch tief über ihn nachdenken sollte. Es ist nötig, über ihn noch weit mehr nachzudenken, als dies bisher geschehen ist.
Um diesen Anspruch des Korans richtig zu erfassen, müssen wir zunächst die Bedeutung der beiden Wörter „ad-Dīn“ und „al-Islām“ verstehen.
Die Bedeutung von ad-Dīn
Im Arabischen wird das Wort „Dīn“ in mehreren Bedeutungen verwendet. Eine seiner Bedeutungen ist Sieg, Überlegenheit, Unterwerfung und Inbesitznahme. Eine weitere Bedeutung ist Gehorsam und Knechtschaft. Die dritte Bedeutung ist Vergeltung und Gegenleistung. Die vierte Bedeutung ist Ordnung, Methode und Lebensordnung. Hier wird dieses Wort in seiner vierten Bedeutung verwendet. Das heißt, Dīn bezeichnet jene Ordnung und jene Vorschriften der Lebensführung beziehungsweise jene Denk- und Handlungsweise, denen man folgen muss.
Man muss jedoch bedenken, dass der Koran nicht nur „Dīn“, sondern „ad-Dīn“ sagt. Auch hier liegt derselbe Bedeutungsunterschied vor wie im Englischen, wenn man statt „This is a way of life“ sagt: „This is the way of life“. Der Anspruch des Korans lautet also nicht, dass der Islam bei Allah eine Lebensordnung sei. Vielmehr lautet sein Anspruch, dass allein der Islam die wahrhaftige und richtige Lebensweise beziehungsweise Denk- und Handlungsweise ist.
Ferner muss man bedenken, dass der Koran dieses Wort nicht in einer engen oder begrenzten, sondern in seiner umfassendsten Bedeutung verwendet hat. Lebensweise oder Lebensordnung bedeutet nicht die Ordnung eines bestimmten Aspekts oder Bereichs des Lebens, sondern die Ordnung des gesamten gesellschaftlichen Lebens. Es handelt sich nicht um die Lebensweise eines bestimmten Landes, Volkes oder Zeitalters, sondern um die persönliche und gemeinschaftliche Lebensweise aller Menschen aller Zeiten. Der Sinn des Anspruchs des Korans ist daher nicht, dass eine richtige Verbindung von Gottesverehrung, Glaubensvorstellungen in Bezug auf die jenseitige Welt und der Vorstellung vom Leben nach dem Tod etwas sei, das Islam genannt werde. Ebenso wenig bedeutet er, dass Islam der Name einer reinen Ordnung des religiösen Denkens und Handelns einzelner Menschen sei (in jenem engen Sinn, in dem das Wort Religion in der westlichen Terminologie verstanden wird). Darüber hinaus bedeutet der Anspruch des Korans auch nicht, dass für die Menschen Arabiens oder für alle Menschen bis zu einem bestimmten Jahrhundert oder für diejenigen, die bis zur industriellen Revolution auf der Welt gelebt haben, eine reine und fehlerlose Lebensordnung als Islam bezeichnet worden sei. Vielmehr lautet sein klarer Anspruch, dass für die gesamte Menschheit aller Zeiten eine einzige Art und Weise der Lebensführung in dieser Welt in den Augen Allahs rein und richtig ist, und dass eben diese „al-Islām“ genannt wird. – [Es ist äußerst erstaunlich, dass irgendwo zwischen Asien und Europa eine neuartige Auslegung des Korans vorgenommen worden ist. Nach ihrer Auffassung ist die Bedeutung des Dīn auf die persönliche Beziehung zwischen dem Diener und Gott beschränkt, und er hat keinen Bezug zu Zivilisation und Staatsordnung. Wenn diese Auslegung tatsächlich dem Koran selbst entnommen worden ist, dann ist sie zweifellos eine bemerkenswerte Sache. Doch auf der Grundlage dessen, was ich während meiner achtzehnjährigen eingehenden Erforschung der tiefen Bedeutungen des Korans verstanden habe, kann ich ohne Zögern sagen, dass der Koran das Wort „ad-Dīn“ trotz aller frei erfundenen Erklärungen der modernen Kommentatoren nicht in einer engen Bedeutung verwendet hat, sondern im Sinne einer „Ordnung des Denkens und Handelns für das gesamte Leben“ aller Menschen aller Zeiten. (Eine türkische Journalistendelegation besuchte 1943 Indien und äußerte die obige Bemerkung. Der Verfasser spielt darauf an.)]
Die Bedeutung von al-Islam
Hier soll das Wort „Islam“ erklärt werden. In der arabischen Sprache bedeutet es, die Waffen niederzulegen, sich zu beugen, Gehorsam anzuerkennen und sich zu ergeben. Der Koran sagt jedoch nicht einfach „Islam“, sondern „al-Islam“. Dies ist sein besonderer Fachausdruck. Die Bedeutung, in der er diesen Fachausdruck verwendet, ist: sich vor Allah zu beugen, Ihm zu gehorchen, vor Ihm seine eigene Freiheit aufzugeben und sich Ihm zu ergeben. Diese Ergebung bedeutet allerdings nicht, sich dem Naturgesetz zu unterwerfen. Einige haben freilich versucht, diese falsche Auslegung zu geben. Sie bedeutet auch nicht, dass der Mensch durch den Einsatz seiner Vorstellungskraft oder durch Prüfung und Beobachtung von sich aus zu einer Entscheidung darüber gelangt, was Allah will und womit Er zufrieden ist, und diesem dann gehorcht. Einige andere Menschen haben genau dies gut verstanden. Tatsächlich bedeutet es, dass man den Weg und die Methode des Denkens und Handelns annehmen muss, die Allah durch Seine Gesandten mitgeteilt hat, und dass man seine Freiheit des Denkens und Handelns, also seine Willkür, aufgibt und jenem Weg und jener Methode gehorcht und folgt. Der Heilige Koran meint genau dies mit dem Ausdruck „al-Islam“. Es handelt sich dabei nicht um eine Religion der Neuzeit, und Muhammad (s) hat sie vor 1400 Jahren in Arabien weder begründet noch eingeführt. Vielmehr hatte Allah den Menschen bereits an dem Tag, an dem der Mensch erstmals auf der Erde erschien, mitgeteilt, dass allein dieser Islam für ihn die richtige und reine Lebensordnung sei. Danach haben alle Propheten, die in verschiedenen Gegenden der Welt als Wegweiser der Menschen von Allah entsandt wurden, ununterbrochen zu eben diesem „al-Islam“ aufgerufen. Davon gab es nirgendwo auch nur die geringste Abweichung. Zuletzt hat auch der Prophet Muhammad (s) die Menschheit zu eben diesem „al-Islam“ aufgerufen. Es ist allerdings ein gesonderter Punkt, dass auch Hadhrat (s) die Menschheit zu eben diesem „al-Islam“ aufgerufen hat. Es ist allerdings ein gesonderter Punkt, dass die Anhänger Hadhrat Musas (a.s.) später durch die Vermischung mit vielen anderen Dingen das Judentum hervorbrachten, die Anhänger Hadhrat Isas (a.s.) unter dem Namen „Christentum“ und auch die Gemeinschaften der Propheten Indiens, Irans, Chinas und anderer Länder verschiedene vermischte und zusammengewürfelte Lehren entwickelten. In Wirklichkeit war die Religion, zu der Musa, Isa und alle anderen bekannten und unbekannten Propheten aufgerufen hatten, reiner und unverfälschter Islam – nichts anderes.
Der Anspruch des Korans
Nach dieser Erklärung und Analyse wird der Anspruch des Korans vor uns völlig klar. Er lautet: „Der einzige reine, von Allah erwählte Weg und die Methode für die Lebensführung der Menschheit besteht darin, sich vor Allah zu beugen und dem Weg und der Methode des Denkens und Handelns zu folgen, die Allah durch Seine Propheten aufgezeigt hat.“ Das ist der Anspruch des Korans.
Nun müssen wir gründlich darüber nachdenken, ob wir diesen Anspruch annehmen sollten oder nicht. Die Argumente und Beweise, die der Koran selbst zur Unterstützung seines Anspruchs vorgebracht hat, werden wir selbstverständlich prüfen. Doch wollen wir vorher nicht einmal selbst untersuchen, ob uns außer der Annahme dieses Anspruchs überhaupt eine andere Möglichkeit bleibt?
Die Notwendigkeit einer Lebensordnung
Es sei darauf hingewiesen, dass der Mensch unter allen Umständen eine Lebensordnung annehmen muss, um sein Leben zu führen. Der Mensch ist ja kein Fluss, dessen Lauf sich auf natürliche Weise durch die Erhebungen und Senken des Geländes bilden würde. Er ist keine Pflanze, deren Weg durch die Naturgesetze bestimmt würde. Er ist auch kein bloßes Tier, für dessen Führung allein seine Natur und sein Wesen ausreichen würden. Obwohl der Mensch in einem großen Teil seines Lebens den Naturgesetzen unterworfen ist, gibt es in seinem Leben viele Bereiche, in denen er keinen festgelegten Weg vorfindet, auf dem er, wie die übrigen Lebewesen und Tiere, unwillkürlich weitergehen könnte. Vielmehr muss er nach Abwägung und Überlegung einen Weg wählen. Viele Probleme des Weltalls treten seinem denkenden Gewissen zwar ganz natürlich entgegen, doch findet er für sie keine Lösung in eindeutiger Sprache. Daher braucht er einen Weg des Denkens, um diese Probleme zu lösen. Durch seine fünf Sinne vermittelt die Natur seinem Geist zwar einige verstreute Erkenntnisse und Informationen, doch ordnet sie diese nicht systematisch. Um sie zu ordnen und zu einem geordneten Ganzen zusammenzufügen, braucht er einen Weg der Erkenntnis. Für sein persönliches Verhalten benötigt er bestimmte Regeln und Methoden, durch die er jene Bedürfnisse erfüllen kann, zu denen ihn die Natur zwar drängt, für deren Befriedigung sie jedoch keine annehmbare Methode festlegt. Für sein Eheleben, seine familiären Beziehungen, seine wirtschaftlichen Transaktionen und Geschäfte sowie für viele andere Lebensbereiche braucht er eine Ordnung. Nach dieser Ordnung soll er nicht nur als Einzelperson, sondern auch als Gruppe, Volk und Gemeinschaft leben und ein Ziel erreichen können, das er von Natur aus zwar begehrt, das ihm die Natur jedoch nicht klar vor Augen gestellt und für dessen Erreichung sie auch keinen Weg festgelegt hat.
Das menschliche Leben ist unteilbar
In diesen verschiedenen Bereichen und Teilgebieten des Lebens ist es für den Menschen unerlässlich, einen bestimmten Weg und eine bestimmte Methode einzuschlagen. Doch sind dies keine dauerhaften, voneinander unabhängigen Bereiche. Daher ist es nicht möglich, in diesen verschiedenen Bereichen Wege einzuschlagen, deren Ziel jeweils ein anderes, deren Wegzehrung jeweils eine andere, deren Gangart und Methode jeweils eine andere, deren Anforderungen und Bedürfnisse jeweils andere und deren Bestimmungsort ebenfalls ein anderer wären. Wenn jemand auch nur ein wenig seinen Verstand und sein Urteilsvermögen anstrengt, um den Menschen und seine Lebensprobleme zu verstehen, könnte er gewiss erkennen, dass das Leben als Ganzes eine vollständige Einheit bildet, deren jeder Teil eng und untrennbar mit dem anderen verbunden ist und deren jeder Bereich mit jedem anderen Bereich unauflöslich zusammenhängt. Jeder Teil wirkt auf die anderen Teile ein, und wird seinerseits von ihnen beeinflusst. In allen Teilen ist dieselbe Lebenskraft verbreitet, und das, was aus ihrem Zusammenspiel entsteht, nennt man das menschliche Leben. Was der Mensch tatsächlich braucht, sind daher nicht viele Ziele des Lebens, sondern ein einziges Hauptziel, dem alle kleinen und großen Ziele untergeordnet und mit dem sie vereinbar sein werden; wenn das Hauptziel erreicht ist, werden auch alle anderen erreicht sein. Er braucht nicht viele Wege, sondern eine einzige große Straße, auf der er mit allen Seiten und Bereichen seines Lebens in vollkommener Harmonie auf sein eigenes Lebensziel zugehen kann. Für Philosophie, Natur- und Geisteswissenschaften, Literatur, bildende Künste, Bildung, Religion, Moral, gesellschaftliches Leben, Wirtschaft, Politik, Recht und Gerichtswesen und dergleichen braucht es nicht jeweils ein gesondertes System, sondern ein umfassendes System, in dem all dies in vollkommener Harmonie seinen Platz finden kann und in dem für all diese Bereiche Grundsätze von einheitlichem Geist und Wesen enthalten sind. Indem der Einzelne und die Gemeinschaft und insgesamt die ganze Menschheit diesen Grundsätzen folgen, können sie das höchste Ziel erreichen. Es war das dunkle Zeitalter der Dschāhilīya, als man meinte, das Leben lasse sich dauerhaft in voneinander getrennte Bereiche aufteilen. Wenn heute jemand eine solche Vorstellung hegt und sinnlose Reden führen will, muss man sagen, dass er entweder in aller Treue an alten Vorstellungen festhält und deshalb ein Gegenstand des Mitleids ist, oder dass er die eigentliche Angelegenheit sehr wohl kennt und bewusst so redet, weil er denjenigen, die mit den Grundsätzen des Systems nicht übereinstimmen, das System schmackhaft machen möchte, das er in einem Land einführen will [das heißt: ein nationalistisch geprägtes System; für die Landesbewohner ein Lebenssystem zu errichten, das allein weltlichen Interessen dient und jede Verbindung zu Gott, dem Buch und der Gesandtschaft kappt]. Er möchte ihnen versichern, dass sie unter diesem System in den einen oder anderen Bereichen ihres Lebens vollständige Sicherheit genießen werden. Aus Gründen der Vernünftigkeit, Natürlichkeit und Wirklichkeit ist dies unmöglich. Diejenigen, die dies behaupten, wissen wahrscheinlich selbst, dass es unmöglich ist [für eine ausführliche Erörterung dieses Themas siehe die vom Verfasser verfassten Bände 1 und 2 von „Musalmān aur Mauǧūda Siyāsī Kašmakāš“, insbesondere den zweiten Band, „Bunyādī Ḥuqūq“. – (Die beiden Herausgeber)]. Jede siegreiche Dīn muss alle Seiten und Bereiche des Lebens gemäß ihrer eigenen Lebenskraft und ihrem eigenen Geist und Wesen gestalten; ebenso wie alles, was in ein Salzbergwerk fällt, zwangsläufig zu Salz werden muss.
Die geografische und erbbedingte Aufteilung des Lebens
So sinnlos und unvernünftig es ist, das menschliche Leben in verschiedene Teile zu zerlegen, so noch unvernünftiger und sinnloser ist es, die Menschen aufgrund geografischer Grenzen sowie von Hautfarbe und Abstammung aufzuteilen. Zweifellos findet man Menschen an vielen Orten der Erde, und Flüsse und Meere, Berge und Gebirge, Wälder und Dschungel oder künstliche Grenzlinien halten sie voneinander getrennt. Ebenso findet man Menschen verschiedener Abstammungen und Völker, bei denen die Entwicklung und Entfaltung der Menschheit aus historischen, psychologischen und anderen Gründen unterschiedliche Formen angenommen hat.
Wer jedoch unter Berufung auf diese Unterschiede sagt, für jede Abstammung, jedes Volk und jedes geografische Land müsse ein eigenes „Dīn“ oder Lebenssystem geschaffen werden, redet bloß wirres Zeug. Sein enger Blick ist in den Unterschieden der äußeren Erscheinung und Gestalt gefangen geblieben. Die einheitliche und gemeinsame menschliche Wesenheit, die innerhalb dieser äußeren Verschiedenheiten fortbesteht, konnte er nicht erkennen. Wenn diese Unterschiede dennoch tatsächlich so überaus wichtig sein sollten, dass ihretwegen unterschiedliche Lebenssysteme erforderlich wären, dann sage ich: Übertreibt in euren Schriften die zwischen einem Land und einem anderen sowie zwischen einer Abstammung und einer anderen feststellbaren Unterschiede, so sehr ihr wollt. Danach unterzieht die Unterschiede, die zwischen Frau und Mann in irgendeinem Land, zwischen einem beliebigen Menschen und einem anderen Menschen sowie zwischen zwei Kindern derselben Eltern zu beobachten sind, einer unvoreingenommenen wissenschaftlichen Analyse. Ich bin sicher, dass bei einer wissenschaftlichen Analyse die zweitgenannten Unterschiede weitaus deutlicher hervortreten werden als die erstgenannten. Warum empfiehlt ihr dann nicht für jeden einzelnen Menschen ein eigenes Lebenssystem? Tatsächlich ist auch innerhalb der Unterschiede zwischen einzelnen Menschen, zwischen Frauen und Männern sowie zwischen den Familien ein dauerhaftes Element der Einheit deutlich erkennbar; und auf dieser Grundlage kann man sich die Existenz eines Volkes, eines Landes und einer Abstammung vorstellen. Deshalb kann man es für möglich halten, dass für die große Zahl von Menschen eines Volkes oder eines Landes ein einziges Lebenssystem gilt. Wenn das möglich ist, warum sollte man dann nicht auch inmitten der gewaltigen nationalen, landesbezogenen und erbbedingten Unterschiede ein grundlegendes Element der Einheit finden können? Und warum sollte man auf dieser Grundlage nicht die gesamte Menschheit als eine ungeteilte Einheit betrachten und für die gesamte menschliche Welt ein einziges Dīn oder Lebenssystem schaffen können? Ist es etwa nicht wahr, dass die Natur trotz aller geografischen, ethnischen und erbbedingten Unterschiede alle Menschen in den grundlegenden Dingen gleich geschaffen hat, dass das irdische Leben aller Menschen den gleichen Naturgesetzen unterliegt, dass alle Menschen nach denselben körperlichen Gesetzmäßigkeiten aufgebaut sind und dass die Merkmale, durch die der Mensch gegenüber den übrigen Geschöpfen den Rang einer eigenen Gattung erhalten hat, in allen Menschen gleichermaßen vorhanden sind? Sind nicht alle Menschen hinsichtlich ihrer angeborenen natürlichen Bedürfnisse und Ansprüche gleichermaßen beteiligt, und ist nicht das menschliche Wesen jedes Menschen aus einer Verbindung gleichartiger körperlicher und psychischer Kräfte gebildet? Ist es schließlich nicht ebenfalls richtig, dass alle körperlichen, psychischen, historischen, sozialen und wirtschaftlichen Ursachen, die im menschlichen Leben wirksam und bestimmend sind, sich bei allen Menschen in gleicher Weise auswirken? Wenn alle Menschen in diesen Dingen tatsächlich gleich sind, dann müssen auch die grundlegenden Grundsätze und Ideale, die zum Wohl aller Menschen rein und richtig sind, weltumfassend und allgemein gültig sein. Diese grundlegenden Grundsätze und Ideale können nicht für jedes Land, jedes Volk und jede Abstammung jeweils anders sein. Verschiedene Völker und Abstammungen können und sollen im Rahmen dieser Grundsätze und Ideale ihre besonderen Eigenschaften zum Ausdruck bringen und die verschiedenen Probleme ihres Lebens teilweise auf unterschiedliche Weise lösen. Doch das richtige „Dīn“ oder Lebenssystem, das der Mensch als Mensch braucht, muss unter allen Umständen ein und dasselbe sein. Dass etwas für ein Volk richtig, für ein anderes jedoch falsch sein soll und dass etwas, was für ein Volk falsch ist, für ein anderes richtig sein soll – das ist für den gesunden Menschenverstand nicht annehmbar.
Die zeitliche Aufteilung des Lebens
Die Prüfung einiger haltloser Argumente zugunsten einer Aufteilung des Lebens aufgrund äußerer Unterschiede ist bereits vorgenommen worden. Ein weiteres derartiges haltloses Argument, das neuerdings mit großer Gewissheit und Gelehrsamkeit vorgetragen wird, in Wirklichkeit aber das haltloseste und irrigste ist, lautet: die zeitliche Aufteilung des Lebens. In diesem Zusammenhang wird gesagt, dass eine Lebensordnung zu einer bestimmten Zeit richtig sei, zu einer anderen Zeit jedoch als falsch erwiesen werde. Denn die Probleme des Lebens veränderten sich in jeder Epoche. Ob eine Lebensordnung richtig oder falsch sei, hänge jedoch von den Problemen des Lebens ab. Das Merkwürdige ist, dass diese Aussage über das menschliche Leben gemacht wird, während zugleich gerade von diesem Leben die Rede ist, das sich fortentwickelt. Und wenn von der Fortentwicklung des Lebens die Rede ist, wird auch nach den historischen Gesetzmäßigkeiten gesucht, die darauf Einfluss nehmen; aus seinen vergangenen Erfahrungen werden Lehren für die Gegenwart und Wegweisungen für die Zukunft gewonnen. Sogar die Existenz eines Phänomens namens „menschliche Natur“ wird durch Argumente bewiesen. Meine Frage lautet: Besitzen jene, die an eine zeitliche Aufteilung des Lebens glauben, innerhalb dieser ununterbrochenen historischen Entwicklung der Menschheit irgendein Messinstrument, mit dem sich die genauen Grenzen von Epochen oder Zeiten bestimmen lassen? Und selbst wenn eine Grenze bestimmt würde, wäre es dann möglich, auf irgendeine ihrer Linien zu zeigen und zu sagen: Die Probleme des Lebens, die jenseits dieser Grenze bestanden, haben sich auf dieser Seite völlig verändert, und der Zustand, der jenseits der Grenze herrschte, ist auf dieser Seite nicht mehr vorhanden? Wenn das menschliche Leben tatsächlich in derartige voneinander getrennte zeitliche Abschnitte aufgeteilt wäre, müsste man annehmen, dass der vergangene Abschnitt für den nachfolgenden völlig bedeutungslos sei. Nachdem dieser Abschnitt vorüber ist, wäre alles, was die Menschen in jener Epoche getan haben, vergeblich geworden. Die Erfahrungen, die die Menschen in einer bestimmten Epoche gesammelt haben, enthielten dann keinerlei Lehre für die folgende Epoche. Denn weder jener Zustand noch jene Probleme bestünden noch. Folglich hätte auch die Erfahrung menschlicher Anstrengungen und Bemühungen im Hinblick auf jenen Zustand und zur Lösung jener Probleme keinen Wert. Dann gäbe es überhaupt keinen Anlass, von Fortentwicklung zu sprechen. Auch die Suche nach historischen Gesetzmäßigkeiten, die das Leben beeinflussen, hätte keinen Sinn. Sie könnte keinen Sinn haben. Wenn von Fortentwicklung gesprochen wird, wird zwangsläufig anerkannt, dass es dort etwas gibt, das sich verändert und trotz aller Veränderungen seine Existenz bewahrt und sich unablässig weiterbewegt. Wenn die Gesetzmäßigkeiten des Lebens erörtert werden, wird ganz selbstverständlich anerkannt, dass es inmitten all dieser Aufstiege und Niedergänge, des Zerfalls und Aufbaus sowie des Wandels und der Umwälzungen eine ewige Wahrheit des Lebens gibt, die über eine eigene Natur und eigenständige Regeln und Bestimmungen verfügt. Wenn aus den Beispielen der Geschichte eine Lehre gewonnen wird, bedeutet das, dass der Wanderer, der diese lange Straße der Geschichte durchquert, unablässig voranschreitet und eine Station nach der anderen hinter sich lässt, eine eigene Identität und einen eigenständigen Charakter besitzt. Diese Identität handelt unter bestimmten Umständen auf bestimmte Weise; was sie zu einer Zeit annimmt, weist sie zu einer anderen zurück und verlangt nach etwas Neuem. Wenn man beginnt, diese ewige Wahrheit, dieses sich ständig wandelnde Wesen sowie die verschiedenen Stationen auf der Straße der Geschichte und deren Zustände und Probleme zu erörtern, geschieht dies mit solcher Versunkenheit, dass man den Wanderer selbst völlig vergisst. Die Stationen der Straße und die Veränderung ihrer Zustände und Probleme mögen sich verändern – aber verändert sich deshalb auch der Wanderer und seine Eigenart? Ich sehe, dass sich an seinem grundlegenden Aufbau seit Beginn der Schöpfung bis heute keinerlei Veränderung vollzogen hat. Aus denselben Grundelementen, aus denen der Mensch vor Tausenden von Jahren gebildet wurde, wird er auch heute gebildet. Sein Temperament, die Erfordernisse und Bedürfnisse seiner Natur, seine Eigenschaften und Merkmale, seine Gefühle und Empfindungen, seine Neigungen und Triebe, seine Fähigkeiten und Befähigungen, seine Schwächen und Kräfte, sein Handeln und Reagieren, seine Fähigkeit, Einfluss auszuüben und Einfluss aufzunehmen, die ihn beherrschenden Kräfte sowie seine natürliche und kosmische Umwelt – alles ist heute ebenso wie früher. In keinem dieser Punkte hat sich seit den Anfängen der Schöpfung bis heute auch nur im geringsten etwas verändert. Tatsächlich kann niemand dreist genug sein zu behaupten, dass sich im Verlauf der historischen Wandlungen der Zustände und der Veränderungen der daraus hervorgegangenen Probleme die Menschlichkeit des Menschen selbst oder die grundlegenden Dinge, die mit seiner Menschlichkeit verbunden sind, ebenfalls verändert hätten. Wenn man das nicht behaupten kann, wie soll man dann akzeptieren, dass das, was für den Menschen gestern einem Lebenselixier gleich war, heute zu Gift geworden sei, dass das, was gestern wahr war, heute falsch geworden sei und dass das, was gestern wertvoll war, heute wertlos geworden sei?
Welche Art von Lebensordnung braucht der Mensch?
Die eigentliche Tatsache ist, dass der Mensch im Verlauf der historischen Wandlungen bei dem Versuch, das menschliche Wesen und die damit verbundenen grundlegenden Dinge zu verstehen, sowohl als Einzelner als auch als Gemeinschaft Opfer von Verwirrung und Täuschung geworden ist. Eine Wahrheit hat er übertrieben aufgefasst, eine andere falsch verstanden, und infolgedessen zu verschiedenen Zeiten falsche Lebensordnungen angenommen. Später erkannte die Menschheit im weiteren Sinne (Humanity at large) nach Erprobung und Untersuchung die Haltlosigkeit dieser Lebensordnung und gab sie zugunsten einer ähnlichen anderen Lebensordnung auf. Aufgrund dieser Erprobungen und Untersuchungen wurde der Schluss gezogen, dass für die Menschheit in jeder Epoche eine eigene Lebensordnung geschaffen werden müsse, die sich ausschließlich an den Zuständen und Problemen der jeweiligen Epoche orientiere und nur deren Probleme zu lösen suche. Unter solchen Umständen kann jedoch nur der folgende Schluss richtig sein: Die wiederholte Erprobung solcher auf Epochen und Zeiten gegründeten Lebensordnungen – oder, mit anderen Worten, solcher saisonalen, plötzlich aufgeschosseren Systeme – und die Erprobung jeweils eines neuen Systems nach dem Scheitern des vorherigen bringt der Menschheit nichts außer der Verschwendung ihrer wertvollen Zeit. Dadurch wird ihr Fortschritt behindert, und auf dem Weg zu ihrer Entwicklung, Entfaltung und dem Erreichen ihres angestrebten höchsten Ziels stößt sie auf gewaltige Hindernisse. In Wahrheit ist sie zutiefst auf eine Lebensordnung angewiesen, die auf der Grundlage universaler, ewiger und unveränderlicher Prinzipien geschaffen wird, nachdem man über ihn selbst und über alle mit ihm verbundenen Theorien und Tatsachen umfassend Bescheid weiß. Durch die Befolgung dieser Lebensordnung wird er in der Lage sein, sicher durch alle wechselnden Zustände der Gegenwart und der kommenden Zeiten voranzuschreiten, alle entstehenden Probleme zu lösen und auf der Straße des Lebens nicht durch Auf und Ab, sondern mit raschen Schritten seinem Ziel entgegenzustreben.
Ist der Mensch selbst in der Lage, eine solche Lebensordnung zu schaffen?
Das ist der Dīn, die Lebensweise oder Lebensordnung, deren der Mensch bedarf. Nun müssen wir bedenken, ob der Mensch, wenn er ohne Allahs Hilfe eine solche Lebensordnung für sich selbst entwerfen wollte, damit Erfolg haben könnte. Ich möchte nicht die Frage aufwerfen, ob es dem Menschen bisher gelungen ist, eine solche Lebensordnung aus eigener Kraft zu schaffen. Denn die Antwort auf diese Frage lautet unzweifelhaft: nein. Selbst diejenigen, die in unserer Zeit mit großspurigen Ansprüchen ihre jeweiligen Lebensordnungen vorlegen und ihretwegen gegeneinander kämpfen und in Konflikte verwickelt sind, können nicht behaupten, dass die von einem von ihnen vorgelegte Lebensordnung all jene Bedürfnisse erfüllen könne, derentwegen der Mensch als solcher eines Dīn bedarf. Denn die Lebensordnung mancher ist auf Abstammung oder Volkszugehörigkeit gegründet, die mancher auf geografische Gegebenheiten, die einer anderen Gruppe auf Klasseninteressen, während wieder andere Lebensordnungen nach den Bedürfnissen einer soeben vergangenen Epoche gestaltet sind. Ob sie sich für die Bedingungen und Probleme der kommenden Zeit als geeignet erweisen werden, lässt sich überhaupt nicht sagen, denn die historischen Erfordernisse der Epoche, die gerade zu Ende geht, sind noch nicht untersucht worden. Daher lautet meine Frage nicht, ob der Mensch eine solche Lebensordnung geschaffen hat, sondern ob er sie schaffen kann.
In Wahrheit handelt es sich um eine äußerst wichtige Frage. Daher wäre es nicht angemessen, sie nur kurz zu erörtern. Sie gehört zu den entscheidenden Fragen des menschlichen Lebens. Deshalb muss man genau verstehen, was das für eine Sache ist, deren Erschaffung hier zur Frage steht, und wie groß die Fähigkeit jenes Wesens ist, von dem gesagt wird, dass es sie erschaffen könne.
„ad-Dīn“ – was bedeutet das?
Der Dīn, dessen Unerlässlichkeit für den Menschen ich soeben dargelegt habe, ist keine ausführliche Ordnung, die für alle Zustände aller Zeitalter sämtliche großen, kleinen und noch so geringfügigen Vorschriften und Regelungen enthält und nach der der Mensch handeln müsste, solange sie besteht. Vielmehr besteht er in umfassenden, grundlegenden und ewigen Prinzipien, die den Menschen unter allen Umständen leiten, seinem Denken und seiner Sichtweise sowie seinem Streben und Fortschreiten die richtige Richtung weisen und ihn davor bewahren können, durch falsche Experimente Zeit, Kraft und Mühe zu verschwenden.
Zu diesem Zweck muss der Mensch zuallererst nicht durch Vermutungen und Annahmen, sondern durch klares und zuverlässiges Wissen erkennen, worin das Geheimnis seiner selbst und des Universums besteht und welchen Rang und welche Stellung er in diesem Universum einnimmt.
Danach muss er auch erkennen, ob dieses irdische Leben sein gesamtes Leben darstellt oder nur einen ersten Abschnitt des gesamten Lebens. Muss er seine Reise lediglich von der Geburt bis zum Tod zurücklegen, oder ist dies nur eine Etappe seiner Reise?
Danach muss für ihn notwendigerweise ein Lebensziel festgelegt werden, das nicht von den Wünschen des Menschen abhängt, sondern tatsächlich das Ziel des menschlichen Lebens ist und zu dessen Erreichung der Mensch erschaffen wurde; mit diesem Ziel müssen alle persönlichen und gemeinschaftlichen Ziele und Zwecke des Menschen sowie, insgesamt, die Ziele und Zwecke der gesamten Menschheit in vollkommener Harmonie stehen können, ohne irgendeinen Konflikt oder Zusammenstoß.
Danach benötigt er einige unverbrüchliche und umfassende Grundsätze der Moral, die mit seinen angeborenen Eigenschaften und Wesensmerkmalen übereinstimmen und sich unter allen denkbaren Umständen sowohl auf theoretischer als auch auf praktischer Ebene als wirksam und anwendbar erweisen können. Diese Grundsätze sind für ihn unbedingt erforderlich, damit er seinen Charakter bilden, auf jeder Stufe seines Lebensweges bei der Lösung der auftretenden Probleme Orientierung erhalten und verhindern kann, dass sein moralisches Ideal bei der Anpassung an wechselnde Zustände und Probleme fortwährend umgestaltet und zerbrochen wird und er als prinzipienloser Opportunist gilt.
Darüber hinaus benötigt sie einige in sich geschlossene und umfassende Grundprinzipien für die gesellschaftliche Ordnung. Diese Grundprinzipien müssen auf einem umfassenden Verständnis der Bedeutung und des Zwecks des menschlichen Zusammenlebens sowie seiner natürlichen Bedürfnisse und Ansprüche beruhen. In ihnen darf es weder extreme Mängel noch maßlose Übertreibung und Unausgewogenheit geben. Sie müssen das umfassende Wohlergehen aller Menschen gewährleisten und die Gestaltung, Neugestaltung, Verbesserung und Entfaltung aller Bereiche des menschlichen Lebens in allen Zeitaltern fördern.
Darüber hinaus benötigt sie einige in sich geschlossene und unfehlbare Vorschriften, die den persönlichen Charakter, das kollektive Verhalten sowie individuelle und gemeinschaftliche Bemühungen auf den richtigen Weg lenken und vor dem Abirren bewahren. Sie sollen auf der Lebensstraße als Wegweiser dienen, an jeder Kurve, jeder Kreuzung und an jeder gefährlichen Stelle warnen und den richtigen Weg zeigen.
Außerdem benötigt sie noch einige praktische Vorschriften, die für alle Zeiten allgemein befolgt werden müssen. Diese praktischen Vorschriften sind notwendig, um die unauflösliche Verbindung des Menschen mit den tiefen Wahrheiten über den Menschen und die Welt, die in der hier behandelten Lebensordnung, dem Ad-Din, dargelegt werden, sowie mit dem darin bestimmten Ziel und Ausgang des Lebens, den ethischen und sozialen Grundsätzen und den Verhaltensregeln aufrechtzuerhalten.
Aus dem Zusammenspiel dieser Grundprinzipien und Vorschriften entsteht jene vollständige Lebensordnung. Die Ausarbeitung dieser Lebensordnung ist Gegenstand unserer Erörterung. Nun müssen wir prüfen, ob der Mensch über die notwendigen Mittel und Möglichkeiten verfügt, eine solche vollständige Lebensordnung auszuarbeiten.
Überprüfung der menschlichen Mittel und Hilfsmittel
Für die Gestaltung seiner eigenen „Religion“ oder Lebensordnung stehen dem Menschen höchstens vier Mittel und Hilfsmittel zur Verfügung. Das erste ist der Wille, das zweite der Intellekt, das dritte Prüfung und Beobachtung und das vierte das historische Zeugnis vergangener Erfahrungen. Außer diesen vieren scheint die Suche nach einem fünften Hilfsmittel nicht möglich zu sein. Betrachten Sie nun jedes dieser vier Hilfsmittel so gründlich wie möglich und prüfen Sie, ob sie den Menschen bei der Gestaltung des hier erörterten „Ad-Din“ helfen können. Einen bedeutenden Teil meines eigenen Lebens habe ich dem Nachdenken über dieses Thema und der Untersuchung seiner theoretischen Grundlagen gewidmet. Schließlich bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass diese Hilfsmittel bei der Gestaltung jener vollständigen Lebensordnung überhaupt nicht helfen können. Wenn jedoch ein aus einer übermenschlichen Sphäre stammender Wegweiser „Ad-Din“ darlegt, können sie dabei helfen, ihn zu verstehen, zu erkennen, seine Wahrheit und Falschheit zu prüfen und dementsprechend die detaillierten Einzelvorschriften des Lebens auszuarbeiten.
Erstens: der Wille
Nehmen wir zunächst den Willen. Kann er dem Menschen als Wegweiser dienen? Der Wille ist zwar die eigentliche Antriebskraft und der Impulsgeber des menschlichen Handelns. Doch angesichts der Schwächen, die seiner Natur innewohnen, kann er den Menschen niemals den richtigen Weg im Leben weisen. Von der Wegweisung ganz zu schweigen: In den meisten Fällen führt er das Gewissen, den Verstand und das Wissen des Menschen in die Irre. Wie sehr man ihn auch durch vielfältige Schulung kultivieren und verfeinern mag – sobald ihm die Verantwortung für die endgültige Entscheidung übertragen wird, wird er in neunundneunzig von hundert Fällen unweigerlich eine falsche Entscheidung treffen. Denn die in ihm auftretenden Bedürfnisse zwingen ihn dazu, statt die richtige Entscheidung zu treffen, eine solche Entscheidung zu wählen, durch die das gewünschte Objekt schnell und leicht erreichbar wird. Das ist im Grunde die natürliche Schwäche des menschlichen Willens. Ob es sich nun um den individuellen Willen, den Klassenwillen oder den von Rousseau beschriebenen allgemeinen Willen (General Will) handelt – kurz gesagt: Keine Art menschlichen Willens ist von Natur aus dazu geeignet, bei der Gestaltung einer vollständigen Lebensordnung hilfreich zu sein. Insbesondere besitzt er keinerlei Fähigkeit und kann sie auch nicht besitzen, bei höheren Fragen – etwa bei der Bestimmung des Wesens des menschlichen Lebens, seines Ausgangs und seines Zwecks – irgendeine Hilfe zu leisten.
Zweitens: Der Intellekt
Wenden wir uns nun dem Intellekt zu. Es besteht kein Zweifel daran, dass er eine menschliche Kraft von höchster Fähigkeit und Leistungsvermögen ist, dass seine Bedeutung und sein Einfluss im menschlichen Leben außergewöhnlich sind und dass er für den Menschen eine gewaltige Antriebskraft darstellt. Doch sobald man erwägt, wem die Aufgabe übertragen werden kann, für den Menschen einen „Ad-Dīn“ zu entwerfen, erhebt sich die Frage: Auf wessen Verstand soll diese Verantwortung ruhen? Auf dem von Zaid oder von Bakr? Oder auf dem aller Menschen? Oder auf dem einer bestimmten Gruppe von Menschen? Auf dem der Menschen der Gegenwart, der Vergangenheit oder der Zukunft? Nun gut, lassen wir diese Frage beiseite. Doch die Frage, der man keineswegs ausweichen kann, lautet: Kann man nach einer Betrachtung der Grenzen und des Umfangs des menschlichen Intellekts wirklich sagen, dass man sich bei der Ausarbeitung eines vollständigen und in sich geschlossenen Lebenssystems auf ihn verlassen kann und dass es angemessen ist, ihm diese Aufgabe zu übertragen? Es ist ja bekannt, dass all seine Entscheidungen auf den von den fünf Sinnen, also den Wahrnehmungskräften, gesammelten Informationen beruhen. Sind die von ihm gesammelten Informationen falsch, werden auch die Entscheidungen des Intellekts falsch sein. Sind seine Informationen unvollständig, werden auch die Entscheidungen des Intellekts unvollständig sein. Und in einer Angelegenheit, über die die fünf Sinne überhaupt keine Informationen liefern, wird der Intellekt, sofern er sich seiner eigenen Fähigkeiten bewusst ist, überhaupt keine Entscheidung treffen. Ist er jedoch hochmütig, wird er weiterhin erfolglos Pfeile in die Dunkelheit schießen. Kann ein Intellekt, dessen Fähigkeiten derart begrenzt und eng bemessen sind, die Verantwortung übernehmen, für die Menschheit ein vollständiges Lebenssystem (Ad-Dīn) zu entwerfen? Außerdem hängt die Ausarbeitung des „Ad-Dīn“ von der Lösung bestimmter höherer und komplexer Probleme ab. Soll deren Lösung etwa auf Vorstellungen, Vermutungen und abwegigen Phantasien beruhen? Die fünf Sinne liefern über jene Vorstellungen, auf deren Grundlage die für die Ausarbeitung des „Ad-Dīn“ unerlässlichen ewigen moralischen Werte bestimmt werden, äußerst unvollständige Informationen. Wie kann man erwarten, dass der Intellekt auf der Grundlage dieser unvollständigen Informationen vollständige und reine moralische Werte bestimmt? Ebenso erhält man für keines der übrigen Elemente des „Ad-Dīn“, die ich erwähnt habe, von den fünf Sinnen genaue und vollständige Informationen, auf deren Grundlage der Intellekt ein in sich geschlossenes und allumfassendes Lebenssystem ausarbeiten könnte. Darüber hinaus haftet das Element, das man Wunsch oder Trieb nennt, dem Intellekt ständig im Nacken. Es lässt ihn keine rein logisch begründeten Entscheidungen treffen. Selbst wenn der Intellekt den geraden Weg einschlagen will, bringt der Wunsch oder Trieb ihn unweigerlich dazu, sich wenigstens ein Stück weit einem krummen Weg zuzuwenden. Selbst wenn man also annimmt, dass der menschliche Intellekt bei der Anordnung und Zusammenführung der von den fünf Sinnen gesammelten Informationen sowie bei der Gewinnung von Beweisen daraus keine Fehler machen wird, besitzt er aufgrund seiner eigenen Schwäche dennoch nicht die Fähigkeit, die erforderlich wäre, um ihm eine derart große und schwere Verantwortung zu übertragen. Lädt man ihm diese schwere Last auf, tut man ihm Unrecht – und auch demjenigen, der sie ihm auflädt.
Drittens: Die Wissenschaft
Wenden wir uns nun dem dritten Hilfsmittel zu. Es ist das durch Erfahrung, Experimente und Beobachtung gewonnene Wissen. In demselben Maß, in dem ein Student der Naturwissenschaften den Wert und die Bedeutung dieses Wissens erkennt, erkenne auch ich sie. Ich verachte es nicht im Geringsten. Doch diesem Wissen eine Reichweite zu verleihen, die es nicht besitzt, ohne seine Begrenztheit zu berücksichtigen, ist gänzlich unwissenschaftlich. Wer die wahre Theorie menschlichen Wissens kennt, kann nicht leugnen, dass die tiefen Geheimnisse metaphysischer Fragen außerhalb seiner Reichweite liegen. Die notwendigen Mittel und Instrumente, um diese Geheimnisse zu enthüllen, stehen ihm nicht zur Verfügung. Er kann sie weder unmittelbar beobachten noch auf der Grundlage der Dinge, die der Untersuchung und Beobachtung zugänglich sind, eine durch Argumente und Beweise gestützte Auffassung über sie begründen, die als „Wissenschaft“ bezeichnet werden könnte. Daher bedarf es keiner weiteren Erklärung, dass die Wissenschaft nicht bis zu den grundlegenden Problemen vordringen kann, deren Lösung man bei der Ausarbeitung des hier behandelten „Ad-Dīn“ von Anfang an kennen muss. Die Frage bleibt nun, ob man der Wissenschaft die Bestimmung moralischer Werte, die Ausarbeitung sozial-kultureller Grundsätze und die Festlegung von Grenzen zur Verhinderung des Abweichens vom rechten Weg überlassen kann. Bei der Suche nach einer Antwort auf diese Frage stellt sich zunächst die Frage, ob diese Verantwortung der Wissenschaft eines Einzelnen, einer Gruppe oder eines bestimmten Zeitalters übertragen werden kann. Doch statt darauf einzugehen, sollten wir überlegen, welche unabdingbaren Voraussetzungen erfüllt sein müssten, um auf wissenschaftliche Weise ein vollständiges Lebenssystem (Ad-Dīn) auszuarbeiten. Die erste Voraussetzung wäre, dass der Mensch die Naturgesetze kennt, denen sein irdisches Leben unterliegt. Die zweite Voraussetzung wäre, dass er sämtliche Erkenntnisse und Informationen über sein eigenes Leben vollständig beherrscht. Die dritte Voraussetzung wäre, dass man diese beiden Arten von Wissen – also alle Erkenntnisse und Informationen über das menschliche Leben und die natürliche Welt – zusammenträgt und sie anschließend von einem vollkommen reifen und weisen Geist kunstvoll geordnet werden, damit daraus fehlerfreie Argumente und Beweise gewonnen und moralische Werte, sozial-kulturelle Grundsätze sowie Grenzen zur Verhinderung des Abweichens bestimmt werden können. Diese Voraussetzungen sind bis heute nicht erfüllt, und es ist auch nicht zu erwarten, dass sie in fünftausend Jahren erfüllt sein werden. Vielleicht werden sie eines Tages erfüllt sein, bevor die Menschheit ausstirbt. Dann aber wird daraus kein Nutzen mehr entstehen.
Viertens: Die Geschichte
Betrachten wir schließlich jenes Mittel der Erkenntnis, das wir als historische Beweisaufnahme oder als das Tatenregister der Menschheit bezeichnen. Seine Bedeutung und seinen Nutzen kann ich nicht leugnen. Ich will lediglich sagen, dass auch dieses Mittel nicht ausreicht, um eine so gewaltige Aufgabe wie die Ausarbeitung des „Ad-Dīn“ zu bewältigen. Wenn die Leserschaft die Sache eingehender betrachtet, wird sie, so glaube ich, mit mir übereinstimmen. Ich stelle hier nicht die Frage, ob diese historische Beweisaufnahme aus der Vergangenheit bis zu den Menschen der Gegenwart richtig und vollständig überliefert worden ist. Und wessen Verstand könnte im Namen der gesamten Menschheit mithilfe dieser historischen Beweisaufnahme oder dieses Protokolls mit der Aufgabe betraut werden, den „Ad-Dīn“ auszuarbeiten? Der von Hegel oder Marx, der von Ernst Haeckel oder der eines anderen? Meine einzige Frage lautet: Bis zu welchem genau bestimmten Zeitpunkt der Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft kann die historische Beweisaufnahme ausreichendes Material für die Ausarbeitung eines „Ad-Dīn“ liefern? Glücklich sind diejenigen, die nach jenem Zeitpunkt geboren werden. Und was ist mit denen, die die Welt schon vorher verlassen müssen? Allah, der Erhabene, allein ist ihr Beschützer.
Ernüchterndes Ergebnis
Ich glaube, dass ich in der kurzen Erörterung, die ich vorgetragen habe, weder bei der wissenschaftlichen Analyse noch bei der Darlegung der Argumentation einen Fehler gemacht habe. Wenn die von mir vorgenommene Untersuchung der menschlichen Mittel und Möglichkeiten zutreffend ist, kann ich mit fester Überzeugung und ohne irgendwelche Hindernisse zu beachten sagen, dass der Mensch für sich vielleicht ein unreifes, fehlerhaftes, vergängliches und regional geprägtes Lebenssystem entwickeln kann. Ein vollständiges und die Zeiten überdauerndes Lebenssystem (Ad-dīn) zu schaffen, ist ihm jedoch keineswegs möglich. Das war in der Vergangenheit unmöglich, ist es auch heute und wird auch in der absehbaren Zukunft keinerlei Aussicht auf Verwirklichung haben.
Wenn es nach Ansicht der Atheisten keinen „Gott“ gibt, der die Menschen führt, dann sollte der Mensch unter diesen Umständen Selbstmord begehen. Ein Wanderer, der keinen Führer hat und auch keine andere Möglichkeit besitzt, den Weg zu finden, kann außer äußerster Verzweiflung nichts erlangen. Einem solchen Menschen kann ein mitfühlender Mitmensch nichts anderes raten, als dass er seinen Kopf mit aller Kraft gegen einen Stein am Wegesrand schlägt und damit all seine Probleme beendet. Wenn es aber einen „Gott“ gibt, dieser Gott jedoch kein führender Gott ist – wie es eine Gruppe von Philosophen und Wissenschaftlern zu beweisen versucht, dass ein Gott dieser besonderen Art existiert –, dann wird die Sache noch beklagenswerter. Der Gott, der allen Dingen und Lebewesen im Weltall alles Notwendige zu ihrem Fortbestehen sowie zu ihrer Entwicklung und ihrem Wachstum gegeben, ihnen aber das für den Menschen Wichtigste, nämlich die Regeln und die Methode seiner Lebensführung, nicht gegeben hat, macht das Leben in der von ihm geschaffenen Welt zu einer tödlichen Gefahr. Wahrlich, eine größere Gefahr ist nicht vorstellbar. Denn ohne dieses Lebenssystem wird das Leben der gesamten Menschheit sinnlos. Unter diesen Umständen muss man über die Armen, Waisen, Kranken, Leidenden, Verwundeten und Unterdrückten klagen. Immer wieder unternimmt der Mensch vergebliche Versuche mit einer falschen Lebensanschauung. Während er voranschreitet, stolpert er, fällt hin, steht dann wieder auf und setzt seinen Weg fort, nur um erneut zu stolpern. Und jedes Mal, wenn er stolpert, werden Land um Land und Volk um Volk zu Ruinen. Er ist so orientierungslos, dass er nicht einmal den Zweck seines eigenen Lebens kennt. Wofür er arbeiten und sich bemühen soll und nach welchen Regeln und Methoden er dies tun soll, weiß er ebenfalls nicht. Der Gott, der ihn erschaffen und ihm gestattet hat, auf der Erde zu leben, scheint all dieses Elend schweigend mitanzusehen. Als würde er sich nur mit dem Gedanken an die Erschaffung befassen und sich überhaupt nicht darum kümmern, die Regeln für das Leben und Handeln auf der Erde mitzuteilen.
Das einzige Hoffnungslicht
Der Koran stellt uns ein völlig anderes Bild vor Augen, das genau das Gegenteil dieses Zustands darstellt. Der Koran sagt: Allah ist nicht nur der Schöpfer, sondern auch der Führer. Er hat jedem Ding, das im Universum existiert, entsprechend seiner natürlichen Beschaffenheit alle erforderliche Rechtleitung gegeben.
(Arabisch************************************(auf PDF-Seite 330)
„Derjenige, der jedem Ding seine körperliche Gestalt gegeben und es danach rechtgeleitet hat.“ – (Sure Tā-Hā: 50)
Um den Beweis dafür zu sehen, kann man irgendeine Ameise, Fliege oder Spinne fangen und betrachten. Derselbe Gott, der diesen unbedeutenden Geschöpfen den Weg zu ihrer Lebensführung gezeigt hat, hat auch dem Menschen den Weg gezeigt. Daher besteht der einzig richtige und reine Weg des Handelns für den Menschen darin, jede Art von Hochmut abzulegen, sich vor Ihm zu verbeugen und der Rechtleitung zu folgen, die Er durch die Propheten in Form eines allumfassenden und vollständigen Lebenssystems oder des „Ad-dīn“ gesandt hat.
Nun zeigt sich, dass vor uns zwei Wege offenliegen. Nach einer Prüfung der menschlichen Kräfte, Fähigkeiten, Mittel und Möglichkeiten wurde ein Weg gefunden. Durch die Verkündigung des Korans ist ein weiterer Weg hervorgetreten. Uns bleibt nichts anderes übrig, als einen dieser beiden Wege anzunehmen. Entweder müssen wir die Verkündigung des Korans annehmen, oder wir müssen uns selbst in jene furchtbare Finsternis der Verzweiflung stoßen, in der kein Lichtstrahl der Hoffnung zu finden ist. Tatsächlich stehen wir nicht vor einer Lage, in der es zwei Mittel zur Gestaltung einer Lebensordnung gibt und es genügt, eines davon auszuwählen. Vielmehr stehen wir vor folgender Lage: Es gibt nur einen einzigen Weg, eine Lebensordnung zu erlangen. Wir müssen entscheiden, ob wir diesen einzigen Weg annehmen oder ob wir es vorziehen, statt aus seiner Hilfe Nutzen zu ziehen, in der Finsternis orientierungslos umherzuirren.
Die Argumentation des Korans
Aus der Argumentation, die ich bis hierher vorgetragen habe, können wir lediglich zu dem Schluss gelangen, dass es zum Wohl der Menschheit keinen anderen Ausweg gibt, als die Forderung des Korans anzunehmen. Mit anderen Worten: Es gibt keine Möglichkeit, ein Ungläubiger zu bleiben; zwangsläufig musst du Muslim werden. Doch der Koran führt zur Unterstützung seiner Forderung noch weitaus überzeugendere und vorzüglichere Argumente und Beweise an. Er fordert den Menschen nicht auf, aus Zwangslage Muslim zu werden, sondern spornt ihn an, frohen Herzens und aus freiem Willen Muslim zu werden. Dafür hat er zahlreiche Argumente und Beweise. Vier davon sind die stärksten. Diese vier führt er immer wieder an.
Erstens: Für den Menschen ist der Islam die einzig richtige Lebensordnung. Denn nur er steht mit der tatsächlichen Wahrheit im Einklang. Alle anderen Vorstellungen und Überzeugungen widersprechen der Wahrheit und sind unrealistisch.
(Arabisch************************************auf PDF-Seite 331)
„Wollen sie etwa einen anderen Dīn als den Dīn Allahs? Dabei unterwirft sich alles, was in den Himmeln und auf der Erde ist, freiwillig oder unfreiwillig allein Ihm, und zu Ihm werden sie alle zurückkehren.“
Zweitens: Für den Menschen ist dies die einzig reine und fehlerlose Lebensordnung. Denn sie allein ist die Wahrheit. Auch nach dem Maßstab der Gerechtigkeit und der moralischen Grundsätze kann außer ihr keine andere Ordnung rein sein. Allah sagt:
(Arabisch************************************auf PDF-Seite 331)
„In Wahrheit ist euer Herr Allah, Der die Himmel und die Erde in sechs Tagen (oder sechs Zeitaltern) erschaffen hat. Danach nahm Er auf dem Thron Platz. Er umhüllt den Tag mit dem Gewand der Nacht. Dann jagt der Tag der Nacht mit großer Geschwindigkeit hinterher. Sonne, Mond und Sterne sind allesamt Seinem Befehl unterworfen. Wisst: Er allein hat die Schöpfung erschaffen, und die Herrschaft und Gesetzgebung gehören allein Ihm. Wahrlich, Allah, der Herr der Welten, ist voller Segen.“ – (Sure al-Aʿrāf: 54)
Drittens: Da allein Allah über vollständige und genaue Kenntnis aller Wahrheiten und Informationen verfügt und daher auch allein in der Lage ist, eine fehlerlose Rechtleitung zu geben, ist diese von Ihm erlassene Ordnung für den Menschen die wahrhaftige und fehlerlose.
(Arabisch************************************auf Seite 332 der PDF)
„Wahrlich, Allah bleibt nichts verborgen – weder auf der Erde noch im Himmel.“ – (Sure Āl ʿImrān: 5)
(Arabisch************************************auf Seite 332 der PDF)
„Er kennt alles, was den Menschen verborgen und offenbar ist. Von dem Wissen, über das Er verfügt, können sie nur so viel erfahren, wie Er ihnen selbst mitteilen will; darüber hinaus können sie nichts wissen.“ – (Sure al-Baqara: 255)
(Arabisch************************************auf Seite 332 der PDF)
„O Prophet! Verkünde, dass allein Allahs Rechtleitung die wahrhaftige und richtige Rechtleitung ist.“ – (Sure al-Anʿām: 71)
Viertens: Dies ist für die Menschen der einzige wahre Weg. Denn nur so ist Gerechtigkeit möglich. Auf jedem anderen Weg, den der Mensch einschlägt, wird er letztlich in Richtung Unterdrückung und Ungerechtigkeit gezogen.
(Arabisch************************************auf PDF-Seite 332)
„Wer die von Allah festgelegten Grenzen überschreitet, fügt sich gewiss selbst Unrecht zu.“ – (Sure At-Talaq: 1)
(Arabisch************************************auf PDF-Seite 332)
„Diejenigen, die nicht nach der von Allah herabgesandten Offenbarung richten, sind die Ungerechten.“ – (Sure Al-Ma’ida: 45)
Im Lichte dieser Beweise und Argumente des Korans ist es für jeden gewissenhaften Menschen eine unabdingbare Pflicht, sich Allah zu unterwerfen und die Ordnung seines Lebens von Ihm anzunehmen.
Maßstäbe zur Überprüfung der göttlichen Gesetzgebung
Bevor ich nun weiter fortfahre, halte ich es für notwendig, eine Frage zu beantworten. Auf dieser Stufe der Erörterung kommt diese Frage jedem in den Sinn. Als ich über dieses Thema nachdachte, kam sie auch mir in den Sinn. Die Frage lautet: Wie können wir feststellen, welche Gesetzgebung von Allah stammt und welche von Menschen geschaffen wurde? Nur weil jemand eine Gesetzgebung als Allahs Gesetzgebung vorlegt, kann man sie schließlich nicht einfach annehmen. Zur Beantwortung dieser Frage wäre eine sehr ausführliche Erörterung erforderlich. Ich werde jedoch versuchen, sie kurz zu beantworten. Tatsächlich gibt es vier wesentliche Maßstäbe, anhand derer sich der Unterschied zwischen menschlichem und göttlichem Denken feststellen lässt. Ich werde sie nacheinander darlegen.
Ein wichtiges Merkmal des menschlichen Denkens besteht darin, dass der Einfluss von Irrtum und Begrenztheit des Wissens darin unvermeidlich vorhanden ist. Im göttlichen Denken ist dies jedoch unmöglich. Dort ist das deutliche Zeichen eines unendlichen und unfehlbaren Wissens erkennbar. Allahs Gesetz kann niemals etwas enthalten, das einer wissenschaftlichen Wahrheit widerspricht, die in einer bestimmten Epoche als erwiesen gilt. Ebenso kann es nichts enthalten, wodurch nachgewiesen werden könnte, dass irgendein Aspekt der Wahrheit dem Gesetzgeber verborgen geblieben ist. Bei der Anwendung dieses Maßstabs darf jedoch nicht vergessen werden, dass Wissen, wissenschaftliche Vorstellungen und wissenschaftliche Theorien nicht ein und dasselbe sind. Zu einer bestimmten Zeit üben einige wissenschaftliche Theorien und Vorstellungen Einfluss auf den menschlichen Geist aus, und die Menschen halten sie irrtümlicherweise für „Wissen“. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie falsch sind, ebenso groß wie die Wahrscheinlichkeit, dass sie richtig sind. In der Geschichte von Wissen und Wissenschaft finden sich nur sehr wenige solche Vorstellungen und Theorien, die sich letztlich als wahrhaftiges „Wissen“ erwiesen haben.
Eine weitere große Schwäche des menschlichen Denkens ist die Enge seiner Sichtweise. Im göttlichen Denken dagegen zeigt sich ein Höchstmaß an Weite und umfassender Größe der Perspektive. Wenn man eine Aussage betrachtet, die dem göttlichen Denken entspringt, scheint es, als könne ihr Urheber alles vom Anfang bis zum Ende mit eigenen Augen sehen. Es scheint, als sehe er das gesamte Weltall und all seine tiefsten Wahrheiten gleichzeitig mit einem einzigen Blick. Im Vergleich dazu erscheinen selbst die Ansichten und Gedankengänge der hochrangigsten Philosophen und Denker geradezu kindlich.
Ein weiteres wichtiges Merkmal des menschlichen Denkens besteht darin, dass sich darin irgendwo ein Versteckspiel und ein Zusammenwirken von Emotionen, Begeisterung und den Wünschen und Begierden der Triebe mit Vernunft, Verstand und tiefer Einsicht erkennen lässt. Die göttliche Ordnung dagegen erstrahlt in der Herrlichkeit unverfälschter Vernunft und lauteren Wissens. Dieses Merkmal ist so leuchtend und deutlich, dass in ihren Bestimmungen nirgends auch nur die geringste Spur von Sentimentalität oder Neigungsgebundenheit zu erkennen ist.
Eine weitere Schwäche des menschlichen Denkens besteht darin, dass das von ihm entworfene Lebenssystem unvermeidlich Elemente der Parteilichkeit, der irrationalen Ungleichbehandlung von Menschen und der auf irrationaler Grundlage gewährten Bevorzugung des einen gegenüber dem anderen enthält. Denn jeder Mensch hat persönliche Absichten und Vorlieben; außerdem ist er mit einer bestimmten Gruppe verbunden und mit einer anderen nicht. Das göttliche Denken dagegen ist von solchen Elementen vollständig frei.
Jedes System, das sich als göttliches Lebenssystem bezeichnet, kann anhand dieses Maßstabs geprüft werden. Wenn es sich als frei von jenen Schwächen und Mängeln des menschlichen Denkens und Wissens erweist und so umfassend und in sich vollkommen ist, wie es ein vollständiges Lebenssystem unbedingt sein muss, dann kann man ohne Bedenken und ohne jeden Zweifel an dieses Lebenssystem glauben. Dafür gibt es keinerlei Anlass zu Einwänden oder Ausflüchten.
Die Forderung des Glaubens
Nun werde ich die letzte der grundlegenden Fragen erörtern. Diese Frage lautet: Was muss der Mensch tun, wenn er den Anspruch des Korans anerkennt, ein Lebenssystem als göttliches Lebenssystem mit Gewissheit erkennt und daran glaubt?
Ich sage gleich zu Beginn, dass die Bedeutung des Islam in der Unterwerfung besteht; Willkür sowie uneingeschränkte Freiheit des Denkens und Handelns können nicht neben Gehorsam und Ergebung bestehen. Wem auch immer man als Lebenssystem Glauben schenkt, dem muss man sein gesamtes Leben anvertrauen. Nichts, was sich in seiner Verfügungsgewalt befindet, darf außerhalb seines Gehorsams bleiben. Über alles – über Herz und Verstand, Augen und Ohren, Hände und Füße, Magen und Körper, Zunge und Feder, Zeit und Arbeit, Bemühungen und Vorkehrungen, Handlungen und Tätigkeiten, Hass und Liebe, Feindschaft und Freundschaft – muss man ausnahmslos seine uneingeschränkte Autorität und Herrschaft anerkennen. Kein Teil und kein Bereich der eigenen Persönlichkeit darf außerhalb seines Geltungsbereichs bleiben. In genau dem Maß und Verhältnis, in dem man etwas, das sich in seiner Verfügungsgewalt befindet, außerhalb des Gehorsams gegenüber diesem Lebenssystem und seines Geltungsbereichs lässt oder irgendeinen seiner Aspekte beziehungsweise Bereiche ausnimmt, wird der Anspruch des Glaubens als falsch erwiesen. Wer in seinem Glauben oder seiner Überzeugung wahrhaftig und aufrichtig bleiben möchte, ist unbedingt verpflichtet, nach Kräften darum zu bemühen, sein Leben von Unwahrheit zu reinigen.
Ich möchte in diesem Zusammenhang noch einmal auf einen weiteren Punkt hinweisen. Man muss sich stets vor Augen halten, dass das menschliche Leben eine einheitliche und unteilbare Wirklichkeit ist. Deshalb ist für das gesamte menschliche Leben eine einzige Lebensordnung erforderlich. Gleichzeitig mehreren Lebensordnungen zu folgen, ist lediglich ein Zeichen für einen schwankenden Glauben sowie für Unentschlossenheit und Unreife in den Entscheidungen. Wenn jemand eine Religion oder Lebensordnung annimmt und sie als seine eigene Religion oder Lebensordnung anerkennt, muss er sie unbedingt als die maßgebliche Religion für alle Bereiche und Teile seines Lebens anerkennen: als Religion seines persönlichen Lebens, als Religion seiner Bildung und seiner Bildungseinrichtungen, als Religion seines beruflichen Wirkens, als Religion seines politischen und gesellschaftlichen Lebens, als Religion seiner Bildung und seiner Bildungseinrichtungen, als Religion seiner Geschäfte und seines Broterwerbs, als Religion seines zwischenmenschlichen Umgangs, seines Verhaltens und seines nationalen Wirkens, als Religion seines politischen und gesellschaftlichen Lebens und als Religion von Literatur und Kultur. Dafür gibt es keinerlei Grund für eine Ausnahme. Es ist unmöglich, dass jede einzelne Perle, solange sie für sich allein bleibt, eine Perle ist, aber sobald man daraus eine Kette fädelt, sich alle Perlen plötzlich in Bohnen- und Linsenkörner verwandeln. Ebenso ist es unmöglich, dass ein Mensch persönlich ein vollkommener Anhänger einer bestimmten Religion oder Lebensordnung ist, aber sobald viele Menschen sich zusammenschließen, manche Bereiche ihres gemeinsamen Lebens von der Befolgung dieser Religion oder Lebensordnung ausgenommen werden. Außerdem besteht für einen Menschen, der eine Religion als die einzige vollkommene Lebensordnung annimmt und an sie glaubt, die größte Forderung seines Glaubens darin, der gesamten Menschheit die Möglichkeit zu geben, durch den Segen dieser erhabenen Religion beglückt zu werden, und sich dafür einzusetzen, dass eben diese vollkommene Lebensordnung zur maßgebenden und wirksamen Lebensordnung auf der ganzen Welt wird. So wie es zum Wesen der Wahrheit gehört, siegreich fortzubestehen, so verlangt es auch die natürliche Konsequenz, sich auf die Wahrheit zu stützen, mit aller Kraft dafür zu wirken, dass die Wahrheit über das Falsche siegt. Kein wahrheitsliebender Mensch kann Ruhe finden, ohne diese Verantwortung zu erfüllen. Wer sieht, dass die Mächte des Falschen auf der ganzen Welt mit übermächtiger Gewalt und gewaltiger Stärke fest Fuß gefasst haben, und dennoch beim Anblick dessen nicht im Geringsten empört oder beunruhigt ist, dessen etwaige Zuneigung oder Anziehung zur Wahrheit befindet sich in einem verborgenen und schlafenden Zustand. Er sollte sich davor hüten, dass dieser Schlaf nicht zu einem verderbenbringenden Schlaf und diese Stille nicht zu einer Totenstille wird.
Der Konflikt zwischen Islam und Dschāhilīya
-[Alle Lebensanschauungen, die der wahren Religion des Islam entgegenstehen oder entgegengestanden haben, werden im vergleichenden Sinne als „Dschāhilīya“ bezeichnet. Die Grundlage des Islam ist „wahres Wissen“, das heißt die göttliche Offenbarung; die Grundlage der dschāhilitischen Ideologien sind Vermutungen und Spekulationen, auf Vorstellungen beruhende metaphysische Anschauungen oder bloß Unwissenheit und unvernünftiges spirituelles Denken (der Verfasser).]
Welche Lebensordnung auch immer für das Leben der Menschen auf der Welt entworfen wird, zwangsläufig wird sie ihren Ursprung in irgendeiner metaphysischen Philosophie haben. Um einen vernünftigen Plan für das Leben zu entwerfen, ist es zunächst unerlässlich, eine klare und bestimmte Vorstellung vom Menschen und von diesem Universum, dem Lebensraum des Menschen, zu gewinnen. Andernfalls ist die Ausarbeitung eines solchen Plans nicht möglich. Um Antworten auf die Fragen zu erhalten, wie das Auftreten und Verhalten des Menschen beschaffen sein sollten und wie er auf der Welt handeln sollte, muss man zuerst wissen, was der Mensch eigentlich ist, welchen Rang und welche Stellung dieses Universum besitzt und welcher Art seine Ordnung ist, mit der das menschliche Leben in Einklang stehen muss. Je nachdem, welche Lösung für diese letztgenannten Fragen gefunden wird, wird sich eine ethische Weltanschauung herausbilden; und je nach der Art dieser ethischen Weltanschauung werden die verschiedenen Bereiche und Teile des menschlichen Lebens gestaltet. Danach werden nach diesem bestimmten Muster die ausführlichen Regeln und Bestimmungen für den persönlichen Charakter sowie für gemeinschaftliche Beziehungen, Geschäfte und Verhaltensweisen ausgearbeitet. Auf diese Weise wird schließlich der gesamte Bau von Gesellschaft und Zivilisation auf eben dieser Grundlage errichtet.
Tatsächlich musste allen Religionen und Ideologien, die bis heute für die Menschheit auf der Welt entstanden sind, an ihrer Grundlage eine eigene grundlegende Philosophie und eine grundlegende ethische Sichtweise zugrunde gelegt werden. Daher sind es diese grundlegende Philosophie und ethische Sichtweise, die eine Ideologie von einer anderen unterscheiden – von den Grundprinzipien bis hin zu den kleinsten Regeln und Einzelbestimmungen. Denn sie bestimmen die Wesensart und den Charakter jeder Lebensweise. Wenn man die Lebensweise als einen Körper betrachtet, dann ist sie dessen Lebensgeist.
Vier Auffassungen vom Leben
Wenn man eine Lebensweise ohne ihre Einzelheiten und Verästelungen zu berücksichtigen und nur hinsichtlich ihrer grundlegenden Struktur prüft, wird man feststellen, dass in Bezug auf den Menschen und die natürliche Welt insgesamt vier metaphysische Auffassungen angenommen werden können. Alle Lebensphilosophien der Welt haben eine dieser vier Auffassungen übernommen. Die erste dieser vier Auffassungen können wir als reine Dschāhilīya bezeichnen.
Reine Dschāhilīya
Der Kerngedanke dieser Lehre ist, dass die Ordnung des gesamten Universums die tatsächliche Manifestation eines zufälligen Unfalls ist. Dahinter stehen weder Weisheit noch eine verborgene Wahrheit noch irgendein Zweck. Es ist von selbst entstanden, läuft spontan ab und wird eines Tages, wiederum ohne irgendein Ergebnis oder jede Konsequenz, von selbst verschwinden. Es gibt keinen Gott. Und selbst wenn es einen gäbe, hätte er keinerlei Beziehung zum menschlichen Leben. Der Mensch ist eine Art Lebewesen und ist vielleicht ebenso wie die anderen Lebewesen zufällig entstanden. Wir brauchen uns nicht den Kopf darüber zu zerbrechen, wer ihn erschaffen hat, zu welchem Zweck er erschaffen wurde und dergleichen. Wir wissen nur so viel, dass der Mensch auf der Welt existiert. Er hat gewisse Hoffnungen und Wünsche, zu deren Erfüllung seine Natur ihn von innen heraus stark drängt. Ihm stehen auch gewisse Kräfte und Werkzeuge zur Verfügung, die zur Erfüllung dieser Hoffnungen und Wünsche eingesetzt werden können. Er sieht eine Reihe von Hilfsmitteln, die um ihn herum verstreut sind. Indem er seine Kräfte und Werkzeuge auf diese anwendet, kann er seine Hoffnungen und Wünsche erfüllen. Folglich besteht der einzige Zweck seines Lebens darin, die Forderungen seiner niederen Triebe zu erfüllen. Außer darin, zur Befriedigung dieser Bedürfnisse die bestmöglichen Mittel und Hilfsmittel zu sammeln, besitzt seine menschliche Kraft und Fähigkeit keinerlei weitere Funktion. Über dem Menschen gibt es keine Quelle oder keinen Ursprung von Wissen und von Anleitung zum Beschreiten des wahren und richtigen Weges, von dem er seine Lebensordnung beziehen könnte. Daher sollte er aus seiner Umwelt, seinen Umständen und den darin vorhandenen Zeichen sowie aus seinen eigenen historischen Erfahrungen selbst eine Lebensordnung entwickeln. Da es keine solche natürliche … ist er selbstverständlich ein verantwortungsloses Wesen. Falls er überhaupt zur Rechenschaft gezogen werden muss, dann entweder vor sich selbst oder vor einer Autorität, die aus den Menschen hervorgeht und über die Menschen Herrschaft erlangt.
Welche Folgen auch immer die Handlungen haben, sie bleiben auf dieses irdische Leben beschränkt. Außerhalb des irdischen Lebens gibt es kein anderes Leben. Daher wird allein anhand der in dieser Welt sichtbar werdenden Folgen einer Handlung bestimmt, ob etwas falsch oder richtig, schädlich oder nützlich, anzunehmen oder abzulehnen ist.
Wenn der Mensch völlig in der Dschāhilīya versunken ist, das heißt, wenn er keine Wahrheit erreichen kann, die über die sinnlich wahrnehmbaren Dinge hinausgeht, oder sie wegen seiner Versklavung durch seine Triebe nicht erreichen will, dann beherrscht diese Lehre seinen Geist und sein Denken. Die Verehrer dieser Welt haben in allen Zeitaltern eben diese Lehre angenommen. Mit wenigen Ausnahmen haben Könige, Monarchen, Emire und Würdenträger, Herrscher, Höflinge, Wohlhabende und diejenigen, die ihr Leben dem Streben nach Reichtum widmeten, im Allgemeinen dieser Lehre den Vorrang gegeben. Und bei allen Völkern, deren Zivilisation und Kultur in der Geschichte besungen werden, war diese Lehre im Kern ihrer Kultur wirksam. Auch dem Kern der modernen westlichen Zivilisation liegt diese Lehre zugrunde. Zwar sind nicht alle Westler ungläubig gegenüber Gott und dem Jenseits, und aus intellektueller Sicht sind sie auch nicht alle Anhänger einer materialistischen Ethik. Doch die Lebenskraft, die im Körper ihrer gesamten Zivilisation und Kultur wirkt, ist eben die Lebenskraft dieses Unglaubens an Gott und das Jenseits sowie der materialistischen Ethik. Sie hat sich in ihrem Leben so tief verwurzelt, dass selbst diejenigen, die aus Vernunft und Überlegung die Existenz Gottes und des Jenseits anerkennen und auf dem Gebiet der Moral eine nichtmaterialistische Sichtweise vertreten, im tatsächlichen Leben unbewusst nichts anderes als Atheisten und Materialisten sind; denn die Lehre, der sie auf der Ebene des Denkens folgen, hat keinen Bezug zu ihrem praktischen Leben. Ebenso war es um ihre früheren wohlhabenden und gottvergessenen Menschen bestellt. Die wohlhabenden Menschen von Bagdad, Damaskus, Delhi und Granada leugneten Gott und das Jenseits nicht, weil sie Muslime waren; doch ihr gesamtes Lebensprogramm war so gestaltet, als gäbe es Gott und das Jenseits überhaupt nicht und als stelle sich weder die Frage, vor jemandem Rechenschaft ablegen zu müssen, noch die Frage, von jemandem Rechtleitung anzunehmen. Es gab nur ihre Begierden, Wünsche und Hoffnungen. Um diese Hoffnungen und Wünsche zu erfüllen, waren sie völlig frei, alle möglichen Mittel, Hilfsmittel und Wege einzusetzen. Ihre Grundhaltung war: Da es nach diesem Leben kein weiteres Leben gibt, muss die Zeit, die einem zum Leben gegeben ist, durch Genuss und Luxus bestmöglich genutzt werden.
Oben wurde gesagt, dass es zum Wesen dieser Lehre gehört, dass auf ihrer Grundlage ein durch und durch materialistisches ethisches System entsteht. Ob dieses ethische System in Büchern niedergeschrieben oder nur im Geist und Bewusstsein zusammengetragen ist, spielt keine Rolle. Danach entwickeln sich aus dieser materialistischen Gesinnung Wissen und Wissenschaft, Denkweisen, Literatur und Kultur. Allmählich wird das gesamte Bildungs- und Erziehungssystem vom Antrieb des Atheismus und Materialismus beseelt. Dann wird auch der Charakter des Einzelnen nach demselben ideologischen Muster geformt. Die Grundsätze für die Beziehungen und den Umgang der Menschen untereinander werden nach derselben Methode und demselben Muster geschaffen. Auch die Ausarbeitung und Vervollkommnung der Gesetze und Vorschriften erfolgt auf dieselbe Weise. Dann gelangen gerade jene an die Führung einer solchen Gesellschaft, die die größten Betrüger, Veruntreuer, Lügner, Täuscher, Grausamen und Niederträchtigen sind. Die Führung und Herrschaft über die gesamte Gesellschaft sowie die Verantwortung für die Staatsführung gehen in ihre Hände über. Danach führen sie in hemmungsloser Weise, wie ungezügelte Kamele, einen grausamen Feldzug der Ausbeutung und Unterdrückung gegen die Menschheit. Sie haben weder Angst vor irgendeiner Abrechnung noch davor, von irgendeiner Seite zur Rechenschaft gezogen zu werden. Ihre gesamte praktische Politik und ihre Methoden beruhen auf den politischen Grundsätzen Machiavellis. In ihren Gesetzbüchern ist Macht ein anderes Wort für Wahrheit und Schwäche ein anderes Wort für Lüge. Außer materiellen Hindernissen kann sie nichts davon abhalten, Unrecht und Unterdrückung zu verüben. Innerhalb des Staates nimmt diese Unterdrückung und Zermürbung eine solche Form an, dass die Starken die schwachen Schichten ihres eigenen Volkes niederhalten. Auf internationaler Ebene aber sind Nationalismus, Imperialismus und Expansionismus – [Der Verfasser sagte bei der Analyse eines weiteren Aspekts der dschāhilītischen Lehre: Als der Prophet Schuʿaib (Friede sei mit ihm) seine Volksgenossen dazu aufrief, dem einen Gott zu dienen, und sie aufforderte, von Korruption in geschäftlichen Transaktionen Abstand zu nehmen, antworteten sie:]
(Arabisch************************************(auf PDF-Seite 338)
„O Schuʿaib, lehrt dich dein Gebet, dass wir jene Götter verlassen sollen, die unsere Vorväter verehrten und anbeteten? Und dass wir nicht mehr nach unserem eigenen Willen über unser Vermögen verfügen dürfen?“ – (Sure Hūd 87)
Dies ist die vollständige Darstellung der dschahilischen Ideologie im Gegensatz zum Islam. Der Islam lehrt, dass alle anderen Auffassungen und Wege außer der Dienstbarkeit gegenüber Allah falsch und nicht befolgenswert sind. Denn für keine andere Auffassung und keinen anderen Weg gibt es im himmlischen Buch irgendeinen Beleg oder Beweis. Die Dienstbarkeit gegenüber Allah darf jedoch nicht auf den religiösen Bereich beschränkt bleiben; vielmehr muss sie alle Seiten und Bereiche des Lebens umfassen, nämlich Gesellschaft und Zivilisation, Wirtschaft und Politik. Denn alle Macht und alle Mittel, über die der Mensch verfügt, gehören im Grunde Allah, und der Mensch hat nicht das Recht, irgendetwas nach eigenem Willen entgegen Allahs Willen zu gebrauchen. Die dschahilische Ideologie hingegen besagt, dass man den Bräuchen und Sitten folgen müsse, die seit den Tagen der Vorväter überliefert sind. Dass es die Sitte der Vorväter ist, genügt bereits als Begründung und Beweis für ihre Befolgung. Weitere Argumente und Beweise sind dafür nicht nötig. Religion habe nur mit Verehrung und Anbetung zu tun. In den weltlichen Angelegenheiten unseres Lebens sollten wir vollständige Freiheit besitzen, damit wir sie nach unserem eigenen Willen regeln können. Daraus lässt sich auch erkennen, dass die Vorstellung, das Leben in einen religiösen und einen weltlichen Teil zu trennen, nichts Neues ist. Schon vor drei- oder viertausend Jahren betonte das Volk des Propheten Shuʿaib (a. s.) diese Trennung ebenso nachdrücklich, wie dies heute die westlichen Völker und ihre blinden Nachahmer tun. In Wirklichkeit handelt es sich dabei nicht um einen neuen „Lichtstrahl“, den der Mensch infolge der fortschreitenden Entwicklung seines Denkens und seiner Vorstellungen gewonnen hätte. Vielmehr ist es jene uralte, abergläubische Denkweise, die schon vor Tausenden von Jahren in genau dieser Form innerhalb der Dschahilīya vorhanden war. Auch der Konflikt zwischen ihr und dem Islam ist nicht neu, sondern sehr alt. (Die Herausgeber) und tritt in Gestalt der Vernichtung von Völkern zutage.
Zweitens: die mit Schirk vermischte Dschahilīya
Die zweite übernatürliche Ideologie gründet sich auf dem Grundprinzip des Schirk. Die Ordnung der Welt und der Natur ist weder das Ergebnis eines zufälligen Ereignisses, noch bedeutet dies, dass hinter ihr kein Gott steht. Ihr Gott oder Herr (Master) ist jedoch nicht einer, sondern sind viele. Für diese Vorstellung gibt es keinerlei wissenschaftliche Belege oder Beweise; vielmehr beruht sie ausschließlich auf Vermutungen und Mutmaßungen. Deshalb konnten und können sich die Muschrik niemals darauf einigen, all das als Gott anzunehmen, was man sich vorstellen, wahrnehmen oder mit dem Verstand erfassen kann. Alles, worauf die Hände der in der tiefsten Finsternis der Unwissenheit umherirrenden Menschen fielen, machten sie zu einem Gott. Auf diese Weise nahm die Zahl der angebeteten Wesen zu oder ab. Engel, Dschinn, Geister, Planeten und Sterne sowie lebende und tote Menschen wurden als Gottheiten angenommen. Selbst abstrakte Dinge wie Liebe, Schönheit, sexuelles Verlangen, schöpferische Kraft, Krankheiten, Krieg, Glück und Macht wurden zu angebeteten Wesen gemacht. Sogar Löwenmenschen, Fischmenschen, Vogelmenschen, Vierköpfige und Menschen mit tausend Armen und Elefantenköpfen sowie ähnliche groteske Gestalten wurden in die Reihe der angebeteten Wesen der wunderlichen Muschrik aufgenommen.
Um diesen Weg herum entstand danach eine wunderbare zauberhafte Welt der Phantasie und Mythologie. Die fruchtbare Vorstellungskraft und die vielfältige Kunstfertigkeit jedes unwissenden Volkes brachte derart amüsante Beispiele hervor, dass man beim Anblick staunen muss. Bei den Völkern, unter denen eine klare Vorstellung vom höchsten Gott, nämlich Allah, anzutreffen ist, sieht die Ordnung der Gottheit ungefähr so aus: Allah ist der König, die anderen Götter sind seine Wesire, Minister, Höflinge, Vertrauten und verschiedenen Beauftragten. Da die Menschen den König jedoch nicht unmittelbar erreichen können, bleiben sämtliche Angelegenheiten mit den untergeordneten Göttern verbunden. Bei den Völkern hingegen, deren Vorstellung von Allah sehr unklar ist oder die, genau genommen, überhaupt keine Vorstellung von Ihm haben, ist die gesamte göttliche Herrschaft auf verschiedene Götter verteilt.
Nach der reinen Dschahilīya ist dies die „zweite Art der Dschahilīya“, in der die Menschen seit jeher bis heute versunken sind. Immer wieder sind sie auf die niedrigste Stufe des geistigen Zustands herabgesunken. Zwar verschwand unter dem Einfluss der Lehren der Propheten Allahs aus den Herzen derjenigen, die an den einen allmächtigen Allah glaubten, die Existenz anderer Götter; doch Propheten, Märtyrer, Pīre, Heilige, Ghauth, Qutb, Abdal und Personen mit dem Ehrentitel Zillullāh fanden auf irgendeine Weise Eingang in ihre Glaubensvorstellungen. Unwissende Menschen nahmen gerade jene als Götter der Muschrik an, deren gesamtes Leben dem Ziel gewidmet gewesen war, die Vergöttlichung des Menschen durch den Menschen zu beenden und allein Allahs Herrschaft und Oberhoheit zu errichten. An die Stelle des Götzendienstes der Muschrik setzte man einerseits eine neue Scharia aus religiösen Handlungen wie Fātiha-Lesen, Ziyāra, Nadhr und Niyāz, Urs, der Verehrung von Mausoleen, dem Hissen von Fahnen über Gräbern, Taʿziya und ähnlichen Bräuchen. Andererseits wurde ohne jegliche theoretische Belege und Beweise eine vollständige Mythologie über Geburt und Tod dieser Frommen, ihr Erscheinen und Verschwinden, ihre Kaschf-Karāmāt, übernatürlichen Kräfte und ihre Nähe zu Allah geschaffen. Diese stimmt in jeder Hinsicht mit der Mythologie der Muschrik überein. Drittens wurden hinter dem bezaubernden Schleier von Bezeichnungen wie „Wasīla“, „geistige Hilfe“ und „Faid“ sämtliche Beziehungen zwischen Allah und den Dienern mit jenen Frommen verknüpft. Tatsächlich ist der Zustand genau wie bei den Muschrik geworden. Nach deren Auffassung ist der Herr der Welt für die Menschen unerreichbar fern, und alle Angelegenheiten, die mit dem Leben der Menschen zusammenhängen, sind den untergeordneten Beauftragten anvertraut. Der einzige Unterschied besteht darin, dass die Muschrik diese untergeordneten Beauftragten offen als Angebetete, Götter, Inkarnationen oder Söhne Allahs bezeichnen, während diese sie mit Begriffen wie Ghauth, Qutb, Abdal, Awliyāʾ und Allah-Leute verhüllen.
Diese zweite Art der Dschahilīya hat in allen Epochen der Geschichte mit der ersten Art, nämlich der reinen Dschahilīya, zusammengewirkt. In der Antike bestanden in den Zivilisationen und Kulturen von Babylon, Ägypten, Indien, Iran, Griechenland, Rom und anderen Ländern beide Arten der Dschahilīya nebeneinander. Auch das heutige Japan befindet sich in einer entsprechenden Lage. Für dieses Zusammenwirken gibt es verschiedene Gründe. Einige davon führe ich hier an.
Erstens besteht in der mit Schirk vermischten Dschahilīya die Beziehung des Menschen zu seinen angebeteten Wesen lediglich darin, dass er sie für mächtig und für die Besitzer von Nutzen und Schaden hält und durch verschiedene Anbetungszeremonien versucht, ihre Gunst und Hilfe zur Verwirklichung weltlicher Ziele zu erlangen. – [Der Prophet Salih (a. s.) sagte zu seinem Volk:
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„So bittet Allah um Vergebung und kehrt zu Seinem Gehorsam zurück. Wahrlich, mein Herr ist nahe und erhört die Gebete.“ – (Sure Hūd 61)
Hier wird eine gewaltige Irrvorstellung der Götzendiener widerlegt. Diese irrige Vorstellung war im Allgemeinen allen Götzendienern eigen und stellte zu allen Zeiten einen der Hauptgründe dafür dar, dass Menschen dem Schirk verfielen. Sie glaubten, Allah sei ebenso wie ihre Könige und Großkönige, die fern von ihren Untertanen in weit entfernten königlichen Palästen dem Vergnügen frönten. Gewöhnliche Untertanen konnten dorthin nicht gelangen. Wenn man Ihm daher ein Gebet vortragen wollte, musste man sich an jemanden aus dem Kreis Seiner Nahestehenden wenden. Und selbst wenn das Gebet eines Menschen glücklicherweise bis zu Ihm gelangte, hielt Er es aus göttlichem Hochmut nicht für angebracht, selbst darauf zu antworten. Diese Aufgabe wurde vielmehr einem der Ihm nahestehenden Verehrer übertragen. Von dieser irrigen Vorstellung beherrscht und durch die Anstiftung gerissener Menschen verleitet, glaubten sie, der heilige Hof des Herrn der Welten sei für gewöhnliche Menschen unerreichbar weit entfernt. Ein gewöhnlicher Mensch könne nicht einmal hoffen, dorthin zu gelangen. Gebete könnten Seinen Hof nicht erreichen und eine Antwort von Ihm könne nicht erlangt werden, außer durch die Vermittlung heiliger Geister und dadurch, dass man mit Hilfe fähiger religiöser Funktionäre Gelübde, Opfergaben und Flehen übermittelte. Gerade aufgrund dieser irrigen Vorstellung versammelten sich zwischen dem Menschen und seinem Gott unzählige kleine und große Götter, und es entstand das Priestertum, ohne dessen Vermittlung die Anhänger der heidnischen Religion von der Geburt bis zum Tod keine einzige religiöse Zeremonie vollziehen können. – (Der Verfasser)
Nun verhält es sich so, dass von ihnen keinerlei moralische Anweisung oder Gesetzesordnung für die Lebensführung zu erwarten ist. Denn wenn es dort einen Gott gäbe, stellte sich die Frage nach Anweisungen und einer Gesetzesordnung. Gerade weil es keinen gibt, bilden die Götzendiener zwangsläufig selbst eine moralische Lehre und erlassen auf deren Grundlage selbst eine Scharia. Auf diese Weise setzt sich jene unverfälschte Dschāhilīya durch. Deshalb besteht zwischen den Gesellschaften und Zivilisationen, die auf der Grundlage der unverfälschten Dschāhilīya beziehungsweise der mit Schirk vermischten Dschāhilīya entstehen, kein anderer Unterschied, als dass an dem einen Ort zusammen mit der Dschāhilīya eine Tradition von Tempeln, Priestern und Gottesdiensten beginnt, am anderen jedoch nicht. In moralischem Charakter und Handlungsweise sind beide von gleicher Art; darin liegt der Grund für die Ähnlichkeit zwischen der moralischen Grundhaltung und dem moralischen Wesen des modernen Europa und denen des antiken Griechenlands und des heidnischen Römischen Reiches.
Zweitens schafft die mit Schirk vermischte Lehre für Wissenschaft, Literatur, Philosophie, Politik, Wirtschaft und dergleichen keine eigene und dauerhafte Grundlage. Auch auf diesem Gebiet folgt der Götzendiener der unverfälschten Dschāhilīya, und die gesamte geistige und intellektuelle Entwicklung der götzendienerischen Gesellschaft vollzieht sich nach dem Ideal der unverfälschten Dschāhilīya. Der einzige Unterschied besteht darin, dass die Vorstellungskraft der Götzendiener maßlos ist und ihre Denkweise daher eine äußerst starke Neigung zur Fantasie aufweist. Die Atheisten dagegen sind einigermaßen realistisch. Deshalb empfinden sie kein Interesse oder keine Zuneigung zu einer rein imaginären Philosophie. Wenn sie jedoch ohne Gott das Geheimnis der Entstehung der Welt und der Natur zu ergründen versuchen, ist auch das Netz von Argumenten, das sie weben, ebenso unvernünftig wie die mythologische Lehre der Götzendiener. Tatsächlich gibt es im Denken keinen grundlegenden Unterschied zwischen Schirk und der unverfälschten Dschāhilīya. Der anschauliche Beweis dafür ist, dass das heutige Europa seiner Lehre nach mit dem antiken Griechenland und Rom durch ein Band verbunden ist, sodass es scheint, als sei Europa deren Kind.
Drittens ist auch die götzendienerische Gesellschaft völlig bereit, die zivilisatorischen Bräuche und Ordnungen zu übernehmen, die von den Gesellschaften der unverfälschten Dschāhilīya übernommen werden, obwohl zwischen Schirk und unverfälschter Dschāhilīya hinsichtlich des Aufbaus und der Gestaltung der Gesellschaft ein methodischer Unterschied besteht. Im Reich des Schirk werden die Könige auf den Thron Gottes gesetzt. Außerdem tritt eine Klasse geistlicher und religiöser Führer mit besonderem Adel und besonderen Vorrechten hervor. Durch das Zusammenspiel der königlichen Familie und der religiösen Gemeinschaft bildet sich ein Machtzirkel. Eine dauerhafte Lehre zur Begründung der Überlegenheit und Vorherrschaft eines Stammes über einen anderen und einer Klasse über eine andere wird errichtet. Auf diese Weise werden die unwissenden Massen in den Fesseln der Religion gehalten und einer unterdrückerischen Herrschaft unterworfen. In der Gesellschaft der unverfälschten Dschāhilīya nehmen diese Mängel und Übel dagegen die Gestalt von Ahnenkult, Rassenkult, nationalem Imperialismus, Diktatur, Kapitalismus und Klassenkampf an. Hinsichtlich ihrer Triebkraft und grundlegenden Motivation gehören beide jedoch derselben Kategorie an: der Errichtung der Herrschaft des Menschen über den Menschen, der Zersplitterung der Gesellschaft durch Menschen und der Verwandlung der Angehörigen einer Klasse in Blutrünstige gegenüber den Angehörigen einer anderen Klasse.
Drittens: die asketische Dschāhilīya
Die dritte übernatürliche Lehre, die auf Askese beruht, lässt sich wie folgt zusammenfassen: Diese Welt und die körperliche Existenz sind für den Menschen eine Strafe in Gestalt eines Gefängnisses. Die menschliche Seele befindet sich im Käfig dieses Körpers als ein zu einer Strafe verurteilter Gefangener. Die Wünsche, das Verlangen nach Genuss und die biologischen Bedürfnisse, die der Mensch aufgrund seiner Verbindung mit dem Körper empfindet und denen er begegnet, sind in Wirklichkeit die Fesseln und Ketten dieses Gefängnisses. Je stärker der Mensch mit dieser Welt und ihren verschiedenen Dingen verbunden ist, desto verdorbener wird er und desto mehr verdient er letztlich Bestrafung. Sein einziger Weg zur Befreiung besteht darin, sich von den Mühen und Wirren dieses irdischen Lebens zu lösen, die Wünsche und Begierden auszurotten, sich von Freude und Genuss fernzuhalten, die Befriedigung körperlicher Bedürfnisse und der Begierden der Triebe zu verweigern, die aus materiellen, Liebes- und Blutsbanden hervorgegangene Zuneigung und Liebe aus dem Herzen zu tilgen und seinen eigenen Feind – nämlich Körper und Triebe – durch strenge Askese so sehr zu unterdrücken und zu peinigen, dass er keine Herrschaft mehr über die Seele ausüben kann. Dadurch wird die Seele von ihrer Last befreit, gereinigt und geheiligt und fähig, den hohen Weg der Erlösung zu beschreiten.
Diese Lehre ist im Grunde eine antisoziale Lehre. Dennoch übt sie auf verschiedene Weise Einfluss auf die gesellschaftliche Ordnung aus. Auf ihrer Grundlage entsteht ein besonderes philosophisches System; die Vedānta-Philosophie, die Manu-Philosophie, der Neuplatonismus (New-Platonism), der Yoga, der Sufismus, die christliche Askese, der Buddhismus und andere sind verschiedene Erscheinungsformen dieser Philosophie. Aus dieser Philosophie geht ein moralisches System hervor, das nur in sehr geringem Maß positiv und zum weitaus größeren Teil vielmehr vollständig negativ ist. Beide dringen gemeinsam in Literatur, Glaubenslehre, Moral und das praktische Leben ein und wirken überall dort, wohin ihr Einfluss reicht, wie Opium und Kokain. Mit den ersten beiden Arten der Dschāhilīya wirkt diese dritte Dschāhilīya gewöhnlich auf drei Arten zusammen:
Erstens: Dieser asketische Dschāhilīya-Glaube drängt die rechtschaffenen und gottesfürchtigen Menschen aus dem Betätigungsfeld des Diesseits zurück und setzt sie in abgeschiedene Räume, wodurch er das Betätigungsfeld für die schlimmsten Übeltäter freimacht. Die schlechten Menschen gelangen in den Besitz uneingeschränkter Herrschaft über die Erde und verbreiten ungehindert Unordnung, während die rechtschaffenen Menschen in der Sorge um ihre eigene Erlösung mit ihrer Askese fortfahren.
Zweitens:Der Einfluss, den diese Dschāhilīya auf die einfachen Menschen ausübt, erzeugt in ihnen eine irrige Art von Geduld und Ertragen sowie eine hoffnungslose Sichtweise und macht sie zu leichter Beute der Unterdrücker. Aus diesem Grund zeigten Könige und Herrscher, Emire und Würdenträger sowie die religiös autoritativen Klassen besonderes Interesse an der Verbreitung dieser asketischen Philosophie und Ethik. Unter ihrer Aufsicht konnte sie ungehindert verbreitet und gefördert werden. Nur selten ist in der Geschichte ein Konflikt zwischen der asketischen Philosophie und dem asketischen Moralideal einerseits und Imperialismus, Kapitalismus und dem Papsttum andererseits zu finden.
Drittens: Wenn diese asketische Philosophie und dieses moralische Ideal vor der menschlichen Natur und ihrem Wesen kapitulieren, beginnt man, allerlei Kunstgriffe zu ersinnen. Mancherorts wird der Glaube an die Sühnezahlung erfunden, damit man nach Herzenslust sündigen kann, ohne das Paradies zu verlieren. Anderswo wird unter dem Vorwand körperbezogener Liebe die Möglichkeit geschaffen, den Geschlechtstrieb zu befriedigen, sodass man zugleich das Feuer des Herzens löschen und die Keuschheit bewahren kann. Wieder anderswo wird hinter dem Vorhang des Verzichts auf die Welt und der Askese im Bündnis mit Königen und Reichen ein Netz von Spiritualität ausgespannt. Die päpstliche Gemeinschaft Roms und die Inhaber geistlicher Sitze in der östlichen Welt haben dafür die abscheulichsten Beispiele geliefert. So verfährt die Dschāhilīya mit ihresgleichen. Wenn diese Dschāhilīya jedoch in die Gemeinschaft der Anhänger der Propheten eindringt, bietet sich ein anderes Bild. Anstatt die Welt als Arbeitsfeld, als Prüfungsfeld und als Acker des Jenseits anzuerkennen, versetzt sie der Religion Allahs den ersten Schlag, indem sie sie als Folterhaus und als „Trugnetz“ darstellt. Durch diese Veränderung der Sichtweise vergisst der Mensch die wirkliche Tatsache, dass er in dieser Welt als Allahs Statthalter mit einer Aufgabe betraut ist. Er beginnt zu glauben, dass er nicht hierhergekommen ist, um zu arbeiten und die verschiedenen Pflichten der Welt zu erfüllen, sondern dass er in Unrat und Unreinheit hineingeworfen wurde. Daher müsse er sich von Unrat und Unreinheit fernhalten. Hier ein Nicht-Kooperierender zu bleiben und sich den Pflichten zu entziehen, sei seine eigentliche Aufgabe. Aufgrund dieser Vorstellung blickt er ängstlich auf die Welt und ihre Tätigkeiten und Pflichten. Er fürchtet sich nicht nur davor, die Verantwortung des Kalifats zu übernehmen, sondern sogar davor, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. So wird das gesamte System der islamischen Scharia für ihn bedeutungslos. Er versteht nicht, dass der Mensch durch Gottesdienst und die Gebote und Verbote Gottes dazu geformt werden soll, das irdische Leben zu reformieren und die Verantwortung des Kalifats zu erfüllen. Vielmehr beginnt er zu meinen, Gottesdienst und bestimmte religiöse Riten seien die Sühne für sein sündiges Leben. Daher müsse man sie mit voller Aufmerksamkeit und in angemessener Weise verrichten, damit man im Jenseits Erlösung erlangen könne.
Diese Denkweise hat einen Teil der Umma der Propheten in das Labyrinth philosophischer Deutungen der geistigen Welt und der Wahrheit gestürzt: in Murāqaba (versunkenes Nachsinnen in Abgeschiedenheit), Mukāschafa (das Bemühen, unbekannte Geheimnisse zu erkennen), das Abhalten von Tschilla, das Rezitieren von Wird, Ahzāb und Amaliyāt (Besprechungen, Amulette und dergleichen), das Reisen zu den Orten der geistigen Welt (Sair-i Maqāmāt) sowie philosophische Erklärungen der Wirklichkeit – etwa den Pantheismus. Zugleich hat sie sie in Nāfila- und Mustahabb-Handlungen stärker vertieft als in die Pflichthandlungen und sie dadurch von der Verantwortung des Kalifats abgelenkt. Dabei waren die Propheten gerade zur Errichtung dieses Kalifats gekommen. In einer weiteren Gruppe hat sie künstliche Bedürftigkeit, Übertreibung in der Religion, Haarspalterei und unnötige Theoriesuche sowie die Krankheit hervorgebracht, sich übermäßig mit den feinen Maßen kleiner Dinge und ihren Einzelheiten zu beschäftigen. Die Religion Allahs ist in ihren Augen zu einem so zerbrechlichen Glasgefäß geworden, dass man sich ständig darum sorgt, ob irgendwo etwas höher oder niedriger steht oder ob das zerbrechliche Glasgefäß über dem Kopf zerbricht und in Stücke geht. Nach einer solchen Überfeinerung in der Religion entstehen zwangsläufig Engstirnigkeit, Antriebslosigkeit und Erstarrung. Woher sollten solche Menschen die Fähigkeit erlangen, die großen Probleme des Lebens vorausschauend zu betrachten und die universellen Grundsätze des Islam zu begreifen? Und wie sollten sie Kenntnis von den universellen Grundsätzen der Religion und ihren Einzelheiten erlangen und sich darauf vorbereiten, im Wandel der Zeiten die Führung der Welt zu übernehmen und ihr den Weg zu weisen?
Viertens: Der Islam
Die Propheten Allahs haben eine übernatürliche Weltanschauung vorgetragen. Ihr Wesenskern ist folgender:
Das gesamte Weltall, das uns umgibt – von dem wir selbst ein Teil sind –, ist im Grunde das Reich eines einzigen Königs. Er allein ist sein Schöpfer, sein Eigentümer und sein einziger Herrscher. Hier hat niemand außer Ihm Herrschaft und Anordnung inne, und alle sind Ihm gehorsam; alle Macht und Befugnis liegt vollständig in den Händen dieses einzigen Eigentümers und obersten Herrschers. Der Mensch ist ein geborener Untertan dieses Reiches. Das heißt, es hängt nicht von seinem Willen ab, ob er Untertan ist oder nicht. Vielmehr ist er als Untertan geboren, und außer ein Untertan zu sein, gibt es für ihn keinerlei Möglichkeit, etwas anderes zu werden.
In dieser Staatsordnung gibt es für den Menschen keinen Spielraum, eigenmächtig und verantwortungslos zu sein. Seinem Wesen nach kann er das auch nicht sein. Zum einen ist er ein geborener Untertan, zum anderen ist er ein Teil dieses Reiches. So wie alle anderen Teile des Reiches dem Befehl des Königs gehorchen, hat auch er keine andere Möglichkeit, als diesem König zu gehorchen. Er besitzt kein Recht, seine Lebensweise und seine Pflichten selbst festzulegen. Seine einzige Aufgabe besteht darin, die Anweisung des Herrschers des Reiches zu befolgen. Diese Anweisung kommt durch die Offenbarung. Und alle Menschen, zu denen eine Offenbarung gelangt, sind Propheten.
Doch der Herr und Gebieter hat zur Prüfung des Menschen eine subtile Methode gewählt. Er selbst hat sich verborgen, und auch die gesamte innere Verwaltung seines Reiches hat Er verborgen gehalten. Dieses Staatswesen funktioniert äußerlich so, dass kein Herrscher und kein Beamter zu sehen ist. Der Mensch sieht lediglich, dass eine gewaltige Fabrik in Betrieb ist, und findet sich selbst in ihrem Inneren vor. Mit seinen äußeren Sinnen kann er nicht wahrnehmen, dass er Untertan von jemandem ist und wem er Rechenschaft ablegen muss. Er sieht kein offenkundiges Zeichen, aus dem die unumschränkte Herrschaft des Schöpfers der Welt über ihn sowie seine eigene Rechenschaftspflicht vor Ihm und seine Unterworfenheit unter Ihn zweifelsfrei hervorgehen würden, sodass ihm nichts anderes übrig bliebe, als dies anzuerkennen. Auch der Prophet ist gekommen, aber nicht in einer Weise, dass der Mensch mit eigenen Augen sehen konnte, wie die Offenbarung über ihn kam; ebenso wurde mit ihm kein solches Zeichen herabgesandt, dessen Anblick den Menschen gezwungen hätte, seine Prophetie anzuerkennen. Außerdem genießt der Mensch bis zu einer bestimmten Grenze völlige Freiheit. Ihm wird die Fähigkeit gegeben, den Gehorsam zu verweigern und zu rebellieren, die erforderlichen Mittel und Möglichkeiten werden ihm zur Verfügung gestellt, und ihm wird eine äußerst lange Frist gewährt. Selbst bis er die äußerste Grenze des Ungehorsams und der Widersetzlichkeit erreicht, stößt er auf kein Hindernis. Wenn er jemand anderem als dem Herrscher des Reiches Gehorsam und Dienstbarkeit leisten will, wird er davon ebenfalls nicht gewaltsam abgehalten. Ihm wird völlige Freiheit gelassen: Er darf demjenigen dienen und gehorchen, dem er dienen und gehorchen will. In beiden Fällen, sowohl wenn er den Gehorsam verweigert als auch wenn er einem anderen dient, erhält er ununterbrochen seinen Lebensunterhalt; die zum Leben notwendigen Dinge, die erforderlichen Mittel für seine Arbeit und die Mittel zu seinem gesamten Genuss werden ihm entsprechend seinem Rang reichlich gewährt. Bis zu seinem letzten Atemzug werden ihm diese Dinge großzügig gegeben. Niemals wurde einem Gottesleugner oder einem Diener eines anderen die Versorgung mit den Mitteln des irdischen Lebens allein deshalb entzogen, weil er sich gegen Gott auflehnte oder einem anderen gehorchte. Denn der Schöpfer hat dem Menschen Verstand und Einsicht, die Fähigkeit gegeben, Gut und Böse zu unterscheiden, Vernünftiges von Unvernünftigem zu trennen, sowie freien Willen und die Fähigkeit zum Handeln. Er hat ihm das Recht und die Fähigkeit verliehen, gegenüber unzähligen Seiner Geschöpfe eine Art Herrschaft und Macht eines Regierenden auszuüben. Damit will Er ihn prüfen. Um diese Prüfung durchzuführen, hat Er die Wirklichkeit Seines gesamten Reiches und sogar Seine eigene Existenz hinter den Schleier des Verborgenen gehüllt, damit sich seine geistige Fähigkeit erweise. Ihm wurde die Freiheit gegeben, den guten oder den schlechten Weg zu wählen, damit geprüft werde, ob er, nachdem er Wahrheit und Gerechtigkeit erkannt hat, ihnen ohne jeden Zwang freiwillig und bereitwillig folgt oder ob er die Knechtschaft seiner Triebe annimmt und sich von ihnen abwendet. Würde man ihm nicht die für das Leben erforderlichen Mittel und die Möglichkeit geben, frei zu handeln, könnten seine Fähigkeiten und seine Unfähigkeit nicht geprüft werden.
Dieses irdische Leben ist nur eine Frist zur Prüfung. Daher wird hier weder über seine Taten abgerechnet noch werden ihm deren Folgen zuteil. Was ihm im irdischen Leben an Genussmitteln gegeben wird, ist keine Belohnung für irgendeine gute Tat, sondern ebenfalls ein Mittel der Prüfung. Auch die Sorgen, Leiden, Unglücke und Heimsuchungen, denen er begegnet, sind keine Strafe für schlechte Taten, sondern spontan hervortretende Ergebnisse jener Naturordnung, unter deren Gesetz das Universum gelenkt wird. – (Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass es im irdischen Leben überhaupt keine Ordnung der Vergeltung für Taten gibt. Was ich sagen will, ist vielmehr, dass die Folgen der Taten in dieser Welt weder sicher noch eindeutig und auch nicht offenkundig sind. Bei allen Dingen dieser Welt überwiegt das Element der Prüfung gegenüber Vergeltung und Belohnung. Daher können die hier sichtbar werdenden Folgen von Taten nicht als Maßstab dafür gelten, ob jemand rechtschaffen oder verderbt ist. – (Der Verfasser)) Die eigentliche und endgültige Abrechnung, Prüfung und Entscheidung über die Taten wird erst nach dem Ende dieses irdischen Lebens vollzogen. Das ist die festgesetzte Zeit dafür, und sie wird Āḫirat genannt. Daher lässt sich anhand der in dieser Welt eintretenden Folgen von Taten nicht bestimmen, ob eine Lebensordnung oder eine Handlung richtig oder falsch, gut oder schlecht, anzunehmen oder abzulehnen ist. Der eigentliche Maßstab ist das offenkundig werdende Ergebnis in der Āḫirat. Welche Lebensordnung und welche Handlung ein gutes Ergebnis haben werden und welche ein schlechtes, kann ausschließlich durch die Offenbarung erkannt werden, die Allah den Propheten herabgesandt hat. Die Einzelheiten und ausführlichen Bestimmungen sind eine spätere Frage. Die grundlegende und endgültige Frage, von der Erfolg und Misserfolg in der Āḫirat abhängen, lautet, ob der Mensch durch den richtigen Gebrauch seiner Fähigkeit zur logischen Schlussfolgerung und seiner Denkkraft begreift, dass allein Allah der wahre Gesetzgeber und Herrscher ist und dass die von Ihm kommende Ordnung eine von Allah selbst erlassene Ordnung ist. Und ob er sich, nachdem er dies erkannt hat, trotz seines freien Wahlvermögens freiwillig und bereitwillig Allahs Herrschaft und Ordnung unterwirft.
Die Propheten haben diese Ideologie von Anfang an verkündet. Auf ihrer Grundlage ist eine vollständige Erklärung aller Ereignisse dieser Welt möglich. Die umfassende Bedeutung aller Zeichen in der Natur des Universums kann erkannt werden. Keine neue Beobachtung und keine neue Erfahrung kann diese Ideologie widerlegen. Aus ihr entsteht ein eigenständiger und beständiger Denkprozess, der sich von allen unwissenden Lebensanschauungen vollständig unterscheidet. Diese Weltanschauung ordnet sämtliche Wissenschaften und Erkenntnisse über die Natur des Universums und das menschliche Wesen nach einer neuen Methode. Diese Ordnungsmethode ist das genaue Gegenteil der unwissenden Ordnungsmethode. Für die Pflege und Entwicklung von Literatur und Kunst eröffnet die Ideologie der Propheten einen Weg, der dem Weg der unwissenden Literatur- und Kunstpflege völlig entgegengesetzt und von ihm verschieden ist. In allen Lebensbereichen legt sie eine besondere Sichtweise sowie einen besonderen Zweck und ein besonderes Ziel fest. Zwischen diesem Ziel und dieser Sichtweise und den Zielen und Sichtweisen der Unwissenheit besteht weder hinsichtlich ihres Wesens noch ihrer Elemente irgendeine Übereinstimmung. Aus dieser Ideologie entsteht auch ein eigenständiges System der Ethik. Mit der Ethik der Unwissenheit lässt sich darin keine Übereinstimmung finden. Auf diesen theoretischen und ethischen Grundlagen wird dann ein Zivilisationsgebäude errichtet, das sich vollständig von den Zivilisationen unterscheidet, die aus reiner Unwissenheit hervorgegangen sind. Um diese Zivilisation zu bewahren, bedarf es eines Bildungswesens völlig anderer Art, dessen Grundsätze von Anfang bis Ende dem Bildungswesen der Unwissenheit widersprechen. Kurz gesagt: In jeder Ader und jeder Schicht dieser Zivilisation leben die alleinige und unumschränkte Herrschaft und Souveränität Allahs, des Allmächtigen, der Glaube an die Āḫirat sowie das Bewusstsein des Menschen für seine Verantwortung vor Ihm und sein Gehorsamsgefühl als aktive Antriebskraft und Lebensenergie. Die gesamten Tätigkeiten und Ordnungen der rein unwissenden Zivilisation dagegen werden vom Antrieb der zügellosen Freiheit, der Willkür und der Verantwortungslosigkeit des Menschen beseelt und gelenkt. Deshalb ist die Gestalt, die Struktur und die farbenprächtige Ausstrahlung des Menschentums, das durch die von den Propheten errichtete Zivilisation hervorgebracht wird, dem Menschentum, das die unwissende Zivilisation hervorbringt, in jeder Hinsicht unvergleichlich.
Das detaillierte soziale und zivilisatorische System, das auf dieser Grundlage entsteht, unterscheidet sich in seiner Struktur von allen anderen Systemen der Welt. Reinheit und Sauberkeit, Nahrung und Kleidung, Lebensweise, Umgangsformen, persönlicher Charakter, Erwerb des Lebensunterhalts, Verwendung des Vermögens, Ehe- und Familienleben, gesellschaftliche Sitten und Bräuche, Formen des Zusammensitzens, die verschiedenen Arten zwischenmenschlicher Beziehungen, gegenseitige Geschäfte, Verteilung des Vermögens, Staatsführung, Bildung der Regierung, Stellung des Führers, Verfahren zur Bildung der gesetzgebenden Versammlung, zivile Verwaltungsorganisation, von den Grundprinzipien der Gesetzgebung bis zur Ausarbeitung detaillierter Vorschriften, Gerichte, Polizei, Rechnungsprüfung, Steuersystem, Finanzwesen, öffentliche Bauvorhaben, Industrie und Handel, Bereitstellung von Informationen und Nachrichten, Bildungswesen sowie die Festlegung der Grundsätze aller anderen Bereiche, Ausbildung und Organisation der Streitkräfte, Krieg und Frieden, internationale Beziehungen und Außenpolitik – kurz gesagt: Von den kleinsten Einzelheiten des Lebens bis zu den größten und wichtigsten Angelegenheiten sind die Regeln und Verfahren dieses zivilisatorischen Systems von einer ewigen Erhabenheit geprägt. In jedem seiner Teile zieht eine deutliche Trennlinie es von den anderen Zivilisationen ab. In jedem seiner Bereiche wirkt von Anfang bis Ende eine besondere Sichtweise, ein besonderer Zweck und ein bestimmtes moralisches Verhalten, die mit Allahs souveräner Herrschaft, dem Bewusstsein der Unterordnung und Rechenschaftspflicht des Menschen sowie dem Ziel des Jenseits verbunden sind.
Der Zweck des Kommens der Propheten
Die Propheten kamen nacheinander gerade mit dem Ziel, die oben beschriebene Kultur und Zivilisation auf der Welt zu errichten. Mit Ausnahme der asketischen Zivilisation nimmt jede andere Zivilisation – sei sie eine jahilitische oder eine islamische – ganz selbstverständlich eine umfassende Sicht des irdischen Lebens und eine allgemeine Methode zur Gestaltung der Angelegenheiten der Welt an und verlangt, dass die Herrschaftsgewalt in ihre Hände gelangt, damit sie nach ihrer eigenen Methode eine Lebensordnung schaffen kann. Ohne Herrschaftsgewalt eine Weltanschauung oder Lebensordnung vorzulegen oder an sie zu glauben, ist völlig sinnlos. Bei den Asketen verhält es sich anders, denn sie wollen die Angelegenheiten der Welt überhaupt nicht gestalten. Vielmehr bleiben sie durch eine besondere Art des Sulūk oder eines geistlichen Übungsweges vom Tätigkeitsfeld der Welt getrennt und sind darauf konzentriert, durch das Erreichen ihrer eingebildeten Erlösung ihr Ziel zu verwirklichen. Daher benötigen und erstreben sie auch keine Herrschaftsgewalt. Wer jedoch mit einer bestimmten Methode zur Gestaltung der Angelegenheiten der Welt auftritt und glaubt, dass das Heil und die Erlösung der Menschen gerade von der Befolgung dieser besonderen Methode abhängen, dem bleibt nichts anderes übrig, als nach den Schlüsseln der Herrschaftsgewalt zu greifen. Denn der von ihm vorgelegte Entwurf einer Lebensordnung kann im wirklichen Tätigkeitsfeld der Welt nicht wirksam werden, solange er nicht die Macht zu seiner Verwirklichung erlangt hat. Ja, ohne diese Macht kann sein Entwurf weder auf dem Papier noch in den Köpfen und Herzen lange Bestand haben. Alle Tätigkeiten der Welt verlaufen nach dem Plan jener Zivilisation, in deren Händen die Herrschaftsgewalt liegt. In Wissenschaft und Gelehrsamkeit, im Denken, in Literatur und Kultur gelten ihre Anweisungen; sie bildet die charakterliche Struktur, in ihren Händen liegt die Organisation von Bildung und Massenschulung, nach den von ihr geschaffenen Gesetzen wird das zivilisatorische System errichtet, und in jedem Lebensbereich wird ihre Politik umgesetzt. Eine Zivilisation, die nicht an der Herrschaft beteiligt ist, hat nirgendwo im Leben einen Platz. Wenn eine herrschende Zivilisation zudem über lange Zeit ihre Vorherrschaft behauptet, bleibt der Zivilisation außerhalb der Herrschaftssphäre im praktischen Tätigkeitsfeld der Welt jeglicher Einfluss versagt. Selbst in den Herzen derer, die mit jener Zivilisation sympathisieren, entsteht dann der Zweifel, ob sie im irdischen Leben überhaupt anwendbar ist. Die sogenannten Bannerträger dieser Zivilisation und diejenigen, die beanspruchen, ihre Führung geerbt zu haben, sind schließlich bereit, sich mit der gegnerischen Zivilisation zu arrangieren und die Angelegenheiten gemeinsam mit ihr zu betreiben. Doch eine Aufteilung und ein Kompromiss zwischen zwei Zivilisationen, die aus völlig entgegengesetzten Quellen der Herrschaft hervorgegangen sind, sind vollkommen unmöglich und unrealistisch. Die menschliche Zivilisation kann eine solche Teilhaberschaft nicht dulden. Eine solche Aufteilung für praktisch möglich zu halten, ist ein Zeichen mangelnden Wissens. Sich darauf einzulassen, muss als Mangel an Glauben und Mut bezeichnet werden.
Das höchste und eigentliche Ziel des Kommens der Propheten in die Welt bestand darin, auf der Welt die Ḥukūmat-i-Ilāhiyya, also Allahs Herrschaftsordnung, zu errichten und die von Allah gegebene vollständige Lebensordnung zu verwirklichen. – [Man hört in unserer Zeit häufig von manchen frommen Gelehrten, dass es nicht das Ziel der Muslime sein sollte, die Herrschaftsgewalt zu erlangen – dies sei Allahs Verheißung. Die Herren, die dies sagen, betrachten die Herrschaftsgewalt in Wirklichkeit lediglich als eine Belohnung. Sie bedenken nicht, dass sie eine große Verantwortung ist. Sie wissen nicht, dass es nach Allahs Gesetz unerlässlich und das Ziel der Muslime sein sollte, die Regierung zu errichten, die zur Etablierung des Islams als einer wirksamen Ordnung erforderlich ist. Für die Errichtung einer solchen Regierung ist auch der Dschihad verpflichtend. – (Der Verfasser)] Die Propheten waren bereit, den Trägern der jahilitischen Zivilisation das Recht zuzugestehen, an ihren Glaubensüberzeugungen festzuhalten, wenn sie dies wollten, und innerhalb der Grenzen, in denen die Auswirkungen ihrer Tätigkeiten auf sie selbst beschränkt blieben, ihren jahilitischen Bräuchen und Methoden zu folgen. Doch waren die Propheten nicht bereit – und es war selbstverständlich auch nicht möglich –, ihnen das Recht zu gewähren, die Schlüssel der Herrschaftsgewalt in Händen zu halten und alle Tätigkeiten des menschlichen Lebens mit Gewalt nach kufrischen und jahilitischen Gesetzen zu lenken. Deshalb bemühten sich alle Propheten nach Kräften um einen politischen Wandel. Bei manchen beschränkten sich Anstrengungen und Bemühungen lediglich darauf, günstige Umstände und ein geeignetes Umfeld zu schaffen, wie bei Ibrāhīm (a.s.). Andere leiteten eine revolutionäre Bewegung ein, verließen jedoch diese Welt, bevor sie die islamische Herrschaftsordnung errichten konnten, wie ʿĪsā (a.s.). Wieder andere waren in der Lage, diese Bewegung zum Ziel des Erfolgs zu führen, wie Yūsuf, Mūsā und der vertrauenswürdige Muḥammad Muṣṭafā (s.a.w.).
Der Din aus der Sicht des Korans
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„Er hat für euch dieselbe Ordnung des Din festgelegt, die Er Noah geboten hat und die Ich dir nun durch die Offenbarung zugesandt habe und die Ich zuvor Ibrahim, Musa und Isa geboten habe, mit der nachdrücklichen Aufforderung: Richtet den Din auf und spaltet euch darin nicht in verschiedene Richtungen auf.“ – (Sure asch-Schūrā: 13)
In diesem Vers wird eindeutig gesagt, dass der Prophet Muhammad (s.) kein Begründer einer neuen Religion ist. Auch keiner der früheren Propheten war Stifter und Begründer einer eigenen Religion. Vom Anfang bis zum Ende haben alle Propheten denselben Din von Allah verkündet, und auch der Prophet Muhammad (s.) hat eben diesen verkündet. In diesem Zusammenhang wird zuerst der Name des Propheten Nuh erwähnt. Denn nach der großen Flut war er der erste Prophet der heutigen Menschheit. Danach wird der Name des letzten Propheten, Muhammad (s.), erwähnt. Anschließend wird der Name Hadhrat Ibrahims genannt. Die Araber betrachteten ihn als ihren religiösen Führer. Zuletzt werden die Namen Hadhrat Musas und Hadhrat Isas erwähnt. Die Christen und Juden betrachten sie jeweils als die Begründer ihrer eigenen Religion. Das bedeutet allerdings nicht, dass gerade diesen fünf Propheten befohlen worden sei, diesen Din zu begründen. Die eigentliche Aussage lautet vielmehr: Alle Propheten, die auf der Welt erschienen sind, brachten den Din. Hier werden lediglich beispielhaft die Namen von fünf berühmten Propheten genannt. Denn durch sie sind die weltweit bekannten himmlischen Scharia-Gesetze überliefert worden.
Aus diesem Vers lassen sich äußerst wichtige Erkenntnisse über den Din, das heißt die wahre Religion Islam, und seine Zielsetzung gewinnen. Daher ist es notwendig, diesen Vers eingehend zu prüfen und ihn angemessen zu verstehen.
Etymologische Analyse
Im Arabischen wird das Wort „Din“ in verschiedenen Bedeutungen verwendet, zum Beispiel:
Erstens:Macht, Stärke und Vorherrschaft; Herrschaft und Autorität; einen anderen dazu zwingen, Gehorsam und Unterwerfung anzuerkennen; gegenüber einem anderen souveräne Macht (Sovereignty) ausüben und ihn sich unterwerfen und gehorsam machen. Zum Beispiel (Arabisch**********) das heißt, er zwang die Menschen zum Gehorsam. (Arabisch**************) das heißt, ich besiegte sie, und sie unterwarfen sich. (Arabisch***********) das heißt, ich unterwarf jenes Volk und machte es zu Sklaven. (Arabisch*********) das heißt, der Betreffende wurde mächtig und angesehen. (Arabisch**************) das heißt, ich zwang ihn zu einer Handlung, zu der er nicht bereit war. (Arabisch**************) das heißt, der Betreffende wurde zu einer unerwünschten Handlung gezwungen. (Arabisch**************) das heißt, ich übte über ihn Herrschaft und Autorität aus. (Arabisch**************) das heißt, ich übertrug dem Betreffenden die Führung und Autorität über das Volk. In diesem Sinne sagt Hutai’a, indem er seine Mutter anspricht:
(Arabisch************** auf PDF-Seite 350)
„Man hatte dich zur Vormundin deiner eigenen Kinder gemacht; so hast du sie feiner als Mehl gemacht.“
Im Hadith heißt es:
(Arabisch************** auf Seite 350 des PDFs)
„Wer seine eigenen Triebe beherrscht und sich guten Taten für das Jenseits widmet, der ist wahrhaft vernünftig.“
Aus diesem Grund wird jemand, der ein Land, eine Nation und einen Stamm besiegt und über sie Herrschaft ausübt, (Arabisch**************) Daiyān genannt. Āschā al-Harmadhī wandte sich an den Gesandten Allahs (s.a.w.)(Arabisch**************) mit den Worten: „O Anführer des Volkes und Herrscher der Araber!“ In dieser Hinsicht bedeutet (Arabisch**************) es Sklave und (Arabisch**************) bedeutet Sklavin. Und (Arabisch**************) bedeutet Sohn einer Sklavin. Der Dichter al-Achtal sagt: (Arabisch**************) „Sie, die Sklavin, hat mich als Sohn einer Sklavin aufgezogen.“ Im heiligen Koran heißt es:
(Arabisch***************************************** auf Seite 350 des PDFs)
Das heißt: „Wenn ihr wirklich nicht jemandes Sklaven, Gefolgsleute und Untergebene seid, warum könnt ihr dann den Sterbenden nicht retten? Warum bringt ihr die scheidende Seele nicht zurück?“
Zweitens: Gehorsam, Sklaverei, Dienst, sich jemandem zu unterwerfen, jemandes Untergebener zu sein und sich vor der Macht und Herrschaft jemandes zu beugen. Die Araber pflegen zu sagen: (Arabisch*************) Das heißt: Ich habe dem und dem gedient. In einem Hadith heißt es, dass der Prophet (s.a.w.) sagte: (Arabisch*************) „Ich möchte die Engel einem Wort unterwerfen; wenn sie es annehmen, wird die gesamte arabische Nation ihnen folgen und sich vor ihnen beugen.“ In diesem Sinne wird eine Nation (Arabisch*************) genannt. Auch in dem Hadith über die Charidschiten wird das Wort „Dīn“ in diesem Sinne verwendet. Dort heißt es: (Arabisch*************) „Sie werden den Dīn (Gehorsam) verlassen, so wie ein Pfeil den Bogen verlässt.“ – [Die Bedeutung dieses Hadith ist nicht, dass die Charidschiten vom Glauben abfallen werden. Denn als Hadhrat Ali gefragt wurde: „Sind sie Ungläubige?“, antwortete er: (Arabisch*************) „Sie sind vielmehr vor dem Unglauben geflohen.“ Daraufhin wurde er erneut gefragt: (Arabisch*************) „Sind sie dann Heuchler?“ Er sagte: „Ein Heuchler gedenkt Allahs nur sehr wenig. Diese Menschen aber gedenken Allahs Tag und Nacht. Daher kann ohne Zweifel gesagt werden, dass „Dīn“ in diesem Hadith Gehorsam gegenüber dem Amīr bedeutet.“ Ibn Athīr schreibt in seinem Werk an-Nihāya:
(Arabisch*************)
„Die Aussage Hadhrat Alis bedeutet, dass sie den Gehorsam gegenüber dem Anführer verlassen werden, dessen Gehorsam verpflichtend ist.“ – (Band 2, S. 41–42)
Drittens: Scharia, Gesetz, Sitten und Gebräuche, Gewohnheiten und Gepflogenheiten. Im gewöhnlichen Sprachgebrauch sagt man etwa: (Arabisch*************) Das heißt: Das ist eine überlieferte Sitte. (Arabisch*************) Das heißt: Ganz gleich, ob jemand einer guten oder schlechten Sitte folgt – sie kann als Din bezeichnet werden. Im Hadith heißt es: (Arabisch*************) „Der Gesandte Allahs (S) folgte vor seiner Berufung zum Propheten den Sitten und Bräuchen, die von seinem Volk befolgt wurden. Das heißt: Die Bräuche und Gepflogenheiten in Bezug auf Heirat, Scheidung, Erbschaft sowie andere gesellschaftliche und landesübliche Angelegenheiten, die sein Volk befolgte, befolgte auch er.“
Viertens: Tatfolgen, Vergeltung, Gegenleistung oder Rache, Urteil und Rechenschaft. Ein bekanntes arabisches Sprichwort (Arabisch*************) „Wie die Tat, so die Folge“ ist ein treffendes Beispiel dafür. Im Koran wird die Aussage der Ungläubigen angeführt: (Arabisch*************) „Sollen wir nach dem Tod etwa Rechenschaft ablegen? Sollen wir etwa die Folgen unserer Taten erleiden?“ In einem von Hadhrat Abdallah ibn Umar überlieferten Hadith heißt es: (Arabisch*************) „Beschimpft die Herrscher nicht. Wenn es unumgänglich wird, etwas Schlechtes über sie zu sagen, dann sagt: O Allah, verhalte Dich zu ihnen so, wie die Herrscher sich uns gegenüber verhalten.“ In diesem Sinne (Arabisch*************) wird das Wort „Daiyan“ für einen Qadi oder Richter verwendet. Ein Gelehrter äußerte über Hadhrat Ali: (Arabisch*************) „Nach dem Propheten war er der beste Richter der muslimischen Gemeinschaft.“
Ein umfassender Fachbegriff
Die Araber verwendeten das Wort „Din“ in unterschiedlicher Weise bald für eine, bald für eine andere der genannten Bedeutungen. Doch ihre Vorstellung von diesen vier Dingen war weder völlig klar noch besonders hoch entwickelt. Deshalb blieb diesem Wort eine gewisse Unbestimmtheit anhaften. Folglich konnte es nicht im eigentlichen Sinne zu einem Fachbegriff für eine Denkrichtung werden. Als der Koran offenbart wurde, fand er in diesem Wort ein geeignetes Ausdrucksmittel für seine Botschaft, verwendete es in einer klaren und bestimmten Bedeutung und machte es zu seinem besonderen Fachbegriff. In der Sprache des Korans bringt das Wort „Din“ daher das Konzept einer vollständigen Lebensordnung zum Ausdruck. Dem Sinn des Korans zufolge wird die besondere Lebensweise und das besondere Handeln, die der Mensch annimmt, indem er die Souveränität und Herrschaft eines anderen anerkennt und sich ihm unterwirft, als „Din“ bezeichnet. Den „Din“ Allah zu widmen und Ihm zu dienen bedeutet, dass der Mensch der Dienerschaft Allahs nicht die Dienerschaft irgendeines anderen beimischt, sondern ausschließlich Ihm dient, Seiner Gesetzgebung folgt und Seinen Befehlen und Anweisungen gehorcht, durch die Befolgung Seiner Gebote auf Ehre, Aufstieg und Belohnung hofft und sich davor hütet, Ihm ungehorsam zu sein, im Wissen, dass er dadurch Erniedrigung, Schmach und Strafe erleiden wird. Wahrscheinlich gibt es in keiner Sprache der Welt einen Fachbegriff von einer derart umfassenden Bedeutung. Das Wort „Staat“ in der heutigen Zeit ist ihm einigermaßen nahegekommen. Doch um die vollständige Bedeutung des Din auszudrücken, muss es noch größere Weite und umfassendere Bedeutung erlangen.
Ein Irrtum
Der Din, dessen Errichtung allen Propheten aufgetragen wurde, war bei allen derselbe, während ihre Scharias unterschiedlich waren (Arabisch*************) „Für jede Gemeinschaft unter euch habe Ich eine Scharia und einen Weg festgelegt.“ Nicht die koranischen Bestimmungen, sondern lediglich der Glaube an den Tauhid, die Sendung, das Jenseits, die Offenbarungsschrift und das Prophetentum sowie die Anbetung Allahs seien der Inhalt des Din. Allenfalls könnten jene grundlegenden sittlichen Bestimmungen, die bei allen Propheten gleich waren, zum Din gehören. Eine solche Auffassung konnte nur aufgrund einer oberflächlichen und vagen Betrachtung der Einheit des Din und der Verschiedenheit der Scharia entstehen. Das ist eine äußerst gefährliche Ansicht. Wird sie nicht korrigiert, könnte später der Versuch unternommen werden, eine irreführende Trennung zwischen Din und Scharia herbeizuführen. Indem sich der heilige Paulus auf eine solche Trennung einließ, vertrat er die Vorstellung eines Din ohne Scharia und führte die Gemeinschaft Hadhrat Isas (A) in die Irre. Wenn man die Scharia als etwas vom Din Getrenntes betrachtet, werden auch die Muslime wie die Christen die Bestimmungen der Scharia für belanglos halten und sie umgehen, weil ihre Einführung und Umsetzung angeblich außerhalb des eigentlichen Ziels liegen. Sie werden sich dann lediglich mit Glaubensüberzeugungen und grundlegenden sittlichen Lehren zufriedengeben. Bedeutet die hier auf Grundlage solcher Vermutungen gegebene Anweisung, die Bedeutung des Din zu bestimmen, etwa nur Glaubensüberzeugungen und grundlegende sittliche Lehren, oder gehören auch die gesetzlichen Bestimmungen der Scharia dazu? Beim Studium des Koran finden wir, dass neben Glaubensüberzeugungen und sittlichen Lehren auch die folgenden Dinge zum Din gerechnet werden:
(Arabisch****************************************auf PDF-Seite 353)
Ihnen wurde nichts anderes befohlen, als Allah allein in völliger Hingabe den Din zu widmen, Ihm zu dienen, das Gebet zu verrichten und die Zakat zu entrichten. Das ist der Din der rechtschaffenen Gemeinschaft.“ – (Sure al-Bayyina: 5)
Daraus wird ersichtlich, dass Gebet und Zakat zum Din gehören. In den verschiedenen Scharia-Gesetzen gibt es jedoch unterschiedliche Bestimmungen über diese beiden Handlungen. Es kann nicht gesagt werden, dass in allen früheren Scharia-Gesetzen die Form des Gebets, seine Arkan, die Rakaat, die Qibla, die Zeiten und die übrigen Bestimmungen gleich waren. Dasselbe gilt für die Zakat. Niemand kann behaupten, dass in allen Scharia-Gesetzen hinsichtlich des Nisab, ab dem die Zakat verpflichtend wird, ihres Satzes sowie ihrer Entrichtung und Verteilung dieselben Bestimmungen galten. Trotz dieser Unterschiede in der Scharia hat Allah der Erhabene diese beiden Dinge als Bestandteile des Din bezeichnet.
(Arabisch****************************************auf PDF-Seite 353)
„Verboten sind euch Aas, Blut, Schweinefleisch, Tiere, die im Namen eines anderen als Allahs geschlachtet wurden, sowie Tiere, die durch Ersticken, einen Schlag, einen Stoß, einen Sturz aus großer Höhe oder den Angriff eines Raubtiers verendet sind. Ausgenommen ist, was ihr noch lebend vorfindet und schlachtet; das ist erlaubt. Ebenso verboten sind Tiere, die an einem Heiligtum geschlachtet wurden. Auch das Ermitteln des Schicksals durch Würfelspiel ist euch verboten. All dies ist frevelhaft. Heute haben die Ungläubigen jede Hoffnung hinsichtlich eures Din aufgegeben. Fürchtet sie daher nicht, sondern fürchtet Mich. Heute habe Ich euren Din für euch vollendet, Meine Gnade an euch vervollkommnet und den Islam für euch als Din erwählt.“ – (Sure al-Maida: 3)
Daraus wird ersichtlich, dass auch diese Bestimmungen der Scharia zum Din gehören.
(Arabisch****************************************auf PDF-Seite 353)
„Kämpft gegen diejenigen, die nicht an Allah und den Jüngsten Tag glauben, nicht für verboten erklären, was Allah und Sein Gesandter verboten haben, und nicht den wahren Din als ihren Din annehmen.“ – (Sure at-Tauba: 29)
Daraus wurde ersichtlich, dass neben dem Glauben an Allah und das Jenseits auch die Befolgung und Einhaltung der von Allah und Seinem Gesandten festgelegten Bestimmungen über Erlaubtes und Verbotenes zum Din gehören.
(Arabisch****************************************auf PDF-Seite 354)
„Geißelt die ehebrecherische Frau und den ehebrecherischen Mann jeweils mit hundert Hieben. Und lasst euch ihnen gegenüber in der Angelegenheit von Allahs Din nicht von Mitleid bewegen, wenn ihr an Allah und das Jenseits glaubt.“ – (Sure an-Nur: 2)
Daraus wurde ersichtlich, dass auch die Strafrechtsbestimmungen zum Din gehören.
Es wurden vier Beispiele dafür angeführt, dass die Bestimmungen der Scharia ausdrücklich als Din bezeichnet werden. Darüber hinaus wird man bei einem gründlichen und sorgfältigen Studium erkennen, dass auch der Verzicht auf jene Sünden, vor denen Allah mit der Hölle gewarnt hat – etwa Ehebruch, Zins, die Tötung eines Muslims, der Verzehr des Eigentums von Waisen und die unrechtmäßige Aneignung des Vermögens anderer –, sowie auf jene Verbrechen, für die Allahs Strafe als unausweichlich angekündigt wurde – etwa gleichgeschlechtlicher Verkehr und Betrug bei geschäftlichen Transaktionen –, zum Din gehört. Denn welchen anderen Sinn könnte der Din haben, als vor der Hölle und der göttlichen Strafe zu bewahren? Ebenso sind jene Bestimmungen der Scharia, deren Missachtung den Grund dafür bildet, für immer in die Hölle geworfen zu werden, als Bestandteil des Din anzuerkennen. Als Beispiel kann man die Bestimmungen über das Erbrecht anführen. Nachdem diese Bestimmungen dargelegt worden waren, sagte Allah abschließend:
(Arabisch****************************************auf PDF-Seite 354)
„Wer Allah und Seinem Gesandten ungehorsam ist und Allahs festgelegte Grenzen überschreitet, den wird Allah in die Hölle werfen. Dort wird er ewig bleiben. Für ihn ist eine erniedrigende Strafe bestimmt.“ – (Sure an-Nisa: 14)
Ebenso kann man die Dinge, die für haram erklärt wurden, wie Glücksspiel, falsches Zeugnis und dergleichen, nicht mit der Begründung aus dem Din ausschließen, Allah habe hinsichtlich ihres Verbots unnötige Anordnungen erlassen, deren Umsetzung Er nicht wünsche. Ebenso können die Handlungen, die Allah zur Pflicht erklärt hat, wie das Fasten und die Pilgerfahrt, nicht mit der Ausrede aus dem Din ausgeschlossen werden, dass die dreißig Fastentage des Ramadan in den früheren Scharia-Gesetzen nicht vorgeschrieben gewesen seien und die Pilgerfahrt zur Kaaba unter den Nachkommen Ibrahims nur zur Scharia Ismails gehört habe.
Das Gesetz des Landes und der Dīn
der Sure Yūsuf(Arabisch************) (Nach dem Gesetz des Königs konnte Yūsuf seinen Bruder nicht festhalten.) In diesem Vers hat Allah taʿālā das Wort „Dīn“ im Sinne des Gesetzes des Landes (Law of the land) verwendet und damit die umfassende Bedeutung des Dīn deutlich gemacht. Dadurch wird die Vorstellung derjenigen gegenstandslos, die die Botschaft der Propheten auf die Verehrung des einen Gottes im allgemeinen religiösen Sinne und auf die Befolgung einiger religiöser Riten und Bräuche beschränken und meinen, der Dīn habe mit der menschlichen Zivilisation, der Politik, der Wirtschaft, dem Gesetz, der Rechtsprechung und anderen weltlichen Angelegenheiten nichts zu tun. Und falls er damit doch etwas zu tun habe, seien die Anweisungen des Dīn in diesen Angelegenheiten lediglich unverbindliche Empfehlungen. Wenn man danach handeln könne, sei das gut; andernfalls sei es nicht falsch, die von Menschen selbst erdachten Gesetze und Vorschriften zu befolgen. Dies ist eine offenkundig irreführende Vorstellung. Diese Vorstellung ist unter den Muslimen seit langer Zeit verbreitet und in hohem Maße dafür verantwortlich, dass die Muslime gegenüber dem Versuch, eine islamische Lebensordnung zu errichten, gleichgültig geblieben sind. Aufgrund dieser Vorstellung haben die Muslime die kufrische und jāhilische Lebensordnung nicht nur hingenommen, sondern sich sogar bereitgefunden, sie als eine Sunna des Propheten zu betrachten und an dieser Lebensordnung teilzuhaben und sie zu leiten. Indem dieser Vers das Strafrecht als Dīn bezeichnet, hat er ihre Vorstellung als falsch erwiesen. Hier erklärt Allah taʿālā ausdrücklich, dass ebenso wie Gebet, Fasten und Haddsch auch die Gesetze zur Leitung von Gesellschaft und Staat zum Dīn gehören. Daher bedeutet der Dīn, dessen Befolgung in Versen wie „“ und „“ verlangt wird, nicht nur das Verrichten von Gebet und Fasten, sondern auch die gesellschaftliche Ordnung des Islam. Wenn man diese außer Acht lässt und eine andere Ordnung befolgt, kann dies bei Allah nicht annehmbar sein.(Arabisch************) (Der Islam ist der einzige von Allah auserwählte Dīn) und (Arabisch************) (Wer etwas anderes als den Islam als Dīn annimmt, von dem wird es niemals angenommen werden). In diesen und ähnlichen Versen bedeutet die Aufforderung zur Befolgung des Dīn nicht nur das Verrichten von Gebet und Fasten, sondern auch die gesellschaftliche Ordnung des Islam. Wenn man diese außer Acht lässt und eine andere Ordnung befolgt, kann dies bei Allah nicht annehmbar sein.
Die eigentliche Sache ist, dass man dem Vers aus der Sure al-Māʾida Arabisch***************) (Ich habe für jede Gemeinschaft eine Scharia und einen Weg festgelegt) eine entgegengesetzte Bedeutung gegeben und daraus geschlossen hat: Da die Scharia für jede Gemeinschaft eine andere war und nur zur Errichtung jenes Dīn aufgefordert wurde, der bei allen Propheten derselbe war, sei die Aufforderung zur Errichtung der Scharia nicht in der Aufforderung zur Errichtung des Dīn enthalten. Doch tatsächlich ist die Bedeutung dieses Verses genau das Gegenteil. Liest man die Verse 41 bis 50, die dem Vers in der Sure al-Māʾida vorausgehen und folgen, aufmerksam, wird deutlich, dass die richtige Bedeutung dieses Verses darin besteht, dass die Scharia, die Allah der Gemeinschaft eines jeweiligen Propheten gegeben hatte, für diese Gemeinschaft ihr Dīn war. Zur Zeit jenes Propheten war befohlen, eben diesen Dīn und diese Scharia zu errichten. Da nun das Zeitalter des Prophetentums Muḥammads (s.a.w.) angebrochen ist, ist die Scharia, die der Gemeinschaft Muḥammads gegeben wurde, für diese Zeit der Dīn; ihre Errichtung bedeutet also die Errichtung des Dīn. Die Verschiedenheit zwischen diesen Schariaordnungen bedeutet nicht, dass die Schariaordnungen Gottes einander widersprochen hätten. Vielmehr bedeutet sie, dass es entsprechend den jeweiligen Umständen gewisse Unterschiede in Einzelheiten gab. Nehmen wir zum Beispiel das Gebet und das Fasten. Das Gebet war in jeder Scharia verpflichtend, aber nicht in jeder Scharia gab es dieselbe Gebetsrichtung. Auch die Gebetszeiten, die Rakʿāt sowie die einzelnen Bestandteile und Regeln des Gebets unterschieden sich. Ebenso war das Fasten in jeder Scharia verpflichtend, aber nicht in jeder Scharia gab es dreißig Fastentage im Monat Ramaḍān. Deshalb ist es nicht richtig zu sagen, das allgemeine Verrichten des Gebets und das Fasten zu festgelegten Zeiten gehörten nicht zur Errichtung des Dīn. Die fehlerfreie Schlussfolgerung daraus lautet: Für die Gemeinschaft jedes Propheten bedeutete die Verrichtung des Gebets und das Fasten in jener Zeit nach den Regeln, die die damalige Scharia für Gebet und Fasten festgelegt hatte, die Errichtung des Dīn. In der heutigen Zeit bedeutet die Errichtung des Dīn, diese gottesdienstlichen Handlungen nach den Regeln und Bestimmungen zu vollziehen, die die Scharia Muḥammads dafür festlegt. Aus diesen beiden Beispielen lassen sich alle übrigen Bestimmungen der Scharia ableiten.
Der Dīn beansprucht die eigene Herrschaftsgewalt
Wenn man den Heiligen Koran aufmerksam studiert, wird man klar erkennen, dass dieses erhabene Buch seinen Anhängern kein Programm für ein religiöses Leben als besiegte und gehorsame Bürger vorlegt, indem es sie als Untertanen eines kufrischen Systems und der Ungläubigen betrachtet. Vielmehr strebt es offen danach, seine eigene Herrschaftsordnung zu errichten. Es ruft seine Anhänger dazu auf, sich mit dem Ziel einzusetzen und ihr Leben zu opfern, den wahren Dīn in den Bereichen des Denkens, der Moral, der Zivilisation, der Gesetze und der Politik zum Sieg zu verhelfen. Dieses erhabene Buch gibt ihnen zur Verbesserung des menschlichen Lebens ein Programm, dessen großer Teil nur verwirklicht werden kann, wenn sich die Herrschaftsgewalt in den Händen gläubiger Menschen befindet. Dieses erhabene Buch beschreibt den Zweck seiner Herabsendung folgendermaßen:
(Arabisch*****************************************auf PDF-Seite 356)
„(O Prophet!) Wir haben dir dieses erhabene Buch in Wahrheit herabgesandt, damit du unter den Menschen nach dem Licht richten und entscheiden kannst, das Allah dir gezeigt hat.“ – (Sure an-Nisāʾ: 105)
In diesem Buch sind die Bestimmungen über die Erhebung und Verteilung der Zakat festgelegt. Hinter diesen Bestimmungen steht offenkundig die Vorstellung einer Regierung, die die Zakat erhebt und die Verantwortung für ihre Verteilung unter den Berechtigten übernimmt – (Sure at-Tauba: 60–130). Die Anweisung in diesem Buch, den Zins abzuschaffen, sowie die Kriegserklärung gegen diejenigen, die weiterhin Zinsen nehmen (al-Baqara: 257), kann nur umgesetzt werden, wenn das politische und wirtschaftliche System des Landes vollständig in die Hände gläubiger Menschen gelangt. Die in diesem Buch erlassene Anordnung, den Mörder mit dem Tod zu bestrafen (al-Baqara: 178), dem Dieb die Hand abzuschlagen (al-Maida: 38) und Ehebruch sowie die Beschuldigung des Ehebruchs zu bestrafen, wurde nicht unter der Annahme erlassen, dass die Gerichte und die Polizei der Ungläubigen der Durchführung dieser Bestimmungen unterstehen würden. Darin wird auch der Befehl erteilt, gegen die Ungläubigen Krieg zu führen (al-Baqara: 190–216).
Dies geschieht nicht in der Annahme, dass die Anhänger dieses Dīn als Soldaten in den Dienst einer Regierung der Ungläubigen eintreten und diesen Befehl ausführen würden. Darin wird auch angeordnet, von den Juden und Christen die Dschizya zu erheben. Es kann jedoch nicht sein, dass die Muslime als Untertanen der Ungläubigen von ihnen die Dschizya erheben und die Verantwortung für ihren Schutz übernehmen. Dies gilt nicht nur für die nach der Hidschra offenbarten Suren. Selbst beim Lesen der vor der Hidschra offenbarten Suren kann ein aufmerksamer Mensch deutlich erkennen, dass von Anfang an im Koran vorgesehen war, die Gläubigen siegreich und maßgebend zu machen; niemals war vorgesehen, dass Islam und Muslime unter der Regierung der Ungläubigen als Schutzbefohlene verbleiben sollten.
Das Zeugnis vom tatsächlichen Wirken des Propheten (s)
Vor allem steht die oben erwähnte irrige Auslegung im Widerspruch zu den tatsächlichen Taten des Propheten Muhammad (s) während der dreiundzwanzig Jahre seiner Sendungszeit. Wer wüsste nicht, dass er mit der Hilfe sowohl der Verkündigung als auch des Schwertes die gesamte arabische Welt unterwarf und dort ein vollständiges staatliches System mit einer ausführlichen Scharia errichtete? Dieser Staat erstreckte seinen Einfluss auf alle Seiten und Bereiche des Lebens – vom Glauben und der Überzeugung angefangen über den individuellen und gemeinschaftlichen Charakter, Zivilisation und Kultur, Wirtschaft und Gesellschaftsordnung, Politik und Rechtsprechung bis hin zu Krieg und Frieden. Wenn man nicht anerkennt, dass all seine Handlungen die praktische Auslegung des in dem angeführten Vers allen Propheten einschließlich des Propheten Muhammad (s) erteilten Befehls zur Errichtung des Dīn waren, ergeben sich daraus zwei mögliche Bedeutungen. Entweder müsste man dem Gesandten Allahs (s) – Allah bewahre uns davor – vorwerfen, ihm sei nur befohlen worden, die wichtigsten Grundsätze des Glaubens und der Moral zu verkünden, während er diese Grenze überschritten, aus eigener Initiative einen Staat errichtet und ein ausführliches Gesetzeswerk geschaffen habe, das sich von der zusammengefassten Scharia aller Propheten unterschied und darüber hinausging. Oder man müsste Allah selbst den Vorwurf machen, dass Er nach der in Sure asch-Schura erwähnten Verkündung selbst das Gegenteil getan und durch Seinen Propheten etwas bewirkt habe, das weit über die in jener Sure verkündete Errichtung des Dīn hinausging und von ihr verschieden war. Nicht nur das: Nach der Vollendung dieses Werkes verkündete Er außerdem eine zweite Verkündung, die Seiner ersten widersprach(Arabisch***********) („Heute habe Ich euren Dīn für euch vervollkommnet“) – Allah bewahre uns davor.
Dīn ist ein umfassender und weitreichender Begriff
Der Heilige Koran verwendet das Wort Dīn als einen Begriff von umfassender Bedeutung. Es bezeichnet eine Lebensordnung, unter der der Mensch die Souveränität eines anderen anerkennt und ihm gehorcht, sein Leben innerhalb der von diesem festgelegten Grenzen, Bräuche und Gesetze führt, durch seinen Gehorsam auf Ehre, Aufstieg und Belohnung hofft und in sich die Furcht tragen muss, infolge seines Ungehorsams Demütigung, Erniedrigung und Strafe zu erleiden. Vermutlich gibt es in keiner Sprache der Welt ein Wort von einer derart umfassenden Bedeutung. In den folgenden Versen wird Dīn in eben diesem Sinne als Fachbegriff verwendet:
(Arabisch*****************************************auf Seite 358 der PDF)
„Kämpft gegen diejenigen unter den Leuten der Schrift (Juden und Christen), die nicht an Allah glauben (das heißt, Ihn nicht als den alleinigen Besitzer der Souveränität anerkennen), nicht an das Jenseits (das heißt, den Tag der Abrechnung und Vergeltung) glauben, nicht als verboten anerkennen, was Allah und Sein Gesandter verboten haben, und die wahre Religion nicht als ihre Religion annehmen, bis sie eigenhändig die Dschizya entrichten und sich unterwerfen.“ – (Sure at-Tauba: 29)
In diesem Vers ist Din al-Haqq (die Religion der Wahrheit) ein terminologischer Ausdruck. Was damit gemeint ist, hat Er selbst in den ersten drei Aussagen des Verses erklärt. Die Gesamtheit dieser drei wird als Din al-Haqq bezeichnet:
(Arabisch*************************************PDF 358 )
„Der Pharao sagte: Lasst mich nur Musa töten; dann soll er seinen Herrn anrufen. Ich befürchte, dass er eure Religion verändert oder im Land Unheil stiftet.“ – (Sure al-Muʾmin: 26)
Wenn man die im Koran überlieferten Berichte über den Pharao und Musa im Zusammenhang prüft und beurteilt, wird zweifellos deutlich, dass Din hier nicht lediglich im Sinne einer Religion verwendet wird. Vielmehr wird es im Sinne eines staatlichen und zivilisatorischen Systems verwendet. Die Aussage des Pharaos war, dass sich, falls Musas (a.s.) Vorhaben Erfolg habe, die Staatsordnung verändern werde. Das unter der Souveränität des Pharaos und auf der Grundlage der geltenden Gesetze, Regeln und Bräuche bestehende Lebenssystem werde beseitigt; an seine Stelle werde entweder ein neues System auf neuen Grundlagen errichtet, oder es werde überhaupt kein System entstehen, sondern im ganzen Land werde eine chaotische Lage ausbrechen.
(Arabisch*************************************PDF 358 )
„Die einzige von Allah auserwählte Religion ist der Islam.“ – (Sure Āl ʿImrān: 19)
(Arabisch*************************************PDF 358 )
„Wer eine andere Religion als den Islam sucht, von dem wird diese Religion keineswegs angenommen werden.“ – (Sure Āl ʿImrān: 85)
(Arabisch*************************************PDF 358 )
„Er ist der alleinige Allah, der Seinen Gesandten mit der rechten Leitung und der wahren Religion entsandt hat, damit Er sie über alle anderen Religionen siegen lasse, mag sie den Götzendienern auch noch so anstößig sein.“ – (Sure At-Tauba: 36)
(Arabisch*************************************PDF 359 )
„Kämpft gegen sie, bis auf der Welt alle kufrischen Systeme beseitigt sind und die Religion ausschließlich für Allah bestimmt ist.“ – (Sure Al-Anfal: 39)
(Arabisch*************************************PDF 359 )
„Wenn Allahs Hilfe eingetroffen und der Sieg eingeleitet ist und du siehst, dass die Menschen scharenweise in Allahs Religion eintreten, dann lobpreise nun deinen Herrn, verherrliche Ihn und bitte Ihn um Vergebung. Wahrlich, Er ist überaus vergebend.“ – (Sure An-Nasr)
Mit „Religion“ ist in diesen Versen jede Seite und jeder Bereich des Lebens gemeint, etwa Glaubensüberzeugung, Denkweise, Moral und praktische Handlungen.
In den ersten beiden Versen wird gesagt, dass allein jene Lebensordnung, die auf dem Gehorsam gegenüber Allah und Seiner Anbetung (Islam) beruht, die von Allah erwählte, reine Lebensordnung ist. Eine Lebensordnung hingegen, die auf dem Gehorsam gegenüber irgendeiner falschen souveränen Macht beruht, ist beim Herrn der Welten niemals annehmbar und kann es ihrer Natur nach auch nicht sein. Denn der Mensch ist Allahs Geschöpf, Sein Diener, von Ihm erhalten und lebt als Untertan in Seinem Reich. Daher kann er niemals akzeptieren, dass der Mensch das Recht habe, unter Ausschluss Allahs im Gehorsam und in der Knechtschaft gegenüber irgendeiner anderen Macht zu leben und den Anweisungen eines anderen zu folgen.
Im dritten Vers wird gesagt, dass Allah Seinen Gesandten mit dieser reinen, fehlerlosen und wahren Lebensordnung, nämlich dem Islam, gesandt hat und dass der Zweck seiner Sendung darin besteht, diese Lebensordnung über alle anderen Lebensordnungen siegreich zu machen.
Im vierten Vers wird den Anhängern der islamischen Lebensordnung befohlen, so lange gegen die Bewohner der Erde zu kämpfen, bis alle auf Auflehnung gegen Gott gegründeten Lebensordnungen aus der Welt beseitigt und Anbetung und Gehorsam ausschließlich für Allah bestimmt worden sind.
Im fünften Vers wird der Gesandte Allahs (s) zu einem Zeitpunkt angesprochen, als die Revolution in Arabien durch dreiundzwanzig Jahre unermüdlicher und ununterbrochener Anstrengungen vollendet worden war. Der Islam war als eine Glaubens-, Denk-, Moral-, Bildungs-, soziale, zivilisatorische, wirtschaftliche und politische Ordnung tatsächlich errichtet worden, und aus den verschiedenen Regionen Arabiens traten die Menschen in Scharen unter diese Ordnung. Auf diese Weise war das von dem Propheten Muhammad (s) vollbrachte Werk vollendet. Ihm wird gesagt, dass er diesen gewaltigen Erfolg nicht als seinen eigenen Erfolg betrachten und deshalb nicht stolz darauf sein solle.
Das Wesen, das über jede Art von Fehlern, Unzulänglichkeiten und Unvollkommenheit erhaben ist, ist das Wesen des Herrn des Propheten Muhammad (s). Daher wird ihm angesichts der Vollendung dieses gewaltigen Werkes befohlen, den Tasbih und das Lob seines Herrn zu sprechen und bei Ihm für die Fehler und Unzulänglichkeiten, die sich während des langen dreiundzwanzigjährigen Ringens und Bemühens ereignet haben, um Vergebung zu bitten.
Kapitel: 9 – Die Wunder
Eine Erörterung über die Wunder
Wann immer die Propheten sich als von dem Herrn der Welten gesandte Überbringer der Botschaft vorgestellt haben, forderten die Menschen von ihnen: Wenn ihr tatsächlich Stellvertreter des Herrn der Welten seid, dann solltet ihr etwas Ungewöhnliches und Übernatürliches vollbringen, das sich über den gewöhnlichen Verlauf der Naturgesetze erhebt, sodass beim Anblick dessen eindeutig der Eindruck entsteht, dass der Herr der Welten durch unmittelbares Eingreifen dieses Ereignis als Zeichen zur Bestätigung eurer Wahrhaftigkeit herbeigeführt hat. Als Antwort auf diese Forderung zeigten die Propheten einige Zeichen. In der Terminologie des Korans werden sie Ayat oder Zeichen genannt, und in der Terminologie der Gelehrten der Glaubenslehre werden sie Wunder genannt.
Die Verwirrung der Leugner der Wunder
Manche Menschen versuchen, solche Zeichen oder Wunder als gewöhnliche und natürliche Ereignisse zu beweisen, die sich im Rahmen der Naturgesetze ereignet hätten. Tatsächlich nehmen sie eine unlogische und schwer verständliche Zwischenposition zwischen dem Anerkennen und dem Nichtanerkennen des Korans ein. Denn wenn der Koran eindeutig ein übernatürliches Ereignis erwähnt, ist der Versuch, es entgegen dem gesamten Zusammenhang der Darstellung als gewöhnliches Ereignis hinzustellen, nichts anderes als äußerst absonderliche Wortklauberei. Eine solche Wortklauberei benötigen nur jene Menschen, die weder an ein Buch glauben wollen, das ungewöhnliche Ereignisse berichtet, noch es ablehnen können, weil sie aufgrund ihrer Herkunft an die Religion ihrer Vorfahren glauben – obwohl in diesem Buch tatsächlich übernatürliche Ereignisse erwähnt werden.
Die eigentliche Frage
Die entscheidende Frage in Bezug auf Wunder lautet: Ist Allah, nachdem Er die natürliche Welt nach einer bestimmten Ordnung eingerichtet hat, untätig geworden und hat Er die Fähigkeit verloren, irgendwo in diesen bestehenden Ablauf einzugreifen? Oder hat Er die Verantwortung für die Verwaltung Seines Reiches in Seinen eigenen Händen behalten, sodass Sein Befehl in jedem Augenblick in diesem Reich wirksam wird und Er die Macht besitzt, die bestehende Gestalt der Dinge und den gewöhnlichen Verlauf der Ereignisse teilweise oder vollständig zu verändern, wann immer und wie immer Er will?
Zwei Perspektiven
Für diejenigen, die in ihrer Antwort auf diese Frage die erste Auffassung vertreten, ist es unmöglich, Wunder anzuerkennen. Denn Wunder lassen sich nicht mit ihrer Vorstellung von Gott und dem Universum vereinbaren. Solche Menschen sollten sich jedoch nicht mit der Auslegung und Erklärung des Korans beschäftigen, sondern den Koran in klaren Worten ablehnen. Denn die erstgenannte Vorstellung von Gott hat der Koran mit Nachdruck widerlegt und die zweite Vorstellung nachdrücklich bestätigt. Wer dagegen aufgrund der Beweise und Argumente des Korans von der erstgenannten Auffassung überzeugt ist, für den ist es überhaupt nicht schwierig, Wunder zu verstehen und an sie zu glauben. Nehmen wir zum Beispiel an, jemand vertritt die Überzeugung, dass eine Schlange nur auf die Weise entstehen kann, auf die Schlangen gewöhnlich geboren werden. Eine Schlange auf irgendeine andere Weise zu erschaffen, liege sogar außerhalb der Macht Allahs. Wenn man diesem Menschen mitteilt, dass der Stock eines gewissen Mannes sich in eine Schlange verwandelt und diese Schlange anschließend wieder die Gestalt eines Stockes angenommen habe, wird er diese Nachricht selbstverständlich mit völliger Sicherheit leugnen. Ein anderer Mensch dagegen vertritt die Überzeugung, dass Allah aus lebloser Materie lebendige Wesen erschafft. Er kann jedem leblosen Gegenstand Leben verleihen, wie immer Er will. Für diesen Menschen ist es ebenso wenig erstaunlich, dass bestimmte im Ei eingeschlossene leblose Bestandteile zu einer Schlange werden, wie dass aus einem Stock eine Schlange wird. Der Unterschied besteht lediglich darin, dass das eine Ereignis sich ständig ereignet, während das andere nur dreimal geschehen ist. Doch dieser Unterschied reicht nicht aus, um das eine erstaunlich und das andere nicht erstaunlich zu machen.
Der Beweis für die Wahrhaftigkeit der Wunder
(Arabisch*************************************PDF 364 )
„Sag: Mein Herr weiß am besten, wie viele es waren (die Gefährten der Höhle). Nur wenige Menschen kennen ihre genaue Zahl. Streite daher mit niemandem über ihre Zahl, außer in oberflächlichen Worten, und frage niemanden nach ihnen.“ – (Sure al-Kahf: 22)
Der Sinn dieses Verses aus der Sure al-Kahf ist, dass nicht ihre Anzahl das Entscheidende ist, sondern vielmehr die Lehre oder Ermahnung, die aus diesem Ereignis gewonnen wird. Die Lehre aus diesem Ereignis besteht darin, dass ein wahrhaft gläubiger Mensch unter keinen Umständen bereit sein darf, die Wahrheit zu ignorieren und sich vor dem Falschen zu beugen. Eine weitere Lehre ist, dass der Mu’min nicht auf die weltlichen Mittel und Hilfsmittel, sondern auf Allah vertrauen sollte. Auch wenn äußerlich keine Anzeichen für günstige Bedingungen erkennbar sind, sollte man, um für die Wahrheit zu wirken, im Vertrauen auf Allah den Weg der Wahrheit beschreiten.
Das Naturgesetz und Allahs höchste Macht
Eine weitere Lehre aus diesem Ereignis ist, dass Allah keinerlei Verpflichtung dieser Art unterliegt, wie die Menschen den gewöhnlichen Ablauf der Ereignisse, den sie als „Naturgesetz“ kennen und von dem sie annehmen, dass in der Welt nichts gegen dieses Gesetz geschehen könne. Er kann, wann und wo immer Er will, jedes ungewöhnliche Ereignis eintreten lassen, das dem gewöhnlichen Ablauf widerspricht. Dass ein Mensch zweihundert Jahre schläft und dann plötzlich so aufsteht, als hätte er nur einige Stunden geschlafen, ohne dass der Ablauf dieser langen Zeit irgendeine Wirkung auf seine Lebensdauer, sein Aussehen, seine Kleidung oder seine Gesundheit gehabt hätte – ein solches Ereignis herbeizuführen, ist für Ihn keine große Sache. Daraus lässt sich lernen, dass es nicht außerhalb von Allahs Macht liegt, gemäß den himmlischen Schriften und den Prophezeiungen der Propheten alle vergangenen und künftigen Generationen der Menschheit gemeinsam wieder zum Leben zu erwecken. Daraus wird ferner ersichtlich, dass unwissende und unreife Menschen in jeder Epoche statt aus Allahs Zeichen Lehre zu ziehen, daraus noch mehr Mittel zur Irreführung gewonnen haben, wie sie es im Fall der Leute der Höhle getan haben. – [Allah hatte das wunderbare Ereignis der Leute der Höhle mit dem Ziel geschehen lassen, dass die Menschen daraus den Glauben an das Jenseits gewinnen sollten. Doch aus eben diesem Zeichen schlossen sie umgekehrt, Allah habe ihnen noch einige weitere Götter zur Verehrung beschafft. – (Der Verfasser)]
Die Existenz unzähliger wundersamer Dinge in der Welt
In dieser von Allah erschaffenen Welt gibt es unzählige wundersame Dinge. Wohin auch immer man den Blick richtet, überall tritt die grenzenlose Erhabenheit Seiner Macht in Gestalt ungewöhnlicher Ereignisse in Erscheinung. Manche Ereignisse und Zustände zeigen sich gewöhnlich in einer bestimmten Form. Das kann jedoch kein Beweis dafür sein, dass sie nicht unter Verletzung dieses geltenden Gesetzes auf irgendeine andere ungewöhnliche Weise in Erscheinung treten könnten. Um diese Vorstellung zu widerlegen, gibt es überall im Weltall und auf jeder Stufe der Schöpfung eine lange Reihe ungewöhnlicher Zustände und Ereignisse. Besonders jemand, der eine klare Vorstellung von Allahs Allmacht besitzt, kann niemals den irrigen Gedanken hegen, es liege außerhalb der Macht des Herrn über Leben und Tod, einem Menschen eine Lebenszeit von tausend Jahren oder etwas mehr oder weniger zu gewähren. Wahr ist, dass der Mensch aus eigenem Willen nicht einmal einen Augenblick länger leben kann. Doch wenn Allah will, kann Er ihn so lange am Leben erhalten, wie Er möchte.
Eine Betrachtung der Wunder der früheren Propheten
Das Wunder der Kamelstute von Hadrat Salih (a.)
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„Zu den Thamud sandte Ich ihren Bruder Salih. Er sagte zu ihnen: O meine Volksgenossen! Dient Allah. Ihr habt keinen Gott außer Allah. Zu euch ist ein klarer Beweis von eurem Herrn gekommen. Bewegt euch auf Allahs Erde umher. Tut ihr aus böser Absicht kein Leid an. Sonst werdet ihr von einer schmerzhaften Strafe heimgesucht werden.“ – (Sure al-A’raf: 73)
Aus dem äußeren Wortlaut wird klar ersichtlich, dass mit den beiden Wörtern „klarer Beweis“ im ersten Teil des Verses und „Zeichen“ im zweiten Teil eben diese Kamelstute gemeint ist. Im achten Rukūʿ der Sure asch-Schuʿara wird ausführlich berichtet, dass die Thamud selbst von Hadhrat Salih ein Zeichen verlangten, durch das unwiderlegbar bewiesen werden sollte, dass er Allahs Prophet war. Als Antwort auf diese Forderung brachte Hadhrat Salih die Kamelstute hervor. Daher ist es zweifellos wahr, dass die Kamelstute als ein Wunder erschienen war. Sie war ein Wunder derselben Art wie jene Wunder, die viele andere Propheten den Ungläubigen als Beweis ihres Prophetentums zeigten. Hadhrat Salih hatte die Ungläubigen gewarnt, dass ihr Leben vom Weiterleben der Kamelstute abhänge. Aus dieser Warnung geht hervor, dass die Kamelstute in Form eines Wunders geboren worden war. Er sagte außerdem, dass die Kamelstute frei auf ihren Feldern umherweiden werde. An einem Tag werde sie allein trinken, am nächsten Tag würden alle anderen Tiere trinken. Wenn sie ihr irgendeinen Schaden zufügten, werde Allahs Strafe plötzlich über sie kommen. Es versteht sich von selbst, dass nur etwas, dessen Übernatürlichkeit die Menschen mit eigenen Augen sehen, mit einer solchen Würde dargestellt werden kann. Die Kamelstute weidete umher, wo immer sie wollte; an einem Tag trank sie allein, am anderen Tag tranken die Tiere aller anderen. Dieser Zustand dauerte lange an, und trotz ihres Widerwillens ertrugen sie ihn. Schließlich wurde sie nach vielen Beratungen und Verschwörungen getötet. Dabei besaß Hadhrat Salih keinerlei Macht, derentwegen sie ihn hätten fürchten müssen. Ein weiterer Beweis für die Übernatürlichkeit dieser Kamelstute ist, dass sie ihretwegen voller Angst waren und wussten, dass sich hinter ihr gewiss eine Macht verbarg, durch die sie sich so dreist unter ihnen bewegte. Im Koran und im Hadith findet sich keine klare Beschreibung darüber, wie die Kamelstute aussah und wie sie in Erscheinung trat. Deshalb besteht kein Anlass, die Berichte über ihre Entstehung anzunehmen, die die Kommentatoren angeführt haben. Aus dem Koran geht jedoch hervor, dass die Kamelstute in irgendeiner Hinsicht als ein Wunder erschienen war.
Das Wunder der Wiederbelebung der Toten
(Arabisch*************************************PDF 367 )
„Oder erinnere dich beispielsweise an denjenigen, der an einer zerstörten Ortschaft vorüberging und sagte: Wie wird Allah diese tote Ortschaft wiederbeleben? Darauf ließ Allah ihn sterben, und er blieb hundert Jahre tot liegen. Danach gab Allah ihm erneut das Leben und fragte ihn: Nun sag, wie lange bist du tot liegen geblieben? Er sagte: Einen Tag oder einige Stunden. Allah sagte: Nein, hundert Jahre sind über dich hinweggegangen. Sieh nun einmal auf deine Nahrung und dein Getränk: Sie sind überhaupt nicht verdorben. Und sieh auf deinen Esel (dessen Gebeine bereits verwesen). Dies alles habe Ich getan, um dich für die Menschen zu einem Zeichen zu machen. Sieh nun, wie Ich diese Gebeine aufrichte und sie mit Fleisch und Blut bekleide. Als ihm auf diese Weise die Wahrheit klar geworden war, sagte er: Ich weiß, dass Allah allmächtig ist.“ – (Sure al-Baqara: 259)
Es besteht kein Anlass zu erörtern, wer dieser Mann war und welche Ortschaft es war. Der eigentliche Grund für die Erwähnung dieses Ereignisses ist lediglich, darauf hinzuweisen, dass Allah demjenigen, der Ihn zu seinem Beschützer nimmt, auf diese Weise das Licht der Rechtleitung schenkt. Wir haben keine Möglichkeit, die Person und den Ort zu bestimmen, und daraus ergäbe sich auch kein Nutzen. Aus der folgenden Darstellung geht jedoch hervor, dass derjenige, von dem hier die Rede ist, gewiss ein Prophet war.
Die oben erwähnte Frage bedeutet nicht, dass dieser ehrwürdige Mann an das Jenseits nicht geglaubt hätte oder diesbezüglich Zweifel gehegt hätte. Vielmehr wollte er tatsächlich eine unmittelbare Erfahrung der verborgenen Wahrheit erlangen. Den Propheten wurde diese Möglichkeit gewährt. Dass ein Mensch, von dem die Menschen der Welt wussten, er sei vor hundert Jahren gestorben, lebendig zurückkehrt, genügt, um ihn unter seinen Zeitgenossen zu einem eindrucksvollen Beispiel zu machen.
Die Heilquelle, die Ayyubs Krankheit heilte
(Arabisch*************************************PDF 368)
„Gedenke Meines Dieners Ayyub. Er wandte sich an seinen Herrn und sagte: Satan hat mich mit quälendem Leid und Qual heimgesucht. (Ich wies ihn an:) Stampfe mit deinem Fuß auf den Boden. Dies ist kaltes Wasser zum Baden und Trinken.“ – (Sure Sad: 41–42)
Auf Allahs Geheiß sprang, sobald er mit dem Fuß auf den Boden stampfte, eine Quelle hervor. Das Trinken ihres Wassers und das Baden darin waren die Behandlung für Hazrat Ayyubs Krankheit. Anscheinend litt Hazrat Ayyub möglicherweise an einer schweren Hautkrankheit. Auch in der Bibel wird gesagt, dass sein ganzer Körper, vom Kopf bis zu den Füßen, von Geschwüren bedeckt war.
Das Wunder von Hazrat Ibrahim (a.s.)
Das Ereignis der Wiederbelebung von vier Vögeln
(Arabisch*************************************PDF 368)
„Gedenke auch jenes Ereignisses, als Ibrahim sagte: O mein Herr! Zeige mir, wie Du die Toten wieder zum Leben erweckst. Allah sagte: Glaubst du etwa nicht? Ibrahim sagte: Doch, ich glaube. Aber ich brauche die Beruhigung meines Herzens. Allah sagte: Dann nimm vier Vögel und gewöhne sie an dich. Danach lege je einen Teil von ihnen auf je einen Berg. Dann rufe sie. Sie werden eilends zu dir kommen. Wisse, dass Allah allmächtig und äußerst kundig ist.“ – (Sure al-Baqara: 260)
Hazrat Ibrahim erhält im hohen Alter ein Kind
(Arabisch*************************************PDF 368 )
„Darauf verkündete Ich ihm die frohe Botschaft von Ishaq und nach Ishaq von Yaqub. Er sagte: Wehe mir! Soll ich etwa ein Kind bekommen? Ich bin doch zu einer gebrechlichen alten Frau geworden, und auch mein Mann ist alt geworden. Das ist wahrlich eine höchst erstaunliche Sache. Die Engel sagten: Wunderst du dich über Allahs Entscheidung? O Familie Ibrahims! Auf euch sind Allahs Barmherzigkeit und Sein Segen. Wahrlich, Allah ist höchst lobenswert und von gewaltiger Erhabenheit.“ – (Sure Hud: 71–73)
Hazrat Ibrahims Rettung aus dem Feuer
(Arabisch*************************************PDF 369 )
„Sie sagten zueinander: Errichtet für ihn einen Scheiterhaufen und werft ihn in die lodernden Flammen. Sie schmiedeten eine Intrige gegen ihn; doch Ich machte sie zu den Unterlegenen.“ – (Sure as-Saffat: 97–98)
Die Wunder von Hazrat Musa (a.s.)
(Arabisch*************************************PDF 369 )
„Darauf sandte Ich Musa und seinen Bruder Harun mit Meinen Zeichen und einem eindeutigen Beweis zu Pharao und seinen Gefolgsleuten.“ – (Sure al-Mu’minun: 45–46)
Die Bedeutung der Erwähnung des „unwiderlegbaren Beweises“ nach den „Zeichen“ könnte darin liegen, dass allein das Vorhandensein dieser Zeichen bei ihnen beiden ein unwiderlegbarer Beweis für ihre Prophetenschaft war. Ebenso ist möglich, dass die Wunder, die er in Ägypten außer dem Stab zeigte, als Zeichen bezeichnet werden, während der unwiderlegbare Beweis seinen Stab bedeutet. Denn die durch den Stab offenbarten Wunder ließen hinsichtlich dessen, dass sie beide Gesandte waren, keinen Raum für irgendeinen weiteren Zweifel.
(Arabisch*************************************PDF 369 )
„Als sie ihre Zaubermittel warfen, bezauberten sie die Augen der Zuschauer und erfüllten ihre Herzen mit Furcht. So führten sie eine gewaltige Zauberei vor. Da gab Ich Moses ein: Wirf deinen Stab! Kaum hatte er ihn geworfen, begann er, das Trugbild ihrer falschen Zauberei zu verschlingen.“ (Sure al-Aʿrāf: 116–117)
Der Stab des Propheten Moses
Es ist nicht richtig anzunehmen, dass der Stab des Propheten Moses jene Stäbe und Seile der Zauberer verschlungen habe, die wie Riesenschlangen aussahen. Die Aussage des Korans besagt lediglich, dass Moses’ Stab, nachdem er sich in eine Schlange verwandelt hatte, die trügerische Illusion der Zauberer verschlang. Der Sinn des Verses scheint eindeutig darauf hinzudeuten, dass die Wirkung der Zauberei an allen Stellen verschwand, an denen die Schlange des Moses vorbeikam. Durch die Wirkung der Zauberei schien es, als würden die Stäbe und Seile der Zauberer sich wie Schlangen aufrichten und ihre Hauben spreizen. Doch sobald Moses’ Schlange einmal im Kreis herumgegangen war, nahmen alle Stäbe wieder die Gestalt von Stäben und alle Seile die Gestalt von Seilen an.
Verschiedene warnende Strafen über das Volk des Pharao
(Arabisch*************************************PDF 370 )
„Ich ließ das Volk des Pharao mehrere Jahre lang von Dürre und Missernten heimsuchen, damit es zur Besinnung käme. Doch ihr Zustand war derart, dass sie bei guten Verhältnissen sagten: Wir verdienen dies. Und wenn ihnen etwas Schlechtes widerfuhr, hielten sie Moses und seine Gefährten für die Ursache ihres Unglücks. In Wirklichkeit lag ihr Unglück bei Allah, doch die meisten von ihnen wussten es nicht. Sie sagten zu Moses: Welches Zeichen du auch immer bringst, um uns damit zu verzaubern, wir werden dir nicht glauben. Schließlich ließ Ich über sie Stürme hereinbrechen, verbreitete Heuschrecken, sandte Termiten und Frösche und ließ Blut regnen. Diese Zeichen zeigte Ich ihnen einzeln. Doch sie schritten weiterhin auf dem Weg des Hochmuts voran. Wahrlich, sie waren ein schwer verbrecherisches Volk.“ (Sure al-Aʿrāf: 130–133)
Die Höflinge des Pharao bezeichneten sogar das als Zauberei, von dem sie ganz sicher wussten, dass es keinesfalls die Wirkung von Zauberei sein konnte, und bewiesen damit Starrsinn und Wortklauberei. Dass eine Hungersnot im ganzen Land und ein fortwährender Ernteausfall das Werk irgendeines Zauberers sein könnten, wird wohl kein vernünftiger Mensch glauben. Deshalb heißt es im Koran:
(Arabisch*************************************PDF 370 )
„Als sie Meine Zeichen sahen, sagten sie: Das ist gewiss offenkundige Zauberei. Obwohl ihre Herzen im Innersten überzeugt waren, leugneten sie sie aus nichts anderem als Hochmut und Überheblichkeit.“ – (Sure an-Naml: 13–14)
Der Sturm, von dem im zuvor erwähnten Vers die Rede ist, war vermutlich ein heftiger Regensturm mit Hagel. Es könnte auch eine andere Art von Sturm gewesen sein. In der Bibel wird jedoch ein durch Schneefall verursachter Sturm erwähnt. Daher habe ich diese Bedeutung verwendet.
Das in jenem Vers verwendete Wort „Kummal“ hat mehrere Bedeutungen, nämlich: Läuse, kleine Heuschrecken, Mücken, Termiten und anderes. Der Grund für die Verwendung eines derart umfassenden Begriffs ist vermutlich, dass Mücken und Läuse die Menschen befielen und Termiten die Vorratslager angriffen. – (Siehe die Kapitel 7 bis 12 des biblischen Buches Exodus.)
neun Zeichen
(Arabisch*************************************PDF 371 )
„Wir hatten Moses neun klare Zeichen gegeben. Frage nun selbst die Kinder Israels, was der Pharao zu ihm sagte, als Moses zu ihnen kam: O Moses, ich glaube, dass du gewiss verzaubert worden bist. Moses erwiderte ihm: Niemand außer dem Herrn der Himmel und der Erde hat diese eindrucksvollen Zeichen herabgesandt. O Pharao, ich glaube, dass du gewiss dem Verderben anheimgefallen bist.“ – (Sure Banī Isrāʾīl: 101–102)
In der Sure al-A’raf werden diese neun Zeichen erwähnt. Sie sind: 1. der Stab, der sich in eine Schlange verwandelte; 2. die leuchtende Hand, die, sobald sie unter der Achsel hervorgeholt wurde, wie die Sonne strahlte; 3. die öffentliche Niederlage der Zauberei der Zauberer; 4. eine nach einer Ankündigung über das ganze Land hereinbrechende Hungersnot; 5. aufeinanderfolgende Stürme; 6. Heuschrecken; 7. Termiten; 8. Frösche und 9. das Herabkommen verschiedener Plagen wie Blut.
Die Antwort, die Hazrat Musa auf die Worte des Pharaos gab, besagte im Kern, dass eine landesweite Hungersnot, eine Froschplage über Millionen Quadratmeilen, der Befall sämtlicher Lebensmittellager durch Termiten und andere Krisen dieser Art weder durch die Zauberei eines Zauberers noch durch irgendeine menschliche Kraft verursacht werden könnten. Hierbei ist daran zu erinnern, dass Hazrat Musa den Pharao vor jeder Plage warnte und sagte: Wenn du deine Halsstarrigkeit nicht aufgibst, wird diese und jene Plage über dein Reich gebracht werden. Genau die von ihm angekündigte Plage trat dann zur vorgesehenen Zeit ein. Unter diesen Umständen kann nur ein Verrückter oder ein halsstarriger Mensch behaupten, dass diese Plagen von irgendjemand anderem als Allah, dem Herrn von Himmel und Erde, verursacht worden seien.
Die Spaltung des Meeres durch den Stab
(Arabisch*************************************PDF 371)
»Und Wir offenbarten Musa: Brich nun mit Meinen Dienern bei Nacht auf und bahne ihnen einen trockenen Weg durch das Meer. Fürchtet nicht, dass jemand euch verfolgt, und habt keine Angst, während ihr durch das Meer geht.« – (Sure Taha: 77)
Der Ablauf dieses Ereignisses war folgender: Allah bestimmte schließlich eine Nacht, in der alle muslimischen Israeliten und Nichtisraeliten – für sie wurde der umfassende Ausdruck »Meine Diener« verwendet – aus allen Gebieten auswandern und aufbrechen sollten. Sie versammelten sich an einem zuvor festgelegten Ort und brachen dann in Form einer Karawane auf. Zu jener Zeit gab es noch keinen Suezkanal. Das gesamte Gebiet vom Roten Meer bis zum Mittelmeer war offenes Gelände. Doch an allen Wegen dieses Gebietes befanden sich Militärstützpunkte. Daher war es nicht sicher, diese Strecke zu passieren. Deshalb schlug Hazrat Musa den Weg zum Roten Meer ein. Wahrscheinlich beabsichtigte er, am Meeresufer entlang zur Sinai-Halbinsel zu gelangen. Während sich die Karawane noch am Meeresufer befand, traf von hinten das gewaltige Heer des Pharaos ein. In der Sure asch-Schu’ara wird berichtet, dass die Karawane der Auswanderer zwischen dem Meer und dem Heer des Pharaos eingeschlossen war. Genau in diesem Augenblick wies Allah Hazrat Musa an: (Arabisch**********) »Schlage mit deinem Stab auf das Meer.« (Arabisch************) »Sogleich spaltete sich das Meer, und seine beiden Teile erhoben sich zu beiden Seiten wie gewaltige Berge.« Für den Übergang der Karawane entstand in der Mitte nicht nur ein Weg, vielmehr verwandelte sich dieser mittlere Abschnitt in eine trockene Straße. Dies ist die Beschreibung eines eindeutigen Wunders. Diejenigen, die sagen, das Meerwasser sei infolge eines Sturms oder der Gezeiten zurückgewichen, werden durch diese Beschreibung widerlegt. Denn wenn das Wasser aus diesem Grund zurückweichen würde, erhöbe es sich nicht zu beiden Seiten wie Berge, und der mittlere Abschnitt würde sich nicht in eine trockene Straße verwandeln.
(Arabisch*************************************PDF 372)
»Und Wir wiesen Musa durch die Offenbarung an: Schlage mit deinem Stab auf das Meer. Sogleich spaltete sich das Meer in zwei Teile, und die beiden Teile erhoben sich zu beiden Seiten wie gewaltige Berge.« – (Sure asch-Schu’ara: 63)
Im Arabischen (Arabisch*******) bedeutet es „Berg“. Im Wörterbuch namens Lisān al-ʿArab heißt es (Arabisch***********) „ein gewaltiger Berg“. Darüber hinaus (Arabisch********) bedeutet die Verwendung des Adjektivs „gewaltig“, dass das Wasser zu beiden Seiten in Gestalt äußerst hoher Berge aufragte. Dieser Weg durch das Meer wurde einerseits geschaffen, damit die Karawane der Kinder Israels hinüberziehen konnte, und andererseits, um das Heer des Pharao zu ertränken. Daraus wird klar ersichtlich, dass das Wasser so lange in Gestalt riesiger, hoher Berge aufragte, dass die Karawane von Millionen israelitischer Auswanderer darüber hinwegziehen konnte und danach auch das Heer des Pharao bis in seine Mitte gelangte. Es bedarf keiner Erwähnung, dass gewöhnliche Stürme, die im Rahmen der natürlichen Gesetzmäßigkeiten wehen, selbst wenn sie noch so heftig sind, das Meerwasser nicht dazu bringen, so lange in Gestalt derart großer Berge stehen zu bleiben. Bemerkenswert ist ferner, dass es in der Sure Tā-Hā heißt (Arabisch************) „Baue ihnen im Meer einen trockenen Weg.“ Das bedeutet: Als der Stab auf das Meer geschlagen wurde, wich das Wasser nicht nur zurück und türmte sich zu beiden Seiten berggleich auf, sondern der entstandene Weg im Inneren wurde auch trocken. Es blieb nicht einmal schlammiges Wasser zurück, das den Durchgang hätte behindern können. Dies ist die Beschreibung eines offenkundigen Wunders. Damit wird deutlich, dass die Auffassung derjenigen irrig ist, die dieses Geschehen als ein Ereignis im Rahmen gewöhnlicher Naturgesetze zu erklären versuchen.
„Manna“ und „Wachteln’
(Arabisch*************************************PDF 373)
„Ich habe Manna und Wachteln auf euch herabgesandt.“ – (Sure Tā-Hā: 80)
Der Bericht der Bibel lautet: Nachdem die Kinder Israels aus Ägypten ausgezogen waren und in der Wüste Sin zwischen Elim und Sinai unterwegs waren, begann man, Manna und Wachteln herabzusenden, als ihre Nahrungsvorräte aufgebraucht waren und sie bald Hunger leiden mussten; dieser Vorgang dauerte ganze vierzig Jahre an, bis sie die bewohnten Gebiete Palästinas erreichten. (Exodus, Kapitel 16; Numeri, Kapitel 11, Verse 7–9; Buch Josua, Kapitel 5, Vers 12.) Im Exodus wird im Zusammenhang mit dem Bericht über Manna und Wachteln gesagt: „Am Abend aber kamen Wachteln herauf und bedeckten das Lager. Und am Morgen lag Tau rings um das Lager. Und als der Tau weg war, siehe, da lag es in der Wüste rund und klein wie Reif auf dem Boden. Und als es die Kinder Israels sahen, sprachen sie untereinander: Was ist das? Denn sie wussten nicht, was es war. Mose aber sprach zu ihnen: Dies ist das Brot, das der HERR euch zur Nahrung gegeben hat.“ – (Kapitel 16, Verse 13–15)
Und das Haus Israel gab dieser Speise den Namen Manna; sie war wie Koriandersamen, weiß, und ihr Geschmack war wie ein mit Honig vermischter Fladen. – (Vers 31)
Im Buch Numeri wird dies außerdem folgendermaßen erklärt:
Die Leute gingen umher und sammelten es ein, mahlten es mit Handmühlen oder zerkleinerten es im Mörser, kochten es in Töpfen und bereiteten daraus Fladen; sein Geschmack war wie der eines mit Öl zubereiteten Fladens. Wenn nachts der Tau über das Lager fiel, fiel auch das Manna darauf. – (Kapitel 11, Verse 8–9)
Auch dies war ein Wunder. Denn als die Kinder Israels nach vierzig Jahren begannen, normale Nahrung zu erhalten, endete dieser Vorgang. Heutzutage gibt es dort nicht einmal mehr viele Vögel der Art, die Wachteln genannt wird, und auch Manna ist nirgends zu finden. Forscher haben das Gebiet, in dem die Kinder Israels vierzig Jahre lang als Nomaden in der Wüste lebten, gründlich durchsucht, aber nirgends Manna gefunden. Händler verkaufen jedoch den Menschen Manna-Halva, um sie zum Narren zu halten.
Die Wunder von Hazrat Salomo (a. s.)
(Arabisch*************************************PDF 374 )
„Und er sagte: O ihr Menschen! Mir wurde die Sprache der Vögel gelehrt.“ – (Sure an-Naml: 16)
Die Bibel schweigt darüber, dass Hazrat Salomo über die Sprache der Tiere und Vögel Bescheid wusste. In jüdischen Legenden findet sich jedoch eine klare Darstellung dazu. – (Jewish Encyclopedia, Band 11, Seite 439)
Die Dschinn waren ihm gehorsam
(Arabisch*************************************PDF 374 )
„Für Salomo wurde eine wohlgeordnete Heerschar aus Dschinn, Menschen und Vögeln versammelt.“ – (Sure an-Naml: 17)
Der Thron der Königin von Saba wurde im Handumdrehen herbeigebracht
(Arabisch*************************************PDF 374 )
„Salomo sagte: Ihr Ratsherren! Wer kann mir den Thron der Königin bringen, bevor sie sich mir unterwirft und zu mir kommt? Ein Dschinn sagte: Ich werde ihn dir bringen, noch bevor du dich von deinem Sitz erhebst. Ich bin dazu mächtig und vertrauenswürdig. Einer, der Wissen über die Schrift besaß, sagte: Ich werde ihn dir im Augenblick eines Wimpernschlags bringen. Als Salomo den Thron schließlich vor sich stehen sah, rief er aus: Das ist eine Gunst meines Herrn.“
Die Wunder anderer Propheten
Die wundersamen Aspekte der Geschichte von Yunus (a.S.)
(Arabisch*************************************PDF 374 )
„Wahrlich, auch Yunus war ein Gesandter. Denke daran, als er zu einem mit Reisenden beladenen Schiff floh. Er nahm an der Verlosung teil und verlor. Schließlich verschlang ihn der Fisch. Er war voller Reue. Wenn er nicht zu denen gehört hätte, die Allah preisen, hätte er bis zum Tag der Auferstehung im Bauch des Fisches bleiben müssen. Schließlich warfen Wir ihn in äußerst krankem Zustand auf eine öde, pflanzenlose Ebene und ließen über ihm eine Kürbispflanze wachsen.“ – (Sure as-Saffat: 139–146)
Hazrat Zacharias erhält ein Kind aus dem Schoß seiner betagten Ehefrau
(Arabisch*************************************PDF 374 )
„Gewähre mir bitte einen Erben, damit er mein Erbe und auch der Erbe der Nachkommen Jakobs sei. Und, o mein Herr, mache ihn zu einem von Dir Erwählten. O Zacharias, Wir verkünden dir die frohe Botschaft von einem Sohn, dessen Name Yahya sein wird. Zuvor haben Wir noch keinen Menschen mit diesem Namen erschaffen. Er sagte: O mein Herr, meine Frau ist unfruchtbar, und auch ich bin hochbetagt. Wie soll ich einen Sohn bekommen? Die Antwort lautete: So wird es geschehen. Dein Herr sagt: Das ist für Mich eine ganz geringfügige Sache. Zuvor habe Ich auch dich erschaffen, als du noch nichts warst. Zacharias sagte: O mein Herr, bestimme für mich ein Zeichen. Allah sagte: Dein Zeichen ist, dass du drei aufeinanderfolgende Tage lang nicht zu den Menschen sprechen können wirst.“ – (Sure Maryam: 5–10)
Das Wunder des ehrwürdigen Jesus (Friede sei mit ihm)
Die Geburt des ehrwürdigen Jesus ohne Vater
(Arabisch*************************************PDF 374 )
„Und Wir machten Maryam und ihren Sohn zu einem Zeichen und gewährten ihnen beiden Zuflucht an einem erhöhten Ort, an dem sie Ruhe fanden und an dem Quellen flossen.“ – (Sure al-Mu’minun: 50)
Hier wird nicht gesagt, dass Maryam ein Zeichen und der Sohn Maryams ein weiteres Zeichen gewesen sei. Ebenso wenig wird gesagt, dass Wir Maryam und ihren Sohn in zwei Zeichen verwandelt hätten. Vielmehr wird gesagt, dass aus beiden gemeinsam ein Zeichen gemacht wurde. Die Bedeutung davon ist, dass die Geburt Jesu (Friede sei mit ihm) ohne Vater und die Schwangerschaft Maryams ohne den Umgang mit einem Mann der Grund dafür waren, dass Mutter und Sohn gemeinsam zu einem Zeichen wurden.
(Arabisch*************************************PDF 374 )
„(Und o Muhammad!) Erzähle in diesem Buch von Maryams Geschichte, als sie sich von ihren Angehörigen trennte und sich an einem östlichen, abgelegenen Ort zurückzog. Sie verbarg sich, von einem Vorhang bedeckt, vor ihnen. Da sandte Ich meinen Geist (Engel) zu ihr, und er erschien ihr in vollkommener menschlicher Gestalt. Ich sandte Maryam (den Engel). Er erschien ihr in vollkommener menschlicher Gestalt. Da rief Maryam plötzlich aus: ‚Wenn du ein gottesfürchtiger Mann bist, suche ich Zuflucht vor dir bei dem barmherzigen Gott.‘ Er sagte: ‚Ich bin nur der Gesandte deines Herrn. Ich bin gekommen, um dir einen reinen Sohn zu schenken.‘ Maryam sagte: ‚Wie soll ich einen Sohn bekommen? Kein Mann hat mich berührt, und ich bin auch keine unsittliche Frau.‘ Der Engel sagte: ‚So wird es sein. Dein Herr hat gesagt: Dies ist für Mich sehr leicht. Ich werde dies tun, um diesen Jungen zu einem Zeichen für die Menschheit und zu einer Barmherzigkeit von Uns zu machen. Und dies ist eine von Allah bestimmte Angelegenheit; sie wird gewiss geschehen.‘ Maryam empfing dieses Kind und zog sich an einen abgelegenen Ort zurück. Dann zwangen sie die Wehen, unter eine Dattelpalme zu gehen. Sie sagte: ‚O wäre ich doch schon zuvor gestorben und völlig vergessen gewesen!‘“ – (Sure Maryam: 16–23)
Mit dem abgelegenen Ort ist hier Bethlehem gemeint. Dass Hazrat Maryam ihren Ort des Iʿtikāf verließ und dorthin ging, war ganz natürlich. Maryam war einerseits eine Nachfahrin der Banu Harun, der frommsten Gruppe der Kinder Israels, und hielt sich andererseits dem Gottesdienst für Allah gewidmet in Bayt al-Maqdis auf. Nun wurde ein solches Mädchen plötzlich schwanger. Wenn sie unter diesen Umständen an ihrem Iʿtikāf-Ort geblieben wäre und ihre Schwangerschaft bekannt geworden wäre, hätten nicht nur ihre Angehörigen, sondern auch die anderen Angehörigen ihres Volkes ihr Leben unerträglich gemacht. In dieses schwere Unglück geraten, verließ die Arme still die Iʿtikāf-Kammer, damit sie wenigstens bis zum Augenblick der Erfüllung von Allahs Willen dem Spott, den Vorwürfen und der allgemeinen Schande durch ihr eigenes Volk entgehen konnte. Dieser Aufbruch ist ein eindringlicher Beweis dafür, dass Hazrat Isa ohne Vater geboren wurde. Wäre Maryam verheiratet gewesen und von ihrem Ehemann schwanger geworden, hätte es keinen Grund gegeben, das Elternhaus und das Haus der Schwiegereltern zu verlassen und zur Geburt an einen abgelegenen Ort zu gehen.
Aus Maryams Worten „O wäre ich doch gestorben und völlig vergessen gewesen!“ wird ersichtlich, wie besorgt und voller Kummer sie damals war. Wer die heikle Lage bedenkt, kann leicht verstehen, dass diese Worte nicht lediglich wegen der Wehen über ihre Lippen kamen. Vielmehr quälte sie der Gedanke, wie sie die furchtbare Prüfung, in die Allah sie gestürzt hatte, bestehen sollte. Die Tatsache, dass sie ein Kind im Leib trug, hatte sie bis dahin irgendwie verbergen können. Aber wohin sollte sie nun mit diesem Kind gehen? Dass Maryam diese Worte aussprach, wird durch das bestätigt, was der Engel anschließend zu ihr sagte: „Sei nicht traurig.“ Wenn bei einer verheirateten Frau die Zeit der Geburt gekommen ist, wird sie zwar wegen der Schmerzen noch so unruhig sein, doch sie wird niemals besorgt und bedrückt sein.
Das Sprechen eines neugeborenen Kindes in der Wiege
(Arabisch********************************************auf PDF-Seite 377)
„Als sie das Kind im Arm zu ihren Angehörigen brachte, fragten die Leute: ‚O Maryam! Woher hast du dies? O Schwester Haruns! Dein Vater war kein schlechter Mann, und deine Mutter war keine unsittliche Frau.‘“ – (Sure Maryam: 27–28)
Welche Erklärung haben diejenigen, die die wunderbare Geburt Hazrat Isas leugnen, dafür, dass die Angehörigen von Hazrat Maryams Volk, als sie das Kind im Arm brachte, zornig wurden und sie auf vielfältige Weise zu tadeln und zu beschimpfen begannen?
(Arabisch********************************************auf PDF-Seite 377)
„Als Maryam auf ihr Kind deutete, sagten die Leute: Wie sollen wir mit einem Kind sprechen, das in der Wiege liegt?“ – (Sure Maryam: 29)
Diejenigen, die den Vers verdrehen, haben seine Bedeutung folgendermaßen wiedergegeben: „Wie sollen wir mit einem Kind sprechen, das erst gestern geboren wurde?“ Das heißt, ihrer Ansicht nach ereigneten sich diese Worte in der Jugend von Hadhrat Isa. Die älteren und greisen Männer der Kinder Israels hätten gesagt: „Wie sollen wir noch einmal mit dem Jungen sprechen, den wir an jenem Tag in der Wiege liegen sahen?“ Doch sobald man die Umstände und den Zusammenhang der vorhergehenden und nachfolgenden Darstellung betrachtet, wird klar, dass dies lediglich eine sinnlose Fehlinterpretation ist, mit der man das Wunder umgehen will. Diese Fehlinterpreten hätten, wenn schon nichts anderes, wenigstens über den Wortlaut nachdenken können: Das Ereignis, gegen das die Leute Einspruch erhoben, hatte sich nicht in seiner Jugend ereignet, sondern bereits bei seiner Geburt. Außerdem wird in Vers 46 der Sure Al-i Imran und in Vers 110 der Sure al-Ma’ida unmissverständlich und unwiderlegbar gesagt, dass Hadhrat Isa diese Worte nicht in seiner Jugend sprach, sondern gerade als Neugeborener, während er in der Wiege lag. Im ersten Vers sagt der Engel Hadhrat Maryam bei der Ankündigung der Geburt eines Sohnes, dass dieser mit den Menschen sprechen werde, sowohl während er in der Wiege liege als auch in seiner Jugend. Im zweiten Vers sagt Allah selbst zu Hadhrat Isa: Du wirst mit den Menschen sprechen, während du in der Wiege liegst, und auch in deiner Jugend.
(Arabisch********************************************auf Seite 378 der PDF)
„Das Kind sagte: Ich bin Allahs Diener. Er hat mir das Buch gegeben, mich zu einem Propheten gemacht und mich gesegnet, wo immer ich auch sein mag. Er hat mir für mein ganzes Leben das Gebet und die Zakat vorgeschrieben. Er hat mich meiner Mutter gegenüber pflichtgetreu gemacht und mich weder gewalttätig noch unglücklich gemacht.“ – (Sure Maryam: 30–32)
Hier wird nicht gesagt, dass er die Rechte von Vater und Mutter erfüllte, sondern nur, dass er die Rechte der Mutter erfüllte. Auch daraus geht hervor, dass Hadhrat Isa keinen Vater hatte. Dass er im gesamten Koran als Isa, der Sohn Maryams, bezeichnet wird, ist ein weiterer unwiderlegbarer Beweis dafür.
(Arabisch********************************************auf Seite 378 der PDF)
„Friede sei über mir an dem Tag, an dem ich geboren wurde, an dem ich sterben werde und an dem ich wieder zum Leben erweckt werde.“ – (Sure Maryam: 33)
Dies ist jenes „Zeichen“, das den Kindern Israels durch die Person Hadhrat Isas (a. s.) vorgelegt wurde. Allah wollte den Kindern Israels, bevor Er ihnen wegen ihrer unaufhörlichen Übeltaten eine exemplarische Strafe auferlegte, noch eine letzte Gelegenheit zu ihrer Besserung geben. Deshalb bediente Er sich dieses Vorgehens: Er ließ das fromme Mädchen aus dem Hause Haruns, das sich im Bait al-Maqdis zum I’tikaf aufhielt und unter der Obhut Hadhrat Zakariyas aufgezogen wurde, plötzlich als Jungfrau schwanger werden. Wenn sie dann mit dem Kind im Arm erscheinen würde, sollte dies im ganzen Volk Aufregung hervorrufen und sofort die Aufmerksamkeit aller auf sie lenken. Infolge dieses Vorgehens versammelte sich eine Menschenmenge um Hadhrat Maryam. Da ließ sie das neugeborene Kind sprechen, damit, wenn dieses Kind herangewachsen war und das Prophetentum erlangt hatte, Tausende aus dem Volk anwesend wären, um zu bezeugen, dass sie in jenem Kind ein erstaunliches Wunder Allahs des Erhabenen gesehen hatten. Trotzdem würde dem Volk, sobald es sein Prophetentum leugnete und statt ihm zu folgen versuchte, ihn als Verbrecher darzustellen und auf den Scheiterhaufen zu bringen, eine exemplarische Strafe auferlegt werden, wie sie keinem anderen Volk der Welt auferlegt worden war.
andere im Koran erwähnte Wunder
(Arabisch********************************************auf PDF-Seite 379)
„Und als er als Gesandter zu den Kindern Israels kam, sagte er: Ich bin mit einem Zeichen von eurem Herrn zu euch gekommen. Ich forme für euch aus Lehm das Abbild eines Vogels. Dann hauche ich es an, und sogleich wird es mit Allahs Erlaubnis zu einem Vogel. Mit Allahs Erlaubnis heile ich den Blindgeborenen und den Aussätzigen und mache die Toten wieder lebendig. Ich kann euch auch sagen, was ihr esst und was ihr in euren Häusern aufbewahrt. Darin liegt für euch wahrlich ein ausreichendes Zeichen, wenn ihr glauben wollt.“ – (Sure Al Imran: 49)
Der Prophet Muhammad (Friede sei mit ihm) und seine Wunder
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Der Koran wurde als Beweis für das Prophetentum vorgelegt
(Arabisch********************************************auf PDF-Seite 379)
„O Prophet! Wenn du ihnen kein Zeichen (Wunder) vorlegst, sagen sie: Warum hast du nicht selbst ein Zeichen für dich ausgewählt? Sag ihnen: Ich folge nur der Offenbarung, die mein Herr mir sendet. Dies ist ein Licht der Weisheit, eine Rechtleitung und eine Barmherzigkeit von eurem Herrn für jene, die sie annehmen.“ – (Sure Al-A’raf: 203)
Diese Frage der Ungläubigen war offensichtlich spöttisch gemeint. Mit anderen Worten, der Sinn ihrer Worte war: „Wenn du schon ein Prophet geworden bist, mein Lieber, hättest du dir doch auch irgendwann selbst ein Wunder aussuchen und vorführen können.“ Doch es ist bemerkenswert, welch treffende Antwort auf diesen Spott gegeben wurde.
Der Sinn dieser Antwort ist: Ich besitze nicht die Macht, auf eure Forderung hin oder sobald ich selbst es für nötig halte, einfach etwas zu erfinden oder herzustellen. Ich bin nur ein Gesandter. Meine Aufgabe besteht lediglich darin, nach den Anweisungen dessen zu handeln, der mich gesandt hat. Derjenige, der mich gesandt hat, hat mir anstelle von Wundern den Koran gegeben. Er ist erfüllt von weitblickendem Licht. Sein größtes Merkmal besteht darin, dass diejenigen, die ihn annehmen, den richtigen und geraden Weg im Leben finden und sich in ihrem schönen Charakter die Zeichen der Barmherzigkeit Allahs deutlich zeigen.
Der Prophet Muhammad (Friede sei mit ihm) war nicht in der Lage, aus eigener Initiative ein Wunder zu zeigen
(Arabisch********************************************auf PDF-Seite 380)
„Wenn du (o Prophet) ihre Ablehnung dennoch nicht ertragen kannst, dann suche, sofern du dazu in der Lage bist, einen Tunnel in der Erde oder stelle eine Leiter zum Himmel auf und versuche, ihnen ein Zeichen zu bringen.“ – (Sure al-Anʿām: 35)
Als der Prophet sah, dass viele Tage vergangen waren, während er seinem Volk immer wieder den rechten Weg erklärte, ohne dass sie diesen Weg einschlugen, erwachte von Zeit zu Zeit in seinem Herzen der Wunsch: „Ach, wenn doch von Allah ein solches Zeichen erschiene, durch das ihr Unglaube beseitigt würde und sie die Wahrheit meiner Prophetenschaft anerkennen würden.“ Dieser Wunsch des Propheten wird in diesem Vers beantwortet. Sein Sinn ist: Sei nicht ungeduldig. Folge geduldig der Ordnung und dem Vorgehen, nach denen Ich diese Aufgabe weiterführe. Wenn die Aufgabe durch Wunder hätte erfüllt werden müssen, hätte Ich sie dann nicht selbst vollbringen können? Doch Ich weiß, dass dies nicht der richtige Weg ist, um die geistige und sittliche Revolution sowie die reine zivilisatorische Ordnung, zu deren Errichtung du eingesetzt worden bist, bis an die Schwelle des Erfolgs zu führen. Wenn du jedoch die gegenwärtige Erstarrung der Menschen und ihre hartnäckige Leugnung und ihren Unglauben nicht ertragen kannst und meinst, dass zur Beseitigung dieser Erstarrung unbedingt ein grob sinnlich wahrnehmbares Zeichen gezeigt werden müsse, dann ergreife selbst die Initiative und versuche, sofern du dazu in der Lage bist, in die Erde einzudringen oder zum Himmel aufzusteigen und ein solches Wunder zu bringen, das du für ausreichend hältst, um den Unglauben in Glauben zu verwandeln. Erwarte jedoch nicht, dass Ich deinen Wunsch erfüllen werde. Denn in Meinem Plan ist für ein solches Bemühen und Vorgehen kein Platz.
Das größte Wunder des Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm) ist der Koran
(Arabisch********************************************auf PDF-Seite 380)
„Sie sagen: Warum bringt Muhammad nicht ein Zeichen (Wunderzeichen) von seinem Herrn? Sind ihnen denn nicht alle Lehren der früheren Schriften deutlich dargelegt worden?“ – (Sure Tāhā: 133)
Mit anderen Worten: Ist es etwa kein kleines Wunder, dass einer aus ihrer eigenen Mitte, ein des Lesens und Schreibens unkundiger Mann, ein Buch vorgelegt hat, in dem der Inhalt und die Essenz der Lehren aller himmlischen Bücher von den frühesten Zeiten bis heute zusammengefasst sind? Nicht nur, dass in diesem Buch alles enthalten ist, was jene Bücher zur Rechtleitung der Menschen lehrten; vielmehr ist es in einer so einfachen und klaren Sprache dargelegt, dass selbst ein in der Wüste umherziehender Beduine es verstehen und daraus Nutzen ziehen kann.
(Arabisch********************************************auf PDF-Seite 381)
„(O Prophet!) Du hast zuvor weder ein Buch gelesen noch es mit deiner eigenen Hand geschrieben. Hättest du gelesen und geschrieben, hätten die Anhänger des Falschen Zweifel gehegt. Vielmehr tragen diejenigen, denen Wissen gegeben wurde, diese deutlichen Zeichen in ihren Herzen. Außer den Ungerechten leugnet niemand Meine Zeichen. Sie sagen: Warum sind diesem Mann nicht von seinem Herrn Zeichen (Wunderzeichen) herabgesandt worden? Sag: Die Zeichen befinden sich allein bei Allah. Ich bin nur ein klarer Warner. Genügt ihnen nicht als Zeichen, dass Wir dir das Buch herabgesandt haben, das ihnen immer wieder vorgetragen wird? Wahrlich, darin liegen Barmherzigkeit und Ermahnung für diejenigen, die glauben.“ – (Sure al-ʿAnkabūt: 48–51)
Der Kern der in diesen Versen vorgebrachten Argumentation ist, dass der ehrenwerte Muhammad (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) des Lesens und Schreibens unkundig war. Seine Nachbarn, Verwandten und Stammesangehörigen hatten ihn von seiner Geburt bis zu seiner Jugend gesehen, und sie wussten sehr wohl, dass er in seinem ganzen Leben weder ein Buch gelesen noch jemals einen Schreibstift in die Hand genommen hatte. Unter Hinweis auf diese Tatsache sagt Allah: Wenn die umfassenden und tiefen Kenntnisse über die Lehren der früheren himmlischen Schriften, die Lebensgeschichten der früheren Propheten, die Glaubensgrundsätze und Überzeugungen früherer Religionen, die Geschichte der Völker der Frühzeit sowie die wesentlichen Fragen ihrer Gesellschaftsordnung, Wirtschaft und sittlichen Grundsätze, die durch den Mund dieses lese- und schreibunkundigen Mannes zum Ausdruck kamen, bei einem Menschen sichtbar geworden wären, den man – abgesehen von der Offenbarung – beim Lesen eines anderen Buches und beim Erwerb von Wissen und bei Forschungen beobachtet hätte, dann hätten die Ungläubigen vielleicht einigen Anlass zu Zweifel gehabt. Sie hätten denken können, dass dieser Wissensschatz statt durch Offenbarung durch eigene Anstrengung und Bemühung erworben worden sei. Doch seine Unkenntnis des Lesens und Schreibens ließ nicht den geringsten Raum für Zweifel. Danach gibt es außer bloßer Hartnäckigkeit keinen vernünftigen Grund mehr, sein Prophetentum zu leugnen.
Dass ein Buch wie der Koran trotz seiner Unkundigkeit im Lesen und Schreiben dem Propheten Muhammad (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) offenbart wurde, ist bereits ein so großes Wunder, dass es genügt, um an seine Gesandtschaft zu glauben. Für diejenigen, die es gesehen hatten, bedurfte es danach keines weiteren Wunders. Der Koran aber ist ein zeitüberdauerndes und ewiges Wunder, das den Menschen jederzeit vorliegt, ihnen vorgetragen wird und das sie jederzeit selbst sehen können.
Der Grund dafür, dass dem Propheten Muhammad (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) statt eines materiellen ein erkenntnismäßiges Wunder gegeben wurde
(Arabisch********************************************auf PDF-Seite 382)
„Was hätte es denn genützt, wenn ein Koran herabgesandt worden wäre, durch dessen Kraft die Berge sich in Bewegung gesetzt, die Erde sich gespalten oder ein Toter begonnen hätte, aus seinem Grab heraus zu sprechen?“ – (Sure ar-Raʿd: 31)
Um diesen Vers zu verstehen, muss man sich vor Augen halten, dass hier nicht zu den Ungläubigen, sondern zu den Muslimen gesprochen wird. Die Muslime wurden unruhig, wenn sie vonseiten der Ungläubigen immer wieder die Forderung nach Wundern hörten, und dachten insgeheim: Wie gut wäre es doch, wenn man ihnen ein Wunder zeigen würde, das ihnen Glauben einflößen könnte! Wenn sie bemerkten, dass die Ungläubigen gerade deshalb, weil kein solches Zeichen erschien, Gelegenheit bekamen, in den Herzen der einfachen Menschen Verwirrung über das Prophetentum des Propheten zu säen, nahmen ihre Unruhe und Sorge noch zu. Vor diesem Hintergrund wird den Muslimen gesagt: Glaubt ihr wirklich, dass sie den Glauben angenommen hätten, wenn zusammen mit einer Sure des Korans plötzlich auch ein solches Zeichen gezeigt worden wäre? Seid ihr hinsichtlich dieser Menschen so voller Hoffnung, dass sie zur Annahme der wahren Religion völlig bereit dasitzen und nur noch eine einzige Offenbarung fehlt? Diejenigen, die in der Lehre des Korans, in den Zeichen der Welt, im makellosen Leben des Propheten und in der revolutionären Veränderung im Leben der edlen Gefährten das Licht der Wahrheit nicht erblickten – glaubt ihr etwa, dass sie in der Bewegung der Berge, in der Spaltung der Erde und im Hervorkommen der Toten aus ihren Gräbern irgendeinen Lichtstrahl finden würden? – [Der Sinn dieser Erörterung ist nicht, dass vonseiten des Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm) kein Wunder erschienen sei. Von Zeit zu Zeit sind viele Wunder geschehen. Doch wurden diese nicht als Beweise für das Prophetentum eingesetzt, um die Gegner zum Glauben zu bringen. – (Die Herausgeber)]
(Arabisch********************************************auf PDF-Seite 382)
„Wenn Ich wollte, könnte Ich vom Himmel ein solches Zeichen herabsenden, dass sie sich davor demütig verneigen würden.“ – (Sure asch-Schuʿara: 4)
Das heißt: Für Allah ist es keineswegs schwierig, ein Zeichen herabzusenden, das alle Ungläubigen dazu zwingen würde, den Glauben anzunehmen und sich Allahs Gehorsam zu unterwerfen. Der Grund dafür, dass Er dies nicht tut, liegt nicht darin, dass diese Handlung außerhalb Seiner Macht stünde. Vielmehr ist ein solcher erzwungener Glaube der Menschen nicht Sein Wunsch. Er möchte, dass die Menschen durch den Gebrauch ihres eigenen Verstandes und ihrer eigenen Erkenntnis mithilfe der Zeichen, die im Buch Allahs, überall in der Welt und in ihnen selbst verstreut sind, die Wahrheit erkennen. Wenn ihr Herz dann bezeugt, dass das, was die Propheten gesagt haben, tatsächlich die Wahrheit ist und alle entgegengesetzten Glaubensvorstellungen, Überzeugungen und Bräuche, die sich verbreitet haben, nichtig und falsch sind, besteht die von Allah dem Erhabenen vom Menschen verlangte Handlung darin, dass er das Nichtige wissentlich und bewusst aufgibt und der Wahrheit folgt. Aus diesem Grund hat Er dem Menschen die Freiheit des Willens und der Wahl gegeben. Aus diesem Grund hat Er ihm die Freiheit gegeben, nach seinem Willen entweder den richtigen oder den falschen Weg zu wählen. Aus diesem Grund hat Er dem Menschen sowohl die Neigung zum Guten als auch die zum Bösen verliehen. Er hat ihm beide Wege, den Weg der Sünde und den Weg der Tugend, eröffnet. Er hat ihm die Freiheit gegeben, sich von Satan täuschen zu lassen. Zur richtigen Rechtleitung hat Er die Folge des Prophetentums, der Offenbarung und des Aufrufs zum Guten eingerichtet. Er hat den Menschen mit allen zeitgemäßen Fähigkeiten und Kräften ausgestattet und ihn auf das Prüfungsfeld gestellt, um zu sehen, ob er den Weg des Unglaubens und des Ungehorsams oder den Weg des Glaubens und des Gehorsams einschlägt. Wenn Allah eine Einrichtung getroffen hätte, die den Menschen zum Glauben und zum Gehorsam zwingen würde, wäre der Zweck dieser Prüfung vereitelt worden. Wenn es Sein Wille gewesen wäre, die Menschen zum Glauben zu zwingen, welchen Bedarf hätte es dann gegeben, sie durch ein Wunder dazu zu zwingen? Allah hätte den Menschen mit einer solchen Natur und Beschaffenheit erschaffen können, dass er überhaupt nicht zu Unglauben, Ungehorsam und Sündhaftigkeit fähig gewesen wäre. Dann wären auch die Menschen wie die Engel gehorsam und folgsam geboren worden. In verschiedenen Versen des Korans hat Allah, der Erhabene, genau diese Wahrheit dargelegt. Zum Beispiel:
(Arabisch********************************************auf PDF-Seite 383)
„Wenn dein Herr gewollt hätte, wären alle Bewohner der Erde gläubig geworden. Willst du nun die Menschen zwingen, gläubig zu werden?“ – (Sure Yunus: 99)
(Arabisch********************************************auf PDF-Seite 383)
„Wenn dein Herr es gewollt hätte, hätte Er alle Menschen zu einer einzigen Gemeinschaft machen können. Doch sie werden weiterhin verschiedene Wege gehen. Nur diejenigen werden vor der Verirrung bewahrt bleiben, denen die Gnade deines Herrn zuteilwird. Zu diesem Zweck hat Er sie erschaffen.“
(Arabisch********************************************auf PDF-Seite 383)
„Haben sie denn nie die Erde betrachtet, wie viele vortreffliche Pflanzen aller Art Wir auf ihr hervorgebracht haben?“ – (Sure asch-Schuʿarāʾ: 7–8)
Das heißt: Wenn jemand ein Zeichen benötigt, um die Wahrheit zu finden, braucht er nicht weit zu gehen. Wenn er nur mit offenen Augen die Vielfalt und die Schönheit dieser Welt betrachtet, wird er erkennen können, ob die Lehre über die Ordnung der Welt, die die Propheten vorgetragen haben – die Einheit Allahs –, wahr ist oder ob jene Lehren wahr sind, die die Götzendiener und Atheisten verbreiten. Angesichts der überaus großen und vielfältigen Ansammlung der auf der Erde hervorgebrachten Pflanzen und der offenkundigen Übereinstimmung und Harmonie, die in ihren Eigenschaften sowie in den zahllosen Bedürfnissen der zahllosen Geschöpfe besteht, kann nur ein Narr zu dem Schluss kommen, dass all dies von selbst geschieht, ohne die scharfsinnige Geschicklichkeit eines meisterhaften Künstlers, die Weisheit eines Allweisen, die unbezwingbare Macht eines Allmächtigen und den wohlüberlegten Schöpfungsplan eines fähigen Schöpfers. Oder dass nicht ein einziger Gott, der all diese Pläne entworfen und verwirklicht hat, sondern eine Vielzahl von Göttern durch ihre Herrschaft eine derart vollkommene Abstimmung zwischen Erde, Mond, Sonne, Luft und Wasser zustande gebracht und zwischen den Bedürfnissen und Erfordernissen der aus diesen Elementen hervorgebrachten Pflanzenwelt und der unzähligen verschiedenen Lebewesen eine solche Harmonie geschaffen habe. Wenn ein vernünftiger Mensch sich nicht von Starrsinn oder vorgefassten Meinungen leiten lässt, wird er angesichts dieses Anblicks spontan ausrufen, dass dies gewiss unwiderlegbare Beweise für die Existenz Gottes und für die Existenz eines einzigen Gottes sind. Kann es angesichts dieser Beweise noch irgendeines anderen Wunders bedürfen, ohne dessen Anblick der Mensch nicht an die Wahrheit des Tauhid glauben kann?“
Dies ist ein gewaltiges sinnlich wahrnehmbares Wunder
[Der „Teil A“ des Buches befasst sich gemäß unserer Gliederung mit der grundsätzlichen philosophischen und theoretischen Erörterung der Wunder. Die Wunder des edlen Propheten (s.a.s.) wurden darin nicht im Rahmen der Ereignisdarstellung zusammengetragen, sondern an den jeweiligen Stellen in der Darstellung der Ereignisse des Buches erwähnt. Hier wurde lediglich das gewaltige Wunder der Spaltung des Mondes beispielhaft in die Erörterung aufgenommen.]
(Arabisch********************************************auf PDF-Seite 385)
„Die Stunde ist nahegekommen, und der Mond ist gespalten worden. Ihre Art ist es, dass sie sich von jedem Zeichen abwenden, das sie sehen, und sagen: Das ist die herkömmliche Zauberei. Sie haben es als Lüge zurückgewiesen und ihren eigenen Neigungen gefolgt; doch jede Angelegenheit muss schließlich zu einem Ergebnis gelangen.“ – (Sure al-Qamar: 1–3)
Überlieferungen über die Spaltung des Mondes
Das Ereignis der Spaltung des Mondes ist durch die eindeutige Aussage des Korans bewiesen. Es beruht nicht auf den Überlieferungen der Hadithe. Aus den Hadithüberlieferungen lassen sich jedoch die Einzelheiten des Ereignisses sowie Hinweise darauf entnehmen, wann und wie es sich ereignete. Bukhari, Muslim, Tirmidhi, Ahmad, Abu Awana, Abu Dawud at-Tayalisi, Abd ar-Razzaq, Ibn Jarir, Bayhaqi, Tabarani, Ibn Marduyah und Abu Nuaym al-Isfahani überliefern das Ereignis unter Berufung auf verschiedene Überlieferungsketten von Hazrat Ali, Hazrat Abdullah ibn Masud, Hazrat Abdullah ibn Abbas, Hazrat Abdullah ibn Umar, Hazrat Hudhaifa, Hazrat Anas ibn Malik und Hazrat Zubair ibn Mutim. Drei dieser bedeutenden Männer konnten keine Augenzeugen dieses Ereignisses sein. Denn bei einem von ihnen, Hazrat Abdullah ibn Abbas, ereignete es sich vor seiner Geburt. Der zweite, Hazrat Anas ibn Malik, war zu jener Zeit noch ein Kind. Da jedoch beide Gefährten waren, kann man mit Sicherheit davon ausgehen, dass sie das Ereignis von den erwachsenen Gefährten, die unmittelbare Augenzeugen gewesen waren, gehört und es dann überliefert haben.
Zusammenfassung der Überlieferungen
Fasst man den Sinn all dieser Überlieferungen zusammen, ergibt sich Folgendes: Das Ereignis geschah etwa fünf Jahre vor der Hidschra. Es war die Nacht des vierzehnten Tages eines Mondmonats. Der Mond war gerade aufgegangen. Plötzlich wurde der Mond in zwei Teile gespalten. Der eine Teil war auf der einen Seite des gegenüberliegenden Berges zu sehen, der andere auf der anderen Seite. Nachdem sie einen Augenblick in diesem Zustand geblieben waren, vereinigten sich die beiden Teile wieder. Der Prophet Muhammad (s.a.s.) hielt sich damals in Mina auf. Er sagte zu den Anwesenden: „Seht euch die Sache an und seid Zeugen.“ Die Ungläubigen sagten: „Muhammad hat uns verzaubert. Deshalb sind unsere Augen getäuscht worden. Er kann keine Zauberei wirken. Sollen Leute von außerhalb kommen. Wir werden sie fragen, ob auch sie das Ereignis gesehen haben.“ Als einige Menschen von außerhalb kamen, erklärten auch sie, dass sie diese Erscheinung gesehen hätten.
Aus einigen Überlieferungen von Hazrat Anas entsteht der irrige Eindruck, dass die Spaltung des Mondes zweimal stattgefunden habe. Erstens hat dies jedoch kein anderer Gefährte gesagt; zweitens finden sich selbst in einigen Überlieferungen von Hazrat Anas die beiden Ausdrücke „marratain“ (zweimal) beziehungsweise „firqatain“ und „shirqatain“. Sie bedeuten: in zwei Teile. Drittens wird im Heiligen Koran nur einmal die Spaltung des Mondes erwähnt. Daher ist es richtig, dass das Ereignis nur einmal stattfand. Die Legenden hingegen, wonach der Mond sich allein dadurch in zwei Teile spaltete, dass der Gesandte Allahs (s.a.s.) mit dem Finger auf ihn zeigte, und wonach ein Teil des Mondes in sein Gewand hineingelangte und durch dessen Ärmel wieder herauskam, sind völlig haltlos.
Die eigentliche Art des Ereignisses
Hier stellt sich die Frage, welcher Art dieses Ereignis eigentlich war. War es ein Wunder, das angesichts der Forderung der Ungläubigen den Wahrheitsbeweis für die Prophetenschaft des Propheten Muhammad (s.a.s.) erbringen sollte? Oder war es lediglich ein durch Allahs Willen auf dem Mond eingetretener Unfall? Und hatte der Prophet Muhammad (s.a.s.) die Aufmerksamkeit der Menschen darauf gelenkt, weil er es als Zeichen für die Möglichkeit und das Nahen der Auferstehung betrachtete? Eine Gruppe muslimischer Gelehrter betrachtet es als ein herausragendes Wunder des Propheten. Ihrer Auffassung nach wurde dieses Wunder als Antwort auf die Forderung der Ungläubigen gezeigt. Grundlage dieser Ansicht sind jedoch einige von Hazrat Anas überlieferte Hadithe. Außer ihm hat kein anderer Gefährte diese Aussage vorgebracht. Ibn Hadschar sagt in Fath al-Bari: „Unter den zahlreichen Überlieferungsketten, durch die das Ereignis der Spaltung des Mondes überliefert wurde, habe ich außer dem Hadith von Hazrat Anas in keinem anderen Hadith gefunden, dass die Spaltung des Mondes tatsächlich auf die Forderung der Götzendiener hin geschah.“ (Siehe das Kapitel über die Spaltung des Mondes.) Abu Nuaym al-Isfahani hat allerdings in seinem Werk Dala’il an-Nubuwwa genau diese Aussage in einem von Hazrat Abdullah ibn Abbas überlieferten Hadith angeführt. Doch seine Überlieferungskette ist sehr schwach. In keiner der Überlieferungen von Ibn Abbas, die in den Hadithwerken über vertrauenswürdige Überlieferungsketten überliefert wurden, findet sich diese Aussage. Außerdem waren sowohl Hazrat Abdullah ibn Abbas als auch Hazrat Anas zum Zeitpunkt dieses Ereignisses abwesend. Keiner der damals anwesenden Gefährten – darunter Hazrat Abdullah ibn Masud, Hazrat Hudhaifa, Hazrat Zubair ibn Mutim, Hazrat Ali und Hazrat Abdullah ibn Umar – sagte, dass die Götzendiener von Mekka als Beweis für die Wahrheit der Prophetenschaft Muhammads ein Zeichen gefordert hätten und ihnen deshalb das Wunder der Spaltung des Mondes gezeigt worden sei. Das Wichtigste ist jedoch, dass der Heilige Koran dieses Ereignis selbst nicht als Zeichen für die Gesandtschaft Muhammads, sondern als Zeichen für das Nahen der Auferstehung bezeichnet. Da dieses Ereignis die Wahrheit der Prophezeiung des Propheten (s.a.s.) über das Nahen der Auferstehung bestätigte, besteht natürlich kein Zweifel daran, dass es insofern auch ein leuchtendes Zeichen für die Wahrheit der Prophetenschaft des Propheten Muhammad (s.a.s.) war.
Einige Einwände und ihre Antworten
Gegen dieses Wunder sind zwei Einwände erhoben worden. Erstens halten sie es für völlig unmöglich, dass ein so großer Himmelskörper wie der Mond zerbricht, die beiden Teile voneinander getrennt werden, sich Hunderte von Meilen voneinander entfernen und anschließend wieder zusammenfügen. Zweitens: Wenn ein solches Ereignis stattgefunden hätte, so hätte es sich in der ganzen Welt herumgesprochen; es wäre in den Geschichtsbüchern erwähnt und in den Büchern über die Astrologie aufgezeichnet worden. Doch beide Einwände sind im Grunde haltlos. Die Erörterung seiner Möglichkeit mag in der Antike berechtigt gewesen sein; doch aufgrund der Erkenntnisse, die die Menschen in unserer Zeit über die Beschaffenheit von Planeten und Monden gewonnen haben, ist es durchaus möglich, dass ein Himmelskörper infolge des Ausbruchs des Feuers eines in seinem Inneren befindlichen Vulkans zerbricht und seine einzelnen Teile durch eine gewaltige Explosion in verschiedene Richtungen geschleudert werden und sich weit voneinander entfernen. Ebenso ist es nicht unmöglich, dass die Bruchstücke aufgrund der magnetischen Kraft des Zentrums wieder zusammenfinden. Betrachten wir nun den zweiten Einwand. Auch dieser ist belanglos, weil das Ereignis plötzlich und nur für einen Augenblick eintrat. Es gab keinen Grund dafür, dass in diesem besonderen Augenblick die Menschen auf der ganzen Welt gerade zum Mond geblickt hätten. Das Ereignis war nicht von einer Explosion begleitet, die die Aufmerksamkeit der Menschen darauf gelenkt hätte. Auch war es nicht vorher angekündigt worden, sodass die Menschen erwartungsvoll zum Himmel geblickt hätten. Außerdem war es gar nicht auf der ganzen Welt sichtbar. Damals war der Mond nur in Arabien und den östlich davon gelegenen Ländern aufgegangen. Auch hatten das Interesse und die Methoden der Geschichtsschreibung noch nicht einen solchen Entwicklungsstand erreicht, dass diejenigen im Orient, die das Ereignis gesehen hatten, es aufzeichneten und ein Historiker, falls diese Zeugnisse und Beweise in seine Hände gelangt wären, sie in ein Geschichtswerk aufgenommen hätte. Dennoch findet sich in der Geschichte Malabars der Hinweis, dass in jener Nacht ein dortiger König dieses Schauspiel gesehen habe. Auf die Frage, warum es in astrologischen Büchern und Kalendern nicht erwähnt wird, kann man antworten, dass dies nur dann erforderlich gewesen wäre, wenn sich an der Bewegung des Mondes, seiner Umlaufbahn oder den Zeiten seines Auf- und Untergangs irgendeine Veränderung gezeigt hätte. Da dies nicht der Fall war, wurde die Aufmerksamkeit der Astrologen der Antike nicht darauf gelenkt. Auch waren die astronomischen Observatorien jener Zeit noch nicht so weit entwickelt, dass sie jedes im Weltraum stattfindende Ereignis beobachtet und in Beweisbildern festgehalten hätten.
Kapitel 10 – Die Frage der Schafa’a
Verschiedene Aspekte der Frage der Schafa’a
[Das Thema der Schafa’a steht aus zwei Gründen in engem Zusammenhang mit dem Kern der Prophetenschaft. Der erste Grund ist, dass diejenigen, die die Botschaft des edlen Propheten (s.a.) und der anderen geehrten Propheten zurückwiesen, den Glauben an die Schafa’a als einen Schutzschild vor der Strafe betrachteten. Sie sagten, sie seien ja Nachkommen von Propheten und frommen Männern, und versuchten andererseits, die Götzen durch Verehrung und Anbetung günstig zu stimmen. Diese Götzen würden bei Allah für sie Fürsprache einlegen und seien deshalb Allah besonders lieb. Daher sei die Furcht vor der Strafe Gottes für Sünden gegenstandslos. Der Koran hat diese Vorstellung von der Schafa’a widerlegt.]
Der zweite Grund ist, dass die Propheten am Tag der Auferstehung – ebenso wie einige rechtschaffene Diener Allahs – Fürsprache für bestimmte ihrer Anhänger einlegen werden, die bei ihrem Bemühen, ihr Leben insgesamt nach Allahs Willen zu führen, einige Fehler und Versäumnisse begangen hatten oder in Sünden verstrickt waren, dabei jedoch immer wieder Reue zeigten und sich um Besserung bemühten.
Aus diesen beiden Gründen hielten wir es für angebracht, ein Kapitel über die Schafa’a in die grundlegende Erörterung aufzunehmen. Glücklicherweise sind aus der Feder des Maulana zu diesem Thema wertvolle Ausführungen hervorgegangen. – (Die Herausgeber).]
Das Thema der Schafa’a wird im Koran an mehreren Stellen eindeutig erklärt. Wer diese Fürsprache leisten kann und wer nicht, unter welchen Umständen sie zulässig und unter welchen sie unzulässig ist, für wen sie geleistet werden kann und für wen nicht, wem sie nützt und wem nicht – all dies zu wissen, ist für niemanden schwierig. Falsche Vorstellungen und Überzeugungen über die Schafa’a gehören zu den wichtigsten Ursachen dafür, dass Menschen vom rechten Weg abirren. Deshalb hat der Koran dieses Thema so klar dargelegt, dass er keinerlei Raum für Zweifel und Unsicherheit gelassen hat. So heißt es beispielsweise in Vers 255 der Sure al-Baqara (im Āyat al-Kursī):
(Arabisch********************************************(auf Seite 391 der PDF)
„Ihm allein gehört alles, was in den Himmeln und auf der Erde ist. Wer kann vor Allah Fürsprache einlegen, außer mit Seiner Erlaubnis?“
(Arabisch********************************************auf Seite 391 der PDF)
„Er weiß alles, was den Menschen sichtbar ist. Doch nichts von dem, was Allah weiß, können sie mit ihrem Wissen erfassen. Wenn Er jedoch selbst jemandem etwas mitteilen will, ist das etwas anderes.“
Niemand kann Einfluss auf Allah ausüben
Die Mushrikūn glaubten über muslimische Gelehrte, Engel und andere Wesen, dass sie am Hofe Allahs großen Einfluss besäßen. Was immer ihnen missfiel, würden sie nicht ruhen lassen, bis es nach ihrem Willen geschehen sei, und von Allah könnten sie erlangen, was immer sie wollten. Der erste Teil des oben angeführten Verses widerlegt diese Vorstellung. Ihnen wird gesagt, dass selbst die größten Propheten und die Allah am nächsten stehenden Engel – ganz zu schweigen davon, Einfluss auszuüben – vor jenem König des Universums nicht einmal ohne Erlaubnis ein Wort zu sagen wagen.
Durch die im zweiten Teil dargelegte theoretische Erörterung wird dem Fundament des Schirk ein weiterer Schlag versetzt. Im ersten Teil war die Vorstellung von Allahs absoluter und grenzenloser Herrschaft und Souveränität sowie Seiner uneingeschränkten Verfügungsgewalt dargelegt und gesagt worden, dass niemand die Macht besitzt, Seinen Einfluss auszuüben oder sich Seiner Macht entgegenzustellen. Nun wird von einer weiteren Seite aus gesagt: Wie könnte überhaupt jemand in Sein Wirken eingreifen? Denn sie besitzen keinerlei Wissen über die Verwaltung des Universums und Seine verborgenen Geheimnisse. Das Wissen aller Menschen, Dschinn, Engel und sonstigen Geschöpfe ist unvollständig und begrenzt. Niemandes Blick umfasst alle Wahrheiten des Universums. Würde man darüber hinaus jemandem gestatten, in einer geringfügigen Angelegenheit eigenständig einzugreifen oder auf einer unabänderlichen Fürsprache zu bestehen, würde die gesamte Ordnung der Welt zugrunde gehen. Ganz abgesehen von der Ordnung und Verwaltung des Universums: Der Diener ist nicht einmal fähig, sein eigenes Wohl und Wehe zu erkennen. Auch sein Wohl und Wehe kennt der Schöpfer und Lenker des Universums allein vollständig. Daher bleibt ihm keine andere Möglichkeit, als sich auf die von Ihm gegebenen Vorschriften und Anweisungen zu stützen.
Keine Fürsprache für Menschen, die Strafe verdient haben
In der Sure al-Anʿām heißt es:
(Arabisch********************************************auf PDF-Seite 392)
„Und jetzt sehe ich bei euch nicht jene Fürsprecher, von denen ihr glaubtet, dass sie bei der Verwirklichung eurer Angelegenheiten irgendeine Rolle spielen würden. Alle eure gegenseitigen Beziehungen sind abgebrochen, und diejenigen, von denen ihr annahmt, sie würden euch beistehen, haben sich von euch abgewandt.“
An anderer Stelle in dieser Sure heißt es:
(Arabisch********************************************auf PDF-Seite 392)
„(O Muhammad!) Ermahne mit diesem (auf Offenbarung beruhenden Wissen) jene Menschen, die sich davor fürchten, vor Allah erscheinen zu müssen – an jenem Ort, an dem es außer Ihm keinen Helfer und keinen Fürsprecher geben wird. Vielleicht werden sie dadurch (wachsam werden und) den Weg der Gottesfurcht einschlagen.“ – (Sure al-Anʿām: 51)
Der Sinn davon ist, dass diese Ermahnung auch jenen nichts nützen wird, die so sehr in einem weltlichen, genussorientierten Leben aufgegangen sind, dass sie nicht einmal an ihren Tod denken und es ihnen nicht in den Sinn kommt, dass sie eines Tages ihrem Herrn gegenübertreten müssen, und die meinen: In dieser Welt können wir tun, was wir wollen; im Jenseits wird uns kein Schaden widerfahren, denn der eine oder andere wird für uns Fürsprache einlegen, der eine oder andere uns helfen, oder der eine oder andere hat bereits für unsere Sünden Sühne geleistet.
In Sure al-Aʿrāf heißt es:
(Arabisch********************************************auf PDF-Seite 393)
„(Im Jenseits werden sie sagen:) Werden wir nun irgendeinen Fürsprecher finden, der für uns Fürsprache einlegt? Wenn nicht, dann sollen wir zurückgeschickt werden, damit wir anstelle der Taten, die wir früher zu tun pflegten, andere Taten vollbringen.“ – (Sure al-Aʿrāf: 53)
In der Sure Yūnus sagt Allah, der Erhabene:
(Arabisch********************************************auf PDF-Seite 393)
„Niemand besitzt das Recht, ohne Seine Erlaubnis Fürsprache einzulegen. Dieser ist Allah, euer Herr. So dient allein Ihm. Wollt ihr euch denn noch nicht vorsehen?“ – (Vers: 3)
In derselben Sure heißt es außerdem:
(Arabisch********************************************auf PDF-Seite 393)
„Sie verehren neben Allah Wesen, die ihnen weder Nutzen noch Schaden zufügen können, und sagen: ‚Diese werden bei Allah für uns Fürsprache einlegen.‘ Sprich: ‚Wollt ihr Allah von etwas in Kenntnis setzen, dessen Existenz Er weder im Himmel noch auf der Erde kennt? Erhaben und weit entfernt ist Allah von dem, was sie Ihm als Teilhaber beigesellen.‘“ – (Sure Yūnus: 18)
Dass Allah von etwas nichts weiß, bedeutet, dass dieses Etwas überhaupt nicht existiert. Denn alles, was existiert, ist Allah bekannt. Gerade dadurch wird hier in einer äußerst feinen Ausdrucksweise die Existenz eines Fürsprechers bestritten. Es wird gesagt, dass Allah, der Erhabene, überhaupt nicht weiß, dass es im Himmel oder auf der Erde jemanden gibt, der für euch Fürsprache einlegt. Von welchen Fürsprechern wollt ihr Ihn also in Kenntnis setzen?
(Arabisch********************************************auf PDF-Seite 394)
„Für die Ungerechten wird es weder einen engen Freund noch einen Fürsprecher geben, dessen Fürsprache gehört wird.“ – (Sure al-Muʾmin: 18)
Dies wird gesagt, um die irrige Glaubensvorstellung der Ungläubigen über die Fürsprache zu widerlegen. Tatsächlich wird es dort für die Schuldigen überhaupt keinen Fürsprecher geben. Denn wenn überhaupt die Erlaubnis zur Fürsprache erteilt wird, werden sie nur die von Allah geliebten und rechtschaffenen Diener erhalten. Und diese rechtschaffenen Diener Allahs können nicht die Freunde frevlerischer Übeltäter sein; sie würden nicht einmal daran denken, für deren Rettung Fürsprache einzulegen. Dennoch glauben die Ungläubigen, Götzendiener und Irregeführten im Allgemeinen, dass die frommen Männer, die sie verehren und denen sie folgen, sie auf keinen Fall in die Hölle gelangen lassen würden. Sie würden sich ihnen in den Weg stellen und unbedingt ihre Vergebung erwirken. Deshalb wird gesagt, dass es dort keinen solchen Fürsprecher geben wird, dessen Fürsprache Allah annehmen müsste.
Die Notwendigkeit der Erlaubnis zur Fürsprache
In der Sure Maryam heißt es:
(Arabisch********************************************auf PDF-Seite 394)
„Zu jener Zeit wird niemand zur Fürsprache fähig sein. Ausgenommen ist derjenige, der vom Allerbarmer die Erlaubnis erhalten hat.“ – (Sure Maryam: 87)
Das bedeutet zum einen, dass nur für denjenigen Fürsprache eingelegt werden darf, der die Erlaubnis erhält. Die zweite Bedeutung ist, dass nur derjenige, der die Erlaubnis erhalten hat, Fürsprache einlegen kann – niemand sonst. Die Ausdrucksweise des Verses ist so beschaffen, dass er gleichermaßen auf beide Bedeutungen zutrifft.
Nur für denjenigen darf Fürsprache eingelegt werden, der vom Allerbarmenden die Erlaubnis dazu erhält – die Bedeutung dieser Aussage ist, dass nur derjenige Aussicht auf Fürsprache hat, der im irdischen Leben den Glauben angenommen, eine gewisse Beziehung zu Allah bewahrt und sich dadurch der Vergebung würdig erwiesen hat. – [Das heißt: Die Fürsprache fällt unter Allahs Gesetz der Vergeltung und Seine Bestimmungen über die Vergebung. Voraussetzung für den Erhalt der Fürsprache ist, dass der Diener sich vor Allah als der Vergebung würdig erweisen muss. Als Beispiel kann angeführt werden, dass in den grundlegenden Lehren über die Reue eine Bestimmung über die Vergebung dargelegt wurde. Sie besagt, dass die Reue derjenigen nicht angenommen wird, die ihr ganzes Leben ununterbrochen bis zum Hals in Sünden versunken bleiben und deshalb keinerlei Bedauern oder Gewissensangst empfinden. Dass diejenigen, die unmittelbar nach einer Sünde Reue zeigen, Buße tun, die Sünde aufgeben und sich um die Läuterung ihrer selbst bemühen, keiner weiteren Erwähnung bedarf, versteht sich von selbst. Ebenso heißt es bei der Beschreibung derjenigen, denen vergeben werden kann: Es sind diejenigen, die sich von den großen Sünden und den allgemein bekannten schlechten Taten fernhalten und denen nur aus Versehen oder aus Unwissenheit kleine Fehltritte unterlaufen. Daraus kann auch ein gewöhnlicher Mensch abschätzen, ob er zu denjenigen gehören kann, denen Vergebung und Fürsprache zuteilwerden. Außerdem hat der Gesandte Allahs (s.a.w.) in verschiedenen Hadithen bestimmte schlechte Taten erwähnt und selbst erklärt: Für diejenigen, die diese Taten begehen, werde ich keine Fürsprache einlegen. – (Die beiden Herausgeber)] Und die Aussage, dass nur derjenige Fürsprache einlegen darf, der die Erlaubnis dazu erhält, bedeutet, dass diejenigen, die die Menschen als Fürsprecher oder Fürspracheleistende betrachten, nicht das Recht zur Fürsprache haben werden. Vielmehr darf nur derjenige den Mund öffnen, um Fürsprache einzulegen, dem Allah dies erlaubt.
In der Sure Taha heißt es:
(Arabisch********************************************PDF, Seite 395)
„Die Fürsprache wird keinem anderen etwas nützen außer demjenigen, dem der Allerbarmende die Erlaubnis zur Fürsprache erteilt und dessen Wort Er zu hören wünscht. Er weiß, was vor ihnen liegt und was hinter ihnen liegt; die anderen wissen es nicht vollständig.“ – (Sure Taha: 109–110)
Der erste Vers kann zwei Bedeutungen haben: Erstens die im Übersetzungstext wiedergegebene Bedeutung. Zweitens: „Die Fürsprache wird für niemanden etwas bewirken außer für denjenigen, für den der Allerbarmende Allah die Erlaubnis zur Fürsprache erteilt und über den Er zu hören wünscht.“ Am Tag der Auferstehung wird niemand den Mut haben, auch nur einen Laut von sich zu geben, geschweige denn nach eigenem Gutdünken zu sprechen. Nur derjenige wird Fürsprache einlegen können, der von Allah die Erlaubnis dazu erhalten hat. An verschiedenen Stellen des Korans werden diese beiden Aussagen ausführlich dargelegt. Einerseits heißt es:
(Arabisch********************************************PDF, Seite 395)
„Wer kann bei Ihm Fürsprache einlegen, außer mit Seiner Erlaubnis?“ – (Sure al-Baqara: 255) und
(Arabisch********************************************PDF, Seite 395)
„Sie können niemandem Fürsprache einlegen, außer für jene, mit deren Fürsprache Allah einverstanden ist, und sie fürchten Ihn.“ – (Sure al-Anbiyāʾ: 28)
(Arabisch********************************************auf Seite 395 der PDF)
„Wie viele Engel gibt es im Himmel, deren Fürsprache nichts nützt. Anders ist es nur, wenn sie mit Allahs Erlaubnis Fürsprache einlegen und für jemanden eintreten, für den Er die Fürsprache hören und annehmen will.“ – (Sure an-Nadschm: 26)
Die Einschränkungen für die Fürsprache
Der Grund für diese Einschränkungen der Fürsprache wird in der Sure Tā-Hā dargelegt. Ob es sich um einen Engel, einen Propheten, einen Wali oder irgendjemanden sonst handelt: Niemand weiß und kann auch nicht wissen, wie es um das Tatenregister eines Menschen bestellt ist, was er im diesseitigen Leben getan hat und mit welcher Art von Verhalten, Charakter, Eigenschaften und Verantwortlichkeiten er vor Allahs Gericht erscheint. Allah hingegen besitzt umfassendes Wissen über die vergangenen Taten aller Menschen. Er allein weiß genau, wie jemand jetzt dasteht, wie fromm ein Frommer tatsächlich geworden ist, welcher Stufe der Sünde ein Sünder angehört, ob jemand Vergebung verdient, ob er der härtesten Strafe würdig ist, ob seine Strafe gemildert werden kann oder ob ihm vielleicht ein gewisses Maß an Gnade erwiesen werden kann. – [Mit anderen Worten kann man sagen, dass die Fürsprache im Grunde eine Form des Zeugnisses ist. Durch sie wird bezeugt, was für ein Mensch derjenige im Großen und Ganzen war, dessen Tatenregister vorgelegt wird, und ob er Strafe oder Vergebung verdient. – (Die Herausgeber)] Wie könnte man unter diesen Umständen Engeln, Propheten und frommen Menschen die uneingeschränkte Freiheit zur Fürsprache gewähren, sodass jeder für jeden in der von ihm gewünschten Weise Fürsprache einlegen könnte? Wenn ein einfacher Beamter in seiner kleinen Abteilung begänne, auf die Fürsprache jedes Verwandten und Freundes zu hören, würde er die ganze Abteilung innerhalb weniger Tage zugrunde richten. Wenn dem so ist, wie könnte man dann vom allmächtigen Herrn von Himmel und Erde erwarten, dass in Seinem Hof uneingeschränkte Freiheit zur Fürsprache herrscht und jeder ehrwürdige Mann zu Allahs Hof gehen und erwirken kann, dass jedem, den er möchte, vergeben wird? Dabei weiß kein einziger ehrwürdiger Mann, wie die Tatenregister derjenigen aussehen, für die er Fürsprache einlegt. Jeder Beamte auf der Welt, der auch nur ein wenig Verantwortungsbewusstsein besitzt, würde in einem solchen Fall sagen, wenn ein Freund für einen schuldigen Untergebenen Fürsprache einlegt: „Sie wissen nicht, wie dieser Mann seine Arbeit vernachlässigt, verantwortungslos und bestechlich ist und wie sehr er die Allgemeinheit schikaniert. Ich kenne seine Taten genau. Bitte legen Sie deshalb bei mir keine Fürsprache für diesen Mann ein.“ – [Der Prophet Muhammad (Friede sei mit ihm) hat die Muslime seiner Zeit wiederholt mit den Worten gewarnt: „Diejenigen, die nach mir meine Lehre und mein Vorgehen verändern, werden vom Becken von Kawthar vertrieben und dürfen sich ihm nicht einmal nähern. Ich werde sagen: Diese gehören zu meinen Anhängern. Dann wird mir gesagt werden: Du weißt nicht, was sie nach deinem Hinscheiden getan haben. Daraufhin werde auch ich sie vertreiben und sagen: Verschwindet!“ Diese Darstellung findet sich in zahlreichen Hadithen. – (Der Verfasser) Siehe hierzu: al-Buchārī, Kitāb ar-Riqāq und Kitāb al-Fitan; Muslim, Kitāb at-Tahāra und Kitāb al-Fadāʾil; Musnad Ahmad, überliefert von Ibn Masʿūd und Abū Huraira; Ibn Māǧa, Kitāb al-Manāsik, u. a.]
An diesem kleinen Beispiel lässt sich ermessen, wie richtig, vernünftig und gerecht das in diesem Vers dargelegte Prinzip hinsichtlich der Fürsprache ist. Die Tür der Fürsprache bei Allah wird nicht verschlossen sein. Die frommen Diener, die es im diesseitigen Leben gewohnt waren, den Menschen mitfühlend zu begegnen, müssen vor der Fürsprache um Erlaubnis bitten, und sie dürfen nur für denjenigen Fürsprache einlegen, für den Allah ihnen die Erlaubnis dazu erteilt. Darüber hinaus gilt für die Fürsprache die Bedingung, dass sie richtig und gerecht sein muss.(Arabisch********) (und was er sagen wird, wird richtig sein) Allahs diese Aussage macht genau dies deutlich. Dort kann keine unsinnige Fürsprache eingelegt werden, bei der jemand, der im diesseitigen Leben die Rechte Tausender Menschen verletzt hat, von einem ehrwürdigen Mann mit den Worten empfohlen wird: „O Herr! Beschenke ihn mit einer Belohnung und mache ihn glücklich.“ – [Vielmehr werden die Propheten Fürsprache dafür einlegen, dass die schuldigen und irregegangenen Menschen ihrer jeweiligen Gemeinschaften bestraft werden. So wird im Qurʾān die folgende Aussage des Propheten über dessen Volk überliefert.]
(Arabisch********************************************auf Seite 397 der PDF)
„O mein Herr! Mein Volk hat diesen Qurʾān verlassen zurückgelassen.“]
In der Sure an-Naba heißt es:
(Arabisch********************************************auf Seite 397 der PDF)
„Am Tag, an dem der Geist und die Engel in Reihen aufstehen werden, wird niemand sprechen können außer demjenigen, dem Allah die Erlaubnis erteilt; und er wird nur das Richtige sagen.“ – (Sure an-Naba: 38)
Hier bedeutet „sprechen“: Fürsprache einlegen. Es wird gesagt, dass dies unter zwei Bedingungen geschehen wird. Erstens darf nur derjenige für einen bestimmten Sünder Fürsprache einlegen, dem Allah von Seiner Seite die Erlaubnis dazu erteilt hat. Zweitens muss der Fürsprecher das Richtige und Gerechte sagen und darf keine unangemessene Fürsprache einlegen. Und derjenige, für den Fürsprache eingelegt wird, muss in dieser Welt zumindest zu denen gehört haben, die sich zur Anerkennung der Errichtung der Wahrheit bekannten. Das heißt, er muss lediglich sündig gewesen sein, nicht aber ungläubig.
Die von den Götzendienern erdachten Fürsprecher
In der Sure al-Anbiya heißt es:
(Arabisch********************************************auf Seite 397 der PDF)
„Er weiß, was vor ihnen liegt, und Er weiß auch, was ihrem Wissen verborgen ist. Sie werden nur für diejenigen Fürsprache einlegen, deren Fürsprache zu hören Allah bereit ist, und sie werden aus Furcht vor Allah erschauern.“
Die Polytheisten hielten die Engel aus zwei Gründen für Gottheiten. Erstens betrachteten sie sie als Allahs Kinder und Nachkommen. Zweitens wollten sie sie durch ihre Verehrung zu Fürsprechern bei Allah machen. (Arabisch*******************) (Sie sagten: „Diese sind unsere Fürsprecher bei Allah“: Sure Yunus 18) und (Arabisch*****************) (sie werden uns dabei helfen, Allah nahezukommen. – Sure az-Zumar 3). In diesen beiden Versen werden beide Gründe widerlegt.
Bemerkenswert ist, dass der Quran bei der Widerlegung der polytheistischen Vorstellung und des Glaubens an die Fürsprache häufig mit Nachdruck sagt: „Diejenigen, die ihr für Fürsprecher haltet, wissen nichts vom Verborgenen, während Allah alle ihre bekannten und unbekannten Angelegenheiten kennt.“ Damit will Allah den Menschen Folgendes verständlich machen: Wenn sie weder die Vergangenheit und Zukunft jedes Menschen noch all seine verborgenen und offenkundigen Angelegenheiten kennen, wie können sie dann eine bedingungslose und uneingeschränkte Befugnis zur Fürsprache besitzen? Deshalb ist die Befugnis jedes Engels, Propheten oder sonstigen frommen Menschen zur Fürsprache an eine Bedingung geknüpft. Die Bedingung besteht darin, dass Allah ihm erlaubt, für jemanden Fürsprache einzulegen. Niemand wird das Recht haben, nach eigenem Willen für irgendeine Person Fürsprache einzulegen. Wenn es außerdem völlig Allahs Willen unterliegt, ob die Fürsprache angehört oder nicht angehört und angenommen oder nicht angenommen wird, welches Recht können dann solche machtlosen Fürsprecher darauf haben, dass jemand sie verehrt und anbetet oder dass sie Bitten und flehentliche Anrufungen anhören?
In der Sure Saba heißt es:
(Arabisch********************************************auf PDF-Seite 398)
„Die Fürsprache wird nur für denjenigen von Nutzen sein, dem Allah erlaubt, Fürsprache einzulegen.“ – (Sure as-Saba 23)
Das heißt: Ganz zu schweigen davon, selbst Herrscher zu sein, an der Herrschaft Anteil zu haben oder Gottes Partner oder Mitarbeiter zu sein – im gesamten Weltall gibt es kein einziges Wesen, das am Hofe Allahs nach eigenem Wunsch auch nur ein wenig Fürsprache für jemanden einlegen könnte. Ihr seid völlig grundlos von der falschen Vorstellung berauscht, dass Allah einige geliebte oder einflussreiche Diener habe, die, wenn sie eine Bitte vorbringen und darauf beharren, Allah nicht umhin könne, sie zu erfüllen. Doch in Wirklichkeit wagt dort niemand, ohne Erlaubnis auch nur ein Wort zu sagen. Nur wer die Erlaubnis erhält, darf eine Bitte vorbringen, und Fürsprache darf nur für denjenigen eingelegt werden, für den die Erlaubnis zur Fürsprache erteilt wurde.
Am Ende desselben Verses heißt es:
(Arabisch********************************************auf PDF-Seite 398)
„Wenn schließlich die Unruhe aus den Herzen der Menschen gewichen ist, werden sie die Fürsprecher fragen: Was hat euer Herr geantwortet? Sie werden sagen: Die richtige Antwort. Wahrlich, Er ist der Allmächtige und der Erhabene.“ – (Sure Saba, 23)
Hier wird eine Szene davon dargestellt, wie es am Tag der Auferstehung sein wird, wenn ein Fürsprecher für jemanden um die Erlaubnis zur Fürsprache bittet. Wir sehen hier eine Lage, in der sowohl der Fürsprecher als auch derjenige, für den Fürsprache eingelegt werden soll, nach ihrem Antrag auf Erlaubnis in äußerster Unruhe und Furcht, voller Beklemmung und Ungeduld, auf die Antwort warten. Wenn schließlich die Erlaubnis eintrifft und derjenige, für den Fürsprache eingelegt werden soll, am Gesicht des Fürsprechers erkennt, dass die Lage einigermaßen hoffnungsvoll ist, kehrt gleichsam wieder Leben in ihn zurück. Er tritt vor und fragt den Fürsprecher, welche Antwort er erhalten habe. Der Fürsprecher antwortet: Es ist in Ordnung. Die Erlaubnis ist erteilt worden. – [Eine Szene davon, wie die Propheten am Tag der Auferstehung in größter Demut Fürsprache einlegen werden, wird im letzten Rukuʿ der Sure al-Maʾida gezeigt. Dort wird beschrieben, wie Hadrat ʿIsa (a.s.) für seine Anhänger Fürsprache einlegen wird. Zunächst wird er auf die Frage Allahs Zeugnis ablegen. Dann wird er sagen:
(Arabisch********************************************auf PDF-Seite 399)
„Wenn Du sie bestrafst, so sind sie doch Deine Diener. (Ihnen bleibt nichts anderes, als die Strafe demütig hinzunehmen.) Wenn Du ihnen aber vergibst, so bist Du wahrlich der Allmächtige und der Allweise.“ – (Vers 118) Der erste Teil dieses bedeutungsvollen Satzes enthält den Ton einer demütigen Bitte um Fürsprache – keinen Anspruch und keine Forderung. – (Die beiden Herausgeber)
Mit dieser Schilderung will Allah verdeutlichen: O ihr törichte Schar! Wie könnt ihr angesichts eines Hofes, dessen Zustand so ist, annehmen, dass dort jemand hingehen und euch kraft seiner eigenen Macht Vergebung erwirken oder bei Allah auf seinem Willen beharren und es wagen könnte zu sagen: Sie sind meine Verehrer. Ihnen muss vergeben werden.
In der Sure ad-Duchan heißt es:
(Arabisch********************************************auf PDF-Seite 399)
„An jenem Tag wird kein Verwandter einem anderen Verwandten von Nutzen sein. Von nirgendwoher wird Hilfe kommen. Ausgenommen davon ist derjenige, dem Allah selbst Barmherzigkeit erweist. Er ist der Allmächtige und der Barmherzige.“ – (Sure ad-Duchan, 41–42)
Hier wird das Bild des Gerichts geschildert, das am Tag des Gerichts abgehalten werden wird. Keine Hilfe oder Unterstützung wird die Befreiung eines Schuldigen sicherstellen oder seine Strafe mildern können. Die wahre Herrschaft wird allein in den Händen des Herrn liegen, in dessen Hand die Schlüssel zu aller Macht liegen; niemand wird verhindern können, dass Sein Beschluss vollstreckt wird, und niemand wird ihn beeinflussen können. Ob jemandem aus Barmherzigkeit die Strafe gemildert oder erlassen wird, liegt vollständig in Allahs Hand. Tatsächlich richtet Er nicht erbarmungslos gerecht, sondern in Seiner Barmherzigkeit. Doch jede Entscheidung, die Er in einem Fall trifft, wird unbedingt genau so vollstreckt werden. Nachdem dieses Bild des göttlichen Gerichts erklärt worden ist, wird in den folgenden Versen dargelegt, was das Schicksal derjenigen sein wird, die in diesem Gericht für schuldig befunden werden, und wie jene belohnt werden, bei denen sich erweisen wird, dass sie Allah im Diesseits gefürchtet und sich vom Ungehorsam ferngehalten haben.
Das Beispiel des Bittgebets des Propheten Noah (Friede sei mit ihm) für seinen Sohn
Die Geschichte des Propheten Abraham (Friede sei mit ihm), die in der Sure Hud geschildert wird (siehe Verse 69 bis 76), wurde mit Blick auf die Quraisch erzählt. Weil sie Nachkommen des Propheten Abraham (Friede sei mit ihm) waren, wurden sie in ganz Arabien zu angesehenen Nachkommen, zu den priesterlichen Hütern und Verehrern der Kaaba und zu Trägern der religiösen, moralischen, politischen und kulturellen Führung. Deshalb pflegten sie voller Stolz und Hochmut zu sagen: Wie könnte Allahs Zorn über sie hereinbrechen, da sie doch Nachkommen jenes geliebten Dieners Allahs seien und er sich bei Allah für sie um Fürsprache bemühe? Um diesen falschen Hochmut zu zerschmettern, wird zunächst folgende Szene gezeigt: Ein großer Prophet wie Noah sah vor seinen Augen, wie sein geliebter Sohn ertrank, und flehte Allah in seiner Verzweiflung an, seinen Sohn zu retten. Doch diese Fürsprache nützte dem Sohn überhaupt nichts; vielmehr musste der Vater seinerseits eine Zurechtweisung hinnehmen. Danach wird die Szene des Propheten Abraham (Friede sei mit ihm) selbst gezeigt. Einerseits wird Allahs unermessliche Gunst ihm gegenüber erwähnt und sein Name in äußerst liebevollen Worten genannt. Andererseits weist Allah, als eben dieser Freund Allahs (Khalil), Abraham in die göttliche Gerechtigkeit eingreift, trotz seiner eindringlichen Bitten seine Fürsprache zugunsten des verderbten Volkes Lots zurück.
Danach sagt Allah in einem weiteren Vers derselben Sure Hud:
(Arabisch********************************************auf Seite 400 des PDF)
„Wenn jener Tag kommt, wird niemand auch nur einen Laut von sich geben können, außer mit Allahs Erlaubnis.“ – (Sure Hud: 105)
Das heißt: Diese törichten Menschen verbringen ihr Leben in grundloser, falscher Hoffnung und denken: Dieser oder jener ehrwürdige Mann wird bei Allah für uns Fürsprache einlegen und uns retten; dieser oder jener Fromme wird darauf bestehen und nicht nachlassen, bis Allah jedem seiner Anhänger vergeben hat; dieser oder jener Mann ist Allahs Liebling. Er wird unbeweglich am Weg zum Paradies sitzen bleiben und sich nicht fortbewegen, bevor er für seine Anhänger keinen Begnadigungsbescheid erwirkt hat. Doch von Beharren und Sich-Widersetzen kann überhaupt keine Rede sein. Ganz gleich, wie hochgestellt ein Mensch oder ein Engel auch sein mag – niemand wird dort den Mut haben, auch nur ein Wort zu sagen. Nur wenn Allah selbst, der oberste Richter jenes Gerichts, jemandem erlaubt, etwas zu sagen, wird überhaupt gesprochen werden können. – [Diejenigen, die an verschiedenen Mausoleen und Heiligtümern Opfergaben darbringen, weil sie glauben, die dort begrabenen Personen besäßen bei Allah großen Einfluss und großes Ansehen, verderben in der Hoffnung auf ihre Fürsprache weiterhin ihre eigenen Tatenbücher. Am Tag des Gerichts werden sie einer äußerst verzweifelten Lage gegenüberstehen.]
Die polytheistische Vorstellung von der Fürsprache bei Allah im diesseitigen Leben
In der Sure an-Nahl heißt es:
(Arabisch********************************************auf Seite 401 der PDF)
„Glauben sie trotzdem – trotz alledem, was sie gesehen und erkannt haben – an das Falsche und leugnen Allahs Gunst?“ – (Sure an-Nahl: 72)
Die Götzendiener von Mekka leugneten nicht, dass all diese zahlreichen Güter des Lebens ein Geschenk Allahs waren. Sie leugneten auch nicht, dass hinter dieser Gabe Allahs Gunst stand. Ihr Fehler bestand jedoch darin, dass sie neben Allah auch vielen anderen Wesen Dank für diese Güter erwiesen, von denen sie glaubten, sie hätten ebenfalls Anteil daran, dass sie diese Güter erlangten, obwohl sie dafür keinerlei Beweis oder Beleg besaßen. Dieses Verhalten wird in der Sprache des Korans als „Leugnen der Gunst Allahs“ bezeichnet. Einer gibt die Gabe, einem anderen wird dafür gedankt – nach der Auffassung des Korans ist dies nichts anderes als Undankbarkeit. Der Koran sagt grundsätzlich auch, dass es ebenfalls darauf hinausläuft, die Gabe des Gebers zu leugnen, wenn man ohne irgendeinen Beweis oder Beleg über ihn annimmt, er habe nicht aus Barmherzigkeit gegeben, sondern durch die Vermittlung des einen, aus Rücksicht auf den anderen, auf Fürsprache eines weiteren oder infolge des Eingreifens eines anderen.
Diese beiden grundlegenden Lehren des Korans sind vollkommen stichhaltig und entsprechen dem gesunden Menschenverstand. Jeder kann ihre Logik verstehen, wenn er nur ein wenig darüber nachdenkt. Stellen Sie sich vor, Sie hätten aus Mitleid einem Notleidenden geholfen, und dieser würde sich sogleich vor Ihnen hinstellen und einem anderen danken, der mit dieser Hilfe überhaupt nichts zu tun hatte. Vielleicht würden Sie aus Großzügigkeit dieses ungerechte Verhalten übergehen und ihm auch künftig weiterhelfen, doch innerlich würden Sie sicherlich erkennen, dass er ein äußerst unhöflicher und undankbarer Mensch ist. Stellen Sie sich nun vor, Sie fragten ihn nach dem Grund für dieses Verhalten und erführen, dass er Ihrer Ansicht nach nicht wegen Ihrer eigenen Güte und Großzügigkeit geholfen habe, sondern aus Rücksicht auf jene zweite Person. Dabei wäre das in Wirklichkeit nicht wahr. In diesem Fall würden Sie sich sicherlich beleidigt fühlen. Die klare Bedeutung dieser seiner Vorstellung wäre für Sie, dass er Ihnen gegenüber eine äußerst schlechte Einstellung hat. Er stellt sich von Ihnen vor, dass Sie kein gütiger und mitfühlender Mensch seien. Vielmehr bestehe Ihre Aufgabe darin, Freunden und Bekannten Gefälligkeiten zu erweisen. Wenn jemand durch eine bestimmte Gruppe von Freunden zu Ihnen kommt, helfen Sie ihm nur, um diese Freunde zufriedenzustellen. Andernfalls seien Sie überhaupt nicht jemand, durch den einem anderen irgendein Nutzen zukommen könnte.
In einem anderen Vers der Sure an-Nahl heißt es:
(Arabisch********************************************auf Seite 401 der PDF)
„Sie erkennen Allahs Gabe und leugnen sie dennoch. Die meisten von ihnen sind solche, die nicht bereit sind, die Wahrheit anzunehmen.“ – (Sure an-Nahl: 83)
Mit der hier erwähnten Leugnung ist jenes Verhalten gemeint, das wir zuvor beschrieben haben. Die mekkanischen Ungläubigen leugneten nicht, dass alles auf der Erde eine Gabe Allahs ist; doch sie glaubten, Allah habe all diese Dinge um ihrer Götzen willen gegeben. Deshalb erwiesen sie neben Allah auch jenen vermittelnden Wesen Dank für diese Gaben. Ja, sie zeigten ihnen sogar etwas mehr Dankbarkeit als Allah. Dieses Verhalten bezeichnete Allah als Undankbarkeit, als Verleugnung der Dankbarkeit und als Leugnung der Gaben Allahs und mit ähnlichen Bezeichnungen.
In der Sure al-Haddsch sagt Allah, der Erhabene:
(Arabisch********************************************auf PDF-Seite 402)
„Die eigentliche Wahrheit ist, dass Allah sowohl aus den Engeln als auch aus den Menschen Gesandte auswählt, um Seine Weisungen zu übermitteln. Er sieht und hört alles. Er kennt alles, was die Menschen offen und verborgen tun. Und alle Angelegenheiten kehren zu Ihm zurück.“ – (Sure al-Haddsch: 75–76)
Der Sinn dessen ist, dass unter den Geschöpfen, die die Götzendiener als Gottheiten angenommen haben, die vorzüglichsten Geschöpfe entweder Propheten oder Engel sind. Das heißt, sie sind lediglich von Allah auserwählte Gesandte, die Allahs Gebot den Menschen übermitteln. Ihr Rang geht nicht darüber hinaus. Allein aufgrund dieses Ranges können sie weder Götter noch Teilhaber Allahs sein.
Die Aussage „Er kennt alles, was die Menschen verborgen halten und offen zeigen“ wird im Koran gewöhnlich zur Widerlegung des götzendienerischen Glaubens an die Fürsprache angeführt. Der Sinn dieser Aussage ist: Selbst wenn ihr Engel, Propheten und rechtschaffene Menschen nicht persönlich für die Erfüllung sämtlicher Bedürfnisse der Menschen und für ihre Rettung aus Notlagen haltet, sondern sie nur als Fürsprecher bei Allah verehrt, ist das dennoch ein Irrtum. Denn allein Allah besitzt die Macht, alles zu sehen und zu hören. Nur Er kennt alles Verborgene und Offenkundige eines jeden Menschen. Nur Er kennt das Verborgene und Offenkundige, das Gute und das Schlechte in der Welt. Niemand, auch nicht die Engel und Propheten, weiß, wann welche Handlung angebracht ist und wann nicht. Deshalb hat Allah nicht einmal Seinen geliebtesten und Ihm am nächsten stehenden Geschöpfen das Recht verliehen, nach eigenem Willen ohne Seine Erlaubnis Fürsprache einzulegen, und Er hat eine solche Fürsprache auch nicht als annehmbar gelten lassen.
In der Sure az-Zumar sagt Allah:
(Arabisch********************************************auf PDF-Seite 402)
„Haben sie etwa andere als Allah zu Fürsprechern genommen? Sprich zu ihnen: Werden sie Fürsprache einlegen können, selbst wenn sie über keinerlei Macht verfügen und nichts verstehen? Verkünde: Die gesamte Fürsprache liegt einzig in Allahs Verfügungsgewalt. Ihm allein gehören die Herrschaft und die Hoheit über die Himmel und die Erde. Zu Ihm werdet ihr schließlich zurückkehren.“ – (Sure az-Zumar: 43–44)
Das heißt, sie bilden sich selbst ein, dass es in Allahs Gegenwart einige einflussreiche Wesen geben werde, deren Fürsprache auf keinen Fall zurückgewiesen werde. Doch niemand besitzt die Macht, vor Allah eigenmächtig als Fürsprecher aufzutreten. Von einer Annahme ihrer Fürsprache ganz zu schweigen, gibt es auch keinerlei Beweis oder Beleg dafür, dass sie Fürsprecher sein könnten. Allah, der Erhabene, hat niemals gesagt, dass sie bei Ihm einen solchen Rang besäßen. Und jene Wesen selbst haben niemals behauptet, dass sie die Anliegen ihrer Anbeter erfüllen würden. Ihre Torheit besteht darüber hinaus darin, dass sie diese selbst erdachten Fürsprecher, unter Ausschluss des wahren Besitzers aller Macht, für die Inhaber uneingeschränkter Macht halten und ihnen ihre gesamte Verehrung und Ehrerbietung widmen.
In Sure an-Nadschm heißt es:
(Arabisch********************************************auf PDF-Seite 403)
„Wie viele Engel gibt es in den Himmeln! Ihre Fürsprache nützt überhaupt nichts, solange Allah, der Erhabene, nicht die Fürsprache zugunsten einer Person erlaubt hat, deren Anliegen Er anhören will und mit der Er zufrieden ist.“ – (Sure an-Nadschm: 26)
Das heißt: Wenn nicht einmal die Fürsprache aller Engel zusammen für jemanden von Nutzen ist, dann stellt sich bei der Fürsprache dieser von euch erdachten Götter erst recht nicht die Frage nach einem Nutzen. Allah allein ist der Besitzer uneingeschränkter Macht. Auch die Engel wagen keine Fürsprache, solange Allah ihnen nicht die Erlaubnis erteilt hat und nicht bereit ist, ihre Fürsprache zugunsten einer Person anzuhören.
Niemand kann Allahs Entscheidung abwenden.
In Sure ar-Ra’d heißt es:
(Arabisch********************************************auf PDF-Seite 403)
„Und wenn Allah beschließt, ein Volk ins Unglück zu stürzen, vermag niemand dies abzuwehren, und gegen Allah hat dieses Volk weder einen Beschützer noch einen Helfer.“ – (Sure ar-Raʿd: 11)
Das heißt, es wird gesagt: Hütet euch davor, jemals dem Irrglauben zu verfallen, dass irgendein Pir, Fakir, ein frommer Mann aus Vergangenheit oder Zukunft oder irgendein Dschinn oder Engel, bestochen durch eure Geschenke und Gaben – ganz gleich, was ihr tut –, eine solche Macht besitzen könnte, euch vor den Folgen eurer schlechten Taten zu bewahren.“
In welchen Fällen die Tür der Fürsprache verschlossen ist
(Arabisch********************************************auf PDF-Seite 404)
„O Prophet! Bitte für diese Leute (die Heuchler) um Vergebung oder bitte nicht um Vergebung für sie – selbst wenn du siebzigmal für sie um Vergebung bittest –, Allah wird ihnen dennoch niemals vergeben. Denn sie haben Allah und Seinem Gesandten den Glauben verweigert. Allah zeigt den Ungehorsamen nicht den Weg zur Rettung.“ – (Sure at-Tauba: 80)
(Arabisch********************************************auf PDF-Seite 404)
„O Prophet! Ob du für diese (die Heuchler) um Vergebung bittest oder nicht, es ist für sie alles gleich. Allah wird ihnen niemals vergeben. Allah weist den Frevlern niemals den rechten Weg.“ – (Sure al-Munafiqun: 6)
Diese Aussage wurde zuerst in der Sure al-Munāfiqūn offenbart. Drei Jahre später wurde dieselbe Aussage in der Sure at-Tauba mit noch größerem Nachdruck wiederholt.
„Darin spricht Allah, der Erhabene, den Gesandten Allahs (s.a.w.) an und sagt über die Heuchler: ‚Ob du für sie um Vergebung bittest oder nicht – selbst wenn du siebzigmal für sie um Vergebung bittest, wird Allah ihnen dennoch nicht vergeben. Dies geschieht, weil sie Allah und Seine Gesandten verleugnet haben. Allah weist frevelhaften Menschen nicht den rechten Weg.‘“ – (Sure at-Tauba: 80)
In derselben Sure sagt Allah wenig später erneut: „Wenn einer von ihnen stirbt, verrichte niemals das Totengebet für ihn und steh auch nicht an seinem Grab. Sie haben Allah und Seinen Gesandten verleugnet und sind im Zustand des Ungehorsams gestorben.“ – (Sure at-Tauba: 84) – [Aus diesen Koranversen und einigen weiteren Versen lässt sich eine wichtige Erkenntnis gewinnen: In den Worten des Heiligen Propheten (s.a.w.) wird eindeutig klargestellt, für welche Arten von Menschen und für welche Personen, die mit bestimmten Taten verbunden sind, am Tag der Auferstehung keinerlei Fürsprache wirksam sein wird. Verschiedene Hadithe liefern dafür einen unumstößlichen Beweis. Im Licht dieser Wahrheit haben die verbreiteten Vorstellungen von Fürsprache keinerlei Wert – Vorstellungen, unter deren Einfluss die Menschen sorglos den Gottesdienst aufgeben, gegenüber den Geboten der Religion gleichgültig werden und sich nach eigenem Belieben in Sünden verstricken. – (Die beiden Herausgeber)]
In diesem Vers werden zwei Dinge dargelegt. Erstens: Wenn Allah um Vergebung der Sünden gebeten wird, kann dies nur bei den rechtgeleiteten Menschen wirksam sein. Für jemanden, der vom Weg der Rechtleitung abweicht und den Weg des Frevels und Ungehorsams einschlägt, wird keine Vergebung gewährt, selbst wenn nicht nur irgendein gewöhnlicher Mensch, sondern der Gesandte Allahs selbst für ihn um Vergebung bäte. Zweitens: Allah ebnet denjenigen, die nicht auf dem wahren und richtigen Weg gehen wollen, diesen Weg nicht. Wenn ein Diener selbst vom geraden Weg abweicht und – obwohl ihm dieser Weg gezeigt und er zu ihm aufgerufen wurde – den Ruf hochmütig zurückweist, welchen Anlass hätte Allah dann, ihm hinterherzulaufen, ihm die Rechtleitung nachzutragen und ihn zu schmeicheln, damit er den rechten Weg einschlägt?
Der Prophet Muhammad (s.a.w.) als Fürsprecher am Tag der Auferstehung
Die islamisch verbindliche Regelung der Fürsprache nach Maßgabe des Korans und der Hadithe lautet: Am Tag der Auferstehung kann vor Allahs Gericht nur derjenige Fürsprache einlegen, dem Allah selbst die Fähigkeit und das Recht dazu verleiht; und nur für denjenigen darf Fürsprache eingelegt werden, für den Allah die Erlaubnis zur Fürsprache erteilt. In diesem Zusammenhang sind die folgenden Verse zu beachten:
(Arabisch********************************************auf PDF-Seite 405)
Gemäß dieser Regelung wird der Prophet Muhammad (s.a.w.) im Jenseits gewiss Fürsprache einlegen. Diese Fürsprache wird er jedoch mit Allahs Erlaubnis für jene gottesfürchtigen Gläubigen einlegen, die sich trotz ihres nach Kräften bestehenden Bemühens um gute Taten in einige Sünden verstrickt haben. Menschen, die sich vorsätzlich und wissentlich mit schlechten Taten und der Veruntreuung fremden Eigentums beschäftigen, sowie diejenigen, die Allah niemals fürchten, sind der Fürsprache des Propheten nicht würdig. In einem Hadith wird eine lange Ansprache des Heiligen Propheten überliefert. Darin erläuterte er, welch ungeheuerliches Verbrechen die Veruntreuung anvertrauten Eigentums ist. Er sagte, dass diejenigen, die fremdes Eigentum veruntreut haben, am Tag der Auferstehung mit der Last dieses Eigentums auf ihren Schultern erscheinen und mich rufen werden:(Arabisch*********) „O Gesandter Allahs (s.a.w.)! Rette mich!“ Doch ich werde ihnen erwidern:(Arabisch*********) „Ich kann nichts für dich tun. Ich hatte dir Allahs Gebote übermittelt?“ – (Mischkāt, Kapitel »Verteilung der Kriegsbeute – al-Ghulūl darin«)
Kapitel: 11 – Prophezeiungen
Einige wichtige Prophezeiungen des Heiligen Propheten
Seitens der ehrwürdigen Propheten (a.s.) wurden Prophezeiungen gemacht, die sich bewahrheiteten. Allerdings dauert es bisweilen sehr lange, bis sich ihre Prophezeiungen erfüllen, und angesichts der Umstände, unter denen die Prophezeiungen äußerlich gemacht werden, ist es schwer vorauszusehen, dass sie sich erfüllen werden.
Eine wahre Prophezeiung gehört zu den Zeichen des Prophetentums, und in gewisser Hinsicht ist in ihr ein Anschein des Wunderbaren zu erkennen. Ein Teil dessen, was Wahrsager und Handleser sagen, tritt zuweilen in irgendeiner Form ein. Doch da die Prophezeiungen der Propheten auf dem von Gott verliehenen Wissen beruhen, erfüllen sie sich vollständig.
Die Prophezeiungen des Heiligen Propheten (s.a.w.s.) sind zum einen im Koran überliefert. Die Prophezeiungen der zweiten Art sind in den Hadithen bewahrt. Von diesen wurden hier all jene aufgenommen, die wir aus den Abhandlungen des Verfassers zusammentragen konnten. – (Die Herausgeber)
Koranische Prophezeiungen
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Eine glänzende Zukunft
(Arabisch********************************************auf PDF-Seite 409)
Allah, der Erhabene, verkündete dem Propheten (s) diese frohe Botschaft zu einer Zeit, als nur eine Handvoll Menschen bei ihm war. Die gesamte Nation war gegen ihn. Äußerlich war nicht das geringste Anzeichen eines Erfolgs zu erkennen. Die Lampe des Islam flackerte allein in Mekka. Von allen Seiten tobten Stürme, um sie auszulöschen. Damals sagte Allah, der Erhabene, zu Seinem Propheten: Lass dich von den Hindernissen und Schwierigkeiten, die in dieser Anfangsphase auf dich zukommen, nicht entmutigen. Die kommende Zeit wird sich als besser erweisen als die gegenwärtige. Deine Ehre, dein Ansehen und deine Würde werden weiter zunehmen, und dein Einfluss und deine Macht werden sich weiter ausbreiten. Dieses Versprechen ist jedoch nicht auf diese Welt beschränkt. Zugleich wird dir versprochen, dass deine Stellung im Jenseits um ein Vielfaches höher sein wird als deine Stellung in dieser Welt.
At-Tabarani überliefert im „Awsat“ und al-Bayhaqi in den „Dalāʾil“ nach Ibn Abbas: Der Prophet (s) sagte: Alle Erfolge, die meine Umma nach mir erringen wird, werden mir vor Augen geführt. Darüber bin ich zufrieden. Danach verkündete Allah, der Erhabene: „Das Jenseits wird für dich besser sein als diese Welt.“
Die Prophezeiung vom Sieg der Religion
(Arabisch********************************************auf PDF-Seite 409)
„Bald wird dein Herr dir so viel geben, dass du zufrieden sein wirst.“
Das heißt: Auch wenn die Gewährung etwas verzögert wird, ist die Zeit nicht fern, in der dein Herr Seine Gnade über dich ausgießen wird und du dadurch Zufriedenheit erlangen wirst. Dieses Versprechen erfüllte sich bereits zu Lebzeiten des Propheten in der Weise, dass das gesamte Gebiet vom südlichen Rand Arabiens im Norden bis zu den Grenzen des Römischen Reiches in Syrien und des Persischen Reiches im Irak sowie vom Persischen Golf im Osten bis zum Roten Meer im Westen sich seiner Herrschaft unterwarf. Zum ersten Mal in der arabischen Geschichte geriet dieses Gebiet unter Recht und Ordnung. Jede Macht, die sich ihm entgegenstellte, wurde zerschmettert. Überall in jenem Land, in dem die Götzendiener und die Leute der Schrift alle Anstrengungen unternommen hatten, ihre falschen Lehren hochzuhalten, erklang das Glaubensbekenntnis: „La ilaha illallah, Muhammadur Rasulullah.“ Nicht nur die Häupter der Menschen beugten sich; auch ihre Herzen und Gemüter wurden unterworfen. In ihren Glaubensvorstellungen und ihrem Handeln vollzog sich eine gewaltige Revolution. Eine von der Finsternis der Dschahiliyya verhüllte Nation veränderte sich in nur dreiundzwanzig Jahren derart, dass es dafür in der Geschichte nur wenige Beispiele gibt. Danach erlangte die vom Propheten (s) gegründete Bewegung eine solche Bedeutung, dass sie sich in weiten Teilen Asiens, Afrikas und Europas ausbreitete. Schließlich gewann sie in jedem Winkel der Welt Einfluss. All dies gab Allah, der Erhabene, Seinem Propheten bereits auf dieser Welt. Was Er ihm im Jenseits geben wird, übersteigt jede Vorstellung.
Dies ist eine Offenbarung der Macht und Weisheit Allahs, des Erhabenen: Er ließ unter einem unwissenden und unzivilisierten Volk einen so großen Propheten entstehen, dessen Lehre und Rechtleitung so revolutionär sind und ein so universelles Ideal verkörpern, dass die gesamte Menschheit zu einer einzigen Umma oder Gemeinschaft werden kann. Danach kann sie zu allen Zeiten aus diesem Ideal Rechtleitung schöpfen. Kein falscher oder heuchlerischer Mensch kann diese Würde erlangen, wie sehr er sich auch bemühen mag. Ganz zu schweigen von einem unterentwickelten Land wie Arabien: Nicht einmal der größte Genius irgendeines bedeutenden Volkes der Welt wäre dazu fähig gewesen, das Wesen und die Gestalt einer Nation auf diese Weise völlig zu verändern und ihr dann ein umfassendes Ideal vor Augen zu führen, auf dessen Grundlage die gesamte Menschheit in eine einzige Umma verwandelt werden und für alle Zeiten eine universale Ordnung einer Lebensweise (Religion) und einer Zivilisation verwirklichen könnte. Dies ist ein Wunder, das durch Allahs Macht geschehen ist. Und einzig Allah, der Erhabene, erwählt aufgrund Seines feinen und weitblickenden Wissens die Person, das Land oder das Volk, das Er für diese Aufgabe bestimmt. Wenn sich jemand darüber innerlich gekränkt fühlt, so mag er es tun; es ändert nichts.
Die Zusicherung einer besseren Zeit
Der Inhalt der Sure ad-Duha besteht darin, dem Propheten Trost zu spenden und das Leid zu lindern, unter dem er wegen der Unterbrechung der Offenbarung litt. Zunächst wurde dem Propheten unter dem Schwur bei dem strahlenden Tag und der ruhigen Nacht versichert, dass sein Herr ihn keineswegs verlassen habe und ihm auch nicht zürne. Danach wurde dem Propheten die frohe Botschaft verkündet, dass die Schwierigkeiten, denen er in der ersten Phase der islamischen Daʿwa begegnet war, nur vorübergehend seien. Jede kommende Zeit werde besser sein als die vorangegangene, und schon bald werde Allah ihm eine solche Fülle von Gunst und Gnade zuteilwerden lassen, dass er zufrieden sein werde. Dies ist eine so klare Prophezeiung, dass sie sich später Buchstabe für Buchstabe erfüllte. Doch zu der Zeit, als diese Prophezeiung ausgesprochen wurde, gab es keinerlei Anzeichen dafür, dass jener hilflose Mann aus Mekka, der sich im Kampf gegen die Unwissenheit und das Heidentum seines Volkes befand, einen derart erstaunlichen Erfolg erringen würde.
Dann sagt Allah, der Erhabene, zu Seinem geliebten Propheten Muhammad (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm): Aus welchem Grund ist in deinem Herzen die Befürchtung entstanden, dass Ich dich verlassen hätte und dir gegenüber zornig geworden wäre? Seit deiner Geburt habe Ich dir doch ununterbrochen Meine Gunst erwiesen. Du wurdest als Waise geboren, und Ich sorgte auf vortreffliche Weise für deine Erziehung und Obhut. Du kanntest den rechten Weg nicht; Ich wies dir den Weg. Du warst mittellos, und Ich machte dich wohlhabend. All dies beweist, dass Ich von Anfang an über dich gewacht habe und dass du stets in Meiner Gnade und Güte geborgen warst.
Die Bedeutung der Beseitigung der Last
(Arabisch********************************************auf PDF-Seite 411)
„(O Prophet!) Haben Wir dir nicht deine Brust geweitet? Und dir die schwere Last abgenommen, die deinen Rücken brach?“ – (Sure Alam Naschrah: 1–3)
Einige Kommentatoren haben die Ansicht geäußert, dass der edle Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) im Zeitalter der Dschāhilīya einige Fehler und Verfehlungen begangen habe, derentwegen er von großer Sorge bedrückt gewesen sei. Allah, der Erhabene, habe ihn durch die Offenbarung dieses Verses getröstet und ihm mitgeteilt, dass Er ihm jene Fehler vergeben habe. Doch unserer Ansicht nach ist diese Auslegung völlig falsch. Erstens bedeutet das Wort nicht zwangsläufig Sünde, Fehler oder Verfehlung. Vielmehr bedeutet dieses Wort auch eine schwere Last. Daher gibt es keinen Grund, dem Wort ohne Anlass eine hässliche Bedeutung zu geben. Zweitens war das Leben des heiligen Propheten vor seiner Berufung zum Propheten so makellos und rein, dass es für seine Gegner eine Herausforderung darstellte. Tatsächlich wurde der Prophet dazu gebracht, die Ungläubigen mit folgenden Worten anzusprechen:
(Arabisch********************************************auf PDF-Seite 411)
„Ich habe bereits ein ganzes Leben unter euch verbracht, bevor ich euch diesen Qur’an vorgetragen habe.“ – (Sure Yunus: 16)
Der edle Prophet (Friede sei mit ihm) war keineswegs ein solcher Mensch, der heimlich irgendeine Sünde begangen hätte – Allah bewahre. Wäre dies geschehen, wäre es Allah nicht unbekannt geblieben; und wenn jemand einen verborgenen Makel mit sich getragen hätte, hätte Er dies der Nation ohne Zögern offenbaren können, so wie Er es in dem oben angeführten Vers der Sure Yunus getan hat. Daher ist die richtige Bedeutung des Wortes in diesem Vers: Last. Das heißt, die Last von Leid, Kummer und Sorgen. Als er die Unwissenheit und Torheit seines eigenen Volkes sah, nahm die Last von Schmerz und Sorge auf seinem empfindsamen Wesen und Charakter immer weiter zu. Überall herrschten moralische Verderbtheit und Schamlosigkeit. Unter den Menschen waren Unterdrückung sowie Streit und Zwietracht in den Handlungen zur alltäglichen Erscheinung geworden. Durch die Übergriffe der Mächtigen wurden die Machtlosen zermalmt. Mädchen und Kinder wurden lebendig begraben. Ein Stamm überfiel plötzlich einen anderen. Bisweilen dauerten solche Stammesfehden Hunderte von Jahren an. Niemand war hinsichtlich seines Lebens, seines Besitzes und seiner Ehre sicher, solange er nicht eine mächtige Gruppe hinter sich hatte. Beim Anblick dieser Zustände litt der edle Prophet (Friede sei mit ihm) unter tiefem Schmerz. Doch er fand keinen Weg, diesen Niedergang zu beseitigen. Die gewaltige Last dieses Kummers brach ihm beinahe das Rückgrat. Allah zeigte ihm den Weg der Rechtleitung und nahm diese Last von ihm. Nachdem er in das Amt des Prophetentums eingesetzt worden war, erkannte er, dass allein der Glaube an die Einheit Allahs, die Gesandtschaft und das Jenseits die Lösung aller Probleme des menschlichen Lebens ist. Dadurch konnte der Weg zur Verbesserung und Reform jedes einzelnen Lebensbereichs und jeder gesellschaftlichen Sphäre geebnet werden. Diese Rechtleitung Allahs erleichterte dem edlen Propheten (Friede sei mit ihm) all seine Lasten, und er war vollkommen beruhigt, dass sich nur auf diesem Weg der Niedergang und das Verderben nicht nur Arabiens, sondern der ganzen Welt aufhalten ließen.
Erhöhung des Gedenkens
(Arabisch********************************************(Arabisch************************************ auf PDF-Seite 412)
„Und Wir haben dein Gedenken für dich erhöht.“
Dies wurde zu einer Zeit gesagt, als niemand auch nur daran denken konnte, wie die Stimme eines Mannes, der nur wenige Anhänger hatte und auf die Stadt Mekka beschränkt war, in der ganzen Welt erhoben werden und wie sich sein außergewöhnlicher Ruhm verbreiten könnte. Doch Allah verkündete Seinem Propheten gerade unter diesen Umständen diese frohe Botschaft und ließ sie auf erstaunliche Weise Wirklichkeit werden. Die Verbreitung des Gedenkens an den Propheten beziehungsweise seiner Stimme in jedem Haus begann Er, Allah selbst, durch die Feinde des Propheten. Zu den Methoden, die die Ungläubigen von Mekka anwandten, um den Propheten in Schwierigkeiten zu bringen, gehörte Folgendes: Wenn zur Zeit der Hadsch Menschen aus ganz Arabien in Gruppen nach Mekka kamen, erschienen Abordnungen der Ungläubigen in den Lagern der Pilger und warnten sie: „Ein gefährlicher Mann namens Muhammad wirkt solche und solche Zauberei auf die Menschen aus. Er sät Zwietracht zwischen Vätern und Söhnen sowie zwischen Ehemännern und Ehefrauen. Hütet euch daher vor ihm.“ Eine solche Propaganda betrieben sie auch gegenüber jenen, die außerhalb der Hadsch-Tage nur zum Besuch oder aus geschäftlichen Gründen nach Mekka kamen. Obwohl sie auf diese Weise den edlen Propheten (Friede sei mit ihm) verleumdeten, hatte dies zur Folge, dass sein Name die Dörfer und Gegenden Arabiens erreichte. So machten die Feinde den Namen des Propheten von seinem abgeschiedenen Aufenthaltsort in Mekka aus allen Stämmen des Landes bekannt. Daraufhin wollten die Menschen ganz natürlich wissen, wer dieser Mann war, was er sagte, was für ein Mensch er war, wer von seiner Zauberei beeinflusst wurde und welche Wirkung diese Zauberei auf sie ausübte. Je mehr die Propaganda der Ungläubigen von Mekka zunahm, desto stärker wurden auch diese Fragen in den Herzen der Menschen. Aufgrund dieser Fragen und ihrer Neugier lernten die Menschen den Charakter und das Verhalten des Propheten kennen. Sie hörten den Qur’an und verstanden, welche Art von Lehre der Prophet den Menschen vermittelte. Sie sahen, welche Veränderungen im Lebenswandel der von dem sogenannten Zauber beeinflussten Menschen im Vergleich zu den gewöhnlichen Arabern eingetreten waren. Dadurch verwandelte sich die Verleumdung des Propheten allmählich in seinen guten Ruf und Ruhm. Als die Zeit der Hidschra näher rückte, waren schließlich unter den nahen und entfernten arabischen Stämmen Menschen, die dem Propheten und seiner Daʿwa wohlgesinnt waren. Dies war die erste Phase der Erhöhung des Ansehens des edlen Gesandten. Nach der Hidschra begann die zweite Phase. Einerseits bemühten sich damals die Heuchler, die Juden und die Götzendiener ganz Arabiens mit aller Kraft darum, den Propheten (Friede sei mit ihm) zu verleumden; andererseits stellte der islamische Staat von Medina durch Gottesverehrung und Gottesfurcht, sittliche Reinheit, eine vorbildliche Gesellschaftsordnung, Gerechtigkeit, Gleichheit, die großzügigen Spenden der Wohlhabenden, die Fürsorge für die Armen, die Einhaltung von Verträgen sowie Ehrlichkeit im Handel und in den Geschäften ein Beispiel dar, das die Herzen der Menschen gewann. Die Feinde versuchten durch bewaffnete Kämpfe, den wachsenden Einfluss des Propheten auszulöschen. Doch die Gemeinschaft der Gläubigen, die unter seiner Führung entstanden war, brachte sie dazu, sich seiner Herrschaft zu unterwerfen. Innerhalb von zehn Jahren waren das Gedenken an den edlen Gesandten und seine Erhabenheit derart erhöht und aufgerichtet worden, dass im ganzen Land, in dem seine Gegner ihre ganze Kraft eingesetzt hatten, um ihn schlechtzumachen, überall der Ruf „Ich bezeuge, dass Muhammad der Gesandte Allahs ist“ widerhallte.
Danach begann die dritte Phase mit der Zeit der rechtgeleiteten Kalifen, als der heilige Name des edlen Propheten (s) in der ganzen Welt erhoben zu werden begann. Diese Entwicklung hat bis heute weiter zugenommen und wird, so Allah will, bis zum Tag der Auferstehung weiter zunehmen. Heute gibt es auf der Welt keinen Ort, an dem es nicht eine Siedlung von Muslimen gibt, in der nicht fünfmal täglich durch den laut ertönenden Gebetsruf die Gesandtschaft Muhammads (s) verkündet, im Gebet der Segen für den Propheten gesprochen und in der Freitagsansprache sein Name in guten Wünschen erwähnt wird. Es gibt unter den zwölf Monaten des Jahres keinen einzigen Tag und innerhalb der vierundzwanzig Stunden eines Tages keinen einzigen Zeitpunkt, zu dem nicht irgendwo auf der Welt des edlen Propheten (s) ehrend gedacht wird. Dies ist ein eindeutiger Beweis für die Wahrheit dieses Korans: Als Allah der Erhabene in der frühen Phase der Prophetie gesagt hatte: „(Arabisch********) konnte niemand sich vorstellen, dass dieses sein(Arabisch********) (Erheben seines Namens und seines Gedenkens) in einem solchen Ausmaß und mit einer solchen Würde fortbestehen würde. In dem von Saʿīd al-Chudrī (r.a.) überlieferten Hadith heißt es, dass der Prophet (s) sagte: Gabriel fragte mich: „Dein und mein Herr fragt, wie Er deinen Namen und dein Gedenken erhöht.“ Der Prophet (s) sagte: „Allah allein weiß es am besten.“ Gabriel sagte: „Allah verkündet: Wenn Meiner gedacht wird, wird auch deiner, des Propheten, zusammen mit Mir gedacht werden.“ – (Ibn Dscharīr, Ibn Abī Hātim, Musnad Abī Yaʿlā, Ibn al-Mundhir, Ibn Hibban, Ibn Mardūya, Abū Nuʿaym). Die gesamte spätere Geschichte bezeugt, dass sich diese Aussage buchstäblich bewahrheitet hat.
Sharh as-Sadr
(Arabisch****************************************auf PDF-Seite 413)
„Habe Ich dir nicht die Brust geöffnet, o Prophet?“ – (Sure al-Inschirah: 1)
Der Beginn der Aussage mit dieser Frage und der folgende Text machen deutlich, dass der Gesandte Allahs (s) zu jener Zeit wegen der Hindernisse und Schwierigkeiten, denen er unmittelbar nach Beginn des islamischen Aufrufs begegnete, sehr unruhig geworden war. Um ihn in diesem Zustand zu trösten, sagt Allah der Erhabene: „O Prophet! Habe Ich dir nicht diese und jene Gunst erwiesen? Warum bist du dann wegen dieser Hindernisse und Schwierigkeiten besorgt?“ Betrachtet man, an welchen Stellen im edlen Koran der Ausdruck „die Brust öffnen“ verwendet wird, so erkennt man, dass er zwei Bedeutungen hat.
Erstens: (Arabisch****************************************auf PDF-Seite 414)
„Wen Allah der Erhabene rechtleiten will, dem öffnet Er die Brust für den Islam.“ – (Sure al-Anʿām: 125)
Zweitens: (Arabisch****************************************auf PDF-Seite 414)
„Wessen Brust Allah für den Islam geöffnet hat, der wandelt in einem Licht von seinem Herrn.“ – (Sure az-Zumar: 22)
An diesen beiden Stellen besteht die Bedeutung von Scharh as-Sadr darin, von jeder inneren Unruhe und jedem Zweifel befreit zu sein und darüber Gewissheit zu erlangen, dass allein der Weg des Islam die unbestreitbare Wahrheit ist und jene Glaubensüberzeugungen, moralischen Grundsätze, Formen der Bildung und Zivilisation, Gebote und Verbote sowie die von ihm dargelegte Rechtleitung völlig fehlerlos sind. In den Versen 12–13 der Sure asch-Schuʿara wird erwähnt, dass Musa (a.s.), nachdem er mit der erhabenen Aufgabe des Prophetentums betraut worden war, den Auftrag erhielt, gegen den Pharao und seine Staatsmacht zu kämpfen und Auseinandersetzungen mit ihnen zu führen. Darauf bat Musa (a.s.):
(Arabisch****************************************auf PDF-Seite 414)
„O mein Herr! Ich fürchte, dass die Leute mich der Lüge bezichtigen werden, und meine Brust wird eng.“ – (Sure asch-Schuʿara: 12–13)
In den Versen 25–26 der Sure Ta-Ha heißt es, dass Musa (a.s.) damals zu Allah mit folgendem Bittgebet flehte:
(Arabisch****************************************auf PDF-Seite 414)
„Mein Herr! Öffne meine Brust für mich und erleichtere mir meine Aufgabe.“
Die Enge der Brust bedeutet hier, dass noch nicht der Mut entstanden war, eine gewaltige Last wie das Prophetentum zu tragen und allein in den Kampf gegen die überwältigende Kraft des Unglaubens einzutreten. Scharh as-Sadr bedeutet hingegen, dass die menschliche Entschlossenheit zunimmt: den Mut zu entwickeln, einen gewaltigen Feldzug zu führen, vor der Bewältigung einer äußerst schwierigen Aufgabe nicht zurückzuweichen und eine so große Verantwortung wie das Prophetentum beherzt zu erfüllen.
Bei näherer Betrachtung wird deutlich, dass in diesem Vers in der Öffnung der Brust des Gesandten Allahs (s.a.s.) beide Bedeutungen enthalten sind. Im Hinblick auf die erste Bedeutung liegt der Sinn darin, dass der Gesandte Allahs (s.a.s.) vor dem Prophetentum die Religionen der Götzendiener, der Christen, der Juden und der Feueranbeter in Arabien für irrig hielt und auch mit der Einseitigkeit, die bei einigen Anhängern des Tauhid in Arabien zu beobachten war, nicht zufrieden war. Denn dies war ein unbestimmter Glaube, der keine ausführliche Darlegung des wahren und richtigen Weges enthielt. Da er jedoch nicht wusste, welcher der richtige Weg war, litt er unter einer inneren Unruhe und einem geistigen Zwiespalt. Danach eröffnete Allah ihm das Prophetentum (den Sirat al-Mustaqim), wodurch in seinem Herzen Ruhe und Gewissheit einkehrten.
Die Bedeutung der zweiten Auffassung ist, dass Allah dem Propheten zugleich mit der Verleihung des Prophetentums den Mut, die Begeisterung, die Entschlossenheit und die Weite des Herzens schenkte, die zur Erfüllung dieser gewaltigen Aufgabe erforderlich waren. Er erlangte ein so umfassendes Wissen, das außer ihm kein anderer Mensch in seinem Herzen hätte aufnehmen können. Er gewann eine so weitsichtige Erkenntnis, dass er damit in der Lage war, weitverbreitete Anarchie und Unordnung zu beseitigen und Frieden zu schaffen. Dadurch erlangte er eine solche Befähigung, dass er sich in einer völlig zügellosen, in der Finsternis der Unwissenheit versunkenen Gesellschaft aufrichtete, ohne über irgendwelche Mittel oder sichtbar unterstützende Kräfte zu verfügen, und nicht davor zurückschreckte, als Bannerträger des Islam den Stürmen von Widerstand und Feindschaft entgegenzutreten. All das Leid, die Mühsal und die Gefahren, die ihm auf diesem Weg begegneten, nahm er geduldig auf sich. Keine Macht konnte ihn von seinem Ziel und Weg abbringen. Wenn Allah ihm diesen unschätzbaren Schatz der Weitung der Brust geschenkt hatte, warum sollte er dann angesichts dieser Hindernisse und Schwierigkeiten zu Beginn seines Wirkens den Mut verlieren?
Einige Koranausleger haben die Weitung der Brust im Sinne einer Aufspaltung verstanden und diesen Vers als Beleg für das Wunder der Öffnung der Brust angeführt, von dem in den Hadithen berichtet wird. Tatsächlich beruht der Beweis für dieses Wunder jedoch allein auf den Überlieferungen der Hadithe. Es wäre nicht richtig, diesen Beweis aus dem Koran zu erbringen. Aus sprachlicher Sicht des Arabischen kann die Weitung der Brust keinesfalls im Sinne von Schaq al-Sadr, also der Aufspaltung der Brust, verstanden werden. Allama al-Alusi sagt in seinem Werk Ruh al-Maʿani:
(Arabisch****************************************(auf Seite 415 der PDF-Datei)
„Für die Fachgelehrten ist es eine schwache Auffassung, in diesem Vers ‚Sharh‘ im Sinne von ‚Schaq‘ zu verstehen.“
Die frohe Botschaft von al-Kawthar
Als der edle Prophet (s.a.w.) in der frühen Phase des Prophetentums mit äußersten Schwierigkeiten konfrontiert war, die gesamte Nation sich feindselig gegen ihn erhob, sich auf seinem Weg Berge von Hindernissen auftürmten, ringsum ein Sturm der Opposition tobte und keinerlei Anzeichen für den Erfolg des Propheten und seiner Gefährten zu erkennen waren, da offenbarte Allah verschiedene Verse, um den Propheten zu trösten und in ihm Mut, Zuversicht und Begeisterung zu wecken. In der Sure ad-Duha heißt es:
(Arabisch****************************************auf PDF-Seite 416)
„Gewiss, die spätere Zeit wird besser sein als die frühere, und dein Herr wird dir so viel geben, dass du zufrieden sein wirst.“
In der Sure Alam Nashrah sagt Allah:(Arabisch**********) „Vielmehr habe Ich dein Gedenken erhöht.“ Das heißt: Die Feinde ziehen durch das ganze Land und verleumden dich – doch Ich habe dafür gesorgt, dass dein Name erhöht und dein Ruhm verbreitet wird.
Danach heißt es:
(Arabisch****************************************auf PDF-Seite 416)
„Wahrlich, mit der Erschwernis ist auch Erleichterung; gewiss, mit der Erschwernis ist Erleichterung.“
– Das heißt: Sei nicht ungeduldig, nur weil die Lage derzeit sehr schwierig ist. Schon bald wird die Zeit der Not und des Unglücks vorübergehen, und der Erfolg wird eintreten.“
In dieser Lage offenbarte Allah die Sure al-Kawthar und tröstete damit den ehrwürdigen Propheten (S). Zugleich kündigte Er die Vernichtung der Gegner an. Die ungläubigen Quraisch pflegten zu sagen, dass Muhammad (S) vom gesamten Volk abgeschnitten sei. Seine Lage gleiche nun der eines Menschen ohne jede Unterstützung und ohne Freunde. In einer Überlieferung von ʿIkrima heißt es: Als der ehrwürdige Prophet zum Propheten gemacht worden war und begonnen hatte, die Quraisch zum Islam einzuladen, begannen sie zu sagen, (Arabisch*******) (Ibn Dscharir). Das heißt: Muhammad sei so von seinem Volk abgeschnitten wie ein Baum, der von seinen Wurzeln abgetrennt worden ist. Man könne erwarten, dass er nach einiger Zeit vertrocknen und zu Boden zerfallen werde. Muhammad ibn Ishaq berichtet: Wenn man den mekkanischen Anführer al-ʿAs ibn Waʾil as-Sahmi auf den Propheten Muhammad (S) ansprach, pflegte er zu sagen: „Ach, lasst nur von ihm ab. Er ist doch wurzellos (abtar). Er hat keinen Sohn. Wenn er stirbt, wird niemand da sein, der seinen Namen weiterträgt.“
Schamir ibn ʿAtiyya sagt, dass auch ʿUqba ibn Abi Muʿait solche Äußerungen über den Propheten machte. – (Ibn Dscharir)
Ibn Abbas berichtet: Als Ka’b ibn al-Aschraf, der jüdische Anführer von Medina, einmal nach Mekka kam, sagten die Anführer der Quraisch zu ihm:
(Arabisch****************************************auf Seite 416 der PDF)
„Schau dir doch einmal diesen Jungen an: Er ist völlig von der Gesellschaft abgeschnitten und behauptet dennoch, besser zu sein als wir, obwohl wir die Pilgerfahrt vollziehen, der Kaaba dienen und den Pilgern Wasser reichen.“ – (al-Bazzar) Über dieses Ereignis wird von ʿIkrima berichtet: Die Quraisch pflegten den Ehrwürdigen Propheten (s.a.w.s.) als(Arabisch********) zu bezeichnen. Gemeint ist: schwach, ohne Mittel und Freunde und von der Gesellschaft abgeschnitten (Ibn Dscharir). Nach Überlieferungen von Ibn Saʿd und Ibn ʿAsakir berichtet Ibn Abbas (r.a.): Der älteste Sohn des edlen Propheten (s.a.w.s.) war al-Qasim (r.a.). Danach kam seine Tochter Zaynab (r.a.), danach sein Sohn Abdullah (r.a.). Anschließend folgten nacheinander drei Töchter: Umm Kulthum (r.a.), Fatima (r.a.) und Ruqayya (r.a.). Von ihnen starb zuerst al-Qasim (r.a.), und danach verstarb Abdullah (r.a.). Als ʿAs ibn Wa’il dies hörte, sagte er: „Seine Nachkommenschaft ist ausgelöscht. Nun ist er abtar, das heißt: seine Wurzel ist abgeschnitten.“ In einigen Überlieferungen wird zusätzlich berichtet, dass ʿAs sagte:
(Arabisch****************************************auf Seite 417 der PDF)
Das heißt: Muhammad ist abtar, entwurzelt. Er hat keinen Sohn, der seine Nachfolge antreten könnte. Nach seinem Tod wird sein Name von der Welt getilgt werden. Dann werdet ihr von ihm befreit sein. Aus der von ʿAbd ibn Humayd überlieferten Überlieferung von Ibn Abbas (r.a.) ist bekannt, dass auch Abu Dschahl nach dem Tod des Sohnes des Ehrwürdigen, Abdullah, eine solche Bemerkung machte. Ibn Abi Hatim überliefert von Schamir ibn ʿAtiya: Während der Prophet (s.a.w.s.) um seinen Sohn trauerte, zeigte auch ʿUqba ibn Abi Muʿait eine derart niederträchtige Gesinnung. ʿAta berichtet: Nachdem der zweite Sohn des Propheten (s.a.w.s.) verstorben war, lief Abu Lahab, sein unmittelbarer Nachbar und Onkel, zu den Götzendienern und verkündete ihnen diese frohe Nachricht:(Arabisch********) „Heute Nacht ist Muhammad völlig ohne Söhne geblieben.“
Dies war die herzzerreißende Lage, als die Sure al-Kawthar offenbart wurde. Die ungläubigen Quraisch waren auf den Propheten zornig, weil er allein Allah anbetete und ihren Schirk offen zurückwies. Deshalb beraubten sie ihn der Stellung, die er vor seinem Prophetentum im gesamten Volk besessen hatte. Sie schienen ihn aus seinem eigenen Stamm auszuschließen und nach außen zu verstoßen. Auch seine wenigen Gefährten waren ohne Mittel und ohne Freunde. Auch sie wurden verfolgt. In einer solchen Lage brachen nacheinander die Berge der Trauer über den Verlust seiner Söhne über den edlen Propheten herein. In dieser Not zeigten seine Freunde und Verwandten, die Angehörigen seines Stammes und seiner Sippe sowie seine Nachbarn keineswegs Mitgefühl; vielmehr platzten sie vor Freude. Sie machten Äußerungen, die äußerst herzzerreißend waren. Dabei hatte er sich stets allen Menschen, den Nahestehenden wie den Fernstehenden, gegenüber gut benommen. Deshalb verkündete Allah in dieser kürzesten Sure eine frohe Nachricht, wie sie keinem Menschen auf der Welt je zuteilgeworden war. Zugleich wurde verkündet, dass gerade seine Widersacher entwurzelt werden würden.
Das Wort „Abtar“ ist von „batar“ abgeleitet, was „abschneiden“ bedeutet. Im terminologischen Gebrauch wird es jedoch in einem umfassenden Sinn verwendet. Eine Gebetseinheit, der im Gebet keine weitere Gebetseinheit folgt, wird im Hadith „Rutaira“ genannt. In einem anderen Hadith heißt es:(Arabisch**********************) „Jede wichtige Angelegenheit, die ohne das Lob Allahs begonnen wird, ist abtar.“ Das heißt, ihre Grundlage wird abgeschnitten. Sie wird nicht gefestigt sein und kein gutes Ende nehmen. Auch einen Menschen, der erfolglos bleibt, nennt man „abtar“. Ebenso wird jemand, dem Mittel und Hilfen versagt sind, „abtar“ genannt. Auch wer keinerlei Aussicht auf Wohlergehen hat und dessen jede Hoffnung auf Erfolg ausgelöscht ist, ist „abtar“. Ebenso ist jemand „abtar“, der von seinen Angehörigen getrennt und völlig einsam geworden ist. Das Wort „abtar“ wird auch für jemanden gebraucht, der keine Kinder hat oder dessen Kinder nach ihrer Geburt gestorben sind. Denn danach gibt es niemanden mehr, der seinen Namen weiterträgt, und sein Andenken erlischt. In nahezu all diesen Bedeutungen nannten die ungläubigen Quraisch den edlen Propheten (a) „abtar“. Dies war keine bloße Erwiderung auf ihre Worte. Vielmehr war es in Wahrheit eine äußerst bedeutsame Weissagung des Korans, die sich Buchstabe für Buchstabe erfüllte. Zu der Zeit, auf die sich diese Weissagung bezog, hielten die Menschen den Propheten selbst für „abtar“. Es war überhaupt nicht vorstellbar, wie die großen Anführer der Quraisch zu „abtar“ werden sollten. Denn sie waren nicht nur in Mekka, sondern in ganz Arabien angesehene und erfolgreiche Männer. Sie besaßen die Gaben des Reichtums, der Kinder und anderer Wohltaten. Im ganzen Land hatten sie Vertreter, unterstützende Freunde und Verbündete. Sie besaßen das Monopol auf Handel und Gewerbe. Da die Organisation der Hadsch in ihren Händen lag, unterhielten sie weitreichende Beziehungen zu allen arabischen Stämmen. Doch schon nach wenigen Jahren änderte sich die Lage. Es kam eine Zeit, in der die Quraisch in der Grabenschlacht gemeinsam mit zahlreichen arabischen und jüdischen Stämmen Medina angriffen und der edle Prophet (s) sich durch den Bau eines Grabens neben der Stadt verteidigen musste. Damals hatten die Quraisch keinen einzigen Unterstützer oder Helfer, und sie mussten sich in hilfloser Lage zum Rückzug aus dem Kampf entschließen. Innerhalb eines Jahres geriet dann ganz Arabien in die Hand des Propheten. Aus den fernsten und entlegensten Gegenden des Landes kamen die Menschen in Gruppen und leisteten dem Propheten den Treueid. Seine Feinde wurden völlig freundlos. Danach wurden ihre Namen und jede Spur von ihnen so vollständig ausgelöscht, dass ihre Nachkommen zwar noch auf der Welt lebten, aber keiner von ihnen wusste, dass sie die Nachkommen von Feinden des Islam wie Abu Dschahl, Abu Lahab, As ibn Wail oder Ukba ibn Abi Muait waren. Und wenn sie es wussten, wollten sie nicht zugeben, dass diese Männer ihre Vorfahren waren. Dagegen werden heute von der ganzen Welt Segenswünsche und Friedensgrüße über die Nachkommen des Gesandten Allahs (s) gesprochen. Millionen und Abermillionen Muslime empfinden Stolz und Ehre über ihre Verbindung zum Geschlecht des Propheten und zu den Geschlechtern seiner Gefährten. Der eine ist Sayyid, der andere Alawi, Abbasid, Haschimit, Siddiqi, Faruqi, Uthmani, Zubairi oder Ansari. Doch den Namen Abu Dschahli oder Lahabi hört man nirgends. Die Geschichte hat bewiesen, dass nicht der edle Prophet (s) „abtar“ war, sondern seine Feinde „abtar“ waren und es bis heute sind.(Arabisch********) Hier(Arabisch******) wurde das Wort verwendet, das seinen Ursprung in(Arabisch******) hat. Es bedeutet Neid und Feindschaft, aufgrund derer man anderen Unrecht zufügt. An einer anderen Stelle des Korans heißt es:(Arabisch********) Und (o Muslime!) lasst euch durch die Feindschaft gegen ein Volk nicht dazu verleiten, das Maß so sehr zu überschreiten, dass ihr Unrecht begeht. Daher istArabisch*******) jeder gemeint, der in seiner Feindschaft gegenüber dem Gesandten Allahs (s) so verblendet ist, dass er ihn verleumdet, gegen ihn Schmähungen äußert, ihn erniedrigt und seinen Groll durch allerlei Beschimpfungen abzuladen versucht.
Die jenseitige Seite der frohen Botschaft vom Kauthar
Was der Prophet (s) über den Hawd des Kauthar gesagt hat, ist Folgendes:
Erstens: Am gewaltigen Tag der Auferstehung, wenn jeder vor Durst qualvoll umherirren wird, wird dem edlen Propheten (s) der Hawd des Kauthar gegeben werden. Die Gemeinschaft des Propheten wird beim Hawd mit ihm zusammentreffen, daraus trinken und ihren Durst stillen. Der edle Prophet wird als Erster dort eintreffen und in der Mitte des Hawd stehen. Der Prophet sagte:(Arabisch*************) „Dies ist ein Hawd oder ein Wasserbecken, zu dem meine Gemeinschaft am Tag der Auferstehung gelangen wird“ (Muslim, Abu Dawud).(Arabisch*********) „Ich werde von euch allen als Erster beim Hawd eintreffen.“ (Buchari, Muslim, Ibn Madscha, Musnad Ahmad)
(Arabisch*****************************************auf Seite 419 der PDF)
„Ich werde vor euch dort eintreffen und für euch Zeugnis ablegen. Bei Gott – ich kann meinen Hawd jetzt sehen.“ (Buchari)
Einmal wandte sich der Prophet an die Ansar und sagte:
(Arabisch*****************************************auf Seite 419 der PDF)
„Nach mir werdet ihr mit Selbstsucht und Vetternwirtschaft konfrontiert sein. Dann werdet ihr Geduld bewahren. Danach werdet ihr euch mit mir am Hawḍ al-Kauṯar treffen.“ – (Buchari, Muslim, Tirmidhi)
(Arabisch**********) „Am Tag der Auferstehung werde ich mich in der Mitte des Hawḍ befinden“ (Muslim). Hadrat Abu Barza al-Aslami (r.a.) wurde gefragt: „Haben Sie vom Propheten (s.a.s.) etwas über den Hawḍ gehört?“ Er antwortete: „Einmal, zweimal, dreimal – nicht nur viermal, sondern sehr oft habe ich davon gehört. Wer ihn für eine Lüge hält, dem wird Allah sein Wasser verwehren.“ – (Abu Dawud)
Ubaidullah ibn Ziyad hielt die Überlieferungen über den Hawḍ für Lügen. Sogar alle Überlieferungen von Abu Barza al-Aslami (r.a.), Bara ibn Azib (r.a.) und Aiz ibn Amr (r.a.) erklärte er für falsch. Schließlich brachte Abu Sabra eine Überlieferung hervor, die er bei Amr ibn al-As schriftlich festgehalten hatte. Darin waren folgende Worte des heiligen Propheten (s.a.s.) niedergeschrieben:(Arabisch********) „Wisset: Der Ort eures Zusammentreffens mit mir ist der Hawḍ al-Kauṯar.“ – (Musnad Ahmad)
Zweitens: Über die Ausdehnung dieses Hawḍ finden sich in verschiedenen Überlieferungen unterschiedliche Angaben. In den meisten Überlieferungen heißt es jedoch, dass seine Länge von Ayla (dem heutigen israelischen Hafen Eilat) bis Sanʿa im Jemen oder von Ayala bis Aden oder von Amman bis Aden reicht. Seine Breite erstreckt sich von Ayla bis Hudzfa (dem Gebiet zwischen Dschidda und Rabigh). (Buchari, Abu Dawud, Musnad Ahmad, Muslim, Tirmidhi, Ibn Madschah)
Daraus lässt sich vermuten, dass das heutige Rote Meer vielleicht in den Hawḍ al-Kauṯar verwandelt werden wird. Allah, der Erhabene, weiß es am besten.
Drittens: Über diesen Hawḍ sagte der Prophet: Wasser wird aus dem im Paradies gelegenen Fluss namens Kausar herbeigebracht und in diesen Hawḍ geleitet. (Arabisch**********) An anderer Stelle (Arabisch*************) Das heißt, aus dem Paradies werden zwei Bäche daran angeschlossen, um ihn mit Wasser zu versorgen (Muslim)
In einer weiteren Überlieferung heißt es (Arabisch********************) „Ein Bach aus dem Kausar-Fluss des Paradieses wird zu diesem Hawḍ geöffnet.“ – (Musnad Ahmad)
Viertens: In den Überlieferungen des edlen Propheten (sallallahu alaihi wa sallam) heißt es, dass sein Wasser weißer als Milch oder Silber, kälter als Eis und süßer als Honig ist. Der Boden seines Beckens ist duftender als Moschus. Darüber werden unzählige Krüge aufbewahrt, zahlreich wie die Sterne am Himmel. Wer einmal von diesem Wasser trinkt, wird niemals wieder Durst verspüren. Wer davon ferngehalten wird, wird niemals zufrieden sein. Mit geringfügigen sprachlichen Abweichungen ist dies in zahlreichen Hadithen überliefert (Bukhari, Muslim, Musnad Ahmad, Tirmidhi, Ibn Madschah, Abu Dawud).
Fünftens: In diesem Zusammenhang warnte der edle Prophet (sallallahu alaihi wa sallam) die Menschen wiederholt und sagte: Diejenigen unter euch, die nach mir meine Lebensweise verändern, werden von diesem Becken ferngehalten und man wird ihnen nicht gestatten, hierher zu kommen. Ich werde sagen: »Diese sind doch meine Gefährten.« Dann wird gesagt werden: »Du weißt nicht, was sie nach dir getan haben.« Daraufhin werde auch ich sie zurückweisen und sagen: »Weicht zurück!« Dies ist in zahlreichen Überlieferungen berichtet worden (Bukhari, Muslim, Musnad Ahmad, Ibn Madschah).
Der von Ibn Madschah hierzu überlieferte Hadith ist in seiner Ausdrucksweise äußerst erschütternd.
(Arabisch*****************************************auf Seite 420 der PDF)
»Wisset, ich werde vor euch am Becken eintreffen. Ich werde mich damit rühmen, dass meine Gemeinschaft unter den übrigen Gemeinschaften zahlreicher sein wird als die euren. Seid auf der Hut: Einige Menschen werde ich herbeiführen, und einige werden von mir fortgeführt werden. Dann werde ich sagen: ›O Herr! Sie sind doch meine Gefährten.‹ Er wird sagen: ›Du weißt nicht, welche Taten sie nach dir begangen haben.‹« – Ibn Madschah sagt, dass der Prophet diese Worte in der Predigt von Arafat gesprochen habe.
Sechstens: Ebenso warnte der ehrwürdige Prophet (sallallahu alaihi wa sallam) die Muslime, die von seiner Zeit bis zum Tag der Auferstehung kommen werden, und sagte: Alle, die von meinem Weg abweichen und meine Lebensweise verändern, werden vom Becken vertrieben. Ich werde sagen: »O mein Herr! Sie gehören doch zu mir. Sie sind meine Gemeinschaft.« Darauf wird geantwortet werden: »Du weißt nicht, was sie nach dir alles verändert haben und dass sie den falschen Weg eingeschlagen haben.« Der Prophet sagte: »Dann werde ich sie zurückweisen und ihnen nicht gestatten, sich dem Becken zu nähern.«
Zu diesem Thema finden sich zahlreiche Hadithe. – (Siehe Bukhari, Muslim, Ibn Madschah und Musnad Ahmad.)
Die Beschreibung dieses Beckens ist von fünfzig Gefährten überliefert worden. Die früheren islamischen Gelehrten haben dieses Becken für das Becken von Kawthar gehalten. Imam Bukhari gab dem letzten Kapitel seines Kitab ar-Riqaq den Titel:(Arabisch*****************************************auf Seite 421 der PDF)
In einer Überlieferung von Hadhrat Anas (r.a.) wird erläutert, dass der Heilige Prophet (s.a.w.) über Kawthar sagte: (Arabisch*************) Dies ist das Becken, an dem sich meine Umma versammeln wird.
Über den Strom namens Kawthar, der dem Gesandten Allahs (s.a.w.) im Paradies gegeben werden wird, finden sich ebenfalls in zahlreichen Hadithen Beschreibungen. Auch von Hadhrat Anas (r.a.) wurden viele Überlieferungen aufgezeichnet. Er berichtet, dass der Prophet in der Nacht der Himmelfahrt durch das Paradies geführt wurde. Dabei sah er einen Fluss, dessen Ufer mit diamantbesetzten Kuppeln bebaut waren. Der Boden darunter duftete wie Moschus. Der Hochgeehrte (s.a.w.) fragte Jibril oder den ihn begleitenden Engel: „Was ist das?“ Darauf wurde geantwortet: „Dies ist der Kawthar-Fluss, den Allah, der Erhabene, dir gegeben hat.“ (Musnad Ahmad, Bukhari, Muslim, Abu Dawud, Tirmidhi und andere.)
Hadhrat Anas (r.a.) berichtet: Ein Mann fragte den Propheten: „Was ist Kawthar?“ Der Prophet antwortete: „Es ist ein Fluss, den Allah mir im Paradies gegeben hat. Sein Boden duftet wie Moschus, sein Wasser ist weißer als Milch und süßer als Honig.“ (Musnad Ahmad, Tirmidhi.) Ibn Jarir zitiert eine weitere Überlieferung aus dem Musnad Ahmad und berichtet, dass der Hochgeehrte (s.a.w.) die Eigenschaften des Kawthar-Flusses beschrieb und sagte: „An seinem Grund liegen statt Steinen Edelsteine und Juwelen.“ Ibn Umar (r.a.) berichtet, dass der Heilige Prophet (s.a.w.) gesagt habe: „Kawthar ist ein Fluss oder Strom des Paradieses. Seine Ufer sind aus Gold. Er fließt über diesen Edelsteinen und Juwelen.“ Das heißt, dort liegen statt Felsbrocken Diamanten und Edelsteine. Sein Boden duftet stärker als Moschus. Sein Wasser ist weißer als Milch, kälter als Eis und süßer als Honig. (Musnad Ahmad, Tirmidhi, Ibn Madscha, Ibn Abi Hatim, Darimi, Abu Dawud, Ibn al-Mundhir, Ibn Marduyah, Ibn Abi Schaiba.) Usama ibn Zayd (r.a.) berichtet: Einmal besuchte der Prophet (s.a.w.) das Haus von Hadhrat Hamza (r.a.). Dieser war nicht zu Hause. Seine Frau bewirtete den Hochgeehrten. Sie sagte: „Mein Mann hat mir erzählt, dass dir im Paradies ein Fluss gegeben wurde, der Kawthar heißt.“ Darauf antwortete der Prophet: „Ja, das stimmt. Sein Boden besteht aus Rubinen und verschiedenen Edelsteinen.“ Neben diesen Überlieferungen werden in den Hadithen zahlreiche Aussagen der Sahaba und der Tabi’un angeführt, in denen Kawthar als dieser Fluss oder Strom des Paradieses verstanden und mit genau den oben beschriebenen Eigenschaften versehen wird. Beispielsweise werden die Aussagen von Hadhrat Abdullah ibn Umar (r.a.), Hadhrat Abdullah ibn Abbas (r.a.), Hadhrat Anas ibn Malik (r.a.), Hadhrat Aischa (r.a.), Mujahid und Abul Aliya in den Werken der Hadithgelehrten wie Musnad Ahmad, Bukhari, Tirmidhi, Nasa’i, Ibn Marduyah, Ibn Jarir und Ibn Abi Schaiba erwähnt.
Das schreckliche Ende Abu Lahabs
(Arabisch*****************************************PDF, Seite 422)
„Abu Lahabs Hände sollen zugrunde gehen, und er ist gescheitert.“
Einige Koranexegeten (Arabisch****************)– deuteten dies als: „Abu Lahabs Hände sollen zugrunde gehen“, und (Arabisch****************)– deuteten dies als: „Möge er zugrunde gehen“ oder „Er ist zugrunde gegangen“. Tatsächlich handelt es sich jedoch nicht um ein Bittgebet oder einen Fluch, der gegen ihn ausgesprochen worden wäre. Vielmehr war es eine Prophezeiung, für die etwas, das sich in der Zukunft ereignen sollte, in der Vergangenheitsform ausgedrückt wurde. Sein Eintreten war so gewiss, als wäre es bereits geschehen. Tatsächlich geschah es auch, was in dieser Sure einige Jahre zuvor prophezeit worden war. Das Zerbrechen der Hände bedeutet nicht, dass ein Körperteil, nämlich die Hände, zerbrochen wurden. Vielmehr bedeutet es, dass jemand bei den Vorhaben scheitert, für die er sich mit ganzer Kraft eingesetzt hat. Abu Lahab setzte alle Kräfte ein, um die islamische Botschaft des Gesandten Allahs (s.a.w.) zunichtezumachen. Doch bereits sieben oder acht Jahre nach der Offenbarung dieser Sure wurden in der Schlacht von Badr die meisten Anführer der Quraisch getötet, die Abu Lahab bei seiner Feindschaft gegen den Propheten unterstützt hatten. Als die Nachricht von ihrer Niederlage in Mekka eintraf, war Abu Lahab so tief erschüttert, dass er nicht länger als sieben Tage am Leben blieb. Auch sein Tod war äußerst lehrreich. Er erkrankte an einer bösartigen Pustelerkrankung, weshalb seine Angehörigen ihn im Stich ließen und sich von ihm entfernten, da sie von Furcht vor dieser schrecklich ansteckenden Krankheit erfüllt waren. Drei Tage lang besuchte ihn nach seinem Tod niemand. Seine Leiche verweste und begann zu stinken. Die Menschen machten deswegen seinen Söhnen Vorwürfe. Daraufhin ließen sie seine Leiche von einigen Abessiniern wegtragen und bestatten. Einer Überlieferung zufolge wurde eine Grube ausgehoben, die Leiche mithilfe von Holz hineingestoßen und anschließend mit Erde und Steinen bedeckt. Seine vollständige und endgültige Niederlage zeigte sich noch in anderer Hinsicht: Die Religion, deren Weg er mit all seiner Kraft versperren wollte, wurde von seinen eigenen Kindern angenommen. Als Erste wanderte seine Tochter Durra von Mekka nach Medina aus und nahm den Islam an. Später, bei der Eroberung Mekkas, erschienen seine beiden Söhne Utba und Mu’attab durch die Vermittlung von Hadhrat Abbas (r.a.) vor dem Propheten (s.a.w.) und leisteten, nachdem sie den Glauben angenommen hatten, dem Propheten (s.a.w.) den Treueid.
Die Strafe der Bewohner Mekkas für den Versuch, den Propheten zu vertreiben
(Arabisch*****************************************auf PDF-Seite 422)
„Sie waren fest entschlossen, dich aus diesem Land zu vertreiben und von hier zu verstoßen. Wenn sie dies jedoch tun, werden sie selbst nach dir nicht lange darin verbleiben können.“ – (Bani Isra’il: 76)
Obwohl diese eindeutige Prophezeiung damals als eine Drohung aufgefasst wurde, erfüllte sie sich innerhalb von zehn oder elf Jahren buchstäblich. Ein Jahr nach der Offenbarung dieser Sure zwangen sie den Propheten (s), Mekka zu verlassen. Doch noch bevor acht Jahre vergangen waren, zog er als Sieger in Mekka ein. Innerhalb von nur zwei weiteren Jahren war die Existenz der Götzendiener auf der gesamten Arabischen Halbinsel ausgelöscht. Alle, die sich damals in Arabien aufhielten, taten dies als Muslime. Für die Götzendiener gab es dort keinen Platz mehr.
Die Niederlage der Quraisch
(Arabisch*****************************************auf PDF-Seite 423)
„Diese Schar wird sehr bald eine Niederlage erleiden, und man wird sie sehen, wie sie sich abwendet und die Flucht ergreift.“ – (Sure al-Qamar: 45)
Fünf Jahre vor der Hidschra wurde diese eindeutige Prophezeiung verkündet: Die Quraisch, die sich in ihrem Stolz auf ihre Macht für die Herren der Welt hielten, würden schon bald von den Muslimen besiegt werden. Damals konnte sich niemand vorstellen, wie sich diese Wende in naher Zukunft vollziehen sollte. Die Lage der Muslime war so verzweifelt, dass ein Teil von ihnen das Land verließ und nach Abessinien auswanderte, während die übrigen Gläubigen in Shi‘b Abi Talib eingeschlossen waren. Da die Quraisch alle Beziehungen zu ihnen abgebrochen und sie in der Bergschlucht eingeschlossen hatten, starben sie vor Hunger. Wer hätte unter diesen Umständen annehmen können, dass sich innerhalb von sieben Jahren das Blatt wenden würde? Aus der Überlieferung von Ikrima, einem Schüler Hazrat Abdullah ibn Abbas’ (r), geht hervor, dass Hazrat Umar (r) sagte: Als dieser Vers aus der Sure al-Qamar offenbart wurde, dachte ich erstaunt darüber nach, welche Schar wohl besiegt werden würde. Als jedoch in der Schlacht von Badr die Ungläubigen besiegt wurden und flohen, sah ich, wie der Gesandte Allahs (s) in Kriegskleidung voranschritt und diese Worte von seinen gesegneten Lippen kamen:
(Arabisch*****************************************auf PDF-Seite 423)
„Da verstand ich, dass dies jene Niederlage war, deren Nachricht zuvor verkündet worden war.“ – (Ibn Dscharir, Ibn Abi Hatim)
Mekka wird erobert werden
(Arabisch*****************************************auf PDF-Seite 423)
„Unsere Heerscharen werden gewiss siegreich sein.“ – (Sure as-Saffat: 173)
Das heißt, die ungläubigen Quraisch werden schon bald mit eigenen Augen ihre Niederlage und euren Sieg sehen. Genau so geschah es. Bereits vierzehn oder fünfzehn Jahre nach der Offenbarung dieser Verse sahen die Ungläubigen von Mekka den Propheten (s) mit eigenen Augen siegreich in Mekka einziehen. Einige Jahre später sahen sie außerdem, dass der Islam nicht nur über Mekka, sondern auch über die Reiche von Rom und Iran die Vorherrschaft erlangte.
(Arabisch*****************************************auf PDF-Seite 424)
Mit diesem Ort ist auf Mekka hingewiesen worden. Das heißt: Genau an dem Ort, an dem diese Leute (die ungläubigen Quraisch) große Worte reden, werden sie eines Tages eine Niederlage erleiden. Hier wird für sie der Zeitpunkt kommen, an dem sie mit gesenktem Haupt vor dem Propheten stehen werden, den sie heute geringschätzen und sich weigern, als Propheten anzuerkennen.
Die Botschaft des Korans wird sich gewiss überall verbreiten
(Arabisch*****************************************auf Seite 424 der PDF)
„Bald werde Ich ihnen Meine Zeichen in den oberen Welten und in ihrem eigenen Inneren zeigen. Dann wird ihnen klar werden, dass dieser Qur’an in Wahrheit eine große Wahrheit ist.“ – (Sure Ha-Mīm as-Sadschda: 53)
Das heißt, schon bald werden sie mit eigenen Augen sehen, dass die Botschaft dieses Qur’ans sich überall ausgebreitet hat und dass sie selbst sich vor ihm verneigen. Zu jener Zeit werden sie verstehen, dass alles, was ihnen heute gesagt wird und dessen Anerkennung sie verweigern, vollkommen wahr ist.
Einige Leute werfen die Frage auf, ob der Sieg einer Botschaft und die Eroberung gewaltiger Gebiete ein Beweis für ihre Wahrheit seien. Auch eine nichtige Botschaft breitet sich überall aus, und ihre Anhänger ziehen ebenfalls von Land zu Land und erobern es.
Tatsächlich wurde diese Frage gestellt, indem man nicht die Gesamtheit der Angelegenheit eingehend betrachtete, sondern nur ihre äußere Seite. Der außergewöhnliche Sieg, den der Islam in der Zeit des edlen Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) und der rechtgeleiteten Kalifen errang, war nicht lediglich insofern ein Zeichen Allahs, als die Muslime Land um Land eroberten. Vielmehr war er es insofern, als dieser Sieg nicht den anderen Siegen glich. Bei anderen Siegen verhält es sich so, dass nach dem Sieg ein Einzelner, eine Familie oder ein Volk zum Besitzer des Lebens und des Vermögens der Besiegten wird und Allahs Erde sich mit Unterdrückung und Tyrannei füllt. Der Sieg des Islam hingegen brachte eine gewaltige religiöse, moralische, geistige, politische, wirtschaftliche sowie zivilisatorische Revolution mit sich. Wo immer die Wirkung dieser Revolution hingelangte, entfalteten sich die besten Eigenschaften der Menschen, während die schlechten Eigenschaften unterdrückt wurden. Die Welt hatte jene Eigenschaften bei weltabgewandten Derwischen und bei Menschen sehen wollen, die still Allahs Namen gedenken, und sie hatte sich niemals vorstellen können, dass diese Eigenschaften auch bei denjenigen zu finden sein könnten, die die Angelegenheiten der Welt lenken. Dank dieser Revolution wurden jene charakterlichen Eigenschaften in der Politik der Herrscher, in der Rechtsprechung der Gerichte, im Krieg und in den Siegen der Heerführer, unter den Steuereintreibern und unter den Besitzern großer Handelsunternehmen sichtbar. Diese Revolution erhob in der von ihr begründeten Gesellschaft den Charakter, die Leistungsfähigkeit und die Lauterkeit der einfachen Menschen so sehr, dass selbst angesehene Persönlichkeiten anderer Gesellschaften als unbedeutend erschienen. Der Islam befreite den Menschen von den Fesseln des Aberglaubens und der Vorurteile und führte ihn auf den breiten Weg der intellektuellen Forschung, des vernünftigen Denkens und des vernunftgemäßen Handelns. Während andere Gesellschaftsordnungen nicht einmal darüber nachdenken, wie bestimmte soziale Krankheiten geheilt werden könnten, schuf der Islam für ihre Behandlung eine umfassende Ordnung. Oder wenn sie über eine Behandlung nachdachten, waren sie dabei nicht erfolgreich. Dazu gehören etwa die Spaltung der Menschen aufgrund von Rasse, Abstammung, Heimat, Sprache und dergleichen; die Einteilung in Klassen innerhalb ein und derselben Gesellschaft und die Unterschiede zwischen ihnen in hoch und niedrig; die Unberührbarkeit; der Mangel an Gleichheit bei den gesetzlichen Rechten und im praktischen gesellschaftlichen Umgang; das erniedrigende Leben der Frauen und ihr Ausschluss von den grundlegenden Rechten; die Zunahme der Kriminalität; die allgemeine Verbreitung von Alkohol und anderen Rauschmitteln; die Unantastbarkeit der Regierung gegenüber Kritik; die Vorenthaltung grundlegender Rechte auch gegenüber der Bevölkerung; die Missachtung von Verträgen auf internationaler Ebene; barbarisches Verhalten im Krieg und verschiedene Krankheiten dieser Art. Im arabischen Raum selbst brachte diese Revolution, während man sie mit eigenen Augen sah, an die Stelle der Anarchie Gottesfurcht und Lauterkeit, an die Stelle von Unrecht und Ungerechtigkeit Gerechtigkeit, an die Stelle von Unreinheit und Unzivilisiertheit Reinheit und Zivilisation, an die Stelle von Unwissenheit Wissen und an die Stelle ererbter Feindschaften und Streitigkeiten Brüderlichkeit, Zuneigung und Liebe. Darüber hinaus wurde einer Nation, deren Angehörige sich kaum mehr als die Führung ihres eigenen Stammes vorstellen konnten, die Führung der Welt anvertraut. Dies waren jene Zeichen, die die Nachkommen mit eigenen Augen gesehen hatten, an die der Prophet (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) diese Verse zunächst gerichtet und vorgetragen hatte. Seit jener Zeit bis heute zeigt Allah fortwährend diese Zeichen. Selbst in ihrer Zeit des Niedergangs haben die Muslime eine solche Erhabenheit des Charakters gezeigt, an die jene nicht einmal heranreichen konnten, die stolz damit prahlen, Träger von Zivilisation und Anstand zu sein. Die unterdrückerische Behandlung, die die europäischen Völker den eroberten Völkern Afrikas, Amerikas, Asiens und sogar Europas zuteilwerden ließen, findet sich in keiner Epoche der muslimischen Geschichte ihresgleichen. Es ist allein der Segen des Heiligen Qur’ans, der unter den Muslimen ein solches Maß an Menschlichkeit hervorbrachte, dass sie selbst nach ihrem Sieg nicht als derart tyrannisch erschienen und noch immer nicht erscheinen. Wer Augen hat, der sehe, wie die Muslime Spanien mehrere Jahrhunderte lang regierten und wie sie in dieser Zeit mit den Christen umgingen. Als die Christen dort anschließend die Macht erlangten, wie behandelten sie dann die Muslime? Wie gingen die Muslime vor, obwohl sie Indien mehr als achthundert Jahre lang regierten, mit den Hindus um? Und wie behandeln die Hindus dort nun die Muslime, nachdem sie die Macht übernommen haben? Wie verhielten sich die Muslime während der vergangenen dreizehnhundert Jahre gegenüber den Juden? Und wie behandeln sie die Muslime jetzt in Palästina?
Hoher Rang für den heiligen Propheten
(Arabisch*****************************************auf Seite 426 der PDF)
„(O Prophet!) Wisse mit Gewissheit, dass derjenige, der dir diesen Qur’an auferlegt hat, dich zu einem höchst vortrefflichen Ziel führen wird.“ – (Sure al-Qasas: 85)
Die ursprünglichen Worte lauten (Arabisch*********)Er wird dich zu einem „Maʿād“ zurückkehren lassen. Maʿād (Arabisch******)bedeutet dem Wortsinn nach einen Ort, zu dem die Menschen letztendlich zurückkehren müssen. Da dieser Ausdruck als Indefinitum (unbestimmte Form) verwendet wird, liegt seine natürliche Bedeutung darin, dass dieser Ort von außerordentlicher Würde ist. Einige Koranausleger haben ihn als das Paradies gedeutet. Es gibt jedoch keinen vernünftigen Grund, ihn auf das Paradies festzulegen. Allah, der Erhabene, hat ihn selbst in einem allgemeinen Sinn verwendet – und so sollte man ihn auch verstehen, damit die Verheißung dieses Ortes sowohl für das Diesseits als auch für das Jenseits gelten kann. Auch der vorherige Zusammenhang des behandelten Themas verlangt, dass man dies nicht nur als Verheißung einer letztendlichen großen Würde für den Propheten Mustafa (s.a.w.s.) im Jenseits, sondern auch im Diesseits versteht. In der fortlaufenden Erörterung der Worte der Ungläubigen von Mekka, die seit Vers 57 bis hierher geführt wird, sagten sie: „O Muhammad (s.a.w.s.), du willst uns mit dir zusammen ins Verderben stürzen. Wenn wir dich unterstützen und deine Religion annehmen, wird unser Überleben auf der Arabischen Halbinsel schwierig werden.“ Darauf erwidert Allah, der Erhabene, Seinem Propheten: „O Prophet! Der Gott, der dir die Verantwortung übertragen hat, der Träger dieses Korans zu sein, wird dich nicht zugrunde gehen lassen. Vielmehr wird Er dich mit einer Würde auszeichnen, die sich diese Leute nicht einmal vorstellen können.
Tatsächlich verlieh Allah, der Erhabene, dem Propheten (s.a.w.s.) schon wenige Jahre später hier auf dieser Erde vor ihren Augen die uneingeschränkte Herrschaft über die gesamte Arabische Halbinsel und zeigte damit, dass keine Macht, die sich ihm entgegenstellte, Bestand haben konnte und dass dort neben der von ihm begründeten Religion keine andere Religion mehr ihren Platz behalten konnte. Auf der gesamten Arabischen Halbinsel war die uneingeschränkte Herrschaft eines Mannes errichtet worden, der keinen Rivalen hatte. Die Menschen akzeptierten nicht nur seine politische Herrschaft, sondern dieser Mann beseitigte auch alle anderen Religionen und machte das gesamte Volk zu Anhängern seiner Religion. In der Geschichte Arabiens hatte es zuvor kein vergleichbares Beispiel gegeben.
Maqām Maḥmūd für den Propheten Muhammad (s.a.w.s.)
(Arabisch*****************************************(auf PDF-Seite 426)
„Bald wird dein Herr dich in den Maqām Maḥmūd einsetzen.“
Das heißt, Er wird dich im Diesseits und im Jenseits mit einer solchen Würde auszeichnen, dass du von der gesamten Schöpfung gepriesen wirst. Von allen Seiten wird dir Lob und Ehrerbietung entgegengebracht werden, und dein Wesen wird zu einem gepriesenen Wesen werden. Heute überschütten deine Gegner dich bei deinem Empfang mit Beschimpfungen und Vorwürfen und haben im ganzen Land einen Sturm von falschen Anschuldigungen entfacht, um deinen schlechten Ruf zu verbreiten. Doch die Zeit ist nicht fern, da man auf der Welt das Murmeln deines Lobes hören wird und du auch im Jenseits von der gesamten Schöpfung gepriesen werden wirst. Dass der Prophet Mustafa (s.a.w.s.) am Tag der Auferstehung als Fürsprecher diese Würde erlangt, ist ein Teil seiner Maḥmūdiyya (seines Gepriesenseins).
Die frohe Botschaft vom Sieg für das besiegte Römische Reich
Die in den ersten Versen der Sure ar-Rūm verkündete Prophezeiung ist eines der deutlichen Zeugnisse dafür, dass der Koran das Wort Allahs und Muhammad Mustafa (s.a.w.s.) Allahs wahrer Prophet ist. Um dies zu verstehen, ist es besonders wichtig, die historischen Ereignisse jener Zeit zu betrachten, die mit den Versen dieser Sure zusammenhängen.
Acht Jahre vor dem Beginn des Prophetenamtes des Propheten Mustafa (s.a.w.) ereignete sich Folgendes: Gegen den römischen Kaiser Maurice erhob sich ein Aufstand, und ein Mann namens Phokas bestieg den Thron. Dieser Mann ließ vor den Augen des Kaisers dessen fünf Söhne töten. Danach tötete er den Vater und ließ die abgeschlagenen Köpfe von Vater und Söhnen öffentlich in Konstantinopel aufhängen. Einige Tage später wurden auch seine Frau und seine drei Töchter getötet. Nach diesem Ereignis hatte der iranische Kaiser Chosrau Parwez einen moralischen Vorwand für den Angriff auf das Römische Reich erhalten. Maurice war sein Gönner gewesen, und mit dessen Hilfe und Unterstützung hatte Parwez den iranischen Thron erlangt. Parwez betrachtete ihn wie einen Vater. Deshalb erklärte er, er werde sich an dem Eindringling Phokas für dessen teuflische Behandlung seines väterlichen Freundes Maurice und von dessen Familie rächen. Im Jahr 603 n. Chr. erklärte er dem Römischen Reich den Krieg und gelangte auf der einen Seite bis Edessa in Kleinasien (dem heutigen Urfa) und auf der anderen Seite bis Aleppo und Antiochia in Syrien. Als die römischen Herrscher sahen, dass Phokas das Land nicht verteidigen konnte, baten sie den Gouverneur von Afrika um Hilfe. Dieser sandte seinen Sohn Herakleios mit einem starken Heer nach Konstantinopel. Kaum war er dort eingetroffen, setzte er Phokas ab. An seine Stelle wurde Herakleios selbst zum Kaiser beziehungsweise Herrscher Roms gemacht. Nach seiner Machtübernahme behandelte er Phokas genau so, wie Phokas Maurice behandelt hatte. Dies geschah im Jahr 610 n. Chr., und genau in diesem Jahr wurde der Prophet Muhammad (s.a.w.) mit dem Rang des Prophetenamtes ausgezeichnet.
Der moralische Vorwand, unter dem Chosrau Parwez den Krieg erklärt hatte, war mit der Absetzung und Tötung des Phokas hinfällig geworden. Wenn der Zweck seines Krieges tatsächlich darin bestanden hätte, sich für die Grausamkeiten und Verfolgungen des Phokas zu rächen, hätte er nach dessen Tod mit dem neu eingesetzten Kaiser Herakleios Frieden schließen müssen. Doch er setzte den Krieg fort. Die christlichen Gemeinschaften, die von der Staatskirche als ketzerisch bezeichnet und seit Jahren verfolgt wurden – etwa die Nestorianer und Jakobiten –, begannen, mit den magischen Angreifern zu sympathisieren, und auch die Juden schlossen sich den Magiern an. Die Zahl der Juden, die sich sogar dem Heer des Chosrau Parwez anschlossen, erreichte sechsundzwanzigtausend.
Herakleios konnte diese Flut nicht aufhalten. Kaum hatte er den Thron bestiegen, erreichte ihn die Nachricht, dass Antiochia in die Hände der Iraner gefallen war. Daraufhin eroberten die Iraner im Jahr 613 n. Chr. Damaskus. Im folgenden Jahr eroberten sie Jerusalem und begannen, unter den Christen ein Blutbad anzurichten. In dieser Stadt wurden neunzigtausend Christen getötet. Ihre heiligste Kirche, die Kirche des Heiligen Grabes, wurde zerstört. Das echte Kreuz beziehungsweise der Kreuzesbalken, von dem die Christen glaubten, dass Jesus Christus an ihm sein Leben hingegeben hatte, wurde von den iranischen Magiern geraubt und nach Ktesiphon gebracht. Der amtierende Bischof Zacharias wurde entführt, und alle großen Kirchen der Stadt wurden zerstört. Ein Brief, den Chosrau Parwez von Jerusalem an Herakleios sandte, zeugt davon, wie sehr ihn dieser Sieg berauscht hatte. Darin schrieb er:
„Vom größten Gott unter allen Göttern und vom Herrn der ganzen Welt, Chosrau, an jenen elenden und törichten Diener Herakleios: Du sagst, du vertraust auf deinen Gott. Warum hat dein Gott dann Jerusalem nicht aus meiner Hand gerettet?
Innerhalb eines Jahres nach diesem Sieg breitete das iranische Heer seine Herrschaft über das gesamte Gebiet Jordaniens, Palästinas und des Sinai aus und gelangte bis an die Grenze Ägyptens. Dies war eine Zeit, in der sich in Mekka ein noch bedeutenderer Kampf abspielte. Hier kämpften die Bannerträger des Tauhīd unter der Führung des Propheten Muhammad (s.a.w.) und die Götzendiener unter der Führung der Quraisch-Anführer gegeneinander. Die Lage erreichte einen solchen Höhepunkt, dass im Jahr 615 n. Chr. eine große Gruppe von Muslimen gezwungen war, ihre Häuser zu verlassen und in einem christlichen Königreich Abessiniens Zuflucht zu suchen. Abessinien war ein Verbündetenstaat Roms. Damals hörte man überall von den Siegen der Iraner über Rom sprechen. In Mekka tanzten die Götzendiener vor Freude und sagten zu den Muslimen: „Seht, die Feueranbeter Irans erringen den Sieg, während die Gläubigen an Offenbarung und Prophetentum eine Niederlage nach der anderen erleiden. Ebenso werden wir, die Götzendiener Arabiens, eure Religion ausrotten.“
Unter diesen Umständen wurde diese Sure des Heiligen Korans offenbart. Darin wird vorhergesagt, dass die Römer im nahen Land besiegt worden seien. Doch innerhalb weniger Jahre nach ihrer Niederlage würden sie siegreich sein. Dies werde an einem Tag geschehen, an dem die Muslime sich über den von Allah, dem Erhabenen, verliehenen Sieg freuen würden.
In diesen Worten lagen zwei Prophezeiungen: Erstens, dass die Römer den Sieg erringen würden. Zweitens, dass auch die Muslime zu jener Zeit einen Sieg erringen würden. Offensichtlich war nicht einmal in ferner Zukunft ein Anzeichen dafür zu erkennen, dass auch nur eine dieser beiden Prophezeiungen innerhalb weniger Jahre in Erfüllung gehen würde. Auf der einen Seite standen die wenigen Muslime, die in Mekka unterdrückt und verfolgt wurden; bis acht Jahre nach dieser Prophezeiung war keinerlei Aussicht auf ihren Sieg zu erkennen. Auf der anderen Seite nahm die Niederlage der Römer von Tag zu Tag zu. Bis zum Jahr 619 n. Chr. war ganz Ägypten in die Hände der Iraner gefallen, und die Magierheere hatten ihre Banner bis an die Grenze von Tripolis entfaltet. Die iranischen Heere griffen die Römer bis nach Kleinasien an, und ihre verbliebenen Truppen gelangten an die Ufer des Bosporus. Im Jahr 617 n. Chr. besetzten sie Chalkedon gegenüber Konstantinopel, das heutige Kadıköy. Der Kaiser von Rom entsandte einen Gesandten zu Chosrau von Iran und ließ ihn demütig wissen, dass er bereit sei, unter allen Umständen Frieden zu schließen. Doch Chosrau antwortete: „Ich werde dem Kaiser unter keinen Umständen Frieden gewähren, solange er nicht gefesselt vor mir erscheint, den gekreuzigten Gott aufgibt und die Anbetung des Feuergottes annimmt.“ Schließlich wurde Chosrau derart von der Niederlage niedergedrückt, dass er beabsichtigte, Konstantinopel zu verlassen und nach Karthago, dem heutigen Tunis, überzusiedeln. In den Worten des Historikers Gibbon herrschten sieben oder acht Jahre nach dieser Prophezeiung des Heiligen Korans solche Zustände, dass niemand annehmen konnte, die Römer würden über Iran siegen. Von einem Sieg ganz zu schweigen: Bis dahin hatte niemand hoffen können, dass dieses Reich überhaupt fortbestehen würde. – [Gilbon, Decline & Fall of the Roman Empire, Bd. 2, S. 788. Modern Library, Ner York.]
Als diese Koranverse offenbart wurden, begannen die Ungläubigen von Mekka, darüber viel Spott und Hohn zu treiben. Ubayy ibn Khalaf wettete mit Abu Bakr (r.a.) und sagte: „Wenn die Römer innerhalb von drei Jahren siegen, gebe ich zehn Kamele; andernfalls musst du mir zehn Kamele geben.“ Als der Prophet (s.a.w.) davon erfuhr, sagte er: „Im Koran wurden(Arabisch********************) Wörter verwendet, und in der arabischen Sprache bezeichnet ihre Frist einen Zeitraum von weniger als zehn. Lege daher eine Frist von zehn Jahren fest und erhöhe die Zahl der Kamele auf hundert.“
Danach traf Hadhrat Abu Bakr erneut mit Ubayy zusammen, und es wurde als neue Bedingung festgelegt, dass derjenige, dessen Aussage innerhalb von zehn Jahren als falsch erwiesen würde, dem anderen hundert Kamele geben müsse.
Im Jahr 622 n. Chr. wanderte der edle Prophet (s.a.w.) nach Medina aus. Unterdessen reiste Kaiser Heraklius heimlich von Konstantinopel aus am Schwarzen Meer entlang in Richtung Tarabzon und bereitete einen Angriff auf die Iraner von hinten vor. Für die Vorbereitung dieses Gegenangriffs bat der Kaiser die Kirche um finanzielle Unterstützung, worauf Sergius (Serjius), der oberste geistliche Würdenträger der christlichen Kirche, die in der Kirche als Opfergaben angesammelten Vermögenswerte gegen Zinsen verlieh, um das Christentum vor dem Magiertum zu schützen. Heraklius begann seinen Angriff im Jahr 623 n. Chr. von Armenien aus und drang im darauffolgenden Jahr, 624 n. Chr., in Aserbaidschan ein, zerstörte Urmia, den Geburtsort Zarathustras, und machte die Feuertempel der Iraner dem Erdboden gleich. Es ist ein Wunder der göttlichen Macht, dass die Muslime im selben Jahr auf dem Feld von Badr zum ersten Mal einen entscheidenden Sieg über die Ungläubigen errangen. So erfüllten sich beide in der Sure ar-Rum erwähnten Prophezeiungen gleichzeitig, bevor zehn Jahre vergangen waren.
Danach besiegten die römischen Truppen die Iraner fortwährend. In der entscheidenden Schlacht von Ninive (627 n. Chr.) brachen sie dem iranischen Reich das Rückgrat. Anschließend wurde Dastagird, der Wohnsitz der iranischen Könige, zerstört, und die Römer rückten weiter vor, bis sie Ktesiphon (Ctesiphin) erreichten, das damals die Hauptstadt Irans war. Im Jahr 628 n. Chr. begann ein Familienaufstand gegen Chosrau Parwiz, und er wurde gefangen genommen. Vor seinen Augen wurden achtzehn seiner Kinder getötet. Einige Zeit später starb er im Gefängnis. Im selben Jahr wurde der Vertrag von Hudaybiyya unterzeichnet, den der Koran als „großen Sieg“ bezeichnet. Ebenfalls in diesem Jahr befreite Chosrau Parwiz’ Sohn Kavad II. alle besetzten römischen Gebiete von der iranischen Herrschaft, brachte das ursprüngliche Kreuz zurück und schloss Frieden mit den Römern. Im Jahr 629 n. Chr. begab sich der Kaiser selbst nach Jerusalem, um das „Heilige Kreuz“ wieder an seinen Platz zu bringen. Im selben Jahr betrat der heilige Prophet (s.a.w.) nach der Auswanderung zum ersten Mal Mekka, um die nachzuholende Umra zu vollziehen.
Danach blieb in niemandes Herzen auch nur der geringste Zweifel daran, dass die Prophezeiung des Korans buchstäblich wahr gewesen war. Zahlreiche Götzendiener in Arabien nahmen sie im Glauben an. Nachdem die Erben Ubayy ibn Khalafs die Wette verloren hatten, mussten sie Hadhrat Abu Bakr (r.a.) zur Erfüllung der Bedingung hundert Kamele übergeben. Mit diesen Kamelen erschien Abu Bakr beim Propheten. Der Prophet ordnete an, diese Kamele als Almosen zu geben. Die Bedingung war zu einer Zeit vereinbart worden, als das Glücksspiel in der Scharia noch nicht verboten war. Nun war das Verbot erlassen worden. Obwohl daher die Annahme des Eigentums kriegführender Ungläubiger erlaubt war, wurde angeordnet, es nicht selbst zu nutzen, sondern als Almosen zu geben.
(Arabisch*****************************************auf PDF-Seite 430)
„Und an jenem Tag werden sich die Muslime über den von Allah gewährten Sieg freuen.“ – (Sure ar-Rum: 4)
Gelehrte wie Ibn Abbas (r.a.), Abu Sa’id al-Chudri (r.a.), Sufyan ath-Thawri und Suddi haben gesagt, dass der Sieg der Römer über die Iraner und der Sieg der Muslime über die Götzendiener bei Badr im selben Jahr stattfanden. Deshalb freuten sich die Muslime doppelt. Dies wird auch durch die Geschichte Irans und Roms bestätigt. Die Schlacht von Badr fand im Jahr 624 n. Chr. statt; in demselben Jahr zerstörte der römische Kaiser den Geburtsort Zarathustras und machte den größten Feuertempel Irans dem Erdboden gleich.
Die Bewahrung der Leiche des Pharaos
[Diese großartige Prophezeiung des Korans ist ein eindeutiger Beweis für die Prophetenschaft des Propheten Muhammad (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) und für die Wahrheit des Korans. Als diese Prophezeiung des Korans verkündet wurde, wusste man noch nichts über den Zustand der Gräber und Leichname der Pharaonen Ägyptens. Erst in jüngster Zeit begann man, die Mumienkammern zu betreten und die Gräber und Särge der Pharaonen zu öffnen. Vor 1907 wusste niemand, ob der Leichnam des zeitgenössischen Pharaos von Hadhrat Musa nach seinem Ertrinken erhalten geblieben war oder nicht. Die Erkenntnisse, die kürzlich über ein mehr als dreitausend Jahre zurückliegendes Ereignis gewonnen wurden, sind den Leugnern des Korans als Beweis dafür vorgelegt worden, dass der Koran von Allah offenbart wurde.]
(Arabisch*****************************************auf PDF-Seite 430)
„Heute werden Wir nur deinen Leichnam retten, damit er für die nachfolgenden Generationen als lehrreiches Zeichen erhalten bleibt.“ – (Sure Yunus: 92).
Im westlichen Ufergebiet des Sinai-Tals existiert noch heute der Ort, an dem der Leichnam des Pharaos treibend gefunden worden sein soll. Dieser Ort wird heute Dschabal Firʿaun genannt. In seiner Nähe befindet sich eine heiße Quelle. Die Einheimischen nennen sie das Hammam des Pharaos. Sie liegt einige Meilen nördlich und oberhalb von Abu Zainama. Da der Leichnam des Pharaos hier angeschwemmt worden sein soll, haben die Einheimischen den Ort entsprechend gekennzeichnet.
Wenn der im Wasser ertrunkene Pharao tatsächlich jener war, der aufgrund jüngerer Untersuchungen und Nachforschungen als Zeitgenosse von Hadhrat Musa (Friede sei auf ihm) identifiziert wurde, dann kann man seinen Leichnam heute im Museum von Kairo sehen. Als Sir Grafton Elliot Smith 1907 die Umhüllung seiner Mumie entfernte, fand man auf seinem Leichnam verklumptes Salz; dies ist ein eindeutiges Zeichen dafür, dass er in salzigem Meerwasser untergetaucht war.
(Arabisch************************)Das heißt: „Wir werden weiterhin lehrreiche Zeichen zeigen, obwohl die meisten Menschen trotz der größten lehrreichen Zeichen keine Lehre daraus ziehen.“
Der weltweite Angriff von Gog und Magog
Mit Gog sind jene Stammesvölker aus Rum und Nordchina gemeint, die unter verschiedenen Namen wie Tataren, Mongolen, Hunnen und Skythen bekannt sind. Seit der Antike griffen sie zivilisierte Länder an. Außerdem ist bekannt, dass im südlichen Kaukasus die Mauern von Darband und Darial errichtet wurden, um sich gegen ihre Angriffe zu schützen. Denn ihre Angriffe breiteten sich jederzeit sowohl in Richtung Asien als auch in Richtung Europa aus. In der Bibel (Genesis, Kapitel 10) werden sie als Nachkommen Japhets, des Sohnes von Noah, bezeichnet. Auch muslimische Historiker haben dies gesagt. Im Buch Ezechiels (Kapitel 38 und 39) werden sie als Bewohner der Gebiete von Rus, Tobel (dem heutigen Tobolsk) und Mesch (dem heutigen Moskau) bezeichnet. Der israelitische Historiker Josephus bezeichnete sie als Angehörige des skythischen Volkes, dessen Siedlungsgebiet nördlich und östlich des Schwarzen Meeres lag. Nach der Darstellung des Hieronymus siedelte Magog nördlich des Kaukasus in der Nähe des Chasarenmeeres.
Die Freilassung dieser Völker bedeutet, dass sie die Bewohner der Erde in einer Weise angreifen werden, als wäre ein wildes Tier plötzlich aus einem verschlossenen Käfig freigelassen worden. Die Worte „Die Zeit der Erfüllung des wahrhaftigen Versprechens ist nahe gerückt“ weisen eindeutig darauf hin, dass dieser weltweite Angriff und Aufruhr von Yaʾdschūdsch und Māʾdschūdsch in der Endzeit stattfinden wird und kurz danach die Auferstehung hereinbricht. Die folgende Prophezeiung des Propheten (s) bekräftigt diese Bedeutung noch stärker; Imam Muslim hat sie über Ḥudhaifa ibn Asīd al-Ghifārī überliefert. Sie lautet: „Die Auferstehung wird nicht eintreten, bevor ihr zuvor zehn Zeichen gesehen habt: den Rauch, den Daddschāl, die Dābbat al-Arḍ, den Sonnenaufgang im Westen, das Herabkommen von ʿĪsā ibn Maryam, den Angriff und Aufruhr von Yaʾdschūdsch und Māʾdschūdsch, drei große Erdrutsche (einer im Osten, der zweite im Westen und der dritte in Arabien) und schließlich ein gewaltiges Feuer, das aus dem Jemen hervorbrechen und die Menschen zum Versammlungsplatz treiben wird (das heißt, die Auferstehung wird eintreten).“ In einem anderen Hadith sagte der Prophet (s) über den Angriff von Yaʾdschūdsch und Māʾdschūdsch: So wie die Geburt eines voll ausgetragenen Kindes unmittelbar bevorsteht und die schwangere Frau nicht weiß, in welchem Augenblick, bei Tag oder bei Nacht, sie gebären wird, so nahe wird zu jener Zeit auch die Auferstehung herangerückt sein.
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Ob Yaʾdschūdsch und Māʾdschūdsch sich gemeinsam versammeln und ihren Angriff und Aufruhr in der Welt beginnen werden, lässt sich aus Koran und Hadith nicht eindeutig sagen. Es ist auch möglich, dass sie in der Zeit kurz vor der Auferstehung einander angreifen und ihr Krieg die Gestalt einer weltweiten Katastrophe annimmt.
Die Erniedrigung und Schmach der Juden
(Arabisch******************) Dazu glaube ich, dass dies bis unmittelbar vor der Auferstehung andauern wird. Die Errichtung des gegenwärtigen Staates der Israelis in Palästina ändert daran nichts. Erstens bezieht sich dieser Vers auf das jüdische Volk als Ganzes. Seine Bedeutung bezieht sich nicht auf einzelne Juden oder kleine Gruppen von ihnen. Zweitens beschreibt er den Zustand, in dem sie als gesamtes Volk von der Verkündung des göttlichen Beschlusses bis zur Auferstehung leben werden. Das bedeutet nicht, dass sie während dieses langen Zeitraums nirgendwo auf der Welt auch nur für kurze Zeit politische Herrschaft ausüben werden. Um die Bedeutung dieses Verses richtig zu verstehen, muss man mit der Geschichte des jüdischen Volkes vertraut sein, die von der Zeit nach ʿĪsā (a) bis heute andauert. Wenn man diese Geschichte und zugleich ihren gegenwärtigen Zustand in der Welt aufmerksam betrachtet, wird die Wahrheit der folgenden Worte des Heiligen Korans bestätigt:
(Arabisch*****************************************auf PDF-Seite 432)
„Und als dein Herr verkündete, dass Er bis zum Tag der Auferstehung gewiss jemanden über sie einsetzen werde, der ihnen eine harte Strafe zufügen wird.“ – (Sure al-Aʿrāf: 167).
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„Schmach ist ihnen auferlegt worden, und wo immer sie gefunden werden, werden sie diese Last der Schmach tragen. Etwas anderes gilt nur dann, wenn sie irgendwo Schutzgewähr von Allah und von den Menschen erhalten.“ – (Sure Āl ʿImrān: 112).
Ihre gesamte Geschichte bezeugt, dass von Zeit zu Zeit irgendwo auf der Welt eine Macht aufgetreten ist, die die Juden grausam getötet und vertrieben hat. Wenn sie irgendwo in Sicherheit gelebt haben, dann geschah dies nicht aus eigener Kraft, sondern wurde auf der Grundlage der von Allah gewährten Möglichkeiten durch die Hilfe und Unterstützung einer menschlichen Gemeinschaft geschaffen und aufrechterhalten. Wenn diese Unterstützung eines Tages eingestellt wird, wird die Welt sehen, was aus Israel wird. Meiner Ansicht nach will Allah, der Erhabene, dieses Volk nicht ausrotten, sondern es als lehrreiches Zeichen am Leben erhalten. Wäre dieses Volk fortwährend Verfolgung und Unterdrückung ausgesetzt gewesen, wäre es schon vor langer Zeit vom Antlitz der Erde verschwunden. Allah, der Erhabene, hat es durch Seine eigene Weisheit so eingerichtet, dass dieses Volk erhalten bleibt: Wo es an einem Ort geschlagen wird, findet es an einem anderen Zuflucht. Auf diese Weise haben sie sich in den vergangenen zweieinhalbtausend Jahren als weder lebendig noch tot(Arabisch********************)in diesem Zustand auf der Erde erhalten.
Die Prophezeiung des Hadith
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Das Zeitalter vollständiger Sicherheit
Hazrat Chabbāb (r.a.) berichtet: Eines Tages saß der edle Prophet (s.a.w.) im Schatten der Kaaba. Ich trat zu ihm und sagte: „O Gesandter Allahs! Die Ungerechtigkeit und Unterdrückung nehmen kein Ende. Bittest du Allah denn nicht darum?“
Als er dies hörte, wurde sein Gesicht rot vor Zorn, und er sagte: „Die Gläubigen vor euch wurden noch weit schlimmer verfolgt. Mit eisernen Kämmen wurde ihr Fleisch zerfetzt, und man setzte Sägen auf ihre Köpfe und sägte sie entzwei; dennoch wichen sie nicht von der wahren Religion ab. Wisse mit Gewissheit, dass Allah diese Angelegenheit vollenden wird. Schließlich wird eine Zeit kommen, in der ein Mann von Sana’a bis Hadramaut ohne Furcht reisen wird und niemanden außer Allah zu fürchten braucht. Doch ihr seid überaus ungeduldig.“ – (Buchari)
Die Voraussetzung für den Sieg über Araber und Nichtaraber
Abu Talib rief den Propheten Muhammad (s.a.w.s.) zu sich und sagte: Neffe! Sieh, die Angehörigen deines Volkes sind zu mir gekommen. Sie wünschen, dass du ihnen in einer gerechten Angelegenheit zustimmst. Dadurch wird der Streit zwischen dir und ihnen beendet sein. Daraufhin unterbreitete Abu Talib dem Propheten den Vorschlag der Anführer der Quraisch. Der Prophet (s.a.w.s.) erwiderte: Onkel! Ich lege ihnen doch ein Wort vor, dessen Annahme dazu führen wird, dass ganz Arabien ihnen untertan sein und die übrigen Länder weiterhin Abgaben entrichten werden.
Diese Aussage des Propheten wurde von verschiedenen Überlieferern unterschiedlich überliefert. Eine Überlieferung lautet wie folgt:
(Arabisch*****************************auf PDF-Seite 434)
In einer anderen Überlieferung:
(Arabisch*****************************auf PDF-Seite 434)
Eine weitere Überlieferung
In dieser Überlieferung ist zu sehen, dass der Prophet (s.a.w.s.) anstelle von Abu Talib die Quraisch anredet und sagt:
(Arabisch*****************************auf PDF-Seite 434)
An anderer Stelle:
(Arabisch*****************************auf Seite 434 der PDF)
Trotz dieser wörtlichen Unterschiede ist der Sinn aller Überlieferungen derselbe. Das heißt, der ehrwürdige Prophet (s.a.s.) sagte zu ihnen: „Ich trage euch ein Wort vor, dessen Annahme euch zu Herren über Araber und Nichtaraber machen wird. Sagt nun: Ist das, was ihr ein gerechtes Wort nennt, besser, oder ist meines besser? Liegt euer Wohl darin, dieses Glaubensbekenntnis anzunehmen, oder darin, dass ich euch in der Lage belasse, in der ihr euch befindet, und selbst fortfahre, meinem eigenen Gott zu dienen?“
Die politische Herrschaft der Quraisch
Der Prophet (s.a.s.) hatte prophezeit, dass die Herrschaft in ihren Händen bleiben werde, solange die Quraisch ihren Charakter auf hohem Niveau hielten, gemeinsam das Banner des Dīn trügen und sich unter ihnen auch nur zwei Menschen fänden, die für die Wahrheit kämpften.
Diese Einschätzung des Propheten (s.a.s.) war so zutreffend, dass die Geschichte noch mehrere Jahrhunderte danach Beweise für ihre Richtigkeit lieferte. Die Überlegenheit des Stammes Quraisch war derart dauerhaft, dass während der Zeit des rechtgeleiteten Kalifats alle vier Kalifen aus diesem Stamm hervorgingen; bekanntlich gab es damals im gesamten arabischen Land keine Persönlichkeit, die ihnen hätte gleichkommen können. Danach errichtete eben dieser Stamm die berühmte Herrschaft der Umayyaden. Eben dieser Stamm begründete die Abbasidenherrschaft. Die Errichtung einer gewaltigen Herrschaftsordnung in Spanien und die fatimidische Herrschaft in Ägypten waren ebenfalls Verdienste dieses Stammes.
Der Dschihad wird fortbestehen
Unter meiner Umma wird der Dschihad bis zum Tag der Auferstehung andauern. Weder die gerechte Rechtsprechung eines gerechten Richters noch die Unterdrückung eines Tyrannen wird ihn beenden können. Diese Lebenskraft hat den Bewegungen der islamischen Erneuerung stets Antrieb verliehen. Diese Lebenskraft hat die Rechtschaffenen (Sālihīn) stets davon abgehalten, sich angesichts des erschreckenden Bildes ihrer Umwelt zu beugen.
Der Niedergang der Muslime wird dem der Juden und Christen gleichen
Zu den im Hadith überlieferten Prophezeiungen des edlen Propheten (s.a.w.) gehört, dass die Muslime letztendlich den Fußstapfen der Juden und Christen folgen werden. Jeden Schritt, den sie unternommen haben, werden auch die Muslime unternehmen. Ja, wenn einer von ihnen sogar mit seiner eigenen Mutter Unzucht begeht, werden auch unter den Muslimen Menschen erscheinen, durch die dieses Verbrechen begangen wird. – [Der Verfasser überliefert die Aussage des edlen Propheten (s.a.w.) an anderer Stelle in folgender Fassung: Der Prophet (s.a.w.) sagte: Ihr werdet ebenfalls die Sitten und Verhaltensweisen der früheren Gemeinschaften übernehmen. Ja, wenn sie in das Loch einer Warane kriechen, werdet auch ihr dies tun. Die Gefährten fragten: O Gesandter Allahs! Meinen Sie die Juden und Nazarener? Der Prophet antwortete: Ja. Dies war nicht nur eine Warnung des Propheten; vielmehr wusste der edle Prophet durch die von Allah verliehene tiefe Einsicht, auf welchen Wegen der Niedergang in der Gemeinschaft des Propheten eingetreten war und wie er zum Ausdruck gekommen ist.]
Die Umrisse der künftigen Geschichte der Umma
Obwohl diese Prophezeiungen in großer Zahl in Hadith-Werken wie Muslim, Tirmidhi, Ibn Madscha und al-Mustadrak zu finden sind, wäre es hier nicht überflüssig, die Überlieferungen anzuführen, die Imam Schatibi in seinem Werk al-Muwafaqat und Maulana Ismail Schahid (r.) in seinem Werk Mansab-e-Imamat niedergeschrieben haben:
(Arabisch*****************************auf PDF-Seite 436)
„Der Anfang eurer Religion wird aus Prophetentum und Barmherzigkeit bestehen. Allah wird sie so lange bewahren, wie Er will. Danach wird Er sie beenden, und das Kalifat nach der Art des Prophetentums – [Der Prophet (s.a.w.) hatte prophezeit: Nach mir wird das Kalifat dreißig Jahre bestehen, danach wird die Königsherrschaft errichtet werden. Die Dauer des Kalifats endete im Rabi al-awwal des Jahres 41 nach der Hidschra, als Hadhrat Hasan (r.a.) zugunsten von Muawiya (r.a.) vom Kalifat zurücktrat. – (Der Verfasser)] – wird so lange bestehen, wie Er will. Danach wird eine Königsherrschaft schlimmster Art so lange bestehen, wie Allah will. Auch dies wird auf Allahs Willen hin ein Ende finden. Danach wird die Herrschaft tyrannischer Machthaber errichtet werden. Sie wird so lange bestehen, wie Allah will. Danach wird Allah, der Erhabene, ihr ein Ende bereiten.“
(Arabisch*****************************auf PDF-Seite 436)
„Danach wird jenes Kalifat nach der Art des Prophetentums kommen, das unter den Menschen gemäß der Sunna des Propheten handeln und den Islam auf der Erde fest verankern wird. Unter dieser Regierungsordnung werden sowohl die Bewohner des Himmels als auch die Bewohner der Erde erfreut sein. Der Himmel wird großzügig seine Segnungen herabregnen lassen, und die Erde wird alles, was sie in ihrem Inneren birgt, hervorbringen.“
Ich kann nicht sagen, welchen Rang diese Überlieferungen hinsichtlich ihrer Überlieferungskette haben. Betrachtet man sie jedoch inhaltlich, so stimmen sie mit den zahlreichen anderen Überlieferungen dieser Art überein. Darin wird auf fünf Phasen der Geschichte hingewiesen. Drei davon sind vergangen, und die vierte ist im Gange. Was schließlich die fünfte Phase betrifft, deren Eintreten vorausgesagt wurde, so deutet alles darauf hin, dass die Menschheitsgeschichte rasch auf sie zueilt. Alle möglichen von Menschen geschaffenen „Iǧmāʿ“ sind erprobt worden. Sie sind auf erschreckende Weise gescheitert. Den Menschen bleibt nichts anderes übrig, als verzweifelt zum Islam zurückzukehren.
Der moralische Verfall der Amīre, der Umara und der Herrscher
(Arabisch*****************************auf PDF-Seite 436)
„Nach mir werden einige Leute die Herrschaft übernehmen. Wer sie in ihrer Lüge unterstützt und ihnen bei ihrem Unrecht hilft, gehört nicht zu mir, und ich gehöre nicht zu ihm. – (An-Nasāʾī).
(Arabisch*****************************auf PDF-Seite 437)
„Sehr bald werden über euch Menschen herrschen, in deren Händen die Schlüssel zu eurem Lebensunterhalt liegen. Wenn sie mit euch sprechen, werden sie lügen, und wenn sie handeln, werden sie Schlechtes tun. Sie werden mit euch nicht zufrieden sein, wenn ihr nicht ihre schlechten Taten lobt und ihre Lügen als Wahrheit verkündet. Solange sie es dulden, haltet ihnen die Wahrheit vor. Wenn sie die Grenzen überschreiten und jemand getötet wird, wird er ein Märtyrer sein.“ – (Kanz al-Ummāl)
Die Kontinuität der Erneuerung der Religion
(Arabisch*************) (Erklärung dieses Hadiths: „diejenigen, die ihre Religion für sie wiederbeleben“).
Dies ist eine Sache, deren frohe Kunde der wahrhaftige Verkünder, der heilige Prophet (Friede sei mit ihm), überbracht hat und die bei Abu Dawud auf dem Wege von Abu Huraira (Allahs Wohlgefallen auf ihm) überliefert wurde.
(Arabisch*****************************auf PDF-Seite 437)”
„Allah, der Erhabene, wird zu Beginn jedes Jahrhunderts Menschen auftreten lassen, die für die Menschen ihre Religion erneuern werden.“
Doch einige Leute haben aus diesem Hadith eine völlig falsche Vorstellung von „Tajdid“ und „Mujaddid“ entwickelt. Sie (Arabisch********) haben darunter den Anfang oder das Ende eines Jahrhunderts verstanden. Und (Arabisch****************) haben darunter verstanden, dass es sich unbedingt um eine einzige Person handeln müsse. Auf dieser Grundlage haben sie auch die Erneuerung der Religion betrieben. Doch (Arabisch*********) bedeutet wörtlich „Kopf“, und die klare Bedeutung des Auftretens einer Person an der Spitze eines Jahrhunderts ist, dass sie einen besonderen Einfluss auf das Wissen und die Wissenschaften, die Denkweisen und die Entwicklung der Tätigkeiten ihrer Zeit ausüben wird. (Arabisch********) Das Wort wird im Arabischen sowohl im Singular als auch im Plural verwendet. Daher (Arabisch*******) kann es sowohl eine einzelne als auch mehrere Personen bedeuten. Es kann auch eine ganze Institution oder Gruppe bedeuten. Die klare Bedeutung der frohen Botschaft, die der heilige Prophet (Friede sei mit ihm) verkündet hat, ist, dass es, so Allah will, in keinem Jahrhundert der islamischen Geschichte an Menschen fehlen wird, die sich dem Sturm und Unwetter der Unwissenheit entgegenstellen und den Kampf für die Wiederherstellung des Islam in seiner wahren Gestalt fortsetzen werden. Es ist nicht notwendig, dass der Mujaddid in einem Jahrhundert ein und dieselbe Person ist. Innerhalb desselben Jahrhunderts können verschiedene Menschen und Gruppen diesen Dienst leisten. Ebenso ist es nicht gesagt, dass es für die ganze Welt nur einen einzigen Mujaddid geben wird. Zur selben Zeit können in vielen Ländern viele Menschen die Erneuerung der Religion betreiben. Es ist auch nicht notwendig, dass jeder, der hierbei einen wie auch immer gearteten Dienst leistet, mit dem Rang eines Mujaddid ausgezeichnet wird. Der Rang und der Titel eines Mujaddid können nur solchen Personen verliehen werden, die einen großen und bedeutenden Beitrag zur Erneuerung der Religion beziehungsweise zur Wiederbelebung und Wiederherstellung der Religion leisten konnten.
Das Auftreten von Spaltungen unter den Muslimen
In einem Hadith heißt es: „Sehr bald wird sich meine Umma in zweiundsiebzig Sekten spalten. Nur eine von ihnen wird im Jenseits Rettung erlangen. Es werden jene Menschen sein, die meinen Gefährten folgen.“
In den Hadithen wird davon gesprochen, dass unter den Muslimen verschiedene Fitna entstehen werden. Ihr Ziel ist es, davor zu warnen, sich von diesen Fitna fernzuhalten.
Die Prophezeiung über das Auftreten des Mahdi
Bei den Überlieferungen über das Erscheinen des Mahdi haben die Hadith-Kritiker eine solche Strenge walten lassen, dass eine Gruppe von ihnen überhaupt nicht anerkennt, dass Imam Mahdi erscheinen wird. Durch die Prüfung und Untersuchung der Asmāʾ ar-Riǧāl (der Überliefererkette der Hadith-Überlieferer) lässt sich feststellen, dass die meisten Überlieferer dieser Hadithe der schiitischen Gemeinschaft angehörten. Auch aus der Lektüre der Geschichte geht hervor, dass jede Gruppe diese Hadithe aus politischen und religiösen Interessen benutzt und versucht hat, die in ihnen überlieferten Zeichen des Mahdi einer ihrer eigenen Personen zuzuschreiben.
Wahre und erdichtete Bestandteile in den Überlieferungen
Aus den oben genannten Gründen bin ich zu dem Schluss gelangt, dass die Überlieferungen über das Erscheinen des Mahdi wahr sind. Doch das meiste von dem, was in den ausführlichen Schilderungen gesagt wird, ist wahrscheinlich erdichtet. Eigennützige Menschen haben den echten Aussprüchen des Propheten zusätzliche Dinge hinzugefügt. In verschiedenen Zeiten haben diejenigen, die den Verheißenen—(Arabisch*******)hinzugefügt wurde. Doch es wäre ein Irrtum anzunehmen, dass durch die Bezeichnung Mahdi eine besondere Stellung in der Religion geschaffen worden sei, deren Anerkennung der Anerkennung der Propheten gleichkäme und deren Befolgung zu einer Bedingung für Erlösung, Islam und Glauben würde. Für die Vorstellung, dass der Mahdi ein sündloses Wesen sein werde, findet sich in den Hadithen kein Beweis. Tatsächlich gehört die Vorstellung von der Sündlosigkeit irgendeines Menschen außer dem Propheten zur schiitischen Gemeinschaft. Im Koran und in der Sunna gibt es dafür keinerlei Beleg. In ihren Schriften zeigt sich, dass diese Überlieferungen hinter dem Chaos, das jene Menschen geschaffen haben, als Grundlage dienten, die zu verschiedenen Zeiten fälschlich den Anspruch erhoben haben, der Mahdi zu sein.
Die Ausdrucksweise der Prophezeiungen des Propheten
Soweit ich über die Prophezeiungen des heiligen Propheten nachgedacht habe, war seine Ausdrucksweise nicht von der Art, wie sie in den Hadithen über das Erscheinen des Mahdi überliefert wird. Gewiss pflegte er die wichtigsten Zeichen zu schildern, doch es war nicht seine Art, Einzelheiten darzulegen.
Widersprüche in den einschlägigen Überlieferungen
Wenn man diese Überlieferungen zusammenträgt und miteinander vergleicht, zeigen sich in den meisten von ihnen Widersprüche. Außerdem wird es für diejenigen schwierig, alle in den Hadithen geschilderten Einzelheiten anzunehmen, die die vollständige Geschichte der Konflikte zwischen den Banū Fātima, den Banū ʿAbbās und den Banū Umaiya vor Augen haben und deutlich erkennen, dass für jede der an diesen Konflikten beteiligten Gruppen verschiedene Überlieferungen vorhanden sind und dass auch unter den Überlieferern die meisten irgendeiner dieser Gruppen nahestanden. So werden in einigen dieser Überlieferungen beispielsweise schwarze Banner(Arabisch**********)erwähnt. Aus der Lektüre der Geschichte ist bekannt, dass die schwarzen Banner das Symbol der Banū ʿAbbās waren. Außerdem lässt sich der Geschichte entnehmen, dass unter Berufung auf solche Hadithe weiterhin versucht wurde, den Abbasidenkalifen Mahdi als den verheißenen Mahdi zu erweisen.
Der Rang des vollkommenen Erneuerers
Wenn man einen Blick auf die Geschichte wirft, erkennt man, dass bis heute kein vollkommener Erneuerer geboren wurde. Hadhrat Umar ibn Abd al-Aziz war im Begriff, diese Würde zu erlangen, doch er konnte keinen Erfolg erreichen. Jeder der nach ihm geborenen Erneuerer wirkte entweder in einem bestimmten Bereich oder in einigen wenigen Bereichen. Der Platz des vollkommenen Erneuerers ist noch immer unbesetzt, doch das Gewissen verlangt es, die Natur fordert es, und auch der Lauf der Welt erhebt diese Forderung: Ein solcher „Führer“ soll geboren werden. Ob er in dieser Epoche geboren wird oder erst nach vielen Wandlungen und Umwälzungen der Zeit – sein Name wird „al-Imam al-Mahdi“ sein, über den der Heilige Prophet (s.a.w.) mit seinem geheiligten Mund eine eindeutige Prophezeiung ausgesprochen hat.
Heutzutage rümpfen die Menschen aus Unwissenheit die Nase, wenn sie diesen Namen hören. Ihr Vorwurf lautet, dass unwissende Menschen in Erwartung eines kommenden Menschen ihre Tatkraft verloren hätten. Daher sind sie der Ansicht, dass ein Unwissender, der eine falsche Vorstellung von der betreffenden Tatsache hegt, untätig werde; doch in Wahrheit sei dies überhaupt keine Tatsache. Außerdem sagen sie, dass sich unter allen religiösen Gemeinschaften die Vorstellung von der Ankunft eines verborgenen großen Mannes finde. Daher sei dies nichts weiter als Aberglaube. Ich jedoch meine: Wenn auch die früheren Propheten, wie der خاتم النبیین, ihren Völkern die frohe Botschaft überbracht haben, dass der Islam vor dem Ende des irdischen Lebens der Menschheit einmal zur Religion der ganzen Welt werden wird, und wenn dies kein Aberglaube ist, dann wird die dem Untergang entgegengehende Menschheit, nachdem alle von Menschen geschaffenen „Ismen“ gescheitert sind, gezwungen sein, bei der von Allah geschaffenen Lehre Zuflucht zu suchen. Diese Gunst wird der Mensch durch einen großen Führer erlangen, der nach der Methode der Propheten wirken und den Islam in seiner wahren Gestalt vollständig verwirklichen wird – warum sollte es dann Aberglaube sein, dies zu sagen? Sehr wahrscheinlich hat sich diese Aussage aus dem Mund der Propheten unter den übrigen Völkern der Welt verbreitet, und unwissende Menschen haben ihren wahren Sinn entstellt und sie in die Gestalt eines Aberglaubens verwandelt.
Die verbreitete Vorstellung über den Mahdi
Es gibt einige Neuerungsgesinnte, die das Erscheinen des Imam Mahdi überhaupt nicht anerkennen. Unter den Muslimen stehen diejenigen, die das Erscheinen des Imam Mahdi anerkennen, hinsichtlich ihrer irrigen Vorstellungen der zuerst genannten Gruppe in nichts nach. Sie meinen, der Imam Mahdi werde in Kleidung und Erscheinung einem altmodischen Mullah oder Sufi gleichen. Eines Tages werde er plötzlich mit einem Rosenkranz in der Hand aus der Zelle einer Madrasa oder eines Khanqah hervortreten. Sofort werde er verkünden: „Ich bin der Mahdi.“ Gelehrte, Pirs und Derwische würden mit ihren Büchern erscheinen und ihn anhand der in den Büchern beschriebenen Zeichen und äußerlichen Merkmale überprüfen und erkennen. Danach werde die Baiʿa geleistet und der Dschihad ausgerufen. Die in der Klausur zurückgezogenen Derwische und alle Würdenträger der alten Schule würden sich unter seiner Fahne versammeln. Das Schwert werde lediglich zur Erfüllung einer Bedingung eingesetzt, in Wirklichkeit aber würden sämtliche Aufgaben durch Segen und geistige Kraft vollbracht. Durch Beschwörungen, Zauberformeln und Wirds und dergleichen werde man weiterhin den Krieg gewinnen. Jeder Ungläubige, auf den der Blick des Imam Mahdi falle, werde augenblicklich unter Qualen sterben. Durch bloße Verwünschungen würden Panzer und Bomber funktionsunfähig werden.
Die Vorstellung des Verfassers über den Mahdi
Die Vorstellung der gewöhnlichen Menschen vom Erscheinen des Imam Mahdi ist so, wie sie beschrieben wurde. Doch was ich verstanden habe, ist das genaue Gegenteil davon. Meiner Ansicht nach wird der kommende Mann der Führer seiner Epoche sein. Er wird über alle Wissenschaften und Kenntnisse seiner Zeit einen forschenden Weitblick besitzen. Er wird sämtliche komplizierten Probleme des Lebens begreifen. Durch seine intellektuelle und gedankliche Staatsführung, seine politische Weisheit und seine militärische Strategie wird er seinen Einfluss auf die ganze Welt ausüben. Er wird an die Spitze aller Neuerungen seiner Zeit gelangen. Ich befürchte, dass die Mullahs und Sufis gegen seine Neuerungen einen Aufruhr beginnen werden. Ich glaube auch nicht, dass er seiner körperlichen Gestalt nach völlig anders als gewöhnliche Menschen sein wird, sodass man ihn beim bloßen Anblick erkennen könnte. Ebenso glaube ich nicht, dass er sich selbst als Mahdi verkünden wird. Wahrscheinlich wird ihm selbst nicht bekannt sein, dass er der verheißene Mahdi ist. Es ist sogar möglich, dass die Bewohner der Welt erst nach seinem Tod erfahren werden, dass gerade er es war, der nach der Methode des Prophetentums das Kalifat errichtete und dessen Kommen angekündigt worden war.
Der Anspruch, der Mahdi zu sein, ist keine Sache, die man geltend macht
Wie ich bereits angedeutet habe, besitzt außer einem Propheten niemand eine solche Stellung, dass er mit einer Behauptung ein Werk beginnen könnte. Außer einem Propheten kann auch niemand wissen, für welches Werk er eingesetzt worden ist. Der Mahdi zu sein, ist nichts, was man behauptet; es ist etwas, das man durch sein Handeln unter Beweis stellt. Meiner Ansicht nach legen sowohl diejenigen, die solche Ansprüche erheben, als auch diejenigen, die an sie glauben, Zeugnis von geringer Gelehrsamkeit und innerer Niedertracht ab.
Die Art der Aufgabe des Mahdi
Meine Vorstellung von der Art der Aufgabe des Mahdi unterscheidet sich von der Vorstellung dieser Herren. Ich kann nicht erkennen, dass für diese Aufgabe Kaschf, Karamat, Ilham, Tschilla, Murakaba, Muschahada und Ähnliches irgendeine Bedeutung hätten. Ich meine, dass der Mahdi ebenso wie jeder revolutionäre Führer auf der Welt durch gewaltige Kämpfe und Auseinandersetzungen voranschreiten muss. Auf der Grundlage des reinen Islams wird er ein neues Denkfeld oder einen neuen Weg (School of Thought) schaffen. Er wird die Mentalität verändern. Er wird eine gewaltige Bewegung aufbauen, die zugleich zivilisatorisch und politisch sein wird. Die Dschahilija wird mit all ihrer Kraft versuchen, sie zu beseitigen, doch schließlich wird er das dschahilische Regierungssystem stürzen und einen starken islamischen Staat errichten. In ihm wird einerseits die Lebenskraft des Islams wirksam werden und andererseits die wissenschaftliche Entwicklung ihren Höhepunkt erreichen. Wie es im Hadith verkündet worden ist, werden unter seiner Herrschaft sowohl die Bewohner des Himmels als auch die Bewohner der Erde zufrieden sein. Der Himmel wird seine Segnungen mit offenem Herzen herabregnen lassen, und die Erde wird alle ihre Schätze aus ihrem Inneren hervorbringen.
Die Prophezeiung des Propheten über die Ankunft des Messias (a.)
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Die diesbezüglichen Hadithe
(Arabisch****************************************PDF, Seite 441)
„Von Abu Huraira (r.) wird überliefert, dass der Prophet (s.) sagte: Bei Dem, in dessen Hand mein Leben liegt, schwöre ich: Ibn Maryam wird als gerechter Herrscher zu euch herabkommen. Danach wird er das Kreuz zerbrechen und das Schwein vernichten – [das Zerbrechen des Kreuzes und die Vernichtung des Schweins bedeuten, dass das Christentum als eigenständige Religion enden wird. Das gesamte Gebäude der christlichen Religion ist auf dem Glauben errichtet, dass Gott Seinen einzigen Sohn (Hazrat Isa) gekreuzigt und ihm einen Tod unter dem Fluch gegeben habe – wodurch die Sühne für die Sünden der Menschheit geleistet worden sei. Das Kennzeichen der Christen unter den Gemeinschaften der Propheten ist, dass sie sich allein mit Glaubensüberzeugungen zufriedengaben und die gesamte Scharia zurückwiesen. Sie erklärten sogar das Schwein für erlaubt, obwohl es in der Scharia aller Propheten verboten war. Wenn Hazrat Isa bei seiner erneuten Ankunft selbst verkünden wird: „Ich bin weder der Sohn Gottes noch bin ich die Sühne für die Sünden irgendjemandes geworden“, wird dem christlichen Glauben jede Grundlage entzogen sein. Wenn er ferner sagen wird, dass er weder seinen Anhängern das Schwein erlaubt noch sie von den Vorschriften und Verboten der Scharia befreit hat, wird auch das zweite Kennzeichen des Christentums enden.] und er wird das Ende des Krieges verkünden. In einer anderen Überlieferung steht anstelle von ‚Krieg‘ das Wort ‚Dschizya‘. Das heißt, er wird die Dschizya abschaffen. – [In einer anderen Überlieferung bedeutet dies, dass zu jener Zeit die Meinungsverschiedenheiten aller Religionsgemeinschaften und Gruppen beendet werden und alle derselben Gemeinschaft angehören. Infolgedessen wird es weder Krieg geben noch die Notwendigkeit bestehen, irgendjemandem Dschizya aufzuerlegen. Auch in den Hadithen Nr. 5 und Nr. 15 findet sich diese Aussage.] Danach wird der Reichtum so übermäßig sein, dass es niemanden geben wird, der ihn annimmt. Dann wird eine einzige Niederwerfung vor Gott besser sein als die ganze Welt.“ – (Buchari, Muslim, Tirmidhi, Musnad Ahmad)
In einer weiteren Überlieferung finden sich von Abu Huraira (r.) folgende Worte:
(Arabisch****************************************auf Seite 442 des PDFs)
„Die Stunde wird nicht eintreten, bevor Hadhrat Isa (a.s.) herabgekommen ist. Danach folgen die oben erwähnten Aussagen.“ – (Buchari, Ibn Madschah)
(Arabisch****************************************auf Seite 442 des PDFs)
„Hadhrat Abu Huraira (r.a.) berichtet, dass der Prophet (s.a.w.) gesagt hat: Wie wird es euch ergehen, wenn Ibn Maryam zu euch herabkommt und euer Anführer aus eurer Mitte ist?“ – (Buchari, Musnad Ahmad) – [Das heißt, Hadhrat Isa (a.s.) wird beim Gebet nicht als Imam vorstehen. Vielmehr wird er hinter demjenigen beten, der bereits zuvor der Imam der Muslime war.]
(Arabisch****************************************auf Seite 442 des PDFs)
„Hadhrat Abu Huraira (r.a.) berichtet, dass der Prophet (s.a.w.) gesagt hat: Isa ibn Maryam wird herabkommen. Danach wird er die Schweine töten und die Kreuze beseitigen. Für ihn werden die Gebete zusammengelegt werden, und er wird so viel Vermögen verteilen, dass es niemanden geben wird, der es annimmt. Er wird die Kharadsch-Abgabe abschaffen und sich an einem Ort namens Rauha [‚Rauha‘ ist ein Ort, der 35 Meilen von Medina entfernt liegt] aufhalten und die Hadsch oder die Umra oder beides vollziehen.“ – [Es sei darauf hingewiesen, dass derjenige, der in dieser Zeit als Ebenbild von Hadhrat Isa (a.s.) bezeichnet wurde, in seinem Leben weder die Hadsch noch die Umra vollzogen hat.] [Der Überlieferer erinnerte sich nicht daran, welche Aussage der Prophet (s.a.w.) gemacht hatte.] – (Musnad Ahmad, Muslim)
(Arabisch****************************************auf Seite 442 des PDFs)
„Hadhrat Abu Huraira (r.a.) berichtet: Nachdem der Prophet (s.a.w.) das Erscheinen des Daddschal erwähnt hatte, sagte er: Die Muslime werden sich weiter auf den Kampf gegen den Daddschal vorbereiten. Nachdem sie sich zum Gebet in Reihen aufgestellt haben und der Takbir gesprochen wird, wird in diesem Augenblick Isa ibn Maryam herabkommen und den Muslimen im Gebet vorstehen. Allahs Feind (das heißt der Daddschal) wird, sobald er ihn erblickt, dahinschmelzen, wie Salz im Wasser schmilzt. Wenn Hadhrat Isa (a.s.) ihn in diesem Zustand belassen würde, würde er geschmolzen sterben; doch Allah, der Erhabene, wird den Daddschal durch seine Hand töten lassen, und er wird den Muslimen dessen Blut an seiner Waffe zeigen.“ – (Mischkat, unter Berufung auf Muslim)
(Arabisch****************************************auf Seite 443 des PDFs)
„Von Hazrat Abu Huraira (r.a.) wird überliefert, dass der Prophet (s.a.w.) sagte: Zwischen mir und ihm (das heißt, Hazrat Isa) gibt es keinen Propheten. Und er wird herabkommen. Wenn ihr ihn seht, dann erkennt ihn. Er wird von mittlerer Statur sein. Seine Hautfarbe wird eine Mischung aus Rot und Weiß sein. Er wird zwei gelbe Gewänder tragen. Sein Kopfhaar wird so aussehen, als ob Wasser daraus herabtropfte. Dennoch wird sein Körper nicht nass sein. Er wird für den Islam gegen die Menschen kämpfen. Er wird die Kreuze zerschlagen. Er wird die Schweine vernichten. Er wird die Dschizya abschaffen. Allah, der Erhabene, wird alle Gemeinschaften, die anderen Glaubensrichtungen als dem Islam anhängen, ausrotten. Er wird den Daddschal töten. Er wird vierzig Jahre auf der Welt bleiben. Danach wird er sterben, und die Muslime werden das Totengebet für ihn verrichten.“ – (Abu Dawud, Musnad Ahmad)
(Arabisch****************************************auf Seite 443 des PDFs)
„Von Hazrat Dschabir ibn Abdullah (r.a.) wird überliefert, dass der Prophet (s.a.w.) sagte: Danach wird Isa ibn Maryam herabkommen. Der Anführer der Muslime wird zu ihm sagen: ‚Komm und leite das Gebet.‘ Er wird sagen: ‚Nein, ihr seid selbst Anführer voneinander.‘ – [Das heißt, euer Anführer sollte aus eurer Mitte stammen.] Diese Antwort wird er geben, weil Allah, der Erhabene, dieser Umma eine solche Ehre verliehen hat.“ – (Muslim, Musnad Ahmad)
(Arabisch****************************************auf Seite 444 des PDFs)
„Hazrat Dschabir ibn Abdullah (r.a.) berichtet im Zusammenhang mit der Versuchung durch Ibn Sayyad, dass Hazrat Umar (r.a.) damals sagte: ‚O Gesandter Allahs! Erlaubt mir, ihn zu töten.‘ Der Prophet (s.a.w.) antwortete ihm: ‚Wenn er tatsächlich dieser Mann ist (das heißt, der Daddschal), dann wirst nicht du sein Mörder sein. Vielmehr wird Isa ibn Maryam ihn töten. Wenn er aber nicht dieser Mann ist, dann hast du als jemand, der unter einem Schutzvertrag steht (das heißt, als Dhimmi), nicht das Recht, irgendjemanden zu töten.‘“ – (Mischkat, unter Berufung auf Scharh as-Sunna von al-Baghawi).
(Arabisch****************************************auf Seite 444 des PDFs)
„Bei der Schilderung der Geschichte des Daddschal sagte Hazrat Dschabir ibn Abdullah: Der Prophet (s.a.w.) sagte: Zu jener Zeit wird Hazrat Isa (a.s.) plötzlich zu den Muslimen kommen. Die Menschen werden sich zum Gebet aufstellen, und man wird zu ihm sagen: ‚O Ruhullah! Tritt vor.‘ Er aber wird sagen: ‚Nein. Vielmehr sollte euer Imam vorangehen und das Gebet leiten.‘ Danach werden die Menschen nach dem Morgengebet aufbrechen, um dem Daddschal entgegenzutreten. Der Prophet sagte: Wenn dieser Lügner Hazrat Isa (a.s.) erblickt, wird er zu schmelzen beginnen, wie Salz sich in Wasser auflöst. Hazrat Isa wird auf ihn zugehen und ihn töten. Dann wird es so sein, dass Bäume, Pflanzen, Berge und Felsen rufen werden: ‚O Ruhullah! Dieser Jude versteckt sich hinter mir.‘ Unter den Anhängern des Daddschal wird niemand sein, den Hazrat Isa (a.s.) nicht töten wird.“ – (Musnad Ahmad)
(Arabisch****************************************auf Seite 444 des PDFs)
„Hadrat Nawwas ibn Sam’an al-Kilabi berichtet im Zusammenhang mit der Geschichte des Daddschal: Wenn der Daddschal dies alles tun wird, wird Allah, der Erhabene, al-Masih ibn Maryam entsenden. Er wird im Osten von Damaskus nahe einem weißen Minarett herabsteigen, bekleidet mit zwei gelben Gewändern und seine Hände auf die Arme zweier Engel gestützt. Wenn er den Kopf schüttelt, wird es aussehen, als würden Wassertropfen herabfallen. Wenn er den Kopf hebt, wird man sehen, wie die Wassertropfen wie Perlen funkeln. Sein Atem wird bis zur äußersten Grenze seiner Sichtweite reichen, und jeder Ungläubige, den er trifft, wird nicht am Leben bleiben. Dann wird der Sohn Maryams den Daddschal verfolgen, ihn am Tor von Lud – [Lud liegt, wie vermerkt wird, einige Meilen von Tel Aviv entfernt, der Hauptstadt des Staates Israel in Palästina. Die Juden haben dort einen großen Militärflugplatz errichtet.] – einholen und töten.“ – (Muslim, Abu Dawud, at-Tirmidhi, Ibn Madschah)
(Arabisch****************************************auf Seite 445 des PDFs)
„Abdullah ibn Amr ibn al-As (r.a.) berichtet: Der Gesandte Allahs (s.a.w.) hat gesagt: Der Daddschal wird aus meiner Umma hervorgehen und vierzig [ich weiß nicht, ob vierzig Tage, vierzig Monate oder vierzig Jahre] bleiben. Danach wird Allah, der Erhabene, Isa ibn Maryam entsenden. Er wird wie Urwa ibn Masud (einem Gefährten) aussehen. Er wird den Daddschal verfolgen und ihn töten. Danach werden sieben Jahre so vergehen, dass zwischen zwei Menschen keinerlei Feindschaft bestehen wird.“ – (Muslim)
(Arabisch****************************************auf Seite 445 des PDFs)
„Hudhaifa ibn Asid al-Ghifari (r.a.) berichtet: Eines Tages kam der edle Prophet (s.a.w.) zu uns, während wir miteinander sprachen. Er fragte: Worüber sprecht ihr? Wir antworteten: Wir sprechen über die Auferstehung. Der Prophet (s.a.w.) sagte: Die Auferstehung wird keineswegs eintreten, solange nicht zehn Zeichen erschienen sind. Dann sagte er: Diese zehn Zeichen sind: (1) der Rauch, (2) der Daddschal, (3) Dabbat al-Ard, (4) der Aufgang der Sonne im Westen, (5) die Herabkunft von Isa ibn Maryam, (6) Gog und Magog, (7) drei gewaltige Erdsenkungen – eine im Osten, (8) eine im Westen, (9) eine in Arabien, und schließlich (10) ein gewaltiges Feuer, das aus dem Jemen aufsteigen und die Menschen vertreiben und zum Feld der Auferstehung führen wird.“ – (Muslim, Abu Dawud)
(Arabisch****************************************auf Seite 446 des PDFs)
„Thauban, der freigelassene Sklave des edlen Propheten (s.a.w.), berichtet: Der Prophet sagte: Unter meiner Umma gibt es zwei Heere, die Allah vor dem Feuer der Hölle bewahrt hat. Das eine wird Hindustan angreifen, und das andere wird sich bei Isa ibn Maryam befinden.“
(Arabisch****************************************auf Seite 446 der PDF)
„Mujammiʿ bin Dschariya al-Ansari sagt: Ich hörte den ehrwürdigen Propheten (s.a.) sagen: Der Sohn Maryams wird den Daddschal am Tor von Lud töten.“ – (Musnad Ahmad, Tirmidhi)
(Arabisch****************************************auf Seite 446 der PDF)
„Abu Umama al-Bahili erwähnt den Daddschal in einem langen Hadith und sagt: Genau in dem Augenblick, in dem der Imam der Muslime vortreten wird, um das Morgengebet zu leiten, wird Isa bin Maryam dort herabsteigen. Der Imam wird zurücktreten, damit Isa vortreten kann, doch Isa (a.s.) wird seine Hände zwischen dessen beiden Armen legen und sagen: Nein, du sollst das Gebet leiten, denn für dich wurde dieses Gebet aufgerichtet. Daher wird er, der frühere Imam, das Gebet leiten. Danach wird Isa (a.s.) sagen: Öffnet das Tor! Das Tor wird geöffnet werden, und man wird sehen, dass der Daddschal zusammen mit siebzigtausend bewaffneten Juden dasteht. Sobald sein Blick auf den ehrwürdigen Isa fällt, wird er zu schmelzen beginnen, wie Salz in Wasser schmilzt. Daraufhin wird er fliehen. Isa (a.s.) wird sagen: Durch meine Hand trifft dich ein solcher Schlag, dass du nicht davonkommen wirst. Dann wird er ihn am östlichen Tor von Lud ergreifen. Danach wird Allah die Juden besiegen lassen …, und die Welt wird durch die Muslime so angefüllt werden, wie ein Gefäß mit Wasser gefüllt wird. Dann wird das Bekenntniswort der ganzen Welt einheitlich sein, und niemand außer Allah wird mehr verehrt und gehorcht werden.“ – (Ibn Madscha)
(Arabisch****************************************auf Seite 447 der PDF)
„Uthman bin Abil As sagt: Ich hörte den Gesandten Allahs (s.a.) dies sagen: … und Isa bin Maryam (a.s.) wird zur Zeit des Morgengebets herabsteigen. Der Befehlshaber der Muslime wird zu ihm sagen: O Geist Allahs! Leite du das Gebet. Er wird sagen: Die Angehörigen dieser Umma sind untereinander selbst Befehlshaber. Daraufhin wird der Befehlshaber der Muslime vortreten und das Gebet leiten. Nach dem Gebet wird Isa (a.s.) seine Waffe nehmen und auf den Daddschal losstürmen. Er wird ihn töten. Dessen Gefährten werden besiegt fliehen, doch nirgendwo Zuflucht finden. Die Bäume und Pflanzen werden ausrufen: O Gläubiger! Der Ungläubige ist hier.“ – (Musnad Ahmad, Tabarani, Hakim)
(Arabisch****************************************auf Seite 447 der PDF)
„Samura bin Dschundub (r.a.) sagt: Der Prophet (s.a.) hat gesagt: Danach wird Isa bin Maryam am Morgen zu den Muslimen kommen. Allah wird den Daddschal und seine Heerscharen besiegen. Sogar die Mauern und die Wurzeln der Bäume werden ausrufen: O Gläubiger! Ein Ungläubiger versteckt sich hinter mir; komm und töte ihn.“ – (Musnad Ahmad, Hakim)
(Arabisch****************************************auf PDF-Seite 448)
„Imran bin Husain (r.a.) berichtet, dass der Prophet (s.a.w.) gesagt hat: ‚In meiner Umma wird es stets eine Gruppe geben, die unbeirrbar am Recht festhält und für ihre Widersacher unerträglich ist. Danach wird Allahs Entscheidung eintreten, und Isa bin Maryam wird herabsteigen.‘ – (Musnad Ahmad)
(Arabisch****************************************auf PDF-Seite 448)
„Hadhrat Aischa (r.a.) sagte im Zusammenhang mit der Geschichte des Dajjal: ‚Isa (a.s.) wird herabsteigen und ihn töten. Danach wird er vierzig Jahre lang als gerechter Imam und rechtschaffener Herrscher auf der Erde verbleiben.‘ – (Musnad Ahmad)
(Arabisch****************************************auf PDF-Seite 448)
„Shafinah, der freigelassene Diener des heiligen Propheten (s.a.w.), berichtet im Zusammenhang mit der Geschichte des Dajjal: ‚Dann wird Isa (a.s.) herabsteigen, und Allah, der Erhabene, wird den Dajjal in der Nähe der Festung von Afik zerstören – [Afik, dessen heutiger Name „Kayeq“ lautet, ist die letzte Stadt Syriens an der syrisch-israelischen Grenze. Einige Meilen westlich davon liegt vor ihm ein See namens Tabariya, aus dem der Jordan entspringt. An seiner Südwestseite führt durch die Berge ein abschüssiger Weg anderthalb bis zweitausend Fuß tief zu einem Ort, von dem aus der Jordan aus dem Inneren von Tabariya hervortritt. Dieser bergige Engpass wird Aqaba-ye Afik oder die Festung von Afik genannt.]‘ – (Musnad Ahmad)
(Arabisch****************************************auf PDF-Seite 448)
„Hadhrat Hudhaifa (r.a.) sagte über den Dajjal: ‚Wenn die Muslime sich dann zum Gebet aufstellen, wird Isa bin Maryam vor ihren Augen herabsteigen. Er wird die Muslime im Gebet führen. Nach dem Friedensgruß wird er zu den Menschen sagen: „Tretet zwischen mich und diesen Feind Allahs.“ Allah wird den Muslimen den Sieg über den Dajjal und seine Gefährten verleihen. Die Muslime werden sie weiter vernichten. Schließlich werden sogar Bäume und Steine ausrufen: „O Abdullah, o Abdurrahman, o Muslim, da ist ein Jude – tötet ihn!“ Auf diese Weise wird Allah sie vollständig ausrotten. Die Muslime werden siegen, das Kreuz wird zertrümmert, das Schwein wird vernichtet und die Dschizya wird abgeschafft werden.‘
[Al-Mustadrak von al-Hakim; auch bei Muslim findet sich eine gekürzte Überlieferung. Hafiz Ibn Hadschar erwähnt diesen Hadith in Fath al-Bari (Band 6, S. 450) als sahih.]
Insgesamt sind einundzwanzig Hadithe von vierzehn Gefährten in äußerst zuverlässigen Hadith-Werken aufgezeichnet worden. Obwohl dieses Thema darüber hinaus in zahlreichen weiteren Hadithen behandelt wird, wurden sie aus Sorge vor einer Vergrößerung des Umfangs des Werkes nicht angeführt. Hier wurden nur diejenigen zitiert, die hinsichtlich ihrer Überlieferungskette äußerst zuverlässig sind.
Die Vorstellung, eine Verkörperung des Messias (a.s.) zu sein, ist irrig
Wer diese Hadithe studiert, wird selbst feststellen, dass in ihnen überhaupt keine Erwähnung eines „verheißenen Messias⁹“, einer „Verkörperung des Messias“ oder einer „Offenbarung des Messias“ und dergleichen zu finden ist. Es gibt auch keinerlei Grundlage für die Behauptung, dass in dieser Zeit jemand, als Sohn eines Vaters geboren, sagen könnte: „Ich bin jener Messias, dessen Kommen der letzte Prophet (s.a.w.) vorausgesagt hat.“ Diese Hadithe verkünden klar und unmissverständlich die Herabkunft jenes Isa (a.s.), der vor zweitausend Jahren ohne Vater im Schoß der ehrwürdigen Maryam geboren wurde.
Der Dajjal und sein Erscheinen
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Der Zeitpunkt des Erscheinens des Dajjal ist nicht festgelegt
Wenn man den Inhalt aller vom Propheten (s.a.w.) über den Dajjal überlieferten Hadithe insgesamt betrachtet, wird deutlich, dass das Wissen, das dem heiligen Propheten (s.a.w.) diesbezüglich von Allah gegeben worden war, nur so weit reichte, dass ein großer Unterdrücker namens Dajjal erscheinen werde. Seine Definition bestand darin, dass er diese Eigenschaften besitzen werde. Dem Propheten wurde jedoch nicht mitgeteilt, wann er erscheinen, wo er erscheinen oder ob er zu Lebzeiten des Propheten geboren worden sei oder erst zu einem späteren Zeitpunkt geboren werden würde.
Verschiedene Vermutungen des Propheten (s.a.w.)
Aus den Unterschieden im Inhalt der vom Propheten (s.a.w.) hierzu überlieferten Aussagen in den Hadithen und aus seiner Ausdrucksweise wird ganz deutlich, dass er diese Aussagen nicht auf Grundlage einer Offenbarung, sondern aufgrund von Vermutungen gemacht hat. Bisweilen vertrat er die Auffassung, dass der Daddschal aus Chorasan hervorkommen werde, ein anderes Mal sagte er, er werde aus Isfahan kommen. Wieder ein anderes Mal sagte er, er werde aus dem Gebiet zwischen Syrien und dem Irak kommen. Im Hinblick auf einen jüdischen Knaben, der vermutlich im zweiten oder dritten Jahr der Hidschra in Medina geboren wurde, hegte er den Verdacht, dass gerade dieser der Daddschal sein könnte. In einer letzten Überlieferung heißt es, dass im neunten Jahr der Hidschra ein christlicher Priester aus Palästina namens Tamim ad-Dari kam, den Islam annahm und dem Propheten eine Geschichte erzählte. Sie lautete, dass er einst auf einer Seereise (wahrscheinlich im Römischen Meer oder im Arabischen Meer) auf eine unbewohnte Insel gelangte. Dort begegnete er einem seltsamen Mann. Dieser sagte, er selbst sei der Daddschal. Der Prophet (s.a.w.) sah keinen Grund, diese Schilderung für falsch zu halten, äußerte jedoch Zweifel und sagte: „Seiner Aussage zufolge müsste sich der Daddschal im Römischen Meer oder im Arabischen Meer befinden, doch meiner Auffassung nach wird er aus dem Osten hervorkommen.“
Die zwei Teile der Aussage des ehrwürdigen Prophetensind
Wenn jemand diese verschiedenen Überlieferungen insgesamt betrachtet und mit der Hadithwissenschaft sowie den Grundprinzipien der Religion vertraut ist, dürfte es ihm nicht schwerfallen zu verstehen, dass die Aussagen des ehrwürdigen Propheten (s.a.w.) in dieser Angelegenheit in zwei Teile gegliedert sind.
Der erste Teil besteht darin, dass der Daddschal gewiss erscheinen wird, dass dies seine Beschreibung sein wird und dass er Unheil stiften wird. Dies ist eine völlig sichere Nachricht, die der Gesandte (s.a.w.) von Allah übermittelt hat. In dieser Hinsicht besteht zwischen den Überlieferungen kein Widerspruch.
Der besondere Stellenwert des zweiten Teils
Der zweite Teil betrifft den Ort und die Zeit des Erscheinens des Daddschal sowie die Frage, wer diese Person ist. Die Überlieferungen hierzu sind nicht nur unterschiedlicher Art, sondern enthalten auch Zweifel und verwenden Formulierungen, die auf Vermutungen beruhen. So sagte der Prophet (s.a.w.) etwa zu Umar im Zusammenhang mit Ibn Sayyad: Wenn dieser der Daddschal ist, bist du nicht sein Mörder. Wenn er es aber nicht ist, hast du kein Recht, einen Schutzbefohlenen zu töten. Oder wie der edle Prophet (s.a.w.) in einem Hadith sagte: Wenn er noch zu meinen Lebzeiten erscheint, werde ich ihm entgegentreten. Wenn er aber nach mir erscheint, so ist mein Herr der Beistand und Helfer jedes Gläubigen.
Der religiöse und grundsätzliche Stellenwert dieses zweiten Teils ist nicht derselbe wie der des ersten und kann es auch nicht sein. Wer die Einzelheiten dieses Teils in die islamischen Glaubenslehren aufnimmt, irrt; vielmehr ist es auch nicht richtig, die Wahrheit jedes einzelnen Bestandteils davon zu behaupten. Der Prophet hegte Zweifel an Ibn Sayyad und meinte, dass gerade er der Daddschal sein könnte. Umar schwor sogar, dass er der Daddschal sei. Doch er wurde Muslim, lebte in den beiden heiligen Städten, starb im Glauben an den Islam, und die Muslime verrichteten sein Totengebet. Sagen Sie nun: Gibt es heute noch irgendeinen Anlass, an Ibn Sayyad festzuhalten? Die Überlieferung von Tamim ad-Dari wurde damals nahezu als wahr angesehen. Tamim ad-Dari hatte denjenigen, den er vor dreizehneinhalb Jahrhunderten gefangen gesehen hatte, gesehen. Ist es angesichts dessen, dass er in dieser langen Zeit nicht erschienen ist, nicht Beweis genug, dass die Nachricht, die Tamim ad-Dari über seine Identität als Daddschal erhalten hatte, nicht wahr war? Schon zu Lebzeiten des ehrwürdigen Propheten bestand der Verdacht, dass der Daddschal entweder noch zu seinen Lebzeiten oder kurz danach erscheinen werde. Ist es aber nicht wahr, dass dreizehneinhalb Jahrhunderte vergangen sind und der Daddschal bis heute nicht gekommen ist? Wenn man all dies nun als Bestandteil der islamischen Glaubenslehren betrachtet, es überliefert und weitergibt, kann man weder von einer richtigen Vertretung des Islam noch von einem richtigen Verständnis der Hadithe sprechen. Ich habe bereits gesagt, dass es in solchen Angelegenheiten der Würde des Prophetentums keineswegs schadet, wenn etwas, das der Prophet vermutet, annimmt oder befürchtet hatte, in Wirklichkeit nicht eintritt. Auch die Vorstellung von der Unfehlbarkeit des Propheten wird dadurch nicht beeinträchtigt. Die Scharia hat uns auch nicht verpflichtet, an diese Dinge zu glauben. Der Prophet (s.a.w.) hat diese grundlegende Wahrheit in dem Hadith über die Bestäubung der Dattelpalmen erläutert.
Anleitung aus der eigenen Erklärung des Propheten
Welche Aussagen des Propheten auf seiner eigenen Annahme beruhten, welche seine persönliche Ansicht waren und welche auf von Gott verliehenem Wissen gründeten, wurde oftmals in seinen eigenen Erklärungen deutlich. Manchmal lässt sich dies auch aus den Umständen erkennen. Nehmen wir beispielsweise den Hadith über den Daddschāl. Aus der eigenen Erklärung des Propheten geht hervor, dass ihm von Allah kein Wissen über den Ort und die Zeit des Erscheinens des Daddschāl sowie über seine Person gegeben worden war. Sein Verdacht gegenüber Ibn Sayyād war so ausgeprägt, dass Hadhrat Umar (r) in seiner Gegenwart schwor und ihn als Daddschāl bezeichnete. Der Prophet widersprach ihm nicht; als Hadhrat Umar ihn jedoch um die Erlaubnis bat, ihn zu töten, sagte der Prophet (s):
(Arabisch****************************************auf PDF-Seite 451)
„Wenn er tatsächlich der Daddschāl ist, wirst du ihn nicht überwältigen können. Und wenn er es nicht ist, liegt für dich kein Nutzen in seiner Tötung.“ – (Muslim, zum Thema Daddschāl
)
In einem weiteren Hadith sagte der Prophet (s) über den Daddschāl:
(Arabisch****************************************auf PDF-Seite 451)
„Wenn er zu meinen Lebzeiten erscheint, werde ich ihm entgegentreten. Wenn er jedoch nach meinem Ableben erscheint, muss jeder aus eigener Kraft gegen ihn kämpfen. Allah ist nach mir der Beschützer jedes Muslims.“ – (Muslim, zum Thema Daddschāl)
Als der Prophet (s. a. s.) die Geschichte von Tamim ad-Dari über dessen Begegnung mit dem Daddschal während seiner Seereise hörte, bestätigte er sie weder ausdrücklich, noch hielt er sie für eine Lüge. Vielmehr sagte er:(Arabisch*********************************************************)
„Tamims Bericht hat mir gefallen. Er stimmt mit den Aussagen überein, die ich euch über den Daddschal mache.“ Danach führte der Prophet (s. a. s.) seine Aussage noch etwas weiter aus:(Arabisch**********************************************************)
„Nein, vielmehr befindet er sich im Meer von Scham oder im Meer des Jemen. Nein, vielmehr im Osten.“ Diese Aussagen machen ihre Bedeutung von selbst deutlich.
Die Prophezeiung über die Tötung Ammar ibn Yasirs
Der folgende Ausspruch des edlen Propheten (s. a. s.) über Ammar (r. a.) war unter den Gefährten allgemein bekannt, und viele Gefährten hatten ihn aus dem Munde des Propheten selbst gehört:(Arabisch*****************)„Dich wird eine aufrührerische Gruppe töten.“ – [In den Hadith-Werken Musnad Ahmad, Buchari, Muslim, Tirmidhi, Nasai, Tabarani, Baihaqi, Musnad Abu Dawud und anderen ist diese Überlieferung von Abu Sa’id al-Chudri, Abu Qatada al-Ansari, Umm Salama, Abdullah ibn Mas’ud, Abdullah ibn Amr ibn al-As, Abu Huraira, Uthman ibn Affan, Hudhaifa, Abu Ayyub, Abu Rafi, Chuzaima ibn Thabit, Amr ibn al-As, Abu al-Yusr, Ammar ibn Yasir (möge Allah mit ihnen allen zufrieden sein) und vielen anderen Gefährten überliefert worden. Auch Ibn Sa’d hat sie in mehreren Überlieferungsketten in seinem Werk at-Tabaqat angeführt.]
Ibn Abd al-Barr schreibt in al-Isti’ab, dass von dem Propheten (s. a. s.) in ununterbrochener Überlieferung überliefert worden sei, dass eine aufrührerische Gruppe Ammar ibn Yasir (r. a.) töten werde, und dass dies zu den authentischsten Hadithen gehört.
Zehn Zeichen für das Herannahen des Jüngsten Tages
Von Muslim ibn Hudhaifa ibn Asid al-Ghifari wird überliefert, dass der edle Prophet (s. a. s.) gesagt hat: Der Jüngste Tag wird nicht eintreten, solange ihr nicht zehn Zeichen gesehen habt: den Rauch, den Daddschal, das Tier der Erde, den Aufgang der Sonne im Westen, das Herabsteigen Isa ibn Maryams, das Hervorkommen von Gog und Magog sowie drei gewaltige Erdrutsche (Land Slide): der erste im Osten, der zweite im Westen und der dritte in Arabien. Zuletzt wird ein gewaltiges Feuer ausbrechen und die Menschen zur Versammlung treiben. (Das heißt, unmittelbar danach wird der Jüngste Tag eintreten.) In einem weiteren Hadith erwähnt der Prophet (s. a. s.) im Zusammenhang mit dem Hervorkommen und Wüten von Gog und Magog, dass der Jüngste Tag zu jener Zeit so nahe sein wird wie die Niederkunft einer schwangeren Frau, die nicht weiß, in welchem Augenblick ihr Kind zur Welt kommen wird – bei Nacht oder bei Tag.
(Arabisch****************************************auf Seite 452 der PDF)
Kapitel: 12 – Die theoretische Unredlichkeit der Orientalisten in Bezug auf den Koran und den Propheten Muhammad (s)
[In die Schriften, welche diese westlichen Orientalisten über den Islam, den Koran und das Leben des Gesandten Allahs (s) verfasst haben, haben sie unzählige törichte und unlogische Aussagen eingefügt. Diese wurden zudem unter dem Deckmantel des schönen Namens „Forschung“ verbreitet. Selbst in den Schriften gemäßigter Autoren wie William Muir finden sich im Rahmen dieser angeblichen Forschung derartige lächerliche Aussagen über den Propheten (s) und den Islam, dass aus der Sicht eines unvoreingenommenen Lesers sämtliche wissenschaftlichen Forschungen der Orientalisten ihre Bedeutung verlieren. Das erste Ziel all dieser umfassenden Forschungsarbeiten bestand darin, unter der durch die Kreuzzüge hervorgerufenen Geisteshaltung eine Schranke engstirnigen Nationalismus zu errichten und dadurch die Christen vor dem Einfluss des Islam zu schützen. Ihr zweites Ziel bestand darin, denjenigen, die über den Islam unwissend waren, falsche Vorstellungen über den Islam zu vermitteln und sie in Zweifel und Unsicherheit zu stürzen. Dennoch traten die Orientalisten ein Jahrhundert lang gegenüber unseren modernen Bildungsschichten als Lehrer in Fragen des Islam und des Lebens des Propheten (s) auf. Und Menschen ohne Kenntnis des Islam gerieten durch die Lektüre ihrer Schriften in derart viele Zweifel und erhoben aus eigener Kraft derartige Einwände gegen ihre eigene Religion, dass sich jedem Wahrheitsliebenden dadurch die Gelegenheit bot, erstaunt zu sein und daraus zu lernen.]
Bei der umfassenden Neuordnung des islamischen Wissens, die der angesehene Autor dieses Werkes in seiner Eigenschaft als Ausleger des Islam in den darin behandelten Themen vorgenommen hat, blieb ihm an manchen Stellen nichts anderes übrig, als Einwände gegen die Schriften der Orientalisten zu erheben. Ohne das Netz der Irrtümer dieser Forscher, die die Wahrheit entstellen, zu zerreißen, ist es der modernen gebildeten Gesellschaft der muslimischen Nation nicht möglich, zu den richtigen Quellen des Islam vorzudringen.
Daher wurden in diesem Kapitel die notwendigen Auszüge aus den Stellen aufgenommen, an denen der gelehrte Autor in seiner Darstellung des Lebens des Propheten (s) auf die Fehler und Mängel der Orientalisten hingewiesen hat, soweit sie uns bekannt geworden sind.
Vor der Lektüre der in diesem Kapitel enthaltenen Themen sollten die Leser beachten, dass der Autor nicht alle Fehler, die die Orientalisten in Bezug auf den Islam und den Propheten (s) begangen und durch die sie vielfältige Irrtümer hervorgerufen haben, bis ins kleinste Detail analysiert hat. Denn es wurde kein vollständiges Werk und kein Aufsatz verfasst, dessen Gegenstand ausschließlich sämtliche Schriften der Orientalisten gewesen wären. Vielmehr wurde nur dort, wo es notwendig und angebracht war, darüber diskutiert. Antworten auf zahlreiche weitere Einwände der Orientalisten gegen die Biografie des Gesandten (s) sind in verschiedene Kapitel aufgenommen worden, auch wenn die Ausführungen der Einwender nicht wiedergegeben wurden.
Hier muss deutlich gemacht werden, dass sich hinsichtlich des Themas dieses Kapitels für uns das äußerst bedrückende Problem stellte, an welcher Stelle des Werkes es aufgenommen werden sollte. Nach reiflicher Überlegung haben wir es ebenfalls den grundlegenden Themen zugeordnet. Denn die übrigen Abhandlungen dieses Bandes besitzen insofern eine solche Bedeutung, als ihre Lektüre für das Verständnis des Lebens und Charakters des Propheten unerlässlich ist; in diesem Fall wird die Lektüre dieses Beitrags über die Schriften der Orientalisten jene Hindernisse beseitigen, die dem Verständnis der Sira im Wege stehen.
Der erste Abschnitt dieses Kapitels ist sehr kurz, besitzt jedoch eine umfassende Bedeutung. Dieser aus nur wenigen Sätzen bestehende Abschnitt wurde deshalb gesondert herausgestellt, damit die Sichtweise des gelehrten Autors klar in den Blick tritt. – (Die Herausgeber)]
Die unvernünftige Vorgehensweise der Orientalisten
Diese Menschen von unehrlichem Charakter fassen bereits vor jeder Forschung und Untersuchung den Entschluss, den Koran nicht als ein von Allah herabgesandtes Buch anzuerkennen. Daher suchen sie irgendwo nach Belegen und Beweisen und behaupten, die Worte, die der Prophet Muhammad (s.a.s.) im Namen des Korans verkündet habe, seien nichts anderes als aus irgendeiner Quelle gestohlene Abhandlungen und Informationen. Bei dieser Art der Untersuchung lassen sie sich in solch schamloser Weise auf Betrug ein und machen die ganze Welt verrückt, dass beim Anblick dessen spontan Abscheu entsteht und man gezwungen ist zu sagen: Wenn dies der Name von Wissen und Forschung ist, dann sei dieses Wissen verflucht und diese Forschung verflucht.
Die Geschichte des Mönchs Bahira
(Arabisch***************************************auf PDF-Seite 456)
„Diejenigen, die sich weigerten, auf die Worte des Propheten (s.a.s.) zu hören, sagen: Dieser Furqan ist eine Erfindung – dieser Mann hat ihn selbst verfasst, und andere Leute haben ihm dabei geholfen. Was sie sagen, ist gewaltiges Unrecht und eine Lüge. Sie sagen: Es sind die Schriften der Alten, die dieser Mann abschreiben lässt und die ihm morgens und abends vorgelesen werden. O Muhammad, sage ihnen: Herabgesandt hat ihn Einer, der die Geheimnisse der Himmel und der Erde kennt. Wahrlich, Er ist überaus vergebend und barmherzig.“ – (Sure al-Furqan: 4–6)
Dies ist genau der Vorwurf, den die Orientalisten unserer Zeit gegen den Koran erheben.
Warum erhob das Volk des Propheten diesen Vorwurf nicht?
Das Erstaunliche ist, dass keiner der zeitgenössischen Feinde des Propheten (s.a.s.) sagte: „Als du in deiner Kindheit dem Mönch Bahira begegnet bist, hast du all dies von ihm gelernt.“ Sie sagten auch nicht: „Als du in deiner Jugend zu Handelszwecken ins Ausland gereist bist, hast du dir damals dieses Wissen bei christlichen Priestern und Mönchen sowie bei jüdischen Rabbinern angeeignet.“ Sie sagten dies nicht, weil ihnen der gesamte Verlauf dieser Reisen bekannt war. Er hatte diese Reisen nicht allein unternommen, sondern war mit seiner eigenen Karawane unterwegs gewesen. Ihnen war klar, dass Hunderte von Menschen aus ihrer eigenen Stadt sie als Lügner bezeichnet hätten, wenn sie behauptet hätten, er habe bei jemandem etwas gelernt und es mitgebracht. Außerdem hätte jeder gewöhnliche Einwohner Mekkas zu ihnen gesagt: „Wenn dieser Mann bereits im Alter von zwölf oder dreizehn Jahren all dieses Wissen von Bahira erworben hätte, dann hätte er doch nicht irgendwo außerhalb gelebt, sondern unter uns. Welchen Grund könnte es dann geben, dass dieses Wissen bis zu seinem vierzigsten Lebensjahr verborgen blieb und in dieser ganzen Zeit kein einziges Wort aus seinem Mund kam, das erkennen ließ, dass er über ein solches Wissen verfügte?“
Das war der Hauptgrund, weshalb die Ungläubigen von Mekka es nicht wagten, eine derart ungeheuerliche Lüge zu verbreiten. Vielleicht hatten sie diese Aufgabe den noch schamloseren Menschen späterer Zeiten überlassen.
Worin bestand die Anschuldigung der Ungläubigen von Mekka?
Was sie sagten, bezog sich nicht auf die Zeit vor seiner Berufung zum Propheten, sondern auf die Zeit, in der er zum Glauben anrief. Sie sagten: „Dieser Mann ist Analphabet. Es ist ihm unmöglich, durch eigenes Lesen und Lernen Wissen zu erlangen, denn zuvor hat er überhaupt nichts gelernt. Nichts von dem, was heute aus seinem Mund kommt, war ihm bis zu seinem vierzigsten Lebensjahr bekannt. Woher kommt ihm also jetzt dieses ganze Wissen? Die Quelle seines Wissens sind gewiss die Bücher der früheren Völker. Nachts lässt er heimlich Auszüge aus diesen Büchern übersetzen und abschreiben. Er lässt sie sich von jemandem vorlesen, merkt sie sich und trägt sie uns dann am Tag vor.“
Aus einigen Überlieferungen lässt sich entnehmen, dass sie in diesem Zusammenhang auch die Namen bestimmter Menschen nannten, die dem Volk der Schrift angehörten, lesen und schreiben konnten und in Mekka lebten. Ihre Namen waren Addas (ein freigelassener Sklave von Huwaitib ibn Abd al-Uzza), Yasar (ein freigelassener Sklave von Ala ibn al-Hadrami) und Jabr (ein freigelassener Sklave von Amir ibn Rabi’a).
Oberflächlich betrachtet scheint dies eine äußerst wichtige Anschuldigung zu sein. Welche Anschuldigung könnte wichtiger sein, als die Quelle des Wissens zu benennen, um den Anspruch auf Offenbarung zurückzuweisen? Doch man ist auf den ersten Blick erstaunt, dass als Antwort auf diese Anschuldigung keinerlei Beweise vorgebracht wurden. Vielmehr wurde die Angelegenheit mit der Erklärung beendet, dass der Wahrheit offenkundig Unrecht getan werde. Ein Sturm von Lügen werde entfacht. Dies sei doch das Wort jenes Gottes, der die Geheimnisse von Himmel und Erde kennt.
Ist es nicht erstaunlich, dass in einer Atmosphäre äußerster Feindschaft eine derart wichtige Anschuldigung erhoben und dann geringschätzig zurückgewiesen wird? War ihre Anschuldigung wirklich so belanglos, dass es genügte, sie einfach als Lüge und Ungerechtigkeit zu bezeichnen? Warum also verlangte die Öffentlichkeit nach dieser kurzen Antwort keine ausführliche und eindeutige Erwiderung, warum kamen in den Herzen der Neubekehrten keine Zweifel auf, und warum wagte keiner der Gegner zu sagen: „Seht ihr? Weil sie nicht in der Lage waren, unsere gewaltige Anschuldigung zu beantworten, haben sie sie einfach mit den Worten ‚Lüge und Ungerechtigkeit‘ abgetan.“?
Die Lösung dafür ergibt sich bereits aus dem Umfeld, in dem die Gegner des Islam diese Anschuldigung erhoben hatten.
[Zur Lösung dieses Problems hat der Verfasser die folgende Untersuchung niedergeschrieben. – (Die Herausgeber)]
Erste Überprüfung
Für jene Tyrannen, die die Muslime einen nach dem anderen misshandelten und ihnen das Leben unerträglich machten und von denen sie behaupteten, sie würden dem Propheten Muhammad (s.a.w.) durch die Übersetzung alter Bücher deren Inhalt einprägen, wäre es keineswegs schwierig gewesen, ihre Häuser und das Haus des Propheten überraschend zu überfallen, all diese Materialien herauszuholen und sie der Öffentlichkeit zu zeigen. Während dieses geheimen Vorgangs hätten sie sie überfallen, die Leute herbeigerufen und sagen können: „Seht, seht, hier werden die Vorbereitungen für das Prophetentum getroffen.“ Diejenigen, die dazu fähig waren, Hadhrat Bilal (r.a.) auf glühend heißem Sand liegen zu lassen, wären durch kein Gesetz und keine Ordnung an ihrem Vorhaben gehindert worden; auf diese Weise hätten sie die ‚Gefahr‘ des Muhammadschen Prophetentums für immer beseitigen können. Doch sie beschränkten sich lediglich auf mündliche Anschuldigungen und Proteste und ergriffen nicht einen einzigen Tag lang die oben erwähnte entscheidende Maßnahme.
Zweite Überprüfung
Die Personen, deren Namen sie im Zusammenhang mit dem Übersetzen und Vorsagen nannten, waren keine Außenstehenden, sondern Einwohner der Stadt Mekka. Auch ihre Fähigkeiten waren niemandem verborgen. Jeder Mensch mit auch nur ein wenig Verstand und Urteilsvermögen konnte erkennen, welch hohes Niveau das hatte, was der Prophet Muhammad (s.a.w.) vortrug, wie erhaben seine Sprache, wie würdevoll seine Literatur, wie kraftvoll seine Botschaft und wie hochstehend seine Gedanken und Darlegungen waren. Und welchem Rang gehörten jene Personen an, von denen behauptet wurde, Muhammad (s.a.w.) habe all dies von ihnen gelernt? Deshalb schenkte niemand ihren Anschuldigungen irgendeine Bedeutung. Jeder hielt sie für einen Versuch, durch solche Anschuldigungen ihrem Ärger Luft zu machen. Und diejenigen, die über diese Personen nichts wussten, hätten zumindest Folgendes bedenken können: Wenn diese Leute tatsächlich über solche Fähigkeiten verfügten, warum entzündeten sie dann nicht ihre eigene Lampe? Warum hätten sie nötig gehabt, einer fremden Lampe Öl zu liefern? Und dies noch so heimlich, dass ihnen kein Anteil am Ruhm dieser Arbeit zuteilgeworden wäre?
Dritte Überprüfung
Die in diesem Zusammenhang genannten freigelassenen Sklaven waren ja keine Außenstehenden. Im Stammesleben Arabiens konnte kein Mensch ohne die Unterstützung eines mächtigen Stammes überleben. Auch nach seiner Freilassung blieb ein solcher Sklave unter der Obhut seines früheren Herrn. Die Unterstützung seines Herrn war seine Lebensgrundlage für den Verbleib in der Gesellschaft. Nun ist die Frage: Wenn der Prophet Muhammad (s.a.w.) mithilfe dieser freigelassenen Sklaven – Gott bewahre – ein falsches Prophetentumsgeschäft betrieben hätte, dann hätten diese Leute sich dieser Verschwörung nicht aufrichtig und in guter Absicht anschließen können. Wie hätten sie letztlich zu aufrichtigen Mitarbeitern und ergebenen Anhängern dieses Mannes werden können, der nachts bei ihnen etwas lernte und tagsüber vor aller Welt verkündete, dass ihm von Gott Offenbarung zuteilgeworden sei? Aus irgendeiner Verlockung oder aus persönlichem Interesse hätten sie ihn bei dieser Sache unterstützen können. Doch welcher vernünftige Mensch kann sich vorstellen, dass diese Leute ihre Vormünder verärgerten und sich an der Verschwörung des Propheten Muhammad (s.a.w.) beteiligten? Dieser Mann war in den Augen der gesamten Nation verflucht und verachtet und dem Hass der gesamten Nation ausgesetzt. Durch welche Verlockung hätten sich diese Leute ihm angeschlossen? In der Hoffnung auf welchen persönlichen Vorteil von diesem bedrängten Mann hätten sie den Schaden auf sich genommen, der ihnen durch die Trennung von ihren Vormündern entstand? Außerdem ist zu bedenken, dass diese Vormünder durchaus die Möglichkeit hatten, die Sklaven durch Schläge zu einem Geständnis über die Verschwörung zu zwingen. Warum machten sie von dieser Möglichkeit keinen Gebrauch, und warum ließ die gesamte Nation jene Sklaven nicht bekennen, dass dieser Mann erst durch das, was er von ihnen gelernt hatte, sein Prophetentumsgeschäft in Gang gebracht hatte?
Vierte Überprüfung
Das Allermerkwürdigste ist, dass sie alle an den Propheten Muhammad (s.a.w.) glaubten und ihm eine beispiellose Hingabe und Verehrung entgegenbrachten, wie sie auch die geehrten Gefährten (r.a.) empfanden. Ist es möglich, dass jene Leute, die an seiner Verschwörung beteiligt gewesen sein sollen, nicht nur an einem falschen und verschwörerischen Prophetentum – Gott bewahre – glaubten, sondern dies auch mit tiefer Hingabe und Verehrung taten? Und nehmen wir an, dies wäre möglich gewesen: Dann hätten sie unter den Gläubigen gewiss eine besondere Stellung eingenommen. Wie hätte es möglich sein sollen, dass das Geschäft des Prophetentums dank Addas, Yasar und Jabr florierte, während Abu Bakr (r.a.), Umar (r.a.) und Abu Ubaida (r.a.) die rechte Hand des Propheten (s.a.w.) waren?
Noch erstaunlicher ist, dass, wenn diese Materialien für das angebliche Geschäft nachts mit der Hilfe einiger weniger Leute hergestellt worden wären, wie hätte dies dann Zaid ibn Haritha (ra), Ali ibn Abi Talib (ra), Abu Bakr as-Siddiq (ra) und den anderen Gefährten, die Tag und Nacht wie ein Schatten bei dem Propheten Muhammad (sas) waren, verborgen bleiben können?
Wer auch immer von dieser Anschuldigung hörte, maß ihr keinerlei Bedeutung bei. Deshalb wurde sie im Koran nicht erwähnt, um sie als eine wichtige Anschuldigung zu beantworten. Vielmehr wurde sie erwähnt, um zu zeigen, wie blind diese Menschen die Wahrheit bekämpften und wie entschlossen sie zu Lüge und Ungerechtigkeit waren.
Erörterung von drei Geschichten aus dem Koran
Die Orientalisten haben nach einer Untersuchung dreier Geschichten aus dem Koran behauptet, der Prophet Muhammad (sas) habe diese Informationen anderswo gesammelt und sie dann als seine eigenen vorgetragen.
Bevor die Einwände und Anschuldigungen dieser Orientalisten dargelegt werden, muss man diese Geschichten kennen. Andernfalls wird es schwer sein, die folgende Erörterung zu verstehen. – (Die beiden Herausgeber)
Erstens: Die Reise von Hazrat Musa (as) zum Zusammenfluss der beiden Flüsse
(Arabisch***************************************auf Seite 460 der PDF)
„(Trage ihnen diese Geschichte vor,) als Musa (as) zu seinem Diener sagte: Ich werde meine Reise nicht beenden, bis ich den Zusammenfluss der beiden Flüsse erreiche; andernfalls werde ich lange Zeit weiterwandern.“ – (Sure al-Kahf: 60)
Der Zweck der Erzählung dieser Geschichte an dieser Stelle besteht darin, sowohl die Ungläubigen als auch die Muslime über eine tiefgründige Wahrheit aufzuklären. Diese Wahrheit lautet: Aus dem, was man äußerlich in der Welt geschehen sieht, wird völlig zu Unrecht ein falscher Schluss gezogen. Denn das verborgene Geheimnis, auf dessen Grundlage Allah der Erhabene handelt, bleibt dem Auge des Betrachters verborgen. Dass die Unterdrücker ständig aufsteigen, während Unschuldige Leid und Not erfahren, dass über sündige Menschen der Regen des Reichtums niedergeht, während Rechtschaffene Prüfungen ausgesetzt sind, dass Frevler Bequemlichkeit und Wohlleben genießen, während Gottesfürchtige in Bedrängnis geraten – all dies ist ein Anblick, der sich den Menschen jeden Tag vor Augen zeigt. Weil die Menschen das Geheimnis hinter diesen Dingen nicht kennen, entstehen in ihren Herzen gewöhnlich Zweifel und sogar Irrvorstellungen. Der ungerechte Ungläubige gelangt daraus zu dem Schluss, dass die Welt ein Schauplatz der Anarchie sei. Sie habe keinen Eigentümer und keinen Herrscher. Und wenn es einen gebe, sei er unfähig. Hier tue jeder, was er wolle. Niemand sei da, der Rechenschaft fordere. Dadurch wird auch der Gläubige erschüttert. Unter diesen Umständen ließ Allah der Erhabene Moses (a.s.) einige Lichtblicke zuteilwerden, indem Er den Schleier über das Geheimnis Seines Wirkens ein wenig lüftete, damit er verstehen konnte, wie und zu welchem Zweck all das geschieht, was sich Tag und Nacht in der Welt ereignet, und wie sich die äußerliche Seite der Ereignisse von ihrer inneren Seite unterscheidet.
Ausführliche Darstellung der Geschichte
Im Koran findet sich keine Erklärung darüber, wann und wo sich dieses Ereignis aus dem Leben Moses’ (a.s.) zugetragen hat. Allerdings gibt es eine Überlieferung in al-Awfis Hadithwerk. Er führt eine Aussage von Ibn Abbas an und sagt, dass sich dieses Ereignis zu jener Zeit zugetragen habe, als Moses (a.s.) nach dem Untergang des Pharao sein Volk in Ägypten wieder angesiedelt hatte; doch die nachdrückliche Überlieferung von Ibn Abbas, die in al-Buchari und anderen Werken angeführt wird, die obige Darstellung
(Auf PDF-Seite 401 befindet sich eine Karte**********************************************************)
Karte zur Geschichte von Moses und al-Chidr (a.s.)
nicht stützt. Auch in keiner anderen Quelle findet sich ein Beleg dafür, wie lange Moses (a.s.) nach dem Untergang des Pharao in Ägypten geblieben war. Vielmehr sagt der Koran eindeutig, dass er sein gesamtes Leben nach dem Auszug aus Ägypten in den Tälern von Sinai und Tayma verbrachte. Daher ist diese Überlieferung nicht annehmbar. Wenn wir jedoch die ausführliche Darstellung dieser Geschichte betrachten, werden zwei Dinge deutlich. Das eine ist, dass Moses (a.s.) diese Beobachtungen in der frühen Phase seines Prophetentums vermittelt wurden. Denn bereits zu Beginn des Prophetentums benötigen die Propheten eine solche Unterweisung und Schulung.
Das zweite ist, dass Moses (a.s.) solche Beobachtungen zu jener Zeit benötigte, als die Kinder Israels in Ägypten genau mit der Lage konfrontiert waren, der die Muslime in Mekka ausgesetzt waren. Unserer Auffassung nach – Allah weiß den wahren Sachverhalt am besten – ereignete sich diese Geschichte aus diesen beiden Gründen zu jener Zeit, als in Ägypten die Unterdrückung und grausame Bedrängnis der Kinder Israels durch den Pharao anhielt und der Pharao und seine Höflinge, wie die Anführer der Quraisch, aufgrund dessen, dass keine Strafe über sie kam, meinten, es gebe niemanden über ihnen, der sie zur Rechenschaft ziehen könnte. Ebenso wie die unterdrückten Muslime in Mekka fragten auch die unterdrückten Muslime in Ägypten verzweifelt: „O Gott! Wie lange noch sollen diese Unterdrücker Wohlstand und Glück genießen, während uns Unglück und Leiden widerfahren?“ Schließlich rief sogar Moses (a.s.) aus:
(Arabisch***************************************PDF-Seite 462)
„O Herr! Du hast den Pharao und seine Hofleute im irdischen Leben mit Macht und Ansehen sowie mit Reichtum und Besitz ausgestattet. O Gott! Hast du dies etwa deshalb getan, damit sie die Welt in die Irre führen?“
Wenn diese meine Vermutung zutrifft, kann man annehmen, dass die Reise des Propheten Moses (a.s.) wahrscheinlich in Richtung Sudan führte und dass mit dem Zusammenfluss der beiden Flüsse jener Ort gemeint ist, an dem die beiden Nilzweige in der Nähe der heutigen Stadt Khartum in das Mittelmeer münden.
Die Darstellung im Talmud
Die Bibel schweigt über dieses Ereignis vollständig. Im Talmud findet sich zwar eine Darstellung davon, doch wird dieses Ereignis nicht mit Moses (a.s.), sondern mit Rabbi Jochanan bin Labi in Verbindung gebracht. Die Darstellung lautet folgendermaßen: Als sich dieses Ereignis ereignete, befand sich der betreffende Rabbi bei Hadhrat Ilyam (a.s.), der, nachdem er lebendig von der Welt hinweggenommen worden war, den Engeln beigesellt wurde, der, nachdem er lebendig von der Welt hinweggenommen worden war, den Engeln beigesellt wurde, der, nachdem er lebendig von der Welt hinweggenommen worden war, den Engeln beigesellt wurde. Danach wurde er mit der Aufgabe betraut, die Angelegenheiten der Welt zu lenken.
(The Talmud Selections von H. Polano, S. 313–316).
Wahrscheinlich wurde auch dieses Ereignis, ebenso wie die Ereignisse vor dem Auszug aus Ägypten, in den Büchern der Kinder Israels nicht korrekt bewahrt, und einige Jahrhunderte später fügten sie Teile der Erzählung, die sie von irgendwoher genommen hatten, an einer anderen Stelle ein. Unter dem Einfluss dieser talmudischen Darstellung behaupteten einige Muslime, dass mit Moses hier nicht der Prophet Hadhrat Moses (a.s.), sondern irgendein anderer Moses gemeint sei. Doch kann man weder jede Darstellung des Talmud als korrekte Geschichte ansehen, noch gibt es irgendeinen vernünftigen Grund für die Annahme, dass im Koran auf diese Weise ein unbekannter Moses erwähnt worden sei. Wenn man ferner in den zuverlässigen Hadithen in der Überlieferung von Hadhrat Ubayy ibn Ka’b sieht, dass der ehrwürdige Prophet selbst bei der Erklärung dieser Geschichte mit „Moses“ den Propheten Hadhrat Moses (a.s.) von den Kindern Israels gemeint hat, dann ist die talmudische Darstellung für keinen Muslim annehmbar.
Die Orientalisten haben ihrer Gewohnheit entsprechend ebenfalls versucht, die Quelle dieser koranischen Geschichte zu ermitteln. Sie haben drei Erzählungen ausfindig gemacht und behauptet, dass der Prophet Muhammad (s.a.s.) diese Geschichte durch Abschreiben aus ihnen zusammengestellt und behauptet habe, sie sei ihm durch diese Offenbarung herabgesandt worden. Eine der drei ist die Gilgamesch-Erzählung, die zweite das syrische Alexanderbuch und die dritte die oben erwähnte jüdische Darstellung.
Vier Fragen zur Befragung der Orientalisten
Fordert man von ihnen nur die Antworten auf die folgenden vier Fragen, wird die Maske ihrer gehässigen Propaganda fallen:
Erstens: Haben Sie irgendeinen Beweis dafür, dass Sie, nur weil Sie in einigen alten Schriften ein paar Aussagen gefunden haben, die mit dem Koran übereinstimmen, behaupten dürfen, die Darstellung des Korans sei daraus übernommen worden?
Zweitens: Wenn man eine Liste all jener Bücher in verschiedenen Sprachen anfertigt, die Sie als Quellen für die Geschichten und Darstellungen des Korans bestimmt haben, würde daraus das Verzeichnis einer ganzen Bibliothek werden. Gab es damals in Mekka eine solche Bibliothek? Wenn Sie ferner, gestützt lediglich darauf, dass der Prophet Muhammad (s.a.w.) zwei oder drei Reisen außerhalb Arabiens unternommen hat, als Übersetzer verschiedener Sprachen solche Behauptungen aufstellen, stellt sich die Frage: Wie viele Bibliotheken hat er auf diesen Geschäftsreisen abgeschrieben oder auswendig gelernt? Und warum fand sich bis zum Tag vor seiner Verkündung des Prophetentums in seinen Worten keinerlei Hinweis darauf, dass er sich solches Wissen angeeignet hatte?
Drittens: Die Ungläubigen von Mekka, die Juden und die Christen forschten ebenso wie Sie danach, woher der Prophet Muhammad (s.a.w.) diese Aussagen bezog. Wenn er, wie behauptet wurde, gestohlene Aussagen vortrug, warum waren seine Zeitgenossen dann nicht in der Lage, dies aufzudecken? Ihnen wurde doch wiederholt die Herausforderung ausgesprochen, dass dieser Koran von Gott herabgesandt worden sei. Außer der Offenbarung gebe es keine andere Quelle dafür. Es wurde gesagt: „Wenn ihr behauptet, es seien die Worte eines Menschen, dann beweist, dass ein Mensch solche Worte hervorbringen kann.“ Diese Herausforderung brach den zeitgenössischen Feinden des Propheten (s.a.w.) das Rückgrat. Doch sie konnten nicht einmal eine Quelle ausfindig machen, aus der der Koran hervorgegangen sein sollte und die ein vernünftiger Mensch auch nur hätte anzweifeln können, geschweige denn glauben.
Nun stellt sich die Frage: Warum scheiterten die Zeitgenossen daran, diese Theorie aufzudecken, und wie gelangten diejenigen, die heute, dreizehn oder vierzehn Jahrhunderte später, dem Islam feindselig gegenüberstehen, in dieser Hinsicht zu diesem Erfolg?
Viertens: Die letzte und wichtigste Frage lautet: Es besteht doch auch die Möglichkeit, dass der Koran ein von Allah herabgesandtes Buch ist und zuverlässige Kunde von jenen Ereignissen vergangener Zeiten gibt, die über mehrere Jahrhunderte in mündlicher Überlieferung entstellt zu den Menschen gelangten und zu Märchen wurden. Aufgrund welcher vernünftigen Belege wurde diese Möglichkeit ausgeschlossen? Warum wurde gerade diese eine Möglichkeit zur Grundlage der Erörterung und der Untersuchung gemacht, nämlich dass die Geschichten des Korans aus jenen Ereignissen verfasst worden seien, die in Form mündlicher Überlieferungen als Märchen unter den Menschen verbreitet waren? Kann es dafür außer religiöser Voreingenommenheit und Feindschaft irgendeinen anderen Grund geben?
Wenn man sich eingehend mit diesen Fragen befasst, muss man zu dem Schluss gelangen, dass das, was die Orientalisten unter dem Namen „Erwerb von Wissen“ vorgelegt haben, in Wirklichkeit keineswegs von einem erkennbaren Streben nach Erkenntnis zeugt.
Zweitens: Der Entschluss des Pharao, Moses (a.s.) zu töten
(Arabisch****************************************(auf Seite 464 der PDF)
„Eines Tages sagte der Pharao zu seinen Höflingen: »Lasst mich, ich will Moses töten; er soll doch seinen Herrn anrufen und sehen.«“ – (Sure al-Mu’min: 26).
Das Ereignis, das von diesem Vers bis zum Vers 45 geschildert wird, ist ein äußerst wichtiges Ereignis in der Geschichte der Kinder Israels. Sie haben es völlig vergessen. In der Bibel und im Talmud findet sich keinerlei Erwähnung dieses Ereignisses. Auch in ihren anderen Überlieferungen findet sich keine Spur davon. Erst durch den Koran erfuhr die gesamte Welt, dass sich dieses Ereignis während des Konflikts zwischen dem Pharao und Moses (a.s.) zugetragen hatte.
Die Bedeutung dieser Geschichte im Hinblick auf den Aufruf zur Wahrheit
Jeder Mensch, der keinen blinden Hass gegen den Islam und den Koran hegt, wird beim Lesen dieser Geschichte unweigerlich erkennen, dass sie im Hinblick auf den islamischen Aufruf von außerordentlicher Bedeutung ist. Es ist nicht unvernünftig anzunehmen, dass jemand aus den Reihen des Hofes des Pharaos durch die Persönlichkeit Hadhrat Moses’ (a.s.), seine Verkündigung und die durch ihn geschehenen Wunder innerlich den Glauben angenommen hatte und angesichts der Entschlossenheit des Pharaos, Moses (a.s.) zu töten, nicht schweigen konnte. Doch obwohl die westlichen Orientalisten vollmundig behaupten, Wissen zu besitzen und nach der Wahrheit zu forschen, fällt es nicht schwer zu erkennen, dass sie unter dem Einfluss blinden Hasses versuchen, die offenkundige Wahrhaftigkeit des Korans zu verschleiern. Im Artikel „Moses“ der Encyclopaedia of Islam sagt der Verfasser über diese Geschichte: „Ein Muslim aus dem Hof des Pharaos versuchte, Moses (a.s.) zu retten.“ – Diese Geschichte des Korans ist nicht eindeutig (Sure 40: Vers 28). Sollen wir sie etwa mit der in der Haggada überlieferten Geschichte vergleichen, in der gesagt wird, dass Hithro dem Pharao geraten habe, Vergebung und Großzügigkeit zu zeigen?
Die Verwirrung derer, die den Anspruch auf Wahrheitsforschung erheben
Diejenigen, die den Anspruch auf Wahrheitsforschung erheben, scheinen den festen Entschluss gefasst zu haben, in jeder Aussage des Korans unbedingt einen Fehler zu finden. Wenn sich keinerlei Grundlage dafür finden lässt, eine Aussage des Korans als fehlerhaft darzustellen, muss zumindest so viel Verwirrung gestiftet werden, dass die Aussage unklar erscheint. Danach muss im Laufe der Zeit im Bewusstsein der Leser der Verdacht geweckt werden, der in der Haggada geschilderte Bericht über Hithro, der sich vor der Geburt Moses’ (a.s.) ereignet haben soll, sei von irgendwoher von dem Propheten Muhammad (s.a.w.) gehört und dann in dieser Form wiedergegeben worden. Das ist die Art der Wahrheitsforschung, die diese Leute gegenüber dem Islam, dem Koran und dem Propheten Muhammad (s.a.w.) an den Tag gelegt haben.
Drittens: Der Einwand gegen die Geschichte der Gefährten der Höhle hinsichtlich der Dauer ihres Aufenthalts in der Höhle
Manche Orientalisten weigern sich, dieses Ereignis als der Geschichte der Leute der Höhle ähnlich anzuerkennen, weil im Koran die Dauer ihres Aufenthalts in der Höhle mit dreihundertneun Jahren angegeben wird. In der Anmerkung 25 zu dieser Sure haben wir jedoch dargelegt, dass die Angabe in Vers 25, die Dauer des Aufenthalts der Leute der Höhle habe dreihundert beziehungsweise dreihundertneun Jahre betragen, unserer Auffassung nach die Aussage von Menschen ist – nicht die Aussage Allahs, des Erhabenen. Der Beweis dafür ist, dass Allah, der Erhabene, im folgenden Vers selbst sagt: „Sprich: Allah weiß am besten, wie lange sie in der Höhle verweilten.“ Wenn Allah selbst dreihundertneun Jahre erwähnt hätte, wäre diese Aussage sinnlos. Aus diesem Grund vertrat Hadhrat Abdullah ibn Abbas (Allahs Wohlgefallen auf ihm) die Auffassung, dass dies nicht Allahs Aussage, sondern die Aussage von Menschen sei.
Gibbons Kühnheit
Zwischen der syrischen Überlieferung und der koranischen Darstellung bestehen einige geringfügige Abweichungen, auf deren Grundlage Gibbon dem Propheten Muhammad (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) den Vorwurf der „Unwissenheit“ gemacht hat. Dabei weiß er selbst über die Überlieferung, der er Glauben schenkte und aufgrund deren er eine solche Kühnheit an den Tag legte, dass ein Syrer diese Begebenheit erst dreißig oder vierzig Jahre nach ihrem Geschehen schriftlich festhielt. Innerhalb eines so langen Zeitraums kommt es zwangsläufig zu gewissen Abweichungen, wenn eine mündliche Überlieferung von einem Land in ein anderes gelangt. Zu behaupten, eine solche Überlieferung sei buchstäblich in jeder Hinsicht wahr und jede Abweichung in einem Teil davon sei ein Fehler des Korans, ist nur solchen voreiligen Menschen angemessen, die, von religiöser Feindschaft verblendet, die gewöhnlichen Forderungen von Wissen und Vernunft missachten.
Das Zeugnis christlicher Schriftsteller
Das älteste Zeugnis dieser Geschichte findet sich in der auf Syrisch verfassten Predigt eines christlichen Priesters namens Jakobus von Sarug in Syrien. Dieser Mann wurde im Jahr 452 n. Chr., einige Jahre nach dem Tod der Höhlenbewohner, geboren und verfasste seine Predigt um das Jahr 474. In dieser Predigt gab er eine ausführliche Darstellung dieses Ereignisses. Diese syrische Überlieferung gelangte einerseits in die Hände der frühen Korankommentatoren; Ibn Dsch Jarir at-Tabari zitierte sie in seinem Tafsir aus verschiedenen Quellen. Andererseits gelangte diese Überlieferung auch nach Europa, wurde ins Griechische und Lateinische übersetzt und kommentiert veröffentlicht. Die Darstellung dieser Geschichte, die Gibbon in seinem Werk „Geschichte des Niedergangs und Falls des Römischen Reiches“ im dreiundzwanzigsten Kapitel in dem Aufsatz „Die sieben Schläfer“ aus der genannten Quelle gegeben hat, stimmt so weitgehend mit der Überlieferung unserer Korankommentatoren überein, dass man meinen könnte, beide Geschichten seien aus derselben Quelle überliefert worden. Beispielsweise nennen unsere Korankommentatoren den Herrscher, vor dessen Tyrannei und Verfolgung sich die Leute der Höhle in eine Berggrotte geflüchtet hatten, Dakjanus oder Damjus. Gibbon hingegen sagt, er habe Kaiser Decius geheißen, der von 249 bis 251 n. Chr. das Römische Reich regierte und dessen Herrschaft durch die Verfolgung der Anhänger Jesu (Friede sei auf ihm) entehrt war. Die Stadt, in der sich dieses Ereignis zutrug, nennen unsere Korankommentatoren Ephesus; Gibbon nennt sie Ephesus (Ephesus). Sie war eine große römische Stadt und ein Hafen an der Westküste Kleinasiens. Ihre Ruinen sind noch heute dreißig bis vierzig Meilen südlich der türkischen Stadt Smyrna zu sehen. Der Herrscher, während dessen Regierungszeit die Leute der Höhle aus ihrem Schlaf erwachten, hieß nach unseren Korankommentatoren Tinzusis, nach Gibbon jedoch Kaiser Theodosius II. Nachdem er das Christentum angenommen hatte, war er von 408 bis 450 n. Chr. Kaiser von Rom. Die Übereinstimmung der beiden Darstellungen war so groß, dass derjenige, den die Höhlenbewohner nach ihrem Erwachen zum Markt schickten, um Lebensmittel zu kaufen, bei den Korankommentatoren Yamlika und bei Gibbon Jamblichus heißt.
Zwei einander entgegengesetzten Darstellungen miteinander in Einklang bringen
Die ausführliche Darstellung der Geschichte ist in beiden Überlieferungen gleich; ihre Zusammenfassung lautet: Während der Herrschaft Kaiser Decius’ eine schreckliche Verfolgung der Christen stattfand, suchten diese sieben jungen Männer Zuflucht in einer Berggrotte. Im achtunddreißigsten Jahr der Herrschaft Kaiser Theodosius’ (das heißt 445 oder 446 n. Chr.) erwachten sie anschließend aus ihrem Schlaf. Zu dieser Zeit war das gesamte Römische Reich zu Anhängern Jesu (Friede sei auf ihm) geworden. Demnach betrug die Dauer ihres Aufenthalts in der Höhle ungefähr 196 Jahre.
Leitfaden
1. Indiens Unabhängigkeitsbewegung und die Muslime, Bd. 2, S. 177–178
2. Einleitung zu Tafhīm al-Qurʾān
3. Tafhīm al-Qurʾān, Sūrat al-Aʿrāf, Anmerkung 135
4. Tafhīmāt, Bd. 1, S. 9–17
5. Tafhīm al-Qurʾān, Sūrat an-Naḥl, Anmerkung 9
6. Tafhīm al-Qurʾān, Sūrat an-Naḥl, Anmerkung 10
7. Tafhīm al-Qurʾān, Sūrat an-Naḥl, Anmerkung 14
8. Tafhīm al-Qurʾān, Sūrat Ṭā-Hā, Anmerkung 23
9. Diniyat (Einführung in den Islam), S. 52–55
10. Tafhim al-Qur’an, Sure al-Baqara, Anmerkung 23
11. Diniyat (Einführung in den Islam), S. 52–55
12. Tafhim al-Qur’an, Sure Yunus, Anmerkung 74
13. Tahrik-e Azadi-e Hind aur Musalman, Band 2, S. 105–106 (Die Unabhängigkeitsbewegung des Subkontinents und die Muslime)
14. Tafhim al-Qur’an, Sure Al-i Imran, Anmerkung 48
15. Tafhim al-Qur’an, Sure an-Nisa, Anmerkung 208
16. Tafhim al-Qur’an, Sure an-Nisa, Anmerkung 94
17. Tafhim-ul-Qur’an, Sure At-Tauba, Anmerkung 32
18. Tafhim-ul-Qur’an, Sure Al-A’raf, Anmerkung 44
19. Tafhim-ul-Qur’an, Sure Al-A’raf, Anmerkung 44
20. Tafhim-ul-Qur’an, Sure Al-A’raf, Anmerkung 88
21. Tafhim-ul-Qur’an, Sure Al-Qasas, Anmerkung 66
22. Tafhim-ul-Qur’an, Sure An-Nisa, Anmerkung 94
23. Tafhim-ul-Qur’an, Sure Al-Kahf, Anmerkung 94
24. Tafhim-ul-Qur’an, Sure Al-i-Imran, Anmerkung 17
25. Tafhim-ul-Qur’an, Sure al-Anbiya, Anmerkung 91
26. Rasail o Masail, Band 1, S. 25–27
27. Rasail o Masail, Band 1, S. 34–36
28. Tafhim-ul-Qur’an, Sure at-Tahrim, Einleitung
29. Tafhim-ul-Qur’an, Sure Bani Isra’il, Anmerkung 1
30. Tafhim-ul-Qur’an, Sure Yusuf, Anmerkung 66
31. Tafhim-ul-Qur’an, Sure al-Anbiya, Anmerkung 49
32. Tafhim-ul-Qur’an, Sure Hud, Anmerkung 50
33. Tafhim-ul-Qur’an, Sure Yusuf, Anmerkung 22
34. Tafhim-ul-Qur’an, Sure Al-Anbiya, Anmerkung 70
35. Tafhim-ul-Qur’an, Sure Al-Anbiya, Anmerkung 87
36. Tafhim-ul-Qur’an, Sure An-Nisa, Anmerkung 204
37. Tafhim-ul-Qur’an, Sure Asch-Schura, Anmerkung 1
38. Tafhim-ul-Qur’an, Sure An-Nahl, Anmerkung 56
39. Tafhim-ul-Qur’an, Sure Asch-Schura, Anmerkung 81
40. Rasa’il wa Masa’il, Band 2, S. 348–351
41. Tafhim-ul-Quran, Sure as-Saffat, Anmerkung 60
42. Tafhim-ul-Quran, Sure an-Nahl, Anmerkung 56
43. Tafhim-ul-Quran, Sure al-Qasas, Anmerkung 10
44. Tafhim-ul-Quran, Sure an-Nisa, Anmerkung 204
45. Tafhim-ul-Quran, Sure Yunus, Anmerkung 20
46. Tafhim-ul-Quran, Sure Hud, Anmerkung 13
47. Tafhim-ul-Quran, Sure asch-Schura, Anmerkung 83
48. Die politische Frage und ihre politischen, religiösen und kulturellen Aspekte, S. 247–250
49. Tafhim-ul-Qur’an, Sure Yunus, Anmerkung 21
50. Tafhim-ul-Qur’an, Sure Al-Qasas, Anmerkung 64
51. Tafhim-ul-Qur’an, Sure Ar-Ra’d, Anmerkung 31
52. Tafhim-ul-Qur’an, Sure Al-Haddsch, Anmerkung 110
53. Tafhim-ul-Qur’an, Sure Hud, Anmerkung 34
54. Tafhim-ul-Qur’an, Sure An-Nahl, Anmerkung 3
55. Tafhim-ul-Qur’an, Sure Bani Isra’il, Anmerkung 103
56. Tafhim-ul-Qur’an, Sure Asch-Schura, Anmerkung 83
57. Tafhim-ul-Qur’an, Sure al-Anʿām, Anmerkung 61
58. Tafhim-ul-Qur’an, Sure asch-Schūrā, Anmerkung 25
59. Tafhim-ul-Qur’an, Sure as-Sadschda, Anmerkung 5
60. Tafhim-ul-Qur’an, Sure Fāṭir, Anmerkung 71
61. Tafhim-ul-Qur’an, Sure al-Bayyina, Anmerkung 3
62. Tafhim-ul-Qur’an, Sure al-Bayyina, Anmerkung 3
63. Tafhim-ul-Qur’an, Sure al-Bayyina, Einleitung
64. Diniyat (Einführung in den Islam), S. 57–60
65. Tafhim-ul-Qur’an, Sure az-Zuḫruf, Anmerkung 4
66. Tafhimat, Band 1, S. 238–255
67. Tafhim-ul-Qur’an, Sure al-Ankabut, Anmerkung 91
68. Tafhim-ul-Qur’an, Sure Yunus, Anmerkung 88
69. Tafhim-ul-Qur’an, Sure Yunus, Anmerkung 89
70. Tafhim-ul-Qur’an, Sure Yunus, Anmerkung 90
71. Tafhim-ul-Qur’an, Sure Yunus, Anmerkung 21
72. Tafhim-ul-Qur’an, Sure asch-Schura, Anmerkung 84
73. Tafhim-ul-Quran, Sure al-Qasas, Anmerkung 109
74. Tafhim-ul-Quran, Sure al-Bayyina, Anmerkung 4
75. Tafhim-ul-Quran, Sure as-Sadschda, Anmerkung 1
76. Tafhim-ul-Quran, Sure as-Saff, Anmerkung 7
77. Tafhim-ul-Quran, Sure al-A’raf, Anmerkung 113
78. Tafhim-ul-Quran, Sure as-Saff, Anmerkung 8
79. Radioansprachen, S. 13–19
80. Radioansprachen, S. 28–38
81. Rasā’il wa Masā’il, Band 3, S. 149
82. Dīniyāt (Einführung in den Islam), S. 55–57, 71–72
83. Dīniyāt (Einführung in den Islam), S. 71–75
84. Tafhīm-ul-Qur’an, Sure Saba, Anmerkung 47
85. Tafhīm-ul-Qur’an, Sure Fātir, Anmerkungen 44–45
86. Tafhīm-ul-Qur’an, Sure Al-Anbiyā, Anmerkung 100
87. Tafhīm-ul-Qur’an, Sure Yūnus, Anmerkung 55
88. Tafhīm-ul-Qur’an, Sure Al-Furqān, Anmerkung 66
89. Tafhīm-ul-Qur’ān, Sure al-Furqān, Anmerkung 4
90. Tafhīm-ul-Qur’ān, Sure al-Anbiyā’, Anmerkung 1
91. Tafhīm-ul-Qur’ān, Sure Āl ʿImrān, Anmerkung 69
92. Tafhīm-ul-Qur’ān, Sure al-Aʿrāf, Anmerkung 28
93. Tafhīm-ul-Qur’ān, Sure al-Ahzāb, Anmerkung 15
94. Tafhīm-ul-Qur’ān, Sure Yūnus, Anmerkung 23
95. Rasā’il wa Masā’il, 2. Band, S. 321–329
96. Rasā’il wa Masā’il, 2. Band, S. 329–335
97. Rasā’il und Masā’il, Bd. 1, S. 30–32
98. Rasā’il und Masā’il, Bd. 1, Anhang
99. Rasā’il und Masā’il, Bd. 3, S. 164–167
100. Rasā’il und Masā’il, Bd. 3, S. 151–154
101. Rasā’il und Masā’il, Bd. 3, S. 154–157
102. Rasā’il und Masā’il, Bd. 3, S. 157–162
103. Tafhimat (Zusammenfassung), Bd. 1, S. 158–162
104. Tafhimat (Zusammenfassung), Bd. 1, S. 98–113
105. Tafhimat, Band 1, S. 288–317
106. Tafhimat, Band 1, S. 273–281
107. Die Sunna in rechtlicher Hinsicht, S. 78–85, und Tafhim al-Qur’an, Sure an-Nahl, Anmerkung 40
108. Die Sunna in rechtlicher Hinsicht, S. 78–85
109. Die islamische Botschaft, S. 465–466
110. Tafhim al-Qur’an, Sure an-Nisa, Anmerkung 89
111. Tafhim al-Qur’an, Sure al-Qiyama, Anmerkung 13
112. Die Sunna in rechtlicher Hinsicht, S. 93–95
113. Die rechtliche Stellung der Sunna, S. 121
114. Die rechtliche Stellung der Sunna, S. 121–125
115. Tafhim al-Qur’an, Sure al-Dschumuʿa, Anmerkung 14
116. Tafhim al-Qur’an, Sure al-ʿAlaq, Anmerkung 10
117. Tafhim al-Qur’an, Sure Banī Isrāʾīl, Anmerkung 107
118. Tafhim al-Qur’an, Sure al-Furqān, Anmerkungen 14–16
119. Tafhim al-Qur’an, Sure al-Anʿām, Anmerkung 31
120. Tafhim al-Qur’an, Sure an-Naḥl, Anmerkung 40
121. Tafhim al-Qur’an, Sure Bani Isra’il, Anmerkung 108
122. Tafhim al-Qur’an, Sure al-A‘raf, Anmerkung 10
123. Tafhim al-Qur’an, Sure Hud, Anmerkung 37
124. Tafhim al-Qur’an, Sure al-Mu’minun, Anmerkung 26
125. Tafhim al-Qur’an, Sure Hud, Anmerkung 31
126. Tafhim al-Qur’an, Sure al-Mu’minun, Anmerkung 26
127. Tafhim al-Qur’an, Sure Ibrahim, Anmerkung 21
128. Tafhim al-Qur’an, Sure Ibrahim, Anmerkung 19
129. Tafhīm al-Qurʾān, Sure Yāsīn, Anmerkung 107; Banū Isrāʾīl, Anmerkung 95
130. Tafhīm al-Qurʾān, Sure Yāsīn, Anmerkung 95
131. Tafhīm al-Qurʾān, Sure Yūsuf, Anmerkung 79
132. Tafhīm al-Qurʾān, Sure al-Anʿām, Anmerkung 32
133. Tafhīm al-Qurʾān, Sure ar-Raʿd, Anmerkung 56
134. Tafhīm al-Qurʾān, Sure Hā-Mīm as-Sadschda, Anmerkung 19
135. Tafhīm al-Qurʾān, Sure az-Zuḫruf, Anmerkung 30
136. Tafhīm al-Qurʾān, Sure al-Furqān, Anmerkung 14
137. Tafhim-ul-Qur’an, Sure al-Furqan, Fußnote 29
138. Tafhim-ul-Qur’an, Sure al-Anbiya, Fußnote 9
139. Tahreek-e Azadi-e Hind aur Musalman, Band 1, S. 109–115 (die Unabhängigkeitsbewegung des Subkontinents und die Muslime)
140. Din-e Haq, S. 3–38
141. Tafhim-ul-Qur’an, Sure Hud, Fußnote 97
142. Tafhim-ul-Qur’an, Sure Hud, Fußnote 69
143. Tadschdid wa Ihya-e Din, S. 13–34
144. Tafhim-ul-Qur’an, Sure asch-Schura, Fußnote 20, Sure Yusuf, Fußnote 60, Sure az-Zumar, Fußnote 3; Die vier grundlegenden Begriffe des Qur’an, S. 129–143, 52–56 (die vier grundlegenden Begriffe des Qur’an)
145. Tafhim-ul-Qur’an, Sure al-A’raf, Anmerkung 87
146. Tafhim-ul-Qur’an, Sure al-Kahf, Anmerkung 23
147. Tafhim-ul-Qur’an, Sure al-Ankabut, Anmerkung 22
148. Tafhim-ul-Qur’an, Sure al-A’raf, Anmerkung 58
149. Tafhim-ul-Qur’an, Sure al-Baqara, Anmerkungen 293–295
150. Tafhim-ul-Qur’an, Sure Sad, Anmerkung 43
151. Tafhim-ul-Qur’an, Sure al-Mu’minun, Anmerkung 39
152. Tafhim-ul-Qur’an, Sure al-A’raf, Anmerkung 90
153. Tafhim al-Qur’an, Sure al-A‘raf, Anmerkung 94
154. Tafhim al-Qur’an, Sure al-A‘raf, Anmerkung 95
155. Tafhim al-Qur’an, Sure al-A‘raf, Anmerkung 96
156. Tafhim al-Qur’an, Sure Bani Isra’il, Anmerkung 113
157. Tafhim al-Qur’an, Sure Bani Isra’il, Anmerkung 115
158. Tafhim al-Qur’an, Sure Ta-Ha, Anmerkung 53
159. Tafhim al-Qur’an, Sure asch-Schu‘ara, Anmerkung 47
160. Tafhim al-Qur’an, Sure Ta-Ha, Anmerkung 59
161. Tafhim al-Qur’an, Sure an-Naml, Anmerkung 21
162. Tafhim al-Qur’an, Sure al-Mu’minun, Anmerkung 43
163. Tafhim al-Qur’an, Sure Maryam, Anmerkung 16
164. Tafhim al-Qur’an, Sure al-Mu’minun, Anmerkung 17
165. Tafhim al-Qur’an, Sure al-Mu’minun, Anmerkung 19 (a)
166. Tafhim al-Qur’an, Sure al-Mu’minun, Anmerkung 20
167. Tafhim al-Qur’an, Sure al-Mu’minun, Anmerkung 20 (a)
168. Tafhim al-Qur’an, Sure al-Mu’minun, Anmerkung 21
169. Tafhim al-Qur’an, Sure al-A’raf, Anmerkungen 151–152
170. Tafhim al-Qur’an, Sure al-An’am, Anmerkung 23
171. Tafhim al-Qur’an, Sure Ta-Ha, Anmerkung 116
172. Tafhim al-Qur’an, Sure al-Ankabut, Anmerkung 88
173. Tafhim al-Qur’an, Sure al-Ankabut, Anmerkung 91
174. Tafhim al-Qur’an, Sure ar-Ra’d, Anmerkung 47
175. Tafhim al-Qur’an, Sure asch-Schu’ara, Anmerkung 3
176. Tafhim al-Qur’an, Sure asch-Schu’ara, Anmerkung 5
177. Tafhim-ul-Qur’an, Sure al-Qamar, Anmerkung 1
178. Tafhim-ul-Qur’an, Sure al-Muddaththir, Anmerkung 36; Sure al-Baqara, Anmerkung 281
179. Tafhim-ul-Qur’an, Sure al-Baqara, Anmerkung 282
180. Tafhim-ul-Qur’an, Sure al-An‘am, Anmerkung 33
181. Tafhim-ul-Qur’an, Sure Yunus, Anmerkung 24
182. Tafhim-ul-Qur’an, Sure Yunus, Anmerkung 24
183. Tafhim-ul-Qur’an, Sure al-Mu’min, Anmerkung 32
184. Tafhim-ul-Qur’an, Sure Maryam, Anmerkung 52
185. Tafhim-ul-Qur’an, Sure Taha, Anmerkungen 85–86
186. Tafhim-ul-Qur’an, Sure Kawthar, Anmerkung 1
187. Tafhim-ul-Qur’an, Sure Naba, Anmerkung 25
188. Tafhim-ul-Qur’an, Sure Anbiya, Anmerkung 27
189. Tafhim-ul-Qur’an, Sure Saba, Anmerkung 40
190. Tafhim-ul-Qur’an, Sure Saba, Anmerkung 41
191. Tafhim-ul-Qur’an, Sure Dukhan, Anmerkung 37
192. Tafhim-ul-Qur’an, Sure Hud, Anmerkung 84
193. Tafhim-ul-Qur’an, Sure Hud, Anmerkung 106
194. Tafhim-ul-Qur’an, Sure Hud, Anmerkung 106
195. Tafhim-ul-Qur’an, Sure an-Nahl, Anmerkung 64
196. Tafhim-ul-Qur’an, Sure an-Nahl, Anmerkung 79
197. Tafhim-ul-Qur’an, Sure al-Haddsch, Anmerkungen 124–125
198. Tafhim-ul-Qur’an, Sure az-Zumar, Anmerkung 62
199. Tafhim-ul-Qur’an, Sure an-Nadschm, Anmerkung 21
200. Tafhim-ul-Qur’an, Sure ar-Ra’d, Anmerkung 19
201. Tafhim al-Qur’an, Sure al-Munāfiqūn, Anmerkungen 13 und 14
202. Rasā’il wa Masā’il, 2. Band, S. 329–50
203. Tafhim al-Qur’an, Sure ad-Duḥā, Anmerkung 4
204. Tafhim al-Qur’an, Sure ad-Duḥā, Anmerkung 5
205. Tafhim al-Qur’an, Sure al-Dschumuʿa, Anmerkung 6
206. Tafhim al-Qur’an, Sure ad-Duḥā, Einleitung
207. Tafhim al-Qur’an, Sure Alam Naschraḥ, Anmerkung 2
208. Tafhim al-Qur’an, Sure Alam Naschraḥ, Anmerkung 3
209. Tafhimul Qur’an, Sure Alam Nashrah, Anmerkung 1
210. Tafhimul Qur’an, Sure Kauthar, Einleitung
211. Tafhimul Qur’an, Sure Kauthar, Anmerkung 4
212. Tafhimul Qur’an, Sure Kauthar, Anmerkung 3
213. Tafhimul Qur’an, Sure Kauthar, Anmerkung 1
214. Tafhimul Qur’an, Sure Lahab, Anmerkung 1
215. Tafhimul Qur’an, Sure Bani Isra’il, Anmerkung 81
216. Tafhimul Qur’an, Sure Qamar, Anmerkung 24
217. Tafhim al-Qur’an, Sure as-Saffat, Anmerkung 94
218. Tafhim al-Qur’an, Sure Sad, Anmerkung 12
219. Tafhim al-Qur’an, Sure Ha-Mim as-Sadschda, Anmerkung 70
220. Tafhim al-Qur’an, Sure al-Qasas, Anmerkung 108
221. Tafhim al-Qur’an, Sure Bani Isra’il, Anmerkung 98
— Ende —